Darmstädter Tagblatt 1928


28. Januar 1928

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Nummer 28
Samstag, den 28. Januar 1928.
191. Jahrgang

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Die Prager Sicherheits=Tagung. boftungen aulf eine Bonberſche inon.
Verquickung der Abrüſtungs= und Sicherheitsfrage. Engliſch=franzöſiſche
Gegenſätze. Frankreichs neue Sicherheitsforderungen. England gegen jede Ju der Politik Spanieus bricht eine neue Aera weitgeſteckter
Uebernahme neuer Verpflichtungen.

Sicherheitsfrage
und Abrüſtungsproblem.
Frankreichs Uebergewicht in den Prager
Verhandlungen.
* Berlin, 27. Januar. (Priv.=Tel.)
Am Donnerstag trat in Prag der vom Völkerbund einge=
ſetzte
Sicherheitsausſchuß zur Prüfung der von der ſchwediſchen,
engliſchen und belgiſchen Regierung eingegangenen Denkſchriften
über die Sicherheitsfrage zuſammen. Der Ausſchuß ſteht unter
dem Vorſitz des tſchechoflowakiſchen Außenminiſters Dr. Beneſch
und zählt außerdem zu ſeinen Mitgliedern den Holländer Ruet=
gers
und den Finnländer Holſti.
Der Tagung des Sicherheitsausſchuſſes dürfte für die wei=
tere
Behandlung der Sicherheits= und Abrüſtungsfrage, wenn
auch nicht grundlegende, ſo doch erhöhte Bedeutung beizulegen
ſein. Der Ausſchuß iſt, wie erinnerlich, auf der letzten
Tagung des Völkerbundes auf Betreiben der Franzo=
ſen
und ihrer Verbündeten zur weiteren Behandlung
der Sicherheitsfrage geſchaffen worden. Damit
iſt den Franzoſen eine Verquickung der Abrüſtung
und der Sicherheitsfrage gelungen, die u. a. auch von
der deutſchen Delegation ſtets bisher abge=
lehnt
wurde. Noch auf der letzten Tagung der Abrüſtungs=
kommiſſion
des Völkerbundes hat der deutſche Delegierte Graf
Bernſtorff darauf hingewieſen, daß die Sicherheit durch die Ab=
rüſtung
erreicht werden müſſe, daß ſie jedenfalls ſolange illuſo=
riſch
bleihen werde, als in Europa das Gleichgewicht der Kräfte
nicht hergeſtellt ſei und eine Reihe, waffenſtarrender Nationen
einigen vollkommen entwaffneten Völkern, gegenüberſtänden.
Den Franzoſen iſt es aber trotzdem gelungen, ſich mit der Auf=
faſſung
durchzuſetzen, daß zur Förderung der Abrüſtungsfrage
ein gründliches Studium des Sicherheitsproblemes notwen=
dig
ſei.
Die drei den Prager Beratungen zugrunde liegenden Memo=
randen
über die Sicherheitsfrage drücken im weſentlichen die=
jenigen
Gedänkengänge aus, die bisher immer von den Fran=
zoſen
und ihren Hilfsvölkern einerſeits und von den Englän=
dern
andererſeits im Völkerbund vertreten wurden. Darüber
hinaus enthalten die Vorſchläge nichts weſentlich Neues. Der
ſchwediſche Plan knüpft an Ideen des Genfer
Protokolls an, der belgiſche verweiſt auf das
bisher geſchaffene Syſtem der Sicherheit, und
das engliſche Memorandum vertritt nochmals
die Auffaſſung Englands, die in der Ablehnung
des Genfer Protokolls, in dem Hinweis auf Lo=
carno
und in der Empfehlung regionaler Ver=
träge
gipfelt. Bei der Prager Tagung werden ſich alſo,
wie auch bisher ſtets, die beiden Auffaſſungen, die franzö=
ſiſche
und engliſche, gegenüberſtehen und um den
Vorrang ringen.
England lehnt die Uebernahme neuer Ver=
pflichtungen
durch Schaffung der von Frank=
reich
geforderten Sicherheiten rundweg ab. Es
muß ſich hierbei im weſentlichen von der Lage innerhalb des
britiſchen Weltreiches und von der Stellungnahme der britiſchen
Dominien leiten laſſen, die eine irgendwie geartete Verwicklung
in europäiſche Angelegenheiten ablehnen. Die von Frank=
reich
empfohlene obligatoriſche Schiedsge=
richtsbarkeit
findet darum den ſtärkſten eng=
liſchen
Widerſpruch; ebenſo die von der Pa=
riſer
Regierung dertretene Forderung der
Sanktionskriege. Aus Gründen der Selbſterhaltung
will es keine neuen Verpflichtungen übernehmen, zumal ſeine
eigene Sicherheit durch ſeine Weltmacht geſichert iſt. Im Gegen=
ſatz
hierzu verlangt Frankreich algemein gültige
Schiedsabkommen, gewiſſermaßen einen allgemeinen europä=
iſchen
Sicherheitspakt. Völkerbundspakt, Locarno und
die Beſtimmungen, die im Verſailler Vertrag und im Locarno=
Pakt über das Rheinland ſich befinden, genügen Frankreich noch
nicht; auch das grandioſe Verteidigungswerk und die ſtärkſte
Armee aller Zeiten vermögen in Paris nicht das Gefühl der
Sicherheit zu geben. Frankreich fordert eine noch beſſere Garan=
tie
des Status guo. Um dieſen engliſch=franzöſiſchen Gegenſatz
wird es ſich in Prag im weſentlichen handeln, wobei die Tat=
ſache
, daß Beneſch den Vorſitz führt, den franzöſiſchen Forde=
rungen
von vornherein ein gewiſſes Uebergewicht gibt.
Ueberreichung der deutſchen Sicherheits=
vorſchläge
in Genſ.
* Genf, 27. Januar. (Priv.=Tel.)
Der deutſche Generalkonſul Aſchmann in Genf hat heute
abend dem Generalſekretär des Völkerbundes, Sir Erik Drum=
mond
, die Denkſchrift der deutſchen Reichsregierung zur Sicher=
heitsfrage
überreicht. Die Note wird von Berlin aus ſofort
nach Prag überſandt werden, wo ſie zuſammen mit den eng=
liſchen
, norwegiſchen und ſchwediſchen Projekten und den bel=
giſchen
Bemerkungen zur Sicherheitsfrage den Berichterſtattern

wird. Der Wortlaut der 17½ Folioſeiten langen Note wird
heute abend gleichzeitig in Genf und Berlin veröffentlicht.

Reichsregierung entſchloſſen, von ſich aus den deutſchen Stand=
Mächte auf, ſich zur fakultativen Klaufel des ſtärkerem demokratiſchen Einſchlag, ſtellte er das nationale Ve=
Statutes des Juternationalen Schiedsgerichts
im Haag zu bekennen, da hier Gelegenheit geboten wird, Heer, führte das marokkaniſche Abenteuer zu einem glücklichen
dem Wege des obligatoriſchen Schiedsverfahrens aus der Welt gebrochenen Wirtſchaft eine glückliche Hand.
zu ſchaffen. Die Bedeutung dieſes Memorandums liegt, was
Komitees ſich wieder an die bekannten franzöſiſchen Wünſche,
die in der Schaffung eines Stzſtems von Sondergarantien lau=
fen
, anlehnen werden.
Bemerkungen der deutſchen Regierung zu dem
Arbeitsprogramm des Prager Sicherheits=
komitees
.
Berkin, 27. Januar.
Das Memorandum der deutſchen Regierung, das dem in
Prag tagenden Sicherheitskomitee überreicht worden iſt, betont
zunächſt, daß es die Abſicht der deutſchen Regierung iſt, ihre Auf=
faſſung
über die zweckmäßigſte Geſtaltung der von den Bericht=
erſtattern
übernommenen Vorarbeiten darzulegen, ohne ſchon im
gegenwärtigen Augenblick konkrete Vorſchläge für die Löſung der
verſchiedenen einzelnen Probleme machen zu wollen. Grundſätz=
lich
iſt die deutſche Regierung der Auffaſſung, daß es ſich bei
allen dieſen Arbeiten nicht um theoretiſche Konſtruktionen, ſon=
dern
um praktiſche Maßnahmen handeln muß, da ein nach rein
theoretiſchen Geſichtspunkten aufgebautes Syſten uuter Umſtäun=
den
ſogar das Sicherheitsproblem in gefährlicher Weiſe kompli=
zieren
könnte. Die Möglichkeit, der praktiſchen Verwirklichung
müſſe deshalb bei der Prüfung jeder einzelnen der in Frage
kommenden Maßnahmen ausſchlaggebend ſein.
Der Kernpunkt des Sicherheitsproblems ſei die Vermei=
Krieg beſeitigen, ſo ſei das nur möglich, wenn man für
alle Konflikte, die bisher die Urſache von Kriegen geweſen
Arbeiten des Sicherheitskomitees und den Hauptgegenſtand
ſeiner Beratungen bilden.
Die Fakultativklauſel zum Statut des ſtän=
befriedigende
Möglichkeit, alte Streitigkeiten dieſer Art auf fried=
lichem
Wege zu löſen. Es wird Aufgabe des Sicherheitskomitees
zur alsbaldigen Annahme dieſer Regelung beſtimmt werden
ſchließlich politiſchen Charakter tragen, hat ſich dagegen bisher deu kann. Spaniens finanzielle Hilfe für Portugal hat nicht
die Vorarbeiten anſetzen müßten.
Aufgabe des Komitees müſſe es ſein, für alle Streitfragen land.
ohne Ausnahme ein Verfahren zu ſchaffen, das geeignet
ſei, billige und friedliche Löſungen herbeizuführen.
Der Gedanke, Streitigkeiten von ausſchließlich politiſchem Charakter Luftverkehr, deſſen europäiſcher Ausgaugspunkt zwaugs=
gültigen
Entſcheidung zuzuführen, ließe ſich unter den augenblick= die Eröffnung der Linie BerlinVarelona die erſte Ctappe für
Ausbau des Vergleichsverfahrens, ſei es vor dem Völkerbunds=
ſtatteten
Inſtanzen, möglich.
Verfahren iu einen organiſchen Zufammenhang mit dem Ver= tinien autreten=
fahren
vor den Inſtanzen des Völkerbundes zu bringen. Das
Maß ter zu übernehmenden Verpſlichtungen köune hierbei im ge Vektausſteklung iu Sshillt hericht, netſtlich auich der
wiſſem Grade den örtlichen politiſchen Verhältniſſen, angepaßt. Gedanke einer Auffriſchung alter Familienbande vor. Sämtliche
werden.
Fortſetzung Seite 2, 1. Spalte.)

Neue Ziele Spaniens.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
UI. W. Madrid, im Januar 1928.
Ziele an, deren Verwirklichung, ſofern überhaupt möglich, noch
im Schoße ferner Zukunft liegt.
Die Sonderſtellung der einzigen neutralen Großmacht Euro=
des
Komitees, die augenblicklich in Prag tagen, unterbreitet vas während des Krieges, die durch die ſteilen Kämme der
Pyrenäen von dem ſich zerfleiſchenden Europa getrennt war,
führte Spanien zu einer eigenartigen Entwicklung: das Land
mit den reichen ungehobenen Bodenſchätzen, vor allem Kohle,
Kupfer und Erz. mit den günſtigen Häfen, nahm einen unge=
wöhnlichen
Aufſchwung. Spanien wurde ein Kriegs=
* Am Freitag nachmittag iſt im Sekretariat des Völkerbundes gewinnler, im beſten Sinne des Wortes, ſeine
ein Memorandum der Reichsregierung zur Sicherheitsfrage über= Induſtrie wuchs weit über die Befriedigung des Inlands=
reicht
worden, das auf dem kürzeſten Wege auch der zurzeit in bedarfes und der normalen Exportmöglichkeiten hinaus. Die
Prag tagenden Sicherheitskommiſſion des Völkerbundes mitge= Reaktion trat ein, als beim Sinken der Weltkonjunktur und
teilt wurde. Dieſem Memorandum kommt infofern beſondere beim Wiederaufflammen des Konkurrenzkampfes die Technik
Bedeutung zu, als es praktiſche Vorſchläge zur Sicherheitsfrage Spaniens der anderer Induſtrieländer nicht gewachſen war. Die
macht. Das Prager Komitee iſt im vorigen Herbſt in Genf ge= Induſtrie geriet in Bedrängnis, trotzdem die Regierung um der
bildet worden, um die Vorbereitende Tagung des Sicherheits= Unabhängigkeit vom Ausland willen reichliche Unterſtützung ge=
ausſchuſſes
vorzubereiten. Da die Gefahr beſtand, daß in Prag währte. Die ſchlimmſte Kriſe brachte das Jahr 1923. Sie ſchuf
wieder einmal die franzöſiſche Theſe ſiegen würde, hat ſich die einen politiſchen Tiefſtand, der, durch ungelöſte ſoziale und natio=
nale
Probleme und durch die Mißerfolge in Marokko verſtärkt,
punkt aufs neue klarzulegen und die Momente herauszuarbeiten, in inneren Zerfall auszuarten drohte, Spanien ſtand
die geeignete Sicherheiten zur Vermeidung kriegeriſcher Ver= vor dem Ruin, als Primo de Rivera im September 1923 die
wicklungen bieten. Gleichzeitig fordert Deutſchland die Zügel an ſich riß. Auf din Spuren des Fascismus, aber mit
wußtſein der ſpaniſchen Läuder wieder her, er reorganiſierte das
in befriedigender Weiſe alle Schwierigkeiten ernſter Natur auf Ende und bewies auch bei der Wiederherſtellung der nieder=
So wuchs der Nationalſtolz der Spanier. Sie
beſonders unterſtrichen zu werden verdient, in der Tatſache, daß etinnerten ſich daran, daß uicht nur auf dem Boden derſelben
Deutſchland eine Bekämpfung der Kriegs= heimatlichen Halbinſel ein verwandtes Volk wohnte, ſondert
urſachen wünſcht. Es muß abgewartet werden, ob Und auch daran, daß jenſeits des Atlantik Staaten eriſtierten, zu
wieweit es gelingt, auf der Prager Konferenz den deutſchen denen nahe verwandtſchaftliche Beziehungen beſtehen. Faſt
Gedanken zum Siege zu berhelfen, oder ob die Beſchlüſſe des über Nacht wurde der Gedanke der Zuſammengehörigkeit der
iberiſchen und amerikaniſchen Nationen geboren. Die inner=
politiſchen
Erfolge ſeiner Diktatur ſpornten Primno de Rivera
zu immer wachſendem Tatendrang an. Der Traum des alten
ſpaniſchen Weltreiches ſollte wieder zur Wirklichkeit werden!
Der erſte Schritt zur Wiederherſtellung des alten Kolouial=
beſitzes
wurde in Marokko gemacht. Der zweite, die Vereini=
gung
der iberiſchen Halbinſel zu einem gemeinſamen Bunde, iſt
in die Wege geleitet und der dritte, die Verbindung aller
ſpaniſch ſprechenden Stagten Lateinamerikas mit dem Mutter=
lande
, wird ebenfalls lebhaft in Angriff geuommen.
Alle Handlungen der jetzigen Regierung ſind von dieſer
Idee beeinflußt, und was heute noch faſt grotesk erſcheint, kaun
im Laufe der Jahre an Wahrſcheinlichkeit gewinnen und viel=
leicht
einmal zur Wirklichkeit werden. König Alfons XlII., be=
geiſterter
Anhänger des allſpaniſchen Gedankens, ſoll in dieſem
Jahre eine große Propagandareiſe nach Süd=
amerika
unternehmen; umfaſſende Vorbereitungen ſind im
Gange. Aus der Kritik der diplomatiſchen Unfähigkeit eines
halben Jahrhunderts wächſt der Wille zu einer bewußten Auf=
friſchung
erlahmter Beziehuingen.
Als neuer Mann geht mit großen Hoffnungen Rauiro
Maeztu als Botſchafter nach Buenos Aires. Früher Anhänger
äußerſter ſozialiſtiſcher Idcen, wandelte er ſich gleich Muſſolini
zum Vorkämpfer ſpaniſch=fgsciſtiſcher Ideen. Namiro iſt weder,
Juriſt noch Wirtſchaftler, er iſt ein geſchickter Journaliſt ohne
ariſtokratiſchen Namen ein unbeſchriebenes Blatt. Aber Primo.
dung kriegeriſcher Verwicklungen. Wolle man aber den hat Vertrauen zu ihm und ſeiner Aufgabe, und weitere ähnliche
Ernennungen follen bald erfolgen.
Spaniens günſtige Finanzlage hat die alſpaniſche Politik
ſind, die Möglichkeit einer ausſichtsreichen, friedlichen Be= ſtark gefördert. Argentinien erhielt im vergangenen Som=
handlung
findet. Dieſer Gedanke müſſe nach Auffaſſung mer von Spanien eine Anleihe von 200 Millionen Peſeten,
der deutſchen Regierung den Ausgangspunkt der geſamten eine weitere ſteht in Ausſicht und ſeit einigen Tagen laufeu in
Madrid Gerüchte um, daß Spanien ſich auch der finanziellen
Nöte Portugals annehmen wolle. Noch beſteht keine intimere
Freundſchaft, aber die Beziehungen beſſern ſich zuſehends, und
digen Internationalen Gerichtshofes biete eine erſt vor weuigen Monaten wurde der langjährige Grenzſtreit
wegen der Waſſerkräfte des Duero befriedigend zu Ende geführt.
In Kürze ſoll der ſchon vereinbarte ſpaniſch= portugie=
ſein
, zu prüfen, auf welche Weiſe eine größere Zahl von Staaten ſiſche Freundſchaftsvertrag ratifiziert werden und
in einigen Wochen tritt eine ſpaniſch=portugieſiſche Wirt=
könne
. Ein entſprechendes allgemeines Verfahren ſchaftskonferenz zuſammen, als deren Vorläufer eine
für Streitigkeiten, die keinen rechtlichen, ſondern aus= dieſer Tage zuſtande gekommene Bankgründung bezeichnet wer=
noch
nicht verwirklichen laſſen. Dies ſei deshalb der Piukt, in dem nur den politiſchen Wert freundſchaftlicher Beziehungen, ſondern
auch den wirtſchaftlichen Vorteil der Beſchäftigung der ſpaniſchen
Induſtrie für Hafen=, Bahn= und Straßenbauten im Nachbat=
Spauiens Südamerikapolitik wird geſtärkt durch ſeine geo=
graphiſche
Lage, beſonders beim zukünftigen transatlantiſchen
ſämtlich durch eine Schiedsinſtanz eiuer obligatoriſchen und end= weiſe in Spanien oder Portugal liegen muß. Schon iſt durch
lichen Verhältniſſen noch nicht verwirklichen. Jedoch wäre ein die künſtige Luftverbindung zwiſchen den beiden Fontzinenten
geſchaffen. Bald folgt die Veubindung mit deu kauadiſchen Ju=
rat
, ſei es vor beſonderen, mit hinreichender Autorität ausge= ſeln, einer ſpaniſchen ſoletie, uud der letzte Sprung iber Lod
Verde, Fernando, Noronha nach der braſiligniſchen Küſte iſt
Ein derartiges Syſtem der frtiedlichen Streitſchlichtung köunte, bald getan. Jedenfals darf mat anuchmen, daß dieſe Luſt=
ſowohl
in zweiſeitigen Verträgen als auch in Ver= verbindung eher zuſtande kommt als die Verbindung mit Nerd=
trägen
beſtehen, die eine größere Anzahl von Stag= amerika, da die Verhäliniſſe im Eiden ungleich beſſer ſind. Als
ten umfaſſen. Die nur zweiſeitigen Verträge würden an Pionier ſoll ja auch ſchon im kommenden Herbſt der erſte ſtua=
Wirkſamkeit gewinnen, wenn es gelänge, das darin vereinbarte niſche Zeppelin ſeine Jurgfernreiſe nach Braſilien und Argeu=
Auf der zur ſelben Zeit ſtatifindenden pauiberiſchen
amerikaniſchen Staaten einſchließlich der 1. S. A., und natür=
lich
auch Portugal werden vertreten ſein. Auch die Beteiligung

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Seite 2

Samstag den 28 Januar 1928

Nummer 28

an einer anderen Ausſtellung dieſes Jahres, der Preſſa in
Köln, erfolgt unter den paniberiſchen Gedanken. Spanien
hat ein großes Terrain in Köln gepachtet, es läßt dort durch
ſpaniſche Architekten einen Pavillon im Stile eines hiſtoriſchen
ſpaniſchen Baudenkmals errichten, und es hat alle Länder Latein=
amerikas
eingeladen, im Rahmen einer Kollektivbeteiligung,
geſchart um das Mutterland, die kulturelle Zuſammengehörigkeit
aller Länder ſpaniſcher Zunge zu dokumentieren. Das ſind
einige ſichtbare Akte einer ganz beſtimmten, konſequent verfolg=
ten
Politik. Daneben einige Beiſpiele für die Befolgung des
Grundſatzes, daß kleine Geſchenke die Freundſchaft
erhalten. Primo de Rivera hat großmütig auf das Geld
verzichtet, das Uruguay für die ſpaniſche Unterſtützung des
Europafluges uruguayiſcher Flieger bezahlen ſollte. Dieſe Geſte
bringt doppelten Segen: mit dieſem Betrag iſt der Grundſtock
für ein Cervantes=Denkmal in der Hauptſtadt Uruguays geſchaf=
fen
worden. Weiter hat Spaniens Diktator ſoeben beſtimmt,
daß die ſeinerzeit den Kubanern abgenommenen Kriegs=
trophäen
, die im hieſigen Artilleriemuſeum ausgeſtellt
waren, feierlichſt ihren früheren Eigentümern überbracht wer=
den
! Für Primo de Riveras Weitblick war es ja ſchon bezeich=
nend
, daß er ſchon vor einem Jahre einen Luftfahrtvertrag mit
den ſüdamerikaniſchen Staaten abſchloß, als ein regelmäßiger
Amerika=Flugverkehr noch in phantaſtiſcher Ferne ſchwebte.
Und wie wird Spaniens umfaſſende Liebe beantwortet?
Portugals Sympathien für den großen Nachbarn ſind noch etwas
problematiſch, was aber nicht viel zu bedeuten hat, wenn ſeine
Unabhängigkeit nur in gewiſſem Maße gewahrt bleibt. Die
amerikaniſchen Völker ſind gewiß Söhne, die dem Schoße der
Familie entwuchſen. Viele gemeinſame Intereſſen ſind vor=
handen
, und vor allem ermöglicht die tiefe Abneigung Latein=
amerikas
gegenüber den Angelſachſen ſchon manche Hoffnungen
auf eine paniberiſche Union.

Die deutſchen Sicherheitsvorſchläge.
(Schluß von Seite 1.)
Wem die Inſtanzen, die zur endgültigen Entſcheidung be=
rufen
würden, mit der nowwendigen Artorität ausgeſtattet und
wenn die Grenzen ihrer Zuſtändigkeit mit der erforderlichen Ge=
nauigkeit
umſchrieben ſeien, könne kaum angenomen werden,
daß ein Staat es wagen würde, ſich über eine ſolche Entſcheidung
hinwegzuſetzen.
Für den Fall, daß gleichwvohl die Mittel friedlicher Streit=
ſchlichtung
verſagen ſollten, ſtünden dem Völkerbund die
Beſtimmungen ſeiner Satzung über Kriegsverhütung und
Bekämpfung des Friedensbruches zur Verfügung.
Die in Artikel 11 der Völkerbundsſatzung gebotenen Möglichkei=
ten
wünden ſich über den Rahmen der Satzung hinaus durch be=
ſondere
freiwillige Verpflichtngen ergänzen laſſen, die Gegen=
ſtand
einer Vereinbarung zwiſchen einer großen Anzahl der Völ=
kerbundsmitglieder
ſein könnten, ähnlich wie z. B. die in Locarno
vereinbarten Beſtimmngen der Artikel des Rheinpaktes ſowie
der Artikel 19 der Schiedsverträge. Die Wirkſamkeit aller Siche=
rungen
dieſer und anderer Art werde außerordentlich verſtärkt,
wenn es endlich dazu kome, die allgemeine Abrüſtung durchzu=
führen
.
Es ſei vorgeſchlagen worden, regiowale Verträge abzuſchlie=
ßen
, die dem Sicherheitsbedürfnis eines beſtimmten Gebietes
Rechmung trügen. Demgegenüber müſſe man ſich aber darüber
Füar ſein, daß
die Erhöhung der Sicherheit einzelner Staaten auf Koſten
der Sicherheit anderer Staaten keinen Fortſchritt im Sinne
des Friedens darſtelle..
Dies würde leicht zu einer Spalvung des Bundes führen und
jede gemeinſame Ation des Völkerbundes lähmen. Nach An=
ſicht
der deutſchen Regierung, kommt es ſomit
darauf an, das Sicherheitsproblem in ſeinem
Kernpunkte, der friedlichen Behandlung aller
Art von Staatenkonflikten, anzupaſſen. Wollte
man ſtatt deſſen den Kriegsfall und die Regelung wilitäriſcher
Sanktionen zum Ausgangspunkt nehmen, ſo käme das dem Ver=
ſuche
gleich, das Haus vom Dach aus zu bauten. Der Krieg
laſſe ſich nicht dadurch verhüten, daß man den
Krieg gegen den Krieg vorbereite, ſondern nur
dadurch, daß man ſeine Urſachen beſeitige. Das
ſei nur möglich, wenn eine Friednsordnung geſchaffen werde, die
die Beſeitigung aller den Weltfrieden gefährdenden internationa=
len
Verhältniſſe gewährleiſte.

Vom Tage.
Von zuſtändiger Stelle wird mitgeteilt, daß die württember=
giſche
Staatsregierung in Berlin gebeten hat, den
Sparkommiſſar nach Württemberg zu entſenden.
Der Vorſtand des Einheitsverbandes der deutſchen Eiſenbahner
hat beſchloſſen die Lohntarifbeſtimmungen zum
1. April zu kündigen. Der geſchäftsführende Vorſtand ſoll die
erforderlichen Schritte einleiten.
Wie wir von unterrichteter Seite zu den Meldungen, die von
deutſch=litauiſchen Verhandlungen, über den Abſchluß
eines Freundſchaftsvertrages wiſſen wollen, erfahren, wird nur über
einen Schiedsvertrag, wie ihn Deutſchland bereits
mit vielen europäiſchen Staaten abgeſchloſſen hat
verhandelt.
Der deutſche Botſchafter in Amerika, v. Prittwitz, machte
Kellogg ſeinen Antrittsbeſuch.
Der japaniſche Botſchafter in Moskau wind ſich demnächſt nach Tokio
begeben. Er werde dort beauftragt werden, nach der Rickkehr auf ſeinen
Poſten in Moskau über einen neuen japaniſch=ruſſiſchen
Handelsvertrag zu verhandeln.
Der jugoſlawiſche Miniſter für Volksgeſundheit
Dr. Alexander Sawitſch iſt in Niſch geſtorben. Sawitſch war
Mitglied der radikalen Partei,
Die griechiſche Regierung verweigerte dem fran=
zöſiſhen
Dichter Barbuſſe, der einer Einladung der grie=
chiſchen
Kommuniſten Folge leiſten wollte, die Einreiſe nach
Griechenland.
Die Parteileitung und die Fraktion der nationalen Bauern=
partei
in Rumänien haben eine ſcharfe Kampfanſage
an die rumäniſche Regierung formuliert, in der eie Entſchei=
dung
bis zum 1 März gefordert wird.
Aus Mexuko wird gemeldet, daß Präſident Calles einen
Zuſatzantrag eur Veraſſung unterzeichnet hat, wodunch das Mandat
des Staatspräſidenten von 4 auf 6 Jahre verlän=
gert
wird.

Die Aufnahme in Genf.
EP. Genf, 27. Jamtar.
Die Denkſchrift der deutſchen Regierung zum Sicherheits=
problem
findet in Genf allgemein eine ſehr günſtige Aufnahme.
Auch in franzöſiſchen Kreiſen begrüßt man die Gedankengänge
und den Geiſt der deutſchen Note und nennt ſie einen wert=
vollen
und prinzipiellen Beitrag zur Löſung der Sicherheits=
frage
. Man ſtellt mit Befriedigung feſt, daß die Node, die ſich
in einigen Punkten der engliſchen Theſe ſehr nähert, gewiſſe
Geſichtspunkte enthalte, die auch Paul=Boncour in den Ver=
handlungen
der Vorbereitenden Abrüſtungskonferenz vertreten
habe. Obwohl wie zu erwarten war der deutſche
Standpunkt nur in der Abrüſtung die Voraus=
ſetzung
der Sicherheit ſieht und die deutliche
Ablehnung jeden Sanktions= und Allianz=
ſyſtems
in der Note ſehr präziſen Ausdruck
findet, ſieht man ſie in Genf, ſowohl nach ihrem ganzen
Inhalt, als auch was ihr beſonderes Eingehen auf die tieferen
Gründe von Kriegsurſachen angeht, als einen außerordentlich
beachtenswerten Verſuch einer Löſungsformel für das geſamte
Sicherheits= und Abrüſtungsproblem an.
Die Luft=Rüſiungen Amerikas.
London, 27. Janutar.
Der Chef der Luftfahrtabteilung des amerikaniſchen Marine=
aurtes
, Konteradmiral Moffett, erklärte vor dem Flottenkomitee
des Repräſentantenhauſes, daß 759 Flugzeuge nötig ſeien, um
die in dem Flottenbauprogromm vorgeſehenen fünf Flugzeug=
mutterſchiffe
und 25 Kreuzer mit Flugzeugen zu verſehen. Unter
Hinzurechnung der in dem Bauprogramm für die nächſten fünf
Jahre vorgeſehenen 1000 Flugzeuge würde die amerikaniſche
Marine in 21 Jahren eine Erhöhung ihres Flugzeugparkes um
1759 Flugzeuge erfahren. Die Flugzeugmutterſchiffe würden
Unterbringungsmöglichkeiten" für 375 Apparate erhalten, die
Kreuzer für 100, während 250 Flugzeuge für Uebungszwecke und
234 Flugzeuge als Reſerve benötigt würden.
Die Verhandlungen mit Woldemaras.
Berlin, 27. Januar.
Heute mittag wurde der litauiſche Miniſterpräſident Wol=
demaras
vom Reichspräſidenten empfangen. An dem Empfang
beteiligte ſich auch der Berliner Geſandte Litauens, Sidkikauskas.
Es fand hierauf ein Frühſtück in der litauiſchen Geſandtſchaft
ſtatt, an dem zahlreiche in Berlin anweſende ausländiſche Di=
plomaten
teilnahmen. Die Verhandlungen mit den litauiſchen
Abgeordneten werden am heutigen Nachmittag im Auswärtigen
Amt fortgeſetzt.

Die Waffenſchmuggel=Affäre.
Die Auffaſſung des Völkerbundes. Vorerſi
keine Veranlaſſung zum Eingreifen.
EP. Genf, 27. Januar.
Zu den Aeußerungen im tſchechiſchen Parlament und zu den
Prager, Pariſer und gewiſſen Londoner Preſſemeldungen, die
ein Verſagen des Völkerbundes in der St. Gotthard=Affäre kon=
ſtatieren
wollen, weil der Völkerbund aus eigener Initiative
noch keinen Gebrauch von ſeinem Inveſtigationsrecht gegen Un=
garn
gemacht hat, weiſt man in Genf auf die Beſtimmungen des
Inveſtigationsreglements hin, das ein ſelbſtändiges Eingreifen
des Völkerbundes ausſchließt. Die Inveſtigationsbeſtimmungen
legen ausdrücklich feſt, daß nur auf den präziſen Antrag eines
oder mehrerer Staaten Juveſtigationsbegehren vor den Rat ge=
bracht
werden können, der dann mit Mehrheit ſeiner Mitglieder
beſchließen muß, eb und in welcher Form dem Antrag ſtattge=
geben
werden kann. Da ein entſprechender Antrag bis jetzt
weder aus Prag noch aus Belgrad in Genf vorliegt, beſteht für
den Völkerbund kein Anlaß, ſeinerſeits einzugreifen, zumal er
ja auch nicht ſelbſt, ſondern immer nur die im Rat oder in der
Vollverſammlung vertretenen Mächte aktionsberechtigt ſind. Ein
eigenes Eingreifen in dieſem Falle ginge über die Kompetenz
des Sekretariats hinaus, ſolange nicht der Rat auf Antrag eines
Mitgliedes oder eines Mitgliedſtaates einen entſprechenden Be=
ſchluß
gefaßt hat.
Pariſer Stimmen zur Waffenſchmuggel=Affäre
Die Verzögerung des beveits vor einiger Zeit von der Tſchechoflo=
wakei
und Südſlawien angekündigten Antuages auf eine Völkerbunds=
unterſuchung
in der ungariſchen Waffenſchmuggelaffäre findet in der
heutigen Morgenpreſſe große Aufmerkſamkeit. Die von Seydoux heraus=
gegebene
Wochenſchrift Paix wirft die Frage auf, ob Titulescu einem
gemeinſchaftlichen Druck von Rom, Berlin und London nachgegeben
habe und ob Budapeſt ihm Verſprechungen über die Beilegung der
Optantenfrage gemacht habe. Die Gegner der Kleinen Entente dürften
ſich mit Recht über dieſes beklagenswerte Schauſpiel lrſtig machen.
Ein Teil der Morgenpreſſe bezeichnet unter Hinweis auf die von
dem ſtellvertretenden Außenminiſter Ducn abgegebenen Erklärungen,
daß die Angelegenheit nicht dringlich ſei, die Haltung Rumäniens als
zweifelhaft. Mit Recht erklärt Jules Sauerwein, die ſchnelle Rege=
lung
des Zwiſchenfalles ſei für den Kredit des Völkerbundes umbeéingt
erforderlich, denn andernfalls würden diejenigen Länder, die gegen die
Abrüſtüng ſeien, ein zweckdienliches Argument erhalten, wenn ſie darauf
hinweiſen könnten, daß der Völkerbund ſich bei der erſten Gelegenheitz,
wo er einen unter Verbetzung der Verträge rüſtenden Staat abfaſſen
könnte, ſich ohnmächtig erwieſen habe. Petit Paziſien glaubt im
Gegenſatz zu den meiſten Blättern, die von einem Verſchleppungsmanö=
ver
MuſſoliniTitulescu ſprechen, daß nur eine leichnte Verzögerung
in der Ueberreſichung der Note an den Völkeubund eingetreten ſei, weil.
man den Verlcorf der in Rom zwiſchen den beiden Staatsmännern ge=
führten
Verhandlungen nicht ſtöven wolle. Es ſci wenig wahrſcheinlich,
daß die rumäniſche Regierung ſich in dieſer Angelegenheit von der Pra=
ger
und Belgrader Regierung trennen werde. Das Wlatt will ferner
wiſſen, daß Titmleseu am Sonntag in Paris eintreffen und mit Briand
Beſprechungen haben werde, die durch ſeine Reiſe nach Rom eine ganz
andere Bedeutung erhalfen.
Die Beſprechung Titulescu Muſſolini.
EP. Rom, 27. Januar.
Der rumäniſche Außenminiſter Titulescu hat über ſeine Be=
ſprechungen
mit Muſſolini und über die Klärung der Lage
Erklärungen abgegeben, in denen es u. a. heißt: Indem ſich die
italieniſch=rumäniſche Freundſchaft auf den Wunſch zur Erhal=
rung
des Friedens und des status auo ſtützt, trägt ſie auf dem
Gebiete der allgemeinen Politik zur Erreichung des gleichen
Zieles bei, die insbeſondere die Politik der Kleinen Entente
verfolgt. Dieſe iſt Lebensnodwendigkeiten der Nachkriegszeit
entſprungen, die eine ſofortige Organiſation erheiſchten. Die
Kleine Entente iſt ein Defenfivbündnis, das
die Erhaltung des Friedens im Rahmen der
Verträge bezweckt. Alles, was den Frieden auf dem
Balkan ſtärken könnte, intereſſiert Rumänien im ſtärkſten Maße.
Ich zögere nicht zu betonen, daß der Beſtand des freien
und unabhängigen Albanien das ſicherſte
Friedenspfand auf dem Balkan iſt. Das iſt die tra=
ditionelle
Politik Rumäniens. Ich gebe auch der Ueberzeugung
Ausdruck, daß die gegenwärtigen Schwierigkeiten unter der
Aegide der großen gemeinſamen Intereſſen aller Kulturſtaaten
überwunden werden können. Dieſe Intereſſen müſſen alle Er=
örterungen
von Sonderfragen beherrſchen. Italien iſt in
voller Expanſion begriffen und bildet einen
Faktor, dem man in der allgemeinen Politik
immer mehr Rechnung tragen muß. Ich bin beſon=
ders
glücklich über meinen Beſuch in Rom, weil ich die bewährte
Ueberzeugung mitbringe, daß jedes Land, das eine Friedens=
politik
verfolgt, in Italien Unterſtützung findet.

*Or. Paul Scheven.
Es war um die Zeit der Lichten Sonntage, da lernte ich
ihn kennen den Dr. Paul Scheven den Bettelmönch von
Dresden. Noch gar nicht ſo lange zurück da hat Dr. Scheven
wegen ſeiner Verdienſte um die öffentliche Wohlfahrtspflege an
ſeinem 75. Geburtstage die Goldene Ehrendenkmünze der Stadt
Dresden verliehen bekommen. Und immer wieder, wenn ich in
Dresden weile, treffe ich den alten Freund, der eigentlich ganz
jung iſt, denn unter dem buchſtäblichen Einſatz ſeiner Nachtruhe
ſammelt er in Dresdener Reſtaurants für die verarmten Alten.
Seine Tätigkeit iſt weitverzweigt, denn er iſt Vorſitzender des
Vereins gegen Armennot und Bettelei, er iſt Mitglied des Städ=
riſchen
Wohnungsausſchuſſes und des Vorſtandes des Zentral=
arbeitsnachweiſes
. Alle Menſchen, die Dr. Scheven näher kennen
lernen, bewundern die Act, wie hier eine völlig unſcheinbare,
aber doch ſehr mühevolle Arbeit geleiſtet wird.
Ich bin glücklich, daß Dr. Scheven ſich die Mühe gemacht hat,
mich in meinem Dresdener Heim aufzuſuchen, um von ſeinem
arbeitsreichen Leben zu berichten: Mir geht’s mit dem Alter
wie unſerem jubiläumsheiligen Franzislus mit der Armut,
die ſeine Braut war. Armut und Alter ſind oft genug mitein=
ander
verſchwiſtert, und ſo bin ich in gewiſſem Sinne mit Fran=
ziskus
verſchwägert . . . Die Liebe zum Alter iſt nicht erotiſcher,
auch nicht platoniſcher Natur, ſondern rein agapiſch, d. h. men=
ſchenfreundlich
. Die Reize des Aters quellen nicht aus dem
Körper, ſondern aus der Scele, nur die Augen enthüllen ſie, die
aus wanchem runzeligen Geſicht wie Abendſterne unter Wolken
hervorleuchten.
Mit wahrhaft rührender Großherzigkeit haben Engländer
und Deutſchamerikaner der Not unſerer Alten zu ſteuern ver=
ſucht
. . . Die engliſchen Unterſtützungen gewinnen dadurch noch
einen beſonderen Wert, daß in England ſelbſt die Wohltätigkeit
durch Streiks mit Gefolge von Hilfsbedürftigkeit ſehr in Anſpruch
genommen worden iſt und die Geber nicht Deutſch=Engländer,
ſondern Vollblut=Engländer ſind, die den aufrichtigen Wunſch
hegen, der Schweſternation die Bruderhand zu reichen.
Ganz beſonders erquicklich für’s Gemüt, wenn auch mitunter
ermüdend für meine alten Knochen, verlaufen die regelmäßigen
Bittgänge . . . Gerade die Beharrlichkeit, mit der ich ſammle,
gefällt dem Publikum. Iſt es nicht ein recht undankbares Ge=
ſchäft
, abends ſo ſpät herumzulaufen? höre ich oft. Im Gegen=
teil
, es iſt dankbar nach jeder Richtung hin. Dankbar ſind mir
die 400 Alten unſerer Pflege, dankbar bin ich allen Spendern
dankbar ſind mir ganz im Ernſt gar manche Spender, daß ich
ihnen das angenehme Gefühl verſchaffe, irgend jemand Liebes
zu erweiſen. Dankbar ſind mir manche für allerhand Auskunfte.

und Winke; ſo zum Beiſpiel bitten mich oft wohltätige Seelem
um Nachweiſung verſchämter Armer, denen ſie helfen möchten,
etwa durch regelmäßige Verabreichung von Mittageſſen und ab=
gelegten
Sachen.
Abweiſungen ſind ſelbſtverſtändlich keine Seltenheit. Fremde,
die ſchon in der Heimat hochbeſteuert ſind, oder Heimiſche, die
ſchon durch Verwandte, oder Geſchäftsleute aus der Lebens=
mittelbranche
viel Armenzuſpruch haben, lehnen erklärlicherweiſe
meiſtens ab. Kalte Bemerkungen wie: Ihre Sache intereſſiert
mich gar nicht, oder: In Gaſtwirtſchaften gebe ich grundſätzlich
nichts, haben mitunter etwas Verletzendes. Es gilt auch hier:
Der Ton macht die Muſik. Es iſt eine beſondere Kunſt, den
Gäſten durch den Ton der Bitte, durch die ganze Erſcheinung
oder ein paar kurze Worte Luſt zum Geben zu machen. Man
muß ſich ängſtlich hüten, läſtig zu fallen oder Mißmut merken
zu baſſen. Wie Gott den fröhlichen Geber lieb hat, ſo die Gäſte
den fröhlich Bittenden. Ein heiteres Geſicht weckt optimiſtiſche,
ein mißmutiges Geſicht peſſimiſtiſche Gedanken Nicht die
Gabe, ſondern die Geſinnung macht’s.
Vor Macht und Gold
bewahr mich Gott,
denn beiden iſt der Teufel hold.
Bewahr vor Kramkheit mich und Not,
dann iſt auch Glück mein täglich Brot.
In dem Trachten nach Macht und Einfluß habe ich immer
eine ſchwere Verſuchung zum Mißbrauch erblickt. Des Goldes
kann man ſich leicht entledigen; der Macht nicht. Wenn man in
einflußreicher Stellung iſt, ſoll man ihr gerecht werden; dabei
ſtraucheln die meiſten.
Der Wille iſt frei, aber nicht der Körper, ſondern die Seele
muß ihn beherrſchen, ſonſt ſtürmt er ziellos darauf los wie ein
ungebändigtes Roß. Das Schwerſte iſt, ihn bei den alltäglichen
kleinen Regungen feſt im Zaume zu halten, um nicht Jähzorn.
Eigennutz, Unwahrhaftigkeit, Liebloſigkeit mit Laxheit zu be=
handeln
, wohlverſtanden nicht in anderen, ſondern im eigenen
Herzen.
Friedrich Wilhelm Fuchs, Dresden.
Kunſi, Wiſſenſchaft und Leben
Zum Ibſen=Jubiläum. Das norwegiſche Kultus=
miniſterium
in Oslo hat in dieſen Tagen ein Komitee gebildet
das die Programme zu dem großen Feſt entwerfen ſoll, das die
Regierung zum hundertjährigen Todestag Ibſens plant. Die
offiziellen Feſtlichkeiten werden vom 14. bis 20. März in Oslo
und vom 21. bis 23. März in Bergen ſtattfinden. Es ſind u. a.
Aufführungen von Ibſens Werken und Feſtvorſtellungen an der
Osloer Univerſität in Ausſicht genommen.

*Der Wunſch einer Sterbenden.
Von Oscar A. H. Schmitz.
Das etwa ſiebzigjährige Fräulein Claire aus dem Schwei=
zer
Kanton Vaud war in der Zeit, als mam in Deutſchland noch
Franzöſinnen zur Kindererziehung ins Haus nahm, in die Fami=
lie
des Großhändlers und Konſuls Jakob Bergſträßer gekom=
men
. Ihre Zöglinge lebten längſt erwachſen in der Welt, aber
niemand dachte daran, die anſpruchsloſe, ſich überall vützlich
machende Mademoiſelle zu entlaſſen, die niemand mehr auf
dieſer Erde hatte als die Bergſträßers. So war die dünne, kleine
Greiſin mit den warmen braunen Augen ein ſich nie bemerkbar
machendes Glied des Haushaltes geworden, und es iſt wohl
Jahrzehnte lang nicht ein Mal vorgekommen, daß ſie einen
Dienſtboten für ſich perſönlich in Anſpruch genommen hätte. Da
geſchah es nun an einem Novemberabend nach neun Uhr, daß
ſie von ihrem Zimmer aus läutete. Das Stubenmädchen fand
die Mademoiſelle im Bett liegend. Mit ſchwacher Stimme bat
ſie, die Frau Konful möge doch gleich zu ihr heraufkommen, ſie
fühle ſich ſehr übel.
Frau Konſul Bergſträßer, eine etwas ſchwerfällige Matrone,
wußte, daß nur eine ernſte Urſache die Mademoiſelle bewegen
konnte, ihr zuzumuten, noch abends die drei Treppen der Villa
hinaufzuſteigen, und ſo befand ſie ſich denn nach einigen Minu=
ten
am Krankenbett. Das alte Fräulein ſtreckte ihr die kraftloſe,
kleine Hand entgegen und ſagte mit zitternder Stimme, die Frau
Konſul wiſſe ja, daß ſie nie im Leben etwas für ſich beanſprucht
hätte, jetzt aber müſſe ſie ihre erſte und letzte Bitte erfüllen, näm=
lich
gleich den Herrn Korſul kommen laſſen, wo er auch immer
ſei, denn ſie könne nicht ſterben, ohne ihrem Wohltäter, der ihr
ein Vater geweſen, zum Abſchied für alles Gute zu danken. Sie
ſei gewiß, daß ſie keine Stunde mehr zu leben habe, das Herz
verſage ihr.
Frau Bergſträßer telet honierte beſtürzt ſelbſt in den nahen
Klub ihres Mannes und erfuhr, daß er dort in einer Viertel=
ſtunde
erwartet wurde. Der Diener verſprach; ihm ſofort die
Nochricht der Frau Konſul zu beſtellen. Dann rief ſie den Haus=
arzt
an und begab ſich wieder zu der Kranken. Dieſe wagte kaum
ein Wort zu ſprechen, aus Furcht, ihren kleinen Reſt von Lebens=
kraft
zu verſchwenden, ehe ihr Wohltäter erſchien. Schweigend
hielt ſie die Hand der bei ihr Sitzenden feſt. Einen Augenblick
leuchteten ihre Augen auf, als man draußen jemanden hörte,
aber es war nur der alte Sanitätsrat Zurlinden.
Kaum hatte ſich dieſer der Sterbenden genähert, als plötzlich
ſicrper ging; ſie richtete ſich etwas
te en von neuem und ſie fküſterte

[ ][  ][ ]

Nummer 28

Samstag den 28 Januar 1928

Seite 3

Das Schulgeſetz geſcheitert?
Das Zentrum im Kampf gegen die Simultanſchule unterlegen. Kriſengerüchte
Der Etat gefährdet? Ein Druck des Zentrums auf die Koalition.

