Darmstädter Tagblatt 1924


06. Dezember 1924

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Einzelnummer 1.5 Goldpfennige

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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit X verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſt. Tagbl. geſtattet.
Nummer 339
Samstag, den 6. Dezember 1924.
187. Jahrgang

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ſede Verpſichtung auf Erfüllung der Anzeigen=
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Kondurs oder gerichtlſcher Beſtreldung fäll ſeder
Rabatt weg. Banſkonto: Deutſche Bank und Darme
ſtädter 8 Nationalbans.

Am Vorabend der Wahſen.

Beruhigungspillen für die Wähler.
Zurückgeſtellte engliſch=franzöſiſche Forderungen.
Das Echo der deutſchen Preſſe auf die Andeutungen, daß
(nigland die Kölner Zone am 10. Januar nicht räumen werde,
yut in England ſehr peinlich gewirkt. Die Weſtminſter Gazette‟.
ze zuerſt die Katze aus dem Sack ließ, fürchtet offenbar
Birkungen auf den Wahlkampf und will uns deshalb
heruhigen mit der Bemerkung, daß eine Ver=
längerung
der Beſetzung nur von kurzer Dauer
Cmgländer aus Köln auch die Franzoſen die Ruhr frei machen
pürden. Sogar das Reuterſche Bureau wird zu einem lenden=
ha
hmen Dementi mobil gemacht. Wir nehmen an, daß der Aus=
gangspunkt
ein entſchiedener Proteſt der deutſchen Regierung ge=
weſen
iſt. Es wäre aber auch immerhin denkbar, daß die Eng=
länder
nur bis nach den Wahlen die ganze Erör=
terung
zurückſchieben wollen, etwa in dem Sinne,
ie kürzlich ein franzöſiſcher Beamter ganz offen erklärte, die
ranzoſen würden nicht ſo dumm ſein, den
eutſchen den Gefallen zu tun, die Forderun=
en
nach dem Abbruch der Friedrichshafener
eppelinwerft etwa vor den Wahlen zu ſtellen.
23enn das die Abſicht iſt, dann können wir uns
ja nach den Wahlen auf mancherlei Ueberraſch=
ungen
gefaßt machen. Wir wollen jedenfalls
uicht überſehen, daß auch das Reuterſche Bu=
reau
ſich alle Möglichkeiten wegen der angeb=
uung
vorbehält.
Mangelhafte Rückkehr zum Rheinlandabkommen.
(Grund der Eindrücke eines engliſchen Politikers, der jüngſt die
Sfalz beſucht hat und auch das Rheinland bereiſte, von einer
irfreulichen Beſſerung der allgemeinen Lage im beſetz=
ten
Gebiet. Doch ſtellt er feſt, daß noch einige dunkke Punkte
twrhanden ſeien, wie die Verſchärfung der ohnehin großen
ohnungsnot beſonders für die zurückgekehrten Aus=
gewieſenen
durch die übergroße Zahl der Beſat= gemeiner Abbau von Beamten nicht mehr mög=
ungstruppen
, die Beibehaltung der farbigen
Truppen, die von den Deutſchen als Schimpf und Demüti=
znung
empfunden werden müßte und die zögernde Umſtellung
der Beſatzungsorgane auf den neuen Geiſt. Zur vollen Be=
friedigung
des beſetzten Gebietes ſei es endlich unbedingt not=
wendig
, daß zum Rheinlandabkommen als einem weſentlichen
Beſtandteil des Verſailler Vertrages zurückgekehrt werde, d. h.
daß die ſog. Kampf= und Spezialordonnanzen aufgehoben und
lürgerlichen Grundrechte im beſetzten Gebiet baldigſt wieder
ergeſtellt würden.
England trage einen beſonderen Teil der Gefamtverant=
Sortung für das Beſatzungsregime, das auch in der Pfalz, nicht
ſäne franzöſiſche, ſondern eine interalliierte Angelegenheit ſei.
Wählt keine Zwergparteien!
Berlin, 5. Dez. Die Reichsregierung warnte bereits in
ichrem Wahlaufruf vom 21. Oktober vor einer Parteizerſplitte=
nung
. Nicht in einer Zerſplitterung liegt das Heil, ſondern in
dem Streben zum Ganzen und zur Einheit. Gleichwohl haben
uch für die Dezemberwahlen wieder viele kleine und kleinſte
Sondergruppen eigene Wahlvorſchläge eingereicht. Um ein Man=
ſat
zu erhalten, müſſen auf einen Wahlvorſchlag mindeſtens
40 000 Stimmen entfallen. Durch Zuſammenrechnen der Reſt=
ſtimmen
in den Wahlkreisverbänden kann ein Mandat nur zu=
geteilt
werden, wenn wenigſtens einer der verbundenen Wahl=
vorſchläge
mindeſtens 30000 Stimmen erhalten hat. Auf einen
Reichswahlvorſchlag kann höchſtens die gleiche Zahl von Man=
daten
zugeteilt werden, die auf ihm angeſchloſſenen Kreiswahl=
worſchläge
entfallen ſind. Dieſe Vorſchriften des Reichswahl=
reſetzes
ſollen bewußt die Bildung von Zwergparteien erſchweren.
Bei den letzten Wahlen ſind ſo 842 000 Stimmen, die für Zwerg=
parteien
abgegeben wurden, ohne Einfluß auf die Zuſammen=
ſetzung
des Reichstages geblieben. Die Wähler haben alſo
michts erreicht, als daß ihre Stimmen bei dem Wahlergebnis
vollſtändig ausfielen.
Die Gehälter der Repko=Angeſtellten.
FU. Paris, 5. Dez. Die Reparationskommiſſion hat am
28. November die Gehälter der mit der Ausführung des Sachver=
ſtändigen
=Berichts in Deutſchland beauftragten Perſönlichkeiten
ſeſtgeſetzt. Der Generalagent für die Reparationszahlungen be=
jeht
ein Jahresgehalt von 190 000 Goldmark, der Eiſen=
wahnkommiſſar
105 000 Goldmark, der Reichsbankkommiſ=
ſar
95 000 Goldmark, die anderen Kommiſſare je 80 000
Goldmark. Das Jahresgehalt des Treuhi ders beträgt
F5 000 Goldmark. Die Mitglieder des Uebertragungsaus=
chuſſes
, die nur einmal im Monat zuſammentreten, beziehen
rine feſte Monatsentſchädigung von je 1500 Mark neben den
Meiſeſpeſen uſw.
Die Tätigkeit der Interalliierten Militär=
Kontrollkomiſſion.
Berlin, 5. Dez. Von der alliierten Militärkontrollkommiſ=
ion
wurden bisher insgeſamt 1 500 Kontrollbeſuche ausgeführt.
Davon galten 739 der Reichswehr, 345 Polizeiſtellen und Zivil=
Sehörden und 416 Induſtriebetrieben. Nach deutſcher Auf=
aſſung
haben die Beſuche keine unterlagen da=
ürergeben
, daß Deutſchland in irgend eine m
Punkt ſeiner Verpflichtung zur Abrüſtung nicht
nachgekommen wäre.

* Die Arbeitszeitverhältniſſe
in Deutſchland.


Reichswirtſchaftsrat und Arbeitszeitgeſetz.
Die vom Reichswirtſchaftsrat im Herbſt dieſes Jahres ein=
geſetzte
neunköpfige Kommiſſion zur Unterſuchung der
Arbeitszeitverhältniſſe in den verſchiedenſten
Induſtrien Deutſchlands hat ihre Arbeiten bereits zu
ſeindürfte, daß dann aber gleichzeitig mit dem Rückzug der einem weſentlichen Teil durchgeführt und dieſer Tage ihre Stu=
dien
in Süddeutſchland abgeſchloſſen. Das erſte Gutachten, das
ſich mit der Arbeitszeit in den Hochöfen= und Kokereibetrieben
beſchäftigt, dürfte anfangs des nächſten Jahres zu erwarten ſein.
Die übrigen Gutachten werden vorausſichtlich bald folgen, ſo daß
das Reichsarbeitsminiſterium ebenfalls an die Fertigſtellung des
Entwurfes eines neuen Arbeitszeitgeſetzes in abſehbarer Zeit
herangehen kann. Von dem Reichsarbeitsminiſter werden die
entſprechenden Vorarbeiten lebhaft vorwärts getrieben, da er
die Abſicht hat, das neue Arbeitszeitgeſetz gemeinſchaftlich mit
dem Waſhingtoner Abkommen dem neuen Reichstag ſofort nach
dem Zuſammentritt zukommen zu laſſen. Ob aber das Geſetz
im Januar ſchon endgültige Form annehmen kann, läßt ſich heute
natürlich noch nicht ſagen.

Aufhebung der Abbauverordnung.
Berlin, 5. Dez. Am 4. und 5. Dezember haben im Reichs=
ſich
noch nicht reſtlos durchgeführten Entwaff= ſiuanzminiſterium erneut Verhandlungen ſtattgefunden, in denen
die ſeit längerer Zeit ſchwebenden Erwägungen des Reichs=
finanzminiſteriums
über die Aufhebung der Abbauarti=
kel
der Perſonalabbauverordnung zu einem ge=
wiſſen
Abſchluß gekommen ſind. Nach dem Ergebnis der Be=
Kondon, 5. Dez. Der Mancheſter Guardian berichtet auf ſprechungen beabſichtigt die Reichsregierung dem neuen Reichs=
tag
unverzüglich ein Geſetz vorzulegen, das die Anwendung der
Art. 3 und 15 der Abbauverordnung nur noch für ſolche Ver=
waltungen
vorſieht, die durch ein beſonders neues Geſetz zur
Abbauverwaltung erklärt werden. Damit wird der Art. 3, der
die Grundlage für den Abbau der Beamten bildet, grund=
ſätzlich
unwirkſam, ſodaß nach dem Inkrafttreten ein all=
lich
iſt, zu Gunſten der Angeſtellten, bedeutet das den
Wegfall, der allgemeinen geſetzlichen Entlaſ=
ſungsverpflichtung
und die Wiedereinführung der durch
die Betriebsrätebeſtimmungen gewährten Rechte.
Bayern und der Süddeutſche Senat.
+ München, 5. Dez. (Priv.=Tel.) Halbamtlich wird mit=
ie
Hohheitsrechte der deutſchen Regierungen ſowie die ſtaats= geteilt: Auf die Vorſtellungen der Bayeriſchen Staatsregierung
über die Beſetzung des ſüddeutſchen Senats in der
Hauptverhandlung gegen die Mitglieder der Organiſation
Conſul vor dem Staatsgerichtshof hat die Reichsregierung
die Zuſicherung gegeben, es ſei für die Zukunft Vorſorge getrof=
fen
, daß die Verteilung der Mitglieder des Staatsgerichtshofs
auf die beiden Senate und die Regelung ihrer Vertretung nicht
von Fall zu Fall, ſondern durch eine allgemeine Anordnung er=
folge
, die den Abmachungen des Berliner Protokolls entſpricht.
Verhaftung eines franzöſiſchen Geſchäfts=
mannes
in Wiesbaden.
Berlin, 5. Dez. Die Pariſer Blätter bringen in großer
Aufmachung Meldungen aus Wiesbaden über die Verhaftung
eines franzöſiſchen Geſchäftsmannes Boudon, die ohne jeden
Grund erfolgt ſei. Es handele ſich um einen Racheakt von aus=
gewieſenen
, kürzlich zurückgekehrten deutſchen Beamten. Ein
offizieller Havasbericht beſagt, Boudon ſei auf Veranlaſſung des
Richters Nandohr feſtgenommen worden, ohne daß eine Anklage
gegen ihn erhoben worden war. Er wurde erſt auf die dringen=
den
Vorſtellungen des Delegierten der interalliierten Rheinland=
kommiſſion
hin freigelaſſen. Die vereinigten Alliierten im beſetz=
ten
Gebiet haben angeſichts des Uebergriffes eine Proteſterklä=
rung
an Herriot gerichtet, den Schutz der franzöſiſchen Unter=
tanen
vor Beläſtigungen durch deutſche Behörden ſicherzuſtellen.
Zu der Verhaftung des franzöſiſchen Kaufmanns Boudon
in Wiesbaden erfahren wir noch, daß es ſich nach Informationen
an zuſtändiger Stelle um eine rein zivile, geſchäftliche und nicht
um eine politiſche Angelegenheit handelt. Der franzöſiſche Kauf=
mann
Boudon hatte einen deutſchen Kompagnon, der gewiſſe
Forderungen an den franzöſiſchen Kaufmann hatte. Daraufhin
erfolgte die Verhaftung. Die genauen Zuſammenhänge ſind noch
nicht bekannt.
Der amerikaniſche Jahresbericht.

Waſhington, 5. Dez. (Europapreß.) In dem Jahres=
bericht
ſchlägt der Kriegsminiſter Wight vor, die Zahl der
Offiziere von 12000 auf 13 000 und die der Soldaten
von 126 000 auf 150 000 zu erhöhen. Ferner fordert er eine
weſentliche Erhöhung der militäriſchen Kredite.
Die letztjährigen Kredite ſeien ſo niedrig geweſen, daß die Mili=
tärverwaltung
gezwungen geweſen ſei, die Rekruten mit Uni=
formen
aus den Kriegsvorräten zu bekleiden, was ihnen ein
wenig militäriſches Ausſehen gegeben habe. Schatzſekretär Mel=
lon
ſchreibt in ſeinem Jahresbericht weiter, daß den Ver=
einigten
Staaten eine Reihe von Jahren geſchäftliche
Blüte ähnlich wie nach den Wahlen von 1896 bevorſtehe.
Er fügt hinzu, daß di Vereinigten Staaten die erſte Nation
ſeien, die die Nachkriegszeit überwunden hätten, daß aber Handel
und Induſtrie Amerikas mit der europäiſchen Konkur=
renz
zu rechnen haben werden, die durch den Dawesplan wieder
aufgerichtet werden wird. Der Bericht führt weiter aus, daß die
Herabſetzung der Steuern von 54 auf 27 Dollar pro
Kopf erfolgt ſei; während die öffentlichen Ausgaben im Jahre
1920 6½ Milliarden Dollar betrugen, konnten ſie im vergangenen
Jahre auf 3½ Milliarden verringert werden.

