Eiszelnammer 10 Pfennige
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zpbchentlich 2 maligem Erſcheinen vom 1. Sepiember
ſ0 September 2.48 Reſchsmark und 22 Pfennig
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nſget, ohne Beſtellgeld monatlich 2.28 Reichsmart.
Znwportlichkelt für Aufnahme von Anzelgen an
muuten Tagen wird nicht übernommen.
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mimen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt
A.B. de0 „Dezieher nſcht zur Kürzung des
—m Wunſche entlaſſen wir
tern Händen dies Blättlein hier
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche iUnſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
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(4 Dollar — 420 Markl. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streitl uſw., erliſcht
jede Verpflichtung auf Erfüllung der
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aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beltreibung fällf ſeder
Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Bank und
Darm=
ſädter und Nationalbank.
Daß nicht bloß manchem, nein daß allen
Mög’, was es zeigt und bringt, gefallen.
des Schickſals Wellen
Originalroman von
H. Courths=Mahler
ie beiden Beſitzer der großen Plantage
Larina ſtanden auf der Veranda ihres
Wohnhauſes. Es waren Vater und Sohn,
beides hochgewachſene Geſtalten mit von
der Sonne bronzefarbig gebräunten
Ge=
ſichtern.
o ich fahre jetzt hinunter, Vater. Die Elefanten müſſen
Apeölluß, und ich will ſelber mit in die Schwemme reiten.”
ei das, Jan. Du kannſt
über=
all ſſerrroch einmal nach dem Rechten
ſehermnen auf den Plantagen.
Mor=
genHit du dann mit deinen letzten
Reiſtrbereitungen zu tun — und
übeuſrg en fährſt du nach Kandy.”
Water, ich habe dann gerade
noch,)ei, mit der Bahn von Kandy
nach) owmbo zu fahren und
recht=
zeitt gn Bord meines Dampfers zu
gelaenn. Dann geht es nach Europa.”
0 Water legte ſeine Hand auf
die culter des Sohnes.
9 reuſt dich auf die Reiſe, Jan?”
5 weiß nicht, Vater, ob ich mich
freu viokl. Wenn ich dich nicht allein
zuründſſen müßte, würde ich mich
be=
ſtimrmfzeuen, aber ſo reiſe ich eben
nur,t den notwendigen Klimawechſel
vornwmen zu können.”
Awergißt die Hauptſache, Jan,
du ſht mir doch verſprochen, dich
drülßg nach einer Frau umzuſehen.”
Jamuh gedankenverloren ins Weite.
ſſie Frau?. Ach ja, Vater, ich
möckihtm ich ſehr gern verheiraten; es
iſt ei mhlechtes Wirtſchaften hier, wenn
mandm, iſt und keine Frau hat; ſehe
ich //oc drüben bei meinem Freund
Schltur, wie ſchön es iſt, eine junge Frau zu haben. Aber ob
ich 1ſhüRechte finden werde? Es iſt nicht ſo leicht, eine weiße
Frazu iei her zu verpflanzen.”
mußt ſuchen, Jan — ſieh, daß du eine Deutſche findeſt.”
Arum gerade eine Deutſche, Vater? Mutter war eine
Hollläterän, wie du ein Holländer biſt —, alſo warum ſoll ich mir
nichprich, lieber eine Holländerin nehmen?”
In gut —, es kann auch eine Holländerin ſein, Jan.”
Sier ſah ſeinen Vater forſchend an.
ent ſeltſam, Vater, daß du für alles, was deutſch iſt,
einei ſgrwße Vorliebe haſt —, aber noch viel ſeltſamer iſt es, daß ich
dieſerz alliebe teile.”
ſie Stirn des alten Herrn ſtieg eine leichte Röte, und erwandte
ſich Eyl dnß Jan nicht in ſein Geſicht ſehen ſollte.
5 iſt doch gar nicht ſo ſeltſam, Jan. Ich bin drüben
auf än=atra ſchon mit Deutſchen viel zuſammengeweſen.
Deinmehrutter iſt in einer deutſchen Penſion erzogen worden
undA: ſeeine Freunde drüben auf Saorda ſind auch Deutſche.
Undm/ ind dir lieb und haben dich für ihre Heimat
beein=
flußMA”
Jan nickte lachend.
„Ja, Vater, ſo ſehr, daß ich den größten Teil meiner Ferien
in Deutſchland, im bayriſchen Hochgebirge verbringen will. Harry
Schlüter ſagte mir, daß ich dort genug Eis und Schnee finden
würde. Danach gelüſtet es mich. Es wird Zeit, daß ich mir
ein=
mal wieder einen Schneeſturm um die Naſe wehen laſſen kann.”
Und Jan breitete die Arme aus und merkte nicht, wie es düſter
in den Augen ſeines Vaters aufflammte.
„Alſo in die Berge willſt du gehen?” fragte er heiſer.
Jans Augen leuchteten.
„Darauf freue ich mich am meiſten. Und deshalb werde
ich mich auch in Holland nur kurze Zeit aufhalten. Es tut
mir nur leid, Vater, daß ich dich allein zurücklaſſen muß, du biſt
gerade in letzter Zeit wieder ſo ſchwermütig und bedrückt
ge=
weſen."
„Darauf brauchſt du nicht zu achten, Jan, das hat nichts auf ſich.”
„Ich weiß aber, daß du dich ſehr einſam fühlen wirſt, wenn ich
fort bin.”
Der alte Herr zwang ſich zu einem
Lächeln.
„Mache dir keine Sorge um
mich, Jan, die Zeit wird mir ſchnell
genug vergehen, denn gottlob gibt
es Arbeit in Hülle und Fülle. Ein
halbes Jahr iſt ſchnell herum.”
„Aber ich ſorge mich, daß ich dich
düſterer und ſchwermütiger als bisher
wiederfinden werde.”
Der Vater legte den Arm um
ſeine Schulter.
„Biſt du dann wieder da, Jan,
dann iſt es doppelt ſchön. Und — wenn
du eine junge Frau mitbringſt—
Jan lachte. „Rechne nur nicht ſo
beſtimmt darauf, ſonſt biſt du enttäuſcht,
wenn ich allein wiederkomme.”
„Wir wollen es dem Schickſal
an=
heimſtellen, Jan."
„Das wollen wir, Vater. Und nun
muß ich hinunter —, die Treiber
war=
ten auf mich, da ſie die Elefanten nicht
eher ins Waſſer laſſen wollen, als bis
ich komme.”
„Sei vorſichtig, die Tiere ſind
übermütig, wenn ſie ins Waſſer
kom=
men.”
„Ich reite meinen Jumbo, du weißt,
er iſt ein Philoſoph und hält die andern vor zu großen Torheiten
zurück.”
Die beiden Herren drückten ſich die Hand, und Jan ſprang mit
zwei Sätzen die Verandaſtufen hinab, ſetzte ſich an das Steuer
ſeines bereitſtehenden Autos und fuhr die ſcharfen Kurven des
Berges hinab ins Tal, zu dem Fluß hinüber.
Dort warteten ſeine Leute mit etwa zwanzig Elefanten, die
von den Plantagen herübergetrieben worden waren, um zu baden.
Jan ſprang aus ſeinem Wagen, warf hurtig den Tropenhut,
die leichte Jacke und die Stiefel hinein und zog das Hemd
über den Kopf, ſo daß er nur mit den kurzen Beinkleidern
bekleidet war. Lachend trat er dann an den größten Elefanten
heran.
Jumbo, der große Elefant, wackelte ein wenig mit ſeinen
Schlappohren, ſah ſich nach ſeinem Herrn um, kniff das eine Auge
ein und ſtreckte ſeinen Rüſſel einladend aus. Jan ſchwang ſich
elaſtiſch auf den Rüſſel, und Jumbo hob ihn mit einem eleganten
Schwung empor auf ſeinen Rücken. Die Treiber folgten Jans
Bei=
ſpiel, ſo daß auf einer Anzahl der größten Elefanten je ein Treiber
ſaß. Die kleineren liefen ohne Führer nebenher.
Nlkung=Chinas, noch weitere drei Jahre dem Rat anzugehören,
wiſlt noie verlautet, von den Großmächten unterſtützt, und zwar
düſr ſheute ſchon die Unterſtützung durch England, Frankreich,
Ilſin und Deutſchland, das bereits 1926 ſeine Stimme für
E /mbgab, ſicher ſein. Man erklärt in unterrichteten Kreiſen,
danſbeei einer Ablehnung des chineſiſchen
An=
tunſs ein Austritt Chinas aus dem Völkerbund
z ’keſ ürchten ſei und ſieht voraus, daß in dieſem Fall die in
wihn Kreiſen Chinas beſtehende Bewegung, politiſch mit den
Biknogten Staaten und Rußland zuſammenzugehen, ſtark
zu=
naſſten würde. In Anbetracht der für die Univerſalität des
BHrheundes wichtigen Frage glaubt man, daß die notwendige
Zadnättelmehrheit für die Wiederwahl Chinas in den Rat unter
ZſAmnnung der kleinen Staaten zuſtandekommt. China benötigt
fü einge Wiederwahl in den Rat einer Zweidrittelmehrheit, da
bdImnaungsgemäß bis zu ſeiner Wiederwahl mit einfacher Mehr=
970m. Zeitraum von drei Jahren verſtreichen muß.
La, unter den angenblicklichen Umſtänden für die Kandidatur
enm /kanding iſchen Staates zum Rat wenig Ausſicht beſtebt,
ſich hinter der Abweſenheit Chamberlains zu verſchanzen, dann
iſt ihm dieſe Möglichkeit durch Cuſhenduns Erklärung
ge=
nommen.
Deutſch=litauiſche Verhandlungen in Genf.
* Genf, 31. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Die ſeit geraumer Zeit ſchwebenden
Handelsvertragsverhand=
lungen zwiſchen Deutſchland und Litauen ſind in letzter Zeit ins
Stocken geraten, weil von litauiſcher Seite her wegen der
Gleich=
ſtellung von Königsberg und Memel im Tranſitverkehr
Schwie=
rigkeiten verurſacht wurden. Der litauiſche Miniſterpräſident
Woldemaras trifft ebenfalls zur Ratsverſammlung in Genf ein,
ſo daß ſich dann Gelegenheit für die deutſche Delegation ergibt,
in direktem Gedankenaustauſch mit dem litauiſchen
Miniſterpräſi=
denten die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, damit dann
im Herbſt die Verhandlungen zwiſchen den
Handelsvertrags=
delegationen wiedei weitergehen können.
Veltfriedenspakt — oder
Status auo=Paft?
Von
E. Mukden.
Unterzeichnung des Kellogg=Paktes iſt am 27. Auguſt in
it außergewöhnlicher Feierlichkeit vor ſich gegangen, und
dieſen Tagen unter dem unmittelbaren Eindruck des
Aktes verlautete, ſtellt mehr oder weniger doch nur eine
jentaner Reaktion darauf dar. Aber nun, da das Feſt
aßen verrauſcht iſt, fordert auch der kritiſche Sinn ſein
je eigentliche Tragweite dieſes Ereigniſſes, alles
)e zuſammenfaſſend, abzuſchätzen. Drei Fragen ſind es
z, in die ſich eine ſolche Betrachtung logiſcherweiſe glie=
3: die neue Rolle der Vereinigten Staaten, das
Verhält=
neuen Paktes, zu Genf und — last not least — ſein
is zu den beſtehenden Friedensverträgen.
großer Teil der öffentlichen Meinung und der Preſſe
dem Kellogg=Pakt einen nach jahrelanger Pauſe aber=
Eintritt der Vereinigten Staaten in die europäiſchen
An=
eiten. Dieſe Auffaſſung muß als unzutreffend oder zu=
18 voreilig gekennzeichnet werden. Es iſt ſehr begreiflich,
inkunft des Vertreters Amerikas von jenſeits des Ozeans
jen Kreiſen die Verſuchung erweckt, nun gleich auch die
fen Staaten in die politiſche Rechnung Europas
einzu=
on ihnen gar eine baldige Einwirkung auf die
europä=
gelegenheiten zu erwarten. Nichts Irrtümlicheres als das!
n Zuſammenhang verdienen die Aeußerungen
Aufmerk=
die der bekannte frühere italieniſche Diplomat Graf
der zuſammen mit Kellogg auf der Ile de France die
rt von Amerika nach Europa machte, neuerdings in der
Preſſe veröffentlicht; Aeußerungen, die aus authentiſchen
ungen an Ort und Stelle herſtammen. Sforza betont,
r den Paktbeſtrebungen heute treibend nur ein Teil der
iſchen Oeffentlichkeit ſteht, genauer: amerikaniſche
Intel=
mit dem Präſidenten der Columbia=Univerſity Rurray
7 der Spitze; ja, er warnt davor, aus der Tatſache des
orzeitige Schlüſſe zu ziehen, — um nicht drüben dadurch
die Stimmung des „Iſolationismus” zu ſtärken; und
ſchließlich darauf hin, daß man doch auf jeden Fall erſt
kation des Kellogg=Paktes durch den Senat abwarten
„Wo die Macht des amerikaniſchen Senats beginnt, dort
Macht des amerikaniſchen Staatsſekretärs.” Kurz, ſo
Dinge heute liegen, ſtellt, die Großmacht jenſeits des
auch nach der Unterzeichnung des Kellogg=Paktes ein
vor, auf der Kippe zwiſchen der immer noch
volkstüm=
jung des „no entanglement” Nicht=Einbeziehung, d. h.
da, und einer gänzlich unſicheren politiſchen Rolle in
„o mehr Gewicht erlangen unſere beiden oben
aufgeſtell=
en: In welchem Verhältnis ſteht der Kellogg=Pakt zu
ie zu den beſtehenden Friedensverträgen? Daß Kellogg
dem Pakt ſagte, dieſer bedeute keine „Annullierung”,
eine Erſchwerung des Krieges, tut zwar ſeiner
Beſchei=
nd Nüchternheit alle Ehre; aber damit iſt das
Schwer=
ch wieder den anderen politiſchen Faktoren zugeſchoben.
man aber dieſe im Zuſammenhang mit dem
Kellogg=
er, ſo bietet ſich ein höchſt merkwürdiges Schauſpiel dar.
der öffentlichen Meinung des Auslandes möchte wohl
Pakte ein neues Sprungbrett zur weiteren Forcierung
üſtungsproblems machen. „Nach dem Abſchluß des
aktes muß man nach Genf gehen und an der Abrüſtung
„Die Geſchichte des Kellogg=Paktes enthält eine Lehre,
ölkerbund begreifen muß. Der Völkerbund ſpricht
gen ſelbſt das Urteil, wenn er dieſes Problem
vernach=
as hat er jedoch bisher immer wieder durch Aufſchub
durch ſchikanierenden Formalismus, durch
ſchablonen=
nik getan. Nun aber iſt es endlich Zeit, daß ein friſcher
die Sache hineinkommt!“
Ipricht aber eine ſolche Sprache? Der am Quai d’Orſay
irgendwie einflußreiche „Populaire”; und die gleiche
„venn auch mit anderen Worten, ſpricht auch Litwinow,
weil die Sowjetregierung — mit gutem Grund — an
rbeſtehen jenes „Formalismus und Schablone” glaubt,
eine Abſage an Genf gerichtet hat. Am anderen,
ein=
en Pole Frankreichs (das wie immer den nächſten
zur Lage darſtellt) macht ſich indes das gegenteilige
emerkbar: nur möglichſt alles beim alten zu laſſen. Vor
beſtehenden Friedensverträge und alles, was aus ihnen
Dies iſt natürlich in erſter Linie für die
Okkupa=
age ausſchlaggebend. Der Abſchluß des
Kellogg=
dert nicht im mindeſten die Bedingungen des Friedens,
kupation beſtimmen, erklärt klipp und klar das „
Jour=
wenn Pertinax in Genf Verhandlungen darüber doch
h hält, ſo nur unter der Bedingung, daß „Deutſchland
n inzwiſchen gefeſtigten Kredite Gebrauch macht”, alſo
tzielle Gegenleiſtungen übernimmt. Ja, dieſe
Beharr=
lichkeit wird zu einem ſo vorherrſchenden Motiv, daß ſie ſchließlich
— unglaublich, aber wahr — in dem Kellogg=Pakt ſelbſt ſtörende
Geſpenſter zu ſehen beginnt. In welchen Fällen ſoll man ſich
künftighin nach Genf, in welchen nach Waſhington wenden? Und
iſt nun durch die neue Situation nicht ein „trübes Waſſer”
ge=
ſchaffen, in dem abenteuerliche Staaten fiſchen können? Ja, wird
Waſhington, das doch neuerdings wieder ſeine moraliſche
Autori=
tät ſchriftlich gab, nicht auch künftighin erſt das Einholen ſeiner
moraliſchen Approbation verlangen und dieſe einem bedrohten
Staate, der ſelbſt zu Sanktionen ſchreitet, verſagen, dieſen alſo in
den Augen Amerikas nicht aus einem Herausgeforderten in einen
Herausforderer verwandeln? Dieſe Zweifel beziehen ſich
nament=
lich auf die Anſchlußfrage, und vor allem das „Journal
des Débats” ſtellt es geradezu als das Hauptprogramm
Frank=
reichs auf der September=Tagung in Genf hin, die ablehnende
Haltung gegen den Anſchluß in aller Form zu erklären. Hat doch
England bereits vor dem Abſchluß des Kellogg=Paktes durch eine
Note an die Vereinigten Staaten vom 19. Mai dieſes Jahres eine
Art britiſche Monroe=Doktrin geſchaffen und ſich von vornherein
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Jan ritt nun voraus, und Jumbo watete in den Fluß, ſtieß
einen Trompetenton aus, der den andern Tieren anſcheinend als
Kommando galt, und ſah ſich ſorglich um, ob die andern auch
in guter Ordnung in den Fluß hineinwateten.
Das gab nun ein luſtiges Bad. Die grauen, breiten
Elefanten=
rücken ſahen noch eine Weile trocken aus dem Fluß heraus, aber
dann tauchte Jumbo unter, und die andern folgten ſeinem
Bei=
ſpiel. Es war für die Treiber nicht immer eine leichte Arbeit, ihren
Sitz auf den Rücken der
übermü=
tigen Tiere, die ſich anſcheinend
im Waſſer ſehr wohl fühlten, zu
be=
haupten; ſie wurden verſchiedene
Male gründlich getaucht, aber es
ging alles ganz harmlos ab.
Es war ein ſeltſamer Anblick, als
all dieſe maſſigen Tierrücken
neben=
einander den Fluß
hinabſchwam=
men.
So kamen ſie faſt bis zur Brücke,
die über den Fluß führte, als am
gegenſeitigen Ufer ein Auto aus
dem Walde herauskam. Das Auto
ſtoppte, als der am Steuer ſitzende
Herr die Elefanten ſah. Er erhob
ſich und ſprang aus dem Wagen.
„Hallo, Jan!”
„Hallo, Harry!”
„Iſt gut, daß ich heute nicht
auch meine Elefanten in den Fluß
trieb, ſonſt wäre er übergelaufen.”
ſcherzte Harry Schlüter, der Herr
von Saorda, Jans Freund.
„Mußt ja deine Tiere nicht
ge=
rade baden laſſen, wenn wir
Bade=
zeithaben, Harry. Washaſt du vor?‟
„Ich fahre heim. Kannſt du nicht mitkommen? Dora könnte
„Setzen Sie mir nicht auch noch zu, Frau Dora, mein Vater hoß
mir den Kopf ſchon warm genug gemacht. Ich will ja auz
ganz gern heiraten, aber — ſo eine Frau müßte ich finden, wiw
Ihre Freundin iſt. Zeigen Sie mir doch noch einmal ihr Bild,d
Dora brachte das Bild ihrer Freundin herbei. Jan ſah lanen
in das reizende Mädchengeſicht, dann atmete er tief auf. „Alſul
wie geſagt, ſchaffen Sie mir eine Frau wie dieſe, und ich heirate ſi
auf der Stelle.”
eine kleine Aufmunterung brauchen, ſie iſt entſchieden wieder ein
wenig heimwehkrank, ſeit deine Reiſe nach Europa feſtſteht.”
„Wenn du warten willſt, bis ich die Tiere heraus habe, komme
ich mit, ich wollte heute ohnedies meinen Abſchiedsbeſuch bei Frau
Dora machen.”
„Abſchiedsbeſuch? O weh, da wird es wieder Tränen geben
bei meiner Frau. Iſt es denn ſchon ſo weit?”
„Ja doch, übermorgen reiſe ich ab, und morgen möchte ich dann
Vater nicht allein laſſen. Alſo warte ein paar Minuten, wir treiben
gleich aus dem Fluß.”
Und Jan trieb Jumbo an das Ufer zurück. Sehr erfreut war
dieſer anſcheinend nicht, aber Jan redete ihm gut zu.
„Jumbo, du willſt doch nicht ein ſchlechtes Beiſpiel geben?
Raus aus dem Waſſer!”
Jumbo kniff das Auge zu, ſtieß wieder einen Trompetenton
aus, um ſeine Kollegen zu veranlaſſen, ihm zu folgen. Die ſchweren
Tierleiber wälzten ſich an das Ufer. Jumbo ſtieg als erſter aus dem
Waſſer, und die andern folgten. Während Jan die Landung der
Tiere überwachte, warf er das naſſe Beinkleid ab, ſchüttelte das
Waſſer von ſich und ſtreifte ſeine Sachen wieder über. Ein
Reſerve=
beinkleid hatte er im Wagen mitgebracht. In wenigen Minuten
war er fertig.
Die Tiere wurden von den Treibern zum Verlaſſen des
Waſſers veranlaßt und dann nach den Plantagen zurückgetrieben.
Nachdem Jan ſchnell trockene Reſervekleider angelegt hatte, beſtieg er
ſeinen Wagen. Schnell ging es über die Brücke nach dem andern
Ufer, und dann hielt er neben dem Wagen Harry Schlüters an.
Die Freunde reichten ſich die Hände; dann fuhren ſie nach Saorda,
der Schlüterſchen Beſitzung. Das Wohnhaus Harry Schlüters
lag auch oben auf einem Berge, weil oben die Luft beſſer war.
Im ſcharfen Tempo nahmen ſie die Kurven aufwärts und hielten
bald vor dem Schlüterſchen Bungalow. Auf der Veranda desſelben
ſaß eine ſchlanke, junge Frau. Sie ſprang auf und warf die Näherei
in weitem Bogen von ſich. Eiligſt kam ſie die Treppe herunter
und flog in ihres Mannes Arme.
Dann begrüßte ſie auch Jan.
„Famos, daß Sie mitkommen, Jan, ich brauche ſehr nötig
Ihre gute Laune. Ich habe einen Brief von meiner Freundin
Waltraut bekommen, mit einer Abſage, ſie bekommt, von ihrem
Vater keinen Urlaub, mich zu beſuchen.”
Jan ſchüttelte ihr die Hand.
„Frau Dora, das wäre doch auch wider die Abrede geweſen,
wenn Ihre Freundin nach Saorda kommen würde, ſolange ich in
Europa bin.”
„Ich kann mir die Zeit leider nicht ausſuchen, Jan, Sie müſſen
bedenken, daß Waltraut bei ihrem Vater einmal eine günſtige
Stim=
mung abpaſſen muß, wo ſie ihm die Erlaubnis zu dieſer Reiſe
ab=
ſchmeicheln kann. Sie möchte ja ſehr gern kommen, aber der Vater
will ſie nicht fortlaſſen. Alſo, ich muß weiter warten. Und nun
reiſen auch Sie bald fort —, und dann bringen Sie ſich ſicher eine
Frau mit heim.”
„Das haben Sie mir ſchon wiolt
derholt geſagt, Jan. Aber wen
weiß, ob Sie ſich diesmal nicht ſchoun
eine Fraumitbringenwerden. Wenm
Waltraut dann endlich kommen
wird, ſind Sie längſt glücklichen
Ehemann,” neckte ihn Dorg.
„Wer weiß, Frau Dora.
bin allerdings des einſchichtigen Leu
bens müde. Warum ſoll es Harrm
allein ſo gut haben, eine ſchönen
junge Frau ſein eigen nennen zuf
können.”
„Sie üben ſich, wohl ſchon in
Komplimenten, Jan. Wann reiſen”
Sie denn nun?”
„Ich komme, um Abſchied zuſz
nehmen, Frau Dora. Ubermorgen
geht es fort.”
Dora Schlüter ſchluckte vern
ſtohlen ein paar Tränen hinuntern
damit ihr Mann nicht merkte, wien
ſie das Heimweh packte. Sie wolltel
ihn doch nicht betrüben.
„Alſo, ſo bald ſchon?”
„Ja. Und ich wollte Sie undit
Harry herzlich bitten, ſich gelegentich
nach meinem Vater umzuſehen. Ich bin in großer Sorge um ihn. Ern
wird, wenn ich fort bin, noch viel düſterer und ſchwermütigerwerden.
„Ich ſuche ihn zuweilen auf, Jan. Aber ſeine Schwermut t
werde ich kaum heilen können.”
„Ich weiß, niemand vermag das. Denn es handelt ſich um n
irgend etwas Schweres, das in der Vergangenheit liegt.”
Inzwiſchen hatte Frau Dora eine Erfriſchung beſtellt, eine der 1
Dienerinnen brachte ſie heraus. Die drei Menſchen ſaßen
beiſam=
men auf der Terraſſe und hatten einander noch viel zu ſagen.
Dann wurde Abſchied genommen, er tat allen weh.
Frau Dora weinte, und auch den Männern wurden die Augen y
feucht. Dann raffte ſich Jan auf.
„Hallo, Frau Dora, jetzt zum Abſchied noch einmal klare Augen B
und ein frohes Lachen. Sechs Monate ſind bald vorbei, damm
ſehen wir uns wieder. Harry, führe deine Frau einige Male nch d
Kandy, damit ſie das Tanzen und das Lachen nicht verlernt.
Dora erzwang ein Lachen, die Hände wurden noch einmal !t
geſchüttelt, dann ſprang Jan in ſeinen Wagen und fuhr davon.
Dora warf ſich in die Arme ihres Mannes, die ſie feſt und liebevoll4
umfingen.
Jan fuhr auf ſeine Plantagen und ſah überall nach dem Rechten.u
Dann kehrte er nach Hauſe zurück.
Am übernächſten Tage reiſte er ab. Sein Vater ſah ihm mittht
umflorten Augen nach. Ein brennendes Weh malte ſich im ſeinenne
Zügen. Würde er ſeinen Sohn noch einmal wiederſehen — ſemei
Einzigen — den Einzigen, den ihm das Schickſal gelaſſen?
Langſam, mit ſchweren Schritten ging er ins Haus zurück, warſu
ſich in einen Seſſel und ſtützte die Arme auf den Tiſch. Und ſeinen
Gedanken flogen in die Vergangenheit zurück — und ſuchten dad
draußen in der Welt —, was ihm teuer war—, was er verlorenhalte.9
(Fortſetzung folgt in Nummer I der „Illuſtrierten Romanen
Welt”. J des Heft umfaßt 20 Seiten auf feinem Illuſtrations=”
papier in der Größe dieſes Proſpektes.)
1 N
reckte ſich in
A uf den Rücken des
„Leopold —
Der lehnte ſichn
die Hände feſt auf
„Hübſch warten, F
Dam ſchwang
Mauer und verſch
den Laub der Kaſt
Hoch ſtand der ?
ein Silberlicht über
alten Stadt Deſſar
bichen Winkeln u.
verlenden Springl
Eine laue, warme
alen Gärten ein
elies —
gehalten
1
Br
W
6
Ludwigsplatz Z., I. Ludwigstr. 6.
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Liebe und Crompetenklang
Originalroman von Paul Hain
nnelies, Annelies —!"
Der alte Kaſtanienbaum rauſchte
im Abendwind. Holunder duftete und
Jasmin. Freundlich blinzelten die
Ster=
ne vom Himmel. „Annelies,
Anne=
lies —
Hinter der alten Steinmauer, die
den Garten des Apothekerhauſes nach
der Gaſſe zu umgrenzte, war leichtes
Kleiderraſcheln.
leichter, geflüſterter Ruf: „Ach Gott — Leopold—
Da, Gott ſei Dank, Mädel, daß du dich endlich meldeſt
DEicho anke Männergeſtalt im Sattel des
Pfer=
diheders in der Gaſſe, dicht neben der Mauer
ſtſy reckte ſich in den Steigbügeln und ſtieg
afbüe Rücken des Tieres.
Un opold —‟
r lehnte ſich nun über die Mauer, ſtützte
diſſhande feſt auf, flüſterte dem Pferd zu:
„/ſ6 warten, Füchschen —‟
ſan in ſchwang er ſich elaſtiſch über die
Aſter und verſchwand, unter dem
ſchatten=
dikeaub der Kaſtanie. —
oih ſtand der Mond am Himmel und ließ
ſe kzsIlberlicht über den bizarren Giebeln der
al t (Stadt. Deſſau ſpielen mit ihren
roman=
tilſſn! Winkeln und Gaſſen und dem leiſe
plſenzsen Springbrunnen auf dem Marktplatz.
Eſylrue, warme Maiennacht war, und in
alll Geärten ein duftendes Blühen.
Unnelies — ich dank dir recht ſchön, daß
diwart gehalten haſt.”
Laopold — es war nicht recht von mir,”
ge mait leiſe zitternder Stimme das junge Ml
Annelieſe entzog ihm leiſe ihre Hand. Wie ſonderbar heute der
Leopold war! Wie ſeltſam und verwirrend dieſe ganze Stunde.
„Es iſt nicht recht von uns,” flüſterte ſie.
„Haſt du Angſt?” fragte er und wandte heftig den Kopf nach ihr.
„Wenn du ſonſt ins Manöver zogſt —,” ſagte ſie ſtockend, „ſtand
ich an der Mauer, und du grüßteſt mir zu — und es war gut ſo.”
„Und diesmal komm’ ich des Nachts zu dir und — und
Er ſtockte. War ärgerlich über ſich ſelbſt. Ja, zum Kuckuck, was
wollte er denn? Was war überhaupt mit ihm? Seit Wochen
ging er herum und dachte immerfort —, daß ihm die Annelieſe
ſo ein wenig aus dem Wege ging, wenn er ihr begegnete, oder ſie
ins Schloß kam und etwas für die Küche abzugeben hatte. Da ſtieß
er plötzlich hervor: „Mädel, warum haſt du
eigentlich — Angſt vor mir?"
Sie ſchüttelte haſtig den Kopf. „Nein,
Leopold — ich hab' doch keine —
„Doch, ich merk das! Seit Wochen ſchon!
Mach mir nichts vor, Annelies! Neulich, als
du mit deinem Vater ins Schloß kamſt und
all das Kräuterzeug brachteſt —, da liefeſt
du förmlich davon, als ich dich anſah und
bat, noch in den Garten zu kommen
Annelieſe ſenkte den Kopf. Was ſollte ſie
antworten? Daß ſeine Augen anders blickten
als ſonſt? Daß ihr Herz ſo wild ſchlug, wenn
er ſie ſo anblickte mit dieſen Augen?
Ach, was wußte die Annelieſe von dem
ſelig=bangen Geheimnis, das dieſer Frühling
ſo wunderſelig in ihre Seele gelegt hatte? Was
wußte ſie vonihrer eigenen, vollerblühten,
jung=
fräulichen Schönheit, die Leopold einmal
er=
kennen, begreifen, ſtaunend begreifen mußte!
„Ach, Leopold — ich hab' doch jetzt viel
mehr im Hauſe zu tun als früher. Vater iſt
alt und wird immer hilfsbedürftiger — und
ſeit einem halben Jahr führe ich doch den
Haushalt allein —
„Na ja,” brummte er, ſelten genug
krieg’ ich dich ſchon zu ſehen, Annelies. Und
das — hm — das iſt mir endlich aufgefallen!“
Er lachte leiſe. „Hab manchmal ſchon
ge=
dacht, du — du vergißt mich ſo langſam —
„Oh — nie —‟ Sie brach erſchrocken ab. Das Wort war ihr
entſchlüpft, ohne daß ſie es wollte.
Leopold atmete tief auf. „Nie —?” murmelte er.
Er griff von neuem nach ihren Händen. Sie fühlte ſich wie
willenlos. „Annelies
Da mußte ſie ihn anſehen. „Wär' ja auch noch ſchöner, wenn
du deinen Leopold je vergeſſen würdeſt, Mädel. Hallo — haſt
wohl gar — Tränen —
Und plötzlich brach es aus ihm hervor: „Annelies — wie ſchön
du biſt! Schön wie dieſer ganze Frühling. Herrgott — mir iſt,
als ſehe ich dich heut zum erſtenmal — du! Annelies — nicht
weg=
ſchauen — ich bitte dich
Sie mußte ihn anſehen. Wie gefangen ſaß ſie da —
hin=
gegeben dem fremden Gefühl einer ſüßen Bangigkeit, das ſie
ver=
wirrte. In dieſem Augenblick wurde ſie ſich ahnungsvoll bewußt,
daß es keine harmloſe Kameradſchaft mehr war, die ſie beide verband,
daß etwas anderes, Höheres, Koſtbareres an die Stelle jenes
Kindergefühls getreten war, und hilflos von dieſer Erkenntnis
ſtammelte ſie:
„Leopold — nicht ſprechen —
Er zog ſie kraftvoll an ſich. Maiennacht! Maienzauber! Dunkle,
ſüße Schickſalsgewalt! „Annelies — fühlſt du es endlich?
Anne=
lies — daß ich dich liebe? Herrgott — ich hab' ja nur an dich
ge=
dacht — ich hab’ mich wohl unbändig geſehnt, dir das endlich,
endlich ſagen zu können. Ich liebe dich ja!"
„O Gott — Leopold—
„Ja — dein Leopold! Mädel — Kopf hoch —‟
„Nein, nein, laß mich — das, das darf ja nicht ſein. Du biſt
mein lieber Kamerad ..
Sie ſprang auf. Erregt. Ratlos — verlegen. „Laß mich
gehen — es iſt ſpät — wenn man uns hört —
Er lachte leiſe, glückhaft. „Deſſau ſchläft! Und mein Rotfuchs
vor der Mauer hält gute Wacht. Annelies — ſchau mich an — deine
Augen will ich ſehen! Die können ſich nicht verſtellen. Deine
lieben Augen!”
„Ich bitte dich — lieber Leopold —
„Na, alſo —,” jubelte er leiſe. „Bin ich alſo doch dein lieber
Leopold?”
Min g=Chinas, noch weitere drei Jahre dem Rat anzugehören,
wiwie verlautet, von den Großmächten unterſtützt, und zwar
diſiel heute ſchon die Unterſtützung durch England, Frankreich,
Fihn und Deutſchland, das bereits 1926 ſeine Stimme für
Gela abgab, ſicher ſein. Man erklärt in unterrichteten Kreiſen,
dimbei einer Ablehnung des chineſiſchen
An=
tWy18 ein Austritt Chinas aus dem Völkerbund
z ſi efffürchten ſei und ſieht voraus, daß in dieſem Fall die in
wnn Kreiſen Chinas beſtehende Bewegung, politiſch mit den
Vſänigten Staaten und Rußland zuſammenzugehen, ſtark
zu=
nman würde. In Anbetracht der für die Univerſalität des
Vlercundes wichtigen Frage glaubt man, daß die notwendige
* Ndn=ittelmehrheit für die Wiederwahl Chinas in den Rat unter
Ammung der kleinen Staaten zuſtandekommt. China benötigt
f: ſleime Wiederwahl in den Rat einer Zweidrittelmehrheit, da
b aymnungsgemäß bis zu ſeiner Wiederwahl mit einfacher Mehr=
9Beun Zeitraum von drei Jahren verſtreichen muß.
2ir unter den augenblicklichen Umſtänden für die Kandidatur
eAſkanding iſchen Staates zum Rat wenig Ausſicht beſtebt,
ſich hinter der Abweſenheit Chamberlains zu verſchanzen, dann
iſt ihm dieſe Möglichkeit durch Cuſhenduns Erklärung
ge=
nommen.
Deutſch=litauiſche Verhandlungen in Genf.
* Genf, 31. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Die ſeit geraumer Zeit ſchwebenden
Handelsvertragsverhand=
lungen zwiſchen Deutſchland und Litauen ſind in letzter Zeit ins
Stocken geraten, weil von litauiſcher Seite her wegen der
Gleich=
ſtellung von Königsberg und Memel im Tranſitverkehr
Schwie=
rigkeiten verurſacht wurden. Der litauiſche Miniſterpräſident
Woldemaras trifft ebenfalls zur Ratsverſammlung in Genf ein,
ſo daß ſich dann Gelegenheit für die deutſche Delegation ergibt,
in direktem Gedankenaustauſch mit dem litauiſchen
Miniſterpräſi=
denten die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, damit dann
im Herbſt die Verhandlungen zwiſchen den
Handelsvertrags=
delegationen wiedei weitergehen können.
Weltfriedenspakt — oder
Status auo=Paft?
Von
E. Mukden.
Unterzeichnung des Kellogg=Paktes iſt am 27. Auguſt in
nit außergewöhnlicher Feierlichkeit vor ſich gegangen, und
dieſen Tagen unter dem unmittelbaren Eindruck des
1 Aktes verlautete, ſtellt mehr oder weniger doch nur eine
mentaner Reaktion darauf dar. Aber nun, da das Feſt
naßen verrauſcht iſt, fordert auch der kritiſche Sinn ſein
die eigentliche Tragweite dieſes Ereigniſſes, alles
che zuſammenfaſſend, abzuſchätzen. Drei Fragen ſind es
m, in die ſich eine ſolche Betrachtung logiſcherweiſe
glie=
aß: die neue Rolle der Vereinigten Staaten, das
Verhält=
neuen Paktes, zu Genf und — last not least — ſein
nis zu den beſtehenden Friedensverträgen.
großer Teil der öffentlichen Meinung und der Preſſe
in dem Kellogg=Pakt einen nach jahrelanger Pauſe aber=
Eintritt der Vereinigten Staaten in die europäiſchen
An=
zeiten. Dieſe Auffaſſung muß als unzutreffend oder
zu=
als voreilig gekennzeichnet werden. Es iſt ſehr begreiflich,
Ankunft des Vertreters Amerikas von jenſeits des Ozeans
hen Kreiſen die Verſuchung erweckt, nun gleich auch die
zten Staaten in die politiſche Rechnung Europas
einzu=
von ihnen gar eine baldige Einwirkung auf die
europä=
igelegenheiten zu erwarten. Nichts Irrtümlicheres als das!
m Zuſammenhang verdienen die Aeußerungen
Aufmerk=
die der bekannte frühere italieniſche Diplomat Graf
der zuſammen mit Kellogg auf der Ile de France die
irt von Amerika nach Europa machte, neuerdings in der
Preſſe veröffentlicht; Aeußerungen, die aus authentiſchen
tungen an Ort und Stelle herſtammen. Sforza betont,
eer den Paktbeſtrebungen heute treibend nur ein Teil der
tiſchen Oeffentlichkeit ſteht, genauer: amerikaniſche
Intel=
mit dem Präſidenten der Columbia=Univerſity Murray
in der Spitze; ja, er warnt davor, aus der Tatſache des
vorzeitige Schlüſſe zu ziehen, — um nicht drüben dadurch
die Stimmung des „Fſolationismus” zu ſtärken; und
ſchließlich darauf hin, daß man doch auf jeden Fall erſt
ifkation des Kellogg=Paktes durch den Senat abwarten
„Wo die Macht des amerikaniſchen Senats beginnt, dort
e Macht des amerikaniſchen Staatsſekretärs.” Kurz, ſo
Dinge heute liegen, ſtellt die Großmacht jenſeits des
auch nach der Unterzeichnung des Kellogg=Paktes ein
* vor, auf der Kippe zwiſchen der immer noch
volkstüm=
ofung des „no entanglement” Nicht=Einbeziehung, d. h.
pa, und einer gänzlich unſicheren politiſchen Rolle in
ſo mehr Gewicht erlangen unſere beiden oben
aufgeſtell=
gen: In welchem Verhältnis ſteht der Kellogg=Pakt zu
wvie zu den beſtehenden Friedensverträgen? Daß Kellogg
in dem Pakt ſagte, dieſer bedeute keine „Annullierung”,
er eine Erſchwerung des Krieges, tut zwar ſeiner Beſchei=
und Nüchternheit alle Ehre; aber damit iſt das
Schwer=
doch wieder den anderen politiſchen Faktoren zugeſchoben.
et man aber dieſe im Zuſammenhang mit dem
Kellogg=
her, ſo bietet ſich ein höchſt merkwürdiges Schauſpiel dar.
der öffentlichen Meinung des Auslandes möchte wohl
n Pakte ein neues Sprungbrett zur weiteren Forcierung
rüſtungsproblems machen. „Nach dem Abſchluß des
Paktes muß man nach Genf gehen und an der Abrüſtung
„Die Geſchichte des Kellogg=Paktes enthält eine Lehre,
Völkerbund begreifen muß. Der Völkerbund ſpricht
egen ſelbſt das Urteil, wenn er dieſes Problem vernach=
Das hat er jedoch bisher immer wieder durch Aufſchub
je, durch ſchikanierenden Formalismus, durch
ſchablonen=
chnik getan. Nun aber iſt es endlich Zeit, daß ein friſcher
die Sache hineinkommt!“
ſpricht aber eine ſolche Sprache? Der am Quai d’Orſay
m irgendwie einflußreiche „Populaire”; und die gleiche
wenn auch mit anderen Worten, ſpricht auch Litwinow,
weil die Sowjetregierung — mit gutem Grund — an
erbeſtehen jenes „Formalismus und Schablone” glaubt,
eine Abſage an Genf gerichtet hat. Am anderen,
ein=
eren Pole Frankreichs (das wie immer den nächſten
zur Lage darſtellt) macht ſich indes das gegenteilige
bemerkbar: nur möglichſt alles beim alten zu laſſen. Vor
beſtehenden Friedensverträge und alles, was aus ihnen
Dies iſt natürlich in erſter Linie für die
Okkupa=
rage ausſchlaggebend. Der Abſchluß des
Kellogg=
indert nicht im mindeſten die Bedingungen des Friedens,
kkupation beſtimmen, erklärt klipp und klar das „
Jour=
id wenn Pertinax in Genf Verhandlungen darüber doch
lich hält, ſo nur unter der Bedingung, daß „Deutſchland
em inzwiſchen gefeſtigten Kredite Gebrauch macht”, alſo
anzielle Gegenleiſtungen übernimmt. Ja, dieſe
Beharr=
lichkeit wird zu einem ſo vorherrſchenden Motiv, daß ſie ſchließlich
— unglaublich, aber wahr — in dem Kellogg=Pakt ſelbſt ſtörende
Geſpenſter zu ſehen beginnt. In welchen Fällen ſoll man ſich
künftighin nach Genf, in welchen nach Waſhington wenden? Und
iſt nun durch die neue Situation nicht ein „trübes Waſſer”
ge=
ſchaffen, in dem abenteuerliche Staaten fiſchen können? Ja, wird
Waſhington, das doch neuerdings wieder ſeine moraliſche
Autori=
tät ſchriftlich gab, nicht auch künftighin erſt das Einholen ſeiner
moraliſchen Approbation verlangen und dieſe einem bedrohten
Staate, der ſelbſt zu Sanktionen ſchreitet, verſagen, dieſen alſo in
den Augen Amerikas nicht aus einem Herausgeforderten in einen
Herausforderer verwandeln? Dieſe Zweifel beziehen ſich
nament=
lich auf die Anſchlußfrage, und vor allem das „Journal
des Débats” ſtellt es geradezu als das Hauptprogramm
Frank=
reichs auf der September=Tagung in Genf hin, die ablehnende
Haltung gegen den Anſchluß in aller Form zu erklären. Hat doch
England bereits vor dem Abſchluß des Kellogg=Paktes durch eine
Note an die Vereinigten Staaten vom 19. Mai dieſes Jahres eine
Art britiſche Monroe=Doktrin geſchaffen und ſich von vornherein
Seite 20
Freitag den 31. Auguſt 1928
mmer 2430
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Jan ritt nun voraus, und Jumbo watete in den Fluß, ſtieß
einen Trompetenton aus, der den andern Tieren anſcheinend als
Kommando galt, und ſah ſich ſorglich um, ob die andern auch
in guter Ordnung in den Fluß hineinwateten.
Das gab nun ein luſtiges Bad. Die grauen, breiten
Elefanten=
rücken ſahen noch eine Weile trocken aus dem Fluß heraus, aber
dann tauchte Jumbo unter, und die andern folgten ſeinem
Bei=
ſpiel. Es war für die Treiber nicht immer eine leichte Arbeit, ihren
Sitz auf den Rücken der
übermü=
tigen Tiere, die ſich anſcheinend
im Waſſer ſehr wohl fühlten, zu
be=
haupten; ſie wurden verſchiedene
Male gründlich getaucht, aber es
ging alles ganz harmlos ab.
Es war ein ſeltſamer Anblick, als
all dieſe maſſigen Tierrücken
neben=
einander den Fluß
hinabſchwam=
men.
So kamen ſie faſt bis zur Brücke,
die über den Fluß führte, als am
gegenſeitigen Ufer ein Auto aus
dem Walde herauskam. Das Auto
ſtoppte, als der am Steuer ſitzende
Herr die Elefanten ſah. Er erhob
ſich und ſprang aus dem Wagen.
„Hallo, Jan!”
„Hallo, Harry!”
„Iſt gut, daß ich heute nicht
auch meine Elefanten in den Fluß
trieb, ſonſt wäre er übergelaufen,”
ſcherzte Harry Schlüter, der Herr
von Saorda, Jans Freund.
„Mußt ja deine Tiere nicht
ge=
rade baden laſſen, wenn wir
Bade=
zeithaben, Harry. Was haſt du vor?"
„Ich fahre heim. Kannſt du nicht mitkommen? Dora könnte
eine kleine Aufmunterung brauchen, ſie iſt entſchieden wieder ein
wenig heimwehkrank, ſeit deine Reiſe nach Europa feſtſteht.”
