Einzelnummer 10. Pfennige
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E31. Januar 2.18 Reſchsmark und 22 Pfennig
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Franfurt a. M. 1301.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſiattet.
Nummer 20
Freitag, den 20. Januar 1928.
191. Jahrgang
27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 40 Reichepfg. Relliamezeiſe 192 mm
breſt)s Reichomark. Anzelgen von auswärts 40 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 60 Reſchspfg. 92 mm breite
Rellame=
zeiſe 3.00 Reichsmark. Alle Preiſe in Reichsmark
(1 Dollar — 4.20 Markl. — Im Falle höherer
Gewali, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
jede Verpflichtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerſchtliſcher Beſtreibung fäll ſeder
Rabatt weg. Dankkonto Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nai
Hont.
Der Etat vor dem Reichstag.
Mehrertrag an Steuern von mindeſtens einer halben Milliarde. — Der erſte
ſitat mit der Normalbelaſtung des Dawesplanes. — Nüchterne Beurteilung der
priſchaftiichen Lage. — Forderung nach Steigerung der Ausfuhr und
Be=
ſeitigung der Handelshemmniſſe.
Köhlers Etat=Rede.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der Tag, an dem der Finanzminiſter ſeinen Etat einbringt,
gremeinhin von beſonderer Bedeutung. Von den Zahlen, die
rkMiniſter bei dieſer Gelegenheit gibt, und von dem Ueberblick,
un er über die geſamte finanzielle Lage erſtattet, hängt ja für
BBeurteilung der politiſchen Entwicklung mancherlei ab. In
eſzem Jahr iſt es anders. Herr Köhler iſt der eigentliche
Leid=
ichende für die etwas verzwickte Situation, daß der Reichstag
rclits vor Weihnachten den Etat dem Haushaltungsausſchuß
elrwies, die Ausſprache darüber aber bis nach Neujahr
zurück=
ſre. Man hat zwar den äußeren Eindruck des großen Tages
ttahrt — der Reichskanzler und ſämtliche Miniſter des Kabi=
„1S waren erſchienen —, was aber Herr Köhler zu ſagen hatte,
n im weſentlichen bekannt, und darunter mußte ſeine Rede
turgemäß leiden, weil ſie in der Hauptſache Wiederholungen
inggt. Mit einer gewiſſen Genugtuung freilich konnte Herr
öüler den Blick auf das vergangene Jahr werfen und mit der
42 vergleichen, die er vorfand, als er ſein Amt übernahm.
uu nals große Beſorgnis wegen des Ausgleiches des Etats, heute
Mehrertrag an Steuern von mindeſtens einer halben
Mil=
uSe, dazu eine Erſparnis in der Erwerbsloſenfürſorge, ſo daß
rAEtat für 1927 noch einen geſunden Ueberſchuß ergibt. Hand
ſHand damit ein Zurückſchrauben der Verwaltungsbedürfniſſe,
ei doch auch ein weiteres Anſteigen der Reparationsbelaſtungen.
„dieſem Zuſammenhang ergab es ſich ganz von ſelbſt, daß der
inl iſter auch auf den Parker Gilbert=Bericht einging, allerdings
ßie er ſich hier nicht ſo präzis, wie man das erwarten durfte.
drängte darauf, daß das Ausland unſerer
msfuhr die Wegeöffnet, umüberhauptdie Vor=
1Sſetzungen für die Reparationsleiſtungen zu
haffen, genau wie das Herr Gilbert ſchon getan hat. Zum
chuß zog er die Bilanz der Länderkonferenz etwas optimiſtiſcher
Süfſich rechtfertigen ließ. Er verlangte eine gründliche
Umorgani=
n ing der Verwaltung, um die erforderlichen Erſparniſſe zu
er=
einen und ſtellte ſich darauf ein, daß das laufende Jahr die
Hckſalsfrage an das deutſche Volk richten werde, ob es noch die
rüfft habe, ohne Druck von außen die unvermeidliche Reform im
mnern durchzuführen. Daß er von ſich aus dieſe Frage bejahte,
elbſtverſtändlich.
Da die Fraktionen den Nachmittag gern für ſich haben
woll=
um die Lage zu beſprechen, vertagte ſich das Haus
unmittel=
in nach der Rede auf Freitag, damit dann die Ausſprache
be=
mien ſoll. Die Fraktionsſitzungen ergaben weſentlich Neues
ctt. Das Zentrum iſt in dem Konflikt Marx=Stegerwald nicht
hun Schritt weitergekommen, da Herr Imbuſch noch nicht in
ei=lin iſt. Die übrigen Parteien ſprachen meiſt über das
aulgeſetz.
Die Reichsfinanzlage vor einem Jahr.
und heute.
* Berlin, 19. Jan. (Eig. Bericht.)
Am Regierungstiſch: Reichskanzler Dr. Marx,
Reichsfinauz=
zumiſter Dr. Köhler.
Präſident Loebe eröffnet die erſte Sitzung nach der Pauſe
no gedenkt des Ablebens des kommuniſtiſchen Abgeordneten
Bſohla.
Auf der Tagesordnung ſteht die erſte Leſung des
Reichshaus=
gätsplanes für 1928.
Reichsfinanzminiſter Dr. Köhler warf zunächſt einen
Rück=
lürk auf die Verhältni ſſevor einem Jahre. Damals
zuſßte die Wirtſchafts= und Finanzlage Deutſchlands mit großer
surge erfüllen. Vor allem war die Zahl der Erwerbsloſen noch
maier bedenklich groß. Der monatliche Aufwand für die
Erwerbs=
öſsenfürſorge, der vom 1. April 1927 an ganz vom Reich getragen
vurden ſollte, betrug etwa 40 Millionen, und der Haushalt
ent=
ſellt keine ausreichenden Mittel für dieſe Zahlungen. Den
Be=
müten und Kriegsbeſchädigten mußten die Bezüge erhöht werden
no von den Liquidationsgeſchädigten wurde eine alsbaldige
uusreichende Schlußentſchädigung verlangt. Woher die Mittel
die Befriedigung all dieſer Anforderungen kommen ſollten,
zir bei der damaligen Wirtſchaftslage nicht zu erſehen. Der
enat bot hierfür keinen Rahmen. Ich war daher, ſo fährt der
Nmniſter fort, angeſichts dieſer Geſamtlage berechtigt und
ver=
ſtichtet, meinen Beſorgniſſen offen Ausdruck zu geben und ich
eſnand mich mit dieſer Auffaſſung im Einklang mit der Meinung
ſeiller namhafter Wirtſchaftsführer und Politiker. Daß dennoch
an das Reich geſtellten Anforderungen im Laufe des Jahres
An27 erfüllt werden konnten, liegt an dem nicht vorausſehbaren
uſtfſchwung, den das Wirtſchaftsleben genommen hat. Die
Pro=
ſktionsziffern hoben ſich faſt auf allen Gebieten. Die Wirtſchaft
twir überraſchender Weiſe in der Lage, nach und nach faſt die
ge=
mnten eineinhalb Millionen Arbeitsloſen in ſich aufzunehmen.
21s Tariflohnniveau des deutſchen Arbeiters ſtieg. Die Zahl
Konkurſe ſank und betrug im September 1927 mit 360 ſogar
euniger als die
Spareinlagen ſtiegen von 2,9 Milliarden im November 1926 auf
4,4 Milliarden im Oktober 1927. Sie erreichten damit allerdings
erſt 23 Prozent der Einlogehöhe des Jahres 1913.
Ein Jahr guter Konjunktur
liegt hinter uns. Es hatte für die Reichsfinanzen zwei
erfreu=
liche Ergebniſſe. Einmal wurden die Mittel der
Erwerbsloſen=
fürſorge in einem erheblich geringeren Umfang in Anſpruch
ge=
nommen, als vorauszuſehen war. Von den vorgeſehenen 450
Millionen werden nur 270 Millionen dafür verbraucht werden
und wir erſparen mithin etwa 180 Millionen. Die zweite Folge
des wirtſchaftlichen Aufſchwunges war ein erhebliches
Mehrauf=
kommen an Steuern und Verbrauchsabgaben. In den neun
Monaten April bis Dezember 1927 haben die Beſitz= und
Ver=
kehrsſteuern, die Zölle und Verbrauchsabgaben zuſammen 6,3
Milliarden erbracht. Das bedeutet gegenüber dem
Haushalts=
ſoll ein Mehr von über 500 Millionen. Ich habe alſo Recht
be=
halten, als ich im Oktober das vorausſichtliche
Geſamtmehrauf=
kommen in vorſichtiger Schätzung auf 300—350 Millionen angab.
Damals wurde ich aber wegen angeblich leichtfertiger Schätzung
ſtark angegriffen. An die Länder iſt gegenüber der
Garantie=
ſumme eine Mehrüberweiſung in Höhe von 83 Millionen in
die=
ſem Dreivierteljahre erfolgt. Das Geſamtergebnis dürfte
jeden=
falls ſein, daß neben einer recht erheblichen Mehrüberweiſung an
die Länder dem Reiche ein Mehraufkommen von nicht unter 500
Millionen verbleibt.
Der Mehrertrag wird zum allergrößten Teil
durch den Nachtragshaushalt aufgezehrt.
In dieſem werden rund 160 Millionen für die Erhöhung der
Kriegsgeſchädigten= und Beamtenbezüge angefordert, ferner 160
Millionen für die Barzahlungen nach dem
Kriegsſchädenſchluß=
geſetz. Däzu kommen Beträge wie das bereits zugeſagte
Weſt=
grenzprogramm, für die Einleitung und Durchführung des
Oſt=
preußenprogramms, zur Behebung der Unwetterſchäden in
Sach=
ſen, Pommern uſw. Insgeſamt wird der Nachtragshaushalt nicht
über 500 Millionen erfordern, ſo daß noch 150—180 Millionen an
Erſparniſſen verbleiben werden. Das Wirtſchafts= und
Auf=
räumungsjahr 1927 wird alſo trotz der Mehrbelaſtungen einen
Ueberſchuß etwa in gleicher Höhe erbringen, wie es ihn aus dem
Jahre 1926 übernommen hat. Es wird im ganzen in ſich
balan=
cieren. Das iſt ein Fortſchritt gegenüber 1926, wo ſich bei
Berück=
ſichtigung des aus dem Vorjahre übernommenen Ueberſchuſſes
ein Fehlbetrag von 200 Millionen ergab. Mir iſt der Vorwurf
gemacht worden, daß ich im Februar zu ſchwarz gemalt habe und
dann anderer Meinung geworden ſei. Tatſächlich habe nicht ich
meine Anſicht geändert, ſondern geändert hat ſich die deutſche
Wirtſchaftslage, die Grundlage unſerer Finanzpolitik. Es ſcheint
faſt, als ob wahrheitsgetreue Darlegungen und eine Politik der
raſchen Anpaſſung an die wirklichen Verhältniſſe nicht überall
beliebt wären. Von dem zu erwartenden Ueberſchuß ſind 160
Millionen in den Etat für 1928 eingeſtellt worden. Sollte ein
höherer Ueberſchuß erzielt werden, ſo wird der Reſt zur
Abdek=
kung des noch immer hohen Anleihebedarfs verwandt werden.
Der Miniſter wendet ſich dann dem Etat für 1928 zu, dem
erſten Etat mit der Normalbelaſtungdes
Dawes=
planes. Bei dem neuen Etat galt es, die mehrfachem
Ankündi=
gungen ſparſamer Wirtſchaft in die Tat umzuſetzen. Man kann
ihn mit Recht als
Etat der Sparſamkeit
bezeichnen. Trotz neuer zwangsläufiger Ausgaben iſt es
gelun=
gen, ihn ohne Steuererhöhung zu balancieren. Der Nettobedarf
des Reiches für ſeine geſamten Verwaltungszwecke, der vor dem
Kriege rund 2,4 Milliarden, im Jahre 1926 rund 2,5 Milliarden
betrug, iſt in dem neuen Etat auf rund 1,7 Milliarden geſunken.
Im außerordentlichen Etat iſt erreicht, daß keine neue
Anleihe=
ermächtigung erforderlich iſt. Der Etat für 1928 ſchließt im
Ordi=
narium mit 9,356 Milliarden, im Extrgordinarium mit 146
Mil=
lionen, zuſammen mit 9,5 Milliarden in Einnahme und
Aus=
gabe ab. Das bedeutet zuſammen ein Mehr von 367 Millionen
gegenüber dem Vorjahre, alſo ein Mehr, das noch nicht die
Er=
höhung der Reparationslaſten mit 396 Millionen erreicht. Unter
Berückſichtigung des vorausſichtlichen Iſtergebniſſes des Jahres
1927 wird die Geſamtausgabe des Jahres 1928 ſogar rund 100
Millionen niedriger ſein. Das Steueraufkommen iſt gegenüber
dem Soll von 1927 um 942 Millionen höher geſchätzt. Dieſe
zu=
nächſt erſchreckende Höherſchätzung gewinnt ein anderes Ausſehen,
wenn man berückſichtigt, daß das tatſächliche Aufkommen von
1927 allein ein Nettomehr von wenigſtens 500 Millionen für das
Reich ergeben wird.
etzung auf Seite 2, 2. Spalte.
Ein neuer Band Poincaré.
Von
Profeſſor Dr. Guſtav Roloff (Gießen).
Der vierte Band der Poincaréſchen Erinnerungen, der ſich
mit dem Untertitel „Lunion sacrée” ſchmückt und im weſentlichen
die Zeit unmittelbar vor dem Kriege und den Ausbruch ſelbſt
behandelt, iſt nach Inhalt und Form den früheren an dieſer
Stelle beſprochenen durchaus ebenbürtig. Wie jene bringt er
zwar viele Aktenſtücke im Wortlaut oder in Auszügen, aber im
Ganzen wenig neues; wie in jenen, ſo herrſcht auch in dieſem
völlige Gleichgültigkeit gegen die hiſtoriſche Wahrheit. Es braucht
nicht erſt geſagt zu werden, daß der Präſident der franzöſiſchen
Republik vom Jahre 1914 in den Mittelmächten die allein
an=
griffsluſtigen und ſchuldigen, in den Ententeſtaaten,
vornehm=
lich Frankreich, die abfolut friedlichen und widerwillig zum
Kriege gezwungenen Mächte ſieht; trotz aller Herausforderungen
der Mittelmächte, wird er nicht müde zu verſichern, hat ſich die
Entente fortgeſetzt um Vermittlung und Ausgleich bemüht, aber
alles ſcheitert an der Halsſtarrigkeit und Eroberungsſucht
Oeſter=
reichs, der Torheit der deutſchen Regierung und der Kriegsluſt
des deutſchen Generalſtabes. Poincaré macht ſich die
Begrün=
dung ſeiner Theſen leicht. Oeſterreichs Vorgehen gegen Serbien
iſt ihm ſchlechthin ein Unrecht und eine Bedrohung Rußlands, ſo
daß jeder politiſche Einſpruch der Petersburger Regierung, ja
ihre militäriſchen Rüſtungen Akte der gerechten
Selbſtverteidi=
gung und alle Vermittlungsvorſchläge der Entente Beweiſe ihrer
Friedlichkeit und Mäßigung darſtellen. Das iſt die
Grund=
anſchauung, von der ungefähr alle Erinnerungen der
Entente=
politiker ausgehen, aber ſie wird durch die Wiederholung weder
ehrlicher noch richtiger. Denn in Paris war es ſo gut wie in
Petersburg und London bekannt, daß Oeſterreich=Ungarn nach
der Ermordung des Erzherzogs zur Notwehr gegen eine von
Rußland unterſtützte verbrecheriſche ſerbiſche Propaganda, die
die Unterhöhlung des habsburgiſchen Staates zum Ziele hatte,
ſchreiten mußte. Was die engliſchen und belgiſchen
Diplo=
maten, deren Berichte über die ruſſiſch=ſerbiſchen Umtriebe auf
öfterreichiſchem Boden uns vorliegen, gewußt haben, müſſen
auch die franzöſiſchen erfahren haben. Sollte aber die
franzö=
ſiſche Geſandtſchaft in Belgien blind und taub geweſen ſein, ſo
erfuhr Poincaré von ſeinenn Wiener Botſchafter mehr als genug.
Dieſem hatte, wie wir in vertraulichen engliſchen Berichten
leſen, der ferbiſche Geſandte in Wien eingeſtanden, daß man in
Belgrad auf eine Revolutionierung der ſüdſlawiſchen Provinzen
Oeſterreichs rechne, und daß es jetzt die letzte Möglichkeit für die
Wiener Regierung ſei, ihren Beſitz= zu verteidigen. So
ver=
ſchiebt Poincaré bewußt den Rechts= und Tatbeſtand, und trotz
aller advokatoriſchen Geſchicklichkeit, mit der er Zitate auf Zitate
häuft, um im harmloſen Leſer den Eindruck eines ſoliden
hiſto=
riſchen und juriſtiſchen Rüſtzeugs hervorzurufen, erkennt man
bei ſchärferem Hinſehen die Fadenſcheinigkeit ſeines oratoriſchen
Gewebes ſogleich.
Wenige Proben mögen genügen. Bekanntlich weilte
Poin=
caré unmittelbar vor Beginn der Kriſis (20. bis 23. Juli) in
Petersburg, und er beteuert immer wieder, wie er ſich mit dem
Zaren und Saſſonow in den friedlichſten Anſchauungen
gefun=
den habe, wie keiner an kriegeriſche Verwicklungen gedacht habe,
und wie er nach ſeiner Abreiſe durch das öſterreichiſche
Ultima=
tum an Serbien mit ſeinen harten Forderungen überraſcht
wor=
den ſei. So groß kann die Ueberraſchung nicht geweſen ſein,
denn ſchon mehrere Tage vorher hatte die Pariſer wie die
Lon=
doner Regierung den weſentlichen Inhalt der öſterreichiſchen
Forderungen unter der Hand erfahren, und ebenſo wußte er
ganz gengu, daß Saſſonow mit kriegeriſchen Gedanken umging.
Denn der ruſſiſche Miniſter hatte ſchon vor einigen Tagen dem
engliſchen und franzöſiſchen Botſchafter erklärt, ein
öſterreichi=
ſches Ultimatum an Serbien nicht dulden, ſondern mit Gewalt
dagegen auftreten zu wollen; ja, Saſſonow und Poincaré haben,
wie der engliſche Botſchafter mitteilt und die franzöſiſche
Regie=
rung bisher ſorgfältig verſchwiegen hat, ſchon die Möglichkeit
eines Krieges vor der Veröffentlichung des Wiener Ultimatums
ins Auge gefaßt. Und der Zar endlich daukte ein Jahr darauf
Poincaré noch für ſeine „feſte Sprache” in Petersburg. Er muß
alſo auch mit ihm kriegeriſche Möglichkeiten erörtert haben.
Noch deutlicher ſpringt die Unbekümmertheit Poincarés
gegen die Tatſachen an einer anderen Stelle in die Augen. Mit
der größten Sicherheit behauptet er, Rußland habe ſich bis zum
28. Juli 1914 aller Rüſtungen enthalten. Sollte der damalige
Präſident der Republik nichts von der am 26. verfügten
Vor=
mobiliſierung erfahren haben? Und ſollte der Memoirenſchreiber
nicht die engliſchen Berichte geleſen haben, die ſeit dem 25. Juli
mancherlei über militäriſche Rüſtungen in allen Teilen Rußlands
mitteilen? Sollte davon in den bisher noch verborgenen, aber
dem Miniſterpräſidenten und ehemaligen Miniſter des
Auswär=
tigen doch gewiß zugänglichen franzöſiſchen Berichten gar nichts
ſtehen?
Noch mehr. Poincaré verſichert ſogar, er habe die ruſſiſche
allgemeine Mobilmachung noch am 30. Juli widerraten, als ihm
Jswolſki, der ruſſiſche Botſchafter in Paris, mitgeteilt habe, daß
Deutſchland unter Androhung ſeiner eigenen Mobiliſation die
Demobiliſierung Rußlands gefordert habe. Im Intereſſe des
Friedens habe Viviani, der Miniſter des Auswärtigen, nach
Petersburg telegraphiert: „Ich glaube, es wäre opportun, daß
Rußland in den Maßregeln der Vorſicht und der Verteidigung,
zu denen es glaubt ſchreiten zu müſſen, nicht unmittelbar eine
Maßregel für eine völlige oder teilweiſe Mobilmachung ſeiner
Streitkräfte ergreift.‟ Dieſer Satz erſcheint in dieſem Wortlaut
widerſinnig, denn wie Poincaré nicht weniger als alle Welt
wußte, hatte der Zar ſchon am 28. eine Teilmobilmachung
ver=
fügt: die franzöſiſche Mahnung wäre alſo zu ſpät gekommen und
hätte gewiß bedenkliches Kopfſchütteln in Petersburg erregt.
Aber das Rätſel löſt ſich, wenn man das Telegramm in der
offi=
ziellen Ausgabe im franzöſiſchen Gelbbuche von 1914 (Nr. 101)
zur Hand nimmt. Die Redaktoren des Gelbbuches, die ſo manche
enderungen und Auslaſſungen zugunſten Frankreichs vorge=
Streichung paſſieren laſſen. Es heißt da: „Iſch glaube, es wäre
d) nicht unmittelbar eine Maßregel
Seite 2
Freitag den 20 Januar 1928
Nummer 20
träfe, die Deutſchland einen Vorwand böte für eine
völlige oder teilweiſe Mobilmachung ſeiner Streitkräfte” („qui
offrit à PAllemagne un prétexte pour une mobilisation total
ou partielle de ses forces‟). Alſo: mobiliſiert, ſoviel Ihr wollt,
nur laßt es die Deutſchen nicht merken, damit wir ſie ungerüſtet
überfallen können! Es iſt alſo eine kraſſe Urkundenfälſchung,
deren ſich Poincaré hier ſchuldig macht. Zum Ueberfluß
erläuter=
ten das franzöſiſche Auswärtige Amt und das Kriegsminiſterium
der ruſſiſchen Botſchaft den Sinn der Depeſche noch genauer:
Rußland möge öffentlich erklären, daß es ſeine Mobiliſation im
Intereſſe des Friedens verlangſemen werde, „was uns”
berich=
tet Jswolſki, „nicht hindern würde, unſere Vorbereitungen
fort=
zuſetzen und ſogar zu verſtärken, wobei wir uns nach Möglichkeit
größerer Truppentransporte zu enthalten hätten” Poincaré
ſchämt ſich nicht die Schale ſeines Zorns über den toten Jswolſki
auszugießen und ihm vorzuwerfen, er habe vorſätzlich die
Erklä=
rungen der franzöſiſchen Miniſter entſtellt: alles umſonſt, die
Richtigkeit des Jswolſkiſchen Berichts wird durch den Wortlaut
des echten franzöſiſchen Aktenſtückes erwieſen.
Es iſt nicht die einzige Fälſchung. Zum Beiſpiel überſetzt
er in einer Mitteilung Bethmann Hollwegs vom 31. Juli,
Deutſchland habe von Rußland die Einſtellung ſeiner „
militäri=
ſchen Maßnahmen” (d. h. Rüſtungen) gegen Oeſterreich verlangt,
den Ausdruck Maßnahmen anſtatt mit mesures mit opérations,
um daran die biſſige Bemerkung zu knüpfen, es habe überhaupt
noch keine Operation gegen Oeſterreich ſtattgefunden, beſchuldigt
alfo den Reichskanzler der falſchen Darſtellung. Es iſt kein
Zweifel, daß Poincaré den Ueberſetzungsfehler abſichtlich
began=
gen hat, um Bethmann Hollwegs Glaubwürdigkeit herabzuſetzen.
Auf derſelben Höhe der Wahrheit ſtehen ſeine Vorwürfe
gegen die deutſche Regierung, die engliſche Vermittlung zwiſchen
Oeſterreich und Rußland nicht unterſtützt, ſondern vereitelt zu
haben, Rußland und Frankreich durch militäriſche Bedrohung
zur Mobilmachung gezwungen zu haben u. dgl., — alles
propa=
gandiſtiſche Ladenhüter aus der Werkſtatt der Entente, die ſchon
tauſendfach zerpflückt worden ſind, aber von Poincaré im
Ver=
trauen auf die Unwiſſenheit des franzöſiſchen Publikums
wieder=
holt werden. Wie könnte er es ſonſt zum Beiſpiel wagen,
Moltke der kriegeriſchen Geſinnung zu beſchuldigen, weil er am
30. Juli den Oeſterreichern empfahl, ſich durch die Mobilmachung
gegen 30 Diviſionen, die Rußland an ihrer Grenze ſeit zwei
Tagen verſammelte, zu ſchützen?
Seite für Seite könnte man ſo das Poincaréſche Machwerk
auflöſen. Der hiſtoriſchen Wiſſenſchaft dient das Buch nicht;
neue Ideen ſind, nicht darin enthalten, die Darſtellung iſt in
allen weſentlichen Punkten falſch und wer bürgt bei der
Skrupel=
loſigkeit des Verfaſſers dafür, daß der Wortlaut der von ihm
abgedruckten, bisher unbekannten Aktenſtücke echt iſt?
Schreiben des Reichspräſidenten
an Dr. Geßler.
Berlin, 19. Januar.
Der Reichspräſident hat an den ſcheidenden
Reichswehr=
miniſter Dr. Geßler folgendes Schreiben gerichtet:
„Mein ſehr geehrter Herr Reichswehrminiſter!
Mit lebhaftem Bedauern habe ich von Ihrem Entſchluſſe, aus
dem Amte des Reichswehrminiſters zu ſcheiden, Kenntnis
genom=
men. So ungern ich mich auch gerade von Ihrer bewährten
Mit=
arbeit trenne, ſo habe ich im Hinblick auf Ihre erſchütterte
Ge=
ſundheit mich doch entſchließen müſſen, Ihrem Abſchiedsgeſuch
ſtattzugeben und laſſe Ihnen anbei die Entlaſſungsurkunde
zugehen.
Vor nahezu acht Jahren, in einer Zeit innerer Wirrnis und
äußerer Bedrängnis, haben Sie das ſchwierige Amt des
Reichs=
wehrminiſters übernommen und es ſeither in hingebender und
ſelbſtlofer Arbeit geführt, nur von dem einen Ziele geleitet, die
uns verbliebene Wehrmacht zu einem über dem Streit der
Par=
teien ſtehenden pflichttreuen und tüchtigen Inſtrument des Reiches
auszugeſtalten. Hierfür Ihnen im Namen des Reiches tief
empfundenen herzlichen Dank zu ſagen, iſt mir in dieſer Stunde
aufrichtiges Bedürfnis. Mit der Geſchichte des Wiederaufbaues
der deutſchen Reichswehr und der deutſchen Reichsmarine wird
Ihr Name eng verbunden ſein!
Indem ich Ihnen meine aufrichtigen Wünſche für eine baldige
Wiedergeſundung und zugleich die Hoffnung ausſpreche, daß eine
ſpätere Zeit Sie wieder im Dienſte des Reiches finden möge, bin
ich mit freundlichſten Grüßen Ihr ſtets ergebener und dankbarer
gez. v. Hindenburg.”
Die Etats=Rede
des Reichsfinanzminiſfers.
(Schluß von Seite 1.)
Die Schätzung des Steueraufkommens
wird bedingt durch die Beurteilung der wirtſchaftlichen Lage. Die
Konjunktur ſcheint ihre Höhe erreicht zu haben. Es liegen aber
keine Anzeichen dafür vor, daß ſich ein erheblicher Nückſchlag oder
gar eine Kriſe vorbereite. Eine Teuerungspſychoſe wäre die
größte Gefahr, die unſerer Wirtſchaft im Augenblick entſtehen
könnte. Die Förderung des Exports wird ſich die
Reichsregie=
rung auch weiterhin angelegen ſein laſſen. Zurzeit finden
Be=
ſprechungen über die Wiederholung von Garantien zu dieſem
Zweck ſtatt. In dieſes Gebiet fällt auch die Zollſenkungsaktion.
Ihr Ergebnis iſt inſofern vorweggenommen, als das
Zollauf=
kommen des Jahres 1928 um 150 Millionen niedriger eingeſetzt
worden iſt. Ein beſonders ſchſieriges Kapitel bildet beſonders
die wachſende Verſchuldung der Landwirtſchaft. Die Regierung
hält eine baldige Löſung dieſer außerordentlich ſchwierigen Lage
für erforderlich. Die Einkommens= und Körperſchaftsſteuern
werden zuſammen auf 3450 Millionen geſchätzt, 430 Millionen
mehr als das Soll des Jahres 1927. Von dieſem Mehr entfallen
100 Millionen auf die Lohnſteuer. Die Erbſchafts= und
Renn=
wettſteuer ſind unverändert geblieben. Bei der Heraufſetzung der
Schätzung der Umſatzſteuer auf 1050 Millionen, 150 Millionen
mehr als das Soll von 1927, iſt zu berückſichtigen, daß durch den
Uebergang zu den Vierteljahrszahlungen im Jahre 1927 die
Um=
ſätze zweier Monate ausfallen. Das bedeutet für 1928 einen
Mehrertrag von über 100 Millionen. Der Miniſter ging dann auf
die einzelnen indirekten Steuern
ein, deren Ertrag im allgemeinen nach dem Iſtergebnis des
Jah=
res 1927 geſchätzt worden iſt. Die Aufgabe jeder Regierung werde
es ſein, nach Senkungsmöglichkeiten zu ſuchen. Die Förderung
der Neubildung von Kapital und die pflegliche Behandlung des
vorhandenen Kapitals ſei unerläßliche Pflicht. Zu prüfen ſei, ob
das Problem der allgemeinen Abgabenſenkung nicht in der
Haupt=
ſache vom Reiche her zu behandeln ſei. Die Vorausſetzung eines
Erfolges des jetzt vorzubereitenden endgültigen Finanzausgleichs
ſei eine rationaliſierte öffentliche Wirtſchaſt. Mit einer reinen
Schematiſierung des Ausgabenabbaues werde wenig zu erreichen
ſein. Der aus 1926 und 1927 übernommene Anleihebedarf ſei der
dunkelſte Punkt in der Etats= und Fiwanzlage des Reiches. Der
Kurs, der im Frühjahre 1927 begebenen Reichsanleihe habe
fort=
geſetzt geſtützt werden müſſen, um nicht zu ſtark abzuſinken. Der
Kafſenbeſtand, der Ende 1924 noch eine
Mil=
liarde betrug, werde Ende 1928nur noch 200
Millio=
nen betragen. Im Laufe des Jahres 1928 würden die für
Zwecke des Extrgordinariums verausgabten Kaſſenmittel erſetzt
werden müſſen. Ob der Anleihemarkt
die Begebung von Reichsanleihen 1928
zulaſſen werde, ſtehe noch nicht feſt. Unter allen Umſtänden werde
man aber der deutſchen Wirtſchaft und der Reichsbahngeſellſchaft
als Kreditſuchenden den Vorrang laſſen müſſen. Wenn die
Reichs=
regierung nicht im Jahre 1928 zu einer gewaltſamen
Abdroſſe=
lung der außerordentlichen wie der ordentlichen Ausgaben
ge=
nötigt werden ſoll, dann ſei es abſolut erforderlich, jeden
weite=
ren Ueberſchuß ausſchließlich für die Senbung des Anleihebedarfs
zu verwenden. Der Miniſter erklärte dann zu der in der
Oef=
fentlichkeit geführten theoretiſchen Diskuſſion über die
Berech=
tigung eines beſonderen Extraordinariums, er halte es für
rich=
tig, die Ausgaben, die Werte für die Zukunft ſchaffen, nicht aus
Steuern und Abgaben zu beſtreiten, ſondern auf Anleihen zu
übernehmen und dadurch die künftige Generation zu belaſten.
Dieſer Grundſatz müſſe aber ſeine Grenze in der
Aufnahmefähig=
keit des inländiſchen Marktes finden. Die augenblicklichen
Schwierigkeiten lägen darin, daß dieſe Grenze überſchritten
wor=
den ſei. Im außerordentlichen Etat habe ſich eine Kürzung der
Ausgaben um mehr als Zweidrittel erreichen laſſen; im
ordent=
lichem Etat ſei das nicht möglich geweſen, weil dort die
Aus=
gaben zum größten Teil zwangsläufig ſeien. Abgeſehen von
den ganz zwangsläufigen Ausgaben, Ueberweiſungen an
Län=
der, Beſoldungsſoſten uſw., bleibe nur ein Reſtbetrag von 983
Millionen auf die man alkein den bisher in der Preſſe
aufgetauch=
ten Vorſchlag beſchränken könnte, vom Reichsetat etwa 10
Pro=
zent abzuſtreichen. Auch in dieſer Summe aber ſeien noch viele
Beträge, die zwangsläufig ſind. Der Miniſter wies dann
dar=
auf hin, daß 1928 in bezug auf die Reparationsverpſlichtungen
das erſte Normaljahr ſei, in dem
die deutſche Geſamtwirtſchaft den vollen Betrag
von 2,5 Milliarden aufbringen ſoll.
Die Vorſchläge der Reichsregierung für den Haushalt 1928
lie=
ferten den Beweis, wie ernſt es der deutſchen Reichsregierung
mit der Erfüllung ihrer Verpflichtungen ſei. Der Erfolg hänge
aber nicht zum geringſten davon ab, daß das Ausland auch
ſeiner=
ſeits unſerer Ausfuhr Wege öffnet, die noch verſchloſſen ſeien. Die
immer noch vorhandenen Handelshemniſſe müßten
verſchwin=
den. Die Reichsregierung wolle nur ſolche Auslandsanleihen
begünſtigen, die unaufſchiebbar ſind und produktiven Zwecken
die=
nen. Ueber die Finanzwirtſchaft der Länder und Gemeinden
werde die Reichsregierung die ſtatiſtiſchen Arbeiten beſchleunigen,
Dieſe Statiſtik werde auch zur Durchführung der
Verwaltungs=
reform und zur Vereinfachung der Verwaltung beitragen. Die
Länderkonferenz habe uns auf dem Wege zur ſparſamſten
Ge=
ſtaltung bei größtem Wirkungsgrad der Verwaltung ein gutes
Stück vorwärts gebracht. In Gemeinſchaft mit den Ländern
werde die Reichsregierung dieſe Fragen praktiſch fördern. Der
Reichsminiſter erinnert dann an
die Andeutung des Reparationsagenten,
daß erwogen werden müſſe, die deutſchen
Reparationsverpflich=
tungen endgültig zu regeln, auf abſoluter Baſis und ohne
Kon=
trolle von außen. Dazu erklärt er: Der Sachverſtändigenplan
zeichnet ſelbſt die Notwendigkeit vor, eine endgültige Löſung zu
ſuchen und es heißt, nicht viel abändern, ſondern zu erfüllen,
wenn nach hinreichender praktiſcher Erfahrung die abſchließende
Regelung gefunden wird. Eine ungelöſte Reparationsfrage iſt
das Grundübel, an dem nicht nur das deutſche Volk, ſondern auch
die anderen in die Weltwirtſchaft eingeordneten Völker leiden.
Dieſe Löſung der Reparationsfrage, die ſich mit den
wirtſchaft=
lichen Geſetzen in Widerſpruch ſetzt, iſt zum Mißlingen verurteilt.
Der Miniſter erörterte dann als eine der zwangsläufigen
Aus=
gaben die Auſwendungen für die Sozialpolitik. Das
Geſamtauf=
kommen an Beiträgen und Zuſchüſſen habe 1927 hierfür 3,5
Mil=
liarden erreicht, gegen annähernd 1,4 Milliarden im Jahre 1913.