Zuverläſſige und
Unzuverläſſige Freunde.
Von
Dr. Walther Croll, Berlin.
In einer Wahlrede in Berlin=Neukölln hat der Vorſitzende
der Deutſch=Demokratiſchen Partei, Reichsminiſter a. D. Koch,
von dem unzuverläſſigen alten Freunde und dem zuverläſſigen
neuen Freunde ſeiner Partei geſprochen. Der unzuverläſſige alte
Freund ſei die Deutſche Volkspartei und der zuverläſſige neue
Freund die Sozialdemokratie. Herr Koch motivierte dieſes Urteil
mit dem Hinweis auf die Haltung, welche die beiden benachbar=
ten
Parteien zum heutigen Staat einnehmen. Er findet die
Sozialdemokratie als politiſchen Weggenoſſen paſſender als die
Deutſche Volkspartei. Als ich ihm die inzwiſchen weiten Kreiſen
bekannt gewordene Haltung der deutſchen ſozialiſtiſchen Dele=
gierten
auf dem Hamburger Kongreß der 2. Internationale im
Auguſt 1922 entgegenhielt, war er ſichtlich erſtaunt und erklärte,
nicht zu wiſſen, was gemeint ſei. Es mag ſein, daß der demokra=
tiſche
Führer inzwiſchen erfahren hat, wie die zuverläſſigen
ſozialdemokratiſchen Freunde damals vor zwei Jahren es ver=
hindert
haben, daß ſich eine internationale Organiſation von Be=
deutung
für eine gerechtere und dem deutſchen Volke günſtigere
Löſung der Reparationsfrage ausſprach. Die deutſchen Sozia=
liſten
haben ihre Haltung damit erklärt, daß ſie ſich im Herbſt
1919 auf der Tagung der 2. Internationale in Genf für Deutſch=
lands
Verantwortlichkeit am Weltkriege und für Deutſchlands
Verpflichtung zum Wiederaufbau der Kriegsruinen ausge=
ſprochen
haben und von dieſem Votum nicht abweichen können.
Es iſt nicht möglich, daß auch nur einer der deutſchen Vertreter
auf dem Hamburger Sozialiſtenkongreß von 1922 der Ueberzeu=
gung
geweſen iſt, das Schuldbekenntnis, das deutſche Sozialiſten
drei Jahre vorher fahrläſſig aber vielleicht doch in gutem
Glauben im Namen des deutſchen Volkes abgelegt haben, ſei
ſachlich haltbar. Sie haben ſich damals die Gelegenheit entgehen
laſſen, ihren Irrtum vom Jahre 1919 zu widerrufen. Hierfür
kann es nur zwei Gründe geben: Entweder verbot den deutſchen
Delegirten auf dem Hamburger Sozialiſtenkongreß das Selbſt=
gefühl
, den Irrtum von damals einzugeſtehen, oder aber ſie
fürchteten eine Kriſe in der 2. Internationale und verzichteten
auf die Wahrnehmung deutſcher Intereſſen, wo dieſe Wahr=
nehmung
ſie in Konflikt mit ihren ausländiſchen Geſinnungs=
genoſſen
gebracht hätte. Als mildernder Umſtand könnte hier in
Betracht kommen, daß die deutſchen Sozialiſten nicht wußten,
was es für Deutſchland bedeutete, allein die Verpflichtung zum
Wiederaufbau der geſamten ſichtbaren und unſichtbaren Kriegs=
ruinen
zu übernehmen. Dieſer mildernde Umſtand kommt nicht
in Betracht. 1½ Jahre vor dem Hamburger Sozialiſtenkongreß
war das Londoner Reparationsdiktat ergangen. Acht Monate
vorher hatte das Kabinett Wirth jene Erklärung vom 14. Dezem=
ber
1921 abgegeben, in welcher um ein Moratorium nachgeſucht
wurde. Im Volke wurde die deutſche Note an die Alliierten vom
14. Dezember 1921 treffend der Offenbarungseid genannt. Im
Januar 1922 hatte die Konferenz zu Cannes ſtattgefunden, im
März desſelben Jahres hatte die Reparationskommiſſion eine
Kontrolle über die Reichsfinanzen verhängt, und im April und
Mai hatte der großſpurig aufgemachte, mit allen Schellen und
Klingeln der internationalen Preſſepropaganda begleitete inter=
nationale
Finanz= und Wirtſchaftskongreß zu Genua ſtattgefun=
den
und ſelbſt die beſcheidenſten Erwartungen grimmig ent=
täuſcht
. Endlich hatte am 12. Januar 1922 Herr Poincaré die
Zügel der Regierung in Frankreich ergriffen und an ſeinen Ab=
ſichten
von vornherein nicht den geringſten Zweifel aufkommen
laſſen. Die ſozialdemokratiſchen Delegierten konnten ſich alſo
nicht darüber täuſchen, daß ſie mit ihrem Votum gegen den Ham=
burger
Antrag eine der letzten Möglichkeiten, das deutſche Volk
vor einer furchtbaren Brandſchatzung zu bewahren, zerſtörten.
Das ſind Herrn Kochs zuverläſſige Freunde. Wenn man es
ablehnt, der ſozialdemokratiſchen Partei die bewußte Schädigung
deutſcher Lebensintereſſen anzuſinnen, ſo muß man zwiſchen
zwei Vorwürfen wählen, von denen ſchwer zu ſagen iſt, welcher
der ſchwerere iſt. Entweder haben die deutſchen Delegierten auf
dem Hamburger Sozialiſtenkongreß wirklich geglaubt, durch ihr
Feſthalten an der deutſchen Selbſtbezichtigung den anderen Völ=
kern
ein gutes Beiſpiel zu geben, oder aber ſie waren der Anſicht,
die Reparationslaſt könne ausſchließlich auf die Schultern der
Beſitzenden abgewälzt werden. In beiden Fällen iſt es unver=
ſtändlich
, wie die Deutſch=Demokraten in ſolchen Politikern zu=
verläſſige
Freunde ſehen können. Denn entweder ſind die ſozia=
liſtiſchen
Führer damals ſelbſt durch die faſt vierjährige Erfah=
rung
nicht belehrt worden, daß ein gutes Beiſpiel in die Kin=
derſtube
, nicht aber in den internationalen Verkehr der Völker
gehört; oder aber ſie haben einen wahnwitzigen Anſchlag auf den
Kapitalismus gemacht und damit ihr Volk der Ausſaugung
durch ſeine früheren Gegner ausgeliefert. Vor den Wahlen
zur Nationalverſammlung im Jahre 1919 verkündete die Deutſch=
Demokratiſche Partei, ſie ſei der einzige Hort gegen die wirt=
ſchaftszerſtörende
Politik der Sozialdemokraten. 1924 iſt ſie der
Freund des ehemaligen Gegners, weil ſie in gleicher Weiſe den
Staat und die Verfaſſung ſchützt‟. Der heutige deutſche Staat
wird ganz wo andersher bedroht als von denen, welchen das
Vaterland über der Staatsform ſteht.

Unſerer heutigen Ausgabe liegt
ze Hegenwatk
sſpugeln. Aüd ms Wat
bei.

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Seite 2.

Samstag, den 6. Dezember 1924.

Nummer 339

Deutſchland verlangt die Meiſtbegünſtigung.
Rom, 5. Dez. (Europapreß.) Die deutſch=italieniſchen Han=
delsvertragsverhandlungen
ſpielen ſich hinter geſchloſſenen Türen
ab, indem ſich beide Delegationen zu ſtrengſter Zurückhaltung ver=
bflichtet
haben, um den Verhandlungsverlauf nutzloſen Polemiken
der Intereſſentengruppen zu entziehen. Der Vertrag wird nicht
auf lange Dauer abgeſchloſſen, weil Deutſchland einen neuen
Zolltarif vorbereitet und der Vertrag ohnehin einen ſo ſtarken
Einfluß auf die deutſche und italieniſche Wirtſchaft haben, wird,
daß man ſeine praktiſche Wirkung erproben müßte. Außer le=
benswichtigen
Intereſſen bei der Landwirtſchaft und namentlich
ſeinem Südfrüchteexport, hat Italien jetzt auch die Intereſſen
einer mächtigen Induſtrie zu wahren. Andererſeits iſt man ſich
in Italien bewußt, daß Deutſchland mehr als vor dem Kriege auf
die Ausfuhr von Induſtrieerzeugniſſen und Fertigfabrikaten an=
gewieſen
iſt, anſtelle der Rohſtoffe, deren reichſte Quellen es ein=
gebüßt
hat. Die heikelſte und ſchwierigſte Aufgabe beſteht darin,
ein für beide Teile annehmbares Kompromiß der gegenſeitigen
Intereſſen und Bedürfniſſe zu finden. Für den italieniſch= deut=
ſchen
Handelsverkehr iſt bezeichnend, daß Italien letztes Jahr zum
erſtenmal dem Werte nach mehr nach Deutſchland ausführte, als
nach Italien von Deutſchland eingeführt wurde. Deutſchland
verlangt daher, daß Italien jetzt ihm die Meiſtbegün=
ſtigungsklauſel
gewähre.
Der Londoner Handelsvertrag.
Berlin, 5. Dez. Ueber die deutſch=engliſchen Handels=
vertragsverhandlungen
teilt uns ein Mitglied der geſtern aus
London nach Berlin zurückgekehrten Delegation folgendes mit:
Die Handelsvertragsverhandlungen waren die erſten Verhand=
lungen
, die nicht auf Grund des Vertrages von Verſailles ge=
führt
wurden oder unter deſſen Einfluß ſtanden. Es waren Ver=
handlungen
zwiſchen Gleichgeſtellten, wobei lediglich die Inte=
reſſen
der beiden Parteien zu Worte kamen. Sie wurden durch=
weg
in angenehmem, und freundſchaftlichem Tone geführt.
Durch den Vertrag werden die geſamten Handels= und Verkehrs=
intereſſen
und die Betätigungs= und Niederlaſſungsrechte der
beiderſeitigen ſtaatsangehörigen Geſellſchaften in den beiden
Ländern nach dem Grundſatz der Meiſtbegünſtigung geregelt,
d. h. die deutſchen Staatsangehörigen und Geſellſchaften werden
zukünftig in Großbritannien genau ſo behandelt wie die Staats=
angehörigen
der meiftbegünſtigten Nationen. Ein wie großer
Fortſchritt, das gegen den bisherigen Zuſtand bedeutet, werden
am beſten die deutſchen Kaufleute ermeſſen können, die zu Groß=
britannien
geſchäftliche Beziehungen unterhalten. Wenn es
nicht gelungen iſt, die Einreiſebeſchränkungen ganz aufzuheben,
ſo ift auf Grund der Verhandlungen doch zukünftig deren libe=
raler
Handhabung zu erwarten. Jedenfalls werden die Deut=
ſchen
in England nicht mehr ſchlechter behandelt als die Angehö=
rigen
anderer Nationen. Eine gleichzeitige Regelung unſeres
Verhältnifſes zu Indien und den Dominien und anderen Teilen
des britiſchen Reiches war nicht möglich, da England verfaſſungs=
mäßig
nicht das Recht hat, für Regierungen dieſer Gebiete in
wirtſchaftlichen Dingen bindende Verpflichtungen einzugehen.
Zum Beweis dieſer Behauptung ſei darauf hingewieſen, daß
die Zollpolitik Indiens und der großen Dominien ſich ja in
erſter Linie gegen das Mutterland ſelbſt richtet und trotz aller
Bevorzugung die Zollſätze ſo gehalten ſind, daß ſie die Einfuhr
aus Großbritannien erſchweren. Entgegen anderen Meldungen
hat die britiſche Regierung nun nicht die Abſicht, das Zuſtande=
kommen
einer Regelung zwiſchen Deutſchland und den oben=
genannten
Gebieten zu verhindern, ſie wird vielmehr den Ver=
trag
dort vorlegen und ſeine Annahme empfehlen. Sollte dieſe
Annahme, abgelehnt werden, dann ſteht es Deutſchland frei,
mit den Dominien ohne engliſche Vermittlung zu verhandeln.
Schließlich darf noch darauf aufmerkſam gemacht werden, daß
auch die in den Abſchnitten 1 und 2 des Protokolls gemachten
Konzeſſionen durchaus für beide Teile gelten. Maßgebend dafür
war, daß der Vertrag nicht nur dem Buchſtaben nach das Meiſt=
begünſtigungsrecht
enthalten ſoll, ſondern daß auch weiterhin
die gegenſeitigen Beziehungen geregelt werden ſollen im Geiſte
dieſer Meiſtbegünſtigung.
Der neue franzöſiſche Geſchäftsträger für Berlin.
Berlin, 6. Dez. Der Geſchäftsträger von der franzöſiſchen
Botſchaſt, Graf St. Quentin, verläßt heute nach nahezu fünf=
jähriger
Wirkſamkeit in Berlin dieſen Poſten, um ſich über Paris
auf ſeinen neuen Poſten als Generalſekretär der franzöſiſchen
Delegation in Marokko zu begeben. Sein Nachfolger, André de
Laboulaye, der die letzten Jahre als Botſchaftsrat in Waſhing=
ton
tätig war, wird mit dem Botſchafter de Margerie anfang
nächſter Woche nach Berlin kommen und ſeinen Poſten als Bot=
ſchaftsrat
antreten.

*Lavaters Phyſiognomiſches Kabinett.
Von Dr. Ernſt Zeh.
Joh. Kaſpar Lavater (17411801), zu deſſen beſcheidenem
Züricher Pfarrhaus einſt die erlauchteſten Geiſter Europas wall=
fahrteten
, deſſen Reiſe durch Deutſchland einem Triumphzuge
glich, iſt heute nur noch dem Namen nach aus der Goetheliteratur
bekannt. Seine Phyſiognomiſchen Fragmente zur Beförderung
der Menſchenkenntnis und Menſchenliebe, ein in den Jahren
177578 typographiſch ſorgfältigſt redigiertes Werk in vier Groß=
quartbänden
, eines der gefeiertſten literariſchen Denkmäler der
Sturm=und Drangperiode, ſind heute ſo gut wie vergeſſen.
Zwei Gründe bieten Veranlaſſung, dieſes Kulturdenkmal in die
Erinnerung zurückzurufen, nicht um für die in den Phyſiogno=
miſchen
Fragmenten von Lavater mit dem Einſatz ſeiner ganzen
Perſönlichkeit vertretenen ſcheinwiſſenſchaftlichen Experimente eine
Lanze zu brechen, obwohl die Akten über die Möglichkeit einer
ſwiſſenſchaftlich begründeten Phyſiognomik noch keineswegs ge=
ſchloſſen
ſind, ſondern um dem inhumanen Rationalismus der
Gegenwart das Ethos einer von innen her wirkenden lauteren
Perſönlichkeit gegenüberzuſtellen und auf einen bisher völlig
überſehenen und ungehobenen Schatz von nicht alltäglicher kul=
turgeſchichtlicher
Bedeutung hinzuweiſen, auf das von Lavater
angelegte Phyſiognomiſche Kabinett.
Was verſtand Lavater unter Phyſiognomik? Die
Fertigkeit, durch das Aeußerliche des Menſchen ſein
Inneres zu erkennen; das, was nicht unmittelbar in
den Sinn fällt, vermittelſt irgend eines natürlichen Aus=
drucks
wahrzunehmen Die Kenntniſſe des Verhältniſſes des
Aeußeren mit dem Inneren, der ſichtbaren Oberfläche mit dem
unſichtbaren Inhalt . . . Im engeren Verſtand iſt Phyſiognomie
die Geſichtshildung und Phyſiognomik Kenntnis der Geſichtszüge
und ihrer Bedeutung. (Phyſiognomiſche Fragmente 1. Verſuch,
1. Fragm.) Lavater war dem lebenden Menſchen gegenüber
fraglos mit einer außergewöhnlich empfindſamen Membrane aus=
geſtattet
, deren Schwingung ihm mit der Genauigkeit eines
Seismographen den Charakter ſeines Gegenüber anzeigte. Nichts
ſpricht für dieſe ſeine ausgeprägte Menſchenkenntnis mehr als die
Tatſache, daß er als erſter neben Merck die zukünftige Größe des
jungen Goethe erkannte. Und andererſeits pries Goethe Lavater
als einen intuitiv veranlagten Seelendeuter, auch dann noch, als
er gegenüber Lavater Liebe und Haß auf ewig los war. Wirk=
lich
ging Lavaters Einſicht in die einzelnen Menſchen über alle
Begriffe; man erſtaunte, ihn zu hören, wenn man über dieſen

Vom Tage.
Die Großhandelsindexziffer des Statiſtiſchen Reichs=
amtes
iſt gegenüber der Vorwoche (129,0) auf 128,5 gefallen. Die
Indexziffer für die Lebenshaltung iſt unverändert,
Der völkiſche Block Bayerns hatte Poehner aufgefordert, ſein
Landtagsmandat niederzulegen; dieſer hat dies aber ab=
gelehnt
.
Geſtern hat ſich die franzöſiſche Kammevkommiſſion
zur Unterſuchung über den Urſprung der Wahlfonds für die Wahlen
1924 konſtituiert. Vorſitzender iſt der Sozialiſt Renaudel. Die erſte
Sitzung findet am kommenden Mittwoch ſtatt.
Millerand wird am 9. Dezember in Brüſſel eine Rede
halten, und zwar über das Thema Vom Krieg zum Frieden.
Wie der franzöſiſche Botſchafter in Rom auf Befragen beſtätigt,
wird Briand Frankreich auf der Tagung des Völkerbundsrats
in Rom vertreten.
In dem vom Abgeordneten Italo Balbo gegen die Redaktion
der römiſchen Voce republicana angeſtrengten Beleidigungs=
prozeß
wurde dere Redakteur des Blattes freigeſprochen und der Klä=
ger
zu den Koſten verurteilt. Das Blatt hatte Balbo die moraliſche
Anſtiftung zur Ermordung des Geiſtlichen Don Minonzi vorgeworfen.
Der ſüdſlawiſche Außenminiſter Nintſchitſch wird nächſte Woche
in Rom erwartet, um mit Muſſolini verſchiedene Fragen zu
behandeln.
Zwiſchen der Schweiz und Lettland iſt ein Handels=
und Niederlaſſungsvertrag auf der Grundlage der gegen=
ſeitigen
Meiſtbegünſtigung unterzeichnet worden.
Die angekündigte Verordnung über die Einführung von
Maximalzöllen in Polen, in doppelter Höhe der Tarifſätze
gegenüber Staaten, die keinen Handelsvertrag mit Polen haben, iſt ver=
öffentlicht
worden und in Kraft getreten.
Aus Warſchau wird gemeldet, daß geſtern in Lodz der Gene=
ralſtreik
proklamiert worden iſt. 50 000 Arbeiter aus ſämtlichen
Induſtrien bevölkern die Straßen von Lodz. Sie verlangen eine ſofor=
tige
Intervention der Regierung.
Es verlautet, daß die Sowjetregierung bei den Fokker=
werken
250 Flugzeuge beſtellt hat.
Aus Gründen perſönlicher Natur gab eine junge Litauerin
vorgeſtern drei Revolverſchüſſe auf den Vizekonſul der Ver=
einigten
Staaten Henry Dayton in Belgrad ab, der ſchwer ver=
letzt
wurde. Darauf tötete ſie ſich ſelbſt.
Aus Malta iſt in Port Said ein Bataillon Gordon= Hoch=
länder
angekommen.
Aus Marokko treffen für die Spanier ſehr beunruhig=
gende
Nachrichten ein. Die Spanier haben den kleinen Hafen
Rio Martin, einige Kilometer von Tetuan entfernt und ſüdlich von
Ceuta gelegen, verlaſſen müſſen. Im Abſchnitt von Larraſſch hat
ſich die ſpaniſche Garniſon von Kala Buhandun auf Meſerah
zurückgezogen.
Die Daily Mail meldet aus Kapſtadt, es verlaute, daß die
Regierung mit deutſchen Stahlerzeugern über die Errich=
tung
von Stahlwerken in Südafrika in ziemlich großem Umfange
verhandele.
Das engliſche Kabinett hat ſich für den weiteren Ausbau des
Flottenſtützpunktes Singapore ausgeſprochen. Die Pläne werden
noch ausgearbeitet.

