Darmstädter Tagblatt 1924


18. Dezember 1924

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Einzelnummer 10 Goldpfennige

Ver

beſtin

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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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Nummer 351
Donnerstag, den 18. Dezember 1924. 187. Jahrgang

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Rabatt weg. Danktonto: Deutſche Bank und Darm=
ſtädter
8 Nationalbanis.

Der erſte Verſuch.
2son unſerer Berliner Redaktion.
R eichspräſident hat ſich verhältnismäßig raſch entſchlof=

ſu unztilhmen. Noch bevor er die Fraktionen alle gehört hatte,
at eif un Führer der Deutſchen Volkspartei Dr. Scholz am
Liensst rmitgeteilt, daß er vorausſichtlich am Mittwoch Dr.
Streſ him um die Bildung des Kabinetts erſuchen würde. Er
bies danf hin, daß ſchließlich die Deutſche Volkspartei doch die
eibeimt Kraft bei dem Verſuch einer Erweiterung nach rechts
i unhdfß es deshalb auch das Gegebene ſei, wenn ſie ſelbſt
ie pitiſche Durchführung übernehme. Der Außenminiſter hat
ſch diſn Gründen nicht verſchloſſen und hat ſich deshalb im
rinzᛋbgreit erklärt, die Voraxbeiten für das Zuſtandekommen
ner bgerlichen Regierung zu übernehmen, hat allerdings den
eich4küifdenten gleich darauf aufmerkſam gemacht, daß er für
as ᛋRzzeramt nicht in Frage käme, ſondern nur bereit ſei,
enn! / PVerhältniſſe es geſtatten, das Außenminiſterium zu
bernt enen, daß er alſo ſeine Aufgabe darin erblicke, die Ver=
andlimen
ſoweit zu führen, daß die Baſis der künftigen Regie=
ing
iiphſrffen ſei. Ein ähnlicher Fall lag ja ſchon vor, als das
abim/; Fehrenbach gebildet wurde. Damals hat der Führer
Aſerumspartei Trimborn die Wege bereitet, iſt dann aber
tletzytſell er ein offizielles Amt nicht übernehmen wollte, zu
unſtheſuines Freundes Fehrenbach zurückgetreten. Das iſt der
eſenite. Gang der Unterredung, die der Außenminiſter mit
em YAhlspräſidenten hatte.
Eſſückhte allerdings den einen Vorbehalt, daß er unmittel=
rcſt
inem kurzen Erholungsurlaub zurückgekehrt ſei und
ch entültig erſt entſcheiden könnte, nachdem er mit ſeiner Frak=
on
Qurtchen hätte. Er erbat ſich deshalb Bedenkzeit bis zum
Littrtt ſabend. Um 3 Uhr nachmittags trat der Fraktions=
orſtaſtnder
Deutſchen Volkspartei zuſammen, der die Haltung
ſes Mſäſers billigte und auch der Fraktion vorſchlug, dem
ußerirtuf ter die Annahme des Mandats in dem von ihm ſelbſt
gren/mlUmfang zu empfehlen. Bevor aber noch die Fraktion
einu/ Aeſchluß gekommen war, war das Zeutrum mit ſeinen
eratzwerr fertig und veröffentlichte einen Beſchluß, der ſich
gen /1 Mechtskoalition ausſprach. Man konnte an dieſem Be=
Auß/ rn minterpretieren und den Nachweis erbringen, daß
der Weg für eine Rechtsregierung frei war. So iſt
gultlg des Zentrums zunächſt auch aufgefaßt worden, bis
Flich von maßgebender Seite des Zentrums eine
ſon kam, die allen Deutungsverſuchen ein Ende
ſtellte ſchmucklos feſt, daß das Zentrum eine Regie=
die
Demokraten in keiner Form mitmachen würde,
mift hänmal ſoweit, daß es ſeinen Miniſter als Fachminiſter
Kagyeik beließe. Die Begründung war ſehr dürftig. Sie ging
d9hh,fdaß innerhalb einer ſolchen Regierung das Zentrum
75lügel ſein würde und dann keine Gewähr für die
chitturg ſeiner bisher verfolgten politiſchen Grundſätze
yſte. Nach allem, was in den letzten Tagen vorangegangen
Ɨütt dieſes rückſichtsloſe Abſchneiden des Fadens nach
hts terxaſchen. Soweit wir ſehen, haben dabei ſehr ſtarke
fühſlkomente mitgewirkt. Die Zentrumsabgeordneten ſind
r vssgert aus dem Wahlkampf zurückgekehrt und haben die=
Albir gegen die Deutſchnationalen wegen der Art ihres
hlkſhwſtes über die politiſche Klugheit ſiegen laſſen. Jeden=
3 iiſſtie, Reſolution mit dem ihr beigefügten Kommentar ge=
zußm
Ohrfeige gegen den Gedanken einer bürgerlichen
hrhtſe rirgierung.
DeR tſche Volkspartei hat daraus ſofort die Folgerung
gernno hat Dr. Streſemann mitgeteilt, daß ſie nach dieſer
rklärm ſchm nicht empfehlen könne, die Führung bei der Bil=
r
; Regierung zu übernehmen, weil das auf eine Min=
heitg
zierung von Deutſchnationalen und Deutſcher Volks=
ei
latslaufe, die keinerlei Tragfähigkeit beſitze. Dem=
stti
) hat Dr. Streſemann am Mittwoch abend 9 Uhr
ichspräſidenten mitgeteilt, daß es ihm
Beſchluß des Zentrums nicht mehr
ei, das ihm übertragene Amt anzuneh=
armiit
iſt durch die Haltung des Zentrums
Verſuch zur Regierungsbildung ge=
nuiin
werden ſoll, iſt völlig dunkel. Es iſt kaum anzu=
neut
,ocf ß die Unterredung des Reichspräſidenten mit dem
revn :BBayeriſchen Volkspartei Dr. Leicht eine neue Lage
ferif inſS. Vielmehr muß man annehmen, daß Herr Ebert
n un eut an Dr. Marx herantritt und ihm unter
nwensgrauf, daß der Verſuch einer bürgerlichen
ehrnlitsregierung geſcheitert iſt, den Auftrag er=
lt
, a Megierung nach der anderen Seite hin
bißlem, alſo mit Einſchluß der Sozialdemo=
ateſl
die Deutſche Volkspartei wird die Betei=
gurwam
einem ſolchen Kabinett mit aller Entſchie=
nheit
= hehnen. Sie wird wahrſcheinlich auch nach der Hal=
ng
diſtöantrums zur Beteiligung an einer Minderheits=
gieſſtung
der Mittelparteien ſich verſagen. Ob
ſiter 5 Umſtänden Herr Dr. Marx das verzweifelte Experi=
ent
Uumr immt, allein mit den Demokraten und Sozialdemo=
aten
nſ wor den neuen Reichstag zu ſtellen, muß man ihm
verlaſſ Das Zentrum hat es ſo gewollt und muß nun auch
Koſafuenzen ſeiner Haltung ziehen. Die Fraktionen ſelbſt
Abreiſe. Das Zentrum hat im letzten Augenblick noch
ſimsſitzung auf Donnerstag nachmittag 4 Uhr einbe=
fragt
ſich aber, wieviel Abgeordnete noch anweſend
unneh es überhaupt möglich ſein wird, vor Weihnachten
ei übf ſchlußfähige Fraktionsſitzung zuſammen zu bringen.

Dr. Streſemanns Auftrag.
Die Abſage.
Berlin, 17. Dez. Der Reichspräſident empfing
heute mittag den Reichsminiſter des Auswärtigen Dr. Streſe=
mann
zu einer längeren Ausſprache und bot ihm im Laufe
dieſer Beſprechung die Regierungsbildung an. Dr.
Streſemann hat ſich ſeine Entſcheidung bis heute abend
vorbehalten.
Die Beauftragung Dr. Streſemauns mit der Bildung des
neuen Kabinetts hat im Reichstage keine Ueberraſchung hervor=
gerufen
, da man damit bereits gerechnet hatte. Daß Dr. Streſe=
mann
ſich eine Bedenkzeit ausbat, hat ſeinen Grund darin, daß
ſeine Fraktion heute nachmittag ihre erſte Sitzung abhält. Es gilt
aber ſchon jetzt als ſicher, daß Dr. Streſemann nicht den Poſten
des Reichskanzlers übernehmen wird, weil er es praktiſch nicht
für möglich hält, ihn mit dem des Außenminiſters zu verbinden.
Die Fraktion der Deutſchen Volkspartei hat
heute nachmittag nach Bekanntgabe des Beſchluſſes
der Zentrumsfraktion beſchloſſen, ſich an der
Negierungsbildung führend nicht zu beteili=
gen
. Auf Grund dieſes Beſchluſſes hat Dr. Streſemann
den Reichspräſidenten gebeten, von der Betrau=
ung
ſeiner Perſon mit der Regierungsbildung
Abſtand zu nehmen.
Die Fraktionsſitzungen.
Das Nein des Zentrums.
Berlin, 17. Dez. Im Reichstag trat heute vormittag
das Zentrum zu einer konſtituierenden Sitzung unter dem
Vorſitz von Fehrenbach zuſammen. Der Reichskanzler war
zu Beginn der Sitzung nicht anweſend. Als er dann ſpäter noch
eintraf, berichtete Dr. Marx über die politiſche Lage
und die Ausſichten der Regierungsbildung. Als
das Zentrum um 2.30 Uhr auseinanderging, hatte ſich die
Mehrheit der Fraktion, wie verlautet, gegen die
Beteiligung der Deutſchnationalen an der Re=
gierung
ausgeſprochen.
Die Reichstagsfraktion des Zentrums faßte
heute einſtimmig folgende Entſchließung:
Die Zentrumsfraktion des Reichstags hält grundſätzlich an
dem Streben zur Bildung einer Regierung der Volksge=
meinſchaft
feſt. Sie lehnt vorwiegend aus außenpoliti=
ſchen
Gründen die Beteiligung an einer Nechtskoa=
lition
ab. Sie wird ſich nur an einer Regierung beteiligen,
die die Gewähr für die unveränderte Fortführung der bisherigen
Politik der Mitte bietet.
Wie die Germania zu der heutigen Sitzung der Zentrums=
fraktion
bemerkt, ſehe ſich die Zentrumsfraktion auch nicht in der
Lage, in ein Kabinett, das aus Parteien rechts vom Zentrum ge=
bildet
iſt, Fachminiſter zu entſenden. Für das Zentrum ſei nach
wie vor die Sicherung der bisherigen politiſchen Linie die Haupt=
ſache
. Es ſcheine aber ſo gut wie ausgeſchloſſen, daß bei einem
Rechtskabinett die Vorausſetzungen dafür gegeben ſeien. Die
Gründe, die das Zentrum zu dieſer Stellungnahme führten, lägen
nicht zuletzt in dem Verhalten der Deutſchnationalen Volkspartei.
Die Hoffnung, die ſich aus der Zuſtimmung eines Teiles, der
früheren deutſchnationalen Fraktion zu den Dawesgeſetzen und
der Zuſtimmung der Partei zu den politiſchen Richtlinien des
Reichskanzlers ergeben habe, habe ſich nicht erfüllt. Im Wahl=
kampf
hätten die Deutſchnationalen die ſtärkſte Agitation gegen
dieſe Politik und das Zentrum, das einer der Hauptträger dieſer
Politik ſei, betrieben. Man könne alſo nicht zu ihnen das Ver=
trauen
haben, daß ſie eine Politik verfolgen, die das Zentrum
mitmachen könne. Sachlich die beſte Löſung würde das Zentrum
in der Erreichung einer großen Koalition ſehen. Da dieſe aber
bei der Haltung der Deutſchen Volkspartei kaum möglich ſein
dürfte, werde als einzige Löſung die Rückkehr zur bisherigen
Regierung der Mitte übrig bleiben.
DerBeſchlußderOeutſchenVolkspartei
Für eine bürgerliche Mehrheitsbildung.
Berlin, 17. Dez. Die heutige Ausſprache in der Reichs=
tagsfraktion
der Deutſchen Volkspartei ergab die
einmütige Auffaſſung, daß die einzige Löſung
der Frage einer Regierungsbildung, entſprechend der
bisherigen Politik der Reichstagsfraktion, nur in der Bil=
dung
einer tragfähigen bürgerlichen Mehr=
heitsregierung
zu erblicken iſt. Dieſe Stellung=
nahme
der Fraktion iſt ſofort, dem im Reichstag weilenden
Parteiführer Dr. Streſemann mitgeteilt worden.
Höſch bei Streſemann.
Berlin, 17. Dez. Der nach Berlin berufene deutſche Bot=
ſchafter
in Paris, Herr v. Höſch, beſuchte geſtern den Reichs=
außenminiſter
Dr. Streſemann im Sanatorium Fürſtenberg.
Er erſtattete ihm dort Bericht über die außenpolitiſchen
Stimmungen, und Aeußerungen in Pariſer und ententiſti=
ſchen
Regierungskreiſen im Zuſammenhang mit der deutſchen
Wahlkriſe und den laufenden Vertragsfragen.

Hollands Parteien.
r. Amſterdam, Mitte Dezember.
Innerhalb der Römiſch=Katholiſchen Staatspartei, einer Art
holländiſches Zentrum, gehen Dinge vor ſich, die geeignet ſind,
in hohem Maße auch das Intereſſe der deutſchen Oeffentlichkeit
zu erregen.
Wie in Deutſchland, ſo iſt auch in Holland das Liebeswerben
der Sozialdemokraten um die Unterſtützung der politiſchen Ver=
tretung
der Katholiken ſehr ſtark, und ebenſo wie in Deutſchland
neigt auch ein linker Flügel der katholiſchen Partei zu einem
Zuſammengehen mit den Sozialdemokraten. Während aber in
Deutſchland die Parteileitung der Zentrumspartei ſich mehr oder
minder in das Schlepptau der nach links ſich neigenden Gruppe
hat nehmen laſſen, iſt die Leitung der holländiſchen Partei unter
keinen Umſtänden dazu bereit, ſondern will eher noch eine rein=
liche
Scheidung zwiſchen der alten Römiſch=Katholiſchen Staats=
partei
und der linksorientierten Gruppe eintreten laſſen. Dabei
muß man ſich allerdings gegenwärtig halten, daß, während ein
größerer Teil der deutſchen Zentrumspartei mit den proteſtan=
tiſchen
Deutſchnationalen nicht zuſammengehen will, die hollän=
diſche
Römiſch=Katholiſche Staatspartei ſich bereits in einer
40 Jahre alten Koalition mit den Reformierten und Antirevolu=
tionären
befindet.
In langen Kämpfen haben ſich die holländiſchen Katholiken
in der Römiſch=Katholiſchen Staatspartei zur erſten Partei des
Landes durchgeſetzt, und zwar dadurch, daß ſie mit den Rechts=
parteien
ſich in einer Vernunftehe verbanden und dadurch ihre
großen Erfolge erzielten. Es nimmt nicht wunder, daß die hol=
ländiſchen
Sozialdemokraten alles aufbieten, insbeſondere mit
dem Hinweiſe darauf, daß doch in Deutſchland zwiſchen Zentrum
und Sozialdemokratie ein einträchtiges Zuſammenarbeiten alt=
bekannte
Tatſache ſei, um die Katholiken aus dieſer Koalition zu
ſich herüberzuziehen. Beſonders bemerkenswert iſt hier die große
Rede des Führers der holländiſchen Sozialdemokraten, Mr.
Troelſtras, die er bei ſeinem Austritt aus der parlamen=
tariſchen
Tätigkeit hielt und die dadurch den Charakter eines
politiſchen Teſtamentes erhielt. Auch Troelſtra hat in ſeinem
langen Leben viel politiſche Erfahrungen ſammeln können und iſt
am Schluffe ſeiner politiſchen Arbeit zur Ueberzeugung gekom=
men
, daß es eine unfruchtbare Arbeit geweſen, und daß die
Grundſätze, auf denen er den Zukunftsſtaat aufbauen wollte, ver=
fehlt
und wirkungslos ſind. Bereits in ſeiner nach dem Kriege
erſchienenen Broſchüre Weltkrieg und Sozialdemokratie mußte
er zugeben: Der hiſtoriſche Materialismus iſt, um als Welt=
anſchauung
gelten zu können, in ſeinem Ausgangspunkte zu be=
ſchränkt
und in ſeiner Methode zu einſeitig. Er läßt die rein
innerlichen Bewegungen und Regungen der Seele unbefriedigt
und ſieht die Perſönlichkeit des Menſchen nur von einer Seite,
nämlich in ihrer Funktion eines Agens der ſozialen Kräfte ..."
Er liefert der ſozialiſtiſchen Bewegung nicht das, was ſie not=
wendig
hat: eine kräftige, perſönliche, vornehme und erhebende
Ideologie.
Bei dieſer Auffaſſung hat Troelſtras letzte Rede in der hol=
ländiſchen
Kammer ſozuſagen den Charakter eines Notſchreies
angenommen. Sie klingt wie ein Hilferuf. Und zwar iſt ſeine
Sehnſucht auf die Lostrennung der katholiſchen Staatspartei
von der 40jährigen Koalition mit der Rechten gerichtet. Die
Römiſch=Kazholiſche Staatspartei ſolle dafür zuſammen mit dem
Sozialismus den Parlamentarismus retten helfen. Um dieſe
heiß erſehnte neue Koalition der R.=K. Staatspartei pkauſibel zu
machen, behauptete er ſogar, daß die katholiſchen und chriſtlichen
Arbeiter im Jahre 1916 das rote ſoziale Programm übernommen
hätten. Als Gegendienſt ſollten die katholiſchen Demokraten
ihnen wenigſtens jetzt den Parlamentarismus retten helfen, ſonſt
würde all: Macht an die Krone fallen. Aber die kalte Aufnahme
dieſer Rede in der Kammer zeigte, wie vergeblich dieſer erneute
Verſuch war. Gerade von dem Führer der R.=K. Staatspartei,
Mſg. Nolens, mußte ſich Troelſtra ſagen laſſen, daß die Prin=
zipien
der katholiſchen Staatspartei in diametralem Gegenſatze
zum Sozialismus ſtehen, denn jene hätten die Intereſſen der
Geſamtheit im Auge, nicht bloß die einer Klaſſe. Mit den ande=
ren
chriſtlichen Parteien, nämlich den Reformierten und den Anti=
revolutionären
, ſehe die Partei ihr oberſtes Prinzip in der Hand=
habung
und Durchführung der chriſtlichen Grundſätze im Staate,
und endlich wache ſie über die Gewiſſensfreiheit und die Freiheit
der Kirche. Das ſeien die Grundſätze, die die R.=K. Staatspartei
mit den anderen Parteien der Rechten gemeinſam habe. Nach
dieſer Ausſprache in der Kammer iſt die prinzipielle Haltung
der holländiſchen Katholiken eigentlich ſichergeſtellt. Dennoch
aber weiß man immer noch nicht, was die nächſte Zukunft für
die R.=K. Staatspartei bringen wird.
Nämlich die mit dieſer Haltung der überwiegenden Mehr=
heit
der R.=K. Staatspartei Unzufriedenen haben ſich vor einiger
Zeit zu einer eigenen Gruppe zuſammengeſchloſſen, die ſich einer
lauteren demokratiſchen Geſinnung rühmt und ſich den für eine
politiſche Gruppe höchſt befremdenden Namen St. Michael bei=
gelegt
hat, als wollte ſie damit ihre Gegner in der Partei als
Luziferianer hinſtellen, gegen die jetzt der Kampfruf: Wer iſt
wie Gott! ausgegeben werden ſoll. St. Michael ſtand von Be=
ginn
an unter der Führung des Profeſſors Veraart, der junge
politiſche Köpfe zunächſt zum Studium der ſozialen Geſetze nach
der Auffaſſung von Peter Peſch begeiſtern und anleiten wollte.
Aber aus dem Debattierklub wurde bald eine Partei in der
eigenen Portei, die immer deutlicher mit ihren Linkstendenzen
der Sozialiſierungsfrage hervortrat. Zu dieſer ſtarken Links=
betonung
lag ſicher kein Grund vor, da gerade die R.=K. Staats=
partei
wahrhaft ſoziale Prinzipien verfolgt und ihre Führer, wie
Mſg. Nolens in Genua, Waſhington und Genf und der Arbeits=
miniſter
Aalberſe in der holländiſchen Kammer, deutliche Be=
weiſe
ihrer ſozialen Geſinnung gegeben haben. Aber dem Be=
dürfnis
nach Sezeſſion genügte die ſoziale Einftellung der R.=K.
Staatspartei nicht, und man glaubte die Zeit für gekommen, jetzt
die alten, in Parteidoktrinen verknöcherten, im Grunde konſer=
vativen
Führer abzuſägen und durch junges demokratiſches Blut
zu erſetzen.
Seitens der Parteileitung wird eine ſolche Abſplitterung
durchaus verworfen. Das Programm der Partei erkennt ja
eigens die Berechtigung eines linken Flügels an, und der Führer
Nolens hat in einer Kammerrede, als er auf die Reibungen in
der Partei zu ſprechen kam, betont, daß die Wähler vollkommen
das Recht haben, ihre Meinung in einer eigenen prganiſierten

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Gruppe zu ſagen, ohne daß dabei eine Abſplitterung notwendig
ſei. Die Partei als ſolche müſſe die Intereſſen wahren und aus=
gleichen
. So drängt alſo die R.K. Staatspartei keineswegs auf
den Ausſchluß der Gruppe St. Michael, ſondern es iſt vielmehr
dieſe, welche aus Unduldſamkeit jene Abfonderungstendenzen mit
ſolcher Zähigkeit verfolgt, daß ſchließlich die Sezeſſion unvermeid=
lich
iſt. Als vor den letzten Wahlen die ſogenannten Kranen=
burghers
, der rechte Flügel, ähnliche Drohungen ausſtieß, da war
es eine von den Viſchöfen ausgegebene Parole zur Einigkeit, die
die Extremiſten von dieſem Schritt zurückhielt. Vielleicht wer=
den
die Biſchöfe auch jetzt wiederum mit ihrer Mahnung nicht
zurückhalten.
Um die Mitglieder der ſo ſtark nach links neigenden Gruppe
St. Michael vor dieſem Schritte abzuſchrecken, ſchildert das hol=
ländiſche
katholiſche Blatt Tijd in einem Artikel in den letzten
Tagen die Mißerfolge des deutſchen Zentrums bei ſeiner bisher
beobachteten Rückſichtnahme auf die Sozialdemokratie, die man
bald eine Koalition nennen könne. Die Tijd weiſt darauf hin,
daß in Deutſchland verſchiedentlich notwendige Geſetze, insbeſon=
dere
das Schulgeſetz, unerledigt geblieben ſind, wegen des Ein=
ſpruches
der Sozialdemokratie. Auch die Ausrede, daß die Sozial=
demokraten
durch ein Zuſammengehen mit dem Zentrum mit
chriſtlichem Geiſte durchſetzt würden, läßt der holländiſche Kritiker
nicht gelten und betont, daß die deutſchen Sozialdemokraten ſich
abſolut nicht verändert hätten und daß ihre Wohlgeneigtheit
gegen den Katholizismus in Deutſchland nicht mehr ſei als
bloßer Schein. Er beruft ſich dabei auf die ſichtbaren Beweiſe
der Aeußerungen der deutſchen ſozialiſtiſchen Preſſe.
Für den deutſchen politiſchen Beobachter ſind dieſe hollän=
diſchen
Vorgänge ſehr intereſſant, da auch in der deutſchen Zen=
trumspartei
Rechts= und Linkstendenzen miteinander im Kampfe
liegen.

Vom Tage.

Kommuniſten
vor dem Staatsgerichtshof.

Die Putſhorganiſation in Mecklenburg.

Leipzig, 17. Dezember. Vor dem Staatsgerichts=
hof
zum Schutze der Republik begann unter dem Vorſitz des
Reichsgerichtsrats Hettner die Verhandlung, die die kommuniſti=
ſche
Putſchorganiſation in Mecklenburg zum Gegenſtand hat. An=
geklagt
ſind der Arbeiter und Stadtverordnete Wilhelm Böhme
aus Doemitz, Arbeiter Ernſt Schimmel aus Weſſelburen,
Untermeiſter Heinrich Mund, aus Boitzenburg, die Arbeiter
Fantz und Eggers aus Schwanheide, Arbeiter Fritz Bethke
aus Dömitz und Arbeiter Heinrich Jäger aus Boitzenburg
wegen Hochverrats in Verbindung mit einem Verbrechen gegen
das Sprengſtoffgeſetz zum Schutz der Republik, teilweiſe auch
wegen Diebſtahls uſw. Nach den Ausſagen Schimmels, der
zuerſt in der Ortsgruppe Weſſelburen der K. P. D. tätig war,
jedech auf eigenes Betreiben nach Roſtock zur Verfügung der poli=
tiſchen
Leitung der K. P. D. berufen worden war, wurden nach
dem Hamburger Putſch im Herbſt 1923 in Mecklenburg Vorbe=
reitungen
für einen kommuniſtiſchen Putſch getroffen, wobei mit
neuen Waffen gearbeitet werden ſollte. So ſollten durch Dyna=
mitbomben
Züge zur Entgleiſung gebracht werden. Man wollte
Kohlen mit Oynamit laden, um auf dieſe Weiſe die Lokomotiven
zur Exploſion zu bringen. Weiter ſollte mit giftigen Gaſen und
Brandbomben gearbeitet werden. Mit neuen Waffen ſollten ſo=
genannte
Partiſanengruppen, die aus einem Führre und drei
bis vier Mann beſtanden, im gegebenen Augenblick vorgehen, um
die Bevölkerung in Schrecken zu ſetzen. Die Fäden der Partiſanen=
organiſation
liefen in den Händen eines Ruſſen zuſammen, der
in Roſtock wohnte. Unter ihm arbeitete der Kommuniſt Heuck.
Ein gewiſſer Wille Schinnel wurde als bezahltes Mitglied in die
Leitung der Partiſanenbewegung neben Heuck berufen. Er hatte
nach ſeinen Angaben für eine planmäßige Organiſation der Grup=
den
zu ſorgen und Ankäufe von Waffen und Sprengſtoffen zu
vermitteln. Die Aufgabe der Ortsgruppe ſollte zunächſt ſein,
alle Angelegenheiten auszuſpüren, namentlich auch Waffen und
Munitionslager. Die Ortsgruppenführer ſollten zunächſt nicht voll
eingeweiht werden. Die Partiſanenzentrale wurde, nachdem in
Roſtock Verhaftungen vorgenommen worden waren, zunächſt nach
Dömitz und ſpäter nach Parchim verlegt, und zwar leiſtete Schim=
mel
die Arbeit. Um einen auffälligen Verkehr zu vermeiden,
wurden Rayonbezirke geſchaffen. Heuck und Willi befanden ſich
inzwiſchen in Stettin. Im Dezember 1923 ging Schimmel wegen
Differenzen in Geldangelegenheiten nach Weſſelburen, wo er ver=
haftet
wurde. Die übrigen Angeklagten waren nach den Aus=
ſagen
Schimmels teils bei der Organiſation, teils bei der Unter=
bringung
der Partiſanenzentrale, teils bei der Beſchaffung von
Sprengſtoffen tätig. Große Mengen Sprengſtoffe, einmal 40 Pfund
und dann einen Zentner, ſowie Pikrin erhielt Schimmel von den
Angeklagten Jantz und Eggers, von denen der letztere in einem
Sprengſtoffwerk beſchäftigt war. Auch eine größere Anzahl Hand=
granaten
und Sprengkapſeln erhielt er von ihm. Böhme ſoll in
der Ortsgruppe Dömitz führend politiſch tätig geweſen ſein.
Behme widerſprach den Ausſagen Schimmels aufs beſtimmteſte.

* Die Berufung des Kanzlers Koch.

Mit einem ungedruckten Briefe Goethes.

Von Dr. Hermann Bräuning=Oktavio.
Von 1759 bis 1808 hat Johann Chriſtoph Koch als ein
glänzender Dozent, Gelehrter und vielſeitiger Juriſt an der
Univerſität Gießen gewirkt und ſeit 1771 das wichtige Kanzler=
amt
, d. i. das Amt des offiziellen Vertreters der Regierung bei
der Univerſität, bekleidet. Aus Magiſter Laukhards Leben
und Schickſale iſt genugſam bekannt, wie ſtolz übrigens Herr
Koch auf ſeine Kanzlerwürde halte‟,
Man hat ſich bisher darüber gewundert, daß ein ſo be=
rühmter
Mann auffälligerweiſe nur einmal einen Ruf nach
answärts erhalten habe. An Hand von Akten im Heſſiſchen
Staatsarchiv in Darmſtadt gewinnen wir freilich ein anderes
Bild. Schon vier Jahre nach ſeinem Eintritt in Gießen erhielt
Koch, abgeſehen von zwei vorausgegangenen Berufungen nach
Worms und Rinteln, eine Berufung als Kammer=
gerichtsrat
am Kriminal=Senat in Berlin. Der Kammer=
gerichtsrat
Steck ſchrieb im Auftrag des Großkanzlers Freiherrn
v. Jariges an Koch, der ſich in der peinlichen Rechtsgelehrſam=
keit
ſo ſtark und gründlich gewieſen habe, am 16. Juli 1763 u. a.:
Der ordentliche Gehalt ſind 500 Thaler, und die Commiſſionen
ſind von einem erheblichen Ertrag. Sie können auch darbey
denen Kammergerichts=Referendarien collegig halten,
die hier ſehr wohl und ganz anders, als auf Univerſitäten be=
zahlt
werden. Sie können auch ſicher auf eine weitere und bal=
dige
Beförderung rechnen.
Trotz dem verlockenden Anerbieten war Koch ſofort bereit,
abzulehnen, da er ſich von Jugend auf zum Docieren
und dem akademiſchen Leben geſchickt gemacht und gewidmet
habe und zufrieden ſei, wenn ihn der Landgraf zu dem in
Facultate iuridica ledigen Toco secundo, deſſen er
ſich auf alle Art würdig gemacht zu haben glaube, zu promo=
vieren
und anbey den, ſo wohl auf Höchſtdero Univerſität, als
auch beſonders auf auswärtigen Univerſitäten gewöhnlichen Hof=
raths
Character ihm beyzulegen, gnädigſt geruhen wollten.
Das Geheimerats Colleg in Darmſtadt trat in ſeinem unter=
thänigſten
Bedenken warm für Koch ein. Gleichwvie nun die
beſondere Application, Fleiß, Geſchialichkeit und ſolide
Wiſſenſchaften dieſes wackeren Mannes der Univerſitaet
Gießen, woſelbſt die studiosi juris eine große Liebe zu
ihm tragen, gantz ohnentbehrlich, folglich auf deſſen Beybehal=
tung
omni modo und um ſo mehr zu dencken iſt, weil man
weiß, was man an dieſem ſo geſchickt als ausnehmend fleißigen

Der baheriſche Landtagsabgeordnete Straſſer der Völkiſchen
Fraktion hat ſein Mandat niedergelegt, weil er in den Reichs=
tag
gewählt wurde.
Die Verhandlungen zum deutſchitalieniſchen Han=
delsvertrag
werden über Weihnachten eine zweiwöchige Unter=
brechung
erleiden.
Der bisherige geſchäftsführende Vorſitzende des Reichsverbandes der
Deutſchen Induſtrie Dr. Bücher iſt m eine leitende Stellung
der Stickſtoffinduſtrie übergetreten und hat die Führung
des Reichsverbandes niedergelegt.
Die Botſchafterkonferenz hat eine Generalinſpektion in
Oeſterreich angeordnet und mehrere franzöſiſche, engliſche und
italieniſche Offiziere zur Verſtärkung nach Wien entſtandt.
Der erſte Lord der Admiralität Bridgeman ſagte geſtern in einer
Rede in London, er ſei überzeugt, daß die Staatsmänner Amerikas und
Japans den Pland der Errichtung eines Marineſtützpunk=
tes
in Singapore nicht als Zeichen einer aggreſſiven, ſondern im
Sinne einer Verteidigungspolitik auslegten.
Die im Befinden Herriots eingetretene Beſſerung läßt
hoffen, daß er in den nächſten Tagen das Bett verlaſſen kann.
Der franzöſiſche Unterrichtsminiſter Francois Albert hat einen
Ausſchuß eingeſetzt, der die Aufgabe hat, ſich mit der Prüfung der für die
Einführung der Einheitsſchule geeigneten Maßnahmen zu
beſchäftigen.
Der Faſziſt Giunta, der Vizepräſident der italieniſchen Kammer
hat ſeine Entlaſſung als Vizepräſident eingereicht, weil die Staats=
anwaltſchaft
bei der Kammer die Zuſtimmung zu einer gerichtlichen
Verfolgung des Anſtifters bes Ueberfalls auf den ehemaligen Fas=
ziſten
Abg. Forni nachgeſucht hat.
Bom tſchechiſchen Parlament iſt der beutſchnationale Ab=
geordnete
Schollik dem gerichtlichen Verfahren ausge=
liefert
worden, weil er 1923 in einer Verſammlung an die deutſch=
böhmiſche
Provinz die Aufforderung gerichtet haben ſoll, für den
Fall der tſchechiſchen Mobiliſierung gegen Deutſchland nicht gegen
die deutſchen Brüder zu kämpfen.
Dem Matin wird aus Rom gemeldet, daß die albaniſche Re=
gierung
drei Jahresklaſſen mobiliſiert habe, um den
Aufſtändiſchen entgegenzutreten.
Den letzten Nachrichten aus Albanien, zufolge breitet ſich der
Aufſtand weiter ſiegreich aus. Der Finanzminiſter und der
Premierminiſter ſollen aus Tirana geflüchet ſein, deſſen Ein=
nahme
durch die Rebellen bevorſtehe.
Die ägyptiſche Regierung hat trutz der Petitionen verſchie=
dener
Abgeordneter es abgelehnt, das Parlament einznbe=

rufen.
Die Polizei macht bei den Nachforſchungen nach den Gründen der
Ermordung des Sirdars große Fortſchritte. Ihre Aufgabe
wird dadurch ſehr erleichtert, daß die Miniſter, die Anhänger Zaghlul
Paſchas waren, entfernt ſind.
Nach Verhandlungen mit Mexiko ſteht der Konflikt mit Eng=
land
vor der endgültigen Beilegung. Nachdem die beider=
ſeitigen
Geſandten ernannt ſeien, werde eine gemiſchte Kommiſſion zur
Regelung der Schuldenfrage zuſammentreten.

