Darmstädter Tagblatt 1928


05. Februar 1928

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Einzelnummer 15 Pfennige

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Nummer 36
Sonntag, den 5. Februar 1928.
191. Jahrgang

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Rüſtungen im Zeichen der Abrüſtung:

Das engliſch=amerikaniſche
Wettrüſten.
Die Mechaniſierung der britiſchen Armee.
Die Ausbildung der Territorial=Truppen.
Von unſerem (D=Korreſpondenten.
London, 4. Februar.
In den diesjährigen Sommermanövern werden die Garde=
Imfanterie=Bataillone, wie wir bereits melden konnten, ver=
ſurchsweiſe
in neuer Art organiſiert werden. Nur drei Kom=
rwgnien
jedes Bataillons werden unverändert bleiben, die vierte
zird jedoch als Maſchinengewehrkompagnie zu Felde ziehen, was
enne Vervielfachung der Maſchinengewehre in der Feuerlinie zu
hiedeuten hat.
Dieſer Fortſchritt in neuzeitlicher Organiſation wäre wicht
gerade als eine beſondere Leiſtung zu betrachten. Die britiſche
Aarmee holt mit ihm nur nach, was andere längſt hinter ſich
haben. Wenn aber der Generalinſpekteur der Territorialtruppen,
Generalleutnant Sir Reginald B. Stephens, in einer Anſprache
biei der Preisverteilung an die Londoner Schützenbrigade letzthin
ei klärte, daß ohne Zweifel auch die Territorialarmee in einem
vſoer in zwei Jahren ſowie das neue Syſtem erprobt worden
ſſi aufgefordert werden würde, ſich in gleicher Weiſe zu orga=
yt
=ſieren, ſo bedeutet das für die Erhöhung der Kampfſtärke die=
ſas
Stiefkindes der britiſchen Armee, wie für die Mobil=
beereitſchaft
aller Truppen im Mutterlande
autßerordentlich viel. Der letzte Punkt iſt auch für das Ausland
von großer Wichtigkeit, denn der Generalinſpekteur fügte die
bi deutungsvollen Worte hinzu: Noch mehr als das, es müſſen
unbedingt in der ganzen Organiſation Veränderungen vorge=
nemmen
werden. Und weiter ſagte er: Es iſt nicht der ge=
umigſte
Zweifel, daß wir, wenn wir das nächſte Mal in den
9rieg ziehen müſſen, viel mehr mit Maſchinengeweh=
ren
als mit Mannſchaften gegen den Feind rücken
herden. Wir werden bedacht ſein, niemals wieder Menſchen=
nuaſſen
gegen neuzeitliche Artillerie und neuzeitliche Maſchinen=
gtwehre
zu werfen. Wir müſſen uns im Gebrauch neuer Waffen
ansbilden, wie ſie uns in die Hände kommen. Die Territorial=
armee
muß ſich mit allen Kräften auf die Erreichung einer hohen
Matsbildungsſtufe legen. Sie muß intelligente Leute an ſich
ziehen, die imſtande ſein werden, die modernen Waffen zu be=
mutzen
, die ſie in der Zukunft in Händen haben werden. Wir
herden jeden Mann aufmuntern, der bereit iſt, ſich im Gebrauch
dir Lewis= und Maſchinengewehre zu vervollkommnen und den
jührlichen Schießkurſus mit dieſen anſtatt mit den Gewehren zu
afeſolvieren.
Ein neuer Wind, der durch Britanniens Heimatsſtreitkräfte
iuxht. Und der Kriegsminiſter fährt nicht zu ſeinem Vergnügen
tſhach Indien, ſondern zu dem Zweck, dort denſelben friſchen
Luuftzug anzufachen. Es klingt in der Tat kaum glaublich, wenn
nuan erfährt, daß die 1. Feldartillerie=Brigade, die eine der bei=
dan
bisher mechaniſierten, bei ihrer Verlegung von Schanghai
ſſiuch Indien ihre mechaniſche Ausrüſtung nach Hauſe ſenden muß.
Tauchbomben eine gefährliche Waffe der
Amerikaner.
Im amerikaniſchen Repräſentantenhauſe wurde dem Flotten=
du
partement der Vorwurf gemacht, es habe alle Nachrichten über
dye ſenſationellen Verſuche mit neuen Luftbomben unterdrückt
gins Beſorgnis, ſie könnten einen nachhaltigen Einfluß auf
=8 Durchbringen der Flottenbauvorlage ausüben. Ein Aero=
Frachblatt, der Digeſt, ging ſoweit, zu behaupten, die enorme
Zeerſtörungskraft der neuen Bomben ſei eine ſo gewaltige, daß
die Unzulänglichkeit der Schlachtſchiffe beweiſe. Man fühlte
fuich in den Flotten=Luftfahrtkreiſen gewiſſermaßen an die Wand
gi ſtellt und hielt es mit dem Flottendepartement für beſſer, eine
menn ſchon knappe Auskunft zu erteilen, durch welche das Odium
gawiſſermaßen beſeitigt würde. Der Chef des Bureaus der Aero=
uiutiſchen
Abteilung, Konteradmiral Moffett, gab daher die
Aonſtruktion der neuen ſogenannten Tauchbombe zu und auch,
dürß ihre Einführung nach ſeiner Anſicht einen entſchei=
denden
Einfluß auf die künftige Seekriegsfüh=
rlng
haben werde, daß aber die weitgehenden Behaup=
tungen
des Aero=Digeſt (alſo bezüglich des Unnötigwerdens
dar Schlachtſchiffe) gänzlich unbegründet ſeien. Wie ſteht denn
unin die Sache?
Aus zuverläſſiger Quelle (die nicht erſt genannt zu werden
buraucht) erfährt man folgendes: Die Verſuche wurden mit
Swrengbomben der Typen 2000 und 4000 Pfund (zu je 450
Grramm) ausgeführt, die einen Verzögerungszünder erhalten
hitten, der ſo konſtruiert iſt, daß die Bomben nicht beim Auf=
ſaglag
auf das Waſſer, ſondern erſt in einer Tiefe evon 8 bis
Metern unter der Oberſläche detonieren. Infolgedeſſen wirken
ſi: wie Minen gegen die ungeſchützten Teile des angegriffenen
Stchiffes Die Verſuche ſollen ergeben haben, daß ein einziger
Stchlag einer der ſchwereren Bomben dem größten und beſt=
aſf
ſchützteſten Schlachtſchiff zum Verhängnis wird, das man nur
knmſtrujeren kann. Die erſte 4000=Pfund=Bombe wurde ſchon vor
ſil ben Jahren in dem Frankſord=Arſenal in Philadelphia kon=
ſin
uiert, aber der Typ iſt ſeither noch ſtark verbeſſert worden.
Im ihrer jetzigen Geſtalt iſt ſie 14 Fuß lang, nur 2 Fuß dick und
4300 Pfund ſchwer. Die Sprengladung wiegt 2000 Pfund, iſt alſo
virermal fo groß wie die der größten heutigen Seeminen und
Torpedos. Flugzeuge von der amerikaniſchen Armee und Flotte
koginten mit nur je einer Bombe dieſes Typs Höhen von 8000
Zuuß erreichen. Bei dem erſten Verſuch mit einer dieſer neuen
Boomben wurde ſie gegen ein Landziel aus 4000 Fuß Höhe los=
gellaſſen
. Sie ſoll einen Krater von 19 Fuß Tiefe und 65 Fuß
Durchmeſſer ausgeworfen haben, 1016 Kubik=Yard Erde.

Der amerikaniſche Staatsſekretär Kellogg
für ein Verbot der Unterſeebooie.
EP. Waſhington, 4. Februar.
miſſion des Repräſentantenhauſes ein Schreiben, in dem er er=
anderen
Ländern einen Vertrag über das Ver=
bot
von Unterſeebooten zu unterzeichnen. Er billige die
von der Kommiſſion in Ausſicht genommene Entſchließung, in
der die Aechtung der Unterſeeboote empfohlen werden ſoll.
Das Budget des italieniſchen Luftſchiffahrts=
und Kriegsminiſteriums.
EP. Rom, 4. Februar.
Das Budget des Luftſchiffahrtsminiſteriums
ſieht für das Rechnungsjahr 1928/29 Ausgaben von 700
Millionen vor. Gegenüber dem Vorjahre wurden die Ge=
hälter
des Perſonals ſtark gekürzt. Dagegen wurden 15 Millionen
für den zivilen Flugverkehr mehr bewilligt. Die Ausgaben
des Kriegsminiſteriums im kommenden Budgetjahr
werden um 121 Millionen vermindert, durch Aufhebung der
Teuerungszulagen allein um 81 Millionen.
Das angebliche ſüdſſawiſch=franzöſiſche
Geheimabkommen.
EP. Rom, 4. Februar.
Belgrad und Paris ſeine Behauptung über ein ſüdſlawiſch= fran=
zöſiſches
Flottenabkommen aufrecht, mit der Begründung, daß das
Abkommen öffentlich nicht anerkannt werden könne, weil es ge=
des
Völkerbundes verpflichtet hätten, dürften ſie nicht einge=
ſtehen
, im Geheimen eine dem Völkerbund widerſprechende
Politik zu treiben.
Ausbau der belgiſchen Oſibefeſtigungen.
EP. Brüſſel, 4. Februar.
Die Regierung hat für 1928 einen außerordentlichen Kredit
von 10 Millionen Franken beantragt, der für den Ausbau der
Befeſtigungen an der belgiſchen Oſtgrenze, die Wiederherſtellung
gewiſſer Forts und den Bau von Maſchinengewehrunterſtänden
und Befehlsſtellen ſowie für Anlagen zur Ueberprüfung des Ge=
ländes
beſtimmt iſt. Die Geſamtkoſten dieſer Arbeiten werden
ſich auf 30 Millionen Franken ſtellen. Die reſtlichen 20 Millio=
nen
Franken ſollen im nächſten Jahre angefordert werden.
Auf dem Wege
zur Beſeitigung der Zollſchranken.
EP. Genf, 4. Februar.
In der Geſchichte der von der Zollkonferenz am 8. Novem=
ber
1927 in Genf beſchloſſenen, internationalen Konvention zur
Beſeitigung der Ein= und Ausfuhrverbote und =Hinderniſſe ſtellt
der 1. Februar 1928 einen gewiſſen Abſchnitt dar. Mit dieſem
Datum lief die Friſt der vorbehaltlichen Unterzeichnung der
Konvention ab. 26 Staaten haben bis zu dieſem Tag die Kon=
vention
gezeichnet. 18 von ihnen, nämlich Deutſchland, Oeſter=
reich
, Belgien, England, Bulgarien, Dänemark, Aegypten, Finn=
land
, Frankreich, Ungarn, Italien, Japan, Luxemburg, Nieder=
lande
, Numänien, Siam, Schweiz und die Tſchechoflowakei er=
klärten
ſofort am 8. November 1927 ihren Beitritt, die übrigen
acht Staaten, Eſtland, Lettland, Norwegen, Polen, Portugal,
Schweden, Südflawien und die Vereinigten Staaten von Ame=
rika
ſind ihnen bis zum 1. Februar gefolgt. Die Friſt der vor=
behaltloſen
Unterzeichnung der Konvention läuft Ende Juni
1928 ab und im Juli 1928 werden die Signatarmächte der Kon=
vention
ſich darüber ſchlüſſig werden, unter welchen Bedingun=
gen
und zu welchem Datum die Konvention in Kraft geſetzt
werden kann. Sechs Monate nach Inkrafttreten der Konvention
werden alle Ein= und Ausfuhrverbote und =Hinderniſſe gemäß
den Verpflichtungen, die die Kontraktanten eingegangen ſind,
aufgehoben ſein müſſen.
Die meiſten Vorbehalte zur Konvention ſind von Rumänien,
Portugal und der Tſchechoflowakei gemacht worden. Dieſes
Land, das eine große Nachkriegsinduſtrie zu protegieren hat,
marſchiert mit 16 Ein= und Ausfuhrvorbehalten an der Spitze,
darunter befinden ſich Ausfuhrvorbehalte für Rundholz und
und Wein.
Internationalen Arbeitsamt.
EP. Genf, 4. Februar.
brachte heute der öſterreichiſche Vertreter Hueber im Namen der
Arbeitergruppe einen Antrag ein, für den Verwaltungsrat und
die Internationale Arbeitskonferenz auch in dieſem Jahre die
Arbeitsamtes mit großem Intereſſe beobachteten. Der franzöſiſche
Internationale Gewerkſchaftskongreß in Berlin der Einführung
der deutſchen Sprache beigemeſſen habe. Der Antrag wurde gerichtet, außenpolitiſch die Politik der Regierung im algemei=
ſtatutengemäß
zur weiteren Behandlung an die Reglementskom= nen grundſätzlich frützt, die Ausführungen Dr. Strefemanns
miſſion verwieſen.

Die Woche.

Die Reichstagsrede des deutſchen Miniſters des Auswärtigen
Dr. Streſemann vom vergangenen Montag geht weit über den
Rahmen der üblichen Etatsreden hinaus. Es iſt ſeit langem
nützliche Gepflogenheit, daß die Beratung des Außen=Etats
dem Außenminiſter Gelegenheit gibt, zu den Fragen ſeines
Reſſorts, den Fragen der deutſchen Außenpolitik, in aller Oef=
fentlichkeit
Stellung zu nehmen. Nicht immer in der Geſchichte
Staatsſekretär Kellogg richtete an die Außenpolitiſche Kom= des deutſchen Parlcmentarismus ſind die aus ſolchem Anlaß ge=
haltenen
Neden zum politiſchen Ereignis erſten Ranges gewor=
klärte
, die Vereinigten Staaten ſeien bereit, mit den. Die Bedeutung der beiden Reden Dr. Streſemauns vom
Montag und vom Mittwoch wird am beſten durch die eine Tat=
ſache
gekennzeichnet, daß ſchon am Donnerstag die Antwort des
franzöſiſchen Außenminiſters erfolgte. Es iſt an dieſer Stelle
ſchon mehrfach ausgeführt worden, daß die europäiſche Politik
gegenwärtig eine Periode der Stagnation durchmacht, die be=
dingt
iſt durch die in den drei Hauptländern England, Frankreich
und Deutſchland bevorſtehenden Wahlen. Die etwas ſtickig ge=
wordene
europäiſche Luft zu bereinigen, die ins Stocken gerate=
uen
Erörterungen wieder in Fluß zu bringen, war offenbar der
Zweck der beiden Streſemann=Reden, und dieſer Zweck iſt er=
reicht
. Unſtreitig ein Erfolg, der ſicherlich noch größer geweſen
wäre, wenn die ſich an die erſte Streſemann=Rede auſchließende
parlamentariſche Debatte nicht durch höchſt abſonderliche partei=
politiſche
Seitenſprünge geſtört worden wäre, über die noch zu
ſprechen ſein wird.
Nach wie vor bleibt das Kernproblem der europäiſchen Poli=
tik
die Frage des deutſch=franzöſiſchen Ausgleichs. Seine Bedeu=
tung
, ſeine Notwendigkeit für den europäiſchen Frieden, für ein
Wiederaufblühen der durch den furchtbaren Aderlaß des Welt=
krieges
erſchöpften Völker des europäiſchen Kontinents, iſt ſchon
oft genug hervorgehoben worden. Der Vertrag von Locarno war
ein erſter bedeutſamer Schritt auf dem Wege zu einer wirklichen
europäiſchen Verſtändigung. Aber die Folgerungen, die ſich aus
Das Giornale d’Italia hält auch nach dem Dementi von dieſem erſten Schritt eigentlich mit zwingender Notwendigkeit
hätten ergeben müſſen, blieben aus und die Verhandlungen des
letzten Jahres haben uns eigentlich keinen Schritt weiter ge=
bracht
. Unter dieſen Umſtänden iſt es außerordentlich erfreulich,
heim ſei. Da Frankreich und Südflawien ſich auch für die Politis daß der deutſche Außenminiſter jetzt die gegebene Gelegenheit
benutzte, um vor der ganzen Welt feſtzuſtellen, daß die Schuld
an dieſem Rückſchlag jedenfalls nicht bei uns liegt. Mit Recht
wies er darauf hin, daß die weitere Beſetzung des Rheinlandes
durch franzöſiſche Truppen keinerlei Bexechtigung mehr habe,
und daß die Räumung der beſetzten Gebiete Vorausſetzung fei
für die doch auch von den frax zöſiſchen Außenminiſter angeſtrehte
vertrauensvolle friedliche Zuſammenarbeit der beiden Völker.
Gerade weil ich wünſche, daß der Begriff dieſes Zuſammen=
halts
Gemeingut des ganzen deutſchen Volkes wird, halte ich
mich, der ich für dieſe Politik immer gekämpft habe, auch für be=
rechtigt
, an die franzöſiſche Nation die Mahnung zu richten:
Nun tut auch das Eure, damit dieſe Politik Gemeingut des deut=
ſchen
Volkes werden kann! . . . Wir ſprechen von der Räu=
mung
, weil wir es bedauern würden, wenn der große Moment
einer wirklichen Verſtändigung nicht von dieſer franzöſiſchen
Generation ausgenutzt würde. Auch auf das angebliche Sicher=
heitsbedürfnis
Frankreichs iſt Dr. Streſemann eingegangen, in=
dem
er mit Recht betonte, daß der Locarnovertrag ja alle Sicher=
heiten
biete, die überhaupt ein Staat dem anderen bieten könne.
Wenn man nicht das Vertrauen habe, daß die abgeſchloſſenen
Verträge auch gehalten würden, ſo habe es ja überhaupt keinen
Zweck, Verträge abzuſchließen. Es müſſe endlich einmal darauf
hingewieſen werden, daß in dem Ruf nach Sicherheiten gegen
Deutſchland ein Stück Scheinheiligkeit liege, die nicht länger
ertragen werden könne. Dieſe Bemerkung, welcher der geſamte
Deutſche Reichstag ſtürmiſchen Beifall zollte, iſt um ſo bedeut=
ſamer
, als zur gleichen Zeit in Prag unter Vorſitz des Herrn
Beneſch die Berichterſtatter des Sicherheitskomitees tagten, dem
das deutſche Memorandum vorlag, in dem mit aller nur wün=
ſchenswerten
Deutlichkeit darauf hingewieſen wird, daß das an=
gebliche
Sicherheitsbedürfnis dem Rüſtungsfieber mancher euro=
päiſchen
Völker nur als Kuliſſe dient. Die eigentliche Gefahr
für den europäiſchen Frieden liegt darin, daß wieder ähnlich wie
in der Vorkriegszeit ein ganzes Syſtem von Bundes= und
Freundſchaftsverträgen entſtanden iſt, die naturgemäß ſtets eine
Spitze gegen andere Völker oder ganze Völkergruppen haben,
und daß man andererſeits mit allen Mitteln zu verhindern ſucht,
daß die eigentlichen Gefahrenquellen für den europäiſchen Frie=
den
verſtopft werden. Dieſe Gefahren aber ſind eine ganze Reihe
von Beſtimmungen der Friedensverträge von 1919! Der fran=
zöſiſche
Außenminiſter hat bei mehr wie einer Gelegenheit feier=
lich
erklärt, daß es das letzte Ziel ſeiner politiſchen Lebensarbeit
ſei, den europäiſchen Frieden zu ſichern, und auch in ſeiner
Senatsrede vora vergangenen Donnerstag hat er wiederum er=
klärt
, daß die Menſchheit den Krieg ſatt habe. Bisher habe als
Formel gegolten: Wenn du den Frieden willſt, ſo rüſte zum
Krieg. Die Geſchichte aber habe bewieſen, daß dieſe Methode
nichts tauge. Es ſei keine ſchlechte Methode, wenn man endlich
Häute und Leder und Einfuhrvorbehalte für Automobile, Vieh anfange, vom Frieden zu ſprechen. Das ſind ſehr ſchöne Worke,
aber Herr Briand ſollte wiſſen, daß Worte allein nicht entſchei=
dend
ſind für die Geſchichte, und daß der europäiſche Frieden
Einführung der deutſchen Sprache beim ſolange bedroht iſt, als man in Fraukreich das Verſäiler Dird
mit allen ſeinen Unmöglichkeiten als die Magna Charta anſieht.
Die Rede Briands iſt ſowohl in der franzöſiſchen wie in der
deutſchen Preſſe recht verſchieden kommentiert worden, und das
Ju Verwaltungsrat, des Internationnlen, Arbeitsantes iſt inſofern verſtändlich, als der franzoſiche Außenminiher Dlch=
bar
bemüht war, nach zwei Seiten zu ſprechen. Anders wie die
Rede Streſemanns waren ſeine Ausführungen in erheblichem
Maße bedingt durch die kommenden Wahlkämpfe. Immerhin
deutſche Sprache als dritte offizielle Verhand= bleibt beſtehen, daß er mit aller Deutlichkeit wieder auf die Unter=
lungsſprache
zuzulaſſen, weil ſie von Millionen europäiſcher haltungen von Thoiry zurückkam und durchblicken ließ, daß die
Arbeiter geſprochen und verſtanden werde, die die Tätigkeit des Frage der Rheinlandräumung für ihn nur ein politiſches Ge=
ſchäft
ſei, deſſen Zuſtandekemmen von der gebotenen Gegen=
Arbeitervertreter Jouhaur wies auf die Bedeutung hin, die der leiſtug abhäuge. Es iſt in dieſen Zuſanmenhans bemerkeus=
wert
, daß ein Blatt wie der Temps, das, innerpolitiſch rechts
über die Rheinlandräumung ſehr ruhig und ſachlich kommen=

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Sonntag den 5 Februar 1928

Nummer 36

tiert. Was man beſonders bei der zweiten Rede Herrn Streſe=
manns
feſthalten muß, iſt ſeine Verſicherung, daß die Idee einer
Politik des Einvernehmens mit Frankreich außerordentliche
Fortſchritte in Deutſchland macht und daß es von größtem
Invereſſe iſt, daß dieſes wachſende Verſtändnis der öffentlichen
Meinung in Deutſchland ſich einem wachſenden Verſtändnis der
franzöſiſchen öffentlichen Meinung gegenüberſieht. Dann aber
fährt der Temps fort: Es iſt an Deutſchland, das Mißtrauen
durch Taten zu zerſtreuen; ſoweit aber iſt man noch nicht, und die
Aktivität der deutſchen Nationaliſten ſteht in ſonderbarem Kon=
traſt
zu den Anſtrengungen Dr. Streſemanns. Wir haben immer
wieder ausgeführt, daß die Politik der Entſpannung und des
Einvernehmens gerade in Deutſchland ſeine perfideſten Gegner
findet. Die Sprache des Herrn von Freytagh=Loringhoven die=
ſer
Tage beſtätigt es, und die Antwort von Herrn Streſemann
beweiſt mindeſtens, daß der deutſche Außenminiſter dieſe Tat=
ſache
nicht verkennt!
Faſt in letzter Minute hat der radikale Flügel der Deutſch=
nationalen
durchgeſetzt, daß für die Deutſchnationale Volkspartei
nicht wie vorgeſehen Profeſſor Hoetzſch, der Mann der ruhigen
Sahlichkeit, ſondern Herr von Freytagh=Loringhoven als Red=
ner
vorgeſchickt wurde, und dieſer hat dann ja bekanntlich auch
aus ſeinem Herzen keine Mördergrube gemacht. Wieder einmal
eine jener Unbegreiflichkeiten, an denen unſere parlamentariſche
Geſchichte ſo außerordentlich reich iſt! Daß innerhalb der Deutſch=
nationalen
Partei die Meinungen über die Außenpolitik Dr.
Streſemanns geteilt ſind, iſt bekannt, bekannt aber auch, daß da=
mals
bei der Regierungsbildung vor einem Jahr der gemäßigte
Flügel ſich durchgeſetzt und die außenpolitiſchen Richtlinien des
neuen Kabinetts gebilligt hat. Jetzt aber ſtehen die Wahlen be=
vor
, und in Anbetracht der Mißerfolge bei den letzten Länder=
wahlen
ſucht man nach zugkräftigen Wahlparolen. Iſt man ſich
im Fraktionszimmer der Deutſchnationalen Volkspartei nicht
über die Wirkung klar geweſen, die es im Ausland auslöſen
mußte, wenn ein Mitglied der ſtärkſten Regierungspartei gegen
die Verſtändigungspolitik des deutſchen Außemminiſters Sturm
lief? Iſt man ſich nicht darüber klar geweſen, welche Waffe man
den Gegnern dieſer Verſtändigungspolitik in Frankreich dadurch
in die Hand gab? Wieder einwal haben wahltaktiſche Erwägun=
gen
deutſche Intereſſen empfindlich geſchädigt, woran natürlich
die ſpäteren Ausführungen Herrn v. Lindeiners, die lediglich den
innerpolitiſchen Sturm zu beſchwichtigen vermochten, nichts mehr
ändern konnten. Wann endlich wird man bei uns in Deutſchland
einſehen, daß die Außenpolitik ganz gewiß keinen Boden abgibt,
die geeignet wäre, darauf den Parteiſchimmel zu tummeln? A.

Zur Rede Briands.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 4. Februar.
Eg läßt ſich koum leugnen: die Rede des franzöſi=
ſchen
Außenminiſters vor dem Senat bedeutet
keinen Schritt vorwärts in der deutſch=franzöſiſchen An=
näherung
. Das iſt etwas überraſchend gekommen, überraſchend
ſogar ſür die franzöſiſche Oeffentlichleit und für die Umgebung
Briands ſelbſt. Man fühlt, daß ewas Ungünſtiges geſchah und
die Lintspreſſe verſucht auch dementſprechend die Stimmung nach
Möglichkeit zu retten.
Die Aufnahme der erſten Rede Streſemanns in Paris war
ausgeſprochen gunſtig. Von der zweiten läßt ſich dasſelbe weni=
ger
ſagen, dennoch hat Briands Rede Ueberraſchungen ausgelöſt,
namentlich waren ſie für die Narionaliſten angenehme.
Wir haben an dieſer Stelle bereits die Bedeutung der gegen=
twärtigen
innenpolitiſchen Siruation belont; es laßt ſich nicht
verkennen, daß Briand jetzt ſtart under dem Eindrua der franzo=
ſiſchen Innenpolitik ſteht. Die übrigen Teile der Rede Brianos
haben wenig neues gebracht. Er hat das franzöſiſch=ruſſiſche Ver=
hältnis
in ein etwas ſonderbares Licht gerüdt. Einerſeits hat er
bittere Anſpielungen auf die ruſſiſchen Rüſtungen gemacht, an=
dererſeits
ließ er aber durchblicken, daß das Verhältnis zwiſchen.
Paris und Moskau viel beſſer iſt, als man im äugemeinen an=
nimt
. Es iſt eigentümlich, wie ſehr Briand in manchen Punk=
ten
ſeiner Rede mit gewiſſen engliſchen Anſchauungen überein=
ſtimmte
.
Der Senat hat Briands Rede einen ſehr guten Empfang be=
reitet
. Das war, bis zu einem gewiſſen Grade, ein Schönheits=
pflaſter
auf die Waſhingtoner Mißerfolge. Briand ſtand ſichtbar
ſtark unter dem Einfluß des Senats. Und im Senat herrſchte
diesmal, wie ſo oft, die Rechte vor, die Reden de Jouvenels
und eines Elſäſſer Senators haben dieſen Umſtand noch ſchärfer
hervortreten laſſen.
Mehr als je iſt in der franzöſiſchen Junenpolitik das Heran=
nahen
der Wahlen zu fühlen. Das verſchiebt etwas die Poſi=
tionen
, aber es iſt kaum zu glauben, daß es Briand gelungen
wäre, ſelbſt bei der Berückſichtigung dieſer Lage, die dem pſycho=
logiſchen
Moment entſprechende Stellung einzunehmen.

*Edgar Dacqué, Urwelt und
Menſchheitsalter.

Zu ſeinem Vortrag in der Otto=Berndt=Halle am Freitag abend.
Vor einer Hörerſchaft, die zahlreich erſchienen war und am
Schluß lebhaft dankte, ſprach Prof. Dacaué über das Alter
des Menſchen in der Erdgeſchichte. Er gab zunächſt einen ge=
drängten
Ueberblick über die Entwicklung der Erde und des
Lebens in den vergangenen Erdzeitaltern und führte dann aus.
daß jedes Zeitalter nicht nur ſeine beſtimmten Tier= und Pflan=
zengeſchlechter
hervorgebrocht habe, ſondern auch einen ihm eigen=
tümlichen
Bauſtil, der ſich bei Typen verſchiedenſter Herkunft in
einer Aehnlichkeit und oft Uebereinſtimmng des biologiſchen
Charakters und der Organbildung kundgibt. Da ſomit jede
Edoche den Lebeweſen ihre beſtimmte Zeitſignatur aufprägte,
kam es zur Überſchneidung und Konvergenz verſchiedener Typen=
kreiſe
, und es iſt die Aufgabe, das innerliche Typenhafte vom
äußerlich Konvergenten zu unterſcheiden. Die Deszendenztheorie
beachtete das nicht und fand auf der Suche nach den Uebergangs=
gliedern
ihres Stammbaumes ſolche in Formen, die nach Dacqués
Anſchauung eben nur durch den Zeitſtil bedingte formale Aehn=
lichkeiten
genetiſch verſchiedener Gattungen ſind. Gegenüber der
Vorſtellung der Abſtammungstheorie konmt ſomit Dacqus dazu
in der Geſchlechterfülle der Erdgeſchichte die lebendige Auswir=
kung
von Anfang an gegebener Grundtypen zu ſehen, die frei
nebeneinander beſtanden, wenn ſie auch in den verſchiedenen
Zeiten verſchiedene Geſtalten annahmen und ſich den Umwelts=
bedingungen
in ftets wechſelnden Formen anpaßten. Nur in
dieſer letzten Hinſicht alſo hat die Evolutionstheorie zu gelten,
während ſich uns im übrigen die Erdgeſchichte der Lebeweſen
nicht unter dem Bild eines einheitlichen Stammbaumes darſtellt,
ſondern als wirkliche Entwicklung, lebendige Entfaltung ge=
gebener
Grundtypen.
Der Vortragende gab dann mit zahlreichen Lichtbildern ein
ſchönes und inſtruktives Anſchauungsmaterial, das beſonders
wertvoll durch die modernen Rekonſtruktionen foſſiler Lebeweſen
gemacht wurde, und wandte im zweiten Teil ſeines Vortrages
dieſe paläontologiſchen Ergebniſſe auf das erdgeſchichtliche Alter
des Menſchen an. Indem er ſeine Geſtalt und ſeine Organe mit
den früheren biologiſchen Zeitcharakteren verglich, insbeſondere
die Vierhändigkeit und den opponierbaren Daumen des Men=
ſchen
, kam er zu dem Schluß, daß die ſpäteren Landtiere ſpeziali=
hierter
ſeien als der Menſch und daß deswegen an eine Ableitung

Vom Tage.
Wie verlautet, iſt beabſichtigt, den Heſſiſchen Landtag zur
Bahl des Staatspräſidenten auf Dienstag, den 14.
Februgr, einzuberufen.
Reichs ußenminiſter Streſemann begibt ſich am Montag
zur Erholung nach Cannes an der Riviera.
Zwiſchen Deutſchland ud der Tſchechoſlowakei iſt
ein Abkommen über landwirtſchaftliche Wander=
arbeiter
unterzeichnet worden.
Der König von Schweden trifft heute in Berlin auf der
Durchreiſe ein. Der König verläßt Berlin wieder am Abend.
Der König von Afghaniſtan wird am 21. Februar
in Berlin eintreffen. Zu ſeinem Empfange hat die Reichsregierung
große Vorbereitungen getroffen. Der König wird in einem Palais in
der Wilheluſtraße wohnen und zahlreichen deutſchen induſtriellen Be=
trieben
einen Beſuch abſtatten.
Neichstagsabgeordneter Dr. Raſchig, der der demo=
kratiſchen
Fraktion angehörte und auf der Durchfahrt von Ludwigshafen
auf dem Duisburger Hauptbahnhof emen Schlaganfall erlitt, iſt,
ohne das Bewußtſein wiedererlangt zu haben, im Dmisburger Kranken=
haus
geſtorben.
Die Univerſität Bern hat aus Anlaß der Feier des 400 jähri=
gen
Jubiläums der Berner Reformation dem Profeſſor Hans
Duhn in Görtingen die Würde des Ehrendoktors
der Theologie verliehen.
Klaus Zorn von Bulach iſt nach einer Matin=Meldung der
Action Frangaiſe beigetreten.
Die norwegiſche Regierung hat eine Vorlage eingebracht,
in der die Auflöſung und Verringerung verſchiedener
Heeres= und Marinekontingente verlangt wird.
Der engliſche Feldmarſchall Haig wurde unter großen mili=
täriſchem
Gepränge beigeſetzt.
Der iriſche Präſident Cosgrave hat die Rückreiſe
von Amerika nach Irland angetreten.
In Teheran fand der Austauſch der Ratifikations=
urkunden
der jüngſt abgeſchloſſenen Verträge zwiſchen Per=
ſien
und Rußland ſtatt.

* Die engliſchen Liberalen zur Streſemann=
Rede.
(DLondon, 4. Februar.
Der Sicherheit halber geben wir nachfolgende Auslaſſung
der jetzt mit der Daily News vereinigten Weſtminſter Ga=
zette
als beſonders kennzeichnend noch nachträglich im vollen
Wortlaut.

Wir glauben nicht, daß die britiſche Regierung oder irgend
eine repräſentative Körperſchaft der britiſchen öffentlichen Mei=
nung
verſuchen würde, die Form internationalen
Sklaventums zu rechtfertigen, wie ſie durch
die Anweſenheit einer franzöſiſchen Armee und
den Reſt einer britiſchen gekennzeichnet wird. Nicht nur
iſt Deutſchland jetzt ein Mitglied des Rates, ſondern der Lo=
carno
=Pakt iſt ein Dokument, das direkt geſchriebene Verpflich=
tungen
an die Stelle bewaffneter Macht als Symbol und Schild=
wache
der Sicherheit einſetzt. Wenn es noch nötig iſt, eine be=
waffnete
Wacht am Rhein zu halten, dann iſt das feierlich unter=
zeichnete
Dokument ein Stück bedeutungsloſer Heuchelei.
Wenn die Signatarmächte beabſichtigen, den Schuldſchein zu
honorieren, wie wir glauben, dann iſt die Fortſetzung der Be=
ſetzung
eine Beleidigung des geſunden Verſtandes und der Ge=
rechtigkeit
. Sie iſt auch eine Beleidigung des deutſchen Volkes
und eine ſtete Bedrohung des Friedens. Sie hat weder einen
moraliſchen noch einen praktiſchen Zweck irgendwelcher Art. Sie
verwundet Deutſchlands Stolz, aber ſie ſchüchtert das deutſche
Volk nicht ein. Sie iſt eine Ungnnehmlichkeit für die alliierten
Regierungen, eine Unannehmlichkeit und ein Gegenſtand der
Sorge für den Völkerbund. Sie bringt einem ſicheren und
proſperierenden Frankreich keine Auszeichnung. Die Beſetzungs=
Armee könnte unter keinen zurzeit denkbaren Verhältniſſen zu
irgendeinem Zweck gebraucht werden. Es kann kaum bezweifelt
werden, daß die britiſche Regierung unſere Truppen gern ſchon
morgen zurückziehen würde, wenn ſie nicht fürchtete, Frankreich
zu verletzen, und ein Ueberkaſſen der oberſten Kontrolle an
Frankreich die deutſche Agitation gegen Frankreich konzentrieren,
und es ſo für Britannien ſchwerer machen könnte, eine freund=
liche
Rolle zu ſpielen. Die franzöſiſche Regierung hat über und
über mit einer von uns nicht angezweifelten Aufrichtigkeit ihren
Wunſch nach wirklichem Frieden in Europa und beſonders nach
einem wirklichen Frieden mit Deutſchland verkündet. Aber ſie
wird niemals den friedlichen Geift in der deutſchen Nation durch
Halten einer ſtarken, bis an die Zähne bewaffneten Macht er=
zeugen
, die nicht nur über den Zaun des Nachbarn ſpäht, ſondern
bequem auf ſeinem Eigentum mit dem Geſichtsausdruck ſitzt, daß
ſie dort bis zum jüngſten Gericht zu bleiben gedenkt.

des Meuſchen von dieſen und gar von den ſehr ſpezialiſierten
Säugetieren der ſpäten Zeit, z. B. den Menſchenaffen, nicht zu
denken ſei. Die außerordentlche Konſequenz, doppelt über=
raſchend
, da ſie mit den älteſten Lehren in Religionen und
Mythen übereinſtimmt, iſt; daß der Menſch ein eigenes Weſen
von jeher geweſen iſt, wenn er auch die verſchiedenſten Verände=
rungen
ſeiner Form erfahren hat, und daß er, zwar verwandt
mit der Tierwelt, doch nicht deren letzter Zweig iſt, vielmehr die
Tiere allmählich aus ſeinem Stamm entlaſſen hat. Der Menſch
iſt eine Entelechie, eine leberdig wirkende Urform, die bei ihrer
durch die verſchiedenſten Geſtalten fortſchreitenden Entwicklung
zum Vollmenſchlichen das Tieriſche nach und nach abgeſtoßen und
aus ſich entlaſſen hat.
Mit einem Begriff wie Entelechie ſind wir bereits im Meta=
phyſiſchen
, und der Vortragende forderte in einem bekemtwis=
mäßigen
Schlußwort, daß wieder eine auf das Weſen der Natur
und der Seele gehende Forſchung einſetze, damit, gegenüber einer
rationalen Wiſſenſchaft, deren wir wüde ſind, ein neues Wirklich=
keitsbild
, zu einer Erkenntnis der Innenſeite der Nadr, zu
einem inneren Wirklichkeitserlebnis führe.

Der Vortrag hatte ſich im weſentlichen darauf beſchrän
Dacqués Lehre von der naturhiſtoriſchen Seite her zu umreißen
Daneben deutete er nur kurz an, daß wir in den alten Berichte
der Völker, Sagen und Mythen ſehr wohl ein Bild der Vo
welt erhalten haben körnten, das ſich mit dem hier entwickelte
weitgehend deckt. Näher ausgeführt hat Dacqus dies in ſeinen
Buch Urwelt, Sage, Manſchheit Wir möchten hier nur darau
hinweiſen, um den Leſer auch in dieſer Hinſicht anzuregen, den
es iſt bedeutſam und für unſere Zeit ſymptomatiſch, daß hier ei
Fachforſcher aus ſeinem engeren Kreis heraustrat und mit ein
umfaſſenden Arbeitshypotheſe daß nämlich in dieſen Ueber
lieferungen ein Wirklichkeiskern ſtecke an ein Material herau
trat, das die letzten Jahrzehute in unüberſehbarer Menge g
ſammelt haben und das ſeiner Vevarbeitung zu wirklichen E
kenntniſſen größtenteils noch harrt. In manchen Einzelheiter
ſeiner Mythenforſchung wird man Dacqué, der den Wirklick
keitsgehalt zu einſeitig im Naturhiſtoriſchen ſieht, wohl entgegen
treten müſſen, aber die Grundhaltung iſt äußerſt wertvoll un
fruchtbar, und ſeine Ergebniſſe ließen ſich wohl zu ganz große
Einſichten in die Vorzeit und die Vergangenheit verdichten, wen
man ſie mit den Arbeiten anderer, im Prinzip gleichgerichtet,
Forſcher es ſei hier nur an Ernſt Fuhrmann erinnert
zuſammenhält.
Ungemein ſympathiſch berührt es, daß mit Dacgus ein Fo
ſcher, zudem ein Naturforſcher, zu Wort kommt, dem die äußer

Um das Schulgeſetz.
Die Verhandlungen ergebnislos. Das
Zentrum drängt zur Entſcheidung.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Aus der Tatſache, daß Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann
am Montag an die Riviera fährt, iſt zu entnehmen, daß die
Verhandlungen, die der Reichskanzler mit dem
Außenminiſter wegen des Schulgeſetzes angeknüpft hatte.
ergebnislos geblieben ſind. Darüber hinaus ſcheint es für
den Außenminiſter eime beſchloſſene Tatſache zu ſein, daß die
Dinge nunmehr ſo laufen werden, wie ſie in den letzten Tagen
von uns fortgeſetzt vorausgeſagt worden ſind. Der Reichsſchul=
ausſchuß
wird am 12. Februar dem Standpunkt der Fvaktion der
D.V. P. beitreten, wodurch dann von volksparteilicher Seite das
letzte Wort geſprochen ſein wird. Wie man aus Zentrumskreiſen
hört, will man aber dort ſchon bis zum Freitag wiſſen, woran
man iſt. Wahrſcheinlich wird Herr v. Guérard ſich noch einmal
in einem Schreiben an Herrn Dr. Scholz wenden, ſofern er nicht
vorzieht, aus dem Gang der Ereigniſſe die entſprechenden Schluß=
folgerungen
zu ziehen. Es fragt ſich nun, ob die wegen des
Schulgeſetzes entſtandenen und unüberbrückbaren Gegenſätze in
dieſer oder erſt der kommenden Woche benutzt werden ſollen,
um die Koalition aufzulöſen. Beſtrebungen ſind im Gange, zu=
nächſt
den Etat unter Dach zu bringen und dann bei der zweiten
Leſung des Schulgeſetzes die Entſcheidung herbeizuführen. Sie
würde demnach erſt im April fallen.
Von der S. P.D. zur Altſozialiſtiſchen Partei.
* Berlin, 4. Febr. (Priv.=Tel.)
Zur gleichen Zeit als der ſächſiſche Miniſterpräſident Held
dem unter Führung des Reichstagsabgeordneten Hörſing ſtehen=
den
Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold den Rücken kehrt, hat einer
der langjährigſten und bewährteſten Führer der oſtpreußiſchen
Sozialdemokratie, Adolf Bartel, der noch dazu Freund des
preußiſchen Miniſterpräſidenten Braun iſt, ſeinen Austritt aus
der SPD. und ſeinen Uebertritt zur Altſozialiſtiſchen Partei er=
klärt
. Er begründet ſeinen Austritt aus der Partei, der er 35
Jahre gedient, damit, daß die Sozialdemokraten dem furchtbaren
Schickſal des deutſchen Volkes und namentlich der deutſchen
Arbeiterſchaft, ſeit Verſailles mit einer Verſtändnisloſigkeit gegen=
überſtehen
, die geradezu erſchreckend iſt. Die Partei ver=
hindere
, daß die Wohrheit über die Ausbeu=
tung
Deutſchlands und damit in erſter Linie der
Arbeiterſchaft in ihrer ganzen Grauſamkeit be=
kannt
werde. Sie wende ſich gegen den vom
Volk gewählten Reichspräſidenten ſchon des=
halb
, weil er an ſeinem Kampf gegen die Kriegs=
ſchuldlüge
feſthalte, daß das deutſche Heer das Schwert
mit reinen Händen nur zur Verteidigung des Vaterlandes geführt
habe. Adolf Bartel erklärt ſchließlich, daß er in der Alten
Sozialdemokratiſchen Partei Deutſchlands mit Gleichgeſinnten
auf dem Wege von Karl Legien und Friedrich Ebert ſo für die
deutſchen Genoſſen wirken werde, wie er es 35 Jahre lang in der
SPD. erſtrebt habe, jedoch zu ſeiner größten Enttäuſchung ſeit
der Schwenkung der Partei zum unfruchtbarſten und unduld=
ſamſten
Radikalismus nicht mehr zu tun vermochte.
Die Techniſche Noihilfe.
* Berlin, 4. Februar. (Priv.=Tel.)
Auch der Reichshaushaltsplan für 1928 ſieht ebenſo wie in
den Vorjahren wieder eine Unterſtützung für die Techniſche Not=
hilfe
vor. Man muß daher damit rechnen, daß namentlich die
parlamentariſch links eingeſtellten Gewerkſchaftsvertreter bei der
Beratung dieſer Etatpoſition des Innenminiſters die ſofortige
Auflöſung dieſer Organiſation verlangen werden. Wir glauben
nicht, daß die Mehrheit des Reichstags einem derartigen Antrag
zuſtimmen wird, würden es aber auch bedauern, wenn die an
ſich ſchon geringe Unterſtützung zuſammengeſtrichen werden ſollte.
Die Teno, die in den vergangenen Jahren dem deutſchen Volſe
zahlreiche wertvolle Dienſte geleiſtet hat, brauchte allerdings in
den letzten Jahren nicht mehr ſo häufig eingeſetzt zu werden.
Ihre Anweſenheit hat ſchon vielfach genügt, um den Ausbruch
von Streiks in lebenswichtigen Betrieben zu verhindern. Wenn
ſie jetzt der Auflöſung anheimfallen würde, ſo würde unzweifel=
haft
wieder eine Welle politiſcher Streiks über das Reich hin=
gehen
, wie wir ſie in den Jahren nach der Revolution erlebten.
Damals ſetzten ſich die radikalen Elemente in den Gas=, Waſſer=
und Elektrizitätswerken der Städte feſt und ſchnitten ſtets dann
die Strom= und Waſſerverſorgung der Städte und des Landes
ab, wenn die radikalen Parteien dies aus politiſchen Gründen
wünſchten. Damals bildete ſich als Gegengewicht die Teno, die
den politiſchen Streiks ein Ende bereitete.

