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Franffurt a. M. 1301.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentiche illufkrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Auffätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 204
Dienstag, den 24. Juli 1928.
191. Jahrgang
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Gewalt, wie Krieg; Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
ſede Verpſſchtung auf Erfüllung der
Anzelgen=
aufträge und Leiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beiſtreibung fäll ſeder
Rabatt weg. Bankkonio Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nationalbank.
Maflonnt Hoer die manenſce lapengonitt.
Pas italieniſche Nordpol=Abenteuer.
Rechtfertigung Nobiles durch Muſſolini. /
Jta=
ien lehnt ein internationales Ehrengericht ab.
Amiterſuchang nur in Italien und nur durch
Italiener.
EP. Rom, 23. Juli.
In dem heute zum erſtenmal zuſammengetretenen
umgebil=
en Miniſterrat gab Muſſolini ein ausführliches Expoſé
twer den Stand der Außenpolitik und der inneren
2mge Italiens. Dabei führte er u. a. aus, ſeit dem letzten
Mini=
tmrat verzeichne die italieniſche Außenpolitik folgende Taten:
Beilegung der diplomatiſchen Spannung
niit Oeſterreich und Wiederaufnahme, der normalen
Be=
ſi=hungen zwiſchen den beiden Ländern, Unterzeichnung
das Handelsvertrages mit Ungarn, Zuſtimmung
ſar Initiative Kelloggs, Paraphierung des
Tängervertrages, Abſchluß eines Vertrages
mit Südſlawien ſowie Beginn der Verhandlungen mit der
nruen chineſiſchen Regierung in Nanking.
Im Innern ſei bemerkenswert die Abnahme der
Arbeits=
ſaſſigkeit als Folge vermehrter landwirtſchaftlicher
Arbeitsgelegen=
häit. Vom März ds. Js. bis Ende Juni ſei die Zahl der
Ar=
bä itsloſen von 411 000 auf 347 000 zurückgegangen. Das
Ernte=
johhr 1928 erſcheine vielverſprechend; die diesjährige Getreideernte
werde beiſpielsweiſe den Ertrag von 1927 bedeutend überſteigen.
Aein Ereignis irgend welcher Art habe die öffentliche Ordnung
gfſtört. Als beſonders machtvolle Kundgebung ſei die
Ein=
neihung des „Siegesdenkmals” von Bozen anzuſehen.
Die Polarexpedition Nobiles habe das italieniſche
Awolt mit Erregung und Schmerz erfüllt. Vor der Fällung ines
endgültigen Arteils müſſe aber das Ende der Unternehmung
aegewartet werden. Man könne daher nur proteſtieren
ar gen den pietätloſen und italienfeindlichen
& turm, der auf die Unternehmer der
unglück=
lchen Expedition niedergegangen ſei. Leute, die ſchon
vor der Expedition ihre Gefahren gekannt und daher ihren Mut
und Tüchtigkeit bewieſen hätten, verdienten die allgemeine
Ach=
trng. Viele der Kritiker erinnerten an die Rolle der Feiglinge,
die ſich im Kriege von der Front drückten und in Kaffeehäufern
dre Kriegsereigniſſe kritiſierten. Erſt wenn alle möglichen
Nach=
forſchungen zur Auffindung der vermißten Schiffbrüchigen
aus=
arführt wären, könne eine objektive und geordnete
U—nterſuchung über die Expedition und die
Hilfs=
a ktion eingeleitet werden. DieſeUnterſuchungwerde
ſzelbſtverſtändlich in Italien und von
Italie=
u ern durchgeführt werden. Jede andere Annahme ſei
noiderſinnig und müſſe unverzüglich zurückgewieſen werden.
Indem der Miniſterrat betont, daß der erſte Entdecker einer
der Gruppen der Schiffbrüchigen der italieniſche Flieger
Madda=
lena geweſen ſei, ſei es ihm eine Pflicht, im Namen des
italie=
niſchen Volkes allen denen zu danken, die an der Rettung der
Schiffbrüchigen teilnahmen, beſonders den Ruſſen des Eisbre=
Gers „Kraſſin”, und der beiden Opfer, Profeſſor Malmgreen und
Pomella, zu gedenken.
Zur Kabinettsumbildung
führt das Expoſé aus, daß die erſetzten Miniſter eine dreijährige
mruchtbare Tätigkeit hinter ſich haben. Profeſſor Fedele behalte
ſeeine großen Verdienſte um ſein Werk an den italieniſchen
Schu=
hen. Graf Volpi habe ſich bleibende Verdienſte durch ſeine
Rege=
lung der interallierten Schulden, durch die Konſolidierung der
haufenden Schulden und durch die Währungsreform erworben.
Die dritte Periode bilde eine Fortſetzung des
beisher Erreichten, beſonders mit Rückſicht auf die
admini=
ſtrative Seite. Für das kommende Finanzjahr 1928/29 gälten
nolgende Richtlinien: Unveränderlichkeit des
Stabiliſierungskur=
ſes der Lira, keine weitere Steuerbelaſtung, aber Erfaſſung aller
Steuerpflichtigen, keine Auslandsanleihen des Staates oder
öffentlicher Anſtalten, ſtrenge Kontrolle über die Aufnahme von
Auslandsanleihen durch Private, keine Neuausgabe öffentlicher
Anleihen im Inland, möglicherweiſe Amortiſierung der konſoli=
Dierten öffentlichen Schuld und einfachſte und klarſte Ausweiſe
Der Staatsrechnung.
Nach den Erklärungen des neuen Finanzminiſters ſchließt
was Ende Juni ablaufende Rechnungsjahr 1927/28 mit 19 836
Millionen Einnahmen und 19 609 Millionen Ausgaben, alſo mit
einem Einnahmeüberſchuß von 227 Millionen. Der Voranſchlag
ffür 1928/29 weiſe einen Ueberſchuß von 271 Millionen auf, der
gaber nur bei äußerſter Einſchränkung der Ausgaben erreicht wer=
Den könne.
Für das Rechnungsjahr 1929/30 müßten zur Erreichung des
VGleichgewichts noch ſtrengere Sparmaßnahmen Platz greifen, in=
Edem allein die Steuereinnahmen einen Ausfall von 300
Mil=
llionen aufweiſen würden.
Auf Antrax des Regierungschefs wurde ein Geſetzentwurf
füber den Steuererlaß für kinderreiche Familien ſowie ein
Ent=
wurf zur Belebung der italieniſchen Kino=Induſtrie im Sinne
bermehrter Ausfuhr italieniſcher Filme angenommen.
Der Miniſterrat genehmigte ſchließlich die Entwürfe über
den Vertrag für einen regelmäßigen Flugverkehr zwiſchen
Ita=
lien und Oeſterreich, den Handels= und Schiffahrtsvertrag mit
Ungarn und die Verlängerung des italieniſch=franzöſiſchen
Mo=
aus wivendi ſowie über die Reform der Provinzialverwaltung.
Die politiſche Seite der Wiener
Kundgebungen.
Der „Temps” entrüſiet ſich weiter.
EP. Paris, 23. Juli.
Zur Rede des deutſchen Reichstagspräſidenten Löbe in Wien
ſchreibt der „Temps”, man könne ſich über den Sinn ſeiner Worte
nicht täuſchen. Es handle ſich um alles andere, als um eine
Sprachen= und Kulturgemeinſchaft. Es gehe um die durch den
Sieg der Alliierten neu geſchaffene europäiſche Ordnung. Die
Aufrechterhaltung des Friedens in Mitteleuropa
auf der Grundlage der beſtehenden Verträge ſei direkt bedroht
durch eine Kundgebung, die den Charakter einer
Mobiliſierung der aktivſten Elemente des
Pan=
germanismus habe. Man verſtehe, daß die deutſche Preſſe
ſich zurückhaltend über den Deutſchen Tag von Wien freue; man
würde es aber nicht verſtehen, wenn man anderswo gegenüber
Kundgebungen zugunſten der „großdeutſchen Republik der
Zu=
kunft”, wie Löbe ſich ausgedrückt habe, gleichgültig bleibe.
Weitere Pariſer Stimmen zum Wiener
Sänger=Bundesfeſi.
Die Wiener Kundgebungen aus Anlaß des
Sängerbund=
feſtes finden in Paris keine objektive Beurteilung. Dies kommt
nicht allein in den zahlreichen Kommentaren, ſondern ſchon in
der Berichterſtattung zum Ausdruck. So bezeichnet der Wiener
Berichterſtatter des „Petit Pariſien” die Teilnahme der
deutſchen Sänger als eine deutſche und nicht öſterreichiſche
An=
gelegenheit. Deutſchland habe für die Belange ſeiner nationalen
Anſprüche Wien für einige Stunden benutzt. Das ſei ein
ge=
fährliches Spiel, beſonders in einem Monat, der daran erinnere,
daß Oeſterreich für den Frieden der Welt gefährlich ſein könne,
wenn es ſich, der Führung der Deutſchen überlaſſen. — Der
„Avenir” muß zugeben, daß ſich die Wiener Tage zu einer
großen Kundgebung geſtaltet hätten, die eine bisher unerreichte
Kraft des Anſchlußgedankens bewieſen. Es ſei nicht unmöglich,
daß Deutſchland und Oeſterreich den Augenblick nahe glaubten,
den Anſchluß verwirklichen zu können. Die bei jeder Gelegenheit
bekundete Schwäche der Alliierten, ihre Rückſicht und Gefälligkeit
gegenüber dem Reich ſeien geeignet, in Berlin und Wien die
größten Hoffnungen zu erwecken. Es ſei an der Zeit, daß
Frank=
reich in Wien und Berlin klar wiſſen laſſe, daß der Anſchluß von
den Alliierten nicht geduldet werde. — Der „Gaulois” kommt
zu dem Schluß, daß es anſcheinend keine Grenzen mehr gebe, die
die beiden Nationen trennen. Deutſchland und Oeſterreich
be=
trachteten den Anſchluß als bereits durchgeführt, wenn ſie ihn
auch noch nicht öffentlich proklamierten, um nicht den Einſpruch
der Alliierten heraufzubeſchwören. — Der „Homme libre‟
ſucht zu beweiſen, daß Oeſterreich lebensfähig und nicht auf den
Anſchluß an Deutſchland angewieſen ſei. — Das „Oeuvre‟
erklärt, Deutſchland habe, nicht das Recht, im Namen aller
Deutſchſprechenden zu ſprechen. Allerdings muß das Blatt
an=
erkennen, daß man wahrſcheinlich keine politiſche Partei in
Oeſter=
reich finde, die nicht Anhängerin des Anſchlußgedankens ſei. Es
ſei aber an Oeſterreich, dieſe Frage aufzurollen, während es
Auf=
gabe aller Vertragsmächte ſei, dieſe Frage zu prüfen. Die
Deutſch=
tumspolitik, die Deutſchland gegenwärtig treibe, könne nicht ohne
Gefahr weitergeführt werden.
Auch das „Journal des Oébats” gegen die
Anſchluß=Kundgebung.
Das „Journal des Débats” äußert ſein Mißfallen
über die Wiener Kundgebungen und richtet eine ſcharfe
Kritik an die alliierten, und insbeſondere an
die franzöſiſchen Staatsmänner, die von Zeit zu
Zeit erklärten, daß ſie niemals dem Anſchluß zuſtimmen würden,
die aber zuließen, daß dieſer Anſchluß ſich
ſtufen=
weiſe vollziehe, obwohl man ihnen niemals verborgen
habe, was vorginge. Der Tag nähere ſich, an dem auf
dem Gebiet des Verwaltungs= und
Gerichts=
weſens der Anſchluß vollzogen fei. Man habe das
Recht, die alliierten Negierungen und vor allem die franzöſiſche
Regierung zu fragen, ob ſie entſchloſſen ſeien, den Anſchluß nicht
zu dulden. Wenn das der Fall ſei, verſtehe man nicht, warum
ſie untätig blieben, ſolange es vielleicht noch Zeit ſei, ihn zu
verhindern.
Der ungariſch=rumäniſche Optantenkonflift.
Die ungariſche Regierung hat durch den Bukareſter
Geſand=
ten der rumäniſchen Regierung eine Note überreichen laſſen, in
der ſie ſich mit dem in der Völkerbundsratsſitzung vom 8. Juni
bekanntgegebenen Vermittlungs=Vorſchlag des rumäniſchen
Außenminiſters Titulescu, betr. die Regelung des
ungariſch=
rumäniſchen Optantenſtreites befaßt. Die Note der ungariſchen
Regierung erklärt, daß ſie die im Vorſchlage Tituleseus zur
Grundlage genommenen drei Theſen des Dreier=Komitees nicht
als eine geeignete Baſis einer Verſtändigung betrachten könne,
da ſie die ungariſche Regierung zum Aufgeben ihrer
Rechts=
prinzipien zwingen würde. Die ungariſche Regierung könne
auch nicht ihre Zuſtimmung dazu erteilen, daß entgegen den
Be=
ſtimmungen des Vertrages von Trianon zwiſchen den
ungari=
ſchen Reparationen und der Optantenfrage ein Zuſammenhang
konſtruiert werde. Die ungariſche Regierung ſei jedoch bereit,
der Mitwirkung eines neutralen Ratsmitgliedes als Vermittler
in direkten Verhandlungen zwiſchen den beiden Regierungen
zu=
zuſtimmen. Es wüſſe j=doch von vornherein ein feſter Termin
für die Regelung der Angelegenheiten im Wege direkter Ver=
handlungen feſtgeſetzt werden.
Sturmwolkenüber Oſteuropa.
Von
Rolf Wingendorf, Danzig.
Am 12. Auguſt beginnt in Wilna die Tagung der polniſchen
Legionäre, d. h. der Truppen, die während des Weltkrieges von
Pilſudſki auf ſeiten der Zentralmächte organiſiert worden waren.
In dem politiſchen Leben Polens bedeuten dieſe Tagungen ſeit
Jahren immer wieder gewiſſe Wendepunkte, da Pilſudſki bei
die=
ſen Gelegenheiten ſeine großen und reichlich temperamentvollen
politiſchen Reden zu halten gewohnt iſt und ſich erneut der
Er=
gebenheit ſeiner Legionäre verſichert.
Mit beſonderer Spannung erwartet man in dieſem Jahre
die Tagung in Wilna, weil von ſeiten der Pilſudſki=Anhänger
bereits jetzt verkündet wird, daß der Marſchall in Wilna über
ſeine innen= und außenpolitiſchen Ziele berichten wird.
Innen=
politiſch ſoll die Frage der Verfaſſungsreform zur Sprache
kom=
men, und außenpolitiſch iſt die brennendſte Frage die Frage der
polniſch=litauiſchen Beziehungen. Die Behandlung beider Fragen
ſchließt Kriegsmöglichkeiten in ſich. Von maßgebenden und
durch=
aus gemäßigten politiſchen Führern in Polen iſt mehrfach erklärt
worden, daß eine polniſche Verfaſſungsreform ohne Bürgerkrieg
faſt unmöglich ſein dürfte. Im polniſch=litauiſchen Konflikt ſtand
ſchon einmal, Ende des vergangenen Jahres, der Krieg dicht vor
der Tür.
Der eigenwillige und autokratiſche Charakter Pilſudſkis
er=
ſchwert die Lage noch bedeutend, da ſelbſt ſeine vertrauteſten
Freunde nicht wiſſen, welche plötzlichen Entſchlüſſe der Marſchall
faſſen wird. Als Pilſudſki vor einem Monat das Amt des
Mini=
ſterpräſidenten niederlegte, glaubte man, daß nun ſeine Krankheit
ihn zwingen würde, die politiſche Initiative an andere abzugeben.
Tatſächlich iſt es aber ganz anders gekommen. Pilſudſki blieb
Kriegsminiſter und erklärte überdies noch, daß er ſich in
außen=
politiſchen Fragen alle Entſcheidungen ſelbſt vorbehalte.
Die Verquickung des Kriegsminiſterpoſtens mit der
Außen=
politik, dieſe tatſächliche Abhängigkeit des Außenminiſters ſelbſt
von dem Leiter des Kriegsminiſteriums iſt für die polniſche
Poli=
tik charakteriſtiſch. Nach dem Maiputſch des Jahres 1926 hat
Pil=
ſudſki es verſtanden, alle innenpolitiſchen bedeutungsvollen Poſten,
wie die der Wojewoden, anderer hoher Verwaltungsbeamter und
ſogar des Präſidenten der polniſchen ſtaatlichen
Landeswirtſchafts=
bank, mit hohen Militärs, mit ihm unbedingt ergebenen
Offizie=
ren zu beſetzen. Es iſt kein Zweifel möglich, daß dieſe
Entwick=
lung einem wohlüberlegten Plan entſpricht. Der nächſte Schritt
auf dieſem Wege iſt die von oben herab diktierte
Verfaſſungs=
änderung, die dem Staatspräſidenten eine faſt ſouveräne
Stel=
lung geben ſoll, worauf dann Pilſudſki der nächſte Kandidat für
den Präſidentenpoſten werden dürfte. Die Hoffnungen vieler
Kreiſe in Polen gehen noch weiter, man ſieht in dieſer Reform
nur einen Schritt auf dem Wege zur Monarchie.
Daß ſich Pilſudſki und ſeine Berater ganz klar darüber ſind,
daß dieſer Weg nur mit Gewalt gangbar gemacht werden kann,
daß demokratiſche Mitte und Arbeiterſchaft ſich dagegen zur Wehr
ſetzen werden, beweiſt die Tatſache der Militariſierung der
Ver=
waltung. Mit Hilfe des Militärs, auf deſſen Ergebenheit
Pil=
ſudſki auch heute noch bedingungslos rechnet, glaubt, er einen
Bürgerkrieg im Keime erſticken zu können.
Wie weit die Vorbereitungen zu einem Staatsſtreich bereits
gediehen ſind, können ſelbſt die beſten Kenner der polniſchen
Poli=
tik heute nicht beurteilen. Faſt ſcheint es, als ob die Machthaber
ſelbſt ihre Gewalt nicht für ſtark genug halten und deshalb den
Weg über die Außenpolitik einſchlagen wollen. An dieſer Stelle
aber hören Pilſudſkis Beſtrebungen auf, eine Angelegenheit
Polens allein zu ſein und werden eine Frage der Sicherheit des
europäiſchen Friedens. Schon einmal hat Polen durch einen
Militärſtreich die Welt in Aufregung verſetzt und ſich das
Wilna=
gebiet gewaltſam angeeignet. Der Urheber des damaligen
Strei=
ches, General Zeligowſki, iſt heute noch in polniſchen Dienſten, iſt
ein Vertrauter Pilſudſkis, mit deſſen ſtillſchweigender Billigung
er auch damals ſich über Völkerrecht und Verträge hinwegſetzte.
In Litauen iſt man ſich der drohenden Gefahr voll bewußt.
Die einzige Hoffnung, die Litauen hat, iſt die, daß Polen ſich
durch die Angſt vor Sowjetrußland vor einem Gewaltſtreich gegen
Litauen zurückhalten läßt. So ſucht das amtliche litauiſche Organ
„Lietuvos Aidas” die Bevölkerung damit zu beruhigen, daß es
erklärt, die polniſche Armee leide unter denſelben
Krankheits=
erſcheinungen wie die öſterreichiſche, und ſei daher der Roten
Armee nicht gewachſen.
Das iſt natürlich nur eine ſehr ſchwache Beruhigung, denn
auch die Beſetzung des Wilnagebietes hat Rußland ſeinerzeit
nicht verhindern können. Man darf vor der tatſächlichen Gefahr
die Augen nicht verſchließen. Die Tagung der Legionäre findet in
Wilna ſtatt, die Manöver der polniſchen Armee beginnen
dem=
nächſt an der polniſch=litauiſchen Grenze, mit dem Fanatismus
der Pilſudſki=Anhänger und mit der Impulſivität ihres Führers
muß man rechnen. Eine Funke genügt, um das Pulverfaß in die
Luft fliegen zu laſſen. Einem großen Teil der politiſchen Führer
in Polen liegt das „Abenteuerhafte” im Blut. Wenn Pilſudſki,
vielleicht gedrängt von der allgemeinen Stimmung, in Wilna den
Säbel aus der Scheide zieht, ſo ſteht die Armee hinter ihm und
auch, darüber muß man ſich klar ſein, ein großer, vielleicht der
größte Teil der aufgehetzten Bevölkerung.
Was dann aber folgt, iſt in ſeiner politiſchen Tragweite nicht
zu überſehen. Das kleine Litauen iſt in wenigen Tagen überrannt,
das große Rußland aber muß, um einzugreifen, erſt ſeine Kräfte
mobilifieren. Dann aber lodert der Kriegsbrand in Oſteuropa in
hellen Flammen auf, dann fallen Entſcheidungen, die für das
Schickſal des geſamten Europas von ungeheuerer Bedeutung
werden.
Ganz nahe an der deutſchen Grenze, längs der ganzen Grenze
Oſtpreußens, ziehen ſich die drohenden Wetterwolken zuſammen.
Die Lenker der europäiſchen Staatsſchiffe werden gut tun, die
Sturmwarnehmungen nicht zu überſehen, damit nicht eines
Tages unerwartet der Blitz aus der Wolke zuckt und die Welt
in Brand ſtedkt.
Seite 2
Oienstag, den 24 Zuli 1928
Nummer 204
Droßender Brand im Oſten.
Vor einem polniſchen Gewaltſtreich
gegen Litauen.
Die Preſſe des Auslandes ergeht ſich ſeit einigen Tagen in
allerlei Kombinationen über die letzten diplomatiſchen
Vorſtel=
lungen einiger führender Völkerbundsmächte in Kowno. Die
Auseinanderſetzungen drehen ſich dabei teilweiſe um die recht
nebenſächliche Frage, ob es ſich um einen Kollektivſchritt oder
nicht gehandelt habe, und welcher Macht das Verdienſt der
Füh=
rung oder Amregung der Aktion zuzuſchreiben ſei. Es iſt das ein
müßiger Streit um die Fom des Schrittes. Bei dieſem handelt
es ſich zweifellos um keine Aktion, die nach ſtreng diplomatiſchen
Regeln als Kollektivſchritt anzuſehen wäre, d. h. um eine
offi=
zielle Verabredung zwiſchen jenen Mächten, deren Geſandte in
dieſen Tagen den litauiſchen Miniſterpräſidenten aufgeſucht und
ihm gewiſſe Ratſchläge erteilt haben. Das ſchließt watürlich nicht
aus, daß man trotzdem in gegenſeitigem Einvernehmen
gehan=
delt hat. Tatſächlich dürfte dies auch der Fall geweſen ſein.
Es hat keinen Zweck, es noch länger zu verheimlichen, daß
der nun ſeit Jahren" zwiſchen Polen und Litauen
ſchwebende Konflikt wieder einmal ein
Sta=
dium erreicht hat, das wan, ohne den Vorwurf des
Peſſi=
mismus ſich zuzuziehen, als gefahrdrohend bezeichnen muß. Die
zunächſt aus Kowno kommenden Gerüchte, daß Pilſudski
für Anfang Auguſt einen Ueberfall auf litauiſches
Gebiet plane, haben ſich mittlerweile als durchaus nicht ſo
unbegründet herausgeſtellt, als man zunächſt anzunehmen
ge=
neigt war. Auch in diplomatiſchen Kreiſen, deren ruhiges und
nüchternes Urteil außer Frage ſteht, nehmen die Befürchtungen
überhand, daß der in ſeinen Entſchlüſſen ſowieſo unberechenbare
polniſche Diktator nunmehr nach dem Abbruch der
Kö=
nigsberger Verhandlungen den Zeitpunkt für
gekom=
men anſehen könnte, um ſeinen noch nie ganz aufgegebenen
Ge=
waltſtreich gegen Litauen in die Tat umzuſetzen. In der zweiten
Auguſtwoche finden an der polniſch=litauiſchen Grenze große
Manöver der polmiſchen Armee ſtatt, zu denen die beſten und
ſchlogkräftigſten Teile des polniſchen Heeres kommandiert
wor=
den ſind. Für den 12. Auguſt hat Pilſudſki das polmiſche
Kabi=
nett zu einer beſonderen Tagung nach Wilna beſtellt, deren
Zweck man vorläufig in geheimnisvolles Dunkel hüllt. Es iſt
nicht ausgeſchloſſen, daß der polniſche Heerführer ſeine Miniſter
nur deshalb nach Wilna kommen läßt, um ſie dort in
Anweſen=
heit ſeines ihm treu ergebenen Heres evtl. zu Beſchlüſſen nötigen
zu können, zu denen das polniſche Kabinett in der
Zivil=
atmoſphäre Warſchaus nicht bereit ſein würde. Jedenfalls dürfte
die mit Truppen angefüllte Wilnger Gegend in den Auguſtwochen
einem Pulverfaß gleichen, an das nur ein Funke geführt zu
wer=
den braucht, um es zur Exploſion zu bringen. Daß Pilſudfki,
falls es ſo weit kommt, ſich mit einer kleinem militäriſchen
De=
monſtration auf litauiſchem Gebiet nicht begnügen, ſondern
ein=
wal im Zuge, nicht mehr Halt machen würde, als bis die
pol=
niſchen Truppen micht nur Kowno, ſondern die litauiſche
Oftſee=
küſte, d. h. Mewel, erreicht haben würden, kann ohne
Uebertrei=
bung als wahrſcheimlich angenommen werden. Ebenſo gewiß iſt,
daß ein Eingreifen der Weſtmächte von dem Augenblick an
zweck=
los ſein würde, in dem Pilſudſki ſeine Truppen in Marſch
ge=
ſetzt hätte.
Dies iſt die Situation, in deren richtiger Erkenntnis
Eng=
land, Frankreich und Deutſchland ihre diplomatiſchen Vertreter
ſowohl in Kowno wie auch in Warſchau ſchon jetzt mobil gemacht
haben, um gewiſſermaßen den drohenden Brand noch rechtzeitig
im Keime zu erſtichem. — Auch Frankreich hat — das iſt der
all=
gemeine Eindruck — kein Intereſſe an einem polniſchen
Gewalt=
ſtreich gegen Litauen. Infolgedeſſen war es auch Frankreich, das,
wie aus zuverläſſiger Quelle verlautet, Ende voriger Woche der
Warſchauer Regierung ſehr ernſte Vorſtellungen machte und ſie
dringend vor einem Verſuch des oben gekennzeichneten
militä=
riſchen Abenteuers warnte. Auf der anderen Seite haben
Deutſch=
land und England die Rolle des Vermittlers in Kowno
unter=
nommen und dort ebenſo dringend zur Mäßigung gegenüber
Polen geraten, ſintemalen es klar iſt, daß Pilſudſki nur auf
irgendeine Entgleiſung der litauiſchen Regierung wartet, um eine
ſolche „Provokation” zum gewünſchten Anlaß ſeines endgültigen
Losſchlagens zu nehmen. Anſcheinend haben die gemeinſamen,
wenn auch nicht offiziellen Kollektivbemühungen Englands,
Frankreichs und Deutſchlands, zunächſt etwas Beruhigung
ge=
bracht. Trotzdem iſt man ſich darüber klar, daß die Gefahr noch
nicht behoben iſt und ſieht namentlich dem 12. Auguſt nach wie
vor als einen Tag allerkritiſchſter Ordnung an. Die Folgen
einer Annektion Litauens durch Polen auf die geſamten
euro=
päiſchen Verhältniſſe würden zweifellos unabſehbar ſein.
Vom Tage.
Wie wir hören, iſt die Verhandlung vor dem
Landes=
vorſtand gegen den deutſchnationalen
Abgeord=
neten Lambach, die geſtern vormittag eröffnet wurde, auf heute
vertagt worden.
Profeſſor Dr. Ernſt Caſſirer, der einen ſehr
ehren=
vollen Ruf an die Frankfurter Univerſität erhalten hatte, hat ſich
ent=
ſchloſſen, in Hamburg zu bleiben.
Neichskanzler Müller hat ſich am Montag abend nach dem
Schwarzwald in Urlaub begeben, wird jedoch am 11. Auguſt nach
Berlin zurückkehren. In ſeiner Abweſenheit wird er durch
Reichswehr=
miniſter Groener vertreten.
Generaloberſt v. Kirſchbach, der letzte ſächſiſche
General=
oberſt, iſt im 79. Lebensjahre in Dresden geſtorben.
Der däniſche Romanſchriftſteller A. C. Anderſen
iſt im Alter von 54 Jahren einem Schlaganfall erlegen.
Die Suche nach Amundſen ſoll durch norwegiſche und
fran=
zöſiſche Kriegsſchiffe fortgeſetzt werden.
Der franzöſiſche Miniſterpräſident Poincaré hat geſtern
vor=
mittag den Generalzahlungsagenten Parker Gilbert
empfangen.
Miniſterpräſident Poincaré hat die
Kabinettsmitglie=
der zum 1. September auf ſein Landgut Champigny eingeladen,
um dort den zweiten Jahrestag der am 23. Juli 1926
ge=
bildeten Regierung der Nationalen Union zu feiern.
Wie in Völkerbundskreiſen verlautet, wird China auf der
Septembertagung. des Völkerbundsrates durch
ſeinen bisherigen Vertreter Cheng=Loh vertreten
werden, der ſeine Funktion als Ratsvertreter mit Zuſtimmng der
Nan=
king=Regierung weiter ausübt.
Der griechiſche Miniſterpräſident Venizelos wurde
in Soloniki begeiſtert empfangen. Er hielt eine Rede, in der er
die Gründe für ſeine Rückkehr ins politiſche Leben darlegte.
Der ehemalige Miniſterpräſident Nahas Paſcha
hat an das ägypriſche Volk einen Aufruf erlaſſen, in
dem er erklärt, die Regierung Mohamed Mamud Paſcha habe in einem
Augenblick zerſtört, was die Nation durch jahrelange Bemühungen
er=
reicht habe. Ihr Vorgehen ſei gegen Verfaſſung, Freiheit, Ordnung,
gegen die Nation und auch gegen die Ziviliſation gerichtek.
Die Gerüchte über eine Oppoſition des
amerika=
niſchen Senats gegen den Kelloggpakt werden von dem
Weißen Haus naheſtehenden Kreiſen als unbegründet bezeichnet.
Der mexikaniſche Arbeitsminiſter Morones iſt am
Sonntag zurückgetreten. Der Prozeß gegen den Mörder
Obregons begann am Montag.
Nach Meldungen aus Buenos Aires ſtarb dort geſtern nacht
plötzlich der Vizepräſſident von Argentinien,
Fran=
cesco Beiro. Die politiſche Lage erleidet dadurch eine gewiſſe
Erſchwerung, da eine Neuwahl erforderlich wird.
Die Beziehungen zwiſchen Danzig und Polen.
Danzig, 23. Juli.
Der Präſident der Staatlichen polniſchen
Landeswirtſchafts=
banl, Geneval Gorezki, der ſich zurzeit zum Zwvecke von
Wirt=
ſchaftsbeſprechungen in Danzig aufhält, erhlärte in einer
Unter=
redung mit einem Mitarbeiter der Danziger Volksſtime u. a.,
daß die jetzige polniſche Regierung niemals auch nur im
gering=
ſten daran gedacht habe, Danzigs Souveränität — ſei es in
poli=
tiſchen, ſei es in bulturellem oder ſonſt in irgendwelchem Sinne
— zu ſchmälern, ſchon aus dem Grunde nicht, weil eine
Poloni=
ſierung Danzigs durch künſtliche oder gar Gewaltmittel in keiner
Weiſe im Intereſſe Polens liege. Die angeblich geplante
Ver=
einigung der Danziger und bolniſchen Währung liege der
pol=
niſchen Regierung vollkommen fern. Die polniſche Regierung ſei
immer darauf bedacht, ſämtliche Maßnahmen zum Schutze der
Wirtſchaftsintereſſen Polens auch auf Danzig, im Einvernehmen
mit der Danziger Regierung auszudehnen. Dieſe Maßnahmen
gälten in erſter Linie dem Schutz des Danziger Hafens gegen
die Konkurrenz der deutſchen Häfen. Was die angebliche
Kon=
burrenz des Hafens von Gdingen betreffe, ſo endwickle ſich die
polniſche Ausfuhr in einem Tempo, das beiden Häfen volle
Be=
ſchäftigung gewährleiſte. Polen, ſei ſich ſeiner Pſlicht in bezug
auf die volle Ausputzung des Dänziger Hafens bewußt und
werde dieſer Pflicht auch immer Rechnung tragen. Auch auf
anderen Gebieten ſagte Geneval Gorezki Unterfüützung der
Dan=
ziger Wirtſchaft durch Polen zu. Des weiteren verſprach er,
da=
für zu ſorgen, daß die bisher in einigen polniſchen Blättern
gegen Danzig betriebenen Hetzen aufhören. General Gorezki
be=
tonte in dem Interview wiederholt, daß ſeine Erblärungen als
amtliche Stellungnahme der polniſchen Regierung anzuſechen
ſeien.
Dr. Ricklin begnadigt.
EP. Paris, 23. Juli.
Auf Vorſchlag des Juſtizminiſters Barthou hat der
Präſi=
dent der Republik, Doumergue, den autonomiſtiſchen
Abgeord=
neten Dr. Ricklin begnadigt. Dieſer Beſchluß iſt heute Dr.
Rick=
lin mitgeteilt worden.
Die Kabinettsſitzung.
Die Finanzwünſche der Reichsbahn.
* Berlin, 23. Juli. (Priv.=Tel.)
Das Reichskabinett hat am Montag die angekündigte Sitzung
über die Finanzlage der Reichsbahn abgehalten. In dem
amt=
lich veröffentlichten Communigué wird aber mit keinem Wort auf
dieſe Frage Bezug genommen. Es wird lediglich geſagt, daß
eine Anzahl laufender Angelegenheiten beraten und entſchieden
worden iſt, deren alsbaldige Erledigung notwendig war. Man
darf wohl annehmen, daß zu dieſen laufenden Angelegenheiten
die Finanzwünſche der Reichsbahn gehörten. In welchem Sinne
ſie allerdings ihre Erledigung gefunden haben, wird der
Oeffent=
lichkeit vorläufig noch vorenthalten. Soweit wir unterrichtet ſind.
will die Reichsregierung am Dienstag mit einer längeren Ew
klärung hervortreten, in der zu den Tarifwünſchen Stellung ge
nommen wird.
Die Reichsregierung hat ſich mit dem Antrag der
Reichs=
bahngeſellſchaft auf Tariferhöhung erneut befaßt. Sie iſt der
Auffaſſung, daß die bisher gegebenen Unterlagen nicht hinreichen.
um die Notwendigkeit einer Tariferhöhung darzutun. Sie würde
es vorziehen, wenn vor endgültiger Entſcheidung dieſer Frage,
die ſo einſchneidend für die geſamte Volkswirtſchaft iſt, die
wei=
tere Entwicklung der Reichsbahneinnahmen abgewartet würde.
Da jedoch die Reichsbahngeſellſchaft die Frage für geklärt und
die alsbaldige Entſcheidung für geboten hält, erhebt die
Reichs=
regierung keine Bedenken dagegen, daß die beſtehende
Meinungs=
verſchiedenheit, ob und in welchem Ausmaße eine Tariferhöhung
als notwendig zu erachten iſt, ſchon jetzt dem im Reichsbahngeſetz
vorgeſehenen Reichsbahngericht unterbreitet wird.
Der Keudell’ſche Schulgeſetz=Entwurf.
* Berlin, 23. Juli. (Priv.=Tel.)
Der vom früheren Reichsinnenminiſter von Keudell dem
Reichstag als Initiativantrag vorgelegte Reichsſchulgeſetzentwurf
hat durch die „Germania”, das Organ des Zentrums, eine wenig
günſtige Aufnahme gefunden. Sie erklärt, daß man verſtimmt
werde, da man die Abſicht merke, und lehnt es ab, den
deutſch=
nationalen Vorſtoß mitzumachen, weil das Zentrum zum
Reichs=
kanzler Vertrauen habe, der eine Regelung der Schulfrage in
der Regierungserklärung in Ausſicht geſtellt habe. Dieſe Abſage
hat bei den Deutſchnationalen eine nicht unerhebliche
Verärge=
rung hervorgerufen, die die „Kreuzzeitung” veranlaßt hat, dem
Zentrum vorzuhalten, daß es den Deutſchnationalen dankbar ſein
ſolle, weil durch den Initiativantrag die Schulfrage zur
parla=
mentäriſchen Behandlung gebracht werde. Im übrigen findet
die „Kreuzzeitung” es recht merkwürdig, daß die „Germania”
den Erklärungen des Kanzlers Vertrauen ſchenkt, wonach in
Kürze mit einer Regierungsvorlage zur Regelung der Schulfrage
zu rechnen ſei.
Die Führung im Reichslandbund.
Im Reichs=Landbund ſteht eine Umänderung des
Präſi=
diums bevor, dem bisher mit gleichen Rechten der Abg. Hepp
und der Graf Kalkreuth angehörten. Es iſt beabſichtigt, den
ehemaligen Reichsernährungsminiſter Schiele in das Präſidium
hereinzuholen. Schiele ſoll aber in Zukunft die führende Rolle
übernehmen, während die beiden bisherigen Präſidenten auf die
Poſtenk von Vizepräfidenten abgeſchoben werden ſollen. Eine
Entſcheidung über die Umbildung iſt noch nicht gefallen, da die
zuſtimmenden oder ablehnenden Erklärungen „Hepps und
Kalk=
reuths noch ausſtehen.
Die Manöver an der Oſiſee abgeſagt.
Das Reichswehrminiſterium teilt mit: Die für Mitte
Sep=
tember angeſetzten Uebungen der Reichswehr an der Oſtſeeküſte,
an denen Teile des Heeres und der Marine gemeinſam
teil=
nehmen ſollten, finden in dieſem Jahre nicht ſtatt. Den Grund
für das Ausfallen dieſer Uebungen bildet im weſentlichen die
angeſpannte Lage der Reichsfinanzen und das Beſtreben, im
Rahmen des Wehrhaushaltes Erſparniſſe zu erzielen. Die
Be=
reitſtellung der Truppen in dem für die geplanten Manöver
wünſchenswerten Umfange hätte in dieſem Jahre wegen der
gleichzeitigen Heeresübungen in Schleſien verhältnismäßig hohe
Aufwendungen bedingt. Aus dieſem Grunde erſchien es
zweck=
mäßig, eine gemeinſame Uebung für Heer und Marine erſt zu
einem ſpäteren Zeitpunkt vorzunehmen, wo die Heranführung
der beteiligten Truppenkörper vorausſichtlich unter
vergleichs=
weiſe günſtigeren finanziellen Vorbedingungen möglich ſein wird.
Außenpolitiſche Erwägungen haben nach unſerer Information
bei dem Beſchluß des Reichswehrminiſteriums keine Rolle
ge=
ſpielt, obwohl der Gedanke nicht von der Hand zu weiſen iſt, daß
man auf die geſpannten Verhältniſſe in Oſteuropa Rückſicht
nehmen will.
*Die Entſtehung der chemiſchen
Groß=
induſtrie durch Träume.
Von Dr. Emil Lenk.