„Wenn du warten willſt, bis ich die Tiere heraus habe, komme
ich mit, ich wollte heute ohnedies meinen Abſchiedsbeſuch bei Frau
Dora machen."
„Abſchiedsbeſuch? O weh, da wird es wieder Tränen geben
bei meiner Frau. Iſt es denn ſchon ſo weit?”
„Ja doch, übermorgen reiſe ich ab, und morgen möchte ich dann
Vater nicht allein laſſen. Alſo warte ein paar Minuten, wir treiben
gleich aus dem Fluß.”
Und Jan trieb Jumbo an das Ufer zurück. Sehr erfreut war
dieſer anſcheinend nicht, aber Jan redete ihm gut zu.
„Jumbo, du willſt doch nicht ein ſchlechtes Beiſpiel geben?
Raus aus dem Waſſer!”
Jumbo kniff das Auge zu, ſtieß wieder einen Trompetenton
aus, um ſeine Kollegen zu veranlaſſen, ihm zu folgen. Die ſchweren
Tierleiber wälzten ſich an das Ufer. Jumbo ſtieg als erſter aus dem
Waſſer, und die andern folgten. Während Jan die Landung der
Tiere überwachte, warf er das naſſe Beinkleid ab, ſchüttelte das
Waſſer von ſich und ſtreifte ſeine Sachen wieder über. Ein
Reſerve=
beinkleid hatte er im Wagen mitgebracht. In wenigen Minuten
war er fertig.
Die Tiere wurden von den Treibern zum Verlaſſen des
Waſſers veranlaßt und dann nach den Plantagen zurückgetrieben.
Nachdem Jan ſchnell trockene Reſervekleider angelegt hatte, beſtieg er
ſeinen Wagen. Schnell ging es über die Brücke nach dem andern
Ufer, und dann hielt er neben dem Wagen Harry Schlüters an.
Die Freunde reichten ſich die Hände; dann fuhren ſie nach Saorda,
der Schlüterſchen Beſitzung. Das Wohnhaus Harry Schlüters
lag auch oben auf einem Berge, weil oben die Luft beſſer war.
Im ſcharfen Tempo nahmen ſie die Kurven aufwärts und hielten
bald vor dem Schlüterſchen Bungalow. Auf der Veranda desſelben
ſaß eine ſchlanke, junge Frau. Sie ſprang auf und warf die Näherei
in weitem Bogen von ſich. Eiligſt kam ſie die Treppe herunter
und flog in ihres Mannes Arme.
Dann begrüßte ſie auch Jan.
„Famos, daß Sie mitkommen, Jan, ich brauche ſehr nötig
Ihre gute Laune. Ich habe einen Brief von meiner Freundin
Waltraut bekommen, mit einer Abſage, ſie bekommt von ihrem
Vater keinen Urlaub, mich zu beſuchen.”
Jan ſchüttelte ihr die Hand.
„Frau Dora, das wäre doch auch wider die Abrede geweſen,
wenn Ihre Freundin nach Saorda kommen würde, ſolange ich in
Europa bin.”
„Ich kann mir die Zeit leider nicht ausſuchen, Jan, Sie müſſen
bedenken, daß Waltraut bei ihrem Vater einmal eine günſtige
Stim=
mung abpaſſen muß, wo ſie ihm die Erlaubnis zu dieſer Reiſe
ab=
ſchmeicheln kann. Sie möchte ja ſehr gern kommen, aber der Vater
will ſie nicht fortlaſſen. Alſo, ich muß weiter warten. Und nun
reiſen auch Sie bald fort —, und dann bringen Sie ſich ſicher eine
Frau mit heim.”
auf der Stelle.”
„Setzen Sie mir nicht auch noch zu, Frau Dora, mein Vater hoin
mir den Kopf ſchon warm genug gemacht. Ich will ja auchde
ganz gern heiraten, aber — ſo eine Frau müßte ich finden, wie
Ihre Freundin iſt. Zeigen Sie mir doch noch einmal ihr Bild.”,
Dora brachte das Bild ihrer Freundin herbei. Jan ſah langee
in das reizende Mädchengeſicht, dann atmete er tief auf. „Alſo.0
wie geſagt, ſchaffen Sie mir eine Frau wie dieſe, und ich heirate ſieſt
„Das haben Sie mir ſchon wie=”t
derholt geſagt, Jan. Aber wern
weiß, ob Sie ſich diesmal nicht ſchonm
eine Frau mitbringenwerden. Wemm
Waltraut dann endlich kommenm
wird, ſind Sie längſt glücklichern
Ehemann,” neckte ihn Dora.
„Wer weiß, Frau Dora. Jchu
bin allerdings des einſchichtigen
Le=
bens müde. Warum ſoll es Harmg
allein ſo gut haben, eine ſchöne,
junge Frau ſein eigen nennen zuu
können."
„Sie üben ſich wohl ſchon mn
Komplimenten, Jan. Wann reiſen u
Sie denn nun?”
„Ich komme, um Abſchied zun
nehmen, Frau Dora. Ubermorgen n
geht es fort.”
Dora Schlüter ſchluckte
ver=
ſtohlen ein paar Tränen hinunter, 1
damit ihr Mann nicht merkte, wie
ſie das Heimweh packte. Sie wollte
ihn doch nicht betrüben.
„Alſo, ſo bald ſchon?”
„Ja. Und ich wollte Sie und
Harry herzlich bitten, ſich gelegentlich
nach meinem Vater umzuſehen. Ich bin in großer Sorge um ihn. Er
wird, wenn ich fort bin, noch viel düſterer und ſchwermütigerwerden.
„Ich ſuche ihn zuweilen auf, Jan. Aber ſeine Schwermut
werde ich kaum heilen können."
„ch weiß, viemand vermag das. Denn es handelt ſch in
aamhait lioat.4—
Ge
PDie ſchlanke !
dats, duis in der Ge
ſtrand, reckte ſich ”
auf den Rücken
„Leopold —
Der lehnte ſichn
Aüe Hände feſt a
„Hübſch warten, Fi
Dam ſchwang
Ailiauer und verſch
der Kaſte
Men
der M.
au
pbe
d
Aägte mit leiſe zit
AMädchen, das in
idwpem jungen Man
terten ihre Augen
hym auf.
5. „Und
ie in holdſe
Itr unde verplaut
Er zog ſie ſan
eit ne Sehnſu
Hruſt alo rich
ve m alten, trei
iguef Pief
gau nicht, wie mir
mm
M Lougen fiüh gel
eint we Woche lang
witall iagen, nich
ſan A beſten, went
Mau
Btüt Noch
MM ihm
Deeip
letz
echer e
zu W
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Ladwigsplatz 2., I. Ludwigstr. 6.
[ ← ][ ][ → ] Eiszelnummer 10 Pfennige
9
NT
Rf
A4
Ter
A
4
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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zpbchentlich 2 maligem Erſcheinen vom 1. Sepiember
z0. September 2.48 Reichsmark und 22 Pfennig
msgebühr, abgeholt 2.28 Reſchsmark, durch die
Hirren 2.40 Reichsmark frei Haus. Poſibezugspreis
UFaot, ohne Beſtellgeld monatiſch 2.78 Reichsmart.
Anrwortlichkeſt für Aufnahme von Anzelgen an
ſnuten Tagen wird nicht übermommen. Nicht=
Wöchentliche iUnſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Müinsn einzelner Nummern infolge höherer Gewalt
jede Verpflſchtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
ſmtsst den Bezſeher nicht zur Kürzung des
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet. aufträge und Teiſfung von Schadenerſatz. Bei
Hauwpreiſed. Bectellun=
An
Morgenzerkung vei Lanveshaupiſiavt naämelgen 6 Reſchefa. 3mm breie Rellams=
27 mm breiie Zeile im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 40 Reichspfg. Rellamezelle 92 mm
breitl2 Reichsmark Anzelgen von auswärts 40 Reſchspfg.
zeille 300 Reichemark. Ale Preſe in Reſchemark
4 Dolſar — 420 Markl. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
Jahrgang
Konkurs oder gerſchtlicher Beſtreibung fällt jeder
Rabaſt weg Bonſionie Deuſche Bont und
Dam=
ſtädter und Nationalbank.
Liebe und Crompetenklang
Originalroman von Paul Hain
nnelies, Annelies —!‟
Der alte Kaſtanienbaum rauſchte
im Abendwind. Holunder duftete und
Jasmin. Freundlich blinzelten die
Ster=
ne vom Himmel. „Annelies,
Anne=
lies —
Hinter der alten Steinmauer, die
den Garten des Apothekerhauſes nach
der Gaſſe zu umgrenzte, war leichtes
Kleiderraſcheln.
leichter, geflüſterter Ruf: „Ach Gott — Leopold —
Nr. Gott ſei Dank, Mädel, daß du dich endlich meldeſt —
Aſchmnke Männergeſtalt im Sattel des
Pfer=
de des in der Gaſſe, dicht neben der Mauer
ſtem reckte ſich in den Steigbügeln und ſtieg
au ſſen Rücken des Tieres.
Lwpold —
e: lehnte ſich nun über die Mauer, ſtützte
dükſande feſt auf, flüſterte dem Pferd zu:
„bſc, warten, Füchschen —
ann ſchwang er ſich elaſtiſch über die
Mkur und verſchwand, unter dem
ſchatten=
da ſptaub der Kaſtanie.
vio ſtand der Mond am Himmel und ließ
ſei wöll berlicht über den bizarren Giebeln der
all ſtect tadt Deſſau ſpielen mit ihren
roman=
tiſt h ? Winkeln und Gaſſen und dem leiſe
pa ttigen Springbrunnen auf dem Marktplatz.
Eiſylzue, warme Maiennacht war, und in
alt leGärten ein duftendes Blühen.
In nelies — ich dank dir recht ſchön, daß
duth oirt gehalten haſt.”
LeGpold — es war nicht recht von mir,”
ſalgmit leiſe zitternder Stimme das junge
Mäſchem, das in holder Verwirrung vor
delmungen Mann ſtand, und dennoch
leuch=
tettz jore Augen in dem ſchönen Geſicht zu
ihrnu..
Bann Vater es wüßte
der gute Apotheker Föhſe ſchläft in
Grpts Muh,” ſagte der Eindringling lächelnd,
ſoyras. „Und was ſollte er ſchon groß dagegen haben, wenn
ſei noldſeliges Töchterlein mit dem Leopold eine warme
Nacht=
ſturm verplaudert?”
t rog ſie ſanft an den Händen zu ſich. „Annelies, ich hab'
einv=lhnſucht nach dir gehabt, ich kann’s dir nicht beſchreiben.
Häſtlw richtig mein Brieflein bekommen, das ich der Marlene,
deus tm, treuen Seele, mitgab?‟
ſteckte es mir zu, als ſie heute nachmittag in der
Apo=
thatflTefferminzkraut kaufte für die fürſtliche Küche — ich wußt!
gaug att, wie mir der Kopf ſtand —
zurnmerchen! Auf die Marlene iſt Verlaß. Aber nun hör”:
Mlrin, früh geh’ ich ins Manöver. Meine Kerls ſollen ſich mal
eine=3a che lang austoben. Und da — da mußt’ ich dir doch
Lebe=
wah)agen, nicht wahr? Und ſo was — zum Teufel — tut man
amu ſten, wenn alle andern ſchlafen.”
4ff und innig ſah er ihr in die Augen. „Komm, Annelies —
wim zm uns dort auf die Bank und plaudern, und wenn ich im
Mäher bin, werd’ ich an dieſe Stunde denken.” Gehorſam
fob’giſie ihm, zärtlich legte er den Arm um ſie.
4nslies, das Apothekertöchterlein, fühlte ein ſeliges Zittern im
Blku Aoch nie hatte ſie zu ſolcher Stunde mit ihm hier geſeſſen.
Michl zmi, der — ein Fürſtenſohn war. Ja, kein Geringerer als
Leleid von Anhalt=Deſſau war es, der zukünftige Herrſcher des
kleily Dandes, der hier mit ihr unter den Luftenden Kerzen des
Kacſtimnbaumes ſaß und ihre kleine, feine Mädchenhand feſt in
ſeivhe S oldatenfauſt hielt. Zwanzig Jahre war er alt — und die
zwitzifhre jüngere Annelies war ſeine Spielgefährtin geweſen
ſeivt no bentagen her. Holdſelig, fein und zart war ſie immer
gevmin, und die Fürſtin=Regentin Henriette hatte keine Bedenken
gebeh, hren einzigen, wilden Buben mit dieſem kleinen
Apotheker=
töcäichen ſpielen zu laſſen, das ſeine ſchäumende Wildheit ſo oft
beſtſezu, dämpfen verſtand als mütterlicher Vorwurf.
(n Deſſau wußte, daß die beiden gut Freund miteinander
wac” lächelten wohl heimlich, und liebten ihren Leopold, der
eimz ihder Draufgänger und Bürgerfreund war, ohne Adelsſtolz,
ohrgezurchmut. Seine Soldaten vergötterten ihn.
„u=elies — ich hab' noch nie gewußt, daß es ſo ſchöne
Maien=
näußz gibt. Erſt in dieſem Jahr —” Leopold ſtarrte in den
Hincel hinauf. Sein edles, kluges, energiſches Geſicht hatte einen
vergunsten Ausdruck.
Annelieſe entzog ihm leiſe ihre Hand. Wie ſonderbar heute der
Leopold war!. Wie ſeltſam und verwirrend dieſe ganze Stunde.
„Es iſt nicht recht von uns,” flüſterte ſie.
„Haſt du Angſt?” fragte er und wandte heftig den Kopf nach ihr.
„Wenn du ſonſt ins Manöver zogſt —,” ſagte ſie ſtockend, „ſtand
ich an der Mauer, und du grüßteſt mir zu — und es war gut ſo.”
Und diesmal komm’ ich des Nachts zu dir und — und
Er ſtockte. War ärgerlich über ſich ſelbſt. Ja, zum Kuckuck, was
wollte er denn? Was war überhaupt mit ihm? Seit Wochen
ging er herum und dachte immerfort —, daß ihm die Annelieſe
ſo ein wenig aus dem Wege ging, wenn er ihr begegnete, oder ſie
ins Schloß kam und etwas für die Küche abzugeben hatte. Da ſtieß
er plötzlich hervor: „Mädel, warum haſt du
eigentlich — Angſt vor mir?”
Sie ſchüttelte haſtig den Kopf. „Nein,
Leopold — ich hab doch keine
„Doch, ich merk das! Seit Wochen ſchon!
Mach mir nichts vor, Annelies! Neulich, als
du mit deinem Vater ins Schloß kamſt und
all das Kräuterzeug brachteſt —, da liefeſt
du förmlich davon, als ich dich anſah und
bat, noch in den Garten zu kommen.
Annelieſe ſenkte den Kopf. Was ſollte ſie
antworten? Daß ſeine Augen anders blickten
als ſonſt? Daß ihr Herz ſo wild ſchlug, wenn
er ſie ſo anblickte mit dieſen Augen?
Ach, was wußte die Annelieſe von dem
ſelig=bangen Geheimnis, das dieſer Frühling
ſo wunderſelig in ihre Seele gelegt hatte? Was
wußte ſie vonihrereigenen, vollerblühten,
jung=
fräulichen Schönheit, die Leopold einmal
er=
kennen, begreifen, ſtaunend begreifen mußte!
„Ach, Leopold — ich hab doch jetzt viel
mehr im Hauſe zu tun als früher. Vater iſt
alt und wird immer hilfsbedürftiger — und
ſeit einem halben Jahr führe ich doch den
Haushalt allein —
„Na ja,” brummte er, „ſelten genug
krieg’ ich dich ſchon zu ſehen, Annelies. Und
das — hm — das iſt mir endlich aufgefallen!”
Er lachte leiſe. „Habl manchmal ſchon
ge=
dacht, du — du vergißt mich ſo langſam —
„Oh — nie —” Sie brach erſchrocken ab. Das Wort war ihr
entſchlüpft, ohne daß ſie es wollte.
Leopold atmete tief auf. „Nie —?” murmelte er.
Er griff von neuem nach ihren Händen. Sie fühlte ſich wie
willenlos. „Annelies
Da mußte ſie ihn anſehen. „Wär’ ja auch noch ſchöner, wenn
du deinen Leopold je vergeſſen würdeſt, Mädel. Hallo — haſt
wohl gar — Tränen —
Und plötzlich brach es aus ihm hervor: „Annelies — wie ſchön
du biſt! Schön wie dieſer ganze Frühling. Herrgott — mir iſt,
als ſehe ich dich heut zum erſtenmal — du! Annelies — nicht
weg=
ſchauen — ich bitte dich —
Sie mußte ihn anſehen. Wie gefangen ſaß ſie da —
hin=
gegeben dem fremden Gefühl einer ſüßen Bangigkeit, das ſie
ver=
wirrte. In dieſem Augenblick wurde ſie ſich ahnungsvoll bewußt,
daß es keine harmloſe Kameradſchaft mehr war, die ſie beide verband,
daß etwas anderes, Höheres, Koſtbareres an die Stelle jenes
Kindergefühls getreten war, und hilflos von dieſer Erkenntnis
ſtammelte ſie:
Leopold — nicht ſprechen —
Er zog ſie kraftvoll an ſich. Maiennacht! Maienzauber! Dunkle,
ſüße Schickſalsgewalt! „Annelies — fühlſt du es endlich?
Anne=
lies — daß ich dich liebe? Herrgott — ich habl ja nur an dich
ge=
dacht — ich hab' mich wohl unbändig geſehnt, dir das endlich,
endlich ſagen zu können. Ich liebe dich ja!”
„O Gott — Leopold—
„Ja — dein Leopold! Mädel — Kopf hoch —
„Nein, nein, laß mich — das, das darf ja nicht ſein. Du biſt
mein lieber Kamerad ..
Sie ſprang auf. Erregt. Ratlos — verlegen. „Laß mich
gehen — es iſt ſpät — wenn man uns hört —‟
Er lachte leiſe, glückhaft. „Deſſau ſchläft! Und mein Rotfuchs
vor der Mauer hält gute Wacht. Annelies — ſchau mich an — deine
Augen will ich ſehen! Die können ſich nicht verſtellen. Deine
lieben Augen!”
Ich bitte dich — lieber Leopold—
„Na, alſo —,” jubelte er leiſe. „Bin ich alſo doch dein lieber
Leopold?”
Mkrng=Chinas, noch weitere drei Jahre dem Rat anzugehören,
win wie verlautet, von den Großmächten unterſtützt, und zwar
diſte weute ſchon die Unterſtützung durch England, Frankreich,
Jſſtn und Deutſchland, das bereits 1926 ſeine Stimme für
Eſiy gabgab, ſicher ſein. Man erklärt in unterrichteten Kreiſen,
daübeei einer Ablehnung des chineſiſchen
An=
ty01 ein Austritt Chinas aus dem Völkerbund
z keffürchten ſei und ſieht voraus, daß in dieſem Fall die in
wan, Kreiſen Chinas beſtehende Bewegung, politiſch mit den
Bengten Staaten und Rußland zuſammenzugehen, ſtark
zu=
ni ſten: würde. In Anbetracht der für die Univerſalität des
WKrſeundes wichtigen Frage glaubt man, daß die notwendige
3bönittelmehrheit für die Wiederwahl Chinas in den Rat unter
Abmnung der kleinen Staaten zuſtandekommt. China benötigt
füllime Wiederwahl in den Rat einer Zweidrittelmehrheit, da
bi unungsgemäß bis zu ſeiner Wiederwahl mit einfacher
Mehr=
hi hr Zeitraum von drei Jahren verſtreichen muß.
2a, unter den augenblicklichen Umſtänden für die Kandidatur
eifn kandina iſchen Staates zum Rat wenia Ausſicht beſtebt,
ſich hinter der Abweſenheit Chamberlains zu verſchanzen, dann
iſt ihm dieſe Möglichkeit durch Cuſhenduns Erklärung
ge=
nommen.
Deutſch=litauiſche Verhandlungen in Genf.
* Genf, 31. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Die ſeit geraumer Zeit ſchwebenden
Handelsvertragsverhand=
lungen zwiſchen Deutſchland und Litauen ſind in letzter Zeit ins
Stocken geraten, weil von litauiſcher Seite her wegen der
Gleich=
ſtellung von Königsberg und Mcmel im Tranſitverkehr
Schwie=
rigkeiten verurſacht wurden. Der litauiſche Miniſterpräſident
Woldemaras trifft ebenfalls zur Ratsverſammlung in Genf ein,
ſo daß ſich dann Gelegenheit für die deutſche Delegation ergibt,
in direktem Gedankenaustauſch mit dem litauiſchen
Miniſterpräſi=
denten die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, damit darn
im Herbſt die Verhandlungen zwiſchen den
Handelsvertrags=
delegationen wieder weitergehen können.
Weltfriedenspakt — oder
Status duo=Paft?
Von
E. Mukden.
Unterzeichnung des Kellogg=Paktes iſt am 27. Auguſt in
nit außergewöhnlicher Feierlichkeit vor ſich gegangen, und
dieſen Tagen unter dem unmittelbaren Eindruck des
Aktes verlautete, ſtellt mehr oder weniger doch nur eine
mentaner Reaktion darauf dar. Aber nun, da das Feſt
naßen verrauſcht iſt, fordert auch der kritiſche Sinn ſein
die eigentliche Tragweite dieſes Ereigniſſes, alles
che zuſammenfaſſend, abzuſchätzen. Drei Fragen ſind es
m, in die ſich eine ſolche Betrachtung logiſcherweiſe
glie=
aß: die neue Rolle der Vereinigten Staaten, das
Verhält=
neuen Paktes, zu Genf und — last not least — ſein
nis zu den beſtehenden Friedensverträgen.
großer Teil der öffentlichen Meinung und der Preſſe
in dem Kellogg=Pakt einen nach jahrelanger Pauſe aber=
Eintritt der Vereinigten Staaten in die europäiſchen
An=
zeiten. Dieſe Auffaſſung muß als unzutreffend oder
zu=
als voreilig gekennzeichnet werden. Es iſt ſehr begreiflich,
Ankunft des Vertreters Amerikas von jenſeits des Ozeans
hen Kreiſen die Verſuchung erweckt, nun gleich auch die
ten Staaten in die politiſche Rechnung Europas
einzu=
von ihnen gar eine baldige Einwirkung auf die
europä=
igelegenheiten zu erwarten. Nichts Irrtümlicheres als das!
m Zuſammenhang verdienen die Aeußerungen
Aufmerk=
die der bekannte frühere italieniſche Diplomat Graf
der zuſammen mit Kellogg auf der Ile de France die
urt von Amerika nach Europa machte, neuerdings in der
Preſſe veröffentlicht; Aeußerungen, die aus authentiſchen
tungen an Ort und Stelle herſtammen. Sforza betont,
er den Paktbeſtrebungen heute treibend nur ein Teil der
niſchen Oeffentlichkeit ſteht, genauer: amerikaniſche
Intel=
mit dem Präſidenten der Columbia=Univerſity Murray
un der Spitze; ja, er warnt davor, aus der Tatſache des
vorzeitige Schlüſſe zu ziehen, — um nicht drüben dadurch
die Stimmung des „Iſolationismus” zu ſtärken; und
ſchließlich darauf hin, daß man doch auf jeden Fall erſt
ifkation des Kellogg=Paktes durch den Senat abwarten
„Wo die Macht des amerikaniſchen Senats beginnt, dort
e Macht des amerikaniſchen Staatsſekretärs.” Kurz, ſo
Dinge heute liegen, ſtellt, die Großmacht jenſeits des
auch nach der Unterzeichnung des Kellogg=Paktes ein
* vor, auf der Lippe zwiſchen der immer noch
volkstüm=
oſung des „no entanglement” Nicht=Einbeziehung, d. h.
pa, und einer gänzlich unſicheren politiſchen Rolle in
ſo mehr Gewicht erlangen unſere beiden oben
aufgeſtell=
gen: In welchem Verhältnis ſteht der Kellogg=Pakt zu
wie zu den beſtehenden Friedensverträgen? Daß Kellogg
un dem Pakt ſagte, dieſer bedeute keine „Annullierung”,
er eine Erſchwerung des Krieges, tut zwar ſeiner Beſchei=
und Nüchternheit alle Ehre; aber damit iſt das
Schwer=
doch wieder den anderen politiſchen Faktoren zugeſchoben.
et man aber dieſe im Zuſammenhang mit dem
Kellogg=
her, ſo bietet ſich ein höchſt merkwürdiges Schauſpiel dar.
der öffentlichen Meinung des Auslandes möchte wohl
n Pakte ein neues Sprungbrett zur weiteren Forcierung
rüſtungsproblems machen. „Nach dem Abſchluß des
Paktes muß man nach Genf gehen und an der Abrüſtung
Die Geſchichte des Kellogg=Paktes enthält eine Lehre,
Völkerbund begreifen muß. Der Völkerbund ſpricht
egen ſelbſt das Urteil, wenn er dieſes Problem vernach=
Das hat er jedoch bisher immer wieder durch Aufſchub
ge, durch ſchikanierenden Formalismus, durch
ſchablonen=
chnik getan. Nun aber iſt es endlich Zeit, daß ein friſcher
die Sache hineinkommt!”
ſpricht aber eine ſolche Sprache? Der am Quai d’Orſay
m irgendwie einflußreiche „Populaire”; und die gleiche
wenn auch mit anderen Worten, ſpricht auch Litwinow,
weil die Sowjetregierung — mit gutem Grund — an
erbeſtehen jenes „Formalismus und Schablone” glaubt,
eine Abſage an Genf gerichtet hat. Am anderen,
ein=
eren Pole Frankreichs (das wie immer den nächſten
zur Lage darſtellt) macht ſich indes das gegenteilige
bemerkbar; nur möglichſt alles beim alten zu laſſen. Vor
beſtehenden Friedensverträge und alles, was aus ihnen
Dies iſt natürlich in erſter Linie für die
Okkupa=
rage ausſchlaggebend. Der Abſchluß des
Kellogg=
ndert nicht im mindeſten die Bedingungen des Friedens,
Okkupation beſtimmen, erklärt klipp und klar das „
Jour=
id wenn Pertinax in Genf Verhandlungen darüber doch
lich hält, ſo nur unter der Bedingung, daß „Deutſchland
em inzwiſchen gefeſtigten Kredite Gebrauch macht” alſo
anzielle Gegenleiſtungen übernimmt. Ja, dieſe
Beharr=
lichkeit wird zu einem ſo vorherrſchenden Motiv, daß ſie ſchließlich
— unglaublich, aber wahr — in dem Kellogg=Pakt ſelbſt ſtörende
Geſpenſter zu ſehen beginnt. In welchen Fällen ſoll man ſich
künftighin nach Genf, in welchen nach Waſhington wenden? Und
iſt nun durch die neue Situation nicht ein „trübes Waſſer”
ge=
ſchaffen, in dem abenteuerliche Staaten fiſchen können? Ja, wird
Waſhington, das doch neuerdings wieder ſeine moraliſche
Autori=
tät ſchriftlich gab, nicht auch künftighin erſt das Einholen ſeiner
moraliſchen Approbation verlangen und dieſe einem bedrohten
Staate, der ſelbſt zu Sanktionen ſchreitet, verſagen, dieſen alſo in
den Augen Amerikas nicht aus einem Herausgeforderten in einen
Herausforderer verwandeln? Dieſe Zweifel beziehen ſich
nament=
lich auf die Anſchlußfrage, und vor allem das „Journal
des Debats” ſtellt es geradezu als das Hauptprogramm
Frank=
reichs auf der September=Tagung in Genf hin, die ablehnende
Haltung gegen den Anſchluß in aller Form zu erklären. Hat doch
England bereits vor dem Abſchluß des Kellogg=Paktes durch eine
Note an die Vereinigten Staaten vom 19. Mai dieſes Jahres eine
Art britiſche Monroe=Doktrin geſchaffen und ſich von vornherein
Kuwmer 2431
Seite 20
Freitag den 31. Auguſt 1928
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„Du biſt — der Fürſt — und ich, du darfſt mich nicht ſo
feſt=
halten, hab' doch ein Einſehen —” Und das Herz ſchlug ihr
un=
geſtüm in der Bruſt. Sie wollte ſich losreißen und konnte es nicht.
Oha — ſeit wann bin ich der Fürſt Leopold für dich? Soll
ich dich auslachen? Kopf hoch, Mädel, ſag’ ich — und Augen und
Mund her —!” Feſt zog er ſie an ſich. „Willſt du dich und mich
belügen, Annelies?”
Da mußte ſie ihn wieder anſehen. Ein unnennbar heißes,
wehes und doch glückliches Gefühl berauſchte ſie. Ihre Augen
ſchimmerten in feuchtem Glanz. Ihr Geſicht war gerötet von
dem wilden Schlag ihres Herzens.
Ergriffen blickte er in dieſes liebe, verwirrte Antlitz. „Meine
Annelies — mußt keine Angſt mehr haben. Mußt nur deinem
Herzen folgen. Ich hab' dich lieb, und daß ich dummer Kerl das
endlich weiß und auszuſprechen wage, das — Mädel! — das war
aber auch die höchſte Zeit!”
Still lag ſie in ſeinem Arm. — Maiennacht!
Maiennacht=
ſeligkeit! — Da fanden ſich ihre Lippen zum erſten Kuß. Leiſe
rauſchte das dichte Laubdach der Kaſtanie über ihnen, und die Welt
war ein einziger ſeliger Atemzug der Liebe.
„Liebſte — Schönſte
In der Gaſſe, jenſeits der Mauer, wurde das ferne, klapperude
Geräuſch von Schritten vernehmbar. Sie näherten ſich. Die Goſſe
mündete bald hinter dem Apothekerhaus auf den Marktplatz,
Die Schritte kamen vorüber — ſtockten — entfernten ſich damn
langſam den Marktplatz zu.
Leopold ſchmunzelte in ſich hinein. „Da wird ſich einer wohl
gewundert haben, was mein Pferd an der Mauer zu ſuchen hat —
haha
„Geh’, ich bitt’ dich!” bat Annelies nun ängſtlich.
„Tu’ ich,” beruhigte er ſie, „jede ſchöne Stunde muß ja auch
einmal ein Ende haben. In zwei Wochen bin ich wieder hier,
Annelies.”
Ein letzter Kuß. Dann ſchwang ſich Leopold gewandt auf die
Mauer, winkte noch einmal zurück. „Schlaf gut, Mädel — und die
beſten Träume für dich.”
Er ſaß im Sattel. Die Hufe klapperten über das
Kopfſtein=
pflaſter. Hinter dem Marktplatz, der einſam, mondlichtübergoſſen
dalag, ſah er eine Geſtalt dicht an den Häuſern dahinſchreiten. Sie
war offenbar beſtrebt, von dem Reiter nicht erkannt zu werden,
und blieb in dem ſchwarzen Schlagſchatten der Häuſer ſtehen.
Leopold gab dem Pferde die Sporen. Im Galopp ging es
dem Schloß zu. Die Geſtalt trat aus dem Schatten heraus. Es
war ein junger, eleganter Mann. Das Geſicht nicht unſchön, aber
die Züge keineswegs angenehm.
„Der Leopold — natürlich —,” murmelte er — ingrimmig.
„Dacht’ ich mir doch, als ich das Pferd ſah. Das wird etwas für
Seine Gnaden, den Hofmarſchall Salberg ſein! Gut, daß ſich die
Schlemmerei ſo lange ausdehnte. Der Herr Hofmarſchall wird
für dieſe Nachricht nicht knauſerig ſein — haha. Und die Annelieſe
— ſie ſoll noch an mich denken.”
Vor
Woas Abrüſt
Fortſetzung im Heft 1 der „Illuſtrierten Roman=Welt”
Bedes Heft umfaßt 20 Seiten auf feinem Iüluſtrationsdruck
papier in der Größe dieſes Proſpertes.
Sie lächelte ihn ſtumm an. Und plötzlich warf ſie die Arme
ungeſtüm um ſeinen Hals in einer Aufwallung ſtürmender,
brau=
ſender Zärtlichkeit, vor der alle Bangnis ihrer Seele ſchwinden
mußte.
„Ich hab’ dich ja ſo lieb, Leopold —‟ Sie ſchmiegte das heiße
Geſicht an ſeine Bruſt. Er lachte froh.
„Dafür dank’ ich dir, Annelies. — So hab’ ich mir die
Ab=
ſchiedsſtunde erträumt —
„Und wenn du mich einmal — vergeſſen mußt, Leopold, dann
will ich immer daran denken, daß du mich doch einmal geliebt
haſt
„Pah — vergeſſen? Der Leopold vergißt nichts! Merk' dir
das! Und das alte Schloß wird noch einmal dein Lachen hören
und dich oft an meiner Bruſt ſehen. In einem Jahr bin ich
voll=
jährig. Dann regiere ich!‟ Er bedeckte ihr Geſicht mit neuen Küſſen.
„Daran will ich — nicht denken —,” flüſterte ſie.
„Sollſt du auch nicht, das iſt meine Sache.”
Ganz in ſich verſunken, ganz dem Reiz des Augenblicks
hin=
gegeben, ſaßen die Liebenden da, ſich eng umſchlungen haltend.
Nichts ſahen, nichts hörten ſie. Nur des Gefühls ihrer
gegen=
ſeitigen Nähe waren ſie ſich bewußt.
In gleichem Takt ſchlugen ihre Herzen aneinander.
Der Mond ſah lächelnd aus weiter Ferne auf die beiden
hernieder. Er ſchien ſich zu freuen über dies junge
Menſchen=
paar.
„Annelies!”
„Leopold!”
Immer wieder flüſterten ſie ſich liebesſelig ihre Namen zu.
Die alte Kaſtanie über ihnen rauſchte.
Eine Nachtigall ſang.
O Maienglück! O Maientraum!
Immer ſchmelzender klang des Vogels Liebeslied im nahen
Buſch.
Immer lauter pochten beider Herzen.
Annelies ſchreckte aus dem holden Rauſch der Stunde auf.
O Gott — es iſt ſo ſpät. Horch — Schritte
„Illuſtrierte Roman=Welt”, nennt ſich ein neues Auter= ein Intereſſe ha
haltungsblatt für Haus und Familie, das ſoeben zur Ausgabe ton über die 3
gelangt und das jedem, der es kennenlernt, durch ſeinen Zuhalt tften känn, wi
und ſeine reiche künſtleriſche Ausſtattung nicht nur Freudebe. Aualen Abrüſtun
reiten, ſondern ihm auch eine berraſchung bringen dürſte. dia die mit den Abru
Denn es wird nicht nur Romane aus der Feder der beſten ſkßundes auf dem e
deutſchen Anterhaltungs=Schriftſteller veröffentlichen, ſondern euund der Konferenz
dieſe ſogar mit Illuſtrarionen, hervorragender Künſitler ver Auiegen muß den
ſehen den Leſern darbieten.
Dieſe neue, in jeder Weiſe vortrefflich ausgeſtattete Wochen BNovemberſitzung d
ſchrift eröffnet der groß angelegte, ungemein ſpannende Romant mnehrere Wochen h.
„Des Schickſals Wellen” von H. Courths=Mahler. Neben dieſem eumdet ſein.
großen Roman erſcheint die ungemein liebenswürdige und friſch
geſchriebene Erzählung „Liebe und Trompetenklang” von Paul
Hain. Jeder, der die in dieſem Proſpeke abgedruckten Anföuge / Blbrüſtungsverhand
beider Romane geleſen hat, wird begierig ſein, dieſen füßen / Mien Aaß die Allgen
Weiſen von Liebe und Sehnſucht bis zum Schluß lauſchen zu / Bruut Jahre 19.
dürfen. „Warum quälſt du mich?”, von Leni Behrend, iſt der / Audechandlungen
dritte der in das Heft aufgenommenen Romane, und wir können / B70ſſchen Kreiſen
verſichern, daß er, was Reiz und Spannung anbetrifft, in keiner / Picht Detail ſieht
Diues Abrüſtung
Weiſe hinter ſeinen beiden Vorgängern zurückſteht.
Aber mit dem Genannten iſt der Inhalt des vielſeitigen Blattes / He derläſſiger fran
noch keineswegs erſchöpft. Humoresken, kleinere Novellen, eine / 5fhſſchen Kreiſen
Plauder=, Spiel= und Rätſelecke werden für weitere Unterhaltung / Blitſbrechungen,
ſorgen, und auch an künſtleriſchen Vollbildern wird es nicht / chhen wieder in
fehlen. Trotz des großen Reichtums des Inhalts iſt Bedacht / Püanſtliche Oppoſi
darauf genommen, den Preis für die Einzelnummer ſo niedrig / Bmemacht wird,
zu ſtellen, daß ſelbſt dem, der zu rechnen hat, ein Abonnement 1 Atneienen Staaten f
auf das Blatt ermöglicht wird. Nur 25 Pf. ſoll der Preis für 7 Biüthen fügen mü
die Einzelnummer betragen. Die Aufwendung des geforderten 7 Auf fron
Betrages iſt eigentlich überhaupt kein Opfer, denn mehr als ver. Guunck, den die
langt wird, wird geboten; etwas, was für jeden eine uner cAenf in der
ſchöpfliche Quelle der Freude und Anregung darſtellt. Diß mon, ſei e.
Wir bitten, die „Illuſtrierte Roman=Welt” kennenzulernen, / /c=Zlugheit, dem
und zweifeln nicht, daß jeder, der ſie einmal in die Hand ge.* Mamid machen müt
Run den komme
nommen, ihr dauernd gewogen ſein wird.
Verbindu
vie Kontrolle der
Wenf lebhaft den
problems in der 2
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Michungspflicht il
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Alung gemacht w
Verlaufe der näe
kommiſſion erfol
November man
der Präveratoire
ſtngriat zur Vorbere
Auch auf frau
Die Ausfüllung und Abſendung der beigefügten Beſtelle 7 PlM bei
karte genü t, um ſich die dauernde Lieferung der „Illuſtrierten 0
Roman=Welt” zu ſichern. Fehlt die Karte, ſo wird gebeteh
die Beſtellung der Verlagsbuchhandlung Ewald & Co. Nachſ, / 1 LNings B.
Leipzig C1, Schließfach 38, zu überſenden. Für pünktliche Lieſe.
rung durch eine zuſtändige Buchhandlung wird dann beſtene 9
geſorgt.
im iſt auf f
Verlag und Redaktion der Nagiu eien Autt
„Illuſtrierten Roman=Welt”, 1400 deſem Jahre
Leipzig CI,
22Aech, und man
Die Romanzeitung für Haus Aüdm dieſen Nor
Schließfach 38
und Familie
Sidn Mitan aufg
druck der Spamerſchen Buchdruckerei
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Ladwigsplatz 2., I. Ludwigstr. 6.
[ ← ][ ][ → ]Eiszeimnmimer 10 Pfennige
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Bezugspreis:
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Anzeigenpreis:
Duiſchentlich 2 maligem Erſcheinen vom 1. Sepiember
1 M0/ September 2.48 Reſchsmark und 22 Pfennig
Mesgebühr, abgeholt 2.25 Reichsmart, durch die
cus en 2.40 Reichsmark frei Haus. Poſibezugspreis
henzt, ohne Beſtellgeld monatich 2.28 Reichsmark.
Duortlichkelt für Aufnahme von Anzelgen an
lngten Tagen wird nicht übernommen.
Nicht=
mmmn einzelner Nummern infolge höherer Gewalt
Fitt den Bezieher nicht zur Kürzung des
Diereſes. Beſtellungen und Abeſtellungen durch
Feu” obne Verbindliſchkeit für und. Poſtſcheckonto
Frantfurt a. M. 1301.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche iUnſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 243
Samstag, den 1. September 1928. 191. Jahrgang
27 mm breſie Zeile im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 40 Reichspfg. Rellamezelle (92 mm
breit 2 Reichsmark. Anzelgen von auswärts 40 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 60 Reichspfg. 92 mm brelte
Rellame=
zelle 300 Reſchemark. Alle Preiſe in Reiſchemark
ſ4 Dollar — 420 Markl. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
jede Verpfliſchtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufträge und Teſſung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerichtlicher Beltreibung fäll ſeder
Rabatt weg. Bankkonio Deutſche Bank und
Darm=
ſädter und Natſonalbant.
Weltpolitiſche Probleme in Genf.
Wor der Vollverſammlung
des Völkerbundes.
494 Abrüſiungsproblem. —
Verſchleppungs=
tendenzen.
* Genf, 31. Auguſt. (Priv.=Tel.)
im Verbindung mit dem Scheitern der Verhandlungen über
diſeiontrolle der privaten Waffenfabrikation erörtert man in
Gſe ebhaft den Verlauf, den die Beratungen des
Abrüſtungs=
pinlans in der Vollverſammlung nehmen werden. Soweit ſich
dihlrogramm vorausſehen läßt, wird ſich die dritte Kommiſſion
dielwllverſammlung an einem Tage mit der Kontrolle der
pimmn Waffenfabrikation und mit den Beſtimmungen über den
Weſenhandel beſchäftigen, ein oder zwei Tage der Beratung der
Sſirgeits= und Regionalverträge widmen und die übrigen auf
dißesskuſſion der Ergebniſſe der Vorbereitenden
Abrüſtungs=
komf ſion verwenden, wobei auch die Frage der
Veröffent=
li/ſtie spflicht über den Rüſtungsſtand eine große Rolle ſpielen
wA — Ueber den Inhalt des franzöſiſch=engliſchen
Rüſtungs=
komriemiſſes wird in dieſen Verhandlungen noch keine
Mittei=
lum g=emacht werden. Die Bekanntgabe wird vielmehr erſt im
Wieuſ=fe der nächſten Tagung der Vorbereitenden
Abrüſtungs=
komiſſion erfolgen, mit deren Einberufung auf den Monat
Meenber man rechnet. Selbſt wenn jedoch der Zuſammentritt
ddeß5 äperatoire ſo ſchnell erfolgen ſollte, woran die Franzoſen
eilfnfnt tereſſe haben, weil erſt nach der Vollendung der
Konven=
tilpücer die Rüſtungsverminderung das Abkommen in Kraft
triſg kann, wird die Einberufung der endgültigen
internatio=
ndt) Wlbrüſtungskonferenz kaum vor Anfang 1930 möglich ſein,
danernit den Abrüſtungsfragen beſchäftigten Stellen des
Völker=
bume” auf dem Standpunkt ſtehen, daß zwiſchen der Präperatoire
unuder Konferenz ein Zeitraum von mindeſtens neun Monaten
lietn unuß, den die verſchiedenen Regierungen und das
Sekre=
taſm uur Vorbereitung des Verhandlungsſtoffes benötigen. Die
Nlhmberſitzung der Vorbereitenden Abrüſtungskommiſſion dürfte.
mislne Wochen beanſpruchen und nicht vor Mitte Dezember
be=
emtt ein.
luch auf franzöſiſcher Seite ſtellt man ſich den Gang der
Albtungsverhandlungen ungefähr ſo vor. Nur glaubt man
hitkwſ.ß die Allgemeine Abrüſtungskonferenz wahrſcheinlich ſchon
zumötahre 1929 einberufen werden kann. Das Scheitern der
Vllun dlungen über die private Waffenfabrikation wird in
fran=
zöſſſeni Kreiſen nicht tragiſch genommen, da man in ihnen nur
einn ei ail ſieht, das zuſammen mit der allgemeinen Behandlung
deißln rüſtungsproblems erledigt werden kann. Wie man aus
zuſchläſſiger franzöſiſcher Quelle hört, iſt man in berufenen
fran=
zöſſſen Kreiſen der Ueberzeugung, daß bei den
Abrüſtungs=
berſech ungen, die durch das franzöſiſch=engliſche
Rüſtungsabkom=
masſvieder in Gang gebracht worden ſind, von keiner Seite eine
erunſich e Oppoſition gegen das engliſch=franzöſiſche Kompromiß
geruh, wird, ſondern daß alle anderen in der Kommiſſion
ver=
trärtenn Staaten ſich dem gemeinſamen engliſch=franzöſiſchen
Vor=
geih fügen müſſen.
luf franzöſiſcher Seite ſteht man auch ſtark unter dem
Ein=
driud ſoen die Reiſe des deutſchen Reichskanzlers Müller nach
Geer in der geſamten Oeffentlichkeit macht, und iſt der Anſicht,
dadzuan, ſei es aus taktiſchen Rückſichten, ſei es aus politiſcher
Khlchert, dem deutſchen Regierungschef gewiſſe Zugeſtändniſſe
will mrachen müſſen, da man von einer zu intranſigenten Haltung
inmmikommenden Verhandlungen unerwünſchte Rückwirkungen
ing titen ſozialdemokratiſchen Kreiſen in Deutſchland befürchtet.
Schinas Bemühungen um Wiederwahl
zum Völkerbundsrat.
