Darmstädter Tagblatt 1927


07. August 1927

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Einzelnummer 15 Pfennige

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Nummer 212
Sonntag, den T. Auguſt 1927. 190. Jahrgang

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Mmmtteigs Dege gegen Bemtſciänv.

Guillaumats Bericht:
Dn utſchlands Kriegsvorbereitungen im beſetzten Gebiet
TU. Paris, 6. Auguſt.
Die Pariſer Zeitſchrift Aux Ecoutes veröffentlicht heute
ſb Wortlaut eines Geheimberichtes General Guillaumats an
tinsminiſter Painlevé und Außenminiſter Briand, der von der
tiu naliſtiſchen Preſſe nachgedruckt wird. Dieſer Bericht dürfte
1Ich. auch dem belgiſchen Kriegsminiſter als Unterlage für ſeine
mi wird behauptet, daß nach Erkundigungen des franzöſiſchen
m ralſtabes die deutſche Regierung ſeit ungefähr einem Jahre
Plausbildung militäriſcher Kräfte im beſetzten Gebiet plane.
ühmend früher die Reichsregierung die Neuorganiſation von
lüäriſchen Kräften nur im unbeſetzten Deutſchland betrieben
½e, ſo würde jetzt in den beſetzten Gebieten zahlreiche Verbände
ſchraffen, deren Ziel die Rekrutierung und militäriſche Ausbil=
n
der Jugend ſei. So hätten ſich viele Sportgeſellſchaften ge=
bex
, die die jungen Leute im Marſchieren und in körperlichen
bungen unterrichteten. Auch mache ſich ein deutliches Beſtre=
1 Der Bevölkerung geltend, ſich unter den verſchiedenſten Vor=
enggen
zu bewaffnen. Reitervereine, deren bis jetzt 35 feſtgeſtellt
zu. die aber kaum ein Drittel der im beſetzten Gebiet beſtehen=
1TTruppen darſtellten, verſuchten, Reiter und Geſchützfahrer
ezubilden. In dem Bericht wird weiter die Enwwicklung des
ſtſt hen Flugweſens und des Segelfluges im beſetzten Gebiet
a WBefahr für die Beſatzung hingeſtellt. Ferner ſoll die Verbeſ=
ſang
des Straßen= und Eiſenbahnnetzes ſowie der geplante
Euwvon neuen Brücken bezwecken, die Schlagfertigkeit des deut=
ſen
! Aufmarſches zu erhöhen. Auch die Verbreitung des Radio
ſt mach General Guillaumat die Schlagkraft des deutſchen Heeres
zurken. Am Schluß des Berichtes legt General Guillaumat
19 Maß die der Reichsregierung gemachten Konzeſſionen kein an=
be
: Ergebnis gehabt hätten, als Deutſchland weitere militä=
ny
Vorbereitungen im beſetzten Gebiete zu ermöglichen. Die
evieſenheit der alliierten Beſatzungsarmee verlangſame wenig=
Ints die Entwicklung eines Progxamms, deſſen Ausführung
Um mach der Räumung des beſetzten Gebietes nicht mehr ver=
wern
könne.
1 Die neueſte Frucht franzöſiſcher Hetzpropaganda iſt entſchie=
9 nin angeblich aus der Feder des Oberkommandierenden der
nrzöſiſchen Rheinarmee, des Generals Guillaumat, ſtammender
Lütgt an die franzöſiſche Regierung, in dem der General be=
ſrinunmehr
auch auf das beſetzte Gebiet er=
ſeirt
. Was er darunter verſteht, ſei hier kurz zuſammengefaßt:
Er liche Geſellſchaften, Reitervereine, Enwicklung des Flug=
geu
s, ſpeziell der Segelfliegerei, Bau von Straßen, Wegen und
EnSahnbrücken, Verbreitung des Rundfunks, Ausdehnung des
Tfüahrwſens. Wir glauben nicht, daß General Guillaumat der
Zei dieſes Berichtes iſt, ſchon deswegen nicht, weil er zu den Dienſtſtellen, den erforderlichen Schutz unter allen umſtänden,
wiggen franzöſiſchen Militärs gehört, die ihre Aufgabe nicht da=
19arblicken, ihre ganze Kraft in den Dienſt der Deutſchland=
1be ßu ſtellen. Er war es ja auch, der ſeinerzeit ſoweit wir
ben: mit Briand die Beſatzungsverminderung bzw. weitere
1Iyrauppierungen vorbereitet hatte, bis ihm dann Poincaré in
RMrm fiel. Wir ſind auch der Auffaſſung, daß der Bericht
gpülſcht iſt. Vielleicht gehört der Verfaſſer jenes Dokuments
jben) Kreiſen an, die auch den belgiſchen Kriegsminiſter de Bro=
wille
mit Material über die angeblichen Rüſtungen Deutſch=
b
3 beliefert haben. Aber ſchließlich iſt für dieſe Franzoſen
urz) plump genug, um nicht doch noch geglaubt zu werden. In
0e gangeblichen Guillaumat=Bericht wird aber als Kriegs=
unſiger
alsdrei große Flughäfen liegen. Daß dar=
mrur
hyſteriſche franzöſiſche Deutſchenfreſſer auf kriegeriſche
2 ſtchrten Deutſchlands ſchließen können, iſt ſelbſwverſtändlich. Es
ſetlannt, daß ſeit geraumer Zeit die Reichsregierung mit der
ſerlallierten Rheinlandkommiſſion in Verhandlungen über die
bnumg von Flugplätzen im beſetzten Gebiet ſteht, die jetzt zu
ſän poſitiven Ergebnis gebracht worden ſind. Es iſt uns zuge=
ſ
. ſioern worden, auch auf der anderen Seite des Rheins Flughäfen
*0/Häfen (in der Nähe von Kaiſerslautern, in der
Ne won Koblenz und auf dem Rennplatz von Erbenheim
ElSziesbaden) geſtattet. Damit iſt doch eigentlich glatt wider=
maß
der Oberkommandierende der Rheinarmee unſere Ver=
EPar in Paris ſchon dafür geſorgt, daß der franzöſiſche Vertre=
immung
nicht geben durfte. Aber ohne Angriffe auf Deutſch=
In greht es nun einmal bei den Franzoſen nicht. Sie fabeln
nKniegsvorbereitungen auch dann noch, wenn ihnen durch die
Aanf ihrer amtlichen Stellen genau das Gegenteil bewieſen wird.
5ße Poincaré dürſte gerade nicht angenehm überraſcht ſein,
nau1sgerechnet in dieſem Augenblick das Abkommen mit der
RMandkommiſſion perfekt wurde, zumal in dieſem famoſen
Nichk extra geſagt wurde, daß die deutſchen Rüſtungen im be=
Mtem, wenn die Truppen auch weiterhin am Rhein bleiben.

Das franzöſiſche Kriegsminiſierium
zum Bericht Guillaumats.
Das Kriegsminiſterium erklärt dem Temps zufolge zu dem
heute morgen vom Abenir veröffentlichten Geheimbericht des
Generals Guillaumat, daß dieſer Bericht vom 22. Februar 1927 Zeilen ſchreibe, ſoll dort die Schlußſitzung ſtattfinden. Man hat
verleſen und erörtert worden ſei. Das Kriegsminiſterium behalte dieſe Aufgabe ſcheint nicht lösbar geweſen zu ſein.. Verſtän=
ſich
Maßnahmen gegen die Urheber der Veröffentlichung vor.
ſeſchuldigungen gegen Deutſchland gedient haben. In dem Be= Die Anlage von Landungs=Flugplätzen für den Flug=
beriehr
dunrch die Welnlandlenniſon genehnick.
Koblenz, 6. Auguſt.
Von amtlicher Seite wird beſtätigt, daß nunmehr die Ver=
handlungen
zwiſchen dem Präſidenten der Rheinlandkommiſſion
uud dem Reichskommiſſariat für die beſetzten Gebiete imn Koblelz denken verſucht. Denn wirklich ausdenken kann man das ja
dazu geführt haben, daß die Schaffung von drei Lau= gar nicht. Was 1900 Jahre Geſchichte der Chriſtenheit an Spal=
dungsplätzen
für den Flugverkehr in den beſetz=
deſſen
unmittelbarer Nähe und der dritte auf dem Gelände des graph in den nächſten Wochen aus Lauſanne, der Stadt der
Wiesbaden errichtet werden. Infolge der noch vorzunehmen=
den
Anlage des Flugplatzes bei Kaiſerslautern wird der Flug=
verkehr
mit der Rheinpfalz erſt für das nächſte Jahr in Frage
kommen.
Die preußiſche
Flaggen=Notverordnung.
* Berlin, 6. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Das Preußiſche Staatsminiſterium hat nunmehr den Ent=
einen
Paragraphen und hat folgenden Wortlaut:
meindeverbände gehört zu den örtlichen Geſchäften der allgemei=
nen
Landesverwaltung. Das gleiche gilt in Anſehung der Schul=
gebäude
für die Unterhaltsträger der nicht vom Staate allein
unterhaltenen Schulen. In der Begründung wird auf das
Urteil des Oberverwaltungsgerichtes in Sachen Potsdam gegen
Preußen Bezug genommen und erklärt, daß eine ſofortige Aen=
auf
hingewieſen, daß es zu Zwiſchenfällen kommen könnte, wenn
nicht gflaggt wird, weil das von weiten Schichten der Bevölkerung
als eine politiſche Demonſtration aufgefaßt werden könnte.
Der preußiſche Miniſter des Innern, Grzeſiſki, hat an die
ſwet, daß Deutſchland ſeine Kriegsvorbereitun= Regierungspräſidenten und Landräte uſw., in deren Bereich die Lauſanne verſammelt. Europa und Amerika ſtellen freilich das
Oſt= und Nordſeebäder liegen, einen Erlaß gerichtet, in welchem weitaus größte Kontingent. Aber die Kirche von England ( ang=
betont
wird, daß jeder Staatsbürger Anſpruch darauf hat, gegen
unberechtigte Störungen geſchützt zu werden. Ganz beſonders
ſei dieſer Schutz unbedingt da ſicher zu ſtellen, wo es ſich um die
verfaſſungsmäßigen Reichsfarben handelt. Denn das Zeigen der
Flagge Schwarz=Rot=Gold ſchließe das Bekenntnis zur Verfaſ= ſarbige Delegierte miſchen ſich unter die Maſſe der Weißen; auch
ſung des Reiches in ſich. Der Miniſter erſucht die betreffenden
lichenfalls zur Verſtärkung heranzuziehen. Auch Schutzpolizei Kirchen der Welt vertreten wären. Durch ein beſonderes Verfah=
und Kriminalbamte könnten eingeſetzt werden.
* Der Geſetzenwurf ſelbſt iſt ſo gehalten, daß man aus ihm nämlich die Kirchen ablehnten, hat man br. speoial apvoint=
einen
direkten Befehl an die Gemeinden nicht herausleſen kann. ment, alſo durch beſondere Ladung oder Beſtimmung, Männer
Man verſucht das Ziel dadurch zu erreichen, daß man das Flag= aus jenen Kirchen, möglichſt ſolche mit einem bekannten Namen
ſtellt. In der Begründung führt man einen richtigen Eiertanz dern gemacht. Im Verzeichnis der Mitglieder erſcheinen ſie dann
auf. Plötzlich, nach ſieben Jahren, fürchtet man ſich vor Demon= bei nicht ganz genauer Betrachtung doch als Vertreter der be=
tliereitung
Deutſchlands auch darauf hingewieſen, Farben aufgezogen haben. Dieſe Furcht vor Zwiſchenfällen verſchiedenen Teile der angelikaniſchen Kirche entſandt. Unter
mam Eingang des beſetzten Gebietes nicht ſoll aber nur dazu dienen die Verordnung mit der Verfaſſung in den Nichtanglikanern Amerikas ſind Methodiſten, Baptiſten, Kon=
ſelbſt
eingeſehen. Dafür verſucht ſie die öffentliche Sicherheit als wegiſche und die däniſche Kirche, die lutheriſche Kirche in Un=
Grzeſinſki tut gerade, als ob am 11. Auguſt die Gegner der jetzi= chen in Lettland und Eſtland u. a. m. Der Kenner weiß, daß da=
ſaiggen
. Die Rheinlandkommiſſion hat jetzt gen Reichsfarben eine Offenſive gegen Fahnen ergreiſen wollten, mit längſt nicht alle Kirchen Europas genannt ſind. Von den
fen und ihr Einſchreiten verlangen. Daß dadurch nicht nur die die deutſchen evangeliſchen Kirchen offiziell vertreten ſind.
Esſliegerei irgendwie für gefährlich hält. Wäre dem ſo, dann für den Schutz des Bürgers und deſſen Sicherheit beſtimmten
Polizeiorgane in höchſt peinliche Situgtionen kommen und dar= Vertreter anweſend ſind, deshalb auf, weil der ſchwediſche Erz=
nin
, der Rheinlandkommiſſion zu dieſer Vereinbarung ſeine über hinaus neuer Unfriede ins Volk getragen wird, ſcheint ge= biſchof Söderblom, der vor zwei Jahren die große Weltkonferenz
preußiſche Regierung mit einer entſprechenden Vorlage auch kom= als begeiſterter Freund und Verfechter des Einigungsgedankens
men können, ſolange der Landtag beiſammen war. Das tat ſie bekannt iſt. Er iſt perſönlich anweſend; aber die Kirche, der er
aber nicht, weil das Stärkeverhältnis der Weimarer Koglition zu, als einer ihrer Biſchöfe, ſogar mit dem Erzbiſchoftitel, angehört.
Da nun aber im Ständigen Ausſchuß eine andere Kräftegrup= nur einige Delegierte by speolal appointment geſchickt. Für die
vierung infolge des Fehlens der Völkiſchen vorhanden iſt, wird deutſchen evangeliſchen Kirchen war die amtliche Zurückhal=
die
Regierung hier mehr Glück haben. Es fragt ſich aber, ob der tung notwendig, weil ihr gemeinſames Organ, der Kirchenbund,
ſtn. Gebiet nur dadurch verzögert oder verhindert werden. Laudtag nachträglich ſeine Genehmigung zu dieſer Notverord= für Bekenntnis= und Verfaſſungsfragen nicht zuſtändig iſt; die
nung geben wird.

Weltkonferenz für Glauben
und Verfaſſung.
Von
D. Dr. M. Schian.
Lauſanne, 4. Auguſt 1927.
I.
In Genf tagt die Seeabrüſtungskonferenz. Heute, da ich dieſe
datiere und damals nicht nur dem Außenminiſter, ſondern auch ſich verſtändigen wollen oder ſollen , um die Rüſtungen zur
dem Miniſterpräſidenten mitgeteilt ſowie in einem Miniſterrat. See nicht etwa zu beſeitigen, ſondern zu begrenzen. Aber auch
digung und Einigung ſind Früchte, die nur ſehr ſchwer zu
pflücken ſind
Währenddes tagt 60 Kilometer weiter, gleichfalls am Geſtade
des Genfer Sees, in Lauſanne, eine andere große Einigungs=
konferenz
. Hier handelt es ſich nicht um Kreuzer und Geſchütze,
um Tonnage und Kaliber. Hier ſtehen nur geiſtige Fragen zur
Debatte. Das letzte Ziel dieſer Konferenz iſt die Einigung der
Chriſtenheit in Fragen des Glaubens und der Verfaſſung. Der
Atem ſtockt, wenn man das hört und ausdenkt. Oder auszu=
tungen
und Sonderungen hervorgebracht haben, das ſoll zur Ein=
ten
Gebieten genehmigt wurde. Der erſte Lau= heit zurückgeführt werden?! Wenn es nicht gelingt, drei Groß=
dungsplatz
für die Pfalz iſt in der Nähe von Kaiſers= mächte über das Maß ihrer Seerüſtung zur Einigung zu brin=
lautern
vorgeſehen. Der zweite ſoll in Koblenz oder gen, wie ſoll dies gelingen? Welche Nachrichten wird der Tele=
Reunplatzes Erbenheim für die Städte Mainz und Weltkonferenz für Glauben und Verfaſſing, bringens Wird
wie in Genf ſo in Lauſanne am Schluß eine Formel geſucht wer=
den
, die einen Erfolg in die Zukunft weiſt?
Aber man ſoll nicht prophezeien. Ich werde wieder berichten,
werde auch urteilen, wenn das Ergebnis zu überſehen ſein wird.
Nur, da ich überhaupt einmal die Frage des Erfolges aufgewor=
fen
habe, will ich ſofort eine Feſtſtellung hinzufügen. Auch die=
jenigen
, die am meiſten Hoffnung im Herzen tragen, denken
natürlich nicht erntfernt daran, in drei Wochen aus den Hunder=
Auch ein Erlaß für Flaggenſchutz in den Seebädern. ten von chriſtlichen Kirchengemeinſchaften im Handumdrehen eine
einzige Kirche zu machen. Auch die enthuſiaſtiſch Geſtimmten (es
gibt ſolche unter den Teilnehmern) ſehen dieſe Konferenz nur als
einen Anfang an. Vielleicht je nach Temperament für einen
wurf zur Flaggennotverordnung veröffentlicht. Er umfaßt nur größeren oder geriugeren; aber doch nur für einen Anfang. Die=
ſen
Maßſtab muß man anlegen, wenn man nicht von vornherein
Die Beflaggung der Dienſtgebäude der Gemeinden und Ge= zur Ablehnung kommen will. Die Frage wird ſein, ob auch nur
in irgend einem Grad ein Anfang gemacht werden kann. Ob auf
dem viele tauſend Stufen zeigenden Wege zum Gipfel der Ein=
heit
wenigſtens eine Stufe erklommen worden iſt.
Für heute will ich dieſe gewichtigfte Frage ruhen laſſen. Ich
derung der beſtehenden Rechtslage geboten ſei. Weiter wird dar= will nur ein Bild von dieſer höchſt eigenartigen, ſoll ich ſagen:
einzigartigen Weltkonferenz geben. So, wie es der knappe Raum
geſtattet. Das Bild iſt ſo reich, ſo weit, ſo farbig, ſo vielfältig,
daß man es unnöglich ganz beſchreiben kann.
Zwiſchen 400 und 500 Kirchenmänner aller Erdteile ſind in
likaniſche Kirche) in Indien hat fünf Vertreter ernannt, dieſelbe
Kirche in Südafrika gleichfalls fünf, die auſtraliſchen Anglikaner
drei, die in Neuſeeland einen. Auch die Kongregationaliſten von
Nordching, Auſtralien und Neuſeeland ſind vertreten. Einige
einen Japaner in himmelblauer Seide kann man ſehen.
Der Gedanke war der, daß die Kirchen ſelbſt, ſoweit das er=
insbeſondere
auch bei Nacht ſicher zu ſtellen. Sämtliche Polizei= reichbar war, offizielle Deputierte entſenden ſollten. Das iſt in
beamte ſeien entſprechend zu belehren. Landjägerei ſei enforder= ziemlich weitem Umfang geſchehen. Aber längſt nicht ſo, daß alle
ren wird erreicht, daß dieſer Mangel weniger in die Erſcheinung
tritt, als er es ſeinem Umfang nach eigentlich tun müßte. Wo
gen als zu den Geſchäften der Landesverwaltung gehörig hin= oder von einflußreicher Stellung, ſozuſagen privatim zu Mitglie=
ſtrationen
, die während der ganzen Nachkriegsjahre in jenen Ge= treffenden Kirche. Sehe ich recht, ſo haben offizielle Vertreter in
meinden ausgeblieben ſind, die nicht die ſchwarz=rot=goldenen erſter Linie die großen evangeliſchen Kirchen Amerikas und die
Einklang zu bringen. Hiernach kann die Staatsregierung mit gregationaliſten, Quäker, aber auch Lutheraner und Presbyteria=
dem
Ständigen Ausſchuß des Landtages nur Notverordnungen ner zu finden. Auch von den europäiſchen Kirchen haben nicht
während der Parlamentsferien erlaſſen, wenn ein Notſtand vor= wenige offizielle Delegierte entſandt: ſo der Schweizer Kirchen=
liegt
oder die öffentliche Sicherheit gefährdet iſt. Daß man von bund, die lutheriſche und reformierte Kirche Frankreichs, die
einem Notſtand nicht ſprechen kann, hat die Regierung Braun, lutheriſche und reformierte Kirche in Elſaß=Lothringen, die nor=
gefährdet
hinzuſtellen, wenn nicht überall geflaggt wird. Herr garn, die evangeliſche Kirche der Slowakei, die lutheriſchen Kir=
um
ſie abzureißen. Bisher iſt es ohne derartige Verordnungen kleineren ſei es, daß ſie die Einladung angenommen oder ab=
abgegangen
. Nun aber wird jeder, der glaubt, daß einer ſeine, gelehnt haben ſoll nicht weiter die Rede ſein. Aber unbedingt
ſchwarz=rot=goldene Fahne ſchief angeſehen hat, zur Polizei lau= muß verzeichnet werden, daß weder die ſchwediſche Kirche noch
Bei Schweden fällt die Tatſache, daß nur nichtoffizielle
wiſſen Leuten nicht eingehen zu wollen. Uebrigens hätte die für praktiſches Chriſtentum in Stockholm zuſtandegebracht hatte,
der Oppoſition eine Niederlage der Regierung vorausſehen ließ, hat ſich nicht entſchließen können, amtlich teilzunehmen; ſie hat
Einzelkirchen aber haben gleichfalls ſämtlich auf Delegationen

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berzichtet; ich glaube, daß ſie daran recht getan haben. Sollen
wir in Deutſchland jetzt Bekenntnisdebatten heraufbeſchwören?
Gott bewahre uns davor! Wir könnten als Folge zunächſt er=
leben
, daß um der Einigung mit anderen Kirchen willen
die Einigkeit im Schoß der eigenen Kirche verloren geht!. Aber
auch aus den deutſchen Kirchen ſind, je auf beſondere perſönliche
Einladung, zahlreiche Teilnehmer anweſend. Und der Deutſche
Evangeliſche Kirchenbund hat immerhin eines ſeiner Mitglieder,
den Generalſuperintendenten Zöllner in Münſter, mit der Miſ=
ſion
eines freundlichen Beſuchers betraut. Man wird aber bei
allem, was man an Berichten lieſt, ſorgfältig im Gedächtnis be=
halten
müſſen, daß die deutſchen evangeliſchen Kir=
chen
amtlich nicht beteiligt ſind.
Die Abſicht geht aber gar nicht bloß auf die Einigung der
evangeliſchen Kirchen. Die Abſicht geht weiter; auf die
ganze Chriſtenheit! Man hat auch die römiſch=katholiſche
Kirche haben wollen! Es iſt feierlich und förmlich in Rom an=
gefragt
worden. Aber es ergab ſich bald, daß von daher keinerlei
Entgegenkommen zu erwarten war. Wer die Haltung der katho=
liſchen
Kirche in dieſen Fragen kennt, mußte ſich das von vorn=
herein
ſagen. Zu größerer Deutlichkeit hat die römiſche Kurie
jüngſt ein Verbot der den ökumeniſchen Beſtrebungen dienenden
Zeitſchrift Una Sancta erlaſſen. Aber die mongenländiſche
Kirche hat ſich nicht verſagt. Das Patriarchat Konſtantinopel, die
Kirche Griechenlands, die Kirche Bulgariens haben ſogar offi=
zielle
Vertreter geſchickt; das erſtgenannte freilich nur ſolche, die
an morgenländiſch=orthodoxen Gemeinden Weſteuropas (London,
Leipzig und Lauſanne) angeſtellt ſind.

Vom Tage.

Die reichsdeutſche Nothilfe in den Unwettergebieten

Nordweſthöhmens ſtößt auf den Widerſtand der tſchechi=

ſchen Behörden.
Am 21. Juli hat in Liſſabon die Unterzeichnung und der Aus=
tauſch
der Erklärung ſtattgefunden, wonach die Artikel 1 bis 24 des

Haager Abkommens über den Zivilprozeß vom 17. Juli 1905 im Ver=
hältnis
zwiſchen Deutſchland und Portugal wieder

Ein farbiges Bild, dieſe Weltkonferenz! Ein großer Er=
öffnungsgottesdienſt
in der herrlichen, dem reformier=
ten
Bekenntnis dienenden Kathedrale von Lauſanne! Es erſchei=
nen
anglikaniſche Biſchöfe, die orientaliſchen Würdenträger in
ihren höchſt eigentümlichen geiſtlichen Gewändern, viele Biſchöfe
mit ihrem Bruſtkreuz (das freilich, von einem überſeeiſchen
Biſchof zum Cutcway getragen, höchſt merkwürdig anmutet)
zahlloſe Geiſtliche in ſchwarzer Kleidung, zuweilen auch ein Dele=
gierter
in ſommerlich hellem Kleid; dazu eine Gemeinde, die die
mächtige Kirche füllt. Ein ökumeniſcher Gottesdienſt fürwahr,
wie er ſelten (nur noch in Stockholm 1925) gefeiert worden iſt!
Wie fühlen ſich die Glieder der verſchiedenen Kirchen in dieſer
Kirche, die den ſchlichten reformierten Typus der Inneneinrich=
tung
zeigt? Können die Orientalen feiern ohne Altar und ohne
die den Altar verkleidende Bilderwand? Können die Anglikaner
feiern, wo nicht einmal ein Altar vorhanden iſt, ſondern nur ein
Tiſch unter der Kanzel? Fühlen ſich die Lutheraner nicht fremd,
wo keine Liturgie, kein Wechſelgeſang von Pfarrer und Ge=
meinde
erklingt? Ja, muß nicht den Reformierten ſelbſt ihre
Kirche wunderlich verändert vorkommen, wo geiftliche Würden=
träger
in prunkvoller Gewandung unter der Kanzel ſitzen? Schlicht
verläuft die Feier. Ein Paſtor der reformierten Kirche, im ſchwar=
zen
Rock, macht von der Kanzel aus mit Gebet und Schriftleſung
in franzöſiſcher Sprache den Anfang; der anglikaniſche Biſchof
von New York, Brent, die treibende Kraft der Konferenz, auch
ihr Vorſitzender, hält in engliſcher Sprache die Predigt. Da=
zwiſchen
Geſang der Gemeinde aus einem Liederbuch, Commu=
nio
(d. i. Gemeinſchaft) betitelt, das die Lieder in drei Sprachen
bringt, Deutſch, Engliſch, Franzöſiſch. Und ob weder beim Gebet
noch bei der Predigt die deutſche Sprache erklingt, es ſind
deutſche Lieder, die geſungen werden; deutſche Dichter ſind ihre
Schöpfer: Wie ſchön leuchtet der Morgenſtern! Großer Gott, wir
loben dich! Jeder ſingt ſie in ſeiner Sprache; jeder ſpricht in
ſeiner Sprache Apoſtolikum und Vaterunſer . . . So etwas haben
wenige erlebt. Iſt nicht der Geiſt der Pfingſten wiedergekommen?

in Kraft geſetzt werden ſollen.
Die urſprünglich für dieſen Sommer vorgeſehens Karlsbader
Zuſammenkunft zwiſchen Bundeskanzler Seipel
und Dr. Beneſchfindet nicht ſtatt, da Bundeskanzler Seipel
infolge der innerpolitiſchem Lage Oeſterreichs ſeine Reiſedispoſitionen
geändert hat.
Nach einer Meldung aus Brüſſel wird berichtet, daß die belgiſch=
franzöſiſchen
Handelsvertragsverhandlungen auf
den kommenden November verſchoben worden ſeien.
Wie aus Kowno berichtet wird, iſt auf die in der letzten Zeit immer
wieder auftauchenden Gerüchte üiber bevorſtehende Wilna=
Verhandlungen zwiſchen Polen und Litauen jetzt ein
ſcharfes Dementi ſeitens der litauiſchen Regierung
erfolgt.
Nach einer Meldung aus Peking hat der dortige japaniſche
Geſandte erklärt, daß Japan zu Repreſſalien grei=
fen
werde, wenn die Nanking=Regierung vom 1. Dezember
an die neuen Zölle noch erheben werde. Er ließ durch=
blicken
, daß eine gemeinſame Aktion aller Mächte geplant ſei.
Präſident Coolidge hat erneut erklärt, daß er nach wie vor die Ab=
ſicht
habe, nach dem 4. März 1929 nicht mehr im Amte zu bleiben und
daß er auch nicht den Plan verfolge, für das Jahr 1929 eine neue Ab=
rüſtungskonferenz
einzuberufen.

ſollen 400 bis 500 Menſchen anders verhandelw als nach Art der
Volksverſammlung? Tatſächlich wird den Rednern durch Hände=
klatſchen
Beifall geſpendet. Und nach eindrucksreichen Reden
ſammelt man ſich das iſt wohl in engliſch=kirchlichen Kreiſen
gebräuchlich in ſtillem Gebet. Aber wie ſoll man in ſolchem
Kongreß den Dingen auf den Grund gehen? Wie in drei oder
vier Tagen ein ſolches Problem auch nur anfaſſen, geſchweige
denn löſen? Wie kann die Leitung annehmen, daß ſie auf dieſe
Weiſe zu irgend einem Ziele kommt?
Drüben in Genf die Seeabrüſtungskonferenz; dort wollte jede
der drei Nationen der anderen einen Vorteil abjagen. Hier in
Lauſanne die kirchliche Einigungskonferenz; wird nicht jede
Kirche, jeder Teilnehmer ſeine Meinung für die richtige halten?
Oder, wofern er bereit ift zu lernen und dazu muß jeder ehrlich
bereit ſein , kann er denn in drei Tagen innerlich weiter=
kommen
? in drei Tagen umlernen? Liegt dieſer Methode, die
Konferenz aufzuziehen, nicht eine andere Pſychologie zugrunde
als die unſere? Vielleicht amerikaniſche Pſychologie? Sehr viel
maſſivere, ſehr viel einfachere Pſychologie, als wir ſie ge=
wöhnt
ſind?
Fragen türmen ſich auf: hoch wie die maſſigen Ketten der
Alpen, die da drüben am anderen Ufer des Genfer Sees ſich
emporrecken ſollen (denn der Dunſt über dem See verhindert
den Fernblick). Drückend wie die heiße Sonnenglut über dem
See laſten dieſe Fragen auf den Herzen ernſter Teilnehmer. Un=
endlich
viel ernſter Wille, heiße Sehnſucht, begeiſterte Hoffnung
führte die Hunderte hier zuſammen. Wie werden ſie Lauſanne
wieder verlaſſen?

Die ſetzten Vorbereitungen
zum Junkers=Ozeanflug.
Mehr als 2000 Klm. von den Rekordfliegerm
zurückgelegt.
Defſau, 6. Auguſt.

Wie nunmehr feſtſteht, hat die Junkersmaſchine auf ihremm
geſtrigen Weltrekordflug bei einer aus Brennſtoff= Erſparnisgrün=
den
verminderten Durchſchnittsgeſchwindigkeit von 135 Stun=),
denkilometern insgeſamt mehr als 7000 Kilometer zurückgeleg.
Da die Entfernung Deſſau-New York rund 6000 Kilometer be=
trägt
, ſo wäre das Flugzeug im Ernſtfall noch zirka 1000 Kilo= über New York hinaus in das Innere Amerikas geflogen.
Die zwiſchen den Wendemarken Deſſau und Leipzig zurückgelegte
amtlich gemeſſene Flugſtrecke beträgt 4627 Kilometer. Zurzeit fin= bei den Junkerswerken in Deſſau Beratungen zwiſchen dern
Flugleitung und dem Leiter der Flugwetterabteilung der Ham=
burger
Seewetterwarte, der heute morgen im Flugzeug in Deſſc u
angekommen iſt, über die Wetterlage in Weſteuropa und über
dem Atlantiſchen Ozean ſtatt. Es wird ſich bei dieſen Beſprechun= in erſter Linie auch um die Feftlegung der Flugroute über
den Ozean handeln, für die bisher der Kurs über Südirland-
Neufundland, alſo über die ſogenannte kürzeſte Linie, in Ausſicht
genommen war. Immerhin iſt es möglich, daß bei günſtigern
Windverhältniſſen ein ſüdlicherer Kurs gewählt wird. Die tech=
niſchen
Leiter des Rekordfluges werden heute den Bericht der
Piloten Riſticz und Gedzard über die bei dem Dauerflug gewon=
nenen
Erfahrungen und etwa notwendig werdende kleinere Ab=
änderungen
entgegennehmen. Die zweite Ozeanmaſchine mit den
Piloten Looſe und Köhl iſt heute zu kurzem Probeflug geſtarte
der ſich über einige Stunden erſtrecken wird.

Am gleichen Tage beginnen die Sitzungen. Die Aula der
Univerſität iſt ihre Stätte. Würdig und ſchön iſt ſie, nur für
ſolche Zwecke nicht eingerichtet. Nicht Einzelſitze, ſondern Bänke.
Man hat keinen Tiſch vor ſich, man kann nicht ſchreiben. Aber die
Sitze ſteigen nach hinten an; man ſieht und hört die Redner. Und
nun beginnt die dreiwöchentliche Tagung . . . Auch hier die Drei=
ſprachigkeit
. Die vorbereiteten Reden werden möglichſt, ſchon
bevor ſie gehalten werden, in allen drei Sprachen gedruckt; man
kann alſo, wenn der Redner in einer fremden Sprache ſpricht,
mitleſen. Freilich klappt dieſer Apparat nicht immer; und ſo
reden die Vortragenden oft vielen Hörern unverſtändlich. Die
nicht vorbereiteten kürzeren Reden werden von ſtets bereiten
Dolmetſchern im die beiden anderen Verhandlungsſprachen über=
tragen
. Damit geht freilich Zeit verloren. Aber es iſt die einzige
Möglichkeit des Verfahrens.
Vor uns breiten ſich Wochen ernſter Arbeit. Was iſt geplant?
Nichts Geringeres als dies: Sechs große kirchlich=theologiſche
Fragen ſollen durchgeſprochen werden: Das Weſen des Evan=
geliums
; das Weſen der Kirche; das Glaubensbekenntnis; das
kirchliche Amt uſw. Jedem Thema wird ein ganzer Tag in zwei
Vollſitzungen gewidmet; jedem Thema außerdem eine dreitägige
Beratung in einer Sektion. Aber was für Fragen ſind das? Wie

Rektor Schorn

Mainz, 5. Auguft.
Nach längerer ſchwerer Krankheit iſt Rektor Joſeph Schorn
in verfloſſener Nacht im Alter von 71 Jahren verſchieden. Joſeph
Schorn wurde am 17. April 1856 in Abenheim (Kreis Worms)
geboren. Von 1872 bis 1875 beſuchte er das Lehrerſeminar in
Bensheim und trat dann in Mainz in den Schuldienſt, den er
während 48 Jahren, zuerſt als Lehrer und ſchließlich als Rektor,
verſah. Einige Jahre lang war er auch an verſchiedenen Inſti=
tuten
tätig, und als er im Jahre 1923 von den Beſatzungsbehör=
den
ausgewieſen wurde, übernahm er während zweier Jahre das
Amt eines ſtellvertretenden Kreisſchulrats im Kreiſe Heppen=
heim
. Im Jahre 1925 nach Mainz zurüchgekehrt, trat er, da er
mittlerweile die Altersgrenze erreicht hatte, in den Ruheſtand.
In den Jahren 1918 bis 1921 gehörte Schorn als Mitglied der
Zentrumspartei auch dem Heſſiſchen Landtag an. Der
Verblichene galt allgemein als ein hervorragend tüchtiger Päda=
goge
und Schulmann. Auch die literariſche Tätigkeit Rektor
Schorns war vielſeitig und ſehr erfolgreich. Als im Jahre 1899
auf Schorns Anregung der Katholiſche Lehrerverein für Heſſen
gegründet tvorden war, wurde er nicht nur zu deſſen erſtem Vor=
ſitzenden
, ſondern zugleich auch zum Schriftleiter des Vereins=
organs
, der Heſſiſchen Schulblätter gewählt. Dieſes Amt
führte er bis zum Jahre 1924. Nach etwa einjähriger Krankheit
iſt Rektor Schorn zur Ruhe gegangen. Sein Hinſcheiden wird
nicht nur in Lehrerkreiſen, darüber hinaus auch in den weiteſten
Kreiſen des heſſiſchen Volkes aufrichtig betrauert.

Die meteorologiſchen Beſprechungen ſind am Spätnachmitg
noch im Gange, ſo daß der Zeitpunkt des Abflugs noch nichtſt
ſteht. Uebrigens iſt der Eingang der Poſtſendungen für
Ozeanmaſchine ſo außerordentlich groß, daß kaum alle Aufte
rungen befördert werden können.
Von beſonderem Intereſſe iſt, daß es gleich zwei Junke
maſchinen ſind, die zuſammen das Wagnis des erſten deutſchn
Ozeanflugs unternehmen follen. Im Laufe des Samstags ſoln
nämlich auch die beiden Piloten Looſe und Kohl noch die lezin
Probeflüge abſolvieren, um mit ihrer Maſchine dann am Mo=
tag
gleichfalls ſtartbereit zu ſein. Der einzige Paſſogier, der den
Flug mitmachen wird, iſt der Vertreier der amerikaniſchen Heaib=
preſſe
, ein Journaliſt wamens Knickerbocker, der heute bereits in
Deſſau eingetroffen iſt. Der Zeitungsmagnat Hearſt hat ſichh=
kanntlich
an der Finanzierung des Fluges inſofern beteiligt, als
er einen ziemlich hohen Fahrpreis entrichtet, dafür aber daß
Recht der Veröffenzlichung über die Flugevgebniſſe für die gann
Welt erhalten hat. In der deutſchen Preſſe iſt es vielfach übel
vermerkt worden, daß bei dem erſten deutſchen Transozeanflug,
der mit Recht als eine Angelegenheit der geſamten Nation ange=
ſprochen
wird, kein deutſcher, ſondern ein amerikaniſcher Paſſagier
den einzig verfügbaren Platz im Flugzeug erobert hat. Tai=
ſächlich
muß die Entſcheidung der Finanziers dieſes Unterneh=
mens
auch Erſtqunen hervorrufen, zumal es ſich hier um ſo füh=
rende
deutſche Wirtſchaftsunternehmen, wie den Lloyd und die
Darmſtädter Bank, handelt. Auch daß das Veröffentlichungsrecht
der Flugerlebniſſe und =ergebwiſſe einem amerikaniſchen Zeitungs=
konzern
übertragen wurde, wird in der deutſchen Oeffentlichkeit
gerade keine Begeiſterung auslöſen können. Ein guter Gedaule
iſt es dagegen, der in der Preisfeſtſetzung für die Poſtbeförde=
rung
zum Ausdruck kommt. Dadurch kann jeder Deutſcher ſch
an der Finanzierung dieſes deutſchen Unternehmens beteſigen,

Die deutſche Oelegation für Genf.

Die deutſche Delegation für die Genfer Herbſttagung de9
Völkerbundes dürfte die gleiche Zuſammenſetzung haben wie die
bisherige. Es wird alſo wieder Reichsaußenminiſter Dr. Streſe=
mann
an ihrer Spitze ſtehen. Wie der Vorwärts mitteilt, iſt
die Sozialdemokratiſche Partei von ſeiten der Reichsregierung
gebeten worden, den Abgeordneten Breitſcheid wieder nach Genſ
zu ſchicken. Nach dem ſozialdemokratiſchen Organ ſcheint es hiek=
über
ſchwere Debatten innerhalb der maßgebenden Parteiinſtan=
zen
gegeben zu haben, was verſtändlich iſt, da es bei der ſozial=
demokratiſchen
Wählerſchaft unangenehm auffallen könnte, wenn
ein ſozialdemokratiſcher Abgeordneter im Verband einer Dele=
gation
der vielgeſchmähten Bürgerblockregierung nach Genſ
fährt. Man hat ſich aber ſchließlich darauf geeinigt, Breitſcheid
zu entſenden, weil andere ſozialiſtiſche Parteien auch in Genſ
vertreten ſind und weil die außenpolitiſche Linie, die die Regie=
rung
im Völkerbund einnimmt, mit der von der Partei eingehcl=
tenen
Richtung zurzeit übereinſtimmt.

Die Myſterien des Termitenſtaats.

Von Dr. Kurt Floericke.

Es gibt unter den Leuten vom Fach nicht wenige, die da be=
haupten
, daß man zum Naturforſcher verdorben ſei, ſobald man
ſich auf das geführliche Gebiet philoſophiſcher Spekulation be=
gibt
, und andere, nach deren Meinung überhaupt niemand zum
Naturforſcher geeignet iſt, an deſſen Wiege die Fee der Dichtkunſt
Pate geſtanden und ihn mit lebhafter Einbildungskraft beſchenkt
hat. Jene berufen ſich gern auf Haeckel und ſein verunglücktes
moniſtiſches Weltbild, dieſe auf Brehm, der in ſeinem berühmten
Tierleben das Tier in wahrheitswidriger Weiſe allzu ſehr ver=
menſchlicht
habe. Man kann ihnen aber entgegenhalten, daß der
Dichter Chamiſſo der Entdecker des Generationswechſels bei ge=
wiſſen
Meerestieren und überdies ein hervorragender Botaniker
war, und daß der große Philoſoph Kant uns im Gegenſatz zu
Linné erſt den richtigen Begriff von der natürlichen Art ver=
mittelt
und dabei Wahrheiten erſchloſſen hat, auf denen gerade
unſere heutige Tierkunde nach manchem zurückgelegten Irrweg
erneut und hoffnungsfroh aufbaut.
Aus dem heutigen Dichtergeſchlecht, iſt es namentlich der
Flamländer Maurice Maeterlinck, der ſich von jeher gern mit
der Tierkunde beſchäftigt und ſich allmählich zum Tierforſcher
und Naturphiloſophen entwickelt hat. Schon 1901 erſchien aus
ſeiner Feder ein umfangreiches Buch: Das Leben der Bienen
und ihm folgte ſoeben als Gegenſtück: Das Leben der Termiten
(in der deutſchen Ueberſetzung von Käthe Jllch, Deutſche Ver=
lags
=Anſtalt, Stuttgart), beide Bücher ein ſtarker Beweis dafür
daß man ſehr wohl Dichter, Philoſoph und Naturforſcher zugleich
ſein und nach allen drei Richtungen hin Vortreffliches leiſten
kann. Dabei behandelt Maeterlinck ſeine zoologiſchen Stoffe nicht
etwa nach dem Vorbilde von Löns, Fleuron, Kapherr u. a. in
Form der heute faſt ſchon Mode gewordenen Tiernovelle, was
einem Dichter beſonders nahe gelegen hätte, ſondern er will
offenbar auch naturwiſſenſchaftlich ernſt und für voll genommen
werden und ſchreibt deshalb eine richtige Naturgeſchichte, freilich
eine ſolche ohne alles Schema und ohne jede Schablone, eine
Naturgeſchichte in berückend ſchöner, oft zu dichteriſcher Ver=
klärung
aufſteigender Sprache. Dabei hält er aber ſeine Ein=
bildungskraft
mit eiſerner Strenge im Zügel und bleibt unbe=
dingt
auf dem Boden unzweifelhaft feſtſtehender Tatſachen, ſo
eine unerſchütterliche Grundlage gewinnend für ſeine beſondere
dichteriſche und philoſophiſche Betrachtungsweiſe der Natur und
ihrer Geſchöpfe. Die Wahrheit iſt ja auch gerade auf den von
ihw bebandelten Teilgebieten viel wunderbarer und märchen=

hafter, als auch die kühnſte Phantaſie es ſich erſinnen und er=
träumen
könnte.