Wer Auguſt Kekulé war? Neben Liebig der bedeutendſte
Förderer chemiſcher Wiſſenſchaft der älteren Schule. Die
grenzen=
loſe Entwicklung der organiſchen Chemie und insbeſondere der
Farbenchemie und der künſtlichen Herſtellung der Arzneimittel
beruht auf ihm. Selbſt die harmloſeſten Kunſtvertreter kennen
wir, doch der Name Kekulé überſteigt kaum die Mauern chemiſcher
Hörſäle.
Die Millionen chemiſcher Verbindungen verſuchte man zuerſt
als Vereinigung entgegengeſetzt elektriſch geladener Atomgruppen
aufzufaſſen. (Dualiſtiſche Theorie von Berzelius und Liebig.)
Als ſich dieſe Anſchauung unfruchtbar erwies, trat Dumas
Typen=
theorie an ihre Stelle, wonach die Eigenſchaften der Körper mehr
von einer beſtimmten Lagerung der Atome als von ihrer Natur
abhängen. Doch erſt Kekulé (1829—1896) errichtete den
Grund=
bau zu dieſer Strukturchemie, erweiterte ſie durch Kenntnis der
Vierwertigkeit des Kohlenſtoffs und durch ſeine Benzolformel.
Im Benzol und ſeinen unzähligen Abkömmlingen ſind ſechs
Kohlenſtoffatome ringförmig miteinander verknüpft, woraus ſich
die großen Unterſchiede dieſer überaus umfangreichen
Körper=
klaſſe gegenüber der mit offener Kohlenſtoffkette leicht erklären
laſſen. Auf dieſer ſoliden Baſis war erſt das Verſtändnis
ge=
geben, die ungeheure Anzahl chemiſcher Stoffe zu faſſen und ſelbſt
ſolche künſtlich aufzubauen, die in der Natur nicht vorkommen.
Der Künſtler glaubte bisher, nur er bringe das Triebhafte,
Kindliche, Urhafte durchs Kunſtwerk zum Bewußtſein, nur er
könne von Situationen träumen, die ihm das Leben verweigert,
nur er habe die Befreiung überſchüſſiger ſeeliſcher Energie
ge=
pachtet, nur er dürfe der Menſchheit durchs Kunſtwerk beichten.
Wie beim Künſtler, tauchen bei jedem großen Denker unbewußte
Gedanken, Triebe und Affekte ans Tageslicht und werden, von
der Vernunft durchſonnt, zum ſchöpferiſchen Werk verwertet. Doch
nur der Künſtler entblößt ſich vor den Menſchen und demonſtriert
ihnen ſeine Wünſche und Aengſte Bei einem wiſſenſchaftlichen
Wer, ſehen wir immer nur den realen logiſchen Schlußſtein ohne
Trieb und Affekt.
Von dieſer Regel machte nun Kekulé eine ſeltene Ausnahme.
Bei einer Feſtſitzung der deutſchen chemiſchen Geſellſchaft ſprach
er (Berichte d. deut. chem. Geſ. XXIII. I. S. 1306): „Vielleicht
iſt es für Sie von Intereſſe, wenn ich durch höchſt indiskrete
Mit=
teilungen aus meinem geiſtigen Leben Ihnen darlege, wie ich zu
einzelnen meiner Gedanken gekommen bin.‟ Er erzählt von
ſeinem Londoner Aufenthalt, wie er am Abend auf dem Dach
eines Omnibuſſes einſchläft. „Ich verſank in Träumereien. De
gaukelten vor meinen Augen die Atome. Ich hatte ſie immer in
Bewegung geſehen, jene kleinen Weſen, aber es war mir nie
ge=
lungen, die Art ihrer Bewegungen zu erlauſchen. Heute ſah ich.
wie vielfach zwei kleinere ſich zu Pärchen zuſammenfügten, wie
größere zwei kleinere umfaßten, noch größere drei und ſelbſt vier
der kleineren feſthielten und wie ſich alles im wirbelnden Reigen
drehte . . . Der Ruf des Kondukteurs: „Clepham Road”
er=
weckte mich aus meinen Träumereien, aber ich verbrachte einen
Teil der Nacht, um wenigſtens Skizzen jener Traumgebilde zu
Papier zu bringen. So entſtand die Struktur=Theorie.”
„Aehnlich ging es mit der Benzol=Theorie. Da ſaß ich in
meinem Arbeitszimmer und ſchrieb an meinem Lehrbuch, aber
es ging nicht recht, mein Geiſt war bei anderen Dingen. Ich
drehte den Stuhl nach dem Kamin und verſank in Halbſchlaf.
Wieder gaukelten die Atome vor meinen Augen. Mein geiſtiges
Auge unterſchied jetzt größere Gebilde von mannigfacher
Geſtal=
tung. Lange Reihen, vielfach dichter zuſammengefügt, alles in
Bewegung, ſchlangenartig ſich wendend und drehend. Und ſiehe
was war das? Eine der Schlangen erfaßte den eigenen Schwanz
und höhniſch wirbelte das Gebilde vor meinen Augen (
Benzol=
ring). Wie durch einen Blitzſtrahl erwachte ich. Auch diesmal
verbrachte ich den Reſt der Nacht, um die Konſequenzen der
Hypotheſe auszuarbeiten.”
„Lernen wir träumen, dann lernen wir vielleicht die
Wahr=
heit. Und wer nicht denkt, dem wird ſie geſchenkt, er hat ſie ohne
Sorgen. Aber hüten wir uns, unſere Träume zu veröffentlichen,
ehe ſie durch den wachenden Verſtand geprüft worden ſind. —
Unzählige Keime des geiſtigen Lebens erfüllen den Weltenraum,
aber nur in einzelnen ſeltenen Geiſtern finden ſie den Boden zu
ihrer Entwicklung; in ihnen wird die Idee, von der niemand
weiß, von wo ſie ſtammt, in der ſchaffenden Tat lebendig. — Ich
habe Ihnen vorhin geſagt: In gewiſſen Zeiten liegen gewiſſe
Ideen in der Luft. Wir hören jetzt von Liebig, daß es die Keime
der Ideen ſind, ähnlich den Bazillenkeimen, die Atmoſphäre
erfüllen.”
Kekulé folgerte als Chemiker aus dieſen Traumbildern
Theo=
rien, die mit einem Schlage die chemiſche Großinduſtrie begrün=
deten. Ein anders orientierter Denker hätte zum Beiſpiel aus
der Schlange, die ſich in den eigenen Schwanz beißt, nicht die
Benzolformel geſchloſſen, ſondern vielleicht die mythologiſche
Be=
deutung des Schlangenſymbols erkannt, als das häufig
darge=
ſtellte Symbol der Ewigkeit. Auch die Alchimiſten, die Vertreter
der indiſchen Yogalehre und die vielen Märchendichter kannten
das Symbol der Schlange oder des Drachens als Verführung
die ewige Sünde, die überwunden werden muß.
Kekulé erlöſte ſich von ſeiner „Schlange” durch ſein
unſterb=
liches Werk. Seine „höchſt indiskreten Mitteilungen” erhellen /9
Kekulés Leben und Werk und verknüpfen es mit ewigen Shme
bolen. — „Von dem Geſetz, das alle Weſen bindet, befreit der
Menſch ſich, der ſich überwindet.” (Goethe.) — Und Kekulé
er=
zählt dann weiter, wie ihn ſein Vater unbedingt zum Architekten
beſtimmen wollte, er aber die Chemie wählte und, obwohl e
viele Lehrer gehabt, er doch keiner Schule angehöre. Schließlich
ſagt er: „Machen Sie ſich frei vom Geiſt der Schule, dann we‟
den Sie fähig ſein, Eigenes zu leiſten.”
Kekulé löſte ſich frühzeitig von der Autorität des Vaters und
der Schule los. Nur dieſe Loslöſung, die Ueberwindung des
Alten, befähigt zu neuen Werken. Wer neue Werte ſchafft, zer
ſtört damit die alten. Nietzſche verglich ſich mit einem
Hand=
werker, der mit einem Hammer das Alte zerſtören muß. Iie
„Kain” von Byron wird Luzifer nach dem Weſen des Todes be‟
fragt. Luzifer: „Fragt den Zerſtörer!” Kain: „Wen? Luziſel;
„Den Schöpfer. Beides iſt eins. Er ſchafft ja nur, um zu zele
ſtören.” Auch Goethes Wort: „Stirb und werde” klingt hier au=
Aber Kekulé ging leider den Weg alles ſterblichen Geiſtes=
Zu allen neuen chemiſchen Theorien nach ihm verhielt er ſie
ablehnend. Ohne Berückſichtigung dieſes Rückſchlages im Alle‟
gilt für ihn, und wohl für jeden ſchöpferiſchen Denker, was Mich=
Wagner in den „Meiſterfingern” vom Dichter ſagt: „Mein
Freuns=
das grad iſt Dichterwerk, daß er ſein Träumen deut und mert
Glaub mir, des Menſchen wahrſter Wahn wird ihm im Traumee
aufgetan. All Dichtung und Poeterei iſt nichts als Wahrtrauue
deuterei.”
Aus denſelben Traumbildern bildet, je nach Anlage, der eiue
ein Drama, der andere eine Sinfonie und der dritte die
Grund=
lage einer Wiſſenſchaft. So verſchwinden bei jedem ſchöpferiſche
tätigen Menſchen zeitweilig die Grenzen zwiſchen Realität ung.
Phantaſie.
Nummer 204
Dienstag, den 24. Juli 1928
öe Vertrags=Kündigungen in China.
dcharfe Proteſi=Note Japans an die Nanking=
Regierung.
EP. London, 23. Juli.
Einem Telegramm des „Daily Telegraph” zufolge hat die
naniſche Regierung eine Note an die
natio=
ſilliſtiſche Regierung von Chin a abgeſandt, die
Fehr ſcharfer Weiſe gegen die Kündigung des
ſimeſiſch=japaniſchen Vertrages proteſtiert. Die
ſoie wird durch den japaniſchen Geſandten in Peking und durch
n japaniſchen Generalkonſul in Schanghai der Nanking=
Regie=
ung zugeſtellt. Die japaniſche Regierung bezeichnet die
Maß=
urmen der nationaliſtiſchen Regierung als übereilt. Sollte die
onaliſtiſche Regierung ihren gegenwärtigen Kurs weiter
ver=
ſen, ſo würde ſich Japan gezwungen ſehen, unabhängige
Maß=
urmen zum Schutz ihrer Rechte und Intereſſen zu ergreifen.
2ie Nanking=Regierung hat am Montag die japaniſche
Proteſt=
ve wegen der Kündigung des Handelsvertrages erhalten. Es
nw daraufhin eine Sitzung des Nanking=Kabinetts ſtatt. Die
nking=Regierung beſchloß, die japaniſchen
ſorderungen abzulehnen. Dienstag ſoll eine
Antwort=
oee an die japaniſche Regierung verfaßt werden.
Eſ chang Tſo=lins Sohn bricht unter Japans
Dn uck die Verhandlungen mit Nanking ab.
Nach der japaniſchen Zeitung „Aſahi” hat eine
Beſpre=
ſung zwiſchen dem japaniſchen Generalkonſul
n Mukden und dem Sohne Tſchang=Tſo=lins
ſartgefunden. Letzterer habe den Rat der
japani=
c en Regierung angenommen, die
Verhand=
ungen mit den Nationaliſten bezüglich den Anſchluß
ſeir Mandſchurei an das übrige China einzuſtellen. In
ſif ſem Sinne habe der Sohn Tſchang=Tſo=lins an Dchiang
Kai=
chek telegraphiert, er bedauere, unter dieſen Umſtänden die
Ver=
ſandlungen abbrechen zu müſſen. Er fügte an dieſe Mitteilung
ſi=Bitte hinzu, ihn nicht mißzuverſtehen. Dchiang Kai=ſchek habe
hn erſucht, weiterhin für die Einigkeit und den Frieden zu
Humpfen.
In Peking hielt Dchiang Kai=ſchek im Außemminiſterium
igen Empfang ab, an dem Vertreter Chinas und der
auswär=
igen Mächte teilnahmen. Die „Times” meldet, der japaniſche
Geſandte Yoſhizawe habe ſich oſtentativ ferngehalten und Golf
zeſpielt. Auch kein anderer Japaner ſei zu dem Empfang
er=
chiienen. — In einem Preſſe=Interview erklärte der japaniſche
Geſandte, daß Japan den Vertrag als noch in Kraft befindlich
dtrachte. Wenn China die angekündigten Maßnahmen in Kraft
ſeße, ſo befürchte er bedauerliche Folgen. Er habe die
Natio=
nl=liſten wiſſen laſſen, daß Japan unter keinen Umſtänden einen
Vwrmarſch nach der Mandſchurei zulaſſen werde.
Zu dieſen Vorgängen ſchreibt der diplomatiſche
Korreſpon=
dant des „Daily Telegraph”, man befürchte in diplomatiſchen
Kreiſen, daß die Mächte der Waſhingtoner Konferenz die
japa=
niſche Haltung in der Mandſchurei, ſehr verſchieden beurteilen
werden. In London beſtünde keine Neigung, Tokio für den
Ab=
bruch der Beziehungen mit der Nanking=Regierung wegen der
Hüündigung der Verträge Vorhaltungen zu machen. In dieſem
Aunkte wäre es angebracht, eine einheitliche Front der Mächte
zur ſchaffen.
Die Lage in Aegovten.
EP. Alexandrien, 23. Juli.
Infolge des Beſchluſſes der ägyptiſchen Rechtsanwälte, in
ernen dreitägigen Proteſtſtreik gegen die Aufhebung der
Verfaſ=
ſung einzutreten, hat die ägyptiſche Regierung angeordnet, daß
umbeſchadet dieſes Proteſtes alle Gerichtshöfe ihre Arbeit
fort=
zurſetzen haben. Die Vertagung von Gerichtsfällen infolge des
SStreiks iſt nicht zuläſſig. Zivilprozeſſe ſollen, falls der
Rechts=
amwalt nicht erſcheint, von der Liſte geſtrichen werden;
Kriminal=
ſtälle werden ohne Verteidiger verhandelt.
„Unveränderte‟ Haltung Englands
gegen=
über Aegtpten.
EP. London, 23. Juli.
Hinſichtlich Aegyptens äußerte ſich Chamberloin im
Unter=
haus dahin, daß die Haltung Englands gegenüber Aegypten
un=
erändert bleibe. Er betrachte das ägyptiſche Parloment und
diie ägyptiſche Verfaſſung als eine Angelegenheit, über die der
K2önig von Aegypten und das ägyptiſche Volk in erſter Linie zu
beſtimmen hätten. Weder der engliſche Oberkommiſſar Lord
Aloyd noch die engliſche Regierung hätten irgendeinen Rat
ge=
geben, bevor die Verfügung der Auflöſung des ägyptiſchen
Par=
mments erlaſſen worden ſei.
Portugal, das Land der Revolutionen. Die Regierungskriſe in Südſlawien.
Der 21. Aufſiand in Portugal unterdrückt.
* Liſſabon, 23. Juli. (Priv.=Tel.)
Die portugieſiſche Republik beſteht nun 17 Jahre. Im Laufe
Es iſt wahr, daß nur wenige der Aufſtände von ernſtem
Blut=
vergießen begleitet waren, die meiſten nahmen einen faſt
gemüt=
habt, ſich auf der Avenida oder auf dem Chiado aufzuſtellen und
Aufnahmen zu machen, um der Welt zu zeigen, daß nicht alle
Revolutionen von Schreckniſſen begleitet zu ſein brauchen. Da
es ſich bei dieſen Revolutionen weniger um politiſche Kämpfe,
auch nicht um die Frage Republik oder Monarchie zu handeln
pflegte, ſondern da es häufig nur Eiferſüchteleien der
Militär=
elique waren, die den Auſmarſch der Truppen bedingten, ſo war
denn auch meiſtens bald wieder der Frieden geſchloſſen. Es hat
nur zwei oder drei wirklich blutige Aufſtände gegeben, den erſten
im Jahre 1922 und den letzten in den erſten Tagen des
vergan=
genen Jahres, bei dem ſcharf geſchoſſen wurde, an dem die
Arbeitermaſſen ſich beteiligten und die Straßen und die Plätze
von Leichen bedeckt waren. Die portugieſiſche Polizei hat
nach=
her feſtzuſtellen vermocht, daß Agitatoren aus Moskau
eingetrof=
fen waren, die reichlich Geldmittel unter einigen radikal
einge=
ſtellten Arbeitervereinigungen verteilt hatten. Der Diktator
Gene=
ral Carmona, der jetzt durch Plebiſzit zum Staatschef gewählt
worden iſt, wurde des Aufſtandes ohne beſondere Mühe Herr.
General Carmona iſt ſelbſt, durch einen Staatsſtreich zur
Macht gekommen. General Gomez la Coſta, der Marinekapitän
Cabezadas und General Carmona bildeten ſeinerzeit ein
Trium=
virat, um die Regierung des Präſidenten Sidonio Paes zu
ſtür=
zen, die ihnen zu links gerichtet war. Die Truppen hielten zu
ihnen, und General Gomez la Coſta konnte die Hauptſtadt
be=
ſetzen und den Staatspräſidenten zum Abdanken zwingen. Bei
dieſer Revolution iſt kein Blut gefloſſen. Cabezadas übernahm
anfangs die Regierungsgewalt, da er ſich aber von den
Gene=
rälen unabhängig zu machen verſuchte, ſo ſetzte ihn ſeinerſeits
General Comez la Coſta ab, Carmona übernahm das
Außen=
miniſterium. Da aber Carmona dem Diktator Gomez la Coſta
nicht gefügig genug war, ſo wollte er ihn als Geſandten an den
Vatikan ſchicken. Das aber ließ ſich Carmona nicht gefallen, er
verhaftete mit Hilfe einiger getreuer Offiziere den General Gomez
la Coſta und verbannte ihn auf die Azoren. Um ihm die
Ver=
ſchickung zu verſüßen, wurde er zum Feldmarſchall ernannt.
Seitdem war General Carmona unbeſtrittener Herrſcher in
Por=
tugal. Er hat dem Lande Ruhe und Ordnung gebracht. Auch
die wirtſchaftlichen Verhältniſſe haben ſich unter ſeiner Regierung
gebeſſert und er iſt kaum auf ernſtlichen Widerſtand geſtoßen,
denn die kleine Operetten=Revolution des Leutnants Morges, der
ihn mit der Piſtole in der Hand zur Abdankung zwingen wollte,
der aber vom Diktator perſönlich verhaftet wurde, kann kaum
ernſt genommen werden. Natürlich haben ſich aber die
Unruhe=
ſtifter in Portugal noch nicht endgültig beruhigt, und jetzt wieder
ertönte Kanonendonner in den Straßen der ſchönen Hauptſtadt
Liſſabon. Doch iſt auch dieſer 21. Aufſtand mühelos ohne großes
Blutvergießen unterdrückt worden.
General Carmona,
der Präſident der Republik Portugal, hat den 21. Aufſtand
mühe=
los unterdrückt.
General Hadſchitſch gibt ſein Mandat zurück.
EP. Belgrad, 23. Juli.
Geveral Hadſchitſch hat heute ſein Mandat zur Bildung einer
dieſer Zeit hat ſie 21 Revolutionen und Revolutiönchen erlebt. neutralen Regierung in die Hände des Königs zurückgegeben, da
ſich ſeine Aufgabe als undurchführbar erwieſen hat. — Der König
empfing heute vormittag den ſtellvertretenden Vorſitzenden der
lichen Verlauf. Ein Kinoopcrateur hätte oft die Möglichkeit ge= Radikalen Partei, Stanojewitſch, in langer Audienz.
Stano=
jewitſch erklärte, als er das Königsſchloß verließ, daß es nun
Sache parlamentariſcher Verhandlungen ſein werde, die
Regie=
rungskriſe zu löſen.
Nachdem General Hadſchitſch ſein Mandat zur Bildung einer
neutralen Regierung in die Hände des Königs zurückgelegt hat,
wurde heute wieder mit den Beſprechungen unter den
Partei=
führern und den Beratungen beim König begonnen. Nach der
Audienz des Präſidenten der Skupſchtina, Peritſch, empfing der
König die Parteichefs, als erſten den Führer der bäuerlich=
demo=
kratiſchen Oppoſition, Pribitſchewitſch, ſodann den Chef der
demo=
kratiſchen Partei, Davidowitſch, und ſchließlich den Führer der
ſloweniſchen Volkspartei, Dr. Koroſetſch. Pribitſchewitſch erklärte,
daß die bäuerlich=demokratiſche Koalition auch weiterhin auf ihrer
Forderung nach einer Wahlregierung beſtehe. Davidowitſch
da=
gegen betonte, daß, nachdem die Bildung einer neutralen
Regie=
rung mißlungen ſei, die Löſung nunmehr vom Parlament
durch=
geführt werden müſſe.
Diplomatiſche Beſprechungen in Karlsbad?
TU. Prag, 23. Juli.
Zurzeit weilen folgende führenden Politiker und
Staats=
männer in Karlsbod: Maſſaryk, Streſemann, Tirulescu, Beneſch
und Marek, der öſterreichiſche Geſandte in Prag. Wenngleich die
Preſſe die Meldungen von wichtigen politiſchen Beſprechungen,
die in Karlsbad ſtattfinden ſollen, ſtark dementiert, ſo liegt doch
die Wahrſcheinlichkeit auf der Hand, daß das Zuſammentreſſen
ſo vieler führender Diplomaten eine, wenn auch vielleicht nur
inoffizielle Ausſprache auslöſen wirb. Tatſache iſt, daß
einge=
weihte Kreiſe dieſe Möglichkeit zugeben und ſich von ihr für die
Politik Mitteleuropas viel verſprechen.
Die Lage in Mexiko.
Waſhington, 23. Juli.
Auf Weiſung des Zentralausſchuſſes der Arbeiterverbände
hin hat, wie aus Mexiko gemeldet wird, geſtern abend der
Arbeitsminiſter Morones ſein Entlaſſungsgeſuch eingereicht. Er
gilt als perſönlicher Gegner Obregons, und die Agrarpartei hat
ihn mit dem Morde an dem Präſidenten in Verbindung gebracht.
Weiter ſind zurückgetreten zwei hervorragende Arbeiterführer,
und zwar der Präſident des Departements für Heeresausrüſtung
und der Leiter der Regierungsdruckerei. Wie weiter berichtet
wird, iſt die Leiche Obregons in Navajoa beigeſetzt worden. Eine
Batterie feuerte den Ehrenſalut über dem Grabe. Aller Verkehr
ruhte 15 Minuten. Zum Zeichen der Trauer haben die Theater
geſchloſſen.
Der Patikan proteſiiert gegen die mexikaniſchen
Verleumdungen.
EP. Rom, 23. Juli.
In einer Proteſtnote beſtreitet der vatikaniſche „Oſſervatore
Romano” die vom Präſidenten Calles dem Klerus
zugeſchrie=
bene Schuld an der Ermordung Obregons. Daß der Mörder
einen Roſenkranz und das Bild eines hingerichteten Prieſters bei
ſich trug, habe man erſt zwei Tage nach ſeiner Verhaftung
er=
fahren. Man könne den angekündigten Prozeß nur begrüßen.
Der Heilige Stuhl warte ruhig die Ergebniſſe dieſes Prozeſſes
ab, in der Ueberzeugung, daß der Klerus und die wahren
Katho=
liken Mexikos verleumdet wurden und weder moraliſch noch
materiell am Morde beteiligt waren.
Vom internationalen ſiändigen Gerichtshof.
EP. Genf, 23. Juli.
Der Rat und die Vollverſammlung des Völkerbundes haben im
September einen Nachfolger für das ausſcheidende amerikaniſche
Mit=
glied des Ständigen Internationalen Gerichtshofes im Haag, Moore,
zu wählen. Unter den Kandedaten, die von den verſchiedenen
Regie=
rungen bis jetzt für die Nachfolgeſchaft vorgeſchlagen wurden, ſteht der
frühere amerikaniſche Staatsſekretär Charles Cvans Hughes an erſter
Stelle. Von einigen Regierungen iſt auch der Präſident des deutſchen
Reichsgerichts in Leipzig, der frühere deutſche Außenminiſter Dr.
Simons, als Kandidat genanat worden. Seine Kandidatur dürſte vor
allem dann Ausſicht auf Annahme haben, wenn der Völkerbund im
Sep=
tember eine Erweiterung des Internationalen Gerichtshofes im Haag
beſchließt, wie dies wiederholt angeregt wurde, um auch Deutſchland
im Richterkollegium des Haager Schiedsgerichtshof=s einen ſtändigen
Vertreter zu geben, was bisher noch nicht der Fall iſt.
Der ſpaniſche Volkscharakter.
Goethe nannte Sizilien den Schlüſſel Italiens. Dieſe
afrika=
ſriſche Provinz Spaniens erſchließt vielleicht den ſpaniſchen Volks=
GSarakter. In der kanariſchen Welt erkannte ich, daß alles, was
miich auf der Halbinſel verwunderte, entzückte und verdroß, auf
Awei Vorausſetzungen des ſpaniſchen Lebens beruht. Man tut
ſeieſem Volke Unrecht, wenn man es mit neuzeitlich=europäiſchen
Maßen mißt, dann kann man nur zu dem verſtimmenden
Reſul=
dat kommen, eine auffallende Unintelligenz und moraliſche
Min=
ſeerwertigkeit feſtſtellen zu müſſen. Ganz anders, wenn man den
Spanier als Afrikaner betrachtet, der, ſoweit er ſich mit Europa
auseinandergeſetzt hat, noch im Mittelalter ſteht. Dieſe beiden
Komponenten, Afrika und Mittelalter, treffen ſich in der faſt
kind=
ſiichen Mentalität dieſes Volkes. Der kindliche Geiſt vereinfacht:
deder Mann mit einem Bart iſt der Papa. Es gibt gute und böſe
Veute. Später werden die Unterſchiede feiner: der Lehrer, der
Schüler, der Geſcheite, der Dumme, der Chriſt, der Jude, der
(Fremde zeichnen ſich deutlich ab, aber immer noch mit jener
typi=
ſichen Verallgemeinerung, wie ſie unſere guten Kinderbücher
zei=
gen, wo der Jäger notwendigerweiſe einen grünen Rock anhaben
ruß. Ein weſentliches Merkmal der modernen Kultur iſt, daß
ſie dieſe Verallgemeinerung pſychologiſch aufzulöſen
unternom=
unen hat, aber auch der fortgeſchrittenſte Geiſt unſeres Zeitalters
ſiſt noch nicht ganz frei von ſolchen mythologiſchen
Zuſammen=
faſſungen. Ein jeder birgt noch in ſeinem Unterbewußtſein ſolche
wildhaft eindringlichen Vorſtellungen, an die ſich ſein Haß und
ſſeine Liebe knüpft, beſonders aber ſein Haß. Der Junker, der
SPfaff, neuerdings der Sozi ſind ſolche die vielgeſtalte Wirklichkeit
wereinfachende Vorſtellungen, kindlich=mittelalterliche Methoden
runſerer Geiſtigkeit. Von den modernen, das ganze Leben
um=
egeſtaltenden pſychologiſchen Differenzierungen ahnte das
Mittel=
dalter nichts, das bloß Herren und Knechte, Böſe und Gute kannte,
der ganze Orient lebt noch heute in dieſer Märchenwelt. Dieſe
primitive Geiſtigkeit, die den Sinn des Lebens rein imaginativ
zu löſen ſucht und dadurch oft außerordentlich künſtleriſch ſein
kaun, durchdringt noch das ganze ſpaniſche Leben.
*) Oskar A. H. Schmitz läßt ſoeben einen Band „Eſſahs” über
Menſchen, Länder und Völker bei Georg Müller in München in deſſen
bekannter Zweimarkbücher=Sammlung erſcheinen. Mit Erlaubnis des
Verlags veröffentlichen wir einen Abſchnitt aus dem Kapitel „Der
ſpa=
zch Volkzcharakter”.
Zwei Begriffe ſpielen eine beſondere Rolle in der Phantaſie
dieſer Kinder: Chriſtiano und Caballero.
Der Chriſtiano iſt der Menſch an ſich, gegen den man — der
Theorie nach wenigſtens — gut ſein ſoll; denn der Chriſtiano hat
eine unſterbliche Seele, die vor Gott treten und Klage führen
kann. Wer dies begriffen hat, iſt zu Mitleid, Milde und
Ver=
gebung fähig, ſolange es ſich um Chriſtianos handelt. Wer aber
einem Spanier von Mitleid und Schonung gegen Tiere ſpricht,
beſonders anläßlich der Stierkämpfe, erſcheint ihm ſo närriſch wie
uns in Grimms Märchen das Katerlieschen, das die aufgeriſſenen
Furchen der armen Landſtraße mit Butter beſtrich. Der Spanier
iſt nicht grauſamer als irgend ein anderer, aber alles, was er an
Menſchenliebe beſitzt, konzentriert ſich auf den Chriſtiano, ja,
wenn er ſich das Leiden eines Chriſtiano recht deutlich
vorzuſtel=
len vermag, dürfte er weichherziger ſein als der Nordländer. Ein
Beiſpiel: Ein Fremder will einen Bootführer mieten, um ſich zu
einem großen Dampfer rudern zu laſſen, aber der Bootführer
zieht vor, zu ſchlafen oder zu frühſtücken oder macht
unerſchwing=
liche Preiſe. Der Fremde flucht und wettert und denkt an die
Vorzüge ſeiner Heimat, wo jeder nach beſtimmtem Tarif ſeine
Pflicht tut. Der ſpaniſche Bootführer bleibt ſtumpf und
hart=
näckig wie ein Maultier, den Begriff Pflicht kennt er nicht. Und
ſo ein Fremder, iſt das überhaupt ein Chriſtiano? Beklagt ſich
der Fremde bei einem Poliziſten, ſo wird dieſer dem Mann
viel=
leicht gütlich zureden, ihn aber niemals zwingen können, zu
fah=
ren. Ganz anders, wenn man dem guten Mann ein Märchen
er=
zählt, wenn ihm der Fremde zum Beiſpiel ſagt: „Siehſt du, mein
Lieber, auf dieſem Rieſenſchiff dort iſt eine alte Frau, die aus
Amerika kommt und ihren Sohn, den ſie ſeit zwei Jahren nicht
geſehen hat, hier zu treffen hofft. Nun ſteht ſie da und wartet
und wartet voll Angſt und weiß nicht, ob der Sohn kommt. Der
Sohn aber ſteht am Uifer und kann nicht zu ihr, weil er kein Boot
findet.” — „Vamos, hombre, vamos!” wird der Mann rufen, noch
ehe man ausgeredet hat, und einen ohne Beſinnen an das Schiff
rudern. Man braucht das Märchen nicht immer ſo ausführlich zu
geſtalten. Ein Wort von der kaxnilia, die aufs Eſſen wartet,
ge=
nügt unter Umſtänden, einen Mann zur Eile anzutreiben; aber
notwendig iſt, daß er ſich bildhaft vorſtellen kann, warum er aus
ſeiner Ruhe aufgeſtört wird.
Deutſche Meiſier=Feſiſpiele in Bad=Nauheim.
Im Monat Auguſt veranſtaltet die Kurverwaltung Bad=
Nauheim Deutſche Meiſter=Feſtſpiele, und zwar „Salome”
Muſik=
drama von Nichard Strauß, Beethovens Neunte Sinfonie mit
dem Schlußchor „An die Freude” und „Triſtan und Jſolde” von
Richard Wagner. Hervorragende Kräfte ſind für dieſe Feſtſpiele
gewonnen, u. a. Gotthelf Piſtor, der berühmte Bayreuther
Sän=
ger, als „Triſtan”, Kammerſängerin Aline Sanden aus München
als „Salome”, Bella Fortner=Halbaerth als „Jſolde‟. Emma
Holl und Otto Fanger von der Frankfurter Oper als „Herodias”
und „Herodes”, Kammerſänger Michael Dietz als „Jochanaan”
und „Kurwenal‟. Die geſamte muſikaliſche Leitung hat
General=
muſikdirektor Heinz Bongartz.
Im Monat Auguſt finden auch die großen ſportlichen
Veran=
ſtaltungen ſtatt. Am 4. und 5. Auguſt ein Reit= und
Fahr=
turnier: vom 16. bis 18. Auguſt das Internationale
Tennis=
turnier mit der Senioren=Meiſterſchaft der Deutſchen auf
Hart=
plätzen, Vom 24. bis 26. Auguſt veranſtaltet der Sport=Schieß=
Club Bad=Nauheim ſein großes Wurftauben=Herbſtſchießen
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Darmſtadt: Zum Rektor der Techniſchen Hochſchule iſt für das
Studienjahr 1928/29 der Profeſſor der Phyſik Dr. Hans Rau gewählt
und vom Geſamtminiſterium beſtätigt worden.
Halle, Saale: Prof. Dr. med. Walther Berblinger in Jena
hat den Ruf auf den Lehrſtuhl der Univerſität Halle als Nachfolger des
emerit. Geheimrats R. Beneke abgelehnt.
Berlin: Dr. Max Hartmann, Wiſſenſchaftliches Mitglied des
Kaiſer=Wilhelm=Inſtituts für Biologie in Berlin=Dahlem und
Honorar=
profeſſor an der Berliner Univerſität hat den Ruf als Ordinarius der
Zoologie an der Univerſität Wien abgelehnt.
Breslau: Die Ernennung des Stadtbaurats Hartleb in
Dort=
zund zum ordentlichen Profeſſor an der hieſigen Techniſchen Hochſchule
iſt erfolgt. Prof. Hartleb übernimmt einen neuerrichteten Lehrſtuhl
für Städtebau.
Aerzte=Kongrefſe. Ende Juli wird ſich in Kopenhagen der erſte
internationale Aerzte=Kongreß ſeit 1914 verſammeln. Es iſt das
erſte=
mal, daß Aerzte aus allen Ländern nach dem Kriege zuſammenkommen.
Ferner iſt es de= erſte Weltkongreß für Naſen= und Halskrankhiten und
ſchließlich iſt es der erſte große ärztliche Kongreß in Dänemark ſeit 1884.
Seite 4
Dienstag, den 24 Juli 1928
Die Geburt eines
geſunden Jungen zeigen
in dankbarer Freude an
Philipp Sattig und Frau
z. Zt. Stadtkrankenhaus.
19132)
Geſundes Mädel
angekommen.
Ernſt Krauſe und Frau
Lilli, geb. Dittmann
z. Zt. Städt. Krankenhaus.
(11958)
Die Geburt eines Sohnes
zeigen mit großer Freude an
Hein Seipp und Frau
Gretel, geb. Winter
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſeren unvergeßlichen
Fritz
Darmstadt, den 23. Juli 1928
(19109
Polizeihauptwachtmeiſter
Her=
mann Gardt und Frau Emma,
geb. Abt, Dieburgerſtraße 96 II.
feiern am 25. Juli das Feſit der
Silbernen Hochzeit.
( 19039)
Todesanzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es
gefallen, heute nachmittag 1 Uhr
nach kurzer, ſchwerer Krankheit
unſeren innigſtgeliebten, guten
Sohn, Bruder, Schwager, Onkel,
Enkel und Neffe
Heinz Fiſcher
im blühenden Alter von 16 Jahren
zu ſich in die Ewigkeit abzurufen.
Im Namen der trauernd. Hinterbliebenen:
Familie Heinrich Fiſcher.
Darmſtadt, Ploenniesſtr. 8, Evingſen
(Weſtf.), Eberſtadt, 22. Juli 1928.
Die Beerdigung findet Dienstag,
den 24. Juli, nachmittags 4½ Uhr
auf dem alten Friedhof an der
Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt,
111967
Nachruf.
Am 21. d8. Mts. verſtarb
unſer langjähriges Mitglied
Herr Sekretär
obias verfeg.
Wir betrauern in dem
Ver=
ſtorbenen einen lieben, treuen
Kameraden, deſſen wir ſtets in
Treue gedenken werden.
Die Einäſcherung findet am
Dienstag, den 24. ds. Mts. um
12 Uhr auf dem Waldfriedhof
ſtatt. Um zahlreiche Beteiligung
wird gebeten.
Reichsbund
der Zivildienſtberechtigten
12000) Verein Darmſtadt.
Krieger=Verein
Darmſtadt
Am Samstag verſchied unſer
lieber Kamerad und langjähriges
Mitglied
Herr
Zoblas verres.
Die Einäſcherung findet
Diens=
tag, den 24. Juli, um 12 Uhr, auf
dem Waldfriedhof ſtatt.
Wir bitten um zahlreiche
Be=
teiligung.
Der Vorſtand.
11968)
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe
aufrich=
tiger Teilnahme bei dem uns ſo
ſchwer betroffenen Verluſte unſerer
lieben, unvergeßlichen Mutter
Frau
Margarethe Bonderſchmidt
Witwe
ſagen wir Allen herzlichen Dank.
Familie Ludwig Friedrich
Friedrich Vonderſchmidt.
Reinheim, den 21. Juli 1928. (11991
Am Freitag verſtarb unerwartet unſer
Vor=
ſtandsmitglied
Herr
Auguft Motte
Sattlermeiſter.
In ihm verlieren wir einen verdienſtvollen
Kollegen und werden ihm ſtets ein ehrendes
An=
denken bewahren.
Die Mitglieder werden gebeten, ſich zu der am
Mittwoch, den 25. Juli, vormittags um 10½ Uhr
ſtattfindenden Einäſcherung zahlreich zu beteiligen.
Darmſtadt, den 24. Juli 1928.
Der Vorſtand
der Sattler=Zwangs=Innung
Kreis Darmſtadt.
19095)
Statt besonderer. Anzeige.
Heute entschlief sanft nach längerem Leiden im
79. Lebensjahr unsere liebe Mutter und Großmutter
Frau
Rosa Schlippe
geb. Bernard.
Darmstadt Alicestr. 11, Mainz, Freiburg i. Br.,
den 23. Juli 1928.
In tiefer Trauer:
Dr. Paul Schlippe und Frau Emma, geborene
von Wedekind
Hugo Schlippe und Frau Franzika, geborene
Kaminski
Auguste Schlippe
Dr. Konrad Schlippe und Frau Gertrud, geb.
Brückner
Dipl.-Ing. Rudolf Schreiner und Frau Barbara,
geb. Schlippe
Dr. Josef Schlippe und Frau Marie, geb. Schimon
und Io Enkelkinder. (*19139
Die Beerdigung findet in der Stille statt.
Am 23. Juli verſchied nach langem, ſchwerem
Leiden meine liebe Mutter, unſere Großmutter,
Schwiegermutter, Schweſter, Schwägerin und
Tante
Frau
eou Sauel Te.
geb. Fleiſchſtein
im 72. Lebensjahre.
Zm Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Jakob Bäcker,
Gaſiwirtſchaft und Metzgerei
Anna Stuckert, Enkelkind.
Lengfeld i. O., den 23. Juli 1928.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 25. Juli 1928,
nachmittags 2 Uhr, ſtatt. 12011
Nachruf.
Am 20. Juli ſiarb nach langem Leiden
unſer Mitglied, Kollege
Beiet Manel
im 65. Lebensjahre.
Er war ſiets bereit, im Intereſſe unſerer
Innung und unſeres Berufes mit uns
zu=
ſammenzuarbeiten.