Die Kriſe im Regierungsblock.
Verhandlungspauſeoder Reichstagsauflöſung?
Die letzte Entſcheidung beim Zentrum.
Berlin, 27. Januar.
Der Bildungsausſchuß des Reichstages erledigte heute nach
längerer Ausſprache auch den Paragraphen 20 des Reichsſchul=
geſetzentwurfs
. Annahme fand dazu der Antrag der Deutſchen
Volkspartei, wonach es in den Simultanſchulländern bei dem
bisherigen Zuſtand verbleibt. Die Annahme erfolgte mit 15 gegen
13 Stimmen der Deutſchnationalen, des Zentrums und der Baye=
riſchen
Volkspartei.
* Die Entſcheidung über das Reichsſchulgeſetz
iſt am Freitag nachmittag gefallen: Der Bildungsausſchuß
des Reichstags hat den Antrag der Deutſchen Volks=
partei
auf Erhaltung der Simultanſchule im den
Ländern, wo ſie beſteht, mit den Stimmen der Oppo=
ſitionsparteien
gegen Zentrum, Deutſchna=
tionale
und Bayeriſche Volkspartei angenom=
men
und damit eine Lage geſchaffen, aus der es kaum noch
einen Ausweg gibt. Das Zentrum hat das Spiel in der erſten
Leſung verloren und muß nun ſehen, wie es die Fortſetzung
findet.
Es hat zwar im Bildungsausſchuß geſchwiegen, läßt aber
unter der Hand verbreiten, daß es jetzt für eine ſchleunige Klä=
rung
ſorgen werde. Wenn man den Stimmen, die aus dem
Zentrumslager kommen, unbedingt Glauben ſchenken will, dann
werden ſich die Dinge ſo entwickeln, daß die Zentrums=
fraktion
des Reichstags in den allernächſten Tagen be=
reits
eine Erklärung formuliert, worin ſie feſtſtellt, daß
das Schulgeſetz, wie es aus der erſten Leſung im Ausſchuß
hervorgegangen iſt, in drei Punkten für ſie unannehm=
bar
iſt: die Konſtruktion der Bekenntnisſchule, die Frage des
geordneten Schulbetriebs und die Erhaltung der Simultanſchule
ſind für das Zentrum untragbar. Das Zentrum will an=
geblich
beſtimmte Fragen ſtellen, die es den übrigen
Koalitionsparteien zuleitet, um von ihnen ein klares Ja oder
Nein zu erhalten. Die Antwort kann bei der Deutſchen Volks=
partei
nur ein Nein ſein. Das müßte dann für das Zentrum,
ebenſo wie für die Bayeriſche Volkspartei die Folge haben, daß
ſie ſofort ihre Miniſter aus dem Kabinett zurückziehen, womit
die Koalition ihr Ende hätte und wir unmittelbar vor den Neu=
wahlen
ſtänden. Der Einwand, daß dadurch die rechtzei=
tige
Fertigſtellung des Etats gefährdet würde,
wird vorläufig vom Zentrum mit einer eleganten Hand=
bewegung
beiſeite geſchoben, da ja ſchließlich ein Notetat von
drei Monaten genügen würde, um die etatrechtlichen Schwie=
rigkeiten
zu beſeitigen. Es fragt ſich aber doch noch, ob die
Suppe wirklich ſo heiß gegeſſen wird, wie ſie das Zentrum in
der erſten Entrüſtung gerne kochen möchte. Zunächſt einmal
wird der Zuſammentritt der Parteiinſtanzen am 28 und
29. Januar abgewartet werden müſſen, wo es ſich ergeben wird,
ob die Möglichkeit beſteht, mit einer Fanfare in Sachen des
Schulgeſetzes über die politiſchen und ſozialen Schwierigkeiten
innerhalb der Zentrumspartei hinwegzukommen. Auch dann
aber braucht das Tempo keineswegs überſtürzt zu werden, zu=
mal
, da in der kommenden Woche der Hauptausſchuß des
Reichstages mit der Beratung des Etats des Innern
beginnt, in dem dieſelben Vertreter der Parteien ſich befinden,
die das Schulgeſetz beraten haben. Ob dadurch noch die Mög=
lichkeit
gegeben iſt, einen letzten Verſuch zu einer Kompromiß=
löſung
zu machen, iſt zweifelhaft. Wenn alſo das Zentrum
nicht mit der gezogenen Piſtole auf die Koalitionsparteien vor=
tritt
, wäre es unvermeidlich, daß die Verhandlungen zunächſt
einmal acht bis vierzehn Tage verſchoben werden müßten. Die
Lage wird deshalb im Reichstag ganz verſchieden beurteilt. Die
Deutſchnationalen tragen immer noch einen unerſchüt=
terlichen
Optimismus zur Schau und glauben, daß zuletzt
doch noch die rettende Formel gefunden werden kann. Deutſche
Volkspartei und Zentrum glauben daran nicht mehr, ſondern
haben, ſich darauf eingeſtellt, daß das Schulgeſetz ge=
ſcheitert
iſt. Die Deutſche Volkspartei aber iſt doch einſt=

Zum 75. Geburtstag
des heſſiſchen Staatspräſidenten Alrich
* Seinen 75. Geburtstag begeht heute der Heſſiſche Staats=
präſident
Ulrich. Ein ſeltenes Feſt, zu dem ihm das heſſiſche
Volk ſeine Glückwünſche darbringt; ein Feſt, bei dem die poli=
tiſchen
Gegenſätze ſchweigen. In Jahren ſchwerer Not hat
Staatspräſident Ulrich an der Spitze des heſſiſchen Staates
geſtanden, hat ihm ſeine ganze Arbeitskraft gewidmet. Eine
gewaltige Verantwortung hat beſonders in den erſten Jahren

ſeiner Amtstätigkeit auf ſeinen Schultern gelaſtet. Seine per=
ſönlichen
Eigenſchaften, die Lauterkeit ſeines Wollens haben
auch ſeine politiſchen Gegner ſtets auerkannt. In ſeinem greiſen
Staatspräſidenten ehrt heute das geſamte heſſiſche Volk den
Menſchen, der unermüdlich ſeine Pflicht Volk und Staat gegen=
über
nach beſtem Wiſſen und Gewiſſen erfüllt hat. In dieſem
Sinne bringen wir ihm unſere Glückwünſche dar und wünſchen
ihm, daß ihm noch viele Jahre beſchieden ſein möchten.

weilen der Auffaſſung, daß die letzte Entſcheidung
nicht unmittelbar vor der Tür ſteht, ſondern daß zu=
nächſt
alle Regierungsparteien das gemein=
ſame
Intereſſe haben, den Etat fertigzuſtel=
len
und dann erſt die unvermeidlichen Konſe=
quenzen
aus dem Scheitern des Schulgeſetzes
zu ziehen.
Welche Prognoſe die richtige ift, läßt ſich ſchwer beurteilen,
weil niemand in die dunkle parteipolitiſche Seele des Zentrums
hineinſehen kann. Schließlich bleibt ja auch noch in letzter In=
ſtanz
der Reichspräſident, der ſeine Zuſtimmung zu einer ſofor=

tigen Auflöſung des Reichstages geben muß, und der
bisher mit aller Entſchiedenheit betont hat, daß die Fertig=
ſtellung
des Etats die wichtigſte Aufgabe des
Reichstags ſei. Auch der Reichskanzler ſelbſt ſcheint geneigt
zu ſein, die Dinge nicht übers Knie zu brechen Freilich iſt
gegenwärtig ſein Einfluß in ſeiner eigenen Partei ſehr gering
und es könnte ihm ſchon geſchehen, daß im Gegenſatz zu einem
von ihm ausgeſprochenen Wunſch ſeine eigenen Parteifreunde
einen anderen Weg gehen. Trotz alledem können wir noch nicht
daran glauben, daß das Zentrum Ernſt macht. Wir erblicken
in der Form ſeines Auftretens nur den Verſuch, einen ſtarken
Druck auf die anderen Parteien auszuüben, um ſie zu einem
Nachgeben zu zwingen; ein Verſuch allerdings, der mit untaug=
lichen
Mitteln am untauglichen Objekt gemacht wird.
Vielleicht wird gerade deshalb das Zentrum noch dazu
kommen, daß es eine Verhandlungspauſe eintreten läßt
und erſt in einigen Wochen mit neuen Vorſchlägen an die Koa=
litionsparteien
herantritt. Man muß ſich aber auch auf die
Möglichkeit einſtellen, daß der Parteivorſtand des Zentrums
eine Ueberraſchung bringt und wir ſchon in der kommenden
Woche vor die Alternative des Konflikts geſtellt werden.
Skandalſzenen im Reichstag.
Zuſammenſioß zwiſchen Kommuniſien, Sozial=
demokraten
und Nationalſozialiſien.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Im Reichstag iſt es am Freitag ſeit langer Zeit wieder ein=
mal
ſehr lebhaft zugegangen. Die Sitzung ließ ſich langatmig
genug an. Temperament kam erſt hinein, als der badiſche Sozia=
liſt
Sänger den Verſuch machte, den Fall Kahr-Hitler in aller
Breite zu erörtern und dadurch ſich eine ſcharfe Erwiderung
des Reichsjuſtizminiſters und des bayeriſchen Vertreters zuzog.
Dadurch war ſchon eine gewiſſe Nervoſität geſchaffen, die ſich
erheblich ſteigerte, als nun der Nationalſozialiſt Dr. Frick mit
ſeinem ganzen Temderament Oel ins Feuer goß und zu An=
griffen
gegen links überging. Da hagelten die Zurufe von den
Kommuniſten, aber auch von den Sozialdemokraten, ſo daß es
zuletzt faſt zu einer Keilerei zwiſchen Kommu=
niſten
und Nationalſozialiſten kam. Zunächſt blieb
es bei den Schimpfworten: Unerhörte Frechheit, Lump,
Lügner und ähnlichen Liebkoſungen, die auf die Tribüne
hinaufgerufen wurden. Der Vizepräſident rief den Kommu=
niſten
Florian zur Ordnung, der aber darauf ſeine Zwiſchenrufe
nur wiederholte und aus dem Saal gewieſen werden mußte.
Die Kommuniſten, die ſich meiſt in der Wandelhalle aufgehalten
hatten, rückten nun in Sturmkolonnen an, von der anderen
Seite marſchierten die Nationalſozialiſten auf, um ihren Redner
zu ſchützen. Ein Kommuniſt ſtürzte bereits auf den Redner los
und erhob drohend die Fauſt gegen ihn. Eine Prügelei ſchien
geradezu unvermeidlich, als es im letzten Augenblick dem Vize=
präſidenten
Graef doch noch gelang, wenigſtens handgreifliche
Auseinanderſetzungen zu vermeiden. Immerhin mußte auch der
Komuniſt Bertz wegen tätlicher Bedrohung von der Sitzung
ausgeſchloſſen werden, ſo daß Herr Frick ſchließlich unter großer
Unruhe ſeine Rede beenden konnte. Ein erbauliches Schauſpiel
war freilich dieſe hemdärmelige Unterhaltung nicht.
Die Verhaftungen bei der Reichswehr
* Berlin, 27. Januar. (Priv.=Tel.)
Das Reichswehrminiſterium ſtellt in Ausſicht, am Samstog
einen ausführlichen Bericht über die Verhaftung der Reichswehr=
funker
der Oeffentlichkeit zu übergeben. Soweit ſich bisher über=
ſehen
läßt, ſind die Vorfälle ſtark übertrieben. Unrichtig iſt es
jedenfalls, daß ſämtliche Funker nördlich des Mains, etwa 50
Mann, verhaftet worden ſind. Es dürften allerhöchſtens zehn
Mann der Reichswehr ſich in Unterſuchungshaft befinden. Die
in Fulda verhafteten Funker ſind bereits wieder freigelaſſen
worden, da ſich herausgeſtellt hatte, daß ihnen gegenüber für die
Anſchuldigungen ſich keine Anhaltspunkte ergaben. Dagegen ſind
in Gießen und Ludwigsburg einige Funker in
Haft genommen worden. Es wird ihnen vorge=
worfen
, daß ſie einen im Intereſſe der Landes=
verteidigung
geheim zu haltenden Telegramm=
ſchlüſſel
leichtſinnigerweiſe auf funkentele=
graphiſchem
Wege an eine Nachbarſtation wei=
tergegeben
haben. Böswillige Abſicht lag wohl nicht
vor, am allerwenigſten Lardesverrat. Vielmehr ſcheinen die
Funker die entſprechenden dienſtlichen Vorſchriften nicht beachtet
zu haben, ſo daß der geheime Telegrammſchlüſſel für die weitere
Verwendung unbrauchbar iſt. Wegen dieſer Delikte haben ſich
die Funker zu verantworten.

beſeligt: Da iſt er! In der Tat vernahm man auf dem Zement=
pflaſter
der einſamen Straße den unverkennbaren, ſchweren
Schritt des Konſuls. Das Fräulein lehnte jede ärztliche An=
näherung
ab, war vielmehr ganz entzücktes Lauſchen, und auch
der Sanitätsrat ſowie Frau Bergſträßer vernahmen deutlich,
wie ſich die Schritte dem Haus näherten, das Gartentor zuſchlug,
ein Schlüſſel die Haustür öffnete, nach kurzer Pauſe der An=
gekommene
die Treppe heraufſtieg und ſich die Zimmertür öffnete,
aber niemand trat herein. Als der Sanitätsrat auf den Vorplatz
ging, war kein Menſch zu ſehen. Auf der Treppe begegnete ihm
das Stubenmädchen, das nichts gehört hatte, obwohl es die
ganze Zeit in dem hellerleuchteten Stiegenhaus geweſen war.
Der Sanitätsrat kehrte in ſchauerlicher Verwunderung in das
Zimmer zurück, deſſen Tür er hinter ſich ſchloß; das alte Fräu=
lein
war im Arm der Frau Bergſträßer zuſammengebrochen.
Während er den Stillſtand des Herzens feſtſtellte, vernahm
man plötzlich wiederum ſchwere Männerſchritte auf der Straße.
Der Arzt und die Frau kauſchten überraſcht. Es wiederholten
ſich genau dieſelben Geräuſche, die ſie wenige Minuten vorher
vernommen hatten, ja einmal war der Kommende einen Augen=
blick
ſtill geſtanden, ſo daß es ſo hätte ſcheinen können, als ſei
er in ein anderes Haus gegangen, und auch dieſe Einzelheit
wiederholte ſich genau, ebenſo das Geräuſch am Tor und die
kleine Pauſe, während der der Erwartete offenbar unten ſeinen
Mantel ablegte. Dann hörte man wieder den Schritt auf der
Treppe, die Zimmertür öffnete ſich wie vorhin, nur mit dem
Unterſchied, daß der Konſul nun leibhaftig erſchien, um dem
alten Fräulein Claire die Augen zuzudrücken.
Dieſe Begebenheit hat mir einige Jahre ſpäter der Sanitäts=
rat
Zurlinden ſelbſt erzählt, mit der Bemerk ung, bis dahin habe
er geglaubt, die Weltanſchauung, die er ſich einſt auf der Uni=
verſität
erworben, genüge, um allen Erſcheinungen des menſch=
lichen
Seelenlebens gerecht zu werden, ſeitdem aber habe er ſie
erweitern müſſen.

*Aus den Darmſiädter Lichtſpieltheatern.
Palaſt=Lichtſpiele.
Pat und Patachon ſind in ihrer Art noch immer nicht
erreicht, viel weniger übertroffen. Dieſe beiden populärſten
Filmhumoriſten ſind Selbſtkarikaturen von ganz eigener Klaſſe.
Der Humor, den ſie vertreten, iſt draſtiſche Komik, groteskes
Menſchentum, aber immer irgendwie mit etwas ſchönem Rein=
Menſchlichen verbunden. Sie wühlen im Schmutz, ſind zer=
lumpt
, zertreten, werden umhergeſtoßen, geſchlagen, von einer
Gcke in die andere gezerrt, aber ſie nehmen das alles hin mit

verſchmitztem oder gutmütigem oder verzeihendem Lachen. Ge=
prügelte
Hunde, die aber jeden Moment Heldentaten verrichten
und immer Moraliſch=Gutes ſtiften, das Böſe beſtrafen. Darum
ſind ſie ſo populäre Volks=Kinohelden, daß die Ankündigung
ihrer Namen ſchon genügt, das Haus zu füllen. Und in Ein=
fällen
ſind die beiden unerſchöpflich. Am Nordſeeſtrand haben
ſie derzeit in den Palaſt=Lichtſpielen ihr Wochenend=Haus auf=
geſchlagen
, werden Sonntagsangler und laſſen ſich von einem
Rieſenfiſch im Boot umherwirbeln, daß man ſchon ob dieſer
Filmtechnik ſtaunen muß, erleben die Rettung Schiffbrüchiger,
werden Flieger, entlarven durch eine köſtliche Geſpenſterepiſode
Schmuggler und ſtiften ſchließlich als ſehr feine Kerle
glückliche Ehe. Das alles iſt ſo köſtlich, daß man Tränen lacht.
In dem Hauptfilm Der ſchwarze Satan erregt
Rex, der ſchwarze Hengſt in einer ſonſt fürchterlichen Indianer=
geſchichte
Bewunderung. Ein prachtvolles Tier in fabelhafter
Dreſſur und gleich in Gemeinſchaft von zwei gleich gut dreſſier=
ten
Kollegen und einer Reihe von Tierbildern in freier Wild=
bahn
, die ganz entzückend ſind, wenn man von der Handlung
ſelbſt abſieht. Verwegene Reiterkunſtſtücke, ein Stück echtes
Wildweſt wird entrollt. Kämpfe mit Indianern, Entführung,
Befreiung, wundervolle freiſtilige Boxkämpfe und vieles andere,
in dem das Schönſte ein aufregender Zweikampf zwiſchen den
*4
beiden prachtvollen Pferden iſt.

wie kaum eine andere, zu tragen weiß. Auch die Fülle von
ſchönen, im Ausſchnitt gegebenen Bildern ſei beſonders hervor=
gehoben
.
Afta Nielſen ſpielt in Kleinſtadtſünder die Selma. Sie
ſpielt dieſe Rolle, als wäre ſie nie etwas anderes geweſen. Die
Kleinſtadtſünder ſind nach dem Bühnenluſtſpiel Meiſeken ge=
filmt
unter der Regie von Bruno Rahn, der etwas durchaus
Eigenes daraus geſtaltet hat. Es iſt eine kleine Betrugs=
geſchichte
, in der das Eheraar Karchow die Rente für den längſt
verſtorbenen Großpapa weiter bezieht, bis eines Tages der
Rentenzahler ſeinen Sohn perſönlich ſchickt, um ſich nach dem
Befinden des längſt Verſtorbenen zu erkundigen. Es wird ein
alter Großpapa ausgeliehen, was wiederum Anlaß zu einer
netten Erpreſſung gibt. Zu dieſer Erpreſſung in Geldſachen
geſellt ſich die andere eines Selma=lüſternen Aſſeſſors, bis end=
lich
der ganze Schwindel herauskommt und Selma nach der
Scheidung beſtens Karriere macht. Die Handlung wird ſehr
flott geſpielt und entrollt ebenfalls eine Reihe ſehr hübſcher
*.
Bildausſchnitte.
Bruno Rahn, der Regiſſeur dieſes Films, iſt bekanntlich
bei der Uraufführung dieſes Werkes in Berlin am Herzſchlag
geſtorben. Mit ihm hat die deutſche Filmregie einen ihrer fähig=
ſten
Köpfe verloren, der eine ſtarke Zukunft verſprach.

Helia.
Die beiden Filme, die zurzeit im Helia laufen, bringen
einen faſt verſchwundenen Stern der Filmwelt Aſta Niel=
ſen
und einen, der noch im hellſten Lichte ſtrahlt Lil
Dagover in den tragenden Rollen. UIm dieſe beiden
Hauptdarſtellerinnen gruppieren ſich aber eine Reihe ausgezeich=
neter
Filmkünſtler, von denen wir nur Hans Mierendorf,
Hermann Picha, Jean Murat, Maria Paudle,r, Hans
Waßmann, Georg Baſelt neunen wollen. Lil Dagover
ſpielt die Hauptrolle, die June Orchard, in dem Sechsakter Der
Anwalt des Herzens, ein Tendenzfilm nach Motiven einer
Novelle von Georg Fröſchel. Dieſer Film iſt ausgezeichnet.
Seine Tendenz iſt das Eintreten für die Abſchaffung der Todes=
ſtrafe
, die aber ſehr geſchickt bis zum Schluß verſchleiert wird.
Wir wollen darum aus dem Inhalt nichts weiter erzählen, denn
ſchließlich iſt auch in dieſem Film die Spannung ausſchlaggebend
für die Geſamtaufnahme. Feſtgeſtellt ſei, daß der Film reich an
dramatiſchen Szenen iſt, ſpannend, und daß er, wie bemerkt,
darſtelleriſch ausgezeichnet geſpielt wird. Ueber Lil Dagobers
Kunſt braucht heute kaum noch etwas geſagt zu werden. Sie
dieyk in dieſem Film alle Regiſter ihrer vornehmen Darſtellung
und zeigt eine Fülle von koſtbarſten Koſtümen, die ſie wirklich

Ap. Lebensweisheiten von Hermann Löns. Zuſammengeſtellt aus
ſeinen Werken von Max A. Tönjes (Verlag von Adolf Sponholz=
Hannover). Das Büchlein will einen Einblick gewähren in das innere
Leben und die reiche Seele Hermann Löns. Was er geſchrieben hat, iſt
er ſelbſt. Die Sammlung enthält die Abſchnitte: Vom Manne und vom
Menſchen, Stamm und Volk, Diesſeits und Jenſeits, Von der Heimat,
Die Natur, Von der Kunſt, Von Frauen und Liebe. Der Mann, der
feſt auf beiden Beinen ſteht, iſt das Ideal des Dichters. Der Krieger
und der Bauer ſind die Hauptrepräſentanten des Lönsſchen Mannes=
ideals
. Mit ſeinem Werk iſt er mit Leib und Seele verwachſen, nie=
mand
unter den Dichtern und Schriftſtellern unſerer Tage hat enger
und vertrauter mit ſeinem Volk gelebt als er. Er war viel zu tief, um
ſich mit dem Diesſeits zu begnügen und ſtand in fortwährendem Ringen
mit dem Jenſeits. Er war ein Kämpfer um den Heimatgedanken, wie
nur einer. Unendliche Liebe zur Natur wohnt in ſeinem Herzen. Die
Natur, ſagt er, iſt unſer Jungbrunnen; keine Hygiene, keine Volkswohl=
rahrtspflege
kann uns das geben, was die Natur uns bietet. Kunſt iſt
ihm Symbol, nicht Photographie des Lebens, ungelebtes Leben, ein Not=
behelf
für das Leben. Etwas gedämpfter ſind ſeine Ausſprüche über
Frauen und Liebe, und richt alle ſind auf das Leitmotiv abgeſtimmt:
dere nichts.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Nummer 28

Die Erben Lenins.
Der Zuſammenbruch des Gedankens der
Weltrevolution.
Von unſerem (D=Korreſpondenten.
London, 27. Januar.
Garvin ſchreibt im Obſerver:
Die ungeheuren Sotvjetgebiete umfaſſen den ſiebenten Teil
der Erdoberfläche, enthalten 150 Millionen Einwohner und un=
ermeßliche
Bodenſchätze. Da beſteht nur ein alles beherrſchendes
Bedürfnis: Entwickelung. Eine Entwickelung in großem
Maßſtabe kann jedoch nur mit der Hilfe fremden Kapitals durch=
geführt
werden. Ein ſolcher Beiſtand iſt unmöglich, ſolange die
Fanatiker der Weltrevolution, die allgemeine Zerſtörung des
Kapitalismus predigen. Trotki und Radek waren ihre flammen=
den
Apoſtel. Ihre Betätigung bedeutete den Tod aller realiſti=
ſchen
Pläne für Rußlands Entwickelung, Wohlfahrt und Macht.
In anderen Ländern kann man es nur ſchwer begreifen,
mit welchem Wahnſinn Trotzki, Radek und ihre Schüler an der
Illuſion einer allgemeinen Katgſtrophe nach bolſchewiſtiſchen
Prinzipien feſthingen. Von der Ruhrkriſis erwarteten ſie zuver=
ſichtlich
den Zuſammenbruch der kapitaliſtiſchen Welt. Beim Aus=
bruch
unſeres Generalſtreiks fagten ſie dasſelbe. Nach dieſem
Fiasko machten ſich Stalin und ſeine Mehrheit bereit, die für
alle Hoffnungen auf praktiſche Erfolge Rußlands tödliche Illu=
ſion
auszuſtcmpſen. Aber da wurde ihnen im letzten Moment
durch die neue Erſchütterung Chinas Halt geboten. Der Zu=
ſammenbruch
des Bolſchewismus in China war aber das
ſchlimmſte Fiasko von allen. Der Nationalismus bedeutet:
China für die Chineſen und nichts anderes, niemals: China
für die Ruſſen‟ China wie Indien und Rußland ſelber können
ſowohl die politiſchen wie die kommerziellen Hoffnungen des
Nationalismus nur durch die Entwickelungen einer laugen kapi=
taliſtiſchen
Aera verwirklichen. Das kapitaliſtiſche Ame=
rika
wird die ganze wirtſchaftliche Welt ſo
lange beherrſchen, wie dieſe Generation denken
kann. Zehn Jahre nach dem ſchrecklichen Ausbruch des Leninis=
mus
iſt die koloſſale Theorie einer Weltrevolution zu ihrem Ende
gekommen, und der letzte Funken eines verzweifelten und glü=
henden
Traumes iſt erloſchen. Folgerichtigen Denkern der Zu=
kunft
mag die geſamte bolſchewiſtiſche Viſion von Klaſſenkriegen
und proletariſchen Triumphen auf der ganzen Erde als eine
ekſtatiſche Imbezillität erſcheinen. Aber die Etablierung des
ruſſiſchen Bauernſtandes als wirkliche Beſitzer des Bobens, als
die Vertreter des größten beſtehenden Syſtems des Kleinbeſitzes,
war eine große und ſolide Soche, der direkte Gegenſatz und die
Vereitelung des Fommunismus, das Ergebnis einer parallelen
Revolution, die ſich nicht durch die bolſchewiſtiſche Bewegung,
ſondern trotz ihrer vollzog, und die ſich im Laufe der Zeit als
eine der am feſteſten gegründeten konſervativen Kräfte der Welt
erweiſen wird.
Stalin und die Seinen ſind viel zu ſchlau, un eine formale
Verleugnung der erſten Grundſätze Lenins zu wagen. Sie er=
heben
im Gegenteil den Anſpruch, die wahren Vertreter ihres
Propheten zu ſein, der, wenn er weiter gelebt hätte, die prak=
tiſchen
Bedürfniſſe, mit der kühnſten Verachtung doktrinärer
Folgerichtigkeit angefaßt hätte. Stalins Idee iſt, eine halb=
ſozicliſtiſche
Republik in einer Welt zu errichten, die noch für
viele Jahre individualiſtiſch und kapitaliſtiſch bleiben wird,
Darin liegt nichts Beunruhigendes. In der Praxis muß Ruß=
land
in wachſendem Maße nicht nur auf individuellem Boden=
beſitz
, ſondern auf privatem Handelsverkehr und privater Ini=

Samstag, den 28. Januar 1928
ungen gegründet ſein. Eine fremde Ein=
tiative
ug
miſchung era ak es nicht zu fürchten, ſolange es auf die Wühle=
reien
ſeitens der kommuniſtiſchen Zeloten während der letzten
zehn Jahre verzichtet.
Was die Finanzen angeht, ſo ſind Stalin und ſeine Freunde
in der Theorie ebenſo antikapitaliſtiſch wie Trotzki, Radek und
Rakowſky. In der Praxis müſſen ſie anlockende und ſichere
Bedingungen bieten. Die Entwickelung des Sowjetreiches hängt
mehr wie von jedem anderen Faktor von ſolider Zuſammen=
arbeit
mit fremdem Kapital und Unternehmern ab. Stalin und
ſeine Realpolitiker ſehen ein, daß der ruſſiſche ſozialiſtiſche Staat
nur durch Verzicht auf den ſelbſtmörderiſchen Kreuzzug gegen
die Regierungen und Finanzſyſteme anderer Länder errichtet
werden kann. Aber Trotzki erwidert und man wird
mehr von ſeiner Erwiderung hören, wenn er am Leben
bleibt , daß die wirtſchaftlichen Beziehungen überall auf
der Erde mehr und mehr voneinander abhängen, daß, wenn der
Kampf für einen allgemeinen Nationalismus mißlingt, auch der
ruſſiſche Sozialismus untergehen muß und daß der von den
Realpolitikern eingeſchlagene Pfad zurück zum Kapitalismus
führen muß. Er hat recht, aber er ſpricht mit einem Hinter=
gedanken
. Er weiß beſſer wie andere, daß die Sache der Welt=
revolution
nach der Niederloge in China explodiert iſt. Aber
wenn Stalin zur richtigen Zeit geſtürzt werden
könnte, unter der Anklage, daß er die Grundſätze des reinen
Leninismus verraten, jede Ausſicht auf das Entſtehen des all=
gemeinen
Kommnnismus aus allgemeinem Chaos ruiniert und
den Sozialismus in Rußland ſelber unmöglich gemacht habe,
dann könnte Trotzki Lenins Platz einnehmen
und mit vollkommener, wenuſchon zyniſcher Logik dieſelbe Politik
verfolgen, weil ihm nunmehr keine Alternative offen ſtehe.
Nach der Weltrevolution tritt das Weltkapital auf die
Bühne. Die Allianz mit ihm iſt für jedes große Aufbauprogramm
unvermeidlich, und der Preis muß bezahlt werden. Staats=
unternehmung
und =kontrolle mögen jedoch zu
gleicher Zeit in ungewöhnlicher Ausdehnung
in den Sowjetgebieten überleben, die doppelt ſo
groß ſind wie die der Staaten. Unter dieſen Verhält=
niſſen
könnte Trotzki mit mehr Geduld bei
allen ſeinen glänzenden Gaben doch vielleicht
der richtige Mann des Geſchickes geweſen ſein.
In ſeinem entlegenen Verbannungsplatz ſeinem St. Helena
auf dem Lande wird er Zeit genug haben, ſich ſelber zu
fragen, warum er ſeinen richtigen Weg verfehlt hat.
Die franzöſiſche Finanzdebatte.
EP. Paris, 27. Januar.
Heute niachinittag wurde in der Kammer die Finanzdebatie
fortgeſetzt. Der radikale Abgeordnete Margaine ſpricht als erſter.
Er zieht gegen die nationalen und internationalen Induſtrie=
Kartelle zu Felde, deren Gründung lediglich eine Verteuerung
der Lebenshaltung zur Folge gehabt habe. Der kommuniſtiſche
Abgeordnete Garchéry erklärt, daß die Politik der Nationalen
Union für die Arbeiterklaſſe nur Uebles gebracht habe. Die
Löhne ſeien ſeit 18 Monaten um 20 Prozent gefallen, dagegen
ſei die Teuerung und die Arbeitsloſigkeit geſtiegen. Der Red=
ner
möchte feſtſtellen, daß Poincaré lediglich die Finanzpolitik
Caillaux durchgeführt habe, worauf Poincaré halb ſpöttiſch, halb
verwundert einwirft: Nicht möglich! Habe ich vielleicht die Ra=
tiſizierung
des Schuldenabkommens gefordert oder vielleicht je
eine ſofortige Stabiliſierung gefordert? Dieſe letztere Aeuße=
rung
erweckt begreifliches Aufſehen, da man daraus entnehmen
kann, daß Poincaré nach wie vor eine ſofortige Stabiliſierung

des Frankenkurſes ablehnt.

Der deutſche Luftfahrtetat. Förderung
des Flugzeugbaues.
* Berlin, 27. Januar. (Priv.=Tel.)
Das Reichsverkehrsminiſterium hat ſich bei der Aufſtellung
des Luftfahrtetats für das kommende Jahr bemüht, nach Mög=
lichkeit
umfangreiche Einſparungen vorzunehmen und hat an allen
Titeln erhebliche Abſtriche vorgenommen, mit Ausnahme des=
jenigen
, der ſich mit der Förderung des Flugzeug=
baues
und ſeiner wiſſenſchaftlichen Erfor=
ſchung
beſchäftigt. Man glaubt hier, daß es im Intereſſe der
deutſchen Luftfahrt notwendig iſt, die alten Etatſätze beizubehal=
ten
. Das iſt auch inſofern berechtigt, als wir jetzt nach dem
letzten Pariſer Luftfahrtabkommen berechtigt ſind, große Flug=
zeuge
mit leiſtungsfähigen Motoren zu bauen. Sehr weſentlich
iſt auch, daß die deutſche Unterſuchungsanſtalt für Luftfahrt ſich
ändert. Bisher war ſie in Adlershof bei Berlin untergebracht,
Sie muß aber, da die Baulichkeiten nicht mehr mit den politiſchen
Vorſchriften übereinſtimmen, zum 31. Dezember 1929 das Ge=
lände
räumen. Man weiß bisher noch nicht, wo die Unter=
ſuchungsanſtalt
dann untergebracht werden ſoll. Jedenfalls wird
aber notwendig ſein, daß man bei ihrer Neueinrichtung auf
möglichſte Moderniſierung achtet. Zu dieſem Zweck ſind denn
auch bereits 2 Millionen Mark in den Etat eingeſetzt. Eine ge=
ringe
Summe, wenn man beiſpielsweiſe bedenkt, daß Nord=
amerika
allein für die Propellerprüfung 16 Millionen ausge=
worfen
hat. Das Reichsverkehrswiniſterium verfolgt daneben
auch noch aufmerkſam die Pläne zur Ueberquerung des Ozeans,
Es glaubt nicht daran, daß es in abſehbarer Zeit möglich ſein
wird, eine Verbindung mit Nordamerika herzuſtellen, iſt aber
der Anſicht, daß es ſehr leicht ſein wird, mit Südamerika die
Verbindungen aufzunehmen.
Die Arbeitszeit in der Großeiſeninduſtrie.
Das Reichsarbeitsminiſterium hat in den letzten Tagen auf
die ihm zugegangenen Anträge, das Inkrafttreten der Verord=
nung
über die Arbeitszeit in der Großeiſeninduſtrie vom 16.
Juli 1927 aufzuſchieben, entſchieden. Auf Grund der von den
örtlichen Stellen vorgenonmenen Nachprüfungen wurde in 18
Fällen ein Aufſchub bewilligt. Die übrigen Anträge wurden
abgelehnt. Der Aufſchub betrifft in erſter Linie die Martin=
werke
. Zugehörige Walzwerke wurden nur in ſieben Fällen
berückſichtigt. Die genehmigten Friſten ſchwanken, je nach dem
Umfang und dem Stand der in den einzelnen Werken durch die
Verordnung vom 16. Juli 1927 notwendigen Umſtellung, zwi=
ſchen
1 und 9 Monaten, im Durchſchnitt betragen ſie etwa 5½
Monate.
Thüringiſch=ſächſiſcher Gebietsaustauſch.
Weimar, 27. Januar.
Der Thüringiſche Landtag hat heute die Regierungsvorlage
mit dem Staatsvertrag über einen Gebietsaustauſch mit dem
Freiſtaat Sachſen einſtimmig angenommen. Es handelt ſich da=
bei
um ſächſiſches Gebiet von etwa 1800 Hektar, mit einer Wohn=
bevölterung
von 2300 Perſonen, der an Thüringen fallen foll,
während 1100 Hektar thüringiſches Gebiet, mit 4850 Perſonen,
un Sachſen kommen ſoll.
Zur beſſiſchen Regierungsbildung.
* Geſtern nachmittag hielt die ſozialdemokratiſche Landtags=
fraktion
eine Sitzung ab, in der ſie zur Regierungsbildung in
Heſſen Stellung genommen hat. Der Beſchluß iſt noch nicht ver=
öffentlicht
worden.

Beginn:
Montag, den 30. Januar
vormittags 11a9 Uhr

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Im GrundſtückRhein=
ſtraße
63 in Darm=
ſtadt
ſollen 6 Bäume
gefällt werden. An=
gebotsvordrucke
und
nähere Angaben ſind
bei der Bahnmeiſterei
57 in Darmſtadt zu
erhalten. Die Ange=
bote
ſind verſchloſſen
und mit entſprechen=
der
Aufſchrift ver=
ſehen
bis zum 10. Fe=
bruar
d. Js., 10 Uhr
vorm., an das unter=
zeichnete
Amt einzu=
reichen
. Die Offnung
der Angebote erfolgt
zu dieſem Zeitpunkt
im Beiſein der er=
ſchienen
Bieter.
Deutſche Reichsbahn=
geſellſchaft
Reichs=
bahnbetriebsamt

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[ ][  ][ ]

Nummer 28

Samstag den 28. Januar 1928

Seite 3

Aus der Landeshauptſtadt.
Zur Auflöſung der Oberpoſidirektion Darmſtadt.
Darmſtadt, 28. Januar.

Ernannt wurben: Am 4. Januar: der Schulamtsanwärter Hein=
rich
Reinheimer aus Alzey zum Lehrer an der Volksſchule zu
Wöllſtein, Kreis Alzeh; der Schulamtsanwärter Chriſtoph Cröß=
mann
aus Pfungſtadt, Kreis Darmſtadt, zum Lehrer an der Volts=
ſchule
zu Oppenrod, Kreis Gießen; der Schulamtsanwärter Heinrich
Frieß aus Alsfeld zum Lchuer an der Volksſchule zu Burkhards,
Kreis Schotten; der Schulamtsanwärter Philipp Fritz aus Reichels=
heim
i. Odw., Kreis Erbach, zum Lehrer an der Volksſchule zu Mitlech=
tern
, Kreis Heppenheim; am 5. Januar: die prov. Handarbeitslehrerin
Katharina Gärtner zu Klein=Linden, Kreis Gießen, zur Handarbeits=
lehrerin
an der Volksſchule zu Klein=Linden und Umgegend, Kreis
Gießen; die prov. Diplomhandelslehrerin Martha Held aus Mün=
ehen
zur Diplomhandelslehrerin an der kaufmänniſchen Abteilung der
Fortbildungsſchule zu Worms; die Prov. techniſihe Lehrerin Lina Nu=
ſag
aus Lollar, Kreis Gießen, zur techniſchen Lehreri an der Mäd=
chenfortbildungsſchule
zu Gißen; am 7. Januar: der prov. Diplom=
handelsſehrer
an der kaufmänniſchen Abteilung der Fortbildungsſchule
zu Gießen, Ludwig Mager, zum Diplomhandelslehrer an dieſer
Schule; am 13. Januar: der Hilfsförſter Hermann Wirth zu Wallern.
hauſen auf Grund ſes Art. 4 des Geſetzes über die Ermächtigung der
Stnatsrezierung zur Neuregelung der Dienſtbezüge der Kommunalforſt=
warte
ſowie zur Neueinteilung der Förſtereien vom 30. Juli 1920, vor=
behaltlich
der Regelung der Dienſtaltersfolge, vom 1. Januar 1928 an
zum Förſter der Förſterei Alten=Buſeck, Forſtamt Gießen; am 16. Ja=
nuar
: der Kanzleigehilfe bei dem Forſtamt Grünberg Johannes Liſt
aus Friſchborn vom 1. Januar 1928 ab zum Kanzliſten; am 18. Januar:
der Studienaſſeſſor Adolf Fiſcher aus Frankfurt a. M. zum über=
planmäßigen
Studſienrat, mit Wirkung vom 1 Februar 1928 ab; am
23 Januar: der Oberförſter Hans Rauſch zu Romrod vom 1. Vebruar
1928 ab zum Forſtmeiſter des Forſtamts Göringen.
Erledigt iſt: Eine Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer an
der Volksſchule zu Afpisheim, Kreis Vingen; Dienſtuohnung iſt vor=
handen
und frei. Eine Lehrerſtelle fün einen katholiſchen Lehrer an
der Volksſchule zu Bockenrode, Kreis Alsfeld; Dienſtwohnung iſt vor=
handen
.
Evangeliſch=kfrikliche Nachrichten. Durch die Kirchenregierung
wunde übertragen; dem Pfarrer Heinrich Gebhard zu Neunkirchen
die ovangeliſſhe Pfarrſtelle zu Biebor, Dekanat Offenbach; dem Pfarrer
Jakob Neinheimer zu Rothenberg die zueite evangeliſche Pfarr=
ſtelle
zu Wimpfen, Dekanat Zwingenberg, und dem Pfarrer Georg
Becker zu deröſtein die evangeliſche Pfarrſtelle Allendarf a. d. Lahn,
Diakomat Großen Linden, Dekanat Gießen.
Anläßlich des Geburtstages des Herin Staatspräfidenten Ulrich
ſind am 28. Januar 1928 die in den ſtnatlichen Betrieben beſchäftigten
Arbeiter auf ihren Wunſch von der Arbeit zu befreien, ſoweit es ſich
mit dem Weſen des Betriebes vereinbaren läßt.
Heſſiſches Landestheater Darmſtadt. Das Feſtkonzert zu Ehren
Les Herrn Staatspräſidenten Ulrich, das unter Leituns von General=
muſikd
rektor Dr. Böhm am Senntag im Landestheater ſtattfindet, be=
ginnt
um 11,30 Uhr; das Programm bringt die Freiſchlitz=Ouverdire
von: Weber, die Fünfte Sinfonie von Beethoven und das Meiſterſinger=
Worſpiel von Wagner. Die Einſerntskarten werden unentgeltlich
abgegeben, und ziuar heute Samstag, von 15 Uhr nachmrittags ab, an
der Kaſſe des Großen Hauſes. Jeder Intereſſent erhilt nur 1 bis 2
Karten. Ueber einen Teil der Plätze wurde bereis duuch Hergabe an
Schulen, ſowie durch Einladungen ſeitens der ſtaatlichen und ſtädtiſchen
Behörden verfügt.
Lothar Schenck von Trapp, der mit (Alucke Pilyer von Mekka
(Zürich) und Entführung aus dem Serail (Kaſſel) ausgezeichnete Er=
folge
hatte, wurde vom Staatsthenter Kaſſel aufgefordert, die Büihnen=
Eilder zur Urauffuhrung von E. Kreſſels Oper Armer Columbns und
Hindemit9s Cardillac zu entwerfen.
Freitag, den 3. Februar, wird zum eiſten Male in dieſer Spielzeit
Der Roſenkavalier von Rihard Strauß gegeben. Muſila=
liſch
Leitung: Generalmuſikdirektor Dr. Böhm.
Heute findet im Kleinen Haus die Erſtaufführung von Heußer=
gers
Operrtte Der Opernball ſtatt, die in der Bearbeitung von
Hans Esdras Mutzenbeiher den Unterkitel Die Wiederentdeckung des
Walzers im Jihre 2000 führt; es wirken mit die Damen Kapper,
Landwehr, Liebel, Müller=Wiſhin, Penſe, Walter und die Herren:
Deharde, Finck, Grauerr, Grohm, Kuhn und Vogt. Muſikaliſche Lei=
tung
: Max Rudolf, Juſzenierung: Hans Esdras Mutzenbecher,
Bühnenbild: Lothau Schenck v. Trapp. Die Vorſtellung beginnt um
19.30 Uhr; ſie iſt der Zuſatzmiete I. zugeteilt, und diefenigen I.=Mieter,
die nißt der Zuſacmiete /I angehören, erhalten die Karten durr)
die Poſt.
Heute abend gaſtiert im Großen Haus Albrt Baſſermann
mit ſeinenr Enſemble in dem Schauſpiel Deu Diktator, von Jules
Romain. Die Vorſtellung beginnt um 19,30 Uhr.
Bruno Harprecht wird, wie wir hören, in kommende: Saiſon
wieder ein Sommertheater in Darmſtaot leiten.
Beratung für den Kaufuannsberuf durch Rundfunk. Wir wer=
den
gebeten, nohmals darauf hinzuweiſen, daß am Samstag abend
12,30 Uhr der Geſchäftsführer der Kaufmänniſchen Stellenvermittelung
des D.G.V. Bezirk Süddeutſchland, Herr Arno Zacher, über das
Them: Soll unſer Junge Kaufmann werden? Die
Ausſichten des Kaufmannsberufes ſpreihen wird. Allen
imn Frage kommenden Eltern und Erziehungsberechtigten ſei das An=
hören
dieſes Vortrages ans Herz gelegt.
Petrusgemeinde. Am Donyerstag, den 19. Januau, faud die
Kdentlihe Hauptverſammlung der Männer=Vereinigung und der Sterbe=
kaſſe
ſtatt. Die Hoffnnng, welihe der 1. Vorſitzende, Herr Oberreal=
lehrer
Frank, in ſeinen einleitenden Worten ausſprach, daß die Ver=
haudlungen
im Geiſte des Friedens geführt werden möchten, hat ſich in
reichem Maße erfüllt. Nach den Darlegungen des Vorſitzenden war das
Verfloſſene Vereinsjahr in ganz beſonderer Weiſe ein Jahr des Auf=
baues
und bes Ausbaues. Inviefern dies der Fall war, wurde durch
den Jahresbericht des Schriftführers näher dargelegt. Als Markſteine
im Leben der Männer=Vereinigung im Jahre 1927 bezeichnet der Ve=
richt
: 1. Die Gründung der Sterbekaſſe in Gemeinſchaft mit dem
Frauenvrrein; 2. die Mitwirkung der Männer=Vereinigung bei der Er=
richtung
eines Beetſals in der neuen Trainkaſerne; 3. die Beteiligung
an der Eimweihung des neuten Männerheims in der Heidelberger
Straße 21; 4. die Teilnahme an der Begrüßung des Herrn Pfarrers
Weiß im Gemeindeabend am 1. Advent. Der Schriftführer ſprach die
Hoffnung aus, daß durch die Zuſammenkünſte mit ihren Vorträgen
und Beſprechunge:: der eigentliche Zweck der Männer=Vereiigung, wie
eu ihn wiederholt in früheren Jahresberichton gekennzeichnet habe, ge=
fördert
worden ſei, und daß dem äußeren Wachstum (jetzt 329 Mit=
glieder
) ein geſundes Innenleben entſpräche, damit über die Arbeit der
Männer=Vereinigung das Wort geſprochen werden könne: Ich weiß
deine Werke und deine Geduld, und daß du um meines Namens willen
arbeiteſt und biſt nieht müde worden. Die mermüdliche Arbeit des
Vorſitzenden im Dienſte der Männer=Vereinigung und der Sterbekaſſe
wurde durch den Berieit gebuhrend hervorgehoben und dafür herzlicher
Dank ausgeſprocen. Der Vorſitzende ſeinerſeits dankte allen Mitglie=
dern
des Vorſtandes und ganz beſonders den Vertrauensmännern füir
ihre treue Mitarbeit Die am 22. Juni 1922 in3 Leben getretene

enderten, daß auch uelterhin die Mikgliedergahl ſetig wächſt, Feſol=
ders
auch dunch den Beitritt jüngerer Mitglieder, ſo daß eine fernere,
ſtets wachſende günſtige Entwickelung der Sterbekaſſe getährleiſtet iſt
Auf den am Sonntag, den 2. Januar, abeuds 8 Uhr, ſtattfindenden
mufikaliſchen Abend ſei hiermit hingewieſen und herzlich dazu
eingeladen. Herr Zahuarzt Münch, der bereits vor zwei Jahren ſih
mit ſeiner muſikaliſchen Kraft in den Dienſt eines Gemeindgabends ge=
ſtellt
hat, wird auch diesmal, von anerkannten künſtleriſchen Kräften
unterſtützt, die Vortragsfolge zuſammenſtellen, ſo daß wertvolle Darbie=
tungen
in Inſtrumental= und Geſangsvorträgen erwartet werden dür=
fen
. Auch Nichſtmitglieder ſind willkomien. Zu der Monatsver=

Ma.denuſel anlan. Der Jaue 2ei Kartzigelhen ucd geuff aunh
diesmal, wie in der Dezemberverſammlung, ſeine große Anziehungs=
kraft
ausüben. Auch zu dieſem Vortrag ſind Gäſte willkommen. Die
Verſammlung beginnt um 8½ Uhr pünktlich.