Antrag und Arteil im Inſurgenten=Prozeß.
Leipzig, 5. Dez. Der Vertreter der Reichsanwalt=
ſchaft
beantragte gegen jeden der Angeklagten unter Ver=
ſagung
mildernder Umſtände wegen ehrloſer Geſinnung an=
derthalb
Jahre Zuchthaus, 400 Mark Geldſtrafe und
zwei Jahre Ehrverluſt. Die Angeklagten ſeien ſich der Bedeu=
tung
und Ziele des Verbandes der Aufſtändiſchen bewußt ge=
weſen
und hätten ihm als Reichsangehörige auch in wirtſchaft=
licher
Notlage nicht beitreten dürfen.
Heute nachmittag wurde in dem Inſurgentenprozeß
vor dem Reichsgericht das Urteil gefällt. Drei Angeklagte
wurden freigeſprochen, da bei ihnen die Annahme als möglich
hingeſtellt wurde, es handele ſich nicht um einen Inſurgenten=
verband
, ſondern um einen Arbeiterbund. Die übrigen Ange=
klagten
wurden wegen Beihilfe zur Vorbereitung eines hochver=
räteriſchen
Unternehmens im Sinne des § 81 Abſatz 3 des
Reichsſtrafgeſetzbuchs verurteilt, und zwar drei Angeklagte zu je
vier Monaten Feſtungshaft und je 100 Mark Geld=
ſtrafe
, die übrigen zu je ſechs Monaten Feſtungshaft
und je 200 Mark Geldſtrafe. Sämtliche Geldſtrafen ſind durch
die Unterſuchungshaft verbüßt, ebenſo die Freiheitsſtrafen, außer
bei vier Angeklagten, die ſeit Juli außer Haft ſind. Bei dieſen
wurden drei Monate und drei Wochen Freiheitsſtrafe auf die
Unterſuchungshaft angerechnet. Sämtliche Angeklagte wurden auf
freien Fuß geſetzt.
In der Urteilsbegründung wird u. a. ausgeführt: Das
Ziel des Verbandes, die Erregung eines neuen poli=
tiſchen
Aufſtandes in Deutſch=Oberſchleſien und
die gewaltſame Losreißung Deutſch= Oberſchle=
ſiens
vom Reich iſt gerichtskundig. Die Angeklagten
haben dieſes Ziel durch ihren Beitritt zum Verband unterſtützt;
ihre wirtſchaftliche Lage bildet keinen Schuldausſchließungsgrund
im Sinne des Strafgeſetzbuchs. Der Senat billigte je=
doch
mildernde Umſtände zu.

oder jenen vertraulich ſprach; ja, es war furchtbar, in der Nähe
eines Mannes zu leben, dem jede Grenze deutlich erſchien, in
welche die Natur uns Individuen einzuſchränken beliebt hat.
(Wahrheit und Dichtung.)
Lavaters Phyſiognomiſche Fragmente ſind zuſammenhang=
los
aneinandergereihte Eſſays von zum Teil romantiſcher Geni=
alität
. Aber ihr Verfaſſer hätte gut daran getan, ſich mit den
Einzelanalyſen der Phyſiognomie hiſtoriſcher und noch lebender
Perſönlichkeiten zu beſcheiden, ohne ſich zu ſeinen nur ſcheinbar
generellen Schlüſſen verlocken zu laſſen, deren wiſſenſchaftliche
Begründung durch die tendenziöſe Zielſetzung ſeiner Phyſiogno=
miſchen
Fragmente von vorneherein in Frage geſtellt war. In
dem ahnenden Gefühl ſeiner Unſicherheit ſpricht auch Lavater
von der Phyſiognomik als einer erſt werdenden Wiſſenſchaft und
bekennt wiederholt, ſich in ſeinen Urteilen irren zu können. Trotz=
dem
ſuchte er immer wieder, phyſiognomiſche Geſetze aufzuſtellen.
Daran ſcheiterte er. Er mußte ſcheitern, wenn er eine derartig
haltloſe Folgerung vertrat: Je moraliſch beſſer deſto ſchöner;
je moraliſch ſchlimmer deſto häßlicher. Daraus geht deutlich
hervor, daß Lavater in die Phyſiognomien den moraliſchen Men=
ſchen
hineindeutete, daß er in dem Geſicht des einzelnen vor allem
Heilsmöglichkeiten zu entdecken verſuchte, daß er alſo nicht als ein
theoretiſch=wiſſenſchaftlicher Menſch ſeinen Objekten gegenüber=
ſtand
. Wenn er ausruft; ich möchte euch fühlbar werden laſſen,
wie alles, das Geringſte am Menſchen, am Liebling Gottes Aus=
druck
, Wahrheit, Offenbarung iſt, ſo ſpricht ein Enthuſiaſt zu
uns, aber nicht der kühle Sucher wiſſenſchaftlicher Wahrheiten.
G. Chr. Lichtenberg, der ſchärfſte Kritiker der Lavaterſchen Phy=
ſiognomik
, erkannte auch dieſe wundeſte Stelle in den Phyſiog=
nomiſchen
Fragmenten und verurteilte, ſelbſt ein äußerlich ver=
krüppelter
Menſch, dieſen Scheinparallelismus körperlicher und
ſeeliſcher Schönheit, mit Recht aufs entſchiedenſte: Allein gehört
denn unſer Körper der Seele allein zu, oder iſt er nicht ein gemein=
ſchaftliches
Glied ſich in ihm durchkreuzender Reihen, deren jeder
Geſetz er befolgen und deren jeder er Genüge leiſten muß! . . . .
So ſteht unſer Körper zwiſchen Seele und der übrigen Welt in
der Mitte, Spiegel der Wirkungen von beiden. . . . . Soll das
Fleiſch Richter vom Geiſt ſein! . . . . Sage mir, warum der
Tugendhafte ſo oft in einem ſiechen Körper jammert (Ueber
Phyſiognomik.) Gewiß könnte auch die in Einzelheiten fraglos
zutreffende Kritik Lichtenbergs auf Grund unſerer in den letzten
Jahrzehnten gewonnenen pſychoanalytiſchen Erfahrungen und
der ſtreng wiſſenſchaftlichen Forſchungsmethoden von Klages
über Ausdrucksbewegung und Geſtalturgskraft berichtigt und
zur Ehrenrettung der Phyſiognomik als einer we en auch mehr

Aufrollung der Schuldenfrage.
Amerikaniſches Moratorium
für die franzöſiſchen Schulden.
London, 5. Dez. (Europapreß.) Die Times meldet aus
New York, daß über den Beſchluß der Schuldenfundierungs=
kommiſſion
betreffs der Frage der Schuld an Amerika noch der
Schleier des Geheimniſſes liege. Alle Anzeichen deuteten
darauf hin, daß die Kommiſſion ein Moratorium begünſtige,
Der franzöſiſche Botſchafter Juſſerand und der Staatsſekre=
tär
Mellon hatten ſich ſeit der Montagsſitzung der Kommiſ=
ſion
öfter geſprochen. Der Stand der Unterhandlungen ſcheint
im Augenblick der zu ſein, daß kein weiterer Fortſchritt
erzielt werden kann, ohne daß der Kongreß der Kommiſſion
ſelbſt Konzeſſionen in Bezug auf ihre Machtbefugniſſe
macht. Die Kommiſſion werde wahrſcheinlich einen Schuld=
vertrag
auf der Grundlage eines Moratoriums vorſchlagen
und die Verantwortung für die Annahme oder Ablehnung
dem Kongreß überlaſſen.
Waſhington, 5. Dez. (Europapreß.) In Kreiſen, die
der Schuldenfundierungskommiſſion naheſtehen, wird die Nach=
richt
dementiert, daß England gegen die Abſicht der Vereinigten
Staaten proteſtiert habe, Frantreich günſtigere Zahlungsbeding=
ungen
bei der Rückzahlung ſeiner Schulden einzuräumen. Wie
nun verlautet, ſoll wahrend der Londoner Konferenz Maedonald
Herriot verſichert haben, daß er nichts dagegen unternehmen
würde, wenn Frankreich um günſtigere Zahlungsbedingungen bei
den Vereinigten Staaten nachſuche.
Im übrigen ſollen die franzöſiſch=amerikaniſchen Verhand=
lungen
noch im Anfangsſtadium ſein. Juſſerand ſoll mit Mel=
lon
noch eine Reihe von Unterredungen haben, bevor ein Modus
vivendi abgeſchloſſen werde.
London, 5. Dez. (Europapreß.) In politiſchen Kreiſen
verfolgt man mit großer Aufmerkſamkeit die Meldungen aus
Waſhington über die Regelung der franzöſiſchen Kriegsſchulden.
Ein engliſcher Agenturbericht will wiſſen, daß in Amerika eine
ſtarke Bewegung gegen eine günſtigere Behandlung Frankreichs
beſtehe. Die Mehrheit des Kongreſſes ſei dagegen, daß Frank=
reich
günſtigere Bedingungen erhalte als England. In Londoner
Regierungskreiſen erklärt man, daß England keinen Proteſt ge=
gen
eine Begünſtigung Frankreichs nach Waſhington gerichtet
habe. Der engliſche Botſchafter in Waſhington ſei lediglich er=
ſucht
worden, in Erfahrung zu bringen, auf welchem Punkt die
franzöſiſch=amerikaniſchen Verhandlungen gegenwärtig ſtehen.
Nach einer anderen Meldung ſoll dagegen ein Vertreter der eng=
liſchen
Regierung gegenwärtig mit der Waſhingtoner Regierung
in Unterhandlungen ſtehen, um zu erlangen, daß England keine
ſchwereren Bedingungen zu tragen habe, wie Frankreich. Eve=
ning
Standard ſchreibt zu dieſer Frage, daß die Regelung der
interalliierten Schulden gegenüber England jetzt zur gebieteri=
ſchen
Notwendigkeit geworden ſeien. Dieſe Regelung ſei für die
Stabiliſierung der Valuta notwendig. Die Wiederaufrichtung
der Welt wäre aber gefährdet, wenn nur eines der großen Gläu=
bigerländer
, nämlich Amerika, Geld erhalte, während das andere,
England, leer ausginge.
Auch der Star fordert eine baldige Regelung der alliierten
Kriegsſchulden an England. Frankreichs Schuld betrage gegen=
wärtig
623 Millionen Pfund an England und 789 Millionen
Pfund an Amerika. England ſchulde Amerika 920 Millionen
Pfund. Das beſte wäre, wenn Frankreich England die ſchuldi=
gen
623 Millionen Pfund bezahlen würde, und wenn England
dieſen Betrag an Amerika entrichten würde. Amerika könnte es
überlaſſen bleiben, nicht auf der Bezahlung feines vollen Gut=
habens
an Frankreich zu beſtehen.
Lärmſzenen im Wiener Nationalrat.
Wien, 5. Dez. (Europapreß.) In der heutigen Sitzung
des Nationalrats gab es eine große Lärmſzene. Während der
Beratung der Novelle zum Arbeitsloſenverſicherungsgeſetz erho=
ben
ſich auf ein gegebenes Zeichen zahlreiche kommuniſtiſche Ar=
beitsloſe
auf der Galerie und riefen in den Saal: Heraus mit
der Erfüllung der Forderungen der Arbeitsloſen, denkt an die
Weihnachten der Arbeitsloſen! Die Seelen ſind ſaniert, aber die
Arbeitsloſen verhungern! Der Präſident ermahnte die Galerie
zur Ruhe. Die lärmenden Kundgebungen der Arbeitsloſen nah=
men
jedoch ihren Fortgang und pflanzten ſich in dem Sitzungs=
ſaal
fort, wo die Chriſtlich=ſozialen und die Sozialdemokraten ſich
gegenſeitig zu beſchimpfen begannen. Die Arbeitsloſen auf der
Galerie riefen im Chor: Hunger! Schließlich unterbrach der Prä=
ſident
die Sitzung auf 10 Minuten und die Parlamentsdiener
entfernten die Manifeſtanten von der Galerie. Nach Wiederauf=
nahme
der Sitzung wurde die Novelle zum Arbeitsloſenverſiche=
rungsgeſetz
mit den Stimmen der Mehrheit gegen die Sozial=
demokraten
in zweiter und dritter Leſung angenommen.

individualpſychologiſchen als nomothetiſchen Wiſſenſchaft ergänzt
werden; aber es beſteht kein Zweifel mehr, daß Lavaters phyſiog=
nomiſches
Werk niemals Anſpruch auf wiſſenſchaftliche Wertung
erheben kann. Seine ſchrankenloſe Phantaſie, ſein ſympathetiſches
Temperament, ſein tiefes Gemüt und die in dieſen Charakter=
anlagen
begründete, durchaus ſubjektiviſtiſche Methode, wenn
überhaupt bei ihm von einer ſolchen die Rede ſein kann, ließen
ihn zu keiner ſyſtematiſchen Begründung phyſiognomiſcher Tat=
ſachen
, zu keiner Wahrſchau im objektiven Sinn, zu keiner Phy=
ſiognomik
als Wiſſenſchaft kommen.
Eine offenſichtliche Fehlerquelle in Lavaters Phyſiog=
nomik
, obwohl man gerade ihr den Schatz des Phy=
ſiognomiſchen
Kabinetts zu verdanken hat, liegt auch in
der allzu ſorgloſen Benutzung künſtleriſcher Denkmäler,
in der falſchen Vorausſetzung, aus Bildniſſen, Schattenriſſen,
figürlichen Darſtellungen mit pathognomiſcher Charakteriſtik
(Pathognomie iſt die Zeichenlehre der Affekte) phyſiognomiſche
Erkenntniſſe gewinnen und ſie auf den lebenden Menſchen über=
tragen
zu können. Denn das Kunſtwerk iſt nicht identiſch mit
der biologiſchen Wirklichkeit, die für die Phyſiognomik erſte
Inſtanz ſein muß. Der echte Künſtler wird ſtets gewiſſe Aus=
druckselemente
zur erhöhten Steigerung zuſammenfaſſen, Neben=
ſächliches
ausſcheiden, um über die beabſichtigte Beſeelung
körperlicher Merkmale nicht den geringſten Zweifel im Be=
ſchauer
aufkommen zu laſſen. Daß der Maler und der
Dichter ihre Tugendhaften ſchön und ihre Laſterhaften häßlich
vorſtellen, kommt nicht von einer durch Intuition erkannten not=
wendigen
Verbindung dieſer Eigenſchaften her, ſondern weil ſie
alsdann Liebe und Haß mit doppelter Kraft erwecken. ( Lichten=
berg
.) Selbſt das Porträt kann nicht als eine objektive Urkunde
für wiſſenſchaftlich exakte phyſiognomiſche Feſtſtellungen in Be=
tracht
kommen. Auch in das Bildnis geht des Künſtlers Indi=
vidualität
mit ein. Der großen Schwierigkeit einer phyſiogno=
miſchen
Darſtellung waren ſich ſchon die chineſiſchen Maler be=
wußt
. Bei Hua Chüan im 12. Jahrhundert heißt es: Nichts iſt
ſo ſchwer wie ein Porträt. Nicht die Wiedergabe der Züge iſt
ſchwierig, ſondern die Schwierigkeit liegt darin, daß es
gilt, die Quellen des Handelns zu malen, die im Herzen
verborgen ſind. So ſehr auch Lavater die an den Phy=
ſiognomiſchen
Fragmenten mitarbeitenden Künſtler zur ſtreng=
ſten
Objektivität verpflichtete, ein Geſicht im Spiegel verlangte,
kein einziger konnte, ganz naturgemäß, dieſe Forderung reſtlos
erfüllen. Und doch war er zur unumgänglich notwendigen Ver=
anſchaulichung
ſeiner phyſiognomiſchen Beobachtungen auf künſt=
leriſche
Mithilfe angewieſen, die letzten Endes verſagen mußté

[ ][  ][ ]

Rummer 339.

Samstag, den 6. Dezember 1924.

