Darmstädter Tagblatt 1928


14. April 1928

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Einzelnummer 10 Pfennige

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Nummer 104
Samstag, den 14. April 1928.
191. Jahrgang

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ſädter
und Nalion

Die deutſchen Ozeanflieger überfällig?

Eine irreführende Orahtung.
Die Meldung von der Landung beſtätigt
ſich nicht.
Emden, 13. April.
Aus New York wird gedrahtet, daß ein Flugzeug, begleitet
von einem Flugzeuggeſchwader, um 20,30 Uhr deutſche Zeit über
New York geſichtet wurde.
Die Funkſtation Norddeich drahtet Funkſpruch An Alle!,
daß die Bremen in Mitchelfield angekommen ſei.

Der New Yorker Berichterſtatter der Tel.=Union drahtet nach
Berlin: Aeußerſte Vorſicht gegenüber Meldungen Norddeich
Radioſtation geboten.
Ungewißheit über das Schickſal der deutſchen
Flieger.
Um die Mittagsſtunde lagen in Berlin noch keinerlei verläß=
lichen
Nachrichten über den Verlauf des Transozeanfluges der
Bremen vor. Die auf der Ueberfahrt befindlichen 20 großen
Tampfer haben das deutſche Flugzeug noch nirgends geſichtet,
trotzdem ſie ſcharfe Ausſchau halten. Der Rieſendampfer Maje=
ſtic
meldet heftige Oſtwinde, die den Flug begünſtigen müßten.
Die Wetterberichte aus Neufundland lauten nicht ungünſtig. Sie
ſprechen von klarer Sicht, leichten ſüdweſtlichen Winden und Tem=
veraturen
, die nahe bei dem Nullpunkt liegen. Bei einem glatten
Verlauf müßte das Junckersflugzeug nunmehr die Neufundland=
küſte
erreicht haben, und zwar zwiſchen 9 und 11 Uhr heute vor=
mittag
Berliner Zeit.
New York Times veröffentlicht einen Funkſpruch, daß ein
Farmer in der Nähe von Shoal Harbour an der Nordſpitze der
Trinity=Bay um 21 Uhr New Yörker Zeit ein in weſtlicher Rich=
tung
fliegendesGlugzeug gehört habe. Dieſe Angabe iſt jedoch
ungher Er :4 zutreffendenfalls die Bremen in 21 Stun=
den
dhältigt haben müßte. Ab 3 Uhr nachts iſt der
Tandueuchtet. Ein gewaltiger Scheinwerfer, der
N
40 Mstbar iſt, bedeutet das nächtliche Wahrzeichen
24 des Um Falle des Herannahens des Flugzeuges
ſen wollen niſche Militärſtaffel und vier deutſche Flug=
Seteiggzeuge, eine Junckersmaſchine und drei Klemm=
uté
)aimle der Bremen entgegenfliegen. Die Nach=
2 Stagen, cht, deug geſtern abend auf der Hälfte der Strecke
2 Porzehaf ſichte hat ſich als ein Mißverſtändnis herausgeſtellt.
9e Kformell
ft ormittag fehlt jede Nachricht.
Se ABr
CLunet
deutſch
decken) Bremen über dem amerikaniſchen
Ausdi
Feſiland geſichtet?
dieſer
von d
+ einem ſoeben in Berlin eingelaufenen Funkſpruch iſt
geßeiltſche Flugzeug Bremen heute nachmittag 5 Uhr
der folgt: Zeit über Kingsport in Neuſchottland ge=
ſia
: A worden. Eine amtliche Beſtätigung dieſer Nachricht
liegt chfh nicht vor. Falls ſich die Nachricht beſtätigt, iſt anzu=
nehmen
; daß die Bremen heute nacht 11 Uhr auf New Yorker
Flugplatz landen wird.

Hierzu liegen folgende Meldungen vor: Eine Meldung der
Zentral News aus New York beſogt: Ein Bericht iſt aus
Montreal eingegangen, daß die Bremen über Kingsport ( Neu=
ſ
hottland) 1,45 Uhr Ortszeit (16,45 Uhr mitteleuropäiſche Zeit)
g4 Darmſworden ſei. Eine Beſtätigung dieſer Nachricht liegt noch
us der Ferner iſt ein Bericht aus Boſton eingegangen, daß
chen, nel
2 ühlen, zen um 5,30 Uhr Ortszeit vormittags in der Höhe von
9 in einemnd geſichtet worden iſt. Dieſe Meldung kommt aus
N Das ſergMaſſachuſetts). Sie beſagt, daß die dortige Küſten=
ween
tion ein Telegramm von einem Schiff an die Station
der Radio=Coporation von Amerika in Chatham aufgefangen
hat? Dem New Yorker Büro der Radio=Coporation iſt jedoch
dieſes Telegramm nicht bekannt, ſo daß auch dieſe zweite Mel=
dung
noch nicht einen Anhaltspunkt für den Ver=
bleib
der Bremen erlaubt.
Wenn ſich die Meldungen beſtätigen, befindet ſich die
Bremen ſchon an der Oſtküſte des nordamerikaniſchen Feſt=
landes
, und zwar an der Fundybank, 100 Km. weſtwärts
von Halifax. Es iſt daher anzunehmen, daß die Bremen
den Kurs etwas ſüdlicher von Neufundland bei Anſteuerung der
amerikaniſchen Feſtlandküſte gehalten hat.
Die Bremen einwandfrei geſichtet.
Berlin, 13. April.
Nach den in Berlin um 7 Uhr abends weiter eingelaufenen
Nachrichten wurde die Bremen um 5,45 Uhr (M. E.3.) über
dem Hafen von Yarmouth an der Südſpitze von Neu=
ſchottland
geſichtet und erkannt. Weiter meldeten ver=
ſchiedene
Dampfer, daß ſie die Bremen über dem Golf von
Maine geſichtet hätten. Das Flugzeug flog ſo niedrig,
daß mit Leichtigkeit der Namen geleſen werden
konnte. In New York erwartet man die Landung auf dem
Flugplatz Mitchelfield zwiſchen 8 und 9 Uhr abends (M. E.3.).

Spannung auf dem Flugplatz Miichel=Field.
TU. New York, 13. April.
In der letzten halben Stunde liefen hier verſchiedene wider=
ſprechende
Meldungen über den Verbleib der Bremen um.
Eine Nachricht beſagte, daß das Flugzeug über Boſton geſichtet
worden ſei, während andere Meldungen dies für unrichtig er=
klärten
. Infolgedeſſen herrſcht im Augenblick nach der erſten
Freude überall ziemliche Unſicherheit. Inzwiſchen hat die Span=
nung
auf dem Flagplatz ihren Höhepunkt erreicht. Im=
mer
ſtärker wird der Andrang. Nur mit Mühe kann
die Polizei die unüberſehbare Menſchenmenge von einem gleich eine Feſtſetzung der Zahlungsweiſe nicht zu erwarten iſt.
Durchbruch der Abſperrung abhalten.

in Atlantic=City iſt falſch.

Eine Hiobsbotſchaff: Die Bremen ins
Meer geſtürzt?

EP. London, 13. April.

Die beiden folgenden Nachrichten ſind in London einge=
gangen
: Die Central News melden aus New Yovk: Ein Tele=
gramm
eines Maklerhauſes in Norwalk (Connecticut) meldet,
daß ein Flugzeug die Stadt im Laufe des Nachmittags (amerik.
Zeit) paſſierte. Norwalk liegt ungefähr 200 Meilen von New York
entfernt. Das Londoner Bureau der Exchange Cie. hat ein
Telegramm aus New York erhalten, welches um 15 Uhr amerik.
Zeit auſgegeben wurde und lautet: In offiziellen Krei=
alle
Hoffnung auf die Bremen aufgegeben.
Man glaubt darum, daß die Bremen ins Meer geſtürzt Grundſätze zu beſtimmen haben wird. Nicht die parteipolitiſchen
iſt. Die einzige Hoffnung beſteht darin, daß die Flieger von einem
Schiff ohne drahtloſe Einrichtung aufgenommen wurden.
Wachſende Beſorgnis. Enttäuſchie

Hoffnungen.
EP. New York, 13. April (4,25 amerik, Zeit).
Die Nachrichten von der Landung der Bremen haben ſich
bisher nicht beſtätigt. Die Hoffnungen, daß die Bremen New
York erreicht, nehmen ſtetig weiter ab. Bisher iſt auch noch keine
Beſtätigung der Berichte eingetroffen, daß das Flugzeug über den
verſchiedenen genannten Plätzen geſichtet worden ſein ſoll.
Wo iſi die Bremen?
Um die Mitternachsſtunden des Freitag liegt immer noch
keine Nachricht über den Verbleib der Bremen vor. Alle bis=
her
ergangenen Meldungen haben ſich als unrichtig erwieſen. Es
ſchien am Freitag nachmittag bereits ſo, als ob die Bremen
tatſächlich über Neuſchottland geſichtet worden ſei, und alle Mel=
dungen
hatten den Schein der Wahrhaftigkeit für ſich, weil nach
den Berechnungen der Sachverſtändigen tatſächlich um dieſe Zeit
mit dem Eintreffen des Flugzeuges an der amerikaniſchen Küſte
gerechnet werden durfte. Eine Verſpätung war trotzdem nicht
ausgeſchloſſen, weil die Flieger zwei Wetterzonen zu umfliegen
hatten. Immerhin liefen Meldungen über den Flug von Stunde
zu Stunde mit immer größerer Sicherheit ein, und auch auf dem
Flugplatz von New York hielt man ſie für richtig. Es waren alle
Vorbereitungen für den Empfang getroffen. Auch Bürgermeiſter
Walker hatte ſich eingefunden. Als aber dann die Nachrichten
immer ſpärlicher eintrafen und endlich gegen 9 Uhr ganz verſieg=
ten
, ſchlug die Stimmung um. Man wurde nun auch gegen die
erſten Berichte von der Sichtung des Apparates mißtrauiſch, weil
man ſich erinnerte, wie oft bei ähnlichen Anläſſen die Phantaſie
den Beobachtern einen Streich geſpielt hat.
Dennoch beſteht kein Grund zu unmittelbarer Be=
ſorgnis
. Es genügt ſchließlich ein geringes Abweichen vom
Kurs, wie es beim Umfliegen einer weiteren Wetterzone notwen=
dig
wird, um die Flieger über die unwirtlichen Gebiete Kanadas
zu verſchlagen. Die Möglichkeit einer Notlandung auf verkehrs=
armem
Gebiet liegt alſo nahe. Die Bremen führt Brennſtoff
für 50 Stunden mit ſich. Von einem Ueberfälligſein kann alſo erſt
am Samstag nach 7 Uhr früh die Rede ſein.

Eine genaue Nachprüfung aller Meldungen, die von einer
Sichtung bzw. Landung der Bremen wiſſen wollten, hat er=
geben
, daß keine dieſer Meldungen bisher beſtätigt werden konnte.
Alle von Reuterbureau und den mit dieſem verbündeten Agen=
turen
verbreiteten diesbezüglichen Meldungen ſind unrichtig.
Bis um 23.30 Uhr lagen noch keine Nachrichten von der Bre=
men
in Berlin vor.
Um 2 Uhr morgens noch keine Nachricht.
TU. New York, 13. April.
Bis um 2 Uhr morgens deutſche Zeit liegen hier noch keiner=
lei
Nachrichten über die Bremen vor.

Die Reichstagswahl 1928.
Von
Rechtsanwalt Eduard Dingeldey, M. d. L.
Die Wahlbewegung iſt in Frankreich in vollem Gang. Sie iſt
gekennzeichnet durch die beiden großen Reden Poincarés, die
eine Ueberraſchung für die politiſche Oeffentlichkeit dadurch brach=
ten
, daß Poincaré zum erſten Male offen und zugleich poſitiv die
Löſung der Reparationsfrage durch eine Verſtändigung mit
Deutſchland ins Auge gefaßt hat. Ich bin weit entfernt davon,
die Tragweite dieſer Aeußcrungen für, die allernächſte Zeit zu
überſchätzen. Vielmehr müſſen wir uns vollkommen darüber klar
ſein, daß vor der Präſidentenwahl in Amerika im Jahre 1929
eine endgültige Klärung der Reparationsfrage, alſo eine Feſt=
ſetzung
der Endſumme, die Deutſchland zu zahlen hat, und zu=
Reparationsfrage und Weltſchuldenproblem hängen unmittelbar
miteinander zuſammen und ſind in ihrer Löſung durchaus von
der Entſcheidung des amerikaniſchen Volkes abhängig. Gleichwohl
Die Meldung von der angeblichen Landung der Bremen bedeutet das Hervortreten Poincares in der Richtung einer Ver=
ſtändigung
mit Deutſchland ungeachtet alles berechtigten Miß=
trauens
gerade gegenüber dieſer politiſchen Perſönlichkeit eine
hiſtoriſche Wendung in der Entwicklung der franzöſiſchen Politik,
und es iſt bezeichnend, daß die engliſche Preſſe gerade mit beſon=
derem
Nachdruck darauf hinweiſt. Man kann alſo, wenn man von
der Gefahr der Uebertreibung frei bleiben will, feſtſtellen,
daß die zwiſchen Streſemann und Briand in Lo=
carno
und Thoiry in ihren Grundzügen verein=
barte
Politik trotz der vorübergehenden Rück=
ſchläge
langſam wieder in Fluß kommt. Es wird
die Aufgabe der deutſchen Politik ſein, mit aller Zähigkeit und
Klugheit in jedem Stadium der weiteren Entwicklung dieſer
Auseinanderſetzungen das deutſche Intereſſe zu vertreten.
Dieſer Zuſammenhang zeigt uns wieder einmal die Richtig=
ſen
der Boſtoner Luftfahrtſachverſtändigen iſt keit des alten Satzes, daß für die deutſche Entwicklung noch auf
lange Zeit hinaus die auswärtige Politik Richtlinien und
Kämpfe im Innern Deutſchlands alſo, nicht unſere innerpoliti=
ſchen
und wirtſchaftspolitiſchen Meinungsverſchiedenheiten, ſon=
dern
die durch die Führung der auswärtigen Politik zu löſenden
Lebensfragen der Nation müſſen beſtimmend für die künftige
politiſche Entwicklung bleiben. Daraus wiederum folgt, daß es
verkehrt iſt, wenn man jetzt in der demokratiſchen Preſſe
parteipolitiſche Wünſche außenpolitiſch zu begründen ſucht. Es
iſt nicht wahr, daß der Ruck nach links, den die Linke ſich er=
hofft
, der aber keineswegs feſtſteht, im Intereſſe unſerer auswär=
tigen
Politik läge. Wahr iſt vielmehr etwas ganz anderes: Im
Intereſſe unſerer auswärtigen Politik liegt es, daß es der Deut=
ſchen
Volkspartei und ihrer Führung gelungen iſt, die
Deutſchnationale Volkspartei an die Kandare
der Verantwortung auch fürdke auswärtige Po=
litikzulegen
. Denn auf dem ſchwierigen und ſteinigen Wege
unſerer Außenpolitik, auf dem uns Dr. Streſemann mit Klug=
heit
und Zähigkeit und unbeirrbarem Glauben an die Zukunſt
ſeit fünf Jahren führt, werden wir nur dann vorwärts kommen,
* Berlin, 14. April. (Priv.=Tel.) wenn eine immer mehr wachſende Gemeinſchaft des deutſchen
Volkes einig über die Grundlinien der Entwicklung wird. Die
Deutſchnationale Volkspartei hat Jahre hindurch
von der Politik der Agitation und der Aufpeitſchung nationaler
Leidenſchaften gelebt und damit parteipolitiſche Erfolge
erzielt. Die Deutſche Volkspartei, die, auch um den
Preis parteipolitiſcher Verluſte, den Weg der Verantwor=
tung
für eine opferreiche, aber allein mögliche große Politik
unter ihrem Führer gegangen iſt, hat es ſchließlich zuſtande ge=
bracht
, daß auch die Deutſchnationale Volkspartei unter das Joch
der Verantwortung geſpannt werden konnte. Es bleibt dabei,
daß die Deutſchnationalen durch den Eintritt in die Regierung
ſeit länger als Jahresfriſt mit ihren Miniſtern die volle Mit=
derantwortung
für Streſemanns auswärtige
Politik übernommen haben. Und es bleibt auch dabei,
daß dieſe Tatſache an ſich vom nationalen Standpunkt aus auf
das Aufrichtigſte begrüßt werden mußte, während die parteipoli=
tiſche
Betrachtungsweiſe der Oppoſitionspreſſe nicht im Intereſſe
der auswärtigen Politik liegt.
Leider iſt feſtzuſtellen, daß der Führer der Deutſchnationalen,
Graf Weſtarp, und in ſeinem Gefolge natürlich in vergröber=
ter
Tonart die deutſchnationale Provinzpreſſe nunmehr verſuchen,
aus der Kolonne verantwortungsfreudiger Politiker auszubrechen.
Wenn die Deutſchnationalen jetzt die Außenpolitik Streſemanns
angreifen, um daraus Wahlkampfwaffen gegen die Politik
der Deutſchen Volkspartei zu ſchmieden, ſo iſt das ein Verfahren,
das weit entfernt liegt von verantwortungsbeſvußter Politik.
Das Kabinett Marx hat bei ſeinem Regierungsantritt in feier=
licher
Erklärung ſich für die Fortſetzung der von Streſemann be=
gonnenen
auswärtigen Politik verpflichtet. Und die vier
deutſchnationalen Miniſter haben in jeder ein=
zelnen
Etappe dieſer auswärtigen Politik wäh=
rend
ihrer Amtsführung ſtets und uneinge=
ſchränkt
dem einſtimmigen Vertrauensvotum
des Reichskabinetts für den Reichsaußenmini=
ſter
Dr. Streſemann zugeſtimmt. Es iſt alſo reine
parteipolitiſche Agitation, wenn die Deutſchnationalen jetzt vor
dem Reichstagswahlkampf ihr altes Kriegsbeil, wieder hervor=
holen
. Es iſt eine Spekulation auf die nationalen Gefühle,
die aber diesmal zweifellos nicht gelingen wird.
Denn das deutſche Volk hat in ſeiner überwältigenden Mehrheit
doch allmählich erkannt, daß ein anderer Weg der Außen=
politik
als der von Streſemann gewieſene ſchlechterdings nicht
möglich iſt. Mögen auch noch ſo oft wir Deutſchen in dieſer
Zeit nur mit Zähneknirſchen und mit weitgehender Reſignation
den Ereigniſſen gegenüberſtehen, ſo bleibt uns ein anderer Weg
als der von Streſemann unter der Parole durch Opfer und

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Geite 2

Samstag, den 14. Aprdl 1928

Nummer 104

Aenderung der Politik, alſo ein wirklich in die
Tat umzuſetzendes, klares Programm der aus=
wärtigen
Politik niemals aufgeſtellt haben.
Weil dem ſo iſt, kann man die neue Wendung der Deutſch=
nationalen
zur Taktik der Agitation und der Oppoſition nur auf
das tiefſte bedauern. Sie wird ſich zwar parteipolitiſch rächen an
der Deutſchnationalen Partei ſelbſt. Aber ſie wird auf der ande=
ren
Seite die Geſchloſſenheit des deutſchen Volkes, die in Fragen
der auswärtigen Politik grundſätzlich zu beſtehen ſchien, aufs
neue in Frage ſtellen. Und ſie wird vor allem den großen poli=
tiſchen
Parteien, die bisher mit den Deutſchnationalen praktiſch
zuſammengearbeitet haben, Anlaß zu der Frage geben
müſſen, ob die Fortſetzung einer Zuſammen=
arbeit
nach ſolchen Rückfällen in die veraltete
Gewohnheit agitatoriſcher Politik noch mög=
lich
iſt.
Es iſt eine Fülle von Fragen, die der kommende Reichstag in
der inneren Politik und in der Wirtſchaftspolitik zu löſen hat. Die
Zeit der großen Konjunktur unſerer Wirtſchaft iſt
vorüber. Die Hoffnung aller Wirtſchaftspolitiker kann heute nur
noch dahin gehen, daß der Abſtieg der Konjunktur ſich langſam
und allmählich und nicht mit einem plötzlichen Sturz in die Kriſe
vollziehen möge. Die außerordentlichen Schwierigkeiten, die ſich
unſerer Handelspolitit im Ausland entgegenſtellen und es bis
jetzt verhindert haben, den verlorenen Auslandsmarkt wie=
der
zu gewinnen, treten in Verbindung mit kriſenhaften Zuſtän=
den
im Inlandsmarkt immer mehr hervor. Die Not der Land=
wirtſchaft
die in weiten Teilen des Deutſchen Reiches die
große akute Frage künftiger Witſchaftspolitik ſein wird, wirkt
ſich natürlich auch in einer Zerſetzung des Inlands=
marktes
aus. In Verbindung damit erhalten die Lohnkämpfe
in allen großen deutſchen Induſtrien eine dunkle Beleuchtung.
Denn es iſt ſelbſtverſtändlich, daß der Kampf um die Auslands=
märkte
nur von einer Induſtrie geführt werden kann, deren Pro=
duktionskoſten
die Konkurrenzfähigkeit mit dem Ausland noch
ermöglicht. Wir haben in weiten Teilen des Wirtſchaftslebens
heute bereits dieſe Grenze überſchritten. Das trat mit ſeinen
ſchweren Auswirkungen ſolange nicht in die Erſcheinung, als ein
ſtarker Inlandsabſatz zu einer günſtigen Konjunktur führte. Zer=
bröckelt
aber der inländiſche Abſatz durch den wechſenden Ausfall
breiter Käuferſchichten, ſo entſteht um ſo mehr die Notwendigkeit,
die Förderung;des Auslandsmarktes nicht zu vernachläſſigen.
Das führt aber wieder hinein, in die Intereſſengegenſätze der
Induſtrie und des geſamten Gewerbes einerſeits und der Land=
wirtſchaft
andererſeits, führt hinein in die brennenden Fragen
der Lohnkämpfe und endlich auch in das große, alle dieſe Dinge
beherrſchende Geſamtproblem der Reparationslaſten.
Das Ziel, möglichſt bald zu einer endgültigen
Feſtſetzung unſerer Reparationsverpflichtun=
gen
auf erträglicher Höhe zu kommen, muß aus allen dieſen Er=
wägungen
beherrſchend über den wirtſchaftspolitiſchen und
innerpolitiſchen Auseinanderſetzungen ſtehen. Deshalb wird im
künftigen Reichstag weniger denn je einſeitige Wirtſchaftspolitik
zugunſten einzelner Teile unſerer Wirtſchaft betrieben werden.
Die große und ſchwierige Kunſt des Ausbalan=
cierens
der Kräfte wird auch für die Zukunft die
Grundlage unſerer Wirtſchaftspolitik ſein müſ=
ſen
. Und dazu muß die großzügige Verwaltungs=
reform
in Reich und Ländern endlich mit Ernſt und
unbeugſamer Energie durchgeführt werden. Denn die Verbilli=
gung
der geſamten Produktion iſt nicht zuletzt abhängig von einer
ſtarken Einſchränkung der öffentlichen Laſten, unter deren Feſſeln
das Wirtſchaftsleben liegt. Die ſteuerliche Belaſtung
aller Kreiſe unſeres Volkes muß, wenn wir
wirtſchaftlich geſunden und zugleich unſere
außenpokitiſchen Ziele eerreichen wollen, in
fortſchreitendem Maße abgebaut werden. Stei=
gerung
der deutſchen Produktion und der deutſchen Ausfuhr iſt
nicht denkbar ohne gleichzeitige Verminderung der ſteuer=
lichen
Belaſtung. Die Löſung der Reparationsfrage aber wieder=
um
iſt nicht möglich, ohne die produktiven Kräfte Deutſchlands
im Inlands= und Auslandsmarkt noch weit über das bisherige
Maß hinaus zu heben.
Wenn ſo die Deutſche Volkspartei mit ihrem Führer
Dr. Streſemann in der Erkenntnis der großen Aufgaben der
nächſten Zeit und mit der feſten Entſchloſſenheit, von der Politik
opferbereiter Verantwortung nicht abzulaſſen, in den Wahlkampf
tritt, ſo ſtellt ſie die großen Gedanken und die leitenden Probleme
in den Vordergrund. Man muß in Deutſchland zu einer gewiſſen
Beharrlichkeit der Kräfteverteilung im Staate gelangen. Die
Parteien der Mitte werden auch künftighin die verant=
wortlichen
Träger der Führung im Staate bleiben. Deshalb
kann ich nur hoffen, daß die Zentrumspartei darauf ver=
zichten
wird, in dieſem Wahlkampf den Geiſt des Kulturkampſes
zu beſchwören und den Glaubensfanatismus des katholiſchen
Volkes aufzupeitſchen. Dem aufmerkſamen Beobachter der kultu=
rellen
Entwicklung unſeres deutſchen Volkes in der nachrevolutio=

Vom Tage.

Die Nationalliberale Korreſpondenz bezeichnet die Meldung des
Berliner Mittag als frei erfunden, daß innerhalb der Deutſchen
Volkspartei bei der Kandidatenaufſtellung wegen der
Flaggenfrage Schwierigkeiten entſtanden ſeien.
Wie verlautet, wird die Ankunft des Königspaares von
Afghaniſtan in Warſchau vorausſichtlich am 23. April er=
wartet
.
Der Bundesrat beſchloß, die auf Grund eines früheren
Beſchluſſes beſtehenden Ausfuhrverbote aufzuheben. Die
Aufhebung tritt mit dem 1. Auguſt 1928 in Kraft.
Der ehemalige diplomatiſche Vertreter Groß=
britanniens
in Moskau, Sir Robert Hodgſon, wurde nach
Mitteilung des Foreign Office vom König zum engliſchen Ge=
ſandten
in Durazzo (Albanien) ernannt.
Der polniſche Außenminiſter Zaleſki iſt geſtern in Rom
eingetroffen.
Die Delegierten der Emiſſionsbanken haben ſich
mit der Fortſetzung ihrer Beratungen der Schnelligkeit des Währungs=
umlaufes
beſchäftigt.
Der japaniſche Geſandte in Stockholm, Matſuzo Na=
gai
, iſt zum Botſchafter in Brüſſel ernannt worden.
Nach einer Meldung der Trausalpinen Zentrale aus Nom ſoll es
der Polizei gelungen ſein, den Däter von Mailand feſtzunehmen.
Er habe anfangs zu leugnen verſucht, hätte aber ſchließlich die Tat ein=
geſtanden
.
nären Zeit wird nicht entgangen ſein, wie gewaltig und von ihm
ſelbſt nie erhofft der Aufſtieg deskatholiſchen Volks=
teils
zur politiſchen Macht in dieſen Jahren geweſen
iſt. Man laſſe alſo auf der Seite des Zentrums das Schwert
des Kulturkampfes in der Scheide. Der Liberalismus
wird es gewiß nicht ziehen. Er verlangt die Anerken=
nung
ſeiner Ueberzeugung in der beſtimmten Gewißheit, daß das
katholiſche Volk auch unter den gegenwärtigen Verhältniſſen in
Deutſchland ganz gewiß nicht von einer Zurückſetzung reden kann.
Wenn wir die chriſtliche Simultanſchule verteidigt
haben gegenüber der Forderung des Zentrums, ſo gerade um
deswillen, weil wir unſer Volk bewahren wollen vor Spaltungen
und Zerwürfnis auf konfeſſionellem Gebiete in einer Zeit, in der
alle Kräfte angeſpannt werden müſſen für die großen Zukunfts=
ziele
der deutſchen Politik.
Es iſt ein trauriges Zeichen für den Reifegrad des deutſchen
Wählers, daß die neugebildeten Splitterparteien
und die reinen Standesparteien möglich geworden
ſind. Man braucht ſich ja nur einmal, ſo wie es vorſtehend ge=
ſchehen
iſt, in ganz großen Umriſſen den ungeheueren Inhalt der
politiſchen Zukunftsaufgaben im nächſten Reichstag vor Augen
zu führen, um zu erkennen, wie unmöglich und politiſch nutzlos
die Bildung von Standesparteien und Splitterparteien dem=
gegenüber
iſt. Die Standesparteien werden nur die
eine Folge haben können, daß die großen politiſchen
Parteien ſich von der Sorge und der Verantwor=
tung
für die in beſonderen Parteien zuſammen=
gefaßten
Stände befreit fühlen. Ob es der deutſchen
Landwirtſchaft dienlich ſein kann, daß man die Sorge um
die Angelegenheit des Bauernſtandes künftighin der kleinen
Bauernpartei allein überläßt, das mögen ſich die Land=
wirte
ſelbſt überlegen. Sie haben bisher gut daran getan, ihre
Intereſſen mit Nachdruck in den großen Parteien zu vertreten.
Dieſe und nicht zuletzt die Deutſche Volkspartei haben im Rah=
men
ihrer geſamten Wirtſchaftspolitik und nationalen Einſtellung
den landwirtſchaftlichen Teil unſeres Volkes nicht vergeſſen.
Trennt dieſer ſich aber von den übrigen Stän=
den
und will er auf eigenen Wegen durch die
Chriſtlich=nationale Bauernpartei reinen Stan=
desintereſſen
nachjagen, ſo wird den Schaden
davon die deutſche Landwirtſchaft tragen. Und
was hier geſagt iſt, gilt genau ſo gut für das Handwerk deſ=
ſen
herufene Führung im Reichsbund deutſchen Handwerks ja
dringend vor jeder Sonderbildung, wie der der Wirtſchafts=
partei
, gewarnt hat, und das gilt nicht zuletzt von der Volks=
rechtspartei
, deren Taten auf Verſprechungen beſchränkt
bleiben müſſen. Was hat ſie denn bisher geleiftet und was kann
ſie leiſten? Enttäuſchung und Verbitterung wird die Scharen
ihrer Anhänger ſchon bei dieſen Reichstagswahlen lichten. Denn
ſie haben geſehen, daß die Vertreter der Volksrechtspartei ſtets
in einer hoffnungsloſen Minderheit ohne jeden Einfluß bleiben
nüſſen und daß infolgedeſſen die Intereſſen der Aufwertungs=
geſchädigten
nicht gefördert, ſondern geſchädigt ſind.
So bleibt auch in dieſem Wahlkampfe aller Betrachtung letz=
ter
Schluß: Nur die großen Geſichtspunkte, die Unterordnung
parteipolitiſcher Kämpfe unter die großen Ziele der auswärtigen
Politik können unſerem Volke den Weg zur Wahl zeigen. Nicht
Standesintereſſen allein, ſondern die großen vaterländiſchen Ge=
ſichtspunkte
ſind die Wegwociſer in eine lichtere Zukunft.

Der Konflikt bei den Konſervatiben.
Weſiarps Austritt aus dem Vorſiand
der Konſervativen Partei.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Die Zwieſpältigkeit, die in der Altkonſervativen Partei ent=
ſtanden
iſt, hat ihre erſte ſichtbare Auswirkung, wenn auch über=
raſchend
, ſo doch unvermeidlich in dem Austritt des Gra=
fen
Weſtarp aus dem Vorſtand der Konſervati=
ven
Partei und aus der ganzen Partei ſelbſt gefunden. In
einem Briefe macht Graf Werſtarp dem Vorſitzenden der D.K.P.,
Graf v. Seydlitz, davon Mitteilung und begründet ſeinen Aus=
tritt
damit, daß er in der Wahlaufforderung zugunſten des
Völkiſch=Nationalen Blocks einen verhängnisvollen Fehler ſieht,
da ein Erfolg der nationalen Sache und des konſervativen Ge=
dankens
bei der kommenden Wahl nur erzielt werden kann, wenn
die rechtsſtehenden Kreiſe die Männer der Deutſchnationalen
Volkspartei wählten. Für die Altkonſervativen bedeutet der Rück=
tritt
des Grafen Weſtarp einen ſchweren Verluſt, der vielleicht
die Auflöſung der Organiſation beſchleunigt. Graf Weſtarp war
doch nun einmal ihr beſter politiſcher Kopf und ihr ſtärkſtes
Talent. Was ihr nun noch bleibt, ſind die Unbelehrbaren, da ſie
rein negierend der neuen Ordnung gegenüberſtehen, während die
jungen Konſertativen in irgend einer Form einen Ausgleich mit
der Umwälzung finden wollen, eben um in dem neuen Staat in
ihrem Sinne wirken zu können.
Perſtärkter Rückgang der Arbeitsloſigkeit.
Berlin, 13. April.
Während die jahreszeitliche Beſſerung des Arbeitsmarktes
bisher nur langſame Fortſchritte gemacht hatte, iſt in der zweiten
Hälfte des Monats März mit dem Eintreten beſtändiger Witte=
rung
, die eine verſtärkte Aufnahme der Außenarbeiten begünſtigte,
die Arbeitsloſigkeit in größerem Umſange zurückgegangen. In der
Arbeitsloſenverſicherung fiel die Zahl der Hauptunterſtützungs=
empfänger
in der Zeit vom 15. bis 31. März um rund 190 090
(von 1 200 000 auf 1010000) oder um 15,8 v. H. (bei den männ=
lichen
Arbeitsloſen 17,2, bei den weiblichen 7,6 v. H.). Auch in der
Kriſenfürſorge war für den gleichen Zeitraum ein verſtärkter
Rückgang zu verzeichnen. Hier ging die Zahl der Hauptunter=
ſtützungsempſänger
von rund 212000 am 15. März auf 197 000
am 31. März, alſo um 6,9 v. H. zurück. Die Zahl der Notſtands=
arbeiter
hat in der Berichtszeit weiter (um 21,4 p. H.) zugenom=
men
und betrug am 31. März insgeſamt rund 86 000. Davon ent=
fielen
auf Perſonen, die in der Arbeitsloſenverſicherung unterſtützt
worden ſind, 66 000, auf ſolche aus der Kriſenfürſorge 20 000.
Auf 100 Hauptunterſtützungsempfänger in der Arbeitsloſenver=
ſicherung
entfielen 6,5 (auf 100 männliche 7,8) Notſtandsarbeiter.
Auf 100 Hauptunterſtützungsempfänger in der Kriſenſürſorge da=
gegen
10 (auf 100 männliche 12) Notſtandsarbeiter.
Der Dienſt in den Reichsbehörden und Reichs=
betrieben
am 1. Mai.
Das Reichskabinett hat beſchloſſen, den Dienſt der Reichs=
behörden
und der Reichsbetriebe am 1. Mai in der gleichen Weiſe
wie in den Vorjahren nach den folgenden Richtlinien zu regeln:
In den Ländern, in denen der 1. Mai als geſetzlicher Feier=
tag
anerkannt iſt, d. h. in den Ländern Sachſen, Hamburg, Lübeck
und Schaumburg=Lippe, iſt auch in den Reichsbehörden und
=betrieben auf die Landesgeſetzgebung Rückſicht zu nehmen.
In den Ländern, in denen der 1. Mai nicht, als geſetzlicher
Feiertag gilt, haben Beamte, Angeſtellte und Arbeiter, welche
zwecks Teilnahme an einer Feier am 1. Mai dem Dienſte oder
der Arbeit fernbleiben wollen, rechtzeitig bei ihren Dienſtvorgeſetz=
ten
um Befreiung vom Dienſte nachzuſuchen. Solchen Ar rägen
iſt grundſätzlich überall ſoweit zu entſprechen, als dadu r s. rieptt
wendige Fortführung des Dienſtbetriebes nicht in Fl. geſhäft
wird. Bei der Entſcheidung über derartige Geſuche ſol ſe /79923
herzig verfahren werden.
Die hiernach beantragte und bewilligte Freizeit rkeirß
amten und Angeſtellten auf den Erholungsurlaub (
Das gleiche kann auf Wunſch bei Arbeitern geſchehen R.=Mki.
Arbeitern nicht ausdrücklich um Anrechnung auf den) Jahr ſof. zu
urlaub nachgeſucht, ſo wird für die Dauer der Arbeitgeſucht. Zahle
zurück. Gut
Lohn nicht gewährt.
Von der Anrechnung auf den Erholungsurlaub’l Ang Ir
Lohnkürzung kann abgeſehen werden, wenn die Nachk

verſäumten Arbeitsſtunden anderweitig ſicherge
trieben, in denen Dienſtbefreiung zur Bef=
Bedürfniſſe an ſtaatlich nicht anerkannten F
rechnung auf den Erholungsurlaub und ohn
währt wird, gilt das gleiche auch für Dienſtbefre.