Wir müſſen ſortſchreiten auf dem Wege unter Rückſichtnahme auf
die Tragfähigkeit der deutſchen Volkswirtſchaft. Wir dürfen ob
all der politiſchen Fragen und Dishuſſionen die ſoziale Frage
nicht vergeſſen. Da 1928 die Reparationslaſt um weitere 300
Millionen ſteigt, ſah der Miniſter eine Verſchlechterung des
Haus=
halts für 1923 voraus. Zur Deckung komme aber eine Erhöhung
der Steuerſätze in keiner Weiſe in Frage. Nicht nur die
Rück=
ſicht auf die Wirtſchaft, ſondern auch die Verhältniſſe des Reiches
ſelbſt müßten mit unerbittlichem Zwang dazu führen, in der
Frage der großen Reform auf dem Gebiete des Verhältniſſes
zwiſchen Reich und Ländern und einer
Reform der öffentlichen Verwaltung
zur Tat zu lommen. Die Ergebniſſe der Länderkonferenz ſeien,
im ganzen geſehen, nicht unbefriedigend. Die Neuordnung der
ſtaatsrechtlichen Verhältniſſe iſt auf dem Marſche. Hüten wir
uns dabei vor öden Uniformierungsprogrammen und einer rein
wirtſchaftlichen Betrachtungsweiſe, ebenſo ſehr, wie von dem
ſtar=
ren Feſthalten an überlebten Formen. Außerordentlich wichtig
ſcheint mir die Uebereinſtimmung zwiſchen Reich und Ländern,
daß Maßnahmen zur Sicherſtellung ſparſamſter Finanzgebarung
in Reich, Ländern und Gemeinden getroffen werden müſſen.
Richtiger und wirkungsvoller wäre eine Selbſtbeſchränkung des
Parlamentes durch ſeine Geſchäftsordnung, wie ſie etwa in
Eng=
land beſteht. Die Reform der öffentlichen Verwaltung verträgt
keinen Aufſchub mehr. Das Reich will mit der Zuſammenlegung
von Behörden vorangehen. In erſter Linie ſollen die kleinen
Landesfinanz= und Finanzämter aufgehoben werden. Das Jahr
1928 ſtellt die Schichſalsfrage an das deutſche Volk,
ob wir unſerer Zukunft und unſeres Glückes eigene Schmiede
bleiben wollen unter Opferung mancher Wünſche und mancher
liebgewordenen Traditionen. Ich müßte an der Zukunft
Deutſch=
lands verzweifeln, wenn wir dieſe Frage nicht bejahen und
da=
nach handeln wollten.
Nach der Rede des Miniſters vertagt das Haus die
Aus=
ſprache auf Freitag 14 Uhr. Schluß 17 Uhr.
*Darmſtädter Ausſtellungen.
Fritz Oßwald.
Der in München emſig ſchaffende Künſtler Fritz Oßwald
den enge Beziehungen bekanntlich mit Darmſtadt und Heſſen
verbinden, iſt ſtets ein gern geſehener Gaſt in Darmſtadt. Seine
Kunſt hat hier eine große Gemeinde, und das mit Recht, denn
Fritz Oßwald iſt ſtets von einer wundervollen Friſche in ſeinen
Gemälden, von einer Naturauffaſſung, wie ſie ſelten im gleicher
Größe zu finden iſt. Er ſchöpft faſt ausſchließlich aus dem
un=
endlich reichen Schatz der Natur, und doch ſind ſeine Bilder
imer ganz eigene große Kunſt. Fritz Oßwald iſt ein Maler,
der mit Herz und Sinnen malt, dem auch die Seele der Natur
aufgeht und der es darum ſo gut verſteht, auch ſeinen Bildern
Seele, pulſierendes Leben einzuhauchen. Wundervoll ſind immer
ſeine Farbenſymphonien, die bei aller Stärke des koloriſtiſchen
Ausdrucks auch ſtets Harmonien bleiben. Er verſteht es auch,
einen Farbenrauſch in ſeinen Gemälden künſtleriſch ſo zu
bän=
digen, daß ſtets bei allem Reichtum eine Geſchloſſenheit im
Bild=
werk vorhanden iſt, die faſt jedes ſeiner Gemälde gleich gut und
gleich groß werden läßt.
Die derzeitige Kollektion, die in den Ausſtellungsräumen
der Firma Trier, Wilhelminenſtraße, hängt, iſt nicht ſehr
groß, aber es ſind Perlen ſeiner Kunſt. Hochgebirgslandſchaften
im Winter und Herbſt, Herbſtwald und auch Blurmenſtücke ſind
diesmal vorhanden. Es hält ſchwer, eines dieſer Bilder gegen
das andere abzuwägen. Das erübrigt ſich auch, denn Fritz
Oß=
wald iſt ein Künſtler von ſo eigener Note, daß ihm kaum jemals
ein Bild daneben gelingt, zum mindeſten bringt er kein ſolches
zur Ausſtellung.
Neben Fritz Oßwald haben noch Emil Beithan Karl
Scheld und Anna Bornemann bei Trier ausgeſtellt. Von
dieſem Dreigeſtirn ſind es beſonders die friſchen, ſauberen,
ſach=
lich gemalten Bilder von Emil Beithan, die ſtärkſte Beachtung
verdienen.
Daniel Greiner.
Dr. Daniel Greiner, dieſer vielſeitige und eigenartige
Künſtler, kommuniſtiſcher Landtagsabgeordneter, Bildhauer und
Maler, ſtellt in der Bücherſtube Bodenheimer eine große
Kollektion von Bildwerken, Einzelblättern und Plaſtiken aus.
Bei der Vielſeitigkeit dieſes künſtleriſchen Schaffens bleibt es
ſelbſtverſtändlich, daß nicht alle Werke im gleichen Maße zum
Beſchauer ſprechen. Unbedingt gut iſt ſein zeichneriſches Können,
das ihn ſehr ſtark auf die illuſtrative Seite verweiſt, und von
großem Intereſſe bleibt immer die Eigenart ſeines künſtleriſchen
Ausdrucks im Vorwurf. Reiche Phantaſie, die die
Weltanſchau=
ung des Künſtlers oft widerſpiegelt, führt zu höchſt eigenartigen
Löſungen. Daniel Greiner aber iſt reich an Empfinden und
Er=
finden. Er ſucht nicht nur das Schöne und Leichte, naiv ins
Auge Springende, er geht den Lebensproblemen in der Tiefe
nach und ſeine Bilder ſind oft von hartem, manchwal
grau=
ſamen, oft aber auch von ſehr gemütsweichem Ausdruck.
Merk=
würdig iſt der Unterſchied, der aus den rein naturaliſtiſch
er=
faßten Plaketten im Gegenſatz zu den Zeichnungen und
Gemäl=
den überraſchend hervortritt. Zu den beſten Blättern, die hier
ausgeſtellt ſind, zählt „Hinter Kerkergittern” „Die heilige
Jo=
hanna” und eine Reihe von Einzelblättern, Lithographien,
Schwarzweiß=Zeichnungen und Holz= und Linoleumſchnitten. *.*
Heſſiſches Landestheater.
Großes Haus. — Donnerstag, den 19. Januar.
Die Zauberflöte.
Oper von Schikaneder, Muſik von W. A. Mozart.
In der Legalſchen Inſzenierung und mit den Schenckſchen
Bühnenbildern fand das herrliche Werk heute eine würdige
Auf=
führung. Die „Zauberflöte” herauszubringen, bedeutet immer
eine Leiſtung. Die Anforderungen an das zahlreiche
Soloperſo=
nal ſind eigenartig, Enſembles und Chöre anſpruchsvoll, die
Regie nicht einfach. Wir wollen dankbar ſein, dieſe vielleicht
volkstümlichſte deutſche Oper aus eigener Kraft in unſerem feſten
Beſtand zu ſehen. Max Rudolf, der am Pult ſaß, leitete mit
ſauberer Zuverläſſigkeit, ſehr genau und treu dem Original. Und
doch erwuchs nicht „unſere” Zauberflöte, weil die innere
Ver=
bundenheit und damit die perſönliche Note fehlte. Der
General=
muſikdirektor, der dazu berufene Leiter, iſt durch Dienſtreiſe
ent=
ſchuldigt.
Iw der Perſonenbeſetzung wirkten Roſa Merker, Ellen
Kiesling und Käte Walter zum erſten Maſe mit. Die
bei=
den erſten fügten ſich als erſte der drei Damen und als zweiter
Knabe mit bemerkenswertem Geſchick in die mannigfachen
Schwierigkeiten und Regie=Anordnungen ein. Die Königin der
Nacht iſt eine gefürchtete Virtuoſenpartie. Daß unſere junge
Käte Walter neben der Dramatik auch ihrer bizarren
Kolo=
ratur gewachſen war, iſt ſehr anerkennenswert.
Alle übrigen Rollen bewährten ſich in guten Händen und
ſeien im ganzen lobend genannt: die Damen Albrecht (
Pa=
mina), Liebel und Jacobs (zweite und dritte Dame),
Müller und Penſe (erſter und dritter Kuabe), Kapper
(Papagena); die Herren Karen (Saraſtro), Poerner (
Ta=
mino), Biſchoff (Sprecher), Deharde und Grauert
(Prieſter und Wächter), Ebert=Beyer (Papageno), Vogt
(Monoſtatos). Auch der Chöre des ſchön ſpielenden
Orche=
ſters und des glatten maſchinellen Ablaufs der wechſelnden
v. H.
Szenen ſei rühmend gedacht.
* Fünftes Akademie=Konzert.
Raoul von Koczalſki ſpielte geſtern abend, in der
Turnhalle Klavier. Er war als kleiner Knirps ein
Wunder=
kind, erregte überall, wo er ſich hören ließ, ſtaunende
Bewunde=
rung und verdient ſie auch noch heute ſchon aus dem Grunde,
daß er ſich nicht damit begnügte, in früher Jugend Wunderkind
geweſen zu ſein, ſondern daß er ſich bemühte, ein Meiſter zu
werden. Als Chopinſpieler iſt er es unbedingt geworden. Er
bringt es fertig, Chopin all die Süßigkeit und Grazie zu geben,
die er verlangt, den vollen Zauber des Klanges, die ſouveräne
Leichtigkeit der Technik, und bleibt dabei immer natürlich und
geſund. Er muß vorzüglicher Muſiker — über das Klavierſpiel
hinaus — ſein; denn auch Schumanns „Carnevale” geriet unter
einen Händen in überzeugender Weiſe. All die poetiſche
Schwär=
merei, der Humor und die überſchäumende Jugendkraft dieſes
lange Zeit nicht gewürdigten genialen Stückes, für das ſich
ſeiner Zeit ſogar Liſzt vergeblich einſetzte, all das kam glänzend
in Klang und techniſchem Können, zwingend in muſikaliſcher
Auffaſſung zum Ausdruck. Ebenſo gelang Bachs Ouvertüre zur
28. Kirchenkantate und Gavotte aus der 6. Violinſonate in der
Bearbeitung von Saint=Saens, die in prachtvoller Abtönung
und Klarheit den Abend eröffneten und ſo für den Künſtler
ein=
nahmen, daß ein leiſes Descrescendo bei den folgenden kleinen
Stücken: Paſtorale mit Variationen von Mozart und Nippfachen
von Scarlatti (Vivace, Vivaciſſimo) und Pasquini (Der Kuckuck)
unausbleiblich wurde. Zu voller Höhe des Eindrucks erhob ſich
der Künſtler dann aber wieder beim „Carnevale” und überbor
ihn noch, als er ſich auf ureigenſtes Gebiet begab und Chopins
Berceuſe, C=Moll=Nocturne, As=Dur=Ballade, namentlich aber
den Cis=Moll=Walzer ſpendete. Dieſer Cis=Moll=Walzer ſchien
mir überhaupt das Hinreißendſte des ganzen Abends. War der
Beifall ſchon nach dem „Carnevale” echt und groß, ſo wurde
Chopin befubelt. Erſt nach vier Zugaben (natürlich Chopin) gab
O.
das Publikum ſich zufrieden.
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Frankfurt a. M.: Dem Privatdozenten in der philoſophiſchen
Fakul=
tät Dr. Max Horkheimer iſt ein Lehrauftrag zur Vertretung der
Geſchichte der neueren Philoſophie erteilt worden.
Güttingen: Der durch das Ableben des Prof. Erich Meyer erledigte
Lehrſtuhl der inneren Medizin iſt dem ord. Profeſſor Dr. Hermann
Straub in Greifswald angeboten worden. — Prof. D. Dr. Kart
Stange het den Ruf an die Univerſität Berlin abgelehnt.
Hamburg: Privatdozent und wiſſenſchaftlicher Hilfsarbeiter am
nſtitut für theoretiſche Pbyſit Profeſſo: Dr. Wolfgang Pauli i” zum
dentlichen Profeſſor für theoretiſche Phyſik an der Eidgen. Techniſchen
ſchſchule in Dirich berufen worden.
Mummer 20
Freitag den 20 Januar 1928
General Groener zum
Reichs=
wehrminiſter ernannt.
Bedenken und Mißtrauen der Parteien
gegen Groener
Berlin, 19. Januar.
Der Reichspräſident hat auf Vorſchlag des Herrn
Reichs=
mislers den Reichswehrminiſter Dr. Geßler auf ſeinen
u trag vom Amte des Reichswehrminiſters
ent=
unn den und den Reichsminiſter a. D.
Generalleut=
gunt a. D. Groener zum Reichswehrminiſter
er=
annnt.
* Mit einer gewiſſen Verblüffung iſt auch von unterrichteten
eüt ten im Reichstag am Donnerstag mittag die amtliche
Mel=
turg von der Ernennungdes Ge erals Groener zum
ſichswehrminiſter aufgenommen worden, der dem
ſetzchspräſidenten von dem Reichskanzler hierfür vorgeſchlagen
urde. Auf dieſes Tempo war man nach dem bisherigen Verlauf
r. Dinge nicht gefaßt. Man hatte windeſtens angenommen, daß
r Reichskanzler wit ſeinem endgültigen Vorſchlag warten
ſürde, bis die Fraktionen der Regierungsparteien noch einmal
ſen egenheit hatten, Stellung zu nehmen und es hat gerade in der
emtſchen Volkspartei ein ſtarkes Befremden ausgelöſt, daß Herr
r. Marx die endgültige Ernennung nicht einmal ſolange hinaus=
Zgern verſtand.
Wenn ſich trotzdem alle Parteien damit abgefunden haben, ſo
ſin b ihnen nichts anderes übrig, weil ſie ſich darauf beſinnen
uäßten, daß nach der Reichsverfaſſung der Reichspräſident allein
. Recht der Ernennung der Miniſter hat, allerdings auf
Vor=
hſarg des Reichskanzlers. Der Reichskanzler aber hätte dafür
rigen können, daß eine ſo taktiſch unbequeme Lage für die
Frak=
varen nicht entſtand. Dabei würden wohl gegen die fachlichen
malitäten des Herrn Groener von keiner Seite Einwendungen
hioben. Er hat ja auch in ſeiner Laufbahn Beweiſe genug
er=
toht. Schließlich war er bei Ausbruch des Krieges Chef der
ſiſenbahnabteilung im Großen Generalſtab und hatte die
Ver=
nimportung für den Aufmarſch unſerer Millionenheere, die wie
n! Wunder ſich vollzog. Schließlich war er der Organiſator des
rwegsernährungsamtes und ſpäterhin des Kriegsamtes, das mit
mrerſtützung des Dienſtgeſetzes die Heimat zu den letzten
An=
ronigungen mobiliſieren ſollte. An ſeinen organiſatoriſchen
Fähig=
inen alſo läßt ſich wohl nicht der leiſeſte Zweifel äußern.
Trotzdem bleiben Bedenkeu, ob er der richtige Mann am
Ettigen Platz iſt. Nicht einmal ſo ſehr, weil er ein alter General
„ſobwohl die Deutſche Volkspartei mit Recht darauf aufmerkſam
ſachen kann, daß der von ihr vorgeſchlagene Admiral
Brünning=
nüäes nur aus dem Grunde abgelehnt wurde, weil er alter
Oſfi=
ei iſt. Die Tatſache bleibt aber doch nun einmal beſtehen, daß
eir Groener als früherer General über die Ausbildung unſerer
ſeſchswehr ſehr beſtimmte Anſichten haben muß, die er
durchzu=
tzien verſuchen wird und daß er dabei leichter als ein anderer
in dem Chef der Heeresleitung in Widerſpruch gerät, weil er ſich
uſ innerem Bedürfnis heraus um die Ausgeſtaltung der
Reichs=
ſeihr kümmert, ſtatt wie es Aufgabe des Reichswehrminiſters iſt,
u. die politiſche Vertretung der Reichswehr zu übernehmen.
Aber ein anderes Bedenken wiegt noch ſchwerer: ein großer
el der Offiziere hat ſtarke Bedenken gegen ihn wegen der Rolle,
eyer bei der Revolution geſpielt hat. Ein Ehrengericht unter dem
of=ſitz des Reichspräſidenten, das vor einigen Jahren tagte, hat
ele Vorwürfe widerlegt, hat aber nicht widerlegen können, daß
einéral Groener gegenüber der Entwicklung der Revolution, die
kommen ſah, eine ſehr paſſive Rolle geſpielt hat, und hier
hen begreiflicherweiſe die Bedenken ein, die ſich bei der
Er=
en nung zum Reichswehrminiſter ergeben.
Er iſt an die Spitze des Reichswehrminiſteriums geſtellt
wor=
zweifellos, weil auch in der Umgebung des Reichspräſidenten
ne gewiſſe Pſychoſe beſteht, die für die nächſten Wahlen ein
uSſchlagen des Pendels nach links und eine Verſtärkung der
oßialdemokratie erwartet, aus der die Sozialdemokraten einen
mſſpruch auf die Beſetzung des Reichswehrminiſteriums ableiten
inſiten. Die Kalkulation iſt nun die, daß, wenn jetzt General
woener die Leitung des Reichswehrminiſteriums übernimmt,
ne gewiſſe Barantie dafür gegeben iſt, daß er bei ſeinem
Ka=
nettswechſel nicht ausgebootet wird, ſondern ebenſo wie Herr
Seite 3
Vom Tage
Zu den Nachrichten, daß der Reichsinnenminiſter von
Keudell ſich mit Rücktrittsabſichten trage oder daß die
Deutſchnationale Volkspartei dieſen Miniſter zurückziehen wolle, wird
von zuſtändiger Seite erklärt, daß alle derartigen Gerüchte
aus der Luft gegriffen ſind.
Die Vertreter des Internationalen
Gewerk=
ſchaftsbundes der zurzeit in Berlin eine Tagung abhält, waren
Gäſte des Reichsarbeitsminiſters, der ſie zum Tee in die
Dienſträume des Mimiſteriums in der Scharnhorſtſtraße gebeten hatte.
Der Botſchafter der Vereinigten Staaten Schurmann iſt
wieder in Berlin eingetroffen.
In der Waffenſchmuggelaffäre von St. Gotthard iſt bis
jetzt noch von keinem der Staaten der Kleinen
En=
tente ein offizieller Schritt beim
Völkerbundsſekre=
tariat erfolgt
Der neuefranzöſiſche Botſchafter beim Quirinal,
Graf de Beaumarchais, hat Muſſolini geſtern abend im Palazzo
Chigi ſeinen Antrittsbeſuch gemacht.
Zum Präſidenten der Auswärtigen Kommiſſion
der Franzöſiſchen Kammer, iſt Paul Boncour
wieder=
gewählt worden.
Poincaré iſt es durch ſein perſönliches Eingreifen gelungen, die
Heereskommiſſion der Kammer umzuſtimmen. Die einjährige
Militärdienſtzeit in Frankreich wird alſo geſetzlich für
den 30. November 1930 feſtgeſetzt.
Der König von Afghaniſtan wird für den 25. Januar
in Paris erwartet.
Der portugieſiſche Außenminiſter und der ſpaniſche
Bot=
ſchafter unterzeichneten einen Friedens= und
Schiedsgerichts=
vertrag.
In Südperſien ſind unter der arabiſchen
Bevölke=
rung größere Unruhen ausgebrochen. Die Araber haben ſich
gegen die perſiſchen Stämme erhoben.
Wie aus Managua gemeldet wird, läuft dort das Gerücht um,
daß der Führer der aufſtändiſchen Liberalen, General
Sandino, am dergangenen Samstag bei der Bombardierung des
Dorfes El Chipote durch amerikaniſche Flieger den Tod
gefun=
den habe.
Der Kaiſer von Japan hat, wie aus Tokio gemeldet wird,
feierlich ſeine Zuſtimmung zur Verlobung ſeines
Bru=
ders des Prinzen Chichibu, mit der Tochter des
ja=
paniſchen Botſchaftersin Waſhington, Matſudeira,
gegeben.
Geßler die verſchiedenen Syſteme überdauert, und daß er auch
für die Parteien der äußerſten Rechten gegenüber einem
Sozial=
demokraten das kleinere Uebel iſt. Das mag gewiß richtig ſein,
indes fragt ſich doch, inwieweit der Reichswehrminiſter Groener
die nötigen Kräfte in ſich fühlt, um, wenn die Sozialdemokraten
aks Regierungspartei ihre Anſprüche anmelden, dafür zu ſorgen,
daß die Reichswehr auf der bisherigen unpolitiſchen Linie
feſt=
gehalten und nicht nach harten Verſuchen, wie ſie Herr Severing
mit der preußiſchen Schutzpolizei machte, in eine republikaniſche
Parteigarde umgewandelt wird. Man kann es verſtehen, wenn
gerade aus dieſen Ueberlegungen heraus bei einzelnen Parteien
gegen Herrn Groener der innere Widerſpruch ſehr ſtark iſt, und
ſie nicht ohne Angſt ſehen, wie er ſich im Reichswehrminiſterium
häuslich einrichtet. Dabei iſt ohne weiteres zuzugeſtehen, daß die
Stellung des neuen Miniſters zunächſt ganz einfach ſein wird.
Einmal in der Erbſchaft, die er von ſeinem Vorgänger
übernom=
men hat. Der Phöbus=Fall wird vermutlich im Reichstag noch
einige unerguickliche Debatten bringen, er muß aber irgendwie
ausgebügelt werden. Auch der Streit um das Panzerſchiff ſteht
noch offen, ſo daß Herr Groener gerade nach links hin Kämpfe
genug durchzuhalten haben wird, um nur zunächſt einmal ſeinen
Etat in Sicherheit zu bringen,
Es fragt ſich zudem, wie Herr Groener ſich im neuen Amt
einſtellt. Er iſt früher Demokrat geweſen, hat ſich aber wohl von
der Parteibewegung etwvas zurückgezogen und ſpielt heute eine
führende Rolle in der Liberalen Vereinigung. Er iſt außerdem
Katholik, dürſte aber trotzdem wie ein Fremdkörper im Rahmen
des beſtehenden Kabinettes wirken. Einwendungen nach dieſer
Richtung ſind bisher ſowohl von den Deutſchnationalen als auch
von der Bayeriſchen Volkspartei dem Reichspräſidenten
nahege=
bracht worden. Herr v. Hindenburg hat aber nach längerer
Rück=
ſprache mit General Groener geglaubt, darüber die beruhigendſten
Erklärungen abgeben und die perſönliche Garantie dafür
über=
nehmen zu können, daß Groener ſich in die allgemeinen Linien
des Kabinettes einfügen werde. Dieſe Sicherheit genügt
ſelbſt=
verſtändlich den Parteien, aber ihr Mißtrauen gegen Herrn
Groener wird bleiben, und durch dieſe Ernennung wird der
ohne=
hin ſchon etwas erſchütterte Zuſammenhalt im Kabinett nicht
gerade gefeſtigt.
Die Ausführung
der Beſchlüſſe der Länder=Konferenz.
Der Perfaſſungsausſchuß.
Die Reichsregierung zeigt das erfreuliche Beſtreben, die
Frage der Reichsreform nicht einſchlafen zu laſſen und aus den
Beſchlüſſen der Länderkonſerenz alles nur Erreichbare
heraus=
zuholen. Staatsſekretär Pünder hat bereits am Donnerstag
abend ein Rundſchreiben an die Länder hinausgehen laſſen, die
Mitglieder des Verfaſſungsausſchuſſes des Reichsrates ſind, mit
der Bitte um Ernennung ihrer Vertreter in den neuen Ausſchuß,
damit ſpäteſtens in einer Woche die Einladung zum
Zuſammen=
tritt ergehen könne. Das Reichskabinett wird ſeine neuen
Ver=
treter in einer der nächſten Sitzungen ernennen. Der
Reichs=
kanzler führt ſelbſtverſtändlich den Vorſitz in der neuen
Kom=
miſſion, in ſeiner Vertretung der Vizekanzler Hergt. Außerdem
werden noch drei Miniſter in den Ausſchuß entſandt werden,
und zwar der Finanzminiſter, der Wirtſchaftsminiſter und
ver=
mutlich Herr v. Keudell. Dazu tritt der Reichsſparkommiſſar.
Von den übrigen vier Sitzen ſoll einer einem
Staatswiſſen=
ſchaftler und einer einem Hiſtoriker übertragen werden. Für die
reſtlichen zwei Sitze werden Perſönlichkeiten ausgewählt, deren
b=ſondere Sachkenntnis die ſchleunige Förderung der Arbeiten
wahrſcheinlich macht.
Es hat, bis der Beſchluß über die Einſetzung dieſes
beſon=
deren Ausſchuſſes auf der Länderkonferenz erfolgte, noch heftige
Kämpfe gegeben. Die einzelnen Länder wollten mit aller Gewalt
den Verfaſſungsausſchuß des Reichsrates in den Vordergrund
ſchieben, und es hat erſt eines beſonderen Druckes des
Reichs=
wirtſchaftsminiſters Dr. Curtius bedurft, der ſeinen Rücktritt
aus dem Kabinett ankündigte, um das Kabinett zu veranlaſſen,
daß es an dem paritätiſchen Ausſchuß feſthielt. Es wird ſich num
zeigen müſſen, welche Möglichkeiten in dem Ausſchuß gegeben
ſind. Auch der Reichsfinanzminiſter hat bereits die Vorarbeiten
für die Tätigkeit des Ausſchuſſes, der unter ſeinem Vorſitz tagen
ſoll, aufgenommen. Er hat einen Geſetzentwurf vorbereitet,
wonach Länder und Gemeinden verpflichtet werden ſollen,
all=
monatlich dem Reichsfinanzminiſter einen Ueberblick über ihre
Einnahmen an Sterern und über ihre Verſchuldung zu geben.
Er rechnet aber damit, daß dieſes Geſetz überflüſſig wird, weil
die Länder dem neuen Ausſchuß freiwillig dieſe Angaben machen
werden. Auch die Deutſche Volkspartei hat von ſich aus einen
Verfaſſungsausſchuß eingeſetzt, um in enger Zuſammenarbeit
mit den Fraktionen in Reich und Ländern das Problem der
Reichsreform zu klären und praktiſche Vorſchläge auszuarbeiten.
Sitzung des Arbeitsausſchuſſes des Bundes
zur Erneuerung des Reiches.
Berlin, 19. Januar.
Am 18. Januar iſt der Arbeitsausſchuß des Bundes zur
Er=
neuerung des Reiches zu einer zweitägigen Sitzung in Berlin
zuſammengetreten. Auf Grund vorgearbeiteten Materials ſind
in einzelnen Erörterungen ſämtliche bekannt geſpordenen Pläne
zur Neugeſtaltung des ganzen Reiches durchgeführt und in ihrer
Bedeutung für die Lebendigmachung des Reichsgedankens und
für die Steigerung der Anteilnahme der Bevölkerung aller
Reichsteile am öffentlichen Leben gewürdigt worden. Im Laufe
der Einzelerörterungen hat ſich bei allen Teilnehmern die
Ueber=
zeugung von der Unhaltbarkeit der gegenwärtigen Zuſtände
fort=
geſetzt verſtärkt. Eine Reihe von Löſungsverſuchen ſind als
un=
geeignet ausgeſchieden und neue Geſichtspunkte aus dem
Arbeits=
ausſchuß heraus zur Geltung gebracht worden. Zur
Weiterfüh=
rung der Unterſuchung ſind zwei beſondere Arbeitskreiſe
gebil=
det worden, deren einer die Aufgabenteilung zwiſchen
Zentral=
gewalt, Regionalgewalten und Kommunalverbänden
durchprü=
fen ſoll mit dem Ziel, durch dieſe Aufgabenteilung möglichſt
zweckmäßige, ſparſame und für die Bevölkerung durchſichtige
Verhältniſſe zu ſchaffen und das Verantwortungsgefühl aller
Beteiligten durch klare und dauerhafte Abgrenzung ihres
Wir=
kungskreiſes zu ſteigern. Der andere Arbeitskreis ſoll, ausgehend
von dem Kernproblem „Reich-Preußen” die zukünftige
Geſtal=
tung des ſtaatsrechtlichen Verhältniſſes zwiſchen Reich und
Län=
dern nach vom Arbeitsausſchuß gegebenen Richtlinien eingehend
unterſuchen und ſo die Grundlagen für eine ſachliche
Entſchei=
dung des Arbeitsausſchuſſes ſchaffen. Der Bund ſieht ſeine
Auf=
gabe darin, für die Entſcheidung der ſtaatsrechtlich
verantwort=
lichen Stellen vorbereitende und fördernde Arbeit zu leiſten.
Meine Kinder=Tanz= und =Spiellieder.
Von Lili Hickler, Darmſtadt.
Seit zehn Jahren führe ich nun ſchon meine Kinder=
Tanz=
no =Spiellieder auf, immer wieder an anderem Ort, in faſt
Uan deutſchen Großſtädten und auch in vielen kleineren Städten.
Att diel Hundert deutſchen Kindern habe ich ſo ſchon geſpielt
uo geſungen, und ich erzähle gern von meiner frohen Tätigkeit.
Was eigentlich den beſonderen Zauber ausmacht, den meine
afz= und Spiellieder immer wieder auf die Mitwirkenden, die
uſſchauer und auf mich ſelbſt ausüben, iſt ſchwer zu erklären.
tar allem iſt es wohl das tätige Mitſchaffen der Kinder, der
mendige Anteil, den ein jedes von ihnen an Wort und Melodie
imimt, um den Inhalt nach ſeiner eigenen beſonderen Art in
euvegung und Mimik ausdrücken zu können. Denn ich arbeite
züßt nach irgendwie feſtſtehenden Spielregeln, ſondern beobachte
u! Augenblick, um dann feſthalten zu können, was dem
betref=
nöden Kinde an beſonderer Art ſich zu äußern eigentümlich iſt.
hol darf ein jedes ſich frei bewegen, wie es will, und es kommt
un in der ſelbſtvergeſſenen Hingabe an Geſang und Spiel nicht
bhenkend zum Bewußtſein, daß es mitwirkt an einer kleinen
ziuene, die den Zuſchauer in Entzücken und Rührung verſetzt,
duir daß gerade es ſelbſt in ſeiner putzigen Unbefangenheit der
Inund zur allgemeinen Heiterkeit iſt, die draußen — in dem
us ſo fernen — Zuſchauerraum erklingt. Ich ſelbſt tue ſo wenig
au u, gebe den äußeren Rahmen und ordne die bewegten
Grup=
eſi zu hübſchen Bildern, wecke wohl nur ihr Verſtändnis für
uit und Muſik durch die Art, wie ich mit den Kindern ſinge,
vſe wir uns dabei in die Augen ſehen, fröhlich oder betrübt,
erſſchmitzt oder bedauerlich. Und vom Klavier aus gebe ich
ziuen kleine Hilfen durch Steigerung oder Dehnung des Tempos
no leichte Betonung der Höhepunkte. Da ich die Liedchen alle
emitoſit und mit den Kindern zuſammen ausgedacht habe, wie
e aufzuführen ſind, gehen meine Ideen frei und direkt in ſie
her, und es kommt ein bewegtes kleines Singſpiel oder ein
kumzlied zuſtande, das durch den kindlichen Geſang und die
Figeude am Rhythmus zuſammengehalten und je nach dem
Tem=
emament der Kinder lebhafter oder bedächtiger geſtaltet wird.
Wie viele muſikaliſch begabte Kinder gibt es doch, und wie
egl lückend iſt es, zu beobachten, daß Freude und Begeiſterung
muſikaliſche Betätigung alle Hemmungen und
Befangen=
ſeinſten ſchnell löſt!
Meine Lieder ſind im Gegenſatz zu den früher geſungenen
ſtſtinkinderliedern gar nicht ſo einfach und ſtellen ſchon manchen
lnufſpruch an das Gehör und die Ausdrucksfähigkeit der Stimmen.
zi iſt erſtaunlich, wie die Kleinſten eigentlich gar keine
Schwie=
igtkeiten der Intonation kennen, ſie machen oft die gewagteſten
Emrünge wit und laſſen ſich nie durch die oftmals ſchon recht
mhplizierte Stimmführung der Begleitung beirren. Sobald
das Liedchen einigermaßen richtig nachgeſungen wird, geben wir
dem Inhalt ſichrbare Geſtalt, und dann wird die Sache luſtig
und wir verſtehen uns herrlich! Die ganz kleinen Zwei= bis
Siebenjährigen ſind daßei meiſtens die erfinderiſchſten. Sie
haben noch die Unbefangenheit, die dem heranwachſenden
Men=
ſchen meiſt verloren geht, ihre Erlebniſſe in Blick, Gebärde und
Bewegung ihrer kleinen Körper auszudrücken. Oft iſt es wir
aber die größte Freude, zu ſehen, wie ein ganz ſchüchternes, in
ſich gekehrtes Seelchen ſich nach und nach uns zuwendet und ſich
dann bei der Aufführung im allgemeinen Jubel ſo leicht und
ſicher äußert, wie nur irgend eines ſeiner gewandteren
Ge=
ſpielinnen.
Und vielleicht ſind meine Kinderlieder deshalb ſo lebendiger
Beſitz der Kinder geworden, die einmal dabei mitgetan oder
eine Aufführung geſehen haben, weil jedes Kind ſich dabei
beteiligen kann, ganz gleich, ob es beſonders geweckt oder ein
kleines Dummerle iſt. Ihre Püppchen wiegen, Wäſche waſchen
und als Elfchen herumfliegen können alle kleinen Mädelchen,
uind mit dem Spieß auf einen lebenden Haſen losgehen und ſich
bei Gelegenheit eines mißratenen Fiſchfanges wegen das Fell
verhauen, können alle Buben, ſeitdem die Welt ſteht. Und wo
ſie ſo unkindlich ſind, daß ſie ſich überlegen dünken, folche „
Kin=
dereien” mitzumachen, da brauchen ſie nur einmal zuzuſehen,
wie wir in den Spielſtunden lachen, und ganz ſchnell gelingt
es unſerer Fröhlichkeit, auch von ihnen das abzuwickeln, was
geziert und unnatürlich iſt und das Spielkind herauszuholen,
was in ihnen allen ſieckt, manchmal auch noch in uns
Er=
tpachſenen.
Koſtbarkeiten als Makulatur.
1000 Autogramme Friedrichs des Großen, Bismarcks uſw. als
Altpapier. — Briefe Peters des Großen im Wurſtladen. —
Bild=
hauerarbeiten Schinkels und Rauchs als Schutt.
inf. In Berlin erregt ein Prozeß Aufſehen, bei dem es ſich
darum handelt, daß alte Akten des Finanzminiſteriums, in
denen ſich Urkunden mit mehr als 1000 Autogrammen Friedrichs
des Großen, Bismarcks, Wilhelms I. uſw. befanden, als
Alt=
papier verkauft und in dem Gefängnis zu Tegel eingeſtampft
werden ſollten. Dieſes wertvolle „Altpapier” wurde nun von
einem kunſtverſtündigen Wachtmeiſter von der Altpapierſtelle
zurückgekauft, da er den Wert dieſer „Makulatur” erkannte.