Chamberlain in Paris.
Die Begegnung mit Herriot.
TU. Paris, 5. Dez. Der erſte Beſuch Auſten Chamber=
ains
galt heute vormittag dem Präſidenten der Republik. Im
Anſchluß daran fand um 11 Uhr die Begegnung mit Her=
t
iot ſtatt, zu der kein Zeuge hinzu gezogen war. Es war nicht
rinmal ein Dolmetſcher der Unterredung anweſend, da der
ritiſche Außenminiſter das Franzöſiſche fließend beherrſcht. Um
Uhr gab Herriot im Quai d’Orſay zu Ehren Chamber=
llains
ein Eſſen, zu dem insbeſondere der britiſche Bot=
ſ
hafter in London, Fleuriau, der britiſche Direktor am Quai
*Orſay, Larroche, und der Unterdirektor Seydoux geladen waren.
Die Kanzlei des Miniſterpräſidenten veröffentlicht folgendes
Sommuniqué:
Der engliſche Staatsſekretär für auswärtige Angelegenheiten
Tuſten Chamberlain hatte heute eine zweiſtündige
Unterredung mit Miniſterpräſidenten Herriot, in deren Ver=
lmuf
die beiden Miniſter die verſchiedenſten ausländiſchen Prob=
leme
beſprochen haben. Es iſt ein Einverſtändnis er=
ielt
worden über die Fragen, die eine ſofortige Löſung
efordern. Gewiſſe Angelegenheiten, die eine längere
Srüfung in Anſpruch nehmen, werden im Einverſtändnis der
lreiden Miniſter im gleichen Geiſte und dem beſtimmten
tegenſeitigen Willen geprüft werden, die freundſchaft=
lichen
Beziehungen, die zwiſchen Frankreich und Groß=
kritannien
beſtehen, zu entwickeln in dem Willen, den Frieden
entfrecht zu erhalten.
Chamberlain mit dem Ueberwachungsplan
Boncourts einverſtanden.
Während die Unterredung noch andauerte, trat die Kom=
zriſſion
des Oberſten Rates für nationale Verteidigung unter
dem Vorſitze Paul Boncourts zuſammen. Die Studienkom=
miſſion
hat auf Veranlaſſung des Miniſterpräſidenten einen
Ueberwachungsplan ausgearbeitet, der ausgeführt wer=
den
ſoll, wenn an die Stelle der interalliierten Militärkontrolle
dre Kontrolle des Völkerbundes tritt. Von dieſem
Plan hat Miniſterpräſident Herriot im Laufe der heutigen
Unterredung Chamberlain Kenntnis gegeben. Die
egliſche Regierung hat bekanntgegeben, daß ſie die Ernennung
anes Vertreters Frankreichs zum Vorſitzenden dieſes ſtändigen
Ueberwachungsausſchuſſes für die Entwaffnung Deutſchlands
uniterſtützen werde.
Chamberlain iſt um 5 Uhr programmäßig nach Rom
meitergereiſt. In Wochenfriſt wird nach der Morgenpreſſe eine
ueue Begrüßung mit Herriot erfolgen. Ere Nouvelle‟
gbt der Vermutung Ausdruck, daß Chamberlain ſich im
Verlaufe der heutigen Beſprechung bereit erklärt hat, Frank=
reich
gegen Zugeſtändniſſe im Nahen Oſten am
Fhein entgegenzukommen.
Die Angelegenheit Sadoul.
Paris, 5. Dez. (Europapreß.) Die Gleichzeitigkeit der
Amkunft Kraſſins und Sadouls hat in politiſchen Kreiſen ziemlich
überraſcht und wird dahin ausgelegt, daß der neue Sowjetbot=
ſchaſter
offenbar gedenkt, ſich der Angelegenheit Sadoul anzu=
nehmen
. Sie hat aber auch den Eindruck erweckt, daß der Sowjet=
botſchafter
ſeine Tätigkeit mit einer Agitation eröffnen werde,
de in Regierungskreiſen einen ſchlechten Eindruck erwecken wird.
7o ſchreibt die Ere Nouvelle, daß, wenn Sadoul nach
Aaris gekommen ſei, um ſeine Unſchuld zu beweiſen und um
vor einem neuen Kriegsgericht ſeine Rehabilitierung zu erlangen,
jDermann verpflichtet ſei, ſeine Argumente anzuhören und von
ſänen Richtern abſolute Unparteilichkeit zu verlangen. Die Zei=
tung
weiſt darauf hin, daß ſie immer gefordert habe, daß auch
der Fall Sadoul in die Amneſtie einbezogen werde. Wenn aber
adoul nun die franzöſiſche Grenze überſchritten habe, um in
Frankreich eine für den ſozialen Frieden gefährliche Agitation zu
entfalten, ſo liege die Frage ganz anders. Man habe in
Frankreich kein Intereſſe daran einer bolſche=
iſtiſchen
Agitation Raum zu geben, auf welche
keicht ein faſziſtiſches Experiment folgen könnte.
Asenn deshalb die Bolſchewiſten im Schutz der diploma=
tſchen
Immunität ihre Propaganda entwickeln wollten,
ſo erklärt die Zeitung, dann wäre ſie die erſte, um der Regie=
rung
zu empfehlen, Kraſſin ſeine Reiſepäſſe
wieder zuzuſtellen.
Der Quotidien der ebenfalls als Regierungsorgan an=
zuſprechen
iſt, ſchreibt unter der Ueberſchrift: Die abſcheulichſte
Regierung! Unſere Bolſchewiſten ſpielen offenbar kein
orfenes Spiel. Ihre Haltung in der Angelegenheit Sadoul iſt
dafür ein neuer Beweis. Sie haben dieſen Offizier zu=
rüickkommen
laſſen, um eine kommuniſtiſche Agi=
tätion
im ganzen Lande zu entfachen. Sie wollen
dres aber nicht anerkennen.

Eine Rede Baldwins.
Die Aufgaben der engliſchen Regierung.
London, 5. Dez. (Europapreß). Faſt alle Miniſter haben
geſtern abend an einer konſervativen Verſammlung
in der Albert=Hall teilgenommen, wobei Baldwin als
Hauptredner fungierte. Er erklärte, daß die konſervative Partei
noch nie einen ſo glänzenden Sieg errungen habe wie bei den
letzten Wahlen. Die Regierung könne nicht im Voraus ſagen,
daß nun der Frieden ewig herrſchen werde, aber ſie
werde gewiß nicht das Beiſpiel einer der größten
europäiſchen Nationen befolgen, die bankerott
geworden ſei. Die engliſche Wählerſchaft habe endgültig mit
dem Sozialismus abgerechnet und dieſem zu verſtehen
gegeben, daß ſie nicht von Moskau aus kontrolliert ſein wolle.
Ein ſo großes Land wie England werde auf keinen Fall die
Methoden kopieren, die gegenwärtig in Rußland in Gebrauch
ſeien.
Darauf ſprach Baldwin über die ägyptiſche Kriſe. Er
bekämpfte energiſch die von den Gegnern erhobenen An=
ſchuldigungen
, wonach die engliſche Regierung die Er=
mordung
des Sirdar habe benützen wollen, um das engliſche
Protektorat in Aegypten wieder herzuſtellen. Einen
ſolchen Verſuch unternahm die Regierung nicht. Es ſei aber ihre
Pflicht geweſen, raſch zu handeln, um der ägyptiſchen Regierung
zu verſtehen zu geben, daß die Kampagne des Haſſes und
der Attentate aufhören müſſe. England habe nicht die
Abſicht, die Unabhängigkeit wieder zu zerſtören, die es Aegypten
gewährt habe. Es denke nicht einmal daran, ſich in die ägyp=
tiſche
Verwaltung einzumiſchen. Es wünſche lediglich
ſeine Miſſion zu erfüllen, die darin beſtehe, nicht nur die briti=
ſchen
ſondern alle anderen ausländiſchen Intereſſen in Aegypten
auch zu ſchützen. Die Verkehrswege des Reiches müßten außer=
dem
geſichert bleiben. Die Regierung ſei entſchloſſen, die Ver=
pflichtung
, die ſie dem Sudan gegenüber übernom=
men
habe, zu beachten, ebenſo wie diejenigen, die ſie gegen=
über
Aegypten habe. Keine dieſer Rückſichten ſeien mit der Auf=
rechterhaltung
von freundſchaftlichen Beziehungen zwiſchen den
beiden Ländern unvereinbar.
Engliſche Note an den Völkerbund.
Genf, 5. Dez. (Europapreß.) Das Völkerbundsſekretariat
veröffentlicht eine Note Auſten Chamberlains über den
Standpunkt der engliſchen Regierung in dem eng=
liſch
=ägyptiſchen Konflikt. In dieſer Note wird daran erinnert,
daß das engliſche Protektorat über Aegypten auf
Grund der von der engliſchen Regierung am 28. Februar 1922
abgegebenen und am 14. März desſelben Jahres vom Parla=
ment
gutgeheißenen Erklärung aufgehört hat. England
würde jeden Verſuch, ſich in die ägyptiſchen Angelegenheiten
einzumiſchen, als unfreundliche Handlungs=
weiſe
und jeden Angriff auf ägyptiſches Gebiet als ein Vor=
gehen
betrachten, dem es mit allen ihm zu Gebote ſtehenden
Mitteln entgegentreten müßte. Die britiſche Regierung
würde unter dieſen Umſtänden nicht dulden können, daß das
Protkoll betreffend friedliche Beilegung internationaler Streit,
fragen, ſofern es von Aegypten unterzeichnet wird, dieſem die
Möglichkeit geben ſollte, die Intervention des Völker=
bundes
für die Regelung von Fragen nichzuſuchen, die
durch jene Erklärung ausſchließlich dem Gutfinden
der engliſchen Regierung anheimgeſtellt ſind.
Der ägyptiſche Senator Fanus ſoll an den Präſidenten
des Völkerbundsrates Hymans, ein Memorandum
gerichtet haben, das ausführlich den ägyptiſchen Stand=
punkt
zum Konflikt mit England auseinanderſetzt. Der Sena=
tor
führte iene Reihe von Gründen an, wonach der Völkerbund
beſtimmt werden ſoll, dieſen Konflikt beizulegen, da das Verhält=
nis
des Oſtens zum Weſten von der Haltung des Völkerbundes
abhängig ſei.
Umformung des ſpaniſchen Kabinetts.
Paris, 5. Dez. (Europapreß.) Nach Mitteilungen von gut
informierter Seite ſcheint binnen kurzem mit der Umbildung
des ſpaniſchen Direktoriums zu rechnen ſein. Primo
de Riverra wird am 20. Dezember d. J. in Madrid zurückerwar=
tet
. Er hat die Abſicht, ein Zivilkabinett unter ſeinem Vorſitz zu
bilden. Außenminiſter des neuen Kabinetts ſoll der gegenwär=
tige
Londoner Botſchafter Merry del Val werden. Kriegs=
miniſter
wird der Profeſſor für Rechtswiſſenſchaft an der Ma=
drider
Univerſität de Diego, Innenminiſter Gonzales
der gegenwärtige Staatsſekretär des Staatsrechts. Bezeichnend
für die Abſichten der neuen Regierung iſt, daß weiter als Innen=
miniſter
Martinnez Amigo, der Unterſtaatsſekretär im Innen=
miniſterium
iſt, genannt wird. Amigo genießt als Henker der
kataloniſchen Arbeiter einen ſchlechten Ruf. Marineminiſter ſoll
Admiral Magaz werden. Für den Poſten eines Finanz=
miniſters
wird noch keine Perſönlichkeit genannt.

dn ſich die äſthetiſch=künſtleriſche Darſtellung unmöglich vereinigen
lieeß mit theoretiſch =wiſſenſchaftlichen Forderungen. Vollends
tügeriſch waren natürlich Lavaters phyſiognomiſche Deutungen
der Konturen von Schattenriſſen; hier verſagten in der Regel
ſaine Orakelſprüche Unbekannten gegenüber.
Lavater hat auch nicht ſcharf unterſchieden zwiſchen den mimi=
ſchen
, d. h. wechſelnden, und den phyſiognomiſchen, d. h. den
uigeborenen oder erworbenen, bleibenden Ausdrucksformen des
Geſichts.
So müſſen wir ſtreng ſcheiden zwiſchen Lavater als Menſchen
und Lavater als Gelehrten. Der Menſch Lavater, der
ſeine heiße Menſchenliebe mit dem Samaritertod beſiegelte,
ſteht nach dem Urteil der Geſchichte vor uns als ein
makelloſes Vorbild, Lavater als Gelehrter hält unſerer Kritik
nicht ſtand. Damit ſind die Phyſiognomiſchen Fragmente kei=
neswegs
abgetan. Sie haben das Urteil vieler geſchärft, wie
oethe ſelbſt bekennt, und die eingehende pſychologiſche Charak=
teriſtik
der zwölf Apoſtel in Goethes Aufſatz über das Abendmahl
Läonardos vom Jahre 1817, dieſe Kunſtanalyſe höchſter Ord=
ming
, iſt ohne Goethes Mitarbeit am erſten Band der Phyſiog=
vomiſchen
Fragmente kaum denkbar. Alle phyſiognomiſchen
Verſuche vor Lavaters Zeit ſchrumpfen in ein Nichts zuſammen
vor der Fülle ſeiner Beobachtungen; alle Phyſiognomen nach ihm
bauten letzthin doch auf das von Lavater hinterlaſſene Erbe auf,
inenn ſie es auch verleugneten oder verkleinerten, um ſelbſt als große
(eiſter dazuſtehen. Was wir in denPhyſiognomiſchen Frag=
menten
an wiſſenſchaftlicher Syſtematik vermiſſen, erſetzt Lavater
deurch die herzlichſten, geiſtreichſten Einzelheiten (Goethe).
Davon nur zwei Proben! Friedrichs des Großen Profil charak=
riſiert
er als eine beynahe uneroberliche Mauer, einer halben
ägyptiſchen Pyramide gleich; bei einem Profil Goethes nach einer
Füſte ſieht der Kommentar ſteinern nach Stein gearbeitet, aber
ärißerſt charakteriſtiſch für den Phyſiognomiker. Imimer Larve
nes großen Mannes, der das Creditif ſeiner Vollmacht, auf die
enſchheit zu wirken, auf ſeinem Geſicht hat, ſogar auf der har=
en
Larve ſeines Geſichts. Auch ſonſt finden wir hier und dort
ſanz vortreffiche Beobachtungen, ſo über die blutleere klaſſiziſtiſche
unſt ſeiner Zeit, wenn er von Chodowiecki rühmt, er ſei beh=
jahe
der Einzige, der nie bloß akademiſche Figuren liefert
wenn er von Mengs bekennt, daß er ſeinem Geſchmack zu
alant wäre, daß er ein Maler ſei, der gerade deshalb aller
Welt gefalle. So nimmt Lavater ſchon manche kunſtkritiſche
Teußerungen der Romantiker vorweg.
Dürfen wir ſo die Phyſiognomiſchen Fragmente als eine
och keineswegs ganz ausgeſchöpfte kunſt= und kulturgeſchichtliche
Quelle werten, ſo gilt das in ungleich höherem Grad von der

rieſigen Sammlung, die Lavater für ſeine phyſiognomiſchen Stu=
dien
angelegt hatte. Von allen bekannten Perſönlichkeiten erbat
er oder ließ er ſich Bildniſſe anfertigen. Da aber Lavater auch
ältere Darſtellungen, die irgendwie phyſiognomiſche Bedeutung
hatten, zu erwerben verſuchte, ſo ſammelten ſich auch Blätter von
hohem kultur= und kunſtgeſchichtlichem Wert, beſonders Handzeich=
nungen
Schweizer Künſtler, in ſeinen Mappen an. Im Jahre 1804
erwarb der Wiener Kunſtfreund Reichsgraf Fries von den Nach=
kommen
Lavaters das geſamte Phyſiognomiſche Kabinett, das
als einziger Aktivpoſten den Schulden gegenüberſtand, die La=
vater
im Dienſte der Phyſiognomik hinterlaſſen. In 27 Kiſten
verpackt, ſchwamm dieſer kulturgeſchichtliche Schatz Zürichs donau=
abwärts
nach Wien. Als zwei Jahrzehnte ſpäter das Kabinett
wieder verſteigert werden ſollte, erwarb es der Kaiſer Franz am
4. Februar 1828. In der neuen Hofburg wurde nun die Samm=
lung
aufgeſtellt und der Fideikommißbibliothek des Kaiſerhauſes
einverleibt: über 20 000 Nummern in 880 Portefeuilles, die
noch heute die von Lavater ſelbſt beſtimmte kabinettliche Form
haben. Das Phyſiognomiſche Kabinett blieb, ſeitdem es Zürich
verlaſſen, bis auf den heutigen Tag ſo gut wie vergeſſen. Neu=
gierige
mögen ab und zu einmal in den zahlloſen Sammelkäſten
mit nicht allzu großer Pietät herumgeblättert haben; denn die
ganze Sammlung iſt in Unordnung geraten, ſo daß auf die
Rückentitel der einzelnen Kartons kein Verlaß mehr iſt. Erſt jetzt
geht man daran, dieſes beiſpiellos reichhaltige Material wiſſen=
ſchaftlich
zu verarbeiten. Der Literatur=, Kultur= und Kunſt=
geſchichte
dürfte mancher bedeutſame Fund gelingen. Als erſte
Früchte dieſer Bemühungen können wir bereits zwei im Amal=
thea
=Verlag (Wien) erſchienene, von Ed. Caſtle redigierte Map=
penwerke
anzeigen unter dem Geſamttitel: Die Sammlung La=
vater
In Mappe I wird behandelt Lavater und die Seinen.
in Mappe II Goethe und ſein Kreis‟. Der Wert dieſer Ver=
öffentlichung
liegt vor allem in der getreuen Wiedergabe nicht
nur der Bildniſſe in ſorgfältigem Vierfarbendruck, ſondern auch
der urſprünglichen Aufmachung einſchließlich der fakſimilierten
Beſchriftung durch Lavaters Hand (ſiehe die Abbildungen in der
Gegenwart). Unter den Blättern der Mappe I feſſelt beſonders
eine farbige Handzeichnung von einem zu ſeiner Zeit wohl etwas
überſchätzten Kurferſtecher H. Lips: eine Ganzfigur Lavaters
in ſeinem Arbeitszimmer, auf dem Tiſche ſtehen einige Sammelkäſten
des Phyſiognomiſchen Kabinetts. Auf einem anderen Blatt
wird Lavater leicht ſchlafend dargeſtellt. Schlaf ich alſo froh
wie werd im Leben ich froh ſeyn ſchreibt er ſelbſt als Gloſſe
zu ſeinem Konterfei. Das iſt der ätheriſch zarte ſchlanke Mann,
mit dem Mondſtrahl im Geſicht, deſſen Perſönlichkeit die Zeit=
genoſſen
ſchildern als lang und wohlgewachſen, leiſe und leicht

Seite 3.