*Eine neue Schubertbiographie.
Schubert im Spiegel ſeiner Zeit.
Ap. Gleichfam als Auftakt zur Feier von Schuberts 100. Ge=
burtstag
am 19. November erſchien eine neue Biographie Franz
Schuberts Franz Schubert und ſeine Zeit von Karl
Kobald. Mit 70 teils farbigen Bildtafeln. (Amalthea=Verlag,
Zürich/Leipzig/Wien.) Das 480 Seiten umfaſſende Buch, eine
Zuſammenfaſſung früherer dieſen Gegenſtand berührenden Arbei=
ten
des Verfaſſers, will ein Beitrag zu dem unerſchöpflichen Pro=
blem
Schubert ſein und bezweckt, vor allem durch Schilderung
der Kunſt und Kultur der Wiener Schubertzeit und des Milieus,
in dem der Meiſter gelebt und geſchaffen hat, manch neues Licht
auf dieſe einzigartige Geſtalt des Wiener Kunſtgeiſtes zu ſtreuen.
Schubert im Spiegel ſeiner Zeit das iſt das Thema dieſes
Buches. In dieſem Sinne behandelt das erſte Kapitel die Wiener
Biedermeierzeit, das goldene Zeitalter Wiens, in der es eine
reiche Fülle von Genies auf allen Gebieten der Kunſt, der Poeſie,
des Theaters, der Malerei und der Muſik beherbergte. Es iſt das
Wien der Beethoven=, Schubert=, Raimund= und Grillparzerzeit,
der Jugendzeit der Dichter Bauernfeld, Lenau, Stifter, Neſtroy,
der Maler Schwind, Waldmüller, Dannhauſer u. a., die Zeit, da
das Burgtheater zur erſten Bühne der deutſchen Theaterkunſt
emporſtieg, der Glanzzeit des Kärntnerthor=Theaters und der
letzten Jahre Beethovens. Muſik war die Seele der Stadt. Am
wieneriſchſten klingt die muſikaliſche Seele der Stadt aus dem
Werke Franz Schuberts. Sein Leben und ſein großes Werk er=
gründen
, heißt, zunächſt in das Milieu ſeines Daſeins, in das
Weſen und den Charakter Alt=Wiens, alſo in die Kunſt und Kul=
tur
der Wiener Biedermeierzeit, dringen. So läßt der Verfaſſer
dieſe glanzvolle Epoche Wiens in ausführlichen Darſtellungen vor
unſerem geiſtigen Auge vorüberziehen; die Blütezeit des Burg=
theaters
, in deſſen Repertoire keine von den Größen der deutſchen
Literatur fehlte, des Kärntnerthor=Theaters, das eine Glanzzeit
der italieniſchen Oper in Wien heraufführte und auch das Ballett
mit Marie Taglioni und Fanny Elßner einen glänzenden Auf=
ſchwung
erleben ließ, des Theaters an der Wien, auf dem Beet=
hovens
Fidelio und Grillparzers Ahnfrau zur Erſtaufführung
gelangten, und das Leopoldſtädtertheaters, der Stätte für Wiener
Volkskunſt, auf dem Ferdinand Raimund ſeine Triumphe feierte.
In die Biedermeierzeit fällt auch der Beginn der Tätigkeit des
großen Satirikers und genialen Karikaturiſten Alt=Wiens, Johann
Neſtroy. Eine neue und unerhört reiche Blüte erlebte Wien in
der Biedermeierzeit auf dem Gebiete der Tonkunſt. Neben Beet=
heven
ging als hellſtes Licht dieſer Zeit der Stern des Wiener

Genius Franz Schubert auf, und Karl Maria von Weber, der
den Freiſchütz dirigierte, begeiſterte die Wiener. Auch der große
Aufſchwung des Wiener Tanzes fiel in dieſe Zeit, der Wiener
Walzer, den Joſef Lanner und Johann Strauß in die Sphäre
wundervoller reiner Volkskunſt erhoben. Auch die Muſen der
bildenden Künſte bekränzten die Biedermeierzeit mit der Fülle
ſchöner Früchte. Wien erſtanden damals ſeine berühmten Maler,
wie Schwind, der Freund Schuberts, von Steinle, von Fürich,
Kupelwieſer, Waldmüller, Daffinger, der berühmte Miniatur=
maler
, u. a. Biedermeieriſch ſchlicht und voll Geiſt und Behag=
lichkeit
war das geſellige Leben. Der Alt=Wiener Salon feierte
ſeine Blütezeit. In den Häuſern kunſtbegeiſterter Männer und
Frauen, wie Sonnleithner, Schwind, Karline Richter, der Schwe=
ſtern
Fröhlich u. a. verſammelten ſich die Intimen des Hauſes,
man ſang, tanzte und ſpielte Geſellſchaftsſpiele, Schuberts herr=
liche
Lieder begeiſterten die andächtig lauſchende Geſellſchaft. End=
los
war der Wiener Faſching, für deſſen Glanz und Luſt die muſi=
kaliſchen
Zauberer Lanner und Strauß ihre heiteren Melodien
verſchwendeten. Das Eldorado der Geſellſchaft und des Volkes
bildete der Prater, wo ſich an ſchönen Frühlingstagen das fröh=
liche
Wiener Leben voll entfaltete. Alles war hier zu ſehen, was
Namen und Klang in der Stadt hatte, im Rauſche des Frühlings
raſten ſie in eleganten Karoſſen und zu Pferde dahin, ſchöne ge=
ſchmückte
Frauen, die Mächtigen und Reichen, die Herrſcher der
Macht, des Geldes und des Geiſtes, begafft und angeſtaunt von
dem ſchauluſtigen Wiener Volk. Und dann das berühmte Alt=
Wiener Volksfeſt, der Brigittenkirchtag, zu dem alle Wiener zogen,
und ſollten ſie dazu die Wäſche vom Leibe und das Bett aus
der Kammer verpfänden müſſen‟. Der Unterſchied der Stände
iſt verſchwunden, alle Leiden ſind vergeſſen bei Jubel, Muſik und
Tanz, Wein und Schmaus, Schattenſpiel und Seiltänzern, Er=
leuchtung
und Feuerwerk! Das war die Wiener Biedermeierzeit,
die als blaue Blume der Wiener Romantik aufgeblüht war, aber
ſo ſchnell, wie ſie gekommen war, wieber entſchwand.
Der zweite Abſchnitt des Buches behandelt Schuberts Leben
von ſeiner Kindheit bis zu ſeinem Tode. Er will, wie der Ver=
faſſer
ſagt, nicht mit neuem biographiſchen Material prunken, das
bereits bis zur Genüge ausgeſchöpft iſt. Die Leiden von Schu=
berts
Jugendzeit als Schulgehilfe, ſein Bohemeleben, ſeine Zurück=
ſetzungen
und Enttäuſchungen, ſeine ewigen Sorgen um den
Lebensunterhalt haben ihn vor der Zeit aufgerieben. Er ſuchte
und fand Befreiung in der Muſik und entfaltete eine in der
Muſikgeſchichte beiſpielloſe Produktivität. Melodien ſtrömten in
reicher Fülle aus verborgenen Quellen ſeines Innern. Die Seele
wurde ein feines Inſtrument, das alle menſchlichen Gefühle vom
tiefſten Leid zur höchſten Luſt zum Klingen brachte. Sein Leben

Die ber(in)
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geſucht.
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Nachs. (980
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war die Kunſt, ſein Werk das Leben, ein raſtloſeutſcher,
Tönen, ein unabläſſiges Träumen, Schaffen, beflügetet ſer
Phantaſie, getrieben von einer dämoniſchen Naturkra,noe ſie
in der Geſchichte der Muſik einzig noch Mozart beſeſſen he. 1 Alles
um ihn und in ihm war Muſik. Noch einmal wird die ganze
Tragik ſeines Lebens, das nur 31 Jahre währte, in dieſer pracht=
vollen
Darſtellung ſeines Lebens ins Gedächtnis zurückgerufen.
Arm, wie er geboren, iſt Schubert geſtorben. Sein Nachlaß be=
ſtand
nur aus wenigen Habſeligkeiten, der Menſchheit aber hat
er ſein Kunſtwerk im Umfang von faſt 39 Foliobänden hinter=
laſſen
, und ſein Genius verkündet bis zum heutigen Tage in
ewigen Werken den Gefang göttlicher Schönheit.
Mit der Perſon Schuberts und ſeinen Werken beſch:)
der Abſchnitt Der Künſtler und ſein Werk. Von dem
und dem Tondichter Schubert, ſeiner Perſönlichkeit u‟
Kunſt wird hier ein getreues Bild entworfen, zu deſſenaut
ſtändigung auch nicht das kleinſte Detail fehlt. Die it.) IA
Lieder und Inſtrumentalkompoſitionen werden im Anſchi
11
ihre Entſtehung und ihrem Zuſammenhang mit dem Lebensg
des Meiſters einer eingehenden Würdigung unterzogen, die, Von
warmer Begeiſterung getragen und in eine ſchöne und geiſtvolle
Sprache gefaßt, eine muſikgeſchichtliche Abhandlung für ſich bildet
und die vorhandenen Schubert=Biographien in dieſem Sinne er=
gänzt
. Einen Beitrag zu Schubert und ſeiner Zeit gibt auch das
intereſſante Kapitel über die Frauengeſtalten in Schuberts Leben.
Mit der Liebe hat Schubert ebenſo wenig Glück gehabt wie mit
dem Leben. Beſcheiden, ja ſchüchtern, und von einem wenig an=
ziehenden
Aeußern, war er nicht geſchaffen, Frauenherzen zu er=
obern
. Liebten die Frauen nicht den Menſchen Schubert, ſo
ſchwärmten ſie für ſein Genie. Seine erſte ideale Liebe galt ſeiner
Schülerin, der Gräfin Karoline Eſterhazy, der er ſeine E=Moll=
Fantaſie Op. 103 gewidmet hat. Recht innig geliebt hat Schu=
bert
die Sängerin Thereſe Grob, die ſeine Liebe interpretierte;
er konnte ſie aber nicht heiraten, da er keine Anſtellung finden
konnte. Andere Freundinnen gewann ihm, wie dieſe, ſeine Muſe,
und er hat ihnen auch mehrfach Kompoſitionen gewidmet; unter
ihnen ſeien genannt Karoline Unger, die ſpätere Braut Lenaus,
die Pianiſtin Irene von Kieſewetter, Antonie Adamberger, die
frühere Braut Theodor Körners, Crika Anſchütz, die vier Schwe=
ſtern
Fröhlich, Kathi (die ewige Geliebte Grillparzers), Anna,
Joſefine und Bette, deren Heim in der Wiener Schubertzeit einen
fröhlich=heiteren Sammeldunkt der der Kunſt lebenden Geſellſchaft
der Stadt bildete, die Schauſpielerin und Sängerin Sophie
Müller, Frau Marie Pachler, die Gönnerin Schuberts und För=
derin
ſeiner Künſt, die Sängerin Milder=Hauptmanin, die erſte
Leonore=Darſtellerin im Jahre 1808 uſw. Eine tiefere Neigung

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Antt
die der
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Verpf.
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[ ][  ][ ]

Nummer 104

Seite 3

Samstag den 14. April 1928

Mmelnis sole Aoei den Miegsoersthr.

Amerikaniſche Oemarche in Berlin.
* Berlin, 13. April. (Priv.=Tel.)
Der amerikaniſche Botſchafter in Berlin hat am
Freitag nachmittag den Außenminiſter aufgeſucht und
ihm auftragsgemäß die Note überreicht, worin die Ver=
einigten
Staaten unter Beilegung des Schriftwechſels
Mitteilung machen von den Verſuchen, die ſie
bisher mit Frankreich zur Herbeiführung eines
Antikriegspaktes gemacht haben. Da Frankreich um
die deutſche Stellungnahme bittet, wird, ſich das Reichskabinett
veimutlich ſchon am Samstag vormittag nach einem Referat des
Reichsaußenminiſters über den ganzen Fragenkomplex unter=
halten
und die Vorbereitungen für die Antwort treffen. Sie kann
bei den bekannten Richtlinien der deutſchen Außenpolitik nur zu=
ſtimmend
ausfallen, wenn auch noch ein weiterer Gedankenaus=
tauſch
erforderlich bleibt und vermutlich noch Monate vergehen
werden, bis ſich ſehen läßt, ob aus dieſem amerikaniſchen Ver=
ſuch
praktiſchere Erfolge wie aus der hoffnungsloſen Genfer Ab=
rüſtungsdebatte
herauskommen.
Der Worilaut der amerikaniſchen Note.
Berlin, 13. April.
Der Botſchafter der Vereinigten Staaten in Berlin, Dr.
Shurman, hat heute nachmittag 4 Uhr dem Reichsminiſter des
Auswärtigen, Dr. Streſemann, zugleich mit dem Entwurf eines
mehrſeitigen Kriegsverzichtvertrages und den in dieſer Ange=
legenheit
gepflogenen Gedankenaustauſch zwiſchen der franzöſi=
ſchen
und der amerikaniſchen Regierung eine Note überreicht,
in der es heißt:
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat, wie ſie in ihrer
Note vom 27. Februar 1928 feſtſtellt, den Wunſch, den Krieg als
Inſtitution abgeſchafft zu ſehen und iſt bereit, mit der franzöſi=
ſchen
, britiſchen, deutſchen, italieniſchen und japaniſchen Regie=
rung
einen einzigen vielſeitigen Vertrag abzuſchließen, dem in
der Folgezeit noch beizutreten jeder Regierung und allen anderen
Regierungen freiſtehen ſoll und der den Vertragsparteien die
Verpflichtung auferlegt, untereinander nicht zum Mittel des
Krieges zu greifen.
Die Regierung der franzöſiſchen Republik hat auf verſchie=
dene
Ueberlegungen hingewieſen, die nach ihrer Meinung von
ſolchen Regierungen, die Völkerbundsmitglieder oder Vertrags=
teilnehmer
anderer Verträge zur Garantierung der Neutralität
ſind, im Auge behalten werden müſſen. Meine Regierung hat
ſich nicht zu dem Standpunkt bekannt, daß derartige Ueber=
legungen
irgendwelche Abänderung ihres Vorſchlages für einen
mehrſeitigen Vertrag notwendig machen und iſt der Meinung,
daß jede Nation der Welt unter gebührender Rückſichtnahme auf
ihre eigenen Intereſſen ſowohl als auch auf die Intereſſen der
ganzen Völkerfamilie, einem ſolchen Vertrag beitreten kann. Sie
glaubt außerdem, daß der Abſchluß eines Vertrages, der feier=
lich
zu Gunſten der friedlichen Beilegung internationaler Strei=
tigkeiten
auf den Krieg Verzicht leiſtet, durch Frankreich, Groß=
britannien
, Deutſchland, Italien, Japan und die Vereinigten
Stagten eine ungeheure moraliſche Wirkung haben und ſchließ=
lich
dazu führen wird, daß alle anderen Länder der Welt dem
Vertrage beitreten. Der Meinungsaustauſch, der zwiſchen
Frankreich und den Vereinigten Staaten ſtattgefunden hat, hat
ſo einen Punkt erreicht, wo es wichtig erſcheint, wenn ein ſchließ=
licher
Erfolg, erreicht werden ſoll, der britiſchen, deutſchen, ita=
Enn/d japaniſchen Regierung Gelegenheit zu geben, ſich

a. z darüber ſchlüſſig zu werden, inwieweit, wenn über=
Jaut i bereits beſtehenden vertraglichen Bindungen ein

lnterſſen Umſtänden hat die Regierung der Vereinigten
Tkagen, iſdem ſie mit der franzöſichen Regierung über dieſes
Porgehen vollkommener Uebereinſtimmung gekommen iſt, mich
9B., el injiert, hiermit Ihrer Regierung den Text von Herrn
ſaunen ſurſprünglichem Vorſchlage vom vergangenen Juni, ſo=
deutſchen

deckendewriften der in der Folgezeit zwiſchen Frankreich und den
Ausdructen Staten über die Frage eines vielſeitigen Kriegs=
dieſer
Averträg gewechſelten Noten zur Prüfung zu über=
von
dem Ich bin benſo von meiner Regierung inſtruiert worden,
Aden Voréwurf eines Vertrages zu unterbreiten, der in
ters Mſuptlinien Vertragsform darſtellt, die die Regierung
Leben Ureinigten Saten gemeinſam mit der franzüſiſchen, briti=
folgt
aul

ſchen, deutſchen, italieniſchen und japaniſchen ſowie jeder anderen,
von ähnlichen Geſinnungen erfüllten Regierung zu unterzeichnen
bereit iſt. Es ſei feſtgeſtellt, daß die textliche Form der Artikel 1
und 2 des vorliegenden Vertragsentwurfes ſo gut wie identiſch
mit der Form der entſprechenden Artikel des Vertragsentwurfes
iſt, den Herr Briand den Vereinigten Staaten vorgeſchlagen hat.
Die Regierung der Vereinigten Staaten würde ſich ſehr
freuen, wenn ſie ſobald als angängig darüber informiert würde,
vb die Negierung Eurer Exzellenz in der Lage iſt, den Abſchluß
eines Vertrages, wie des hiermit übermittelten, in günſtige Er=
wägung
zu ziehen, und wenn dies nicht der Fall ſein ſollte, welche
Aenderungen des Textes im beſonderen den Vertrag für Sie an=
nehmbar
machen würden.
Der Note ſind acht Anlagen beigefügt.
Der Vertragsentwurf.
Der Präſident der Vcreinigten Staaten von Amerika, der
Präſident der Franzöſiſchen Republik, Seine Majeſtät der König
von Großbritannien, Irland und den britiſchen Dominions in
Ueberſee, Kaiſer von Indien, der Präſident des Deutſchen Rei=
ches
, Seine Majeſtät der König von Italien, Seine Majeſtät der
Kaiſer von Japan haben, tief durchdrungen davon, daß ihr hohes
Amt ihnen eine feierliche Pflicht zur Förderung der Wohlfahrt
der Menſchheit auferlegt, beſchloſſen, einen Vertrag zu ſchließen
und zu dieſem Zwecke ihre Bevollmächtigten ernannt, die nach
Mitteilung ihrer Vollmachten die folgenden Artikel vereinbart
haben:
Artikel 1. Die hohen Vertragſchließenden erklären feierlich im
Namen ihrer Völker, daß ſie die Inanſpruchnahme des Krieges
zur Löſung internationaler Streitigkeiten verurteilen und auf ihn
als Werkzeug ſtaatlicher Politik in ihren Beziehungen zu einander
verzichten.
Artikel 2. Die höhen Vertragſchließenden vereinbaren, daß
die Regelung oder Löſung aller Streitigkeiten oder Konflikte,
welcher Art oder welchen Urſprungs ſie auch ſein mögen, die
zwiſchen ihnen entſtehen, nie anders als durch friedliche Mittel
angeſtrebt werden ſoll.
Artikel 3. Der gegenwärtige Vertrag ſoll von den in der
Präambel genannten Vertragſchließenden entſprechend den Er=
forderniſſen
ihrer Verfaſſung ratifiziert werden und ſoll zwiſchen
ihnen in Kraft treten, wenn alle Ratifizierungsurkunden in .
niedergelegt ſind.
Dieſer Vertrag ſoll nach ſeinem entſprechend den Vorſchriften
des vorangegangenen Abfatzes erfolgten Inkrafttreten ſolange
wvie notwendig dem Beitritt aller anderen Mächte der Welt offen
ſtehen. Jede Urkunde über den Beitritt einer Macht ſoll in . . . ."
niedergelegt werden, und der Vertrag ſoll ſofort nach der Nieder=
legung
zwiſchen der ſo beigetretenen Macht und den anderen an
ihm beteiligten Mächten in Kraft treten. Es wird Sache der
Regierung von . . . . ſein, jeder in der Präambel genannten und
jeder ſpäter dem Vertrage beitretenden Regierung eine beglau=
bigte
Abſchrift des Vertrages und jeder Ratifikations=,der Bei=
trittsurkunde
zu übermitteln. Es wird auch Sache der Regierung
von . . . ſein, dieſe Regierungen ſofort telegraphiſch von der
Niederlegung jeder Rafikikations= oder Beitrittsurkunde zu ver=
ſtändigen
.
Zu urkund deſſen haben die Bevollmächtigten dieſen Vertrag,
deſſen franzöſiſcher und engliſcher Text gleich maßgebend, ſind,
unterzeichnet und ihre Siegel beigefügt.

17. Aprtz

Der Prozeß gegen die deutſchen Ingenieure.
* Berlin, 13. April. (Priv.=Tel.)
Bei der Reichsregierung liegt nunmehr eine offizielle Mit=
teilung
der Sowjetregievung vor, daß der Beginn des Prozeſſes
gegen die verhafteten deutſchen Ingenieure zunächſt hinausge=
ſchoben
worden ſei. Da gleichzeitig darauf aufmerbſam gemacht
worden iſt, daß gegen die verhafteten ruſſiſchen Ingenieure neues
Material herausgekommen ſei, das erſt noch geprüft und geſichtet
werden müſſe, erſcheint es nicht ausgeſchloſſen, daß die Sowjet=
behörden
die Abſicht haben, das Verfahren gegen die Deutſchen
von dem geſamten Prozeß loszulöſen, wie das der deutſche Bot=
ſchafter
wiederholt verlangt hat, um möglichſt bald eine Klärung
herbeizuführen. Der Botſchafter wird auch weiterhin in dieſer
Richtung tätig ſein.

veranſtaſchubert aber keiner Frau wieder gefaßt. Ein eigenes
Käprechen
Mond del wien.hder Freundſchaft zwiſchen Schubert und
von Schwind;, faſt ſiehen Jahre (von 1221 bis 1827)
daue Nich
e unte. Innigſte l Verwandtſchaft und Treue verbanden
beide.ser Sie waren Wie. Nenſchen, ſo auch als Künſtler Freunde
und C in dszenoſſen. Der
17 Jal Aushre alt, als er T berühmt gewordene Schwind war
lernte,r auf. Die Freundſchaut, 2 Jahre älteren Schubert kennen
nis, ein änn, unbeſtimmtes T für Schwind tieſes, inneres Erleb=
und ehr Jckarusſen Kreis; n. und Sehnen zogen ihn zu Schu=
Darmſtadt un ausznden des neu Briefen, ſand jenes überſtrö=
us
der Schweiz, ſad Bauernfeldngs begeiſterten Ausdruck. Mit
chen, neue Freut
ihlen, wie auch ums auf kommtSchwind übrigens in der Frage
n einem Geiſte ger, auch Nöcke uu m Standpunlte, Hüte, Stiefel,
Das ſprach aus anpaſſen ließen, dine Gattung, wenn ſie ſich uur
en, das ſprachch durch vielfältigen Bemeingut, giugen aber uach
den. Von delt Sschuberts Perſon ſel in unbeſtrittenen Eigenbeſitz
der Frmilie d.Schwind, in ſeinenl deſſen Freudestreis beſchäf
Herrn Lehrer
u. Schaffen bis an ſein
von Jahren ſectzende. Seine be d=
und Luiſe Graus der Sinfonztfiät ſie hezüglichen Zeichnungen
u (S12), Schubert=Lünette im Foyer
der zereſſCr4- die ſevzle g ſchubert=Abend bei Joſef R. von
Spane (S. 472) mnndſchaft) kt=Abend bei Joſef von Spane‟
(Seite 481).
Das letzte Kapitel des Buches gibt eine anheimelnde Schil=
derung
von Schuberts Freundeskreis. Schubertiade war ein ge=
flügeltes
Wort geworden, der Ausdruck für das reizende Bild
jener harmloſen Geſelligkeit Alt=Wiens in der Biedermeierzeit.
Das Genie Schuberts bildete den Meittelpunkt dieſes lebensfrohen
Kreiſes der Schubertianer, der Dichter, Muſiker, Komponiſten,
Muſikfreunde und Kunſtdilettanten umſchloß. Eine Hauptrolle
unter ihnen ſpielte Schuberts Freund Franz von Schober, von
dem der Text zu Schuberts herrlichem Lied. An die Muſik her=
rührt
, ferner Schuberts Jugendfreund Joſef von Spane, der
eine Sammlung von Schuberts Kompoſitionen anlegte, die er
der Geſellſchaft der Muſikfreunde in Wien vermacht hat, ferner
die Dichter Mayrhofer und Bauernfeld. Schubert, Bauernfeld
und Schwind blieben drei unzertrennliche Freunde. Zu den ge=
treuen
Schubertianern gehörten ferner der Tiroler Dichter Joh.
Michael Senn, der Sänger Vogel und Baron Schönſtein, der
Komponiſt Anſelm Hüttenbrenner, Franz Lachner u. a. Zu dem
Kreiſe geſellten ſich ferner viele junge Maler, wie Kupelwieſer,
Joſef Teltſcher und Ludwig Schnorr von Carolsfeld, und neben
den genannten Künſtlern und Muſikfreunden Beamte, Kunſtdilet=
tanten
und Studenten. Auch der junge Grillparzer weilte zu=
weilen
unter den Schubertianern. Von dieſen Zuſammenkünften
der Schubertianer wird eine eingehende Schilderung gegeben.

Außer in den Häuſern kunſtbegeiſterter Freunde verſammelten
ſich die Schubertianer in den engen Gaſt= und Kaffeeſtuben Wiens;
jeder hatte ſeinen Geſellſchaftsnamen. Schubert hieß Schwam=
merl‟
. Das ſchöne, fröhliche Bild der Schubertiaden des Freundes=
kreiſes
wird uns in den Aufzeichnungen Bauernfelds und den
Tagebüchern der Studenten Franz und Fritz Hartmann aus Linz
wieder lebendig.
Unter den 70 prächtigen Bildniſſen dieſes ſchönen, mit Liebe
geſchriebenen und für die Muſikgeſchichte wertvollen Buches fehlt
kaum eine von den Perſönlichkeiten, die mit Schubert verkehrt
haben, und den Stätten, auf denen ſein Fuß gewandelt hat.

*Heſſiſches Landestheater.
Großes Haus. Freitag, den 13. April.
(Ein Maskenball.
Oper von G. Verdi.
Es gaſtierte Lucia Delſarta aus Freiburg als Page
Oskar. Die von Verdi beſonders fein ausgearbeitete Rolle iſt
nicht groß und gehört, da ſie viel Ziergeſang enthält, auch dem
Koloraturfach an. Sie gibt daher ein nicht allein maßgebendes
Urteil über die geſangliche Eignung für eine Sonbrette.
Die Gaſtin hat eine nette Erſcheinung, große muſikaliſche
Sicherheit, aber offenbar ein noch unentwickeltes Spiel. Ihre
kleine Stimme, die in den beiden Quintetten nicht recht zur Gel=
tung
lommen konnte, iſt warm gefärbt, fein geſchliffen und gut
geſchult. Sie hat ein entzückendes Piano. Ein endgültiges Urteil
muß von ihrem inorgigen Gaſtſpiel abhängig gemacht werden.
v. HI.
*Aus den Darmſiädter Lichtſpieltheatern.
Helia: Die Sache mit Schorrſiegel.
Schneller wir irgend ein anderer erfolgreicher Roman iſt
Die Sache mit Schorrſiegel verfilmt worden, und noch auffal=
lender
ſchnell läuft der Film in Darmſtadt. Die Helia=Direktion
iſt auf dem Poſten.
Dieſer Noman hon Fred Andreas iſt übrigens ſo ausge=
zeichnet
wie wenige perſilmt tvorden. Selbſtverſtändlich lann ein
Film niemals Erſatz für den geleſenen Roman ſein, genau ſo
wenig wie er je die Sprache des Textes erſetzen kann. Aber der
Film kann, was in einem Roman vorgeht ſo verlebendigen, daß

Deutſche Pfadfinder vom franzöſiſchen Kriegs=
gericht
zu Gefängnis= und hohen Geldſirafen
verurteilt.
Mainz, 13. April.
In dem Beurfungsprozeß gegen 15 deutſche Pfadfinder aus
Prümm (Eifel), der heute vor dem hieſigen franzöſiſchen Kriegs=
gericht
ſtattfand, ſtellte der Militärſtaatsanwalt den Antrag, den
21 Jaher alten Hauptführer zu 30 Tagen Gefängnis ohne Straf=
aufſchub
und 110 Mark Geldſtzafe zu verurteilen. Er beantragte
weiter gegen den zweiten Führer und zwei Unterführer je 100
Mark Geldſtrafe. Demgegenüber verurteilte das Berufungsge=
richt
den Hauptführer zu 15 Tagen Gefängnis ohne Strafauf=
ſchub
bei ſofortiger Verhaftung, den zweiten Führer zu 500 Mark
Geldſtrafe und die übrigen Angeklagten zu 150 Mark Geldſtrafe.
Ein Polizeibeamter wurde freigeſprochen.
Die Pfadfinder, die der Pfadfindergruppe Eifel=Siehfried
angeſchloſſen waren, wurden ſeinerzeit von der franzöſiſchen Be=
hörde
bei einem Nachtmarſch beobachtet und unter Anklage ge=
ſtellt
, verbotene militäriſche Uebungen im beſetzten Gebiete ab=
zuhalten
. Das Trierer Kriegsgericht verurteilte die Pfadfinder
zu Gefängnisſtrafen bis zu 5 Monaten und einen deutſchen
Polizeibeamten zu einer Gefängnisſtrafe von einem Jahre, noch=
dem
der Staatsanwalt ſeinerſeits Strafen bis zu 2 Jahren Ge=
fängnis
beantragt hatte. Sowohl der Militärſtaatsanwalt, wie
auch der deutſche Verteidiger Dr. Führ legten gegen die Trierer
Urteile Berufung ein, der Militärſtaatsanwalt, weil ihm das
Urteil zu gering, der deutſche Verteidiger, weil ihm das Urteil
als zu Unrecht ergangen erſchien.
In der heutigen Berufsverhandlung beſtritt Rechtsanwalt
Dr. Führ, daß die Uebungen der Pfadfindergruppe im beſetzten
Gebiet etwas mit militäriſchen Uebungen zu tun hätten. Das
Berufungsgericht bejahte jedoch die Schuldfrage der Führer be=
züglich
der Leitung verbotener militäriſcher Uebungen und der
Mitgliedſchaft bei einer im beſetzten Gebiet verbotenen deutſchen
vaterländiſchen Vereinigung. Der Staatsanwalt las in ſeiner
Anklagerede auch Bruchſtücke aus einem Führerbefehl der Pfad=
findergruppe
vor und verſuchte daraus den Beweis zu erbringen,
daß außer ſportlichen Veranſtaltungen auch militäriſche Uebungen
ſtattgefunden hätten.
Franzöſiſche Stimmen zum Mailänder Atteniat
EP. Paris, 13. April.
Verſchiedene Blätter veröffentlichen Kommentare zu dem
Attentat gegen den König von Italien. Die fasciſtiſch eingeſtellten
Blätter äußern eine lebhafte Entrüſtung. Die Linksblätter be=
dauern
zwar, daß das Attentat unſchuldige Opfer gefordert habe,
ſetzen es aber letzten Endes auf das Konto der Auflehnung der
freiheitsliebenden Italiener gegen die fasciſtiſchen Unterdrücker
und erblicken im fasciſtiſchen Regime den Hauptſchuldigen. Das
Organ der Antifasciſten in Paris, La Libertä ſchreibt: Das
Attentat von Mailand verwundert uns nicht. Solche Anſchläge
kommen in jedem Lande vor, in dem die Rede=, Gedanken= und
Preſſefreiheit unterdrückt wird. Wenn der Unwille des Volkes
keinen geſetzlichen Ausweg hat, ſo äußert ſich der Haß durch Ge=
walttätigkeit
und Attentate. Die brutale Unterjochung wird
Italien noch weitere Ueberraſchungen beſcheren. Wir bedauern
die anonymen Opfer, müſſen dieſe aber auf das Konto des
Fascismus ſetzen. Ueber die mit Bajonetten geſpickte Grenze hin=
weg
rufen wir unſeren bedrängten Brüdern zu: Es lann keine
Ordnung ohne Gerechtigkeit, keine Autorität ohne Geſetzlichleit
und keine wahre Größe ohne Freiheit geben! Die Victoire‟
bezeichnet das Attentat als ſtupid. Die vielgerühmte ſoziale Re=
volution
könne wieder ein neues Verbrechen buchen. Man werde
zwar behaupten, daß die Anarchiſten das Attentat verübt hätten,
es ſei aber wahrſcheinlicher, daß es die Kommuniſten auf dem Ge=
wiſſen
hätten. Es ſei zu hoffen, daß die Ungeheuerlichkeit dieſes
Verbrechens auch den franzöſiſchen Arbeitern die Augen öffnen
werde und daß es ihnen zeigen werde, auf welch blutigem Weg
die Führer des Kommunismus die Arbeiterſchaft ziehen wollten.
Glaubten die Kommuniſten denn wirklich, der Arbeiterſchaft
könne durch ſolche Gewalttätigkeiten irgendwie geholfen werden?

der eigentliche Gang der Handlung, daß die handelnden Perſonen
und ihr Tun im lebendigen Bild eindringlich vermittelt werden.
Dieſer Film, zu dem Felix Stein das Manuſkript lieferte und
dem die Regie Jaap Speyers ein ſehr flottes Tempo gab, zeigt
im Bild in einem, wenn auch oft frei erfundenen, ſo doch glaub=
haften
logiſchen Aufban die Entwicklung der Handlung, ihre Ver=
wicklung
und ihre endliche Löſung ſo, daß er ſtändig in Span=
nung
hält.
Der Roman dürfte allgemein bekannt ſein. Seine Tendenz
iſt, zu zeigen, daß kein Menſch ſeinem Gewiſſen entgehen kann.
Zwei Mörder werden vom Schickſal einander in die Arme getrie=
ben
, ihre Geheimniſſe decken ſie ſich gegenſeitig auf. Da beide
nun zuviel voneinander wiſſen, muß logiſch ein dritter Mord
folgen. Hier wird er zum Selbſtmord, weil der Gegenſpieler un=
ſchuldig
ſchuldig ward. Sein Mord war kein Mord, ſondern eine
Eiferſuchtstat, die nur den Gegner verwundete und ſchnell wieder
verſöhnte. Das iſt die letztliche Löſung des Konflikts.
Der Film gibt zwei hervorragenden Künſtlern Gelegenheit
zu ſtarker Entfaltung ſchauſpieleriſchen Könnens, das iſt Bern=
hard
Goetzke, der den Profeſſor de Geer ungemein ſtark, mit
aller Dämonie, aber auch Verzweiflung ausſtattet, in die das
laſtende Gewiſſen einen Menſchen logiſch hineintreiben muß.
Walter Rilla, der eingebildete Mörder, ſpielt den Bernhard
Benda, jugendlich naiver, aber mit gleich tiefem inneren Er=
leben
. Anita Dorris ſpielt hübſch und lieblich die Pflegetochter
Doortje. Die Aufnahmen, die Szenen, die Enſembleſpiele und
die Techniken, die der Film entrollt, ſind gemeiſtert.
Wie verwöhnt die Filmbeſucher werden, davon zeugt die
Tatſache, daß ein Film Die Alpenwelt , den wir noch
vor wenigen Monaten mit ſeiner Vermittlung grandioſer Hoch=
gebirgs
=, Schnee= und Eisbilder bewunderten, hier als Beifilm
gegeben wird. Auch dieſer Film iſt ausgezeichnet. Eine tolle ame=
XT
rikaniſche Sache vervollſtändigt das Programm.