Die Gerüchte, daß bei der bevorſtehenden Verwaltungs=
reform
der Reichsroſt auch die Oberpoſtdirektion Darmſtadt auf=
gelöſt
werden ſolle, beſtätigen ſich. Wie wir hören, hat tatſäch=
lich
der Arbeitsausſchuß des Verwaltungsrates der Reichspoſt
folgende Oberpoſtdirektionen für die Auflöſung vorgeſchlagen:
Darmſtadt, Aachen, Trier, Bamberg, Nürnberg, Würz=
burg
, Kiel, Münſter, Gumbinnen, ferner zwei ſchleſiſche
und einige andere Direktionen im Reich.
In dieſer Aufſtellung fällt auf, daß ſich in ihr auch Dienſt=
ſtellen
des beſetzten Gebietes befinden. Soweit wir unterrichtet
ſind, ſteht die Reichsregierung auf dem Standpunkt, daß
aus politiſchen Gründen in den beſetzten und
den Grenzgebieten der alte Zuſtand belaſſen
werden ſoll. Nach der Abtrennung Oberſchleſiens wurde die
Auflöſung der Oberpoſtdirektion Oppeln in Vorſchlag gebracht.
Die Regierung lehnte das jedoch ab, weil ſie mit Rückſicht auf
die polniſchen Beſtrebungen in Oberſchſeſien für erforderlich

Verein für das Deutſchtum in Ausland. Immer Neues hört man
ton den Vorbereitungen zum Bunten Ball, den die Frauenortsgruppe
am 2. Februar veranſtaltet. Den Saalbau wird man nicht wieder
erkennen. Die Dekoration der Näume iſt immer eine Sehenswürdigkeit
der Schulvereisfeſte geweſen. Ein bewegtes Bild wird der Jahr=
markt
zeigen. Am Schießſtand findet Ppeieſchießen ſtatt unter Auf=
ſicht
bewährter Schützen der Pridilegierten Schützengeſellſchaft. Am
Dirigentenpult wird man den Komponiſten Siegfried May ſehen, der
mit Schwung und Schneid die Büühnentänze der Schönen begleitet. Da
das Koſtümfeſt Lieblichkeit und Anmut zur Geltung bringen will, ſind
Derbheit und Rauheit der Gewandung ausgeſchloſſen. Was die Büfetts
für billiges Geld bieten, iſt ſtadtbekannt. Karten bei Konzert=Arnold,
Wilhelminenſtraße 9.
Die Stenographenvereinigung Gabelsberger hielt im Muſik=
vereinsſaale
ihre Hauptverſammlung ab. Der Vorſitzende. Herr K.
Gerſt, eröffnete die Verſammlung. Der Schriftführer, Herr W. Schlicht,
gab einen Rückblick über die Tätigkeit der Vereinigung. Das abgelaufene
Vereinsjahr erhielt deshalb eine beſondere Bedeutung, weil in dieſem
Jahre das 20. Vereinsjubiläum gefeiert werden konnte. Hinſichtlich der
Unterrichtstätigkeit konnte er mitteilen, daß monatlich Anfänger=, Fort=
bikdungs
= und Redeſchriftkurſe in den Unterrichtsräumen in der Hand=
werkenſchule
, Eche Karls= und Nieder=Ramſtädterſtraße, abgehalten wer=
den
konnten, die ſämtlich einen guten Beſuch aufzuweiſen hatten.
Selbſtverſtändlich beteiligte ſich die Vereinigung auh an allen innerhalb
der Organifation abgehaltenen Wettſchreibem und hielt ſelbſt ein Jubi=
läums
=Wettſchreiben gb. Die Statiſtik ergab, daß von ſämtlichen Wett=
ſchreibteilnehmern
die Hälfte mit Ehrenpreiſen ausgezeichnet werden
konnte. Gewiß ein ſchönes Zeichen von dem zielbewußten Streben der
Mitglieder, nicht zuletzt aber auch ein glänzender Beweis für die vor=
zügliche
Unterrichtserteilung. Der Rechner, Herr H. Preſſeu, erſtattete
den Kaſſenbericht, der einen gümſtigen Abſchluß aufzutveiſen hatte. Der
vom Vorſtand vorgelegte Satzungsentwurf wurde angenommen. Die
einſtinnnige Wiederwahl des alten Vorſtandes unter Zuwahl von Herrn
Wiemer, bewies, daß die Mitglieder mit den vom Vorſtand in dem letz=
ten
Jahre getroffenen Maßnahmen voll und ganz zufriel

Beachten Sie bitte die Angebote
der Eirma
depr. Rothschild
auf den Seiten 9 und 10.

hielt, die dortige Situation durch derart einſchneidende Ver=
änderungen
nicht zu erſchweren. Infolgedeſſen berührt es eigen=
artig
, daß man auch Trier, Aachen und Darmſtadt ins Auge
faßt. Wenn auch Darmſtadt nicht ſelbſt im beſetzten Gebiet liegt,
ſo bleibt doch zu berückſichtigen, daß 40 Prozent des heſſiſchen
Staates zum beſetzten Gebiet gehören. Mit Rückſicht auf die
geplante große Verwaltungsreform erſcheint es auch verfehlt,
aus dieſem Komplex die Neubildung der Oberpoſtdirektionen
herauszubrechen, dazu in einer Form, die mit den Laſten und
Nöten Heſſens nicht in Einklang ſteht. Wie es ſcheint, beabſich=
tigt
man im Verwaltungsrat der Reichspoſt vorzuſchlagen, daß
das Darmſtädter Arbeitsgebiet von der Oberpoſt=
direktion
Frankfurt übernommen werden ſoll, während
Karlsruhe ſeinen Wirkungsbereich auf das Konſtanzer Gebiet
ausdehnen ſoll. Mitte des nächſten Monats wird der
Arbeitsausſchuß ernent zuſammentreten und
dann die Vorſchläge über die Auflöſung der Oberpoſrdirektionen
bekannt machen.

Hiſtoriſcher Vercin. Die hieſige Ortsgruppe des Deutſchen Sprach=
dereins
lädt zum 30. Januar, abends 8 Uhy piinktlich, zu einemt Vor=
trag
, des Herrn Univerſitätsprofeſſors Dr. Götze=Gießen über die
deutſchen Zunamen ein, worauf wir unſere Mitglieder einem Wunſche
des Vorſtandes gemäß aufmerkſam machen.
Alt=Darmſtadt. Vereinigung für Ortsgeſchichte und Heimatkunde.
Donns’stag abend 81 Uhr Vereinsabend im Eintrachtſaal, Eliſabetheu=
ſtraße
12. Es ſpricht Hern Oberbibliotheka: Profeſſor Di. Bader
über das Thema Heimat. Gäſte ſind durch Mitglieder einzuführen.
Orpheum. Heute Samstag und uiergen Sonntag iſt zunt letzten
Male Gelegenheit geboten, das fabelhafte Luſtſpiel Dr. Stieglitz
zu ſehen. Das ausoezeichnete Zuſammenſpiel der Hexer=Truppe und
der witzige, pointenreiche Text des Luſtſpiels tragen in gleichm Maße
zum durchſchlagenden Erfolge bei.
Skikurſe des Skiklubs Darmſtadt=Odenonld. Die in den höheren
Lagen des Schwarzwaldes nugenblicklich beſtehenden ſehr gunſtigen
Schneeverhältniſſe ſichern vorausſichtlich die Durcführung des Skikurſus
für Anfünger uud Fortgeſchrittene, welcher für die Zeir vom 3. bis
11. Febr.ar 1928 unter Leitung des Herrn Gießimann auf der Darm=
ſtädter
Hitte im S kwparzivald vorgeſehen iſt. Auskunft übe= dieſen
Kurſus erteilt das Sporthaus Adelmann, wo auch weitere Anmeldungen
entgegengenommen werden. Die Aumeldungen zum Hruptſeikurſus it

beiden Kufe Fetiden aufd Au chan fclieder Felatenein.
Leuchter=Vorträge. Der Leuchter=Verlag, Okto Reichl in Darm=
ſtadt
, einer der namhafteſten wiſſenſchaftlichen Verlage, frellt ſeine wert=
vollen
Beziehungen zu den Vertretern der geiſtigen Welt des In= und
Auslandes zur Verfügung, um der Stadt Darmſtadt eine Reihe von
Vorträgen aus allen Wiſſenſchaften zu bieten. Den erſten dieſer Vor=
träge
wird Profeſſor Dr. Edgar Dacquc aus München über das
Thema Urwelt und Menſchheitsalter halten, und dabei
cuch Lichtbilder zeigen. Profeſſor Dacqué iſt der Verfaſſer des Auſſehen
eruegenden, weit verbreiteten Buches Urwelt, Sage und Menſchheit
Der Voxtrag findet am Freitag, den 3. Februau, abends 8 Uhr, in der
Otto=Berndt=Halle der Tcchniſchen Hocſchule, Eingaug Alexanderſtraße
Nr. 2 ſtatt. Die Elutrittskarten ſind in den Buchhandlungen Müller
u. Rühle (Eliſabethenſtraße 5) Heinrich Schroth (Rheinſrraße 15), beim
Konzert=Arnold (Wilhelminenſtraße 9) und im Vertehrsbureau zu dem
Preiſe von 2,50 Mk. zu haben; für Studierende bei der Studeutiſchen
Wirtſchaftshilfe.
Rundfunkſtunde für Heſſen. Die Stunde des Rhein=Mainiſchen
Verbandes für Volksbildnng am kommenden Sonutag von 1920 Uhr
wird für Heſſen von beſonderer Bedeutung ſein. Anläßlich des 75. Ge=
burtstags
des Staatspräſidenten ſpricht. Herr Landtagsabgeordneter
Storck über den Staatspräſidenten Ulich, und im Anſchluß daran
hält Herr Wilhelm Michel=Darmſtadt einen Vortrag über den Geiſt
der heſſiſchen Hauptſtadt. Es iſt zu erwarten, daß dieſe Heſſiſche Stunde
im ganzen heſſiſchen Lande mit großem Intereſſe gehört werden wird.

Jahn=Ehrungen.
Schon lenge haben die umliegenden Dörfer, Städie und Großſtädte
den Turnvater Friedrich Ludwig Jahn durch Benennung einer
Straße geehrt. Darmſtadt, die heſſiſche Landeshauptſtadt, hat in dieſem
Punkt noch nicht ihre Ehrenpflicht erfüllt. Des öfteren wurde die Stadt=
verwaltung
durch die Preſſe und auch mittelſt Eingaben gebeten, eine
Jchn=Straße zu ſchaffen. Leider bisher ohne Erfolg. Dieſe Maßnahme
der Stadtverwaltung kann nicht verſtanden werden, um ſo weniger, als
unſere Stadtverwaltung den Leibesübungen reiht wohl geſinnt iſt.
Nun hat die Stadt Darmſtadt in dieſem Jahre Gelegenheit, ihrer
Pflicht zu genügen, und zwar em 11. Auguſt. An dieſem Tage feiert
man in ganz Deutſchland den 150 Geburtstag von F. L. Jahn. Am
11. Auguſt d. Js. der Landeshauptſtadt eine Jahn=Straße zu geben, wväre
eine feine Tat der Stadtverweltung.
Eine große Gemeinde wäre der Stadtverwaltung dankbar, wenn
der Gedunke einer Jahn=Straße Wirklichkeit wirde. Nicht nur die Tun=
ner
aller Gattungen, nein auch die Wanderer, Sportler und Burſchen=
ſchafter
nennen Jahn ihren Gründer oder Wegbereiter. Aber auch der
Deutſche Sprachverein und der Bund für Deutſche Schrift verehren Jahn
als einen mutigen Vorkämpfer.
Darmſtadt hat eine Reihe von Straßen mit gleichgültigen Namren,
von denen eine den Namen von F. L. Jahn erhelten könnte. Hier ſeien
genannt: Eliſabethen= Heinrich= Karls=, Wiener=, Sand=, Kaſino=,
Hermann=Straße oder Ballon=, Marien=Platz. Nur eine größere Straße
kommt in Betrerſt, keine in einem vergeſſenen Winkel!
Wer etwas über Jahn leſen will, dem ſei das vorzügliche Buch von
Fritz Eckard: Fr. L. Jahn, eine Wüirdig ung feines Lebens und Wirkens
empfohlen. Dieſes Buch iſt im Verlag Limpert, Dresden, zu haben und
koſtet 4 Mk.
II. M.
Für ben Hilfsverein für die Geiſtestranken wiud in dieſen Tagen
der Vertrauensmann von Darmſtodt die diesjährige Kollekte vol=
nehuren
. Was der Hilfsverein bedeutet, wonach er ſtrebt, iſt oftmals
in dieſen Blatte dargelegt worden. Er iſt kein Verein in herkömmlicher
Bedeutung, legte keine Mitgliederliſte vor, verlangt keinen ſatzungs=
gemäßen
Beitrag. Als Mitglied gilt, ohne daß ihm daraus Verpflich=
tungen
irgend welcher Art erwachſen, jedermann, der eine Gabe dem
ihn darum anſprechenden Sammler aushändigt. Ihre Höhe mag er
ſelbſt beſtimmen, nach ſeinem Können und dem Grade ſeines Wohlwol=
lens
für unſere Schützlinge. Daraus, daß er uns etvas zukommen läßt
iſt nicht eine Verpflichtung für weitere Jahre odeu ein Zwang zur Ab=
meldung
herzuleiten. Es gab einmal eine Zeit (1920), da zählten wir
faſt 63 000 Perſonen im Heſſiſchen Freiſtaat, die für uns etwvas übrig ;
hatten, unſere Mikglieder waren; war’s vielleicht auch nur ein Zehner,
den der Einzelne ſpendete! Ihrer find wenigeu geworden, aber immer
noch ſteht der Heſſiſche Hilfsverein an der Spitze der rund 2) Organi=
ſationen
ähnlicher Art, welche in den Ländern bzw. Provinzen ſich gegen=
ſeitig
bemühen, die ſtaatliche oder kommunale Fürſorge aus privaten
Mitteln zu ergänzen und da einzugreifen, wo jene ihre Grenze hat. Es
iſt erfreulich, feſtſtellen zu können, mit welch lebhaftem Intereſſe fo
manche unſerer Vertrauensmänner ſich bewühen, in ihren Orten ſtets
von neuem das Intereſſe für anſere Sache anzuregen. Wir könnten
kleine Ortſchaſten nennen, in denen kaum ein Haus ſich der Kollekte ber=
ſagte
, während leider andererſeits mancher größere Platz nur mit mini=
malen
Beiträgen in unſeren Liſten figuriert. In anbetracht deſſen
hoffen wir ſicher, daß diesmal auch in unſerer Hauptſtadt ſich recht vicle
opferwillige Herzen bereitfinden möchten, nach beſten Kräften beizu=
ſteuern
, damit wir die nötigen Mittel in die Hand bekommen, um auch
weiter in alter Weiſe die Aufgaben des Hilfsvereins erfüllen zu können.
Er wurde noch jingft in Wien als die beſte Organifation dieſer Art in
deutſchen Landen von den deutſchen Irrenärzten merkannt und zur
Nachahmung empfohlen; ein Lob, auf das unſer kleiner
Freiſtaat ſtolz ſein muß.
Adukar heißt nicht Abend der urkomiſihſten Kano=
nen
aller Raſſen, ſondern Aber der Unſinn kann
alles riskieren‟. Die Löfung des Adukar=Problcms, die der
Mozartverein arf ſeinem Maskenball am 11. Februar vei=
ſuht
, beſchäftigt alle denkenden Köpfe und Mydek inſtler Darmſtasts. Für
die Teilnehmer an dieſer dem Unſinn geweihten Huldigung ſei bomerkt,
duß der Unſinn auch geiſtreich ſein kann und geſthmackvoller, als viele
meinen, die ſich ſelbſt für ſinnvoll halten. Es darf nach dem ſtrengen
Beſehl des Adukar=Komitees bei dem Feſt der Ausſchaltung des Ver=
ſtandes
nichts auſtauchen, was ſih an dieſen Grundwahrheiten verſün=
digt
. Der geſchmrackloſe und geiſtloſe Unſinn mag ſich in anderen Sälen
breit machen, aber nicht im Scalbau am 11. Februar. Bel=hrungen
und Karten bei O. Titze, Eliſabethenſtraße 4.
Die Hindenburg=Poſtwertzeichen noch bis Mai im Verkehr. Ent=
ſprechend
den Wünſchen weiter Kreiſe hat ſich das Reichspoſtminiſterium
entſchloſſen, die Hindenburg=Werszeuhen und =Poſikarten nuch b:s End=
März durch die Poſtanſtalten nach den bisherigen Beſtimmungen ber=
treiben
zu laſſen. Mit den Wertzeichen könen Poſtſendungen noch bis
Ende Mai freigeniacht werden.
Nächſte Dampferabfahrten der HamburgAmerika=Linie Nach
New York: Cleveland ab Hamburg am 1. 2., ab Cuxhaben am
2. 2., Hamburg ab Hamburg am 9. 2., ab Cuxhaven am 10. 2.,
Luoſſa, ab Hamburg am 11. 2. (dirett), Weſtphalia ab Hamburg am
15. 2. (diuekt), Nordvard ab Hamburg am 18. 2. (direkt), Albert Bal=
lin
ab Hamburg am B. 2.,, ab Cuxhaven am 24. 2., Turingia ab
Hamburg am 29. 2. (direkt). Nach Philadelphia, Baltimore,
Norfolk: Bockuim am 3. 2., Altmark am 17. 2., Lübeck am 2. 3.
Nach der Weſtküſte Nordamerikas: Duisburg am 18. 2., San
Franzisko am 10. 3. Nach Weſtindien, Weſtküſte Zentral=
amerika
: Amaſſia am 4. 2., Teutonia am 11. 2., Ingrid Horn
am 18. 2., Eupatoria am 25. 2., Feodoſia am 3. 3. Nach Porto
Nico, San Domingo, Haiti, Jamaica und Santiago de
Cuba: Minna Horn am 31. 1., Georgia am 14. 3., Mira am

Linie: Wöchentlich ein Dampfer. Mitgeteilt durch die Verrretuug
der HamburgAmerika=Linie. Darmſtadt. Luiſenplatz 1. Tel. 1308
und 1308.

Durch Zusatz ucCremeMcusc
und mild-
Suufk shäumendt
AA

(T.13

[ ][  ][ ]

Seite 6

Samstag den 28. Januar 1928

Nummer 28

Wetlerprognoſe für Februar.
Ausgegeben vom Deutſchen Zentralbureau für aſtronom. Wetterkunde,
Direktor A. M. Grimm, Bad Tölz.
Ein Wintermonat mit ziemlich gleichmäßiger Witterung. Am un=
günſtigſten
iſt die Mitte des Monats mit niedriger Temperatur ſtarker
Bewölkung und ergiebigen Niederſchlägen. In einzelnen Gegenden
wird es ſtarke Regengüſſe geben. Auch von Erdſtößen wird man hören.
Die Temperatur entſpricht einigermaßen normalen Verhältniſſen.
1. 5. Ziemlich ruhige Wetterlage mit etwas Wind und gelegentlichem
Nebel. Beſonders die zweite Hälfte iſt angenehm.
6.10. Eine Periode mit ziemlich gleichmäßig verteiltem Schneefall
bei niederer Temperatur.
11.15. Anfangs ruhig und angenehm, dann ſtärkere Niederſchläge.
16.20. Feuchtes Wetter mit vielem Nebel, beſonders in der erſten Hälfte,
dann angnehmer.
21.25. Beginnt angenehm bei mäßiger Temperatur, welche im Verlauf
etwas ſinkt. Mäßige Niederſchläge in Form von Schnee.
26.29. Eine Periode mit geringen Niederſchlägen und etwas erhöhter
Temperatur.
p.* Bezirksſchöffengericht. Wegen fahrläſſiger Tötung hat ſich ein
Fabrikarbeiter von Bonsweiher zu verantworten. Die Anklage legt ihm
zur Laſt, am 31. Dezember 1927 zu Nieder=Liebersbach durch Fahrläſſig=
keit
den Tod des Hch. Schmitt von Nieder=Liebersbach verurſacht zu
haben, indem er ihn aus Unvorſichtigkeit mit einem Browningrevolver
erſchoß. Erſt in der Weihnachtswoche hatte ſich der Angeklagte den
Revolver für 26 Mark gekauft. An Silveſter begab er ſich nach Nieder=
Liebersbach, wo er ein Verhältnis mit einem Mädchen unterhält. Un=
glückliches
unvorſichtiges Hantieren mit der Waffe hat wieder einmal,
wie ſo oft, ein großes Unglück herbeigeführt. Der Angeklagte hat den
Revolver nicht entſichert gehabt. Der Bürgermeiſter von Nieder= Liebers=
bach
ſtellt dem Angeklagten wie dem Getöteten, die beide gut befreundet
waren, ein gutes Zeugnis aus. Die Sektion ſtellte einen Durchſchuß
durch den Bruſtraum feſt, Lunge und Herz waren getroffen. Der Tod
mußte in kurzer Zeit eintreten. An den Kleidern waren keine Ver=
brennungsſpuren
zu bemerken. Der Staatsanwalt beantragt 6 Monate
Gefängnis, wegen unerlanbten Schießens 30 Mark Geldſtrafe. Der Ver=
teidiger
bittet, nicht über zweieinhalb Monate Gefängnis hinauszugehen
und das Geldſtrafengeſetz anzuwenden. Das Urteil erkennt auf 6 Monate
Gefängnis und 30 Mark Geldſtrafe. Die Waffe wird eingezogen.
*p. Große Strafkammer. Von dem Gerichte hatte ſich F. W. Lun=
kenheimer
in Sprendlingen wegen Betrugs zu verantworten. In
erſter Inſtanz hatte er (vgl. Nr. 268 vom 27. Sept. 1927) zwei Monate
Gefängnis erhalten. Auf von der Staatsanwaltſchaft und dem Ange=
klagten
erhobene Berufung wurde die Strafe auf einen Monat Gefäng
nis herabgeſetzt, im ſibrigen wurden die Berufungen verwörfen. Das
Urteil iſt rechtskräftig.
Polizeibericht. Einbruchsdiebſtahl. Am 25. Januar
1528, ziviſchen 16 und 18 Uhr, wurde während der Abweſenheit des
Wohnungsinhabers in die Parierrowohnung eines Hauſes im Grünen
Weg eingebrochen und nachſtehend aufgeführte Sachen entwendet: Ein
braunvioletter Herrenanzug, eine dunkelgraue geſtreifte Hoſe, ein grauer
Herrnhur mit ſilbergrauem Band, ein Paar Heurnſchnürſtieſel, Gr. 43,
ein Paar Damenſchnürſchuhe, ein Goerz=Fernglas und ein Photo=
graphenapparat
, Marke Ikarette 6X6. Fahrraddiebſtähle.
In den letzten Tagen wurden na=hſtehende Fahrräder geſtohlen: Ein
Herrnfahrrad, Marte N.S.II., Nr. 417 084, ein Herrnfahrrad, Marke
Naumann, und ein Damenfahrrad, Marke Avera, Nr. 126 031. Per=
ſonen
, di= zur Auftlärung dorgenannter Diebſtähle fachdienliche Au=
gaben
machen können, werden gebeten, der Kriminalabieilung Nachricht
zu geben. Feſtnahmen. Bei der Reviſion eines Gaſthauſes

Eerfſicheue Ranen Se. ſich Ferte. Fch. Wuchue elalbere auf dure
feſtgeſtellt werden, daß es ſich bei dem Feſtgenommeuen um den Arbeiter
Franz Knaub, geboren am 12. Januar 1306 zu Münſten in Weſtfalen,
handelte. Knaub wird von der dortigen Staatsanwaltſchaft wegen
Unterſchlggung geſucht. Er wurde dem Amtsgericht zugeführt und kam
in Unterſuhungsheft. Wegen Bannbruchs wurde der Packer Auguſt
Nößler aus Straßburg feſtgenommen. Unglücksfall. Am=
Güterbahnhof ereignete ſich geſtern vormittag beim Umladen eines etwa
40 Zentner ſhweren Steines von einem Waggon auf ginen Laſtkraft=
wagen
ein bedauerlicher Unglücksfall, dem der 15jährige Maurerlehrling
Philipp Jäger aus Pfungſtadt zum Opfer fiel. Der Stein wurde mit=
tels
Hebefrans aus dem Waggon gehoben und über den Laſtwagen ge=
bracht
. Um für den Stein die richtige Auflage zu bekommen, mußte
der Laſtwagen einva ½ Meter zurückgeſchoben waden. Der Verun=

Schriftſteller und Bergſteiger Dr. Julius Kugy aus Trieſt am Samstag,
den 4. Februar, abends 8 Uhr, im Feſrſaale des Ludwig=Georg= Gym=
naſiums
einen Vortrag aus ſeinem Beigſteigerleben mit eigenen Licht=
bildern
halten wird.
Kunſtnotizen.
Ueber Werte, Rünfler oder künſtleriſche Veranſialtungen, deren im Nachſſehenden Gruchnuns
geſchieht, behält ſich die Redaliion ihr Urteill vor

frage ſehr rege iſt, denn es iſt jedermann intereſſiert, über dieſe Streit=
frage
Aufſchluß zu bekommen. Marion zeigt praktiſche Verſuche, und
dies unterſcheidet dieſen Vortrag von anderen! Wir ſollen nicht nur
neue Naturgeſetze erfahren, ſondern ſollen durch Vorführungen Beweiſe
erhalten. Eintrittskarten bei Hch. Arnold, Wilhelminenſtraße 9. Preiſe
der Plätze 12,50 Mark.

dier die Kinkeril. Die Ldeſgerin Marta duns hatr in den leten Zch=
ten
berechtigtes Aufſehen erregt. Solch durchfühltes und direhlebles
Ebennaß der Darſtellung wird von wenigen erreiſſt.
Lokale Veranſtaltungen.
* Ehemalige Schüler der Maſchinenbauſchn;
Daumſtadt. Wir derweiſen nochmals auf die heute abend, 8 Uhr,
im Reſtaurant Sitte, Knrlſtr., ſtattfindende Gründungsverſammlung.
Auf die Einladung der Hauptgruppe Darmſtyot der Kam. Ver=
einfgung
ehem. Heſſ. Garde=Dryoner 23 zur Generalder
ſammlung im Inſeratenteil wird hingewieſen.
Liedertafel=Maskenball am 1. Februaz 1928:
E

(Guchſchulauswveis erforderlih) und für die Mitgliedskarten. Soweit
Mitglieder noch nicht im Beſitze der neuen Mitgliedskarten oder Damen=
beikauten
für 1928 ſind, können ſie bei dem Sihatzmeiſter des Vereins,
Fr. Hofmann, Hügelſtraße 9, bezogen werden. (Siehe Anzeige.)
Der Liederkxanz=Maskenball am Sonntag, den
12. Februar, abcnds 7,11 Uhr, in ſamtlichen Näumen der Vereinigien
Gcſellſchaft iſt wiederum ein Ereignis des Karncvals 1928! (Näheras
ſiehe Anzeige.) Ferner machen wir nochmals alle unſere Mitglieder
auf die Hauorberſammlung am Sonntag, den 29. Januar, nachmittags
4 Uhr, im Veveinslokal Zur Krone aufmerhſam.
Deutſchorden. Kommende Darmſtadt. Montag,
den 30. Januar 1928 abends 8,30 Uhr: Mciſterſchaftskazitel in
Treuenau. Nächſter Kommendeabend bei Sitte am Freitag, den
3. Februar 1928. Hienbei ſpricht Hauptmann a. D. Moſer über das
Friedensdiktat von Verſailles (mit Lichtbildern).

Tageskalender für Samstag, den 28. Januar 1928.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, Anfang 19½ Uhr, Ende
22 Uhr: Der Diktator, Kleines Haus, Anfang 19½ Uhr, Ende
22 Uhr: Der Opernball. Orpheum, Anfang 20 Uhr: Dr.
Stieglitz. Konzerte: Hotel Schmitz, Schloßkaffee, Weinhaus
taxim, Groß=Darmſtadt, Rheingold, Landsberg, Alte Poſt, Wald=
ſchlößchen
, Bockshaut, Bismarkeck, Zentral=Hotel, Reichshof, Reichs=
Kinovorſtel
nz=Thegter,
chtſpiel

Aus Heſſen.
Starkenburg.
4a. Eberſtadt, 27. Jan. Das gemarkungsweiſe Umpfropfen der
Obſtbäume in der Gemarkung Eberſtadt iſt, wie zuverläfſig verlautet,
geſichert. Es werden nämlich rund 200 Obſtbäume umgepfropft werden.
Eine beſondereKemmiſſion iſt bereits mit den nötigen Vorarbeiten he=
traut
worden. Für die heimiſche Obbaumzucht wird das Umpfropfen von
großer Bedeutung ſein.
* Eberſtadt, 27. Jan. Der Geſangverein Germania hält
ſeinen großen Faſtnachtsrummel ab. Derſolbe findet am Faſtnachtsſonn=
tag
, den 19. Februar, im Bergſträßer Hof (Fiſcher) ſtatt. Alles Nähere
erfolgt in dieſer Zeitung ſpäter:
4a. Pfungſtadt, 27. Jan. Die Stadtkaſſe Pungſt. d: macht
darauf aufmerrſam, daß die Bekräge für Alektriſihen Strom und Zähler=
miete
vonn Januar 1928 bis zum 10. Februar zu entrichten ſind. Die
Militärverſorgungsgebühren für den neuen Monat
werden am Samstag bis mittags 12 Uhr von der Poſtanſtalt ausgezahlt.
Auch hier wieder Schulſpeiſungen. Dieſer Tage ſind
bier wieder die Schulſpeiſungen aufgenommen ſvorden. An den Schul=
ſpeiſungen
nehmen Kinder teil, die durch ärztliche Unterſuchungen feſt=
geſtellt
worden ſind. Es handelt ſich um etwa 130 Kinder aus den ver=
ſchiedenen
Klaſſen. Der Radfahrerklub Union hält ſeine
diesjährige ordentliche Generalverſammlung am Samstag abend (22.
Januar) ab. Sie findet im Vereinslokal Meſſer in der Waldſtraße ſtatt.
42. Eſchollbrücken, 27. Jan. Theaterabend. Am Sonntag,
jängerluſt in der Turnhalle

Hahn wurde vom Dobermannpinſcherverein, Sitz München=Gladbach
mit der Goldenen Verbandsehrennadel ausgezenhnet.
(. Ober=Ramſtadt, 27. Jan. Nutzholzverſteigerung.
Nächſten Dienstag, den 31. ds. Mts., findet im hieſigen Gemeindewald
wiederum eine Nutzholzverſteigerung ſtatt und zwar in Eichelberg 19.
Zuſammenkunft in den Breitenſtein=Fichten. Zum Ausgebot kommen 211
Fichten=Stämme der Klaſſen IbIIIb. Nähere Auskunft durch Förſter
Trautmann, Ober Ramſtadt. (S. Anzeige in der heutigen Nummer.)
Die evangeliſche Sterbeporſorge Heſſen eingerichtet
vom Heſſiſchen Landesverein für Innere Miſſion welche die Gewäh=
rung
eines Sterbegeldes für ihre Mitglieder je nach der Höhe der Bei=
tragsleiſtung
bezweckt, hat auch hier bereits eine beträchtliche Mitglieder=
zahl
erreicht. In zuei Fällen ſpurden nun ſchon Verſicherungsſummen
ausgezahlt. Aufnahmefähig ſind Perſonen bis zum 80. Lebensjahre,
ſofern ſie geſund ſind. Der niedrigſte Monatsbeitrag beträgt 50 Pfg.
Nähere Auskunft erteilt und Anmeldung nimmt entgegen Herv Heinrich
Henkel, Bauſtraße 23.

Bs. Groß=umſtadt, B. Jan. Wanderausſtellung. In der
Zeit vom 17. bis einſchl. 22. März kommt die Wanderausſtellung über
Geſundheitspflege und ſoziale Fürſorge auch in unſere Stadt. Da
dieſelbe außerordentlich intereſſant und für die allgemeine Geſundheits=
pflege
von großer Wichtigkeit iſt, machen wir ſchon jetzt darauf auf=
merkſam
. Außerdem iſt es wünſchenswert, daß alle Vereine während
dieſer Zeit von Veranſtaltungen anderer Art Abſtand nehmen.
Evangeliſcher Bund. Ter letzte Sonntag abend verſammelte die
Mitglieder des Ebangeliſchen Bundes im Gaſthaus Zur Krone zu der
diesjährigen Haupwerſammlung der hieſigen Ortsgruppe. Der Vor=
ſitzende
, Herr Pfarrer Hartmann, eröffncte die außerordentlich ſtark
beſuchte Verſammlung mit herzlichen Begrüßungsworten und erſtattete
gleichzeitig den Jahresbericht. Nachdem der Rechner, Herr Kern, die
Rechnung über das abgelaufene Vereinsjahr vorgelegt hatte, erteilte
der Vorſitzende dem Herrn Pfarxer Zilles=Seligenſtadt das Wort. Dieſer
entwauf auf Grund einer gemachten Studienreiſe, welche er nach
Amerika unternommen hatte, ein anſchaubiches Bild über die kulturellen,
ſozialenr und kirchlichen Verhältniſſe der neuen Welt, dem Lande der
unbegrenzten Möglichkeiten Hiernach entſprechen die dortigen Ver=
hältniſſe
und Zuſtände ganz und gar nicht den Vorſtellungen, die man
ſich im allgemeinen von dem Lande der Freiheit macht. Freiheit wohl
inbezug auf Ungeſchliffenheit und Rückſichtsloſigkeit, aber nicht den
Geſetzen gegenliber. Soziale Hilfe und Fürſorge auf geſetzlichem Wege
gibt es nicht. Hier gilt der Grundfatz: Schwimme, wer ſchwimmen kann!
Arbeite, oder gehe zu Grunde! Der Kirchengeſangverein als getreuen
Gefährte des Bundes, trug durch den Vortrag zweier gemiſchter Chöre
zur Verſchönerung bei. In dem Schlußwort, das von Heurn Pfaurer
Thaer geſprochen wurde, drückte derſelbe dem Redners des Abends ſowie
auch der Dirigentin des Kirchenchors, Frau Abels, die an dieſem Abend
den Tak’ſtock zum letzten Male geſchwungen hatte, den Dank des
Vereins aus. In der nächſten Zuſammenkunft wird Herr Pfurrer Bern=
beck
=Hofheim über ſeine Reiſeeindrücke und Erlebniſſe in Aegypten und
Paläſtina ſprechen.
Niedernhauſen i. Odw., R. Jan. Man ſchreibt uns: Am B. Ja=
nuar
1928 feiert der Veteran und Kriegsinvalide Johanm Adam Schwebel
ſeinen 80. Gebu stag in körperlicher und geiſtiger Friſche. Als Schmiede=
geſelle
wurde er 1869 zur 1. Schwerbatterie des Heſſ. Artillerieregiments
Nr. 25 eingezogen, mit der er auch am Kriege 1870/71 teilnahm. In der
Schlacht bei Gravelotte am 18. Auguſt 1870 wurde er am rechten Ober=
arm
verwundet, der Heimat zugeführt und als Invalide entlaſſen. Seine
Söhne mußten im Kriege 19141918 zur Fahne und kämpften auf allen
Fronten, auch auf hoher See. Seinem dritten Sohn, mußte er dem
Vaterlande opfern. In dieſer Zeit war der Jubilar trotz ſeiner Oben
armvevwundung geztungen, erneut zum Pflug und Hammer zu greifen,
um dem Vaterlande dienſtlich zu ſſein. Seine ſpärliche Invalidenpente
wurde ihm auf die Hälfte gekürzt; und ſo verlebt ein Kriegsinvalide
aus dem deutſchen Reichsgründungskriege einen traurigen Lebensabend.

Die Aufgaben der Kreisfürſorge.

(Nachdruck erlaubt!
Die Aufgaben der Familienfürſorge haben ſich ſeit ihrer Einführung
in Heſſen ſeit 1912. nach den derſchiedenſten Richtungen hin erweitert.
Ausgegangen iſt die Fürſorge in Heſſen von der Säuglingsfürſorge.
Hier tritt dieNotwendigkeit der vorbeugenden Fürſorge am klarſten zutage.
Nicht erſt der Krankheitsfall ſoll erfaßt und in ärztliche Behandlung ge=
bracht
werden, ſondern der geſunde Menſch ſoll durch Aufklärung und
Belehrung darauf hingewieſen werden, ſich bewußt gegen vermeidbare
Gefundheitsſchädigungen zu ſchützen. Die Erkenntnis, daß Vorbeugen
beſſer als Heilen, dringt erſt nach und nach in das Volksbewußtſein ein.
Die Aufgabe der Kreisfürſorgeſchweſter iſt im Kampf gegen Vorurteile
und althergebrachte Unſitten immer wieder auf die Grundforderungen
Einer geſunden Lebensweiſe hinzuwirken und ſie praktiſch zur Durchfüh=
rung
zu bringen. Dazu dienen die Mutter= und Säuglingsberatungs=
ſtunden
. Der Erfolg dieſer Tätigkeit zeigt ſich am beſten darin, daß in
Heſſen, während im Jahre 1906 die Säuglingsſterblichkeit 15 Prozent
betrug, ſie im Jahre 1926 auf 6,7 Prozent geſunkem iſt.
Auch die Tuberkuloſe, die infolge der immer noch vorhandenen
Wohnungsnot auf dem Lande, weite Verbreitung findet, erfordert eine
ſehr eingehende Ueberwachung, in der vor allen Dingen über die An=
ſteckungsgefahr
aufgeklärt ſerden muß. Die regelmäßig ſtattfindende
Tuberkuloſeberatung erteilt Nat. Auskunft, Hilfe, veranlaßt auch die
Durchführung von Heilverfahren.
Die immer noch beſtehende, in Nachwirkung der ſchweren Inflations=
jahre
auch auf dem Lande vorhandene Rachitis, hat eine durchgreifende
Krüppelfürſorge gefordert, die in den unentgeltlichen Beratungen in
Darmſtadt, Main=, Gießen, ſtattfinden. Durch rechtzeitige, ſachgemäße
Behandlung, werden ſelbſt ſehvere Wachstumsſtörungen beſeitigt und
damit den von ihnen betroffenen Kindern und Jugendlichen eine ſpätere
Erwerbstätigkeit ermöglicht.

Eßenſo verlangt die Schulfürſorge, die bisher nur in den Städten
füüt matiſch durchgeführt wurde, nach ärztſicher Feſtſtellung in den Land=
gemeinden
, durchgreifende Fürſorgemaßnahmen. Auf Anregung und
Mitwirkung der Kreisfürſorgeſchweſter wurden in vielen Orten Solbäder,
Walderhölungskuren mit Verabreichung der Kinderſpeiſung durchgeführt.
Außerdem wird dafür Sorge getragen, daß die Kinder an Erholungs=
und Solbäderkurem teilnehmen. Die Beaufſichtigung der Berufsmündel,
die infolge der Einführung der Amtsvprmundſchaft auf Grund des
Reichsjugendwohlfahrtsgeſetzes außerordentlich viel Mehrarbeit bietet,
geſchieht auch durch die Kreisfürſorgeſchweſter. Ebenſo die Uebernahme
des Unterrichts in Geſundheits= und Säuglingspflege in den Mädchen=
Fortbildungsſchulem auf dem Lande.
Die vergangenen, hinter uns liegenden Jahre, haben uns Deutſche
gelehrt, daß nur eine geſunde Gemeinſchaft auch Geſundheit und Wohl=
ergehen
des Einzelnen bedeutet, daß der Kampf gegen die Volkskrank=
heiten
nicht nur eine Angelegenheit der Aerzte und der Wiſſenſchaft iſt,
ſondern der Allgemeinheit, des praktiſchen Handelns und Wandelns im
Alltag.
Das Schwergewicht der Arbeit der Kreisfürſorgeſchweſter liegt in
der Verbreitung dieſer Erkenntnis. Dieſe nur kurz angedeuteten Gebiete
zeigen die vielfachen Aufgaben, die der Kreisfürſorgeſchweſter obliegen
und laſſen auch die Schwierigkeitem erkennen, die nur durch völlige Hin=
gabe
mit allen Kräften gelöſt werden können. Die Schweſter muß aus=
gerüſtet
ſein mit Sachkenntniſſen und Erfahrungen auf dem Gebiete der
Volkskrankheiten ſowohl, wie der zu ihrer Bekämpfung erlaſſenen Ge=
ſetzgebung
. Deshalb muß die Schweſter den Beſuch einer ſtaatlichen
Krankenpflegeanſtalt und einer Wohlfahrtsſchule nachweiſen.
Es iſt zu hoffen, daß ſich mit den immer wachſenden Aufgaben mit
der Zeit die Anſtellung weiterer Fürſorgeſchweſtern durchſetzt.

* Roßdorf, 27. Jan. Am Sonntag, den 29. ds. Mt., hält der hieſige
Turnberein im Saale zur Sonne ſeine erſte und einzige große Da=
men
=und Herrenſitzung ab. Da alle aus den Vorjahren beſtens
bekannten Kräfte auch dieſes Jahr wieder mitwirken werden, dürfen die
Beſucher einige frohe Stunden eruarten, um ſo mehr, als keine Mühe
und Arbeit geſcheut wurde, um dieſer Veranſtaltung, die pünktlich
um 20 Uhr 11 Minuten ihren Anfang nimmt, einen echt karnevaliſtiſchen
Anſtrich zu geben. Als nächſte karnevaliſtiſche Veranſtaltung folgt dann
am 18. Februar, ebenfalls in ſämtlichen Räumen des Gaſthauſes zu=
Sonne, ein großer Maskenball.
Bk. Groß=Zimmern, 27. Jan. Unſere Heimatgemeinde ſteht ſeit
dem 7. Januar ds. Js. im Zeichen des Faſchings und des Prinzen
Karneval. Im Mittelpunkt der Veranſtaltungen ſteht der Maskenball
des Männergeſangvereins Groß=Zimmern, der am kommen=
den
Samstag, den 28. Januar, im Saalbau Auguſt Pullmann ſtattfindet.

Vorarbeiten bereits den endgültigen Abſchluß der Dekoration durch=
blicken
laſſen. Am 2. ds. Mts. wanderte das jung vermählte Ehe=
paar
Heinrich Held 17. und ſeine Ehefrau Helene, geb. Romig nach
Amerita aus. Zahlreiche Freunde und Bürger der Gemeinde hatten
ſich am Bahnhof verſammelt, um ihm die beſten Glückwünſche für ſein
weiteres Wohlergehen in der Neuen Welt mit auf den Weg zu geben.
In Nr. 25 unſerer Zeitung iſt ein Druckfehler unterlaufen inſofern es
heißen muß: Herr Lehrer Poth als Sprecher des Deutſchen Turnvereins
und nicht Herr Lehrer Roth.
BR. Dieburg, 27. Jan. Das heſſiſche Miniſterium genehmigte den
Karnebalsumzug am Faſtnacktdienstag durch die Straßen der hieſigen
Stadi. Der hieſige Karnedalderein ſcheut deshalb auch keine Mühe um
den alten Brauch wieder herzuſtellen. Von allen umliegenden Ortſchaf=
ten
kamen Hunderte don Zuſchauern. Um auch dieſes Jahr den Her=
beieilenden
, ſowie den Einwohnern Dieburgs etwas Impoſantes zu bie=
ten
, bitten wir alle Vereine, Innungen ſowie einzelne Gruppen, ſich an
dem Umzug zu beteiligen.
* Brensbach, 27. Jan. Nächſten Sonntag, den 29. Januar, hält der
lieſige Krieger= und Militärverein ſeinen Jahresball bei Kamerad
Friedrich (Zum Odenwald) ab. Sonntag, den 5. Februar, nachmit
tags 2 Uhr, hält der Bezirk ReinheimReicheſsheim der Kriegerkame=
radſchaft
H=ſſia bei Kam. Opper (Gaſthaus Zur Poſt) ſeine Beziuks=
verſammlung
für Kriegsbeſchädigte und Hinterbließene ab, in welcher
der Vorſitzende des Landesverbandes, Herr Kam. Ihrig, einen Vortrag
über das neue Verſorgungsgeſetz halten wird.

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EPH. Fränkiſch=Crumbach, 26. Jan. Die Esangeliſche Volksgemein
ſchaft beabſichtigt in den Tagen vom 28. bis 30. Januar dahier eine
Werbetagung abzuhalten. Mit dieſer ſoll die bis jetzt noch vernach=
läſſigte
Werbetätigkeit in der Provinz Starkenburg beginnen. Es wird
eine rege Anteilnahme aus der ganzen Umgegend erwartet.
Al. Höchſt i. Odenw., 26. Jan. Reichsgründungs=Fefer.
Der Deutſch=Orden Kommende Höchſt i. O. veranſtaltete im feſt’ich ge=
ſchmückten
Saale des Hotels Zur Poſt eine in allen Teilen glänzend
verlaufene Reichsgründungsfeier. Schon lange vor Beginn war der
geräumige Saal dicht beſetzt. Nach einem von Frl. Anna Weigel ſehr
ausdrucksvoll vorgetragemen Prolog ergriff der Komtur der Kommend:
Höchſt, O. B. Schlich, das Wort. In großen Zügen wies er auf die
Ziele und Beſtrebungen des Deutſch=Ordens hin, wvelcher, über den Pai=
teien
ſtehend, wvahre Vaterlandsliebe, treue Brüderlichkeit und echie
Kameradſhaft pflegt, verherrliclſte unſeren großen Kanzler Bismaick,
brachte ein Hoch auf den greiſen Reichspräſidenten von Hindenburg
aus und begrüßte hierauf die Anweſenden, insbeſondere die Gäſte aus
Darmſtadt, Ordensmeiſter Mafer a. D. Appuhn, Großkomtur Obe:ſt
a. D Mootz. Es folgte der gemeinſame Geſang des Ordensliedes durch
die Ordensbrüder. Das von O. B. Flath meiſterhaft vorgetragene Ge=
dicht
Das neue Deutſchlandlied fand lebhaften Beifall. Hicrauf ei=
griff
O.B. Reehnungsrat Schneider, Darmſtadt, zu einem etwa einſtün=
digen
Vortrag das Wort. Mit Begeiſterung ſangen hierauf die An=
weſenden
ſtehend das Deutſchlandlied. Stürmiſcher Applaus dankte
dem Redner für ſeine zu Herzen neehnden Worte. Das anſchließend
zur Aufführung gebracbte hiſtoriſ he Schauſpiel Getreu bis in den Ted‟
fand ungeteilten Beifall.
1r. Seckmauern, 25. Jan. Der hieſige Geſangverein Ein=
tracht
hat ſeinen Theaterabend zum zweiten Male veranſtaltet.
Das Haus war recht gut beſetzt, auch die Aufführung war nochmals von
vollem Erfolg gekrönt. Neben dem luſtigen Schwank Die Wunder=
ſpritze
ging das Odenwälder Volksſtück De Herſchewerts Kunrad über
die Bretter. Die Hauptrollen lagen in vortrefflichen Händen, und auch
alle übrigen haben ſich gut, zum Teil glänzend bei Erfüllung ihrer Auf=

zugute kommt.
I. Steinbach i. Odw., bei Michelſtadt, 26. Jan. Die Lehrer der
Volksſchule zu Steinbach hatten die Eltern der Kinder und Freunde
der Schule zu einem Elternabend im großen Saale des Gaſthauſes
Darmſtädter Hof (L. Glaubrecht) eingeladen. Bereits um 7 Uhr war
der Saal überfüllt. Neben Geſängen und Reigen kam das Märchenſpiel
Schnecwittchen und ein luſtiger Schwank von Hans Sachs Der
Krämerskorb zur Aufführung. Mit reichem Beifall wurden die Dar=
bietungen
aufgenommen, hatten doch die Kinder ihr Beſtes gegeben, um
den Eltern nach den Sorgen des Alltags ein paar frohe Stunden zu
bereiten. Da wegen Ueberfüllung des Saales viele umkehren mußten,
wurden die Darbietungen am folgenden Abend wiederholt. Auch hier
bewies der übervolle Saal, weſch großes Intereſſe man der guten Sache
entgegenbrachte. An beiden Abenden konnte ein wirklich gutes Verhält
nis zwiſchen Lehrern, Kindern und Eltern feſtgeſtellt werden. Der
Reinertrag der Veranſtaltungen ſoll der Grundſtock für die ſpätere Aue
ſchaffung eines Lichtbildapparates für die
rt

ihr Jahresfeſt, bei dem ein auserleſenes Programm den Beſuchern einme
inhaltsvolle Stunden deutfchen Männergeſangs bieten wird. Der neue
Leiter des Vereins, Herr Herbert=Darmſtadt, den derſelbe für ſeinen
im verfloſſenen Jahr durch Tod verlorenen langfährigen verdienten
Dirigenten, Herrn A. Krenkel, gewinnen konnte, dürfte volle Gewahr
hierfür bieten. Die Veranſtaltung findet in dem Saale des Vereins=
lokals
Darmſtädter Hof ſtatt.