Wir werden ihm ein ehrendes Andenken
bewahren.
Bäcker=Innung Darmſtadt.
Der Vorſiand.
Fr. Sproß, Obermeiſter.
Darmſtadt, den 22. Juli 1928. (11993
um die Stunde ſeines 3. Geburtstages nach
ſchweren Leiden zu ſich zu nehmen.
Im Namen der tieftrauernd. Hinterbliebenen:
Wilhelm Küßner und Frau Eliſabeth.
Neuſtadt, den 23. Juli 1928.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. Juli,
nachmittags 2 Uhr ſtatt. (19158
Nachruf.
Am 20. d8. Mis. verſchied nach längerem „ſchweren
Leiden unſer langjähriger, treuer Mitarbeiter
Herr
Bing Kappert.
Derſelbe ſiand ſeit 1907 in unſeren Dienſten und
wir verlieren an dem allzufrüh Dahingeſchiedenen einen
pflichttreuen Beamten, der ſich ſiets für die Intereſſen
der Firma eingeſetzt hat und ſich allgemeiner
Wert=
ſchätzung erfreute.
Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Direktion und Beamte
der Dampfkeſſelfabrik vorm. Arthur Rodberg
Aktiengeſellſchaft.
Darmſtadt, den 23. Juli 1928.
(11995
Nummer 204
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Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme und
Blumenſpenden bei dem Hinſcheiden unſeres lieben
Entſchlafenen, ſagen wir allen tiefgefühlten Dank.
Beſonders danken wir Herrn Pfarrer Goethe für
die troſtreichen Worte am Grabe, ſowie den Herrn
Aerzten und Schweſtern im Stadtkrankenhaus für
die liebevolle Pflege. Ferner danken wir der Firma
Gg. Schneider, Kohlenhand ung G. m. b. H., ſowie
den Angeſtellten und Arbeitern der Firma und dem
kaufmänni chen Verein Darmſtadt=Frankfurt für de
warmen Worte der Nachrufe und für die
Kranz=
niederlegungen.
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Heimlich und leise
sum-
mend besuchen Dich in
der Nacht die tückischen
Mücken und Schnaken.
Dubistihre Beute. Durch
einen Stich impft das
Insekt die Bakterien
ge-
fährlicher Krankheiten
ein.
Vertilge daber die
Mücken und Schnaken
mit Flft.
m wenigen Minuten
tStet Flit mit absoluter
Sicherheit alle
wider-
lichen und gefährlichen
Insekten, wie Fliegen,
Mücken, Wanzen, Flöhe,
Schaben.
Ellt töter nicht allein
dieses Ungeziefer, son-
dern zerstört auch dessen
Eier, weil es in die Ritzen
und unzugänglichen
Ver=
stecke dringt, in denen
sich das Ungeziefer
ver=
borgen hält.
Fllt tötet Motten und
ihre Larven, ohne die
Stoffe anzugreifen oder
einen üblen Geruch zu
verbreiten.
Flit ist unschädlich für
den Menschen und wegen
seiner 100%igen
Wirk-
samkeit sparsam im
Gebrauch. Anwendung
mittels des Flit-
Zer-
stäubers. Erhältlich
In allen
einschlä-
gigen Geschäften.
Die gelbe
Flit-Packung
R
mit dem schwarzen Band
vERNTCHrrr. Fliegen, Mücken, Schnaken,
Motten, Schaben, Bettwanzen, Flöhe,Ameisen
Deutsch-Hmerikanische Petroleum-Gesellschaft
Abteilung Spezialprodukte / Hambug 36
Nummer 204
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 24. Juli.
Seite 5
Dienstag, den 24. Juli 1928
BerientBploviene in Surmſtavl.
— Landſchaftsmaler Georg Altheim geſtorben. Georg Altheim,
er heſſiſche Landſchaftsmaler, deſſen Gemälde in allen heſſiſchen
Aus=
ellungen der letzten Jahrzehnte anzutreffen waren, iſt nach einem
hrveren Leiden geſtorben. Altheim bevorzugte in ſeiner Kunſt
Nwtive aus der näheren Umgebung Darmſtadts; bekannt ſind ſeine
der aus dem Ried, von den Ziegelhütten, Kranichſtein, Arheilger
Nrihlchen; aus der letzten Zeit: Blick von der Marienhöhe in die
7yeinebene, auf die Bergſtraße. Seine Bilder, die ſtets von Privaten
eene gekauft wurden, zeichnen ſich durch ſolide Technik aus. Er
bevor=
uste ſonnenüberglänzte Landſchaften, die in einem eigenen lichten
lorit wiedergegeben ſind. Von Beruf war Altheim Finanzbeamter,
un d zwar Oberrechnungsrat bei der Hauptſtaatskaſſe in Darmſtadt.
Bp. Die Einweihung des Liebighauſes im Film. Die
Einweihungs=
egrlichkeiten des Liebigkauſes und des Liebigmuſeums in Darmſtadt
uarden von der Emelkawoche im Film aufgenommen. Die Aufnahmen
annden im Dienſt Nr. 30 der Emelkawoche Aufnahme.
— Sommerſpielzeit im Kleinen Haus des Hefſiſchen Landestheaters
2armſtadt, Leitung: Direktor Adalbert Steffter. Heute Dienstag und
islich abends 8 Uhr wird die mit außerordentlich großem Beifall
auf=
zmiommene Operette „Adrienne” von Walter W. Goetze wiederholt. —
A—s nächſtes Stück gelangt der größte Schlager der Spielzeit, „Die
ldene Meiſterin”, Operette von Edmund Eysler, zur Aufführung.
Die goldene Meiſterin” wurde in Wien bereits über 200 Mal gegeben
urd ſchreiben die Wiener Zeitungen u. a: Vor 25 Jahren hatte Eysler
nt dem „Bruder Straubinger” einen ungeahnten Erfolg. Er iſt ihm
ach bei ſeinem neueſten Werk, bei der „Goldenen Meiſterin” treu
ge=
häeben. „So tanzt man nur in Wien” oder „So an Wein”. „Du liebe
g ld’ne Meiſterin”, das ſind Melodien, die haften bleiben, und wenn
ger der Geſellenmarſch auf Schrammelmuſikart angeſtimmt wird, dann
frmmt man ſchon in die richtige Stimmung, und die Sehnſucht faßt
e nem nach all den Köſtlichkeiten, die da in Wien erdacht und in
frühe=
rrn Jahren ihre: Siegeszug hielten über alle Bühnen des In= und
Auuslandes. Das Libretto iſt äußerſt geſchickt auf die Operette
zuge=
ſoonitten und bleibt bis zum dritten Akt (der 3. Akt iſt ein köſtliches
Krapitel für ſich) ungemein unterhaltend. Die ganze Operette iſt am
biſten mit zwei Worten charakteriſiert: ſie iſt lieb und herzig.
— Aus der Schloßgemeinde. Der diesjährige Sommerſpaziergang,
veranſtaltet von dem Vorſtand der Männervereinigung und des
Frauenvereins, am letzten Sonntag fand trotz tropiſcher Hitze eine
zahl=
rfiche Beteiligung von Männern und Frauen der Schloßgemeinde. Als
Sammelplatz waren die Hirſchköpfe beſtimmt, woſelbſt Heer Warnecke
a28 alteingeſeſſener Darmſtädter an Stelle des verhinderten Herrn
(— Kleber die Führung übernahm. Auf ſchönen Waldwegen geleitete
e die Teilnehmer an der Eiche vorbei, die in ſinniger Weiſe dem
An=
dunken Sr. Exzellenz Herrn Hofjägermeiſter Freiherrn van der Hoop
von Freunden und Gönnern geweiht wurde. Auch für unſere
Schloß=
g: meinde wird deſſen edle Perſönlichkeit als treues Mitglied der
Män=
nervereinigung und früheren Führers bei den Sommerausflügen
un=
vergeſſen bleiben. Am Endziel Kranichſtein angelangt, ſuchte man ſich
eme ſchattige Unterkunft im neuerrichteten, durch Bilderſchmuck an
giücklichere Zeiten erinnernden Saal, woſelbſt bei allerlei Erfriſchungen
ſrh recht bald eine gute Stimmung und lebhafte Unterhaltung
ent=
mickelte. Eine beſondere Anregung bot eine feſſelnde Anſprache des
cerrn Pfarrer Zimmermann, der von ſeinen Erlebniſſen in der
Schloßgemeinde berichtete, in welcher er vor 15 Jahren gerade um dieſe
Zeit ſeinen Dienſt angetreten. Neben manchen ernſten Erinnerungen
aus der für viele ſo kritiſchen Zeit kurz vor, während und nach dem
fhrecklichſten aller Kriege und ſeinen unheilvollen Folgen für die
allge=
n einen Verhältniſſe der Völker und Staaten, wurde auch manchen
er=
fz eulichen Erlebniſſes in humorvoller Weiſe gedacht und der
Lebens=
mrut und die Tatkraft der geſpannt Zuhörenden günſtig beeinflußt. Mit
besſonders ſchönen Worten wurde die eifrige Wirkſamkeit des
Frauen=
rereins unter Beihilfe ſeiner unermüdlichen Gemeindeſchweſtern
her=
vorgehoben. Die Ermahnung, auch fernerhin treu zur Schloßgemeinde
zur halten, ſich durch den Zeitgeiſt nicht irre machen zu laſſen und der
griſtlichen Weltanſcheuung immer mehr zum Sieg zu verhelfen, wurde
U=bhafter Beifall zuteil. Allmählich rüſtete man zum Aufbruch, und
mach fröhlicher Heimkehr trennte man ſich mit dem Wunſche, ſolche ge=
Sch.
mußreiche Stunden öfter zu erleben.
— Zur Sitzung der Stadtverordnetenverſammlung am
Donners=
tma g, 26. Juli, um 17 Uhr, im Rathaus liegt folgende
Tagesord=
mung vor: 1. Krediterweiterung bei Rubrik 40, Wohlfahrtspflege, für
1827. (Berichterſtatter: Stadtv. Metzler.) 2. Straßenbenennung (Stadtv.
Mauer). 3. Errichtung weiterer Anſchlagſäulen (Stadtv. Dr. Berndt).
Fußſteigherſtellung und Randſteinverſetzung in der Mornewegſtraße
Süidſeite) zwiſchen Feldberg= und Otto=Wolfskehlſtraße (Stadtv. Joſ.
ſoütſch). 5. Nachbewilligung eines Kredits für die Stadtgärtnerei
(Stadtv. Hübner). 6. Aenderung der Fluchtlinien des Städtiſchen
Bau=
locks auf der Weſtſeite des Oſtbahnhofs (Stadtv. Hummel). 7.
Aende=
wrng der Fluchtlinien am ehemaligen Beſſunger Rathaus (
Bürger=
meiſter Buxbaum). 8. Pflaſterung des alten Schlachthausplatzes (Stadtv.
ſoübner). 9. Verpachtung des Geländes des ehemaligen
Munitions=
magazins an der Eſchollbrücker Straße (Stadtv. Dr. Berndt). 10.
För=
derung des Wohnungsbaues 1928 durch Uebernahme von Bürgſchaften
hüir Zwiſchenkredite (Bürgermeiſter Buxbaum). 11. Abänderung der
rundſätze für die Bewilligung von Ruhegehalt an ſtädtiſche
Bedien=
brete. 12. Garantieleiſtung aus Anlaß der Jubiläumsveranſtaltungen
wes Sportvereins 1898 Darmſtadt im Auguſt d. Js. (Stadtv.
Goſen=
neimer). 13. Mitteilungen.
— Orpheum. Sam Wooding, der geniale Neger=Kapellmeiſter,
s eibt mit ſeiner ſchwarzen Künſtlerſchar nur noch heute und
nnorgen in Darmſtadt. — Die Eintrittspreiſe ſind für die beiben
etzten Vorſtellungen ermäßigt. (Siehe Anzeige.)
Mangelnde Straßen=Oiſziplin. — Rätſelhafte Richtungszeichen. — Grotesken im
Straßen=
verkehr. — Sünden und Nachläſſigkeiten. — Wie kann dem Unfug geſieuert werden?
* Wenn der Verkehr in Darmſtadt auch noch lange nicht an den einer
Millionenſtadt heranreicht, ſo hat er ſich in den letzten Jahren doch
bedeutend gehoben. Das Straßenbild beginnt erfreulicherweiſe etwas
großzügigen, großſtädtiſchen Anſtrich anzunehmen. In Erkenntnis
dieſer nicht abzuleugnenden Tatſache hat man an verſchiedenen
verkehrs=
reichen Plätzen und Straßenkreuzungen „Verkehrsregler” poſtiert und
freut ſich nun, daß in Darmſtadt trotz des ſtarken Verkehrs „unberufen”
ſo wenig ernſtliche Unfälle zu verzeichnen ſind. Man vergißt dabei
aber ganz, daß das gütige Geſchick meiſt Kindern und trä umenden
Er=
wachſenen hilft, daß aber ohne dieſe Vorſehung unſere Rettungswachen
ihre Hilfsmannſchaften ruhig verdoppeln könnten, denn die
Straßen=
diſziplin in Darmſtadt läßt alles zu wünſchen übrig.
Ein Paſſant, der mal offenen Auges durch unſere belebten Straßen
geht, muß geradezu für das Leben ſeiner Mitmenſchen zittern. Da
ſchlendern in ſorgloſer Ruhe Männlein und Weiblein über die
Fahr=
bahn, unterhalten ſich ausgerechnet — manchmal in ganzen Gruppen —
vor, anſtatt auf dem Bürgerſteig (auch Unterhaltungen auf dem
Bürger=
ſteig werder meiſt genau in der Mitte gepflogen, damit die übrige
Mitwelt ſich rechts und links vorbeidrücken lernt, ohne anzuecken).
Fahrer jeder Art müſſen alle Augenblicke gewärtig ſein, daß es einem
Fußgänger plötzlich einfällt, die Straßenſeite zu wechſeln und dabei
direkt in das Fahrzeug hineinzulaufen. Radler und natürlich auch
Radlerinnen fahren in beliebig weitem oder kurzem Bogen vor der
Elektriſchen und Autos her, wobei ſie ſich ſchnell noch einmal umwenden,
um den verzweifelt bremſenden Motorführer anzuſehen, dem der
Ver=
kehrspoſten unbekümmert um des Weges kommende Fußgänger oder
Radfahrer freie Fahrt gegeben kat, ſo nicht zufällig ein anderer
Kraft=
wagen die Fahrtrichtung des erſteren ſchneidet. Die Automobiliſten
aber haben namentlich an Punkten, die durch Verkehrspoſten geſichert
ſind, auf tauſend Dinge zu achten, und zwar nicht nur auf die oft mehr
als rätſelhaften Fahrtrichtungszeichen, die ihnen gegeben werden,
ſon=
dern auch auf die übrigen weniger ſchnell ſich fortbewegenden
Mit=
menſchen, die für die Verkehrspoſten in den meiſten Fällen „Luft” zu
ſein ſcheinen. Im übrigen herrſcht für Kraftfahrer im Weichbild
Darm=
ſtadts größtmöglichſte Freiheit. Da ſauſen — beſonders nachts — die
Wagen in unglaublicher Geſchwindigkeit über die Straßen, Motorräder
fahren mit offenem Auspuff, Straßenkreuzungen werden mit
beneidens=
werter Virtuoſität ausgerechret in den falſchen Ecken geſchnitten, kurz,
die ſchwierigſten Verkehrsexperimente werden in Darmſtadts Straßen
ausgeführt. Bei nur einigermaßen aufmerkſamer Beobachtung gibt es
in unſerem Straßenverkehr derart viele Grotesken, daß ein
humoriſti=
ſcher Skizzenzeichner ganze Mappen füllen könnte. Unangenehm
wer=
den dieſe Grotesken nur dann, wenn es ernſt wird! Geht es aber
glatt, dann freut man ſich über die Ruhe der Darmſtädter Bürger. —
Kamen da kürzlich auf dem Luiſenplatz drei Autos aus verſchiedenen
Richtungen. Dank der „diplomatiſchen” Fahrtrichtungszeichen und der
tadellos funktionierenden Vierradbremſen ſtanden nach wenigen
Sekun=
den drei Kühler dicht voreinander knapp vor dem verdutzten
Verkehrs=
poſten. Einer der Kraftfalrer ſprang aus ſeinem Wagen, gab dem
tüchtigen Poſten den wohlgemeinten Rat, ſich als Portier in einem
wenig beſuchten Etabliſſement anſtellen zu laſſen, und regelte nun
ſei=
nerſeits den Verkehr für die drei Kraftwagen. Daß Elektriſche und
Autos mit knapper Not einem Zuſammenſtoß entgehen, kann man
bei=
nahe täglich beobachten. Solche und ähnliche Dinge paſſieren ja in
Darmſtadt des öfteren. Mit beſonderer Vorliebe fahren z. B.
Laſt=
wagen mitten oder links auf der Fahrbahn, ſtatt ſich vorſchriftsmäßig
ſcharf rechts zu halten. Die Aufzählung der Sünden und Nachläſſigkeiten
im Verkehr könnte man beliebig fortſetzen. Heute überquert man den
Kurfürſtendamm in Berlin bei mehr als halbhundertfach größerem
Verkehr ſicherer, als eine der Hauptſtraßen Darmſtadts.
Wozu führt nun dieſe
Nachläfſigkeit aller im Verkehr?
Dazu, daß jeder Fußgänger, Radfahrer, Autoler, ja ſogar jeder Führer
der elektriſchen Straßenbahn ſeinen Verkehr ſelbſt regelt. Unarten,
die das eigene Leben der betreffenden Perſonen gefährden, bürgern ſich
ein, ſo zum Beiſpiel die Benutzung der Fahrbahn durch Fußgänger bei
Tag und Nacht (hierauf iſt u. a. der letzte Unfall auf der Chauſſee
nach Griesheim zurückzuführen, wo vier junge Leute nachts mitten auf
der Straße gingen). Veiter ſtehen meiſt junge Burſchen neben dem
Bürgerſteig und rühren ſich nicht von der Stelle, wenn ein Radfahrer
des Wegs kommt. Der Radfahrer wird durch derart rückſichtsloſe
Paſſanten vor das Problem geſtellt, entweder die Leute umzufahren
oder ſich unter Lebensgefahr an einer Elektriſchen oder einem Auto
vorbeizuſchlängeln. Ferner fahren Motorräder auf Waldfuß vegen, wie
das kürzlich auf dem Fußweg nach Einſiedel der Fall war, Kriftwagen
fahren rückſichtslos und haarſcharf an Paſſanten vorbei (z. B. auf der
Straße nach Eberſtadt, namentlich auf der Strecke, auf der eine
Höchſt=
ſtundengeſchwindigkeit von 40 Kilometer vorgeſchrieben iſt), blenden bei
Nacht ihre Lichter nicht ab, obwohl bekanntlich auch die Radfahrer durch
die ſtarken Lichkegel geblendet werden, uſw. Ueber weitere Unarten
der Radfahrer Fußgängern gegenüber und umgekehrt — beide Teile
glauben meiſt, jeder für ſich den Weg gepachtet zu haben und
gegen=
ſeitig nicht ausweichen zu müſſen — laufen wiederholt berechtigte
Be=
ſchwerden ein. Die Menſchen machen ſich gegenſeitig das Leben ſchwer,
obwohl mit einiger Ordnung viel Unzuträglichkeiten, viel Ungluck und
Trauer vermieden werden könnte.
Wie kann dem Unfug leicht geſteuert werben?
Ganz einfach dadurch, daß durch die dazu berufenen Organe, die
natürlich alle ihre Verkehrsvorſchriften ſelbſt genau beherrſchen
müſſen, mehr auf Ordnung geachtet wird. Die Verkehrsooſten, die
tatſächlich mit größter Genauigkeit und mit Ernſt den Verkehr regeln,
und deren gibt es ſehr viele in Darmſtadt, können allein keine Ordnung
ſchaffen, ſolange andere ihrer Kollegen die gröbſten Verſtöße gegen die
Verkehrsdiſziplin ohne weiteres durchgehen laſſen, wenn wieder andere
unklare Zeichen geben oder gar ſelbſt durch Verſperren der Fahrbahn
den Durchgangsverkehr aufhalten, wie dies namentlich bei engen
Straßen häufig vorkommt. Sie ſind aber auch machtlos, wenn das
Publikum ſelbſt aus Nachläſſigkeit oder gar Böswilligkeit ſich und
an=
dere durch Verſtöße gegen die einfachſten Verkehrsordnungen in größte
Gefahr bringt. Es wäre durchaus zu begrüßen, wenn man auch in
Darmſtadt, wie das in anderen Großſtädten der Fall iſt, eine
ein=
heitliche Verkehrsregelung durchführte, wenn man auch
das Vorhandenſein anderer Menſchen, die ſich nicht durch Autohupen
und dergleichen bemerkbar machen können, berückſichtigt, wenn man
alſo den ganzen Verkehr auf den Straßen zu regeln verſucht, nicht
nur den Autoverkehr. Es wäre ſehr empfehlenswert, wenn
Polizei=
patrouillen ausgeſandt würden, die auf all dieſe Mißſtände beſonders
achten. Dabei braucht es nicht immer gleich Strafmandate zu regnen,
eine ſyſtematiſche Erziehung und Belehrung wirkt oft mehr, als allzu
ſcharfes Vorgehen. Aber immerhin muß auch in Darmſtadt baldigſt
mit einer geordneten Verkehrsregelung begonnen werden, ehe ein
*
größeres Unglück dazu zwingt.
* Heſſiſches Dragoner=Denkmal. Geſtern, 9.15 Uhr abends, wurde
die Feuerſchale des Denkmals der beiden ehemal. Großh. Heſſiſchen
Dragoner=Regimenter Nr. 23 und 24 zum ehrenden Andenken an den
Gefechtstag von Gielbany und die tapferen Dragoner, die dort auf
ruſſiſchem Boden ihr Leben für uns hingaben, entzündet. Manchem
alten Mitkämpfer iſt dieſer Ruhmestag der beiden Regimenter in
lebendiger Erinnerung. — Ein Mitkämpfer ſchreibt uns dazu: „Die
25. Kavallerie=Brigade greift am 24. Juli 1915 mit nur 250 Garde=
und Leibdragonern ein ruſſiſches Infanterie=Regiment in ſtarker
Stel=
lung bei Gielbany an, ſiegt, wirft die Gegner weit zurück, 700
Gefan=
gene, zwei Maſchinengewehre und unzählige Waffen= und
Ausrüſtungs=
ſtücke ſind die Beute. Der Feind hat ungeheure Verluſte an Toten und
Verwundeten. Wie zu Pferde ſo auch zu Fuß hat der Dragoner
ge=
lernt, daß nur energiſche Verfolgung bis zum letzten Ateuzug
wirk=
lichen Erfolg bringt, und in dieſem Geiſt ſtürmen ſie immer weiter,
bis in dem dichten Walddickicht ein Vordringen unmöglich wird. —
Unſere eigenen Verluſte ſind beim erſten Anſturm gering, doch ſpäter,
bei der Verfolgung im Walde, wird der Erfolg mit ſchweren Opfern
bezahlt. Rittmeiſter v. Enckevoort, der heldenmitige Führer der dritten
Eskadron, Lt. Willy v. Bermuth und Lt. Ritter und Edler v. Scheibler
vom Garde=Regiment fallen, mit ihnen ſieben tapfere Garde= und Leib=
Dragoner. Viele werden verwundet. Wie durch ein Wunder bleibt der
mit unzähligen Baionettſtichen und Kolbenſchlägen verwundete
Ritt=
meiſter Wegener am Leben. Hier haben heſſiſche Dragoner der
Ge=
ſchichte ihrer Regimenter ein Ruhmesblatt hinzugefügt, das nie im
Wandel der Zeiten verblaſſen kann.
Bei Stuhlverſtepfun
NUR
APOTHEKER
RiCH- BRANDTS ALlAlBErzEEBAEE
Lokale Veranſtaltungen.
Dſe hierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu befrachten.
im keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritit.
—Wiener Kronenbräu=Keller. Heute abend 8 Uhr
kon=
zertiert das Stadtorcheſter unter Leitung ſeines Kapellmeiſters W.
Schlupp im Wiener Kronenbräu=Keller nach einem aus den Wünſchen
des Publikums zuſammengeſtellten Programm, und verſpricht das
Kon=
zert ſehr unterhaltend zu werden.
—Herrngarten=Café. Heute abend 8 Uhr findet wieder
ein Künſtler=Konzert ſtatt.
— Orangeriegarten. Morgen Mittwoch, den 25. Juli,
findet im Orangeriegarten ein Künſtlerkonzert bei freiem Eintritt ſtatt.
Das Enſemble wird vom Stadt=Orcheſter geſtellt, und ein reichhaltiges
Programm ſorgt für beſte Unterhaltung. (Siehe morgiges Inſerat.)
— Bund Königin Luiſe. Mittwoch, den 25. Juli, abends
8 Uhr, findt Gedächtnisfeier, verbunden mit Verpflichtung, bei Sitte
ſtatt. Es iſt Pflicht, daß die Kameradinnen vollzählig erſcheiten. Gäſte
ſind herzlich willkommen.
Tageskalender für Dienstag, den 24. Juli 1928.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus: Geſchloſſen. — Kleines
Haus, abends 20 Uhr Sommerſpielzeit: „Adrienne‟. — Orpheum,
abends 2.30 Uhr: „Die ſchwarze Revue‟ — Konzerte:
Schloß=
kaffee, Kaffee Rheingold, Hotel Schmitz, Weinhaus Maxim. —
Wie=
ner Kronenbräukeller, abends 20 Uhr: Konzent. —
Herrngartenkaffee, abends 20 Uhr: Künſtler=Konzert. —
Bürgerhof, Eliſabethenſtraße 2, abends 20.15 Uhr, Nat.=
Soz=
deutſche Arbeiter=Partei: Claus Selzner, Worms, ſpricht über Die
Politik der neuen Reichsregierung und das arbeitende Volr” —
Kinovorſtellungen: „Helia, Palaſt=Lichtſpiele, Reſidenz=
Dheater.
SIBOTTA
DER SALEM-RAUCHER,A
erzählt weiter:
Wir armen Schiffbrüchigen wanderten in der Dunkelheit verzweifelt auf der
Inselum-
her, als plötzlich ein gewaltiger scheußlicher Riese zähnefletschend vor uns auftauchte.
Es gab kein Entrinnen. Wie Kinderspielzeug griff er uns mit seinen Klauen und schleppte
uns in seine Höhle. Vor unseren entsetzten Augen nahm er unseren wohlbeleibten
Kapitan, briet ihn am Feuer und fraß ihn mit Haut und Haar. Dann legte er sich
schnarchend zur Ruhe. Von nun an fraß er täglich einen meiner Genossen, und mit
bebender Angst sahen wir unser aller Ende nahen, bis mir plötzlich ein rettender
Ge-
danke kam.
Aberbevor ich weitererzähle, laßt uns die Erinnerung an die schrecklichen Zeiten mit
dem wundervollen Geschenk Allahs in dem duftenden Rauch meiner geliebten Cigarette
wohltätig verschleiern. Allah lenkte alles zum Guten, und heute genießen wir in Ruhe
und Frieden die Früchte meiner Arbeit, die herrliche süß-milde
(Fortsetzung folg:)
CIGARETTE
SlELATA
AUSLESE
Heute in Deutschland in allen Spezialgeschäften erhältlich
(I.Bln. 8893
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Dienstag, den 24. Zuſi 1928
Nummer 204
Teilzahlung gestattet
Ausgestellt und zu
haben bei:
Ludwig Kling
Luisen.Straße 2
Teilzahlung gestattet
Sonderausſchuß für Tabakbau der deutſchen
Landwirtſchaftsgeſellſchaft.
Bp. Der Sonderausſchuß für Tabakbau der deutſchen
Landwirt=
ſchaftsgeſellſchaft tagte in dieſem Jahre unter dem Vorſitz des Herrn
von Colmar aus Zützen in Darmſtadt. Der Ausſchuß tagt jeweils
in einem anderen deutſchen Tabakgebiet, um die Tabakverhältniſſe
kennen zu lernen. Dabei werden den Tabakbau intereſſierende Fragen
beſprochen. In den Räumen der Landwirtſchaftskammer bearüßte am
Donnerstag der ſtellvertretende Vorſitzende der Landwirtſchaftskammer,
Hahn=Heßloch, die aus allen Teilen Deutſchlands erſchienenen
Teil=
nehmer des Sonderausſchuſſes. Der Ausſchuß beriet zunächſt über eine
amerikaniſche Röhrentrocknung für Tabak. Hierüber referierte
Oekony=
mierat Hoffmann=Speher. Mit Hilfe dieſes Trockenapparates iſt
es möglich, den Tabak vom Felde ab zu trocknen, ſo daß das
langwie=
rige Trocknen in der Scheune entbehrlich iſt. Der Tabak kann hierdurch
mindeſtens ein Vierteljahr früher zum Verkauf kommen. Außerdem
läßt ſich mit Hilfe dieſer Anlage die Trocknung etwas billiger
durch=
führen als mit der gewöhnlichen Trocknung in der Tabakſcheune. Auch
die Qualität wird beſſer. Vorausſichtlich werden aus dem
Reichsnot=
programm zur Förderung des Tabakbaues im Laufe dieſes Jahres in
Heſſen noch einige dieſer Anlagen errichtet werden.
Regierungsrat Dr. Ströbele=Ludwigshafen referierte ſodann
über 12jährige Tabakdüngungsverſuche. Redner zog einen Vergleich
zwiſchen Verſuchen ohne Düngung, mit Stalldüngung und mit
verſchie=
denen Mineraldüngungen. Hierbei ergab ſich, daß der Stalldunger
ohne Nachteil durch Mineraldünger erſetzt werden kann, daß es ſich
aber allgemein empfiehlt, noch etwa ein Drittel Stalldünger zu geben
und die reſtlichen zwei Drittel durch Mineraldündung zu erſetzen.
Wei=
ter ergab ſich, daß die Qualität bei Erſatz des Stickſtoffes durch
Harn=
ſtoff im allgemeinen verbeſſert werden konnte. Am beſten haben ſich
bewährt von den Stickſtoffdüngungen Harnſtoff und ſchwefelfaurer
Am=
moniak, wobei letzterer einen etwas beſſeren Ertrag, Harnſtoff jedoch
etwas beſſere Qualität liefert. Weitere Verſuche ſollen die Wirkſamkeit
des Entgipfelns des Tabaks feſtſtellen. Dieſe Verſuche ergaben, daß
das Entgipfeln dringend zu empfehlen iſt, daß bei den nicht
entgipfel=
ten Pflanzen der Ertrag etwas geringer ausfiel, daß aber die Qualität
beſſer wurde.
Das dritte Referat erſtattete Profeſſor Popp=Oldenburg über die
berſchiedenen Verfahren, die dazu dienen, das Nikotin ganz oder
teil=
weiſe aus dem Tabak zu entfernen. Es iſt möglich, nikotinſchwache
Tabake herzuſtellen. Außerdem wurde über die Prüfungsergebniſſe der
im Jahre 1927 von der Deutſchen landwirtſchaftlichen Geſellſchaft
ver=
anlaßten Tabakbauverſuche berichtet und beſchloſſen, dieſe Verſuche auch
weiterhin durchzuführen. — Im Anſchluß an die Referate des
Vor=
mittags nahm Oberlandwirtſchaftsrat Bauer Gelegenheit, die
Teil=
nehmer namens des Heſſiſchen Miniſteriums für Arbeit und
Wirt=
ſchaft, Landwirtſchaftsabteilung, zu begrüßen.
Miniſterialrat Heyl würdigte am Nachmittag die erfolgreichen
Arbeiten des Sonderausſchuſſes und wünſchte den Beſtrebungen
des=
ſelben weiterhin guten Erfolg. Am Freitag fand ſodann ein Ausflug
in das Tabakgebiet ſtatt, und zwar wurden beſichtigt die Gemarkungen
Groß=Hauſen, Viernheim und Hüttenfeld=Seehof. Neben der
Beſich=
tigung der Tabakfelder galt der Beſuch insbeſondere den von der
Land=
wirtſchaftlichen Verſuchsſtation Darmſtadt. Landwirtſchaftskammer
Darmſtadt und dem Landwirtſchaftsamt Heppenheim durchgeführten
Düngungs=, Sortenanbau= und Schädlingsbekämpfungs=Verſuchen. Die
Verſuche zeigten eine ſehr deutliche Wirkung der getroffenen
Maßnah=
men, insbeſondere die günſtige Wirkung der zweckmäßig angewandten
Mineraldünger. Die Srrtenanbauverſuche ließen erkennen, daß der in
der Gegend angebaute einheimiſche Tabak für die dortigen Verhältniſſe
recht geeignet iſt. Im Anſchluß an die Beſichtigung der Verſuchsfelder
in Hüttenfeld=Seehof wurden die Teilnehmer von Baron Max von
Heyl zu einem Imbiß in ſein Gutshaus eingeladen.
Bp. Steigerung des Fremdenverkehrs in Darmſtadt. Der
Frem=
benverkehr Darmſtadts bewegt ſich ſtets in aufſteigender Linie. So
wurden im März 1928 in Uebernachtungen 5976 (gegen 5261 im Jahre
1927) und im April 7158 (gegen 6118 im April 1927) feſtgeſtellt.
Aus Heſſen.
Rauchen in landwirtſchaftlichen Betrieben.
— Die Bevölkerung auf dem Lande wird namentlich im Hinblick
auf die anhaltend trockene Witterung erneut auf das polizeiliche
Ver=
bot des Rauchens in Räumen, in denen ſich Garben, Stroh, Futter und
andere leicht brennbare oder beſonders feuergefährliche Stoffe befinden,
ſowie das Verbot des Betretens ſolcher Räume mit unverwahrtem
Licht oder Feuerzeug nachdrücklich hingewieſen. Verfehlungen gegen
die beſtehenden Vorſchriften ziehen ſtrenge Beſtrafung nach ſich.
An. Arheilgen, 22. Juli. Gemeindratsbericht. Zur
Be=
ſchaffung von Avbeit für ausgeſteuerte, der öffentlichen Fürſorge
über=
wieſene Erwerbsloſe wurde beſchloſſen, den Weg öſtlich der Darmſtädter
Straße von Weinbergſtraße bis Hammelstrifft als Fußweg herrichten zu
laſſen. — Die Arbeiten zur Herſtellung von Ortsſtraßen ſollen öffentlich
ausgeſchrieben, und zwar Angebote getrennt, mit und ohne Teerbebag,
afordert werden. — Die Verſteigerung der Reinigung des Ruthſen= und
Silzbaches wurde genehmigt. — Gegen die Fernſprechanſchlüſſe für
Ge=
meindeapotheke und Schule war nichts zu erinnern. — Die Feier des
Verfaſſungstages ſoll in ähnlicher Weiſe wie im Vorjahre ſtattfinden. —
Der Antrag auf Beitritt zum Verein erblindeter Akademiker
Deutſchs=
lands fand Ablehnung, da man Mitglied des Reichsblindenverbandes iſt.
— Das Geſuch um Erlaß einer Polizeiverovdnung über den
Kraflwagen=
verkehr in der kleinen Felchesgaſſe wurde abgelehnt — Das Kreisamt
Groß=Gerau gibt bezüglich des Kraftwagen= und Fuhrwerwerkehrs eine
Polizeiverordnung b=kannt, nach der die hieſige Darmſtädterſtraße
zwi=
ſchen Mühl= und Dieburgerſtraße nur in der Richtung Frankfurt a. M.,
die Reitbahn zwiſchen Dieburger= und Etteſterſtraße nur in der
Rich=
tung Darmſtadt befahren werden dürfen. Die Vevordnung tritt mit dem
1. Auguſt d. J. in Kraft. — Die Abänderung der Ortsſatzung über die
Erhebung einer Kanalbenutzungsgebühr nebſt Tavif liegt auf die Dauer
einer Woche auf hieſiger Bürgermeiſterei offen. — Der Landwirt
Bern=
hard Schneider II wurde als Wieſenvorſtandsmitglied hieſiger Gemeinde
durch das Kreisamt vereidigt. — Die Deutſche Lebensrettungsgeſellſchaft,
Ortsgruppe Darmſtadt, beabſichtigt, unter Beteibigung der hieſigen
Turn=, Sport= und Sanitätsvereine einen Lebensrettungskurſus
abzu=
halten. Anmeldungen hierzu nehmen der Turnverein und Badevärter
Brücher entgegen.
O. Erzhauſen, 23. Juli. Die hieſigen Vereine, Korporationen und
Sportler haben beſchloſſen, dem Wunſch des Denkmalsausſchuſſes für die
Gefallenen im Weltkrieg zur Unterſtützung ſeiner Sammlung für ein
Denkmal nachzukommen. Am 29. Juli, von 13 Uhr ab, werden durch
die beiden Muſikkapellen die betreffenden Vereine uſw. an ihren
Lo=
kalen abgeholt und durch die Hquptſtraße in den Wald nach der
Klipp=
ſteinsruhe geleitet; dorr bieten die Vereine Underhaltungen aller Art.
Für Eſſen und Trinken wird auch reichlich geſorgt. Es werden daſelbſt
Karten zu 50 Pfg. ausgegeben mit dem Vermerk „Bguſtei zum
Ghren=
mal für die Gefallenem im Weltkrieg‟. Dieſe erſten Einnahmen ſollen
den Grundſtock für das zu errichtende Denkmal bilden. Mam hofft auf
gute Witterung, und daß zu dieſem edlem Zweck ſich die ganze
Einwoh=
nerſchaft an der Veranſtaltung beteiligen wird.
J. Griesheim, 2. Juli. Der hieſige evangeliſche Frauenverein
ver=
anſtalter am Sonmtag, 29. Juli, einen Blumentag. Durch den
Ver=
kauf von Blumen ſollen Mittel aufgebvacht werden gur Ausſtattung der
zurzeit in der Herſtellung begrifſenen evangeliſchen Kirche mit neuer
Kanzel und Altarbebleidung. Die Blumen ſollen nach Möglichkeit von
Haus zu Haus und auf der Straße angeboten werden. Dem
Frauen=
verein iſt zur Aufbringung von Mitteln zu genanntem Zweck keine
an=
dere Möglichkeit gegeben, da ſeine ſonſtigen Einnahmen zu Zwechen der
privaten Wohlfahrtspflege ud für die Kleinkinderſchule benötigt werden.
Der Poſaunenchor ud Mitglieder der Jugendvereinigungen werden
an dieſem Tage mitwirben. Auch Mitglieder von Nachbargemeinden
ſind eingeladem. — Die Ausgahlung der Unverſtützungem der
So=
zial= und Kleinventner für den Monat Fuli findet am Mittwoch, den
B. Juli, nachmittags von 3—6 Uhr bei der Gemeindekaſſe ſtatt.
Schwimmfeſt in Ober=Ramſiadt.
g. Das Schwimmbad Ober=Ramſtadt hatte am Samstag und
Somn=
tag ſeinen großen Tag. Die drei hieſigen Turnvereine hattem unter
eif=
riger Leitung ihrer Schwimmwarte Hegert, North, Speher und Weder
mit ihren Schwimmriegen ein Programm zuſammengeſtellt, das
ab=
wechſlungsreich und gelungen in jeder Weiſe war. Am Samstag abend
zogen die Schwimmer unter Vorantritt der Muſiikapelle Sauerwein und
der Trommlertruppe des Arbeiterſportvereins, in das mit unzähligen
Lampions, elektriſcher Beleuchtung uſw. farbenprächtig geſchmüickte
Schwvimmbad. Etwa 50 Schvimmerinnen und Schwimmer ſchyvammen
in Reihen zu ſechs auf, auf einem Floß, von ſechs Schwimmern gezogen.