Der Rothardt=Prozeß.
Schluß der Beweisaufnahene.

Magdeburg, 17. Dez. Der nochmals geladene
bürgermeiſter Scheidemann iſt infolge einer Magenen
kung nicht erſchienen. Zeuge Adolf Niſtler aus 9o
burg, der von Ebert die Aufforderung zur Nichtbefolgung
Geſtellungsbefehlen gehört haben ſoll, kann ſich der Ausfüini=
gen
Eberts nicht mehr erinnern. Zeuge Gobelt auso/
mund erklärt, er habe den fraglichen Zettel an Ebert beu
gereicht, wie man ſich den Geſtellungsbefehlen gegenüber he

ten ſoll. Ebert habe erklärt, daß man gegebenenfalls den
ſtellungsbefehlen nicht Folge leiſten ſolle. .

aber der Fall ein, ſo ſolle man ſich an die Partei wenden.
die Frage des Vorſitzenden, ob kein Mißverſtändnis mögliche
erwiderte der Zeuge: Es kann möglich ſein, aber ich ſchließ=
aus
. Ob Ebert eine Brille aufgeſetzt habe, weiß der Zeuge
Auf die wiederholte Frage des Vorſitzenden, ob ein Mißverſinz
nis unmöglich ſei, bleibt der Zeuge dabei, daß der Sinme
Antwort Eberts unbedingt geweſen ſei
man Geſtellungsbefehlen nicht folgen ſolle
Zeugen Syrig kenne er nicht. Auf Antrag des Rechtsanndu
Landsberg wird eine Reichstagsrede des Abg. Eben
22. Oktober 1918 verleſen, in der ſich Herr Ebert an Wilſon
det und darauf hinweiſt, daß die deutſche Widerſtandskraſt ;
keineswegs gebrochen iſt, und er erwartet, daß Wilſon ſicht=
einen
gerechten und demokratiſchen Frieden einſetzen möge
Dann folgt die Verleſung von einzelnen Abſchnitten aus 7
Reichstagsreden des Abg. Ebert. Weiter werden Artikel
der Fackel verleſen, in denen die Sozialdemokratiſche Parteir
für die Landesverteidigung erklärt, und ſich m ſcharfer AA/
gegen die Maſſenteilſtreik=Propaganda wendet.

Der Reſt der Vormittagsſitzung im Rothardt=Prozeß /
mit weiteren Verleſungen ausgefüllt. Der Nachmittag boß
ſitzungsfrei, weil er für die Vorbereitung der Plädoyers beſtiun=
iſt
. Die Beweisaufnahme iſt geſchloſſen. Die nächſte Sitznch
die für die Plädoyers beſtimmt iſt, beginnt am Freitag vor
tag 9½ Uhr.

Die Ausſegung des Art. 260
Uebertragung weiterer deutſcher Intereſ
an die Repko.

Von Hergt zu Schieſe.

Die Deutſchnationale Fraktion hat am Mittwoch
den Abgeordneten Schiele zu ihrem Fraktionsvor=
ſitzenden
gewählt. Diefe Wahl iſt eine Ueberraſchung, weil
man allgemein damit gerechnet hatte, daß Graf Weſtarp die Lei=
tung
der Fraktion übernehmen werde, zumal da Schiele noch am
Dienstag erklärt hatte, er würde eine Wahl nicht annehmen. Wenn
er ſich trotzdem dazu entſchieden hat, dann darf das als Beweis da=
für
angeſehen werden, daß die Deutſchnationalen jede
Extratour nach rechts vermeiden wollen. Schiele iſt
einer ihr ruhigſten und poſitivſten Köpfe, während Graf
Weſtarp vielleicht nicht immer ganz mit Recht als der Ex=
ponent
des rechten Flügels galt. Die Wahl iſt des=
wegen
von ſo großer Bedeutung, weil traditionell der
Vorſitzende der Reichstagsfraktion auch Füh=
rerder
geſamten Partei wird und die Deutſchnatio=
nalen
durch das Vorſchicken des Abg. Schiele gerade in dieſem
Augenblick zweifellos betonen wollen, daß es ihnen ernſt
mit einer praktiſchen Politik iſt, die ſich an die
Richtung der Mittelparteien annähert.

Als ſtellvertretende Vorſitzende wurden in der Nachmittags=
ſitzung
die Abgeordneten Bruhn, v. Goldacker, Rippel
und Schultz=Bromberg, der zugleich Sprecher ſein wird,
gewählt. Die vier ſtellvertretenden Vorſitzenden haben gleiche
Rechte. Zum Kaſſenwart wurde der Abg. Behrend, zum
Fraktionsgeſchäftsführer der Abg. Lambach und für die Kon=
trolle
der Ausſchüſſe der Abg. Henſel gewählt. Beiſitzer ſind
Bachmann, Frau Behm, Biener, Dietrich, Hergt, Hugenberg.
Laverenz, Leopold, Lind, Mumm, Thomen, Vogt, Wallraf und
Graf Weſtarp. Den Ehrenvorſitz der Fraktion hat Exz. von
Tirpitz übernomimen. Die Fraktion beriet außerdem über
ihre Haltung bei den nächſten konſtituierenden Sitzungen des
Reichstages und der Wahl der Bureaus.

TU. Paris, 17. Dez. Im Januar des abgelaufenen Fa0
war zwiſchen der deutſchen Regierung und der Repko eine M
nungsverſchiedenheit über die Auslegung des Artikels 260
Verſailler Vertrages entſtanden, der nach Auffaſſung der Ru
beſtimmt, daß die deutſchen Intereſſen im Auslag
und den früheren deutſchen Kolonien auf ſie u
tragen werden. Die deutſche Regierung vertrat den entge
geſetzten Standpunkt. Der Präſident des Kaſſationsgerichtshof
von Trontheim Beichuann wurde mit der Fällung im
Schiedsſeruches beauftragt. Wie der Temps meldet, iſtn=
folgenden
, für die Repko günſtigen Schlußfolgerungen gelmp,
Artikel 260 gelangt in Anwendung:
1. auf ſämtliche kraft der Verträge von St. Germai, Tnan
und Ncuilly abgetretenen Gebietsteile,
2. auf ſämtliche Konzeſſionen und Unternehmungen,
3. auf die Wertpapiere der deutſchen Untertanen,
4. auf Betriebe, die Konzeſſionen hatten, und öffentliche A
fahrtseinrichtungen, die auf den unter Artikel 260 bezeitzm
Gebietsteilen liegen, ſelbſt wenn ſie im Beſitze von Geſeſt
ten ſind, deren Sitz ſich außerhalb dieſer Gebietsteile/)
Deutſchland befindet,
5. auf Waſſer=, Gas= und elektriſche Anlagen.
Artikel 260 findet dagegen entſprechend dan
der deutſchen Regierung vertretenen Standpunkt keineM
wendung auf:
1. die deutſchen Schulen im nahen Often,
2. die deutſchen Aktien der Orient=Eiſenbahn=Bank in Zug
3. auf oberſchleſiſche Gebietsteile, die an Polen gefallen ſin).
Die ſogenannten Verleihungen werden laut dem Sch0e
ſpruch nicht als Konzeſſionen angeſehen.

Gilbert erſucht die Repko um Aufklärung

TU. Paris 17. Dez. Der Generalagent für die Reuite=
tionszahlungen
, Parker Gilbert, hat die Reparationslanſhel
ſion um eine Definition der Recovery=Acts in eſſhe.

jeie auß

längeren Schreiben gebeten, um feſtſtellen zu können, uuter Mühr

cher Rubrik der Jahresleiſtungen der Ertrag der 26prozenngne !
Abgabe zu verrechnen iſt Die Repko hat das Schreiben ſoſer
an die franzöſiſche und engliſche Regierung weitergeleite.

Mann hat, nicht aber was man an deſſen Stelle, im Fall er
mutiren follte, bekommen dörffte, deſſen beede desideria
auch ſo discret und in der Billigkeit gegründet, mithin ſo be=
ſchaffen
ſind, daß ſelbige wohl nicht den mindeſten Anſtand
finden können. Darauf ernannte ihn der Landgraf zum Hof=
rat
und zweiten ordentlichen Profeſſor, als der er ſich
nun um 50 Gulden höher auf insgeſamt 600 Gulden ſtand.
Als die Regierung im Sommer 1771 Vorſchläge über die
Beſetzung der zahlreichen erledigten Profeſſuren an der Univer=
ſität
einforderte, brachte ſich Koch ſelbſt ſehr geſchickt in Erinne=
rung
und zog aus der Berliner Beruſung auch da noch Vorteil.
Gerade war der Göttinger Rechtslehrer von Selchow nach
langen Verhandlungen nach Gießen berufen worden; doch wider
Erwarten hatte er die Beſtallungsurkunde wieder zurückgeſchickt,
wohl deshalb, weil er ſich auf einen Revers, in Gießen zu blei=
ben
, nicht einlaſſen wollte. Koch ſelbſt erwähnt 1782 in einem
Privatbrief an den Miniſter Heſſe, im Zuſammenhang mit
ſeiner Berufung nach Göttingen, die Möglichkeit eines ſolchen
Reyerſes de non mutando domicilio meint aber:
Dergl. Revers gereicht der Univerſität nicht zum Beſten, und

Wien und Wetzlar für mich Sibirien
In einem ausführlichen Referat vom 27. Juli 1771 wünſchte
Koch weit entfernt von Eigenliebe und privgt Vortheil, Gott
iſt mein Zeuge! die in der Juriſtenfakultät erledigte Vice=
kanzlars
= und erſte Lehrſtelle belangend, daß es gelingen möge,
einen hochberühmten und wirklich verdienſtvollen Mann zu
dieſer Stelle zu bekommen‟. Er würde Böhmer und Pütter
zu Göttingen, den die große Landgräfin bereits 1769 perſönlich
aufgefordert hatte, Joachim Erdmann Schmidt in Jena,
Daniel Gottfried Hofmann in Tübingen vorſchlagen, wenn
er nicht voraus wüßte; daß alle Hofnung vergebens ſey; zudem
mache der Ausgang mit der Vocation von Selchows eine wid=
rige
Vorbedeutung‟. Dann heißt es weiter:
Uebrigens lebe ich des unterthänigſten Vertrauens zu Ew.
Hochfürſtlichen Durchlaucht mir bisher erwieſenen Landesväter=
lichen
Huld und Gnade, daß Höchſtdieſelben bei etwaiger Vocation
eines auswärtigen Gelehrten zum Vice Canzlar und erſten Rechts=
lehrer
mir kein ſolches subiectum, deſſen Verdienſte, beſonders
auf die Zukunft entweder noch zweifelhaft ſind, oder deren Werth
die meinigen nicht überſteigen, vorziehen werden. Nun entwickelt
er ſeine Verdienſte, daß er auswärtige Berufungen abgelehnt
habe, täglich 4, 5 und mehrere Stunden dem Nutzen der studio-
sorum
leſe und nie aufhören werde, ſeine Kräfte vor Hochfürſt=

liche Durchlaucht und die Akademie unermüdet aufzuopfern. 9
Anerkennung blieb nicht aus; noch 1771 wurde Koch zum erſee
Profeſſor juris und Vizekanzler der Univerſität ernanſſ.
Ueber zehn Jahre hatte er als Vizekanzler gewirkt, als e09
Tages ein Brief kam, der ihm eine ſchlaftoſe Nacht machte. 20
Geheimerath Goethetrug ihm eine Profefſurin Fenſc
nachdem der Kriegsrat Joh. Heinrich Merck auf eine Anfrage90
Herzogs Karl Auguſt am 8. Juni 1782 folgendermaßen gehſe
wortet hatte: Ich habe mich wegen des Kanzlers Koch ſo0lich
bey der Behörde erkundigt, und ich kan für gewiß verſicherm, e
an dem Gerücht wegen des Trunks nichts erhebliches iſt. Er ſſch
zwar den Wein, allein es hindert ihn dieß im geringſten nich. "
ſeinen Geſchäften. Da dieſe Frage wahrſcheinlich geſchehen iſt.
ihm eine Vokation zuzuſchicken, ſo hätte ich aus Patriotismus Me
Gegenteil einberichten ſollen, weil wir auf allen Fall daben N
liehren, wenn er den Ruff auch nicht annimmt. Denn wit
ihm wenigſtens Entſchädigung ſchuldig. Koch fand in eſle
Billet an ſeinen Kollegen, den nachmaligen Miniſter v. Gah!.
die Stelle in Jena von allen Seiten betrachtet, ſo ſchön und e
nehmlich, daß ihr nichts. als das Leipziger Ordinariat, den 50
ſtreitig machte‟. Der Brief Goethes lautet:)
Der Todt unſers Ordinarii, des berühmten Geh. 300ſ
Rath Hellfeldt zu Jena, ſetzt die höchſten Erhalter der Aa0e
in nicht geringe Verlegenheit. Die Geſchicklichkeit und der 7ſ0
dieſes furtreflichen Mannes verdienten ſich einen ausgebreſſh
Ruf und ſeine Redlichkeit ein unbegränztes Zutrauen, und .
wenig Männer leben zur gleichen Zeit, mit denen man eine ſ90*
Stelle würdig wieder zu beſetzen hoffen könnte.
Als dieſe Sache unter denen theilnehmenden Erneſtiniſch.
Höfen zur Sprache kam, fiel man (es ſey mir erlaubt, ohne Schſe
cheley die Wahrheit zu ſagen) von allen Seiten auf Ew. A
ich erhielte zuletzt den Auftrag einige nähere Erkundiguuch."
zuziehen, ob Sie wohl geneigt wären, dieſe Stelle, wenn 390
der Ruf zugienge, anzunehmen.
Was den Character betrift, ſo wird er der Stelle uud. Nice
Range, den Sie ſchon gegenwärtig bekleiden, angemeſſen I
Haben Ew. die Güte, dieſen Vorſchlag zu überlegen, A.
mir auf das baldigſte einige Eröffnungen von Ihrel. "
ſinnungen zu thun. Von mir ſelbſt werden Sie überzeug.!.
daß diesmal meine Wünſche mit dem allgemeinen Wunſch ſ
gleichlautend ſind, und daß ich mit dem größten Eifer Eh.S
zug und Aufenthalt angenehm zu machen mich beſtreben wüche. Weche Ni
J. W. Goeihe

che

Ueng
Bgen
yine g

Mitow.
neies

*) Curjalien,
Brieſet fehlg.

Harg

[ ][  ][ ]

namer 951.

Donnerstag, den 18. Dezember 1924.

Seite3

rroſtloſe Lage der Spanier.
Auengliſche Auffaſſung über die Lage in Marokko.
London, 17. Dez. Die Lage der Spanier in Marokko
verneſchtert ſich von Tag zu Tag. In London beobachtet man
dieße tvicklung der Dinge mit großer Aufmerkſamkeit. Indeſſei
hälſtſcm die Lage, wie die Times berichten, noch nicht für ſo
errudſaß ſie eine Beratung der Signatarmächte von Algericas
nowmſieig machte. Die Zuſammenziehung der ſpaniſchen Trup=
peinnu
eine neue Verteidigungslinie könne vielleicht zu einer
Beß=fuyng der militäriſchen Ausſichten führen. Engliſche militä=
riſchſatgreiſe
bezweifeln allerdings, ob die in Ausſicht genommene
Linc um gewünſchten Erfolg bringen könnte. Man iſt der Mei=
numdſaß
die Befürchtungen des franzöſiſchen Marſchalls Liautey
wemdger Sicherung der Nordgrenze der franzöſiſchen Zone ſehr
bermegtt ſind. Abd el Krim verfüge über genügend Kräfte für
ein meZworſtoß gegen Fez.
pi don, 17. Dez. (Wolff.) Daily Telegraph
ſchrſſu nen einem Leitartikel, die Möglichkeit der völligen Zurück=
zielzw
) der ſpaniſchen Truppen aus Marokko, einſchließlich der
Küfffmiie, liege zwar fern, aber eine Aenderung der Lage
angeir Küſten des Mittelmeeres könne weder
vobBrroßbritannien noch von Italien gleich=
güß’y
betrachtet werden. Es ſei kaum zweifelhaft, daß
dieſttien unkt zu denen gehörte, die von Chamberlain mit Muſſo=
limüſ
oittert wurden.
DDer Abfall des Aniheraſtammes.
Garis, 17. Dez. (Priv.=Tel.) Ueber den für die Spa=
nie
a y: unangenehmen Abfall des Anjheraſtammes berichtet der
Temm das Folgende: Die Anjheras waren der letzte Stamm, der
den mniern bisher ergeben war. Die Anjheras wurden im
Jah/hl/e19 von General Berenguer unterworfen und verhielten
ſich ſdr=m ruhig. Als Abd el Krim im Juli d. J. ſeine Agen=
ten
/fiher Gebiet ſandte, um den Aufſtand auch hier hervorzu=
rufetzro
rhielten ſich die Anjheras vollkommen ablehnend und
lieſchen ſogar die Agenten den Spaniern aus. Nachdem ſie hier=
duraghze
Loyalität den Spaniern gegenüber genügend bewie=
ſſen
ᛋtan, traten ſie an die Behörde von Tetuan mit der Bitte
herauhmen Waffen auszuhändigen. Dieſem Verlangen wurde
tatfäkhig, entſprochen, und ſeitdem änderte ſich die Haltung des
Staftel:. Mitte Oktober kamen wiederum Agenten aus dem
aufſifön’chen Gebiet ins Land, denen es diesmal gelang, ſich an
verſiſidanen Stellen feſtzuſetzen und die Anjheras für ihre
Ideſſeu gewinnen. Als die Spanier hiervon erfuhren, ſchickten
ſie ſſtat eine Abteilung in das Gebiet und errichteten ein Block=
haud
8 Yor einigen Tagen wurde dieſer Poſten von den Anjhe=
ras
Ayngriffen und damit das Zeichen zum allgemeinen Auf=
ſtand
6 geben. Durch die Aufſtandsbewegung iſt die Verbindung
zwiſtſü euta und Tetuan ernſtlich gefährdet.
D) Todesſtoß für die ſpaniſchen Truppen.
ſtſerid, 17. Dez. (Europapreß.) Die Lage der Spanier
AMollko ſcheint ſich zum Schlimmſten zu wenden. Der Fall
Alcaps nach zweitägiger Belagerung wird als ein Todesſtoß
ür ᛋdſſwaniſchen Truppen angeſehen. Die Eiſenbahnlinie zwi=
chemtn
itta und Tetuan, durch die die Spanier ſich bis jetzt ver=
protpitiert
haben, iſt nunmehr den Angriffen der Aufſtändiſchen
uusdtg. Es iſt zweifelhaft, ob Primo de Rivera ſich in Te=
uamare
halten können. Die gut ausgerüſteten Anjherasſtämme
ſabetrna, deshalb gegen die Spanier erhoben, weil das Haus
deine ſsmer Führer, der überdies noch als ſpanierfreundlich galt,
von ein ſpaniſchen Flugzeug bombardiert worden war. Dieſer
Fehlſſiff der Spanier hat die Anjheras zur Empörung getrie=
den
. eruan iſt gegenwärtig noch eine Zuflucht für Nivera.
In ſſegan Stellen aber ſtehen die Aufftändiſchen bereits zwan=
ZMai vor der Stadt. Wenn keine Aenderung der Lage ein=
ritt
.f Aetuan dem Hungertode preisgegeben.
Sttniſche und franzöſiſche Truppen in der
Zone von Tanger.
Anchdon, 17. Dez. (Europapreß.) Nach einer Meldung
vrer haben die Spanier 20000 Mann in die Zone von
ſchickt und auch Frankreich ſoll 30 000 Mann Hilfstrup=
71 Pspaniern zur Hilfe geſandt haben.
Aufruf Riveras an die Truppen.
Gürid 17. Dez. (Wolff.) General Primio de Rivera hat
inemy muf an die Truppen in Marokko eilaſſen, worin er auf
ie zewrdentlich ſchwierige Beendigung des Rückzugs von
Eaueſtnin weiſt, den die Ehre und das Inteieſſe Spaniens erfor=
derteſtn
?er General begrüßt die in Tetuan eingerücten Truppen
ind ſeänt ihre Aufgabe als noch nicht beendet, weil eine weitere
Straſliceſeition gegen die Kabylen nötig ſei. Spanien erwarte
ungeſſt ig die Löſung des Marokkoproblems, um ſich anderen

Fragſenidmen zu können.

Die deutſch=franzöſiſche
Schwerinduſtrie.
Erklärungen des Staatsſekretärs Trendelenburg.
TU. Paris, 17. Dez. Der Führer der deutſchen Wirt=
ſchaftsdelegation
in Paris, Staatsſekretär Trendelenburg, hat
heute die deutſchen Preſſevertreter empfangen, um die durch
deutſche und franzöſiſche Zeitungen in den letzten Wochen ge=
nährten
Gerüchte über ein ſelbſtändiges und eigenmächtiges Vor=
gehen
der Schwerinduſtrie während der jetzigen Handelsver=
tragsverhandlungen
auf ihren wahren Wert zurückzuführen.
Dr. Trendelenburg erklärte, die deutſche Schwerinduſtrie iſt ſich
völlig im Klaren darüber, daß ſie keinerlei Abmachungen
außerhalb des Handelsvertrages treffen darf, und es iſt nicht zu
befürchten, daß irgendwelche Vereinbarungen auf Koſten des
deutſchen Verbrauchers, d. h. auf Koſten der deutſchen eiſen=
verarbeitenden
Induſtrien getroffen werden. Er teilte weiter mit,
daß die Vertreter der deutſchen Schwerinduſtrie geſtern wieder
in Paris eingetroffen ſind (morgen wird auch Geheimrat
Bücher erwartet), um mit den hier weilenden Vertretern der
deutſchen Maſchinen= und eiſenverarbeitenden Induſtrien neuer=
dings
in enge Fühlung zu treten. Ein eigenmächtiger
Abſchluß zwiſchen der deutſchen und franzöſi=
ſchen
Eiſeninduſtrie ohne Berückſichtigung der allgemei=
nen
deutſchen Intereſſen und ohne Genehmigung der
deutſchen Regierung iſt ausgeſchloſſen. Weiter
führte Trendelenburg aus, daß die gegenwärtigen Verhandlun=
gen
überaus umfangreich und ſchwerwiegend ſeien, da ſie faſt
den ganzen deutſchen Zolltarif umfaßten. Da die deutſchen
UInterhändler im Augenblick außer Stande ſeien, der Oeffent=
lichkeit
Rede und Antwort zu ſtehen, bat er die Preſſe, dem
Rechnung zu tragen und die Verbreitung unverbürgter Nach=
richten
im Intereſſe der Sache zu vermeiden. Nach der Weih=
nachtspauſe
werden die Verhandlungen am 30. Dezember wieder
aufgenommen. Vorher iſt keinerlei Entſcheidung zu erwarten.
Baldwin für den Schutzzollgedanken.
TU. London, 17. Dez. Ueber die Interpellation des libe=
ralen
Abgeordneten. Wedgewood Benn zu den Punkten der
Thronrede, die die Einführung des neuen Tarifgeſetzes und der
Reichsbevorzugung behandeln, entſpann ſich eine lebhafte De=
batte
. Premierminiſter Baldwin unterſtrich in ſeiner Ant=
wort
, daß die Vorſchläge zur Förderung des Handels zwiſchen
der Heimat und den Dominions beitragen werden. Es ſei un=
möglich
, für den Handel Bedingungen von durchgreifendem
Nutzen zu ſchaffen, bevor nicht die allgemeine Lage in Europa
ſich gebeſſert habe. Jede britiſche Regierung müſſe Europa hel=
fen
, das wirtſchaftliche Zutrauen wiederzugewinnen und die
Furcht vor der Zukunft durch gegenſeitiges Vertrauen in der
Politik zu beſeitigen. Er glaube, daß die Durchführung des
Dawesplanes zur Stabiliſierung der Lage in Europa zweifellos
beitragen werde, und daß auf dieſe Weiſe das gegenſeitige Ver=
trauen
eher herzuſtellen ſei, als man es noch vor kurzem ange=
nommen
habe. Abgeſehen hiervon müßten aber Maßnahmen zur
Handelserleichterung durchgeführt werden, wie dies z. B. durch
die Inanſpruchnahme von Ausfuhrkrediten dank der unmittel=
baren
finanziellen Unterſtützung der Regierung oder durch die
Wegebauten geſchehen ſei, was nicht nur zur Behebung der Ar=
beitsloſigkeit
beitgetragen habe, ſondern auch ſonſt von größtem
Nutzen für das Land geweſen ſei. Unterſtützung öffentlicher Be=
hörden
und noch andere Maßnahmen der früheren Regierung
werden aufreicht erhalten werden. Ein hoffnungsvolles Zeichen
ſei auch das Anwachſen der Zuckerinduſtrie. Die Regierung be=
abſichtige
, auch in dieſer Richtung den Vorſchlägen der früheren
Regierung zu folgen. Sie werde die Vorſchläge zur Verbeſſerung
und Verbreiterung der elektriſchen Kraftanlagen prüfen und an=
nehmen
, falls dies zweckmäßig ſein würde. Auf die Wirkung der
Induſtrieſchutzgeſetze eingehend, wies Baldwin auf verſchiedene
Induſtriezweige hin, wie z. B. die optiſche Glasinduſtrie, die ihre
Entwicklung nur dieſem Geſetz verdanke. Er beabſichtige nicht,
das Geſetz zu verſchärfen, doch habe die Regierung einen deutlich
vorgezeichneten Weg zu gehen. Einzelheiten könnten vor der Ein=
bringung
des neuen Geſetzes nicht angeführt werden.
Die Einnahmen aus der 26%igen Einfuhrabgabe.
London, 17. Dez. (Europapreß.) Churchill hat geſtern
im Unterhaus, erklärt, daß die Einnahmen der 2Gproz. Abgabe
aus deutſchen Einfuhren in der Zeit vom 1. April bis 10. De=
zember
1924 3 551000 Pfund Sterling ergeben haben, während
in der gleichen Zeit des Vorjahres 6 329 000 Pfund Sterling ein=
genommen
wurden. Churchill erinnerte daran, daß während der
erſten Monate des laufenden Jahres die Abgabe von 26 Prozent
vorübergehend auf 5 Prozent herabgeſetzt wurde und will damit
die Mindereinnahme erklären.

Scharfer faſziſtiſcher Kampf
gegen die Oppoſition.
Giuntas Rücktrittsſchreiben.
Rom, 17. Dez. (Europapreß.) In der faſziſtiſchen Preſſe
und in der Kammer hat heute eine ſtarke reaktionäre Be=
wegung
aller Faſziſten gegen den Verſuch der Oppoſition ein=
geſetzt
, dem Regime den Prozeß zu machen. Dieſe kam in der
Kammer durch die Ablehnung der Demiſſion des Vizepräſidenten
Giunta beſonders zum Ausdruck, die wegen des Geſuches des
Magiſtrates zur gerichtlichen Verfolgung des früheren General=
ſekretärs
des Faſzismus eingereicht worden war. Vor Beginn
der Sitzung hatte Muſſolini mit miehreren faſziſtiſchen Ab=
geordneten
eine Unterredung, in welcher Ornano, der
römiſche Direktor des Popolo d’Italia, für die faſziſtiſchen
Abgeordneten den Antrag ſtellte, die Demiſſion des Vizepräſi=
denten
nicht anzunehmen. Er begründete ſeinen Antrag mit der
Hochachtung des Faſzismus vor Giunta. Zudem ſei es an der
Zeit, einen der Beſten vor den Fallen der Gegner zu bewahren.
Die Oppoſition ſoll wiſſen, daß wir nicht einer Verbrecherbande
angehören. Er verwies auf die Verdienſte des Faſzismus und
betonte, dieſe Erklärung bilde eine Warnung dafür, daß der
Faſzismus von der Hetze der Oppoſition genug habe.
Wir übernehmen ſolidariſch jede Verantwortung für das faſzi=
ſtiſche
Regime. Der liberale Abgeordnete Boera wandte ein,
die Kammer könne ſich einem Geſuch des Magiſtrats nicht wider=
ſetzen
, ſondern müſſe der Juſtiz freien Lauf laſſen. Unter größ=
tem
Beifall aller faſziſtiſchen Abgeordneten rief ein Abgeordneter:
Die Gegner müſſen ſich merken, daß wir das Regime nicht in
einen Prozeß ziehen laſſen. Die Stimmung des Hauſes war
ungeheuer erregt. Boera kündigte darauf ſeinen Rück=
tritt
als Abgeordneter an, weil die Mehrheit die Strafverfol=
gung
des Vizepräſidenten ablehnte. Muſſolini rief ihm zu,
er ſolle ſich ſchämen, da er doch mit der nationalen Liſte
gewählt worden ſei. Das Haus lehnte unter großem Beifall die
Strafverfolgung des Vizepräſidenten Giunta ab. Salandra
und Ducos ſtimmten dagegen und verließen zum Zeichen
des Proteſtes den Saal. In den Wandelgängen der Kammer
wurde dieſes Vorgehen eifrig kommentiert, da man politiſche
Rückwirkungen erwartet, denn Salandra hatte ſich bisher ſtets
ſolidariſch mit der faſziſtiſchen Partei erklärt.
Millexand gegen die Regierung Herriots.
Paris 17. Dez. (Europapreß.) Millerand hielt geſtern
abend anläßlich eines großen Banketts eine Rede, die als neuer
Kampfruf gegen die Regierung Herriot angeſehen werden darf.
Zunächſt ſetzte er die politiſchen Prinzipien der Republikaniſchen
Liga auseinander und ſtellte feſt, daß die Lebenskoſten vor den
Kammerwahlen niedriger geweſen ſeien, daß der Frankenkurs
günſtiger geweſen ſei und daß man weniger Steuern gezahlt
habe. Außerdem hätten damals die franzöſiſchen und belgiſchen
Beſatzungstruppen noch an der Ruhr geſtanden. Die Regierung
Herriot habe in Genf ein Protokoll behandelt, das, wenn es ver=
wirklicht
würde, weiter nichts als ein Verſprechen Karſtellen
würde, aber keine eigentliche Friedensgarantie. Deutſchland
habe allerdings in London den Dawesplan angenommen und
mit deſſen Durchführung begonnen. Man könne aber kein Ver=
trauen
dazu haben, daß es den Plan auch bis zum Ende durch=
führen
würde. Es ſei ſomit noch nicht der Augenblick gekommen,
die Verteidigungskraft Frankreichs zu ſchwächen. Die Regierung
beſitze keine Handlungsfreiheit. Sie ſei in der Tat der Gefan=
gene
der Sozialiſten. Millerand proteſtierte dann ganz beſon=
ders
gegen die Anerkennung der Sowjetregierung, die er als
eine Regierung der Schande und des Verbrechens bezeichnet. Mit
Unrecht erkläre die Regierung, daß die kommuniſtiſche Gefahr
eine lächerliche Einbildung ſei. In Wahrheit ſei die kommuni=
ſtiſche
Propaganda in allen Kolonien eifrig an der Arbeit. Er
proteſtiere auch dagegen, daß die Regierung in gleichem Atem=
zuge
von einer klerikalen und von einer kommuniſtiſchen Gefahr
ſpreche.
Drohbriefe an Lord Allenby.
London, 17. Dez. (Europapreß.) Der Regierung ſind mehrere
Drohbriefe übermittelt worden, die Lord Allenby in Kairo erhalten hat.
Die Briefe ſind dem Krmitee für die Reichsverteidigung zur näheren
Prüfung überwieſen worden. Auch die Regierung ſelbſt wird ſich damit
beſchäftigen. In London befürchtet man immer noch Attentatsverſuche
von Aegyptern auf engliſche Miniſter. Gemäß den Ratſchlägen des Poli=
zeipräſidiums
kommen die Miniſter nur vereinzelt zu den Miniſterrats=
ſitzungen
und ſind immer von Detektiven in Zilil begleitet. Während der
Dauer der Sitzung wird das Sitzungsgebäude gleichfalls von Deteektiven
bewacht.