[ ][  ][ ]

Nummer 28

Samstag den 28 Januar 1928

Seite 7

25 Jahre Städteordnung in Bensheim.

Ay. Bensheim, 27. Jan Aus der Stadtverordneten=
Berſammlung. Am 1. Januar 1988 wamen es B Jahre her, ſeit=
Ddem die Städteordnung in Bensheim eingeführt worden iſt. Dieſen in
Der neueren Geſchichte der Stadt bedeutſamen Gedenkag nahm Bürger=
meiſter
Dr. Angermeier zum Anlaß, um in der Sitzung der Stadt=
werordnetenverſammlung
vom 26. Januar in großen Zügen einen Ueber.
Blick über das erſte Vierteljahrhundert ſtädtiſcher Kommunalpolitik in
Bensheim zu geben. Der feſtliche Schmuck des großen Sitzungsſaales
nvie der Umſtand, daß die Herven der Stadtverwaltung wie die Stadt=
werordneten
im ſchwarzen Rock erſchienen ſind, hebt den außergewöhn=
Tichen und feierlichen Charakter dieſer Sitzug beſonders hervor. Fünf=
urndzwanzig
Jahre der jüngſten Bensheimer Geſchichte, Zeiten des Auf=
Ftiegs, des wirtſchaftlichen und kulturellen Fortſchritts der aufſtrebenden
Kreisſtadt an der heſſiſchen Bergſtvaße ziehen an dem geiſtigen Auge der
(Hörer vorüber, eigene Erinnerungen und Miterlebniſſe im Gedächtniſſe
wwachrufend. Dieſe ſchon bereits vor der Jahrhundertwende einſetzende
ufſteigende Entwicklung hatte im Jahre 1902 den Uebergang zur
SStädteordnung nabegelegt, ein Schritt, welcher es darf dies heute
Vchon geſagt werden für die fortſchrittliche Entwicklung der Stadt
Vüiberaus ſegensreich geweſen iſt. Die Einführung der Städteordnung
machte es möglich, an die Spitze der Stadwverwaltung Männer zu be=
rufen
, die, dank ihrer fachlichen Vorbildung wie ihrer Erfahrung, ebenſo
esber auch dank der Unabhängigkeit, die ihnen ihre feſte, beamten=
rnäßige
Stellung verlieh, mit Tatkraft und Unternehmungsſinn kraftvoll
Die Geſchicke der Stadt in die Hände nahmen. Sinnfälliger Beweis des
Alufſtiegs der jungen Stadtgemeinde war die von Jahr zu Jahr wachſende
Susdehnumg des Stadtgebietes wie die künſtleriſche Verſchönerung des
Stadtbildes, deſſen Pflege man ſich beſonders angelegen ſein ließ. Auch
Ses wirtſchaftlichem Fortſchritts, der ja den kommmalpolitiſchen Aufſtieg

weſentlich mitbedingt, wird gedacht und das beſondere Intereſſe der
Stadtverwaltung hieran dargetan. Mit einem ehrenden Gedenken an
all die Männer, die ſich um das Wohl, der Stadt verdient gemacht
haben, endete dieſer von der Liebe zu Stadt und Heimat durchwirkte
Rückblick. In die allgemeine Tagesordnung eintretend, gibt der Bür=
germeiſter
, einer in Bensheim üblichen Gepflogenheit folgend, den Jah=
resbericht
der Verwaltung für das abgelaufene Kalenderjahr. Der
Bensheimer Woche wird nochmals gedacht und mit Genugtuung ein
kleiner finanzieller Ueberſchuß (1) ihnrer Abſchlußrechnung feſtgeſtellt.
Die Fertigſtellung eines neuen Reichsbankgebäudes in der Wilhelmſtraße
wie die auftrebende Entzwicklumg der neubegründeten, im Rodenſteiner
Hof untergebrachten Sparkaſſenrechnungsſtelle Bensheim fallen als be=
deutſame
und erfreuliche Geſchehniſſe, in das abgelaufene Jahr 1927.
Auf der anderen Seite ſind allerdings immer noch Wohnungsmangel
und Arbeitsloſigkeit äußerlicher Ausdruck unſerer wirtſchaftlichen Not=
zeit
. Ein Nachtrag zum Ortsbaublan für die Gegend Garten= und
Baumſchulſtraße, ebenſo wie eine unbedeutende Fluchtliniemneufeſtſetzung
Ecke Grieſel= und Augartenſtraße wie ſie durch die Erbauung einer
Transformatorenſtation bedingt iſt, finden ihre debatteloſe Genehmi
gung. Erfreulich iſt die Mitteilung, daß die Kommunale Landesbank
jetzt in der Lage iſt, der Stadt einen Kredit von 60 000 RM. zur Ver=
fügung
zu ſtellen, wodurch die Ausführung ſchon früher ſtadtſeits be=
ſchloſſener
Flachbauten ermöglicht wird. Ein Kurioſum dieſer Sitzung
war es übrigens, daß in ihr kein einziger Stadtverordneter das Wort
ergriff. Trotz des feſtlichen Charakters hatte ſich übrigens auch nur ein
einziger Zuhörer eingefunden. Zum Schluſſe der Sitzung bereinte ſich
das Kollegium zu einem kleinen Ehrentrumk, ebenſo wie auch den Ver=
tretern
der Preſſe es ſei lobend anerkannt eine Weinſpende
aus den ſtadteigenen Kreſzenſem dargericht wunde.

b. Grbach i. O., 27. Jan. Rafenſport. Am Sonntag, den 29.
Ss. Mts, treffen ſich die 1. Mannſchaft der Handballabteilung des Turn=
Sereins Erbach 1860 und die 1. Mannſchaft des V. f. L. Michelſtadt zu
einem Verbandsſpiel in Erbach. Spielbeginn 3½ Uhr. Die 1. Jugend=
emannſchaft
Epbach tritt gegew die gleiche Michelſtadts in Michelſtadt zu
Sinem Geſellſchaftsſpiel an. Auch im Fußballſviel dürfte den Freun=
Gen desſelben Gutes gezeigt werden. Dem V. f. N. iſt es gelungen, die
U. und 2. Jugendmannſchaft des Fußballvereins Fechenheim gegen
ſumſere 1. und 2. Jugendmannſchaft zu gewinnen. Die 1. Mannſchaft des
V. F. N. Enbach tritt zu einem Verbandsſpiel gegen die gleiche Mann=
ſichaft
Beerfelden m Beerfelden an.
b. Erbach i. L., B. Jan. Generalverſammlung des
Schützenvereins. Der Schützeuverein Erbach hielt ſeine General=
erſammlung
im Vereinslokal Zur Stadt Erbach ab. Den Jahres=
Sericht gab der 1. Vorſitzende, Herr Stellwag. Nach ſeinen Ausführun=
Hen iſt nunmehr die Erbauung des neuen Standes auf dem neuen Sport=
Solatz durch die Stadt Erbach geſichert. Den Kaſſenbericht gab Heru Leh=
wer
Lamberth. Größere Veranſtaltungen können leider noch nicht feſt=
Helegt werben, da noch nicht beſtimmt iſt, wann der neue Stand in Be=
neutzung
genommen werden kann. Der Jahresball ſoll, wegen der ſich
en der Faſchingszeit häufenden Veranſtaltungen, bis nach Oſtern verlegt
verden. Das Entenſchießen beginnt auf den Ständen im Brudergrund
mm Sonntag, den 29. Januar 1928. Gute Holzpreiſe erzielte
as Gräfliche Forſtamt Erbach bei der Verſteigerung im Gaſthaus
Sum Hirſch. Für Buchenſcheitholz wurden 20 RM. und mehr erlöſt.
Auch die übrigen Sortimente wurden, weit über die Landesgrundpreiſe
inaus bezahlt. Man merkt bei den Geboten nichts von der allgemeinem
Seldnot wie wird’3 aber ſein, wenn’s ans bezahlen geht? Am
Sonntag, den B. Januar, treffen ſich zu einem Fußballſpiel die 1. und
2. Jugendmanunſchaft des V. f. R. Erbach umd die gleichen Mannſchaften
wes Fußballvereins Fechenheim zu einem Freundſchaftsſpiel. Die
T. Mannſchaft Erbach tritt gegen die gleiche Mannſchaft Beerfelden in
Beerfelden zu einem Verbandsſpiel an.
m. Güttenthal i. O., V. Jan. Hohes Alter. Bei völliger
Förperlicher und geiſtiger Friſche feierte Frau Krämer, die Mutter des
ſSaſtwirts Krämer, hier, ihren 90. Geburtsag.
m. Airlenbach i. O., 26. Jan. Rentable Viehzucht. Der hie=
rige
Rotwichzuſchtverein erhielt dieſer Tage für die auf der Lanbesaus=
ſtelltng
in Darmſtadt prämierten Tiere 147 RM. ausbezahlt, anfer=
bem
fiel dent betreſſenden Züchtern zu= eine ſchöne Bowle, 50 Flafchen
Sheintein ud eine elektriſche Kleinküche. Falls die Tiere nach Ablauf
geines Jahres noch nicht veräußert ſind, fallen den Beſitzern noch einmal
600 NM. zu. Aehnliche Erfolge erzielen die hieſigen Rotviehzüchter all=
jährlich
auf demr in Beerfelden ſtatfindenden großen Pferde= und Zucht=
wiehmarkt
.
* Gammelsbach, 26. Jan. Der hieſige Volksbildungsverein hielt
Feinen Unterhaltungsabend ab, der den Gäſten echte deutſche
Waienkunſt vorführte. Es war eine wohlgelungene Veranſtaltung. Die
SStücke waren ſorgſam ausgewählt und die Rollen vortrefflich beſetzt,
Mach einom luſtigen Vorſpruch (Mina Gmig) begrüßte der Vorſitzeride
(Lehrer Lehr) die Erſchienenen. Es folgte Unterm Zauberbaum, ein
MMänchenſpiel mit Geſang und Tanz in 4 Bildern. Der alte Brandner
KLudwig Braun) ſpielte den Geighalz echt und wahr. Lieſel, ſeine
Tochter Sophie Naas), Frenz (Adam Rot9), Anna (Anna Rug), waren
iſp natürlich, daß es ein Genuß war, ihrem Spiel zu folgen. Auch
EWerner, der Nachbarsſohn (Wih. Seipp) und der alte Biuder (Adam
Saas) erledigten ſich ihrer Aufgabe mit Geſchick. Nicht vergeſſen ſeien
auch die Leiſtungen der Feekönigm (Eliſe Ihrig), der Feen und Zwerge,
Die von Schulkindern gegeben wurden. Als zweites Spiel wurde ge=
Goten: Die Zauberſchlöſſer oder Der Sieg der Wahrheit, ein lehr=
neiches
Spiel in 3 Aufzügen. Weiß, der reiche Mülſer (Georg Weber)
umd Lilli, ſeine Tochter (Luiſe Siefert), gaben die Reichen ganz vortreff=
Lich. Ebenſo Roſt, der arme Schnied (Lehrer Lehr) und Trinerl, ſein
Töchterlein (Eliſe Ihrig), die Armen. Sie waren die Wahrheitslieben=
Sen und behielten den Sieg. Die Waldfrau (Anna Helm), ſpielte die
Slte gläu=)end. Auch die Waldſchrätlein gaben ſich große Mühe und
gaben dem hochfahrenden Müller ſeinen verdienten Lohn. Es folgte nun
nroch ein kurzer Lichtbildervortrag über den Krieg in Italien, dem die
Sſuſchauer mit großem Intereſſe folgten. Den Schluß bildete eine kleine
Verloſung. Kurz zuſammengefaßt: Der Volksbildungsverein hat ein
EMeiſterſtück vollbracht, dem hoffentlich noh manche ebenſo genußreice
Darbietungen folgen werden.
Hirſchhorn, V. Jan. Waſſerſtand des Neckars am
26. Januar 147 Meter, am M. Januar 1.45 Meter.
Be. Hirſchhorn, 25. Jan. Landwirtſchaftliche Verſamm=
ſ
=ung. Im Saalbau des Gaſthauſes Zur Krone fand eine Verſamm=
ung
der Landwirte und Gartenbeſitzer von Hirſchhorn ſtatt. Als Red=
ner
für dieſe Verſammlung wanen die Herren Landwirtſchaftsdizektor
Dr. Schüil vom Landwirtſchaftsamt Heppenheim und Herr Kreisobſtbau=
nſpektor
Orthmann aus Heppenheim gewonnen worden. An Stelle des
Worſitzenden des hieſigen Obſt= und Gartenbauvereins. Herrn Bürger=
meiſter
Zipp, der verhindert war, hatte der Beigeordnete, Herr Karl
Bolzſchuh, die Leitung der Verſammlung übernommen. Er begrüßte die
pahlreich Erſchienenen ſowie insbeſondere die beiden obengenannten
Gerrn Redner und erteilte Herrn Landwirtſchaftsdirektor Dr. Schil zu
ſiſeinen Ausführungen das Wort. In ſeinem äußerſt lehrreichen Vortrag
nvies der Redner auf die Erfolge hin, die durch Anwendung von künſt=
llichen
Düngermitteln erzielt werden können. Der zweite Redner, Herr
Kreisobſtbauinſpektor Orthmann behandelte in ſeinem Vortrag das Um=
wfropfen
der Obſtbäume. Es ſoll vom Kreis aus eine Kolonne gebildet
uverden, die ſich aus ſachkundigen Leuten zuſammenſetzt und das Um=
wfropfen
vornimmt. Nackdem noch die Sämereien an die Mitglieder des
Sbſt= und Gartenbauvereins ausgegeben waren, dankte der Vorſitzende
Hen beiden Rednern für ihre äußerſt lehrreichen Ausführungen und ſchloß
Gie Verſammlung mit der Bitte an die Redner, die Mitglieder bald
wieder mit einem Vortrag zu beehren.

Bl. Erlenbach bei Fürth. 26. Jan. Generalperſammlung
des Geſangvereins Sängerluſt. Die Generalverſammlung
des hieſigen Geſangvereins war gut beſucht. Dem langjährigen Rech=
ner
, Herrn Peter Bitſch 4, wurde Entlaſtung erteilt. Die Vorſtands=
wahl
wurde dahingehend geklärt, daß mit einer Ausnahme der alte
bewährte Vorſtand wieder gewählt wurde, der ſich nun zuſammenſetzt
aus den Herren: Gg. Bleſſing, erſter Vorſitzender; Michel Bitſch, zweiter
Vorſitzender: Peter Bitſch, Kaſſier; Valentin Bauer, Michel Delb, Ga.
Bitſch 2, als Beiſtzern und Leonhard Aeſſing 2, als Fahnenträger.
Als Vereinsdiener wurde Herr Franz Jundel wieder gewählt. Am 21.,
22. und 23. Juli d. J. ſoll das Silberfubiläum des Vereins feſtlich be=
gangen
werden.
Ag. Lindenfels, 26. Jan. Bühnen=Schauturnen. Der
Turnverein Lindenfels E. V. hielt für ſeine Mitglieder im Sagle des
Hotel Odenwald zum erſtenmal ein Bühnen=Schauturnen ab. Aus=
wärtige
Turnbrüder waven auch erſchienem, um ſich die neuzeitlichen Be=
wegungen
in Lindenfels anzuſehen. Der Lindenfelſer Turnverein trat
mit nahezu 40 Turnern und Zöglingen auf den Plan, und dank der Hin=
gabe
der Herren Lehrer Hechler und Stierle war es prächtig gelungen,
ein Programm abzuwickeln, das Lindenfels noch nicht geſehen hatte.
Schon die Frejübumgen der Schülerriege und die Pflichtübungen am
Pferd zeigten die gut eingeübten, zum Teil recht ſchwievigen Uebungen
für die kleinſten Turner. Durch die Einführung der Schülerriege wird
dem Turnverein numehr von Jahr zu Jahr eine ſchon vorgeübte Tur=
nerſchar
zugeführt, die in früheren Jahren erſt mühſam angeworben
werden mußte. Die Zöglinge zeigten ſchon mehr Diſziplin als bei
früheren Gelegenheiten umd ihre Uebungen wurden mit Beifall aufge=
nommen
. Die beigegliederte Schwimmriege zeigte Schwimmübungen in
denkbar, vollendeter Form. Dieſe ſowie die gymnaſtiſchen Uebungen
zeigtem die Wohltaten für die Entwicllung eines geſunden Körperbaues.
der hierbei gekräftigt und geſtählt wird. Das Geſellſchaftsturnen und
Varrenturnen bnachte Ueberraſchungen für die geſpannte Zuſchauer=
meuge
. Namentlich die älteuen Turneu brachten mit Aufwand all ihrer
Kraft und Geſchicklichkeit ganz hervorragende Uebungen und Leiſtungen.
Im zweitem Teil der Unterhaltung entzückten die Stabübungen und das
Stellen von Pyramiden. Eine Huldigungsgruppe um die Büiſte des
alten Turnvaters Jahn, veuſchiedene Flaggengruppen und namentlich
das Liuktkeulenſchwängen rieſen ſpontanem Beifall hervor. Wiederholt
mußten die Gruppen der Lichtkeulen bei vollſtändiger Saalverdunkelung
gezeigt weiden, ud wirkten bezaubernd auf die Zuſchauer. Wir wüin=
ſchen
dem Turnverein Lindenfels, daß er ſich in ſeiner Werbearbeit mit
feinem geſtrigen Abend weitere viele Freunde und Gönner erworben
hat. Ein bräftiges Gut Heil! allen Turnern und Mitarbeitern.
4. Schlierbach, 25. Jan, Statiſtik des Kirchſpiels. Das
hieſige Pfarramt gibt im Gemeindeboten vom Monat Januar eine
Statiſtik des 17 Filialgemeinden umfaſſenden Kirchſpiels Schlierbach be=
kannt
, wonach im Kalenderjahr 1927 insgeſamt 30 Kinder getauft wur=
demen
davon 4 unehelich und 1 aus gemiſchter Che. Konfirmiert wur=
den
49 Kinder. Die Zahl der Getauften wie der Konfirmierten hat um
je ſieben abgenommen. An Trauungen waren 20 Paare beteiligk. davon
zwei Miſchehen. Feumer fanden 24 Beerdigungen ſtatt. Der Beſuch des
Gottesdienſtes betuug an den vorgeſchriebenen Zählſonntagen 15,4 Proz.
der erwachſenen Gemeindemitglieder, der Abendmahlsbeſuch ſogar 1493
Prozent, mit welcher Zahl unſer Kinchſpiel an der Spitze ſämtlicher
Pfarreien des Dekanats Erbach ſteht. An freiwilligen Gaben wurden
1787 RM. geopfert; gewiß ein gutes Zeichen chriſtlicher Opferwilligkeit.
Gemeindebote‟. Der von Herrn Pfarrer Hautmann neu ins
Leben gerufene und herausgegebene Gemeindebote hat bei alten and
neuen Leſern ſchon guten Anklang gefunden, ſo daß ſein Weitererſcheinen
geſichert iſt. Auch vielen auswärtigen Leſern bringt er Kunde aus der
Heimat und wird dort mit Intereſſe geleſen. So gelangt er auch an
viele Ausgewanderte in Amerika.
4 Krumbach b. Fürth i O., 2. Jan. Abendunterhaltung
des Turnvereins. Vorgeſtern abend hielt der Turnverein im
Gaſthaus Zur Roſenhöhe eine über Erwarten gut beſuchte Abendunter=
haltung
ab, in der die Theaterſtücke Die Zigelmerin, Der tolle Max
und Eine Ehe auf Probe ſehr gut zur Darſtellung gelangten.
UI. Birkenau, 24. Jan. Der Lichtſpielverein Weſchnitz=
tal
=Ueberwald hielt dieſer Tage im Gaſthaus Zum Engel da=
hier
eine Verſammlung ab, die einen erfreulichen Verlauf nahm und bei
der bedeutſame Beſchlüſſe gefaßt wurden. Der Bericht des Vorſtandes
lieferte den Beweis, daß der Verein im Aufſtieg begriffen iſt und auf
der Höhe der Zeit ſteht, beſonders auch infolge der Anſchaffung eines
modernen ſog. Knirbs, der an Lichtſtärke und Leiſtungsfähigkeit einer
großen Thegtermaſchine ebenbürtig iſt. Dank der Zuſammenarbeit mit
dem Kreisſchulamt Heppenheim ergab die letzte Vorführung des Sa=
harafilms
einen günſtigen finanziellen Erfolg. In Anerkennung ſeiner
eifrigen und erfolgreichen Mitarbeit wurde Herr Schulrat Dr. Weil ein=
ſtimmig
zum erſten Vorſitzenden gewählt. Der Verein will in beſonderer
Weiſe der Schule und der Volksbildung dienen und will ſein; ein
Helfer am Bau der Zukunft unſeres Volkes.

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(IV 11

Die Not der heſiſchen Landwiriſchaft.
Eine Kundgebung des Landbundes.
Lpd. Friebberg, 26. Jm. Der Heſſiſche Landbud hielt geſtern hier
eine zahlreich beſuchte Verſammlung ab, um zu der Notlage der Land=
wirtſchaft
Stellung zu nehmen. Landtagsabgeordneter von Helmolt
hieß die Verſammlung willkommen und erklärte, der ſtarke Beſuch lege
Zeugnis ab von der Bewegung, die jetzt durch Deutſchland ginge. Die
Notlage der deutſchen Landwirtſchaft gleiche der vor dreißig Jahren,
nur ſei ſie gefährlicher. Die Neuverſchuldung der Landwirtſchaft betrage
ſieben Milliarden. Jeder normale Betrieb ſei in der jetzigen Zeit ein
Verluſtbetrieb. Auch in anderen Kreiſen breche ſich die Erkenntnis Bahn,
daß der Landwirtſchaft geholfen werden müſſe. Die zu große Einfuhr
iſt der Hauptgrund der Verſchuldung. Der Redner verbreitete ſich dann
über die Notlage in den verſchiedenen Gebieten der landwirtſchaftlichen
Erzeugung und forderte vor allem Schutz vor ausländiſchen Waren. Der
Redner kam zu dem Schluß, daß das mangelnde Solidaritätsgefühl des
Bauern einen Streik jetzt ummöglich mache und Teilſtreiks ſeien nutzlock.
Der erſte Weg ginge über die Gewinnung größenen Einfluſſes in den
Parlamenten. Hierauf verlas der Redner die Forderungen des Reichs=
landbundes
. Der Kampf Schieles für die Landwirtſchaft müſſe unter=
ſtützt
werden. Nötig ſei jetzt vor allem kein mutloſes Verzagen, ſondern
Vertrauen in die Führung.
Es folgte dann eine ausgedehnte Diskuſſion, an der ſich zahlreiche
Redner beteiligten. In einer Kundgebung wurden die Forderungen
der Verſammlung niedergelegt, worauf noch Abg, von Helmolt drei Tele=
gramme
verlas, eines an den Reichsernährungsminiſter Schiele, in wel=
chem
ihm die Verſammlung ihr Vertrauen ausſpricht, das zweite an die
Neichsregierung umd das dritte an die Landesregierung, die gleichfalls
die Forderungen der Landwirtſchaft enthalten.

H. Bon der Beraſtraße, 26. Jan Ausdem fahrenden Zug
geſprungen iſt geſtern bei Friedrichsfeld die 19 Jahre alte Gertrud
Schulzig, die Tochter eines Rechnungsrats a. D. aus Kehl. Die Be=
dauernswerte
war ſofort tot. Die Leiche wurde in die Schwetzinger
Leichenhalle verbracht. Es ſoll ſich dabei um Selbſtmord aus Schwermut
handeln.
* Heppenheim (Bergſtr.), N. Jan. In der geſtrigen Notiz ( Wald=
erholungsheim
), iſt ein Fehler untelaufen. Der Voranſchlag iſt nicht
140 000 Mark, ſondern 14 000 Mark.
W. Heppenheim a. b. B., 26. Jan. Katholiſcher Männer=
verein
. Der erſte Familienabend des Katholiſchen Männervereins
nahm bei gutem Beſuche einen ſehr ſchönen Verlauf. Neben verſchlede=
nen
Anſprachen gelangte die Bauerutragödie Der Roſeuhof zur Auf=
führung
, welche von den Beſuchern mit großem. Intereſſe verfolgt
wurde. Während den Pauſen wurden gut ausgewählte Muſikſtücke zu
Gehör gebracht, welche weſentlich zur Verſchönerung des Abends bei=
trugen
. Das Sängerquartett Hepbenheim, welches auch in dieſem
Jahre wieder am Noſenmontag im Parkhotel Halber Mond ſeinen
hier und in der ganzen Umgebung bekannten und beliebten Maskenball
abhält, hat für das ulkigſte Motto des Abends, welches alsbald an den
Vorſtand einzuſenden iſt, Preiſe ausgeſetzt. Bezirksſparkaſſe
Heppenheim. Der Geſchäftsverkehr der Bezirksſparkaſſe Hebben=
heim
hat ſich im Jahre 1927 ſehr günſtig weiter entwickelt. Die Sdar=
einlagen
ſind um 1 163 000 Mark auf über 3,5 Millionen Mark geſtie=
gen
. 181 000 Mark wurden den Einlegern au Zinſen dafür ausgezahlt.
Die Zahl der Einleger ſtieg von 5840 aguf 7237. Am Jahresende be=
trugen
die Guthaben im Scheck= und Kontokorrentverkehr 962 000 Mk.
und der Geſahntbeſtand an fremden Geldern 4 468 000 Mcrk. Der Ge=
ſamtumſatz
erreichte die Ziffer von rund 100 Millionen Mart.
A. Gernsheim, 25. Jan. Der Maskenball des Kegelklubs
Alle Neun in den wirklich hüibſch dekorfeuten Näumen des Saalbaues
Darmſtädter Hof erfreute ſich eines überaus guten Beſuchs. Echt rhein=
fröhliche
Stimmung entwickelte ſich unter den Klängen der Feſtmuſik, die
Alt und Jung bis zur vorgerückten Stunde beiſammen hielt. Wieder
war es der Erzuarr Peter, dan mit ſeiner närriſch urwüchſigen Feſtrede
und mit den Zeremonie der Ordensverleihungen allgemeine Heiterkeit
hervorrief. Auch der Obernarr Beck war hinſichtlich der Bewirtung ſeiner
Gäſte aufs beſte beſorgt. Die Gründung eines Verkehrs=
pereins
in hie ſiger Stadt iſt bis heute noch nicht erfolgt, obwohl die
Zeit ſchon ſehr weit vorgeſchritten iſt. Es iſt unbegreiflich, daß der
Gang der Verhandlungen, falls ſolche eimgeleitet ſind, ſo ſchleppend und
lanoſam vorwärts ſchreitet. Schon im vorigen Jahr wurde die Not=
wendigkeſt
des Vorhandenſeins eimes Verkehrsvereins lebhaft erörtert
und auch eingeſehen, daß bis zum Frühjahr 1998 auf dieſem Gebiet etzuas
auf die Beine gebracht werden muß, damit die im Sommer 1928 not=
wendigen
Vorbereitungen getroffen weuden können, um die Fremden
und Auswärtigen anzuziehen und ihnen den Aufenthalt im Gernsheiuns
Mauern ſo angenehm wie nur möglich zu machen. Aber es erweckt den
Anſchein, daß dem nicht fo wird. Soll der Verkehu in unſerem ſchönen
Rheinſtädthen gehoben und Geſchäft nach hier gebracht werden, dann
keimen Angenblick mehr gezögert und die Gründung des Verkehrsvereins
Gernsheim in die Wege geleitet!
42. Rüfſelsheim a. M., N. Jan. Zugentgleiſung. Zwiſchen
den Stationen Rüſſelsheim und Biſchofsheim entgleiſten mehrere Wagen
eines Güterzuges. Es iſt nur geringer Sachſchaden entſtanden. Die
Strecke war infolge des Unfalls vorübergehend geſperrt.
Rheinheſſen.
Bingen a. Rh., 27. Jan. Die Studierenden des Rheiniſchen
Tarbmikums, etwa 000 an der Zahl. brachten denn Gründer und Leiter
desſelben, Herrn Prof, Hermann Hoepde, zu ſeinem Geburtstag unter
allgemeiner Teilnahme einen eindrucksvollen Fackelzug dar, um damit
eugleich auch das dreißigjährige Beſtehen der Anſtalt zu feiern.
Ad. Oppenheim, 25. Jan. Freiwillige Sanitätskolonne.
Nach dem der Generalverſammlung der Freiwilligen Sanitätskolonne
von dem Geſchäftsführer Herrn E. Friedrich erſtatteten Geſchäftsbericht
wurde die Kolonne im Vorjahre 15lmal in Anſpruch genommen. Wegen
ſeines Alters legte der langjährige Kolonnenführer Ph. Schömbs ſein
Amt nieder; er wurde zum Dank für ſeine erſprießliche Tätigkeit ein=
ſtimmig
zum Ehrenkolomrenführer ernannt. An ſeine Stelle tritt Herr
Joh. Knippel, ſeitheriger Stellvertreter des Herrn Ph. Schömbs. Der
ſeitherige Geſchäftsführer nückte zum Kolonnenführer=Stellvertreter auf!
und anſtelle des ausſcheidenden Gruppenführers Fr. Willig wurde Herr
Hans Beſt gewählt. Dem ſeitherigen Kolonnenführer Herr Ph. Schömbs
überreichte Herr Dr. Ohnacker unter ehrenden Worten für ſeine jahn
zehntelauge aufopfernde Tätigkeit eine goldene Uhr mit entſprechender
Widmung, wofür der Gefeierte herzlichſt dankte Demnächſt ſoll ein
Kurſus über erſte Hilfeleiſtung bei Unglicksfällen veranſtaltet wer=
den
, deſſen Beſuch unentgeltlich iſt. Zur Beſchaffung von Verbands=
material
wird i nächſter Zeit eine Hausſammlung ſtattfinden.

Oberbeſſen.
Gebein (Oberh.), 25. Jan. Der Bund Vogelsberger Sänger=
vereinigung
hielt am Sonntag hier ſeine Hauptverſammlung ab. Die=
Beteiligung war außerordentlich gut. Für den Heſſiſehen Sängesbrrald
war Geſchäftsführer Noth Darmſtadt vertreten, der die Ziele des Heſſi=
ſchen
und des Deutſchen Sängerbundes eingehend darlegte. Die Ober=
hefſiſche
Sängerbundvereinigung, 17 Vereine mit über 500 Sängern be=
ſchloß
einſtimmig den Uebertritt zum Heſſiſchen Sängerbund. Zum Von=
ſitzenden
des neuen Gaues Gau Vogelsberger Sängervereinigung
wurde Herr Ludwin Strößinger, Ober=Lais, gewählt. Mit der Neu=
gründung
des Gaues iſt ein weiterer Schritt in der Neuorganiſation des
Heſſiſchen Sängerbundes vollzogen.

Ein Urteil von Vielen: Da ich schon mehrere Jahre zum Putzen meiner Zähne Chlorodont benutze, gestatte ich mir, Ihnen mitzuteilen, daß ich, Seit ich Chtorogont VerMeilder
schneeweiße Zähne bekommen habe. Ich hatte früher Lahnbelag und versuchte mit allen möglichen Ulitteln denselben zu beseitigen, Uas mir miblang, bis ich Ihre vor-
zügliche
Zahnpaste Chlorodont kaufte und auch probierte. Chlorodont allein führte mich zum Ziel. Ich werde heute oft beneidet und gefrast, Womit piegen und
putzen Sie Ihre Lähne? lch kann dann Ihre Zahnpaste Chlorodont weiter empfehlen, daß auch unsere Uitmenschen zu einem Auten Resultat kommen, wie ich.
Anbei ein Bild, uoraus Sie ersehen uollen, 4 meine Lähne auch virklich schneeueiß sind, trots des Kauchens. Uenn das Bild nicht mehr benötigt wird, bite
ich um Rücksendung. Berlin-Tempelof, Chr. R. (Originalbrief bei unserem Notar hinterlegt) Gberzeugen Sie sich zuerst durch Hauf einer Tube zu 60 Pfg, große
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dV.48
verlange nur echt Chlorodont und weise jeden Ersatz dafür zurück.

[ ][  ][ ]

Seite 8

Samstag, den 28. Jaunar 1928

Nummer 28

NUK
Rate

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elof.
z Tel. 80.

A
A
Kontol.
Taunusst

Familiennachrichten

Ihre Vermählung geben bekannt:
Wax Krebs und Frau
Else, geb. Seibert.
Darmstadt, den 28. Januar 1928.

Mathildenstr. 23

Liebtrauenstr. 107

Die kirchliche Trauung findet um ½3 Uhr nachmlttags
(*2335
in der Martinskirche statt.

Todes=Anzeige.
Heute verſchied nach langem, ſchwerem
Teiden mein lieber Vater, unſer guter Groß=
vater

Dans Kanz
Oberreallehrer i. R.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Antonie Hof, geb. Kahl
und Kinder.
Auf Wunſch des Entſchlafenen findet die Einäſcherung
(1897
in der Stille ſiatt.

Infolge eines Herzſchlages verſchied ſanft am
26. Januar in Mainz mein lieber, unvergeßlicher
Bruder, Schwager und Onkel
Herr
Tngenn kapvelt
im noch nicht vollendeten 60. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Robert Ruppert und Familie.
Darmſtadt, Liebfrauenſtr. 82, Mainz, Stettin, Elberfeld,
den 27. Januar 1928.
Die Beerdigung, findet Samstag nachmittag 3½ Uhr
von der Kapelle des Fr edhofes an der Nieder= Ram=
ſtädtirſtraße
aus ſtatt.
2475

Donnerstag abend verſchied nach kurzem, ſchwerem Krankſein,
erſt 28 Jahre alt, unſer Direktions=Aſſiſient
Mt deutg erig
Sein lauterer Charakter, ſeine überragende Begabung, verbun=
den
mit unbedingtem Pflichtgefühl und reſtloſer Hingabe an unſere
Sache, machten ihn zu einem wertgeſchätzten Mitarbeiter, auf den
wir für die Zukunft noch große Hoffnungen ſetzten.
Schwer trifft uns ſein Verluſi, unvergeſſen wird ſein Andenken
bei uns fortleben.
Aufſichtsrat und Porftand
der Heſſiſchen Handwerker=Zentralgenoſſenſchaft.

Am 26. ds. Mis. wurde uns nach kurzer, ſchwerer Krank=
heit
unſer lieber Mitarbeiter
Mt Geutg geing
leider allzu früh durch den Tod entriſſen.
Seine vorzüglichen Charakter=Eigenſchaften in Verbindung
mit erfolgreichem Wirken ſichern ihm unſer dauerndes, ehrendes
Gedenken.
Das Perſonal
der Heſſiſchen Handwerker=Zentralgenoſſenſchaft.

Todes=Anzeige.

1960

Heute Mittag 2½ Uhr ſtarb nach langen,
ſchweren Leiden mein lieber Mann, mein treuer
Sohn, unſer guter Bruder und Schwiegerſohn
Georg Polz
Kriegsteilnehmer von 19141919
im blühenden Alter von 31 Jahren.
Marie Volz, geb Mahr.
Familie Peter Volz
Familie Ludwig Mahr.
Wixhauſen, Arheilgen, den 27. Januar 1928.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 29. Januar,
nachmittags 3½ Uhr ſtatt.
Blumen und Kranzſpenden liegen nicht im Sinne
des Verſchiedenen.
1972

Fräul. v. Land, 30 J.
alt, kath., blond, an=
genehme
Erſcheinung,
vermögend wünſcht
anſt, kath. Herrn zw.
Heirat k. z. lernen.
Geſchäftsm. od. mittl.
Beamt. bevorz. Ano=
nym
zweckl. Off. u.
U 100 Gſchſt. (*2473

Anſtalt
mit einer größeren
Schloſſer ehrwerkſt.
ſucht Aufträge
auf Herſtetlung eines
od. mehrerer Schloſ=
ſereiartikel
Angeb.
unter U 118 an die
Geſchäftsſtelle (1926a

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unſere liebe, gute
Tochter und Schweſter, meine innigſtgeliebte Braut, mein Enkelchen,
unſere Nichte, Schwiegeltochter und Schwägerin
Fräulein Emmh Schmitt
im 22. Lebensjahre, infolge einer Halsentzündung, nach kurzen,
ſchweren, mit großer Geduld ertragenen Leiden am Donnerstag
nachmittag 2 Uhr zu ſich in die Ewigkeit abzurufen.
Im Namen der Hinterbliebenen
Familie R. M. Schmitt
Georg Willemann.
Darmſtadt, den 27. Januar 1928,
Wienerſtraße 5=
Die Beiſetzung findet Montag, den 30. Jinuar, nachm. 3½ Uhr,
vom Portale des alten Friedhofs an der Nieder=Ramſtädterſtraße
aus ſtatt.

Todes=Anzeige.
Heute früh 10½ Uhr verſchied nach langem, ſchwerem,
mit heldenhafter Geduld getragenen Teiden meine ge=
liebte
Frau
Anna, geb. Metzler.
Die Trauerfeier findet am Sonntag, den 29. Januar
1928, nachmittags 4 Uhr, im Trauerhaufe in Ortenberg
ſiatt.
Ortenberg (Heſſen), den 26. Januar 1928
Zugleich im Namen der Hinterbliebenen:
Dr. Wilhelm Lang
Fürſtlicher Oberförſier.

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&. ogler, Frank=
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am Main. II 161

Statt Karten.
Dankſagung.
Für die zahlreichen Beweiſe herzlicher Teilnahme bei dem Heim=
gang
unſeres lieben Entſchlafenen
Herrn Johannes Rückert II.
Bäcker= und Konditormeifter
ſowie für die zahlreichen Kranz= und Blumenſpenden ſagen wir hier=
mit
herzlichen Dank. Ganz beſonders danken wir Herrn Pfarrer
Dehlinger, Georgenhauſen, für die troſtreichen Worte am Grabe,
Herrn Lehrer Poth, dem Sprecher des Turnvereins 1863, ebenſo der
Bäcker=Innung des Kreiſes Dieburg,
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Ernft Auguſt Rückert, Bäckermeiſter
Siarl Maher und Familie
Wilhelm Rückert und Familie.
Groß=Zimmern, Dieburg, Fran urt a. M., den 24. Januar 1928. (1913

Unterfertigter C. C. erfüllt hier=
mit
die traurige Pflicht, ſeine lieben
A. H: und ſa. Cb. von dem am
23. Januar 1928 in Leipzig er=
folgten
Ableben ſeines lieben ia. Cb.

geziemend in Kenntnis zu ſetzen.
Der C. C. der Rhenania
J. A.:
1883) Werner Hähnlein.

Die Beerdigung des
Herrn
Konrad Weber
findet Samstag Mittag 1½Uhr
von der Kapelle des Waldfried=
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[ ][  ][ ]

Nummer 28

Camstag den 28. Januar 1928

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mit Klöppel-Einsatz u. Spitze

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95
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Batist-Tücher
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saum
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Kante . .... Staet B89 Ein Posten rein leinene
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Gerstenliorn mit fard Kante B8. Ein Posten rein leinene
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Gerstenkorn mit Hlohlsaun 883 Ein Posten halbleinene
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[ ][  ][ ]

Nummer 28

Ein Posten
Dumper-Untertaillen

Trägerform, reich mit Hohl-
saum
-Garnierung

5

Ein Posten Dumper-Untertaillen mit feiner Spitzen-Garnierung
Trägerform . H8.

Ein Posten
Damen-Hemden

Trägerform, reich mit Hohl-
saum
verarbeitet

65

Ein Posten
Damen-Beinkleider

mit Hohlsaum Verarbeitet

85.

9

Ein Posten
Damen-Hemden
Achselschluß aus solid. Cre-
tonne
mit Beston garniert OS‟

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Achselschluß mit Feston-Gar- 45
nierung . .

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Jumper-Untertaillen
mit breiter Stickerei und
Stiekereiträzer Verarbeitel .B8.9

Ein Posten
Reform- Röcke
Trägertorm mit reicher Hohl-
saum
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55

Ein Posten
Dam.-Trägerhemden

Ein Posten
Oroisé-Nachtjacken

mit Stickerei garniert

98

9

mit Feston-Garnierung, langer
Arm . . . .

55

Ein Posten Ein Posten Damen-Herndhosen Dam.-Nachthernden Windelform, mit feiner Spitze A10 garniert . . . . mit keiner Spitze gärnierd .. zuenintemindt

Ein Posten
Damen-Herndhosen
Windelform, m. breiterStickerei 935
und Hohlsaum-Garnierung.
2

Ein Posten
Reform.-Röcke
Trägerform mit Valencienne-
Spitze, Hohlsaum- d. Rürken. A15
Garnierung.

Ein Posten
Oroisé-Beinkleider
für Damen, m. breiter Stickerei 35
aus bewährten Oualitäten .

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Damen-Herdhosen

Ein Posten

Windelform, reich m. Hohls.
und breiter Stickerei garniert

245

Dam.-Nachthemden
mit Hohlsaum und feiner
995
Spitze garniert.

Ein Posten elegante
Windel-Hemdhosen
aus feinem Wäsche-Batist mit
995
Valencienne-Spitze u Einsatz
2
garniert. Ein Posten
Reform-Röcke
mit feiner Valencienne-Spitze
195
u Eins. u. Valencienne-Träger
sowie Rückengarnierung".
2 Ein Posten
Reform- Röcke
mlt breiter Valencienne-Spitze
und Einsatz sowie breiter
2
Rückengarnierung Ein Posten
Dam.-Nachthernden
mit Kragen und hübscher D95
Stickerei-Garnierung Ein Posten elegante.
Opal-Hemdhogen.
mit breiter Valencienne-Spitze;
Valencienne-Träger u. -Einsatz
Sonie breit Rlekensarnieruns B. Ein Posten
Oroisé-Nachthernden
für Damen, mit Feston garniert. O5
Kragen und langem Arm
9 Ein Posten elegante
Dam.-Nachtherden
aus feinem Wäsche-Batist, weiß
u. aparten Farben, sowie breit.
Valencienne-Spitze u -Einsatz Ein Posten elegante
Reform-Röcke
aus feinem Batist u. besonders
95
breiter Stickerei und Stickerei-
Träger.

Ein Posten
Achselschluß-Herd.
mit breit,. Stickerei-Garuierung A42

Ein Posten
Oroise-Hemden
Vorderschluß u. Feston-Gar. AO5
S
nieru

Ein Posten elegante
Schlaf-Anzuge
für Damen, mit langem Arm.
30
besond hübsche Ausführungen,
in den beliebten Farben.
K

[ ][  ][ ]

Nummer 28
Reich und Ausland.
Vom Deutſchen Turnfeſt 1928
in Köln.
Der Feſtzug.
Eine überlieferte und unentbehrliche Veranſtal=
tung
der deutſchen Turnfeſte, die den Vorzug hat,
die 100 000 Turner in enge Beziehung zu den Be=
wohnern
der Feſtſtadt zu ſetzen, iſt der Feſtzug, als
einer der Höhepunkte des Deutſchen Turnfeſtes und
zugleich als Ausdruck des turneriſchen Gemeinſchafts=
geiſtes
. Die Durchführung des Feſtzuges bei dem im
Juli ſtattfindenden 14. Deutſchen Turnfeſt in Köln
war lange Gegenſtand ernſter Beratungen und Er=
wägungen
, da die Kölner Innenſtadt mit ihren engen
Straßen wenig geeignet ſchien. Die letzten Schwie=
rigkeiten
ſind inzwiſchen behoben worden. Die Köl=
ner
Tagung der Turnführer hat die Durchführung
des Feſtzuges beſchloſſen und bereits einen genaueren
Plan ausgearbeitet. Der Feſtzug geht am Schlußtag,
39. Juli, vormittags, in vier Zügen vor ſich, die
ſich von vier verſchiedenen Aufmarſchpunkten in Be=
wegung
ſetzen. Ein Treffpunkt der vier Züge iſt in
der Nähe des Opernhauſes vorgeſehen. Man rechnet
mit einer Geſamteilnahme von mindeſtens 200 000
Turnern und Turnerinnen. Nach dem Feſtzug wird
eine Ruhepauſe angeſetzt. Nachmittags folgen dann
die großen Vorführungen auf dem Feſtplatz, bei dem
die Freiübungen der Turnerinnen mit etwa 15 000
Teilnehmerinnen, die Freiübungen der Turner mit
etwa 28 000 Teilnehmern ſowie die Siegerverkün=
digung
den Schluß der großen turneriſchen Veran=
ſtaltung
bilden werden. Die techniſche Abwicklung des
Turnfeſtes verlangt rund 1000 Obleute, Kampfrichter
und Riegenführer, die von den Kreiſen ſpäteſtens
bis 1. März dem Turnausſchuß und nach Köln ge=
meldet
werden müſſen. Der Vorſtand der D. T. ſoll
gebeten werden, Verhandlungen mit der Reichs=
bahngeſellſchaft
einzuleiten, um für die Sonderzüge
eine Fahrpreisermäßigung von 33½/. Prozent zu er=
reichen
. Zum Beiſitzer des Heuptausſchuſſes der
D. T. für 1928 hat der Hauptausſchuß auf Antrag
des Vorſtandes durch ſchriftliche Abſtimmung den
Vorſitzenden des Hauptausſchuſſes für das 14. Deut=
ſche
Turnfeſt, Herrn Stadtverordneten B. Gödde,
Köln=Mülheim gewählt.
Großfeuer in Wiesbaden=Biebrich.
B2. Wiesbaden=Biebrich. In der in
der Nähe der Kupfermühle gelegenen Scheune des
Grundſtückes Mainzer Landſtraße 117, die dem
Landwirt Fritz Junginger gehört, der Mainzer
Landſtraße 162 wohnt, brach in der Nacht auf
Donnerstag aus noch unbekannter Urſache Feuer
aus. Um 1.02 Uhr wurde die Wiesbadener Berufs=
feuerwehr
alarmiert, die unter der Leitung des
Brandinſpektors Diel alsbald auf der Brandſtätte
erſchien. Die Feuerwehr griff mit zwei 75= Milli=
meter
=Schlauchleitungen und fünf 52=Millimeter=
Schlauchleitungen den Brand an, der durch den herr=
ſchenden
Wind ſich ſtärker entfachte. Die Wehr hatte
1½ Stunden mit dem Ablöſchen der Scheune zu
tun. Der entſtandene Schaden iſt ſehr beträchtlich,
da die Scheune faſt ganz abbrannte und nur zum
Teil verſichert war. In der Scheune befanden ſich
landwirtſchaftliche Maſchinen und Geräte, darunter
ein Erntewagen, eine Sämaſchine, ein Grasmäher
und etwa 50 Zentner Hen und Stroh, evwa 30 Ztr.
Hafer und ein Klafter Holz, die ein Raub der
Flammen wunden.
Verurteilung eines Bürgermeiſters wegen
Meineides.
Landshut. Das Schwurgericht verurteilte
den Landsburger Bürgermeiſter Sebaſtian Hulzner
von Lichtenhaag wegen eines fortgeſetzten Ver=
brechens
des Meineids zu einem Jahr drei Mona=
ten
Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverluſt, ſowie
dauernder Eidesunfähigkeit. Bürgermeiſter Hulzner
hatte vor dem Amtsgericht Vilsbiburg trotz des ge=
genteiligen
Zeugniſſes von etwa fünfzig Zeugen be=
ſchworen
, daß der Wirt Weichgruber von Lichten=
haag
, mit dem er verfeindet war, am Joſephitag
1927 mit zahlreichen Gäſten die Polizeiſtunde über=
treten
habe.
Auch dieſes Haus droht ein=
zuſiürzen
.