Während Maeterlimck in ſeinem Bienenbuche großenteils auf
eigenen Beobachtungen fußen durfte, da er ſeit früheſter Jugend
begeiſterter Imker iſt, war er, der meines Wiſſens nie in den
Tropen geweſen iſt, bei dem Termitenbuche lediglich auf die Mit=
teilungen
und Erfahrungen der Forſchungsreiſenden angewieſen,
wobei er mit ſicherem Blick alles Unzuverläſſige auszuſcheiden
wußte. Das urſprünglich recht unüberſichtliche und kunterbunt
durcheinandergewürfelte Material rundet er mit dem Ordnungs=
ſinn
des wiſſenſchaftlichen Syſtematikers zu einem harmoniſchen
Ganzen, überſchaut es mit dem Weitblick des Philoſophen und
bietet uns die ſo gewonene Erkenntnis mit der Sprachſchönheit
und Schilderungslebendigkeit des Dichters. Das Vierteljahr=
hundert
, das zwiſchen beiden Biichern liegt, hat die Anſichten des
Naturphiloſophen
t ſein Urteil milder und weiſer ſeine
oft reichlich kühnen Folz= ungen vorſichtiger und zurückhalten=
der
gemacht. Zu ſo ſchroffen Behauptungen wie im Bienenbuch,
daß zum Beiſpiel die Honigweſpen nächſt dem Menſchen zweifel=
los
die intelligenteſten Bewohner dieſes Erdballs ſeien, verfteigt
ſich Maeterlinck im Termitenbuch nicht mehr. Aber immer bleibt
er auch hier bemüht, die Kluft zwiſchen Menſch und Tier zu über=
brücken
, die zahlreichen Uebergänge und Verbindungen zwiſchen
Inſtinkt und Intellekt aufzudecken, der Eigenart auch des un=
ſcheinbarſten
Lebeweſens warmes Verſtändnis entgegenzubrin=
gen
, und mit Vorliebe zieht er Vergleiche zwiſchen den ſozialen
Eigenſchaften des Tieres und des Menſchen, die nicht immer zu=
gunſten
des letzteren ausfallen. Das Herz dieſes großen Flamen
gehört zum nicht geringen Teile der bedrängten und verachteten
Kreatur, ohne doch in falſche Sentimentalität zu verfallen, und
gerade das macht dieſe Bücher ſo liebenswert.
Auf den Verfaſſer des Buches über den Bienenſtaat mußten
natürlich die merkwürdigen Sowjetrepubliken der tropiſchen Ter=
miten
einen ſtarken Eindruck ausüben und zu näherem Studium
reizen. Hier erſchienen Bienen= und Ameiſenſtaat, die bei aller
Schablone und Langeweile, bei aller unausgeſetzten Schuftere
und Hingabe für das Ganze doch auch noch einige freundliche
Züge aufweiſen, geradezu ins Grauenhafte geſteigert, dabei die
ganze wirtſchaftliche Organiſation noch viel ſeltſamer und ver=
wickelter
. Ein winziges und urſprünglich faſt ſchutz= und wehr=
loſes
Tiergeſchlecht hat ſich durch eine in ihrer Art bewunderns=
werte
ſoziale Organiſation nahezu zum Beherrſcher der Tropen
gemacht, bis der Menſch erſchien und ſeine ſteinharten Burgen
mit Dynamit in die Luft ſprengte. Aber der Preis, den die
Termiten für die Erhaltung ihrer Art zahlen mußten, war hoch,
Zu einem unterirdiſchen Leben verurteilt und des Augenlichtes

beraubt, mußten ſie gewiſſermaßen auf ein perſönliches Daſel
verzichten und nur in einer geradezu unglaublichen und unumee
brochenen Aufopferung für das Wohl des Ganzen leben. Unme
gleichlich ſtreng und unerbittlich ſind ihre Geſetze, tyranniſch d0
Unterdrückung jeder Selbſtändigkeit, unabläſſig die Aufſicht, alld
Düſterkeit, Schwärze, Bedrängnis, Sklaverei, Schmutz und Sell
aufopferung. Sie ſind Chemiker und Biologen, von denen
wir Menſchen lernen könnten, ſie verſtehen ſich darauf, in ihſe
unterirdiſchen Städten ganz beſtimmte Feuchtigkeits= und Wär
grade zu unterhalten, und noch auf manches andere, und hei
menſchlicher Staat hat jemals einen ſolchen Grad von Krcſe
ausnützung, zweckmäßiger Arbeitsverteilung und materieller oe
tragsfähigkeit erreicht wie dieſe düſteren Sowjetrepubliken wik.
ziger Inſekten. Durch bloße Inſtinkte allein iſt das nach Maetel
lincks Auffaſſung unmöglich zu erklären, ſondern er ſchreibt auc
ſchon den ſtaatenbildenden Inſekten Verſtand zu. Den Nam
Philoſophen Maeterlinck intereſſiert da vor allem die naheliegen
Frage: Wer gibt denn nun dieſe ſo zweckmäßigen Befehle, w.
ordnet und leitet das Ganze, entwirft die Pläne, ſorgt für De
Zukunft, fällt Todesurteile, regelt den Bevölkerungszuwachs!
Die ſogenannte Königin des Termitenſtaates iſt es ganz ſich
nicht, denn die iſt ja nur eine ungeheuerliche Gebärmaſchine, Die
täglich Zehntauſende von Eiern legen muß und grauſam ermo..
det wird, ſobald ihre Fruchtbarkeit nachläßt. Noch weniger d."
König, dieſer elende Knirps von Prinzgemahl, der ſein gande
Leben ſtumpfſinnig unter dem fabelhaften Bauche der Geſponſ
verdöſt. Alſo wer? In ſeinem Bienenbuche hatte Maeterliſe
hierauf geantwortet: Der Geiſt des Bienenſtocks, aber das
natürlich keine Löſung, ſondern nur eine Umſchreibung. Le
ſchwebt ihm offenbar ſo etwas vor wie die anima mundi (We‟
ſcele) gewiſſer Philoſophen oder die präſtabilierte Harmohſie
von Leibnitz beides reichlich unklare und verſchwommene Be
griffe. Im Termitenbuche neigt er mehr zu der Anſicht, daß w
den Termitenſtagt eigentlich als ein einziges Individnum de
betrachten haben, alſo als einen Tierſtock mit weitgehen."
Arbeitsteilung nach Art der Siphonophoren, nur daß ſich bei ?.
Termiten die einzelnen Clieder losgelöſt haben und ſich I.
bewegen, aber alle noch abhängig von der zentralen Einheih
ſie einſt auch körperlich verband. Gerade dieſe Vielgeſtalnich.
der körperlichen Erſcheinung bei den Termiten gibt ja dem D."
kenden Forſcher immer neue Rätſel auf. Je nach den Beol
niſſen des Termitenſtaates können fünf bis ſechs verſchie.."
Arten von Individuen, aus ben Eiern herangezogen we..
Dringt dieſe märchenhaſte Erfindung nicht tiefer in die Se
heimniſſe der Natur ein als die de8 Telephons oder der Niet
loſen Telegraphie? Iſt ſie nicht ein entſcheidender Schrit. Ne

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Nummer 212

Sonntag, den 7. Auguff 1927

Seite 3

Jialen und der Oelkeieg.
Von unſerem F=Korreſpondenten.
Rom, Anfang Auguſt 1927.
Muſſolini hat im Miniſterrat zu Auguſt=Anfang eine Reihe
n Mitteilungen über die auswärtige Politik Italiens gemacht,
atichte. Seine Aeußerung über das Problem des Anſchluſſes,
ſ enderer Art diktiert ſei, nicht geändert habe, iſt farblos und
ſwornale dItalia über einen Gegenſatz zwiſchen Frankreich
d. Italien in der Anſchlußfrage auch weiterhin Spielraum. Da=
gien
hat Muſſolini ein Thema nicht in ſeinen Ausführungen
nährt, das wieder einmal noch etwas verſchleiert auf=
ta
ucht iſt, nämlich die aktive Anteilnahme Italiens am Petro=

ewvährung des italieniſchen Kredits von 200 Millionen an Ruß=
Unſo hinaus.

Man hat es ſich in Kreiſen der Amateurpolitik angewöhnt,
ergroßen internationalen Fragen, die von maßgebendem Ein=
i
, auf die Geſtaltung der Beziehungen zwiſchen den wichtigſten
ſei tmächten ſind, unter dem Schlagwort des Kampfes um das
exoleum zuſemmenzufaſſen. Man kann nicht leugnen, daß
ſtverſtändlich bedeutende Gegenſätze zwiſchen der engliſchen
amerikaniſchen Politik zum Teil auf dem Streit um den
eſrtz oder die Kontrolle der hauptſächlichſten Vorkommniſſe von
eäöh beruhen. Aber gerade die wenigen ausſchlaggebenden
ſärzner in der Petroleumwirtſchaft wiſſen nur allzu gut, daß
Un heute auf morgen ihr Kampf ziemlich gegenſtandslos werden
nn. Noch iſt der Beſitz und die Vorherrſchaft in Petroleum
ſe Ddie Induſtrie, den Automobilismus, das Flugweſen und vor
ſem die Kriegsrüſtungen ein vitaler Faktor für die Großmächte
ſſei jeder Experte weiß, daß bei der rapiden Entwicklung der
ia nik, beſonders der chemiſchen Induſtrie, es nur eine Frage
r Zeit ſein kann, daß an Stelle des bisher konkurrenzloſen
ſetsoleums irgendeine Formel gefunden wird, die den Erſatz
eies Oelos bei der Fabrikation zu Benzin uſw. ermöglicht. Das
erginverfahren zeigt ja bereits praktiſche Wege, aus denen auch
arten ohne Petroleumfelder ſich von dem Diktat der Petroleum=
nuge
werden unabhängig machen können. Heute iſt es noch die
die, die auf dieſe Weiſe zur Geltung kommt, bald wird es die
rakte Gewinnung von Sonnenenergie ſein, die den Kampf um
e KKraftfelder von den Petroleumgebieten auf die unfruchtbar=
m
und heißeſten Erdteile verlegen wird. Statt in Nicaragua
ei. Mexiko, ſtatt um Baku oder Rumänien wird man ſich dann
ni die Wüſte Sahara, die Wüſte Gobi, die Hochebenen von
hiet und Südamerika oder das auſtraliſche Land ſtreiten.
HAugenblicklich bleibt noch aber der Beſitz der Petroleum=
der
von größter Wichtigkeit für alle jene Staaten, die entweder
nuus ihre finanzielle Vorherrſchaft oder ihre Rüſtungen für
nm von ihnen bald als unausweichbar betrachteten Krieg
han wollen. Da Italien zu jenen Staaten gehört, die am
eiſten (relativ zu ihrer Kapitalkraft und Größe) zum Kriege
ſtuen, und da Muſſolini eigentlich ſeit Beginn ſeiner Herrſchaft
oi. aller offiziellen Friedensworte nur Neden im Texte von
ſeuresberichten gehalten hat, ſo muß für Italien, das ohne Kohle
ine ſichere Verſorgung mit Petroleum von ausſchlaggebender
tireutung ſein. Die Expanſionsabſichten Muſſolinis richten ſich
Sualb auch nicht nur auf Gebiete, in denen er hoffen kann.
ue überzähligen Landsleute anzuſiedeln, ſondern auch auf
ſnöer, die zu den Petroleumproduzenten gehören. So iſt ſein
u ben nach der kleinaſiatiſchen Küſte zu verſtehen, hinter der
EEVeg nach Meſopotamien liegt. Nur ſind hier die Engländer
oir eingeniſtet, gegen die Italien heute noch nicht vorzugehen
94, und obendrein iſt es noch gar nicht ſicher, ob das Petroleum
Meſopotamien ernſte Kämpfe lohnt. Die ergiebigſten Quellen
BBereiche Europas liegen noch immer außer in Rumänien
den Petroleumfeldern von Baku, alſo in Rußland. Sie ſind
eicht das wertvollſte Objekt, das die Ruſſen bei allen Ver=
iſelungen
der letzten Jahre ausſpielen konnten. Der engliſche
tu oleumkönig Sir Henry Deterding hat mit den Ruſſen ge=
lſtht
, die Amerikaner haben ſich bemüht, von deutſcher Seite
d Anſtrengungen gemacht wurden, ſchon damals, als die
ongiſche Republik noch Hoffnungen erweckte, jetzt bemüht ſich
mu) neuerdings wieder Muſſolini um dieſe Einflußſphäre.
DDer Augenblick iſt nicht ſchlecht gewählt. Englands Verſuch
er die Einheitsfront gegen Rußland ſcheint geſcheitert. Der
ti oleumkrieg zwiſchen der engliſchen und amerikaniſchen
ti=reſſengruppe iſt in eine neue Phaſe getreten. Man hat in
n letzten Wochen allerlei über den Konkurrenzkampf geleſen,
ESarum geht, die engliſche Vorherrſchaft im Petroleumvertrieb 1
SSüdoſteuropa, Arabien und Nordafrika durch die amerika=
ſchre
Gruppe mit Hilfe des ruſſiſchen Petroleums zu brechen.
tas vorher hatte Deterding als Leiter der engliſchen Gruppe
Muſſen, die nicht wollten, wie er wollte, durch einen Boykott

Dmm m mem n m mn mmnm mm mmm men n n n nmn m mm mmmn
n 2. Wüßten wir Menſchen, denen es ſchon verſagt iſt, nach
ſiemem Willen ein männliches oder ein weibliches Geſchöpf zu
aggen, was dieſe blinden Inſekten wiſſen, ſo könnten wir ganz
Belieben Helden, Arbeiter. Denker, Künſtler uſw. hervor=
nggen
, die ſchon vor ihrer Geburt aufs äußerſte für ihre Be=
mmnung
ſpezialiſiert wären. So rollt Maeterlinck ein Problem
ich. dem anderen aus dem Termitenleben auf, um es mit der
tinition des Dichters zu durchdringen und mit der Klarheit
8 Philoſophen zu beleuchten. Aber ſtets bleibt er ſich dabei
mißt, wie wenig wir überhaupt von der Welt der Kerbtiere
rſigehen, wie ſchwer wir in ihre Geheimniſſe eindringen können,
zm dieſe Lebeweſen durch Sinne und Eindrücke geführt wer=
h
) die wenig Gemeinſames haben mit denen, die uns leiten.
ſſolchen Fällen iſt der forſchende Dichterphiloſoph ehrlich ge=
g
. an Stelle einer oberflächlichen Scheinantwort lieber ein ehr=
heis
Ignoramus (Wir wiſſen es nicht) zu ſetzen. Hat man
ſau terlincks Buch durchgearbeitet, ſo erkennt man wieder ein=
u
. die Wahrheit des von Hans Drieſch geprägten Wortes:
hiü oſophie ohne Naturforſchung iſt leer, Naturforſchung ohne
Aa oſophie iſt blind.
Aluffindung eines altgermaniſchen aſirono=
miſchen
Baues.
43! Märchen von den barbariſchen Germanen. Ein altgerma=
ſcher
aſtronomiſcher Bau aus dem Jahre 1850 v. Chr. Der
Kalender der alten Germanen.
uinf. Noch heute ſpukt das Märchen, daß die alten Germanen
aiſbharen geweſen ſeien. Die Mitteilungen Caeſars ſind nicht
en urotten, trotzdem bereits durch Forſchungen von Mentenius,
ſſüng und Schuchard nachgewieſen wurde, daß bereits im
Rahrtauſend vor Chriſtus im alten Germanien eine hohe Kul=
rworhanden
war, die auf ganz Europa ausſtrahlte. Einen
neuen Beweis haben wir in einem Fund erhalten, den
z Teudt in Detmold gemacht hat. Dort liegt in Oeſterholz in
SSenne ein Gutshof Gierken, der trotz des ganz ebenen Ge=
ndres
von ſechs Wällen umgeben iſt, die zuſammen 1140 Meter
ug ſind, keine Parallele und keinen rechten Winkel aufweiſen,
dern anſcheinend ganz willkürlich ausgerichtet ſind. Da jene
guend reich iſt an archäologiſchen Reſten, ſo glaubte Herr Teudt,
Fſjene Richtungen möglicherweiſe vor uralten Zeiten nach ge=
ſſuen
Geſtirnen ausgerichtet ſein könnten. Daß dies im alten
tiochenland, in Aegypten und Babylon der Fall war, iſt von
ſnen eingehend nachgewieſen worden. Um der Sache auf den

ihres Petroleums auf dem europäiſch=aſtatiſchen Markke niecder=
zwingen
wollen, und nicht zum geringſten war es ſeinem Ein=
fluß
zuzuſchreiben, wenn ſich Chamberlain gegen beſſere Ueber=
zeugung
zum Abbruch mit den Ruſſen entſchloß. Jetzt haben die
Engländer die Antwort durch die Amerikaner.
Muſſolini aber hat den Zeitpunkt abgewartet, in dem er an=
nehmen
durfte, daß nach einem Nichtzuſtandekommen der Ein=
heitsfront
gegen Rußland ein engliſcher Vorwurf wegen Sabo=
ſre
n Inhalt kein weſentliches Intereſſe im Ausland zu erwecken tage nicht mehr zu befürchten war wenn nicht womöglich wahlen fehlen, ſteckt Argentinien doch ſchon ganz in den Vor=
hinter
Italien ſogar das verſöhnungsbereite England ſteht
brach Italien ſeine Haltung, die von Gründen allgemeiner und um durch Neuanknüpfung der angeblich zerriſſenen Bande zu Ypolito Frigoyen, der nun ſchon 30 Jahre in der argentiniſchen
Sowjetrußland in Baku Anſchluß zu finden. Das war ihm um
den Kommentaren an der unlärgſt erfolgten Auslaſſung des ſo leichter, als er tatſächlich niemals ſeine guten Beziehungen
zur ruſſiſchen Botſchaft in Rom hat einſchlafen laſſen. Es iſt
ſeinerzeit hier darauf hingewieſen worden, daß gerade in jenen
gung und in Rumänien durch die Natifikation des beſſarabiſchen
Abkommens an der Front gegen Rußland teilzunehmen zwiſchen
umkrieg. Denn auf nichts anderes kommt letzten Endes die der ruſſiſchen Botſchaft in Rom und dem Palazzo Chigi, dem Fragen überſchattet würde. Im Aufruf der Parteien kann man
Regierungsſitze Muſſolinis, die Fäden nicht abriſſen, ſondern
zweifellos Mitteilungen, zu den Ruſſen gelangten, die ganz
anders lauteten, als die offizielle Stellung auf engliſcher Seite
ausſah. Dieſe Haltung macht ſich heute bezahlt.
land gefunden zu haben ſcheint und England ſich bemüht, ſeinen
Fehler des Abbruchs mit Rußland, ſo gut es geht, wieder aus=
zubeſſern
, greift Muſſolini praktiſch zu. Der alte Gedanke der
Handelsunterſtützung durch Kredite wird von ihm wieder auf=
genommen
, alſo ein Verfahren nur erneuert, das ſchon früher
benutzt wurde, damals aber nicht zu den nutzbringenden Ergeb=
niſſen
führte, die man erhofft hatte. Italien gewährt an Nuß=
land
einen Kredit von 200 Millionen in der Form, daß es den
Kaufleuten, die Waren nach Nußland liefern, den langfriſtigen
Kredit garantiert, den ſie den Ruſſen geben müſſen, wenn ſie
mit Rußland zu Abſchlüſſen kommen wollen. Man weiß heute
noch nicht, ob dieſe 200 Millionen jemals wieder vollkommen
wirtſchaftlichen Notlage zunächſt etwas mehr exportieren kann.
Allerdings natürlich zunächſt auf Koſten des eigenen Staats=
ſäckels
. Denn dieſer Kredit iſt ſelbſtverſtändlich weiter nichts wie
eine Art Dumping. Aber die Folge davon wird die ſein, daß
über Rußland einnimmt, der ihn vielleicht in die Lage ſetzt, im die Stadt Buenos Aires geſtellt, aber ihr Einfluß erſtreckt ſich
entſcheidenden Augenblick in recht vorteilhafter Stellung im
Petroleumkrieg zu operieren. Vor allem kann es im Intereſſe
Rußland zu ſichern, das heißt vermutlich zugleich neue amerika= die Dinge für den Präſidenten Frigoyen eine ſchlimme Wendung
niſche Kredite für Italien. Diesmal dürſte es ſich aber um lang=
friſtige
Anleihen handeln, denn Muſſolini wird nicht billig ſein, ibero=amerikaniſchen Annäherung die Rede geweſen, von einer
Die Behandlung der antifasciſtiſchen Elemente in Nordamerika
reits der Einfluß des italieniſchen Fascismus auf die Petroleum=
fürſten
in New York und Waſhington geſtiegen iſt.
Kapitalien fehlen, um an dem großen Wettſtreit um das Petro=
leum
aktiv teilzunehmen, ſich durch eine ſkrupelloſe Augenblicks= amerikaniſchen Idee, der ſein Land gern vor der überhandneh=
aller
Wendigkeit ſeiner Politik, die in den drei letzten Jahren, tinien ſehr kapitaliſtiſch iſt und ſich in vielen Dingen nordameri=
eigentlich
andauernd nach allen Seiten ſich gedreht hat, immer
eine ſtille Liebe bewahrt, die Liebe zum kommuniſtiſchen Ruß= kaniſchen Methoden anpaßt, iſt doch der Einfluß ſpaniſcher Tra=
land
. Der Fascismus iſt eben weiter nichts wie ein etwas anders
gearteter Bruder des Kommunismus. Beide haben vor allem meinſamkeit der Sprache hinaus. Der Einfluß der katholiſchen
ein wirkliches Prinzip gemeinſam, das ſie von faſt allen anderen Kirche iſt faſt ebenſo ungebrochen wie im fernen Mutterlande, er
die Negierung der Demokratie. Die Oligarchie weniger Häupt= Ungehörigkeit und im Gegenſatz zum benachbarten Uruguay ſind
linge der Stautspartei bei vollkommener Ausſchaltung der Be= Eheſcheidungen unzuläſſig. Trotz der Blutmiſchung mit den zahl=
völkerung
, verbunden mit der Betonung des agitatoriſchen
Wortes an Stelle der ſchaffenden Tat ebnen die Wege, die von
Rom nach Moskau führen. Man darf geſpannt ſein, wie ſich
Muſſolinis Teilnahme am Kampf um das Petroleum weiter in ſeits zugegeben werden muß, daß die Argentinier zwiſchen ſich
ſeinen europäiſchen Beziehungen äußern wird. Selbſtverſtändlich und den Spaniern im privaten Leben einen breiten Strich zu
unter dem Vorbehalt, daß ihm morgen nicht wieder etwas an=
beſonderer
Bedeutung, weil vielleicht gewiſſe Aenderungen, die (d. h. vom Ausgangshafen des Columbus) nach Buenos Aires
man in den italieniſch=deutſchen Beziehungen ſich entwickeln ſieht, mehr zur Annäherung zwiſchen Spanien und Argentinien beige=
bereits
damit zuſammenhängen, daß Deutſchland Rußlands wich= tragen, als alle Reden und Kongreſſe es tun konnten. Die ibero=
tigſter
Nachbar iſt.
25 000 Dollar für den Flag nach Nhiladelphia.
Wie uns die Deutſche Lufthanſa mitteilt, hat eine der größ=
ten
amerikaniſchen Zeitungen, das Philadelphia Bulletin, ihr das Bereich der guten Wünſche hinausgekommen; eine einheitliche
mitgeteilt, daß ſie einen Preis von 25 000 Dollar für denjenigen
Ozeanflieger ausgeworfen hat, der als erſter einen zwiſchen= Liuie iſt noch nicht, weder in wirtſchaſtlicher, noch in politiſcher
landungsloſen Flug von einer europäiſchen Hauptſtadt nach 2
Philadelphia unternimmt. Einzige Bedingung iſt, daß der Flug
bis zum 4. Auguſt 1928 durchgeführt wird. In der Luftlinie be= gen wird, iſt eine Frage der Zulunft. Sie würde durch den an=
ſteht
nur ein geringer Entfernungsunterſchied zwiſchen Berlin gekündigten Beſuch des Königs von Spanien in Südamerika
New York und Verlin-Philadelphia.
e

Argentinien vor den Wahlen.
Die ibero=amerikaniſche Idee.
* Madrid, 6. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Trotzdem noch einige Monate bis zu den Präſidentſchafts=
bereitungen
zur Wahlkampagne. Der jetzige Präſident, Don
Politik eine ſo hervorragende Rolle geſpielt und der ſein Vater=
land
in ſo vielen Beziehungen gefördert hat, fühlt ſich keines=
wegs
amtsmüde, und man würde ſicher mit einer Wiederwahl
Tagen, als England ihn zwang, in China durch aktive Beteili= rechnen können, wenn ſich die politiſchen Parteien und Organi=
ſationen
nicht ſo ſehr von den europäiſchen unterſchieden und
wenn die Frage der politiſchen Prinzipien nicht von perſönlichen
beim beſten Willen ſehr oſt keinen Unterſchied des Programms
und nur eine Differenzierung der Perſonen finden. Die Partei
des Präſidenten Irigoyen iſt die Union Civica radical, (die
radikale Partei), die von ihm ſelbſt 1916 geſchaffen wurde. Aber
Während Frankreich noch nicht recht wieder Anſchluß an Ruß= ſchon unter dem zweiten Präſidenten Alvear, dem die radikale
Partei zur Macht verhalf, teilte ſie ſich in zwei feindliche Strö=
mungen
, und zwar in die Perſonaliſten und in die Antiverſo=
naliſten‟
. Die letzteren wollten, ohne das Parteiprogramm zu
wechſeln, die Partei von der Perſon Irigoyens unabhängig
machen. Ihr Kandidat iſt der Senator Melo. Trotzdem nun die
beiden Parteiſpaltungen dasſelbe Programm in der Politik ver=
folgen
, ſind ſie erbitterte Gegner, ſoweit, daß ſich die Anti=
perſonaliſten
mit den konſervativen Gruppen zuſammengetan
haben, zu denen die reiche Provinz=Ariſtokratie gehört, die gleich=
falls
antiirigoyeniſtiſch eingeſtellt iſt. Die Konſervativen ſtellen
zurückkehren werden, aber es iſt ſicher, daß Italien in ſeiner für die Vizepräſidentſchaſt den früheren Innenminiſter Dr. Vi=
cente
Gallo auf, der zu den ſchärſſten Gegnern des jetzigen Prä=
ſidenten
gehört.
Als Partei wären ſchließlich noch die wenig zahlreichen
Muſſolini in der Petroleumfrage einen günſtigen Platz gegen= Sozialdemokraten zu erwähnen. Sie haben zwei Senatoren für
nicht über die ſtädtiſchen Bezirke. Immerhin werden ihre Stim=
men
bei den kommenden Wahlen eine gewiſſe Bedeutung haben.
der Amerikaner liegen, ſich Muſſolini als Bundesgenoſſen in Sollten ſie ſich bei den Antiperſonaliſten anſchließen, ſo könnten
nehmen. Es iſt in den letzten zwei Jahren viel von einer
läßt ja ſchon darauf ſchließen, wie weit hinter den Kuliſſen be= Zuſammenſchließung der ſpaniſchen Maſſe, die hauptſächlich von
Madrid aus propagiert wird. Man ſpricht von einer bald bevor=
ſtehenden
Reiſe Königs Alphons XIII. nach Argentinien, wo er
Es iſt ſehr intereſſant zu ſehen, wie ein Staat, dem die mit ganz beſonderen Ehren empfangen werden und die kulturelle
Einheit beſiegeln ſoll. Irigoyen iſt ein Förderer der ibero=
politik
in das Geſchäft hineinſchieben kann. Müſſolini hat bei, menden Amerikaniſierung bewahren möchte. Trotzdem Argen=
ditionen
ſehr mächtig geblieben und geht weit über die Ge=
großen
Staaten der Nachkriegszeit trennt: die Bekämpfung und beherrſcht das ganze Familienleben. Zivilehen gelten als eine
reichen Einwanderern, hauptſächlich mit Italienern, iſt der ſpa=
niſche
Charakter der Bevölkerung gewahrt, wenn auch anderer=
ziehen
pflegen und nicht gern mit ihnen identifiziert werden.
deres einfällt. Für Deutſchland iſt jedoch die Frage deshalb von Uebrigens hat der Transozeanflug des Major Franco von Palos
amerikaniſche Frage berührt aber nicht nur die Beziehungen
Spaniens zu ſeinem früheren Vizekönigtum, ſondern auch die
Frage eines engeren Zuſammenſchluſſes der latein= amerika=
niſchen
Länder untereinander. Man iſt aber hierin wenig über
Beziehung gefunden worden. Ob die Wahlentſcheidung in dieſer
auch für Europa ſo wichtigen Angelegenheit eine Klärung brin=
einen
gewaltigen Anſtoß erhalten.

Grund zu gehen, haben Profeſſor Dr. Niem und der als Chrono=
loge
in weiteſten Kreiſen, bekannte Profeſſor Dr. Neugebauer,
beide vom aſtronomiſchen Recheninſtitut in Berlin, eine amtliche
Kataſtervermeſſung zur Ermittelung der Richtungen zugrunde=
gelegt
und an mehreren Stellen die Ueberhöhung des Horizonts
durch Anhöhen der Angabe des Meßtiſchblattes entnommen. Eine
Berechnung für alle helleren Sterne für die Zeit von 1000 nach
Chr. bis 4000 vor Chr. ergab nach der Umſchau ein geradezu
erſtaunliches Reſultat. Die eine der Linien liegt genau im
Meridian. Vier Linien beziehen ſich auf die Auf= und Unter=
gänge
von ſolchen Sternen, die auch ſonſt bekannt ſind als ſolche,
die die Antike zur Ausrichtung von Bauwerken benutzt hat, wie
Niſſen zeigt. Es trat alſo hier ein deutlicher innerer Zuſammen=
hang
zwiſchen dieſen Kulturen hervor, und zwar ergibt ſich da=
nach
als Zeit der Anlage 1850 vor Chr. Dieſe Angabe iſt wegen
der ziemlich ſtatken Ortsveränderung der Sterne auf wenige
Jahrzehnte genau. Das erſtaunlichſte iſt aber die noch fehlende
Linie, denn ſie iſt eine Mondlinie und bezieht ſich auf diejenige
Stellung des Mondes, die auf der einen Seite die tiefſte, auf der
anderen Seite die höchſte iſt, die er überhaupt einnehmen kann.
Dieſes geſchieht innerhalb einer ſchon den Alten bekannten
Periode, der Saros, einer aſtronomiſchen Periode, die aus 18
julianiſchen Jahren und 11 Tagen beſteht und zur Beſtimmung
der Sonnen= und Mondfinſterniſſe dient. Auch die alten Ger=
manen
kannten alſo ſchon dieſe Periode, mußten alſo auch bereits
gut brauchbare Kalender gehabt haben, nach denen ſie dieſe
Periode beſtimmten. Das ſetzt eine ſehr lange aſtronomiſche
Arbeit und Beobachtung der Barbaren voraus.

Kunſi, Wiſſenſchaft und Leben.
Ein achtfacher Ehrendoktor. Der Vorſitzende
des Aufſichtsrats des Farbentruſts, Geheimrat Dr. Carl Duis=
berg
, iſt bekanntlich aus Anlaß der 400=Jahr=Feier der Uni=
verſität
Marburg zum Ehrendoktor der theologiſchen Fakultät
ernannt worden. Geheimrat Duisberg iſt damit zum achten Male
durch Verleihung des Ehrendoktors ausgezeichnet worden. 1907
ernannte ihn die Techniſche Hochſchule in Dresden zum Dr.=Ing.
ehrenhalber, 1909 die Univerſität München zum Dr. med. h. 6.
1919 die Univerſität Bonn zum Dr. der Staatswiſſenſchaften
ehrenhalber, 1920 die Univerſität Tübingen zum Dr. der Natur=
wiſſenſchaften
, 1921 die Univerſität Köln zum Dr. der Rechte
ehrenhalber, 1921 die Landwirtſchaftliche Hochſchule Berlin zum
Dr. der Landwirtſchaft ehrenhalber und 1921 die Univerſität
Heidelberg zum Dr. phil. nat. h. c.

Das Muſeum für angewandte Geologie
(Berlin N. 4, Invaliderſtr. 44) hat einige lehrreiche Ergänzungen
erfahren. Zunächſt iſt das Modell eines Braunkohlentagebaues
aufgeſtellt worden. Dieſes Modell erläutert nicht nur aufs nach=
drücklichſte
die Lagerungsverhältniſſe der Braunkohle des Geiſel=
tales
, ſondern auch die Abbaumethode. Weiter ſind zwei dem
Steinkohlenabbau betreffende Gemälde zur Ausſtellung gelangt.
Dieſe bilden eine wertvolle Ergänzung des ſchon vor einiger
Zeit aufgeſtellten Modells eines Steinkohlentiefbaues.
Tonablagerungen bei Jatznick i. Pom. Der
Boden des norddeutſchen Tieflandes wird zur Hauptſache aus
jungen Sanden und Lehmen aufgebaut und nur an verhältnis=
mäßig
wenigen, weit auseinander liegenden Stellen finden ſich
auch Schichten des tieferen Untergrundes an der Oberfläche ent=
blößt
. Dieſe Vorkommen haben daher wiſſenſchaftlich und prak=
tiſch
ganz beſondere Bedeutung. Nördlich von Paſewalk finden
ſich nun bei Jatznick ſehr eigentümliche Tone, die in verſchiedenen
Gruben abgebaut werden und über die ſich die Wiſſenſchaft lange
nicht klar werden konnte. Die Preußiſche Geologiſche Landes=
anſtalt
beſchäftigte ſich nun eingehend mit dieſen Tonablagerun=
gen
und den darin enthaltenen Verſteinerungen. Es konnte an
Hand von ſorgfältigen Unterſuchungen der Beweis geführt wer=
den
, daß dieſe Tone dem Rupel= oder Septarienton des übrigen
Norddeutſchlands entſprechen und damit der Formation des
Mitteloligocäns zugeteilt werden müſſen.
Zur Geologie von Unterharz und Harz=
vorland
. Die neuen Blätter Aſchersleben, Wegeleben, Ballen=
ſtedt
und Cochſtedt der geologiſchen Karte 125000 gehören zum
kleineren Teil in den Unterharz, zum weitaus größeren in das
Harzvorland. Vom Harz gelangt ein dreieckiges Stück ſüdlich
von Ballenſtedt und Ermsleben zur Darſtellung, das Vorland
nach Norden bis über den Hakel, nach Weſten bis nach Quedlin=
burg
, nach Oſten bis über Aſchersleben hinaus. In geologiſcher
Beziehung iſt die dargeſtellte Landſchaft, wie das ganze nörd=
liche
Harzvorland, ungewöhnlich reich. Faſt alle in Deutſchland
vorkommenden Formationen ſind an ihrem Aufbau beteiligt.
Eine Darſtellung der Verteilung und Lagerung dieſer mannig=
fachen
Geſteinsſchichten dient nicht nur der wiſſenſchaftlichen Er=
kenntnis
, ſondern ebenſo den verſchiedenartigſten praktiſchen In=
tereſſen
: der Landwirtſchaft, dem Bergbau, der Waſſerwirtſchaft
und der Technik, ſoweit ſie auf eine Nutzung mineraliſcher Roh=
ſtoffe
angewieſen iſt. Die Karte bringt überall die an die Ober=
fläche
tretenden Ablagerungen zur Darſtellung, im Diluvium
aber auch den Untergrund bis zur Tiefe von zwei Meter. Profile,
d. h. Querſchnitte durch das Kartengebiet, zeigen die Lagerungs=
verhältniſſe
der Schichten bis zu mehreren Hundert Meter Tiefe=

[ ][  ][ ]

Seite 4

Sonntag, den 2. Auguſt 1927

Familiennachrichten

Die Geburt ihres Sohnes
Dietrich zeigen an

Wir betrauern den Tod unſeres
lieben Vaters

Statt Karten.

Paul Seip u. Frau
Elſe, geb. Krug.

Viltor von Weltzien
Geh. Oberbaurat u. Ob.=Lt. d. L. a.2.

Für die aufrichtigen Beweiſe herz=
licher
Teilnahme bei dem Heimgange
unſeres lieben

Darmſtadt, den 3. Auguſt.
( 20891
Liebigſtr. 41.

Käthe Schoch
Georg Saemann
Verlobte c2o351

Darmſiadt
Heinheimerſtr. 77 Heinheimerſtr. 73
z. Zt. Augsburg

geb. in Trier am 28. Oktober 1836,
geſt. in Darmſtadt am 3. Aug. 1927.
Schwerer als die Laſt ſeiner 91
Jahre trug er das harte Geſchick
unſeres Vaterlandes.
Nach dem Willen des Vei=
ſiorbenen
geſchab die Beiſetzung in
der Stille auf dem hieſigen Wald=
(*20325
friedhof.
Adalbert v. Beltzſen, Dipl.=Ing.
Urſula Freifrau v. Stetten,
geb. v. Weltzien
Zulius v. Weltzien, Reg.=Rat a. D.
Käthe v. Weltzien, geb. Kriegleder
Fritz Freiherr v. Stetten= Buchen=
bach
, Oberſt a.O
Darmſtadi, den T. Auguſf 1927.

Ilschen

ſprechen wir hiermit allen unſeren innig=
ſien
Dank aus. Insbeſondere danken
wir Herrn Pfarrer Lautenſchläger für
ſeine troſtreichen Worte am Grabe,
den Schweſtern des Städt. Kranken=
hauſes
für die aufopfernde Pflege, ſowie
für die zahlreichen Blumenſpenden.
Die trauernden Eltern:
Jakob Sobernheim und Frau
Marie, geb. Munker. (*20379

Für die uns anläßlich unſerer
Silbemen Hochzeit übermittelten
Glückwünſche und Geſchenke, ſagen wir
herzlichen Dank.
Wilhelm Jamin
20366) und Frau Eliſabeth, geb. Luft.

Statt Karten

Elſe Kratz
Emtl Gchott
Studienaſſeſſor

Verlobte

Frankenſteinſtr. 58 Darmſtadt

Woogſtr. 4

Gſtt

Statt Karten.

Christe, Marie Werth
Mils, Artur Ekström

Darmstadt
Landwehrstr. 2

cand. dipl. ing.
Verlobte
Aug. 1927

Malmö

zur Zeit Falsterbo
Villa Rüder, Schweden,

(*20425

Nachruf.
Am 4. Auguſt verſchied unſer treues

Vorſtandsmitglied
Herr Oberſtadtſekretär

Wi. Braummann

wovon wir hiermit unſere Mitglieder ge=
ziemend
in Kenntnis ſetzen.
Wir verlieren in dem Heimgegangenen
einen unermüdlichen Mitarbeiter und liebe=
vollen
Heimatfreund.
Sein Andenken iſi mit der Geſchichie
unſerer Vereinigung für alle Zeiten eng ver=
knüpft
.
(Beiſetzung Montag vormittag 11 Uhr
auf dem Waldfriedhof)

Alt=Darmſtadt. Vereinigung für
Ortsgeſchichte und Heimatkunde.
J. A.: Weber. 2311

Nachruf.
Unſer langjähriger und treuer Mitarbeiter,
unſer lieber Kollege und Freund
Herr Oberſtadtſekretär

Auntpp Drucmann

iſt uns am Donnerstag, den 4 Auguſt 1927,
im Alter von 47 Jahren, nach ſchwerem
Krankenlager unerwartet durch den Tod ent=
riſſen
worden.
Wir verlieren in dem ſo früh Verſtorbenen
einen Beamten von ſeltenem Pflichtgefühl
und unermüdlicher Arbeitsfreudigkeit, einen
jederzeit hilfsbereiten und liebenswürdigen
Kollegen, einen lieben und aufrichtigen Freund
und einen wertvollen Menſchen von ehrlichſter
Geſinnung und vornehmer Denkungsart.
Tief erſchüttert von dem ſchmerzlichen Ver=
luſt
trauern wir mit den hart betroffenen An=
gehörigen
um den Dahingeſchiedenen, dem
wir in unſerem Herzen für alle Zeiten ein
ehrendes Gedächtnis bewahren werden.
Verwaltungsrat, Direktion
und Beamtenſchaft der
Städtiſchen Sparkaſſe Darmſtadt.
Darmſiadt, den 6. Auguſt 1927. (St 12314

Nach langem, ſchwerem Leiden verſchied am
5. Auguſt d. Js. unſer liebes Mitglied

Herr Zahlmeiſter a. D.
Albert Brandt
Inhaber des E. K. I und anderer Kriegsorden.

Als langjähriger Zahlmeiſter der I. Abteilung
und als Regimentszahlmeiſter während des ganzen
Feldzuges bis zu ſeiner ſehr ſchweren Erlrankung
im Sommer 1918 hat der Verſtorbene ſich in höch=
ſtem
Maße unſere ganz beſondere Wertſchätzung,
Zuneigung und Hochachtung vor ſeinem Pflicht=
gefühl
, ſeinemperſönlichen Mut, ſeiner kameradſchaft=
lichen
und treudeutſchen Geſinnung erworben.
Wir werden ihn nicht vergeſſen!

Verein der Offiziere des ehem.
2. Großh. Heſſ. Feldart.=Rgts. 61

Einäſcherung: Montag, 8. Aug., nachm. 8 Uhr, Wald=
friedhof
.
(12374

Eektrola-

Statt beſonderer Anzeige.

Geſiern abend entſchlief ſanft infolge Herzlähmung unſere liebe
Schweſter und Schwägerin, unſere gute Tante, Großtante und Urgroß=
tante

Inſtrumente. Elek=
trola
=Platten, große
Auswahl. (10070a
I. Eektrola-Verkaufsstelle
Jäger
Georgenſtraße 11.

Matte Tauf

Nicht neu

Die trauernden Hinterbliebenen:
Auguſt Hauff und Frau
Lina Schürenberg, geb. Rauch
Julius Rauch und Frau
Auguſie Schürenberg, geb. Rauch
Richard Hauff.
Darmſiadt, München, Eſſen, 6. Auguſt 1927.
(12369
Wenckſtraße 27.

Dle Beerdigung findet am Montag, den 8. Auguſt, nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle
des Friedhofes an der Nieder=Ramſtädterſiraße aus ſtatt.

schon viele Jahre
kauft man Sprötin
(Hautheil), das Beste
geg. Flechten, Haut-
jucken
, Schuppen,
Pickel Schnupfen,
läst. Schweiß, Krätze,
Beinschäd., Haemor-
rhoid
., 1000 000 fach
bewährt. 100 Gr.-
Pack. RM. 2.
80Gr. Sprötin-Seife‟
oder Tee 60 Pfg.
Sprötin-Crem"
Pfg. Drog. Becken-
haub
, Schulstr. (347a

lieber

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Geſitern verſchied nach langem ſchweren Leiden unſer

Albert Brandt

Zahlmeiſier a. D.
Inhaber des E. K. I. Klaſſe und anderer höherer Orden.
Für die Hinterbliebenen:
Elſe Beck, geb. Schüßler=Brandt.
( 20319
Darmſiadt, den 6. Auguſt 1927.
Gutenbergſtr. 51 III.