Tatſachenforſchung nicht das Letzte iſt, der vielmehr das Weſent=
liche
in einer neuen Einheit des Menſchen mit ſeiner Welt, in
einem neuen Glauben ſieht. Etwas zweifeln kann muan nur
daran, ob ſich dieſe Brücke von der Wiſſenſchaft zum Glauben
bereits wieder ſchlagen läßt, denn nur aus einer ganz großen
Geſamterkenntnis der Wirklichkeit kann ſich ein neuer Glaube
verdichten, und Symbole warden nicht geſchaffen, ſondern müſſen
wachſen. Die große Aufgabe liegt wohl da, von der Wirklichken
ohne Gleichnis und Symbol ſo wirklich zu reden, daß in ihr und
hinter ihr das Metaphyſiſche von ſelbſt ſichtbar wird.
Dr. Herbert Nette.
Zur Aufführung von Rollands Spiel von 70d
und Liebe im Hefſiſchen Landestheater.
Von Dr. Philipp Krämer.
Romain Rolland kommt aus der antilateiniſchen Tradition
des Jean Jacques, in dem ſich die germaniſche und die romc
niſche Welt wunderlich ſchnitten, in dem ſich die nordiſchen Nebel
über die Bläue des Mittelmeeres ſenkten. Er ſteht näher bel
Schubert als bei Bizet, näher bei Wagner als dem ſpäteren
Debuſſy. Er predigt wie Fichte, aber er moraliſiert nicht wee
La Rochefoucauld oder La Bruyére. Er platoniſiert wie Mal=
garethe
von Navarra, wie die weiblichen Myſtiker ſeines Landes,
aber die helle intellektuelle Klarheit Voltaires, das Lächein
Diderots, das aus der Einſicht in den Jahrmarktscharakter des
Daſeins kommt, ſind ihm fiemd. Er iſt Gefühl, als wenn er in
Wien geboren wäre. Er wandert durch die Welt, die er überau.
aus ihren jeweiligen Eigirgeſetzen zu verſtehen ſtrebt, umet
Hintanſetzung, ja Opferung ſeiner immanenten nationalen Wel=
tungen
, als wenn er ein Deutſcher wäre. Er ſchreibt den Fecle
Chriſtophe und kann doch nicht au-dessus de la melée ſeN‟
Die Nähe der germaniſchen Welt in ſeinem Werk iſt die iie
fere Urſache dafür, daß Nolland bei uns mehr Freunde, be‟
ſt hende Freunde, hat als in Frankreich. Er iſt Metaphyſiker Une
ſteht ganz dicht bei der Ideologie, während das genie franga‟
unlyriſch und realiſtiſch iſt. Der Franzoſe richtet ſeine Lebene
kunſt nach den Gegebenheiten der Erfahrung, er will nicht, Oee
ſich das Leben nach ſeiner Auffaſſung vom Leben richte, wie Ni
einem Dogma. Der Franzoſe iſt ethiſch ein vollendeter Skepilt..
Seine Skepſis iſt in dem ſarkaſtiſchen Lächeln Voltaires, in De‟
peſſimiſtiſchen Aphorismen Vauvenargues, in dem güng br
ſtehenden und verzeihenden Lächeln des Anatole France. Awe*

[ ][  ][ ]

Nummer 36

Sonntag den 5. Februar 1928

Seite 3

Titulescu in Paris.
Beſprechungen mit Briand.
EP. Paris, 4. Februar.
Briand empfing geſtern abend den rumäniſchen Außenminiſter
Titulescu. Dieſer ertlärte nach der Unterredung, daß die Meldun=
ggen
, wonach er zum Zweck der Erlangung einer Anleihe nach
SParis gekommen ſei, vollkommen falſch ſeien. Es befinde ſich
mallerdings gegenwärtig eine rumäniſche Finanzſachverſtändigen=
Kommiſſion in Paris, die aber ebenfalls nicht über eine Anleihe
tverhandle, ſondern über die Konſolidierung der rumäniſchen
Kriegsſchulden an Frankreich. Die Kommiſſion habe bereits mit
*Briand eine Unterredung gehabt.
Wrklärungen Titulescus über die rumäniſche
Politik.
Der rumäniſche Außenminiſter Titulescu erklärte Preſſever=
ttretern
, das Ziel der rumäniſchen Außenpolitik
ffei der Friede im Rahmender Verträge. Dazu be=
gabſichtige
Rumänien, eng mit den alliierten Großmächten und
Ɨden Mitgliedſtaaten der Kleinen Entente zuſammenzuarbeiten.
Es werde ebenfalls alles tun, um ſeine Beziehungen mit den
früher feindlichen Ländern zu verbeſſern unter der Bedingung,
daß die Verträge ausgeführt würden. Dieſes Programm ſetze
eine direkte Fühlungnahme der Außenminiſter der verſchiedenen
*Länder voraus, und dies ſei der Zweck ſeiner Reiſe. Im Gegen=
ſatz
zu gewiſſen Gerüchten habe er keinerlei finanzielle
Miſſion, ſei alſo nicht mit dem Abſchluß einer An=
leihe
beauftragt. Rumänien betrachte die Optantenfrage
als endgültig geregelt. Hinſichtlich Albaniens ſtehe Ru=
mänien
auf dem gleichen Standpunkt wie Jugoſlawien, daß die
Nuabhängigkeit dieſes Landes nicht angetaſtet werden dürfe.
Er habe in Rom keine Beſprechungen wegen der
St. Gotthard=Affäre gehabt. Bereits vor ſeiner Abreiſe
von Bukareſt habe er bedingungslos ſeine Zuſtimmung zu der
Note Beneſchs an den Völkerbund gegeben. Er ſei überzeugt,
daß Italien den Frieden wolle und ebenſo wie die
Länder der Kleinen Entente an der Erhaltung des status auo
intereſſiert ſei, ſomit keiner Gebietsveränderung in Europa zu=
ſtimmen
werde. Alles, was auf die guten Beziehungen zwiſchen
Italien, Jugoſlawien und Frankreich Bezug habe, intereſſiere
Rumänien, auf das Höchſte, weil es mit Frankreich
und Jugoſkawien verbündet ſei. Er werde im März
an der Völkerbundstagung teilnehmen und ſich dann nach Ber=
lin
und von dort nach Belgvad begeben. Rumänien habe ein
Intereſſe daran, ein Freundſchaftsnetz um ſich zu flechten, das
ſeine zur Aufrechterhaltung des status auo beſtimmten Bündniſſe
verſtärke.
Vermittelt Titulescu zwiſchen Rom und Paris?
Titulescu wurde heute vom Miniſterpräſidenten Poincaré
eipfangen und wird, wie er ankündigte, noch Beſprechungen mit
anderen politiſchen Perſönlichkeiten, darunter auch dem General=
ſekretär
im Quai d’Orſay, Berthelot, haben.
Einer Londoner Meldung der Blätter zufolge wird heute
auch der vor einer Woche nach England entſandte rumäniſche
Diplomat Boresco hier eintreffen, um Titulescu über den Ver=
lauf
ſeiner Unterredungen mit Sir William Tyrrell und anderen
Vertretern des Foreign Office zu unterrichten.
Der Paris Midi behauptet, daß Titulescu auf ſeinen Be=
ſuch
in Berlin verzichten werde, falls es zutreffe, daß Streſemann
am Montag nach Cannes abreiſe; denn in dieſem Falle würden
die beiden Außenminiſter an der Riviera zuſammentreffen.
Der Paris Soir meint, trotz den Erklärungen Titulescus
wäre es erfreulich, wenn er während ſeines Pariſer Aufenthal=
tes
ſich nicht mit finanziellen Fragen befaſſen würde, denn Ru=
mänien
plane eine Stabiliſierungsanleihe, deren Ziel eine Stär=
kung
der Stellung des Kabinetts Bratianus ſei. Das Blatt ſieht
die Zweckmäßigkeit der Vermittlerrolle Tituleseus zwiſchen Rom
und Paris nicht ein, da ja bereits Verhandlungen eingeleitet
ſeien.
Der Temps begrüßt in einem längeren Artikel den Außen=
miniſter
als Freund Frankreichs und erklärt, ohne daß man Ein=
zelheiten
über den Zweck ſeiner Europareiſe kenne, könne und
müſſe man von vornherein ſicher ſein, daß ſie der Sache des
Friedens und des Rechtes, alſo der gemeinſamen Sache Rumä=
niens
und Frankreichs diene.

Rolland iſt gläubig. Er gibt ſich hin, nicht an den Menſchen, ſon=
dern
an die Idee. Die Idee trübt ihm den Blick für das reale
Sein. So wird er Prediger in der Wüſte, eine Täufernatur wie
Johannes.
Es iſt billig und heute nicht ungewöhnlich, Rolland ſeine
künſtleriſche Geſtaltungsſchwäche vorzuwerfen. Der achtzehn=
jährige
Lycéen hält ihm in ſeinem Prüfungsaufſatz ſeine Män=
gel
vor. Es iſt auch Mode heute, die Literaturgenerationen in
Abſtänden von fünf Jahren aufeinander folgen zu laſſen und die
vorangegangenen als überwunden zu belächeln. Aber Rolland
iſt weder veraltet, noch iſt er überwunden. Dieſer lautere und
gütige Menſch, der leidet, weil andere leiden, dieſer Prophet aus
Sehnſucht hat eine Botſchaft an das aus tauſend Wunden blu=
tende
Europa, an die Welt.
Die Ueberſchwemmung des deutſchen Theaters mit franzö=
ſiſcher
Dramatik, wie wir ſie heute in der Reichshauptſtadt in
beſonderer Stärke erleben, iſt gewiß zu bedauern, weil hier
zumeiſt übelſte Vorſtadtkunſt importiert wird. Aber wo es ſich
um Namen wie Rolland handelt, dürfen wir zuſtimmen. Rol=
land
ſteht in der Mitte Vom älteren franzöſiſchen Proſadrama
hat er die ſpannende Technik, die Freude am bunten Stoff, die
Luſt an der gutgeſponnenen Fabel, die nicht vor Taſchenſpieler=
kniffen
zurückſchreckt. Vom Symbolismus hat er die geſättigte
Stimmung, die Süßigkeit der Lyrik, die Muſik Verlaines. Alle
dieſe Eigenſchaften machen ihn ſehr empfänglich für ein deutſches
Theaterpublikum.
Rolland ſetzt ſich mit dem größten geſchichtlichen Ereignis
ſeines Volkes, der großen Revolution, dramatiſch auseinander,
wie es Taine als Hiſtoriker getan hat. Er iſt weit entfernt, die=
ſes
Ereignis unkritiſch zu verherrlichen, wenn er auch nicht zu
dem vernichtenden Ergebnis eines Taine kommt. Sein Revo=
lutionstheater
umfaßt die Dramen Der 14. Juli. Die Wölfe‟
Danton und das Spiel von der Liebe und dem Tod‟. Die
vier Tafeln fügen ſich zu einem Polyptychon zuſammen. Es
ſollte die Iliade des franzöſiſchen Volkes werden, das, ermüdet,
ſeinen allzu ſtarken Rauſch ausſchläft. Schon daß Rolland in
ſeinem Spiel die Namen hiſtoriſcher Perſonen vermeidet, zeigt,
daß er willens iſt, die Trogödie aus der zufälligen Ebene der
Geſchichte in die notwendige des menſchlichen Herzens zu ver=
legen
. In den Erinnerungen Louvets fand er jene ergreifende
Epiſode eines Proſkribierten, der im Bewußtſein deſſen, daß er
verloren ſei, von der Gironde bis zum Rachen des Todes, nach
Paris, zurückkehrte und ſeinen Kopf, auf dem ein Preis ſtand,
durch ganz Frankreich trug, damit er, ehe er fiele, den Mund der
Geliebten küſſe‟. Dieſe Rolle ſpielt bei ihm der girondiſtiſche

Muſſoliniſche Richtlinien.
Verhaliungsmaßregeln für Fasciſten
im Auslande.
EP. Rom, 4. Februar.
Muſſolini hat neue Statuten für die Fasciſten im
Auslande mit genauen Geboten über ihre Pflichten und ihr
Verhalten aufgeſtellt und ſie ihrem Generalſekretär Parini über=
geben
. Danach ſind die fasciſtiſchen Sektionen im Ausland Or=
gane
der im Ausland niedergelaſſenen Italiener, die den Ge=
horſam
gegenüber dem Duce und den Geſetzen des Fascismus
zur Richtſchnur ihres privaten Lebens und ihrer Geſittung ge=
wählt
haben und um das Lictorenabzeichen die Niederlaſſungen
der in fremden Ländern lebenden Italiener ſammeln wollen.
Die Gebote, die der Duce als tägliche Richtſchnur
der Fasciſten im Ausland diktiert, lauten:
1. Die Fasciſten im Ausland müſſen die Geſetze des Landes
befolgen, deſſen Gaſtfreundſchaft ſie genießen. Sie müſſen in
ihrem Gehorſam täglich ein gutes Beiſpiel geben und das auch
nötigenfalls gegenüber den Bürgern ſelbſt.
2. Sie dürfen ſich nicht an der Innenpolitik des Landes be=
teiligen
, in dem ſie zu Gaſte ſind.
3. Sie dürfen keine Zwiſte in den Niederlaſſungen hervor=
rufen
, ſondern müſſen ſie vielmehr im Schatten des Lictoren=
bündels
ſchlichten.
4. Sie ſollen ein Vorbild öffentlicher und privater Tüchtig=
keit
ſein.
5. Sie ſollen die Vertreter Italiens im Ausland achten, ihren
Richtlinien und Weiſungen gehorchen.
6. Sie ſollen das Italienertum der Vergangenheit, und der
Gegenwart verteidigen.
7. Sie haben den bedürftigen Italienern Beiſtand zu leiſten.
8. Sie ſollen im Ausland ebenſo diſzipliniert ſein, wie es von
den Italienern im Innern verlangt wird.
Die weiteren Beſtimmungen der Statuten ſetzen den General=
ſekretär
in Rom als höchſtes Organ ein, der die Leiter der ein=
zelnen
Sektionen ernennen und abſetzen oder dieſe auflöſen kann.
Er entſcheidet auch über Aufnahme und Ausſchließung.
Muſſolini dekretiert.
EP. Rom, 4. Februar.
Die Blätter kündigen eine Maßnahme zur verfaſſungsmäßi=
gen
Anerkennung des Großen Fasciſtenrates als eines geſetzlichen
Beratungskörpers des Regierungschefs an. Der Geſetzentwurf
des Juſtizminiſters Rocco über die Aufgaben und die Zuſammen=
ſetzung
des neuen Ständeparlamentes hat weſentliche Abände=
rungen
erfahren, indem der Große Fasciſtenrat am urſprüng=
lichen
Entwurf der Parlamentsreform feſthielt.
Neuer Präſident des Deutſchen Landkreistages.

Landrat Freiherr von Stempel
wurde einſtimmig zum Präſidenten des Deutſchen und Preußi=
ſchen
Landkreistages gewählt. Er iſt 46 Jahre alt und war bis=
her
Landrat in Kolberg.

Die deutſch=polniſchen
Wirtſchaftsverhandlungen.
Peſſimiſiiſche Auffaſſung in Berlin.
* Berlin, 4. Februar. (Piv.=Tel.)
Der Leiter der deutſchen Wirtſchaftsdelegation in Warſchau,
Dr. Hermes, iſt am Freitag wieder in Berlin eingetroffen.
Die Verhandlungen werden nun für eine beſchränkte Zeit in
Berlin weitergeführt. Mitte des Monats trifft der polniſche
Delegierte Prondzynſki mit ſeinen Beratern in Berlin ein, und
in der zweiten Februarhälfte ſollen die Verhandlungen fort=
geſetzt
werden. Die zur Debatte ſtehenden Fragen ſind drei
Kommiſſionen überwieſen worden. Von dieſen dreien iſt die
Veterinär= und die Kohlenkommiſſion mit Dr. Hermes nach Ber=
lin
gekommen, während die Zollkommiſſion in Warſchau geblie=
ben
iſt. Die Verhandlungen ſelbſt ſcheinen unter keinem günſti=
gen
Stern zu ſtehen, da die polniſche Regierung die von uns ge=
forderte
Valoriſierung ihrer alten Zölle nicht vornimmt und vor
allem die Seimwahlen abwarten will. Sie hat deswegen auf die
von uns verlangte Beſchleunigung des Tempos keinen Wert
gelegt. Dr. Hermes ſelbſt wird wahrſcheinlich Nachfolger des
Freiherrn v. Kerkering, der bisher das Präſidium der Vereinig=
ten
deutſchen Bauernverbände inne hatte.
Deutſch=ruſſiſche Wirtſchaftsverhandlungen.
* Berlin, 4. Februar. (Piv.=Tel.)
Die vor einiger Zeit angekündigten deutſch=ruſſiſchen Wirt=
ſchaftsverhandlungen
werden vorausſichtlich nächſte Woche ihren
Anfang nehmen. Die Sowjetregierung hat eine Reihe von Per=
ſönlichkeiten
ernannt, die in Berlin über die Wirkungen des zwi=
ſchen
Deutſchland und Rußland abgeſchloſſenen Handelsvertra=
ges
eine Ausſpruche herbeiführen ſollen. Beabſichtigt iſt, in drei=
tägigen
Verhandlungen zunächſt ſämtliche Mängel des Vertrages
auszuarbeiten und Vorſchläge für eine Verbeſſerung zu machen.
Deutſcherſeits werden die Verhandlungen von Miniſterialdirek=
tor
Wallroth geführt.
Deutſch=ſchweizeriſches Abkommen
über die Grenzgänger.
EP. Bern, 4. Februar.
Zwiſchen der Schweiz und dem Deutſchen Reich iſt heute
Samstag in Bern ein Uebereinkommen über die Arbeitsloſen=
verſicherung
der ſogenannten Grenzgänger (Leute, die in einem
der beiden Staaten wohnen und im andein arbeiten) abgeſchloſ=
ſen
worden. Es ſieht vor, daß die Grenzgänger von der Arbeits=
loſenverſicherung
des Wohrſitzſtaates erfaßt und an ihrem
Arbeitsort nicht zu Beiträgen an die Arbeitsloſenverſicherung
herangezogen werden ſollen. Das Uebereinkommen tritt einen
Monat nach Ratifizierung durch die beiden Regierungen in Kraft.
Die franzöſiſch=belgiſchen Zollverhandlungen.
EP. Paris, 4. Februar.
Man erfährt, daß die belgiſche Regieru ng in ihrer
geſtern eingetroffenen Note über die Zollverhandlungen die
Entſendung einer franzöſiſchen Miniſterial=
delegation
nach Brüſſel vorſchlägt, wo die Ver=
handlungen
fortgeſetzt werden ſollen. Man
nimmt an, daß Frankreich dieſen Vorſchlag annehmen und unter
Umſtänden der Handelsminiſter Bokanowſki ſich perſönlich nach
Brüſſel begeben wird. Rein techniſch hat die belgiſche Ant=
wort
wenig neue Zugeſtändniſſe gebracht. Im
beſonderen beſtehen hinſichtlich des Zolls für Lokomotiven immer
noch große Meinungsverſchiedenheiten. Auch über die Weinzölle
b ſteht noch keine vollſtändige Einigung, obwohl Belgien etwas
entgegengekommen iſt.
Tituleseus Berliner Beſuch.
* Berlin, 4. Februar, (Priv.=Tel.)
Der rumäniſche Außenminiſter Titulescu, der zurzeit in
Paris weilt, wird nunmehr wahrſcheinlich mit dem Reichs=
außenminiſter
an der Riviera eine Zuſammenkunft haben, um
die noch offenen Wirtſchaftsfragen zu beſprechen. Da er zu ver=
ſtehen
gab, daß er am 10. Februar noch nicht in Berlin ſein
könne, hat ſich der Außerminiſter ſeinen Urlaub nicht länger
aufgeſchoben. Ein offizieller Beſuch Tituleseus in Berlin iſt
aber trotzdem vorgeſehen. Ihm kommt inſofern eine beſondere
Bedeutung zu, als Titulescu der erſte Miniſter der
Kleinen Entente iſt, der der Reichsregierung
nach dem Kriege einen Beſuch abſtattet.

Abgeordnete Claude Vallée. Die Frau, die er liebt, iſt die Gattin
des Konventsmitgliedes Jérome von Courvoiſier. In dieſem
Sechziger erkennt man die Züge des genialen Chemikers Lavoi=
ſier
, der am 8. Mai 1794 guillotiniert wurde, und des unglück=
lichen
Condorcet, des letzten Enzyklopädiſten, der in der Ver=
borgenheit
ſein genial überſtiegenes Geſchichtsbild der Fort=
ſchritte
des Menſchengeiſtes entwarf und dann Gift nahm. Im
Mittelpunkt des Spiels ſteht die Frau. Wie ſie von ihrem Ge=
liebten
weg zu ihrem Gatten hinwächſt, das iſt das Grund=
thema
, um das die Melodien der Zeitgeſchichte ſpielen, aus der
die großen menſchlichen Beſtien, das hundertköpfige Tier, das
ewige Volk und ſeine Bändiger ſchattenhaft auftauchen. Dieſe
Frau, die ein Lebensproblem, aber kein Kind hinterläßt, ruft in
ihrer fraulichen Herzensangſt: Wozu, wozu wurde uns das
Leben? Ihr Gatte beantwortet ihre Frage, während ſchon die
Füße der Häſcher nahen: Um es zu überwinden.

*Heſſiſches Landestheater.
Kleines Haus. Samstag, den 4. Februar.
Lili Hickler: Kinder=Tanz und =Sriellieder
Es liegt wie ein ſchimmernder Elanz von Licht und Sonne
über dieſen Kinderſpielen. Sonne, die aus den Geſichtern der
60 Kinder ſtrahlt, die mit Eifer und viel inniger Freude auf der
Bühne Lili Hicklers reizend naive Kinderlieder tanzen und
ſpielen, und Sonne, die ihren Widerglanz findet in den Herzen
der Zuſchauer, die im wefentlichen ebenfalls Kinder und Müt=
ter
ſind.
Es iſt Kunſt, was Lili Hickler in ihren Tanzſpielen bietet,
und iſt doch keine Kunſt, iſt wenigſtens nichts Gekünſteltes. Es
zeugt von viel Verſtändnis für die Kinderſeelen und die Kinder=
herzen
, und zeugt von viel Liebe. Vielleicht iſt gerade das die
große Kunſt, die Kinderherzen, das Kindergemüt zu kennen und
ihnen das zu geben, nach was ſie bewußt oder unbewußt ſich
ſehnen, etwas, das gerade in heutiger Zeit ſo viel verloren ging.
Vielleicht iſt gerade das große Kunſt, nicht an große Kunſt zu
denken, ſondern in naivem, kindlichen Mitfühlen, einfach der
Freude am kindlichen Spiel, am Geſang und am Tanz der Kin=
der
lebendig Ausdruck zu geben und dieſen Ausdruck in eine
irgendwie künſtleriſch hebende, auf Künſtleriſches unbemerkt hin=
weiſende
Form zu geſtalten.
Das Programm, das Lili Hickler in einer Vorſtellung gibt,
iſt ſehr umfangreich. Vierzehn hübſche, zum Teil ſelbſt gedichtete

und ſelbſt komponierte Kinderliedchen, alle von gleicher An=
ſpruchsloſigkeit
, aber alle von gleich gutem, reinen Gemüt, wer=
den
geſungen, getanzt und geſpielt. Zu eigenen Dichtungen ſind
Liedchen von Frida Schanz, Annie Weber, Emma Appen=
zeller
, Gerhard Hickler, Julius Bierbaum und Karl
Eſcher gewählt, die aber in ihrer Mehrzahl ebenfalls von Lili
Hickler vertont ſind und zu denen ſie die entzückenden Tanz=
ſpiele
, jeweils dem Inhalt angepaßt, erfunden hat. Vom kind=
lichen
Gruß an den Lenz geht’s zum Ringelreihen ſpielen, eine
Kinderhochzeit wird geſungen, das ewig alte und ewig junge
Kriegenſpielen wird in feiner Form verlebendigt, Bänderreigen
werden getanzt und den Puppen Schlafliedchen geſungen. Ins
Reich der Märchen führen Zwiegeſang zwiſchen Elfen und dem
Sonntagskind, ein Spaziergang ins üppige Schlaraffenland, der
dumme Peter wird verhöhnt und Indianer geſpielt, und vieles
andere mehr. Alles aber ſo, daß es den Kindern die gleich große
Freude bereitet wie denen, die zuſchauen dürfen.

Daß alle die 60 Kinder dieſe Lieder frei und leicht mitſingen
können in ihrem Spiel, zeigt, daß auch die Vertonung das kind=
liche
Wollen und Können ausgezeichnet trifft. So iſt dieſe Arbeit
an der jüngſten Jugend unbedingt ein Stück Natur. Der Er=
wachſene
, der zuſchauen darf, wird ins Kinderland zurückverſetzt,
darf einen Blick in das Einſt werfen, was längſt vergangen,
und das ihn die grauen Gegenwartsſtunden vergeſſen läßt; die
Kinder, herab bis zu den Zweijährigen, werden dem Elemenk
zugeführt, das jedes Menſchen Kindheit im lichten Glanz reiner
Freude erſtrahlen läßt. Heute vormittag findet eine Wieder=
holung
der Aufführung ſtatt, die geſtern ein ausverkauftes Haus
7.
zu verzeichnen hätte.

C. Flugzeug=Erforſchung Babyloniens. Die Erforſchung
ogiſch wichtiger Stätten vom Flugzeuge aus hat ſchon
lle Erkenniniſſe zutage gefördert, da man aus der Vogel=
ktive
Erhöhungen und Unregelmäßigkeiten des Geländes,
f Fundſtätten und alte Grabhügel ſchließen laſſen, leichter
t. Nachdem ſich dieſe Methode in Europa bewährt hat, hat
egierung des Irak engliſche Flieger beauftragt, das Land
gris nördlich und ſüdlich von Bagdad zu überfliegen und
eſem geſchichtlich ſo bedeutſamen Terrain Aufnahmen zu
Für dieſen Flug über eine Strecke von etwa 1600
atkilometern, auf der es keine Landungsplätze gibt, iſt ein
eres Flugzeug erbaut, und die Aufnahmen werden mit
jeuen Filmlamera vorgenommen. Aehnliche Unterſuchun=
d
auch für Rhodeſien und Mittelafrika in Ausſicht ge=
n
.

[ ][  ][ ]

7*

Seite 4

Sonntag, den 5. Februar 1928

Nummer 36

Statt Karten

Die glückliche Geburt ihres zweiten
kräftigen Jungen zeigen in dankbarer
Freude an
Willy Chriſimann und Frau
Ida, geb. Kinſcherf.
Darmſiadt, 3 Februar 1928
Mathildenſtr. 41
3. Zf. Privatklinik Dr. Hoffmann

Am 3: Februar iſt unſer 2. Sohn
Utrich
glücklich zur Welt gekommen.
Studienrat W. Finkenwirth
und Frau Emmi, geb. Kaufmann
Hoffmannſtraße 47.
3365

Bertel Geiſel
Ludwig Sauerwein
Lehrer
Verlobte
4. Februar 1928

Darmſiadt
Mollerſtr. 19 II.

Meſſel

(e3180

Unser Töchterchen Gretel ist glück-
lich
angekommen.
Erika Voelckel, geb. Landré
Theodor Voelckel.

Dolock Ulir. Este.
Sumatra’s Westküste.

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für Damen u. Herren
wer en gerein gt und
nach neueſtenFormen
umgepreßt, jetzt 2.4
Frantfurt Hutlager,
Ecke Grafen= u. Bis=
marckſtraße
(3341

Statt Karten.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe inniger Anteilnahme bei
dem Heimgange unſeres lieben Entſchlafenen
Herrn
Avnnt Zenitiger
Maſchinenfabrikant
ſowie für die zahlreichen Kranz= und Blumenſpenden
ſagen wir herzlichen Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Antoinette Henninger
geb. Aden.
Darmſtadt, den 4. Februar 1928.
(3344

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Darmstadt
Ernst-Ludwigstr. 19

Ihre Vermählung zeigen an:
Adolf Kern und Frau
Friedel, geb. Dänges
Trauung: Sonntag, den 5. Februar, nachm. 2½ Uhr
in der Martinskirche.
Darmstadt, den 4. Februar 1928. (3350

Statt Karien.
Dankſagung.
Für die zahlreichen Beweiſe herzl. Teil=
nahme
, ſowie für die vielen Blumenſpenden
beim Heimgang unſeres lieben Vaters,
Großvaters, Urgroßvaters und Schwieger=
vaters

Eduard Andreas
ſagen wir auf dieſem Wege wärmſien

Anzeige.

Am 3. Februar entſchlief ſanft
nach ſchw rem Leiden mein lieber
Sohn, unſer Bruder u. Schwager
Herr Karl Schork
im Alter von 21 Jahren.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Jakob Schork.
Darmſtadt, Liebigſtraße 67.
Die Beerdigung findet Montag,
den 6 Februar, nachmiitags 3 U. r
auf dem Waldfried )of ſtatt.
3332

Todes=Anzeige.
Heute früh 1¾ Uhr entſchlief nach kurzem,
aber ſchwerem Teiden mein innigſigeliebter
Mann, meiner Kinder herzensguter Vater.
mein lieber Schwiegerſohn, unſer Schwager
und Onkel
Herr
Mathias Klein
Eiſenbahn=Oberſekretär i. R.
In tiefer Trauer:
Emilie Klein, geb. Oehler
und Kinder.
Darmſtadt, Saalbauſtr. 24, Sprendlingen (Rheinh.),
den 4. Februar 1928.
Die Beiſetzung ſindet Dienstag nachmittag 21 Uhr
von der Friedhofskapelle an der Nieder=Ramſfädterſiraße
aus ſtatt.
(3409

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Ganz unerwartet hat es Gott dem Allmächtigen
gefallen, meinen pflichtgetreuen, lieben Mann und
herzensguten Vater
Herrn

Dankſagung.
Für die uns anläßlich des Hinſcheidens meiner
lieben Frau, unſerer guten Mutter und Großmutter
Mau Margmreihe Bürbey
geb. Röder
bewieſene Teilnahme, ſowie für die zahlreichen Blumen=
ſpenden
ſagen wir hiermit unſeren herzlichſten Dank.
Heinrich Jacobn
Familie Max Neupert.
Darmſtadt, den 5. Februar 1928.
(3363

Nach mehrjähriger fachärztlicher Ausbildung an der
Med. Univ--Klinik Frankfurt a. M. (Prof. von Bergmann)
und der I. Med. Univ.-Klinik München (Geh. Rat von
Romberg) habe ich mich als
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(einschl. nervöse bezw. seelisch bedingte Erkrankungen)
niedergelassen.
Dr. med. Carl Betz.
Daimstadt, den 1. Februar 1928.
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täglich 1012 und 2½4½ Uhr. 323189

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Prediger R Ruduizky ſpricht am
Sonntag, den 5. Feruar 1928 im Ver=
ſammlung
zlokal, Maue=ſtraße 17. über:
Der Optertod Jesu, die Quelle d. Gemeinschaft
mit Gat.
vormit ag: 10 Uhr:
Die ſündentilgende Macht ſeines Todes
nachmittag 4 Uhr
Die mit Gott einende Macht enes Lebens.
Im Anſch an den Nichmittags=Golt. s=
dienſt
findet eine gemeinſame Vereinigung
ſtatt, wobei Tee gereicht wird.
Wir laden j dermann herz ichſt en! (3365

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Tor jeden Mittwoch 91.

Behte Esslinger Wolle
erkennt man an
dieser Marke

im Al er von 62 Jahren nach ſehr ſchwerem, kurzem
Leiden in die Ewigkeit abzurufen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Frau Marg. Meitzler, geb. Boehm
und Kinder.
Auf Wunſch des Verſtorbenen fand die Beiſetzung
auf dem Waldfriedhof im Kreiſe ſeiner Angehörigen
ſtatt.
Man bittet, von Beileidsbeſuchen abſehen zu wollen,
(5 69)

wird von Hunderttauſenden widerſiandslos getragen, weil ſie
gianben, daß doch nichts mehr heife. Um eines frohen Lebens
willen ſollte ober niemand ſo mutles ſein, daß er micht einen
Verſuch mit NTMFAOSANS Wenn Aerzte ihn
glänzend begutachten, wenn die tatſächlichen Erfolge und
großen Linderungen für ihn zeugen, warum ſoll dann gerode
Ihnen nicht gehoſfen werden können ?! preis der Flaſche
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Prägen Sie ſich die beiden ſchwarzen
Frauen mit dem Esslinger Turm recht
eindringlich ein, wenn Sie Wolle Laufen.
So gehen Sie ſicher, daß Sie ſpäter
mit den geſtrickten Sachen auch zu=
feieden
ſind.
denn Esslinger Wolle hat ſich im
Tragen bewährt! Sie hat die
Eigenſchaften einer guten
Wolle, die ohne einzulaufen
ſich waſchen läßt
und die Farbenicht
*
verliert.
Wenn Sie ſich ſel=
ber
ſchöne Woll=
ſachen
anfertigen
Awollen, ſo verlan=
zP
gen Sie im näch=
ſten
Spezialge=
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das Ess=
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Sportſkrümpfen und anderen nützlichen Geſchenken.
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[ ][  ][ ]

Nummer 36

Aus der Landeshaupiſtadt.
Darmſtadt, 5. Februar.
Ernannt wurden: am 12. Januar der Polizeihauptwachtmeiſter
Wilhelm Keutzer zu Offenbach a. M. zum Polizeimeiſter mit Wir=
tang
vom 1. Januar 1928 ab; am 19. Januar die Gendarmeriehaupt=
achtmeiſter
auf Probe Friedrick Daum aus Reinheim. Heinrich
öchel aus Deckenbach (Kreis Alsfeld) und Ludwig Schmalz aus
(örüningen zu Gendarmeriehauptwachtmeiſtern mit Wirkung vom 1. 1.
Js. ab; am B. Januar der praktiſche Arzt Dr. Karl Binſack in
eSedern zum Amtsarzt bei dem Kreisgeſundheitsamt in Gießen mit
Wirkung vom 1. Februar 1928 ab.
Ernannt wurden am 31. Januar: Peter Blumenſchein aus
WSadernheim, Johann Schäfer, aus Löhrbach, Joſef Stein aus
heammelbach i. O. zu Pflegern, Johann Martin Mitſch in Heppen=
im
zum Gärtnergehilfen, Wilhelm Goß in Heppenheim und Joh.
9iakob Weis in Heppenheim zu Gartenarbeitern bei der Landes Heil=
und Pflegeanſtalt Heppenheim ſämtlich mit Wirkung vom 1. Januar
1228 ab.
Erledigt ſind: zwei Lehrerſtellen, für evangeliſche Lehrer an
daer Volksſchule in Erbach i. O.; eine Mietwohnung für einen ver=
girateten
Lehrer iſt vorhanden; eine Lehrerſtelle für einen evangel.
gehrer an der Volksſchule in Billertshauſen (Kreis Alsfeld),
Dienſtwohnung wird demnächſt frei; eine Lehrerſtelle für einen evgl.
Hehrer an der Volksſchule in Mittel=Gründau (Kreis Büidingen),
ienſtwohnung iſt vorhanden; eine Schulſtelle für einen Lehrer an
er evangeliſchen Volksſchule in Hofheim (Kreis Bensheim), eine
Wohnung iſt vorhanden und ſofort beziehbar; eine Schulſtelle für
arne evangeliſche Lehrerin an der Volksſchule in Bieber (Kr. Offen=
hach
); eine Lehrerſtelle für einen katholiſchen Lehrer an der Volks=
ſthule
in Bieber (Kreis Offenbach), Wohnung iſt zurzeit nicht vor=
wanden
; eine Lehrerinſtelle für eine evangeliſche Lehrerin an der
4Sollksſchule in Dudenhofen (Kreis Offenbach).
Evangeliſch=kirchliche Nachrichten. Durch die Kirchenregierung
wourde dem Pfarraſſiſtenten Heinrich Vögler, zu Hahn die evangeliſche
18farrſtelle zu Groß=Felda (Dekanat Alsfeld) übertragen.
Gewerbemuſeum. Für die Vorführung von Lichtbildern nach
(llten Glasmalereien an dem Offenen Abend des Gewerbe=
mnuſeums
am Dienstag, den 7. Februar, um 8.15 Uhr, iſt zur Zeit
gin beſonderer Anlaß gegeben. Eine Ausſtellung im Städelſchen Mu=
ſeum
in Frankfurt gibt augenblicklich in ſeltenſter Weiſe Gelegenhcit,
Meiſterwetker alter Glasmalerei beiſammen zu ſehen und zu verglei=
agen
. Der Offene Abend des Gewerbemuſeums möchte auch die Darm=
ſädter
auf dieſe Ausſtellung hinweiſen. Die Vorführung wird auch
ſonders Gelegenheit nehmen, die Verwvendung von Glasfenſtern als
SSchrifttafeln zu erörtern.
Handwerker=Ehrungen durch die Heſſiſche Handwerkskammer. Die
ſeſſiſche Handwerkskammer ſchreibt: Fünf Handwerkerveteranen des
eeſſiſchen Handwerks wurden am vergangenen und vorvergangenen
Sonntag mit dem Ehrenmeiſterbrief für 50jährige Meiſterſchaft
ausgezeichnet. Es handelt ſich um die Herren: Zimmermeiſter Karl
Mathes=Hirſchhorn, Schreinermeiſter Georg Bonin=Alsbach,
ASpenglermeiſter Konrad Hillenbrand=Bensheim, Schmiedemeiſter
rionhard Klein=Bensheim und Zimmermeiſter Auguſt Ruppel=
Seeheim. Die feierliche Ueberreichung der Ehrenmeiſterbriefe erfolgte
wamens der Handwerkskammer in Hirſchhorn durch den Ehrenmeiſter
ges Heſſiſchen Handwerks, Herrn Schmuck=Worms, und in Bensheim an
ie übrigen vier Jubilare durch Hevrn Syndikus Dr. Kollbach. Die
Ueberreichungen fanden im Rahmen würdiger Feiern der Ortsgewerbe=
ereine
in Hirſchhorn und Bensheim unter Teilnahme der Behörden
ſpatt.
Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt. Wir
werweiſen auf unſere Anzeige in vorliegender Nummer dieſes Blattes
über unſere 5. Winterverſammlung am Mitwoch, den 8. Februar,
cbends 8 Uhr, im Gelben Saal bei Sitte (Karlſtraße). Der Beſuch
wieſes außerordentlich bedeutſamen Vortrages von Herrn Profeſſor
DOr. K. Bürker, Direktor des phyſiologiſchen Inſtituts der Landes=
univerſität
Gießen über: Eine Leibwache unſeres Kör=
ers
, die weißen Blutzellen (nut Vorführungen) wird drin=
wend
empfohlen. Wir bitten alle unſere Mitglieder und Freunde, mög=
hichſt
pünktlich am Mittwoch abend im Gelben Saal bei Sitte zu er=
theinen
.
Heſſiſches Landestheater Darmſtadt. Heute Sonntag findet im
(Großen Haus das Gaſtſpiel Maria Olszewskas (Staatsoper
Wien) in Carmen ſtatt; es wirken außer ihr mit die Damen Albrecht,
Kappe, Liebel, und die Herren Balve, Ebert Beher, Theo Herrmann,
KSomregg, Ney, Vogt. Muſikaliſche Leitung: Generalmuſikdirektor Dr.
1Böhm. Die Vorſtellung beginnt um 18.30 Uhr.
Im Kleinen Haus wird der Film Geheimniſſe einer
Seele (mit Werner Kraus) zum letzten Male wiederholt. Die Preiſe
ſ.nd auf 0,701,50 Mk. ermäßigt. Beginn der Vorführung 17 Uhr. Um
N0 Uhr beginnt die Aufführung von Bayard Veilles Kriminalſtück Der

reizehnte Stuhl.
Für die Palucca=Gaſtſpiele im Großen Haus (Mittwoch
mnd Donnerstag, 8. und 9. Februar), können die Mieter nur noch heute
Sonntag Karten zu ermäßigten Preiſen (15 Mark) erhalten; morgen
Montag beginnt der allgemeine Vorverkauf (Preis 18 Mk.).
Sinfoniekonzert. Im ſünften Sinfonickonzert worgen Mon=
huag
, 6. Febr., wird außer der Sinfonictta von Janacek noch ein moder=
ures
Werk zum erſten Male hier geſpielt: Maurice Ravels Orcheſterſuite=
Le Tombeau de Couperin.
Das Schauſpiel bringt Mitte Februar die Erſtaufführung von Gol=
onis
Der Impreſario von Smyrna, das Paul Korn=
old
bearbeitet hat.
In der Oper werden folgende Neuinſzenierungen und Repriſen vor=
bereitet
: zunächſt wird aus Anlaß von Richard Wagners Todestag,
E3. Februar am kommenden Sonntag Triſtan und Jſolde gegeben;
en Triſtan ſingt Otto Wolf (Staatsoper München) als Gaſt. Ende des
Monats kommt im Großen Haus Aubers Stumme von Portici in
ſoöllig neuer Bühnengeſtaltung (mit Karl Jörn als Gaſt in der Haupt=
volle
) heraus. Anfangs März folgt im Kleinen Haus Roſſinis Barbier
von Sevilla in neuer Inſzenierung.

Ueber das Havemann Quartett, eine der glänzendſten heute be=
tehenden
Kammermuſikvereinigungen, das im Vereia mit dem hieſigen
Kammermuſiker Herrn Hugo Andreae am Mittwoch, den 8. Februar, im
Muſikvereinsſaale Schumann, Haydn und Schubert zu Gezör bringt,
chreibt das Hamburger Abendblatt: Das Konzert gab einer be=
geiſterten
Gemeinde Gelegenheit dieſes Quartett der Vollen=
oung
zu hören.
Bücherſtube Alfred Bodenheimer. Zu ihrem literariſchen
lel bend, den die Bücherſtube diesmal dem Inhalt entſprechend Kar=
meval
der Literatur nennt, macht ſich ein ſehr veges Intereſſe bemerk=
köar
. Neben Hugo Keßler, dem Komiker des Landestheaters hat ſich
WWerner Finkh, der Vielbegabte vom Landestheater, liebenswürdigerweiſe
rzur Verfügung geſtellt. Infolge der ſtarken Nachfrage ſieht ſich die
Bücherſtube veranlaßt, die Veranſtaltung am ſelben Abend von 1112½
lühr zu wiederholen. Vom 13. bis einſchließlich 18. Februar zeigt die
Wücherſtube eine größere Reihe wertvoller Arbeiten des ſpaniſchen Ma=
ters
Pablo Picaſſo; z. T. aus Privatbeſitz. Anläßlich dieſer Aus=
tellung
hat Bodenheimer den bekannten Kunſthiſtoriker Dr. Oskar
Schürer=Prag zu einem Vortrag über Pablo Picaſſo und die Pro=
lSleme
der modernen Malerei eingeladen. Im März iſt Oskar A. H.
Schmitz für einen Vortrag verpflichtet. (Siehe heutige Anzeige.)
Landesverband Heſſen und Naffau im Bund Deutſcher Jugend=
wereine
(Ortsverband Darmſtadt). Die Kurrende der Johan=
nesgemeinde
Darmſtadt veranſtaltet am Sonntag, den 5. Februar,
abents 8 Uhr, in der Johanneskirche eine geiſtliche Abend=
unuſik
und bringt dabei einige Choräle und eine Kantate von Dietrich
Wuxtehude: Alles, was ihr tut, mit Worten oder mit Werken, unter
Wegleitung von Streichinſtrumenten zur Aufführung. Buxtehude iſt
ſeiner der berühmteſten Kirchenmuſiker der Vorbachzeit und ſein Ruhm
als Orgelſpieler veranlaßte einſt den jungen Johann Sebaſtian Bach,
u Fuß von Leipzia nach Lübeck zu pilgern, um bei Buxtehude zu
lernen. Da dieſe Feierſtunde die Teilnahme weiterer Kreiſe verdient,
ſo wird den Mitgliedern der Beſuch beſonders empfohlen. Auch alle
bſonſtigen Muſikfreunde ſind dazu herzlichſt eingeladen. Um jedermann
Gio Teilnahme zu ermöglichen, iſt der Eintritt dazu frei. Wer ein aus=
fführliches
Programm davon beſitzen will, kann ſich dies am Eingang
taufen.
Deutſcher Abend der Bismarckgemeinde. Auf den am 4. Febr.
uim Anzeigenteil bekanntgegebenen Deutſchen Abend der Bismarck
ugemeinde, der am Montag, 6. Februar, im Städtiſchen Saalbau ſtatt=
ſindet
ſei nochmals hingewieſen. Der Abend bringt einen hochintereſſan=
ſten
Vortrag des Herrn Oberregicrungsrats Bauer=Karlsruhe über
Verſailles 1871 und 1919 Bismarck unſer Lehrmeiſter‟ Den Vortrag
werden muſikaliſche Darbietungen umrahmen. Auch ſonſt wird ein
fäntereſſantes künſtleriſches Programm geboten werden. Für jeden Bis=
mnarckfreund
iſt der Eiuntritt frei.
* Orthſcher Männerchor. Wie alle Veranſtaltungen des Vereins
ſio wird auch der am Samstag, den 11. Februar, abends 8.11 Uhr in den
äumen der Beſſunger Turnhalle ſtattfindende Maskenball ſeine
Snziehungskraft nicht verfehlen. Der Kartenverkauf hat bereits be=
ogonnen
. Alles Nähere in der am Mittwoch erſcheinenden Anzeige.

Sonntag den 5. Februar 1928
Seite 5
Aufwertungsforderungen der Kleinrentner.

Aus Reichsmitteln zur Förderung der Wohlfahrtspflege wurden
Mittel zur Verfügung geſtellt zum Ankauf und zur Beleihung noch nicht
fälliger Aufwertngsforderungen der Kleinrentner. Die Mittel können
natürlich nur beſchränkt ſein, ſodaß lediglich beſonders bedürftige Klein=
rentner
Ausſicht auf Genehmigung ihres Antrags haben. Für die Be=
willigung
gelten in der Hauptſache folgende Beſtimmungen:
1. Der Aufwertungsgläubiger muß infolge Alters oder nicht nur vor=
übergehender
Arbeitsunfähigkeit außerſtande ſein, ſeinen Lebens=
unterhalt
zu beſtreiten. Er muß nachweiſen, daß man auch ſeinen
unterhaltsberechtigten Angehörigen nicht zumten kaun, ihn aus=
reichend
zu verſorgen.
2. Der Aufwertungsgläubiger muß bedürftig ſein. (Auch die Bezieher
von Kleinrentnerunterſtützungen können unter Umſtänden in Frage
kommen.
3. Die in Betracht kommende Forderung muß irgendwie geſichert ſein
Ghypothekariſch durch Bürgſchaft, Pfandbeſtellung oder dergleichen).
Ungeſicherte Aufwertungsforderungen können nicht beliehen oder
angekauft werden.
4. Der Ankauf und die Beleihung erfolgen auf Grundlage einer 4 pro=
zentigen
Verzinſung für das Jahr. Wird nach Geſetz oder Verein=
barung
mit dem Aufwertungsſchuldner von dieſem ein höherer Zins

gezahlt, ſo wird dem Aufwertungsgläubiger der gleiche Zins be=
rechnet
. Bleibt die Verzinſung unter 4 Prozent, ſo wird der Unter=
ſchiedsbetrag
beim Ankauf oder bei der Beleihung abgezogen.
5. Bei Ankauf und Beleihung iſt ein einmaliger Abzug von 2 Prozent
vorgeſehen, die als Riſikoreſerve verwaltet werden.
G. Bis zur Höhe von 1000 RM. können Forderngen in einer Summa
diskontiert werden. Geht die Forderung dayüber hinas, ſo wird
im Regelfall nur eine einmalige Auszahlung bis zur Höhe von
41000 RM. erfolgen, während der überſchießende Teil in eine Zeit=
rente
umgewandelt wird, deren Höhe dem Einzelfall angepaßt wird.
7. Einmalige Auszahlungen kommen nur bei Vorliegen beſonderer Um=
ſtände
in Frage, z. B. wenn das Geld gebraucht wird zur Abdeckung
von Verbindlichkeiten, Beſtreitung von Berufsausrüſtungen für Kin=
der
oder dergleichen.

Anträge heſſiſcher Kleinrentner ſind bei dem Landescsſchuß der
Kreditgemeinſchaft gemeinnütziger Selbſthilfeoraaniſationen Deutſchlands,
G.m.b. H., zu Händen des Vorſitzenden Herrn Stadtdirektor Schrauth
hier, Wohlfahrts= und Jugendamt, einzureichen.
Darmſtädter Aufwertungsgläubiger können die vorgeſchriebenen Au=
tragsvordrucke
im Wohlfahrts= ud Jugendamt (früherer Ludwigsbahn=
hof
, Zimmer 34) unentgeltlich haben. Sprechſtunden Dienstags und
Freitags vormittags von 8 bis 12 Uhr, Zimmer 34.