Der=
artige bürokratiſche Kunſtſtücke, durch die Koſtbarkeiten als
wert=
loſes Zeug behandelt wurden, ſind gar nicht ſo vereinzelt, wie
man anzunehmen geneigt iſt, obwohl heute bereits die Kenntnis
der Kunſtſammlungen und der Sammlungen von wertvollen
Briefen und Autogrammen in weiteſte Kreiſe gedrungen iſt. LbT.
kurzer Zeit wurden in einem ſtaatlichen Wurſtladen in
Lenill=
grad die Erzeugniſſe der Wurſtfabrik in alte Briefe eingepaah
die der Verkäufer von einer ſtaaulichen Stelle als Einpackpapier
geliefert erhielt. Es war zu der Zeit, wo in Rußland bei der
großen Verarmung dieſes Landes nach Krieg und Revolution
ſogar Einpaapapier ein großes Wertobjekt war. Was lag näher,
als daß die ſparſamen Beamten alte Urkunden und Briefe, die
ſich in den Kellern ihrer Miniſterien befanden, an die Händler
weitergaben, damit ſie in den Kaufläden zum Einpacken der
Waren benutzt würden. Eines Tages kaufte auch ein
Geſchichts=
profeſſer der Univerſität für ſein Abendbrot Wurſt ein, und
nach dem Abendbrot machte er ſich daran, den Inholt des Briefes
zu ſtudieren, in den ſeine Wurſt eingeſchlagen war. Sein
Er=
ſtaunen war nicht gering, als er feſtſtellte, daß es ſich um einen
Originalbrief Peters des Großen handelte. Der Inhalt dieſes
Briefes war von größter kulturhiſtoriſcher Bedeutung. Er ging
nun ſofort in die Wurſthandlung, um feſtzuſtellen, ob ſich hier
noch mehr derartiger wichtiger Dokumente befänden. Der
Ver=
käufer ſtellte ihm bereitwilligſt das ganze Einpackpapier zur
Verſügung, und es ergab ſich, daß mehrere Hundert Briefe
Peters des Großen mit bedeutſamſtem geſchichtlichen Inhalt hier
als wertloſes Einpackpapier behandelt wurden. Er nahm alle
dieſe Briefe mit, um ſie geſchichtlich auszubeuten, und
veröffent=
lichte darüber ſowie über die Art des Fundes einen eingehenden
Bericht, der von großem geſchichtlichen Intereſſe iſt. — Noch
ſeltſamer erſcheint eine Angelegenheit, die vor wenigen Jahren
in Berlin ſpielte. Es war kurze Zeit nach dem Kapp=Putſch,
als das Berliner Schloß renoviert wurde. Die Maurer hatten
den Auftrag, das riſſig gewordene Bildwerk von Giebel und
Wänden abzuſchlagen und es auf Müllwagen zu packen und nach
der Spree zu fahren, wo das ganze Mörtelwerk hineingeſchüttet
werden ſollte. Mehrere Fuhren dieſes „Gerümpels” waren
be=
reits auf dieſe Weiſe den Waſſern der Spree übergeben worden,
als ein Aſſiſtent des Muſeums zufällig an der Abladeſtelle
vor=
beikam und ſofort erkannte, daß es ſich hierbei um herrliche
Architekturgebilde von Schinkel und ausgezeichnete plaſtiſche
Ak=
beiten von Rauch handele. Der Transportarbeiter, der dieſe
alten Mörtelſtücke wegzuführen hatte, war gern bereit, gegen das
fürſtliche Entgelt von fünf Mark dem komiſchen Manu, der den
alten Plunder beſichtigte, alle diejenigen Bruchſtücke zu
über=
laſſen, die er aus der Rumpelkiſte herausnehmen wollte. Auf
dieſe Weiſe kam das Muſeum zu ſehr billigem Preiſe zu
aus=
gezeichneten Kunſtwerken, denn die zerbrochenen Mörtelſtücke
wanderten geradenwegs aus der Rumpelkiſte ins Muſeum. Man
erkennt daraus, daß die Sechkenntnis der Beamten ſchon des
öfteren mit altem koſtbaren Kunſtgut komiſch verfahren. Zum
Teil iſt daran ein überheblicher Sinn ſchuld, der nicht zugeben
will, daß die Angelegenhei der Miniſterien auch von
gebil=
deten und ſachverſtändigen ännern geprüft werden müſſen.
Früher glaubte man, daß artiges nur in Rußland möglich
ſei. Man hat ſich aber dav überzeugen müſſen, daß auch bei
uns derartige Dinge durchaus nicht ausgeſchloſſen ſind.
Geite 4
Freitag den 20. Januar 1928
Nummer 20
Die Differenzen innerhalb
des Zentrums.
Beilegung des Zwiſchenfalles
Marx —Stegerwald.
Berlin, 19. Januar.
Die Verhandlungen über die in der Zentrumspartei
ent=
ſtandenen Schwierigkeiten wurden in der heutigen Sitzung des
Vorſtandes der Reichstagsfraktion des Zentrums mit folgendem
Ergebnis abgeſchloſſen:
1. Der in der Preſſe wiedergegebene Brief des
Parteivor=
ſitzenden Dr. Marx vom 19. Dezember 1927 war eine vertrauliche
Pridatäußerung, die irrtümlich von dritter Seite ohne
Autori=
ſierung des Empfängers veröffentlicht worden iſt.
2. Der Brief war eine Antwort auf eine Beſchwerde des
ge=
ſchäftsführenden Ausſchuſſes des katholiſchen Lehrerverbandes
vom 12. Dezember 1927 und bezweckte die Beruhigung erregter
Lehrerkreiſe über die in der „Norddeutſchen Volkszeitung”
eben=
falls gegen den Willen des Verfaſſers veröffentlichte briefliche
Aeußerung Dr. Stegerwalds zur Frage der Warteſtandsbeamten.
Ekte beiderſeits beabſichtigte Ausſprache zwiſchen Marx und
Stegerwald war leider durch die in den letzten Dagen vor dem
Weihnachtsfeſt ſich häufenden parlamentariſchen Arbeiten
ver=
hindert worden.
3. Die in den Worten „unbegründet” und „unweſentlich”
ent=
haltene Kritik des Parteivorſitzenden bezog ſich auf dieſe von
Dr. Stegerwald referierend wiedergegebenen Aeußerungen Dritter
über einen Teil der Warteſtandsbeamten. Sie richteten ſich
keines=
wegs gegen die Stellungnahme Stegerwalds zur
Beſoldungsvor=
lage überhaupt.
4. Dr. Marx erkennt an, daß Dr. Stegerwald in ſeiner
Reichs=
tagsrede vom 13. Dezember und in ſeiner Rede in einer Berliner
Zentrumsverſammlung am 21. Dezember 1927 die erforderlichen
Aufklärungen gegeben hat. Beide Kundgebungen ſind erſt
nach=
träglich zur vollen Kenntnis des Parteivorſitzenden gelangt.
5. Dr. Marx legt beſonderen Wert auf die Erklärung, daß er
ſich mit Entſchiedenheit gegen die Annahme verwahrt, er habe die
Worte „Dr. Stegerwald und einige Gewerkſchaftsſekretäre”, in
geringſchätzigem Sinne gebraucht. Bei ſeiner grundſätzlichen
Ein=
ſtellung zur chriſtlichen Arbeiterbewegung und bei dem Achtungs=
und Vertrauensverhältnis, in dem er ſeit vielen Jahren zu den
Criſtlichen Gewerkſchaften ſteht, ſei derartiges völlig
ausgeſchloſ=
ſen. Er bedauert, daß eine ſolche Annahme habe aufkommen
können.
Der Vorſtand der Zeutrumsfraktion des Reichsjages iſt der
Anſicht, daß nach dieſer Aufklärung der Zuſammenhänge die
An=
gelegenheit als erledigt betrachtet werden muß. Um den
Vor=
gängen auch jede perſönliche Spitze zu nehmen, hat der
Partei=
vorſitzende Dr. Marx nachſtehenden Brief an Dr. Stegerwald
gerichtet:
Sehr geehrter Herr Kollege!
Nachdem in den Beratungen des Parteivorſtandes unſerer
Fraktion die bedauernswerten Mißverſtändniſſe zwiſchen uns
aus=
geräumt ſind, drängt es mich, Ihnen von Herzen dafür zu danken,
daß Sie mitgeholfen haben, den Weg der Verſtändigung zu
finden. Sie dürfen verſichert ſein, daß ich nicht daran gedacht
habe, Ihnen durch den bekannten Brief kränkende Vorwürfe zu
machen, umſoweniger als wir ſeit Jahr und Tag an der Spitze
der Partei große politiſche Verantwortung miteinander getragen
haben. Ich wünſche nichts ſehnlicher, als daß Sie auch weiterhin
mit Ihrem Rat und Ihrer Erfahrung, geſtützt auf Ihre engſte
Fühlung mit der chriſtlichen Arbeiterſchaft gemeinſam mit uns die
großen ſozialen und ſtaatspolitſchen Aufgaben in Ihrer
bis=
herigen führenden Stellung löſen helfen. Bei dieſer Gelegenheit
habe ich mit tiefem Bedauern feſtgeſtellt, daß meine ſoziale
Ge=
ſinnung in Zweifel gezogen worden iſt. Ich vertrete den
Ge=
danken der Volksgemeinſchaft und die ſozialen Grundſätze unſerer
Partei unentwegt und bleibe feſten Willens, den Aufſtieg der
Ar=
beiterſchaft in jeder Hinſicht auch rechtlich und praktiſch zu fördern.
Mit kollegialen Grüßen
gez. Dr. Marx.
Die Bayern beim Reichspräfidenten.
* Berlin, 19. Jan. (Prio.=Tel.)
Während der Länderkonferenz hat beim Reichspräſidenten
für die in Berlin verſammelten Miniſter und Staatsſekretäre ein
Diner ſtattgefunden. Ein Berliner Linksblatt hat in Erfahrung
gebracht, daß an dieſem Diner der bayeriſche Miniſterpräſident
Held und der Finanzminiſter Schmelzle nicht teilgenommen
haben, ſo daß die Stühle zur Linken des Reichspräſidenten leer
geblieben ſeien. Erſt am anderen Tage hätten ſich die beiden
Herren wegen ihres Fernbleibens entſchuldigt, Herr von
Hinden=
burg habe ſie aber erſt nach längerem Sträuben empfangen. Wie
man ſieht, kommt es dem Berliner Blatt nur darauf an, in
Seu=
ſationen zu machen. Hätte es ſich an zuſtändiger Stelle nach dem
wahren Sachverhalt erkundigt, dann hätte es erfahren, daß die
Herren Held und Schwelzle wegen Uebermüdung dem Diner
ferngeblieben ſind. Herr Held hat an dem gleichen Tage ſein
Referat gehalten, und es iſt zu verſtehen, wenn er, zumal er eine
zwölfſtündige Bahnfahrt hinter ſich hatte, am Abend des Tages
vollkommen erſchöpft war. Das Gleiche gilt für den
Finanzmini=
ſter Schmelzle. Wenn noch unternommen wird, ganz allgemein
die Sache ſo aufzuziehen, als ob die Bayern, abgeſagt hätten.
dann darf noch geſagt werden, daß die bayeriſchen Miniſter
Gürt=
ler und Stützel und der Geſandte von Preger an dem Diner
teil=
genommen haben. Völlig aus der Luft gegriffen iſt aber die
Be=
hauptung, daß der Reichspräſident verärgert geweſen ſei und ſich
erſt widerwillig dazu verſtand, die bayeriſchen Herren am
fol=
genden Tag zu empfangen.
Neue Uniform der Poſibeamten.
* Berlin, 19. Jan. (Prib.=Tel.)
Im Reichspoſtmmniſterium beſchäftigt wan ſich ſeit einiger
Zeit mit Vorſchlägen über eine neue Uniform der Poſtbeamten.
Der eine Entwurf, der Ausſicht hat, angenommen zu werden,
ſieht eine hellblaue Uniform vor — es handelt ſich um ein Blau,
das zwiſchen Preußiſch= und Bayeriſch=Blau ſteht —, die ſich an
den bei der Reichswehr eingeführten Ausgehanzug anlehnt. Die
Bluſe iſt alſo ausgeſchnitten, ſo daß man zu ihr ein weißes Hemd
mit Kragen und Schlips anziehen kann. Auf der Außenſeite
be=
finden ſich Bruſttaſchen. Die Mütze wird in Zukunft nicht mehr
die beiden roten Streifen aufweiſen. An ihre Stelle ſoll ein
ſchwarzes Samtband treten. Dabei handelt es ſich wohl um eine
kleidſame Uniform, die ſicherlich bei der Beamtenſchaft Anklang
finden wird. Der zweite Entwurf ſieht eine geſchloſſene Bluſe
vor, doch ſcheint er bereits abgelehnt zu ſein. Die letzte
Entſchei=
dung wird der Reichspoſtminiſter zu treffen haben.
Wahrſchein=
lich hat auch noch der Reichspräſident ein Wort mitzuſprechen.
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Darmstadt, den 18. Januar 1928.
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Schwägerin und Tante
geb. Ackermann
im 82. Lebensjahre.
Im Namen der tieſtrauernden Hinterbliebenen:
Adam Trautmann II.
Förſter i. R.
Ober=Ramſtadt, den 19. Januar 1928.
Die Beerdigung findet am Samstag, den 21. Januar
1928, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehaus,
Darm=
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Meine liebe Frau, die Mutter
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geb. Morlock
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Familie O. Apfel
Familie ph. Weihert
Heinrich und Karl Morlock.
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Mannheim, den 19. Jan. 1928.
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Carl Mayer und Frau, geb. Rückert
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Die Beerdigung findet am Sonntag, den 22. Januar 1928,
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 20
Freitag, den 20. Januar 1928
Aus der Landeshauptſiadt.
Darmſtadt, 20. Januar.
— Heſſiſches Landestheater Darmſtadt. In der erſten Aufführung
hes neu inſzenierten „Reviſor” von Gogol, die morgen Samstag im
0Sroßen Haus ſtattfindet, wirken mit die Da
In der Samstags=Aufführung von „Zar und Zimmermcnn”
fugt Sitta Müller=Wiſchin die Marie, Leo Barczinſki
deen Zaren.
Die Neue Tanzbühne Jors=Keith, die am Sonntag vormittag
mm Kleinen Haus gaſtiert, bringt in ihrem Programm eine Reihe von
ieblotänzen und ein Tanzſpiel „Die ungleichen Liebhaber” nach
Mo=
garts Muſik zu „Les petits riens”.
— Die Kunſt im Spiel und das Spiel als Kunſt. Zu der am 4. und
Februar, hier im Kleinen Haus ſtattfindenden Aufführung der Kinder=
Branz= und Spiellieder von Lili Hickler wird uns geſchrieben: Dieſe
Gschopfungen ſind reiner Reflex des Lebens, vom Kind aus geſehen, und
hcarum ſo ſehr wirkſam auf das Gemüt der Erwachſenen. Ganz
hervor=
uagend gezeichnet ſind die „Sieben Schwaben” mit ihrem köſtlichen
Mübenhumor im Keck= wie im Verdutztſein, der „Sonntagsſpaziergang”
üsit der köſtlich traveſtierten Kleinmalerei des Familienſtils und die von
zſäßer Kindlichkeit ſtrahlenden Bilder „Schlafengehen” und „
Sommer=
wrärchen”. Lili Hickler ſpürt den dramatiſchen Puls im Kinderlied und
hringt ihn, indem ſie ſzeniſch=muſikaliſch illuſtriert, ſo zum Schwingen,
rarß das Publikum groß und klein ſeine helle Freude daran hat. Es ſind
Gezenen von unmittelbar packender, hinreißender Wirkung.
— 80. Geburtstag. Herr Otto Horſtmann, Ingenieur i. R.,
heird am 23. Januar 80 Jahre alt. Das Geburtstagskind erfreut ſich
noch körperlicher und geiſtiger Friſche.
— Dienſtjubiläum. Am 21. d. M. kann Oberſtadtſekretär Chriſtoph
eß, Heinheimer Straße 20, auf eine 25jährige Dienſtzeit bei der Stadt=
Seſwaltung zurückblicken; ununterbrochen iſt der Genannte während
dieſer Zeit bei dem Städtiſchen Tiefbauamt tätig geweſen.
— Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt. Unſere
tirerte Winterverſammlung, findet am Mittwoch, 25. Januar,
aGends 8 Uhr, im Konkordiaſaal (Waldſtraße) ſtatt. Die für dieſe
Ver=
ſurmmlung vorgeſehenen Vorträge ſind dazu beſtimmt, die Kenntnis
en nes für die Gebäulichkeiten ungemein ſtörenden Pilzes, des
Haus=
ſtrhwamms, in weitere Kreiſe der Einwohnerſchaft Darmſtadts zu
tragen. Herr Dr. Hans Heil, Privatdozent der Botanik an der
Hechniſchen Hochſchule, wird einen Vortrag: „Aus der
Natur=
geſchichte des Hausſchwamms” halten, der durch
Lichtbil=
dzer erläutert wird, und u. a. das Vorkommen des Hausſchwamms,
ſüine Verbreitung, ſeine Gefährlichkeit und die Art ſeiner
Zerſtörungs=
arbeit, ſeine Frſtſtellung, Verhütung und Bekämpfung behandeln wird.
Mnſihließend an dieſen Vortrag wird Herr Profeſſor Dr. W. Sonne=
Marmſtadt einiges aus ſeinen langjährigen Erfahrungen bei
Haus=
ſEhwammunterſuchungen mitteilen. — Bei der Wichtigkeit der
vorſtehend kurz angedeuteten Tagesordnung iſt ein zahlreicher Beſuch
drer Verſammlung aus den Kreiſen unſerer Mitglieder, ihrer Angehörigen
waid ſonſtiger Freunde des Gewerbeſtandes miſt Sicherheit zu erwarten.
Geehr zu begrüßen wäre es, wenn auch zahlreiche Mitglieder des
Haus=
heſitzervereins ſowie die Dozenten der Architektur= und Bauabteilung
umiſerer Hochſchule und die Rechtsanwälte Darmſtadts an der
Verſamm=
hang teilnehmen würden.
— Aus dem Wunderland Indien. Heute abend 8 Uhr ſpricht im
Estädtiſchen Saalbau der indiſche Prieſter B. A. Agnihotri über
„Indiſche Kultur‟. Durch einen Lichtbildervortrag zeigt er das
Wun=
derland Indien. Mehrere Fakire werden indiſche Kunſt darbieten. Eine
große Anzahl Experimente ſollen den Vortrag wirkungsvoll ergänzen.
hieerr Agnihotri wird Experimente zeigen, die für Darmſtadt eine große
ASenſation bedeuten. So wird u. a. vorgeführt eine dreiſtündige
Kreu=
hung; ein indiſcher Büßer hängt in kataleptiſchem Zuſtand während
1:2s Abends an den Füßen mit dem Kopf nech unten; ein weiterer Fakir
weird in hypnotiſchem Todesſchlaf auf zwei ſcharfe Degen gelegt, dann
Eochlangenbeſchwörung uſw. Die in der Preſſe erſchienenen Berichte, daß
s ſich um einen Schwindler handele, ſind unwahr. Der Veranſtalter
weird die indiſchen Fakirkünſte in ſeinem Vortrag erklären und
nachwei=
ſyen, daß es ſich dabei um natürliche Vorgänge handelt. Die große
deut=
ſhe Preſſe hat über Agnihotri ſehr günſtig geurteilt. So ſchreibt das
erlineu Tageblatt: „Die Darbietungen waren von Anfang bis zum
Gnde ſpannend und ernteten reichen, wohlverdienten Beifall.” In
ähn=
uher Weiſe urteilt der Vorwärts. Der Berliner Lokalanzeiger fchreibt:
„lgnihotri wußte ſehr intereſſant von Land und Leuten, Sitten und
Sebräuchen ſeiner Heimat zu erzählen. Die Darbietungen wurden mit
(n bhaftem Beifall aufgenommen”. — Mit Rückſicht auf andere
Verpflich=
hungen iſt Herr Agnihotri gezwungen, ſein Gaſtſpiel in Darmſtadt ab=
Pikürzen. Er wird nicht — wie urſprünglich vorgeſehen war — von
reitag bis Sonntag ſeine Darbietungen zeigen, ſondern nur am
Frei=
dag abend den hochintereſſanten ſenſotionellen Experimentalvortrag
ſtalten.
— Bühnenvolksbund. Die neue Tanzbühne, deren künſtleriſchen
Er=
ſolge die Preſſe aller Städte auf ihren Gaſtreiſen einmütig feſtſtellt,
fingr Einzeltänze, Kammertänze und die Aufführung des Tanzſpiels
„ie ungleichen Liebhaber” mit einer Ballettmuſik von Mozart. Sie iſt
zrzeit die führende Tanzbühne Deutſchlands. Unſere Mitglieder
er=
lalten Eintrittskarten zu ermäßigten Preiſen in unſerer Geſchäftsſtelle.
Wer Beſuch ſei wärmſtens empfohlen.
Seite 5
* Januarſitzung des Hiſioriſchen Vereins.
Vortrag des Univerſitätsprofeſſors Dr. Aubin über die
hiſtoriſch=
gevgraphiſchen Grundlagen der heſſiſchen Geſchichte.
Zum Eingang führte der Vorſitzende, Archibdirektor Dr. Dietrich,
aus, daß der Verein, der in fünf Jahren ſein hundertjähriges
Be=
ſtehen feiere, anfangs ſich vielfach nur als Geſchichtsfreund mit der
Heimatgeſchichte beſchäftigte. Dies wäre ſeit etwa zwanzig Jahren
an=
ders geworden, die Geſchichtswiſſenſchaft und die Vereinsarbeit gingen
Hand in Hand, und er freue ſich, heute den Gießer Vertreter der
Ge=
ſchichte als Redner begrüßen zu können.
Der Vortragende führte etwa folgendes aus: Die früheren großen
Geſchichtsforſcher, wie Puſendorf und Leibnitz, in Heſſen Wenck, gingen
von dem Territorium, dem Land aus. Seit etwa 50 Jahren ſucht eine
Richtung unter dem Vorgang von Karl Lamprecht von dem Volk
ſelbſt als Träger der Geſchichte auszugehen, und dieſe
Betrachtungs=
weiſe ſetzt ſich immer mehr durch. Nicht die dynaſtiſch=politiſche
Ent=
wicklung, ſondern die geographiſche und wirtſchaftliche Lage wurde der
Ausgangspunkt für die ganze Geſchichte unſeres Volkes. Ausgehend von
dem erdkundlichen Begriff Lebensraum eines Volkes, ſucht die
neuere Wiſſenſchaft zu ergründen, wie aus der natürlichen
Land=
ſchaft die hiſtoriſche Landſchaft herauswächſt. An der Hand
vorzüglicher Karten, die von der Urzeit, der jüngeren Steinzeit an,
einer genaueren Waldkarte u. a. die erdgeſchichtliche und wirtſchaftliche
Entwicklung der Beſiedlung des ganzen Gebiets zeigt, das das heutige
Heſſen umfaßt. Deutlich heben ſich daraus die wenigen beſiedelten
Stätten von den ungeheuren Wäldern ab. Karl Lamprecht hat den
großen Wert ſolcher Karten als das beſte Mittel anſchaulicher
Darſtel=
lung hoch eingeſchätzt. Mit unverkennbarer Deutlichkcit ergibt ſich der enge
Zuſammenhang, in dem immer die Wetteran zu dem großen Gebiet der
Main—Rhein=Ebene geſtanden hat, wie dies ja in der Einbeziehung
dieſes fruchtbaren Landſtriches in den Limes zum Ausdruck kommt.
Be=
ſonders fiel die vorübergehende Beſiedelung des Vogelsberges auf, als
klimatiſche Veränderungen die Siedlung in der Ebene erſchwerten. Seit
der Römerzeit wurde Mainz der Mittelpunkt des Gebiets. Nach den
Römern drangen die Chatten, die allein in den Stürmen der
Völ=
kerwanderung an der Werra ſeßhaft geblieben, in den freigewordenen
Raum ein. An der Hand von Karten trat hervor, wie Mainz ſich
all=
mählich in dem Gebiet weiter nach Oſten ausbreitet, die Bistümer
Büraburg (um Fritzlar) und Erfurt ſich einverleibte. Noch mehr
wuchs ſein Anſehen durch die Erwerbung weltlicher Herrſchaft. Von
dieſem Mittelpunkt aus verbreiten ſich kulturelle Wellen nach Norden
und Oſten, ſo damals das Erzbistum Mainz, das Zentrum für ganz
Deutſchland war. Neben Mainz trat Trier noch hervor. Es hatte
ſeine Beſitzungen durch Burgen gefeſtigt, ſo daß der Kern davon bis
1789 ihm erhalten blieb. Vom Ende des Mittelalters trat das neu
entſtehende heſſiſche Fürſtentum in langen, ſchweren Kämpfen in ſcharfen
Wettbewerb mit ihm. Von Norden kommend, drang Heſſen immer mehr
in die Rhein-Main=Ebene vor und ſtand mit beiden Füßen in der
unteren Maingegend. Die napoleoniſche Zeit brachte dieſe Entwicklung
zum Abſchluß, und ſo konnte Heſſen die Verbindungsbrücke zwiſchen dem
Norden und Süden herſtellen und Mainz vollſtändig mattſetzen; da es
ſelbſt auf beiden Seiten ſaß, fiel ihm dieſe weltgeſchichtliche Aufgabe
zu. Durch den Preußiſch=Heſſiſchen Zollverein, der ſich
dann zum allgemein deutſchen Auswuchs, und die Preußiſch=Heſſiſche
Eiſenbahngemeinſchaft hat es dieſe Aufgabe zum größten Teil auch
gelöſt.
Der Vortragende, der mit voller Beherrſchung des weitſchichtigen
Stoffs, von großen Geſichtspunkten aus ihn überſichtlich und trefflich
gegliedert hatte, fand reichen Beifall bei der zahlreichen, ihm geſpannt
folgenden Zuhörerſchaft. Der Vorſitzende dankte ihm herzlich für den
ſorzüglichen Vortrag und gab dem Wunſch Ausdruck, ihn noch öfter
in dem Hiſtoriſchen Verein zu hören.
K. Noack.
— Kriegerkameradſchaft Haſſia. Die „Vaterländiſchen Verbände‟
halten am Samstag, 21. Januar, 20.30 Uhr, im großen Saale des
Rum=
melbrau eine Reichsgründungsfeier ab und laden die
Darm=
ſtädter Kriegervereine hierzu kameradſchaftlichſt ein. Das Mitbringen
der Vereinsfahnen iſt ſehr erwünſcht. Herr Hauptmann a. D. Freiherr
v. Stein wird die Feſtrede halten. Ueber die Darbietungen werden an
der Abendkaſſe Programme zum Preife von 30 Pfg. berausgabt.
— „Vom Wova zum Woog” — das große geſellſchaftliche Ereignis
der Winterſaiſon im Januar, der Auftakt zur fröhlichen Karnevalszeit,
wirft ſeine Schatten bereits voraus. Die Proben ſind beendet, die
Ko=
ſtüme gefertigt, die Einladungem hinausgegangen zu den Freunden und
Bekannten des Darmſtädter Schwimmklubs „Jung=Deutſchland”, das
Spiel kann beginnen am 2. Januar, abends halb 8 Uhr, im Städtiſchen
Scalbau!
Selbstrasierer!
Vor dem Einseifen die Haut gründlich mit
HEEUM
einreiben! Erfolg: Schmerzloses Rasieren.
blendendes Schneiden des Messers, keine
Reizung der Hauf.
Preise: M o.20 — 1.20
Der „Deutſche Poſiverband”
zur Verwaltungsreform.
Der Vorſtand des Deutſchen Poſtverbandes, alleiniger
Standes=
vertretung der Poſtzivilſupernumerare, hat zuſammen mit dem erſten
Vorſitzenden ſeiner 39 Bezirksvereine am 13. und 14. Januar nach einem
Referat des erſten Verbandsvorſitzenden, Oberpoſtinſpektors Schneide r,
folgende Leitfätze einſtimmig angenommen:
1. Der Deutſche Poſtverband erkennt die Notwendigkeit an, die Arbeit
bei der Deutſchen Reichspoſt möglichſt billig und zweckmäßig zu geſtalten,
und erklärt ſich zur Mitarbeit an neuzeitlichen Reformen bereit.
2. Die Reformtätigkeit bei der Deutſchen Reichspoſt darf bei allem
Sparſamkeitswillen nicht dazu führen, ihre Leiſtugsfähigkeit als
Ver=
kehrsbehörde herabzuſetzen. Der Deutſche Poſtverband fordert deshalb:
a)Die durch das Reichspoſtfinanzgeſetz umſchriebene Selbſtändigkeit
der Deutſchen Reichspoſt muß erhalten bleiben. Wenn Aenderungen
des Reichspoſtfinanzgeſetzes erfolgen, ſo darf durch ſie bei
Berück=
ſichtigung aller Umſtände ihre Verwaltungsſelbſtändigkeit nicht
an=
getaſtet werden;
b) Jede iugendwie geartete Privatiſierung der Deutſchen Reichspoſt
wird als mit ihren Aufgaben unvereinbar abgelehnt;
c)Die Dreiteilung der Verwaltungsorganiſation — Miniſterium,
Be=
zirksbehörde, Verkehrsamt — muß aufrecht erhalten werden unter
weiterer Uebertragung von Zuſtändigkeiten auf die unteren Inſtanzen,
Die Schaffung von Kreisämtern und ähnlichen Zuſammenfaſſungen
von Verkehrsämtern — und damit die Einrichtung einer vierten
Inſtanz — wird abgelehnt, weil ſie in dieſen Verwaltungsaufbau
nicht hineinpaſſen;
d)Etwa über die bereits in Angriff genommenen Verwaltungs= und
Betriebsumſtellungen hinaus für notwendig gehaltenen Reformen
müſſen organiſch geſtaltet werden, damit die Leiſtungsfähigkeit der
Deutſchen Reichspoſt — auch vorübergehend — nicht erſcküittert wird;
e)Dem Grundſatz vom Primat des Betriebes muß noch mehr als
bis=
her Geltung verſchafft werden:
k)Die notwendige Stabilität des Dienſtes iſt nur bei
Aufrechterhal=
tung des Berufsbeamtentums gewährleiſtet. Die Antaſtung der
wohl=
erwobenen Beamtenrechte würde zu dem Dienſte abträglichen
Er=
ſchütterungen führen
— Helden des Glaubens. Der als Dramatiker beſtens bekannte
Ber=
liner Pfarrer W. Nitchak=Stahn hat unter dem Titel unſerer Ueberſchrift
eine erſchütternde Tragödie geſchrieben, die die Zeit der
Chriſtenverfol=
gung unter Kaiſer Trajan (106 n. Chr.) ergreifend zur Darſtellung
bringt. Das geiſtige Ringen der untergehenden alten Welt, die
Aus=
einanderſetzung des Chriſtentums mit der Staatsreligion des Römiſchen
Reiches iſt verbunden mit der Familiengeſchichte eines römiſchen
Adli=
gen, deſſen Gattin Claudia, für den neuen Glauben gewonnen, durch
die Schuld ihres eigenen Gatten ſchließlich dem furchtbaren Märtyrertod
anheimfällt und mit einem mutigen Bekenntnis ſtirbt. Das iſt der
äußere Rahmen der grandioſen Tragödie, die in Darmſtadt in einenr
einmaligen Gaſtſpiel der Evangeliſchen Landesbühne
Dort=
mund (Direktor Heinz Seelzer) am Dienstag, 24. Januar, im Städtiſchen
Saalbau zur Aufſührung kommt. Die Evangeliſche Landesbühne
Dort=
mund erfreut ſich eines ausgezeichneten Rufes. Unter anderem werden
bei der Aufführung mitwirken: Nora Menſendieck (früher Stadttheater
Osnabrück), Willy Fabian (fr. Deutſches Theater Köln), Hans Hveger
(fr. Stadttheater Krefeld), Aug. Heilwig (fr. Stadttheater Gelſenkirchen),
Arthur Feldern (fr. Schauſpielhaus Düſſeldorf) u. a. m. Die
Auffüh=
rung hat bereits in Halle, Breslau, Hamburg, Berlin glänzende Kritiken
gefunden und wird ſicherlich auch hier tiefen Eindruck hinterlaſſen. Der
Evangeliſche Bund Davmſtadt hat ſich zweifellos ein Verdienſt damit
er=
worben, daß es ihm gelungen iſt, die Landesbühne auch ſür hier zu
enga=
gieren. Die Eintrittspreiſe ſind möglichſt niedrig gehalten: 50 Pfg. bis
2 Mark. Es wird ſich empfehlen wegen des zu erwartenden Andrangs,
ſich rechtzeitig in den Vorverkaufsſtellen mit Karten zu verſehen:
Bucg=
handlung Waitz (Eliſabethenſtraße), Schreibwarenhandlungen Heckmann
(Mühlſtraße 72), Paul (Wendelſtadtſtraße 20), Weiß (Schloßgartenpl. 1),
Bender (Beſſungerſtraße 47). Nachmittags 4.30 Uhr findet eine
Schüler=
vorſtellung ſtatt zu 40 und 50 Pfg.
— Mozartverein. Der Mozartchor ehrte in einem ſchön
ver=
laufenen Feſtabend ſeine bewährten Sänger Hans Schramm und
Bartky. Photograph Schramm kann auf eie 50jährige Tätigkeit als
Sänger zurückblicken, Kaufmann Bartky iſt ſeit 40 Jahven treues
Mit=
glied des Mozartchors. Der Vorſitzende Profeſſor Dr. Köſer pries in
herzlicher Rede die vorbildliche Pflichttreue der Gefeierten und
üben=
reichte den Jubilaren die Ehrenurkunden des Deutſchen und Heſſiſchen
Sängerbundes. Die Feier wurde verſchönt durch die Darbietungen der
bewährten Hauskapelle und der zehlreichen Soliſten, durch die der
Mo=
zartchor auf dem Gebiete der ernſten und heiteren Muſe in gleicher Weiſe
bekannt iſt. Zum Sängerfeſt nach Wien wird der Mozartverein mit
mehr als 100 Mitgliedern reiſen.
— Orpheum. Zum Gaſtſpiel des Neuen Theaters
Frank=
furt a. M. mit der Luſtſpiel=Novität „Sind wir das nicht alle?‟
nachſtehend einige Kritikauszüge der Frankfurter Preſſe: „Die
Erſtauf=
führung von Lonsdales luſtigem Dreiakter erbrachte guten Beifall. Die
Herren Günther und Jenſen, die Damen Aſchenbach und Reiter ſpielten
ſcharmant das Schach der Liebe.” Frankfurter Zeitung. — „Eine
rheto=
riſche Frage! So ſind wir alle, meint Lonsdale. Ein guter Titel! Alle
werden ueugierig ſein, wie alle ſind . Am Ende des zweiten Aktes
liegt ein bombenſicherer Schluß.” Generalanzeiger. — „Eine höchſt
unter=
haltſame Angelegenheit. Man unterhielt ſich prächtig, man lachte viel
und klatſche reiſhlich.” Volksſtimme.
*
Aus den Darmſtädter Lichiſpieltheatern.
Union=Theater.
Im Union=Theater läuft bei ſtändig ſteigendem Beſuch der
SSüperfilm der Terra „Königin Luiſe‟. Daß Filme dieſer
hlrt, d. h. die Verlebendigung von Ausſchnitten aus der
Ge=
fürhichte, ſich ſtarken Beſuchs erfreuen, iſt an und für ſich eine
Patſache, an der man nicht ohne ſie mit Genugtuung zu
ver=
zeichnen vorübergehen darf. Ludw. Berger und Karl Grune
Haben das Wagnis unternommen, den „Königin Luiſe”=Film zu
eſtellen. So dankbar der Stoff unter allen Umſtänden iſt, ſo
ſithwierig iſt die Aufgabe für den Regiſſeur wie für den
Bearbei=
ter des Manuſkripts. Ludwig Berger hat ſich ziemlich eng
mn die Geſchichte gehalten, ſo wie ſie in allen mehr oder weniger
muten Büchern überliefert wurde. Er gibt nur die Ausſchnitte
aus dem Leben der großen Preußenkönigin, das mit dem
Nie=
wergang Preußens durch Napoleons Siegeszug und Rußlands
Werrat eng verbunden war. Soweit die Einzelſzenen dem
Aeben der Königin und der königlichen Familie direkt
entnom=
mien ſind, ſind ſie unbeſchadet der Einſtellung, die in erſter Linie
Marauf Rücſicht nimmt, was ſtark auf das Publikum zu wirken
mat, ſehr gut gelungen. Man nimmt das etwas
Süßlichſentimen=
tale ſehr gern in Kauf, weil es beſcheiden im Hintergrund bleibt
m.nd immer nur wieder die königliche Dulderin in den
Vorder=
grund des Geſchehens ſtellt. Eine andere Frage wäre, ob man
mraktiſcher Weiſe nicht die Schlachtenſzenen überhaupt weglaſſen
uder auf noch geringere, aber dann ganz prägnante Ausſchnitte
heſchränkt hätte. Der Weltkrieg iſt noch keine zehn Jahre
vor=
i.ber. Wer ihn auch nur aus Schilderungen miterlebte, der
kuann die Schlachten nicht ernſt nehmen, die der erſte Teil des
ſwnſt ausgezeichneten Films ſtellt. Ein Spaziergang war ja auch
ſthhließlich Napoleons Vernichtungskampf gegen Preußen nicht.