Die Einäſcherung findet am Montag, den 8. Auguſk, nachmittags 3 Uhr,
auf dem Waldfriedhof ſtatt.

Nachruf.

Am 5. d. Mis. verſchied nach kurzem ſchweren Leiden
mein treuer und gewiſſenhafter Angeſtellter

Herr
Georg Crößmann

aus Pfungſiadt.
Der Verſtorbene war ein braver und zuverläſſiger
Mitarbeiter, der ſich während ſeiner fünfjährigen Tätig=
keit
mein volles Vertrauen erworben hat. Sein Heim=
gang
bedeutet für mich einen kaum zu erſetzenden
Verluſi.
Er wird mir unvergeßlich bleiben.

12335)

Siegfried Wechsler.

und Kollege

Nachruf.
Freitag nacht wurde unſer treuer, braver Mitarbeiter
Herr
Georg Crößmann
aus Pfungſiadt nach langjähriger Tätigkeit infolge einer
kurzen, aber ſchweren Krankheit durch einen allzufrühen
Tod aus unſerer Mitte geriſſen.
Wir verlieren in ihm nicht nur einen treuen, braven
Kollegen, ſondern vor allem einen Menſchen von auf=
richtigſiem
Charakter.
Ein unvergeßliches Andenken wird ihm über das
Grab hinaus von uns bewahrt bleiben.
Die Angeſtellten und Arbeiter der Firma
Siegfried Wechsler.
12334)

Heute entſchlief nach ſchwerem Teiden meine liebe
Mutter, meine Großmutter, unſere Schwiegermutter und
unſere Schweſter
Frau

Anttonie Butt

Witwe des Geh. Kommerzienrats Dr. Wilhelm=Gail
verw. Schirmer, geb. Knorr.
Dr. med. Rolf Langreuter und Frau Marianne,
geb. Gail
Kammerdirektor Auguſt Freiherr Töw von und zu
Steinfurth und Tochter Gertrud
Frau Oberſileutnant Goldmann, geb. Knorr
Frau Präſident Nebel, geb. Knorr.
Gießen, den 5. Auguſt 1927.
(12355

Die Beerdigung, findet Montag, den 8. Auguſt, nachmittags 4 Uhr,
von der Kapelle des alten Friedhofs aus ſtatt.

M

Grnannt
zum für Arbeit
Oberprüfungsamt
das Aulturingenie
Schneider, Fr
m. die Polizeit
Bindiſch Lor
zu Polizei Inſpe
Peier Bitſch.
bommiſſaren, der
ſiadt zum Gew
natus Sperli=
bacher
, Heinrich
NeuIſenburg zu
Beher Georg
lich mit Wirhur

Johann Stürm
WBirkumg vom 1.

wachtmeiſter
zum Etrg

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Unterſtützt
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fettzehrend. Viele Dankschr. Seit28 Jahr.
bewährt, Preisgekr. mit gold. Medaill, U.
Ehrendiplom. Preis per Paket Mk. 3
Mg. S. Na. S. Rad. liqu. fol Sen.) IV. 232
Depot für Darmstadt: Medizinaldrogerie
Friedr, Beckenhaub, Ecke Schul- u. Kirehsth

[ ][  ][ ]

Mummet 217

Sonntag, den T. Auguſt 1927

Aus der Landeshauptſtadt.

Darmſtadt, 7. Auguſt.

Von der Hindenburgſpende.
Won der Geſchäftsſtelle der Hindenburgfpende erfahren wir,
ßüſich die Aufrufe, die in der letzten Zeit Handel, Induſtrie, Landwirt=
af
= und politiſche Parteien erlaſſen haben, in überaus günſtiger Weiſe
zuuwirken beginnen. Die Eingange bei der Hindenburgſpende, dar=
tex
viele kleine Beträge aus den breiteſten Schichten des Volkes, neh=
md
von Woche zu Woche zu. Es iſt beſonders auch im Ausland günſtig
ierenommen worden, wie einmütig zu der für den Reichspräſidenten
ſälloſſenen Ehrengabe große Teile des deutſchen Volkes ſich bekennen.
brr den Zweck der Hindenburgſpende wird von der Geſchäftsſtelle noch
iAeteilt, daß die Hindenburgſpende ihre Grundlage in den Aufrufen
MFteichsregierung und der Länderregierungen, der wirtſchaftlichen Ver=
nie
und der Beamtenſchaft hat. Was für die Hindenburgſpende ein=
wird
dem Reichspräſidenten unmittelbar übergeben. Der Reichs=
äſädent
hat erklärt, die ihm zugedachte Spende für die Kriegsbeſchädig=
unnd
Kriegshinterbliebenen verwenden zu wollen. Die Gefahr irgend
ſoger einſcitiger Beeinfluſſung bei der Verwendung der Mittel, von
lover Seite ſie auch kommen möge, iſt damit ausgeſchaltet. Annahme=
Ai, für die Hindenburgſpende ſind alle Poſtanſtalten, Eiſenbahnſchalter,
imTen, Sparkaſſen und die bekannten Poſtſcheckkonten, zum Beiſpiel
ſrufin 73 800.
Ernannt wurden: der Oberlandwirtſchaftsrat bei dem Miniſte=
m
: für Arbeit und Wirtſchaft Bauer zum Mitglied des Techniſchen
ſex prüfungsamtes für die Abhaltung der Ergänzungsprüfungen für
8RKulturingenieurfach; am 15. Juli: die Kriminalkommiſſare Jakob
ſchnneider, Friedrich Günter zu Darmſtadt zu Kriminalinſpekto=
.I die Polizeikommiſſare Friedrich Dechler, Philipp Stein, Fr.
liur diſch, Louis Schneider, Heinrich Lehmann zu Darmſtadt
18olizei=Inſpektoren, die Kriminaloberwachtmeiſter Gg. Riesling,
ſtirr Bitſch, Heinrich Schönefeld zu Darmſtadt zu Kriminal=
mmiſſaren
, der Polizeioberwachtmeiſter Wilhelm Schäfer zu Derm=
i
zum Gewerbepolizeikommiſſar, die Polizeioberwachtmeiſter Fortu=
tiss
Sperling Ludwig Pulg, Karl Lehmann, Gg. Kohl=
tißer
, Heinrich Grauer zu Darmſtadt, Heinrich Nennſtiel zu
us Iſenburg zu Polizeikommiſſaren, die Kriminalwachtmeiſter Georg
ſeiger Georg Reibold zu Darmſtadt zu Kriminalſekretären, ſämt=
mit
Wirkung vom 1. April 1927 ab, der Kriminaloberwachtmeiſter
huann Stürmer zu Offenbach a. M. zum Kriminalinſpektor mit
itkung vom 1. Mai 1927 ab; am 20. Juli der Strafanſtaltsober=
echttmeiſter
bei der Zellenſtrafanſtalt Butzbach Guſtav Kranhold
m Strafanſtaltshauptwachtmeiſter bei dem Landeszuchthaus Marien=
.
Erledigt ſind im Kreiſe Alzey: eine Lehrerſtelle für einen evange=
chen
Lehrer an der Volksſchule in Dietesheim. (Dienſtwohnung
morhanden); eine Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer an der
ol’sſchule in Bornheim. (Dienſtwohnung iſt vorhanden); eine
hrrerſtelle für einen katholiſchen Lehrer an der Volksſchule zu Für=
d
. (Dienſtwohnung iſt vorhanden).
Unterſtützungen an bedürftige Beamte. Finanzminiſter Henrich
I mit: Einem Vorgehen des Reiches und anderer Länder entſpre=
nS
, ſollen auch in Heſſen mit Rückſicht auf die gegenwärtige ſchwierige
iſchaftliche Lage der Beamten Geſuche um Gawährung von
nſtterſtützungen bei beſonderen Notlagen in der nächſten
ein mit beſonderem Wohlwollen behandelt werden. Die
ceinzelnen Miniſterien zur Verſügung ſtehenden Unterſtützugsfonds
M zu dieſemn Zwecke erhöht worden. Insbeſondere ſoll dies bei Ge=
cen
von verheirateten Beamten der unteren Gruppen ge=
ſenven
. In ſachlicher Beziehung ſollen aber die für die Bewilli=
in
g von Unterſtützungen an Beamte allgemein maßgebenden
Tichtspunkte (unverſchuldete Notlage durch Krankheit in der
enſrilie uſw.) Beachtung finden.
I Verfaſſungstag. Am Verfaſſungstage (11. Auguſt) ſind
mſtliche ſtädtiſchen Bureaus und Kaſſen geſchloſſen.
30jähriges Dienſtjubiläum. Am 5. ds. Mts. waren 30 Jahre
rſt oſſen, ſeitdem der jetzige Oberwachtmeiſter Wilhelm Semmler
ader hieſigen Schutzmannſchaft eintrat. Gedienter 115er, genießt der
ihälar bei Vorgeſetzten, Untergebenen und nicht zuletzt auch beim
ummſtädter Publikum gutes Anſehen.
Sommerſpielzeit im Kleinen Haus des Heſſiſchen Landestheaters
irung Direktor Adalbert Steffter). Heute Sonntag finden zwei Vor=
Uyungen ſtatt: Nachmittags 3.30 Uhr iſt als Familien= und Fremden=
rſch
ellung eine einmalige Sonntag=Nachmittags=Aufführung der mit
owem Erfolg gegebenen Operette Paganini von Franz Lehar.
ſe Titelrolle ſingt wieder Kammerſänger K. Jörn, und iſt die übrige
ſnttzung genau dieſelbe wie bei der Premiere. Die Preiſe betragen 13
laiel k. Abends 8 Uhr iſt die letzte Wiederholung der Schlageroperette
Iſte Zirkusprinzeſſin von Emmerich Kalman, und wird ſich
eich Erik Wirl als Miſter X. vom hieſigen Publikum verabſchieden.
MMorgen Montag, abends 8 Uhr, iſt die Erſtaufführung der entzücken=
n
Operette Mascottchen von Walter Bromme, in der Titelrolle
t0Gretl Zadora. Weiter ſind beſchäftigt die Damen Keßler, Neidhart,
ſaper, ſowie die Herren Aman, Daurer, Geiger, Marx, Viktor Schmidt.
iſtier der Aufführung iſt Direktor Steffter. Die muſikaliſche Leitung
Mapellmeiſter Voigt. Dienstag und folgende Tage, abends 8 Uhr,
ihen Wiederholungen der Operette Mascottchen ſtatt.
Feſthalle. Die am Freitag abend mit großem Erfolg von der
ma Heinr. Lautz gebrachte Lichtbilderfolge wird auf Wunſch
aſSonntag, den 7. Auguſt, abends nochmals erweitert vorgeführt. (S.
mueige.)
Alt=Darmſtadt. Vereinigung für Ortsgeſchichte und Heimatkunde.

euen: Erſtens des 33. Mittelrheiniſchen Turnfeſtes, welches einen
chrigen Markſtein in der Geſchichte unſerer Stadtz bildet und an dem
eſmre Stadt ihrem Ruf als Feſt= und Fremdenſtadt in jeder Weiſe
hy2 gemacht hat, und zweitens der Rathauseiwveihung, wobei ei
= hiſtoriſcher Bau, der ein Wahrzeichen unſerer Stadt bildet ein
auS, das bielfach mit den Geſchicken unſerer Stadt verkmüpft iſt, in
umm Gewande, aber als hiſtoriſches Denkmal, neu ſeinen Beſtimmung
ſemgeben wurde. Das Vortragsthema, worüber Herr Rudolf Anton
ruth, lautete: Heſſiſche Fürſtenfrauen‟. Der Redner führte aus: Das
itz ſtürzt, es ändert ſich die Zeit, Die Chronik jedoch hält feſt, was
Begeben, In Stadt und Landen weit und breit Für uns und
ch) für die, die nach uns leben. Er ging dann aus von der Stamm=
umrer
unſeres heſſiſchen Fürſtenhauſes, der heiligen Eliſabeth der
mgogräfin von Thüringen, Gemahlin Ludwigs von Thürigen, geb.
zu Preßburg. In einem kurzen Lebensabriß ſchilderte er das
benn dieſer mit reicher Herzensgüte ausgeſtatteten Frau. Allerlei Ge=
ilinen
zogen dann an den Augen der Hörer vorüber, ſo das Leben der
etter der heiligen Elifabeth, Sophie, die zweite Gattm des Her=
g
2. Heinrich von Brabant, die durch ihren Sohn Heinrich das Kind
heſſiſchen Stamm fortpflanzte. Dann folgte em Lebensabriß von
de heid, der Tochter des Herzogs von Braunſchweig, von Mechthildis,
dunter des Grafen Dietrich VIII. von Cleve, Adelheid, die Tochter des
mffen Otto III von Ravensburg, Johanna Gräfin von Naſſau, Mar=
geitthe
, Tochter des Burggrafen Friedrich III. von Nürnberg. Dann
rhrreitete ſich der Redner über das Leben von Anna, der Tochter des
Ermtogs Magnus III. von Mecklenburg, die die Mutter Philipps des
rurBmutigen wurde, und brachte aus der Ehe Philipps des Großmüti=
uballe
=lei intereſſante Streiflichter, von Chriſtine, der Tochter Georgs
9MReichen, und Margarete von der Saale. Der Vortrag ſchloß dann
ſ einem erſten Teil mit der Gemahlin Georgs I., Magdalena, der
priter des Grafen Bernhard von der Lippe, Magdalena von Branden=
inn
. Gemahlin des Landgrafen Ludwig V., und Eliſabeth Dorothea,
wr Tochter von Herzog Ernſt dem Frommen, Gemahlin Ludwigs VI.,
pnach dem Tode ihres Gemahls am 24. April 1678 vormundſchaftliche
emierung für ihren Sohn Ernſt Ludwig übernahm und das Land mit
e Geſchick und Weisheit regierte. Der Vortrag gab ein Bild von
erz lei Frauentugend und Frauenwürde, zeigte dabei auch manches
ensſchliche Bild und wurde mit viel Beifall aufgenommen. Mit Dankes=
umren
an den Redner und nach Verleſung eines Gedichts Unſer Darm=
dt
. vum Philipp ſchloß der Vorſitzende den angeregt verlaufenen
benrd. Nächſter Vortragsabend am 18. Auguſt. Es ſpricht Herr Phi=
: Weber über: Wüſtungen und verſchwundene Orte in der Um=
lurng
von Darmſtadt Samstag, den 12. Auguſt, Abendgang nach
zymarckturm und Ludwigshöhe unter Führung von Herrn Förſter
wiſſtein. Sammlung abends ½6 Uhr am Tierbrunnen.

Notſiandsmaßnahmen für die Unweiter=
geſchädigten
in Heſſen.
Am 5. Auguſt d. J. fand die erſte Sitzung der zur Durchführung
der Notſtandsaktion für die Unwettergeſchädigten bei dem Miniſterium
für Arbeit und Wirtſchaft eingeſetzten Kommiſſion ſtatt. Infolge der in
den Kreiſen Schotten und Lauterbach inzwiſchen niedergegangenen Un=
wetter
, die außer namhaften Schäden insbeſondere an den Halmfrüchten,
erhebliche Gebäudeſchäden verurſacht haben, mußten die in Ausſicht ge=
nommenen
Notſtandsmaßnahmen auch auf mehrere Gemarkungen der
Kreiſe Schotten und Lauterbach ausgedehnt werden. Bei der Sitzung
der Kommiſſion wurde feſtgeſtellt, daß, mit Ausnahme in Oberheſſen, die
Feſtſtellung der Schäden nahezu beendet iſt, ſo daß alsbald an die
Schadensregulierung herangegangen werden kann, wozu allerdings er=
hebliche
Mittel erforderlich ſein werden. Es wurde als wünſchenswert
bezeichnet, daß die bis jetzt im Lande geſammelten und bewilligten Mit=
tel
an die Heſſiſche Landesbank in Darmſtadt (Konto: Unwetterſchäden
der Miniſterialabteilung für Ernährung und Landwirtſchaft) abgeführt
werden, damit die Kommiſſion, die, das Einverſtändnis der Spender
vorausgeſetzt, allein über dieſe Gelder zu verfügen berechtigt iſt, alsbald
in die Lage verſetzt wird, Beihilfen hieraus zu gewähren. Es wurde die
Hoffnung ausgeſprochen, daß die eingeleiteten Sammlungen fortgeſetzt
werden möchten, da weitere Mittel unbedingt erforderlich ſind, auch wenn
nur in den dringendſten Fällen etwas geholfen werden ſoll. Anderer=
ſeits
wurde dem Wunſche Ausdruck gegeben, daß nur ſolche Landwirte
mit Schadensanmeldungen hervortreten möchten, die durch den erlittenen
Schaden tat ſächlich in ihrer wirtſchaftlichen Exiſtenz
ſchwer bedroht ſind. Anmeldungen, bei denen dieſe Voraus=
ſetzungen
nicht vorliegen, kann in keinem Fall entſprochen werden. Ihre
Bearbeitung bildet nur eine unliebſame Belaſtung der mit der Prüfung
der Anmeldungen beauftragten Stellen, wodurch die Erledigung wirklich
dringlicher Geſuche verzögert wird. Die Kommiſſionsſitzung hatte das
Ergebnis, daß beſchloſſen wurde, umgehend den geſchädigten Winzern auf
Staatskoſten Schädlingsbekämpfungsmittel für die Weinberge zuzufüh=
ren
. Ebenſo ſollen in beſonders dringlichen Fällen Unterſtützungen für
den Lebensunterhalt der Geſchädigten aus den geſpendeten Mitteln ge=
währt
werden. Es wurde ferner beſchloſſen, daß Landwirten, die er=
hebliche
Schäden an Halmfrüchten erlitten haben, unter geſiſſen Vor=
ausſetzungen
die ihnen entſtehenden Koſven beim Ausdruſch aus den
Spenden zum Teil vergütet werden ſollen. Auch da, wo infolge des
Futtermittelmangels die Durchhaltung des Viehbeſtandes gefährdet iſt,
ſollen Futtermittel bereitgeſtellt werden. Weiere Aufgabe der Kommiſ=
ſion
wird es ſein, auch bei der Beſchaffug des erforderlichen Saatgutes
in den geſchädigten Gemarkungen helfend einzugreifen.

Mündelſicherheitserklärung der Kommunalanleihen
des Deutſchen Sparkaſſen= und Giroverbandes.
Der Reickhsrat hat beſchloſſen, gemäß 8 1807 Abſ. 1 Nr. 4 des
BGB. folgende Anleihen des Deutſchen Sparkaſſen= und Giroverbandes
für münd=lſicher zu erklären:
1. GM 10 505 Mill. 5 proz. Deutſche Kommunalgoldmarkanleihe v. 1923,
8proz. Deutſche Kommunalgoldanleihe v. 1925,
2. RM 20
3. RM 70
8proz. Deutſche Kommunalgoldanleihe v. 1926,
7 proz. Deutſche Kommunalgoldanleihe v. 1926,
4. RM. 50
5. RM 50
6 proz. Deutſche Kommunalgoldanleihe v. 1927,
Deutſche Kommunal=Sammelablöſungs=
6. RM 30
anleihe, Serie I,
Deutſche Kommunal=Sammelablöſungs=
7. RM 5
anleihe, Serie II.
Somit ſind alle vom Deutſchen Sparkaſſen= und Giroverband be=
gebenen
Gold= und Reichsmarkanleihen reichsmündelſicher.

Wir bitten unſere verehrl. Inſerenten davon
Vormerkung nehmen zu wollen, daß Anzeigen,
die beſtimmt am anderen Tage erſcheinen ſollen,
bis ſpäteſtens
(106 8a

an den Schaliern der Geſchäftsſtelle aufgegeben
ſein müſſen. Größere Empfehlungsanzeigen
bitten wir bereits bis 4 Uhr nachm. einzuſenden.
O er VerI a g

Führungen durch die Ausſtellung Neue Kunſt Mathildenhöhe. Nach
der erfolgreichen Führung Karl Depperts am vorigen Sonntag wird
Anna Bornemann am Sonntag, 7. Auguſt, vormittags 11 Uhr,
eine Führung übernehmen, der eine zahlreiche Teilnahme gewümſcht
wird.
Ausſtellung Darmſtädter Gruppe, Kunſthalle am Rheitor. Die
Ausſtellung iſt wochentags von 106 Uhr und Sonntags von 104 Uhr
durchgehend geöffnet. Es wurden verkauft: Richard Walter: Brücke‟
(Oelgemälde), Ziegelhütte (Zeichnung); Gottfried Richter: Große
Gartenlandſchaft (Oelgemälde). Wir betonen ausdrücklich, daß die aus=
geſtellten
Bilder nicht, wie in einer hieſigen Zeitung fälſchlich behauptet
wurde, zum Teil bei der Ausſtellung auf der Mathildenhöhe eingeſchickt
und dort refüſiert worden ſind, ſondern von vornherein für
unſere Ausſtellung beſtimmt waren.
Von der Turngemeinde 1846 wird uns geſchrieben: Der weit über
die Mauern Darmſtadts hinaus bekannte Turner Heinrich Fiedler
von der Turngemeinde 1846 erlitt am Montag, den 1. Auguſt, während
der Gerätewettkämpfe bei dem Kreisturnfeſt auf dem Exerzierplatz einen
bedauerlichen Unfall. Fiedler turnte ſeine Reckhirübung und ſtürzte
dabei während des Abganges (Sturzwelle=Salto) aus Reckſtangehöhe auf
den Rücken. Sofort war ärztliche Hilfe zur Stelle. Es wurde eine
Wirbelſtauchung feſtgeſtellt. Ob dieſer Unfall ſchlimmere Folgen nach
ſich zieht, muß der noch eingehenden genauen ärztlichen Unterſuchung
überlaſſen bleiben (Röntgenaufnahme). Fiedler mußte ſofort den Wett=
kampf
abbrechen und ſchied dadurch als einer der allererſten Anwärter
auf den 1. Sieg aus. Alle Turnkreiſe bringen Fiedler großes Bedauern
entgegen. Hoffentlich kau der ausgezeichnete Darmſtädter Turner von
dieſem Unfall bald wieder geneſen, damit er für das Deutſche Turnfeſt
1928 in Köln wieder in den Reihen der Wettkämpfer ſteht.
Gaſtſpiel des Reichsbundes ehemal. Militärmuſiker, Ortsgruppe
Darmſtadt, im Wormſer Feſtſpielhausgarten. Die Wormſer Zeitung
ſchreibt: Wir haben ja hier in Worms im Feſthausgarten ſchon viele
Konzerte mancherlei Art zu hören bekommen. Was aber am geſtrigen
Abend geboten wurde, war ein Ereignis. Der Feſthausgarten war voll
beſetzt. Der zweite Teil des Programms wurde vom Reichsbund ehem.
Militärmuſiker (Darmſtadt) beſtritten. Obermuſikmeiſter Matth. Weber
beſtieg die Bühne, vom Publikum freudig begrüßt. Zwei Stücke, die
große Anforderungen an die Kapelle ſtellten, die aber unter Leitung des
Herrn M. Weber weiſterhaft vorgetragen wurden, waren: Fr. v. Liſzt:
Erſte ungariſche Rhapſodie. L. Kümmel: Große Fantaſie für Cornet
Piſton (Heralda). Als Piſtonvirtuoſe wirkte Herr Buslau der es in
hervorragender Weiſe verſtand, dank ſeiner glänzenden Technik auf dem
Inſtrument, die ſchwerſten Stellen fein und ſicher wiederzugeben. Der
Beifall war ſtürmiſch und ſteigerte ſich noch, als Herrn Buslau ein Blu=
mengebinde
überreicht wurde. Herr Obermuſikmeiſter Weber brachte noch,
mit beiden Orcheſtern 180 Muſikern) Wilhelmus von Naſſauen und
Altniederländiſches Dankgebet, ſowie den Feſtmarſch für das 33. Mit=
telrheiniſche
Kreisturnfeſt in Darmſtadt: Freundſchaft, Mut und Treu,
der ſeine eigene Kompoſition war und der großen Beifall auslöſte.
Herrn M. Weber wurden Worte der Anerkennung und des Dankes
autägsſhrnchen uinh lumen

Seite 5
Zu einem Heſſiſchen Evangeliſchen
Kirchengemeindetag.
lädt die Heſſiſche Landesgruppe des Deutſchen Evangeliſchen Gemeinde=
tages
alle Mitglieder der Kirchenvorſtände und Kirchengemeindevertre=
tungen
, ſowie alle, die ihre evangeliſche Kirche lieb haben, auf Sonn=
tag
, 4. September, nach Guſtavsburg ei. Ein reichhal=
tiges
Feſtprogramm iſt aufgeſtellt: Um ½10 Uhr Feſtgottesdienſt, Feſt=
prediger
: Pfarraſſiſtent Weißgerber=Traiſa; um 11¾ Uhr Vortrag von
Pfarrer Glock=Mainz über den Dienſt der Helfer im Kindergottes=
dienſt
; 122 Uhr: Mittagspauſe, Mittageſſen bei Gemeindegliedern;
um 2 Uhr: Mitgliederverſammlung; um 2¾ Uhr: Gemeindetagung
mit Vorträgen von Oberreallehrer Frank=Darmſtadt und Pfarrer
Grein=Arheilgen, über den kirchlichen Helferdienſt in Stadt= und
Landgemeinden; um 4¾ Uhr: Imbiß für die Gäſte; um 5¼ Uhr:
Evangeliſche Gemeindefeier mit Darbietungen der evangeliſchen Ge=
meindevereine
. Guſtavsburg, aus einem von dem Schvedenkönig Gu=
ſtav
Adolf der Feſtung Mainz gegenüber errichteten Bollwerk entſtan=
den
, jetzt eine kkeine Induſtrieſtadt mit mehreren Fabriken von Welt=
ruf
, zeichnet ſich dadurch aus, daß hier kirchliches Gemeindeleben und
induſtrielles Leben ſich in innerſter Harmonie entfaltet haben und dort
eine der lebendigſten Gemeinden unſeres Landes entſtanden iſt. So
eignet ſich Guſtavsburg in beſonderer Weiſe als Feſtort für den Ge=
meindetag
. Das Feſt erhält eine eigenartige Note durch den Schluß=
teil
, der Einblick gewährt in das innere Leben der Gemeinde und ſei=
ner
Vereine, ſowie auch dadurch, daß alle Teilnehmer an dem Feſte von
den Gemeindegliedern zum Mittageſſen eingeladen ſind, ſofern ſie ſich
bis 1. September bei Pfarrer Knab=Guſtavsburg anmelden.

Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt. Wir
berweiſen auf unſere Anzeige in der vorliegenden Nummer, wonach am
Freitag, den 12. Auguſt, abends 8 Uhr, im Fürſtenſaal (Grafenſtraße)
unſer Syndikus Herr Dr. Kollbach über Die Bayeriſche Handwerks=
ausſtellung
und ihre Lehren ſprechen wird. Bei dieſer Gelegenheit wird
auch über die große Sonderfahrt des heſſiſchen Handwerks nach München
berichtet werden. Wir bitten alle unſere Mitglieder, eifrig für den Baſuch
dieſes Vortrags zu werben.
* Darmſtadts älteſtes Nathaus. Wie Bürgermeiſter Buxbaum in
ſeiner Rede am Donnerstag aus Anlaß der Wiederherſtellung des Rat=
hauſes
mitteilte, war an derſelben Stelle, wo das heutige, in den Jahren
15991600 erbaut Rathaus ſteht, ſchon vorher ein Rathaus vorhanden,
das im Jahre 1566 errichtet und als Fachwerkbau aufgeführt war. Die
Tatſache dürfte aber wenig bekannt ſein, daß Darmſtadt wahrſcheinlich
ein noch älteres Rathaus beſitzt; es iſt dies das Haus Große Kaplanei=
gaſſe
5. Das Alter des Hauſes iſt nicht bekannt; es hat nach der bis=
herigen
Annahme, die neuerdings in Zweifel gezogen wird, eine Zeit
lang als Rathaus gedient. Zweifellos handelt es ſich aber um eines der
älteſten Häuſer Darmſtadts. Vor etwa zwei Jahren wurde es von der
Stadt angekauft und iſt jetzt unter Denkmalſchutz geſtellt worden. Das
Gebäude iſt ſorgſam wieder hergerichtet und iſt gegenwärtig in einem
guten baulichen Zuſtande. Es ſind darin acht Wohnungen.
Reichs=Bäder=Adreßbuch, 3. Ausgabe. Verlag: Reichs=Bäder= Adreß=
buch
nach amtlichen Quellen bearbeitet, G. m. b. H., Berlin SW. 19,
Leipziger Straße 76. Ein Handbuch der deutſchen Heilbäder, Seebäder,
Luftkurorte, Sommer= und Winterfriſchen. Etwa 1000 Seiten Groß=
Quart=Format, Halbleinen geb. RM. 15. Pünktlich zu Beginn der
Reiſezeit ud der Badeſaiſon iſt die dritte Ausgabe des Reichs=Bäder=
Adreßbuchs, eine Sonderausgabe in Kupfertiefdruck, erſchienen. Das
Reichs=Bäder=Adreßbuch iſt ein Propagandamittel erſten Ranges für
Deutſchlands Bäder und Kurorte, denn nur reichsdeutſche Orte finden
in dem Werke Aufnahme. Die vorliegende Ausgabe iſt in beſonderem
Maße geeignet, den propagandiſtiſchen Zweck zu erfüllen, da ſie in
weſentlich vergrößertem Format mit etwa 700 Kupfertiefdruckbildern
jedem Leſer einen umfaſſenden Eindruck von den Naturſchönheiten un=
ſerer
deutſchen Heimat vermittelt. Das Werk ſtützt ſich in erſter Linie
auf die Mitarbeit amtlicher Stellen und iſt vielfach als Lexikon des
deutſchen Bäderweſens bezeichnet worden. Es erteilt erſchöpfende Aus=
junft
über Bedeutung, geographiſche Lage, Klima, Sehenswürdigkeiten
und Unterhaltungsſtätten ſämtlicher Reiſeziele für Erholungs= und Ver=
gnügungsreiſende
, insgeſamt über etwa 1500 Bäder und Kurorte und
100 deurſche Städte. Bei Bädern informiert das Werk ausführlich über
Heilerfolge, Art der zu behandelnden Krankheiten, Kurmittel, Kurzeit,
Kurtaxen, Quellenanalyſen uſw. Ferner enthält die Neuausgabe ge=
naue
Angaben über die an jedem Orte anſäſſigen Aerzte, Zahnärzte,
Dentiſten, Apotheken, Sanatorien, Hotels, Gaſthöfe, Penſionen uſw.

Lokele Veranſtaltungen.
Die Merunter erſchelnenden Netizen ſind ansſchlledlich als Hinwelſe auf Anzeigen zu beiradte
in feinem Falle irgendwie al Beſprechung oder Kritlk.

Im Hotel Prinz Heinrich (Bleichſtraße) findet heute
Sonntag abend großes Gartenkonzert ſtatt. Der Beſuch wird
ganz beſonders empfohlen.
Reichsbund der Zivildienſtberechtigten. Am
Montag, den 8. Auguſt, abends Monatsverſammlung im Vereinslokal
Stadt Coburg, Waldſtraße 2. Wir bitten um recht zahlreiche Betei=
ligung
.

Kunſtnotizen.

Ueber Weite, Künftier oder fünffieriſche Deranſtaltungen, deren hn Nachſiehenden dreühnung
geſchleht, behält ſich die Redaftlon ihr Urtell voc
Reſidenz=Theater (am weißen Turm). 48 Stunden
in einem Hotel der großen Welt können Sie miterleben in
dem großen Abenteurerfilm Hotelratten, der noch heute zur Vorfüh=
rung
gelangt. Unter der Regie von Jaap Speyer iſt ein Werk entſtan=
den
, welches architektoniſch und techniſch auf dem Höhepunkt der Film=
kunſt
angelangt iſt ebenſo die vorzüglich gewählten Kräfte, wie Mia
Pankau, Hans Mierendorf, Helene Halliér, Niels Aſther und Ellen
Kürti, die in die abenteuerliche und ſpannende Handlung ihr beſtes
Können gelegt haben. Jedenfalls wieder einmal ein Film mit außer=
ordentlich
ſpannender, ſchmiſſiger Handlung, famos in der Durchfüh=
rung
, bilderbunt, ſicher emporgeſteigert und in einem ausgezeichneten
Schlußakt gipfelnd.

Union=Theater: Mary als kleine zärtliche Mutter in
rem neuen Film Sperlinge Gottes. Mary Pickford, die
ſon viele Meiſterſtücke des Films vollendet hat und den Menſchen ſchon
viel Freude und Glück brachte hat jetzt einen Film vollendet, der
es bisherige in den Schatten ſtellt. Dieſer Film heißt Sperlinge
ſottes und wird im Union=Theater zur Aufführung gelangen. Die
olle der Mama Mollie gibt Mary Gelegenheit, uns ihre ganze Kunſt
offenbaren. Sie behütet die ihr anvertrauten Kinder mit mütterlicher
irtlichkeit, ſie tröſtend und für ihr Wohl ſorgend, und doch bricht ſich
natürliche Fröhlichkeit Marys immer wieder ſiegreich Bahn. Mary
ägt in dieſem Film keine feinen Kleider und keine teueren Koſtüme,
ndern in zerriſſenen Lumpen gehüllt und barfuß ſehen wir ſie durch
ganzen Film. Dernächtliche Kämpfer 6 Akte aus dem
irmerleben. Regie David Kickland. In der Hauptrolle Fred Thomſen,
it dem Wunderhengſt Silberkönig iſt es ein Film von ſpannendſter
ndlung. Das Programm iſt nur kurze Zeit auf dem Spielplan.

Tageskalender für Sonntag, den 7. Anguſt 1927.
indestheater Großes Haus: Geſchloſſen. Kleines
aus, nachm. 3½ Uhr: Paganini abends 8 Uhr: Die Zirkus=
prinzeſſin
. Orpheum: Geſchloſſen. 33. Mittelrhein.
reisturnfeſt Feſthalle: Konzert, Bayeriſche Bierhalle: Ab=
chiedskonzert
, Feſtplatz: Konzert und Tanz. Ausſtellung,
n 1019 Uhr, Landesmuſeum: Alte Kunſt, Mathildenhöhe: Neue
unſt. Konzerte: Schloß=Café; Hotel=Reſtaurant Schmitz;
Café Rheingold; Ludwigshöhe; Hotel=Reſtaurant Waldſchlößchen;
ſtummelbräu, Neues Schießhaus; Bismarck=Eck; Park=Café; Haupt=
ahnhof
=Reſtaurant, Hotel Krone, Auerbach. Herrngarten,
orm. 11 Uhr: Promenade=Konzert. Kinovorſtellungen:
nion=, Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſpiele, Kirchweihe in
Lieder=Ramſtadt: Gaſthaus zum goldenen Löwen, Gaſthaus
ur Poſt, Gaſthaus zum Darmſtädter Hof, Gaſthaus zum Schwanen,
Haſthaus zur Traube. Kirchweihe in Heppenheim;
dotel halber Mond.

[ ][  ][ ]

Aus Heſſen.

* Erzhauſen, 6. Aug. Gemeinderatsſitzung. Die Er=
hebung
einer allgeminen Wertzuwachsſteuer wird vom Gemeinderat nach
der Muſterſatzung einſtimmig angenommen. Bauplatzabgabe an G.
Wembacher an der Bahnſtraße. Hier kommt Gemeide= ſowie Privat=
gelände
in Betracht. Es ſoll dem Antragſteller Rechnung getragen
werden und eine Umlegung ſtattfinden. Dem Antrag des Phil. Dilfer
um Ueberlaſfung eines Bauplatzes von Gemeindegelände wird ſtatt=
gegeben
. Dem G. Deuſer 9. wird die Lieferung von 6 neuen Fenſtern
in dem Gemeindehaus übertragen, der Anſtrich dem L. Becker 4. Die
Errichtung eines Blitzableiters auf der neuen Schule wird der Firma
Jakobi=Darmſtadt übertragen. Nächſten Monntag wird mit dem Bau
der neuen Waſſerleitung begonnen. Diejenigen, welche die Einführung
wünſchen, müſſen in nächſter Zeit in der Bürgermeiſterei ihre Anmel=
dung
machen.
* Wixhauſen, 6. Aug. Man ſchreibt uns: Nach einer CK.=Notiz im
Darmſt. Tagblatt vom 7. Juli ds. Is wurden den Herren Philipp
Wenz, Friedhofsaufſeher zu ſeiner 25jähr, Tätigkeit und Herrn Feld=
ſchütz
Adam Grein, welcher vergangenes Jahr auf eine 32jährige
Tätigkeit in hieſiger Gemeinde zumickblicken konnte, ſeitens der Ge=
meindebeamten
neben perſönlich herzlichen Gratulationen auch je ein
ſchöner Ruheſeſſel überreicht. Gewiß ein ſchönes Zeichen und ehrende
Anerkennung für die langjährige Tätigkeit beider Beamten im Ge=
meindedienſt
Wixhauſens. Als aber am 1. April 1926 die Gemeinde=
Hebamme Eliſabeth Neher daſelbſt auf eine 25jähr. Tätigkeit in
dieſer Gemeinde zurückblicken konnte, wurde ihr ſeitens ſdes Glllg
Deutſchen Hebammen=Vereins ein Diplom und Broſche nebſt vielen
Gratulationem und Blumengeſchenken ſeitens ihrer Kolleginnen im
Kreiſe Darmſtadt und Herrn Dr. Käß, dahier für ihre ſo überaus an=
ſtrengende
und nervenzerrüttende Tätigkeit in dieſer Gemeinde, in
welcher Zcit dieſelbe 7800 Geburten bewerkſtelligt hatte und vielen
jetzt in voller Rüiſtigkeit lebenden Mitbürger zu jeder Tages= und Nacht=
zeit
bei Wind und Wetter zum Leben verholfen hatte, ſeitens der Ge=
meinde
nicht gedacht!!!
* Griesheim, 6. Aug. Gemeinderatsbericht. Die Waſſer=
bezugsordnung
, für die hieſige Gemeinde wurde in der vorliegenden
Form nach eingehender Beratung einſtimmig angenommen. Gegen=
über
der Heſſ. Landesbank in Darmſtadt wurden für die Gewährung
von Zwiſchenkrediten an mehrere Bauluſtige die Bürgſchaften in der
Geſamthöhe von 24800 Mk. übernommen. Als Vorſtandsmitglieder
für die Kleinkinderſchule wurden unſere Gemeinderäte Maus und
König beſtimmt. Zwecks Gewinnung eines Verbindungswegs zwiſchen
Mittelweg und Weichhofweg ſollen zwei Gemeindegrundſtücke, deren
Pachtperiode abläuft, nicht mehr verpachtet, ſondern als Weg benutzt
werden. Die Erhebung der reichsgeſetzlichen Miete (110 proz. Frie=
densmiete
) für die Gemeindewohnungen wurde abgelehnt, da die=
ſelben
erſt nach dem Kriege errichtet wurden und deshalb eine Frie=
densmiete
nicht angenommen werden könne.
H. Eberſtadt, 6. Aug. Gemeinderatsſitzung. Nachdem
die auf den 4. Auguſt einberufene Gemeinderatsſitzung wegen Beſchluß=
unfähigkeit
ausfallen mußte, war auf geſtern abend eine zweite Sitzung
mit dem gleichen Verhandlungsgegenſtand unter Hinweis auf Art. 104
Abſ. 3 L.G.O. einberufen worden. Dieſe Beſtimmung gibt dem Ge=
meinderat
das Recht, auch dann zu beraten und zu beſchließen, wenn
die im Amte befindlichen Gemeinderatsmitglieder in nicht beſchluß=
fähiger
Anzahl erſchienen ſind. Von dieſem Rechte mußte geſtern abend,
da wiederum nur 11 Mitglieder erſchienen waren, Gebrauch gemacht
werden. Vor Eintritt in die Tagesordnung gibt der Beigeordnete
Flick von einem Schreiben des Gemeinderats Dächert Konntnis,
in dem geſagt iſt, daß die Erforderniſſe einer gültigen Gemeinderats=
ſitzung
nicht gegeben ſeien und Einſpruch erhoben würde, falls der Ge=
meinderat
dennoch tage. Das Kollegim verwarf die Gründe und trat
in die Beratung der Tagesordnung ein. In geheimer Abſtimmung
wurde zunächſt ein Nachtſchutzmann gewählt. Aus der Wahl ging von
25 Bewerbern der Bewerber Hans Schulz einſtimmig herdor. Den
Vorſchlag der Forſtbehörde, in der Gemeinde Eberſtadt eine Forſthof=
reite
zu errichten, lehnte der Gemeinderat ab, weil er die Notwendig=
keit
hierzu nicht einzuſehen vermochte. Bei der in Ausſicht genomme=
nen
Weiterführung der elektriſchen Straßenbahn
nach Pfungſtadt wird von der Gemeinde Eberſtadt die Stellung
von Gelände für den Bahnkörper beanſprucht. Obwohl die Gemeinde
grundſätzlich bereit iſt, gewiſſe Opfer in dieſer Hinſicht zu bringen, war
das Plenum der Anſicht, vor Stellungnahme die Beſchlüſſe des Ge=
meinderus
in Pfungſtadt zu dem Projekt abzuwarten. Folgende Lie=
ferungen
wurden vergeben: 1. Waſſerleitungsrohre für die Verlegung
der Waſſerleitung in der Oberſtraße dem Fritz Hofmann und Wilhelm
Bauer; 2. Werkzeuge den Vorgenannten und dem Wilhelm Appel;
3. 61 Waſſermeſſer der Breslauer Waſſermeſſerfabrik; 4. Feuerwehr=
ſchläuche
dem Ludwig Heinrich Wolf; 5. Gummiſchläuche dem Georg
Bayer; Bilderahmen für die Schulen dem Georg Noßmann 2. Die Bau=
geſuche
Philipp Schmidt (Villenviertel), Adolf Geider (Mühlthalſtraße)
und Auguſt Neumann (Hahnweg) finden Genehmigung. Die Einſprüche
bezüglich der Sperrung der Modaubrücke am Mühlberg werden abge=
lehnt
. Es verhleibt alſo bei der Sperrung. Für die Gemeindewohnun=
gen
im Hauſe Am Lämmchesberg 27 wird die Miete anf 28 Mark pro
Monat und Wohnung feſtgeſetzt. Dem Anton Abt=Arheilgen wird die
Genehmigung zur Erbauung eines Wohnhauſes in der Pfungſtädter
Straße wegen der erforderlich werdenden Straßenherſtellung verſagt,
Als Erſatzmitglieder für das Mieteinigungsamt werden Gcorg Wil=
helm
Fiſcher und Wilhelm Müller 4., als Erſatzmitglied für die Woh=.
nungskommiſſion wird Heinrich Haas gewählt. In einer Eingabe ver=
ſchiedener
Anwohner der Straße Am Elfengrund wird auf die in=
folge
mangelnder Regulierung des Waſſerabfluſſes bei dem Unwetter
am 16. Juli entſtandenen großen Schäden hingewieſen und Abhilfe ver=
langt
. Die Klagen werden als gerechtfertigt anerkannt. Es wird be=
ſchloſſen
, entſprechende Maßnahmen zu treffen, ſoweit dies bisher nicht
geſchehen iſt. Der Bauausſchuß wird eine Beſichtigung vornehmen und
das Erforderliche in die Wege leiten. Die Genehmigung der Aufnahme
verbilligter ſtaatlicher Baudarlehen für den Gemeindeneubau am
Lämmchesberg und Umbau an der Induſtrieſtraße wird erteilt; weiter
wird die Bürgſchaft für ſolche Darlehen für die Bauvorhaben Toni The=
ſing
und Lehrer Schanz beſchloſſen. Der unwettergeſchädigten Ge=
meinde
Berggießhübel (Sachſen) wird auf einen ergangenen Aufruf
ein Betrag von 50 Mark als Unterſtützung bewilligt. Ein Geſuch der
Kriegsbeſchädigten um Bewilligung einer Unterſtützung, ſowie die Vor=
lage
des Kreisamts wegen Erlaß einer Ortsſatzung über die Erhebung
einer allgemeinen Wertzuwachsſteuer für die Gemeinde Eberſtadt wer=
den
dem Finanzausſchuß zur Vorberatung überwieſen. Rektor Vogel
iſt, wie der Beigeordnete Flick bekannt gibr, am 1. Auguſt d. J. in den
dauernden Ruheſtand getreten. Die Verwaltung wird beauftragt, ihm
aus dieſem Anlaß für ſeine ſegensreiche und langjährige Tätigkeit an
der hieſigen Volksſchule den Dank der Gemeinde zum Ausdruck zu
bringen. In geheimer Sitzung: Wohlfahrts= und Wohnungsſachen.
* Pfungſtadt, 6. Aug. Preisſchießen. Die Zimmerſchützen=
geſellſchaft
1910 hält am Sonntag ein großes Vereinspreisſchießen ab.
Es wird ein Konkurvenzkampf um zwei Vereinsehrenpreiſe und ein an=
derer
um die Mitgliederpreiſe ausgetragen.
Babenhauſen, 6. Aug. Berufsjubiläum. Am 10. Auguſt
dieſes Jahres ſind 35 Jahre verfloſſen, ſeitdem der durch ſeine Tätig=
keit
in vielen öffentlichen Aemtern weit über den Kreis Dieburg hinaus
bekannte Bürgermeiſter A. Krapp in dem benachbarten Sicken=
hofen
als Bürgermeiſter dieſer Gemeinde eidlich verpflichtet worden iſt.
/ Reichelsheim i. O., 5. Aug. Veränderter Kraftpoſtver=
kehr
zwiſchen Reichelsheim-LindenfelsFürth i. O.
Seit Anfang dieſes Monats iſt in der Führung der Kraftpoſtlinie
Reichelsheim-Lindenfels-Fürth inſofern eine Aenderung eingetreten,
als die beiden Poſtautos, die bisher den Perſonenverkehr zwiſchen dieſen
Plätzen bewältigten, und zwar mit der Umſteigſtelle am Gumpener
Kreuz, von jetzt ab eine einzige Linie bilden, deren Verkehrsleitung dem
Poſtamt Lindenfels zugeteilt iſt. Demgemäß werden die zwei ſeither
auf dieſen Strechen fahrenden Autos durch ein einziges erſetzt; hierdurch
wird nicht nur eine Erſparnis für die Reichspoſt erzielt, ſondern gleich=
zeitig
werden die Garantiebeiträge der bereiligten Gemeinden verringert.
oder ganz erſpart. Infolgedeſſen ſind auch die Abfahrtszeiten etwas
gegen früher verändert. Die erſte Abfahrt von Reichelsheim beginnt
jetzt um 5,50 gegen 6 Uhr ſeither. Die zweite Abfahrt geſchieht um
10,35 und die letzte um 18 Uhr; an Feiertagen letztere 9 Minuten früher.
Während bisher die von Reichelsheim nach Fürth fahrenden Reiſenden
am Gumpener Kreuz umſteigen mußten, können ſie jetzt im Auto bis
Lindenfels, wo die Zuſteigenden aufgenommen werden, ſitzen bleiben;
fahren alſo eine Strecke umſonſt. Bekanntlich wird die Strecke
Reichelsbeim-Lindenfels auch noch wie bisher an drei Tagen wöchent=
lich
von den Wagen der Okwa, die von Erbach kommen, befahren, ſo
daß dem Reiſeverkehr auf dieſer ſchönen Landſtraße genügend Rechnung
getragen iſt.
* Waldmichelbach, 5. Aug. Zum Neubau des hieſigen
Schulhauſes ſei noch nachträglich erwähnt, daß der Entwurf von
Herrn Regierungsbaumeiſter a. D. Reinhard Guyot aus Heppenheim
ſtammt. Er arbeitet gegenwärtig ſtudienhalber in Los=Angeles in Kali=
fornien
. Die Entwürfe einer Anzahl von Kriegerehrungen im Kreiſe
Heppenheim, ſowie der Entwurf de
h. Pfarrhauſes in Hammelbach
zuurden von Herrn Guyot ausgefüh

* Hirſchhorn, 6. Aug. Waſſe
d. des
5. Auguſt: 1.22 Meter: am 6. Auguſt: 1.02 Meter.