7an iſt auf franzöſiſcher Seite weiter darauf vorbereitet, daß
ChEi einen Antrag ſtellen wird, dem Völkerbundsrat, aus dem
estidgeſem Jahre ausſcheiden ſoll, noch weiter drei Jahre
anzu=
gegllen,, und man glaubt, daß es nicht ausgeſchloſſen iſt, daß
Jche dieſen Vorſchlag unterſtützt. Die Ausſichten Chinas, das
einwe Antrag auf Wiederwahl in den Rat ſtellen wird, werden in
Geallgemein günſtig eingeſchätzt. Eine ganze Reihe von
Staa=
tert, ar=unter auch einige Großmächte, ſtehen dieſem Antrag
zu=
ſtirſnen d gegenüber. Nach einem ſtillſchweigenden
Uebereinkom=
me ſollen zwei Ratsſitze immer den aſiatiſchen Staaten
vorbe=
hadt ein, von denen Japan einen ſtändigen Sitz hat. Da eine
Kandatur Perſiens, das ſchon mehrfach für ſeine Aufnahme in
de ug= eintrat, unter den Mächten keine Zuſtimmung findet, hat
dich hiieſiſche Kandidatur die größte Ausſicht. Der Antrag
Nchung=Chinas, noch weitere drei Jahre dem Rat anzugehören,
with wiie verlautet, von den Großmächten unterſtützt, und zwar
düüie ſHeute ſchon die Unterſtützung durch England, Frankreich,
Jchc iund Deutſchland, das bereits 1926 ſeine Stimme für
Chli ſabgab, ſicher ſein. Man erklärt in unterrichteten Kreiſen,
dacß i einer Ablehnung des chineſiſchen
An=
tre/s ein Austritt Chinas aus dem Völkerbund
zußlef ürchten ſei und ſieht voraus, daß in dieſem Fall die in
wehn /Kreiſen Chinas beſtehende Bewegung, politiſch mit den
Veſigten Staaten und Rußland zuſammenzugehen, ſtark
zu=
necten würde. In Anbetracht der für die Univerſalität des
VRühgundes wichtigen Frage glaubt man, daß die notwendige
ZAwitttelmehrheit für die Wiederwahl Chinas in den Rat unter
ZMmnnung der kleinen Staaten zuſtandekommt. China benötigt
füflime Wiederwahl in den Rat einer Zweidrittelmehrheit, da
beietmungsgemäß bis zu ſeiner Wiederwahl mit einfacher
Mehr=
hemin, Zeitraum von drei Jahren verſtreichen muß.
a. unter den augenblicklichen Umſtänden für die Kandidatur
einſg’ ſtandingeiſchen Staates zum Rat wenia Ausſicht beſtebt,
da die drei Sitze vorausſichtlich an Spanien, China und einen
ſüdamerikaniſchen Staat fallen werden, denkt man daran, den
ſkandinaviſchen Staaten inſofern einen Ausgleich zu bieten, daß
man einem ſkandinaviſchen Staatsmann das Präſidium der
kommenden Vollverſammlung überträgt.
Die Verhandlungen hinter den Kuliſſen.
Das höchſte Intereſſe gilt natürlich den Beſprechungen, die
in Genf ſtattfinden. Das gilt neben den Anleiheverhandlungen weſentliche zuſammenfaſſend, abzuſchätzen. Drei Fragen ſind es
Rumäniens, Jugoflawiens, Griechenlands und Bulgariens mit
verſchiedenen Finanzſtaaten vor allem für die Beſprechungen über
die Rheinlandfrage, die von der deutſchen Regierung angekündigt
ſind. Man ſchätzt die Rheinlandbeſprechungen als eine erſte
offi=
zielle Fühlungnahme zwiſchen den intereſſierten Staaten ein und
erwartet deshalb keine unmittelbaren Ergebniſſe. Ebenſo wie die
Pariſer Unterhaltungen Streſemanns dürften ſie vielmehr dazu
dienen, daß der Reichskanzler Hermann Müller die jetzt erſt
gegenſeitig bekannt gegebenen Bedingungen, Forderungen und
Angebote mit den Vertretern Englands, Frankreichs, Belgiens
und Italiens erörtert. Zudem iſt das Fehlen Streſemanns
ſo=
wohl wie das Chamberlains kaum dazu angetan, den Gang der
Dinge zu beſchleunigen, und die Verknüpfung zwiſchen
Rhein=
landproblem und internationaler Schuldenfrage, wie ſie von
Frankreich beabſichtigt iſt, kann in Genf nicht geregelt werden.
Die ganze Verſammlung wird zweifellos, ſtark unter dem
Eindruck und unter dem Einfluß der neuen franzöſiſch=engliſchen
Annäherung ſtehen. Dieſer Faktor wird ſich in allen Kalkuls und
in der Behandlung aller vor den Völkerbund gelangenden
Fra=
gen nachdrücklich geltend machen. Da zum erſten Male nach
lan=
gen Jahren dieſe beiden ſtärkſten Staaten im Völkerbund wieder
geſchloſſen und gemeinſam operieren und der größte Teil der von
der Vollverſammlung zu diskutierenden weltpolitiſchen Probleme
ſie aufs engſte berührt, läßt ſich nur ſchwer vorausſagen, zu
wel=
chen Endergebniſſen man im September in Genf gelangen wird
und welche Reſultate die nahezu tauſend Diplomaten, Politiker
und Journaliſten mit nach Hauſe nehmen, wenn ſie Ende
Sep=
tember Genf verlaſſen.
Reichskanzler Müller bei Dr. Streſemann.
* Berlin, 31. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Der Reichskanzler wird am Samstag Berlin verlaſſen, um
die Reiſe nach Genf anzutreten, wird jedoch in Baden=Baden
einen Beſuch bei Dr. Streſemann einſchalten, um mit ihm die
letzten Richtlinien über die in Genf einzuſchlagende Taktik
feſt=
zulegen. Der Reichskanzler iſt durch den mündlichen, mit
ſchrift=
lichen Aufzeichnungen ergänzten Bericht Dr. Redlhammers über
den Gang der Pariſer Verhandlungen im Bilde. Soweit wir
wiſſen, ſteht aber darin nicht weſentlich mehr, als in der
Oeffent=
lichkeit bereits bekannt iſt. Herr Poincaré hat die Mitteilungen
Dr. Streſemanns zur Kenntnis genommen, daß nach Auffaſſung
des deutſchen Kabinettes die Räumung des geſamten beſetzten
Gebietes die Vorausſetzung einer Fortſetzung der Locarnopolitik
ſei. Er hat aber daran feſtgehalten, daß für Frankreich die
Er=
örterung dieſes Themas nur möglich ſei im inneren
Zuſammen=
hang mit finanziellen Gegenleiſtungen, die für Frankreich aus der
Bereinigung der internationalen Schulden und der endgültigen
Regelung der deutſchen Kriegsentſchädigung herausgewirtſchaftet
werden müßten. Da aber der franzöſiſche Miniſterpräſident weiß,
daß an die Löſung dieſer Frage günſtigenfalls nach den
amerika=
niſchen Präſidentſchaftswahlen herangegangen werden kann —
wobei dann noch offenbleibt, inwieweit die engliſchen
Parla=
mentswahlen im kommenden Frühjahr den Beginn der Ver= Sprache, wenn auch mit anderen Worten, ſpricht auch Litwinow,
handlungen überſchatten werden —, iſt eine ſachliche Annäherung
nicht erfolgt und die Ausſichten, daß in Genf ein beſſeres
Er=
gebnis erzielt wird, iſt an ſich gering. Es iſt vielleicht höchſtens flußreicheren Pole Frankreichs (das wie immer den nächſten
inſoweit zu erreichen, als vielleicht Frankreich ſeine Forderungen
näher präziſiert. Dagegen ſcheint Poincaré erneut mit dem
Ge=
danken geſpielt zu haben, die zweite Zone früher zu räumen. Da
die deutſche Regierung aber die Räumung des geſamten beſetzten
Gebietes als etwas Einheitliches betrachtet, bleibt in dieſem
Punkte die Initiative bei Frankreich liegen. Beachtenswert iſt
in dieſem Zuſammenhang, daß Lord Cuſhendun öffentlich erklärt
hat, mit denſelben Vollmachten nach Genf zu gehen wie ſonſt
Chamberlain. Wenn alſo Briand den Verſuch machen ſollte,
nommen.
Deutſch=litauiſche Verhandlungen in Genf.
Die ſeit geraumer Zeit ſchwebenden
Handelsvertragsverhand=
lungen zwiſchen Deutſchland und Litauen ſind in letzter Zeit ins
Stocken geraten, weil von litauiſcher Seite her wegen der
Gleich=
ſtellung von Königsberg und Memel im Tranſitverkehr
Schwie=
rigkeiten verurſacht wurden. Der litauiſche Miniſterpräſident
Woldemaras trifft ebenfalls zur Ratsverſammlung in Genf ein, des Débats” ſtellt es geradezu als das Hauptprogramm
Frank=
ſo daß ſich dann Gelegenheit für die deutſche Delegation ergibt,
in direktem Gedankenaustauſch mit dem litauiſchen
Miniſterpräſi=
denten die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, damit dann
im Herbſt die Verhandlungen zwiſchen den Handelsvertrags= Note an die Vereinigten Staaten vom 19. Mai dieſes Jahres eine
delegationen wiedei weitergehen können.
Weltfriedenspakt — oder
Status guo=Paft?
Von
E. Mukden.
Die Unterzeichnung des Kellogg=Paktes iſt am 27. Auguſt in
Paris mit außergewöhnlicher Feierlichkeit vor ſich gegangen, und
was in dieſen Tagen unter dem unmittelbaren Eindruck des
ſolennen Aktes verlautete, ſtellt mehr oder weniger doch nur eine
Art momentaner Reaktion darauf dar. Aber nun, da das Feſt
einigermaßen verrauſcht iſt, fordert auch der kritiſche Sinn ſein
gleichzeitig mit der Verſammlung, aber außerhalb ihres Rahmens Recht, die eigentliche Tragweite dieſes Ereigniſſes, alles
vor allem, in die ſich eine ſolche Betrachtung logiſcherweiſe
glie=
dern muß: die neue Rolle der Vereinigten Staaten, das
Verhält=
nis des neuen Paktes, zu Genf und — last not least — ſein
Verhältnis zu den beſtehenden Friedensverträgen.
Ein großer Teil der öffentlichen Meinung und der Preſſe
erblickt in dem Kellogg=Pakt einen nach jahrelanger Pauſe
aber=
maligen Eintritt der Vereinigten Staaten in die europäiſchen
An=
gelegenheiten. Dieſe Auffaſſung muß als unzutreffend oder
zu=
mindeſt als voreilig gekennzeichnet werden. Es iſt ſehr begreiflich,
daß die Ankunft des Vertreters Amerikas von jenſeits des Ozeans
in manchen Kreiſen die Verſuchung erweckt, nun gleich auch die
Vereinigten Staaten in die politiſche Rechnung Europas
einzu=
ſtellen, von ihnen gar eine baldige Einwirkung auf die
europä=
iſchen Angelegenheiten zu erwarten. Nichts Irrtümlicheres als das!
In dieſem Zuſammenhang verdienen die Aeußerungen
Aufmerk=
ſamkeit, die der bekannte frühere italieniſche Diplomat Graf
Sforza, der zuſammen mit Kellogg auf der Ile de France die
Ueberfahrt von Amerika nach Europa machte, neuerdings in der
Pariſer Preſſe veröffentlicht; Aeußerungen, die aus authentiſchen
Beobachtungen an Ort und Stelle herſtammen. Sforza betont,
daß hinter den Paktbeſtrebungen heute treibend nur ein Teil der
amerikaniſchen Oeffentlichkeit ſteht, genauer: amerikaniſche
Intel=
lektuelle mit dem Präſidenten der Columbia=Univerſity Murray
Butler an der Spitze; ja, er warnt davor, aus der Tatſache des
Paktes vorzeitige Schlüſſe zu ziehen, — um nicht drüben dadurch
vielmehr die Stimmung des „Fſolationismus” zu ſtärken; und
er weiſt ſchließlich darauf hin, daß man doch auf jeden Fall erſt
die Ratifkation des Kellogg=Paktes durch den Senat abwarten
müſſe. „Wo die Macht des amerikaniſchen Senats beginnt, dort
endet die Macht des amerikaniſchen Staatsſekretärs.” Kurz, ſo
wie die Dinge heute liegen, ſtellt die Großmacht jenſeits des
Ozeans auch nach der Unterzeichnung des Kellogg=Paktes ein
großes X vor, auf der Kippe zwiſchen der immer noch
volkstüm=
lichen Loſung des „no entanglement”, Nicht=Einbeziehung, d. h.
in Europa, und einer gänzlich unſicheren politiſchen Rolle in
Europa".
Um ſo mehr Gewicht erlangen unſere beiden oben
aufgeſtell=
ten Fragen: In welchem Verhältnis ſteht der Kellogg=Pakt zu
Genf ſowie zu den beſtehenden Friedensverträgen? Daß Kellogg
ſelbſt von dem Pakt ſagte, dieſer bedeute keine „Annullierung”,
wohl aber eine Erſchwerung des Krieges, tut zwar ſeiner
Beſchei=
denheit und Nüchternheit alle Ehre; aber damit iſt das
Schwer=
gewicht doch wieder den anderen politiſchen Faktoren zugeſchoben.
Betrachtet man aber dieſe im Zuſammenhang mit dem Kellogg=
Pakt näher, ſo bietet ſich ein höchſt merkwürdiges Schauſpiel dar.
Ein Teil der öffentlichen Meinung des Auslandes möchte wohl
an dieſem Pakte ein neues Sprungbrett zur weiteren Forcierung
des Abrüſtungsproblems machen. „Nach dem Abſchluß des
Kellogg=Paktes muß man nach Genf gehen und an der Abrüſtung
arbeiten.‟ Die Geſchichte des Kellogg=Paktes enthält eine Lehre,
die der Völkerbund begreifen muß. Der Völkerbund ſpricht
ſich hingegen ſelbſt das Urteil, wenn er dieſes Problem
vernach=
läſſigt. Das hat er jedoch bisher immer wieder durch Aufſchub
der Frage, durch ſchikanierenden Formalismus, durch
ſchablonen=
hafte Technik getan. Nun aber iſt es endlich Zeit, daß ein friſcher
Hauch in die Sache hineinkommt!“
Wer ſpricht aber eine ſolche Sprache? Der am Quai d’Orfay
doch kaum irgendwie einflußreiche „Populaire”; und die gleiche
der aber, weil die Sowjetregierung — mit gutem Grund — an
ein Weiterbeſtehen jenes „Formalismus und Schablone” glaubt,
ſchließlich eine Abſage an Genf gerichtet hat. Am anderen, ein=
Schlüſſel zur Lage darſtellt) macht ſich indes das gegenteilige
Streben bemerkbar: nur möglichſt alles beim alten zu laſſen. Vor
allem die beſtehenden Friedensverträge und alles, was aus ihnen
reſultiert. Dies iſt natürlich in erſter Linie für die
Okkupa=
tionsfrage ausſchlaggebend. Der Abſchluß des Kellogg=
Paktes ändert nicht im mindeſten die Bedingungen des Friedens,
die die Okkupation beſtimmen, erklärt klipp und klar das „
Jour=
nal”. Und wenn Pertinax in Genf Verhandlungen darüber doch
für möglich hält, ſo nur unter der Bedingung, daß „Deutſchland
von ſeinem inzwiſchen gefeſtigten Kredite Gebrauch macht”, alſo
neue finanzielle Gegenleiſtungen übernimmt. Ja, dieſe
Beharr=
ſich hinter der Abweſenheit Chamberlains zu verſchanzen, dann lichkeit wird zu einem ſo vorherrſchenden Motiv, daß ſie ſchließlich
iſt ihm dieſe Möglichkeit durch Cuſhenduns Erklärung ge= — unglaublich, aber wahr — in dem Kellogg=Pakt ſelbſt ſtörende
Geſpenſter zu ſehen beginnt. In welchen Fällen ſoll man ſich
künftighin nach Genf, in welchen nach Waſhington wenden? Und
iſt nun durch die neue Situation nicht ein „trübes Waſſer”
ge=
ſchaffen, in dem abenteuerliche Staaten fiſchen können? Ja, wird
* Genf, 31. Auguſt. (Priv.=Tel.) Waſhington, das doch neuerdings wieder ſeine moraliſche
Autori=
tät ſchriftlich gab, nicht auch künftighin erſt das Einholen ſeiner
moraliſchen Approbation verlangen und dieſe einem bedrohten
Staate, der ſelbſt zu Sanktionen ſchreitet, verſagen, dieſen alſo in
den Augen Amerikas nicht aus einem Herausgeforderten in einen
Herausforderer verwandeln? Dieſe Zweifel beziehen ſich
nament=
lich auf die Anſchlußfrage, und vor allem das „Journal
reichs auf der September=Tagung in Genf hin, die ablehnende
Haltung gegen den Anſchluß in aller Form zu erklären. Hat doch
England bereits vor dem Abſchluß des Kellogg=Paktes durch eine
Art britiſche Monroe=Doktrin geſchaffen und ſich von vornherein
Seite 2
Samstag, den 1. Geptember 1928
Nummer 243
volle Handlungsfreiheit in jenen Gebieten ausbedungen, wo
bitale Intereſſen des britiſchen Reiches, auf dem Spiel ſtehen.
Nun, derſelbe Chamberlain hat in ſeiner Rede am 31. Juli im
Unterhaus über die Probleme der auswärtigen Politik zwar
ausdrücklich erklärt, daß die Sonderverträge Frankreichs mit
Polen und der Tſchechoflowakei dem Kellogg=Pakt nicht
wider=
ſprechen; nicht aber, daß etwa der deutſch=öſterreichiſche Anſchluß
dieſem Pakte widerſprechen würde, und dieſen Vorbehalt ſoll jetzt
Frankreich in Genf machen!
Wir können im Augenblick nicht wiſſen, ob das offizielle
Eng=
land durch ſein Stillſchweigen über die europäiſchen
Streit=
probleme etwa ſeinen tacitum eonsensum zu ihrer Aufrollung in
der Zukunft gegeben hat. Seine Vorbereitung zum Kellogg=Pakt
hat Chamberlain auf „gewiſſe Teile der Welt, deren Integrität
und Sicherheit einen Teil der Verteidigung des britiſchen Reiches
darſtellt”, alſo wohl auf außereuropäiſche Veſtandteile dieſes
Reiches bezogen. Aber durch ſeine Methode der Vorbehalte zum
Kellogg=Pakt hat er jedenfalls Frankreich ein bedenkliches „
Vor=
bild, für ihre Anwendurg auf Europa gegeben. Und nicht
um=
ſonſt iſt dieſe Methode von dem Sprecher der Liberalen, Crawford,
angegriffen worden, der erklärte, daß die Tragweite des Kellogg=
Paktes empfindlich ſich verringern wird, falls über alle ſtrittigen
Fragen von vornherein Vorbehalte gemacht werden.
So aber, wie heute die Dinge liegen, kann es überhaupt ſehr
fraglich ſein, ob die in Europa ausſchlaggebenden Mächte ſich den
amerikaniſchen Weltfriedenspakt nicht mit aus dem ſehr
weſent=
lichen Motiv heraus angeſchloſſen haben, um Ruhe vor
denen zuhaben, die mit den geltenden Friedensbedingungen
unzufrieden ſind. Die Erhaltung des Status quo ſcheint alſo eine
wichtige Triebfeder dieſes Friedenspaktes auf jener Seite zu ſein.
Aber dies widerſpricht jenen Worten, die man in Havre Kellogg
auf den goldenen Füllfederhalter eingraviert hat: „Si vis pacem,
Dara pacem.‟ Denn bei dem Beſtehenden zu beharren
heißt nicht, etwas Segenſpendendes in der Zukunft
vorzube=
reiten.
Vom Tage.
Schluß des Minderheiten=Kongreſſes.
Richtlinien für die Minderheiten.
* Genf, 31. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Der vierte Nationalitätenkongreß, der vom 29. bis 31 Auguſt
in Genf ſtattfand, iſt heute abend zu Ende gegangen. Der
Kon=
greß hat nicht, wie anfänglich beabſichtigt war, ein allgemeines
Minderheitenſtatut ausgearbeitet, ſondern lediglich Grundſätze
aufgeſtellt, die als Richtlinien ſeiner Haltung dienen ſollen. Man
hat auf die Aufſtellung eines Statuts verzichtet, weil der
Minder=
heitenkongreß keine dauernde Opganiſation iſt, ſondern lediglich
eine Verſammlung, die von Zeit zu Zeit neu zuſammentritt. In
den Grundſätzen wird ausgeſprochen, daß nur organiſierte
Min=
derheitengruppen zum Minderheitenkongreß zugelaſſen werden
können oder Gruppen, die zum mindeſten durch freie
Religions=
vereinigungen uſw. einen eigenen nationalen Kulturwillen
be=
kunden. Vertreter, die zum Minderheitenkongreß entſandt
wer=
den, wüſſen Staatsbürger mit feſtem Wohnſitz in einem
Mehr=
heitsſtaate ſein. Nur in Ausnahmefällen werden
landesver=
wieſene Vertreter zum Kongreß zugelaſſen, dann aber ohne
Stimmrecht und nur unter der Bedingung, daß ſie nicht in
ſtaatsfeindliche Handlungen verwickelt ſind. Die Grundſätze
ſprechen nochmals ausdrücklich aus, daß die Arbeiten des
Kon=
greſſes nicht auf Beſtrebungen gerichtet ſind, die zur Aenderung
der beſtehenden Landesgrenzen führen könnten.
Die Schlußverſammlung beſchloß die Errichtung einer
intereuropäiſchen Zentrale zum Studium des
Minderheitenproblems nach ſozialer, kultureller und
ethnographiſcher Richtung. In einer Entſchließung wird der
In=
terparlamentariſchen Union für ihre Beſchäftigung mit dem
Minderheitenproblem der Dank des Kongreſſes ausgeſprochen
und die Uebereinſtimmung mit dem von der
Interparlamentari=
ſchen Union eingenommenen Standpunkt unterſtrichen. — Dr.
Petek, der Vertreter der ſloweniſchen Minderheiten in Oeſterreich,
erklärte unter Bezugnahme auf die Sympathiekundgebung, die
ſeine Gruppe im vorigen Jahre den ausgetretenen Minderheiten
bereitet hat, daß er größten Wert auf die Rückkehr der
ausge=
ſchiedenen Teile in den Kongreß lege und den Kongreß bitte, kein
Mittel unwerſucht zu laſſen, dies zu erreichen. Dieſer Erklärung
ſchloß ſich die Gruppe der Tſchechoſlowaken in Oeſterreich an.
Präſident Wilfan ſchloß den Kongreß mit Dankesworten an
die Delegierten und hob als weſentliches Ergebnis des
Kon=
greſſes hervor, daß nunmehr durch die Beratungen die Stellung
der Minderheiten zum Völkerbund von Grund auf geklärt ſei.
An der am 8. und 9. September in Mainz ſtattfindenden
Hulbi=
gungsfahrt zum Rhein des A. D.A. C., an dem auch der
Deut=
ſche Motorſportklub teilnimmt, wird als Vertreter der Reichsregierung
der Reichsverkehrsminiſter und Miniſter für die beſetzten Gebiete von
Guérarb teilnehmen.
Geheimrat Profeſſor Dr. Duisberg, Vorſitzender des
Auf=
ſichtsrats der J.G. Farbeninduſtrie A. G., wurde zum
Ehrenſena=
tor der Univerſität Roſtock gewählt.
Der deutſche Geſandte Schrötter teilte dem Miniſter des Aeußern
mit, Deutſchland habe den eſtniſchen Vorſchlag betr.
den Beginnder
Handelsvertragsverhandlungenan=
genommen. Die Verhandlungen ſollen in der erſten Hälfte des
September in Reval beginnen.
Gegen die Ernennung des neuen Direktors der
Minderheitenabteilung des Völkerbundes, Aguirre
de Carces, wird in Genfer und anderen ſchweizeriſchen Blättern ſcharfe
Oppoſition geübt.
Das belgiſche Königspaar iſt von ſeiner Reiſe nach
dem belgiſchen Kongo wieder zurückgekehrt. In
Ant=
werpen und Brüſſel wurden ihm großartige Empfänge bereitet.
Die Telegraphenagentur der Sowjetunion veröffentlicht folgende
Meldung: Den ernſten Geſundheitszuſtand Laſchewitſch’ benutzend,
ver=
breiten ſowjetfeindliche Quellen provobatoriſche Meldungen über ſeine
angebliche Ermordung oder Vergiftung im
Zuſammen=
hang mit den Ereigniſſen in Barga. Wir ſind ermächtigt zu erklären,
daß alle dieſe Meldungen böswillige Erfindungen ſind. Seit
dem ſchweren Autounfall Ende Mai muß Laſchewitſch im Bette liegen.
Er liegt gegenwärtig im Sterben. Weder Laſchewitſch noch andere
Staatsmänner der Sowjetunion hatten irgend eine Beziehung zu den
Ereigniſſen in Barga.
Um ſeinem Wunſch, der ſüdchinſiſchen Regierung beizuſtehen, einen
ſichtbaren Ausdruck zu geben, hat der Sohn Tſchang Tſo=lins,
Tſchanghſuchliang, Befehl erteilt, 80 000 mandſchuriſche
Soldaten, die innerhalb der großen Mauer ſtanden, nach der
Mandſchurei zurückzubringen.
Der kommuniſtiſche Volksentſcheid.
* Berlin, 31. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Die Kommuniſtiſche Partei hat den Antrag auf
Volksbe=
gehren über den Panzerkreuzer dem Reichsinnenminiſter
Seve=
ring zugehen laſſen, der wohl auch keine Möglichkeit finden wird,
um die Einleitung dieſes umſtändlichen Verfahrens
herumzu=
kommen. Die Kommuniſten haben ihren Antrag wiederholt
um=
geändert. Erſt haben ſie den Bau von Panzerſchiffen und
Kreu=
zern verbieten wollen, dann den Bau von Panzerkreuzern und
Kriegsſchiffen, ſind aber im letzten Augenblick wieder zu der
Faſſung zurückgebehrt, die alſo die Möglichkeit des Baues von
Torpedobooten und Zerſtörern offen läßt. Das ſind aber Schiffe,
auf die das Reichswehrminiſterium verzichtet, weil nach den
be=
ſchränkten Größenbeſtimmungen des Verſailler Vertrages hier
brauchbare Schiffe nicht herzuſtellen ſind. Das beweiſt aber auch,
daß den Kommuniſten die ganze Sache nur um der Agitation
willen wichtig iſt. Sie wiſſen ſelbſt, daß ſie die notwendigen
20 Millionen Stimmen nicht aufbringen, verſprechen ſich aber
von der Aufhetzung des Volkes für ihre eigenen Parteiziele ſehr
viel Vorteilhaftes.
Reichstagsabgeordneter Heinrich Imbuſch
begeht am 1. September ſeinen 50. Geburtstag. Er war 1892 bis
1905 als Bergarbeiter auf verſchiedenen Gruben des
rheiniſch=
weſtfäliſchen Kohlenreviers tätig, hat 1905 bis 1919 die Zeitſchrift
„Der Bergknappe” redigiert und iſt ſeit neun Jahren Vorſitzender
des Gewerkvereins chriſtlicher Bergarbeiter Deutſchlands. Dem
Reichstag gehört er ſeit 1919 an.
Die Genfer Ratstagung.
Eine Opium=Enquete? — Errichtung eines
Zentralbüros gegen Opiumſchmuggel.
Genf, 31. Auguſt. (Prib.=Tel.)
Der Rat begann mit der Erörterung des britiſchem Antrags amf
Entſendung einer Unterſuchumgskommiſſion nach dem Fernen Oſten, die
ſich mit den Verhältniſſen des Opiumsſchmuggels befaſſen ſoll, bevzon
das Zentralbüro zur Belämpfung des Opiumſchmuggels gebildet wird.
In der Angelegenheit, in der der kanadiſche Vertreter Mackenzie King
Berichterſtatter iſt, gab Lord Cuſhendun einem Rückblick auf die
Entwicklung der Bekämpfung des Opiumsſchmuggels ſeit der Hagger
Konvention von 1912 und wies auf die ungeheuren Schwierigkeitem hin.
mit denen die engliſche Kolonialvewwaltung in der Opiumfrage zu
kämp=
fen habe. Er hält es aus dieſem Grunde für dringend erforderlich.
wenn die ganzen Verhältniſſe vorher noch einmal von einer beſondenen
Sachverſtändigenkommiſſion unparteiiſch und eingehend unterſucht
wür=
den. Dem ſchloß ſich auch der japaniſche Vertreter Adatei
an. — Paul=Boneour erklärte, daß unbedingt eine Unterſuchung
auch in den Produzentenländern durchgeführt werdem müſſe, während
der holländiſche Außenminiſter Beelaerts van
Blockland, der den engliſchen Antrag ſehr warm begrüßte, nur von
einer Unterſuchung der Verhältniſſe ſowohl i den Produzenten= aſz
auch in den Konſumentenländern einem Erfolg erhofft. Die Unterſuchung
müſſe auch auf die Länder, die nicht Signatarmächte der
Opiumkonen=
tion ſeien, ausgedehnt werden. Es ſei zu hoffen, daß auch die
Vollven=
fammlung und die Kommiſſionem des Bundes noch zu der Frage
Stel=
lung nehmen und ihrereſeits die Entſendung der
Unterſuchungskommiſ=
ſion gutbeißen würden.
Der Vertreter Chinas, Wang Kingeky, erklärte, daß er
von ſeiner Regeirung noch keine Informationen habe und deshalb en
dem engliſchen Vorſchlag nicht Stellung nehmen könne. Er müſſe jedoch
im Rat ſchon jetzt erklären, daß ihm der Erfolg der Enquete nicht
geſichert erſcheine, wenn ſie ſich nicht auch auf die Manufakturländer m
Europa erſtrecke.
Mackenzie King ſprach die Hoffnung aus, daß der chineſiſche
Vertreter noch in dieſer Tagung in der Lage ſein werde, die
Stellung=
jahme ſeiner Regierung zu dem engliſchen Antvag bekamntzugeben. —
Siam hat brieflich ſeine Zuſtimmung zu dem engliſchem Antvag
mit=
geteilt.
Ueber das Inkrafttreten der Opium=Konvention von 1925 und die
Errichtung des Zentralbüros gegen Opiumſchmuggel, erſtattete
Machen=
zie King einen Bericht, in dem er erklärte, daß die Opium=Konvention ;
nach der Ratifikation durch zehn Mächte, von denen ſieben an der Ex=
nach Ablauf der in der Konbention vorgeſehenen 90 Tage nunmehr am
25. September 1928 in Kraft treten könne. Der Artibel 19 der
Konven=
tion ſehe die Bildung des Zentralbüros vor, zu der auch
die Vereinigtem Staaten zur Entſendung eines Vertreters eingeladen
würden. Bei normalem Verlauf der Dinge würden die Mitglieder des
Zentralbüros vom Rat in ſeiner Dezembertagung ermannt werden. Da
jedoch bei der Verminderung der Ratstagungen dieſe Seſſion evtl. auf
Januar verlegt wird, ſo werde die Ernennung entweder im Dezember ;
oder im Januar erfolgen. — Ueber die Perſönlichkeiten, die das
Zen=
tralbüro bilden ſollen, ſpricht ſich die Konvention ganz klar aus. Es
müſſe ſich um Leute handeln, derem Unparteilichkeit, Unabhängigkeit und
techniſche Kompetenz alles Vertrauen einflöße. Das Zentralbüro wird /
aus acht Perſonen beſtehen, die vom Rat ernannt werden. —
Adatei gab zu bedenken, daß es ſich bei der Ernennung der
Mit=
glieder um eine ſehr delibate Angelegenheit handele, da von dem Zem
tralbüro weitgehende ſanitäre und ökonomiſche Maßnahmen getroffen /
werden müßten. Deshalb empfehle es ſich, ſehr vorſichtig bei der Wahl
vorzugehen. Der Rat nehme den Vorſchlag Mackenzie Kings an, der
Generabſekretär möge die Vereinigten Staaten zur Entſendung einen
Perſönlichkeit zur Bildung des Zentralbüros einladen und in ſeiner
53. Sitzung zur Ernennung der Mitglieder des Zentralbüros ſchreiten.
Wie erinnerlich, macht Deutſchland die Ratifikation der
Opiumkon=
bention von der Ernennung eines deutſchen Vertreters in das
Zeuntral=
büro abhängig. Die Erledigung dieſer Frage wird in der Zwiſchenzeit
bis zur Errichtung des Zentralbüros wahrſcheinlich auf diplomatiſchem
Wege erfolgen.
Dei öffentliche Sitzung des Rates war um 11,30 Uhr beendet. E3
ſchloß ſich eine Geheimſitzung an.
Der Rat tritt Samstag vormittag 10 Uhr zu einer öffentlichen
Sitzung wieder zuſammen.
In der nichtöffentlichen Sitzung des Rates wurde die Ernennung
einer Kommiſſarin zum Studium der Probleme der moraliſchen und
ſo=
zialen Gefahrem für Kleinkinder beſchloſſen. Die Frage der Vertretung /
der Union katholiſcher Frauenvereinigungem im Kinderſchutzkomitee
wurde pertagt.
Der Rat trat um 12 Uhr in den Räumen des Generalſekretariats 4
zu einer ganz geheimen Sitzung zuſammen, die ſich mit der Anwort ?
des Ratspräſidenten Procope an Coſtarica befaßte.
Rücktritt Bridgemans aus dem politiſchen
Leben.
London, 31. Auguſt.
Der erſte Lord der Admiralität, Bridgewan, hat die Mel=l
dungen, wonach er ſich bei den Parlamentswahlen im nächſtemn
Jahre nicht mehr als Kandidat aufſtellen laſſen werde, beſtätigt?
und als Grund für dieſen Entſchluß Geſundheitsrückſichten
ange-
geben.
*Ein moderner fliegender Holländer
in der Reichsmarine.
Preſſefahrt des deutſchen Zielſchiffes „Zähringen”.
on unſerem Sonderkorreſpondenten.
Da die früher von den Marinen geübten Verfahren, auf von
Schiffen geſchleppten Scheiben zu ſchießen, heute die Verhältniſſe
eines Seegefechtes nicht genügend naturgetreu illuſtrieren, um
den Schiffsartilleriſten und Geſchützführern eine wirkliche nützliche
Gelegenheit zur Schulung ihrer Schießkünſte zu bieten, ſind die
Marinen der größeren Länder dazu übergegangen, beſondere
Zielſchiffe als Schießobjekt in den Dienft zu ſtellen, um am
fah=
renden Schiff die Uebungen durchzuführen. Während man früher
ſehr erhebliche Summen für Artillerieſchießen ausgab, ohne die
Artilleriſten an die wirklichen Verhältniſſe eines Artilleriegefechtes
zu gewöhnen, bietet das Schießen gegen ein bewegliches Ziel alle
Schwierigkeiten, denen man im Ernſtfall begegnet. Die
Herrich=
tung des Panzerſchiffes „Zähringen”, eines alten, außer Dienſt
geſtellten Kriegsſchiffes der deutſchen Flotte, als ferngelenktes
Zielſchiff wurde 1926 vom Reichstag bewilligt. Das Schiff iſt zirka
12000 Tonnen groß. Durch den Umbau als Zielſchiff hat das
Kriegsſchiff ein ganz anderes Ausſehen bekommen. Da ſämtliche
Aufbauten, Geſchütztürme uſw. entfernt werden mußten, hat das
Fahrzeug ein ganz kahles Aeußeres, das noch erhöht wird, da die
Bullaugen ſämtlich verkleidet ſind. Der Rumpf iſt vollkommen
glatt, ſo daß das Schiff auf den Zuſchauer einen faſt geſpenſtiſchen
Eindruck macht, zumal wenn das Schiff bei den Schießübungen
ohne Beſatzung, ohne Kapitän und Steuermann alle Manöver
auf hoher See ausführt, genau ſo, als wenn Menſchen an Bord
ſeien. Dieſe Eigenheiten haben das Zielſchiff heute zu dem
moder=
nen „Fliegenden Holländer” geſtempelt, der allerdings nichts
Romantiſches an ſich hat, da alles auf ganz natürlichem Wege
vor ſich geht. Das Nervenzentrum des Kriegsſchiffes iſt ein
drahtloſer Empfangsapparat, der mit einer Antenne verbunden
iſt. Auf dem Leitfahrzeug, das die „Zähringen” lenkt, befindet
ſich der Sender. Man kann das Zielſchiff „Zähringen” jeden
be=
liebigen Kurs fahren, eine langſame oder ſchnelle Drehung nach
Steuerbord oder Backbord ausführen, ſchneller oder langſam an
dem ſchießenden Schiff vorbeilaufen, einen Scheinwerfer leuchten
und abblenden, Poſitionslaternen ein= und ausſchalten und
ſogar durch Nebelentwicklung ſich einnebeln laſſen, ohne daß ſich
eine Perſon zur Bedienung an Bord befindet. Sämtliche
Appa=
rate und Maſchinen des Zielſchiffes ſind mit
Sicherheitseinrich=
tungen verſehen, die bei Anweſenheit einer Beſatzung nicht not=
wendig wären. Das Schiff iſt ausgerüſtet mit 16 Geſchützen zu je
15 Böllern, um Geſchützfeuer zu markieren. Außerdem beſitzt das
Fahrzeug eine ſelbſttätige Löſchvorrichtung bei Bränden.
Um der deutſchen Preſſe Gelegenheit zu geben, wie das
Ziel=
chiff „Zähringen” praktiſch zu Ziel= und Schießübungen
Verwen=
dung findet, veranſtaltete das Reichswehrminiſterium, Abteilung
Marine, für die deutſche Preſſe eine Probefahrt, auf der Fernlenk=
ungefähr zwiſchen Wangerooge, Norderney und Helgoland. Vone
den Uebungen auf See fand auf dem Zielſchiff „Zähringen” einen
Beſichtigung ſtatt.
Nach einer dreieinhalbſtündigen Fahrt ſtoppte „Zähringen7
in der Nordſee. Die 52köpfige Beſatzung der „Zähringen” und din
Preſſeleute ſtiegen auf den Schlepper „Boreas” über. „Boreas”
entfernte ſich von dem Zielſchiff „Zähringen”, das nun ohne einer!
Das beſatzungsloſe Fernlenkſchiff „Zähringen” nebelt ſich nach
einem Druck auf die Sendetaſte der Apparatur des Torpedobootes
„Blitz” (links) ſelbſt ein.
Die Zentrale im Innern des Fernlenkſchiffes
mit Ruder= und Kommandoſtand.
übungen vorgeführt wurden. Mittwoch morgen fanden ſich an
der dritten Einfahrt von Wilhelmshaven eine Anzahl
Preſſever=
treter, Preſſephotographen und Filmoperateure auf „Zähringen”
ein, die Kapitän Matthie, Chef der Zentrale der Marinewerft,
willkommen hieß. „Zähringen” ſchleuſte in Begleitung des
Werft=
ſchleppers „Boreas” und des Fernlenkſchiffes „Blitz”, ein altes
Torpedoboot, das als Scheibenſchleppſchiff Verwendung findet,
aus der Hafeneinfahrt und fuhr jadeabwärts in Richtung
Wan=
gerooge. Die Fernlenkübungen, mußten mit Rückſicht auf die
Schiffahrt auf einem abgelegenen Gebiete ſtattfinden, und zwar
Mann Beſatzung auf der Nordſee ſchaukelte. „Blitz”, das Fer—
enkboot mit dem Fernlenkleiter an Bord, hielt ſich in einige.
Entfernung von dem Zielſchiff auf. Bei Schiffsgefechten geN..
Begleitſchiff in ungefähr 2000 Meter Entfernung. Kurz nachdes
ſich „Boreas” von „Zähringen” entfernt hatte, kündigte die He2‟
welle des Zielſchiffes an, daß ſich das Schiff bewegte. Den 5é‟
ſchauern auf „Boreas” bot ſich ein eigenartiger und grandioſſ"
Anblick, das rieſige Schiff ohne Befatzung in Fahrt zu ſehe=
Mittels drahtloſer Telegraphie wurden vom „Blitz” die Manon.”
hinübergefunkt, die das Zielſchiff automatiſch auffing und durg
nennung des Zentvalbüros beteiligt ſind, und zwei dem Rat angehöven.
ſuind die bis zum 27. Juni beim Generalſekretariat eingelaufen ſeien.
man
as Gebiet
iei Mricht
BW e
auf die
Frankrei‟
goſene Abte
er italteniſche
porden. In
nen zur Bet
e ſei
daß von
urde, eire be
Sup
z. wi
dem Sengt di
uichlagen, wer
Der Präſident
nicht die Bed
Augen laſſen
daß der Kellog
Moral darſtell
mus der
ame=
verſtehen,
Recht gebe
der Erde mit
mitteln z1
verhindern
nte
Die Meld
Schiffsbauprot
Paktes im Ko
möchte, wird v.
rika erſt einma
der Pakt zuer
Schiffsbauproe
könnte, daß
unnötig gewor
zu der Vermu
Annahme des
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[ ← ][ ][ → ] jgellogg=Pakt und Flotten=Abkommen.
Leygues über das engliſch=franzöſiſche
Flotten=Abkommen.
EP. Paris, 31. Auguft.
Der „Matin” veröffentlicht ein Interview, das
Marinemini=
zu. Leygues ihm gewährt hat. Auf die Frage, ob das franzöſiſch=
4lliſche Flottenabkommen geheime Beſtimmungen enthalte,
ant=
otrtete Leygues mit großer Beſtimmtheit „Nein”. Ebenſo falſch
, daß man ſich verſtändigt habe, daß dieſe Uebereinkunft auch
das Gebiet des Landheeres ausgedehnt werden ſoll.
Schließ=
hf ſei unrichtig, daß das Abkommen auf einem gewiſſen Umwege
ſeitimmungen des Waſhingtoner Flottenabrüſtungsabkommens
un Jahre 1921 aufzuheben gedenke. Dieſes Abkommen habe
ni. auf die Beſchränkungen der Großkampfſchiffe Bezug gehabt
7) Frankreich werde es bis zur letzten Minute des vereinbarten
enmmins beachten. Das zwiſchen Frankreich und England
ge=
loſſene Abkommen ſei der amerikaniſchen, der japaniſchen und
ari italieniſchen Regierung in ſeinem vollen Text bekannt gegeben
oß den. In Amerika beſitze man alſo die vollſtändigen
Unter=
gien zur Beurteilung der ganzen Frage. Die dort entſtandene
ammpagne ſei daher unverſtändlich. — Der „Matin” teilt noch
it daß von den drei Regierungen, denen der Vertrag zugeſtellt
urde, eine bereits ihre Zuſtimmung mitgeteilt habe. Das Blatt
g: jedoch nicht, um welche Regierung es ſich handelt.
Amerikas Floitenbauprogramm.
EP. Waſhington, 31. Auguſt.
Aus Superior im Staate Wisconſin, dem Sommeraufenthalt
ſololidges, wird gemeldet, daß der Präſident die Abſicht habe,
m: Senat die Ratifizierung des Kellogg=Paktes erſt dann
vor=
ſſchlagen, wenn die neue Flottenbauvorlage erledigt ſein werde.
ei Präſident ſei der Anſicht, daß man des Kellogg=Paktes wegen
uit die Bedürfniſſe der nationalen Verteidigung aus den
unren laſſen dürfe. Gleichzeitig ſei Coolidge der Ueberzeugung,
iß der Kellogg=Pakt nicht nur eine Formel der internationalen
ſoral darſtelle, ſondern ein „praktiſches Element des
Mechanis=
uis der amerikaniſchen Diplomatie‟ Darunter ſoll Coolidge
unſtehen, daß der Vertrag der amerikaniſchen Regierung das
eiöt gebe, im Falle einer Kriegsdrohung auf irgendeinem Punkt
r Erde mit allen Amerika zur Verfügung ſtehenden
Macht=
in eln zu intervenieren, um das Ausbrechen des Krieges zu
rheindern.
Die Meldung aus New York, daß Präſident Coolidge das
chiiffsbauprogramm noch vor der Ratifizierung des
Kellogg=
httes im Kongreß und im Senat zur Abſtimmung bringen
öichte, wird von der engliſchen Preſſe dahin ausgelegt, daß
Ame=
ta erſt einmal Schiffe und dann den Pakt haben wolle. Sollte
r! Pakt zuerſt ratifiziert werden, ſo befürchte man, daß das
chirffsbauprogramm mit der Begründung abgelehnt werden
mnte, daß eine große Kriegsflotte nach Annahme des Paktes
imötig geworden ſei. Man geht in engliſchen Kreiſen ſogar bis
woer Vermutung, daß Präſident Coolidge ſich energiſch für die
nurahme des urſprünglichen Bauprogramms einſetzen werde.
„Paris Soir” zum Kellogg=Pakt.
Paris, 31. Auguſt.
Der dem „Journal” naheſtehende „Paris Soir” ſetzt ſich in
urr Betrachtung über die Unterzeichnung des Kellogg=Paktes
ail den durch dieſen gegebenen Friedensausſichten und die
Räu=
lwag des Rheinlandes auseinander. „Wenn wir an den Frieden
girben,” ſo ſchreibt er, „müſſen wir auch an den Pazifismus
en tſchlands glauben, und, wenn wir an die aufrichtige
Evo=
tion unſerer Nachbarn glauben, wenn wir meinen, daß eine
anäherung ztviſchen Deutſchland und Frankreich
zuſtandekom=
e), muß, müſſen wir Chimären und Träume fahren laſſen und
19 auf den Boden der Wirklichkeit ſtellen und die beſetzten
Ge=
eie räumen. Unſere Ueberpatrioten erwidern uns, daß ſie nicht
wen Pazifismus Deutſchlands glauben. Wozu ſind aber dann
eWerträge und der Kellogg=Pakt gut? Wir wiſſen allzu genau,
ßi niemals ein Blatt Papier, auch wenn es mit den ſtolzeſten
ſeigeln verſehen iſt, ein genügender Schutz gegen die Umtriebe
s entfeſſelten Militarismus iſt. Aber das Heil kann in der
nürfizierung der Geiſter liegen, und deshalb wuß man das
hänland räumen. Das iſt notwendig, weil wir, wenn wir die
ſysten Gebiete erſt zu dem vom Verſailler Vertrag feſtgeſetzten
rmin verlaſſen, den Vorteil einer ſchönen Geſte verlieren; es
motwendig, weil ein wirklich tiefgehender, aufrichtiger
Frie=
mswille vorher nicht ſein kann, ſolange ein Land oder ein Lan=
Steil von den Soldaten einer fremden Nation beſetzt iſt. Zur
gunwärtigen Stunde iſt die Beſetzung eine unnütze Bedrückung,
deren politiſche Ergebniſſe als ſehr prekär erſcheinen, und deren
moraliſche Ergebniſſe von Ranküren und Haß ſtrotzen.”
Der „Paris Soir” hält es aber, um den wahren Frieden zu
ſchaffen, auch für notwendig, daß die Iſolierungs= und
Ein=
kreiſungspolitik gegenüber Sowjetrußland aufhöre. Man müſſe
jetzt daran denken, daß der Weg des Friedens über Berlin und
Moskau gehe.
Die deutſch=portugieſiſchen
Beziehungen.
Neuer portugieſiſcher Geſandter für Berlin.