ſproch Frl. Schanz einen Prolog, dann folgte eine Begrüßungsanſprache
durch den Vorſitzenden der Schwimmbadgeſellſchaft, Herrn
Oberpoſtſekve=
tär Völſing. Aus dem nun folgenden Programm ſei eine heitere
Pan=
tomime, ein Hindernisſchwimmen und ein Meiſterſprung von der
behelfs=
mäßigen Zehn=Meter=Leiter mit Feuerwerk, ausgeführt von dem Turner
Willi Oeſterreich, beſonders erwähnt. Bei dieſem Sprung, der form
gelungen ausgeführt wurde, hielten die über 1500 Zuſchauer den Atem
an. Für das Auge beſonders angenehm war der Jrrlich erreigen, bei
dem auf dem Kopf der 30 Schwimmer befeſtigten Lichter bei
verdunkel=
tem Schwimmbad einen prachtvollen Anblick gewährten. Aehnlich war
der als Abſchluß folgende Lampionreigen, den die Schvimmerinnen
vor=
führten Nach Mitternacht war das Programm fernig.
Am Sonntag nachmittag füllte ſich wiederum das Schwimmbad; die
drei Schwimmriegen führten nochmals ihr ganzes Können vor. Eine
Abwechſlung für die jungen Sckwimmer, war das Laufen auf einem
15 Meter langen Balken, auf deſſen ſchwankenden Ende die Geſchickten
kleine Preiſe erwarteten, während andere ins Waſſer fielen. In
aller=
größte Spannung kamen die Zuſchauer beim Austragen des Wanden
preiſes in einer 4 mal 50=Meter=Stafette, den die Schwimmbadgeſellſchaft
den Vereinen geſtiftet hatte. Nach hartem Kampf gewann der
Turn=
verein den Preis, der ihn im nächſten Jahre zu verteidigen hat. Eine
Eierſtafette, Springen von den vier Sprungbrettern mit beſten
Leiſtun=
gen der Großen uſw., brachten den Abſchluß der beiden Tage. Alles in
allem, die drei Turnvereine zeigten, daß ſie in ihren Reihen tüchtige
Kräfte in dem erſt ein Jahr eröffneten Schwimmbad herangebildet
haben, auf die alle ſtolz ſein können.
F. Eberſtabt, 23. Juli. Heinrich Müllers Beiſetzung.
Eine ſehr große Trauergemeinde hatte ſich am Sonntag nachmittag
ein=
gefunden, um dem verſterbenen Papierwarenfabrikanten und
Kriegs=
veteranen Heinrich Müller II. die letzte Ehre zu erweiſen. Ernſt
waren die Mienen aller, die Gedanken weilten bei dem hochgeſchätzten
und hochverehrten Manne, der in immer ſelbſtloſer, unermüdlicher
Pflichterfüllung allen im Leben ein Vorbild war und nun auf dem
Fabrikhofe unter grünem Pflanzenſchnuck, friſchen Blumen und
Krän=
zen in großer Zahl till aufgebahrt lag. Die nächſten Verwandten und
Freunde, ſowie die Arbeiterſchaft und Angeſtellten des Betriebes
wohn=
ten der feierlichen Einſegnung bei, die von Pfr. Paul vorgenommen
wurde. Um 3 Uhr ſetzte ſich der Leichenzug in Bewegung, unter
Vor=
antritt des Vereins „Soldatenkameradſchaft” der dem Ehrenmitglied
und Veteranen von 1870/71 mit Muſik das letzte Geleit gab. Am Grab
entwarf der Geiſtliche ein getreues Lebensbild von dem
Dahingeſchie=
denen, deſſen Leben er als reich geſegnet bezeichnete. Einmal durch
ſein hohes Alter, das er erreichte — Müller hätte heute ſeinen 80.
Ge=
burtstag feiern können —, ſodann durch die allgemeine Wertſchätzung,
deren er ſich ſtets und überall erfreuen durfte, und das Glück der
Ge=
ſundheit, die ihm bis an den Rand ſeines Lebens erhalten geblieben
war. Ergreifende Worte fand der Geiſtliche über die vortrefflichen
Eigenſchaften des Verſtorbenen, vor allem ſeine Herzensgüte, die tief
in Familie und Umwelt hineinſtrahlte und immer den edlen Menſchen
und treuen Freund verriet. Seiner Arbeiterſchaft gegenüber war er
nicht nur Chef und Unternehmer, er war ihr auch der väterliche Freund
und Berater. So hat er ſich ſelbſt ein unvergängliches Denkmal geſetzt
in den Herzen aller derer, die ihn kannten. Am Schluſſe der
Grab=
feier legten Kränze mit entſprechenden Nachrufen nieder: Herr
Strö=
ßinger für den Verein „Soldatenkameradſchaft” Herr Baumann
ür das Perſonal der Firma, Herr Dr. Aſcher für den Muſikverein
1904 und Gemeinderat Heißt für den ev. Kirchenvorſtand.
ſtellung für den Hausbedarf mit
„Brankraft: — Hopfen und Malz —
notwendige und richtige Branſtoffe
enthaltend, bringt enorme Erſparnis.
Das hausgebraute Flaſchenbier iſt
ge=
haltvoll, nahrhaft und durch boben Kohlenſäuregebalt von
prickelnder Friſche. Die erſte Vierprobe — ein Ereignis! Ein
Verſuch und man bleibt dabei. Man nehme nur „Braukraft”,
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V.13
Seite 7
Nummer 204
Naturwiſſenſchaftliche Exkurſion.
Aus dem Ried, 22. Juli.
Dieſer Tage fand eie naturwiſſenſchaftliche Exkurſion der
Tech=
nrchen Hochſchule Darmſtadt uter Führung des Herrn Gutsbeſitzers
S cretan=Hohenau ſtatt, an der ſich auch die Herren Dr. Görlach und
Srurdienrat Reitz vom Landwirtſchaftsamt und von der Realſchule Groß=
6 rau beteiligten. Die Exkurſion ging von Trebur aus ud endete
nF der Hohenau. In Trebur machte Herr Secretan auf die
geſchicht=
ive Bedeutung des Ortes aufmerkſam. Schon die Römer hatten
wahr=
dinlich hier eine Siedlung. Im Mittelalter war hier eine
Kaiſer=
wlz. Am Ausgange von Trebur zeigte Herr Secretan, wie bei hohem
A—ſſerſtand des Rheines durch das Schließen der Schleuſen an den
Reindämmen Hochwaſſer in der Rheinebene entſtehen kann durch die
m olgedeſſen erfolgende Rüchſtauung der Zuflüſſe. Hier im feuchten
Ge=
ſEmide ſind Baldrian Valeriana officinales und das Glanzgras oder
An=
ſoichl (Phalaris arundinacea) die vorherrſchenden Pflanzen. Eine Abart
h—ſes hohen Graſes mit grün=weiß geſtreiften Blättern findet man oft
s Zierpflanze in Gärten.
Von einem Rheindamme aus wußte Herr Secretan in anſchaulicher
Ariſe den geologiſchen Aufbau der Rheinebene zu ſchildern. Er
berich=
ee, wie dieſe Gegend einſt ein großes Binnenmeer geweſen ſei, was
haite noch das Vorhandenſein von Kalk in ganz Rheinheſſen bis in der
Lwpenheimer Gegend beweiſt, wie einſt der Neckar ſeinem Lauf durch
—ſe Ebene genanmen habe, bis er eines Tages den kürzeren Weg zum
Bein bei Mannheim fand.
Doch die Hauptaufgabe der Exkurſion war, die Pflanzen der
Rhein=
eleene kennen zu lernen. Hierbei zeigte ſich Herr Secretan als tüichtiger
Frihrer. Die ſeltene Pracht und ganz beſondere Reſchhaltigkeit der
4rlanzenbeſtände hat hier ihre Urſache in den geologiſchen und
Boden=
fem mationen!
Auch dem Laien fallen die beiden Laucharten auf. Es ſind dies
A-Jium aeutangulum und Allium scorodoprasum. Von Gräſern ſind an
drn Hängen vorherrſchend zwei Treſpenavten: Bromus erectus und
Tomus inermis. Veh anderen dort vorkommenden Gräſern ſeien
er=
nEihnt: Avena Ha/ßens — der Goldhafer; Holeus lanatus — das
Koniggras; Phleum pratense — Wieſenlieſchgras; Aira caespitosa —
Baſenſchmiele; Calamegrostis epigeios — ein Reitgras. Herr Secretan
niies noch auf viele andere Gräſer hin, die aber oft ſchwer zu
unter=
ſSeiden ſind. Intereſſant ſind die Hybmden (Kreuzungen) von
Klee=
aten. Hier konnte man deutlich den Baſtard zweier Luzernearten an der
A=lütenfarbe und den Blärtern erkennen. Eine charakteriſtiſche Pflanze
K—u dortigen Gegend iſt Peucedanum officinale — der Haarſtrang, auch
Auroßfenchel genannt. Von den vielen anderen Pflanzen, die gefunden
umd beſprochen wurden, ſeien hier nur erwähnt:: Gratiola officinalis —
dens Gnadenkraut; Succisa pratensis — der Teufelsſabbiß; Iris sibirica
—— die blaue Schwertlilie; Scutellaria hastifolia — das Helmkraut;
Mhaliktrum Havum — die gelbe Wieſenraute (eine mächtige Pflanze mit
gentümlichen, troddelförmigen Blüten); Senecio paludosus — das
KSumpf=Kreuzkraut (dieſer Name iſt wohl umgebildet aus Greiskraut, da
die reifen Samen weiße Haare tragen, die der Verbreitung dienen);
b epidium campestre — die Feldkreſſe; Galium boreale — das nordiſche
Habkraut; Salix repens — die Kriechteide (ebenfalls eine Pflanze, die
häs hoch in den Norden hinaufgeht); Diplotaxis tenuifolia — die ſchmal=
HTättrige Rampe; Veronica longifolia — ein ſchöner, großer Ehrenpreis
WGefonders charakteriſtiſch für die Flora der Rheimauen); Isatis tinctoria
— der Färberwaid, oder deutſcher Indigo, der vor der Einfuhr des in=
Giiſchen Indigo und der Erfindung der Anilinfarbem zum Färben benutzt
wurde. Nach der Führung durch die Auen lud Herr Secretan in ſelbſtloſer
Weiſe die Teilnehmer an der Exkurſion zu leiblicher Stärkung ein. Für
diie ſachkundige Führung ud treffliche Bewirtung ſei Herrn Secretan
guch hier nochmuals gedankt.
4a. Eberſtadt, 23. Juli. Erwiſchter Wäſchedieb. Im
Werdacht, im Frühjahr einen großen Wäſchediebſtahl hier ausgeführt zu
lgaben, iſt dieſer Tage von der Polizei ein junger verheirateter Mann
an Haft genommen worden. — Von einem Auto überfahren.
n der Neuen Darmſtädterſtraße wurde ein Radfahrer von einem
aus=
händiſchen Automobil überfahren und beſonders am Kopf verletzt. Der
elutobeſitzer zahlte dem Verletzten ſogleich eine namhafte Geldſumme
lals Schmerzensgeld aus.
Aa. Pfungſtadt, 22. Juli. Generalverſammlung. Bei L.
Wöttiger in der Borngaſſe hielt am Samstag abend der Obſt= und
Bartenbauverein Pfungſtadt eine Generalverſammlung ab. Wie
ver=
hautet, befaßte ſich die Verſammlung u. a. auch mit der geplanten
Gar=
genbauausſtellung in Darmſtadt.
4a. Hahn bei Pfungſtadt, 23. Juli. Jubiläum des Ziegen=
Fuchtvereins. Der Ziegenzuchtverein Hahn kann in dieſen Tagen
auf ein 25jähriges Beſtehen zurückblicken. Der Verein hat beſchloſſen,
Sieſes Jubiläum am Sonntag, 5. Auguſt, durch eine größere
Veran=
ſtaltung in den Räumen des „Hahner Hofes” zu begehen. Es ſoll eine
Eleine Ziegenſchau und Vorführung von Zuchttieren ſtattfinden.
Außer=
ſem ſoll Zeit und Raum für Geſelligkeit gegeben werden. —
Preis=
gekrönte Hundezüchter. Auf der Jubiläums=Hundeſchau in
Nudwigshafen wurde die ſchwarzrote Dobermannrüde des Einwohners
Maab mit einem Ehrenpreis und 2. Preis und die braunrote
Dober=
mnannhündin des Einwohners Crößmann mit einem 3. Preis und
Whrenpreis ausgezeichnet.
Aa. Eſchollbrücken, 22. Juli. Oeffentliche Verſammlung.
SHier fand am Sonntag eine öffentliche Verſammlung von
Arbeitsinva=
iden ſtatt, in der über die Sozial= und Kleinrentnerfürſorge referiert
wurde. Die Verſammlung wurde im Gaſthaus Georg Sehnert
abge=
halten. — Eine ähnliche Verſammlung wurde vorher im Nachbarorte
Hahn im Saale des Rathauſes abgehalten.
G. Ober=Ramſtadt, 23. Juli. Motorradunfall. Am
Sonn=
ſtag fuhr ein junger Mam mit ſeinem Motorrad anſcheinend zu einer
robefahrt die Gvafengaſſe im Richtung Darmſtädter Straße hinab.
Weim Einbiegen i letztere kollidierte er wit einem Omnibus der Heag.
WEr ſowohl als auch ſein Beifahrer kamem mit dem Schrechen davon,
vährend das Motorrad ſtark beſchädigt wurde. Auch ein Kotflügel des
Gmnibus wurde leicht beſchädigt.
(f) Roßdorf, 23. Juli. Verhütung von Waldbränden.
DDa infolge der Trochenheit eine erhöhte Brandgefahr für Wälder beſteht,
Fhar die Bürgermeiſterei bekanntgegeben, daß das Feueranzünden
außer=
ſhalb von Gebäuden im Walde und im Umkreiſe von 20 Metern vom
Saldrand verboten iſt; zum Feueranzünden gehört insbeſondere das
Ab=
ochen durch Touriſten. Zuwiderhandlungen werden ummachſichtlich zur
Snzeige gebracht. — Gemeinderatsſitzung. Die nächſte öffent=
Hiche Gemeinderatsſitzung findet am Donnerstag, den 26. Juli,
nachmit=
ttags 9 Uhr, ſtatt.
Dienstag, den 24. Zuli 1928
Aus den Weinbaugebieten.
(Rückblick.)
Ad. Es wird uns geſchrieben: Während des verfloſſenem Frühjahrs
wurde durch eine Reihe von Weinveiſteigerungen eine große Menge
von Faß= und Flaſchenweinen auf den Markt gebracht. Trotz der
Un=
gunſt der Geldverhältwiſſe wickelte ſich das Verſteigerungsgeſchäft mertens
roſch und zu hohen Preiſen ab. Das Hauptgewicht wurde bei den
Auk=
tionen auf die Qualität der Weine gelegt, weniger auf den Namen des
Verſteigerers. Waren manche Verſteigerer mit dem Erlös — ganz
be=
ſonders der vorjährigen Kreſzenz — nicht zufrieden, ſo war gewöhnlich
die frühe Leſe der Trauben die Urſache. Weine aus ſpäteren Leſen
fanden bei befriedigenden Preiſen leicht Nehmer. Deſſen mögen ſich die
Produzenten anläßlich der zu evwartenden diesjährigen Ernte in ihrem
eigenen Intereſſe erinnern und dafür eintreten, daß durch die
Gemeinde=
räte der Herbſtbeginn möglichſt hinausgezögert wird, ſelbſt auf die
Ge=
fahr eines kleinen Verluſtes hin, oder wegen des Beſchluſſes ein derbes
Wort hören zu müſſen. Die Zahl der Freunde des Naturweines wird immer
größer; bevorzugt wird aber ein Produkt, deſſen Säure in angenehmen
Grenzen ſich bewegt. Dies wird erreicht durch möglichſt langes
Hängen=
laſſen der Trauben. Außerdem empfiehlt ſich große Sorgfalt bei der
Leſe, ſofortiges Abkeltern der Tageserte und richtige
Kellerbehand=
lung. Erzielung von Art und Qualität ſei der Leitgedanke bei Lagerung
des heurigen Produktes, denm konnte ſich bei den diesjährigen
Weinver=
ſteigerungen nur die Qualität behaupten, ſo wird es in Zukunft noch
mehr der Fall ſein.
— Roßdorf, B. Juli. Vortrag der Heag. Wie bereits an
dieſer Stelle bekanntgegebem, findet am wächſten Mitvwoch, den 25. Juli,
abends 8 Uhr, im Saale des „Darmſtädter Hofs” ein Vortvag über die
zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten der Elektrizität im Haushalte
ſtatt. Redner iſt Herr Albert Heß von der Werbeabteilung der Heſſiſchen
Eiſenbahn=A.=G., Darmſtadt, der es dabei verſteht, ſeinen Vortrag mit
geſundem Humor zu würzen, ſo daß derſelbe recht genußreich zu werden
verſpricht. Ganz beſonders ſei auch auf eine Neueinrichtung der Heag
hingewieſen, die ſich bald in dem meiſten Haushaltungen und Betrieben
Eingang verſchaffen dürfte: die Bereitung von heißem Waſſer auf
die denebar einfachſte und billigſte Art und Weiſe. Näheres hierüber
wird im Vortrag, deſſen Beſuch ſehr zu empfehlen iſt, erläutert.
O. Dieburg, 23. Juli. Autounfall. Zwiſchen Münſter und
Eppertshauſen fuhr in den Abendſtunden ein mit vier Perſonen
beſetz=
tes Auto in den Straßengraben. Der Wagen erlitt einen Achſenbruch
und mußte abgeſchleppt werden. Die Inſaſſen, lauter Damen, kamen
mit leichteren Verletzungen, insbeſondere mit Hautabſchürfungen,
davon.
Sommerkur für
Nervenkranke
u. Nervös-Erschöpfte. Spezialkuranstalt Hofheim im Taunus
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bei Frankfurt am Main. — Prospekte durch:
Dr. M. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt.
L. Michelſtadt, B. Juli. Deutſche Turner=Ehrung. Der
Vorſtand des hieſigen Turnvereins e. V. (D. T.) traf ſich mit dem
Gau=
vertreter des Odewwald=Turngaues, Herrn Dr. Spalt, im Vereinslokal,
um den verdienten Ehrenvorſitzenden des Turnvereins Michelſtadt, Herrn
Ludwig Kurz, die durch die Deutſche Turnerſchaft zu verleihende
höchſte Auszeichnung zuteil werden zu laſſen, welche in der
Ueber=
reichung des Ehrenbriefes der Deutſchen Turnerſchaft beſtand. Herr
Kurz dürfte der erſte Turner des Odenwald=Turngaues ſein, dem dieſe
ehrenvolle Anerkennung zuteil wurde. Große Verdienſte erwarb ſich
der Jubilar ſowohl um den hieſigen Verein, als auch um den geſamten
Odenwald=Turngau, war er doch Mitbegründer des im Jahre 1882 in
König und Michelſtadt gegründeten Odenwaldturnevbundes und zugleich
beſſen 1. Vorſitzenber. Bekanntlich ging aus dieſem Zuſammenſchluß der
Odewwald=Turngau hervor. Wir ſehen hieraus, daß der Nome Ludwig
Kurz mit der Ceſchichte des deutſchen Turnweſens im Odenwald eng
verknüpft iſt und unauslöslich mit der deutſchen Turnſache des
Oden=
waldes fortleben wird.
Ai. Vielbrunn, 23. Juli. Der unbekannte
Selbſtmordkandi=
dat, der ſich am Donnerstag im nahen Bremhof eine Kugel durch den
Kopf ſchoß, iſt ſeiner Verletzung im Krankenhaus Michelſtadt erlegen.
— Hirſchhorn, B. Juli. Waſſerſtand des Neckars am
22. Juli 0,53 Meter, am 23. Juli 0,46 Meter.
— Gernsheim, 23. Juſi. Waſſerſtand des Rheins am
22. Juli 0,33 Meter, am B. Juli 0,30 Meter.
O. Groß=Gerau, 23. Juli. Ferkelmarkt. Der nächſte Groß=
Gerauer Ferkelmarkt wird kommenden Mittwoch, 25. Juli, unter den
üblichen Bedingungen abgehalten.
Ad. Oppenheim, 23. Juli. Verhaftet wegen unerlaubter
Be=
ziehungen zu ſeiner Tochter wurde ein hieſiger Schneidermeiſter. Nach
ſeiner Vernehmung durch das Gericht wurde er dem
Amtsgerichtsge=
fängnis zugeführt, wo er in der Nacht durch Erhängen freiwillig aus
dem Leben ſchied.
Ad. Nierſtein, 23. Juli. Rabenplage. Von den Bewohnern
des Riedes werden Klagen laut über den Schaden, den die Raben nicht
nur auf dem Felde, ſondern auch in den Gärten anrichten, indem ſie
ſcharenweiſe die zärteſten Gemüſepflanzen ſich zur Nahrung ausſuchen.
Raben und Krähen ſind im Ried zur Plage geworden, aber wegen ihrer
Vorſicht und die Rückſicht, die man auf die übrigen Vögel nehmen muß,
nur ſchwer zu vertilgen.
* Friedberg, 23. Juli. Auf eine 45jährige Tätigkeit als
Volksſchullehrer kann Rektor Fenchel im nahen Nieder=
Florſtadt zurückblicken. Seit 35 Jahren wirkt der Jubilar dort,
wäh=
rend er in den erſten Jahren in Gedern und Maibach tätig war. Rektor
Fenchel tritt ab 1. Auguſt in den Ruheſtand.
* Gießen, 23. Juli. Ein großer Menſchenauflauf entſtand
in der Kaiſerallee. Als zwei mächtige Elefanten des Zirkus Krone
einem Bauernfuhrwerk aus Wißmar begegneten, gingen die Pferde
durch; das eine riß ſich vallſtändig los und raſte mit der Deichſel die
ſtark belebte Straße entlang. Die Inſaſſen kamen mit dem Schrecken
davon.
* Gebern, 23. Juli. Von einem Motorradfahrer
an=
gefahren und ſchwer verletzt wurde der Taubſtumme Schneider
aus Kirchbracht. Auch der Motorradfahrer Löffler aus Illnhauſen
hat ſchwere Kopfverletzungen davongetragen.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Dienstag, 24. Juli. 12.30: Kaſſel: Funkorch. Leitung: Kapellm.
Bodart. 16.15: Aus dem Roman „Maler Nolten” von Ed.
Mörike. o 16.35: Funkorch.: Italieniſche Opern. Mitw.: Alberto
Uzielli (Bariton). O 18.15: Vereinsnachrichten, Mitteilungen. O 18.30:
Kaſſel: Mathilde Meißel: Die Stunde der Frau. o 18.45: Kaſſel:
Dr. Schaumburg: Pflanzenkrankheiten. O 19.15: Prof. Dr. Stern:
Die wirkſamen Faktoren der Erholungsreiſen. O 19.45: Schachſtunde.
O 20.15: Geſangskonzert: Das Volkslied in der Kunſtmuſik. Brahms:
Die Sonne ſcheint nicht mehr; Dort in den Weiden; In ſtiller
Nacht; Feinsliebchen, du ſollſt mir nicht barfuß gehn. — Reger:
Beim Schneewetter; Es blüht ein Blümelein; Des Kindes Gebet,
Waldeinſamkeit. — Strauß: Ach, Lieb, ich muß nun ſcheiden;
Du meines Herzens Kronelein; Ich trage meine Minne; Zuneigung.
— Mahler: O Röschen rot; Starke Eibildungskraft; Um ſchlimme
Kinder artig zu machen; Hans und Grete. Ausf.: Käthe Klare=
Kickhefel (Mezzoſopran), Helma Autenrieth=Schleußner (Klavier),
O 21.15: Kaſſel: Nordiſche Muſik. Ausf.: Funkorch. Leitung:
Kapellm. Bodart. Mitw.: Grete Beſſer (Sopran), E. Bodart
(Tenor). Nielſen: Kleine Suite. — Vier ſchwediſche Volkslieder mit
Begleitung von Streichinſtrumenten. — Svendſen: Zwei ſchwediſche
Volkslieder. — Sibelius: Im Feld ein Märchen ſingt; Der erſte
Kuß: Mädchen kam vom Stelldichein gegangen. — Gade: Noveletten.
— Schjelderup: Der Verwundete; Hirtenlied; Es muß ein
Wunder=
bares ſein. — Sibelius: War es ein Traum; Schilfrohr, ſäuſele;
Schwarze Roſen; Rakaſtava.
Stuttgart.
Dienstag, 24. Juli. 12.30: Schallplatten. o 15.45:
Frauen=
ſtunde: Die Frau in der bildenden Kunſt. O 16.15: Funkorch.
Ein=
lagen: Friedel Gräſer. O 18.15: Anna Bechler lieſt eigene Dichtungen.
O Rolf Formis: Funktechnik für alle. O 19.15: Dr. Steinhäuſer:
Geſchichte und Volkstum im deutſch=däniſchen Grenzkampf. o 19.45:
Nachrichten ſüddeutſcher Funkvereine. O 20.15: Zoologiſcher Garten.
Ausf.: Frz. Konr. Hoefert=Soliſten: Kirchberger (Cello), Haagen
(Klavier), Philharm. Orch. Stuttgart (Dirig.: E. Kahn). Roſſini=
Ouv. Die diebiſche Elſter” — Hoefert: Schon wieder Tiere. —
Poliakin: Der Kanarienvogel. — Dach: Die Nachtigall. —
Leif=
helm: Die Spatzen. — Saint=Saens: Der Schwan. — Sack: Die
Droſſel. — Meyer: Die Brieftauben. — Couperin: Der Kuckuck.
— Strauß: Der Falter — Grieg: Der Schmetterling. — Trauſil:
Der Käfer. — Schubert: Die Biene. — Kayßler: Schwarzer
Salamander. — Trauſil: Die Feldſchildkröte. — Saint=Saens=
Die Schildkröte. — Muſſorgſki: Die Küchlein. — Werfel: Schafe. —
Vegeſack: Die Ziege. — Scarlatti: Katzen. — Storm: Junge
Katzen. — Rameau: Die Henne. — Vegeſack: Das Schwei: Die
Kühe. — Haydn: Ochſen — Hindenburg: Raubtiere. — Dowell:
Der Adler. — Günther: Der Bär und die Leoparden. — Saint=
Saens: Der Löwe. — Rilke: Der Panther. — Steinberg: Der
Affe. — Werla: Das Kamel. — Saint=Saens: Der Elefant. —
Jammes: Gebet, mit den Eſeln ins Himmelreich zu gehen. — Liſzts
Vogelpredigt des heiligen Franziskus. O Anſchl.: Nachrichten.
Berlin.
Dienstag, 24. Juli. 6: Gymnaſtik. O 12.30: Für den Landwirt.
14: Stralſunder Dankfeſt. Feſtakt und Feſtrede im Stadttheater
Stralſund aus Anlaß der 300=Jahr=Feier der Abwehr Wallenſteins.
Wagner: Vorſpiel „Die Meiſterſinger von Nürnberg‟”. —
Be=
grüßungsanſprache des Oberbürgermeiſters Dr. Heydemann. —
Schwediſche Nationalhymne. — Begrüßung durch die ſchwediſchen
Vertreter. — Deutſche Nationalhymne. — Glückwunſchreden. —
Hohnblaſen (Hiſtoriſche Blasmuſik aus Anlaß des Abzugs
Wallen=
ſteins von Stralſund). — Feſtrede: Studiendirektor Stengel, Stral=
ſund. — Niederländiſches Dankgebet. O 16: E. W. Balk: Deutſche
Volkskunſt. O 16.30: Stunde mit Büchern. 17: Schnurriges
und Knurriges von Joſ. Wiener=Braunsberg. S 17.30:
Unter=
haltungsmuſik der Kapelle Emil Rooßz. o 19: Liesbet Dill: Die
fröhliche Pfakz. O 19.30: Victor Schiff: Der Brüſſeler Kongreß
der ſozialiſtiſchen Arbeiter=Internationale. O 19.55: Prof. Dr.
Manes: Streifzüge durch die Verſicherungslehre. (
Haftpflichtverſiche=
rung.) O 20.30: Bunter Abend. Ausf.: Hedwig Francillo=
Kauff=
mann (Sopran), Otto Urack (Cello), M. Funk (Zither), Alois Resni
(Lieder), A. Merſiowſky (Bandonion), K. Zander (Rezit.). Popper:
Gavotte D=dur. — Pierne: Serenade. — Alabieff: Die Nachtigall.
— Grünwald: Studie; Menuett. — Heitere Kleinigkeiten. — Wiener
Lieder. — Keler=Bela: Ouv. Romantique‟. — Strauß: Wein,
Weib und Geſang, Walzer. — Gounod: Walzer aus „Romeo und
Julia‟. — Grunwald: Traumbild. — Seifert: Ständchen. —
Wiener Lieder. — Popper: Tarantelle G=dur. — Heitere
Kleinig=
keiten. — Joh. Strauß: Das Leben iſt ſo ſchön”, Walzer=
Inter=
mezo nach Melodien. — Poliakin: Der kleine Tambour. —
Pörſch=
mann: Vater Rhein. O Anſchl.: Tagesnachrichten.
Stettin. 19: Studienrat Schultze: Pommernland und
Pommern=
volk im Hans Hoffmanns Erzählungen. Zum 80. Geburtstag
Hoff=
manns am 27. Juli.)
Deutſche Welle. 6: Gymnaſtik. O 12: Franzöſiſch. 12.25:
Min.=Rat Dr. Beyer: Lebenstüchtigkeit. o 15: Dr. Elſe Möbus:
Mutterſchaft und Volksglaube. 6 15.35: Wetter und Börſe. O 15.40:
O. Buchmann: Orientaliſche Teppiche. O 16: P. Matzdorf: Wie ich
zu meiner Jugendbühne kam. O 16.30: Dr. Zucker: Die Stadt
der Zukunft. 0 17: Leipzig: Funkorch. O 18: Dr. Joh. Günther:
Max Reinhardt und ſeine Zeit. o 18.30: Erna Arnhold: Seereiſen.
0 18.55: Prof. Dr. Menz: Der deutſche Buchhandel, ſeine Geſchichte
und ſeine Bedeutung. O 20: Hamburg: Die grüne Stadt.
Feier=
abend im Kleingarten. Sechſter Abend für die Werktätigen. O 22:
Berlin: Preſſenachrichten.
Hauptſchriftleltung: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudeif Mauve; für Feulſleton, Neich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Cugen Buhimann:
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andrea” Bauer: für
„Die Gegenwart”: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratentell: Wilip Kuble: Drud
und Verlag: C. C. Wiitich — ſämilich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantle der Rückſendung nicht Übernemmen.
Die heutige Nummer hat 16 Geiten.
DIE BESONDERSMIDE OSTERR REGE 2GARETE
[ ← ][ ][ → ]Dienstag, den 24. Juli 1928
Nummer 204
Geite 8
Kf
Wir bitten
beſonders zu
beachten!
Unſer heutiges Programm bringt den besten Harry Liedtke-Film, der im letzten Jahre erſchien:
HLMMMITaOlAtTT
Maria Paudler iſt wieder Partnerin Harrg’s. — Außerdem läuft ein recht intereſſanter Film von den Fidſchi=Inſeln
Beginn 3½ Uhr.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 204
Dienstag, den 24. Juli 1926
Geite9
Turnen.
Zum Deutſchen Turnfeſi in Köln.
Feſtliche Stimmung überall.
Turnfeſtſtimmung iſt in Köln eingekehrt! Die monatelangen Vor=
Zeitungen, die ſich von Woche zu Woche ſteigerten in ihrem Umfang
uid ihrer Intenſität, haben das öffenrliche Leben im heiligen Köln
„ſtändig in ihre Bahn gezogen. Mit den geſteigerten Vorkehrungen
hang der Gedanke des 14. Deutſchen Turnfeſtes, des Turnfeſtes am
Ro in, des Feſtes der Erfüllung nah dem Münchener Feſt der
Samm=
ig als Abſchluß unruhiger Zeiten, in jeden Winkel Kölns, darüber
maus in die nähere und weitere Umgebung. Millionen Deutſcher
erden davon gepackt, in den weiten Gauen unſeres Reiches und an
ſeisem Punkte der Welt, an dem Deutſche wohnen. Das 14. Deutſche
Ɨmrnfeſt wird neben dem Sängerfeſt in Wien das Feſt der Deutſchen
i erhaupf. — Alldeutſchland ſrrömt an den Rhein, nach Kölm, wo flei=
6we Hände Tag und Nacht beſchäftigt waren, den nach Hunderttauſenden
ſchlenden Gäſten einen herrlichen Empfang zu bereiten. Tage, die keiner
vrrgeſſen wird, der ſie miterleben darf!
Köln iſt bereit! Noch iſt erſt ein Teil der Gäſte eingetroffen —
ſiesbe Gäſte aus Ueberſee. Nordamerikaner trafen am Samstag, vom
9neder= und Oberrhein kommend, mit Sonderſchiffen ein, nachdem ſie
ſi in Düſſeldorf oder in Niederlahnſtein getroffen hatten, und wurden
eem Hauptausſchuß des Turnfeſtes und von einer begeiſterten
Zu=
ſesauermenge empfangen. Mit den fahrplanmäßigen Zügen kamen aus
bam ganzen Reich Turnfeſtteilnehmer — die Wohnungsbüros traten in
Ditigkeit. Noch wickelte ſich alles in Ruhe ab, aber in einigen Tagen
närd der einſetzende Anſturm von allen Arbeitern in den Ausſchüſſen
ſrrke Nerven verlangen.
Köln hat Feſtkleid angelegt. Noch) giltz es hier und da letzte Hand
anizulegen, aber in das Gran der Großſtadr wiſchte ſich bereits die Poeſie
der Farben. Künſtlerhand leitete die Ausſchmückung, deren
Groß=
züigigkeit zumal auf der Feſtzugsſtraße überraſcht. Fahnen wehen von
den Häuſern, die meiſten in leuchtendem Rot und Weiß, dazwiſchen
Handes= und Reichsflaggen. Auf dem Ring und der Aachener Straße,
die der Zug der Hunderttauſende durchzieht, wird die lebhafte Unruhe
der Häuſerbeflaggung gehemmt durch die einhoitliche Ausſchmückung
granzer Straßenzüge nach einheitlichem Plan. Turnerſymbole herrſchen
nor, allerdings in verſchiedenſten Formen. Die kluggewählte Einheit
ir „Häuſerblocks” gibt der Dekoration einen ruhigen Unterton, der
Wechſel nach wichtigen Straßenkreuzungen belebt das Intereſſe — ein
Moment, das bei der Dauer des Feſtzuges am 29. Juli nicht hoch genug
mänzuſchätzen iſt. Wo ſich die Teile des Feſtzuges — bekanntlich zieht
in vier Gruppen zu je etwa 30 000 Turnern und Turnerinnen — zum
geſchloſſenen Marſch in breiter Front über die Aachener Straße zum
Stadion vereinen, erreicht die Ausſchmückung ihren Höhepunkt. Eine
eräumige Tribuine, eigens errüchtet, wird einen beſonderen Eindruck
armöglichen.
Aber auch die übrigen Straßen ſtehen im Zeichen der vier „P‟
Aeberall rotweiße Fahnen und Guirlanden mit Willkomnensgrüße,
berall D. T.=Wimpel. Schon jetzt hat man ein geſchloſſenes Bild, wie
Töln ſich an den Hauptfeſttagen bieten wird. Daß der Neumarkt, der
8euge der Uebergabe des Turnerſchaftsbannars ſeitens der Münhener
TTurner an die Feſ=ſtadt Köln ſein wird, beſonders feſtlich hergerichtet
wird, verſteht ſich am Rande. Im Stadion herrſcht ſchon jetzt lebhaftes
Treiben. Die bereits eingetroffenen Turner miſchten ſich zwiſchen die
wißbegſezigen Kölner, um Einblick in die Turnſtätte zu erhalten. Die
grusgedehnte Zeltſtadt” liefert überzeugenden Beweis, daß die
Ver=
ſoflegung der Maſſen reibungslos ſich abwikeln wird. Hochſtimmung
ſperrſchte überall. Der Wunſc), Einblick in die Einrichtungen des
Turn=
gieſtes zu erhallen, war wohl Grund dafür, daß man den „Vaterländiſchen
7Feſtſpielen” die zur Einleitung des Turnfeſtes eingelegt waren, wenig
Weachtung ſchenkte. „Das Feſt der Rheinländer” im Zeltdorf, zwanglos
nind ohne offizielle Begrüßungsreden uſw., vereinte Zehntauſende, die
ſiurch baheriſche und rheiniſche Muſik unterhalten wurden, eine hübſche
Sinleitung des Volksfeſtes, wie es das deutſche Turnfeſt ſein ſoll.
Pro=
eſſor Verger, Breithaupt, Prof. Hacker=München, Gödde, der Vater des
Mölner Feſtes, Seibel, der Bundespräſident der nordamerikaniſchen
Turner, ſtreiſten durch die Zeltſtadt — „inkognito”, wie Berger erklärte
— aber ſie konnten nicht verhindern, daß ſtürmiſihe „Gut=Heil”=Rufe ſie
Segrüßten.
Die Stromſiaffel der D. T. nach Köln.
Der zweite Abſchnitt der Rheinſtaffel zum Deutſchen Turnfeſt in
Bröln, von Kehl nach Worms, hat einen reibungsloſen Verlauf
genom=
mnen, wenn man von einer kleinen, kaum nennenswerten Verſpätung
ſabſieht. Die Staffel paſſierte um 19.30 Uhr Mannheim=Ludwigshafen,
machdem in Speyer die badiſchen Turner von den pfälziſchen abgelöſt
wvurden. Die Begleitung übernahmen der Schwimmwart der D. T.
Braun=Frankfurt und der Kreisſchwimmwart Wolfsperger=Freiburg in
Kdem nach dem kleinen Unfall bei Breiſach wieder reparierten Motorboot.
An der Neckarmündung wurde programmäßig die Neckarſtaffel als erſte
Mebenſtaffel übernommen, wobei ſich die Uebergabe der Uvhunde glatt
vollzog. Die Neckarſtaffel ſelbſt hat ihren zweiten Abſchnitt am gleichen
Tage in Eberbach begonnen. Sie wurde in Heidelberg dem Mannheimer
Gau vom Badiſchen Neckargau übergeben und rechtzeitig auf die
Haupt=
ſtaffel gebracht, die Worms noch vor Dunkelheit erreichte.