*Neue Ausgrabungen in Dieburg.
Die Bodenunterſuchungen der letztem Monate, die infolge bauptamt=
licher
Inanſpruchnahme des die Arbeiten leitenden Denkwalpflegers
mehrfach unterbrochen werden mußten, haben eine Reihe ſehr bedeutſamer
Ergebniſſe gezeitigt. Gelegentlich der Durchforſchung des Mithras=
tempels
im vergangenen Jahre zeigte ſich die erſte Spur der römi=
ſchen
Stadtmauer, der nunmehr methodiſch nachgegangen werden
konnte. Aufgehendes Mauerwerk iſt in keinem Falle mehr erhalten, alles
liegt unſichtbar unter dem Boden. In einigen Fällen wurden noch meh=
rere
Lagen des Fundamentes angetroffen, meiſt aber war nur noch die
in den gewachſenen Boden eingeſchnittene Fundamentgrube vorhanden.
In dem lockerer bebauten Stadtteile im Oſten war die Arbeit noch ver=
hältnismäßig
einfach, da genügend offene Höfe, Wege u. a. vorhanden
waren, in denen mit ſchmalen Schnitten die Mauer in ihrem Verlauſe
nachgewieſen werden konnte. Mit ganz wenigen Ausnahmen bezeigten
die Beſitzer und Bewohner der in Frage kommenden Grundſtücke ihr In=
tereſſe
an der Forſchung und gaben ohne weiteres die Genehwigung zur
Vornahme der Grabarbeiten, die ſo bald wie möglich wieder eingeebnet
und unſichtbar gemacht wurden, ſobald die Mauer in dem Plan eingetra=
gen
war. So wiſſen wir nun, daß die Mauer der römiſchen Siedlung
in ihrem nördlichen Aſte ziemlich genau unter der ſüdlichen Häuſerreihe
der Minnefelderſeeſtraße durchzieht; am oberſten Ende der Ningſtraße
biegt ſie rechtwinkelig nach Süden um und wude bei einem längeren
Verſuchsſchnitt in der Rathenauſtraße angetroffen. Dann zeigte ſie ſich
wieder ſehr deutlich unmittelbar an der Blutskapelle, die ſelbſt auf einem
ſtarken Mauerklotz ſteht, der wohl zu irgend einem größeren Bau gehört,
deſſen Form noch feſtzuſtellen ſein wird. Hier wird die Mauer geſchnit=
ten
von einer römiſchen Straße, die bereits vor Jahrzehnten erkannt
war, der genannte Bau mag alſo irgendwie zu einer monumentalen
Toranlage gehören. Der ſüdliche Aſt der Stadtmauer zeichnet ſich durch
eine Stufe im Gelände ab, die nördlich der unteren Ringſtraße durch die
Gärten zieht; im Hofe des Arbeitshauſes traf man die Mauer in großer
Tiefe noch in gutem Erhaltungszuſtande an. Dann zieht ſie weiter durch
die Gärten, ſtets begleitet von der Geländeſtufe, iſt durch die mittelalter=
liche
Mauer und die ihr vorgelegten beiden Gräben geſtört, ließ ſich aber
jenſeits der mittelalterlichen Mauer in einem Gartew des Jungfernſtiegs
wieder ſicher nachweiſen. Dadurch iſt erwieſen, daß die Mauer der
mittelalterlichen Stadt nicht auf der römiſchen ſteht, ſondern nach anderen
Geſichtspunkten angelegt iſt. Der weitere Verlauf iſt bei der engen Be=
bauung
dieſes Stadtteiles ſehr ſchwierig feſtzuſtellen, doch wird die im
Herbſte beginnende Kanaliſierung der Stadt uns manchen willkommenen
Einblick gewähren.
Inzwiſchem grub der Denkmalpfleger im Garten des neuen Finanz=
amtes
den Grundriß eines etwa 20 zu 33 Meter großem Baues aus, von
dem allerdings auch meiſt nur die Fundamentgräben erhalten waren,
doch in völliger Klarheit. Die Form des Baues und ebenſo die im In=
nern
gemachten Funde ſchließen es aus, daß es ſich um ein Privathaus
handelt, es muß ein öffentlicher Bau geweſen ſein, entweder ein Heilig=
tum
oder eine Markthalle, denn wir befinden uns hier im Mittelpunkte
der römiſchen Stadt, in der größere öffentliche Bauten zu erwarten ſind.
Intereſſant war ein kleiner Fund in der Nordweſtmauer: während ſonſt
überall die Steine des Baues herausgebrochen waren, fand ſich hier noch
ein kleiner Block, und in ſeinem Innern die Reſte eines Hundeſkelettes,
alſo ein Bauopfer, wie es zu allen Zeiten üblich geweſen iſt. An dieſen
großen Bau ſchließt ſich an der einen Ecke ein recht gut erhaltenes Stein=
fundament
von einer größeren, ſcheinbar offenen Halle an, an der an=
deren
liegt eine lange Halle und die Ecke eines Hauſes mit vortrefflicher
Fußbodenheizanlage (ſogen. Hypokauſt) und einem Drainagekanal längs
der Wände. Dieſe beiden Bauten ſind in ihrem weiteren Verlaufe noch
zu unterſuchen und werden ſicher intereſſante Aufſchlüſſe über die Be=
bauung
des Innern der römiſchen Stadt ergeben.
Gelegentlich eines Neubaues an der Steinſtraße wurde ein mittel=
alterlicher
Töpferofen angeſchnitten, der bei einer Kataſtrophe zer=
ſtört
ſein muß, da im Innern noch die ganzen Gefäße des letzten Brandes
lagen. Es konnten mehr als 60 ganze Gefäße geborgen und dem neuen
Heimatmuſeum im Rathauſe zugeführt werden, ferner eine Unmaſſe von
Scherben, die ſich zu weiteren Stüchen zuſammenfügen laſſen würden.
Es befinden ſich darunter Töpfe und Krüge gewöhnlicher Form, aber
auch Spezialitäten, wie Kannen mit Glaſur auf der Innemſeite, glaſierte
Tonkacheln mit plaſtiſchen Darſtellungen, Gefäße in Geſtalt eines liegen=
den
Faſſes u. a. m. Der Ofen war in ſeiner techniſchen Einrichtung noch
ganz klar zu erkennen, wenn auch die Mauer des Neubaues leider meh=
vere
wichtige Stellen, wie den Eingang in den Brennraum, zerſtört
hatte. Er war doppelt angelegt: von der tief gelegenen Feuerung aus
wurde ein größerer Raum geheizt mit zwei halbovalen Räumen, deren
Wände von der ſtarken Hitze vollkommen geſchwärzt waren, und ein
kleinerer, mit dünneren Mauern, ſeitlich von dem erſten, der nicht die
volle Brennhitze bekam. Im erſteren wurden die glaſierten Sachen ge=
brannt
, im Nebenofen die kleineren tongrundigen Töpfe. Jeder Brenn=
raum
war durch eine Zungenmauer in zwei gleiche Hälften geteilt, in
der Zunge des Hauptofens ließ ſich ein Kaminabzug feſtſtellen zur Ab=
leitung
der überſchüſſigen heißen Luft. Da die Dieburger Töpfe im
geſamten Mittelalter einen hohen Ruf genoſſen und die ganze Umgegend
weithin verſorgten, iſt es für das neue Heimatmuſeum natürlich ganz
hervorragend wertvoll, auf einen Schlag gleich eine ſo reichhaltige Kol=
lektion
heimiſcher Tonware zu erhalten. Aber auch wiſſenſchaftlich iſt
der Fund ſehr ergebnisreich. Die Kenntnis der mittelalterlichen Keramik
liegt noch ſehr im Argen. Hier haben wir nun eine ganze Reihe von
Formen, die ſicherlich genau gleichzeitig ſein müſſen, da ſie zu einem
einzigen Brande gehören. Die Zeit der Zerſtörung kann man aus ge=
ſchichtlichen
Ueberlegungen gewinnen: der Ofen lag außerhalb der mittel=
alterlichen
Stadtmauer, er wird im Jahre 1622 zerſtört ſein, als der
Mansfelder ſeinen vergeblichen Angriff auf Dieburg machte, aber nur die
ſchwächer oder garnicht befeſtigten Vorſtädte einnehmen konnte, während
die Mauer der eigentlichen Stadt ſtark genug war, den Anſturm abzu=
wehren
. So iſt der Töpferofen auch ein Stück Heimatgeſchichte. B.

* Aus dem Birkenauer Tal, 5. Aug. Verurteilt. Bekanntlich
wurde im Maz d. J. in der Bikenauertalſtraße ein Kind von einem
Motorradfahrer aus Nieder=Liebersbach überfahren und ſo ſchwer ver=
letzt
, daß es bald darauf ſtarb. Der Täter wurde nun wegen unvor=
ſchriftsmäßigen
Fahrens zu einer Geldſtrafe von 150 Mark vom Gericht
verurteilt. Die Anklage wegen fahrläſſiger Tötung ließ das Gericht
fallen.
* Fürth, 5. Aug. Der Militär= und Veteranenverein
Fürth wird am nächſten Sonntag auf ſeinem Schießſtand in Stein=
bach
ein Preisſchießen abhalten.
* Von der Bergſtraße, 5. Aug. Saalbau. Die Weiheimer
Feſthalle, welche vom Beſitzer des altbekannten Gaſthauſes Zum Pfäl=
zer
Hof, Herrn Hch. Reiffel, im Garten des Gaſthauſes erbaut wurde,
iſt nun fertiggeſtellt. Mit dieſem Bau hat die Stadt Weinheim einen
Saal erhalten, auf den der Beſitzer und die ganze Stadt ſtolz ſein kann.
Die Räumlichkeiten werden alsbald ihrer Beſtimmung übergeben werden.
* Hähnlein, 6. Aug. Der Hähnleiner Viehmarkt, der vor kurzem
wegen der Maul= und Klauenſeuche in der Nachbarſchaft nicht abge=
halten
werden durfte, iſt nunmehr auf Samstag, den 13. Auguſt, ange=
ſetzt
worden.
* Zwingenberg, 5. Aug. Obſtgroßmarkt. Der Obſtverver=
tungsverein
wird vom nächſten Montag ab verſuchsweiſe für die Orte
Alsbach, Bickenbach und Hähnlein durch ein Laſtauto das zu verkaufende
Obſt koſtenlos abholen und an der Markthalle abladen. Die Ver=
käufer
können hier ihr Obſt in Empfang nehmen und verkaufen. Es iſt
dies eine große Annehmlichkeit für die Obſterzenger in den genannten
drei Orten. Bewährt ſich dieſe Einrihtung, ſo ſoll ſie in aller Kürze
weiter ausgebaut werden. Wann und wo in den Orten das Laſtauto
das Obſt in Empfang nimmt, wird noch in geeigneter Weiſe bekannt
gegeben. Der Obſtgroßmarkt in Zwingenberg hat außerhalb einen ſo
guten Klang, daß ſtets hier Waggonverladungen mit Obſt ſtattfinden
und dadurch die höchſten Preiſe erzielt werden.

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Neckars, am

* Heppenheim a. b. B., 5. Auguſt. Weinberge. Der Asſch.
auch Schimmelpilz und Oidium genannt, hat ſich angezeigt und r.
überall, wo er auftritt, ein ſofortiges Schwefeln bei trockenem AB
nötig. Der Schwefel iſt dünn aufzutragen. Bei heißem Wetter iſt
ſicht geboten, weil es ſonſt leicht Verbrennungen gibt. In dieſem
benutzt man zum Schwefeln die kühleven Morgen= und Abendſtur
Im übrigen iſt es in den letzten Tagen mit der Entwicklung der D=
ben
günſtig vorangegangen, da ſich die Witterung recht gut gehaltem
und gerade die letzten Tage eine Wärme bzw. Hitze brachten, wie esn
wünſchenswert für den Rebſtock und die Trauben iſt. Wenn der Alo
feiner Aufgabe gerecht wird, dann braucht man um das Ergebnis=
diesjährigen
Weinernte nicht mehr beſonders bange zu ſein. O0,
ernte an der Bergſtraße. Auch die Obſternte ſcheint am
Bergſtraße in dieſem Jahre gut auszufallen. Während man bei Ky
ſchen und Aepfeln einen außerordentlichen Ertrag erwartet, rechnet :
bei Birnen mit einer Mittelernte. Mit der Frühobſternte (Pflaum
Zuckerbirnen uſw.) iſt bereits begonnen worden. In Kürrze dürſta
Frühzwetſchenernte ihren Anfang nehmen. Kraftwaggnm=
kehr
. Ab dieſer Woche verbehren die Wagen der Odenwald.Hu
wagen=Verkehrs=A.=G. wieder durch die Friedrichſtraße. Die Halts=
wird
dieſer Veränderung zufolge wieder an die alte Stelle vor
Gaſthaus Zum Ritter verlegt. Ehrenvolle Berufung
nach Heppenheim mitgeteilt wird, wurde Herr Muſikdirektor Nack!
Heppenheimer Kind, an die Stelle des verſtorbenen Muſidives,
Wengert als erſter Chormeiſter des Gaues Stuttgart des Schwäbr
Sängerbundes berufen. Ladenſchluß. Der Einzelhandell/
Stadt Heppenheim gibt folgendes bekannt: Laut kreisamtlicher
fügung betreffend Ladenſchluß an Werktagen können Verkaufsläder
Werktagen von morgens 7 Uhr bis abends 7 Uhr offen gehalten wen
und iſt daran ſtrikte feſtzuhalten. Gleichzeitig wird das kaufende KZ
kum dringend erſucht, ſeinen Bedarf rechtzeitig zu deckem, damit e
Käufer wie auch dem Verkäufer erſpart bleibt, mit dem Geſetze m 2n
flikt zu geraten. Das Geſetz über den 7=Uhr=Ladenſchluß iſt Reichscp=
und können Ausnahmen nicht geſtattet werden. Auch die Bächken
Metzger=Innung gibt hiermit bekannt, daß laut Geſetz ihre Läden in
7 Uhr geſchloſſen ſein müſſen.
* Biblis, 6. Aug. Schwere Unfälle. Geſtern miti
kurz vor 12 Uhr, ereignete ſich in der Maſchinenfabrik Horn, Wor
Brücke, ein bedauerlicher Unglücksfall, bei dem der 18 Jahre alte Frin
Häuſer von hier ſchwer verletzt wurde. Er geriet mit dem linken 8.
in eine Maſchine und wurde ihm derſelbe dermaßen zerquetſcht uw or
brochen, daß er vollſtändig amputiert werden mußte. Außerdem en
Häuſer noch eine leichtere Kopfverletzung. Der Schwerverletzte un
ſofort ins Städtiſche Krankenhaus nach Worms gebracht. Es RMc
innerhalb weniger Tage der zweite ſchwere Unfall in Worms, mitzt
hieſige Einwohner ſehr bedenklich verletzt wurden. Ein weiten lnd
fall, der zur Vorſicht mahnt, trug ſich beim Baden zu. Ein weu
Burſche getraute ſich, allzu vorwitzig, trotzdem er nicht richtig ſchwimzm
konnte, ins tiefe Waſſer und konnte nur mit Mühe und Not von ſenm
Kameraden dem naſſen Elemente entriſſen werden.
* Gernsheim, 5. Aug. Waſſerſtand des Rheins
5. Auguſt: 1,77 Meter.
* Alzey, 6. Aug. Ein Kriegstagebuch der StadtAls
von Hans Bumann. (Verlag R. Pfund=Alzey. 438 S.)
wohl weithin einzigartiges Buch. Es iſt eine Gabe des Verfaſſerss.
die ihm zur zweiten Heimat gewordene Stadt Alzey zu deren vor
zem begangenen 650jährigen Stadtjubiläum, eine Zuſammenſtell.9
von eigenen täglichen Aufzeichnungen aus den Kriegsjahren. Es
hält aber nicht etwa nur trockene Notizen und Daten, vielmehr
durch das mit flüſſiger Feder und in hier und da geradezu dichter:a
Sprache geſchriebene Buch der Herzſchlag unmittelbaren inneren 2t
rlebens, das Mitjubeln und Mitleiden eines warmherzigen Menß!
in großer und ſchwerer Zeit ſeines Volkes. Aus der von dem 2
faſſer zuerſt wohl nur für eigene Zwecke unternommenen Tagebuns
arbeit iſt ein wertvolles Heimatbuch geworden, ein Geſchenk, zu W
man die Stadt Alzey von Herzen beglüchwünſchen kann, und dasiu
jedem Alzeyer Haus dankbar entgegengenommen und aufbewahrt En
den ſollte für Kinder und Kindeskinder, denn es will nicht nur ein .0
innerungsbuch für das gegenwärtige Geſchlecht ſein, ſondern, wie *
Verfaſſer in der Vorrede ausdrücklich ſagt, es ſollen vor allem ſpärn
Generationen daraus erfahren, wie der furchtbare Weltkrieg, ſichh7
ſeinem Verlaufe in einer Stadrgemeinde auswirkte. Sie ſollen ſern
welch ungeheures Maß von Not und Elend aller Art der Krieg 1
die Deutſchen draußen und daheim im Gefolge hatte. Sie ſollen darn=
lernen
, mit welcher bewundernswerten Geduld dies von allen Gerz)
ja faſt von der ganzen Welt bedrängte Volk die Leiden des Kri, mit welcher beiſpielloſen Heldenhaftigkeit aber auch das deutſe
Heer an den weiten Fronten der ungeheuren Uebermacht ſandhielik
Das Buch iſt aber auch wieder mehr als nur ein Heimatbuch. 2e=A
im Grunde genommen ſind die Eindrüche und inneren Erlebniſe
der Kriegseit für alle, die dieſe in der Heimat zugebracht haben,
ſelben geweſen, und deshalb greife jeder, der die eigenen Erinnerunn!
aus der opferreichen und opferfreudigen und auch gerade darum grei
Zeit auffriſchen und lebendig erhalten will, nach dieſer Kriegszeitchr7u
eines Daheimgebliebenen, die ja auch ein durch ſeine Unmittelba n
koſtbares Zeitdokument von allgemeinem, bleibendem Werte darſt
Möge das Buch alſo auch außerhalb Alzeys und Rheinheſſens e
weiten Leſer= oder vielmehr Beſitzerkreis finden! Die eingeſchalted
vorzüglich reproduzierten, charakteriſtiſchen Anſichtsbilder aus AN
unterſtreichen in ſchöner Weiſe das Lokalkolorit des Buches, währ
die im Text in Facſimiledruck wiedergegebenen Fleiſch=, Brot=, E=
Fett=uſw.=Karten auch für jeden Leſer Illuſtrationen zu ſeinen per
lichen Erinnerungen zu bilden geeignet ſind. Die geſchmachvolle (9
banddecke und der allgemeine Buchſchmuck ſind nach eigenen Entwü-1
des Verfaſſers hergeſtellt.
* Friedberg, 5. Aug. Die Sommerverſammlung des Kmr=
hebammenvereins
Friedberg war von etwa 60 Mitgliedern beſucht. .
Verhandlung kamen die Ergebniſſe der Landesverſammlung in Bu. uU,
gen, die Wartegeldfrage und der Anſchluß an die Unterſtützungslo.
Med.=Rat Dr. Nebel machte auf neue Beſtimmungen, beſonders AI
Wochenbeihilfe, aufmerkſam. Prof. Dr. Walther von Gießen hielt en?
intereſſanten Vortrag über Blutungen. Die Hebamme Broder
Gambach konnte am 31. Juli 1927 ihr 50jähriges Dienſtjubiläum fellr
Sie hat bei nahezu 1000 Geburten Hilfe geleiſtet, ohne daß ſie ig,
ein unglückliches Ereignis erlebt hätte. Im Auftrag des Miniſtero
wurde ihr von Dr. Nebel ein Anerkennungsſchreiben überreicht, 7*
Bröder erfreut ſich noch voller Rüſtigkeit, und die ganze Gemeinde NS
lebhaften Anteil an dieſem ſeltenen Feſt.
*
* Vom Lande, 6. Aug. Der im Kriege vielbegehrte Schma,
des Noggens, das Mutterkorn, iſt dieſes Jahr verhältnisen‟
ſelten anzutreffen. Man könnte lange ſammeln, bis man 1 Kg. N.
arteten Kerne, in der Hand des erfahrenen Arztes bekanntlch!
wichtiger Heilmittel, für die Apotheke zuſammen hätte. Dem
manne iſt dieſes ſpärliche Auftreten des Mutterkorns natürlich
wünſcht, der Naturfreund aber fragt, was wohl die Urſache dazu
Offenbar war das feuchte Wetter der Entwicklung des Muttelh"
bilzes nicht günſtig, ſo daß die Sporen von dem Fruchtträger,
meiſt nicht trocken waren, nicht durch den Wind auf die Roggenblb.
gelangen konnten. Die gewöhnlich zugänglichen Leitfäden fün Nche
geſchichta geben für die auffallende Erſcheinung ſeltſamerweiſe Vi*
Aufſchluß.

Geſchäftliches.
Der Weg zum Erfolg. Der beſte Weg zum Erfolg iſt die gui
liche Beherrſchung der Kurzſchrift und des Maſchinenichr
bens ſowie eine gute Handſchrift. Natürlich ſichern nur 99e
Leiſtungen eine dauernde und gute Anſtellung. Deshalb vervollkomtee
jedermann ſeine Kenntniſſe in Kurzſchrift und Maſchinenſchreiben
wer noch nicht ſtenographieren kann, der fange ſogleich zu lernen. 2
Eine gründliche und doch ſchnelle Ausbildung gewährt Ih*
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den nächſten Tagen. Beeile ſich daher jedermann und melde 99
gehend zu den neuen Kurſen an. (Siehe Anzeige.)
Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Montag, 8. Auguft
(nach der Wetterlage vom 6. Auguſt):
Noch vielfach wolkig, ſtellenweiſe Gewitterneigung und Gehe
Heſſiſche Wetterdienſtſtelle Gießel
regen.

Haupiſchriftleitung Rudolf Mauve
Veranwortich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleion, Dee
Ausland und Heſche Nachrichten: Mar Sickeie, ür Sport: Dr. Eugen 210"
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andreas Hauli
Die Gegenwart: Dr. Herbert Neite: ſür den Juſereienteil: Wiily K21-
Oruck und Verlag & C D ittich ämtlich in Darmſtadi.
Für unverlangte Mannitripie wird Garauue der Rücklendung n ich 1/ übernel.
Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

[ ][  ][ ]

T
Sie W EI
tRRA

mmmer 217

Sonntag, den 7. Auguff 1927

Seite 2.

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8. D. Freiburg i. B., 5. Auguſt.
Wer ihn erlebt hat, der wird ihn nicht vergeſſen, dieſen erhebend
eindrucksvollen Abend in Kaiſerslautern in der Pfalz. Da klangen
Worte ans Ohr der Deutſchen Tourenfahrer, Worte, die von deutſchem
Herzen und deutſchem Sinn zeugten, von deutſchem Geiſt und deutſchem
Willen. Und nicht Phraſen waren es, die gedroſchen wurden, ſondern
es waren Kundgebungen von ehrerbietender Aufrichtigkeit. Immer und
immer wieder klang aber die Freude heraus, daß dieſe Deutſche Touren=
fahrt
mit ihren Teilnehmern aus allen Teilen des Vaterlands in die Pfalz
geführt wurde, in jene ſchwergeprüfte und doch ſo ſonnig=wonnige Pfalz,
die weit mehr noch als andere deutſche Gebiete unter dem Joch fremder
Beſatzung und deren Willkür gelitten hat.
Und daß in der Sonne der Pfalz köſtliche Weine gedeihen, das haben
die Tourenfahrer am Feſtabend in Kaiſerslautern kennen gelernt und
am folgenden Fahrtag in Bad Dürckheim. Mit den beſten Edelgewächſen
wurden ſie empfangen, und ſo erfreut, wie die Pfälzer über den Beſuch
der Tourenfahrer waren, ſo gerührt waren dieſe Tourenfahrer über
dieſe herzerfriſchenden Beweiſe aufrichtiger Gaſtlichkeit. Auch in Nen=
ſtadt
in der Hardt gab es einen Empfang, und in Speier begrüßte ein
Vertreter der Regierung Fahrer und Fahrtleitung.
Aber auch Heidelberg, die Perle des Neckartales, ließ es ſich nicht
nehmen, die Deutſchen Tourenfahrer gut zu empfangen und ihnen durch
Vertreter der Stadt und des Verkehrsamts Willkommensgrüße zu ent=
bieten
. Dann wurde das Schloß beſichtigt, das Schloß=Hotel und die
das Neckartal weit überragende Molkenkur, und dann, erfreut von den
vielen Eindrücken von Natur und Kultur, die Weiterfahrt nach Baden=
Baden angetreten. Und in Baden=Baden, auf dem Theaterplatz, großer
Empfang. Viele Hunderte von Kurgäſten. Eine Kapelle. Damen der
Geſellſchaft bieten jedem Ankommenden einen Erfriſchungstrunk. Und
abends Feſtabend im Kurhausſaal . . . Reden . . Tanz . .. Geſchenke..
Frohſtimmung!
Und nu die Schlußetappe! Eine köſtliche Fahrt war das. Durch
Gernsbach ging es, und dann im Murgtal bis Freudenſtadt. Das Tal
der Murg, das Tal der Ahr, das Tal der Lahn"." , das ſind die ſchön=
ſten
Täler des Reiches. Gewiß . . ., der Rhein iſt prächtig mit ſeinen
wunderſamen Uferlandſchaften. Und das Moſeltal iſt unvergleichlich in
ſeiner Art. Dies Murgtal aber mit ſeinem ſchlichten, ſchmalen Flüß=
chem
inmitten der waldbeſchatteten Bergwelt des Schwarzwaldes . . =.
es iſt ein Kleinod deutſcher Erde!
Die Schwarzwald=Bevölkerung, die von ganz Baden, wo immer die
Tourenfahrer fuhren, brachte rührende Beweiſe von Sympathie. All=
überall
Flaggen! In Freudenſtadt, in Hornberg, in Wolfach, in Tri=
berg
, in Furtwangen, in allen dieſen idylliſchen Schwarzwaldſtädtchen
waren den ADAC.=Tourenfahrern Ehrenpforten errichtet. Allüberall
ſäumten Hunderte, Tauſende von Ortsanſäſſigen und von Kurgäſten die
Durchfahrtsſtraßem und winkten und grüßten, warfen Blumen in die
paſſierenden Wagen, boten Erfriſchungen. Dieſe Fahrt durch den wun=
derſam
ſchönen Schwarzwald glich einem Triumphzug der Deutſchen
Tourenfahrer, war ein Triumph für die Sache der Kraftfahrtouriſtik!
Neuſtadt, dies ſtille, idylliſche Städtchen im ſüdlichen Schwarzwald,
zwiſchen Furtwangen und dem Titiſee, hatte beſonders zum Empfang
gerüſtet. Die Straßen waren abgeſperrt . ., Tauſende von Menſchen
grüßten die paſſierendem Fahrer, der Männergeſangverein ſang, die
Stadtkapelle ſpielte, der Bürgermeiſter ſprach ein Willkommen! es
war ein Empfang, wie ihn keine Großſtadt eindrucksvoller hätte bieten
können. Und nebenbei ſei verraten, daß in Neuſtadt, dem Zentrum der
Schwarzwald=Uhreninduſtrie, eine Kraftfahrzeug=Uhr konſtruiert worden
iſt, die Reichsregierung und Reichstag, Autoverbänden und Autoindu=
ſtriellenverband
, Autohändlerverband und Sachverſtändigen vorgeführt
wverden wird. Sie will das umſtrittene Problem der Kraftfahrzeugſteuer
nach Stunden=Bemeſſung (nämlich der Fahrſtunden) löſen. Der Gedanke
iſt gut . . . die Uhr wurde mir auf einer Probefahrt vorgeführt . . ..
wahrlich verblüffend, was die Technik hier geſchaffen, und erſtaunlich,
welche Gedanken umd Anregungen verwirklicht werden können!
Durchs Höllental, mit Kaffeepauſe am Titiſee, nach Freiburg. Zum
Endziel! Fahrtleiter Treſch ſetzte ſich an die Spitze der Kolonne".
in geſchloſſenem Zuge gings nach Freiburg. Es war eine landſchaftlich
köſtliche, eine propagandiſtiſch eindrucksvolle Fahrt. Viele, viele Tau=
ſende
von Menſchen bildeten an den Freiburger Straßen Spalier
Freiburg gleicht einem Flaggenwald, und ebenſo gut und freundlich,
wie der Start in Halberſtadt, war hier der Empfang am Fuße des
Schwarzwalds. Abends ein Abſchieds= und Ehrenabend mit guten Reden,
mit einer Feier des Erfolges, mit dem letzten Willkommen, das Be=
hörden
den Deutſchlandfahrern bieten konnten.
Die Fahrt hat ihr Ende erreicht. Ein wahrlich ausgezeichnetes Ende.
Unfälle ſind, von kleinen Entgleiſungen abgeſehen, nicht vorgekommen.
Die Fahrdiſziplin war, von zwei Ausnahmen abgeſehen, muſtergültig.
Ausnahmen beſtätigen die Regel. Die Organiſation war große Klaſſe.
Die teilnehmenden Wagen und Motorräder haben ſich bewährt. Faſt alle
in Halberſtadt Geſtarteten, haben Freiburg glatt und gut erreichen kön=
nen
. Dem ADAC. zu ſeiner vorzüglichen Schöpfung aufrichtigen Glück=
wunſch
. Und im Intereſſe deutſcher Kraftfahrtouriſtik der Wunſch:

weiter ſo!
Die Rekordleiſiungen der Vorjahre
größtenteils überboten.
Motorräder:

bis 125 ccm: 1. Schätzle=Freiburg auf DKW. 45,26 Sek. 79,540 Stun=
denkilometer
; 2. O. Gräf=Gränichen auf Zehnder 48,750 Sek.
73,800 Klm.; 3. Widmer=Gränichen auf Zehnder 51,44 Sek.
70,400 Klm.
bis 175 ccm: 1. Müller=Zſchopau auf DKW. 33,00 Sek. 109,090 Stun=
denkilometer
; 2. Heiß=Pforzheim auf DKW. 3504 Sek. gleich
102,390 Klm.; 3. Goretzky=Düren auf Neander Duralumin 39,07
Sek. 91070 Klm.
bis 250 ccm: 1. Gerlach=Ludwigsburg auf Standard 29:64 Sck. gleich
121,662 Klm.
bis 850 com: 1. Francini=Ludwigsburg auf Standard 24,2 Sekunden
148,392 Stundenklm.; 2. Wuillemin=Lauſanne auf Condor
9,R Sek. 148,331 Klm.; 3. Stutz=Merzhauſen auf Schüttof
32,70 Sek.
bis 500 ccm: 1. Freih=Zürich auf HRD. 25,46 Sek. 141,398 Stunden=
Klm.; 2. Buſſinger=München auf AJS. 25,74 Sek. 139,914
Klm.; 3. Dom=Ludwigsburg auf Standard 26,39 Sek. 136,415
Kilometer.
bis 750 ccm: 1. Theißen=Milſpe auf Tornax=Jap B,18 S. 142,970 Km.
bis 1000 ccm: 1. Alfter=Lauſanne auf Zenith 19,17 Sek. 187,793 Stun=
denkilometer
(beſte Zeit der Motorräder); 2. Blickensdorfer=
Bürich auf Brough=Superior 19,28 Sek. 186,721 Klm.;
3. Giggenbach=Mühldorf auf Bayerland 24,91 Sek. 144,520 Km.

Motorräder mit Beiwagen:
bis 600 ccm: 1. GoehlerKarlsruhe auf Imperia 32,51 Sek. 110,735 Km.
bis 1000 ccm: 1. Alfter=Lauſanne auf Zenith 22,55 Sek. 159,645 Stdkm.,
2. Dahinden=Zürich auf Brough=Superior 26,36 Sek. 136,570
Klm., 3. Goepper=Stuttgart auf Brough=Superior 77,77 Sek.
129,636 Klm.
Sportwagen:
über 5000 ccm: 1. Kimpel=Ludwigshafen auf Mercedes=Benz 20,29 Sek.
177,472 Klm.; 2. Walb=Mannheim auf Mercedes=Benz 26,65
Sek. 175,095 Klm.; 3. R. Carraciola=Untertürkheim auf
Mercedes=Benz 21,17 Sek. 170,051 Klm.
bis 5000 ccm: 1. W. Delmar=Budapeſt auf Steyr 20,665 Sek. 174,334
Klm.; 2. Gräfin von Einſiedel auf Steyr 22,595 Sek. 159,236
Klm.; 3. Dr. Schvarz=Mannheim auf Mercedes=Benz 37,575
Sek. 95,821 Klm.
bis 3000 ccm: 1. Eſcher=Zürich auf Bugatti 22,37 Sek. 160,929 Stunden=
klm
.; 2. Graf Kalnein=Berlin auf Bugatti 22,745 Sekunden
158,311 Klm.; 3. H. Stuck=Sterz auf Auſtro=Daimler 26,40 Sek.
136,363 Klm.
bis 2000 ccm: 1. Kappler=Gernsbach auf Simſon=Supra 28,956 Sekunden
124.352 Klm.
bis 1100 ccm: 1. Dr. Ulrich=Kerwer=Bonn auf Opel 28,97 Sek. gleich
124,266 Klm.; 2. Frau Lüning=Hamburg 36,02 Sek. 99,904
Klm.; 3. Weſtermann=Baden=Baden auf Pluto 37,72 Sek.
95,440 Klm.; 4. Frau Eckert=München auf Samſon.
bfs 500 ccm: Hoepfner=Hannover auf Hanomag 47,965 Sekunden gleich
75 Stundenkilometer.
Rennwagen:
bis 5000 ccm: 1. Heußer=Kleinſchmalkalden auf Stehr 21,49 Sek. gleich
167,597 Kilometer

bis 3000 ccm: 1. Momberger=Frankfurt a M. auf Bugatti 18,69 Sek.
193,029 Klm. ( beſte Zeit des Tages); 2. Dr. Karrer=Zürich
auf Bugatti 19,42 Sek. 185,375 Klm.
bis 2000 ccm: 1. Werner=Endersbach auf Mercedes=Benz 19,5 Sekunden
184,143 Klm.
bis 1500 ccm: 1. Dr. Karrer=Zürich auf Bugatti 2203 Sek. 163,413
Kilometer.
bis 1100 ccm: 1. M. Finance=Mülhauſen i. Elſ. auf Scap 29,04 Sekunden
123,966 Klm.
bis 500 ccm: 1. W. Bauer=Berlin auf Hanomag 40,15 Sek. 89,663 Km.

Am VI. Internationalen Klauſen=Rennen

um den großen Bergpreis der Schweiz
nehmen von Darmſtädter bekannten Herrenfahrern, die H.A.C.=
Mitglieder Wilhelm Merck, Frau Ernes Merck und
Herr Caracciola teil. Sämtliche fahren in dieſer ſchweren
Konkurrenz den neuen S=Wagen Mercedes=Benz. Die Training=
fahren
haben bereits begonnen.

Handball.

Fußball=Sp.V. Mainz 05Sp.V. Darmſtadt 98, 0:6 (0:1).

Bei tropiſcher Hitze fand am Samstag abend das Spiel der beiden
genannten Mannſchaften auf dem Sportplatz Fort Bingen ſtatt. Leider
erwies ſich deutlich, daß in Mainz dem Handballſport noch nicht das
nötige Intereſſe entgegengebracht wird, denn nur 2300 Zuſchauer hat=
ten
ſich eingefunden. Das iſt eine beſchämende Tatſache, da ſich zu
Trainingsſpielem der Fußballmannſchaft von Mainz 05 oft 5800 Zu=
ſchauer
einfinden.
Vor Beginn des Spieles überreichte der erſte Vorſitzende des Main=
zer
Fußballſportvereins, Reg.=Rat Dr. Dahlem, dem ſüddeutſchen Meiſter
ein prachtvolles Bumengebinde. Das Spiel war in der erſten Halbzeit
ziemlich verteilt. Der größerem Technik und Routine der Darmſtädter
ſetzte die junge Mainzer Mannſchaft ihren ungeheuren Eifer entgegen.
Bis zur 20. Minute gelang es ihnen, ihr Tor rein zu halten, erſt dann
konnte Darmſtadt durch ſeinen Halbrechten Werner zum erſten Tor ein=
ſenden
. Nach der Pauſe kamen die Darmſtädter immer mehr auf. Ihre
größere Erfahrung und Ausdauer ſetzten ſich durch. Die jungen Main=
zer
hatten ſich vorher ſchon zu ſehr ausgegeben, ſo daß ſie jetzt ihrem
eigenen Tempo zum Opfer fielen. Der Darmſtädter Angriff hatte ſich
nun auf dem ungewohnten Aſchenbahmboden beſſer zurecht gefunden, ſo
daß er fetzt ſein wahres Können zeigen konnte. In regelmäßigen Ab=
ſtänden
erzielte der ſüddeutſche Meiſter fünf weitere Tore. Die Tor=
ſchützen
waren Dietz, 7. Minute, im Anſchluß an einen Strafwurf, Henne=
mann
, 15. Minute, Dietz, 20. Minute, dann verwandelte Hauptmann
Jans in der 22. Minute einen Straſwurf direkt und Götz beendete die
Torreihe in der 24. Minute durch einen langen Schuß aus 20 Meter
Entfernung. Das verdiente Ehrentor blieb den Mainzern verſagt. Bei
Mainz gefiel vor allem der Torwächter, die Verteidiger und der linke
Läufer, während der Sturm ziemlich verſagte. Bei Darmſtadt tat jeder
Spieler voll und ganz ſeine Schuldigkeit. Hervorzuheben wäre vielleicht
die ausgezeichnete Verteidigung und der Torwart. Fiedler war im
Sturm nicht ſo überraſchend wie ſonſt. Er mußte in der zweiten Halb=
zeit
auf Geheiß des Schiedsrichters das Feld verlaſſen, da dieſer einen
Widerſpruch Fiedlers gegenüber Jans irrtümlicherweiſe auf ſich bezog.