* Berlin, 31. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Als Nachfolger des kürzlich in Berlin verſtorbenen
portugie=
ſiſchen Geſandten Batalha de Freitas iſt Dr. Antonio Maria
Bartolomeo Ferreira, bisheriger portugieſiſcher Geſandter im
Haag, in der Reichshauptſtadt eingetroffen. Ebenſo wie ſein
Vor=
gänger ſieht der neue Geſandte ſeine Hauptaufgabe darin, die
guten deutſch=portugieſiſchen Beziehungen noch herzlicher zu
ge=
ſtalten und aufzubauen. Unter der Regeirung des Diktators
General Carmona, der nun ſchon ſeit zwei Jahren, zuletzt als
Staatspräſident, an der Spitze der portugieſiſchen Regierung
ſteht, hat ſich die Lage in Portugal trotz aller
Revolutionsver=
ſuche zur allgemeinen Befriedigung der breiten Maſſen
ſtabili=
ſiert. Das Volk war längſt der Terrormethoden umſtürzleriſcher
Vaterlandsverräter herzlich müde geworden. Die Aufſtändiſchen
aus dem letzten Putſch ſind nach den Kolonien abgeſchoben
wor=
den, und augenblicklich herrſcht volle Ruhe in Portugal. Bevor
General Carmona durch einen Staatsſtreich die Zügel der
Regie=
rung ergriff, waren in Portwgal eine unbeſchreibliche
Korrup=
tion und Nepotismus eingeriſſen. Jeder, der ſich irgendwie
wäh=
rend der Revolution zur Schaffung der Republik verdient
ge=
macht hatte, erhob Anſpruch auf eine ſtaatliche Anſtellung oder
auf eine Pfründe, und der Staat ſah ſich verpflichtet, dieſem
Ver=
langen nachzukommen. Man ſchuf überall neue Stellungen, bis
Dr. Antonio Ferreira.
in wenigen Jahren weit mehr als die Hälfte der im Alter von
20 bis 60 Jahren ſtehenden, des Leſens und Schreibens
kundi=
gen Portugieſen im Staatsdienſt untergebracht waren. Arbeit
gab es natürlich nur für einen kleinen Teil. Der größere
Pro=
zentſatz beſchränkte ſich darauf, am Ende des Monats ein Gehalt
einzuhaſſieren und im übrigen auf den Straßen oder in den Cafés
die Zeit mit Politiſieren totzuſchlagen. Dieſe Beamten=Inflation
führte natürlich zu einer ungeheuerlichen Vergeudung von
öffent=
lichen Geldern. Eine andere Folgeerſcheinung war die, daß
nicht die Tüchtigkeit, ſondern Verdienſte um die Schaffung der
Republik genügten, Leute in die höchſten Aemter zu bringen, die
in ihrem Fach gänzlich unauglich waren. Auch die Armee und
die Marine wurden politiſiert. Die Steuerlaſt wuchs, und die
großen Banben und Kolonialgeſellſchaften fanden die Möglichkeit,
die Bewohner buchſtäblich auszubeuten. Um all dieſen
Miß=
bräuchen zu ſteuern, hat Carmona den Finanzminiſter Dr.
Oli=
veira Salazar, mit ganz beſonderen Vollmachten ausgeſtattet.
Die Mißwirtſchaft wird mit Gewalmittelm ausgerottet. Unter
der Regierung Carmonas hat ſich das Anſehen Portugals auch
im Auslande gehoben. Seitdem die letzten Mißverſtändniſſe
zwi=
ſchen Deutſchland und Portugal geregelt und das während des
Krieges konfiszierte Eigentum freigegeben wurde, ſind auch die
deutſch=portugieſiſchen Beziehungen durchaus freundſchaftlich
ge=
worden.
Der Stand der
Abrüſtungs=
verhandlungen.
Keinerlei Fortſchritte. — Für franzöſiſche
Auf=
rüſiung die Bahn frei.
Der franzöſiſche Sozialiſt Paul=Boncour, der durch ſeine
poſitive Einſtellung zu allen die Aufrüſtung Frankreichs
betreffen=
den Fragen und durch ſeine negative Haltung der allgemeinen
internationalen Abrüſtung gegenüber ſchon oft von ſich reden
gemacht hat, hat nach den neueſten Meldungen aus Genf erklärt,
man könne jetzt dank des letzten engliſch=franzöſiſchen Abkommens
in der Reſerviſtenfrage bald die Vorbereitende
Abrüſtungskom=
miſſion wieder einberufen. Nach den ungezählten Verſuchen
Frankreichs, die Abrüſtungsverhandlungen zu verſchleppen,
müß=
ten dieſe letzten Aeußerungen Paul=Boncours überraſchen, wenn
ſich nicht ſchon in ihnen die Begründung für dieſen plötzlichen
Wandel in der Einſtellung Frankreichs finden würde. Der
Hin=
weis Boncours auf das engliſch=franzöſiſche Abkommen, in dem
bekanntlich England ſich bereit erklärt hat, der franzöſiſchen Theſe
beizutreten, daß die Anzahl der ausgebildeten Reſerviſten bei der
Beurteilung der Rüſtungsbeſchränkung eines Landes nicht in
An=
rechnung gebracht werden darf, dieſer Hinweis iſt nichts anderes als
das Eingeſtändnis, daß Frankreich nunmehr gegen einen raſchen
Fortgang der Abrüſtungsverhandlungen deshalb nichts mehr
ein=
zuwenden hat, weil es dank des engliſchen Umfalles nun ſicher
iſt, daß das Ergebnis der Abrüſtungsverhandlungen nur noch in
franzöſiſchem Sinne ausfalle, d. h. der franzöſiſchen Aufrüſtung in
keiner Beziehung mehr hinderlich werden könne. Ein beſtimmter
Termin für den Wiederbeginn der Verhandlungen der
Vorberei=
tenden Abrüſtungskommiſſion iſt zwar bisher noch nicht angeſetzt,
doch kann nach den Andeutungen Paul=Boncours wohl damit
gerechnet werden, daß die Kommiſſion ſchon kurz nach der
Völker=
bundstagung nach Genf einberufen werden wird. Es empfiehlt
ſich in dieſem Zuſammenhange daher wohl, einen kurzen Rück=
und Ueberblick über den gegenwärtigen Stand der
Abrüſtungs=
verhandlungen zu geben. Zum letzten Male hat die
Vorberei=
tende Abrüſtungskommiſſion vom 15. bis 24. März getagt. (Bei
den in der Zwiſchenzeit ſtattgefundenen
Abrüſtungsverhandlun=
gen, wie z. B. kürzlich über die induſtrielle Abrüſtungskontrolle
handelt es ſich nur um die Beratungen von Unterkommiſſionen.)
Die Märztagung hatte ſich mit drei Punkten zu befaſſen: 1. mit
dem Ergebnis der Beratungen des Sicherheitskomitees; 2. mit
den Abrüſtungsvorſchlägen der Sowjetunion, und 3. mit dem
Stand der Arbeiten der Kommiſſion ſelbſt.
Der erſte Punkt wurde lediglich durch Kenntnisnahme
erle=
digt. Die Beratungen über den zweiten Punkt führten zu dem
Ergebnis, daß die Entwürfe der Sowjetunion eine allgemeine
Ablehnung fanden. Ein während der Verhandlungen von den
Ruſſen neu ausgearbeiteter Teil=Abrüſtungsentwurf wurde auf
die nächſte Ratstagung verſchoben. Auf dieſe
Verſchleppungs=
taktik ſpielt die letzte ruſſiſche Note an, in der Litwinow ſehr ſcharf
dieſe Verſchleppungstendenzen kritiſiert. Man kann aber
an=
nehmen, daß ſich die Kommiſſion nunmehr dazu bequemen muß,
den am Schluß der Märztagung vorgelegten ruſſiſchen Entwurf
zu diskutieren. Auf eine Mehrheit können die Ruſſen aber um
ſo weniger rechnen, als inzwiſchen ja die von Herrn Boncour mit
ſo großer Genugtuung erwähnte engliſch=franzöſiſche Annäherung
erfolgt iſt.
Was den dritten Punkt der Märztagung angeht, ſo ergab
ſich damals immer wieder, daß die überwiegende Mehrzahl der
Kommiſſion nicht zu poſitiver Arbeit geneigt war. Trotz der
deutſchen Bewühungen gelang es nicht einmal, den im Herbſt
1927 in erſter Leſung ausgearbeiteten Entwurf einer
Abrüſtungs=
konvention in die zweite Leſung zu bringen.
Es war nur logiſch, wenn daraufhin der deutſche Vertreter
eine Reſolution vorlegte, wonach die Abrüſtungskommiſſion den
Völkerbund erſuchen ſollte, für die nächſte Tagung der
Ab=
rüſtungskommiſſion einen Termin nach der Septembertagung
des Rates anzuſetzen. Die Abrüſtungskommiſſion war jedoch
nicht dazu bereit. Angenommen wurde lediglich eine Reſolution,
wonach im Herbſt der ruſſiſche Teilvorſchlag ſowie der deutſche
Antrag auf Publizität des Rüſtungsſtandes beraten werden ſoll
und es im übrigen dem Erweſſen des Präſidenten überlaſſen
werden ſoll, die zweite Leſung des Konventionsentwurfes
anzu=
ſetzen, d. h. wenn er ſich eine fruchtbare Arbeit verſpreche. Bisher
hat der Präſident der Kommiſſion aber nicht das Geringſte in
dieſer Beziehung von ſich hören laſſen. Mit Recht ſtellte daher
der deutſche Vertreter, Graf Bernſtorff, in der Märztagung feſt,
daß die fünfte Tagung der Kommiſſion keinen Fortſchritt
ge=
bracht habe. Wahrſcheinlich wird er die gleiche Feſtſtellung auch
ach der Ratstagung bei der neuen Sitzung der Kommiſſion
machen müſſen.
s umfangreiche Empfangswerk an Maſchinen, Ruder und
idrere Apparate übertrug. Die vorderen und hinteren
Nebel=
emrate auf dem Zielſchiff wurden „ferngelenkt” eingeſchaltet,
di das Schiff hüllte ſich in Nebel. Der Anblick war ebenſo
gigan=
ch wie gewaltig. Neben den Schwenkungen nach rechts und
ihs führte das Zielſchiff auch eine Kreisbewegung auf. Die
tenseſſanten Vorführungen dauerten ungefähr eine Stunde. Die
eſttzung und die Preſſeleute kletterten dann wieder auf das
ngelenkte Schiff über. Das Zielſchiff wurde jetzt aber noch nicht
n der eigenen Kommandobrücke gelenkt, ſondern die Lenkung
ſungte noch der „Blitz‟. Die Preſſevertreter hatten ſo
Gelegen=
it, die geſamte Apparatur, die zur Fernlenkung notwendig iſt,
jcrer Wirkung und Arbeitsweiſe zu beobachten. Bezeichnend
ſoaß, während ſich „Zähringen” in voller Fahrt befand mit
rBeſatzung an Bord, ein Photograph von den Leuten
ein=
liſeßlich Kapitän und Steuermann eine Gruppenaufnahme
näiete. Das Schiff fuhr allein. Von dem Fernlenkboot „Blitz”
ude dann „Zähringen” geſtoppt. Um auf dem Begleitſchiff die
emeißheit zu haben, daß das Zielſchiff wirklich ſtoppt und die
ſamte Apparatur ausgeſchaltet iſt, ſteigen nacheinander auf dem
elſſchiff fünf Raketen hoch.
DDer Kapitän übernahm anſchließend wieder ſelbſt die
Füh=
mr und ſteuerte „Zähringen” jadeaufwärts nach
Wilhelms=
wn, wo es in den Hafen ſchleuſte. Bei den großen
Artillerie=
ſieBßen der Flotte im Auguſt iſt die „Zähringen” praktiſch zum
ſem Male in der Oſtſee in Tätigkeit geweſen. Damit das Schiff
nech die während der Beſchießung erlittenen Beſchädigungen
chi= untergeht, iſt es vollſtändig mit Kork gefüllt, die das Schiff
ſmimmfähig erhalten. Zur Sicherung der Apparatur und der
laſtahinen ſind dieſe mit einer kugelſicheren Panzerung umgeben.
ſich das Schiff ferngelenkt, werden Kompaſſe uſw. von der
omamandobrücke entfernt.
TTrotzdem die deutſche Reichsmarine durch den
Friedens=
rhrag geknebelt iſt, beſitzt ſie doch die Initiative, die
Seeſtreit=
aſge qualitativ auf eine beachtliche Höhe zu bringen.
Franz Lippold.
Eine Kriegsächtung vor 900 Jahren.
NC. K. Die Aechtung des Krieges, wie ſie jetzt mit der
Unter=
ſchnnung des Kellogg=Paktes ſo feierlich ausgeſprochen iſt, hat
zemitlich nur einen Vorläufer in der Geſchichte, nämlich in jener
emgegung zur Verdammung und Abſchaffung des Krieges, die
etwa 900 Jahren in der Erklärung des „
Gottesfrie=
euis gipfelte. Hoffentlich gelingt es im Jahre 1928, die Ideale,
eſbereits im Jahre 1028 aufgetaucht waren, beſſer zu
verwirk=
hen, aber im Grunde genommen ſind die heutigen Friedens=
ideen und die Verhältniſſe, aus denen ſie geboren wurden, nicht
allzu ſehr verſchieden von jenen, die im 11. Jahrhundert zu der
gewaltigen Bewegung der „Treuga Dei” führten. Die
Entwick=
lung des Gottesfriedens=Gedankens, die von den Anfängen im
10. Jahrhundert bis ins 12. und 13. Jahrhundert geht, iſt der
ſtärkſte Ausdruck jenes Grauens vor dem Kriege, der damals die
Menſchen wie heute befallen hatte. Gegen Ende des 10.
Jahr=
hunderts war die politiſche Lage in Europa — in verkleinertem
Maßſtab nicht viel anders als die von 1914. Die Hand eines jeden
war aufgehoben gegen den andern; unzählige Kriege, Fehden,
Ueberfälle und Metzeleien erſchütterten die Geſellſchaftsordnung,
die damals nach dem Zuſammenbruch des antiken Staates noch
keine feſte und ſichere Grundlage gefunden hatte. Beſondern die
Armen und Schwachen ſtöhnten unter dieſen grauenhaften
Zu=
ſtänden, und ſo war die Stimmung ähnlich wie nach dem
Welt=
krieg, deſſen unerträgliche Grauſamkeit das Streben nach der
Verwirklichung eines neuen „Gottesfriedens” hat entſtehen laſſen.
Gegen Ende des 10. Jahrhunderts begann die Kirche in
Aqui=
tanien und Burgund Anſtrengungen zu machen, um den ewigen
Kriegen Einhalt zu tun. Zweifellos war der erſte Antrieb der
Wunſch, die Geiſtlichkeit und das Beſitztum der Kirche zu ſchützen;
aber auch das Wohl der Bauern und „anderer Armer” lag dem
Klerus am Herzen.
Schon im Jahre 989 ſprach das Konzil von Charroux eine
Aechtung des Krieges aus, indem es alle diejenigen verfluchte,
die die Kirchen ſchändeten, die Geiſtlichen bedrängten oder die
Bauern beraubten, und von nun an kam der Gedanke nicht zur
Ruhe, mit den Machtmitteln der Kirche den Krieg verbieten zu
können. Die feierliche Erklärung des Gottesfriedens, die in
Frank=
reich zuerſt vor etwa 900 Jahren erfolgte und in Deutſchland
dann um 1080 aufgenommen wurde, ſollte eigentlich jede
Gewalt=
tat und jede Selbſthilfe des Einzelnen mit den Waffen
aus=
ſchließen; aber man mußte ſich zunächſt damit begnügen, die
Waffenruhe für beſtimmte Zeiten zu fordern und den Schutz der
Nichtkämpfer zu verlangen. Kein Wunder, daß ein ſolcher
Ge=
danke von der Maſſe mit Begeiſterung aufgenommen wurde!
Große Menſchenmengen drängten ſich zu den Konzilen, in denen
der Gottesfriede ausgeſprochen wurde, und ſchrien mit
aufge=
hobenen Händen: „Friede! Friede! Friede!” Nicht nur den
Menſchen ſollte Schutz gewährt werden, ſondern man dehnte den
Gottesfrieden auch auf Tiere und Pflanzen aus. So wurden die
Olivenbäume für unverletzlich auch während der Kriegsläufte
erklärt, weil ſie für das Leben ſo wichtig ſeien. Bünde wurden
geſchloſſen — kleine Vorläufer des Völkerbundes — deren
Mit=
glieder einen feierlichen Eid leiſteten, den Gottesfrieden zu achten
und ſich an ſeine Regeln zu halten. Zuerſt war nur das Kämpfen
an den Sonntagen verboten worden, aber bald dehnte man das
Verbot auf die Tage der Woche aus, die durch Tod und
Auf=
erſtehung des Erlöſers geheiligt waren, ſo daß von Donnerstag
abend bis Montag früh kein Blut vergoſſen werden ſollte. Kriege
aber, die nur an vier Wochentagen geführt werden durften, hatten
ſchon viel von ihrer Furchtbarkeit verloren. Später wurde der
„Gottesfriede” auf längere Zeiten im Jahr ausgedehnt, ſo auf
die Zeit vom erſten Adventſonntag bis zum Feſt der Erſcheinung
Chriſti, vom Aſchermittwoch bis auf den Montag nach Trinitatis,
wozu noch viele Feſttage kamen. Eine wichtige Urſache, die die
Menſchen jener Tage friedlich und fromm ſtimmte, war die
Er=
wartung des Weltunterganges um das Jahr 1000, da 1000 Jahre
nach dem Tode des Herrn ſein Erſcheinen zum Jüngſten Gericht
vorhergeſagt war. Es gab damals freilich auch Zweifler, die an
die Wirkung ſchöner Worte nicht glaubten und den kriegeriſchen
Geiſt für unausrottbar hielten, ſo z. B. der Biſchof von Cambrai,
und dieſe behielten auch Recht, denn der „Gottesfrieden” wurde
vielfach mißachtet, und die Macht der Geiſtlichkeit, die eigentlich
verpflichtet war, ihre Gemeinde gegen den Frevler aufzurufen,
erwies ſich als zu ſchwach. So dauerten denn die Kriege fort,
aber der edle und große Gedanke iſt nicht untergegangen, und ſo
wollen wir hoffen, daß es dem Pakt von 1928 gelingt, den
Friedenstraum von 1028 zu verwirklichen.
Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
— Franz von Stuck geſtorben. Donnerstag nacht iſt
der bekannte Maler und Bildhauer Geheimrat Franz Ritter von
Stuck im Alter von 65 Jahren einem Herzſchlag erlegen. Stuck
wurde 1863 in Tettweiß (Niederbayern) geboren und beſuchte
1882 bis 1884 die Münchener Akademie der bildenden Künſte, an
der er zunächſt als Profeſſor wirkte. Seine vielſeitige Kunſt trug
ihm reiche Ehren ein, er wurde im Jahre 1905 geadelt und war
Mitglied vieler Akademien des In= und Auslandes. Durch ſeinen
Tod erleidet München und die geſamte Kunſt einen ſchweren
Verluſt.
Der Deutſche Kulturbund, die Deutſchlandgruppe
des Internationalen Verbandes, für kulturelle Zuſammenarbeit,
hat an Stelle des bekanntlich nach Rom berufenen Profeſſors Dr.
Ludwig Curtius den Staatsſekretär a. D. R. v. Kühlmann
zu ſeinem erſten Vorſitzenden gewählt. Dem geſchäftsführenden
Vorſtande gehören außerdem noch an: Prof. Alfred Weber=
Heidel=
berg, Prof. Georg Swarzenſki=Frankfurt a. M., Frau L. v.
Schnitz=
ler=Frankfurt a. M., und als Sekretär Dr. O. v. Rieſemann=
Hei=
delberg. Der Sitz des Sekretariats iſt in Heidelberg, Ziegelhäuſer
Landſtraße 45. Ortsgruppen des Deutſchen Kulturbundes ſind in
Berlin, Leipzig, Köln, Hamburg, München und Frankfurt a. M.
n Bildung begriffen.
Seite 4
Samstag, den 1. Geptember 1928
Nummer 243
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— Ernannt wurden: am 15. Auguſt der Polizeihauptwachtmeiſter
ni) der Bereitſchaftspolizei Jakob Lang aus Wöllſtein zum
Polizei=
mwtwachtmeiſter mit Wirkung vom 1. September ab; am 16. Auguſt
/ Studienrat an dem Gymnaſium in Mainz Dr. Joſef Köhm zum
brrrſtudiendirektor an der Oberrealſchule und dem Progymnaſium in
(aey mit Wirkung vom 1. September ab; am 25. Auguſt der
Ver=
ahrungsoberinſpektor Heinrich Büttner zu Groß=Gerau zum
Ver=
ah-ungsoberinſpektor bei dem Kreisamt Offenbach mit Wirkung vom
2September ab.
— Erledigt ſind: eine Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer
Wer Volksſchule in Hummetroth (Kreis Erbach),
Dienſtwoh=
ms iſt vorhanden; eine Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer
er Volksſchule in Kimbach (Kreis Erbach), Dienſtwohnung iſt
rb anden und frei; eine Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer
er Volksſchule in Nieder=Kinzig (Kreis Erbach),
Dienſtwoh=
ii iſt vorhanden; eine Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer
er Volksſchule in Böllſtein (Kreis Erbach), Dienſtwohnung iſt
rſanden und frei; eine Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer
ſoer Volksſchule in Bechtolsheim (Kreis Oppenheim),
Dienſt=
ihriung iſt vorhanden und ſofort beziehbar; eine Lehrerſtelle für einen
angeliſchen Lehrer an der Volksſchule in Biebelnheim (Kreis
uenheim), Dienſtwohnung iſt vorhanden und ſofort beziehbar; eine
hoerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer an der Volksſchule in
ſtiockſtadt (Kreis Groß=Gerau), Dienſtwohnung iſt vorhanden und
nu, ſofort bezogen werden.
— Jubiläum am Heſſiſchen Landestheater. Am 1. September begeht
Kammermuſiler Wüſtenberg das Jubiläum ſeiner 25jährigen
gThörigkeit zum Heſſiſchem Landestheater. Wir wünſchen dem
vor=
iftichem Künſtler und jederzeit dienſteifrigen, zuverläſſigen Menſchen
hl viels Jahre erfolgreicher künſtleriſcher Tätigkeit in ſeinem ſchönen
Eiffe.
— 30jähriges Jubiläum. Fräulein Luiſe Weiſe hier,
Laute=
ſägerſtraße 19, kann mit dem heutigen Tage in voller Rüſtigkeit auf
e530jährige Tätigkeit bei der Firma D. Faix u. Söhne zurückblicken.
— Heſſiſches Landestheater Darmſtadt. Die Mietkarten für
ſy ater und Konzert werden ab Dienstag, 4. September,
aus=
ſeHen, und zwar für die Mieter, deren Namen mit dem
Anfangs=
raben A.—F. beginnen, für die Buchſtaben G.—L. erfolgt die
Sprabe am Mittwoch, 5. September, für M.—R. ab Donnerstag,
(6. und für S.—Z. ab Freitag, den 7. September. Die Hauptkaſſe
Wandestheaters iſt vom 3. bis 7. September von 8 Uhr früh bis
3 Uhr geöffnet. Ab 10. September ſind die Kaſſeſtunden für die
ſerseinzahlungen an jedem Werktag von 9 Uhr früh bis 13.30 Uhr.
— Städtiſche Akademie für Tonkunſt — Gymnaſtikkurſe. Die
ättiſche Akademie für Tonkunſt hat vom 3. September ab wieder
use Kurſe für Damen, Herren und Kinder, ſowie beſondere Kurſe
liltere Damen eingerichtet. Die Hauptbetonung in dieſem
Unter=
zt wird auf die Erziehung des Körpers durch Muſik gelegt; durch
1 ktändigen Einfluß der Muſik wird das Gefühl für Rhythmik und
9tüik geweckt, durch die Gymnaſtik ausgelöſt und geſteigert. Heute
t das Problem der Körper=Erziehung im Mittelpunkt des
allge=
amen Intereſſes, und iſt für alle, Klein und Groß, gleich wichtig, ſich
16. Gymnaſtik einen geſunden, leiſtungsfähigen Körper zu ſchaffen.
* Mnterrichtsplan vereinigt ſämtliche Arten, rhythmiſche, hygieniſche
vtmungsgymnaſtik, die je nach Art und Charakter der Teilnehmer
lon zugt angewandt werden kann. Es iſt wohl heutzutage nicht mehr
nier darauf hinzuweiſen, daß nicht nur die Jugend, ſondern gerade
cDie Aelteren ihren Körper durch Gymnaſtik leiſtungsfähig erhalten
men.
—— Orpheum. Heute Samstag ſowie morgen Sonntag und die
fol=
ſönn Tage, abends 8 Uhr, Gaſtſpiele Celly de Rheidt mit
en bekannten Schönheits=Ballett und reichhaltigem Revue=
Tanzpro=
mmn. Die Preiſe ſind mäßig (nicht erhöht!), von 1 Mark an. Karten
msorverkauf laut heutiger Anzeige.
—— Die Reichsvereinigung ehem. Kriegsgefangener, Ortsgruppe
rriſtadt, hielt am Sonntag, den 26. Auguſt, ihr diesjähriges
Kinder=
awb. Bei ſchönſtem Wetter ging es unter Voranmarſch der Kleinen
Mieder=Ramſtadt, wo im Saale des Herrn Gaſtwirts Fiſher,
wel=
mans in zuvorkommender Weiſe ſeinen Saal zur Verfügung geſtellt
kel die Kinderbeluſtigungen ſtattfanden. Nach kurzer Begrüßung durch
d aſten Vorſitzenden, Kamerad Bock, eröffnete eine Kinderpolonaiſe
z eſt, und mit frohen Geſichtern folgten die Kleinen ihren Führern.
Worſtand hatte es ſich nicht nehmen laſſen, jedes der Kleinen mit
en) Geſchenk zu überraſchen, und nach Beendigung der Spiele kehrten
g fzeudeſtrahlend zu ihren Eltern zurück. Auch für die Großen fehlte
erincht an Unterhaltung. Die Herren Holzſchuh am Klavier ſorgten
die nötige Tanzſtimmung. Als die Stunde der Trennung ſchlug,
tn wir mit dem Bewußtſein zurück, einen vergnügten Nachmittag
ißreiſe unſerer Kleinen verbracht zu haben. Hoffen wir, daß unſere
wſte Familienfeier im Vereinslokal „Zur Krone” am 23. September,
aulelcher die Kameraden vom Gau teilnehmen, ebenfalls ſo gut
be=
ftwwird, wie es das Kinderfeſt war.
Schulgeldmahnung. Nach der heutigen Veröffentlichung im
In=
wuiteil iſt das Schulgeld für die hieſigem höheren, die ſtädt.
Ma=
veirbau= Gewerbe= Handels= und Haushaltungsſchulen für den
Mo=
mAuguſt 1928 bei Meidung der Beitreibung bis zum 10. September
iMmn die Stadtkaſſe, Grafenſtraße 28, zu zahlen.
ho. Bezirksſchöffengericht. Nur eine Strafſache ſteht nach Wegfall
gener Sachen noch an; ſie hat eine Urkundenfälſchung und Betrugs=
Buich zum Gegenſtand, die einem hieſigen Gewerbetreibenden zur Laſt
geg werden. Der Angeklagte, der als Juwelier auch feine
Gold=
qmiren fertigt, iſt paſſionierter Briefmarkenſammler. Schon längere
watte ihn der Bund deutſcher Philateliſten im Verdacht der
Fäl=
f ſſt = von Sarremarken. Ein in 1922, als Angeklagter noch im
Saar=
gg8 wohnte, eingeleitetes Verfahren wurde eingeſtellt. Derſelbe hatte,
wer angibt, an 30 000 Stück Germaniamarken mit Aufdruck „Sarre‟
wüben. Ein inzwiſchen verſtorbener Briefmarkenprüfer ſchied
Falſi=
f ſitaus und der Angeklagte trat mit Sammlern in regen Austauſch
.uch Verkauf. Die Anklage behauptet nun, daß Angeklagter im
A11 1927 ſolche Sarremarken, die zum Teil mit dem Prüfung3ſtempel
1 ugn nannten Briefmarkenprüfers verſehen waren, durch Raſuren
der=
ufäändert habe, daß ſie einen höheren Tauſch= und Handelswert vor=
1 Ehren, und dieſe dann einem Braunſchweiger Sammler zum Tauſch
mmſ andere Marken angeboten habe. Der Angeklagte beſtreitet jede
Ichung. Als Sachverſtändige ſind Poſtinſpektor Keil in Frankfurt
nſ. und Dr. Dub in Oberſtein an der Nahe zur Stelle. — In der
„reſis pondenz gab Angeklagter an, er habe die Sarremarken wahl=
Itſteiner Privatſammlung entnommen; es ſei
unmög=
daß, wie der Braunſchweiger Sammler behauptete, es lägen
Raſu=
itn rᛋ er ließ dabei durchblicken, daß die Behauptung nur aufgeſtellt
we, um den Tauſchpreis zu drücken. Der Braunſchweiger ſchrieb
ſtu, (er werde die Sachen an die Bundesprüfungsſtelle Berlin zur
ſernuchung ſenden. Angeklagter bekam die beanſtandeten Marken
nnurück. Er hat an einem in Saarbrücken von zwei Vereinen
her=
gerrebnen Saarkatalog durch Bereitſtellung des in ſeinem Beſitz
be=
ſtitsen Materials mitgearbeitet. Die dem verſtorbenen
Briefmarken=
per in 1920 gezahlten Prüfungsgebühren gibt Angeklagter auf 1000
Ek) (Inflationsgeld) an. Die Fälſchung erſcheint ihm als Rätſel, ſie
Ue ihm von dritter Seite unterſchoben worden ſein. Bei
Selten=
ben, habe er mehr bezahlt. (Bekanntlich ſind vielfach falſche
Saar=
aken mit falſchem Aufdruck „Sarre” verbreitet worden, ſo daß man
ennem Unfug in Saarmarken ſprechen kann.) Einem kommiſſariſch
nonmmenen Zeugen (einem hieſigen Briefmarkenhändler) gegenüber
Amgeklagter zugegeben, daß er Raſuren an Marken vorgenommen
g.— Auf ein Inſerat des Angeklagten in der „Sammlerwoche” iſt
Atrauuſchweiger Sammler im Februar 1927 mit dieſem in
Ver=
hmng getreten und hat ihm eine Erſtſendung gemacht. Der
Samm=
lgab im Tauſch Türkenmarken und erhielt vom Angeklagten
Sarre=
ſkemn. Mit der Lupe erkannte er grobe Fälſchungen und Radierun=
DDie Sendung wurde ſofort beanſtandet. Angeklagter ließ ſich auf
rts ein. Der Sammler beſtätigt als Zeuge, daß er an den
Mar=
leiine Raſuren vorgenommen habe. — Der Staatsanwalt beantragt
Gegenüberſtellung des kommiſſariſch vernommenen Zeugen mit dem
helllagten; der Verteidiger widerſpricht, da dieſe Gegenüberſtellung
ſenzeits bei der Zeugenvernehmung ſtattgefunden habe. — Das Gericht
them Amrage ſtatt, weshalb Vertagung eintritt.
Aus den Parteien.
Deutſche Volkspartei, Landesverband Heſſen.
wird letzmalig darauf aufmerkſam gemacht, daß die Teilnehmer
ier Ryeinfahrt am kommenden Sonntag, vormittags 8.06
in Dirmſtadt abfahren. Es iſt dies ein fahrplanmäßiger
in den aber Wagen für die Teilnehmer der Rheinfahrt
bereit=
fen.t ſind. Um einen übermäßigen Andrang an den Schaltern am
mnitag bomittag zu vermeiden, empfiehlt es ſich, die Sonntagskarte
Rlmſſe beeits am Samstag nachmittag zu löſen. Auch am Samstag
cninittag indet ein Kartenverkauf in der Geſchäftsſtelle, Rheinſtr. 22,
Etwäge Nachzügler können auch noch auf dem Dampfer Karten
men, och iſt dabei die Gefahr vorhanden, daß ausverkauft iſt.
Ein Gang durch das Städtiſche
Gaswert.
ws. Das Markanteſte am modernen Gaswerk iſt jener große eiſerne
Behälter, der zylinderförmig in einem großen Gehäuſe ſich langſam auf
und ab bewegt, je nachdem die ihm entnommene Menge an Gas größer
oder geringer iſt. Jener Behälter gibt dem ganzen Betrieb ſein äußeves
Gepräge, er repräſentiert die Leiſtung, den Nutzeffett. Denn bis ſich in
ihm jene farbloſe, unſichtbare Maſſe anſammelt, die wir Gas nennen,
und deren wir uns zu allen möglichen Zwechem bedienen, iſt ein weiter
Weg durch allerlei Oefen, Kondenſatoren, Küchlanlagen, durch ein
ent=
wickeltes Syſtem verſchiedenartigſter Kontvollapparate erforderlich. Wie
albes in der Technik, enwwickelt ſich die Vergaſung und Verkokung der
Kohle aus primitiven Anfängen, die bis in den Beginn des vorigen
Jahrhunderts zurückreichen, zu einer äußerſt komplizierten
Angelegen=
heit, die eine große Zahl Mechanismen, dafür aber eine nur ſehr
ge=
ringe Menge Perſonal in Anſpruch nimmt.
In Paris wurde die Gasbeleuchtung im Jahre 1817, in Berlin 1825
eingeführt. In Darmſtadt wurde im Jahre 1849 die
Portativ=
geſellſchaft gegründet, die den dawals ſehr wenig zahlreichen Abnehmern
das (aus Kiefernholz gewonnene) Gas mittels Transportwagen in die
in den einzelnen Häuſern aufgeſtellten Behälter lieferte. Im Jahre
1853 wurde eine Aktiengeſellſchaft von Darmſtädter Bürgern gegründet,
die 1854 das alleimge Gasherſtellungs= und Vertriebsrecht für
Darm=
ſtadt auf 25 Jahre erwarb. Das Gaswerk wurde am früheren Maintor
errichtet und blieb dort, auch nachdem im Jahre 1880 der Betrieb in
ſtädtiſche Regie übergegangem war, bis es gänzlich unzureichend wurde,
und man in den Jahren 1900/02 auf dem heutigen Platz, auf dem ſchon
ſeit 1889 ein Gasbehälter von 9000 Kubikmeter ſtand, das damals
modernſte Gaswerk Deutſchlands errichtete. Die Gasabgabe, die man im
neuem Werk für eine Spitzenleiſtung von 15 Millionen Kubikmeter pro
Jahr berechnete, ſtieg von 231000 Kubikmeter im Jahre 1855 auf
5 716 500 Kubikmeter im Jahre und erreicht heute etwa 13
Mil=
lionem Kubikmeter. Das Werk wurde von 1880 bis 1914 von Herrn
Direktor Friedrich geleitet, dem im Jahre 1924 Herr Rudolf als Leiter
nachfolgte. Seit 1924 ſteht das Werk unter der Leitung des Herrn
Direktors Nuß, der techniſche Teil unterſteht Herrn Baurat Kalbfuß,
der in liebenswürdiger Weiſe, unterſtützt von Herrn Betriebsamtmann
Volkquardts und Herrn Betriebsoberwerkmeiſter Bayerle die Führung
der Preſſe übernahm, nachdem Herr Dr. Nuß einen einleitenden
Vor=
trag gehalten hatte.
Das wichtigſte für die Herſtellung das Gaſes iſt die Auswahl des
geeigneten Rohſtoffes, der Rohle. Und zwar muß man einmal dafür
Sorge tragen, daß die Kohle ein gutes Gas liefert, man muß aber auch
darauf ſehem, einem möglichſt hochwertigem Koks zu erzielen, der dem
Zechenkoks an Qwalität nicht nachſteht. Durch ſehr ſorgfältige
Unter=
ſuchungen iſt dieſes Ziel am hieſigen Gaswerk erreicht. Man verwendet
eine Ruhrnußkohle, die zwar nicht dieſelben Mengen Gas liefert wie
die früher vielfach verwerdete Saargaskohle, aus der dafür aber ein
vorzüglicher Kols gewonnen wird, deſſem Verbaufsmenge von früher
7000 To. auf 17000 To. im letzten Jahre geſtiegen iſt. Die Kohle wird
von den Waggons (das Werk hat Gleisanſchluß an die Reichsbahn) durch
einen großen Kran in die Kohlenbunker entladen. Von hier aus wird
ſie durch ein Bradleyſches Becherwenk (eine Art laufendes Band)
ent=
weder direkt in die Behälter über den Oefen geſchafft oder ſie wird
in Reſervebunkem aufgeſtapelt. Das Gaswerk beſitzt 9 dieſer
Reſerve=
bunker mit einem Geſamtinhalt von zirka 63000 To. Der hier
aufge=
ſtapelte Kohlenvorrat reicht bei normaler Leiſtung für rund ein halbes
Jahr. Damt iſt auch bei Bergarbeiterſtreiks oder Störungen in der
Be=
lieferung die Weiterarbeit des Werks ſichergeſtellt. Was nicht in dem
Magazin gelagert wird, gehr auf laufendem Band in die über den Oefen
liegenden Behälter und gelangt zur ſofortigen Vevwendung. In den
Oefem vollzieht ſich der eigentliche Vorgang der Vergaſung. Die Kohle
wird unter Lufvabſchluß erhitzt, und es trennen ſich nun die gasförmigen
Beſtandteile von den Reſtbeſtänden. Die Kohle gelangt zu dieſem Zweck
in ſog. Kleinkammeröfen, ſchräggeſtellte Retorten, die durch
Generator=
gas beheizt werden. Dieſes Generatorgas, ein Schwachgas von etwa
1200 Wärmeeinheiten, wurde früher in drei getrenntem Generatoren
ge=
wonnen, die man im Jahre 1919 durch einem Zentralgeverator erſetzt
hat. Die Abgaſe werden zur Vorwärmung der gur Verbrennung
nöti=
gen Luft benutzt und erſparem ſo indirekt große Mengen Wärme. Aus
den Kleinkammeröfen gelangt die entgaſte Kohle (der Koks) auf die ſog.
Brouverſche Rinne, ebenfalls ein laufendes Band, das aber mit Waſſer
gefüllt iſt und ſo das Löſchen des heißen Kokſes beſorgt. Der abgelöſchte
Koks wird dam in einem Silo mechaniſch durchgeſiebt und, wenn nötig,
„gebrochen” (zerkleinert). Von hier aus gelangt er dann zum
Einzel=
verkauf oder waggomweiſen Verladung.
Das in den Retorten gewonnene Rohgas enthält natürlich noch eine
große Menge Stoffe, die den Verbrauchswert beeinträchtigen und daher
entfernt werden müſſen. Es muß zu dieſem Zweck zunächſt auf eine
geringeve Temperatur gebracht werden. Bevor dies fedoch geſchieht,
wird dem Kohlengas aus einer beſonderem Anlage „Waſſergas”
zuge=
miſcht, um einen konſtantem Heizwert zu erzielen. Dieſe Waſſergasanlage
ermöglicht es, aus kaltem Ofen in etwa drei Stunden Gas zu erzeugen,
während der gleiche Prozeß in den Steinkohlenöfen etwa vier Wochen
dauert. Da die Waſſergasanlage auch ſparſamer wirtſchaftet, war es
dem Darmſtädter Gaswerk — als einem der wenigen deutſchen Werke —
möglich, auch während des Krieges den Betrieb — allerdings in
be=
ſchränktem Umfange — aufrecht zu erhalten. Iſt das Gas nun auf einen
konſtanten Heizwert von etwa 4400 Wärmeeinheiten gebnacht, wird es in
Kühlern auf 60 Grad abgekühlt, um es für die Reinigung geeigneter zu
machen. In den Kühlern ſcheidet ſich bereits der Teer, der ſpezifiſch
ſchwerer iſt, ab. Er wird zur weiteren Verwertung den chemiſchen
Fa=
briken zugeführt und dient ja u. a. bekanntlich zur Herſtellung von
Medikamenten, Anilinfarbem uſw. Das Herz der geſamten Anlage iſt
der Raum, in dem ſich die Abſaugeapparate befinden, die das Gas unter
beſtändigem gleichen Druck aus den Retorten durch die verſchiedenen
An=
lagen und ſchließlich in die Behälter pumpen. Ueberall angeſchloſſene
Prüf= und Kontrollapparate überwachen die Regelmäßigkeit der
Pro=
druktion und nehmen ſo dem Maſchiniſten einen Teil ſeiner
Verantwor=
tung ab. Das von Teer durch Kühlung und Deerſchneider befreite Gas
enthält aber noch weitere Beſtandteile, die entzogen werden müſſen.
So vor allem Ammoniak, das in der chemiſchen Induſtrie ja eine
be=
deutende Rolle ſpielt. Das Gas wird durch Waſſerbehälter geleitet, pa,
das Ammonigk eine Verbindung mit dem Waſſer zu Ammoniakwaſſer
eingeht, das an die Firwa E. Merck zur Weiterverarbeitung abgegeben
wird. Aehnlich wird Benzol mit Leinöl ausgewaſchen. Die
durchſchnitt=
liche Tagesproduktion beträgt etwa 20 Kg. Rohbenzol, das man bisher
ebenfalls zur Weiterverarbeitung verkauft hat. Es beſteht aber die
Ab=
ſicht, alsbald in einer eigenem Reinigungsanlage das Benzol
verkaufs=
fertig zu verarbeiten. Die bisherigen Verfahren waren „naſſe”, wenn
man ſo ſagen darf, d. h. dem Gas werden die Beimiſchungen durch
Flüſſigbeiten entzogen. Eine Weile verſuchte man auch, das im Gas
noch enthaltene, außerordentlich wertvolle Cyan auf dieſem Wege zu
eliminieren. Man iſt jedoch auf das Trochenverfahren zurückgekommen,
das auch zur Gewinnung des Schwefeleiſens angewandt wird. Das Gas
wird ſodann durch große, flache Behälter geleitet, die auf zwei
durch=
gehenden Roſten mit Raſeveiſenerz und einer künſtlichem alkaliſchen
Miſchung angefüllt ſind, in denen ſich der Schwefelwaſſerſtoff
nieder=
ſchlägt. Von den chemiſchen Fabriken wird dann dieſe bis zu 50 Prozent
mit Schwefel geſättigte Maſſe, die etwa ein Jahr unter mehrfacher
Lüftung bvauchbar iſt, wieder ſchwefelfrei gemacht. (Die ſo gewonnene
Schwefelſäure dient dann u. a. zur Herſtellung von Kunſtſeide.)
Nach=
dem vorher noch das Naphthalin ausgeſchiedem iſt, was deshalb beſonders
wichtig, weil dieſer Stoff vor allem die Rohrleitung verſchmutzt und ſo
langwierige und ärgerliche Reinigungsarbeiten notwendig macht, wird
das nun gebrauchsfertige Gas im Uhrenhaus durch drei große
Sta=
tionsgasmeſſer geleitet und dann den beiden Behältern zu 30000 und
9000 Kubikmeter Inhalt zugeführt. In dieſem Uhvenhaus befinden ſich
noch drei Druckregler, die automatiſch bei ſtärkerer oder ſchwächerer
Gas=
entnahme den Gasdruck regeln. Es iſt übrigens intereſſant, daß der
Gasverbrauch von morgens bis gegen 11 Uhr ziemlich konſtant iſt, von
da bis etwa 13 Uhr einen erſtem Höchſtſtand erreicht (Mittageſſen), um
bis 16 Uhr wieder abzuſinben. Einer bleinen Steigerung (Kaffeezeit
und Abendeſſen) folgt dann am Abend ein allmähliches Abſinken, bis
etwa gegen 11 Uhr ein Tiefſtand erreicht wird. (Man ſieht, Darmſtadt
iſt eine ſolide Stadt.) Von dem Hauptdruckregler aus wird durch einen
Hebelgriff eine Druchwelle in die Leitung geſchickt, um die
Straßen=
beleuchtung (die fa mit automatiſcher Zündung verſehen iſt) in Gang
zu bringen. Eine zweite Druckwelle löſcht die Beleuchtung bis auf die
Nachtlaternen, die durch eine dritte Welle gegen vier Uhr morgens
eben=
falls ausgeſchaltet werden. Wird einmal vergeſſem, den Hebel am Abend
zu betätigen, dann liegt die ganze Stadt im Dunbeln, und am Morgen
brennen alle Laternen, bis durch eine neuerliche Druckſteigerung, die ſich
in einem etwa drei Minuten langem „Brodeln” der heimiſchen
Gas=
beleuchtung oder =eizung bemerkbar macht, der Normalzuſtand
herge=
ſtellt iſt.
Seinen elektriſchen Strom übrigens, dem es früher ſelbſt herſtellte,
bezieht das Gaswerk heute von der Heag, die mit 69 Prozent ja
eben=
falls „ſtädtiſcher” Betrieb iſt.
Die Führung vermittelte einen klaren Ueberblick über die Größe und
Leiſtungsfähigkeit des Betriebs. Es iſt, wenn man mit ſonſtigen
Be=
triebem vergleicht, erſtaunlich, eine wie geringe Zahl von Arbeitern
ge=
nügt, um die fortlaufende Arbeit zu vollbringen. Es ſind nämlich im
eigentlichen Betrieb nicht mehr als 80 Arbeiter beſchäftigt, die in
drei=
wal Achtſtundenſchicht arbeiten. Außer den, der ſchweren Arbeit
nament=
lich im Fewerhaus angepaßtem Löhnew, wird auch ſonſt für die
Arbeiter=
ſchaft geſorgt. Waſch= und Baderäume bieten Gelegenheit, ſich nach der
Arbeit, die ja ziemlich viel Kohlenſtaub und Oelverunreinigungen mit
ſich bringt, zu ſäubern. Außerdem ſind Eßräume vorhanden und eine
Unfallſtation ſorgt dafür, daß im Notfall rechtzeitige Hilfe geleiſtet
wer=
den kann.