Waſſerball.
Techniſche Hochſchule—Rot=Weiß 4:2 (1:0).
Beide Mannſchaften trafen ſich zum Freundſchaftsſpiel im neuen
Hochſchulſtadion in der ſtärkſten Beſetzung: Die Hochſchule mit
Göth; Cordes, Apfel; Orlemann; Schnusk, Kloſtevmann, Ober.
Rot=Weiß mitz Dahmer 2; Drieß, Dahmer 1; Merz; Ginbel, E.
Hanſt, Rottmann. — Die Hochſchüler gewvannen verdient 4:2, denn ſie
zeigten, beſonders durch das gute Spiel von Cordes und Orlemann,
eine leichte Ueberlegenheit. Trotzdem wäre ohne die taktiſchen Fehler
der Rot=Weiß=Mannſchaft, bei welcher der Tormann Dahmer gut gefiel,
das Spiel vielleicht knapper ausgegangen.
In der 1. Halbzeit war das Spiel verteilt und endete 1:0 für die
Hochſchule. Durch Cordes und Orlemann, die immer wieder nach vorne
drängten, konnte der Deutſche Hochſchulmeiſter in der zweiten Halbzeit
den Sieg ſicherſtellen. Kurz vor Schluß drängte „Not=Weiß” nochmals
ſtark und kam übervaſchend noch zu zwei Torerfolgen. Das Spiel ſelbſt
war fair. Herr Leherzapf als Schiedsvichter hatte leichte Arbeit. — Das
Rückſpiel, das im Woog ſtattfidet, wird noch bekanntgegeben.
Motorſport.
Abſchluß der Motorrad=Sechstagefahrt.
Die letzte Etappe.
Am Montag hat die Deutſche Motorrad=Sechstagefahrt ihren
Ab=
ſchluß gefunden. Die Teilnehmer haben unerhörte Schwierigkeiten
hin=
ter ſich gebracht, ſie ſind in einer Weiſe beanſprucht worden, wie man
ſie bisher kaum erlebt hat. Nach den rapiden Ausfällen der erſten Tage
war kaum noch damit zu rechnen, daß ein Fahrer ſtrafpunktfrei die Fahrt
beenden würde. Um ſo eindrucksvoller läßt ſich nun feſtſtellen, daß eine
im Verhältnis recht ſtattliche Anzahl von Bewerbern fehlerlos über die
ſechs Tage hiwweggekommen iſt. Eine beſondere Rolle ſpielten hier die
Fahrer der Zündapp=Werke, von denen ein rundes halbes Dutzend mit
ſeinen 949=Kbkzm.=Maſchinen bis zum letzten Augenblick durchhielt.
Da=
neben ſind noch zwei DKW., eine Schüttoff, eine BeMW. und eine
Vik=
toria am beſten abgekommen. Der letzte Tag wartete mit zwei
Son=
derprüfungen auf, die eine auf der 4,5 Kilometer langen Strecke Kalte
Schenke—Saaltal—Wilhelmsdorf, die andere über 2,7 Kilometer
zwi=
ſchen Keila und Tauſa. Hier wechſelten ſtarke Gefälle mit hohen
Stei=
gungen fortgeſetzt. An der ſchwierigſten Stelle betrug die Steigung rund
25 Prozent. Hinderlich waren wieder das Steingeröll auf den Wegen,
aber die Fahrt nahm doch einen glatten Verlauf, was um ſo mehr
her=
vorzuheben iſt, als die Akteure nun ſchon fünf Tage lang die ſchwerſten
Strapazen hinter ſich haben. Zumal die kleinen Maſchinen hatten es
ehr ſchwer, und mancher Teilnehmer entging dem Ausſcheiden nur
da=
durch, daß er ſeine Maſchine den Berg hinaufſchob. Die genaue
Aus=
rechnung der Ergebniſſe erfordert noch einige Zeit. Immerhin läßt ſich
jetzt Abon ſagen, daß von 87 am erſten Tage geſtarteten Fahrern
ins=
geſ mt 19 die Prüfungen der ſechs Tage durchgehalten und überſtanden
„Großer Preis von Deutſchland
für Sportwagen
auf dem Nürburg=Ring am Sonntag,
den 15. Zuli 1928.
Der Große Preis von Deutſchland für Sportwagen, die bedeutendſte
automobilſpoitliche Veranſtaltung dieſes Jahres, gelangte auf dem
Nür=
burgring zum Austrag. Die Marke Mercedes=Benz hat in dieſem
ſchweren Wettbewerb, wie wir ſchon wiederholt Gelegenheit hatten zu
betonen, einen der bedeutendſten Erfolge ſeit ihrem Beſtehen erringen
können. Die Veranſtaltung hatte das beſondere Intereſſe der
Auto=
nobilwelt vor allem deshalb auf ſich gezogen, weil ſich die im Rennſport
der vergangenen Jahre beſonders erfolgreiche franzöſiſche Marke
Bu=
gatti wit einem ſtarken Aufgebot zum Kampf geſtellt hatte. Es galt
da=
her für Mercedes=Benz zu beweiſen, daß das ſerienmäßige Sportmodell
dieſer Marke, das aus dem Touvenwagen entwickelt wurde, dem
hochge=
züchteten, alle Eigenſchaften eines Renwwagens tragenden Bugatti=
Sport=Modell überlegen iſt. Dieſer Beweis wurde von der bekannten
Mercedes=Benz=Mannſchaft in einem Umfange erbracht, wie er
über=
zeugender nicht mehr ſein konnte. Es ſtarteten von Mercedes=Benz die
Fabrikmannſchaft Werner, Merz, Caracciola und Walb, ſowie der
Privatfahrer Georg Kimpel, Ludwigshafen, alle auf dem Sportmodell
„SS‟ Dieſen fünf Maſchinen ſtand ein Aufgebot von 17
Bugattifah=
rern gegenüber, davon vier Wagen der Bugattifabrikmannſchaft mit den
berühmten Fahrern Chiron, Graf Brilli=Peri, Conelli und Minoia.
Ferner ſtarteten die bekannteſten deutſchen und ausländiſchen
Herren=
fahrer, ſo Herr Junek, Prag, Graf Kalnein, Karl Kappler, Heuſſer,
Momberger uſw. Außer der Marke Bugatti nahmen noch teil die
Mar=
ken: Bentley, Itala, N.A.G., Talbot, Amilcar, Hag=Caſtell, Chiribiri,
Marendaz, Lombard und Dixi.
Schon nach der evſten Runde lagen drei Mercedes=Benz=Wagen vor
der Bugatti=Fabrikmannſchaft. Caracciola, der die Führung
übernom=
wen hatte und ein großes Rennen fuhr, hatte mehr als 20 Sekunden
Vorfprung vor dem ſchnellſten Bugattfahrer gewonnen. Nach der
zwei=
ten Runde hatte Caracciola ſeinen Vorſprung auf über eine Minute
ver=
größert. Walb war ſchon in der zweiten Runde beim Ueberholen eines
Konkurventen auf dem weich gewordenen Teer der Rennſtrecke ins
Schleudern gevaten, ſein Wagen aus der Bahn gekommen und mit
eige=
ner Kraft der Inſaſſen nicht mehr ins Rennen zu bringen. Walb
mußte daher aufgeben und begab ſich als Erſatzfahrer ins Depot. Nach
der dritten Runde lag Cavacciola mit etwa eineinhalb Minuten in
Führung und auch Merz und Werner noch vor den Bugatti=Fahrern,
die ſich alle Mühe gaben, unſeren Fahrern auf den Ferſen zu bleiben.
Der in der Wertungsgruppe 1 neben den Mercedes=Benz=Wagen noch
teilnehmende engliſche Bentley=Wagen, der Sieger des 24 Stunden=
Ren=
nens in Le Mans 1928, war ſchon in der erſten Runde ausſichtslos
zu=
riickgefallen. Er fuhr ſein Rennen zu Ende, konnte aber den Mercedes=
Benz=Wagen nie irgendwie gefährlich werden. Bis zur Beewdigung der
vierten Runde war der N.A.G.=Wagen und der Bugatti von Heuſſer
wegen Maſchinendefekt ausgeſchieden, der Mavendaz geſtürzt und der
Chiribiri verbronnt. In der fünfden Runde fiel Mombergers Bugatti
aus. Nach der 6. Runde hatte Cargcciola einen Vorſprung von vier
Minuten. Ein Amilcar und der Lombard=Wagen waren ausgeſchieden.
Das ungeheure Tempo des Rennens und die außergewöhnliche Hitze
hatten immer mehr Ausfälle zur Folge. Insbeſondere lichtete ſich das
Feld der Bugatti erheblich, während die Mercedes=Benz=Wagen mit einer
uhrwerksmäßigen Gleichmäßigkeit ihr Tempo durchhielten und ihren
Vor=
ſprung immer mehr vergrößerten, obwohl auch jetzt noch die Bugatti=
Fabrikmannſchaft, bei der ſich Graf Brilli=Peri an die Spitze geſchoben
hatte, verzweifelte Anſtrengungen machte, der deutſchen Marke den Sieg
ſtreitig zu machen. Die Bugatti=Wagen von Seipel und Junek waren
bis zur Beendigung der 8. Runde ausgefallen. Der ſympathiſche
tſche=
chiſche Fahrer Junek hatte dabei bedauerlicherweiſe den Tod gefunden.
Da ein einmoliger Fahrerwechſel ausdrücklich durch das Reglement
geſtattet war, ließ ſich nach der 9. Runde Kimpel durch Roſenberger und
nach der 10. Runde Werner, der ſich eine leichte Sehnenzerrung
zuge=
zogen hatte, durch Wolb ablöſen. Ausgefallen waren bis zur 10. Runde
der Amilcar von Meiſters, der Itala Gömöris und der Bugatti Graf
Kalweins.
Caracciola hatte ſeinen Vorſprung immer weiter vergrößert und lag
nach der 10. Runde ſchon mit 10 Minuten vor dem ſchnellſten Bugatti=
Fahrer. Auch die anderen Mercedes=Benz=Wagen fuhren ihr Rennen
mit überzeugender Regelmäßigkeit und behielten ihre Poſitionen
unbe=
hindert bei. Cargcciola hatte i der 5. Runde wir 15 Minuten 134/5
Sekunden — 111,6 Kilometer Durchſchmitt die ſchnellſte Runde des
Ren=
nens gefahren. Nach der 14. Runde ließ er ſich durch Werner ablöſen.
Merz hielt ſein Rennen bis zum Ende allein durch und bot damit
zweifellos die größte körperliche und ſportliche Leiſtung.
Durch Tanken und Reifenwechſeln hatte ſich der Stand des Rennens
in den letzten Runden etwas verſchoben. Merz hatte die Führung in
der Wertungsgruppe 1 übemommen. Nach der 16. Runde hatte er elf
Minuten, alſo faſt eine volle Runde, Vorſprug vor dem ſchnellſten
Bugatti=Fahrer. Ausgefallen waren inzwiſchen noch Kappler mit ſeinem
Bugatri=Wagen und Heuſſer, der den Bugatu der Gräfin Einſiedel
über=
nommen hatte.
Merz war in der letzten Runde noch ins Schleudern geraten und in
den Graben gekommen. Er konnte jedoch weiterfahren. Allerdings war
er inzwiſchen von Werner auf Caracciolas Wagen paſſiert worden, der
um 2,54 Uhr in einer Geſamtfahrzeit von 4 Stunden 54 Miuten 242/5
Sekunden das ſchwere Rennen als Sieger beendete. Mit 2 Minuten
Abſtand folgte ihm Merz als Zweiter im Geſamt=Klaſſement. Vierter
im Geſamt=Klaſſement wurde Graf Brilli=Peri, dem als Fünfter
Roſen=
berger auf dem Wagen Kimpels folgte.
Die Durchſchnittsgeſchwindigkeit des Siegers betrug auf dieſer
ſchwerſten aller Rewſtrechen in einem Rennen von mehr als 500
Kilo=
meter faſt 104 Kilometer in der Stunde.
Die Marke Mercedes=Benz hat damit einen Sieg erfochten, der ſich
dem dreifachen Sieg im Grand Prix 1914 würdig anreiht. Drei Fahrer
dieſer Marke waven durchs Ziel gegangen bis der erſte Fahrer der
Bu=
gatti=Mannſchaft ſein Rennen beenden konnte. Unte den erſten fünf
Wagen ſind vier Meroedes=Benz.
Vor den Zehntauſenden von ſachverſtändigen Zuſchauern war dieſer
Sieg ein geradezu überwältigender Beweis für die Qualität des
Merce=
des=Benz=Fabrikats. Daß er als ſolcher gewerdet wunrde, zeigte die
rück=
haltloſe Anerbenmung der Zuſchauer.
Es verdient ganz beſonders bewertet zu werden, daß die Mercedes=
Bonz=Wagen gegenüüber den vielen Ausfällen, die in dieſem ſchweren
Remnen ſonſt zu verzeichnen waren, nicht den geringſten
Maſchinen=
ſchaden hatten. Bei den vier Mercedes=Benz=Wagen, die das Rennen
beendeten, war auf der ganzen Strecke nicht einmal die Haube geöffnet
worden. Es war nicht nur ein Sieg überlegener Schnelligkeit, ſondern
insbeſondere größter Regelmäßigkeit und unerhörter Zuverläſſigkeit.
Bundesfeſt des Heſſiſchen Schützenbundes.
Der Heſſ. Schützenbund feierte ſein 12. Bundesfeſt, verbunden mit
15jährigem Stiftungsfeſt der Schützengeſellſchaft „Jägerblut”, in
Urberach.
Die Beteiligung am Schießen war außerordentlich ſtark, denn es
beteiligten ſich ſämtliche Bundesvereine mit nahezu 400 Schützen.
Nach=
ſtehende Reſultate beweiſen, daß ſich die Schützenbrüder einem eifrigen
Training widmeten um ſiegreich nach Hauſe zu kehren. Ein „Gut Ziel”,
allen Sieger.
1. Ehrengruppenſchießen (Bundespreis); Schützenklub „Feurio”
Darmſtadt, 194 Ninge.
2. Gruppenſchießen: 1. Preis und Ehrenpreis „Fledermaus‟
Darm=
ſtadt, 154 Ringe. 2. „Feuvio‟ Darmſtadt, 154 Ringe. 3. Weidmannsheil
Münſter, 152 Rige. 4. „Tell” Ober=Ramſtadt, 148 Ringe. 5. „Tell”
Ober=Ramſtadt, 146 Ringe. 6. „Tell” Eppertshauſen, 144 Ringe. 7. „Tell”
Darmſtadt 143 Ringe. 8. „Jägerblut” Urberach, 142 Ringe.
3. Meiſterſchaftsſchießen 1. Preis: Schneider, „Fledermaus‟
Darm=
ſtadt, 97 Ringe. 2. Preſtel, „Fledermaus‟ Darmſtadt, 92 Ringe. 3.
Seibel, Gundernhauſen, 91 Ringe.
4. Klaſſenſchießen. Sonderklaſſe; 1. Preis nebſt Ehrenpreis:
Schneider, Darmſtadt, 68 Ringe. 2. Büchner, Ph., Ober=Ramſtadt, 67
Ringe. 3. Ehrig, Darmſtadt, 65 Ringe, 4. Schütze, Darmſtadt. 65 Ringe.
5. Preſtel, Darmſtadt, 64 Ringe, 6. Kloos, Roßdorf, 64 Ringe. 7.
Mur=
mann, Eppertshauſen, 64 Ringe. 8. Seibel, Gundernhauſen, 63 Ringe.
9. Schnatz, Darmſtadt, 63 Ringe. 10. Fiſcher, Ober=Ramſtadt, 62 Ringe.
1. Klafſe: 1. Preis nebſt Ehrenpreis: Zeiger, Münſter, 69 Rmge,
2. Haus, Münſter, 67 Ringe, 3. Weis, Darmſtadt, 66 Ninge, 4. Rau,
Arheilgen, 64 Ringe. 5. Rauh, Ober=Ramſtadt, 62 Ringe. 6. Euler,
Eppertshauſen, 62 Ringe. 7. Danz, Darmſtadt, 62 Ninge. 8.
Wils=
bach, Oberroden, 62 Ringe. 9. Schröder, Darmſtadr, 61 Ringe. 10. Rapp,
Roßdorf, 60 Ringe. 11. Noſtadt, Ober=Ramſtadt, 60 Ringe. 12. Rebel,
Oberroden, 60 Ringe. 13. Braun, Urberach, 59 Ringe. 14. Rebſcher,
Ober=Ramſtadt, 59 Ringe, 15. Gigerich, Münſter, 58 Ringe.
2. Klaſſe. 1. Preis nebſt Ehrenpreis: Fornauf, Darmſtadt, 63 Ringe.
2. Nauheimer, Darmſtadt, 62 Ringe, 3. Haus, Oberroden, 62 Ringe.
4. Sanderbeck, Münſter, 62 Ringe. 5. Braun II., Urberach, 61 Ringe.
6. Bauer, Ober=Ramſtadt, 59 Ringe. 7. Regensburger, Ober=Namſtadt,
59 Ringe. 8. Gotta, Oberroden, 59 Ringe. 9. Trinkaus, Darmſradt, 58
Ninge. 10. Eder, Urberach, 58 Ringe. 11. Dohn, Nieder=Ramſtadt, 57
Ninge. 12. Oeſtreicher, Münſter, 56 Ringe. 13. Hechwolf, Münſter, 56
Ringe. 14. Schick, Oberroden, 56 Ringe. 15. Launnann, Darmſtadt, 55 R.
3. Klaſſe. 1. Preis nebſt Ehrenpreis: Fiſchbach, Darmſtadt, 64 Ringe.
2. Held, Gundernhauſen, 63 Ringe. 3. Lang, Münſter, 62 Ringe, 4.
Kreher, Münſter, 60 Ringe. 5. Diehl, Darmſtadt, 58 Ringe. 6.
Lieber=
mann, Ober=Ramſtadt, 58 Ringe. 7. Keilhauer, Eppertshauſen, 57 Ringe.
8. Ziegler, Urberach, 57 Ninge. 9. Caſtritius, Nieder=Ramſtadt, 56 Ringe.
10. Schupp, Darmſtast, 56 Ringe. 11. Oeſtreicher, Gg., Münſter, 56
Ringe. 12. Imhof, Darmſtadt, 56 Ringe. 13. Eroßmann, Ober=Ramſtadt,
55 Ringe, 14. Bernet, Vickenbach, 55 Ringe. 15. J. V. Oeſtreicher,
Münſter, 55 Ringe.
5. Oeffentliches Preisſchießen auch für Nichtbundesmitglieder:
1. Preis: Shäfer, Darmſtadt, 36 Ringe. 2. Rau, Arheilgen, 35 Ringe.
3. Henkelmann, Darmſtadt, 35 Ringe, 4. Bauer, Ober=Ramſtadt. 35
Ringe. 5. Rauh, Ober=Ramſtadt, 35 Ringe. 6. Haus, Münſter, 35 Ninge.
7. Schnatz, Darmſtadt, Darmſtadt, 35 Ringe. 8. Huthmann, Nieder=
Ramſtadt, 35 Ninge. 9. Kaufmann, Meſſel, 35 Ringe. 10. Gräf,
Darm=
ſtadt, 35 Ringe.
6. Gruppenbeteilfgungspreis: „Diana” Oberroden, 855 Ringe.
7. Feſtzugspreiſe: a) Wagen: 1. Preis: Freiw. Feuerwehr,
Urberach. 2. Geflügelzuchtverein, Urverach. — 0)Gruppen: 1. Preis:
Schützengeſellſchaft „Diana” Oberroden. 2. Flobertſchützenverein,
Offen=
bach a. M.
Kraftſport.
Kraftſportverein Darmſtadt 1910.
Na einer kurzen Ruhepauſe tritt obiger Verein mit einem
erſt=
klaſſigen Kampfabend an die Oeffentlichkeit. Als Gegner der 1.
Mann=
ſchaft wurde die in Sportkreiſen allbekannte 1. Mannſchaft des Athl.=
Vereins „Vorärts” Groß=Zimmern gewonnen. Das Treffen findet
Samstag, den 28. Juli, im „Bürgerhof”, Eliſabethenſtraße 2, ſtatt.
Sege flug in den Alpen.
Der Segelflieger Alfred Elſäſſer, Mitglied des Berner
Flugſport=
klubs, flog Sonntag mit ſeinem motorloſen Flugzeny vom Gipfel des
Nießen in 33 Minuten nach Uetendorf bei Thun, wo er glatt landete.
Die zurückgelegte Strecke beträgt 22 Km. Es iſt dies der erſte
motorloſe Segelgleitflug im ſchweizeriſchen
Hoch=
gebirge.
Pferdeſport.
Die Olympiareiter in Doberan.
Beginn der Ausſcheidungen für Amſterdam.
Die nach der Rennbahn in Doberan angeſetzten letzten
Ausſchei=
dungskämpfe der deutſchen Reiter und Pferde für Amſterdam haben am
Montag ihren Anfang genommen. Für die Vielſeitigkeitsprüfung (
Mi=
litary) wurden die Dreſſur= und Geländeprüfung abgewickelt. Richter
für die Dreſſur waren der Vorſitzende des Deutſchen Olympiade=
Komi=
tees für Reiterei Generalmajor von Holzing=Berſtedt, Inſpektor der
Reichswehrkavallerie General von Kahſer und General von Poſak. Am
beſten ſchnitt Mafor Neumann von der Kavallerieſchule Hannover auf
Ilia ab, der 216,41 Punkte erreichte. Hauptmann Feyerabend auf
Alpen=
roſe kam auf 201,54, Oblt. Lippert auf Kampfgeſell auf 185,8 Punkte.
Der Geländeritt führte über eine Strecke von 7000 Meter und wies
24 Hinderniſſe auf, die von allen ſieben Teilnehmern fehlerlos
genom=
men wurden. Ilja, Kampfgeſell, Flucht und Preußenprinz brachten es
auf 20, Mirabelle auf 12 und Alpenroſe auf 10 Gutpunkte. Leider kam
Kampfgeſell lahm von der Prüfung zurück. Die Entſcheidung fällt nun
im Jagdſpringen, das am Dienstag neben den Ausſcheidungen für das
Olympiſche Jagdſpringen und die Olympiſche Dreſſurprüfung abgewickelt
wird.
Außerordentliche Bezirkstage in Süddeutſchland. Durch die Fuſion
von Fußball und Leichtathletik werden im Süddeutſchen Fußball= und
Leichtathletik=Verband außerordentliche Bezirkstage notwendig, damit
auch in den Bezirken die Neuwahlen und Umbeſetzungen der Aemter
vorgenommen werden können. Dieſe Bezirkstage müſſen bis zum
12. Auguſt ſtattgefunden haben. — Der Bezirk Rhein=Main=Saar hält
ſeinen außerordentlichen Bezirkstag am 12. Auguſt in Neuſtadt/Haardt ab.
Das Endſpiel um die deutſche Fußball=Meiſterſchaft zwiſchen Hertha=
BSC. Berlin und Hamburger S.=V. gelangt am 29. Juli, unter Leitung
des Schiedsrichters Maul=Nürnberg, im Stadion zu Altona zur
Ent=
ſcheidung.
Alfred Gäbelmann, der bekannte Leipziger Motorradfahrer, iſt
töd=
lich verunglückt.
Hoffmeiſters Weltrekord. Das im allgemeinen ſchwach beſetzte
leichtathletiſche Sportfeſt des S. u. S. 96 Schalke in Gelſenkirchen machte
durch zwei Ergebniſſe von ſich reden. Im Diskuswerfen konnte
Hoff=
meiſter=Münſter eine glänzende Leiſtung bieten, er verbeſſerte den von
dem Amerikaner Hartranft mit 47,89 Metern ſeit langen Jahren
ge=
haltenen Weltrekord im Diskuswerfen um faſt einen Meter auf 48,77
Meter.
Anerkannte Schwerathletik=Rekorde. Der Deutſche Schwerathletik=
Verband hat die folgenden Leiſtungen im Gewichtheben als Deutſche
Rekorde anerkannt: Mittelgewicht; F. Zinner=Würzburg, beidarmig
Stoßen 270 Pfund; Federgewicht: E. Mühlberger=Mannheim,
rechts=
armig Stoßen 185 Pfund.
Wetterbericht.
Gießen, 23. Juli.
Noch immer zeigt die Druckverteilung wenig ausſchlaggebende
Aen=
derung. Da wir im Grenzgebiet zwiſchen dem hohen und tiefen Druck
liegen, ſo entwickelt ſich keine ausgeſprochene Schönwetterlage, ſo daß
der herrſchende Witterungscharakter im weſentlichen fortbeſtehen bleibt.
Ausſichten für Dienstag, den 24. Juli: Wolkig mit Aufheiterung,
etwas friſcher, trccken.
Ausſichten für Mittwoch, den 25. Juli: Teils wolkig, teils
aufhei=
ternd, keine ſtärkere Erwärmung, noch vorwiegend trocken.
in Ce Wind: Nieder=
ſchlag
in mm Schnee=
decke
in em Mee wolkig 16 GO. Aachen: wolkig 18 SWS. Hamburg: Regen 14 NW. Berlin: bedeckt 16 WSW 0,6 München: heiter 15 ſtill Königsberg: wolkig 15 SW, Breslau: wolkig 19 Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationen * Feldberg:
Taunus wolkig 16 NW. Waſſerkuppe wolkig 15 WSW. Feldberg:
(Schwarzw.) wolkig 14 NO. Zugſpitze: Kahler Aſten: wolkenlos 13 Fichtelberg: heiter 13 Schneekoppe: heiter 8 „n. [ ← ][ ][ → ]
Seite 10
Dienstag den 24 Juli 1928
Nummer 204
Ausklang des 10. Deutſchen Sänger=Bundesfeſtes.
Wiener Bilanz.
Das Groß=Deutſchland der Sänger.
* Wien, 23. Juli. (Prib.=Tel.)
Die Wiener haben ſich zuerſt darüber gewundert, daß alle
Mitglieder des Deutſchen Sängerbundes gleiche Mützen tragen.
Aber ſie haben einen Vorteil
dar=
aus gezogen; es wurde ihnen ſo
leichter gemacht, die fremden Gäſte
zu erkennen und ihnen recht viel
liebenswürdige Aufmerkſamkeit zu
ſchenken. Nachher fand ſich, daß
dieſe Uniformierung ihren guten
Sinn hat. Denn ein Feſt wie
die=
ſes gelingt nicht allein durch die
bloße Begeiſterung, ſondern es
ge=
hört auch Ordnungsſinn und
Orga=
niſation dazu. Das große Werk
vog ſeine Wellen durch die ganze
Stadt. Und in ganz Wien, genau
ſo wie in Graz und in Klagenfurt,
in Leipzig und in Hamburg, waren
die Radioapparate eingeſchaltet,
und in allen vier Weltgegenden
ihres Landes ſaßen Deutſche und
hörten das Lied der deutſchen
Sänger. Braucht man mehr zu
ſagen, wenn man über die
groß=
deutſche Tat dieſes Wiener
Sänger=
feſtes reden ſoll?. Ja, eines muß
noch geſagt werden. Man hat in
Wien bisher gewohnheitsmäßig die
„Reichsdeutſchen” ſozuſagen als
eine abgeſchloſſene
Menſchenkate=
gorie betrachtet, welcher als andere
Kategorie die Deutſch=Oeſterreicher
gegenüberſtehen. Und man hat
wohl ſchließlich bei allem
Anſchluß=
willen ſich mit einem ganz leiſen
Bangen gefragt, wie dieſer
Stam=
mesunterſchied ſich im engen
Zu=
ſammenleben wohl auswirken wird.
Nun haben die Wiener eine
Ent=
deckung gemacht. Unter den 180000
gleichen Sängermützen haben ſie
ein Dutzend Typen kennen gelernt,
die genau ſo voneinander
abwei=
chen, wie der Oeſterreicher von
jenem Reichsdeutſchen, den es
eigentlich gar nicht gibt, ſondern
es gibt Deutſche, zu deren
reizvoll=
ſten Eigenſchaften es gehört,
äußer=
lich verſchieden zu ſein und doch
im tieſten Innern eins. Dieſe
Einheit hat ihre notwendigen
Sym=
bole, heute die blaue Sängermütze,
morgen ein anderes, größeres Sinnbild. Die Gemeinſchaft aller
dieſer Sinnbilder für eine ſchon beſtehende Einheit
herbeizu=
führen, das große Werk zu ſchaffen, das iſt der Anſchluß.
Reichstagspräſident Löbe über die Wiener
Anſchluß=Kundgebung.
Den Abſchluß des Sängerbundesfeſtes bildete ein Empfang
im Rathaus, zu dem über 1200 Perſonen geladen waren.
Bürger=
meiſter Seitz hielt eine Begrüßungsanſprache, in der er erklärte,
die Teilnehmer des Feſtes könnten mit Stolz ſagen, daß dieſes
Die beſſiſchen Sänger in Wien.
Ein Teil der Sänger vor der Kirche.
Feſt gelungen, ſei als eine große Kundgebung des
Zuſammenſchluſſes aller Deutſchen. Er bat weiter
die Gäſte, wenn ſie in ihre Heimat zurückkehrten, allen den Gruß
des neuen Wien zu überbringen, das ein Jahrzehnt lang Not
und Elend in unbeſchreiblichem Maß gelitten, ſich aber nicht habe
beugen laſſen, das deutſch bleibe und ſeine geſchichtliche Sendung
zu erfüllen habe. Der Präſident des Deutſchen Sängerbundes.
Dr. Liſt, erwiderte mit einem Dank an die Stadt Wien für das
Gelingen des Feſtes. Nach ihm führte Reichstagspräſident Löbe
u. a. aus, Worte ſind zu arm, um das auszudrücken, was man
erlebt habe, als Südtirol im Feſtzug vorüberzog,
Memels Trauerfahne und
das „Zurück zum
Vater=
land!” der Saarländer,
Dieſer Tag würde zur größten
An=
ſchluß= und Einheits=Kundgebung
der Deutſchen der ganzen Welt.
Wenn wir nach Hauſe kommen, ſo
können wir nicht ſagen, wir ſind in
fremdem Lande geweſen und
kom=
men aus fremdem Land, denn wir
ſind ein Volk, eine Nation
und wollen auch ein Staat
ſein. Kann man einem 70=
Mil=
lionen=Volk etwas verbieten? Man
wird es nicht können, dieſe 5 Tage
haben eine etwaige Entmutigung
hinweggeräumt. Löbe erhob ſein
Glas ſchließlich unter lebhaften
Heilrufen auf die große deutſche
Republik der Zukunft.
Der Abtransport
der Sänger aus Wien.
Bereits am Sonntag abend ſetzte
der Abtransport der Teilnehmer
am Sängerbundesfeſt ein. Die Bahn
hatte einen Rieſenandrang
auszu=
halten. Alle fahrplanmäßigen Züge
waren überfüllt, und zahlreiche
Sonderzüge mußten eingeſchaltet
werden. Einzelne der
fahrplan=
mäßigen Züge wurden in drei
Lei=
len gefahren, doch genügte auch
dieſe Teilung nicht mehr, um den
Anſturm zu bewältigen. Der
Ab=
transport der Sänger vollzieht ſich
unter weſentlich ungünſtigeren
Um=
ſtänden als die Hinreiſe, da die
deutſche Bahnverwaltung faſt alle
Sonderzüge, mit denen die
deut=
ſchen Sänger nach Wien gebracht
wurden, wieder zurückbeordert hat,
um ſie zur Beförderung der
deut=
ſchen Turner zum Turnfeſt nach
Köln zu verwenden. Die
öſterrei=
chiſche Bundesbahn mobilifiert ihren
geſamten Wagenbeſtand.
Wie wir aus gut unterrichteten Kreiſen erfahren, hat man
ſich darauf geeinigt, das nächſte Sängerbundesfeſt in
Frankfurt a. M. im Jahre 1933 abzuhalten.
Hundertfünfzigtauſend deutſche Sänger huldigten in Wien dem Geiſte Schuberts.
Franz Schubert,
der vor hundert Jahren verſtorbene Schöpfer des
deutſchen Liedes.
Ein Konzert des 10. Deutſchen Sängerbundfeſtes in der neuerbauten Wiener Feſthalle.
Die beiden erſten Hauptaufführungen in der Rieſen=Sängerhalle haben, wie das im Schubert=Jahre und in Wien nicht anders
zu erwarten war, eine machtvoll ergreifende Schubert=Huldigung gebracht.
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trnubverſich un
der ſcherktigs
erwerkäunfähig
der Eifenha
ſe
Profeſſor Dr. Walter Simons,
oer Präſident des Deutſchen Reichsgerichts, wurde
won den engliſchen, franzöſiſchen und japaniſchen
Matsmitgliedern für den neu zu beſetzenden Poſten
ſeines Richters für den Haager Internationalen
Schiedsgerichtshof vorgeſchlagen. Es gibt kaum einen
Sveiten Juriſten, der über ähnlich vielſeitige
Erfah=
rrungen verfügt, wie Dr. Simons. Er iſt ſeit ſechs
Jahren Präſident des höchſten deutſchen Gerichts, er
fſtand als Reichsminiſter des Aeußern an der Spitze
Eder deutſchen Diplomatie, er war als Präſident des
Meichsverbandes der deutſchen Induſtrie ein
wich=
ſtiger Faktor im Wirtſchaftsleben, er zählt als
Honorarprofeſſor der Leipziger Univerſität zu den
gerſten Rechtslehrern und war als ſtellvertretender
Reichspräſident nach dem Tode Eberts ein würdiger
Repräſentant des deutſchen Volkes. Auch in ſeinem
veuen Nebenamte dürfte Dr. Simons Deutſchland
mit Erfolg vertreten.
Dienstag den 24 Juli 1928
Ein Löns=Oenkmal im Güdharz.
Das Hermann=Löns=Denkmal in Neuſtadt bei Nordhauſen.
Neuſtadt im Südharz hat dem Andenken des vor Reims gefallenen edlen deutſchen Dichters
Hermann Löns, der ſich längere Zeit in dem ſchönen Harzkurort aufgehalten hat, ein ſchlichtes,
ſchönes Denkmal geſetzt.
Sechstagefahrt für Motorräder.
Maleriſche Strecke in Thüringen.
Der Berliner Fahrer Tietjen vor Hirth=Chemnitz.
Unter großer Beteiligung findet die Sechstagefahrt für Motorräder ſtatt. Sie ſtellt eine
aus=
gezeichnete Prüfung für Motorräder aller Klaſſen dar. Am erſten Tage blieben 30, am zweiten
11 Fahrer ohne Strafpunkte.
Zum Raubüberfall im Warenhaus „Ehape‟.
Zu dem Raubüberfall am Samstag nachmittag
in dem Warenhaus „Ehape”, in der Kaiſerſtraße,
melden die hieſigen Blätter noch folgende
Einzel=
heiten: Um 1 Uhr wechſelt in dem Geſchäft das
Per=
ſonal, u. a. wird auch die Kaſſiererin durch eine
Kollegin abgelöſt. Dieſen Wechſel benutzte der mit
den Gepflogenheiten des Geſchäfts anſcheinend gut
vertraute, erwerbsloſe 28jährige Arbeiter Wilhelm
Häuſel aus Dietzenbach zu einem verwegenen
Ueber=
fall. Als die abgelöſte Kaſſiererin mit dem von ihr
vereinnahmten Geld in Höhe von 1800 Mark vom
erſten Stock nach dem im zweiten Stock gelegenen
Büro gehen wollte, erhielt ſie auf der Treppe von
dem kräftigen jungen Mann mehrere Hiebe mit
einem Totſchläger über den Kopf, ſo daß ſie mit
einem gellenden Aufſchrei zuſammenbrach. Im
glei=
chen Augenblick entriß Häuſel dem Mädchen die
Kaſſette und ſtürzte durch die Geſchäftsräume auf
die Straße. Es entſtand, da der Ueberfall bei dem
ſtarken Verkehr im Hauſe ſofort bemerkt wurde, eine
ungeheure Aufregung. Zugleich aber ſetzte eine
ſo=
fortige Verfolgung des Täters ein, an der ſich eine
immer mehr anwachſende Menſchenmenge beteiligte.
Häuſel warf, als er in die Enge getrieben wurde
und ſchließlich keinen Ausweg mehr wußte, die
Kaſſette mit dem Geld weg und flüchtete in ein Haus
in der Weſerſtraße. Den Hausmeiſter, der ihn ſtellte,
ſchlug der Räuber nieder und wandte ſich darauf
gegen einen Verfolger und ſchlug ihn gleichfalls.
Dieſer, ein Chauffeur, verlor aber die
Geiſtesgegen=
wart nicht, ſondern machte mit einer zufällig
dalie=
genden Eiſenſtange den Räuber unſchädlich, ſo daß
herbeigeeilte Polizeibeamte ihn feſtnehmen und dem
11. Revier zuführen konnten. Bei ſeiner vorläufigen
Vernehmung wußte Häuſel für ſeine zweifellos
vor=
bereitete Tat keine Gründe anzugeben.
Naubüberfall bei Kaſſel.
Kaſſel. Kurz vor Kaſſel wurde auf der
Waldſtraße der Berliner Erich Bäcker, der ſich auf
einer Motorradtour befand, von zwei jugendlichen
Motorradfahrern angefahren, ſo daß er mit ſeiner
Maſchine zu Boden ſtürzte und bewußtlos liegen
blieb. Als er nach längerer Zeit wieder zu ſich kam,
ſtellte er feſt, daß ihm während ſeiner Ohnmacht die
Brieftaſche mit 700 Mark, eine goldene Uhr, ein
Ring, der Führerſchein und andere wichtige Papiere
geſtohlen worden waren. Der Verunglückte wurde
nach einer Kaſſeler Sanitätswache gebracht. Schwere
Verletzungen hat er nicht erlitten, die Ohnmacht war
nur durch die ſchmerzhaften Abſchürfungen und eine
Muskelprellung am Kopf entſtanden. Die
polizei=
lichen Nachforſchungen nach den Räubern, die
ver=
mutlich mit den beiden Fahrern identiſch ſind, die
Bäckers Sturz herbeiführten, ſind ſoſort eingeleitet
wurde.
Start zu einem franzöſiſchen
Ozean=Flug.
Paris. Das Waſſerflugzeug „Fregate”,
ge=
ſteuert von Leutnant zur See Paris, iſt vorgeſtern
17.05 Uhr von Breſt zur Ueberquerung des Ozeans
geſtartet. Leutnant Paris, begleitet von einem
zwei=
ten Piloten und einem Funker, gedenkt mit
Zwiſchen=
landungen auf den Azoren und auf den Bermudas
nach New York zu gelangen. Das Flugzeug, ein
Dop=
peldecker, nimmt 4500 Liter Benzin mit und hat
einen Akrionsradius von 4000 Kilometern. Zwei
Mo=
tore zu je 480 PS ermöglichen eine
Durchſchnitts=
geſchwindigkeit von 150 Kilometern.