Entgegen der Straßenreklame über das angekündigte
Handballſpiel am Sonntag nachmittag auf dem Stadion des Sp.=V. 98
gegen Fußball=Vergg. Mainz=Kaſtel findet ein Spiel gegen Mainz 05
ſtatt. Kaſtel iſt nicht ſpielberechtigt, infolge vor kurzem verhängte=
Sperre. Die Mannſchaft von Mainz 05 ſprang liebenswürdiger Weiſe
in die Breſche.
Fußball.

Eintracht.
Sonntag, nachmittags 4,30 Uhr, empfängt die erſte Mannſchaft des
FC. Eintracht die erſte Mannſchaft des Sportvereins Weiterſtadt zum
fälligen Rückſpiel. Platz am Finanzamt. Die 2. Mannſchaft trägt in
Hemsbach gegen die dortige 1. Mannſchaft ein Privatſpiel aus.

Vorſchau auf die Deutſchen Kegelmeiſterſchaften in Mainz.
Sonntag, den 7. Auguſt, pünktlich 13 Uhr, beginnen auf den 28
Meiſterſchaftsbahnen des Mainzer Kegelſporthauſes die 508 Auserwähl=
ten
Deutſchlands um die höchſte Palme des Deutſchen Keglerbundes zu
ringen. Viele werden danach greifen, jedoch nur wenige dafür beſtimmt
ſein. Nachfolgend wollen wir die Ausſichten der einzelnen Teilnehmer
einer kritiſchem Betrachtung unterziehen.
Einzelmeiſterſchaft auf Aſphalt. Hier haben ſich 82 Bewerber für
den Endkampf qualifiziert. Da es zum größtem Teil neue Namen ſind,
iſt es ſchwer, den Sieger zu tippen. Die Sieger des letzten Jahres be=
finden
ſich nicht unter den Bewerbern. Der Sieg dürfte zwiſchen einem
Mitglied des ſächſiſchen und ſüddeutſchen Gaues liegen und wenn wir
unſere Stimme dem ſüddeutſchen Vertreter O. Lehmann=Griesheim
am Main gebem, ſo darum, weil unſer ſüddeutſcher Meiſter in heimi=
ſcher
Umgebung wirft und zurzeit in Höchſtform iſt. Eine eventuelle
Ueberraſchung wäre auch von Bernſtorf=Mainz, dem dritten der ſüd=
deutſchen
Meiſterſchaft, zu erwarten.
Einzelmeiſterſchaft auf Bohle. Hier treten 86 Bewerber an und
dürfte Norddeutſchland dominieren. Rotſchild=Berlin, der letztjährige
Sieger, verteidigt ſeine Meiſterſchaft und hat keine ſchlechtem Ausſichten.
Immerhin hat er dieſes Jahr ſchärfere und jüngere Gegner abzuwehren
umd werden ihm beſonders die Norddeutſchen zu ſchaffen machen, und
erwarten wir einen Vertreter Norddeutſchlands vor Rotſchild in Front.
Einzelmeiſterſchaft auf Schere. Hier ſtarten 26 Kegler, und konnten
ſich die vorjährigen Sieger nicht durchſetzen, ſo daß ein neues Geſicht als
Sieger hevvortreten wird. In dieſem Kampf dürfte ein Weſtdeutſcher
vor Mitteldeutſchland den Siegeslorbeer erringen.
Seniorenmeiſterſchaft auf Aſphalt. An dieſer Meiſterſchaft beteili=
gen
ſich 12 Herren über 60 Jahre. Als älteſter Teilnehmer an dieſem
Kampfe hat ſich für den bayeriſchen Gau der 76jährige Herr v. Preiß=
linger
=Kitzingen am Main, qualifiziert mit einer Holzzahl, die ſich
manch Jüngere zum Vorbild nehmen könnten. Die Meiſterſchaft ſelbſt
dürfte dem 6ljährigen Bruno Lautſch kaum zu nehmen ſein.
Seniorenmeiſterſchaft auf Bohle. Hier treten 9 Senioren zum
Kampfe an und iſt dieſer Kampf ſehr offen und Gefühlsſache, einen Sie=
ger
zu tippen. Keine ſchlechten Ausſichten ſollten Schadendorf=Hannover,
Develer=Aachen und Lemke=Belgard haben.
Seniorenmeiſterſchaft auf Schere. Hier ſchrieben ſich nur 3 Bewerber
ein, die ſich aber einen erbitterten Kampf liefern dürften, aus dem Franz
Pieper, Münſter i. W., als Sieger hervorgehen ſollte.
Verbandsmeiſterſchaft auf Aſphalt. Hier treten 13 Mannſchaften zu
je 10 Mann an und dürfte hier der intereſſanteſte Kampf um den Sieg
entbrennen. Der Verteidiger Planitz=Sachſen kommt wohlgerüſtet, aber
auch unſer ſüddeutſcher Vertreter Darmſtadt wird ein recht gewich=
tiges
Wort mitreden. Sollte Darmſtadt ſo in Form ſein, wie auf den
ſüddeutſchen Meiſterſchaften, dann ſollte es unſerem ſüddeutſchen Meiſter
zum zweitenmale nach Schwanheim gelingen, die Deutſche Verbands=
meiſterſchaft
auf Afphalt nach Süddeutſchland zu entführen.
Verbandsmeiſterſchaft auf Bohle. Hier treten 12 Mannſchaften an,
und iſt es kaum anzunehmen, daß ſich der Verteidiger Kiel dieſe Meiſter=
ſchaft
entreißen läßt. Immerhin darf Kiel ſeine Gegner, unter denen
beſonders Küſtrin und Hannover hervorragen, und die eine Ueber=
raſchung
bringen können, nicht unterſchätzen.
Verbandsmeiſterſchaft auf Schere. Nur ſechs Mannſchaften treten
zum friedlichen Wettkampfe an. Der Sieg dürfte zwiſchen dem Ver=
teidiger
Halberſtadt und Kiel liegen. Auch hier hat Kiel glänzende
Changen zum Sieg und Halberſtadt wird das letzte hergeben müſſen,
falls es wiederum als Sieger hervorgehen will.
Die Meiſterſchaftskämpfe verſprechen ſpannende, hochintereſſante
Wettkämpfe, die ſich kein Kegelfreund entgehen laſſen ſoll, zumal der
Mainzer Verband alles daran geſetzt hat, durch ein hervorragendes Ver=
gnügungsprogramm
den Beſuchern unvergeßliche Eindrücke von dem
goldenen Mainz zu vermitteln.

TRummer 2u1

Deutſche Schwimm=Meiſte
ſchaften 1922.
Die Entſcheidungen des erſien Tages:

Im neuerbauten Hannoverſchen Freibad nahmen am Samst7,
ausgezeichneter Witterung die deutſchen Schwimm=Meiſterſchaften:
ihren Anfang. Am vormittag kamen zahlreiche Vorkämpfe zum!
trag. Der Nachmittag brachte dann die Hauptentſcheidungen:
Meiſterſchaften ſtanden ſchon am erſten Tag im Zeichen harter R
und in nicht weniger als 5 Wettbewerben wurden die Titelbert,üd
geſchlagen. Wenn es auch nicht zu neuen Höchſtleiſtungen kam, ſo /
ten doch die Kämpfe auf der ganzen Linie gute Ergebniſſe. Imin
nationalen Wettbewerb 3 mal 200 Meter Freiſtil um den Pres=
Weltausſtellung konnte Magdeburg 96 dieſen wertvollen Preis, un
ſchon ſeit 1901 gekämpft wird, zum 5. Mal gewinnen und damn:
gültig an ſich bringen. Im 400 Meter Freiſtilſchwimmen blieb Hes=
Leipzig ſicher vor dem letztjährigen Sieger Berges in Front. 92)
Magdeburg gab ſchon bei 200 Meter auf. Knapper als erwartet wo=
Sieg von Hellas=Magdeburg in der 3 mal 100 Meter Bruſtſtafffi
Erich Rademacher recht mäßig ſchwamm. Bei den Damenwettkäö=
zeigte
ſich im Springen Frl. Söhngen=Bremen ihren Konkurrenzu
gegenüber als eine Klaſſe beſſer. Die Ergebniſſe:
8 mal 100 Meter Freiſtil für Vereine ohne Winterbad: 1. Delmenkll.
S. V. 3,40,6. 2. Poſeidon=Beuthen 3.41,2. 3. Zeller S. C.:.
3 mal 200 Meter Freiſtil: 1. Magdeburg 96 mit Heitmann, Schwn=
Gubener 7.34. 2. Poſeidon=Leipzig 8.12,4.
100 Meter Rücken: 1. Küppers=Vierſen 1.13. 2. Fröhlich=MagEilu
1.15,5. 3. Trentſchel=Leipzig 1.20,4.
400 Meter Freiſtil: 1. Heinrich=Leipzig 5.20,8. 2. Berges=Darn
5.24,9. 3. Lambert=Köln.
8 mal 100 Meter Freiſtil: 1. Magdeburg 96 mit Heitmann, Schur=
Gubener 3.14,5. 2. Poſeidon=Leipzig 3.20.
3 mal 100 Meter Bruſtſtaffel: 1. Hellas=Magdeburg mit Joachim 89
macher, Kuppert und Erich Rademacher 4.06,7. 2. Berlin 87 40
3. Göppingen 4.13.
100 Meter Seiteſchwimmen: 1. Bartſch=Berlin 1.11,5. 2. Uſchm
Magdeburg 1.12,5. 3. Dahlem=Ruhrort 1.13,4.
Frauenwettbewerbe.
100 Meter Rückenſchwimmen: 1. Anny Rehborn 1.30. 2. Biſchoſuch
berg und Strubel=Berlin 1.32,8.
Springen: 1. Söhngen=Bremen 105,23. 2. Hanna Rehbornkuutz
91,96. 3. Gehl=Berlin 88,72.
3 mal 100 Meter Bruſtſtaffel: 1. Magdeburger Damenſchwn .
4.48,6. 2. Hildesheim 1899 4.52,7. 3. Bille=Hamburg 4.54,8

Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.

Sonntag, 7. Auguſt. 8: Uebertr. von Kaſſel: Morgenfest
veranſt. von den evang. Gemeinden Kaſſel. Mitw.: H. Bachman.
Leipzig (Violine), Fr. Kattiofsky (Organiſt), Singgemeinde Trem!
O 9.15: Uebertr. des Geläutes der neuen Glocken für die Nikol,!
Kirche in Hamburg von der Muſikausſtellung. O 11.30: W. Schenren
Das Kind im Großſtadtverkehr. 6 12: Uebertr. von Kaſſel: Muar
aus dem 18. Jahrh. Mitw: Kläre Schönke (Sopran), Hausorn
0 15: Aus dem deutſchen Märchenborn, vorgetr, von der Kaſpe.s
tante Lieſel Simon. Fortſ. von Kai aus der Kiſte von Wa/
Durian. O 16: Konzert des Mandolinenquartetts Frankfurt. II
Irene Trieſch. Programm aus Werken von Strindberg, Tolſtoj. Tun
geniew, Doſtojewsky, Puſchkin, Baudelaire, Maupaſſant, Althbes
und Dickens. 18: Stunde des Rhein=Mainiſchen Verbandes fr7
Volksbildung: W. Arndt: Stunde des Weſterwald. 20: Uebert:
von der Stiftsruine Hersfeld: Mendelsſohn=Konzert. Ouv. z. Somtt
mernachtstraum. Die erſte Walpurgisnacht. Anſchl.: Buntech
Abend. Mitw.: Sophie Fritz (Sopran), G. Heß (heſſ. Mundart:
Hausorch. Darauf: Uebertr. von der Tanzklauſe: Tanzprogrami.

Siutigari.

Sonntag, 7. Auguſt. 12: Uebertr. vom Schloßplatz, Stutgct!
Konzert. O 13.15: Schallplattenkonzert. o 15: Jugendſtumſl0
16: Uebertr. des Konzertes aus dem Stadtgarten, Stunye
O 18.15: M. Schilling, Göppingen: Ein Hurricane in den
indiſchen Gewäſſern. O 18.45: Stunde Schweizer Dichtung.
Uſteri und Heinrich Leuthold Einf, von H. Neuberger. Nür
Gel. von E. Stockinger. O 20: Bunter Abend. Mitw.: Hilde Y
Käte Mann, M. Th. Deimann E. Stockinger, M. Heye,
funkorcheſter. Adam: Ouv. zu Königin für einen Tag.
Saens: Arie der Dalila aus Samſon und Dalila.
Die drei Ringe. d’Albert: Fant. Die toten Augen.
Arie der Azucena aus Troubadour. Blomberg: Rokoſo.
Gilbert: Wenn die Füßchen ſie heben. Er. Spiel von
Delibes: Blumen. Valſe aus Naila. Körner: Verlieb 94
im Frühling. Capua: Maria, o Marie. Stolz: Was
kleinen Mädchen träumen. Baumgartner: Noch ſind die 2004
der Roſen. Der Vertrauensbruch. Luſtſpiel von M. 90
Fall: Potp. aus Roſe von Stambul u. a. m.

Berlin.

Jung=Deutſchland ſchlägt S.V. Ludwigshafen 5:0 (3:0).
Auch das zweite Bezirksſpiel gegen den S.V. Ludwigshafen lal=
Jung=Deutſchland glatt mit 5:0 gewinnen. Obwohl die Mamtrd
wieder mit einigen Erſatzleuten antreten mußte, da Berger in Hon
ver bei den Meiſterſchaften iſt, Kloſtermann noch in Ferien weilt 34
Fink nicht mitfahrem konnte, ſpielte ſie ſehr gut zuſammen md 0u
ihrem Gegner dauernd überlegen. Zum Glück traf kurz vor den o9
noch Gils aus dem Schwarzwald ein, ſodaß die Siegesausſichten bd.
tend ſtiegen. Als Herr Juilfs=Mannheim, der das Spiel gut lai
das Spiel anpfiff, ſtellte Jung=Deutſchland folgende Mannſchaft: 5c
länder; Gils, Hirſchauer; Förſter; Kemmer, Orlemann, Laumann.19
fort nach Spielbeginn machte ſich eine Ueberlegenheit Jung=Deutſchll/
bemerkbar. Förſter erzielte bald das erſte Tor, und Orlemam lal
kurz darauf durch guten Schuß das Ergebnis auf 2:0 ſtellen. Nockuch
Halbzeit, ſchoß Förſter das dritte Tor. Nach Halbzeit hielt die HI
legenheit an, und Gils erzielte Tor Nr. 4. Eine glänzende Ka
nation GilsKemmerFörſter-Laumann krönte Laumann mit ein
5. Torſchuß. Zum Schluß nahm das Spiel leider durch Ludwioshe:
etwas körperliche Formen an und konnte dahen weniger befredim
Als überlegener Sieger verließ Darmſtadt nach gutem Spiele
Waſſer und konnte beweiſen, daß es auch mit Erſatz imme nch e6
ausgezeichnete Mannſchaft ins Feld ſtellen kann.

aus Das Nachtlager von Granada. Jagdſignale und =Fahſſt.
Urban: Der Eishund. Ein praktiſcher Rechaud Lindeſle
Jägerlieder=Marſch. Am Flügel: Ben Geyſel. 0 22.30: Tanzſlie 4
Stettin. 9: Morgenfeier. Franck: Vorſpiel für Harmollt.

Händes
Schubert: Du biſt die Ruh. Bibelworte.
Sarabande. Anſprache des Superintendenten Wich=Möhrme.
Becker: Meine Seel iſt ſtille zu Gott. Bibelworte. D
Andante aus der Sonate F=dur. Mendelsſohn: Dann werde!.
Gerechten leuchten. Schlußchoral.

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für die Kleinen und die Großen aus eigenen Werken. o 10*
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Reißiger: Ouv. Felſenmühle. Königsberger: Faun und Nyſſte
Rhode: Das Promenadenmädel. O 19.05: Dr. Brattsio)e
Warſchau. 19.30: Dr. Zillmann: Alt=Berlin in Roman
Poſſe. 0 19.55: Prof. Goerke: Im Tal des Todes. 20.**
Hallali! Jungmann: Aufbruch zur Jagd. Mendelsſohn: Wee
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fmmmer 217

Sonntag, den 7. Auguſt 1927

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Seite 10

Sonntag, den T. Auguſt 1922

Nummer 221

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Darmſtadt, den 3. Aug. 1927. (ct121
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gebote für die erforderlichen Arbeiten:
Lieferungen, und zwar:
Los I Quellfaſſungsarbeiten
Errichtung eines Hochbehi
ters von 40 cbm mit Quuh
lenkammer;
Los II Rohrgräben (etwa 450
Rohrlieferung und Roc‟
verlegungsarbeiten,
Samstag, den 13. Auguſ1920,
vormittags 10 Uhr,
bei der unterzeichneten Behörde, Bleis
ſtraße 1, entgegengenommen und erä‟
net werden. Pläne und Bedingun!
ſind bei uns, letztere auch bei der Bürg=
meiſterei
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Augu.
u Uhr,

Nummer 217

Miſties gewinnt den Dauerflug=
Weitrekord.

Weltrekordflieger Riſties
mn Begleitung von Edzard den Dauerflugrekord
vom Chamberlin überbot.
bu derzug zur Münchener Gewerbeausſtellung.
/5rankfurt a. M. Um den Bewohnern der
ſalet Frankfurt a. M. und Umgebung eine billige
iln genheit zu geben, die zurzeit in München ſtatt=
ſtunde
Bayeriſche Gewerbeausſtellung zu beſuchen,
alſichtigt die Reichsbahn, einen Sonderzug mit
98agenklaſſe, in dem jeder Teilnehmer einen Sitz=
azu
erhält, am Samstag, den 13. Auguſt, ab Frank=
ril
a. M.=Hbf. über Offenbach-Hanau Aſchaffen=
r
: nach München zu fahren. Ankunft in München
ormtag früh. Die Rückfahrt iſt mit dem gleichen
bucherzug für Mitwoch, den 17. Auguſt, abends
ryreſehen. Ankunft in Frankfurt a. M. am Don=
ryſtag
, den 18. Auguſt, gegen 6 Uhr vormittags.
maue Fahypläne und Fahrpreiſe werden noch be=
un
tgegeben.
Schwerer Autvunfall.
n.. Wertheim. Auf der Landſtraße Gamburg
Bertheim ſtießen das Automobil eines Frank=
rzurs
und das Motorrad eines Würzburgers in
Ur Fahrt zuſammen. Der Motorradfahrer, ein
tgenieur Wolf, wurde vom Rade geſchleudert und
rI einige Stunden ſpäter an einer ſchweren
hädelverletzung. Die Schuld trifft den Chauffeur,
ſDie linke Straßenſeite befuhr. Beide Fahrzeuge
tuoen ſchwer beſchädigt.
PDie Brandkataſtrophe von Liedolsheim.
hm. Karlsruhe. Der durch die Brandkata=
vi
he in Liedolsheim entſtandene Schaden, der
dun erſten Nachrichten nach amtlicher Schätzung mit
Millionen Mark angegeben worden war, ſtellt
ſeetzt glücklicherweiſe als weſentlich niedriger her=
8. Nach der Annahme des Bürgermeiſters von
id elsheim dürfte ſich der geſamte Gebäude= und
hrmisſchaden auf etwa eine halbe Million Mark
ſaurfen.
Schwerer Verkehrsunfall.
um. Baden=Baden. Eine ſchweres Auto=
dan
=Baden nach Oos. Zwei ſich kreuzende Laſt=
fimwagen
, von denen einer einen Anhängewagen
zuvelwagen wurde die Steuerung dabei herum=
rſſen
, er fuhr auf einen Randſtein und riß einen
turngsmaſt der elektriſchen Straßenbahn zuſam=
m
. Der Anhänger ſchob ſich auf den Vorderwagen,
WBremſerhäuschen wurde zuſammengedrückt und
Bremſer erlitt ſchwere Verletzungen. Außerdem
eim iſierte der Leitungsmaſt den Wagen, wodurch
Bremſer auch noch vom elektriſchen Strom ge=
ſiuen
wurde. Der Verunglückte wurde ins Kran=
hrus
eingeliefert.
Das böswillige Zügle.
ua. Zell a. H. Ein Auto wollte beim Bahn=
vrang
das Gleis der Lokalbahn paſſieren und
ehl bei der Ueberfahrt über die Schienen infolge
tzüſichen Verſagens des Motors ſtecken, als gerade
ennigen hundert Meter Entfernung das Zügle von
Aunach Biberach anfuhr. Der Autoführer und eine
derre Perſon gaben dem Zügle Haltezeichen, aber
ührte ſich anſcheinend nicht daran, ſondern fuhr
fax das Auto heran. Drei Meter vor dem Ueber=
ra
, ſchien es halten zu wollen; der Autoführer
ſtel, das Auto bereits verlaſſen. Da gab die Loko=
tave
plötzlich Volldampf und fuhr das Auto zu=
mmen
. Als die Maſchine das zertrümmerte Auto
e Strecke weit vor ſich hergeſchoben hatte, hielt der
gu und der Führer meinte nun, der Autofahrer
ſſ= das Auto von der Maſchine löſen. Der aber
aſbürte keine Luſt dazu, auch nicht, als der Zug
WWeg rückwärts zum Uebergang gemacht hatte.
r5 Führer mußte ſchon ſelbſt dieſes Geſchäft be=
gun
. Worüber man ſehr lachte. Es bleibt die
euve, ob das Auto zuſammengefahren werden
fre. Die Antwort wird wohl das Gericht geben.
DDrei Kinder von einem Auto getötet.
Ii das Verkehrsauto der Firma Lichti Heilbronn
ian : Unfall dadurch, daß der linke vordere Steuer=
zeun
brach. Der Chauffeur konnte den Wagen nicht
m. halten und das Auto raſte gegen das Haus
MLandwirtes Auguſt Qued mitten in eine Schar
niner hinein, die dem Auto ausgewichen war und
mor dem Hauſe aufgeſtellt hatte. Hierbei wurden
wvierjähriges Mädchen und zwei Knaben ſofort
ſtart, während ein Kind am Alter von acht Jahren
gerr verletzt wurde.
Ländliche Einbrecher.
Ayaſſau. Im Dorfe Schweighauſen iſt dieſer
ge erneut ein Einbruch feſtgeſtellt worden, nach=
muvor
kurzem erſt zweimal an anderen Stellen ein=
nſg
ung ſind diesmal Schokoladen, Tabakwaren,
ümartikel und Lebensmittel geſtohlen worden.
ſſe in einem Weizenfeld nahe des Dorfes laſſen
ichrer verteilt wurde.

Deutſche Technik im Ausland.
Die modernſte Langwellenſtation der Welt.

Die neue Sendeſtation in Rom
iſt im Auftrage der italieniſchen Poſt von der Berliner Telefunken=Geſellſchaft mit den neuartig= mehrere Perſonen verletzt. Einige von ihnen haben
ſten Antennen und Maſchinenanlagen erbaut worden. Sie ſtellt die modernſte Langwellenſtation ſchwere Verletzungen davongetragen. In den wegen
der Welt dar und hat die ungefähre Größe und Stärke unſeres Nauener Senders.
Jubiläumsmedaille der Marburger Univerſität.

Kfte

Vorder= und Rückſeite der Medaille,
welche das preußiſche Miniſterium aus Anlaß der 400=Jahrfeier der Univerſität Marburg nach
dem Entwurf des Bildhauers Benno Elkan gießen läßt. Die Vorderſeite zeigt das Bild des
Univerſitätsgründers. Landgraf Philipp von Heſſen, die Rückſeite iſt die Anſicht von Marburg
mit dem Schloßberg.

Verkanntes Peitſchenknallen.
Engenhahn i. T. Kürzlich ging durch zahl=
reiche
Blätter eine Nachricht übe reinen nächtlichen
Raubüberfall auf die Inſaſſen eines Autos in der
Nähe von Engenhahn. Die eingeleiteten amtlichen
Ermittelungen haben jetzt eine eigenartige völlig
harmloſe Aufklärung gebracht. Die Gemeinde Engen=
hahn
hat ſehr unter der Wildſchweinplage zu leiden.
Um ſich dagegen zu ſchützen, ging man dazu über,
abends die Gemarkung abzugehen und ab und zu
kräftig mit der Peitſche zu knallen. An dem frag=
llick
ereignete ſich auf der Verbindungsſtraße von lichen Abend iſt das auch von zwei Ortseinwohnern
in der Nähe des angeblichen Ueberfalls geſchehen. Die
Inſaſſen des Autos haben wahrſcheinlich das Peit=
ſſich
hatte, ſtreiften ſich am Vorderrad. Dem ſchenknallen für Schüſſe gehalten, duckten ſich in dem
Wagen und fuhren in ſchnellem Tempo weiter.
Das Flugzeug im Dienſt der Seuchenbekämpfung.
Berlin. In den öſtlichen Provinzen Perſiens
iſt eine Cholera=Epidemie ausgebrochen zu deren Be=
kämpfung
die Regierung ſanitätspolizeiliche Maß=
nahmen
ergriffen hat. Die ſerobakteriologiſche Ab=
teilung
der J.=G. Farbeninduſtrie A.=G. in Höchſt
a. M. lieferte hierzu 100 000 Packungen Choleraimpf=
ſtoff
, die mit einem Flugzeug der Deutſchen Lufthanſa
von Frankfurt a. M. über Moskau direkt nach Te=
heran
befördert wurden, ſo daß innerhalb dreier
Tage der perſiſchen Bevölkerung die erforderlichen
Heilmittel zur Verfügung ſtanden. In der gleichen
Weiſe ſind ſeinerzeit bei dem Ausbruch der Typhus=
Epidemie die Impfſtoffe nach Hannover befördert
worden.
Großer Einbruch in Lüneburg.
Lüneburg. In der Nacht zum Samstag wurde
hier in einem Juweliergeſchäft ein ſchwerer Einbruch
verübt. Die Täter erbeuteten dabei, ſoweit bisher
feſtgeſtellt werden konnte, bares Geld und Goldwaren
im Werte von 60 000 Mark. Die Polizei ſtellte feſt,
daß gegen 2 Uhr nachts mehrere Perſonenkraftwagen
in raſender Fahr die Wilhelmsburg paſſierten. Hier
hatten die Polizeibeamten ein Hindernis aufgerichtet,
welches aber von dem Auto glatt überfahren wurde.
Trotz abgegebener Warnungsſchüſſe ſetzte das Auto
ſeine Fahrt fort. Es dürfte kaum ein Zweifel darüber
beſtehen, daß es ſich bei den Inſaſſen des Autos um
die Täter handelt.
Der Streit um die Knieende‟.
Duisburg. Trotz des Beſchluſſes der letzten
Ei tuttgart. Am Freitag abend erlitt in Möck= Stadtverordnetenverſammlung, daß Lehmbrucks
Plaſtik Die Knieende wieder im Tonhallengarten
aufgeſtellt werden ſoll, kommt die Diskuſſion darüber
nicht zur Ruhe. In der vergangenen Nacht wurde
von unbekannten Tätern auf dem Sockel im Ton=
hallengarten
eine Büſte Richard Wagners aufgeſtellt
und folgendes Plakat angebracht: Ein Vorſchlag
zum Frieden! Ehrt eure deutſchen Meiſter, dann
bannt ihr gute Geiſter; daß nie Wagners Ruhm in
Duisburg ſoll vergehn, möge er auf dem Sockel im
Garten der Tonkunſt ſtehen. Die Polizei hat die
Büſte und die Inſchrift entfernt.
Die Schäden der Ueberſchwemmungen in Indien.
London. Die letzten Meldungen aus dem
Ueberſchwemmungsgebiet in Indien ſprechen von
ſrchichen worden war. Aus einer Kolonialwaren= 2000 Häuſern, die in der Gegend von Kaira, und
von 800 Häuſern, die in Jamſhedpur zerſtört wur=
den
. 100 000 Stück Vieh ſollen in den Fluten umge=
kommen
ſein. Die Eiſenbahnlinie nach Madras iſt
uuf ſchließen, daß dort die Beute unter die Ein= unterbrochen, und man rechnet erſt in einem Monat
mit der Wiederaufnahme des Verkehrs.

Amerikaflugvorbereitungen
Koenneckes.
* Travemünde. Am Donnerstag wurden von
dem Atlantic=Flugzeug C. 32 des Fliegers Koennecke
über Travemünde wieder verſchiedene Flüge durch=
geführt
. Es fanden weitere Betriebsſtoffverbrauchs=
meſſungen
und Geſchwindigkeitskontrollen bei ver=
ſchiedenen
Belaſtungen ſtatt. Es iſt unbedingt not=
wendig
, daß bei dieſen dauernden Flügen in ſyſtema=
tiſcher
Kleinarbeit die Reſultate der Berechnungen
praktiſch überprüft werden. Mit größter Gründlich=
keit
werden gleichzeitig alle Teile des Flugzeuges
einer dauernden Prüfung unterzogen und es iſt hier=
durch
aus) gelungen, die Geſchwindigkeit des Flug=
zeuges
durch eine kleine Abänderung um zirka 5 Klm.
heraufzuſetzen, wobei gleichzeitig beſſere Kühlwirkung
erreicht wurde. Für einen langen Streckenflug von
je nach Wetterlage 40, 50 oder noch mehr Stunden
bedeutet eine Erhöhung von 5 Klm. ſchon eine
weſentliche Vergrößerung der Strecke. Die Flüge
haben weiter gute Leiſtungen des Flugzeuges und
einwandfreie Arbeiten des Junkers L. 5 Motors ge=
zeigt
. Mit der Anlieferung des endgültigen Motors,
eines Junkers Spezial L. 5, mit einer Spitzenleiſtung
von zirka 350 PS, wird Mitte Auguſt gerechnet. Mit
dieſem Motor wird noch eine Steigerung der
Leiſtung verknüpft ſein. Am Freitag abend ſollen die
Flüge fortgeſetzt werden und gleichzeitig ein anderer
Propeller ausprobiert werden. Außerdem wird die
Telefunken=Anlage abgeſtimmt und im Wechſelverkehr
mit einer Landſendeſtation ausprobiert werden. Wie
ſchon früher mitgeteilt, beſteht die Möglichkeit, ſowohl
zu telegraphieren als auch zu telephonieren. Es wird
natürlich größter Wert auf ſicheres Arbeiten der
F.=T.=Station gelegt, da nicht nur alle Wetterberichte
und ſonſtigen Nachrichten empfangen werden ſollen,
ſondern auch während des AtlantieFluges im
Wechſelverkehr mit den Dampfern durch Peilungen
von dieſen der jeweilige Standort des Flugzeuges kon=
trolliert
werden ſoll.
Auch Nachtflugverkehr in Holland.
DD. Amſterdam. Nach England und Deutſch=
land
ſoll nun auch der Flughafen von Amſterdam,
der einen ſehr wichtigen Kreuzungspunkt darſtellt,
für den Nachtverkehr eingerichtet werden. Am Mitt=
woch
abend iſt die Beleuchtung des Flugfeldes zum
erſtenmal erprobt worden. Die Beleuchtung, die, um
zweckmäßig zu ſein, möglichſt gleichmäßig und nicht
allzu grell ſein darf, beſteht aus acht Scheinwerfern,
die am Rand des Feldes aufgeſtellt ſind und aus der
Höhe geſehen als weißer Stern erſcheinen. Ein rot=
leuchtender
Pfeil gibt in der Nacht die Windrichtung
an. Die Einführung eines Nachtflugdienſtes in Hol=
land
iſt umſo intereſſanter, als die Nachtruhe hier
wie in keinem anderen Lande gewahrt wird und ſo=
gar
der Zugverkehr von 12 Uhr Mitternacht bis fünf
Uhr morgens meiſtens ruht.
Erdbeben in Japan.
Tokio. Das nordöſtliche Japan iſt von einem
Erdbeben hemgeſucht worden. Die Erderſchütterungen
ſind die heftigſten, die ſeit dreißig Jahren in dieſer
Gegend wahrgenommen worden ſind. Die Eiſenbahn=
und Telegraphenverbindungen ſind unterbrochen. In
Utſunomiva ſind mehrere Häuſer eingeſtürzt. Mehrere
Perſonen ſollen verletzt worden ſein. Die Erſchütte=

rungen wurden auch in Yokohama verſpürt.

Bomben=Attentate
in Amerika.
Exploſion in der New Jorker
Untergrundbahn.
NewYork. In der Nacht zum Samstag
kurz nach 12 Uhr erfolgten in der Untergrund=
bahn
vier verſchiedene Exploſionen, wodurch die
Bahnſteige und in mehreren Häuſerblocks auf
dem Broadway und den angrenzenden Ge=
ſchäftsvierteln
die Fenſterſcheiben zertrümmert
wurden. Unter den Gäſten verſchiedener ſehr
bekannter Hotels entſtand infolge der aufeinan=
der
folgenden Exploſionen große Erregung.
Zu den kurz nach Mitternacht erfolgten Bomben=
exploſionen
in vier New Yorker Untergrundbahn=
höfen
gibt die New Yorker Polizeibehörde bekannt:
Die Exploſionen ereigneten ſich ſämtlich im Zentrum
der Stadt zwiſchen der B. und 33. Straße. Die
Exploſion an der B. Straße war ſo heftig, daß am
Broadway die Fenſter in ſechs Häuſerblocks zertrüm=
mert
und in den in der Nähe gelegenen großen
Hotels vier Perſonen von den Stühlen geworfen
wurden. Auf den Untergrundbahnhöfen wurden
der Exploſionsgaſe angehaltenen Zügen brach ver=
ſchiedentlich
Panik aus.
Infolge der Exploſionen in New York wurden in
vielen Städten in Philadelphia beſondere Vorſichts=
maßnahmen
getroffen. Durch die Exploſionen auf den
Untergrundbahnhöfen wurde nicht nur der Unter=
grundbahnverkehr
unterbrochen, ſondern auch der
Straßenbahnverkehr. Der Broadway war in der
Kähe der Exploſionsſtelle mit Waren bedeckt. Sieben
Perſonen wurden hier verletzt. Die Polizei nahm
Abſperrungen vor, um Plünderungen der in Mit=
leidenſchaft
gezogenen Läden und Banken zu ver=
hüten
.
Bombenexploſion in Philadelphia
Bevor ſich die Aufregung über die Exploſio=
nen
auf der Untergrundbahn gelegt hatte, traf
hier aus Philadelphia die Meldung ein, daß
ſich eine neue furchtbare Exploſion ereignet
hatte. Dort hat ein unbekannter Täter eine
Bombe durch ein Fenſter einer Kirche geworfen.
Die Exploſion rief in den vornehmen Wohn=
vierteln
große Beſtürzung hervor.
Die Schutzmaßnahmen
in New York.
Die geſamten Polizeikräfte in Stärke von 14000
Mann ſind Samstag früh plötzlich zum Schutz der
öffentlichen Gebäude, Bahnſtationen, Muſeen und
Börſen mobiliſiert worden. Aehnliche Vorſichtsmaß=
nahmen
wurden auch in anderen Städten ergriffen.
Zwei Stationen an der Hauptſtrecke der Untergrund=
bahn
ſind durch Bombenanſchläge vollſtändig zerſtört.
Etwa 12 Verwundete ſind ins Krankenhaus überge=
führt
. Daß ſich verhältnismäßig wenig Unfälle zuge=
tragen
haben, iſt hauptſächlich darauf zurückzuführen,
daß die Beſucher der Theatervorſtellungen und ſon=
ſtigen
Darbietungen ſich noch nicht auf dem Heim=
wege
befanden. Am meiſten hat das Broadway ge=
litten
, wo die Fenſter der Hotels und Läden zer=
ſtört
und die Auslagen auf die Straße geſchleudert
wurden. Die Polizei umſtellte ſofort die in Mit=
leidenſchaft
gezogenen Häuſerviertel und ſuchte nach
Verdächtigen. Die Polizeimannſchaften, die erreich=
bar
waren, haben Befehl erhalten, bis auf weiteres
ununterbrochen im Dienſt zu bleiben. In Boſton
wurden wegen der allgemeinen Lage die Straßen=
bahnwagen
mit Doppelwachen beſetzt. Alle Staats=
gebäude
werden ebenfalls durch Doppelpoſten bewacht.
Die Polizei teilt mit, infolge der Heftigkeit der
Exploſion in dem Untergrundbahnhof an der Kreu=
zung
der 28. Straße und der Fourth Avenne wurden
anfänglich vier Exploſionen vermutet. Es ereigneten
ſich jedoch nur zwei Exploſionen, bei denen eine Per=
ſon
getötet und 12 verletzt wurden. Die Vermutung,
daß ſich weitere Exploſionen ereignet hätten, wurde
durch die allgemeine Verwirrung und die Panik ver=
urſacht
, die noch dadurch vermehrt wurde, daß in
zahlreichen Geſchäftsgebäuden die Einbruchsalarm=
glocken
durch die Erſchütterung in Tätigkeit geſetzt
wurden.
Bombenanſchlag auf das Bürgermeiſterhaus
in Baltimore.
Baltimore. Hier wurde am Samstag morgen
der Verſuch gemacht, das Haus des Bürgermeiſters
durch eine Bombe in die Luft zu ſprengen. Während
der Bürgermeiſter ſich gerade außerhalb der Stadt
aufhielt, befanden ſich ſeine Gattin, die Kinder und
andere Angehörige in dem Hauſe. Die Bombe ex=
plodierte
in der Nähe der Veranda, die zerſtörte.
Verletzt wurde niemand.
Zahlreiche Todesopfer der Cholera in Perſien.
Paris. Nach einer Meldung der Chicago Tri=
bune
aus Basra hat der Ausbruch der Cholera
unter den Eingeborenen=Angeſtellten der Anglo= Per=
ſian
=Oil=Company in Abadeh bisher 112 Opfer ge=
fordert
. Man hofft, eine weitere Ausbreitung der
Epidemie verhindern zu können.
Amerika will den deutſchen Dauerrekord
überbieten.
New York. Wie aus Port Nichmond (New
York) gemeldet wird, hat Bellanca, der Konſtrukteur
der Miß Columbia erklärt, die Pläne für den
Bau von zehn Flugzeugen, die mit verſchiedenen
Neuerungen ausgerüſtet ſein würden, ſeien bereits
in Arbeit. Er hoffe, daß Chamberlin mit einer dieſer
Maſchinen einen neuen Dauerflug unternehmen und
den Weltrekord wieder an ſich bringen werde. Zu
den Aeußerungen Chamberlins über den deutſchen
Nekord wird noch ergänzend gemeldet, daß ihn dieſer
Rekord nicht überraſcht habe, denn er habe bei ſeinem
Aufenthalt in Deutſchland viele leiſtungsfähige Flug=
zeuge
geſehen. Um den Rekord der Junkerswerke
wieder zu brechen, brauche er nur ein Bellanea=
Flugzeug. Die Columbia, die für den Ozeanflug
377 Gallonen Betriebsſtoff an Bord hatte, könne
dallonen mitnehmen und dann 60 bis 70 Stun=
den
in der Luft bleiben.