Ichbberichtete darüber am 24. Juni 1782 an den Land=
rafdeu
d bat, da er mit einer geringen Beſoldung eine
ahlyſſ.e Familie zu ernähren und zu erziehen habe, um eine
Zerhwrurng ſeines Gehaltes ex fisco academico. Dann heißt
8 wer: Dermalen, da mir ganz unverhofft und ohne alle
neimwiesanlaſſung nach Innhalt des copeylich beyliegenden Ex=
ract/
3mes Schreibens des Fürſtlich Sächſiſchen Geheimen Rath
oese in Weimar der Antrag zu der vacanten, ſo an=
hnhcln
, als einträglichen, Stelle eines Ordinarii auf der
nivwtätk Jena, wo ich ehedem als Doctor legens mit allem
ehffiolollegia geleſen habe, geſchickt, wage ich es Ew. Hoch=
irſtlh
WDurchlaucht um ſothane huldreiche Zulage hierdurch in
ntenntnggſter Ehrfurcht ohne Zurückhaltung devoteſt zu er=
cheſtru
d werde mich glücklich ſchätzen, wenn Höchſtdieſelben
urcny madenvolle Landesherrliche Gewährung meiner ſub=
ifſite
n Bitte mich baldgefälligſt in den Stand zu ſetzen ge=
uhen
olllen, meinem vorhin ſchon erwähnten Pflichtſchuldigſten
orſſ ſuf Höchſtdero Univerſität zu leben und zu ſterben)
bemn: getreu bleiben und den erhaltenen auswärtigen An=
ag
ſiſonk kurzer Hand ablehnen zu können, damit nicht etwa
uch ſ mngegründetes Gerücht meiner Dienſtveränderung dem
lor) Aniverſität auf künftiges Winter halbe Jahr nachtheilig
vſerdiymöge, zu welchem Ende denn auch den mir geſchehenen
Intrtnaſſ hier geheim halte.
( Gentt betonte in ſeinem Gutachten vom 26. Juni 1782 die
oriſ e der Jenenſer Profeſſur in Fixis und aceidentien
id ſſchen Landgrafen, Koch wegen ſeiner wirklich großen
Zerdiwte, um die Univerſität eine gewöhnliche Hanß Beſol=
nay
fixeo academico (von etwa 150 Gulden) gnädigſt zuzu=
gemr
i), demnächſt die huldreiche Zuſicherung zu thun, daß
eine nſier der Hochfürſtlichen Gnade und Vorſorge, ſofern ſie
veſſent ten, jederzeit vorzüglich empfohlen ſeyn ſollten Bei=
s
lälſalſägte der Landgraf in einem ſehr gnädigen
öchüſhen vom 6. Juli 1782. So verfehlte auch ein zwei=
r
/ /Ef) Goethes ſeinen Zweck; und kurz danach ſchreibt Goethe
Terc taf; ihm der Kanzler Koch einen Korb erteilt habe.
m aber hatte Koch den Ruf nach Jena abgelehnt, ſo kam
in rir! Antrag und zwar am 7. 10. 82 durch den Profeſſor
ehehi mnach Göttingen, als Nachfolger des Herrn v. Sel=
howilie
ihm geöffneten glänzenden Ausſichten und Reize‟
nesis haltes von 23000 Thalern vermochten jedoch nicht, Koch
zu Füharen; er blieb ſeinem einmahl gefaßten Vorfatze, in
es =lögrafen Dienſten zu leben und zu ſterben treu und un=
rmml
OOktober 1782 ernannte ihn der Landgraf zum
Azllichen Canzlar bey unſerer Univerſitget‟. Noch

nutzte Koch die Gelegenheit, um dreybeſondere Wünſche‟
vorzübringen, ſo beſchaffen, daß ſie keinen erheblichen Anſtand
finden können; ich ſehe ſie heißt es in ſeinem Schreiben vom
3. 11. 1782 an den Miniſter Heſſe, den Kurator der Univerſität
als ſolche Folgen an, die dem augmento honoris, wel=
ches
Sereniſſimi Hochfürſtliche Durchlaucht mir huldreichſt zuge=
dacht
haben, billig ankleben müſſen. Es gibt Sachen, die ihren
Wert verlieren, wenn man darum beſonders ſupplicieren müßte,
die aber im Gegentheil nur einen Glanz haben, wenn ſie proprio
motu geſchenkt werden‟ Er wünſchte: 1. daß ſich der dienſt=
habende
Pedell, der hauptſächlich weiter nichts zu thun habe, als
daß er ſich täglich zweymal beym zeitigen Rectore melden und
nachſragen müſſe, ob etwas zu beſtellen ſey ſchicklicherweiſe
auch täglich NB. einmahl bey dem Cancellario in gleicher
Abſicht melden müſſe, 2. Sitz in der jeweils aus zwei Regie=
rungsräten
beſtellten Prüfungskommiſſion der juriſtiſchen Facul=
tät
und zwar als ſtändiges erſtes Mitglied. 3. Brieffreiheit auf
der Landpoſt. Seine Deſideria unter 1 und 3 wurden unter
Rückdatierung auf den 28. 10. 1782 genehmigt; über 2 habe ich
Näheres nicht ermitteln können.
Dieſe Geſchichte zeigt, wie Koch, der über Gießen hinaus
geſucht und ſogar von dem Herrn Geheimen Rath Goethe ge=
beten
wurde, als kluger Mann ſeine auswärtigen Berufungen
geſchickt auszunutzen verſtand, um in Rang und Gehalt aufzu=
rücken
und doch der heſſiſchen alma mater erhalten zu bleiben.

Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Guſtav Hartung bei einem Kraftwagen=
unfall
verletzt. Der Kölner Jutendant Guſtav Hartung
wurde bei einem Aufenthalt in Berlin bei einem Kraftwagen=
unfall
verletzt. Er mußte in ein Krankenhaus übergeführt werden.
* In Gießen wurde am 15. Dezember im Rahmen der
Konzerte des Konzertvereins Bruckners Tedeum als
Bruckner=Gedenkfeier, und Regers 100. Pſalm unter Lei=
tung
des Univerſitätsmuſikdirektors Profeſſor Trautmann
durch den akademiſchen Geſangverein (Orcheſter: das verſtärkte
ſtaatl. Kurorcheſter aus Bad=Nauheim; Orgel: P. Hopf aus
Eiſenach) zu glänzender Aufführung gebracht. Das Konzert darf
in Anbetracht der großen Aufgabe, die der Verein vortrefflich
löſte, als muſikaliſches Ereignis bezeichnet werden.
* Als Präſident der Internationalen Arti=
ſten
=Loge begeht Max Berol=Konorah am kommenden
Freitag ſein 20jähriges Jubiläum. Geborener Berliner,

begann er im Alter von 20 Jahren ſeine artiſaſche Laufbahn, die
ihn unter großen Erfolgen durch die ganze Kulturwelt führte.
Neben ſeiner Berufstätigkeit entwickelte er ein glänzendes Orga=
niſationstalent
, das die Aufmerkſamkeit der Berufsgenoſſen bald
auf ihn lenkte, ſo daß er am 19. Dezember 1904 zum 1. Vorſitzen=
den
der Internationalen Artiſten=Loge gewählt wurde. Als ſol=
cher
entfaltete er eine reiche und von Erfolg begleitete Tätigkeit
für die wirtſchaftliche und ſoziale Hebung des Artiſtenſtandes,
welchem Zwecke er ſeine ganze Kraft widmete, die ſich namentlich
auf den engeren Zuſammenſchluß der Artiſten aller Länder rich=
tete
. In dieſem Ziele übte Konorah, ein glänzender Redner, auf
allen Kongreſſen einen maßgebenden Einfluß aus. Auch als Fach=
ſchriftſteller
hat er ſich einen Namen gemacht, und ſeine im ver=
floſſenen
Jahre auf Grund einer Reiſe durch Rußland heraus=
gegebene
Schrift über die Verhältniſſe im Sowjetreiche fand viel
Beachtung. Alles in allem genommen hat ſich Konorah um ſeinen
Stand unvergeßliche Verdienſte erworben, und es iſt nur zu ver=
ſtändlich
, daß ihm ſeine Berufsgenoſſen volles Vertrauen ent=
gegenbringen
, denn ſie wiſſen, daß bei ihm die Vertretung ihrer
Intereſſen in den beſten Händen liegt.

* Harry Morgan oder ſein Bruder? Die Londoner Bläkter
melden aus New York: Die Gerichte müſſen ſich jetzt mit einem
überaus ſonderbaren und ſehr verzwickten Fall beſchäftigen.
Heinrich Morgan iſt von ſeiner eigenen jungen Frau wegen
Bigamie angezeigt worden. Der Beſchuldigte hat gegen dieſe
Anklage ſehr lebhaft proteſtiert, indem er erzählte, daß, als ſein
Bruder infolge eines Autounfalles in Frankreich ſtarb, er nicht
den Mut hatte, deſſen Gattin von dem Unglück zu verſtändigen.
Als er nach Amerika zurückkehrte, benützte er den Umſtand, daß
er ſeinem toten Bruder in geradezu phänomenaler Weiſe ähn=
lich
ſah, um die Stelle des Verſtorbenen in deſſen Haus einzu=
nehmen
. Weder die Schwägerin noch die Neffen merkten die
Unterſtellung. Später empfand Morgan das Bedürfnis, ſich
ein eigenes Heim zu ſchaffen, und da nahm er eine junge Frau.
Fünf Tage der Woche verbrachte er mit ſeiner eigenen Frau und
die anderen zwei bei der Schwägerin. Die Gattin faßte aber
bald Verdacht; ſie war überzeugt, daß ihr Gatte ſchon einmal
verheiratet war, und zeigte ihn beim Gericht an. Die Schwä=
gerin
aber erklärt ihrerſeits, daß es nicht möglich iſt, daß der
Mann, der mit ihr zuſammenlebt, nicht ihr rechtmäßiger Gatte,
ſondern ihr Schwager ſei. Nun ſteht das Gericht vor der
Schwierigkeit, zu entſcheiden, welcher der beiden Morgans eigent=
lich
am Leben geblieben iſt.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Donnerstag, den 18. Dezember 1924,

Nummer

Verlorene Herrſchaft.

Wie England Indien aufgab.

Im Verlag von Kurt Vowinckel, Berlin=
Grunewald, erſchien unter dieſem Titel ein
Buch von A. L. Carthill, das überaus bemer=
kenswert
iſt. Zu dem inhaltsvollen und viel
vorausſetzenden Buche hat Carl Haushofer
ein gutes Vorwort geſchrieben. Auch die von
Fritz Heſſe hinzugefügte Erläuterung der indi=
ſchen
Verfaſſung leiſtet dem Leſer gute Dienſte.
Ein ſonderbares Buch, ein mächtiges Werk. Das Buch eines
Staatsmannes, das Geſchichte ſein will, mit allem Eifer für
Objektivität geſchrieben und dennoch eine Anklageſchrift, die aus
dem trockenen Geſchichtston in eine bittere Kritik ſeines Zeitalters
und der herrſchenden Ideen fällt. Carthill, ein Pſeudonym, hin=
ter
dem man Lord Curzon vermutet, ſchreibt keine Anklagen
gegen beſtimmte Perſonen. Er will ſich von der Tagespolitik
fernhalten. Sein Zweck iſt, den Untergang der engliſchen Herr=
ſchaft
in Indien zu ſchildern, ohne dabei einzelne Politiker an=
zuklagen
. Er zwingt ſeinen Geiſt in einen taciteiſchen Stil, den
er glänzend beherrſcht. Am Anfang des Buches meint man wirk=
lich
, die drähnenden Worte des Römers zu hören, der ſeiner
Bitterkeit und Verachtung dem domitianiſchen Geiſte gegenüber
Platz gibt, ohne dabei ſeinen gerechten Sinn zu verlieren und
keinen anderen Zweck verfolgt, als den moraliſchen Untergang
ſeines Vaterlandes zu ſchildern. Aber Carthills Geiſt ſprengt
die ſtarren klaſſiſchen Formen des Tacitus. Er iſt viel zu aktiv,
um ſich der unbefangenen Chronikbeſchreibung widmen zu kön=
nen
. Aus ſeinem Buch wird eine leidenſchaftliche Anklageſchrift,
welche ſein ganzes Zeitalter verklagt, nicht die Menſchen, ſondern
die Ideen, jene ſelbſtgefälligen Ideen, die aus einer Kreuzung
des engliſchen klaſſiſchen Liberalismus und der franzöſiſchen
Soziologie entſtanden find. Jenen engliſchen Geiſt, der die Poli=
tik
verlernt hat und keine nationalen, ſondern nur noch wirt=
ſchaftlichen
Zwecke kennt. England wurde das Opfer dieſes Gei=
ſtes
, als es aus rein wirtſchaftlichen Gründen in den Weltkrieg
ging; und im Hintergrunde der Gedankengänge Carthills liegt
die bittere Erlenntnis über die furchtbaren Folgen des Krieges
für England.
England hat Indien verloren. Carthill ſtellt dies
als eine Theſe dar, an der nichts mehr zu ändern iſt. Er gibt
kein Programm für die Zukunft. Er iſt durch und durch reſigniert
und ſkeptiſch. Sein Buch mag für andere Völker nützliche Lehren
geben, für England iſt es nur noch Geſchichte. Unſer Zeitalter
ſah, wie England Indien und dadurch ſich ſelbſt aufgab. Nicht
materielle Gründe, ſondern Ideen waren es, an denen Englands
indiſche Herrſchaft zugrunde ging. Die Hauptſchuld der Englän=
der
war, die Schlagkraft der Ideen, die von ihnen ſelbſt ge=
predigt
wurden, zu verkennen. Es wird den deutſchen Leſer wohl
überraſchen, daß man mit ſolcher Offenheit über den Nieder=
gang
Englands ſpricht. Die Art und Weiſe, wie Carthill dies
entwickelt, wird ihn aber vollkommen überzeugen, und es iſt die
Aufgabe der Politik, aus dieſer Tatſache die Konſequenzen zu
ziehen.
Carthills Buch iſt wohl das intereſſanteſte, was die politiſche
Literatur ſeit Jahren hervorgebracht hat. Er iſt vielleicht nicht
mit ſeinem Vorbild Tacitus zu vergleichen, ſondern mehr mit
Cgeſar, einem, der ſelbſt Erlebtes, mit allen Faſern des Herzens

Erlebtes beſchreibt. Freilich nicht mit einem ſiegreichen Impera=
tor
, ſondern einem geſchlagenen, der aber auch in ſeiner Nieder=
lage
verehrungswürdig iſt. Sein Buch iſt ein Teil der indiſchen
Geſchichte, es iſt die indiſche Geſchichte Englands, ja es mutet an,
als ob es die Memoiren John Bulls wären. Ein nicht geringer
Teil ſeines Buches wird der Rechtfertigung Englands gewidmet.
Eine eigenartige Rechtfertigung. Carthill hat ſich von den ſeichten
Phraſen der Selbſtbeſtimmung und des Liberalismus, welche
ihre Orgien am vollkommenſten während des Weltkrieges feierten,
losgeſagt. Er ſagt Wahrheiten, die man vielfach nicht ausge=
ſprochen
hatte, weil man ſie nicht auszuſprechen wagte. Er rech=
net
mit dem Deſpotismus moderner Ideen ab. Es iſt charakte=
riſtiſch
für den Geiſt des modernen Menſchen, daß ſelbſt die ſoge=
nannten
Reaktionären ſich bisher von den liberalen Dogmen nicht
losſagen konnten. Sie waren ſo gezwungen, in die gegneriſchen
Waffenmagazine zu greifen. Carthill kämpft mit eigenen Waffen,
mit offenem Viſier. Seine Rechtfertigung gewinnt dadurch einen
etwas pikanten Geſchmack. Er erſcheint wie ein moderner Schüler
Machiavellis. Wenn er über die indiſchen und engliſchen Typen
des Jahrhunderts ſpricht, fühlt man den ſcharfblickenden Staats=
mann
, der mit den Naſſenunterſchieden im klaren iſt und ſich
keinen Illuſionen hingibt. Seine Schilderung von dem indiſchen
Durchſchnittsintellektuellen mag vielleicht etwas übertrieben ſein,
ſie iſt aber ſo lebendig, daß ſie echt ſein muß. Typen zu ſchildern,
iſt überhaupt ſeine Stärke, und manchmal verliert er ſich ſo ſtark
in dieſen Beſchreibungen, daß man nicht ein Geſchichtswerk, ſon=
dern
eine Satire von Swift zu leſen meint. Wir können aus ihm
lernen, wie der engliſche Staatsmann der vergangenen Jahr=
zehnte
ſich zum Orient ſtellte. Die Raſſenunterſchiede ſind bei
ihm zum Dogma geworden, auf Grund deſſen er den Orientalen
beurteilt, und es iſt kein ſchmeichelndes Bild, das er uns von
dem Orientalen entwirft. Aber er kennt den Orientalen durch
und durch, er vergleicht ihn mit dem Europäer der bei ihm
ſelbſtverſtändlich der Engländer iſt und das Bild iſt vielleicht
nicht ungerecht zu nennen. Er verwirft die orientaliſchen Metho=
den
, iſt aber der Anſicht, daß im Orient nur mit den orientaliſchen
Methoden zu regieren möglich ſei. Englands Tragödie liegt nach
ſeiner Anſicht darin, daß es in dem Augenblicke ſeine Herrſchaft
verlieren mußte, wo es ſich von dem reinen Ausbeuterſtandpunkt
losſagte und europäiſche Idegle und Methoden nach dem Orient
verpflanzen wollte vergeblich, denn der Orientale ſoll nach ihm
kein Verſtändnis für Liberalismus und Selbſtbeſtimmung, keinen
Sinn für eine andere Staatsform als den Deſpotismus haben.
Wie weit das zutreffend iſt, iſt ſchwer für den Europäer zu be=
urteilen
. Es iſt aber Tatſache, daß in England immer nur die=
jenigen
Schichten Freiheit für Indien forderten, die es nur von
Büchern kannten und der praktiſchen Verwaltung ferne ſtanden.
So ſehr er aber Engländer iſt, ein rein germaniſcher Geiſt er
konnte dem Zauber des Orients doch nicht widerſtehen. Indiſche
Kunſt und Philoſophie lehnt er ab, indiſche Sitten verachtet er,
aber ſeine Auffaſſung mußte dort eine Scharte erleiden, wo es an
das Weſentliche, an die ſtaatsmänniſchen Aufgaben ging. Er hat
zu viel Kulturen kennen gelernt, um eindeutig Stellung nehmen
zu können. Daß der Begriff Nation rein europäiſcher Herkunft
iſt und nur hier einen Sinn hat, hat er erkannt, mit dem indi=
ſchen
Syſtem weiß er aber nichts anzufangen. Er iſt ſelbſt etwas
Orientale geworden, und in ſeinem Peſſimismus ſcheint er wie
von Schotenhauer angehaucht. Er zieht aber nicht die letzten
Konſeguenzen. Seine Stärke liegt in der Praxis und nicht in der
Theorie; wie überhaupt die engliſche Staatskunſt an Inſtitutio=
nen
reich iſt, die theoretiſch falſch ſind, ſich aber in der Praxis
glänzend bewähren, da ſie in Volksinſtinkten und nicht in theo=

retiſchen Erwägungen begrüindet ſind. Darum kann man fe. 71
nicht nach anderen Ländern verpflanzen, wie dies das 8.
Indiens ſo treffend zeigt. Es wäre alſo verfehlt, Cartziuz 19
als ein Lehrbuch der praktiſchen Staatskunſt nach der An11
Machiavell: zu bezeichnen. Carthill unterſcheidet ſich von Mocht
velli darin, daß er nicht nur rein logiſche Prinzivien berſch
tigt, alſo vollkommener iſt als dieſer, wenn auch die glah
und Folgerichtigkeit, nicht ſo ſehr ſeine Eigenſchaft iſt
Machiavelli war man ungerecht. Man ſah in ihm nur den
wiſſenloſen Cyniker, ohne ſeine Wahrheiten zu würdigen.
dies wird auch das Schickſal Carthills ſein. Er weiß dies z
iſt ihm die furchtbare Schlagkraft, die in den Ideen und Geßtil
beruht, bewußt, ihm fehlen aber dieſe Ideen, er leidet an
ſelben Krankheit, an der die von ihm angegriffene engliſche gu
tik leidet, und darum kann und will er auch kein Progranm.
die Zukunft geben. Er iſt ſelbſt ein Vertreter jenes deladent

und ideenloſen England der Neuzeit, und das macht ihn ſo
ſonders intereſſant. Die Fdeale und Zwecke, welche er erwint
und welche ihn manchmal zu beſeelen ſcheinen, ſind nur
Rechtfertigung des engliſchen Vorgehens in Indien da
Rechtfertigung vor einer Nachwelt, vor einer Menſchheit, on
er ſelbſt nicht mehr glaubt. Er wäre ja kein Engländer, wemo
ſich von aller Heuchelei losſagen könnte, obzwar er viel in dec
Hinſicht geleiſtet hat.

Auf die Frage, welches das Schickſal Indiens in der Zuhns
ohne Engländer ſein werde, bleibt er die Antwort nicht ſchudg
Weit entfernt davon, die Vorteile der engliſchen Verwaltum g
überſchätzen, neigt er dahin, einen Niedergang Indiens vorug
zuſagen. Es gibt keine indiſche Nation und es gab auch lutz
auch vor der engliſchen Herrſchaft nicht. Das heutige Fndt
hängt nicht organiſch zuſammen. Das einzige Band, welchez
loſe aneinandergefügten Teile zuſammenhält, iſt die engſſall
Verwaltung. Nach dem Verfall dieſer wird die Zuſamem
gehörigkeit verſchwinden. Auch die Errungenſchaften der eurgn
iſchen Ziviliſation wird das indiſche Volk nicht behalten kömen
Die Parole der indiſchen Freiheitsbewegung Swargl dung
Swadeſhi (Selbſtherrſchaft durch Selbſtgenügen) läßt wenſgh
ſtens darauf ſchließen. Ob man aber ohne dieſe Errungenſchntet
wirklich ſo leicht auskommen wird und ob ſie wirklich ſo werſtall
ſind, iſt eine andere Frage. Der grollende Engländer
darin einen Troſt, wir aber dürfen dieſe Momente nicht Miet
ſchätzen.

Singapore.

Von unſerem Londoner Korreſpondenien
C.U.P. London, 16. 9e/
Der Erſte Lord der Admiralität Bridgeman hat in emn
ſchriftlichen Antwort auf eine Anfrage des Unioniſten Sit 41
Moore mitgeteilt, daß bisher nur 99 500 & für die Erweitenm
der Hafenanlage ausgegeben worden ſeien. Was die Geſwer
koſten der Ausführung des urſprünglichen Planes von 1980
gehe, ſo würden ſie ſich auf 11 Millionen Pfund belaufen 0 4
über neun Jahre zu verteilen ſeien, und zu denen die Regterule
gen von Neu=Seeland und Auſtralien beitragen würden, wem
ſie bei ihrer jetzigen finanziellen Lage dieſen urſprünglichen !
ſchluß aufrecht erhalten könnten.

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(unun

[ ][  ][ ]

Hettuier 351.

Donnerstag, den 18. Dezember 1924.

Seite 5

AAlus der Landeshauptſtadt.

Darmſtadt, 18. Dezember.
Ernannt wurden: am 25. Sept. der Schulamtsanwärter Heinrich
45. aus Leiſelheim zum Lehrer an der Volksſchule zu Schornsheim,
47/Oppenheim; am 2. Dezember die Schulamtsanwärterin. Marie
9bir aus König zur Lehrerin an der Volksſchule zu Beerfelden, Kreis
A54 im Odenwald; am 10. Dezember der Lehrer Otto Weber an
Andelksſchule zu Butzbach, Kreis Friedberg, zum hauptamtlichen Fort=
Aüngsſchullehrer an der Fortbildungsſchule daſelbſt mit Wirkung vom
Alkuober 1994 ab; am 11. Dezember der Lehrer Auguſt Stein=
in
an der Volksſchule zu Herchenhain, Kreis Schotten, mit Wirkung
b1. November 1924 ab zum hauptamtlichen Fortbildungsſchullehrer
Ape: Fortbildungsſchule daſelbſt. Durch Entſchließung des Landes=
Au ſtür das Bildungsweſen wurde der Studienreferendar. Ludwig
Gbut zu Darmſtadt zum Studienaſſeſſor mit Wirkung vom 1. Nob.
UNAS ernannt. Am 15. Dezember 1924 wurde der Gewerberat Auguſt
KE/0oz zu Darmſtadt mit Wirkung vom 1. Dezember 1994 an zum
Aband der Heſſiſchen Dampfkeſſelinſpektion zu Darmſtadt mit der
AAhezeichnung Ober=Gewerberat ernannt.
h:den Ruheſtand verſetzt wurde am 10. Dezember der Genbarmerie=
ARuachtmeiſter Theodor Geißler in Bad=Nauheim auf ſein Nach=
fih
en mit Wirkung vom 1. Januar 1925 an. In den Ruheſtand tritt
Andnund des 8 1 des Geſetzes über die Altersgrenze der Staatsbeam=
tik
mm 2. 7./19. 12. 1923, der Miniſterialrat bei dem Miniſterium der
ſiggen. Hermann Kutſch zu Darmſtadt, vom 1. Januar 1925 ab.
ein dauernden Ruheſtand verſetzt wurden: am 9. Dez. die Lehre=
im
einſtweiligen Ruheſtand Amalie Friedmann, Wihelmine
und Eleonore Pfnor zu Darmſtadt, vom 1. Januar 1925 an
alßg. Nachſuchen.
füledigt iſt eine Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer an der
Aliſt zule in Ruppertenrod, Kreis Alsfeld. Ausreichende Dienſtwoh=
nA
it vorhanden.
EAuszahlung der Gehalte der Staatsbeamten. Aus den verſchieden=
ſ
Pkoeiſen der heſſiſchen Staatsbeamten iſt das dringende Erſuchen ge=
ſt
ſtworden, die Januargehalte der heſſiſchen Staatsbeamten noch vor
Abnrchten auszahlen zu laſſen. Die Heſſiſche Regierung verkennt nicht
dihzülinde, die zu dieſem Wunſche führen, ſie ſieht ſich aber zu ihrem
Bleugn außerſtande, ihm zu entſprechen. Abgeſehen davon, daß es
wſſhi ftlich recht bedenklich wäre, wenn nach ſtarker Inanſpruchnahme
dieſjanuargehalts noch vor Weihnachten für die lange Zeit bis Ende
Aba; häufig nur ein zum Leben völlig unzureichender Betrag übrig
bllen würde, ſo hat vor allem die Regierung keine rechtliche
Aſt ichkeit die Gehalte früher auszuzahlen, als das von der
Mkznegierung für die Reichsbeamten zugeſtanden iſt. Anfragen bei
eutändigen Reichsſtellen haben ergeben, daß eine Früherlegung des
Alutlungstermins für die Reichsbeamten bei keiner Reichsverwaltung
in äficht genommen iſt. Auch der Antrag der Heſſiſchen Regierung, an
dilzenänger beſoldeten Beamtengruppen einen Bruchteil des Januar=
g
0k3 vorſchußweiſe vor Weihnachten auszahlen zu dürfen, wurde von
da eſta chsregierung, als den Beſtimmungen des Sperrgeſetzes zuwider=
I9 h3, in beſtimmteſter Weiſe abgelehnt.
MPoſtdienſt am 24. Dezember. Am Mittwoch, den 24. Dezember,
enl bei den Poſtanſtalten wie in den Vorjahren Dienſtbeſchränkungen
in heikehr mit dem Publikum vorgenommen. U. a. werden die Poſt=
foßer
im allgemeinen nur bis 4 Uhr nachmittags offen gehalten. Im
Thrammannahme= und Fernſprechdienſt treten Beſchränkungen
riſſem.
MMuſikverein. Heute abend ½8 Uhr ſpielt Günther Ramin in der
Sſtkn=che. Man nennt ihn den beſten Organiſten Deutſchlands. Er
by git mur Werke ſeines Vorgängers auf St. Thomaes Stuhle, Bach!
Aſcete Tradition klaſſiſcher Einſpielung auf der Orgel wird von
Mtnu gepflegt! Abendkaſſe in der Apotheke Ramdohr in der Kirch=
ſtih
Ahne Ermäßigung 2 und 3 Mk.
fauptkaſſe des Hefſiſchen Landestheaters. Die Mietkarten für die
Wenustsmiete (Miete I) können gegen Zahlung der erſten Nate in der
B//ar7 912½ vormittags bei der Hauptkaſſe, Schalter 1, in Empfang
gdenusen werden. Anmeldungen für die Miete I. werden noch ent=
gdßezmommen
. Gleichzeitig machen wir noch darauf aufmerkſam, daß
düſeau-ptkaſſe vom 25. Dezember bis 1. Januar einſchließlich für Miet=
eilſelnungen
geſchloſſen iſt.
Weber Flettner=Rotor und Flettner=Ruder ſprach im Hörſaal 326
HlhPrrofeſſor Eberhardt, der den Lehrſtuhl für Luftſchiffahrt und
Flllemnik hier innehat, in allgemeinverſtändlichem, lehrreichem Vortrag
voſewr ſehr großen Zuhörerſchaft aus den Kreiſen der Techniſchen
H)phule und vor intereſſierten Laien. In einer kurzen Begrüßungs=
relſtuges
Herr Bürgermeiſter Mueller, darauf hin, daß mit dem
helſgei- Vortrag der Heſſenfliegerverein für Luftfahrt ſeit ſeiner Neu=
gyfzung
zum erſten Male in die Oeffentlichkeit trete und dem Verein
biſſ ellhe geben wird durch die Ausführungen des Redners, der ein
hillät zelles Thema behan delt, das wegen ſeiner ärodynamiſchen Ein=
FlüAgaf die neue Erfindung dem Flugweſen verwandt iſt. Herr Prof.
Ellal dt erklärte an Hand von Lichtbildern, die klare ſchematiſche Zeich=
mlmul
darſtellen, zunächſt den Einfluß der Wind= und Luftſtrömung auf
diükz ua renden Zylinder des Rotorſchiffs. Wir werden mit den irodyna=
miün
Verſuchen des Frankfurter Ingenieurs A. Flettner bekannt=
ein
, die ſich zunächſt auf ſtarre Metallſegel (gegenüber den früheren
dſyaürdſegeln) erſtreckten, und dann zur Zylinderform übergehen. Der
Elnier legte Eulers Theorie zugrunde, faßt die Luft als unzerdrück=
bal/z
Krörper auf, die den Zylinder, der als Fremdkörper in die Luſt=
ſtyltugg
gebracht wird, in ſchnelle Rotation verſetzt. Die beiden, auf
deſſurd heren Dreimaſt=Topſegel=Schoner ſtatt der Segel aufgeſetzten
zhiſlenförmigen Metallwalzen von 2,8 Meter Durchmeſſer, die durch
eiun4u pferdigen Dieſelmotor in Drehung verſetzt werden, leiſten zehn=
matzliw
el, wie die bisherigen gleichgroßen Flächen der Leinenſegel. Das
Soßz mird nun durch die Saugwirkung auf der Vorderſeite des Zylin=
deißliyerſeits
und die Druckwirkung auf ſeiner hinteren Seite in Be=
warxo
) geſetzt. Trifft nämlich den in Drehung verſetzten Zylinder ein
ſeulit, zur Fahtrichtung blaſender Wind, ſo muß der größere Teil der
Wſtinfien ſeinen Weg um die vordere Zylinderhälfte nehmen, weil er
awurFeine Reibung findet, während die hintere, dem Wind ſich ent=
geſlwr
=hende Zylinderhälfte eine ſtarke Reibung zwiſchen Luftzylindern
erſſit! hier die Reibung alſo voll ausgenutzt wird. Die Windrichtung
iſtiſ ie Fortbewegung des Schiffes bzw. die Rotierung der Zylinder
vol ſäimmen belanglos, Ein hervorragender neuer Fortſchritt iſt der, daß
ſioh:3) Schiff durch zwei entgegengeſetzt rotierende Zylinder auf dem
Plla drehen kann. Irgend welche Böenwirkung iſt im Gegenſatz zu
deiſriegrelſchiff für das Rotorſchiff ohne irgend welchen Einfluß. Wäh=
reinds
Geſamtgewicht einer gleichflächigen Takelage (von 28 Meter
GlMtiü öhe) 35 Tons beträgt, beträgt das der Flettnertürme (in der
G/että öhe von 15,6 Meter) nur 7 Tons; eine weitere bedeutende Er=
ledlſtzmg
für den Schiffskörper. Ein einziger Mann kann dieſe Türme
beiſſen. Eine gleich große Bedeutung für die Großſchiffahrt kommt dem
Füſter=Dreiflächenruder zu, deſſen konſtruktive Ausführung der Vor=
tratz
,de erklärt. Das Ruder iſt in einfachſter Weiſe von einem Mann
zuiſ linmen, und die ganze ſeitherige ſchwere und große Rudermaſchine
iſt tnülüſſig. Abgeſehen davon, daß das gegen früher bedeutend klei=
hläſatttner
=Ruder von dem Wirkungskreis der Schiffsſchrauben unter
* Eeingehüllt iſt und ſich ſomit ganz entfalten kann, iſt auch ſeine
ſtöſt=wirkung bei Schiffen ohne Ballaſt die gleiche wie bei ſolchen mit
oiſt Wallaſt, während bei den alten Rudern zwei Drittel der Steuer=
zugl
durch die Größe der Ruder verloren ging, die bei leeren Schif=
m
. Teil über das Waſſer herausragten. Dieſe beiden Erfindungen
humu ifellos von erochemachender Bedeutung. In einem kurzen
mort dankte Herr Prof. Guttermuth, auch im Namen des
=Aliegervereins für Luftfahrt, dem Vortragenden für ſeine Aus=
gen
und gab der allgemein empfundenen ſtolzen Freude Ausdruck,
y wiederum deutſcher Technik und deutſchem Geiſt gelungen iſt, eine
yſiolgreiche, in ihren Folgen noch nicht abzuſehende wiſſenſchaftliche

tiseckung zu machen.