Samstag den 28 Januar 1928
Vierſtöckiges Haus in Kaſſel eingeftürzt.
Zwei Tote, mehrere Schwerverletzte.

Seite 14

Das Haus Karſtadt in Kaſſel nach der Einſturzkataſtrophe.
Der Unglücksſerie der Hauseinſtürze reiht ſich eine neue Kataſtrophe in Kaſſel an. Dort hat eine
Grundwaſſerbewegung den Zuſammenſturz des faſt fertigen Fabrikneubaues der Karſtadt=Aktien=
Geſellſchaft in Kaſſel=Bettenhaufen, Stiftſtraße 48, bewirkt. Das vier Stock hohe Gebäude ſtürzte
plötzlich mit mächtigem Getöſe zuſammen und begrub mehrere Arbeiter unter ſich. Zwei Mon=
teure
wurden getötet, mehrere Arbeiter ſchwer verletzt.
Erſt jetzt aus der Kriegsgefangenſchaft zurück.

Bruno Stapel mit Frau und Kindern in Geltow bei Berlin.
Ein 1917 in ruſſiſche Kriegsgefangenſchaft geratener Deutſcher Bruno Stapel konnte erſt jetzt,
zehn Jahre nach dem Friedensſchluß, aus Rußland zurückkehren. Jahrelang haben ihn ſeine
in Geltow bei Berlin lebenden Eltern tot geglaubt, bis er im Vorjahre Nachricht gegeben und
um Geld zur Rückreiſe in die Heimat gebeten hat. Nach manchen Abenteuern im europäiſchen
und ſibiriſchen Sowjetreiche iſt er nunmehr in Begleitung ſeiner in Rußland geheirateten Frau
nebſt ſeinen beiden Kindern in Geltov eingetroffen.

DDas auf Moorgrund gebaute Haus in Berlin, Beſ=
ffelſtraße
22, muß geräumt werden, da ſeine in den
reunziger Jahren ſchwach fundamentierte Grundlage
ffaſt völlig zerſtört iſt. Auch der Bau der Untergrund=
Tbahn in der benachbarten Friedrichſtraße trug zur
Weränderung der Grundwaſſerverhältniſſe unter
Ddem drei Stock hohen Gebäude bei. Auf unſerem
Wilde ſind die Sprünge im Mauerwerk und die ein=
getretene
Senkung deutlich zu ſehen.

Die gefährliche Auspuffheizung.
Aus Karlsruhe wird gemeldet: Ein eigen=
artiges
Unglück ereignete ſich in dem Poſtauto nach
Zebruck. Unterwegs drangen aus dem durch das
Auto gehenden Auspuffrohr Kohlenoxydgaſe in das
Innere des Poſtautos, und in wenigen Angenblicken
waren alle elf Inſaſſen bis auf einen bewußtlos.
Dieſer Fahrgaſt machte den Wagenführer auf das
Unglück aufmerkſam. Mit Hilfe von herbeieilenden
Perſonen wurden die Bewußtloſen ins Freie ge=
ſchafft
und ſpäter von einem Arzt wieder ins Leben
zurückgerufen.
Hauseinſturz.
Bretten. Am Donnerstag nachmittag ſtürzte
von einem bis zur Eindeckung fertiggeſtellten Neu=
bau
der ganze Brandgiebel und etwa ein Drittel
vom Neubau in ſich zuſammen. Die Vorder= und
Rückfaſſaden wurden teilweiſe nach außen gedrückt.
Der gegen die Einfahrt ſtehen gebliebene Giebel hat
ebenfalls im Fundament nachgegeben und mußte
mit einem Betonfundament geſtützt werden. Trotz=
dem
der Einſturz erfolgte, während auf dem Dach
und innerhalb des Gebäudes gearbeitet wurde, iſt
kein Menſchenleben zu Schaden gekommen.
Bei lebendigem Leibe verbrannt.
Dörnbach. Bei der Heimkehr von einem
Tanzvergnügen wurde die 50 Jahre alte Frau
Schwengel von ihren Angehörigen vollſtändig ver=
brannt
im Zimmer liegend vorgefunden. Die an
einer Art Fallkrankheit leidende Frau wurde an=
ſcheinend
in der Nähe des Ofens wieder von ihrem
Leiden erfaßt, und beim Fall ſtürzte der Ofen auf
ſie, ſo daß ſie ſo lebendigen Leibes verbrannte.
Typhuserkrankungen in Hagen i. W.
In Hagen ſind in den letzten Tagen insgeſamt
zwanzig Perſonen an Thphus erkrankt. Wie ver=
lautet
, handelt es ſich um ziemlich ſchwere Fälle.
Die Urſache konnte noch nicht feſtgeſtellt werden. Die
ſtädtiſche Geſundheitsbehörde hat ſofort alle uot=
wendigen
Maßnahmen getroffen. Von den Erkrank=
ten
ſind inzwiſchen drei verſtorben.
Ein Deutſcher in Perſien ermordet.
Eiſenach. Der Sohn des Amtsgerichtsrats
Dr. Stoll, der Sprachforſcher Dr. Walter Stoll,
iſt, wie dem Vater telegraphiſch mitgeteilt wurde,
in Perſien ermordet worden. Es iſt gelungen, den
Mörder feſtzunehmen. Einzelheiten ſtehen zurzeit
noch aus.

Feſtnahme eines Eiſenbahnräubers.
Wie aus Köln gemeldet wird, iſt dort von dem
Streifdienſt der Reichsbahnüberwachungsabteilung
der Schloſſer Andreas Henſka, geboren in Oſtrowo,
feſtgenommen worden, der bis jetzt fünfzig zum größ=
ten
Teil ſchwere Einbrüche in Speiſewagen, Pack=
und Poſtwagen, Aufenthaltsräume und Spinde, u. a.
auch auf dem Bahnhof Frankfurt a. M., eingeſtan=
den
hat. Auf ſeinen Reiſen kreuz und quer durch
Deutſchland trug er ſtets Lokomotioführeruniform
und löſte nie Fahrkarten.
Selbſtgeftellung eines Mörders.
Danzig. Der 32 Jahre alte Verſicherungs=
vertreter
iWeske ſtellte ſich der Polizei mit der Be=
ſchuldigung
, die 2 Jahre alte Frau Pahl, bei der
er Zwei Zimmer bewohnte, ermordet zu haben. Die
Mordkommiſſion ſtellte feſt, daß Frau Pahl durch
zwei Revolverſchüiſſe getötet worden war. Der =
ter
gab an, daß er zuſammen mit der Getöteten
Selbſtmord derüben wvollte.
Gefährlicher Bergrutſch.
Saarbrücken. In Nalbach ereignete ſich ein
Bergrutſch, durch den die Hinterwand eines Hauſes
eingedrückt wurde. Die Beſitzerin des Hauſes, die
den drohenden Abſturz im letzten Augenblick noch
wahrnahm, konnte ſich und ihren Jungen mit knap=
per
Not retten. Es ſind ſchätzungsweiſe 250 Wagen
Erdmaſſe abgeſtürzt.
Schiff in Seenot.
Paris. Nach einer Meldung des Jourual
aus Toulon hat das franzöſiſche Unterſeeboot Mar=
ſouin
wegen Steuerbruchs um Hilfe gebeten. Es
befindet ſich vier Meilen ſüdöſtlich von Cap Venat.
Notlandung eines deutſchen Verkehrsflugzeugs.
Paris. Wie dem Echo de Paris aus Per=
pignan
gemeldet wird, ſoll ein deutſches Verkehrs=
flugzeug
der Linie GenfMarſeille-Barcelona in=
folge
eines ziemlich ernſten Motorſchadens im Flug=
hafen
von Blabancera niedergegangen fein. Der
Flugzeugführer und die beiden Paſſagiere follen un=
verletzt
ſein.
Eine neue Inſel entſteht über dem Krakatao.
Amſterdam. Einem Telegramm aus Batavia
zufolge, iſt an der Stelle des unter dem Meres=
ſpiegel
befindlichen Kraters des Krakatgo eine Inf
aufgetaucht.

Erdſioß in Süddeutſchland.
Freiburg. Geſtern morgen, gegen 4.15 Uhr,
wvurde hier ein leichter, aus ſüdweſtlicher Richtung
kommender Erdſtoß verſpürt, der durch leichte Er=
ſchütterungen
der Häuſer in den Außenbezirken der
Stadt und durch Klirren der Fenſterſcheiben ein=
ſetzte
. Die gleiche Beobachtung wurde nach bisher
eingegangenen Berichten zur ſelben Zeit in der Um=
gebung
von Müllheim gemacht. Auch auf der Baar
wurde der Erdſtoß wahrgenommen, der hier etwas
ſtärker auftrat. In Donaueſchingen erkannte man
den Erdſtoß mit größter Sicherheit am Knarren des
Gebälkes in verſchiedenen Häuſern. Nach hier ein=
gegangenen
Berichten wurde der Erdſtoß auch in
Baſel um 4.14 Uhr bemerkt. Dabei wurden ſchwerere
Gegenſtände zum Schwanken und leichtere zum Um=
fallen
gebracht. Dem eigentlichen Stoß war ein drei
Sekunden lang dauerndes Beben vorangegangen,
wobei ein ſtarkes Sauſen in der Luft beobachtet
wurde. Auch in Olten, im Jura und im Liestal
wurde der von dumpfem Rollen begleitete Erdſtoß
verſpürt. Beſonders im ſchweizeriſchen Jura wurde
die wellenartige Erſchüitterung deutlich wahrge=
nommen
.
Dreißig Jahre unſchuldig im Kerker.
DD. Malmö. Vor dreißig Jahren wurde in
Sjöbo eine Mordtat begangen, der das Dienſtmädchen
Johanna Söderberg zum Opfer fiel. Der Verdacht
richtete ſich gegen einen gewiſſen Martin Thomasſon,
der, obgleich er ſeine Unſchuld beteuerte, auf Grund
der Indizienbeweiſe zu lebenslänglicher Zwangs=
arbeit
verurteilt wurde. Jetzt erſt wird die Ver=
mutung
wach, daß nicht Thomasſon, ſondern der
kürzlich wegen Doppelmordes verurieilte Müller
Martin Svensſon der Täter war. Svensſon hat tat=
ſächlich
damals in dem Hauſe gewohnt, in das eine
Nachbarin den Mörder flüchten ſah. Ein bekannter
Rechtsanwalt von Stockholm hat ſich bereits nach
Sjöbo begeben, um dort eingehende Verhöre und
Unterſuchungen anzuſtellen. Martin Thomasſon, der
30 Jahre im Gefängnis zugebracht hat, liegt zurzeit
todkrank in einer Irrenanſtalt.
Der Sturm im Atlantiſchen Ozean.
New York. Der Cunavddampfer Aquitania
iſt infolge des Sturmes im Atlantiſchen Ozean hier
mit 45 Stunden Verſpätung eingetroffen. Bei dem
Orkan, der auch Kanada und den Oſtteil der Ver=
einigten
Staaten heimſuchte, verloren zehn Per=
ſonen
ihr Leben. In der Stadt New York allein
wurde durch den Sturm Glas im Werte von 250 000
Dollar zertrümmert. 42 Perſonen wurden durch
Glasſplitter, herabfallende Ziegel und Schilder ver=
letzt
.
Banditenüberfall auf eine Autobus=Kolonne.
Aus Sofia wird gemeldet: In Oſtbulgarien
überfielen auf der Straße von Stara Zagora nach
Radnowo ſieben bewaffnete Räuber drei knapp hin=
tereinander
fahrende Autobuſſe. Sie ſchoſſen auf die
Chauffeure und plünderten die 60 Fahrgäſte völlig
aus. Ein unter den Paſſagieren befindlicher Gen=
darmerieofizier
wurde von den Räubern furchtbar
gemartert und durch zwei Revolverſchüſſe verletzt,
weil er von ihnen beſchuldigt wurde, an Räuberver=
folgungen
vor einigen Monaten teilgenommen zzu
haben. Die Ränber zündeten eines der Auto=
mobile
an.
Ausbruch eines Bulkans auf Kamtſchatka.
Moskau. Der als erloſchen geltende Vulkan
Scheweljutſch, an der öſtlichen Küſte von Kamt=
ſchatka
, iſt plötzlich wieder ſtark in Tätigkeit getreten.
Todesurteil wegen Amtsvergehens.
Moskau. Die transkaukaſiſche politiſche Ver=
waltung
verurteilte Leonid Nowikow, den ehema=
ligen
Leiter der Warenabteilung des transkauka=
ſiſchen
Handelskommiſſariats zum Tode. Nowikow
war angeklagt, einer Gruppe Getreideſpekulanten in
Tiflis auf ungeſetzlichem Wege Genehmigungen zur
Getreideausfuhr aus verſchiedenen Gebieten des
Nordkaukaſus verſchafft zu haben, wofür er ſyſtema=
tiſch
Beſtechungsgelder annahm. Das Todesurteil
iſt bereits vollſtreckt worden.
Vier Millionen für Forſchungen
zur Lebensverlängerung.

Albert Lasker,
ein bekannter amerikaniſcher Geldmann, hat eine
Million Dollar (4,25 Millionen Mark) für For=
ſchungen
zur Verlängerung des Lebens den wiſſen=
ſchaftlichen
Inſtituten der Univerſität Chicago ge=
ſchenkt
. Die Dauer des menſchlichen Lebens iſt
unter verſchiedenen Verhältniſſen verſchieden. Die
Bewohner hochgelegener, nicht zu kalter Gebiete
haben durchſchnittlich eine längere Lebeusdauer als
ſolche in feuchten und heißen Ländern. Reichtum und
Eheſchließung beinfluſſen günſtig, Armut und Jung=
geſellenleben
ungünſtig die Lebensdauer. Eine wirk=
liche
Lebensverlängerung wäre aber zu erzielen,
wenn man die Krankheitskeime, welche im Darm des
Menſchen zu frühe Alterserſcheinungen hervorrufen,
ſyſtematiſch ausrotten könnte. Auch Drüſenverpflan=
zungen
können zur Verlängerung des Lebens bei=
tragen
. Warum ſollte der Menſch unter günſtigen
Bedingungen nicht 150 Jahre alt werden, wenn be=
reits
eine Ameiſe 15, ein Kanarienvogel 24, eine
Gans 100, ein Eſel 106, ein Elefant 20 Jahr=
erreicht
hat.

[ ][  ][ ]

Seite 12

Samstag, den 28 Januar 1928

Nummer 28

Die Inſel Naxos.
Text und Zeichnungen von Erna Pinner.

Das Aegäiſche Meer liegt hart vor Naxos. Die Stadt ſteig:
aus der unwahrſcheinlichen Bläue, i blendender Weiße mu
flachen Dächern den ſteilen Hang eines Felskegels hinauf. Au)
dem Gipfel die Reſte einer fränkiſchen Herzogsburg. Unwittelbar
dahinter ſtehen die ausgeſägten Spitzen fruchtbarer Hügel. In
den Ebenen Weinberge und Gärten von Agavenhecken eingefaßt.
Hie und da eine weiße ovale Windmühle, deren Flügel durch
eingeſpannte Segel getrieben werden. Ein kleiner Hafen, Segel=
boote
und Frachtkähne mit den Früchten der überreichen Inſel,
Oliven, Tomaten, Maulbeeren, Trauben, Oel und Wein. Am
Quai Kaffeehäuſer, davor Sonnenſegel, primitiv von Baum zu
Baum geſpannt, Schenken mit Bauern in der Nationaltracht der
weiten Pumphoſen, der roten Filzmütze, eine Art Fez, und der
überkreuzten geſtickten Weſte. Lungernde Hafenarbeiter, balkan=
hafte
Typen in zerlumpten Kleidern und kleine Eſel mit den
turmhohen Holzſätteln. Darüber eine weißglühende Sonne.

apparat und ſchenkte mir einen kleinen grünen meſſerſcharfen
Stein. Die klaſſiſche Gilettklinge.
Steil hinauf führen die ſehr engen und ſchmutzigen Straßen
durch alte Tore und Feſtungsmauern, hie und da erblickt man
ein venezianiſches Herzogswappen. Die Inſel wurde 1207 vor
den Venezianern für Jahrhunderte erobert. Feuerrote Granat=
blüten
hängen über kreideweißem Gemäuer. Der ſteinige trep=
penartige
Weg iſt mit Müll und Schmutz bedeckt.
Auf der Höhe liegt das große Kloſter der Urſulinerinnen.
Bezaubernde Blumengärten leuchten hinter einer hohen Mauer
auf und eine blitzende Stiege führt in einen Empfangsſaal. Am
Flügel ein vierzehnjähriges Mädchen, was ſpielt. Daneben eine
Lehrerin. Die Oberin iſt eine große Dame aus Paris. Als Kon=
traſt
zu dem aſiatiſch griechiſchen Milieu faſt unfaßbar. Hier
werden die römiſch=katholiſchen Töchter Griechenlands erzogen.
Vom Fenſter blendet unter weißen Roſen, Oleander und

Die antike Hauptſtadt lag an derſelben Stelle, der einzige
Reſt von ihr iſt ein Portal des Tempels auf der vorgelagerten
kleinen Inſel Palati. Die Säulen find aus dem ſchneeigen Ge=
ſtein
der Inſel von Naxos, blendend weißem Marmor. Er ge=
hörte
dem Dyo iſos dem Gott der Triebkraft und des Wein=
ſaftes
. Naxos war ſeine Haupthultſtätte. Hier vermählte er ſich
mit der von Theſeus verlaſſenen Minostochter Ariadne. Zwei
Feſte wurden gefeiert, eines der Verlaſſenen unter Trauer, und
eines der Vermählten unter Jubel.
Ein kleiner der Erde gleichgelegener Raum, das ſogenannte
Muſeum, zeigt ſpärliche Ueberreſte an Figuren und Stelen. Der
Fremde auf Naxos iſt eite Rarität, und er bildet im Na den
Mittelpunkt der Stadt. Die Schulle wurde ſofort unter Freuden=
geſchrei
der Kinder geſchloſſen. Der Lehrer hatte den liebens=
würdigen
Ehrgeiz, die Sehenswürdigkeiten von Naxos zu ei=
Hläven. Unter den Ausgrabungen zeigte er einen antiken Raſier=

Myrthen das blqueſte Meer. Ein ſchwüller Duft von Weſhrauch
lagert über dem Raum. Ein feines Lächeln der Oberin verrät
ihr Erſtauien, wie man auf die Idee kommen könnte, ausge=
rechnet
nach Naxos zu reiſen. Likör und Marmelade aus Roſen=
blättern
werden gereicht. Beim Weggehen ſtehen vierzig gleich=
gekleidete
junge Mädchen vor der Türe, alle in ſchwarz und weiß.
Ueberall ein Hauch venetianiſcher Kultur, davon Paläſte
merkwürdig mitten im Meer hier ſtehen. Es gibt noch viele
italieniſche Namen, wie die der Grafen Rocca, die allerdings
keinen Titel tragen. Es gibt keinen Adel in Griechenland.
Die Inſel Naxos iſt die größte der Kikladen. Nächtlich blinkt
vom Firmament die Hochzeitskrone der Ariadne, die, wie die
Legende ſagt, zu einem Geſtirn erhoben wurde. Sie verſchwindet,
wenn die Mondſichel verblaßt. Um dieſe Stunde verläßt der
Dampfer geräuſchlos die Inſel, den Kurs nach Süden gerichtet.

Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Samstag, 28. Januar. 13: Kaſſel: Hauskapelle. O 15.30;
Liedervorträge Frankf. Schulen. Weltliche und geiſtl. Lieder. O 16.30:
Konzert. Mojart (geb. 27. Januar 1756). Ouv. Die Entführung
aus dem Serail. Andante (Siciliana). Arie. Suite a.
Die Entführung aus dem Serail. Ouv. z. Der Schauſpiel=
direktor
u. a. m. Mitw.: Maria Maſſelter (Sopran). Erich Kohl=
höfer
(Klavier), Heinz Korte (Klarinettel. Rundfunk=Streichquartett.
0 17.45: Die Leſeſtunde. Aus dem Roman Der Oberhof von
Immermann. o 18.15: Ver insnachrichten. 18.30: Kaſſel: K.
Hinze: Wie lege ich meinen Garten an? O 18.45: Briefkaſten.
O 19.15: H. Zacher: Soll unſer Junge Kaufmann werden? o 19.45:
Rechtsanwalt Rothbarth: Die Todesſtrafe im Wandel der Zeit,
O 20.15: Bunter Abend. Mitw.: Lieſel Simon (Rez.), Otto Jülich
(Humoriſt), Alois Reſni (Tenor). O 22.30: Berlin: Tanzkurſus,
Anſchl.: Tanzmuſik
Stuttgart.
Samsrag, 26. Jannar. 14: Jugendſtunde. O 15: Konzert.
Mitw.: Volkslieder=Quartett u. Funkorch. O 18.15: Amtsgerichtsdir.
Kallee: Tariſvertrag und Betriebsvereinbarung. 019.45: Vortrag.
S 19.15: Regierungsrat Bullinger: Angeſtelltenverſicherung. 0 19.45:
Sport. 20: Uebertr, aus Baſel: Volkstüml. Abend. Ausf
Schwyzer Ländlermuſik, Kleeblatt Jodler Doppelquartett Edel=
weiß
, Baſel. Schwerzerlieder und Jodlervorträge. Ernſtes und
Heiteres aus eig. Dichtungen in Basler Mundart: Theobald Bär=
wart
. O 21.50: Aus Stuttgart und Freiburg: Nachrichten. Anſchl.:
Streifzug durch den Aether. Verſuch drahtloſer Uebertr. auswärtiger
Sender. 22.30: Uebertr. aus Berlin: Funktanzſtunde. Leit.*
W. Carlos. 0 23: Tanzmuſik.
Berlin.
Sonnabend, 23. Januar. 10.30: Ue
rtr. der Eröffnungsfeier
der Landwirtſchaftlichen Ausſtellung Grüne Woche Berlin 1928.
o 16: 16: L. Lehmann: Das Erwachen
einer neuen Zeit. (Die
Eiſenbahn beginnt zu fahren.) O 16.30: Kapelle Gebr. Steiner.
O 18.30: Stadtgarten=Dir. Kube, Hannover: Die Lage der Klem=
gärten
im Stadtkörper. 19: Hans Hirſchſtein: Die Rohſtoffe
des Alltags (die Wolle). o 19.30: Reg.=Baurat a. D. Prof. W.
Müller: Ein Beſuch bei Englands Wirtſchaft, ſeinen Unternehmern
und Arbeitern. 19.55: Prof. Tarachand=Ron (Lohore): Die
Indogermanen. (Wirtſchaftsform., O 20.30: Heiteres Wochenende.
Mitw.: Charl. Freyer, A. Fleßbuxg, Dr. E. Fortner, Berl. Funk=
Chor, Berl. Funk=Orch. Anſchl.: Tagesnachrichten. O 22.30: Funk=
Tanzſtunde. Danach: Tanzmuſi.
Deutſche Welle. Sonnabend den 28 Jan. 10.30: Eröffnungs=
feier
der Grünen Woche Berlin 1928. O 11.50: Künſtleriſche
Darbietungen für die Schule: Alt Wiener Tänze. O 14.30: Baſtel=
ſtunde
. O 15: Prof. Lampe: Neues vom pädagogiſchen Weltbund.
O 15.35: Wetter und Börſe. o 16: Dr. Klopfer: Erziehungs=
beratung
. O 16.30: Bundesdir. Krutina: Der Standesbeamte im
Dienſt der Allgemeinheit. O 17: Nachmittagskonzert Hamburg.
O 18: Redakteur Bachmann: Der Schritt vom Land zur Stadt
im Arbeiterleben. O 18.30: Franzöſiſch f. Fortgeſchrittene. 0 18 55:
St.=Rat Dr. Bülow: Fauſt in der Muſik. O 19.20: Dr. A. Ein=
ſtein
: Die vorbachiſche Zeit. 20.30: Heiteres Wochenende. Mitw.:
Charlotte Freyer, A. Fleßburg, Dr. Fortner, Berl. Funk=Orch.,
Bexl. Funk=Chor. O 22: Preſſenachr. O 22.30: Funk=Tanzſtunde.
Anſchl. Tanzmuſik

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Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolſ Maupe: für Feutlſeton, Reich und
Ausland und Heſiſche Nachrichten: Max Streeſe: für Sport: Dr. Eugen Buhlmann=
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den Handel: Dr. C. H. Que iſch für den Schlußdlenſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Willp Kuble: Druck
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wöchentlich 23 Std
geſ (Johannesviert.)
An ebo e unt U 85
an die Geſchſt. 72363

Offene Stellen 8

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[ ][  ][ ]

Nummer 28

Samstag den 28 Januar 1928

Seite 13

Suhresvelicht dei Muuſttier une Handelstaniiner
Darmſtadt über das Wirtſchaftsjahr 1927.

Allgemeine Betrachtungen.
III.
Noch immer iſt die Lage der deutſchen Wirtſchaft ſehr
ornſt und es muß ſtets damit gerechnet werden, daß durch äußere Ein=
wirkungen
oder innere Enrwicklungen der beſtehende Zuſtand geſtört
wird. Die außerordentliche Belaſtug der deutſchen Wirtſchaft durch die
Daweslaſten, die im laufenden 4. Reparationsjahr (1. September 1927
bis 1928) 1 750 Millionen Mark beträgt und vom 5. Reparationsjahr
1928/29 an, das bezeichnenderweiſe Normaljahr genannt wird, ſich auf
nicht weniger als 2½ Milliarden Mark erhöhen ſoll, drückt ſchwer auf
der deutſchen Wirtſchaft und damit unmittelbar auf jeden einzelnen
Volksgenoſſen. Dieſe Belaſtung iſt um ſo ſchwerwiegender, als ein Ende
bei der Unbegrenztheit der Reparationsleiſtungen noch nicht abzuſehen
iſt. Nachden der Reparationsagent neuerdings den Gedanken aufge=
worfen
hat, einer zahlenmäßigen Begvenzung der Abgaben näher=
zutreten
, wirb es die Aufgabe der maßgebenden Stellen ſein, dieſen
Gedanken aufzunehmen und ſeine Vevwirklichung zwar zu fördern, gleich=
zeitig
aber auch darüber zu wachen, daß die zahlenmäßige, an ſich dringend
erforderliche Abgrenzung der Daweslaſten nicht zu neuen Gefährdungen
der deutſchen Wirtſchaft in anderer Weiſe führt. Außer den Dawes=
abgaben
müſſen aus der deutſchen Wirtſchaft noch die hohen Beträge für
Verzinſung und Amortiſation der Auslandsſchulden aufgebracht werden;
dieſe werden jetzt bereits auf bis zu 10 Milliarden Mark geſchätzt, ſie ſind
noch immer im Anwachſen begriffen.
Während die Steuerlaſt im Deutſchen Reich im Jahre 1913 rund
4 Milliaiden Mark betragen hat, beträgt ſie heute rund 12 Milliarden.
Der ſoziale Aufwand hat ſich von rund 1,3 Milliarden Mark im Jahre
1913 auf etwa 4,5 Milliarden im Jahre 1927 in ungeheuerlichem Ausmaß
erhöht.
Die äußeren und inneren Kriegslaſten des Deutſchen Reiches be=
tragen
im Jahre 1627 über 3½ Milliarden Mark, alſo etwvas mehr als
die Hälfte der geſamten Ausgaben des Reiches, auf den Kopf der Bevöl=
kerung
gerechnet rund 57 RM. Der bittere Ernſt der Lage gegenüber
der Vorkriegszeit erhellt daraus, daß die Belaſtung durch die Geſamt=
ausgaben
des Reiches im Jahre 1913 je Kopf rund 41 RM., alſo nur
etwa / /oo der allein durch die Kriegslaſten bedingten Ausgaben im Jahre
1927 betragen hat.
In wie ſtarkem Gegenſatz ſich die deutſche Wirtſchaft rrotz mancher
günſtiger Momente im einzelnen am Ende des Berichtsjahres nameut=
lich
auch zu maßgehenden Regierungskreiſen befindet, iſt ſchlaglichtartig
durch die Ereigniſſe beleuchtet worden, die faſt zu einer Stillegung
der rheiniſch=weſtfäliſchen Eiſen=Induſtrie, einer der wühtigſten Grund=
lagen
der deutſchen Volkswirtſchaft, geführt hätten. Wenngleich eine
das Shlimmſte vermeidende Beilegung des ſchweren Konfliktes durch
Verbindlichkeitserklärung der Schiedsſprüche über Arbeitszeit umd Lohn
in letzter Stunde erzielt wurde, ſo darf doch dieſe Löſung nicht über
den ſchweren Ernſt der geſamten Lage hizwegtäuſchen. Beſonders bei
Len maßgebenden Regierungsſtellen muß die Einſicht zum Durchbruch
gelangen, daß auch die Sozialpolitik die Kunſt des in ihrem Be=
reich
Möglichen darſtellt, und daß der Umfang der auf ſozialem
Gebiete für die deutſche Wirtzſchaft tragbaren Maßnahmen ſehr weit=
gehend
durch die Tatſache mitbeſtimmt wird, daß das Deutſche Reich
uach dem Verluſt des Krieges auf noch unbeſtimmte Zeit hinaus in
einem Maße zum Schuldner des Auslands geworden iſt, das in der Ge=
ſchichte
kaum ſeinesgleichen hat.
Alles in allem kann erfreulicherweiſe feſtgeſtellt werden, daß das
Wirtſchaftsjahr 1927 gegenüber den vorangehenden Jahren ein, wenn
auch mit größter Vorſicht zu wertendes langſames Voranſchreiten auf
dem Wege zur Konſolidierung gebracht hat. Immerhin ſind die Grund=
lagen
für eine gedeihliche Weiterentwicklung durch die überaus ſchwere
Ueberbürdung ſämtlicher Zweige der deutſchen Wirtſchaft Induſtrie,
Handel, Handwerk und Landwirtſchaft mit äußeren und inneren
Laſten derart ſtark in ungünſtigem Sinne beeinflußt, daß nur in gemein=
ſamer
zielſicherer Zuſammenarbeit aller Beteiligten, nicht zuletzt auch der
maßgebenden Regierungsſtellen, unter bewußte Zurückſtellug alles
Trennenden und unter Aufbietung äußerſter Sparſamkeit in der
üffentlichen Verwaltung Ausſicht beſteht, daß die weitere Entwicklung
der Lage in günſtigem Sinne keine Rüchkſchläge erleider.
Verkehrsweſen.
(Aus dem Berichr der Induſtrie= und Handelskammer Darmſtadt über
das Jahr 1927.)
Auf dem Gebiete des Eiſenbahngüterverkehrs iſt eine wichtige Neu=
regelung
in Geſtalt des am 1. Auguſt 1927 in Kraft getretenen Nor=
malgütertarifs
zu verzeichnen. Die horizontale Klaſſenſtaffel iſt
Lurch Einführung einer neuen ſiebten Klaſſe abgeändert worden, die als
Klaſſe D 1 zwiſchen die bisherigen Klaſſen D und E eingefügt worden
iſt. Die Zuſchläge für die 10 T Nebenklaſſe ſind geſenkt worden. Die
horizontale Staffelung der Abfertigungsgebühren hat eine Ermäßigung
in Geſtalt der Abfertigungsgrundgebühr bei den Klaſſen B und C er=
fahren
. Zum Zwecke einer Senkung der Nahfrachten ſind die Abfer=
tigungsgebühren
, die ſeit Einführung des Staffeltarifs für alle Ent=
fernungen
gleich hoch waren, bis 100 Km. Entfernung geſtaffelt worden.
Wenn auch durch dieſe Tarifreform den Wünſchen der deutſchen Wirt=
ſchaft
nur zu einem mäßigen Teil Erfüllung gewährt worden iſt, ſo
derdient die NeuEfelung doch als Foxtſchritt bezeichnet zu werden.
Die Beſtrebungen auf eine weſentliche Entlaſtung des Verkehrs auf kurze
Entfernungen ſovie auf ein Entgegenkommen der Reichsbahn in der
Frage der Binnenumſchlagstarife, die auch den Intereſſen
der Rheinſchiffahrt gerecht werden, tönnen der nachdrücklichen Unter=
ſtützung
der Kammer gewiß ſein.
Als ein erfreuliches Beiſpiel, wie durch verſtändnisvolles Zuſammen=
arbeiten
der Beteiligten Gegenſätze überbruckt werden können, ſtellt ſich
auf dem Gebiete des Verkehrsweſens die Neuregelung der Spediteur=
bedingungen
dar, die am 10. Auguſt des Berihsjehres in Kraft getreten
ſind. Während früher die Spediteurbedingungen von den Spediteuren
einſeitig feſtgeſetzt waren, iſt es nunmehr in eingehenden Verhandlungen
der Spitzenorganiſationen der Induſtrie, des Großhanbels, des Einzel=
haudels
und des Vereins deutſcher Spediteure gelungen, eine Faſſung
zu finden, die ſämtlichen Beteiligten gerecht wird. Da die neuen Spedi=
teurbedingungen
auch ſachlich eine Anzahl von wertvollen Aenderungen
enthalten, die ſich als Verbeſſerungen gegenüber dem früheren, Zuſtand
darſtellen, kann die Neurcgelung, ſowohl was die Art und Weiſe ihres
Zuſtandekommens als auch ihren Inhalt anlangt, als durchaus glück=
lich
bezeichnet werden.
Die Bemühungen der deutſchen Regierung um Erleichterun=
gen
im internationalen Reiſeverkehr hatten auch im
Berichtsjahre erfreulicherweiſe gute Erfolge zu verzeichnen. Es wurde
der Sichtvermerkszlöang mit Finnland ab 1. Juni, mit Jugoſlawien

ab 5. Dezember, mit Großbritannien einſchließlich Irland, Kanada, Neu=
ſeeland
, der Südafrikaniſchen Union, Neufundland und Südrhodeſien
ab 1. Januar 1128 aufgehoben. Die Ausdehnung des letzteren Ab=
kommens
auf, die Kronkolonien und Protektorate, wird noch geprüft.
Im Verkehr mit der Tſchechoſlowakei, ſollte der Sichtvermerkszwang
ebenfalls am 1. Januar 1928 fallen, leider iſt eine Verſchiebung des
Zeitpunktes auf den 1. April eingetreten. Ohne Einholung eines Sicht=
vrmerks
können nunmehr Angehörige des Deutſchen Reiches nach fol=
genden
Ländern reiſen: Cuba, Dänemark, Danzia, Dominika, Finn=
land
, Großöritannien einſchließlich Irland, Kanada, Ncuſecland, Süd=
afrikaniſche
Union, Neufundland nud Südrhodeſien (alſo Auſtralien und
Indien ausgenommen), Haiti, Island, Japan, Jugoſlawien, Luxem=
burg
, Nieberlande, Oeſterreicl, Panama, Portugal ohne Kolonien.
Schweden, Schweiz einſchließlich Liechtenſtein, ſowie vorausſichtlich ab
1. April 1928 Tſche hoflowakei. Es ware im allſeitigen Intereſſe drin=
gend
zu wünſchen, daß die Hemmungen, die zur Zeit noch nicht wieder
beſeitigt ſind, in Bälde fallen möchten, damit der Vorkriegszuſtand, der
in weitgehendem Maße den freien Reiſeverkehr von Land zu Land ge=
ſtattet
hatte, möglichſt bald wieder hergeſtellt tuird.
Auf dem Gebiete des Eiſenbahn=Perſonenverkehrs
konnten dank verſtändnisvoller Einſtellung der Reichsbahn für den
Kammerbezirk weſentliche Verbeſſerungen erzielt werden, ohne daß
allerdings alle berechtigten Wünſche auch nur entfernt Berückſichtigung
gefunden hatten. Von beſonderer Wichtigkeit für Darmſtadt und den
geſamten Kammerbezirk erſcheint es, daß endlich Darmſtadt in den
durchgehenden Verkehr nach Köln und dem rheiniſch=
weſtfäliſchen
Induſtriebezirk ſowie nach dem Nie=
derrhein
einbezogen wird. Der derzeitige Zuſtand, wonach,
von zu ungünſtigen Nachtzeiten verkehrenden Zügen abgeſehen, keine
einzige durchgehende Verbindung mit den genannten wichtigen Gegen=
den
für den Bezirk Darmſtadt beſteht, iſt auf die Dauer unhaltbar. Die
Intereſſen des Kammerbezirks, nicht zuletzt auch die Belange des Frem=
denverkehrs
im Odenwald und an der Bergſtraße, erfordern dringend,
daß die ſeit Jahren erhobene Forderung nach durchgehenden Schnell=
verbindungen
von der Bergſtraße und von Darmſtadt auf dem kürzeſten
Wege nach dem Niederrhein endlich Erfüllung findet.
Neben einer angemeſſenen Berückſichtigung des Kammerbezirks im
durchgehenden Verkehr zwiſchen Süddeutſchland und Rheinland= Weſt=
falen
auf dem kürzeſten Wege über Groß=Gerau, erſcheint es
dringend geboten, die Anzahl der ſchnellfahrenden Züge zwiſchen Darm=
ſtadt
und Mainz=Wiesbaden erheblich zu vermehren. Während im letz=
ten
Vorkriegsfahrplan auf der genannten Strecke 2 D=Zugs= und 6 Eiſ=
zugspaare
, im ganzen alſo 8 Paare ſchneller Züge verkehrten, wird die
genannte Strecke zur Zeitz nur durch 2 D=Zugspaare, deren eines zu
ungünſtigen Nachtzeiten liegt, ſowie durch 2 Paare beſchleunigter Ver=
ſonenzüge
, die die Aufgaben der früheren Eilzüge übernommen haben,
bedient. Der Schmellverkehr zwiſchen Darmſtadt und Mainz=Wiesbaden,
der gleichzeitig wichtige Aufgaben im Durchgangsverkehr zwiſchen Süd=
deutſchland
und Rheinland=Weſtfalen zu erfüllen hat, iſt ſomit bisher
auf nur 50 Prozent der Leiſtungen der Vorkriegszeit gebraht worden.
Es darf daher beſtimmt erwartet werden, daß den Anträgen der Kam=
mer
auf Einlenung eines neuen Paares beſchleunigter
Zuge zwiſchen Darmſtadt und Mainz=Wiesbaden
Folge gegeben wird, dies um ſo mehr, als nach dom derzeitigen Fahr=
plan
die Anſchluſſe in Mainz und Wiesbaden an die Züge nach Köln
und entſprechend in um ekehrter Richtung größtenteils beſonders un=
günſtig
ſind. Ebenſo bedürfen die Anſchlüſſe in Aſchaffenburg in der
Nichtung nach Nordbayern in mancher Beziehung dringender Verbeſſe=
rungen
.
Beſonders lrichtig für den Kammerbezirk iſt es weiter, daß der ſehr
wichtige Zug D 192 von Skandinavien=Hamburg und Berlin nach der
Schweiz, wie e3 bei dem Gegenzug jetzt bereits der Fall iſt, ganzjährig
über Darmſtadt geführt wird, weil hierdurch die Verbüdungen von
Darmſtadt nach dem Süden gegenüber den ſonſtigen Verbindungen um
faſt zwei Stunden abgekürzt werden. Die Führung dieſes Zuges über
Darmſtadt hätte weiter zur außerordentlich günſtigen Folge, daß die
Nachnpoſt aus Berlin und den Hanſeſtädten in Darmſtadt zui einem ſehr
weſentlichen Teile noch in die erſte Poſtbeſtellung auſgenommen werden
könnte.
Dringend geboten wäre es, wenn die Reichsbahn recht bald, den
Wünſchen des öſtlichen Odenwaldes und des Neckartals entſprechend, ein
zweites Paar Odenwald=Neckar=Eſilzüge einführen
wüirde. Den von maßgebender Seite gemachten Einzelvorſchlägen hin=
ſichtlich
der Fahrplanlage kann die Kammer vorbehaltlos zuſtimmen.
Den dringenden Anträgen auf weſentliche Verbeſſerung auf der
Strecke von Bensheim nach Worms, die ſich namentlich auch zu
einer günſtigen Spätverbindung für Worms von Frankfurt am Main
und Darmſtadt verwenden laſſen, ſollte unbedingt Erfüllug zuteil
werden.
Den Wünſchen der zum Kammerbezirk gehörenden Gemeinden im
Neckartale auf Verbeſſerung ihrer Verkehrsverhältniſſe wird von
der Reichsbahn im nächſten Fahrplan hoffentlich entſprochen werden.
Mit Rückſicht auf kleinere Städte muß der von anderer Seite immer
wieder erhobenen allgemeinen Forderung auf erſatzloſe Beſeitigung
bereits beſtehender Schnellzugshalte widerſprochen wer=
den
, wenn nicht wichtige Intereſſen ſchwerwviegend beeinträchtigt werden
follen.
Bedauerlich muß es erſcheinen, daß es der in anderer Beziehung
außerordentlich fortgeſchrittenen Technik offenbar noch immer nicht ge=
lungen
iſt, einen Triebwagentyp für die Reichsbahn zu konſtru=
ieren
, der allen praktiſchen Anforderungen gerecht wiro. Man ſollte
erwarten, daß dieſes anſcheinend beſonders ſchwierige Problem doch
uunmehr in abſehbarer Zeit gelöſt wird, damit den zahlreichen Wün=
ſchen
auf eine Verdichu: g der Zugfolge auf den Vorortsſtrecken im
Nahverkehr und auf weniger verkehrsreichen Strecken entſprochen wer=
den
kann. Im Wege einer beſſeren Ausgeſtaltung des Fahrplans gerade
auch duuch leichte Zugeinheiten würde die Reichsbahn dem immer ſtärker
werdenden Wettbewerb des Kraftwagens zweckmäßig begegnen.
Was die grundſätzlich zu billigenden Rationaliſierungsbeſtrebungen
der Reichsbahn im Wege einer Zuſammenlegung der Wagen=
klaſſen
anlangt, ſo iſt die Kammer der Auffaſſung, daß dieſe Maßnahme
nicht etiva zu einer vielleicht auf den erſten Blick nicht zu erkennenden
Erhöhung der Tarife benützt werden darf. Auch im übrigen muß bei
der Neuregelung darauf Rückſichr genommen werden, daß den Intereſſen
des reiſenden Publikums auch hinſichtlich der Ausſtattung der Wagen in
weitem Umfange Rechnung zu tragen iſt.
Die Beſtrebungen, den Darmſtädter Vorortverkehr nach Nieder=
Namſtad:Traiſa und ſpäterhin nach Ober=Ramſtadt auszudehnen, wer=
den
von der Kammer dunchaus unterſtützt. Auch die Verkehrsprojebte
an der Bergſtraße, insbeſondere die Verbindung von Bens=
heim
nach Lindenfels können, der lebhaften Fürſprache der
Kammer nach wie vor gewiß ſein.
Auf dem Gebiete des Kraftfahrweſens hat ſich, wie allge=
mein
, ſo auch im Kammerbezirk eine weſentliche Steigerung der Anzahl
der Kraftfahrzeuge bemerkbar gemacht, die namentlich in der Stadt

Darmſtadt zu umfangreichen, im weſentlichen dunchaus zweckmäßigen
derkehrspolizeilichen Maßnahmen geführt hat. Unangenehm empfunden
werden noch immer die zahlreichen Straßenſperrungen, die
trotz vorheriger Bekanntgabe die Zuverläſſigkeit der Beförderung bei
der Benützung von Kraftwagen ſtark beeinträchtigen. Eine möglichſt
weitgehende Einſchränkung der Abſperrungsmaßnahmen wäre im In=
tereſſe
eines reibungsloſen Verkehrs dringend geboten. In zahlreichen
Fällen wird es ſich bei geeigneten Vorkehrungen wohl auch eumöglichen
laſſen, durch die zeitliche Verſchniebung der Inſtandſetzungsarbeiten an
den zwei Straßenhälften jeweils eine Straßenhälfte für den Verkehr
freizuhalten.
Hinſichtlich des öffentlichen Kraftlinienweſens ſind
im Kammarbezirk inſofern Verbeſſerungen zu verzeichnen, als am 15.
Mai 1927 die von der Reichspoſtverwaltung betriebene Schnell=Linie
DarmſtadtRhein eröffnet wurde, die den Mittelpunkt der Landes=
hauptſtadt
mit dem rechten Rheinufer bei Oppenhoim=Nierſtein in
weniger als einer Stunde Fahrzeit verbindet. Wenn dieſe Linie bisher
nicht ganz den an ſie geſtellten Erwartungen entſprochen hat, ſo liegt
dies nicht zuletzt an den unzureichenden Ueberfahrtsverhältniſſen bei
Oppenhoim=Nierſtein, auf die bei der Behandlung der Brückenfragen
weiter unten zurückzukommen ſein wind. In wirkſamer Botätigung
ihrer Beſtrebungen, auch im Kraftwagenverkehr Fuß zu faſſen, hat die
Reichsbahndirektion Mainz eine Kraftwagenlinie von Darmſtadt nach
Meſſel eröffnet, die ſich reger Benützung erfreut. Im Weichſbilde der
Stadt Darmſtadt hat in dankensweuter Weiſe die Heſſiſche Eiſenbahn=
Aktiengeſellſchaft eine Kraftomnibuslinie vom Schloß nach dem nord=
öſtlichen
Stadtviertel eingeführt, die ſtarken Zuſpruch findet. Alles in
allem ſtellen ſich die hier erwähnten und eine größere Anzahl weiterer
zum Teile einer regſamen privaten Initiative zu veudankender Ver=
kehrsverbeſſerungen
als eine weſentliche Bereicherung des Verkehrsweſens
im Kammerbezirk Sar.
Mit lebhafter Genugtuung kann feſtgeſtellt werden, daß die Be=
ſtrebungen
des Vereins Hafraba, deu ſich den Bau einer Auto=
mobilſtraße
von den Hanſeſtädten über Frankfurt a. M. nach Baſel
zur Aufgabe geſetzt hat, im Berichtsjahre gut vorangeſchritten ſind.
Beſonders begrüßt wird der Beſchluß der maßgebenden Stellen des
Vereins, daß als erſtes Teilſtück die durch die heſſiſche Provinz Starken=
burg
von Frankfurt a. M. weſtlich von Darmſtadt und der Bergſtraße
nach Mannheim und Heidelberg führende Strecke ausgebaut werden foll,
die infolge ihres ſtarken Verkehrs verhältnismäßig am eheſten eine Ren=
tabilität
erwarten läßt.
Erfreulicherweiſe kann feſtgeſtellt werden, daß die Neckarbrücke
bei Wämpfen, für deren Erbauung ſich die am 16. Juni 1925 zu Wimpfen
ſtattgehabte Vollberſammlung der Kammer mit beſonderem Nachdruck
eingeſetzt hatte, im Berichtsjahre eröffnet werden konnte. Die Main=
brücke
bei Rüſſelsheim, deren Koſten zu einem weſentlichen Teile von
unſerer Mitgliedsfirma Adam Opel getragen werden, wird vorausſichtlich
im Jahre 1928 dem Verkehr übergeben werden können. Beſondere
Schlvierigkeiten bereitet die Frage einer Ueberbrückung des
Rheins zwiſchen Mainz und Worms etwa in der Gegend bei Oppen=
heim
=Nierſtein. In erſter Reihe wäre ſelbſtverſtändlich wie von der
Kammer wiederholt zum Aunsdruck gebracht wurde, die Errichtung einer
feſten Brücke wünſchenswert. Inſolange ſich dieſe vollkommene Löſung
nicht verwirklichen läßt, iſt eine Zwiſchenlöſung im der Art dringend
geboten, daß nach einem ſehr zweckmäßigen Vorſchlag von rheinheſſiſcher
Seite eine an anderer Stelle freigewordene Schiffbrücke dem Verkehe
zwiſchen der Provinz Starkenburg und dem mittleren Rheinheſſen dienſt=
bar
gemacht wird. Die fliegende Brücke bei Oppenheim=Mierſtein, die in
ihrem derzeitigen Zuſtande eine höchſt unvollkommene Verbindung
zwiſchen dem mittleren Rheinheſſen und Starkenburg darſtellt, wird
auch bei weitgehenden techniſchen Verbeſſerungen kaum imſtande ſein, die
aus den verſchiedenſten Geſichtspunkten heraus erforderliche engere Ver=
bindung
der heſſiſchen Provinzen Rheinheſſen und Starkenburg zu ver=
mitteln
. Unabhängig von der techniſchen Seite der Frage erſcheit es
dringend geboten, der derzeitigen hohen Ueberfahrtsgebühren, nament=
lich
auch für Kraftfahrzeuge, ſtark herabzuſetzen. Aeußerungen der maß=
gebenden
Regierungsſtellen laſſen erhoffen, daß dieſem Wunſche in Bälde
Rechntung getragen werden wird.
Die Beſtrebungen, den Perſonenſchiffsverkehr auf
dem Oberrhein oberhalb Mainz zu beleben, werden auch von der Kammer
nachdrücklich unterſtützt, zumal der Kammerbezirk durch die in ihm ge=
legene
Anlegeſtelle Gernsheim unmitelbar an dieſem Verkehr
intereſſiert iſt.
Auf dem Gebiete des Poſtweſens brachte das Berichtsjahr
weſentliche Veränderungen. Nach eingehenden Vorbereitungen trat am
1. Mai 1327 eine grundlegende Neuregelung der Fernſprechgebühren
ein, die an Stelle des Syſtems der reinen Geſprächsgebühren neben
der Geſprächsgebühr wiederum die Grundgebühr zur Einführung
brachte. Die Kammer hatte in der Frage eine Denkſchrift ausgearbeitet,
die für die endgültige Geſtaltung des Tarifs micht ohne Bedeutung blieb.
Entgegen von anderer gewichtiger Seite vorgerragenen Wünſchen einen
möglichſt ſtarken Herabſetzung der Gebihren für Vielſprecher under
Mehrbelaſtung der Wenigſprecher hatte unſere Kammer den Standpunkt
eingenommen, daß dunch die Neuregelung die Wenigſprocher nicht allzu
ſtark belaſtet werden dürften, damit ein Rückgang der Anzahl der Teiſ=
nehmer
, der ſich auch für die Vielſprecher unangenehm auswirken müßte.
vermieden bliebe.
Eine ſehr unerfreuliche Belaſtung für die Wirtſchaft brachte die am
1. Auguſt 1927 in Kraft getretene Gebührenerhöhung der Reichspoſt, die
trotz lebhaften Widerſpruchs weiteſter Kreiſe eingeführt wurde Uner=
läßlich
iſt es, daß die außerordentlichen Mehrlaſten, die der Wirtſchaft
durch dieſe Erhöhung der Poſtgebuhren auferlegt werden, ſich möglichſt
weitgehend in grundlegenden Verbeſſerungen des poſtaliſchen Betrieb.s
auswirken, damir den erhöhten Leiſtungen der am Poſtvarkehr Beteilig=
ten
entſprechende Gegenleiſtungen der Poſt gegenüberſtehen.
Mit allem Nachdruck hat ſich die Kammer dafür eingeſetzt, daß der
Fernſprechſchnellverkehr zwiſchen Darmſtadt und Frankfurt a. M. nun
möglichſt bald zur Einführung gelangt, damit die weſentlichen Vorteile
dieſer neuzeitlichen Verkehrseinrichtung auch dem Kammerbezirk zugute
kommen.
Auch im Berichtsjahre war der Kammerbezirk durch den Flughafen
Darnſtadr au den Luftverkehr angeſchloſſen. Der regen Initiative
der Stadtverwaltung Darmſtidt iſt es zu verdanken, daß auch im
kommenden Jahre der Kammerbezirk unmittelbar in den Lufwerkehr
einbezogen bleibt. Grundſätzlich wäre auf dem Gebiete des Flugwcſens
zu erſtreben, die Anzahl der Landeplätze nichr allzuſehr anwachſen zu.
laſſen und größere Verkehrsgebicte zu einheitlichen Flughäfen zuſammen=
zufaſſen
, die mit den in Frage kommenden Städten und Verkehrs=
gebieten
durch Kraftwagenzubringerlinien zu verbinden wären. Indeſſen
darf eine ſolche alls ferneres Ziel zu betrachtende Konzentration im
Flugweſen nicht einſeitig nach den Bedürfniſſen der großen Städte
erfolgen, wie überhaupt gegenüber immer wieder zutage tretenden allzu
weitgehenden Monopoliſierungsbeſtrebungen dieſer Städte im Verkehrs=
weſen
die grundſätzliche Gleichberechtigung der mittleuen und kleineren
Städte ſowie des flachen Landes auf eine ausreichende Berückſichtigung
im Verkehrswveſen mit Nachdruck geltend gemacht werden muß.
Auch im Berichtsjahre haben die für die Verkehrsfürderung im
Kammervezirk in Frage kommenden Stellen, namentlich die mit Ver=
kehrsfragen
befaßten Miniſterien, die Reichsbahndirektion Mainz und die
Oberpoſtdirektion Darmſtadt, den Wünſchen von Induſtrie und Handel
gegenüber eine verſtändnisvolle Einſtellung bewieſen, ſo daß ſich das
Zuſammenaubeiten im beiderſeitigen Intereſſe duvchaus erfreulich geſtaltet
hat. Es ſteht zu hoffen, daß auch im Jahre 1938 ein zielbewußtes ge=
meinſchaftliches
Wirken ſämtlicher an der Förderung des Verkehrs inter=
eſſierter
Stellen eine weitere Aufwärtsentwicklung im Verkehrsweſen
des Kammerbezirks ermöglichen wird.