Im Verlauf der Nacht wurden zahlreiche
Funk=
ſprüche des nach den Azoren unterwegs befindlichen
Flugzeuges „Fregate” aufgefangen, wonach an Bord
alles gut gehe, und daß das Flugzeug ſich mit einer
Geſchwindigkeit von 170 bis 190 Stundenkilometern
fortbewege. Um 1 Uhr früh gab ein Funkſpruch die
Poſition des Flugzeuges mit 41 Grad nördlicher
Breite und 22 Grad weſtlicher Länge an. Danach
be=
fanden ſich die Flieger um dieſe Zeit etwa 600
Kilo=
meter von den Azoren entfernt.
Wie aus Horta, auf den Azoren, gemeldet wird,
iſt der franzöſiſche Fliegerleutnant Paris mit ſeinen
Begleitern im Flugzeug „La Fregate” Montag
mor=
gen dort eingetroffen und gelandet. Damit haben
die Flieger die erſte Etappe ihres Ueberſeefluges
abgeſchloſſen. Nach Aufnahme neuen Brennſtoffes
werden ſie zu ihrer zweiten Etappe in Richtung auf
die Bermudas=Inſeln ſtarden.
Großfeuer in einer Papierfabrik.
Belgrad. In Suſak iſt am Sonntag abend
die Fabrik der Firma Schmidt u. Meunier, die
größte Papierfabrik Südſlawiens, in Brand geraten.
Das Feuer konnte bis in die Morgenſtunden des
Montag noch nicht lokaliſiert werden. Der Schaden
beträgt jetzt ſchon mehrere Millionen Dinar.
Straßenſchlacht im New Yorker Negerviertel.
New York. In Harlem, dem Negerviertel
der Stadt New York, kam es zu einer
Straßen=
ſchlacht zwiſchen der Negerbevölkerung und 150
Poli=
ziſten. Erſt nach mehrſtündigem Kampfe konnte die
Polizei mit Hilfe der Feuerwehr die heulende
Men=
ſchenmenge in die Gewalt bekommen. Die
Veran=
laſſung zu der Schlacht gab die Verhaftung eines
Negers durch die Polizei, die darauf von der
wüten=
den Menge mit Stühlen, Büchern, Backſteinen und
Bügeleiſen bombardiert wurde. Später belagerte eine
etwa 3000 Menſchen zählende Negermenge bis tief in
die Nacht die Polizeiwache und konnte erſt mit Hilfe
von Feuesſpritzen vertrieben werden.
Seite 74
Mummer 204
Meich und Ausland.
Frankfurter Chronik.
Sefängnis wegen Vergehens
ge=
ſy das Verſicherungsgeſetz. Zum erſten
ſage hat ein Frankfurter Gericht wegen Vergehens
gu das Verſicherungsgeſetz eine Freiheitsſtrafe
ver=
hrt. Der Kaufmann Adam Pieſenecker hatte
nvere Zeit hindurch ſeinen Angeſtellten die
Bei=
ſee für die Krankenverſicherung einbehalten, ohne
mn die Ortskrankenkaſſe abzuführen. Die
zurück=
h—ltenen Beträge betrugen 2000 RM. Der
Ange=
neite entſchuldigte ſich bei dem Einzelrichter, wo
ſäich zu verantworten hatte, damit, daß er in
lechten Vermögensverhältniſſen ſich befunden
che. Außerdem ſei er mit der Ortsrkankenkaſſe
ſeseingekommen, die rückſtändigen Beträge in
Ra=
a abzuzahlen. Bis heute hat aber der
Ange=
gitte noch nichts von der hohen Summe abgezahlt.
e: Oberamtsanwalt wies auf die Wichtigkeit der
ſen icherung der Arbeiter und Angeſtellten hin. Der
„Skrankenkaſſe genüge es nicht, daß ſie den
An=
mach habe, ſie müſſe darauf beſtehen, daß die
Bei=
än.e zeitig abgeführt werden. Der Fall ſei dazu
aesetan, eine Gefängisſtrafe auszuſprechen. Es gelte,
e Arbeitnehmer zu ſchützen. Er beantragte eine
jehängnisſtrafe von einem Monat. Das Gericht
ver=
rilte den Angeklagten wegen Vergehens gegen
733 der Reichsverſicherungsordnung zu drei
Mo=
aeen Gefängnis. Mit Rückſicht auf die bisherige
ineſcholtenheit gab das Gericht dem Angeklagten
m: dreijährige Bewährungsfriſt, die davon obhängig
emacht wurde, daß der Angeklagte die rückſtändigen
ſeüträge innerhalb eines Jahres an die
Ortskranken=
iſee abführe. — Wegen des gleichen Vergehens hatte
ch. auch der Geſchäftsführer Robert Krebs vor dem
Aufinen Schöffengericht zu verantworten. Auch er
aure ſeinen Arbeitern und Angeſtellten die
Verſiche=
uy=gsbeiträge vom Lohn abgezogen, ohne ſie an die
ſelsſicherungsſtelle zu überweiſen. Er kam wit einer
Ndſtrafe von 150 RM. davon. —
Gemeinge=
äfhrliche Diebe. Im Mai kam es zwiſchen
inem Polizeibeamten und Einbrechern in der
EiFhersheimer Landſtraße zu einem Feuergefecht. Der
Lmufmann Emil Krager war mit dem
gerichtsbe=
gurnten Eimbrecher Schäfer in einen Zigarrenladen
iy gedrungen. Ein patrouillierender Polizeibeamter
G. Licht in dem Laden. Die Diebe waren durch
as Fenſter eingedrungen. Als der Beamte die Diebe
unn Mitkommen aufforderte, zog Schäfer einen
Re=
ſol. ver. Der Beamte kam dem Diebe zuvor und
choß auf ihn. Mit einer ſchweren Schußverletzung
nirßte Schäfer ins Krankenhaus gebracht werden.
Seiin Zuſtand iſt immer noch nicht unbedenklich,
des=
follb hat das Gericht das gegen ihn ſchwebende
Barfahren vorläufig eingeſtellt. K. mußte fetzt vor
ſenn Kleinen Schöffengericht erſcheinen, das ihm
un=
e Berückſichtigung ſeiner Notlage nochmals
mil=
mrende Umſtände zubilligte. Mit Rückſicht auf die
zmneingefährliche Art wie der Diebſtahl ausgeführt
warde, hätte die Strafe nicht geving ausfallen
ſämnen. Das Gericht erkannte wegen ſchweren
Dieb=
tachls mit Rückfall auf 1½ Jahr Gefängnis.
„DDie Unregelmäßigkeiten beim Bahnhofsbau
Neu=Bentſchen.
Frankfurt a. O. Vor dem hieſigen
Schöf=
ſeingericht begann der zweite Akt des Prozeſſes, in
demn die Unregelmäßigkeiten beim Neubau des
Grenz=
bᛋhnhofes zur Verhandlung ſtehen. Nach der
An=
la geſchrift iſt der Angeklagte, Architekt Paul
Berk=
hulz aus Reppen, verdächtigt, ſich der ſtrafbaren
Hmndlung der paſſiven Beſtechung ſchuldig gemacht
z haben. Dem Bauunternehmer Paul Gentzſch aus
Billichau wirft die Anklage Fälſchungsbetrug,
Be=
tmutgsverſuch und aktive Beſtechung vor. Berkholz,
derr ſchwerkriegsbeſchädigt und heute noch 60 Prozent
emwerbsunfähig iſt, wurde ſeinerzeit aus dem Dienſt
dar Eiſenbahn entlaſſen, da er durch Spekulationen
ſohr lohnende Nebeneinnahmen bezog.
Meichsgerichtspräſident Simons
wird Mitglied des Haager
Schiedsgerichts.
* „Graf Zeppelin”
vor ſeiner erſten Fahrt.
Amerikaniſche Vorbereitungen für
den erſien Atlantik=Flug.
Nach den bisherigen Dispoſitionen des „
Luftſchiff=
baues” in Friedrichshafen iſt damit zu rechnen, daß
der „Graf Zeppelin” in der erſten Auguſthälfte
zu ſeiner Jungfernfahrt aufſteigen wird. Das Schiff
iſt bis auf unweſentliche Einzelheiten fertig und
könnte, da auch die Gaszellen ſchon geliefert ſind und
— ebenſo wie die Motoren — für den Einbau bereit
liegen, in kürzeſter Zeit fahrfertig gemacht werden.
Eine Verzögerung iſt nur dadurch entſtanden, daß die
auf dem Werftgelände errichtete Fabrik, die das
neue Brenngas liefern ſoll, noch nicht mit ihrer
Ein=
richtung ſoweit gekommen iſt, daß die
Gasherſtel=
lung beginnen könnte. Da es ſich bei dem „L. B.
127” vor allem um die Erprobung des neuen
Be=
triebsſtoffes handelt, will man unter allen
Umſtän=
den den erſten Aufſtieg auch gleich mit dieſem
Brenn=
gas ausführen und deshalb auf die Fertigſtellung der
Fabrik warten. Es iſt aber zu hoffen, daß alle
Schwierigkeiten im Laufe der nächſten drei Wochen
überwunden werden, und daß noch Anfang Auguſt
mit der Füllung des Schiffes begonnen werden kann.
Inzwiſchen iſt jedoch auch die Entſcheidung
über die Zuſammenſetzung der
Fahr=
mannſchaft gefallen, die gegenüber der
Be=
ſatzung des „Z. R. III” verſtärkt iſt, weil für die
große Fernfahrt des „Graf Zeppelin” drei Wachen
eingeteilt werden müſſen. Für große Fahrten werden
insgeſamt 38 bis 40 Mann Beſatzung an Bord ſein.
Die oberſte Schiffsleitung wird wieder in den
Hän=
den Dr. Eckeners liegen. Luftſchifführer ſind die
Herren Flemming, Lehmann und Wittemann,
Navi=
gations= bzw. Wachtoffiziere von Schiller, Pruß und
Scherz. Unter den Steuerleuten wird ſich auch der
Sohn Dr. Eckeners befinden, der ſchon ſeit einiger
Zeit beim Luftſchiffbau Zeppelin praktiſch arbeitet.
Das große Intereſſe der
Vereinig=
ten Staaten für die bevorſtehende
erſte Amerikafahrt des Graf
Zeppe=
lin” äußert ſich darin, daß ſchon jetzt alle
Vorberei=
tungen für den Empfang des deutſchen Luftſchiffes
getroffen werden. In den letzten Tagen weilte der
Luftſchiffdezernent des amerikaniſchen
Marinedepar=
tements, Kommandeur Fulton, in Begleitung des
früheren „Los=Angeles”=Kommandeurs Roſendaal in
Friedrichshafen, um das Luftſchiff zu beſichtigen und
ſich über die Wünſche hinſichtlich der
Brennſtoff=
verſorgung und der Bereitſtellung von
Hilfsmann=
ſchaften in Lakehurſt zu informieren. Die
Ameri=
kaner ſind in der Lage, die Brenngasnachfüllung aus
eigenen Gasvorräten zu bewerbſtelligen, ſo daß es
nicht nodwendig ſein wird, von Deutſchland aus die
Brenngasmenge herüberzuſchicken, die der „Graf
Zeppelin” zu ſeiner Rückfahrt über den Atlantk
brauchen wird. Kommandeur Roſendaal wird
vor=
ausſichtlich mit dem Luftſchiff ſelbſt die Fahrt nach
Amerika antreten. Mit den beiden Offizieren weilte
auch Präſident Litchfjeld, von der Amerikaniſchen
Goodyearkomp., in Friedrichshafen. Die
Goodyear=
komp, plant bekanntlich, ſobald der amerikaniſche
Se=
nat die Mittel dafür bewilligt, den Bau zweier
Rie=
ſenzeppeline von annähernd 200 000 Kubikmetern.
Der Fremdenzuſtrom nach Friedrichshafen verſtärkt
ſich von Tag zu Tag. An Sonntagen wird das
Schiff regelmäßig von 10 000 bis 15 000 Pevſonen
beſucht.
Schweres Eiſenbahnunglück bei Boſton.
Boſton. Bei einem Eiſenbahnunglück, von dem
ein Güterzug mit 20 Zirkuswagen in Farmington
(New Hampſhire) betroffen wurde, kamen, ſoweit
bis=
her feſtgeſtellt werden konnte, ſechs Arbeiter ums
Leben; viele wurden verletzt. Das Unglück iſt dadurch
entſtanden, daß ein Zirkuswagen von einem offenen
Güterwagen herunterrollte und auf die Gleiſe fiel,
ſo daß ſieben der folgenden Wagen entgleiſten und
ſich übereinander türmten. — Ergänzend wird zu dem
Eiſenbahnunglück gemeldet: Bisher ſind acht Leichen
geborgen. Viele Perſonen ſind verletzt. 300
Ange=
ſtellte des Bernardo=Zirkus arbeiteten ſtundenlang in
ſtrömendem Regen, um die Verunglückten aus den
Trümmern herauszuholen. Zwei Waggonladungen
mit wilden Tieren ſind unverſehrt geblieben, Keines
der Tiere iſt entkommen.
Hochbahnunglück in Boſton.
Boſton. Hier entgleiſte ein Hochbahnzug und
ſtürzte eine Böſchung hinab. Da der Zug nur ſchwach
beſetzt war, wurden bei dem Unfall nur zwei
Per=
ſonen getötet und etwa 20 verletzt.
Ein Flieger als Touriſienreiter.
Pilot Thoret
erblickte beim Ueberfliegen des Mont Blanc eine
Bergſteigerin in Not. Er alarmierte eine
Rettungs=
patrouille und flog dann wieder zu dem
Verunglück=
ten zurück. Auf die Tragflächen ſeines Apparates
hatte er folgende Worte malen laſſen: „Rühren
Sie ſich nicht vom Platze, Hilfe kommt‟. Die
Ret=
tungskolonne fand dann auch die Bergſteigerin,
ebenſo ihren abgeſtürzten Kameraden.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Vom Holzmarkt ſchreibt uns unſer Mitarbeiter: Das Geſchäft iſt
ſehr ſtill geworden. Der Baumarkt hat wenig zu tun, da das nötige
Baugeld hierzu fehlt. Man dachte, daß im Sommer reichlichere Mittel
am Hypothekenmarkt bereit ſein würden. Dieſe Annahme iſt jedoch
irrig, die Hypothekengelder ſind ſehr teuer und ſpärlich. Am polniſchen
und oſtdeutſchen Stammkiefernmarkt herricht eine vollkommene
Enttäu=
ſchung. Auch Stammware in ſtarken Abmeſſungen zu Fenſtern und
Türen wiro ſtark angebeten, und es iſt hierin auch ſpäter keine Not zu
erwarten. Im Zuſammenhang damit, daß das Angebot von allen
Seiten ziemlich dringend geworden iſt, iſt in der letzten Zeit ein
Preis=
rückgang von 3—5 RM. je Kubikmeter zu verzeichnen. Abſchlüſſe von
500 Kubikmeter und mehr, die zu Beginn des Jahres ſehr häufig
waren, haben völlig aufgehört. Die Nachfrage nach Rohholz an den
Waſſermärkten iſt gering. Die Kreditverhältniſſe im Tiſchlereigewerbe
ſind ſchwierig und unüberſichtlich. Inſolvenzen treten häufiger ein als
im Jahre 1927.
Konſervenfabrik Joh. Braunu A.=G., Worms. Die geſtrige
Gene=
ralverſammlung der Konſervenfabrik Joh. Braun A.=G. in
Pfedders=
heim=Worms, in der zehn Aktionäre 1 458 920 RM. Aktienkapital mit
72 946 Stimmen vertraten, genehmigte einſtimmig den bekannten
Ab=
ſchluß. Wie der Vorſitzende bemerkte, habe man ſich zur Ausſchüttung
von 6 Prozent Dividende entſchloſſen, nachdem die Aktionäre einige
Jahre ohne Gewinnanteil geblieben ſind, weil man das Unternehmen
innerlich kräftigen wollte. Den Vortrag habe man mit 50 820 RM.
abſichtlich gleich groß wie im Vorjahre gehalten, damit es nicht heiße,
die Geſellſchaft habe ihre Dividenden zum Teil aus dem Gewinuvortrag
bezahlt. Das ausſcheidende Aufſichtsratsmitglied Louis Rühle=Worms
wurde durch Zuruf wiedergewählt.
Doch Dividende bei der Georges Geiling u. Cie., Bacharach a. Rh.
Wie wir erfahren, beſteht nach den ſchwebenden Verhandlungen einer
Mehrheitsgruppe, die wohl über die Hälfte des Stammkapitals beſitzt,
und dem Aufſichtsrat durchaus die Möglichkeit, entgegen des bisherigen
Aufſichtsrats=Beſchluß für 1927 die Dividendenzahlung in geringer Höhe
nun doch aufzunehmen. Auch wird die Mehrheitsgruppe, die ſich der
Verwaltung als ſolche überraſchend präſentiert, einen Fachmann in den
Aufſichtsrat entſenden.
Mannheimer Produktenbörſe vom 23. Juli. An der Produktenbörſe
blieben Futtermittel abgeſchwächt, wogegen Brotgetreide ruhiger lag
als an der vorigen. Man verlangte für die 100 Kg. ohne Sack
waggon=
frei Mannheim in Reichsmark: Weizei inl. 26,50—26,75, ausl. 28—30,75,
Noggen inl. 28, Hafer inl. 27,50—28, Braugerſte ausl. 31—35,
Futter=
gerſte 23,5—24,5, Mais imt Sack 24,75—25, Südd. Weizenmehl Spezial
Null 35,5, Südd. Roggenmehl je nach Ausmahlung 36—37,50, Kleie 14
bis 14,25.
Frankfurter Produktenbericht vom 23. Juli. Der heutige
Produk=
tenmarkt eröffnete die neue Woche in matter Haltung. Die ungünſtigen
Auslandsmeldungen verſtimmten allgemein, ſo daß die Händler weiter
große Zurückhaltung bekundeten und nur in den notwendigſten Fällen
zu Deckungen ſchritten. Roggen in alter Ernte war beſonders ſtark
angeboten, und es kamen nur Umſätze bei einem ſtark ermäßigten Preis
zuſtande. Auch Roggenmehl lag im Einklang damit beträchtlich ſchwächer.
Getreide neuer Ernte iſt nur knapp angeboten, die Preiſe hierfür liegen
gut behauptet. Am Futtermittelmarkt war die Stimmung weiter feſt.
Beſonders Mais war reger verlangt bei etwas anziehendem Preis. Die
Preiſe wurden wie folgt feſtgeſetzt: Weizen I 25.50, Roggen 26, Hafer
inl. 27—27.50, Mais für Futterzwecke 25, Weizenmehl 35.25—35.50,
Noggenmehl 36—36.50, Weizenkleie 14, Roggenkleie 15.75, Erbſen 32
bis 60, Linſen 50—95, Heu 7.50—8, Weizenſtroh drahtgepreßt 4.30—4.50,
gebündelt 3.60—3.75, Treber 18.25—18.50.
Berliner Produktenbericht vom 23. Juli. Im Einklang mit den
flauen Auslandsmeldungen wies die heitige Produktenbörſe eine recht
ſchwache Haltung auf. Die Auslandsofferten für Brotgetreide waren
erheblich im Preiſe reduziert, auch Inlandsbrotgetreide alter Ernte
wurde zu billigeren Preiſen angeboten. In Brotgetreide neuer Ernte
hat Weizen noch nicht laufend Geſchäft, Roggen wird nicht dringend
angeboten; die Gebote der Mühlen lauten zu niedrig, als daß Umſätze
zuſtande kämen. Es beſteht namentlich Nachfrage für Julilieferung, die
jedoch angeſichts des die Ernte verzögernden Wetters nur zu hohen
Preiſen befriedigt werden kann. Spätere Lieferung war im Preiſe
etwas ermäßigt. Das Mehlgeſchäft bleibt bei nachgebenden
Forderun=
gen weiter ſehr ſtill. Hafer liegt etwas freundlicher, jedoch wird nur
gute Waggonware beachtet. Gerſte unverändert. Am
Lieferungs=
markte lag Weizen ausgeſprochen flau. Juliroggen wird zur Deckung
weiter gefragt und war im Preiſe gehalten. Die Herbſtſihten lagen
gleichfalls ſchwächer.
Die Metallnotierungen in Berlin am 23. Juli ſtellten ſich für je
100 Kilogramm für Elettrolytkupfer, prompt eif Hamburg, Bremen oder
Notterdam (Notierung der Vereinigung f. d. Dt. Elettrolytkupfernotiz)
139,75 RM. — Die Notierungen der Kommiſſion des Berliner
Metall=
börſenvorſtandes (die Preiſe verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland, für
prompte Lieferung Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenaluminium,
98= bis 99proz., in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren 190 RMM., desgl.
in Walz= oder Drahtbarren 99proz. 194 RM., Reinnickel 90= bis 99proz.
350 RM., Antimon Regulus 85—30 RM., Feinſilber (1 Kilogr. fein)
80.25—82.00 RM.
Die Metallnotierungen an der Londoner Börſe vom 23. Juli ſtellten
ſich für Kupfer: (Tendenz: träge) Standard per Kaſſe 6212//e bis
6215/ze, drei Monate 632/4—63½, Settl. Preis 62¾, Elektrolyt 68¾4 bis
69½, beſt ſelected 65½—66½, ſtrong ſheets 94, Elektrgwirebars 69½;
für Zinn: (Tendenz: feſt) Standard per Kaſſe 216—216½, drei
Mo=
nate 213—213½, Settl. Preis 216; inoff.: Banka 219½, Straits 219;
für Ble
tierungen: Aluminium für Inland 9, für Ausland 100;
Anti=
mon Reg., engl. Erzeug.=Preis 59½—60, chineſ. per 36; Queckſilber
20¾, Platin 17, Wolframerz 15¾, Nickel für Inland und Ausland 175,
Weißblech 18½, Kupferſulphat 26½—2634, Cleveland Gußeſſen Nr. 3
Weißblech 18½, Kupferſulphat 26½—26½, Cleveland Gußeiſen Nr. 3 66.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die Zulaſſung der RM. 250 000 00— Teilſchuldverſchreibungen vom
Jahre 1928 und RM. 107 320 000,— a. d. Inh. lt. neue Stammaktien der
J. G. Farben=Induſtrie A.=G. zur Novierung in Fvankfurt a. M. wurde
genehmigt.
Die Deutſche Handelskammer in Schanghai teilt mit, daß die Friſt
für Nachanmeldungen für die vor dem 31. Mai 1927 in Peking
end=
gültig eingetragenen Warenzeichen bis zum 18. Auguſt läuft. Das
Warenzeichenamt in Peking ſoll geſchloſſen ſein. Es wird vermutlich
mit den übrigen Behörden nach Nanking verlegt werden.
Der Roheiſenverband hat den Verkauf für den Monat Auguſt zu
unberänderten Preiſen aufgenommen. Auch die Zahlungsbedingungen
erfuhren keine Veränderung.
Die Hohlenförderung Großbritanniens zeigt in der am 7. Juli
ab=
gelaufenen Woche eine Steigerung auf 4 471 100 To. gegen 4 347 100 To.
in der Vorwoche, während die Zahl der Lohnempfänger von 918 200 auf
914 300 zurückging.
Die Erhöhung der Diskontrate durch die Federal Reſerve=Bank in
Chicago machte an der Warſchauer Börſe keinen ſtärkeren Gindruck.
Polen behält, ebenſo wie die Tſchechoſlowakei, ſeinen bisherigen
Diskont=
ſatz bei. Im übrigen ſtagnierte das Geſchäft.
Die polniſchen Zuckerraffinerien wandten ſich an die Regierung mit
der Bitte um Ermäßigung der Exportfrachten für Zucker, der über
Danzig, Gdingen oder Dirſchau exportiert wird. Die polniſche
Re=
gierung erklärte ſich zur Rückzahlung eines gewiſſen Teiles der Fracht
bereit, inſofern der Zucker vor Ablauf von 8 Monaten von den
ge=
nannten Häfen aus ins Ausiand befördert wird. Die Exporteure
wün=
ſchen eine Ausdehnung des Termins auf ein Jahr.
Im ruſſiſchen Haushaltsvorſchlag für 1828/29 ſind u. a. für den
Ausbau der Induſtrie und Elektrifizierung 940 Mill. Rbl. und für
die Zuwendungen an die Landwirtſchaft 255 Mill. Rbl. vorgeſehen.
Anfang September ſoll mit Jugoſlawien über den Abſchluß eines
Abkommens verhandelt werden, durch das die Alt=Kronen=
Verbindlich=
keiten zwiſchen Jugoſlawien und der Tſchechoſlowakei geregelt werden
ſollen.
Frankfurter und Beriiner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 23. Juli.
Zum Wochenbeginn nahm die nun ſchon einige Zeit herrſchende
ſtarke Geſchäftsſtille eher noch zu. Bei reiter faſt vollkomenem
Order=
mangel verharrte die Spekulation in größter Luſtloſigkeit und
Zurück=
haltung, ſo daß nur vereinzelt Umſätze zuſtande kamen. Dabei
über=
wog die Abgabeneigung, und die Tendenz war meiſt etwas ſchwächer.
Die unregelmäßige, überwiegend ſchwächere New=Yorker Börſe vom
Samstag konnte keine Anregung bieten. Verſtimmend wirkten die
weiter uneinheitliche Entwicklung der Arbeitsmarktlage und die Ver=
ſchärfung der Abſatzkrife im Ruhrkohlenbergbau. Am Geldmarkt
wer=
den die Ausſichten weiter meiſt nicht ſehr günſtig betrachtet, da man
mit großen Anſprüchen der Landwirtſchaft rechnet. Befürchtungen
hin=
ſichtlich einer evtl. baldigen Erhöhung des Reichsbankdiskonts durften
jedoch bei dem günſtigen Status der Reichsbank unbegründet ſein. Bei
der erſten günſtigen Notierung waren meiſt etwa 1 bis 2prozentige
Kursrückgänge zu verzeichnen. Stärker abgeſchwächt waren am
Elektro=
markt Chadeaktien mit minus 3 Prozent, während A. E.G. und
Berg=
mann je 2 Prozent und Gesfürel 134 Prozent verloren. Siemens
konnten ſich knapp behaupten. Am Montanmarkt lagen vor allem
Rhei=
niſche Braunkohlen mit minus 41 Prozent im Angebot, die übrigen
Werte waren wenig verändert. Weiterhin waren Karſtadt mit minus
439 Prozent ſtärker rückgängig. J. G. Farben eröffneten ¾ Prozent
niedriger. Von den Autoaktien ſetzte ſich die Kursſteigerung der
Kleyer=
aktien um weitere 1½ Prozent fort, während Daimler etwas nachgaben.
Deutſche Anleihen lagen ſtill, ausländiſche Renten geſchäftslos.
Im Verlaufe blieben die Kurſe meiſt etwa behauptet bei weiterhin
faſt vollkommener Umſatzloſigkeit. Die deutſche Außenhandelsbilanz für
Juni wurde auch jetzt nur wenig beachtet. Verſchiedentlich wurde die
herrſchende Zurückhaltung mit dem nahenden Ultimo begründet. Der
Geldmarkt war kaum verändert. Tägliches Geld 7 Prozent. Am
De=
viſenmarkt lag das Pfund international etwas ſchwächer. Man nannte
Mark gegen Dollar 4,1888, gegen Pfunde 20,365, London=Kabel 4,8607½,
Paris 124,18, Mailand 92,80, Madrid 29,43, Holland 12.08½/8.
Die Frankfurter Abendbörſe lag ſehr ruhig, doch auf höhere
New Yorker Kurſe etwas befeſtigt. Sonderbewegungen traten nicht
hervor. Adlerwerke Kleyer ſehr ſtill und unverändert, dagege
Daim=
ler um 134 Prozent befeſtigt. Freigabewerte etwas angeregt, da
ver=
autet, daß die Berliner Handelsgeſellſchaft bereits Freigabezahlungen
aviſiert bekommen habe. Elektroaktien und der Chemiemarkt ohne
Ver=
änderung. Auch der weitere Verlauf der Abendbörſe ſowie der Schluß
waren unverändert. Im einzelnen nannte man: Commerzbank 183,5,
Darmſtädter 265, Deutſche Bank 164,25, Diskonto 158, Dresdner 164,5,
Gelſenkirchen 131,5, Harpener 146, Ilſe 234, Aſchersleben 245, Hapag
163,75, Nordd. Lloyd 153,75, Licht und Kraft 212,75, Fa=ben 259,5,
Gesfürel 257, Holzverkehlung Laymeyer 168, Rütgers 98,5, Siemens
359, Zellſtoff Aſchaffenburg 221.
Berlin, 23. Juli.
Die Börſe eröffnete am heutigen Wochenbeginn in eher ſchwächerer
ind ausgeſprochen luſtloſer Tendenz. Ordereingänge lagen weder vom
Auslande noch aus der Provinz vor. Im weiteren Verlauf der Börſe
hielt die ſchwache Tendenz an, weil man nicht nur, wie bisher, eine
Erhöhunug des Reportgeldſatzes, ſondern auch eine Kürzung des
Re=
portgeldes erwartet. Das Geſchäft ſtagnierte vollkommen, und die
Um=
ſätze beſchränkten ſich auf ein Minimum. — Ausgehend von einigen
Spezialpapieren, in denen ſich lebhaftes Geſchäft entwickelte, wurde die
Tendenz gegen Schluß der Börſe allgemein freundlicher, und die
An=
fangsnotierungen konnten durchweg wieder erreicht, zum Teil ſogar
noch überſchritten werden.
A. E. G
Augsb.=Nürnb. Maſch
Baſalt.
Bergmann.
Berl. Karlsruhe Fr
Berl. Hand.=Geſ.
Braunkohl. Briketts
Bremer Wolle
Danatbank. .
Deutſche Bank.
Diskontogeſ.
Dresdner Bank..
Deutſche Maſchinen
Deutſche Erdöl
Deutſche Petroleum.
ynamit Nobel .. . . / 123.75
Elektr. Lieferung
J. G. Farben..
Gelſenk. Berg. .
G. f. elektr. Untern.
Han. Maſch.=Egeſt.
Hanſa Dampfſch. .
Hapag ..
Harpner. . . .
Hemoor Zement. . .
23. 7.
137.—
128.5
80 75
152 —
245.—
425.—
245.25
182.5
232.5
129.75
161.—
98.125
92.625
60.—
68.5
Deviſenmarkt.
Helſingfors
Wien.
Prag ..
Ludapeſt ...
Solia ......."
Tolland .. ..
Cslo ......."
Kopenhagen
Stockholm .. .
London ....."
Buenos Aires
Teu=York
Relgien
Geld/Brief
59.03
12.40
72.93/ 73.07
3.017
58.43
10.53 10.55
59.15
12.424
3.023
168.77
11.861112.08
1r1.s2/1 12.14
112.07
20.354
1.768
112 9.
20.394
1.772
23. 7.
Geld /Brief
10.52710.541
59.02 59.14
2.407/12.42
72.93/ 73 07
3.019/ 3.02.
168.39/168.73
111.81/112.03
111.85/112.0.
12.0211 12.24
20.345/20.38
1.766/ 1.770
4.1864 194
58.295/58.415
Italien.
Paris
Schweiz..
Spanien.
Danzig.
Fapan. . . . . . .
Rio de Janeiro
Jugoſlavien.
Portugal
Athen.
Konſtantinopel
Ranada.
üruguan.
Geld
21.93
80.59
69.19
81.35
1.918
0.5005
7.358
18.58
5.415
2.135
4. 163
4.276
80.75
69.9:
81.50
1.922
5025
7.372
18.621 18.58
5.425
2.139
4.171
4.284
23. 7.
Brie /Geld / Brief
21.97 ki.g2 ſe1.96
6.38 16.42 H16.375 16.415
80.58 80.74
81.34
1.910
0.50
5.415
2. 135
4.17
4. 276
69.08 69 22
31.50
1.914
0.502
7.360/ 7.374
8.62
5.425
2.139
4.181
4.284
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chicago, 23. Juli. (Priv.=Tel.)
Weizen. Der Weizenmaukt begann zwar ſehr flau, wofür
eine=
ſeits die Haltung Liverpools, andererſeits die günſtigen offiziöſen
run=
ſiſchen und ungariſchen Ernteberichte beſtimmend waren. Weiterbr;
verwies man als Gründe für den Preisſturz auf das für die Beendigunu
der Erntearbeiten im Winterweizengebiet vorherrſchende ſchöne Wetten
und die großen Eiſenbahnzufuhren im Südweſten des Landes.
Mais. Die ausgezeichnete Witterung, die während des Wochenende
geherrſcht hatte, und die großen Eiſenbahnzufuhren am Platze
kame-
am Maismarkt bei Beginn in einem, wenn auch nur leichten
Rückgam=
der Preiſe zum Ausdruck. Später wurde die Tendenz allgemein ſchwö,
cher, im Anſchluß an die ungünſtige Verfaſſung des Marktes in Bueng
Aires und auf Gerüchte, daß amerikaniſcher Mais im Ausland zu er,
mäßigten Preiſen ſtark angeboten wird.
Roggen. Im Einklang mit der Bewegung des Weizenmarktes Ian
auch Roggen heute recht matt. Die günſtig Wettervorausſage und die
gute ungariſche Ernteſchätzung führten gleich bei Beginn zu erhebliches,
Preisabſchlägen, die ſich ſpäter noch bedeutend verſtärkten, a. Winnipeger Markt ungünſtige Nachrichten eingingen und die
Expor=
nachfrage zu wünſchen übrig ließ.
Hafer. Das gute Erntewetter veranlaßte die Intereſſenten am heun
tigen Hafermarkt Glattſtellungen vorzunehmen. Namentlich wurdes
hievvon die Julipreiſe betroffen. Während der weiteren Umſätze ka:,
auch von den Lokohäuſern Ware auf den Markt.
* New York, 23. Juli. Priv.=Tel.)
Baumwolle. Zu Beginn des heutigen Baumwollmarktes
zeig-
ſich erneut Abgabeneigung, die eine Folge des niedrigen Liverpools unn
der Berichte über weitere Niederſchläge in Weſttexas waren. Späte,
ließ der Abgabedruck nach und die Handelskreiſe kauften, ſo daß ſich eim
Erholung durchſetzen konnte. Die Preiserhöhungen wurden aber durrt
mäßige Verkäufe wieder ausgeglichen. Gegen Schluß machten ſich einige
Deckungsbedürfniſſe geltend.
Kaffee. Der Kaffeemarkt verlief, anſcheinend auf Deckung, ſteti;
Im weiteren Verlauf machte ſich im Hinblick auf die willige Haltuny
der braſilianiſchen Märkte Liquidationsneigung geltend. Auch verkaum
ten europäiſche Handelskreiſe.
Zucker. Im Julitermin fanden zu Beginn des heutigen
Zucke=
marktes größere Deckungen ſtatt, wodurch die Notiz erheblich geſteige:
wurde Auch in den übrigen Sichten erfolgten einige Deckungen, diü
mit Käufen für enropäiſche Rechnungen — eine Folge der gebeſſerts=
Verfaſſung des Londoner Marktes — zu einer Befeſtigung führte-n
Hedginsverkäufe und Glattſtellungen bewirkten im Verlauf eine Aäd
ſchwächung, bis ſich ſchließlich infolge von Deckungen eine erneute E
holung durchſetzen konnte.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 23. Julu
Getreide. Weizen: Juli 118½, Sept: 121½, Dez. 125½
Mais: Juli 106½, Sept. 94½, Dez. 78; Hafer: Juli 47½, Sep
39½, Dez. 42½; Roggen: Juli 97½, Sept. 99½, Dez. 101½.
Schmalz: Juli 12,30, Sept. 12,42½, Okt. 12,60, Dez. 12,67½
Fleiſch. Rippen: Juli 14,00, Sept. 14,02½, Okt. 13,85; Sper‟
loko 14,25; leichte Schweine 10,00—11,25, ſchwere Schweine 10,2
bis 11,10; Schweinezufuhren: Chicago 32 000, im Weſten 7000
Baumwolle: Juli 20,40, Oktober 20,27—20,30.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 23. Jull
Getreide. Weizen: Rotwinter 151½, Haruwinter 131½; Mai
teu ank. Ernte 115; Mehl, ſpring wheat clears 6,10—6,60
Fracht: nach England 1,3—2,0 Schilling, nach dem Kontinent 7—
Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 13,05; Talg, extra, loſe 8ᛋ
Kakav. Tendenz: willig; Umſatz in Lots: 152; Loko 13½
Auguſt 12,62, Sept. 12,85, Okt. 13,05, Nov. 12,95, Dez. 12,8-1
Januar 1929: 12,78: März 1929: 12,74.
uurre
200
andere
r vorerſ
7A
Viehmärkte.
Mannheimer Viehmarkt vom 23. Juli. Zum heutigen Viehmarn
ſaren zugeführt und wurden die 50 Kg. Lebengewvicht je nach Klaß
gehandelt: 198 Ochſen 30—60, 219 Bullen 30—51, 297 Kühe 18—51, 3—
Färſen 38—61, 598 Kälber, 46—78, 26 Schafe 44—48, 2719 Schlvein
56—72, 131 Arbeitspferde pro Srüx 900—1700 Mk., 68 Schlachupferki.
pro Stück 60—110 Mk.. Marktverlauf: Mir Großvieh ruhig, kleine
Ueberſtand, mit Kälbern mittelmäßig, geräumt; mit Schweinen mitts
mäßig ausverkauft; mit Arbeitspferden wittelmäßig; mit Schlachy
pferden rnhig.
Frankfurter Viehmarkt vom 23. Juli. Der Auftrieb des heutigee
Hauptmarktes beſtand aus 11 178 Rindern, darunter 309 Ochſen,
Bullen, 487 Kühe und 274 Färſen, ferner aus 401 Kälbern, 40 Schafs”
und 4397 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb des letzten Haus;
marktes waren heute 660 Rinder, 185 Kälber und 790 Schweine wenig
angetrieben, während der Auftrieb in Schafen unverändert blie-
Marktverlauf: Rinder rege, ausverkauft. Schweine lebhaft, Kälber um
Schafe ruhig, geränmt. Schafe wegen des geringen Antriebs nicr
notiert. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht: Ochſen a I 58—G.
II 54—57, bT 48—53, II 40—47, Bullen a 49—52, b 45—48, Kühe
a-
bis 50, b 41—45, c 35—40, d 28—34, Färſen a 58—61, b 54—57, —
bis 53, Kälber b 72—77, c 67—71, d 56—66, Schweine a 69—72, b*
bis 73, c 72—74, d 72—75, e 66—70, g 57—62. Im Vergleich zu de
Notierungen der vorigen Woche zogen Rinder bis zu drei Mark um
Kälber und Schafe bis zu je fünf Mark an. Fleiſchgroßmarkt: Ochſe
fleiſch I 95—102, II 85—95, Bullenfleiſch 80—86, Kuhfleiſch I 70—S
II 50—70, III 30—50, Kalbfleiſch T 100—110, II 90—100, Shweinefleifn
85—95, Gefrierfleiſch, Rindfleiſch, Vorderviertel zollfrei 54, verzo.
55, Hinterviertel zollfrei 64, verzollt 75.
Fi ee
anleihe von 1927
60 Baden
Frei=
ſtaat von 1927.
6% Bay. Freiſtaat
von 1927.....
6% Sachſen
Frei=
ſtaat von 1927.