* Perloſung von Sparprämien.
Der Vorſtand des Verkehrsvereins Darmſtadt

Geſtern vormittag fand im Rathausſaale zu Darmſtadt die Ver=
loſung
der Sparprämien des Heſſiſchen Sparkaſſenverbandes ſtatt. Es
wohnten ihr die Spitzen der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden bei.
Juſtizrat Reh=Alsfeld der Vorſitzende des Heſſiſchen Sparkaſſen= und
Giroverbandes, führte in ſeiner Begrüßungsanſprache u. a. aus, daß der
heſſiſche Verband in gewiſſem Sinne vorbildlich und bahnbrechend ge=
weſen
ſei. Andere wären dem heſſiſchen Verfahren gefolgt, doch ſei dieſes
nicht frei von Anfeindungen geweſen. Namentlich von den Genoſſen=
ſchaften
ſei Kritik geübt worden, doch wäre dieſe Kritik nicht ſachlich ge=
weſen
. Zum Beweis für dieſe Behauptung verlas der Redner folgende
Ausführungen aus Nr. 41 der Blätter für Genoſſenſchaftsweſen:
Durch das geübte Verfahren ſetzt er (der Sparkaſſenverband) ſich dem
berechtigten Vorwurf aus, daß er unter dem Vorwande, nur der För=
derung
des Sparſinns zu dienen den Genoſſenſchaften, die nicht zu ſol=
chen
Mitteln greifen, mit ungeſetzlichen Mitteln Konkurrenz mache‟. Wir
ſind frei geweſen, ſo erklärte der Redner weiter, von der Verfolgung
wirtſchaftlicher Sonderintereſſen; unſer Motiv war, den Sparſinn zu
fördern. Wir wollten das Geld nach den Inſtituten zurückführen, die
ſich im Geldverkehr bewährt haben. Wenn die öffentlichen Sparkaſſen
erreichen, daß wieder Kapital angeſammelt wird, und wenn ſie ſo mit=
helfen
, uns vom ausländiſchen Kapital frei zu machen, dann werden ſie
ſich ein großes Verdienſt erwerben und ſie dürfen darauf hinweiſen, daß
ſie wertvolle Arbeit geleiſtet haben beim wirtſchaftlichen Wiederaufbau
des Vaterlandes.
Direktor Seipp von der Giro=Zentrale Darmſtadt machte hierauf
die nachſtehenden Mitteilungen: Urſprünglich waren von dem Heſſiſchen
Sparkaſſen= und Giroverband 1007 Prämien ausgeſetzt worden. Man
ging davon aus, daß ſich wohl kaum mehr als 20 000 Sparer die An=
wartſchaft
auf eine Prämie erwerben würden, ſo daß jedem 20. Buch
eine Prämie zufallen könnte. Der angeſtrebte werbende Erfolg hat je=
doch
die gehegten Erwartungen weit übertroffen. Nicht weniger als
37 782 Bücher wurden von den 34 öffentlichen Sparkaſſen in Heſſen zur
Prämienverloſung angemeldet. Der Vorſtand des Heſſiſchen Sparkaſ=
ſen
= und Giroverbands beſchloß deshalb, ſoviel Prämien zu je 20 Mark
freiwillig nachzuſchießen, als notwendig waren, um jedem 20. Buch eine
Prämie zu ſichern. Die Zahl der Prämien wurde dementſprechend von
1007 auf 1906 erhöht. Die Städtiſche Sparkaſſe in Darmſtadt konnte
allein 7576 Bücher zur Prämienverloſung anmelden. Sie ſteht damit an
der Spitze der heſſiſchen Sparkaſſen. Welchen Einfluß die Spartätigkeit
ausgeübt hat, läßt ſich am beſten aus der Zahl der neu ausgeſtellten
Sparbücher erkennen. Bei ſämtlichen heſſiſchen Sparkaſſen wurden im
erſten halben Jahr 8999, durchſchnittlich im Monat demnach 1500 Spar=
bücher
neu ausgegeben. Anfang Juli wurden die Sparprämien be=
kannt
. Sofort ſetzte eine Steigerung der Spartätigkeit ein. An neuen
Sparbüchern wurden von jetzt ab ausgegeben: im Juli 4468, im Auguſt
5414, in der erſten Hälfte des September 4293, in der zweiten Hälfte des
September 16 842 (davon allein am 29. und 30. September 8709 Bücher),
am 1. Oktober (Stichtag) 4429. Im September und am 1. Oktober wur=
den
demnach im ganzen B 564 Sparkonten neu eingerichtet gegen=
über
nur 18881 in den erſten acht Monaten des Jahres zuſammen.
Allein die drei letztgenannten Tage (29. und 30. September und 1. Ok=
tober
) brachten einen Zuwachs von 13 138 Konten, womit die Zahl der
neuen Bücher des erſten halben Jahre, die nur 8999 betrug, weſentlich
überſchritten wurde. Selbſtverſtändlich prägt ſich dieſer ſtarke Erfolg
auch im der Geſamtſumme der Spareinlagen aus. Stellte ſich dieſe Ende
Januar dieſes Jahres nur noch auf 350 000 Mark, ſo waren Ende Okto=
ber
wiederum rund 10 Millionen Mark erreicht. Die Beſtände auf den
Scheck=Ueberweiſungskonten ſind in dieſer Summe nicht einbegrif=
fen
. In dem ſtetig wachſenden Zugang von Spargeldern drückt ſich das
allmählich wiederkehrende Vertrauen nach der großen Enttäuſchung der
Inflationszeit aus. Sparen iſt aber auch der einzige Weg für einen
Wiederaufſtieg. Denn heute noch gilt das Wort Benjamin Franklins,
das dieſer ſeinerzeit an das amerikaniſche Volk richtete: Wer euch ſagt,
daß ihr anders reich werden könnt, als durch Arbeit und Sparſamkeit,
der betrügt euch, der iſt ein Schurke.
Hierauf wurde die Verloſung der Prämien vorgenommen. Geſtern
hatte bereits eine Art Vorverloſung ſtattgefunden, in der die Gewinne
auf die einzelnen Sparkaſſen verteilt wurden. In dem heutigen Ver=
loſungsverfahren
, das viele Stunden in Anſpruch nahm, wurde die Höhe
der Gewinne ermittelt. Die Verloſung geſchah in Gegenwart eines
Staatskommiſſars, und es iſt ſelbſtverſtändlich, daß alles ordnungsmäßig
dabei zugeht.
Es werden die nachſtehenden Gewinne verteilt: 1 Prämie zu 2000
Goldmark. 2 Prämien zu je 1000 Mark. 4 Prämien zu je 500 Mark,
100 Prämien zu je 100 Mark, 900 Prämien zu je 40 Mark. Im ganzen
werden Gewinne im Betrage von 52 000 Goldmark verteilt. Anſpruch
auf Berückſichtigung bei der Verloſung haben alle Sparer, deren Min=
deſtguthaben
am 1. Oktober 1924. 50 Goldmark und am 1. Dezember
1994 80 Goldmark betrug. Die Spareinlagen werden wie alle übrigen
Einlagen verzinſt. Vor Weihnachten nächſten Jahres wird wieder eine
Verteilung von Sparprämien ſtattfinden.

Vom Deutſchen Offizierbund wird uns geſchrieben: Beam=
tenbeſoldungsdienſtalter
ehem. Offiziere. Den in
den Reichsdienſt als Beamte übernommenen ehem. Berufsoffizieren iſt
ihre Militärdienſtzeit entweder nur in höchſt unzulänglicher Weiſe oder
überhaupt nicht in Anrechnung gebracht worden. Demgegenüber ſoll
wie dem Deutſchen Offizierbund mitgeteilt worden iſt ſolchen Beam=
ten
, die aus freien Berufen in den Reichsdienſt als Beamte über=
nommen
worden ſind, ihre frühere, mit dem Reichs= oder Staats=
dienſt
alſo in gar keinem Zuſammenhang ſtehenden Tätigkeit (als Rechts=
anwalt
, Partei= rder Gewerkſchaftsſekretär uſw.) vielfach auf das Be=
amtenbeſoldungsdienſtalter
angerechnet worden ſeien. Dem D. D.=B.
wäre die Zuſtellung ausführlichen einwandfreien Materials hierüber
ſehr erwünſcht, das genau feſtgeſtellte Tatſachen enthalten und ſich auf
Reichsbeamte erſtrecken muß. Von Intereſſe wäre aber auch ent=
ſprechendes
Material von Staats= oder Kommunalbeamten, die vor ihrer
Anſtellung als Beamte freien Berufen angehört haben. Es wird ge=
beten
, dieſe Zuſendungen an die Bundesleitung des Deutſchen Offi=
zierbundes
, Berlin W. 9, Potsdamer Straße 22b, zu richten.
* Hausfrauen=Tag in der Turnhalle. Der Verlag der Frankfurter
Hausfrau veranſtaltete geſtern nachmittag und abends in der Tucnhalle
am Woogsplatz einen der beliebten Hausfrauentage, (die Darmſtädter
Hausfrauen werden ſich noch an die Ausſtellung im Saalbau am 2. Juli
erinnern), diesmal verbunden mit einem Weihnachtsmarkt. Außer eini=
gen
Ständen Darmſtädter Detailfirmen hatten hauptſächlich Frankfurter
und badiſche Markenfirmen in gefällig hergerichteten Ständen ausgeſtellt,
die ſich ringsum an den Wänden entlang zogen. Koſtproben und Muſter
erhielten die Beſucher bereitwilligſt; in der Mitte luden weißgedeckte
Tiſche zum Verweilen ein, und auf der Bühne, vor der ein rieſiger Weih=
nachtsbaum
Platz gefunden hatte, boten Frankfurter Künſtler im Rahmen
eines bunten Teils Proben ihrer Kunſt. Der Beſuch war nicht übermäßig.
All die bekannten Namen, wie Erdal, Nigrin, Perſil, Ronnefeldt, Adler,
Singer, Pilo u. a. m., tauchten an den Ständen auf. Viel Beachtung
fand die Ausſtellung des Verlags felbſt, deſſen Blätter Frankfurter
Hausfrau und Fürs Haus in ganz Deutſchland und Oeſterreich, ſehr
ſturk natürlich im Frankfurter Bezirk, in vielen hunderttauſend Egem=
blaren
verbreitet ſind. Abends ſchloß ein Konzert die Veranſtaltung
ab. Der Beſuch war trotz rühriger Propaganda ſchlecht. Die Wahl des
Tages mag ungünſtig geweſen ſein, auch haben unſere Hausfrauen ſo kurz
vor dem Feſt eben nicht viel Zeit übrig. Ueber die Darbietungen unſerer
trefflichen hieſigen Künſtler, Harmonie=Orcheſter und Quartett Lang,
herrſchte nur eine Stimme des Lobes. Leider vergriffen ſich einige der
Fraukfurter Herren zumal für einen Hausfrauenabend, in der Wahl
und im Ton ihrer Vorträge derart, daß ſolche Entgleiſungen in Zukunft
vermieden werden müſſen: Erika KehrmannFrankfurt tanzte zuerſt
An der blauen Dongu, dann grotesk. Die junge Dame deren Lehre=
rin
auch Nini Willenz war, verfügt über einen ſchönen, ſchlanken Tanz=
körper
und entzückte im erſten Tanz durch die anmutige Bewegtheit, im
H.W.W.
zweiten durch die drollige Starrheit ihrer Glieder.

hielt eine gut beſuchte Sitzung ab. Herr Heinz Heberer iſt aus dem
Vorſtand ausgeſchieden. Herr Profeſſor Bader wurde neu in den
Vorſtand gewählt.
Dem Verkehrsverein iſt es nach langwierigen Verhandlungen mit
der Eiſenbahnverwaltung gelungen, mit der Uebernahme des Mittel=
europäiſchen
Neiſebüros betraut zu werden. Der Vorſtand gibt dem
erfolgten Vertragsabſchluß ſeine Zuſtimmung. Das Mitteleuropäiſche
Reiſebüro wird am 2. Januar 1925 in den Räumen des Verkehrsbüros
eröffnet werden und wird für unſere Stadt eine weſentliche Verkehrs=
verbeſſerung
bedeuten. Neben allen Auskünften in Reiſeangelegenheiten
wird das Büro auch Fahrkarten ſämtlicher Klaſſen nach allen Nichtungen
verkaufen und ſchon hierdurch eine merkliche Reiſeerleichlerung bringen.
Der Verkehrsverein iſt ſich bewußt, daß die Unterbringung des von ihm
jetzt übernommenen Mitteleuropäiſchen Reiſebüros im Verkehrsbüro auf
dem Ernſt Ludwigsplatz kein Idealzuſtand iſt, denn die Näume des Ver=
kehrsbüros
, ſowie die ganze Anlage desſelben für das Publikum laſſen
viel zu wünſchen übrig. Da es aber z. Z. vollkommen unmöglich iſt,
ein anderes Lokal für den gedachten Zweck zu bekommen, mußte man
ſich zunächſt mit dem Verkehrsbüro begnügen, in der Hoffnung, daß der
beabſichtigte Neubau eines Verkehrsbüros recht bald zur Wirklichkeit
wird.
Sodann berichtete Herr Profeſſor Knipping eingehend über die
in der letzten. Zeit erfolgten Fahrplan= und Verkehrsverbeſſerungen und
entrollt in einem ausgezeichneten Referat ein genaues Bild über die
ſpezielle Darmſtädter Verkehrslage. Es iſt unſtreitig, daß durch die
neueſten Fahrpläne unſere Verkehrsbedingungen, namentlich nach dem
Rhein, Ruhr. Holland und Süddeutſchland eine weſentliche Verbeſſe=
rung
erfahren haben und daß noch weitere Verbeſſerungen auf ſämt=
lichen
Strecken im Jahre 1925 zu erwarten ſind. Auf Anregung des
Herrn Prof. Lnipping ſoll, etwa im Januar 1925, eine allgemeine
öffentliche Verſammlung ſtattfinden, in der jedermann Gelegenheit ge=
boten
iſt. Anregungen bezüglich der Fahrplan= und Verkehrsverbeſſe=
rungen
für 1925 zu machen. Auf dieſe Verſammlung wird feinerzeit
beſonders hingewieſen worden. In wiſchen iſt es dem Verkehrsverein
aber von großem Intereſſe, recht zallreiche Wünſche für Verbeſſerungen
im Eiſenbahnverkehr zur ſofortigen Weiterverfolgung zu erhalten.
Zum Schluſſe berichtete der 1. Vorſitzende über den Stand der Vor=
arbeiten
für den Darmſtädter Sommer 1925, die alle einen guten
Fortgang nehmen.
Der Vorſtand beſchäftigte ſich dann noch eingehend mit folgenden
Angelegenheiten. Der Vermehrung der Zahl der Poſtbriefkaſten, den
Verkehrsverhältniſſen bei der Heag, den Zuſtänden im Telephonverkehr,
der Errichtung von Zeitungskiosken und der Gründung einer A.=G.
für Luftſchiffahrt.
Zum Schluß begrüßt der Vorſtand freudig das Erſcheinen des von
Herrn Bürgermeiſter Mueller herausgegebenen Buches Kunſt und
Leben in Darmſtadt von Heute, das wegen ſeines vorzüglichen Inhalts
und ſeiner ausgezeichneten Ausſtattung jedermann beſtens empfohlen
werden kann.
Die Freie Landeskirchliche Vereinigung für Heſſen erläßt folgende
Erklärung: Der Neligionsunterricht iſt uns ein weſentlicher Teil
des Unterrichts überhaupt. Wir betrachten ihn zugleich im Einklang
mit Neichs= und Landesgeſetz als eine ſelbſtändige Veranſtaltung der
Staatsſchule. Als evangeliſcher Religionsunterricht hat er aus geſchicht=
lichen
und inneren Gründen in Verbindung mit der evangeliſchen Kirche
zu ſtehen, um ſeinem Zweck, die Schüler zu chriſtlichen Perſönlichkeiten
im Staatsleben und zu bewußten Gliedern ihrer kirchlichen Gemein=
ſchaft
zu erziehen, gerecht zu werden. Da er ſelbſtändige Veranſtaltung
der Schule iſt, iſt die ſeitherige Form der kirchlichen Aufſicht Viſitation
und Prüfung) über den evangeliſchen Neligionsunterricht zu beſeitigen:
und das um ſo mehr, als die Erteilung dieſes Unterrichts nunmehr
lediglich auf Freiwilligkeit beruht. Dagegen erſtreben wir ein freies,
auf gegenſeitiges Vertrauen gegründetes Zuſammenwirken der Organe
der Schule und der Kirche. Wir halten deshalb von unſerem proteſtan=
tiſchen
Standpunkt aus eine Neuregelung der Vorſchriften des Landes=
bildungsamts
über die Ueberwachung des Religionsunterrichts ſeitens
der evangeliſchen Kirche für dringend geboten und ſind bereit, dabei
in jeder uns möglichen Weiſe von den angegebenen Grundauffaſſungen
aus mitzuwirken. Wir ſind der Ueberzeugung, daß bei gegenſeitigem
Verſtändnis eine Regelung möglich iſt, die die Verkündigung des Epan=
geliums
in der Schule in evangeliſcher Auffaſſung durchaus ſichern und
doch jeden Schein einer geiſtlichen Schulaufſicht vermeiden wird. Von
einer ſolchen Regelung erwarten wir eine bertrauensvolle Arbeitsgemein=
ſchaft
zwiſchen Lehrern und Pfarrern und erhoffen von dieſer die beſte
Förderung der Sache und die Erfüllung der hohen Aufgaben, die dem
evangeliſchen Religionsunterricht in Volk, Staat und Kirche geſtellt ſind.
Heſſ. Verwaltungsgerichtshof. Tagesordnung für Sams=
tag
, den 20. Dezember 1924, vormittags 9½ Uhr:
Vorentſcheidung gegen den Lehrer Georg Schweizer in Lampertheim
wegen Körperverletzung.
Sonntagsrückfahrkarten. Zum diesjährigen Weihnachtsfeſt gelten
die Sonntagsrückfahrkarten vom 23. Dezember, mittags 12 Uhr (nicht
erſt ab 24. Dezember, wie von einzelnen Zeitungen berichtet worden
iſt), bis zum Sonntag, den 2. Dezember, einſchließlich. Innerhalb der
verlängerten Gültigkeitsdauer können die Karten an jedem Tage zur
Hin= und Nückfahrt benutzt werden. Ueber die Preiſe und die einzelnen
Orte, nach welchen Sonntagskarten ausgegeben werden, geben die Aus=
hangtafeln
in den Bahnhöfen Auskunft.
Orpheum. Heute und morgen dieſer Woche geſchloſſen.
Am Samstag und Sonntag, den 20. und 21. Dezember, finden
zwei Operettengaſtſpiele ſtatt mit der Gilbertſchen Ope=
rette
Der erſten Liebe goldene Zeit.
Die Herberge zur Heimat veranſtaltet auch in dieſem Jahre wie=
der
eine Weihnachtsbeſcherung für die durchreiſenden Handwerksbur=
ſchen
. Auf die im Anzeigenteil, enthaltene Bitte um Gaben hierzu
weiſen wir empfehlend hin.
Eine Verhandlung gegen Mitglieder der nationalſozialiſtiſchen
Freiheitspartei wegen Verſtoß nach 8 14 des Geſetzes zum Schutze der
Republik, die geſtern Vormittag vor dem Bezirksſchöffengericht ſtattfin=
den
ſollte, wurde bis euf unbeſtimmte Zeit vertagt.
Todesfall. An einem Herzſchlag verſchied geſtern Miniſterial=
oberſekretär
Jakob Schuhmacher im Alter von 58 Jahren.
Lofake Veranſkaltungen.
Die blerunter erſchelnenden Notizen ſind aueſchlleßlich als Hinweiſe auf Anzelgen zu betrachten,
im keinem Falle irgendwie ale Beſprechung oder Krliſl.
Vereinigung früherer Leibgardiſten, Darm=
ſtadt
. Wie bereits mitgeteilt, findet nächſten Samstag, den
20. Dezember 1924, abends im Städtiſchen Saalbau die
Weihnachtsfeier ſtatt. Es ſei an dieſer Stelle nochmals darauf
hingewieſen, daß die Feier mit Rückſicht auf das reichhaltige Programm
pünktlich um 8 Uhr beginnt. Die Saalöffnung erfolgt bereits
um 7 Uhr. Der Eintritt beträgt 50 Pfg. Eintrittskarten ſind in den
bekannten Vorverkaufsſtellen erhältlich. Der Beſuch der Weihnachts=
feier
wird jedem Kameraden mit ſeinen werten Angehörigen nur beſtens
empfohlen. Gäſte können eingeführt werden. (Siehe auch heutige
Anzeige.)

* Nachdem vorgeſtern der Landeswahlausſchuß unter dem
Vorſitz des Herrn Miniſterialrat Bornemann des endgültige Ergeb=
nis
der heſſiſchen Landtagswahl amtlich feſtgeſtellt hatte, traten geſtern
die Fraktionen der ſeitherigen Regierungsparteien zu ihren erſten Sitzun=
gen
zuſammen. Für den Poſten des Landtagspräſidenten wird die ſozial=
demokratiſche
Fraktion, der das Vorſchlagsrecht zuſteht, wieder den ſeit=
herigen
Präſidenten Bürgermeiſter Adelung=Mainz vorſchlagen. Im
übrigen beſchäftigten ſich die Parteien in ihren Sitzungen mit der Regie=
rungsbildung
. Einzelheiten ſind nicht bekannt geworden. Am Montag
treten die Führer der Regierungsparteien zu einer erſten interfraktio=
nellen
Sitzung über die Regierungsbildung zuſemmen.

Interessante Feststellung: Die hygienische, d. h. die vorbeugende, desin-
fizierende
und heilheltende Wirkung des Odol, nicht nur auf Zähne.
Mund, Mandeln, Rachen usw., sondern indirekt auch auf den Gesamt-
organismus
, stellt sich nach wissenschaftlichem Urteil und nach tauscncllacher
F=
praktischer
Ertahrung als eine immer umtassendere und tieiere neraus.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Donnerstag, den 18. Dezember 1924.

Aus Heſſen.

Beſichtigung des Arbeitshauſes Dieburg.

Als eine beſonders lehrreiche und für die fachliche Weiterbildung
bedeutungsvolle Exkurſion kann die am Samstag, 6. Dezember d. Js.,
von den Mitgliedern des Verbandes der mittleren Verwaltungsbeamten
Heſſens mit Genehmigung der Aufſichtsbehörde unternommene Beſichti=
gung
des Arbeitshauſes Dieburg angeſprochen werden. Der Leiter des
Arbeitshauſes, Herr Oberinſpektor Lämmermann, unter deſſen per=
fönlicher
Führung die Beſichtigung erfolgte, legte im Anſchluß an die
Begrüßungsworte den Teilnehmern den Zweck und die Aufgaben des
Arbeitshauſes in erſchörfenden Ausführungen dar,
In dem Arbeitshaus Dieburg, dem zur Zeit auch eine Gefängnis=
abteilung
angegliedert iſt, werden neben Perſonen, die wegen leichterer
Vergehen zu einer kürzeren Gefängnisſtrafe verurteilt ſind, insbeſondere
ſolche Perſonen, gegen die wegen Uebertretung des § 361 Ziffer 38
(Landſtreicherei, Bettel, Trunkſucht, verſchuldeter Verwahrloſung Ange=
höriger
, Proſtitution, Arbeitsſcheu und Zuhälterei) neben einer Haft=
ſtrafe
auf Ueberweiſung an die Landespolizeibehörde erkannt wurde.
untergebracht. Dieſe ſogen, korrektionelle Nachhaft wird als wirkſames
Vorbeugungsmittel angewandt. Das Arbeitshaus dient aber auch ins=
beſondere
dazu, einen Uebeltäter, deſſen Schuld zwar im Einzelfalle ge=
ring
, deſſen Gefährlichkeit für die Geſellſchaft aber groß iſt, für einen
längeren Zeitraum zu verwahren. Durch dieſe Maßregel ſoll erreicht
werden, den Verurteilten wieder an ein geſetzmäßiges und arbeitſames
Leben zu gewöhnen. Für ſie, die keine Verbrecher im kriminellen Sinne
ſind, ſoll das Arbeitshaus nur eine Beſſerungsſtätte ſein. De= ſtarre
Anſtaltscharakter wie in den Gefängniſſen und Zuchthäuſern iſt nicht
vorhanden. Die Untergebrachten genießen daher große Bewegungsfrei=
heit
, die in gemeinſamer Arbeit jeglicher Art beſteht. Das Arbeilshaus
Dieburg, das ſomit mehr den Charakter einer Beſſerungsanſtalt für über
18 Jahre alte liederliche oder arbeitsſcheue Menſchen beiderlei Geſchlechts
trägt, dürfte, wie die Beſichtigung erwieſen hat, ſeinen Einrichtungen
nach eine der vollkommenſten dieſer Art ſein.
Da die Korrigenden zu gemeinnützigen Arbeiten verwendet werden,
verfügt das Arbeitshaus über Werkſtätten jeglicher Art, wie Schuh=
macherei
, Schneiderei, Spenglerei, Schloſſerei, Bürſtenbinderei, Kokos=
matten
= und Korbwarenflechterei, Schreinerei und Bäckerei, in denen
die männlichen Korrigenden ausgiebige Beſchäftigung finden, während
die weiblichen Inſaſſen zur Anfertigung von Handarbeiten, ſowie zu
Küchen= und Hausarbeiten herangezogen werden.
Der unternommene Rundgang erſtreckte ſich neben der Beſichtigung
dieſer Werkſtätten auch auf die gerade freien Gefängnisräume. Hier
fielen insbeſondere die äußerſt reinlichen und in ihrer Ausſtattung zweck=
mäßigen
Aufenthalts= und Schlafräume in das Auge, an die ſich die eben=
falls
neuzeitlich eingerichteten Waſchräume anſchließen. Beſondere Er=
wähnung
verdient ferner der Küchenraum, der in ſeiner Ausſtattung den
Erforderniſſen einer Maſſenverpflegung Rechnung trägt. Auch die in
den oberen Räumen des Arbeitshauſes befindliche Anſtaltskirche verdient
hervorgehoben zu werden. Mit der Beſichtigung der Verwaltungsräume,
die mit in den eigenen Werkſtätten hergeſtellten Bureaumöbeln einge=
richtet
ſind, wurde der Rundgang beendet. Einige weitere aufklärende
Ausführungen ſeitens des Leiters ergänzten die beachtenswerte Beſichti=
gung
der Anſtalt. Man hat den Eindruck, daß die Leitung in Händen
eines Beamten liegt, der allen an ihn geſtellten Anforderungen gerecht
wird. Herrn Oberinſpektor Lämmermann, der die Beſichtigung in einen
äußerſt intereſſanten Rahmen zu kleiden verſtand, wurde der Dank hier=
für
in anerkennenden Worten ausgeſprochen.

Pfungſtadt, 17. Dez. Die Viehzählung am 1. Dez. wies
folgenden Viehbeſtand in hieſiger Gemeinde nach: 309 Pferde, 718 Stück
Rindvieh, 328 Schafe, 1674 Schweine, 789 Zieden und 10 250 Stück Feder=
vieh
. Die in Nr. 345 veröffentlichten Zahlen ſind hiernach zu berich=
tigen
.
r. Babenhauſen, 16. Dez. Kommenden Freitag, den 19. Dezember
d. J., nachmittags 4 Uhr, veranſtaltet die hieſige Hohere Bürgerſüdile im
Gaſthaus Zum Löwen eine öffentliche Weihnachtsfeier, zu der
alle Eltern, Freunde und Gönner der Schule herzlich eingeladen ſind.
Im Mittelpunkt der Feier ſteht ein reizendes Kindermärchenſpiel Weih=
nachtszauber
, deſſen Text und Muſik von Hch. Roſemann ſind. Alles,
was an dieſem Abend der Kinder Gemüt erfreut, wird dargeboten.
Das Stückchen iſt ſo recht für die Kinderherzen geſchrieben, Kinder und
auch Erwachſene werden ihre helle Freude daran haben. Knecht Rupp=
recht
ſpielt mit, Wichtelmännchen treiben in ausgelaſſener Laune ihren
Schabernack, tanzen und ſingen, und die Weihnachtsengel bringen armen
Kindern herrliche Chriſtgeſchenke. Kanns etwas Schöneres geben? Weih=
nachtslieder
, zwei= und dreiſtimmige, geben dem Märchenſpiel den muſi=
kaliſchen
Rahmen, heitere Schattenſpiele und noch allerlei Ueberraſchun=
gen
werden dafür ſorgen, daß bei den Kindern keine Langeweile auf=
kommt
.
* Fränkiſch=Crumbach, 17. Dez. Auch in dieſem Jahre haben uns
unſere lieben Freunde und Freundinnen vom Darmſtädter Wandervogel=
ring
eine ſchöne Adventsfreude gemacht. Am vergangenen Samstag ſan=
gen
ſie Kurrende in unſren Straßen. Da erklangen traute Weihnachts=
lieder
, teilweiſe mit Geigen= und Lautenbegleitung. Leider konnten wegen
der allmählich zu ſehr vorgerückten Stunde nicht alle Straßen beſucht
werden. Sonntag abend hielt die Schar eine ſtimmungsvolle Weihnachts=
feier
in unfrer Kirche. Es war kein eigentliches Krippenſpiel, aber das
Kind lag doch vor unſren Augen in der Krippe und Maria und Joſeph
waren dabei, die himmliſchen Heerſcharen erſchienen, die Hirten und die
Könige. Das war ein wunderbares, ſchönes Bild: Die Engel in weißen
Kleidern mit goldnen Streifen und flammenden Kerzen in den Händen,
die andren Perſonen in paſſenden Koſtümen, die maleriſche Gruppierung
vor dem Altar und der grünen Wand, die dahinter aus Tannenbäumen
mit brennenden Weihnachtslichtern gebaut war. Und dies alles umrahmt
und durchwoben von Orgel=, Flöten=, Geigen= und Lautenſpiel, Ge=
meinde
= Chor=, Wechſel und Einzelgeſang. Gar weihevoll erklang der
Chor Es iſt ein Ros' entſprungen lieblich das Suſanni der Engel=
ſchar
, der Wechſelgeſang Marias und Joſephs, prachtvoll der Choral der
Anbetenden und gewaltig das Hallelufa der geſamten Schar am Schluß,
das die Muſikanten unter ihnen ſelbſt komponiert haben. Der Aufbau
der ganzen Handlung war bei aller Einfachheit in ſeiner ſtimmungs=
ſteigernden
Art und Wirkung ſinnig und wohldurchdacht.
* Kimbach i. Odw., 17. Dez. Fahnenweihe. Der hieſige Ge=
ſangverein
wird am 7. Juni 1925 ſeine Fahnenweihe abhalten. Das
Feſt iſt großzügig gedacht und ſind die Vorbereitungen durch den rühri=
gen
Dirigenten Herrn Lehrer Grünewald bereits jetzt ſchon im
Gange.
* Heppenheim, 16. Dez. Stadtratsbericht. Die Wiegegebüh=
ven
für Dung werden dahin ermäßigt, daß bei mehreren Wagenladungen
das Gewicht des Wagens bei der Gebührenberechnung nicht in Anſatz
gebracht wird. Den Arbeitern auf der Starkenburg wird das zum
Abkochen notwendige Brennholz zur Verfügung geſtellt. Für die Weih=
nachtsbeſcherung
der Inſaſſen des Städtiſchen Krankenhauſes werden die

Die Heſſiſche Bilderbühne
bringt im

Kleinen Haus des Landestheaters
zu Darmſitadt

wegen ſtarker Nachfrage den

Zeppelin Film

in allen drei Teilen zur Vorführung

Vorführungszeiten:
Samstag, den 20. Dezember, 8 Uhr abends
Sonntag, den 21. Dezember, 6 und 8 Uhr abends
Montag, den 22. Dezember, 8 Uhr abends

Am Sonntag, den 21. Dezember, 4 Uhr nachmittags und
Montag, den 22. Dezember, 6 Uhr abends
Vorführung der Märchenfilme:
17179
Kalif Storch Sichouetten= Max und Morſtz nach
Dornröschen filme Hans Huckebein Bilh. Buſch

Preiſe der Plätze für nachmittags 4 Uhr: 0.50, 1. , 1.50 und 2.
Für die Abendvorſtellungen: 0.80, 1.40, 2., 2.50 und 4.
Die Mieter der Bilderbühne haben die Berechtigung,
dieſe Veranſtaltungen ohne Nachzahlung zu beſuchen

entſprechenden Mittel bewilligt. Das Geſuch um Herabſetzung der
Pacht für die Winterſchafweide wird abgelehnt. Das Geſuch des Kauf=
manns
Ferger um Erlaß einer Brandmauer wird befürwortet. Die
Anwohner des Hofes Giegerich und Konſ. haben ſehr darunter zu leiden,
daß das Waſſer aus ihrem Hof keinen richtigen Abfluß hat. Sie wollen
daher auf ihre Koſten den Hof kanaliſieren und die Abwäſſer dem in der
Lieſengaſſe liegenden Negenwaſſerkanal zuführen. Das Geſuch wird ge=
nehmigt
. Wegen der Möglichkeit, die Hofreiten Kohl, Stappel und
Drees an das Kanalnetz anzuſchließen, ſoll eine Ortsbeſichtigung durch
die Baukommiſſion vorgenommen werden. Die Befreiung des Jakob
Meon von der Kanalgebühr wird abgelehnt, weil der Geſuchſteller ord=
nungsmäßig
nach der Wilhelmſtraße zu entwäſſern kann. Ueber die
Kanalangelegenheiten entſpinnt ſich eine recht lebhafte Ausſprache. Im
beſonderen wirb gerügt, daß vielfach die Fäkalien in den Stadtbach ge=
leitet
werden und hauptſächlich in der Liebigſtraße die Luft verpeſten
und im Betriebe der Damrfkeſſelanlage des Elektrizitätswerkes fortwäh=
rend
Schwierigkeiten hervorrufen. Die mangelhafte Entwäſſerung an
verſchiedenen Stellen der Altſtadt wurde gleichfalls bemängelt. Die ver=
ſchiedenerlei
Auffaſſung über die Höhe der zu entrichſtenden Kanal=

Rummer 851

Spendet für Turm und Glocken von Alrichſtelnt

2. Septemhel!
von einem ſchweren Brandunglück heimgeſucht. Nachts 711 Uhr gwin
ein Wohnhaus in Brand, und durch Fumkenflug wurde das Feuer wuf =
Kirchturm übertragen. Man mag ſich das Entſetzen ausmalen, dos
ergriff, als wir unſeren lieben Kirchturm in Flammen ſtehen ſahen, g.o
faſt 38 Meter hohe Turm brannte, ſoweit er aus Holz hergeſten
ab, und wurde auch innen zerſtört. Die Turmuhr wurde ſchwer heiesr
ſigt. Das Allerſchlimmſte aber iſt: auch die drei Glocken ſind abnehh=
und geſprungen. Die eine war von 1728, die andere von 1788 und U
dritte, zum Erſatz für eine im Krieg beſchlagnahmte angeſchaß

von 1920. Sie alle drei ſind nun zerſtört. Unſer Kirchturm iſt s
wegzudenken aus dem Landſchaftsbild des hohen Vogelsbergs; er hnao

gebühren ſoll durch einheitliche Regelung beſeitigt werden. Es wurde
beſchloſſen, durch die Bau= und Finanzkommiſſion ſämtliche Kanaliſa=
tionswagen
nachprüfen und wegen grundſätzlicher anderweitiger Feſt=
ſetzung
der Kanalgekühren Vorſchläge machen zu laſſen. Zum Fällen
von 7300 Raummeter Holz waren in früheren Jahren 42 Holzfäller ein=
geſtellt
. Da dieſes Jahr nur 4800 Raummeter gefällt werden, werden
2830 Holzfäller für ausreichend erachtet. Um die hieſigen Erwerbs=
loſen
beſchäftigen zu können, wird beſchloſſen, auswärtige Holzmacher
von Ober=Laudenbach und Mittershauſen dieſes Jahr nicht einzuſtel=
ſen
. Die Erwerbsloſen ſollen auch zum Aufarbeiten der Durchforſtungs=
wvellen
im Taglohn beſchäftigt werden. Die von Frankfurt nach Hei=
delberg
durchziehende Staatsſtraße iſt bis vor den nördlichen Stadtein=
gang
mit Kleinpflaſter verſehen. Die Staatsregierung legt großen Wert

ein Wahrzeichen der ganzen Gegend. Uns aber, die wir um ihn heru=
vohnen
, war er mehr: er war uns wie der aufgereckte Finger Gottes
wvie ein Wegweiſer von unſerer Welt zur Ewigkeit; weil er uns ließ u
darum müſſen wir ihn wieder haben. Wir ſind entſchloſſen, ihn in de
lten Form wieder erſtehen zu laſſen, wenn unſer Vertrauen nicht mo
täuſcht wird. Turm und Glocken waren gut verſichert, aber trotzdem wi
die Gemeinde vielleicht 5= oder 6= oder 7000 Mark aufbringen wüſſei
im den Turm wieder ſo aufzubauen, wie er war. Es gehört nicht 6.
dazu, ſich zu ſagen, daß ein kleines Bergſtädtchen im nicht reichen hob= einen ſolchen Betrag nicht aufzubringen vermag. Doruei
rufen wir herzlich auf, uns durch Gaben zu helfen! Unſer Gottvertrau=
läßt
uns auch auf brüderliche Hilfe vertrauen! Spendet für Tur=t
nd Glocken von Ulrichſtein! Spenden erbeten an Pfarnch
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Dieſe Frage würde ſeder Darmſtädter und Heſſe mit Recht übel
nehmen. Kennen Lie aber auch Niebergalls erzählende Werke?
DerHerrgottsberg/ Das verſunkene Schloß/ DerWunderdoktor.
Reue berſöhnt/ Der Mann aus dem Mareis/ Liebe und Pflicht.
Das Griesheimer Haus? Die einzig zuverläſſige und bollſtän=
dige
Ausgabe hat Profeſſor Karl Eſſelborn eingeleitet und in
drei Bänden auf S62 Heiten im Verlag von A. . Wittich heraus=
gegeben
. Die drei Bände koſten zuſammen nur s. Mark. Darum
kaufen Vie noch heute in jeder Buchhandlung oder in der Ge=
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des Darmſtädter Tagblatts, Darmſtadt, Rheinſtr. 23

Z. Erzhauſen, 16. Dez. Unſere Zivilkapelle brachte uns an
ihrem letzten Theaterabend einen ſchönen Kunſtgenuß. Sie brachte die
Operette Die Tochter des Kommerzienrats von Böhme,
Muſik von Schwappacher der der Aufführung beiwohnte, zur
Aufführung. Die Wiedergabe dieſer ſchönen Operette gab Zeugnis von
der hohen Leiſtungsfähigkeit der Mitglieder der Zivilkapelle. Beſon=
ders
hervorzuheben ſind die Leiſtungen der Herren Pf. Joſt als Baron
von Haubenlerchenfeldt, des Herrn Steckenreuter als Kommer=
zienrat
, Frl. Werkmann als deſſen Frau, Frau E. Bert als Tochter
und des Herrn Corneff als Vetter Adolar. Der Saal war über=
füllt
, das Publikum bereitete den Darſtellern und den Herren Böhme
und Schwappacher lebhafte Ovationen.