Wilhelm Speyer: Fran von Hanka, Verlag Ullſtein,
lin. Wilhelm Speher, Autor der auf ſo anmutige Art verrückten
trlott und des abenteuerreichen kosmopolitiſchen Romans Mynheer
Heedens große Reiſe ſchafft in ſeiner Frau von Hanka eine
nengeſtalt, die ſich durch ihre Weſenseigenart in reizvollſter Weiſe
den üblichen Heldinnen der Unterhaltungsromane unterſcheidet. Im
t dieſer ſchönen und kultivierten Frau ſind mächtige dämoniſche Ge=
ten
rege, die in das umhegte Leben der glücklichen Mutter und
oßherrin kataſtrophale Wirrniſſe zu bringen drohen. In der Ge=
eines
wilden Hirten aus den Sabinerbergen kreuzt unbekümmert=
enfrohes
Heidentum die Wege der modernen Geſellſchaft. Die kraft=
elementare
Männlichkeit des Knechts zwingt immer von neuem
Herrin in ihren Bann.

[ ][  ][ ]

Geite 4

Gamstag den 14 Aprit 1928

Nummer 104

Muſſolini und der König.
Die Anterſuchungsmaßnahmen der italieniſchen
Regierung.
EDI. Rom, 13. April.
Die italieniſche Regierung hat alle Maßnahmen getroffen, um
die Unterſuchung wegen des Bombenattentats in Mailand mit
dem größten Nachdruck zu fördern. Von dem außerordentlichen
Gericht zum Schutze des Staates wurde der Mailänder Rechts=
anwalt
Bolzano, der leitende Unterſuchungsrichter Oberſt Mar=
coni
ſowie der Hauptkanzler des Gerichts mit der Unterſuchung
beauftragt. An der Unterſuchung, die in Mailand geführt wird,
nehmen außerdem ein Oberſtleutnant, ein Major und fünf Offi=
ziere
der Carabinieri teil.
Muſſolini hat an den König ein Telegramm gerichtet, in dem
er ſeiner Genugtuung über das Mißlingen des Anſchlages Aus=
druck
gibt und ſeine Ergebenheit für den König verſichert.
In einem Telegramm an den Mailänder Bürgermeiſter ver=
ſichert
Muſſolini ſeine Sympathie mit den Opfern des Anſchlages
und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der Fascismus und die
fasciſtiſche Diſziplin aus dem Anſchlag geſtärkt hervorgehen
werden.
Die Unterſuchung an der Unglücksſtätte.
EP. Mailand, 13. April.
Die Unterſuchung über das Bombenattentat wird eifrig
durchgeführt. Als einer der erſten war der Oberſtaatsanwalt
von Mailand mit einigen Unterſuchungsrichtern auf der Unglücks=
ſtätte
eingetroffen. Er leitete ſofort perſönlich die Unterſuchung
ein. Es konnte feſtgeſtellt werden, daß die Bombe ſo geſchickt in
die gußeiſerne Verkleidung des Laternenſockels gelegt worden
war, daß kein äußeres Zeichen ſie verriet. Die Laternen des
Platzes haben die ganze Nacht über ohne Störung gebrannt. Be=
reits
am Donnerstag abend ſind aus Rom der Inſpektor der
Sicherheitspolizei Valenti und der Generalinſpektor der Lom=
bardei
Nudi eingetroffen, die ſofort eine lange Unterredung mit
d Polizeidirektor hatten. Der Unterſuchungsrichter dehnte ſeine
Vernehmungen auch auf die Verletzten im Spital aus. Die Aus=
ſagen
der Betroffenen ſtimmen alle in der Beſchreibung der
Exploſionskataſtrophe überein. Am Dienstag morgen hatte die
Polizei einen anonymen Brief erhalten, worin ein ehe=
maliger
Anarchiſt mitteilte, daß von einigen ſeiner früheren
Genoſſen ein ſchrecklicher Anſchlag geplant werde. Aber auch ab=
geſehen
von dieſer Anzeige hatte die Sicherheitspolizei die Wach=
ſamkeit
auf allen Straßen verſchärft, durch die der König in
ſeinem offenen Auto fahren mußte. Das Attentat war aber mit
ſo ausgeklügelter Tücke vorbereitet worden, daß es nicht entdeckt
werden konnte. Schon am Donnerstag abend ſind zahlreiche Ver=
haftungen
vorgenommen worden. Die Polizei iſt überzeugt, daß
die Aitentäter im anarchiſtiſchen Lager
zu ſuchen ſind. Unter den als Sicherheitsmaßnahme ſchon vor
der Ankunft des Königs verhafteten Leuten befindet ſich auch ein
Extremiſt, der eingeſtanden hatte, der berüchtigten Verbrecher=
bande
Polaſtri angehört zu haben. Er wurde verſchiedenen ſchar=
fen
Verhören unterzogen, da es der Polizei alé nicht unwahr=

ſcheinlich erſcheint, daß er zur Identifizierung der Schuldigen bei=
tragen
könnte.
Obwohl die Behörden, über die Ergebniſſe ihrer Unter=
ſuchungen
ſtrengſtes Stillſchweigen bewahren, iſt laut Corriere
della Sera eine, wenn auch nur leiſe Spur für die
Ermittlung der Schuldigen entdeckt worden. Sie
beruht auf den Ausſagen zweier junger Frauen, die in einem
Hauſe des Piazzale Giulio Ceſare am Abend vor dem Attentat
beim Fenſterreinigen einen jungen, vornehm gekleideten Mann
beobachtet haben wollen, der vor dem Hauſe auf und ab ging und
ſehr verdächtig um ſich blickte. Der junge Mann ſpazierte auf dem
Fußſteig, auf dem der Laternenmaſt ſtand, in deſſen Sockel die
Höllenmaſchine verſteckt worden war. Eine der Frauen will ſogar
geſehen haben, daß er eine in Zeitungspapier eingewickelte
Schachtel bei ſich trug.
200 Perhaftungen in Mailand.
EP. Mailand, 13. April.
Die Nachforſchungen der Polizeibehörden nach den Ur=
hebern
des Attentats auf den Köwig bautern fieberhaft fort. Man
hat bisher etwa 200 verdächtige Elemente, größtenteils bekannte
Anarchiſten, ferner auch eine Anzahl von Arbeitern der Muſter=
meſſe
verhaftet. Unter den Verhafteten befindet ſich ein Anar=
chiſt
, der bereits als Mitſchuldiger des furchtbaren Bomben=
anſchlags
im Jahre 1922 im Diana=Thegter von Mailand eine
fünfjährige Kerkerhaft verbüßte.
Der König fuhr heute 2 Uhr nachmittags programmäßig zum
Bahnhof, von wo er ſich nach Lecco am Comerſee zu den Ein=
weihungsfeierlichkeiten
begibt. Die Bevölkerung bereitete dem
König ſtürmiſche Sympathiekundgebungen. Zahlreiche Geheim=
poliziſten
und Carabinieri üben eine ſtrenge Ueberwachung aus.
Von den Feſtgenommenen ſind acht wieder freigelaſſen worden.
Wie ſich nachträglich herausſtellt, gehören von den Opfern vier
der gleichen Familie eines Viehhändlers an, nämlich die Mutter
mit einem Kind und zwei Neffen. In der Leichenhalle des
Friedhofes wurde durch einen Arbeitskollegen auch das zuletzt
noch nicht identifizierte Opfer als ein Maurer erkannt. Der Zu=
ſtand
einiger Verletzter hat ſich ſo ernſtlich verſchlimmert, daß
leider mit einem weiteren Zunehmen der Zahl der Opfer zu
rechnen iſt. Faſt hoffnungslos iſt das Befinden eines Alpini=
ſoldaten
und einer Lehrerin, der beide Beine abgeriſſen wurden,
und eines Knaben, der einen Schädelbruch erlitt. Für die Pflege
der Verletzten ſind ſämtliche Spitolärzte mobiliſiert worden.
Das Krankenhaus wird ununterbrochen von den Verwandten
der Verletzten umlagert.
An der Beerdigung wird morgen auch Erzbiſchofkardinal
Toſi mit der geſamten Geiſtlichkeit teilnehmen. Im Juſtiz=
gebäude
hat heute eine Verſamlung von Richtern zu einem
Meinungsaustauſch über die Ergebniſſe ihrer Unterſuchungen
ſtattgefunden.
Bemerkenswert ſind die Ausſagen einer jungen Dame, die
kurz nach Mitternacht vor dem Attentat auf dem Platz Giulio
Ceſare eine Anzahl Perſonen gehört hatte und dann deutlich
einige Hammerſchläge unterſchied. Das Außerordentliche Gericht
zum Schutze des Staates iſt nach Mailand übergeſiedelt. Der
König hat für die Familien der Opfer und für die Verletzten
50 000 Lire geſpendet. Außerdem hat der Bürgermeiſter von
Mailand eine öffentliche Sammlung veranſtaltet und im Namen
der Stadt 100 000 Lire gezeichnet.

Das Beileid der Regierungen.
Die Reichsregierung hat nach dem Bekanntwerden des Atten=
tats
in Mailand ſofort den Botſchafter beauftragt, der italieni=
ſchen
Regierung der Glückwünſche der Reichsregierung zu denn
Mißlingen des Anſchlags auszuſprechen. Ebenſo ſind auch den,
Mailänder Behörden durch den deutſchen Generalkonſul in Mai=
land
ähnliche Glückwünſche ausgedrückt worden. Wahrſcheinlich
wird auch Reichspräſident v. Hindenburg von ſich aus dem König
von Italien ein Glückwunſchtelegramm übermitteln.
Der Präſident der franzöſiſchen Republik Doumergue hat
anläßlich des Attentas von Mailand den Polizeichef zur italie=
niſchen
Botſchaft geſandt, um dieſer im Namen des Präſidenten
und der franzöſiſchen Regierung das Beileid für die Opfer des
Attentas auszudrücken.
Der amerikaniſche Präſident Coolidge hat dem König von
Italien ein Telegramm geſandt, worin er ihn anläßlich des Atten=
tats
von Mailand der Sympathien des amerikaniſchen Volkes und
ſeines Beileids für die Opfer verſichert.
Franzöſiſche Wahlſorgen.
Gleichgültigkeit der Bevölkerung gegenüber
den politiſchen Problemen.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 13. April.
Immer näher rücken die Wahlen. Die neue Wahlordnung
hat außerordentlich viel Konfuſion geſchaffen. Eine Reihe von
Bezirken diejenigen mit weniger als vierzigtauſend Wählern
ſollen der Wahlreform gemäß in anderen aufgehen, ſo auch der
ſechſte Bezirk in Paris; dieſe Bezirke wollen aber von der Reform
überhaupt nichts wiſſen und widerſetzen ſich aufs heftigſte der
neuen Ordnung. Auch tuſchelt man viel über Mißbräuche; hier
und da ſoll man, um die gefürchtete Fuſion mit einem anderen
Wahlbezirk zu vermeiden, die anſäſſigen Ausländer irrvümlicher=
weiſe
zu den Wahlberechtigten gezählt haben. Bedenkt wan, daß
es ſich meiſt um Induſtrieſtädte mit großen ausländiſchen Ar=
beitermaſſen
handelt, ſo verſteht man es, daß die Rechte außer=
ordentlich
verbittert iſt. So wie die Dinge jetzt ſtehen, wird die
Union nationale, ſalls ſie ihre jetzige Färbung beibehält und als
ſolche in die Kammer kommt, nicht nur von links, ſondern auch
von Rechts aus mit einer ſtarken Oppoſition zu rechnen haben.
Während der Kampf zwiſchen den Politikern immer heftiger
wird, legen die Wähler eine erſchreckende Gleichgültigkeit jeg=
licher
Politik gegenüber an den Tag. Rechts hat man dies ſchon
lange gewußt und deshalb die kommuniſtiſche Gefahr in ſo grel=
len
Farben wie nur möglich ausgewalt, um die Wähler zu
ſchrecken; für die Linke bedeutet dieſe ungewohnte Paſſiität der
Maſſen eine Ueberraſchung. Wenn man vom Süden, von den
Pyrenäen und von den Mittelmeerbezirben abſieht, ſo kann von
einer Apathie der Wähler geſprochen werden, welche durch die
fieberhafte Activität der Politiker nur noch unterſtrichen wird.
Und nicht nur die bürgerlichen Kreiſe zeigen ſich gleichgültig, ſon=
dern
auch alle anderen Volksklaſſen. In der nordiſchen Induſtrie=
ſtadt
Lille ſollen die Arbeitermaſſen ihre Führer im Stich laſſen,
und die einzige Möglichkeit, für irgendeine politiſche Veranſtal=
tung
beliebiger Richtung Zuhörer zu finden, iſt, daß man Kon=
zerte
organiſiert, und zwar müſſen es ſehr gute Konzerte ſein,
weil die guten Leute von Lille die Muſik ernſter nehmen als die
Politik.

ber(in)
hieſigem
geſucht.

daß wir das Haus Cuggenheim & Marx in DASta-
Markt 7, übernommen und unserer ausgedekl
kaufs-Vereinigung angegliedert haben?

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7 und geiſtvolle
Inventur-Aufnahme und baulicher VerenGder
4 für ſich bildet

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bleiben die Ceschäftsräume einige Tage getitossen.
Wir bitten Sie mit Ihren Einkäufen bis zur Wieder
eröffnung zu warten, da wir Ihnen ganz besonders
günstige Angebote machen werden.

LLONO NA

6731)

[ ][  ][ ]

Nummer 104
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 14. April.
Darmſiadt, Mathildenhöbe 1928.
Ausſtellung: Der neckte Menſch in der nenen Kunſt.
Von Anfang Juni bis Ende September wird auf der klaſſiſchen
Ausſtellungsſtätte Darmſtadts, der Mathildenhöhe, untee obigem Titel
eine Schau von künſtleriſchem und aktuellem Intereſſe gezeigt werden.
Aus der Fülle der Motive in der Kunſt wird durch das Programm Der
nackte Menſch das Vornehmſte gewählt, an dem ſich die Shntheſe der
Form ſtets am eindringlichſten erleben ließ. Die künſtleriſche Dar=
ſtellung
des nackten Körpers in vergangenen Epochen wird in einem
rückſchauenden Teil von den Aegyptern bis zu den Impreſſioniſten ge=
zeigt
werden. Neben dem Vergleich und Maßſtab bietenden hiſtoriſchen
Auftakt liegt aber das Hauptintereſſe auf der großen zeitgenöſſiſchen
Abteilung, in der charakteriſtiſche Werke der Malerei und Plaſtik der
namhafteſten deutſchen und einiger wichtiger ausländiſcher Künſtler
vereinigt werden. Dem heutigen Publikum, das durch Körperkultur in
jeder Form ein ſeit der Renaiſſance nicht mehr erlebtes Intereſſe für
den nackten Menſchen hat, kann die Ausſtellung Anſtoß zur Ver=
edelung
und Vergeiſtigung einer wichtigen Lebenserſcheinung werden.
Die Veranſtalter ſind die Intereſſengemeinſchaft fortſchrittlicher
Künſtler (Darmſtädter Sezeſſion und Darmſtädter Gruppe) in Zu=
ſammenarbeit
mit der Neuen Heſſiſchen Arbeitsgemeinſchaft für bil=
dende
Kunſt.
Ernannt wurde am 4. April der Lehrer Jak Gilch zu Winter=
kaſten
(Kreis Bensheim) zum Lehrer an der Volksſchule zu Mörfelden
(Kreis Groß=Gerau) mit Wirkung vom Tage des Dienſtaniritts ab.
Erledigt iſt eine Schulſtelle für eine evangeliſche Lehrerin
an der Volksſchule in Schotten.
Evangeliſch kirchliche Nachrichten. Durch die Kirchenregierung
wurden dem Pfarraſſiſtenten Wolfgang Weißgerber zu Traiſa
die Rechte eines definitiven Geiſtlichen zuerkannt.
Verſetzt wurden: Regierungsrat Schmierer beim Finanzamt
Fürth i. Odw. als Vorſteher an das Finanzamt Michelſtadt, Regierungs=
rat
Gieß beim Finanzamt Darmſtadt=Land als Vorſteher an das
Finanzamt Fürth i. Odw., Regierungsrat Ehrhard beim Finanzamt
Friedberg an das Finanzamt Darmſtadt=Land.
Im Schloßmuſeum finden täglich Führungen vormittags 11 und
11½ Uhr. nachmittags 3½ und 4 Uhr ſtatt. Geſchloſſen: Samstag den
ganzen Tag, Sonntag nachmittag.
Goldene Hochzeit. Der Schloſſermeiſter und Inſtallateur Georg
Auguſt Fink, Rhönring 53 wohnhaft, und ſeine Gattin begehen am
15. April 1938 das ſeltene Feſt der goldenen Hochzeit. Der Ehemann
iſt 78, die Ehefrau 80 Jahre alt. Beide ſind noch rüſtig.
Goldenes Geſchäfts=Jubiläum. Sonntag, den 15. April 1928,
ſind es 50 Jahre, ſeit die Firma Seb. Schmitt (Inh. Albert
Schmitt), Tuch= und Maßgeſchäft, Schuchardſtraße 6. gegründet
wurde. Der Gründer der Firma kam im Jahre 1874 von Köln a. Rh.
nach Darmſtadt und erbaute im Jahre 1888 das erſte Geſchäftshaus in
der Schuchardſtraße. Die Firma iſt durch ihre Leiſtungsfähigkeit und
Reellität raſch emporgeblüht und erfreut, ſich eines großen Kunden=
kreiſes
am Platze und in der Umgegend. Der jetzige Inhaber iſt der
älteſte Sohn: Albert Schmitt, der ſeit 1885 der kaufmänniſche Leiter
der Firma iſt.
Heſſiſches Landestheater. Heute Samstag und morgen Sonntag
um 14.30 Uhr wird das Kindermärchen Gumſti=Bumſti ( Rumpel=
ſtilzchen
im Kleinen Haus wiederholt; das Rumpelſtilzchen wird zum
erſten Male von Käthe Gothe geſpielt.
Das Goetz=Enſemble kann trotz des ungewöhnlichen Erfolgs
nur noch einmal mit Hokuspokus gaſtieren: Sonntag, 15. April.
Die Einſtudierung des Balletts Diamileh von Rieti beſorgt
Manda von Kreibig.
Die Aufführung des Boris Godunow von Muſſorgsky, in
der George Baklanoff den Boris ſingt, beginnt um 19 Uhr.
Im Großen Haus heute Egmont in der neuen Inſzenierung.
Beginn 19 Uhr.
Im Kleinen Haus wird heute zum letzten Male Zar und Zim=
mermann
gegeben. Die Vorſtellung beginnt um 19 Uhr 30 Min.
Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt. Die
neunte und zugleich letzte diesjährige Winter=Verſammlung
findet am kommenden Mittwoch, den 18. April, abends 8 Uhr, im Hör=
ſaal
234 der Techniſchen Hochſchule ſtatt. An Hand einer Filmvor=
führung
ſpricht Herr Regierungsbaumeiſter a. D. Spamer= Darm=
ſtadt
über: Sicherungsmaßnahmen im Eiſenbahnver=
kehr
.
Der Hefſiſche Penſionärverein, Ortsgruppe Darmſtadt, hält am
Dienstag, 17. April, nachmittags 15 Uhr, im Fürſtenſaal (Grafenſtraße
Nr. 18) ſeine Generalverſammlung ab.
Mozart=Verein. Mit dem Gaſtſpiel der japaniſchen Sängerin
Hautſe Yuaſa aus Tokio will der Mozartverein keineswegs
einer Senſation huldigen. Der Mozartverein hätte die gefeierte Künſt=
lerin
nicht nach Darmſtadt gerufen, wenn die Kritik nicht einig wäre in
dem Bekenntnis: Nur wer Deutſchland liebt, kann ſo deutſch ſingen.
Es erregt Staunen und Bewunderung, wie dieſes Kind des fernen
Oſtens ſich Mozart, Schubert und Reger zu eigen gemacht hat, und die
Kenner können ſich nicht genug tun in dem Lob der hohen Kunſt, mit
der die Japanerin unſeren ſpröden Brahms meiſtert. Die Zuhörer
ſtaunen mit E. Urban, daß das kleine Japanmädel für dieſe ganz
deutſchen Dinge ein vollkommenes, gleichgeartetes Empfinden und den
deckenden Ausdruck hat‟ Der Darmſtädter Mozartgemeinde wird der
Ausdruck unvergeßlich bleiben, den die liebliche, zarte Sopranſtimme
dieſer Künſtlerin hinterläßt. Auf ihrer Weltreiſe wird Hautſe Yugſa
von dem Pianiſten C. Meißner begleitet.
Volkshochſchule. Der 60. Geburtstag des großen ruſſiſchen Dich=
ters
Maxim Gorki hat überall Anlaß gegeben, ſich mit ſeinem
Leben und ſeinen Werken näher bekannt zu machen. Dieſen Zweck ver=
folgt
auch der Vortrag, den die Volkshochſchule am Dienstag, den
17. April, 20 Uhr, im Feſtſaale des Realgymnaſiums (Kirchſtraße 22)
veranſtaltet. Der Redner des Abends, Herr A. Queſſel, wird
ſprechen über 1. Das Leben Gorkis, 2. Sein Werk, 3. Gorki,
und das neue Rußland. Karten für Mitglieder zu 30 Pfg.,
für Nichtmitglieder zu 50 Pfg., ſind in der Geſchäftsſtelle der Volkshoch=
ſchule
und am Saaleingang zu haben. Zum Klavier=Abend Ling
Becker am Samstag erhalten unſere Mitglieder 40 Proz. Ermäßi=
gung
in der Muſikalienhandlung Heß, Eliſabethenſtraße 34.
Aus der Jugendzeit. Eine ſchöne Erinnerungsfeier be=
gingen
auf dem Heiligen Kreuz ehemalige Schülerinne: des früheren
Hofmänniſchen Inſtituts. Mehrere Jahrgänge der vor 50
und mehr Jahren dieſe Schule beſuchenden Schülerinnen hatten ſich aus
Darmſtadt und aus dem übrigen Heſſenland, aus ganz Deutſchland, ja
us der Schweiz, zuſammengefunden, um alte Erinnerungen aufzufri=
hen
, neue Freundſchaftsbande anzuknüpfen. Es war erfreulich zu
ühlen, wie auch in der alten Schule nicht nur gelernt, ſondern auch
n einem Geiſte erzogen wurde, der viele Werte für das Leben mitgab.
Das ſprach aus den Grüßen derer, die nicht am Feſte teilnehmen konn=
en
, das ſprach aus den Anſprachen, Gedichten und Reden der Anweſen=
den
. Von den alten Lehrern hatten wir die Freude, den 88jährigen
Herrn Lehrer Wenzel, unter uns zu ſehen; von den Angehörigen
der Familie, die das Inſtitut ins Leben gerufen und eine lange Reihe
von Jahren ſegensreich geleitet hatte, die Damen Davidſon, Flöel
und Luiſe Grein. Es wurde der Wunſch ausgeſprochen, dieſe Zu=
ſammenkunft
nicht die letzte ſein zu laſſen. Denn die Jugendzeit aufs
neu erwacht, die Freundſchaft aus den Augen lacht, wir halten in Treue
zuſammen!
Orpheum Volksverſtellung. Bei bedeutend ermäßigten Ein=
trittspreiſen
von 60 Pfg. bis 2 Mk. iſt heute Samstag die letzte
Vorſtellung des humorreichen Operettenſchwankes Am Rüdesheimer
Schloß ſteht eine Linde in der vorzüglichen Beſetzung mit Ad. Hille,
Albert Krafft=Lortzing, Loni Pyrmont. Walter Ritter
uſw. (Siehe Anzeige.)
n. Familiengeſchichtliche Vereinigung. Die nächſte Sitzung findet
Dienstag, den 17. ds. Mts,, abends 49 Uhr, im Prinz Karl
ſtatt. Regierungsrat Schäfer wird über einen anziehenden Abuen=
tafelausſchnitt
(Siegfrieken, Fulda, Minnigerode, Baſt, Schenck, Becht)
ſprechen.

Samstag, den 14.Aprt 4928

Seite 3

100 Jahre alter Darmſtädter Friedhof.

12. April 1928.
Von Architekt K. Wehnert.

Der alte Darmſtädter Kirchhof, jetziger Kapellplatz, war ſeit dem
Jaohre 1564 in Benutzung. Im Jahre 1814 wurde letztmalig eine Ver=
größerung
desſelben vorgenommen. Die Beerdigungsverhältniſſe waren
aber im Laufe der folgenden Jahre ſehr mißlich geworden. Es wurden
jährlich etwa 400 Leichen beigeſetzt. Eine weitere Vergrößerung war
nicht mehr möglich und durch die Nähe der Stadt nicht geboten.
Der Bürgermeiſter berihtete daher bereits im Februar 1824 an die
Polizeideputation der Reſidenz wegen Errichtung eines neuen Fried=
hofs
, wozu Moller einen Platz vorgeſchlagen hatte. Im März 1825
wurde der Platz an der Kieskaut in der Gemarkung Beſſungen vorge=
ſchlagen
. Auch wurden Plätze an der Windmühle, dem Beſſunger Tor,
am Roßdörfer Weg, an der Soderwieſe und der Waiſenhausgarten in
Vorſchlag gebracht. Endgültig wurde aber der Platz in der Beſſunger
Gemeinde gewählt. Nachdem der Großherzog inzwiſchen die Anlegung
des Friedhofs genehmigt hatte, erteilte die Polizeideputation am 2. Ja=
nuar
1826 dem Bürgermeiſter Auftrag zum Ankauf eines Geländes und
Vorlage eines Planes für Friedhof und Leichenhalle. Der Landrat
hatte die Beſſunger Geländebeſitzer zur gütlichen Einigung mit der
Stadt Darmſtadt eingeladen. Der Gemeinderat beſchloß am 1. März
1226 den Ankauf des Geländes und beauftragte damit eine beſondere
Kommiſſion. Ende September waren die Vorarbeiten ſoweit gediehen,
daß die Anlieferung der Materialien für die Umfangsmauer vergeben
werden konnte. Die Ausführung der Mauer wurde Ende Januar 1827
vergeben. Schon im März war die Mauer zur Hälfte fertiggeſtellt
und die Geländeherrichtung in vollem Gange, ſo daß der Bürgermeiſter
dem Landrat den Beginn der Beerdigungen auf Anfang Auguſt des
Jahres in Ausſicht ſtellen konnte.
Mit Zuſtimmung des Kirchen= und Schulvorſtandes fand die feier=
liche
Einweihung des neuen Friedhofs bei der erſten Beerdigung am
12. April 1888 ſtatt. Als erſter wurde der Zimmergefelle Georg Bolte
beigeſetzt.
Mit der Eröffnung des neuen Friedhofs war aber die Schließung
des alten Kirchhofs noch nicht verbunden. Vorerſt war noch freie Wahl
zur Beerdigung gelaſſen. Es fanden daher namentlich auf den Erb=
begräbziſſen
des alten Kirchhofs noch häufig Beerdigungen ſtatt. Trotz=
dem
wurden viele alte Erhbegräbniſſe gegen ſolche auf dem neuen
Friedhof ausgetauſcht. Auch das Ueberführen der Ueberreſte Verſtor=
bener
fand häufig ſtatt, was aber nur während der Nacht erfolgen
durſte. Auch Grabmäler wurden nach dem neuen Friedhof verſetzt.
Manches ſchöne dieſer Denkmäler iſt heute noch vorhanden. Wieder=
bolt
, forderte der Bürgermeiſter zum Umtauſch der Grabſtätten auf.
Die Schließung des alten Kirchhofs wurde bereits 1831 von dem Be=
meinderat
beſchloſſen, aber 1834 noch daſelbſt beerdigt. Das Miniſte=
rum
hatte 1839 die Genehmigung zur Schließung des Kirchhofs noch
nicht erteilt. Der Gemeinderat wählt 1846 eine Kommiſſion, welche
Vorſchlige über die Verbeſſerung des Kirchhofs machen ſoll, da dieſer
ſtark verwildert war. Der Kinchhof wird 1847 bis 1850 zu einer öffent=
liclen
Anjage umgeſchaffen, die Mauer bis auf geringe Höhe abgebrochen.
Auch eine Anzahl Totenhäuschen werden abgebrochen. Noch vorhan=
dene
Grabmonumente bleiben beſtehen. Das Miniſterium hatte zu
dieſer Verſchönerung ſeine Genehmigung gegeben.
Schon im Jahre 1838 beantragte Gemeinderat Wenck, bei Zeiten Be=
dacht
auf eine Erweiterung des neuen Friedhofs zu nehmen. Er unter=
ſuchte
und erläuterte dabei die verſchiedenen Erweiterungsmöglichkeiten
nach Norden, Süden und Oſten. Stadtbaumeiſter Jordan berichtet 1842
über drei Ve größerungsmöglichkeiten. Nach wiederholten Beratungen
beſchloß der Gemeinderat 1346, die Vergrößerung nach Süden vorzu=
nehmen
.
Ueber den Erwerb des Geländes war mit den meiſten Eigentümern
eine Einigung in Güte nicht zu erzielen. Das Stadtgericht mußte des=
halb
zur Entſcheidung angerufen werden. Mit Genehmigung des Mi=
uiſteriums
verfügte daher der Kreisrat im Jahre 1947, daß die Stadt
Darmſtadt ſich einſtweilen in den Beſitz des Gejändes ſetzen könne. Der
Stadtbaumeiſter erhielt daraufhin durch den Bürgermeiſter Auftrag
zur ſüdlichen Erweiterung nach dem genehmigten Plan. Im Novem=
ber
1847 erteilte das Stadtgericht die Eimweiſung in den Beſitz des ab=
zutretenden
Geländes. Das Urteil wurde im Januar 1848 gefällt. Nun
konnten die Bauarbeiten rege betrieben werden. Die Erd= und Pla=
nierungsarbeiten
wurden als Notſtandsarbeit ausgeführt, wobei 139
Mann beſchäftigt werden konnten. Die Vorgänge des Jahres 1848
machten ſich auch bei der Ausführung dieſer Arbeiten bemerkbar. Der
Kreisrat mußte mehrmals erſucht werden, Vorkehrungen zur Aufrecht=
erhaltung
der geſetzlichen Ordnung zu treffen. Trotzdem konnten die
Arbeiten ſo betrieben werden, daß die Einweihung der 2. Abteilung
des Friedhofs am 26. Oktober 1848 ſtattfinden und mit den Beerdigun=
gen
begonnen werden konnte.
Im Jahre 1870 war eine weitere Vergrößerung des Friedhofs not=
wendig
geworden. Die Friedhofskommiſſion erſtattete im April ein=
gehenden
Bericht unter Anſtellung von Vergleichen und Berechnungen.
Sie ſchlug die Erweiterung des Friedhofs auf der Oſtſeite oder die An=
lage
eines zweiten Friedhofs am Grohberg, gegenüber der Windmühle,
vor. Gegen eine Vergrößerung des beſtehenden Friedhofs wurden
zum Teil außerhalb des Gemeinderats Stimmen laut und die Anlage

V. D. J. Der Verein Deutſcher Ingenieure veranſtaltet heute
nachmittag eine Beſichtigung der Maſchinenfabrik Carl Schenck,
Abteilung Waagen und Schwingungsmaſchinen, wozu die Mitglieder
des Mittelrheiniſchen Ing.= und Arch.=Vereins, der Heſſiſchen Elektro=
techniſchen
Geſellſchaft, des Verbandes Deutſcher Diplomingenieure und
des V.D.J. herzlichſt eingeladen ſind.
Der Konfirmandenabend, des Jugendbundes für E. C. findet
morgen Sonntag, den 15. April, 8.15 Uhr beginnend, im großen Saal
der Stadtmiſſion (Mühlſtraße 94) ſtatt. Der Bund wird den Konfir=
manden
und ihren Angehörigen mit einem netten Programm auf=
warten
, und kann der Beſuch der Veranſtaltung nur empfohlen werden.

Heute und morgen 241. Uhr
Märchen
Mamsti-Bzzmsti

Rs

Im Landestheater.