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Geite 14

Nachrichten des Standesamts Darmſiadt.
Geſtorbene. 19. Januar: Georg Adam Rebſcher Zeitungshändler,
75 J., Rheinſtr 47. 20. Jan.: Klara Dorothea Fürns, Witwe des
Schiffbauers, 59 J., Heidelberger Straße 47. Anna Eliſabeth Darm=
ſtädter
, geb. Keil, 75 J., Witwe des Lehrers i. R., Bismarckſtr. 21.
4. Jan.: Jakob Gerbig, Maſchinenſchloſſer, 18 J., ledig, Worfelden.
21. Jan.: Jenny Salomon, geb. Reis, 51 J., Ehefrau des Kaufmanns,
hier, Neckarſtr. 16. 20. Jan.: Heinrich Hilmar Gundersdorff, 3 J.
Arheilger Straße 18. 22. Jan.: Johanette Stedce, geb. Wamſer,
64 J., Ehefrau des Eiſenbahnoberſchaffners i. R., Feldbergſtr. 34.
21. Jan.: Sophie Geher, geb. Steinmetz, 41 J., Ehefrau des Schmieds.
Wedekindweg 1. 22. Jan.: Karl Heinz Keßler, 7 Man., Moosberg=
ſtraße
76. Johannes Dietz, Schneidermeiſter, 6 J., Neue Niederſtr. 17.
Philipp Olt, 1 Tag, Breitenbrunn, hier, Heinheimerſtr. 21 21. Jan.:
Wilh. Hölzel, 1 Jahr, Darmſtraße 11. Philipp Wilhelm Dingeldein,
Oberleutnant i. R., 31 J., Reichelsheim i. Odenw., hier, Grafenſtr. 9.
22. Jan.: Bertha Krauß, 1 Tag, Groß=Zimmern, hier, Riedeſel=
ſtraße
52. Werner Konrad Baſſermann, 1 Tag, Griesheim b. Darm=
ſtadt
, hier, Lagerhausſtr. 82. 23. Jan.: Evica Ebiſabeth Reinicke,
19 Stunden, Klappacherſtr. 38. Wilholm Bauer, 3 Monate, Groß=Gerau,
hier, Heinheimerſtr. 21. Chriſtoph Schaffner, Schiffſchaukelbeſitzer,
66 J., Pfungſtadt, hier, Grafenſtr. 9. Alexander Ehrhard, Väckermeiſter,
61 J., Landwehrſtr. 25. Joſeph Kumpf, 10 Stunden, Martinſtr. 28.
Eliſabeth Schettſer, 17 J., ledia, Nieder=Ramſtadt, hier, Grafenſtr. 9.
24. Jan.: Johann Raab, Elektrotechmiker, 38 J., Neugaſſ= 11.
Götz, 5 Monate, Große Kaplaneigaſſe 4. Katharine
25. Jan.:
Amann, 30 J., ledig, Werſau, hier, Dieburger Straße 21. Emilie Loch=
mann
, geb. Feidel, 49 J., Ehefrau des Feldſchützen, in Berkach, hier,
Erbacher Straße 25. Ernſt Ludwig Scheuermann, Geſchäftsführer
Alzey, 34 J., Hermannſtr. 6. Am 25. Jan.: Weber, Konrad, Heizer,
66 J., Heidelberger Straße 115.

Kirchliche Nachrichten
Evangeliſche Gemeinden.
4. Sonntag nach Epiphonias (29. Jauanr 1928.
Stabttirche. Samstag, 28. Januar, abend3 8.30 Uhr: Andacht.
Sonntag, 29. Januar, vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer
Kleberger. Vorm. 11.15 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Heß.
Die Stadtürche iſt wochentags von 94 Uhr zu ſtiller Andacht geöffnet.
Eingang Nordtüre.
Stadtkapelle. Vorm. 8.30 Uhr: Morgenandacht. Pfarrer Lauten=
ſchläger
. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Heß. Vorm.
11.15 Uhr: Kindergettesidenſt. Pfarrer Vogel. Abends 5 Uhr:
Abendgottesdienſt. Pfarrer Wagner.
Schloßkirche. Vereinigung zur Abhaltung lutheriſcher Gottes=
dienſte
. Vorm. 9.30 Uhr: Beichte und Anmeldung in der Sakriſtei.
Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit Feier des heiligen Abendmahls.
Pfarrex Lautenſchläger.
Konfirmandenſaal im Schloß. Freitag, 27. Jan., abends 3 Uhr:
Hauptverſammlung des Frauenvereins der Schloßigemeinde. Sonnkag,
29. Jan., abends 8 Uhr: Chriſtlicher Jugendverein. Montag, 30.
Januar, abends 8 Uhr: Jugendvereinigung der Stadtgemeinde (jüng.
Abteilung): Poſaunenchor. Dienstag, 31. Januar, abends 8 Uhr;
Mädchenvereinigung der Schloßgemeinde. Mittwoch, 1. und Samstag,
4. Februar, nachm. 24 Uhr: Handarbeitsſchule der Stadtgemeinde.
Gemeindehaus (Kiesſtraße 17). Sonntag, 29. Jan., abends 8 Uhr:
Familienabend der Kaplaneigemeinde. Jugenbvereinigung der Stadt=
gemeinde
(ältere Abteilung). Montag, 30. Januar, abends 8 Uhr:
Jugendbund der Lukasgeweinde. Dienstag, 31. Jan., abends 8 Uhr:
Kirchenchor der Stadtkirche Jugendvereinigung der Statdgemeinde
(jüngere Abteilung). Mädchenvereinigung der Reformationsgemeinde
(jüngere Abteilung). Mittwoch, 1. Februar, nachm. 3 Uhr: Jung=
ſihar
der Stadtgemeide, Gruppe 2. Abends 6 Uhr: Bibelſtunde.
Pfarrer Lautenſchläger. Aßends 8 Uhr: Kirchenchor der Stadt=
kapelle
und Schloßtirche. Jugendbund der Markusgemeinde (ältere
Abteilung). Mädchenvereinigung der Reformationsgemeinde (ältere
Abteilung) Donnerstag, 2. Februar, abends 8 Uhr: Monatsver=
fammlung
des Frauenvereins der Lukasgemeinde. Jugendbund der
Leikasgemeinde: Singkreis. Jugendvereinigung der Stadtgemeinde
(füngere Abteilung) Freitag, 3. Februar, abends 8 Ugr: Mütter=
abend
der Stadtgemeinde. Jugendbund der Kaplaneigemeinde.
Jugendbund der Markusgemeinde (jüngere Abteilung). Somstag,
4. Februar, nachm. 3 Uhr: Jungſchar der Stadtgemeinbe, Gruppe 2,
Sportplatz am alten Arheilger Weg.
Feierabend (Stiftsſtraße 51). Mittwoch, 1. und Samsuag, 4. Febr.,
nachm. 4 Uhr: Jungſchar der Stadtgemeinde, Gruppe 1.
Amtshandlungen an Auswärtigen: Bis 31. Januar: Pfarrer
Beringer; vom 1. Februar an: Pfarrer Bergér.
Krankenpflege durch Diakonen: 1. Hmuptſtation im neuen Diakonen=
und Männerheim, Heidelbergerſtraße 21, Fernſprecher 2883; 2. Neben=
ſtation
Mauerſtraße 5 (in der Kleinhinderſchule der Martisgemeinde).

Samstag den 28 Januar 1928

Evang. Wohlfahrtsdienſt: Gemeindehaus, Kiesſtraße 17. Sprech) vormutags von 1012 Uhr. Fernſprecher 2379.
Gemeindeamt für kirchliche Steuerangelegenheiten: Gemeindehaus,
Kiesſtraße 17, Vorderhaus, 1 Treppe. Geſchäftsſtunden vorm. von
812 und nachm. von 36 Uhr. Fernſprecher 2379.
Martinskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Bergér.
Vorm. 11 Uhr: Kindergottesdienſt für die Weſtgemeinde. Pfarrer
Bergér. Abends 6 Uhr: Pfarrer Beringer. Mittwoch, 1. Februar,
abends 8 Uhr im Gemeindehaus: Bibelſtunde. Pfarrer D. Waitz; im
Martinsſtift: Bibelſtunde. Pfarrer Beringer.
Altersheim. Vorm. 10 Uhr: Gottesdienſt. Pfarrer Köhler.
Martinsgemeinde (Verſammlungen). Sonntag, 29. Januar, nachm.
3 Uhr: Familienfeier des Frauenvereins im Feſtſaal der Turnhalle am
Woogsplatz. Montag, 30. Januar, abends 8 Uhr im Gemeindehaus:
Mädchenvereinigung Weſt: im Martinsſtift: Mädchenvereinigung Oſt.
Dienstag, 31. Jan., abends 8 Uhr im Gemeindehaus: Jugend=
vereinigung
; im Martinsſtift: Hirchenchor. Donnerstag, 2. Februar,
abends 8 Uhr im Gemeindehaus: Mädchenvereinigung Weſt; im Mar=
tinsſtift
: Mädchenvereinigung Oſt; Mauerſtraße 5: Poſaunenchor.
Freitag, 3. Februar, abends 8 Uhr im Gemeindehaus: Jugendver=
einigung
kältere Abteilung); Mütterabend Weſt; im Martinsſtift:
Kirchenchor; Mauerſtr. 5: Helferverſammlung der Männervereinigung
Johanneskirche. Vorm 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Marz
Vorm. 11.15 Uhr: Kindergottesdienſt. Mittwoch, 1. Februar
abends 8 Uhr im Gemeindehaus: Bißelſtunde. Pfarrer Marx.
Die Johanneskirche iſt wochentags von 7.30 bis 5 Uhr zu ſtiller Andacht
geöffnet.
Paul=Gerhardt=Haus (Gemeindehaus der Waldkolomie). Vorm.
10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarraſſiſtent Georgi. Vorm. 11.15 Uhr:
Kindergottesdienſt. Dienstag, abends 8 Uhr: Bibelſtunde. Don=
nerstag
, abends 8 Uhr: Mütterabend.
Beffunger Kirche (Petrusgemeinde.) Vorm. 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarraſſ, Lic. zur Nieden. Vorm. 11.15 Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Pfarraſſ. Lic. zur Nieden. Abends 6 Uhr: Gottesdienſt.
Pfarraſſ. Dr. Wendel.
Veranſtaltungen: Sonntag, 29. Januar, nachm. 1 Uhr:
Verſammlung der Mädchenvereingung im Genteindehaus; von da Ab=
uarſch
zum Kreisverbands=Jugendtreffen in Griesheim. Abends
8.15 Uhr: Jugendvereinigung. Muſikaliſcher Abend ( Inſtrumental=
konzert
im Gemeindehaus des evangel. Männervereins. Montag,
30. Januar, abends 8.15 Uhr: Lichtbildervortrag in der Mädchen=
vereinigung
. Dienstag, 31. Januar, abends 8.15 Uhr: Kirchenchor.
Mittwoch, 1. Februaz, nachm. 3 Uhr: Sitzung der Frauenhilfe.
Abends 8.15 Uhr: Bibelſtunde im Gemeindehaus über Jeremias.
Pfarrer Weiß; Bübolſtunde im Saal der neuen Train=Kaſerne, Eſcholl=
brücker
Straße 41, über den Philipperbrief. Pfarraſſ. Lic, zur Nieden
Donnerstag, 2. Febraur, abends 8.15 Uhr: Mütterabend. Bibel=
beſprechſtunde
für die männliche Jugend. Pfarraſſ. Lic. zur Nieden.
Vertragsabend des evang. Mänververeins: Dr. Krämer üſber Bali.
Freitag, 3. Februar, abends 8.15 Uhr: Kirchen hor.
Pauluskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Rückert.
Vorm. 11.15 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Rückert. Abends
8 Uhr: Jugendvereinigung. Montag, abends 8 Uhr: Jugensbund.
Dienstag, abends 8 Uhr: Kirchenchor. Mittwoch, abends 8 Uhr:
Bibelſtunde. Pfarrer Rückert. Donnerstag, abends 8 Uhr: Mütter=
abend
.
Stiftskirche. Vorm. 10 Uhr: Hanptgotresdienſt. Pfarraſſiſient
Beringer. Vorm. 11.15 Uhr: Kindergottesdienſt. Evang. Sonn=
tagsverein
. Teilnahme am Jugendtreffen in Griesheim (Abfahrt nachm.
2.15 Uhr am Schloß). Donnerstag, 2. Februar, abends 8 Uhr: Bet=
ſtunde
.
Stadtmifſion (Mühlſtr. 24). Sonntag, vorm. 9 Uhr: Gebetsſtunde.
11.15 Uhr: Kindergortesdienſt. Nachm. 3.30 Uhr: Bibelſtunde.
Prediger Semmel. Montag, nachm. 4 Uhr: Frauenarbeitsſtunde.
Dienstag, nachm. 4 Uhr: Frauenbibelſtunde. Mittwoch, abends 8.30
Uhr: Gem. Chor. Donnerstag, abends 8.30 Uhr: Bibelſtunde,
Prediger Semmel. Freiiag, abends 8.30 Uhr: Blaukreuz= Bibel=
ſtunde
und Bibelſtunde in der Kinderſchule, Beſſunger Straße 80.
Prediger Semmel. Samstag, abends 8.30 Uhr: Poſaunenchor.
Am 13. Februar, abends 8.15 Uhr: Generalverſammlung.
Jugendbund für E. C. (uhlſtraße 24). Sonntag, nachm. 2.30 Uhr:
Bibelbeſprechſtunde für junge Männer. Nacm. 4.45 Uhr: Vibel=
beſprechſtunde
für Mädchen. Montag, abends 8.30 Uhr: Geſchäfts=
ſtunde
. Dienstag, abends S.30 Uhr: Mädchenkreis. Mittwoch.
abends 8.15 Uhr: Freundeskreis für junge Männer. Donnerstag,
abends 8 Uhr: Gebetsſtunde für junge Männer.
Chriſtlicher Verein junger Männer e. V. (Alexanderſtraße 22, In=
fanteriekaſerne
, Hof links.) Sonntag, 29. Januar, vorm. 9 Uhr: Weiß=
kreuzſtunde
. Abends 8 Uhr: Lichtbildervortrag: Die Wanderdünen
der Kur. Nehrung Montag, 30. Januar, abends 8,30 Uhr: Jung=C.
Beſpreckarng von Lebensfragen nach der Bibel. Mittwoch, 1. Febr.,
abends 8.30 Uhr: Bibelſtunde (ältere Abt.). Donnerstag, 2. Febr.;
abends 8.30 Uhr: Heimabend. Freitag, 3. Febr., abends 8.30 Uhr:
Turnen in der Turnhalle der Ludwigsoberrealſchule. Samstag,
4. Februar, nachmiitags 4 Uhr: Jungſchar.

Nummer 28

Chriſtlicher Jugendverein (Konfirmandenſaal, Schloßtirche). Sonn=
tag
, 20. Januar, abends 8 Uhr: Lichtbildervortrag: Norwegen, das
Land der Mitternachtsſonne‟ Montag, 20. Januar, abends 8 Uhr:
Poſaunenchor. Mittwoch, 1. Februar, abends 8 Uhr: Jugendbibel=
ſrunde
. Mitgliederverſammlung. Donnerstag, 2. Februar, abends
8 Uhr: Arbeitsausſchuß. Freitag, 3. Febr., abends 8 Uhr: Turnen
(Ludwigsoberrealſchle. Samstag, 4. Februar, abends 8 Uhr: Unter=
haltungsabend
.
Kranichſtein. Sonntag, vorm. 19. Uhr: Gottesdienſt. Pfarrer

Die Chriſtengemeinſchaft (in der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt,
Eliſabethenſtraße), Sonntag, den 29. Januar, vorm. 10 Uhr: Menſchen=
weihehandlung
mit Predigt. Vorm. 11.15 Uhr: Kinder= Sonntags=
handlung
. Samstag, den 28. Januar, abends 6.30 Uhr bis 9.30 Uhr
Spielerkreis. Freitag, den 3. Februar, abends 8.15 Uhr: Oeffentlicher
Frage=Abend über die Taufe, geleitet von Martha Heimerau, Pfarrer
in der Chriſtengemeinſchaft.
Sonſtige Gemeinſchaften.
Evangeliſche Gemeinſchaft, Elifabethenſtr. 44. Sonntag, 29. Jan.,
morgens 10 Uhr: Predigt. 11 Uhr: Sonntagsſchile. Abends 8 Uhr:
Predigt. Montag: Jugendverein. Thema: Am toten Meer
Dienstag: Singſtunde für Gem. Chor. Mittwoch: Frauenmiſſions=
verein
. Donnerstag: Bibelſtunde. Jedermann iſt herzlätz einge=
laden
. Weiterſtadt: Mittwoch, abends 8 Uhr: Predigt. Prediger
Sauer.
Chriſtliche Verſammlung, Zimmerſtraße 4 (früher Waldſtraße 18).
Sonmtag, vorm. 11 Uhr: Kinderſchule; nachm 4.30 Uhr: Wortver=
kündigung
. Mittwoch, abends 8.15 Uhr: Gebetſtunde. Freitag,
abends 8.15 Uhr: Wortbetrachtung. Jedermann herzlich eingeladen.
Chriſtliche Gemeinſchaft Darmſtadt (Mollerſtraße 40). Sonntag,
den 29. Januar, vorwittags 9.30 Uhr: Andacht. Nachm. 3.30 Uhr:
Jugendbund. Abends 8.1 5Uhr: Evangeliſation. Mittwoch, abends
8.15 Uhr: Bibelſtunde. Jedermann herzlich willkommen.
Mköttlinger Freundeskreis. Montag, den 30. Januar, abends 8.30
Uhr, im Fcierabend, Stiftſtraße 51: Bibelſtunde.
Gemeinde gläubig getaufter Chriſten (Baptiſten), Mauerſtraße 17.
Sonntag, 29. Januar 1928. Vormittags 10 Uhr Gottesdienſt. Prediger
N. Rudnitzky. Nachmittags 4 Uhr Predigt, anſchließend für die Glieder
der Gemeinde Abendmahl. Pred. Rudnitzky. Vom 30. Januar mit
5. Februar 1928 finden je abends 8.15 Uhr Vorträge, ſtatt über das
Geſamtthema: Das Urbild der Gottesgemeinſchaft im Sinnbild der
altteſtamentlihen Opfer‟. Dieſe Verſaurmlungen werden geleitet von
Prediger N. Rudnitzky und finden ſtatr im Verſammlungsſaal, Mauer=
ſtraße
17. Obige Gemeinde ladet zu allen Verſammlungen jedermann
freundlichſt ein.
Auswärtige Kirchen.
Evangeliſche Kirche zu Nieder=Ramſtadt. Sonutag, den 29. Januar
(4. Sonntag nach Epiphania). Vormittags 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Montag: Jugendvereinigung. Dienstag: Kirchenchor. Mittwoch:
Jungmädchenverein. Donnerstag: Frauenverein.
Evangeliſche Gemeinde Traifa. Sonntag, den 29. Januar. Vorm.
10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Montag: Aelterenkreis. Dienstag:
E. J. S. Mädchengruppe (Schule). Mittwoch: E. J. G. Jungengruppe.
Donmerstag: Frauenabend.
Evang. Gemeinde Roßdorf. 4. Sonntag nach Epiph., 29. Jan., vorm.
10 Uhr: Hanptgottesdienſt: vorm. 11 Uhr: Fhriſtenlehre; abends 8 Uhr:
Bibelſtunde Montag: Frauenverein. Dienstag: Kirchengeſang=
verein
. Mittwoch: Jugendbund Wartburg. Donnerstag: Jung=
mädhenverein
.
Evangeliſche Kirche zu Eberſtadt. Sonntag, den 29. Jnanuar, 10 Uhr:
Gotvesdienſt. Pfarrer Paul. 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Abends
5½ Uhr: Lichtbildevvortrag Ben Hur, für Kinder. Montag,
8 Uhr: Mädchenvereiigung. Dienstag, 8 Uhr: Frauenverein. Licht=
bildervorkrag
Ben Hur. Mittwoch, 8 Uhr: Kirchengeſangverein.
Donnerstag, 8 Uhr: Wartburgverein. Freitag, 8 Uhr: Poſaunen=
chor
. In der Provinzialpflegeanſtalt Gottesdienſt 1½ Uhr. Pfaurer
Payl.

Katholiſcher Gottesdienſt.
St. Liebfrauen (Klappacherſtraße). Vor Sonn= und Feiertagen:
Nachmittags von 57 und abenbs von 8 Uhr an Beichtgelegenheit.
An Sonn= und Feiervagen: Vormittags von 6 Uhr an Gelegenheſit zur
hl. Beichte. 7 Uhr Frühmeſſe. Vor und in der hl. Meſſe Austeilung
der hl. Kommunien. Geneialkonnmunſon der Frauenvereinigung.
9.30 Uhr Hochamt und Predigt. Vorher Austeilung der hl. Kommunion.
Nachmittags 2 Uhr Chriſtenlehre; 2.30 Uhr Andacht; 3 Uhr Berſamm=
lung
der Frauenvereinigung. Werktagsmeſſe 7/. Stunden vor Schul=
beginn
. Donnerstag (Maria Lichtmeß): Wachsweihe. 5 Uhr Eliſa=
beihenverein
. 6 Uhr Beichtgelegenheit. Freitag 7 Uhr hl. Meſſe mit
Herz=Jefu=Andacht. Am Ende der hl. Meſſe und um 4 Uhr Austeilung
des Vlaſiusſegens.
Martinskapelle (Herdweg). An allen Sonn= und Feiertagen 8 Uhr
hl. Meſſe mit Predigt. Vorher Beichtgelegenheit. Vor und in der
hl. Meſſe Austeilung der hl. Kommunion. Dienstag, 5/= Stunden
vor Schulbeginn hl. Meſſe mit Austeilung der hl. Kommunion in de=
hl
. Meſſe. Vorher Beichtgelegenheit.

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Nummer 28

Samstag, den 28. Januar 1928

Seite 15

Sport, Spiel
Der Sport des Sonntags.
Die Endſpiele um die Süddeutſche Meiſterſchaft.
ſtehen natürlich nach wie vor im Vordergrund des Intereſſes. Diesmal
gibt es zehn intereſſante Pgarungen: drei in der Meiſterrunde, ſieben in
den Troſtrunden. Die einzelnen Treffen ſind:
Meiſterrunde:
In Mannheim: SV. Waldhof-Bayern=München.
Vorms; Wormatig=WormsSd.Vgg. Fürth.
Saarbrücken: F.V. SaarbrückenStuttgarter Kickers.
Troſtrunden:
Gruppe Südoſt:
In München; Wacker=München1. F.C. Nürnberg.
Freiburg: Freiburger S.C.VfR. Fürth.
Karlsruhe: Phönigx=KarlsruheMünchen 1860.
Böckingen: Union=BöckingenVfB. Stutgart.
Gruppe Nordweſt:
In Ludwigshafen: Ludwigshafen 03FSV. Frankfurt.
Mainz: FSV. 65 MainzVfL. Neu=Iſenburg.
Frankfurt: Rot=Weiß FrankfurtVfL. Neckarau.
In der Runde der Meiſter muß man die Begegnung Waldhof gegen
Bayern=Münhen an erſter Stelle uennen. Batzern=München führt zuu
Zeit noch die Tabelle an, wird ſich aber im Mannheimer Stadion vou=
ſehen
müſſen, um nicht einen weiteren Punkt einzubüßen. Die Wald=
höfer
haben ſchon am letzten Sonntag den Fürther Kleeblättlern das
Siegen ſchwer gemacht; ſie hätten beſſer abſchneiden können, wäre der
Sturm durchſchlagskräftiger geweſen In Saarbrücken werden die
bisher recht glücklich abgekommenen Stuttgarter Nickers beim FV. Saau=
brücken
, der beſſer iſt als ſeine Endſpiel=Reſultate beſagen, einen ſchwve=
ven
Stand haben. Auch dem Ausgang des dritten Treffens: Wormatia=
WormsSp. Vgg. Füirth, iſt nicht ohne weiteres leicht zu beſtimmen. Die
Fürther Kleeblättler werden ſehr wahrſcheinlich ohne ihren beſten Mann=
ſchaftsteil
, die Verteidigung Hagen=Kraus, antreten müſſen. Worms
aber iſt auf eigenem Platze ſehr ſchwver zu ſchlagen und wird ſich nach
ſeiner kataſtrophalen Niederlage in Karlsruhe ſicher bemühen, einen beſſe=
ren
Cindruck zu hinterlaſſen.
Bei den Troſtrunden haben es die Tabellenführer: 1 FC. Nürnberg
(Südoſt) und FSV. Frankfurt, am Sonntag nicht leicht, ihre Poſtion
zu behaupten. Auch alle übrigen Kämpfe ſind ziemlich offen. In den
meiſten Spielen wird vorausſichtlich die Platzfrage eine ausſchlaggebende
Rolle ſpielen.
Ein Gruppen=Meiſterſchaftsſpiel gibt es noch in Wüirttemberg zwi=
ſchen
Sportfreunde Stuttgart und FC. Birkenfeld. Von den Freund=
ſchaftsſpielen
des Sonntags ſind zu neunen die Begeguungen FC. 93
HannauSV. Wiesbaden und Haſſia Bingen-Kreuznach 02.
Ausland und Reich melden ſonſt keine Ereigniſſe von Belang. Im
Reich ſtehen die Meiſterſchaftsſpiele durchweg noch im Stadium der
Gruppen= bzw. Bezirksſpiele. Nur in Weſtdeutſchland ſind bereits die
ureiſten Gruppenmeiſter ermittelt, und man kämpft dort zur Zeit zwiſchen
den Gruppenmeiſtern um die Bezirksmeiſterſchaft. So kommen am
Sonntag Entſcheidungsſdiele in Heſſen zwiſchen SC. G3 und Kurheſſen
Kaſſel, in Weſtfalen zwiſchen Boruſſia=Rheine und VfB. Bielefeld, im
Rheinbezirk zwiſchen VfNt. KölnFV. Neuendorf. Sp.Vgg. Köln=Silz
( Clf.R. Köln, und in einigen weiteren Bezirken zum Austrag.
Winterſport.
Ein ſehr umfangreiches Programm bringt der Winterſpost. Da die
Witterung allgemein beſſer geworden iſt, iſt auch mit voller Abwicklung
der vorgeſehenen Veranſtältungen zu rechmen. In Troppau gehen
die Europameiſterſchaften im Eiskunſtlaufen vor ſich,
bei dernen ſich die Oeſterreicher wohl den Löwenanteil der Preiſe holen tritt. Vor dieſenr Spiel, das nunmehr auf 3 Uhr nachnittags angeſetzt
werden. Zur gleichen Zeit ſteigen auf dem Mitterſee in Füſſen die
deutſchen Kunſtlaufmeiſterſchaften. In der Herrenmeiſter=
ſchaft
haben fünf Herren, bei den Damen duei Damen, und im Paar=
laufen
dier Paare gemeldet. Zahlreich ſind auch die Sti= Veranſtaltun=
gen
. Der Gau Hornisgrinde bringt auf einer neuerbauten Schanze uicht ungenutzt verſtreichen laſſen. Zweifellos bildet ein Zuſammen=
wald
zur Durchführung. In Tuaunſtein gelangt die Bayeriſche Polizeiſportvereins, die in der nächſten Saiſon wieder in der Ligaklaſſe
Skimeiſterſchaft zum Austrag, und die Schweiz ſührt in Gſtaad ihre ſbielen werden, eine gute Generalprobe für die bevorſtehenden Spiele,
Landesmeiſterſchaft durch, an der die deutſchen Läufer Walter Glaß Das Haudhallſpiel beginnt um 2 Uhr.
(Titelverteidiger), Theato=München, Schuſter=Berchtesgnden und Stein=
hauſer
=München teilnehmen.
Eizhockey.
Der Berliuer Sportpalaſt führt ſeine längere Zeit unterbrochene
Eishockehſaiſon am Sonntag mit einem Treffen der Internationaleu des
Berliner Schl. Cl. gegen die Paris Canadians weiter.
Schwimmen.
Veranſtaltungen; das gutbeſetzte nationale Schwimmfeſt von Rot= ſtädter fielen früher ſchon in Spielen gegen Sportv. 98 dunch ihre gute
mertag.
Tennis.
Bei den zur Zeit in Stockholm zum Austrag kommenden Welt=
neiſterſchaften
im Tiſch=Tennis ſpielt erwartzungsgemäß niſſe in den Verbandsſbielen, beſonders gegen den ſüüdeutſchen Meiſter
Deutſchland keine fehr imponierende Rolle.
Leichtathletik.
Das Intereſſe der Leichtathleten konzentriert ſich am Samstag auf, herumkommen, aber eine knappe Niederlage iſt in dieſem Falle ſchließ=
in
Stuttgart, bei dem neben zahlreichen guten Kräften aus Süd=
Frankfurt Steinhardt=Karlsruhe und Sprinter=Altmeiſter Hub. Houben ihre Gewandtheit und Technik auszugleichen vevſuchen. Das Tveffen
an den Start gehen werden. Die hervorragende Beſetzung des Feſtes iſt auch inſofern von Intereſſe, als deu Ausgang immerhin einen Schluß
verſpricht eine intereſſante ſportliche Ausbeute,
Fußball.
Rot=Weiß 1.1. Sportverein 1910 Weiterſtadt.
An Sonntag, den 29. Januar, nachmittags ½2 Uhr, treffen auf Schünwolf
dem Rot=Weiß=Platz die 1. Mannſchaft von Rot=Weiß und die gleiche
von Sportverein 1910 Weſterſtadt zu einem Freundſchaftsſpiel zuſam=
mn
. Weiterſtadt, das iu den Verbandsſpielen ſich die Melſterſchaft er=
friebenſtellen
wird.
Sportverein 1898 (Jugend).
Jad.1. Jad. SpV. Wiesbaden, 11 Uhr. Stadion.
2. Jagd.1. Jgd. Griesheim, dort, 10,30 Uhr.
3. Jad.2. Jgd. Pfungſtadt, dort.
4. Jad.l. Schüler und Jad. lkomb., dort.
1. Schülerl. Schüler Wieshaden, 11 Uhr, Stadicn.
3. Schüller1. Schiler Seeheim, 1.30 Uhr, Stadion.
F.C. NuionSp.V. Spreudlingen.
Empfängt die Ligamannſchaft des F.C. Union die gleiche von Sprend= tretern anderer Bezirke und Gruppen noch manches zu lernen. Ernſtes
lingen zum fälligen Verbandsſpiel. Durch die Niederlage in Mörfelden Tugining und Spiele gagen gute Gegner müſſen nun die Mannſchaft
ſind die Meiſterſchaftshoffnungen wohl vorübergehend entſchwunden, da während der Zeit, die his zum Beginn der neuen Runde bleibt, dazu
aus gigener Kraft Langen nicht einzuholen wäre. Jedoch ſteht Langen bringen, die Frage des Abſtiegs gauz auszuſchalten. Aſchaffenburg galt
gerade am Sonntag auch der ſchwverſte Lampf i Walldorf bevor, von lange Zeit als ernſthafter Anwärter auf einen der drei erſten Plätze,
zu dürfen, danu verzeiht man der Mannſchaft die leichtfertige Nieder= Heſſen.
lage von Mörfelden, die auch ohnedies vielleicht doch die Meiſterſchaft
gekoſtet hat. Sprendlingen, das ausgerachnet in Mörfelden 8 Tage
zuvor gewinnen konnte, wird auch beſtimmt in Darmſtadt ſein Können
unter Beweis ſtellen. Beſonders kann ſich Union den Eifer und den
dendient hat. Aſo, es ergeht hier letztmals die Heffnung und der Mannſchaft ius Feld, die ihre Hauſatſtärke im Sturm beſitz:; doch leiſten
Glück angewieſen, daß in Darmſtadt eine Bezirksliga erhalten bleiben, ſbiel konnten die Oben=Rodener mit dem knappen Reſultat von 1:0 ſir ſich
möge. Deshalb erwarten wir von dem FC. Union, daß er endlich, entſcheiden, und werden die Einheimfſchen nichts unverſucht laſſen, um
ehe es ganz zu ſpät iſt, alles einſetzt, ein jeder ſich bewußt ſein ſoll in dieſe Scharte wieder auszuwetzen. Das Stziel beginnt vünktlich auf dem
Dns Spiel beginnt um 9 Uhr auf dem Sportplatz, Heidelberger ſehr ſnamenden und intereſſanten Verlauf nehmen.
Straße (Rennbahn).
V. f. R. Sportv. Seeheim.
Nachdem am letzten Sonntag die Raſenſpieler zauſeren mußten, ſchieden des Porſviels erſichtlich
treten ſie kommenden Sonntag wieder in die Verbandsſpiele ein, und häimiſchen heſitzen, iſt der eigene Platz und wenn gs ihnen
ißt es, welche in den Verbandsſpielen viek von ſich höremn ließ durch ihre innerhalb des Bezirkes.

und Turnen.
überraſckenden Erfolge. Auf eigenem Platze ſchlugen ſie jede Mannſchaft,
außer Eberſtadt, welche mit einem knappen Sieg landen konnte. Die
Hauptſtärke liegt in der Hintermannſchaft, bei welcher der Schlußmann
einen Klaſſetorhüter repräſentiert. V. f. N. tritt in der alten Aufſtel=
lung
an und wird gut tun, den Gegner nicht zu umterſchätzen. Das
Spiel findet vormittags 12 Uhr auf dem Sportplatz am Finanzamt ſtatt.
Bei dem geringen ortsüblichen Eintrittspreis braucht niemand das in=
tereſſante
Treffen zu verſäumnen. Die 2. Mannſchaft begibt ſich nach
Meſſel, um gegen die 1 Mannſchaft des dortigen Sportvereins ein Pri=
vatſpiel
auszutragen. Das Spiel der 3. Mannſchaft gegen Soeheims
2. Mannſchaft mußte ausfallen. Vormittags 1030 Uhr empfäingt die
Jugendmannſchaft auf dem Exerzierplatz die beſtbekannte 1. Jugend der
Germania 03 Pfungſtadt.
Spielvereinigung 1921 DarmſtadtMainz=Mombach.
Mit einem intereſſanten Spiel wartet morgen vormittag die Spiel=
vereinigung
auf. Es iſt ihr gelungen, die beſtbekannte und überall gern
geſehene Bezirksklaſſenmannſchnft Mainz=Mombach als Gegner für die
1. Mauſchaft zu gewinnen. Momkach, diesjähriger Bezirksmeiſter,
tritt, durch die letzten, auffehenerregenden Reſultate der Spielvereini=
gung
gewarnt, in ſtärkſter Aufſtellung an. Leider muß die hieſige Mann=
ſchaft
immer noch auf ihren einen Verteſdiger und jetzt auch noch dunch
einen Unfall auf ihren Mittelſtürmer Verzicht leiſten. Man darf ge=
ſpannt
ſein, wie die Darmſtädter Mannſchaft nun gegen dieſen Gegner
beſtehen wird. Das Spiel mußte auf 12 Uhr mittags feſtgelegt werden,
da vorher die unteren Mannſchaften ſpielen und am Nachmittag der
Platz durch die Handballer beſetzt iſt.

Der beſſiſche Zurnſehrerverein
wird am 11. und 12. Februar in Darzſtadt ſeine Hauptverſammlung
abhalten. Am Samstag, den 11. Februar, findet 4 Uhr nachmittags
eine öffentliche Feſtverſammlung im Feſtſaale des Ludwig Georgs= Gym=
uaſiums
, Harlſtraße 2, ſtatt. Der Vorſitzende des Deutſchem Turnlehren=
vereins
, Univerſitätsprofeſſor Dr. Altrock=Leibzig, wird hier in einem
Vortrag die Frage der Neuregelung der Turnlehverausbildung im Rah=
men
der geſamtem Lchverausbildung behandeln. Abends verſammeln
ſich die Turnlehren mit ihren Gäſtem zu einem gemütlichen Beiſayumen=
ſein
im Reſtqurant Sitte. Am Sonntag, den 12. Februar, iſt vormit=
tags
9 Uhr eine geſchloſſene Mitgliederverſammlung vorgeſehen.
Main=Rhein=Turngau.
Die für den 29. Januar angeſetzte Verbandsübungsſtunde für Tur=
nerinnen
muß umſtändehalber auf einen ſpäteren Termin verlegt wer=
dem
und zwar iſt hierfür Ende Februar in Ausſicht genommen. Die
bereits angekindigte Gquübungsſtunde für Frauenturnwarte und Leiter
von Tunnerinnen Abtlg, in Cxumſtadt, bleibt für den 5. Februgr be=
ſtehen
.

Doppelveranſialtung des Gportvereins
Darmſtadi 1898.
Wie berichteten ſchon darüber, daß am morgigem Sonntag die Fuß=
ball
=Ligamanſchaft der 9er gegen den Polizeiſportverein Darmſtadt an
iſt, treffen ſich die 1. Handballmanſchaften der gleichen Vereine eben=
falls
in einem Privatſpiel. Nachdem die 98er ſich endgültig dazu ent=
ſchloſſein
haben, nicht in Schwanheim anzutreten, wollte man den letzten
Sonntag vor Beginn der Endſviele um die Süddeutſche Meiſterſchaft
an der Hundseck auf dem Feldberg die Skimeiſterſchaft vom Schwarz= treffeu mit den in letzten Zeit ſtark aufvekommenen Handballern des
Rot=Weiß-Pol. Sp. Wiesbaden.
Am Sonntag morgen 11 Uhr wird auf deme Rot=Weiß=
Platz an der Rheinallee ein Handballſpiel ausgetragen, wvie dorte bis
jetzt noch keines ſtattgefundem hat. In Anbetvacht des großen nationalen
Schwimmfeſtes hat ſich der Verein die Ligamannſchaft des Pol.=Sp.
Wiesbaden zu einem Werbeſpiel verpflichtet. Wieshaden iſt zurzeit
Darmſtadt ſieht am Samstag und Sonntag zwei intereſſante die zweitſtärkſte Mannſchaft im Frankfurter Landesverband. Die Kur=
Weiß Darmſtadt und den Süddeutſchen Kreis Schwim= Hintermannſchaft auf; leider fehlte ihnen damals ein durchſchlagskräf=
tiger
Sturm. Duuch Zuzug von auswärts hat die Wiesbadener Polizei
jedoch in dieſer Beziehung dem beſten Erſatz gefunden, ſo daß die Mann=
ſchaft
jetzt einen äußerſt gefährlichem Sturm ſtellt. Ihre letzten Ergeb=
Sportv. 98 mit 3:3 bzu, 4:2, beſagen eigentlich geuug. V. f. L. Rot=
Weiß zmuß ſich gehörig ſtrechen, wenn es ehrenwoll gegen dieſem Geguer
abſchneiden will. An einer Niederlage wird die Mannſchaft wohl nicht
das Hallenſportfeſt des Württembergiſchen Beziuks lich auch ehrenvoll zu nennen. Pol=Sp. Wiesbaden ſtellt eine körper=
lich
ſehu ſtarke Mannſchaft: die Rot=Weiß Spieler, die in dieſer Be=
deutſchland
auch die deutſchen Meiſter Dobermann=Köln, Brechenmacher= ziehung ja keine Stäufe aufweiſen können, müſſen dieſen Nachteil durch
auf die demnächſt beginnenden Liggaufſtiegiviele zuläßt, bei denem Rot=
Weiß als Favorit gilt. Die Mannſchaft ſpielt am Sonntag in der mach=
ſtehend
ſtärkſtem Anfſtellug:
Breuer
Förſter
Hanſen
Schulz
Neheh
Michel
Schäfer
Benz.
Hörr
Bärtel
T.V. Wolfskehlen T. G. Beffungen 1865.
kämpft hat, wird für die Rot=Weiß=Mannſchaft einen ernſr zu nehmen= dortigen Tunderein. Erſtere haben bis jetzt nur einen Punkt erreichen furt mit je 18 Pukten. Ein Protzeſtkampf, der Frankfurt noch in Höhe
den Gegner abnaben. Es ſt daher zu erwarten, daß auf dem Sportplatz können und ſind beſtrebtz, wenigſtons im letzten Spiel ihne Anhänger noch von Sachſenhauſen brigen konnte, ging verloren und damit die Hoff=
an
der Rheinallee ein ſchönes und ſpannendes Sptel jeden Beſucher zu= mit einem Sieg zu erfreuen. Gevade der eine Punkt wurde auf fremdem nung auf den Titel. An vierter Stelle folgt mit 14 Punkten Neu=
Platze errungem, dagegen gingen die Spiele auf eigenem Platze ver= Iſenburg, dus allerdings noch einen Proteſlkampf im Mittelgewicht mit
lozen. Möge auch in Wolfskehlen der Kampfgeiſt vom dergangenen
Sonntag nicht fehlen, ſo iſt das Spiel noch nicht ausſichtslos.
Sportvereinigung 04 Arheilgen Viktoria Aſchaffenburg.
Am morgigen Sonntag, nachmittags 3 Uhr vorher findet ein
ſchaften obiger Vereine im Prſbativiel gegenüber. Die Arſeilger Sport= Kämpfe beſtritt und ſtark vom Poh verfolgt war, ſeine bochachtung nicht
vereinigung, die ſich nu für ein weiteres Jahr die Zugehörigkeit zur
Bezirksliga geſichert hat, beginnt mit dieſem Spiel ihre Geſellſchafts=
F.G. Union ſchreibt uns zu dieſem Spiel: Am kommonden Sonntag und Freundſchaftstreffeu, die der Elf Gelegenheit geben ſollen, von Ver= Tabslle:
deſſen Ausgang ganz beſonders die Meiſterſchaftsfrage gelöſt werden / Dunh Spielerverletzunggn und =ſperrungen fiel die Elf gegen Schluß der
dürſte. Büßr Langen Punkte ein und Union zeigt im Spiel gegen Runde zurück. Trotzdem darf auf ein intereſſantes Spiel gerechnet wer=
Sprendlingen das auf keinen Fall uiterſchätzt werden darf , daß den, auf ein Shfel, das frei von Punktiagd einen Vergleich zuläßt zwi=
ſie
dol moch brſtrebt und gewillt iſt als Moiſterſchaftsanwärter gelten ſchen der Spielſtärke der beiden Gruppen innerhalb des Bezirks Maiu=
Freie Turngemeinde e. V. (Handballabteilung), Darmſtadt.
Am kommenden Sonntag, nachmittags 15 Uhr. empfängt die hicſige
erſte Handballmannſchaft zu einem fälligen Serienſpiel Gäſte aus Ober=
Kambfgeiſt zum Vorbild nehmen, der allen ſchon manches Pünktchen Noden. Der Partner ſtellt eine äußerſt flinke und durchſchlagskräftige
Wunſch der geſamzen Darmſtäoter Sportgemeinde, wuenn auch nun auf die übrigen Maunſchaftsicile ebenfalls ſehr gute Zuſammenarbeit. Das Vor=
allen
reſtlichen Spielen, daß es immer noch, um die Meiſterſchaft geht. Sportplatz Zur Windmühle (Weſt ſtädter Weg) und verſpricht einen 2
Zuvor treffen ſich noch, ebenfalls zu einem Serienſpiel, die zweiten 5
Mannſchaftemn heder Verzine. Bei dieſen Manſchaften iſt das Stärke= 1.
3 dem Unent=
verbältnis
foſt hollkommen ausgeglicien, huad ja auch
Den (inzige
empfangen die 1. Elf des Sportv. Seeheim. Gerade dieſe Mannſchaft Spiel für ſich zu entſcheiden, ſo übernehmen ſie die Führung der Tabelle ! !