[ ][  ][ ]

Nummer 217

Sonntag, den T. Auguſſ

Die Kunſtſeidenerzeugung der Welt.
Die Kunſtſeidenfabrikation, einer der fümngſten Induſtriezweige der
Welt, der heute erſt auf eine etwas mehr als 30jährige Vergangenheit
zurückblicken kann, hat in dieſar relativ kurzen Zeitſpanne eine beiſpiel=
loſe
Entwicklung genommen. Einen guten Ueberblick gab das der Welt=
wirtſchaftskonferenz
im Mai dieſes Jahres unterbreitete Memorandum
über die Kunſtſeideninduſtrie, deſſen ſtatiſtiſches Material im weſentlichen
von italieniſcher Seite ſtammt, an dem jedoch neben Italien, Deutſch=
land
, Frankreich und Polen mitgearbeitet haben. Die Geburt der
Kunſtſeidenfabrikation wird in das Jahr 1896 verlegt. Damals betrug
die Weltproduktion etwa 600 000 Kilo. Bis zum Ausbruch des Krieges
bis zum Jahre 1913 hatte ſich die Welterzeugung der Kunſtſeide
bereits auf 11 Millionen Kilogramm gehoben. 1918 waren es 16 Mill.
Kilo, und nach Beendigung des Kriegs ſetzte dann jener gewaltige Auf=
ſchwung
ein, der bis zum vergangenen Jahre (1926) die Kunſtſeiden=
erzeugung
auf 100 Millionen Kilo anſchwellem ließ. Schätzungen von
amerikaniſcher Seite, die jedoch mit Vorſicht zu genießen ſind, beziffern
die diesjährige Produktion auf etwa 150 Millionen Kilo.
Einem Ueberblick des Konfektionär üüber den Anteil der wichtigſten
Erzeugungsländer an der Kumſtſeidenproduktion, und zwar für die letz=
ten
drei Jahre (19241926), zufolge ſtehen heute am erſter Stelle die
Vereinigtem Staaten mit 28 Prozent der Welterzeugung. Es folgen
Italien mit 17 Prozent, Deutſchland mit 13 Prozent, Großbritannien
mit 12 Prozent, Frankreich mit 9 Prozent und Holland mit 6,5 Prozent.
Insgeſamt umfaſſen die verzeichneten ſechs Länder wehr als 85 Prozent
der geſamten Welterzeugung. Eine nähere Betrachtung zeigt, wie Ita=
lien
in den letztem beiden Jahren von dem vierden an den zweiten Platz
aufgerückt iſt und damt Deutſchland und England hinter ſich gelaſſen
hat. England wurde im vergangenen Jahre auch von Deutſchland über=
flügelt
, das gegenwärtig den dritten Platz einnimmt.
Folgende Tabelle gibt einen detaillierten Ueberblick übav die Kunſt=
ſeidenerzeugung
der Welt, mach Ländern gruppiert, im Vergleich mit der
Vorkriegszeit:

1918 1924 1925 1926 (in Millionem Kilo) 1. Vereinigte Staaten .. 0,70 170 B,5 28,0 2. Italien
3. Deutſchland 0.15 80 140 17,0 3,50 10,5 120 13.0 4. England. 30 110 120 12,0 5. Frankreich . 1,50 6,0 8,0 9,0 Holland . .. 20 4,0 6,5 Belgien .. 1,30 4,0 50 5,0 Schweiz .. 0.15 2,0 2,5 3,0 Japan . .. 0,6 0,7 2,5 Polen . 0,8 10 12 Oeſterveich . . ..
12. Tſchechoflowakei". 0,70 10 1,5 1.0 06. 98 10- 1100 63,5 850 99,2 Andere Länder", 96 95 0,8 Total: 1100 64,0 85,5 1000

Da es keine offizielle Statiſtik der Kumnſtſeidenproduktion gibt und
die private Publizität in einzelnen Ländern ſehr zu wüſchen übrig läßt,
iſt man zum Teil auf Schätzungen angewieſen. Die oben mitgeteilten
Ziffern haben nur aproximativen Charakter. Sie baſieren jedoch auf der
ſehr ſorgfältig gewachtem Statiſtik des italieniſchen Kunſtſeidenverbandes,
des Aſſociazione Nazionale Italiang Seta Artificiale‟. Dieſe italieni=
ſchen
Ziffern, die für die Zeit bis 1925 auch in dem oben erwähnten
Memorandum der Weltwirtſchaftskonferenz enthalten ſind, ſind von eng=
liſcher
Seite angegriffen worden. Die Unterſchiede zwiſchen der engli=
ſchen
und der italieniſchen Statiſtik ſind jedoch ſehr gering. So beziffert
zum Beiſpiel die Times (Sondernummer für Kunſtſeide vom 2. April
1927) die Kunſtſeidenproduktion für 1926 auf 219 400 000 Ibs. gleich 99,6
Millionen Kilogramm gegenüber 100 Millionen Kilogramm der italieni=
ſchen
Statiſtik, und für 1925 auf 187 500 000 Ibs, gleich 85,1 Mill. Kilo
gegenüber 85,5 Mill. Kilo nach italieniſcher Berechnung. Größer ſind die
Unterſchiede bei den Vorkriegsziffern, wofür es jedoch heute ſehr ſchwer
iſt, exakte Unterlagen zu bekommen. Die Kunſtſeidenerzeugung der Welt
hat nach der Depreſſion des Jahres 1926 und den darauf folgenden
internationalen Kapitalverflechtungen im laufenden Jahr einen neuen
Aufſchwung genommen.
Produktenberichte.
Berliner Probuktenbericht vom 6. Auguf. Die heutige Samstags=
börſe
wies nur ſehr geringen Beſuch auf und der Geſchäftsverkehr war
ruhig zu nennen. Das Angebot von Neuweizen iſt immer noch nicht
ſtärker geworden. Die Ermäßigung der Auslandsofferten hatte wieder
einen leichten Preisrückgang zur Folge. Auslandsweizen begegnet wei=
ter
nur in geringerem Partien einigem Intereſſe. Neuroggen iſt in
ſofort verladbarer Ware immer noch reichlicher offeriert und nur zu
geringerem Preiſe als geſtern unterzubringen. Auguſt= und September=
lieferung
wird auf Baſis der Oktoberlieferungspreiſe geſucht. Das Ma=
terial
iſt aber knapp. Weizen= und Roggenmehl haben für ſofortige
Lieferung weiter einiges Konſumgeſchäft. Herbſtlieferung wieder nach=
läſſig
. Wintergerſte war auch heute geſucht und im Preiſe eher gehalten.
Das Sommergerſtegeſchäft iſt immer noch nicht voll im Gange. Neu=
hafer
vereinzelt angeboten, aber zu Preiſen, die hier noch nicht zu holen
ſind. Althafer nur vereinzelt billiger offeriert, fand aber kaum Be=
achtung
.
Vom ſübbeutſchen Tabakmarkt. Nunmehr liegen auch aus dem
badiſchen Oberland Nachrichten vor, wonach hürzliche Gewitter und
Hagelſchlag dia Tabakkulturen ſtark geſchädigt haben. Im ſogenannten
Hanauer Land, in der Gegend von Willſtädt und Kork ſind ganze
Tabakfelder zerſchlagen worden. In der Pfalz wird eine gute
Durchſchnittsernte erwartet, die namentlich in der Landquer Gegend
befriedigend ausfallen dürfte.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
Chicago, 6. Auguſt.
Weizen: Zum Wochenſchluß tendierte der Weizenmarkt über=
wiegend
ſchwach, was auf die günſtigen amerikaniſchen und kanadiſchen
Berichte über den Stand des Sommerweizens und die Vorausſagen guten
Wetters über das Wochenende zurückzuführen war. Die Exporttätigkeit
hat an Umfang abgenommen. Später vermochte ſich im Einklang mit
der ſtetigen Haltung in Mimweapolis und Winnipeg eine teilweiſe Er=
holung
durchzuſetzen.
Die Maispreife hatten mter Realiſationen der Kommiſſionäre zu
leiden. Die Vorausſage wohltuender Regenfälle in Miſſouri, Jowa und
Illinois wirkten verſtimmend. Im Verlaufe griff jedoch unter Deckun=
gen
eine Erholung Platz, da die lebhaftere Nachfrage nach Lokoware und
die Abnahme der Vorräte von ſtimulierendem Einfluß waren.
Hafer: Giinſtige Erntenachrichten ließen auch am Hafermarkt zu=
nächſt
das Angebot überwiegen. Später trat aber gleichfalls eine Re=
aktion
ein, da die gebeſſerte Lokofrage belebend wirkte.
Baumwplle: Angeſichts des am Montag fälligen Regierungsberichts
herrſchte am Baumwollmarkt zunächſt äußerſt ſtarke Nervoſität. Die un=
ſichere
Haltung der Fondsbörſe ſowie die günſtiger lautenden Felder=
ſtandsberichte
löſten Liquidationen aus, die einen leichten Preisrückgang
herbeiführten. Deckungen brachten jedoch im Verlaufe die erlittenen
Kursverluſte wieder ein.
Es notterten nach Meldungen aus Chicago am 6. Aug.:
Getreide: Weizen, Sept. 137½, Dez. 141½, März 144½;
Mais, Sept. 1092ſ, März 1141/; Hafer Sept. 47/, Dez. 502/s,
März 53; Roggen, Sept. 91½, Dez. 95½, März 987/.
Schmalz: Sept. 12,37½, Okt. 12,50, Jan. 12,65.
Fleiſch: Rippen, Sept. 11,75, Okt. 11,65, Jan. 12,50; Speck
loco 12,00; leichte Schweine 9,7511,00, ſchwere Schweine 8,75
bis 10,00; Schweinezufuhr Chicago 3000, Weſten 30000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 6. Aug.:
Getreide: Weizen Nr. 2 rot 1472/=, hart 1507/: Mais neu ank.
Ernte 1182/e: Mehl ſpring wheat clears 6,757,00; Fracht nach
England 1,62,6 nach Kontinent 710.
Schmalz: Prima Weſtern loco 12,95; Talg extra Fls.
Die Kakao=Notierungen fallen Samstags aus.

Die deutſche Konkurswelle.
Krieg und Inflation verſchleiern die wirt=
ſchaftlichen
Zuſammenbrüche.

Die Konkurstabelle 19141926
des Statiſſchen Reichsamts zeigt, daß die böſeſten Jahre keineswegs
die ungünſtigſten Konkurszahlen aufweiſen. In den Kriegsjahren hat
das Moratorium, in den Inflationsjahren die Entwertung des Geldes
und die hierdurch bewirkte Entwertnug der Schulden die Lage der not=
leidenden
Unternehmer erleichtert,
Handel und Gewerbe im Juli.
Das Geſamtbild der Wirtſchaftslage im Monat Juli weiſt gegenüber
den Vormonaten keine weſentlichen Aenderungen auf. Die gute Be=
ſchäftigung
, insbeſondere des Baugewerbes und der Eiſen= Stahl=,
Maſchinen= und elektrotechniſchen Induſtrie, hält an. Ueber die Preis=
geſtaltung
wird jedoch vielfach geklagt. Die Zahl der Unterſtützungs=
empfänger
hat im Juli eine weitere Senkung erfahren. Die Belebung
des Inlandmarktes, beſonders des Baumarktes, hat daran neben den
durch die Jahreszeit bedingten Schwankungen den Hauptteil. Der Aus=
landsmarkt
iſt infolge des Drucks auf die Preiſe und der Schwierigkeit
der Abſatzverhältniſſe, welche durch die noch immer in vielen Ländern
beſtehenden hohen Schutzzölle bedingt ſind, im allgemeinen wenig befrie=
digend
. Dia Lage des Ruhrbergbaues weiſt gegenüber dem Vormonat
keine größeren Veränderungen auf. Der Kohlenmarkt wird dadurch
gekennzeichnet, daß der Inlandsabſatz an Kohle eine geringe Steigerung
aufweiſt, der Auslandsabſatz dagegen eine rückläufige Tendenz zeigt.
Die gedrückten Preiſe auf dem engliſchen Kohlenmarkt machen ſich immer
mehr bemerkbar. Die Marktlage für oberſchleſiſche Steinkohlen hat ſich
auch im Juli güinſtig geſtaltet. In der rheiniſchen Braunkohleninduſtrie
blieb die Nachfrage nach Braunkohlenbriketts ſo rege, daß ſie nicht
immer voll befriedigt werden konnte. Im mitteldeutſchen Braunkohlen=
bergbau
iſt dagegen eher ein Rückgang zu verzeichnen. Während zu
Anfang des Monats die Beſchäftigung in der Kalinduſtrie einigermaßen

arbeitenden Induſtrie auf dem Inlandsmarkt hat in vielen Erzeugniſſen
nachgelaſſen. Die leichte Beſchäftigung auf dem Auslandsmarkt iſt ſpäter
wieder verloren gegangen. Auf dem Roheiſenmarkt war der Inlands=
abſatz
gegenüber den Vormonaten underändert. Das Auslandsgeſchäft
war jedoch weiterhin ungünſtig. Die Geſchäftslage der Maſchineninduſtrie
zeigte trotz der üblichen Geſchäftsſtille in den Sommermonaten eine
ruhige Weiterentwicklung. Die wirtſchaftliche Lage der chemiſchen In=
duſtrie
iſt trotz leichter Schwankungen im Auftragseingang und Be=
ſchäftigungsgrad
als befriedigend zu beßeichmen. In der elektrotechniſchen
Induſtrie iſt der Geſchäftsgang im Inland aber unſicher. Auch in der
Automobilinduſtrie hat ſich die allgemeine Geſchäftslage ſeit dem letzten
Monat nicht geändert.
Viehmärkte.
Dem Schweinemarkt zu Weinheim a. b. B. am 6. Auguſt waren zu=
geführt
528 Schweine. Verkauft wurden 404 Stück. Milchſchweine wur=
den
verkauft das Stück zu 510 Mark, Läufer das Stück zu 1530 Mk.
Kleine Wirtſchafts=Nachrichten.
Wie wir erfahren, beſtätigt das Rheiniſch=Weſtfäliſche Kohlenſyndikat
die vorbereitenden Beſprechungen mit der belgiſchen Regierung über An=
rechnung
von Kohlen= und Kokslieferungen auf Reparationskonto.
Der Monatsausweis der ſchwediſchen Reichsbank für den Monat Juli
19m7 zeigt einen Metallbeſtand von 227 832 975 Kronen.
Zu dem Streitfall Adlerwerke gegen Reichsverband der Automobil=
induſtrie
, teilt nunmehr dieſe Geſellſchaft mit, daß ſie ſich im Verlaufe
einer vom Reichsverband der Automobilinduſtrie herbeigeführten Be=
ſprechung
im Intereſſe der geſamten deutſchen Automobilinduſtrie bereit=
gefunden
habe, gegen Abgabe einer öffentlichen Erklärung die Klage zu=
rlickzunehmen
.
Die Wahß u. Freytag A.=G. in Frankfurt am Main hat bei dem
Wettbewerb für die Hochzoll=Lechbrücke in Augsburg vom Staatlichen
Flußbauamt Augsburg den Zuſchlag für die Ausführung erhalten. Es
handelt ſich dabei um ein Obfekt von zirka 700 000 RM.
Die belgiſchen Kohlenpreiſe haben für Auguſt eine leichte Preisher=
abſetzung
erfahren, die für Induſtriekohle 5 Fr. beträgt. Die Haus=
brandkohle
=Abſchwächung wurde wegen beſſerer Nachfrage jedoch um
10 Fr. pro Tonne heraufgeſetzt, was mit dem Entfall der Saiſonver=
gütungen
zuſammenhängt.
In der Frage der Auftragsbegebung für die Amortiſierung des
Pariſer Telephonnetzes liegt nunmehr die Entſcheidung vor. Wohl ſind
die Aufträge für ſämtliche Arbeiten, deren Durchführung mehrere Mil=
lionen
Dollar erfordert, bisher noch nicht vergeben worden, doch wurde
der erſte Auftrag für die Ausführung von 48 000 Telephonanſchlüſſen
an die International Telephon und Telegraph Co. in New York erteilt.
Nach offiziellen Angaben ſtellte ſich die däniſche Einfuhr im Monat
Juni auf 136 003.000 Kronen und die Ausfuhr auf 140 011 G0 Kronen,
einſchließlich 7 521 000 Kr. Reexport. Es hat ſich alſo für Juni ein
Exportüberſchuß von 4 (08000 Kr. ergeben gegenüber einen Import=
überſchuß
von 5 062000 Kronen im Juni v. Js.
Mit einem Kapital von 500 000 Lſtrl. wurde in England die Capital
and National Truſt, Ltd., ins Leben gerufen, deren Tätigkeitsbereich ſich
auf das Inveſtierungs=, Anleihe= und Agenturgeſchäft erſtrecken wird.
Aus Moskau wird gemeldet, daß zwiſchem der Sowjetregierung und
der lettiſchen Regierung eine prinzipielle Verſtändigung über ein ruſſiſch=
lettiſches
Abkommen betr. die Flachsausfuhr erzielt worden ſei.
Wie der Adeverul meldet, wird Finanzminiſter Bratianu, der
Bruder des Miniſterpräſidenten, gelegentlich ſeiner Auslandsreiſe auch
die Anleihefrage in Paris und London beſprechen. Zu einem Abſchluß
werde es allerdings nur dann kommen, wenn das Ausland nicht etwa
wegen des Todes des Königs Ferdinand höhere Zinſen fordere als bisher.
In Budapeſt iſt die Elektrizitäts=Lieferungs A.=G. für die ungariſche
Tiefebene gegründet worden mit einem Kapital von 1 Million Pengoe.
Der Zweck der Geſellſchaft iſt die Verſorgung mit elektriſchem Strom.
Ausländiſches Kapital iſt maßgebend beteiligt.

Sun jarvrilſchen Pruoanienartn.
Im Zuſammenhang mit dem jetzt knapper werdenden argentiniſchem
Angeboten war das Geſchäft am Weizenmarkt lebhafter. Die ſüddeut= Mühlen hatten infolge der langen Einkaufspauſe des Mehlkonſumss
Getreide nur mäßig vorgekauft und waren genötigt, wieder als Käufern
einzugreifen, aber auch die belgiſchen und holländiſchen Mühlen warem
in dieſer Woche als Käufer für Weizen aufgetreten, der in den euro= Seehäfen angekommen iſt. Gehandelt wurde Plata=Weizem
namentlich Baruſo, Maril und Roſa und von amerikaniſchen Her= Red Winter II, Hardwinter I, Kanſas II und Manitoba IIII.,
Für Inlandsweizen hat ſich ein mäßiges Geſchäft noch nicht entwickelt:
die Verbraucher wollen ſich erſt ein klares Bild über die Beſchaffen=
heiten
machen. Für pfälziſchen Weizen wurden RM. 283,5 dier
100 Kg., franko Mühle, genannt. Auch in inländiſchem Roggen bliebs
das Geſchäft ſehr klein; vorderpfälziſche Ware wurde zu RM. 24,B5
bis 24,50 umgeſetzt. Auslandsroggen gut behauptet bei RM. 24,5 biss
25 die 100 Kg. Soweit Umſätze in neuer Gerſte ſtattfanden, hatten ſie=
nur
minimalen Umfang, weil die Käufen ſtarke Zurüickhaltung be=
kunden
. Sie bieten, je nach Beſchaffenheit, RM. 2526, franko Mann=
heim
, wogegen die Verkäufer RM. 27 und mehr ab Station fordern.
In der Beſchaffenheit iſt diesjährige pfälziſche Gerſte wieder befriedigend.
in der Farbe jedoch nicht ganz ſo hell wie im vergangenen Jahre aus=, beſſer geraten als im Vorjahre ſind dagegen badiſche und
heſſiſche Gerſten. Futtergerſte ging zu RM. 2324, Auslandshafm
zu RM. 22,7523,50 um, Mais hatte unverändert ruhigen Markt. Da3
Weizenmehlgeſchäft, in dem ſich hin und wieder Preisunterbietungen
zöigten, iſt ſchleppend, das Roggenmehlgeſchäft ruhiger als in der Vor=
woche
geworden. Die Entwicklung im letztgenannten Geſchäftszweig geſt
auf das reine Markengeſchäft hin, was den Verkauf weniger bekannter
Marken immer mehr erſchwert. Gegenüher einer Forderung der ſü=
deutſchen
Mühlen von RM. 39,50 für ihr Weizenmehl. Spezial 0 M
der Niederrhein zu RM. 39,25 franko Mannheim an, für Novemlr
Dezember=Lieferung zu RM. 38,75. 60proz. ſüddeutſches Roggenm
koſtete RM. 34,5, 70proz. RM. 34 für September=Oktoberlieferm
norddeutſches 7der RM. 32,5. Prompte Mühlenfabrikate ſtann
weiter in Nachfrage. Umgeſetzt wurden namentlich Nachmehle ſüidden
ſcher Herkunft in größeren Poſten zu RM. 2323,5 und in nieden
rheiniſcher Herkunft zu RM. 2233. Für Futtermehl wurden RM.
17. Kleie 13, Maisſchrot 20,520,75 verlangt. Auch blhaltige Futten
kuchen blieben geſucht und konnten gegenüben der Vorwoche einen
kleinen Preisaufſchlag erzielen. Raps neuer Ernte koſtete RM. 35 de
100 Kg. frei Mannheim.
Der Hopfen nähert ſich ſeiner Reife, in etwa 8 Tagen wird auch ſt
Walldorf in Baden die Ernte des Früthhopfens beginnen. Es ſind alle
Ausſichten vorhanden für eine reichliche Ernte von guter Qualität, weil
das zwiſchen ſommerlicher Hitze und Regenſchauern abwechſelnde Wetter
die Pflanzen ſehr begünſtigte. Umſätze in altem Hopfen ſind nicht er
folgt.
Wirtſchaftliche Rundſchau.

Frankfurter Freiverkehrsbörſe vom 6. Auguſt. Im Effektenverkehr
von Büro zu Büro war heute keinerlei Geſchäftstätigkeit zu verzeichnen.
Die nur geſprochenen Kurſe lagem zur Abendbörſe etwas freundlicher.
Farbeninduſtrie 317,5318; Siemens u. Halske 290. Auch am Deviſen=
markt
keinerlei Geſchäftstätigbeit.
Berliner Freiverkehrsbörſe vom 6. Auaufk. Der Berliner Börſen=
verkehr
von Büro zu Büro ruhte auch heute vollſtändig. Die Eleichte=
rung
am Geldmarkt macht weitere Fortſchritte, doch ſind die Geldſätz=
heute
noch unverändert. In Frankfurt und Hamburg hörte man im
Verkehr von Büro zu Büvo etwas freundlichere Kurſe, ſoweit ſolche
ütberhaupt genannt wurden. J. G. Farben in Hamburg 317318; M
Frankfurt 317,5318; Siemens in Frankfurt 219; in Hamburg höne
man noch Mannesmann mit 184185 und Paketfahrt weiter leichtb=
feſtigt
mit 152. Der Deviſenmarkt iſt in Frankfurt und Hambun /
ſchäftslos und unverändert.

Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 8. Auguſt und im Monat=
durchſchnitt
Juli 1927. Die auf den Stichtag des 3. Auguſt berechnete
Großhandelsindexziffer des Statiſtiſchen Reichsamtes iſt gegenüber der
Vorwoche um 0,6 vom Hundert auf 137,2 zurückgegangen. Im Monats=
durchſchnitt
Juli iſt die Geſamtindexziffer gegenüber dem Vormonat um
0,2 vom Hundert auf 137,6 zurückgegangen.
Metallwerke Knodt A.,G. Frankfurt a. M. Im Geſchäftsbericht
der zum Tellus=Konzern gehörenden Geſellſchaft wird ausgeführt, daß
in den erſten 6 Monaten die Beſchäftigung unzureichend gewweſen ſen,
ſo daß verkürzt gearbeitet werden mußte. Von der Reichsbahn ſeien
wiederum nur geringe Aufträge erteilt worden. Im zweiten Halbjahl
habe ſich erſt der Auftragseingang gebeſſert, ſo daß wieder voll ge=
arbeitet
werden konnte. Der Reingewinn beträgt nach 51 628 (80 059
RM. Abſchreibungen 1650 2048) RM., ſo daß die Geſellſchaft wieder
dividendenlos bleibt. In der Bilanz erſcheinen bei 500 000 RM. AB.
262 521 (190 476) RM. Verbindlichkeiten, gegenüber 213 779 (144 06)
RM. Außenſtänden. Warenvorräte ſtehen mit 347 164 (327 170) Rl,
Grundſtücke und Häuſer mit 115 000 (115 000), Betriebsanlagen 150 40
(147 330) RM. zu Buch. Der Auftragseingang im neuen Geſchäftsiche
ſei bis jetzt zufriedenſtellend und erlaube eine weſentliche Erhöhung
des Umſatzes, ſodaß die Geſellſchaft hofft, die Dividendenzahlung wiedel
aufnehmen zu können.

Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen Berechnungen
wurden in der Zeit vom 24. bis 30. Juli im Ruhrgebiet in ſechs Arbein=
tagen
2 174 868 Tonnen Kohle gefördert gegen 2 229 080 Tonnen in de.
vorhergehenden Woche, ebenfalls in ſechs Arbeitstagen. Die Kokserzen
gung ſtellte ſich in dem 7 Tagen der Berichtswoche auf 512 325 Tonn
gegen 516 443 Tonnen in der vorherigen Woche, die Preßkohlenherie
lung auf 59 955 Tonnen gegen 66 816 Tonnen in 6 Arbeitstagen. 2
arbeitstägliche Kohlenförderung beträgt vom 24. bis 30. Juli 3629
Tonnen gegen 371 530 Tonnen in der vorhergehendem Woche. Die V
liche Kokserzeugung ſtellte ſich auf 73 189 (73 778) Tonnen, die arbok
tägliche Preßkohlenherſtellung auf 9993 (11 136) Tonnen. Die
der wegen Abſatzmangels eingelegten Feierſchichtem ſtellt ſich auf 669
(arbeitstäglich 11 054) gegen 37 061 (6 177) in der vorhergehendem Woch=
Abſchluß der Weſtharzſperren=Anleihe. Die amerikaniſche Anleihe
die von der Provinz Hannover zum Zwecke der Erbauung der /Weſthanf
ſperre in Höhe von 1 Million Dollar aufgenommen wurde, iſt jetzt abge
ſchloſſen worden. Die Anleihe wird durch das Bankhaus Lee Higgie
ſon u. Co., New York=Boſton, in der nächſten Woche aufgelegt werden,
Die Verhandlungen ſind durch das Londoner Haus Higginſon u. Ec=
geführt
worden. Die vom ſechſten Jahre ab zu amortiſierende Anlel9
iſt mit 6 Prozent vezinslich. Ihre Laufzeit beträgt 30 Jahre, Rückzun
lungsmöglichkeit nach ſünf Jahren zu 102 Prozent bzw. vom zehſiee
Jahre an zu pari. Die Auszahlungsquote beträgt 912), Prozent.

Die Konvertierung der Pfund=Schuld der Berndorfer Kruppwerte
Der Verwaltung der Berndorfer Kruppwerke iſt es nach längeren De‟
handlungen nunmehr gelungen, ihren bei der Londoner Hambros=Grupe.
unterhaltenen Kredit in der Höhe von 400 00 Pfund unter günſtige‟
Bedingungen zu konvertieren. Die neue Anleihe, die die Geſellſchal.
bei einem führenden ausländiſchen Finanzinſtitut kontrahiert hat, lamie
auf zwei Jahre und iſt mit 7 Prozent verzinslich, was gegenüber de‟
bisherigen Verzinſung von 10 Prozent eine weſentliche Entlaſtung de
Zinſendienſtes bedeutet. Infolge dieſer günſtigen Konvertierung L"
Pfundſchuld nimmt die Verwaltung der Berndorfer Kruppwerke M
der urſprünglich geblanten Aufnahme einer Obligationsanleihe Abſtau
Der deutſch=ſaarländiſche Handel im erſten Halbjahr 1927. 2
ſaarländiſche Ausfuhr nach Deutſchland betrug im erſten Halbiag
dieſes Jahres 11989221 Dz., während die Einfuhr aus Deutſchlal
ſich auf 4 386 255 Dz. ſtellte. An der Ausfuhr nach Deutſchland ſie
a. beteiligt: Die Eiſeninduſtrie mit 4,9 Mill. Dz., die Minent
induſtrig (und Rohſteffe) mit 5,6 Mill. Dz., die Ton= und Giſe
induſtrie mit 473 672 Dz. uſw. An der Einfuhr aus Deutſchland "
Mineralinduſtrie (inel. foſſile Rohſtoffe) mit 2,9 Mill. Dz., die Sile
induſtrie mit 246 547 Dz., forſt= und landwirtſchaftliche Erzeugnilſe
mit 845 499 Dz., die Maſchineninduſtrie mit 9985 Dz. An Ko9‟‟
allein gingen 5,1 Mill. Dz. nach Deutſchland und 302 232 Dz. an Neb.
produkten (Teer uſw) an Thomasmehl 772 350 Dz Aus Deutſchta
kamen 879 795 Dz. Kohle, 302 497 Dz. Koks, an Briketts 167 310 27
und an Eiſenerzen 630 230 Dz. Die Eiſenausfuhr zerfällt ewwa. "
folgt: 1 073 669 Dz. Formeiſen, 1 055 443 Dz. Eiſenbahnmaterial, ZhNe
Dz. Träger, 411 382 Dz. Bandeiſen, 390 792 Dz. Bleche, 367 494 P
Draht, 285 874 Dz. rohe Luppen und 132 437 Dz. Roheiſen.

[ ][  ][ ]

Iummer z2

Aus dem Skizzenbuch eines fahrenden Künſtlers
Von Egon Friedrich Aders

Irgendwo im äſthetiſchen Halbdunkel eines literariſchen
Feinſchmeckerblättchens las ich einmal ein amüſantes Ge=
dichtchen
, das von der Enttäuſchung des Verfaſſers han=
delte
, als er einen hochberühmten und verehrten Dichter
endlich von Angeſicht zu Angeſicht kennen lernt: der
Eſel ſieht ja grad’ ſo aus wie ich . . .?! Es lag in dem
ſprachkünſtleriſch ſaloppen und ſchnurrigen Verslein eine

Chomas Mann

tiefe, halb humorige, halb ſchmerzliche Weisheit. Ich hab
es im Sinn behalten, rührt es doch an einen Erlebniskom=
plex
von ganz beſonderer Art. Nicht leicht ergibt ſich eine
ſo griffeſte Handhabe, unſere Einſichten zu bilanzieren, die
Jſobaren unſerer ſeeliſchen Bewegungen aufzudecken und
die Magnetnadel zu befragen, die uns, vom Wirbelſturm des
Intellektualismus Verſchlagenen, den ſicheren Norden an=
zeigt
. . . Das Perſönliche iſt gemein, ſagte Soſef Pon=
ten
, als darauf die Nede kam. Er dachte an die unedle
Verkleinerungsſucht, die hämiſche Voreingenommenheit, den
gedankenzeugenden Wunſch, demzufolge vor ſeinem Kam=
merdiener
niemand ein Held bleibt."
Das Perſönliche iſt unſere letzte Planke. Wir ſind zu
klug geworden für Erkenntnis. Alle erdenklichen Möglich=
keiten
ſind durchexperimentiert. Alle Cerminologien ver=
manſcht
. Alle Wertungsmäßſtabe abgenutzt. Menſchen
menſchlich zu ſehen dieſe letzte Unmittelbarkeit, Auge in
Auge das Nunenmal verſchütteter Urſprünglichkeiten zu
enträtſeln: dies iſt Neſervat der Sachlichen geblieben. Das
Perſönliche iſt nicht gemein. Es iſt die letzte und feinſte
Sachlichkeit.
Die Erſchütterungen zweier Jahrzehnte haben dichteriſche
Entwicklungskurven abgebogen. Die Frühwerke von Cho=
mas
und Heinrich Mann bedeuteten Inbegriff der
Dichtung und zündenden Pulsſchlag des Gegenwärtigen, als
man ſich den Nuhm dieſer Namen zuraunte wie ein Loſungs=
wort
unter Eingeweihten. Nun ein zauberlos lauter Nuhm
wetteifern muß mit dem Star
Mizzi Pizzi, dem Negerboxer
und dem Kanalſchwimmer, hat
Noutine und Häufung Koſt=
bares
zerſtört. Da führt der
eigene Schickſalsweg unver=
hofft
und abſichtslos nach
München in die Bogenhauſener
Villa, wo ein ſtaatsbürgerlich
konkreter Exiſtenzkomplex den
einſtigen Muthos Chomas
Mann repräſentiert.
Was könnte es Aufſchluß=
reicheres
geben! Wer wollte da
wohl mit empfindſamen, romanti=
ſierenden
Suggeſtivvorſtellungen
die reine Sachlichkeit der Im-
preſſionen
ſtören? Ciefgekühlte
Gelaſſenheit des Aufalles= Heinrich Mann
gefaßtſeins verbürgt exaktes
Arbeiten des ſeeliſchen Seismographen. Vom Schreibtiſch
erhebt ſich mit ruckhafter Munterkeit ein höflicher und
herzlicher Mann, in dem man etwa einen Bankbeamten in
gehobener Stellung vermuten würde. Iſt dies die Conio=
Kröger=Maske, jene ſtolze und keuſche Vermummung, die

den Geiſt und die Abſeitigkeit verleugnet, weil ſie, allzu
ernſthaft und ſchickſalsvoll darin verſtrickt, eitle und auf=
trumpfende
Attribute verſchmäht? Dann müßte eine
Ahnung verſchwiegener Untiefen dieſe Gewandtheit würzen
und Atmoſphäre ſchaffen. Des verſpürt man keinen
Hauch. Die Würde und Haltung, von der im Werke wieder,
noch und immer wieder und abermals die Haltung geht, hat
im eigenen Leben hanſeatiſch patriziſche Diſtinktionen
nicht zu bewahren, burgeoishafte Konvention nicht zu ver=
meiden
, entſchloſſennen neuzeitlichen Geiſt nicht zu erreichen
vermocht. Die Schlacken des Allzumenſchlichen ſind ohne
intereſſanten Akzent. Unbeholfenheiten, welche die Munter=
keit
des Sichermannens nicht auszumerzen vermochte, ent=
behren
der Anmut des Unbewußten, Ueberlegenheit fehlt,
und der ganze desilluſionierende Dualismus tut ſich auf
zwiſchen Anenſch und Künſtler. Erſt wenn man, entſchloſſenen
Glaubens voll, in der uneitlen Hilfloſigkeit dieſes Nepräſen=
tierens
eine Erſcheinungsform liebenswürdiger Weltfremd=
heit
ſehen will, ſchließt ſich das Bild des Dichters in etwas
wieder zur Geſamtperſönlichkeit.
Dieſe Weltfremdheit wäre es dann, die ein Gemein=
ſames
zwiſchen den Brüdern aufzeigte. Doch findet ſie ſich
bei Heinrich in einfacherer und naiverer Form. Er iſt,
obwohl von männlicherem und herrenhafterem Cypus als
Chomas, doch im Grunde mehr zartgegliederter Künſtler=
menſch
, anormaleres, unbürgerlicheres Geiſtgeſchöpf als
jener. Eine tiefe Schüchternheit, die jeder, auch der ſim=
pelſten
, dinglichen Nealität gegenüber das Gefühl des Illegi=
imen
und Unzugehörigen hat, macht ihn zum diſtinguierten
Schweiger und verleiht ihm die Anmut einer vielſagenden
Höflichkeit. Er hat das Exterieur eines großen Herrn und
Weltmannes, aber den ſeeliſchen Habitus eines ebenſo tief
veranlagten und kenntnisreichen wie dialektiſch gehemmten

Examenskandidaten. Einen Dichter würde niemand, der es
nicht wüßte, je in ihm vermuten ebenſowenig wie in
Chomas. Die Vorſtellung vollends, daß dieſer Mann der=
ſelbe
ſein konnte, der die kraſſen Kühnheiten und grellen
Cypen des Profeſſors Unrat, der Jagd nach Liebe und des
Schlaraffenlandes und der Herzogin St. Aſſy erſonnen hat,
wäre grotesk. Setzt man aber die Cransparenz ſeiner
menſchlichen Geſamtperſönlichkeit (oder deſſen, was ſo
ſcheint) in Beziehung zu den Werten ſeiner zweiten Schaf=
fensperiode
, ſo kommt man vollends ins Gedränge und
vermag ſich nicht vorzuſtellen, wo und wieſo aus dieſem
ſcheinbar in einem Vakuum von Abſtraktion lebenden
Manne jene aggreſſiven Argumentationen herkommen, die
dieſen neueren Werken einen gewiſſen politiſch kämpferiſchen
Charakter verleihen und die, ſollte man glauben, einen ſehr
konkreten im praktiſchen Umgang mit Menſchen aller Be=
rufe
und Stände erworbenen Meinungsaustauſch zur Vor=
ausſetzung
brauchten!
Daß der naiv gutgläubige,
Dichter zu Hauſe‟
ſentimentale Leſer ſich bei Gelegenheit einmal darüber wun=
dert
, ſeinen Lieblingsdichter bei lebendigem Leibe ein wenig
irdiſcher und diesſeitiger vorzufinden, als er ſich vorgeſtellt
hat, mag angehen. Aber das Nichtſchwert dieſer Feder von
ſolchem weichen und geiſtesabweſenden Sonderling geführt
das iſt ein ſeelenkundliches Kuroſium, amüſant und auf=
ſchlußreich
.
Das zerlittene Damengeſicht der Nicarda Huch
mit der Bravour des dixhuitieme gegen die Vergreiſung
cämpfend, präſentiert ſich in einem verſtörend engbürger=
lichen
und hausbackenen Milieu. Man kommt nicht dazu,
der ungeheuerlichen Diskrepanz zwiſchen dem Schliff ihres

literariſchen Wirkens und der verwaſchenen Beiläufigkeit
ihrer Umgebung tiefer nachzudenken. Man ahnt Cragik
und findet der undurchſichtig konventionellen Altdamenhal=
ung
gegenüber keine Zugänge zu dieſer unfrohen und keiner
Wandlungen mehr gegenwärtigen Welt.
Von Herbert Eulenberg haben unzählige Lieb=
haber
ſeiner Bücher das imaginäre Porträt eines ſchlanken,
ſtraffen Brünetten entworfen. Wer den wohlbeleibten, aus
Verträumtheit und Schläue, Kühnheit und liſtiger Angſt=
lichkeit
zuſammengeſetzten Nießer kennt, wie er wirklich
iſt, wird darum gehabte Bucheindrücke nicht widerrufen.

Vielleicht aber vertiefen, deuten und zu umfaſſenderer
Lebenskenntnis auswerten. Dies Urbild eines deutſchen
Dichterheims am Niederrhein, umfriedete Intimität einee
glückhaft gelöſten architektoniſchen Nahmens, wie ein Orga=
niſches
hineingeſtellt in das herbe Idyll von Wieſe, Strom
und Baum, treueſter Spiegel deutſcher Seele! Und darin
die unruhevolle, anregungswütige, geiſtige Genußſucht dieſes
trotzigen (oder vielmehr, wie Otto Brahm von ihm ſagte,
anft eigenſinnigen) Nomantikers, der, ohne je kritiſche
Hand an ſich zu legen (oder gar eine andere an ſich zu
dulden), gleichzeitig ſozialer Moraliſt und Epikureer, ver=
träumt
, ziviliſierender Sonettenſchmied und täppiſcher Spaß=
macher
iſt; der wie kein anderer Poet Cöne gefunden hat
für die grandioſe Serriſſenheit und über alle Reife hin-
ausgeſtellte
, ewig brodelnde Kühnheit der großen Einſamen,
der Geſcheiterten und Untergegangenen und der doch
wie ein verzärteltes Kind zetern würde, wenn von ihm
verlangt würde, er ſolle einmal auf ſeinen arg kompletten
Frühſtückstiſch verzichten oder wenigſtens auf Roſen und
Kerzenſchein dabei oder auf die rechte Likörmiſchung nach
dem Fünf-Uhr=Kaffee..
Da iſt der kleine Joſef Ponten ſchon mehr aus
einem Guß. Dieſer ſtarke Baumeiſter der Sprache hat ſich
und tut ſich im eigenen Leben genau ſo rechtwinklig und
klargegliedert wie ein Buch. Man wird auch in der Ver=
gangenheit
lange ſuchen müſſen, bis man einen ſolchen Kerl
wiederfindet. Er ſtammt aus kleinen Verhältniſſen, hat hart
arbeiten müſſen, ehe er es ſich
leiſten konnte, die Feder anzu=
ſetzen
, hat ſich kaum je als Li=
terat
, geſchweige denn als Be=
rufsdichter
gefühlt, iſt Mine=
raloge
, Geograph und Hiſto=
riker
, und wenn er einmal nicht
mehr dichten mag, ſo iſt er
immer noch der kleine, von pro=
duktiven
Energien vibrierende
Joſef Ponten, ein Mann, ein
Kerl, der nicht nur ſchreiben,
ſondern auch den Mund auftun
kann. Kommt man zufällig mor=
gens
zu ihm herein, mitten in
ſeine Arbeitszeit, und iſt man
Joſef Ponten ihm der Mühe wert, ſo bleibt
man in ſtundenlangem Geſpräch
zuſammen, und er iſt dabei genau ſo ſtark und baut und türmt
mit derſelben Hingabe, als ob es in Druck ginge. Freilich ein
bißchen von der anonymen Hoheit, der nimbushaften Hal=
tung
mittelalterlicher Meiſter iſt auch bei ihm nicht. Mit
der Dichterromantik iſt es aus in dieſen Seitläuften. Aber der
Chroniſt verweilt doch mit tieferer Befriedigung beim Anblick
der Ganzheit, der ſinnfällig ſich darſtellenden Criebkraft, der
Intuition, der Spontanität und bluthaften Urſprünglichkeit.

[ ][  ][ ]

Ollaftorra.
Von Ph. Keſter.