Zum Aſta Nielſen=Gaſtſpiel am morgigen Sonntag, 15. April,
abends 7.45 Uhr, im Orpheum ſiehe heutige Anzeige im Inſeuatenteil
dieſes Blattes. Alexander Dumas Schauſpiel Die Kamelien=
dame
wurde in Darmſtadt zuletzt vor 23 Jahren aufgeführt, und
zwar mit der berühmten franzöſiſchen Tragödin Sarah Bernhardt in
der Hauptrolle. Es gelten gewöhnliche Gaſtſpielpreiſe von 1,505 Mk.
(Numerierte Plätze von 2 Mk. an.) Es empfiehlt ſich, Kau=
ten
in den Vorverkaufsſtellen (Verkehrsbureau, de Wagl, Rheinſtr. 14,
und Kiosk Ernſt=Ludwigsplatz) zu löſen.
Großer Erfolg eines heſſiſchen Fahnenſtickers. Bekanntlich hat
der Schatzmeiſter des Heſſiſchen Sängerbundes Wilh. Bitter in
ſeinen Mußeſtunden ein Banner für den Berliner Beethovenchor ge=
ſtickt
. Bei der jetzt erfolgten Bannerweihe dieſes Vereins wurde Herr
Bitter zum Ehrenmitglied dieſes Vereins ernannt und ihm die große
Beethovenplakette verliehen. Die Deutſche Sängerwarte hebt die
Verdienſte Bitters hervor, der das Banner, das in dezenten Farben
gehalten, in bewundernswertem Idealismus in ſeinen Mußeſtunden
geſchaffen. Die Verliner Morgenpuſt ſpricht von der freund=
lichen
Geſinnung und Kunſtfertigkeit des heſſiſchen Sangesbruders, und
die Neueſten Nachrichten zu Weißwaſſer ſtellen das Banner als ein
Meiſterſtück hin, deſſen hochkünſtleriſche Ausführung allſeits Bewun=
derung
fand.
Die Dienſtſtunden des Polizeiomts Darmſtadt ſind ab 16. April
1928 feſtgeſetzt von 712½4 und von 1417 Uhr. Samstags von 7 bis
12½ Uhr.

eines zweiten Friedhofs im Nordweſten der Stadt gefordert. Der Ge=
meinderat
beſchloß, eine Erweiterung des beſtehenden Friedhofs nach
Oſten vorzunehmen, und ſtellte im März 1871 entſprechenden Antrag
an das Kreisamt, das im Mai die Genehmigung erteilte.
Die Verhandlungen wegen Erwerbs des Geländes vollzogen ſich ohne
beſondere Schwierigkeiten. Nur die Gemeinde Beſſungen machte, ob=
vohl
ſie mit der Verlegung des Herdwegs an der nordöſtlichen Ecke
des Friedhofs früher einverſtanden war, ſpäter Schwierigkeiten. Es
mußte deshalb das Kreisamt angerufen und auch gerichtliche Klage
gegen Beſſungen geführt werden.
Im Februar 1372 wurden die Arbeiten zur Ausführung vergeben,
nachdem der Gemeinderat vorher die Mittel bewilligt hatte. Die Ar=
beiten
wurden ſo gefördert, daß das Stadtbauamt im April 1873 die
Fertigſtellung dem Bürgermeiſter durch Bericht mitteilen konnte. Nach=
dem
durch Vermittlung des Burgermeiſters über die Einweihung durch
das evangeliſche und katholiſche Pfarramt eine Einigung erzielr war,
erfolgte dieſe durch die evangeliſche Geiſtlichteit am 10. Juni 1873. Die
katholiſche Geiſtlichkeit nahm die Weihe gelegentlich einer Beerdigung
vor. Die 3. Abtilung des Friedhofs war ſomit ihrer Beſtmmung
übergeben.
Als letztmalige Vergrößerung des Friedhofs kam die jetzige Abtei=
lung
4 in Betracht. Die Verhandlungen über den Geländeerwerb fan=
den
in den Jahren 1885 bis 1390 ſtatt. Im Dezember 1890 erhielt das
Stadtbauamt Auftrag zur Erſtellung eines Voranſchlags. Die Arbeiten
wuurden in der zweiten Hälfte des Jahres 1892 vergeben. Da die Er=
öffnung
dieſer Abieilung nicht drängte, wurden die Arbeiten etappen=
weiſe
ausgeführt.
Die fei=rliche Einſegnung durch die evangeliſche Geiſtlichkeit fand
am 4. Auguſt 1894 ſtatt. Von katholiſcher Seite wurde die feierliche Ein=
weihung
anläßlich des erſten katholiſchen Begräbniſſes am 15. Auguſt
1894 vorgenommen.
Nun noch einige Bemerkungen über die Errichtung des Leichen=
bauſes
. Im Jahre 1800 ſchenkte der damalige Landgraf das ſogenannte
Farbhaus im Waiſenhausgarten zur Einrichtung eines Leichenhauſes.
Die Einrichtung unterblieb aber. Erſtnalig legte der Bürgermeiſter
ſem Landrat Entwurfe für ein Leichenhaus im Jahre 1824 vor. In
den folgenden Jahren wurden wiederholt Projekte vorgelegt und die
Frage auch von ärzlicher Seite eingehend behandelt. Bei Eröffnung
der zweiten Abteilung war in Ausſicht genommen, das Leichenhaus in
tieſe Abteilung zu ſtellen. Die Verhandlungen zogen ſich bis zum
Jahre 1330 hin. Der Gemeinderat hatte nun endgültig die Erbauung
eines Leichenhauſes beſchloſſn und hierzu die erforderliche Genehmi=
gung
des Kreisamts erhalten. Das früher in der Nordweſtecke des
Friedhofs ſtehende Wohnhaus des Aufſehers war 1856 durch Brand=
legung
zerſtert worden. Die Errichtunn des Leichenhauſes erfolgte 1860
und 1861. an der jetzigen Stelle. Es enthielt eine Vorhalle, Leihenſaal,
Scktionsraum, Aufſeherwohnung und Nebenräume. Größere bauliche
Veränderungen wurden im Jahre 1881 vorgenommen. Später beſtand
die Abſicht, das Leichenhaus zu vergrößern. Es wurde aber beſchloſſen,
neben dem jetzigen ein neues zu erbauen, aber davon abgeſehen.
Im Jahre 1892 mußte mit Rüchſicht auf die damals beſtandene
Choleragefahr eine proviſoriſche Leichenhalle errichtet werden. Sie
wurde in Holz ausgeführt und ſtand in der Nordoſtecke der Abteilung 4.
Später wurde diefe Halle wieder abgebrochen.
Das Verwalterhaus mit Bureau wurde 1896 ernichtet. In den
Jahren 1888 bis 1900 wurde eine neue Leichenhalle erbaut und erhielt
die Kapelle an Stelle der früheren Vorhalle ihre jetzige Ausgeſtaltung.
Das Altarbild in der Kapelle, die Auferſtehung, wurde 1888 von
Profeſſor Auguſt Noack gemalt. Die Koſten wurden durch Sammlung
freiwilliger Beiträge aufgebracht. Zu dieſem Zweck hatte ſich ein keſon=
deres
Komitee gebildet. Weiter ſtiſtete eine unbekannte Beſſunger Dame
eine Uhr für die Leichenhalle, weſche aber an dem Türmchen nicht an=
gebracht
werden konnte. Dieſe Uhr wurde ſpäter am Stadchaus an=
gebracht
.
Der Friedhof hat die ſtattliche Größe von 452 mal 300 Metern und
eine Fläche von 13,56 Hektar. Die Grundrißanlage iſt ſymetriſsh. Ein
herrlicßer Baumbeſtand iſt vorhanden, wie er nicht oft auf einem Fried=
hof
gefunden wird. Eine Reiche guter alter und neuer Denkmäler in
ſchönen, künſtleriſchen Formen zieren die Grabſtätten. Gine große An=
zahl
berühmter Männer und Frauen hat hier ihre letzte Ruheſtätte ge=
funden
. Der Friedhof iſt eine Sehenswürdigkeit Daumſtadts. Wer
recht darin zu wandeln verſteht, wird Erholung und Erhauung finden.
Ein Stück Heimatgeſchichte wird an ſeinem geiſtigen Auge vorüber=
ziehen
. Die geſamte Friedhofsanlage ſowie Grabdenkmäler und Grab=
ſtätten
von künſtleriſchem und hiſtoriſchem Wert ſind unter Denkmalſchutz
geſtellt.
Mit Eröffnung des neuen Hauptfriedhofs (Waldfriedhof) im Jahre
1914 wurde der alte Friedhof für die allgemeine Beerdigung geſchloſſen.
Es durften nur noch auf Erbbegräbniſſen Beiſetzungen ſtattfinden. Durch
die Beſetzung des Waldfriedhofs durch die Franzoſen wurden bei den
Leichenbegängniſſen dauernd große Schwierigkeiten bereitet. Die Stadt=
verwaltung
gab daher 1922 verſchiedene Reihengräberfelder, deren Ruhe=
zeit
abgelaufen war, frei und ließ hier Familiengrabſtitten anlegen.
Dieſe ſind heute noch bei der Bevölkerung jehr begehrt.

Adreßbuch der Kraftfahrzeugbeſitzer im Volksſtaat Heffen. Im
Auftrag des Heſſiſchen Miniſteriums auf Grund amtlichen Materials
herausgegeben. Nachtraa März 1928. 80. Seiten in Umſchlag
in 8. Preis 4,00 R. M. Der Nachtrag März 1938 erſcheint
Anfang nächſter Woche und iſt unentbehrlich für alle Beſitzer der
Hauptausgabe Oktober 1997. Er umfaßt rund 5100 Nummern und
Adreſſen und enthält alle Veränderungen, alſo alle Neuzukaſſungen,
Ummeldungen und Streichungen von September 1927 bis 1. März 1938
und nur dieſe. Die Kraftfahrzeugbeſitzer der größeren Städte ſind
mit genauer Adreſſe aufgeführt. Im übrigen ſind, wie in der Haupt=
ausgabe
die Beſitzer von Perſonenkraftwagen, Laſtkraftwagen und
Krafträdern nach Provinzen und Kreiſen, Polizeierkennungszeichen
und Nummern geordnet; bei jedem Wagen reſp. Nad iſt Type und P8
angegeben. Der Nachtrag iſt durch jede Buchhandlung oder direkt vom
Verlag L. C. Wittich=Darmſtadt gegen Voreinſendung des Betrags
auf Poſtſcheckkonto Frankfurt a. M. 1301 oder Poſtnachnahme) zum
Preiſe von RM. 4,00 (n icht RM. 700, wie urſprünglich angezeigt)
zu beziehen.
Bezirksverein Befſungen. Die Hauptverſammlung nahm
bei ziemlich guter Beteiligung einen hochbefriedigenden Verlauf. Nach
Entgegennahme des Jahresberichts ſeitens des erſten Vorſitzenden über
die Tätigkeit des Vorſtandes im abgelaufenen Geſchäftsjahn erfolgte die
Rechnungsablage durch den Kaſſierer Herrn G. Dörſam, dem im
Anſchluß an den Bericht der Rechnungsprüfer Entlaſtung erteilt wurde.
Bei der Neuwahl des Vorſtandes wurden die ſeitherigen Mitglieder
einſtimmig wiedergewählt. Herr Poſtinſpektor und Stadtverordneter
Kolb wurde zum 1., Herr Glaſermeiſter Werner zum 2. Vorſitzen=
den
wieder beſtimmt. Alsdann hielt Herr Stadtbibliothekar i. R.
Noack den angekündigten Vortrag Aus der Geſchichte des Beſſunger
Herrngartens. An Hand eines reichhaltigen Aktenmaterials ſowie
durch Photographien, Zeichnungen, Baupläne uſw. verſtand es der Vor=
tragende
, in bekannter Gründlichkeit eine treffende Schilderung der
Entſtehung, Entwicklung und Umbildung des Beſſunger Herrngartens
nach ſeinen vielfachen Beziehungen zu geſchichtlichen Ereigniſſen und
ſonſtigen damit im Zuſammenhang ſtehenden Geſchehniſſen zu geven.
Reicher Beifall wurde Herrn Noack für ſeine hochintereſſanten Ausfüh=
rungen
zuteil. Für die Geſtältung des Gartens wurde eine Reihe von
Wünſchen berechtigter Art geäußert, zu deren Vertretung der Stadtver=
waltung
gegenüber ſich die anweſenden Stadtverordneten bereit erklär=
ten
. Zum Schluß ſetzte eine ausgiebige Ausſprache über allgemeine An=
gelegenheiten
ein, wobei einmütig die dringend notwendige Errichtung
eines Schwimm= und Luftbades in der Beſſunger Gemarkung gefordert
wurde. Die dahinzielenden Wünſche ſollen der Stadtverwaltung zur
Verwirklichung angeſonnen nerden. Der ganze Verlauf der ſehr har=
moniſchen
Hauptverſammlung läßt eine gute Aufwärtsentwicklung des
Bezirksvereins Beſſungen erhoffen.

Sdtte
SeltttIet
DOTal
belicbt, bewährt und überall vertreten wwie Dumlop-Reifen

[ ][  ][ ]

Seite 6

Samstag, den 14. April 1928

Nummer 104

Wochenſpielplan des Heſſiſchen Landestheaters
Großes Haus.
Sonntag, 15. April, 19 Uhr, Ende nach 22 Uhr. L 15. ( Wahlvor=
ſtellung
für Miete B.) Einmaliges Gaſtſpiel Georg Bakla=
noff
: Boris Godunow muſikaliſches Volksdrama
von Muſſorgſky. Boris: Georg Baklanoff a. G. Preiſe
1,20 bis 12 Mk.
Montag, 16. April, 20 Uhr, Ende 22 Uhr. 7. Sinfoniekon=
zert
des Landestheater=Orcheſters. Leitung:
Generalmuſikdirektor Dr. Böhm. Soliſt: Walter Gieſeking
(Klavier). Werke von Schubert, Joſef Marx und Prokofieff.
Preiſe 1 bis 8 Mk.
Dienstag, 17. April, 19½ Uhr, Ende 22½ Uhr. A 16. Violan=
ta
, Oper von Korngold; hierauf: Gianni Schicchi
Oper von Puccini. Preiſe 1 bis 10 Mk.
Mittwoch, 18. April, 19 Uhr, Ende nach 22 Uhr. K 16 ( Bühnen=
volksbund
). Egmont, Schauſpiel von Goethe. Preiſe
1 bis 10 Mk.
Donnerstag, 19. April, 19½ Uhr, Ende 22 Uhr. C 18. Der
Barbier von Sevilla, komiſche Oper von Roſſini.
Preiſe 1 bis 10 Mk.
Freitag, 20. April, 19½ Uhr, Ende 22 Uhr. L 16. Neu einſtudiert:
Diamileh Oper von Bizet; hierauf zum erſten Male:
Barabau, Ballett von Rieti; hierauf: Gianni
Schicchi, Oper von Puccini. Preiſe 1 bis 10 Mk.
Samstag, 21. April, 15 Uhr, Ende 17¾ Uhr. Samstags= Fremden=
miete
, 9. Vorſtellung. Fidelio, Oper von Beethoven.
Preiſe 0,70 bis 7 Mk.
19½ Uhr, Ende 22½ Uhr. H 11 (Bühnenvolksbund). Na=
than
der Weiſe, Schauſpiel von Leſſing. Preiſe 0,90
bis 9 Mk.
Sonntag, 22. April, 19 Uhr, Ende 22 Uhr. Sonntags= Fremden=
miete
weiß (13), grün (9). Egmont Schauſpiel von
Goethe. Preiſe 1,20 bis 12 Mk.
Kleines Haus.
Sonntag, 15. April, 11½ Uhr. Luſtige Matinee Hans
Reimann. Preiſe 1, 2, 3 Mk.
14½ Uhr, Ende 16½ Uhr. Das Märchen Humſti=
Bumſti Preiſe 0,40 bis 2 Mk.
20 Uhr, Ende 22½ Uhr. Letztes Gaftſpiel des Curt Goetz=
Enſembles: Hokuspokus von Curt Goetz. Preiſe
1,50 bis 7,50 Mk.
Montaig, 16. April, 17 und 20 Uhr. Vortrag des Kapitäns C. Her=
bert
mit Film: Die Jungfernreiſeder Kap Ar=
cona
Preiſe 0,80 bis 2 Mk.
Dienstag, 17. April, 16½ Uhr. Film: Die Jungfernreiſe
der Kap Arcona. Preiſe 0,80 bis 2 Mk.
20 Uhr, Ende nach 22 Uhr. F 10 (Darmſtädter Volksbühne),
Gruppe III und IV. Frau Warrens Gewerbe‟
Schauſpiel von Shaw. Preiſe 1,20 bis 6 Mk.
Mittwoch, 18. April, 17 und 20 Uhr. Film: Die Jungfern=
reiſeder
KapArcona Preiſe 0,80 bis 2 Mk.
Donnerstag, 19. April, 20 Uhr, Ende 22 Uhr. Außer Miete.
Erſtes Gaſtſpiel Konrad Dreher mit Enſemble: Der
Schwiegervater, Komödie von Anno.
Freitag, 20. April, 20 Uhr, Ende 22 Uhr. Außer Miete. Zweites
Gaftſpiel Konrad Dreher mit Enſemble: Der alte
Feinſchmecker, Komödie von Thoma. Vorverkauf zu
beiden Abenden für Mieter Sonntag, den 15., und Montag,
den 16. April, zu Preiſen von 1 bis 5 Mk. Allgemeiner
Verkauf ab Dienstag zu Preiſen von 1,20 bis 6 Mk.

Samstag, 21. April, 14½ Uhr, Ende 16½ Uhr. Das Märchen
Humſti=Bumſti Preiſe 0,40 bis 2 Mk.
20 Uhr. Letzter Kammermuſikabend des
Schnurrbuſch=Quartetts. Preiſe 1, 2, 3 Mk.
Sonntag, 22. April, 14½ Uhr, Ende 16½ Uhr. Das Märchen
Humſti=Bumſti Preiſe 0,40 bis 2 Mk.
19½ Uhr, Ende 22 Uhr. Zuſatzmiete IV (10). Der
Barbier von Sevilla, komiſche Oper von Roſſini.
Preiſe 1,50 bis 7,50 Mk.

Kunſiverein.
Am Sonntag, den 15. April, öffnet die Kunſthalle am Rheintor
ihre Pforten für eine neue Ausſtellung, in der die Freie Vereini=
gung
der Graphiker zu Berlin (e. V.) die Arbeiten ihrer
Mitglieder zur Schau bringen wird. Es mag zuerſt darauf hingewieſen
werden, daß die gezeigte Graphik keineswegs nur aus Berlin ſtammt;
Künſtler aller Gaue Deutſchlands gehören der Vereinigung an, und
ihren Beſtrebungen iſt es zu verdanken, daß ſie auch die fern von den
Kunſtzentren Schaffenden als Mitglieder in ihren Kreis zieht und ſo
der Oeffentlichkeit zugänglich macht. Die Namen der Ausſteller zeigen
auch, daß die Vereinigung alle Richtungen zu Wort kommen läßt, weil
jede Kunſt gefördert werden ſoll, die wahr iſt. Dieſe Einſtellung gibt
der Vereinigung ihre Stärke, die ihren Ausklang nicht allein in Deutſch=
land
findet, ſondern ihren Ruf auch über unſere Grenzen bis in an=
dere
Erdteile begründet hat. Dank ihrer guten Organiſation iſt es der
Vereinigung leicht, Ausſtellungen zu veranſtalten. Sie verfolgt weiter
das Ziel, die ihr gewährte Gaſtfreundſchaft dadurch zu erwidern, daß
ſie anſtrebt, den grarhiſchen Vereinigungen dieſer Städte, ſowie den
dort einzeln tätigen Künſtlern die Möglichkeit der Ausſtellung in der
Reichshauptſtadt zu vermitteln, um ſo ein richtiges Bild des geſamten
graphiſchen Schaffens der Gegenwart geben zu können. In der zu er=
öffnenden
Ausſtellung erſcheinen mit etwa 300 Arbeiten 83 Mitglieder
der Freien Vereinigung. Es iſt nicht möglich, ſie alle aufzuführen, aber
es befinden ſich gute Namen darunter, da auch die Profeſſoren Bart=
ning
, H. O. Engel, E. Orlik, E. Richter in Berlin, Ciſſarz in Frank=
furt
a. M., Illies in Hamburg, Schmoll von Eiſenwerth in Stuttgart,
Käte Kollwitz und viele weitere allgemein anerkannte Künſtler mit
Werken vertreten ſind. Bei dem vielen Guten, das die Ausſtellung
bringen wird, ſteht zu hoffen, daß ein reger Beſuch und zahlreiche Ver=
käufe
der Dank der Oeffentlichkeit ſein werden.

Hindanainsgsäanz
N

DarmſtadtMeſſel. Vielfachen Wünſchen entſprechend verkehrt
der Omnibus der Reichsbahn=Omnibuslinie DarmſtadtMeſſel auch
am Sonntag, den 15. April, wieder nach Forſthaus Einſiedel.
Vorgeſehen ſind folgende Fahrten: Darmſtadt Verkehrsbureau ab 14.30
und 15.30 Uhr, Forſthaus Einſiedel ab 13.15, 15.00 und 18.00 Uhr.
Weitere Fahrten nach Bedarf. Die Fahrt 13.15 Uhr verkehrt ſchon ab
Meſſel, und zwar Meſſel ab 13.10 Uhr.

ORION
Café-Kabarett
Das große
Frankfurt a. M.
M
SBchrograum
m Casino- Humor 4Stimmung- Tanz

4Bezirksſchöffengericht.
p. 1. Die Eheleute Mich. Karb in Lampertheim leben bereits ſeit
längerer Zeit getrennt, der Ehemann iſt verurteilt, der Ehefrau eine
Unterhaltsrente zu zahlen. Der ſchweren Körperverletzung angeklagt
iſt der Ehemann, weil er der 59jährigen Ehefrau die Naſenſpitze ab=
gebiſſen
und ſie dadurch in erheblicher Weiſe dauernd entſtellt habe.
Die Verletzte war 14 Tage in ärztlicher Behandlung. Nach dem ärzt=
lichen
Gutachten kann eine Entſtellung nicht in Frage kommen. Der
Staatsanwalt betont, daß nur einfache Körperverletzung vorliegt, an=
geſichts
der unglaublichen Rohheit wird eine Gefängnisſtrafe von 8
Monaten beantragt. Das Urteil nimmt Körperverletzung mittels hinter=
liſtigen
Ueberfalls an und erkennt auf acht Monate Gefängnis abzüglich
1 Monat der erlittenen Unterſuchungshaft.
2. Der nach ſeiner Angabe kurze Zeit bei dem Zirkus Sarraſſani
beſchäftigte Guſtav Durſt von Koblenz ſoll am 28. Dezember 1926 vor
dem Amtsgericht in Bensheim unter Eid falſche Angaben hinſichtlich
ſeiner Perſonalien gemacht haben; er gab damals u. a. an, er ſei im
Kriege Vizefeldwebel geweſen. Heute gibt er an, er habe nicht gewußt,
daß der geleiſtete Eid ſich auch auf die Perſonalien beziehe. Er hat über
ſein Vorleben die verſchiedenſten abenteuerlichſten Angaben gemacht,
Nach der Revolution will er unter Ehrhardt gekämpft haben, dann aber
zu den Ruſſen übergegangen ſein. In der ruſſiſchen Formation ſei er
dann Offizierſtellvertreter geweſen. Nach der Stammrolle iſt er in
Würzburg geboren, nun gibt er Metz als Geburtsort an. Die Beweis=
aufnahme
ergibt, daß bei der Vernehmung in Bensheim Wert darauf
gelegt wurde, die Perſonalien des Angeklagten möglichſt zu ergründen.
Aerztliche Gutachten ſtellen feſt, daß Durſt mit Abſicht lügt, weil er
etwas zu verdecken hat und bezeichnen ihn als Pſychopathen mit einer
übermäßig wuchernden Phantaſie. Wegen fahrläſſigen Falſcheides wird
auf 6 Monate Gefängnis erkannt, wovon 4 Monate Unterſuchungshaft
abgehen.
3. Ein arbeitsloſer Einwohner eines Riedortes hat falſche Be=
ſtellungen
auf Familienzeitſchriften der Arbeitgeberin eingeſandt. Wegen
Betrugs und Urkundenfälſchung werden zwei Monate Gefängnis aus=
geſprochen
.
Kunſinotizen.
Ueber Werſe, Künffler oder künfflieriſche Deranſialtungen, deren im Nachſteh
geſchieht, behält ſich die Redalton ibr Urteil vos
Der in Darmſtadt ſo beliebte Kapitän Carl Herbert aus
Hamburg ſpricht wieder einmal zu einem neuen Hamburger Kultur=
film
. Es handelt ſich um Die Jungfernreiſe der Cap Arcona, eine
Reiſe mit dem neueſten deutſchen Schiff von Hamburg über Portugal
und Spanien, den Kanariſchen Inſeln nach Braſilien und Argentinien.
Die Erſtaufführung findet am Montag, den 16. April, nachmittags
5 Uhr, im Kleinen Haus des Heſſiſchen Landestheaters ſtatt. Eine nei=
tere
Aufführung folgt am ſelben Abend 8 Uhr; ferner läuft der Film
am Dienstag nachmittag um 4.30 Uhr ſowie am Mittwoch nachmittag
5 Uhr und abends 8 Uhr. Da uns neben dem Leben und Treiben an
Bord eines modernen Ozeanrieſens vor allem ein Einblick in Land
und Leute der durch das Schiff berührten Plätze gewährt wird, bietet
der Film eine mannigfache Unterhaltung und Belehrung. Kapitän
Herbert wird die Reiſe in ſeiner bekannten launigen Art verkürzen.
Der Film iſt für Jugendliche freigegeben.
Lokale Veranſtaltungen.
Nach vollſtändiger Renovierung des Kaffee=Reſtaurants
Orangeriehaus findet die Neu=Eröffnung Sonntag=Vormittag,
den 15. April, ſtatt. Die Bewirtſchaftung wird durch den Pächter des
Saalbau=Reſtaurants Fritz Niemann mit übernommen.

Tageskalender für Samstag, den 14. April 1928.
Landestheater Großes Haus, Anf. 19 Uhr, Ende 22½ Uhr,
E 20: Egmont. Kleines Haus, Anf. 14½ Uhr, Ende 16½ Uhr:
=Humſti=Bumſti. Anf. 19½ Uhr, Ende 2½ Uhr, Volksvorſtellung
zu Einheitspreiſen: Zar und Zimmermann. Orpheum, abends
20 Uhr: Am Rüidesheimer Schloß ſteht eine Linde‟. Kongerte:
Schloß=Kaffee, Kaffee Rheingold, Hotel Schmitz, Daunusburg, Wein=
haus
Maxim, Kaffee Haſſia, Bismarckeck, Frankfurter Hof, Wald=
ſchlößchen
, Darmſt. Hof, Neckartor, Reichskrone Konkordia=
ſaal
, abends 2 Uhr: Frühlingsfeſt des G.DA. Kinovor=
ſtellungen
: Helia, Union=Theater, Palaſt=Lichtſpiele, Reſidenz=
Theater.

Seb. Schmitt

Inhaber: Albert Schmitt

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[ ][  ][ ]

Nummer 104

Samstag, den 14. April 1928

Seite 7

Aus Heſſen.
* Eberſiadt im Baumblütenſchmuck.
Ihr Städter, ſucht ihr Freude,
So kommt aufs Land hinaus!
Seht Garten, Feld und Weide
Umgrünen jedes Haus!
F. Eberſtadt ſteht gegenwärtig im vollſten Schmucke einer ausge=
dehnten
herrlichen Baumblüte. Nundherum alles eine einzige
große Blütenpracht. Es verlohnt ſich, dieſe wundervolle Baumblüte in
Augenſchein zu nehmen. Die Marienhöbe gleicht einem großen
einzigartigem Blütenflor und gewährt gleichzeitig einen veizendem Aus=
blick
in das Blütenmeer der vorderen Bergſtraße. Eine Luſt iſt es, über
dieſe Höhe hinweg durch das träumeriſche, ebenfalls im Blütenſchmuck
prangende Mühltal zu wandern, mit ſeinem bunten Wieſengrunde
auf der einen und dem zu gigantiſchem Felsgruppem vereinigten Höhen
mit herrlichen Blichen auf den vorderen Odenwald mit dem Frankenſtein
und dem Melibokus auf der anderen Seite. Der idylliſch gelegene
Kühle Grund mit ſeinem romantiſchem Waſſerfall ladet den Wan=
derer
zu einer kurzen Raſt ein und gewährt ihm einen Naturgenuß von
undergleichlicher Pracht. Ein Sonntagsausflug hierher bietet kurzum
des Sehenswerten ſoviel, daß man freudig genießt, was die Natur hier=
orts
an Reichtum geſchaffen, und gerne und oft wiaderkehrt.
Daneben laden nach allen Seiten junggrüne Tannen= und Buchen=
wälder
mit wohlgepflegten Wegen, bald in der Ebene, bald auf ſonſt
anſteigenden Höhen, vor allem aber auch das initten herrlichen Waldes=
grüns
gelegene Villenviertel dem Wanderer und Ausflügler ein
und gewähren ihm eine geſunde, ſtaub= und bazillenfreie Waldluft, wie
man ſie beſſer ſich nicht wünſchen kann.
Auf, Ihr Städter, in die Baumblüte nach Eberſtadt!

J. Griesheim, 13. 2pril. Herrn Generaldirektor Willi Römheld=
Darmſtadt iſt es gelungen, ein Geſamt=Gaſtſpiel des Darm=
ſtädter
Orpheums für eine einmalige Aufführung der erfolgreichen Ber=
liner
Operetten=Notität Am Rüdesheimer Schloß ſteht eine Linde in
6 Bildern von Walter Fritz Dietrich für nächſten Sonntag abend 9 Uhr
im Feſtſaal Zum grünen Laub hier zu verpflichten. Die hieſige Auf=
führung
findet bei vollbeſetztem Orcheſter ſtatt. Ein Pfungſtädter
Auto erlitt in der Obendorferſtraße einen Achſenbruch. Da das
Auto infolge langſamen Fahrens ſofort ſtand, entſtand kein weiterer
Schaden.
Aa. Eberſtadt, 13. April. Der Turnverein 1876 e. V. hält
am Samstag abend (14. Axril) eine Monatsverſammlung in ſeinem
Vereinslokal Zur Eiſenbahn ab, die ſich insbeſondere mit der Teil=
nahme
am Deutſchen Turnfeſt in Köln beſchäftigt. Zuſammen=
ſtoß
. Im Mühltal ſtießen ein Radfahrer und ein Motorradfahrer zu=
ſammen
. Beide wurden ſo ſchwer verletzt, daß eine Ueberführung in
ein Krankenhaus notwendig war.
F. Eberſtadt, 13. April. Sonntagsfahrkarten nach Eber=
ſtadt
. Der hieſigen Bürgermeiſterei iſt von der Reichsbahndirektion
Mainz mitgeteilt worden, daß ſie auf den Bahnhöfen Mainz, Groß=
Gerau, Langen, Babenhauſen und Worms nunmehr Sonntagsfahrkarten
nach Eberſtadt aufgelegt und damit den Wünſchen der kürzlich bei ihr
vorſtellig gewordenen Verkehrsdeputation Rechnung getragen habe. Das
Entgegenkommen der Reichsbahndirektion wird hier allgemein dankbar
anerkannt und dürfte beſonders in der gegenwärtigen Zeit der
Baumblüte zur Hebung des Verkehrs in unſerem maleriſch gelegenen
Orte weſentlich beitragen. Sonntagsfahrkarten von Frankfurt nach
Eberſtadt waren bisher ſchon zu haben. Dies wird ſelbſtverſtändlich
auch weiterhin der Fall ſein.
Aa. Pfungſtadt, 13. Axril. Einbruch. Drei jugendliche Bur=
ſchen
brachten in einer der letzten Nächte den Mut auf, unter genauer
Verteilung der einzelnen Aufgaben in dem Portierraum eines hieſigen
größeren Betriebes Eingang zu ſuchen, um Gekd an ſich zu nehmen.
Sie wurden jedoch bei ihrem Vorhaben geſtört und in einem eingehen=
den
Verhör überführt. Vor acht Tagen hatten ſie bereits eine ähnliche
Miſſetat vollführt. Todesfalle. Im Alter von 66 Jahren iſt
Jakob Polſter 3. geſtorben. Im Alter von 85 Jahren ſtarb Adam
Klein, wohnhaft Sandſtraße. Wieſenſchluß. Wie amtlich be=
kannt
gegeben wird, ſind in der Gemarkung Pfungſtadt die Wieſen vom
15. April ab für jeglichen Fuhrwerksverkehr geſchloſſen. Billard=
klub
. Der Billardklub Pfungſtadt hält am kommenden Samstag
abend im Gaſthaus Zum goldenen Lamm zwecks Austrags der Tur=
nierſpiele
eine Verſammlung ab.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 13. April. Geſtern abend wurde die Feuer=
alarmſirene
nach vorheriger Ausprobierung von der Lieferfirma Rhein=
elektra
der Gemeinde übergeben. Die Sirene hat eine Motorſtärke von
6 PS. Die Hörweite iſt mit dem Wind 12 Km., quer zum Wind 8 Km.,
gegen den Wind 4 Km. Nach der Probe angeſtellte Ermittlungen haben
ergeben, daß die Sirene auch in den abgelegenen Ortsteilen Villen=
viertel
Trautheim noch gut hörbar iſt. Bei einem in Kürze ſtattfin=
denden
, nicht vorbereiteten Feuerqlarm wird die Hörweite nochmals einer
befonderen Prüfung unterzogen. Jedenfalls iſt mit der Errichtung der
Sirene ein wichtiger Schritt vorwärts getan in der raſchen Alarmierug
der Feuerwehr und Einwohnerſchaft im Falle der Gefahr.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 13. April. Gemeinderatsbericht.
Gemeinderat Steiger erſtattet Bericht für die Elektrizitätskommiſſion,
insbeſondere über das Gutachten des Sachverſtändigen, Direktor Schmitz,
deſſen ſchriftlicher Bericht zur Kenntnis genommen wird. Nach dieſem
iſt die Erweiterung des Werkes eine unbedingte Notwendigkeit. Die
einzelnen Vorſchläge werden der Kommiſſion als Material überwieſen.
Des weiteren wird der mittlerweile erteilte Auftrag zur Inſtandſetzung
der Akkumulatorenbatterie beſtätigt. Ueber die Erweiterungsanlage
des Friedhofs liegt jetzt eine von dem bauausführenden Architekten ge=
fertigte
Planſkizze vor, insbeſondere auch über die bei dieſer Gelegen=
heit
zu erſtellende Friedhofshalle. Die Skizze fand im Allgemeinen die
Billigung des Gemeinderates, ſo daß jetzt die endgültigen Pläne und
Koſtenvoranſchläge gefertigt werden können. Zu dem von Ernſt
Geher eingereichten Geſuch betr. Umbau ſeines Amweſens in der Fahr=
ſtraße
ſoll auf Veranlaſſung des Hochbquamtes die Beufluchtlinie ge=
ändert
werden. Der Gemeinderat verhält ſich nach wie vor ablehnend
und beſchließt, es bei der alten Fluchtlinienführung zu belaſſen. Die
Heſſiſche Landeshypothekenbank A.=G. Darmſtadt begehrt nunmehr aus
den bereits zurückgezahlten, auf Grund von Darlehnsverträgen ſeinerzeit
aufgenommenen Kommmaldarlehen, Aufwertung. Sie ſtützt ſich hierbei
auf eine evgangene Reichsgerichtsentſcheidung. Die Beſchlußfaſſung wird
zunächſt ausgeſetzt und die Verwaltung beauftragt, noch nähere Ermitt=
lungen
anzuſtellen bzw. gegebenenfalls ein Rechtsgutachten einzuholen.
Gemäß eines in der Hauptverſammlung der Sterbekaſſe gefaßten Be=
ſchluſſes
, nochmals an den Gemeiderat heranzutreten mit dem Antrage,
den ſeinerzeit gefaßten Beſchluß wieder rückgängig zu machen, wird der