Muſſolinis Manifeft.
Giornale d’Italia für eine Regierung der Mitte.
Von unſerem römiſchen Korreſpondenten.
Dr. L. Rom, 3. Dez.
Das Giornale d’Italia äußerte ſich in einer längeren Kritik
zu dem Manifeſt Muſſolinis an die faſziſtiſchen Provinzialhäup=
ter
. Es ſchreibt, man könnte glauben, eine Nummer des Gior=
nale
d’Italia zu leſen, die einige Monate alt ſei, wenn man das
Manifeſt Muſſolinis vor Augen bekomme. Genau das Gleiche
habe im Intereſſe des Faſzismus dieſe Zeitung geraten,
als ſie den Faſzismus mahnte, von den gewohnten Sitten zu
laſſen, die Mentalität und die Methoden, die in vollkommenem
Gegenſatz zur Ziviliſation ſtänden, aufzugeben. Jetzt könne man
nur antworten: zu ſpät! Muſſolini erſcheine nicht als ein Mann,
der ſich ſelbſt überzeugt habe, ſondern als ein Mann, der ge=
zwungen
ſei, ſeine Taktik zu ändern, wenn er nicht ſeine Macht
verlieren wolle. Man könne alſo nichts anderes ſagen, als daß
die Lage durch das Manifeſt Muſſolinis nicht geändert werde.
Weiterhin führt dann das Giornale d’Italia aus, daß es keine
andere Löſung gebe, als eine Regierungsänderung, die wieder
Geſetz und Recht bringe. Muſſolini verſuche vergebens durch ſei=
nen
Brief an die Faſziſten, dieſe Möglichkeit wiederzugeben. Man
müſſe ſich nach einer Regierung der Mitte umſehen, die
geeignet ſei, einen großen Teil der faſziſtiſchen Elemente zu ge=
winnen
und dem Faſzismus die Sicherheit gäbe, daß er nicht
unter Verfolgungen zu leiden haben würde. Die öffentliche Mei=
nung
ſei im Süden und auf den Inſeln Italiens, alſo in der
Hälfte des Landes vollkommen gegen den Faſzismus. In der
anderen Hälfte fänden ſich zweifellos Zonen, in denen der Faſzis=
mus
noch ganz radikal ſei, und das ſeien beſonders die Gegenden,
wo vorher die entgegengeſetzte Krankheit, der Kommunismus,
geherrſcht habe. Aber die große Mehrheit der arbeitſamen Be=
völkerung
ſei ſich einig, daß man aus der augenblicklichen Lage
herauskommen müſſe.
Muſſolini über die innere Politik.
* Rom, 5. Dez. (Priv.=Tel.) In ſeiner Erwiderung auf
die Kritik einiger Senatoren erklärte Muſſolini in der heutigen
Senatsſitzung:
Um die Lage zu begreifen, muß man der Tatſache Rechnung
tragen, daß eine Revolution ſtattgefunden hat und
ein neues Regime geſchaffen wurde, das in die Ver=
faſſung
hineingereiht werden mußte. Ich bin zur Geſetz=
lichkeit
zurückgekehrt. Könnte eine andere, antifaſziſtiſche
Regierung dieſe Rückkehr zur Geſetzmäßigkeit mehr beſchleunigen?
Ich beſtreite es und erkläre, die im Senat gemachten Verſprechun=
gen
gehalten zu haben. Die Geſetzwidrigkeit iſt ſtreng
unterdrückt worden. Der Faſzismus iſt diſzipliniert worden.
Nach der Ermordung Caſſalinis wurden Repreſſalien verhindert,
indem der Miniſter des Innern ſelbſt für den Ordnungsdienſt
ſorgte. Auch das Verſprechen der Wiedereröffnung
und Beſtätigung des Parlaments iſt innegehal=
ten
worden. Die im Januar erlaſſenen Dekrete ſind durch
dringende Bedürfniſſe gerechfertigt. Da die Kammer nicht immer
tagt, ſind Dekrete unvermeidlich. Eswird behauptet ich
wollte um jeden Preis am Ruder bleiben. Das
iſt nichtwahr. Wenn der König mir am Ende dieſer Debatte
ſagen würde, Sie können gehen, ſo würde ich gehen. Wenn es
ſich aber um Seine Majeſtät, den Corriere della Sera handelt,
ſo gehe ich nicht. (Vielſeitige Zuſtimmung.)
Muſſolini erinnert ſodann an ſeine Tätigkeit für die Diſzi=
plinierung
und Säuberung der Partei. Auch die
Verſchärfungen hinſichtlich der Miliz ſeien behan=
delt
worden. Muſſolini fuhr fort, die Oppoſition bilde ein
Chaos, in dem die Sozialiſten vorherrſchen. Die Demokraten
haben angeſehene Führer, aber kein Heer, die Liberalen ſind ent=
zweit
. Wenn der Faſzismus zurücktritt, über=
nehmen
die Kommuniſten die Nachkommenſchaft.
Die Durchführung von Albertinis Vorſchlag einer Militär=
diktatur
würde keinen Frieden bringen. Das
Heer darf nicht Politik treiben. Bei der Verfaſ=
ſungsreform
ſuche er Neueinrichtungen zu ſchaffen, ohne aber
die Grundlagen der Verfaſſung anzurühren. Einige Abgeordnete
entfernten ſich aus unſeren Reihen, in der Hoffnung, das, was
ſie im Faſzismus nicht erlangten, in der Oppoſition zu erreichen.
Aber, wenn ich die Verſöhnung nicht erreichte
wäre meine Aufgabe nicht erfüllt. Der Senat muß
ſich klar ausſprechen. Ich nahme kein bedingtes Vertrauen an,
dem ich das Mißtrauen vorziehe. Die Stunde iſt ernſt, aber ihr
werdet ihr gewachſen ſein, weil euer Geiſt jetzt und in Zukunft
vom Gedanken des Königs und des Vaterlandes beſeelt ſein wird.
Die Rede wurde mit begeiſtertem Beifall von
der Mehrheit aufgenommen und viele Senato=
ren
beglückwünſchten Muſſolini.
Der italieniſche Senat hat eine Tagesordnung
Mazziotti, die die Innenpolitik der Regierung
billigt, mit 206 gegen 54 Stimmen angenommen. Die
Regierung hatte die Vertrauensfrage geſtellt. 35 Senatoren
haben ſich der Abſtimmung enthalten.

ſchwebend in Gang und Bewegung, ohne alle Ziererei, mild und
doch lebhaft im Ausdruck. (Siehe die Abbildungen in der Gegen=
wart
.)
In der Mappe II finden wir Bildniſſe von Goethe und
ſeiner Familie, von Merck, Sophie von La Roche, Fr. Jakobi, der
gottergebenen Dulderin Katharina Zimmermann, von den beiden
Grafen Stolberg, von Baſedow, Haugwitz, den Stürmern und
Drängern Lenz und Klinger, von Chodowiecki und Karl Auguſt
von Sachſen=Weimar. In unſerem illuſtrierten Beiblatt bilden
wir das auf der Darmſtädter Jahrhundertausſtellung 1914 zuerſt
bekannt gewordene Oelbild Goethes von Bager ab, da dieſer
Wiesbadener Maler als Schüler des Darmſtädter Malers Joh.
Chriſt. Fiedler Beziehungen zu Darmſtadt hatte. Das etwas
nüchterne Goethebildnis Bagers Goethe war damals 24 Jahre
alt entſpricht keineswegs unſerer Vorſtellung von Goethe;
auch Lavater machte ſich ein anderes Bild von dem jungen Feuer=
geiſt
, den er damals noch nicht perſönlich kannte. Goethe! Dich malt
und beſchreibt kein Geiſt, der kleiner als du iſt, ſo beginnt er
die treffliche Beiſchrift zu dieſem Bild. Gerade eine ſolche indif=
ferente
Darſtellung hätte Lavater aber äußerſt vorſichtig machen
ſollen in der phyſiognomiſchen Verwertung künſtleriſcher Denk=
mäler
. Das von dem Kupferſtecher Schmoll weit lebendiger
gezeichnete Bildnis des Darmſtädter Kriegsrates Merck,
deſſen Wiedergabe in unſerer illuſtrierten Beilage beſonders er=
wünſcht
ſein dürfte, erhält den Begleitvers:
Einer der klügſten Köpfe voll genialiſchen Feinſinns.
ohne ſchöpferſche Kraft, doch ſtrebend nach ſchöpferſchen Kräften.
Witzreich, feingewandt und pfiffig, jeden zu faſſen
Bei der ſchwächeren Seite und etwas von ihm zu erlauern.
Lavater trifft mit dieſer Charakteriſtik nicht ganz den Weſenskern
dieſes kritiſch hochbegabten Geiſtes. Man könnte daraus den
Schluß ziehen, Merck ſei ein lediglich verkleinernder, negativ ein=
geſtellter
Kritiker geweſen. Dem iſt nicht ſo. Merck durchſchaute
und geißelte wie kaum ein anderer das hohle äſthetiſierende Kunſt=
getue
des Klaſſizismus. Er empfand wahrhaft individuell künſt=
leriſch
, ganz im Gegenſatz zu dem engherzigen literariſchen
Dogmatismus der Kunſtpedanten ſeiner Zeit. Dagegen iſt
von Merck ein Urteil über Lavater erhalten, das wir
wegen ſeiner prägnanten Faſſung an den Schluß ſetzen wollen.
In einem Brief vom 28. Auguſt 1774 ſchreibt er an Nicolai:
Kein Menſch mag wohl weniger für ihn (Lavater) eingenommen
geweſen ſeyn als ich . . . allein, wenige Menſchen habe ich ge=
ſehen
, die auf mich einen ſo erbaulichen indruck gemacht hätten
wie dieſer außerordentlich gute Menſch.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Samstag, den 6. Dezember 1924.

Nummer 339.

Südſſawien
im Zeichen des Wahlkampfes.
Südſlawien ſteht im Zeichen eines erbitterten, ja verzweifel=
ten
Wahlkampfes, denn von den auf den 8. Februar ausgeſchrie=
benen
Wahlen hängt das ganze weitere Schickſal des Reiches ab,
Es iſt kein gewöhnlicher Wahlkampf, der jetzt zwiſchen dem grei=
ſen
Paſitſch, dem Schöpfer des jugoſlawiſchen Reiches, und der
kroatiſchen Oppoſition ausgefochten wird. Es kämpfen hier nicht
nur Parteien, ſondern Nationen gegeneinander. Die Vergangen=
heit
hat es bewieſen, daß zwiſchen Kroaten und Serben eine
Brücke zu ſchlagen unmöglich iſt, und daß eine noch ſo gemäßigte
ſerbiſche Regierung mit den Kroaten, oder vielmehr mit dem
Kroatenführer Raditſch, nicht zuſammenarbeiten kann. Raditſch
war es ſelbſt, der auf den Bruch mit Belgrad hingeſteuert hat
und mit allen Mitteln Neuwahlen herbeizuführen trachtete. Und
dadurch hat ſich die ſeltſame Lage ergeben, daß die kroatiſche
Oppoſition zuſammen mit ihrer erbittertſten Gegnerin, der groß=
ſerbiſchen
radikalen Partei welche übrigens ihren Namen nicht
verdient, da ſie ſich höchſtens in der Wahlpolitik radikal zeigt,
ſonſt aber die konſervativen ſerbiſchen Elemente vereinigt auf
die Auflöſung der Skuptſchina drängte.
Der Kampf, welcher ſich urſprünglich nur um die Selbſt=
beſtimmung
der kroatiſchen Nation drehte, iſt der Brennpunkt
eines viel wichtigeren und bedeutungsvolleren Kampfes gewor=
den
. Denn um Raditſch und ſeine Partei, welche alle Mandate
der kroatiſchen Nation beſitzt, ſcharen ſich alle nichtſerbiſchen Ele=
mente
Jugoſlawiens. Die verfehlte Nationalitätenpolitik ſeit
Kriegsende hatte den Erfolg, daß Slowenen, Albaneſen, Moham=
medaner
, Mazedonier, Magyaren und nicht zuletzt die Deutſchen
ſich der kroatiſchen Bewegung anſchloſſen und ſo zu einer wahren
Gefahr für Großſerbien wurden. Denn Serbien droht einerſeits
das Uebergewicht ſeiner Nationalitäten bei dem jetzigen zentra=
liſtiſchen
Syſtem; andererſeits das Verſchwinden unter ſeinen
völkiſch, wirtſchaftlich und kulturell höherſtehenden Nationalitäten
bei einer förderaliſtiſchen Entwicklung.
Es war ein verzweifelter Schritt von Paſitſch, jetzt die Neu=
wahlen
herbeiführen zu laſſen, denn bei einigermaßen normalen
Wahlmethoden können nur die Nationalitäten von dem Wahl=
kampf
einen Erfolg erhoffen. Es handelt ſich hier nicht um
Parteikämpfe, welche durch eine ſtarke Agitation beeinflußt wer=
den
können, ſondern um nationale Kämpfe, deren Endergebnis
auf Grund der Statiſtik mit Leichtigkeit vorher zu beſtimmen iſt.
Wenn trotzdem Raditſch bei den Wahlen eine Niederlage erleiden
ſollte, was ſehr unwahrſcheinlich iſt, könnte das die Regierung
nur durch Gewaltmethoden erreichen. Noch vor einigen Wochen
war es zweifelhaft, ob die kroatiſchen Maſſen geſchloſſen hinter
Raditſch ſtanden. Damals war eine merkliche Umſtimmung zu=