Im Stadion
finden heute nachmittag zwei ſehr ſpannende Handballſpiele ſtatt.
Bereits um 13.30 Uhr beginnt ein Spiel zwiſchen den 2. Mann=
ſchaften
des Sportvereins 1898 und des Polizeiſportvereins
Mannheim. Das erſte Endſpiel um die ſüddeutſche
Meiſterſchaft im Handball bringt dann um 14.30 Uhr
die Ligamannſchaften der obengenannten Vereine zuſammen, die,
ſoweit der Sportverein 98, alſo unſer ſüddeutſcher Meiſter, im
Frage kommt, ein Spiel in höchſter Vollendung vorführen wer=
den
. Was man bis heute im Handball, dem in Darmſtadt be=
liebteſten
Spiele, überhaupt zu leiſten vermag, hoffen wir dort
zu ſehen. Wir wünſchen, daß auch dieſes Spiel wieder dem
Handball neue Freunde und Anhänger wirbt.

Voranzeige
Musikvereinssaal Steinstraße
Liederabend, 14. Februar, abends 8 Uhr
Helene Kühling ess

Der Verkehrsverein Darmſtadt hat auf Grund der in ſeiner
Hauptverſammlung erfolgten eingehenden Erörterung der Frage einer
durchgreifenden Verbeſſerung der Verbindungen
zwiſchen Darmſtadt und ſeinen öſtlichen Vororten
Nieder=Ramſtadt und Traiſa bei der Direktion der Heſ=
ſiſchen
Eiſenbahn=Aktiengeſellſchaft in Darmſtadt den
Antrag geſtellt, mit möglichſter Beſchleunigung vom Böllenfall=
tor
nach Nieder=RamſtadtTraiſa einen Kraftomni=
busverkehr
im Anſchluß an die Wagen der elektriſchen Straßen=
bahn
einzurichten. Beantragt iſt ein Halbſtundenverkehr, der zunächſt
in den weniger verkehrsreichen Vormittagsſtunden der Werktage und den
ſpäteren Abendſtunden auf einen Stundenverkehr zu beſchränken wäre.
Hoffentlich wird die beantragte Maßnahme nunmehr ohne weite=
ren
Verzug durchgeführt, damit dem derzeitigen unhaltbaren Zu=
ſtand
endlich ein Ende bereitet wird.
14. Wiener internationale Meſſe. Vom 11. bis 18. März 1928
findet die 14. Wiener internationale Meſſe (Frühjahrsmeſſe) ſtatt. Meſſe=
ausweiſe
zum Preiſe von 3 RM., die den Beſuchern der Wiener Meſſe
beſondere Vorteile auf der deutſchen und öſterreichiſchen Eiſenbahn, ſo=
wvie
auch für den ſonſtigen Aufenthalt in Wien gewähren, können durch
den ehrenamtlichen Vertreter der Wiener Meſſe, Syndikus Dr. Hans
Schaefer, bei der Heſſiſchen Induſtrie= und Handelskammer Darm=
ſtadt
bezogen werden. Nähere Auskunft erteilt auch das Bureau der
Heſſiſchen Induſtrie= und Handelskammer Darmſtadt, Rheinſtraße 14
(Eingang Grafenſtraße). Tel. 368 und 369.

Heute 17 Uhr im Kleinen Haus letzte Vorführung
des Werner Krauß-Films
2525
Geheimnisse einer Seele‟

Mozartverein. Adukar heißt nicht Adele, der ulkige Käfer
am Reck, vielmehr: Aber der Unſinn kann alles riskie=
ren
. Adukar iſt das Leitwort für den Mozart=Maskenball
am 11. Februar. An der Umwandlung des Saalbaues in das Reich
des Unſinns arbeiten hervorragende Revuekünſtler. Das Erſtqunliche
iſt nur möglich durch die opferfreudige Mithilfe von Mitgliedern und
Gönnern des Vereins. Mozartfreunde werden auf großen Autos die
Tier= und Pflanzenwelt dieſes phautaſtiſchen Reiches anrollen. Die
Beleuchtung erſtrahlt aus den Glutaugen ſurrender Käfer. Der Garten=
ſaal
iſt Urwald, in dem Urwenſchen dem Urunſinn huldigen. Aehnlich
geht es im Stadtverordnetenſaal und den Fürſtenzimmern zu. Geheim=
nis
breitet ſich über die Ausgeſtaltung des Hauptſaales und der Bühne.
Karten bei O. Titze, Eliſabethenſtraße 4; Mitgliedskarte vorzeigen.
Kein Verkauf an der Abendkaſſe.
Orpheum: Das lebende Magazin‟. Der Kartenvorver=
kanf
für die heutige Sonntagsaufführung findet ſtatt: im Verkehrsbüro
von 912 Uhr, Zeitungskiosk Ernſt Ludwigsplatz von 1118 Uhr und
Kaſſe Orpheum uunterbrochen ab 15 Uhr. Telephoniſche Beſtellungen
Nr. 389. Beginn der Vorſtellung iſt heute pünktlich 348 Uhr (im Inter=
eſſe
der auswärtigen Beſucher!) Siehe heutige Anzeige.

STRAUSSO MATER
Inh: Siegfried May
das SEIPERHAUS
des vornehmen Geschmacks.
(2494a) Schulstraße 8

An Rudolf Steiner, ſeinem Shaffen und ſeinen Werken kann
niemand vorbeigehen, der nicht blind neuen geiſtigen Bewegungen gegen=
überſteht
. Der Jugenderzieher findet in ſeinen Schriften eine Fülle von
Anregungen die Waldorfſchule, in der nach Steinerſchen Grundſätzen
unterrichtet wird gehört zu den geachtetſten Privatſchulen. Der Künſtler,
der Naturwiſſenſchaftler, kurz jeder, der nach anderen Wegen ſucht, wird
in ſeinen Schriften und im denem ſeines Kreiſes Neues finden. Die
Buchhandlung Saeng in der Kirchſtraße hat in einem Sonderfenſter
den literariſchen Nachlaß Steiners neben älteren Werken von ihm aus=
geſtellt
.
Die Freie Literariſch=Künſtleriſche Geſellſchaft hat den ausgezeich=
neten
weſtfäliſchen Dichter Joſef Winckler zu einem Vortrags=
abend
für nächſten Freitag, den 10. Februar 8 Uhr, im Feſtſaal
der Vereimigten Geſellſchaft gewonnen. Joſef Winckler, der Dichter der
Eiſernen Sonette und des Tollen Bomberg iſt eine der markanteſten
Perſönlickkeiten der deutſchen Dichtkunſt der Gegenwart und zugleich ein
ausgezeichneter Vortragshünſtler, ſo daß die Veranſtaltung ſtärkſte Teil=
nahme
finden dürfte.

Betrifft:

Schlankheitsbad

von Leichner Nr. 1001
Die Fa. Parfümierie Müller in der Rheinſtraße hat nachweislich im
Monat Dezember und Januar über 200 Pak. Schlankheitsbäder ver=
kauft
, ein Beweis für die enorme Güte des neuen Mittels. Der Runde,
der das 3000. Paket kauft, bekommt 10 Pakete (eine halbe Kur) gratis.
Durch dieſen ſtarken Umſatz hat obige Firma ſte.s friſche, einwandfreie
Ware. Proſpeite gratis.

Bericht über die wirtſchaftliche Lage des
deutſchen Handwerks im Monat Januar 1928.
RFI. Vom Reichsverband des deutſchen Handwerks wird uns ge=
ſchrieben
:
Im Rückblick auf das Weihnachtsgeſchäft wird allgemein feſtgeſtellt,
daß dieſes zu ſpät eingeſetzt habe und daher keme große Ausdehnung
annehmen konnte. Uebereinſtimmend ergibt ſich ferner, daß 1926 das
Weihnachtsgeſchäft lebhafter und umfangreicher geweſen ſei. Beſonders
auffällig iſt es, daß ſich die Erhöhung der Beamtengehälver bein Hand=
werk
nicht bewerkbar gemacht hat. Wie üblich, ſtellte ſich nach dem Feſte
eine allgemeine Geſchäftsruhe ein. Verſtärkt wurde dieſe dadurch, daß
die Arbeitsloſigkeit zunahm. Von großem Einfluß ſcheinen auch die
Inventur=Ausverkäuſe geweſen zu ſein, die in dieſem Jahre in einem
beſonders großen Ausumße von Waxen= und Konfektionshäuſern in
Szene geſetzt wurden. Direkt wuurden beſonders die Bekleidungsgewerbe
davon betroffen, indivekt aber faſt das geſamte Handwerk imſofern, als
die für die Anſchaffungen verfügbaren Geldmittel zum großen Teil in
dieſon Käufen angelegt werden. Hervorgehoben wird als Schädigung in
einigen Teilen Deutſchlands die Propaganda der Konſumpereine und
das Ueberhandnehmen des Nabattunweſens. Der Zahlungsverkehr 17/5
fehr viel zu wünſchen übrig. Die zum Teil noch aus Weihnachtsein=
käufen
beſtehenden Verpflichtungen wurden nicht eingehalten, da das
Publikum zumeiſt das Gelö für die Inventurausverkäufe bereit hielt.
Allgemein geht die Klage dahin, daß die Kreditinanſpruchnahme der
Kundſchaft einen großen Umfang angenommen hat. Erhebliche Beträge
ſtehen monatelang und zinslos aus. Die ſtarke Inanſpruchnahme des
Betriebskapſtals infolge der hohen Rohſtoffpreiſe und Löhne ſteigert den
Kreditbedarf des Handwerks in einer für die Betriebe nicht mehr zu=
träglichen
Weiſe. Die augenblickliche Verfaſſung des Geld= und Kredit=
marktes
iſt nicht dazu angetan, dieſe Lage irgendwie zu erleichtern. Die
Zinsſätze ſind noch ſo hoch, daß durch ſie die allgememen Unkoſten der
Handwerksbetri=be unverhältnismäßig geſteigert werden. Wo als ein=
ziger
Ausweg für den Handwerksbetrieb die Kreditinanſpruchnahme
bleibt, iſt damit eine Schmälerumg des Verdienſtes verbunden.
Die Rohſtoffpreiſe ſind allgemein ſtetig geblieben. Nur die Holz=
und Lederpreiſe zeigen ſteigende Tendenz. Auch die Lohnbaſis hat im
verfloſſenen Monat keine Aenderung erfahren.

Der kaufmänniſche Stellenmarkt
im neuen Jahre.
Anwachſen der Stellenloſenziffer aber ſteigendes Stellenangebot.
Keine Verſchlechterung der Ausſichten.
Die Entwicklung im Januar ſtand unter dem Einfluß der Entlaſ=
ſungen
, die ſich regelmäßig zum Quartalswichſel durch Wirkſamwerden
von Monats= und langfriſtigeren Kündigungen zeigen. Auch ein Teil der
für das Weihnachtsgeſchäft eingeſtellten Kräfte meldete ſich nach Been=
digung
der Aushilfstätigkeit wieder bei den Stellennachweiſen, während
andere mit Abſchluß= und Inventurarbeiten weiterbeſchäftigt wurden.
Nach den Ermittlungen der Stellenvermittlung des Deutſchnationalen
Handlungsgehilfen=Verbandes waren auch die Anmeldungen von Be=
werbern
in ungekündigter Stellung, die ſich zu verändern wünſchen, recht
zahlreich. Beſonders jüngere Angeſtellte zeigten das Verlangen, durch
Stellenwechſel ihren Geſichtskreis zu erweitern und ihr Einkommen zu
verbeſſern. Der Zugang an jüngeren Bewerbern war daher auch weſent=
lich
größer als im Dezember.
Die Nachfrage nach männlichen Kräften belebte ſich im Januar
wieder. Aus nahezu allen Wirtſchaftszweigen kam ein erhöhtes Stellen=
angebot
. Nur im Speditionsgewerbe war ein Rückgang der gemeldeten
offenen Stellen zu verzeichnen. Auch der Kleinhandel zeigte ſich nur
wenig aufnahmefähiger als im Vormonat. In Hamburg wurden zahl=
reiche
Aushilfskräfte für die bevorſtehenden Wahlen zur Bürgerſchaft
verlangt. Die Geſtaltung des kaufmänniſchen Stellenmanktes im neuen
Jahr kann insgeſamt als nicht ungünſtig angeſehen werden, trotzdem, wie
ſchon im Vorjahre, der Januar eine Erhöhung der Zahl der Stellen=
ſuchenden
brachte. Die Geſamtzahl der Stellenſuchenden liegt Ende
Januar 1928 indeſſen weſentlich niedriger als zur gleichen Zeit des
Vorjahres, und auch das Stellenangebot geſtaltete ſich günſtiger.

Petrusgemeinde. Die Männer Vereinigung hatte ihre Mitglieder
nebſt deren Angehörigen ſowie ihre Freunde zu einem Muſikaliſchen
Abend in das Gemeidehaus eingeladen. Die Veranſtaltung war er=
möglicht
wonden dank der uneigennützigen Hingabe einiger Damen und
Herren. Den Mittelpunkt derſelben bildete Herr Zahnarzt Münch,
welcher mit Feingefühl die geeigneten Kräfte zur Ausführung einer
reichhaltigen und hochwertigen Vortragsfolge um ſich geſammelt hatte.
Es wurde edelſte, klaſſiſche Muſik geboten was die Namen J. S. Bach,
Händel, Tartini, Haydn, Mozart, Mendelsſohn=Bartholdy, Schubert,
Schmmann, Gounod, Adolf Jenſen bezeugen; die Inſtrumental=Muſik
in trefflichen Bearbeitungen für Klavier und Harmonium, in manchen
Stücken ergänzt durch die Violine. Hat ſich Herr Zahnarzt=Münch ſchon
durch die Leitung des Ganzen dankenswerte Verdienſte erworben, ſo
gebührt ihm für die gediegene, zurückhaltende Art, mit der er die
Harmonium Muſik ausführte volle Anerkennung. Mit vollendeter
Meiſterſchaft entledigte ſich Frau Thilde Weſtphal ihrer mannigfachen,
oft nicht leichten Aufgaben am Flügel; insbeſondere muß noch ihre
verſtändnisvolle, anſchmiegende Begleitung der Geſangs= und Violin=
Vorträge herrorgehoben werden. In Adam Rettig, einem Schüler des
Konzer=meiſters Drumm, lernten wir einen vielverſprechenden jungen
Geiger kennen, der ſchon heute über einen beſeelten Vortrag verfügt.
Zuletzt, aber nicht mit geringerem Nachdruck, ſei der Geſangsvorträge
von Fräulein Käthe Tietze und Herrn Ernſt Weſtphal gedacht. Frl.
Tietze trug mit klangvoller, wohlgeſchulter Altſtimme Lieder von
J. S. Bach, Gounod und Jenſen vor und vereinigte ſich zu ergreifen=
der
Wiedergabe von Robert Schumanns Tragödie mit Herrn Weſtphal.
Letzterer wußte außerdem mit ſeiner wohlgepflegten Tenorſtimme ſich
die Zuhörer durch die Wiedergabe eines J. S. Bach’ſchen und eines
Mozatt ſchen Liedes zum Danke zu verpflichten. Alles in allem: Die
Kunſtbefliſſenen gaben alleſamt ihr Beſtes und vereinigten ihre Kräfte
zur Darſtellung einer edlen Sache, die ihren Lohn in ſich ſelber trägt,
aber auch von denen, für die ſie beſtimmt war, mit warmen Dankge=
ſühlen
entgegengenommen wurde. Wir wüſchen, es möchte in unſere=
haſtenden
Zeit mehr die Gepflogenheit herrſchen, die wenigen Frei=
ſtunden
derart mit der Pflege edelſter Kammermuſik wieder auszufüllen,
wie es zu uſerer Väter Zeiten geſchah, und wie es offenbar Herr Zahn=
arzt
Mäich, der Vielbeſchäftigte, in Gemeinſchaft mit gleichgeſinnten
Muſikfreunden tut.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Sonntag, den 5. Februar 1928

Nummer 36

Die obere Wilhelminenſtraße
ſteht in Gefahr. Die Landesverſicherungsanſtalt will einen Vergröße=
rungs
= und Umbau ausführen, der das Geſicht der Straße verhängnis=
voll
verändern würde. Südlich anſchließend an das ehemalige Palais
des Prinzen Heinrich ſoll ein dieſes überragender fümfſtöckiger Neubau
auf dem Gartengrundſtück an der Ecke von Wilhelminen= und Anna=
ſtraße
aufgeführt und dieſer in einem großen Gebäude an der Annaſtraße
fortgeſetzt werden. Außerdem will man an dem Palais das oben ab=
ſchließende
Geſims nebſt der darüber liegenden Attika durch ein Man=
ſardendach
erſetzen.
Als ich einſt vor Jahren mit unſerem berühmten Landsmann Alfred
Moſſel durch die obere Wilhelminenſtraße ging, ſprach dieſer eingehend
über den durch den großen Meiſter Moller beſtimmten architektoniſchen
Charakter, der aus dem 19. Jahrhundert ſtammenden wichtigſten Straßen
ud Plätze Darmſtadts. In der Rhein= und Neckarſtraße ſei dieſer
Charakter durch Neu= und Umbauten getrübt. In der oberen Wilhel=
minenſtraße
aber ſei er rein erhalten. Sie zeichne ſich durch ihre vor=
nehm
=ſchlichte, harmoniſche Schönheit aus. Darmſtadt könne ſtolz ſein,
eine ſolche Straße zu beſitzen.
Das Palais, nun Gebäude der Landesverſicherungsanſtalt, fügt ſich
trotz ſeiner Größe und ſeiner 3 Geſchoſſe befriedigend in die Straße
em. Seine guten Verhältniſſe kommen dadurch, daß es ſymmetriſch
rechts und links von unüberbauten Flächen flankiert wird, ſtärker zur
Geltung. Stellt man nun neben dieſes feine alte Haus den für die
Ecke von Wilhelminen= und Annaſtraße geplanten, das Palais überhöhen=
den
, fünfſtöckigen Bau, ſo wird das ganze Architekturbild aus dem
Gleichgewicht gehoben und die öſtliche Straßenſeite wird den Eindruck
einer kulturloſen Entſtellung machen.
Es iſt darum im Intereſſe der Erhaltung eines der ſchönſten Straßen=
züge
Darmſtadts zu verlangen, daß der Bau an der Ecke von Wilhel=
minen
= und Annaſtaße ganz unterbleibt, was mit einigem guten Willen
wohl möglich wäre, denn das zu dem Palais gehörige Grundſüick der
Landesverſicherungsanſtalt iſt ſo groß, daß unſchwer andere Löſungen ge=
funden
werden können. Will man aber trotz der überwiegenden Be=
dehken
und der Möglichkeit, dieſen Rechnnug zu tragen, nicht von der Be=
bautung
der Ecke von Wilhelminen= und Annaſtraße abſehen, ſo wäre
mindeſtens zu verlangen, daß die Palaisfaſſade der Wilhelminenſtraße
entlang unverändert bis zur Anngſtraße weitergeführt wird. Ich
bemerke ausdnicklich, daß auch dieſe Löſung nichts Verlockendes hat,
Sie wäre lediglich das kleinere Uebel. Demn es iſt zu fürchten, daß der
Palaisbau im Falle der fraglichen Verlängerung etwas Langweiliges,
Kaſernenartiges bekäme. Aber es würde wenigſtens der Eindruck der
Vergewaltigung des Straßenbildes einigermaßen vemieden.
Den Erſatz von Geſims und Attika des Palais durch ein Manſarden=
dach
halte ich gerade an dieſer Stelle vom Standpunkt der Aeſthetik
auch nicht für einen glücklichen Gedanken. Mir wüirde es beſſer ſcheinen,
die jetzige, zum Straßenbild gut paſſende Löſung beizubehalten, wenn
nicht zwingende Gründe der Bwunterhaltung für eime Aenderung
ſprechen.
Da die Landesverſicherungsanſtalt nach dem Bauprojekt einen ſehr
betuächtlichen Mehrbedarf an Räumen zu haben ſcheint, ſo würe es
vielleicht richtiger, in ihr jetziges Anweſen keine weiteren Gelder hinein=
zuſtecken
, um eine äſthetiſche, verwerfliche und auch in praktiſcher Hinſicht
wohl kam vollbefriedigenden Löſung herbeizuführen. In der Rheinſtraße
ueben dem Gebäube der Landwirtſchaftskammer liegt prachtvolles Bau=
land
, das nach monumentaler Bebcrung ſchreit. Mir will ſcheinen,
daß ein vollſtändiger Neubau an dieſer Stelle der Landesverſicherungs=
anſtalt
ein befriedigenderes und auch für das Publikum gelegeneres
Heim ſchaffen würde. Dabei düirfte ſich der Geldaufwand kaum viel
höher ſtellen, als der des gegenwärtigen Projektes mit einem Umbau,
deſſen Koſten ſich überhaupt nicht völlig abſehen laſſen.
Möge es dem Miniſterium, das noch das letzte Wort zu ſprechen
hat, gelingen, die der Wilhelminenſtraße drohende ſchwere Schädigung
abzuwenden und dieſe Sache in ein befeiedigenderes Geleiſe zu lenken.
G. v. Römheld.
Nach dem Reichsverſorgungsgeſetz können Perſonen, welche in
ihrer körperlichen Unverſehrtheit ſchwer beeinträchtigt ſind, ohne Rück=
ſicht
auf den Grad der tatſächlichen Minderung ihrer Erwerbsfähigkeit
eine Mindeſtrente nach feſtgelegten Sätzen erhalten. Auf Grund des
5. Abänderungsgeſetzes zum Reichsverſorgungsgeſetz vom 21. Dezember
1927 ſind die Sätze von Schädigungen der körperlichen Unverſehrtheit in
folgenden Fällen erhöht worden, und zwar derart, daß eine Zahlung
von Verſorgungsgebührniſſen wieder ſtattfinden kann: 1. Verluſt von
drei oder mehr Fingern einſchließlich des Daumens an der Gebrauchs=
hand
; 2. Verluſt von drei oder mehr Fingern ausſchließlich des Dau=
mens
an der Gebrauchshand; 3. Verluſt des Daumens allein an der
Gebrauchshand; 4. Verluſt der ganzen Kopfhaut (Skalpierung); 5. Ver=
luſt
oder vollſtändige Erblindung eines Auges; 6. Verluſt des Gau=
mens
; 7. Verluſt aller Zähne; 8. Verluſt beider Ohrmuſcheln; 9. Ver=
luſt
der Milz oder einer Niere; 10. Widernatürlicher After; Urin= oder
Darmfiſtel. Nur für die vorſtehend genannten Körper=
ſchäden
kann eine Wiederzahlbarmachung der Ver=
ſorgungsgebührniſſe
beantragt werden. Dies gilt
beſonders für diejenigen Perſonen, welche ſeinerzeit mit einer Erwerbs=
minderung
von 2 v.H. abgeſunden worden ſind. Neufeſtſetzungen nach
dem geänderten Geſetz erfolgen ab 1. Oktober 1927, wem der Antrag
auf Wiederzahlbarmachung der Gebührniſſe bis 31. März 1928 geſtellt
wird. Bei ſpäter geſtellten Anträgen beginnt die Zahlung vom An=
tragsmonat
ab.
Es ſei nochmals darauf hingewiefen, daß das Wohltätigkeitskonzert
der Barmherzigen Schweſtern, Nieder=Ramſtädter Straße 30, heute
Sonntag, den 5. Februar, 5 Uhr nachmittags im Saale des Schweſtern=
hauſes
ſtattfindet. Karten zu 1 und 2 Mark ſind daſelbſt zu haben, auch
vor Beginn des Konzerts.
Der Richard Wagner=Verband deutſcher Frauen veranſtaltet am
11. Februar, nachmittags um 5 Uhr, im Hauſe der Frau von Selzam,
Neckarſtraße 19 eine muſikaliſche Feier zugunſten der Richard
Wagner=Stipendienſtiftung. Der hier noch in beſtem Andenken ſtehende
Tenor Herr Hans Hoefflin, und Fräulein Hilde Groß, die
ſchon einmal mit Erfolg in einer Feier mitgewirkt hat, ſowie Herr Fritz
Bohne haben in uneigennützigſter Weiſe ihre Mitwirkung zugeſagt.
Herr Hoefflin wird Lieder von Schubert, H. Wolf, ſowie die Grals=
erzählung
in der urſprünglichen Faſſung, Fräulein Groß Lieder
von Schumann, die Cavatine der Agathe aus Freiſchütz, die Arie und
Canzone des Cherubin aus Figaro zu Gehör bringen. Herr Bohne hat
liebenswürdigerweiſe die Begleitung am Flügel übernommen. (S. Anz.)

Die Freie Landeskirchliche Vereinigung
für Heſſen
hielt in Frankfurt a. M. ihre aus allen Teilen des Landes ſehr gut
beſuchte Jahresverſammlung ab. Die Vereinigung, die auf dem Boden
des freien Proteſtantismus ſteht, hat in den letzten Jahren ihren
Mitgliederſtand über den Stand der Vorkriegszeit erhöht und zählt in
ihren Reihen viele Angehörige des heſſiſchen Lehrerſtandes. Der Vor=
ſitzende
, Pfarrer Dr. Müller, Rüſſelsheim, gedachte im Jahresbericht
der heimgegangenen Mitglieder, insbeſondere des Altbürgermeiſters
Ullmann, Niedererlenbach, der lange Jahre Mitglied des Landeskirchen=
tages
war. Ein Referat von Pfarrer Lic. Wißmann, Wenings gab
Gelegenheit zur eingehenden Ausſprache über die neueren theologiſchen
Strömungen und das Verhältnis zu ihnen. In einem ſehr gehaltvollen
Vortrag beleuchtete Prof. D. Foerſter, Frankfurt, die Welt der
Gemeinde um den Dichter Stefan George, indem er die eigenartigen
religiöſen Ideen dieſes Kreiſes von proteſtantiſcher Lebensauffaſſung
aus beurteilte. Pfarrer Berger Darmſtadt, referierte über den
Reichsſchulgeſetzentwurf. Die Verfammlung nahm folgende Kundgebung
einſtimmig an:
Die Freie Landeskirchliche Vereinigung für Heſſen lehnt nach wie
vor alle Beſtimmungen eines Reichsſchulgeſetzes ab, die den Beſtand
der heſſiſchen Simultanſchule auf chriſtlicher Grundlage befriſten und
ſchließlich beſeitigen wollen. Von unſerer volkskirchlichen Einſtellung und
unſerer Anerkennung des Weſens und der Aufgaben der Staatsſchule
aus können wir für Heſſen die Einführung der Konfeſſionsſchule wur für
ein Uebel halten und verwerfen kirchliche und klerikale Bevormundung
inſeres Schulweſens. Wir ſind davon durchdrungen, daß unſere heſſiſche
Simultanſchule die Erziehung der Jugend zu bewußter Volksgemein=
ſchaft
, die Freiheit der Lehrerperſönlichkeit, die praktiſche und ſparſame
Einrichtung unſeres Schulweſens und nicht zuletzt die chriſtlich=evangeliſche
Erziehung durchaus ſichert.
Wir begrüßen, daß unſere heſſiſche Kirchenregierung für die Erhal=
tung
der heſſiſchen Simultanſchule mit Entſchiedenheit eintritt. Wir for=
dern
unſere Mitglieder in Stadt und Land, Männer und Frauen aus
allen Ständen, die Staatsregierung und Volksvertretung auf, unſer be=
währtes
heſſiſches Schulweſen gegen Zerſchlagung und Zerſtückelung,
wie ſie in unſerer Heimat längſt überholt ſind, mit allen geſetzlichen
Mitteln und mit allen Kräften zu verteidigen.

Becker

Wilhelrinenstraße 17
Kinder-, Konfirmanden- U. Backfischwäsche
Schaufenster beachten! (2496

Kunſinotizen.
dcbg Wirte, Rünfiier oder Hnftleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſichenden dre chnuns
geſchieht, bebält ſich die Redaltien ihr Arteil vou
Die hier in Darmſtadt nſeht mehr unbekannte junge Konzert=
ſängerin
Helene Kühling, ausgebildet von Meiſter Beines, gibt
am Dienstag, den 14. Februar, im M=nſikvereinsſaal einen Liederabend.
Das Freiburger Tageblatt ſchreibt über ein Konzert der Sängerin
mit Julius Weismann u. a.: Stimnmlicher Wohlſtand erlaubt ihr, aus
dem Vollen zu ſchöpfen. Da ſie auch im Vortrag geſchickt zu difſeren=
zieren
, vortrefflich auszuſprechen und mit feimſinneger Erfaſſung des
Liedmhaltes den Zuhörer im Bann zu halten verſteht, ſo gab es einen
anregenden Abend.
Ueber das Habemann=Quartett, das im Mittwoch,
den 8. Februar, im Muſikvereinsſaale einen Kammernruſikabend mit
Schumann, Beethoven und Schubert veranſtaltet, ſchreibt das Ham=
burger
Fremdenblatt‟: Eine Vereimgung von hoher Kammermuſikaliſcher
Kultur, deren Vorzüge in einem klanglich blühenden und faſt dramatiſch
antriebsfähigen Muſizieren ruhen . . . ., und die Altonaer Nachrichten:
Von den Herren des Havemann=Quartetts wurden die drei Werke mit der
ſonnigen Reife höchſſter Künſtlerſchaft vovgetragen.
Palaſt=Lichtſpiele: Der Benzinteufel. Wieder
ein entzückender Film mit Reginald Denny. Nicht allein entzückend
durch Reginald Denny ſelbſt, bei dem es bereits feſtſteht, deß er eine
der erfreulichſten Erſcheinungen des amerikaniſchen Luſtſpiels iſt, ſon=
Lern entzückend auch durch ſein Manuſkript, in dem keine gewollte gro=
teske
Komik ausſchlaggebend iſt, ſondern das ganz auf Situationen
geſtellt iſt. Die Regie von Melville W. Brown weiß alle Situationen
richtig auszunutzen und ſorgt für das Tempo. Das Autorennen iſt bril=
laut
gemacht und famos photographiert. Und hat Tempo! Tempo!
Tempo! Im Beiprogramm: Sanatorium zur Liebe‟ Sechs
luſtige Akte von Witwen, geſchiedenen Frauen und ſolchen, die es wer=
den
wollen.
Lokale Veranſtaltungen.
Die dierunier erſcheinenden Nofizen ſind ans ſchlledſich als Hinwelſe auf Anzeigen m betrachten.
in leinem Faſſe irgendwie al Beſdrechung oder Kritck.
Hotel Prinz Heinvich. Wer einige frohe Stunden ver=
leben
will, verſäume nicht, die kornevaliſtiſchen Tanzabende im Hotel
Prinz Heinrich (Bleichſtraße) zu beſuchen. (Siehe Anzeige.)
Aus den Parteien.
Deutſche Demokratiſche Jugend Darmſtadt.
Am nächſten Mittwoch, den 8. d. M., abends 81 Uhr, im Parteilokal,
Eſchollbrücker Straße 5, ſpricht Herr Oberſtadtſekretär Weber über
Alt=Darmſtadt Unſere Mitglieder und Parteifveunde ſind herzlichſt
eingeladen.

Seit einem halben Jahr führen wir eine neue Raſier=Klinge, die
Sonnal=Luxus=Klinge beſter Solinger Stahl. Dieſelbe hat
ſich glänzend bewährt, und damit weitere Kreiſe Gelegenheit haben, die=
ſelben
auszuprobieren, geben wir jedem Herrn auf Verlangen beim
Einkauf von 1.
eine Sonnal=Luxus=Klinge gratis.
Auch die von der Firma herausgebrachten Raſier=Apparate zeichnen
ſich durch beſonders ſaubere Arbeit aus und loſten nie, noch laufen
dieſelben an.
(2507
Sonnal Luxus=Klingen 30 Pfg., 10 Stück 2.50 Mk.
Sonnal=Raſier=Apparate von 1.40 Mk. bis 2.50 Mk.
Groß= und Kleinverkauf im Spezialgeſchäft
Parfümerie Müller, Rheinſtraße 6 und Filiale Grodhaus
am weißen Turm.

*Bezirksſchöffengericht.
Tp. 1. Ein hieſiger Kaufmann ſteht unter der Anklage, einen hieſi=
gen
Staatsanwalt durch einen Brief vom 20. Janaur d. Js. beleidigt
zu haben, in dem er behauptete, derſelbe habe unter Strafandrohung
eine Unterſchrift von ihm erzwungen. Der Angeklagte beſtreitet, Ver=
faſſer
des Briefes zu ſein, den er lediglich auf der Schreibmaſchine
geſchrieben habe, und zwar namens ſeiner Mutter; wit dem Inhalt des
Briefes ſei er einverſtanden geweſen.
Der ärztliche Sachverſtändige bekundet, daß die Mutter unter §51
SiGB. fällt; der Sohn erſcheint infolge Erkrankung der Mutter erblich
belaſtet und als ein Querulant, der keiner Belehrung zugänglich iſt.
Gewiſſe Beeinträchtigungsgedanben ſind bei dem Angeklagten nicht aus=
zuſchließen
.
Der Staatsanwalt betont, der Angeklagte habe dem Beleidigten
Mißbrauch der Amtsgewalt vorgeworfen; er habe in Wahrung berech=
tigter
Intereſſen gehandelt. Eine Abſicht der Beleidigung ſei aus der
Wahl der Worte nicht zu ſchließen. Dem Angeklagten ſei der Schutz des
§ 193 StGB. zuzubilligen und er deshalb nach Anſicht der Staatsanwalt=
ſchaft
freizuſprechen. Das Urteil erkennt auf eine Geldſtrafe
von 30 Mark. Eine Wahrung berechtigter Intereſſen liege nicht vor
2. Wegen Verrats militäriſcher Geheimniſſe hat ſich ein junger, er=
heblich
vorbeſtrafter Mann zu verantworten. Das Urteil erkennt auf
zwei Jahre Gefängnis unter Anrechnung von zwei Monaten
einer Woche der erlittenen Unterſuchungshaft.
3. Unter der Anklage der ſchweren Urkundenfälſchung ſteht ein
Kaufmann eines Ortes an der Bergſtraße. Die Anklage legt ihm drei
Straftaten zur Laſt: er ſoll bei Beſtellung eines Inhalierapparates in
München ſich, um den nur Aerzten zuſtehenden Rabatt zu genießen, des
Namens Dr. Will bedient haben; er ſoll weiter einen vom Kreisamt
ausgeſtellten Perſonalausweis gefälſcht haben, um ſich als den vecht=
mäßigen
Empfänger zu legitimieren, und ſchließlich ſoll er einen beim
Poſtamt einzureichenden Nachſendungsantrag fälſchlich angefertigt haben.
Die Frau des Angeklagten iſt ſchwer aſthmaleidend. Der Angeklagte
ſwandte ſich wegen eines Proſpektes an die Münchener Firma und be=
zeichnete
ſich als Dr. Will, zur Zeit in Darmſtadt. Dem Arzt war zum
eigenen Gebrauch ein Rabatt von 20 Prozent zugeſtanden. Daraufhin
beſtellte auf Grund dieſer Preisaufſtellung der Angeklagte den bewußten
Apparat. Der Rabatt betrug 8 Mk. 50 Pfg. Das Paket ſollte unter
W. 301 abgeſandt werden. Pakete dürfen aber unter Chiffre nicht
ausgefolgt werden. Daxauf erſuchte Angeklagter als Dr. Will um Ab=
ſendung
an dieſe Adreſſe nach Darmſtadt. Zur Poſt kam er dann im
Auftrage von Dr. Will, worauf ihm bedeutet wurde, der Dr. Will ſolle
ſelbſt zur Poſt kommen. Daraufhin wurde der Perſonalauswveis 4413
auf den Namen Arzt Dr. Will abgeändert dem Poſtamt vorgelegt. Auch
dies war ohne Erfolg. Nun reichte der Angeklagte einen Nachſendungs=
antrag
an das Poſtamt ein, demzufolge für Dr. Will, Bahnhofshotel
Darmſtadt, eingehende Sendungen ins Bahnhofshotel abzugeben ſeien.
Angeklagter war bei Ablieferung des Pakets nicht anweſend, weshalb
der Poſtbeamte das Paket wieder mritnahm. Dann beauftragte der An=
geklagte
einen Bekannten, das Paket abzuholen und gab ihm den Perſo=
nalausweis
mit. Auf dem Poſtamt wurde der Beauftragte und ſodann
der draußen wartende Angeklagte feſtgenomwen. Das iſt in kurzen
Zügen die Geſchichte eines Inhalierapparates.
Ein vorliegendes ärztliches Gutachten bejaht das Vorliegen des 851
StGB., während ſolches der erſchienene Kreisarzt verneint, der den An=
geklagten
als verantwortlih, wenn auch als Pſychopathen, bezeichnet.
Der Angeklagte iſt in ſeinem Verhalten durchaus logiſch vorgegangen,
Der Strafantrag geht auf drei Monate eine Woche Gefängnis. Der
Verteidiger bezweifelt die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten, der
geiſtig defekt ſei und an zirkulärem Irrſinn leide. Zum ſtaatsanwalt=
lichen
Antrag bemerkt er, das Gericht möge auf eine Geldſtrafe erkennen.
Das Uuteil erkennt auf drei Monate eine Woche Ge=
fängnis
.
Wahl der Mitglieder des Ausſchuffes der Landesverſicherungs=
anſtalt
Hefſen. Nach dem Ausſchreiben des Wahlleiters für die Wahl der
Mitglieder des Ausſchuſſes der Landesverſicherungsanſtalt Heſſen vom
27. Januar 1928 (Darmſtädter Zeitung Nr. 25 vom 30. 1. 1928) iſt die
Wahl dieſer Mitglieder auf Sonntag, den 1. April 1928 feſt=
geſetzt
. Es ſind im ganzen zu wählen: je 12 Vertreter der Arbeitgeber
und der Verſicherten, wovon je 9 Vertreter nebſt je 2 Erſatzmännern für
jeden Vertreter dem Gewerbe und je 3 Vertreter nebſt je 2 Erſatzmänner
für jedes Mitglied der Landwirtſchaft angehören müſſen. Die Wahl der
Verſichertenmitglieder erfolgt durch die Ausſchußmitglieder der Kranken=
kaſſen
und durch die Vorſtandsmitglieder der Erſatzkaſſen, die im Bezirk
des Verſicherungsamtes mindeſtens 50 Mitglieder haben. Die Arbeit=
gebermitglieder
des Ausſchuſſes aus dem Gewerbe wwerden von den Vor=
ſtandsmitgliedern
der Vertrauensberufsgenoſſenſchaft und die Arbeit=
geber
aus der Landwirtſchaft von den Vorſtandsmitgliedern der land=
und forſtwirtſchaftlichen Berufsgenoſſenſchaft gewählt. Zur Einreichung
von Vorſchlagsliſten für die Wahl der Mitglieder des Ausſchuſſes
ſind nur wirtſchaftliche Vereinigungen von Arbeitgebern, bzw. Arbeit=
nehmern
oder Verbände ſolcher Vereinigungen berechtigt. Vorſchlags=
liſten
ſind von den Vorſchlagsberechtigten bis ſpäteſtens 20. Fe=
bruar
1928, nachmittags 6 Uhr, bei dem Wahlleiter, Präſe
ſent Dr. Neumann, Darmſtadt, einzureichen. Das Nähere geht aus dem
erwähnten Wahlausſchreiben hervor.

Tageskalender für Sonntag, den 5. Februar 1928.
Landestheater Großes Haus, Anf. 18½ Uhr, Ende 22 Uhr,
Sonntagsfremdenmiete, weiß 9: Carmen Kleines Haus, vorm.
111 Uhr: Kinder=Tanz= und Spiellieder Lilli Hickler. 17 Uhr, Film:
Die Geheimniſſe einer Secle‟ Anf 20 Uhr, Ende 22 Uhr, H 7
(Bühnenvolksbund): Der dreizehnte Stuhl. Orpheum, abends
8 Uhr: Das lebende Magazin, Revue. Konzerte und kar=
nevaliſtiſche
Veranſtaltungen: Turngemeinde Darmſtadt
1846, abends 6,11 Uhr in der Turnhalle Damen= und Herrenſitzung;
Liedertafel 5 11 Uhr im Städt. Saalbau Karnevaliſtiſches Konzert mit
Tanz; Schloß=Kaffee; Hotel Schmitz; Kaffee Rheingold; Groß= Darm=
ſtadt
; Reſtaurant Bender; Reichshof; Waldſchlößchen, Weinhaus
Maxim; Darmſtädter Hof; Alte Poſt; Hanſa=Hotel; Ludwigshöhe;
Bismarckeck; Frankfurter Hof; Reichskrone; Roten Löwen; Neckartor;
Rummel, Grafenſtraße; Dintelmann, Heidelbergerſtr. 40; Hotel Prinz
Heinrich; Hotel Prinz Karl; Rummelbräu. Kinovorſtellun=
gen
: Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſpiele, Helia.

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[ ][  ][ ]

Nummer 36
Die Anmeldung.
ſchulpflichtiger Kinder zur Auf
mahme in die Stadtſchulen anOſtern
P928 hat Dienstag, den 7. Februar
Md. Js., zu erfolgen.
Näheres in der Bekanntmachung in
en ſtädtiſchen Aushangkäſten und in den Lebensbund
Schulen.
(st1928
Darmſtadt, den 26. Jan 1928.
iger Vorſitzende des Schulvorſtandes.
Dr. Gläſſing, Oberbürgemeiſter.

Sonntag, den 5. Februar 1923

Seite 2


Mahnung.
Bis ſpäteſtens 15. Februar 1928
hrnd an die Finanzkaſſe Darmſtadt=Stadt,
IIlexanderſtr. 22 dahier, bei Meidung der
1Beitreibung zu zahlen:
1. Die Vorauszahlungen auf Einkom=
men
= und Körperſchafsſteuer, vier
tes Vierteljahr 1927, fällig geweſen
am 10. Januar 1928;
2. die Vorauszahlungen auf Landes=/dnrch eine gute Ein-
ſteuern
1927, V. Ziel, fällig geweſen
am 25. Dezember 1327.
(2492
Darmſtadt, den 31. Jan. 1928.
Finanzamt Darmſtadt=Stadt.

HMdereigeruang N.8.
(Brennholz.)
Donnerstag, den 9. ds. Mts.
wormittags 9 Uhr, wird in der
Kurnhalle am Woogsplatz zu Darm=
4adt das Brennholz aus den Staatswald=
ſieiſtrikten
Kellerwieſenſchlag, Alte Weide
und Am grünen Teich nebſt dem Dürr=
nand
Windfallholz aus verſchiedenen Di=
Arikten der Förſterei Beſſunger Forſt=
ſoaus
verſteigert. Nummern 254620.
Scheiter, rm: Birke 2, Buche 204, Eiche
5-3, Erle 3, Fichte 6, Kiefer 25; Knüp=
wel
, rm: Birke 3, Buche 81, Eiche 33,
fErle 5. Eſche 3, Apfelbaum 1, Douglas 1,
ſFichte 13 (rund), Kiefer 8, Weymouths=
iefer
1; Reiſigknüppel, rm: Buche 37,
ſEiche 5; Reiſig, H. W.: Buche 15,90,
Eiche 1,00. Kiefer 11,05; Stöcke, rm;
Wärche 1,4.
Blau unterſtrichene Nummern kom=
unen
nicht zum Ausgebot. Nähere Aus=
nunft
durch Herrn Förſter Kolb zu
Weſſunger Forſthaus, Fernruf Nr. 2666.
Was Holz iſt vorher anzuſehen. (2500
Darmſtadt, den 4. Febr. 1928.
Heſſ. Forſtamt Darmſtadt.

Freitag, den 10. Februar ds.
Ws., vormittags 9 Uhr, wird in Groß=
Gerau, Gaſthaus Zum Adler, nach=
ttehendes
Nutzholz aus Diſtrikt Oberwald,
Wbt. 2, 3, 4, 5, 16, 17, 18, 20, 24, 25, 28,
179, 42 und 46, verſteigert:
Stämme: 125 Eichen Kl. 14 84.7
im: 89 Buchen Kl. 26 84,54 im
2 Hainbuchen Kl. 23 1,35 fm
6 Eſchen Kl. 24 6,63 Im; 4 Bir=
ken
Ki. 14 1,82 Im; 9 Erlen
Kl. 23 6,13 im; 62 Kiefern Kl.
13b 42,74 im; 2 Fichten Kl. 1b
0,60 fm.
Das Holz iſt vor der Verſteigerung
Bsü beſichtigen. Auskunft erteilt Herr
ſörſter Luley, Forſthaus Nikolauspforte.
Nummernverzeichniſſe können von uns
gegen Einſendung von 1 RM. bezoger
(2457
verden.
Groß=Gerau, den 3. Febr. 1928.
Heſſ. Forſtamt Groß=Gerau.