zur Beratung geſtellte Antrag mit ſechs gegen fünf Stimmen bei einer
Stimmenthaltung abgelehnt. Die Gemeinnützige Baugenoſſenſchaft,
Wildnis würnſcht Abänderung des in letzter Sitzung gefaßtem Beſchluſ=
ſes
, wonach ſich die Gemeinde an dem entzſtehenden Waſſerableitungskoſten
am alten Dieburger Weg nur dann beteiligt, wenn das Waſſer durch
einen Kanal abgeleitet wird. Der Gemeinderat hat keinen Anlaß, ſeinen
Beſchluß zu ändern, da der Sache wit der geplanten Errichtung eines
offenen Grabens keineswegs gedient iſt. Das Weggelände am alten
Dieburger Weg wird den Anliegern auf weitere neun Jahre zu den
bisherigen Bedingungen überlaſſen. Die Abſchaffung eines abgängi=
gen
Zuchtbullen und eines Faſelebers wird beſchloſſen. Der Antrag
des Bürgervereins zur Einleitung von Verhandlungen zum Anſchluß
an die Gasfernverſorgung wird zur Kenntnis genommen und der Ver=
waltung
als Material überwieſen. Ein weiterer Antrag des Bürger=
vereins
auf Erſtellumg einer Baumallee in der oberen Banhofſtvaße wird
bis zum Herbſte vertagt. Die Anahme eines Bürolehrlings auf dem
Bürgermeiſtereibitro wird genehmigt. Gemeinderat Keil beantragt
die Anſchaffung eines Sprengwagens. Der Gemeinderat ſtehr dem An=
trag
wohlwollend gegenüber und beauftragt die Verwaltung, Angebote
einzuholen.
G. Ober=Ramſtadt, 13. April. Als der älteſte Mam unſeres Ortes
verſtarb hier im Alter von 90 Jahren Herr Karl Schulz 3., der erſt am
2. Oſterſeiertag ſeinen 90. Geburtstag feiern konnte. Er war einer der
wenigen hier noch lebenden Veteranen von 1870/71.
f. Roßborf, 13. April. Nutzholzverſteigerung. Die letzte
Nutzholzverſteigerung im hieſigen Gemeindewald findet am Dienstag,
den 17. ds. Mts., vormittags 9½ Uhr, ſtatt. Näheres ſiehe Anzeigen=
teil
. Aufnahme der Schulpflichtigen. Am Montag,
den 23. ds. Mts., vormittags 9 Uhr, erfolgt die Aufnahme der ſchul=
pflichtigen
Kinder in der Schule Erbacherſtraße. Es kommen in betracht
alle Kinder, die bis zum 30. September 1928 das 6. Lebensjahr zurück=
gelegt
haben. Impfſcheine müſſen bei der Aufnahme mitgebracht werden.
f. Roßdorf, 12. April. Freiwillige Sanitätskolonne.
Am Samstag, den 14. d. M., abends 8 Uhr, findet im Saale Kaffen=
berger
die Schlußprüfung der Freiwilligen Sanitätskolonne vom
Roten Kreuz ſtatt. Alle Intereſſenten ſind hierzu eingeladen.
Groß=Umſtadt, 31. April. Die Aufführung der Johannes=
Paſſion von Heinrich Schütz, geiſtliches Oratorium für Soli, ge=
miſchten
Chor und Orgel durch den Gemiſchten Chor Liederkranz in
der Stadtkirche am Gründonnerstag abend muß als eine Leiſtung an=
geſprochen
werden. Die ſchwierige Aufgabe, die ſich hier der Chor und
ſein Dirigent geſtellt hatten, wurde gut gelöſt. Zur Einleitung gab der
Leiter, Herr Bernd Zeh aus Darmſtadt, ein kurzes Lebensbild des
Vaters der deutſchen Muſik, Heinrich Schütz. Der kleine, gut geſchulte
Chor bewältigte die Chöre tonlich und rhythmiſch recht gut und hob,
wo es dem Inhalt entſprach, den Vortrag zu ausdrucksvoller, teilweiſe
dramatiſcher Geſtaltung. Hervorragend glücklich war die Wahl der
Soliſten. Herr Konzertſänger Landzettel (Darmſtadt) fang den Evan=
geliſten
mit edlem ſprachlichen Ausdruck und dem wunderbaren Wohl=
klang
ſeines lyriſchen Tenors, Herr Opernſänger Ormanns ( armſtadt)
die Worte Jeſu und die Partie des Pilatus mit vollem, ſchönem und
auch in den hohen Lagen angenehmen Baßbariton. Die kleine Mezzo=
ſopranpartie
, von Fräulein Hillrich ſchön geſungen, paßte gut in den
Rahmen ein. Frau Abels=Maſer hatte in dankenswerter Weiſe die
Begleitung am Harmonium übernommen und gewandt durchgeführt.
Auf die ausdrucksvollere Orgelbegleitung mußte leider verzichtet werden,
da die Raumverhältniſſe auf der Orgelempore die Unterbringung des
Chors nicht zuließen. Der Beſuch war gut, hätte aber beſſer ſein kön=
nen
. Warum dieſe Teilnahmsloſigkeit einem Werke gegenüber, das
heute unbeſtrittene Bedeutung in der deutſchen Muſikgeſchichte hat, und
einer Aufführung gegenüber, die ſo viel ſelbſtloſe Arbeit, diel Zeit und
Opferwillen der Au führenden verlangt.
X. Dieburg, 12. April. Der Turnverein Dieburg hatte ſeine Mit=
glieder
auf den Abend des zweiten Oſterfeiertages zu einem Fami=
lienabend
eingeladen, der im Mainzer Hof ſtattfand. Der erſte
Sprecher des Vereins, Herr J. Rödler, begrüßte, nachdem ein Schüler
Clarius einen Vorſpruch vorgetragen und ein Herr Lohnes einen humo=
riſtiſchen
Prolog geſprochen hatte, die Erſchienenen und gab die Gründe
bekannt, weshalb in dieſem Jahre der Turnverein von einer größeren
Feier, insbeſondere Theateraufführung, Abſtand genommen habe, wies
auf den familiären Charakter der Veranſtaltung hin und wünſchte den
Gäſten einen unterhaltſamen Abend. Den Anweſenden wurden man=
cherlei
Darbietungen auf turneriſchem Gebiet vorgeführt, ſo Frei= und
Stabübungen der Turner, Frei= und Geräteübungen der Schüler; die
Turnwarte, die Herren Remſpecher und Chriſt und der Turnvater
Treber, der die kleinſten Turner vorführte, konnten ſpäter den Dank des
Vorſitzenden ernten. Daß die Turnerinnen mit ihren immer gern ge=
ſehenen
hübſchen Reigentänzen nicht fehlen durften, war ſelbſtver=
ſtändlich
. Herr Willi Danz ſorgte am Klavier für die muſikaliſche Un=
terhaltung
. Als Gäſte erſchienen in ihren bayriſchen Trahten Mit=
glieder
des Darmſtädter Volks= und Gebirgstrachtenvereins Almrauſch
und führten urwüchſige Volkstänze vor. Alle Darbietungen fanden ver=
dienten
Beifall.
b. Erbach i. O., 13. April. Elektro=Werbewoche. Im
Mittelpunkt der geſtrigen Abendveranſtaltung ſtand der Vortrag des
Herrn Bürgermeiſters Dengler über Gasfernverſorgung und Entwick=
lung
des ſtädtiſchen Elektrizitätswerkes‟. Die geräumige Feſthalle war
bis auf den letzten Platz beſetzt. Viele mögen wohl weniger dem Thema
des Abends, als den geſanglichem und muſikaliſchen Genüſſen zu Liebe,
die das Programm verſprach, gekommen ſein. Die Ausführungen des
Herrn Referenten gipfelten namentlich darin, daß die Gasfernverſor=
gung
heute wenigſtens für unſer Wirtſchaftsgebiet nichts weiter ſei, als
ein Problem, deſſen Durchführung aber noch gewaltige Schwierigkeiten,
namentlich auf finanziellem Gebiet, entgegenſtänden. Er ſtellt feſt, daß
für uns jetzt und für die nächſte Zukunft das Elektrizitätswerk die ge=
gebene
Energiequelle ſei. Er betont ausdrücklich, daß ſich kein vermünf=
tiger
Menſch der Einführung von Gas widerſetze, daß aber die Einfüh=
rung
bei uns nur dann möglich ſei, wenn unſerer finanziell ſchon über=
laſteten
Gemeinde keine Unkoſten hieubei entſtehen. Auch kann ſelbſtver=
ſtändlich
nur billiges Gas für uns einen Wert haben. Nur von dieſen
Geſichtspunkten aus kann die Einführung von Gas in unſere Gemeinde
überhaupt erwogen werden. Awſchließend brachten muſikaliſche und ge=
ſangliche
Darbietungen den Beſuchern genußreiche Stunden, deren Höhe=
punkt
durch die vorzüglichew Lieder der Sängerim Fräulein Gretel
Bauer von der Stuttgarter Oper erreicht wurde. Auch das beſtbekannte
Quartett des Arbeitergeſangvereins Vorwärts zeigte ſich ſeiwer Auf=
gabe
in gewohnter Weiſe gewachſen. Den muſikaliſchen Teil hatten die
Herren Dr. Beck (Klavier), Käppele ud Stellwag (Violine) übernom=
men
, die ebenfalls Vorzügliches boten. In dem Pauſen verteilte man
verſchiedene Koſtproben an das Publikum, die die vielſeitige Verwend=
barkeit
der elektriſchen Geräte anſchaulich bewieſen. Die Veranſtaltung
wurde gegen 12 Uhr durch Heirn Ing. Käppele geſchloſſen. Feuer=
löſchweſen
. Der diesjährige ordentliche Kreisfeuerwehrtag der frei=
willigen
Feuerwehren des Kreiſes Erbach findet am Sonntag, den 22.

April b. J., nachmittags 2 Uhr, im Gaſthauts Zum Adler in Erbach
ſtatt. Die Tagesordnung, umfaßt verſchiedene wichtige Punkte. Unter
anderem ſpricht Herr Provinzialverbandsvovſitzender Kn über
aktuelle Tagesfragen und Herr Bürgermeiſte Dengler über die in Aus=
ſicht
ſtehende Unfallverſicherung der Feuevwehr. Vor Beginm der Tagung,
nachmitdags 1 Uhr, wird die Erbacher Wehr eine Uebung abhalten. Mit
einem zahlreichen Beſuch der Vertreter der Wehren und der Gemeindem
wird gerechnet.
* Hirſchhorn, 13. April. Waſſerſtand des Neckars am
12. April: 0,98 Meter; am 13. April: 1,64 Meter.
Ag. Linbenfels, 12. April. Aus dem Gemeinderat. Wie
in ſeitheriger Weiſe ſollen auch in dieſem Jahre die gemeinheitlichen
Fuhrleiſtungen an den Wenigſtfordernden vergeben werden. Der
Rückkauf von Holz im Bruchgelände wird nach dem Vorſchlag von der
Forſtbehörde genehmigt. Von einem edlen Spender, der nicht ge=
nannt
ſein will, wurden die Zeichnungen und Skizzen für ein neues
Friedhofsportal dem Kollegium gezeigt. Die Entwürfe ſind als gut
gelungen zu bezeichnen und fanden einſtimmigen Beifall. Die Aus=
führung
der Arbeiten wird demnächſt erwartet, wobei auch die Fries=
hofserweiterung
mit in Angriff genommen wird. Bei den kürzlich,
vorgenommenen Arbeiten an der Waſſerleitung in der Gumpenerkreuz=
ſtraße
iſt der Unternehmer unerwartet auf Felſen geſtoßen. Eine hier=
mit
begründete Nachforderung wurde genehmigt. Der Verſchönerungs=
und Verkehrsverein hat ſich mit einer Eingabe an die Gemeinde ge=
wandt
, um einen neuen, gut fahrbaren Weg nach dem Schwimmbad
anzulegen. Nachdem das Gelände Eigentum der Gemeinde iſt und der
Verein die ganzen Einrichtungen mit eigenem Geide beſchafft hat, kann
der Gemeinderat nicht umhin, die weitgehendſte Unterſtützung zuzu=
billigen
. Der Verſchönerungsverein wird beauftragt, geeignete Pläne
der Gemeindeverwaltung vorzulegen. Der Wirtſchaftsverband bil=
dender
Künſtler Deutſchlands, Gau Heſſen, hat auh in dieſem Jahre
wieder die Abſicht, in der Turnhalle eine Kunſtausſtellung zu veran=
ſtalten
. Die Ausſtellung ſoll ähnlich gehalten werdeu wie in früheren
Jahren, und Lindenfels iſt deswegen wieder gewählt worden, weil von
ſeiten der Bevölkerung, der Paſſanten und Kurgäſte im letzten Jahre
reges Intereſſe entgegengebracht worden iſt. Dieſe Veranſtaltung ſoll
vor allem den Künſtlern unſeres Heimatgebietes Gelegenheit geben,
ihre im Winter hergeſtellten Arbeiten zu zeigen ud nach Möglichkeit
abzuſetzen. Die Gemeinde Lindenfels läßt nunmehr mit Unter=
ſrützung
der Provinz Starkenburg Kleinpflaſter innerhalb der Orts=
durchfahrt
herſtellen. Die hierdurch notwendige bedingte Finanzierung
wird durch eine Anleihe gedeckt. An Stelle der früher verwendeten
Zementrandſteine wurden dieſelben aus Granit gewählt, welche aus
einem benachbarten Steinbruch geliefert werden.
A. Schlierbach, 13. April. Konfirmation. Kommenden Sonn=
tag
werden nach alter Sitte die Konfirmanden und Konfirmandinnen
unſeres Kirchſpiels vorgeſtellt. Es ſind dieſes Jahr 18 Knaben und
27 Mädchen, alſo 45 Kinder, davon aus Ellenbach 12, Lauten=Weſchnitz
7, Winkel 5, Glattbach 5, Schlierbach 4, Breitenwäſen, Erlenbach, Euls=
bach
und Scheuerberg je 2, Kolmbach, Schannenbach, Seidenbach und
Seidenbuch je 1. Aus den Filialen Jgelsbach, Knoden, Linnenbach und
Mittershauſen kommen dieſes Jahr keine Kinder zur Konfirmation.
Bl. Fürth, 12. April. Maſſenauflaß von Brieftauben.
Am Sonntag morgen, am 15. April, werden die hieſigen Einwohner
ein ſeltenes Schauſpiel genießen. Die Brieftaubenvereimgung Bens=
heim
und Umgebung, zu der die Vereine von Bensheim, Bickenbach,
Heppenheim, Lorſch, Kleinhauſen, Viernheim und Lindenfels gehören,
läßt nämlich am Bahnhof 20003000 Brieftauben los. Der Auflaß
wird nicht vor 9 Uhr morgens erfolgen. Da ſich die kleinen geflügelten
Boten während des Krieges draußen im Felde viele Freude erwor=
ben
haben, wird das Intereſſe an dieſem Schauſpiel naturgemäß ſehr
groß ſein. Am folgenden Sonntag, den 22. April, werden dieſelben
Tauben in Wald=Michelbach aufgelaſſen.
H. Aus dem Weſchnitztal, 13. April. Blütenflor. Auch in un=
ſerem
Tale zeigen jetzt die Bäume ihren Blütenſchmuck. Kirſchen,
Pflaumen und Aprikoſen haben ihre reichen Blütenhüllen entfaltet.
Zwetſchen=, Birn= und Apfelbäume ſind mit der Entfaltung ihrer Blü=
ten
noch zurück. Infolge des herrlichen Wetters haben die Landwirte
bereits mit dem Stecken der Kartoffeln begonnen.
Bm. Hofheim (Ried), 12. April. Das vierjährige Töchterchen eines
hieſigen Bahnbedienſteten wurde bei einem Familienſpaziergang von
einem Radfahrer zu Boden geſchleudert, daß es ein Bein brach, und noch
weitere Verletzungen davontrug. Der Radfahrer fuhr umbekümmert
weiter, ſo daß ſeine Perſonalien nicht feſtgeſtellt werden konnten.
* Gernsheim, 13. April. Waſſerſtand des Rheins am
12. April: 0,03 Meter; am 13. April: 0,01 Meter.
z. Rüſſelsheim, 12. April. Ausarbeitung eines Stadt=
bauplanes
. Die Stadtverwaltung hat baureifes Gelände
in großem Umfange evworben und überläßt es den Bauluſtigen zu billi=
gem
Preiſe, wenn innerhalb 2 Jahren gebaut wird. Durch die weiteren
Vergrößerungen der Opelwerke rechnet man innerhalb
eines Jahrzehntes mit einer Verdoppelung der Einwohnerzahl. Die
Stadt läßt daher durch einen Baufachmann einen, allen Anforderungen
des neuzeitlichen Städtebaues angepaßten Stadtbauplan aus=
arbeiten
.
Ac. Worms, 12. April. Tagung der heſſiſchen Licht=
ſpieltheaterbeſitzer
. Vorgeſtern fand hier die diesjährige
Mitgliederverſammlung des Landesverbandes der Lichtſpieltheaterbeſitzer
von Heſſen und Heſſen=Naſſau ſtait, die neben einer größeren Zahl
interner Angelegenheiten ſich mit der Frage der Vergmigungsſteuer
befaßte und eine Entſchließung annahm, in der die verſchiedenen Wünſche
der Verſammlung zuſammengefaßt wurden. Außerdem wurde in einem
Vortrage die Frage der kommenden Wahlkämpfe behandelt und davor
gewarnt, mit den Parteien zu verhandeln, wie ſie ſich zu der Film=
indnſtrie
ſtellen. Beſſer ſei in jedem Falle mit der Regierung unmittel=
bar
zu verhandeln, denn das Verlangen, daß eine Partei ſich für die
Filminduſtrie einſetze, habe unweigerlich als Gegenleiſtung die For=
derung
zur Folge, Wahlfilme in den Kinos zu zeigen. Dies ſei aber
der Anfang der Parteikinos, was unter allen Umſtänden vermieden
werden müſſe, deshalb ſei im Wahlkampf vollſtändige Neutralität er=
forderlih
. Der Arbeitsm arkt zeigte in der letzten Woche eine
weitere Beſſerung. Die Zahl der Arbeitsloſen iſt erneut um etwa 5
Prozent auf 2900 geſunken, doch wurden in vielen Fällen Einſtellungen
nur auf kurze Zeit vorgenommen. Die Belebung in den Außenberufen
hält an.
Ah. Spiesheim (Rhh.), 11. April. 40. Jubelfeier. Der Ge=
ſangverein
Sängerbund Spiesheim, der dem Gau Alzey des
Heſſiſchen Sängerbundes nach deſſen jetzt erfolgten Gründung beige=
treten
iſt, begeht im kommenden Jahre ſeine 40. Jubelſeier und veran=
ſtaltet
aus dieſem Anlaß einen nationalen Geſangwettſtreit. Als Feſt=
tage
wurden der 8., 9. und 10. Juli feſtgelegt. Die Eindweihung der
neugeſchaffenen Sängerhalle wird am 13. Mai ds. Js. vor ſich gehen.

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Seite 8

Nachrichten des Standesamts Darmſiadt.
Geſtorbene. Am 5. April: Eliſabeth Röcker. Diakoniſſe, ledig,
33 J., Erbacher Str. 25. Wilhelm Heinrich Ludwig Friedrich Schaaf,
Forſtrat i. R., 61 J., Aliceſtr. 25. Georg Pfeiffer, Fabrikarbeiter,
58 J., Arheilger Str. 48. Am 6. April: Johannes Mehring. Ueber=
wachungsbeamter
i. R., 54 J., Eſchollbrücker Str. 3. Adelbert Paui
Heime, Student, ledig, 21 J., Hermannſtr. 17. Erika Marie. Lena
Hegewald, 5 J., Michaelisſtr. 18. Am, 7. April: Chriſtine Adami, geb.
Hedderich, 79 J., Witwe des Zugführeus i. R., Landskronſtr. 63. Am
6. April: Richard Theodor Alfred Cgeſar, Generalagent, 69 J., Kies=
ſtraße
89. Adam Weimar, Privatdiewer, 72 J., Blumenthalſtr. 35. Am
8. April: Heinrich Johann Daniel Seibel, Prokuriſt, 75 J., Gutenberg=
ſtraße
6. Am 7. April: Johann Luhwig Knecht, Maurer, 57 J., Offen=
thal
, hier Grafenſtr. 9. Peter Reeg, Fabrikarbeiter 62 J., Grohberg=
Kolonie 7e. Am 8. April: Hans Vernhard Baumeiſter, 9 Mon., Mol=
denhauerweg
15. Am 7. April: Eliſabethe Richter, geb. Schimpf, 71 J.,
Witwe des Gaſtwirts, Nieder=Weiſel, hier Lichtenbergſtr. 71. Am
8. April: Maria Margarete Schüler, geb. Schnellbächer, 58 J., Ehe=
frau
des Werkhelfers, Ahaſtraße 14. Am 7. April: Irma Marie Emilie
Anna Eliſe Leißler, geb. Werkh, 33 J., Ehefrau des Regierungsbau=
meiſters
, Ludwvigshöhſtr. 1. Am 10. April: Marie Lamp, geb. Schmitt,
81 J., Witwe des Poſöſchaffners, Gervinusſtr. 47. Am 9. April: Chri=
ſtoph
Jakob Schneiker, Landwirt, 58 J., Dornheim, Kr. Groß=Gerau.
Am 10. April: Bartholomäus Jacoby, Schloſſer, 60 J., Große Bach=
gaſſe
6. Georg Wilhdm Emig, Hilfsarbeiter, Große Bachgaſſe 14.
Anna Margarete Cardung, geb. Fey, 86 J., Witwe des Werkmeiſters,
Viktoriaſtr. B. Am 11. April: Friedel Rohrbach, 3 Mon Beſſunger
Str. 88½. Am 10. April: Marie Magdalene Karoline Briſchkofsky,
geb. Dern, 66 J., Wütwe des Dentiſten, Saalbauſtr. 8. Am 11. April:
Katharina Eliſe Gerbig, geb. Knopp, 83 J., Witwe des Landwirts,
Liebigſtraße 43. Am 12. April: Johann Chriſtian Auguſt Wörißhoffer,
Eiſenbahniekretä= i. R., 73 J. Kittlerſtr. 36. Am 11. April: Georg
Leonhard Heß, Gilfsarbeiter, 50 J., ledig, Mühlſtr. 39.

Kirchliche Nachrichten
Evangeliſche Gemeinden.
Sonntag Quaſimodogeniti (15. April 1928).
Stadtkizche. Samstag, 14. April, abends 8,30 Uhr: Andacht.
Sonntag, 15. April, vorm. 9 Uhr: Chriſtenlehre für die Markus=
gemeinde
. Pfarrer Vogel. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer
Wagner.
Stadtkapelle. Vorm. 8,30 Uhr: Morgenandacht. Pfarrer Heß.
Vorm. 9 Uhr: Chriſtenlehre für die Kaplaneigemeinde. Pfarrer Heß.
Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfärrer Heß. Abends 6 Uhr:
Abendgottesdicnſt. Pfarraſſiſtent Du. Wendel.
Schloßkirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Bergér.
Konfirmandenſaal im Schloß. Sonntag, 15. April, abends 8 Uhr:
Chriſtlicher Zugendverein. Montag, 16. April, abends 8 Uhr:
Jugendvereinigung der Stadtgemeinde (jüngere Abteilung), Poſaunen=
chor
. Dieistag, 17. April, abends 8 Uhr: Mädchenvereinigung der
Schloßgemeinide. Mittwoch, 18., und Samstag, 21. April, nachm. 2
bis 4 Uhr: Handarbeitsſchule der Stadtgemeinde.
Gemeindehaus (Kiesſtraße 17). Sonntag, 15. April, vorm. 9 Uhr:
Chriſtenlehye für die Reformationsgemeinde=Oſt. Pfarrer Lauten=
ſchläger
; 11.15 Uhr: Chriſtenlehre für die Reformationsgemeinde=Weſt.
Pfarrer Wagner. Abends 8 Uhr: Jugendvereinigung der Stadt=
gemeinde
(ältere Abteilung). Montag, 16. April, abends 8 Uhr:
Jugendbuud der Lukasgemeinde. Dienstag, 17. April, abends 8 Uhr:
Kirchenchor der Stadtkirche. Jugendvereinigung der Stadtgemeinde
(jüngere Ableilung). Mädchenvereinigung der Reformationsgemeinde
(füngere Abteilung). Mittwoch, 18. April, nachm. 3 Uhr: Jungſchar
der Stadtgemeinde, Gruppe 2. Abends 8 Uhr: Kirchenchor der Stadt=
kapelle
und Schloßkirche. Jugendbund der Markusgemeinde (ältere
Abteilung). Mädchenvereinigung der Reformationsgemeinde (ältere
Abteilung). Donnerstag, 19. April, abends 8 Uhr: Jugendbund der
Lukasgemeinde (Singkreis). Freitag, 2. April, abends 8 Uhr:
Mütterabend der Stadtgemeinde. Jugendbund der Kaplaneigemeinde.
. Jugendbud der Markusgemeinde (jüngere Abteilung). Samstag,
21. April, machm. 3 Uhr: Jungſchar der Stadtgemeinde, Gruppe 2,
Sportplatz am alten Arheilger Weg.

Samstagrden 44:April 1928
Feierabend Stiſtsſtraße 51). Mittzuoch, 18, und Samstag, 21. Aprik,
nachm. 4 Uhr: Jungſchar der Stadtgemeinde Gruppe 1.
Amtshandlungen an Auswärtigen: Pfarrer Marx.
Krunkenpflege durch Diakonen: 1. Hauptſtation Heidelbergerſtr. 21,
Fernſprecher 2883; 2. Nebenſtation Mauerſtraße 5 (in der Kleinkinder=
ſchule
der Martinsgemeinde).
Edang Wohlfahrtsdienſt: Gemeindehaus, Kiesſtraße 17. Sprech=
ſtunden
vormittags von 1012 Uhr. Fernſprecher 2379.
Gemeindeamt für kirchliche Steuerangelegenheiten: Gemeindehaus,
Kiesſtraße 17, Vorderhaus, 1 Treppe. Geſchäftsſtunden vorm. von
812 und nachm. von 36 Uhr. Fernſprecher 2379.
Martinskirche. (Kollekte für kirchliche Zwecke.) Samstag, 14. April,
abends 6 Uhr: Beichte und Vorbereitung zum heiligen Abendmahl.
Pfarrer Köhler. Sonntag, 15. April, vorm. 8,30 Uhr: Chriſtenlehre
für die Weſtgemeinde, 2. Abteilung, im Gemeindehaus. Pfarrer Bergér.
Vorm. 9 Uhr: Konfirmation der zweiten Konfirmandenabteilung
der Oſtgemeinde mit Abendmahlsfeier. Pfarrer Köhler. Nachm.
2 Uhr: Kindergottesdienſt für die Weſtgemeinde. Pfarrer Bergér.
Mittwoch, 18. April, abends 8 Uhr, im Martinsſtift: Bübelſtunde über
2. Korinther, Kap. 1.
8 Uhr, im Gemeindehaus: Mädchenvereinigung Weſt; im Martinsſtift: Neiſe nach der Süidſee‟.)
Monatsverſammlung des Frauenvereins. Dienstag, 17. April, abends
8 Uhr, im Gemeindehaus: Jugendvereinigung; im Martinsſtif:;
Kirchenhor. Donnerstag, 19. April, abends 8 Uhr, im Gemeinde= Eliſabethenſtraße), Sonntag, 15. April, vorm. 10 Uhr: Menſchenweihe=
haus
: Mädchenvereinigung Weſt; im Martinsſtift: Mädchenvereinigung handlung mit Predigt. Vorm. 11,15 Uhr: Kinder=Sonntagshandlung.
Oſt; Mauerſtraße 5: Poſaunenchor. Freitag, 2. April, abends 8 Uhr,
im Gemeindehaus: Jugendvereinigung (ältere Abteilung); im Martins=
ſtiſt
: Mütterabend Oſt.
Johanneskirche. Samstag, abends 89 Uhr: Chriſtenlehre der
Konfirmanden des Südbezirks in der Kirche. Pfarrer Goethe. Sonn=
tag
, vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer, Goethe. Vorm.
11,15 Uhr: Kindergottesdienſt.
Die Johanueskirche iſt wochentags von 77 Uhr zu ſtiller Andacht
geöffnet.
Paul=Gerhardt=Haus (Gemeindehaus der Waldkolonie). Vormittags
10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarraſſiſtent Georgi. Vorm. 11,15 Uhr:
Kindergottesdienſt.
Chriſtenlehre. Sonntag, 15. April, abends 8 Uhr: Konfirmanden=
abend
mit Lichtbildervortrag über den Teutoburgerwald. Mittwoch,
18. April, abends 8,15 Uhr: Lichtbildervortrag von Herrn Dr. Krämer
über: Bali, die Märcheninſel. Donnerstag, 19. Appil, ahends 8 Uhr:
Mütterabend.
Beſſunger=Kirche (Petrusgemeinde). Samstag, abends 8 Uhr: Vor=
bereitungsgottesdienſt
für das Konfirmationsabendmahl. Sonntag, Uhr, im Feierabend, Stiftſtr. 51: Bibelſtunde. Prediger Loos= Frank=
rorm
. 9,30 Uhr: Konfirmation der Kinder des Oſtbezirks mit Feier furt a. M.
des heiligen Abendmahls. (Kollekte für den Kindergottesdienſt.) Der
Kindergottesdienſt fällt aus. Abends 8,15 Uhr: Jugendvereinigung:
Dienstag, abends 8,15 Uhr: Kirchenchor. Freitag, abends 8,15 Uhr:
Kirchenchor.
Pauluskirche. Vorm. 9,30 Uhr: Konfirmationsfeier mit Abendmahl.
Pfarrer Rückert. (Kollekte für die Paulustirche.) Nachm. 5 Uhr: Nack mation der Mädchen mit hl. Abendmahl. Mentag, 8 Uhr: Mädchen=
feier
mit Austeilung der Bedenkſheine. Pfarrer Nückert. Abends
Dienstag, abends 8 Uhr: Kirchenchor. Mittwoch, abends 8 Uhr: In der Provinzial=Pflege=Anſtalt Gottesdienſt 1,30 Uhr.
Sitzung der Gemeindevertretung. Samstag, abends 8 Uhr: Turnen
der Jugendvereinigung.
Stiftskirche, Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Waldeck. turm. 930 Uhr: Hauptgottesdienſt. 1030 Uhr: Chriſtenlehre.
Vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt. Evang, Sonntagsverein. Nach= Montag: Frauenverein. Dieustag; Kirchengeſangverein und Poſau=
mittags
47 Uhr: Vereinsſtunden. (Bei ſchönem Wetter Spaziergang.) mähchenverein,
Donnerstag, 19. April, abends 8 Uhr: Betſtunde.
Luth. Gottesdfenſt (Selbſtändige evang.=luth. Kirche) an Quaſimodo=
geniti
, 15. April, im Feierabend, Stiftſtraße 51: 2,30 Uhr: Beichte,
10 Uhr: Predigtgottesdienſt und hl. Abendmahl. Pfarrer Franke,
Frandfurt.
Vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt. Nachm. 3,30 Uhr: Bibel= heit zur hl. Beichte. 7 Uhr: Frühmeſſe. Vor und in der hl. Meſſe
ſtunde. Anders=Semmel. Abends 8 Uhr: Konfirandenabend mit
muſikaliſchen und deklamatoriſchen Darbietungen. Montag, nachm. Kinderkommunion. 10 Uhr: hl. Meſſe. Nachm. 3 Uhr: Predigt und
4 Uhr: Miſſionsarbeitsſtunde. Dienskag, nachm. 4 Uhr: Frauen= Andacht. Werktagsmeſſe 7 Uhr.
bibelſtunde. Abends 8,30 Uhr: Kriegerdankbund. Mittwoch, abends

Nummer 104

830 Uhr: Gem. Chor. Donnerstag, abends 8.15 Uhr: Lieder=Abend.
Horn=Quartett: Pfarrer Kalbhenn und Söhne. Freitag, abends
8.30 Uhr: Bibelſtunde in der Kinderſchule, Beſſunger Str. 80. Prediger
Semmel. Samstag, abends 8.30 Uhr: Poſaunenchor.
Jugendbund für E. C. (Mühlſtr. 24). Sonntag, nachm. 2,30 Uhr:
Bibelbeſprechſtunde für junge Männer. Nachm. 4,45 Uhr: Bibel=
befprechſtunde
für Mädchen. Abends 8 Uhr: Konfirmandenabend.
Dienstag, abends 8,30 Uhr: Mädchenkreis. Mittwoch, abends 8,15
Uhr: Freundeskreis für junge Männer. Donnerstag, abends 8 Uhr:
Gebetsſtunde für junge Männer.
Chriſtlicher Verein junger Mäuner e. V. (Alexanderſtraße 22, In=
fanteriekaſerne
, Hof lints.) Sonntag, 15. April, vorm. 9 Uhr: Tätige
Mitgliederverſammlung. Nachm. 24 Uhr: Handballſpiel auf unſe=
vem
Sportplatz. Abends 8 Uhr: Konfirmandenabend. Montag,
16. April, abends 8,30 Uhr: Bibelbeſprechung (J.=C.). Dienstag,
17. April, abends 8 Uhr: Poſaunenſtunde. Mittwoch, 18. April,
nachm. 4 Uhr: Jungſcharſtunde. (Sport auf unſerem Spielplatz.)
Abends 8,30 Uhr: Bibelbeſprechſtunde. Donnerstag, 19. April, abends
8 Uhr: Heimabend. Freitag, 20. April, abends 8 Uhr: Turnen und
Körperſchule (Ludwigsoberrealſchule). Samstag, 21. April, nachm.
Martinsgemeinde (Verſammlungen). Montag 16. April, abends 4 Uhr: Jungſcharſtunde. (Lichtbilderoortrag von Herrn Zinſel: Meine
Die Chriſtengemeinſchaft (in der Städt. Akademie für Tonkunſt,
Freitag, 20., und Samstag, 21. April, abends 8,15 Uhr: Albrecht
Dürers Botſchaft an das Chriſtentum, zwei zuſammenhängende Licht=
bildervorträge
aus Anlaß von Dürers 400. Todestage. Martha
Heimeran).
Sonſtige Gemeinſchaften.
Chriftl. Verſammlung, Zimmerſtraße 4. Sonntag, vorm. 11 Uhr:
Kinderſchule. Nacm. 4,30 Uhr: Wortverkündigung. Mittwoch,
abends 8,15 Uhr: Gebetsſtunde. Freitag, abends 8,15 Uhr: Wort=
betrachtung
. Jeder herzlich eingeladen.
Gemeinde gläubig getaufter Chriſten (Baptiſten), Mauerſtraße 17.
Sonntag, 15 April, 10 Uhr: Gottesbienſt. Prediger Rudnitzky. 11 Uhr:
Sonntagsſchule. Hr. dan der Smiſſen. 16 Uhr: Gottesdienſt. Prediger
Veranſtaltungen. Samstag, 14. April, abends 8 Uhr: Rudnitzky. Mittwoch, 18. April, 20,15 Uhr: Bibelſtunde. Jedermann
iſt herzlich eingeladen.
Chriftliche Gemeinſchaft Darmſtadt (Mollerſtraße 40) Sonntag, den
15. April, vormittags 9½ Uhr: Andacht. Nachmittags 3½ Uhr: Jugend=
bund
. Abends 8½ Uhr: Erangeliſation Mittwoch, abends 8½4
Uhr: Bibelſtunde. Jedermann herzlich willkommen.
Möttlinger Freundeskreis. Montag, den 16. April, abends 8,39
Auswärtige Kirchen.
Evang. Kirche zu Nieder=Ramſtadt. Sonntag, 15. April (Quaſimodo=
Lichtbildervortrag. Montag, abends 8,15 Uhr: Mädchenverein. geniti), vorm. 9,30 Uhr: Hauptgottesdienſt. Vorm. 10,30 Uhr: Chriſten=
lehre
. Montag; Jugendvereinigung und Jungmädchenverein.
Dienstag: Kirchenchor. Mittwoch: Jungmädchenverein.
Evang. Kirche zu Eberſtadt. Sonntag, 15. April, 9,30 Uhr: Konfir=
vereinigung
. Mittwoch, 8 Uhr: Kirchengeſangverein. Donners=
8 Uhr: Jugendvereinigung. Montag, abends 8 Uhr: Jugendbund, tag, 8 Uhr: Wartburgverein. Freitag, 8 Uhr: Poſaunenchor.
Evang. Gemeinde zu Roßdorf. Sonntag Quaſimodogeniti, 15. April,
nerſchor. Mittwoch: Jugendbund Wartburg. Donnerstag: Jung=
Katholiſcher Gottesdienſt.
15. April (Weißer Sonntag).
St. Liebfrauen (Klappacherſtraße). Vor Sonn= und Feiertagen:
Nachmittags von 57 Uhr und abends von 8 Uhr an Beichtgelegen=
Stadtmiſſion (Mühlſtr. 24). Sonntag, vorm. 9 Uhr: Gebetsſtunde. heit. An Sonn= und Feiertagen; Vormitrags von 6 Uhr an Gelegen=
Austeilung der hl. Kommunion. 8 Uhr: Hochamt mit Predigt und
Martinskapelle (Herdweg). Kein Gottesdienſt.