Iän der Erſtellung von Schlachtenbildern, wenn ſie nicht entbehrt
moerden ſollten, fehlt es auch der deutſchen Filminduſtrie nicht an
ſſehr viel beſſeren Vorbildern.
Dagegen ſind die ſchauſpieleriſchen Leiſtungen der in
Haupt=
mollen wirkenden Künſtler und Künſtlerinnen ausgezeichnet. Das
däntereſſe konzentriert ſich in erſter Linie auf Mady
Chri=
ſitians Luiſe und Charles Vanels Napoleon. Dieſe beiden
froßen Gegenſpieler einer unvergänglichen Geſchichte werden
gianz ausgezeichnet verlebendigt. Mady Chriſtians' Luiſe iſt
ine ſchöne königliche Frau, eine unaufdringlich ihr Inneres
afffenbarende Gattin und Mutter, und iſt eine Dulderin von
höniglicher Größe. Vanels Napoleon iſt ebenfalls groß, weil er
ſiehr zurückhaltend geſpielt wird. Kein Poſieren, wenn auch ein
Feſthalten an zeitgemäßen Bildern in Maske und Haltung.
Die=
um Napoleon glaubt man ſeinen Siegeszug wie ſeine
menſch=
hiichen Schwächen, weil beide Eigenſchaften, wie bemerkt, in
brünſtleriſcher Zurückhaltung gebändigt ſind. Einen bildhübſchen
Raiſer Alerander von Rußland ſtellt Egon v. Jordan dar,
einen feurigen Prinzen Louis Ferdinand H. A. v.
Schlet=
tow, einen etwas zyniſchen Talleyrant Alfred Geraſch und
den Grafen Hardenberg Theodor Loos. Eine ſchauſpieleriſche
Leiſtung von höchſter Potenz iſt Adele Sandrocks Gräfin
Voß. Die ſchwierigſte Aufgabe im Rahmen der Darſteller hat
Mathias Wiemann in der Verkörperung Friedrich
Wil=
helms III. übernommen. Sie iſt ihm darſtelleriſch glänzend
gelungen.
Einen breiten Rahmen nimmt in dem Film die Flucht der
Königin Luiſe, ihre endliche Heimkehr und die Sterbeſzene ein.
Vielfach dürften die Aufnahwen an hiſtoriſchen Orten gemacht
ſein. Auf die Handlung hier einzugehen, erübrigt ſich. *
Palaſt=Lichtſpiele: „Der falſche Prinz”.
Hiſtoriſch iſt in dieſem Film eigentlich nur der Darſteller
der Hauptperſon, Harry Domela. Im übrigen iſt die Handlung
ſehr frei nach dem gleichnamigen Buch bearbeitet, und das Buch
wiederum wird ſich mit der Wirklichkeit manche Freiheiten
er=
laubt haben. Dadurch wird die ſympathiſche Abſicht der
Her=
ſteller zu einem guten Teil verwirklicht: ſtatt einer ſenſationellen
Hochſtapelei das Schickſal eines durch den Krieg und die
Nach=
kriegsnöte entwurzelten Menſchen zu zeigen. Der Film iſt
in=
folgedeſſen auch am beſten in ſeiner erſten und ernſten Hälfte, in
der er ein wirkliches Zeitdokument gibt.
Die Trennung des Jungen von ſeiner Familie, das
freiwil=
lige Soldatſein des Minderjährigen in einer (hier der baltiſchen)
Landeswehr, die Entlaſſung im Jahre 1919 oder 1920, das
Flüchtlingslager, der Arbeitsnachweis, Induſtriearbeit,
Entlaſ=
ſung, der Arbeitsnachweis, Stellung als Hausburſche, ſechs
ge=
ſtohlene Alpakkalöffel, Vagabondage, Haft, Bettelei, — das alles
ſind ſo typiſche Stufen eines Schickſals, wie es ſich in den letzten
zehn Jahren nicht vereinzelt, ſondern leider tauſendfach ſo oder
ähnlich abgeſpielt hat.
Aus der eigentlichen „Prinzen”epiſode, in die der Film
Domela unfreiwillig und beinahe ohne ſein Zutun hineingeraten
läßt, hat man nicht eine biſſig=tendenziöſe Satire, ſondern ein
Luſtſpiel etwa aus dem Jahre 1830 gemacht, deſſen Geſtalten viel
ſtark aufgetragene Komik, aber wenig Glaubwürdigkeit beſitzen.
In der Zuſammenfügung der beiden nach Charakter und
Bedeutung inkongruenten Teile liegt die Schwäche des Films,
der im übrigen ſich durch gute Spielerleiſtungen und eine Regie
auszeichnet, die — ſeltener Fall! — auch in den Details und
Hintergründen echt und wirklich iſt.
Harry Domela ſelbſt ſieht nicht anders aus, als man
erwar=
tet. Man findet nicht einen roman= oder filmmäßigen
Hochſtap=
ler, ſondern einen nicht ſehr geſunden, ein wenig unbeholfenen
— jawohl: unbeholfenen! — jungen Menſchen mit einem ernſten
und ziemlich bekümmerten Jungengeſicht. Am Ende iſt er
manch=
mal liſtig und verſchlagen, am Anfang tut er einem nur leid.
Dr. N.
Helia.
Das Helia=Lichtſpieltheater bringt gleichzeitig zwei
Groß=
filme, die nicht frei von Tendenz ſind. Von guter Tendenz.
Arthur Schnitzlers „Liebelei” hat eine recht gute
Verfil=
mung erfahren. Recht gut darum, weil dieſer Film ſich ſehr
ge=
ſchickt vom geſprochenen Wort loslöſt und auch für die
Film=
beſucher, die das Schauſpiel nicht kennen, als eigene Arbeit
ver=
ſtändlich bleibt. „Liebelei” iſt die Schickſalstragödie eines jungen
Studenten, der in die Netze einer leichtlebigen Frau der beſten
Geſellſchaft verſtrickt wird und untergeht. Er fällt im Duell mit
dem betrogenen Ehegatten. Tragiſche Schuld, die mehr noch die
kleine Freundin, die Tochter des Stadttheater=Celliſten, trifft, als
die an der Tragödie direkt beteiligten Perſonen. Hier iſt
unſchul=
dige Schuld, unſchuldiges Büßen Geſchick. Das alles iſt ſehr
ernſt, ſehr ſchlicht und überzeugend im Film dargeſtellt, weil ſich
hier eine Reihe von Künſtlern finden, denen es möglich war, ſich
in ihre Aufgaben ſaſt reſtlos hineinzuleben. Da iſt vor allem
Evelyn Holt, die die Chriſtine Weyring mit rührender
Naivi=
tät ſpielt, die weder in den Stunden kindlicher Freude, noch in
dem Abſchluß der tiefſten Tragik irgendwie übertreibt oder
ſchauſpielert. Dieſe hübſche Filmkünſtlerin ſpielt durchaus
natür=
lich, was ſtets beſte Leiſtung in künſtleriſcher Hinſicht bleiben
wird. In Louis Lerch (Fritz Lobheimer) fins— ſie eizen
gleich=
wertigen Partner, wie denn auch alle übrige— Darſteller ſich
ganz ausgezeichnet dem Geſamtrahmen des Schauſpiels
ein=
fügen. Da ſind Henry Stuart (Theodor Kaiſer), Jare;
Fuerth (der alte Weyring), da iſt vor allem Robert Scholz,
der dem Bankier Velten ungemein ſympäthiſche Züge leiht,
dann auch Hilde Maroff (Mizzi Schlager), Vivian Gibſon,
die ganz Verführerin, Betrügerin ſein kann und wundervolle
Toiletten mit graziöſer Selbſtverſtändlichkeit, zu tragen weiß.
Und da iſt auch Karl Platen der aus dem alten Diener
Franz eine ſehr gute Charakterrolle geſtaltet. — Techniſch bringr
der Film eine ganze Reihe entzückender Bilder, ſowohl
Innen=
ausſtattungen wie Straßen= und Naturausſchnitte.
Der zweite Film iſt „Die weiße Sklavin” mit Liane
Laid und Wladimir Gaidarow in den Hauptrollen. Dieſer
Film iſt ausgeſprochene Tendenz. Er ſchildert das Los der
Eutropäerin, die eine Ehe mit einem Araber eingeht. Das Los
dieſer Frauen iſt faſt immer das gleiche, mögen ſie angehören
welcher Nation ſie wollen, ſie werden, wenn der erſte Rauſch der
Liebe verflogen, ſich faſt nie den Sitten und Gebräuchen
nament=
lich der Völker fügen können, in denen die Frau nach Recht und
Geſetz nicht die Rolle ſpielt wie in der Heimat. Der Film iſt
ebenfalls reich an guten Bildern, wenn auch einiges gut fehlen
könnte, er iſt auch reich an tragiſchen Momenten äußeren
Ge=
ſchehens, erfüllt ſomit alle Aufgaben, die an einen Film zu
ſtellen ſind. — Zu beiden Vorführungen bringt das
Haus=
orcheſter mit dem Orgelkünſtler Hans Peter Hüber und unter
Leitung des Kapellmeiſters Ernſt ſehr illuſtrierende Muſik. **
Seite 6
Freitag, den 20 Januar 1928
Nummer 20
*V. Vorträge der Darmſtädter Stubentenſchaft. Geſtern abend
be=
gann in der Otto=Berndt=Halle eine Reihenfolge von Vorträgen unter
dem Titel „Derkoloniale Gedanke‟. Der Vorſitzende der
Darm=
ſtädter Studentenſchaft, Stud. Dürſch, leitete die Verſammlung mit
eine Anſprache ein und gab das Thema des erſten Abends bekannt, das
„Die koloniale Entwicklung der Weltvölker” lautete.
Es ſprach hierüber Profeſſor Dr. G. A. Rein= Hamburg, der den
gegenwärtigen Zuſtand auf dem kolonialen Gebiet als einen
Kriſſenzu=
ſtand bezeichnete. Zunächſt äußerte ſie ſich in früherer Zeit in der
Ten=
denz geſchloſſener europäiſcher Siedlungen, in anderen Ländern ſich
unabhängig zu machen; dann kamen die Unabhängigkeitsbeſtrebungen
von Völkern, wie Chineſen Japanern uſw. Schließlich folgten noch m
der Gagemart primitive farbige Völker; an ſie wird die Bewegung
mehr herangetragen, als daß ſie in ihnen entſtanden iſt. Man muß ſich
nun fragen, iſt das Ende der Koloniſationspolitik bevorſtehend? Die
Betrachtung der Vergangenheit kann die Antwort darauf geben. Die
Vevgrößerung der Lebensbedingungen eines Volkes, Land gewinnen,
Eroberung und Kultivierung ſind Koloniſation; ſie ſtehen ſchon am
An=
fang der Geſchichte. Im Zeitalter der Entdeckungen taten ſich
unbe=
grenzte Möglichkeiten auf; eine Weltgeſchichte war erſt jetzt möglich, und
das Weltſtcatenproblem ſetzt nun ein. Es bildete ſich eine Einheit der
abendländiſchen Völker, trotz des Wettkampfes der einzelnen Nationen.
Es iſt der Drang der Rivalität, der die Kolonialgeſchichte hervorgerufen
het. Weſteuropäiſche Städte wie Liſſabon, Amſterdam uſw. werden
Weltſtädte, aber Mitteleuropa ging zurück, wurde Provinz. Die Urſache
hierfür iſt, daß Deutſchland kein lebendiger Staat mehr wa:, ſondern
eine Fülle von Kleinſtaaten. Der Deutſche wurde Obfekt der Politik,
die andere machten. Die Deutſchen koloniſierten, aber für andere unter
Preisgabe ihres Volkstums. Die Portugieſen haben mit der
Koloni=
ſation begonnen und ein indiſch=portugieſiſches Reich geſchaffen und dieſes
durch afrikaniſche Stationen mit dem Mutterlande verbunden. Dann
folgte Spanien. Der Genucſe Kolumbus iſt ausgefahren im Dienſte der
Spanier. Damit begann die große ſpaniſche Koloniſation in Amerika.
Beide Mächte teilten ſich in die Welt und der Papſt gab die Sanktion
hierzu. Der Weſten wurde ſpaniſch, der Oſden portugieſiſch. Die
Riva=
lität anderer Nationen wurde geweckt; es kamen Franzoſen,
Niederlän=
der und Engländer. Zunächſt waren die kolonialen Verſuche der
Fran=
zoſen und Engländer nicht ſehr weitgreifend. Die Niederländer büßten
bald ihre Kolonialherrſchaft ein; es blieben dann nur Frankreich und
England übrig. 126 Jahre lang dauerte das Ringen der beiden Nationen;
ſchließlich wurde England Herr zur See. Dem Engländer ſteht jetzt
mehr Land zur Verfügung, als es braucht. Fünf Nationen haben die
Welt kolvniſiert, eber eine nur iſt übrig geblieben. Seit 1815 gibt es
wieder ein Weltreich wie das „Imperium Romanum‟. Es bedeutet dies
eine Wende in der Kolonialgeſchichte. Rußland und die Vereinigten
Staaten ſchufen im 19. Jahrhundert neue koloniale Tatſachen. Die
Spannungen zwiſchen England und Rußland ließen es zu, daß wieder
Kolonialmächte auſkamen, zuerſt Frankreich, dann Deutſchland. Sogar
Japan, Italien und Belgien gelang es, Kolonien zu erwerben. Die
Spannungen entluden ſich über Deutſchland, das allen Staaten im Weg
ſtand. Durch den Weltkrieg wurde Deutſchland von der Kolonialpolitik
ausgeſchaltet. Die Welt iſt ſeitdem unruhiger geworden. Wem das
äußere Wachstum verſperrt iſt, muß innerlich wachſen, doch ſind auch
hier Grenzen geſetzt. Wenn wir nicht zugrunde gehen wollen an dem
Druck von außen, iſt es notwendig, daß der Wille eines neuen Geſchlechts
lebendig wird. — Die zahlreichen Anweſenden ſpendeten dieſen
Aus=
führungen lebhaft Beifall.
— Kirchenmuſikaliſche Abendfeier in der Stadtkapelle. Am Sonntag,
ben 22. Januar, abends 8 Uhr, findet das bereits angekündigte kleine
Kirchenkonzert des Bayreuther Bundes der deutſchen Jugend in der
Stadtkapelle ſtatt. Dabei nird Fräulein Erna Senger aus Berlin zum
erſtenmale ihre wundervolle Altſtimme in einem Konzert in Darmſtadt
hören laſſen. Der Eintritt zu der muſikeliſchen Abendfeier iſt frei,
Die Vortragsfolge iſt in der Muſikalienhandlung Chriſtian Arnold
ein=
zuſehen.
— Der Zitherklub Darmſtadt=Beſſungen, ein Vertreter echter
deut=
ſcher Volksmuſik, gibt in dieſem Jahre wieder einer Anzahl juger
Leute Gelegenheit, an einem demnächſt begimnenden „Lehrkurſus
für Zitherſpieler” teilzunehmen. Es kommen nicht nur Anfänger
in Betracht, ſondern auch ſolche, die ſich weiter ausbilden wollen.
— Liedertafel=Maskenball. Wie beroits durch Voranzeige
bekannt=
gegeben, wird der diesjährige Liedertafel=Maskenball am Samstag,
den 4. Februar, abends 8,11 Uhr beginnend, im Städt.
Saalbau ſtattfinden. Sämtliche Saalräume ſind gemietet und
wer=
den in einen Zuſtand verſetzt, daß ſie nicht wiederzuerkennen ſind. Die
Liedertafel hat in ihren Reihen namhafte Künſtler und will ſich
an=
ſtrengen, ihre mit Recht gerühmten Maskenbälle mit ihrem diesjährigen
Motto „Eine Nacht in der Unterwelt” (Motiv und
Dekora=
tion nach den Zeichnungen aus Dantes „Göttlicher Komödie”) zu
über=
trumpfen. Weitere Anzeige folgt.
— Skiklub Darmſtadt—Odenwald Am kommenden Sonntag ſollen
beim Ruheſtein im Schwarzwald die Wettläufe unſeres Gaues
ſtattfinden. Infolge der bisher ungünſtigen Schneeverhältniſſe iſt es
nötig, daß ſich die einzelnen Teilnehmer heute nachmittag, ab 5 Uhr, im
Sporthaus Adelmann erkundigen, ob die Wettläufe durchgeführt werden
können. Gegebenenfalls erfolgt Abreiſe der Teilnehmer, Helfer und
Gäſte am Samstag früh 7.01 Uhr. Führer Herr Gießmann. — Der
Beginn des geplanden Skikurſes auf der Darmſtädter Hütte im
Schwarzwald wird auf den 5. Februar verſchoben. — Die Anmeldungen
zur Teilnahme am Hauptſkikurſus in Galtür (Tirol) ſind ſofort
im Sporthaus Adelmann abzugeben, damit die Hotalzimmer
recht=
zeitig belegt werden können.
Verwaltungsgerichtshof, Zeughausſtraße 2. Oeffentliche
Sitzung am Samstag, den 21. Januar 1928, vorm. 9½ Uhr:
Rechts=
beſchwerde der Frauenärzte Dr. Hoffmann und Dr. Wolff in
Darm=
ſtadt gegen ihre Heranziehung zur Gewerbeſteuer.
Polizeibericht. Erregung öffentlichen
Aergerniſ=
ſes. Am Sonntag nachmittag erregte ein etwa 30—35jähriger
Unbe=
kannter in der Freiligrathſtraße öffentliches Aergernis. Mit entblößtem
Geſchlechtsteil trat er einer größeren Anzahl ſpielender Kinder entgegen
und machte dieſe durch ſeine unſittlichen Redensarten auf ſein Tun
auf=
merkſam. Als die Kinder wegliefen, um die Polizei zu verſtändigen,
entfernte ſich der Unbekannte durch die Kaſtanienallce dem Wald zu. Der
Täter iſt von mittlerer Größe und hat auffallend rote Flecken im Geſicht.
Bekleidet iſt er mit gelblich=braunem Montel und grünem Hut mit Feder.
Perſonen, die Angaben zur Ermittelung des Tävers machen können,
werden gebeten, der Kriminalabteilung — Zimmer 28 — Nachricht zu
geben — Renitenter Unterſtützungsempfänger. Geſtern
vormittag erſchien auf dem Wohlfahrsamt der auf der Wanderſchaft
befindliche Arbeiter Fritz Roſe, geb. 12. Dez. 1894 zu Berenburg, und
ſuchte um eine Unterſtützung nach. Während der Verhandlung mit dem
dienſttuenden Beamten wurde Roſe plötzlich gegen dieſen gewalttätig
und ſchlug Tintenfaß und Fenſterſcheiben entzwei. Roſe konnte
ſchließ=
lich mit Hilfe von zwei hinzukommenden Beamten überwältigt werden.
Er wurde dem Amtsgericht zugeſührt. — Feſtnchme. Wegen
Ver=
dachts des Meineides wurde ein hieſiger Muſiker feſtgenommen und in
das Landgerichtsgefängnis eingeliefert.
p* Große Strafkamyer. Auf Berufung des Angeklagten wurde
gegen einen Einwohner von Walldorf wegen fahrläſſiger
Körperver=
letzung eines Ingenieurs in Groß=Gerau verhandelt. Wir haben
ſeiner=
zeit ausführlich über den Fall berichtet. Das auf drei Monate
Ge=
fängnis lautende Urkeil wurde dahin abgeändert, daß auf eine
Geld=
ſtrafe von 250 Mark erkannt wurde.
Lokale Veranſialtungen.
Dis deruuter erſcheinenden Roligen find and fchileflich als Sinweiſe auf Knzeiven m betradten.
in keinem Falle irgendwie als Deſprechung oder Kritt.
— Verein der Hundefreunde von Darmſtadt und
Umgegend. Samstag, 21. Januar, abends Hauptverſammlung im
Vereinslokal „Brauerei zum goldenen Anker” (Große Ochſengaſſe). Die
Mitglieder werden gebeten, recht zahlreich zu erſcheinen.
— Die Wanderabteilung der Kaufmänniſchen Ste
nographen=Geſellſchaft. Darmſtadt e. V. veranſtaltet am
Sonntag, den 22. Januar, ihre zweite Wanderung im Vereinsjahr 1928.
Abmarſch vormittags halb 8 Uhr ab Meßplatz. Von da über Forſthaus
Eiſerne Hand, Ober=Ramſtadt, Rohrbach, Rodau nach Lichtenberg.
Rück=
fahrt ab Reinheim. Die Mitglieder, ſowie Freunde der
Wanderabtei=
lung ſind hierzu freundlich eingeladen.
Alterserſcheinungen
ſind vielfach bedingt durch Selbſtvergiftung vom Darm aus.
Gift=
ſtoffe werden in das Blut aufgenommen, ſiatt aus dem Körper
ent=
fernt zu werden. — Energiſche, kurgemäße Darmentlaſtung beugt
vor und bringt Hilfe.
Die zuverläſſige Methode iſt die Anwendung des Kruſchen=
Salzes, das in jahrhundertlanger Erfahrung erprobt iſt. Kruſchen=
Salz iſt zuſammmengeſetzt nach den Vorbildern, die uns die Natur
in den beſten Heil= (Bitterſalz=)Quellen gab. — Das Blut wird von
Giftſtoffen gereinigt, die Stauungen in Leber und Milz werden
be=
ſeitigt. Die Befreiung von den Giftſtoffen bringt Auffriſchung des
ganzen Körpers. Die wertvollen Beſtandteile des Kruſchen=Salzes
bewirken eine Anregung des Gallenfluſſes und eine Beruhigung des
Nervenſyſtems und damit des Gehirns. Darmentlaſtung und
Nerven=
erholung hängen ſichtlich zuſammen. Je reiner das Blut, deſto freier
der Geiſt. Ein Glas Kruſchen=Salz reicht für 100 Tage, ſomit
täg=
liche Geſundheitspflege für 3 Pfg.
(TV1008
Stimmen aus dem Leſerfreiſe.
Für die Veröffentſſchungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Rebaltien ſeinertei
Ver=
anwortung; für ſie bleibt auf Grund des 1 21 Abſ. 2 des Preſſegeſetzet in vellem Umſangs
der Einſenber verantwerttſich.) — Elnſendungen, die nicht verwendet werden, können nicht
zurückge andt. die Ablehnung nicht bearündet werden
Anfrage an die heſſiſche Regierung!
Iſt es wahr, daß die heſſiſche Regierung beabſichtigt, einen aus
Rußland ausgewieſenen Schwveizer Staatsangehörigen im Alter von
53 Jahren als Gartenimſpeitor des Botaniſchen Gartens der Tehniſchen
Hochſchle anzuſtellen gedenkt, olvohl ſich mehrere ſrellenloſe deutſche,
darunter auch ein heſſ. Diplomgartenbau=Inſpektor, gemeldet habent
Warum wurde die Stelle nicht öffenulich ausgeſ hrieben?
Aus den Parteien.
— Deutſchnationale Volkspartei und
Deutſch=
nationaler Arbeiterbund, Ortsgruppen Darmſtadt. Die
Veranſtalter der am Samstag, 21. Januar, abends 8.30 Uhr, im großen
Saale des „Rummelbräu” ſtattfindenden Reichsgründungsfeier haben
unſere Mitglieder zur Teilnahme eingeladen. Wir geben dies hierdurch
mit dem Wunſche bekannt, daß von der Einladung recht zahlreich
Ge=
brauch gemacht werden möge.
— Deutſche Volkspartei, Ortsgruppe Darmſtadt. Heute
abend 8 Uhr findet bei Gaſtwirt Nagel, Mauerſtraße 34, eine
Bezirks=
verſammlung der Bezirke 3, 4 und 10 ſtatt, in der Generalſekretär
Welkow einen Lichtbildervortrag über „1000 Jahre Raubpolitik der
Fran=
zoſen am Rhein” halten wird. Außerdem iſt Gelegenheit zur
Ausſprach=
über kommunalpolitiſche Angelegenheiten gegeben. Die Bezirke 3. 4
und 10 umfaſſen die Straßen Rhönring, Liebfrauenſtraße,
Heinheimer=
ſtraße, Pankratiusſtraße, Arheilger= Kranichſteiner=, Gutenberg=,
Die=
burgerſtraße, Künſtlerkolonie, Speſſartring und Umgebung, ſowie die
Innenſtadt und Altſtadt. Selbſtverſtändlich können auch die Mitglieder
aus allen anderen Bezirken dieſen Vortrag beſuchen.
Geſchäftliches.
Darmſtadts Naue wird durch gute einheimiſche Erzeugniſſe weit
über die engeren und weiteren Grenzen hinausgetragen. So erfreut
ſich auch das von der Röhm u. Haas A.=G. in Darmſtadt hergeſtellte
und von der Auguſt Jacobi A.=G. vertriebene organiſche Wäſche=
Ein=
weichmittel Burnus nicht nur in Deutſchland, ſondern auch jenſeits
der Grenzpfähle ſteigender Beliebtheit. Die Firma verbindet jetzt mit
einer heute beginnenden Anzeigen=Serie ein 4000 Mark Preis=
Ausſchreiben, das den Zweck verfolgt, die Stimmung und die
Wünſche der Hausfrauen zu erforſchen und zu erfahren, welcher der
ver=
ſchiedenen Vorzüge dieſes natürlichen Einweich= und Vorwaſchmittels
den Hausfrauen beſonders wichtig iſt. Die Anzeigen ſtehen unter der
Frage „Warum Burnus?”, und können der Aufmerkſamkeit aller
fort=
ſchrittlichen Leſerinnen nur dringend empfohlen werden. Wir zweifeln
nicht daran, daß die Beteiligung am hieſigen Platze beſonders lebhaft
ſein wird, und wünſchen, daß ein recht großer Teil der Preiſe nach
Darmſtadt ſelbſt fallen möge.
Tageskalender für Freitag, den 20. Januar 1928.
Landestheater Großes Haus, Anf. 19 Uhr, Ende gegen
22½ Uhr: „Das Käthchen von Heilbronn”. — Kleines Haus:
Keine Vorſtellung. — Orpheum, Anf. 2 Uhr: „Der Hexer” —
Konzerte: Hotel Schmitz, Schloßkaffee, Weinhaus Maxim, Groß=
Darmſtadt, Rheingold. — Städt. Akademie für Tonkunſt,
abends 20½ Uhr, Vortrag Dr. Heidenreich=Frankfurt a. M. über:
„Menſchenſeele und Menſchenleib”, — Kinpvorſtellungen;
Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſpiele, Helia,
Gottesdienſt der ifrgelitiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge (Friedrichſtraße)
Freitag, den 20. Jan.: Vorabendgottesdienſt 5 Uhr 00 Min.
Samstag, den 21. Jan.: Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Miu,
— Sabbatausgang 5 Uhr 55 Min
Gottesdienſt an den Wochentagen: Morgens 7 Uhr 30 Min. —
Abends 6 Uhr 00 Min.
Gebetszeiten in der Synagoge der iſraelitiſchen Religionsgeſeilſchaft
Samstag, den 21. Jan.: Vorabend 4 Uhr 35 Min. — Morgens
8 Uhr. — Nachm. 4 Uhr. — Sabbatausgang 5 Uhr 55 Min.
Wochengottesdienſt: Morgens 7 Uhr 05 Min. — Abends 4 Uhr
30 Minuten
Montag, den 23. Jan.: RauſchChaudeſch Schwaat.
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evtl. auch Man).=Zim
Ang unter T 71 an) die Geſchſt. (e1779
Spülung des Waſſerrohrnetzes.
In der Zeit vom Samstag, den
21. Jan. bis Montag, den 6. Febr
ds. Js., wird das ſtädt.
Waſſerrohr=
netz geſpült.
Dabei läßt ſich eine Trübung des
Lei=
tungswaſſers nicht vermeiden; auch muß
die Waſſerlieferung von abends 22 Uhr
bis morgens 5 Uhr unterbrochen werden.
Den Waſſerabnehmern wird deshalb
empfohlen, ſich rechtzeitig mit Waſſer zu
verſorgen.
Bei den Druckrohrſpülungen wird die
Waſſerlieferung nur vermindert.
Straßenverzeichnis mit der
Bezeich=
nung der einzelnen Spülabteilungen
kann an den bekannten Aushangſtellen
des Herrn Oberbürgermeiſters eingeſehen
werden.
Spülplan:
Hauptdruckrohr I Samstag, 21. Jan.
Abteilung 4 Montag, 23.
B Mittwoch, 25.
b Freitag, 27.
C Samstag, 28.
Montag, 30.
D Mittwoch, 1. Febr.
d Freitag, 3.
E Samstag, 4. „
von abends 22 Uhr ab.
Hauptdruckrohr II Montag, 6. Febr., von
nachmittags 16 Uhr ab.
(st 1480
Darmſtadt, den 17. Febr. 1928.
Direktion der ſtädt. Betriebe.
Stamm= und Brenn
holzverſteigerung
in Seeheim.
Näch ten Dienstag, den 24. Jan.,
vormittags um 9 Uhr anfangend,
werden im Saale vom „Darmſtädter
Hof” bei Gaſtwirt Jakob Hörr in
See=
heim aus dem Gemeindewald (Diſtrike
Röder) folgende Sortimente Nutz= und
Brennholz verſteigert:
1. Kiefern=Stämme 58 Stück,
2. 41 rm Kiefern=Scheit,
=Knüppel,
3. 35 „
=Aſtwellen,
4. 3200
5. 113 „ „ Stockholz.
Es kommen die Nummern von 265
bis 602 zum Ausgebo..
Das Holz iſt ſehr gut abzufahren, die
Bedingungen werden, vor der
Berſteige=
tung bekauntgegeben. Zahlungsfriſt
ge=
gen Stellung ſicherer Bürgſchaft bis
(1474a
1. September 1928.
Heſſiſche Bürgermeiſterei Seeheim
Roßmann.
Waß-Schnelderei
feinsten Stils für
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Darmnstadt
Ludwigsplatz
1499a
Oeffentliche Aufforderung.
Die im hieſigen Handelsregiſter A
ſtr. 327 (altſeingetragene Firma Jſaak
Lichtenſtein & Levi Lichtenſtein II.
in Langſtadt ſoll gemäß § 31, Abſ. 2
Handelsgeſ.=Buch und 8 141
Freiwilligen=
gerichtsbarkeitsgeſ. von Amts wegen
ge=
löſcht werden. Der Mitinhaber Lev
Lichtenſtein II. iſt verſtorben und es
werden ſomit ſeine Rechisnachfolger
hier=
durch aufgefordert, einen etwaigen
Wi=
verſpruch gegen die Löſchung binnen drei
Monaten bei dem unterzeichneten Gerich
geltend zu machen, widrigenfalls die
(1465
Löſchung erfolgen wird.
Groß=Umſtadt, den 14. Jan. 1928.
Heſſiſches Amtsgericht.
Zumieten geſucht
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Beſon=
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Handlungsgehilfen und =Lehrlinge
in Darmſtadt.
Nachdem auf die Bekanntmachung vom
2. Januar d. Js. aus dem Kreis der
Arbeit=
geber und der Verſicherten nur je ein
Wahl=
vorſchlag eingereicht worden iſt, gelten die
darauf bezeichneten Perſonen ohne weitere
Wahlhandlung als gewählt.
Die vorgeſchlagene Wahl am 13. Februar
d. Js3. findet alſo nicht ſtatt. Die Gültigkeit
der Wahl tann innerhalb 14 Tagen, und
zwar bis Freitag, den 3. Februar 1928 bei
dem Kaſſenvorſtano in Darmſtadt,
Rhein=
ſtraße 47, oder bei dem Veiſicherungsamt
Darmſtadt angefochten werden
Die Entſcheidung über die Anfechtung
ſteht dem Verſicherungsamt zu.
Darmſtadt, den 20. Januar 1928,
Beſondere Ortskrankenkaſſe Merkur
für Handlung;gehilfen und =Leh linge
Darmſtadt.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 20
Freitag, den 20. Januar 1928
Seite 7
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geſchäfts=
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unterliegt geringster Abnutzung. Denn
seine Umdrehungszahl ist niedrig. Daher
auch seine Wirrschaftlichkeit, sein geringer
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Chevrolets laufen schon rooooo Kilometer,
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(1750
Seite 8
Freitog den 20 Januar 1928
Nummer 20
Aus Heſſen.
Starkenburg.
An. Arheilgen, 19. Jan. Beſitzwechſel. Des bekannte
Gaſt=
haus „Zum weißen Schwanen” ging durch Kauf an den Schwiegerſohn
des früheren Beſitzers, Herrn Emil Schäfer, über. — Der
Städte=
wettkampf Stuttgart=Kornweſtheim — Arheilgen (Arbeiter=Turn=
und Sportperein) nahm einen überaus glänzenden Verlauf. Beide
Mann=
ſchaften zeigten nur hervorragende Leiſtungen. Geturnt wurde an
Barren, Pferd und Reck. Doch blieb unſere einheimiſche Mannſchaft
etwas zurück und ſiegte Stuttgart mit 13 Punkten mehr. Die Pauſen
wurden dunch ſehr ſchöne Uebungen der württembergiſchen
Akrobaten=
truppe ausgefüllt. Ein Gegenturnen iſt für den 17. und 18. März dieſes
Jahres in Stuttgart vorgeſehen. — Der Arbeiter=Turn= und
Sportverein, der bekanntlich in dieſem Jahre auf ein 25jähriges
Beſtehen zurückblicken kann, wird dieſes Ereignis am 21., 22. und
23. Juli dieſes Jahres durch eine größere Feſtlichkeit feiern. Beſchlüſſe
betreffs dieſer Veranſtaltung werden dieſen Samstag bei der 25.
ordent=
lichen Generalverſammlung im kleinen Saale des Gaſthauſes „Zum
goldenen Löwen” gefaßt werden. In Anbetracht der wichtigen
Tages=
ordnung wird ein vollzähliges Erſcheinen ſämtlicher Mitglieder mit
Ausnahme der jugendlichen erwartet. — Die hieſige
Sportver=
einigung hält dieſen Samstag im Gaſthaus „Zum weißen
Schwa=
nen” ihren Vereinsball ab. — Die neu eingeführten
Fahrſchein=
heftchen der Heſſiſchen Eiſenbahn=Geſellſchaften, die nach Mitteilung
des Darmſtädter Verkehrsvereins auch nun für die Vororte ſo große
Vorteile bieten ſollen, haben für die hieſige Bevölkerung keinerlei
Ver=
billigung der Fahrt gebracht, da nach wie vor die Zufatzſcheine in Kraft
bleiben und dadurch der Fahrpreis derſelbe iſt. Bei gutem Willen wäre
jedoch ein Ausweg zu inden, der der Heag keine Nachteile, aber den
Fahrgäſten eine Preisermäßigung brächte, und die Kontrolle durch den
kleinen Schein könnte doch beſtehen bleiben.
— Weiterſtadt, 18. Jan. Die Generalverſammlung der
Turngemeinde e. V. wurde von Turner Gg. Hirſch (2. Vorſ.) geleitet. Sie
nahm einen, von turneriſthem Geiſt getragenen Verlauf. Den
Jahres=
bevicht über die Tätigkeit des Vereins erſtattete Ad. Heß. Die
Rechnungs=
cblage erfolgte durch Turner Michael Beſt. Die Vorſtandswahl brachte
dem Verein 2 neue Vorſitzende, als 1. den altbewährten früheren
Vor=
ſitzenden Chriſtoph Hirſch und als 2. den in Sportkreiſen wohlbekanuten
Adom Roher. Schriftführer, Rechner und Zeugwart (Jak. Greifenſtein)
wurden einſtimmig wiedergewählt. Nach einer zündenden Anſprache
des neugewählten 1. Vorſitzenden ſchloß dieſer mit einem „Gut=Heil” die
Verſammlung.
Aa. Braunshardt, 17. Jan. Wertzuwachsſteuer. Der
Er=
laß einer Ortsſatzung über die Erhebung einer allgemeinen
Wert=
zuwahsſteuer in der Gemeinde Braunshardt iſt vom Miwiſterium des
Innern genehmigt worden. Die Satzung iſt daher i Kraft getreten.