M.M

Zegen Auflöſung des Haushaltes ver
Eteigere ich Lienstag, den 7. Februar 192½,
wormittags 10 Uhr ab,
Beinrichſtr. 146, 3. St.
iachſtehende Mobilien freihändig gegen
WBarzahlung:
(243
1 Büfett, nußb., 1 Diplomſchreibtiſch,
eich,Auszug= Steg= und and. Tiſche,
Stühle, Schreibliſch=, Liege= u. Polſter=
ſeſſel
, 1 Diwan, 1 Ruhe ett, 1 vollſt.
Bet, 1 Schräntchen mit Spiegel, eine
Kommode mit Aufſatz, 1 Flurgarde=
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[ ][  ][ ]

Seite 6

Sonntag, den 5. Februar 1928

Nummer 36

Aus Heſſen.
Starkenburg.
Arheilgen, 3. Febr. Das vom Männergeſangberein Eintracht
im Gaſthaus Zum weißen Schwanen veranſtaltete Winterfeſt er=
freute
ſich eines zahlreichen Beſuches. Die fröhlichen Geſichter der Be=
ſucher
zeugten davon, daß der Verein nicht zuviel verſprochen hatte, ſon=
dern
, daß weit mehr geboten wurde als ſonſt bei derartigen Veranſtal=
tungen
üblich iſt. So ſorgte der Vereinshumoriſt, Herr Philipp Werk=
mann
, für die nötige Stimmung. Ein Gaſt, Herr Krebs aus Eſchborn
(Taunus), erfreute die Anweſenden mit ſeinen innig vorgetragenen Lie=
dern
. Herr Krebs beſitzt auch einen ſelten ſchönen Tenor, der in allen
Lagen äußerſt angenehm klingt. Auch die von dem Mitglied Ludwig
Schmitt geſungenen Lieder fanden reichen Beifall und zeugten von einer
ſorgfältigen Einſtudierung. Die Begleitung lag teilweiſe in Händen
unſeres einheimiſchen Klaviervirtuoſen Herrn Geiß, der ſich beſonders
den ſchwierigen Vorträgen gut anzupaſſen wußte und teilweiſe von
Fräulein Emmy Völger, die ebenfalls Gutes bot. Gutes bot die Kapelle
Anthes. Die wenigen Konzertſtücke am Anfang der Veranſtaltung wur=
den
meiſterhaft wiedergegeben. Der Verein hält nun am 18. Februar
ds. J3. ſeinen Maskenball ab. Nach den bisher geleiſteten Vorarbeiten
zu urteilen, wird dieſe Veranſtaltung nicht nur das Niveau des- Winter=
feſtes
erreichen, ſondern ſogar noch weit übertreffen. Nähere Einzel=
heiten
folgen in aller Kürze.
J. Griesheim, 4. Febr. Auf dem hieſigen Truppenübungsplatz wird
an nachſtehenden Tagen ſcharf geſchoſſen: Montag, 6. Februar von 12
bis 17 Uhr: Dienstaa, 7. Februar, von 1217 Uhr: Donnerstag,
9. Februar, von 1217 Uhr. Am Mittwoch, den 8. Februar, vorm.
9½ Uhr findet imn hieſiger Gemeinde eine Vorführung der neuen
Siemens’ſchen Bodenfräſe ſtatt. Die Vorführung iſt verbunden mit
ginem Vortrag über Neuzeitliche Bodenbearbeitung. Treffpunkt bei
Michael Feldmann 3., Hofmannſtraße 41, hier. Die von der hieſigen
neu gegründeten Obſt= und Gemüſe=Verwertungs= Ge=
noſſenſchaft
zu erbauenden Glashauskultur=Anlagen gehen ihrer
Vollendung entgegen. Die Anzuchthäuſer der einzelnen Mitglieder mit
Warmpaſſerheizung ſind bereits fertiggeſtellt. Nachdem die Ausſaat
vor einiger Zeit erfolgt iſt, ſind die Unternehmer jetzt bereits mit dem
Pikieren der Salat= und Gemüſepflanzen fleißig beſchäftigt Es iſt
deshalb mit aller Sicherheit auzuehmen, daß die neuen Frühgemüſe,
Kohlrabi und Salatköpfe bis Ende März oder Anfang April dem Markt
zugeführt werden können. Die neuen Anlagen wurden nun von Be=
amten
des Arbeits= und Wirrſchaftsminiſteriums beſichtigt, worauf die
Auszahlung von zwoi Dritteln der Reichs= und Landeskredite verfügt
wovden iſt. Mit den neuen Anlagen ſind Kulturwerke von höchſter
wirtſchaftlicher Bedeutung geſchaffen worden, die es zweifellos ermög=
lichen
, mit der ausländiſchen ſchveren Konkurrenz in evſolgreichen
Wettbewerb zu treten. Es wäre deshalb überaus wünſchenswert, wenn
weitere Kreiſe der Landwirtſckaft treibenden Bevölkerung ebenfalls noch
dazu übergingen, ſich der Genoſſenſchaft in aktiver Weiſe anzuſchließen.
F Eberſtadt, 4. Febr. Einführung des neuen Bürger=
meiſters
. In einer am nächſten Donnerstag, den 9. Februar, abends
6 Uhr, ſtattfindenden öffentlichen Gemeinderatsſitzung wird der neu=
gewählte
Bürgermeiſter Dr. Kurt Uecker dunch den Kreisdirebtor in fein
Amt eingeführt und verpflichtet werden. Bebauungsplan.
Der für das Gebiet zwiſchen der Neuen und Alten Darmſtädterſtraße
einerſeits und Ortsende andererſeits nach den Beſchlüſſen des Gemeinde=
rats
vom 28. April 1927 fevtiggeſtellte generelle Bebauungsplan iſt in
der Sitzung des Gemeinderats vom 26. Januar 1928 genehmigt worden.
Damit ſind gleichzeitig die alten Fluchtlinien, inſoweit dieſe mit den
neuen Fluchtlimien nicht zuſammenfallen, aufgehoben worben. Die Ab=
änderungen
der Fluchtlinien auf der Weſtſeite der Neuen und Oſtſeite
der Alten Darmſtädterſtraße werden davon voverſt nicht berührt. Inter=
eſſenten
können den Plan auf dem Gemeindebauamt einſehen. Um=
legung
von Bauland. Geſtern fanden die erſten Verhandlungen
mit den Grundſtückseigentümern, die bei der beabſichtigten Bauland=
umlegung
zwiſchen der Alten und Neuen Darmſtädterſtraße beteiligt ſind,
auf dem Rathauſe ſtatt. Weiteve Termine in dieſer Angelegenheit fin=
den
am 7., 9., 10. und 14. Februar, jeweils nachmittags um 2½ Uhr,
ſtatt. Die Beteiligten haben zu den einzelnen Terminen beſondere Ein=
ladungen
erhalten. Es handelt ſich bei den angeſetzten Terminen zu=
uächſt
um das vorbereitende Verfahren.
4a. Eberſtadt, 4. Febr. Filmporführung in der Schule.
Der gegenwärtig im Odeon=Theater zur Aufführung gelangende Film
Königin Luiſe, erſter und zweiter Teil, wurde auch für die hieſige
Schulfugend vorgeführt, was für die Geſchichtskenntniſſe der Schul=
mugend
eine wertvolle Ergänzung bedeutete. unfall des
Pfungſtädter Verkehrsautos. Das Pfungſtädter Verkehrs=
auto
ſtieß an der Straßenecke HeidelbergerſtraßePfungſtädterſtraße
mit einem Perſonenauto zuſammen, das duuch den ſtarken Anprall erheb=
lich
beſchädigt wurde. Das Verkehrsauto ſelbſt konnte, weniger ſchwer
mitgenommen die Fahrt fortſetzen. Erſtaunlicherweiſe ging der Unfall
ohne Verletzung beteiligter Perſonen ab.
4a. Pfungſtadt, 4. Febr. Vortrag über Konnersreuth.
Am Sonntag nachmittag ſpricht hier im Saale Zum goldenen Lamm
der Pfarrer der katholiſchen Kinchengemeinde Eberſtadt, Braun, über
Thereſe Neumann von Konnersreuth.
Pfungſtadt, 4. Febr. Herr Chriſtoph Büttel, Pfungſtadt, feiert am
6. Februar bei voller körperlicher und geiſtiger Friſche ſeinen 90. Ge=
burtstag
. Er iſt Gründer der ſeit über 50 Jahren beſtehenden Zünd=
holzfabrik
Chr. Büttel G. m. b. H., welche noch das einzige Unterneh=
men
dieſer Branche am Platze iſt.
Le. Groß=Umſtadt, 3. Febr. Odenwaldklub. In der letzten
Monatsverſammlung der hieſigen Ortsgruppe des Odenwaldklubs wurde
unter anderen wichtigen Klubangelegenheiten auch die Rechnung für das
abgelaufene Vereinsjahr vorgeleg:, geprüft und ohne Beanſtandung ge=
nehmigt
. Infolge der vermehrten Ausgaben für neu herzurichtende
Ruheplätze und Schutzhütten iſt der Kaſſenbeſtand ſo ziemlich aufge=
braucht
worden, und dieſer Umſtand mahnt zur größeren Sparſamkeit
im kommenden Jahre. Der Vorſitzende Herr Studionrat Dr. Bach,
konnte den Anweſenden die erfreuliche Mitteilung machen, daß es end=
lih
gelungen iſt, die Zuſtimmung des Hauptbereins zu einer neuen
Markierungslinie zu erlangen. Dieſe ſoll den Wanderer von Darmſtadt
über Dieburg duuch den Forſt nach der Gamseiche durchs Wikelfeld am
Muſtergut der Heſſiſchen Landwirtſchaftskammer vorbei über Groß=
Umſtadt, Raibacher Tal, Dorndieler Weg, Jägerluche nach Mömlingen
führen.
Z. Groß=Umſtadt, 3. Febr. Der Winterfahrplan der Kraftwagen=
verbindung
Groß=UmſtadtSemdDieburgHeubach-Raibach iſt nun
erſchienen. Er hat Gültigkeit bis zum 15. Mai 1938. Da es den Leſern
von Groß=Umſtadt und Umgegend von Intereſſe iſt, ſo geben wir nach=
ſtehend
einen Auszug aus dem Fahrplan: 1. Groß=UmſtadtSemd
Dieburg. Werktags: 3.54, 4.45, 7.46, 12.05, 13.00, 14.30 16.40 18.13,
19.47. Sonntags: 8.10, 11.35, 14.30, 18.35, 20,42. 2. DieburgSemd
Groß=Umſtadt. Werktags: 4.20, 5.20, 7.03, 9.00, 12.30, 15.13, 17.44,
18.43, 19.20. Sonntags: 9.00, 12.30, 15.13, 19.20, 21.08; außerdem Mitt=
wochs
und Samstags 10.10. 3. Groß=UmſtadtHeubach. Werktags:
5.02, 6.36, 12.50, 17.30 19.58. Sonntags: 11.10, 15.40, 20.12 4. Heu=
bach
-Groß=Umſtadt. Werktags: 5.24, 7.18, 13.50, 18.08, 20.20. Sonntags:
11.28, 15.40, 20.R. 5. Groß=UmſtadtRaibah. Werktags: 442, 6.14,
7.29, 14.06, 18.27, 19.30, 19.50. Sonntags: 14.06, 19.50. 6 Raibach
Groß=Umſtadt. Werktags: 4,53, 6.28, 7.38, 18.41, 19.48. Sonntags:
14.15, 2002.
Dieburg, 4. Febr. Maskenball des SC. Haſſia‟ Die=
burg
am Sonntag, 5. Februar, im Grünen Baum. Olympia
1998 in Amſterdam heißt der Titel des Feſtes. Wochenlang iſt der
Karnevalausſchuß des Klubs ſchon tätig, das neu erbaute Stadion in
Amſterdam, ſogar die Grachten der Stadt nach echt holländiſchem Muſter
recht naturgetzeu zu kopieren. Was Dieburg im allgemeinen beim
Maskenball zu bieten vermag, können nur die ermeſſen, die einmal einen
folchen dort erlebt haben; und was der Sportklub Kaſſia im beſon=
deren
auf dem Gebiete der Saaldekoration und närriſchen Unterhaltung
an Ueberraſchungen bringt, wird wohl nicht ſo leicht anderswo geboten
werden.
Br. Langſtadt, 3. Febr. Vom 6.12. d3. Mts. veranſtaltet die hie=
ſige
evangeliſch=landeskirchliche Gemeinſchaft ein= Evangeliſa=
tionswoche
. Als Redner iſt der Miſſionsprediger und Evangeliſt
Herr Bufe aus Hersfeld gewonnen, welcher äußerſt intereſſante Themen
behandeln wird. Für die Vorträge kommen als Räumlickkeiten nach=
mittags
von 34 Uhr das Sälchen der hieſigen Gemeinſchaft in Frage.
während abends um 8 Uhr der Saal des Gaſthauſes Zur Roſe, zur
Verfügung ſteht. Ein Miſſionsvortrag über Afrika, der am Sonntag,
den 12. Februar, nachmittags 3 Uhr, ſtattfindet und lebhaftem Intereſſe
begegnen dürſte, bildet den Schluß der Veranſtaltung.

Eiſenbahnunfall bei Groß=Gerau.
Am Samstag vormittag 6.30 Uhr überfuhr im Bahnhof
Dornberg=Groß=Gerau der Durchgangsgüterzug 6652 das auf
Halt ſtehende Ausfahrtsſignal, geriet in das anſchließende Schutz=
ſtumpfgleis
und überrannte den Prellbock. Die Lokomotive ſtürzte
die Böſchung hinunter. Der Packwagen geriet in Brand. Acht
Wagen ſind entgleiſt. Zugführer Valentin aus Biſchofsheim
wurde ſchwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Das Gleis
FrankfurtMannheim war etwa 8 Stunden, und das Gleis
MannheimFrankfurt etwa 3 Stunden geſperrt. Die Züge
wurden über Darmſtadt umgeleitet.

r. Babenhauſen, 4. Febr. Ihre ordentliche Generalver=
ſammlung
hielt am Mittwoch abend die Freiwillige Feuerwehr im
Gaſthaus Michelsbräu ab. Sie war ſehr gut beſucht. Herr Heinlein
(ols erſter Kommandant) begrüßte die anweſenden Mitglieder und
donkte ihnen für ihr Erſcheinen. Der Schriftführer, Kamerad K. Seh=
nert
, erſtattete nach Eintritt m die Tagesordnung einen ausführlichen
Bericht über die Tätigkeit der Wehr im abgelaufenen Jahr. Am 1. Ja=
nuar
1928 betrug die Mitgliederzahl 190. Jahresrechnung und Proto=
kolle
gaben keinen Anlaß zu Beanſtandungen, ſo daß man zum Glanz=
punkt
des Abends, zur Auszeichnung derjewigen Mitglieder ſchreiten
konnte, die ſchon mehr als 10 Jahre bei der Feuuerwehr tätig ſind. Die
Auszeichnung beſteht in einer rooweißen Sillberlitze, die am linken Arm
zu tragen iſt. Eine große Anzahl von Mitgliadern konnte dekorievt
werden, darunter Wendel Lautz, der auf eine 40jährige Dienſtzeit zu=
rlickblicken
kann und mit 4 Litzen ausgezeichnet wird. Mitglieder die
ſchon über 30 Dienſtjahre haben, ſind J. Blümler, Ph. Fengel. J. Glock,
Ph. A. Held. H. Mohr 1., Mart. Mohr 3., H. Bender 2. und W. Dudene.
Der 1. Kommandant beglüchwünſchte die Geehrten, dankte ihnen für ihre
unermüdliche Tätigkeit im Dienſte der Wehr und bat, in dem ſeitherigen
Feuerwehrgeiſte weiterzuavbeiten getreu dem Wahlſpruch Gott zur
Ehr, dem Nächſten zur Wehr‟. Nach eimem Bericht über die Abgeord=
netenvesſammlung
in Münſter und Erledigung einiger Feuerwehrange=
legenheiten
war die Generalverſammlung zu Ende.
* Reichelsheim i. O., 4. Febr. Ferkelmärkte. Nachdem ſich im
vorigen Jahre gezeigt hat, daß ſich unſere Ferkel= und Schweinemärkte
außerordentlich ſchnell und erfolgreich eingebürgert haben, werden nun=
mehr
dieſe für Verkäufer und Käufer ſo günſtigen Märkte zukünftig
feſt eingeführt bzw. abgehalten. In dieſem Jahre finden die Ferkel=
und Schweinemärkte jeden zweiten Mittwoch ſtatt, beginnend am 8. 2.
d. J. Wie im vorigen Jahre, ſo ſind auch diesmal wieder zwiſchendurch
4 Prämierungsmärkte vorgeſehen, um die Landwirte zu einer erſtklaſſi=
gen
Zucht und zu einer regen Beſchickung der Märkte anzueifern. Gute
Zugverbindung für Ankunft und Rückfahrt iſt vorhanden. Die Auftriebs=
zeit
ſämtlicher Märkte beginnt vormittags 9½ Uhr und endet um 10
Uhr. Alsdann beginnt die Verkaufstätigkeit. Sämliche Bürgermeiſte=
reien
der näheren und weiteven in Betracht kommenden Umgebung er=
hielten
vor einigen Tagen die erforderlichen Plakate mit der Bitte zuge=
ſandt
, dieſelben in den vorhandenen Wirtſchaften zum Aushang bringen
zu laſſen. Aus dieſen Plakaten iſt alles Nähere erſichtlich. Man er=
wartet
auch für dieſes Jahr wieder eine rege Beſchickung und einen
guten Beſuch der Märkte.
Neuſtadt i. L., 3. Febr. Verkehrsverein. Zurzeit werden
an dem hieſigen Stationsgebäude kleine Verbeſſerungen vorgenommen.
Es ſei daher an Lieſer Stelle geſtattet, enwas näher darauf und auf die
in Ausſicht ſtehenden geplanten Umänderungen einzugehen. Werfen
wir zunächſt eimen kritiſchen Blick auf das Amtszimmer des Bahnhofs=
vorſtehers
. Wer ſchon ſeit Jahren die äußerſt beſchränkten Verhältniſſe
dieſes Raumes (us eigener Anſthauung kennen gelernt hat, wo resſt
ſchlechte Luft= und Lichtverhältniſſe den angeſtrengten Dienſt des betref=
fenden
Beamten noch erſchweren haifen, der wird die geplante Erwei=
terung
in erſter Linie aus bygieniſcen Gründen freudig begrüßen. Wenn
ein großer Teil des ſeitherigen Warteraumes zur Erweiterung der=
wondt
wird, ſo würde der Dienſtraum ſchon eher ſeinem Zweck ent=
ſprechen
. Als Warteraum könnte der Reſt in Verbindung mit dem ſeit=
her
unbenutzten Warteſaal (2. claſſe) m ſeiner reuen Geſtalt zunäckſt
genügen. Die anſchließende Sommerhalle, deren inneres Gewand ſich in
einem raht ungunſtigen Licht zeigt, wird hoffentlich mit dem Einzug des
Frühlings ebenfalls einer gründlichen Ausbeſſerung unterzogen wer=
den
. Gleichzeitig erlauben wir uns, noch auf einen Mißſtand hinzuwei=
ſen
, deſſen Abhilfe nicht auf kange Sicht geſchoben werden darf. Die
Giiterhalle bedarf einer zeitgemäßen Erwoiterung. In Zeiten des Hoch=
betriebes
, wo ſic, Güter allerlei Art häufen und ſtauen, bedeutet eine
Un iberſichtlichkeit im engen Raum eine gewiſſe Gefahr für ordnungs=
mäßige
Abwickelung der Geſchäfte ein= und ausgehender Güter. Auch
hier iſt eine Neuregelung der Vechältniſſe im Intereſſe des Geſamiver=
kehrs
dringend wünſchenswert. Haad in Hand mit dieſen Verbeſſerun=
gen
dürfte wohl aus naheliegenden Gründen eine zeitgemäße Umgeſtal=
tung
der Beleuchtungsverhältniſſe für die ganze Bahnhofsanlage, die
Verſorgung mit elektriſchem Lichte, i einer Liwie liegen. ( Spiritus=
glühlicht
und Petroleumlampe ſollten nur noch in Notfalle in die Er=
ſheinung
treten.) Da hier die Anſchlußmöglühkeiten für dieſen Fall
ſo günſtig liegen (in Kürze werden ſeitens der Giemeinde an Stelle der
2 Lichtmaſten von der Brücke bis zum Bohnhofsgelände deren 4 erſchei=
nen
), ſo wäre eine weitere Verzögerung der Frage der elektriſ hen Ver=
ſorgung
einfach unverſtändlich. Der leitende Beamte muß elektriſches
Licht in allen Näumen zu jeder Stunde zur Verfügung haben. Hoffent=
lih
hat dieſe Anregung auch den gewünſchten Erfolg. Was den Zuſtand
des ganzen Bahnhofsgeländes betrifft, ſoweit er für Fußgänger und
Fuhrwerke nördlich des Schienenſtranges in Frage kommt ſo ſei daran
erinnert daß eine durchgreifende Uebe kieſung der beſſeren Teile (ohne
Ausnahme), eine Ueberſchotterung der teilweiſe ſchlechten Teile und eine
planmäßige Beſteinung der Zufuhrſtraße noch der Güterhalle und nach
dem Ausladegebiet erfolgen muß. Und zum Schluß wenden wir uns
der Grund= und Hauprfrage, der Errſchuung eines zeitgemäßen Bahn=
hofsgebäudes
, einſchließlach Wohnung, zu. Es iſt leider Tatſache, daß
man in dieſer Beziehung noch keinen ernſtlichen Vexſuch gemacht hat,
der Sache näher zu treten. Andere Stationen der Strecke Höchſt i. O.
Aſchaffenburg haben den Vorzug einer Dienſtwohnung, wonn ſie auch
nicht im entfernteſten an die Rentabilität der hieſigen Station heran=
reichen
. Nicht zuletzt im Intereſſe des veranwwortlichen Beamten iſt es
geboten, die Wohnungsfrage endgültig in einem für ihn günſtigen Sinne
zu löſen. Venn ein Beamter ohnedies auf ſchwierigem Poſten ſteht, der nächſten Zeit zu rechnen iſt.
wo glezhzeitig die Ausbildung ſeiner Kinder auf höheren Schulen ein
ſchwieriges Kapitel für ſich iſt, durfte die Reichsbahnverwaltung ein
großes Intereſſe daran haben, ihm durch eine genugend große Wohnung
einen entſprechenden Ausgleich zu ſchaffen. Wir bitten um gefällige
Berückſichtigung der vorgetragenen Wünſche.
L. Michelſtadt, 4. Febr. Ein Wort zu dem Straßen=
ſtreit
. Wenn das Andenken des Nordvolfahrers Wehprecht durch Be=
nennung
einer noch nicht ausgebauten Straße geehrt wurde, ſo hätten genannten Kinchen werden am kommenden Sonntag zum erſten Male
auch wir gewünſcht, daß man eine ausgebaute Straße mit dem Namen
Wehprecht bedacht hätte. Jedoch wird man daran denken müſſen, daß
ja die heutige Wehprechtſtraße nicht immer ſo bleiben wird wie ſie zur=
zeit
iſt, und um deswillen kann man ſich wohl auch mit dem Gedanken
befreunden die Verhältniſſe ſo zu laſſen wie ſie ſind. Warum man die üirteil gefällt. Von Salzen ſind in beiden Waſſern keine anderen vor=
Große Gaſſe nicht umtaufen ſoll, iſt nicht recht klar, denn Michelſtadt iſt
doch über die Verhältniſſe lange hinaus gewachſen, die es berechtigt er=
ſcheinen
ließen, eine Gaſſe im Zentrum der Stadt groß zu nennen, die
heute eine der kleinſten iſt.
b. Erbach i. O., 3. Febr. Familienabend. Die Gendarmerie=
beamten
des Kreiſes Erbach halten am Sonntag, den 11. Februar d. J.,
abends 8½4 Uhr, im Saale des Schützenhyf ihren diesjährigen Fa= willige Feuerwehr im Vororte Herrnshein wird im kommenden Jahre
milienabend ab. Die Veranſtaltung verſpricht unter der Mitwirkung
beſtbekannter Kräfte einen außerordentlichen Chavakter. Es wirken mit
Konzertſängerin Fräulein. Helene Keilmann=Lampertheim, Herr W.
Keilmann, Pianiſt, Aſchaffenburg, Herr Gco Meher, Opernſänger zu
Darmſtadt, Herr Adolf Jöſt, Muſiklehrer in Höchſt (Violine), Herr Alfred
Frölich, Offenbach (Klavier) und Herr Lev Dorn, Offenbach (Cello). Der
muſikaliſche Teil bringt uns Werke von Mozart, R. Wagner Schubert, Kindermanier. In Lindenſtruth (Kreis Gſießen) wurde geſtern
van Beethover Grieg, Keilmann, Lortzing, Hildach und Leoncavallo
zu Gehör. Der ſich als dritter Teil des Programms anſchließende Tanz
wird zur ausgiebigen Bewegung hinreichend Gelegenheit geben. Zu
der Veranſtaltung haben nur eingeladene Gäſte und deven Familien= beobachtender Kindermanier aus einer Schar ſpielender Kinder noch
angehörige Zut4tt. Füßball. Am Sonntag, den 5. Febr. d. J.,
treffen ſich in Erbach die erſten Elf der Fußballoereine Erbach und Mos=
bach
(Baden) zu einem Freundſchaftsſpiel Mrsbach gehört der
4=Klaſſe an. Den Freunden des Fußballs ſteht ein ſchönes Spiel in
Ausſicht.

* Asbach, 4. Febr. Morgen Sonntag, den 5. Februar 1928, hält
der hieſige Turwverein ſeinen diesjährigen Ball im Vereinsſ ale ab.
Im Intereſſe der edlen Turnſache wire ein zahlreihes Erſcheinen von
ſeiten unſerer Nachbargemeinden erwünſcht.

Das ideale
Tauaccn Abführ-Konfekt

D. Aus dem Obenwalb, 4. Febhr. Die Viebzählung im Oden=
wald
ergab folgendes Reſultat: in Ober=Beerbach: 92 Pferde, 491 Stücg
Rindvieh, 466 Schweine, 210 Ziegen und 1464 Stück Federvieh; in
Winterkaſten: 68 Pferde, 380 Stück Rindvieh. 164 Schafe, 398 Schweine.
79 Ziegen und 1145 Stück Fedewieh; in Zell: 57 Pferde, 249 Stück
Rindvieh, 303 Schweine, 196 Ziegen, und 1158 Stück Federvieh; in Bee=
denkirchen
: 56 Pferde, 288 Stück Rindvieh. 247 Schweine, 85 Ziegen und
1069 Stück Federvieh: in Reichenbach: 56 Pferde, 347 Stück Rindvieh.
330 Schweine, 390 Ziegen und 2127 Stück Federvieh; in Elmshauſen: 50
Pferde, 252 Stück Rindvieh 173 Schafe, 205 Schweine, 218 Biegen und
1175 Stück Federvieh; in Gadernheim: 37 Pferde, 308 Stück Rindwieh.
263 Schweine 295 Ziegen und 1197 Stück Federvieh; in Laudenau: 3
Pferde, 235 Stück Nindvieh, 3 Schafe, 251 Schweine, 58 Ziegen und 611
Stück Federvieh: imn Lindenfels: 31 Pferde, 166 Stück Rindvieh, 191
Schweine, 180 Ziegen und 1155 Stück Federvieh; in Balkhauſen: 32
Pferde, 203 Stück Rindvieh, 163 Schafe, 193 Schweine, 51. Ziegen und
742 Stück Federvieh; in Gronau: 38 Pferde, 330 Stück Rindvieb. 3
Schafe, 247 Schweine, 68 Ziegen und 90 Stück Federvieh; in Hochſtäd=
ten
: 28 Pferde, 166 Stück Rindvieh, 182 Schweine, 31 Ziegen und 7a1
Stück Federvieh; in Winkel: 25 Pferde, 145 Stück Rindvieh. 127 Schweine,
17 Ziegen und 386 Stück Federvieh; in Schönberg: 25 Pferde, 79 Stück
Mindvieh, 51 Schafe, 76 Schweine, 99 Ziegen und 1216 Stück Federvieh;
in Kolmbach: 25 Pferde, 155 Stück Nindvieh, 133 Schweine, 73 Ziegen
und 490 Stück Federvieh; in Glattbach: 21 Pferde, 129 Stück Rindvieh,
109 Schweine, 35 Ziegen und 327 Stück Federvieh: in Knoden: 20 Pferde,
127 Stück Rindvieh, 7 Schafe, 95 Schweine, 3 Ziegen und 447 Stück
Federvieh; in Seidenbach: 19 Pferde, 102 Stück Rindvieh, 91 Schweine,
5 Ziegen und 155 Stück Federvieh: in Staffel: 16 Pferde, 81 Stück
Rindvieh, 55 Schweine, 7 Ziegen und 180 Stück Federvieh; in Schlier=
bach
: 13 Pferde, 159 Stück Rindvieh, 1N7 Schweine, 56 Ziegen und 448
Stück Federvieh; in Raidelbach: 15 Pferde, 115 Stück Rindvieh, 118
Schweine, 7 Ziegen und 291 Stück Federvieh; in Lautern: 13 Pferde,
141 Stück Rindvieh, 117 Schweine 111 Ziegen und 587 Stück Federvieh;
in Schannenbach: 10 Pferde, 81 Stück Rindvieh, 73 Schweine, 20 Ziegen
und 171 Stück Federvieh; in Seidenbuch: 2 Pferde, 36 Stück Rindvieh,
46 Schweine, 69 Ziegen und 232 Stück Federvieh. Der Viehbeſtand
iſt alſo im Oedenwald nicht ſonderlich reichlich.
i. Von der Bergſtraße, 4. Febr. Als vorgeſtern abend der pen=
ſionierte
Grundbuchamtsvorſtand Philipp Zörn in Sulzbach nach einem
Beſuche des Herſchelbades in Mannheim eine Fahrkarte auf Station
Käfertal für die lektriſche Straßenbahn Mannheim-Viernheim Wein=
heim
löſen wollte, brach er infolge Schlaganfalles am Schalter Slötzlich
zuſammen und ſtarb hald darauf. Er war 66 Jahre alt und hatte am
1. April 1924 ſein 40jähriges Dienſtjubiäum bei der Stadt Weinhein
gefeiert.
Ap. Bensheim, 4. Febr. Zur Arbeitsmarktlage im
Kreiſe Bensheim. Stabile‟ Erwerbsloſigkeit, Deu
Monatsbericht über die Arbeitsmarktlage im Kreiſe Bensheim entwickelt
diesmal ein trübes Bild von Erwerbsloſigkeit. Zum Teil allerdings
findet dieſelbe im Stilliegen der ſog. Saiſongewerbe ihre Erklärung,
Berufe, die nach Einſüihrung der Zwangserwerbsloſenverſicherung be=
greiflicher
Weiſe jetzt die Fürſorge in Anſpruch nehmen. Sehr gut be=
ſchäftigt
iſt die Papierinduſtrie, die durch die Eulerſche Papierfabrit
repräſentiert wird. Schlechte Ausſichten beſtehen für kaufmänniſche Be=
rufe
und Büroangeſtellte, was den Eltern eine Mahnung ſein, ſollte,
ihre zur Entlaſſung aus der Schule kommenden Söhne und Töchter
wenn irgend angängig, einer handwerklichen Fachausbildung teilhaftig
werden zu laſſen. Großer Mangel beſteht übrigens an richtigem Haus=
perſonal
, obwohl es derzeit über 100 weibliche Erwerbsloſe gibt. Alles
in Allem, wird die Erwerbsloſigkeit in unſerem Bezirk, wie der Bericht
ſich recht charakteriſtiſch ausdrückte, zunächſt noch eine ſtabile ſein,
W. Heppenheim a. d. B., 4. Febr. Plötzlicher Tod. In den
letzten Tagen ereignete ſich hier ein Todesfall, der zu allen möglichen
Gerüchten Anlaß gab. Die 26jähvige Margarethe Mühlfeld wurde
abends von ihrem Vater in der elterlichen Wohnung tot aufgefunden.
Die Leiche wurde in der Landes=Heil= und Pflegeanſtalt einer gericht=
lichen
Sektion unterzogen Es ergab ſich, daß ein Lungenſchlag den
plötzlichen Trd hevoefuhrte. Nah dieſer Feſtſtellung wurde die Leiche
zur Beerdigung freigegeben. Den hieſigen Schulen wurde im Laufe
des geſtrigen Tages vom Lichtſdielverein Weſchnitztal=Ueberwald der
Lulturfilm Milak, der Grönlandjäger vorgeführt. Der Film hat ſehr
ſchöne und einzigartige Bilder aus den Eisregionen und fand daher
große Anerkennung. Auch das Luſtſpiel, das dem Hauptfilmportrag
folgte, nahm die Aufmerkſamkeit aller in Anſpruch und bildete einen
techt ſchönen Abſchluß für die Reiſe, die die Schüler im Geiſte durch
den kalten Norden machten.
Hirſchhorn, 4. Febr. Waſſerſtand des Neckars am
3. Februar: 1,42 Meter: am 4. Februar: 1,45 Meter.
Bn. Hirſchhorn, 4. Febr. Am bommenden Montag nachmittag hält
die Bürgermeiſterei Hirſchorn ihre erſte diesjährige Nutz= und
Brennholzverſteigerung ab. Das Forſtamt Hirſchhorn hält
ſeine erſte Verſteigerung am kommenden Mittwoch vormittag ½10 Uhr
ab. Beide Veranſtaltungen finden im Eronch=Fürſtenuer=Hof zu
Hirſchhorn ſtatt.
p. Neckarſteinach, 3. Febr. Verkehusverbeſſerung. Einen
erfreulichen Erfolg haben die unabläſſigen Bemühungen unſeres Ver=
kehrsvereins
um die Verbeſſerung der Zugverbindungen nach hier ge=
zeitigt
. Laut einem geſtern eingegangenen Schreiben der Reichsbahne
direktion Karlsruhe iſt im kommenden Fahrplan eine weitere Zugverbin=
dung
von Heidelberg nach dem Neckautal zwiſchen den Zügen 335 und
345 (in Heidelberg ab 822 und 13.15 Uhr) in Ausſicht genommen. Die
Abfahrt im Heidelberg wird voreusſichtlich 10,05 Uhr erfolgen. Die
ſeitherige Zugpauſe von fünf Stunden bedeutete eine große Schädigung
der Belange unſeves aufſtvebenden Vierburgenſtädtchens, unſever Ge=
ſchäftswelt
, wie unſeres Fremdenverkehrs. Wir glauben beſtimmt, daß
die neue Verbindung dazu beſtragen wird, den Verkehr nach den heſſie
ſchen Neckarſtädtchen Neckarſieinachk und Hirſckhorn zu beleben, waren
ſie doch früher im Vergleich mit badiſchen Orten des unteren Neckartals
etwvas gar ſtiefmütterlich im Fahrplan bedacht worden.
g. Gernsheim, 3. Febr. Das Standesamt Gernsheim regiſtrierte im
Monat Januar 5 Geburten, 1 Eheſchließung und 8 Sterbefälle.

Nen Kercft ede 1it.e ide erctengedie en de eiſche
Krans der Gernsheimer Hafenletriebsgeſellſchaft im Hafengebict ſind
ſoweit vorgeſchritten, daß mit der Inbetriebnahme der Vorrichtung int
Rheinheſſen.
Ac. Worms, 3. Jebr. Das Gelänte der Wormfer Kir=
chen
wird elektrifiziert. Bei der Lutherkirche und der kath. Liebfrauen=
kinche
iſt der Einbau der elektriſchen Anlage beendet, bei den Glocken
des Domes iſt die Neueinrichſtung zurzeit in Arbeit. Die beiden erſt=
ihre
Glocken nicht durch Meſchenhände bewegt erklingen laſſen.
Vormſer Heilquelle‟. Wie uns mitgeteilt wird, hat das
Hygieniſche Inſtitut der Univerſität Halle das Waſſer der beiden in
Frage kommenden Quellen umterſucht und ein geradezu vernichtendes
handen als ſolchn, wie ſie in faſt allen Wäſſern vorkommen, ſo daß eine
beſondere Heilwirkung auch nüht zu erwarten ſei. Dagegen könne das
Waſſer wegen des vorhandenen Eiſens und Mangans ohne deren vor=
herige
Entfernung nicht ohne weiteres als Trinkwaſſer verwendet wer=
den
. Mit dieſem fachmänniſchen Gutachten muß wohl die Hoffnung
auf Bad Worms begraben werden. Feuerwehrfeſt. Die Frei=
ihre
50jährige Gründungsfeier als größeres Feſt mit Bannarweile
begehen.
Oberheßen.
WSN. Gießen, 3. Febr. Autounglück durch eine üble
das acht Jahre alte Söhnchen eines Schloſſermeiſters von einem den Ork
paſſierenden Auto erfaßt und ein Stück weit geſchleift, bis der Führe.
den Wagen zum Stehen gebracht hatte. Der Junge war nach oft zu
unmitteibar vor dem Kraftwagen über die Straße gelaufen, wobei er
die Geſchwindigkeit des Autos unterſchätzt hatte. Mit einem doppelten
Beinbruh wurde der Kleme von dem Inſaſſen des Kraftwagens ſofort
nach der Gießener Klinik verbracht. Der Buo hat noch einmal Glück
gehabt, immerhin möge der Vorfall den Kindern und auch den Eltern
ine ſehr eruſte Warnung ſein.
FMe
Nervenkranke
u. Nervös-Erschöplte Spezialkuranstat Hofheim im Taunus
bei Frankturt am Main. Prospekte durch:
(T.23
Dr. M. Schufze-Kahleyss, Vervenarzt.

[ ][  ][ ]

Nummer 30

Sonntag, den 5 Februar 1928

Seite 9

Weiblich

ſunges Mädchen,
S 2 Jahre die höh
ſadelsſchule beſucht
ſch, perf. in Stenogr.
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Va64 Geſchſt 3884

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zähren, in allen
ſärust. Arveiten er=
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Hieſchäftsſt. ( 3379

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M 181 Geſch. (*3427

Junge,
alibere Frau
unrnmt n. Kunden im
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Poſk. genügt. Zu er=
yagen
Geſchſt. 3414

Junges zuverläſſiges
Fräulein, tüchtig in
allen Hausarb, gute
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im Büg., ſucht Stelle
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ſelbſt. Führ.
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die Geichſt. ( 3417

Eräuleim
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bewand, Stellung
als Haushälterin od.
in kl. Haushalt bis n.
d Spulen. Ang u
V 132 Geſchſt. 3327

Fräulein empfiehlt
ſich im Anfert. von
einf. Damen=, Mäd=
chen
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garderobe
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(*3438
Geſch.

Männlich

3ch ſuche für meinen
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Führerſchein 1 u. 3b
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20 Jahre, wegen Ver=
kauf
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anderwei. Ste lung.
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Spazierenführen von
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Ang. unter V 96 an
die Geſchſt. 3204

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Kaufmann
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ell tl. als Eeſchäftsführer gegen Sicher
ſtlllung von 15 000 oder tätige Betei=
lügung
an gutem Unternehmen. An eb
uuniter V 158 an die Geſchäftsſt 12452

Offene Stellen F

Weiblich

fräul. der Herr
Buchführung nnd
allen ſ.hriftlichen Ar
bei en ſelbſtändig, per
1! März 1928 geſucht.
Nchriftl. Ancebote u
172 Geſchſt. fe34
2
ſunges Mädel
.gut. Schulbildung,
chm. v. 37 Uhr
zx 2 Kindern von
waid 4 Jahr. geſucht.
Schriftl. Angeb. u.
114 a. Gſt. (*3261

U-ücht., fleiß. (3340
Mädcher
nncht unter 19 Jahr.
meeiches ſchon in Stel=
rang
war, am liebſten
1- Lande, in beſſeres
GGeſchä tshaus nach
M üſſelsheim ge ucht.
ASorzuſtellen od. An=
geboie
an Frau Gg.
Gechildge, Darmſtaot,
Martinſtr. 2½,

tagsüber geſucht.
Wenckſtr. 49. 070241

Tüchtiges, ehrliches
AMädchen, d. auch koch.
mann, in kl. Haushalt
un angenehme, ſelbſt.
(Stellung bis nach d.
SSpülen geſucht.
Angeb. unt. V 186
d. Geſchſt. C3333

Darmſtadt, Heidel=
wergerſtr
. 3. Sofort
eſucht: tagsüber zur
ülushilfe ig. Mädch.,
was koch kann. (2438

Madchen
fürür. Haushalt u. Mit=
hoilfe
im Ge chät ge=
micht
. Nur ſo che, die
Ulottes Arbeiten ge=
wwöhnt
ſind wollen
bich melden (* 3331
Angebote m. Re e=
uenzen
unt. V 135
nan d e Geſchäftsſt.

Beſeres. älteres

Hausmädchen
urähen und ſervieren
brann u. ähnliche Stel=
uungen
ſchon inne=
ſa
te, zum 1. März
egeſucht. Heute vor=
zuſtellen
bei (2484
Rehfeld
/Dran gerie=Allee 14.

FFür hulbe Tage jüng.
Frau geſucht
für Botengänge nd
Wutzen Meldung
170 Uhr vorm mit al
Umofeh ungen 3400
Korb= und Bürſten=
waren
=Haus
Söch. Geier, Kirchſtr. 2,

K
Mädchen
b n. d. Spülen ſof
geſucht Frankfurter.
ſtraße 44, I.

vo perf. Köchin.,
SlliE I. u. 2 Haus=
mädchen
, beſſ. Haus=
mädchen
, die kochen
könn., für gute Herr=
ſchaftshäuie
:, ferner
Hotel= u. Wiriſchafts=
pe
ſonal; metrere
Mädchen fürd Land=
wirtſchaft
, Mädchen
für tagsüber. Minna
Dingeldein gewe. bs=
mäßig
Stellenbüro,
Eliſabethenſtr. 5
Teleph 3365. (*3434

Junges
Mädchen
mögl. v Lande in cht
unt 18 J.., für kl
Haus halt (3 Perſon
ſofort geſucht 3337
KLaupſtraße 27, 2. St. Nieder=Namſtadt.

Wegen Verheiratg.
meines Mädchens ſ.
per 1. März ein or=
dentliches
, zuverläſſi=
(*3423
ges
Mädchen
mit guten Zeugniſſen
Schellenberg,
Wilhelmſtraße 94.

Ordentliches Mäd=
chen
f. Geſchäftshaus=
halt
ſofort geſucht.
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[ ][  ][ ]

Nummer 36

Sonntag,den 5. Februar

DarmſtadterCagblat,

Abſchlüſſe im Siemens=Konzern.
Die Siemens und Halske A.=G., Berlin.
Reingewinn von 18 851249 RM. 12 Prozent Dividende.
Der mit Spannung erwartete Abſchluß der Siemens u. Halske A. G.
liegt nunmehr vor. Die Gewinn= und Verluſtrechnung iſt diesmal
ſpezialiſierter gehalten, indem die Anleihezinſen und die ſozialen Lei=
ſtungen
, ſowohl geſetzliche wie freiwillige, geſondert aufgeworfen wer=
den
. Bei einem Rohüberſchuß von 26 716 064 RM. werden auf Gebäude
748 396 (771 915) RM. abgeſchrieben. Die Anleihezinſen erforderten
3 637 484 RM., die geſetzlichen ſozialen Leiſtungen 3 575 360 RM., und
die freiwilligen ſozialen Leiſtungen 2 353 578 RM. Einſchließlich 2 450 004
(2 618 388) RM. Vortrag verbleibt ein Reingewinn von 18851 249 RM.
(15 348 514) zu der folgenden Verwendung: Sondernücklage 5 Millionen
(2,5 Mill.) RM. Gewinnanteil des Aufſichtsrats 414 680 (298 510) RM.
und 12 Prozent (10 Prozent) Dividende, 10 920 000 (9 100 000) RM.), ſo=
wie
Voxtrag 2 516 569 RM. Im Vorjahre wurde noch eine Million
Reichsmark für Wohlfahrtszwecke zurückgeſtellt. Der Bericht bemerkt zu
der Dividendenerklärng, die Dividende erreiche damit den Prozentſatz,
den die Geſellſchaft vor dem Krieg und während desſelben eine Reihe von
Jahren hindurch regelmäßig zur Ausſchüttung brachte. Die Betriebe ſeien
während des abgelaufenen Geſchäftsjahres ausreichend beſchäftigt ge=
weſen
. Der Bericht beſchäftigt ſich alsdann wit den Verdienſten der
Arbeiter und Angeſtellten. Weiter geht er auf die Beſchäftigung und
die Lage in den einzelnen Geſchäftszweigen ein.
Auf der Aktivſeite der Bilanz ſind die Guthaben bei den
Banken zurückgegangen. Dagegem ſind die Wertpapierbeſtände von
14,72 auf 50,45 Mill. RM. geſtiegen. Die Geſellſchaft verfügt demnach
über reichlich 100 Mill. RM. flüſſige Mittel gegenüber etwa 60 Mill.
im Vorjahr. Auf der Paſſivſeite erſcheint neu die 6 ½prozen=
tige
25jährige Reichsmark=Feingoldanleihe mit einem Betrage von 12,5
Millionen. Der Erlös dieſer Anleihe iſt zum Teil zur Rückzahlung der
bis dahin geſperrten aufgewerteten Sparguthaben der Angeſtellten und
zur Ablöſſung der alten Markanleihen verwendet worden. Die im Vor=
jahre
noch mit 8,01 Mill. RM. aufgeführte 7proz. dreijährige Dollar=
anleihe
von 1925 iſt vollkommen getilgt. Die 7proz. zehnjährige Dol=
laranleihe
erſcheint mit 9,11 (9,67) Mill. RM. und die 6½proz. 25jährige
Dollaranleihe von 1926 mit 28,87 (25,20) Mill. RM.
Hauptverſammlung am 23. Februar. Die verſchiedentlich vernutete
Kapitalerhöhung ſteht nicht auf der Tagesordnung.
Die Siemens=Schuckertwerke A.=G., Berlin.
Die Siemens=Schuckertwerke A. G. in Berlin bringen nunmehr hren
erſten Abſchluß ſeit der Umwandlung der GmbH. in eine Aktiengeſell=
ſchaft
zur Veröffentlichung. A h hier hat eine ſtärkere Spezialiſierung
der Gewinn= und Verluſtrechnung ſtattgefunden; der vorjährige Vor=
trag
von 525 701 RM. der auf dem Interimskonto der Eröffnungsbilanz
der A. G. verbucht worden iſt, iſt in dem ausgewieſenen Rohüberſchuß
von 31 078 202 Mill. RM. enthalten. Anleihezinſen erforderten RM.
3 644 400, Abſchreibungen auf Gebäude 1 430 534 (1 189 595) RM., ge=
ſetzliche
ſoziale Leiſtungen 6 126 577 RM., freiwillige ſoziale Leiſtungen
5 096 319 RM. Es verbleibt ein Reingewinn von 14 780 373 (12175 701)
Reichsmark zur folgenden Verwendung: Sonderrücklage 3 Mill. RM.
(wie im Vorj.), 9 Proz. (8,5 Proz.) Dividende auf 120 Mill. RM. Artien=
kapital
(90 Mill. RM. Stammkapital), 10800000 (7 650 000) RM. Vor=
trag
980 373 RM. Im Vorjahre wurde noch eine Million Reichsmark
für Wohlfahrtszwecke verwendet. Wie der Geſchäftsbericht ausſührt,
war die Wirtſchaftslage zunächſt nicht günſtig, der Beſtellungseingang
ſtieg jedoch und hat ſich in der zweiten Hälfte des Jahres auf einer
Höhe gehalten, die den Werken das erwünſchte Maß der Beſchäftigung
zuführte. Am Schluß des Geſchäftsjahres war die Belegſchaft um 30
und der unerledigte Auftragsbeſtand um 67 Prozent größer als bei Be=
ginn
. Die eingetretene Belebung erſtreckt ſich auf alle Wirtſchaftsgebiete,
auch der Abſatz für Induſtrieanlagen zeigt eine Zunahme. Der Bericht
führt dann die verſchiedenen Spitzenleiſtungen der Geſellſchaft auf. Trotz
Lebhaftigkeit des Inlandsgeſchäfts und trotz aller Erſchwerungen iſt der
Umſatz im Auslandsmarkt nicht zuuickgegangen.
Auf der Aktivſeite der Bilanz werden Schuldner mit
158,66 (166,07) Mill. RM. angeführt; darunter 36,27 (59,07) Mill. RM.
Bankguthaben. Auch hier ſteht wie bei Siemens u. Halske A.G. der
Verringerung des Bankguthabens eine Steigerung des Wertpapierbe=
ſtandes
, indem ein Teil der flüſſigen Mittel angelegt worden iſt, gegen=
über
, und zwar von 0,96 auf 27,38 Mill. RM. Dauernde Beteiligun=
gen
gingen von 19,57 auf 17,48 Mill. RM. zurück, zufolge Aufnahme
einiger Tochtergeſellſchaften bei Gelegenheit der Umwandlung der Geſeil=
ſchaft
. Unternehmungen bzw. Beteiligung an ſolchen ſtiegen von 6,65
auf 11,34 Mill. RM., infolge Verſtärkung des Aktienbeſitzes bei befreun=
deten
Geſellſchaften. Rohmaterial wird mit 20,20 (15,37) Mill. RM.,
angefangene und fertige Farikate, Anlagen im Bau mit 51,48 (49,22)
Mill. RM. bewertet. Grundſtücke ſtiegen infolge Uebernahme des Be=
ſitzes
der Tochtergeſellſchaften und des Mülheimer Werkes von 20,86 auf
27,24, und Gebäude von 25,29 auf 30,59 Mill. RM. Unter Neubauten
mit 3,17 (0,21) Mill. RM. figuriert das neu errichtete Schaltwerk. Ma=
ſchinen
, Geräte, Werkzeuge uſw. ſtehen wieder mit 1 RM. zu Buche.
Auf der Paſſivſeite erſcheint das Aktienkapital mit 120 Mill.
RM. gegenütber 90 Mill. RM. Stammkapital im Vorjahr. Da bekannt=
lich
das unkündbare Darlehen der früheren Geſellſchafter von 30 Mill.
Reichsmark in Aktien umgewandelt worden iſt. In bezug auf die An=
leihen
gilt dasſelbe wie bei Beſprechungem der Bilanz der Siemens=
Halsko A. G. Geſagte.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 1. Februar. Die auf den
Stichtag des 1. Februar berechnete Großhandelsindexziffer des Statiſti=
ſchen
Reichsamtes iſt gegenüber der Vorwoche von 138,4 auf 137,9 oder
um 0,4 v.H. zurückgegangen. Von den Hauptgruppen iſt die Indexziffer
für Agrarſtoffe um 0,9 v.H. auf 129,7 (Vorwoche 130,9) geſunken. Zur
gleichen Zeit hat die Indexziffer für Kolonialwaren auf 129,4 (123,8)
oder um 0,3 v.H. nachgegeben. Die Indexziffer der induſtriellen Roh=
ſtoffe
und Halbwaren ſtellte ſich mit 134,2 (134,6) um 0,3 v.H. niedriger
als in der Vorwoche, während die Indexziffer der induſtriellen Fertig=
waren
mit 156,5 (156,6) nahezu unverändert war.
Höherer Zinsſatz für Schuldverſchreibungen bei der Kommu=
nalen
Landesbank Darmſtadt. In Auswirkung des ſoeben geſtell=
ten
Antrages der Einführung der Reihen 3, 4, 5 und 6 der
Schuldverſchreibungen der Kommunalen Landesbank in Darm=
ſtadt
wurde dem Inſtitut genehmigt, den Zinsſatz ſeiner Schuld=
verſchreibungen
, Reihe 5, von 6 Prozent auf 8 Prozent zu er=
höhen
. Von der Landesbankſtelle in Frankfurt am Main wur=
den
für 2 Millionen RM. 7prozentige Goldſchuldverſchreibungen
Reihe 3, 5 Mill. RM. 6prozentige Reihe 4, 5 Mill. RM. 8 pro=
zentige
Reihe 5 und 5 Mill. RM. 8prozentige Reihe 6 dieſes In=
ſtitutes
zur Frankfurter Börſe geſtellt.
Gründung einer Deutſchen Hotelſchaft. Zu den Mitteilungen über
die bevorſtehende Gründung einer Deutſchen Hotelſchaft und Aufnahme
ausländiſcher Kredite erklärt der Reichsverband der deutſchen Hotels in
Düſſeldorf, daß es ſich bei den bezüglichen Ermittelungen zunächſt um
loſe Fühlungnahme von Intereſſenten handelt und daß ein Urteil über
die Durchführung einer ſolchen Kreditaktion noch nicht abgegeben wer=
den
könne.
Die Metallnotierungen in Berlin für je 100 Kilo am 4. Februar
ſtellten ſich für Elektrolytbupfer prompt eif Hamburg, Bremen oder
Rotterdam (Notierung der Vereinigung f. d. Dt. Elektrolytkupfernotiz):
132,25 RM.