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Im Namen der trauernd. Hinterbliebenen:
Familie Ludwig Götz.
Darmſtadt, den 13. April 1928
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Die Beerdigung findet Montag,
den 16. April, nachmittags 3½ Uhr,
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nachm, in der Synagoge Friedrichstraße.
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Aſſen Verwandten, Freunden und Bekannten die
traurige Nachricht, daß heute Nacht mein lieber Mann,
unſer gufer Vater, Bruder, Schwager und Onkel.
Hert Fritz Praun
von ſeinem ſchweren, mit großer Geduld ertragenem
Leiden im Alter von 59 Jahren durch einen ſantten Tod
erlöſt wurde.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Louiſe Braun, geb. Schnellbacher
Louiſe Braun
Wilhelm Braun.
Darmſiadt, den 13. April 1928.
Die Beerdigung findet auf Wunſch des Entſchlafenen in
der Stille ſtatt.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne des Verſiorbenen.
Beileidsbeſuche dankend verbeten. *10092

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Ableben ihres lieben ja. B.
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geziemend in Kenntnis zu ſetzen.
Die Darmſtädter Burſchenſchaft
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Nummer 104

Samstag, den 14. April 1928

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Samstag, den 14 April 1928

Nummer 104

Oporl, Spier und Tarnen.
Handball.
Fußball.

Sportverein Darmſiadt 1898 Phönix
Ludwigshafen.
Nach Pfalz Ludwigshafen wird am morgigen Sonntag ein weiterer
Vertreter des Rheinbezirks in Darmſtadt gegen die Ber antreten. Daß
man im Sportverein 98 für die Privatſpiele mit Vorliebe muf die Geg=
ner
zurückgreift, mit denen man in früheren Jahren dieſelbe Bezirks=
zugehörigkeit
teilte, iſt wohl in erſter Linie darauf zurückzuführen, daß
man nach den keineswegs guten Erfahrungen in der neugebildeten Main=
gruppe
die Einſicht gewonnen hat, daß gerade die Mannheim= Ludwigs=
hafener
Vereine, obwohl auch ihre. Spielwveiſe hauptſächlich dem Kampf=
gedanken
des Fußballſpieles Rechnung trägt, durch eine in langen Jah=
ren
erzielte ſportliche Erziehung die Gewähr für ſportlich einwandfreie
und hochſtehende Spiele bieten. Phönix Ludwigshafen hat in den letzten
Jahren ſtets mit wechſelndem Erfolg gegen die Darmſtädter gekäwpft.
Man entſinnt ſich wohl noch der hohen Niederlagen, die in den erſten
Jahren der Bezirksligazugehörigkeit in Ludwigshafen von den Lilien=
trägern
hingenommen werden mußten, während dieſe ſich auf eigenem
Platze mit allerdings ganz knappen Siegen revanchierten. Im Spieljahr
1926/27 gelang dem Darmſtädtern zum erſten und einzigen Male ein
3:2 Sieg in Ludwigshafen, wofür dann Phönix Ludigshafen die Darm=
ſtädter
am Böllenfalltor mit 4:0 hineinlegte. Dieſe hohe Niederlage
haben die 98er im morgigen Privatſpiel wettzumachen. Ob ihnen dies
gelingt, iſt jedoch eine andere Frage. Wenn auch Phönix Ludwigshafen
nicht unter den drei Tabellenerſten des Rheinbezirkes zu finden iſt
eine kurze Mannſchaftskriſe brachte den Verein, der faſt die ganze Spiel=
zeit
hindurch den zweiten Tabellenplatz hielt, um den an ſich verdienten
Erfolg ſo hat dieſe Elf doch noch nichts von ihrem Können eingebüßt.
Erſt am Oſterſonntag erkämpfte Phönix einen 8:1 Sieg gegen eine der
beſten holländiſchen Mannſchaften (Groningen). Immer noch ſtützt ſich
die Phönixelf auf ihre bewährten Spieler Gebr. Weber, Bauer, Gußner,
Schmoll und Hahn. Die Darmſtädter werden in dem bevorſtehenden
Spiel, das auf halb 4 Uhr angeſetzt iſt, zeigen können und müſſen, daß
die Formperbeſſerung des letzten Sonntags nicht nur eine vorübergehende
Erſcheinung, ſondern der Beginn einer Aufwärtsentwicklung war. Auf
jeden Fall bietet Phönix Ludwigsbafen einen wirklichen Prüfſtein für das
Können der 98er. Vor dem Ligafußballſpiel findet auf dem Haupt=
kampffeld
em Handkallverbandsſpiel um die Bezirksjugendmeiſterſchaft
ſtatt; die erſte Handballjugend der 98er trifft dabei auf die erſte Jugend=
mannſchaft
von VfR. Schwanheim.
Sportverein 98 (Jugend).
1. Jgd. 1. Jgd. Münſter, dort; 2. Jgd. 1. Jgd. Griesheim,
hier, 1,30 Uhr; 3. Jgd. 4. Jgd. Sportverein 98, hier, 10 Uhr;
1. Schüſer 1. Schüler Dieburg, dort; 2. Schiiler 3. Schiiler Sport=
verein
98, 2.30 Uhr.
V. f. R. Sportkl. Viktoria Grieshemm.
Kommenden Sonntag empfängt die erſte Mannſchaft der Raſen=
ſpieler
die Ligamannſchaft von Viktoria Griesheim zum fälligen Rück=
ſpiel
. Gerade dieſes Spiel wird mit Spanpung erwartet, konnte doch
VfR. die Viktorianer auf eigenem Platz mit einer Niederlage abfertigen,
was während der Verbandsſpiele nur wenigen Mannſchaften des Kreiſes
Starkenburg gelungen iſt. Gewiß wird ſich Griesheim im Rückſpiel mit
Revanckegedanken befaſſen, ob es ihm jedoch gelingt, liegt ganz an der
VfR.=Mannſchaft, welche in den bisherigen Privatſpielen eine bedeutende
Formverbeſſerung an den Tag legte, wir erinnern hier nur an den
Sieg gegen Weinheim. Das Spiel findet vorm. 10,30 Uhr auf dem
Exerzierplatz (D. J.K.) ſtatt, und iſt ſo jedermann die Gelegenheit ge=
boten
, ſich das intereſſante Treffen anzuſehen.
Die zweite Mannſchaft trifft in ihrem vorletzten Verbandsſpiel auf
die gleiche Mannſchaft von FC. Eintracht auf dem Finanzamtplatz, vorm.
9,30 Uhr. Dieſes Spiel iſt für die Meiſterſchaft von ausſchlaggebender
Bedeutung, und wird hier V5R. keine hervorragende Rolle ſpielen kön=
nen
, da die Manuſchaft ziemlich geſchwächt anzutreten gezwungen iſt.
Die dritte Mannſchaft ſowie die Schüler ſind ſpielfrei, während die
zweite Jugend nachm. 1½ Uhr auf dem Exerzierplatz ihr letztes Pflicht=
ſpiel
gegen Arheilgen austrägt.
Union Darmſtadt Starkenburgia Heppenheim.
Auf dieſes intereſſante Treffen ſei hiermit nochmals hingewieſen.
Union tritt mit folgender Mannſchaft an:
Flaig
Weißmantel Rückert
Seelbach Frdr. Noller Beck
Friedrich Bopp Mühlbach Frey Arnold
Es iſt dies mit Ausnahme des Rechtsaußen dieſelbe Mannſchaft,
mit der der Verein ſo erfolgreich die auswärtigen Privatſpiele abſolvierte.
Erinnert fei auch an die ebenbürtige Spielweiſe der Heppenheimer,
durch beſondere Schnelligkeit und Eifer ausgeprägt und Fairneß, der
ſich die Mannſchaft überall befleißigt, womit ein ſchöner und ſpannender
Spielverlauf gewährleiſtet wird, deſſen Beſuch ſich beſtimmt lohnt. Das
Spiel beginnt um 3 Uhr auf dem Sportplatz Heidelbergerſtraße ( Renn=
bahn
). Vorher, 1,30 Uhr, ſpielen die Reſervemannſchaften beider
Vereine.
Rot=Weiß 1. Fußballſportverein Seeheim 1.
Am Sonntag morgen halb 11 Uhr ſtehen ſich obige Mannſchaften
zu einem Privatſpiel auf dem Platz an der Rheinallce gegenüber. Das
Vorſpiel konnte Seeheim mit 3:2 für ſich entſcheiden. Ein Maßſtab
für die Spielſtärke von Rot=Weiß kann dies aber nicht ſein, da die
Mannſchaft mit reichlich Erſatz antrat. Seeheim aber iſt trotzdem ein
uicht zu verachtender Gegner, deſſen Hauptſtärke in der Hintermann=
ſchaft
, vor allem aber in ihrem Klaſſe=Torwart liegt. In den diesjähri=
gen
Verbandsſpielen war die Mannſchaft von viel Pech verfolgt und iſt
wahrſcheinlich der Abſtieg in die B=Klaſſe unvermeidlich. Die Berichte
über Seeheim während der Verbandsſpielſaiſon aber ließen klar erken=
nen
, wie ſchwer es manchen Vereinem hielt, gegen den Fußballſportver=
ein
Punkte zu erobern. Rot=Weiß tritt zu dieſem Spiel komplett an,
und dürfte ein Beſuch bei der fairen Spielweiſe beider Mannſchaften zu
empfehlen ſein.
Spielvereinigung 1921, Darmſtadt.
Morgen nachmittag herrſcht auf dem Sportplatz Windmühle
(Ecke Gräfenhäuſerweg und Pallaswieſenſtraße) Hochbetrieb. Mit drei
Mannſchaften wurde die Sportabteilung der Freien Turner=
ſchaft
Trebur bei Mainz nach Darmſtadt verpflichtet. Das Spiel
der 1. Mannſchaften beginnt um 3 Uhr. Hier hat ſich die Spielver=
einigung
für eine beim Vorſpiel in Trebur erlittene 6:2=Niederlage zu
revanchieren. Trebur, eine körperlich ſtarke und techniſch gute Mann=
ſchaft
, hat ſich in den vergangenen Serienſpielen gut geſchlagen. Auch
in Freundſchaftsſpielen hat die Mannſchaft ſchon ihr Können bewieſen,
mußte aber in letzter Zeit einige Niederlagen hinnehmen. Daß Trebur
nicht gewillt iſt, weitere Verluſte zu erleiden, werden ſie morgen ſchon
beweiſen. Es wird zweifellos zu einem ſchönen Spiel kommen, deſſen
Beſuch nur empfohlen werden kann. Vor dem Spiel der 1. Mann=
ſchaften
ſtehen ſich um 1.30 Uhr die 2. Mannſchaften gegenüber, während
das Treffen der Jugend um 12.30 Uhr beginnt.

Turngemeinde Darmſtadt 1846 Turnverein Vorwärts Langen.
Am Samstag, den 15. April 1928, nachmittags 3 Uhr, wird der
Turnverein Vorwärts Langen der Turngemeinde Darmſtadt 1846 auf
dem Platz am Finanzamt gegenübertreten. Man muß auerkennen, daß
die Turngemeinde 1846 ſich nach Beendigung der Pflichtſpielreihe nur
äußerſt ſpielſtarke Gegner gewählt und gerade mit dieſer Auswahl die
beſten Erfahrungen gemacht hat. Langen iſt weithin bekannt als eine
außerordentlich ſpielerfahrene Mannſchaft. Die Meiſterſchaft im zweiten
Gauverband des Mittelrheinkreiſes D. T. hat dieſe ſympathiſche Elf
ohne Punktverluſte errungen und ſich ſo die Teilnahme an den End=
ſpielen
um die Kreismeiſterſchaft geſichert. Bei dieſen Endſpielen konnte
ſie bis zu dem Entſcheidungsſpiel als Vertreter der Oſtgruppe des
Mittelrheinkreiſes durchhalten, in dem ſie allerdings dem Kreismeiſter,
Tv. Malſtatt, ſich beugen mußte. Ein kürzlich in Langen ausgetragenes
Spiel zwiſchen der Vorwärts=Mannſchaft und einer Gau=Auswahl=Elf
des Main=Rhein=Gaues konnte Langen mit 9:6 für ſich entſcheiden. Hier=
aus
kann wohl ermeſſen werden, welch ſtarken Gegner die 1846er am
Sonntag gegenüber haben.
Die Turngemeinde 1846 hat am Oſtermontag gegen den T.= u.
Spv. Eintracht Wiesbaden erſtmals in einer Aufſtellung geſpielt, die
ſich ſehr gut bewährt hat. Das Spiel gegen Langen wird in der gleichen
Aufſtellung vor ſich gehen. Es darf wohl ewvartet werden, daß das
Zuſammenſpiel der 1846er bei dem Treffen am Sonntag noch beſſer
wird, als das gegen Wiesbaden gezeigte. Jedenfalls iſt der aufſtreben=
den
Mannſchaft ein ehrenvolles Abſchneiden bei dieſem Spiel zu
wünſchen.
Vor dem Spiel der erſten Mannſchaft treffen ſich um 2 Uhr nach=
mittags
die zweiten Mannſchaften beider Vereine auf dem Finanzamts=
platz
zu einem Freundſchaftsſpiel. Auch hier dürfte ein ſchönes flüſ=
ſiges
Spiel gezeigt werden.
Turngeſellſchaft 1875, Darmſtadt.
Die drei Mannſchaften der 1875er begeben ſich am Sonntag nach
Frankfurt am Main, einer Einladung des Turnvereins Jahn Grün=
Weiß Folge leiſtend. Jahn Grün=Weiß gehört dort der Meiſterklaſſe an
und dürfte daher ein ſpannender Kampf der beiden erſten Mannſchaften
zu erwarten ſein. Da die erſte Mannſchaft der Blau=Weißen immer noch
mit Erfolg antreten muß, wird der Sieg ziemlich hoch hängen. Die
Abfahrt der Mannſchaften iſt 12,40 Uhr ab Hauptbahwhof.
Turnen.
Hauptausſchußſitzung der D. T.
Der Hauptausſchuß der Deutſchen Turnerſchaft, der nächſt dem
Deutſchen Turntag die wichtigſte entſcheidende Behörde der D.T. iſt,
ritt vom 13. bis 15. April in Karlsruhe zu einer Tagung zuſam=
men
. Die umfangreiche Tagesordnung beſchäftigt ſich u. a. mit den
Vorbereitungen für das im Juli ſtattfindende 14. Deutſche Turnfeſt in
Köln, mit der Geſtaltung der Deutſchen Turnſchule, mit der Frage der
Jugenderziehung und Stellungnahme der D.T. zu anderen Verbänden.

Internationales Schachturnier in Gießen.
In der 6. Runde hatte Frhr. b. Holzhauſen gegen Réti, der die
Aljechinverteidigung wählte und ſich auf Abenteuer einließ, eine über=
legene
Stellung erlangt; nachdem er plötzlich nachließ und einen entſchei=
denden
Zug ausließ, riß Reti den Angriff an ſich, den er ſiegreich zu
Ende führte.
Eine der beſten Partien des Turniers lieferte Orbach gegen Dr.
Bechſtedt; gegen die Bremer Partie verteidigte ſich Orbach unregelmäßig;
die Partie ſtand lange Zeit gleich, bis es Orbach durch ſtarke Spielfüh=
rung
im Endſpiel gelang, die Partie zu ſeinen Gunſten zu entſcheiden.
In der Partie Dr. Tartakower gegen Sämiſch verſuchten beide Geg=
ner
Verwicklungen zu ſchaffen; das Spiel löſte ſich jedoch bald in Wohl=
gefallen
auf und wurde Remis gegeben.
Nach ſchwerem achtſtündigen Kampfe abgebrochen wurde die Partie
KmochDr. Krämer; ein Remisangebot Dr. Krämers lehnte Kmoch ab;
die Partie ſteht jedoch vollkommen gleich. Stand nach der 6. Runde:
Réti 5 Punkte; Dr. Tartakower und Sämiſch je 4; Orbach und Kmoch
(1) je 3: Dr. Krämer (1); Dr. Bechſtedt je 1½; Frhr. v. Holzhaufen 1.

Kraftſport.

Eine Schweizer Ringermannſchaft in Darmſtadt. Darmſtadt geht nach
hartem Kampfe als Sieger hervor.
Kraftſportverein Baſel Arb.=Athlet.=Sportverein 1891 Darmſtadt.
Der Arb.=Athlet.=Sportverein 1891, Bezirksmeiſter 1925/26, hatte
eine Mühen und Koſten geſcheut, um die, einem internationalen Ruf
beſitzende, Ringermamnſchaft des Kraftſportvereins Baſel (ſeit 1921
Schweizer Bundesmeiſter), nach Darmſtadt zu einem Ländertreffen im
Ringen zu verpflichten. Eingeleitet wurde das Ländertreffen durch eine
herzliche Begrüßung. Die Damenriege des Athletikſportvereins Darm=
ſtadt
zeigte ſodann Vorführungen mit dem Expanter und erntete leb=
haften
Beifall mit den exakt ausgeführten Uebungen. Die Ningkämpfe,
welche äußerſt ſcharf, aber durchaus fair und ſpannend ausgetragen wur=
den
, nahmen folgenden Verlauf: Im Fliegengewicht traten ſich gegen=
über
: Nietmann=Baſel und Schnauber=Darmſtadt. R. war an Gewicht
und Kraft weit überlegen; dieſes Manko wunde aber durch die wunder=
volle
Technik Schn. vollſtändig ausgeglichen. Der Kampf endete in bei=
den
Gängen unentſchieden. Im Bantamgewicht ſtanden ſich Wenk=
Baſel und Scharf=Darmſtadt gegenüber. Wenk hatte gegen den techniſch
beſſeren Scharf gar nichts zu beſtellen. Scharf konnte den erſten Gang
durch verk. Hüftſchw. in 1,25 Min. und den 2. Gang durch Untergriff in
2,35 Min. für ſich entſcheiden. Das Federgewicht ſah Maurer=Baſel
und Bauer=Darmſtadt auf der Matte. Im erſten Gang ſiegte Bauer
durch Hüftſchw. in 3,55 Min.; im zweiten Gang war Maurer vorſichtig
geworden, und ließ ſich keinen Griff mehr anſetzen, ſo daß der Gang un=
entſchieden
endete. Im Leichtgewicht trafen ſich Barthel=Baſel und
Diehl=Darmſtadt. Diehl, welcher noch wenig an größeren Kämpfen teil=
nahm
, hielt ſich ganz vorzüglich, mußte aber nach 3,12 Min. durch eine
leichte Verletzung, den Sieg an Barthel abgeben; im zweiten Gang
ſprang der bekannte Ringer H. Neidig als Erſatz für Diehl ein. Neidig
konnte, trotz eben erſt überſtandener Grippe, ſeinen Gegner ſchon nach
kurzer Zeit durch Hammerlock beſiegen. Im Leichtmittelgewicht be=
traten
Hofer=Baſel und Kratz=Darmſtadt die Matte. Der erſte Gang en=
dete
unentſchieden; im zweiten Gang ſiegte Hofer durch Eindrücken der
Brücke in 7,45 Min. Das Halbſchwergewicht ſah Hartmann=Baſel und
Zapf 1.=Darmſtadt in Front. Hartmann, bedeutend ſchwerer und kräf=
tiger
, mußte ſich die erſte Zeit nur auf Verteidigung beſchränken, bis es
ihm durch einen blitzſchnell ausgeführten Schulterzug gelang, Zapf zu
beſiegen, 8,12 Min.; im zweiten Gang konnte Zapf durch einen ſchön
ausgenutzten ſeitlichen Ueberwurf, in der dritten Minute ſeine Nieder=
lage
vom erſten Gang wettmachen. Im Schwergewicht ſiegte Weitz=
Baſel gegen Zulauf=Darmſtadt in beiden Gängen. Weitz, der bedeutend
kräftiger und ebenfalls viel ſchwerer war, entſchied den erſten Gang
durch Schulterzug in 6,03 Min.; den zweiten Gang durch Hüftſchwung
in 2.54 Min. für ſich.
Das Geſamtergebnis iſt ſonach: Baſel 14 Punkte, Darmſtadt eben=
falls
14 Punkte, jedoch blieb Darwſtadt mit ungefähr 12½ Minuten
kürzerer Ringzeit wohlverdienter Sieger.

Unſerer heutigen Landauflage liegt ein Proſpekt der Staatl. Lotterie=
Einwahme Leo Külb, Darmſtadt, Hügelſtr. 2, bei, worauf wir unſere
Leſer an dieſer Stelle aufmerkſam machen.
(6760
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Samstag, 14. April. 13: Kaſſeler Hauskapelle. 15: Aus dem
deutſchen Liederkranz. 1. Klaſſe der Volksſchule Wolfskehlen bei
Darmſtadt. Chorleiter: Lehrer O. Roth. Heimatlieder. O 16.30:
Rundfunkorcheſter: Werke von Fr. Händel (geſt. 14. April 1759).
Mitw.: Lulli Alzen=Dureuil (Alt), Konzertobermeiſter G. Lenzewski
(Violine), M. Fuhrmann (Oboe), R. Merten (Orgel). O 17.45: Aus
dem Roman. Maler Nolten von Eduard Mörike. 6 18.15: Vereins=
nachrichten
, Mitteilungen. o 18.30: Briefkaſten. o 18.45: Prof.
Hillmann: Lindſeys Buch von der Revolutionierung der modernen
Jugend. O 19.15: Stenographiſcher Fortbildungskurſus. O 19.45:
Pfarrer Taesler: Die Bedeutung Schleſiens für die deutſche Kultur.
O 20.15: Der Vulkan. Luſtſpiel von Ludw. Fulda. O 22.40: Berlin=
Tanzmuſik. Anſchl.: Berlin: Tanzmuſik.
Stuttgart.
Samstag, 14. April. 12.30: Schallplatten. o 14: Jugend=
ſtunde
: Elſa Pfeiffer, Karl Köſtlin, Funkorch. o 15: Heiterer Nach=
mittag
. Leit.: K. Struve. Mitw.: Hilde Binder, Käte Mann,
Hanus, Struve, Funkorch. o 18.15: Freiburg: Dr. Ortmann:
Ein Beſuch bei Gottfried Kellers Landvogt vom Greifenſee‟
6 18.45: Dr. Felber, Wien: Die Muſik und die Tiere. o 19.15:
Amtsgerichtsdir. Dr. Kallee: Arbeitsrechtspflege. o 20: Kammer=
muſikabend
. Philh. Orch. Stuttgart. Ausf.: Hedenus, Kirchberger,
Hermann. Caplet: Improviſationen für Klavier und Cello.
Hindemith: Capriccio. Hermann: Duett für Violine und Cello.
Trio für Klavier und Cello. e 21.15: Schwäbiſch=bayeriſche
Schwänke und Schnurren. Das Waldfeſt Eine Lausbubengeſchichte
von Thoma. Perſ.: Frau Oberförſter; Aennchen und Ludwig, der
Lausbub, ihre Kinder; Cora, ihre Nichte; Tante Theres; Onkel
Pepi: Lehrer Knilling; Apotheker Seitz; Amtsrichter Reinhardt;
Aſſeſſor Bogner; der Reißer Franz; Sattler Weiß. Der
letzte Trieb‟. Eine ſchwäbiſche Jägerimproviſation von G. Ott.
Mitw.: Frida Heller, G. Ott, Waldhornquartett. O 22.45:
Nachrichten.
Berlin.
Sonnabend, 14. April. 15.30: Reg.=Rat Dr. Zacher: Die
bedeutſame Rolle der Inſekten im Haushalt der Natur und im
menſchlichen Wirtſchaftsleben. 16: San.=Rat Dr. Frank: Med.. Plauderei. o 16.30: Humoriſtiſche Reportage. Ch. K.
Roellinghoff. Berliner Bockbierfeſt. Nachts unterm Gleisdreieck. Ein
Nachmittag beim Wunderfakir. Eine Fahrt auf dem Berliner
Autobus. Geſpr. vom Verfaſſer. S 17: Lipſch=Orch. o 18.30:
Obermeiſter Francois, Magdeburg: Das deutſche Schloſſerhandwerk
im Spiegel der Zeit. O 19: Dr. Volz: Der deutſche Film in der
Welt. O 19.25: Dr. Osborn: Die Nationalgalerie (Alt=Berliner
Kunſt.) O 19.55: K. W. Goldſchmidt: Höhepunkt der Weltliteratur
(Griechen und Römer). 20.30: Alt=Berliner Romantik in Wort
und Lied. Verbind. Worte: Dr. Lederer. Mitw.: Frida Weber,
A. Fleßburg. Flügel: Mackeben. Anſchl.: Tagesnachrichten.
O 22.30: Tanzmuſik. Kapelle Marek Weber.
Deutſche Welle. Sonnabend, 14. April. 9.15: Dir. der Preuß.
Hochſchule für Leibesübungen, Dr. Neuendorf: Die Bedeutung der
körperlichen Erziehung. (Uebertr. aus dem Gr. Schauſpielhaus).
12: Künſtleriſche Darbietungen für die Schule: Aus dem deutſchen
Bauernleben. 14.30: Baſtelſtunde: Ein Zigeunerwagen aus einer
Zigarettenſchachtel. S 15: Graef: Sprechtechnik. O 15.35: Wetter
und Börſe. O 16: Oberſchullehrer Weſtermann: Kurzſchriftdiktat.
O 16.30: Min.=Dir. Dr. Falck: Rechtsfragen der neuen Beſoldung.
O 17: Hamburg: Wiener Nachmittag des Funkorch. Soliſtin:
Erna Kroll=Lange (Sopran). e 18: Dr. Röhr: Wohlſtand,
Wirtſchaft und Löhne. S 18.30: Spaniſch für Anf. O 18.55:
Dr. Fiſcher: Lieder aus Fauſt. O 19.20: A. Ebel: Bachpaſſionen.
20.30: Berlin: Alt=Berliner Romantik in Wort und Lied. Verb.
Worte: Dr. Lederer. Mitw.: Frida Weber=Fleßburg. Anſchl.:
Preſſenachrichten. O 22.30:

Wetterbericht.
Mitteleuropa liegt in einer Furchte tiefen Druckes, in der Druck=
ſtrömungen
ſich öſtlich nach Rußland hin weiterbewegen. Heute morgen
lage eine flache Druckſtörung über Weſtdeutſchland und Holland, die
bereits wieder zu ſtärkerer Bewölkung und Niederſchlägen führte. Wenn
auch das Hochdruckgebiet über Skandinavien ſich weiter gekräftigt und
ſüdwärts ausgebreitet hat, ſo iſt bei uns zunächſt mit unbeſtändigem
Wetter zu rechnen, denn die Reihe der Störungen iſt noch nicht ab=
geſchloſſen
.
Ausſichten für Samstag, den 14. April: Wechſelnd wolkig, kühl, nur ver=
einzelt
noch Niederſchläge.
Ausſichten für Sonntag, den 15. April: Bei ſchvankenden Temperaturen
zeitweiſe ſtärker bewölkt mit Neigung zu Niederſchlägen.
Die Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Witterungsverhältniſſe in Deutſchland heute morgen:

Ort: Wetter: Temp.
in Ce Wind. Nieder=
ſchlag

in mm Schnee=
decke

in em Gießen: Regen 2,8 Aachen: Windſtille gef. Hamburg: wollig 0,5 Berlin: 1,0 München: 0,3 Königsberg: heiter

Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationen:

Feldberg:
(Taunus) Schnee 4 NW. 0,1 Waſſerkuppe: Nebel NO 3,0 Feldberg:
(Schwarzw.) Schnee SW. 1,0 Zugſpitze: Nebel gef. Kahler Aſten: Nebel 4,0 Fichtelberg: Schnee 3,0

Hauptſchriftleitu.ig: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Willy Kuhle; Druck
und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadi
Für unverlangie Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

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[ ][  ][ ]

Nummer 104

Samstag, den 14 April 1928

Seite 44

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[ ][  ][ ]

Nummer 104

Samstag, den 14. Apfil

Frankfurter Effektenbörſe.

Frankfurt a. M., 13. April.
Im Anſchluß an die feſte Abendbörſe blieb die Tendenz im heuti=
gen
Börſenverkehr feſt, wobei ſich die lebhafte Nachfrage nicht mehr auf
verſchiedene Spezialwerte beſchränkte, ſondern ziemlich gleichmäßig auf
alle Aktienmärkte erſtreckte. Von ſeiten des Auslandes blieben aller=
dings
wieder einige beſondere Werte über die allgemein ziemlich leb=
hafte
Umſatztätigkeit hinaus ſtärker verlangt. Nach der glatten Ueber=
windung
der Medioliquidation nahm die Spekulation in größerem
Ausmaße Deckungen vor und ſchritt darüber hinaus zu Meinungskäu=
ſen
, und auch das private Publikum war wieder mit Kaufaufträgen am
Markte vertreten. Allgemein anregend wirkte die Tatſache, daß am
Geldmarkte die Erleichterung merklichere Fortſchritte machte, und be=
ſonders
Tagesgeld ſtärker angeboten war. Dagegen konnten ſich die
verſchiedenen Lohn= und Tarifſtreitigkeiten bei der herrſchenden feſten
Stimmung nicht ungünſtig auswirken. Bei der erſten Notierung konnten
gegen die bereits ſtärker erhöhten Kurſe der geſtrigen Abendbörſe meiſt
neue Beſſerungen von 13 Prozent erzielt werden, verſchiedene Werte
waren ſtärker geſteigert. So waren Zellſtoffwerte weiter außerordent=
lich
lebhaft verlangt, und Waldhof konnten 9,5 Prozent, Aſchaffenbur=
ger
5,5 Prozent anziehen. Am Montanmarkt beſtand für Mannesmann
mit plus 3,5 Prozent ſtärkeres Intereſſe, ſonſt gab es hier Kursbeſſe=
rungen
bis 2 Prozent. Oberbedarf und Klöckner blieben auf ihrem
bereits geſtern ſtark erhöhten Kursſtand behauptet. Elektrowerte waren
etwa 12,5 Prozent gebeſſert, Siemens blieben behauptet; Bergmann
konnten ſich mit mius 1,5 Prozent nicht behaupten. Autowerte lagen
1,5 Prozent höher. Banken hatten keine einheitliche Tendenz. Danat=
bank
, Deutſche Bank und Barmer Bankverein zogen weiter etwas an,
während Commerzbank 1,5 Prozent einbüßten. Schiffahrtswerte ge=
wannen
1,52,5 Prozent. Bauunternehmungen lagen 3 Prozent feſter.
AG. für Verkehrsweſen zogen 4 Prozent, Karſtadt 3 Prozent an.
Deutſche Anleihen lagen etwas feſter. Von Auslandsrenten blieben
Mexikaner und Rumänen gefragt. Goldrumänen 192/. Im weiteren
Verlauf blieb die Stimmung feſt und lebhaft. Gefragt blieben vor,
allem Mannesmann mit plus 2,5 Prozent und Waldhof, die abermals
4 Prozent anzogen. J.G. Farben, die faſt unverändert eröffnet hatten,
gewannen trotz lebhafter Umſätze nur etwa 0,5 Prozent. Verſchiedent=
lich
ſchien die Tagesſpekulation Gewinnſicherungen vorzunehmen. Der
Satz für Tagesgeld wurde auf 6 Prozent ermäßigt. Am Deviſenmarkt
zog die Mark weiter an, auch das Pfund blieb feſt. Mark gegen Dol=
lar
4.1795, gegen Pfunde 20.418, London-Kabel 4.8835, Paris 124.02,
Mailand 92.50, Madrid 29.05, Holland 12.10‟/-
Die Abendbörſe war angeſichts der nennenswerten Tagesſteige=
nungem
ſehr gut gehalten, wem auch vexeinzelte Glattſtellungen leichten
Kursrückgang von 0,5 bis 1 Prozent brachten. Davon betroffen waren
Siemens, AEG., Klöckner und Waldhof. Weiter feſt lagen die Schiff
fahrtswerte. Die Abendbörſe war vorübergehend bei Eintreffen der
Nachricht von der Sichtung der deutſchem Ozeanflieger unterbrochen. Der
ſpätere Verlauf blieb jedoch weiter lebhaft und im allgemeinem gut be=
hauptet
. Es notierten: Commerzbank 190,25; Danat 250;. Deutſche
164,5; Dresdner 156,75; Gelſenkirchen 145; Hawpener 175,5; Mannes=
mann
160,5; Phönix 104,75; Rheinbrqun 300,5; Rheinſtahl 164,5; Ver.
Stahlwerke 101,25; Hapag 159,5: Nordd. Lloyd 159,75; AEG. 168,75;
Zellſtoff 311. Im Abenddeviſenverkehr lag der Dollar
ſchwach. London-Paris 124,02; Mailand 92,40: New York 4,8835:
Holland 12.10½; Madrid 29,04; Zürich 25,33½. Pfunde gegen Mark
20,413; Dollar gegen Mark 4,18.

faſt durchweg fünf bis ſieben Prozent. Maximilanshütte 13 und Rhein.
Braunkohlen 10 Prozent höher. Oſtwerke zogen erweut um 5 Prozent
an. Man beobachtete unverminderte ausländiſche Käufe. Ueberhaupt
war das Geſchäft einheitlich belebt, auf angeblich amerikaniſche Anſchaf=
fungen
ſtiegen mexikaniſche Renten um etwa 1 Prozent, Kunſtſeidenwerte
vernachläſſigt. Am Privatdiskontmarkt herrſchte ſtärkere Nachfrage, ſo
daß die Möglichkeit einer Ermäßigung der Notiz beſtand. Da im letz=
ten
Augenblick gewüigend Material zuur Werfügung geſtellt werden
konnte, ſetzte man die Notiz aber unverändert auf 62/s Prozent für
beide Sichten feſt. Die Entſpannung am Geldmarkt machte ſpäter
weitere Fortſchritte.
Die Börſe ſchloß unter den höchſten Tageskurſen und ſchwächte ſich
nach Schluß des amtlichen Verkehrs teilweiſe um 0,51,5 Prozent ab.
Andererſeits konnten verſchiedene Werte wachbörglich wieder leichte Beſ=
ſerungen
aufweiſen. Die Hauſſeſtimmung war an der Nachbörſe nicht
mehr in der bisherigen Stärke vorhanden. Die Umſätze ließen weſent=
lich
nach. Man nannte bei Beendigung der Nachbörſe u. a.: J. G.
Farbeninduſtrie 269; Polyphon 388; Karſtadt 245,5; Schultheiß 376;
Oſtwerke 318,5; Klöcknerwerke 128,5; Köln=Neueſſen 152; Deſſauer Gas
208; Phönix 104,25; Rhein. Braunkohlen 301; Harpener 175; Rheinſtahl.
165,5; Hapag 159; Nordd. Lloyd 158,25; Maximilianhütte 217; Lah=
meher
180; Bemberg 533; Berger Tiefbau 392; Neubeſitzanleihe 16,62;
Ablöſungsanleihe Reihe 1 und 2 52; dito 3 55,12.

A. E. G

Boſalt ...
Bergmann.

Berl. Hand.=Ge
Braunkohl.=Brikett
Bremer Wolle..
Danatbank. . . . .
Deutſche Bank..
Diskontogeſ. . . . . . .
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Deutſche Maſchinen
Deutſche Erdöl.