* Stockſtadt a. Rh., 17. Dez. Der hieſige Turn= und Sportverein
der D.T. veranſtaltet am Sonntag, den 21. Dezember, im Heilſchen Sadl
ſeine Weihnachtsfeier. Außer muſikaliſchen Darbietungen, die
in freundlichſter Weiſe von den Turnerinnen: Helene und Gertrude
Hacker, ſowie von dem Turnſchüler Hermann Graulich zum Vor=
trag
gelangen, werden noch das Handlungsſpiel Die Heinzelmännchen
und das Weihnachtsſpiel Knecht Rupprecht bei der Puppenfee von den
Jugendabteilungen des Vereins zur Aufführung gebracht. Die Eintritts=
karten
koſten 30 Pfg. und dienen zugleich als Freilos für die im An=
ſchluß
der Weihnachtsfeier ſtattfindende Wohltätigkeitsverloſung. Die
Verloſungspreiſe, welche alle geſtiftet wurden, ſind zur Zeit bei dem 2.
forſitzenden Karl Sattler ausgeſtellt. Der Reinerlös dieſer Veranſtal=
tung
iſt für das hieſige Kriegerdenkmal veſtimmt.

Königſtädten, 15. Dez. Die Glockenweihe, die am Sonnae
ſtattfinden ſollte, mußte verſchoben werden, da eine Glocke beim Guß ou
ſprungen iſt. Man hofft jetzt, die neuen Glocken an Weihnachten en=
weihen
zu können.
* Friedberg, 16. Dez. Seinen 80. Geburtstag, feierte der langücſi
rige Stadtverordnete und Kirchenvorſteher Heinrich Philippi III.

* Butzbach, 15. Dez. Aus der Beigeordnetenwahl durch die Staſtt
verordneten ging als Sieger hervor: Wittich von der Linken und Reol=
lehrer
Stroh, welcher der Rechten angehört. Mit dem 1. Januar trit=
die
Städteordnung ein.

Gießen, 12. Dez. Neue Kaninchenraſſen ſind in den ſo. Jahren durch viele Kreuzungsverſuche gezüchtet worden. So züchtre
eim Fräulein Sandmann zu Marburg während des Krieges eine Koni=
chenraſſe
, die die Färbung des ſibiriſchen Feheichhörnchens aufwies. Die
Raſſe fand viele Freunde und iſt heute über ganz Deutſchland verbrein
da das Fell ſich vorzüglich zu Fehimitation eigr et. Die Raſſe wird ger
Marburger Feh=Kaninchen bezeichnet. Jetzt haben fleißi
Züchter mit viel Ausdauer eine Raſſe herausgezüchtet, welche imn Farſ=
ud
Schattierung, dem wertvollen Pelze des Chinchilla ähnelt, der Fam.
lie der amerikaniſchen Wollhaſen, ein Mittelglied zwiſchen Haſen und
Ratten, welche hauptſächlich in Chile und Peru geſellig in ſelbſt a=
grabenen
Höhlen leben. Dieſes Chinchilla=Kaninchen wurde m
7. Dezember erſtmals auf der Landeskaninchenausſtellung zu Darmſtaſ
gezeigt und erhielt dort als beſtes Kaninchen eine Plakette als Auszeich=
nung
. Die Naſſe wird ſicher, wie 1919 das Marburger Feh=Kaginchn
ſich bald die Herzen der Züchter gewinnen, zumal es in bezug auf E= g
nährung und Aufzucht keine großen Anſprüche ſtellt, und ſich als ra
widerſtandsfähig wie alle Raſſen mittlerer Größe erwieſen hat
* Aus der Wetterau, 16. Dez. Goldene Hochzeit feierten de
Eheleute Philipp Gruner zu Klein=Karben in voller geiſtiger und ſü=
perlicher
Friſche. In Rödgen wurde bei einem Bäcker einge=

darauf, daß die Kleinpflaſterung bis zur badiſchen Grenze durchgeführt
wird. Hierbei iſt beabſichtigt, auch die hieſige Ortsdurchfahrt, deren
Umpflaſterung dringend notwendig iſt, mit Kleinpflaſter zu verſehen.
Die Kreisſtraßenverwaltung ſchlägt vor, die Strecke vom Halben Mond
bis über die Heil= und Pflegeanſtalt hinaus zuerſt in Angriff zu nehmen,
und auf der Strecke Halber MondDarmſtädter Straße erſt die notwen=
digen
Kanaliſationsarbeiten ausführen zu laſſen. Die auf die Stadt für
die ſüdliche Ortsdurchfahrt entfallenden Koſten, einſchließlich der unter
Verwendung von Randſteinen herzuſtellenden Bürgerſteige, belaufen ſich
auf ungefähr 25 000 Mk. und werden vom Stadtrat genehmigt. Wegen
der Kanaliſation der nördlichen Durchfahrt ſoll das Stadtbauamt zuerſt
einen Koſtenvoranſchlag aufſtellen. Wegen des ſchlechten Zuſtandes und
der ungenügenden Beleuchtung der Härdtnerſtraße wird erneut Klage
geführt und Abhilfe zugeſagt. Der Stadtrat ſteht einhellig auf dem
Standpunkt, zur Förderung des Wohnungsbaues die Baupläne ſo billig
als möglich abzugeben. Unter Zugrundelegung der hierzu vielfach ge=
gebenen
Anregungen ſoll die Finanz= und Baukommiſſion die Frage prü=
fen
und über die Preiſe der Baugrundſtücke dem Stadtrat Vorſchläge
machen. Eine geheime Sitzung ſchloß ſich an.
*Gernsheim, 16. Dez. Bei dem im Klublokal des Gaſtwirts Adam
Weckerle ſeitens des Donnerstagskegelklubs veranſtalteten Preis=
kegeln
beteiligten ſich faſt vollzählig die Mitglieder. Punkt 9 Uhr
eröffnete der Präſident, Herr Martin Lokowitz, mit einer kurzen An=
ſprache
den Preiskegelabend und wünſchte allſeits Gut Holz‟. Die von
dem Vorſtand gekauften Preiſe gefielen ſehr gut und war jeder Kegel=
bruder
mit dem von ihm errungenen Preiſe ſehr zufrieden. In wür=
diger
Weiſe nahm das Titularfeſt der Marianiſchen Jüng=
lings
=Sodalität ſeinen Verlauf. Bei der Generalkommunion
in der Frühmeſſe beteiligten ſich neben den aktiven Mitgliedern auch ehe=
malige
Sodalen und Ehrenmitglieder. Die feierliche Aufnahme der
Aſpiranten im Nachmittagsgottesdienſte erfolgte durch den Präſe3 des
Vereins, Herrn Benefiziat Becker. In einer feinſinnigen Predigt verlieh
er der kirchlichen Feier ein würdiges Gepräge. Weltlicherſeits fand das
Titularfeſt ſeinen Abſchluß durch die Aufführung des Weihnachtsſpieles
Bethlehem von Hch. Houben im Saalbau Haas. Wider Erwarten war
der Beſuch, was man ſonſt bei Theateraufführungen der Jünglings=
ſodalität
nicht gewohnt iſt, kein zufriedenſtellender. Am diesjährigen
Weihnachtsfeſt kann der katholiſche Kirchenchor Cäcilia infolge Ver=
waiſung
des Dirigentenpoſtens während des Hauptgottesdienſtes ſich
aktiv nicht beteiligen. Hoffentlich läßt der neue Dirigent, der auf dem
Gebiete der Muſik und des Geſangs eine vorzügliche Kraft ſein ſoll, nicht
mehr allzulang auf ſich warten. Die Dirigentenfrage hängt mit der Be=
ſetzung
der noch vakanten Lehrerſtelle an der hieſigen katholiſchen Volks=
ſchule
zuſammen. Nachdem infolge des Totenſonntags der Familien=
bend
des Geſangvereins Liederkranz ausfallen mußte, findet die
Veranſtaltung am 2. Weihnachtsfeiertage im Saale des Darmſtädter
Hofes ſtatt. Neben einigen heiteren Theaterſtückchen kommen noch einige
Nännerchöre unter Leitnug des Herrn Lehrers Kliemeſch zum Vortrag.
Der langjährige Beſchließer des hieſigen Amtsgerichtsgefängniſſes,
Herr Gefangenenaufſeher im Ruheſtand Johannes Wenzel I., iſt im Alter
von 83 Jahren verſtorben. Im Alter von 16 Jahren verſchied durch die
Folgen eines auf dem Schiffe erlittenen Unfalls in Duisburg der Schiffs=
junge
Adolf Kiſſel.

brochen und Brötchen und andere Waren geſtohlen. Es gelang, ſe
Täter ausfindig zu machen. Unlängſt wurde demſelben Bäcker die
Hälfte ſeiner Hausſchlachtung vom Speicher geſtohlen. Es dürſte ſt
um dieſelben Spitzbuben handeln. Die Maul= und Klauen=
ſeuche
iſt jetzt auch in der Wetterau ausgebrochen, z. B. in Viltel,
Steinfurt und Hauſen, auch die Orte Dortelweil, Maſſenheim, ſot
weiſel, Nieder=Mörlen, Wiſſelsheim und Oppershofen mußten geſpem
und ins Beobachtungsgebiet eingeſchloſſen werden.
Nidda, 15. Dez. Bei der geſtrigen Bürgermeiſterwahh erhſieſt
keiner der drei Kandidaten die Mehrheit, ſo daß Stichwahl ſtatinen
muß zwiſchen Beigeordneten und Kaſſenrechner Ringshauſen und Buſe=
beamten
Seum.
* Büdingen, 16. Dez. Sein 22. Konzert veranſtaltete der Muſſte=
ein
am Samstag abend im großen Fürſtenhofſaal. Diesmal m
das Darmſtädter Kammerorcheſter unter der Leitum !
Kapellmeiſters F. Fiſcher, welches den Büdingern einen ganz beſutm
muſikaliſchen Genuß bot. Zum Vortrag kamen u. a. von Mozuat Kin=
nade
in D=Dur, von Schubert Symphonie in B Dur m Aud
Ouvertüre zu Iphigenie in Aulis‟. Das Konzert war gut beſuchti
die Zuhörer ſpendeten den Künſtlern aus der Reſidenz lebhaften Büch.
Oberſteuerinſpektor Dingeldey wurde von hier nach Alsfeld wiſeg.
Eine Fleiſchbeſchauer=Verſammlung findet nächſten Samstag im 9
ſein des Kreisamtsvertreters hier ſtatt.
* Aus dem Kreis Büdingen, 16. Dez. Heute begann in Kalad
ein fünftägiger Fortbildungskurſus für Landwirte, hierbei wird üln
Bodenbearbeitung, Düngung der Kulturpflanzen, Düngemittel, Beuue
tung des Kalkes, Obſtbau, Acker= und Futterbau, Saatgutbehandlung
Pflege und Fütterung des Viehes, Aufzucht des Jungviehes uſw., zunte
richtet. In Rinderbügen fand geſtern die Weihe der neuch
Glocke ſtatt. In Diebach ſtarben an einem Tage die beiden Kirchm
vorſteher Joh. Schick, 87 Jahre alt und Ph. Eckert, 63 Jahre alt.
* Homberg a. d. Ohm, 16 Dez. Eine große Kaninchen= und 9e
flügelausſtellung fand in der Stadthalle ſtatt, die etwa 400. Nummein
umfaßte. Als Preisrichter waren tätig, Gerhardt=Kirch=Göns, Mengel=
Marburg und Landgrebe=Flenſungen. Zahlreiche Ehrenpreiſe, Geiße
preiſe und Medaillen wurden an die Züchter vergeben.
Klein=Linden, 16. Dez. In einem von Pfarrer Ackermann
veranſtalteten Gemeinde=Abend ſprach der heſſiſche Bauersmann und
Schriftſteller Heinrich Naumann. Den vielen Zuhörern wird de
Abend lange in Erinnerung bleiben; Kirchengeſangverein und Poſaunene
chor halfen zum guten Gelingen des Gemeinde=Abends mit.
* Eſchenrod bei Schotten, 16. Dez. Der weitbekannte Beſitzer eine
Zuchtviehhofes für das Vogelsberger Rind, Landwirt Kunkel, iſtge=
ſtorben
. Da um die Hochzüchtung des deutſchen Rotviehs er ſich ſell.
verdient gemacht hatte und auf allen Vorkriegsausſtellungen höchſte Preiſe
errang, wurde er bereits 1905 als Mitglied in die Körkommiſſion de.
Landwirtſchaftskammer gewählt.
* Grünberg, 16. Dez. Zur Bürgermeiſterwahl am :
Januar ſind nicht weniger als zehn Kandidaten aufgeſtellt, darunter e
finden ſich ſechs Gemeinderatsmitglieder: Chr. Schweißgut, E. Schek
haas, K. Jöckel, Wilh. Schmidt und Keller.
Grünberg (Heſſen), 15. Dez. Die Bautätigkeit hat für dieſes Johl
in Grünberg ihr Ende genommen. Man kann immerhin auf ein ſchole
Ergebnis zurückblicken. So ſind in den neuangelegten Straßen, ſowie!
der Gießener Straße, 6 Wohnhäuſer im Rohbau und zwei als ſchon Ne
wohnbar hergeſtellt. Durch die Weiterführung der Bismarck= und Gak
tenſtraße bis zur Schulſtraße und der Theo=Kochſtraße zur Gießenſ
Straße wird ein ſchönes, wundervolles Baugelände erſchloſſen. Die Bal.
tätigkeit fürs nächſte Jahr ſcheint eine ſehr rege zu werden, denn z00
reiche Geſuche zur Erlangung von Baugelände liegen bereits In
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Reich und Ausland.
Automobil=Ausſiellung.
hraltig wvie immer bietet ſich die diesjährige Automobil= Aus=
ülle
ihrer Produktion zu bieten vermögen. Vom kleinſten Zwei=
Sum großen 8opferdigen Reiſewagen und vom ſoliden und
Viertonnen=Laſtwagen bis zum kleinſten Stadt= Lieferungs=
die Vielſeitigkeit der Fabrikation kaum erſchöpft. Der Einge
drr die großen Anlagen und Einrichtungen des Werkes kennt,
hcagen, das ſogenannte Volksautomobil, in einem Umfange be=
automobilhungrigen
Publikum zu bieten, wie es beiſpiellos
ehen, daß es mit einem derartigen Fahrzeug möglich iſt, gleich
ſnen Saiſon ſo hervorragende ſportliche Leiſtungen zu erringen,
e/ Bewunderung der geſamten Sportwelt erregten und die Auf=
ſcherfnn
, was der kleine Opel leiſtete. Die beſte Wertung im Ge=
imn
ausgeſtellten Objekte. Wie elegant und allerliebſt präſentiert
errraßenbild ſchon nicht mehr denkbar iſt. Ein vier= bis fünf=
ſür
den praktiſchen Gebrauch etwas Vollkommenes zu bieten.
ſelbſt zeigt die ſolide Bauart der Type 9/30 PS, wie ſie ſich
wem Gebrauch in vielen Tauſenden von Exemplaren auf den
* der 9/30 PS Opel, der verkörperte Ausdruck eines ſoliden
zrhäſſigen Gebrauchswagens. Dasſelbe kann von dem ausge=
jezsſitzer
10/35 PS geſagt werden. Auch aus dieſem Wagen ſpricht
fälen die ganze 30jährige Erfahrung der Opelwerke im Auto=
Die Type 14/48 PS, als Limouſine ausgeſtellt, gibt Zeugnis
auf. Der Motor hat 90 Millimeter Bohrung und 135 Milli=
Die Oelung, wie bei allen Opelwagen als eine Druckſchmie=
Sildet, iſt kaum einer größeren Vervollkommnung fähig. Das
ſſen Schalthebel im Innern der Karoſſerie, angebracht iſt,
am Stirnbrett des Wagens befeſtigt wird, und die Karban=
iſt
eingekapſelt. Hervorzuheben iſt noch die moderne Kon= den Sachverſtändigengutachten.
ſydrr Federung. Opel zeigt ferner einen eleganten, raſſigen,
3hn: Touren= und Reiſewagen mit einem Sechs=Zylinder=Motor
Bemerkenswert an dieſem Wagen iſt die jedem Beſucher ſo=
zlleende
Vierrad=Bremſe. Die Ausbildung der Vorderrad=
uiste
und beliebte Sechs=Zylinder Opel ſich neue Bewunderer
Aſlungger verſchaffen. Trotz der Reichhaltigkeit der Ausſtellungs=
uhlino
bedauert, daß der raſſige große Sechs=Zylinder 30/80 P8 der Stellung dieſes Antrages vollkommen ruhig.
ſan mangel nicht den Stand zieren konnte. Es darf ferner er=
rigen
, daß die Opelwerke aus der Fülle ihrer Produktion auch
gen vom großen Viertonner, bis zum kleinſten 4 P8 Liefe=
faſt
allen Anſprüchen ihrer Abnehmerſchaft nachkommen

Der Staakener Meineidsprozeß.
DſGBerlin. Im Staakener Meineidsprozeß wurde die Ver=
tehmfſurdum
Angeklagten Mathilde Metzger fortgeſetzt. Sie wies die
ehaufhrie, der Frau Beermann, wonach Stadtrat Eggert nachts in ihrer
hnſw geweilt habe, energiſch zurück. Die ganze Angelegenheit ſei
Dürlaenfeld in Szene geſetzt worden, weil ſie ſich bemüht habe, für
Sſunc ch einen zweiten Arzt heranzuziehen. Kornfeld habe hier
leid)ſngsprozeſſe gegen ſie angeſtrengt und habe ſich dabei immer auf
der Frau Beermann berufen. Der Zeuge Kopp aus Staa=
ſtößzlderr
Angeklagten bei ſeiner Vernehmung ein günſtiges Leu=
ndchk
wis aus. Dann wurde unter großer Spannung die Haupt=
ſtuturzel
igin, Frau Beermann, vernommen die dabei blieb, daß
gert in der Nacht vom 15. zum 16. Februar in der Wohnung
* Mathilde geiveſen ſei. Demgegenüber bekundete Bürger=
Fechner bei ſeiner Vernehmung, daß er nach einer Bezirks=
g
an dieſem Tage gemeinſchaftlich mit verſchiedenen Damen
nach Staaken zurückgefahren ſei, und daß er die Angeklagte
Wohnung begleitet und dort bis gegen drei Uhr nachts ge=
Darauf ſtellten die Verteidiger feſt, daß durch dieſe Aus=
endung
in dem ganzen Meineidverfahren eingetreten ſei. Die
Etſtellung im Urteil gegen Stadtrat Eggert ſei dadurch wider=
Die Verhandlung wurde dann auf morgen vertagt.
Begnadigung eines Mörders.
rlin. Der im Juni dieſes Jahres wegen Ermordung ſei=
berin
zum Tode verurteilte Platzmeiſter Samuel Löwin=
durrch
Erlaß des preußiſchen Staatsminiſteriums zu lebens=
uuchthausſtrafe
begnadigt worden.
NEine Warnung vor dem Haus=Siegfried=Orben.
rlin. In den letzten Tagen ſind dem Preußiſchen Mini=
Wolkswohlfahrt aus verſchiedenen Teilen des Reiches zahl=
en
über einen ſogenannten Hans=Siegfried=Orden zuge=
Orden, der angeblich den Zweck verfolgt, Kleinhauskolo=
fen
, ſcheint ſich bei ſeiner Werbetätigkeit darauf zu berufen,

ſtrebungen im Preußiſchen Wohlfahrtsminiſterium bekannt
.nſtig beurteilt würden. Dieſe Behauptung trifft, wie dem
eußiſchen Preſſedienſt aus dem Wohlfahrtsminiſterium ge=
d
. nicht zu. Gegen den Leiter des Ordens, Noeſe, iſt bei

icht 2 in Berlin eine Vorunterſuchung wegen Betrugs an=
* dieſer Gründung iſt mithin zu warnen.
Von einer Granate zerriſſen.
urlin. Auf dem Altmetall=Lagerplatz der Firma Schweitzer
ereignete ſich heute morgen zwiſchen acht und neun Uhr ein
Ruglücksfall. Der 30jährige Arbeiter Franz Klingenberg aus

er/ Straße 3 war mit dem Verſchrotten von Alteiſen beſchäf=
Elerrutzte dabei einen Autogen=Schneideapparat. Plötzlich explo=
te
m geranate, die ſich unter dem Altmaterial befand, und riß den
daugſmerten in Stücke.
SSelbſtmord der Eltern am Grabe ihres Kindes.
DIPNüinchen. Auf dem Münchener Friedhof haben ſich in der
rganſſan! Nacht der Arzt Oskar von Ley und ſeine junge Frau mit
hankaht m Grabe ihrer Tochter vergiftet. / Ley ſtammt aus Düſſeldorf,
er Aᛋden Franzoſen ausgewieſen worden war. Seit ſeiner Aus=
ſeiſunm
u= er in ziemlich ärmlichen Verhältniſſen in München.
* Vergiftung einer ganzen Familie.
öirmburg. In ihrer Wohnung in der Stiftſtraße wurden
lte Zähle beide über 80 Jahre alt, ſowie deren Enkel, der
kymter Zähle, bewußtlos aufgefunden. Wie die Polizei feſt=
die
drei Perſonen nach Genuß von Backobſt erkrankt. Ob
vorliegt, ſteht noch nicht feſt, doch rechtfertigen die furcht=
der
Vergiftung den Verdacht, daß der Speiſe ein ſehr ſtar=
dritter
Hand beigemiſcht worden iſt. Die Eheleute Zähle
nen geſtorben, ohne das Bewußtſein wiedererlangt zu haben,
Maſchinenbauer noch immer nicht vernehmungsfähig iſt.
Erdſtoß in Wales.
u ndon. In der Gegend von Corwen in Wales wurde am
immittag, um 1.22 Uhr, ein heftiger Erdſtoß verſpürt. Mehrere
zcoen zerſtört, die Bevölkerung flüchtete ins Freie. Bisher
ur keine Opfer an Menſchenleben gemeldet. Das Beben
Seekunden.

Dennerstag, den 18. Dezember 1924.
Der Haarmann=Prozeß.
Todesurteil gegen Haarmann beantragt.
Nach der teilweiſe nichtöffentlichen Verhandlung des Falles Witſchel
der Firma Adam Opel in Rüſſelsheim dem Beſucher, f mmt es zu einem erneuten Zuſammenſtoß mit Prof. Dr. Leſſing wegen
iſt erſtaunlich, was die großen Rüſſelsheimer Werke aus dei eſes Artikels in der Zeitſchrift Das Tagebuch, in dem er behauptete,
die Polizei und Gerichtsärzte in Haunover gewußt hätten, Haar=
uann
morde Kinder und ferner, daß die Sachverſtändigen in Hannover
eurch ihre Kollegen ihr Urteil bilden würden. Der Vorſitzende entzieht
darauf Prof. Leſſing die Preſſekarte. Lefſing verläßt den Saal. Der
Fall Martin wird von Haarmann zugegeben. Die Zeugenvernehmung
auch, daß es gerade die Firma Opel fertigbringen konnte, den bringt nichts neues. Es folgt der Fall Wittig. Der junge Mann aus
Kaſſel, 17jährig, hat einen gewiſſen Nutt in der Nähe des Theaters um
Feuer angeſprochen. Dann kam Haarmann dazu, und ſo kamen ſie ins
ſeut tſchen Automobilfabrikation daſteht. Der neue 4 P8 wird be= Geſpräch. Dann zog er mit Grans durch die Stadt. Haarmann wollte
Sdn verſchiedenſten Variationen gezeigt. Ein Chaſſis gibt Zeug= Wittig nicht haben, weil es nicht ſein Typ war, aber Grans brachte ihn
ündar glänzenden Durchbildung der Konſtruktion. Der Betrachter immer wieder. Haarmann ſagte ſchließlich: Ich kann ihn ſchon vor
Wut darüber umbringen, daß du ihn mir immer wieder bringſt Von
da ab war Wittig verſchwunden. Haarmann beſtreitet den Fall ganz
entſchieden. Von Zeugen werden allerdings die Kleidungsſtücke aner=
creitt
auf das neue Erzeugnis der Firma Opel in beſonderem Maße kannt. Eine Zeugin hat auch gehört, wie Grans zu Haarmann geſagt
tſc Man muß beiſpielsweiſe die Reichsfahrt mitgemacht haben, um hat: Dann gib ihm doch 5 Mark und laß ihn laufen‟. Der Fall bleibt
gänzlich unaufgeklärt. Dann handelt es ſich um das Verſchwinden des
ia ment war die wohlverdiente Auszeichnung. Wie vielſeitig 10½jährigen Schülers Abeling. Er ging zur Schule, kam nach einer
eitzt ſcder neuen Type die Leiſtungen der Opelwerke ſind, zeigen die halben Stunde zurück und ſagte, er ginge mit ſeinem Lehrer aus. Von
da ab war er verſchwunden. Wenige Tage darauf will ſeine kleine Schwe=
neiſitzige
Limonſine, der ſchnittige, in ſeiner Form vornehm ſter von einem Mann angeſprochen worden ſein, der geſagt habe, daß
ende offene Dreiſitzer und der grüne Zweiſitzer, ohne den das er eine Karte für ſie zu Hauſe abgegeben habe, auf der geſtanden habe,
daß der Junge nach auswärts gefahren ſei. Das Kind kann aber mit
PS wirkt beſonders anziehend. Die neue bequeme Karoſſe= Beſtimmtheit als dieſen Mann Haarmann nicht bezeichnen. Die Mutter
ihrer ganzen Ausbildung das Beſtreben des Konſtrukteurs ſchreit Haarmann ins Geſicht, als er ſagt, daß er doch mit Kindern nicht
verkehrt habe, daß die Schönheit ihres vermißten Jungen Haarmann an=
gelockt
habe. Haarmann lacht ihr darauf offen ins Geſicht. Eine Zeu=
gin
aber will den Jungen in dem Haus von Haarmann geſehen haben.
ſihlechten deutſchen Straßen bewährt hat. Durch und durch Tatſächlich liegt auch ein Trikot des Jungen vor, das Haarmann dem
Grans zum Verkauf gegeben hat. Auch der Schädel des Vermißten mit
ſeiner Zahneigentümlichkeit wird anerkannt. Haarmam beſtreitet die Tat.
Zum Schluß wird die Frage erörtert, ob Haarmann jemals einen
amtlichen Polizeiausweis beſeſſen habe. Es wird ein Gaſtwirt und ſein
Sohn vernohnmen, bei denen Haarmann ſeinen Ausweis verloren hatte.
rürklaſſigen Arbeit der Opelwerke im Karoſſeriebau. Zweckmäßig= Der Gaſtwirt hatte den Ausweis zehn Tage laug in Beſitz und be=
üin
Rüſſelsheim überhaupt für alle Arbeiten das Leitmotib zu zeugt, daß es nur der von dem Gerichtsvorſitzenden vorgezeigte Ausweis
Type 14/48 P8 weiſt auch in dem Chaſſis die bekannte Opel= des Detektipbüros Laſſo war. Ein angeblicher Detektiv Meher will aber
mit Sicherheit wiſſen, daß das ein anderer Ausweis geweſen ſei, auf dem
der Stempel des Polizeipräſidenten und der Stempel des Kriminalkom=
miſſars
Müller aufgedruckt war. Der Polizei äſident erklärte, daß ſolche
Stempel gar nicht exiſtierten. Gegen Metz wird vorausſichtlich das
ſtien äuſchlos ſchalten. Der Kardan wird durch eine Fettpreſſe ge= Meineidsverfahren eröffnet. Er iſt ein von den Kommuniſten gekaufter,
ziemlich verkommener Menſch. Die morgige Verhandlung beginnt mit
Hannover, 17. Dez. Oberſtaatsanwalt Wilde hielt
heute ſein mehrſtündiges Plädoyer. Er hielt vorſätzliche und mit
ufttz ennt in genialer Weiſe gelungen zu ſein. Damit dürfte der Ueberlegung ausgeführte Tötung im Falle Haarmann für
erwieſen und beantragte die Todesſtrafe und Aberkennung
e die Leiſtungsfähigkeit der Opelwerke noch nicht erſchöpft. All= der bürgerlichen Ehrenrechte. Haarmann verhielt ſich während


Die Unterſchlagungen eines ſkandinaviſchen Biſchofs.
E.P. Kopenhagen. Die Vorunterſuchung in der Angelegen=
heit
des aus einer Gemeinderatsſitzung heraus verhafteten Biſchofs der
Methodiſten=Sekte Skandinaviens, Anton Baſt, hat ergeben, daß er
große Summen unterſchlagen hat. Er wird beſchuldigt, allein 100 000
Kronen, die ihm ſeinerzeit aus Amerika zugegangen waren, und zwar
für den Wiederaufbau der abgebrannten Jeruſalemskirche, unterſchlagen
zu haben. Ferner wird beanſtandet, daß er halbjährlich 83 000 Kronen
zu Verwaltungsarbeiten angefordert hat, und daß in den Büchern für
eine Weihnachtsbeſcherung, die 87 000 Kronen erbrachte, allein 40 000 Kr.
als Betriebsunkoſten verzeichnet ſind. Die Polizei nimmt an, daß er die
unterſchlagenen Summen an ſeinen Schwiegerſohn weitergegeben hat,
der ſich in kurzer Zeit, ohne vorher irgend welche größeren Mittel zu
haben, eine Villa kaufte die er mit 80 000 Kronen bezahlte, während
weitere 60 000 Kronen für die Inſtandſetzung der Villa ausgegeben
wurden.
Urteil im Hochverratsprozeß gegen die Gräfin Eſterhazy.
DD Wien. Aus Neutra wird gemeldet: Der politiſche Prozeß
gegen die Gräfin Eſterhazy wurde heute vor einem Strafſenat zu Ende
geführt. Die Anklage lautete auf Verſuch des Hochverrats gegen die
tſchechoflowakiſche Republik. Als Beweismaterial galten drei Briefe des
ehemaligen Oberſten Oſtenbucg, die jedoch nicht im Original ſondern
nur in Abſchriften vorlagen. Die Angeklagte wurde zu einem Jahr Ker=
ker
und 20 600 tſchechiſchen Kronen Geldſtrafe verürteilt, im Falle der
Nichtbezahlung zu weiteren drei Monaten. Die Unterſuchungshaft von
ſechseinhalb Monaten wurde in die Strafe eingerechnet.
Das Familien=Drama von Judendorf.
DD. Graz. Zu dem furchtbaren Familiendrama, das ſich in der
vorletzten Nacht bei Judendorf abgeſpielt hat, iſt folgendes nachzutragen:
Die Familie hatte in der letzten Zeit ſehr unter materiellen Schwierigkei=
ten
zu leiden. Daher hatte das Ehepaar bereits im Oktober beſchloſſen,
gemeinſam in den Tod zu gehen und die beiden Kinder Eva und Erich
mit ſich zu nehmen. Das Drama ſelbſt hat ſich nach den bisherigen Feſt=
ſtellungen
folgendermaßen abgeſpielt: Rittmeiſter Danners und ſeine
Frau töteten erſt durch gleichzeitiges Feuer aus zwei Revolvern ihre
beiden Kinder Erich und Eva, worauf Frau Danners ſich vor den Augen
ihres Mannes erſchoß. Ihr Mann bettete den Kopf der Toten auf zwei
Polſter und deckte ſie mit einer Plüſchdecke zu. Hierauf begab er ſich in
das Schlafzimmer, wo der dreijährige Peter in einem Bette ſchlief. Er
trank eine Miſchung aus Sublimat und Veronal aus, die er ſich voror
zurecht gemacht hatte. Beinahe hätte ſein Selbſtmord auch dem kleinen
Peter das Leben gekoſtet, denn in ſeinen Todeskrämpfen wälzte ſich der
Körper des ſchweren Mannes auf das ſchlafende Kind, das halb ohn=
mächtig
unter der Leiche hervorgezogen wurde.