Schwimmen.
I. Naiionales Schwimmfeſt des V.f. L.
Noi. Weſß.

Waſſerball.
In bezug auf Wafſerball ſieht das heute und margeu ſtattfindende
Schwimmfeſt 6 Mannſchaften am Start. Rot=Weiß hat im vergangenen
Jahr ſein Hauptaugenmerk auf dieſes Sportgebiet gelegt und deshalb
Waſſerball auch als Hauptprogrammpunkt in das heutige Feſt aufge=
nommen
. Spandau 04, SV. Göppingen. Mattiaeum Wiesbaden ( Ju=
gend
), Mattigeum Wiesbaden (Herren), Rot=Weiß (Jugend) und Rot=
Weiß (Herven) kämpfen um den Sieg. Am Samstag abend tweffen ſich
die Jugendmannſchaften in der Vorrunde des Jugendpokalſpiels. Es
ſpielt zunächſt Spandau gegen SV. Göppingen, anſchließend Rot=Weiß
gegen Mattigcum Wiesbaden. Die jeweiligen Sieger in dieſen beiden
Vorſpielen kämpſen am Sonntag um die Entſcheidung. Anſchließend
an dies Entſcheidungsſpiel um den Waſſerballpokal, begegnenr ſich die
1. Mannſchaften von Rot Weiß uud Mattiaeum Wiesbaden.
In dem erſten Spiel Spaudau 04 gegen Göppingen werden wir wohl
in Spandau den Sieger ſehen. Die Spandauer ſtellen zurzeit die beſte
Berliner Jugendmannſchaft, und ihre Spieler haben vor kunzem in dem
Spiel ihrer 1. Mannſchaft gegem die Waſſerfrgunde Hannover mitge=
ſpielt
, das letzteue nur knapo 2:0 gewannen. Jumerbin iſt Göppingen
duuch ſeine Schnelligkeit nicht zu uterſchätzen. Das zweite Spiel dürfte
ausgeglichener ſein. Rotz=Weiß hat zuuzeit nicht mehr die Jugend vom
vergangenen Sommer aufzuweiſen, da die zwvei beſten Spieler, Ginwbel
und Merz, zur Hervenklaſſe aufgerückt ſind. Am vernangenen Sonntrg
derlor die Mannſchaft in Wiesbaden, aber im eigenen Bad ſollte ſie
doch geſvinnen können, wenn ſie zu der Form aufläuft, wie neulich gegen
Jungdeutſchland. In dieſem Falle würde am Sonntag Rot=Weiß gegen
Spandau in die Gntſcheidung kommen. Wir ertwarten von dieſom Kampf
ein erſtklaſſiges Waſſerballſviel. Wenn wir auch hier wieder auf Span
dau als Sieger tivten, ſo dürſte doch der Stärkeuntorſchied von Ji=
tereſſe
ſein.
Nach dieſem Entſcheidungsſpiel begegnen ſich die 1. Maunſchaften.
von Rot=Weiß und Mattiacum Wiesbaden. Dieſer Kampf iſt für die
Darmſtädter mehr odeu weniger Rebanche. Am vergangenen Sonntag
verloren ſie, allerdings nicht gegen Mattigeum, ſondern gegen S.C.
Wiesbaden 1911 mit 3:0, machdem ein Spieler ausgeſhieden dpar. Da
jedoch Mattigeum und S.C. 1911 ziemlich gleichwertig ſind, ſo kann mau
den Ausgang des Spieles gegen Mattigcum doch als Maßſtab für die
tatſächliche Stärke betrachten, zumal hieu in Darmſtadt die Tücken des
Wiesbadener Hallenbades, in weſchem es eigentlich verbotzen werden
ſollte. Waſſerball zu ſpielen, wvegfallen. Als Schiedsrichter fungieren
die Hernen W. BlankMannheim und H. Schneider Spandau=Berlin, die
beide Autoritäten auf dieſem Gebiete ſind. Es ſind alſo Kämpfe zu er=
warten
, die uter eimvondfreier Leitung guten Sport zeigen wverdeu.
Wie bereits bekannt, wurden zu dem Feſt devſchiedene wertvolle
Preiſe geſtiftet, die im Sporthaus Adelmann ausgeſtellt ſind.
U. a. haben der Herr Oberbürgermeiſter der Stadt
Darmſtadt und das Darmſtädter Tagblatt wertvolle
Wanderpreiſe übergeben. Ferner beteiligtew ſich an den Stiſtungen:
Das Sporthaus Adelmann und die Fa. Zorn, die Heſſ.
Landeszeitung, außeidem wurden von einem verdienten Mit=
glied
des Vereins, Herin Oberrechnungsrat Bormet, ſowie
von den Damen und dem Vorſiand des Feſtgebens ſchöne Wanderpreiſe
zur Verſüigumig geſtelt.
Kraftſport.
Meiſterſchaft=Manuſchaftskämpfe des zweiten Kreiſes des D. A. S.V. 1831
im Ringen.
Es ſind ſchon einige Wochen vergangen, feit wir zum letzten Male
über die Maunſchnſtskämpfe des zweiten Krsiſes im Ningen berilſtesten.
Die Kämpfe warknu Hamals ſo ziemlich am Ende und der Meiſten des
erſten Bezirks war in Kreutzuoch bereits ermittelt. Im zweiten Bezirt
war die Sache nun doch nicht fo einfach, da Sachſenhauſen tutſählich
noch eingeholt werden konnte. Frankfurt konute mit vierzehn Punkten
und noch drei ausſtehenden Kämtfen auf die gleuhe Punktzahl wie
Sachſenhauſen kommen, nämlich 2, denn Sachſewhauſen hätte im Falle
der Nieherlage von Hauf= gegen Grötzſch zwet Pumkte eingebüßt und
ein Entſcheidungskampf wäre notwendig geweſen. Da aber Hauf dieſen
Protoſtkampf gewrann wurde Sachſenhauſen auch in dieſem Jahre
wviederum Bezirlsmeiſter und hat ſich damit gleicheitig die Berechtigung
zur Teiſnghune an den Grnppenkämpfen erfolten.
Im erſten Beziek.

hatz, Kreuznach als beſte Mannſchaft verdient den Titel gewvonnen.
Wenm nichr alles täuſcht, haben wir in ihr auch wieder den diesjährigen
Kreismeiſter. Maiuz als Tobellenzweiten kam auf viorzehn Punkte,
alſo ſechs weniger wie Kreuzuach, das zwanzig Puukte mit zehn Kämpfen
erreichte. Den letzten Kampf gewann Mainz kampflos gegen Büdes=
heim
, das am Ende keine Luſt mehr zu haben ſchien. Den dritten Platz
hält Obe=ſtein mit acht Punkten. Die Boldſtädter hielten ſich im all=
gemeinen
ſehr gut, zueun auch das Problem ihrer ſchweren Klaſſen noch
keinesfalls gelöſt iſt. Mit ebenfalls acht Punkten folgt der Liganeuling
Koſthcim, der gegen Ende der Kämpfe eine ganz beuchtliche Kampfſtärte
an den Tag legte. Den vorletzten Platz belente Bingen. Die Mann=
ſchaft
iſt zweifellos zurückgegangen. Andauernde Umſtellungen, die nie
große Vorteile bringen, haben mit dieſen Tabellenſtand bowirkt. Mit
dier Punkten ſteht Büdeöheim an letzter Stelle. Die Mamſchnft trat
zu don letzten Kämpfen nicht mehr volſtändim an. Hohſientlich iſt ſie im
nächſten Jahre mit dem alten Gifer wieder mit dabei, denn Abſtiegs=
ſorgen
aibt es im erſten Bezirk nicht, da Idar als ſiebenter Vevein ſchon
während der Kämpfe jeine Manunſchmſt zurückzog. Nachſtehend die
Tabelle:

Vereine Kämpfe Siege Niederlagen Punkte Kreuznach 10 13 D Mainz 10 14 Oberſtein. . 10
8 Koſtheim .. .. 8 Bingen... .... 6 Büidesheim . .... 19 4 4*

Im zweiten Bezirk
hat ſich Sachſenhauſen nach harten, ſchweren Kämpſen wiederum den
Ditel geholk. Der Start der Maunſchaft war nicht ſehr verheißungsvoll.
Später lief dann die Mannſchaft zu ihrer alten Foum auf. Mit zwei
Verluſtpunkten erreichte die Maunſchaft 22 Punkd. Hart auf des er=
Das letzte Aufſtiegsſpiel führt die Beſſunger nach Wolfskehlen zum ſteren Ferſen ſtehen am Schluſſe der Kämpfe Groß=Zimmern und Frand=
Dieburg zum Austrag zu bringen hat. An dem Tabellenſtand ändert
jedoch dieſer Kampf nichts. Mit 8 Punkten ſtehr Dicburg an dritt=
letzter
Stelle. Die Mannſchaſt zeigte in der Rückrunde ganz beachſt=
lihes
Können. Den vorletzten Platz hält mit 4 Punkten Damm. Am
Anfang der Känpfe ganz gute Treffen licfernd, verſagte ſie am Schluſſe.
Handballſtpiel ſtntt , ſtehen ſich am Arheilger Mühlchen die Ligamann= Ohne jeglichen Erfolg mit 0 Punkten ſteht Hanzt am Schluſſe der Ta=
belle
. Man kann der Mannſchaft, welche trotz der Mißerfolge ſämtliche
verſagen. Der Kampf mit dem Aufſtiegskandidaten muß erſt Aufklärung
bringen, ob die Maunſthaft in der Liga verbleibt oder nicht. Die
Vereine
Kämlfe Siege Niederlagen Punkte
Sachſenheuſen ..."
*
18
Groß=Zimmern . . . . 12 *8
18
Frankfurt . . ....
54
1.
*
18
Neu=Iſenburg ....
49
Dicburg ...... . 12
13
Damm. . . . . .
9
12

Hanau ..

Mch
tterungsausſichten für Sonntag, den 29. Januar 1928.
(Nach der Wetterlage vom 27. Januar 1928)
olkiges Wetter, Temperaturen nachts um Null, vielfach auch dar=
tagsüber
milder.
interſportverhältniſſe in Heſſen und im Sauerland.
gelsberg. 1. Hoherodskopf: Temperatur: minus 3 Grad,
timeter Schne, gekörnt: Sportmöglichkeit ſehr gut. Sonntag,
Januar, vormittags 8 Uhr: Skirennen auf dem Hoherodskopf:
g. 2. Januar, ahends: Fackellauf der Jugend am Hang.
chenhainer Höhe: Temperatur: minus 2 Grad, 17 Ben=
Schnee, pulzerförmig; Sportmöglichkeit für Sli und Rodek
grerland. 1. Winterbere: Temperatur: minus 1 Grad,
Zentimeter Schnee, pulberförmig; Sportmöglichkeit gut.
iche Wetterdienſſtelle.

[ ][  ][ ]

Nummer 28

Samstag, den 28. Januar

armſtaderCaablatte

Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 27. Januar.
Das Geſchäft blieb ſehr ſtill, da bei der Privatkundſchaft immer
noch weuig Neigung beſteht, ſich neu zu engagieren. Die Börſe zeigte
ſich jedoch trotz des Ultimos widerſtandsfähiger als an den Vortagen,
Das im Zuſammenhang mit der heutigen Prämienerklärung noch heraus=
kommende
Material wurde ziemlich glatt aufgenommen. Man ſprach
von Stützungskäufen von Großbankſeite. Die Tendenz war daher im
allgemeinen behauptet, die Stimmung etwas freundlicher. Die geſtrige
Hauſſe an der Neu Yorker Börſe im Zuſammenhang mit der Hoffnung,
daß eine Erhöhung der Rediskontrate nicht bevorſtehe, regte etwas an.
Ferner beachtete man den günſtigen Reichsbankſtatus heute etwas mehr,
während der peſſimiſtiſche Monatsbericht der Deutſchen Bank zur Zu=
rückhaltung
mahnte. Bei der erſten Kursfeſtſetzung war die Geſtaltung
des Kursniveaus nicht einheitlich, die Mehrzahl der Papiere konnte ſich
jedoch gut behaupten. Die Kursveränderungen gingen nur vereinzelt
über 1 Prozent hinaus, J. G. Farben eröffneten faſt unverändert,
Scheideanſtalt lagen dagegen im Angebot und 194 Prozent niedriger.
Elektrowerte blieben behauptet, nur Bergmann 2 Prozent gedrückt. Zell=
ſtoffwerte
lagen uneinheitlich, Aſchaffenburger etwas ſchwächer. Waldhof
aber 1½ Prozent höher. Am Montanmarkt waren Buderus, Mans=
felder
, Rheiniſche Braunkohle und Rheinſtahl überwiegend angeboten
und 1½ bis 2½ Prozeut ſchwächer. Schiffahrtswerte lagen ſtill, doch
gut behauptet. Deutſche Anleihen blieben behauptet, ausländiſche Ren=
ten
ſtill und wenig verändert. Im Verlaufe kam das Geſchäft zum faſt
völligen Stillſtand, die Kurſe konnten jedoch auf die befriedigende
Siemensdividende von 12 Prozent etwas anziehen. Elektrowerte ge=
wannen
1 bis 1½ Prozent. Geld war etwas geſuchter. Tägliches Geld
5½ Prozent. Am Deviſenmarkt lagen Mark und Spanien etwas feſter.
Man naunte Mark gegen Dollar 41937, gegen Pfunde 21,447. London=
Kabel 4 9740, Paris 124,02, Mailand 92,10, Madrid 28,71½
An der Abendbörſe war die Geſchäftsloſigket kaum zu über=
bieten
. Selbſt innerhalb der Kuliſſen kamen kaum einige Umſätze zu=
ſtaude
. Die wenigen notierten Kurſe erſchienen nur ſehr langſam an
den Maklertafeln. Kursmäßig ſieht man zunächſt bei geringwertigen
Differenzen gegen die letzten Mittagskurſe gehalten. Gegen Schluß
machte ſich oine weitere Abgabeneigung bemertbar, da man wieder von
einer ungünſtigen Rede Dr. Schaczts wiſſen wollte. Farben bei Be=
giun
½ Prozent niedriger, ſpäter nochmals ½ Prozent nachgebend.
Anleihen geſchäftslos. Die Börſe ſchloß vollkommen luſtlos und ſchwach
geſtimmt.
Im einzelnen nannte man: Commerzbank 174. Danak 236,5, Metall=
bank
1B, Gelſenkirchen 136, Mannesmann 148, Phönix 101, Rheinſtahl
166, Stahlverein 103,5, Nordd. Lloyd 148,5, A.E.G. 164,5, Scheide=
auſtalt
192, Farbeninduſtvie 262, Gesfürel 266, Lahmeyer 167, Rüt=
gers
95, Siemeus u. Halske 286, Wahß u. Freytag 136,5, Waldhof 255.
Deviſen: London gegen Paris 124,02, gegen Mailand 22,10,
gegen New York 4,8740, gegen Holland 12,06½ gegen Madrid B,79½,
gegen Bürich 25,31½4, Pfunde gegen Mark 20/4434 Dollar gegen
Mark 4,1955.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 27. Januar.
Die Börſe eröffnete einheitlich in ſchwacher Haltung, da im Hi=
blick
auf den Bericht der Deutſchen Bank weitere Verkäufe der Provinz
ſtattfanden, die außerdem zur Vermeidung einer Prolongation zu Poſi=
tionslöſungen
ſchritt. Die Spetulation war einmal durch dieſe Verkäufe,
ſodann aber auch durch eine merkliche Verſteifung des täglichen Geldes
beunruhigt, die man auf Geldkündigungen der Girozentrale wegen des
ſtärkeren Geldbedarfs der Provinz zurückführte. Wenn das Kursniveau
nicht ſtärker zurückging, ſo war hierfür der befriedigende Siemensabſchluß
und das Deckungsbedürmis einer Reihe von Baiſſe=Spebulanten maß=
gebend
, die der Geſamttendenz noch einen gewiſſen Rückhalt gaben. Aus=
gehend
von Siemensaktien konnten ſich ſpäter die meiſten Elektrizitäts=
werte
leich befeſtigen und im Verlauf auch die übrigen Märkte mäßig
erholen. Das Geſchäft war aber außerordentlich leicht. Am Geldmartt
zog der Tagesgeldſatz auf 5,57 Prozent an, während Monatsgeld mit
7½8½ Prozent unverändert blieb. Der Diskont für Warenwechſel
zeigte gleichfalls eine Verſteifung und wurde mit 76’’s genannt. Für
Gelder auf einige Tage über dem Ultimo mußten je nach der Dauer der
Ausleihung 7½9 Prozent bewilligt nerden. Am Deviſenmarkt er=
mäßigte
ſich der Dollarkurs in Berlin auf 4,1945, während er in London
bis 4,8740 feſter lag. Lebhaften Schwankungen war wieder die ſpaniſche
Valuta unterworfen, die ſich im Grunde aber erholte. London=Madrid
38,75. In der zweiten Börſenſtunde ſtagnierte das Geſchäft, ſo daß die
Kursbewegungen nur vereinzelt zu beobachten waren. Die vom Elektro=
markt
ausgegangene Befeſtigung dauerte wur kurze Zeit, da bald wieder
ſpekulative Verkäufe auf die Tendenz drückten. Siemens gaben wieder
um 3 Prozent nach. Vereinigte Glanzſtoff minus 4, Polyphon und
Ludwig Loewe behaupteten ihren Gewinn nur teilweiſe. Auch an den
Anleihemärkten ſtockte das Geſchäft. Der Börſenverlauf geſtaltete ſich
ſomit äußerſt luſtlos. Privatdiskont kurze Sicht 6/s, lange Sicht 6=
Die Börſe ſchloß auf die Privatdiskonterhöhung um 1 Prozent in

börſe wurde der Terminhandel der medio Februar aufgenommen. Einer
vorübergehenden leichten Kursbeſſerung folgte nachbörslich bald wieder
ein erneutes Sinken des Kursniveaus, ſo daß ſich fchließlich die ver
medio genannten Notierungen unter den Ultimoſchlußkurſen bewegten.
Man nannte ver medio u. a. Rheinſtahl 167,5, Siemens 285, A. E.G.
164,5, J. G. Farben per medio 262,75, Harpener 189,75. Mannesmann
148,75, Vereinigte Stahlwerke 102,75, Licht u. Kraft 221,25, Hapag 145,
Nordd. Lloyd 143,25, Danatbank 236, Discontogeſellfchaft 158, Polyphon
feſt 253,5, Schub. Salzer 347.

Die franzöſiſche Wirtſchaftslage.
Vor der Frankenſtabiliſierung? Enttäuſchungen am Kohlenmarkt. Die Lage auf den
übrigen Metall=Märkten. Die Petroleumproduktion.
tende Hauſſe der Preiſe iſt alſo nicht wuahrſcheinlich, vielmehr iſt es frag=
Hranzoſticher Bnrtſchaffsorief. lich, ob das bisherige Höchſtniveau beibehalten werden kann.
Die Zinnpreiſe ſind wieder etwvas zurückgegangen. Der Zinkmarkt

Von unſerem /=Korreſpondenten.
Paris, 26. Januar.
Die letzten Tage haben eine ganze Reihe wichtiger finanzpolitiſcher
Ereigniſſe gebracht. Vor allem die Aufhebung des Geſetzes über das
Verbot der Kapitalausfuhr. Ferner hat die ameritaniſche Regierung die
Placierung franzöſiſcher Induſtrieanleihen auf dem New Yorker Geld=
markte
wieder erlaubt; und endlich wurden große Goldmengen aus New
York heimbefördert.
All dieſe Maßnahmen deuten auf das Bevorſtehen der Stabiliſierung
und trotz wiederholten Dementis rechnet man in Wirtſchaftskreiſen täg=
lich
damit.
Der franzöſiſche Geldmaukt zeigt ſich jetzt für langfriſtige Placierun=
gen
viel beſſer disponiert als früher, allerdings werden aber die Aktien
gegenüber den Anleihen bevorzugt. Die Effektenbörſe war ſehr lebhaft.
Bank=, Elektrizitäts= und Schverinduſtriewerte haben eine ſtarke Hauſſe
erfahren.
Auf dem Kohlenmarkte iſt die Situation wenig verändert. Man
ſpricht viel von der Bildung eines internationalen Kohlenkartells, es iſt
jedoch fraglich, ob dieſes Kartell zuſtandekommen kann, und ob die fran=
zöſiſchen
Produzenten daran teilnehmen werden. Die Winterſaiſon brachte
bisher nur Enttäuſchungen und man erwartet auch für die nahe Zu=
kunft
keinen beſonderen Aufſchwung auf dem Kohlenmarkte. Wie man
ſchon früher vermutete, werden die Preiſe vorausſichtlich nicht ſo ſchnell
herabgeſetzt. Die Kohlenwerte lagen feſt.
Die Lage der Schwerinduſtrie hat in den letzten Wochen eine weſent=
liche
Beſſerung erfahven. Während Ende 1927 viele Unternehmungen
die Betriebskoſten nur mit Mühe aufbringen konnten, arbeiten jetzt faſt
alle mit Gewinn. Die Preiſe gehen langſam aber ſicher aufwärts.
Die Schwerinduſtriewerte waren ſehr geſucht.
Der Metallmarkt lag von dem Kupfermaukt abgeſehen, ſehr ruhig.
Die Kupferpreiſe haben eine außergeſvöhnlich ſtarke Hauſſe durchgemacht.
Die Hauſſebewegung ging von Amerika aus und fand ihren Höhepunkt
in London. Dort ſind nämlich die Vorräte, die noch zu Beginn des
vorigen Jahres mehr als 38 000 Tonnen ausmachten, auf 12 000 Tonnen
zurückgegangen. Auch die Kupfervorräte der übrigen in Frage kommen=
den
Länder ſollen ſich in gleichem Maße verringert haben. Amerika ſoll
jetzt 80 Prozent der Weltproduktion kontrollieren und die jetzige Hauſſe=
kampagne
ſoll von amerikaniſcher Seite ſyſtematiſch organiſiert werden.
Trotz der Produktionseinſchränkung für die einzelnen Werke wird die
Produktion ebenſo groß oder noch größer ſein als im Vorjahre, da meh=
rere
neue große Minen in Betrieb geſetzt wurden. Eine weitere anhal=

war ruhig. Die Werte der Metallminen waren vernachläſſigt.
Der Kautſchukmarkt war lebhaft. Es gab viele, wemn auch nicht
große Preisſchwankungen. Die immer wieder veröffentlichten Statiſtiken
laſſen die Lage des Marktes in günſtigem Lichte erſcheinen. Es gelang,
die Produktionseinſchränkung größtenteils durchzuführen. Die Wirkung
davon wird aber erſt in einigen Monaten ganz fühlbar ſein. Man will
die Kautſchukpreiſe auf 1 Schilling 9 Pence ſteigemn und ſie auf dieſem
Niveau ſtabiliſieren. Alle Anzeichen deuten darauf, daß dies in den
nächſten Monaten erreicht wird.
Der Weltverbrauch an Kautſchuk wird für 1928 auf 672 000 Tonnen
geſchätzt, davon entfallen 396 000 Tonnen auf Amerika. Der europä=
iſche
Verbrauch entwickelt ſich über alle Erwartungen günſtig, ſo daß die
Ausſichten für den Kautſchukmarkt wirklich ſehr gut ſind. Die Amepi=
kaner
ſammeln große Vorräte, aber ganz langſam, da ſie eine ſchnelle
Aufwärtsbewegung der Preiſe vermeiden wollen. Die Kautſchukwerte,
insbeſondere die franzöſiſchen, lagen feſt, die Kursſchwankungen wanen
jedoch unbedeutend.
Der Petroleummarkt lag ruhig. Die Preiſe in Amerika ſind umver=
ändert
geblieben, für den ganzen Markt eine große Enttäuſchung, denn
man hatte mit ſtark ſteigenden amerikaniſchen Preiſen gerechnet. Es
gelang bisher nicht oder nur teilweiſe, der Uebepproduktion einen Damm
zu ſetzen. Die amerikaniſche Produktion wird für das vergangene Jah=
auf
895 Millionen Barils geſchätzt gegenüber 777 Milliomen im Vorjahre.
Die amerikaniſchen Geſellſchaften kämpfen miteinander um den europä=
iſchen
Markt, da infolge des Rückganges der rumäniſchen und polniſchen
Produktion viele mitteleuropäiſche Raffinerien amerikaniſches Petroleum
verarbeiten.
Die ruſſiſche Petroleumproduktion foll im Wachſen begriffen ſein,
man behauptet ſogar, daß ſie nach der amerikaniſchen die zweitſtärhſte
iſt. Die polniſchen Geſellſchaftew planen große Bohrungen, die auch
von der Regierung im weitgehendſten Maße unterſtützt werden. Für die
franzöſiſche Petroleumpolitik, welche in der letzten Zeit um ihre Unab=
hängigkeit
wieder etwas beſorgt ſchien, ſind die Entdeckungen in Moſſul
mit franzöſiſcher Konzeſſion ſehr bedeutend. Man ſchätzt vielleicht
mit etwas Optiwismus die jährliche Leiſtungsfähigkeit einer einzigen
Quelle auf mehr als drei Millionen Tonnen. Die Petroleumwerte lagen
ſchwach, beſonders die angloſächſiſchen.
Der Phosphatenmarkt war lebhaft. Die Produktion iſt im Wachſen
begriffen, die Nachfrage wächſt aber viel ſchneller. Am Nitvatenmarkt
machte die Nachricht von dem Plan der Bildung eines Kartells, an wel=
chem
auch die chileniſchen Produzenten teilnehmen würden, viel Aufſehen.
Auf einigen außereuropäiſchen Märkten hat die chileniſche Induſtrie
wieder Erfolge aufzuweiſen.

Aſchaffenb. Zellſtoff.
Augsb.Nürnb.Maſch.
Bamag=Meguin..
Berlin el. W..
Berlin KarsruheIn
Braunkohl. =Brike,
Bremer Vilkan
Bremer Wolle.
Deutſch.=Atlant.
Deutſche Maſchiner
Deutſch.=Nied. Tel.
Deutſche Erdöl
Deutſche Petroleum
Dt. Kaliwerke
Donnersmarckhütte .
Lynamit Nobel .
Eleltr Lieferung:
J. G. Farben.
R. Friſter
Gaggenau Vorz.
Gelſenk. Berg
G. f. elektr. Untern.
Halle Maſchinen
Ban.=Maſch.=Egeſt.
Hanſa=Dampfſchf .

Helſingfors.
Wien ...
Prag ..
Budapeſt.
Sofia ..
Holland.,
Sslo ..."
Kopenhagen
Stockckolm.
London.
Buenos Aires
New=York.
Belgien

26. 1
158. 27. 1.
175.25 Hemoor=Zement. . 26. 1
235. 111.25 111. Hirſch Lupfer.. 111. 30. 30. Höſch Eiſen 142. 74. 4. Hohenlohe Werke 109.875 80.5 82.5 Kahla Porzellan. 113. 175.25 175.25 Lindes Eismaſch. 152. 144.5 148. Lingel Schuh 72. 196 1197. Linke u Hofman, 104 105. 12. Loewe u. Co.. 267.5 65.25 65. K. Lorenz 116. Niederlauſitzer Kol 160. 134. 1132.25 Nordd. Gummi. 72.5 73. Orenſtein 133. Rathgeber Waggon Rombacher Hütten 129.5 127375 Roſitzer Zucker .... 80.75 154. 172.25 Rütgerswerke ....." 97.875 266. 264.75 Sachſenwerk....." 122. 112. 112.75 Sächſ. Gußſtahl .. 135.5 40.875 40.5 Siemens Glas 145 Ber. Lauſitzer Glas. 139.75 268 25 e6s. Volkſtedter Porzell. 55 25 168. 1 63. Weſtf. C. Langendree
Wittener Gußſtahl . 63 25 63. 49. 208.25 I: 207.5 Banderer Verke .. 211.5

Oeviſenmarkt.

26. 1. 27. 1. 26. 1. Geld Brief Geld ſ. Brief ! Geid Brief 10.557 10.57 10.55310.573 talien.. 59.08 59.20 59.055 359.175 Paris 16.47 16.51 12.422/12.442 12.42 12.34 Schweis 80.705 80.865 73.28 3 42 73.25 73.39 Spanien. 70.85 70.59 3.027/ 3.033 N 3.030 3.036 Danzig. B1.68 gi. 64 169.06 169.40 159.07 169.41 Fapan. . 1.968 1.9721 1.9681.970 111.50 111.72 111.50 11.72 Rio de Janeiro . 10.5060 30.5080 112.25 112.-47 112.24 Wt12.46 Fugoſlavien. 7.376 7.390 112.47112,69 112.39 112 81 Portugal". 20.23 20.27 20.43 20.47 20.425 520.46: Athen ..." 5.5641 5.576 1.7921 1.79e 1.791 1.795 Konſtantinopel 2.143 2.147 4.19104 1980 4. 1905 4.1985 Kanada 4.184 4.192 158.38 58.50 58.365 58.4851 Hüruguah 4.2761 4.284

27. 1.
236.
112.5
140.25
107.
112.
151
71.625
266.
110.
156.
132.

8o.
95.5
121.5
135.5
146.
138.
54.25
49.
211.5

27. I.
Geld / Brief
22.195/22.235/e2.185 22.225

16.47
80.71
71.05
8i.68

16.51
80.87
71.19
31.84

5a5 ſe.597
7.378 7.330
20.23 20.,37
5.5641 5.576
2.140 2.744
4.185 4.193
4.276 4.284

Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Der Privatdiskont iſt geſtern um ½ Prozent auf 634 Prozent für
beide Sichten erhöht worden.
Die Verhandlungen über ein europäiſches Zementabkommen haben
die Verſuche, zunächſt eine Verſtändigung zwiſchen Deutſchland und Bel=
gien
ſowie Frankreich herbeizuführen, wieder belebt. Nach Brüſſelen,
Meldurngen ſollen die Ausſichten günſtig ſein, doch darf man diefen Opti=
mismus
nur mit Vorſicht hinnehmen.
Das in den Verhandlungen zwiſchen der Elektrowerke A.G. und
der Preußiſchen Elektrizitäts=A. G. vorgeſehene Uebereinkommen ſieht
eine Gemeinſchaftsarbeit zwiſchen beiden Geſellſchaften bei den braun=
ſchweigiſchen
Kohlenbergwerken ſowie in den Grenzgebieten vor und
enthält eine Verſtändigung über die beiderſeitigen Verſorgungsgebiete,
Am 28. Januar feiert der bekannte Kaliinduſtrielle, erſter Vorſitzen=
dev
des Präſidiuns des Deutſchen Kaliſyndikats, Bergwverksbeſitzer Dr=
Ing. h. e. Gerhard Korte ſeinen 71. Geburtstag. Gerhard Korte iſt
die markanteſte Perſönlichkeit der Kaliinduſtrie. Seit Jah=en leitet er
den Burbach=Konzern, und die Politik der Kaljinduſtrie wird von ihm
maßgebend beeinflußt.
Dem Landesrat im Saargebiet iſt von der Regierungskommifſion
der Geſetzentwurf, betr. Aufwertung von Hypotheken, Grundſchulden,
Grundrenten und anderen dinelichen Rechten, zugegaugen. Der Ent=
wurf
lehnt ſich eng an die deutſchen Beſtimmungen über die Aufwertung
der Hypotheken an. Als Stichtag iſt der 1. Juni 1928 vorgeſehen.
Zwiſchen dem belgiſchen Zündholztruſt und den belgiſchen Zünd=
holzfabriken
iſt nach Brüſſeler Meldungen eing Einigung zuſtande ge=
kommen
. Man haße ſich jedoch verpflichtet, vorerſt keine Einzelheiten
bekannt zu geben.
Zu den verſchiedenen Meldungen aus Brüſſei und Luxemburg über
Vorbeſprechungen über den Beitritt Belgiens zu dem deutſch= franzöſi=
ſchen
Chemieabkommen wird auf Aufrage bei deutf her zuſtändiger
Seite erklärt, daß von offiziellen Verhandlungen mit Belgien hier nicts
bekannt ſei.

Darmſtädter u.

I. Frankfurter Kursbericht vom 271. Jan. 1928.

521
56.65

Staatspapiere
al Deutiche
D. Reichsanl. Ablöſ=
Schuld einſchl.
Ausloi.=Sch. I. Teill
III. Teil
D. Reichsanl.Ablöſ=
Schuld ohne Aus=
oſungsſcheine

420 Dt. Schutzgeb.
Ail.
b) Ausländiſche
5% Bos. E. B 1914
5%L. Juv. 1914
413% 1898
41.% 1902
42 Bosnien

5 % Buig. Tabat.02/ 18
4½5%Oſt. Siaatsr.
3. 1913 gbb. 1918 2.8
4½%Oſt. Schatz. 14 30
41 % Oſt. Silberr. 4:2
Goldr
47
425 Oſt. Goldrente
Innsbr. Abk. 317
47 einh. (k.) 1.5

41.1

8 % Port,/ Spz. II 9.6
5‟Rum am.R.08 6.75
4½2Gold. 13
475 am.kon
402 ant. 05
475 Türk. (Aom
4%Bagd.
4% Bagd
47a uniſ 1903
4% 1911 Zoll.
ing St 1913
4 ½.% Ung St 1914
4 ½2 Ung. St. 1914
ilt. Innsbr.Abk.)
4½ Ung Goldr.

17
5.75
6.2

22‟/,

48 Ung. Goldr.
(t. Innsbr. Abk.) 25.4
425 Ung. Staatér.
v. 10
426Ung. Kronr. .
3% Ung.Eiſ. Tor ..
Außereuro.
päiſche
1 523Mex. am. in.abg.
20 auß. 39
Goldo4ſtf. 28
lonſ. inn.
4½2%0, Frigat. / 341
5% Tamaulivas 1 ,/
Sachwert= Schuld=
verſchreibungen

Mit Zinsberech=
nung

10%Berl. 6..B1. 0./105
98
625 Berl. St. Gold
82 Darmſt. St.=G./ 93.5
18 % D. Hyp.=Bank
Meining. Goldpf 97.75
94
89
87
Dresb. St.:G.
72Frkf. St.=G.
8OFr.
Gup.-Bk.
Goldpfbr.
97
2, Frkf. Hyp.=Bk.
Goldpfbr.
93
6% Frkf. Hyp.=Bk.=
Goldpfbr.
89
18%o Frif. Pfbr.=Bk.
Goldpfbr.
7% Frif Goldpfbr. 93
820 Frki. Pfbr.=Bl.
Goldpfbr
90
20 Frkf. Pfb i. Bk.
Goldpfbr.
81
d.= St. Gold=
87
Land.=B!
Goldpfbr.
98.
7% Geſſ. Lanb.=Bk.
Goldpfbr.
94
Klöckn=Wer
S6.

89.5
83.5

Aeedeſe
Mark (Hagen)
Goldobl.
.I1
820 Komm. Ldsbk.
Darmſt., Reihe I
8% L. Lanbesbank
Darmſt. Reihe II
82 Lowgshf Stadt
Goldanl.
2aM. KraftHöchſt
%o Mainz.=St.=G.
20 Mannh. St.=G.
62 Mannh. St.=G.=
720 M.=Stahlw. 27
8% Naſſ. 2db. Gold
8% Nbg. St. Gldal.
182 Pfälz. Hyp. Bk.=
Goldpfbr.
7% Pfälz. Hyp.=Bk.
Goldpfbr.
%0 Pfälz. by p.=Bk
Goldpfbr.
8%0 Pforzh. St.=G.
18%0 Pirmaſ. St.=G.
18%Pr. Centr.Bd.=
Fr.=Bk. Gldpfbr.
8%o Br.Centr.=St.=Goldpfbr.
7% Pr. Centr., St.
ſchafts-Goldpfbr.
82 Rh.=Hyp.=Bt.
Goldpfor
Lig. Pfb.
% Anteiſch
7½ %Nh. Stahlw
25
10%Rh.=Weſtf.=B.
(r=Bk Goldpf
8½ Süidd. B.-Cr. B.
Goldufdbr.
7C V. Staklwv. Düf=
ſeldorfcyp
.=Gld.. mit Option!
V. Stahlw. Düſ=
ſeldorfHhv
.-Gd.. ohne Option
Biag(B. Ind.
Bin.

94
89.25
93.5
95.25
94.55
102.25

97.75
94
89.5
83.1
61-.

96.75

92.75

%VoigteHäffnter
Goldobl. .....
82Württbg. Shp.=
Bank Goldofbrf.
Ohne Zins.
berechnung
5% Bdw. Kohl 2.
16%Großkr. Mannh.
Kohl. 23
6%Heſ.Brk.=Rg. 23
5% Heſſ. Volksſtaat
Roggen .. . . . 23
5% Pr. Kaliw.
5% Pr. Roggenw.
5% Südd. Feſt.B. 6
Borkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe.
Bahr Vereinsb.
Bahr. Handelsb.
Bayr. Hyp.u. Bechſ.
Berliner Hyp.=Bk.
Frkf Gyp.=Br.
Frkf. Pfandbr.=Bk.
Hamb. Hyp.=Bk.
Mecklb. Hhp.=u. Wb.
Meining. Hyp.Bk.
Nordd. Gr.=Cr.=Bk.
Pfälz. Hyp.=Bt.
Breuß. Bod.=Fr.=B.
Pr.Cent.=B. Cr.B.
Preuß Pfdbr.=Bk.
Rhein. Hyp.=9.
Rh.=Wſtf. B.=Cr.=B.
Sidd. Bodenk.
Bürtt öyp Bk.
Staatl. ob. prov.
garantiert
He. L.=Hyp.=B.
Landeskr. Caſſel.
Naſſau Ldsb.
Obligationen v.
Transportanſt.
4½ Eliſ.=Bahn ſtfr.
42o Gali;=Garl=
Lud.B.
abg.
2 Oſt. Sd. /L.ſtir

94.25
97

12.61

13.75
6.5

*

18.15

14.3
14.45

13.9

12.8
9.55

2,6%AteOſt. Sübb. 14.5
2.6% Neue 14.5
42Oſt. Staatsb. 83
%Oſt. 1.b.8.E. 22.25
2Sſt. abg.
3%9 D.Gm.
abg.
3½
9 1885 ..

abg.
39Oſt. , Erg. Netz)
3%Oſt.
abg.
3% RaabOebd 83/ 20
91) 17
97/ 15
42 Rud. Silber ..
4½ Rub. (Salzka.)
LoAnat., S. I
0 Anat., S. II/ 17.5
2 Anat., S.III/ 14.75
Salon.Monaſt. 21.5
5% Tehuantepec. 18.5
4½2
Bank=Aktien
Allg. D.=Kredit.. . 146.05
Bad. Bk. .....: /174.,5
Bk. t. Brauind. . . 180
Barmer Banko.
148
Bay. Hyp.=Wchſ. /173
Berl. Handelsgeſ.
Comm.u. Privatb. 174.5
Darmſt.u. Nat.=Bk.
Deutſche Bank
164.5
D. Eff.u. Wchſ.=Bk. 128
D. Hyp.=Bk. Mein../136
D. Vereins=Br. 104
Disk.=Geſellſch 157.5
Dresdener B!
158.25
Franff. Bi.
.1123.5
Frankf. Hypth.= Bk. 143
Frkf. Pfdbr. Br... 1144
Gotha. Grundkr. Bk.
Lur. Intern.Banl / 7.55
Metallbank.
127.5
Mittelo. Creditb 212
Pfälz. Hyp.=Bi.
Pr. Bd.=reditbank 136.5
Hyp.=Akt.=Ban! 156
Reichsbank=Ant 195.5
Rhein.Creditbk.
131.5
ſhein=Hyp.=B!
172
Südd B.=Creditbk.

Südd. Disc=Geſ. 146
Oſterr. Creditanſt. 37.75
Wiener Bankverein 17.5
Bergwerks=Akt.
Buderus.
981,
Eſchw. Bergw. ... /212
Gelſenkirch,Baw. 136.5
Harp. Bergb.
Fiſe Bergb. St.:
Genußſchein ...1121
Kali. Aſchersleben : /173.75
Kali. Salzdetfurth. 1249
Kali. Weſterregln. 186
Klöcknerwerke (abg.
Lothr =Hütte)
Mannesm.=Röhr 1149.75
Mansfelder ...
Oberbedarf ......"
Otavi=Min.=Ant. . 42.5
Phönix=Bergb. . . 101.5
Rhein. Braunk.
Rhein. Stahlw. . /167.5
Riebeck Montan. .
SalzwerkHeilbronn 188
Tellus Bgb.. .. . . . 112
Ver. Laurahütte
Ver Stahlwerke
Induſtrie=Akt.
Brauereien
Eichbaum(Mannh.)/270
Henninger .
183.5
Hereules Heſiſche
Löwenbr.=München/317
Mainz. Aktienbr 250
Schöfferhof(Bind.) 319
Schwarz=Storchen 1170
Tucher. Nürnberg
Berger
160
Attum. Berlin.
Adler &Oppenh
Adlerw. (v. Kleyer)/ 84.2
6SE.A. G. Vzg. 21 89.25
5%A.E. G. Bzg.3 81
A. E. G. Stamm . 166 25
Bad. Maſch. Durla 144.5
Bad. Uhren, Furtw. 12.25
Bamag=Meguin 29.5
Baſt Nürnberg 1243

Bahr. Spiegel
Beck & Henkel ...
Bergmann El ..
Bing. Metall.
Brem.=Beſigh=Ol..
Bürſtenfor. Erlang
Cement. Heidelb.
Cement. Karlſtadt
Cement. Lothr.
Chem. Albert. ...
Chem Brockh
Ehem. Milch
Daimler=Benz A. G.
Dt. Eiſenhandel.
Deutſche Erdöl
D. G.u. Silb. Scheid.
D Linoleumw. Bln.
Dingler, Zweibrück.
Dresd Schnellpr.
Dürkoppw. (St) ..
Dürr Ratingen
Dyckerhoff & W
Eiienw. Kaiſersl.
E Licht u. Kraft.
G Lieferung .
Eli Bad Wole
Email. Ullrich
Enzinger Werke
Eßlinger. Maſch.
Ertlinger Spinn.
Faber Bleiſtift
Faber & Schleicher
Fahr. Pirmaſens
Farbenino F. G.
Felten E Guilleau.
Feinmech. (Jetter)
Feiſt. Sekt
Frankfurter Gas
Frankfurter Hof. 11
Frkf.=M. Pok. u. W.
Beiung E Cie
Golbſchmidt. Th
Gotha Baggon
Grißzner Maſch. 1
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle Frkft.
Haid & Ne.
Hammerſen
Hanfw. Fülten. 1
Hanſa=Blohd. Br.
Hartm. E Braun

71.25, Heyligenſtaedt.
30
80 Hilpert, Armatur. 94.5
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch. Kurfer .... 111
74
Hoch=Tief Eſſen ... 85
58
Holzmann ....... 142.25
139.25 Holzverk. Ind.. . . . 76.75
Hydrom. Breslau.
180
100
Inag ..
88
125 JunghansSt.
85 Kammg. Laiſersl.
47 Karlsruher Maſch.. 17
84.5 Karſtadt. N.
91.5 Klein, Sch EBecker/115.5
Knorr, Heilbronn 169.5
192.5 Konſerv. Barun . 67
Krw. All=Württbg. /108.5
259
Krauß & Co.
132
Lahm eher
167
75
Lech, Augsburg .. 123.5
Lederw. Rothe
76
Leverw. Spicharz,
31
Lingel Schuhw.
Löhnberg. Mühle 45
220
Ludwigsh. Walzm. /134.9
37.9 Lüdenſcheid. Metall
Rainkraft Höchſt 118
Mars=W. Nürnberg /135
58
Metallge). Frkf.
230
Miag Mühlenb 142.25
75.5 Moenus Stamm 69
101.5 Motoren:. Deutz 65
56.5 Motoreni, Oberun./ 76
26 4.25 ) Mün h. Lichtipielk
Reckar. Fahrz. 103.5
91.25 Neckarw. Eßlingen
Beters Union
112.75
153 Pfäßz. Nih. Payſer
103.5 Philipps.
Borzellan Weſſel / 31.25
*
ſtein Gebb.&Schall117
Rhein Elektr.
150.75
Rhenania, Kunheim! 53.1
130.25 Rütgersverle
95.5
155 S hneid. & Hana
49
133
Schnellpr. Fran1.
78
53.75 Schramm Lackf.
138
Schriftg. Stemp. 1123
139.5 Schuckert Eleltr 183.75
Schuhfor Weſſel 84.5
Schuhf Her=
24

Schulß. Grünlack
Seilind Wolff.
Siemens Glas
Siemens & Halske
Südd. Immob
Südd. Zucker=A.=G.
Thür. Lief. Gotha
Uhren Furtwängl.
unter ſr Kr.=Gl=V
Beithwerke
Ver f. Chem. Ind.
Ver. v. Olfbr. Mann
Ver. Faßf. Caſſel.
Gumm.Bin.=Frkf.
Pinſel=Nürnberg..
Ultramarin.
Zellſtoff Berl.
Bogtl Maſch.
Boigt & Haeffner.
Volthom Seil
Wanß & Frehtag
Wegelin Rußfbr.
Zellſt. Aſchaffenbg
Zellſt Memel
Zeliſt Waldhof
Zuckerf Rheingau
Transport= und
Berſicherungs=Akt.
Dt Reichsb.=Borz.
A. Dt. Eiſenbahn.
A. Lokalb u. Kraft.
Dt. Eiſenb.=Geſ.
Schantung E.B
Südd Eiſenb.=Geſ.
Hapag
Nordd Lloyd

Frrrt. Allg. Ver),
Frankonia Rückv
Larmſtädter Werte
Bahnbedar!
Dampfk. Rooberg
Helvetig Kouſ..
Gebr. Lutz......
Motorf. Darmſt.
Gebr. Roeder
BenulethcEllenb. .