7% Thüringer
Frei=
ſtaat von 1927.
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. +
Ablöſungsanleih.
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.
Dtſche. Schutzge
bietsanleihe
8% Bad.=Bad. v. 26
6%Berlin v. 24
8½ Darmſtdt. v. 26
7% Frkf. a. M. v. 26
8%Mainz v. 96 ..
8½Mannh. v. 26
8%Nürnberg v. 26
87
79.5
80
80
86
%Rhein. HyP.=Bk.)
8‟ Rhein.=Weſtf.
Bd.=Credit
8% Südd. Bod.
Cred.=Bank.
8% Württ. Hyp.=B
Frankfurter Kursbericht vom 23. Juli 1928.
51.5
17.9
94
93
81.5
92.5
80 Berl. öhp.=Bk.
8% Frkf. Hyp.Bk.
8%o
Pfbr. „
8% Heſſ. Landes
82
8% Kom.
Landes=
bank. Darmſtadt
6
8½ Mein. Hyp.Bk
8% Pfälz. Hyp.Bk.
8½ Preuß. Ctr.=
Stadtſchaft. . . .
98
97.5
97.5
97.5
90.5
89
94
88.5
83
97.5
98
9775
97.75
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
+ Ausl. Ser. I.
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
+Ausloſ. Ser. I
6% Daimler Benz
von 27
..
8% Klöckn=Werke
Berlin v. 26.. . .
70 Mainkrw. v. 26.
7% Ver. Stahlw.
mit Opt v. 26
8% Boigt & Häffner
v. 26
5% Bosn. L. E. B.v.
1914 .........
4½% Oſt.
Schatz=
anw. v. 1914
4% Oſt. Goldrente
4½% Rum. Gold
von 1913....."
4% Türk. Admin.
40
1. Bagd
4% „ Zollanl.
4½% 1913 Ungarn
1914
4% Ung. Goldr.
Aßtien
Allg. Dt. Creditanſt.
Bk. f. Brauinduſtr.
98
94.5
50.75
68
76
97.75
85.5
87.25
94
39
33.2
22.5
10:.
25.6
Pe
Comm. u. Privatb. 182
Darmſt. u. Nt.=Bk. 265
Deutſche Bank .. . 163.5
Eff.=u.
Wechſel=
bank"
1121
Vereinsbank . . 103
Diskont.=Geſellſch.. 1158
Dresdener Bank .. /163.75
Frankf. Bk.
115
Hyp.=Bk. 1150.25
Pfdbr.=Bk. 153
Gotha. Grundkr. B. /139.75
Mein. Hyp.=Bank/134
Metallbank.
142
Mitteld. Creditbk. 138.5
Nürnb. Vereinsbk. /160
Oſt. Creditanſtalt. 34
Pfälz. Hyp.=Bank/160
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Creditbank
Hyp.=Bank
Südd. Bod.=Cr. Bk.
Wiener Bankverein
A.=G.f. Verkehrswſ.
Dt. Eiſenb.=Geſ..
7% Dt. Reichsbahn=
Vorzge.
Hapag
Nordd. Lloyd. . . . .
Schantung=Eiſenb
Südd. Eiſenb.=Geſ
267.75
127
190
15:I.
165.5
94 75
163.25
154
130
Accum. Berlin.
Adlerw. (v. Kleher),12c
6% AEG. Vorzug
4
AEG. Stamm..
Baſt Nürnberg . . . /226.5
Bergm. G. Werkel
BrownBoverickCie 163.7:
Brüning & Sohn. 127.5
Buderus Eiſen ..."
Cement Heidelberg/135
Karlſtadt /172
Chem. WerkeAlbert. 91
„ Fabrik Milch
Daimler=Benz . 1102
Dt. Atl.=Telegr.
Eiſenh. Berlin/ 75.75
Erdöl
Gold= u. Stib.*
ſcheide=Anſtalt /205
Linolwerk Berl. /374
Eichbaum, Brauer.
Elektr. Licht u. Kraft/213
Liefer.=Geſ.
Eſchw. Bergwerk 1200
Eßling. Maſchinen! 52.75
Ettling. Spinnerei/224
Faber, Foh., Bleiſt. 55.5
F. G. Farbenindſtr. 258
Felt. & Guilleaum.
Feinmech. (Jetter)) 82.5
Frrft. Gas
1145
Hof... . . . . . 101.5
GBeiling & Cie. ..
Gelſenk. Bergwerk/132
Geſ. f. elektr.
Un=
ternehmungen . . 1257
Goldſchmidt Th. 93.1
Gritzner Maſchinen, 130.5
Grün & Bilfinger. 175
Hafenmühle Frkft. 133
Hammerſen (Osn.//151.5
Harpener Bergbau/145.75
Henninger, Kempf. /191
Hilpert Armaturfb. 81
Hindrichs=Aufferm. /110
Hirſch Kupfer . . . . 136
Hochtief Eſſen
Holzmann, Phil. . .
Holzverk.=Induſtrie
Ilſe Bergb. Stamm
Genüſſ.
Junghans Stamm
Kali Aſchersleben.
Salzdetfurth.
„ Weſteregeln
Kammgarnſpinn. .
Karſtadt, R. . . .
Klein, Schanzl. . .
Klöcknerwerke
eraftw. Alt=Württ
Lahmeyer & Co.
Lech, Augsburg ...
Löwenbr. Münch
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr. Darmſt
Mainkr.=W. Höchſt
Mainz. Akt.=Br.
Mannesm. Röhren
Mansfeld. Bergb..
Mars=Werke
Metallgeſ. Frankft.
Miag, Mühlenbau
Motorenfb. Darmſt.
Neckarſ. Fahrzeug.
Nicolay. Hofbr
Oberbedarf
Oſterr. AlpineMon.
Otavi Minen".
Peters Union Frkf.
Phönix Bergbau
Reiniger Gebb...
Rh. Braunkohlen..
Elektr. Stamm
Stahlwerke .
Riebeck Montan".
141
89.75
112.5
87.9
248
430
245
103
121.75
88.5
168.25
112
327
88
16.5
272
120.
108.25
108.5
194
59.5
14
107
90
138.5
Roeder Gb. Darmſt.
Rütgerswerke .."
103.5
38
Dachtleben A.=G.
Schöfferhof=Bind. 1210
Schramm Lackfrb 1357
Schriftg. Stempel. /124.2
Schuckert Elektr., 1115
Schwarz Storchen. 1195
Siem. Glasinduſtr. 173
Siemens & Halskel
Südd. Immobilien
Zucker=AG./ 89
Strohſtoff. Ver. 151
Tellus Bergbau 1270
Thür. Lief.=Geſ.. 1120.5
Tucher, Brauerei
Unterfr. Krs.=Elek=/168
tr.=Verſ.
Veithwerke
Ver. f. Chem. Ind.
Gummifabrik
Berlin=Franrf./ 94
Laurahütte.
Stahlwerke 93.2
Ultramarin. . . 1151
Zellſt., Berlin/147.5
Vgtländ. Maſchinen
Voigt & Haeffner 1209
Wanß & Frehtag 1141
Wegelin Rußfabrikl 14.9
Werger Brauerei 1187
Zellſt. Aſchaffenbg. 223
Memel .. . . 141.2
Waldhof
Allianz u. Stuttg.
Verſicherung .. . 183.5
Frkft. Allg. Verſ.=G’225
Frankona Rück= u.
Mitv. . . . .
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Nummer 7
DARMSTADTER TAGBLATT — HESSISCHE NEUESTE NACHRICHTEN
24. Jul 1928
Gummi-Gummi!
Von
Dr. Hellmut Thomasius.
Die Gummifrage ſtellt eine Lebensfrage für die Technik dar.
Aages ihre Löſung ſein wird, läßt ſich noch nicht überſehen.
ſei= und andere Metalle, Holz, Leder und vor allem auch Kohle
deni wir vorerſt noch in Hülle und Fülle. Wo für die Zukunft
Mangel zu befürchten iſt, wie zum Beiſpiel bei der Kohle,
zon ſich wenigſtens Wege, die man vorausſichtlich beſchreiten
th. um die von uns benötigte Energie, deren Lieferantin ſie
ihrer war, aus anderen Quellen zu gewinnen. Eine Anzahl
dier Wege erſcheint ausſichtsreich. Man beunruhigt ſich alſo
vor=
micht. Es wird ſchon gehen. Eines iſt ſicher und gewiß:
mor=
rund übermorgen, auch in zehn und zwanzig Jahren wird die
ſhdenfrage nicht aktuell.
Die des Gummis iſt es bereits. Der Bedarf ſteigt und ſteigt.
Wnduſtriezweige, die Gummi verarbeiten, wachſen und wach=
. Ihr Verbrauch nimmt mit gewaltiger Schnelligkeit zu. Da
wor allem die Elektrotechnik, die ſich immer neue Gebiete
er=
entt. Der Verkehr mit Kraftwagen nimmt zu. Die
Textilindu=
ſef fordert — Gummimäntel, Taucheranzüge, Berufskleidung —
wder größere Mengen von Gummi an.
SSchwieriger und ſchwieriger wird es, die Erzeugung mit dem
nörauch in Einklang zu bringen. Gummipflanzungen brauchen
U= ſechs bis ſieben Jahre, ehe ſie ertragsfähig werden. Das iſt
del lange Zeit, die ein großes Riſiko in ſich ſchließt. Bis dorthin
uir ja irgendeine Erfindung gemacht ſein, die den natürlichen
unimi überflüſſig und damit die koſtbare Anpflanzung wertlos
nigt. Noch andere Umſtände treten hinzu, um die Gummifrage
iner beſonders komplizierten zu geſtalten. Vor allem
erzeu=
nl die Länder, die am meiſten Gummi verbrauchen, überhaupt
ei faſt keinen, die hingegen, in denen der Verbrauch gleich Null
faſt allen Gummi, der auf Erden verarbeitet wird.
Deutſch=
mit ſeiner hochentwickelten elektrotechniſchen und
Kraft=
en=Induſtrie bringt nicht ein Gramm Gummi hervor. In
Vereinigten Staaten, wo dieſe Techniken und Induſtrien
eſthfalls in höchſter Blüte ſtehen, werden nur 3 v. H. des
be=
iygten Gummis gewonnen. Volle 97 v. H. muß dieſes an
anurſchätzen ſo reiche Land aus dem Auslande einführen. Ein
biFkswirtſchaftler hat den Satz ausgeſprochen, daß die bisherigen
riege um Land und Beſitz, um Brot und aus mancherlei
ſonſti=
n Urſachen geführt wurden. Der künftige Krieg aber dürfte
ellleicht ein „Gummikrieg” ſein.
Seine Anſicht in Ehren — aber dieſer Krieg iſt ſchon da. Er
ſucd mit allen Hilfsmitteln der Technik ausgefochten. Mit Eifer
imrüht man ſich, Verfahren zu finden, die uns Gummi liefern.
ſeh annt iſt es ja, daß die Herſtellung künſtlichen Kautſchuks in
eſtutſchland ſchon vor Jahren gelungen iſt. Das Verfahren iſt
fl dann wirtſchaftlich, wenn es ſich billiger ſtellt als der
natür=
che Gummi. Außerdem ergeben ſich zwiſchen dem natürlichen
ne künſtlichen Kautſchnk einige Unterſchiede, ſo daß es die nächſte
ſrgabe der Technik ſei wird, das künſtliche Erzeugnis dem
quürlichen vollkommen gleich zu machen. Das iſt aber, wie aus
ei Verſuchen von Staudinger hervorgeht, eine ſchwierige
Auf=
alt e, deren Löſung wohl noch geraume Zeit in Anſpruch
neh=
lerr dürſte.
Neuerdings haben abermals Bemühungen eingeſetzt, aus
fſy anzen verſchiedener Art Gummi zu erhalten. Für Amerika,
au5, wie wir geſehen haben, in bezug auf Kautſchukerzeugnis ſehr
migünſtig daſteht, kommen dabei natürlich nur einheimiſche
Ge=
ſärhſe in Betracht. Weite Gebiete, insbeſondere der ſüdlicheren
ſerle dieſes Landes, ſind mit Kakteen bedeckt. Es iſt Dr. John
Biffhmann nun tatſächlich gelungen, aus dieſen einen Gummi zu
rh alten, der dem aus dem Gummibaum erzeugten in vieler
Zißziehung ähnlich iſt. Die Kakteen werden zerkleinert und eine
al be Stunde lang gekocht. Die erhaltene Maſſe wird unter
ſtar=
eun Druck ausgepreßt. Hierauf werden alle im Preßſaft noch
vor=
ſctidenen Gewebeteile entfernt. Der Saft wird unter Zufügung
ari mineraliſchen Beſtandteilen eingedickt, bis er eine elaſtiſche
Nraſſe bildet, die dem aus dem Gummibaum gewonnenen
Roh=
ſummi gleicht. Die weitere Behandlung erfolgt genau ſo wie
ſA.dieſem. Das Erzeugnis läßt ſich für viele Zwecke verwenden.
Auch Ediſon arbeitet gegenwärtig, wie man hört, an einem
Varfahren, um künſtlichen Gummi herzuſtellen oder einen
voll=
martigen Erſatz für den natürlichen zu finden. Aus den
geheim=
rüsvollen Laboratorien dringt aber vorerſt nichts an die
Oeffent=
jügkeit. Dagegen hat die landwirtſchaftliche Verſuchsſtation der
Vaereinigten Staaten mit der Gewinnung eines Gummis Erfolg
„Sabt, der den Berichten zufolge beim Vergleich mit dem in den
En open gewachſenen günſtig abſchneiden ſoll. Die Lieferantin des
Huummis iſt die Guayule=Pflanze, die 7 bis 10 v. H. ihres
Ge=
wächts an Rohgummi liefert. Doch ſind in einzelnen Fällen auch
berreits 20 v. H. ausgezogen worden. Man hat gegenwärtig ein
zuwßes Gebiet mit Guayule=Sträuchern angepflanzt. Dieſe
blei=
beut ſehr niedrig und benötigen gleichfalls etwa ſieben Jahre, bis
ſi ertragsfähig werden. Sie bieten jedoch den Gummibäumen
gengenüber dadurch Vorteile, daß ſie gar keiner Pflege bedürfen,
oi ß ſie zwar ein warmes, aber kein tropiſches Klima benötigen,
wad daß ſie daher auch in öden, bis jetzt völlig wertloſen Prärien
faxtkommen werden. Die Ausſichten des Guayule=Gummis
wer=
dan daher ſehr günſtig beurteilt.
Auch die Technik ſeiner Gewinnung aus der Pflanze wurde
aſnfs Sorgfältigſte durchgearbeitet. Die ganzen Büſche werden
mätſamt den Wurzeln zuerſt bei Gegenwart von Waſſer zwiſchen
Walzen unter ſtarkem Druck zerquetſcht. Dann wird die Maſſe
mach erneuter Zugabe von Waſſer in eine Mühle beſonderer
Bau=
anrt gegeben, in der ſie zwiſchen Feuerſteinen zerfaſert wird. Es
enutſtehen kleine ſchwammige Teilchen, die leichter ſind als Waſſer
und daher an die Oberfläche emporſteigen. Alle ſchwereren Teile
ſtriken zu Boden. Die emporgeſchwemmten ſchwammigen Teilchen
ſtellen die eigentliche Gummimaſſe dar. Sie werden abgeſchöpft,
mochmals gründlich durchgewaſchen und getrocknet. Dann folgt
ane Behandlung mit Azeton und Zuſammenpreſſen zu
tuch=
artigen Bahnen, die wiederum getrocknet werden.
Gegenwärtig iſt man mit Berechnungen beſchäftigt, wieviel
loand man mit Guayule=Sträuchern bepflanzen muß, um vom
musländiſchen Gummi unabhängig zu werden. In Anbetracht
der ganzen Sachlage begnügt man ſich jedoch nicht, nur nach
neuen Gummiquellen Umſchau zu halten. Die Beſtrebungen
gehen vielmehr dahin, techniſche Verfahren durchzubilden, um
auuch die Unmengen alten Gummis nutzbringend zu verwerten,
diie ſtändig anfallen. Es iſt zu bedenken, welche gewaltige Maſſe
hon alten Automobilreifen jährlich zur Verfügung ſteht, zu denen
ſann noch die Abfälle aus den verſchiedenſten Induſtrien und wir ihn aus der Rundfunktechnik kennen, und der ſo verſtäckte
ſtonſtiges Altmaterial kommen. Ihnen ſtehen viele techniſche und Strom dann auf einen oder mehrere Lautſprecher aufgebracht.
ſwnſtige Gegenſtände gegenüber, die man bisher aus neuem
GGummi anfertigte, wodurch der Gebrauch an dieſem erheblich / Halteſchraube für die Nadel, die Schnur zum Anſchluß des
Ver=
ſitieg. Dabei handelt es ſich um Dinge, die ihrer Natur nach ſtärkers und auf der linken Seite der Doſe einen kleinen Gummi=
Abenſogut aus altem Gummi gemacht werden können, wie zum ſtutzen, welcher der Befeſtigung der Elektrodoſe an dem Tonarm
WBeiſpiel Kautſchukbehälter für elektriſche Apparate, Hartgummi= eines üblichen Grammophons dient.
teile von elektriſchen Schaltern, Trichter, Schalen und noch vieles
Audere mehr.
Nun wohlan:
Sich bemeiſiern in Liebe und Haß,
Sich begeiſtern ohne Glas und Faß,
Der Worte wenig, der Arbeit viel,
Das führt ans Ziel.
Peter Roſegger (1843—1918).
O
Bei den durchgeführten Verſuchen hat ſich nun gezeigt, daß
eine ſehr gute Hartgummimaſſe erhalten wird, wenn man den
alten Gummi mit einem eigenartigen Stoff behandelt, der ſich am
großen Salzſee findet. Hier wird eine Art von Erdöl
ausgewor=
fen, das beträchtliche Mengen von Schwefel enthält. Auch
Hart=
gummi wird ja durch eine Behandlung gewonnen, bei der der
Schwefel eine beträchtliche Rolle ſpielt. Nachdem man bei den
Vorverſuchen günſtige Ergebniſſe erhalten hat, wird nunmehr die
Ueberführung von Gummiabfällen aller Art in Hartgummi in
großem Maßſtabe durchgeführt. Um das ſchwefelhaltige Oel zu
gewinnen, werden große eiſerne Senkkäſten auf den Grund des
Salzſees niedergelaſſen, wo Bohrer in Tätigkeit treten. Dieſe
bohren Löcher in den Grund, aus denen das dicke, ſchwere Oel(
emporſteigt und die eiſernen Käſten füllt. Die vollen Käſten zieht
man empor und verlädt ſie ſofort auf Schiffe. Welchen Einfluß
das Verfahren auf die Erſparnis von Gummi und auf die
Er=
zeugung von Hartgummi auszuüben geeignet iſt, mag man
dar=
aus erſehen, daß in den Vereinigten Staaten jährlich 200
Millio=
nen Kilogramm alter Automobilreifen anfallen.
Die Technik bemüht ſich jetzt nach den verſchiedenſten
Richtun=
gen hin, die Gummifrage aus der Welt zu ſchaffen, die
gegen=
wärtig ihre wichtigſte Lebensfrage darſtellt. Deutlich zeigt ſich,
daß dabei ſchon mehrfach Wege beſchritten wurden, die Erfolg
verſprechen.
nahme von Schallplatten nur noch ein Laufwerk. Weiterhin iß
eine elektriſche Schalldoſe erforderlich, die heute von mehreres
Firmen in der Preislage von etwa 14—85 RM. hergeſtellt wer
den. Erwähnt ſeien hier nur die Firmen Reiß, Siemens u.
Halske A.G., Fein=Maſchinenbau G.m.b.H., Loewe=Radio und
Acuſton. Insbeſondere ſei verwieſen auf die Elektrodoſe des
Firma Fein=Maſchinenbau G.m.b.H., die wir in Bild 3 ſehen.
Hier trägt ein Hebel auf der einen Seite die Doſe, auf der
an=
deren Seite dagegen ein Laufgewicht, durch welches das Gewicht
der Elektrodoſe bis auf etwa 100 Gramm verringert wird. Ohne
dieſen kleinen Kunſtgriff würde die relativ ſchwere Doſe die
Nadel zu tief in die Platte eingraben, außerdem würde bei
lau=
ten Stellen die Geſchwindigkeit des Plattenſtellers zu ſtark
ab=
gebremſt.
Als Verſtärker eignet ſich jeder gute Niederfrequenzverſtärker
mit zwei transformator=gekoppelten Stufen oder drei Stufen
bei Widerſtandskoppelung. Parallel zum Eingang ſchaltet man
zweckmäßig einen veränderlichen Widerſtand von etwa 400 bis
20 000 Ohm, wie wir dies aus Bild 1 erſehen. Er iſt
erforder=
lich, um die Lautſtärke regulieren zu können. Bild 4 ſchließlich
zeigt uns die Geſamtanordnung. Hier ſehen wir ein Triebwerk
mit Plattenteller, die aufgeſetzte Elektrodoſe, den Verſtärker
(einen Loewe=Ortsempfänger mit Dreifachröhre) und einen
Laut=
ſprecher. Die Spulen des Ortsempfängers werden
herausge=
nommen und dafür die Schnur der Elektrodoſe angeſchloſſen.
Die geſchilderte Anordnung gibt dem Radiohändler die
Möglichkeit, unabhängig von den Sendezeiten unter immer gleich
bleibenden Bedingungen, Lautſprecher vorführen und gegenſeitig
vergleichen zu können. Die mit Recht ſo beliebten
Schallplatten=
übertragungen unſerer Sender benutzen ausſchließlich die
Elektro=
doſe, und auch der Rundfunkteilnehmer wird vorteilhaft von
dieſem Verfahren Gebrauch machen. Gegenüber der ſeither
be=
nutzten direkt=akuſtiſchen Wiedergabe hat die neue Art grund=
Das Radio-Grammophon.
Von
Dipl.-Ing. H. Schwan, Frankfurt am Main.
* Als der Rundfunk eingeführt wurde, hatte die Grammophon=
Induſtrie ſtarke Bedenken, daß dadurch der Abſatz ihrer
Fabri=
kate beeinträchtigt würde. Die Entwicklung zeigte, daß gerade
das Gegenteil eintrat. Viele Funkfreunde hatten den Wunſch,
die im Schallplatten=Konzert durch den Rundfunk übermittelten
Platten zu erwerben, um ſo auch in Sendepauſen ihre
Lieblings=
ſtücke hören zu können. Seit kurzem iſt die Verbindung zwiſchen
dieſen beiden Zweigen der Technik nun noch enger geworden.
Es handelt ſich hierbei um die „Elektrodoſe”, eine Vorrichtung,
die es uns ermöglicht, Schallplatten mittels drahtloſer
Emp=
fangsgeräte und Lautſprechern wiederzugeben.
Bild 1. Schematische Darstellung der Einrichtung zur elektrischen
Uebertragung von Schallplatten.
Die Technik der elektriſchen Wiedergabe iſt ſehr einfach.
An=
ſtelle der ſonſt benutzten Schalldoſe mit Glimmermembran wird
die Elektrodoſe gebraucht. Wie in Bild 1 ſchematiſch dargeftellt,
beſteht eine ſolche Vorrichtung aus einem Dauermagneten, welcher
eine Wicklung trägt, und zwiſchen deſſen Polen ein kleiner Anker
angeordnet iſt, der mittels der unten befindlichen Nadel durch
die in die Platte eingegrabenen Schallſchwingungen in leichte
Bewegungen verſetzt werden kann. Dadurch ändert ſich das
magnetiſche Feld des Dauermagneten, in der Wicklung entſtehen
kleine Stromänderungen. Dieſe ſich im Rhythmus der in die
Platte eingegrabenen Schallſchwingungen ändernden
Strom=
ſchwankungen werden zu einem Röhrenverſtärker geführt, wie
Bild 3. Elektrodose mit Gegengewicht.
legende Vorteile: durch entſprechende Verſtärkung der elektriſchen
Energie können wir uns jede beliebige Lautſtärke ſchaffen. Wir
können einen oder auch mehrere Lautſprecher benutzen, die wir
in verſchiedenen Räumen aufſtellen können. Insbeſondere das
ſtörende Nadelrauſchen kann faſt vollſtändig vermieden werden,
wenn man ganz dünne Nadeln verwendet, dafür aber wieder
entſprechend mehr elektriſch verſtärkt. Schließlich iſt bei der
elek=
triſchen Wiedergabe der Klang voller, wärmer und natürlicher;
es gelingt viel leichter, die einzelnen Inſtrumente herauszuhörem,
Bild 4. Gesamtautbau zur elektrischen Uebertragung
von Schallplatien.
Wegen all dieſer Vorteile wird man in nächſter Zeit immer
mehr zu dem elektriſchen Verfahren übergehen. Insbeſondere
ſollten Funkfreunde, die im Beſitze eines guten Radioapparates
mit Lautſprecher ſind, ſich die beſchriebene Möglichkeit zunutze
machen!
Bild 2. Elektrodose geöffnet.
Bild 2 zeigt uns eine ſolche Elektrodoſe. Wir ſehen die
Verſtärker und Lautſprecher ſind bereits bei jeder
Rund=
funkanlage vorhanden. Wir benötigen alſo zur elektriſchen Ab=
Rationalisierung.
Von
Ing. Walter Heimann, Friedberg.
Eine der wichtigſten Erſcheinungen auf wirtſchaftlichem
Ge=
biete in der Nachkriegszeit iſt die Rationaliſierung. Täglich kann
man von Rationaliſierungsbeſtrebungen in der öffentlichen und
privaten Wirtſchaft hören und dabei auf die widerſprechendſten
Meinungen ſtoßen. Während die einen in der Rationaliſierung
die einzige Möglichkeit zur Geſundung unſerer Wirtſchaft und
unſeres Staatslebens und damit zur Erhaltung und Steigerung
unſerer Kultur erblicken, halten die anderen die Maßnahmen der
Rationaliſierung für die Wegweiſer zur Entſeelung der
Menſch=
heit. Da das Problem von beſonderer volkswirtſchaftlicher und
ſozialpolitiſcher Tragweite iſt, dürfte es angebracht erſcheinen, die
Oeffentlichckeit ſo weit mit dem Weſen und den Zielen der
Ratio=
naliſierung bekannt zu machen, daß jedem eine Meinungsbildung
möglich iſt.
Das Wort „Rationaliſierung” leitet ſich von dem lateiniſchem
Worte ratio — Vernunft ab und bezeichnet ſomit einen von
Ver=
nunft getragenen Vorgang. Man kann ſagen „Anwendung der
Vernunft im Wirtſchaftsleben” oder kurz „Wirtſchaftlichkeit”. Es
zeigt ſich alſo, daß mit dem Worte „Rationaliſierung” kein neuer
Begriff entſtanden iſt, da auch bisher jeder Betrieb und jedes
Unternehmen beſtrebt war, durch vernunftgemäße Anwendung
aller techniſchen und organiſatoriſchen Mittel die Ergiebigkeit der
menſchlichen Arbeit möglichſt zu ſteigern, möglichſt wirtſchaftlich
zu arbeiten. Wenn aber trotzdem das Wort eine derartige
Schlagkraft gewonnen hat, ſo iſt das ein Beweis dafür, daß das
mit ihm bezeichnete Problem heute von erhöhter Bedeutung iſt,
und daß die Mittel zur Verwirklichung ſeiner Ziele weſentlich
andere geworden ſind als früher.
Wollen wir den Begriff der Rationaliſierung richtig
ver=
ſtehen, ſo müſſen wir unſere Blicke zunächſt einmal rüchwärts
richten. So lange es Menſchen gab, gab es auch eine Technik.
Von jeher hat der Menſch verſucht, die Natur zu bezwingen und
ſich zu ihrem Beherrſcher aufzuſchwingen. Erreicht wurde dieſes
Ziel zu jeder Zeit nur durch Technik. Die alten Steinwerkzeuge,
die wir noch heute ſtaunend in Muſeen betrachten, ſind
Erzeug=
niſſe desſelben Technikergeiſtes, der in der Neuzeit die
Dampf=
maſchinen und Buchdruckpreſſe erfand und die Wirkugen des
Dienstag, 24. Ju/ 1928.
Techmik der Gegenwart
Nummer 7
elektriſchen Stromes entdeckte. Das noch heute ſo gefeierte
Haſ=
ſiſche Altertum iſt reich an hervorragenden Denkmälern der
Tech=
mik. Die ägyptiſchen Pyramiden, die Akropolis zu Athen oder
das Koloſſeum zu Rom ſind Bauten, die jeden Betrachter mit
Bewunderung erfüllen. Man ſieht in dieſen Denkmälern
Sym=
bole gewiſſer Kulturepochen und glaubt, die heutige Zeit mit
ihrem Zweckmäßigkeitsſinne lediglich auf Materialismus
einge=
ſtellt und als kulturlos, mindeſtens aber als kulturabſterbend
erachten zu müſſen. Die Großartigkeit der Leiſtungen der
An=
tike wird beſonders deutlich, wenn man bedenkt, mit welch
ein=
fachen Mitteln ſie vollbracht wurden. Die Leiſtung iſt das
Pro=
dukt aus Kraft und Zeit. Beides ſpielte im Altertum nur eine
geringe Rolle. Die Kraft wurde in jahrhundertelanger Fron in
rückſichtsloſeſter Weiſe aus Sklavenheeren ausgepreßt. Wir ſehen
alſo, daß ſich im Altertum eine hohe Kultur mit einer Aechtung
der Arbeit und verabſcheuungswürdigen Menſchenausbeutung,
die an Brutalität nichts zu wünſchen übrig ließ, paarte.
Im Mittelalter erfuhr Arbeit eine weſentlich andere
Ein=
ſchätzung, der hervorragende Arbeiter galt auch als
hervorragen=
der Menſch, wofür das mittelalterliche Handwerk den beſten
Be=
weis liefert. Mit Stolz blickt auch das heutige Handwerk noch
auf ſeine mittelalterlichen Vorfahren zurück und der Wunſch
mancher Handwerksmeiſter, die Produktion nach ererbter
Tradi=
tion weiterführen zu wollen, iſt nur zu verſtändlich. Das iſt aber
nicht möglich, da das mittelalterliche Wirtſchaftsleben auf ganz
anderen Vorausſetzungen aufgebaut war als das heutige. Da
die große Maſſe des Volkes nur geringe Anſprüche hatte, kannte
man eine Erzeugung in großem Stile noch nicht, vielmehr richtete
ſich die Produktion nach Nachfrage und Beſtellung. Die
Erzeug=
niſſe dieſer Zeitſpanne zeigen daher eine große Mannigfaltigkeit
und ein ſtark perſönlich=künſtleriſches Gepräge. Die
Betriebs=
führung hatte einen familiären Anſtrich, wohnten doch Geſelle
und Lehrling meiſtens bei ihrem Meiſter und wurden als zur
Familie gehörig betrachtet. Ein ſtarkes Band um alle
Handwer=
ker knüpfte das Zunftweſen und die heute ſo unerfreulichen
Gegenſätze zwiſchen Arbeitgeber und Arbeitnehmer kannte man
noch nicht. Trotzdem würde ein Verſuch zur Wiederherſtellung
dieſer alten Zuſtände fehlſchlagen. Technik und Wirtſchaft
ſchrei=
ten vora, ein Zurück gibt es da nicht. Die Bevölkerungsziffer
Deutſchra ds und auch der anderen Kulturländer hat in den
letz=
ten Jahrhunderten um ein Vielfaches zugenommen. Ein Land,
das früher nur 20 Millionen Menſchen zu ernähren hatte, muß
heute 60 und mehr Millionen mit weit höheren Anſprüchen
er=
halten, und da wird es klar, daß die Gütererzeugung nach
ande=
ren Geſichtspunkten erfolgen muß als früher.
Seine hervorragende Bedeutung erlangte das
Rationaliſie=
rungsproblem, als nach dem verlorenen Kriege und der
Infla=
tion die deutſche Wirtſchaft in eine äußerſt ſchwierige Lage
ge=
raten war. Man verſuchte mit allen Mitteln die Wirtſchaft
wie=
der flott zu machen und ihre alte Machtſtellung zurückzuerobern.
Einen beſonderen Anſporn dazu gab auch das mächtige
Auf=
blühen der Wirtſchaft der Vereinigten Staaten von Nordamerika.
Begünſtigt durch einen gewaltigen Naturreichtum, durch die
Auf=
nahmefähigkeit der Abſatzgebiete und durch die beſondere
Einſtel=
lung der Arbeiterſchaft, war es dort drüben möglich geworden,
die Produktion in großem Stile und in wirtſchaftlichſter Weiſe
aufzuziehen. Die Naen Taylor und Ford kennzeichnen die
bei=
den Betriebsführungsrichtungen, auf Grund deren die großen
amerikawiſchen Wirtſchaftserfolge erzielt wurden. Wenm auch
zu=
gegeben werden muß, daß die amerikaniſche Induſtrie auf dem
Gebiete der Rationaliſierung die Bahnbrecherin geweſen iſt, ſo
iſt doch Rationaliſierung ſchlechthin nicht mit Amerikanismus zu
vergleichen. Zu Beginn der deutſchen Rationaliſierungsbewegung
mag teilweiſe verſucht worden ſein, einfach amerikaniſche
Metho=
den zu kopieren, heute ſind wir jedoch ſo weit, daß von einer
eigenen deutſchen Rationaliſierungsbewegung geſprochen werden
kann, wenmgleich zugegeben wird, daß die Bewegung in anderen
Ländern eingehend beobachtet und die entſprechenden
Nutzanwen=
dungen für uns daraus gezogen werden. Aber das iſt ein in
der Natur der Sache begründetes Erfordernis und kann
keines=
falls als Unſelbſtändigkeit oder gar als nationale Endwürdigung
angeſprochen werden. Wir ſind ein verarmtes und finanziell
ſchwer belaftetes Volk und können uns nur durch reſtloſe
Aus=
nutzung aller uns zur Verfügung ſtehenden Stoffquellen und
Anſpannung aller Kräfte wieder emporarbeiten. Nachdem uns
durch den ſogenannten Friedensvertrag wichtige Rohſtoffgebiete
verloren gegangen ſind und die Bevölkerungsdichte unſeres
Lan=
des noch weiter geſtiegen iſt, iſt es erklärlich, daß die
Arbeits=
kraft des Volkes unſer wichtigſter Wirtſchafts= und damit auch
erſter Rationaliſierungsfaktor iſt.
Wie iſt mun die deutſche Rationaliſierungsbewegung
aufge=
zogen? Man unterſcheidet nach einer von Prof. Dr. von Soth=
Otlilienfeld aufgeſtellten Syſtematik folgende
Rationaliſierungs=
ſtuſen:
1. Die techniſche Rationaliſierung;
2. die kommerzielle Rationaliſierung;
3. die volkswirtſchaftliche Ratiovaliſierung.
Die techniſche Rationaliſierung erfaßt den einzelnen Betrieb,
die Arbeits= oder Werkſtätte. Sie iſt technöſcher Natur und
ver=
ſucht im Fabrikationsprozeſſe mit geringeren Aufwendungen
gleiche Leiſtungen oder mit gleichen Aufwendungen höhere
Leiſtungen zu erzielen. Sie erſtreckt ſich auf die Einrichtung der
Werkſtätten mit neuzeitlichen Betriebsmitteln, auf zwechmäßige
Betriebsonganiſation, auf Einführung von Normen und Typen
u. dal. Das neuzeitlichſte Verfahren in der Maſſenfabrikation
iſt die Fließarbeit, bei der die Herſtellung eines Fabrilates vom
Rohſtoff bzw. Halbzeug bis zum Fertigfabrikat ohne Halteftelle
vor ſich geht.*) Bei der techniſchen Rationaliſierung iſt aber
nicht der Standpunkt des Betriebes maßgebend, ſondern der
Standpunkt der Unternehmung. Sie wird nur dann
durchge=
führt, wenn durch ſie ein höherer Ertrag herausgewirtſchaftet
wird. Vor ihrer Durchführung ſind alſo nicht nur die
obwal=
tenden Betriebsverhältniſſe genaueſt zu erforſchen, ſondern auch
die Koſten der Umſtellung und der durch ſie mögliche Mehrertrag.
Es kann ſich dann zeigen, daß die Umſtellungskoſten durch den
Mehrertrag gar nicht herausgewirtſchaftet werden können und eine
Umſtellung müßte unterbleiben. Ferner iſt auch eingehend zu
prüfen, ab bei einer evtl. Mehrproduktion die Möglichkeit einer
Abſatzſteigerung vorhanden iſt. Beſtimmend für die techniſche
Rationaliſierung eines Betriebs iſt in jedem Falle der
kaufmän=
niſche, der kommerzielle Standpunkt.
Die kommerzielle Rationaliſierung umfaßt einerſeits die
techniſche, andererſeits ergreift ſie alle Maßnahmen, die die
Ver=
waltung eines Betriebes wirtſchaftlicher zu geſtalten vermögen.
Sie kann über die Einzelunternehmung hinausgehen und zu
vertraglichem oder organiſchem Zuſammenſchluß mehrerer
Un=
ternehmungen (Kartell, Konzern) zwecks reibungsloſeren
Zu=
ſammenarbeitens, einfacheren Ein= und Verkaufs, zweckmäßiger
Betriebszuſammenlegung bzw. =verteilung uſw. führen.
Die oberſte Stufe der Rationaliſierung iſt die
volkswirt=
ſchaftliche. Sie verſucht, die Maßnahmen der
Einzelunterneh=
mungen in den Rahmen der Volkswirtſchaft einzupaſſen. Es
iſt nicht immer geſagt, daß die Rationaliſierung oder der Erfolg
einer Einzelunternehmung ſtets im Intereſſe der
Geſamtwirt=
ſchaft liegt, da hier ebenſo wie beim Einzelunternehmen ein
organiſches Ineinandergreifen aller beteiligten Kräfte
erforder=
lich iſt. So können mitunter Maßnahmen einzelner
Wirtſchafts=
gruppen in ihrem eigenen Intereſſe durchaus erſtrebenswert
ſein, die vom Standpunkte der Geſamtwirtſchaft aus abgelehnt
werden müſſen. Das Reichskuratorium für Wirtſchaftlichkeit
betont, daß volkswirtſchaftliche Rationaliſierung einerſeits und
techniſche oder kommerzielle Rationaliſierung andererſeits zwei
*) Vgl. auch Technik der Gegenwart vom 15. X. N7.
zu unterſcheidende Begriffe ſind, die ſich nicht immer decken.**)
Um ein reibungsloſes Arbeiten der Geſamtwirtſchaft zu
er=
reichen, iſt der wohl einzig mögliche Weg der
Gemeinſchafts=
arbeit beſchritten worden. Sie kommt dadurch zuſtande, daß
Erzeuger, Händler, Verbraucher, Fachleute und alle ſonſt
inter=
eſſierten Kreiſe in gegenſeitige Fühlungnahme treten, um
wirt=
ſchaftliche Gegenſätze im Intereſſe der Volkswirtſchaft
auszu=
gleichen, freiwillige Vereinbarungen über Lieferbedingungen,
Normen uſw. zu treffen und ſich in techniſchen und
wirtſchaft=
lichen Fragen mit Rat und Tat zu unterſtützen.