Im Jahre 1842 ließ George Sand damals ſchon auf der
Höhe ihres literariſchen Nuhmes in Brüſſel ein Buch er=
ſcheinen
, das den Citel trug Un Hiver au Midi de VEurope‟.
Das Buch war das Ergebnis der Reiſe, die ſie im Winter des
Jahres 1838/39 mit ihren beiden Kindern und ihrem damaligen
Freund und Pflegling Sriedrich Chopin nach der Baleareninſel
Mallorca unternommen hatte. Wenn die Sand dieſes Reiſe=
ziel
wählte, um wie ſie vorgibt ihrer Kinder und des
kränkelnden Chopin wegen den Winter in einem milderen Klima
zu verbringen, ſo war ſie ſchlecht beraten; denn die Reiſenden
kamen gerade in die Negenzeit, und Chopins Zuſtand verſchlim=
merte
ſich auf Mallorca derart, daß der Aufenthalt auf der
Inſel raſcher als beabſichtigt war, abgebrochen werden mußte,
und daß man gern und aufatmend wieder nach Frankreich zurück=
kehrte
.
Dieſe mißlichen Begleitumſtände haben die Sand jedoch nicht
gehindert, die Inſel ſo gut es damals ging zu durchforſchen;
ſie rühmt ſich in der Vorrede ihres Buches, Mallorca entdeckt
zu haben, und die landſchaftlichen Schönheiten der Inſel ſie
nennt Mallorca ein Dorado der Maler haben bis heute
keine beſſere Schilderung erfahren. Daß ſie ſich mit den Einhei=
miſchen
nicht verſtand, lag an ihr ſelbſt; ihre zur Schau getragene
Religionsloſigkeit mußte bei einer ſo ſtrenggläubigen Bevöl=
kerung
Anſtoß erregen, und die Bosheiten, mit denen ſie in
ihrem Buch die Eingeborenen bedenkt, ſind nicht ganz gerecht=
fertigt
. Immerhin wegen der Schlaglichter auf Chopin eines
ihrer intereſſanteſten Bücher, und in der Schilderung von Land
und Leuten in der Hauptſache wenigſtens noch heute zu=

treffend. So wenig hat ein Jahrhundert in dem Geſicht des
abgelegenen Eilands zu ändern vermocht.
Aber ein Hauch der modernen Seit iſt trotzdem auch nach
Mallorca gedrungen. Schon die Sand hatte unrecht, als ſie
ſchrieb, daß auf der Inſel jegliche Induſtrie mangle; denn die
Cöpferei wurde auf Mallorca ſeit alters gepflegt, und ihre Er=
zeugniſſe
genöſſen ſolchen Ruf, daß das Wort Majolika
eine Verballhornung des Wortes Mallorca geradezu zur Be=
zeichnung
der Gattung der kunſtvoll überglaſten Cöpfereien wurde.
Heute aber qualmen in Palma, der Hauptſtadt, und in einigen
anderen Orten der Inſel die Fabrikſchornſteine wie anderswo,
wenn auch in beſchränkter Sahl (Schuhwerk, Seife, Cextilwaren
ſind die Haupterzeugniſſe), und die Windmühlen, mit denen die
ganze Inſel überſät war, ſind heute zum großen Ceil verfallen
und durch einige wenige Dampfmühlen erſetzt, die dieſelbe Arbeit
leiſten. Auch neuzeitliche Verkehrsmittel haben auf der Inſel
ihren Einzug gehalten: zwei Schienenſtränge einer davon mit
mehreren Abzweigungen verbinden die Hauptſtadt Palma mit
allen wichtigeren Orten der Inſel. Ein lebhafter Handelshafen
iſt Palma immer geweſen, ja, er hatte im Mittelalter ſicher weit
größeren Bedeutung als heutzutage; dafür ſpricht der Monu=
mentalbau
der alten Börſe, den ſich die Bewohner Palmas zu
Beginn des 15. Jahrhunderts errichtet haben und der heute in
ſeinem Innern nur einige Steindenkmäler die beſcheidenen
Anfänge eines Provinzialmuſeums birgt.
Die Geſchichte der Inſel iſt wechſelvoll, doch im großen
ganzen ruhiger und unblutiger, als die Geſchichte des ſpaniſchen
Mutterlandes. Schon die Karthager hatten auf der Inſel Suß

Der Erntewagen.
Von E. Eimer.
Hollerſch Martin in Hoppelſtein hatte zwei fette Säue ver=
kauft
und dafür einen ſchönen Batzen Geld gelöſt.
Chriſtian, ſagte er zu ſeinem Jung, das Geld können wir
gut gebrauchen, denn wir müſſen dieſes Jahr unbedingt einen
neuen Erntewagen anſchaffen. Den haben wir ſo nötig, wie die
Suppe und das Salz. Aber es müſſen auch wieder Ferkel in
den Stall. Alleweil gibt’s Grünes, und da kann man die Säu=
dingelcher
gut mit gefüttern. Ja, und wie billig die jetzt ſind;
man kauft den Kopf ſchon für ſechzehn, achtzehn Mark.
Jung, tu’ dich anderſter an und geh’ einmal über Feid
ſpekulieren. Sellt bei Bohnefeld und Wullebach hinein ſollen
Staatsferkel liegen.
Der Jung tat ſein wirke Cuchgewand an, ſteckte ſich Wurſte=
brot
in den Sack und dappelte mit ſeinem Eichenſtecken davon.
Unterwegs traf Chriſtian mit einem Bauer zuſammen.
No, Jung, wo willſte dran? rief der ſchon von weitem.
Ei, ich will einmal nach Ferkeln gab der Chriſtian
Beſcheid.
Und ich will einmal bei die Swangsverſteigerung nach
Wullebach, ſagte der Bauer. Ich hab Anſchläg an eine Egge,
da ſollen zwei dabei ſein. Ach ein Werk wird da verſtrichen,
e Maſſe, Maſſe Seug, es iſt aut ganz griſſeliches; Betten, Maul=
körb
, ein Glasſchrank, Milchdippe, Unterhoſen, Dickwurzmühle,
Eggen, bürſchelinen Schälercher und ſogar ein funkelneuer
Erntewagen.
Was? Ein Erntewagen iſt auch dabei? rief Chriſtian,
das paßt mir ja großartig. Da mach’ ich mit hin. An einem
Erntewagen kaufen wir ja ſchon lange; den haben wir ſo nötig
wie die Suppe das Salz

Als die Beiden zur Verſteigerung nach Wullebach kamen,
war dort ſchon eine Maſſe Menſchen beiſammen. Und das
war ein Gewelſch und Geſchnatter, man verſtand ſein eigenes
Wort nicht. Es ging zu wie auf dem Jahrmarkt. Auf dem
Hofe ſtand inmitten der vielen Sachen, die zum Ausgebot kommen
ſollten, groß und breitſpurig der Erntewagen. Chriſtian beguckte
ihn von allen Seiten und kam zu dem Neſultat, daß es einen
beſſeren gar nicht geben konnte.
Ein ſtolzer Wagen, und den Wagen kaufe ich dachte
der Chriſtian. Er ſetzte ſich auf die Haustürtreppe und wartete
auf’s Angebot.
Sur gleichen Stunde, als der Chriſtian nach Ferkeln auszog,
bekam der Hollerſch Martin in Hoppelſtein das Wochenblättchen.
Dadrin fiel ihm die Verſteigerung in Wullebach auf. Und da war
auch ein gut erhaltener Erntewagen genannt. Ei, die Schwernot
noch einmal, dachte der Martin, hätte das doch mein Jung
gewußt, der hätte beim Strich ſpekulieren können
Nun dappelte grade der Solwer Adam am Haus vorbei und
hatte ſich ſonntags an.
Adam, rief der Martin, wo ſoll’s denn dran geh’n, du
willſt gewiß über Feld?
Wo ich hin will?, Ei, zum Strich nach Wullebach, ſagte
der Adam. Meine Frau hat ſchon ſo lange nach Kuchenblecher
lamentiert, und da will ich ſehen, ob ich zwei bekomme, ſechs
kommen auf den Strich.
Ei, da kannſt du mir aber auch einen Gefallen tun.
meinte der Martin, es wird doch ein Erntewagen verſtrichen,
und den haben wir ſo nötig, wie die Suppe das Salz. Nachbar,
hörſt du, wenn der gut im Stand iſt, dann kaufe ihn für mich.
Und zu teuer wird er fa wohl nicht kommen. Ich hab kein
Niebelchen Seit, mitzugehen.
Martin, wenn’s ſonſt naut iſt, den Gefallen will ich dir
gern tun, gab der Nachbar zurück. Aber hör einmal, könnt

Sohn. Die Ge
tador 0
Mallorca
Ende herb=
Mallorca.
von Arago=
eiegt
. Ao
06 Arg

iner der
hrei

ſich von dir noch einen halben Sentner Weizen bekommen. Wol
er koſtet, bezahl ich.
Es iſt recht, Adam, du ſollſt den Weizen kriegen, ver
ſprach der Martin.
Der Adam war ein Schlauberger. Vorige Woche hatt
ſeine Frau wegen Weizen gefragt, war aber abgewieſen worden
es ſei keiner mehr da, hatte es geheißen. Alleweil hatte er die
Selegenheit beim Schopf gefaßt. Die beiden unterhielten ſich
noch über alle möglichen Wagenſorten, dann trollte der Adam
davon. Als er zum Verſteigerungsplatz kam, hielt grad dei
Ortsbüttel ein Kuchenblech in die Höhe und ſchlug es für fün!?
undfünfzig Pfennige einem Käufer zu.
Halt, rief der Adam, ich geb’ ſechzig!
Es iſt zu ſpät, entſchied der Büttel, ich hab’ ſchon drei
geſagt, und dann war’s auch grad das letzte‟.
Ei zum Gewitter hinein, da möcht ich mich ja kapil
geärgern, wegen den Kuchenblecher ſein ich ja extra komme
klagte der Adam.
Dann kauf dir aut anderes, wir haben noch Seug gnug
tröſtete der Büttel. Und alleweil, ihr Leut, fuhr er forh
kommt der Erntewagen
Ein Staatsſtück iſt das. No, wieviel dafür?
Da bot Hollerſch Chriſtian auf ſeiner Haustürtreppe fünſig
Mark. Noch zwei andere boten dasſelbe.
Das war ja ein ganzer Botz auf einmal, rief der Büttel
No, dann ſechzig, ſagte der Chriſtian.
Siebzig, der Adam.
Achtzig, drei andere.
War doppel und noch einmal doppel, rief der Ortsdielk
Da bot der Chriſtian die Hundert aus.
Und dreißig dazu ſchrie der Adam.
Alleweil bäckts, ſchmunzelte der Bürgermeiſter.

[ ][  ][ ]

Kſst, ja, die Uberlieferung läßt Hannibal auf der benachbarten
ungn Inſel Conejera geboren werden. Der Neichtum, den
Matur über dieſes Inſelland ausgegoſſen hat, mußte fremde
iſtiedler herbeilocken. Welchen Schlages die Ureinwohner
run, iſt nicht geklärt. Sie waren im Altertum berühmt ob
ſer! Creffſicherheit mit der Schleuder; ſie wurden von den Kar=
gern
zum Kriegsdienſt gezwungen und waren als Sondertruppe
hygeſchätzt. Dieſe ſeltſame Leidenſchaft für die Schleuder, von
ſiote Ureinwohner beſeelt waren, ſoll der ganzen Inſelgruppe
er man außer Mallorca noch die kleinere Inſel Menorca
einige benachbarte Inſelchen zählt) den Namen gegeben
ſuri. Man leitet die Bezeichnung Balearen von dem
etöiſchen Worte 8c1kee (ſchleudern) ab. Im Verlaufe des
eitahen Krieges wurde Mallorca 125 v. Chr. von den Nömern
ei dem Konſul O. Cäcilius Metellus erobert; er erhielt dafür
WBeinamen Balearicus und wie vorher für die Karthager,
ſmerden die Inſelbewohner jetzt als Schleuderer im römiſchen
eig verwendet. Dreitauſend römiſche Anſiedler wurden nach
ſlnorca gebracht; an der prächtigen Bucht im Süden der Inſel
Eſte Palma, nahe der Nordküſte die (heute unbedeutende)
4a+ Pollenſa gegründet. Mit dem Serfall des römiſchen Welt=
ihes
wurde die Inſel ein Spielball der um die Herrſchaft
yunden Volksſtämme. 426 nach Chr. wurde ſie von den Van=
genommen
, ihnen folgten die Weſtgoten, nach dieſen kam
eſtrömiſche Neich, 788 ſchließlich drangen die Mauren ein
machten ſich auf Jahrhunderte hinaus zu Herren der Inſel.
AAlls in Spanien der Kampf gegen die Maurenherrſchaft be=
an
richteten ſich die Blicke auch auf das benachbarte Inſel=
Jakob I., König von Aragonien, zog gegen die Mauren
g ſeNallorca. Das Glück war ihm günſtig. Er eroberte die
Zell 1229 und machte daraus ein Königreich für ſeinen zweiten
Hn Die Geſchichte hat ihm dafür den Beinamen el Conguis-
t
5l.. (der Eroberer) gegeben. Uber ein Jahrhundert lang iſt
Aſrwrca ein ſelbſtändiges Königreich, bis Familienzwiſt ſein
dei herbeiführt. Jakob III. war der letzte der Könige von
Aizwrca. Er überwirft ſich mit ſeinem Verwandten, Peter TV.
* Aragonien, und wird von dieſem 1543 in regelrechtem Kampf
leutt. Mallorca wird aragoniſche Provinz, und ſpäterhin
9-ragonien und Kaſtilien zuſammenſchmolz Beſitz der ver=
toten
Königreiche.
lAllter ſpaniſcher Kronbeſitz, wie man ſieht, und nebenbei
eri der ſicherſten und wertvollſten Beſitze. Schon die Sand
inne ſchreiben: ztout est eultivé dies zu einer Seit, wo
ian übrigen Provinzen Spaniens die Ausnützung des Bodens
piſehr im argen lag. In der Cat iſt Mallorca heute die
geumetſte und landwirtſchaftlich am beſten beſtellte Provinz

Spaniens, und kaum ein Fleckchen Erde, dem Ertrag abgerungen
werden kann, iſt ungenutzt. Dies mag für manchen Neiſenden,
der auf der abgelegenen Inſel urweltliche Zuſtände anzutreffen
hoffte, eine Enttäuſchung geweſen ſein ſuchte er aber Schön=
heit
der Landſchaft und Farbenpracht, ſo wird er im Bergland
der Inſel reichlich auf ſeine Koſten gekommen ſein. Auch der
Einheimiſche betont dieſe Doppelnatur ſeiner Inſel, indem er
ſtreng zwiſchen Bergland la montafa und dem Flachland
el lano unterſcheidet. Hier ein karſtähnliches Gebirge, das
ſich in ſeinen höchſten Punkten bis zu 1500 Meter erhebt und
nur noch dem Olbaum ein Fortkommen geſtattet, reich an Ab=
wechſlung
und an maleriſchen Ausblicken dort (und dies iſt
weitaus der größere Ceil) eine endlos ſcheinende Ebene, über die
zwar die Natur ihr ganzes Füllhorn ausgegoſſen hat, die aber
aller landſchaftlichen Neize bar iſt, ſofern nicht kunſtgerecht an=
gelegte
Pflanzungen von Orangen, Sitronen, Feigen, Mandeln
und anderen Südfrüchten als reizvoll an ſich empfunden werden.
Der Boden iſt von unerſchöpflicher Fruchtbarkeit, auch Getreide

wird gepflanzt, der Felgenkaktus und der Johannisbroddanm
wachſen allerorts wild, und die Orangen von Mallorca od=
wohl
klein gelten als die beſten der Welt. Botaniker haden
feſtgeſtellt, daß 1300 verſchiedene Pflanzenarten auf der Inſel
gedeihen. Neich an Ertrag wie das Land iſt auch die See, die
die Küſten beſpült. Die Siſcherei bildet neben der Landwirtſchaft
und der ſeit alters blühenden Schweine= und Eſelzucht einen
Haupterwerbszweig der Bevölkerung, und am Hafen in der
Hauptſtadt Palma mag wer Luſt hat das Leben der
Mittelmeerfiſcher in all ſeinen Erſcheinungsformen den ernſten
und den heiteren ſtudieren.
Die Inſel zählt heute rund 333 000 Einwohner, wovon etwa
70 000 auf die Hauptſtadt Palma entfallen. Ihre Sprache iſt
das Mallorquiniſche, eine dem Kataloniſchen verwandte Munds
art, aber reichlich mit arabiſchen Beſtandteilen durchſetzt. Die
Inſel umfaßt 3685 Kilometer, kommt alſo an Flächenausdehnung
etwa dem früheren Herzogtum Braunſchweig gleich. Crotz der
Entwicklung des modernen Verkehrs iſt die Inſel kein Couriſten=
ziel
in weiterem Sinne geworden, wie ſie ob ihrer Eigenart ſicher
verdiente. Abſeits der üblichen Seeverkehrswege gelegen, iſt
Mallorca für den Durchſchnittsreiſenden unbe. uem zu erreichen,
und ſo kommt es, daß in der Hauptſache Franzoſen dank
einem direkten Schiffsverkehr von Marſeille aus zu den Be=
ſuchern
der Inſel zählen. Nach der Sand haben ſich in Frank=
reich
, bis in die neueſte Seit hinein, eine ganze Neihe von
Schriftſtellern in mehr oder weniger guten Schilderungen mit
Mallorca befaßt. Ihren eigentlichen Entdecker aber haben die
baleariſchen Inſeln und insbeſondere Mallorca in dem
(während des Weltkrieges geſtorbenen) Erzherzog Ludwig Sal=
vator
von Oeſterreich gefunden, der ſich die Erforſchung der
Inſeln archäologiſch und geologiſch zur Lebensaufgabe ge=
macht
hatte und der über die Balearen umfangreiche Werke
von ſeltener Gründlichkeit verfaßt hat. Man darf behaupten,
daß es auf den Inſeln keinen Stein und keinen Strauch gibt,
der der Aufmerkſamkeit dieſes Forſchers entgangen wäre, aber
die Werke ſind als rein wiſſenſchaftliche Forſcherarbeit zu werten
und ſind ihres Umfanges und ihres Preiſes wegen dem großen
Publikum nicht zugänglich. Am landſchaftlich ſchönſten Punkt der
ſteilen Nordweſtküſte, unweit des Dorfes Degä, hatte der weib=
und kinderloſe Sonderling einen großen Landſtrich erworben, den
er zu einem Muſterlandgut umgeſtaltete. Dem beſcheidenen Land=
haus
, das er ſich inmitten ſeines Beſitzes errichtet hatte, gab er
den Namen Miramar, und hier verbrachte er ſein Leben
inmitten ſeiner Bücher und ſeiner Sammlungen, wenn er nicht
irgendwo im Innern nach Steinen grub oder nach alten Volks=,
ſagen forſchte. Ob Mallorca jemals ein Neiſeziel größeren Stils
und damit wie es ſo ſchön heißt dem Fremdenverkehr
erſchloſſen werden wird, muß, ſolange das Dampfboot nicht
gänzlich vom Flugzeug verdrängt iſt, bezweifelt werden. Wer
die Inſel in ihren ſtillen Schönheiten und die Bevölkerung in
ihrer kindlichen Anſpruchsloſigkeit kennengelernt hat, möchte faſt
wünſchen, das dem paradieſiſchen Eiland dieſe Fortentwicklung
erſpart bliebe.

P.Ihr liebe Leut, lobte der Büttel, ſo ein Staatskerle von
m‟. Wagen ſteht keiner mehr weit und breit!
Y.Einhundertſiebzig, rief Chriſtian mit hoher Stimme.
1Da gab der Adam wieder drauf.
Oie Beiden verfolgten bis in die fünfhundert hinein. Als
Beileſch Chriſtian, bei dem Gebot von Fünfhundertundvierzig von
an, abgelöſt wurde, da kam beim erſteren die Vernunft. Er
Mkieg und drückte ſich durch die Menge ſo ſchnell er konnte.
MEi die Krenk, dachte er, wie gut, daß ich mit der krimi=
Uranen Summe nicht hängen blieb, mein Alter hätte mich mit
9 einem ſündteuren Wagen hinausgeſchmiſſen. Aber der
i liſtiian hatte an dieſem Cage auch noch Glück. Er erſtand zwei
1thFerkes den Kopf für ſiebzehn Mark dreißig.
Soolwerſch Adam war mit dem Gebot von fünfhundertund=
ßug
Mark Sieger geworden. Bürgermeiſter und Büttel
Fun die Augen zu und gratulierten zum Wagenkauf.
Paßt Euer Geuz, rief der Adam, der fremde Kuſon hat
rIr ſineingeritten; aber Hollerſch Martin hat nun ſein Salz
7/1a: Suppe, und das nimmt ihm kein Doktor mehr ab‟
E.s gab Gelegenheit, den koſtbaren Wagen gleich nach
5rül lbach zu bringen. Als das Kleinod in Martins Hof
/beſtte, machte er glänzende Augen.
Aldam, das hat aber ſchnell gegangen, ſchmunzelte er, ein
cEh, daß wir ihn haben! Ei, und was für ein ſchöner Kerle!
Auund was gilt er dann?
Jünfeinhalbhundert, ſagte der Adam.
tz mach’ keine Späß und bleib bei der Wahrheit, ſo
LMartin.
awohl, fünfeinhalbhundert, ſagte der Adam.
Säi belügſt du mich rief der Martin.
Der Wagen koſtet wie geſagt, behauptete der andere,
;mremder Kuſon hat mich hineingeritten, zuerſt ſchwieg er
m,ſdann ließ er mich mit dem Schandpreis hängen.

Da wurde der Martin bös. Wann’s ſo iſt, ſchalt er,
dann den Augenblick den Wagen von meinem Hof; ich habt
naut zu ſchicken damit.
Oha, etz nur langſam warnte der Adam.
Martin, ich laß mich nicht foppen, du haſt den Wagen bei
mir beſtellt.
Apothekerpreiſe und Schluppſtreich geh’n mich naut an.
ſchalt der Martin weiter, und nun ſag’ ich dir zum letztenmal,
wollt Ihr alleweil hinaus oder net?"
Etz tu einmal ſachte, du Kuſon ſchrie der Adam und
ſchwang die geballte Fauſt. Alleweil haſt du dein Salz in der
Suppe. Häi bleibt der Wagen, und wann ich mache bis an’s
Reichsgericht. Und um meine Kuchenblecher haſt du mich auch
gebracht.
Was, zum Spitzbub willſt du mich auch noch machen?
brüllte der Martin, Bürſchi, das nimm dir einmal in acht, das
ſchwörſt du mir, ich bringe dir die Finger hoch, da ſein ich dir
gut dafür, und Weizen kriegſt du keinen Kern zu freſſen!
Durch deinen Wagenkram ſein ich zu den Kuchenblecher
zu ſpät gekommen, aber darüber brauchen wir an kein Gericht
berichtigte der andere; vor dem Schwören hatte er Reſpekt.
Sum Gewitter hinein, hinaus alleweil, wütete der Martin
weiter. Er ſtemmte ſich gegen den Wagen und brachte ihn ins
Nollen.
Aber Adam war auch nicht der Schwächſte; mit aller Kraft
drückte er den Wagen dem Hofe zu. Die beiden Kämpfer ächzten,
maßen ihre Kräfte, und der Erntewagen ging nicht mehr vom
Sleck.
Ei du großer Gott, ihr alte Böck, läßt doch den armen
Wagen in Nuh’, ſchalt die Hollerſchin, man muß ſich ja vor
allen Leuten ſchämen.
Die lieben Nachbarn waren natürlich ſchon da und gröhlten
vor Vergnügen.

Häi iſt’s ſchöner wie im Cheater, und das Gucke hat man
umſonſt, ſchmunzelte der alte Knorwel; recht ſo ihr Junge, daß
mir keiner nachgibt, feuerte er die Beiden an.
Die zwei müßte man ſo abgraphieren, ſchlug ein naſe=
weiſes
Bübchen vor.
Die Hollerſchin rief ganz wehleidig: Martin, biſt du denn
nicht recht gebetzelt, ei gib doch nach‟.
Net ums Verrecke, keuchte der Martin.
Jetzt kam Hollerſch Chriſtian vom Ferkelkauf zurück.
Eijeijei, der Wagen, rief er erſtaunt, wie kommt denn der
daher, und warum ſchorkt ihr dran herum?
Ei, der eine hält’s, und der andere läßt’s nicht gehen.
uzte der alte Knorwel.
Jung hilf, keuchte der Martin, der Satan muß zum
Hof hinaus.
Der bleibt häi, keuchte der Adam.
Ich hab' den Wagen nicht geſtrichen, rief der Chriſtian.
Fünfhundervierzig und keineen Pfennig mehr hab’ ich geboten.
So ein fremder Kuſon, der ſchwieg nicht und hat mich hinein=
geritten
. Aber wie’s ſo griſſelich hoch war, da hielt ich mein
Maul, und er blieb dran hängen.
Wie auf Kommando ſtellten ſich bei dieſer Nachricht die bei=
den
Wagenkämpfer hoch und ſpitzten die Ohren.
No, Martin, wie deucht dich nun? fragte der Adam.
Ci. rief der Martin, mich deucht, etz ſind die Kujone hier
beiſammen. Und wenn du nicht der größte Dilldappch biſt, dann
iſt’s der Chriſtian, ſonſt hättet ihr euch beim Strich einmal ange=
guckt
. Ihr habt mir das Geld aus dem Beutel gejuckelt, und
deshalb ſeid ihr zwei Muhkälber.
Aber, das mag nun ſein, wie’s will, etz hab’ ich mein Salz
in der Suppe und werde den Wagen behalten.
Adam, und alleweil komm herein und nimm dir deinen
Weizen mit.

[ ][  ][ ]

Calente der Ciere.
Intereſſengemeinſchaften im Cierreich.

Von Dr. Franz O. Mertens.
Das Weſen des geſelligen Suſammenlebens iſt bei Menſch
und Cier aus den gleichen Motiven zu erklären: hier wie dort
hat das Individuum die Erfahrung gemacht, daß es in Ge=
meinſchaft
mit ſeinesgleichen den Kampf ums Daſein viel leichter
führen kann, denn als einzeln lebendes Geſchöpf. Bei den
phuſiſch höher organiſierten Cieren, etwa von den Neptilien
aufwärts, läßt ſich die Beobachtung machen, daß der Geſell=
ſchaftstrieb
dort am ſtärkſten iſt, wo das einzelne Cier die ver=
hältnismäßig
geringſten Körperkräfte hat, während im Gegen=
teil
die ſtärkſten Ciere einzeln, bzw. nur von ihrer Familie
umgeben, zu leben pflegen. Man denke für den erſten Fall an
unſer heimiſches Notwild, an Antilopen und wilde Pferde, für
den zweiten Fall an die Naubtiere und die Naubvögel. (Daß
es auch in dieſer Beziehung Ausnahmen gibt, beweiſen z. B
die Elefanten und die Paviane, doch hat dies nichts mit unſerem
Chema zu tun.)

Würger in ſeiner Vorrakskammer.

Aber etwas anderes, was ebenfalls in den Bereich der
Geſelligkeitsinſtinkte gehört, wird von den Laien nicht ſelten
als eine jener Eigenſchaften betrachtet, die den Menſchen vom
Cier unterſcheiden: die Nutzbarmachung lebender, artfremder
Individuen für eigene Swecke, mit anderen Worten: die Haus=
tierzucht
. Nun wird es für den unfachlichen Leſer gewiß er=
ſtaunlich
ſein, zu hören, daß nicht nur der Menſch auf den Ein=
fall
gekommen iſt, andere Lebeweſen zu ſeinem eigenen Nutzen
aufzuziehen und zu pflegen, ſondern daß Ciere das Gleiche offen=
ſichtlich
zu einer Seit getan haben, da ſich der Menſch vom Affen
noch kaum unterſchied, und daß ſie es heute noch tun. Das
erſtaunlichſte Beiſpiel liefert uns die Ameiſe. Dieſes Inſekt,
das uns auch in mancher anderen Beziehung über ſeine hohen
geiſtigen Fähigkeiten ſtaunen macht, iſt im wahrſten Sinne des
Wortes Viehzüchter; ſeine Ninder ſind die Blattläuſe. Dieſe
beim Menſchen wenig in Gunſt ſtehende Ciere ſcheiden einen
Saft aus, der für die Ameiſen der reinſte Nektar ſein muß, denn

Krokodilwächter.

wenn immer ſie Gelegenheit haben, ihn zu ſchlürfen, ſtürzen
ſie ſich mit offenſichtlichem Vergnügen darauf. Da ſie dieſen
Genuß aber nicht vom ZSufall abhängig machen wollen, bringen
ſie ſich ihre Milch=Lieferanten ins Haus, wie, hat man
noch nicht beobachten können und ſchließen ſie dort in einen
Stall ein; dieſer Stall, eine beſondere Höhlung im Ameiſen=
bau
, iſt ſo eingerichtet, daß die Hausherren wohl ein= und aus=
gehen
können, die Kühe, will ſagen Blattläuſe, aber gefangen
ſind. Cäglich werden ſie von den Ameiſen gefüttert und ge=
molken
; letzteres geſchieht, indem ſie auf die Blattläuſe mittels

der Fühler einten Kitzelleitz ausüben, der dieſe zur Ausſcheidung
des Saftes veranlaßt.
Eine der merkwürdigſten Intereſſengemeinſchaften der Ciere
iſt die zwiſchen einer Vogelart und den afrikaniſchen Krokodilen
ſchon deshalb, weil die beiden Partner ſo verſchieden ſind. Der
Vogel, deſſen Name Krokodilwächter ſchon alles vor=
wegnimmt
, iſt ein ſchwarz und weiß gefiedertes, zierliches
Cierchen, von der Sröße eines gewöhnlichen Huhnes etwa; man
ſieht ihn faſt nur in Geſellſchaft ſeiner ungeſchlachteten Freunde,
auf deren Nücken und Schwänzen, vor allem aber in ihren
gewaltigen Mäulern; die ſind für den Krokodilwächter wahre
Speiſekammern, denn zwiſchen den rieſigen Sähnen ſammeln
ſich Fraßüberreſte und tieriſche Schmarotzer, die für den Vogel
Leckerbiſſen ſind. In dem weit aufgeſperrten Nachen, dem kein
anderes Kleintier nahekommen kann, ohne ſofort zermalmt oder
verſchlungen zu werden, ſpäzieren ſie in aller Seelenruhe, und
haben ſolcherart wenig Nahrungsſorgen. Und obgleich wir
keinen Grund haben, anzunehmen, daß die Krokodile viel auf
Hugiene halten, ſo iſt ihnen dieſe Prozedur doch ganz offen=
ſichtlich
angenehm.

Wirtſchaftende Ciere.
Von Dr. Fritz Skowronneck.

Das alte Dogma der Seelenkunde, wonach der Wille ſich
aus der Anhäufung von Eindrücken und Erfahrungen bildet,
hat neuerdings eine völlige Umkehrung erfahren. Nach
Schopenhauer iſt es der Wille, der das Bewußtſein erfindet und
ihm ein eigenes Organ, das Großhirn, erſchafft. Mithin haben
wir in dem jedem lebenden Weſen von der Natur mitgegebenen
Willen zum Leben die Urſache jeglichen Fortſchrittes zu ſehen.
Das erhellt deutlich aus dem Unterſchied zwiſchen den
niederen Cierformen und den höherſtehenden Arten. Die nächſt=
höhere
Stufe der Entwicklung erreichte nicht nur der Menſch
dadurch, daß er zu wirtſchaften begann, indem er den unver=
fehrten
Neſt der Nahrung aufbewahrte, um damit den künftigen
Hunger zu befriedigen, ſondern auch eine Anzahl Cierarten.
Die erſten Beiſpiele einer Verwaltung der Beute finden
ſich bei den vierfüßigen Naubtieren. Der Hund wirtſchaftet,
wenn er nach Stillung ſeines Hungers die übriggebliebenen
Knochen verwahrt oder verſcharrt, um ſie ſpäter, wenn das
Nahrungsbedürfnis wieder erwacht, hervorzuholen und zu ver=
zehren
. Daß tieriſche Beute auch für einen längeren Seitraum
aufgeſpeichert wird, dafür gibt es mehrere Beiſpiele. So be=
nutzt
der Würger eine Dornhecke als Vorratskammer, indem
er Maikäfer und andere Kerfe auf die Dornen ſpießt, um ſie
ſpäter zu holen, wenn Schmalhans bei ihm Küchenmeiſter iſt.
Oltis und Maulwurf ſpeichern Vorräte aus dem Cierreich ſogar
für den Winter auf. Der Oltis bevorzugt Fröſche, die er in
Mengen in ſeinem Schlupfloch zuſammenträgt. Um ſie am Ent=
weichen
zu hindern, lähmt er ſie durch einen Biß, der ſie nicht
tötet, aber die Fähigkeit ſich zu bewegen zerſtört. Dasſelbe tut
der Maulwurf mit Käfern, Engerlingen und Negenwürmern.
Weitaus zahlreicher ſind die Beiſpiele von Cieren, die Früchte
und Getreide als Wintervorräte ſammeln und aufſpeichern.
Eichelhäher und Eichkatzen ſchätzen, wie der Name andeutet, die
Eichel als Nahrung ſo ſehr, daß ſie im Herbſt eine große Menge
davon, manchmal von weither, zuſammentragen und in Aſt=
löchern
, verlaſſenen Aeſtern uſw bergen. Weitere Beiſpiele
ſind der Hamſter, der neben ſeinem Bau eine Vorratskammer
anlegt und mit anſehnlichen Mengen von Getreide füllt, die
Maus, die dasſelbe in kleinerem Maße tut, die Bienen und
Weſpen, die Honig eintragen, uſw. In allen dieſen Fällen
ergreift zum erſtenmal das bewußte Leben wirtſchaftend die
Sukunft.
Die Wirtſchaft dieſes Cieres erſtreckt ſich aber auch noch
auf andere Bedürfniſſe als auf die Stillung des Hungers, und
zwar auf die Herſtellung einer Wohnung. Jeder Vogel baut ein
Neſt, um darin zu brüten. Aber welche Unterſchiede nach dem
Grade der darauf verwendeten Kunſt und Sorgfalt! Die wilde
Caube begnügt ſich damit, einige dünne Aſte kreuzweiſe auf
einen Cannenzweig zu legen, ſo daß man die daraufliegenden
Eier von unten durchſchimmern ſehen kann. Viel ſorgfältiger
arbeitet der Storch, der ſich eine ſolide geräumige Wohnung auf
dem Dachfirſt erbaut und ſie mit Stroh, Heu, Moos und Federn
auspolſtert. Die Schwalbe mauert; ähnlich wie der menſchliche
Handwerker verwendet ſie Halme, die zur Erhöhung der Feſtig=
keit
in den Lehm geknetet werden.
Auch unter den Vierfüßlern gibt es eine ganze Anzahl
Arten, die ſich Wohnungen herſtellen. Meiſtens ſind es Höhlen
und Gänge unter der Erdoberfläche, die nicht nur der Sicher=
heit
, ſondern auch der Bequemlichkeit dienen, denn die meiſten

enthalten elnen geräumigen, warm gepolſterten Keſſel, der anin
als Kinderſtube dient. Ja, der Suchs, der vom Menſchen ſtann
verfolgt wird, gräbt ſich eine Notröhre, die weitab von ſeinan
Burg Malepartus in einem Dickicht mündet, durch die ar
ungehindert entweicht, wenn ſie nicht vorher von den Jägenn
entdeckt und verſtopft wird.

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Hamſter vor ſeinem Bau.

Den kunſtvollſten Bau führt der Biber aus, der ſich mit
mehreren ſeinesgleichen zu einer Arbeitsgemeinſchaft verbindet
Mit vereinten Kräften fällen ſie durch Nagen Bäume, die m n
Nande eine Baches ſtehen und ſchaffen ſie an die Stelle, m u
ſie einen Staudamm errichten wollen. Die quer über den Boc
gelegten Stämme werden noch durch Sweige verbunden, bis ſo
das Waſſer daran ſtaut. Dann graben ſie am Ufer des an
bauten Ceiches unter der Waſſeroberfläche eine Nöhre/
allmählich anſteigt und in einem geräumigen Keſſel endet. Un
ſie errichten auf dem Staudamm gemauerte Hütten, deren Le
gang unter Waſſer mündet. Das iſt das Beiſpiel einer Ai=
ſchaft
im TCierreich, die nur aus einer hochſtehenden Intellign
erklärt werden kann.
Das größte Nätſel, das uns die Natur aufgibt, ſind M
Wohnbauten der Bienen, Ameiſen und Cermiten. Sie ſtehn
techniſch weitaus höher als jede Höhle der Vierfüßler.

Biberbau.

In einigen wenigen Fällen erhebt ſich die Wirtſchaft dei=
Ciere über das zwingende Bedürfnis zur Befriedigung höherels
Intereſſen, zum Wohlgefallen an der Kunſt, das heißt and
Dingen, die uns nicht unmittelbar nutzen, ſondern nur erfreuenn
Ein Beiſpiel dafür ſind die Nabenvögel, die einen blitzendens
Glasſcherben ſich aneignen, um ſich ſpielend daran zu erfreuehn
Die höchſte Stufe haben die auſtraliſchen Laubenvögel erreichltel
die ſich aus Sweigen einen Verſammlungsort errichten, den ſchl
mit Blumen, bunten Federn und farbigen Steinen ausſchmücken,
Welche Schlüſſe man aus dieſen Beiſpielen wirtſchaftende !
Ciere auf eine Cierſeele ziehen kann, mag dahingeſtellt bleiben. A
Sicher iſt nur das eine, daß ſich dabei nirgends eine der treibee.?
den Kräfte entdecken läßt, die den Menſchen ſo hoch über 9"
Cier geſtellt haben.

Mt1

A

Humor
ID

Impreſſion eines
armen Zugereiſten
über den Darm=
ſtädter
Verkehr

Kätſel

Kreuzworträtſel.

Wagrecht: 1 Fluß in Deutſchland, 6 männliche Dienſtperſon,
8 Bodenſatz, 13 Lebensverbindung, 14 Nebenfluß der Themſe, 15 deut=
ſcher
Phyſiker und Mineralog, 16 Körperteil, 20 Form eines Hilfszeit=
wortes
; ſenkrecht: 1 Fragewort, 2 perſönliches Fürwort, 3 ſchrift=
liche
Ausdrucksweiſe, 4 Nahrungsmittel, 5. Inſel an der franzöſiſchen
Weſtküſte, 6 preußiſche Provinz, 7 Dichtungsart, 9 Bankanweiſung,
10 Tierfutter, 11 Stadt in Tirol, 12 große Anzahl, 17 perſönliches Für=
wort
, 18 unhöflicher Zuruf, 19 chineſiſche Münze. Carl Deubel.

Gitterrätſel.

Die Wagrechten bezeichnen:
1. Muſikaliſche Tempobezeichnung, 2.
Sundainſel, 3. Stadt am Rhein.
Die Senkrechten bezeichnen:
1. Pflanze, 2. Afrikaniſcher Fluß, 3. Ger=
manenſtamm
.

daktion: Dr. H. Nette, Fernſpr. 1. 23892392

Die fehlende Mittelſilbe.
Aus nachſtehenden 20 Silben ſind 10 dreiſilbige Wörter mit 9e
ſamer Mittelſilbe zu bilden. Wie heißen die Wörter, wie die
Nittelſilbe?
a an born e fe fin kiel klei laß le
nach ney nie nor pa rin ſtall ſtoff

Auflöfung der Rätſel aus Nr. 31.
Zahlen=Quadrat.

in hot mer
en Angeblick in de
mit m Kadoffelſt

41 27 28 38 C H G 30 36 35 33 H E 34 32 31 37 U R 29 39 40 26 B

Ich gehe auf Urlaub!
Schieberätſel.

T 2 4 R. 2 TI4 4 r * 8 2I A O 2. T A N R A T 5 9 EI 8 E E IEI

Geographiſches Silbenrätſel.
1. Wolgaſt, 2. Elburs, 3. Nebo, 4. Norfolk, 5

R e

Meiningen, 8 Altheide, 9. Niger, 10. Diebenow, 11. Sik.
12. Indus, 13. Narbonne, 14. Eger, 15. Ragaz. 16. GirT.
17. Ilſe, 18. Schwabach, 19. Eifel, 20. Titicacaſe, A1. Unga."
(Wenn jemand eine Reiſe tut, ſo kann er was erzähle=
Alle Rechte vorbehalten, Nachdruck verb. Kliſchees: F. Haußmann, alle in Or

Man

[ ][  ][ ]

H: bin noch ganz ab. Un ich hab e Gorjel wie e Reibeiſe.
WAawwer net vun de Rothauseilweihung kimmt, wie däß miß=
giſſnhe
Menſche fälſchlicherweis behaubte, ſundern däß ſin noch
diilerwchwehe vun dem ewiche Gut Heil!=Kreiſche. Awwer
ſumfzehl ich mich ganz mobill un ſaiwohl, dann ich hab dem
Tomett zehe Pund geobfert. Sex devo ſin ſchweißdriefenderweis
amgme verſchiedene Feſtawende in unſere groß zu klaane Feſt=
ſchötzball
vun mer abgefloſſe, zwaa hab ich beim Agucke vum
Flkh4, verlorn, un de Reſt is am Sunndag awend uffem Feſt=
bliſnyAbliwwe
.
yewer mei Zwangswiedern macht mer Sorje. Die hott
zeſſin, Tornfeſt de riddmiſche Fimmel. Wo ſe nausgeht, ſchlen=
keibe
mit de Aerm un ſtochert mit de Baa in de Gäächend
erffy hraß mer dauernd Gefahr laaft, ſie ſtößt aam ins Aag. Mit
dek aſffee= un de Milchkann will ſe dauernd Brunnegrubbe‟

G

hun hott mer dodebei ſchun drei Stiehl dorchgedräte. Wie
eAmgeblick in de Kich allaans is, macht ſe mitm Wälljerholz
umnitmn Kadoffelſtember Keileſchwinge un mitm Staabbäſem
AMeikabiewunge‟ Mit aam Wort, mer is ſei Läwe net mehr
1bbſi=er, un ich will emol ſähe, ob ich ſe net e paar Woche zur
hlunig ins Dannemanniſche Sannadorium dhu kann, noch
Aqu, eh daß ſe mer noch alles korz un klaa ſchlehkt.
Furichens hatt ſe die Abſicht, äwefalls Geld aus dem Torn=
ſit
aets zu ſchlage. Nemlich ſie hott ſich uff die Wiekend=
fürmang
im letzte halwe Johr verloſſe, wo noch verſtärkt is
ſia ſchorch de Mannſchäddetorner ihr ſprichwörtlich verräjend
ſonk ddie, un hott alſo agenumme, Feſt=Freidag, =Samsdag
mfurundag, däß gebte, menſchlicher Vorausſicht nooch, ſo drei
ünſaßkalte Feſtdääch. Un ſo hott ſe kallguliert, wann ſe e
1u/Kammilleteezelt uffmache dhet, un dhet de Maßkrug haaße
milletee forse Mack verkaafe, mit Jazzmuſik, daß ſe dann e
wereſchäft mache dhet. Ich haw=ere awwer beizeide ab=
ta
nin hab=er vorgeſchlage, ſie ſollt ſich als Abbnormidhet for
blüche loſſe, weil ſe Hoorn uff de Zeh hett; im Notfall kennt
plals Mondkalb uffdräte. Awwer ſie hott abgewunke un
reſtagt, Leit mit Hoorn uff de Zeh weern heit kaa Selten=
hneſhr
, die kemte viel efter vor, als mer’s denke dhet, un
ſtrk:) lwer ditto däßgleichen. Schließlich is ſe dann uff den
a4h kumme, beim Feſt=Jux=Hammelbacher als bayriſch
ſial;, zu gaſtiern, weil ſe jodele kann wie e Märzkater. Awwer
inmrmelbacher hott geſagt, er kennt ſe hechſtens als Fahne=
ſimwarwende
, er wollt ſe zu dem Zweck näwers Biffee ſtelle,
ernol, wann friſch ageſteckt wärrn dhet, wollt=er e Flagg
te ſtiſſe, wann=er däß recht weer. Awwer däß war=er aach
icht. No un ſo hott ſe’s halt geloſſe, ſich aggdief an dem
Enf, zu bedeiliche, ſundern is de Leit zimmlich paſſief im
Wenum gelagfe.
wwrichens hab ich däß aach net viel annerſter gemacht un
ſciunich am Feſt=Sunndag=Awend uff=em Juxblatz recht leit=
ſſäie
mner’s Volk gemiſcht. In dem Gedreng bin ich uff aamol
fiegrſchmaſcheer gezwengt worrn, do hott mer aaner ohne
weſſtiel, zwanzich Fennich abgeknebbt, un eh ich noch was ſage
ummutſcht uff aamol de Boddem unner meine Fieß fort, ich
ſhunnericks drei Saldo, un bis ich nor zur Beſinnung bin
im, hab ich bletzlich owwe uff=eme Ausſichtstorm geſtanne;
ſcho war aach kaa Zeit zum Verſchnaufe, dann do hott
iſſe maaner geſtanne, der hott mich im Handumdrehe uff mei
mußſchſtawe geſetzt un hott mich in e hölzern Rutſch bugſiert,
ſt dire gings widder nunner zu’s. Awwer wie ich an die

Korſtinl kumme, wo ſcheints die Rutſch e bische enger war, do
binwinait meine vier Buſchſtawe ſtecke gebliwwe un alles, wos
nooſwwatſcht is, nadierlich uff mich druff. Mit vereinte Kräfte
un ge /Rillo Schlubbpulwer hawwe ſe mich dann widder flott
gemmt, ſo daß ich zimmlich wohlbehalte widder unne geland
bin;o; mei Hinnervärdel hott es bische gebrennt.
hmum ſteh ich do un beſinn mich, wo ich eichentlich bin,
do /m; aaner gerennt un ſeecht, ich ſollt emol ſchnell uff die
Redſitgisſtatzion kumme, mei Zwangsmiedern kreecht e Kind.
2bwäß noch, hab ich gedenkt, un bin ſporrnſtraachs uff die
Redſtätgisſtatzion geſchoſſe. Do bin ich grad dezu kumme, wie
ſich /r/Bwangsmiedern aus ihre Oh’macht widder erholt hatt.
Un /)hwtt ſich’s erausgeſtellt, daß ſe in ihre Habgier zwelf
Wämrcher mit Semf, zwanzich Waffeln, ſex Portzione Eis un
zwamlufß Bier in ſich eneigemamſcht hott. Dodruff is=er ſchlecht
wormmun wie ſe ſe uff die Reddungsſtatzion ei geliwwert hawwe,
do lanwe die Sannidäter in ihre kindliche Unſchuld geglaabt,
ſie ter nin annern Umſtend. No, die Sach hott ſich ſpeter in
WokAlfallle uffgeleeſt.
Udiääß kann mer, ſoweit mer jetzt en Iwwerblick hott, aach
bun mm ganze Feſt behaubte. Vun A bis Zätt war alles ſo
groß kice organiſiert, daß ich dene verſchiedene Ausſchißler mei
allerln hftte Aerkennung ausſpreche muß; die hawwe die Sach
ganzt ws gefingert. Nadierlich, es Großordichſte war doch
mit ſ ds Wädder. Un ich bin mer noch im Zweifel, warum
däß ſondellos funkzioniert hott. Un do gibt’s nor zwaa Meech=

lichkeite: entwedder de Petrus is aach e alter Torner, odder
er is paddezibiert am Räwach vun de Räächeverſicherung. Mir
ſcheint mehr des letztere de Fall zu ſei, dann ſoviel mer heert,
is nooch kaa Feſt, wann’s verſichert war, verrächent gange; un
wann’s wärklich geräjend hott, warn’s immer noch kaa zwaa
Millimeder.
Däß haaßt, wann ſichs um zwaa Millimeder Schweiß
gedreht hett, do hett ich jo eiſſpringe kenne; die fuffzichdauſend
Mack weern dem Finanzausſchuß ſicher gewäſe. Im Notfall
hett mer jo dene ihr erſter Vorſitzender e bische beim Schwitze
unner die Aerm greife kenne, wir zwaa hette’s ſpielend uff die
erforderliche zwaa Millimeder gebracht. No, hoffentlich brauch
des Paulche net noochdräglich noch emol zu ſchwitze, wann
ſich’s um die Abrechnung dreht. Ich ſchlag eweil ſemtliche
Daume ei!
Sunſt awwer herrſcht eine Stimme des Lobs. Darmſtadt
hott de Beweis geliwwert, daß es kann, wann’s will. Es war
e Wettſchmickerei, daß aam es Härz uffgange is wie’n Heweklees.
Die Rheinſtroß hott nadierlich de Vogel abgeſchoſſe; no, die
hawwe aach’s Mullement un ſo, die kenne alſo gut Brulljes
mache. Däß Lichtgeflacker bei Awend war awwer aach groß=
ordich
, s hott nor ſo geblitzt, gezuckt, gefunkelt, geziddert, ge=
flackert
un geglitzert. Noch heller hawwe awwer die Aage vun
de Darmſtädter g ſtrahlt, wie am Sunndag der Feſtzug dorch
die Stroße is; 8 war, als hett jeder e Dranßbarent im Härz
gehatt.
Uagenehm uffgefalle is bloß die Reichseiſebahn un die
Heag, ausgerächent die, wo’s meiſte Geld debei verdient
hawwe. Sie hawwe zwar e Fahn erausgeſteckt, awwer die Sach
war recht armſeelich. Die Heag hett grad an ihre neie Faſſad
zeiche kenne, wie mer ſowas elektriſch ſchmickt. Aach am Owwer=
waldhaus
ſtehn die vier Fahnemaſte net for die Katze do; odder
warn die Fahne grad in de Weſch? Dann in farwiche Schwu=
lidäde
kimmt mer doch do aus ſo leicht net, wie beiſpielsweis
die Trauwe‟
Awwer däß iin ſchließlich Hlaane Scheenheitsfehler, die
ſchenniern große Geiſter net. Jedenfalls es warn widdermol e
paar ſcheene Feſtdääch, die wo die Herze vun de Menſche enanner
neher gebracht hawwe. Un die Dauſende und Awerdauſende
ſin mit naſſe Aage widder eniwwer gefahrn ins Beſetzte‟
awwer mit dem Gelöbnis im Härz, drei un feſt zu unſere deitſche
Sach zu halte. Will’s Gott, kenne mer ſe recht bald äweſo frei
un unſchenniert beſuche, wie ſie uns!
In däre feſtfreidiche Stimmung hab ich dann die Woch aach
noch e Eilladung krickt zu de feierliche Enthillung vum unſerm
neirennofierte Rodhaus. No, do hab ich mir geſagt, däß mag
jetzt ſei wie’s will, awwer um e paar Vers kimmſte aach do net
erum. Ich hab alſo korz un bindich mei Wimmerholz widder
an’s Härz gedrickt un hab folgendermaße losgeleecht:
Gottſeidank, nu’ is es färdich,
Unſer Rodhaus, in ſeim Staat,
Un des Ei’zugs jetzt gewärdich
Aach vun unſerm Weiſe Rat:
Drum ſo beig aach ich verſehnlich
Heit des Gnick zuguterletzt,
Weil mein Auguſt, wie gewehnlich,
Doch ſein Dickkopp dorchgeſetzt.
Heit noch mol dodriwwer ſtreide
Hott kaan Zweck, däß is doch klar,
Nemlich, ob in dene Zeide
So en Umbau needich war.
Dann es war net ſehr erſprießlich,
Des Geredd un des Geſchreib".
Un en morſcher Balke ſchließlich
Hott die neu mol Krenk im Leib!
Däß is nu' der Grund aach äwe,
Daß ich net die Hetz vermehrt,
Dann ſoviel is mir des Läwe
Vun de Stadträt doch noch wert!
Däßhalb bin ich aach net neidich,
Daß mer’s endlich doch gepackt,
Un ſtatt in de Saalbau freidich
Kimfdich dreecht ſei Haut zum Mackt!
Ja, mir brauche aach zu ſcheme
Uns in Darmſtadt jetzt net mehr,
Wann die Fremde keme dhete,
Daß däß unſer Rodhaus weer.
Blieb’s aach auße unverennert
Un baßt ſchee ins Altſtadtbild,
Hott mer’s inne ſo verſchennert,
Daß es m’ ſein Zweck erfillt.
Des Gebälk war aſch verwiddert
Un der Dachſtuhl e Malleer,
Jetzt ſteht’s feſt un unerſchittert
Im umbrandende Verkehr!
Eiſerne Ribbe dhat mer fiege
Dorch die Decke im Lokahl,
Un kaa Balke kann ſich biege
Kimfdich mehr im Sitzungsſaal!
Ja, der war in friehere Zeite
Dunkel, eng, beſchrenkt un klaa,
Jetzt ſtrebt er in Hoch un Weite
Un däß is die Hauptſach dra.
Däſſentwääche mecht ich hoffe,
Daß mer aach den Wink erfaßt,
Un ſchwätzt kimfdich frei m offe
Wie’s in die Umgäwung baßt!
Aach hott mer die Klug= un Torheit
Extra perſonifiziert,
Doch die Hauptſach is die Wohrheit,
Die en wirdiche Stadtrat ziert.
Un ich maan, in unſere Zeit gar
Fellt däß mehr noch in die Wag,
Ob was dumm, ob was geſcheid war
Waaß mer doch erſt hinnenooch!