gunſten der gemäßigten Richtung, welche mit dem Fortbeſtehen
des Reiches bei einigen Konzeſſionen zufrieden geweſen wäre, zu
merken. Jetzt iſt die Stimmung der Maſſen erheblich zugunſten
Raditſchs umgeſchlagen. Das Wiedererſcheinen Paſitſchs in der
Regierung genügte, die Kroaten wieder in eine ſtarke Oppoſition
zu treiben.
Das ſüdſlawiſche Reich kämpft jetzt um ſeine Exiſtenz. Wenn
die radikale Partei nicht am Ende die Situation beherrſchen wird,
ſondern Raditſch die Oberhand gewinnt, ſo iſt dies der Auf=
löſung
des Reiches gleichzuſetzen. Es wäre daher leicht verſtänd=
lich
, wenn gegen die republikaniſche Bauernpartei alle Gewalt=
methoden
angewendet werden. Die kürzlich erfolgten Enthül=
lungen
in der Politica, dem Blatte, das ſchon früher als
Sprachrohr der Regierung diente, hatten nicht zuletzt den Zweck,
einen Vorwand zur Verfolgung der Kroaten zu liefern. Wäh=
rend
in Altſerbien dieſe etwas fragwürdigen Enthüllungen
ohne Enthüllungen iſt anſcheinend heutzutage kein Wahlkampf
zu denken eine große Erbitterung gegen die Kroaten hervor=
riefen
, erblickte die kroatiſche Oeffentlichtkeit, und ſicher nicht ganz
ohne Grund, in dieſen Enthüllungen nur einen Vorwand zur
Verfolgung der Anhänger Raditſchs. Eine Meldung der No=
voſti
ſcheint dies auch ſchon zu beſtätigen. Nach dieſem Blatte
ſoll nämlich die Auflöſung und Verfolgung der Raditſchpartei
endgültig beſchloſſen worden ſein, eine Maßnahme, auf die man
im kroatiſchen Lager ſchon lange gefaßt war. Die ganze Regie=
rungspreſſe
gibt ſich Mühe, die Oeffentlichkeit zu überzeugen, daß
Raditſch nur ein kommuniſtiſcher Agent ſei, deſſen Verfolgung im
nationalen Intereſſe liege. Selbſtverſtändlich weiß auch Paſitſch,
daß dies nur ein Vorwand zum energiſchen Auftreten gegen die
Raditſch=Partei liefern kann, aber kein geeignetes Agitations=
mittel
in Kroatien iſt. Dort wirken nämlich dieſe Argumente
nicht überzeugend. Die kroatiſche Bauernſchaft iſt zwar nicht
kommuniſtiſch, aber liebäugelt gern mit Rußland, und der Ueber=
tritt
der kroatiſchen Vereinigung zu der republikaniſchen Fahne,
zu Raditſch, zeigt, daß man die kommuniſtiſche Gefahr ſelbſt in
den bürgerlichen Kreiſen Kroatiens nicht fürchtet.
Es iſt bezeichnend für Paſitſch, daß er, um die Unterjochung
Kroatiens zu verhüllen, zwei einſtige Mitglieder der kroatiſchen
Vereinigung, den früheren kroatiſchen Abgeordneten aus Dal=
matien
Dr. Drinkowitſch und den Agramer Univerſitätsprofeſſor
Dr. Surmin in ſein Kabinett nahm. Beide ſind im Grunde ge=
nommen
ohne Anhängerſchaft und werden nur von den Agramer
Bankkreiſen unterſtützt, die zwar einen gewiſſen nicht zu unter=
ſchätzenden
Teil der kroatiſchen Preſſe in ihren Händen halten,
ſonſt aber keinen Einfluß auf die öffentliche Meinung im flachen
Lande beſitzen. Da die kroatiſche Vereinigung republikaniſch ge=
worden
iſt und gemeinſam mit Raditſch vorgeht, da die kroatiſch=
nationale
Rechtspartei auch mit der Bauernpartei in ein Bünd=
nis
trat, ſind die großſerbiſchen Anklagen, daß in Kroatien eine
bolſchewiſtiſche Revolution vorbereitet werde, hinfällig. In
Kroatien gehört die Zukunft der Bauernpartei, und dies kann
durch die Gewaltmethoden Paſitſchs zwar auf kurze Zeit unter=
drückt
, aber nicht verhindert werden.

Mordkomplott gegen engliſche Kabinettsmitglieder.

London, 5. Dez. (Wolff.) Die Mitteilung der Daily
Mail über die Entdeckung eines ägyptiſchen Komplotts
zur Ermordung hervorragender Mitglieder des
britiſchen Kabinetts behauptet, es beſtünden alle An=
zeichen
dafür, daß das Komplott das Ergebnis einer von der
Wafd=Partei (d. i. die nationaliſtiſche Partei von Zaghlul
Paſcha) eingelefteten und geführten Propaganda ſei. Die Nach=
richt
von der Entdeckung ſei in einem von Lord Allenby an das
Foreign Office geſandten Telegramm enthalten. Infolge dieſer
Depeſche ſei ſofort eine Sonderſitzung des Kabinetts einberufen
worden. Nach deren Schluß gab der Miniſter des Innern John=
ſon
Hicks eine Mitteilung an eine beſondere Abteilung von Scot=
land
Yard. Infolgedeſſen iſt eiligſt eine Konferenz der Polizei=
leiter
einberufen und Befehl erteilt worden, die beſtehende Poli=
zeitruppe
und die privaten Detektive, die die Kabinettsmitglieder
beſchützen, zu vernehmen. Gewiſſe Kabinettsmitglieder werden
Tag und Nacht von betaffneten Geheimpoliziſten beſchützt. Die
Scotland=Yard=Konferenz habe auch beſchloſſen, daß jedes Mini=
ſterium
ſofort eine beſondere Wache von Polizeioffizieren erhal=
ten
ſoll. Revolver ſeien ſofort an alle Beamten auszugeben. Die
Behörden erhielten auch beſonders praktiſche Anweiſungen, wie
ſie ſich verhalten ſollen, wenn irgend ein Anſchlag auf einen
Miniſter, Beamten oder das Regierungsgebäude unternommen
werden ſollte.
Vor der Auflöſung des äghptiſchen Parlaments.
Der Matin meldet aus Kairo, daß das ägyptiſche Parla=
ment
am 9. Dezember aufgelöſt werden wird. Neuwahlen wer=
den
in zwei Monaten ſtattfinden. Wenn das neue Parlament
dem Kabinett ſein Vertrauen vorenthälten ſollte, ſo würde es
ſich gleichfalls auflöſen.
Das Geſuch, das die Wafd=Deputierten geſtern dem ägyp=
tiſchen
König überreicht haben, iſt an das Kabinett weitergegeben
worden. Die Miniſter haben die Angelegenheit beraten. Nach
dieſer Beratung hat ſich der Sprecher mit dem Premierminiſter in
Verbindung geſetzt, das Kabinett ſolle eine Entſcheidung fällen,
Der neue Gouverneur des Sudan.
Kairo, 5. Dez. (Europapreß.) König Fuad hat eine
Verordnung veröffentlicht wonach der bisherige Gouver=
neur
von Uganda Sir Geffroy Archer zum General=
gouverneur
vom Sudan ernannt wird. Die Regierung
erwähnt den Poſten des Sirdar nicht, was darauf hinzuweiſen
ſcheint, daß dieſer in Zukunft getrennt ſein wird. Sir Archer lei=
ſtet
ſchon ſeit ſeinem 19. Lebensjahre Kolonialdienſte. Im Jahre
1912 wurde er Diſtriktskommiſſar in Somaliland, am Jahre 1915
gehörte er der britiſchen Miſſion an, die der Krönung der Kaiſe=
rin
von Abeſſinien beiwohnte. Im Jahre 1919 wurde er Gouver=
neur
des Somalilandes und im Jahre 1922 Gouverneur von
Uganda.

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Seite 6.

Samstag, den 6. Dezember 1924.

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[ ][  ][ ]

Rummer 339.
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſiadt, 6. Dezember.
Ernannt wurden: am 25. November der Amtsobergehilfe Karl
E irich aus Schotten zum Amtsobergehilfen bei dem Kreisamt Gießen;
4re Verſorgungsanwärter Willi Krahl aus Gießen zum Amtsgehilfen
ki dem Kreisamt Alsfeld, Richard Leſchhorn aus Gießen zum
2 mtsgehilfen bei dem Kceisamt Schotten, Peter Schäfer aus Ham=
* elbach zum Antsgehilfen bei dem Kreisamt Alzey, ſämtliche mit Wir=
lang
vom 16. Dezember 1824 an; am 25. November die Schulamtsan=
Härterin Anna Lantelme aus Affolterbach zur Lehrerin an der
7 olksſchule zu Nieder=Ramſtadt (Kreis Darmſtadt); am 29. November
ter Lehrer Friedrich Hermann Arnold, zu Hüttenthal zum Lehrer
err der Volksſchule zu Meſſel (Kreis Darmſtadt).
Verſetzungen in den Ruheſtand. In den einſtweiligen Ruheſtand
breten auf Grund des Geſetzes vom 19. Dezember 1923 zur Herabminde=
k
.ng des öffentlichen Perſonalaufwandes am 1. Januar 1925 der Regie=
tringsbaurat
Karl Zimmermann bei der Kreisverwaltung zu Hep=
tenheim
und die Oberaſſiſtentin bei der Kanzlei des Miniſteriums des
Irnnern Marie Rübſamen.
Erledigt iſt eine Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer an
der Volksſchule in Dortelweil (Kreis Friedberg). Die Dienſtwoh=
mung
iſt noch nicht frei.
Militär=Kontrollſtellen. Nachdem die Gebiete zwiſchen den Brük=
kmköpfen
von Köln, Koblenz und Mainz von den franzöſiſchen Truppen
räumt worden ſind und ſomit der Zuſtand wie vor der Rhein= Ruhr=
attion
wieder hergeſtellt iſt, ſind im Bezirk der Eiſenbahndirektion Frank=
rt
a. M. folgende militäriſchen Kontrollſtellen eingerichtet worden:
ir den Verkehr nach der Kölner Beſatzungszone in Hennef, Pu=
d
rbach, Herſchbach und Nieder=Erbach; für den Verkehr mit
dr Mainzer Beſatzungszone in Diez, Wörsdorf, Höchſt a. M.
und Goldſtein. Die Kontrolle iſt rein militäriſch und erſtreckt ſich
in Perſonenverkehr auf die Prüfung der Perſonalausweiſe oder Reiſe=
pſſe
und im Güterverkehr auf die Durchführung des Verbotes der Be=
ſiederung
von Waffen, Munition und Kiegsgerät im Verkehr mit dem
einiſchen Beſatzungsgebiet. (Verordnung 67 der Interalliierten Rhein=
rndkommiſſion
.)
Heſſiſches Landestheater. Am Samstag, den 13. Dezember, 2½
Ucr nachmittags, gelangt Vicki Baums Weihnachtsmärchen Das
Chriſtſternlein im Großen Haus des Landestheaters zur Urauf=
hrung
. Die Muſik wurde von Graf L. von Kalkreuth für das Werk
Armponiert. Muſikaliſche Leitung Fritz Bohne, Spielleitung Kurt Barre.
Täe vorkommenden Tänze wurden von Lizzie Maudrik einſtudiert.
ATorgen, Sonntag, findet vormittags 11 Uhr, im Kleinen Haus des
4undestheaters die zweite Morgenfeier ſtatt. Gertrud Callam
ſtärd altitalieniſche Arien von Gluck und Donizetti ſingen. Am Flügel.
Xrdolf Ephraim.
Drittes Sinfoniekonzert. Ein Konzert im alten Stil, ſo kann
ntan die Vortragsfolge des nächſten Sinfoniekonzertes bezeichnen. Friede=
nrnn
Bach, der bedeutende Sohn des großen Joh. Sebaſtian, Rigel,
9illy, Händel, Namen aus einer längſt vergangenen, aber nicht ver=
g
ſſenen Epoche. Von erſterem eine Ouvertüre, die zu dem beſten zählt,
ntaas ſeit ſeinem Vater geſchrieben wurde. Eine entzückende Sinfonie von
Fägel, von Robert Sondheimer neu herausgegeben, und die von Felig
ASottl bearbeitete Ballettſuite von Lully, ſind die Aufgaben, die dem
Twcheſter zufallen. Zwei Arien vom Altmeiſter Händel, von der be=
kennten
Sopraniſtin Birgit Engell geſungen, ergänzen das Programm
z einem einheitlichen Ganzen.
Guſtav Freytags Luſtſpiel Die Journaliſten kommt heute als
h itte Volksvorſtellung zu Einheitspreiſen für abſehbare Zeit zum letzten
Aale zur Aufführung. Preiſe: 0,50, 1,50, 2 und 3 Mk.
Im Schloßmuſeum finden täglich (außer Samstag) Führungen
uer 11 Uhr und 11½ Uhr ſtatt.
Gewerbemuſeum. Die Ausſtellung des Deutſchen Bundes Heimat=
ſchutz
in den Räumen des Gewerbemuſeums bietet eine Fülle von An=
rrgungen
auf dem wichtigſten Gebiet der praktiſchen Kunſtpflege. Es
nrire daher erwünſcht, wenn die hieſigen Schulen den Schülern der oberen
Kaſſen Gelegenheit gäben, die Ausſtellung zu beſuchen. Um den Lehrern,
de zur Führung ihrer Kleſſen bereit ſind, die Ueberſicht über das aus=
gtſtellte
Material zu erleichtern, veranſtaltet das Muſeum am heutigen
Smmstag um 3 Uhr eine Führung für Lehrer. Am Sonntag um
1.. Uhr findet eine öffentliche Führung ſtatt.

St. Eliſabeth. Man ſchreibt uns: Einrichtung einer Volks=
kſiche
und Wöchnerinnenhilfe. Die große Not der Zeit ver=
limgt
außerordentliche Hilfe. Heute muß jeder zupacken und die Not
ledern, die er vor ſich ſieht. Hilfe von auswärts kommt oft zu ſpät.
Auts dieſem Gedanken heraus hat man in der Pfarrei St. Eliſabeth wie
itx vorigen Jahre, ſo auch heute wieder die Volksküche und die Wöch=
w
rinnenhilfe neu aufleben laſſen in der Form, daß Familien ſich bereit
ekklären, Mittageſſen an bedürftige Kinder und alte Leute ohne irgend
nelches Entgelt abzugeben. Dieſe Einrichtung hat ſich als überaus ſegens=
uſich
erwieſen. Rund 10 000 Mittageſſen wurden von Oktober 1923 bis
ai 1924 geſpendet. Vielen armen Familien wurde dadurch aus der
Awt geholfen, beſonders armen, unterernährten Kindern eine große
Trohltat erwieſen. Die Arbeitsloſigkeit vieler Familienväter drängt
b ſonders in dieſem Jahre auf Erſchließung dieſer Hilfsquelle. Es haben
ſich bereits zahlreiche Familien zu dieſem Werk gemeldet. Für
ſtötzung kommen in Frage in erſter Linie ſchulpflichtige Kinder arbeits=
Itſer Väter und Witwen. Insbeſondere nimmt man ſich verſchämter
Aamen an. Soweit die Bedürftigkeit der Kinder perſönlich nicht bekannt
5 läßt ſie ſich durch Fühlungnahme mit den Schulvorſtänden leicht feſt=
ſtllen
. Zwecks Erledeigung der großen Arbeit, welche die Art des Unter=
nahmens
mit ſich bringt, hat ſich ein Caritasausſchuß von Frauen und
Juungfrauen gebildet aus der Eliſabethenkonferenz und dem Frauenbund
dr Pfarrei. Ebenſo beſteht die Wöchnerinnenhilfe wie ſeither weiter
Bedürftige Wöchnerinnen der Pfarrei erhalten in den erſten 14 Tagen
durch eine der Damen täglich Hilfe und Eſſen. Ein hierzu noch einge=
rahteter
Wanderkorb mit allen notwendigen Gegenſtänden ſteht nach
AKöglichkeit zur Verfügung. Die Leitung des Unternehmens iſt ſehr dank=
har
für entſprechende Mitteilungen und Angabe von Adreſſen. Solche
nehmen gerne entgegen die Oberin der Barmherzigen Schweſtern (am
Schloßgartenplatz), die Vorſitzende der Eliſabethenkonferenz, Frau Wolf
(Wiktoriaſtraße 50½), ſowie Herr Ingenieur Preißmann, der Vorſitzende
der St. Vinzenzkonferenz (Mollerſtraße 13). Der Segen Gottes, an dem
ſSließlich alles gelegen, hat das Hilfswerk im letzten Jahre reichlich be=
dacht
. Möge er auch in dieſem Winter nicht fehlen.

Regers Klavierquintett C-Moll Opus 21.
Bur heutigen Erſtaufführung durch das Schnurrbuſch=Quartett.)

Die Vollendung dieſes Werkes am 3. Februar 1898 bildete
ten künſtleriſchen Abſchluß des Wiesbadener Aufenthalts Max
Regers vor ſeiner Ueberſiedlung in ſeine Heimatſtadt Weiden.
Beim Abſchied aus Weiden 1902 übergab Reger das Manuſkript
ſ inem Lehrer und Freunde Adalbert Lindner, bei dem das Werk
dann verſchollen blieb, bis es bei der Uraufführung in Düſſel=
dwrf
beim Tonkünſtlerfeſt 1922 zum ernſtenmal zum Erklingen
gebracht wurde, alſo ſechs Jahre nach dem Tode ſeines Schöpfers
Es iſt anzunehmen, daß es Reger ſelbſt nie gehört hat. Bald
ach der Uraufführung folgte die Drucklegung im Verlage Schott
u. Söhne und ſeine zweite Aufführung beim Regerfeſt 1923 in
ünchen mit Schmid=Lindner, der ſo manches Werk Regers aus
der Taufe hob, am Klavier,
Die Anregung zu dem Werke dürfte durch den Tod Johannes
Frahms 1897 erfolgt ſein, wie ja der Adagioſatz mit der Anleh=
ting
des Themas an die Sabphiſche Ode ein ergreifendes
Eequiem für den toten Meiſter iſt. Das Werk zerfällt in vier
Sätze: 1. Agitato, 2. Intermezzo, 3. Adagio con Variazioni,
4. Finale. Alle Sätze weiſen in ihrer muſikaliſchen Struktur die
rößte Klarheit auf und tragen durchweg ſinfoniſchen Charakter.
Die Themen ſind wohl brahmſiſch, aber in der Durchführung und
Harmoniſicrung echter Reger, die Variationen und die Schluß
frge Muſterbeiſpiele eines klanglich wirkſamen Kontrapunktes
Auf den kraftvoll dahinſtürmenden erſten Satz folgt ein
drurchſichtig und klanglich reizvoll gearbeitetes Intermezzo und
das Adagio mit einem wundervollen, breit angelegten Thema.
In den Variationen wird das Thema jedesmal nur andeutungs=
weiſe
und verſchleiert wiedergegeben, ſo daß ſich jedesmal ein
ſelbſtändiges, eigenartiges Stimmungsbild ergibt. Dieſes Adagio
gehört mit zu dem Schönſten und Ergreifendſten, was Reger
geſchrieben hat. Das hieran ſich anſchließende Finale ſucht ſeines=
gleichen
hinſichtlich Prägnanz der Themen und Kühnheit der
Durchführung. Zum erſten Male bringt Reger eine Fuge in
einem Kammermuſikwerk. In bgechantiſchem Jubel ſchließt eine
G. B.
jängere Kodg das Werk ab.