Die einzelnen Beſtimmungen liegen gegenwärtig bis zum 22. Januar
einſchließlich auf der Bürgermeiſterei zur Einſichtnahme auf.
J. Griesheim, 18. Jan. Radſport. Im großen Feſtſaale
des Gaſthauſes „Zum grünen Laub” veranſtaltete der
Nadfahrerverein „Conus” ein Gala=Saalſportfeſt. Dieſe Veranſtaltung
war ſehr gut von hieſigen und auswärtgen Sportlern beſucht. Nech
einem flott geſpielten Eröffnungsmarſch der Hauskapelle Rühlemann
fuhren in ſchmuckem Dreß auf niedlichen blanken Saalmaſchinen 6 Damen
und 6 Herren in feurigem Tempo unter den Klängen des Märſches
„Frei w.g” den Begrüßungsreigen, dem dann die verſchiedenen Reigen
der Schüler= Jugend= und Demenriegen folgten. Die erſte
Mann=
ſchaft fuhr wieder einen 6er und 8er Kunſtreigen ſowie ihren bekannten
Steuerrohreigen. Ein 6er Bogenreigen ſowie ein Glühlichtreigen der
Jugendmaunſchaften vervollſtändigten das reichhaltige, ab
vechſlungs=
reiche Programm. Als Kunſtfahrer hatte man den Deutſchmeiſter
H. Wollmana=Bautzen verpflichtet. Was uns dieſer ſchon 46jährige
vor=
führte, ſetzte alle die Beſucher in Erſtaunen. In allen nur denkbaren
Lagen und Stellungen des Körpers führte er ſeine waghalſigen, faſt
unglaublichen Kumſtſtücke mit größter Exaktheit und Sicherheit auf dem
Ein=, Zwuei= und Hochrad, ob vowärts oder nichwärts, aus. Die
jugend=
liche Kunſtfahrertruppe des Radfahrervereins Pfungſtadt, beſtehend aus
5 Mann, war ebenfalls erſchienen und leiſtete ganz Vorzügliches.
Ge=
wandtes Turnen, Handſtandübugen und Pyramidenbau während des
Fahrens zeichnete dieſe Truppe ganz beſonders aus. Sie befindet ſich in
ſehr guter Form. Auch ihr wurde reicher Beifall zuteil. Zur Radball=
Konkurvenz ſtellten ſich 6 Mannſchaften aus den Vereinen Goddelau,
Rüffelsheim, Wörrſtadt umd Erbenheim Den erſten Sieg errang die
1. Mannſchaft des Radfahrervereins Rüſſelsheim, den 2. Wörrſtadt und
den 3. Goddelau. Alles in allem muß geſagt werden, daß der
Rad=
fahrerverein „Conus” uns auch diesmal wieder etwas ganz
Hervor=
ragendes bot.
Aa. Pfungſtadt, 19. Jan. Ein neuer
Weihnachtsſpar=
verein iſt hier in der Bildung begriffen. Ungefähr 70 Perſonen haben
ſich bereits in die Einzeichnungsliſte zur Vorbereitung der
Vereins=
gründung eingezeichnet. — Vortragsabend. Der Evangeliſche
Mädchenverein hält am Freitag abend in ſeinem Heim eine
Verſamm=
lung ab, in deren Verlauf Fräulein Dora Thiele aus dem
Burkhardts=
haus einen Vortrag halten wird. — Die Erſte Pfungſtädter Kohlen=
Frankenſteiner Hof” ihre diesjährige ordentliche
Generalverſamm=
lung ab. Der wichtigſte Punkt iſt wieder die Brennmaterialverſor= und der „Sprechchor”.
gung.
G. Ober=Rayrſtadt, 19. Jan. Turnverein E. V. 1877. Der dies= des Hotels „Zum Altdeuſchen Hof”, Willi Knuſt, iſt nach
monatelan=
jährige Maskenball des Turnvereins findet am Samstag, den 28. Januar,
im Saalbau „Eliſenbad” (Supppes) ſtatt. Wie in früheren Jahren wird
er ſich auch diesmal eines guten Zuſpruchs zu erfreuen haben, zumal er
zum erſtenmal an einem Samstagabend ſtattfindet.
f. Roßdorf, 18. Jm. Gemeinderatsbericht. Zu
einem Geländetauſchvertrag zwiſchen der Reichsbahngeſellſchaft und der
Gemeinde Roßdorf erklärt der Gemeinderat ſeine Zuſtimmung. Die
Koſten ſür Unterhaltung der Feſeltiere werden vom neuen Rechnungs= veranſtaltet am B. und 2. Januaer im Schnerkers Gartenſaal eine
jahre ab auf die Gemeindekaſſe übernommen; eine Umlegung auf die
Viehbeſitzer erfolgt nicht. Zu den in letzter Sitzung beſchloſſenen
Be=
dingungen für die Holzverſteigerungen wird nachgetragen, daß ab 12. No= den. Die Ortspolizeibehöude gibt bekannt, daß mit Rückſicht auf die
vember als Verzugszinſen die jeweils geltenden Bankzinſen zu berechnen
ſind. Hinſichtlich der projektierten Kancliſation der Dieburger= und
Erbacherſtraße hält man es für zweckmäßig, daß ſeitens des Kultur= wird eine einheitliche Berückſichtigung aller Intereſſenten angeſtrebt. —
bauamts alsbald ein Vortrag gehalten wird. Hierzu ſollen der
Ge=
meinderat ſowie die Antragſteller eingeleden werden. Aus einem mit am kommenden Samstag, den 21. Januar, in den mit Tannengrün
feſt=
der Gemeinde geſchloſſenen Kaufvertrag vom Jahre 1922 macht Georg
Michgel Breitwieſer 3. als Verkäufer Aufwertungsanſprüche geltend.
Nach Beſprechung der Sachlage kommt man zu dem Entſchluß, daß der
Antrag abzulehnen ſſt. Geſuchſteller iſt durch ſeinerzeit erhaltenes
Tauſchgelände ausreichend entſchädigt worden. — An zwei Bauluſtige
gungen zugeteilt. Das Gelände für die Verbindungsſtraße von der
Wingert= nach der Darmſtädterſtraße ſoll erworben werden. — Ge= ſtadt geſchloſſen teilnehmen.
meindergt Haas hat die Erneuerung des Pflaſters in der Neu= und
Löwengaſſe beantragt. Dem Antrag ſoll ſobeld als möglich näher
ge=
treten werden. Zur Submiſſion von etwa 300 Raummeter
Kiefern=
röller hatten ſich 7 Intereſſenten eimgefunden. Höchſitbietender waren
Gebr. Weigel, Holzwarenfabrik zu Höchſt i. Odw., mit 16,55 Mk. pro
Naummeter. Der Gemeinderat erteilt zu den vereinbarten Bedingungen
en Gebr. Weigel den Zuſchlag. Das Vermeſſungsamt empfiehlt
An=
ſchaffung von Gußbolzen, da bei Feſtſtellungen von Grenzen in
Orts=
teilen und bei maſſiven Einfriedigungen die geſetzlich vorgeſchriebene
Abmarkung mit Grenzſteinen unmöglich ſei. Der Gemeinderat beſchließt
Anſchaffung von 50 Bolzen. Die Bolzen tragen die Aufſchrift „
Grenz=
punkt” und werden im Bedarfsfalle an die Grundeigentümer abgegeben.
Der Koſtenpunkt pro Bolzen beträgt 45 Pfg. Ladislaus Wild aus
Darmſtadt will die Gaſtwirtſchaft Schumann, Dieburgerſtraße, ab 1.
Fe=
bruar pachtweiſe überehmen und bittet um die Erlaubnis. Da in dem
Hauſe ſchon eine lange Reihe von Jahren Wirtſchaft betrieben wird,
beſteht gegen die Genehmigung kein Hindernis. — Zum wiederholten des Vormittagsgottesdienſtes dunch Herrn Dekan Bernbeck=Hirſchhorn
Male ſoll über die Gewährung von Vorauszahlungen auf die geplante
Becmtenbeſoldung für die Gruppen 7 ud 9 beſchloſſen werden. In ſpricht am morgigen Freitag Herr Oberlandmeſſer BuxbaumMichelſtadt
einer kreisamtlichen Verfügung wird zur Vermeidung eines
Verwal=
tungsſtreitverfahrens empfohlen, des früheren ablehnenden Beſchluß auf= Lichtbilder uterſtützt. Der Vortrag findet abends 8½ Uhr im
Zeichen=
zuheben und die Vorauszahlurger zu genehmigen Schriftliche Abſtin= ſaale der Oberrealſchule Michelſtadr ſtatt.
mung ergab Beſtehenbleiben des ablehnenden Beſchluſſes. 6 Stimmen
waren für Genehmigung. Für die Krankenſchweſter ſind ab 1. Oktober
1977 monatlich 15 Mk. mehr wie ſeither an die evangeliſche Kirchenkaſſe
zu entrichten. Anſtelle der in Ausſicht genommenen Schulgärten im
Gewvann „Körbia” erklärt ſich der Gemeinderar damit einverſtanden,
wenn ſolche im Gewann „ober der Fuchſenhütte” hergeſtellt werden.
— Frankenhauſen, 18. Jan. Sonntag, den 22. Januar, abends,
hält der hieſige Geſangverein (Deutſcher Liederkranz) im Saale von
Gg. Krämer ſeinen Vereinsball ab. Einige Lieder des Geſangvereins
leiten den Ball ein.
Turnbereins findet nächſten Samstag, den 21. d. M., abends, im Gaſt
haus „Zur Traube” ein Werbeabend für Frauenturnen ſtatt. Neben
Uebungen der Turner wird von der Frauenriege des Turnvereins
Reichelsheint unter Leitung ihres Fr. enturnparts Sdalt und
Mitwir=
kung des Gau=Framenturmwarts Adrian=Kirch=Brombach, ein ſehr
reich=
haltiges Programm vorgeführt. Die äußerſt reiche Vortragsfolge wird
jeden Beſucher befriedigen.
1
Die Bürgermeiſterwahl in Eberſiadt.
Stimmengleichheit in der Stichwahl. — Das
Los entſcheidet. — Dr. Curi Uecker=Darmſiadt
Bürgermeiſter von Eberſtadt
Eberſtadt, 19. Januar.
In der heutigen Gemeinderatsſitzung wurde zum
Berufs=
bürgermeiſter der Gemeinde Eberſtadt Herr Dr. Curt Uecker=
Darmſtadt aufſdie Dauer von 9 Jahren gewählt.
Bei der erſten Abſtimmung erhielten Dr. Uecker 9 Stimmen,
Stadtinſpektor Lang=Darmſtadt 2 Stimen und
Landtags=
abgeordneter Storck, den die ſozialdemokratiſche Fraktion kurz
vor der Wahl noch als Kandidaten namhaft gemacht hatte,
10 Stimmen. In der Stichwahl erhielten Storck und Dr. Uecker
je 10 Stimmen. Das Los des Vorſitzenden, das nunmehr zu
entſcheiden hatte, fiel auf Dr. Curt Uecker.
Perkehrsverband Darmſiadt — Frankfurt.
Aa. Langen, 19. Jan. Dieſer Tage hielt hier der Verkehrsverband
der Strecke Darmſtadt—Frankfurt in der „Weſtendhalle” eine größere
Verſammlung ab, um vor allen Dingen die im Vorortverkehr nach
Darmſtadt und Frankfurt beſtehenden Mängel zu beſprechen und
Von=
ſchläge zur Abhilfe zu machen. Es wurden bedeutend beſſere
Verbim=
dungen ſowohl in Richtung Darmſtadt als auch in Richtung Frankfurt
verlangt. Beſonders kritiſiert wurden auch die auf der genannten Strecke
durch deren Belaſtung vorkommenden Zugverſpätungen, die Arbeitm
und Angeſtellten große Nachteile an ihrer Arbeitsſtelle brächten.
Be=
grüßt wurde die Einrichtung eines Triebwagenverkehrs ab Neu=
Iſen=
burg nach Offenbach. Gerade da Langen viel bei den Behörden in
Offenbach zu tun habe, ſei die Aufrechterhaltung dieſer Verbindung
un=
bedingt erforderlich.
Der Verkehrsverband beſprach weiterhin die Frage der Errichtung
eines neuen Poſtamtes für Langen. Der Bau ſoll noch im
Laufe dieſes Jahre begonnen werden und im Herbſte bereits bezugsfertig
ſein. Das zu erbauende Poſtamt kommt in den Garten der frühenen
Haushaltungsſchuſe zu ſtehen. In Anbetracht der großen
wirtſchaft=
lichen Beziehungen zwiſchen dem Langener Gewerbe und Handwerk und
Darmſtadt wurde die Einfüihrung eines Fernſprechſchnellverkehrs
ge=
fordert.
Grünlandkurſus der Seſſiſchen Landwirtſchaftskammer
in Reichelsheim im Odenwald.
N. Reichelsheim, 18. Januar.
Zwwecks Förderung der Beſtrebungen des Grünlandvereins,
die von der Landwirtſchaftskammer aufs eifrigſte unterſtützt
werden, wurde heute im Saale des Herrn Tritſch in
Reichels=
heim ein Grünlandkurſus veranſtaltet. Derſelbe war von vielen
Landwirten aus dem Gerſprenztal und der weiteren Umgebung,
wie auch von den Schülern der Landwirtſchaftlichen
Winter=
ſchule beſucht und wurde vom Vorſitzenden des
landwirtſchaft=
lichen Bezirksvereins Reichelsheim=Groß=Bieberau, Herrn
Mühlenbeſitzer Bauer von Fränkiſch=Crumbach, unter
herz=
lichen Begrüßungsworten eröffnet. Zunächſt ſprach Herr
Gene=
ralſekretär Dr. Rohde von Darmſtadt über „Die Bedeutung
der Grünlandwirtſchaft für die Tierzucht des Odenwaldes”.
Der Referent ging in ſeinen ausgezeichneten Ausführungen
da=
von aus, daß die ſchwere Kriegszeit mit ihrer Blockade gelehrt
habe, wie nötig es ſei, daß die deutſche Landwirtſchaft,
unab=
hängig vom Ausland, das deutſche Volk ernähre. Eines der
Mittel, die dieſem Zweck dienſtbar gemacht werden müſſen, iſt
die Hebung der Produktion durch Grünland, die Kultivierung
der Wieſen und die vermehrte Anlegung von Weiden. Wie in
der Schſveiz, im Allgäu, in Oſtfriesland und anderen Gegenden
unſeres Vaterlandes, ſo werden auch die Landwirte des
Oden=
waldes größere Erfolge in der Tierzucht erzielen, wenn ſie ihren
Betrieb mehr als ſeither auf die Grünlandwirtſchaft einſtellen.
Durch die reichen Niederſchläge werden häufig in unſerem
Ge=
birge die Kulturpflanzen an den Hängen vernichtet, aber wenn
dieſe zu Weiden angelegt werden, bringen ſie viel größeren
Nutzen. Welche Vorteile der Weidegang für das Vieh bringt,
wurde an zahlreichen Beiſpielen der von der
Landwirtſchafts=
kammer angelegten Weiden für das Jungvieh dargelegt. Eine
Hauptbedingung für die Beſchickung ſolcher Weiden iſt, daß
bei=
ſpielsweiſe die Kälber ſchon beſſer ernährt wwerden ſollten; dieſe
ſollen, nachdem ſie erſt mit Vollmilch ernährt worden ſind, neben
anderem Futter mit Mogermilch gefüttert werden bis zum Alter
von einem Jahr. Wichtig iſt, daß die Landwirtſchaftskammer
Zuſchüſſe bei Anlegung von Weideland gewährt.
Nach dem mit Beifall aufgenommenen Vortrag gab Herr
Diplomlandwirt Gräber praktiſche Vorſchläge für die
An=
legung von Weiden, für die Ent= und Bewäſſerung der Wieſen,
für die Durchlüftung des Bodens mittelſt geeigneter Geräte;
auch die Düngung und die Erntemethoden wurden beſprochen.
Die Darlegungen dieſes Redners zeugten von großer Erfahrung
und reicher Sachkenntwis und wurden ebenſo beifällig
aufge=
nommen. Anſchließend gab Herr Kulturinſpektor Chriſt vom
Kulturbauamt ſeiner Freude über die Fortſchritte auf dem
Ge=
biete der Wieſenanlagen im Gerſprenztal Ausdruck; denn an
dem Zuſtand der Wieſen erkenne er den Landwirt. Er empfahl
die Trockenlegung naſſer Wieſen mittelſt Drainage. Von allen
Rednern wurde wiederholt darauf hingewieſen, daß die
Land=
wirte in allen Fragen Auskunft von der Landwirtſchaftskammer
erhalten. Die am Nachmittag von Herrn Diplomlandwirt
Grä=
ber vorgeführten und erläuterten Lichtbilder gaben den
Be=
ſuchern eine große Menge von Beweiſen dafür, wie eifrig die
Landwirtſchaftskammer und deren Ausſchüſſe beſtrebt ſind, die
Tierzucht und den Pflanzenanbau in Heſſen zu fördern.
Jung=
viehweiden, Muſterwirtſchaften, Saatgutzüchtereien, die Führung
der Herdbücher, Beiſpiele von Leiſtungsprüfungen u. a. m.
be=
wieſen, daß Landwirte und die Landwirtſchaftskaner Hand in
Hand arbeiten, um zur Ernährung unſeres Volkes nach beſten
Kräften beizutragen.
Be. Ober=Raiusbach, 18. Jan. Bei, Herrn Gaſtwirt Heinrich Hörr
fand die Abendunterhaltung des hieſi gen Kleinkaliber=
Schützen=
vereins ſtatt. Pünktlich 8 Uhr eröffnete der Vorſitzende J. Bräunig die
Veranſtaltung. Aldann erfolgte das erſte Spiel „Die Wetterkiſte”,
wel=
ches allgemeinen Beifall bei dem Publitum fand. Als zweites Spiel
folgte „Treu der Heimatſcholle”, ein Volksſtück in drei Akten, euches
eine beſondere Anerkennung verdient. Als letztes Spiel folgte „Erwiſcht”
oder „Die Chemäumer auf dem Schüitzenfeſt”, ein humoriſtiſches
Geſamt=
ſpiel, welches noch einmal allgemein die Lachmuskeln in Bewegung
ſetzte. Anſchließend fand noch ein Tänzchen für die Jugend ſtatt.
— Reichelsheim i. O., 19. Jan. Samstag, den 21., und Sonntag,
den 22. Januar, abends, hält der hieſige Freie Turnverein im Saale des
kaſſe hält am Sonntag, den 22. Januar, nachmittags, im Gaſthaus „Zum Gaſtwirtes J. Weimar ſeine diesjährige Abendunterhaltung ab. Zur
Aufführung gelangen: „Turner auf zum Streite‟, „Reiſe nach Chicago”
L. Michelſtadt, 19. Jan. Todesfall. Der Hotelier und Inhaber
ger Krankheit in der Univerſitätsklinik Heidelberg verſchieden. Mit
ihm geht ein wegen ſeines originellen Auftretens im ganzen Odeupald
bekannt gewordener Gaſtwirt dahin, der ſich großer Beliebtheit erfreute.
Ein zahlreiches Trauergefolge geleitete ihn auf ſeinem letzten Gang. Von
Vereinen waren vertreten, der Radfahrerverein 1902, der Turnverein
(DT.) der Geſangverein Liederkranz und der Geſangverein Sängerluſt.
— Brieftauben=Ausſtellung. Der hieſige Brieftaubenklub
große, reich beſchickte Ausſtellung vielfach prämierter Brieſtauben aus
demr hieſigen Bezirk. — Veranſtaltung von
Kappenaben=
vorjährigen Erfahrungen in dieſem Jahre jedem Gaſtuwirt die
Genehmi=
gung zur Abhaltung von zwei Kappenabenden zugeſtanden wird. Damit
Jahresfeſt. Die Ortsgruppe Michelſtadt des Odenwaldklubs hält
lich geſchmüickten Räunen des Schmerkers Garten ihr Jahresfeſt ab. Ein
reichhaltiges Programm wird den Beſuchern Darbietungen der
verſchie=
denſten Art bringen, ſo u. a. Neigen und Tänze der Jugendgruppe,
fer=
ner ein Theaterſtück „Das Lieschen‟. Da an dieſem Tage, ſowie dem
darauffolgenden, der Hauptausſchuß des Odenwaldklubs mit ſeinem
Vor=
werden Bauplätze im Gewann „im Mummler” zu den üblichen Bedin= ſitzenden, Herrn Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing=Darmſtadt, in unſeren
Mauern weilt, wird derſelbe an dem Jahresfeſt der Ortsgruppe Michel=
— Michelſtadt, 18. Jan. Das in ganz Heſſen und über ſeine
Gren=
zen hinaus bekannte „Stockheimer Bierkolleg” feiert in dieſen Tagen ſein
70. Stiftungsfeſt. Es iſt hervorgegangen aus einem Stammtiſch von
Herren, die in Michelſtadt und Erbach anſäſſig waren, und vom Jahre
1857 ab im „Anker” zu Stockheim dagten. In ſpäteren Jahreu bauten
ſie dieſe Zuſammenkünfte zu einem geſelligen Verein aus, der auch über
die Kriegsjahre und Nachkriegszeit hinweg ſeine Lebensfähigkeit erwies.
b. Erbach i. O., 19. Jan. Heſſiſches Künſtlertheater.
Das geſtrige Gaſtſpiel „Charleys Taute” war für die Truppe ein voller
Erfolg. Der Saal hätte jedoch beſſer beſetzt ſein dürfen. Es iſt
be=
dauerlich, daß das Publikum, dem hier derartige Sachen ſelten geboten
werden, die Gelegenheit nicht mehr benützt. — Die hieſige zweite
evan=
geliſche Pfarrſtelle wurde dem Pfarrer Hermam Haßlinger aus
Darm=
ſtadt übertragen. Haßlinger war ſeither als Pfarraſſiſtent in Vilbel
tätig. Die Amtseinfühung findet am kommenden Sonntag gelegentlich
ſtatt. — In der Odenwäldervereinigung für Kunſt und Wiſſenſchaft
über Marben und Abmarkungen. Die Ausführungen werden durch
Bn. Hirſchhorn, 19. Jan. Ueberfallen. Als am vergangenen
Sonntag abend, kurz nach 12 Uhr, der Polizeidiener Fiſcher in dem
unweit von hier gelegenen Heddesbach, in der Wirtſchaft des Gaſtwirtes
Leonhard Görſam, Feierabend bieten wollte, wurde er daſelbſt im
Haus=
flur von drei unbekannten Männern überfallen, geſchlagen und getreten,
ſo daß der Beamte bis jetzt noch dienſtunfähig iſt und es auch wohl
noch einige Zeit bleiben wird. Nach den rohen Tätern wird von ſeiten
der Gendarmerie eifria gefahndet, hoffentlich mit Erfolg, damit die
Täter ihren wohlberdienten Strafen nicht entgehen. — Heute wurden
drei Glochen, von denen die größere, wie ſchon bereits gemeldet, geſprun=
Fränkiſch=Crumbach, 19. Jan. Auf Veraplaſſung des hieſigen gen iſt, vom alten Turm bei der katholiſchen Stadtkirche, der noch ein
Ueberreſt von der früheren Befeſtigung der Stadt iſt, berunter
genom=
men, um in einer Glockengießerei in Frankenthal (Pfalz) zu einem
neuen Geläute umgegoſſen zu werden. Mit dem Verſchwindeu dieſer drei
Glocken wird die an Altertümern reichie Stadt Hirſihburn wiederum um
drei Zeugen alter Zeit ärmer. Während die größte der drei Glocken aus
dem Jahre 1631 ſtammt, ſind die beiden andeuen Glochen im Anfang des
15. Jahrhunderts beſchafft worden, während welcher Zeit auch die große
katholiſche Stadtkiuche erbaut wurde, die ſeit dieſer Zeit ſchon wiederholt
konfeſſionell ihren Eigentümer gewechſelt hat. Während die an den
Turm angebaute Kirche nunmehr Eigentum der katholiſchen
Religions=
gemeinde iſt, gehört der Glockenturm, der früher als Verbindung des
Hinter= und Vorderſtädtchens galt, heute aber ein großes
Verlehrtz=
hindernis mit ſeinem engen Torbogen bildet, wie auch die altertümliche
Kirche im Ersheimer Friedhof der politſchen Gemeinde Hirſchhorn,
wes=
halb auch das neue Geläute von der politiſchem Gemeinde beſchafft wird.
Es wird, wenn keine unvorhergeſehenen Hinderniſſe eintreten, damit
ge=
rechnet, daß bis Oſtern die Stadt Hirſchhorn im Beſitze des neuen
Ge=
läutes ſein wird.
* Hirſchhorn, 19. Jan. Waſſerſtand des Neckars am
18. Januar: 1.46 Meter; am 19. Januar: 1,42 Meter.
g. Gerusheim, 18. Jan. Generalverſammlung. Im
Klub=
lokal Gaſthaus „Zum Löwen” fand die Genevalverſammlung des
Fuß=
ballklubs Konkordia 1910 ſtatt. Der 1. Vorſitzende, Herr Dipl.=Ing.
Kauth, eröffnete die Verſammlung. Sogleich wurde in die
Tagesord=
nung eingetreten. Das verleſene Protokoll der letztjährigen
General=
verſammlung wurde genehmigt. Den Jahresbericht erſtattete Herr
Franz Klag. Dem Rechenſchaftsbericht legte der Kaſſierer Herr Franz
Müller ab. Die Veuſſamnlung erteilte dem Vorſtand Entlaſtung.
Lei=
der ſah ſich der langjährige erſte Vorſitzende infolge Arbeitsüberhäufung
veuanlaßt, ſein Amt der Generalverſammlung zurückzugeben. In Wün
digung der Gründe nahm man den Rücktritt an und ernannte Herr
Dipl.=Ing. Kauth aus Dankbarkeit für ſeine dem Verein geleiſteten
Dienſte zum Ehrenvorſitzenden. Der Vorſtand ſetzt ſich nunmehr wie
folgt zuſammen: Erſter Voyſitzender Herr Studienrat Herbert, zweiter
Vorſitzender Georg Borger, Geſchäftsführer Franz Klag, Kaſſierer Fran
Müller, Beiſitzer Johann Bikni, Ludwig Meiſter, Philipp Andres, Kaul
Hillgärtner und Joſef Maul. Den Spielausſchuß bilden die Mitglieder
Franz Klag, Jakob, Kiſſel, Adam Köhler, Wilhelm Lichtel. Die
Funk=
tion, des Zeugwarts verſieht Johann Mettra. Die übrigen Punkte der
Tagesordnung fanden ebenfalls ihre Erledigung. Die Frage des
Vereinshauſes und die Abhaltung eines Familienabends wurden dem
Vorſtand als Material überwieſen.
— Goddelau, 19. Jan. Die Freiwillige Feuerwehr Goddelau
ver=
anſtalte am Samstag, den 21. Januar, einen Familienabend im
großen Saal des Herrn Ruhl. Die Muſik wird von Herrn
Obermuſi=
meiſter Weber=Daumſtadt geſtellt. Das Programm iſt reichhaltig, ſo daß
jung und alt in ernſtem und heiteren Dingen auf ihre Rechnung kommen.
Der Reinertrag iſt dazu beſtimmt, die Ausrütſtung der Wehr weiterhin
zu ergänzen. In Anbetracht des Zwecks darf mit einem reichlichen
Be=
ſuch gerechnet werden.
Rheinbeſſen.
* Worms, 19. Jan. Dr. Reiſer geſtorben. Hier ſtarb an
den Folgen eines Schlagaufalles der im 62. Lebensjahre ſtehende Dr.
med. Thevdor Reiſer, praktiſcher Arzt, der einer alten Arztfamilie
ent=
ſtammte und imn Worms ſehr angeſehen war. Er gehörte 15 Jahre dem
Stadtverordnetenkollegium an, war langjähriger Vorſitzender der
Deutſchnationalen Ortsgruppe in Worms und weit über die Grenzen
der Stadt hinaus bekannt. Er war Vorſtandsmitglied mehrerer
Ver=
einigungen und genoß auch als Geſchichtskenner allſeitige Hochachtung.
U. Jugenheim, 18. Jan. Beim Ummachen eines Weinbergs
der ein Alter von etwa 150 Jahren hatte, wurde ein Stock gefunden,
der den für muſere Gegend ſelten vorkommenden Umfang von 64
Zenti=
meter hatte.
Oberbeſſen.
* Gießen, 19. Jan. Lehrgänge für Hufbeſchlag in
Heſſen. Nach einer Bekanntmachung des Miniſteriums des Innemn
finden die Lehrgäuge für die Erlernung des Hufbeſchlages jeweils am
1. April, 1. Auguſt und 1. Dezember ſtait, und ſind auf je vier Mchnate
berecknet. Sie werden in der Hufbeſchlag=Lehrſchniede zu Gießen
abgehalten. Anmeldungen ſind an das Miniſterium des Innern zu
richten.
Der Mann hat recht
wenn er von ſeiner Fau, irtſchaftlich eit verlangt. Die denkende
Haus=
frau nimmt kein ſch r’es Waſchmittel, ſondern nur Naumann’s weiße
Kernſeife „Extrafeine Qualität” erſt recht, wenn ſie nicht bleichen kann.
Naumann’s Seife liefert blendend weiße Wäſche mit gutem Duft und
aVLus
zerſtört nicht die Wäſchefaſer.
Mrnarse 2
Freitag den 20. Januar 1928
Seite 9
M
P
macht Überraſchende fortſchritte., Sben erhalten, wir dieMitteikung.
Saſ der große Jeformer Remal‟Daſcha auf den Kuppeln derMoſcheen.
O
Lautſprecher aufſtellen, und die ſchlanken Minareiks mit
Kundfunk-
ſendern ausbauen laſt: Da Jas Lkaus Greiling einer der größten,
Ca-
bak- Sinkäufer im Orient-UF und nur die beiten Sorten, kauft, wirdes bald
A
Gurch ore Lifte erblingen und von den Fköhen erſehallen:
„Hllah ilcdllah./ Greiling-Zigaretten, jind unvergleichlich!
Es unterliegt keinen Bpeifel, daſt die Greiling-Marken, Hieſer.
Qusseichnung wegen ihres milden Uromas und ihrer „
oklabgeitimm-
ten, Miſchung in hervorragen Jem Maße würdig find. — WDie ehrwüre
digen Ausrifer und der neuzeitliche Hunkſprecher verkunden laut?
Ut; ſoweit die tönende Welle reicht, die beliebteſte Marke, der
unüber-
trolfene Genuſſpender von, höchſter Quglitdt.
W
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Nummer 20
M
6
4
Freitag den 20 Januor 1928
Reich und Ausland.
Profeſſor Werner Sombart
65 Jahre alt.
Prof. Dr. Werner Sombart,
der weltberühmte Nationalökonom beging am 19.
Ja=
nuar ſeinen 65. Geburtstag. Er wurde 1890
Uni=
verſitätsprofeſſor in Breslau und iſt ſeit 1906 an der
Handelshochſchule in Berlin, ſeit 1919 auch an der
Univerſität tätig. Seine Hauptwerke „Sozialismus
und ſoziale Bewegung”, „Der moderne
Kapitalis=
mus” und „Die Juden und das Wirtſchaftsleben”
ſowie „Grundlagen und Kritik des Sozialismus”
haben eine internationale Beachtung und große
Verbreitung gefunden.
Der Gemeindeausſchuß des Preußiſchen
Staatsrats in Wiesbaden.
Ba. Wiesbaden. Von Frankfurt a. M.
kom=
mend, trafen am Mittwoch nachmittag in 2
Frank=
furter Tourenautos etwa 30 Herren hier ein. Sie
hatten mit den Vertretern der Regierung, des
Ma=
giſtrats, des Stadtverordnetenkollegiums, der
Han=
dels=, der Handwerks= und der
Landwirtſchaftskam=
mer und den Gemeindevorſtänden der von der
Re=
gierung zur Eingemeindung in Wiesbaden
vorge=
ſehenen 8 Ortſchaften im Bürgerſaale des Rathauſes
um 17 Uhr eine Beſprechung. Etwa 80 Perſonen
waren hierzu zuſammengekommen. Oberbürgermeiſter
Travers ſprach ſich in dieſer Verſammlung, die nicht
öffentlich war, durchaus für die Eingemeindung der
8 von der Regierung zur Eingemeindung nach
Wiesbaden beſtimmten Orte aus. Er forderte aber
auch die Eingemeindung der übrigen, allgemein
be=
kannten, 10 Landgemeinden und zum mindeſten noch
die Eingemeindung der Stadt Hochheim nach
Wies=
baden. Oberbürgermeiſter Travers ſchloß: „Wir
haben das volle Vertrauen zur Staatsregierung, daß
ſie die von mir geſchilderten, nicht abzuſtreitenden
Verhältniſſe berückſicht, und die Regierungsvorlage
dementſprechend ändert.” — Nach der
Zuſammen=
kunft im Rathauſe fand im Kurhauſe ein
gemein=
ſchaftliches Eſſen ſtatt, worauf der Gemeindeausſchuß
des Preußiſchen Staatsrats und die aus Frankfurt,
Höchſt uſw. anweſenden Herren in den Frankfurter
Autos die Rückfahrt antraten. Vor dem Eintreffen
in Wiesbaden hatten die Autos eine
Beſichtigungs=
fahrt durch das nach Wiesbaden und nach Frankfurt
einzugemeindende Gebiet unternommen.
Das Geſtändnis des Mädchenmörders Peter.
WSN. Limburg. Bekanntlich iſt der
Mädchen=
mord bei Uebernthal im Auguſt v. J. durch das
Ge=
ſtändnis des Geliebten der ermordeten Paula Pfeiffer,
der ſeit fünf Monaten in Limburg in
Unterſuchungs=
haft ſitzt, vollkommen geklärt worden. Peter gibt
nunmehr in allen Einzelheiten die Tat zu und
be=
kennt auch, daß er, ſobald er von ſeiner G=liebten
hörte, daß das Verhältnis nicht ohne Folgen bleibe,
den Plan faßte, das Mädchen zu beſeitigen. Am
Abend des 13. Auguſt gelang es ihm, ſich unbemerkt
an das eiterliche Haus der Pfeiffer zu ſchleichen. Als
die Pfeiffer um ½10 Uhr von dem Kräuer des
Ortes zurückkehrte, wo ſie Reis und Zucker gekauft
hatte, bewog er ſie zu einem Spaziergang nach dem
außerhalb des Dorfes gelegenen einſamen Banhhof
Ueberthal, der lediglich aus einer Wartehalle beſteht.
Peter gab an, die Heirat mit ihr beſprechen zu
wollen. Kaum waren die beiden in der Wartehalle
angelangt, als er ſeine ruchloſe Tat beging. Er
um=
klammerte den Hals des ahnungsloſen Mädchens
und drückte es ſo lange gegen die Mauer, bis das
Opfer erſtickt war. Die Leiche ſchleppte er zu dem
ehnen Steinwurf entfernt liegenden Bach und
ver=
ſenkte ſie unmittelbar vor einem Wehr. Den Zucker
und Reis verſteckte er in entgegengeſetzter Richtung
unter Brenneſſeln. Dann begab er ſich nach Hauſe
und machte ſich in auffälliger Weiſe ſeinem Vater,
der ſchon zu Bett lag, bemerkbar. Am nächſten Tage
beſuchte Peter in aller Ruhe ein Feſt in der
Nach=
barſchaft und ging dann am Montag wie gewöhnlich
zur Arbeit. Als an dieſem Tage ſchon die Leiche
entdeckt wurde, bekam er es mit der Angſt zu tun
und beſeitigte in der folgenden Nacht ſchleunigſt den
verſteckten Zucker und Reis. Den Reis ſtreute er in
einen Garten, wo er von Hühnern aufgefreſſen
wurde. Den durch den inzwiſchen eingetretenen
Re=
gen vollſtändig aufgeweichten Zucker brachte er in
ſeiner Taſche nach dem Bach und zog ſich hierbei an
ſeinem Anzug die verräteriſchen Zuckerſpuren zu, die
ſein Verhängnis wurden und damals zu ſeiner
Ver=
haftung führten.
Chirurgiſcher Kongreß.
Heidelberg. Am 28. Januar wird in
Heidel=
berg der Mittelrheiniſche Chirurgenkongreß
abge=
halten werden.