Aach die Uhr, die groß un mächdich,
Iwwerm Ower=Stuhl ihr ſeht,
Seecht Eich, daß mer wohl bedächdich,
Doch ſtets mit de Nei zeit geht.
Sie erinnert, ſtreng gemeſſe,
Daß Ihr net die Zeit verpafft,
Un däß ſoll mer nie vergäſſe,
Dann geredd is net geſchafft!-
Un wärd kimfdich Ihr net aanich
Mit dem Redde un Verdruß,
Is es ſchun des Beſte, maan /.
Ihr verzicht uff en Beſchluß;
Loßt des Schenne un des Kreiſche,
Do kimmt nix debei eraus. . .
In de Radsſtubb noochher gleiche
Alle Gäächeſätz ſich aus
Ja, die Radsſtubb! Grad dodriwwer
Hott der Bärjer ſich geärt,
Däß Gedees un däß Gediwwer
Hatt, waaß Gott, nu’ gorkaan Wert,
Nemlich hett nor ſchun beizeite
Uns der Bux däß klar gelegt,
Daß die Sach weer ſo beſcheide,
Hett ſich niemand uffgeregt.
Naa, den Raum dhun mir Eich genne,
Wo Ihr Eich zuſamme ſetzt,
Dann Ihr lernt Eich beſſer kenne,
Wann Ihr wo e Fläſchje pätzt.
Dhut hier ruhich en Schobbe blooſe,
Awwer do verloßt Eich druff,
For des Bäch in Eiere Hoſe
Kimmt die Bärjerſchaft net uff!
Un ſo mecht ich net mehr ſtreide,
Weil es zwecklos offenbar,
Nemlich ob in dene Zeide
All däß alles needich war.
Ihr jedoch, Ihr Herrn, därft danke
Unſerm Auguſt herzlich jetzt,
Weil er, ohne je zu wanke,
So for Eich ſich ei geſetzt.
Ich doch mecht die Hend heit falte,
Ernſt un fromm un inniglich:
Eierm Schaffe, Eierm Walte
Geb mein volle Sege ich;
Un es ſchenk zu alle Zeide
Eich der Himmel Gribbs un Kraft,
Eier Wirke mög er leide
Stets zum Wohl der Bärjerſchaft!
In dem Sinn fillt Eier Becher
Un gebt Eierm Herz en Ruck,
Denn als alte, wackere Zecher
Gilt es en gewaldiche Schluck!
Dhut Eich vun de Sitz erhewe
Laut erſchall’s am Große Woog:
Unſer Darmſtadt es ſoll lewe
Hoch un hoch un noch mal hoch!
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdum: Daß awwer Darmſtadt net bloß in
Darmſtadt was gilt, ſundern daß mer ruhich ſage kann, daß
es aach, außer als am Große Woog, ſich in Deitſchland un de
umliegende Weltdeile en große Name macht, däß wolle mer, in
aller Beſcheidenheit, doch net vergäſſe. Un ſo mecht ich heit ganz
poſtſchkribbdimmlicherweis zwaa Heiner gedenke, die wo ſich
drauß in der Welt dorchgeſetzt hawwe, un zwar erſtens mal
dem Berliner Stadtbaumaaſter Geheimerat Dockder=Inſch. Lud=
wig
Hoffmann, der wo am 31. Juli ſein fimfunſibbzigſte
Geburtsdag gefeiert hott. UInſer weitblickend Stadtverwaldung
hott=em allerdings bereits zum achzigſten Geburtsdag
graddeliert, was jo aller Ehren wert is, awwer ſo bräſſierts
dann doch net. Jedenfalls mecht awwer ich unner de Gradde=
lande
aach net fehle. Dann was de Auguſt Buxbaum for
Darmſtadt is, däß is de Ludwig Hoffmann for Berlin.
Hoffentlich hawwe die Berliner noch recht, recht lange an=em!
Zweidensmal bedriffs unſern Kabbideen Karl Schmehl,
der wo im Krieg Erſter Offezier vun dem beriehmte Hilfs=
kreuzer
Wolf gewäſe is un bereits rund dreiundreißig Jahr
zur See fehrt; en Mann vun unbegrenzter Tabferkeit! Er
hott vor Korzem widder e hoch Auszeichnung krickt, weil er drei
Menſche aus de Oſtſee geredd hott. Im ganze hott=er jetzt
ſiwwe aus dem Wellgrab gezoge: aan aus em Rote Meer,
aan aus em Weſtindiſche Ozean, aan aus de Newa, aan aus de
Lahn un drei aus de Oſtſee; ferner hott=er bei=eme Hafebrand
in Bombay uff=eme Dinnamitſchiff ſei Läwe for die annern
uff’s Spiel geſetzt. Alſo mir därfe ſchun ſtolz ſei, uff unſern
Karl Schmehl. Un ſoviel ich waaß, hott er die Abſicht, net eher
zu ruhe, bis er vun alle Menſchenraſſe wenichſtens aan
for’m Erdrinke gerett hott. No, do ſag ich bloß: Viel Glick!

Der zeitgemäße Haushalt.

Leichte Sommerſuppen, die nicht erhitzen
Eine Mahlzeit ohne vorhergehende Suppe wird von vielen
Herren als halbe Mahlzeit betrachtet, da ſie das Gefühl der
Sättigung noch beſonders hervorruft. Doch ſtreichen ſie viele
Hausfrauen vom ſommerlichen Speiſezettel, da ſie nach ihrer
Meinung erhitzend wirken, was ja auch bei Fleiſchbrühſuppen
der Fall iſt. Doch können dieſe ja durch andere Suppen erſetzt
werden, wozu nachfolgende Auswahl als Anregung dienen ſoll.
Süße Sagoſuppe mit Milch. 1 Liter Milch ſetzt
man mit 1 Stückchen Zitronenſchale und 1 Stückchen Stangen=
zimt
(am beſten in einer Gewürzkugel in den Topf gehängt) zum
Kochen auf, quirlt 50 Gramm kalt abgequirlten Sago darunter
und läßt die Suppe unter öfterem Rühren 20 Minuten kochen.
Vor dem Anrichten ſchmeckt man ſie mit Zucker und 1 Teelöffel
friſcher Butter ab.
Feine Buttermilchſuppe. Damit die Buttermilch
nicht gerinnt, verquirle man ſie in kaltem Zuſtande mit dem
Mehl, und zwar nehme man auf 1 Liter Buttermilch 2 Eßlöffel
Mehl, rühre ſie auf dem Feuer bis zum Kochen weiter, laſſe ſie
noch 10 Minuten ſtehen, um ſie dann mit Süßſtoff nach Ge=
ſchmack
, Salz und 1 Glas Apfel= oder Kochwein abzuwürzen und
mit 1 Eigelb legiert, über in Butter geröſteten Semmelbröckchem
anzurichten.
Umhüllte gebackene Blumenkohlröschen. Der
zugeputzte Blumenkohl, wird in Röschen geteilt, die man in
leichtem Salzwaſfer gar kocht. Nun bereitet man ſich von 2/s Liter
Milch, 1 Ei, ½ Teelöffel Salz und 3 bis 4 Eßlöffeln Mehl einen
dickflüſſigen Teig, in den man mit einer Spicknadel die Blumen=
kohlroſen
taucht, um ſie in ſiedendem Fett lichtbraun zu backen.
Vorzüglich als Beilage zu Kalbfleiſch.
Schotenſalat mit Mayonnaiſe. Ausgekernte Scho=
ten
ſetzt man mit Waſſer, dem man etwas Salz und eine Meſſer=
ſpitze
Zucker beigefügt hat, zum Kochen auf, um ſie, vom Waſſer
abgegoſſen (das man zur Suppe verkocht) mit einer dickſämigen
Mayonnaiſe zu miſchen

[ ][  ][ ]

P

ndielt
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Belte, duchile.
Art

Das

Herbſt=Roſtum

Lange Zeit hindurch war das Koſtüm
ein ausgeſprochenes Stiefkind der
Mode, und dieſes einſt ſo beliebte und
faſt unerläßlich erſchienene Kleidungs=
ſtück
wurde derart in den Hintergrund
gedrängt, daß es nach und nach ganz
in Vergeſſenheit geriet. Erſt während
des vergangenen Frühjahres verſuchten
die großen Modeſalons, eine Koſtüm=
mode
neuerlich dem Intereſſe der
Frauenwelt nahezubringen, doch hatten
ſie damit eigentlich wenig Erfolg. Ob=
zwar
die Modelle ſicherlich ſchön, gut
und kleidſam waren, wollte die mode=
kundige
Frau auf die Abſichten der
großen Salons in dieſer Richtung nicht
eingehen und ſtand dem Koſtüm nach
wie vor kühl gegenüber.
Eigentlich muß man ſich wundern,
daß die Mode nicht auf größere Erfolge
hinweiſen darf, doch wird wan viel=
leicht
einſehen, daß das Koſtüm ſich bis=
her
nicht durchſetzen konnte, wenn man
bedenkt, daß das ſicherlich praktiſchere
Complet die Mehrzahl auf ſeiner Seite
hatte, und wenn man ferner in Er=
wägung
zieht, daß gerade das Früh=
jahrskoſtüm
ein Kleidungsſtück iſt, das
man verhältnismäßig ſehr wenig aus=
zunützen
vermag, weil es eben nur für
die Uebergängswochen in Frage kommt.
Abgeſehen davon, waren die Koſtüme,
die man für die Frühjahrsſaiſon ge=
ſchaffen
hatte, zwar ſehr nett, aber in
ihrer Schlichtheit immerhin etwas phan=
taſiearm
und darum ein wenig reizlos,
was ſicherlich für ihren Mißerfolg mit=
beſtimmend
geweſen ſein mochte.
Die bedeutenden Schneiderfirmen
haben aber ihre Abſicht, das Koſtüm
wieder in Mode zu bringen, keineswegs
aufgegeben; denn auch für den Herbſt
zeigen ſie dieſe Modellart wieder, aller=
dings
in ſehr verbeſſerter Auflage.
Die neuen Faſſons ſind ſoweit es
ſich nicht um abſolut ſportliche Typen
handet, die ja immer durchaus ſchlicht
ſein müſſen ſehr originell und wer=
den
, ohne extravagant zu ſein, ſicher=
lich
wegen ihrer reizvollen Form die

Aufmerkſamkeit auf ſich zu lenken vermögen. Für das neue Herbſt=
koſtüm
verarbeitet man alle Arten von Materialien. Neben den
haarigen und flauſchigen, alſo ungemein ſchmiegſamen Woll=
ſtoffen
ſieht man auch ſchwere Seiden, die ſehr ſchön wirken und
die man keineswegs für unpraktiſch halten darf, da ſie ganz im
Gegenteil ſehr haltbar und darum ungemein elegant ſind.
Außerdem verarbeitet man für das neue Koſtüm allerhand Samte,
die immer ſehr flott wirken und ausgezeichnete Effekte ergeben.
Lediglich die ganz ſportlichen Koſtüme verfertigt man aus waſſer=
dichten
Geweben und füttert ſie gerne mit Kameelhaar oder einem

feinen Trikot ein, was ſie warm und angenehm für die unfreund=
lichen
, feuchten Herbſttage macht, ohne dabei die Figur unnötig
ſtärker erſcheinen zu laſſen. Modefarben für das neue Prome=
nadekoſtüm
ſind: dunkel=beige, erdfarben, ein rötliches Braun,
pflaumenblau, petroleumblau, mittelgrau und flaſchengrün.
Einen ſehr weſentlichen Faktor in der Koſtümmode ſtellt die
Pelzgarnitur dar. Man verwendet heuer ſowohl flache als auch
langhaarige Felle, und zwar vornehmlich edle Sorten, aber auch
gute Nachahmungen. Ganz beſonders in Mode ſind für Kragen=
und Manſchetten=Verbrämungen alle Arten von Füchſen (die

kleinen Baby=Füchſe ſind wirkungsg
voll und nicht allzu koftſpielig), fernen
ſieht man ſehr viel grauen und braun=
Perſianer, daneben die Perſioner=
Klauen, die wie Breitſchwanz wirken=
und außerdem die ihnen ähnlichen
breitgelockten grauen und ſchwarznn
Karakül=Felle. Wenn man ſchmole)l
ſogenannte Streifen=Verbrämungen
die nur den Rändern des betreffendem=
Modells folgen, in Erwägung zieht, ſo
wird man allenfalls kurzhaariges, ne
deres Pelzwerk gebrauchen. Als ſolchz
iſt vor allen Dingen Nutria oder 70
zu erwähnen, deren Verwendung no n
von der Farbe des betreffenden
ſtümes abhängig machen wird.
Die neueſten Modelle für den huß
ſind im übrigen bisweilen (diea
vornehmlich für die eleganteren ,
mit Stickereien garniert, und m
wird man in der Hauptſache ſiu
Applikationsarbeiten zu ſehen bie
men. In erſter Linie ſchafft die 20
auflage=Technik ausgezeichnete neie
diſche Möglichkeiten.
Das in unſerem erſten Bilde berm=
ſchaulichte
Koſtüm bringt derarg
Applikationseffekte auf den Unte
ärmeln ſowie auf den aufgeſetzien
Taſchen, und zwar hat man ſich de/s
Koſtüm in einem ſchönen Faulgyn
und die Leder=Applikationen in Mei
ſchiedenen Schatttierungen von Grinu
und Roſtbraun zu denken. Das braun=
Nutriafell hebt ſich von dem grünn
Grundſtoff ſehr vorteilhaft ab. Vemm
man die Jacke ablegt, ſieht man einen
flotte, halblange Seidenbluſe (Bild ?
in der Farbe des grünen Stoffes, miit
einem ſchmalen Gürtel zuſammenn
gehalten und mit Applikationseffelten
die jenen der Jacke entſprechen. De=
Pullover=Ausſchnitt erhält ſich ack
noch für die herbſtliche Mode.
Ein flottes Samtkoſtüm in einemn
ſchönen dunklen Pflaumenblau zeigt 7
Bild 3. Da dieſe Jacke, nicht guz
ſchließt, (offenſtehende Jacken ſnd für 7
die Uebergangsſaiſon ſehr beliebt, dac
ſie angeſichts ihrer Pelzverbrämungenn
einen ungemein originellen Konnaſtſ=
gewähren
) macht ſie eine weſtenarhgen
Bluſe aus ſtarkem Material erfordel=)
lich, um an Herbſttagen entſprechenal
warm zu halten. Unſer blaues Modalll,

für und 1on Oihte.
und beichtigten
N die den Reſt deß eil
zDieſe ind die B.
mungen.
Hat der
Bohnen?
Selbſtverſtichndl.

Ae
brecherwel
ſich, abet
Durch die Bi
Hier werden 1u.

um Beiſpiel wohnt
Können auch t
Haben Sie eit
Nerig.
Jawohl, ich wvit
Biut hier aufchlag
ver zu beſichtigen?
Getwiß. Dmm
telephone ab und riK
bier iſt Mr. Lanier
Gauptſchlüſſel herau
Miglied, die Schlafz
In etva einer
ſtück ſerviert he
Mufſſel bwumt
eiden voran in

iſt mit grauem Fell eingefaßt, wirkt ſehr flott, dabei aber Mei
geſucht und einfach.
Bild 4 macht mit dem ſogenannten Allwetter=Koſtüm heen
traut, das aus gutem imprägnierten Stoffe hergeſtellt
immer gute Dienſte leiſten wird. Man gibt ihm gerne eine leicie
ſportliche Note, die durch die hier angewandten Hohlfalten aſc
beſten zu erreichen iſt. Für die Verbrämung zieht man mit hei
ſonderer Vorliebe auſtraliſches Opoſſum, das typiſcheſportlgee
Fell der kommenden Jahreszeit, heran.
Willy ungak

Waſſerfallartige Effekte

ſind auf den hochſommerlichen Abend=
kleidern
ſehr beliebt, weil ſie ihnen
jene Weichheit der Linie vermitteln,
die insbeſondere beim Tanz ſo unver=
gleichlich
ſchön wirkt. Ganz ausge=
zeichnet
eignen ſich für dieſe Verarbei=
tung
die modernen Schleierſtoffe und
Gaze=Gewebe, weil ja hier verhältnis=
mäßig
viel Material notwendig iſt, das
aber angeſichts ſeiner Weichheit und
Leichtigkeit nicht kompakt, ſondern
immer duftig ausſieht. Dieſe Kleider
wird man gerne in Weiß oder in einer
ſchönen hellen Paſtellfarbe anfertigen,
doch nehmen ſie ſich im abendlichen
Licht auch in grellen Schattierungen,
wie Brandrot, Kirſch oder Kornblau
keineswegs unvornehm aus.
Wie man ſich dieſe waſſerfallartigen
Schürzen zu denken hat, zeigt unſer
Bild. Man ſieht daraus, daß rechteckige
Gazeſtücke unterſchoben an das Grundkleid genäht werden,
wobei eine Seite freibleibt, die eben den waſſerfallartigen Ein=
druck
ergibt. In der gleichen Manier, wie dieſe Schürzen auf=
genäht
und umrahmt werden, erſcheint auch der Sattel mit
Seidenſtichen markiert, der im übrigen ſeitlich mit einer großen,
weichen Kunſtblime verziert iſt. Als Vervollſtändigung eines
ſolchen Abendkleides und gewiſſermaßen als Erſatz jeglicher Um=
hülle
verwendet man heuer gern einen großen Schal aus dem
Material des betreffenden Modells, der den gleichen Aufputz auf=
weiſt
wie das Kleid ſelbſt. (Hier alſo die Seidenſtiche, die auch
den Sattel und die Anſatzſtelle jeder einzelnen Schürze abgrenzen.

Der bunte Schal

iſt eine neue modiſche Einführung, die ſchon deshalb ſehr aus=
ſichtsreich
iſt, weil ſie ſehr jugendlich wirkt und jedem Kleide eine
reizende, höchſt graziöſe Note gibt. Dieſe farbigen Tüchlein laſſen
ſich ſowohl auf vormittäglichen als auch auf nachmittäglichen

JacA

Modellen anbringen, kommen alſo für Stoff= und Seidenkleider
in Frage. Die Bindart des Tuches iſt eine ſehr verſchieden=
artige
. Am beſten ſieht der ſeitliche Knoten aus, da in dieſem Falle
die Tuchenden in flotter Art durch eine Spange gezogen oder mit
einem kleinen Kunſtblumenſtrauß feſtgehalten werden können.

Das Gartenkleid

das natürlich nicht nur für dieſen
Zweck, ſondern auch für den Weg zum
Bade in der Sommerfriſche, ja ſogar
für den Vormittag am Strande ſehr
gut verwendbar iſt, aber auch für den
Hochſommer im Gebirge nett ausſieht,
wirkt nur dann gut, wenn es wirklich
ſehr ſchlicht und aus einem beſonders
einfachen Material hergeſtellt iſt.
Eigentlich kommt für dieſen Zweck nur
ganz ſchwere Rohſeide (Schantung)
oder ein ſehr grobfädiges Leinen in
Frage. Die Form iſt ebenſo ſchlicht
wie das Material: am beſten ſieht eine
kittelförmige Faſſon aus, bei der even=
tuell
vorne eine mehrfach eingebügelte
Falte eingelegt ſein kann. Der vier=
eckige
Ausſchnitt iſt ſehr modern und
läßt ſich hier beſonders gut anwenden.
Ein breiter Wildledergürtel, der die
Hüfte umſchließt, gibt dieſem Kleide

ſolches Kleid mit einer ganz primitiven Stickerei aus gkoh.
Garn oder Wolle, die natürlich unbedingt gut waſchbar ſein Moc

Ein ganz neues Verfahren ermöglicht es, ſogar Waſchſtoſſe.
einer farbechten Malerei zu verſehen, die angeſichts ihrer Ofls"
nalität ſchon jetzt beliebt iſt und mit Intereſſe verfolgt Mi.

Der Chamäleon=Teint der Dame. Der elegante franzöſiſche
Badeort Deauville hat gegenwärtig ſeine Hochſaiſon, und hier
wird die maßgebende Mode gemacht, der ſich dann die übrige
Welt willig fügt. Beſonders ſchwer hat es die Dame nach den
neueſten Geſetzen dieſer Tyrannin mit ihrem Teint. Es iſt näm=
lich
unbedingt erforderlich, daß ſie des Abends beim Ball
mit der weißeſten Hautfarbe erſcheint, wenn ſie nicht von
Natur übe: jenen zart olivgrünen Ton verfügt, der ebenfalls
modern iſt. Dagegen ſind tiefgebräuntes Geſicht und Nacken mor=
gens
am Strand und auch während des nachmittäglichen Sonnen=

bades notwendig. Sie hat alſo wie ein Chamäleon ihren Teint
zu wechſeln, je nach Tageszeit und Gelegenheit. Dieſes ſchwierige
Problem wird dadurch gelöſt, daß die elegante Frau ihre Haut
auf das ſorgfältigſte gegen die Sonnenſtrahlen ſchützt und ſich
die gewünſchte Sonnenbräune auf künſtliche Weiſe zulegt. Die
Schönheitsſalons wetteifern darin, den waſſerdichten Badeteint
bei ihren Kundinnen hervorzuzaubern und liefern die nötigen
Mittel, die etwa 14 Tage reichen, ſchon für 20 Mark. Dieſe Aus=
rüſtung
der Badenixe beſteht in einem großen Topf mit Gold=
Creme, einem kleineren Gefäß mit einer fleiſchfarbenen Creme

und ſchließlich aus einer Creme in tiefer Bronzefarbe, woöl.
ine Doſe mit roter Creme, ein brauner Pinſel zum Ziehen.
Augenlider und eine Flaſche mit einer waſſerdichten Koshl.
ſowie eine Büchſe mit kakaofarbenem Puder kommen, Bile

und brünette Damen werden gleich behandelt. Die Behano..
vollzieht ſich derart, daß zunächſt Geſicht, Arme und die Teie
Körpers, die vom Badekoſtüm nicht bedeckt ſind, mit Golde‟.
eingeſchmiert werden; dieſe wird wieder abgerieben und.
eine Schicht fleiſchfarbener Creme erſetzt, die in die Hau,.
maſſiert wird.

Einla
Eu einen

bends

reltag, de

8 Uhr

LIndikus

eine flotte Note. Aufgeſteppte Taſchen ſind hier nicht nur ?e
angebracht, ſondern auch praktiſch, weil man darin die A.
notwendigſten Toilette=Requiſiten für das Bad oder den Sp0i.
gang unterzubringen vermag. Mit Vorliebe verſieht man."

[ ][  ][ ]

e für
eilen

ſaummer 212
Der Club der Vierzig.
(9lbearbeitet nach einem Roman von Robert W. Chambers
von Edgar May.
10
(Nachdruck verboten)
Sie wandten ſich langfam ab und ſchlenderten durch die
4be der breiten, mit einem Sammet=Teppich belegten Mar=
mieppe zu. Im erſten Stockwerk angelangt, wies der junge
4 Mir auf einen grotzen Raum.
Dies hier iſt die Bibliothek. Sie iſt unſer Stolz und ent=
100o ziemlich alle in unſeren hm Beruf einſchlägigen
zbk., darunter viele verbotene und Privatdrucke.
NWelcher Art?
Zum Beiſpiel über Gifte und über die Herſtellung eigen=
Pgrr Werkzeuge.
EEinbrecherwerkzeuge meinen Sie wohl?
Matürlich, aber auch ſonſtige. Mit einem Wort alles, was
1ſtuns von Intereſſe iſt.
urch die Bibliothek gelangten ſie in ein Schreibzimmer
19 beſichtigten ſodann eine Reihe vo nkleinen Privat=Salons,
Aſſorn Reſt des erſten Stochwerkes einnahmen.
Sier werden unſere Pläne geſchmiedet, ſagte er erklärend.
ſtſe ſind die Brutſtätten zahlreicher intereſſanter Unterneh=
Uhigen.
Dat der Club auch Schlafzimmer? Kann man hier
bnen?
Selbſtverſtändlich; in den oberen Stockwerken. Welper
19 Beiſpiel wohnt ſtändig hier.
Fkönnen auch weibliche Mitglieder Zimmer erhalten?"
Haben Sie etwa ein Verlangen danach? fragte er neu=
Jawohl, ich würde nicht ungern einige Tage meine Wohn=
ſtelhier
aufſchlagen. Wäre es möglich, eines der Schlafzim=
1nt zut beſichtigen?
Bewiß. Damit hängte er den Hörer eines der Haupt=
pnone
ab und rief den Portier an. Sind Sie das, Gorm?
1Efſt Mr. Lanier. Bitte, ſchicken Sie Dan Supple mit dem
betſchlüſſel herauf. Ich möchte Miß Dirck, unſerem neuen
Bgied, die Schlafzimmer zeigen.
In etwa einer Minute erſchien der Diener, der ihnen das
Khrück ſerviert hatte, mit einem Schlüſſelring, an dem einige
AeSchlüſſel baumelten. Mit einer einladenden Geſte ſtieg er
16 geiden voran in das obere Stocwerk himauf und öffnete mit

Sonntag, den T. Auguſt 1927

Geite 19

einen der Schlif eine Tur, die mui en Ducher F. S=.
zeichnet war.
Der Naum den die beiden daach betraten, glich in allen
Einzelheiten den Zimmem eines vornehmen Hotels. Anliegend
befand ſich ein Badezimmer.
Nachdem das junge Mädchen wieder auf den Korridor
hinausgetreten war, muſterte ſie die Reihe von Türen.
Kann ich wir ein beliebiges Zimer ausſuchen? fragte ſie.
Jedes, mit Ausnahme von A und H:. Welper hat das
Zimmer 4 belegt, und ich wohne in .
Dann wähle ich mir, ſagte ſie mit einem bezaubernden
Lächeln, das Zimmer G, damit ich mit dir durch die Tür
ſprechen konn, wenn ich mich einſam fühle. Bitte, geben Sie
mir den Schlüſſel, ſagte ſie zu dem Diener gewandt.
Dies hier ſind Hauptſchlüſſel, Madame. Ihr Schlüſſel be=
findet
ſich beim Portier.
Würden Sie ſo freundlich ſein, ihn wir zu holen?
Jawohl, Madame, ſehr gerne.
Sie ſtreckte eine ihrer wohlgeformten Hände nach dem Schlüſ=
ſelring
aus. Geben Sie mir den Bund ſagte ſie, ich möchte
das Zimmer inzwiſchen beſichtigen.
Der Diener entfernte ſich, und die beiden ſchlenderten zuſam=
men
dem Zimmer G zu.
Bitte, öffnen Sie zuerſt Ihr Zimmer, ſagte ſie heiter zu
Lanier gewandt, ich möchte ſehen, wo Sie wohnen.
Während er mit dem Aufſchließen beſchäftigt war, entfernte
ſie geſchickt den Hauptſchlüſſel von dem Bund und erſetzte ihn
durch einen ähnlichen aus ihrer Taſche.
Hier hauſen Sie alſo? ſagte ſie, nachdem Lanier ſein Zim=
mer
geöffniet hatte, von der Schwelle aus.
Wollen Sie nicht eintreten?
Schickt ſich das? Allerdings in elnem Club dieſer Art wird
man dergleichen nicht ſonderlich genau nehmen.
So iſt es. Sie können unbeſorgt näher treten.
Sie lächelte und ſchien zu zögern, aber bevor ſie zu einem

Meieu

Mervenkranke
u. Nervös-Erschöpfte. Spezialkuranstalt Hofheim im Taunus
bei Prankturt am Main. Prospekte dureht
(18386
Dr. M. Schulze-Kahleyss, Wervenarzt.

Entſchlußz kam, kehrte der Diener, den Lanier Dan Supple ge=
nannt
hatte, mit dem Schlüſſel zum Zimmer G zurück.
Danke, ſagte ſie, ergriff den Schlüſſel ud legte den Bund
wieder in die Hände des Dieners. Dann öffnete ſie die Tür zu
ihrem Zimmer und warf einen flüchtigen Blick hinein.
Ich nehme das Zimmer, ſagte ſie kurz.
Auf dem Wege nach unten blieb ſie im erſten Stockwerk ſtehen,
Hat der Club außer mir noch andere weibliche Mitglieder?
fragte ſie ihren Gefährten.
Jawohl, vier oder fünf.
Frauen von
Welcher Art ſie ſind, bnauche ich Ihnen wohl nicht erſt zu
ſagen. Fragen Sie mich jedoch nicht nach ihren Namen; Fragen
perſönlicher Natur ſind in unſerem Club verpönt.
Iſch verſtehe.
Es könnte leicht geſchehen, daß Sie einem unſerer weiblichen
Mitglieder in den beſten Geſelſchaftskreiſen begegnen. Wir neh=
men
nur Leute auf, die ſich in guter Geſellſchaft bewegen können
und ſich in nichts von den Menſchen der vornehmen Welt unter=
ſcheiden
. Gerade das macht unſeren Club ſo geführlich. Sie ge=
hören
doch auch zu gefährlichen Menſchen, nicht wahr, teure
Marion?
Er lächelte ihr neckiſch zu, ſodaß ſie ihm ſeine fomiliäre An=
rede
verzieh. Er war ſo hübſch und ſo ſympathiſch, daß ſie außer=
ſtande
war, ihm ſeine Keckheit übel zu nehmen.
Wie ſtellen Sie ſich eigentlich unſere ferneren Beziehungen
vor, Mr. Lanier?
Höchſt einfach. Wir ſind das übliche Gaunerpaar. Sie
locken die Männer an, beſtehlen ſie und teilen den Naub mit mir=
Das ſind unſere geſchäftlichen Beziehungen; im übrigen gelten
wir Dritten gegenüber als Verlobte.
Ach ja, das hatte ich vergeſſen.
Das dürfen Sie niemals ergeſſen, denn nur in dieſer Eigen=
ſchaft
ſind Sie in den Club aufgenommen worden. Ihr Beneh=
men
mir gegenüber darf niemandem Anlaß geben, unſeren Braut=
ſtand
zu bezweifeln.
Sie ſah betroffen vor ſich hin. Ihre Augen umſchleierten ſich
und ſie ſchien unſchlüſſig zu werden. Dann raffte ſie ſich auf.
Meinetwegen, ſagte ſie, aber Sie müſſen ſich eingedenk halten,
daß es nur zum Schein iſt. Außer umſeren geſchäftlichen Be=
ziehungen
haben wir nichts miteinander gemein. Ich hoffe, daß
Ihnen das klar iſt.
Vollkommen, ſagte er ernſt.
(Fortſetzung folgt.)

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Mo Tanf Laufiasblain

HiSgeWerbeverein und Hand-
WFFervereinigung Darmstadt.

Einladung
rzu einem Vortrag
mm Freitag, den 12. Nuguſt 1927
ahends 8 Uhr im Fürſtenſaal
Grafenſtraße)
undikus Dr. Kollbach
ſpricht über:
e -hayrische Handwerksaus-
Belunfun De Laeg
184 eich wird auch über die Sonder=
zu
: des heſſiſchen Handwerks zur
Miinchener Ausſtellung berichtet.
Te/ Freunde des Handwerks ſind zu
ſemm Vortrag herzlichſt eingeladen,
Der Vorſtand.
B048ga)

Geſſigelzuchtverein
Drdäalt.
Montag, 8. Auguſt 1927,
abends 8½uhr
Monatsversammlang
L
im Fürſtenſaal, Grafenſtraße
A Ezerdnung: 1. Mitteilung. 2. Land=
wirtſch
. Landesausſtellung 1927.
8. Bericht über die Tagungen in
Karlsruhe u. Worms, 4, Verloſung

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Heute Sonntag abend

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Hia Pankau, Ellen Kürti, Nils Asther, Hans Mierendorf.

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Der russische Roman-Film in 7 Akten. (*20462

Rummeibräu
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Eintritt frei!
Eintritt frei!
Auswahlreicher Mittagstisch von Mk. 0.90 an
Gleichzeitig
Sommerkest des Männer-Gesangvereins
Anfang 4 Uhr! Westend Anfang 4 Uhr!
Saal Tanz
(*20392

Heute ab 11 Uhr vormittaur)
Rosenschau
Restauration z. Nordbahnha
Peter Roßmann - Frankfurterstraße
Nachmittags ab 3 Uhr
dARTEN-KONZERT MIT TAN
Tombola, Preisschießen u. Kinderbelustigur:
Großes Eselfahren (* 203 V
Freier Eintritt zum Festplatz Bierpreis20

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Darmſtadt
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Sonntags-Ausflug
an die herrliche Bergſtraße
(Malchen Seeheim Jugenheim)
Kirchweih in Seeheim
Autobusfahrten ab weiß. Turm (Schloß)
Sonntagsfahrplan: Vorm. 8:0 100, 122;
nachm. 230, 30, 3, 40, 500 Rückfahrten
ab 6 Uhr abends etwa ſtündlich. (12327
Autobetrieb Bergſtraße‟

Aufruf!
An die Bevölkerung Darmſtadts und Umgebung!
Am Donnerstag, den 11. Auguſt 1927 wird der Geburtstag
der deutſchen Republik, wie überall im Reiche, auch in der
Landeshauptſfadt in würdiger Weiſe gefeiert werden. Zu dieſer
Verfaſ ſungs=Feier
iſt die geſamte Bevölkerung herzlichſt eingeladen.
Anſchließend an die von der Landesregierung und der Stadt-
verwaltung
veranſtaltete Feier im Landestheater findet am
Donnerstag, den 11. Auguſt 1927 ein
Fachel zu g
ſtatt. Dieſer ſiellt ſich um 20.45 Uhr auf dem Paradeplatz auf
und marſchiert pünktlich um 21.15 Uhr über den Marktplatz,
durch die Ludwigſiraße, Eliſabethenſiraße, Wilhelminenſtraße
nach dem Zuiſenplatz, woſelbſt der Herr Staatspräſident vom
Balkon des Landtagsgebäudes eine Anſprache an die Bevölkerung
richtet. Das Monument, der Luiſenplatz und die Rheinſtraße
erſtrablen in feſilicher Beleuchtung. Alsdann bewegt ſich der
Fackelzug durch die Zuiſenſtraße, Zeughausſtraße, Alexander=
ſtraße
Magdalenenſtraße. Pankratiusſtraße, Wenkſtraße, Hein=
heimerſiraße
, Liebfrauenſtraße nach dem Friedrich Ebert=Platz,
der in feierlicher Weiſe durch Herrn Bürgermeiſter Mueller
ſeine Weihe erhält.
Auf dem Friedrich Ebert=Platz wird als Abſchluß ein großes
Brillant=Feuerwerk
abgebrannt.
(12318
Die Bevölkerung von Darmſiadt wird gebeten, am Donners=
tag
ihre Häuſer in den Reichs= und Landesfarben zu beflaggen.
Der vorbereitende Ausſchuß.

Sidenseillngärien
Sonntag, T. Auguſi, vorm. 11 Uhr

Leitung: Städt. Kapellmeiſter
Ernſt Guido Naumann
(St. 12299)

Orangeriebärter
Tel. 3548
Sonntag, den 7. August
nachm. 4 Uhr
Kinderfest
mit Konzert
Eſelfahren, Eſelreiten, Kletterbaum, Sack=
hüpfen
, Eierlauf.
Abends 8 Uhr 20445
Reunion
Mittagstiſch in verſchiedenen Preislagen,
Kaffee, Eis, Kronenbiere. Schönſter Auf=
enthalt
. Eintritt frei.

Ludwigshöhe f
Heute nachmittag 4 Uhr
Konzert
Städt. Orcheſter
12326
Leitung: Konzertmeiſter Finke.
10er=Karten haben Gültigkeit.
Bei ungünſtiger Witterung Saalkonzert.
Für Nichtkonzertbeſucher Nebengarten.

Behrens-Hufnagel
Traisa
Heute ab 3½ Uhr
Gartenkonzert und
Tanzkränzchen
Eintritt frei! ( 20413) Wochenende

Heute nachmittag 4½= Uhr
ſpricht Herr K. Lopata aus Böhmen
im Saale Waldſtr. 18 über das Thema

Jedermann herzlich eingeladen.
Keine Kollekte. (*20427

Gaſthaus u. Kaffee zur Linde
Nieder=Ramſtadt.
Den Einwohnern und Umgebung zur Kennt=
nis
, daß ich am Sonntag, den T. Auguſt
Panzmaftt
mit Streich=Orcheſter abhalte.
Gepflegte Weine. f. Biere. Beſte Küche.
Es ladet ein
(-20387
G. Hieronymus u. Frau.

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Am Sonntag, 7. Auguſt, fährt der
Omnibus vom Verkehrsbüro nach
dem Einſiedel, morgens 9, 10½, 12,
mittags 1½, 3, 4½, 6, 7½ 9. Uhr
hin und zurück.

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Vorführung der Lichtbilderfolge von der Firma Heinrich Lautz, projektiert
von der Firma Baumbach Nachf. Otto Brzoska. U. a.: Die Einweihungsfeier-
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und Festgruppen
10 Uhr: Feuerwerk
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ſtündl. zurück. (*20439

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Sonntag, den 7. und Mon-
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, den 8. August 1927
erstkl., mod. Streich-I. Blas-Orchestek
Gleichzeitig geſtatte ich mir,
dem geehrten Publikum meinen
neuen großen, Saal
in empfehlende Erinnerung zu
bringen. Ich empfehle ferner
bestens gepflegte Weine, ff iI.
Bier und eine vorzügl. Küche-
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