Samstag, den 6. Dezember 1924.
Gasabparate. Wir machen auch an dieſer Stelle nochmals auf die
außerordentlichen Erleichterungen beim Ankauf von Gasverbrauchsappa=
raten
aufmerkſam. Durch weitgehendſte, geſtaffelte Ratenzahlungen iſt
es dem kaufenden Publikum ermöglicht, bei geringer geldlicher Belaſtung
ſich dauernd die Benutzung und ſchließlich auch den Beſitz neuzeitlicher
und ſparſamſter Gasverbrauchsapparate zu ſichern. Auch iſt durch ein
Abkommen mit der Inſtallateurvereinigung Darmſtadt nunmehr Gele=
genheit
geboten, alle einſchlägigen Gasverbrauchsapparate in den durch
Aushang kenntlich gemachten Inſtallationsgeſchäften zu den gleichen
Vorzugsbedingungen, wie in der Verkaufsſtelle des Städt. Gaswerks
zu erwerben.
* Für die Anmeldung von Forderungen zur Aufwertung hat der
Hypotheken=Gläubiger= und Sparer=Schutzverband ein Merkblatt
mit Formular herausgegeben. Es empfiehlt ſich, dieſes Formular zur
Anmeldung aufzuwertender Forderungen zu verwenden, da es alle Rechte
einer ſpäteren Geſetzgebung vorbehält. Verkaufsſtellen beliebe man aus
der heutigen Anzeige zu erſehen.

Restaurant Bender
Darmstadt
Elisabethenste. 23 Heute Samstag
Gerfderlelest
in bekannter Güte mit Champagnerkraut
Jazz-Band-Kapelle
Orchesterleitung: Albertio
genannt der König der Jazz-Band.

Hohes Alter. Herr Wilhelm Geyer, Schloſſer, Neue Nieder=
ſtraße
12, begeht heute Samstag in voller geiſtiger und körperlicher
Friſche ſeinen 80. Geburtstag.
Fahrrad= und Motorradſchwindel. Ein Ehepaar, begleitet von
einem etwa 3jährigen Kinde, hat in verſchiedenen Städten, ſo auch hier,
Fahrräder gegen eine Anzahlung von 3040 Mk. nach Unterzeichnung
eines Abzählungsvertrags erſchwindelt. Hier gab der Mann ſich als
Bahnbeamter von Meſſel aus. In zwei verſchiedenen Geſchäften ge=
langte
er auf dieſe Weiſe in den Beſitz eines Herrenrades Korona,
Mod. 1 Nr. 441 125 und eines Opelrades 701 045. Der gleiche Shwind=
ler
hat ſich in Guben, Kottbus und anderen Städtenn auf dieſelbe Art
Räder erſchwindelt und konnte bisher nicht ermittelt werden; in allen
Fällen hat er ſich jedoch als Beamter (Landmeſſer, Supernumerar, Ge=
meindebeamter
uſw.) unter den verſchiedenſten Namen ausgegeben.
Ein Motorrad erſchwindelt hat ein etwa 3033 Jahre alter
Mann. Er ließ ſich in einem Geſchäft ein Motorrad Marke Derad,
Fahrgeſtell 4886, Motor 4467, polizeiliches Kennzeichen 5 S 310, 3pferd.
zu einer kurzen Probefahrt geben, und kehrte nicht mehr zurück. Der
Täter iſt etwa 1,70 Meter groß, trägt dunkelbraunen Raglan, grünen
Filzhut, ſchwarze Schnürſchuhe und iſt bartlos.
Feſtgenommen wurde hier ein Mann, der ſich im Beſitze einer
Anzahl fabrikneuer Alpakabeſtecke, die den Stempel Württem=
bergiſche
Metallwarenfabrik Geislingen tragenn, befand. Ein Teil der
Beſtecke trug das Monogramm B.R. Scheinbar rühren dieſelben aus
einem Diebſtahl her; der Eigentümer konnte bisher noch nicht ermittelt
werden. Ermittelt wurde der Dieb, der vor einigen Tagen einem
unbemittelten Mann ein Schwein geſtohlen und abgeſchlachtet hat.
* Bezirksſchöffengericht. 1. Der Kaufmann Willy Steul in Frank=
furt
a. M. war bei Kaufmann Feis hier als Außenbeamter in der Ver=
ſicherungsbranche
tätig. Er bezog 150 Mk. Monatsgehalt, Reiſeſpeſen
und 10 Prozent Proviſion. Er iſt geſtändig, im September 1924 drei
Anträge auf Lebensverſicherung fälſchlich angefertigt, beſtreitet aber,
durch dieſe Handlung die Verſicherungsgeſellſchaft Intag=Phöbus geſchä=
digt
zu haben; er hebe nur den Anſchein erwecken wollen, daß er ge=
ſchäftlich
tätig geweſen ſei. Es bleibt immerhin eine einfache Urkunden=
fälſchung
beſtehen. Wegen Verfehlung gegen § 267 St.G.B. werden
drei Monate Gefängnis vom Staatsanwalt beantragt. Urteil ſechs
Wochen Gefängnis. 2. Unter der Anklage der Beſtechung ſteht
Handelsmann Iſidor M., ledig, von Michelſtadt. Er ſoll dem Oberwacht=
meiſter
Jöſt in Michelſtadt von der nächſten Schlachtung Fleiſch ver=
ſprochen
haben, um ihn zu veranlaſſen, von einer Anzeige wegen Nicht=
eintragung
einer Kuh ins Kontrollbuch Abſtand zu nehmen. Es war
von der Preisprüfungsſtelle Frankfurt a. M. eine Anfrage bei dem
Oberwachtmeiſter eingelaufen, die bezweckte, feſtzuſtellen, ob bei dem
Kauf und Verkauf eines Stückes Vieh eine Ueberforderung vorliege. M.
batte die Eintragung im Kontrollbuch nicht gemacht, wie er angibt, im
Drange der Geſchäfte vergeſſen. M. befürchtete, daß ihm vom Kreisamt
Erbach die Erlaubnis zum Vieheinkauf entzogen werde. Im Anſchluſſe
an die Tatſache, daß er den Eintrag im Buch unterlaſſen, wollte M. den
Polizeibeamten veranlaſſen, dieſe Tatſache im Bericht nicht zu erwähnen,
ſtellte er Fleiſchlieferung an den Oberwachtmeiſter bzw. deſſen Frau in
Ausſicht. Der Staatsanwalt hält den Tatbeſtand des § 333 R. St. G. für
gegeben und eine Geldſtrafe von 100 Mk. für eine angemeſſene Sühne.
Die Verteidigung beſtreitet, daß der Angeklagte den Polizeibeamten zu
einer pflichtwidrigen Handlung habe veranlaſſen wollen, denn die An=
frage
von Frankfurt a. M. habe ja nur die Feſtſtellung bewirkt, ob ein
unrechtmäßiger Preisaufſchlag vorliege; eine Beſtechung habe dem An=
geklagten
ferngelegen; dieſer habe lediglich gefragt, ob denn die Nicht=
eintragung
des Viehs ins Kontrollbuch in den geforderten Bericht gehöre.
Der Staatsanwalt hält dem entgegen, daß ſich der Angeklagte bewußt
geweſen ſei, etwas Pflichtwidriges zu verlangen, denn er beſorgte die
Entziehung der Karte durch das Kreisamt. Urteil Geldſtrafe von
100 Mark.

Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
+Chriſtentum und Oeffentlichkeit. Vom 18. bis
23. Januar 1925 findet in der Evangeliſch=ſozialen Schule in
Spandau, Johannisſtift, eine Paſtorentagung ſtatt, auf der
führende Perſönlichkeiten des kirchlichen und öffentlichen Lebens
zu den verſchiedenen Fragen der Gegenwart Stellung nehmen
werden. Unter anderen reden Prälat Schoell über Die
ſoziale Botſchaft der evangeliſchen Kirche‟. Direktor Steinweg
über Wohlfahrtspflege, Profeſſor Brunſtäd über Arbeiter=
fragen
Generalſekretär Baltruſch über Chriſtliche und
freie Gewerkſchaften‟ Direktor Hinderer über Evangeliſche
Preſſearbeit, Anmeldungen ſind bis zum 10. Januar 1925 an
die Geſchäftsſtelle der Evangeliſch=ſozialen Schule in Spandau
zu richten. Die Koſten für Unterkunft und Verpflegung während
der ganzen Tagung betragen pro Perſon 20 Mark. Beihilfen bis
zur Hälfte des Fahrpreiſes 3. Klaſſe, ſowie die Koſten der Hei=
zung
können erſtattet werden.

Wahlhumor.
C. K. Auch die ernſteſten Dinge haben ihre luſtige Seite, und
ſo fehlt es denn auch bei den Wahlen nicht an komiſchen Vorfäl=
len
, von denen einige hier erzählt ſeien. Bibelfeſte Wähler
haben nicht nur in den angelſächſiſchen Ländern, ſondern auch
bei uns ihre Anſchauung durch Bibelzitate ausgedrückt. So war
einmal auf einem Wahlzettel aufgeſchrieben: Jeſaias 41,
Vers 24. Wer neugierig genug war, um die Stelle aufzuſuchen,
der fand die folgende unzweideutige Erklärung: Siehe, Ihr ſeid
aus Nichts, und Euer Tun iſt auch aus Nichts, und Euch wählen
iſt ein Greuel. Ein anderer Wahlzettel verwies auf das Buch
Eſther, Vers 8, und damit auf den folgenden Spruch: Und die
Sonne ging auf und es war helle, und die Elenden gewannen
und brachten um die Stolzen. In einem ländlichen Wahlkreis
ſollte eine große Verſammlung ſtattfinden, für die mehrere her=
vorragende
Redner gewonnen waren. Das Zentralwahlkomitee
hatte ſich an den Schulzen des Dorfes gewendet, er möge alles
auf das Beſte einrichten. Für würdigen Empfang der Redner

Seite 2.

*Orpheum.
Die nachgerade anerkannt guten Varietédarbietungen im Orpheum
bleiben auch bei der diesmaligen Vorführung nicht hinter den früher ge=
Zeigten zurück, ja man kann ſagen, einige Leiſtungen überraſchen ge=
radezu
durch ihre neue, eigenartige, nie vorher geſehene Kunſtfertigkeit
and exakte Ausführung. Das Varieté bietet durch das Verſchiedene und
Reichhaltige ſeines Programms jedem etwas und wird der Geſchmack
eines Einzelnen durch eine Vorführung nicht getroffen, ſo kann er ſich
an der nächſten Nummer entſchädigen, denn wer vieles bringt, wird
jedem etwas bringen, und daraus erklärt es ſich auch, daß ſich der Beſuch
der Vorführungen immer größerer Beliebtheit erfreut und die hellen
Mienen aller Heimkehrenden nach der Vorſtellung nur Freude und Be=
friedigung
ausdrücken. Es wird daher auch niemand, der ſich eine an=
genehme
, den großzügigen Erwartungen unſerer Zeit entſprechende, ab=
wechſlungsreiche
und dabei gemütliche und humoriſtiſche Abendunterhal=
tung
verſchaffen will, verſäumen, ein neues Programm im Orpheum
anzuſehen, wird er doch reichlich für den weiten Weg entſchädigt und
feuert durch ſeinen Beſuch nebenbei noch unſere einzige derartige, in
weiteſten Kreiſen beliebte Vergnügungsſtätte an, immer neue wie die
jetzige Vorführung wieder zeigt Rekordleiſtungen zu bringen. Und
nun zu dem diesmaligen Programm:
Ein flottes Muſikſtück der bekannt guten Orpheumskapelle, die wäh=
rend
des ganzen Abends konzertiert, eröffnet den Abend. Als erſter
trat der jugendliche Xylophon=Virtuoſe Alfred Walde auf, der mit her=
vorragender
techniſcher Fertigkeit die ſchwierigſten Muſikſtücke ſpielte und
ſein Inſtrument ſelbſt im Dunkeln voll und ganz beherrſcht. Die Leiſt=
ungen
des jungen Künſtlers verraten ein ausgeſprochen muſikaliſches Ta=
lent
. Es folgte die Krokodil=Szene der Sayton=Comp, die Nacht am
Nil, ſchon in Dekoration und Lichteffekten ſehenswert, die Akrobaten=
leiſtungen
der Schlangenmenſchen nach Abſtreifung ihrer Krokodilhaut,
ſind wohl kaum zu übertreffen. Die nächſte Nummer 2 Windſor’s
und Hanni Sturm bringen raſſig=feurige Tanzleiſtungen und hübſche
Lieder einer Dame, die ſich plötzlich entpuppt als doch das bleibt der
Beurteilung der Zuſchauer überlaſſen. Ein ſehr guter Humoriſt,
Franz Gravenhorſt, erfreute mit ſeinen glänzenden Darbietungen auch
einem Dialektvortrag das Publikum, das ſtürmiſch eine Zugabe for=
derte
. Mit den 3 Finlays, einem Doppel=Ruh=Flug=Akt, akrobatiſchen
Leiſtungen mit ſchlechthin tollkühnen atemraubenden Momenten, die
größte Bewunderung und Anerkennung ernteten, iſt erſt der erſte Teil
abgeſchloſſen, der ſchon ein Eliteprogramm in ſich darſtellt. In der
Pauſe wurde, wie üblich, eine große Reihe wirkungsvoller Reklame=
bilder
gezeigt. Wenn man geglaubt hatte, im erſten Teil nicht zu
übertreffende Leiſtungen geſehen zu haben, ſo wurde man im zweiten
Teil inſofern eines anderen belehrt, als die Darbietungen jeder Num=
mer
in ſich wiederum höchſte Anforderungen an die Darſteller ſtellten.
Die Gebr. Willuhn in ihrem humoriſtiſchen Trapez=Akt brachten z. B.
in ihrem freien Kopfſtand auf dem Trapez mit einem an einem Arm
turnenden Akrobaten Balancekunſtſtücke, wie ſie wohl ſelten jemand in
den beſten Zirkusvorſtellungen geſehen haben wird. Auch in den folgen=
den
drei Nummern: M. und A. W. Asra, als Original=Billard=Künſtler,
Grygorh=Haswells in ihren ikariſchen Spielen: Hochſchülers Zeitver=
treib
und Max Ture, der beſte humoriſtiſche Jongleur, treten nur erſt=
klaſſige
Künſtler auf, die mit ſpielender Leichtigkeit die ſchwierigſten
Kunſtſtücke fehlerlos mit ſtaunenswerter Sicherheit ausführen, Rück=
blickend
auf die Vorführungen, kann man wohl ſagen, daß das Pro=
gramm
von Anfang bis Ende ſehenswert und erſtklaſſig iſt; rauſchender
Beifall des Publikums gibt dieſer Beurteilung den beſten Beweis. O.