Der Rundgang beſtärkte die Vertreter der Preſſe in der Auffaſſung,
daß es ſich beim Darmſtädter Gaswerk um ein gutgeleitetes und
durch=
aus wirtſchaftliches Unternehmen handelt, das auch für die Zukunft (wie
dieſe auch werden mag) Ausſichtew hat.
Möbelfabrik K. Klenk Nachf.
Lambeck & Co
SOMDERLVERKAUB
(13 67a
s. Inserat
— Neue Poſtwertzeichen. Vom 1. September ab werden bei den
Poſtämtern neue Marken ausgegeben. Dieſe Poſtwertzeichen erſcheinen
mit dem Bildnis des Reichspräſidenten. Die neuen Poſtwertzeichen
gleichen in Format und Größe den bisherigen Marken und ſind
eben=
falls auf weißem Papier hergeſtellt. Die Marken zu 3, 8. 10, 20, 30,
45 und 60 Pfg. zeigen das Kopfbildnis des verſtorbenen
Reichspräſi=
denten Ebert, die Marken zu 5, 15, 25, 40, 50 und 80 Pfg. das
Kopf=
bild des Reichspräſidenten von Hindenburg. Die Farben der Marken
ſind: 3 Pfg. gelbbraun, 5 Pfg. hellgrün, 8 Pfg. dunkelgrün, 10 Pfg.
rot, 15 Pfg. karminrot, 20 Pfg. ſtahlblau, 25 Pfg. blau, 30 Pfg.
oliv=
grün, 40 Pfg. violett, 45 Pfg. orange, 50 Pfg. braun, 60 Pfg.
rot=
braun, 80 Pfg. ſchwarzbraun. Es wird beſonders darauf hingewieſen,
daß die beiden roten Farben für die Marken zu 10 und 15 Pfg.
ver=
tauſcht ſind; die dunkle Farbe gilt für die 15 Pfg.= und die helle Farbe
für die 10 Pfg.=Marken. Die Marken bisheriger Ausgaben müſſen
allgemein nebenher aufgebraucht werden. Rollenmarken und
Poſt=
karten können erſt ſpäter ausgegeben werden.
Zeitgemäße Buchhaltungsmethoden!
Wichtig für jeden Betrieb!
Unerläßlich für jeden
vorwärts-
strebenden Angestellten!
Abendkurse, Woche vom 10. September 1928 beginnend‟
1. Einfache, doppelte, amerikanische und Tavlorix-
(darchschreibe) Buchführung;
oder für Fortgeschrittene:
2. Abschlußübungen und Taylorfx- (durchschreibe)
Buchführung.
In beiden Kurgen:
Besprechung von Stenerfragen und ihre buchtechn.
Behandlung:
Praktische und sachgenäße Ansbildung zum
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zeitlicheu und abschlußsicheren Buchhalter.
Für Inhaber und leitende Personen Sonderzirkel.
Näheres und Anmeldungen (bis 3. September) 1928) durch den
Leiter Telix Graetz in Firma Hessische
Treuhandgesell-
schaft, Felix Graetz & Dr. jur Michel, Da mstadt,
Georgen-
straße 9, Fernsprecher 2895.
Sprechstunden: Sonnabend 1. September 1928. vorm.
11—12 und nachmittags 3—4 Uhr. Montag, den 3 September
1928. vormittags 12—1 und nachmittags 6—7 Uhr. 3932
— Treue Mieterin. Am 1. September d. Js. ſind 30 Jahre
ver=
floſſen, ſeitdem Frau Muſiklehrer Heinrich Jungkurth Wwe. im
Hauſe Aliceſtraße 2 (ehemals Guſt. Fehrer, Weinhandlung) wohnt.
Lokale Veranſtaltungen.
Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchlleßlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten.
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
— Bund Königin Luiſe. Montag, den 3. September, um
8 Uhr abends, findet bei Sitte Vollverſammlung ſtatt. Die
Kamera=
dinnen ſowie die Jungmädchengruppe werden dringend gebeten,
voll=
zählig zu erſcheinen. Es liegen wichtige Beſprechungen vor.
— Der Marineverein Darmſtadt, gegr. 1899, halt am
2. September (Sedantag) ſein Sommerfeſt im Kronenbräu=Keller (
Die=
burger Straße 97) ab. Gartenkonzert einer ehemaligen Militärkapelle
wird mit Stücken aus alter Zeit dem Publikum Rechnung tragen.
Außerdem wird eine reichhaltige Tombola und Tanzbeluſtigung in dem
großen, erweiterten Saal veranſtaltet. Freunde und Gönner des
Ver=
eins ſind herzlichſt eingeladen.
— Reſtaurant im „Darmſtädter Hof”. Es ſei hiermit
auf die am Samstag und Sonntag abend ſtattfindendem Konzerte mit
Ueberraſchungen beſonders hingewieſen. (Siehe Anzeige.)
— Im Perkeo, Alexanderſtraße 12, finden jeden Samstag und
Sonntag Unterhaltungskonzerte mit Tanzeinlagen ſtatt. (Siehe Anzeige.)
— Kaffee=Reſtaurant „Zum Sportplatz”. Heute
abend 8 Uhr Eröffnung. Täglich abends 8 Uhr, Sonntags ab 4 Uhr
Stimmungsmuſik. (S. Anz.)
— Heſſiſcher Hof. Heute Samstag, 1. September, abends
8 Uhr: Rheiniſcher Abend mit Matthias Weber. Nur bei geeigneter
Witterung. (Siehe Anzeige.)
15
B
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auch für „schrankfertige Wäsche‟
F
Tageskalender für Samstag, den 1. September 1928.
Landestheater Großes Haus: Geſchloſſen. — Kleines Haus:
Ge=
ſchloſſen. — Orpheum, abends 20 Uhr: Gaſtſpiel Celly de Rheidt
mit Ballett. — Konzerte: Schloß=Kaffee, Kaffee Rheingold, Hotel
Schmitz, Waldſchlößchen, Frankfurter Hof, Sportkaffee, Perkeo,
Neckar=
tor, Brauerei Schul, Spover Tor, Neues Schießhaus, Reichshof —
Hefſiſcher Hof abends 20 Uhr: Volkstümliches Konzert. —
Familienabend der Freireligiöſen Gemeinde im Fürſtenſaal. —
Beſſunger Turnhalle, abends 20 Uhr, Orth’ſcher
Männer=
chor: Sommernacht=Feſt. — Rippers Platanengarten,
abends 20 Uhr: Konzert. — Kinoxorſtellungen: Helia, Palaſt=
Lichtſpiele, Reſidenz=Theater.
Somstag, den 1. September 1928
Nummer 243
Aus Heſſen.
An. Arheflgen, 31. Aug. Grummeternte. Geſtern wurde hier
mit dem Schnitt des Grummetgraſes auf der Auwieſe begonnen. Der
Stand desſelben iſt recht gut. Es kamen ihm die Regengüſſe der letzten
Wochen ſehr zuſtatten. — Bei der am verfloſſenen Sonntag in
Darm=
ſtadt ſtattgefundenem Verteilung der Meiſterbriefe wurdem ſolche
an folgende hieſige Jungmeiſter ausgegeben: Wilh. Benz,Schriftſetzer;
Sebaſtian Blitz, Waagenbauer; Heinrich Brücher, Bäcker; Johann Helm,
Bäcker; Leonhard Mayerhöfer, Bäcker; Wilh. Güntber, Schmied;
Ba=
bette Peter, Schneiderin; Chriſtian Pfeifer, Elektrotechmiker, und Wilh.
Ruf, Elektrotechniker. — Der hieſige Turnverein von 1876 hälr
am 1. Septeber d. J. in der Turnhalle ein Schauturnen der Turnerinnen
und Turner ab, woran ſich am Sonntag eine Nochfeier mit Tanz
an=
ſchließem wird.
O. Erzhauſen, 30. Aug. Dieſer Tage weilte Herr Baurat Keſſel
hier, um dem Denkmalsausſchuß über die Platzfrage und die
Ausgeſtal=
tung des Denkmals ein Gutachten abzugeben. Der vorgeſehene Platz an
der Kirche wurde beſichtigt. Dem Denkmalsausſchuß ſoll baldmöglichſt
ein unverbindlicher Plan zugeſtellt werden, nach dem dann weitere
Be=
ratungen ſtattfinden. Auch den Einwohnern ſoll dann Gelegenheit
ge=
geben werden, ihre Anſichten zu äußern.
F. Eberſtadt, 31. Aug. Gemeinderatsſitzung. Geſtern
abenb fand im Rathausſaale eine Gemeinderatsſitzung ſtatt, die der
Bürgevmeiſter Dr. Uecker leivete und die ſich dadurch auszeichnete,
daß ſie nur von kurzer Dauer war. Nachdem die Beratungen des
Ge=
meindevoranſchlags in der letzten Sitzung beendet worden ſind und die
vereinigten Wirtſchaftsverbände ihren Einſpruch zurückgenommen haben,
ſchlug der Vürgermeiſter vor, zur Aufbringung der diesjährigen
Ge=
meindeumlage die Steuerausſchlagsſätze wie folgt feſtzuſetzen: a) für
je 100 Mark Steuerwert von Gebäuden und Buplätzen 30 Pf., b) für
je 100 Mark Steuerwert vom land= und forſtwirtſchaftlichen Grundbeſitz
57,5 Pf., c) für je 100 Mark Steuerwert vom gewerblichen Anlage= und
Betriebskapital 69,5 Pf., d) für je 100 Mark Steuerwert aus Gewerbe
vom Ertrag 83 Pf. Das Plenum ſtömmte mit Mehrheit den Vorſchlägen
zu. Die Baugeſuche Ludwig Hamann=Darmſtadt (Errichtung eines
Wohnhauſes an der Alten Darmſtädter Straße) und des Heinrich
Formhals (Ladenumbau) werden nach den vorgelegten Plänen
geneh=
migt. Die Ausführung des Hochbehälters und der Quellfaſſung im
Steckenborn (ausſchließlich der Schloſſerarbeiten) wird dem Unternehmer
Ludwig Dächert 6. übertragen. Die Schloſſerarbeiten erhält Fritz
Hof=
mann, die Liefevung der Rohre, Formſtücke uſw. Wilhelm Bauer 1.
Die Arbeiten und Lieferungen für den inneren Ausbau der Wohnhaus=
Neubauten am Lämmchesberg werden wie folgt vergeben: die
Glaſer=
arbeiten dem Karl Fließ; die Schloſſerarbeiten dem Fritz Bauer; die
Herd= und Ofenlieferung dem Peter Kaltwaſſer 3.; die elektriſche
In=
ſtallation dem Heinrich Baldus. Die Schreiner= und Weißbinderarbeiten
werden in mehreren Loſen an die Wenigſtnehmenden vergeben. Hierauf
geheime Sitzung.
F. Eberſtade, 31. Aug. 13. Gautag des Gaues
Darm=
ſtadt für Einheitskurzſchrift. Am Samstag und Sonntag
findet hier der 13. Gautag des Gaues Darmſtadt für
Einheitskurzſchrif=
ſtatt. Eingeleiter wird die Tagung dunh eine
Gauvertreter=
verſammlung, die am Samstag, um 17½ Uhr, im Gaſthaus
„Zur Roſe” abgehalten wird und die der Erledigung des geſchäftlichen
Teils dient. Um 20½ Uhr ſchließt ſich im gleichen Lokal ein
Be=
grüßungsabend an. Am Sonntag vormittag folgt das
Gau=
wettſchreiben, das von dem Wettſchreibobmann Metzger
ge=
leitet wird und in den Räumen der Eleonorenſchule ſtattfindet. Am
Nachmittag veranſtaltet der Gau im Saalbau „Zum Schwanen” eine
große Feier, beſiehend aus Anſprachen, Unterhaltung und Tanz.
Um 18 Uhr wird das Wettſchreibergebnis verkündet und die
Preisver=
teilung vorgeaommen. Hierzu ſind dem Gau eine große Zahl teils
ſehr wertvoller Preiſe aus dem Kreiſe der hieſigen Geſchäftswelt und
von namhaften Perſonen in dankenswerter Weiſe zur Verfügung
ge=
ſtellt worden. Die Preiſe ſind gegenwärtig im Schaufenſter der Firma
Wilhelm Veith in der Neuen Darmſtädter Straße ausgeſtellt.
Aa. Eberſtadt, 30. Aug. Waiſenſchutz. Der hieſige Zweigverein
des Fechtvereins „Waiſenſchutz” hält am Ende dieſer Woche im
Gaſt=
hauſe Zum Schützenhof” eine wichtige Mitgliederverſammlung ab.
G. Ober=Ramſtadt, 30. Aug. Gemeinderatsbericht. Vor
Eintritt in die umfangreiche Tagesordnung der geſtrigen
Gemeinderats=
ſitzung gab der Bürgermeiſter bekannt, daß Fuhrunternehmer Georg
Ehrhardt 7. das Fahren des Leichen= und des Sprengwagens infolge
Betriebseinſtellung niedergelegt und Karl Hofmann 3. hier dies zu den
Verſteigerungsbedingungen bis zum Schluſſe des Rechnungsjahres
über=
nommen habe. Weiter werden die Verhandlungen über die
Verpach=
tung der Winterſchafweide 1928/23 mit dem Schäfereibeſitzer Herrn
Fer=
didend Gruber m Groß=Umſtadt bekannt gegeben und gutgeheißen. Die
Beſchaffung zweier Spezialwaſſermeſſer für hieſige Großverbraucher
wird der hohen Koſten halber bis zur endgültigen Regelung der
allge=
meinen Anſchaffung von Waſſermeſſern zurückgeſtellt. Die Verwaltung
wird ermächtigt, zur Erſchließung weiterer Waſſerquellen für die
Spei=
ſung der Hochzone ducch Herrn C. Gruber=Frankfurt a. M. Verſuche
anſtellen zu laſſen. G.R. Franz Wilhelm Fiſcher hat gegen die
Anfor=
derung von Straßenherſtellungskoſten im Schafgraben Einſpruch
er=
hoben. Er verließ während der Beratung dieſes Punktes den
Sitzungs=
ſaal. Nach eingehender Ausſprache wurde darüber abgeſtimmt, ob die
Forderung der Gemeinde in voller Höhe aufrechſt erhalten werden ſolle.
Die ſchriftliche Abſtimung ergerb 9 Stimmen für die
Aufrechterhal=
tung der Forderung, 3 dagegen und 2 Stimmenthaltungen. Die
Zah=
lung des Betrages wird, wie in anderen Fällen, in Naten geſtattet.
Nach Kenntnisnahme der kreisamtlichen Verfügung beſchließt der
Ge=
meinderat, die von Abraham Wartensleben gelegentlich der Herſtellung
der Bauſtraße zu tragenden Fußſteigkoſten, deren Zahlung verweigert
tuird, beim ordentlichen Gericht einzuklagen. Jakob Fornoff bittet, mit
Mückſicht auf die Lage ſeiner Wohnung und die in ſeiner Familie
herr=
ſchenden Fußkrankheiten einen Wohnungstauſch mit einer
Parterre=
wohnung im Gemeindehaus Friedhofſtraße 11 vornehmen zu dürfen.
Das Geſuch wird bis zur demnächſtigen Regelung ähnlicher
Wohnungs=
ſachen zurückgeſtellt. Bei ſchriftlicher Abſtimmung wurde mit 11 gegen
3 Stimmen der Ankauf des von Gemeinderat Peter Finger 8.
ange=
botenen Grundſtücks Fl. II, Nr. 58½/o, Acker auf dem Steinreh, 2265
Quadratmeter, zum Preiſe von 45 Rpf. pro Quadratzmeter beſchloſſen.
Finger verließ während der Verhandlungen hierüber den Sitzungsſcal.
Wilhelm Klein hier hat einen Grundſtückstauſch mit der Gemeinde
an=
geregt. Die Sache wird zur Beſichtigung und Vorberatung an die An=
und Verkaufskommiſſion für Grundſtücke verwieſen. Adam Brunner 2.
in Zeilhard has an die Gemeinde zwei Ziegenböcke verkauft und infolge
Abweſenheit des zuſtändigen Kreistierarztes durch die Körkommiſſion
eines anderen Bezirks für die Körung der Tiere erhöhte Aufwendungen.
Da die Gemeinde die Tiere preiswert erworben und Verkäufer beim
Verkauf nur mit den üblichen Körkoſten rechnete, bewilligt ihm die
Ge=
meinde hierzu einen Beitrag von 5 RM. Das Geſuch der Firma März
u. Ritſcher, Ober=Ramſtadt, um Erlaubnis zur Errichtung eines
Fabrik=
gehäudes in Fl. 35 Nr. 159 außerhalb des genehmigten Ortsbauplanes
wird unter der Bodingung genehmigt, daß Bauherr für die Zuleitung
von Waſſer und Licht ſelbſt aufkommen muß. Einer
Vorrangseinräu=
mung bezüglich der Hypothekbelaſtung des Grundſtücks eines hieſigen
Bauenden durch die Heſſiſche Landesbank ſtimmt der Gemeinderat zu.
Der Gemeinderat nimmt von dem Anſinnen des Landesfinanzamts, die
Geſchäfte der Untererhebſtelle Ober=Ramſtadt gegen eine Vergütung der
Gemeinde zu übertragen, Kenntnis und lehnt dies einſtimmig ab. Die
Beteiligung der Gemeinde Ober=Namſtadt an der Herausgabe von
Propagandaſchviften für Darmſtadt und Umgegend zur Werbung für
Wochenendausflüge wird im Prinzip gutgeheißen. Zunächſt ſoll aber
die Koſtenverteilung näher feſtgelegt werden. Mit der Herſtellung eines
kieinen Kanals in der Bauſtraße und der Beſeitigung der Ouerfloßrinne
daſelbſt iſt der Gemeinderat nach dem Vorſchlage der Verwaltung
ein=
verſtanden. Hiermit war die öffentliche Tagesordnung erſchöpft.
Heſſiſcher Straßenbericht
für die Boche vom 2. bis 8. September 1928.
(itgeteilt vom Hefſiſchen Automobilklub.)
Hauptdurchgangsſtraßen in Heſſen.
Darmſtadt—Roßdorf—Dieburg (Ortsdurchfahrt Roßdorf, Klm. 8,6
bise 8,9) vom 13. 8. bis 8. 9. geſperrt. Umleitung: Bahnhofs= und
Schwanenſtraße bzw. Holzgaſſe.
Darmſtadt—Dieburg—Michelſtadt—Hetzbach (Ortsdurchfahrt Höchſt) v.
Darmſtadt—Dieburg—Michelſtadt—Hetzbach (Ortsdurchfahrt Höchſt) vom
27. 8. bis 17. 9. geſperrt. Umleitung: Wilhelminen= und Schwanenſtraße.
Darmſtadt—Frankfurt Ortsdurchfahrt Sprendlingen=Süd) vom 24. 8.
bis 5. 9. geſperrt. Umleitung: Langen-Mörfelden oder Langen=
Drei=
eichenhain-Neu=Iſenburg.
Mainz—Worms (zw. Abzweigung nach Oſthofen und dem
nörd=
lichen Eingang von Worms) vom 13. Aug. bis auf weiteres geſperrt.
Umleitung: Oſthofen—Herrnsheim.
Gießen—Alsfeld (zwiſchen Ruppertenrod und Ermenrod) vom 28. 7.
bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Großfelda—Stumpertenrod—
Unter=Seibertenrod bzw. Klein=Felda-Zeilbach-Ober=Ohmen.
Shotten-Nikda (Ortsdurchfahrt Schotten) vom 9. Aug. bis auf
weiteres geſperrt. Umleitung: Wingershauſen—Eichelſachſen.
Friedberg—Bad=Nauheim vom 24. 8. ab mit äußerſter Vorſicht
be=
fahren!
Sonſtige Straßen in Heſſen.
Ginsheim-Biſchofsheim (Ortsdurchfahrt Ginsheim, nördlich) vom
13. 8. bis 23. 9. geſperrt. Umleitung: Bauſchheim.
Ortsdurchfahrt Nieder=Olm (Pfarrgaſſe) am 2., 3. und 4. 9. geſperrt.
Umleitung: Waſſergaſſe und Wall= und Bahnhofſtraße
Ortsdurchfahrt Rodheim v. d. H. im Zuge der Straßen Rodheim—
Köppern und Rodheim—Holzhauſen vom 19. Januar bis auf weiteres
geſperrt. Umleitung: Ober=Erlenbach reſp. Kloppenheim-Petterweil oder
Ober=Noßbach-Nieder=Roßbach.
Laubach—Gonterskirchen—Schotten (Ortsdurchfahrt Einartshauſen)
vom 1. 3. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Laubach oder Ulfa=
Eichelsdorf.
Ober=Roßbach-Nieder=Noßbach einſchl. Ortsdurchfahrt Nieder=
Noß=
bach vom 29. 3. bis auf weiteres geſperri. Umleitung: Nieder=
Wöll=
ſtadt—Rodheim v. d. H.
Friedberg—Oſſenheim (zwiſchen Abzweigung nach Bruchenbrücken
und Ofſenheim) vom 5. 6. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung:
Bru=
chenbrücken—Aſſenheim.
Nieder=Wöllſtadt—Aſſenheim ab Chauſſeehaus vom 5. 7. bis auf
weiteres geſperrt. Umleitung: Bruchenbrücken.
Nidda—Salzhauſen (zwiſchen Abzweigung nach Glaubzahl — Km.
36,0) vom 4. 7. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Geiß=Nidda.
Melbach-Dorheim vom 13. 7. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung:
Echzell—Reichelsheim—Oſſenheim—Fauerbach.
Gießen—Steinbach (Km. 5,2—7,5) vom 13. 8. bis auf weiteres
ge=
ſperrt. Umleitung: Garbenteich—Annerod.
Vilbel—Nieder=Erlenbach vom 13. 8. bis auf weiteres geſperrt.
Um=
leitung: Bonames—Harheim reſp. Kloppenheim—Ober=Erlenbach.
Hochweiſel—Münſter (Ortsdurchfahrt Münſter) vom W. 8. bis auf
weiteres geſperrt. Umleitung: Fauerbach v. d. H.
Ober=Eſchbach—Ober=Erlenbach vom 30. 8. bis auf weiteres geſperrt.
Umleitung: Nieder=Eſchbach.
Fauerbach v. d. H.—Langenhain vom 3. bis 10. 9. geſperrt.
Um=
leitung: Oſtheim-Nieder=Weiſel—Nieder=Mörlen—Ober=Mörlen.
Aa. Malchen, 30. Aug. Kirchweihe. Unſer kleines, am Fuße
des Frankenſteins liegendes Dörfchen feiert am kommenden Sonntag und
Montag ſein Kirchweihfeſt.
f. Roßdorf, 31. Aug. Werkmeiſter=Jubiläum. Sonntag,
den 2. September, feiert der Werkmeiſter Herr Alexander Conrad
bei der Odenwälder Hartſtein=Induſtrie ſein 40jähriges Dienſtjubiläum.
Herr Conrad erfreut ſich allgemeiner Beliebtheit der ganzen hieſigen
Bevölkerung, und werden ihm an dieſem Tage Ehrungen und
Glück=
wüinſche in reichem Maße entgegengebracht werden. Was er ſeiner
Firma in den 40 Jahren geleiſtet hat, wird dort gebührend gewürdigt;
denn heute noch iſt Herr Conrad — er iſt bereits 67 Jahre alt — eine
Hauptkraft im Vetriebe, und manche Einrichtung zeugt von ſeinem
fachmänniſchen Können, denn mit hervoragenden praktiſchen Leiſtungen
verbindet Herr Conrad ein hohes theoretiſches Wiſſen, das ihn zu einer
unentbehrlichen Kraft gemacht hat. Wir wünſchen dem Jubilar auch
ferner alles Gute und gratulieren ihm aufs herzlichſte.
Le. Groß=Umſtadt, 30. Ang. Unglücksfall. In dem
benach=
barten Raibach ergriff Leonhard Wenzel heim Dreſchen mit der
elek=
triſch betriebenen Dreſchmaſchine die Schnur, welche den Strom vom
Movor zuleitet. Dabei erhielt er einen ſo heftigen Schlag, daß er
bewußtlos niederſank. Zum Glück war man geiſtesgegenwärtig genug,
ſogleich künſtliche Atmung und Reiben des Körpers vorzunehmen, ſo
daß nach längerem Bewühen der Bewußtloſe wieder zu ſich kam. — An
dem gleihen Tage erlitt die Frau des Herrn Fauſt einen Schlaganfall,
an deſſen Folgen ſie noch an ſelben Tage ſtarb. — Bei der am letzten
Sonntag ſtattgehabten Preisverteilung gelegentlich des großen
Preis=
ſchießens zu Michelſtadt wurden folgende Groß=Umſtädter Schützen mit
Preiſen ausgezeichnet: Vernhard Ganß mit dem 1. Preis auf
Feſt=
ſcheibe, 175 Meter, freihändig; mit einem 16. Preis Wilhelm
Emme=
rich, einem 23. G. Hültſch, einem 26. Karl Schätzler. Der Letztgenannte
erhielt ferner einen 10. Preis auf Meiſterſcheibe, freihändig, einen
2. Preis auf laufenden Keiler und einen 1. Preis auf die Feſtſcheibe.
Auf laufenden Keiler erhielten Preiſe: Thco Emmerich einen 10. und
Wilh. Emmerich einen 11. Preis. Auf ſtehenden Rehbock erhielt Theo
Emmerich einen 5., Wilhelm Emmerich einen 7. und G. Hultſch einen
15. Preis. Auf der Feſtſcheibe erzielten außer K. Schätzler Heinrich,
Freund einen 7. und Bernh. Ganß einen 8. Preis.
L. Michelſtadt, 31. Aug. Tagungder Landgemeinden in
Michelſtadt. Am 10. September wird auf Veranlaſſung des
Bürger=
meiſters Ritzel=Michelſtadt der Provinzialverband Starkenburg des
Heſ=
ſiſchen Landgemeindetags in Michelſtadt zu einer großen Tagung ſich
einfinden. Der Verband ſteht unter der Leitung von Herrn
Bürger=
meiſter Ritzel, welcher an dieſem Tage in einem größeren Vortrag über
die Finanzlage der Landgemeinden ſprechen wird. Dieſem überaus
wichtigen Referat folgen noch zwei weitere, und zwar wird
Bürgermei=
ſter Treytnar=Mühlheim über die Kriſenfürſorge und
Landgemein=
den und Verwaltungsoberinſpektor Weckbach=Offenbach über die
Zwangsbeitreibung im Verwaltungswege ſprechen. Den Vorträgen
ſchließt ſich die Vorſtandswahl an, worauf ſich die Teilnehmer an der
Tagung zu einem gemeinſamen Mittagsmahl in dem Tagungslokal —
Städtiſcher Saalbau — zuſammenfinden werden. Eine Beſichtigung
des Stadions, ſowie der von der Stadtverwaltung in den letzten
Jah=
ren errichteten Siedlungsbauten iſt vorgeſehen. —
Meiſterprüfun=
gen. Die Herren Georg Geiſt, Ernſt Schmerker und Hans Orth
haben die Meiſterprüfung im Bäckergewerbe und Herr Erich Gies
dieſelbe im Uhrmachergewerbe mit Erfolg vor dem Prüfungsausſchuß
der Handwerkskammer Darmſtadt beſtanden.
H. Von der Bergſtraße, 30. Aug. Schon wieder ein
Un=
fall an der Dreſchmaſchine. Ein 40 Jahre alter Arbeiter
war an der in Leutershauſen aufgeſtellten Dreſchmaſchine beſchäftigt.
Dabei brachte er eine Hand ſo unglücklich in das Getriebe, daß man
den betreffenden Teil der Maſchine erſt auseinandernehmen mußte,
was über eine Stunde dauerte, um die ſchwer verletzte Hand von der
Umklammerung zu befreien. Der Bedauernswerte kam ins Krankenhaus.
* Hirſchhorn, 30. Aug. In unſerem Bericht über Beſichtigung des
Kurſus der Bereitſchaftspolizei iſt inſofern eine Unrichtigkeit
enthalten, als das Mittageſſen nicht im „Naturaliſten”, ſondern im
Gaſthaus „Zur Krone” eingenommen wurde.
Gernsheim c, Rh., 81. Aug. Waſſerſtand des Rheinz;
am 30. Auguſt: —0,33 Meter, am 31. Auguſt: —0,15 Meter.
T Groß=Gerau, 31. Aug. Unfall. Der hier in der Darmſtädten
Straße wohnende Herr Kolb ſen,, Inhaber einer Motor= und Fahr
radhandlung, war geſtern damit beſchäftigt, Obſt zu pflücken, wobei die
Leiter ins Rutſchen geriet und Herr Kolb herabſtürzte. Der herbei,
gerufene Arzt konſtatierte einen doppelten Schädelbruch. Herr golß
befindet ſich noch heute in bewußtloſem Zuſtande.
*31. Preußiſch=Süddeutſche Klaſſenlotterie.
20. Tag, 5. Klaſſe. In der Vormittags=Ziehung fielen=
2 Gewinne zu je 25 000 Mark auf Nr. 156 176; 2 Gewinne zu je 10000
Mark auf Nr. 250 085; 2 Gewinne zu je 5000 Mark auf Nr. 116 u9.
8 Gewinne zu je 3000 Mark auf Nr. 9595, 22 596, 49 030, 303 407: 8 Go,
winne zu je 2000 Mark auf Nr. 1811, 78 559, 275 081, 341 344: 32
Go=
winne zu je 1000 Mark auf Nr. 6730. AB7, 37 994, 69 932, 77794
79 069, 92 391 109 512, 177 241, 237 798, 264 177, 276 242, 287 027, 368 398
368 945, 373 885; ferner 68 Gewinne zu je 500 Mark und 180
Gewinn=
zu je 300 Mark. — In der Nachmittags=Ziehung fielen;
2 Gewinne zu je 10 000 Mark auf Nr. 189 968; 6 Gewinne zu je 300
Mark auf Nr. 2945, 246 504, 368 801; 6 Gewinne zu je 2000 Mark auf
Nr. 285 487, 320 742, 345 947; 18 Gewinne zu je 1000 Mark auf Nr.
47 183, 51988, 63 439, 119 645, 149 674, 174 790, 187 926, 289 668, 315 148:
ferner 96 Gewinne zu je 500 Mark und 188 Gewine zu je 300 Mark.
Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500 000 Mark o
Gewinne zu je 300 000 Mark, 2 Gewinne zu je 100000 Mark, 2
Ge=
winne zu je 75 000 Mark, 4 Gewinne zu je 50 000 Mark, 4 Gewinne zu
je 25 000 Mark, 24 Gewinne zu je 10 000 Mark, 46 Gewinne zu je 500
Mark, 1B8 Gewinne zu je 3000 Mark, 252 Gewinne zu je 2000 Mark
528 Gewinne zu je 1000 Mark, 1406 Gewinne zu je 500 Mark und
3772 Gewinne zu je 300 Mark.
Geſchäftliches.
Die große Sonderveranſtaltung „Textil=Meſſe” bei der Firma
J. Rehfeld. Ludwigſtraße 15, beginnt heute, Samstag früh; eine
ſehr wichtige Angelegenheit für jede Hausfrau. Große Warenpoſten ſind
zu gewaltigen Sonderauslagen vereint worden. Es bietet ſich hiermit
Gelegenheit, jetzt Herbſtwaren und Weißwaren ganz beſonders billig
zu kaufen. Kluge Hausfrauen wiſſen es, daß man bei der Firma
J. Rehfeld ſtets preiswert kauft. Alles weitere erſehen Sie aus dem
Inſerat der Firma in der heutigen Zeitung.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Samstag, 1. September. 12.15: Schulfunk. Deutſch, vorgetr. von
A. Neumann: Zeit und Vergänglichkeit. O 13: Schallplatten.
Sinfo=
niſche Muſik. O 15.05: Liedervorträge Frankfurter Schulen: Lyzeum
Steiner: Klaſſe 4 bis U 2. Chorleiterin: Hanna Ahrens. O 15.40:
Aus dem Roman. Auf zwei Planeten” von Kurd Laßwitz. o 16.35:
Konzert des Funkorch. O 18.15: Vereinsnachrichten, Mitteilungen,
O 18.30: Briefkaſten. 19: Wirtſchaftsmeldungen. O Max
Jung=
nicker lieſt aus eigenen Werken. o 19.45: G. Lederer: Der Fang
von Meerestieren für das Aquarium des Zoologiſchen Gartens.
O 20.15: Bunter Abend. Mitw.: Dr. Harbeck (Rezitat.), Funkorch.
O Anſchl.: Berlin: Tanzmuſik.
Stuttgart.
Samstag, 1. September. 12.30: Schallplatten. o 14:
Jugend=
ſtunde: Elſa Pfeiffer, K. Köſtlin, Funkorch. O 15:
Unterhaltungs=
konzert. Leitung: E. Stockinger. Mitw.: Alice Nick, Lieſel
Olmes=
dahl, Erich Baudiſtel, H. Hofele, Funkorch. O 18.15: Freiburg:
Prof. Krebs: Geiſtige Kriſen in Fernaſien. O 18.45: Dr. Luther:
Schlaf, Traum und Tod. O 19.15: A. Ehrenſtein: Ueber chineſiſche
Dichtung. O 20: Die Arbeitslage in Südweſtdeutſchland. O 20.30:
Kammermuſik=Abend. Ausführende: Hans Hedenus (Violine),
C. Heß (Viola), O. Senffert (Klavier). Corelli: La folia, Variationen
in D=moll für Violine und Klavier. — Mozart: Trio in Es=dur.
— Pugnani: Sonate in E=dur. O Anſchl.: Bunter Abend. Leitung:
Margarete Wetter, M. Adolphi, v. Wiſtinghauſen, Wladimir.
Mar=
tinelli, Fred. Höger, Erich Baudiſtel, R. Arndt, Eva Lang, Eva/
Chriſta, K. Karner, Funkorch. U. a.: Derbyritt. Ein Akt von Gerh/.
Grindel. Perſ.: Ludwig; Edward, ſein Freund; Baron Schäben;
Seine Exzellenz; Lyra, ſeine Tochter; Herta; Kartſch, Bankieſr,
Ort: Eine Rennplatzloge. O Anſchl.: Nachrichten.
Berlin.
Sonnabend, 1. September. 16: Dr. Behl: Pſychologie ides
Witzes. O 16.30: Kriminalkommiſſar Dr. Bartſch: Die engliſſche
Polizei. O 17: Haus der Funkinduſtrie: Unterhaltungsmuſik des
Konzert=Orcheſters Otto Kermbach. o 19: Leop. Lehmann: Soſllen
wir auswandern? (Die Reichsſtelle für das Auswanderungswelſen.)
O 19.30: Dr. med. Rothe: Die Macht der Suggeſtion. (
Unter=
bewußte Kräfte.) 20: Haus der Funkinduſtrie: Großes Gackten=
— Weber: Aufforderung zum Tanz. — Wagner: Einzug der Gäſte
auf der Wartburg, aus „Tannhäuſer” — d’Albert: Fant.
Tief=
land”. — Strauß: Künſtlerleben. — Dvorak: Slawiſche Tänze.
— Strauß Radetzky=Marſch. O Anſchl.: Tagesnachrichten. O 122.30:
Tanzmuſik. Kapelle Dajos Bela.
Deutſche Welle. Sonnabend, 1. September. 12: Künſtleriſche
Darbietungen für die Schule. o 14.30: Baſtelſtunde. Was habt ihr
in den Ferien Schönes geſehen? Das Schönſte wird gemalt,
O 15: B. K. Graef: 15: Sprechtechnik. O 15.35: Wetter und Börſe.
S 16: Aus dem Zentralinſtitut für Erziehung und Unterricht.
16.30: Schulrat Wolff: Der Lehrer in der Reichsverfaſſung.
O 17: Hamburg: Melodramen und Balladen. o 18: Dr. Geyger:
Der Arbeiter in der Volkshochſchule. 18.30: Spaniſch für
An=
fänger. O 18.55: Generalmuſikdirektor Knapſtein: Das
Kammer=
orcheſter. O 19.20: Prof. Minde=Pouet: Leſen wir noch Goethes
Romane? 20: Berlin: Uebertragung aus dem Haus der
Funk=
induſtrie: Unterhaltungsmuſik. Dirigent: Seidler=Winkler. Berliner
Funkorch. O Anſchl.: Preſſenachrichten. 22.30: Tanzmuſik. Kapelle
Daios Bela.
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Herbſt im Deutſchen Oſten!
Die klimatiſchen Unruhen des Hochſommers weichen der
Abgeklärt=
heit des Vorherbſtes. Der „Appelſüdoſt” wie es in Pommern und
Oſt=
preußen heißt, bläſt dem Obſt die roten Backen an. Auch das Laub der
Bäume wetteifert im Golde der Herbſtſonne mit dem Rot der
Backſtein=
kirchen und =Türme.
Das iſt ſo recht die Jahreszeit zum Fahren und Wandern in den
Deutſchen Oſten!
Die Motorſchnellſchiffe „Hanſeſtadt Danzig” und Preußen” des
Seedienſtes Oſtpreußen verkehren noch bis zum 16. Oktober zweimal
wöchentlich in beiden Richtungen. Abfahrt von Swinemünde oſtwärts
Mittwoch und Samstag, 19 Uhr, von Pillau und Zoppot weſtwärts
Montags und Freitags (12 bzw. 16 Uhr). Der wieder in Kraft
ge=
tretene „Jugendpflegetarif” gewährt Jugendwanderſcharen von 20 Köpfen
aufwärts wieder die enorme Ermäßigung von 75 Prozent. In den
Herbſtferien nach Oſtpreußen und Danzig! Das wird die Loſung
der Deutſchen Jugend ſein.
ſteils gut
auf den
treide gu
elbe ve
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Leider ſind
beiter un
Nuammer 243
Samstag, den 1. September 1926
Geite 7
Die Forderungen der beſſiſchen Landwirtſchaft.
Sechſte ordentliche Hauptverſammlung der Heſſiſchen Landwirtſchaftskammer.
ar dem Sitzungsſaal des Landeskirchentages hielt am Freitag die
ſwe Landwirtſchaftskammer ihre 6. Hauptverſammlung ab. Neben
* hailreichen Delegierten der heſſiſchen Landwirtſchaft aus allen Teilen
1 Mundes war auch der Miniſter für Arbeit und Wirtſchaft, Korell,
anzehreren Herven der Landwirtſchaftsabteilung erſchienen, um aus
40Munde der praktiſchen Landwirte zu hören, welche Wünſche und
s feuungen von ihnen erhoben und was zur Beſſerung der Lage dieſes
Eos Volksganze ſo wichtigen Berufsſtandes vorgeſchlagen wird.
drer Präſſdent der Kammer, Oekonomievat Henſel, führte in ſei=
„ürgrüßungsanſprache u. a. aus:
Meine Herren! Es iſt mir eine große Freude, heute hier den Herrn
APfer für Arbeit und Wirtſchaft begrüßen zu können. Der Herr
Aüſser hat mir bei ſeinem Antrittsbeſuch geſagt, daß er gewillt ſei,
under Landwirtſchaftskammer zuſammen zu arbeiten, das hat er ſeit=
Kſhrwieſem und dunch ſeinen heutigen Beſuch erneut beſtätigt. Ich
Kie dem Herrn Miniſter hierfür im Namen der
Landwirtſchafts=
ſaar und der heſſiſchen Landwirtſchaft. Ich begrüße ferner die an=
Afe LHerwen der Regierug, dann die Herren Sachverſtändigen und
ſ ſetun pſtändlich die Hervem Mitglieder der Kammer.
drr Redner gedenkt ſodann des verſtorbenen Beamten der Land=
Mtraftslammer, Dr. Viehmann. Die Verſammlung erhebt ſich von
Abettzen. Als ſein Nachfolger wird Herr Dr. Pebler vorgeſtellt.
dider iſt in der Lage der Landwirtſchaft noch keine
Befſe=
mr”io, zu verzeichnen, die hohe Zinsbelgſtung, die hohen Steuern und
6 Eal aſten bedrücken unſeven Berufsſtand ſchwer. Dazu kommen
nied=
mFreiſe umſerer Produkte, welche bedingen, daß die Lage unſerer
Kſichem Landwirtſchaft nach wie vor troſtlos und unrentabel iſt. Wenn
a udaruch das Notprogramm verſucht wird. Erleichterungen zu ſchaffen,
RALwchaus anerkannt werden ſoll, ſo bedeuten dieſe Aufwendungen
Aumw einen Tropfen auf einen heißen Stein, zu tief ſteckt eben
un=
fiſzdrndwirtſchaft in der Schuldenlaſt.
6y der Verzweiflung hört man oft die Aeußerungen bei unſeren
Aſecnkrien.
ne88 hilft uns alle Technik und Wiſſenſchaft, wenn unſere
Wirtſchaft unrentabel iſt.
AA ann dieſe Klagen verſtehen und begreifen, aber es wäre ein
ſ) hrm Fehler, wollte man die Hände in den Schoß legen und ſich nur
a/Sugatshilfe verlaſſen. Gevade in dieſer ſchweren Zeit bleibt
un=
ſ0h Wandwirtem nichts anderes übrig, als mit den Mitteln, welche
AFndchaft und Technik bieten, zu arbeiten. Daß dies nicht leicht iſt,
eiſtn, ich an, deswegem muß die Landwirtſchaftskammer auf allen
Ge=
blfammit gutem Beiſpiel vorangehen und durch Belehrungen,
Vorfüh=
r man, in Theorie und Praxis wiuken. Auf allen Gebieten entfaltet
diſtz üdie Landwirtſchaftsbammer eine intenſive Tätigkeit; z. B. in
Oſtbrru, der Viehzucht, der Weidewirtſchaft, des Weinbaues, des Tabak=
B,Ades Obſt= und Gemüſebaues uſw. Sie nimmt Stellug zu allen
ſtulichaftspolitiſchen Fpagen des Steuer= und Verſicherungsweſens, kurz
Eeill d ragen, welche die Landwirtſchaft betueffen.
däß unſere beſſiſche Kamer hinter keiner anderen deutſchen Kammer
kuögeht, dafür dürfte der Beweis erbracht ſein, daß ſie überall tätig
führl, wen es nötig erſcheint, auch bei den Reichsſtellen nicht nur in
AEft, ſondern auch an Ort und Stelle in Berlin ſich Gehör verſchafft.
Kßnachte nur kurz darauf hinweiſen, daß ich am 1. Februar d. J. die
Afne ſüddeutſche Landwirtſchaft bei, der Reichs=
Elei rung zu vertreten hatte und über die Notlage derſelben aus=
HRig referierte. Auf Wunſch des Deutſchen Landwirtſchaftsrates refe=
Elfe uich in ſeiner Frühjahrstagung über Schutz und Steigerung der
b ſtchrem Erzeugung als Grundlage der deutſchen Wirtſchaftspolitik.
AAhar iſt in der Verbandszeitſchrift ausführlich berichtet worden.
Bur haben dem Obſt= und Frühgemüſebau Rechnung getragen durch
AEhtung unſerer Anlagen in Groß=Umſtadt und Gonſenheim,
Goenuns Reichsgelder und Reichskredite in dankenswerter Weiſe von
ſuge, Regierung zur Verfügung geſtellt wurden. Ferner haben wir
rchzem Frühjahr den Windhäuſerhof bei Elsheim von
Fsitzdt Mainz gepachtet, der zu einer Muſter= und Verſuchswirtſchaft
EAw ere Landwirte in Heſſen, hauptſächlich aber für das beſetzte Ge=
FRargerichter wird. Durch die Mithilfe unſerer heſſiſchen Regierung
Ef uns Reichsmittel, für dieſes Gut zur Verfügung; welche zur Er=
Eſänr einer Schweinelehrwirtſchaft dienen. — Unſere
Bltähuit erſtreckt ſich auch auf.
AEuefſerung der Qualität der landwirtſchaftlichen Erzeugniſſe,
SEtdardiſierung bei Gemüſe und Obſt, wobei wir beſtrebt ſind, durch
Geianſchaftlichen Zuſammenſchluß (gleichmäßige Verpachung, gleich=
Friſäzy: Qualität), die ausländiſche Konkurvemz zu bekämpfen.
ein die Milchwirtſchaft haben wir mit der Landwirtſchafts=
Folas Kaſſel die heſſiſche Milchwarke eingeführt. Leider ſtehen
aimne Wandwirte dem genoſſenſchaftlichen Zuſammenſchluß noch
zurück=
bſſaru nd gegenüber, aber ohne denſelben werden wir auch in der
Anmfirtſchaft nicht weiter kommen. — Wem hie und da die intenſive
Khät unſerer Kammer nicht anerbannt wird, ſo geſchieht dies
größ=
all. aus Rüchſtändigkeit ud weil man die Arbeit der Damwer in der
ſehrift nicht verfolgt.
Zwünſtigt endlich einmal durch gutes Wetter iſt die Emte
größ=
al gut geborgen, nur noch in wenigen Höhenlagen ſteht noch
Ge=
w muf dem Felde. Quglitativ iſt die Ernte ſehr gut, der Ertrag iſt
ſtechtreide zufriedenſtellend, die Hackfrüchte leiden durch die Trocken=
Nögſelbe verurſacht auch eine große Futterknappheit. Die Landwirte
ſtei= mit der Getreideernte zufrieden ſein, wenn die Preiſe nicht ſo
derunken wären und faſt die Preiſe der Vorkriegszeit erreicht hätten.
a der ſind wieder größere Gebiete des Heſſenlandes durch un=
At r= und Hagelſchäden ſchwer heimgeſucht worden,
beſon=
mdre Beugſtraße, ſtellenweiſe der Odenwald, das Ried und
Rhein=
c. Wir haben getan, was wir konnten, um die Not zu lindern.
Kdmm Frühjahrsunwetter komten wir durch Saatgutlieferung eine
ſtriEellung in die Wege leiten, auch haben wir mit Hilfe der heſſiſchen
ſteramg füv Waſſer= und Sturmſchäden einen Reichszuſchuß erhalten,
aher nicht für Hagelſchaden verwandt werden darf, denn
RRiu ich gibt grundſätzlich keine Entſchädigung für Hagelſchaden. Auch
Merrdwirtſchaftskammer bann für Hagelſchäden Nachläſſe der
Um=
ſt micht gewähren, da ſie keine Mittel dafür hat.