Das urſprüngliche Anwendungsgebiet der Rationaliſierung
war die private Induſtrie; ſie griff aber bald auf andere Zweige
der Wirtſchaft, Landwirtſchaft, Handwerk, Handel uſw. über
In neuerer Zeit iſt auch die Rationaliſierung der öffentlichen
Verwaltung (Kommunen, Länder, Reich) in den Vordergrund
des Intereſſes getreten. Ueber die
Rationaliſierungsmöglich=
keiten und ihre Methoden unterrichtet eine vom Reichskuratorium
für Wirtſchaftlichkeit herausgegebene Schrift, der auch hier in
weſentlichen Punkten gefolgt wird.***)
Wie ſchon erwähnt, ſind die Organiſationen der
Rationali=
ſierungsbewegung freie Arbeitsgemeinſchaften, in denen
Erzeu=
ger, Händler, Verbraucher, Fachleute und ſonſtige Intereſſenten
zuſammengeſchloſſen ſind. Die Spitzenorganiſation iſt das
Reichskuratorium für Wirtſchaftlichkeit (RK. W.), das aus
öffent=
lichen Mitteln unterhalten wird. Seine Hauptaufaabe beſteht
darin, den Rationaliſierungsgedanken in allen Teilen des
deut=
ſchen Volkes zu wecken, Gegenſätze auszugleichen, Arbeitsgebiete
abzugrenzen, Rationaliſierungsergebniſſe zu ſammeln und jedem
Intereſſenten Auskunft zu geben. Das letztere erfolgt
vornehm=
lich durch die Lieferung der R. K.W.=Nachrichten, die koſtenlos
iſt, und durch die R.KW.=Veröffentlichungen (Broſchüren). Das
R. K.W. ſelbſt leiſtet keine Facharbeit, ſondern überläßt dieſe
ſeinen Fachausſchüſſen. Solche Fachausſchüſſe beſtehen für die
verſchiedenſten Gebiete der Wirtſchaft, von denen die wichtigſten
hier genannt ſeien:
Der Ausſchuß für wirtſchaftliche Fertigung (A.W.F.), der
techniſche Methoden und Arbeitsvorgänge erforſcht und
Richt=
linien für betriebstechniſche Arbeitsvorbereitung, für die
Ver=
wendung von Energieleiſtungen uſw. aufſtellt. Er hat auch
be=
reits grundlegende Arbeiten auf dem Gebiete der Fließfertigung
geleiſtet. Der A.W.F. vereinigt in ſich mehrere Unterausſchüſſe.
Der Ausſchuß für wirtſchaftliche Verwaltung (A. W. V.), der
den mechaniſchen Teil der Verwaltung erfaßt und ſich ebenfalls
in eine größere Zahl von Unterausſchüſſen (für Burexuweſen,
für Rechnungsweſen uſw.) gliedert. Er gibt eine Monatsſchrift
„Das Betriebswirtſchaftliche Schrifttum” heraus, die einen
voll=
ſtändigen Ueberblick über die in= und ausländiſche
betriebswirt=
ſchaftliche Zeitſchriftenliteratur enthält.
Der Deutſche Normenausſchuß (D.N.A.), der ſich mit der
Vereinheitlichung von oft gebrauchten Gegenſtänden befaßt und
der bereits 2200 bezugsfertige Normblätter herausgebracht hat. 5)
Der Reichsausſchuß für Lieferbedingungen (R.A.L.), der
Reichsausſchuß für Arbeitszeitvermittelung (Re Fa.) u. a. m.
Der Träger der Rationaliſierung in der öffentlichen
Ver=
waltung iſt der Reichsſparkommiſſar, über deſſen Tätigkeit der
allgemeine Teil der Tageszeitungen hinreichend unterrichtet.
Zum Schluſſe ſei noch auf die volkswirtſchaftliche und
ſozi=
ale Bedeutung der Rationaliſierung hingewieſen. Das Ziel der
Rationaliſierung kann nur die Erhöhung des Lebensniveaus der
Volksgeſamtheit ſein. Wenn dieſe in Deutſchland noch nicht
deutlich ſpürbar geworden iſt, mag ras daran liegen, daß der
Rationaliſierungserfolg zum großen Teil im Uinternehmen ſtecken
geblieben iſt, das die Koſten der Umſtellung auf ſich nehmen
mußte, und im übrigen bemüht iſt, einen möglichſt hohen
Ge=
winn herauszuſchlagen, und daß auch die Beweauna noch zu
jung iſt, um ſich ſchon jetzt in ihrer ganzen Traaweite auswirken
zu können. In einigen typiſchen Fällen wird der
Rationaliſie=
rungserfolg offenſichtlich, ſo z. B. in der Automobilinduſtrie, in
der von 1924—1926 die Zahl der Perſonenwagenmodelle von 146
auf 42 herabgedrückt und die Produktion von 86 auf 30 Fabriken
konzentriert wurde. Im Januar 1924 lag der Preis eines
Per=
ſonenautos rund 25 Prozent über dem Vorkriegspreis, erreichte
Mitte 1925 eine Angleichung an den Vorkriegspreis und lag
bereits Ende Dezember 1926 30 Prozent unter dem
Vorkriegs=
preiſe. Da ſowohl Löhne als auch Rohſtoffe während dieſer
Zeit eine ſteigende Tendenz zeigen, kann von einem
durchſchla=
genden Erfolge der Rationaliſierung geſprochen werden.
Natürlich hat die Rationaliſierung auch Schattenſeiten. Im
Anfangsſtadium werden ſich meiſtens ihre Maßnahmen in
Ent=
laſſungen und Arbeitsloſigkeit auswirken, die um ſo fühlbarer
ſind, als die davon Betroffenen der wirtſchaftlich ſchwächſten
Klaſſe angehören. Die Entwicklung hat aber gezeigt, daß die
Arbeitsloſigkeit in Deutſchland zum großen Teil nur eine
vor=
übergehende Umſtellungserſcheinung war, und daß ſich auch die
Rationaliſierung zum Segen der Volksgeſamtheit auswirkt, wie
das die Geſchichte der Technik bisher noch von jedem techniſchen
Fortſchritte beweiſt. Wenn heute das deutſche Wirtſchaftsleben
wieder in annähernd normale Bahnen geleitet ift, ſo hat
zweifel=
los die deutſche Arbeitnehmerſchaft das größte Verdienſt daran,
da ſie die großen Uebergangsmißſtände, wie Arbeitsloſigkeit,
Monotoniſierung des Arbeitsprozeſſes uſw. auf ſich genommen
hat. Eine andere Folgeerſcheinung der Rationaliſierung iſt die
Vernichtung vieler ſelbſtändiger Exiſtenzen. Durch
Zentraliſie=
rung und Zuſammenſchluß werden viele Betriebe ausgeſchaltet
(86 Automobilfabriken 1924 gegen 30 1926). So unerfreulich das
auch iſt, ſo läßt ſich kaum etwas dagegen unternehmen, da die
Entwicklung notwendigerweiſe auf dieſe Bahn drängt. Da hat
es keinen Zweck, alten Sehnſuchtsträumen nachzuhängen; hier
können nur Ueberlegung und Erkenntnis, ein furchtloſes In=die=
Zukunft=ſchauen und zielbewußte Tatkraft vorwärts führen. Es
ſei noch beſonders betont, daß die Rationaliſierung keine
Maß=
nahme gegen das Handwerk iſt, daß vielmehr das Handwerk auf
der Grundlage rationeller Betriebsführung einer geſicherten und
mehr denn je gefeſtigten Zukunft entgegengeht. Den Beweis,
daß das Handwerk gewillt iſt, den großen Forderungen der Zeit
gerecht zu werden, hat es durch die Gründung des
Forſchungs=
inſtituts für rationelle Betriebsführung in Karlsruhe erbracht.
Die Rationaliſierung kann ſich nach drei Richtungen auswirken:
1. Bei unveränderten Preiſen und Löhnen fließt der
Ratio=
naliſierungserfolg dem Unternehmen, dem Inhaber oder den
Aktionären zu oder er dient zum weiteren Ausbau und zur
Steigerung der Produktion.
2. Bei gleich hohem Gewinn hat die Rationaliſierung einen
Koſtenrückgang zur Folge.
3. Die Nationaliſierung bewirkt bei gleichbleibenden Preiſen
und Gewinnen eine Erhöhung der Löhne und Gehälter.
Auz den Wirkungen der Nationaliſierung wird deren große
Bedeutung für die Volksgeſamtheit offenſichtlich, und die
Not=
wendigkeit, die Nationaliſierungsbewegung zu verfolgen und
zielbewußt zu beeinfluſſen zu verſuchen.
*) Vgl. Hinnenthal: Die deutſche Rationaliſierungsbewegung und
das Reichskuratorium für Wirtſchaftlichkeit. Berlin 1927.
***) Rationaliſierung der privaten und öffentlichen Wirtſchaft. Mit
einem Vorwort von Reichsminiſter a. D. Dr. Hamm. Berlin 1923.
F) Vgl. Technik der Gegenwart vom 13. IV. B.
KURZE MITTEILUNGEN
* Eine Schweißerſchule, wurde gelegentlich der Tagung des
Fach=
ausſchuſſes für Schweißtechnik des V. D.J. Anfang Juni d. Js. in Eſſen
eröffnet. Die Schule iſt der Staatlichen Maſchinenbauſchule
angeglie=
dert. Eine reiche Ausſtattung mit Apparaten für elektriſche und Gas=
Schweißung iſt vorhanden. Waſſerſtoff, Leuchtgas, Diſſousgas und
Ben=
zol können zur Schweißung benutzt werden. Die Einrichtungen
ge=
währen eine gründliche Ausbildung der Teilnehmer in allen Gebieten
der Schweißtechnik.
* Sperrholz. Was iſt Sperrholz und wozu wird es verwendete
Daß Schreiner und Tiſchler zu ihren Arbeiten nur gut getrocknetes
Holz verwenden können, iſt allgemein bekannt. Aber trotzdem hat in
trockenen Jahren ſchon jeder die trübe Erfahrung gemacht, daß
Tür=
füllungen oder gar glatte Tiſchplatten nicht zum geringen Schrecken
riſſen. Oder es war ein beſonders naſſes Frühjahr. Türen und Fenſter
waren von der Näſſe gequollen und gaben zu manchem Aerger Anlaß
Der Fachmann kennt die Gründe. Das Holz „reißt, wirft ſich, verzieht
ſich” unter den Witterungseinflüſſen, es „arbeitet”, d. h. vergrößert
bzw. vermindert ſich der Feuchtigkeitsgehalt des Holzes, ſo vergrößert
bzw. vermindert ſich in gleichem Maße deſſen Rauminhalt. — In
fri=
ſchem Zuſtande enthält Holz nun 40—50 Prozent Waſſer. Es muß
des=
halb, um verarbeitungsfähig zu werden, viele Jahre luftgetrocknet
wer=
den. Der Umſtand, daß Möbelwerke dadurch beachtliche Mittel in zum
Trocknen aufgeſtapeltem Lagerholz feſtgelegt hatten, macht es
verſtänd=
lich, daß gerade dieſer Induſtriezweig mit allen Kräften darauf
los=
ging, hierin Abhilfe zu ſchaffen. Dieſe fand man im Sperrhol=
Sperrholz beſteht aus 3 oder 5, ſelten 7 oder mehr Lagen, die im
richti=
gen Trocknungszuſtand, ſo übereinander einwandfrei verleimt werden.
daß die jeweils aufeinanderfolgenden Lagen eine zur vorhergehenden
quer verlaufende Faſerrichtung zeigen, wobei das richtige
Stärkenver=
hältnis der Lagen zueinander von ausſchlaggebender Bedeutung iſt. —
Es würde zu weit führen, alle die Beſonderheiten der verſchiedenen
Holzſorten, auf die bei der Fabrikation des Sperrholzes Rückſicht
ge=
nommen werden muß, und die verſchiedenen Fabrikationsſyſteme oder
die beſonderen maſchinellen Einrichtungen zu erörtern. Die
Verwen=
dungsmöglichkeit von Sperrholz iſt eine äußerſt vielſeitige. In der
modernen Möbelinduſtrie ſtellt es den ausſchließlichen Rohſtoff dar,
Die Innenarchitekten verwenden es zu Wandvertäfelungen und
Holz=
decken; im Baracken= und Waggonbau leiſtet es unerſetzliche Dienſte:
Spritz= und Stirnbretter, ja ganze Karoſſerien erbaut die Automobil,
Induſtrie aus Sperrholz; beim Luftſchiffbau iſt es gleich unerſetzlich.
wie zum Innenausbau der Ozeanrieſen. Damit iſt aber die
Verwen=
dungsmöglichkeit des Sperrholzes noch lange nicht erſchöpft. Täglih
faſt erobert es ſich neue Gebiete, täglich wächſt die Zahl ſeiner
An=
hänger.
* Eine heſſiſche Kraftmaſchinenſtatiſtik hat die Zentralſtelle für die
Landesſtatiſtik auf Grund der Betriebszählung vom 16 Juli 1925 in
ihren Mitteilungen kürzlich veröffentlicht. Danach ſind in Heſſen in
2974 Betrieben 4108 Primärkraftmaſchinen (Wind=, Waſſer= Wärme=
Kraftmaſchinen) von 235 720 PS vorhanden. Außer dieſen
erſterzeugen=
den Kraftmaſchinen ſind in beinahe 16 000 Betrieben etwa 43 000
Elek=
tromotoren mit einer Nennleiſtung von 184 000 KW im Betrieb. In
464 Betrieben ſind 709 Elektrogeneratoren im Gange, die eine
Nenn=
leiſtung von 129 000 KW heben. Es iſt intereſſant und über aſchend.
daß 1112 Waſſerkraftmaſchinen 1558 Dampfkraftmaſ hinen und 1399
ſtationäre Verbrennungskraftmaſchinen gegenüberſtehen. Bei den vielen
im Land vorhandenen Mühlen hätten wir ein anderes Ergebnis
er=
wartet. Die Nennleiſtung der Waſſerkraftmaſchinen mit 13 486 PS ſtellt
etwa nur 5 Prozent der Nennleiſtung der Dampfkraftmaſchinen mit
260 000 PS und 62 Prozent der Nennleiſtung der Verbrenn
ungskraft=
maſchinen mit 21914 PS dar. Beachtet muß jedoch werden, daß die
Schätzung der Waſſerkraftmaſchinen zweifellos ſehr unſicher iſt. Die
Windkraftmaſchinen verſchwinden hiergegen vollſtändig. Es ſind 39
Maſchinen vorhanden, die 192 PS leiſten. Der Anzahl nach überwiegen
die Kolbendampfmaſchinen mit 36 Prozent aller Primärkraftmaſchinen,
Nach der Nennleiſtung überwiegen bei weitem die Dampfturbinen, die
53 Prozent umfaſſen.
* Eine Ediſon=Gedenkmünze hat Amerika ſeinem großen Erfinder
ſchlagen laſſen. Der Kongreß der U. S.A. hat durch Geſetz der
ſtat=
lichen Münze 1000 Dollar zur Herſtellung einer goldenen Gedenbmünze
überwieſen. Nachbildungen dieſer Münze werden unter beſonderen
Be=
dingungen im Handel zu haben ſein. Der fruchtbarſte Erfinder der
Welt hat in ſeinem langen Leben nicht weniger als 1328 Patente
ange=
meldet, eine Leiſtung, die, vom Wert der Einzelerfindung abgeſehen,
allein ſchon einer beſonderen Ehrung wert iſt.
* Rundfunk. Die Zahl der Teilnehmer am Rundfunk in
Deutſch=
land hat im Dezember vorigen Jahres die zweite Million überſchritten
und nach einer Zählung der Neichspoſt am 1. April über 2,2 Millionen
erreicht. Auch die erwiſchten Schwarzhörer haben ſich vermehrt. Im
Jahre 1926 ſind 1938, im Jahre 1927 W36 ſtrafrechtlich belangt worden.
* Alte Seebären gibt es viele, der älteſte noch aktive Seemann und
zudem noch Schiffsführer dürfte der Kapitän Ell B. Rochwell ſein, der
noch mit 98 Jahren das Schiff „Vermont” auf dem See Champlain im
Staate New York führt. Seit 1847 iſt Rochwell Kapitän, ſeit 1853
Dampfſchiffkapitän. 1842 begann er ſeine Tätigkeit auf dem Champlain=
See. Eine derartige Höchſtleiſtung dürfte auch in anderen Zweigen
der Technik zu den größten Seltenheiten zählen.
NEUE BÜCHER UND ZEITSCHRIFTEN
* Eiſerne Fäuſte, von Dr. H. Schüitz, mit 54 Abbildungen. Preis
ge=
heftet 1,80 Mk., gebunden 2,50 Mk. Verlag Dieck u. Co., Sturtgart.
Von dem Stielhammer des waſſerradbetriebenen Hammerwerls, der
am Beginn der Technik die erſte Kraft lieferte, vor dem der Arbeiter
einſt im Frack und Zylinder ſtand, bis zu dem 2 Tonnen ſchweren
Cumuco=Fallhammer, vor dem der Arbeiter in blauer Bluſe arbeitet,
war immer die Menſchheit beſtrebt, die mangelnde Muskelkraft durch die
gebändigte Naturkraft zu erſetzen, die müheloſer das Endziel der Arbeit
erreichen läßt. Nicht nur zum Zuſchlagen ſind eiſerne Fäuſte nötig, auf
vielen, vielen Arbeitsgängen reicht die Einzelkraft der menſchlichen Fauſt
nicht aus, die Naturkraft muß gur Entlaſtung dienen. Intereſſante
Ab=
bildungen machen das Buch zu einem Werk, dem jeder Leſer Invereſſe
abgewinnen muß.
Schriftenreihe Deutſches Muſeum. Abhandlungen und Berichte.
Einzelne Sondergebiete der Technik ſollen in den Schriften dieſer
Reihe gemeinverſtändlich behandelt werden, um ſo, neben dem amtlichen
Führer durch das Schriftum die Sammlungen zu ergänzen. Der
wohl=
feile Preis der Heſtchen hilft ſtark dabei, Bildung in weiten
Volls=
ſchichten zu verbreiten.
Joſef von Fraunhofer von Geh. Reg.=Rat Prof. Dr. J. Zemneck.
V. D.J. Verlag, Berlin. B Seiten, 13 Abbildumgen. Preis
broſch. 1 RM.
Als der Sohn eines Glaſers in Straubing geboren, arbeitete ſich
Fraunhofer in einem kurzen Leben — er wurde 39 Jahre alt — aus
den kümmerlichſten Verhältniſſen dank eines großen Fleißes und
Sharſ=
ſinnes zum bedeutendſten Optiker ſeiner Zeit herauf. Sein techniſche?
Meiſterwerk, der Pulkowerer Refraktor, ſteht heute in der Mittelkuppel
des Deutſchen Muſeums. Fraunhofers Erfolge ſind in der Werkſtant
entſtanden; dieſer Umſtand macht ſein Leben auch weiteſten Kreiſen
intereſſant.
Ludwig Franfius von Geh. Baurat Prof. Dr.=Ing. e. h. S. R
Thierry. V. D. J. Verlag, Berlin. Preis broſch. 1 RM.
Der Prinz, der Bremen aus ſeinem Dornröschenſchlaf durch die
Korrektion der Unterweſer weckte, der Lehrer des Waſſerbaues, der mit
klaren Gedanken und Worten ſeine Schüler meiſterhaft lehrte, der
wiſſenſchaftliche Schriftſteller, der mit Sonne (Darmſtadt) zuſammen
das Handbuch der Ingenieurwiſſenſchaft gründete, der prächtige
deul=
ſche Mann, tritt uns aus dieſen Blättern entgegen. Eine nicht
alltag=
liche Beamtenlaufbahn hat Franſius zu internationalem Ruf als
Fach=
mann geführt.
Die Entwicklung des deutſchen Bergbaues von Geh. Baurat
Pro=
feſſor A. Schwemann. V. D.J.=Verlag, 1928. Preis broſſh
1 RM.
Mehr wie andere Zweige der Technik hat von jeher der Becshau
den Fernſtehenden angezogen, bot er doch immer durch ſeine unteriroe
ſche Maulwurfstätigkeit in ewiger Nacht viel Anknüpfungspunkte für
Poeſie und Myſtik. Der vorzugsweiſe hiſtoriſche Inhalt des vorliegene
den Heftchens wird nicht nur dem Ingenieur, ſondern auch dem Kulkur
menſchen viel Anregung geben. Der Muſeumsbeſuche: wird in dem
Inhalt vielfach Berührungspunkte mit den Sammlungen finden, für
deren Verſtändnis ja auch die Schriften gedacht ſind.
PERBöNLICHES AUS DER TECHNIK
Dem Direktor der Turbinenfabrik der A.E.G. Prof. Dr.=Ing=
E. A. Kraft wurde von der Techniſchen Hochſchule Wien die Wurde
eines Dr. techn. h. c. verliehen.
Kommerzienrat Otto Polyſius, der älteſte Inhaber der iſ=
G. Polyſius in Deſſau, wurde von der Techniſchen Hochſchule Berulg.
zum Ehrenbürger ernannt.
Die goldene William Lawrence Saunders=Medaille wurde bon dei
American Inſtitute of Mining and Metallurgial Engineers dem Maie
delsminiſter Herbert Hooven verliehen.
Im 70. Lebensjahre verſtarb. Ing. Theo Kautny, der Heroo.
ragendes auf dem Gebiete der Schweißtechnik geleiſtet hat.
ſaummer 204
Dienstag, den 24. Juli 1928
Geite 15
das Spiel mit dem Tode.
Roman von Hans Schulze.
Nachdruck verboten.
lind plötzlich ſchien es ihr, als ob ſich die Wände des kleinen
Niaes um ſie zuſammenſchieben wollten, daß ſie in jäh
aus=
hyyrnder Angſt von ihrem Schreibſeſſel aufſprang und in den
avzenden Speiſeſaal hinüberflüchtete.
Oeann ſtand ſie auf der Gartenterraſſe und lehnte ſich in wil=
10 Erſchauern weit über das Geländer.
2ur Luft, nur Freiheit zum Atmen!
Seie feuchte Nebelkühle rieſelte ihr über Geſicht und Nacken
zuäberzog ihr Haar mit einem feinen Silbergeſpinſt.
eoch ſie achtete all deſſen nicht.
SSie dachte immer wieder nur an das eine in verzehrendem
an= und herzaufpeitſchender Bitterkeit, daß ihr das gerade
ſer Mann antat, den ſie darum über alles haſſen und
ver=
oier— zu müſſen glaubte und den ſie in dieſem Augenblick doch
heei begehrte denn je zuvor.
Mit müden Schritten kam ſie endlich wieder in den
Speiſe=
ſe Burück und ſtieg zu den Gaſtzimmern des zweiten Stockes
mra.
Es war wie ein letztes Aufbäumen in ihr, ein grauſamer,
ſeſimuäleriſcher Drang, der Wahrheit aus weiten Augen ins
Gigot zu ſehen, und wenn ſie ſich ſelbſt damit ins Innerſte traf.
Bor der Tür von Klaus ſtand ſie dann wieder unſchlüſſig.
Sie wußte, daß er um dieſe Zeit in der Bibliothek beſchäftigt
. Trotzdem wagte ſie erſt nach langen Minuten, zaghaft die
mte herabzudrücken.
Die kleine Wohnung lag ſtumm und verlaſſen in der fahlen
Mauidämmerung des grauen Vormittagslichtes.
Mit hochklopfendem Herzen trat ſie endlich näher, hielt auf
dr Schreibtiſch prüfend Umſchau und zog vorſichtig ein paar
eufächer auf.
Doch alles war leer oder mit gleichgültigen
Gebrauchsgegen=
ſtänden angefüllt, die keinerlei Rückſchluß auf die Perſönlichkeit
ihres Beſitzers erlaubten.
Schon wollte ſie ſich enttäuſcht wieder zum Gehen wenden,
als ſie nebenan im Schlafzimmer einen halbgeöffneten
Leder=
koffer bemerkte, aus dem ein in Silber getriebenes Reiſeneceſſaire
mattglänzend hervorſchaute.
Im nächſten Augenblick kniete ſie neben dem Koffer auf dem
Erdboden und wühlte den Inhalt durcheinander.
Taſchentücher, Briefpapier, Bürſten und Kämme, ein
gol=
denes Zigarrettenetui flogen zur Seite.
Und dann auf einmal ſtieß ſie zwiſchen ſeidenen Socken und
Schlafanzügen auf eine Karte mit der gleichen Wappenkrone wie
auf dem Silberſtopfen des Neceſſairekriſtalls.
Klaus Graf Ritland
Majoratsherr auf Neugattersleben
Berlin W, Kurfürſtendamm 131.
Klaus Graf Ritland!
Seit einer Stunde ſchon ſaß Sihylle wieder in ihrem kleinen
Salon und ſann über die folgenſchweren Entdeckungen dieſes
ſeltſamen Vormittags.
Eine merkwürdige, ihr ſelbſt unheinliche Ruhe war nach den
ſeeliſchen Stürmen der letzten Stunden über ſie gekommen.
Die gräfliche Familie Ritland war ihr keineswegs unbekannt.
Sie wußte, daß der alte Graf ein entſchiedener Gegner ihrer
Ehe geweſen war und ſie ſtets als einen Eindringling in den
Kreis ſeiner Verwandtſchaft betrachtet hatte.
Auch Kurt von Rhaden hatte gelegentlich über die Ritlands
mit ihr geſprochen, daß der junge Graf Klaus nach dem Tode
ſeines Vaters alleiniger Erbe des ſehr bedeutenden
Neugatters=
lebener Majorats geworden war.
Klaus Graf Ritland!
So hatte ſie alſo jenes rätſelhafte Gefühl bei der Vorſtellung
des neuen Sekretärs nicht betrogen, als ihr ſeine äußere
Erſchei=
nung und ſein ganzes Auftreten mit der Weſensart eines
ein=
fachen Dr. Hauffe unvereinbar erſchienen war.
Was aber konnte dieſen vornehmen, ritterlichen Mann zu
einem ſo ſchmählichen Mißbrauch des Gaſtrechtes verleitet haben,
wenn nicht der furchtbare Verdacht, daß ſie am Tode des Gatten
eine geheime, vielleicht die alleinige Schuld trüge?
Klar und ſcharf, mit unbeſtechlicher Logik dachte Sibylle die
inneren Zuſammenhänge der ganzen Ereigniſſe immer wieder von
neuem durch. Mit Walter Ralff im Bunde war Klaus in ihr
ſtilles Reich gedrungen, um ſie als Verbrecherin zu entlarven
und dann den Gerichten auszuliefern.
Derſelbe Mann, der ihr ſtummes Werben ſo kühl, überlegen
überſehen hatte, um zu jener anderen zu gehen, der heimlichen
Herrin von Neudietersdorf, die ihr nach allem, was ihr ſchon
zugefallen, nun auch noch den Mann ihrer Liebe raubte.
Die ganze Herzensnot des in ſeinen tiefſten Empfindungen
gedemütigten Weibes quoll plötzlich jäh in Sibylle empor, daß
ſich der Spiegel ihrer Augen feuchtete und ſich große Tränen
zwiſchen ihren ſchmalen Fingern hindurchſtahlen.
Unwillkürlich gingen ihre Blicke zu der prachtvollen
Bronze=
gruppe der Molinſchen Gürtelkämpfer hinüber, die ihr Gatte vor
Jahren von einer Reiſe aus Stockholm mitgebracht hatte.
„Gürtelverbunden, Bruſt an Bruſt”, ſo hatte er ihr einſt das
berühmte Bildwerk erklärt, „ringt auch der Menſch mit ſeinem
Schickſal. In engſter Umarmung mit ſeinem Todfeind ſinkt er
zu Erde. Und doch iſt dieſer Todfeind nur ſein anderes Ich.”
„Ein Schnitt mit dem Meſſer durch den Lendenſchurz, und
er ſteht frei!”
Und die Hand, die dieſen Schnitt zu führen hatte, ſie war
die Hand des Todes.
Ein Froſtſchauer überrann die Sinnende plötzlich: wohin
ver=
irrten ſich ihre Gedanken?
Noch lebte ſie ja, noch wollte ſie weiterleben, das große,
glänzende Leben, das ſie verteidigen würde, rückſichtslos,
erbar=
mungslos gegen alles, was ſich ihr auf dieſem Wege
entgegen=
ſtemmte.
Wie in einem reißenden Quellſtrom brach auf einmal ihre
ganze heiße Lebensenergie wieder in ihr auf.
(Fortſetzung folgt.)
TARINA UEGENUBEK
ROTHISCIHHASET
TV.5903
uhrräder
1fan Sie ſtets am
ſter und billigſten
Karlſtr.
Wrio. Nr 14.
ſt neu. H.=Anzug,
EStoff, kl.
Mittel=
zu. bill. abzg.
Eich=
rgtr. 26, p. (*191621
Liebensn ürdiges Fräulein, nicht unter 21
Jahren, flott im Rechnen u. Schreiben als
bei (10776e Kafftererin
zum ſofortigen Eintritt von
Lebensmittel=
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Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls, für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten Gegen=
DIE VORZUGLICHEN
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Zwangsverſteigerung.
Mahnung.
Die Stempelgebühr von 2 Rmk. für
die Gewerbeſcheine-Gewerbepatente— für
1928 iſt bei Meidung der Beitreibung bis
ſpäteſtens 1. Auguſi 1928 an die
Finanzkaſſe Darmſtadt=Stadt,
Alexander=
ſtraße 22 dahier, Zimmer Nr. 53, zu
zahlen.
Die Stempelgebühr wird nicht durch
Poſtnachnahme eingezogen.
Darmſtadt, den 20. Juli 1928.
1999) Finanzamt Darmſtadt=Stadt.
Die nachſtehend bezeichneten Grundſtücke, die zur Zeit der
Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen der
Fheleute Ludwig Mitteldorf und Eliſabetha, geb. Bürner,
beide in Darmſtadt (Geſamtgut der
Errungenſchaftsgemein=
ſchaft), in das Grundbuch eingetragen waren, ſollen (11955s
Dienstag,den 25. September 1928, nachmittags 3:/, Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht an Gerichtsſtelle, Zimmer 219,
verſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt in Anſehung der Grundſtücke
Ordn.=Nr. 1 bis 6 im Wege der Zwangsvoll ſtreckung und
zur Aufhebung der Gemeinſchaft, in Anſehung der
Grund=
ſtücke Ord.=Nr. 7 bis 19 zur Aufhebung der Gemeinſchaft.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 25. Juni 1928 in
das Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſteige=
rung Svermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
ſind ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auf=
forderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht,
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung entgegenſtehen
ſtandes tritt.
Darmſtadt, den 11. Juli 1928.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung der Grundſtücke:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk Vl, Band XVII, Blatt 827
Schätzung XVI R Grasgarten ( Vor=
garten) Feldbergſtr. 44 300 RM. XVI 29 Hofreite Nr. 32/, Feldbergſtraße 190 2 1 300 RM. XVI 229*.o Grasgarten Feld= bergſtraße 66 400 RM. KVI 230 Grabgarten Feld= bergſtraße 242 1700 RM. XVI 231 Hofreite Nr. 32 2317.,, Feldbergſtraße 1847 48 000 RM. XvI Grasgarten (Vor= garten) Feld=
bergſtraße 44 300 RM XXyII 4 Acker an den wüſten 8 Hügeln 2023 2000 RM LXXXVI 36 Wieſe zu Scheftheim 6584 1500 RM. 9 XXXI 35 Acker rechts dem 10 Judenbrunnen 2191 4000 RM. XXXI 49 Acker auf der Haard 4049 4000 RM. 11 LXXX 12 Wieſe, die Opper= 12 33 mannswieſen . 6913 1600 RM XXXI Acker rechts dem 13 Judenbrunnen 1822 3500 RM. XXXII 117 Acker hinter dem 124 Rabenberg 1656 1200 RM. 14 XXXII Acker daſelbſt 3216 2300 RM 15 XXXII 140 Acker im Schnep=
16 penzahl 1059 1000 RM. IXXXI Wieſe, die Langwieſe 850 200 RM 17 LXXXI Wieſe daſelbſt 2488 600 RM. 118 LXXXyI 3 Wieſe zu Scheftheim 1368 300 RM. 7119 LXXX/1 6 Wieſe daſelbſt 2493 500 RM.
werden vergrößert u. renoviert.
Der Verkauf geht während des
Um=
baues weiter. Durch
ununter=
brochene Tag= und Nachtarbeit wird
die Störung nur kurze Zeit dauern.
Ji bitte meine werte Kundſchaft
um gefl. Rückſichtnahme. Die
In=
betriebnahme kann evtl. noch dieſe
Woche erfolgen. 11972
Wurſtfabrik H. Scherkanp
Verkaufsſtelle:
Schuſtergaſſe 19 Dieburgerſtraße 6
Einträge in das Handelsregiſter
Ab=
teilung A: Am 17. Juli 1928
hinſicht=
lich der Firmen: 1. Carl Köhler,
Buch=
handlung und Antiquariat, Darmſtadt:
Die Prokura des Otto Carius jun. iſt
erloſchen. Die ſeitherige
Geſamtproku=
riſtin Lisbeth Carius,
Buchhandlungs=
gehilfin in Darmſtadt, iſt zur
Einzel=
prokuriſtin beſtellt. Die
Buchhandlungs=
gehilfin Maria Carius iſt ebenfalls zur
Einzelprokuriſtin beſtellt. 2. Wilhelm
Jac. Schnell, Darmſtadt: Die Prokurg
der Wilhelm Jakob Schnell Ehefrau
Margarete geborene Roth iſt erloſchen.
Die Firma iſt erloſchen. 3. Otto
Weber, Darmſtadt: Die Firma iſt
erloſchen. 4. Darmſtädter Buch= und
Zeitſchriften=Vertrieb Karl Herzberger,
Darmſtadt: Die Firma iſt erloſchen,
5. J. Paulus & Comp., Darmſtadt:
Die Geſellſchaft iſt aufgelöſt und die
Firma erloſchen. 6. Kleukens Verlag
Kommanditgeſellſchaft, Darmſtadt: Die
Geſellſchaft iſt aufgelöſt und die Firma
erloſchen. Am 18. Juli 1928 hinſichtlich
der Firma: Hermann Hachenburger,
Darmſtadt: Der Inhaber, Kaufmann
Sally Mayer, früher wohnhaft in
Pfung=
ſtadt, wohnt jetzt in Darmſtadt. Am
19. Juli 1928 hinſichtlich der Firma:
Strauß & Mayer, Darmſtadt: Die
Fir=
ma iſt geändert in: Strauß & Mayer,
Seiden= und Modehaus. — Die
Ehe=
frau des Kaufmanns Siegfried Mah
Anna geborene Haas in Darmſtadt iſt
zur Prokuriſtin beſtellt. Neueinträge
am 17. Juli 1928: 1. Firma Willy
Hol=
zinger, Automobile, Darmſtadt.
In=
haber: Willy Holzinger, Kaufmann in
Darmſtadt. — Als nicht eingetragen
wird veröffentlicht: Die Geſchäftsräume
befinden ſich Rundeturmſtr. 16. 2.
Fir=
ma: Ruppert & Walter. Offene
Han=
desgeſellſchaft. Sitz: Darmſtadt.
Ge=
ſellſchafter: Ernſt Ruppert, Drogiſt, und
Auguſt Walter, Kaufmann, beide in
Darmſtadt. Die Geſellſchaft hat am
15. Februar 1925 begonnen. — Als
nicht eingetragen wird veröffentlicht:
Die Geſchäftsräume befinden ſich
Fried=
richſtraße 20. Am 18. Juli 1928 die
Firmen: 1. Wiener Kaffee=Röfterei Fritz
Halmerbauer, Darmſtadt. Inhaber:
Fritz Halmerbauer, Kaufmann in
Darmſtadt. 2. Muſikalien= und
Inſtru=
mentenhandlung Wilhelm Heß,
Darm=
ſtadt. Inhaber: Wilhelm Heß,
Muſi=
kalienhändler in Traiſa bei
Darm=
ſtadt. — Als nicht eingetragen
wird veröffentlicht: Die Geſchäftsräume
befinden ſich Eliſabethenſtr. 34. 3. Hans
Latz, Darmſtadt. Inhaber: Hans Latz,
Kaufmann in Darmſtadt. — Als nicht
eingetragen wird veröffentlicht:
An=
gegebener Geſchäftszweig:
Lebensmit=
telgeſchäft. 4. Schuhhaus Baar
Men=
del Barczynſki, Darmſtadt. Inhaber:
Mendel Barczynſki, Kaufmann in
Darmſtadt. 5. Spezialhaus für
Auto=
mobile= und Motorrad=Bedarf Ludwig
Saxer, Kaufmann in Darmſtadt. —
Als nicht eingetragen wird
ver=
öffentlicht: Die Geſchäftsräume
be=
finden ſich Saalbauſtr. 26. 2. Genis
& Renart. Offene Handelsgeſellſchaft.
Sitz: Darmſtadt. Geſellſchafter:
Salva=
dor Genis und Andre, Renart, beide
Kaufleute in Darmſtadt. Die
Geſell=
ſchaft hat am 1. April 1928 begonnen.
Sie beſteht zunächſt auf die Dauer von
zwei Jahren. Während dieſer Zeit kann
eine Kündigung nicht vorgenommen
werden. Wird der Vertrag ein
Viertel=
jahr vor Ablauf nicht ſchriftlich
gekün=
digt, ſo läuft er ſtillſchweigend zwei
Jahre weiter und ſo fort. — Abteilung
B: Am 16. Juli 1928 hinſichtlich der
Firma: Gebrüder Roeder
Aktiengeſell=
ſchaft, Darmſtadt: Durch Beſchluß der
Generalverſammlung vom 3. März 1928
ſind die Beſtimmungen des
Geſell=
ſchaftsvertrags über Aktien und über
Stimmrecht geändert. — Als nicht
ein=
getragen wird veröffentlicht: Das
Grundkapital iſt eingeteilt in 1500
Stammaktien im Nennbetrag von ſe
1000.— Reichsmark, 3000 Stammaktien
im Nennbetrag von je 100.—
Reichs=
mark, ſowie in 250 Vorzugsaktien im
Nennbetrag von je 20.— Reichsmart.
Jede Stammaktie im Nennbetrag von
1000— Reichsmark hat 10 Stimmen
jede Stammaktie im Nennbetrag von
100.— Reichsmark hat 1 Stimme und
jede Vorzugsaktie im Nennbetrag von
20.— Reichsmark hat 30 Stimmen. Am
17. Juli 1928 hinſichtlich der Firma:
Württembergiſche Metallwarenfabrik
Geißlingen, Aktiengeſellſchaft,
Zweig=
niederlaſſung Darmſtadt: Die Prokura
des Friedrich Weber iſt erloſchen. —
Das Vorſtandsmitglied, ſtellv.
Direl=
tor Eugen Schmid iſt aus dem Vor=
11954
ſtand ausgeſchieden.
Darmſtadt, den 21. Juli 1928.
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