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siunnt auesitnn Harststnask=
Mhiu beirnit, umd Aus Dlrastann
bemnt gu
Mamf

Seite 9.

Luftſchiffdienſt zwiſchen Europa und Amerika.
Waſhington. Vor der Flottenkommiſſion des Repräſentanten=
hauſes
referierte der Admiral Moffett, der Chef des Luftſchiffahrt=
autes
, über einen Plan der Regierung, wonach ein Luſtſchiff=
dienſt
zwiſchen Europa und Amerika geſchaffen werden ſoll. Der Dienſt
ſoll durch Luftſchiffe ausgeführt werden, die 6 Millionen Kubikfuß Gas=
inhalt
haben, und deren Motoren 3900 Pferdekräfte entwickeln werden.
Der Admiral berechet, daß die Regierung jährlich 5 Millionen
Dollars durch die Schaffung eines ſolchen Dienſtes gewinnen könnte.
Die techniſche Möglichkeit, einen regelmäßigen Luftverkehr zwiſchen der
alten und der neuen Welt herzuſtellen, ſei durch den Flug des 3. R. 3
hinlänglich bewieſen worden. Der Admiral gab keine techniſchen Einzel=
heiten
über die Pläne der Regierung an, jedoch gab er zu verſtehen, daß
die Luftſchiffe in Deutſchland beſtellt würden.

Briefkaſfen.
A. W. in Mainz. Nein. Eine ſolche Kinderzulage könnte nur dann
in Frage kommen, wenn der Vater als früherer Angehöriger der deut=
ſchen
Wehrmacht wegen der geſundheitlichen und wirtſchaftlichen Folgen
einer Dienſtbeſchädigung Verſorgungsgebührniſſe bezieht, was aus der
Anfrage nicht erſichtlich iſt. Hier konnen aber nur die unehelichen Kin=
der
in Betracht kommen, die vor Anerkennung der Folgen der Dienſt=
beſchädigung
erzeugt worden ſind, wenn die Vaterſchaft des Beſchädigten
glaubhaft gemacht

Frankfurter Rund=Funk=Programm.
Freitag, den 19. Dez. 11.10 Uhr: Wirtſchaftsmeldungen: Berliner und
Hamburger Produkten (Vorbörſe), amerikaniſche Produkten ( Anfangs=
kurſe
). 11.55 Uhr: Zeitangabe. 12 Uhr: Nachrichtendienſt.
4.10 Uhr: Wirtſchaftsmeldungen: Amtliche Produktenbörſe Hamburg,
Berlin, Köln, Magdeburger Zucker und Nürnberger Hopfen. Deviſen=
kurſe
. 4.306.00 Uhr: Hausfrauennachmittag, unter Mitwirkung
des Frankfurter Hausfrauenvereins e. V. Programm u. a.: Weih=
nachtserzählung
von Anna Hagen=Treichel; ferner: Wochenſchau des
Frankfurter Hausfrauenvereins. 6.006.30 Uhr: Die Leſeſtunde
(Meiſterwerke der Weltliteratur): Aus Soll und Haben von Guſtav
Freytag. Sprecher: O. W. Studtmann. 6.307.00 Uhr: Eſperanto=
Unterricht (in Verbindung mit dem Eſperanto=Unterricht in Dr. Hochs
Konſervatorium) Lehrer: Herr Urban. 7 Uhr: Dr. Erwin Michel,
Syndikus des Verbands der Radio=Induſtrie e. V. und Leiter der
Großen deutſchen Funkausſtellung: Die große deutſche Funkausſtel=
lung
. Sprecher: O. W. Studtmann. 7.30 Uhr: Funkhochſchule
Frankfurt: Vortrag von Herrn Prof. Dr. Schultz: Gerhart Haupt=
manns
Robinſonade‟. 8 Uhr: Die Beſprechung ( Unterhaltungs=
teil
). 8.30 Uhr: Tanzmuſik der Kapelle Pinkus Langer. 9.30 Uhr:
Nachrichtendienſt, Wettermeldung, Sportbericht. 9.40 Uhr: Die
Spätankündigung: Ich bin beſſer als mein Ruf! 9.55 Uhr: Zeit=
vorbereitung
. 9.56 Uhr: Drei Minuten der Hausfrau. 10 Uhr:
Zeitangabe. 1011 Uhr: Kabarett=Abend. Konferenzier: Herr Gg.
Lengbach.

Geſchäftliches.
Die Vorſtellung Das Chriſtſternlein findet bei dem Publikum
ganz koloſſalen Beifall. Der beſte Beweis iſt der, daß alle Vorſtellungen
ausberkauft ſind. Zur Vorſtellung am Sonntag, den 21. d. Mts., gibt
die Firma J. Rehfeld, Darmſtadt, Ludwigſtr. 15, bei Einkauf von 15 Mk.
an weiter gratis an ihre Kundſchaft Theaterkarten ab. Es werden nur
die beſten Plätze, Logen= und Sperrſitzplätze, verausgabt. (17 160 mks
Dieſer Nummer liegt ein Proſpekt der Firma C. A. F. Kahlbaum
A.=G., Berlin C 25 Kaiſer=Wilhelmſtr. 22, bei. Vertreter für den hie=
ſigen
Bezirk iſt die Firma Voltz u. Repp, Weingroßhandlung Darmſtadt,
Friedrichsſtr. 12, Telefon 129, welche auch in fraglichen Likören ſtets
großes Lager unterhält.
(TV. 17 156

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(C 8): Orpheus und Eurydike‟. Kleines Haus, Anfang 7½=
Uhr, Ende nach 9½ Uhr (Schülermiete braun 3, weiß 4, gelb 4):
Ein Glas Waſſer. Orpheum: keine Vorſtellung. Rum=
melbräu
: Großes Schlachtfeſt mit Konzert. Muſikverein,
abends ½8 Uhr, in der Stadttirche; Drittes Sonder=Konzert.
Fürſtenſaal Grafenſtr., abends 8 Uhr: Elſaß=Lothringer=Abend.
Union=, Reſidenztheater, Palaſt=Lichtſpiele: Kinovorſtellungen.
Verſteigerungskalender. Freitag, den 19. Dezember 1924.
Faſelverſteigerung, vorm. 10 Uhr, in der Gemeinde Weiter=
ſtadt
. Weinverſteigerung der Vereinigten Weingutsbeſitzer
Alsheim, vorm. 11½ Uhr, in Mainz, im Saale der Stadt Mainz,
Große Bleiche. Nachlaßverſteigerung des Herrn Reg.=
Rats Kriegk, vorm. 10 Uhr, in Dieburg.

Wetterbericht der Gießener Wetterwarte.
Wettervorherſage für Freitag, 19. Dezember:
Nachttemperatur 0 Grad, tagsüber ein wenig milder, ſchwach windig,
dunſtig, trocken.

Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Veranrwortli, für Bolitik und Wirtſchaſt: Rudolf Maup=
Verantwortlich für Feuilleton und Heſſiſche Nachrichten: Mar Streei=
Veranworkich für Sport: Dr. Eugen Buhlmann.
Derantwortſich für S9lußd entt: Andreas Bauer
Verantwerlich für den Iinſratenteil: Willy Kuhle
Druch und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtade.

Die heutige Ziummer hat 16 Seiten

Praktisches Weihnachtsgeschenk:

MAGGIS Würze, HAGGl‟ Suppen in Würfeln,

MAGGI: Flelschbrührwürfol.

[ ][  ][ ]

Donnerstag, den 18. Dezember 1924.

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am Weißen Turm
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Fam iennachrichten

Statt Karten

Todes=Anzeige.
In der Nacht vom 16. zum 17. d8. Mts. ver=
ſtarb
im Herz=Jeſu=Hoſpital, hier, das Ehrenmſt=
glied
des Vorſtandes des Landesverbandes Heſſen
Herr
Sakob Schuhmacher
Miniſterialkanzlei=Oberſekretär.
In dem Verſtorbenen betrauert der Verbands=
und Vereinsvorſtand einen treuen, dem Verband
ſeit Gründung angehörenden Kameraden von lau=
terſtem
Charakter und treuer Anhänglichkeit unſerer
guten Sache. Wir werden dem Entſchlafenen
immerdar ein gutes Andenken bewahren.
Die Beerdigung findet am Freitag, den 19.d.
Mts., 1. Uhr nachm., auf dem Friedhof an der
Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt.
Sammlung der Kameraden ½. Stunde vor=
her
am Tierbrunnen.
(nM
Um vollzählige Beteiligung wird gebeten.
Darmſtadt, den 18. Dezember 1924.
Der Vorſtand des Der Vorſtand des
Vereins Darmſtadt Landesverbands geſſen
des Reichsbundes der Zivildienſtberechtigten E.9.

Elſe Wolff
Juſtin Gerſt
Verlobie

Gunzenhauſen
GBahern)
At5ß

Griesheim b. D.

Nach Gottes unerforſchlichem Ratſchluſſe wurde unſere liebe, gute Mutter,
Schwiegermutter und Großmutter

geb. Wiegand
nach langem ſchweren Leiden im Alter von 76 Jahren in die Ewigkeit abgerufen.
Darmſtadt, Rückertſtr. 14, den 16. Dez. 1924.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Ludwig Bieger
Marie Bieger, geb. Köhler
Marie Hartmann, geb. Bieger Karl Hartmann
Albert Rech
Eliſabeih Rech, geb. Bieger
Joſefine Hermes, geb. Bieger Willy Hermes.
Die Beerdigung findet Freitag, den 19. Dez., nachm. 3 Uhr, vom Portal des
Friedhofs (Nieder=Namſtädterſtr.) aus ſtatt.
Das Seelenamt für die Verſtorbene findet Samstag, den 20. Dez., in der
(*37457
Martinskapelle, 7 Uhr früh, ſtatt.

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute nachmittag verſchied
nach langem ſchweren Leiden
mein lieber Gatte, mein guter
Vater, unſer Schwiegerſohn,
Schwager und Onkel

Rechnungsrat i. R.
Im Namen d. trauernd. Hinterbllebenen:
Bilhelmine Schmitt, geb. Weber
Bihelm Schmit.
Darmſtadt, den 16. Dez. 1924.
Annaſtraße 4.
Auf Wunſch des Entſchlafenen
findet die Beiſetzung in der Stille
(37418
ſtatt.
Blumenſpenden dankend verbeten.

Statt Karten.

Statt beſonderer Anzeige.
Heute nacht verſchied unerwartet nach kurzer,
ſchwerer Krankheit mein herzensguter Gatte,
unſer treuſorgender Vater

werden aut geſtüt=*

Heute mittag verſchied nach
kurzem, ſchwerem Leiden in eben
vollendetem 72, Lebensjahre mein
geliebter Mann, unſer guter Vater,
Großvater, Schwiegervater, Bru=
der
und Onkel
Herr Auguſi Kredel
Kgl. preuß. Major a. D.
Ritter hoher Orden.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Mathilde Kredel.
Michelſtadt, 16. Dezember 1924.
Die Beiſetzung findet ſtatt:
Donnerstag, den 18. Dezember,
nachm. 2 Uhr.
Von Beileidsbeſuchen und Blumen=
ſpenden
bittet man abſehen zu
wollen
(37391

geleimt u. Münes
Ripper
Darmſtadt. (n
Mathildend

Eilige Mün7

Jakob Schuhmacher

Paßbilde!
Photogr, Haſch 4I

Miniſterial=Oberſefretär
im 38. Lebensjahre,
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Marie Schuhmacher, geb. Beſit.
Darmſiadt, den 17. Dez. 1924.
Die Beerdigung ſindet Freitag, den 19. Dez., nachmittags
2 Uhr, von dem Portale des alten Friedhofs aus ſtatt.
Einſegnung 1/. Stunde vorher. (37457

Todes=Anzeige.
Heute entſchlief nach langem
Leiden unſere liebe Schweſter

Wir erfülſen hiermit die traurige
pſicht, unſere A. H. A.H. und ia. B.
ja. B. von dem Ableben unſeres
lieben E. A. H.

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Eliſabether

Larmſtadt, den 16. Dez. 1924.
Berlin=Frledenan, Kaiſerallee 142.
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Pauline Sievertsz von Reeſema
geb. Daudt
Clara Sievertsz von Reeſema
geb. Daudt
Ferdinand Daudt.
Die Beerdigung findet Freitag,
den 19. Dezember 1924, vormtittags
11 Uhr, von der Kapelle des alten
Friedhofes aus ſtatt, (*37414

Maſor a. D., Ritter hober Orden
geziemend in Kenntnis zu ſetzen.
Die D. B. Germania
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Wir erfüllen hiermit die traurige Pſicht,
unſere Kameraden von dem am 17. ds. Mts.
erfolgten Ableben unſeres altverehrten treuen
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Miniſterialkanzlei=Oberſekretär
geziemend in Kenntnis zu ſetzen. Ehre ſeinem Andenken!
Die Beerdigung findet Freitag, den 19. Dez. 1924, nachm.
2 Uhr, die Einſegnung 1 Stunde vorher, auf dem Friedhof an
der Nieder=Ramſtädterſtraße ſiatt.
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Die Teilnahme an der Beerdigung wird den Kameraden zur
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Beerdigung findet Freitag, den
19. Dezember 1924, nachmittags
3 Uhr ſtatt.
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gleichen Güte wie in der Vorkriegszeit wieder vorrätig
Es gibi einfach nichis beſſeres!
In vielen Formen und Farben vorrätig Beſichtigung bereitwilligſt

Für die vielen Beweiſe herz=
licher
Teilnahme bei dem ſo plötz=
lichen
Hinſcheiden unſerer geliebten
Gattin und Mutter, ſowie für
die Kranz= und Blumenſpenden,
ſagen wir allen unſeren innigſten
Dank. Beſonders danken wir
Herrn Pfarrer Heß für die ehren=
den
Worte am Grabe. (17145
Hainſtadt (Kr. Erbach i. O.).
Gend.=Oberwachtmeiſter
Ebert u. Tochter

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Der Pulsſchlag
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[ ][  ][ ]

Donnerstag, den 18. Dezember 1924.

Ma

Sport, Spiel und Turnen.
Fußball.
Schlagball.

Das heutſche Automobil=Programm 1925.
Der Automobiſ=Club von Deutſchland hatte nach ſeinen Näumen
am Leipziger Platz in Verlin eine Kartellausſchußſitzung ein=
berufen
, die ſtark beſucht war. Zunächſt erſtattete Admiral Nampolf
Bericht über die Verhandlungen in Paris beim Internationalen Ver=
band
, dann kam das Verhältnis des AvD. zum ADAC. zur Sprache.
Es beſteht die erfreuliche Ausſicht, daß zwiſchen beiden Verbänden dem=
nächſt
eine Verſtändigung vielleicht auf der Grundlage wie ſie zwiſchen
DMV. uad ADAC. beſteht, zuſtande kommt. Ein Zuſammenſchluß der
einzelnen Clubs zu großen Vereinigungen iſt nach der Gründung der
Vereinigung weſtdeutſcher Automobilklubs jetzt auch zwiſchen dem Pom=
merſchen
, Danziger und Oſtpreußiſchen AC. unter dem Namen Kartell
Oätdeutſcher Automobil=Clubs erfolgt. In Süddeutſchland ſteht ein Zu=
ſammenſchluß
zwiſchen den Clubs von Bayern, Württemberg und Baden
in Ausſicht. Das von den einzelnen Clubs für 1925 eingereichte Sport=
programm
umfaßt über 40 Wettbewerbe. Vom Geſamt=Kartell iſt ein
nationales Straßenrennen im Taunus für 1,5= oder 2=Literwagen vor=
geſehen
. Daneben dürſte das Kleinauto=Rennen des AvD. auf der Avus.
für das der Termin ebenfalls noch nicht feſtſteht, die größte Veranſtal=
tuag
des kommenden Jahres werden. Es iſt eine Kommiſſion gebildet
worden, die die Aufgabe hat, die Ausſchreibung des Taunus=Rennens
auszuarbeiten und den Terminkalender genau feſtzuſetzen. Während der
ADAC. an den Beſchluß der Induſtrie, keine Mennen zu veranſtalten,
gebunden iſt wollen der AvD. und die Kartell=Clubs auch reine Ge=
ſchwindigkeitsrennen
für Sportwagen abhalten. Die von den einzelnen
Kartell=Clubs für 1925 geplanten Veranſtaltungen zeigen folgendes Bild:
3. Mai Vergprüfungsfahrt an der Pforte des Schwarzwaldes (Sektion
Pforzheim d. Bad. AC.) 10. Mai: Teutoburger Waldrennen (AC. Weſt=
falen
); 11. Mai= Wieshadener Automobilturnier; 17. Mai: Herkules=
Bergrennen (AC. Kurheſſen=Kaſſel); 21.23. Mai: Automobilturnier
Wildungen (Sek. Barmen des Kölner AC.); 22.24. Mai: Jubiläums=
Geſellſchaftsfahren mit Geſchicklichkeitsprüfung des Berl. AC.; 23. Mai:
Sternfahrt nach Schierke (Braunſchweiger AC.) 24. Mai: Geſchicklich=
keitsprüfung
und Schönheitskonkurrenz (Braunſchweiger AC.); 1. Juni:
Opelbahnrennen (Heſſ. AC. Frankufrt und Wiesbad. AC.) 5. Juni=
Coblenzer AC.; 5.7. Juni: Zuverläſſigkeitsfahrt der vier Thüring.
AC., verbunden mit einer Jubiläumsfahrt des Mitteldeutſchen AC. Eiſe=
nach
; 6.7. Juni: Nordd. Zuverläſſigkeitsfahrt (Nordd. AC.); 14. Juni=
Flach= und Bergrennen des Heſſ. AC.; 14. Juni: Prüfungsfahrt über
200 Km. mit Flach= und Bergrennen (Rhein. AC.); 14.18. Juni:
Deutſche Dauerprüfungsfahrt 1925 Verga. Weſtd. AG.); 18.20. Juni:
Mitteld. Zuverläſſigkeitsfahrt Magdeb. AC.), 20. Juni: Jutern. Propa=
gandafahrt
nach Niga mit Flachrennen (Oſtd. AC.); 21.22. Juni: 24=
Stundenfahrt (Frankfurter AC.); 21.30. Juni: Deſterr, Alpenfahrt
(Baher, u. Oeſterr. AC.): 2528. Juni: Zuverläſſigkeitsfahrt d. Schles=
wig
=Holſtein (Schleswig=Holſtein. AC.) 98. Juni: Prüfungsfahrt und
Turnier des Crefelder AC.: 4. Juli: Sternfahrt des Kölner AC.; 5.
Juli: Turnier des Kölner AC.: 12. Juli: Turnier des Trierer Ac.;
16.25. Juli: Robert Batſchari=Fahrt (Baher, u. Bad. AC.); 21.26.
Juli: Baden=Badener Turnier (Bad u. Rhein. AC.): 19. oder 26. Juli=
Nennen um den Rhein.=Weſtf. Induſtrie=Preis (Rhein=Weſtf. AG.):
2. Auguſt: Weſtd. Dauergebirgsfahrt (Kölner AC.); 16. Auguſt: Stern=
fahrt
des Magdeburger AC.; 16. Auguſt: Durch die Kadiner Berge‟
mit Flach= und Verarennen (Oſtd. AC.; 30. Auguſt: Bergrennen auf
die Hohe Wurzel (Wiesb. AC.); 6. September: Kräberg=Rennen (Heſſ.
AC.) 6. September: Inſelbera=Rennen in Thüringen; 13. September:
Veranſtaltung des Kölner AC.: 20. Sebtember: Winterberg=Rennen
(Sektion Barmen des Kölner AC.): N. September: Herbſt=Opelbahn=
Nennen (Heſſ. Frankf. und Wiesb. AC.): 4. Oktober: Großen Herbſt=
Preis (Kölner AC.);
Oktober: Veranſtaltung des Cobl. Ag.

Tagung zur Vezeinheitlichung der Schlagballregeln
Am 13. Dezember 1924 traten unter dem Vorſitz von Herrn Prof.
Dr. Verger im Preußiſchen Miniſterium für Volkswohlfahrt, Berlim,
zuſammen: Die Deutſche Turnerſchaft, die Deutſche Sportbehörde für
Leichtathletik, die Deutſche Jugendkraft, der Deutſche Turnlehrer=Verein,
und Vertreter der Landesturnanſtalten von Preußen, Bayern, Sachſen,
Württemberg, während die Badiſche Landesturnanſtalt und die Deutſche
Hochſchule für Leibesübungen nur ſchriftlich an den Vorbereitungen teil=
genommen
hatten. Als Gaſt nahm Herr Regierungsrat Dr. Mallwitz
vom Preußiſchen Miniſterium für Volkswohlfahrt teil.
Auf Grund einer Ueberſicht über die Verſchiedenheit der gebräuch=
lichen
Schlagballregeln wurde über die wichtigſten Punkte
eine Einigung erzielt.
Mit der Feſtſtellung des Wortlautes der Spielregeln wurde ein
Unterausſchuß beauſtragt, beſtehend aus den Herren Braungardt=
Oldenburg, Burmeiſter=Hamburg, Dr. Maeder=Spandau.
Der günſtige Verlauf der Tagesordnung veranlaßte Herrn Direktor
Dr. Heinrich=München zu dem Vorſchlag auch die Vereinheitlichung der
Handballregeln in ähnlicher Weiſe in Angriff zu nehmen. Dieſer Vor=
ſchlag
wurde allſeits freudig begrüßt.
Auf Grund der von Braungardt ſchriftlich den Beteiligten vorgeleg=
ten
Fragen wurde beſchloſſen: Den Wunſch, Weitſchläge zu be=
ſchränken
, teilen alle, außer der DSB. Die Begrenzung
der Schlagholzlänge und das Verbot der Gummiein=
lage
in Schlagbälle wird nur von einem Teil der Anweſenden gutge=
heißen
. Man einigt ſich darauf, dieſe Beſchränkung für ſpäter in Aus=
ſicht
zu nehmen, unter der Vorausſetzung, daß inzwiſchen andere Maß=
nahmen
ſich bewähren, durch welche das Feldſpiel gehoben wird. Ein=
ſtimmig
ſetzt man das Ballgewicht auf 8090 Gramm, den
Ballumfang auf 2022 Zentimeter feſt. Zur Verhütung
der Fehlſchläge werden einwandfreie Vorſchläge noch nicht gemacht. Man
ſieht daher davon ab, darüber Regeln aufzuſtellen. Die Spielzeit
wird im allgemeinen auf 2X30 Minuten feſtgeſetzt. In einem Zu=
ſatz
ſoll darauf hingewieſen werden, daß für Schüler und Schülerinnen
unter 14 Jahren 2X40 Minuten empfohlen wird; für männliche Erwach=
ſene
2840 Minuten. Es ſoll empfohlen werden, mit Halbzeit und
Wechſel des Schlagrechtes zu ſpielen. Jeder geſchlagene Ball,
der im Stielfeld auftrifft, hat Gültigkeit, auch wenn er nach dem Auf=
ſchlagen
ſofort in das Schlagmal zurückrollt. Das Zurückrollen gilt auch
in dieſem Fall als Halt. Es wird empfohlen, daß im Spiel nur vom
Schiedsrichter gepfiffen wird. Doch iſt es ihm überlaſſen, ſich
mit den Linienrichtern über die Art der gegenſeitigen Verſtändigung zu
einigen. Ergänzung der Mannſchaft ſoll während der ganzen
Dauer eines Spieles zuläſſig ſein. Schlagen die Schläger in falſcher
Reihenfolge, ſo ſoll Malwechſel eintreten. Es beſteht Einigung darüber,
daß ein Wurf ungültig iſt, wenn der Werfer mit dem Ball
gelaufen iſt. Darüber, ob aber jeder ungültig geworfene Ball
totgepfiffen werden muß, ſoll ein Unterausſchuß Vorſchläge
machen.
Schwimmen.
Drei neue öſterreichiſche Schwimmrekorde
wurden bei dem iternationalen Wettſchwimmen des I. Wiener
Amateur=S.=V. geſchaffen: im 100 Meter=Rückenſchwimmen von
Schrepfer mit 1:21,2, im 20 Meter=Freiſtil für Damen von Frl.
Grete Adler mit 3:16,6 und in der 3 mal 100 Meter=Lagenſtaffel
vom veranſtaltenden Verein mit 3:554. Im 100 Meter= Freiſtil=
ſchwimmen
konnte Gropper=Augsburg nur den dritten Platz
behaupten.

Fre. ve . Hrif e Haniſchin Faoids Ri dur fS

Ein ert zui Gehrei id Hanfan De aln ie
des vertrat, die gefürchtetſte Sturmſeite des Angriffsquintetts.
auferreihe wirken nicht weniger als drei repräſentative Spieler,
ürf der linken Läuferſeite der internationale Tomeesko, wäh=
WMittelläuferpoſten und die Funktion des rechten Läufers die
ei irksrepräſentativen Sigos und Kelchen verſehen. Vergegen=
ymn
ſich die Bedeutung der Bezirksrepräſentation, die darin be=
ſoieſe
Spieler die Farben der ungariſchen Hauptſtadt vertreten

hält man ſich weiter vor, daß der Begriff Budapeſter Fuß=
toentiſch
iſt mit dem ungarichſen Fußballſport überhaupt, ſo iſt
ſgrrechtfertigt, daß man auch dieſe Spieler als Internationale
ni. als Sportsleute bezeichnet, die im Fußballſport zu der höch=
gekommen
ſind. Erwähnt ſei nach der linke Verteidiger Rott=
elenfalls
ſchon als Bezirksrepräſentativer wirkte. Im nächſten
Guü-d Näheres über den derzeitigen Tabellenſtand von Vaſas bei
Khiarigen Spielen um die Meiſterſchaft von Budapeſt berichtet. Heute
niſratch mitgeteilt, daß das Spiel nicht wie urſprünglich gemeldet,
muar, ſondern am Sonntag, den 4. Januar, ſtattfindet.
enxin für Raſenſpiele Darmſtadt F.V. 09 Weinheim.
5nußballgemeinde Darmſtadts ſteht morgen ein ausgezeichneter
amtti Ausſicht. Im Verbandsſpiel ſtehen ſich auf dem V.f.R.=Platz

ter den Ne DaBanſchele des Af den Segseilen Wei=
euten
Widerſtand entgegenſetzt, damit wir Zeuge eines intereſ=
nit
im pfes werden. Das Spiel beginnt um 10.30 Uhr vorm. W.

Vertr.: I. Wedde & Co., Darmstadt, Waldstr. 7. (16291a

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Seite 12.

Donnerstag, den 18. Dezember 1924.

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8 Uhr pünktlich. Saalöffnung 7 Uhr.
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(Mitglieder Mitgliedskarte mitbringen.)
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Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

In der Einführung des ſoeben ins Leben getretenen evangeli=
ſchen
Literaturblattes Eckart nimmt der ſchleſiſche General=
ſuperintendent
Prof. D. Dr. Schian in einer eingehenden
Unterſuchung zu der Kultur= und Weltanſchauungskriſis der Ge=
genwart
das Wort. Wir entnehmen den Ausführungen des be=
kannten
kirchlichen Führers das Folgende:
A8 iſt Tatſache: die Weltanſchauung beſtimmt die Kul=
Das wäre nicht wahr, wenn es ſich bei Kultur nur, um äußere
arl handelte, um elektriſches Licht oder Eiſenbahnen oder Luftſäuff=
eh
oder Röntgenſtrahlen. Geht es aber bei der Kultur um das
anse Leben der Menſchheit, auch um ihr geiſtiges Leben, ſo kann es
Uand cht anders ſein, als daß Kultur von Weltanſchauung abhängt.
ſchie Weltanſchauung beſtimmt alles menſchliche Handeln, und da=
pun
weſentlichen Faktor des Geſchehens.
dar erleben in unſeren Tagen eine ſchwere Kulturkriſis. Wir wiſſen
woher ſie kommt: aus der Kriſis der Weltanſchauung. Wir er=
En, daß es nur einen Weg gibt, die Kulturkriſis zu überwinden: die
yeindung der Weltanſchauungskriſis. Welcher Welt=
muung
müſſen wir im Intereſſe der Kultur den Sieg wünſchens
Hwaterialiſtiſche Veltanſchauung, die jeden ſittlichen
Eel hemmt, iſt die größte Feindin der Kultur. Sie läßt die Entwick=
Uſrolehen, weil ſie ſie ihr Denkweiſe nach gehen laſſen muß. Sie birgt
a ſchie Neigung, ſich vom Strom der Entwicklung treiben zu laſſen;
g ſcieſer Strom geht, das kann, ja das will ſie nicht ſagen. Da iſt,
ſngent gedacht kein Wille keine Kraft, nur ein Mitgehen und Mit=
en
. Dabei gedeiht keine Menſchheitskultur.
s populäre Optimismus trägt immerhin höhere Motive
. Er glaubt an die Aufwärtsentwicklung; ſo will er auch dazu
hülnen. Sofern es ſich nicht bloß um gedankenloſen Entwicklungs=
Iter dreht, ſondern um einen wirklichen, tiefer erfaßten Glauben an
6 MAufſtieg der Menſchheit, löſt er wertvolle Kräfte aus. Nur; es
Ib ure nachhaltigen Kräfte. Der Optimismus rechnet nicht mit den Wirk=
ſton
der Welt, am wenigſten mit den Widrigkeiten in ihr. Er glei=
ſtr
Höhenflug über die Tatſachen des Lebens hinweg. So kann er
wEht helfen, dieſe Tatſachen zu überwinden. Er verlangt fröblichen
Wurr an einen ſchönen Fortſchritt, aber er ſchafft nicht die Voraus=
ſsom
dafür. Am allerwenigſten ſieht er das Böſe in den Menſchen=
er
ſielbſt. Nur in denen, die ſeine Theorie anfechten, entdeckt er es.
lnner Theorie aber ſpielt nicht einmal dieſer Widerſtand eine Rolle,
ſamm es nicht fehlen, daß es zuweilen zu einem tiefen Erſhrecken
m tvie im Weltkrieg. Es kann danach von der optimiſtiſchen Welt=
Abtumung manche Förderung der Kultur ausgehen. Zuweilen gedeiht
nsurche trotz allem, wenn Menſchen gleichſam naiv an ſie glauben.
ſpauts der Tiefe heraus kann eine ſolche Weltanſchauung nicht wir=
ſnlim
wenigſten kann ſie zu einer Wiedergeburt der ſeeliſchen Kräſte
A
noers die chriſtliche Weltanſchauung. Auch ſie verdient
eetsichnung noptimiſtiſch; aber ihr iſt nicht ein naiver, Tatſachen
nlS fahrungen ignorierender Optimismus eigen, ſondern ein aus
e grkenntnis der Dinge in Verbindung mit feſtem Glauben an neu=
eiell
de Ewigkeitskräſte geſtalteter Optimismus. Sie kennt die Ge=
ſu
4s Böſen, unterſchätzt alſo den Gegner nicht. Aber ſie glaubt an
uaNacht, die ſtark genug iſt, um die Welt zu überwinden: an die
AN ies elwvigen Gottes. Darum kann ſie Wege zur inneren Er=
Feuug weiſen, die auch zur Erneuerung der Kultur füh=
en
üſſen. Die feſte Weltanſchauung, bei der ſie nach meiner
)ſchzeurgung am beſten gedeihen kann, iſt die des evangeliſchen Chriſten=
u
(Dieſe Weltanſchauung läßt dem forſchenden und ſchaffenden Geiſt
Uaü der Entfaltung; ſie gewährleiſtet ihm die ungehinderte Weite
Eänslicks und der Ausreifung des Reichtums aller Anregungen, Ge=
Aetmen und Kräfte. Sie macht frei und reich und gibt doch einen
MSsckandort.