Produkter berichte.

Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 4. Februar.
Das Geſchäft konnte ſich zuuar zum Wochenſchluß nicht merklich be=
leben
, die Stimmung war jedoch nach den geſtrigen Kursrückgängen etwas
freundlicher, da die Baiſſeſpekulation, die geſtern ziemlich viel Material
vorgegeben haben ſoll, weiter Deckungskäufe vornahm. Eine gewiſſe
Anregung boten die Berichte der preußiſchen Handelskammern, wonach
eine Verſchlechterung der Wirtſchaftslage im vergangenen Monat nicht
eingetreten ſei. Demgegenüber ſtand der Bericht der Metallinduſtrie,
der einen Rückgang in der Beſchäftigung anzeigt. Einer lebhafteren
Entwicklung des Geſchäftes ſtand auch die weiter reſervierte Haltung
des privaten Publikums und die im Zuſammenhang mit dem zum Mon=
tag
erwarteten Beſchluß des amerikaniſchen Senatsausſchuſſes über die
Freigabebill geübten Zurückhaltung entgegen. Bei der erſten Notie=
rung
hielten ſich die Kursveränderungen gegen die geſtrige Abendbörſe
in allerengſten Grenzen. Es überwogen die kleinen, zirka 1prozentigen
Kursbeſſerungen. So konnten Schiffahrtswerte etwas anziehen. J. G.
Farben eröffneten nur gur behauptet, gewannen aber im Verlaufe 1 Pro=
zent
. Elektrowerte lagen faſt unverändert, nur Siemens zogen 1 Prozent
an. Am Montanmarkt traten Rheinſtahl mit plus 2,5 Prozent etwas
hervor. Mannesmann und Rheiniſche Braunkohle gewonnen 1 bzw.
1,5 Prozent, während die übrigen Werte dieſes Marktes behauptet blie=
ben
. Etwa 1 Prozent niedriger lagen Zellſtoff Waldhof, Südd. Zucker
und Deutſche Erdöl. Zement Heidelberg und Wahß u. Freytag eröffne=
ten
fe 1 Prozent feſter. Anleihen lagen ſtill und wenig verändert. Aus=
ländiſche
Renten blieben umſatzlos, nur Ruſſen waren wieder etwas
gefragt.
Im weiteren Verlaufe ſtockte das Geſchäft faſt vollkommen. Tägliches
Geld war zu 7 Prozent etwas leichter. Am Deviſenmarkt konnte ſich
die Mark wieder im Kurſe beſſern. Man nannte Mark gegen Dollar
4,1917½; gegen Pfunde 20,420; London=Kabel 4,8705; Paris 124,02;
Mailand 92,05; Madrid 28,57.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 4. Februar.
An der heutigen Samstagsbörſe war das Geſchäft außergewöhnlich
klein, da ſich das Publikum anſcheinend noch immer nicht zu Umſätzen
entſchließen konnte. Da auch die Börfe ſelbſt ſtärkere Zurückhaltung be=
kundete
, war die Tendenz zunächſt uneinheitlich, im ganzen aber faſt
unverändert. Im Verlauf wurde die Stimmung freundlicher, da man
bereits günſtige Einzelheiten des Siemens=Abſchluſſes wiſſen wollte und
außerdem die Ausſichtew der Freigabevorlage in den neueſten New Yorker
Meldungen wieder günſtig geſchildert waren. Weiter glaubte man zu
wiſſen, daß ſeitens des Auslandes größeres Intereſſe für die bevor=
ſtehende
Reichsbahnemiſſion hervortrete und der deutſche Geldmarkt
durch die Begebung dieſer Vorzugsaktien daher nicht belaſtet würde. Die
Spckulation trat daher aus ihrer Reſerve heraus und ſchritt zu Wochen=
ſchlußdeckungen
. Die am offenen Geldmarkt noch immer herrſchende An=
ſpannung
machte wenig Eindruck. Der offizielle Tagesgeldſatz lautete auf
7,59 Prozent und der Satz für Monatsgelder auf 7,58,5 Prozent.
Warenweck) el zirka 6’/s Prozent. Am Deviſenmarkt ging die geſtrige
Befeſtigung des Dollars wieder vollſtändig verlorem. Die Reichsmark
lag gegen New York mit 4,1912 ſehr feſt, ebenſo zog das Pfund gegen
New York mit 4,8706 ſtärker an. Infolge der Pfundbefeſtigung notier=
ten
Mailand, Madrid und Zürich in London etwas niedriger als am
Vortage.
Privatdiskont 6’/s Prozent für beide Sichten. An der Nachbörſe
traten Kursveränderungen nicht mehr hervor, nachdem die Börſe unein=
heitlich
ſchloß. J. G. Farbeninduſtrie gingen mit 260,75 aus dem Ver=
kehr
. Kunſtſeidenaktien ſchwächten ſich ab. Ver. Glanzſtoff auf 539 und
Bemberg auf 418. Am Glektromarkt nannte man nachbörslich: Siemens
mit 284: Geſ. für Elektr. mit 263,5: AGG. 165. Am Montanmarkt:
Ver. Stahl 103; Mannesmann 150; Oberbedarf 107; Hapag 150,25;
Nordlloyd 154 5: Danatbank 230,5; Kommerzbanr 174,5: Neubeſitzanleihe
notierte zuletzt 16.30; die Ablöſungsanleihe 1. und 2. 52; dito 3. 56,12.

Aſchaffenb. Zellſto
Augsb. Nürnb. Maſch
Bamag=Meguin".
Berlin el. W.
Berlin Karsruhes
Braunkohl. Brike
Bremer Vulkan".
Bremer Wolle.
Deutſch.=Atlant.
Deutſche Maſchin
Deutſch.=Nied. T.
Deutſche Erdöl
Deutſche Petroleu
Dt. Kaliwerke
Donnersmarckhüt
Dynamit Nobel
Eleftr Lieferung
J. G. Farben.
R. Friſter
Gaggenau Vorz.
Gelſenk. Berg
G. f. elektr. Untern.
Halle Maſchinen
Ban.=Maſch.=Egeſt
aHnſa=Dampfſchf

Helſingfors
Wien ...."
Prag ...."
Budapeſt ...
Sofia ....
Holland ..."
Lslo ......"
Kopenhagen.
Stockholm .. . / 112.49/112 71
London",
Buenos Aires
New=York".
Belgien ....

.. 4. 2 3. 2 172. Hemoor=Zement. 243. 112. 111. Hirſch Kupfer. 109.5 29. Höſch Eiſen 138.5 74. . pohenlohe Wer 105. 1102.5 84. 85.75 Kahla Porzella 107.5 175.5 176. Lindes Eismaſch. 159 25 145.5 1141. Lingel Schuh 73.75 190. 11905 Linke u Hofmau 103.5 105 5 2. Loewe u. Co. 254. 64.75 65. C. Lorenz 111. Niederlauſitzer 5 160 130. 130. Nordd. Gummi 75. 75.5 Orenſtein 134.5 Rathgeber Wa Rombacher Hütten 127. 127. Roſitzer Zucker. 74. 168.5 169.5 Rütgerswerke". 95.875 259.375 260.75 Sachſenwerk 119.25 110.25 109. Sichſ. Gußſtahl 138. 39.25 39. Siemens Glas 148.75 Ver. Lauſitzer Gla 134 25 263. 12645 Volkſtedter Porzell. 54.75 156 1113. Weſtf. C. Langendr= 67. 67. Wittener Gußſtahl 60.5 214. 217. Banderer Werke 192.75

Deviſenmarkt.

Berliner Probuktenbericht vom 4. Februgr. Auch am heutigen
Wochenſchluß eröffnete die Berliner Produktenbörſe ohne jegliche Ge=
ſchäftsbelebung
. Amerika ſandte für Weizen etwas ſtedigere Kurſe und
konnte ſich auch hier das Nibequ verbeſſern. Bei einiger Kaufluſt ſtell=
ten
ſich im Lieferungshandel die Preiſe etwa eine Mark gegen geſtrigen
Schluß höher. Auch Roggen blieb etwas feſter, vordere Monate eine
halbe, Juli=Lieferung eine Mark höher. In Gerſte und Hafer iſt die
Situation ziemlich unverändert. Im Zeitgeſchäft hatte Hafer für März=
lieferung
eine Kurserhöhung von 0,75 Mark.

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60.
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535
60.5
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80.55/ 30.71
71.42/ 71.56
81.56/ 81.72
1.966/ 1.970
C. 504/0.5025 0.5045
7.3771 7.363/ 7.377
5.5561 5.544 5.556
2121/ 2.135
4 180 4.188
4.276/ 4.284

Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die HamburgAmerikaniſche Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft ſchlägt
8 Prozent Dividende vor.
Am kommenden Montag und Dienstag finden, wie wir von unter=
richteter
Seite hören, im Reichswirtſchaftsminiſterium die Verhand=
lungen
zwiſchen Vertretern des Werkhandels und der Weſtdeutſchen
Eiſenhandels G. m. b. H. in Düſſeldorf über die Eingabe dieſer Ge=
ſellſchaft
ſtatt.
Die Süddeutſche Zinkblechhändlervereinigung, Sitz Frankfurt a. M.,
hat mit Wirkung vom 3. Februar rund um 1½ Prozent ermäßigt. Die
letzte Preisveränderung erfolgte am 26. Januar durch eine Erhöhung
um rund 1½ Prozent.
Die Subſpriptionen auf die in Amſterdam durch die Incaſſo Bank,
ſowie die Bankhäuſer Vermeer u. Co. und S. Schönberger u. Co. in
Amſterdam aufgelegten 4 Millionen Goldmark 7proz, kapitalertrags=
ſteuerfreien
Pfandbriefe der Preußiſchen Pfandbriefbank, Berlin, ſind in
einem Maße eingegangen, daß nur eine geringe Zuteilung erfolgen kann.
Die Zahl der im Monat Januar ausgeſprochenen Konkurſe in den
Niederlanden iſt auf 274 von 318 im gleichen Monat des Vorjahres zu=
rückgegangen
.
Die Erhöhung des Diskonts durch die norwegiſche Reichsbank hat zu
einem Konflikt zwiſchen dem neuen norwegiſchen Arbeiterkabinett und
der Reichsbank geführt. Der Finanzminiſter Hornsrud teilte mit, daß
die Erhöhung ohne ſein Wiſſen vorgenommen ſei. Er werde ſofort alle
Schritte tun, um die Rückgängigmachung dieſer Maßnahmen zu erreichen.
In letzter Zeit tauchen aus dem Auslande Meltungen auf über Ver=
handlungen
der J.G. Farbeninduſtrie A. G. mit ausländiſchen Chemie=
Konzernen. Wie wir von zuſtändiger Seite erfahren, haben derartige
Verhandlungen nicht ſtattgefunden.
Aus Moskau wird berichtet, daß das ruſſiſche Naphthaſydikat mit
der türkiſchen Eiſenbahnverwaltung des Karſk=Bezirkes einen neuen
Lieferungsvertrag über die Lieferung von Maſut abgeſchloſſen habe.
Der Vertrag ſehe keine beſtimmte Friſt für die Lieferungen vor, lediglich
eine Kündigungsfriſt.

Som jasdeulſchen Pievalienmärn.
Die großen Verſchiffungen, unterſtützt durch eine amtliche argenti=
niſche
Eingabe, wonach die La Plata=Staaten diesmal eine um
2 Millionen ars größere Weizenernto als im Vorjahre haben und eine
Endſchätzung der kanadiſchen Weizenernte auf 440 Millionen Buſhels
(i. V. 407) ſowie durch billige Schiffsfrachten, ließen den Markt auch i
dieſer Woche in gedrückter Stimmung verkehren. Man kommt jetzt zu der
Auffaſſung, daß anſehnliche Beſtände Weizen in das neue Erntejahr
mit hinübergenommen werden dürften, falls nicht etwa noch Rußland
im ſpäten Frühjahr wieder als Käufer auftritt. Die Cif=Offerten ( eif=
fracht
= und verſicherungsfrei) blieben dückgängig und lauteten zuletzt für
Plata=Weizen, Baruſſo, 79 Kg., Jan./Febr.=Abl., auf 12,95 Fl., (Fl.
1 holl Gulden 1.69,02) März=Abl. 13,07½ Fl. (Vorwoche 13,2513,30),
für Roſa , 79 Kg., Jan./Febr.=Abl. 13 07½ (13,17½13,20) Fl., fün
Manitoba III, Pacifie, ſeeſchwimmend, 13,4013,50 (13,7513,80) Fl..,
desgl. IV Pacific, 12,82½ (13,05) Fl. eif Rotterdam, für Auſtral Weizen,
loko Rotterdam, 14,20 (rheinſchwimmend 14,75) eif Mannheim. Inland=
weizen
in prima Beſchaffenheit war, franko Mühlenſtation, mit 25,50
(25,75) RM. angeboten und wurde mit 25,25 RM. abgeſchloſſen. Ab
rheinheſſiſchen und Wetterauer Stationen lagen Angebote von 24,25 RM.
an vor. Roggen lag gleichfalls ſehr ruhig auf nachgiebige Haltung des
Auslandes. Für Inlandsroggen werden offiziell 25,2525,75 RM. franko
Mannheim, gefordert, es iſt jedoch ab ſüddeutſchen, rheinheſſiſchen und
Wetterauer Stationen mit 24,2524,50 RM. anzukommen; Plata=Roggen,
75 Kg., Febr.=Abl., blieb mit 12,32½ Fl., eif Rotterdam, geſchäftslos.
Am Mehlmarkt erregt es Unwillen, daß von einzelnen Stellen des
Mehlhandels Verſuche undernommen werden, unter Berufung auf § 34
der allgemeinen Handelsgebräuche eine Streichung älterer Kontratte her=
beizuſühren
, wenn ſie nicht, wie dort vorgeſehen, innerhalb zweieu
Monate nach dem Abnahmetermin gemahnt wurden. Man ſtellt dies
dem Differenzeinwand bei Effektenkäufen gleich. Im Mehlabruf machen
ſich Anzeichen einer Beſſerung bemerkbau, doch dauern die Klagen im
allgemoinen noch an. Die Forderungen der Mühlen wurden weiter er=
mäßigt
, für Weizenmehl, Spezial 0, auf 36,5037 RM. (37,25), doch iſt
bei der zweiten Hand mit 36,25 RM. zu kaufen. Für ſüdd. Roggenmehl
werden, je nach Ausmahlung, 34,2536,25 RM. gefordert, es lagen aber
auch Angebote für 65er zu 33,2534 RM. vor. Für feine Braugerſten,
die ſeltener werden, beſtand weiter Kaufluſt, ſür geriagere Sorten da=
gegen
wenig Aufnahweneigung. Das Geſamtgeſchäft iſt etwas kleiner
geworden. Für Auslandsgerſte verlangte man, bei einer Spannung von
nicht weniger als 4 RM., 3135 RM. für vorderpfälziſche Braugerſte
30,5032 RM., hinterpfälziſche 29,5030,50 RM., badiſche und heſſiſche
28,5030 RM. waggonfrei Mannheim, für Wetterquer ab Stationen
27,5029,50 RM., für Futtergerſte 22,5923,50 RM., waggonfrei. Für
den in ſeinen Beſtänden ſtark abnehmenden Inland=Hafer wurden die ge=
forderten
Preiſe voll bewilligt: für prompte ſüdd. Herkunft 2324 RM.,
berehnet 21,2522 RM., unberegnet aus der Taubergegend 22,75 RM.,
Plata fag=Hafer, 46/47 Kg., März/April=Lieferung, waggonfrei Mann=
heim
24,50 RM., Saat=Hafer beſter Beſchaffenheit wurde zu 28,50 RM.,
franko ſüdd, Station gehandelt.
Für Mais zeigte ſich Zurückhaltung, was mit dem Rückgang der
Notierungen in Chicago zuſammenhängen dürfte, wo ſtarke Inlandzu=
fuhren
erfolgten. Inzwiſchen iſt dort dieſe Schwankung nach untar
wieder ausgeglichen. In Argentinien iſt die Maisausſaat beendet und
Regen erwünſcht. Alter rheinſchwimmender Plata=Mais wurde mit 10,50
Fl., eif Mannheim, angeboten, Plata=Mais, mit Bezugsſchein, ohne Sack,
zu 21,6022 RM., Cinquantin Mais mit 22,4022,50 RM. und Vir=
ginia
=Mais mit 24,50 RM.
Der Futtermittelmarkt lag ruhig bei Zurückhaltung des Konſums.
Zum Teil ſührt man dies auch auf die Verkleinerung der Schweine=
beſtände
in Norddeutſchland zurück. Verlangt wurden für die 100 Kg. in
RM.: Biertreber, ausländiſche, prompt 17 RM., Febr. /Mai 17,50 RM.,
für baheriſche, mit Sack, 17,60 RM., für Malzkeime m. S. ab München
15,50 NM.., helle engliſche 16,50 RM. bahnfrei Mannheim. Erdnuß=
kuchen
, Mannheimer Fabrikat, 24,7525 RM., Rapskuchen 18,25 RM.,
Seſamkuchen, Mannheimer Fabrikat, 2424,25 RM., Reisfuttermehl,
weißes, 21,5022 RM., Trockenſchnitzel, prompt, 11,7512 RM. Hafer=
ſchalenmelaſſe
12,00, ſüdd. Leinkuchenmehl 24 50 ab Fabrik, Weizenbleie,
fein, 1414,50, mittelgreb 14,75, grob 15,00, Weizenfuttermehl 15,B,
Weizennachmehl 2123,00, Maisſchrot 23,50. Der Abruf für Kleien
war lebhaft.
*
Vom ſüddeutſchen Tabakmarkt. Im badiſchen Oberland iſt jetzt auch
der Reſt der Ernte bis auf Kleinigkeiten zu bisherigen Preifen geräumt.
Die 1927er Tabake, die die erſte Fermentation größtenteils hinter ſich
haben, begegnen neuerdings gutem Kaufintereſſe. Der Handel verkaufte
Schneidetabake, per Sommerlieferung, in der Preislage von 100120
MM., je nach Beſchaffenheit. Mit Zigarrentabaken geht es langſam,
da die Konkurrenz der Pfälzer Tabake, Java und Domingo, billigere
Angebote an den Markt bringen. Rippen unverändert.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
New York, 4. Februar.
Zucker: Der Zuckermarkt trug ſtetiges Gepräge. Die Spekulation
ſchritt zu Deckungen und der Handel zu Anſchaffungen.
Fettwaren: Unter erneuten Liquidationen, Stoploßverkäufen und
Abgaben der Packerfirmen verkehrte der Schmalzmarkt in ſchwacher Hal=
tung
, zumal die Stille des Locogeſchäftes keine Anregung zu bieten
vermochte.
Baumwolle: Im Hinblick auf die feſten Liverpooler Kobelmeldungen
nahmen der Handel ſowie Locofirmen am heutigen Baumwollmavkte An=
ſchaffungen
vor, die ſich jedoch nicht in einem Anziehen der Notierungen
auswirkten, da der Süden auf Grund der Vorausſage vereinz’lter
Regenfälle in Weſttexas zu Abgaben ſchritt. Späterhin wurden Ver=
käufe
für Wallſtreetfirmen und Liquidationen beobachtet.
Kaffee: Am Kaffeemarkt ging es zum Wochenſchluß äußerſt ruhig
zu. Die Preiſe erfuhren unter Liquidationen und Abgaben des Handels,
denen nur geringe Nachfrage gegenüberſtand, eine Abſchwächung. Im
Verlaufe führten Deckungen, die im Hinblick auf die ſtetige Haltung
der braſilianiſchen Märkte erfolgten, zu einer Erholung.
Chicago, 4. Februar.
Weizen: Der Weizenmarkt verkehrte zum Wochenſchluß auf Grund
von Berichten über Niederſchläge ſowie infolge der ſchwachen Haltung
Liberpools unter Liquidationen in etwas ſchwächerer Stimmung. Das
ſchleppende Exportgeſchäft konnte ebenfalls keine Anregung bieten. Hinzu.
kam noch, daß Berichte vorlagen, wonach Argentinien im großen Ume
fange Ware offeriert. Später führten Deckungen zu einer teilweſſen
Erholung.
Mais: Die feſte Tendenz in Buenos Aires, das fortgeſetzt lebhane
Exportgeſchäft, ſowie Befürchtungen, daß das Wetter die Erntebewegung
verlangſamen könne, ließen Mais feſter tendieren. Das Inlandsangebor
war nur gering.
Roggen: Am Roggenmarkte hatte der Julitermin unter Liquioſ.
tionsdruck zu leiden. Die übrigen Sichten gingen ebenfalls im Preſſe
zurück, da das Ausland auch heute wieder als Käufer fehlte.
Haftr: Bei ruhigem Geſchäft neigten die Haferpreiſe zur Schwache,
da Liquidationen vorgenommen wurden und auch die Locointer:ſſenke‟
nicht mehr in ſo ſtarkem Maße durch Anſchaffungen dem Markte eine
Stütze boten.
Es notierten nach Meldungen aus Chäicago am 4. Fehl.
Getreide: Weizen, März 129, Mai 129½, Juli 127½; Mals=
März 89, Mai 915, Juli 93; Hafer, März 54½, Mai 30/4
Juli 51½: Roggen, März 107½, Mai 108, Juli 102.
Schmalz: Februar 11,12½, Mai 11,35, Juli 11,57½.
Fleiſch: Mai 11. Juli 11,20; Speck loco 11,12½; leichie
Schweine 88,35, ſchwere Schweine 7,908,25; Schweinezufü9e
Chicago 14 000, im Weſten 46 000.
Chicagver Baumwolle: März 16,83, Mai 16,96.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 4. Fehl.
Getreide: Weizen Nr. 2 rot 153½, hart 145: Mais neu Aut
Ernte 1035; Mehl ſpr. wheat clears 6,506,8; Fracht Nus
England 1,92,9, nach dem Kontinent 710.

[ ][  ][ ]

Nummer 36

Sonntag den 5 Februar 1928

Seite 11

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Uo. Reichsanl.-=Ablöſ.=Schult einſchl. Ausloſ.=Scheinen Teil R.7 52 II. Teil S6.25 55.9 U2. Reichsanl.-Ablöſ.-Schuld
ohne Auslof.=Scheine 18. 60.35 25 Dt. Schutzgebietant= 8.o5 74 b1 Ausländiſche 572 Bpsnien L.=F.=B.v. 1914 42.75 4 L.=Inveſt.=Anl. 1914 41.25 33 Ur
v. 1898 .. 2.9 1S4%0 v. 1902
(Clo 2.45 2.25 3.2 3.1 7P Bulgar. Tabak 1902
( Oſt. Staatsrente 1913 17 17 Kdb ab 1918
Oſt Schatzunweiſ.ſtfr. v. 1914 M-I-% Oſt. Silberrente 475 4.25 Goldrente (lt. Junsbr. Abk. 31.5 einh. Rente konv. 17 1D2o Portugieſ. (Spet. 6.III 9.525 9.6 No Rum am. Rente v. 03
Goldr v. 13
U .25 16.25 17 amt. Rente konv 5.9 j.8 am. v 05 5.8 F (Admin. v. 1903 (Bagdad) Ser. 168 Bagdad) Ser. 141. unifiz. 1903 v 1911 Zollanl 14.55 F½%o Ung. Staatsr. v.191:
Staatsr. v. 191= (it. Innsbr. Abk) Staatr. v. 14
ℳ½0
Staatsr. v 1914
(½% (lt. Innsbr Abk) 22 Goldrente. % Goldr. (lt Innsbr Abk. 25.15 25.05 Staatsr v. 10 21 Kroneurente 1.525 25 Un). Eiſernes Tor) G. 18 Außereuropäiſche Merit amor inn. (abg.) konf. äuß. v. 99 Gold v. 94 ſtfr 31= kon) innere ½% Irrigationsan. R% Tamaulipas Serie 1,
MTach Sachwert verzinsliche 18.25 Schuldverſchreibungen
Mit Zinsberechnung 100% Berlin Hp.=B. Gldpfbr 105 98 2a BerlinerStadt=Goldan % Darmſt, Stadt=Goldanl.
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95.5 92.7
95 M.0% Komm. Elektr. Mark (Hagen) (Boldobt
Komm. Landesbank. 102.25 102.25 Reihe
Darmſtad 195.5 95.5 Reihe 95.5 95.5 P:% Ludwigsh. Stadt=Golda 93" 99.5 Main=Fraſtwke. Höch 90.25 W:½ Mainzer Stadt=Gold 92,5 an. Stadt Goldanl.
*: 15.25 80.5 81.1 % Mitteld Stahtm. v. 94 /*%Naſſ. Landesbf. Goldanl. 102.25 97.5 Vs% Nürnberg Stadt=Gdanl. 100 5 P4% Pfalz. Hp.=B/=Goldpfbr 97.5 96 94 94 59 88.5 881) 1780 Pforzh. Stadt Goldanl. 18½ Pirmaf. Stadt.Goldanl
5% Preuß. Central=Bob.-Cr.= 98.5 92.5 Bank Goldpfbr. . .. . . . . . 0 Preuß. Central=Stadt= 5. 1. 4. 2. ſchafts=Goldpfbr. 1%o Rhein Hyp.=Bt. Gldpfbr. 35 H 94.2! 94 Liquid. Bf 89.5 89.5 81.75 Anteilſch. 59.75 7½½ Kh. Stahlwerke v 25
10% Rhein=Weſtf. Bod =Cr.= 135 Bk. Goldpfbr
. 103 103 Stidd Bd. Cr.:B. Gdpfbr.
%⁄ Ver. Stahlw. Düſſeldorf 3 95 Hyp.=Goldobl. mit Optiot
½ Ver. Stahlw. Düſſeldorf 95 93.75 Hyp.=Gdobl. ohne Option 91 91.5 2 Viag. (V Ind.-Unt, Bln. )27 89 % Voigt & Hueffner Goidobl. 93.5 3% Württ. Hyp.=Rk=Goldpfbr.
Ohne Zinsberechnung 96.5 33 2% Badenw Kohlenwrtanl. 2
59 Großkraftwerk Mannhein 12.62 21 Kohlenwertanl. v 23 13.55 81 7% He ſ.Braunk.=Rogg. Anl. 23 6.5 5% Heſſ. Volksſt. Rogg.=Anl. 23 % Preuß. Kaliwert=Anleihe 6.25

5% Preuß. Roggenwert=Ank.
5½ Südd. Feſtwertbk. Goldo.
Vorkriegs=Hypothekenbank
Pfandbriefe
Bay. Vereinsban! München.
Bay Handelsban: München
Bay. Hyp u Wechſelbank ..
Berliner Hyp Bank
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Frankfurter Pfandbrief=Bk.
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Mecklenb. Hyp.= u. Wechſel=Bk.
Meininge Hyr.=Bank
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Preuß. Boden=Crebit=Bank. 14
Preuß Centr.=Bod.Cred.=Bk.
Preuß Pfandbrief=Bf.
Rhein Hypothk.=Bank
Rhein.=Weſtf. Bod. Cred.=Bk.
Südb Boden-Credit=Bank.
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Heſt. Landes=Hyv.=Bank
Landeskreditkaſſe Caſſel ..
Naſſauiſche Landesbank ...

4. 2.

20.5

1as
14.32:
14.5
8.3

121

AAne

14.3
14.2

14.05

12.85

9.6

Oblig. v. Transportanſt.
4½ Eliſabethbahn, ſtfr. i. G.
4% Gal. Carl Ludw.=Bahn..
abg
4½
5% Oſt. Südb. (Lomb.) ſtfr.
2,6% Alte Oſt. Südb. (Lomb.
2 6 Neue Oſt. Südb. (Lomb.)
4% Oſt. Staatsb v. 1883
1.b. 8. Em
3%
3O),
abgeſt! 2211.
9 Em.
abgeſt.
22
v. 188
abgeſt.
Erg. Netz
abgeſt.
O Raab=Cebenbg. v. 83
v. 91
v. 97.
425 Rudolfb. Silber ſtfr.

½% Anatolier Serie II
4½% Anatolier Serie III
3% Salonique Monaſtir. . .
5% Tehuantepec .. . . .."
4½½ Tehuantepec .....

Geſch.
Jahr sS Divid. 5. 1. 4. 2. Vank=Aktien. ug. Deutſche Creditanſtalt 1. 40 10% 144.* Badiſche Bank 1. 1. 333. 10½ 75 173.25 Bank für Brauinduſtrie.. 1. 4. 20 195.5 17 Barmer Bankverein 1. 1. 16" 152 146.5 Bay. Hyp.= u. Wechſelb. 1 40 178 168 Berl Handelsgeſellſchaft 200 ommerz= u. Privatbank 1.1 60 11½ 179 174.5 Darmſtädter u. Nationalbk. 1. 1 100 2 236 Deutſche Bank 1. 1. 100 10 167.75 163 Deutſche Effekt=u. Wechſelbk. 1.1 50 129.5 125.5 Deutſche Hypot.=Bank Mein 1 1. 100 146 Deutſche Vereinsbant 1. 1. 105.5 104 Disconto=Geſellſchaft 1. 1. 150 161.75 1 9.5 Dresdener Ban? 1. 1. 80 162.5 160.5 Frankfurter Ban. 1. 1. 20 127 118 Frank) Hypothekenbank 1. 1. 120 150.75 142.5 Frankf. Pfandbrief=Bank 1. 1 100 150 141 Botha Grundkredit=Bank 1. 1 831 9" 158.75 Lux Intern. Bank 1. 1 Metaliban 1. 10. 160 144.5 .8 Mitteldeu. ſche Creditban! 1. 1. 20 222 208 Pfälz. Hypoth.=Bank . 1. 100 Preuß. Boden=Creditbank 1. 1. 100 143 137 Preuß. Hyp.=Aktien=Bank 1. 1. 66), 155 Reichsbanf=Ant . 1. 500 10% 191.5 Rhein. Creditban: 1. 1. 40 133.5 131 Rhein Hypothekenbank . . . 1. 1. 100 483.75 Stidb. Boden=Credikbank ... 1. 1. 66 Südd. Disconto=Geſellſch. 100 148 144 Oſterreichiſche Creditanſtalt". 1. 80 Gr 38 Wiener Bankverein 1.1. 171. Zerzwerks=Aktien. Buderus 200 105 T8.9 Eſchweiler Berowerks=Akt. 1.5. 660 8." 225 210 Belſenkiichen Bergw 1. 4. 300 144 133.7. Harpener Bergbau ... .." 1. 1. 1000 205 188 Alſe Bergbau Stamm.. . 1. 1. 200 249 Flſe Bergbau Genußſcheine 1. 1. 200 133.75 122 Kaliwerke Aſchersleben 1. 1. 140 182.5 174.7 Kaliwerke Salzdetfurt 1. 1 160 12 252 Kaliwerke Weſteregeln 150 10½ 187 184 elöcknerw. (ab. Lthr.=Hütte) 600 134: Mannesmann Röhren ..." 1. 1. 600 163 150 Mansfelder 1.1. 50 125.5 118 Oberbebar 1. 10. 100 92.5 Otavi Minen u. Eb.= 1. 4. 11.117 40 Phönx Bergbau Ka 103.5 100, Rhein Braunk u. Briket. 1. 4. 300 10 Rhein Stahiwerke 1. 4. 500 4½% 187 Riebeck Montan 1. 4. 400 6"0 260 Salzwerk Heilbronn 1. 1. 200 186 Te lus Bergb.; u. Hütten=Akt. 37.50 6% 116 111 Ber Laurahütte 1.5. 83.33 84 497), Ver Stahlwerke 1. 10 3 103.25 170 Induſtr Unternehmung Brauereien Eichvaum (Mannh. 1. 10 a00 Aa. R 275 benninger Kempf=Stem. 1. 9. 600 10 186 183.5 Hereules, Heſſiſche.
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155 147 Mainzer Aktienbraueref 1. 10. 4000 240 Schöfferho, (Binding) 1. 10. 250 20 353 315 Schwarz=Storchen .. . .." 1. 10. 300 10½ (186 Tucher Nürnberg ........" 1. 7 200 10% 171.5 98.25 1Wererg. 1. 10. 200 10% 158

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Divid

10

100

5. 1. 4. 2. 4.25 35 3.1 14.25 14.25 21). 19.75 19.). 17 15.5 14.75 4.75 8 20.25 18, 17 16 15 5. 1. 4. 2. 160 50 92 g1 88 88 80.5 172.5 166.25 145 143 14.1 12 28.25 29.5 235 705 35 79 193 75 69 1455 Af 184 180 137.5 87.5 80 45 94.5 23.75 87 131 203.5 195 261.5 261 137.5 79 40.25 31

214

230
85
100.5
57.75
284.5
99
46.25
153
109.5
80
82
121.5
126.5
1140
56.75
142
172
87.5
111
113.5 158
89.5
148
TI.5

20
158.5
83
230

150
106.5
74

130
17a.5
138
139.5

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Geſch.
Jahr

Mi

A
78

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2.
E El.

aS= Divid 5. 1. 4. 2. 80 20 1100.5 140 92.5 25.1 120 107 1210 203 s0 18.75 14 40 10 1157 153 80 1120 115 50 198. 175 171 62.5 150 720 105 50 71 150 171.5 250 8% 500 50 / 20 166 500 * 60 140 127 60 10% 135 120 10 197 20 10% 145 30 74 250 63 250 77.5 20 110 122 100 110.5 00 100 146 145 30 *. 11 .5 113 50 64 57 / 100 45.25 46 100 30 30 120.5 118 100 9% 156.25 60 59.25 160 100.5 95 100 53 50 100 88 5.1 60 135.75 136 120 124 123 700 192 181.5 40 83 84 60 25.5 20 20 120 85 200 154 700 1538 299 283 83.33 105 93 69 153.! 141.25 160 88 117 110.5 28 7% 102 104 60 55 100 406 98.25 400 80 60 51.5 40 91 200 86.5 82 200 150 140.5 50 Pe 153.5 45 79.5 6% 180 178.75 5 67 40 10% 144.5 40 1142 139 300 109 186 5 173 10% 158 138.5 100 12% 272 87.5 40 100 1000
600
600 1
8 185
142.5 800
300
40 10 1143 126
150.2
154 0 60 7 60 40 300 140 120 41. 300 62a [ ][  ][ ]

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Sonntag, den 5. Februar 1928
2s Sagt der

Nummer 36

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Im Zusammenhang Mit seinen Berichten über den im Grand Palais
eröffneten XXI. Pariser- Automobil-Sdlon hat der bekannte französische
Automobilkritiker, Herr C. FAR0UX, dessen Außerungen als maßgeblich
betrachtet werden, da sein Name nicht nur in den Pariser und fran-
zösischen
Fachkreisen, sondern in der gesamten internationalen Auto-
mobilbelt
den allerbesten Ruf genießt, allgemeine Betrachtungen ver-
öffenelicht
, die auch das stürkste Interesse aller am deutschen Kraftfahr-
wegen
interessierten Kreise fordern.
Herr C. Faroux schreibt in Nr. 9792 des U Auto vom
7. Oktober u. J.:
Heute morgen, als ich vom Salon zurückkam, ging
ich zu Fuß nach der rue Rovale. Vor dem Automobilklub
von Frankreich standen zahlreiche Wagen.
Unter Ihnen waren elf ausländische Wagen.
lch habe die Namen ihrer Eigentümer festgestellt:
ich sollte sie veröffentlichen, wie man die Namen von Ver.
rätern an den Pranger stellt.
Der Automobilklub von Frankreich, der weiß, der un-
möglich
nicht wissen kann, daß es in Frankreich all die
bedeutenden Konstusteure gibt, die ich genannt habe . . .
der Automobilklub von Frankreich . .
An einem Morgen elf ausländische Wagen, die seinen
Mitgliedern gehören.
Aber das allein richtet uns! "
Diese französische Stimme darf nicht üiberhört verden. Was sie
fordert reiht sich dem Vorgehen Italiens an, dcs die Namen der Besitzer
ausländischer Wagen öffentlich bekanntgibt, deu durch sie die Lnteressen
des Vaterlandee geführdet werden. Aus Englund ist bekannt, daß ein
Engländer vor der Türe eines englischen Clubs mit einem ausländt-
schen
Wagen nicht halten kann!
So urteilt der Franzose!
So handelt der Ttaliener!
So schützt der Engländer seine Industrie!
Deshalb Deutsche kauft deutsche Automobile!

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ist nicht aufzuhalten. Wer gestern noch über
Wert oder Unwert der Reklame debattierte,
weiß heute, daß Geschäftsführung ohne
Werbung ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Wer gut werben will, wirbt durch die Zei-
tungsanzeige
. Wer durch ein Blatt sprechen
will, das schon tausenden Erfolg gebracht
hat, wählt das Darmstädter Tagblatt‟

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Unſere Mitglieder und ihre Familienange
hörigen ſind zu die Verſammlung freundl,
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[ ][  ][ ]

Rummer 36

Sonntag, den 5. Februar 1928

Geite 13

Reich und Ausland.
Ein deutſcher Mathematiker vom
ſchwediſchen König preisgekrönt.

Prof. Dr. Paul Koebe,
dar berühmte Leipziger Gelehrte, hat den Preis des
ASmigs von Schweden im Stockholmer Mathemathi=
ſſcen
Preisausſchreiben gewonnen. Prof. Koebe
zurrde 1882 in Luckenwalde geboren, habilitierte ſich
1n07 als Privatdozent in Göttingen und kam bereits
ſ10 als Profeſſor nach Leipzig, wo er 1913 zum
Mirellor des Mathemathiſchen Inſtituts der Uni=
verſität
ernannt wurde.
Die Deutſchen Turner und die Preſſa.
SDem Hauptausſchuß des 14. Deutſchen Turnfeſtes
es gelungen, mit der Internationalen Preſſe= Aus=
ſtü
Wung Köln 1928 Preſſa erhebliche Vergünſti=
gurngen
für die Teilnehmer beim 14. Deutſchen Turn=
für
zu erlangen. Sämtliche Teilnehmer beim 14.
Deutſchen Tuunfeſt bezahlen für den Eintritt in die
Auusſtellung bei Vorzeigen der Feſtkarte einen er=
zäßigten
Eintrittspreis von 0.50 Mk. gegen 1.50 Mk.
bi=i ſonſtigem Eintritt. An den Feſtabenden, am 25.,
2.:. und 27. Juli, haben die Teilnehmer gegen Vor=
zuigen
des erforderlichen Ausweiſes freien Zu=
tlitt
in die Ausſtellung.
Drei Jahre Zuchthaus für einen ungetreuen
Sparkaſſenrendanten.
TU. Köln. Im Prozeß gegen den Rendanten
dur Städtiſchen Sparkaſſe in Köln, Jacob Müller, der
nrhezu 500 000 Marr Spaukaſſengelder unterſchlagen
hratte, erkaunte das Gericht auf eine Zuchthausſtrafe
uen drei Jahren und fünf Jahren Ehrverluſt. Die
darei mitangeklagten Buchmacher wurden zu je neun
MSonaten Gefängnis verurteilt.
Die Schleſiſchen Muſikfeſte.
Görlitz. Die Schleſiſchen Muſikfeſte, deren 20.
au: 1. bis 3. Juni 1928 in Görlitz begangen wird,
ben in jrer jetzigen Geſtalt eine über 50jährige Ge=
ſögichte
, ihre=Vorläufer reichen fogar bis 1830 zurück.
Grraf Bolko von Hochberg auf Rohnſtock hat ſie 1876
uurch dem Vorbild der Rheiniſchen Muſicfeſte ins
Aeben gerufen. Hirſchberg ſah das erſtel Feſt in
ſurnen Mauern, dann wechſlten Breslau und Görlitz
48.3 Feſtſtädte bis von 1889 ab Görlitz die Stadt der
Shchleſiſchen Muſikfeſte wurde. Größere Lücken in der
Meihe traten ein von 1906 bis 1911, verurſacht durch
den Abbruch der alten Feſthalle und den Neubau der
Sttadthalle, und 1913 bis 1925 als Folgé des Welt=
kujeges
. Das nach allen Seiten erfolgreiche Muſikfeſt
d2:s Jahres 1925 läßt auf ein gutes Gelingen des
doesjährigen Feſtes hoffen. Es iſt das erſte Feſt, das
oone den Grafen Hochberg gefeiert werden muß.
Mieſer edle und opferwillige Muſikfreund hat am
Dezember 1926 ſeine Augen zum letzten Schlum=
uer
geſchloſſen. Die Schleſiſchen Muſikfeſte werden
ſern unvergängliches Denkmal bleiben.
Von einem Banditen niedergeſchoſſen.
Am Freitag nachmittag erſchien in der Wohnung
eumer Witwe Baltes in Herne ein junger Mann von
encva 20 Jahren und verlangte die Herausgabe von
Yohngeldern, die ſich in der Wohnung befanden. Als
imnm dies verweigert wurde, feuerte er aus einer
Miſtole zwei Schüſſe ab. Die Frau erhielt einen
S chuß durch den Mund und ihr 15 Jahre alter Sohn
eumen Schuß in den Kopf. Beide mußten ſofort ins
Arrankenhaus eingeliefert werden, wo ſie lebens=
giefährlich
verletzt darniederliegen. Der Täter iſt auf
ennem Fahrrad unerkannt entkommen.
Maſſenſturz beim Sechstagerennen.
Der Eintritt in den zweiten Fahrtag im Stutt=
giarter
Sechstagerennen war mit einem großen und
giefährlichen Sturz eingeleitet. Der erſte Spurt für
die Zehn=Uhr=Wertung war noch nicht einmal ganz
zu Ende geführt, als Dewolf infolge Felgenſchadens
ſtürzte, ſo daß die hinter ihm liegenden in vollem
Mempo befindlichen übrigen Fahrer über ihn hin=
wegſchlugen
. In den Sturz wurden ſieben Fahrer
werſvickelt. Wie ſchwer die Verletzungen der geſtürzten
zu ahrer ſind, iſt im Augenblick noch nicht feſtſtellbar.
Ein politiſcher Hochſtapler verhaftet.
Saarbrücken. Ein politiſcher Hochſtapler iſt
nich Blättermeldungen heute im Gebäude der Regie=
mingskommiſſion
hier verhaftet worden. Es handelt
ſichrh um den in der Nähe von Budapeſt geborenen
eigemaligen Baukbeamten Paul Kolos, der wegen
werſchiedener Schwindeleien und Unterſchlagungen
von den deutſchen Gerichten geſucht wird und auch
bereits einmal aus Deutſchland ausgewieſen worden
i.k. Auf dem Arbeitsamt der Regierungskommiſſion
tellte er ſich als politiſcher Flüchtling aus Ungarn
uunid Korreſpondent erſten freigewerkſchaftlicher Zei=
lurngen
mit Namen Felix Klein vor, als der er be=
teits
von einer hieſigen Gewerkſchaft Geld und eine
ſſpahrkarte nach Frankfurt erhalten hatte und bat um
ſane Stellung als Poſtbeamter. An Hand des Ver=
brecheralbums
konnte der Schwindler entlarvt und
verhaftet werden. Er dürfte nach Leipzig ausgelie=
ſart
werden, wo er ſeine letzten Schwindeleien ver=
ust
hat. Außer gewerkſchaftlichen Empfehlungen
gieigte er auch ein Empfehlungsſchreiben des fran=
ſöſiſchen
Arbeitsminiſters vor.

Eine Landſchaft auf den vulkaniſchen Sunda=Inſeln.
Nach dem letzten Ausbruch des Vulkans Krakatau tauchte eine neue Inſel aus dem Meere auf.
Dies geſchah unweit der Stelle, wo am 26. und 27. Auguſt 1883 Teile der Inſel mit nahezu
50 000 Menſchen nach einem furchtbaren Vulkanausbruch und Seebeben in den Fluten des In=
diſchen
Ozeans verſanken.

Karlsfeſt in Aachen.

Die Volksmaſſen auf dem Rathausplatz.
Karl der Große gründete bei den von ihm beſonders geſchätzten heißen Quellen zu Aachen auf
römiſchen Reſten ſeinen Kaiſerpalaſt, der im Rathaus und Münſter noch teilweiſe erhalten iſt.
Das Bild zeigt, wie zum erſten Male nach dem Kriege das Karlsfeſt ſich zu einer
gewaltigen Volkskundgebung vor dem alten Rathaus geſtaltete.

Rettet das Memeler Schauſpielhaus!
140 000 Deutſche der Grenzmark ſind ohne Theater.