Die Leichenberaubung im Krematorium
Wilmersdorf.
Berlin. Die beiden Heizer des Krematoriums
Wilmersdorf, die unter dem Verdacht, eine Leiche
be=
raubt zu haben, verhaftet wurden, ſind heute auf
An=
trag ihres Verteidigers aus der Haft entlaſſen
wor=
den. Die Staatsanwaltſchaft fcheint ſich davon
über=
zeugt zu haben, daß die Verdachtsmomente nicht
aus=
peichen, um eine Haft zu rechtfertigen.
Das 1881 bis 1894 von Wallot im italieniſchen Hochrenaiſſanceſtil erbaute Reichstagsgebäude
iſt für die von 397 auf 493 angewachſene Zahl der Volksvertreter viel zu klein geworden,
des=
halb muß ein Anbau vorgenommen werden. Hierfür ſind 288 Entwürfe eingegangen. Der
erſte Preis gelangte nicht zur Verteilung. Drei Arbeiten ſind mit dem zweiten Preiſe
ausge=
zeichnet worden. Unſer Bild zeigt einen dieſer mit dem zweiten Preiſe bedachten Entwürfe von
dem Frankfurter Architekten Schaupp.
Ein Wald von Bohrtürmen.
Die Bohrtürme der Oelquellen bei Los Angeles
in Kalifornien verleihen ſelbſt dem induſtrialiſierten Teile des Staates einen eigenartigen
landſchaftlichen Reiz. Die Schönheit der techniſchen Zweckbauten wird hier dem Beſucher nicht
weniger offenbar, als einige Meilen weiter die Pracht der halbtropiſchen Pflanzenwelt.
Beim Theaterſpielen verletzt.
Neckargemünd. In Degmarn erwiſchte beim
Proben eines Theaterſtückes ein Mitſpieler ſtatt des
Dolches in der Scheide die ſcharf geſchliffene Waffe
und ſtach damit dem Helden des Stückes derart in
die Bruſt, daß dieſer ſchwer berletzt wurde.
Ein ſonderbarer Selbſtmord.
Dorndürkheim. Eine ſonderbare Todesart
wählte der unverheiratete Friſeur Gröhl, der die
einzige Stütze ſeiner Mutter war. Er baute ſich an
einem Abhang außerhalb des Dorfes eine Höhle,
grub darin ein Loch, in das er 3 Kilogramm Karbid
legte und mit Waſſer übergoß. Man fand ihn dort
tot auf, durch das Gas vergiftet. Der
Bedauerns=
werte litt an Schwermut.
Typhusfälle in Duingen.
Hannover. Ueber die Typhusfälle in Duingen
im Kreiſe Alfeld waren amtliche Auslaſſungen bis
heute noch nicht zu erreichen. Die Lage hat ſich
aller=
dings bisher wenig verändert. Im Gronauer
Kran=
kenhaus ſtarb ein Friſeur an Typhus.
Hauseinſturz in Sonneberg.
Sonneberg (Thüringen). In der
Bahnhofs=
ſtraße ſtürzte am Mittwoch mittag ein Gebäude, an
dem zurzeit Umbauarbeiten ſtattfanden, plötzlich
unter mächtigem Getöſe in ſich zuſammen. Von den
am Bau Beſchäftigten wurde ein Werkmeiſter ſchwer
verletzt unter den Trümmern hervorgezogen, während
mehrere andere Arbeiter leichtere Verletzungen
da=
vontrugen. Die Straßenpaſſanten konnten ſich zum
Glück rechtzeitig in Sicherheit bringen.
Eine ſchwere Brandſtiftung.
Kiel. In der Maſchinenbauanſtalt und
Auto=
mobilreparaturwerkſtätte der Firma Fritz Schulz
u. Co. in Kiel brach am Mittwoch abend 9,25 Uhr
Feuer aus, das durch das tatkräftige Eingreifen der
Feuerwehr in kurzer Zeit gelöſcht werden konnte.
Drei Automobile ſind trotzdem faſt vollſtändig
zer=
ſtört. Wie die Ermittlungen der hieſigen
Kriminal=
polizei ergaben, liegt Brandſtiftung vor. Unter einem
der Automobile waren brennende Weihnachtskerzen
aufgeſtellt worden. Alle Kontor= und Arbeitsräume
waren mit einer mehrere Zentimeter hohen Oel= und
Benzinſchicht bedeckt. Mir Benzin getränkte
Putz=
baumwolle ſollte das Feuer durch alle Räume leiten.
Zwci Fäſſer mit insgeſamt 2 Zentner Karbid waren
angebort worden, um den Flammen Zutritt zu
ge=
währen. Eine Exploſion dieſer rieſigen Menge hätte
genügt, um ein unmittelbar daneben liegendes
Wohn=
haus vollkommen in Trümmer zu legen. Die vier
Inhaber der Firma wurden vorläufig feſtgenommen,
doch ſcheint für die Tat nur einer von ihnen in
Betracht zu kommen. Die dort befchäftigten Arbeiter
ſind brotlos geworden.
Auf der Jagd erſchoſſen.
Trier. Auf der Neumagener Jagd ſtieß der
Jagdpächter auf einen jungen Mann, den er für
einen Wilderer hielt und wiederholt anvief. Da der
Verdächtige die Flucht evgriff, gab der Jagdpächter
mehrere Schüſſe auf ihn ab, die den Flüchtenden
tödlich verletzten. Wie ſich ſpäter herausſtellte, wollte
der junge Mann, der um Mitternacht das
Eltern=
haus verlaſſen hatte, im Walde Holzgabeln ſchneiden.
Exz. v. Glaſenapp verunglückt.
Neue Ehrenbürger=Medaille der Berliner Tierärztlichen Hochſchule.
Vorder= und Rückſeite der neuen Ehrenbürger=Medaille
der Berliner Tierärztlichen Hochſchule. Die Vorderſeite zeigt den Schöpfer der Hochſchule
Frieo=
rich den Großen, die Rückſeite ein neuartiges Emblem der Tierärzte. Die Medaille iſt eine
Arbeit des jungen Bildhauers Fritz Wagert.
Der Erweiterungsbau des Reichstages.
Wirkl. Geheimer Rat Dr. Otto v. Glaſenapp,
der langjährige frühere Vizepräſident des
Reichs=
bankdirektoriums, iſt in Berlin, Unter den Linden,
von einem Laſtauto angefahren worden. Der
Zu=
ſtand des 75jährigen Finanzmannes iſt in Rückſicht
auf ſein hohes Alter beſorgniserregend. Exz. v.
Glaſenapp war Geheimer Oberregierungsrat im
Reichsſchatzamt, als er 1896 in das Direktorium der
Reichsbank berufen wurde.
Die Vorbereitungen
zum Sängerbundsfeſt in Wien.
TU. Wien. Die Krönung der im Schubertſaal
in Wien veranſtalteten Feierlichkeiten wird das vom
18. bis 22. Juli ſtattfindende Deutſche
Sängerbunds=
feſt ſein, das eine machtvolle Kundgebung der im
Deutſchen Sängerbund zuſammengeſchloſſenen 600 000
Sänger darſtellen wird. Um die ausländiſche und
in=
ländiſche Preſſe über die bisher geleiſteten und noch
zu leiſtenden Arbeiten zu informieren, lud der
Haupt=
ausſchuß für das Sängerbundsfeſt die Preſſevertreter
am Dienstag zu einem Empfang ein. Außer den
führenden Perſönlichkeiten aus der Wiener
Sänger=
ſchaft waren zu dem Empfang der Vorſitzende des
Deutſchen Sängerbundes, Rechtsanwalt Dr.
Fried=
rich Liſt=Berlin, der Hauptſchriftleiter der Deutſchen
Sängerbund=Zeitung in Berlin, Dr. Ewens und
Kommerzienrat Neumann aus New York erſchienen.
Der Vorſitzende des Hauptausſchuſſes, Schulrat Joſef
Jakſch, gab Aufklärung über die Arbeiten für das
Feſt. Wie vielfältig und ſchwer die zu löſenden
An=
forderungen ſind, geht aus dem Beiſpiel hervor, daß
die amerikaniſchen Sänger erſuchen, ihnen in Wien
2000 Zimmer mit Kalt= und Warmwaſſer=Leitung
bereit zu ſtellen. Durch das Zuſammenarbeiten aller
Stellen werde es jedoch gelingen, allen
Anforderun=
gen des Feſtes gerecht zu werden. Der Redner dankte
auch dem deutſchen Reichswehr=Miniſterium, das zur
Unterbringung der Sänger in Wien 60 000 Betten
zur Verfügung geſtellt hat. Die größte und
ſchwie=
rigſte Leiſtung wird die Errichtung der Sängerhalle
ſein, die einen Koſtenaufwand von 1 Million
Schil=
ling erfordert. Sie wird Raum für 40 000 Sänger
und ebenſo viele Zuhörer bieten. Der Orcheſterraum
iſt für 400 Muſiker gedacht.: Der Dirigent wird von
einem vier Meter hohen Gerüſt aus die
Chorauf=
führungen leiten. Zum Feſt ſind bis jetzt 92000
Sänger aus Deutſchland, 15 000 aus den
öſterreichi=
ſchen Bundesländern, 8000 aus den Sudetenländern
und 3000 aus Amerika angemeldet. An dem
Feſt=
zug, der etwa acht Stunden dauern wird, werden
200 Feſtwagen, 5000 Banner und Fahnen ſowie
zahl=
reiche Muſikkapellen teilnehmen. Am Schluß des
Empfanges hielt der Vorſitzende des deutſchen
Sän=
gerbundes in Berlin, Dr. Liſt, eine Anſprache, in
der er die kulturelle und vaterländiſche Bedeutung
des Sängerbundsfeſtes hervorhob.
Exploſion im Brüſſeler Bellevue=Palaſt.
Brüſſel. Wie die „Dernier Heure” berichtet,
ereignete ſich im Bellevue=Palaſt im Arbeitszimmer
des Kronprinzen Leopold, der anweſend war, ein
recht merkwürdiges Unglück inſofern, als plötzlich eine
am Herd angebrachte kupferne Kugel explodierte.
Durch die umherfliegenden Kupferſtücke wurden eine
Tür ſowie ein Spiegel beſchädigt. Der Prinz befand
ſich glücklicherweiſe in einiger Entfernung vom Ofen
und entkam infolgedeſſen unverletzt. Er erklärt, daß
die Exploſion dem Platzen einer Granate glich. In
Hofkreiſen wird über die Angelegenheit ſtrengſtes
Stillſchweigen bewahrt.
Prähiſtoriſche Funde in Vichy?
Paris. Aus Vichy wird gemeldet, daß auch
dort auf dem Gute eines Landwirts prähiſtoriſche,
Funde ähnlicher Art gemacht wurden, wie auf dem
Gute des Landwirts Fradin in Glozel. Der
be=
treffende Landwirt hatte vor vier Wochen eine
Stein=
axt gefunden, auf der ein Pferdekopf und ähnliche
rätſelhafte Zeichen zu ſehen waren, wie bei den
Funden in Glozel. Der Landwirt hatte zunächſte
ſeinen Fund verheimlicht, weil er, wie er
nachtrag=
lich erklärte, keine Scherereien haben wollte.
Nach=
dem die Sache aber bekannt geworden war, hat ein
Sachverſtändiger neue Grabungen vorgenommen und
dabei einen Stein zutage gefördert, auf dem eint
Hirſch wiedergegeben war
Hanſen zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt.
London. In dem Spionageprozeß gegen Georg
Hanſen und Mac Cartney wurde am Mittwoch das
Urteil geſprochen. Beide Angeklagte wurden zu
zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, von denen zwei
Jahre als Zwangsarbeit zu verbüßen ſind. Die Rede
des Generalſtaatsanwalts legte dar, daß die Zeugen
vernehmung dieſes Prozeſſes eine gefährliche, gegen
Großbritanniens Sicherheit gerichtete Organiſation
aufgedeckt habe. Leider ſeien mit den Angeklagten
nur zwei Mitglieder dieſer Organiſation gefaßt
wor=
den. Von den anderen, vor allen von dem vial
ge=
nannten Dr. Odenbach, wiſſe man noch nichts. Die
Anklagebehörde nähme jedoch an, daß Odenbach einen
Decknamen für einen deutſchen Verſchwörer darſtelle.
Die Verteidiger wieſen darauf hin, daß die Angaben
des Hauptbelaſtungszeugen Munkland nur
Phanta=
ſien ſeien.
Nummer 20
Freitag den 20 Januar 1928
Seite 14
Aus dem deutſchen Oſten.
Die kölniſchen Klöſter im ehemaligen Königreich Polen.
Der vom Papſt Alexander III. heilig geſprochene Abt
Bern=
ald von Clairveau iſt mit der Sonne verglichen worden, die
Erde Licht und Wärme gibt. Er iſt der Bedeutendſte der
ſütterzienſer — auch Orden von Citeaux genannt —, den es je
Fo eben hat und der alle Fürſten und Völker des Abendlandes,
ſſelbſt den Papſt, in ſeinen Bann zog.
Das große geſchichtliche Verdienſt der Ciſterzienſer, die im
ſeiggenſatz zu anderen Mönchsorden keine Rolle in der Geſchichte
Wiſſenſchaften geſpielt haben, beſteht in ihrer Kultivierung
ei: Bodens, und zwar auch im „deutſchen Oſten”.
Die Heimat der Ciſterzienſer, das Kloſter Citeaux, liegt in
ſarrgund; neben einigen Klüſtern in Oberdeutſchland gründeten
i. Ciſterzienſer in der Kölner Diözeſe im Jahre 1123 die Abtei
ſamp und im Jahre 1133 die Abtei Altenberg. Die
Ciſter=
ſamſer=Abtei Altenberg entſandte eine Schar ſeiner Brüder nach
enn Oſten, in das Sumpf= und Waldgebiet der Netze und
Barthe. Hier gründeten dieſe Mönche im Todesjahr des
Hei=
geen Bernhard von Clairveau, 1153, das Kloſter Lekno bei
Longrowitz, einige Jahre ſpäter an der Warthe die Abtei Lond
ncd im Jahre 1231 die Abtei Obra bei Wollſtein. Alle drei
litteien lagen in der ehemaligen preußiſchen Provinz Poſen.
Die polniſche Ueberlieferung behauptet zwar, daß die Klöſter
arno und Lond von dem Polenherzog Miesko III. geſtiftet
buerden ſeien, jedoch iſt dies geſchichtlich nicht erwieſen. Polen
ſeigünſtigte die Ciſterzienſermönche bei der Kultivierung des
ſandes und ermunterte ſie zur weiteren Anſiedlung; die
pol=
lid chen Fürſten und Könige ließen den Ciſterzienſern ihr
deut=
chees Recht und befreiten ſie von den Laſten des polniſchen
ſdchts, benutzten die polniſchen Fürſten und Könige doch die
Lmche, um durch ſie ihre Herrſchaft zu befeſtigen.
Die drei Ciſterzienſer=Abteien Lekno, Lond und Obra hielten
värhrend ihres 400=jährigen Beſtehens enge Fühlung mit ihrem
E0 ammkloſter Altenberg und mit Köln und bewahrten nicht nur
huren deutſchen, ſondern ſogar ihren rheiniſchen Charakter. Dieſe
ön niſchen Abteien zogen zahlreiche Koloniſten nach dem urſprüng=
146 deutſchen Oſten und trugen ſo — gemeinſam mit dem „
Deut=
chen Orden”, in dem auch zahlreiche Rheinländer vertreten
vurren — zur Wiedergewinnung alten deutſchen Landes bei, in
dSs die Slawen bei und nach der Völkerwanderung
eingedrun=
lent waren. Die Beſitzungen der kölniſchen Klöſter erſtreckten
ins bis in die Ggend von Dirſchau und Danzig.
Die Erſtarkung des polniſchen Reiches und der Kampf
Blolens gegen den „Deutſchen Orden” führten, in Verbindung
nit dem Neid des polniſchen Adels auf den Reichtum und den
isgedehnten Beſitz der Mönche, zum Untergang der kölniſchen
Aüöſter.
Hatte der Erzbiſchof von Gneſen, dem die drei kölniſchen
Eiſterzienſer=Klöſter unterſtellt waren, auf einer Synode im
Fahre 1285 die Exkluſivität dieſer Klöſter gerügt, ſo blieb dies
ein ve innerkirchliche Angelegenheit. Ein offener Angriff gegen
us kökniſchen Klöſter erfolgte im Jahre 1456 durch den polniſchen
Aael auf dem polniſchen Reichstage. Immer wieder erneuerten
ſig die Angriffe gegen die drei kölniſchen Klöſter, deren aus=
„dehnter Latifundienbeſitz mit ſeinen großen Einkünften dem
omutſchen Mönchsorden von den Polen nicht gegönnt wurde.
Zawar traten für die Intereſſen der drei kölniſchen Klöſter noch
eurtige ruhig Denkende, beſonders auch der König von Polen
e-bft, ein, auch der Erzbiſchof von Köln und das Geveralkapitel
val n Eiteaux taten ihr Möglichſtes für die Erhaltung der
köl=
nuſchen Klöſter in Polen. Hatte auch der Beſchluß des polniſchen
Meichstages im Jahre 1511, der die Prüfung der Privilegien
zrordnete, noch kein urgünſtiges Ergebnis für die kölniſchen
Aülöſter, ſo brach im Jahre 1537 das Unglück herein: Die
St hlachta verlangte auf dem Reichstage zu Krakau vom König
vy n Polen, daß nach dem Tode der zur Zeit lebenden Juhaber
dige Abtſtühle und Prälaturen von Lekno, Lond und Obra mit
Amgehörigen des polniſchen Adels beſetzt würden. König
Sigis=
mund gelang es zwar, die Angelegenheit bis zur nächſten Tagung
zs verſchieben, aber der Krakauer Reichstagsbeſchluß iſt doch
zurm Verhängnis der drei kölniſchen Klöſter in Polen geworden.
Die Vaterſtadt Köln wandte ſich brieflich an den König von
Aolen und bat gleichzeitig ihre hanſiſche Schweſterſtadt Danzig,
fürr die kölniſchen Klöſter einzutreten. Aber die Bittſchriften
Mölns und Danzigs kamen zu ſpät in die Hände des Königs
euigismund I., der bereits auf dem Reichstag zu Lemberg im
Sſtpätſommer 1537 durch den polniſchen Adel zur Durchführung
dier Maßnahmen gegen die drei kölniſchen Klöſter gezwungen
morden war. Auch die Fürſprache des Deutſchen Kaiſers
Huarl V. und ſeines jüngeren Bruders, des Königs Ferdinand I.,
waren vergeblich, da nur ein neuer polniſcher Reichstagsbeſchluß
du e beſchloſſene Maßnahme hätte rückgängig machen können. Köln
beruhigte ſich mit der abſchlägigen Antwort Polens nicht,
ſon=
drern ſchickte noch einen Geſandten an König Sigismund I., der,
wenn er auch gegen den Beſchluß des polniſchen Reichstages
wachtlos war, dennoch ſich ſchützend, vor die kölniſchen Klöſter
ftellte. Aber nach ſeinem Tode wurden die erledigten Stellen
won Polen beſetzt. Gewalttätig gingen nun die Polen gegen
duie deutſchen rheiniſchen Ordensbrüder vor; es kam zu
Miß=
handlungen und Vertreibungen. Die Vaterſtadt Köln ſtrengte
wergeblich einen ſehr koſtſpieligen Prozeß gegen Polen an, aber
ſc-lbſt Roms Macht reichte nicht aus, um den kölniſchen Klöſtern
un Polen zu ihrem Recht zu verhelfen. Im Jahre 1577 erloſch
die Geſchichte der kölniſchen Klöſter in Polen.
Mit dem tragiſchen Geſchick der kölniſchen
9elöſter in Polen wurde gegen jedes Recht 400 deutſche, rheiniſche Kulturarbeit im
d eutſchen Oſten durch die Habgier der ſlawiſchen
A8 olen zu Grabe getragen.
Gerade in der heutigen Zeit iſt die Erinnerung an die
köl=
mſeiſchen Klöſter, die deutſche Menſchen und deutſche Kultur vom
weutſchen Rhein nach der alten deutſchen Oſtmark gebracht haben,
ut.nd an die widerrechtliche polniſche Anmaßung und rückſichtsloſe
AGewalt ſowie die Erinnerung an das damalige vorbildliche
Zu=
ſmmmenſtehen der rheiniſchen Vaterſtadt Köln und ihrer deutſchen
manſeatiſchen Schweſterſtadt Danzig, der Kirche und des
Deut=
ſtütchen Kaiſers für die deutſche Sache und für das deutſche
Volks=
maim ſehr am Platze. Hat auch im 16. Jahrhundert Polen den
SSieg über die kölniſchen Klöſter davongetragen, ſo wurde dieſes
mon den mutigen Mönchen vom deutſchen Rhein urbar gemachte
rund dem Deutſchtum wiedergewonnene Land an Warthe, Netze
und Weichſel ſpäter doch deutſch!
Zur Ehre der Ciſterzienſermönche, die im 12. Jahrhundert
won der Abtei Altenberg bei Köln in jenes einſt deutſche Land
um Often geſchickt wurden, ſei aber geſagt, daß ſie — und die
voon ihnen gegründeten drei kölniſchen Klöſter Lekno, Lond und
Wbra — die erſten Deutſchen geweſen ſind, die in der Oſtmark
Aaltgermaniſchen Boden dem Slawentum entriſſen haben. Ei.
Die Grenzziehung bei Biſchofswerder Wpr.
(Deſtpreußiſches Tageblatt, Deutſch=Eylau)
Dieſe Brücke über das Oſſa=Bächlein berband einſt die Stadt Biſchofswerder
untereinander, heute bildet ſie die Grenze und ſchneidet die Stadt in zwei Zeile.
Biſchofswerder, ein Städtchen von etwa 3000 Einwohnern,
lag 2 bis 3 Kilometer von ſeinem gleichnamigen Bahnhof an der
von Schnellzügen befahrenen Strecke Deutſch=Eylau—Thorn
ent=
fernt. Cs war Mittelpunkt eines nicht unerheblichen
regelmäßi=
gen Marktverkehrs und zählte etwa 27 Dörfer im Umkreiſe zu
ſeinem wirtſchaftlichen Hinterlande. Durch die Grenzziehung iſt
die Stadt nicht nur von ihrem Bahnhof getrennt worden,
ſon=
dern die an dem kleinen Flüßchen Oſſa, das die Stadt
durch=
fließt, entlangführende Grenze ſchneidet die Stadt in zwei Teile.
Die Brücke über die Oſſa, die früher die beiden Stadtteile
mit=
einander verband, trennt ſie nunmehr voneinander. Die beiden
Schlagbäume öffnen ſich ſo gut wie nie, denn es fehlt jeglicher
kleiner Grenzverkehr. Die Grenze umgibt die Stadt im Oſten
und Nordoſten in nächſter Nähe, ebenſo im Süden, während ſie
im Weſten in etwas größerem Abſtande vorbeiführt. Tatſächlich
liegt daher die unglückliche Stadt in einem Zipfel deutſchen
Landes, der nur im Norden die Verbindung mit der Provinz
Oſtpreußen hat.
Vier Jahre nach der Abſtimmung hindurch war die Stadt
von jeglichem Eiſenbahnverkehr abgeſchnitten; die nächſte
Eiſen=
bahnſtation (auf preußiſchem Gebiet) war das 14 Kilometer
ent=
fernt gelegene Freyſtadt. Die Verbindung geſchah mühſelig zu
Fuhrwerk und zeitweilig in Kraftomnibuſſen, im Winter mit
elenden Schlitten. Seit zwei Jahren hat Biſchofswerder eine
Eiſenbahnverbindung mit Fretſtadt erhalten. Die Stadt hat
ihresgleichen nur in Garnſee, ebenfalls einer weſtpreußiſchen
Grenzſtadt, die in gleicher Weiſe von ihrem Bahnhof getrennt
worden iſt.
Die „Preſſa” vor der Vollendung.
Die „Rheinhalle” mit dem Preſſa=Turm.
Die in langer Front am Rhein gelegene „Rheinhalle” wird im
Untergeſchoß die Gruppe „Tageszeitung” und im Obergeſchoß
die „Zeitſchriftenabteilung” aufnehmen. Den Abſchluß der Halle
nach Norden bildet der 80 Meter hohe Preſſa=Turm, der das
beherrſchende Wahrzeichen des 500 000 Quadratmeter großen
Ausſtellungsgeländes iſt.
Die Turnfahrten beim 14. DeutſchenTurnfeſi.
Bei den von den 18 Deutſchen Turnkreiſen auf Ende des Jahres
einverlangten Voranmeldungen wurde erfreulicherweiſe von der
weit=
aus größten Zahl der meldenden Vereine auch der Wunſch nach
Turn=
fahrten vor, während und nach dem Feſte ausgeſprochen. Die
zahlen=
mäßige Zuſammenſtellung auf Ende des Jahres 1927 ergab rund 45 00
Turnfahrtenteilnehmer. Dieſe große Zahl ſtellt den
Turnfahrtenaus=
ſchuß vor eine ſehr ſchwierige Frage, handelt es ſich doch bei ihm nicht
nur darum, die nötige Anzahl von Turnfahrten in den mit
Natur=
ſchönheiten reich geſegneten Weſten des Reiches vorzubereiten, ſondern,
nachdem die Beteiligung ſo überraſchend groß geworden iſt, auch um die
Vorbereitung der Unterkünfte und der Verpflegungsverhältniſſe. Mit
Freuden ſtellt man daher feſt, daß alle die Behörden und
Verwaltungs=
ſtellen i den in Betracht kommenden Landſchaften dieſer Seite der
Vor=
bereitung für das 14. Deutſche Turnfeſt volles Verſtändnis
entgegen=
bringen.
Wiederbeginn der Fruchtdampfer=Fahrten des
Norddeutſchen Lloyd nach Madeira und den
Kanariſchen Inſeln.
Die beliebten Fruchtdampferfahrten mit den Dampfern „Arucas”,
und „Orotova” des Norddeutſchen Lloyd, die im Vorjahre eine große
Anzahl von Reiſenden ncch Madeira und den Kanariſchen Inſeln
ge=
führt haben, werden in dieſem Jahre durch den Fruchtdampfer „Arucas”,
der am 18. Februar Bremen verläßt, wieder eröffnet. Dampfer
„Arucas” läuft am 21. Februar Antwerpen an, trifft am A. in Madeira,
am 29. in Las Palwas und am 2. März in Teneriffa ein. Auf der
Rückfahrt wird noch einmal Las Palmas bezührt. Am 11. März wird
der Dampfer in Hamburg zurückerwartet. Dieſe insgeſamt 24 Tage
umfaſſende Rundreiſe bietet ſomit den Teilnehmern nicht allein das
große Erlebnis des Meeres mit ſeinen immer wechſelnden Bildern,
ſon=
dern auch unvergeßliche Eindrücke von den mit Licht und Schönheit ge=
ſegneten „glücklichen Inſeln” inmitten des Atlantiſchen Ozeans, deren
Beſuch ſich gerade im Frühjahr, wenn ſich die üppige ſubtropiſche
Vege=
tation zu neuer Blite entfaltet, beſonders lohnend und anziehend
ge=
ſtaltet. Intereſſenten für dieſe Fahrten, die regelmäßig 14tägig mit den
beiden eingangs erwähnten Dampfern durchgeführt werden, erhalten
koſtenfrei reich bebilderte Druckſchriften, die über alle Fragen Auskunft
geben, beim Norddeutſchen Lloyd in Bremen oder bei ſeinen
Vertre=
tungen an allen Plätzen des In= und Auslandes. Beide Dampfer ſind
im Vorjahre gebaut worden und verfügen über völlig moderne
Ein=
richtungen zur Aufnahme von je 50 Paſſagieren.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Freitag, 20. Januar. 13: Schallplatten=Konzert. 15.30:
Berufsberaterin Loewe: Frauenarbeit im Buchhandel und im
Zeitungsgewerbe. o 16 30: Elſe Pelz, Kaſſel: Hausfrau und
Bücherſchrank o 17.45: Aus den Briefen der Frau Rat Goethe.
18.15: Vereinsnachr und Mitteilungen. o 18.30: Kaſſel=
7 Hintze: Wie entwerfe ich meinen Garten? 0 18.45: Kaſſel=
W. Scheller: Zum 60 Geburtstag des Dichters G. Meyrink.
19.15: Südweſtd Radio=Club. o 19 45: Die Kunſtſeiden=
Induſtrie. Die Weddas. O 20.05: Film=Wochenſchau. O 20.15:
Die fremde Frau”, Schauſpiel in vier Aufzügen von A. Briſon.
Spielleit.; Ben Spanier. — Anſchl.: Tanzmuſik der Kaſſeler
Hauskapelle.
Stuttgart.
Freitag, 20. Januar. 16.15: Konzert. Roſenthal: Auf, auf.
Ohlſen: Herbſttinder. — Lüling: Celloſolo. — Weber: Ouv.
Peter Schmoll. — Wagner: Aus Lohengrin. — Roland: 3 Stücke
aus Fridericus Rex. — Meyer=Helmund: Das Zauberlied. —
Roſenthal: Paradeklänge. — Einl.: Lotte Mönch=Krupkat. o 18:
Landwirtſchaftsnachrichten. o 18.15: Anna Blos: Scheffels Mutter.
18.45: H. Prager: Das Buch von geſtern und heute. 0 19.15-
W. Ehmer: Deutſchland in der veränderten Weltwirtſchaft. 19.45:
Ueberſicht über die Hauptveranſtaltungen der kommenden Woche (in
Eſperanto). O 20.15: Uebertr. Frankfurt: „Die fremde Frau”.
Schauſpiel in 4 Akten von A. Biſſon. — Anſchl.: Sport, danm
Funkſtille für Fernempfana.
Berlin.
Freitag, 20. Januar. 15.30: Dr. Martha Bode: Wie wünſchr
die Hausfrau ſich die Küche? 0 16.15: W. Schäfer kzum 60.
Ge=
burtstag). Einl. Worte von Dr. H. M. Elſter. — Anekdoten.
Gel. von Th. Loos. O 17: Tanzmuſik des Jazz=Sinfonie=Orch,
Jack Hylten, London. O 18.30: Italieniſch. O 19: H. Scherchen:
Einführung zu der nachfolgenden Uebertr. aus der Sing=Akademie.
19.30: Dr. Herbert Heyde: Die Sonnenenergie als Urſache von
Bewegungsvorgängen O 19.55: Geh. Neg.=Rat Prof. Waetzoldt:
Kunſtwerke haben Schickſale (Fund= und Erwerbungsgeſchichten).
O 20.30: Aus der Sing=Akademie Stunde der Lebenden. Dir.: H.
Scherchen. Wladimar Vogel: Sinfonia fugata „Dem Andenken
Ferruccio, Buſonis” (Uraufführung nach Manuſkript). — Werner
Hübſchmann: Konzert für Klavier und Orcheſter (Uraufführung nach
Manuſkript). — R. Wolff: Sinfonie für großes Orcheſter (
Urauf=
führung nach Manuſkript). — Anſchl.: Tagesnachrichten. O 22.30:
Nacht=Muſik. Kapelle O. Kermbach. Robert Koppel (Bariton),
Am Flügel: Prof. Oscar Wappenſchmitt.
Stettin. 13.05: Sondermitteilungen für den Landwirt (
Zuſam=
mengeſtellt von der Landwirtſchaftskammer für die Provinz
Pom=
mern)
Deutſche Welle. Freitag, 20 Januar. 14.30: Kinderlieder.
O 15: Prof. Dr. Kirchberger: Himmelsbeobachtungen mit bloßem
Auge O 15.35: Wetter= und Börſenbericht. a 16: Elſe Ury:
Ein hngieniſches Märchen. o 16.30: Prof. Dr. Brunſtäd: Die
Ge=
ſchichte des Konſervatismus. o 17: Konzert aus Leipzig 2 18:
Heinz Engel: Wie helfe ich mir beim Rundfunkempfang. O 18.30:
Engliſch für Fortgeſchrittene o 18. 55: H. Hirſchſtein: Rohſtoffe
und ihre Märkte. Der wichtigſte Spinnſtoff. Die Baumwolle‟.
19.20: Wiſſenſchaftl. Vortrag f. Aerzte. o 19.45: H. Teßmer:
Clara Schumanns Briefwechſel mit Brahms. O 20.30: Uebertr.
aus der Singalademie. Stunde der Lebenden‟. Dirigent:
Her=
mann Scherchen. Berl” Funkorch. Kurt Hermann, Flügel. Vogel=
Sinfonia fugata — Werner Hübſchmann: Konzert für Klavier und
Orcheſter. — Wolff: Sinfonie. O 22: Preſſenachrichten. O 22.30:
Nachtmuſik. Kapelle Kermbach und Robert Koppel.
Mal Rnhe
ſich für poltit und Wirtſchaft: Rudoll Maupe: für Feuilleten Reich und
nd Heſiſche Nachrichten: Mar Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
jandel: Dr. C. H. Que iſch; ſür den Schlußdienſt: Andreat Dauer; für
emwarte Dr. Herbert Nette; ſür den Inſeratentell: Willy Kuble: Drug
und Verlag: C. C. Wittiſch — ſämtich in Darmſſadt.
nverlangte Manuſtrivt: wird Garanite der Rückſendung nich; übernommen.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
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Freitag, den 20. Januar 1928
Nummer 20
Svort, Shlel
Handball.
Darmſtadt geht nicht nach Schwanheim.
Der Verwaltungsausſchuß der Handballabteilung des Sp. V.
98 hat in ſeiner Sitzung am 19. ds. Mts. einſtimmig beſchloſſen,
zu dem Verbandsſpiel in Schwanheim ſeine Handball=Mannſchaft
nicht antreten zu laſſen. Nachdem Schwanheim ſeiner
Verpflich=
tung, in Darmſtadt ein einwandfreies Spiel zu liefern, nicht
nach=
gekommen iſt, iſt auch der Sp. V. 98 an den ſeinerzeit geſchloſſenen
Vergleich nicht mehr gebunden. Dazu kommt noch, daß ein
An=
treten in Schwanheim ſich auch dadurch verboten hätte, weil, wie
aus Aeußerungen Schwanheimer Spieler zu entnehmen war, mit
Ausſchreitungen gegen die Darmſtädter Spieler zu rechnen
ge=
weſen wäre.
Handballverbandsrunde 1927/28
im Kreis Starkenburg der D. G. B.
Spiele am Sonntag, den 22. Januar 1928.
Pokalentfcheidungsſpiel zwiſchen der A= und B=Klaſſe.
zwecks Ermittelung des zur Teilnahme an den Aufſtiegsſpielen
be=
vechtigten Kreisp kalmeiſters.
Tv. Biebesheim (B=Klaſſe)—Sp.=Vgg. Arheilgen I (4=Klaſſe) 15 Uhr.
Der Sieger iſt zur Teilnahme an den Spielen zur Ermittelung des
Bezirkspokalmeiſters berechtigt.
Verbandsſpiele der A=Klaſſe: Sp.=V. 98 Darmſtadt 2 —— Akad. Sp.=Cl.
Darmſtadt um 15 Uhr.
Verbandsſpiele der B=Klaſſe wurden mit Rückſicht auf vorſtehendes
Pokalentſcheidungsſpiel abgeſetzt.
Verbandsſpiele der Jugendklaſſe: Sp.=V. 98 Darmſtadt 4. — Sp.=Vgg.
Arheilgen um 10 Uhr.
Sp.=V. 98 Darmſtadt 3. — Sp.=V. 98 Darmſtadt 5. zurückgezogen.
VfL. Rot=Weiß Darmſtadt 1. — Sp.=V. 98 Darmſtadt 1. um 14 Uhr.
VfL. Rot=Weiß Darmſtadt 2. — Sp.=V. 98 Darmſtadt 2. um 11 Uhr.
VfL. Rot=Weiß Darmſtadt 3. — Sp.=V. 98 Darmſtadt 3. um 10 Uhr.
Sp.=Cl. Viktoria Griesheim ſpielfrei.
Privat=Spiele: Liga=Klaſſe: Haſſia Bingen — VfL. Rot=Weiß
Darmſtadt 1. B=Klaſſe: Pol.=Sp.=V. Babenhauſen 2. — VfL. Not=
Weiß=Darmſtadt 2. Liga=Klaſſe: Pol.=Sp.=V. Darmſtadt 1.