Meine Herren! Ich ſehe der Zukunft der heſſiſchen Landwirtſchaft
surge entgegen. Ich hoffe aber, daß man höheven Orts noch
ein=
wird, daß man unſeren wichtigen Berufsſtand nicht allein wegen
ſeru m, ſondern im Intereſſe des Staates und des Volkes nicht
wotehen laſſen darf. Ferner hoffe ſch, daß die Rentemnbank=Kredit=
Ɨſalt, die im Herbſt d. J. fällig werdenden Kredite weiter ſtundet, denn
Ubturdwirtſchaft iſt nicht in der Lage, ſie zurückzuzahlen. Nur eine
Aſänge Landwirtſchaft wird der deutſchen Wirtſchaft zum Aufſtieg ber=
AEy) denn hat der Bauer Geld, hats die ganze Welt.”
Mtiniſier für Arbeit und Wirtſchaft Korell
Gſiß- die Gelegenheit, zu der geſamten Vertretung der Landwirtſchaft
Füchwv zu können. Es ſei bekannt, daß er ſchon in ſeiner früheren
AAlfit die Arbeit der Landwirtſchaft im Rahmen der deutſchen Volks=
Hſichaft ſehr hoch einſchätze. Nun als Miniſter hoffe er, dieſe Förde=
AK der Landwirtſchaft in weit größerem Maße ausüben zu können,
R. much den Einzelländern durch das Reich Gvenzen gezogen ſeien.
29Amfgaben, die jetzt zu erfüllen ſeien, bewegen ſich hauptſächlich auf
GGebiete der Meliorationen und der Rationaliſie=
7. Zwei gewaltige Werke ſeien in Angriff genommen: die
Ent=
ſerung des Rieds und der Kulturplan für den
B9em Vogelsberg. Der Miniſter zollt den bisherigen Be=
Mfunmen der Landwirtſchaft zur Rationaliſierung Anerkennung, die
iüdem Regierung ſtets tatkräftige Unterſtützung erfahnen werde. Die
Abemmg werde weiter für Vergrößerung und Abſatz der
Milcherzeu=
ſ99 und Verbeſſerung der Erntem dunch dem Boden angepaßte Sorten
1e gpmen. Der Miniſter beglüchwünſcht die Landwirtſchaftskammer zu
B keungerichteten Muſtergütern, namentlich zu den Glashauskulturen
ERchroß=Umſtadt und der Haushaltungsſchule in Michelſtadt. Die
AAwuu= und Qualitätsverbeſſerung der Produktion ſei namentlich für
Heſſen erheblich, da es in großen Konſumgebieten liege. Die Regierung /
werde ſich aber auch für die Weiterbildumg der Landwirtſchaft und ihres
Nachwuchſes einſetzen. In den Beſtrebungen zum Hagelſchutz gingen die
Auffaſſungen der Regierung in gleicher Richtung. Gegen die
Wein=
fälſchungen würde ſtrengſtens vorgegangen werden. Der Miniſter hebt
zum Schluß nochmals hewvor, daß die Landwirtſchaft und ihre
Organi=
ſation noch nie ſo gearbeitet habe wie gegenwärtig, es bleibe aber noch
biel zu tun, um die Landwirtſchaft auch in der Praxis auf die Höhe zu
bringen, die die Theorie der Landwirtſchaft bereits erreicht habe, zum
Nutzen uſeres geliebten Heſſenlandes und damit des ganzen
Vater=
landes. GBeifall.)
Der Generaldirektor der Landwirtſchaftsbammer, Dr. Hamann,
referierte hierauf über
„Die Lage der heſſiſchen Landwirtſchaft”
Ein Rückblick auf das Jahr 1927 ergibt ein ungünſtiges Bild für
die Lage und den Stand der Landwirtſchaft. Bis 1977 hatte der
Land=
wirt mehrere ungünſtige Jahre oder Mißernden erlebt, dazu eine
ſchlechte Verwertung ſeiner Getreide=Ernte. Die Verſchuldung iſt ſtändig
gewachſen. Die Zinſen ſind infolge der Höhe kaum tragbar.
Das Jahr 1928 brachte bis heute kaum eine Beſſerung. Die
Verſchuldung iſt noch weiter geſtiegen und hat eine Höhe ereicht, die
zu Befürchtungen Anlaß gibt. Die Zinsbelaſtung iſt auf die Dauer für
die Landwirtſchaft nicht tragbar. Die Witterungsverhältniſſe des
Jah=
res 1928 haben ſich in den erſten Monaten ſchlecht angelaſſen. Später
wurde die Entwicklung günſtiger. Die anhaltende Trochenheit hat die
Entwichlung der landwirtſchaftlichen Kultunpflanzen verſchiedenartig
be=
einflußt. Die Ernte an Heu und ſonſtigem Futter, das bis jetzt
geern=
tet, iſt erheblich unter Mittel. Die Frühkartoffelernte war bei niedrigen
Preiſen ebenfalls ein erheblicher Ausfall für die Landwirtſchaft. Gegen
die feuchten Vorjahre hat die Trockenheit die Entwicklumg des Getreides
begünſtigt, mit Ausnahme von einzelnen Gegenden des Landes, wo die
Niederſchläge zu gering waren und ein erheblicher Ertragsausfall
ein=
tvat. Im allgemeinen kann die Landwirtſchaft bei Getreide mit einer
Mittelernte vechnen. Infolge der geringen Futterernte ſind die
Futter=
mittelpreiſe anſteigend geweſen, im Gegenſatz dazu haben wir niedrige
Rindviehpreiſe. Die Miſchpreiſe ſind ungünſtig, insbeſondere auch im
Vergleich zum Friedenspreis. Dagegen ſt die Spannung
zwi=
ſchen dem Preis des Erzeugers und dem
Kleinver=
kaufspreis in der Stadt ganz erheblich gegen den Frieden erhöht.
Der Grzeuger bekommt heute im Durchſchmitt wemiger für ſeine Milch
wie im Frieden, der Zwiſchenhändler erheblich mehr. Die in dieſem
Jahre einmalig beſſere Ernte lann aber die Verluſte mehrerer Jahre
nicht ausgleichen. Dazu kommen die rückgängigen Getreidepreiſe. Der
Weizen iſt kaum zu verkaufen. Die Schweinepreiſe haben nach einem
langen Tiefſtand eine leichte Erhöhung erfahren, aber die Verluſte der
Landwirtſchaft in der Schweinehaltung in dieſem Jahre waren ſehr
groß. Die Erzeugerpreiſe für Obſt ſind immer im Vergleich zu den
Verbraucherpreiſen in der Stadt ſehr niedrig. Die Ausſichten für eine
Obſternte ſind nicht günſtig. Auch das Gemüſe litt vielfach unter der
Trochkenheit. Im Weinbau haben Froſtſchäden den Ertrag vielfach
be=
einflußt. Die Entwicklung der Trauben iſt gegenüber frühevem Jahren
mit Nüchſicht auf das ungünſtige Frühjchr noch zurück.
Der Abſatz der einheimiſchen landwirtſchaftlichen Erzeugniſſe iſt
erſchwert, die Verbvaucher wenden der Auslandsware ein höheres
In=
tereſſe zu. Die Landwirtſchaft muß fordern, daß die Mühlem eine
be=
ſtimmte Menge inländiſchen Weizens neben dem Auslandsweigen
ver=
mahlen. Es gibt viele Mühlen, die nur Auslandsweizen vermahlen,
Die Steuerlaſten ſind dauernd drückend. Eine Milderung hat nicht
ſtatt=
gefunden. Die ſozialen Abgaben ſind weiter geſtiegen. Die
Arbeiter=
verhältniſſe in der Landwirtſchaft werden von Jahr zu Jahr
ſchwieri=
ger. Das bedeutet eime Gefahr für den Rückgang des Hackfruchtbaus. Auch
die rüchläufigen Zuckerpreiſe, von denem dev Verbraucher allerdings nur
wenig verſpürt, werden einen nachteiligem Ginfluß auf den Rühenbau
haben. Die beſtehenden Beſtimmungen begünſtigen die Abwanderung
der Arbeiter vom Lande nach der Stadd bzw. in Induſtrie und Handel.
Die Bedarfsſtoffe der Landwirtſchaft ſind im Laufe des Zahres
ſtark geſtiegen. Die Einnahme=Qnellen des, Landwirts ſind geringer
ge=
worden.”
Der geſamte Ueberblick des Jahres 1928 ſt, mit Ausnahme einer
Getreidemittelernte, nicht günſtig. Die Verbraucherſchaft der
Stadt und auf dem Lande kann die Lage der deutſchen Landwirtſchaſt
mildern und beſſern helfen, wenn ſie
in erſter Linie deutſche landwirtſchaftliche Erzeugniſſe verbraucht
und auf den Verbrauch ausländiſcher Waren verzichtet.
Nur hierdurch iſt eine Beſſerung der Handelsbilang ud damit eine
Ent=
laſtung der geſamten Wirtſchaft möglich.
Oekonomierat Breidenbach=Dorheim b. Friedberg unterſtreicht
ebenfalls nochmals die ſchon vorgebrachten Mißſtände in der
Landwirt=
ſchaft. Er hofft von Miniſter Korell, daß ſeine bisherige dankenswerte
Arbeit auch in Zubunft ſich ſegensreich für die Landwirtſchaft auswirken
möge. Die Grünlandwirtſchaft habe in mancher Beziehung Fiasko
er=
litten. Die Arbeiterkriſe auf dem Lande ſei heute ſchlimmer als eine
Miniſterkriſe.
Oekonomierat Korell ſüimmt im Zuſammenhang mit den
Ver=
handlungen über den Scheuerkonzern der Tendenz zu, eine größere
Stabiliſierung der Getreidepreiſe herbeizuführen. Hier müſſe die
Re=
gierung ebenfalls tatkräftig eingreiſen. Die aus denr jetzigen Form der
Arbeitsloſenverſicherung ſich ergebenden Mißſtände für den
Landarbeiter=
markt müßten vom Geſetzgeber abgeſtellt werden.
In ſeiner Antwort geht Miniſter Korell auf die in der
bis=
herigen Ausſprache aufgetauchten Einzelfragen ein. Er verweiſt auf
ſeine Ausführungen im Landdag bezüglich der Umſchuldungsaktion in
Heſſen und der Auswirkungen des Arbeitsloſenverſicherungsgeſetzes.
Seine Auffaſſung über dem Scheuerkonzern ſei in der Preſſe
veröffent=
licht worden. Er erinnert an die Erfahrungen mit der
Noggenhandels=
geſellſchaft.
In der weiterem Ausſprache kommen noch die Delegierten Lutz=
Kleinfelda, Wolf=Albig Geipert=Biebesheim, Korell=Angenrod. Abg.
Fenchel=Oberhörgern, Benz=Arheilgen, Direktop Hamann, Oekonomierat
Tritſch=Dilshoſen zu Wort. Die angenommene Entſchließung enthält
folgende
Forderungen der Landwirtſchaft:
1. Zollſchutz in demſelbem Ausmaß für die Landwirtſchaft, wie er
an=
deven Berufszweigen bereits zuteil geworden iſt.
2. Verwendung von Grzeugniſſen der einheimiſchen Landwirtſchaft in
allen ſtaatlichen Betriebem und in den Betriebem der Körperſchaften
des öffentlichen Rechts. Auch die Verbraucherſchaft ſollte dieſer
Verwendung die größte Aufmerkſamkeit ſchenken. Die einheimiſche
Landwirtſchaft erzeugt Nahrungsmittel von derſelben Qualität wie
das Ausland. Eine Vernachläſſigung des Verbwauchs einheimiſcher
landwirtſchaftlicher Erzeugniſſe vermindert die Kaufkraft der
ein=
heimiſchen Landwirtſchaft, benachteiligt damit die Werterzeugung in
andenen Berufszweigen, ſteigert die Arbeitsloſigkeit und hat
infolge=
deſſen einen ungünſtigen Einfluß auf die geſamte Wirtſchaft des
Reiches.
3. Senkung des Zinsſatzes für die von der Landwirtſchaft
aufzuneh=
menden lang= und kurzfriſtigen Kredite. Nur dann, wenn dieſer
Zinsſatz der Ertyagsrente der Landwirtſchaft angepaßt wird, iſt der
Landwirtſchaft eine erfolgreiche Ausnutzung des einheimiſchen
Grund und Bodens möglich. Die öffentlich rechtlichen Stellen, die
nach ihrer Art nicht nur die Möglichkeit haben, ſondern verpflichtet
ſind, größere Kapitalbeträge anzuſammeln, ſollen gehalten ſein,
den größeven Teil dieſer Mittel langfriſtig in der Landwirtſchaft
anzulegen.
4. Aenderung des Arbeitsloſenverſicherungsgeſetzes derart, daß die
Ab=
wanderung von Arbeitskräften aus der Landwirtſchaft nicht begünſtigt
wird und Arbeiter im Saiſongewerbe nicht bevorzugt werden. Die
geſetzlich feſtgelegten Unterſtützungen ſind in einen gewiſſen Abſtand
zu den Löhnen zu bringen.
5. Senkung der öffentlichen Steuern, Abgaben und Laſten, insbeſondere
der ſozialen Verſicherungen. Ausreichende ſteuerliche Entlaſtung der
vom Unwetter und Hogelſchaden heimgeſuchten landwirtſchaftlichen
Betriebe.
6. Der deutſchen Mühleniduſtrie iſt die Verpflichtung aufzuerlegen,
einen beſtimmten Prozentſatz einheimiſchen Weizens bei der
Herſtel=
lung von Mehl= und Getreiderzeugniſſen zu verwenden. Nur die
Steigerung des Verbrauchs einheimiſcher Erzeugniſſe gibt die
Mög=
lichkeit einer Beſſerung unſerer Handelsbilanz und einer größeren
wirtſchaftlichen Unabhängigkeit vom Auslande.
7. Förderung aller Maßnahmen, die den Abſatz deutſcher
landwirt=
ſchaftlicher Erzeugmiſſe nachdrücklichſt unterſtützen und zu einer
ge=
ſunden Preisbildung für dieſe Erzeugniſſe beitragen.
Die Hauptverſammlung bittet ferner,
daß die Reichs= und Landesregierung umabläſſig und mit allen ihnen
zur Verfügung ſtehenden Mitteln ſich bemühen, eine baldige Näumung
des beſetzten Gebietes von der fremden Beſatzung zu erreichen.
Für das verzogene a.o. Mitglied der Kammer Klimm=Lorſch wird
Direktor Eberle=Lorſch einſtimmig gewählt. Für die ausgeſchiedenen
Mitglieder Oekomomierat Haug=Groß=Umſtadt und Oekonomierat
Bauer Darmſtadt werden, Landwirtſchaftsrat Dr. Kraft=Bau=
Algesheim und Direktor Dr. Schad Friedberg in die
Landwirtſchafts=
kammer entſandt. Die ſeitherigen Mitglieder zum Deutſchem
Landwirt=
ſchaftspat werden erneut fün drei Jahre beſtätigt.
Direktor Hamann behandelt ſodann die
Hagelverſicherung
und erklärt u. a.: „In den letzten Jahren iſt Heſſen in erheblichem
Um=
fange durch größere Unwetter= und Hagelſchäden in Mitleidenſchaft
ge=
zogen worden. Aus Anlaß dieſer Schäden wurden wiederholt
Notzſtands=
aktionen zur Dunchführung gebracht. Die Landwirtſchaftskammer hat ſich
mit dem Vorſchlage beſaßt, an die heſſiſche Brandverſicherungskammer
eine ſtaatliche Hagelverſicherung anzuſchließen. Staatsverträge mit
Hagel=
verſicherungsgeſellſchaften beſtehen in Süddeutſchland in Württemberg
und Baden ſeit einer langen Reihe von Jahnen. Sie haben aber, ſoweit
uns bekannt, nicht dazu geführt, daß ſich alle Landwirte der
Verſiche=
rung anſchloſſen. Bahern hat im Anſchluß an ſeine Verſicherungskammer
eine Landeshagelberſicherungsanſtalt, ſie iſt aber keine
Zwangsverſiche=
rung. Unabhängig von den Hagelſchäden müſſen natungemäß die
Schä=
den betrachtet werden, die durch unwetter entſtehen. Für dieſe
Schäden beſteht heute eine Verſicherung noch nicht. Die Vevſicherung
gegen unwetterſchäden SSturm. Waſſer uſtp.) dürfte aber kaum
durch=
führbar ſein, da eine gevechte Feſtſetzung der Prämie oden der
entſtehen=
den Schäden ebenſo ſchwierig iſt, wie die Feſtlegumg der Grenze, wo die
Entſchädigungspflicht beginnen ſoll. Von der Einrichtung einer
ſtaat=
lichen Zwangshagelverſicherung ſollte man ſolange abſehen, als die
Mög=
lichkeit beſteht, mit vorhandenem größenen Hagelverſicherungsgeſellſchaften
ein im Intereſſe unſerer heſſiſchen Landwirtſchaft gelegenes
entſprechen=
des Abkommen gu treffen.
Vizepräſident Hahn=Heßloch ſpricht ebenfalls für die Annahme
des Vorſchlags des Vorſtandes. — Bürgermeiſter Eibach=Pfaffen=
Schwabenheim, Oekonomierat Fritſch=Dilshofen, Rüffel=
Boden=
heim, Secker=Gonſenheim, Wolff=Albig, Lutz=Kleinfelda und
Kiſſel=Biblis bringen die Vorzüge der privaten und der ſtaatlichen
Verſicherungsarten zum Ausdruck. Darauf wird der Vorſtand der
Land=
wirtſchaftskammer von der Verſammlung beauftragt, die Wege zu
prü=
fen, die zu einem möglichſt alle Landwirte umfaſſenden
Ver=
ſicherungsſchutz gegen Hagelſchäden führen und zu
die=
ſem Bweck mit dem Miniſterium für Arbeit und Wirtſchaft
eben=
falls in Verhandlungen zu treten. Die Verhandlungen ſollen
ſo beſchleunigt werden, daß möglichſt ſchon die Sicherung der
nächſt=
jährigen Ernte gewährleiſtet iſt.
Nach einer kurzen Pauſe berichtet Generaldirektor Dr. Hamann
über die großen Erfolge der
Glashauskulturen in Groß=Umſiadt.
Der Redner ſtellt unter dem Beifall der Verſammlung feſt, daß es dem
Produkt der Anſtalt gekungen ſei, die Auslandsware beſonders auf
dem Frankfurter Platz als erſte zu überflügeln und ſomit zu
verdrän=
gen. Es ſeien bereits 3100 Quadratmeter unter Glas und in wenigen
Wochen würde die dritte Bauperiode beendet ſein, die 5000.
Quadrat=
meter überglaſt bringen würden. Der Redner dankt der heſſiſchen
Ne=
gierung für ihr Entgegenkommen durch die Bereitſtellung der
erforder=
lichen Mittel, dem die Verſammlung lebhaft zuſtimmt.
Sachverſt. Schneider=Darmſtadt erkennt an, daß die anfangs
gehegten Befürchtungen der Gemüſezüchter nicht eingetreten ſeien,
ſondern daß ein Zurückdrängen der Auslandskonkurrenzen ſchon
er=
reicht ſei.
Secker=Gonſenheim begrüßt die Errichtung des Verſuchsgutes
in Gonſenheim, wünſcht aber, daß von den zur Verfügung geſtellten
Staatsmitteln auch den einzelnen Intereſſenten etwas zukomme.
Miniſterialrat Becker geht auf die Verhältniſſe beſonders in
Gonſenheim und die Verteilung der Mittel durch die Genoſſenſchaft
ein. Von den 1200 000 Mark ſeien faſt 500 000 Mark nach Gonſenheim
gegangen.
Oekonomierat Dettweiler=Klein=Winternheim bezeichnet unter
Beifall der Kammer die Verſuchsgüter als einen Markſtein in der
Ent=
wicklung der Landwirtſchaftskammer und wünſcht, daß die
Landwirt=
ſchaft den Standardbeſtrebungen der Landwirtſchaftskammer auch
nach=
ſtreben möge.
Sachverſt. Schneider=Darmſtadt wünſcht demnächſt Aufklärung
über die Rentabilität Groß=Umſtadts. —
Generaldirektor Dr. Hamann glaubt verſichern zu können, daß
die Rentabilität auch in Groß=Umſtadt in erſter Linie berückſichtigt
werde. Der Vorwurf des Preisdrückens ſei bei Vergleich der
Qualitä=
ten vollkommen unberechtigt.
Muſſel=Gonſenheim ſieht in dem Gonſenheimer und Groß=
Um=
ſtädter Gut ein Vorbild und wünſcht in dieſen Gütern eine praktiſche
Unterweiſung von Lehrlingen. Der Redner vertritt die
erzieheriſchen Aufgaben der Genoſſenſchaften in bezug auf die
Standar=
diſierung.
Nach einem Schlußwort von Generaldirektor Hamann und
Prä=
ſident Henſel folgt die Vorlage der Jahresrechnungen 1925
und 1926.
Altbürgermeiſter Wenzel erſtattet den Prüfungsbericht und
bittet um Entlaſtung des Rechners, die einſtimmig erfolgt.
Es folgt die Beratung des Etats 1928, der in Einnahme und
Ausgabe mit 1 431 085 Mark balaneiert und von Generaldirektor Dr.
Hamann begründet wird. Der Umlageſatz möge von 47 auf
5 Pfg. erhöht werden, um ein geordnetes und geſundes
Wirtſchaf=
ten der Kammer zu ermöglichen.
Präſident Henſel unterſtützt die Ausführungen des Vorredners.
Lutz=Kleinfelda predigt Sparſamkeit zu einzelnen Etatspoſitionen
und ſpricht gegen die Umlageerhöhung.
Oekonomierat Korell unterſtützt die Ausführungen Dr. Hamanns.
Er fordert, daß die ſozialen Verſicherungsträger aus ihren Mitteln
Gelder zur Unterſtützung der Landwirtſchaft und der
Kulturbaubeſtve=
bungen zur Verfügung ſtellen ſollen. Außerdem möchten die für die
Feldbereinigung notwendigen Koſten von der Regierung vyrgelegt und
von den Lendwirten dann in mehrjährigen Raten eingefordert werden.
In der Dekatte ſprechen noch Heuſer=Nieder=Weiſel. Roßkopf=
Münſter, Wolf=Düdelsheim, Wenzels Hainſtadt, Dettweiler=
Klein Winternheim (der Fragen der Ziegenzucht behandelt), Abg.
Fenchel=Nieder=Hörgern. — In der Abſtimmung wird der
Voran=
ſchlag 1928 gegen eine Stimme angenommen.
Auträge auf Hebung der Ziegenzucht, auf die Ermöglichung des
Beitritts von Lanwirten zu den Landkrankenkaſſen, die
An=
träge Korell, ein Antrag bezüglich Verhütung von Bränden auf dem
Lande und bezüglich der Unwetterſchäden in Nackenheim werden
an=
genemmen.
Damit war man am Ende der Arbeit angelangt. Präſident
Hen=
ſel dankt in einem warmen Schlußwort den Delegierten für ihre
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arbeit, was ihm lebhaften Beifall der Verſammlung einbringt.
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1 Liter, mit Gummiring".
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U33
Fü
AFa=
M
Lis
[ ← ][ ][ → ]dmmmer 243
Samstag, den 1. Geptember 1928
Geite 11
iſſting=Omnibus der Stadt Wiesbaden,
wihkunntlich der Straßenbahnbetrieb demnächſt
ein=
geſtellt wird.
Das Rätſelraten
um Stinnes.
2d Beſchuldigungen:
Beziehun=
git zu ausländiſchen
Kriegsan=
leiheſchiebern.
Berlin, 31. Auguſt.
o. Stinnes jun. iſt am Freitag aus der
Unter=
fugſch Ahaft dem Richter vorgeführt und den ganzen
Tatzypar vernommen worden. Die Behörde lehnt
jedgeuſ=kunft über den eigentlichen Tatbeſtand ab.
Mſtaf, deshalb auf Andeutungen angewieſen, die
durtykarn, von denen ſich aber nicht ſagen läßt,
wie=
wewſe den Tatbeſtand treffen. Nach einer Lesart
ſollg krafbare Handlung bereits im Jahre 1926
ge=
ſchch brein. Deutſchland hatte ſich bekanntlich
ver=
pfluſt, bis zum November 1926 franzöſiſche
An=
merügen von Kriegsanleihe als Altbeſitz
anzuer=
kema rund es wird wohl ſchon mit Recht behauptet,
daßcz rurufhin große Schiebungen zuſtande gekommen
ſinitzz 7 ſeinen Berechnungen iſt das
Finanzminiſte=
riun avon ausgegangen, daß etwa 20 Milliarden
Alwütz an Kriegsanleihe vorhanden ſeien, bereits
Abchente 40 Milliarden ſind aber ſchon angemeldet,
wondh— infolge des höheren Aufwertungsſatzes bei
Alüllz — das Reich um Hunderte von Millionen
geſ/tr worden iſt. Ein großer Teil dieſer
An=
meultgren ſtammt aus dem Auslande. Stinnes wird
nurarWVorwurf gemacht, daß er einem franzöſiſchen
Konſtuum, das in ſolchen Anmeldungen machte, aber
darzmmkolge der Frankenbaiſſe in Schwierigkeiten
germ irhebliche Geldmittel zur Verfügung geſtellt
habtßeu; Vorſchlag ſeines früheren Privatſekretärs
v AMw und ſeines Hamburger Geſchäftsführers,
worſhettinnes über den Zweck der Gelder
vollkom=
mermi?Klaren geweſen ſei. Dieſes
Schwindelkonſor=
tiuma, ſich in Paris eine eigene Winkelbank
ge=
grüru und die Beſcheinungen nicht exiſtierender
Bachn Seſorgt und auch mit falſchen eidesſtattlichen
Ve enungen gearbeitet. Unter den Perſonen, die
in inrreich an der Sache beteiligt ſind, ſoll ſich auch
eint anzöſiſcher Parlamentarier befinden, der ſich
alst ſiuser von 2 Millionen Mark Anleihen
ausge=
gebwehtt. Stinnes behauptet nun, daß er von allen
die iſe Zauſammenhängen nichts gewußt und
infolge=
deſitcheſiuch auch nicht ſtrafbar gemacht habe. In der
gle ha ſeſtichtung geht auch eine Erklärung der
Ver=
teictzi, die ferner anführen, es ſei ihm nahegelegt
worz”, eine Ordnungsſtrafe zu entrichten, was er
abeur5g elehnt habe. Nach der Auffaſſung der
Ver=
teiutzi,, iſt die Unterſuchungshaft aber mehr wegen
eintigmnäniſchen Geſchäftes erfolgt, und zwar weil
Stitys gezwungen werden ſoll, einen Briefwechſel
herſtw ggeben, der bisher trotz aller Hausſuchungen
michwhfunden werden konnte, deſſen Beſtehen er auch
beſuchre‟. Der frühere Privatſekretär iſt heute ohne
Kaltm aus der Haft entlaſſen worden, der
Haft=
befſſewurde aber aufrecht erhalten, doch mußte ſich
Woſv verpflichten, in beſtimmten Abſtänden ſich zu
mellut 1 b. Waldow läßt durch ſeine Verteidiger
er=
klältg haß er Hugo Stinnes „vollkommen gedeckt
hables; zu dem Augenblick, als Art und Umfang der
Beuteyung des Herrn Stinnes an den fraglichen
Voxuagen den behördlichen Stellen anderweitig
be=
kanuavorden wäre”, dann aber habe Herr v. W.
beirthnelrranlaſſung mehr gehabt, mit der vollen
Waſth=i zurückzuhalten.
An ſieht alſo, daß hier Auffaſſung gegen
Auf=
faffſt teht und daß bis zum Abſchluß der
Unter=
ſuchſw ſüber die Schuld von Stinnes ein Urteil
ſchnvz fällen iſt. Es iſt auffallend, daß von ſeiner
Vert inung bisher ein Haftentlaſſungsantrag nicht
geſth4 wurde. Dieſe erkläre das damit, daß ſie den
Tauſhal=d erſt ſorgfältig erwägen müſſen, weil bei
eingeuhu ehnung ihre Antrages innerhalb der nächſten
zwche Jchen ein neuer Antrag nicht geſtellt werden
kanu Sre wollen daher ſolange warten, bis ſie mit
ihrſkiAlntrag auf einen Erfolg rechnen können. Am
Freßcy iſſt auch die Mutter Hugo Stinnes in Berlin
ein woffen, hat aber ihren Sohn noch nicht beſuchen
könß: SDie Verteidigung bereitet bereits die
Unter=
lageezu, einem größeren Schriftſatz vor, der aber
wolälri. Mitte nächſter Woche dem
Unterſuchungs=
richtmüserreicht werden kann, da einer ſeiner
Ver=
teiſtzu, mach London gefahren iſt, wo in der deutſchen
Bofft eine wichtige Bernehmung ſtattfindet.
Zwi=
ſchellezungo Stinnes und ſeinem ehemaligen
Privat=
ſekuts w. Waldow iſt alſo ein ſcharfer Konflikt
ent=
ſtauf4, wer in den nächſten Tagen an Spannung noch
gunwuar dürfte, weil ſeine Darſtellung von Hugo
Stäusrmit aller Entſchiedenheit beſtritten wird.
Alu ow aus der Haft entlaſſen.
2 Haftprüfungstermin für den in
Unter=
ſuchſchsgaft befindlichen Privatſekretär v. Waldow
ſannum 13 Uhr ſtatt und endete, wie die Blätter
erfßün, mit ſeiner Freilaſſung. Zur Freilaſſung
b. Edſows teilt der Verteidiger Waldows
folgen=
desßt: v. Waldow hat ſeinen Chef, Hugo Stinnes
fumm eillos gedeckt bis zu dem Augenblick, als Art
unigl m ang der Beteiligung Stinnes an den
frag=
liche Aorgängen den behördlichen Stellen
ander=
weAthkkannt geworden waren. Zu dieſem Zeitpunkt
hatet Asaldow keine Veranlaſſung mehr gehabt, mit
derk let Wahrheit zurückzuhalten.
Büſſing=Omnibus.
Zur Eröffnung der Berliner Funk=Ausſtellung.
Das Gelände der Funkausſtellung mit dem Berliner Funkturm.
Der Sender des aufſehenerregenden neuen
Fernſehapparates von Mihaly.
Die Berliner Funkausſtellung wartet mit einer ganzen Anzahl Senſationen auf. Als neueſtes Wunder der Technik gilt der von Mihaly
konſtru=
ierte Fernſeher „Telephor”, der die bisherigen Syſteme nicht nur durch eine bedeutend größere Uebertragungsgeſchwindigkeit, ſondern auch durch
eine außerordentliche Vereinfachung übertrifft.
Oer Dinkelsbühler Taler.
Vorder= und Rückanſicht des Dinkelsbühler Talers.
Die Reichsbank hat aus Anlaß der Tauſendjahrfeier der ſchönen mitteldeutſchen Stadt
Dinkels=
bühl Talerſtücke mit dem Wappen der Stadt in Verkehr gebracht.
Maſchinen=Exploſion
im Puddelwerk.
Dillenburg, 31. Auguſt.
Geſtern vormittag explodierte im Puddelwerk die
Zentralkondenſations=Antriebsmaſchine. Große
Eiſen=
ſtücke wurden durch das zerſplitterte Dach des
Wa=
ſchinengebäudes geſchleudert. In der Hauptſache
han=
delte es ſich um Teile des geborſtenen rieſigen
Schwungrades, das drei Meter Durchmeſſer beſaß.
Die ſechs bis acht Zentner ſchweren Bruchſtücke flogen
in einem Umkreis von etwa 100 Meter weit und
ver=
urſachten granattrichterartige Löcher, in denen ſich ein
Mann verſtecken konnte. Ein Eiſenblock flog etwa
30 Meter vor dem Bahnhofsgebäude über die
Bahn=
hofsſtraße und einen Schuppen direkt auf das
Bahn=
gleis, wodurch eine Schwelle zertrümmert wurde. Ein
anderes großes Stück flog bis an die Dill, weitere
kleinere auf den Bahnhofsvorplatz und die
Jahn=
ſtraße. Es wurde ſofort mit der Ausgrabung der
Sprengſtücke begohnen. Es iſt als ein wahres
Wun=
der anzuſehen, daß keine Menſchen getötet oder
ver=
letzt wurden. Vor allem hätte ein Einſchlagen des
großen Sprengſtückes in das Bahnhofsgebäude oder
in einen Perſonenzug kataſtrophale Folgen gezeitigt.
Die Urſache des Unglücks wird in einem
Material=
fehler vermutet. Der Betrieb erleidet keine
Unter=
brechung oder Einſchränkung, da ſofort eine
Erſatz=
maſchine in Tätigkeit treten konnte.
Erdſtöße in der Schwäbiſchen Alb.
Stuttgart. Von der Erdbebenwarte
Hohen=
heim wird mitgeteilt: Donnerstag abend wurde von
den Inſtrumenten der hieſigen Erdbebenwarte ein
Erdſtoß aufgezeichnet, deſſen Herd in 50 bis 60
Kilo=
meter Entfernung liegt. Die Aufzeichnungen
be=
gannen um 21 Uhr 10 Min. 58 Sek. und endeten
nach etwa einer halben Minute. Es handelt ſich um
einen Erdſtoß mittlerer Stärke, der im
Erdbeben=
gebiet der Schäbiſchen Alb erfolgte. Auch aus
Rot=
tenburg (Neckar) wird berichtet, daß Donnerstag
abend nach 21 Uhr mehrere Erdſtöße wahrgenommen
wurden. Auch ein längeres donnerähnliches Rollen
war vernehmbar.
Einbruch im Münchener Paßamt.
München. Im Gebäude der Polizeidirektion
München iſt ein frecher Einbruchsdiebſtahl verübr
worden. Ein unbekannter Täter brach in zwei
Bureaus des Paßamtes ein, öffnete gewaltſam zwei
Schränke und entwendete daraus verſchiedene
Paß=
formulare und etwa 50 halbfertige Päſſe mit den
dazu gehörigen Antragsformularen und Lichtbildern.
Die Päſſe ſind jedoch noch nicht unterſchrieben. Wie
der Dieb in das Gebäude kam und auf welche Weiſe
er ſich einer Entdeckung entziehen konnte, iſt noch
voll=
kommen rätſelhaft. Auch die Beweggründe, die den
Täter leiteten, ſind unbekannt. Die Nachforſchungen
erſtrecken ſich deshalb auch darauf, ob es ſich um einen
Paßdiebſtahl zu politiſchen Zweckn handelt, doch
lie=
gen hierüber poſitive Anhaltspunkte nicht vor.
Hochwaſſergefahr in Bayern.
München. Nach den bei der bayeriſchen
Lan=
desſtelle für Gewäſſerkunde eingelaufenen Meldungen
iſt infolge der ſtärkeren Regenfälle in den letzten
Tagen im Alpengebiet und Alpenvorland,
insbeſon=
dere im Allgäu, bei zahlreichen Flüſſen Hochwaſſer
eingetreten, das ſehr raſch ſteigt. Hochwaſſergefahr
beſteht auch für die baheriſche Donau, und zwar wie
bei den anderen Flüſſen, für den Oberlauf.
Ein Brunnenunglück.
Dresden. Bei einem in Dresden durchgeführten
Brunnenbau ereignete ſich ein ſchwerer Unfall. In
der Tiefe des Brunnenſchachtes hatten ſich Gaſe
ge=
bildet, durch die ein im Brunnen beſchäftigter
Brun=
nenbauer betäubt wurde. Ein ihm zu Hilfe eilender
Arbeitskollege brach gleichfalls ohnmächtig in der
Grube zuſammen. Die Feuerwehr drang ſchließlich
mit Gasmasken in den Brunnen ein und holte beide
Arbeiter heraus. Trotz anderthalbſtündiger
Wieder=
belebungsverſuche ſtarben beide bald nach ihrer
Ein=
lieferung ins Krankenhaus.
Schweres Touriſtenunglück im Wilden Kaiſer.
Innsbruck. Mittwoch nachmittag wurden auf
dem Jubiläumsſteg im Wilden Kaiſer während eines
Unwetters der Poſtdirektor Schnell aus München und
deſſen 13jähriger Sohn ſowie die 56jährige
Bürger=
meiſtersfrau Jägel aus Haag bei Waſſerburg durch
Steinſchlag und eine niedergehende Mure getötet.
Die Frau des Poſtdirektors wurde ſchwer verletzt in
das Kufſteiner Krankenhaus gebracht.
Ein ganzes Dorf niedergebrannt.
Preßburg. In der Nähe von Sillein geriet
am Donnerstag infolge Blitzſchlags ein ganzes Dorf
in Flammen. Da ſich die Mehrzahl der Dorfbewohner
auf dem Felde befand, konnten die Löſcharbeiten nicht
rechtzeitig einſetzen. Das Dorf iſt faſt völlig ein Raub
der Flammen geworden. Zwei Kinder werden
ver=
mißt. Sie ſcheinen bei dem Brande ums Leben
ge=
kommen zu ſein. Ein Schwachſinniger ſcheint ebenfalls
den Tod in den Flammen gefunden zu haben. Eine
Greiſin wurde gerettet, ſtarb aber bald darauf an
den erlittenen Brandwunden.
Raubüberfälle in der Nähe der mexikaniſchen
Hauptſtadt.
London. Donnerstag wurden 12 Kraftwagen
und Kraftomnibuſſe auf einer Landſtraße, 30 Meilen
von Mexiko=City entfernt, von Räubern angehalten
und beraubt, obwohl an derſelben Straße Truppen
in Zwiſch nräumen als Sonderſchutz für den
Gouver=
neur des Staates von Puebla aufgeſtellt waren. Der
Chauffeur des Troßwagens des Gouverneurs kam
dem Befehl der Banditen, anzuhalten, nicht nach. Es
wurden Schüſſe gewechſelt. Das Auto entkam. Die
nachfolgenden Kraftwagen wurden jedoch angehalten.
Die Räuber erleichterten ihre Opfer jedoch nur um
die Hälfte ihres Geldes.
Eröffnung der Fünften großen
Deutſchen Funkausſtellung Berlin
Berlin, 31. Auguſt.
Heute vormittag wurde in den Ausſtellungshallen
am Kaiſerdamm die Fünfte große Deutſche
Funk=
ausſtellung eröffnet. Zu der Eröffnungsfeier hatten
ſich mehr als 1000 Perſönlichkeiten aus der Welt der
Behörden, der Wiſſenſchaft, der Wirtſchaft und der
Technik ſowie der in= und ausländiſchen Preſſe
ein=
gefunden.
Reichspoſtminiſter Dr. Schätzel hielt die
Eröff=
nungsrede. Der Miniſter wies auf die ungewöhnlich
erfolgreiche Entwicklung des Rundfunks in der
kur=
zen Zeitſpanne von nur fünf Jahren him. Der
Rundfunk bilde ein bedeutſames Bindeglied zwiſchen
den Völkern und trage innerhalb der
Volksgemein=
ſchaft nicht unweſentlich zum Ausgleich und zur
Ver=
ſöhnung der Gegenſätze bei. Die Rundfunktechnik ſei
ein bedeutſamer Zweig der deutſchen Wirtſchaft
ge=
worden.
Bürgermeiſter Scholtz begrüßte namens der Stadt
Berlin die Vertreter der Behörden ſowie die an der
Durchführung der großen Deutſchen Funkausſtellung
beteiligten Stellen. Die Funkausſtellung, die als
fünfte ihr erſtes Jubiläum feiert, erhalte in dieſem
Jahre ihre beſondere Bedeutung durch die
gleich=
zeitige Tagung des Weltrundfunkvereins, der Union
Internationale de Radiophonie, die erſtmals als
welt=
umfaſſende Organiſation des Rundfunks die deutſche
Hauptſtadt als Tagungsort gewählt habe. Die
neueſten Erfindungen auf dem Gebiete des
Fern=
ſehens, des Tonbildfilms, des Bildfunks und anderer
Gebiete ſollen die Ausſtellung geſtalten zu einem
europäiſchen Fachereignis. Die Ausſtellung ſei die
erſte der drei Ausſtellungen: Funk, Flug und Auto,
die in dieſem Jahre den „Herbſt der Technik” bilden
ſollen.
Als Schlußredner warf Dr. Erwin Miche,
Syn=
dikus des Verbandes der Funkinduſtrie e. V., einen
kurzen Rückblick auf die Entwicklung der deutſchen
Funkinduſtrie. Er betonte zum Schluß, daß die
dies=
jährige Veranſtaltung mit ihren 350 Ausſtellern auf
einer Ausſtellungsfläche von mehr als 10 000
Qua=
dratmetern alle früheren derartigen Veranſtaltungen
übertreffe.
Eine Vorführung von Teilen aus dem Tri=Ergon=
Tonbildfilm der Reichsrundfunkgeſellſchaft und eine
Führung durch die Ausſtellung beſchloſſen die Feier.
Der Erfinder des Gasglühlichts
70 Jahre alt.
Dr. Carl Freiherr Auer v. Welsbach,
der weltberühmte Chemiker, begeht am 1. September:
ſeinen 70. Geburtstag. Er hat 1885 den erſten
Glüh=
ſtrumpf aus Kunſtſeide hergeſtellt, mit Nitraten
ſel=
tener Erden imprägniert, mittels einer Gasflamme
zur Weißglut erhitzt und ſomit das Gasglühlicht
er=
funden. Bis dahin war nur die 1814 zur ſtädtiſchen
Beleuchtung eingeführte ſogenannte offene Gasflamme
bekannt.
Geite 12
Samstag, den 1. Geptember 1928
Nummer 243
Familiennachrichten
Statt Karten
Uhre Verlobung beehren sich anzuzeigen:
Gretchen Eitel
Peter Born
Fränk.-Crumbach i. Odw.
22510
September 1928
Ststt Karten.
Waria Spaar
Felix Halme
Verlobte
Bleichstr. 17
Wenckstr. 2
(*22613
September 1928
Statt Karten
Ihre Vermählung beehren sich
an-
zuzeigen
Forslassessor Harl Breitwieser
Liesel Breilwieser, geb. Bernbeck
Darmstadt
Altes Lager
Herdweg 59
Kreis Hüterbog
1. September 1928.
Bſ1
Ihre Vermählung geben bekannt
Oipl.=Ing. Karlo Plock
und Frau Emma, geb. Wagner
1. September 1928
Kſel
Haſelkamp 88
Darmſtadt
Lſebigſtraße 25
Trauung um 14 Uhr in der Johanneskirche.
(*225
Statt beſonderer Anzeige.
Heute früh verſchied in Wimpfen
uner=
wartet unſere liebe Schweſter, Tante und
Nichte
Pertha Kugimann
Lehrerin i. R.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Tony, Suſt und Fina Kuhlmann.
Darmſtadt, den 31. Auguſf 4928.
Wittmannſtraße 23.
(222731
Die Beerdigung findet Montag, den
3. September, vormittags 11 Uhr, von der
Kapelle des alten Friedhofs aus ſtatt.
Statt Karten.
Die Verlobung ihrer Tochter Elſe / Meine Verlobung mit Fräulein
mit Herrn cand. med. Walter / Elſe Roßenbeck beehre ich mich
Vetzberger geben bekannt
Ingenieur Heinr. Roßenbeck
u. Fran Lisbeth, geb. Memmler
Auerbach (Heſſen)
1. September 1928
anzuzeigen
Balter Vetzberger
cand. med.
Bensheim (Heſſen)
At4
Statt Karten.
Uhre Vermählung geben bekannt
Otto Darmstädter
und Frau, geb. Bögel
Rhönring 36
Heinheimerstr. 86
Kirchliche Trauung: Sonntag 2½ Uhr in der Martinskirche.
(13941)
Statt Karten.
Chriſtian Wolf
Anni Wolf
geb. Benz
Vermählte
Stiftſtr. 33
Darmſtadt
Kirchl. Trauung: Sonntag, den 2.
Sep=
tember, nachmittags 3 Uhr, in der
Stadi=
kapelle.
222549
Ihre Vermählung beehren ſich
anzuzeigen:
Heinrich Müller
und Frau Hermine
geb. Krepper
Die kirchliche Trauung findet am 1.
Sep=
tember, vormittags 9,20 Uhr, in der
Stadikapelle ffatt. (2256
Statt Karten.
Ihre am Sonntag, den 2. September,
nachmittags 2 Uhr, in der Fideliskirche
(Feldbergſtraße) ſtattfindende Trauung
beehren ſich anzuzeigen
Hans Helfrich und Frau
Eliſabethe, geb. Helm
Rabenauſtr. 43.
422525)
Dankſagung.
Für die überaus vielen
Be=
weiſe wohltuender Teilnahme
anläßlich des Hinſcheidens meines
lieben, unvergeßlichen Mannes,
unſeres Vaters,
Schwieger=
vaters und Großvaters ſagen
tvir hiermit allen Beteiligten
aufrichtigen, herzlichen Dank.
Im Namen der
trauernden Hinterbliebenen:
Margarete Hofmann Bwe.
Griesheim, 30. Auguſt 1928.
(13899
Dankſagung.
Für alle Beweiſe wohltuender
Teil=
nahme beim Heimgange unſerer lieben
Entſchlafenen
Frau Margarethe Bert Bwe.
ſagen wir herzlichen Dank. Beſonders
danken wir Herrn Pfarrer Frank für dle
troſtreichen Worte am Grabe und
Schweſter Sophie für ihre liebevolle
Pflege.
Die trauernd. Hinterbliebenen.
Rohrbach, den 31. Aug. 1928. ( 22622
Nachtragen
u. Einricht. v. Büchern
billigſte Berechnung,
durch Bankbuchhalter.
Ang. unt. E 198 an
die Geſchſt. (*22384ds
I
Waſſerhöhe . 3,78 m.
Luftwärme 12 C.