Das Schauſpielhaus in Memel
wurde nach 142jährigem Beſtehen im Vorjahre wegen Geldmangels geſchloſſen. Die Deutſche
Akademie in München erläßt nunmehr einen Aufruf zur Rettung der Memeler Bühne, die
das einzige ernſthafte deutſche. Thcater für 140.000,Deutſche in der bedrohten Grenzmark darſtellt.

Hier tauchen noch neue Inſeln aus dem Meere.

Eine kameradſchaftliche Scheidung.
EP. Seitdem die Amerikaner die Kameradſchafts=
ehe
, alſo eine Art Probeehe, erfunden hoben, fehlte
ſelbſtverſtändlich als Ergänzung dazu nur noch die
kameradſchaftliche Scheidung (Companionate
Diverce). Dieſem Mangel iſt jetzt, wie aus Atlantic=
City gemeldet wird, abgeholfen worden. Dort er=
ſchien
das Ehepaar Robert Delaney vor dem Richter
Barry und bat ihn um Beglaubigung ihrer Unter=
ſchriften
unter einer eidesſtattlichen Erklärung. In
dieſer Erklärung wurde feſtgelegt, daß die Eheleute
als gute Freunde auseinandergingen und für den
Neſt ihres Lebens auf alle Anſprüche gegeneinander
verzichten. Wir ſind ſeit 16 Jahren verheiratet,
erzählte die Ehefrau dem Richter, und dieſe 16
Jahre waren ein ewiger Eheſtreit. Ihr Gatte ſei
zwar ein wunderbarer Menſch, aber er habe einen
zu vertrauten Umgang mit dem anderen Geſchlecht.
Nachdem der Richter die Unterſchriften beglaubigt
hatte, gingen die Delaneys glückſtrahlend, Arm in
Arm und unter fröhlichem Geplauder von dannen.
Strandung an der engliſchen Küſte.
London. Ein unbekannter Dampfer iſt auf dem
nördlichen Teil der Goodwin=Sandbänke aufgelaufen.
Wie es heißt, iſt das Schiff unbeiveglich feſtgerammt
und in einer gefährlichen Lage. Schlepper und Motor=
boote
ſind zur Hilfeleiſtung unterwegs.

Hauseinſturz in Budapeſt.
TU. Budapeſt. Freitag früh iſt in der Vor=
ſtadt
Peſt=Erzſebet ein baufälliges Haus unter furcht=
barem
Getöſe eingeſtürzt. Die zu Hauſe weilenden
Kinder mehrerer Arbeiterfamilien wurden unter den
Trümmern begraben. Zwei Kinder mußten mit
ſchweren Verletzungen in das Krankenhaus gebracht
werden, während die übrigen nur leicht verletzt
wurden.

Im Sturm auf dem Aetna verunglückt.
Rom. Wie die Blätter aus Catania melden,
gerieten 15 Univerſitätsſtudenten unter Führung
eines Univerſitätsprofeſſors bei einem Ausflug auf
den Aetna in einen Wirbel= und Schneeſturm. Ein
Student vevlor dabei das Leben und fünf andere
wurden verletzt. Der Präfekt von Catania ſchickte eine
Hilfsmannſchaft zu der Studentengruppe auf den
Aetna, die ſich in eine Schutzhlitte gerettet hatte.

Eine traurige Hochzeit.
U. Paris. Ein tragiſches Geſchick waltete über
Spazierfahrt einer Hochzeitsgeſellſchaft. Beim
aſſen des Ortes Mahenne wurde ein Auto der
lſchaft von der Straße auf das angrenzende Feld
eudert. Der Vater der Braut wurde ſofort ge=
der
Vater des Bräutigams bli.b. mit einem
delbruch liegen. Zwei andere Gäſte kamen mit

Der Poſträuber Hein
verhaftet.
Auf der Spur des Poſträubers.
Staffelſtein, 4. Februar.
Der Poſträuber Hein wurde heute vor=
mittag
im Banzer Wald verhaftet.
Das Lichtenfelſer Tageblatt berichtet noch zu der
Verhaftung Heins folgendes: Ein Fräulein aus Neu=
banz
fuhr heute morgen auf dem Fahrrade auf der
Strecke Kloſter Banz nach Lichtenfels. Unweit der
Wegkreuzung KöſtenStetten hielt es ein junger
Mann an, um ſich nach dem Weg nach Koburg zu
erkundigen. Das Mädchen ſtieg ab und ſagte ihm,
daß er am beſten über Lichtenfels nach Koburg
komme. Er antwortete: Das kann ich nicht und
ging in der Richtung Stetten weiter. Der Mann
trug einen grünen Anzug. Er hatte die Hände in
den Hoſentaſchen und ſchlenderte langſam dahin. Als
er gegangen war, kam dem Mädchen plötzlich der Ge=
danke
, daß es Hein ſein könnte. Vor Angſt fuhr das
Mädchen wie raſend nach Köſten=Stetten weiter und
meldete den Vorfall dem Bürgermeiſter. Inzwiſchen
war bereits die Verhaftung des Hein durch Landes=
poliziſten
erfolgt. Hein wurde über Lichtenfels nach
Staffelſtein transportiert und befindet ſich im Ver=
wahrſam
im Amtsgerichtsgefängnis Staffelſtein.
Die Verhaftung. Vernehmung
Heins in Staffelſtein.
Gegen ¼10 Uhr hatte Hein verſucht, den großen
Banzer Wald im Schutze des Nebels zu verlaſſen,
ſtieß aber dabei auf den dort poſtierten Untepwacht=
meiſter
Lechner, der ihm zurief: Stehen bleiben!
Sie ſind Hein. Hände hoch! Hein verſuchte, ſich auf
Ausflüchte zu verlegen, indem er ſagte: Was fällt
Ihnen ein? Der Abſtand zwiſchen beiden betrug
15 Meter. Als Hein ſah, daß er nicht entweichen
konnte, ließ er ſich von Lechner vor dieſem in einigen
Metern Entfernung hertreiben. Plötzlich verſuchte
Hein ſeinen alten Trick, indem er ſich auf Lechner
ſtürzte und ihm den Karabiner zu entreißen ſuchte.
Es kam zu einem Handgemenge, in dem ihm der
Unterwachtmeiſter überwältigte. Auf einer in der
Nähe aufgeſtellten Wachtſtube lieferte Lechner den
Mörder ab, von uo er ſofort ins Bezirksamt Staffel=
ſtein
eingeliefert wurde. Dort traf er um ½12 Uhn
mittags ein. Das Uebernachten imr Freien und die
Kälte haben ihm ſtark zugeſetzt. Die ganze Be=
völkerung
der Umgebung hatte ſich bei der Um=
ſtellung
des Waldes und der angeordenten Ueber=
wachung
der Orte und der Flußübergänge beteiligt.
Die Erregung war ſehr groß, doch verhielten ſich die
Leute beſonnen. Der Andrang in der Straße, in der
ſich das Bezirksamt befindet, war ſo ſtark, daß ſie
geräumt werden mußte, doch konnte ſie ſpäter wieder
freigegeben werden. Der Verhaftete wird zurzeit von
einem Polizeikommiſſar der Polizeidirektion Nürn=
berg
=Fürth und dem Amtsrichter in Staffelſtein ver=
hört
. Er macht ſeine Ausſagen zögernd. Hein war
nöch ſtark bewäffnet und hatte in einer großen Blech=
büchſe
Dynamit bei ſich, das genügt hätte, das 2800
Einwohner zählende Staffelſtein in die Luft zu
ſprengen. Sobald die Vernehmung beendet iſt, kommt
Hein nach Koburg, um der dortigen Staatsanwalt=
ſchaft
vorgeführt zu werden.
Wie weiter aus Staffelſtein berichtet wird, war
die von einem Polizeikommiſſar und dem Amtsrichter
in Staffelſtein geleitete Vernehmung Heins gegen
14 Uhr faſt beendet. Der Verbrecher iſt gänzlich ge=
brochen
und hat alle ihm zur Laſt gelegten Ver=
brechen
unumwunden eingeſtanden. Er wird zurzeit
im Büro des Bezirksamtmannes in Staffelſtein,
ſcharf bewacht von zwei Landespoliziſten des Kom=
mandos
Koburg, gefangen gehalten und im Laufe des
heutigen Tages unter ſtarker Bewachung in das
Gerichtsgefängnis zu Koburg eingeliefert werden.
Einer Verwechſlung mit Hein zum Opfer
gefallen.
TU. Weimar. Die Gendarmerieſtation Roſitz
im Landkreis Altenburg wurde davon verſtändigt, daß
ſich in einer Wirtſchaft in Roſitz ein Mann aufhalte,
der durch ſein Benehmen auffalle und eine große
Aehnlichkeit mit Hein habe. Der zuſtändige Gen=
darmeriebeamte
nahm in Zivil die Beobachtung auf
und verfolgte den Mann bis zum Bahnhof, wo er
ihn mit mehrfachen Anrufen: Polizei, Hände hoch,
oder ich ſchieße! ſtellte. Als der Verdächtige mit der
Hand in der Taſche herumneſtelte und Miene machte,
zu entweichen, gab der Beamte einen Schuß ab, der
ſofork tödlich traf. In dem Getöteten ſtellte man
den Stallſchweizer Hermann Thum, geboren am
5. Juni 1900 in Groß=Salzdorf bei Poſen feſt, der
tags zuvor von ſeiner Dienſtſtelle entlaſſen worden
war. Die Staatsanwaltſchaft Altenburg hat die er=
forderlichen
Ermittelungen zu dieſem bedauerlichen
Vorfall eingeleitet.
Ein Direktor der Standard Oil Company
verhaftet.
Waſhington. Ein Direktor der Standard Oil
Company in Indiana, Robert Stewart, wurde auf
Anordnung des Senators verhaftet, weil er ſich ge=
weigert
hatte, auf die Fragen des Senatsausſchuſſes
zu antworten, der die gegen frühere Regierungs=
beamte
erhobene Anſchuldigung der Beſtechung im
der Angelegenheit des Vertrages über die Petroleum=
gebiete
von Tegpot Dome prüft.
Der Rieſenbrand in Fall=River.
12 Millionen Dollar Schaden.
TU. NewYork. Das Rieſenfeuer in der Stadt
Fall River (Maſſachuſets) konnte erſt nach mehr=
ſtündigen
Bemühungen der aus der ganzen Umgegend
herbeigeeilten Feuerwehren gelöſcht werden. Der
durch den Brand angerichtete Schaden wird auf min=
deſtens
12 Millionen Dollar geſchätzt. Fünf Straßen=
blocks
des Geſchäftsviertels ſind vollſtändig nieder=
gebrannt
. Unter den eingeäſcherten Gebäuden be=
finden
ſich außer drei Zeitungsgebäuden drei Hotels
und die Gebäude von ſechs Banken. Tauſend Per=
ſonen
ſind beſchäftigungslos geworden.

[ ][  ][ ]

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Carmen
Große Oper in vier Akten Text von
Meilhac und Halévty
Muſik von Georges Bizet
Muſikal ſ he Leitung: Dr. Kar. Böhm
In der Inſzenierung von Guſtav Hartung
Bühnenbild: T. C. Pillartz
Tänze: Manda von Kreibig
Mitwirkende:
Margarete Albrecht, Paula Kapper, Marha
Liebel, Maria O.ſiewſka, Rudolf Balve,
Karl Ebert=Beyer, Aifred Karen, Hans
Komregg, Hans Neyh, Eugen Vogt
Sptelwart: Fritz Wilde
Preiſe der Plätze: 1.50 15 Mark
Kleines Haus
Miete H (7. Vorſtellung)
(Bühnenvolksbu, d.
Sonntag, den 5. Februar1928
Anfang 17.00 Uhr
Letzte Vorführung
des pſychoanalyt ſchen Films:
Geheimniſſe einer Seele
mit Werner Krauß
Preiſe der Plätze: 0.701.50 Mark
Unfang 20.00 Uhr Ende nach 22.00 Uhr
Der dreizehnte Stuhl
Kriminalſtück in drei Akten
von Baha.d Veiller
Aus dem Engliſchen übertragen, von Ritg
Matthias
Inſzenterung: Hans Aſchaffenburg
Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp
12164
Mitwirkende
Johanna Blum, Anneliee Born, Käthe
Gothe, Beſſie Hoffart Käte Me ßner, Kitty
Stengel, Mela Wigandt, Hans Baume ſter,
Hansionchim tner, Werner Finck, ul ſch
Folkmar, Richard Jürgas Robert Klupp=
Willy Krichbaum, Paul, Maletzki, Kad
Paryla, Gothart Portloff, KurtWeſtermang
Spie wart: Willy Krichbaum
Preiſe der Plätze: 1.206 Mark

Wir beginnen mit der Emelka-Woche um 21/4 Uhr
Unser Splelplan
Dann folgt der Orlow, die Tanzeinlage,
und Der rote Ritter der Luft.
Um 5 Uhr
wieder dieselbe Relhenfolge bis 72/4 Uhr. Um 8!/4 Uhr
TV2515
1UI GDLD letzte Vorstellung. Wir empfehlen dringend die eiste Vorstellung.

[ ][  ][ ]

Sonntag, den 5. Februar 1928

Seite 15

Nummer 36

Helia, Wilhelminenstraße 9
Union-Theater, Rheinstraße 6 und
Residenz-Theater, Am weißen Turm

Vereinigt!

Die Entwicklung des Filmspiels erfordert mehr denn je Konzentration aller Kräfte, um
ihm die Beachtung und Anerkennung auch der Kreise zu erobern, die sich bis jetzt noch
nicht ganz von der Erinnerung an die Entstehungszeit des Kinos trei machen konnten.
In erster Linie gilt es, Filmtheater zu schaffen, die der Jetztzeit und ihren Ansprüchen
gerecht werden. Räume, die auch in baulicher Hinsicht dem Film von heute die Stätte
bieten, in der er zur Geltung kommt und die den Gästen nicht die Freude am Genuß
beeinträchtigen.
Da dieses Ziel in geieinsainer Arbeit schneller erreicht werden kann, haben wir in
freundschattlichem Uebereinkommen beschlossen, das Uniontheater, sowie das Residenz-
theater
ab 1. April ds. 1s. der Helia anzugliedern.
Das Union-Theater wird umgebaut und erhält 1200 Plätze.
Es wird also schon in nächster Zeit ein der Helia ebenbürtiges Großtheater entstehen,
mit allen technischen Neuerungen, mit Orgel und kultivierter Musik und dieses Oroß-
theater
im Verein mit der Helia wird Darmstadt in Bezug auf Filmdarbietungen jeder
Großstadt gleichstellen.
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Restaurant Kölner Hof

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Ausreise: 23. März mit der Hamburg-Amerika Linie
Dampter sHamburs (21000 Tons)
Rückkehr: 1. Mai mit der Hamburg-Amerika Linie
Dampter sAbbert Ballins (21 000 Tons)
Während der Landreise in Amerika werden folgende Städte
besucht: New Vork, Philadelphia, Washinston, Cincin=
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, St. Louis, Chicago, Detroit, Niagara Falls und Boston
Für die Hin- und Rückreise wird nur die erste Klasse
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[ ][  ][ ]

Seite 16

Sonntag, den 5. Februar 1928

Nummer 36

Oporl. SOpel und Tarnen.

Um die füddeutſche Meiſter=
ſchaft
im Handball.
Sp. V. Darmſiadt 98 P Sp. V. Mannheim.
Wir machen nochmals auf das heute nachmittags 2.30 Uhr
im Stadion ſtattfindende Spiel um die ſüddeutſche Meiſterſchaft
im Handbell aufmerkſam. Den Sportleuten brauchen wir wohl
über die Bedeutung dieſes Srieles nichts mehr zu ſagen. Ihnen
fällt nur die Aufgabe zu, durch ihr Erſcheinen den Gäſten aus
Mannheim zu zeigen, wie ſtark die Handballbewegung in Darm=
ſtadt
iſt. Sollten auch die bisher noch abſeits ſtehenden Kreiſe
ihr Vorurteil fallen laſſen und ſich durch das Spiel von der
Schönheit gerade dieſes echt deutſchen Kampfſpieles überzeugen
kaſſen, ſo wäre damit unſer Wunſch erfüllt. Bleibt nur zu hoffen,
daß die Mannheimer Poliziſten ebenſo ritterlich kämpfen, wie
wir es von unſerem ſüddeutſchen Meiſter gewohnt ſind.
Fußball.
Heſſ. Polizeiſportverein Darmſiadt Union
Darmſiadt.
Heute vormittag, 10,30 Uhr, ſteigt das intereſſante Lokaltreffen auf
dem Platze des Polizeiſportvereins (Exerzierplatz). Bei der Union geht
es immer noch um die Meiſterſchaft; beim Polizeiſportverein eventuell
um die Gefahr des Alſtieges. Beide Kontrahenten ſind rein ſpieleriſch
etwas zurückgegangen gegenüber der Vorrunde. Speziell die letzten
Spiele der Union waren von großem Pech verfolgt: Spielerverletzungen
und die dadurch bedingten Umſtellungen machten die Mannſchaft i ein=
zelnen
Teilen wankend. Bei dem heutigen Spiel ſind abermals Umſtel=
lungen
notwendig und es bleibt zu erhoffen, daß trotz alledem ein ſpan=
nender
und auch harter Kampf entſteht, zumal es den Charakter eines
Lokalderbys trägt. Ohne Zweifel verfolgt die geſamte Darmſtädter
Fußiballgemeinde dieſes delikate Vormittagstreffen mit Rückſicht auf
den nachmittags ſtattfindenden Handball Großkampf im Stadion mit
großem Intereſſe. Deshalb erwarten wir von beiden Mannſchaften,
ſich eines fairen und anſtändigen Spieles zu befleißigen, denn in beiden
Vereinen ſteckt ein ſolides Können, das haben ſie ſchon zur Genüge be=
wieſen
: Union tvitt in nachſtehender Aufſtellung an:
Flaig
Seelbach Weißmantel
Rückert Darmſtädter Friedrich
Boos Bopp Mühlbach Frey Porzel
Sp.Vg. 1921 Darmſtadt Arb.=Sp.=V. Arheilgen.
Aßermals iſt eine Kreisklaſſenmannſchaft Gegner der erſten Mann=
ſchaft
der Spielvereinigung. Einer alten Rückſpielverpflichtung Genüge
leiſtend das Vorſpiel wurde bekanntlich beim Stande 1:0 für Arheil=
gen
lvegen Regen abgebrochen , begibt ſich die Spielvereinigungsmann=
ſchaft
nach Arheilgen. Mit einem ſpannenden Spiel iſt zu rechnen, zu=
mal
beide Mannſchaften heiß um den Sieg kämpfen werden.
Spielvereinigung zweite Mannſchaft und erſte Jugendmannſchaft
haben ſich Gegner aus dem Odenwald vevſchrieben. Sandbach wird mit
der erſten und zweiten Mannſchaft hier antreten. Während die zweite
Mannſchaft um eine empfindliche Niederlage gegen die ſpielſtarke erſte
Mannſchaft kaum herumkommen dürſte, darf man ſchon bei der Jugend
mit einem klaren Siege rechnen. Auch die körperlich ſiärkere zweite
Mannſchaft von Sandbach wind vergeblich gegen die techniſch und taktiſch
gut durchgebildete Jugend ankämpfen. Spielbeginn: 1 Uhr und halb
3 Uhr, Sportplatz Windmühle‟
* Fußball im Kreis Statkenburg.
Von der Kreisliga.
In der Starkenburger Kreisliga hat es am grünen Tiſch eine
kleine, aber für die Endplacierung am Tabellenende bedeutfame Aende=
rung
gegeben. Der T.u. SV. Mörfelden erhielt die beiden gegen Viktoria
Grisheim im Vorſpiel (1:0 für Griesheim) verlorenen Punkte kampflos
zugeſprochen. Die Sachlage iſt recht intereſſant. Bei Griesheim wirkte
feinerzeit der geſperrte Torwächter Deucker mit, der vom Gau frei=
gegeben
worden war. Da eine Freigabe geſperrter Spieler aber nur
durch den Verbandsſpielausſchuß erfolgen darf, wirkte Deucker zu Un=
recht
mit, was ſpäter Mörfeldens Proteſt zur Folge hatte. Dieſem
wurde vom Kreis ſtattgegeben. Die Begründung ſagt, daß Griesheim
trotz der Freigabe des Spielers durch den Gau wiſſen mußte, daß dieſe
Handlung ſatzungswidrig, alſo ein Fehler des Gaues war. Die Folgen
hat Griesheim zu tragen. An ſich macht das den Griesheimern nichts
aus, da die Mannſchaft ſowieſo nicht vom Tabellenende wegkommen
kann. Bedeutſam wird der Punktgewinn aber für Mörfelden, das einen
beachtlichen Sprung nach oben macht, ſowie für die anderen, gegen den

Darmſtädter Sportkalender.
Sonntag, den 5. Februgr.
Handball.
1,30 Uhr Stadion: Sp. V. 98 II. Pol. Sp. V. Mannheim II.
2.30 Uhr Stadion: Sp. V. 98 Liga Pol. Sp. V. Mannh. Liga.
3,00 Uhr Kranichſteinerſtr. Tgeſ. 75 T. V. Heppenheim.
3,30 Uhr Finanzamt: Tgd. 46 T. V. Pfungſtadt.
Fußball.
10,30 Uhr Exerzierplatz: Pol. Sp. V. F. C. Union 13.
3,00 Uhr Rheinallee: Rot=Weiß Akad. Sp. Cl. I.

Abſtieg kämpfenden Vereine. Ganz gerettet iſt ja Mörfelden auch noch
nicht, da am grünen Tiſch errungene Punkte in Abſtiegs= und Auf=
ſtiegsfragen
nicht voll gewertet werden. Immerhin ſollte ſich aber Mör=
felden
ſofern es überhaupt ſoweit kommt die Möglichkeit eines
Entſcheidungsſpieles geſichert haben.
Nach dieſer Meldung erſcheinen die Spiele des heutigen Sonntags
doppelk intereſſant. Es treten gegeneinander an:
1. FC. LangenFußballverein Sprendlingen.
Polizeiſportverein DarmſtadtUnion Darmſtadt.
Union WixhauſenSportverein Münſter.
Viktoria Urberach-Viktoria Walldorf.
Viktoria GriesheimT.u. SV. Mörfelden.
Für die Polizei, Urberach und Mörfelden heißt es gewinnen, da alle
drei Mannſchaften noch in Abſtiegsgefahr ſchweben. Das gilt noch mehr
für Sprendlingen, aber die Sprendlinger werden in Langen kaum dazu
kommen, da man dort jeden Punkt zur Meiſterſchaft benötigt. Union
Darmſtadt gewann das Vorſpiel gegen die Polizei mit 3:1; ob es auch
am Sonntag dazu langt, iſt eine ſehr offene Frage. Warten wir ab.
In Wixhauſen darf man wohl mit einem ſicheren Sieg der Einheimiſchen
rechnen. Ganz offen ſind dagegen wieder die beiden Spiele in Urberach
und Griesheim. In beiden Fllen ſind die Gäſte die beſſere Partei, was
aber noch lange nicht für deren Erfola garantiert. Pfungſtadt pauſiert.
Die A= und B=Klaſſe.
Die Bergſträßer A=Klaſſe meldet vom letzten Sonntag folgende Re=
ſultate
: VfR. DarmſtadtFußballverein Seeheim 9:0; Germania Eber=
ſtadt
Eintracht Darmſtadt 4:1; Sportverein GeinsheimHaſſia Dieburg
3:3; Boruſſia DornheimSportverein Groß=Gerau 3:0; Sportverein
LengfeldVfL. Michelſtadt 3:2, abgebr. Arheilgen Reſ.Sportver. 98
Reſ. 0:7. Die beiden Spitzenreiter blieben alſo wie erwartet (die
Darmſtädter ſogar recht hoch) Sieger. Dieburg konnte aus Geinsheim
noch einen Punkt retten, dagegen wurde Groß=Gerau von den Dorn=
beimer
Boruſſen überroſchend glatt aus dem Felde geworſen. Ja, die
lieben Nachbarn . . .! Das Treffen in Lengfald wurde, da kein Schieds=
richter
erſchienen war, als Privatſpiel ausgetragen und beim Stande von
3:2 für Lengfeld von den Gäſten abgebrochen. Nötig wäre das nicht ge=
weſen

Aus der B=Klafſe werden folgende Reſultate bekaunt: VfNt. Erbach
VfR. Beerfelden 4:1 (nachgeholtes Verbandsſpiel)s Rot=Weiß Darm=
ſtadt
SV. Weiterſtadt 7:4; FSV. Groß=ZimmernGermania Pfung=
ſtadt
Reſ. 10:3. Die beiden letzten Treffen ſind Privatſpiele.
Der heutige Sonntag
ſieht in der A=Klaſſe folgende Spiele: VfR. DarmſtadtSportverein
Lenafeld; Germania EberſtadtFV. Seeheim; Sportverein Groß=Gerau
VfL. Michelſtadt; Haſſia Dieburg-Boruſſia Dornheim; Sportvag.
Arheilgen Reſ.Eintrackt Darmſtadt; Sportv. 98 Reſ.Sportv. Geins=
heim
. Wenn nicht alles trügt, ſind in allen Spielen die (zuerſt ge=
nannten
Platzvereine als Sieger zu erwarten.
In der B=Klaſſe beginnt die Meiſterermittelung. Zu dieſem Zweck
treffen ſich die Erſten der beiden Abteilungen, Sportverein Roßdorf und
Sportverein Weiterſtadt. Das erſte Treffen findet am Sonntag in
Roßdorf. "tt. Der Ausgang iſt völlig offen. Wenn nicht alles täuſcht.
wird jeder der beiden Vereine auf ſeinem Platz ſiegreich bleiben, ſo daß
zuletzt ein Entſcheidungsſpiel auf neutralem Platz den Verein ermitteln
muß, der in die A=Klaſſe aufſteigt. Hoffentlich vergißt man (die Gefahr
beſteht gerade bei dieſen Treffen), beiderſeits den ſportlichen Anſtand
nicht.
Die deutſche Olympia= Waſſerballmannſchaft=
ſiegte
am Samstag in Berlin gegen Belgien 3:2 (2:0).
Beſonders die beiden Torwächter waren recht gut.

Oauptſcheiftleiung. Rudolt Maupe
Verantwortlich für Polltlk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe: für Feuilleion, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe: für Sport: Dr. Eugen Buhlmann,
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; ſür den Schlußdienſt: Andreas Bauer für
Die Gegenwart‟: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Willy Kuhle: Drug
und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſiadt
Für unverlangte Manuſkrivte wird Garantie der Rückſendung nich; Übernommen.

Die heutige Nummer hat 24 Seiten.

Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Sonntag, 5. Febr. 8.30: von Kaſſel: Morgenfeier. Veranſt,
von der Ev. Gemeinde. Mitw.: Konrektor Brand (Chorleitung),
Erna Schmidt (Sopran), Organiſt Schmidt, Georg Schade (Cello),
Kirchenchor Kirchditmold. o 11: Elternſtunde. Korrektor Ryſchke;
Die Bedeutung des Sonntags für die Familie. e 11.30: Vom
Zoologiſchen Garten: Führung durch den Zoo. 2. Teil: Aquarium
bis Einhuferhaus. Sprecher: Dr. Laven. Führung: Dr. Priemel.
O 12.30: Orgel=Konzert. Ausf.: Domkapellmeiſter Hartmann, Kon=
zertmeiſter
Lenzewski (Violine). O 15: Kaſperlſtunde. Muzl, der
geſtiefelte Kater von Franz Pocci. Für Kinder vom 4. Jahre,
O 16.30: Kammermuſik. Ausführ.: Kaethe Klare=Rickhefel (Alt),
H. Weil (Violoncello), E. Kohlhöfer (Flügel), das Rundfunk= Streich=
quarteit
und Rundfunktrio. Haydn: Streichquartett A=dur. Grieg:
Drei Lieder. Sonate für Violoncello und Klav. A=moll. Brahms:
Drei Lieder. Trio für Klav., Violine und Violoncell C=dur. O 18:
H. Meißner: Das Grabmal des unbekannten Soldaten. Vortrag mit
Rezit. 19: Dr. Heiniß: Vom Straßenſänger bis zum Helden=
tenor
. O 20.30: Von Stuitgart: Opern=Abend. 21.30: Opern=
Abend. Anſchl.: Sport. Darauf von der Tanzklauſe:
Tanzmuſik der Kapelle Pmlus=Langer.
Stuttgart.
Sonntag, 5. Febr. 11.30: Morgen eier. Ausf.: Siginundſcher
Frauenchor. O 13.15: Schallplattenkonzert. 15: Dr. Korallus:
Amerik. Rieſenvermögen: Aſtor. O 15.30: Ella Boeckh=Arnold
erzähilt Märchen. O 16: Konzert. Mitw.: Maria Fiechtl, H.
Lohalm, A. Haagen, Funkorch. O 18: Sport. O 18.15: Dr. Elwen=
ſpoef
: Schauergeſchichten vom Theater. O 18.45: Uebertr. Karlsruhe:
Rezitationsgaſtſpiel Bruno Schoen eld. Konrad Ferdinand Meyer
und Theodor Storm o 19.30: Ruſſiſche Lieder und Arien.
Ausf.: K. Jentſch (Bariton), Eliſabeth Jentſch (Sopran). A. Haagen
(Klavier). K 20.30: Eine Sckäferſtunde‟. Mitw.: Hildegard von
Zedtwißz, Roderich Arndt, Phi harm. Orch. Friedrich d. Große:
2. Sinf. G=dur. Klopſtock: Das Roſenband. Hölty: Lebens=
pflichten
. Hagedorn: Der erſte Mai. Jacobi: An Chloe.
Mädchen mit den ſchönen Wangen. Gleim: Vorſatz. Ständchen.
Dittersdorf: Der Widerſtreit der menſchlichen Leidenſcha ten,
Goethe: Wer kauft Liebesgötter? Lilns Parf. Mit einem ge=
malten
Bande. Wieland: Aus der Geſchichte der Abderiten.
Mozart: Divertimnento Nr. 15 B=dur für Streicher und zwei
Hörner. Anſchl.: Uebertr. aus Frankfurt a. M.: Opernabend.
Das genaue Programm wird bekanntgegeben. O 22.45: Aus
Stuttgart und Freiburg: Sport.
Ber in.
Sonntag, 5. Februar. 9: 7.. ſen eier (Dein Reich komme).
Chor der Nitodemuslirche. Leit.: R. Säuberlich. Ilſe Fiſcher=Ramin
(Rez.), C. Vogel (Violine), Walter Drwenski (Orgel). Anſprache
Pfarrer Krospenſtedt (Siemensſtadt). o 11.30: Funk=Matinee.
Großes Schauſpielhaus: Heimiſche Klänge verſchiedener Nationen.
Mitw.: H. Vallen in (Rez.). Deutſchland: Feſt=Ouvertüre über ein
deutſches Volkslied (E. Laſſen). 2. Amerika: Amerikaniſche Natio=
nalmelodien
(M. Beyer). Amerikaniſche Ane doten; H. Vallentin.
England:Erinnerung an England (Fr. Godfrey). Schweden
und Norwegen: Schwediſcher Hochzeitsmarſch (A. Södermann): Ein
Sommertag in Norwegen (Willmers). Nordiſche Anekdoten; H.
Vallentin. Oeſterreich: Neu=Wien, Walzer (Joh. Strauß).
Rußland: Prelude (S. Rachmaninoff). Ruſiſche Aneidoten;
H. Vallentin. Ungarn: Ungariſche Rhapſodie Nr. 1 (Fr. Liſzt).
Philharm. Blas=Orcheſter E. V. 1894. L.itung: Kapellm. H.
Männecke. o 14: Otto Hartmann: Die Brie marken Rußlands.
8 14.30: Für den Landwirt. o 14.45: Wochenrückblick auf die
Marktlage. O 14.55: Geh. Reg.=Rat Prof. Dr. G. Fiſcher:
Pflüge und Untergrundlockerer. O 15.30: Funkheinzelmanns Groß=
ſtadtmärchen
. Erzählt von H. Bodenſtedt. Brennicke beſchwört den
Maſchinenkarl. o 16: Dr. M. Hohdorf: Vortragsreiſe Welt=
geſchichte
in Anekdolen. (Robeſpierre). O 16.30: Kapelle Gebr.
Steiner. Boieldieu: Ouv. Die weiße Dame. Lanner: Hof=
balltänze
. Gounod: Fant. Margarethe‟. Oneſti: Serenade.
Gabriel=Marie: La einquantaine. Becce: Peter Tſchai=
kowsky
, lyriſche Suite. Fresco: Romanze. Beethoven: An=
dante
aus der 5. Sinſonie. O 19: Stunde des Journaliſten. Dr.
E. Breitner: Unter vier Augen (Grundſätzliches und Aneidotiſches
über das Interview), O. 19.30: Th. Kappſtein;; Vortragsreihe
Blicke in die Welt der Myſtik (Terſteegen, Zinzendorf, N.M.
Rilke). O 20: Dr. P. Kaſſner: Volk ohne Raum Naum dhne
Volk. O 20.30; Variete. Mitw.: Frida Weber=Fleßburg, Schnurz
und Piepe (zwei Typen von Charlie K. Roellinghoff), Oskar Karl=
weis
, Funk=Chor, Funkorch. Dir. B. Seidler=Winkler. Anſchl.:
Tagesnachrichten, Sport. D 22.30: Kapelle Marek Weber.
Stettin. 9: Morgenfeier. Selig im Glauben. Soloquartett:
Käte Großmann (Sopran), Marianne Wolff (Alt), K. H. Graumann
(Tenor), G. A. Straßburg (Bariton:, Paſtor Lana utſch (Reeit

Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Montag, den 6. Februar
(nach der Wetterlage vom 4. Februar).
Wechſelnd wolkig mit langſam ſinkenden Temperaruren, vereinzelte
Niederſchläge.

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s. Februar 1928

Als ich chauffieren lernte.
Von Lia Eibenſchütz,
der bekannten Bühnen= und Filmdarſtellerin.
Heute, da mir das Selbſtſteuern meines großen
Wagens ſo zur Gewohnheit geworden iſt, daß ich
es kaum noch anders kenne, muß ich noch immer in
Gedanken lachen, wenn ich an das Aufſehen denke,
das ich erregte, als ich chauffieren lernte. Damals
allerdings war mir weniger lächerlich zumut, und
oft habe ich bittere Cränen über die guten
Freunde und Verwandten vergoſſen, die ſich um
Dinge kümmerten, die ſie eigentlich nicht das Ge=
ringſte
angingen.
Nein, meinte eines Cages die Manicure zu
mir: Gnädigſte ſind doch zu verwogen! Wie ſoll ich
nun Ihre Singer in Ordnung halten, wenn Sie Autofahren
lernen?
Durch irgendeine befreundete Seele hatte die Lebens=
verſicherungsanſtalt
, mit der ich abgeſchloſſen hatte, von
meinem kühnen Unterfangen vernommen, chauffieren zu
lernen. Sofort wollte man die Prämie heraufſetzen, und
langwierige Verhandlungen gehörten dazu, um die Herren
Das Auto des kleinen Mannes.
Von Ingenieur Sommer,
Techniſche Abteilung des Reichsbundes der Automobil=Induſtrie.
Das Hauptbeſtreben des Fachnormenausſchuſſes der
Kraftfahrinduſtrie iſt, zur Verbilligung des Fertigfabrikates
beizutragen und die Fabrikation rationeller zu geſtalten.
Die dadurch entſtehenden Einſparungen, d. h. alſo Vermin=

Einſtellung vollkommen,
nicht ein, warum eine
Autos nicht ebenſo gut
können, wie der männliche
wenn ſie wie ich
und bei keiner ſportlichen
Als ich das erſtemal einen
Autos und ſein Inneres

Familie Meger fährt mit ihrem Weekend=Anto ins Grüne.
derung der Ausgaben für die Fertigung, ſollen es dem Fabri=
kanten
ermöglichen, den Preis des Kraftfahrzeuges ſoweit
zu ſenken, daß dasſelbe in breiteſte Schichten des Volkes
eindringt.
Die bisher durchgeführten Normungsarbeiten beſchrän=
ken
ſich darauf, Feſtlegungen über Werkſtoffe, Abmeſſungen
und Ausführungsformen von einzelnen Ceilen zu treffen.
Hier ſind in erſter Linie Schrauben und Muttern und die
dazu gehörigen Gewinde, Kugellager, Näder, Bereifung und
eine große Anzahl weiterer Konſtruktionsgrundelemente
aufzuzählen. Es ſind dies alles Ceile, die im allgemeinen von
Unterlieferanten der Automobilinduſtrie hergeſtellt werden.
Gerade durch die Vereinheitlichung der kleinſten Einzelteile
iſt der Automobilinduſtrie Gewähr für einen gleich=
mäßigen
, billigen und ſchnellen Bezug dieſer Ceile
gegeben und ein Austauſch oder Erſatzbeſchaffung
für den ſpäteren Beſitzer des Kraftfahrzeuges iſt
ſichergeſtellt. Dieſe Cypiſierungsbeſtrebungen ſollen
es dem Zulieferanten der Automobilinduſtrie er=
möglichen
, ſich auf die Herſtellung einzelner Aggre=
gate
zu ſpezialiſieren. Auf dieſe Weiſe wird die
Fabrikation der Unterlieferanten rationaliſiert, das
Beſtellweſen vereinfacht ſich, da die notwendigen
Ceile jederzeit auf Abruf zur Verfügung ſtehen, die
Lagerhaltung kann vereinfacht werden, und es
brauchen nur geringe Kapitalien iwveſtiert zu
werden.
Die Überzeugung, daß das Automobil nicht
mehr em Lunusfahrzeug, ſondern ein Gegenſtand
des täglichen Bedarfs iſt, bricht ſich auch in
Deutſchland immer mehr Bahn, und gerade die
Arbeit derjenigen Stellen, die über die Durch=
führung
der Normungsarbeiten zu wächen haben,
wird von dem Wunſche beherrſcht, mit dazu
beizutragen, das tägliche Leben bequemer, behag=
licher
und angenehmer zu geſtalten.
Der Erwerb eines Kraftfahrzeuges wird es
dem Kaufmann, dem Geſchäftsmann und dem
Sewerbetreibenden aller Sweige ermöglichen, ſeine

aunnnnn

Verſicherungsmenſchen von der Ungefährlichkeit meines
Vorhabens zu überzeugen.
In der Schule ſelbſt galt ich als Muſter von Intelligenz!
Bitte, ich bin durchaus nicht arrogant, denn meine fünf
Mitlernenden waren von ſeltener Blödigkeit. Nicht ein=
mal
die einfachſten Handgriffe vermochten ſie zu beherrſchen,
und der Angſtſchweiß ſtand ihnen in dicken Cropfen an der
Stirn, wenn es galt, den klapprigen, uralten Wagen m die
Seit rationeller auszunutzen. Nationelle Zeitausnutzung heißt
Geld verdienen, und ſo fordert eine Nationaliſierung die
andere!
Das Problem des Volksautos geht in
Deutſchland einer immer vollendeteren Löſung entgegen.
Ja, man kann ſogar davon ſprechen, daß es einzelnen
Sirmen in Deutſchland ſchon gelungen iſt, die richtige
Löſung zu finden, ſei es, daß ſie innerhalb großzügig an=
gelegter
Nieſenwerke eine vorbildliche Normung und Cypi=
ſierung
durchgeführt haben, ſei es, daß ſie ſich, wie es oben
angedeutet wurde, auf Grund ganz beſtimmter Verein=
barungen
auf den einheitlichen Maſſenbezug genormter und
getypter Ceile von leiſtungsfähigen, ſpezialiſierten Unter=
lieferanten
geeinigt haben.
Die Frau am Steuer.
Von Lee Parry.
Im Straßenbilde der Großſtadt iſt die chauffierende
Dame heute eine ganz alltägliche Erſcheinung. Und warum
eigentlich auch nicht? Herren aller Berufszweige und jeden
Alters ſteuern ihr Auto ſeit Jahren durch die Stadt, ſind
wir ſchlechter als das ſtarke Geſchlecht, iſt für uns das
praktiſche Automobil ein Luxusgegenſtand?
Als ich vor einigen Jahren, als eine der erſten Frauen
Berlins, einen Autofahrkurſus durchgemacht hatte, um
meinen Wagen ſelbſt führen zu können und in gewiſſem
Sinne unabhängig von den Chauffeurlaunen zu werden,
waren alle meine Bekannten baff und fanden mich über=
geſchnappt
! Mir fehlte das Verſtändnis für eine derartige

denn, wie geſagt, ich ſehe
ihren Mann ſoll ſtehen
für den Sport begeiſtert iſt
Veranſtaltung fehlt.
Blick in die Seele des

nächſte Ecke zu ſteuern. So ganz wohl war mir
allerdings ebenfalls nicht, als wir zum erſten Male
am Steuer eines modernen Wagens eine Ausfahrt
unternahmen, die durch die belebteſten Straßen=
viertel
führte. Dazu kam, daß die das Auto len=
kende
Frau vor Jahren weit mehr auffiel als heute,
wo man ſich bereits an ſie gewöhnt hat. Autojule,
ſteuernde Holländerin, Autohexe, Motorweibchen,
Benzinfee ſind aus der reichhaltigen Blütenleſe von
Koſenamen, die man mir zurief, noch die harm-
loſeſten
. Aber allen zum Crotz errang ich im Exa=
men
doch den Führerſchein, und urplötzlich
wagte kein Menſch mehr, mich zu necken. Im Ge=
genteil
man bewunderte und bemerkte mich,
wenn ich mit meinem neuen Wagen Ausfahrten
unternahm.
Nur etwas hat mich zunächſt ſchwer gekränkt damals
wollte ſich auch die beſte Freundin nicht meiner Fahrkunſt
anvertrauen, jede hatte eine andere Ausrede, wenn ich ſie
zu einer Ausfahrt einlud.
Heute iſt es umgekehrt ich habe bedeutend weniger
Plätze im Auto, als ich freundliche Begleiter finden könnte.
Ja, ja, die Seiten ändern ſich und mit ihnen die
Menſchen.

Cja, wenn Frauen beim Autofahren links winken, fahren
ſie manchmal wirklich links!
überzeugt davon, daß ich die verſchiedenen Ceile desſelben
jemals würde auseinanderhalten können. Heute beherrſche
Frau am Steuer des ich die Materie vollkommen. Kein noch ſo tüchtiger Chauf=
feur
kann mir meßr ein X für ein U vormachen, und in
Autobeſitzer. Beſonders, meinem neueſten Sportfilm Die Frau mit dem Weltrekord‟
werden mir dieſe Kenntniſſe ſicherlich ſehr nützlich ſein. Ein
ſehr heikles Chema gibt es trotzdem für die Chauffierende:
Die Frau und die Pannel und da muß ich leiſe weinend zu=
warf
, war ich ſehr wenig / geben, daß wir Pannen natürlich nicht ſo gewachſen ſind,
wie der männliche Jahrer. Aber, triumphieren
Sie nicht zu früh, meine Herren! Wo der Fehler
ſitzt, finden wir Frauen natürlich ebenſo ſchnell
heraus, wie Sie? Lediglich das Körperliche iſt es,
was uns bei ſolchen Gelegenheiten hemmend in
den Weg tritt. Da wir mit weniger Kräften aus=
gerüſtet
ſind als ein männlicher Fahrer, fällt es
uns naturgemäß nicht ganz ſo leicht wie ihnen,
einen Schaden am Auto zu beſeitigen. Man muß
nur die nötige Ausdauer und Energie mitbringen,
wenn man ſelbſt als Frau am Steuer ſitzt. Hals=
brecheriſche
Cempi fahren und Nekorde brechen,
braucht ſchließlich keine Dame, die ihr Auto haupt=
ſächlich
zu Berufszwecken benötigt. Eines nur
iſt mir bisher unerklärlich geblieben: warum man
ſo oft unſachlich gekleidete. Damen am Autoſteuer
ſitzen ſieht. Vor einiger Seit ging zu dieſer Frage
durch die illuſtrierte Preſſe das Bild einer Auto=
lenkerin
, die, mit der einen Hand am Steuer, ſich
mit der andern pudert, und ſo eine ſchwere Ver=
kehrsſtockung
hervorruft. Leider gibt es Fahre=
rinnen
, die eine derartige Fahrläſſigkeit begehen
würden, wenn etwas an ihrem Außern nicht ganz
tadellos wäre. Der Hauptgedanke der Auto=
fahrerin
ſollte ſein, ohne das eigene und anderer
Leben zu gefährden, ſicher das Siel zu erreichen.
au an
nnazzäaEEkakaaxzEagnnaganana!

[ ][  ][ ]

Engliſche Königsſchlöſſer.
Von Nichard Gerlach.
I. Windſor.
Laub rauſcht. Dunkle Wolken ziehen. Im Gras ſteht eine
breitäſtige Eiche. Negen hängt über dem Land, Büſehe ducken
ſich ins Farrenkraut.
Shakeſpearſche Landſchaft, halb verhangen von Schatten,
verdämmernd nach allen Seiten. . . . Plötzlich wirft die Sonne
ein Bündel Licht hinein, die traumhafte Finſternis weicht, mich
blendet nahe Wirklichkeit.
Unerwartet ſchimmert über den Wipfeln der Ulmen das
Königsſchloß: Hingekauert auf dem Hügel wie eine Katze. Ein
dicker Curm. Schießſcharten und Sinnen. Darunter, im blaſſen
Dunſt, graue Gebäudemaſſen.
Nun bin ich mitten im Hof, ſchlendere auf den breiten Cer=
raſſen
, ſpähe über die Mauern hinab in die üppigen Gärten, ſehe
das weite, grüne Land, ein gotiſches Dach zwiſchen Bäumen,
ein ſilbernes Stück Waſſerlauf, ſpitze Giebel. Der Palaſt Wind=
ſor
hat keinen Anfang und kein Ende. Ein Fenſter wie das
andere, graue Höfe, graue Core. Im Burggraben rings wuchern
Sträucher und Stauden.
Ich ſuche herauszubekommen, warum dieſes Schloß ſo gar
nicht majeſtätiſch iſt. So gar nicht hervorragend. Da liegt die
Ordenskapelle der Ritter des Hoſenbandes, ſpätgotiſch, Gedächt=
nistafeln
über Gedächtnistafeln, von den Glasgemälden der
Fenſter ſchauen die ausgezeichneten Männer des britiſchen
Reiches ſtolz und nachläſſig herab, den tüchtigen Staatsführern
und Generälen ſcheint dieſes Schloß viel mehr geweiht, als den
Monarchen, an tauſend Stellen prangt der Spruch: Honny soit
qui mal y pense‟ Verflucht ſei, wer übel denkt.
Die Simmer ſind kahl, keine Muſter im Fußboden, weiß die
Decken, ſchmucklos braun getäfelt die Wände. Die Näume ſind
nüchtern. Aber was an Kunſtſchätzen darin aufgeſtapelt iſt, Hol=
bein
, Nembrandt, van Dyk, das überſteigt alle Erwartungen. Es
fehlt nicht an Ciſchen aus reinem Silber und an Seſſeln aus
Purpur und Gold.
An den Wänden der Ahnengalerie ſind lauter hochedle
Herren aufgereiht, Lords, Earls und Herzöge, im Hermelin, mit
und ohne Spitzbart. Sie alle haben gewiß in ihrem Leben nie
eine einzige Dummheit gemacht. Muſik und Luſtbarkeit ſind nicht
vorhanden. Notröckige Leibgardiſten marſchieren mit langen,
ernſten Schritten unter den Coren auf und ab. .
II. Hampton Conrt.
Note Backſteinwände, gegliedert durch Schornſteine, die dem
Dach wie kleine Cürme aufſitzen. Militäriſch gerade, ordentlich.
Ein Kloſter, von einem Kardinal erbaut, ſpäter den Königen ge=
ſchenkt
, hernach das größte Schloß der Inſel.
Heinrich VIII. ſpukt noch in den Verließen. Einmal be=
gegnete
er mir allein, dann mit Anna Boleun, mit Jane Seu=
mour
, mit zwei zitternden Knaben. In den Kellern gibt es
ſchwarze Gefängniſſe.
Seit 160 Jahren iſt Hampton Court keine Neſidenz mehr.
In ſeinen Gewölben, im Cröpfeln ſeiner Springbrunnen klagt und
murmelt trübſinnige Vergangenheit.
Karg ſind die Simmer der Könige. Im Schreibzimmer zeigt
ein Spiegel über dem Kamin eine ganze Flucht von Näumen.