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F. G. Farben ..
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G. f, elektr. Untern. . .
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Harpner. . . . . ."
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12. 4. 13. 4. 12. 4. 1165.25 168.25 Hirſch Kupfer .. 118. 1120. 107. 105.5 Höſch Eiſen. 143. 1150.75 191.5 89. Hohenlohe Werke 100. 185.875 190 Kahla Porzellan 115. I 81.25 83. Kali Aſchersleben 180. 1263. 263. Salzdefurth. 277. 1282.5 1178. 178. Weſterregelr 190.5 1229 875 231. Lindes Eismaſdk 162.5 180. (248. 249.5 9. Loewe & C. 263. 1161.- 164. Lingel Schuh 64.5 151.5 153.25 Mannesme 148.5 /155. 156. Niederla 160 25 49.25 48.25 Norbd. 154.5 1157.25 1136.5 139.5 Orenſtein 135.
389.5 68. 68. Polyphon 125.25 129 75 Rütgerst 102.25 1104. 1172.5 174.25 Sachſen
126o. 268.25 Sieme 1465 136.5 141.- Ver. Gl. 746. 1289. 293.5 Ver. 96. 625 65. Volkſtedter Porzellan 55. 1227.5 232.25 Wanderer Werke 188 155. 158,5 Wiſſner Metall. 140.- 1168.
258. 174.625
259. Wittener Gußſtahl. 60.5

13. 4.
102
116.
181.5
192.
267 5
64.5
159.
162.5
136.5
392.
123.5 125.5
146 25

99.
55.5
190.

60.5

Deviſenmarkt.

Berliner Effektenbörſe.

Berlin, 13. April.
Die Aufwärtsbewegung einiger Terminaktienkurſe ſetzte ſich mit un=
verminderter
Stärke fort. Das Kaufintereſſe des Auslandes hielt an.
Außerdem gingen aber auch größere Ordres aus dem Reiche und ſeitens
der Depoſitenkaſſenkundſchaft ein. Die ungünſtigen Meldungen, wie der
Metallarbeiterkonflikt in Sachſen, die ſchwierigen Lohnverhandlungen im
Ruhrbergbau und ſchwächere Berichte vom Schrottmarkte blieben ohne
Eindruck. Eine ſtärkere Rückkaufsbewegung war namentlich am Montan=
markt
bemerkbar. Sonſt ſtanden Zellſtoff Waldhof im Vordergrund, für
die an den Maklertafeln Pluszeichen erſchienen. Ein größeres Geſchäft
war auch in Schiffahrtsaktien, die von vevſchiedenſten Seiten begehrt
wurden. Die Steigerung der Aktienkurſe wurde teilweiſe dadurch be=
günſtigt
, daß an verſchiedenen Märkten ein ſtärkeres Dehuvert beſtehen
ſoll und in den zurzeit tonangebendem Induſtriepapieren bereits eine
gewiſſe Materialknappheit durch Abwanderung größerer Aktienbeträge
ins Ausland entſtanden iſt. Die Befürchtungen, daß in New York eine
Diskonterhöhung vorgenomwen werden könnte, traten mehr in den
Hintergrund. Am hieſigen Geldmarkt war das Angebot ebenfalls größer
und dementſprechend eine Entſpannung in den Zinsſätzen zu verzeichnen.
Befürchtungen wegen des bevorſtehenden Zahltages hatte man nicht.
Tagesgeld wurde vorbörslich mit 68 Prozent und im Laufe der Mit=
tagsſtundem
mit 67,5 Prozent und darunter genannt. Monatsgeld
zirka 7,58,5 Prozent. Warenwechſel zirka 6‟/87 Prozent. Am
Deviſenmarkt war die auffälligſte Erſcheinung das internationale Ange=
bot
an Dollardeviſen, ſo daß der Dollarkurs in Berlin auf 4,1803 und
in London auf 4,8836 zurückging. LondonStockholm befeſtigt, 18,185.
Die anderen Valuten notierten faſt unverändert.
Im weiterem Verlauf der Börſe hörten die vorübergehenden Reali=
ſationen
bald wieder auf. An ihre Stelle trat eine neue Kaufwelle, die
unter Führung von Montawaktien weitere kräftige Kursſteigerungen auf
der ganzen Linie bewirkte, Montanwerte lagen gegenüber dem Vortag

Helſingfors ..
Wien ......."
Prag ...."
Budapeſt ..
Sofia ..
Holland.
Eslo.
Kopenhagen
Stodholm".
London.
Buenos Aires
New=York ..."
Belgien .....

12 4. 13. 4. 12. 4. Geld Brief Geld /Brief Geld Brie o.512 10.532 10.515,10.535 Italien ...." 22.035 22.07 58.76 58.8 58,76/ 58.88 Paris ........" 16.445 6.485 12.376 12.396 12.37412.394 Schweiz .. 80.41 80.64 72.95 73.09 72.93/ 73.07 Spanien. 70.16 70.3 3.019 3.025 3.019/ 3.025 Danzig. 81.52 81.6 168.40 168.7 168.40/168.7 Japan. 2.000 2.03 jurn.62 111.84 111.62/111.84 Rio de Janeiro". 0.50250 .580 Hr2.09112.31 112.00 112.304 Jugoſlavien 7.355 7.65. ire.2iſtte 43 112.18 112.40 Portugal 18.031 1.13. 20.393/20.43: 20.393/20.433 Athen .. 5.514 5. 184 1.786 1.790 1.784/ 1.784 Konſtantinopel . / 2.130 2.95 4.1765/4.1845 4.176/ 4 1841 Kanada. . . . . . .. 4.171 4.01 58.34 58.461 58.35/ 58.47 Uruguah .. . . . 4.321 9.320

13. 4.
Geld! Brief
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2 000

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80.65
70.31
31.68
2.004

5035 0.5055
7.355/ 7.369
18.981 18.02
5.5441 5.556
2.141/ 2.145
4.177/ 4.185
4.321/ 4.329

Metallnotierungen.

Die Metallnotierungen in Berlin für je 100 Kg. am 13. April ſtellten
ſich für Elektrolytkupfer prompt eif Hamburg, Bremen oder Rotterdam
(Notierung der Vereinigung f. d. Dt. Elektrolytkupfernotiz) 134,75 RM.
Die Notierungen der Kommiſſion des Berliner Metallbörſenwor=

ſtandes (die Preiſe verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland für prompte
Lieferung und Bezahlung) ſtellten ſich für Original Hüttenaluminium,

9899 Prozent, in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren, 210 MM., des=
gleichen
in Walz= oder Drahtbarren, 99 Prozent, 214 RM., Reinnickel,
9899 Prozent, 350 RM., Antimon Regulus 8388 RM., Feinſilber
(1 Kg. fein) 78,5079,50 RM.
Die amtl. Preisfeſtſetzungen im Metallterminhandel vom 13. April
ſtellten ſich für Kupfer: Januar, Februar, März 123,25 (123,50),
April, Mai, Juni 122,75 (123), Juli 122,75 (123,25), Auguſt, September
123 (123), Oktober, November, Dezember 123 (123,25). Tendenz: ſtetig.
Für Blei: Januar, Februar 40,75 (41), März 41 (41,25), April 40
(40,50), Mai, Juni 40,25 (40,50), Juli 40,50 (40,50), Auguſt, September,
Oktober, November 40,50 (40,75), Dezember 40,75 (40,75). Tendenz:
ruhig. Für Zink: Januar, Februar, März 49,25 (49,75), April 49,50
(50,50), Mai 49,50 (50,25), Juni 49,25 (50,25), Juli, Auguſt, September,
Oktober 49,25 (49,75), November, Dezember 49,25 (50). Tendenz: ſtill.
Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern beigefügten Brief.
Die Metallnotierungen der Londoner Börſe vom 13. April ſtellten
ſich für Kupfer (Tendenz: ruhig): Standard p. Kaſſe 6111/ᛋ3,
3 Monate 61¾1/e, Settl. Preis 61¾, Elektrolyt 66½67, beſt ſelee=
ted
64½6534, Elektrowirebars 67; Zinn (Tendenz: willig): Standard
v. Kaſſe 230½½, 3 Monate 231231½, Settl. Preis 230½, Banka
(inoff. Not.) 238, Straits (inoff. Not.) 234½; Blei (Tendenz: ſtetig):
ausländ, prompt 204/us, entft. Sichten 20‟/s, Settl. Preis 20½; Zink
(Tendenz: feſt): gewöhnl. prompt, entft. Sichten, Settl. Preis 25; Queck=
ſilber
(inoff. Not.) 22½½; Wolframerz (inoff. Not.) 1478.

Die Börſe ging am Donnerstag vor Oſtern in ſehr feſter Tendenz
in die Ferien und knüpfte am Dienstag dieſer Woche bei Wiederauf=
nahme
des Geſchäfts da an, wo man ſtehen geblieben war; mit anderen
Worten, die Spezialhauſſen ſetzten ſich unverändert fort und gaben der
Geſamtlage an den Wertpapiermärkten nach wie vor das Gepräge. Ihre
Intenſität und der Kreis der favoriſierten Papiere nahmen ſogar faſt
progreſſiv zu, ſo daß ſich in wenigen Tagen ſehr erhebliche Kursſprünge
ergaben. Man braucht nicht einmal auf die am 12. April feſtgeſetzten
Medioliquidationskurſe mit ihren Steigerungen bis zu 50 Prozent ſeit
Ende März hinzuweiſen, um die Zugkraft der Sonderbewegungen zu
kennzeichnen. Es genügt der Vergleich der Kurſe einiger Terminpapiere
vom 5. April, dem letzten Börſentag vor Oſtern, mit den Schlußkurſen
am Donnerstag dieſer Woche. Zu dieſen Terminen notierten etwa:
Karſtadt 234 bzw. 241, Polyphon 348 bzw. 395, Zellſtoff Waldhof 280
bzw. 298, J. G. Farbeninduſtrie 260 bz.v. 267, Oſtwerke 300 bzw. 313,
Feldmühle 192 bzw. 203, Danatbank 237,75 bzw. 249, Jlſe 273 bzw. 285,
Tietz 229,5 bzw. 240,5. Alle dieſe Steigerungen ſind nur das Ergebnis
von drei Tagen. Allerdings war das Intereſſe faſt ausſchließlich auf
einen ganz beſtimmten Kreis von Terminwerten gerichtet, für die das
Ausland, vor allem die Schweiz, Holland und zum Teil die Vereinigten
Staaten, reges Intereſſe zeigten. Wollte man ſich nach der in den
Börſenſälen herrſchenden Stimmung richten, ſo müßte man annehmen,
daß die Aufwärtsbewegung der von der Gunſt der Spekulation augen=
blicklich
in den Vordergrund geſtellten Papiere noch nicht beendet ſei.
Man iſt an der Börſe jedenfalls weiter feſt geſtimmt, Allerdings ver=
gißt
man, die Geſamtlage der Wirtſchaft genügend in Nechnung zu
ſtellen, und verfällt dabei in einen Fehler, den die Börſe überhaupt oft
begeht, indem ſie, wenn einmal eine kräftige Hauſſe oder Baiſſe im
Gange iſt, zu Uebertreibungen neigt. Man iſt z. B. bisher ganz dar=
über
hinweggegangen, daß in der ſächſiſchen Metallinduſtrie ſeit einiger
Zeit eine Rieſenausſperrung drohte, die inzwiſchen zur Tatſache gewor=
den
iſt. Nicht weniger als 220000 Metallarbeiter befinden ſich jetzt in
Sachſen außerhalb ihrer Arbeitsſtätten! Im Ruhrbergbau haben die
Verhandlungen zwiſchen Arbeitgebern und Arbeitnehmern begonnen
und bisher noch keinerlei Annäherung der Standpunkte beider Parteien
gebracht. Was man ſonſt über die Lage im Ruhrbergbau hört, muß
ebenfalls äußerſt bedenklich ſtimmen. Man iſt ſich an der Börſe über
den Ernſt dieſer Vorgänge anſcheinend nicht im Klaren. Allerdings
ruht die momentane Spezialitätenhauſſe faſt ausſchließlich auf Anſchaf=
fungen
des Auslandes, das ſich erfreulicherweiſe weiterhin lebhaft für
deutſche Aktien intereſſiert und damit ganz allgemein ſein Vertrauen
in unſere Wirtſchaft zum Ausdruck bringt, ſowie dem Vorhandenſein
einer breiten Mitläuferſchaft, die ſich aus den Kreiſen der berufsmäßi=
gen
Spekulation rekrutiert. Dagegen zeigt ſich das Privatpublikum im
Reiche und die Berliner Depoſitenkundſchaft abwartender. Bei einem
Teil der Hauſſewerte handelt es ſich mit größter Wahrſcheinlichkeit auch
wohl um Intereſſenkämpfe. Wenn auch die Börſe insgeſamt infolge der
Feſtigkeit der Spezialitäten ein recht freundliches Ausſehen hat, ſo darf
man doch nicht vergeſſen, daß ſo unvermittelnden und ſich teilweiſe
förmlich überſtürzenden Hauſſen ebenſo ſcharfe Reaktionen folgen kön=
nen
und in der letzten Zeit mehrfach gefolgt ſind. Eine ruhige und
allmähliche Befeſtigung des Geſamtniveaus, entſprechend den ſich beſſern= Dividenden und der ſtabilen Konjunkturlage, würde jedenfalls eine
wefentlich gleichmäßigere Geſtaltung der Wertpapiermärkte gewähr=
leiſten
.
Ebenſo wenig Sergen wie um die angeführten, eigentlich zur Zu=
rückhaltung
mahnenden Vorgänge in der Wirtſchaft machte man ſich in
Kreiſen der Spekulation um die Lage des Geldmarktes. Der Ultimo=
ausweis
der Reichsbank brachte Ende März Neueinreichungen von
Wcchſeln und Schecks in der Rekordhöhe von über 720 Millionen, eine
Neuproduktion von Wechſeln, die ſelbſt am Jahresſchluß im Laufe einer
Woche nicht erreicht wurde. Trotz dieſe= enormen Anſpannung ergab
der Reichsbankausweis vom 5. April nur eine Entlaſtung des Wechfel=
und Scheckkontos um etwa 50 Millionen RM. Selbſt wenn mau be=
denkt
, daß infolge der Oſtertage ſtarker Bedarf an Stückgeld heurſchte
und die Rückflüſſe wegen der nur fünf Tage währenden Reichsbank=
woche
aus technifchen Gründen zurückblieben, muß man dieſe Entſpan=
nung
als ſehr unbefriedigend bezeichnen. Ueberhaupt iſt zur Zeit die
Entwicklung des Reichsbankſtatus äußerſt ungünſtig und zeigt, wie an=
geſpannt
die Geldmarktlage in Deutſchland noch iſt. Dieſer Situation
hat z. B. auch die Stadt Berlin Rechnung getragen, die bei einem An=
leihebedarf
von rund 118 Millionen zunächſt nur eine Tranche von
25 Millionen zur Zeichnung im Inlande auflegt, um die am Geidmarkt
vorhandenen Möglichkeiten vorſichtig abzutaſten und danach die Deckung
ihres weiteren Anleihebedarfs einzurichten An den Börſengeldmärkten

ſverden jetzt noch immer Sätze von 78 Prozent für Tagesgeld, 7,5

Prozent für Monatsgeld und 7 Prozent für Warenwechſel mit Bank=
giro
genannt. Bei der Medioprolongation hat ſich die Reportgeldver=
ſorgung
trotz der vergrößerten Engagements glatt geſtaltet, nur kleine=
ven
Spekulanten wollte man durch Nichterhöhung der Reporrgeldkontin=
geute
Anlaß zum Abbau ihrer Poſitionen geben. Erſt am Donnerstag
war eine kleine Exleichterung der Lage am kurzfriſtigen Geldmarkt zu
ſpüren, die ſich vor allem in vegerer Nachfrage nach Privatdiskonten
äußerte. Der Satz konnte daher um /. Prozent auf 6¾/ Prozent für
beide Sichten ermäßigt werden.

Vereinigte Verlin=Frankfuvter Gummiwarenfabriken A. G., Berlin.
Der Auſichtsrat beſchloß, für 1927 nach reichlichen Abſchreibungen eine
Dividende von 6 Prozent (5) zu verteilen. Der Vortrag bleibt in un=
gefähr
vorjähriger Höhe beſtehen.

I. 1. Reichs=,
Länder= und Schutz
gebietsanleihen
6% Dtſche. Reichs=
anleihe
von 192
6% Baden Frei=
ſtaat
von 1927
6% Bay. Freiſtaat
von 1927 ....."
6% Sachſen Frei=
ſtaat
von 1927..
7% Thüringer Frei=
ſtaat
von 1927..

Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. *
Ablöſungsanleih
Dtſche. Anl. Ablö.
ſungsſch. (Neub.

Dtſche. Schutzge=
bietsanleihe

2. Stadtanleihen

8% Bad.=Bad. v. 26
6 Berlin v. 24
Darmſtdt. v. 2
Dresden v. 26
2o Frkf. a. M. v. 26
% Heidelb. v. 26
8% Ludwghf. v. 26
8% Mainz v. 26..
10% Mannh. v. 25
8% Mannh. v. 26
8% Nürnberg v. 26
8% Pforzh. v. 26
8% Pirmaſens v. 26

3. Pfandbriefe
und Schuld=
verſchreibungen

7% Bad. Gold=
Kom. Anleihev. 2/
8½ Berl. Hyp.=Bk.
ig.
Pfandbriefe..
Frkf. Hyp. Bk.

79B- Sia=Pfl

87.25
80
81.25

55
16.55

7.7

95

93
88
88
86

92.8

95
93

89

Frkf. Pfbrfban
4½% Gotha Gr.
Cred. Lig.=Pfbr
4½‟ Hamb. Hyp.
Bk. Lig.=Pfdbr
80 Heſſ. Landesbk.
8% Kom. Lande
bank. Darmſtad
8% Landesbank d
Rheinprovin
72lo
Landeskr. Kaſſ.
Mein. Hhp.B
Naſſ. Landesbk.
6 Pfälz. Hyp.Bk.
Pfandbriefe
80 Preuß. Ctr.,
Bob.=Cred.
4½% Preuß. Ctr.=
Lig. Pfandbr. ..
8% Preuß. Ctr.=
Stadtſchaft. .
3½ Rhein. Hyp.=B
4½%n Lig
Pfandbriefe.
8o Rhein.=Weſtf.
Bd.=Credit .. . ..
L.=Pf.
Südd. Bod
Cred.=Bank.
Lig.=
4½
Pfdbr. . .
8% Württ. Hyp.=B

98
89.5
88

67.75

93

96
921I.
75.5

Dt. Komm. Sam.
mel=Ablöſ.=Anl.
+ Ausl. Ser. I.
Dt. Komm. Sam.=Ablöſ.-Anl.
* Ausloſ. Ger,II

98
91.75

95

100

96
92
96.5
92
101.5
89.5
96.5
93

14½.

98.5

97

98.5
93.5

78.5

103
89.5

92.5
94.5

51.5
68

Papiermark=
Pfandbr. und
Kommunal=Obl.
Frkf. Hhp.=Bk. K.=
Obl. Ser. 1 u. 2
Frkf. Pfdbr.=Bank.
Vorkr.=Pfandbr.
Heſſ. Lds=Hyp.=Bk
Vorkr.=Pfdbriefe
dgl. Kom.=Obl.
S 1-16
Kom.=Obl.
S. 17-24
Mein. Hyp.=Bank.
Vorkr.=Pfandbr.
Nordd. Grunder.=
Vorkr.=Pfdbrief
Preuß. Pfandbrbk.
Vorkr.=Pfdbriefe
Rh. Hhp.=Bk. Vor=
kr
.=Kom.=Oblig.
Weſtd. Bodencred. Vorkr.=Pf

4. Induſtrie=
Obligationen.
8% Dt. Linoleum=
werke
Bln. v. 2
8½ Hefſ. u. Herku=
les
=Brau. v. 2
8% Klöckn=Werke
Berlin v. 26
100 Kom. Elektr.=
Mark. ......"
O. Maintrw v. 26
% Mitteld. Stahl=
werke
von 27..
80 Neckarſulm v. 26
3½ Salzmann & Co.
Kaſſel v. 26.
7% Ver. Stahlw.
mit Opt. v. 20
7% Ver. Stahlw.
ohne Opt.v. 26

II. Auf Sachwerte
laut. Schuldverſchr.
6%Bad.=Bad. Holz.
5%Badenw. Kohl.
6% Heſſ. Braunk.. Roggenanleihe
5% Heſſ. Volksſt.
Roggenanleihe..

7.36

14.15

4.9

96.5
94.5
94

102
87

91.7
86.5

90-
88.5

21.5

% Preuß. Kali=
wertan
eihe ..."
5% Preuß. Roggen=
wertanleihe
.. ."
5% Sächſ. Roggen
wertanleihe
5% Südd. Feſtw.
bank ..

Liſſab. v. 18861
42 Stockh. v. 1880

9.5

8.65

III. 1. Ausländ.
Staatsanleihen
5%Bosn. L. E.B. v.
1914 ......
O Bosn. L.=Inv.=
Anl. v. 1914 ..
4½ Bosn. v. 02
1% Bulg. Tab. v02
1,6% Griech. v. 90
34 0 Griech. Mon
Mex. inn. (abg.
äuß.
Goldan=
leihe
(abg.
inn. (abg.)
2%0 Frrig.=
Anl. (abg.
Tamau=
lipas
(abg.)
4½%0 Oſt. Schatz=
anw
. v. 1914
(C. C.=Stücke).
420 Oſt. Goldrente
(C. C.=Stücke)
4½% Rum. Gold
von 1913 .
4% Schweiz. Bds.
Bahnen v. 1912
490 Türk. Admin.
1. Bagd.
2. Bagd.
Zollanl
½%o ungarn von
1913 (C. C.=St.)
4½% dito von
1914 (C. C.,St.)
4% dito Goldr.
(C. C.=St.)
4% dito von
1910 (C. C.,St.)
42 dito Kron. (abg.) .. ..
2. Stadtanleihen
Budap. v. 14 (abg.)
4% Kopenb. v. 041

44

18.5
57.25
47.5

36

19.75

13.15

222I.

25"

2.1

58.5
92

3. Obligationen v.
Transportanſt.
4% Dux=Bodenb.
von 1891
4% Eliſabethbahn
von 1883
4% Lemberg=Czer.
ſteuerpflichtig..
4% Lemberg=Czer.
ſteuerfrei
22/.,%0 Oſt. Südb.
(Lombard.)
4% Oſt. Staatsb.v.
1883
3%0 Naab=Odenbg.
v. 1883
4%o Rudolfb. i.
8.
4½%0 Anatolier I
TV. 1. Bank=Aktien
Allg. Dt. Creditanſt.
Badiſche Bank.
Bk. f. Brauinduſtr.
Barm. Bankverein
Bahr. Hyp.= und
Wechſelbank . . . .
Berl. Handelsgeſ.
Hypoth.=Bk.
Comm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nt.=Bk.
Deutſche Bank...!
Eff.=u. Wechſel=
bank
......"
Vereinsbank
Diskont.=Geſellſch.
Dresdener Bank
Frankf. Bk.
.
Hohp
Pfdbr.=Bk. 149.5
Gotha. Grundkr. B.
Mein. Hyp.=Ban!
Metallbank. .
Mitteld. Creditbk. 216
Nürnb. Vereinsbk.
Oſt. Creditanſtalt . .
8fälz. Hup.=Bank
Pr. Bod.=Creditbk.
Hhp.-Akt.=Bk.
Reichsbank=Ant. . 197.5
Rhein. Creditbank/125
Sop.=Bankl194

14

12.2
2.5
12
12.25

23
4.2

Are

Südd. Bob.Cr. Bk.
Disc.=Geſ...
Wiener Bankverein

2. Berkehrs=
unternehmungen

A.=G.f. Verkehrswſ.
Allg. Lokalb.= und
Kraftwagen.
Dt. Eiſenb.=Geſ.
70 Dt. Reichsbhn=
Vorzge. ...
Hapag .........."
Nordd. Lloyd. . . . ."
Schantung=Eiſenb.
Südd. Eiſenb.=Geſ.

138.25
159
199
154.75

162.5

189.5
249.75
164.25

123
101.5
153
156.5
113
49.75

142.5
133.5
160
371
153
141

3, Induſtrie
Adt. Gebr.
Accum. Berlin.
Adler & Oppenh.
Adlerw (v. Kleher
6% AEG. Vorzuc

137
16.75

216
158.5

97
159.5
158

AEG. Stamm.. ..
Bad. Maſchf.=Dur
Bamag=Meguin
Baſt Nürnberg
Beck & Henkel
Bergm. El. Werke
Brem.=Beſigh.=Ol
BrownBoverickCi=
Brüning & Sohn
Buderus Eiſen
Bürſtenfbr Erlang
Cementwerke:
Heidelberg ....

Karlſtadt
Lothr. (Karisr.).
Chem. Werke Albert.
Vrockhues
Fabrik Milch
Daimler=Benz .
Dt. Atl.=Telegr.
Eiſenh. Berlin
Erdöl
Gold= u. Silb.
ſcheide=Anſtalt
Linolvverk. Berl.
Dresden=Leipziger
Schnellpreſſen .
Dürzwerke Rating

50
165
230
94
81.25
721.
168
140:
24.5
236
67
190.5
64.75
158
24.5
101.75
49

ArK
180
80
102

97

88
139.5

196.25
262

128
60

Eichbaum, Brauer.
Eiſenw. Kaiſersltn
Elektr. Licht u. Kraf
Elektr. Liefer.=Ge
Elſäfſ. Bad. Wolle
Emag Elektr. Frkft.
Enzing. Unionwke
Eſchw. Bergwerk
Eßling. Maſchinen
Ettling. Spinnerei
Faber, Foh., Bleiſt
Faber & Schleiche
Fahr, Gebr. Pirm.
F. G. Farbenindſtr.
Felt. & Guilleaum.
Feinmech. (Fetter)
Frkft. Gas


Maſch.
Pr. korny & Witte
Geiling & Cie.
Gelſenk. Bergwerk
Gef. f. elektr. Un=
ternehmun

Goldſchmidt 2
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger.
HafenmühleFrank
Haid & Neu
Hammerſen (2
Hanfw. Füſſen
Hanſa=LloydBrem.
Harpener Bergbau
Hartm. & Braun
Henninger, Kempf,
Stern Brauerei. /
Heſſen=Naſſau Gas
Hehligenſtgedt.
Hilpert Armaturfb.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kuvf

Hochtief Eſſen
Holzmann Phil. . /164
Holzverk.=Induſtrie
Iiſe Bergb. Stamm
Genüſſe
Inag
Junghans Stamm
Kali Aſchersleben.
Salzdetfurth.
Weſteregeln. .
Kammgarnſpinn. .

275
25
232.5

89.5
202

71.75
102
54
W 5

87.5
150
11

81.5
40.5

A
110

185

38.5
43

175
166

178
115
24
90.

121

135
99.25
8?

180.5
284
193.5
215

Neckarſ. Fahrzeug
Neckarw. Eßl
Nicolay, Hofbr.
Oberbedarf
Oſterr. AlpineMo
Otavi Minen
Peters Union Frrf
Pfälz. Näh. Kayſe=
Philipps A.=G.
Phönix Bergbau.
Porzellan Weſſel
Reiniger Gebb. &
Schalt
R9. Braunkohlen.
Elektr Stamm
Stahlwerke .
Rhenania, Kunh.
Niebeck Montan
Rütgerswerke . .
SalzwerkHeilbronn
Schneider &
Schnellpr. Frankth.
Schöfferhof=Bind..
Schramm Lackfbr. /125
Schriftg. Stempel. 11.31
Schuckert Elektr. . . 1192.5

Karſtadt,
245
Ker. Werke Offſtein
Klein, Schanzl. . . . 108
Klöcknerwerke 135
Knorr, Heilbronn
Konſervfabr. Braun/ 70
Kraftw. Alt=Württ. 105
Krauß & Co., Loko.
Lahmener CCo /478
235 Lech, Augsburg
Lingel, Schuhr
Löhnberger. Mühlef 39.75
Löwenbr. Münch.
Ludwigshaf. Walz
Lüdenſcheid Metall
Muinkr.=W. Höchſtl2 20.73
Mainz. Akt.=Br. 254
Mannesm. Röhren 153.75
Mansfeld. Bergb. 1132
Mars=Werke.
1417.25
Metallgeſ. Frankft. /180
Miag, Mühlenbau/143
Moenus Stamm / 70
Motorenfahr. Deut
Oberur
72.1
Münch. Lichtſpielk. /220

77

55.1
144
145

18.5
14.25

104
55
45.5
103.75
28

300
162
164.75

194.5
197

73
355

Schuhfbr. Berneis=
Weſſel.
Schuhfabr. Herz
Schultz Grünlack
Schwarz Storchen 1172
Seilindſtr. Wolff. 76
Siem. Glasinduſt=
Siemens & Halske 300
Südd. Immobilien 103
Zucker=AG. 144.75
Strohſtoff. Ver.. 1318
Tellus Bergbau .1111
Thür. Lief.=Geſ... . /109
Tucher, Brauerei .1155
Unterfr. Krs.= Elek=
tr
.=Verſ.
116
Veithwerke
Ver f. Chem. Ind. 100
deutſch. Olfabr.
Faßfabr. Caſſel/ 53
Gummifabrik.
Berlin=Frankf. 89
Königs= und
Laurahütte
Pinſelfabriken 89
Stahlwerke ../ 99.25
Ultramarin . . 155
Zellſt., Berlin 150
Vgtländ. Maſd
Voigt E. Haeffner 181
Voltohm. E
Wanß & Freutag 1141
Wegelin Rußfabrik 142
Werger Brauerei. 172
Zellſt. Aſchaffenbg. 197.25
Memel ... 148
Waldho
1312
Zuckerf. Rheingau
1. Verſicherungen
Allianz u. Stuttg.
Verſicherung
Frkft. Allg. Verſ.=G 189.5
Frankona Rück= u.
Mitv.
Mannh. Verſich.
Darmſtädter Berte
Bahnbedarf
Dampfk. Rodberg.
Gebr. Lutz
Motoren Darmſtadt
Gebr. Roeder ....113

Durmſtadt und
den Apotheken
den Somtagsd
anſchließende
14 April
Löwen=Apoth
Apotheke, Wi
Apotheke. 9

Montag

[ ][  ][ ]

Nummer 104

Samstag, den 14. April 1928

Seite 13

Wirtſchaftliche Rundſchau.
Frankfurter Maſchinenbau Akt.=Geſ., vorm. Pokorny u. Wittekiud,
Frankfurt a. M. Wie wir erfahren, hat ſich die Verwaltung in einer
Vorbeſprechung für die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung für
1927 mit 6 Prozent ausgeſprochen, die der Aufſichtsratsſitzung am 20. 4.
in Vorſchlag gebracht werden ſoll. Auch im laufenden Jahre ſei die Lage
in allen Abteilungen befriedigend.
Zprozentige Oeſterreichiſch=Ungariſehe Staatseiſenbahn=Prioritäten
von 1895. Wie wir von informierte Seite erfahren, wiro die Reviſion
des Amortiſationsplanes für die Zprozentigen Staatseiſenbahn= Priori=
täten
einen der Programmpunkte der am 2. Mai in Rom zuſammen=
tretenden
Finanzkonferenz bilden. Die Laufzeit dieſer Obligationsſchuld,
die nach den urſprünglichen Anleihebedingungen bis 1965 zu tilgen
wäre, ſoll jedenfalls bedeutend herabgeſetzt werden. Vielleicht gelangt
bei dieſer Gelegenheit auch die Kapitalfrage zu einer endgültigen =
ſung
. Zurzeit werden die Obligationen zu 500 Fr., ſoweit ſie nicht durch
Rückkauf amortiſiert werden, mit 135 Goldfr, honoriert, für welchen
Satz die Inhaber eine weſentliche Erhöhung beanſpruchen. Die Er=
höhung
des Zinſendienſtes wird erſt im Jahre 1935 ſpruchreif.
Viehmärkte.
Darmſtädter Viehmarkt vom 13. April. Aufgetrieben waren: 121
Kälber; 5 Schafe; 3 Ziegen; Ochſen. Die Preiſe ſtellten ſich für
Kälber: a) 7320; b) 6772: c) 6066; für Schafe auf 1015 Pfg
pro Pfund. Marktverlauf: lebhaft, geräumt.
Wormſer Produktenbericht vom 13. April. An der heutigen Pro=
duktenbörſe
notierten bei feſter Tendenz: Weizen 2727,50; Roggen 28;
Gerſte ohne Angebot: Ausſtich ohne Angebot; Futtergerſte 25,526
Hafer 27,5022,50; Weizenmehl Baſis Null 38,7539,25; Roggenmehl.
60proz. 10; Weizenfuttermehl 16,5023; Noggenfuttermehl und Nach=
mehl
18,5024; Roggenkleie 16,50; grobe Weizenſchalen 15,5016, feine
Weizenikleie 1515,25; getrocknete Biertreber 18,2518,75; Malzkeime
18,2518,75; Maisſchtot 27: Trockenſchnitzel 14; Heu 8,7510; Stroh
24,50; Kartoffeln 6,507,50.
Frankfurter Viehmarkt vom 13. April. Der Auftrieb des heutigen
Nebenmarktes beſtand aus 29 Rindern, 1111 Kälbern, 155 Schafen und
581 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb des Nebenmarktes der deo=

Vergleich zu den Notierungen des letzten Marktes waren Kälber bis zu
6 Mark und Schweine bis zu 5 Mark billiger; während Schafe gut be=

hauptet blieben. Fleiſchgroßmartt: Ochſenfleiſch 1. 95100; 2. 8595
Bullenfleiſch 8086; Kuhfleiſch 1. 7080; 2. 5570; 3. 3550; Kalb=
fleiſch
2. 90105; Hammelfleiſch 95100; Schveinefleiſch 1. 7075: Ge=
frierfleiſch
: Nindfleiſch, Vorderviertel 48 und Hinterviertel 58,
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chieggo, 13. April. (Priv.=Tel.)
Weiyen: Die ſchwächeren Liverpooler Meldungen und beſſere
Wetterberichte hatten anfangs ein Abgleiten der Preiſe zur Folge. Dann
trat ein Umſchwung ein auf ungünſtige Saatenſtandsberichte aus Teilen
von Kanſas und Oklahoma.
Mais: Auf günſtige Berichte auis Argentinien war die Stimmung
anfangs ſchwächer. Beſſere Lokonachfrage und Vorausſagen über ge=
ringere
Zufuhren führten dann zu einer Erholung.
Rongen: Liquidationen und günſtiges Wetter bewirkte aufangs
größeres Angebot. Später zeigte ſich auf gute Exportnachfrage Deckungs=
bedürfnis
.
Hafer: Der Markt nahm einen durchweg ſtetigen Verlauf.
* New York, 13. April. (Priv.=Tel.)
Baumwolle: Der baiſſegünſtige Bürobericht über den Märzverbrauch
hatte anfangs ein Nachgeben der Preiſe zur Folge. Regenprognoſen
und Käufe ſüdlicher Firmen ließen dann eine Erholung aufkommen.
Zucker: Der Markt nahm einen ruhigen Verlauf. Einige Mai=
Liquidationen ließen die Preife leicht abgleiten.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 13. April
Getreide: Weizen, Mai 15158, Juli 150¾, Sept. 14828: Mais.
Mai 99½, Juli 102½, Sept. 103½; Hafer, Mai 58, Juli 577
Sept. 416¾; Roggen, Mai 124½, Juli 120¾, Sept. 1157
Schmalz: Mai 11,675, Juli 12. Sept. 12,275.
Fleiſch: Rippen, Mai 11,35, Juli 11,625, Sept. 11,90; Speck
loco 11,25; leichte Schweine 8,409,20, ſchw. Schweine 8,459,05;
Schweinezufuhr Chicago 15 000, im Weſten 60 000.
Chicagoer Baumwolle: Mai 19,75, Juli 19,60.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 13. April:
Getreide: Weizen, Rotwinter 191½, Hartwinter 169; Mais
neu ank. Ernte 113: Mehl ſpr. wheat clears 6,757; Fracht nach
England 1,62,3, nach dem Kontinent 910 C.
Schmalz: Prima Weſtern loco 12,30; Talg extra 8½
Kakao: Tendenz: ſtetig, Umſatz in lots 31, loco 137, April
13,71, Mai 13,79, Juni 13,96, Juli 14,08, Auguſt 14,11, September

14,16, Oktober 14,02, Dezember 13,60, Januar 1929 13,35.

Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die 5 Millionen=Dollar=Anleihe der Elektrowerke A.=G., Berlin,
wurde überzeichnet.
Der Vorſitzend= des Börſenvorſtandes, Abteilung Produktenbörſe,
Herr Leopold Badt, feiert am 14. ds. Mts., fern von Berlin, ſeinen
70. Geburtstag. Badt iſt mit ſeinen reichen Erfahrungen und ſeinem
ſicheren Blick für das Erreichbare der anerkannte Führer im deutſchen
Getreidehandel.
Wie von maßgebender Stelle mitgeteilt wird, werden die deutſch=
litauiſchen
Handelsvertragsverhandlungen am 16. d. M. wieder auf=
genommen
werden. Die Meldungen, die von einer Vertagung der
Verhandlungen auf unbeſtimmte Zeit ſprechen, ſtimmen daher mit den
Tatſachen nicht überei=
Die Delegierten der Emifſionsbanken hielten geſtern unter dem Vor=
ſitz
des Direktors der Bank von Frankreich, Quesnay, in Paris eine
Vollſitzung ab. Die Sitzung war einer ſehr ausgedehnten Diskuſſion
über den Grad der Vergleichbarkeit der Währung und der Produktions=
ſtatiſtiken
gewidmet. Die Konferenz dürfte bis Mitte nächſter Woche
tagen.
Die Pelztierzucht in Norwegen hat in der letzten Zeit einen gewal=
tigen
Aufſchwung genommen und ſcheint eine große Zukunft zu haben.
Der Beſtand an Silberfüchſen in den Zuchtfarmen wird auf 6000 Stück
veranſchlagt. Es beſteht die Abſicht, in nächſter Zeit auch große Marder=,
Zobel= und Hermelin=Farmen zu gründen.
Eine engliſche Grupxe, die der Phönix=Oil naheſteht, hat von der
Redeventza die Majorität des Aktienkapitals des Naphtha Romana
erworben. Das A.K., das zurzeit 26 Millionen beträgt, ſoll in Kürze
auf 100 Millionen erhöht werden. Die Naphtha Romana hatte in
den Jahren 1926/27 eine Durchſchnittsproduktion von 7000 To. jährlich.
Der Miniſterrat ſtimmte dem zwiſchen dem Finanzminiſter Dr. Mar=
kowitſch
und der jugoſlawiſchen Nationalbank abgeſchloſſenen Ueberein=
kommen
über die Stabiliſicrung des Dinar zum Kurſe von 9,13
Schweizer Franken für 100 Dinar zu.
Die tſchechoflowakiſche Regierung hat, wie aus Belgrad gemeldet
wird, ihrer Delegation den Auftrag erteilt, zwecks Wiederaufnahme der
Verhandlungen über den Abſchluß eines Handelsvertrags zwiſchen der
Tſchechoſlowakei und Jugoſlcwien mit der ſüdſlawiſchen Regierung ſich
ins Einvernehmen zu ſetzen. Die Verhandlungen dürften in der zwei=
ten
Hälfte des Monats beginnen.
In Italien befindet ſich ein neues Handelsgeſetz in Vorbereitung,
das zahlreiche, auch für den Export nach Italien wichtige Neuerungen
enthalten wird.
Der bisherige geſchäftsführende Vizepräſident der Firſt National
Corporation in New York, Allan M. Pope, wurde zum Präſidenten
dieſer Geſellſchaft gewählt.

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Darmſtadt und den Bekanntmachungen des
Polizelamts Darmſtadt.
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Seite 14

Samstag, den 14 April 1928
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Nummer 104

Samstag, den 14. April 1928

Dürer=Feier in Nürnberg.

Seite 15

Zum Empfang Luckners
in Bremen.
Bremen. Der Empfang des Graf
er,
der programmäßig erfolgte, geſtaltete ſich überaus
herzlich. In allen Untevweſerſtädten,
aſſiert
wurden, hatten ſich überaus zahlreiche Zr
zuer an=
geſammelt
, die dem Grafen zujubelten.
elangte
der Viermaſtſchoner zum Hohentorhafen. Unter den
Klängen des Deutſchlandliedes machte die Vater=
land
am Kai des Hafens feſt, an dem ſich eine un=
überſehbare
Menſchenmenge eingefunden hatte. Die
Gäſte und die Mannſchaft der Vaterland verſam=
melten
ſich auf dem Achterdeck, wo der Vorſitzende des
Vereins Luckners Weltumſeglung, Gouverneur
a. D. Dr. Schultz=Ewerth, und im Auftrage des
bremiſchen Senats Staatsrat Dr. Duckwitz Begrü=
ßungsanſprachen
hielten.

Korvettenkapitän a. D. Graf Felix Luckner
mit ſeiner Frau nach der Heimkehr.
Hierauf ergriff Graf Luckner das Wort: Ich
danke Ihnen von Herzen für den herzlichen Empfang,
der mir hier von ſeiten des Bremer Senates zuteil
geworden iſt. Ich bin von hier ausgefahren und habe
Bremen verlaſſen mit froher Hoffnung, aber ich habe
nicht gewußt, wie ſchwer ich ringen mußte und wie
ſchwer es mir werden würde, die Freundſchaft der
Amerikaner zu gewinnen. Der Krieg iſt vorüber,
jetzt gilt es, die Freundſchaft zu pflegen. Ich bin
mit einer koſtbaren Ladung von Amerika zurückge=
kehst
, denn ich. br
iner
mit. Das iſt die Ladung,
ſchland
löſchen will.
Kaufuä
Auf einem am Mittwoch
öffentlichen Be=
ſchen
V. rein: Union veranſte
grüßungsabend ergriff Graf Luckner das Wort. Er
dementierte nochmals die Preſſenachricht, wonach
er angeblich amerikaniſcher Bürger werden wollte.
Allerdings ſei er Ehrenbürger von San Franeisco
geworden. Die Preſſenachricht, er und feine Be=
ſatzung
hätten ſich in großer finanzieller Not, be=
funden
, ſei gleichfalls unrichtig. Wir waren zwar
arm, aber ſir haben uns ets bemüht, nie ärmlich
zu erſcheinen. Luckner ſchilderte dann die überaus
herzliche Begrüßung durch die Neu Yorker Bevölke=
rung
und erzählte, wie er vornehmlich vor Schul=
kindern
, Studenten und in Klubs geſprochen habe.
Erſt nach und nach ſei es ihm gelungen, ſich durch=
zuſetzen
und ſich zu behaupten. Als er die maßgeben=
den
Perſönlichkeiten der amerikaniſchen Preſſe ge=
wonnen
hatte, ſei ſein Arbeiten für das Deutſchtum
minder ſchwvierig geworden. Graf Luckner ſprach von
Amerika und den Anerikanern mit großem Reſpekt
und ſchilderte in ſachlicher Form, wie er an Miſter
Harris, dem früheren amerikaniſchen Beſitzer ſeines
Kaperkreuzers Seeadler, die amerikaniſche Flagge,
die er im Schiff gefunden, zurückgegeben habe. Luck=
ner
Prägte dabei das mit großem Beifall aufgenom=
mene
Wort: Wie ſoll ein Ehreumann den Reſpert
vor der Flagge des Gegners verlieren?. Die An=
weſenden
brachten dem Grafen lebhafte Ovationen.
Der Eiſenbahnunfall an der Marcadet=Brücke.
Paris. Nach einer Meldung der Hadasagentur
werden abgeſehen von den fünf Schververletzten des
Eiſenbahnunglückes an der Marcadet=Brücke die
meiſten der übrigen 14 Verletzten in einigen Tagen
das Krankenhaus verlaſſen können
Bootsunfälle.
Paris. Am Donnerstag nachmittag iſt ein
Ruderboot mit drei Inſaſſen auf der Loire unweit
von Chinon aus bisher unbekannter Urſache ge=
kentert
. Die drei Jufaſſen, Schüler, und zwar zwei
Franzoſen und ihr Ferienkamerad, ein Engländer
ertranken. Auch auf dem Fluß Doubs iſt ein mit
zwei Perſonen beſetztes Boot, das vom Schwveizer
Gebiet die Inſaſſen wieder auf franzöſiſches Gebiet
zurüickbringen ſollte, infolge der Strömung abge=
trieben
worden und gekentert. Die beiden Inſaſſen
kamen ums Leben.
Zum Fluge Coſtes und Le Brig.
Paris. Wie Habas aus Baſſerah meldet, ſind
die beiden franzöſiſchen Flieger Coſtes und Le Brig
am Donnerstag do mittag aus Carachi kommend dort
eingetroffen und um 13 Uh= nach Pakäſtina weiter
geflogen. Sie wverden am Samstag abend in Pari=
zurückerwartet
.
Die Italia wartet auf gutes Wetter.
Rom. General Nobile, der am Donnerstag wie=
der
in Mailand eingetroffen iſt, um die letzten Start=
vorbereitungen
zu überſachen, erklärte, daß der Zeit=
punkt
des Abfluges der Italia von den Wetter=
verhältniſſen
abhänge.

Reich und Ausland.
Frankfurter Chronik.
Einrichtung eines Meſſepoſtamtes
für die 18. Frankfurter Internationale
Meſſe. Für die 18. Frankfurter Internationale
Meſſe (22.25. April) wird vom 21.26. April im
öſtlichen Flügelbau der Feſthalle (Platz der Re=
vublik
) eine Poſtanſtalt mit Telegrammannahme,
Fernſprechvermittlungsſtelle und mehreren öffent=
lichen
Sprechſtellen eingerichtet. Sie erhält die Be=
zeichnung
Frankfurt (Main) Meſſepoſtamt Poſt=
ſendungen
für die Meſſebeſucher müſſen, ſofern ſie
bei dem Meſſepoſtamt abgeholt werden ſollen, in der
Aufſchrift die nähere Bezeichnung Frankfurt (Main)
Meſſepoſtamt, poſtlagernd tragen, andernfalls müſſen
ſie mit näheren Angaben verſehen ſein Nr. des
Meſſeſtandes uſw.) , die ein Auffinden des
Empfängers auf dem Meſſegelände ermöglichen. Be=
ſonders
wird darauf hingewieſen, daß die Aufſchrift
Meſſepoſtamt nicht etwa Meßamt lauten muß.
Auswärtigen Beſtellern wird empfohlen, Pakete, die
ſie zur Einrichtung ihrer Meſſeſtände benötigen, ſo
frühzeitig aufzuliefern, daß ſie vor Beginn der Meſſe
beim Meſſepoſtamt vorliegen können. Auslän=
diſcher
Fliegerbeſuch zur Frankfurter
Meſſe. Am Samstag, den 14. d. Mts., wird ein
von der Firma Brüder Farman, Paris, zur Ver=
fügung
geſtelltes franzöſiſches Großflugzeug vom Typ
Farman=Goliath um die Mittagsſtunde auf dem
Flughafen Rebſtock eintreffen. Die Inſaſſen ſind Ver=
treter
franzöſiſcher Behörden, der Pariſer Handels=
kammer
, der Firma Farman und der franzöſiſchen
Preſſe, die zum B=ſuch der Frankfurter Frühlings=
woche
hierherkommen. Da es von Jutereſſe ſein wird,
ein franzöſiſches Großflugzeug zu ſehen und mit den
im Läufe der kommenden Woche hier eintreffenden
deutſchen Großflugzeugen zu bergleichen, wird die
franzöſiſche Maſchine am Sonntag auf dem Flug=
hafen
ausgeſtellt werden.
Billiger Sonntag im Frankfurter
Zov. Am Sonntag, den 15. ds. Mts., iſt der Zoo=
logiſche
Garten und das Aquarium während des
ganzen Tages zu halben Eintrittspreiſen zugänglich.
Nachmittags und abends finden Konzerte unter Lei=
tung
des Kapellmeiſters Limpert ſtatt. Bei glinſtigem
Wetter Reit= und Fahrbetrieb im Wäldchen.
Jungtiere im Frankfurter Zoo. In den
Oſtertagen wurden im Zoologiſchen Garten mehrere
Jungtiere geboren. So zwei Axishirſche, ſchöne ge=
fleckte
vorderindiſche Hirſche, die ſich in der Geweih=
bildung
von den deutſchen Edelhirſchen unterſcheiden.
Während nämlich bei vielen Hirſchen, z. B. auch
unſerem einheimiſchen Edelhirſch, die Zahl der Ge=
weihenden
in der Regel von Jahr zu Jahr zu=
mimmt
, kommt ſie bei dem indiſchen Axis und ſeinen
Verwandten nie über die Sechszahl hinaus. Ferner
erblickte ein männliches junges Lama das Licht der
Welt; die Lamas werden in Südamerika als Haus=
tiere
zum Tragen von Laſten und zur Wollgewin=
nung
gehalten.
Unfall des D=Zuges Mannheim=Dortmund.
Mannhelm. Der D=Zukg Mannheim- Dort=
mund
, der Mannheim um 15,45 Uhr verläßt, arlitt
am Donnerstag zwiſchen Weißenturm und Andernäch
einen noch gut abgelaufenen Unfall. Der in völler
Fahrt befindliche Zug riß plötzlich auseinander. Da
die ſelbſtätigen Bremſen gut arbeiteten, kamen die
beiden Zugteile ſehr raſch zum Stehen. Nach Aus=
wechflung
der ſchadhaften Wagen konnte der Zug mit
einer Verſpätung von 45 Minuten die Fahrt nach
Dortmund förtſetzen.
Eiferſuchtstragödie in Oberſchöneweide.
Berlin. In Oberſchöneweide wurden am Frei=
tag
früh der 20 Jahre alte Erich Block und ſeine
bei der derſelben Vermieterin ſvohnende Verlobte,
die 2 Jahre alte Margarete Wilki, tot aufgefunden.
Nach den bisherigen Feſtſtellungen dürfte Block ſeine
Braut aus Eiferſucht durch Dolchſtiche getötet und
dann ſich ſelber auf dieſelbe Art das Leben genom=
men
haben.
Beileid der Deutfchen Reichsbahngeſellſchaft
zum Unglück am Pariſer Nordbahnhof.
Berlin. Wie wir erfahren, hat der General=
Givektor der Reichsbahngeſellſchaft, Dorpmüller, der
Compagnie du Chemin de fer du Nord in Paris
anläßlich des ſchweren Eiſenbahnunglücks am Pariſer
Nordbahnhof die Anteilnahme der Deutſchen Reichs=
bahngeſellſchaft
ausgeſprochen.
Polarflieger Byrd als Eefimo.

Die Feier am Dürer=Grab.
Eine eindrucksvolle Feier wurde am Grabe des ſeit vierhundert Jahren verewigten großen deut=
ſchen
Malers Albrecht Dürer in Nürnberg veranſtaltet. Unſer Bild zeigt rechts den Bildhauer
Hoene, der als Vorſitzender des Reichsverbandes bildender Künſtler die Feſtrede hielt. Links vom
Feſtredner iſt der Nürnberger Oberbürgermeiſter Dr. Luppe zu ſehen.

Mordverſuch als Kinderſpiel.
Berlin. In Schwerin in Mecklenburg wurde
von Kindern beim Spielen ein kleiner Knabe ge=
feſſelt
und in einem lecken Fiſcherboot feſtgebunden.
Dann ſtießen die Kinder das Boot in den Schweriner
See hinaus, uo der Wind es immer weiter vom
Ufer abtrieb, während es langſam voll Waſſer lief
Dem Knaben war ein Kuebel in den Mund geſteckt,
ſo daß er nicht um Hilfe rufen konnte. Seine Ge=
ſpielen
unternahmen nichts zu ſeiner Rettung. Durch
Zufall wurden Ruderer auf das ſinkende Boot auf=
merkſam
und konnten im letzten, Augenblick das Kind
vor dem Ertriuken retten.
Zwei neue Funktürme für Berlin.
Berlin wird außer dem Funkturm in Witzleben,
dem eiſernen Wahrzeichen der Reichshauptſtadt, in
abſebarer Zeit zwei neue große Funktürme er=
halien
. Zwiſchen dem Berliner Meſſeamt, der Fuuk=
ſtunde
Aktiengeſellſchaft und einer Baufirma ſind dem
Tag zufolge zurzeit Verhandlungen im Gange, die
ſich um das Projekt einer neuen großzügigen Sender=
anlage
drehen. Es ſollen in unmittelbarer Nähe des
Bahnhofs Eichkamp zuei Funktürme errichtet wer=
den
, die dieſelbe Höhe wie der Witzlebener Funk=
turm
erhalten. Mit dem Bau wird währſcheinlich in
einigen Monaten begonnen werden. Im Gegenſatz
zu dem Witzlebener Fünkturm warden die beiden
neuen Türme aus Holz errichtet.
Unfall oder Verbrechen?
Schwerin. Am= Donnerstag abend wurde in
den Waldungen zwiſchen Settin und Zapel bei Cri=
vitz
der in den 30er Jahren ſtehende Willi Reuſſel
mit einem fchweren Bauchſchuß tot aufgefunden. Die
Leiche lag in einem Graben, ein Gewehr mehrere
Meter von dem Toten entfernt. Es ſteht noch nicht
feſt, ob es ſich um einen Unfall ſoder um ein Ver=
brechen
handelt.
Schwere Brände in Mecklenburg.
Schwerin. In der Nacht zum Freitag brannte
auf dem Grundſtüick des hieſigen Kaufmanns Suhr ein.
Stallgebände und ein Speicher mit Holzborräten
nieder. In Guabonu brach am Freitag früh in
dem Gebäude des Bäckermeiſters Borchert ein Feuer=
aus
, das das Haus in kurzer Zeit einäſcherte. Drei
Arbriterfamilien ſind obdachlos geworden. Eine be=
nachbarte
Gaſtwvirtſchaft hat ſchwver gelitten. In
Groß=Teſ.ſin bei Neukloſter wurden am Frei=
tag
. früh zwei große Wirtſchaftsgebäude mit land=
wirtſchaftlichen
Maſchinen und Futtervorräten ein
Raub der Flammen. Das Vieh konnte zum größten
Teil gerettet werden.
Unglücksfall in einer Mailänder Kaſerne.
Mailand. In der Milizkaſerne Carroccio ging
das Gewehr eines Milizſoldaten, das dieſer zwiſchen
den Knien hielt, während er den Leibriemen um=
ſchnallte
, plötzlich los. Das Geſchoß ging durch eine
Gruppe von Milizſoldaten hindurch, von denen zwei
getötet und drei verletzt wurden.
Auch ein Naturfreund.
Gegen den Pariſer Advokaten Verlet, der vor
einigen Jahren. das früher dem deutſchen Kaiſir
Wilhelm II. gehörende Schloß Urville in Lothringen
ervorben hatte, iſt eine Klage angeſtvengt wvorden,
weil er in vandaliſcher Weiſe angefangen hatte, die
Bäume des prächtigen Schloßpaukes niederzulegen.
Die Anklage ſtützt ſich darauf; daß der Park und
das Schloß als maleriſche Lage behördlich geſchützt
ſeien. Die Domänenverwaltung, die die Klage an=
geſtrengt
hat, ſordert eine Entſchädigung von
100 00 Franken.

Hochherzige Stiftung eines Deutſch=Amerikaners.
Herr Albert Fuchs von Santa Monica, Kalifor=
nien
, hat erklärt, daß er nach und nach ſein geſamtes
2 Millionen Dollar betragendes Vermögen für Ver=
ſuche
, ein Mittel gegen Krebs zu finden, hergeben
werde; ſeine Gattin, die ehemals in Europa wie
Amerika gefeierte Pianiſtin Fannh Richter=Fuchs, iſt
kürzlich einem ſchveren Krebsleiden erlegen. Der
Mediziniſchen Geſellſchaft in Chicago hat Herr Fuchs
bereits 7 Acker Land und auch ein großes Gelände,
auf dem ein Hoſpital nebſt Laßoratorium errichtet
wverden ſollen, übergeben. Fuchs war ein Kunſt=
gärtner
, der in Chicago durch Grundeigentumsſpeku=
lation
zum lvohlhabenden Manne, würde. Frau
Nichter=Fuchs ſtammte aus Berlin, wo ſie unter Liſzt
ſtudierte und ſchon mit 19 Jahren in allen Groß=
ſtädten
Europas vör vielen gekrönten Häuptern
ſpielte. Damroſch brachte die Pianiſtin ſeinerzeit nach
Amerika: Sie ſpieite u. a. bei der Beerdigung des
Präſidenten Mc. Kinley und weihte ſpäter unter
Theodor Rooſevelt das goldene Piano im Weißen
Hauſe gi
Gemäldediebſtahl in einem Budapeſter Palais.
Budapeſt. Aus dem Palais des Erzherzogs
Joſef zwurde ein von dem niederländiſchen Maler
Peter Reutel ſtammendes Gemälde im Werte von
30 000 Pengö von Einbrechern geſtohlen. Der Dieb=
ſtähl
erregt desſvegen großes Aufſehen, weil man es
unerklärlich findet, wie die Diebe, von denen bisher
jede Spur fehlt, in das Palais eindringen konnten.
Im Sattelvon Paris nach Bukareſt

Nachel Dorange,
eine heuvorragende franzöſiſche Reiterin, die durch
ihren vorjährigen. Diſtanzuitt, ParisBerlinParis
ſich einen Namen gemacht hat, tritt einen neuen
Ueberlandritt au, der von Paris über Deutſchland,
Oeſterreich und Ungarn nach Bukareſt, der Haupt=
ſtadt
Rumäniens führt. Die Strecke gebr über mehr
18 2500 Kilometer.

Kommandeur Nichard E. Byrd
hat ſich von Estimos in Algska einen Expeditions=
anzug
für ſeinen Südpolflug anfertigen laſſen. Der
berühmte Polarkenner will in ſeiner Ausrüſtung die
Fahrtauſende alten Erfahrungen des tüchtigen ark=
tiſchen
Volkes ſich zu Nutze machen.

Dürer=Gedenkmünze.

[ ][  ][ ]

Samstag, den 14. April 1928

Nummer 104

b. Griesheim Haltestelle der Linie 9
Samstag, den 14.April, ab8 Uhr
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15. April 1928. Im Ausschank Wiener Doppelkronenbier

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Darmſtadt nach Einſiedel. 5 Uhr
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Großes Haus
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Samstag, den 14. April 1928
Anfang 19.00 Uhr Ende nach 22.00 Uhr
In der neuen Inſzenierung:
Egmont
Ein Trauerſpiel in fünf Akten (13 Bildern)
von Goethe
Inſzenierung: Carl Ebert
Bühnenbild: Wilhelm Reinking
Mitwirkende
Käthe Gothe, Martha Ziegler Käthe
Meißner, Ewald Balſer=Düſſeldorf a. G.,
Hans Baumeiſter, Hansioachim Büttner,
Werner Finck, Ulrich Folkmar, Eduard
Göbel, Nichard Jürgas, Hugo Keßler, R. d.
Klix. Robert Klupp, Wily Krichbaum,
Hans Heinz Krumb, Paul Maletzki, Karl
Paryla, Gothart Portloff, Artur Schettler,
Kurt Weſtermann
Spielwart: Joſef Kreuter
Preiſe der Plätz: 1 10 Mark
Kleines Haus
(Außer Miete)
Samstag, den 14. April 1928
Anfang 14.30 Uhr Ende 16.30 Uhr
Humſti=Bumſti
(Rumpelſtilzchen)
Einluſtiges Zaubermärchen in ſechs Bildern
von Tilla Bunzl und Erhard Siedel
Muſik von Theod or Mackeben
Inſzenierung: Günter Haenel a. G.
Bühnenbild: Georg Pfeiffer
Muſikaliſche Leitung: Berthold Goldſchmidt
Mitwirkende:
(V6730
Johanna Blum, Margarete Carlſen, Käthe
Gorhe, Käthe Meißner, Kitty Stengel, Mela
Wigandt, Hansjoachim Büttner, Ulrich
Folkmar, Nicharo Jürgas, Hugo Keßler,
Robert Klupp, Paul Maletzki, Karl Paryla,
Gothart Portloff
Spielwvart: Willy Krichbaum
Preiſe der Plätze 0.40 bis 2 Mk.
Volk 3oprſteilung zu Einheitspreiſen
Jum letzten Male
Ende 22.15 U5s
Anfang 19.31 Uhr
Zar und Zimmermann
Koliiſche Oper in drei Akten
von Albert Lortzing
Muſikaliſche Leitung: Berthold Sander
Inſzenierung: Rudolf Scheel
Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp
Tänze: Manda von Kreibig
Mitwirkende:
Lucia Delſarta=Freiburg a G, Martha
Liebel, Hans Debus, Oscar Grauert, Otto
Horina, Alfred. Karen, Hans Komregg,
Heinrich Kuhn, Joſef Poerner, Eugen
Vogt, Fritz Wilde
Spielwart: Fritz Wilde
Preiſe der Plätze: 1. 2, 3, 4 Mark

Ab 15. April tägliche Fahrten zur
Baumblüte an der Bernstrade
von Darmſtadt (Schloß Reiterdenkmal)
nach Zwingenb.=Auerbach=Bensheim,
zurſick über Alsbach=Jugenheim= See=
heim
=Malchen.
Abfahrt: Morgens 8½ Uhr,
Rückkunft gegen 11 Uhr
Mittags 2 Uhr,
Rückkunft gegen 5 Uhr
Fahrpreis: Hin und zurück 3 Mark,
Kinder die Hälfte.
Beſtellungen werden im Verkehrsbüro
entgegen genommen (*10023
Außo-Omnibus-Zentrale
Jugenheim Tefeph. 41

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Fernruf 1045.

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Konzert
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Café Egenrieder Straße 14.

Hettannahme

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Hm Sonntag, den 15. Hpril 1928
finden große Pferderennen statt

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Heute Samstag

Geſellſchaftszimmer

[ ][  ][ ]

Win Sünftin Tamane

43)

Roman von P. van der Hurk.
(Nachdruck verboten)

Der Betrunkene riß ſie ihm aus der Hand:
Gib her das Ding ich zähle vierund=
zwanzig
? acht Runden? ſteek de moord! Dann
folgte ein gräßlicher Fluch. Der Wirt ließ den ſilbernen Ryks=
daalder
in die Hoſentaſche gleiten und ſchloß, nachdem die drei
Gäſte das Lokal verlaſſen hatten, die Tür hinter ihnen zu.
Wenn der Burſche da hinten in der Ecke endlich ſein
kleines Bier ausgetrunken hätte, könnte ich ein Mittagsſchläfchen
halten, dachte er, um dieſe Zeit kommt doch kein Menſch.
Er ſcharwenzelte eine Weile herum, nahm die Gläſer zu=
ſammen
, wiſchte die Schiefertafel ab, ſuhr mit einem Lappen über
den beſudelten Tiſch und ſchob auf den allein übriggebliebenen
Gaſt zu.
Noch cen Biertje, Mynheer?
Der andere ſchob ihm das halbgeleerte Glas hin:
und eine Doſe Ziggretten, die beſten.
Der Budiker brachte das Gewünſchte und zog ſich hinter
feinen Schanktiſch zurück, wo er bald mit lautem Schnauchen ſeinen
Mittagsſchlaf ankündigte.
Alexei war allein. Auf dieſen Augenblick hatte er gawartet.
Er zog eine Verliner Mittagszeitung aus der Taſche, die er
bor einer Stunde unauffällig gekauft hatte, da ihre fettgedruckte
Ueberſchrift ihn einigermaßen intereſſierte.
Er breitete die Zeitung vor ſich aus und begann zu leſen:
Ein Rieſen=Verſicherungsſchwindel
aufgedeckt!
Die falſche Tizian=Madonna Hundert=
tauſend
Mark Belohnung und vierhundert=
tauſend
Mark Abfindung für ein wertloſes
Bild! Vor einigen Wochen ging die überraſchende Nachricht
durch die Preſſe, daß der Maler und Kunſtſammler Baron K.
bei einem Trödler in Amſterdam ein altes Bild entdeckt hätte,
das von dem berühmten Kunſtſachverſtändigen Profeſſor
Ahrend als ein echter Tizian erkannt wurde und deſſen Wert
auf eine Million Mank geſchätzt worden iſt.
Baron K. verſicherte dieſes Bild bei der Welt=Rekord= Ver=
ſicherungs
=A.=G., und einige Stunden nach Abſchluß der Ver=
ſicherung
wurde das Gemälde auf bisher unerklärliche Weiſe
aus ſeinem Atelier geſtohlen.
Trotz der ausgeſetzten Belohnung +en 50000 Mark blieben
die Nachforſchungen der Polizei und verſchiedener Privat=
detektive
ohne jeden Erfolg, bis ein Angeſtellter der Geſell=
ſchaft
die Mitteilung machte, er habe den Aufenthalt des

Somstag, den 14. April 1928
Bildes mit Hilfe eines Detetivs Lincoln in Amſterdam ent=
deckt
. Der Generaldirektor der Welt=Rekord reiſte ſofort in
Begleitung des Kriminalkommiſſars Engel und des Experten
Profeſſor Ahrend nach Amſterdam, wo ihm das Bild gegen
eine Belohnung von insgeſamt 100000 Mark ausgehändigt
werden ſollte.
Man ging unbegreiflicherweiſe auf dieſen Vorſchlag einer
raffinierten Schwindlergeſellſchaft ein, ohne die Kriminal=
polizei
davon in Kenntnis zu ſetzen. Die Berliner Herren
wurden
in eine mitten in den Dünen
gelegene Villa
geführt, wo ihnen ein Bild gezeigt wurde, das Profeſſor,
Ahrend als das geſtohlene Tizian=Original wiedererkannte.
Hierauf ſurde das Geſchäft abgeſchloſſen, bei dem die
Welt=Rekord der Schſvindlerbande 100 000 Mark in bar aus=
zahlte
.

EPASTILLEN
Getaohe
zum Schutz gegen Grippe,
Halsentzundung, Erkältung.
(andlavin-Pastllen: Acridiniumchlarich
IV 6295

Inzwiſchen führte ein bekannter Berliner Anwalt im Auf=
trage
eines Herrn, der ſich ihm als Baron K. vorg;ſtellt hatte,
Verhandlungen mit der Welt=Rekord, wonach Baron K. eine
Entſchädigungsſumme von 400 000 Mark erhaiten ſollte. Auch
hierbei kam es zu einem Abſchluß, und der Anwalt empfing
gegen Aushändigung einer notariellen Vollmacht einen Scheck
üiber 400 00 Mank, die er ſeinem Klienten weitergab.
Die Welt=Rekord war ſomit rechtmäßige Beſitzerin des
Tizian=Bildes und verſuchte nun, das Gemälde zu verkaufen.
Es meldeten ſich auch verſchiedene Intereſſenten, insbeſondere
aus U1. S.A. Aber bei der Beſichtigung ſtellte ſich heraus, daß
das Bild eine vollkommen wertloſe Kopie war.
Profeſſor Ahrend beſtreitet die Identität.
Profeſſor Ahrend beſtreitet mit Beſtimmtheit, daß das im
Beſitz der Welt=Rekord befindliche Bild identiſch ſei mit dem,
welches er in der holländiſchen Villa beſichtigt hat. Er be=
hauptet
, bei der erſten Unterſuchung ein Geheimzeichen an=
gebracht
zu haben, das er ſofort wiedererlannte.
Profeſſor Ahrend führte unſerem Mitarbeiter gegenüber
ferner aus: Das jetzt vorgelegte Bild ſtellt eine derartig
plumpe Fälſchung dar, daß ich es niemals, ganz abgeſehen

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Darmstadt,
Ludwigstr. 17 Fernspr. 2137

Seite 12
von dem erwähnten Signum, als echt hätte anſehen können,
Es beſteht nur die Möglichkeit, daß es während des Trans=
portes
vertauſcht worden iſt.
Inzwiſchen ergaben die Nachforſchungen der Polizei wi=
tere
Ueberraſchungen. Baron K. hat niemals einen Berliner
Anwalt beauftragt, Verhandlungen für ihn mit der Weli=
Rekord zu führen. Es hat ihn allerdings in Scheveningen,
wo er ſich zur Zeit aufhält, ein Konſul Bergmann beſucht, der
ſich als Wufſichtsratsmitglied der Welt=Retord ausgab und
ihn veranlaßte, auf das Eigentumsrecht des Bildes und alle
Anſprüche gegenüber der Welt=Rekord zu verzichten. Als Ent=
ſchädigung
erhielt Baron K. eine Perlenkette im tatſächlichen
Werte von 300 000 Gulden. Nach dieſem Konful Bergmann
wird gefahndet.
Die Kiſte mit dem doppelten Boden.
Wie wir bei Redaktionsſchluß erfahren, iſt es der hollän=
diſchen
Polizei gelungen, die einſame Villa in den Dünen aus=
findig
zu machen. Die Beſitzerin hatte die unteren Räume
für zwei Monate an den Konful Bergmann vermietet.
Bei einer Hausſuchung fand wan eine eigentümliche Kiſte
mit doppeltem Boden, wie ſie Zauberkünſtler zu gebrauchen
pflegen. Anſcheinend iſt es den Schwindlern mit Hilfe dieſer
Kiſte gelungen, den Herren der Verſicherungsgeſellſchaft zu=
nächſt
das echte Bild vorzuführen und ihnen ſpäter das falſche
in die Hand zu ſpielen. Der Detektiv Lincoln iſt in Amſter=
dam
nicht bekannt und ſcheint ein Mitglied der Bande zu ſein.
* *
Alexei faltete die Zeitung zuſammen. Der Wirt ließ ein
laut vernehmbares Gähnen hören und kam mit dickem Kopf
hinter dem Schanktiſch hervor.
Alexei taſtete mit dem Fuß unter die Bank, wo er ſeinen
ſchmutzigen Handkoffer aus billiger Lederimitation hingeſtellt
hatte, und dachte:
Wenn dieſer Halunke wüßte, was in meinem Koffer iſt!
Er holte ſeinen kleinen Daſchenſpiegel hervor und betrach=
tete
ſich.
Kein Menſch erkennt mich
ſie ſind mir auf den Ferſen,
aber ſie werden mich nicht finden morgen früh um fünf Uhr
gehe ich an Bord zehn Tage im Heizraum dann
bin ich im Yankeeland, wo nicht gefragt wird, wer man iſt, ſon=
dern
was man hat.
Der Wirt kam wieder mit der ſchläfrigen Frage: Noch ein
Biertje, Mynheer?
Alexei nickte er ſaß ſo wohlgeborgen in der ſchmutzi=
gen
Kneipe. Hier ſuchte man nicht nach dem Fürſten Samaroff,
und wenn man ihn ſuchte, ſo fand man nur den Heizer Peter
Breuer, der ſich mit einem gültigen deutſchen Paß legitimieren
konnte.

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