Zugendſchriften, Bilderbücher

1R1 Pr.Kaif Le f. Aülk n Sutzais
ch efine Siebe iſt eine ausgezeichnete und ſchnell bei Kindern beliebt
gellſtdere Exzählerin. Jüre Kunſt beginnt bei den Kleinſten und reicht
ſios inen Erwachſenen, die ſich ein kindliches Gemüt bewahrt haben.
Ah srddybuch, entzückend ausgeſtattet, ſchildert die Erlebniſſe eines
Teddybären, die auch in dielen wundervollen bunten Bildern
E=Bren, und Kaſperles Abenteuer in der Stadt iſt eine Fortſetzung
eisrigen Kaſperlbücher: Kaſperle auf Reiſen. Kaſperl auf Burg
ſilſerhroh. Joſefine Siebe hat einen ſehr feinen, luſtigen, geſunden,
iſ zn Humor und eine ſtarke und reiche Erfindungsgabe, eine Mär=
hellenttaſie
von umfaſſendem Ausmaß, ſo daß ihre Jugendbücher zu
eiwirzu.nenden Lektüre werden. Zu Kaſperles Abenteuer hat Berta
eu r farbige Bilder und eine Reihe entzückender Scherenſchnitte ge=
lielſte
ie dem Buch einen ſtarken künſtleriſchen Wert verleihen.
r) gleiche Verlag brachte heraus:

* ASermann und Püttjerinchen. Märchen von Hermann Löns. Verlag
AAf9 Sponholz G. m. b. H., Hannover.
er/ Hermann Löns nicht genau kennt, wird erſtaunt ſein, daß dieſer

ſiehsen Schwaben von Ludwig Auerbächer und Jung Sieg=
i
on Guſtav Schwab.
Mär von den Sieben Schwaben iſt mit ſehr feinen Scheren=
ſchyaint
illuſtriert, Jſung Siegfried mit kraftvollen ſchönen Federzeich=
nutm
. Auch dieſe beiden Bücher ſind ſehr empfehlenswerte Geſchenk=
U. 8.
erlatti! Mann Märchen von ſo zarter Naivität, ſo entzückender Kindlich=
und iben konnte. Die Geſchichte von den Abenteuern des kleinen
Lütſtzarnn, der, weil er gut und hilfreich war, die kleine Prinzeſſin
Püſke nachen heimführen durfte, iſt von ſo entzückender Naivit it, daß es
derih fimn Märchen unſerer Zeit zugerechnet werden darf. Fritz Hans
glſu wat dieſes Märchenbuch mit einer Reihe entzückender künſtleriſcher
ieſtemungen verſehen, die den Wert des Buches als Geſchenkwerk be=
St.
dertſth gerhöhen.
Be)ſ hiei Frau Sonne. Ein Bilderbuch von Dr. H. Hoffmann, Verlag
Gieniſche Anſtalt Rütten u. Loening, Frankfurt a. M.
rEVerfaſſer des bekannten Struwelpeter hat ein neues Kinder=
bülza
u5 geſchrieben mit dem ſchönen und vielſagenden Titel Beſuch
bei tu Sonne‟. Eduard und Walter Heſſenberg haben das Buch aus
denſt. nlaß Dr. Hoffmanns berausgegeben. Es iſt eine entzückende
Sa Aiu ung neuer luſtiger Geſchichten und drolliger Bilder, die ſicher
hellke mude bei unſeren Kleinen hervorrufen wird, wenn ſie dieſes
mnte Bilderbuch unter dem Weihnachtsbaum finden. Die Bilder
a: bunt und für das kindliche Gemüt eindringlich und inſtruttiv,
die 30 luſtig und flüſſig.
des Silberſtroms. Japaniſche Märchen, ausgewählt von
buu go Kunike. Franz Schneider Verlag, Leipzig.)
FFranz Werner Schmidt übermittelt dieſe Auswahl
üter japaniſcher Märchen, die durch Fritz Kumpf eine ebenſo
Aiu, wie künſtleriſche Illuſtration erfuhren. Die Märchen ſelbſt
ſintſi zurt und harmlos, oder aber auch ſo derb und voll Humor,
immiy abber mit einem gewiſſen Moraleffekt und in der Form von
einſtu zwen Romantik, die unbedingt gefangen nimmt. Gewiß, unſere
beude n! Märchen ſind anders, aher gerade aus den Märchen der Völ=
urman
ihre Moralität am beſten erkennen und beurteilen, st.

Reichsdrucke
Ist kaum mehr denkbar
Aalle erschienenen Blätter mit wenigen
AaLsnahmen finden Sie ständig vorrätig bei
leüinrich Schroth, vormals Karl Buchner

Weihnachtsſpiele für Kinder in Schule und Haus von Erich Bocke=
mühl
. Preis gebunden 3 Goldmark. Verlag Andreas Perthes A.=G.,
Gotha.
Erich Bockemühl, der als Dichter wie als Pädagoge gleicherweiſe be=
kannt
iſt, legt hier ein Buch vor, das in beſonderer Art die Verbindung
dieſer beiden Weſenheiten ſeines Schaffens darſtellt. Der Lehrer ſteht in
lebendiger Fühlung zu ſeinen Kindern und läßt dieſe an den Weihnachts=
ſpielen
mitdichten und ihre ſtammelnde, undbeholfene, aber köſtliche Ur=
ſprünglichkeit
zu Worte kommen. In dieſer Duldſamkeit des Erwachſenen
liegt gleichzeitig der Wert des Büchleins, denn jeder Lehrer weiß, daß
er trotz alles Suchens für die alljährliche Weihnachtsfeier, wie ſie in
Stadt und Land noch üblich iſt, nichts Paſſendes finden kann, da ihm die
lirchlichdogmatiſchen, die morgliſierenden im tieferen Sinne unwahren
Machwverke nicht genügen können. Da füllen dieſe Weihnachtsſpiele, die
Einheit des Spieles und der kindlichen Sprache verbürgen, eine Lücke
aus. Hier kommt wirklich einmal unverbildet und unverzerrt die eigenſte
Schöpferkraſt des Kindes zum Ausdruck.

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Ernſt Elias
liebergalls
erzählende Werke
in einer zuverläſſſgen und billigen Ausgabe
vereinigt zu beſitzen, war der bislang unerfüllte
Wunſch eines jeden Kenners und Freundes des
Dichters. Nun bringt Profeſſor Karl Eſſelborn,
noch rechtzeitig zum Weihnachtsmarkt, in drei
Bänden ſämtliche Erzählungen Niebergalls, die
es ermöglichen, das geſamte Schaffen des
Datterich=Dichters kennen zu lernen. die er=
ſchöpfende
Einführung mit einer knappen Dar=
ſtellung
ſeines Lebens erhält beſenderen Reiz
durch eine Beigade von fünf intereſſanten
Stammtuch=Blättern ſowie Bkizzen
Niedergalls.
Kein Darmſtädter, kein Miebergall=Berehrer,
der zögern würde, dieſe Ausgabe zu kaufen.
Die drei Bände auf 6se Seiten kaſten
NUR 5.- MARK.
Sie ſind ein willkommenes Weihnachtsge=
ſchenk
und als preiswerte Gabe für ſede
Schul= und Hausbibliothek zu empfehlen. Man
verlange Nietergalls Erzätlungen in ſeder
Buchhandlung und in der Geſchäftsſtelle des
Darmſtädter Tagblatts

AOOOOSSSSOSOOOSOOO
Deutſche Heldenlegende. Von Franz Herwig. Gr. 82. Freiburg
t Br. 1923, Herder. Erſtes Heft: Der Führer. (28 S.) G. 0,70 (0,50).
Zweites Heft: Der Namenloſe. (24 S.) G. 0,70 (0,50) Drittes Heft:
Widukind. (26 S.) G. 0,70 (0,50). Viertes Heft: König Otto und
ſein Sohn. (24 S.)
Das deutſche Volk hat ſeine Märchen und Heldenſagen, aber es be=
ſitzt
ſeine Geſchichte nur in wiſſenſchaftlichen oder gutgemeint= vollstüm=
lichen
Darſtellungen großen Umfanges, die unmöglich Allgemeingut wer=
den
konnten. Der deutſchen Volksgeſamtheit fehlte bisher der Dichter,
der einſach und ſtark genug war, den Gang ihrer Helden aus der Dun=
kelheit
der Mythe durch die Jahrhunderte bis zur Jetztzeit zukunftwei=
ſend
zu geſtalten. Wohl ſind, gerade in unſerer Zeit, ſolche Verſuche ge=
macht
worden, die aber, unfähig die größeren Linien feſtzuhalten, ſich zu
ſehr in Einzelheiten verloven, als daß ſie volkstümlich werden konnten,
In Franz Herwig erſcheint nun der Dichter von großem Ausmaß und
überragender Geſtaltungskraft, der in 14 mächtigen Bildern den deutſchen
Menſchen lebenſtrotzend hinſtellt. In dieſer Deutſchen Heldenlegende,
dem Lebenswerk des Dichters, iſt weder künſtliches Pathos noch Schön=
färberei
, weder parteiliche noch konfeſſionelle Beſchränkung, ſondern jene
tiefe Inbrunſt, die den Leſer von der erſten Zeile an gefangen nimmt.
Die innige Verbindung einer jeden Heldenlegende mit einer deutſchen
Landſchaft, das Weben geheimnisvoller, undeutbarer Kräfte im Leben
jedes einzelnen Helden, hat geradezu eine neue epiſche Form geſchaffen,
die aber weitab, von jeder Künſtlichkeit ſteht. So überwältigend die
Sprachkunſt Herwigs auch oft iſt, ſo fern iſt ſie jedem Naffinement; ihr
gennzeichen iſt letzten Endes monumentale Einfachheit. So iſt die
Deutſche Heldenlegende geeignet, ein Volksbuch im höchſten Sinne zu
werden, für Gebildet und Ungebildet, alt und jung, für beide Geſchlech=
ter
wie der Einzelne auch politiſch oder weltanſchaulich eingeſtellt iſt
Dieſes Werk kann den inneren Aufbau des deutſchen Volkes entſcheidend
fördern; es gehört in jede Familie, jede Schulklaſſe, jeden Verein.
Almanache, Kalender
Die Stufe nannte der Verlag Strecker u. Schröder ſeinen
Almanach, in dem er eine erhebliche und hochintereſſante Auswahl aus
den von ihm verlegten Werken gibt. Die einzelnen Abteilungen um=
faſſen
: Ethnographie, Philoſophie Kunſt und Dichtung. Ein umfang=
reiches
Bicherverzeichnis iſt dem Almanach beigegeben, das in ausgezeich=
neten
Reproduktionen eine Anzahl ganzſeitiger Bildtafeln enthält, st.
Almanach des Verlages Grethlein u. Co., 18991924.
In einem ſtattlichen Band, gediegen ausgeſtattet, legt der Verlag
Grethlein u. Co, einen überſichtlichen Auszug aus den Werken ſeines
Verlages vor, der für literariſche Feinſchmecker viel Wertvolles ent=
hält
. Der Verlag, der auf ein Vierteljahrhundert ſeines Beſtehens
zurückblicken kann, iſt der erſte geweſen, der zielbewußt Sportliteratur
herausgegeben hat bald aber auch zur ſchöngeiſtigen Literatur über=
ging
und Verleger vieler erſter dichteriſcher Größen wurde. In der
Nachkriegszeit wurde dem Verlag noch die Literaturabteilung des
Seldwuler Verlages angegliedert, deſſen wertvolle Werke beſten Ruf
st.
genießen.
Kunſt und Leben. 17. Jahrgang 1925. Ein Kalender mit 53 Original=
zeichnungen
und Originalholzſchnitten deutſcher Künſtler und Verſen
und Sprüchen deutſcher Dichter und Denker, Berlin=Zehlendorf:
Fritz Heyder, 3 Gmk.
Für den Freund moderner Graphik bedeutet auch dieſer Jahrgang
wieder ein Ereignis. Folgende kleine Auswahl von Künſtlein, die mit
Beiträgen vertreter ſind, zeiat am beſten ſeinen Wert: H. Baluſchek.
9. Bauer Ciſſarz, Chmcke W. Geiger, Brune Goldſchmitt. E. Griner,
Kolb.
F Henbner. Aug Jank. Fr. Kallmorgen. W. Klemn
Kubin, H. Meid. F. Meſeck. T. Sattler, R. Schieſt
ter ſind
Steiner=Prag. M. Unold A. Woelfle u. b. a. Die
jedesmal einem Sonntag gewidmet und enthalten witer keinen Text.
Sie eignen ſich alſo ſehr gut zum Aufheben, und der Beſitzer mehrerer
Jahrgänge gelangt auf leichte Weiſe in den Beſitz einer wertvollen
Graphik=Sammlung.

18. Dezember 1924

Bildende Kunff, Theater, Muſik
* Herbert Ihering: Altuelle Dramaturgie. (Verlag: Die Schmiede,
Berlin 1934.)
Unter dieſem Titel vereinigt Ihering eine Anzahl der von ihm in
dem Berliner Börſen=Courier veroffentlichten Schauſpiel=Kritiken und
grundſatzlichen Arbeiten. Er will eine Dramaturgie des Theaters geben.
Er ſieht in Dramaturgie die Freilegung der lebendigen Kräfte im
Theater, die Loslöſung vom Zufalligen, den Hinweis auf die Elemente.
So iſt ihm Dramaturgie die Erkeuntnis der organiſch ſich auswirkenden,
ſchöpferiſchen Kräfte, die das Theater an die treibenden Mächte der Zeit
anſchließt. Von dieſem hohen und anſpruchsvollen Standpunkt aus tut
Ihering recht daran, ſeine Aufſätze als aktuelle‟ Dramaturgie zu be=
zeichnen
. Denn ſie behandeln die dargelegten Fragen ausſchließlich von
dem ſehr vorübergehenden Geſichtspunkt der Spielzeit 1922/23 aus, wäh=
rend
deren ſie erſchienen ſind. Ihering iſt ein geſcheiter Kopf. Seine
Arbeiten ſind literariſcheintellektuelle Erwägungen. Seine Urteile bauen
ſich auf Theorien auf, aber ſie entſpringen nicht Theaterblut, nicht
Theater=Inſtinkt. Man lieſt ſie mit Intereſſe, aber begreift hieraus auch
ſeine Fehlurteile, wie z. B. in dem Falle des von ihm ſo ſehr überſchätz=
ten
Darmſtädter Spielleiters A. Joſeph, der ſeine Verufung nach Berlin
mit dem ſtarken Mißerfolg ſeiner Taſſo=Inſzenierung büßen mußte,
oder jetzt in der unverſtändlich überſchwänglichen Einſtellung zu Bron=
nens
Katalauniſcher Schlacht. Trotz dieſer Schwächen ergibt ſich aus
Iherings Arbeiten manche wertvolle Förderung des heutigen Theaters. 2.
* Politik und Liebe. Schauſpiel von Otto Lind. (Druck von F. Vie=
weg
u. Sohn, Braunſchweig.)
Eine durchaus dilettantiſche Arbeit! Die Handlung ſpielt zur Zeit
des Weltkrieges und ſoll offenbar die Konflikte, die ſich aus Politik und
Liebe ergeben können, darſtellen. In einer naiv anmutenden Weiſe tre=
ten
ein Metallwarenfabrikant, der ſich rechtzeitig auf Munitionslieferung
umſtellt, ein den Krieg predigender, aber in Kleinigkeiten untergehender
Profeſſor, ein die Heimatfront ſchützender Juriſt und andere Kriegs=
erſcheinungen
auf und werden mit Hilfe ihrer Damen in mancherlei Ver=
wirrungen
gebracht. Erreicht die Handlung einen Höhepunkt, ſo läßt
der Verfaſſer den Spuren von Wildgans folgend ſeine Geſtalten
in Verſen reden, welche Verſe aber nicht beſſer als ſeine ſchwache Proſa
ſind. Mit Unterſtützung eines Detektivbureaus wird ſchließlich der dra=
matiſche
Knoten geſchürzt und gelöſt aber auch dem Detektivbureau
dürſte es nicht gelingen, in dieſem Schauſpiel Perlen von literariſchem
Wert zu entdechen.
Z.
F.N. Alfreb Lorenz: Das Geheimnis der Form bei Richard Wagner.
1. Bd.: Der muſikaliſche Aufbau des Bühnenfeſtſpiels Der Ring des
Nibelungen, Berlin, Max Heſſe, 320 S., geb. 13 Mk.
Mit größtem Erfolg hat der Verfaſſer den Verſuch unternommen,
wiſſenſchaftliche Klarheit in ein Gebiet zu bringen, das allen Wagner=
forſchern
und Dirigenten gefühlsmäßig vollkommen klar ſtand, deſſen
ins Einzelne gehende Ergründung jedoch bisher eine klaffende Lücke in
der Wagnerforſchung war. Lovenz prüft die Werke nach den Elementen
der Formbildung, Harmonik, Rhythmik und Melodik und kommt zu dem
Ergebnis, daß in jeder Beziehung bei Wagner klare muſikaliſche Ver=
hältniſſe
in der Formbildung zu erkennen ſind, und daß in den meiſten
Fällen eine überraſchende Shmmetrie des Aufbaues im Kleinen wie im
Großen herrſcht. Glücklicherweiſe iſt nichts in das Buch hineingeheimniſt
worden, ſodaß jeder Leſer imſtande iſt, an der Hand der Partitur odev
Klavierauszüge die Forſchungen nachzuprüfen. Glücklicherweiſe wurden
auch keine ungewohnten oder auf einem ſpeziellen theoretiſchen Werk
fußenden Fachausdrücke benutzt, die das Leben erſchweven könnten. Man
darf mit beſonderer Spannung die folgenden Bände erwarten, welche
die gleichen Unterſuchungen bei Triſtan, Meiſterſingern und Parſifal
zu unternehmen gedenken. Jedenfalls iſt durch das Werk gründlich mit
dem Vorurteil aufgeräumt, daß Wagner im weſentlichen Dichter ſei und
über der Dichtung gewiſſermaßen durch die Bauſteine des Leitmotivs
das muſikaliſche Gebäude erſt nachträglich errichtet. Gerade die Auf=
deckung
der großzügigen Kadenzierung durch ganze Dramen hindurch
läßt die überragende Bedeutung Wagners als Muſiker beſonders ſtard
erkennen.
J. H. Wehel: Beethobens Violinſonaten nebſt den Romanzen und dem
Konzert. 1. Bd.: Erſte bis fünfte Sonate und die zwei Romanzen.
Berlin, Max Heſſe. Geb. 5,50 Mk. 412 Seiten.
Nicht äſthetiſche Einfühlungen, ſondern genaue, ſyſtematiſche Ang=
lyſen
, wie ſie Riemann in ſeinen Analyſen der Klavierſonaten geſchaffen
hat, liegen hier vor. Es iſt von Bedeutung, daß nun auch die Violin=
ſonaten
ernſthaft gewürdigt werden, die leider in der praktiſchen Muſik=
pflege
als Stieftinder behandelt werden. Mit großer Klarheit und
Genauigkeit folgt der Verfaſſer jeder Wendung des Beethovenſchen Ge=
dankengangs
und wirkt ſo anf den Lehrenden wie den Lernenden ſtark
anregend. Leider ſetzt Wetzel in ſeinen Zeichen manches voraus, was
ohne genaue Kenntnis ſeiner Elementartheorie der Muſik, Leipzig 1911,
nicht leicht zu verſtehen iſt. Und hierin liegt ein Mangel des Werkes
wie auch des Niemannſchen Vorbildes begriffen. Es iſt höchſt bedauer=
lich
, daß bis heute in der Muſiktheorie noch nicht einheitliche Bezeich=
nungen
für die verſchiedenen Elemente, allgemein anerkannt beſtehen,
ſondern vielmehr auf jedem Teilgebiet die verſchiedenſten Shſteme vor=
liegen
, alle mit beſonderen Vorzügen und Schwächen begabt, aber auch
alle ihren Weg unbekümmert um den anderen ſchreiten. Sollet ſich alſo
ein Schüler dafür intereſſieren, Riemanns Klavierſonaten Analyſen und
Wetzels Violinſonaten=Analyſen durchzuſtudieren, ſo muß er für jedes
Werk ſich anders theoretiſch einſtellen.

Schöne Literatur

Die blaue Lagune. Ein Südſeeroman von H. de Vere Stacpoole,
Verlag von Auguſt Scherl G.m.b. H., Berlin SW. 68.
Der aus dem Engliſchen von Heinrih Hans Warnken überſetzte
Südſeeroman Die blaue Lagune iſt ein inhaltlich wie durch die Beigabe
wundervoller farbiger Reproduktionen nach Aquarellen künſtleriſch gleich=
wertiges
Buch. Eine Robinſonade in ganz eigener Auffaſſung, weil ſie
nicht, wie der Urrobinſon, ſich auf die Wiedergabe der äußerlichen, der
äußeren. Lebensbedingungen des zur Primitivität verurteilten Kultur=
menſchen
beſchränkt, ſondern weil eine Reihe ausgezeicheter, pſyh hologi=
ſcher
Probleme in ſehr intereſſanter Weiſe darin behandelt werden. Die
beiden Kinder, die nach einem Schiffbruch zuſammen mit eigem alten
Matroſen auf ein paradieſiſches Eiland verſchlagen werden und hier in
der Wildnis aufwachſen, die aus Kindern frühzeitig Menſchen werden,
Jüngling und Jungfrau, die ſich ganz unbewußt, ganz natürlich, ganz
göttlich eines Tages in Liebe finden, und ebenſo natürlich und ebenſo
göttlich das erſte Gebot der Fortpflanzung erfüllen, die dann durch tragi=
ſche
Schickſalsbeſtimmung wieder aus der Welt verſchwinden in dem
Augenblick, da ſie ihrer paradieſiſchen Einſamkeit entriſſen werden ſollen,
geben dem Verfaſſer Stoff zu ſehr feinen pſychologiſchen Studien, die er,
wenn auch nicht immer ſo, daß die logiſchen Folgerungen unantaſtba=
ſind
, doch in äußerſt ſpannender Erzählerweiſe löſt.
M. St.
Der Bruch im Lande. Ein Weſtfalenroman von Alfred Funke. Er=
ſchienen
im Heimat=Verlag für Schule und Haus, Halle a. d. Saale.
Ein Roman, aus dem Leben geſchaffen. Mit ſtarker dramatiſcher
Wucht und lebendiger Geſtaltung der handelnden Menſchen wird
ſem Roman der Kampf um die Scholle, daneben aber auch der Kampf
vorwärtsſchreitender Entwicklung mit dem eng und feſt umklammernden
Beſitz althergebrachter Tradition geſchildert. Ein ſozialer Nomaa und
ein Heimatroman im beſten Sinne des Wortes, geeionet, die Liebe zum
Volkstum, die Achtung vor der eigenen Naſſe neu zu feſtigen und zu pve=
digen
.
Ft.
Der deutſche Gott. Von Wilhelm Schäfer. Fünf Briefe an mein
Volk. Verlag von Georg Müller, München.
Wilhelm Schäfer, die feine Dichternatur, der denkende, geiſtvolle
Literat, hat zu derſchiedenen Zeiten Reden gehalten, die, jetzt geſammelt,
als Briefe an mein Volk herausgekommen ſind. Inhaltlich ſtanden dieſe
Vorträge und ſteht dementſprechend das Buch im Mittelpuncte der Kritik.
Keine Kritif aber wird und kann ſich gezen den literariſchen Wert der
Schriften Wilhela Schäfers wenden, und jeder wird die feine Form ſeiner
st.
Sprache als äſtzetiſchen Genuß empfinden.
Unſere Straßen klingen. Neue Gedichte von Karl Bröger. Greifen=
Verlag, Rudolſtadt
Unter den Arbeitordichtern iſt Karl Bröger der Begabteſten und
F inſiunigſten einer. Seine Lyrik iſt wohl von ſtarkem Leben, doch von
duſtiger Zartheit, ſeine Geiſtigkeit reicher Gmpfindung voll. Die neuen
Gedichte ſind auch in der Kle
des Be
er inneren Wahr=
heit
eine ſtarke Bereiche,
st.
nen Ly-i

[ ][  ][ ]

18. Oezember 1924

Wirtſchaftliche Rundſchau.
Dr. Luther über den Abbau der Steuern. Auf eine
Eingabe des Außenhandelsverbandes, in der ſofortiger Abbau der die
Verbilligung der deutſchen Produktion hemmenden Steuern gefordert
worden war, hat der Reichsfinanzminiſter eingehend geantwortet. Dr.
Luther weiſt in ſeinem Schreiben auf die bereits durchgeführte Steuer=
ermäßigung
hin und verſichert, daß der Abbau weiter fortgeſetzt werden
ſolle. Die Gerüchſte über eine günſtige Finanzlage der öffentlichen Kör=
perſchaften
bezeichnet Dr. Luther als ſtark übertrieben. Im übrigen
ſeien bereits neue Vorlagen zur Einſchränkung der Zahlungstermine in
Vorbereitung.
Deutſchland und der neue öſterreichiſche Zoll=
tarif
. Am 1. Januar tritt der neue öſterreichiſche Zolltarif in Kraft,
der für die wichtigſten deutſchen Exportwaren ſehr erhebliche Zollerhöh=
ungen
enthält. Für dieſe Waren ſind in dem am 12. Juli geſchloſſenen
Zuſatzvertrage zu dem deutſch=öſterreichiſchen Wirtſchaftsabkommen vom
1. Oktober 1920 niedrigere Vertragsſätze vereinbart worden, die auch nach
Inkrafttreten des neuen öſterreichiſchen Tarifs den weiteren Abſatz deut=
ſcher
Erzeugniſſe nach Oeſterreich ermöglichen. Leider ließ es ſich infolge
der Auflöſung des Reichstags nicht ermöglichen, die Ratifikation dieſes
Zuſatzvertrags vor dem 1. Januar einzuführen, da der neue Reichstag
erſt im Januar zuſammentritt. Es beſtand die Gefahr, daß demnächſt
eine völlige Stockung des Abſatzes deutſcher Waren nach Oeſterreich ein=
treten
würde, das insbeſondere auch wegen des üblichen Weitervertriebs
deutſcher Waren von Wien aus nach dem Balkan von einſchneidender
Bedeutung für den deutſchen Export geiveſen wäre. Insbeſondere war
zu befürchten, daß dieſe Abſatzſtockungen Stillegungen deutſcher Betriebe
und als Folge davon auch Arbeiterentlaſſungen in größerem Umfange
mit ſich bringen würden. Um dieſe ſchweren Stärungen des deutſchen
Wirtſchaftslebens zu vermeiden und für die kurze Zeit bis zur Beſchluß=
faſſung
des Reichstags über den Vertrag und bis zu ſeiner endgültigen
Ratifikation die unbedingt erforderliche Abhilfe zu ſchaffen, hat ſich das
Reichskabinett entſchloſſen, dem Reichspräſidenten den Erlaß einer Ver=
ordnung
auf Grund des Art. 48 der Reichsverfaſſung korzuſchlagen, wo=
nach
die deutſchen Behörden vom 1. Januar ab vorläufig bereits die
Beſtimmungen des oben erwähnten Vertrags anwenden ſollen. Der
Reichspräſident hat auf dieſen Antrag vom 12. Dezember eine entſpre=
chende
Verordnung erlaſſen, die nebſt dem Wortlaut des deutſch= öſter=
reichiſchen
Vertrags vom 12. Juli im Reichsgeſetzblatt veröffentlicht wird.
Die öſterreichiſche Regierung wird entſprechend dem Vorgehen auch ihrer=
ſeits
die Beſtimmungen des Vertrags vorläufig autonom zur Anwendung
bringen, ſo daß die Vertragszollſätze bereits beim Inkrafttreten
des neuen öſterreichiſchen Zelltarifs für die Einfuhr deutſcher Waren nach
Oeſterreich Geltung haben werden.
* Schließung der Güterabfertigung Frankfurt
a. M.=Weſt für den Eil= und Frachtſtückgutverkehr. Mit
Wirkung vom 1. Januar 1925 wird die Güterabfertigung Frankfurt am
Main=Weſt für den Eil= und Frachtſtückgutverkehr geſchloſſen. Den Ver=
frachtern
wird die Aufgabe von Eil= und Frachtſtückgutſendungen nach
Frankfurt a. M. Hbf. empfehlen. Frankfurt a. M.=Weſt bleibt nur noch
für den Wagenladungsverkehr beſtehen.
Banken.
t. Die Rentenbank=Treuhandſtelle. In ſeiner vor=
ageſtrigen
Sitzung hatte das Reichskabinett einen Plan des Reichsernäh=
rungsminiſters
zur Schaffung einer Rentenbank=Treuhandſtelle zuge=
ſtimmt
. Zu dieſem Plan erfährt die Telegraphen=Union, daß in der
Kabinettsſitzung auch die Vorſchläge der preußiſchen Regierung und des
Reichsbankpräſidenten Dr. Schacht zur Erörterung ſtanden, nach denen
die in Betracht kommenden Agrarkredite unter Mitwirkung der Reichs=
bank
durch die in Liquidation befindliche Rentenbank erledigt werden
ſollen. Dr. Schacht vertrat ſeinen Vorſchlag perſönlich. Das Reichs=
kabinett
kam zu der Ueberzeugung, daß eine derartige Regelung mit dem
Dawesgutachten nicht in Einklang zu bringen ſei und entſchied ſich für
den Vorſchlag des Reichsernährungsminiſters. Dieſer ſieht eine Zuſam=
menſetzung
der Treuhandſtellen aus Vertretern der Reichsbank der Ren=
tenbank
, des Deutſchen Landwirtſchaftsrats, der Preußiſchen Staatsbank
und der Bayeriſchen Notenbank vor. Der Plan, der nicht im Verord=
nungswege
erledigt werden ſoll, iſt den in Betracht kommenden Stellen
zugegangen. Dieſe werden in den nächſten Tagen zu dem Vorſchlag
Stellung nehmen und bei grundſätzlicher Billigung die eigentliche juriſti=
ſche
Formulierung vorzunehmen haben.
Wirtſchaft des Auslandes.
* Der amerikaniſche Eiſen= und Stahlmarkt. Iron
Trade Review, Cleveland (Ohio), kabelt: Im November entſpricht die
Rohblockproduktion einer Jahreserzeugung von 38 500 000 Tons. Die
Stahlerzeugung ſteigt weiter; die Produktion beträgt jetzt 7580 Proz.
der Leiſtungsfähigkeit. Chikagoer Werke buchten die umfangreichſten Be=
ſtellungen
in dieſem Jahr. Die Eiſenbahngeſellſchaften beſtellten 5000
Waggon Eiſen mehr und 100 000 Tons Schienen. Die Preiſe für Stahl

Dndersdctt

ziehen an. Der Roheiſenverſand ſteigt; weitere Hochöfen wurden ange=
blaſen
. Die Preiſe ſtiegen für nördliches Roheiſen auf 22 Dollars, für
ſüdliches auf 20 Doll. Deutſches Ferromangan kommt mehr herein. Die
vorliegenden Aufträge in Bauſtahl ſtellen einen Rekord dar. Umfang=
reiche
Aufträge auf Eiſenbahnmaterial wurden hereingenommen. Roh=
eiſenabſchlüſſe
ſind die größten ſeit fünf Jahren. Es wurde viel Ma=
terial
zur Lieferung bis April abgeſchloſſen.
* Vom Holzmarkt.
Unſer fachmänniſcher r=Mitarbeiter ſchreibt uns: Die Bretterpreiſe
folgen nur langſam der Steigerung der Preiſe für Rohholz. Es war
bisher den Sägewerken nicht möglich, diejenigen Preiſe für Schnittholz
zu erzielen, die den Ergebniſſen der Staatsforſtverkäufe von Nohholz
entſprochen hätten. Wie die Verhältniſſe am Schnittholzmarkt ſich weiter
geſtalten werden, iſt unſicher. Sehr viel wird von der Geſtaltung des
Baumarktes abhängen. Neuerdings wächſt das Intereſſe am Ankauf
amerikaniſcher Kiefer, und man hört in Weſtdeutſchland viel von Ver=
handlungen
, die um den Ankauf geführt werden. Die Preiserhöhungen
für öſtliche Stammkiefer in Oſtpreußen fordert man für unſortierte
Stammware bei 60 Prozent 1. Klaſſe bereits 105. bis 108. Mark ab
oſtpreußigſchen Verladeſtationen führen allmählich dazu, daß im
Weſten das Intereſſe am Ankauf größerer Mengen unbeſäumter Stamm=
kiefer
erkaltet. Die letzten Termine in den Staatsforſten Bayerns und
Preußens brachten weſentlich über der Friedensbewertung liegende
Preiſe auch für Bauholz. Im Rheinland iſt der Geſchäftsgang in der
Möbelinduſtrie etwas lebhafter geworden. Feſtzuſtellen iſt, daß in der
Hauptſache Abſatzmöglichkeiten für Qualitätsware, z. B. in der Küchen=
möbelinduſtrie
für laſierte Arbeiten, beſteht. Es hat ſich infolgedeſſen
die Nachfrage nach aſtreinen Seitenbrettern, für die allerdings vollkom=
mene
Blaufreiheit bei Verkäufen bedungen wird, gehoben. Hobelfähige
beſäumte Ware iſt geſucht. Kiſtenbretter gehen dagegen noch immer
ſchleppend. Aus Kongreßpolen liegen Nachrichten über eine nur geringe
Betätigung der dortigen Nohholzhändler bei der Ausarbeitung von Noh=
ſtoff
in den Staats= und Privatforſten vor. Es wird daher ſowohl über
Riga, wie über Thorn und Danzig 1925 im Verhältnis weniger Material
als 1924 zu erwarten ſein. Andererſeits ſcheinen ſich die nordiſchen Lie=
feranten
auf verſtärkte Umſätze in Schnitthölzern vorzubereiten.
Warenmärkte.
w. Frankfurter Getreidebörſe. Amtliche Notierungen
(Preiſe je 100 Kilo am 17. Dez.): Weizen Wetterau 2124 Mk., Roggen
21,5023 Mk., Sommergerſte für Brauzwecke 2427,75 Mk., Hafer inl.
17,5022 Mk., Weizenmehl ſüddeutſches Spezial Null 38,5040 Mk.,
Roggenmehl 33.5036,50 Mk., Weizenkleie 1313,25 Mk., Roggenkleie
12,2512,50 Mk. Tendenz ſteigend.
wb. Berliner Produktenmarkt. Bei vorſichtiger Zurück=
haltung
der Unternehmungsluſt bewirkte die amerikaniſche Hauſſe eine
verhältnismäßig kleine Preisbeſſerung in Weizen und Roggen, zumal
auch teilreiſe Realiſationen in ausländiſchen Verkäufen vorgenommen
wurden. Die Tendenz war aber allgemein feſt. Die Inlandsmühlen
traten als Käufer von knapp angebotenem Weizen auf. Roggen auf aus=
ländiſche
Offerten lautete höher. Gute Gerſte war begehrt und teurer.
Auch von Hafer wurde gute Futterware und Saathafer verlangt. Roggen=
und Weizenmehl hatten etwas lebhafteres Geſchäft.
Börſen.
* Frankfurter Börſe vom 17. Dez. (Eigener Bericht.) Die
Börſe war heute angeregter und lebhafter, als man erwartet hatte. Das
Hauptintereſſe bleibt nach wie vor auf den Montanmarkt konzen=
triert
, wo wieder Käufer von guter Seite in den Hauptwerten beobachtet
werden. Harpener kamen mit einer Kurserhöhung von 4 Prozent zur
erſten Notiz. Die übrigen weſtlichen Werte gewannen durchweg 11½
Prozent. Im Gegenſatz hierzu lagen Oberſchleſiſche Werte leicht ſchwvä=
cher
. Von den übrigen Aktienmärkten iſt wenig zu erwähnen. Chemie=
aktien
ſetzten leicht erhöht ein. Die geſtern für Elektrizitätswerte aufge=
tretene
Nachfrage hielt an, beſonders A. E.G. lagen wieder recht lebhaft.
Auch in ſüddeutſchen Zuckeraktien machte ſich anhaltende Kaufluſt bemerk=
bar
. Man rechnet außer mit einer günſtigen Umſtellung mit der Mög=
lichkeit
einer kleinen Ditidende auf das Papiermarkkapital. Die Märkte
der Banken und Schiffahrtsaktien blieben ohne Bewegung. Von Spezial=
verten
waren Baltimore und Ohio Shares auf höhere New Yorker Kurs=
meldung
weiter geſteigert und Otavianteile auf die Hauſſe am Kupfer=
markt
ſtark gefragt und weſentlich höher. Auch nach Feſtſtellung der
erſten Kurſe blieb die Umſatztätigkeit recht rege, aber die Kursverände=
rungen
bei feſtem Unterton gering. Erſt zu den Kaſſanotizen ergaben ſich
vereinzelte unweſentliche Abſchläge, mit Ausnahme des Montanmarkte:
wo die Kurſe weiter leicht anſtiegen. Der deutſche Rentenmarkt
liegt in ſich recht feſt, ohne daß die Umſätze über das Ausmaß der letzten
Tage hinausgehen konnten. Kriegsanleihe konnte ſich gegenüber dem
geſtrigen Rückgang mäßig erholen und hielt ſich im ganzen Börſenverlauf
auf etwa 830 Md. Prozent. Für Auslandsrenten beſtand etwas Nach=

Nr. 351
frage auf dem geſtrigen Kursnibeau. An der Nachbörſe war die Su. für Aktien weiter feſt; man hörte etwa um 2 Uhr A. E.G. mit Mie
bis 27½, Höchſter 24/s24½, Harpener mit 127½ G.
wb. Berliner Börſe. Das lebhafte Intereſſe für Montan=
werte
gab auch heute dem Börſeverkehr das Gepräge. Angeblich hru.
Auslande kommende Kaufaufträge ſteigerten nach der Feſtſetzung de
erſten amtlichen Kurſe Harpener um 6 Prozent. Auch Rheinſtahl. Mo=
nesmann
und Gelſenkirchen wurden lebhaft gekauft. Bevorzugt wurd,s.
im allgemeinen Werte der Rhein=Elbe=Union. Die übrigen Umſatzgebiei
der Induſtriewerte lagen meiſt ſtill. Nur einzelne Werte zeichneten 5
durch bedeutende Umſätze aus; ſo Berlin=Karlsruher Induſtrie 5=
Prozent gewannen ferner Norddeutſche Wolle, die mehrfachen Schwouu
kungen ausgeſetzt waren, ſchließlich aber nur wenig ihren Kursſtand geoe
giſtern verbeſſern konnten. Von Elektrizitätwerten zogen Elektriſol
Lieferungsgeſellſchaft und Geſellſchaft für elektriſche Unternehmungen
merkenswert an. Im allgemeinen aber war der Kursſtand der Ind
ſtriewerte nur gut behauptet. Bankaktien hatten eine feſte Haltung g
vorwiegend mäßigen Beſſerungen. Auch Schiffahrtsaktien verändertt
ſich wenig und zogen um 2⁄₈ Prozent an. Auf dem Bahnenmarkte wm
den Baltimore wiederum lebhaft umgeſetzt, ohne ſich weſentlich zu beſſerr,
Deutſche Anleihen ſetzten in den Hauptpapieren mit etwas gebeſſentnt
Kuxſen ein, bröckelten dann aber um Kleinigkeiten ab. Von auslänßo
ſchen Renten wurden Ungariſche Anleihen zu löheren Kurſen aus deu
Markt genommen, weil die Meldung anregte, daß die deutſchen Stü.ſ
den übrigen gleichgeſtellt werden ſollen. Im ſpäteren Verlaufe führtetz
Gewinnſicherungen zu vorübergehend leichten Abſchwächungen am Mom
tanmarkte. Die Grundtendenz blieb feſt.
Oeviſenmarkt.