Wer hier zu einer Audienz befohlen war, wurde gemuſtert, lange
bevor er leibhaftig über die Schwelle trat, und wehe, wenn ſeine
Bewegungen Schwäche oder Crotz verrieten..
Das Porträt von Arabella Stuart feſſelt meinen Blick. Ihr
Rleid iſt mit flatternden Vögeln beſtickt, beladen mit blauen Per=
len
, auf ihrem Haupte türmen ſich Spitzen, ſie lächelt wehmütig,
etwas gezwungen und müde. ..
Ihr gegenüber paradiert in Not, mit geſpreizten Beinen,
einen Arm in der Hüfte, Henry Howard, Eearl v. Surray, rot
das Barett, rot der Degen, eiſern die Miene..
Von der Decke eines Salons leuchtet die Königin Anna, ver=
kleidet
als Göttin der Gerechtigkeit. Unter Sylven und Him=
melsknaben
, die ſie mit Orangenzweigen und Polaunen umſchwe-
ben
, thront die Königin, und Aeptun perlönlich legt ihr ſoeben
ein Diadem auf den Scheitel..
Der Garten von Hampton Court iſt ein munteres Spiel von
Düften und Farben. Flox und Aſtern, Mandelbäume, Noſen und
Nelken, Schwertlilien, Flieder, Eiben, Buchsbaum und Chymian
vereinigen ſich zu undurchdringlichen Verſtecken, und weil in dem
düſteren Palaſt für luſtige Kobolde und ausgelaſſene Putten kein
Platz iſt, ſo tummeln ſie ſich hier im Freien und tanzen Hand in
Hand unter Blüten und verborgenen Sweigen.

Klaſſiſche Sportreportage.
Von Auguſt Kuhn=Soelix.
Das vieltanſendjährige Faltboof.
Meint man nicht, wenn man ſo ein Faltboot ſieht, das Ding
müſſe, wie es da iſt, dem Kopfe eines modernen Ingenieurs ent-
ſtiegen
ſein? Iſt die Idee, ein Boot zu konſtruieren, das man
zuſammengelegt als ein Bündel auf dem Nücken mit ſich tragen
kann, um es zu entfalten, wenn gerade ſich die Gelegenheit bietet.
nicht eigentlich ein Symbol unſerer von Ingenieurtricks ſo unaus=
ſprechlich
praktiſch gemachten Seit.
Man könnte es wirklich glauben.
Doch dann blättert man einmal wieder in ſeinem Herodot.
und fühlt ſich ein klein wenig blamiert. Denn im 185. Abſchnitt
des erſten Buches der Neun Bücher der Geſchichte ſteht ein
Bericht über die Saltboottechnik der alten Aſſyrer zu leſen, der
uns nicht aus dem Staunen kommen läßt. Gigantiſche Faltboote
wie wir ſie heute nicht einmal mehr ahnen fuhren in dieſem
grauen Altertum den Euphrat hinab, daß unſere jetzigen Spät=
linge
dieſer Art wirklich nur wie lächerlich degenerierte Nach=
kommen
dieſer Nieſen erſcheinen.
Hier Herodots Bericht:
Ich will nun das, welches mir in dieſem Lande das größte
Wunder nächſt der Stadt zu ſein ſcheint, beſchreiben. Sie haben
Schiffe, die auf dem Fluſſe nach Babylon gehen, welche zirkelrund
und ganz von Leder ſind. Denn bei den Armeniern, die oberhalb
der Aſſyrier wohnen, hauen und verfertigen ſie Neifen aus Wei=
den
, ſpannen Selle über dieſelben, welche ſie von außen bedecken
und die zum Boden dienen; ſie machen aber kein beſonderes
Hinter= oder Vorderteil, ſondern geben ihnen die runde Geſtalt
eines Schildes und ſtopfen das ganze Schiff mit Stroh aus.
worauf ſie es mit Waren beladen und es auf dem Strome fort=
laufen
laſſen, beſonders aber Fäſſer aus Palmenholz mit Wein
auf demſelben fortführen. Es wird ein Fahrzeug mit zwei Stangen
von zwei Männern ſtehend regiert. Der eine zieht die Stange
einwärts, der andere auswärts. Dieſe Schiffe werden zum Ceil

ſehr groß, zum Ceil auch kleiner gemacht. Die größten tragen
5000 Calente (1 Calent 36 Kilogramm oder 3600 Sentner).
In einem jeden Schiffe iſt ein lebendiger Eſel, in den größeren
auch mehrere. Wenn ſie nun zu Babylon angelangt und die
Ladung ans Land gebracht, die Neife aber oder das Gerippe des
Schiffes und das Stroh durch öffentlichen Aufruf verkauft haben,
packen ſie die Häute den Eſeln auf und kehren wieder nach
Armenien zurück. Denn gegen den Strom iſt wegen der Ge=
ſchwindigkeit
desſelben unmöglich zu ſchiffen. Deswegen machen
ſie auch die Schiffe nicht von Holz, ſondern von Häuten. Kommen
ſie aber mit ihren Eſeln zurück nach Armenien, ſo bauen ſie
andere Schiffe auf eben dieſe Art.
Heinrich von Kleiſt als Sportreporter.
Daß auch unſere klaſſiſchen Dichter die Sportreportage nicht
verſchmähten, zeigt nachſtehender Bericht von Heinrich von Kleiſt.
Das Intereſſante daran iſt, daß wir aus dieſen Seilen erſehen,
wie die Sportleidenſchaſt des Engländers vor Jahren genau
ſchon ſo aufloderte wie heute. Saſt will es ſcheinen, als ob die
Freude am Sport dem Engländer als ein Naſſetrieb eigen iſt.
Swei berühmte engliſche Boxer, der eine aus Portsmouth
gebürtig, der andere aus Plymouth, die ſeit vielen Jahren von
einander gehöri hatten, ohne ſich zu ſehen, beſchloſſen, da ſie in
London zuſammentrafen, zur Entſcheidung der Frage, wem von
ihnen der Siegeslohn gebühre, einen öffentlichen Wettkampf z.
halten. Demnach ſtellten ſich beide, im Angeſicht des Volkes, mit
geballten Fäuſten im Garten einer Kneipe gegeneinander; und als
der Plymouther den Portsmouther in wenigen Augenblicken
dergeſtalt auf die Bruſt traf, daß er Blut ſpie, rief dieſer, indem
er ſich den Mund abwiſchte: Brav! Als aber darauf, da ſie
ſich wieder geſtellt hatten, der Portsmouther dem Plymuother
mit der Fauſt der geballten Nechten dergeſtalt auf den Leib traf,
daß dieſer, indem er die Augen verkehrte, umfiel, rief der letztere:
Das iſt auch nicht übel!. Worauf das Volk, das im Kreiſe
herumſtand, laut auffauchzte, und, während der Plymouther, der
an den Därmen verletzt worden war, tot weggetragen war, dem
Portsmouther den Siegesruhm zuerkannte. Der Portsmouther
ſoll aber auch tags drauf am Blutſturz geſtorben ſein.

Der Creppenaufgang im dicken Curm von Windſor.

Der Beſtechungsverſuch.
Von W. Schmidt.
Graf Bourdoniac, einer der eleganteſten Herren des zweiten
Kaiſerreichs, ſtand vor dem Ankleidezimmer ſeiner Frau und
horchte ungeduldig auf die Geräuſche hinter der Cür. Wir
kommen zu ſpät, Avette, rief er durch die Cür. Es hat kaum
noch Sweck, fortzufahren.
Gleich, Maxim. rief die Gräfin, eine Sekunde.
Der Graf kannte dieſe Sekunde. Ich habe etwas für dich,
Avette, etwas für heute Abend.
Sum Anziehen? fragte von drinnen eine hurtige Stimme.
Jedenfalls zur Verherrlichung! gab er galant zurück. Jetzt
ging drinnen ein raſches Creiben an. Marion wurde hierhin ge=
hetzt
, Nanette ſollte dies wegräumen. Marquerite jenes, und
keine Minute war vergangen, als die Cür ſich auch ſchon auftat
und die Gräfin ſtrahlend, raſchelnd, veilchenduftend ihm ent=
gegentrat
.
Ah! ſagte der Gatte, der immer noch ſehr ſtolz auf ſeine
ſchöne Frau war.
Alſo was? fragte ſie ungeduldig.
Der Graf trat ins Simmer, ging bis in den Lichtſchein des
Coilettentiſchchens und holte mit geheimnisvoller Miene ein
Schächtelchen aus ziſeliertem Silber aus der Caſche.

Ein Schmuck! rief die Gräfin überraſcht.
Ein Schmuck! beſtätigte der Graf.
Verſchwender! lächelte ſie. Aber der Graf ſchüttelte den
Kopf.
Ein Schmuck, den ich nicht bezahlt habe.
Umſo beſſer lachte ſie, nahm ihm behende das Käſtchen
aus der Hand und ließ die Seder aufſchnappen. Ein Nuf des
Entzückens folgte. Auf blauem Atlas ruhten ein Paar Ohr=
gehänge
von ungewöhnlicher Größe und überraſchender Schön=
heit
. Jedes ein großer Saphir von herrlichem Blau, der ein=
gebettet
lag wie ein ſchöner See inmitten eines Kranzes von
Diamanten. Dieſe märchenhaften Steine ſollen mir gehören?
fragte die Gräfin, außer ſich vor Freude.
Ja, ſagte der Graf etwas gedehnt. Gewiß. Wenn wir
es drauf ankommen laſſen wollen.
Was heißt das?
Das heißt, daß dieſe Diamanten und Saphire, die ſo viel
wert ſind wie das ganze Palais Bourdoniac, mir anonym zuge=
landt
wurden als Geſchenk unter einer Bedingung.
Die Gräfin ſah ihn an. Ihre Hände umfaßten das Etui, und
es war klar, daß ſie ſich dieſe geheimnisvollen Juwelen ohne Not
nicht wieder entreißen laſſen würde.
Unter der Bedingung, fuhr der Graf fort,
Kammer für den neuen Kanal ſtimme.
Und du haſt dafür geſtimmt?

Ich denke nicht daran, ſagte der Graf ſtirnrunzelnd.
Die Gräfin hielt die Schachtel womöglich noch feſter an ſich
gepreßt. Und jetzt?
Detzt? Ihr Mann zuckte die Achſeln. Die Schachtel lieg!
leit drei Wochen bei mir im Sekretär. Da der Beſtechungs=
verſuch
anonum war, wird niemand den Mut haben
dürfen, den Schmuck zurückzuverlangen. Alſo ſcheint es mir das
Einfachſte, du trägſt ihn als leuchtenden Beweis für die Un=
beſtechlichkeit
deines Mannes.
Die Gräfin fing an zu lachen, umarmte ihren Mann und gad
ihm einen Kuß. Klug und witzig zugleich, ſagte ſie. Du bilk.
der Cayllerand deiner Heit.
Sehn Minuten ſpäter ſtieg die Gräfin, ſtrahlend im Schmuch
der Saphire, neben ihrem Gatten in den Wagen.
Die Große Oper in Paris hat bekamtlich mit der Scald
in Mailand die Eigenſchaft gemeinſam, daß ſie immer voll iſt=
und daß niemand hinfährt, um zu hören, ſondern daß man dort
ſein Cheater ſelbſt aufführt. Eine Premiere in der Großen
Oper war damals wie heute ein geſellſchaftliches Ereignis erſtel
Nanges.
Eugenie, dieſe Kaiſerin der Mode, hielt in ihrer Loge Lercie=
und nach dem erſten Swiſchenakt machten auch Graf und Oralſ.
Bourdoniac ihre Aufwartung. Der erſte Blick der hohen Sre
fiel auf die Saphire, deren Seuer ſelbſt in dieſem Meer 9o4

[ ][  ][ ]

Von Dr. W. Schweisheimer.

Unſer Leben währet ſiebenzig Jahr, und wenn’s hoch
ſernmt, ſo ſind’s achtzig Jahr, und wenn’s köſtlich geweſen iſt,
di iſt’s Mühe und Arbeit geweſen; denn es fähret ſchnell dahin,
flögen wir davon. Dieſe ſchönen Worte des Pſalmiſten ſind
amutlich mehr das Ergebnis gefühlsmäßiger Eingebung, als
ckiſtiſcher Erkenntnis geweſen. Denn obwohl aus den bibliſchen
äten von hohem Menſchenalter berichtet wird nach gewiſſen
Bierechnungen ſoll Adam über 900 Jahre alt geworden ſein,
(noch 350 Jahre, Noah 600, der ſprichwörtlich gewordene
gethuſalem faſt 1000 , ſo iſt daraus ohne wörtliche Anklam=
nnrung
an die Sahl zunächſt nur zu ſchließen, daß es damals ſehr
auglebige Menſchen gegeben hat. Eine ganz andere Frage iſt
rüilich, ob der Durchſchnitt der Menſchen damals ſo lang
der auch nur 70 und 80 Jahre gelebt hat; dafür ſind aber durch-
us
keine Anhaltspunkte gegeben.
In unſerer Seit könnte der Pſalmiſt ſeine Anſicht den Ergeb=
il
en der wiſſenſchaftlichen Statiſtik gegenüber nicht aufrecht er-
G.ten. Schon bis zu 60 Jahren ſind faſt Dreiviertel der Men=
chzen
geſtorben, zwiſchen 60 und 70 Jahren ſterben rund 15 Pro=
ett
, zwiſchen 70 und 80 etwa 10 Prozent, über 80 noch 5 Pro=
ett
. Die Verſchiebung der Sterbeziffer in frühere Jahrzehnte
ſtr1gt vornehmlich mit den Codesfällen im 1. Lebensjahr zu=
amnmen
, die mit faſt 25 Prozent die weitaus höchſte Sterbezahl
irgend einem Lebensalter darſtellen. Das 1. Jahr iſt alſo
ch onders kritiſch. In den Sahlen der Statiſtik drückt ſich das
aradox aus: wer eben geboren wird, hat eine mittlere Lebens=
rwartung
von etwa 46 Jahren; wer aber 1 Jahr alt geworden
hat eine mittlere Lebenserwartung von 56 Jahren, und wer
ar das 2. Lebensjahr überſchritten hat, kann auf eine mittlere
4Senserwartung von 57 Jahren rechnen. Erſt von da an nimmt
mittlere Lebenserwartung allmählich ab. Die ſtatiſtiſchen Auf=
ſetthnungen
enden im allgemeinen bei 105 Jahren und darüber.
Dens iſt ein Seichen, daß höheres Alter ſelten iſt.
Und doch wäre ein längeres Leben durchaus möglich. Dabei
ſtunicht an eine Lebensverlängerung durch unnatürliche Eingriffe,
die die ſogenannten verfüngenden Operationen, gedacht. Die
Süllen und Gewebe des Körpers können länger als beiſpielsweiſe
20 Jahre leben. Hier iſt ihre Lebensfähigkeit, ihre Erneue-
ungskraft
noch nicht erſchöpft. Die Carrelſchen Verſuche ließen
of ſt kurzlebige‟ Gewebe außerordentlich lange durch Erneue-
ung
beſtehen; man will in ihnen ſogar einen phyliologiſchen
Nachweis der Unſterblichkeit erblicken.
Solche Verſuche ſind nur unter ſehr günſtigen Lebens=
eeingungen
der gezüchteten Sellen und Gewebe durchführbar.
r Körper des Menſchen ſind gewiſſe Altersveränderungen, die
urch Abnutzung unerneuerbarer Ceile entſtehen, nicht wieder
uszugleichen. Wohl aber iſt durch geeignete Lebensweiſe die
Anenützung zu verlangſamen, das Eindringen gefährdender Schäd-
ale
keiten zu vermeiden.
Der frühere Geſundheitskommiſſar von New Aork, Dar=
inton
, hat feſtgeſtellt, daß nur vier Prozent der Bevölkerung
Iew Yorks in hohem Alter ſterben. Er hat dieſe Codesfälle
emauer unterſucht und dabei gefunden, daß faſt in keinem Fall
Altersſchwäche die Codesurſache war, ſondern daß unglückliche
Siffälle oder eigene Vernachläſſigung Schuld daran trugen. Das
AUte zu vermeiden oder ſehr einzuſchränken ſein. In den großen
Siädten, wo viele Menſchen eng zuſammenleben, wo die Gefahr
: Bakterienübertragung groß iſt, laſſen ſich manche Geſund=
ſeittsſicherungen
nur ſchwer durchführen, die beim Leben auf dem
unde von ſelbſt gegeben ſind.
Darlington iſt der Anſicht, der Menſch könne auch in der
Sicadt ein Alter von 120 Jahren erreichen. Wichtigſte Vorbe=
ig
gung iſt dabei Vermeidung einer fehlerhaften Lebensweiſe.
Eunn geſunder, hinreichend ernahrter, kräftiger Körper ſollte
in erhalb gewiſſer Grenzen den Kampf mit den Bakterien,
aix kleinen Krankheitserregern, erfolgreich durchführen können.
Die Abwehrſtoffe im Blut helfen bei dieſem Kampf. Viele Hunde
no des Haſen Cod, und gegen eine Überzahl wirkſamer Krank=
eit
tskeime, kann ſich auch ein kräftiger Körper nicht behaupten.
Dnrrum muß das Eindringen der Keime in den Körper vermindert,
Verweilen dort abgekurzt werden. Darlington, der mit Necht
u5 die hohe Bedeutung des Mundes als Eintrittspforte für
Kwankheitserreger hinweiſt, gibt als erſten Nat: ſiebenmal‟
ä glich die Sähne zuputzen und den Mund zu reinigen.

ſuwpelen etwas Unerhörtes war. Die Kaiſerin unterdrückte indes
inge Bemerkung über dieſen märchenhaften Schmuck, und be=
chränkte
ſich auf ein paar liebenswürdige Allgemeinheiten.
Das Paar kehrte in ſeine Loge zurück. Während die
önäfin, noch berauſcht von dem Hochgefühl der allgemeinen dis-
rütsten
Senſation, die ſie hervorrief, verſunken daſaß und der
Spaf für einen Augenblick in einer der Nebenlogen Beſuch
ndchte, trat ein Herr im Frack ein, der ſich als Attaché Graf
Hineuſſilon vorſtellte, und der beglückten Gräfin lächelnd einen
chtt weiblichen Wunſch Ihrer Majeſtät mitteilte. Die Kaiſerin
büuſchte einen der fabelhaften Ohrringe näher zu betrachten.
Dar herrliche Schmuck hatte, ſowohl um des Steines wie der
ſollſung willen, das allerhöchſte Entzücken erregt.
Die Gräfin löſte einen der Ohrringe, gab ihn dem Attaché
nſo zog ſogleich den kleinen Seidenvorhang vor, um ſich ganz
freudigen Erregung über ein ſo unerhörtes Intereſſe der
olgen Frau hinzugeben.
Graf Bourdoniac kehrte zurück und äußerte über die Nach=
ichot
ſeiner Frau mehr Befremden als Freude. Dieſer Wunſch,
noch obendrein ſeine Frau dazu zwang, für eine unbeſtimmte
zei:t mit nur einem Ohrring dazuſitzen, hatte in ſeinen Augen
tueas Caktloſes und durchaus Unkaiſerliches.
Er erhob ſich, von unbeſtimmten Gedanken erfüllt, und ver=
efs
nochmals die Loge. Im Wandolgang traf er den Prinzen
Meffia, italieniſchen Botſchafter am franzöſiſchen Hof, der ſich

Der Eingang zu den Verdauungsorganen wie zu den Atemwegen
wird ſo gereinigt und von ſchädlichen Eindringlingen befreit.
Gleich wichtig iſt die oftmalige Neinigung der Hände, namentlich
vor den Mahlzeiten und vor dem Bettgehen. Denn die Hände
finden, ohne unſer Wiſſen, ſehr häufig den Weg zu Mund und
Naſe, und helfen dadurch, Krankheitskeime hin und her zu
tragen.
Es genügt nicht, den Mund zu ſpülen, es muß auch reichlich
Waſſer getrunken werden. Der Körper verliert den Cag
über unter Umſtänden ganz beträchtliche Waſſermengen. Sie
müſſen raſch erſetzt werden. Das Waſſer geht ins Blut über,
ſpült den Körper gründlich durch und entfernt raſch ſchädliche
Reſte des Stoffwechſels. Während der Mahlzeiten ſoll man ruhig
Waſſer trinken. Die Verdauungsvorgänge werden dadurch nicht
Waſſergenuß beim Eſſen bis zur Unwirkſamkeit verdünnt, ſon=
dern
ſeine Abſonderung wird angeregt. Der Blutkreislauf er=
fährt
erwünſchten Antrieb. Allerdings darf es nicht das in von dem Dieb. Die Portiersfrau war, ſo oft ſie Seit hatte, bei
Amerika ſo beliebte Eiswaſſer ſein, das leicht ſchwere Verän=
aus
denen das Waſſer getrunken wird, müſſen ſauber ſein. Dar=
lington
ſchlägt vor, nur eigene Gefäße zum Crinken zu benützen
oder Papierbecher, die nach dem Gebrauch vernichtet werden.
Huviel Eſſen verhindert langes Leben. Die meiſten
Menſchen neigen dazu, zuviel zu eſſen. Sie ſteigern ihr Gewicht
über das zuträgliche Maß hinaus. Im allgemeinen ſterben mehr geben. Deshalb erſann ich einen in meiuen Augen glänzenden
Leute zu früh an Überſättigung, als an Unterernährung. Die
ſtarke Sunahme des Körperfettes bringt dem Herzen beträchtliche
Mehrarbeit. Das Blut muß einen größeren Weg zurücklegen.
Die Blutgefäße müſſen länger werden, um den Anſprüchen des
größeren Umfanges gerecht zu werden. Wie beſchwerlich das
unter Umſtänden für den Körper ſein kann, zeigt ſich an dem
Wohlbefinden, das nach geeigneter Ubungskur und Koſteinſchrän-
kung
bei einem überfetten Menſchen ſich einſtellt.
Die Vermeidung zu vielen und zu üppigen Eſſens iſt alſo
jedenfalls Vorbedingung für langes Leben. Hierher gehört auch
die Vermeidung anderer Exzeſſe; Cabak wird bekanntlich ſehr
individuell vertragen oder nicht vertragen. In größeren Mengen
iſt er, ebenſo wie Alkohol, ſchädlich.
Innerliche Unruhe und Haſt tragen beſonders zur Ver=
kürzung
des Lebens bei. Die Mahlzeiten müſſen in Nuhe und
Srieden eingenommen, nicht haſtig hinuntergeſtürzt werden. Der
Gemütszuſtand, in dem eine Mahlzeit genoſſen wird, iſt für ihre
Bekömmlichkeit ſo wichtig, wie gefällige Aufmachung der Speiſen
oder hinreichendes Kochen des Fleiſches. Gute Laune und an=
regendes
Geſpräch regen den Appetit beſſer an, als ein alkohol=
haltiger
Aperitif.
Kampf muß auch den Seelenverwirrungen angeſagt werden,
die ſelbſt nachts den Schlaf rauben wollen. Ihre Überwindung
trägt beſonders zur Verlängerung des Lebens bei. Sie ſchwächen
den Körper, vermindern die Kräfte, ſetzen die Widerſtandsfähig=
keit
gegen Krankheiten herab. Ein heiterer Geiſt in widerſtands-
fähigem
Körper iſt Vorbedingung für das Erreichen eines Alters
von 120 Jahren.
Ein ſolch hohes Alter zu erreichen, iſt phuſiologiſch und
geſundheitlich möglich. Eine andere Frage iſt, ob es auch ſee=
liſch
wünſchenswert iſt. Man darf aber dabei nicht vergeſſen,
daß gerade bejahrte Leute oft ſehr am Leben hängen. Es iſt das
ein Beweis, daß auch der Abgeklärtheit und dem Überblick des
Alters das Leben lebenswert erſcheint.

Anonume Wohltätigkeit.
Von Dob Bergman.
Aus dem Schwediſchen von Age Avenſtrup und Ekiſabeth
Creitel.
Unſere Portierfrau hatte vor ein paar Nächten Beſuch von
einem Einbrecher. Er verſetzte der alten Frau einen Naſenſtüber,
ſo daß ihr der Hilfeſchrei im Halſe ſtecken blieb, und erwiſchte ein
Portemonnaie mit 37 Mark und eine ſilberne Uhr mit Inſchrift,
ein Geſchenk von dankbaren Wietern. Daraus ſieht man, daß
unſere Portierfrau eine beſonders freundliche und beliebte
Frau iſt.
Sie tat mir aufrichtig leid. Am nächſten Cage kam ſie zu
geſtört. Der Magenſaft wird nicht, wie es oft heißt, durch mir herauf und erzählte mir von der Miſſetat und weinte ſo
verzweifelt, daß mir ſelber die Cränen in die Augen traten.
Die Cage und Wochen verſtrichen, natürlich ohne eine Spur
mir oben, und wir weinten zuſammen. Mein Mitleid wurde
derungen der Magenſchleimhaut bewirken kann. Die Gefäße, ſchließlich ſo brennend, daß ich fand, in dieſer Weiſe ginge es
nicht weiter. Im übrigen hatte ich keine Seit, ewig mit der Por=
tierfrau
dazuſitzen.
Und ſo faßte ich den Entſchluß, der Portierfrau das geſtoh=
lene
Geld zu ſchenken. Aber ſie iſt eine ſtolze und empfindliche
Natur. Ich konnte ihr das Geld nicht einfach wie ein Almoſen
Ausweg.
Ich ging in einen Sigarrenladen, kaufte ein Stückchon altes,
braunes Packpapier und ſchrieb mit der ungeſchickten Schrift
eines Kongonegers folgendes Geſtändnis darauf:
Lihbe Frau!
ik habe det Jeld jeklaut, ik kan et nich lenger behallten.
Hiermitt ſchikke ik et zurik. Fatſeihn Sihl
der dieb.

Dann drehte ich eine Cüte aus dem Settel, ſtelktte das Geld
hinein, telephonierte nach einem Botenjungen und ſchickte ihn
vom Sigarrenladen mit dem Geld zu meiner Portierfrau.
Sie kam ſpät am Cage zu mir herauf. Ich hatte gehofft, daß
ſie überſtrömend glücklich wäre, aber, im Gegenteil, ſie war ziem-
lich
verdrießlich. Sie war wütend über den Einbrecher, daß er
nicht auch die ſilberne Uhr zurückgeſchickt hatte. Das Geld ſei ihr
ganz wurſt, ſagte ſie, aber die Uhr mit der Inſchrift, die hatte
mit ihr in den Sarg kommen ſollen.
Die Uhr ja! An die hatte ich keinen Augenblick gedacht!
Ich wußte nicht mal, wie ſie ausſah, ich hatte ſie ja nie geſehen.
Ich verſuchte, die Portierfrau zu beruhigen, aber ſie wurde
immer wütender und ſagte, daß ſie den Spitzbuben ſchon kriegen
wurde den Brief hätte ſie bereits der Polizei übergeben.
Mir wurde ungemütlich zumute. Meine Gefühle für die
Portierfrau kühlten ſich bedenklich ab. Ich ſagte ihr offen, daß
ich ihren ſchwarzen Undank gegen den edlen Miſſetäter verwerfe,
und die Portierfrau und ich trennten uns ohne wahre Herz=
lichkeit
.
Ich verbrachte den Cag in Unruhe und Spannung.
Die Sache nahm jetzt ihren Lauf. Die Polizei ermittelte den
Botenjungen, den Sigarrenladen und mein vollſtändiges Signale=
ment
ſehr bald. Es half nichts, daß ich mir den Bart abnehmen
ieß und mir einen andern Anzug anzog. Das machte die Sache
nur verdächtiger. Verdächtig? Vollkommen klar war ſiel Ich
hatte ja ein ſchriftliches Geſtandnis abgelegt!
Am nächſten Morgen früh wurde ich verhaftet. Ich ſitze
immer noch. Kein Menſch glaubt mir meine krampfhaften Ver=
ſuche
, mich reinzuwaſchen. Mir ſelber kommen ſie gequält vor.
Die Polizei unterwirft mich dafür einer ununterbrochenen ſee=
liſchen
, ja faſt körperlichen Cortur, um aus mir herauszukriegen,
wo ich die ſilberne Uhr vergraben.. ..
Morgen beginnt die Verhandlung vor dem Strafrichter. Ich
habe einen Verteidiger. Er will verſuchen, mich als unzurech=
nungsfähig
erklären zu laſſen. Das iſt meine einzige Hoffnung.

gerade vom Logenſchließer eine Limonade geben ließ, und er=
zählte
ihm von der ſonderbaren Botſchaft, die ſeine Frau er=
halten
hatte.
Der Prinz riß Mund und Augen auf. Er war bis vor einer
Minute in der kaiſerlichen Loge geweſen und hatte mit der
Kaiſerin geplaudert. Wenn ein ſolcher Auftrag erteilt wäre,
hätte er es hören müſſen. Zum Ueberfluß öffnete ſich ein Spalt
der kaiſerlichen Loge. Ihre Majeſtät fächelte ſich gerade und las
im Programm. Von einem Ohrrig war keine Spur.
Der Graf biß ſich auf die Lippen. Er bat den Prinzen um
Diskretion und zog ſich wieder zurück. Vor ſeiner Logentür lag
ein Settelchen, das er gedankenlos aufhob. Numero Eins!
ſtand darauf. Der Graf wandte das Blättchen hin und her.
Es duftete dezent nach Noſenöl. Der gleiche Geruch, mit dem
übrigens das Schmuckkäſtchen parfümiert geweſen war. Er ließ
es fallen und trat wieder in die Loge.
Wie ich dachte, ſagte er achſelzuckend, die Gauner haben
die erſte Gelegenheit benutzt, um ihr ſogenanntes Eigentum zu=
rückzuholen
."
Die Gräfin, die in dem Geſicht ihres Mannes ſchon bei
ſeinem Hinausgehen den ganzen Argwohn geleſen hatte, frägte
nicht weiter. Sie zog fröſtelnd ihre Samtenveloppe um ſich, ſtand
auf und wünſchte nach Hauſe zu fahren.
Am nächſten Morgen wurde die Polizei von dem Be
der Oper in Kenntnis geſetzt,

Die Gräfin hatte ſich einmal mit den Saphieren gezeigt. Der
Stein mußte in ihre Kaſſette zurückkehren. Eine andere Löſung
war nicht möglich. Schon eine Stunde ſpäter erſchien ein Be=
amter
der Sicherheitspolizei, ließ ſich von der Gräfin das
Nähere über den Crick des angeblichen Attachés mitteilen, und
nahm den zweiten Ohrring an ſich, um ihn zu photographieten
und das Bild an alle in Frage kommenden Polizeiſtationen ge=

zu laſſen.
urz darauf wurde im Palais ein Briefchen abgegeben, das
koſenöl parfümiert war und folgenden Wortlaut trug:
Grafl Frau Gräfin!. Wir wollen nicht verſäumen, unſern
für die Bereitwilligkeit auszuſprechen, mit der Sie unſer
kum nunmehr vollſtändig in unſere Hände zurückgelegt
Die Steine ſtanden Ihrer Exzellenz in der Cat vorzüglich
icht, und wir werden bei gegebener Gelegenheit mit Ver=
nochmals
den Verſuch machen, ſie in eine ſo beneidens=

Swei Minuten ſpäter traf der Chef der Kriminalpolizei im
Palais Bourdoniac ein. Er wurde indes nicht empfangen, ſon=
dern
konnte nur die Miiteilung entgegennehmen, daß die An=
bereits
erledigt ſei. Ueberdies hatte Ihre Exzellenz

[ ][  ][ ]

Freuden der Gemeinheit.
Zwei Karnevalsgeſchichten von Peter Nobinſon.
Der unerkannt Gebliebene.
Sibbe hat einige beſondere Kennzeichen, die in ſeinem Paß
angegeben werden könnten, wenn er ſich einen ausſtellen laſſen
wöllte. Aber er braucht keinen; er bleibt zu Hauſe und nährt ſich
in einer Art, die bisher auch den zuſtändigen Behörden noch
keinen begründeten Anlaß zum Einſchreiten gegeben hat. Sibbe
hinkt ein bißchen auf dem linken Suß, ſein Nücken iſt leider
etwas gewölbt, ſeine Naſe hat die Form eines Entenſchnabels
und ſeine Oberlippe iſt wulſtig aufgeworfen, was nicht hübſch
ausſieht. Sibbe behauptet, das ſei ihm nicht angeboren, ſondern
habe ſich allmählich herausgebildet, als äußeres Charakteriſtikum
einer ſtändigen großen Empörung über die Schlechtigkeit der
Welt. Dieſe Geſtaltung der Oberlippe hat übrigens zur Folge,
daß die drei goldenen Vorderzähne in Sibbes Oberkiefer faſt
immer ſichtbar ſind.
Dieſer Sibbe alſo erzählte: Haha, was Seckerling ſich ein=
bildet
! Aufm Maskenball will er mich rausfinden, auf dem
Maskenball der Harmonie, der heute abend iſt. Der Menſch
hat ſich das doch ſo feſt in den Kopf geſetzt, daß er mir ſogar
eine Wette angeboten hat. Hundert Mark, wenn ich Sie nicht
rausfinde! hat er geſagt. Haha, nun wollen wir doch mal ſeh’n!
Dieſe Wette erſchien mir ſeitens Sibbes immerhin etwas
gewagt, wegen der erwähnten beſonderen Kennzeichen. Aber, wer
wagt, der gewinnt: am Cage nach dem Maskenball der Har=
monie
holte Sibe ſich ſeine hundert Mark von Seckerling. Er
triumphierte. Na, was hab’ ich geſagt! Seckerling hat blechen
müſſen er hat mich nicht rausgefunden.
Alle Achtung, Herr Sibbe! Was für eine Maske hatten
Sie denn gewählt?
Gewählt hab’ ich inen einfachen Domino. Aber, im Ver=
trauen
geſagt: zur Sicherheit bin ich dann lieber überhaupt nicht
hingegangen.
Der falſche Man.
Schniefel tänzelte auf einem Erholungsſpaziergange recht
munter die Promenade entlang, obgleich er eben erſt nach einem
nur zweiſtündigen Schlafe von acht bis zehn Uhr vormittags
aus dem Bett gekrochen war. Da ſtieß er auf den Aſſeſſor Korn=
meier
, der ein ſanfter und ängſtlicher, behutſam und tugendhaft
einen ſteinigen Amtsweg verfolgender junger Herr iſt. Schniefel
freute ſich. Hallo, Kornmeier, daß ich gerade Sie treffen muß!
Hab’ eine rieſig fidele Nacht hinter mir. War auf einem Mas=
kenball
, und da hab’ ich immer an Sie denken müſſen.
Ach, was Sie ſagen! liſpelte Kornmeier. Er fand es nicht
beſonders erfreulich, daß Schniefel ſo unaufhörlich an ihn gedacht
hatte.
Schniefel warf prüfende, aber auch mit Grinſen verbundene
Blicke auf den Aſſeſſor. In der Cat: wir haben genau die
gleiche Sigur. Wiſſen Sie, was mir nämlich auf dem Masken=
ball
paſſiert iſt? Ihren Vorgeſetzten hab’ ich getroffen, den
ollen Regierungsrat Klötrig. Und wiſſen Sie ferner, in welchem
Irrtum Klötrig befangen geweſen iſt? Er hat mich für Sie ge-
halten
, Kornmeier, die ganze Nacht durch hat er geglaubt, in
mir ſeinen Herrn Aſſeſſor Kornmeier vor ſich zu haben.
So, ſo! hauchte der Aſſeſſor. Es war ihm ſehr unangenehm,
daß der Regierungsrat Klötrig in ſolchem Irrtum befangen ge=
weſen
war.
Schniefel ſchwatzte weiter. Haha, ich hab mich natürlich
nicht zu erkennen gegeben. Ich ließ den alten Schafskopf in
ſeinem Glauben. Jawohl, Herr Regierungsrat! hab ich immerzu
geſagt. Und geſoffen hab’ ich, Kornmeierchen, ganz fabelhaft
hab’ ich geſoffenl Klötrig hat alle zehn Minuten geſagt: Alle
Achtung, Herr Aſſeſſor, alle Achtung! Aber ſpäter hat er ge=
waltig
den Kopf geſchüttelt.
O du meine Güte! piepſte der Aſſeſſor. Es war ihm höchſt
peinlich, es war ihm ein grauenhafter Gedanke, daß Schniefel ſo
furchtbar geſoffen hatte.
Schniefel ſchlug eine ſogenannte Lache auf. Er brüllte: Und
das Beſte, Kornmeierchen, das Beſte kam zum Schluß. Da hab'
ich mir von Ihrem ollen Negierungsrat hundert Mark gepumpt!
Allerlei vom Benehmen.
Von F. W. Koebner.
Es iſt noch nicht feſtgeſtellt, wer das Benehmen erfunden
hat. Jedenfalls jemand, der ſich über das ſchlechte Benehmen
anderer geärgert hatte. Nun iſt Benehmen bekanntlich ein
weiter Begriff. Ein Begriff, den der ſelige Knigge nicht in die
Paragraphen ſeines Umganges einreihen konnte, weil er ſonſt
den Umfang ſeines Lehrbuches hätte verzehnfachen müſſen.

Man unterſcheidet ein gutes Benehmen und ein ſchlechtes
Benehmen. Der Sache ſelbſt kommt man wohl am nächſten,
wenn man das Wort Manieren zur Unterſtützung der Defi=
nition
heranzieht. Gute Manieren und ſchlechte Manieren.
Nun iſt ja eines ſehr amüſant das Benehmen, das man
ein gutes heißt, iſt keinesfalls auf der ganzen Welt als ſolches
akkreditiert. Wenn es auf den Feuerlandsinſeln zum guten Con
gehört, die Naſen zur Begrüßung aneinander zu reiben, oder die
Frau, der man ſchmeicheln will, über den verlängerten Nücken
zu ſtreichen, ſo dürfte ein ſolches Benehmen im Foyer der Pariſer
Oper geteilter Auffaſſung begegnen.

Andere Länder, andere Sitten. Andere Menſchen, anderes
Benehmen. Ein Irrtum, wollte man annehmen, daß die guten
Manieren des ziviliſierten Mitteleuropäers überall als gutes
Benehmen gewertet würden.

Hand küßt. Es gehört ſich jedoch nicht, einer unverheirateten
jungen Dame die Hand zu küſſen.
In Frankreich würde ein junges Mädchen der Geſellſchaft
ſich über eine derartige Surückſetzung bitter beklagen und den
betreffenden Herrn eines ſchlechten Benehmens beſchuldigen. Kein
Menſch wird um beim Handkuß zu bleiben in England
einer Dame auf der Straße die Hand küſſen. Bei uns nimmt
niemand irgendwelchen Anſtoß daran.
In Deutſchland gehört es zum guten Benehmen, daß man
eine Dame ſtets rechts gehen läßt. In Amerika denkt kein
Menſch daran, ſondern der Herr geht ſtets an der Straßenſeite,
um die Dame möglichſt vor unvorhergeſehenen Gefahren der
Straße ſchützen zu können.
Bei uns ſitzt die Dame ſtets rechts im Wagen in Amerika
ſitzt ſie da, wo ſie einſteigt um den Betrieb nicht aufzuhalten.
Im Sportzweiſitzer, der rechts geſteuert wird, ſitzt die Dame ja
auch bei uns links, ohne daß ſich jemand daran ſtößt.
In Mitteleuropa läßt man die Dame ſtets zuerſt in ein Lokal
gehen. In den kultivierteren Balkanſtaaten gilt es als höchſt
unſchicklich, eine Dame zuerſt gehen zu laſſen und allen möglichen
Situationen auszuſetzen. Der Herr geht vor und ſondiert das
Cerrain.
Es gilt ſogar in den angelſächſiſchen Ländern als höchſt ver=
pönt
, eine Dame zuerſt die Creppe emporſteigen zu laſſen und
hinterherzuklimmen bei uns läßt man auch hier ohne weiteres
der Dame den Vortritt.
Man ſieht, die Sache mit dem Benehmen iſt nicht ſo ganz
einfach! Ein Herr, der ſich in ſeiner Heimat muſtergültig benimmt,
kann für ſein Benehmen in einem anderen Lande Ohrfeigen
ernten.
Führen wir die Liſte weiter!
Ein Herr und eine Dame treten in die Cür eines öffentlichen
Lokals. Kurz vorher langt ein einzelner Herr an, der ſelbſtver=
ſtändlich
zurücktritt und der Dame den Vortritt läßt. Bei uns
wird in ſolchen Fällen der zu der Dame gehörige Herr ohne
weiteres hinter ſeiner Dame hertrotten, und der erſtgekommene
Herr hat für ſeine Liebenswürdigkeit den Dank, dem fremden
Herrn noch als Cürſteher dienen zu können. Aber er findet gar
nichts dabei.
In England würde ein ſolches Benehmen als höchſt flegel=
haft
gelten. Der Begleiter der Dame hat dem fremden höflichen
Herrn den Vortritt zu laſſen.
Eine größere Geſellſchaft geht in ein öffentliches Canzlokal.
Darunter ein Ehepaar. Kaum ſitzt man, ſo ſtürzen ſich die tanz=
wütigen
jungen Herren auf die verheiratete Frau und fordern
ſie zum Canze auf. In anderen Ländern gehört es zum guten
Benehmen, zu warten, bis der Gatte mit ſeiner Frau getanzt
hat. (Es ſei denn, derſelbe erklärt, daß er nicht tanzen wolle.)
Die jungen Herren der Geſellſchaft ſollten ſich ein Beiſpiel an
den Eintänzern der Nachtlokale nehmen, die ſtets den erſten Canz
des Begleiters reſpektieren.
Und da wir gerade beim Canzen ſind: in Deutſchland tanzt
man bei Hausbällen zuerſt mit ſeiner Ciſchdame, in Frankreich
zuerſt mit der Dame des Hauſes, in England mit der Frau der
höchſtgeſtellten Perſönlichkeit (bei offiziellen Bällen).
Daß man ſich in Begleitung von Damen erſt ſetzt, wenn die
Damen ſitzen, gehört allerdings zum guten Benehmen aller
Herren Länder, mit Ausnahme der Cürkei, wo man es zu lange
anders gewöhnt war.
Bei der Vorſtellung in Geſellſchaft gibt man namentlich
in kleinerem Kreiſe den vorgeſtellten Damen die Hand. In
der hohen engliſchen Geſellſchaft würde man ob ſolcher Unge=
zogenheit
ſhöcking in die Erde ſinken. Wie man auch als
Jungeſelle gut daran tut, erſt die verheirateten Frauen und dann
erſt die jungen Mädchen in ein Geſpräch zu verwickeln. Wie man
auch niemand nimmt bei uns daran Anſtoß nicht mit der
gleichen Dame den ganzen Abend tanzen darf.
Es gehört zum guten Benehmen, daß in Privatgeſellſchaft
die Herren mit ſämtlichen am Ciſche befindlichen Damen tanzen
und nicht mit einer (beſonders guten) Cänzerin.
Beim Canztee der erſten Hotels geniert ſich kein Herr bei
uns, ihm völlig fremde Damen zum Canzen aufzufordern. Würde
er das gleiche im Londoner Claridge verſuchen, würde es ihm
ſchlecht bekommen.
Es iſt nicht ganz ſo einfach. .
Aber ein Muſterbeiſpiel gibt ja der Gruß auf der Straße.
Geſtern abend lernteſt du in Geſellſchaft Fräulein Müller kennen.
Am nächſten Vormittag begegneteſt du ihr zufällig auf der Pro=
menade
. Erfreut ſchwenkſt du deinen Hut.
Cuſt du das gleiche in England, ſo wird dich Miß Müller
von Kopf bis zu Suß muſtern und weitergehen. Sie kann nach
den Sitten ihres Landes erwarten, daß du abwarteſt, bis ſie
dir durch ihren Gruß andeutet, daß ſie von dir gegrüßt zu
werden wünſcht!
Du haſt eben kein Benehmen, mein Lieber...!

ESchach
IIM

Nummer 244.
Partie 47.
Geſpielt im internationalen Meiſterturnier in Magdeburg, 19. Juli 1927.
Damenbauerſpiel.
Weiß: Machate Schwarz: Spielmann, Weiß: Machate Schwarz: Spielmann
Sgsf6
1. d2d4
zubereiten Allerdings wird dann auch
2. Sg1f3
G7e5
Schwarz eine gute Angriffsſtellung behaup=
3. 0Be4
e7e6
ten.

4. Sb1c3
C5:d4
5. Sf3:04
Lf8b4
6 Lcl-d2
Przepiorka ſetzte hier gegen Spielmann
im Münchener Weihnachtsturnier 1926
mit 6. Db3 fort, was ſicherlich ſtärker war
weil der ſchwarze Königsläufer zu dem
Rückzug nach c 5 veranlaßt wurde.
60
d2d5
7. 62e8
8. Dd 1h3
Lb485
9 Sd4f3
Zu paſſiv geſpielt, mit 9. c:d5 e:d5
10 Le2 konnte Weiß ſo ziemlich aus=
gleichen
.
Sbsc6
9...
eti:d5
10. 64:d5
d5d41
11. Lf12
Dieſer Zug iſt gewöhnlich ſehr nach=
haltig
im Damenbaue ſpiel, beſonders wenn,
wie in dieſem Falle, der Gegner noch nicht
rochiert hat.
Sc6: d4
12. 23:44
13. Sf3:d4
Lc5:d4
14. Db3c2
Nach ſofortiger Rochabe geht durch
D:k2+ ein Bauer ohne Erſatz verloren.
14.
Leß4
15. 00
D027
16. Ta1e1
Tf8e8
17. Le2d3
Dc7e5
18. kg1h1
De5h5
19. 7611
Nicht recht verſtändlich. 18. Khl konn=
te
boch nur den Zweck haben, 12k3 vor= 29. Aufgegeben.