81
287
39.5
140.5

14
150
178.5
73.25
136
141

253.5

uaus

146
148.25

179.75
199.75

36

30
146.75

[ ][  ][ ]

Nummer 28
Börſe und Geldmarkt.
Die Börſenlage iſt durch eine Stagnation gekennzeichnet, die
kaum noch übertroffen werden kann. Jeden Tag begeben ſich
die Vertreter der Bankwelt mit leeren Auftragsbüchern zur
hurgſtraße, ſo daß die Spekulation faſt völlig unter ſich bleibt.
Laß die Unternehmungsfreudigkeit auf dieſer Seite ebenfalls
ſtark zu wünſchen übrig läßt, kann angeſichis der geſamten wirt=
ſchaftlichen
Konſtellation nicht wunder nehmen. Hauptſächlich der
Druck kommender Ereigniſſe iſt es, der dem Börſengeſchäft Feſ=
ſeln
anlegt. Man denke da nur an die Zuſpitzung der Kredit=
verhältniſſe
in der Landwirtſchaft, an den enormen Kapital=
bedarf
öffentlicher Stellen, deſſen Deckung nach der Zurückſtellung
inländiſcher Emiſſionen ſeit Monaten jetzt immer dringlicher
wird, ſchließlich auch an die kommenden Lohn= und Wahlkämpfe,
die immer eine ſtarke Beunruhigung in die Wirtſchaft tragen.
Die momentane Flüſſigkeit am Börſengeldmarkt täuſcht die
Spekulation nicht darüber hinweg, daß es ſich hier um keine
echte Entſpannung handeln kann. Die Emiſſionstätigkeit iſt
m Inland noch immer nicht in nennenswertem Umfang in
Gang gekommen, lediglich die Hypothekenbanken erzielen neuer=
dings
mit Unterpari=Emiſſionen 8prozentiger Pfandbriefreihen
nehr Erfolg. Es iſt aber zu befürchten, daß das wenig umfang=
reiche
Reſervoir, der inländiſchen Kapitalbildung bald wieder
aſchöpft iſt, wenn die Inanſpruchnahme des Kapitalmarktes
in den mächſten Monaten wächſt. Eine große Emiſſion ſcheint
aIs erſte die Deutſche Reichsbahngeſellſchaft vorzubereiten, die
hät einem Bankenkonſortium unter Führung der Reichsbank
über die Begebung von 100 bzw. 150 Millionen RM. Vorzugs=
ulcien
verhandeln ſoll. Bekanntlich hängt von der Unterbringung
ſirres ſolchen Aktienbetrages die Tarifgeſtaltung der Reichsbahn
veſentlich ab. Eine Erhöhung der Gütertarife ſoll ſich jeden=
ſackls
nur vermeiden laſſen, wenn die Deckung des Finanz=
bdarfes
auf anderen Wegen ermöglicht wird. Alle dieſe Ueber=
ſegungen
wirken ſtörend auf die Wertpapierumſätze ein. Daraus
tigaben ſich täglich unſichere, im Endreſultat aber unbedeutende
Srhwankungen der Aktienkurſe. Lebhaftere Beachtung fanden
eigentlich nur wenige Spezialpapiere, vor allem Elektrizitäts=
werte
. Mit welcher Spannung die Abſchlüſſe der großen Elektro=
ſonizerne
erwartet wurden, ging aus den manchmal täglich ſich
ur derſprechenden Dividendenſchätzungen hervor. Die A.E.G. hat
nanmehr, wie von uns gemeldet, eine 8prozentige Ausſchüttung
blantragt, bei der Siemens u. Halske A.=G. rechnet man mit
Prozent. Die Bilanzſitzung der Siemens=Gruppe wurde für
Freitag vormittag angeſetzt. Wie auch die Reingewinne rech=
riſch
ausgewieſen werden, ſo ſteht doch feſt, daß die Elektrizi=
ürtsinduſtrie
im abgelaufenen Jahr eine ſehr erfreuliche weitere
Aifwärtsentwicklung nehmen und ihre innere Lage erneut
weſentlich kräftigen konnte. Angeſichts der in den Börſenſälen
herrſchenden Lethargie dürften aber die günſtigen Bilanzziffern
der Elektrokonzerne kursmäßig ebenſowenig zur Geltung kommen,
ure kürzlich der glänzende Bemberg=Abſchluß.
Der Reichsbank=Ausweis vom 23. Januar zeigte in erſter
2inie eine bemerkenswerte ſtarke neue Entlaſtung des Wechſel=
ſinitos
. Man wird daraus folgern können, daß die Wechſelein=
reächungen
neuerdings mäßig ſind, ſo daß die Fälligkeiten ſehr
ſtark zum Ausdruck koyen. Allerdings darf auch nicht ver=
giſſen
werden, daß die Neurroduktion an Wechſeln im Dezembei
gußerordentlich hoch war und unter Berückſichtigung dieſer Tat=
ſorhe
die bisherige Entſpannung im Januar nur als regulär
z Iten kanm. Die Diskonterhöhung in Chicago hat die Hoffnung
gaf eine deutſche Diskontſenkung wohl endgültig beſeitigt.

Samstag, den 28. Januar 1928

Seite 17

Die Abſchlüſſe im Siemens=Konzern.
Der Aufſichtsrat der Siemens=Schuckert A.=G. (der ehemaligen G. m.
b. H.) trat am 25., der Aufſichtsrat der Siemens=Halske A.=G. am
27. Januar zuſammen. In beiden Sitzungen wurden die Abſchläiſſe für
das am 30. Dezember 1927 beendete Geſchäftsjahr genehmigt. Der Ab=
ſchluß
der Siemens=Schckert A.=G., der erſte ſeit der am 12. Juli 1927
erfolgten Umwandlung in eine A.=G., weiſt nach Abzug von 3 644399
RM. für Anleihezinſen, von 1 430 534 RM. für Abſchreibungen auf
Gebäude, von 6 126576 RM. für geſetzliche ſoziale Leiſtungen und
5 096 318 RM. für freiwillige ſoziale Leiſtungen (außer den aus dem
Reingewinn 1925/26 für Wohlfahrtszwecke zur Verfügung geſtellten und
verwendeten 1 Mill. RM.) einen Reingewinn aus von 14 780 372 (im
Vorjahre 12 175 701) RM. Der Aufſichtsrat ſchlägt vor, eine Dividende
von 12 Prozent auf das Aktienckapital von 120000000 RM. (im Vor=
jahre
8½ Prozent auf das Stammkapital von 90 Mill. einſchließlich
7½ Prozent Zinſen auf das unhindbare Darlehen von 30 Mill. RM.)
auszuſchütten, der Sonderrücklage 3 Mill. RM. (3) zu überweiſen und
930 372 (525 700) RM. vorzutragen. Die Bilanz enthält, wie im
Vorfahr, einen Poſten von 2 Mill. als Rücklage ſüir die Koſten, die im
Geſchäftsjahr 1927/28 durch die Fortführung des Baues der Zweigbahn
JungfernheideSiemensſtadtGartenfeld entſtehen werden. Im An=
ſchluß
an die Aufſichtsratsſitzung fand ſofort die Generalverſammlung
der Siemens=Schuickert A.=G. ſtatt, in der ſämtliche Aktien durch die
Siemens=Halske A.=G. und die Elektrizitäts=Geſellſchaft vorm. Schuckert
u. Co. vertreten waren. Sie genehmigte den Abſchluß für 1926.
Bei der
Siemens u. Halske A.=G.
verbleibt nach Abzug von 3637 484 RM. für Anleihezinſen, von
748 395 RM. für Abſchreibungen auf Gebäude, von 3 575 359 RM. für
geſetzliche ſoziale Leiſtungen und 2353 578 RM. für freiwillige ſoziale
Leiſtungen (außer den aus dem Reingewinn von 1925/26 für Wohl=
fahrtszwecke
zur Verfügung geſtellten 1 Mill. RM.) ein Reingewinn von
18 851 249 (im Vorjahr 15 348 513) RM. Der auf den 23. Febmar ein=
zuberufenden
Generalverſammlung ſollen 12 (10) Prozent Dividende
vorgeſchlagen, ferner der Sonderrücklage 5 Mill. (im Vorjahr 2 500 000)
RM. zugeführt und 2 516 659 (2 450 000) RM. vorgetragen werden. Wie
bei den Siemens=Schuckert=Werken erſcheint eine beſondere Zuweiſung
für Wohlfahrtszwecke in dieſem Jahre nicht in dem Gewinnverteilungs=
plan
, da im Zubunft derartige Poſten als Sozialausgaben im Gewinn=
und Verluſtkonto ausgewieſen werden ſollen.
Wie im Vorjahre, iſt in der Bilanz ein Poſten von 2 Mill. RM.
als Rücklage für die Koſten vorgeſehen, die im Geſchäftsjahr 1927/28
durch die Fortführung des Baues der Zweigbahn Jungfernheide Sie=
mensſtadt
Gartenfeld entſtehen werden. Weitere Mitteilungen werden
in dem zu veröffentlichen Geſchäftsbericht gemacht werden.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 27. Januar. (Priv.=Tel.)
Kaffee: Zuuächſt wurden die Preiſe ungünſtig beeinflußt durch die
Moldungen aus Santos und Hamburg. Die Kommiſſionäre ſchritten
zu Abgaben und auch Enropa nahm verſchiebentlich Glattſtellungen vor.
Auf ſpäter eintretendes Deckungsbedürfnis trat eine Erholung ein.
Baumwolle: Der Maukt litt heute unter einen neuen Abſchwächung
crf die Shwäche Liverpvols und unglinſtige Na=hrichten aus Lancafhrre.
Nach einer vorübergehenden Erholung wurden ernent Abgaben vor=
genommen
.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 27. Jan.;
Getreide. Weizen: März 130½, Mai 130½, Juli 126½;
Mais: März 87½, Mai 90½, Fuli 91½; Hafer: März 5378,
Mai 54½, Juli 50½ Rogigen: März 111, Mai 109½, Juli 10378
Schmalz: Januar 11,85, März 11,92½, Mai 12,10.
Fleiſch: Januar 11,15, März 11,572½, Mai 12,77½r Speck,
loko 11,25; leichte Schweine 7,908,30, ſchwere Schweine 7,90
bis 8,15; Schweinezufuhren: Chicago 44000, im Weſten 135 000.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 27. Jan.:
Getreide. Weizen Nr. 2: rot 154½, hart 146½; Mais, neu
ank. Ernte 101½; Mehl, ſpring wheat clears 6,506,85; Fracht
nach England 1,92,9 Schilling, nach dem Kontinent 710 Cts.

Schmalz: Prima Weſtern, loko 12,60; Talg, extra 9.
Kakao. Tendenz: feſt; Umſatz in Lots: 115; Lokox 13½8;
Jan. , Febr. , März 13,63, April 13,70, Mai 13,78, Juni
13,90, Juli 13,97, Auguſt 13,98, September 13,99, Oktober 13,84.
Produktenberichte.
Woriſer Prohuktenbericht vom 27. Januar. Die Tendenz der heu=
tigen
Produktenbörſe war im allgemeinen behauptet. Die Käufer für
Gerſte zeigten ſich zurückhaltend. Es notierten: Weizen 2525,50, Rog
gen 24,75, Gerſte 27,502,50, Gerſte Ausſtich 3030,50, Futterderſte
2122, Hafer 2324, Weizenmehl, Baſis 0, 37,5037,75, Noggenmehl,
60proz., 36,2536,75, Weizenfuttermehl und Nachmehl 16B, Roggen=
futtermehl
und Nachmehl 18,5024, Roggenkleic 1515,50, grobe Wei=
zenſchalen
14 5014,75, feine Weizenkleie 14, getrocknete Bierkreber 18
bis 18,75, Malzkeime 1818,50, Maisſchrot 2323,50, Trockenſchnitzel
11,5012, Heu 8,752,25, Stroh 23,50, Kartoffeln 6,757,50.
* 78. Südweſtdeutſche Zentral=Häute=Auktion zu Mainz. Zur Ver=
ſteigerung
gelangten 6964 Großviehhäute, 8952 Kalb= und Freſſerfelle
und 853 Hammelfelle. Bei gutem Beſuch verlief die Häuteauktion ſehr
ſchwankend. Die Preisgeſtaltung war ſehr uneinheitlich. Kalbfelle
zogen etwas an. Im einzelnen ergaben ſich folgende Preiſe: Schaf=
felle
wollig 74; blöß, Schuß 44. Kalbfelle, ohne Kopf:
Klaſſe I, bis 9 Pfd. 204213, über 9 Pfd. 186; Klaſſe II, bis 9 Pfd.
180187½, über 9 Pfd. 160; mit Kopf: Klaſſe 1 156½ Klaſſe II 140
Schußkalbfelle, ohne Kopf, alle Gewichte 180; mit Kopf, alle Gewichte
127. Freſſerfelle: ohne Kopf, Klaſſe TI 130, Klaſſe II 126½
mit Kopf: Klaſſe I 117, ohne Kopf, Schuß 85 Leichte Häute,
ohne Kopf: Klaſſe I, 2029 Pfd. 126; Klaſſe II 229 Pfd. 118
mit Kopf, Klaſſe I, 2029 Pfd. 115. Rinderhäute, ohne Kopf=
Klaſſe I, 3049 Pfd. 116123½, 5059 Pfd. 120, 60 Pfd. und mehr
110116. Ochſenhäute, ohne Kopf: Klaſſe I, 3049 Pfd. 107¾,
5059 Pfd. nicht notierk, 6079 Pfd. 99½113¾, 80 Pfd. und mehr
96½108 Kuhhäute, ohne Kopf: Klaſſe I, 3049 Pfd. 95 bis
105, 5059 Pfd. 100111¾, 6079 Pfd. 971G7½; mit Kopf, Kl. I.
80 Pfd. und mehr: nicht notiert. Bullenhäute ohne Kopf.
Klaſſe I, 3049 Pfd. 103½109½, 5059 Pfd. 998½, 6079 Pfd.
93, 80 Pfd. und mehr 8½89. Ninderhäute, mit Kopf:
Klaſſe I, 3049 Pfd. 106½110, 5059 Pfd. 95¾101½, 60 Pfd. und
mehr: nicht notiert. Ochſenhäute, mit Kopf: Klaſſe I, 3042
Pfd. 99¾, 5059 Pfd.: nicht notiert; mit Kopf, Klaſſe 1, 6079 Pfd.
95½98½, 80 Pfd. und mehr 94½100. Kuhhäure, mit Kopf:
Klaſſe 1, 3049 Pfd. 90100, 5059 Pfd. 9597, 6079 Pfd. 92½
bis 98¾, 80 Pfd. und mehr 95. Bullenhäute, mit Kopf: Kl. I,
3049 Pfd. 92¾, 5079 Pfd. 85½86½, 80 Pfd. und mehr 7434.
Häute ohne Kopf, Klaſſe II, 3049 Pfd. 93102½, 50 Pfd. und
mehr 85½99¾; mit Kopf, Klaſſe I, 3049 Pfd. 8494, 50 Pfd.
und mehr 8½88. Weidhäute; ohne Kopf 8992, mit Kopf
81½. Schußhäute: ohne Kopf, alle Gewichte 86, mit Kopf, alle
Gewichte 74¾
Frankfurter Produktenbericht vom 27. Januar. Zum Wochenſchluß
war das Geſchäft am Frankfurter Produktenmarkt weiter ſehr beſchei=
dem
. Weizen, Roggen und Mehle waren ſtank angeboten, ohne daß Ab=
nehmer
dafür vorhanden waren. Dem Markt fehlte jede Anregung.
Die Preiſe wuden wie folgt feſtgeſetzt: Weizen I 25, Weizen II 23,50
bis 23,75, Weizem III 22,7523,25, Roggen 24,50, Hafer inl. 23,5024,
Mais für Futterzſvecke 21,75, Mais für andeue Zwecke 22,50, Weizen=
mehl
36,7537,25, Roggenmehl 3435,50, Weizenkleie 14,25. Roggen=

kleie 1515,25.

Metallnotierungen.

Die autliche Preisfeſtſetzung im Metallterminhaudel vom 27. Jau.
ſtellte ſich für Kupfer: Januar 126½ (126¾), Februar 127 (127½),
März 126½ (126¾), April , Mai 126½ (126½), Juni, Juli und
Auguſt 126½ (126½), September 126½ (126½), Oktober 126¾ (126½),
November und Dezember 126½ (126½). Tendenz: ſchwächer. Für
Blei: Januar, Februgr und März 43¾ (44), April und Mai 44
(44½), Juni 44¾ (44½), Juli und Auguſt 44¼ (44½), September,
Oktober und November 44½ (44½), Dezember 44¾ (45). Tendenz
ſtetig. Für Zink: Januar 52½ (53½), Februar 52½ (53), März
521/ (52½), April, Mai und Juni 52 (52½), Juli 5134 (52½), Auguſt
52 (52½), September und Oktober 513/ (52½), November und Dezem=
ber
51½ (52). Tendenz; ruhig. Die erſten Zahlen bedeuten Geld,
die in Klammern Brief.

Has den Amtsberkändigungen des Kreisamts
Larmſtadt und den Bekanntmachungen des
Polizelamts Darmſtadt.
Gefunden: 1 ſchwarzes ſchmales Porte
nwnnaie mit 3 Mk. 1 brauner Damen
hrndſchuh. 1 Perlenhalskette. 1 Kiſtchen
g=dörrte Zwetſchen. 1 Paket alte Flick=
lapppen
, Schere und Zwirn. 2 mi telgroße
Eichlüſſel. 1 grauwollener Damenhand=
ſwuh
1 gelber geflochtener Lede gürtel
1 braunes älteres Beſuchstäſhchen mit
Arſchentuch und Schlüſſel 1 Paar braune
Krimmerhandſchube mit Lederbeſatz Zwe
Schlüſſel mit 2 Drücker an einem Ring
1 graubraunwollene Kinderzipfelmütze Ein
gelbb aungeſtreiftes Ledertäſchchenm Brief=
mrrke
und Taſchentuch. 1 braun. Herren=
gacé
jand chuh. 6 Meter blaurote Litzen
1 Mädchenkleid, weißkarierte Bruſt und
ſchwirzer Rock. 2 kleine Schlüſſel und ein
Trücker am Ring
Sonntagsdienſt und Nachtdienſt in
den Apotheken Darmſtadts: Es verſehen
den Sonntagsdienſt und in der daran ſid
an ſchließenden Woche den Nachtdienſt vom
22 Jan bis einſchließlich 4 Febr. die
Alwotheke am Juſtizpalaſt, Bismarckſtr.
Eenhorn=Apo heke, Kirchſtraße 10½

Der diesjähr. Kiefer= Nutzholzein=
ſchlag
aus der ſtädt. Bürgertanne (Abt.
Umter dem Bahnhof1 u. 3, Bürger=
ſchlag
6 mit 2,50 im la, 165,17 im Ib,
173,68 im 1Ia, 44.60 Im IIb, 6,51 im
HLIa, 1,06 fm IIIb, 0,90 im IVa Klaſſe,
zrſ. 394,42 km) ſoll auf dem Submiſſions=
urege
verkauft werden. Das Holz liegt
nächſt dem Hauptbahnhof Darmſtadt.
Ebenſo wird der Anfall an Buchen=
ſchwellenholz
I. u. II. Kl. aus verſch.
Albteilungen der ſtädt. Förſtereien
Beſſ. Laubwald und Heiligkreuz
(nhätzungsweiſe ca. 2.0 km) verkauft.
Schriftl. Angebote, getrennt nach
Ettärkeklaſſen, werden bis zum 7. Febr.
ds. Js., vorm. 10 Uhr, an uns er=
b
=ten. Verkaufsbedingungen ſtehen auf
A8unſch zur Verfügung. Genehmigung
b eibt vorbehalten.
Darmſtadt, den 27. Jan. 1928. (st1962
Städt. Güterverwaltung.

Bekanntmachung.
In der Sitzung unſeres Geſamtvor=
ſtrndes
vom 19. Januar d8. Js. wurde
beſchloſſen, das vierte, am 15. Februar
1028 fällige Ziel der Kultusſteuer für
1B27 nur zur Hälfte zur Erhebung zu
bringen. Der Steuernachlaß die Hälfte
des 4. Ziels betrifft ſämtliche ſteuer=
pfflichtige
Mitglieder un erer Religions
gemeinde. Einzelbenachrichtigung er=
(1901
geeht nicht.

Darmſtadt, den 25. Jan 1928.
Der Vorſtand
dier iſrgelitiſch. Religionsgemeinde
Darmſtadt.

Zwangsverſteigerung.
Das nachſtehend bezeichneten Grundſtücke, die zur Zeit der
Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen des
Dachdeckmeiſters Karl Geider in Darmſtadt im Grundbuch
eingetragen waren, ſollen
Dienstag, den 3. April 1928, nachm. 31, Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht an Gerichtsſtelle, Zimmer 219,
verſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvoll=
ſtreckung
.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 10. Januar 1928 in
das Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Verſteige
rungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren
ſind ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der Auffor=
derung
zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneter
Gericht anzumelden und, wenn der Glänbiger widerſpricht
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der Ver
leilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des Gläu=
bigers
und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung entgegenſtehen=
des
Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls, für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten Gegen=
(1949
ſtandes tritt.
Darmſtadt, den 24. Januar 1928.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung der Grundſtücke:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk I, Band IV, Blatt 211.

Nr. Flur Nr. Kulturart u. Gewann am
636 Grasgarten Erbacherſtr. 31
52
636 Grabgarten daſelbſt
F
638 Grasgarten daſelbſt
639 Hofreite Nr. 17 daſelbſt 757

Betrag der
Schätzung

Donnerstag, den 2. Febr. 1928,
vormittags 9 Uhr, werden in der
Breidert’ſchen Gaſtwirtſchaft zu Nie=
der
=Ramſtadt aus den Forſtorten Kohl=
berg
1b, Pfingſtweide 17, Kirchberg 8a
und Weinweg 3a der Förſterei Emme=
linenhütte
verſteigert:
Scheiter, rm: 261 Buche, 12 Eiche;
Knüppel, im: 109 Buche, 12 Eiche,
8 Lärche:
Reiſerholz II. Klaſſe (Stammreiſig
100 W.: 1.00 Buche, 5,00 Eiche;
Reiſerholz II1. Kl. (Aſtreiſig) 100 W.:
48,50 Buche, 2,1 Eiche.
Das Reiſerholz II. Kl. lagert in Kohl=
berg
1b.
Das Holz iſt vor der Verſteigerung
einzuſehen. Irgendwelche ſpätere Ein=
wendungen
wegen der Güte des Holzes
werden nicht entgegengenommen. Nähere
Auskunft durch das unterzeichnete Forſt=
amt
und Herrn Förſter Harniſch zu
Forſthaus Emmelinenhütte. (1915
Ober=Ramſtadt, den 26. Jan. 1928.
Heſſ. Forſtamt Ober=Ramſtadt.

K
2.75
Wilh.
Lehrbach.
(840a

Zumieten geſuchtf
Kleiner
Laden
Gegend Karlſtraße=
Beſ ungerſtraße oder
ſonſtiger guter Lage,
geſucht Angebote u.
U 109 Gechſt. 921

Laden
geſucht im Zentrum.
Angebote unter U 89
a. d. Geſchſt. (*2436

Verpachtung
der Gemeindefeldjagd
Groß=Zimmern.
Am Dienstag, den 7 Februar
Ifd. Js., nachmittags 3 Uhr, findet
im Rathausſaale zu Groß=Zimmern die
Verpachtung der Feldjagd der Gemeinde (Gemeindewald Ober=Ramſtadt),
Groß=Zimmern durch öffentliche Ver=
ſteigerung
auf die Dauer von 6 Jahren
ſtatt. Das Jagdgebiet, welches unge=
fähr
1000 Hektar umfaßt, iſt in drei
Jagdbezirke eingeteilt und wird, ſowohl
im Ganzen als auch getrennt ausge=
boten
. Die Verpachtungsbedingungen,
deren Bekanntgabe im Verſteigerungs=/ 19
teriin erfolgt, können vorher bei der
unterzeichneten Bürgermeiſterei einge=
ſehen
werden, woſelbſt auch ein Lageplan
des Jagdgebietes ausliegt.
Die Jagd, welche leicht zu erreichen
iſt, da die Bahnſtation Groß=Zimmern
der Bahnlinien DarmſtadtGroß= Zim=
mern
und Offenbach Reinheim inmitten
des von der Gerſprenz durchfloſſenen
Jagdgebietes liegt, zeichnet ſich durch
(1776a
guten Wildſtand aus.
Groß=Zimmern, den 23. Jan. 1928.
geſſiſche Bürgermeiſterei Groß=8lmmern.
Brücher.

Kſeine Anzeigen An und Verkäufe uſw.)
finden durch das Darmſtädter Tagblatt
die weiteſie Verbreitung

Dienstag, den 31. Januar 1928,
vormittags 9 Uhr anfangend, wer=
den
im Forſtort Eichelberg 19 an Ort
und Stelle verſteigert:
Stämme:
111 Stück Fichten Kl. Ib 44,61 fn
IIa 44,86
71
IIb 19,77
IIIau.b 15,52
10
Zuſammenkunft der Steigerer im Forſt=
ort
Eichelberg 19 (Breitenſtein=Fichten
Ober=Ramſtadt, den 25. Jan. 1928.
Heſſiſche Bürgermeiſterei.
Rückert.
(1891

Laden
in nur beſter Lage zu
mieten geſucht. An=
gebote
unt. U 87 an
die Geſchſt. (*2430

Stamm= und Brenn=
holz
=Verſteigerung.
Donnerstag, den 2. Februar
fd. Js., vormittags 11 Uhr an=
fangend
, läßt der Unterzeichnete in
der Wirtſchaft von Herrn Ph. Kaffen=
berger
zu Steinau von dem Abtrieb
ſeines eigenen Waldes nachſtehendes
Holz öffentlich verſteigern:
Stämme: Buche 3. Kl. 0,61, 4. Kl.
2,52, 5. Kl. 1.53 Im; Eiche 1. Kl.
0,35, 2. Kl. 7,17, 3. Kl. 7,08,
4. Kl. 6,05 Im; Lärche 2. Kl.
9.95, 3. Kl. 10.48, 4. Kl. 3,37 fm
Fichten 1. Kl. 1,64, 2. Kl. 19,71,
3. Kl. 15,13, 4 Kl. 3,98 fm.
Derbſtangen: Buche 4 Stück Lang=
wieden
.
Brennholz: Scheiter, rm: 52 Buche,
8 Eiche, 2 Erle rund), 2 Lärche (rd.)
Knüppel, rm: 36 Buche, 16 Eiche,
2 Erle, 2 Hainbuche, 4 Lärche: Aſt=
wellen
, Stück: 964 Buche, 200 Eiche;
Stöcke, rm: 4 Buche, 2 Eiche, 14
Lärche und Fichte.
Bemerkt wird: Man bittet, alles Hol=
vorher
einzuſehen. Sämtliches Holz
nach allen Richtungen gut abzufahren.
Steinau, den 25. Jan. 1928 (1892a
Johann Georg Feick III.
Beigeordneter.

Dienstag, den 31. Januar 1928,
vormittags 10 Uhr beginnend, wer= Küche, beſchlagnahme=
en
im Büttelborner Gemeindewald
nachſtehende Stammholzſortimente ar

Ort und Stelle verſteigert:
1. Eichen=Stämme:
100 Stück II. Klaſſe 32,04 fm
*
63 26
115 III.

12,05
12 IV.
2. Ulmen=Stämme:

5 Stück II. Klaſſe 1,31 fm.
* z. Eſchen=Derbſtangen:
9 Stück . . . . . . O,67 fm Wohng. m. Küche als=
4. Eichen=Nutzſcheiter:
1 Raummeter.
Zuſammenkunft auf der Griesheime=
Chauſſee am Eingang des Waldes. Ver=
zeichniſſe
ſind auf der Bürgermeiſtere
erhältlich.
Büttelborn, den 26. Jan. 1928.
Heſſiſche Bürgermeiſterei.
Barthel.

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für kl. Opelwagen in
Gegend. Herdweg
Karlſtr. ſof. z. mieten
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Geſchäftsſt. (*2457
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U 99 a. d. Geſch.
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U 103 a. d. Geſchſt.
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geſ. Angeb u U 55
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30. Januar, 27. Februar, 26. Mä/z,
25. Hpril, 21. Mai, 18. Juni, 16. ull
20. Hug., 1. Ozlober, 10. De embe
Durchschnittl Auftrieb 1000 Pferde
aller Rassen, auch Schlachtpferde
größte Auswahl u. beste Gelegen-
neit
f. Kauf od. Tausch. Ein Besucl
dieser Märkte ist zu empfehlen
Der Handel S-

Eineso.Zebtl. 45.
bald z. miet. geſ. Off.
u. U 120 Geſchſtelle,
* 25 26)
Beſchlagnahmef eie
3-4 Zim.=Wohng.
per 1. März od ſpät.
(1920 geg. zeitgem Miete
geſucht. Ang u. U 84
an die Geſchſt (*242
Berufstätige Akade=
mikerin
ſ. g. möbl. Z
m. el. L. Off. u. U 94
a. d. Geſchſt. (*2455
Jung., verheirateter
Beamter ſucht 12
unmöb ierte Zimmer
mit Küche in Darm=
ſtadt
oder näh. Um=
gebung
alsb. z miet.
Ang. m. Preis u U 74
Geſchſt. erbet. (*2406
D
Anſt. Ful. ſucht ein=
faches
möbliertes
Zimmer auch Manſ.=
Zimmer. Off. unt.
U 98 a. d. G. (*2464

[ ][  ][ ]

Seite 18

Samstag den 28 Januar 1928

Nummer 28

Palast-Lichtspiele

Der erste diesiährige Pat und Patachon, Großfilm

af und Tarachon
am Hordseestrang

Motto!
Nemmt’s wie
ders/Wollt!

Die L0 stige0 V 2g3b0 0.0 eI

Union-Thenter

HARRV LIEPTKE
Der Liebling der Kinobesucher in seinem neuesten Großfilm!
Die Spielerin

Fe

(1969

Die großen Sorgenbrecber sind Wieder de

2 Akte sprudelnden Humors, lustiger
Situationen und toller Eintälle. Ein
Film von herzerfrischender Lustigkeit

Der schwarze Satan

Rex, der schwarze Hengst
(1918
6 interessante Akte

Die neueste Wocheuschau

Abends. 8 Uhr
D

oooooooooooooooooboooeoeoooooooooooso
HOTEL PRINZ KARE
Angenehmes Familien-Restaurant
Mittagstisch wie bekannt auswahlreich und gut
2433
Morgen Sonntag Abend
Unterhaltungsmusik
M. Schnellbacher.

Auf zum Restaurant

Turnhalle Woogsplatz

Heute und Sonntag, ab 7½ Uhr
Karnevalistische Abende
Stimmungs-Musik 4955
Neue Kapelle,
Eintritt frei.

Karnevalgesellschaft
NARRHALLA
Abends
Sonntag
Min.
AoT
Saalbau
Danuar
Einzige

Schätzenliesel

mib der beliebten und gern gesehenen Kenia Degn!
13 Akte Die neueste Emelka-Wochenschau. 13Akte.

AROSIZ
Damen- und Herren-
DILOT

unter Mitwirkung erstklassiger Darmnstädter
Dichter und Redner
Künstlerische Darbietungen
Musik: Mathias Weber

Der große Rat

Eintrittsprels: 2 Mark. Numerlerter Platz 4 Mark
An der Abendkasse 50 Pfennige Aufschlag
Vorverkaufsstellen: Verkehrsbüro, W. Hermes,
Lulsenstr. 8, L. Simon; Grafenstr. 15, Zigarrengesch.
Pfell, Elisabethenstraße 41, Juwelier Schmidt,
Wilhelrninenstraße 7
Nurnerlerte Plätze nur bei L. Schmidt u. d Simon

(1889)

enz-Theater
Resie
Der Lustspiel-Rekord dieses Jahres!
Bas k. u. H. Bänenmäder

unter erstklassiger Besetzung
Ein Wiener Film, eine humorvolle köstliche Anekdote, voll Witz,

12 Akte

Spannung und Pikanterie.

12 Akte

A

Der geheimnisvolle Rächer
(1970
Ein interessanter Cowboyfilm.

Anfa g 3½ Unr

Samstag und Sonntag
Heckartor
Heidelbergerstraße, Ecke Riedeselstraße
AoNLEKT

Wilhelm Dintelmann, Heidelbergerstraße 40.

Zum Landsberg
Ballonplatz 9

Samstag und Sonntag
Karneralist. Konzert
Es ladet ein Wilh. Mischlich.

Heute

ur Ober Happenagend

Jeden Sonntag KONZERT
2499)
G. Mahlow.

afé Barth

(1137a)

Einmaliges
Ensemble-Oastspie

Aißert Bussermann.

DerDiktator

andestheater Großes Haus
19½. Uhr

Turnhalle
Woogsplatz

ORRNEUR

Tanz-Abend

Sonntag, 29, Januar 1928

Mur noch heute und morgen!
Der sensationelle Lustspiel-Erfolg!

231a

im großen Festsaal / Städtisches
Orchester. (Moderne und alte
Tänze). Anfang 8 Uhr. Eintritt
50 Pfennig,
(st. 1951

Doktor Stieglitz

Bücher. Noten
Zeitſchriften

Lustspiel in 3 Akten von Nerz
In der hervorragenden Berliner
Besetzung: Friedr. Lobe als Simon Stieglitz
Karl Meisser als Moritz Koppter, 1946
Josef Lorandt, Friedl Harms usw.

herden gut u preis
wert gebunden
Horn, Alexander=
ſtraße
4. 1 145a

Kleine Preise: Mk.

Verkehrs Büro de Waal und Zeitungs-Kiosk Erust-Ludwigsplatz

ALdOTAAnZ
Maskenbaßf

Herrngarten-Café

Das Herrngarten-Caté ist heute
und folgende Samstage

nachts geöffnet

Die letzten 4 Karnevalstage keine
Polizeistunde.
Herrngarten bei voll. Beleuchtung
M. Donzth.
905)

Taunusburg

Caté und Weinstuben
Dieburgerstr. 72 Telefon 266

beute

mit Tanz.

die größte
laviermarke
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Sonntag, den 12. Februar 1928 abends 7 Uhr 11 Min.
Win sämtlichen Räumen der Vereinigten Gesellschaft

(Ecke Rhein- und Neckarstraße)
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mann
, Zigarrengeschäft, Obergasse 5; für Fremde zu
3 Mk. bei Aug. Sulzmann. Friseur. Gutenbergstr 1.
und Gg Wegerich, Friseur Wendelstadtstraße 56
Studenten erhalten ermäßigte Preise gegen Ausweis

August
Förster-

Pianos
seit 1859
u a. ersik).
Marken-Inst.
Kleinste
Raten.
Beamten
u. Festbesoldete
evtl. ohne An-
zahlung
.
Eintausch
alter Instrumente.
Stimmen u. Rep.
rompt u. b llig.
Stets Gelegen-
heit
in gebr.
Piano 1890

Heſſiſches Landestheater
Großes Haus
Außer Miete
Einmaliges Gaſtſpiel
Albert Baſſermann mit Enſemble.
Samstag, den 28. Januar 1928
Anfang 19.30 Uhr Ende 2200 Uhr
Der Diktator
Schauſp el in ünf Akten von Jules Romains
(Deutſch von Hans Feiſt)
Spielleitung: Melchior Fiſcher
Mitwirkende /1307
Elſe Baſſermann, Erna Friedrichs, Carola
Wagner, Albert Baſſermann Alfred
Beierle, Franz Be iſch, Axel Kreuzingert
Richard Ludwig, Ludwig Mayr
Spielwart: Willy Krichbaum.
Preiſe der Plätz 1 10 Mark

Kleines Haus
Miete L, (9. Vorſtellung!
Samstag, den 28. Januar 1928
Anfang 19.30 Uhr Ende 22.00 Uhr
Neu einſtudiert und neu inſzeniert:
Der Opernball
oder die Wiederentdeckung des Walzerd
im Jahre 2000
Operette in drei Akten von Rich. Heuberge‟
Muſikaliſche Leitung: Max Rudo ſ
Inſzenierung: Hans=Esdras Mutzenbeche=
Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp
Mitw rkende
Paula Kpper, Roſe Landwehr, Marthe
Liebel, Sitta Nüller=Wiſchin, Grete Penle=
Kärhe Walter, Guſtav Deharde, Werne=
Finck, Osca Grauert, Herbert Groyſ
Heinrich Kunn, Eugen Vogt
Spielwart: Fritz Wilde
Preiſe der Pätze: 1.507.50
(Sperrſitz 3.50, 4.80, 6 Mark)

[ ][  ][ ]

Nummer 28

Samstag, den 28. Januar 1928

Seite 19

Als ich noch Prinz war.. ..

9)

Roman von Paul Hain.
Urheber=Rechtsſchutz Verlag Oskar Meiſter, Werdau Sa.
(Nachdruck verboten)

Zwei Tage, ſpäter war es. Karl Ferdinand pflegte jetzt
mmer in ſeinem Hotel zu eſſen. Er wollte ſich gerade nach dem
Diner in den Garten begeben, um im Liegeſtuhl ſeine Mittags=
fieſta
abzuhalten, als ihm der Geſchäftsführer eine Karte über=
Grachte mit dem Bemerken, der Herr möchte ihn ſprechen. Er
rparte auf der Veranda.
Der Prinz ſtutzte.
Baron von Alvensleben?
Woher wußte der überhaupt, wo er logierte? Und was
rvollte er von ihm? Nun, man konnte ihn nicht gut abweiſen.
Ich gehe nach oben. Laſſen Sie den Herrn dann hinauf=
Sommen."
Er begab ſich auf ſein Zimmer. Da war wieder dieſe feine
Kinruhe in ihm. Nervös zündete er ſich eine Zigarette an.
Was würde nun kommen?
Diskretes Klopfen an der Tür.
Bitte?"
Herr von Alvensleben trat über die Schwelle. Mit der ihm
Sigenen Liebenswürdigkeit ging ihm der Prinz entgegen.
Baron Sie ſind ein fabelhafter Menſch! Bitte herz=
Tichen guten Tag! Werfen Sie ſich in einen dieſer koſtbaren
Rorbſeſſel. Das iſt wirklich reizend von Ihnen, mich zu be=
ſuchen

Durchlaucht müſſen entſchuldigen, wenn ich Sie hier auf=
Ftöbere
Pah laſſen Sie das. Zigarette gefällig? Bitte. Auch
Die Durchlaucht laſſen Sie hier gütigſt beiſeite, Sie haben
Hoffentlich nicht vergeſſen, daß ich hier einfach Branzell
Seiße
O nein ich las es ja im Fremdenanzeiger
Wie?
Der Prinz hatte plötzlich eine Falte in der Stirn.

Ich erinnere mich, es Ihnen ſelbſt geſagt zu haben, daß
ich hier vollkommen inkognito lebe
Sehr wohl. Nichtsdeſtoweniger wußte ich es ſchon vorher.
Aber man fällt nicht mit der Tür ins Haus. Alſo einen
ſchönen Gruß von Seiner kaiſerlichen Hoheit und der Frau
Mutter habe ich Ihnen als erſtes auszurichten
Karl Ferdinand lehnte ſich im Stuhl zurück. Er blickte Al=
vensleben
ſtarr an.
Danke vielmals
Der lächelte höflich. In dieſem Lächeln war viel Güte.
Dann fuhr er ruhig fort:
Prinz ich will Sie nicht lange verbluffen. Ich muß
auch um Eutſchuldigung bitten, daß ich Ihnen neulich nicht die
Wahrheit geſagt habe. Das brachten die Umſtände mit ſich.
Wir waren nicht allein und ich hatte die Pflicht, mich erſt
umzutun. Nun kann ich ganz ehrlich ſprechen. Ich bin hier,
weil ich Ihnen einen Auftrag auszurichten habe. Kurz heraus:
Ich ſollte mich orientieren, was Sie hier feſthält und warum
Sie nicht auf die Briefe Seiner kaiſerlichen Hoheit geantwortet
haben. Weiterhin: Sie zu bitten, nunmehr nach Hauſe zu
ſahren. Der Erzherzog wünſcht es."
Er ſchwieg
Der Prinz rauchte gelaſſen an der Zigarette. Wenn dieſe
Gelaſſenheit auch nur äußerlich war Alvensleben erriet es
ſo wirkte ſie doch imponierend.
Daher alſo meine Unruhe, als ich Sie neulich ſah, ſagte
er. Und dann:
Sie wiſſen alles, nicht wahr?
Alvensleben nickte leichthin.
Einiges, Prinz.
Ich hätte mir denken können, daß Sie gerade Sie
nicht zufällig hierhergekommen waren. Sie kommen ja niemals
zufällig wo hin.
Er lächelte.
Sie ſtanden neulich abends in einer kleinen Gaſſe und
fahen mich am Fenſter ſtimmt es?"
Ich hätte nicht geglaubt, daß Sie ſo wache Augen haben,
Prinz.
Ja ich auch nicht, Alvensleben. Aber man lernt das
mit der Zeit. Und nun

Er zwinkerte ein bißchen mit den Augen, wie das ſeine Art war,
wenn er eine innere Luſtigkeit nicht mehr verſtecken konnte, und
platzte heraus:
Wie gefällt Ihnen meine zukunftige Frau? Sie haben Sie
natürlich auch geſehen, nicht wahr? Wiſſen, was ſie iſt? Na
alſo, wie gefallt ſie Ihuen?
Alvensleben war im erſten Augenblick über dieſe unerwar=
tete
Frage doch verdutzt. Dann aber lachte er herzlich und
ſtreckte dem Prinzen impulſiv die Hand entgegen.
Ein Bild von Menſch, Durchlaucht! Ich gratuliere. Iſt
es Ihr Ernſt?
Mein heiliger Ernſt! Alvensleben ſo ein bißchen ken=
nen
Sie mich doch wie? Glauben Sie, daß ich mit Herzen
Fangball ſpiele?
Nein, Prinz das nicht
Er hatte einen gewaltigen Reſpekt vor dieſem jungen Für=
ſtenſohn
! Ein Kerl!
Es wird einen Skandal geben!
Ich werde nichts davon merken!
Seine kaiſerliche Hoheit hat weſentlich andere Pläne mit
Ihnen vor. Ich habe Erlaubnis, ſie anzudeuten. Haben Sie
die Briefe erhalten?"
Weiß! Weiß ſchon! Die Prinzeſſin Thereſe von Wald=
burg
. Tia natürlich! Und daß die Herrſchaften demnächſt
nach Wien kommen werden! Ich weiß alles! Gott, wenn Sie
tuüßten, rie gleichgültig mir dieſe Abſichten ſind.
Sie wollen alſo nicht nach Wien mitkommen?
Hab’ ich das geſagt?
Noch nicht, Prinz
Der ſchüttelte lächelnd den Kopf.
Sag’ ich auch nicht! Keineswegs. Ich komme natürnich
mit. Schon weil ich Ihnen einen Mißerfolg erſparen will. Bin
ich nicht ein nerter Menſch?
Ich habe das nie bezweifelt
Na alſo. Ja ich fahre mit. Ich wär’ ſo wie ſo nicht
niehr lange geblieben. Sehe ſelber ein, daß ich ſo nicht weiter=
komme
. Es muß etwas geſchehen, Allerdings ich könnte
mich ja ſchließlich hier Knall und Fall verheiraten, wie?
Alvensleben bekam einen gelinden Schrecken. Dieſer Toll=
kopf
! Karl Ferdinand lachte.
(Fortſetzung folgt.)

Café Rheingold
Samstag, den 28. Januar 1928
H. Hausball

in sämtlichen Räumen
Verlängerte Poltzeistunde!

(2478

Reſtauration Bismarck=Eck.
(Ecke Bismarck=Wendelſtadtſtraße)
Samstag und Sonntag
Konzert
Jrc
Frau Schmidt. Wtw.

Frankfurter Hof
Ecke Frankfurter=Landwehrſtr. 2, Tel. 3
Heute abend, ab 8 Uhr
Jazz=Band. Simnungsmuſt)
Morgen abend, ab 71 Uhr 22481
Kappen-Abend

Meſtaurant zum Schie
I
Richtenbergſtr. 72 (im Martinsviertel)
Heute Samstag
Kroßer
Lumpenabend

Es ladet freundl, ein

1*2182
Fritz Salomon

Motto: Kommt nur, es wird glor!
Sonntag:
Kappenabend
Zur Reichskrone
mit guter Siimmungsmuſik
Samstag Konzert
Es ladet ein M. Karſt
T2488)

Der beliebte

Deinklause
Zum Tropfstein
Ecke Kasino- und Friedrichstraße
Echt rheinische Bedienung
in Trachten
(1968

ad

Schlachtfeſt
Hauptbahnhof=Reſtaurant

Samstag,

den 28. 1. 1928
etzelſuppe

wozu freundl. einladet
Peter Sauerburger
Ecke Moosberg= und Tannenſtraße
Eigehe Wein= IIn5 Apfelweinkelferet
Im Ausſchank Spezial=Kronenbier. (B1910

Bald LrnstBranig
. gegenüber der Hauptpoſt .
Jeden Samstag und
die Faſtnachtstage
Hacnts geoliker.

Eche Grafen= und Waldſtraße
Telephon 1826
Heute
großes Schlachtfeſt
und Konzert
Warme Küche bis morgens 3 Uhr
Es ladet höflichſt ein
2450 Fritz Rummel.

Heute Samstag und Sonntag

2461
wozu freundl einladet
Foh. Wendel Leißler Wtw.
Roßdörferſtr. Eche Inſelſtr. (früher Michel Roth).

Chmetterlings-
Haskenhall

findet wie alljährlich Faſinacht amstag,
den 18. Februar in ſämtlichen Räumen
des Rummelbräu ſiatt.
(*. 418

Zum Löwen• Traiſa
Sonntag, 29. Jan., nachm. 4 Uhr
Großer uärriſcher
Tanz mit Schlachtfeſt
Muſik: Arheilger Stimmungskapelle. (1978
NEs ladet freundlichſt ein Fr. Seibert.

Kam. Vereinigung ehem.
Heſſ. Garde=Orag. 23
Bauptgruppe Darmſtadt

gebeten.

Samstag und Sonntag
MegelfäkP

Heinrich
Apfelweinkelterei

Katzenbach
(1923 Kaſianienallee

Restaurant Stadt Goburg‟
Waldſtraße 2 Tel. 3463
Heute Samstag
28. Januar Metzelſuppe
Morgen Wellfleiſch mit Kraut
2414) Gs ladet höfl. ein J0z. Stocker.

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