Maiz 05 1. um 15 Uhr.
Die DSB.=Jugendverbandsſpiele am 22. Januar.
Die Verbandsſpiele gehen allmählich ihrem Ende entgegen.
Nach=
dem die erſte Jugendmannſchaft des Sportvereins 1898 die Meiſterſchaft
bereits letzten Sonntag für ſich entſchieden hat, kann ſie getroſt den Gang
zum Ror Weiß=Platze antreten, liegt ſie ſelbſt bei einer Niederlage
im=
mer noch einen Punkt vor. Die zweite Jugend der 98er ſpielt um
11 Uhr gegen die zweite Jugend von Rot=Weiß, während um 10 Uhr ſich
die dritten Jugendmanſchaften beider Vereine gegenüber ſtehen. Die
bei=
den letztgenannten Spiele finden ebenfalls auf dem Rot=Weiß=Platze
ſtatt. Ferner erwartet die vierte Jugend des Sportvereins die erſte
Jugend von Arheilgen um 10 Uhr auf dem Stadion. Mit Ausnahme
des erſten Treffens, das als offen zu bewerten iſt, darf man den 98ern
die größeren Siegeschancen geben.
Fußball.
Die Süddeutſchen Endſpiel=Termine für den 22. Januar.
Die Termine für die Süddeutſchen Endſpiele ſind wieder in einigen
Punkten geändert worden. Am nächſten Sonntag, den 22. Janurr,
fin=
den folgende Spiele (immer auf den Plätzen der erſtgenannten
Mann=
ſchaften) ſtatt:
Runde der Meiſter.
Karlsruher FV. — Wormatia Worms
SV. Waldhof — Sp.Vg. Fürth.
Troſtrunde — Gruppe Südoſt.
VfR. Fürth — Phönix Karlsruhe.
München 1860 — SC. Freiburg.
Union Böckingen — Wacker Mfünchen.
VfB. Stuttgart — 1. FC. Nürnberg.
Troſtrunde — Gruppe Nordweſt.
FSV. Frankfurt — VfL. Neckarau.
VfL. Neu=Iſenburg — Boruſſia Neunkirchen.
Saar 05 Saarbrücken — Rot=Weiß Frankfurt.
In der Gruppe Nordweſt iſt zwar dem amtlichen Terminkalender
nach das Treffen Mainz 05 — Ludwigshafen 03 vorgeſehen, jedoch wurde
das Spiel im Einverſtändnis beider Mannſchaften verlegt.
und Tarnen.
T.V. Biblis—Normannia Pfiffligheim 3:5 (1:3).
Deu Torfegen hält an. War die Packung am vergangenen Samstag
auch nicht gerade ein Gradmeſſer für die derzeitige Spielſtärke der
Bib=
liſer Elf, ſo muß nunmehr doch geſagt werden, daß die
Leiſtungsfähig=
keit der noch vor wenigen Wochen ſo erſtklaſſigen Ligaelf ſich ſehr auf
ab=
ſchüſſiger Bahn befindet. Dieſe Tatſache belegt das letzte Spiel zur
Genüige und es traten die zahlreichen einheimiſchen Zuſchauer um eine
große Enttäuſchung reicher den Heimweg an. In ſolch lauer und fader
Stimmung haben die Einheimiſchen ſelten ein Spiel geliefert, und dabei
war anzunehmen, daß man gerade bei dieſem Kampf die Bibliſer für
die ſeither erlüttenen Schlappen vollauf in Front ſehen könnte. Es
ſollte anders kommen. Schon gleich nach Anſpiel merkt man, es klappt
wieder einmal nucht, wie immer, wenn man ſchon un voraus dick
ge=
wonnen zu haben glaubt. Es gibt Torhancen für die Ginheimiſchen
in Hülle und Fülle, aber Fußhallbech ud wirblih teilweiſe ſchlechte
Leiſtungen vor dem Gäſtetor bringen vorläufig nichts oin. Endlich
in der 15. Minute bricht Stumpf den Bann und ſchießt aus reiht
ver=
zwickter Lage das erſte Tor. Man bleibt weiter ſorglos, während beim
Gegner ein immer größer werdender Eifer aufkommt. Lehman 1. im
Bibliſer Tor macht Ausflüge ins halbe Spielfeld und bebommr endlich
auch etwas zu tin. So erkennen die Gäſte mehr und mehr die
Gelegen=
heit und inerhalb 15 Minuten haben ſie 3 Tore vorgelegt. Mit dieſem
Neſultat geht es in die Halbzeit. Aber auch die zweite Hälfte war füir
die Einheimiſchen verhängnisvoll, denn bereits nach wewigen Minuten
hat Pfiffligheim auf 4:1 erhöht. Emdlich kommen wenigſtens einige
Spieler der Platzelf, wvie Ehrler, Nock und vor allem der alte Kämpe
Peter Kiſſel etwas auf und erhöhen das Reſultat auf 4:2. Es hätte
nun vielleicht auch noch gereicht; aber was in der arſten Hälſte von
jedem vermaſſelt wurde, wollte jetzt jeder wieder gubmachen, und
es kam zu Szenen vor dem Gäſtetor, die jeder Beſchreibung ſpotten.
So geht Lehmann 1. ans dem Tore, für ihn ſpringt Bollmamn ein, der
zudem nur noch als Statiſt mitwirkt. Ehrler und Pohr wurſtoln im
Sturm herum, während Bitſch und Schalich verteidigen. Der fünfte
Treffer der Gäſte läßt denn auch nicht lange auf ſich warten, während
auf der underen Seite ein Elfmeter und ein Strafſtoß vevſchoſſen
wer=
den. Kurz vor Schluß erzielt Kohr durch einen Elfmeter den dritten
Treffer für ſeinen Verein, und dabei bleiſr es. Zwei trtſichere Punkte
gingen ſo auf leichtſinnige Weiſe flöten, während die Gäſte, ſelbſt
über=
raſcht, als ſichere Sieger das Feld verließen. Auf alle Fälle wird Biblis
mit derartigen Leiſtungen in der Kreisliga keine Achtung einflößzen
können; es iſt wirklich Zeit, daß man ſich etwas zuſammenreißt, denn
am Können fehlt es hier nicht.
Kraftſport.
Heff. Polizeiſportv. —Kraftſportvg. Fürth i. O.
Mit dem kommenden Sonntag gehen die Kämpfe um die
Meiſter=
ſchaft in der B=Klaſſe ihrem Ende entgegen. Hoch an der Spitze der
Tabelle ſteht die Manuſchaft des Heſſ. Polizeiſportvereins. Der Aufſtieg
in die A Klaſſe kann durch eine eventuelle Niederlage am kommenden
Somntag nicht mehr aufgehalten werden. Als Gegner ſtellt ſich am
22. Januar, vormittags 10 Uhr, in der Polizei=Turnhalle,
Eſchollbrücker=
ſtraße 24, die wohlbekannte Ringermannſchaft der Kraftſportvereinigung
Fürth i. O. zum Endkampf. In der Vorrunde konnte Fürth nur mit
8:6 beſiegt werden. Fürth hat es ſich nicht nehmem laſſen, eine
Mann=
ſchaft als Gegner zu ſtellen, die ſchon manchen Ruhm geerntet hat. Die
zu erhoffenden Kämpfe verſprechen neben ihrer Härte, einen guten Sport
zu bieten.
Um die Kreismeiſterſchaft im Gewichtheben. — Auswahlkämpfe des
Maingaues im Ringen.
Am Sonntag, vormittags 10½ Uhr, wurde in Frankfurt (
Bürger=
ſäle) die Mannſchaftsmeiſterſchaft des zweiten Kreiſes im Stemmen zum
Austrag gebracht. Drei Mannſchaften bewarben ſich um den Titel,
wel=
cher von Oberſtein mit Erfolg verteidigt wurde. Leider war der
Be=
ſuch nicht ſo, wie er ſein ſollte. Wenn nur die Kraftſportler von
Frank=
furt dageweſen wären, konnte man noch zufrieden ſein. Deſto beſſer
waren die Leiſtungen, welche im Einzelnen von den drei Mannſchaften
Oberſtein, Frankfurt und Neu=Iſenburg gezeigt wurden. Es ſiegte
Ober=
ſtein über Frankfurt mit 4:3 und über Iſenburg 5:2. Frankfurt
ſchlug Iſenburg ebenfalls 5: 2 und kam ſo auf den zweiten Platz. Bei
Iſenburg, welches den Kampf mit 5 Mann beſtritt, verſagte der
Exwelt=
meiſter Liſt im beidarmigen Stoßen vollſtändig. Die beſte Leiſtung des
Tages zeigte Kraus=Frankfurt mit einem Körpergewicht von 150 Pfund.
Er brachte ſpielend 240 Pfund zur Hochſtrecke. Nur der Umſtand, daß
der Sprung von 240 auf 260 zu groß war, ließ es bei dem erſten
Ver=
ſuch bewenden. Der fympathiſchſte Stemmer war jedoch zweifellos
Willy Loch=Oberſtein. Die Art und Weiſe, wie er ſeinen letzten Verſuch
im beidarmigen Stoßen abſolvierte, er ſtieß die 220 Pfund fünfmal
hintereinander, ließen die Kraft dieſes jungen Athleten ahnen. Er war
mit dem Iſenburger Fliegengewichtler der Einzige, welcher nur einen
Fehlverſuch aufzuweiſen hatte. Auch Schnabel=Iſenburg, der
Halbſchwer=
gewichtler, zeigte mit 180 Pfund=drücken eine ganz beachtliche Leiſtung.
Die neue Wettkampfregel, wonach der Kampf wie beim
Maunſchafts=
ringen Mann gegen Mann ausgetragen wird, wurde keiner Mannſchaft
zum Schaden. Der Sieger ſteht in der Geſamtpfundzchl ebenfalls über
Frankfurt, Oberſtein erreichte 3245 Pfund, Frankfurt 3200 Pfund und
Iſenburg, allerdings mit 5 Mann, 2120 Pfund. Oberſtein hatte ſeine
Stärke in den unteren Klaſſen, während Frankfurt die drei ſchwerſten
Klaſſen befetzte. Selbſt wenn Liſt=Iſenburg über Gorius=Frankfurt
ge=
ſiegt hätte, war Frankfurt vom zweiten Platz nicht zu verdräugen.
Oberſtein vertritt nun weiterhin den zweiten Kreis bei den
Gruppen=
kämpfen.
Der Maingau hielt in Groß=Zimmern ſeine Gau=
Ausſcheidungs=
kämpfe im Ringen ab, die durchweg hervorragenden Sport brachten. Die
Kämpfe dienten zur Ermittlung der Beſten in den ſieben Klaſſen, welche
in einer Gaumannſchaft den Maingcu vepräſentativ vertreten ſollen.
Und die Mannſchaft iſt in dieſer Beſetzung wirklich vepräſentativ. Groß=
Zimmern ſtellt das Gerippe, nämlich Fliegengewicht Poth, Bantamgcwicht
Stenner, Federgewicht Ohl und Schwergewicht Fröhlich. Das
Leicht=
gewicht und Mittelgewicht beſetzen Hirſchmann und Holſtein, beide von
Iſenburg, während das Halbſchwergewicht durch den jungen Hög von
Aſchaffenburg beſetzt iſt. Beſonders in den unteren Klaſſen gab es ſehr
ut beſetzte Felder, deren Kämpfe die zahlreich erſchienenen Zuſchauer
jederzeit in Spannung hielten. Gegen dieſe Mannſchaft kenn ſchon was
kommen, und ſie hat im zweiten Kreis keinen Gegner. Auch der weite
Kreis muß in aller Girze Ausſcheidungskämpfe vornehmen. Es ſind
dies die ſogenannten Olympia=Ausſcheidungskämpfe, in welchen
zweifel=
los die beſten der vier vom Verband verlangten Gewichtsklaſſen am
Start erſcheinen werden. Die Kämpfe beginnen in aller Kürze.
Die Mannſchaftskämpfe im Ringen ſind nun ſoweit beendet, daß die
beiden Bezirksmeiſter endgültig feſtſtehen. Die endgültige Abhandlung
über den jetzigen Stand der Kämpfe erſcheint nächſte Woche.
Kegeln.
2. Süddeutſche Sportwoche in Frankfurt.
Heiße Kämpfe um die Spitze, die Spitzenreiter behaupten ſich.
Am Dienstag konnten ſämtliche Wettbewerbe der
Kegelſportmoch=
beträchtlich gefördert werden. In allen Treffen wurde mit großer
Erbit=
terung um die Führung gerungen, wobei es zu außerordentlich
ſpan=
nenden Momenten kam. Insbeſondere im Großkampf 300 Kugeln auf
Aſphalt erregte der Start der hervorragenden Kegler Gg. Grün=
Darm=
ſtadt und K. Hartmann=Frankfurt beſonderes Intereſſe. Faſt ſchien es
als ob es beiden gelingen wollte, den mit 1636 Holz führenden
Hom=
burger Kaiſer zurückzulaſſen, aber jedesmal brachten die letzten Serien
durch reichlich vom Pech verfolgte Würfe eine überraſchende Wendung
ſo daß ſchließlich Hartmamn um 2 Holz und Grün um 8 Holz zurüg
blieben.
Das Bundes=Sportabzeichen errang der Mainzer Löw mit der
bor=
züglichen Leiſtung von 1134 Holz. In den Verbands=
Mannſchaftskämdt=
fen ſetzte ſich Wiesbaden mit 5189 an die Spitze vor Aſchaffenburg mi
5151. Bei den Klubkämpfen konnten die Ergebniſſe des Sonntags nich
ganz erreicht werden. Hier waren „Alle Neune”=Friedberg und „
Re=
ſpektus” B Frankfurt a. M. die beſten. Auch der kombinierte 300=Kugef,
kampf brachte zwar ernſthafte Bewerber an den Start, die jedoch den
Großmeiſtern Wirges und Schaaf nicht gefährlich werden konnten. Mit
viel Eifer waren die Dawen am Werk. Frau Natale=Frankfurt hält
hier mit 245 die Spitze vor Frau Wiebert=Darmſtadt mit B5. In den
Damen=Klubkämpfen rückten der Klub „Treue Schweſtern”=Riederwald
mit 1189 Holz nach vorne, vor Fortung A=Frankfurt mit 1125.
Ergebniſſe:
Großkampf, 300 Kugeln auf Aſphalt: Karl Hartmann=Frankfurt a.
M. 1634; Gg. Grün Darmſtadt 1628; Jakob Sonntag=Frankfurt 1580.
Schwab=Homburg 1542; Henſchel=Frankfurt 1484; Blankenhorn=Ulm 1468
Beſter bis zur Stunde: Kaiſer=Homburg 1636.
Bundes=Sportabzeichen: Löw=Mainz 1134.
Verbands Mannſchaftskämpfe: Wiesbaden 5189; Aſchaffenburg 5151,
Fechenheim 5038; Bensheim 4975; Stuttgart 4927.
Klubkämpfe: Alle Neune Friedberg 1273: Reſpektus B Frankfun
1270; Bad=Homburg 1920; Reſpektus 4 Frankfurt 1253; Roland=
Fpank=
furt 1249; Fidelitas Bad=Homburg 1234; Alle Neune Bad=Homburg
1208; Teutonia B. Frankfurt 1178; Dreimal Drei Friedberg 1160.
Veſter: „Bavaria” Frankfurt 1361
800 Kugelkampf kombiniert: Lehr=Frankfurt 1816. Beſter: Wirges=
Kelſterbach 1908.
Damem=Einzelkampf: Frau Natale=Frankfurt 245; Frau Wieberd
Darmſtadt 235; Frau Gräſer=Frankfurt 227; Frau Bäumer=
Aſchaffen=
burg 224; Frau Schürmann=Wiesbadem 214; Frau Metzger=Frankfurt 203,
Damen=Klubkämpfe: „Treue Schweſtern” Riederwald 1189;
Einig=
keit Limburg 1053: Nor kan Neid Wiesbaden 1073.
Ehrenbahn: Jakob Sonntag=Frankfurt 67; Schuchard=Frankfurt 62;
Löw=Mainz 62; Feickert=, Lenhardt=Frankfurt, Binder=Homburg, Fried=
Fechenheim, Lehmann=Griesheim, je 60.
Schwimmen.
„Jung=Deutfchland” in Wiesbaden erfolgreich.
In einem Klubwettkampf hatte am letzten Sonntag der dem
Darm=
ſtädter Schwimmklub „Jung=Deutſchland” ſehr befreundete SC.
Wies=
baden 1911 die Darmſtädter Damen eingeladen. Darmſtadt war gerne
der Einladung gefolgt, konnte es doch dort ſeinen Damen Gelegenheit
geben, mit einem guten Gegner ſeine Kräfte zu meſſen. So kam es bei
der Gleichvertigteit der beiden Damenmannſchaften zu ſpannenden
Kämpfen, auis denen ſchließlich „Jung=Deutſchland” als knapper Sieger
hervorging. Leider war Darmſtadt gezwungen, ohne ſeine beſte
Rücken=
ſchwimmerin Fräulein Hilde Müller anzutreten, da ſonſt auch die
Lagen=
ſtaffel eine Beute der Darmſtädterinnen geworden wäre. Ausgetragen
wurden 2 Damenſtaffeln, ferner eine gemiſchte Freiſtilſtaffel.
Bei den Damen ſiegte Darmſtadt überlegen in der Bruſtſtaffel,
wäh=
rend die Lagenſtaffel knapp von Wiesbaden gewonnen wurde. Bei der
Jugend verhielt ſich die Sache umgekehrt. Hier fiel die Bruſtſtaffel
glatt an Wiesbaden, dagegen endete die Lagenſtaffel in totem Rennen.
Jedoch mußte Wiesbaden durch den Frühſtart ſeiner Schlußſchwimmerin
diſtanziert werden. Die Entſcheidung brochte zum Schluß die
Freiſtil=
ſtaffel, die durch Fräulein Mörſchek zugunſten Darmſtadts entſchieden
wurde. Die Wettkämpfe, die in dem 19 Meter langen Viktoriabad
aus=
getragen wurden, brachten folgende Ergebniſſe:
Damenlagenſtaffel 3 X 4 Bahnen: 1. Wieshaden
3 30,4; 2. Darmſtadt 3: 32,5 (Frau Enders=Bopf, Frl. Alix Müller,
Frl. Mörſchel).
Damenjugendlagenſtaffel 3 X 2 Bahnen: 1.
Darm=
ſtadt 1:33 (Frl. J. Weicker, Frl. Lilo Mäller, Frl. Wallhauſer);
2. Wiesbaden 1:33, diſtanziert.
Damenbruſtſtaffel 3X4 Bahnen: 1. Darmſtadt 3: 43,2
(Frl. Hinrichs, Frl. H.Weicker, Frau Enders=Bopf); 2. Wiesbaden 3:53,8.
Damenjugendbruſtſtaffel 3 X 2 Bahnen: 1.
Wies=
baden 1:38; 2. Darmſtadt 1:41 (Frl. Löv, Frl. J. Weicher, Frl.
Wallb uſer.
Damenfreiſtilſtaffel 4 X 2 Bahnen: 1. Darmſtadt
1:51,8 (Frl. Alix Müller, Frl. Wallhauſer, Frau Enders=Bopf, Frl.
Mörſchel), 2. Wiesbaden 1:53,4.
Der ASV. Nürnberg, der kürzlich in Konkurs geraten war, iſt umter
dem Namen „ASV. 1928 Nürnberg” neugegründet worden.
Georg Demaſius hat ſeine Beſchwerde gegen die Beſtrafung des
Deutſchen Tennisbundes vorzeitig zurückgezogen. Deine Disqualifikaton
bis 31. Mai 1928 bleibt ſonach rechtskräftig.
Die deutſche Skimeiſterſchaft iwird ſehr ſtark von ausländiſchen Sie
läufern beſtritten werden. Bisher haben Schweden, Polen, Deutſch=
Böhmen, Jugoflawien, Norwegen und Tſchechoſlowckei ihre Beteiligung
in Ausſicht geſtellt.
Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Samstag, den 21. Januar
(nach der Wetterlage vom 19. Januar).
Neblig=wolkig, auch vielfach aufheiternd, Temperaturen um Null.
Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Winterſportverhältniſſe in Heſſen.
Vogelsberg. Hoherodskopf. Wind: Nordoſt; Temperatur: — 3=
Schneedecke: 15 Zentimeter, gekörnt; Sportmöglichkeit für Ski und
Rodel: gut.
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Aus den deutſchen Weinbaugebieten.
In der Pfalz hatte ſich die Geſchäftstätigkeit faſt allgemein wieder
enwas belebt. Nur von der Mittelhaardt wird noch immer ſtilles
Ver=
arufsgeſchäft gemeldet. Die Preiſe zeigen allgemein recht feſte Tendenz.
MSan nannte zuletzt pro Fuder gezuckerte Weißweine Siebeldingen 825
bie8 860; Nußdorf 830—850; Alſterweiler 820—900; Weyher 830—860;
reuchelheim 810—830; Niederrohrbach 800—810; Burrweiler 830—880
MM. Nach Natuxweinen war die Nachfrage reger, doch ſind vielfach die
Beſtände nur noch ſehr gering. Naturweißwein koſtete in Weyher 950
vSs 980 RM.; in Alſterweiler 1000; in Maikammer 975—1000;
Klein=
ndedersheim 900; Burrweiler 960—1000; Weiſenheim a. B. 1300;
Rup=
mrtsberg 1900—2200; Bergzabern bis 1000 Mk. In 1927er Rotweinen
immen ebenfalls einige Verkäufe zu Stande. In Maikammer wurden 750
Mek. und mehr bezahlt. Lebhaft begehrt ſind noch 1926er Weißweine,
dse in Weiſenheim a. B. 1500 Mk. erlöſten, in Maikammr 1100—1200
Mtark. Nennenswerte Poſten ſind allerdings nicht mehr vorhanden. Die
mälde Witterung geſtattete, die notwendigen Weinbergsarbeiten
fortzu=
ſpben. An der Nahe iſt gegenwärtig der erſte Abſtich des Jungweines
in Gaune, zum Teil iſt er auch bereits geändert. Von der Güte iſt
man vielfach überraſcht, Spitzenweine ſind zahlreich. Im Weingeſchäft
es ſehr ruhig, für 1200 Liter verlangte man zuletzt 1500 Mk. und
nehr. In Kreuznach wurden für das Stück 1450—1500 Mk. erlöſt. Auch
Rheinheſſen iſt das Weingeſchäft noch ziemlich ruhig. In
Swrendlingen wurden pro 1200 Liter 1927er 1200 bis 1500 Mk. erlöſt.
rr Pfaffenſchwabenheim ſtellte ſich das Stück auf 1450; in Alzheim auf
1000 RM. In der heſſiſchen Pfalz bewegten ſich die Preiſe um etwa
1000 Mk. Im Rheingau verkaufte der Winzerverein Lorchhauſen
d73 Halbſtück zum Preiſe von 1700 bis 1900 RM. pro 1200 Liter.
Irr Winkel ſollen 25 Stück zu 3000 Mk. den Beſitzer gewechſelt haben.
Yum Mittelxhein betragen die Forderungen in Bacharach für das
ider 1400—1500 RM. In Steeg kamen auf dieſer Baſis einige Ver=
Echrufe zuſtande, 1925er und 1926er ſtellen ſich auf 14—1500 Mk. — In
Aaden war das freihändige Weingeſchäft in letzter Zeit ziemlich ruhig.
Bei den vereinzelten Verkäufen wurden für 100 Liter 99—180 Mk.
be=
zochlt. In Jechtingen a. K. ſtellte ſich die Forderung für die Ohmd 1927er
ait-F 150 Mark.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Trefftag der ſüddeutſchen Metall= und Schrott=Grußhändler. Der in
Geidelberg vom Verband ſüd= und ſüdweſtdeutſcher Eiſen=, Metall= und
Sbrott=Größhändler abgehaltene Trefftag (Metallbörſe) hatte guten
Weſuch eufzuweiſen. Für Schrott waren zahlreiche Käufer korhanden.
E kamen nur wenige Abſchlüſſe zuſtande, da die gebotenen Preiſe
teil=
meiſe noch niedriger lagen als am letzten Trefftag. Lebhafte Nachfrage
hmrrſchte am Metallmarkt. Beſenders geſucht waren gute Kupfer= und
Auluminum=Legierungen. Auch entwickelte ſich ein reges Geſchäft im
llei. Für Meſſing beſtand weniger Intereſſe. Man hörte folgende
Preiſe: Stahlſchrott 58—60, Kernſchrott 55, Blechabfälle 43. Eiſenſpäne
Schmelzeiſen 40 RM. die Tonne franko Ruhrrevier.
Der deutſche Poſtſcheckverkehr im Dezember 1927. Im Monat
De=
zumber 1927 iſt die Zahl der Poſtſcheckkonten von 920 386 Ende
Novem=
hrr auf 922 376 am Ende des Berichtsmonats angewachſen. Es
erfolg=
tarr 39 519 000 Gutſchriften über 6482,9 Mill. RM. und 23 104 000
Laſt=
ſch=riften über 6416,2 Mill. RM. Der Geſamtumſatz beläuft ſich demnach
ai-f. 62 623 000 Buchungen über 12 899,1 Mill. RM. Von dieſem Betrag
m.d 10 217.8 Mill. RM. bargeldlos beglichen. Ende Dezember belief ſich
2es durchſchnittliche Guthaben auf der Geſamtheit der Poſtſchecklonten
uef 612,0 Mill. RM. Im Ueberweiſungsverkehr mit dem Auslande ſind
IN-0 Mill. RM. umgeſetzt worden.
Die Goldhypothekenpfandbriefe der Hefſiſchen Landesbank an der
iſerankfurter Börſe. Auf Grund des § 40 des Bövſengeſetzes ſind von
mstag, den 21. Januar 1928, ab Goldmart 5 Mill. Sprozentige Gold=
Mpothekenpfandbriefe, Reihe 7, der Heſſiſchen Landesbank in Darmſtadt
N—. 20 201—23 806 zum Handel und zur Notierung an der Frankfürter
Zörfg. zugelaſſen.”
Deutſche Girozentrale. Die deutfche Girozentrale hat die Befreiung
NBörſenkundmächung für die Kommunalſammelablöſungsanleihe
er=
ei cht.. Die Börſeneinführnug kann demnächſt erfolgen.
Schöfferhoſ=Binding=Vürgerbräu A.G., Frankfurt a. M. Die
Hieneralverſammlung, in der 18 Aktionäre 3,311 Mill. RM.
Stamm=
d 60000 RM. Vorzugsaktien vertraten, genehmigte den bekannten
Sſchluß mit 20 Prozent (i. V. 20 Prozent) Dividende auf die
Stamm=
etien. Anſtelle des verſtorbenen Herrn Kommerzienrat Carl v. Opel
mirde der aus Geſundheitsrückſichten aus dem Vorſtand ausgeſchiedene
Hueir Abalbert Müller neu in den Aufſichtsrat gewählt.
Preußiſche Landesbank für die Rheinprovinz. Die Landesbank für
Rheinprovinz teilt mit, daß das Inſtitut die Abſicht hatte, 5 Mill.
MM. Gprozentige reichsmündelſichere Goldhypotheken=Pfandbriefe, zweite
Aa ggabe, einer Geſamtanleihe von 30 Mill. Goldmark zur öffentlichen
Feichnung auszulegen. Die Auflegung erübrigt ſich indes, da der
Ver=
kauff inzwiſchen freihändig erfolgt iſt. Der Landesbank iſt es daher
möglich, zu 6,5 Prozent Zinſen und einem Auszahlungskurs von 90,5
bs 91 Prozent kurzfriſtig gewährte Darlehen an landwirtſchaftliche
Auseiſe zum Kleinwohnungsbau in billige langfriſtige Hypothekdarlehen
lirmzuwandeln. Die Einführung obiger Anleihe an den verſchiedenen
Rörſen ſowie der Antrag auf Lombardfähigkeit bei der Reichsbank, der,
mie bekannt ſein dürfte, für den erſten Abſchnitt von 5,5 Millionen
Gwldmark bereits erteilt iſt, wird ſofort in die Wege geleitet werden.
Heibſieck u. Co. Monopole A.=G., Mainz. Die mit 250 000 RM.
M. K. arbeitende Geſellſchaft verzeichnet für das am 30. Juni 1927
ab=
gallaufene Geſchäftsjahr einſchl. 7114 RM. Vortrag einen Reingewinn
wun 16 851 RM. Hiervon werden 1685 RM. der Reſerve zugeführt,
Pvozent Dividende ausgeſchüttet, ſo daß nach Abzug der Tantiemen
gr den A.=R. zum Neuvortrag 2666 RM. verbleiben. In der Bilanz
ſinehen 775 962 RM. Kreditoren, 419 067 RM. Debitoven, 588 212 RM.
2Sarenvorräte und 32 681 RM. flüſſige Mittel gegenüber.
Schaffung einer türkiſchen Eiſeninduſtrie? Nach Mitteilungen, die
derr türkiſche Handelsminiſter einem Vertreter der türkiſchen
Handels=
zuätung gemacht hat, iſt es einem Sachverſtändigen gelungen, im
Kohlen=
böcken von Süſüd Oefü Eiſenvorkommen zu entdecken, die groß genug
ſund, um als Grundlage für eine ſelbſtändige türkiſche Eiſeninduſtrie zu
denen. Auch die Kohlenvorräte des Bezirks ſollen für Verkokung
ge=
eignet ſein. Falls ſich die vorläufig noch ſehr unbeſtimmten
Mitteilun=
genn bewahrheiten, würde durch die Vorausſetzung für eine eigene
Eiſen=
entzeugung ein bedeutendes Plus für die induſtrielle Entwicklung der
—ürkei entſtehen. — Der Nahe Oſten zeigt einen ſteigenden Bedarf an
Gyiſen und Stahl, und die türkiſchen Wirtſchaftsfachleute glauben, in der
hränſtigen Entwichlung der indiſchen Eiſenwerke von Tata, die unter
äkunlichen Vorausſetzungen gegründet worden ſind, ein
erfolgterſprechen=
d.es Beiſpiel für ihre eigenen Pläne zu ſehen.
Metallnotierungen.
Die Berliner Metallnotierungen vom 19. Januar ſtellten ſich wie
fullgt: Elektrolytkupfer 135,25, Original Hüttenaluminium 210 dito in
Tzalzen 914, Reinnickel 350, Antimon Regulus 95—1000, Silber in
Aarren 78,50—79,50.
Die amtliche Preisfeſtſetzung im Metallterminhandel vom 19. Januar
ſi ellte ſich für Kupfer: Januar 124,50 (125,50), Februar 125 (125,50),
Mkärz 125 (125,25), April 125 (125,25), Mai 125 (125,25), Jum 125
(1225,25), Juli 125 (125,25), Auguſt 125 (125,25), September 125 (125,25)
Liktober 125,25 (125,25), November 125,25 (125,2), Dezember 125,25
(1225,50). (Tendenz: ruhig. Für Blei: Januar 44 (44,50), Februar
M25 (44,50), März 44,50 (44,75), April 44,50 (45), Mai 44,75 (45),
Jauni 44,50 (45), Juli 44,50 (45), Auguſt 44,75 (45), September 44,75 (45),
Licktober 45 (45), November 45 (45,25), Dezember 45 (45,25). Tendenz:
jull. Für Zink: Januar 52 (52,75), Februar 52 (52,50), März 52
63.:2,50), April 52 (52,50), Mai 52 (52,50), Juni 52 (52,50), Juli 52 (52,25),
Armtguſt 52 (52,50), September 51,75 (52,25), Oktober 51,50 (52,50),
No=
va mber 51,50 (52,50), Dezember 51,50 (52,50). Tendenz: ſtill. — Die
eſiſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern beigefügten Brief.
Die Metallnotierungen an der Londoner Börſe vom 19. Januar
lellten ſich für Kupfer (Tendenz: ſtetig): Standard p. Kaſſe 61½— u8,
39 Monate 61½—-/s, Settl. Preis 61¾, Elektrolyt 66½—67 beſt ſelected
67 34—67, Elektrowirebars 67; Zinn (Tendenz: feſt): Standard p. Kaſſe
9/4878—249, 3 Monate 247¾—½, Settl. Preis 249, Banka (inoff. Not.)
B60, Straits (inoff. Not.) 249; Blei (Tendenz; ruhig): ausländ.
zsompt 21¾, entft. Sichten 22½, Settl. Preis 213; Zink (
Tendenz=
nuhig): gewöhnl. prompt 26½, entft. Sichten 26½/4s, Settl. Preis 26½;
Luzuechſilber (inoff. Not.) 22½; Wolframerz (inoff. Not.) 1478,
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 19. Januar.
Die Börſe eröffnete überwiegend etwas erholt. Das Geſchäft blieb
wie an den Vortagen ziemlich ruhig, da ſich das Publikum faſt nicht
da=
ran beteiligte. Andererſeits fehlten aber heute größere Abgaben von
dieſer Seite, ſo daß einige weitere Rückkäufe der Baiſſepartei genügten,
um kleinere Kurserholungen herbeizuführen. Die Stimmung war etwas
freundlicher auf den günſtigen Monatsbericht der Diskontogeſelleſchaft,
wo=
nach die ſtarke Steigerung der Arbeitsloſigkeit letzthin doch nur auf
ſciſonmäßige Einflüſſe zurückzuführen ſei. Demgegenüber ſtand jedoch
der Bericht über die Lage der Maſchineninduſtrie, der die weitere
Kon=
junkturentwicklung ungünſtiger beurteilt. Eine gewiſſe Unſicherheit war
zunächſt nicht zu verkennen im Zuſammenhang mit den beſtehenden
innerpolitiſchen Schwierigkeiten. Bei der erſten Kursfeſtſetzung
über=
wogen die kleinen Kursbeſſerungen, die nur vereinzelt über 1 Prozent
hinausgingen. J. G. Farben lagen trotz etwas lebhafterer Umſätze nur
gut behauptet. Erwas hervor traten Rheiniſche Braunkohle mit plus
2 Prozent, Cement Heidelberg mit plus 2 Prozenk, und am Elektromaukt
Geſ, für Elektr., die 1,5 Prozent höher eröffneten. Ferner blieben
Kali=
werte beachtet. Aſchersleben zogen 1,5 Prozent an. Im Angebot lagen
dagegen Zellſtoff Woldhof mit minus 15 Prozent. Auch Wayß u.
Frey=
tag gaben erneut 1 Prozent nach. Nach der erſten Notierung konnte ſich
die Stimmung weiter etwas beſſern. Im Mittelpunkt ſtanden J. G.
Farben, die jedoch nur geringfügig anziehen konnten. Deurſche Anleihen
blieben behauptet. Türken hatten etwas regeres Geſchäft bei wenig
ver=
änderten Kurſen.
Im weiteren Verlaufe wurde das Geſchäft ſehr ſtill. Die
Grund=
ſtimmung blieb jedoch freundlich, die Kurſe konnten ſich gut behaupten.
Tägliches Geld 5,5 Prozent. Am Deviſenmarkt lag die Mark etwas
feſter. Auch Paris erhöht. Man nannte Mark gegen Dollar 4.1955;
gegen Pfunde 20,452; London=Kabel 4,8765; Paris 124,05; Mailand
92,20: Madrid 28.40.
Die Abendbörſe war außerordentlich ſtill und konnte ſich auf
die Berliner Nachbörſenkurſe behaupten. Lediglich Oberbedarf auf die
überraſchende Dividendenfeſtſetzung bis 95 gehandelt. Mon hörte die Kurſe
von Farben, A. E. G. und Mannesmann. Anleihen vollkommen
geſchäfts=
los. Auch im Verlaufe trat keinerlei Belebung ein, und man nannte bis
zum Schluß kaum veränderte Kurſe. Im einzelnen nannte man
Dres=
dener 159, Danar 238, Metallbank 132, Gelſenkirchen 138, Harpener 191,
Mennesmann 153,25, Phönix 100, Rheinbraun 241,5, Oberbedarf 92,
Rheinſtahl 174,25, Hapag 167,75. Nordd. Lloyd 152,87, AEG. 170,25,
Daimler 87 25, Scheideanſtalt 195, Licht ud Kraft 219,25, Farben 266,
Geſ. für El. 274, Holzmann 142, Rütgers 94,5, Südd. Zucker 140,
Zell=
ſtoff Aſchaffenburg 175 — Abenddeviſen kaum verändert:
Lon=
don-Veris 124,04, —Mailand 9222, —New York 487,60. —Holland
1928½, —Madrid 28,38, —Zürich 25/41½, Pfunde gegen Mark 20,46,
Dollar gegen Mark 4,1950.