Waſſerwärme vorm.
7 Uhr 20 C.
Woogs=Polizei=Wache
Statt beſonderer Anzeige.
Am 28. Auguſt, abends 7 Uhr, entſchlief ſanft unſer lieber,
herzensguter Vater, Sohn, Bruder und Schwager
Adalbert Wenzel
Poſtaſſiſtent i. R.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Emilie Wenzel
Emma Wenzel.
Darmſtadt, Gießen, den 1. September 1928.
Auf Wunſch des Verſtorbenen fand die Beerdigung in der Stille ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen bitten wir abzuſehen. ( 22673
Dr. Hartmann Pieper
Trude Pieper, geb. Cunz
Vermählte
Friedrichstr. 34 II.
Darmstadt
1. September 1928
(22681
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teil=
nahme und überaus reichen Blumenſpenden
bei dem Heimgange unſerer lieben
Ent=
ſchlafenen, ſagen wir Allen auf dieſem
Wege unſeren innigſien Dank.
Dank für die troſtreichen Worte des
Herrn Pfarrer Uhl zu Weiterſiadt, den
Kameradinnen und Kameraden und unſerer
Arbeiterſchaft für die Kranzniederlegung.
Braunghardt, den 31. Auguſi 4928.
In tiefer Trauer:
Adam Bender 3
Maurermeiſter
und 3 Kinder.
22633
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlichſter
Teilnahme und reichen Blumenſpenden
bei dem Hinſcheiden unſeres lieben
Kindes ſagen wir unſeren innigſten
Dank.
Heinrich Roth und Frau.
Darmſtadt, den 1. Sept. 1928. (*22601
Dr. Koepke
iſt bis Ende September verreiſt.
Vertretung
haben übernommen die Herren:
Dr. Andres, Rheinſtraße 33
Dr. Rahn, Dieburgerſtraße 6
Dr. Schmidt, Heinrichſtraße 38.
2u396ta
Frau Helene Pelers-Mansard
hält ſich als kliniſch ausgebildete
Wochenpflegerin
beſtens empfohlen. (*22523
Martinsſtr. 14,II. Telephon 4006.
Verreiſti
Or. PaulWaff
Frauenarzt
jetzt Wilhelmſtr 18.
V rtreter: Dr. Klasm
Joffmann, Frauenarzt, /
Hügelſtr 45. 22634 M
Piano
(„Dörner Stuttgart)
faſt neu billig zu u
verkaufen. (B13788 8
Nie. Berg
Heidelbergerſtr. 8.
Zeugin geſucht.
Die Dame, die bei
dem Unfall zw
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fahrer u. Paſſantin u
am Aliedenkmal am n
20. 7. zugegen wart e
wird umAngabeihter
Adr. gebet. u. F130
an d. Geſchſt. /225/4 N
Erb=Begräbn. Fried A
hof N.=Ramſtädterſtr.
abzug. Ang. u. FN0
an die Geſch. (*22500 0
Rintorgartan
es
Alicevereins für Frauenbildung und Erwerb
Karlſtraße 16, I.
Anmeldungen werden vormittags von 2—12 angenommen
Der Vorſtand.
13392a)
Raf
M
Dankſagung.
WiEnssiteandrssn
E
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme beim
Hinſcheiden meiner lieben Frau, unſerer guten Mutter,
Tochter, Schweſter, Schwiegermutter, Schwägerin,
Tante und Nichte
Frau Babette Netz
geb. Seubert
ſagen wir Verwandten, Freunden und Bekannten für
die ſo zahlreichen Blumenſpenden, Herrn Pfarrer
Berger für die troſtreichen Worte am Grabe, den
beiden Gemeindeſchweſtern vom Weſtbezirk für die
liebevolle Pflege während ihrer langen Krankheit,
owie der Schützengeſellſchaft „Weidmannsheil”, dem
Perſonal der Heag, für die ſchönen Blumen= und
Kranzſpenden und dem Klub Fröhlichkeit für den
Grabgeſang unſeren herzlichſten Dank.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Ludwig Netz und Kinder.
darmſtadt, den 31. Auguſt 1928.
Dankſagung.
Für die herzliche Teilnahme und die vielen Kranz= und
Blumenſpenden bei dem Heimgang unſeres lieben
Ent=
ſchlafenen, Herrn
Jacob Kriechbaum
ſagen wir allen unſeren herzlichſten Dank. Beſonders danken
wir Herrn Pfarrer Marx für die troſtreichen Worte am Grabe,
dem Kriegerverein „Graf von Haeſeler” der Vereinigung
ehemaliger Leibgardiſien und den Herren Kollegen vom Poſiamt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Eliſabethe Kriechbaum
Karl Kriechbaum und Frau.
Darmſtadi, den 31. Auguſi 1928.
( 22701
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Der sich vorher nicht „Lebewohls” hat angeschallt.
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[ ← ][ ][ → ]Seite 14
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Vollm.Karamell., , 34 „
Kreme=Bruch, „ 36 „
Krokant=Bruch, „ 42„
„ Th.& G. Haus=Miſch.,, 43 ,
43,
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„ Likör=Bohnen „ 46 „
Kein 1. Pfund, ſondern
1. Pfd. Kokosflocken mit
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11. „ Schok.=Plätzchen, „ 48 „
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Giolldlaff Kiädblian
Seite 16
Samstag, den 1. Geptember 1928
Rummer 243
Nachrichten des Standesamts Darmſiadt.
— Geſtorbene. Am 24. Auguſt: Weber, Dorothea, geb. Hein, 78 J.,
Heinrichſtraße 148; Berck, Franziska Amalie, geb. Bücking, 72 J.,
Kra=
nichſteinerſtraße 59/½o; Rau,Hermann Albert Herbert, 22 J., ledig,
Beckſtraße 8; Stückert, Margarete, 82 J., ledig, ohne Beruf,
Hoch=
ſtraße 23. Am 25. Auguſt: Lutz, Georg, Arbeiter, 17 J., Nieder=Klingen,
hier, Grafenſtraße 25. Am 26. Auguſt: Kolb, Elſe Frieda, geb. Breſch,
26 J., Eberſtadt, hier, Lagerhausſtraße 24. Am 25. Auguſt: Mayer,
Emerich Friedrich, Geheimer Domänenrat i. R., 72 J., Feldbergſtraße 13.
Am 27. Auguſt: Netz, Marie Barbara, geb. Seubert, 47 J.,
Kaup=
ſtraße 10. Am 26. Auguſt: Brunner, Anna Maria, geb. Koch, 73 J.,
Neckarſtraße 7. Am 25. Auguſt: Köhler, Karl, 1 Stunde alt,
Ballon=
platz 4. Am 27. Auguſt: Raitz, Eliſe, geb. Amen, 24 J., Hetſchbach,
hier, Erbacherſtraße 25; Antz, Margarethe, geb. Georg, 70 J.,
Rhön=
ring 47½. Am 28. Auguſt: Frank, Eliſabetha Gertrude, geb. Körner,
66 J., Rückertſtraße 8: Kuhn, Karl Rudolf, Kaufmann, 67 J.,
Viktoria=
ſtraße 43. Am 27. Auguſt: Kriechbaum, Jakob, Poſtaſſiſtent, 59 J.,
Wendelſtadtſtraße 44. Am 28. Auguſt: Roth, Irmgard, 1 Monat,
Schloßgaſſe 34: Düringer, Sofie, ohne Beruf, ledig, Heinheimerſtr. 90;
Bauer, Louis, Schuhmachermeiſter, 55 J., Grafenſtraße 21; Seriba,
Martha Sophie, geb. Eckenroth, 51 J., Wienerſtraße 18. Am 29.
Auguſt:Sommerlad, Jakob, 1 Stunde, Dreieichenhain, hier,
Lagerhaus=
ſtraße 24. Am 28. Auguſt: Wenzel, Karl Adalbert Franz Ludwig
Friedrich, Poſtaſſiſtent i. N., Rhönring 69. Am 29. Auguſt: Meiſter,
Margarete, geb. Kampais, 69 J., Gernsheim a. Rh., hier,
Grafen=
ſtraße 9. Am 21. Aug.: Kaufmann Franz Georg Buchheimer, 57 J.,
Holzſtraße 4. Am 30. Aug.: Student Hans Stehmann, 26 J.,
Schieß=
hausſtraße 59.
Kirchliche Nachrichten
Evangeliſche Gemeinden.
13. Sonntag nach Trinitatis (2. September).
Stadtkirche. Sonntag, 2. September, vorm. 9 Uhr: Chriſtenlehre
für die Lukasgemeinde. Pfarrer Kleberger. — Vorm. 10 Uhr:
Haupt=
gottesdienſt. Pfarrer Köhler. — Vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt.
Die Stadtkirche iſt wochentags von 9—7 Uhr zu ſtiller Andacht
ge=
öffnet. Eingang Nordtüre.
Stadtkapelle. Vorm. 8.30 Uhr: Morgenandacht. Pfarrer
Zimmer=
mann. — Vorm. 9 Uhr: Chriſtenlehre für die Kaplaneigemeinde.
Pfarrer Heß. — Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Bergér. —
Vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Vogel. — Abends 6 Uhr:
Abendgottesdienſt. Pfarrer Köhler.
Schloßkirche: Vorm. 10 Uhr; Hauptgottesdienſt. Pfarrer
Zimer=
mann.
Konfirmandenſaal im Schloß. Sonntag, 2. September, vormittags
11,15 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Zimmermann. — Abends
8 Uhr: Bibolbeſprechung. Gemeindediakon Bruder Pohl. — Montag,
3. Sept., abends 8 Uhr: Jugendvereinigung der Staddgemeinde (
jün=
gere Abteilung), Poſaunenchor. — Dienstag, 4. Sept., abends 8 Uhr:
Mädchenvereinigung der Schloßgemeinde. — Mittwoch, 5. Sept., und
Samstag, 8. Sept., nachm. 2—4 Uhr: Handarbeitsſchule der
Stadt=
gemeinde.
Gemeindehaus (Kiesſtraße 17). Sonntag, 2. Sept., nachm. 2 Uhr:
Schluß der Chriſtenlehre. Pfarrer Zimmermann. — 2,30 Uhr:
Taub=
ſtummengottesdienſt. Pfarrer Heß. — Abends 8 Uhr:
Jugendvereini=
gung der Stadtgcmeinde (B.d. J.). — Montag, 3. Sept., abends 8 Uhr:
Monatsvevſammlung der Männervereinigung der Lukasgemeinde. —
Jugendbund der Lukasgemeinde (ältere Abteilung). — Dienstag,
4. Sept., abends 8 Uhr: Kirchenchor der Stadtkirche. Wiederbeginn der
Singproben. — Jugendvereinigung der Stadtgemeinde (jüngere
Abtei=
lung). — Mittwoch, 5. Sept., abends 8 Uhr: Kirchenchor der
Stadt=
kapelle und Schloßkirche, Wiederbeginn der Singproben. —
Jugend=
bund der Markusgemeinde (ältere Abteilung). — Mädchenvereinigung
der Reformationsgemeinde (ältere Abteilung). — Donnerstag, 6. Sept.,
nachm. 530 Uhr: Vortrag von Geh. Rat Prof. D. Eger aus Halle m
der Heſſ. Evang. Vereinigung (Friedberger Konferenz). — Abends
8 Uhr: Monatsverſammlung des Frauenvereins der Lukasgemeinde
(nebſt Nothilfe=Kreis). — Bibelbeſprechung (Philipperbrief).
Gemeinde=
biakon Bruder Pohl. — Jugendbund der Lukasgemeinde (füngere
Ab=
teilung). — Freitag, 7. Sept., abends 8 Uhr: Jugendbund der
Kaplanei=
gemeinde.
Feierabend (Stiftsſtraße 51). Mitwoch, 5. Sept., abends 8 Uhr:
Bibelſtunde. Pfarrer Köhler. — Mittwoch, 5. Sept., und Samstag,
8. Sept., nachm. 4 Uhr: Jungſchar der Stadrgemeinde Gruppen 1 u. 2.
Amtshandlungen an Auswärtigen: Pfarrer D. Waitz.
Walderholungsſtätte am Befſunger Forſthaus. Somtag, 2. Sept.,
vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt. Gemeindediakon Bruder Pohl
(Schluß).
Krankenpflege burch Diakonen: Hauptſtation im Diakonenheim,
Heidelberger Straße 21. Femſprecher 2833.
Ev. Wohlfahrtsdienſt: Gemeindehaus, Kiesſtraße 17. Sprechſtunden
vormittags von 10—12 Uhr. Fernſprecher 2379.
Gemeindeamt für kirchliche Steuerangelegenheiten: Gemeindehaus,
Kiesſtraße 17, Vorderhaus, 1 Treppe. Geſchäftsſtunden vorm. von 8
bis 12 Uhr und nachm. von 3—6 Uhr. Fernſprecher 2379.
Martinskirche. Vorm. 7 Uhr: Frühgottesdienſt. Pfarrer Köhler.
— Vorm. 8,30 Uhr: Chriſtenlehre für die Martisgemeinde Oſt, 1.
Ab=
teilung, in der Kirche, Pfarrer Beringer; für die Martinsgemeinde
Weſt, 2. Abteilung, im Gemeindehaus. Pfarrer Bergér. — Vorm.
10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit anſchließender Beichte und Feier des
heiligen Abendmahls. Pfarrer D. Waitz. Anmeldung von 9,30 Uhr
an in der Sakriſtei. — Vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt für die
Martinsgemeinde Weſt. Pfarrer Bergér. — Freitag, 7. Sept., abends
6 Uhr: Bibelbeſprechung im Martinsſtift.
Altersheim. Vorm. 10 Uhr: Dr. Avemarie.
Martinsgemeinde (Verſawlungen). Montag, 3. Sept., abends
8 Uhr, im Gemeindehaus: Mädrhenvereinigung Weſt. — Dienstag,
4. Sept., abends 8 Uhr, im Gemeindehaus: Jugendvereinigung. —
Donnerstag, 6. Sept., abends 8 Uhr im Gemeindehaus:
Mädchenver=
eimigung Weſt; im Martinsſtift: Mädchenvereinigung Oſt: „
Mauer=
ſtraße 5: Poſaunenchor. — Freitag, 7. Sept., abends 8 Uhr, im
Ge=
meindehaus: Jugendvereinigung, ältere Abteilung.
Johanneskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarraſſiſtent
Georgi. — Vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt.
Paul=Gerhardt=Haus (Gemeindehaus der Waldkolonie). Samstag,
abends 8 Uhr: Chriſtenlehre. — Sonntag, vorm. 10 Uhr:
Hauptgottes=
dienſt. Pfarrer Marx — Vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde). Vorm. 10 Uhr:
Hauptgottes=
dienſt und Feier des heiligen Abendmahls. Pfarrer Weiß. Anmeldung
ab 9,30 Uhr in der Sakriſtei. — Vorm 11,30 Uhr: Kindergottesdienſt.
Pfarrer Weiß.
Veranſtaltungen: Sonntag, 2. Sept., vorm. 7 Uhr:
Jugend=
vereinigung, Abmarſch zum Jugendſonntag in Pfungſtadt. Treffpunkt:
alter Südbahnhof. — Montag, 3. Sept., nahm. 3 Uhr: Vorſtandsſitzung
des Frauenvereins. — Abends 8,15 Uhr: Mädchenvexeinigung. —
Dienstag, 4. Sept., abends 8,15 Uhr: Kirchengeſangverein. — Mittwoch,
5. Sept., abends 8,15 Uhr: Mädrhenvereinigung, kleiner Kreis. —
Don=
nerstag, 6. Sept., abends 8,15 Uhr: Monatsverſammlung der
Männer=
vereinigung mit Vortrag von Pfarrer Bergér über: Der Gvangeliſche
Bund ein Bund aller Evangeliſchen.
Pauluskirche. Vorm. 3,30 Uhr: Chriſtenlehre für beide Gruppen.
Pfarrer Rückert. — Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Rückert.
— Vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Mückert.
Veranſtaltungen: Sonntag, 2. Sept., abends 8 Uhr:
Jugendvereinigung. — Montag, 3. Sept., abends 8 Uhr: Jugendbund.
— Dienstag, 4. Sept., vovm. 10 Uhr: Vorſtandsſitzung des
Frauen=
vereins. — Abends 8 Uhr: Kirchenchor.
Stiftskirche. Samstag, abends 8 Uhr: Beichte. — Sonntag, vorm.
10 Uhr: Hauptgottesdienſt (mit Abendmahl). Pfarrer Waldeck. —
Vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt. — Evang. Sonntagsverein:
Be=
teiligung am Jugendſonntag in Pfungſtadt. Abfahrt 8,02 Uhr, nachm.
1,30 Uhr. — Donnerstag: Die Betſtunde fällt aus.
Schloßkirche, Kranichſtem. 10 Uhr: Gottesdienſt. Pfarrer Beringer=
Darmſtadt.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24). Sonmtag, vorm. 9 Uhr:
Gebets=
ſtunde. — 11.15 Uhr: Kindergottesdienſt. — Nachm. 3.30 Uhr:
Bibel=
ſtunde. Stadtmiſſionar Anders. — Montag, nachm. 4 Uhr:
Miſſions=
arbeitsſtunde. — Abends 8,30 Uhr: Kriegerdankbund. — Dienstag,
nachm. 4 Uhr: Frauenbibelſtunde. — Abends 8,30 Uhr: Blaukreuz=
Bibelſtunde. — Mittwoch, abends 8,30 Uhr: Gem. Chor. —
Donners=
tag, abends 8,30 Uhr: Bibelſtunde. Prediger Semmel. — Freitag,
abends 8,30 Uhr: Bibelſtunde in der Kinderſchule, Beſſunger Straße 80.
Prediger Semmel.
Sonntag, 9. Sept., vorm. 9 Uhr: Walldgottesdienſt am Botaniſchen
Garten.
Sonntag, 16. Sept.: Jahresfeſt der Stadtmiſſion und des
Jugend=
bundes.
Jugendbund für E. C. (Mühlſtraße) 24). Sonntag, nachm. 2.30
Uhr: Bibelbeſprechſtunde für junge Männer. — Nachm. 4,45 Uhr;
Bibelbeſprechſtunde für Mädchen. — Dienstag, abends 8,30 Uhr:
Jugend=
bundſtunde. Sekretär Nöll. — Mittwoch, abend 8,15 Uhr: Freundeskreis
für junge Männer. — Donnerstag, abends 8 Uhr: Gebetsſtunde für
junge Männer.
Chriſtlicher Verein junger Männer e. V. (Alexanderſtraße 22,
In=
fanteriekaſerne, Hof links.) Sonntag, 2. Sept.: C. V. j. M.=Treffen im
Landheim. Abfahrt: Samstag, nachm. 5 Uhr, Oſtbahnhof. — Dienstag,
4. Secht, abends 8 Uhr: JungC.=Bibelſtimde. — Mittwoch, 5. Sohtr.
abends 8,30 Uhr: Jungmannerbibelſtunde. — Donnerskag, 6. Sebzt
abends 8,30 Uhr: Heimabend. — Freitag, 7. Sept., abends 8.30 Nhru
Turnen (Ludwigsoberrealſchule). — Samstag, 8. Sept., abends 8 Uhre
Poſaunenchor.
Die Chriſtengemeinſchaft. Sonntag, 2. Sept., vorm. 10 Ubrun
Menſchenweihehandlung mit Predigt. (Die Gottesdienſte findeme
vorübergehend in einem Prwathaus ſtatt. Näheres Hügelſtraße 27)
Sonſtige Gemeinſchaften.
Evangel. Gemeinſchaft, Eliſabethenſtraße 44. Sonntag vormittogn
10 Uhr: Hauptgottesdienſt, 11 Uhr: Sonntagsſchule, abends 8 nbrur
Gottesdienſt. Prediger Sauer. — Montag abend 8½ Uhr: Jugendbund 0
Dienstag abend 8½ Uhr: Singſtunde. Mittwoch abend 8 Uhr: Frauenen
Miſſionsſtunde. Donnerstag abend fällt die Bibelſtunde aus, daßiri
Freitag abend 8½ Uhr: Vorbereitungsſtunde fürs hl. Abendmahl. Preert
diger Herrmann.
güt
Chriſtliche Gemeinſchaft Darmſtadt (Mollerſtraße 40), Sonntag, dems aimmu
2. Sept., vorm. 9,30 Uhr: Andacht. Nachm. 3,30 Uhr: Jugendbund 8
Abends 8 Uhr: Evangeliſation. — Mittwoch, abends 8,15 Uhr: Bibel./ AM
ſtunde. Jedermann herzlich eingeladen.
Chriſtl. Verſammlung, Zimmerſtraße 4. Sonntag, vorm. 11,15 Ubren 941
Sonntagsſchule. Nachm. 4,30 Uhr: Wortverhindigung. — Mittwoh 6 Münhel
abends 815 Uhr: Gebetſtunde. — Freitag, abends 8,15 Uhr: Wort=k 714d
zu
betrachtung. Jeder herzlich eingeladen.
mnta
Chriſtlich wiſſenſchaftliche Vereinigung (Chriſtian Science Socjeth)
Aula der Landesbauſchule, Neckarſtr. 3. Gottesdienſte jeden Sonntaau
ern0!
vorm. 10 Uhr, und jeden erſten Mittwoch im Monat, abends 8.15 Uhr u
Möttlinger Freundeskreis. Montag, 3 Sept., abends 8,30 Uhr, imm
Feierabend, Stiftſtraße 51: Bwbelſtunde. (Prediger Loos= Franf.0
furt a. M.).
Heilsarmee, Schulzengaſſe 3. Ernte=Dankfeſt vom 2. bis 7. Septen=n
ber 1928. Sonntag, 2. Sept., vorm. 10 Uhr: „Opferaltar‟. Nachmy.
3 Uhr: Lob= und Dankverſammlung. Abends 8 Uhr: „Schnitter=
Auf=
führung. — Dienstag, 4. Sept., abends 8 Uhr: Mitzgliederverſammlum.m 2
— Mittwoch, 4. Sept., abends 8 Uhr: Aufführung „Der Säemann”. —
Donnerstag, 6. Sept., abends 8 Uhr: Aufführung „Am Scheidewvege‟.”
— Freitag, 7. Sept., aben s 8 Uhr: Shlußfeier mit Verloſung dern
Gaben.
Kloſt
Auswärtige Kirchen.
Evangel. Kirche zu Eberſtadt. Sonntag, 8.45. Uhr Chriſtenlehren mtteten wird.
der Mädchen; 9.30 Uhr Gottesdienſt; 11 Uhr Kindergottesdienſt —— . guf der Nürn
Montag, 8 Uhr Mädchenvereinigung; Dienstag, 8 Uhr FrauenvereinzA „uucymnte mternatio
Mittwoch, 8 Uhr Kirchengeſangverein; Donnerstag, 8 Uhr Poſaunen=u
chor. — In der Provinzial=Pflegeanſtalt Gottesdienſt 1.30 Uhr. pwuthichland M. 4
Evangeliſche Gemeinde Traiſa. Sonntag, 2. Sept., vorm. 7 Uhrzm Mtd nach erſl. !
Abmarſch der C. J. G. zum Jugendfeſt in Pfungſtadt. Vorm 9,30 Uhrzu Bbllank war auch 2
Hauptgottesdienſt. Anſchließend: Chriſtenlehre. Nachm. 2 Uhr: Er=ß imnd hütete in dem
öffnungsgottesdienſt der Konfirmandenſtunde. — C.J. G. Mädchen: 7 grundenſpiel in Amt
Gruppenabende (Dienstag, Donnerstag, Freitag). — Mittwoch: C.J,6.0 zunſtze der Nürnber
Jungenabend.
Evang. Kirche zu Nieder=Ramſtadt. Sonntag, 2. Sept. (13. n. Trin),, hlagen jeil. Z0
vorm. 9,30 Uhr: Hauptgottesdienſt. Vorm. 10,30 Uhr: Chriſtenlehr, g -And Günther als V
— Montag: Jugendvereinigung. — Dienstag: Kirchenchor. — Mitt=w wen Süddeutſchla.
woch: Jungmädchenverein.
Shmmm hat ſeine He
Evangel. Gemeinde Roßdorf. Sonntag vormittags 9.30 Uhr Haupt=½ Sſchürger, der als
gottesdienſt, 10.30 Uhr Kindergottesdienſt; nachm. 4 Uhr Mitgliederver=
ſammlung des Evangel. Bunkes. — Montag abend: Frauenverein. — — exuerdmngs i. Be
Dienstag abend: Jungmädchenverein. — Freitag abend: Evanzel. 4 50 chulz iſt juddeuiſe
chchaſten hinter dem
Arbeiter= und Handwerkerverein.
irir mit nach Amſter
Katholiſcher Gottesdienſt.
Worlauf ſchon aus
St. Liebfrauen (Klappacherſtraße). Vor Sonn= und Foiertagen m
nachmittags von 5—7 und abends von 8 Uhr an Beichtgelegenheit. An u : Die Bahernc
Sonn= und Feiertagen vormittags von 6 Uhr an Gelegenheit zur heil. 7 gutu beſetzt und du
Beichte; 7 Uhr Frühmeſſe. Vor und in der heil. Meſſe Austeilung der u Milannſchaft, die imn
heil. Kommunion. Generalkowmunion der Marianiſchen Männer / aeheuer wieder bis
kongregation. 9,30 Uhr Hochamt und Predigt. Vorher Austeilung der * mineiſterſchaft durcht
heil. Kommunion. Nachmittags 2 Uhr Chriſtenlehre. 2.30 Uhr
An=
dacht. 3 Uhr: Verſammlung der Marianiſchen Männerkongregaton. 1 Sfexſchrung der 3e0
Werktagsmeſſe 2/, Stunden vor Schulbeginn, d. i. ½7 Uhr. —
Donners=
tag, 5 Uhr: Eliſabethenverein. 6 Uhr: Beichtgelegenheit. — Fritag,
6 Uhr: Heil. Meſſe mit Herz=Jeſu=Andacht. — Samstag, 6 Uhr:
Segensamt. Feſt Mariä Geburt. Wallfahrt nach Dieburg.
Martinskapelle (Herdweg). An allen Sonn= und Feiertagen 8 Uhr
heil. Meſſe mit Predigt. Vorher Beichtgelegenheit. Vor und in der
heil. Meſſe Austeilung der heil. Kommunion. — Während der
Schul=
zeit Dienstags und Freitags 5/, Stunden vor Schulbeginn heil. Meſſe 1
* Bei Jung=Deu
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[ ← ][ ][ → ]zumer 243
Samstag, den 1. September 1928
Seite 17
Wer wird ſüddeutſcher Waſſerballmeiſter?
ſbanern 02 Nürnberg oder
Zing=Deutſchland Darmſtadt.
Das Entſcheidungsſpiel am Sonntag
vormittag 11.30 Uhr im Woog.
e SSpannung für das Entſcheidungsſpiel um die ſüddeutſche
Wayſtlllmeiſterſchaft zwiſchen Bayern 07 Nürnberg und dem
Daymäter Schwimmklub Jung=Deutſchland wächſt von Tag zu
Tagh ül-berall werden die Ausſichten beſprochen, mit denen die
beitch=Kannſchaften am Sonntag vormittag ½12 Uhr ins Waſſer
gehllnid im ſtillen hofft man in Darmſtadt mit einem Siege des
einlihaſ chen Vertreters. Es dürfte ſicherlich intereſſant ſein,
ein=
mahdn Hand der beiderſeitigen Aufſtellungen die einzelnen
Malmchaften zu beſprechen. Wer ſind nun die 14 Schwimmer,
die ſi mm Sonntag in hartem Kampf gegenübertreten?
ſawern 07 Nürnberg wird wohl erſcheinen mit:
Blank
Karl Meyer Erbach
Günther
Schürger Fritz Meyer Schulz
Jung=Deutſchland mit:
Fuhrländer oder Müller
Förſter Gils
Orlemann
Kloſtermann
Berges
Richter
anttan wird.
uf der Nürnberger Seite intereſſiert vor allen Dingen der
bekotnte, internationale Torwächter Blank, der im letzten Jahr
Derſchland in vielen Länderkämpfen erfolgreich vertreten hat
und ns Erich Rademacher der beſte deutſche Torwächter iſt.
Blämtear auch Mitglied der olympiſchen Waſſerballmannſchaft
undt ſtite in dem gegen England mit 8:5 gewonnenen
Zwiſchen=
rumdhſ eiel in Amſterdam das deutſche Tor. Er iſt die
Haupt=
ſtürtzter Nürnberger Mannſchaft und dürfte nur ſehr ſchwer zu
ſchläan ſein. Von der Hintermannſchaft ſind noch Karl Meyer
undt ſünther als ſehr gute Spieler bekannt, da ſie ſchon des
öfte=
ren/ ſüddeutſchland in Repräſentativſpielen vertraten. Der
Stum ſat ſeine Hauptwaffen in dem vielfachen Internationalen
Schiten=, der als ſehr gefährlicher Stürmer bekannt iſt, und
neuſeiy gs in dem ausgezeichneten Rückenſchwimmer Schulz.
Schyuſt ſüddeutſcher Rückenmeiſter und wurde bei den
Meiſter=
ſchauft hinter dem Rekordſchwimmer Küppers Zweiter, ſo daß
er un nrach Amſterdam kam, dort allerdings in einem ſchweren
Voyauf ſchon ausſchied.
e! Bayernmannſchaft iſt, wie man ſieht, auf allen Poſten
guty ſest und dürfte daher nur ſehr ſchwer zu ſchlagen ſein. Die
Maſurch aft, die in vielen harten Kämpfen erprobt iſt, konnte ſich
heuten eder bis zur Vorſchlußrunde um die deutſche
Waſſerball=
menifſhaft durchkämpfen und unterlag erſt der noch größeren
Erfihrutig der Waſſerfreunde Hannover.
17 Jung=Deutſchland iſt die Torwächterfrage noch nicht
ge=
löftützr ſchier in Fuhrländer und Müller zwei gleichwertige Leute
zurm enfügung ſtehen. Bis zur Stunde iſt man ſich in der
Lei=
tumgug= Deutſchlands noch nicht einig, wer ſpielt. Sollte man
ſich fiftFuhrländer entſcheiden, ſo dürfte deſſen größere
Wettſpiel=
erfauhyg allein ausſchlaggebend ſein, denn im Training zeigte
Müſſil eein recht gutes Können. In der Verteidigung gefällt
augyeldcklich Förſter ſehr gut, aber auch Gils war am Dienstag
in weenr gegen Heſſen Worms 8:2 gewonnenen Spiel gut auf
demn ſoſten. Ueber Orlemann iſt wenig zu ſagen. Er war bis
jetztt nmier die Stütze der Darmſtädter Mannſchaft und dürfte
auchch Sonntag durch ſeine große Routine wieder der ruhende
Polller, Darmſtädter ſein. Im Sturm iſt natürlich Berges die
treizſde Kraft, der durch ſeine Schnelligkeit, Ausdauer und
ſeinm (Orang nach dem Tor, verbunden mit gutem Schuß, der
Nücney ger Hintermannſchaft ſehr gefährlich werden wird. Den
Aufßſtärmern Richter und Kloſtermann dürfte nur zu raten ſein,
ihros oiße Schnelligkeit gegenüber der langſameren
Bayernvertei=
digfw gut auszunutzen.
ei gewinnen wird, die größere Wettſpielerfahrung der
Nünney ger oder die Schnelligkeit der Darmſtädter, iſt ſehr ſchwer
zu ſea, vielleicht haben die Bayern am Ende einen knappen
Sie uuff ihrer Seite, der aber faſt ebenſogut den Einheimiſchen
zufyan kann. Auf alle Fälle iſt unter der Leitung von Herrn
Blüt?Kannheim ein einwandfreier Kampf zu erwarten.
Hoffent=
licht heutgt die Darmſtädter Bevölkerung bei den niedrig
gehalte=
neny iu=trittspreiſen (60 und 30 Pfennige) wieder einmal das
ſch ro oft gezeigte große Intereſſe am Waſſerballſport.
dru tra/de Buzelet wurden bei der amevikaniſchen
Doppelmeiſter=
ſchaltzo den Auſtraliern Cumnings/Moon geſchlagen. Da auch
Bontus9 Landry bereits ausſchieden, ſind von den Franzoſen nur noch
CodlgKtrugnon im Wettbewerb.
ſue Brambor, der alte deutſche Hochradmeiſter, iſt im Alter von
62 Aömn geſtorben.
Handball.
Sportverein Darmſiadt 1898— V. f. L.
Rot=Weiß Darmſtadt.
In dem morgen nachmittag 3 Uhr ſtattfindenden Spiel der 98er
gegen den VfL Rot=Weiß Darmſtadt wird der Sportverein folgende
Mannſchaft ſtellen:
Tvautwein
Rothenburger Reuter
Pabſt Delb Jäger
Stein Werner Fuchs Allwohn Freund.
Der ſonſt von Hennemann ausgefüllte Poſten des linken
Verbin=
dungs=Stürmers wird wohl in Allwohn eine gleichwertige Beſetzung
finden. Stein, der für den verletzven Fiedler Rechtsaußew ſpielt, wird
zu zeigen haben, ob ſein in der Erſatzmannſchaft befriedigendes Können
auch für ein Ligaſpiel ausreichend iſt.
Auf dem Hauptkampffeld findet vor dem Hauptſpiel ein
Verbands=
treffen der 1b Jugend=Mannſchaft der 9er gegen die erſte Jugend von
Arheilgen ſtatt.
Sportvgg. 04 Arheilgen— Schwanheim.
Daß die Arheilger Handballer ihr Vorhaben, ſich den Verbleib in
der Liga zu ſichern, ernſt nehmen, haben ſie in den bereits
ſtattgefunde=
nen Spielen bewieſen. Wohl wird der Neuling von durch langjährige
Erfahrung routinierten Gegnern noch wanche mehr oder weniger hohe
Niederlage einſtechen müſſen, doch ſchon am Vorſonntag konnte eine
weſentliche Formverbeſſerung feſtgeſtellt werden.
Schwanheim iſt auch heuer wieder Meiſterſchaftsfavorit. Am
vergangenen Sonntag mußten die Frankfurter Poſthandballer auf
eige=
gem Gelände mit 3:9 ſich geſchlagen bekennen. Jedenfalls werden ſie
auch das „Arheilger Mühlchen” nicht ohne Punkt verlaſſen. Sie werden
jedoch in den Arheilgem, die leider ohne ihren bewährten Halblinken
Helm antreten müſſen, einen nicht zu unterſchätzenden Gegner vorfinden.
Jedenfalls werden Darmſtadts Handballanhänger, denem ja die Spiele
des Spp. 98 gegen Schwanheim vom Vorjahre in „angenehmer”
Gr=
innerung ſind, a dem Treffen ſtark intereſſiert ſein.
Fußball.
Sportvgg. 04 Arheilgen — Sportv. Wiesbaden
Der Sportverein Wiesbaden muß zum fälligen Verbandsſpiel am
kommnenden Sonntag (4 Uhr) am „Mühlchen” antreten. Jedenfalls
wer=
den die Leute aus der Bäderſtadt alles verſuchen, die nach den letzten
Mißerfolgen ſo notwendigen Punkte mit nach Hauſe zu nehmen.
An=
dererſeits haben die Arheilger am Sonntag in Maimz bewieſen, daß ſie
dieſes Jahr nicht nur auf eigenem Platz einen ernſt zu wehwenden
Gegner abgeben. Wohl ſind die Wiesbadener ſpielkulturell immer noch
eine unſerer beſten Mannſchaften im Bezirk. Die Verteidigung Rauch=
Lehmann ſtellt allererſte Klaſſe dar. Das Schmerzenskind iſt der
ſchuß=
ſchwache Angriff, der bei der guten Arheilger Hintermannſchaft nicht
ſonderlich erfolgreich ſein dürfte. Allerdings ſind auch die Stürmer der
Sportvgg, in ihren Leiſtungen ſehr ſchwankend. Würden dieſelben den
Elan und die Schußfreudigkeit wie im Spiel gegen Höchſt aufbringen,
würde die Frage nach dem Sieger nicht ſchwer fallen. Unſer „Tippen”
ſoll deshalb ganz vorſichtig ſein, und lautet auf Teilung der Punkte.
V. f. R. Darmſtadt — V. f. L. Sachſenhauſen.
Zum letzten Privatſpiel vor den am 9. September beginnenden
Verbandsſpielen, iſt es der Leitung des VfR. gelungen, die altbekannte,
ſpielſtarke Ligamannſchaft des VfL. Sachſenhauſen nach Darmſtadt zu
verpflichten. Mit dieſer Verpflichtung hat man keinen ſchlechten Griff
getan, denn die Elf aus der Apfelweinzentrale nennt einen ganz raſſigen
Fußball ihr eigen. Alle Jahre marſchienen ſie mit an der Spitze ihres
Kreiſes, und dieſes Jahr ſetzt man gerade auf dieſe Leute die höchſten
Hoffnungen: Den Raſenſpielern iſt mit dieſem Spiel Gelegenheit
ge=
geben, ſich für die Verbandsſpiele vorzubereiten, und mancher unter den
Zuſchauern wird ſein Urteil bilden wollen, wie hoch man die Leiſtungen
des VfN. in der kommenden Saifon einſchätzen darf. Die Mannſchaft
tritt bis auf den Mittelſtürmer komplett an, und iſt mit dieſer
Aufſtel=
lung in der Lage, den Gäſten ſchon einigermaßen die Stirne zu bieten.
Das Spiel beginnt nachmittags 4½ Uhr auf dem Sportplatz am
Finanz=
amt. Die Eintrittspreiſe ſind volkstümlich gehalten.
Jugenbabteilung: VfR. 1. Jugend. FC. Wishauſen 1. Jugend
Ghier); Vfſk. 2. Jgd. — Sportv. Weiterſtadt 1. Jgd. Ghier); VfR.
Schüler — Sportv. Weiterſtadt Schüler (hier).
Spielvereinigung 1921 Darmſtadt.
Kommenden Sonntag ſteht die Spielvereinigung 1921 im zweiten
Serienſpiel Langen gegenüber. Ueber die Spielſtärke des Gaſtes
läßt ſich im voraus nicht viel ſagen, da er gegen die Darmſtädter Elf
ſeit den letzten Serienſpielen kein Privatſpiel austrug. Trotzdem muß
ihm ein kleines Plus zugerechnet werden, unterlag doch die weithin als
ſpielſtark bekannte erſte Mannſchaft von Bensheim 1:0.
Darmſtadt muß am kommenden Sonntag zeigen, daß es nicht
ge=
willt iſt, wiederum zwei wertvolle Punkte zu verſchenken, um ſo evtl.
das Ende der Tabelle zu zieren. Das Spiel findet nachmittags 3 Uhr
auf dem Platze „Windmühle” (Ecke Gräfenhäuſer Weg und
Pallaswie=
ſenſtraße) ſtatt.
Vorher treffen ſich die zweiten Mannſchaften beider Vereine. — Die
Jugend fährt nach Hahn bei Pfungſtadt, um dort ihr drittes
Serien=
ſpiel auszutragen. Abfahrt per Rad vormittags 8 Uhr an der
Gries=
heimer Brücke.
Turm und Sportverein e. V. Meſſel.
Kommendem Sonntag fährt die erſte Elf in den Dreieichgau, um
gegen dem 4=Klaſſenverein, Sportklub 06 Dietzenbach, ein
Freundſchafts=
ſpiel auszuwagen. Auf dem Ausgang dieſes Treffens darf man jetzt
ſchon geſpannt ſein. — Die zweite Mannſchaft empfängt die dritte vom
FV. Sprendlingen ud die erſte Schüler die erſte Schüler von VfR.
Darmſtadt.
Pferdeſport.
Oleanders Kanterſieg im Großen Preis
von Baden.
Um den Großen Preis=Tag in Iffezheim ſah es zunächſt ſehr
ſchlecht geſtellt aus, aber auch diesmal war das Glück mit dem
Inter=
nationalen Klub. Mehr als 24 Stunden hielt der Himmel ſeine
Schleu=
ſen geöffnet. Juſt im rechten Augenblick wagte ſich dann endlich die
Sonne ſchüchtern durch die Wolken, und als die Stunde des
Renn=
beginns herannahte, herrſchte ſchönes Wetter. Auf allen Plätzen
dräng=
ten ſich die Maſſen. Alles fieberte dem Großen Preis mit ſeiner Elite=
Beſetzung entgegen. Die zwölf angekündigten Pferde ſtellten ſich
ſchließ=
lich in folgender Reihenfolge von innen nach außen: Mah Jong,
Aure=
lius, Masked Ruler, Caſtel Sardo, Oleander, Bobſleigh, Löwenherz II,
Lupus, Conteſſa Maddalena, Lampos, Ferro und Mathurin. Der
Start glückte auf Anhieb. Der Kampf um die 64 000 Mark hatte ſeinen
Anfang genommen. Löwenherz II war am ſchnellſten flott. Bald ging
jedoch Mah Jong an die Spitze, um im Intereſſe ſeines Stallgefährten
Oleander eine ſtramme Fahrt vorzulegen. In der Reihenfolge: Mah
Jong, Löwenherz II, Lampos, Conteſſa Maddalena, Lupus, und den
übrigen mit Caſtel Sardo und Aurelius auf den letzten Plätzen kamen
die Pferde an den Tribünen vorbei. In der Gegenſeite hatte ſich
Lam=
vos auf den zweiten Platz hinter Mah Jong vorgearbeitet. An der
Reibenfolge, der übrigen änderte ſich wenig. Nur Aurelius, dem das
tiefe Geläuf anſcheinend nicht zuſagte, fiel ſchon Ende der Seite zurück,
in der Mitte des Raſtatter Bogens war auch Mah Jong geſchlagen,
und nun ſetzte ſich Lampos an die Spitze des noch gut geſchloſſenen
Feldes. Der Weinbergſche bog noch knapp vor Conteſſa Maddalena,
Oleander, Caſtel Sardo und Lupus in die Gerade und behauptete die
Führung bis zur Diſtanz, wo Varga ſeinem Hengſt den Kopf freigab.
Mit ſchwer zu beſchreibender Ueberlegenheit empfahl ſich Oleander von
ſeinen Gegnern. Im Ziel lagen fünf Längen zwiſchen ihm und
Lam=
pos. An dem Gurt von Lampos ging der Derby=Sieger Lupus als
Dritter durchs Ziel vor Conteſſa Maddalena. Erſt dann folgte in
Mathurin der erſte Franzoſe vor Caſtel Sardo. Der Erfolg des
halb=
favoriſierten Oleander wurde mit unbeſchreiblichem Jubel
aufgenom=
men. Freiherr S. A. von Oppenheim, Jockei Varga und Trainer Arnull
konnten ſich der vielen Glückwünſche kaum erwehren. Die mäßige Zeit
des Rennens von 2,46.8 Minuten erklärt ſich aus dem ſchweren Geläuf,
das nach den Niederſchlägen der letzten Tage ſtellenweiſe einem Moraſt
glich.
Rennen zu Baben=Baden.
1. Chamant=Renuen. 6000 Mark. 1000 Meter. 1. W. Bresges.
Feuerprobe (H. Schmidt); 2. Mantegna; 3. Dominica. Ferner:
Tarqui=
nius, Sankt Felix, Redopp, Fleiß, Ulſter, Prinz. Tot.: 62; Pl. 15, 12,
13:10. Kopf—½ Lg.
2. Preis vom Alten Schluß. 4500 Mark. 1800 Meter. 1. Heinz
Stahls Mafeſtie (D. Schmidt); 2. Daphne; 3. Semper idem. Ferner:
Cocktail, Gero, Amarant, Tot.: 53; Pl. B, B:10. 2—34 Lg.
8. Aburg=Ausgleich. 4500 Mark. 1400 Meter. 1. Graf Anth.
Sei=
lerns Geſelle (Huguenin); 2. Waldrada; 3. Dollar. Ferner: Saturn,
Kapuziner, Eisbraut, Deluſion. Tot.: 24: Pl. 10, 11, 12:10. 2—6 Lg.
4. Großer Preis von Baden. Ehrenpreis und 64 000 Mark. 2400
Meter. 1. Frhr. S. A. v. Oppenheims Oleander (Varga); 2. A. u. C.
v. Weinbergs Lampos; 3. L. u. W. Sklareks Lupus (Haynes). Ferner:
Masked Ruler, Mah Jong, Bobſleigh, Löwenherz 2., Aurelius, Caſtel
Sardo, Ferro, Mathurin, Conteſſa Maddalena. Tot.: 15; Pl. 13, 84,
17:10. 5 Lg.—Hals—¾ Lg.
5. Waſſerfall=Ausgleich. 6000 Mark. 2000 Meter. 1. Eichbergs
Abee Dieux (O. Schmidt); 2. Sigelgatela; 3. Hilf dir ſelbſt. Ferner:
Koval, Mon Peguin 2., Caro Bube, Escalibor, Delilany, Ralo,
Con=
cordia, Dalibor, Nemrod, Irrlicht, Montagne, Ruſſe, Sorel. Tot.: 185;
Pl. 37, 34 2:10. Kopf-Kopf-Kopf.
6. Wellgunde=Jagdrennen. 4500 Mark. 3400 Meter. 1. A. Baers
Scheinwerfer (Deſchner); 2. Amper; 3. Romreiſe. Ferner: Schwertlilie,
Metis, Strumen. Tot.: 60; Pl. 33, 2:10. 4—5 Lg.
Elf Meldungen ſind für die ſüddeutſche Zehnkampfmeiſterſchaft am
1. und 2. September in Freiburg abgegeben worden.
Die beſten Mittelſtreckler der Welt, Lowe, Dr. Peltzer, Byhlehn,
Conger, Stallard, Dr. Paul Martin und Séra Martin ſind für den
800 Meter=Lauf um den Großen Preis der Republik am 8. und 9.
Sep=
tember in Paris verpflichtet worden.
Seinen 100. Sieger in dieſer Saifon ſteuerte der engliſche Jockey
Gordon Richard, der auch wohl wieder das Championat von Europa”
erringen wird.