Teß: e1
Tag-e8

20. 1d 2:e1
21. Le1d2
E=möglicht eine ſofort entſcheidende
Opfe kombination des Geoners. Doch
war bereits guter Rat teuer. Denn 21. f3
käme wegen 21. . . . Le5 22. 14 L:f4
zu ſpät und auch nach 21. k4 Ld7 nebſt
Lc6 und Sg4 dürfte der ſchwarze An=
griff
durchdringen.
Lg4f 3
21.
22. g3:f3
Dem Weißen bleibt angeſichts der Dro=
hungen
Le5 und Sa4 keine andere Wahl.
Auf 22. Lf4 entſcheidet Dh3.
Ld4e51
22.
Die Pointe des Opfers bildet der An=
griff
auf h2. 22. .. . . D:f3+ würde
nur ewiges Schach ergeben.
23. k3f4
Sf6g4
24. Khlg 2
Nun muß der König auf Reiſen gehen.
24. L:h7+ würde einfach mit Kh8 be=
antwaltet
werden
Dh5:h2*
24.
25. Kg2f3
Le5:e3
26. 3e4
Es drohte Dh3k. Nach 26. K:g4
konnte Schwarz ein dreizügiges Matt an=
Dg2
ſagen, beginnend mit 26.
oder 26.
Dh2h3-+
27. Ki3
Lo3:d2
28. Ke27d2
Dh3:k1

Aus dem Magdeburger Kongreßbuch.

Aufgabe 361.
Leo Schott in Pfaffen=Beerfurth. (Urdruck)

Weiß zieht und ſetzt in drei Zügen matt.
Prüfſtellung: Weiß: Kb5 Dg2 Ld2 Sr4 (4);
Schwarz: Kb2 Lc2 Bd3 g7 (4); 3 +.

Wie heißen fie?
Mit nn fließt es der Donau zu,
Mit i es jetzt Vergnügen macht,
Mit m hat es ſehr vielen Kranken
Geneſung ſchon gebracht.
Carl 2

1. A
E
2. I
3. I.

Leiſten=Rätſel.
Balken 1: einen Teil des Jahres,
Balken 2: einen beruhmten Jäger,
Balken 3: einen Worterguß.

O. O O
Balken 4: einen darin viel ausgcübten Sport.
4.R R R T TW
Nach richtiger Ordnung der Buchſtaben enthalten die vier wagerechten
und ſenkrechten Balken gleichlqutende Wörter, und zwar
Auflöſung der Rätſel aus Nr. 5:
Figuren=Rätſel.
1. Duo, 2. Eva, 3. Rio, 4. Sardine, 5. Chicago, 6. Holbein,
7. Nicolai, 8. Euterpe, 9. Elektra, 10. Muſe, 11. Auge, 12. Noah=
13. Nachen.
Der Schneemann,
Leiſten=Rätſel.
1. Wandern, 2. Dohle, 3. frieren.
Das Rotorſchiff.

Dcck u. Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbudk
Verant wortlich f. d. Redaktion: Dr. H Nette. Fernſpr

1. 23892392.

ubel.
Das Beſſere iſt der Feind des Guten.
Alle Rechte vorbeha ten. Nackdruck verb. Kliſchees: F. Haußmann, alle in Darmſt

[ ][  ][ ]

MddlPobſttobagsSslaafsktaf

No, däß war awwer am vorichte Sunndagmorjend en ſcheene
zolag ins Konndohr, wie nix drinn war ..
Es hott mer jo ſchun nis Gudes geſchwant, wie mei Zwangs=
iSdern
, däß rabbelich Geſteck, zu mer ans Bett kimmt wiſſe
ich hab nemlich e bische lenger gelääche, am vorichte Sunn=
au
, ausnahmsweis, nooch dem ballamendariſche Awend; mer
elhalt net mehr däß; ſunſt bin ich nemlich morjends immer die
fußt bei de Spritz, awwer wie geſagt, am verwichene Sunndag
ao ich mer geſagt, ach was, bleibſt emol e bische lenger lieje,

eatt, un dhuſt emol in aller Ruh iwwerdenke, was de an dem
allamendariſche Awend all erlebt, geſähe un geheert hoſt, dang
uwch alldem, wo mer im Kobb erumgange is, war do ſcheints
Lerhand gefellich, wie ſich däß an ſo=eme ballamendariſche
burtsdags=Gala=Eliede=Ehrenawend aach vun rechtswääche,
aicer meintswääche vun linkswäöche geheern dhut; un wann’s
am do am annern Dag e bische dorchenanner im Kobb is, ſo
* däß leicht begreiflich, dann wann mer an ſoeme Awend
tufſchur vun de bromminendſte Leit vum ganze Heſſe=
elrdche
, ſozuſage vun de Hott=Kreem aus Bolledick, Wärt=
chaft
un Kunſt, alleritt ineen indräfſante Wortwäxel gezoge wärd,
o haaßt’s, die Ohrn geſpitzt, un ſei ſiwwe gebackene Biern zu=
nume
genumme, damit mer net peinlich un uagenehm ufffellt
nat ſeim bische Verſtandewuh; Lann ſo ſtundelang mit lauder
SSeidende Menner redde miſſe, däß hott was uff ſich, däß hellt
ie Zehnte gornet aus, do kann mer leicht emol höchſt unballa=
mendariſch
aus de Fall rolle, wie’s unſerm bedeidenſte heſ=
iſthe
Moler bei mir baſſiert is, wo awwer zu verzeihe is, indem
n eie Kinſtler un ſo ſich net an=en ballamendariſche Ton ge=
pl
=hne kenne, däß liggt dene net, Lann
Achjaſo, ich wollt jo erzehle, wie däß war mit meim Addickel
un voriche Sunndag. Alſo, wie geſagt, gääche Zehe kimmt mei
Zwangsmiedern zu mer an’s Bett, hellt wer die Zeidung hie
u: ſeecht: No, dißmol hawwe Se awwer mol de Leit e
di=ſunner Vergnieche gemacht! Däß glagw=ich, ſagt ich,
un hoffentlich unſerm Staatsbräſſendent erſtrecht, dann
ſäß baſſiert eme Mann in dene Johrn net oft, ſagt ich, daß
ur als ſolcher fimfunſibbzich Fohrn alt wärd, un in dem Fall
heert ſich’s, ſagt ich, daß mer ſeiner gedenkt, un gra=deliert=em
ſdchoffiziell in de Zeidung, däß kann de Ullrich vun mer ver=
ſarnge
, als Landesbabba, ſagt ich. Dodruffhie guckt die mich
gunz verdutzt a, verzieht danns Maul, daß mer ihr ganze grien=
traniche
Goldblombe geſähe hott, un fengt a, ſo dräckich zu lache,
a meißt mer die Zeidung uff die Bettdeck un ſeecht im Fortgeh:
Mo, der Mann hatt Glick! grad ſo
Alſo wie geſagt, 3 hott mer dodruffhie ſchun nir Gudes
guſchwant, un ich hab mer gedenkt, baß uff, do hott=derr der
Swſepfeil ſcheints widder mit ſeim nirnutziche Bleiſtift en Boſſe
zuſpielt, un hott am End den alte Ullrich recht äxpräſſioniſtiſch
n8 Blatt gemolt. Alſo ich ſuch raſch die Seit, wo ſunſt immer
niei Sach druff ſteht un mir wars bletzlich, als dhet
ſae mit ſamſt meim Bett klafterdief in die Erd ſinke. Ich hab
ots ganze Sunndagsblatt, rummdidumm un de=hinnerſt=de= vör=
durſt
gedreht. Nix. Alſo miit aam Wort, es war nix drinn,
ſundern do, wo als mei Sach druff zu ſteh kimmt, do ſtehn
ae denk mich drifft de Schlag! do ſtehn . . . Zauwerkunſt=
ſtückcher
; ſage un ſchreiwe, lauder Zauwerkunſtidſcher, un wie
ſe gemacht wärrn.
No, ſag ich mer, däß ſin mer ſcheene Zauwerkun’ſtickcher!
ſpring mit aam Satz ausem Bet, wärf mein Aſtandsunnerrock
iwower noddierfdich, un ſtärz im diefſte Neggliſchee enuff zus
Gridebärzels, wiſſe Se, die wohne en Stock iwwer mer, im Dach=
Luſſchie, 8 is e höllenniſch Mannzadd, awwek es ſin brabe Leit
ſurnſt; alig wie ich aklobb un geh enet, liggt die Fanz Famillie
inpwer m Diſch gebaicht, neul Kebb hoch, er un ſie, die Friedg,

dare älſt, un ihrn Mann, ſie wohne noch beiſamme, weil die Junge
ku.a Wohnung krieje kenne (un es hott doch ſo aſch bräſſiert), un

Der zeitgemäße Haushalt.

Welchen Nutzen wertloſe‟ Dinge im Haus=
haalt
ſtiften können. Wenn man gelegentlich einmal einen
Alick in die Höfe wirft, ſo wird man erſtaunt ſein, in welchen
ummaſſen ſich alte Gläſer, Konſerven= und Marmeladedoſen in
Yiſten und Körben häufen, ein Beweis dafür, wie wenig ſich
vele Hausfrauen derartige Abfälle nutzbar zu machen ver=
ſiehen
. Wer wird alte Konſervendoſen und derlei Dinge ſam=
meln
?, ſo werden viele beim Leſen dieſer Zeilen erſtaunt ſagen.
9och gemach! Alte Konſervendoſen aus Blech (allerdings muß
der Rand beim Oeffnen glatt bleiben) können als Behälter für
Stcheuerſand, Seifenpulver, Soda, Meſſerſchmirgel, Putzpulver
verwendet werden. Auch, ſauber ausgewaſchen und von außen
mrit Etikette verſehen (zuvor das Metall mit einer Zwiebel ein=
gerieben
, läßt dieſe feſt haften), können ſie in der Speiſekammer
icwohl alle Teigwaren, Suppenmehle, Dörrobſt, getrocknete und
gurpulverte Suppen= und Gewürzkräuter aufnehmen. Dem glei=
chzen
Zwecke dienen auch die Marmeladeneimer, je nach ihrer
Giröße. In dieſer praktiſchen Weiſe ſollten namentſich jene
hausfrauen alte Büchſen und Gläſer verwenden, die bei der
Ausſtattung eines eigenen Hausſtandes mit Neuanſchaffungen
Nangſam voran gehen müſſen.
Glanzſtellen an Kammgarnkleidern zu ent=
ſiernen
. Eine Rindergalle koche man in einem Liter Waſſer
ax. eine halbe Stunde, ebenſo eine Taſſe groben Tabak in einem
durertel Liter Waſſer. Gieße beide Flüſſigkeiten durch ein Haar=
ſieb
, ſchüttle ſie mit zwei. Eßlöffeln Salmiakgeiſt gut durch, gebe
von dieſer Miſchung in eine Untertaſſe und befeuchte eine harte
Mürſte damit, mit der man die Glanzſtellen nach allen Rich=
mangen
hin dukchbürſtet. Meiſt iſt auch der ſtärkſte Glanz
ſtchon durch eine Behandlung beſeitigt. Man hängt die feuchten
Aleider freihängend zum Trocknen auf.
Pumpernickel=Pudding. 500 Gramm Pumpernickel
werden fein gerieben, mit 50 Gramm ſüßen und 6 Stück bitteren
MKandeln vermiſcht, in 175 Gramm Butter geröſtet. Drei Eigelb
ſchwie drei ganze Eier rührt man mit einem halben Pfund Zucker
zun Schaum, fügt die Schale einer abgeriebenen Zitrone ſowie
ennen Teelöffel Zimt, eine Priſe geſtoßene Nelken, ewwas Salz,
900 Gramm Korinthen, 50 Gramm feingeſchnittenes Orangeat
ſowie den geröſteten Pumpernickel, eine Taſſe Sahne und zuletzt
den ſteifen Schnee bei, fült die Maſſe in eine vorbereitete Form,

die annern fimf Endebärzelcher; wie geſagt, neu Kebb, ohue des
Klaane, wo de Frieda geheert; alſo dir lieje iwwerm Diſch ge=
baicht
, jedes hatt e Stick Dagblatt un hott geſucht; un wie ich
enei kumm, do kreiſcht’s neu ſtimmich, wie aus=eme Maddrigal=
kohr
: Ach do kimmt ſe jo no Sie hawwe jo heit gornig
drinn?! Sooo ſagteich, bei Ihne aach net?! ſagtich.
Korzum, mir dachte ſo in unſerm Sinn, däß mißt unner
alle Umſtende e Errdumm ſei, un ſo ſin die klaane Endebärzele
in de Nachberſchaſt erum un hawwe gefrogt, ob bei dene aach
nix drinn weer. Mit dem Räſſuldhatergäbniß, daß alſo aach
bei de annern Leit nis drinn war.
Jetzt is mer awwer doch de Giggel geſtieje: Heilich=Kreiz=
Owwerwaldhaus=Aaſiedel=Meſſel=Owwwedahl un Duddehofe mit=
ſamſt
em ganze Kreis Dunnerkeil, hab ich geflucht, bin widder
nunner in mei Loſchie, hab mich färdich agezoge un wollt ſtande=
pee
uff die Redacktzion ſtäche, un wollt dene Brieder de Krage
rausmache. Awwer do is mer eigefalle, daß die Drickebärjer
Sunndags jo aach net do ſin, wo’s ſchun Wärkdags ſchwer
fellt, daß mer aan verwiſcht.
Alſo ich hatt e Wut im Leib wien Därk, wann ich gekennt
hett, ich weer im Stand gewäſe un hett den ganze Redacktzions=
zärrguß
in lauder Kochſticker verriſſe. So hab ich halt de
ganze Sunndag mein Rooches ſpaziern gedrage, bin uff de alte
Friedhof naus, wo ich immer hiegeh, wann ich Zorn hab un
kann=en net an de Mann bringe, indem ſon Gang kolleſal be=
ruhicht
; awwer däß Middel hott äwenfalls glänzend verſagt,
weil ich mich do gleich widder am Eigang uffs neie geärjert
hab, iwwer dem Niewergall ſein gebrauchte Grabſtag, ſchand=
meßich
ſowas.
Alſo de ganze. Dag is mer der Gedanke im Kobb erum=
gange
: Was mag bloß de alte Ullrich vun der denke, wanner
lieſt, daß nis drinn ſteht, vun dir, iwwer Ihn; wo ich doch ſchun
immer ſo e gewiß Fähwel foren hatt, wie äwe for alle Menner,
die wo ſo forſch in’s Zeig geh, wann’s gilt, un ihrn Mann ſtelle,
wann’s druff akimmt.
un ich hattem em wärklich ſcheene Addickel zu ſeim Fimf=
unſibbzichſte
geweiht, drotzdem er noch ausſieht wie en gude Värr=
zicher
, dann in dem Fall hott nemlich der klaane Ragb e bißche
in ſeine Redd iwwerdriwwe, uff dem ballamendariſche Awend,
wo=ern for en Fimfunzwanzicher gehalte hott; awwer nir deſto
drotz, un mit aam Wort, er hott ſich gut genaacht, unſer Staats=
bzäſſident
, in alle Breislage; wann er ſich do heit die blaſſierte
Läweſaigling zwiſche zwanzich un dreißich aguckt, däß is wie
Dag un Nacht, gorkaan Verglich; un ich glaab kaum, daß de
Ullrich zu ſeiner Zeit Fußball odder ſo gedriwwe hott. . .
No alſo, am Mondag morjend bin ich dann enunner ge=
tenntert
uff die Redaktzion; gelade wie e Strandhaubitz, un
mit dem feſte Vorſatz; unner Körberverletzung im Wert vun
drei Woche Gefängnis, odder fuffzeh Mack Geldſtrof geht’s diß=
mal
net ab, dann die hatte’s ſowieſo im Salz lieje. Ich derr
Ihne alſo mit aam Satz de Dräbb enuff, ſemtliche Redaktzions=
diener
iwwern Haufe gerennt, dorch ſämtliche Redaktzionsſtuwe,
an de Tibb=Tibb Hurrah vabei, un ehinner im Hochpollidiſche‟
ſei Kawwinädd; do hatte ſe ſich nemlich allmitnanner hiege=
flicht
, wie ſe mich kumme hawwe heern. No, ich cann Ihne
ſage: Blitz un Schlag war des Lokahl geräumt!

Nor de Maufe hott als Letzter die Stellung gehalte. Un
den hab ich dann eme eigehende Verhör unnerzoge. Mit dem
Räſſuldhatergäbnis, daß der unſchuldich war. Nemlich, der war
die vorich Woch in Berli drowwe, um ſich eichehendich den
Stierkambf im Reichsdag azugucke. Die annern Redaktzions=
brieder
awwer, der vun Lokahle, un der vum Fölljeton,
und der vun de letzte Nachrichte, ja ſogar der vum Sport,
die hawwe kag Kuraaſch gehat, den Ullrichsgeburtsdagsaddickel

worauf man ſie zwei Stunden im Waſſerbad kocht. Man reicht
eine Weinſoße dazu.
Schmalz=Zöpfe (Backpulverteig). Zwei bis drei Eier
verrührt man mit einem Likörgläschen Rum oder Arrak, dem
Abgeriebenen einer halben Zitrone, ſowie ein bis zwei Eßlöffeln
Süßſtofflöſung, worauf man ſoviel geſiebtes Weizenmehl dar=
unterknetet
, daß es einen weichen, ausmangelbaren Teig ergibt,
den man tüchtig knetet. Auf bemehltem Brett ausgerollt, ſchneidet
man davon gleichlange Teigſtreifen, von denen man je drei oder
fünf zu einem einfachen oder Doppelzopf flicht, um ſie in ſieden=
dem
Schmalz goldbraun zu backen. Noch warm mit Puderzucker
beſieben.
Speifezettel.
Sonutag: Roſengrießſuppe, Rotkraut mit geſpickten Haſen=
lendchen
, Pumpernickel=Pudding mit Weinſoße. Montag:
Spinat mit Speck=Setzeiern und Röſtkartoffeln. Dienstag:
Kalbsgekröſe mit Roſinenſoße und Schwammklößchen. Mitt=
woch
: Grünkohl mit gekochrem Schwarz= oder Wellfleiſch, Brat=
kartoffeln
. Donnerstag: Weiße Bohnen mit Möhren
und Fleiſchklößchen. Freitag: Kartoffelſalat mit Rapünz=
chen
und gebratenen grünen Heringen. Samstag: Quark=
ſpitzen
mit Apfelmus.
Der Gerätekaſten des Gartenbeſitzers. Wenn
man gelegentliche Stichproben bei den Klein=, Schrebergärtnern
und Laubenkoloniſten nach dem Aufbewahrungsort ihrer Garten=
gerätſchaften
nehmen wollte, würde man wohl in den weitaus
häufigſten Fällen keinen feſten Platz für dieſe vorfinden. Bald
liegen ſie da, bald dort in irgend einem Laubenwinkel, zwiſchen
altem Gerümpel und im Bedarfsfalle ſetzt dann oftmals ein
krampfhaftes Suchen nach dieſem und jenem Gerät ein, das wo=
möglich
noch in unbrauchbarem Zuſtande vorgefunden wird.
Wieviel nutzlos verſuchte Zeit könnte aber die Feierſtunden ver=
längern
, wenn alles Gartengerät einen ſtändigen Platz
erhielte. Dazu eignet ſich am beſten eine ſogenannte Geräte=
kiſte
, die ſtabil gebaut, vom geräumigem Ausmaß, im Innern
durch verſchiedene Scheidewände eingeteilt iſt. Die Seitenwände
und der Kaſtendeckel ſollten, durch aufgenagelte feſte, ſchmale
Gurtbänder Schlupfen erhalten, in die kleinere Gegenſtände ein=
gehängt
werten können, während in die einzelnen Kiſtenfächer
größere Gerätſchaften wie Baumſchere, Sichel, Harke, Erdhäufler,
Furchenzieher, Obſtpflücker und =beutel, Spaten, Grabſcheit uſw.
verteilt werden. Auch ein Wetzſtein zum Schärfen des Spatens,
wie auch Baumwachs, Baſt. Kleberinge, Etiketten, Markierungs=
zeichen
uſw. finden überſichtlich in dieſem Kaſten Platz.

uff eiche Fauſt eneizuſetze, weil ſe geglaabt hawwe, mein Schrieb
dhet valleicht innerboll iſche Konnfulſione nooch ſich ziehe. Sie
hawwe däßwääche mein Addickel ſtillſchweichens im Hoch=
bollidiſche
ſei Gefach geleecht un do is=er lieje gebliwwe
bis Mondag. Däß war’s, warum am voriche Sunndag nir drinn
war. Mer hett jo allerdings die Sach aach noch die Woch
eneimache kenne. Awwer iſt ſag mir, Sunndags= Noochmid=
dags
=Bedrachdunge ſin kag Diensdags=, Mittwochs= un Dun=
nersdags
=Nochmiddags=Bedrachdunge, do gibts kaa Hack, wie
die Ofſebächer ſage. No, ſchließlich, wos die Haubtſach war,
ich hab jo dem Herr Staatsbräſſendent bereits uff dem balla=
mendariſche
Awend höchſtverſeenlich die Hand gedrickt; däß
dhat’s zur Not aach.
Im Jwwriche hatt der ausgefallene Addickel däß Gude for
ſich, daß ich widder mol geſähe hab, wie mer ſich hinner de
Menſche deiſche kann. Nemlich’s ganze Johr haaßts: Ach,
däre ihr Zeig lieſt jo doch niemand; wann awwer mol
zuſellich nis drinn is, do is alles ausen Haische. Do ſoll ſich
gans auskenne in de Menſche.
Bienche Bimmbernell.
* Tatſächlich iſt durch ein Verſehen im Drang der Geſchäfte der
Jubiläumsartikel unſerer geſchätzten Mitarbeiterin einen Irrweg ge=
gaugen
. Wir bednuern, daß unſere Leſer dadurch um einen Teil ihres
Sonntagsveronügens kamen.
Die Schriftloftung.

Poſtſchricbdumm: Nadierlich bin ich in meim ge=
ladene
Zuſtand die Woch ach in die Haubtverſammlung vum
Verkehrsverein un wollt do emol grindlich auspacke un ſage,
was die annern all uffm Härze hawwe, die wo mer alle Woch
brieflich un mindlich ihr Schmärze klage. Ich hab nemlich age=
numme
, do finn ich en Saal, geſchwabbelt voll Menſche, die wo
mit ſich un unſere verehrlichte Stadtverwaldung zerfalle ſin.
Peifedeckel! Die ganz Verſammlung war gradezu e Genug=
duung
for unſer Stadtverwaldung, indem nemlich dorch den
aißerſt ſpärliche Beſuch bewieſe is worrn, daß mer ſozuſage mit
alle Maßnahme heheren Orts mehr wie zufridde is. Un ſomit
aach mit de Tädichkeit vum hochwohlleebliche Vorſtand vum
Verkehrsverein. Odder net?! Ja, dann mecht ich nor wiſſe,
warum mer immer un bei alle Geläächenheite ſo ſchimbſe
dhut?! Un dann mecht ich wiſſe, warum mer ausgeräächent
druff verfalle is, am Freidagawend in de Inneſtadt, ſeidens vun
de Geſchäfte, e äſchibbdiſch Browefinſternis zu verbreide, indem,
daß mer von 6 bis 8 alle Lichter ausgemacht hott, in de Läde
un ſo, ſo daß die Inneſtadt im Glanz vun de Gasladärne de
Eidruck gemacht hott, als ſtind mer korz vor dem Moment, wo
ſeinerzeit noch dichter Näwel iwwer der Erde lag, un eh daß
unſer Herrgott in ſei ewich denkwärdiche Worte ausgebroche i8:
Es wärde Licht! Nemlich, viel dunkler kennt’s damals
aach net gewäſe ſei. Allerdings, was mer mit däre ausgedrehte
Lichtreklame for en Zweck verfolche will, außer dem Ullt, den
wo die Sach mitſich gebrocht hott, indem beſunners helle Kebb.
ihr Licht net unnern Scheffel geſtellt hawwe, ſundern hawwe’s
vor ſich hergedrage alſo der Zweck war doch der, die Stadt=
verwaldung
hochzunemme. Awwer ich glaab, do hott mer ſich
gediſche, dann unſer Stadtverwaldung die ſeecht ſich afach=
Uns is es hell genuch; un wer heller hawwe will, dem is kag
Beſchrenkung uffgeleecht No, un ſo es doch alles in ſchennſter
Ordnung. Un unſer Geſchäftsleit ſolle ſich net muckſe, ſundern
ſolle froh ſei, daß ſe for ihr Geld die Stroße beleichte därfe,
dann was wolle ſe mache, die Schubbladiſte, wann=en die Stadk.
aach däß noch verbiete dhut.
Wie geſagt, der elektriſche Spuk am Freidog, wat nir als
en ſcheene Ulk, un dobei wärdds bleiwe. Un die großordiche
Verkehrsfroge, die wo uff de Haubtverſammlung vum Verkehrs=
verein
gewälſt ſin worrn, dodriwwer redde mer mol in dreißich
Johr, net wahr, Herr Seng. Was awwer den Unglicks=
Balleegadde bedrifft, do ſag ich zwwerhaubt nis mehr dezu,
dann die Sach hott jetzt en Ausſchuß in de Hand, un do is
mit Beſtimmtheit a zunemme, daß mer unner zwag Meechlich=
keite
, die Sach eifach un geſchmackvoll herzurichte, ſicher uff die
dritt verſellt, die wo ſich hinnenooch widder als en Mords=
ſchennieſtraach
endpubbe dhut, indem unſer Bux ſein Kobb doch
dorchſetzt.
Vun Darmſtadt als Kunſtſtadt war uff däre Verſamm=
lung
kaa Redd (was hott aach en Verkehrsverein mit Kunſt
zu dhuk!) un ſo haw=ich wääche dem abgelehnte Nieber=
gallbrunne
mei Maul gehalte, ſundern was dodezu zu ſage is,
däß ſag ich’s nechſtemal.
Die awwwer, die’s ganze Johr uff unſer Stadt ſchenne, un
gehn noochher net ebei wann’s gilt, die kenne mir kimfdich
die Huwwel ausblooſe.....

Humor
Die gute Seele.

Ihr Mann leidet bloß an Waſſerſucht.
Um Gottesnillen, dabei kann er nicht mal ſchwimmen! (Le Rirey
Auch ein Urteil. Zu welcher Entſcheidung ſind Sie gekommen?
fragt der Richter die Geſchworenen. Wir finden den Angeklagten
nicht ſchuldig, erwidert der Obmann, aber wir würden vorſchlagen,
man ſollte ihn verwarnen, daß er das nicht wieder tut.
Befehl ausgeführt. Der Oberſt, der General geworden war, gab
ſeinem Regiment ein Abſchiedseſſen. Leute, fagte er m ſeimer An=
ſprache
, greift rückſichtslos an, was Euch vorgeſetzt wird. Behandelt
is wie den Feind! Gegen Ende des Mahles bemerkte er einen Unter=
offizier
, der zwei Flaſchen Wein einſteckt. Was tun Sie da2 fragt er.
Befehl ausgeführt. Herr General. Wen man den Feind nicht
töten kann, ſoll man ihn gefangen nehmen.
Waffenſtillſtand. Ich dachte, Sie ſprächen nicht mit Frau Müller?
fragt Frau Meier Frau Schulze. Das tue ich auch nicht, antwortet
dieſe, ich habe ſie nur gefragt, was Frau Klein über mich gsſagt mat.

[ ][  ][ ]

Das

ſehöne Hauskleid für die kommende Saiſon.

Ein ſchöner Schlafrock iſt immer
ein Kleidungsſtück, das man in der
Garderobe nicht gern miſſen will.
Beſonders für das Frühjahr und
den Sommer erweiſt er ſich als
ungemein praktiſch; kann man ihn
doch nicht nur im Hauſe, ſondern
auch im Garten und auf der
Veranda verwenden und ſieht mit
einem ſolchen Stück immer gut
gekleidet aus. Auch für unvorher=
geſehenen
Beſuch am Vormittag iſt
ein aparter Schlafrock ſehr wichtig,
denn er hilft raſch aus der Ver=
legenheit
und iſt ſchneller umzu=
nehmen
als jedwedes Kleid. Dar=
um
haben auch die neuen Schlaf=
röcke
überwiegend kleidartigen
Charakter, da man ſie dann viel
beſſer auszunützen vermag.
Die Modelle der kommenden
Saifon halten aus dieſem Grunde
auch nicht mehr an den tpiſchen,
althergebrachten Schlafrockformen
feſt, ſondern man bemüht ſich, hier
ganz neue Wege zu gehen und das
Hauskleid ſo weit als möglich der
Tagesmode anzupaſſen. Für dieſe
Dinge verwendet man immer gern
vorhandenes Material, bisweilen
auch Reſte, die ſich im Hauſe vor=
finden
, weil man auf dieſe Weiſe
unnnötigen Ausgaben aus dem
Wege gehen kann und weil ja auch
die Freude viel größer ſein wird,
wenn man ſich, ſagen darf, daß
man aus faſt wertloſem Zeug
etwas Nettes geſchaffen hat.
Es iſt im Grunde genommen
ſehr leicht, das richtige Material
zu finden, da hier der Phantaſie
ganz freier Lauf gelaſſen wird und
jede Dame ihrer Eigenart Rech=
nung
tragen kann und, von dieſer
Erwägung ausgehend, das wählt,
was ihr zu Geſichte ſteht. Gerade
bei dieſen Modellen kann man
aber auch ſehr originelle Effekte
bringen, ohne aus dem Rahmen
zu fallen, da bekanntlich bei der
Hauskleidung die Betonung der
perſönlichen Note ſehr geſchätzt
wird.
Wiewohl eben heuer die Mode
größte Einfachheit vorſchreibt und
eneie
jede auffallende Garnierung ver=
urteilt
, verwendet man für die
neuen Schlafröcke doch gern hier
und dort ein wenig Aufputz, da
ſolche Modelle, wenn ſie allzu ſchlicht ſind, leicht wirkungslos
ſein können, was bei der Hauskleidung ſicherlich ganz verfehlt
wäre. Etwas Spitze, ein wenig Band, eine ſchöne Metallſchnur
und vor ellen Dingen nette Handſtickereien allerverſchiedenſten
Stils kommen immer gut zur Geltung.
Die Formen der Hauskleider ſind voneinander durchaus ver=
ſchieden
. In der Regel wird man zwar den geraden Typen den ſich gern an die mantelartigen, bisweilen etwas drapierten

Vorzug geben, denn die moderne Frau verabſcheut unnötigen
Krimskrams und überflüſſige Materialverſchwendung, doch ſind
ganz kittelartige Faſſons natürlich nur für ſchlanke Geſtalten ge=
eignet
, während eine kleine oder unterſetzte Figur unbedingt
trachten muß, durch entſprechend lebhaftere Linienführung
ſchlanker und geſtreckter zu erſcheinen. In dieſem Falle wird man

Formen halten, die mitunter durch
breite Reverskragen, auch ſeitlicha
Glocken uſw. eine intereſſante Nott
erhalten.
Aik
Ueber die neueſten Schaffungen
auf dieſem Gebiete unterrichte=
unſere
Bildgruppe.
Die ſitzende Figur zeigt, wiet
man eine ganz ſchlichte Form ( ge=
kreuzte
. Manteltype mit weitett
Trompeten=Aermeln) durch grellb
farbige Wollſtickerei am Unter:
ärmel in reizender Weiſe garnie=
ren
kann. Natürlich darf dieſot
Stickerei nicht etwa nawraliſtiſch
ſein was ja immer in derarti=
ger Anbringung kitſchig wirkenn
müßte , ſondern ſoll ausgeſpro
chen kunſtgewerblichen Charaktem
haben. Wenn man außer dem
Aewneln noch die Enden des an=
geſchnittenen
Schals beſtickt, wirdo
man ſicherlich einen netten Effeka
erreichen können.
Die zweite und dritte Skizze ſinde
als ein= und dasſelbe Modell an
zuſehen, das beiderſeitig tragbarz
und mithin ganz beſonders emp=
fehlenswert
iſt.
Die Außenſeite (Skizze 2) hau
man ſich aus dunkler Seide oder
dunklem, aber leichtem Stoff zud
denken, während die Innenſeite=
(Bild 3) mit Moiré, mit heller,
einfarbiger Seide oder mit einem?
bunten Seidenmaterial eingefüte
tert ſein ſoll. Dieſe Art von Haus= arbeitet man in der Regel!
nicht zu lang, um ſie gegebenen-
falls
(wie dies in der letztbeſpro= Skizze zu ſehen iſt), auch
über dem Pyjama tragen zuu
können. Eine ſolche Umhülle wird=
ſich
auch im Sommer für den
Strand als ſehr praktiſch erweiſen,
weil die Wandlungsfähigkeit die=
ſes
Modells der Trägerin ſehr zu=
ſtatten
kommen muß.
Für ältere Damen wählt man
gern eine Faſſon mit breiten Re=
vers
(Bild 4), die entweder aus
Spitze hergeſtellt werden oder mit
dem bunten Futter dieſes Haus=
kleides
ausgeſchlagen ſind. Eint
durchgezogener Bandgürtel ſtellt
den entſprechendſten Verſchluß dar.
Im letzten Bilde zeigen wir
ein ſehr ſchönes Modell, das durch=
aus
ſchön den Charakter eines
modernen Kleides hat, ſich aber mit den weiten Aermeln und
den Spitzenbeſätzen, die den Ausſchnitt und die Trompeten=
ärmel
abkenten, dennoch auf den erſten Blick als Hauskleid doku=
mentiert
. Der originelle Schnitt mit ſeinem ſeitlich glockigen
Fall wird zweifellos viel Beifall finden, ebenſo der Verſchluß
in Geſtalt einer dekorativen Agraffe,

Willy ungar.

Die große Mode des Abendmantels
widerſpricht zwar der allgemein notwendig gewordenen Ein=
ſchränkung
vollkommen, doch hat die Weiterung des modiſchen
Horizontes, die ſchon ſeit Jahren zu merken iſt, es mit ſich ge=
bracht
, daß vor allen Dingen der abendlichen Aufmachung erhöhte
Aufmerkſamkeit geſchenkt wird. Trotzdem man vielfach geraffte
und gewickelte, vor allen Dingen aber glockige Mantellinien für

den Nachmittag ſieht, wählt man für die Abendumhülle faſt aus=
ſchließlich
die gerade Form, die am wenigſten Material erfordert,
was bei den koſtſpieligen Geweben, die hier zur Verarbeitung
gelangen, keineswegs unweſentlich iſt. In neueſter Zeit ver=
zichtet
man ſogar auf die Pelzverbrämung, teils aus Erſparungs=
rückſichten
teils um den Abendmänteln eine aparte Note zu
geben, indem man Kragen und Manſchetten durch mit Wattelin
unterlegte Metallſtoff=Rollen garniert. In unſerem Bilde
zeigen wir ein ſchönes und leicht nachzuarbeitendes Modell aus
Metallbrokat mit den früher erwähnten Rollen in dreifacher An=
ordmung
geputzt.

Der neue Abendhut
wird, um nicht monoton zu wirken, aus verſchiedenartigem Ma=
terial
hergeſtellt, das aber im Geſamteffekt dennoch ziemlich ein=
heitlich
ausſieht. Man denke hier nur an verſchiedene Metall=
effekte
, wie Gold= und Silberbrokat=Abendhüte, die immer ſehr
gut ausſehen und den Vorteil haben, auch aus verſchiedenen
Materialreſten hergeſtellt werdeni zu können, ſo daß man bei ver=

hältnismäßig geringem Aufwand vortreffliche Wirkungen erzielt.
In unſerem Bilde ſieht man einen ungemein kleidſamen Abend=
hut
, deſſen Kopf ganz weich gearbeitet und aus handgenähten
Silberbändchen hergeſtellt iſt, während der ſchmale, vorne ver=
breiterte
und hochaufgebogene Rand aus glattem Silberlams
gedacht iſt. Ein Geſichtsſchleier aus zarter Silberſpitze ſchmei=
chelt
ungemein. Das ſeitliche Federngeſteck in der Farbe des
Kleides beginnt in Mode zu kommen, wird aber von den meiſten
Damen für den Augenblick wegen des allzu paranten Effektes
noch abgelehnt.

Der Pull=Over
das unerläßliche Garderobeſtück der ſportlichen Mode, iſt für
Ausſüüge ebenſo geeignet wie für den Schneeſport, d. h. für den
Ski= und Eislauf und für die Rodelbahn. Da ſich bunte Töne
in der winterlichen Sonne immer ſehr gut ausnehmen, wählt
man für den neuen Pull=Oper mit Vorliebe farbenreiche Muſter.
Das Neueſte ſind Streifen und Karo=Ornamente. Oft wird auch

eine durchlaufende Deſſinierung mit einem Karomuſter in Vel=
bindung
gebracht, wobei ſich ſehr aparte Oxnamente ergeben,
deren eines wir in der Skizze vor Augen führen. Als beſondere
Neuheit ſind die ungemuſterten Aermel zu erwähnen, die einem
derartigen, bunt deſſinierten Strickmodell in Verbindung m.
der glatten, patentgeſtrickten Paſſe und einem ebenfalls einfal=
bigen
und nur bunt abgekanteten Schal die ruhige Note ſicher).
Man trägt zu ſolchen Wollbluſen gern einen einfarbigen Stric=
rock
, der in ſeiner Schattierung mit jener der flotten Backene
Kappe übereinſtimmt.

[ ][  ][ ]

Nummer 36

Sonntag den 5 Februar 1928

Seite 23

Rlls ich noch Prinz war.. ..
Roman von Paul Hain.
Urheber=Rechtsſchutz Verlag Oskar Meiſter, Werdau Sa.
(Nachdruck verboten)
Sie kniff, ihrer Gewohnheit gemäß, ein wenig die Augen=
ilser
zu, wahrend ſie ihn wie forſchend anſah.
Wir kennen uns doch ſchon langer. fugte ſie hinzu.
Der Prinz lächelte mhſam.
Ach Thereſe war eine feine Menſchenbeobachterin. Er
maißte es ja. Und er hatte es in dieſen Tagen, da ſie nun hier
meilte und er ſo oft mit ihr zuſchmmen war, ſich heimlich beſtati=
zan
müſſen. Es war nicht ſo leicht, ſie zu tauſchen.
Sie hatte ja recht!
Er zeigte ſich gewaltſam froh! Wie ſollte es auch an=
darrs
ſein? Vergebens hatte er auf eine Antwort Anitas auf
gine flehenden Briefe gewartet. lnd doch durfte er ſeine innere
cruhe über das Ausbleiben jeder Miuteilung nicht verraten,
zußte eine ſorgloſe, fröhliche Miene zur Schau tragen, mußte
iih glich über hunderterlei Dinge plaudern.
Es war bei alledem nur gur, daß Thereſe kein abſolut ober=
flEichlicher
Menſch war. Man konnte zuweilen in der Unterhal=
tn
.ng mit ihr die Unruhe vergeſſen, gewiß aber wenn ſie dann
dioch wieder hervorbrach, ja, da konnte er nicht anders als ſie mit
üsertriebener Fröhlichkeit zu mastieren.
Haben Sie Sorgen, Ferdi? Es klingt ein wenig abſurd.
Abber warum ſollte nicht auch ein Prinz Sorgen haben."
Er ſchnippte mit dem Finger.
Aber nein, Thereſe. Wie kommen Sie nur darauf. Nicht
inr geringſten. Noch dazu, da Sie täglich um mich ſind
Nur keine Salonhöflichkeiten, Ferdi.
Es zuckte etwas ironiſch um ihre Lippen.
Mir brauchen Sie doch nichts vorzumachen."
Aber ich beſchwöre Sie, Thereſe, Ihre Beobachtungsgabe in
(hren diesmal täuſchen Sie ſich. Wirklich! Kommen Sie
uuachen wir noch ein Spiel! Nachher müſſen Sie mich auf einige
Sirtunden entſchuldigen. Meine Patienten
Ach, richtig Ihr Kinderheim! Ferdi, Sie müſſen mir das
n. al zeigen. Es iſt ſchön von Ihnen, daß Sie nicht nur
Sie errötete. Hätte Sie ſich da nicht beinahe verredet? Aber
ſtchon fuhr der Prinz fort:
Daß ich nicht nur der Sohn meines Vaters bin, ſondern
qlrich noch einen eigenen Beruf habe, wie? So ungefähr wollten
Grie hoffen lich ſagen, nicht wahr?
Ach Gott
Na, ja ! Für ſeine Geburt kann halt keiner. Ich perſön=
lch
halte es jedenfalls für keinen Vorzug, in einem Schloß ſtatt
in einer Tagelöhnerhütte zur Welt gekommen zu ſein.
Prinzeſſin Thereſe horchte verwundert auf. Der ungewollt
ſſcharfe Ton, in dem der Prinz geſprochen hatte, machte ſie ſtutzig.
Sie ſagte mit Nachdruck:
Jeden alls iſt es doch aber angenehmer, Ferdi.

Hm auch das kommt jeweils auf die Einſtellung an.
Ach Sie ſind heute wirklich recht kurios, bitte, nicht
übel zu nehmen. Allons ein letztes Spiel! Das vertreibt die
Brillen!
Sie lief über den Platz in ihr Spielfeld. Der Prinz be=
jab
ſich an ſeinen Standort.
Halloh!
Die Prinzeſſin ſchlug ſchon den erſten Ball. Er landete
ſcharf am äußerſten Ende des Feldes. Karl Ferdinand konnte
ihn nicht halten.
Jetzt kommts anders, rief Thereſe ausgelaſſen herüber,
ohne daß der feine Spott in ihrer Stimme ſich ganz verwiſchte.
Ein Tennisplatz iſt nämlich kein Ort für prinzliche Katerſtim=
mungen
und moraliſche Anwandlungen! Aufpaſſen!
Ein neuer Ball ſchlug klatſchend vor den Prinzen hin mit
Mühe fing ihn ſein Raket noch auf und gab ihn zurück.
Eine Viertelſtunde ſpäter war er beſiegt.
Das war eine klare und deutliche Revanche! lachte Thereſe.
Und das war gleichzeitig die Strafe dafür, daß Sie vorhin nicht
die Wahrheit ſagten. Aber nun will ich Sie nicht länger mehr
von Ihren anderen Pflichten abhalten. Zum Abend ſehen wir
uns wohl wieder?
Gewiß und wenn es Ihnen recht iſt, muſizieren wir wie
geſtern ein wenig.
Die Prinzeſſin war eine gute Geigenſpielerin.
Herzlich gerne, Ferdi
Aber es ſollte an dieſem Tage anders kommen. Gauz anders.
Als Ferdi ſein Zimmer betrat, fiel ſein Blick ſofort auf das
weiße Kuvert, das ſeltſam fremd auf der Mitte des Schreib=
tiſches
lag.
Eine ſeltſame Angſt krallte ſich in ſein Herz.
Anita?
Aber die konnte doch nicht hierher ſchreiben! Sie wußte
doch nicht, daß er
Seine Schritte waren langſam, wie Blei lag es ihm in den
Füßen. Dumpfe Ahnung war in ihm und doch wieder trotzige
Zuverſicht, daß es gar nicht ſo ſein konnte!
Ach das waren die Nerven! Die Unraſt in ihm! Das
ewige Komödieſpielen!
Nichts weiter.
Nun ſtand er am Tiſch. Faſt wie geduckt.
Blickte auf die Aufſchrift des Kuverts:
Prinz Karl Ferdinand Branzell Schloß Branzell zu
Wien.
Eine feine, ſtolze Handſchrift.
Er drehte den Brief um. Kein Abſender. Sah nach dem
Poſtſtempel.
Da fiel er in den Stuhl vor dem Schreibtiſch.
Herrgott! Das war doch nicht möglich! Sollte Anita wirk=
lich
erfahren haben, daß er nicht der einfache, bürgerliche
Ferdi Branzell war? Die Gedanken verwirrten ſich ihm.
Klarheit! Klarheit!
Er preßte die Lippen zuſammen. Riß das Kuvert auf.
Haſtig zog er den Brief heraus und entfaltete ihn. Seine Hände
zitterten. Das Herz ſchlug ihm unnatürlich laut.

Nun las er die Anrede und eine bleierne Gefaßtheit über=
kam
ihn mit einemmal. Unendlich ſtill war es in ihm. Nur
ganz fein zuckten manchmal die Nerven in den Fingerſpitzen.
Er las:
Mein lieber Ferdi!
Nun habe ich Dir doch noch einmal ſchreiben müſſen, ob=
wohl
ich den feſten Vorſatz hatte, es nicht zu tun. Aber es
ſoll das erſte= und letztemal ſein, und wir wollen dann beide
ohne Bitternis einander verlicren.
Daß ich nun weiß, wer Du biſt, das ſiehſt Du daran, daß
ich Dir, dem Prinzen, ſchreibe. Ich konnte es nicht und
wollte es auch nicht über mich bringen, die von Dir ange=
gebene
Deckadreſſe zu benutzen. Woher ich alles weiß, danach
frage mich nicht. Es war Schicklſalswille, daß ich es erfahren
ſollte. Und damit gut. Wie ich gelitten habe, davon laß mich
ſchweigen. Das liegt nun auch hinter mir. Ich weiß, Ferd
Du wollteſt mich tvohl nicht belügen und Deine Liebe
war gut und rein. Ich danke Dir für den Sommertraum, den
Du mir ſchenkteſt, und werde die Erinnerung daran nie ver=
geſſen
.
Aber nun müſſen unſere Wege wohl auseinandergehen.
Du ſollſt Dir keine Vorwürfe machen, Ferdi. Ich ſehe es ſelbft
ein, daß wir uns nur einer holden Täuſchung hingaben, als
wir von unſerer Zukunft träumten. Es waren Stimmungen
der Seele! Das iſt nun vorbei. Du kannſt und darfſt nie aus
Deinem Kreiſe heraus das iſt ja ſo ſelbſtverſtändlich. Und
meinetwegen ſollſt Du keine Unruhe in Deine Familie brin=
gen
. Es lohnt nicht. Ich zürne Dir nicht, Ferdi und
alſo kannſt. Du auch ruhig über meine Zukunft ſein. Aber
Du darfſt mir nicht mehr ſchreiben, hörſt Du?. Du darfſt nicht
mehr träumen von einer Liebſten, die Dir doch keine Liebe
mehr ſchenken darf. Ich will nicht verbotenes Glück genießen!
Du wirſt mich wohl verſtehen, Ferdi.
Ich habe meine Zukunft ſelbſt in die Hand genommen
und ich danke es Dir, daß ich dieſen Weg gefunden habe. Ich
werde meinem Vater folgen. Vor einer Woche habe ich meine
Stimme prüfen laſſen, und man hat mir eine große Laufbahn
prophezeit. Ich folge dem Rufe der Kunſt. Hindere mich nicht
daran, ich bitte Dich!
Und ich bitte Dich komme nicht und verſuche mich um=
zuſtimmen
! Du erwähnteſt in Deinem letzten Brief etwas da=
von
, daß mein Schweigen Dich zwingen würde, mich doch noch
zu überraſchen. Es hätte keinen Zweck. Denn wenn Du dieſen
Brief erhältſt, bin ich nicht mehr hier.
Aber mein Herz wird noch oft an Dich denken. Und das
muß Dir genug ſein.
Und nun leb' wohl, Ferdi!
Vergiß mich. Oder denke meiner in verſtehender Güte.
Und habe nochmals tauſend Dank ſür dieſen einzigen
Sommer, der nie, nie mehr wiederkehren wird.
Anita.
(Fortſetzung folgt.)

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