Berliner Effektenbörſe.
Verlin, 19. Januar.
Nach den auch geſtern wieder eingetretenen ſtarken Kursſenkungen
machte ſich heute Deckungsbedürfnis bemerkbar, während gleichzeitig die
Provinz auf ermäßigter Baſis Anſchaffungen vornahm. Die Börſe
er=
öffnete daher einheitlich fveundlicher bei Kursbefeſtigungen um etwa 1—2
Prozent. Eine größere Anzahl von Termin= und variablen Aktien
ge=
wannen 3—4 Prozent und J. P. Bemberg in Reaktion auf die
letzt=
tägige Abſchwächung ſowie unter dem Eindruck des glänzenden
Jahres=
abſchluſſes 12 Prozent. Polyphon, die ebenfalls in den Vortagen
beſon=
ders unter Druck lagen, konnten ſich um 6 Prozent befeſtigen. Man
beurteilte die Freigabe=Angelegenheit zuverſichtlicher und hoffte ferner,
daß zur Ablöſung der kurzfriſtigen Kommunalkredite in abſehbarer Zeit
eine Scmmelanleihe von etwa 500—600 Millionen RM. untergebracht
werdem könne. Die Anſpannung am Geldmarkt ſetzte ſich zunäckſt nicht
fort. Tagesgeld wurde mit 4,5—6,5, für erſte Firmen mit 4 Prozent
und darunter genannt. Monatsgeld zirka 7,5—8,5 Prozent.
Wazen=
wechſel mit Bankgiro 6’½s Prozent. Die Gerüchte, wonach demnächſt die
Ausgabe von Reichsſchatzwechſeln bevorſtände, haben ſich nicht beſtätigt.
Am Deviſenmarkt war das Geſchäft ſehr ruhig. Die ſpaniſche Währung
befeſtigte ſich in London auf 28,42. Der Dollar notierte in Berlin mit
4,1952 etwas niedriger, in London mit 4,8762 unverändert. Im weiteren
Verlauf war die Börſe durch eine Reihe kleinerer Schwankungen
ge=
kennzeichnet. Die Umſätze gingen aber immer mehr zurück, ſo daß man
in der zweiten Stunde faſt von einem Erliegen der Geſchäftstätigkeit
ſprechen konnte. Lediglich einige Spezialwerte fanden zeitweiſe
Inter=
eſſe. Polyphon= und Tietz=Aktien bröckelten ab, während Berger Tiefbau,
Bemberg, Feldmühle, Rhein. Braunkohle, Ver. Glanzſtoff und Zellſtoff
um 2—3 Prozent anzogen. J.G. Farben vorübergehend 268, dann
wie=
der 266. Die Diskontermäßigung in Frankreich gab der Börſe zeitweiſe
eine Anzegung. Der hieſige Privatdiskont gelangte unverändert mit
6,25 Prozent für beide Sichten zur Notiz. Die Börſe ſchloß für
Spezial=
werte freundlich, ſonſt aber ſehr ſtill. J.G. Fauben, die im
Mittelpunkte ſtanden, gingen mit 266 aus dem Verkehr. An der
Nach=
börſe bröckelten die Kurſe eher wieder um 0,25—0,50 Prozent ab. Man
nannte u. a.: Ver. Glanzſtoff 575, Bemberg 449 Siemens 287, Geſ. für
El. 274, Rheiniſche Braunkohle 242, Rheinſtahl 174,25, Oſtwerke 351,5,
Schultheiß 403, Polyphon 256,5, Leonh. Tietz 200,5, Hapag 248,5,
Nord=
deutſcher Lloyd 152,5. Danatbank 238,25, Neubeſitzenleihe 16,35,
Ab=
löſungsanleihe I und II 52,25, desgl. III 57,.20.
chaffenb. Zellſtoff
gsb. Nürnb. Maſch
amag=Meguin.
lin el. W....
rlin KarsruheInd.
raunkohl. Briketts
emer Pulkan ..
remer Wolle.
eutſch.=Atlant. Tel.
eutſche Maſchinen
utſch.=Nied. Tel.
utſche Erdöl
eutſche Petroleum
„ Kaliwerke
onnersmarckhütte
ynamit Nobel
etr Lieferung
G. Farben
Friſter
aggenau Vorz.
lſenk. Berg
f. elektr. Untern.
alle Maſchinen
an.=Maſch.=Egeſt. .
anſa=Dampfſchf ..
Helſingfors ..
Wien
Prag ...
Budapeſt.
Sofia ..
Holland.
Oslo ......"
Kopenhagen.
Stockckolm
London
Buenos Aires
New=Yorl
Belgien
L. Loewe u. 267.75 26775 66.5 68.— C. Lorenz 110.5 113. Niederlauſitzer 9 163.— 65.5 130.75 133.5 „Nordd. Gummi 76.— 74.— Orenſtein 130.— 33.75 Rathgeber Wag Rombacher Hütten 90.— 895 127.— 129.— Roſitzer Zucker 79.5 75.— 174.— 176.75 Rütgerswerke 91.125 93 25 262.75 267.— Sachſenwerk. 123.25 123.— 111.25 111.75 Sächſ. Gußſtahl 135.— 137.— 40.— 38.— Siemens Glas 148.— 148 5 Ver. Lauſitzer Gla= 134. 134.— 272.5 273 1254Volkſtedter Porzell. 55.— 535 185 — 165.— Weſtf. C. Langendree 65.5 6475 Wittener Gußſtahl . 51.— 50.— 208.5 210.— Wanderer Werke „.1214.— 217.— Deviſenmarkt. 1. 19. 1.
18. 9.
Geld /Brief
0.558 10.578
59.08
12.428
73 30
3.027
169.14
111.54
9.20
2.44
73.44
3.03:
69.44
11.78
112.33/112.55
i12.68 112 80
20.445 20.485
1.791/ 1.795
V4. 1930/4.2010
58.44 58.56
Geld / Brieſ
10.552 10.572
59.05 59.17
12.424 12.444
3.28 73.42
3.027/ 3.033
169.13/169.4,
111.57111.79
12.31/112.53
112.60,112.82
20.439 20.47
1.781/ 1.79
4.19104 1990
58.42,58.54
Italien.
Paris".
Schweiz.
Spanien.
Danzig .
Japan. .
Rio de Janeiro
Jugoſlavien
Portugal
Athen ..."
Konſtantinopel
Kanada . .
Uruguay..
Geld/ Bri=
22.185 22.22.
16.485 16.525
0.775 80.935
71.55/ 71.63
81.72/ 81.98
1.963 1.967
0.505 C.507
7.385 7.39‟
20.48 20.52
5.544 5.558
2.177 2.181
4.185 4.193
Geid
22.185
16.47
80.765
71.92
80.74
1.970
0.5055
7.383
20.43
5. 54
2 183/ 2.187
4.276
Brief
22.225
16.51
0.925
72.06
81.90
1.974
0.5075
7.397
20.47
5.556
4.183/ 4.191
4.284
Piehmärkte.
Mannheimer Kleinviehmarkt vom 19. Januar. Zum Kleinviehmarkt
waren zugeführt und wurden die 50 Kilo Lebendgewicht je nach Klaſſe
gehandelt: 85 Kälber 58—75; 21 Schafe 42—47; 235 Schweine 53—58
623 Ferkel und Läufer; Ferkel bis 4 Wochen 10—14, über vier Wochen
17—22; Läufer 24—29. Marktverlauf: Kälber mittelmäßig, geräumt;
Schweine mittelmäßig, ausverkauft; Ferkel und Läufer lebhaft.
Frankfurter Viehmarkt vom 19. Januar. Der Auftrieb des heutigen
Nebenmarktes beſtand aus 1055 Kälbern, 285 Schafen, 332 Schweinen
und 47 Rindern. Verglichen mit dem Auftrieb des Nebenmarktes der
Vorwoche waren 90 Kälber und 120 Schweine mehr angetrieben. Der
Auftrieb in Schafen blieb nahezu unverändert. Bezahl wurde pro Zent
ner Lebendgewicht: Kälber b) 75—77: 0) 66—74: d) 55—65: Schafe
1) 46—50; b) 40—45: Schweine a) 60—62: b) 60—62: c) 59—61: 0) 58
Eis 60; f) 57—59. Im Vergleich zu den Notierungen vom 16. Januar
zögen Kälber 1 bis 3 RM. und Schweine 4 bis 5 RM. an. Schafe
blie=
ben gut behauptet. — Marktverlauf: Kälber und Schafe rege und
aus=
verbauft. Beſte Kälber über Notiz gehandelt. Schweine ſchleppend und
geräumt. — Fleiſchgroßhandelsmarkt: Ochſen= und Rindfleiſch 1. 90—
95; 2. 80—90; Bullenfleiſch 80—90; Kuhfleiſch 1. 65—70; 2. 50—60;
3. 30—50; Kalbfleiſch 2. 90—100; Hammelfleiſch 85—90; Schweinefleiſch
70—75; Gefrierfleiſch, Rindfleiſch, Vorderviertel 50 und Hinterviertel
58 bis 60.
Produktenberichte.
Mannheimer Produktenbericht vom 19. Januar. An der heutigen
Produktenbörſe war Brotgetreide abgeſchwächt, gute Braugerſte und
Mais degegen befeſtigt. Man verlangte für die 100 Kilo ohne Sack
waggonfrei Mannheim in RM.: Weizen inländ, 25,75—26, ausländ.
28,75—31; Roggen inländ. 25,75, ausländ. 26,50; Hafer inländ. 22,75
bis 24,75; Braugerſte pfülziſch 30—31.75, heſſiſche, badiſche und
württem=
beugiſche 29—30, ausländ. 31—35; Futtergerſte 22,50—23,50; Mais mit
Sack 21,75—22, ſüddeutſches Weizenmehl Spezial Null 37—37,50;
Rog=
genmehl 34,50—36,50; Kleie 14,25.
Frankfurter Produktenbericht vom 19. Januar. Die Geſchäftslage
iſt nach wie vor unverändert, die Umſätze bleiben klein. Brotgetreide
liegt luſtlos. Braugerſte iſt weiter geſucht, beſonders in guten
Quali=
täten. Mais feſt. Futterartikel mit Ausnahme von Weizenkleie
ſtag=
nierend. Weizen 1. 25: 2. 23,50—B,75; 3. 22,75—23,25; Roggen 24,50;
Sommergerſte 28—30; Hafer inl. 23,25—24; Mais für Futterzwecke
21,75—22; für andere Zwecke 22,50—22,75; Weizenmehl 37—37,50;
Roggenmehl 34,50—35,50; Weizenkleie 14,25; Roggenkleie 15,25—15,50.
Berliner Produktenbericht vom 19. Januar. Die Berliner
Getreide=
börſe folgte dem ruhigeren Ausland um ſo eher, als die Inlandsofferten
für Weizen ziemlich reichlich ſind, die Käufer aber ihre Zurückhaltung
weiter bewahren. Lieferung notierte etwas ſchwvächer. Für Roggen hatz
ſich im Zeithandel für vordere Monate eine ziemlich ſtetige Tendenz
er=
halten, doch beobachtete man auch hier wegen des ſtockenden Mehlabſatzes
nur wenig Käufer. Die Eröffnungsnotierungen waren unverändert. Füir
Maß hat ſich die Frage etwas gemehrt. Hafer ruhig und zu Beginn
ohne nennenswerte Umſätze. Gerſte feſt.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chieago, 19. Januar. (Priv.=Tel.)
Weizen: Der Markt nahm heute einen ſtetigen Verlauf. Auf
un=
günſtige Wetterberichte und größere Nachfrage der Exportfirmen und
Mühlen konnten die Preiſe erſt etwes anziehen. Später gingen die
Ge=
winne auf Grund der größeren Zufuhren wieder verloren.
Mafs: Anfangs wirkten hier ungünſtige Wetterberichte befeſtigend.
Auf die Meldungen, daß in Kanſas die Enthüllſungsarbeiten beendet
ſeien, und auf Abgaben des Handels gingen die Gewinne wieder
ver=
loxen.
Hafer: Die niedriger lautenden Ziffern der argentiniſchen
Verſchif=
fungen wirkten enfangs befeſtigend. Dann erfolgten jedoch Realiſationen
und die anfangs erzielten Aufbeſſerungen gingen wieder verloren.
* New York, 19. Januar. (Priv.=Tel.)
Kaffee: Die niedrigeren braſilianiſchen Kabel veranlaßten Abgaben
für europktiſche Rechnung. Später konnden die Kursrückgänge wieder
eingeholt werden, als der Handel bei dem kleinen Angebor Deckungen
vornehm.
Zucker: Bei ruhigem Geſchäft bewirkten die ſtetigeren Londoner
Kabel und Anfchaffungen des Handels eine Preisaufbeſſerung.
Baumwolle: Die infolge der am geſtrigen Schluß des Marktes
ein=
getretenen Hauſſe in der Nacht eingelaufonen Kaufaufträge bewirkten
anfengs eine Preisfteigerung, die ſich abep auf Abgaben bei Schluß nicht
halten konnte.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 19. Jan.:
Getreide: Weizen, März 129¾, Mai 130½, Juli 126½: Mais,
März 89½, Mai 92, Juli 93½; Hafer, März 54½ Mai 56, Juli
52½; Roggen, März 109½, Mai 109½, Juli 103½.
Schmalz: Januar 11,92, März 12,025, Mai 12,225.
Fleiſch: Januar 11, März 11,425, Mai 11,65: Speck loco 11,125;
leichte Schweine 7,75—8,45, ſchw. Schweine 8,10—8,54;
Schweine=
zufuhr Chicago 50 000, im Weſten 130 000.
Baumwolle: Januar 18,62, März 18,65—18,66.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 19. Jau.:
Getreide: Weizen Nr. 2 rot 158½, hart 145: Mais neu ank.
Ernte 103; Mehl ſpr. wheat clears 6,50—6,75; Fracht nach
Eng=
land 1,9—2,6, nach dem Kontinent 7—10.
Schmalz: Prima Weſtern loco 12,65; Talg extra 9.
Kakao: Tendenz: ſtetig, Umſatz in lots 146, loco 1338, Januar
13,60, Februar 13,57, März 13,57, April 13,63, Mai 13,69, Juni
13,75, Juli 13,89, September 13,91, Oktober 13,82.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die Bilanzſitzung der Vereinigten Stahlwerke, Düſſeldoaf, findet
am 2. März 1928 ſtatt.
Die Kontingentsverhandlungen zwiſchen den euroßäiſchen
Teilneh=
mern der neuen internationalen Zuckerkenvention haben am Mittwoc
vormittag in Berlin begonnen. Die Verlängerung der deutſchen Zuckeu=
Ausfuhrvereinigung bis zum 1. September 1930 iſt in den letzten Tagen
perfekt geworden.
Zur Aufnahme der Feinſtahlerzeugung hat bekanntlich die Alpina
Montangeſellſchaft einen Elektroſtahlofen in Donawitz errühtet. Der
von den Wiener Siemens=Schuckert=Werken hergeſtellte Elektroofen wird
bereits Ende dieſes Monats in Betrieb geſetzt. Mit dem Alleinvertrieb
don Feinſtahl hat die Alpine die Eiſen= und Stahl=AG. (Wien) betraut.
In den Saarzollverhandlungen, die zur Zeit in Paris geführt
wer=
den, iſt ein weiterer Fortſchritt zu verzeichnen. Die Liſte C, die die
Einfuhr deutſcher Waren in das Saargebiet unter beſonderen Kazitelen
regelt, iſt fertingeſtellt worden. Die erzielte Einigung wird als
be=
friedigend bezeicmet.
Wie Havas aus Luxemburg berichtet, wird am 8. Februar das
Walzdrahtkartell in Brüſſel zuſammenkommen und wahrſcheinlich auch
die Frage der Preisgeſtaltung behandeln.
Aus Paris wird gemeldet, daß dort demnächſt neue Verhandlungen
zlviſchen dem Naphihaſyndikat der Sowjetunion und Vertretern der
franzöſiſchen Erdölinduſtrie geplant ſind. Dem Vernehmen nach hat
die Sowjetregierung die Abſicht, den franzöſiſchen Erdölintereſſenten
dieſelben Rechte zu geben, wie ſie die Standard Oil im ruſſiſch=
ameri=
kaniſchen Erdölgeſchäft beſitzt.
e das „Journal” berichtet, erwägt die Bonk von Frankreich die
keit, ihren Diskontſatz von 4 Prozent auf 3½ Prozent zu
er=
t. Möglicherweiſe wird dieſe Maßnahme unverzüglicherweiſe
n werden
e zuverläſſig verlautet, ſoll der Zweimänner=Ausſchuß des däni=
Rteichstages beſchloſſen haben, die Landmans=Bank nach einer
ungszeir von etwa einem Jahr zu liquidieren. Gleichzeſitig ſoll
z neue Bank gegründet werden, jedoch ohne ſtaatliche Garanhie.
November iſt die Porzellanausfuhr vom Rekordwerk von 2
en, im Oktober auf 27,3 Millionen Ke zurückgegangen. In den
eif Monaten ſind 3300 Waggon Porzellan exportierk worden
2800 in derſelben Zeit des Vorjahres und 3000 1925.
5 Prag wird gemeldet: Die Handelsvertragsverhandlungen mit
land werden erſt fortgeſetzt werden, wenn die Beſprechungen
duſtriellen beider Länder zu einer Klärung geführt haben. Sie
daher kaum vor Anfang Februar wieder aufgenommen werden.
3 Bukareſt wird gemeldet: Die letzte Hauſſe der rumäniſchen
an der Londoner Börſe ſteht mit Käufen der rumäniſchen
Re=
in Zuſammenhang. Der Kurs der rumäniſchen Renten iſt von
z1 geſtiegen. Die rumäniſche Regierung wünſcht im Hinblick auf
„en Anleiheabſichten, die Rentabilität der alten Renten durch
teigerung des Kurſes hinaufzuſetzen.
Meldungen aus Waſhington hat das Repräſentankenhaus die
m Senat angenommene Reſolution auf Herabſetzung der
Zoll=
mit erdrlickender Mehrheit abgelehnt.
Seite 14
Freitag, den 20. Januar 1928
Nummer 20
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47 Dk. Schutzgeb.=
Anl. ..."
6) Ausländiſche
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5% ,L. Inv. 1914
4½% 1898
4½% 1902 .
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5% Bulg. Tabak.02/ 17
4½%Oſt. Staatsr.
b. 1913. Kdb.1918
4½%Oſt.Schatz. 14
41. % Oſt. Silberr.
45 Goldr
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lt. Innsbr. Abk.
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5% Port.,/ Spz. III
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47, am kon
4J. am.05
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(½%
1913
ſt. Tnnsbr Akk.)
4½.%0 Ung St 19141
47,% Ung. St 1914
(lt. Innsbr. Abk.)
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Darmſt., Reihe 1/ 95.5 Bank Goldpfbrf.) 5715 4%Ung. gronr. .. * 52.25 32 Ung. Eiſ.Tor .. 82 K. Landesbank päiſche Darmſt.R Reihe II
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94 16.55 150 Mexam.in abg. 15% äuß. 99 725M. KraftHöchſt 42‟, 18% Mainz. z.„St.=G./ 93.25 7.9 147 Golbo4ſtf. 29.75 I9 ch. St.=G.) 35.25 32
fonſ.inn. 82 Mannh. St.=G.= Sbeſtcensſta 4123n Frigat. 35.3 7% M.=Stahlw. 27 93.75 Noggen
23 40.4 52 Tamaulivas 1 . 19 8% Naſſ. Ldb. Gold 97.5 2o Pr. Kaliw. 40,4 Sachwert=Schuld= 828 Nbg. St. Gldal., 5% Pr.Roggenw. 182 Pfälz,.Hyp.Bk.= 52 Südd, Feſt. B.6 2.4 verſchreibungen Goldpfor 3.1 Mit Zinsberech= 72 Pfälz. Hyp.=Bk.)
Goldpfbr. 94 Borkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe. nung 105 162 Pfälz. 5y p.=Bk Bayr Vereinsb 10½Berl. 6.=B1. 6. Goldpfbr. 88.5 Bahr Handelsb. 8% 98 % Pforzh. St.=G. 95.5 Bayr=Hhp.u. Bechf 62 Berl. St. Gold 18% Pirmaſ. St.=G. 33" Berliner Hup.=Bk. 825 Darmſt. St.=G. * 2PrCentr. Bd.= Frif Hyp.=Bl. 30 18 % D. Hyp.=Bankl 98‟ Fr.=Bi. Gldpfbr. .25 Frri. Pfandbr.=Bk.) Meining. Goldpf. 3% Pr.Centr.=St.= bamb. Hyp.=By. 92 ſchafts=Goldpfbr. 98.5 Mecklb.Hyp. u.Wb. 89 720 Pr. Centr.=St. Meining. Hyp.Bk. 31:1. 725 Dresd. St.0 87.55 ſchafts=Goldpfbr.
82Rh.=byp.=Bl. 93 Nordd Gr.Cr.Bi., 72Frkf. St.=G. 98.35 Pfälz. Hyp.=Bi. 6%. 83.5 Goldpfbr. 97.25 Preuß.=Bod. Fr.=B. 9.6 8% Frki. Hyp.=Bk. 96 94.25 Pr.Cent.=B. Cr.B. Goldpfbr. s45 Preuß Pfdbr.=Bk 6.75 2 Frkſi. Hyp.=Br. 93.5 4½—„Lig. Pfb. 81 Rhein,=Hyp.=B. Goldpfbr. 4½% „Anteilſch. 60,os Rh.=Wſtf. B. Fr.B.) s 18b Frli. Hyp.=Bk= 71 %Rh. Stahlw. Sidd. Bodenkr. Goldpfbr. 35 Bürtt 6yp Bk. 8% Frrf. Pfbr.=Bk.) 10 %Rh.=Weſtf.=B. Staatl. ob. prov. Goldpfbr Cr.=B: Goldpf. 141. 7% Frif Goldpfbr. 35 garantiert. 80 Frk., Pfbr=Bi. bent. 2.Gyp .B. Golduihr. 9 18% Südd.B.-Cr. B. Landest. 13.25 Vibr. Br.
5%0 Frl Goldpfdbr. 97.5 Noſſon. Ge. 2 V. Stahlw. Düſ= Obt/K
n v.
Tran= anſt. Gobd= ſeldorfsyp.=Gld ans Si ob. mit Option 1 and.=Bk.) 7 .V. Stahlw. Düſ= 1425 Eliſ.-Pt Ihn ſtfr. Golpoffr. 97.75 ſeldorfHyp.=Gd.=) 91.5 f42 Gali; Carl. 72 Geſſ. Land.=Bk.) obl. ohne Option Lub.=B. Goldpfbr. 72Biag(V. Ind.= abg.
1sR Oc. Sd. L.ſtſr. 25.3 8O Klöchn.=Berk.ss 36,s Uunt.Bln.) 27. 90 T26GAlteOſt. Südb.) 14.5 95 2,62 Neue „ 14.5 4%Oſt. Staatsb. 83 3 45 98 3%Oſt. 1.b.8 E. 1 3%Oſt. „abg. 3% — „9.Gmt. 3%
abg. 3%0 — n 1885 12.61 abg.
329 82Hſt. Erg. Netz B1 22 3%Oſt.
nabg. . 22 6.5 820 RaabOebd 83 20 91 71 15 33 16 42 Rud. Silber aus 425 Rud. (Salzka.) 4½%Angt., S.I 19.25 4½% Anat., S. II 18.23 4½22 Angt. Srrl 715 3%0 Salon. Monaſt. 5% Tehuantevec. 181. 4½% Bank=Aktien Aug. D.=Kredit. 18.15 Bad. Bi. 174 Bi./ Brauind. 182 Barmer Banko. 147.5 14.2 Bay. Hyp.=Wch) 174. Berl. Handelsgel 905 Comm.u. Privatb. 175 Darmſt. u. Nat.=Bl. 238 Deutſche Bani. 184.5 13.7 D. Effu.Bchſ.=Bk. 128 D. Hyp.=Bk. Mein. 143 * D. Vereins=Bi. 104 — Disr=Geſeliſch 155.25 Dresdener Bi 159.75 Frank. Bi. 124.35. Frankf. Hypth.=Bk.), 143 Frkf. Pfdbr. Bi. 11 144.5 12.65 Gotha. Grundkr.B!., Lur Intern.Bank. 7.5 ge Metallbank 131 Mittelo. Crebitb 225 Bfälz Hyp.=Br. Pr. Bo.=Freptbank 139 Hyp. Akt.=Ban! 150 38 Reichsbank=Ant. Rhein Freditbk. 132.75 3.25 Rhein=byp.=Bk. 174 „ Sübd. B.Treditbk.
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99.5
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142
144.5
100,5
149
151
173.75
114‟
Nummer 20
Freitag den 20 Januar 1928
Seite 15
Ais ich noch Prinz war.. .!
Roman von Paul Hain.
Urheber=Rechtsſchutz Verlag Oskar Meiſter, Werdau Sa.
(Nachdruck verboten)
„Anita Wielandt,” flüſterte er. „Es klingt wie klare, ſchöne
MKuſik
„So ſagte Tante auch oft. Und — es mag wohl wahr ſein.
M=ater wußte ſchon, was gut klingt. Sein Bild hängt über dem
(lavier — und manchmal, wenn ich davor ſitze und ſpiele, iſt
hiir, als ob er zu mir herabnickt
Karl Ferdinand ſagte:
„Ich möchte das Bild einmal ſehen, Anita —
„Dann — mußt du hinkommen, Ferdi —
„Darf ich, Anita? „Ich bat dich ſchon einmal —
Er blickte ſie leidenſchaftlich an.
Da nickte ſie.
„Jetzt darfſt du, Liebſter. Ich werde es Tante ſagen. Sie
tieird ſich gewiß freuen.”
„Ich danke dir, Anita —
Der Zuſchnuerraum hatte ſich wieder gefüllt. Der letzte
Mkt mußte gleich beginnen. Der Logendiener klopfte diskret an
umd bat um die Garderobenmarke, um die Ueberkleider
recht=
zeitig zu beſorgen. Er nahm Gläſer und Teller mit. Sein
Bakaiengeſicht war wie eine Maske. Karl Ferdinand kannte
dieſe Geſichter und ärgerte ſich.
Die Zwiſchenmuſik hob an. Die Lichter erloſchen wieder
Yoer Prinz war nicht mehr bei der Sache. Auch Anita konnte
nſicht mehr mit gleicher Aufmerkſamkeit wie vorher der
Vor=
ſ ellung folgen. Das Clas Sekt — ein ungewohnter Genuß —
lmatte ihr Blut erregt. Noch nie hatte ſie ſo heftig empſunden,
hieie ſtark ihre Liebe zu dem Geliebten war Und daß er ihren
Asater gekannt hatte — es war, als wäre er auch ihr ſchon lange
kiein Fremder geweſen, als wären ſie ſchon Jahr und Tag gut
3rreund miteinander. Hatte ſie nicht von Anfang an, da er ihr
begegnete, Vertrauen zu ihm gehabt? War es nicht geweſen —
duamals — als müßte ſie ihm die Lippen zum erſten Kuß
hneten?
Leiſe ſuchte ihre Hund die ſeine.
So ſaßen ſie, bis der Vorhang über dem Spiel fiel und der
ABeifall der Zuſchauer den Bann löſte. Die Darſteller verneigten
ſuch wieder und wieder, langſam ſenkte ſich der „Eiſerne‟. —
Herr von Lippſchütz kam vorerſt nicht dazu, ſeine Neugierde
zut befriedigen. Zwar blieb die Großherzogin bis zum Schluß
iher Vorſtellung, aber als er dann mit ihr aus der Loge trat, —
mian hatte eine Weile gewartet, bis ſich der größte Schwarm
mer Beſucher verlaufen hatte — war von dem Prinzen und
einer mutmaßlichen Begleiterin natürlich nichts zu ſehen. Die
wiochten ſchon lange draußen ſein.
Aber dem war nicht ſo.
Auch ſie hatten gewartet, bis ſich der Zuſchauerraum geleert
und die Theatergäſte vermutlich zum größten Teil entfernt hatten.
MDann erſt traten ſie auf den Gang. Schritten durch das geleerte
Msoher, ins Freie. Der Prinz hatte die peinliche Begegnung in
mer Pauſe ſchon vergeſſen.
Als ſie die Freitreppe nach unten ſtiegen, fuhr gerade ein
allegantes Auto langſam vor — die Türfüllung der Karoſſerie
muit einem goldenen Wappen geſchmückt.
Heir von Lippſchütz und die Großherzogin waren im
Be=
griff, einzuſteigen. Einige Leute waren ſtehen geblieben. Das
Wappen am Wagen, die devote Höfli hkeit des Begleiters der
Dame machte ſie aufmerkſam. In ſtrammer Haltung ſaß der
Chauffeur am Steuer.
Auch Anita hatte unwillkürlich den Schritt verhalien.
Da blickte Herr von Lippſchütz zurück. Sah den Prinzen.
Grüßte liebenswürdig.
Es blieb ihm nichts anderes übrig, als zu danken.
Fehlte nur noch, daß die Herzogin auch noch huldvollſt
grüßte, dachte er und zog Anita eilig mit ſich. So ſah er nicht.
wie in der Tat auch die Großherzogin den Kopf ihm zuwandte
— aber ſie erkannte ihn nicht mehr.
„Wer war das, Ferdi?” fragte Anita erſchrocken.
„Ach — ein ehemaliger Studiengenoſſe. Wir begegneten
uns neulich —
„Das war doch das Auto des Großherzogs—
„So? Möglich — ja. Richtig — der junge Mann hat da
wohl einei hübſchen Poſten erwiſcht — Geſellſchafter, Erzieher,
tvas weiß ich — ich kaun mich im Angenblick nicht einmal auf
ſeinen Namen beſinnen. Aber was geht uns das an. Komm”,
Lieb — wir fpazieren noch durch den Park.”
Der kleine Vorfall hatte ſich ſo ſchnell abgeſpielt, als daß
Anita ſich beſondere Gedanken hätte machen können. Ihre
Jugend ſelbſt ſehnte ſich noch nach einem kurzen Alleinſein mit
dem Geliebten.
So ſchritten ſie in den Park hinein.
Die Großherzogin hatte ſich nicht enthalten können, ihren
Vegleiter zu fragen:
„Wen grüßten Sie da eigentlich, lieber Lippfchütz?"
Und er war ſo überraſcht von der Frage, daß er
heraus=
platzte:
„Prinz Branzell war 2s, Hoheit.”
„Ach — der luſtige Ferdi? Der iſt wieder hier? Er war
doch in Damenbegleitung, wenn ich nicht irre
Sie hatte entſchieden ein etwas indigniertes Geſicht. Die
demokratiſchen Neigungen des Prinzen waren ja immerhin
ziemlich bekanut.
„Und offenbar inkognito —! Lippſchütz, wiſſen Sie was
Näheres darüber?”
Der hätte ſich am liebſten die Zunge abgebiſſen.
Zu dumm, daß er ſich ſo hatte gehen laſſen. Es war ja doch
klar, daß Ferdi da wieder mal auf abenteuerlichen Wegen ging.
Die Kleine an ſeiner Seite — einfach eine Schönheit war das
geweſen! Und ſo blutjung! Woher der Ferdi bloß ſeine
Spür=
naſe hatte — fobelhaft!
„Nein, Hoheit — ich war ſelber ganz erſtaunt.”
„So — ſo —
Die Großherzogin blickte durchs Fenſter.
—Gei Erkältungsanzeichen
rheumatischen Schmerzen!
„Es dürfte uns ja auch wenig intereſſieren. Ach — dieſe
Zeiten! Dieſe neuen Zeiten!“
Sie ſeufzie vernehmlich.
Herr von Lippſchütz hielt es für geraten, zu ſchweigen. In
gemäßigtem Tempo fuhr das Auto dahin, hinaus aus der
eigentlichen Stadt, dem großherzöglichen Schloß entgegen, das
zwiſchen den Wäldern lag. —
Anita war in einer unendlich glücklichen Stimmung
Ihr war, als wandle ſie durch einen Märchenhain und die
Vlätter der Yäume jaſchelten leiſe im Wind und ſchienen zu
flüſtern: „Du Glücklihſte — du Allerglücklichſte
„Wann ſoll ich zu euch kommen, Anita?”
Sie ſchmiegte ſich eng an Karl Ferdinand.
„Du
„Sag’ doch
„Morgen, übermorgen — wann du willſt. Nein —
über=
inorgen Lieber Gott, wie wird ſich Tante wundern —
„Ich werde mich ſehr freuen, ſie kennen zu lernen. Wir
wverden den ihrem Bruder plaudern —
„Ja, das tut ſie gern. O, wie wird ſie froh ſein, mit
f=
mandem zu ſprechen, der ihn noch hat ſingen hören —
„Und du wirſt ſingen, Anita
„Für dich, Ferdi — für dich
„Und der Sommer wird nie ein Ende nehmen
„Nis — oh
„Für uns nie, Anita.”
„Du lieber Schwärmer
Sie blieben ſtehen. Dunkel ringsum. Warm war dieſe
Som=
mernacht — und voll bunter, flüſternder Märchen. Und doch hat
jede Sommernacht ihre Heuchelei und heimliche Lüge.
Jede Sommernacht!
„Anita —
„Liebſter —
„Dein Mund iſt heiß
Er zog ſie an ſich. Und es waren Küfſe der Sommernacht,
die ſie einander ſchenkten. Voll Glut und tiefer Sehnſucht.
„Wir werden ſehr glücklich werden, Anita
„Wenn du bei mir bleibſt, Ferdi —
„Ich will es, Anita —
Langſam ſchritten ſie unter den Schatten der Bäume dahin.
Zwei glückliche Menſchen. —
Und doch war es ſchwer, es der Tante zu ſagen. Anita war
es, als wäre ihr Geheimnis nicht mehr ſo ſchön, wenn ſie es
ver=
riete. Und doch — es mußte ja ſein.
Frau Wielandt blickte über ihre Brille, die ſie beim Leſen zu
tragen pflegte, hinweg auf Anita, die in der Sofaecke ſaß und tat,
als ob ſie mit der Zeitung beſchäftigt ſei. Aber ſie las nicht eine
Zeile. Man hatte zu Abend gegeſſen — Teller und Taſſen
ſtan=
den noch auf dem Tiſch.
Zuerſt hatte Anita von dem geſtrigen Theaterbeſuch
geplau=
dert — aber in ihren Worten war eine Unordnung, die der Tante
auffiel. Sie hatte nicht viel gefragt. Vor allem hatte ſie nicht
daran gerührt, ob Anita allein hingegangen war — oder in
Ge=
ſellſchaft. Nein, ſie wollte nicht in ſie dringen, und wenn ſie es
noch ſo gut wußte, daß da wohl ein Mann eine nicht
unbedenk=
liche Rolle ſpielte.
Dann hatte Anita geſchwiegen. Lieber Gott, wie das doch
ſchwer war, ein Herzensgeheimnis einzugeſtehen.
(Fortſetzung folgt.)
Hegen rote Hände
und unſchöne Hautfarbe verwendet man am beſten die ſchneeig=weiße,
fettfreie Crene Leoox, welche den Händen und dem Geſicht
jene matte Weiße verleiht, die der vornehmen Dame erwünſcht iſt.
Ein beſonderer Vorteil liegt auch darin, daß dieſe unſichtbare
Matt=
ereme wundervoll kühlend bei Juckreiz der Haut wirk und
gleichzeitig eine vorzügliche Unterlage für Puder iſt. Der nachhaltige
Duft dieſer Creme gleicht einem taufriſch gepflückten Frühlingsſtrauß
von Veilchen, Maiglöckchen und Flieder, ohne jenen berüchtigten
Moſchusgeruch, den die vornehme Welt verabſcheut. — Preis der
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