Die für die kommende Boche nach Nürnberg angeſetzten
Deut=
ſchen Mannſchaftsmeiſterſchaften im Fechten ſind
„techniſcher Schwierigkeiten” (Unabkömmlichkeit verſchiedener
Teilneh=
mer) wegen abgeſagt und vorläufig auf die Zeit vom 27. bis 30.
Sep=
ember verſchoben worden.
Wetterbericht.
Gießen, 31. Auguſt.
Der Rückſeiteneinfluß der abziehenden Störung führte auch in
unſerem Gebiet noch zu vereinzelten Niederſchlägen und zum weiteren
Sinken der Temperaturen. Inzwiſchen hat ſich das atlantiſche
Hoch=
druckgebiet auf dem Kontinent ausgebreitet. Es wird uns zunächſt
ruhigeres und aufheiterndes Wetter bringen.
Ausſichten für Samstag, den 1. September: Borwiegend heiteres
Wet=
ter, trocken, nachts kühl.
Ausſichten für Sonntag, den 2. September: Heiter bis wolkig, etwas
wärmer, zunächſt noch trocken.
Hauptſchriftleitung: Rudolt Maupe
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſche Nachrſchten: Max Streeſe; für Sport: Dr. cugen Buhlmann
für den Handel: Dr. C. 8. Queiſchi für den Schlußdſenſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”: Dr. Herbert Neite; für den Inſeratentell: Wiliv Kuhle: Druck
und Verlag: L. C.Wiitlch — ſämtich in Darmſſadt.
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 20 Seiten.
Auzk a Ulmtsverkündigungen des Kreisamts
Davkzmunt und den Bekanntmachungen des
Polizelamts Darmſtadt.
Uwnden: 1 Geldbeutel aus
Segel=
tuchchit; Inhalt. 1 graue Sportmütze und
3 Hhs. 1 kleines Portemonnaie mit
In=
halzſ. WBichtbild, 25X31 groß, ein Herr
undt amie darſtellend 1 neuer
Hunde=
mamurh. 1 Stroheinkaufstaſche mit gelb
undt emroten Würfeln. 1 neuer
ver=
nichle Bapfhahn. 1 Bund Schlüſſel. Ein
gront Sotück Weißzeug mit kleinen Reſten,
1 bſtlenne Tiſchlampe mit Schnur. Ein
Toſſefü fel.
inn tagsdienſt und Nachtdienſt in
dems volsheken Darmſtadts: Es verſehen
demm mntagsdienſt und in der daran ſich
anſſuhßnenden Woche den Nachtdienſt vom
1. 19t. bis einſchließlich 8. Sept. die
Mells chee Apotheke, Rheinſtr. 9,
Beſſun=
gers lol heke, Witmannſtr, 1.
Gummetgras= und
1Oſſtverſteigerung.
lensstag, den 4. September ds.
Isis von vorm. 9 Uhr ab, wird das
Grlmnaetgras=Erträgnis von den
„El Wieſen” verſteigert.
Zuſammen=
kunſschnampelweg—Darmbachbrücke.
zmmerstag, den 8. September
dsitzs., von nachm. ½5 Uhr ab,
geu= Byarzahlung das Obſterträgnis
(hoaf. Zwetſchgen!) der „
Pallas=
wilnn”. Zuſammenkunft
Weiterſtädter=
ſtritzn 1S0.
((st13910
mmaſtadt, den 31. Aug. 1928.
Bdt. Güterverwaltung=
In unſer Güterrechtsregiſter wurde
heute für Eheleute Johann Hermann
Bechtold II. und Margarete geb.
Erdmann Groß=Zimmern eingetragen:
Das Recht der Frau, innerhalb ihres
häuslichen Wirkungskreiſes die Geſchäfte
ihres Mannes für ihn zu beſorgen und
ihn zu vertreten, iſt ausgeſchloſſen.
Dieburg, den 30. Aug. 1928. (13919
Heſſiſches Amtsgericht.
Schulgeld Mahnung.
Das Schulgeld der hieſigen höheken
ſowie der ſtädtiſchen Maſchinenbau=,
Ge=
werbe=, Handels= und
Haushaltungs=
ſchulen für den Monat Auguſt 1928 iſt
bei Meidung der Beitreibung bis
zum 10. September 1928 an die
Stadt=
kaſſe Darmſtadt zu zahlen. (st13914
eitieunge Aeneige.
1928, nachmittags 4 Uhr, verſteigere
ich an Ort und Stelle, hier,
Heidel=
bergerſtraße 47
(13957
1 kompl. Leitſpindel=
Drehbank
öffentlich zwangsweiſe geg. Barzahlung.
Verſteigerung findet beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 1. Sept. 1928.
Portner
Gerichtsvollzieher.
Verſteigerung.
Am Montag, den 3. Sept. 1928, vorm. 9 Uhr,
ver=
ſteigere ich an Ort und Stelle den
(13948a
Mſerirag (Speiſchen und Birnen)
meines Baumſtückes am Arheilgerweg. Vor Erteilung des
Zuſchlages Barzahlung erforderlich.
Vierling, Hofmeierei. Telephon 184.
Spätzwetschen-
Versteigerungen
täglich 2/, Uhr außer Sonntags
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Nummer 243
Samstag, den 1. Septembeg
Börſe und Geldmarkt.
Anſpannung am Geldmarkt. — Zurückhaltung
der Geldgeber.
Die Börſe ſtand am Wochenbeginn zunächſt unter dem Eindruck der
Vorbereitungen zum bevorſtehenden Ultimo und der Entſcheidung des
Reichsbahngerichts zugunſten der Reichsbahn in der Frage der
Tarif=
erhöhung. Wenn man auch nicht unterließ, Befürchtungen zu äußern,
daß die Tariferhöhung auch auf die allgemeine Preisbildung ungünſtig
wirken werde, ſo erwartete man andererſeits eine Ausdehnung des
Beſchaffungsprogramms der Reichsbahn und als Folge die Vergebung
größerer Aufträge an die Induſtrie. Eine Stütze fand die Tendenz in
der anhaltenden Feſtigkeit der New Yorker Börſe und der übrigen
in=
ternationalen Börſenplätze. Neben der zuverſichtlichen Beurteilung der
außenpolitiſchen Lage regte auch der Situationsbericht der Deutſchen
Bank an, beſonders der Hinweis auf die erwarteten günſtigen
Rück=
wirkungen der vorausſichtlich recht guten Ernte. Auch der
Wochenaus=
weis der Reichsbank fand günſtige Aufnahme. Trotz der anfänglichen
Geſchäftsunluſt war die Grundtendenz freundlich. Die in
den Anfang der Berichtswoche fallende Liquidations= und
Prämien=
erklärung ließ zwar verſchiedentlich Ware herauskommen, die jedoch
glatte Aufnahme fand und auf das Kursniveau keinen fühlbaren Druck
ausübte. Die Tendenz blieb daher faſt bis zum Wochenſchluß feſt, und
die Kurſe konnten ſich teilweiſe recht kräftig erholen. Erſt gegen Ende
der Berichtswoche, als die Intereſſennahme des Auslandes merklich
nachzulaſſen begann, nahm auch die Spekulation Glattſtellungen vor,
und das Kursniveau gab leicht nach. Die Bankenkundſchaft hatte zu
Beginn der Berichtswoche vereinzelt am Börſengeſchäft Intereſſe
ge=
zeigt, doch blieben im Verlaufe weitere Orders aus. Die allgemeine
Belebung zu Wochenbeginn ging wieder von Sonderbewegungen aus.
Der Geldmarkt zeigte angeſichts des Ultimos die gewohnte
An=
ſpannung. Der Satz für Monatsgeld, für das ſtärkere Nahfrage
beſtand, ſtellte ſich unverändert auf 8—9 Prozent. Obwohl der Zufluß
fremder Gelder kaum nachgelaſſen haben dürfte, ſcheint der Bedarf
an=
läßlich der Finanzierung der Ernte doch noch zuzunehmen. Die
Zu=
rückhaltung der Geldgeber wurde verſtärkt durch die
an=
haltende Höhe der Zinsſätze an der New Yorker Börſe
und wohl auch durch den Anleihevertrag, den das Reich mit der
Reichs=
verſicherungsanſtalt für Angeſtellte abgeſchloſſen hat. Man ſcheint
Be=
fürchtungen zu hegen, daß hierdurch größere Beträge, die ſonſt zur
Ausleihung an die Bankwelt gelangten, den offenen Märkten entzogen
werden könnten. Die Abwicklung des Ultimos nahm einen glatten
Verlauf, auch die Prämienerklärung und Liquidation ging ohne
Be=
unruhigung vor ſich. Der Bedarf für Tagesgeld hielt ſich ungefähr auf
der Höhe der Vorwoche, der Zinsſatz bewegte ſich wieder zwiſchen 5½
und 7½ Prozent. Das Angebot von Diskonten hat in den letzten
Tagen der Berichtswoche etwas nachgelaſſen, ſo daß eine Aenderung
des Privatdiskontſatzes nicht erfolgte und der Satz mit 6¾ Prrzent
für beide Sichten unverändert blieb. In Waren= und Induſtriewechſeln
mit Bankgiro ſtockt das Geſchäft zur Zeit faſt völlig; der Satz wird auf
ungefähr 7 Prozent und etwas darüber taxiert. Die Ausſichten über
die weitere Entwicklung des Geldmarktes werden in Börſenkreiſen zwar
nicht ungünſtig, aber ſehr zurückhaltend beurteilt, da erfahrungsgemäß
der September an den Geldmarkt recht erhebliche Anforderungen ſtellt.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
— Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Darmſtadt: Kfm. Alfred Wagner; Af. 20. 9., Wt. u. GlV. 20. 9., Prft.
22. 10. — Friedberg, Heſſen: Carl Horn, Inhaber der Firma Karl
Rupp Nachf.; Af. 20. 9., GlV. u. Prft. 1. 10. — Beendet wegen
Man=
gels an Maſſe: Zwingenberg, Heſſen: Friedrich von Ammon in Alsbach.
— Beendete Konkurſe: Ortenberg, Heſſen: Metallwerke in Liquidation
Ortenberg.
Die Bildung des Tonbild=Syndikats vollzogen. Die langwierigen
Vorarbeiten zur Zuſammenfaſſung der maßgebenden und erprobten
Tonbildverfahren in Deutſchland ſind nunmehr durch die Bildung der
Tonbild=Syndikat A. G. mit einem Kapital von 12 Millionen RM. zum
Abſchluß gelangt. Die Grundlage für dieſen Zuſammenſchluß bilden
die folgenden Verfahren: Das Tri=Ergon=Ton=Bild=Verfahren; ferner
das im Beſitz der Internationale Maatſchappif voor Sprekende Films
befindliche Küchenmeiſter=Verfahren, das im Beſitz der Deutſchen
Ten=
film=A. G. befindliche Peterſen=Poulſen=Verfahren und das neue
Syn=
chroniſierungsverfahren von Oskar Meßter. Verhanblungen über die
Angliederung weiterer Verfahren ſtehen vor dem Abſchluß. Der
Wir=
kungskreis des Syndikats wird ſich ſowohl auf Deutſchland als auch auf
das geſamte Ausland erſtrecken, ſoweit das Syndikat Rechte beſitzt.
Leichtes Anziehen der Reichsindexziffer für Lebenshaltung. Die
Reichsindexziffer für Lebenshaltungskoſten (Ernährung, Heizung,
Be=
leuchtung, Bekleidung und ſonſtigen Bedarf) beläuft ſich nach den
Feſt=
ſtellungen des Statiſtiſchen Reichsamts für den Durchſchnitt des Monats
Auguſt auf 153,5 gegenüber 152,6 im Vormonat. Sie iſt ſonach um
0,f Prozent geſtiegen. Dieſe Steigerung iſt in der Hauptſache auf
eine Erhöhung der Ernährungsausgaben zurückzuführen. Die
Index=
ziffern für die einzelnen Gruppen betragen (1913/14 gleich 100): für
Beleuchtung und Heizung 144,9. für Ernährung 155,6, für Wohnung
125,9, für Bekleidung 170,5 und für den fonſtigen Bedarf einſchließlich
Verkehr 187,9.
Metallnotierungen.
Die Metallnotierungen in Berlin für je 100 Kg. am 31. Auguſt
ſtellten ſich für Elektrolytkupfer prompt eif Hamburg, Bremen oder
Rotterdam (Notierung der Vereinigung f. d. Dr. Elektrolytkupfernotiz)
140 RM. — Die Notierungen der Kommiſſion des Berliner
Metall=
börſenvorſtandes (die Preiſe verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland
für prompte Lieferung und Bezahlung) ſtellten ſich für Original
Hütten=
aluminium, 98—99 Prozent, in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren 190
RM., desgleichen in Walz= oder Drahtbarren, 99 Prozent, 194 RM.,
Reinnickel, 98—99 Prozent, 350 RM. Antimon Regulus 84—90 RM.,
Feinſilber (1 Kg. fein) 79,75—81,25 RM.
Die Berliner Metallnotierungen vom 31. Auguſt ſtellten ſich für
Kupfer: Januar 125,75 (126), Februar, März, April, Mai, Juni,
Juli, Auguſt 126 (126), September 125,50 (126,25), Oktober 125,75 (126),
November 125,75 (126,25), Dezember 125,75 (126). Tendenz: ſtill. Für
Blei; Januar, Februar, März 43,75 (44), April, Mai 43,75 (44,25),
Juni, Juli 43,75 (44), September, Oktober 43,75 (44), November 43,75
(43 75), Dezember 43,75 (44). Tendenz: ſtetig. Für Zink: Januar,
Februar, März, April 47,75 (48,50), Mai 48,25 (48,75), Juni, Juli 48
(48,75), September 48 (49), Oktober 47 (49), November 48 (48,50),
De=
zember 48,75 (48,50). Tendenz: ruhig. — Die erſten Zahlen bedeuten
Geld, die in Klammern beigefügten Brief.
Die Metallnotierungen der Londoner Börſe vom 31. Auguft ſtellten
ſich für Kupfer (Tendenz: ſtetig): Standard p. Kaſſe 6211/,—3
3 Monate 63—63½/us, Settl. Preis 623‟ Elektrolyt 6834—69½, beſt
ſelected 65—66½, Elektrowirebars 69½; Zinn (Tendenz: feſt):
Stan=
dard p. Kaſſe 213½—½, 3 Monate 209—209½, Settl. Preis 213½,
Banka (inoff. Not.) 220½, Straits (inoff. Not.) 216½;
Viehmärkte.
Tiermärkte in Oberheſſen im September. In Verbindung mit einer
von der Landwirtſchaftskammer veranſtaltetn Zuchtviehverſteigerung für
heſſiſches Fleckvieh und Zuchteber findet am 3. September in Nidda
Herbſtmarkt ſtatt. In Gießen veranſtaltet der Mitteldeutſche
Not=
züchterverband am 11. September eine Rotviehſchau mit Auktion. Am
13. September iſt in Schotten aus Anlaß des 30jährigen Beſtehens
des Kreisrinderzuchtvereins eine Jubiläumsſchau für Vogelsberger
Rot=
vieh. In Hungen iſt am 17. September ein Prämiierungsmartt für
Fleckvieh und Vogelsberger Vieh. Am 19. September folgt ſchließlich
der große Gießener Herbſtpferdemarkt.
Produktenberichte.
Wormſer Produktenbörſe vom 81. Auguſt. An der heutigen
Pro=
duktenbörſe notierten bei ruhiger Tendenz Beizen 24—24,25, Roggen
22,50—22,75, Gerſte 25,50—25,50, pfälziſche 26—27, Ausſtich 27—28,
Hafer 21—22, Weizenmehl Vaſis 0 33,75, Roggenmehl 60 proz. 33,50,
Weizenfuttermehl und Nachmehl 17—22, Roggenfuttermehl und
Nach=
mehl 18,50—23,50, Roggenkleie 15,50—16, grobe Weizenſchalen 14,25,
feine Weizenkleie 13,75, getr. Biertreber 18,25—18,75, Malzkeie 18,
Maisſchrot 23, Heu 7—10, Stroh 2,50—4, Kartoffeln 7—9,
Frankfurter Produktenbericht vom 31. Auguſt. Die Getreidebörſe
lag ruhig. Im Preiſe gab Roggen um 10 Pfg., Mais und Roggenmehl
um je 25 Pfg. nach. Es notierten je 100 Hg.: Weizen 23,75—94,
Roggen 22,75, Sommergerſte 25,50—26, Hafer ausländiſch 21,50—22,
Mais 20,50, Weizenmehl 33,50—33,75, Roggenmehl 31,50—32,
Weizen=
kleie 13,60, Roggenkleie 14,50.
Frankfurter und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 31. Auguſt.
Die Umſatztätigkeit war auch zu Beginn der heutigen Börſe im
all=
gemeinen gering, die Stimmung konnte ſich jedoch etwas beſſern, da die
Nachfrage, die ſich für verſchiedene Spezialwerte bemerkbar machte, dem
Markte eine Anregung bot. Dazu kam die feſte Haltung der geſtrigen
New Yorker Börſe und die Erleichterung des dortigen
Tagesgeldmark=
tes. Die Spekulation ſchritt zu Deckungskäufen, daneben ſollen aber
auch verſchiedentlich kleinere Kauforders vorgelegen haben. Der
Zahl=
tag bereitete, wie es vorauszuſehen war, keine Schwierigkeiten. Im
Vordergrunde ſtanden die Banken. Berliner Handelsgeſellſchaft
konn=
ten auf Kapitalerhöhungsberichte um 6 Prozent anziehen, Bayer. Hyp.=
Bank gewannen 4 Prozent, Deutſche Bank 1½/ Prozent, Dresdener
Bank 0.75 Prozent. Auch für Adca beſtand lebhafteres Intereſſe. Rege
gefragt waren ferner die Schiffahrtswerte, namentlich Nordd. Lloyd,
die geringfügig höher einſetzten und im Verlaufe 1.5 Prozent anzogen.
Montanwerte lagen ſtill und wenig verändert, nur Mannesmann auf
die bekannnten Kapitalerhöhungshoffnungen und die morgige
Aufſichts=
ratsſitzung wieder beachtet; Karſtadt mit plus 2.5 Prozent waren
wie=
der etwas gefragt. Von den Elektrowerten zogen Licht u. Kraft 1.25
Proz. und Geſ. f. El. 1.5 Proz. an. Chemiewerte waren vernachläſſigt.
J.G. Farben leicht erhöht, ebenſo Scheideanſtalt und Goldſchmidt. Von
Autoaktien waren NSU. trotz der Meldung, daß
Fuſionsverhandlun=
gen mit einer anderen ſüddeutſchen Geſellſchaft ſtattfinden ſollen,
wei=
ter angeboten und 15/s Prozent niedriger. Offenbar verſtimmte hier,
daß das Bezugsrecht angeblich 4: 1 betragen ſoll. Schwächer eröffneten
ferner Zellſtoff Aſchaffenburg mit minus 2 Prozent. Deutſche Anleihen
lagen etwas freundlicher, ausländiſche Renten ſtill, Rumänen etwas
gebeſſert, Anatolier gut behauptet. Im freien Markt verzeichneten
Ruſſen etwas Geſchäft. Im Verlaufe wurde die Stimmung luſtlos und
unſicher. Angeboten waren vor allem Siemens mit minus 2 Prozent.
Auch J.G. Farben gaben etwas nach, während Nordd. Lloyd ſich gut
behaupten konnten. Am Geldmarkt war die Nachfrage ſtark. Tägliches
Geld 8 Prozent. Am Deviſenmarkt nannte man Mark gegen Dollar
4.1971, gegen Pfunde 20.362, London-Kabel 4.8530, —Paris 124.28,
—Mailand 92.63, —Madrid 29.23, —Holland 12.10½.
An der Abendbörſe war das Geſchäft wieder ſehr ſtill, die
Stüm=
mung blieb jedoch freundlich, wobei man auf die auch heute feſten New
Yorker Anfangskurſe verwies.
Berlin, 31. Auguſt.
Die Börſe eröffnete im Gegenſatz, zu dem vorbörslichen Verkehr,
der eine durchaus freundliche Haltung gezeigt hatte, in uneinheitlicher
Tendenz bei zunächſt allgemeiner Geſchäftsunluſt. Verſtimmend wirkte
der geſteigerte Geldbedarf und die Erhöhung der Geldſätze. Das
Ge=
ſchäft konzentrierte ſich lediglich auf einige Spezialwerte. Nach
Feſt=
ſetzung der erſten Kurſe konnte ſich das Geſchäft, ausgehend vom
Ban=
kenmarkt, allgemein etwas beleben. Auch Schiffahrtswerte wurden
reger umgeſetzt. Gegen Schluß des offiziellen Verkehrs wurde die
Tendenz wieder allgemein etwas freundlicher bei einer geringfügigen
Geſchäftsbelebung. Die Höchſtkurſe konnten jedoch nicht immer erreicht
verden. Die Börſe ſchloß in feſter Haltung.
A. E. G
Augsb.=Nürnb. Maſch.
Baſalt ..."
Bergmann. .
Berl. Karlsruhe J
Berl. Hand.=Geſ..
Braunkohl. Briket
Bremer Wolle.
Danatbank. . . . .
Deutſche Bank.
Diskontogef.
Dresdner Bank..
Deutſche Maſchinen.
Deutſche Erdöl ..."
Deutſche Petroleum.
Dynamit Nobel ...."
Elektr. Lieferung ..."
J. G. Farben. . .
Gelſenk. Berg. ...."
G. f. elektr. Untern..
Han. Maſch.=Egeſt. .
Hanſa Dampfſch. .
Hapag ....."
Harpner. . . . . . . .."
Hemoor Zement. . .
Helſingfors ..
Wien.
Prag ......"
Budapeſt .. ..
Sofia ......."
Solland ...
Cslo ......"
Kopenhagen.
Stockholm .. .
London ...."
Buenos Aires
Neu=York
Belgien.
L. Loewe & Co.. 182.— 270.— 272.5 241.5
45.5 165.5 166.25 160.5 162.— MannesmannRöhren /141.25 168. 25 169.— Niederlauſitzer Kohle 164.5 54.5 54.— Nordd. Lloyo. 154.— 143.— 142.5 Orenſtein. . . 119.75 89.— 88.— Polyphon .." 464.— 126.875 127.— Rütgerswerke 108.625 185 75 185.5 Sachſenwerke. 120.25 265.625 265.25 Siemens Glas. 147.5 129.25 128 25 Ver. Glanzſtoff 269.— 266.— Ver. Stahlwerke 99.— 50.— 50.— Volkſtedter Porzellan 66.— 195.5 195.25 Wanderer Werke. 163.25 163.— Wiſſner Metall. . . . . 164.75 156.5
257.5 155.25
257.5 Wittener Gußſtahl .. / 60.5
Oeviſenmarkt.
30. 8. 31. 8. A. 8. 31 Geld /Brief Geld/Brief Geld. Brief Geld / Brief 10.55310.573 0.554 10.574 Italien 21.965 22.005 21.955 59.095 59.215 9.095 59.205 Paris. 16.37 6.41 16.36 12.425112.44: 12.428 2.448 Schweiz. 80.735180.89 80.72 73.09/ 73.23) 73.06 73.20 Spanien. 69.6 69 74 69.63 3.027 3.033 3.032 3.038 Lanzig .. 21.33 81.491 B1.32 188.04/168.38 168.06 68. 40 fapan. . 1. 891 1.895 1.997 1rf.s4/112.06 111.85 112.07 Rio de Ja 0.500 0.502 111.s0/112.12 11.91 112.13 Jugoſlavien 7.375 7.389 373, 112.20/1 12.42 112.20 12 42 Portugal. 18.68/ 18.72 18.83 20.347 20.387 20.345 0.385 lthen. 5.425 5.435 1.7661 1.770 1.786 1.770 Konſtantinopel 2.163 2.18 4.1925/4 2005 1.1925 1.2005 Ranada. .. 4.196 4.204 58. 285/58.405 38.25 8.40 Uruguag. 4.271 4.279 31. 8.
137.5
139.5
19n5
138.75
262.5
454.875
2770.—
182.—
238.—
45.75
140 75
165. —
154.5
119.5
463.—
108.5
120.—
147.5
585.— 1588.—
98.875
66.—
135.5 (135.5
165.—
57.5
22.995
18.40
80.98
69.77
81.48
1.801
„4995/0.5015
7.387
18.87
5.4251 5.435
2.190 2.194
4.196/ 4.204
4.266/ 4.274
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chicago, 31. Auguſt. (Prib.=Tel) /
Weizen: Der Markt nahm heute einen etwas feſteren Verlauf auo
beſſere europäiſche Nachfrage, geringſte auſtraliſche Wochenverſchiffungsn
und Verfeiertagsdeckungen.
Mais: Auch hier wieſen die Preiſe leichte Preisſteigerungen am
durch die anregenden Wetterberichte, beſſere Loko= und Exportnachfragoo
Roggen: Von den Binnenmärkten wurden kleine Zufuhren am
meldet, und da auch der Lokomarkt feſt verkehrte, konnten die Notzjerum
gen etwas anziehen.
Hafer: Die geringen Zufuhren um die Stetigkeit Winnivegs hei
wirkten auch hier einen feſten Marktverlauf.
New York, 31. Auguſt. (Prib.=Tel.) 0
Baumwolle: Die ungünſtigen Erntenachrichten aus Texas bewirfte
am Lokomarkt Anſchaffungen des Handels, ſo daß die Preiſe anzieheen
konnten. Später trat auf höhere private Ernteſchätzungen unter Ligſan
dationen und Abgaben der Lokohäuſer eine Verflauung ein.
Zucker: Stärkeres Angebot und Abgaben für europäiſche und hß
baniſche Rechnung, ſowie Hedgingsverkäufe drückten auf das Preist
nibeau.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 31. Aug,g
Getreide: Weizen, Sept. 110½, Dez, 116, März 1003: Maisn
Sept. 94½, Dez. 74½, März 77: Hafer, Sept. 38½, Dez. 4056
März 43; Roggen, Sept. 94½4, Dez. 96½, März 99.
Schmalz: Sept. 12,175, Okt. 12,40, Dez. 12,625, Jan. 29 12822
Fleiſch: Rippen, Sept. 14,25, Okt. 14,25, Dez. 13,67; Spei
loco 14,625; leichte Schweine 11,50—13,10, ſchwere Schweine 11.,60
bis 12,65; Schweinezufuhr Chicago 10 000, im Weſten 45000.
Chicagoer Baumwolle: Okt. 18,15, Dez. 18,24—18,25.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 31. Aug g
Getreide: Weizen, Rotwinter 151½, Hartwinter 126½: Mai
neu angek. Ernte 87½: Mehl ſpr. wheat clears 5,75—6,15; Fracht
nach England 1,3—2 sh., nach dem Kontinent 10—13 C.
Schmalz: Prima Weſtern loco 11,95; Talg extra loſe 83.
Kakao: Tendenz flau, Umſatz in lots 18, loco 11, Sept. 10580
Okt. 10,75, Nov. 10,96, Dez. 11,11, Jan. 1929 11,15, Febr. 11,164
März 11,18, April 11,23, Mai 11,32.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Der Geſamtverbrauch an künſtlichen Stickſtoff.=Düngemitteln in
Deutſchland im Düngejahr 1927/28 (1. Juli 1927—30. Juni 1928) beliem
ſich auf etwa 390 000 Tonnen Reinſtickſtoff gegen 400 000 Tonnen Reim
ſtickſtoff im Düngejahr 1926/27 und 330 000 Tonnen Reinſtickſtoff im
Düngejahr 1925/26.
Die deutſche Einfuhr nach Auſtralien hat in dem im Juni zu Enddl
gehenden Berichtsjahr eine weitere Steigerung um 239 000 Pfd. Sterlin
erfahren. Die britiſche und amerikaniſche Einfuhr ſind dagegen bedeum
tend zurückgegangen, und zwar für England um 4 698 000 Pfund, fürä
die Vereinigten Staaten um 6 801000 Pfund Sterling.
Die lothringiſchen Kohlengruben haben im Juni 461967
Tonnem=
gefördert gegenüber 446 154 To. im Mai. Davon entfallen auf Klein=n
Roſſeln 192 640 To., auf Sarre et Moſelle 200 266 To. und auf Loß
Houve 69 061 To. Die Zahl der beſchäftigten Bergleute hat mit 27 800M
eine Verminderung um 261 erfahren gegenüber dem Vormonat.
Dem Bericht der elſaß=lothringiſchen Eiſenbahnverwaltung zufolgen
betrugen die Betriebseinnahmen der elſaß=lothringiſchen Eiſenbahnenm
im Jahre 1927 1016 Mill. Fr. gegenüber 1006 Mill. Fr. im Jahre 1926,0
zeigen alſo in Anbetracht der Tariferhöhung nur eine unbedeutende
Zunahme.
Wie wir erfahren, beruhen die verſchiedenen Mitteilungen über =
Fuſionsverhandlungen zwiſchen den Bayeriſchen Motorenwerken und den A
Neckarſulmer Fahrzeugwerken A.=G. nicht auf Wahrheit. Allen dieſen z
Gerüchten müſſe auf das nachdrücklichſte widerſprochen werden.
Die Zigarettenfabrik G. Zuban A.=G. „München, ſchließt das erſtet
Geſchäftsjahr nach ihrer Umwandlung in eine Aktiengeſellſchaft mitzn
einem nicht unbedeutendem Verluſt ab. Dabei iſt noch zu berückſchtigen,r
daß dieſes Geſchäftsjahr nur neun Monate umfaßt, vom 1. April bisn
zum 31. Dezember 1927. Ueber die Höhe des Verluſtes liegen offiziellel
Angaben noch nicht vor.
Am 31. Auguſt 1928 nahm der Deutſche Binnenſchiffahrtstag 1928 m1
Königsberg unter dem Vorſitz des Herrn Generaldirektor Dr. h. c. Franzu
Ott=Köln, ſeinen Anfang.
Die deutſche Raffinadeproduktion von Weichblei (einſchließlich kleieſt
nerer Mengen Hartblei) ſtellte ſich, wie der Geſamtausſchuß zur Ach=g
rung der Intereſſen der deutſchen Metallwirtſchaft, Berlin, auf Grungy
der Berechnungen des ſtatiſtiſchen Büros der Metallgeſellſchaft A.=.
Frankfurt a. M., mitteilt, im Juli 1928 auf 9421 Tonnen gegen 9cich
Tonnen im Juni. In der Zeit von Januar bis Juli d. J. wurden inss!
geſamt 61 811 Tonnen gegen 51 406 Tonnen Blei in der gleichen Beue
des Vorjahres erzeugt.
Die deutſche Rohzinkerzeugung betrug im Juli 1928 8258 Tonyema
gegem 8031 Tonnem im Juni 1928 und 7149 Tonnen im Juli 1927. Doh
Produktion von Januar bis Juli 1928 betrug 56 103 Tonnen gegeimn Huktädige o.
48 233 Tonnen Januar=Juli 1927.
Die Ausfuhr von Metallhalbzeug aus Aluminum, Blei, Kupfenen
Nickel, Zink, Zinn und ihren Legierungen ſtellte ſich im Juil 1925 au m
6 085,3 Tonnen im Werte von 10 646 000 RM. gegen 7 402,5 Tonnen inne
Werte von 12 609 000 RM. im Juni 1928 und 5 822,3 Tonnen im Werttn . A Meril
von 10 155 000 RM. im Juli 1927. Die Halbzeugausfuhr im Juli 19200 N Kcouckal
liegt demnach nicht unerheblich niedriger als im Juni 1928, überwnſſ
jedoch immerhin noch die Ausfuhr im Juli 1927.
ſiet
laub
ſie krei.
ſtorde
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„Varum int
greudliche. 1
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m ſich geſchloſſene
ine Welt ringsh
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Meiß Crois
Hügel
20 Dtſche.
Reichs=
anleihe von 1927
6% Baden
Frei=
ſtaat von 1927.
6% Bah. Freiſtaat
von 1927 ....."
6% Sachſen
Frei=
ſtaat von 1927..
7%Thüringer
Frei=
ſtaat von 1927..
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. + *½
Ablöſungsanleih
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.
Dtſche.
Schutzge=
bietsanleihe ...
8% Bad.=Bad. v.26
6%Berlin v. 24
8½ Darmſtdt. v. 26
7% Frkf. a. M. v. 26
8%Mainz v. 26 ..
8%Mannh. v. 26
8½Nürnberg v. 26
8% Berl. Hyp.=Bk.
8% Frkf. Hyp. Bk.
Pfbr. „
88 Heſſ. Landesbt
88 Kom.
Landes=
bank. Darmſtadt
8% Mein. Hhb. Bk.
8% Pfälz. Hyp. Bk.
8% Preuß. Ctr.=
Stadtſchaft . . . .
84
51.15
17.25
6.7
94.5
93
88.5
98
97.5
97.5
97.5
8%Rhein. Hyp.=Bk.
3% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit .....
2 Südd. Bod.=
Cred.=Bank ....
8% Württ. Hyp.=B.
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
+ Ausl. Ser. I.
„ Ser. II
2 Daimler Benz
von 27 ....
3% Klöckn=Werke
Berlin v. 26....
% Mainkrw. v. 26.
7% Ver. Stahlw.)
mit Opt. v. 26
8% Voigt & Häffner
v. 26 .... ...."
5% Bosn. L. E. B.v.
1914.
4½% Oſt.
Schatz=
anw. v. 1914
4% Oſt. Goldrentel
4½% Rum. Gold
von 1913 ... ...
4% Türk. Admin.
AA
1. Bagd.
48
Zollanl.
4½% 1913 Ungarn
„ 1914
4% Ung. Goldr.
Aktien
Allg. Dt. Creditanſt.
Bk. f. Brauinduſtr./
Berl. Handelsgeſ..
Comm. u. Privgtb.
50.5
67.75
76.5
2s
86
85.5
39.5
33
25.5
27
Mirn 7
Deutſche Bank ..."
T. Eff.-u.
Wechſel=
bank .. .
Vereinsbank ..
Diskonto=Geſellſch..
Dresdner Bank ...
Frankf. Bank.
Hyp.=Bk...
Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundkr. B.
Mein. Hyp.=Bank
Metallbank. . .
Mitteld. Creditbk.,
Nürnb. Vereinsbk.
Oſt. Creditanſtalt. .
Pfälz. Hyp.=Bank
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Creditban
Hyp.=Banl
Südd. Bob.=Cr. Bk.
Wiener Bankverein
1521,
A.=G.f. Verkehrswſ.
Dt. Eiſenb.=Geſ...
70 Dt. Reichsbahn=
Vorzge. ..
Hapag ..
Nordd. Lloyzd.
Schantung=Eiſenb.
Südd. Eiſenb.=Geſ.
168
95:),
163.75
153.75
128
Accum. Berlin ...
Adlerw. (v. Kleher)/129.5
D AEG. Vorzug! 83.25
AEG. Stamm . 178.5
Baſt Nürnberg . . /235
Bergm. El. Werke)
BrownBoverickCie 151.5
Brünina & Sohn. /426.5
78.5
Buderus Eiſen.
Cement Heidelberg
Karlſtadt
Chem. WerkeAlbert.
Fabrik Milch
Daimler=Benz ...1106
Dt. Atl.=Zelegr.. /145
Eiſenh. Berlin
Erdö. ... . . . . /142.5
Gold= u. Stib.=Anſtalt
„ Linoleumwerk.
Eichbaum, Brauer.)
Elektr. Licht u. Kraft /218.5
Liefer.=Gef.
Eſchw. Bergwerk /214
Eßlinger Maſchinen
Ettlinger Spinnerei
Faber, Foh., Bleiſt./ 37
F. G. Farbenindſtr.
Felt. & Guilleaum./449
Feinmech, (Fetter)/ 80
Frkft. Gas ...
Hof..."
Geiling & Cie.
Gelſenk. Bergwerk
Geſ. f. elektr. Un=),
ternehmungen ..! 4
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen,
Grün & Bilfinger. /1
Hafenmühle Frkft.
Hammerſen (Osn.)
Harpener Bergbau/1
Henninger, Kempf,
Hilpert Armaturfb.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer ....
Hochtief Eſſen ...
Holzmann, Phil. . .
Re
216.75
366
184
225
265.25
1145
99.25
75.25
Holzverk.=Induſtriel 97.75
Ilſe Bergb. Stamml250
Genüſſel115
Junghans Stamm./ 88.75
Kali Aſchersleben. 265
Salzdetfurth. /455
Weſteregeln „/272.25
Kammgarnſpinn. /237
Karſtadt, R. . .
Klein, Schanz. .. /105
Klöcknerwerke
Kraftw. Alt=Württ.: / 90
Lahmeyer & Co. . .1179.25
Lech, Augsburg".
Löwenbr. Münch. 1328
Bädenſcheid Metall/ 92
Lutz Gebr. Darmſt.
Maink: ..W. Höchſt/120
Main;. Akt.=Br. . /268
Mannesm . Röhren/1 42
Mansfeld. Bergb.. /113.75
Mar3=Werke
Metallgeſ. Frantft. 193
Miag, Mühlenbau 1138
Motorenfb. Darmſt. 56
Neckan . Fahrzeug./ 53.5
Nicolag, Hofbr .. 1136
Oyerbedart
Oſterr. Alpine Mon. 15.5
Otavi Minen .....! 52.8
Peters Inion Frrf. /106.5
Phönix Bergbau / 95.5
Reiniger Gebb. 1113
Rh. Braunkohlen.
(Flektr. Stamm 154
Stahlwerke,
Riebeck Montan
Roeder Gb. Darmſt. 124.5
Nütgerswerke .. .. 107.9
112
109
Schachtleben A. G. 1205
Schöfferhof=Bind..
Schramm, Lackfrb. /11
Schriftg. Stempel. 1117.5
Schuckert Elettr.,
Schwarz Storchen. 1181
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske/376
Südd. Immobilien! —
Zucker=AG./144
Strohſtoff, Ver. 1284
Tellus Bergbau /119.58
Thür. Lief.=Geſ..
Tucher, Brauerei /163,5 6
Unterfr. Kr 4.=Elei)
tr.=Verſ. . . . . . /105
Veſthwert
Ver. f. Chem. Ind. 8424
Gummifabrik
Berlin=Franki./ 87
Laurahütte.
Stahlwerke
Ultramarin..
Miff Meinn
Vgtländ. Maſchinen
Voig & Haefſner.
Wanß & Freytag. 1143.55
Wegelin Rußfabril/156
Werger Brauerei. 1200
Jellſt. Aſchaffenbe. 213
Memel.
Waldhef . ../288
Alltanz u. Sturtg.
Verſicherung ... /2.
Frkft. Ailg. Verſ.=G/183.5 5
Frankona Rück= u.
Mitv.
Mannh. Verſich. 1160
DHau
[ ← ][ ][ → ]ſaummer 243
Samstag, den 1. Sepiember 1928
Geite 19
2 Frau zwiſchen zwei Welten.
Roman von Ludwig von Wohl.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin 1927.
24
„Sa, ſehen Sie, Madam — man hat ſo ſeine Schwierigkeiten.
49Rind braucht eine Hand, die es ein bißchen feſter anfaßt.
e meine Frau fort iſt” — — er machte ein trauriges Geſicht
—unich bin recht allein ſeitdem, Madam.”
Er ergriff, Mitleid heiſchend, ihre Hand, die ſie ihm, ohne
z Pareifen, ließ.
„Ich glaube, wir werden gute Freunde werden,” ſagte er
unſah ſie treuherzig an.
s tut ordentlich wohl, mal wieder ine Frau zu ſehen. Was
e Sſur ſchönes Haar haben — — faſt wie das meiner Frau.” —
Er ſtrich ihr darüber hin.
ASer nun entzog ſie ihm die Hand.
„Sie wünſchen, daß ich Ihrer Tochter Klavierſtunden gebe.
99 ach fragen, was ſie zuletzt geſpielt hat?‟
Ern ſouveräner Blick ſtrich die Klavierſtunden aus der Welt.
„Warum immer gleich vom Geſchäft reden”, lächelte der
Afmnchliche. „Sehen Sie — Geſchäft habe ich jeden Tag. Seit
ſnucdzwanzig Jahren. Aber ſeit dem Tode meiner Frau bin
ia züein geweſen —
Er ſah ſie forſchend und freundlich an.
Wlauben Sie, daß Sie ſich an mich gewöhnen könnten?”
Girſela wußte ſpäter nie, wie ſie ſo ſchnell aus dem Zimmer
„nauts der Wohnung auf die Straße gekommen war.
2as kleine Mädchen mit dem frechen Geſichtsausdruck ſtand
plnhr, ſah ſie prüfend an und nickte ſachlich.
Et=ſela konnte ſie nicht anſehen.
Sire ſtürzte mit einem haſtig gemurmelten Gruß fort.
Klavier=
ſtwerr waren überhaupt ein Unſinn.
Man mußte irgendwo unterſchlüpfen, wo man nicht zu
ent=
dllmnwwar — wo der Skandal, der ihr drohte, über ſie wegbrauſte,
olſt ſie zu treffen.
Enne Fabrik am beſten. Mrs. Moran hatte ihr einmal
er=
z/E. Waß es in Amerika Fabriken gab, die eine förmliche kleine,
in ahl geſchloſſene Welt waren. Man wohnte da und vergaß, daß
einWelt ringsherum exiſtierte.
Sie ging zum Arbeitsamt zurück.
„War nichts. So — — was wollen Sie? In einer Fabrik
arbeiten?
Abtaxierend überflog ſie der Blick des Vertrockneten. Sie
wurde unwillkürlich rot. In ihrem eleganten Tuchkoſtüm ſah ſie
allerdings nicht nach Fabrik aus.
„Ich will in einer Fabrik arbeiten, Sir.”
Es gab viele Verrücktheiten auf der Welt. Wenn man ſich
um jede einzelne kümmern wollte, hätte man viel zu tun.
„Hawkinns, Cheſter & Co.”, ſagte der Vertrocknete. „Liegt
drüben nach Fort Wayne zu. Melden Sie ſich bei Mr. Limpleh.”
„Danke, Sir!”
„Die nächſte!” —
Das große, rote Gebäude, das viereckig einen rieſengroßen
Hof umgab, war eine Spielwarenfabrik.
Ein Portier führte die elegante Dame zur Direktion.
„Ich möchte zu Mr. Limpleh.”
Zum Perſonalchefs
Der Portier riß verwundert den Mund auf.
„AUright — Malam.”
Mr. Limpley ſtand auf und zog ſich die Manſchetten vor. Er
war ganz Ehrfurcht.
„Please, take a seat. Was kann ich für Sie tun?”
„Ich möchte bei Ihnen arbeiten. Mr. Limpley. Ich komme
vom Arbeitsamt.”
Mr. Limpley muſterte ſie verblüfft.
„Arbeiten —2 — ja, wie — — was — wie haben Sie ſich das
denn gedacht, Madam?”
„Ich kenne Ihren Betrieb nicht, Mr. Limpley. Sie müſſen
wiſſen, was zu tun iſt.”
Mr. Limpley war ratlos und blinzelte nervös.
„Sie ſind — ehem — Sie wollen, wenn ich Sie recht
ver=
ſtehe —
„Arbeiten, Mr. Limpley. Mit zwei Händen. Mit meinem
Kopf. Nichtig arbeiten.”
Sie mußte unwillkürlich lächeln.
Das war nun das Land der Fabriken, das Land der Arbeit,
— und ſie mußte erklären, was Arbeit war.
Mr. Limpleys Anſicht ſtand feſt.
Das war eine von den verrückten Wohlfahrtskomiteeweibern.
Sie wollte wiſſen, was im Betrieb los war — menſchenwürdige
Behandlung und ſo weiter. Man mußte ſich vorſehen. Oder aber,
ſie wollte mit dem alten Sanders, dem Generalmanager, ein
Geſchäft machen und Geld in den Laden ſtecken. Und wollte
be=
greiflicherweiſe vorher wiſſen, was geſpielt wurde. Dann muttke
man ſich noch mehr vorſehen.
Auf die elegante Aufmachung konnte ſo was natürlich nicht
verzichten. Lieber ne Million weniger, als einen Tag lang i
Baumwolſtrümpfen herumlaufen.
„Ich bin gern bereit, Ihnen den Betrieb zu zeigen, ſagte er
mit verbindlichem Lächeln.
Giſela machte eine ungeduldige Bewegung.
„Ich will arbeiten, Mr. Limpley. Ich glaube, Sie verkennen
mich. Ich habe noch ganze fünfundſechzig Dollar in der Taſche.”
Mr. Limpletz war ſehr beleidigt.
„Sie wollen als Fabrikarbeiterin arbeiten?” fragte er
ge=
ſchäftsmäßig. „Ungelernte Arbeiterin, natürlich, was?‟
„Ja, Mr. Limpleh.”
„Zum Teufel, dann kommen Sie doch zwiſchen zehn und elf
— haben Sie denn das Schild am Eingang nicht geſehen? Ich
kann mich hier doch nicht wegen jeder Einzelnen ne halbe Stunde
lang aufhalten laſſen!”
Giſela ſchwieg bedrückt.
Mit unnötig heftigen Bewegungen nahm ſich Mr. Limpleyz
einen Zettel vor.
„Name, Nationalität, Alter —
Es wurde eine Art von Verhör.
„Ihre Paviere, bitte.”
Dann ſah er überraſcht auf.
„Eine geborene Prinzeſſin?”
Sie nickte nur.
Sie muß vollſtändig verrückt ſein, dachte Mr. Limpley
über=
zeugt.
„Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie vor meinen Kolleginnen
nichts von meiner Herkunſt erwähnen würden”, ſagte Giſela.
Mr. Limpley begleitete ſie unwillkürlich bis zur Tür.
Er ſchrieb mit gerunzelter Stirn.
„Sieben Dollar die Woche und freie Station. Melden Sie ſich
gleich bei Miß Markus.”
„Danke, Sir!”
„N bre.”
Mr. Limpley begleitete ſie unwillkürlich bis zur Tür.
Aber dann fiel ihm unterwegs ein, daß er es ja nicht nötig
hatte, und kehrte wieder um.
(Fortſetzung folgt.)
TaedTTe
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