Geld Brief Mge
Geid
Brief Amſterdam=Rotterdam .. 169.19 17961 169 19 169.61 Brüſſel=Antwerpen ....." 20.89 20.95 20.71 20.77 Chriſtiania ...... ......" 63.42 63.53 67.42 63 58 Kopenhagen 73.52 73.70 73.74 73.92 Stockholm .. 113.04 113.32 113.04 113.32 Helſingsforg. 11.55 10.59 10.55 10.59 Italien .... 18.19 18.13 18.07 18.11 Lonvon ..." 19.68 19.73 19.675 19.,25 New=Norck. 4.195 4.:05 4.195 4:25 Paris.. 22.59 22.65 22.47 22.5 Schweiz". 81.21 81.41 81.20 81.40- Spanien 59.05 59.17 58 78 58 92 Wien (i. D.= 5.9070 5.3270 5.3070 5.9270 Prag 12.69 12.73 12.725 12.765 Budapeſt. 5.705 6.725 5.70 5.72 Buenos=Aires 162 1.6240 1.6210 1.6250 Bulgarien.." 3025 3 035 3.025 3.035 Fapan 1.60 8 1.61 2 1.6080 1.6120 Rio de Janeir= 0.4780 0.48 0.4780 0.48 Belgrad. 6.25 6.27 6.22 6.24 Liſſabon. 19.88 19.92 1988 19.92 Danzig 78.05 78.2 78.05 78.2 Konſtantinovel 2.295 2.305 2.295 2.305

Dollarſchatzanweiſungen 89.
Berliner Kurſe. EEigene telegraphiſche Meldung.)
Sämtliche Zahlen verſtehen ſich mit 1000 000 060

Aktiengef. für Anilinfr.
Aſchaffenburg. Zellſtoff
Ausgb.=Nürnb. Maſch.
Berl.=Anhalt=Maſchinen
Berl. f. Elektr. W. vorzug.
Bismarckhutte.
Braunkohlen=Briketts
Bremer Vulkan
Wolle..
C em. Heyden.
Weiler
Deutſch=Atlant. Tel.
Deutſche Maſchinen
Deutſch=Niedld. Tel..
Deutſche Erdöl ....
Deutſche Petroleum.. .
Dt. Kaliwerke
Dt. Waffen u. Munition
Donnersmarckhütte. .
Dynamit Nobel ...
Elberfelder Farben
Eleftr. Lieferung .
R. Friſter ..
Gagegnau Vorz.
Zelſenk. Gußſtahl..
Geſ. f. eleltr. Untern..
Halle Maſchinen ..
Han. Maſch.=Egeft. .

116. 12.
B1.5 17. 12.
22875 Hanſa Dampfſch. 16. 12
11375 24900 24230 Hemoor Zement 60000 26500 27000 öir ch Kupfer 17500 4250 4250 Höſch Eiſen .... 76000 6750 1875 Hohenlohe Werke. 23300 Kahla Po zellan. 47000 Lindes Ei muiſch. 9000 8uo00 80230 Lingel Schuh ... 2200 148300 149000 Linke u. Hofmann 10500 4000 3900 12. Luewe u. eo. . 64900 21500 21750 C. Lorenz ........ 4900 21250 21250 Meguin ........." 8100 7500 3.0
37000 Niederländiſche Kohle 58000 36000 Nordd. G.immi. . . 0400 47750 47300 Orenſtein. . . . . . . . . . 17500 30500 Ratygeber Waggon .. 5900 30500 R m acher Hütten .. 29000 103250 109500 Ro iner Zucer ... 46 00 108000 106000 R tgerswerke ... 17770 11100 11rig Sachſenwerk 1625 24000 24100 Sächſiſche Gußſtahl. 13600 81000 82.100 Siemens Glas .... 19300 5250 5250 Thale Eiſenhütte .. 6500 6625 Ver, Lauſitzer Glas. 26500 1 28010 29250 Bolkſtedter Porzellan. 600 126000 120000 Weſtf. Eiſ. Landendreer 20000 98i0 10000 Vittener Gußſtahl .. 36000 7000 73000 Wanderer=Werke ... 10000

Darmſtädter und Nationalbank, Kommandit=Geſellſchaft auf Aßtien.

Enropäiſche Staatspapiere.
a) Deutſche.
5% Reichsanleihe .... . . . ....."
oooo-
3½½ .....

Dollar=Goldanleihe per 1935 ..
1932.
Dvllar=Schatzanweiſungen
4½% IV. u. V. Schatzanweiſg.
4½% VI.IX.
4¾ Dt. Schutzgebiet v.0.8-11u. 13
v. 14
Sparprämienanleihe .. . . . . . ."
Zwangsanleihe ......"
4% Preuß. Konſols ..
8½½
3%
...
4% Bad. Anl. unk. 1935.. . . . . .
3½% v. 1907.......
8% v. 1896.... . . .
4½ Bahern Anleihe ........."
3½0
Heſſ. Dollar Goldmk.=Schatzanw.
rckz. 26 ...."
816% Heſſen Reihe XXXHI.
untilg. b. 28 ..... ........."
3½ Heſſen unk. 1924 ..... ...."
3½% ........... .......
........
4% Württemberger alte ......"
b) Ausländiſche.
5% Bosnien L.=E.=B. v. 1914..
5% L.=Inveſt.=Anl. v. 1914
4½% 1902 .........."
45
...........
5% Bulgar. Tabak:1902... . . . .
1¾% Griech. Monopol ......."
4½% Oſt. Staatsrente v. 1913
ab 1918 ....."
½%0 Oſt. Schatzanweiſ. ſtfr.
v. 1914 ...............
4%0 Oſt. Goldrente .........
4% einheitl. Rente ......"

6% Rum. am. Rente v. 08 ....
4½% Goldrente v. 13 ...."
4% am. Goldrente konv.
4% am. v. 05 ... ...."

420 Türk. (Admin.) v. 1903....
4% (Bagdad Ser. I..
II........."
v. 1911, Zollanl. . .. 10.15
47
4½% Ung. Staatsr. v. 14 ...
Goldrente ....... 47
Staat r. .10 .... 6.9
Kronenrente ..... 1.45
4%
Außereuropäiſche.
5% Mexil. amort. innere .. . . .
tonſ. äuß. v. 99 ....
Gold v. 04, ſtfr. . . ..
konf. inner. ....."
4½% Irrigati nsanleihe
5% Tamaulipas. Serie 1......
Oblig v. Transportanſt.
40 Eliſabethbahn ſttr.
49 Gal Carl Ludw.=Bahn.
5% Oſt. Südb. (Lomb.). ſtfr.
X Milliouen

16. 12.- 17. 12. 1.81 0.82 0.98 0.9 1 94.75 94.75 93.75 89.25 23 0.56 0.56 6.2 6.1 6.2 61 0.:95 0.435 100 100 1.1 1.06 1.10 1.215 1.95 1.3 1.30 41 195 1.39 1zuz 0.08 X 0 08 0.47 u.45 1.1 1.1 141 1.50 5.50 5.75 1.8 1.75 85 873 7.1. u‟ 0.8 43 43 255 10.4 8.25 8.25 10.10 1.5 17.2 7.75

2,6% Alte Oſt. Südb. (Bomb.). .
2.,60 Neue

4% Oſt. Staatsb. v. 1883 .....
1.b.8. Em. ...
9. Em. . .. .."
v. 1885 ....."
3% Oſt. Staatsb. b. Erg. Netz..
49 Rudolfb. (Salzkammerg.).
2% Anatolier I............"
3% Salon. Conſt. Jonktion .. . ."
3% Salonique Monaſtir ......"
50 Tehuantepee. . ...........
4½%
........

Nach Sachwert verzinsl.
Schu dverſchreibungen.
D Badenw. Korlenwrtanl. v. 23
50 Fſtr. Pfandbr.=Bk. Goldobl.
1Em.
5% Fſtr. Pfandbr.=Bk. Goldobl.
II. Em.. . . . . .
6% Großkraftwerk. Mannheim
Kohlenwertanl. v. 23 ..
6% Heſſ. Braunk.=Rogg. Anl. v. 23
5% Heſſ. Roggenanleihe v. 1923
5% Neckar A.=G. Stuttgart Gold
anl. v. 23.............
5% Pfälzer Hyp. Bank Gold=
Pfdbr. v. 24 ........."
5% Preuß. Kaliwert=Anleihe ..
5% Roggenwert=Anl. . .
5% Rhein. Hypot.=Bank Gold=
Pfdbr. v. 24 ...........
5% Rhein=Main=Dona/ Gold=
anl
. v. 23........."
5% Sächſ. Braunk.=Anl. v. 23,
Ser. Iu. II.......
5% Sächſ. Roggenwertanl.v. 23
5% Südd. Feſtwertbk. Goldobl.
Bank=Aktien.
Allg. Deutſche Creditanſt.. . . . . .
Bank für Brauinduſtrie ......."
Barmer Banlverein ........."
Bayer. Hypotheken= u. Wechſelb.
Berliner Handelsgeſellſchaft ...
Commerz= und Privatbank ....
Darmſtädter u. Nationalbank. . .
Deutſche Ban: .............."
Deutche Effekt.= u. Wechſelbank
Deutſche Hypot.=Bank Mein. ..
Deutſche Vereinsbank ........"
Disconto=Geſellſchaf....... .."
Dresdener Banf............."
Frankfurter Bank ............
Frankfurter Hypotheken=Bank..
Metallbank.
.....
Mitteldeutſche Creditbank .....
Oſterreichiſche Creditanſtalt. . ..
Reichsbank=Ant. . . . . . . . . . . . . .
Rhein. Creditbank ..........."
Rhein Hypothekenbank ...."
Süddeutſche Disconto=Geſellſch
Weſtbank.
.....
Wiener Banwerein .........."
Bergwerks=Aktien.
Berzelius

Bochumer Bergb. ..........."
Buderus.
.."

Dt. Luxemburger ...........
Eſchweiler Bergwerks=Akt. . . ..
Gelſenkirchen Bergw. ...... ..
Harpener Bergbau ..........."

16. 12 17. 12 15 9.6 9.6 1.7 175 6.35 6.3 725 7.20 18.5 9.8 9.8 1.56 157 64 63.5 9.4 3.9 3.95 5.3 8.3 1.8 1.8 3.2 4.9 1.7 55 56 75 1.66 1.66 47 4.7 1.56 1.55 2.8 2.9 1.75 14 1.4 311. 133 155 s.15 6.1 12.6 11.55 11.7 4 6.95 69 0.33 0.32 16.=5 16.25 8.4 8.4 1.75 1.75 7.1 4.5 18 18.4 1.8 1.75 9.4 9.65 C 63.21 64.2 3.G. 3.05 6.6 6.5 9.75 10 2.12 0.12 6.20 6.2 C 6.3 6 3) 84.5 16.4 16.25 85.75 8 .23 117.5 122.2, 88.25 90.5 118.5 135

Frankenkurs in London: 87,8
Markkurs
19.7

Kaliwerke Aſchersleben .
Salzdetiurt ......
Weſtereg in ...
glöcknerwerke (abg. Lothr.=Hütte
Mannesmann Röhren.
Mansfelder ......"
Oberbedarf
......
Oberſchleſ. Eiſen (Caro) ......
Otavi Minen u. Eb. Ant.
Phönix Bergbau.
Rhein. Stahlwerke
Niebeck Montan.
Rombach, Hütte . . . ......
Tellus Bergb.= u. Hütten=Akt.. .
Ver. Laurahütte ..

Aitien induſtr. Anternehmn g.
Brauer ien.
Henninger Kemp =Stern ... ..
Löwenbräu M nchen ........."
Schöfferhof (Binding) ........"
Werger ....................

Akkumulat. Berlin ...........
Adler & Oppenheimer .. . . . . . ."
Adlerwerke (v. Kleher)........
A. E. G. Stamm .. . . . . . . .."
6% A. E. G. Vorzug Lit. 4 .. ...
20 A. E. G. Vorzug Lit. B
Amme Gieſ cke & Konegen. ....
Anglo=Continental=Guano . ..."
Anilin Bln.=T eptow... .. . ..."
Aſchaffenburger Zellſtoff ......"
Badenia (Weinheim) ........."
Badiſch: Anilin= u. Sodafabrik.
Bad. Maſchf. Durlach ......."
Bad. Uhrenfabr. Furtwangen..
Baldur Piano .. ... . ........."
Baſt Nürnberg .............."
Bayriſch. Spiegel ............"
Beck & Henſel (Caſſel) ........"
Bergmann El. Werke ..... ...."
Bing. Meiallwerke .........."
Brockhues, Nieder=Walluf ....."
Sementwert Heide berg. ... ...
K rlſt dt........
Lothringen (Metz)
Chem. Werke Alber ........."
Griesheim El ftron .. . ."
Fabrik Milch ........."
Beiler=te me ......."
Daimler Motoren ............"
Deutſch. Eiſenyandel Berlin ...
Deutſche Erdöl ....."
...."
Dt. Gold= u. Silberſcheideanſt..
Dingler, Zweibrücken ........."
Dresdn Schnellpreſſen .... .."
Dürkoppwerk (Stamm).. . . . . .
Düſſeld. Ratinger (Dürr)......
Dyckerhoff & Widm. St mm...
Eiſenwer, Kaiſerslaute n.....
L. Meyer fr. .. . . . .."
Elberfelder Farbw. v. Baher...
Elberfelder Kupfer=u. Meſſingw.
Elektr. Lieferungs=Geſ...... ..
Elettr Licht und Kraft . . . .
Elſäſſ. Bad. Wolle ..........."
Emag, Frankfurt a. M. ... ..
Email. & Stanzw. Ullrich ....."
Enzinger Werke .............
Eßlinger Maſchinen .........."
Ettlinger Spinnerei ..........
Faber Joh. Bleiſtift ..........

16. 12
14.2
18.35
61.75
60.5
4.1
12.5
10.6
2.75
52.4
50.25
41.9
29
6.45

F.o
27.5
z1

10.3

4.4
23.25
25
0.95
27.3
16.6
27.25
1.8
5.2
10.25
41.5
13.5
21
5.5
z8
20 4
5.6
2.6

3.15
3.8
1.3
1.1
23.8
0.6
7.5
8
0.31
3.5
7.1

u

17. 12.
13
20
18.25
62.6
61.75
3.9
12
10.5
28.5
53.25
50.5
41.9
29.25
6.45

53
56.25
A.3
22.9

68.5
2.,6
10 95
3.7
4.4
10.,6
23.25
24
0.9
27.4
16.1
18.25
1.8
63
3.15
3.3
7.4
23.9
10.5
425
23.7.)
14.15
21.75
55
8
202
3.55
2.55
3.3
1.55
1.27.
24.0;
0.58
7.6
8.3
0.32
7.25
u75

Frankfurter Kursbericht vom 17. Dezember 1994

Faber & Schleicher ...........
Fahr, Gebr. Pirmaſens .......
Felten & Guillegume, Carlsw. .
Feinmechanik (Fetter)
Feiſt Sektkellerei Frankf. .M..
Frankfurte Gas ....
.....
Frankfurter Hof ............."
Fkf. Maſch. Pokorny & Wittek.,
Fuchs. Waggon Stamm .. . . . .
Sanz. Ludwig. Mainz........
Geiling E Cie. .... . . .........
Germania Linoleum .. . . . . . . ."
Gelſenkirchen Gußſtahl ... . . . . .
Goldſchmidt, Th. ..........
Gotha Waggon ............
Greffenius Maſchinen Stamm.
Gritzner Maſchinenf. Durlach..
Grün & Bilfinger ........ ...."
Himmerſen (Osnabrüch) ......"
Hanfwerke Füſſen ...........
Heddernheimer Kupfer .......
Heyligenſtaedt, Gießen .......
Hilpert, Armaturenf. .... .. . .
Hindrichs=Auffermann . . . . . . . .
Hirſch Kupfer u. Meſſ...... . . .
Hoch= und Tiefbau ..........."
Höchſter Farben ............."
Holzmann, Phil. . .
....
Holzverk.=Induſtr.
...
Hndrometer Breslau ......
Ingg..
...."
Jung ans St mm ...
Karlsruher Maſchinen ....
Karſtadt, R.
...
Klein, Schanzlin & Becker .....
Knorr, Heilbronn .........."
Kolb & Schüle, Spinn. .......
Konſervenfabrif Braun .. ..."
Krauß & Co., Lok m. .. . . . .. ..
Lahmener & Co. ........... .."
Lech. Augsburg .. .........."
Lederw. Rothe ..............
Lederwerfe Spicharz ........"
Lingel Schuhw Erfurt .. . . . . .
Löhnberger Mühle ........."
Lüdenſcheid Metallw. ..... ...
Luther, Maſch.= u. Mühlenbau..
Lur’ſche Induſtrie .........."
Mainkraftwerte Höchſt..
Meguin. Butzbach ..."
Metallgeſ. F.kft. .
Meyer, Dr. Paul .........."
Miag, Mührenb., Frankf. a. M..
Moenus S. amm .. . .. . ..
Motoren/abrik Deutz.........
Motorenfabrik Oberurſel ....."
Neckarſulmer Fahrzeuawerke...
Neckarwerke Eßl. Stamm . . . . .
Oleuwerke Frankfuri a. M. ...
Peters Union Frankfurt a. M...
Pfäjz. Nähm., Kayſer ........
Philiops A.-6. ....... . .....!
Porzellan Weiſſel ............
Reiniger, Gebber & Schall ..
Rhein Elektr. Stamm .. . . .
Ryein. Met.0 Vortüge .......
Rhenania Aachen ..........."
Riedinger, Maſchinen ........
Rückfo ty. Stetti. ....
Rütgerswerke ... ....
sleußner (Frankfurta. M.) ...
Schneider & Hanau ....."
Schnellpreſſen Frankenthal ...
Schramm Lackfabrik .......
Schniftgteserei Stempel, Fſx..
Shuckert alekt: (Rurxvecg) ...

16. 12
15.*
3.5
4.9
j.
0.18
19
30
13.4
3.5
3.
28.5
15.5
21.1
16.75
8.9)
2.35
4.35
7.9.
17.5
2.1:
24
4.9
7.3
6.3
1.2
12.3
3.45

4.9
3.6
12.3
17.75
2.45
2.3
9.25
3.7
4.2
6.3
10.1
8.3
16
0.6
1.55
2.2
20
7.2
1.5
3.15
5.6
25
7.95

*
0.5
17.9
18.75
7.2
4.65
S

17. 12.
7.5
1.45
3.5
4.9
18
1.3
0.18
1.4
12.6
29
19.23
3.5
3.6
28.7
15.65
21
16.75
9.0,
4.3
7.75
18.1
24.4
3.9
7.25
6.3
1.3

3.3
2.91
5
3.65
1.2
3.5
12.4
17.8

2.45
2.15
9.25
3.7
4.1
6.3
10.3
81
18
0.575
1.53
2.25
29.75
7.5
7.45
1.5
3.25
5.4
6.6
2.45
7.8
8.8
5.
19.75
058
18.6
2.9
8.75
3

Schubfau:t Bernels=Wy ldl ...
Schuhfubrik Herz.........."
Schuhf. L=ander, Of enbach ..."
Schultz, Grünlack, Rdsh. .... . .
Seilinduſtrie Wolff..........."
Sichel & Co., Mainz..........
Siemens Elektr. Betriebe ... .."
Siemens Glasinduſtrie ......."
Siemens & Halske ...........
Stöckicht=Offenbach=Gummi . .
Süddeutſche Immobilien ....
Thüring. lektr. Lief.=Geſ., Gotha
Nhreafabrik Furtwäng er
Beithwerke in Sandbach ..."
Verein f Chem Induſtrie Frkft
Verein deutſch. Olfabr. Mannh.
Faßlabriken Caſſel,
Gummifabr. Bln.=Frkft.
Pinſelfabr. Nürnberg ..
Ultramarin . . . . . . . . . . .
Zellitoff. Berlin ......."
Vogtländ. Maſch. Vorzüge ....
Vogtländ. Maſch. St mme ....
Voigt & Haeffner Stämme . . . .
Voltohm. Seil ..............
Wanß & Frentag ............
Wegelin Rußfabrik.. . . . . . . . . .
Zellſtoff Waldhof Stamm .. . . .
Zuckerfabr. Waghäuſel ......."
Frankenthal ......"
*
Heilbronn ........"
Offſtein ... ... ..."
Rheingau ........"
Stuttgart .. ......"

Tra 8por==Aktien. Deu ſche Eiſenb.=Geſ. Fftm. . . .
Schantung E. B............"
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſ. ...
Havag (Paketfahrt) .......
Norzd. Llond ...
.
3. Darm ädter Berte. Bahnbedarf..........."
Dampfkeſſe Rodberg ........
Helvetia Konſervenfabrik ....." Gebr. Lutz.
........ Motorenfabrik Darmſtadt . .
Gebr. Roeder ............"
Venuleth & Ellenberger ...." 8.25

Annotierte Aktien.
Apt .........."
Beckerkohle. . . . ..
Beckerſtahl ......"
Benz...... .. ..
Brown Boveri",
Chem. Andreae
Deutſche Petroleum
Diamond Shares".
Entrepriſe .....
Falkonwerke ........"
Großkraftw. Württbg. (Growag)
Unterfranken (Ufra).
Hanſa Lloyd ......
Hero Conſerven ....
Holſatiawerke, Altona .....
Kabel Rheydt.... .."
Krügershall Cali ............
Metall Starkenburg .........
Otto & Quanz ....
Raſtatter Waggon ..........."
Tertil=Ind. Barmen (Tiag) ..."
Aie Fün .ll


u.m5! 9

[ ][  ][ ]

Die besten Rezepte für allerlei Weihnachtskuchen, -Torten und-Gebäcke
finden Sie in Nr. 9 der Kinderzeitung Der kleine Coco, die beim Einkauf
von Rahma buttergleich gratis verabfolgt wird.

mmer 351.

Donnerstag, den 18. Dezember 1924.

Seite 15.

Der Totenwolf.

Roman von Ernſt Wiechert.
(Nachdruck verboten.)
unu Agnete taumelte und klingelte mit letzter Kraft nach
deihlüädchen. Ihres Sohnes Hände ſtieß ſie zurück. Gott ..
Yäſſal, ſagte er mit gequältem Lächeln. Nun mach doch
keihsrragödie!
iartlos verließ ſie das Zimmer.
ſal:d darauf heiratete Klaus Wiedenſahl, und in der Abend=
däßreirung
fuhr der Wagen auf den Hof. Agnete ſtand in der
Diſumnd ſah durch die ſich öffnende Glastür auf die zarte, in
Syen gehüllte Mädchengeſtalt, die ſich wild aufſchluchzend ihr
zuſſißten warf und die gerungenen Hände zu ihr erhob. Die
ku moſlle Tracht des gebleichten, hellblonden Haares hatte ſich
gelel ſeie großen, krankhaft leuchtenden Augen ſtanden in einem
bl/ſa, frühreifen Geſicht, und die willenloſen Lippen ſprachen,
vomeu=vöſem Weinen unterbrochen: Mama, verſtoße uns nicht!
WſhirKd Sünder .. wie Magdalena .. aber der Stern der Liebe
hrhüülle ihn uns nicht . ." Peinlich berührt hob Frau Ag=
neſbiel
auf.
wohnten im Gartenflügel des Hauſes, für ein paar
Wihn zurückgezogen, dann immer ſicherer ſich hervorwagend,
zuſhe im den Garten, dann auf die Felder, dann in die Stadt.
Diſſuage Frau zuerſt im dunklen Kleidchen, dann in weißen
Syp, dann in großer Toilette, als ſie Beſuche machten und
emſmngen.
ru u Agnete ſah mit immer ſtilleren Augen auf ihre beiden
Kiſſrnund auf alle die fremden, lauten und grellen Menſchen,
diderHaus und ihren Garten erfüllten und die alle ausſahen,
ald8 ſoer liebe Gott nur ihretwegen in der Welt. In der Däm=
matrg
, der erſten Herbſttage klopfte ſie dann zum erſten Male
anſt üre ihrer Schwiegertochter.
iia Wiedenſahl ſprang von dem Ruheſofa auf, wo ſie in
einm 8uche geleſen hatte. Mamal Gott, wie reizend, daß du ..
ichſ) ue mich unſagbar.. und ſie drückte aufgeregt Frau Ag=
neit
ſände. Sie trug ein rotes Morgenkleid, und es ſchien
ihynexhwiegermutter, als ſei die Seide nicht mehr fleckenlos.
dr barfſt nicht mehr ſo haſtig aufſtehen, ſagte Agnete und
ſetztiig in den Lehnſtuhl am Ofen.
Aeshalb? Ach ſo.." Sie verzog die Lippen und ließ ſich
miſtlauf das Sofa zurückfallen. Ihre Augen, die immer wie im
Fiſſe fglänzten, irrten ſcheu um Frau Agnete herum. Darf ich
dink im Likör anbieten, Mama? fragte ſie endlich. Er tut gut

bei dieſen kurzen, trüben Tagen, die ſo traurig ſind . . findeſt du
nicht, daß ſie traurig ſind? Die Blätter und die Wolken und die
Häuſer und die Menſchen..wie ein Begräbnis .. ich ſehe überall
Gräber Licht muß ſein .. ach, viel, viel Licht, und Menſchen,
daß man ihn nicht hört draußen, den, der ach ſtill . . Klaus
iſt auch langweilig .. dieſe alten Gutshäufer ſind ſo furchtbar ..
haſt du keine Angſt, Mama? Sie preßte die überſchlanken Hände
zuſammen und lauſchte hinaus, wo der Wind in den Pappeln
wühlte, verſuchte aber, das Lauſchen zu verbergen.
Nein, ich habe keine Angſt, ſagte Frau Agnete beruhigend.
Komm nur zu mir, wenn du dich fürchteſt, Kind. Ich wollte
nachſehen bei dir, wie weit du mit deiner Wäſche biſt .. vielleicht
.. ich habe noch etwas liegen von Klaus.
Die junge Frau begann zu weinen, den Kopf in beide Hände
gelegt und mit dem Oberkörper langſam, taktmäßig hin= und her=
ſchwankend
, wie nach einer leiſen, unhemlichen Melodie. Ich
habe Angſt, wimmerte ſie. Ich habe Angſt.. ich will kein Kind
.. ich will ſterben .. ich will nicht, ich will nicht .."
Frau Agnete ſaß neben ihr, und ſtreichelte ſie beruhigend.
Hab keine Angſt, Kind .. ich werde bei dir ſein. Wer wird denn
ſterben . . Klaus wird ſich auch freuen, und . ."
Klaus will es auch nicht, ſchluchzte ſie nervös. Er ſagt,
Kinder ſind unbequem und dumm, und dieſes gar . . ach, es iſt
ſo ekelhaft . ."
Frau Agnete ſaß ganz ſtill. Sie ſtreichelte ihre Schwieger=
tochter
immer noch, aber ſie war ſehr blaß geworden, und ihr
war, als rüttele der Wind ſtärker und drohender an den Fen=
ſtern
des Wiedenſahlſchen Hauſes. Dann blieben ihre Augen an
dem Buche haften, in dem Elſa geleſen hatte. Das Titelbild
zeigte ein halbbekleidetes Mädchen, über das ein Mann ſich gie=
rig
beugte.
Am nächſten Morgen erſchien Klaus an ihrem Kaffetiſch, zu=
rückhaltend
und aufmerkſam, und dankte ihr für ihren Beſuch.
Ihr ſolltet ein anderes Leben führen, Klaus, ſagte ſie traurig.
Wartet doch wenigſtens auf meinen Tod.
Aber Mama! Wir wollen ſpäter darüber ſprechen, ſetzte er
unruhig hinzu. Ich habe keine Arbeit, das iſt es .. gib miir das
Gut, und alles wird anders Er ſah vorſichtig nach ihr hinübe=,
Als ſie ſchwieg, ſtand er auf. Ich wollte dich bitten, heute nach=
mittag
mit uns auszufahren .. ſchon der Leute wegen und für
Elſa iſt es auch gut .. nur über die Felder und vielleicht in den
Wald das Wetter iſt ſchön . ."
Ich werde mitkommen, ſagte ſie nach kurzem Beſinnen.
Als der Wagen in den Waldweg bog, verſtummte Elſas auf=
geregtes
Geplauder. Die Hufe der Pferde rauſchten im fallenden

Laube. Die Sonne hing über flammenden Wipfeln, die lang=
ſam
zerbröckelten in mildem Glanz. Das weite, feierliche Schwei=
gen
des Herbſtes ſtand an den Wegrändern, hob, ſich zurücwen=
dend
zur Tiefe der Wälder, die blaſſe Hand, und leiſe ſchauernd
rührten ſich die Bäume. Wie es nach Leichen riecht! flüſterte
Elſa.
Ja, der Wald ſtirbt, ſagte Frau Agnete. Wir wollen zum
Totenwinkel fahren, Klaus.
Weshalb, auf den Kirchhof, Mama? fragte Elſa unruhig.
(Fortſetzung folgt.)

d

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darunter die neu herausgebrach-
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Die für Donnerstag, den 18. Dezbr.
1924, nachmittags 2 Uhr, Holzhofallee 11,
für beſtimmt angeſetzte Verſteigerung
findet nicht ſtatt. 47178
Darmſtadt, den 18. Dez. 1924.
Portner
Gerichtsvollzieher.

Verſteigerung.
Freitag, den 19. Dezember 1924, vor=
mittags
10 Uhr, wird auf dem hieſigen
Güterbahnhof 1 Wagen ofenlanges
Buchenſcheitholz, 11920 kg, öffentlich
meiſtbietend gegen Barzahlung verſteigert
Darmſtadt, den 17. Dezember 1924.
17183) Die Güterabfertigung Hbf.

derſteigerungs Anzeige.
88, vorm, 1 uhr, werden imn Pfungſtadt
im Verſteigerungslokale von dem Unter=
zeichneten
gegen Barzahlung
160/20 Zigarren in ver=
ſchiedenen
Sorten
durchweg Fehlfarben eines hochwertigen,
rein überſeeiſchen Fabrikates en bloc öffent=
lich
meiſtbietend verſteigert.
Die Zigarren ſind unbanderoliert und
kommen als Käufer nur Steuerlager=
inhaber
in Frage.
(*37419
Darmſtadt, den 16. Dezember 1924,
Brunner
Kreis=Bollziehungs=Beamter.

S
Verſteigerungs=Anzeige.

Am Freitag, 19. Dezember 1924
vormittags 10 Uhr, ſollen im Verſteige=
rungslokal
(Rummel) Bleichſtraße 41
gepfändete Gegenſtände aller Art zwangs=
weiſe
gegen Barzaylung verſteigert wer=
den
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3 Standuhren, 1 Garderobehalter,
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Darmſtadt, den 18. Dezember 1924,
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