* Kleine Strafkammer. 1. Ein Vorfall, der ſich am 21. November
1923 im Städtiſchen Wohlfahrtsamt zutrug, beſchäftigte ſich am 5. Dez.
in zweiter Inſtanz das Strafgericht. Der damals erwerbsloſe Valentin
Itzel von Darmſtadt hatte, im Begriff, wegzugehen, ſich eine Pfeife
im Gebäude anzünden wollen, als ihm dies unter Hinweis auf das be=
ſtehende
Rauchverbot der ſtädtiſche Beamte Emil Gutenſtein unterſagte
und mit einer Zeitung das Feuer ausſchlug. Darauf antwortete Itzel
mit einer Ohrfeige, die er dem Beamten applizierte. Das Gericht gab
nach wiederholter Beweisaufnahme der Berufung des Angeklagten in=
ſofern
ſtatt, als die vom erſten Richter erkannte Geldſtrafe von 30 Mk.
auf 15 Mark herabgeſetzt wurde, wobei die zuerkannte Publikations=
befugnis
beſtehen blieb. Das Gericht erwog, daß Itzel in hohem Maße
gereizt geweſen ſei durch das nicht geeignete Vergehen des Zeugen Guten=
ſtein
, der anders hätte handeln können. 2. Eine Berufung des Neben=
klägers
Otto Schmitt hier rollt eine Strafſache gegen Helene Rummel,
Ludwig Nees, Anton Schittler und Ludwig Mitteldorf hier
wegen Körperverletzung im zweiten Rechtswege auf. Der Vorfall hat
ſich in der Rummelſchen Wirtſchaft in der Bleichſtraße abgeſpielt. Das
Amtsgericht hat darüber am 13. Oktober d. Js. geurteilt mit dem Er=
gebniſſe
, daß Frau Rummel für ſtraffrei erklärt, die übrigen Angeklagten
freigeſprochen wurden. Das Urteil erkennt unter Aufhebung des erſten
Urteils gegen Frau Rummel und Schittler auf je 10 Gmk.
Geldſtrafe, Nees und Mitteldorf werden freigeſprochen.
Lokale Veranſtaltungen.
Die blerunter erſchelnenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten,
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
Heſſiſche Bilderbühne. Als Erſtaufführung für Darm=
ſtadt
hat die Bilderbühne den beſten diesjährigen afrikaniſchen Expedi=
tionsfilm
: Mit Kurbelkamera und Büchſe im Sumpf und Urwald von
Afrika, angenommen und bringt den Film in der nächſten Woche zur
Vorführung. Allen Freunden großer Reiſebeſchreibungen, allen Jagd=
liebhabern
, allen denjenigen, die ſtändig in der Zeitung mit Intereſſe
die ägyptiſch=engliſchen Spannungen im Sudan verfolgen und die den
Willen haben, klarere Vorſtellungen von den Verhältniſſen in jenen
Gegenden zu haben, ſei der Beſuch des Films außerordentlich empfohlen.
Der Vorverkauf findet wie immer im Verkehrsbureau und in der Volks=
hochſchule
ſtat:.
Durngemeinde Darmſtadt. Trotz der vielen Pflichten,
die ſich für die Familienmitglieder jetzt kurz vor dem Weihnachtsfeſt er=
geben
, hat ſich der Vorſtand entſchloſſen, heute abend Monatsverſamm=
lung
abzuhalten, um die Fühlung mit den treuen Anhängern dieſer al=
ten
, ſchönen Einrichtung beizubehalten. Alle Mitglieder ſind hierzu
herzlichſt eingeladen. (Siehe heutige Anzeige und unſere Monats=
ſchrift
Nr. 3.)
Ehem. 6ler. Auf die Weihnachtsfeier am Sonntag, den 7. Dez.,
im Konkordiaſaal, wird hiermit nochmals hingewieſen. (Siehe Anzeige.)
Die Vereinigung ehemaliger 116er, Darmſtadt
und Umgebung, begeht gemeinſchaftlich mit den Vereinen 117er, 118er
und 168er am 14. Dezember in der Turnhalle am Woogsplatz ihre
Weihnachtsfeier, wozu auch die Brudervereine von auswärts ein=
geladen
werden.

war auch geſorgt, aber als die Verſammlung beginnen ſollte,
waren nur die Redner und die Mitglieder des Komitees zur
Stelle. Die auswärtigen Herren wunderten ſich darüber und
meinten, das Intereſſe für die Wahl ſcheine ja ſehr ſchwach zu
ſein, ob der Schulze denn nicht die Verſammlung durch Zeitun=
gen
und Flugblätter gehörig bekannt gemacht habe. Da aber
ſchüttelte der Schulze überlegen ſeinen Weſtfalenſchädel und ſagte
ſchmunzelnd: Nee, nee, dat wollen wi jo grade nich. Wi hewit
de Sake heimlick hollen, domet de Gegners keinen Rüker dovan
kriegen ſollen. Ein andermäl, auch in Weſtfalen, ſollte der Ver=
ſammlungsleiter
, ein biederer Landwirt, den Kandidaten ein=
führen
. Verehrte Parteifreunde, ſagte er, wir haben heute
einen hochverehrten Gaſt in unſerer Mitte, der aus weiter Ferne
herbeigeeilt iſt, um durch die Wucht ſeiner Beredſamkeit Schulter
an Schulter mit uns den Sieg zu erringen. Die Nennung ſeines
bloßen Namens hat ſchon genügt, um den Saal bis auf den letz=
ten
Platz zu füllen. Denn wer ſollte ihn nicht kennen, den großen
Parlamentarier, unſeren lieben Abgeordneten . Dann trat
eine peinliche Pauſe ein und man hörte, wie der Redner ſeinem
Nebenmann angſtvoll, aber weit vernehmlich zuflüſterte: Tom
Dunnerkiel, Hinnerk, wu heit he denn eegentlick noch? Schlag=
fertig
war die Antwort eines Kandidaten, dem ein Störenfried
in der Verſammlung zurief: Ich würde Sie ja wählen, wenn
Sie nicht ſo ein Narr wären, worauf der andere erwiderte:
Dann bin ich ja gerade der rechte Kandidat, um Sie im Parla=
ment
zu vertreten. Als noch dieStimmzettel von den vor dem
Wahllokal ſtehenden Vertretern der einzelnen Parteien verteilt
wurden, ſtellte einmal ein Mitglied des Wahlkomitees einen zu=
verläſſigen
, aber nicht gerade ſehr ſchlauen Mann mit einem
großen Paket Stimmzetteln auf, die er zur Verteilung bringen
ſollte. Als er nach einiger Zeit nachſah, fand er den Zettelver=
teiler
, aber mit leeren Händen daſtehend. Ueber die lebhafte
Wahlbeteiligung erſtaunt, fragte er, ob er ſchon alle Zettel ver=
teilt
habe. Ach, das hatte ich gar nicht nötig, ſagte der andere
zufrieden. Einer hat ſie mir alle auf einmal für drei Mark ab=
gekauft
. Recht boshaft war der Zufall, der unter ein Wahl=
plakat
mit der Aufſchrift: Wählt unſeren Kandidaten! Wir ſind
die wahre Partei des Volkes! den Anfang einer Varieté=Anzeige
brachte: Stets wechſelndes Programm! Es iſt zum Totlachen!

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Samstag, den 6. Dezember 1924.

Zu den
Die Wahlhandlung
beginnt am Sonntag in Darmſtadt und den übrigen Städten des
Landes vormittags um 9 Uhr.
4Paterländiſcher Abend.
Wahlkundgebung der Deutſchen Volkspartei.
Die Deutſche Volkspartei veranſtaltete geſtern in der Turnhalle am
Woogsplatz, die überfüllt war, einen vaterländiſchen Abend; er war eine
machtvolle und erhebende Kundgebung der Partei für die kommenden
Wahlen. Von den Galerien herab, die ebenfallz überfüllt waren, grüß=
ten
die Wahlplakate der Partei herab. Auf dem Podium hatte eine
Kapelle ehemaliger Militärmuſiker Platz genommm, die den Abend mit
einem ſchwungvollen Marſch unter Leitung von Herrn Buslau eröffnete.
Generalſekretär Kollbach begrüßte im Namen der Volkspartei die
Anweſenden, beſonders begrüßte er die Mitwirkenden an dieſem Abend:
Herrn Pfarrer Marx, Herrn Rezitator Hellborn, Kapellmeiſter Buslau
und die Kapelle ehemaliger Militärmuſiker. Nur wenige Stunden, ſo
führte der Redner weiter aus, trennen uns, von den Wahlen; wir wol=
len
mit dieſer Veranſtaltung bekunden, daß es über den Parteien noch
etwas gibt, was über ihnen ſteht, das iſt der Gedanke des Vaterlandes.
Dieſen Gedanken wollen wir heute abend pflegen. Wir wollen ſtolz ſein
auf die Vergangenheit unſeres Volkes. Wenn Sie jetzt die Märſche
hören, dann wird die Erunerung an vergangene Zeiten aufſteigen. Wir
wollen ſtolz darauf ſein auch in den Tagen des Unglücks. Dieſen Stolz
und dieſe Erinnerung wollen wir pflegen.
Es folgte ein Marſch, dann bot Herr Hellborn (früher erſter
Regiſſeur am Gießener Stadttheater) Lilienerons Pidder Lüng, eine
Dichtung, die den alten Frieſenſpruch: Lever dod as Slav verherrlicht.
Der Rezitator fand mit der Dichtung eine begeiſterte Aufnahme beim
Publikum. Nachdem dann die Quvertüre von Suppés Dichter und
Bauer von der Kapelle in einer ausgezeichneten Wiedergabe geboten
war, hielt Pfarrer Marx von der Johannesgemeinde eine Aaſprache,
in der er ausführte, daß es ein glücklicher Gedanke der führenden Män=
ner
der Deutſchen Volkspartei war, noch zwei Tage vor der Entſchei=
dungsſchlacht
zu dieſem Abend einzuladen, der ein anderes Gepräge habe
als die anderen Abende dieſer Woche. Es ſpreche ſich darin eine Sieges=
zuberſicht
aus, daß die Deutſche Volkspartei darauf verzichten könne, kurz
vor der Wahl an einem Abend ſich mit den Gegnern auseinanderzuſetzen.
Es iſt ſchwer ſo meinte der Redner , jetzt etwas über das Vaterland
zu ſagen, was mächtig widerhallt imn den Herzen deutſcher Männer und
Frauen. Es dränge ſich immer das alte Lied auf Ich hatte einſt ein
ſchönes Vaterland. Wenn wir irgend etwas bedürfen, um in dieſer Zeit
der Not aufrecht zu bleiben, dann iſt es der Glaube an das Vaterland;
ohne dieſen Glauben ſchwebt alles politiſche Denken und Handeln in der
Luft. Unſer Vaterland iſt wie ein Menſch, der mit gebrochenem Nück=
grat
daliegt; es iſt das Ausbeutungsobjekt der Nationen um uns her=
um
, die der Haß zuſammenhält. Durch unſer Volk geht ein unheilvoller
Riß; es ſtehen ſich gleichſam zwei Völker gegenüber, als wenn ſie nicht
zuſammengehörten, und doch ſind ſie auf Gedeih und Verderb miteinan=
der
verbunden. Wir dürfen uns aber den Glauben an unſer Vaterland
nicht rauben laſſen. Stützen für dieſen Glauben haben wir an unſerer
tauſendjährigen Geſchichte. Wir erſehen daraus, wie ſchwer es unſerem
Volke immer gemacht worden iſt, ſich emporzuarbeiten; nach Höhepunk=
ten
ſind wir bald wieder klein geworden. Die Entfaltung des deutſchen
Geiſtes iſt eine Größe, die unverlierbar: deutſche Wiſſenſchaft, deutſche
Technik und deutſcher Fleiß werden ſich behaupten. Wir dürfen an
unſerem Vaterlande nicht verzweifeln, auch nicht im Hinblick auf unſere
Jugend. Sie iſt anders als wir; ſie muß anders ſein, denn die Kämpfe,
die ſie einmal zu beſtehen hat, werden ganze Menſchen erfordern. Poli=
tiſche
Fragen intereſſieren unſere Jugend wenig. Bei den vielen Par=
teien
iſt es für ſie ſchwer, ſich eine auszuſuchen, und der Parlamentaris=
mus
wird ſie auch kaum begeiſtern. Wenn die Jugend nur Liebe hat
zum Deutſchtum und zur deutſchen Kunſt, dann wird ſie auf dem rechten
Wege ſein. Wir wollen unſeren Kindern und Kindeskindern von den
Auguſtagen des Jahres 1914 erzählen, als das deutſche Volk von dem
Gedankene beſeelt war, daß ſeine Sache rein war. Guſtav Frenſſen hat
dieſe Zeit die größten Tage in der Geſchichte der Menſchheit genanmt.
Wir brauchen Männer, die führen können, Herrſchernaturen. Möge
Gott uns ſie zar rechten Zeit ſchenken, dann wollen wir ihnen folgen.
Durch die Wahl ſchaffen wir für die kommende Zeit. Unſer deutſches
Vaterland, an das wir glauben, es lebe hoch!
Im Anſchluß an das begeiſtert aufgenommene Hoch ſangen die An=
weſenden
das Deutſchlandlied. Es folgten nun in buntem W.chſel Muſik=
vorträge
der Kapelle, ſowie ernſte und heitere Rezitationen des Herrn
Hellborn. Zwiſchendurch wurden Theaterplätze verloſt; die Loſe
waren koſtenlos verabfolgt worden. Die Losbriefe förderten eine Reihe
von ſchönen Gewinnen zutage. Die ſchön und harmuniſch verlaufene
Verſammlung fand mit einer zündenden Anſprache von Generalſekretär
Kollbach ihr Ende, der auf die Bedeutung der Wahlen hinwies und
die Anweſenden aufforderte die heutige Verſammlung zu beſuchen, in
der Rechtsanwalt Dingeldeh und Vizekanzler Jarves, der für ſein
Deutſchtum himter Verkermauern litt, ſprechen werden.
* Wahlverſammlung der Zentrumspartei.
Der Konkordia=Saal war ſehr gut beſetzt, als Herr Lehrer Goy
kurz nach 8 Uhr die erſte und einzige Zentrumsverſammlung in Darm=
ſtadt
geſtern abend eröfnete. An Stelle der beiden angekündigten Red=
ner
, Dr. Bockus=Mainz und Rechtsanwalt Nuß=Worms, die im letzten
Augenblick durch anderweitige Wahlarbeit verhindert waven, ſprach zu=
erſt
Profeſſor Dr. Stohr=Mainz.
Das Zentrum erhebt den Anſpruch, daß alle Kanzler, die es dem
deutſchen Volke geſtellt hat, nationale Politik getrieben haben. Wenn
ein Mann Anſpruch darauf hat, nicht mißdeutet zu werden, dann iſt es
der Kanzler Marx, der am deutſchen Rhein geboren iſt und die Be=
drückungen
ſelbſt miterleben mußte. Wer nationale Geſinnung
hat, weiß, daß einem jeden Volk an der Stelle, an die es geſtellt wurde,
ſeine beſondere Aufgabe gegeben iſt. Das Zentrum hat den Friedens=
vertrag
gewiß nicht mit Luſt und Liebe unterſchrieben, aber ſeine Stel=
lung
zu dieſem Vertrag iſt eine ganz andere als die der Deutſchnatio=
nalen
, die den Vertrag nicht unterſchrieben, aber andere Parteien zur
Unterſchrift drängten. Wir erkennen den Mut Streſemanns
an, der mit der Politik Cunos brach. Eine ſtete, ruhige, obfervolle

Wahlen.
Politik überzeugte die Gegner, daß Deutſchlands Wege jetzt Treu und
Glauben verdienten. Den Genfer Völkerbund betrachten wir gewiß
alle mit Mißtrauen, aber es iſt jetzt doch ernſthaft der Anfang gemacht,
an der Befriedung der Welt zu arbeiten. Redner behandelte die deutſch=
nationale
Politik vom katholiſchen Standpunkt aus, die religiöſe und
Schulfrage. Als zweiter Redner ſprach der Innenminiſter, Herr von
Brentano, beſonders über die heſſiſchen Verhältniſſe.
Not tut uns mehr als je Einigkeit, ſtatt deſſen zerſplittern wir uns in
unzählige Parteien und Zwergparteien, die, wenn ſie den einen oder
anderen Abgeordneten durchbekommen, im Parlament doch ohne Einfluß
bleiben. Was die heſſiſchen Miniſter betrifft, ſo haben dieſe
mit Ausnahme eines kleinen Staates die geringſten Miniſtergehälter in
Deutſchland. Immer wieder ſind alle heſſiſchen Miniſter in Berlin, lei=
der
ohne Erfolg, gegen die Jammer=Gehälter der unteren und mittleren
Beamten=Gruppen aufgetreten. Keine Partei kann allen Wünſchen nach=
kommen
. Staat und Staatsämter dürfen nicht als Dominen einzelner
Parteien angeſehen werden, dieſem Standpunkte des preußiſchen Finanz=
miniſters
trete ich vollkommen bei. Bis vor ſechs Wochen gab es in
Heſſen unter allen Provinzialdirektoren und Kreisdirektoren keinen
Katholiken. Im folgenden ſpreche ich nur von höheren Beamten, im
Finanzminiſterium iſt nur ein Katholik, desgleichen im Miniſterium der
Juſtiz, im Innenminiſterium, am Oberlandesgericht uff. Was hat man
gegen die Koglition in Heſſen einzuwenden? Es iſt eine Ver=
nunftehe
, keine Ehe aus Liebe, und Heſſen iſt, von einer bedauerlichen
rohen Ausnahme ebgeſehen, ruhig geblieben. Ohne alle anderen Geſichts=
punkte
zu berühren, will ich erwähnen, daß z. B. das Miniſterium des
Innern 1914 an höheren Beamten 21 zählte, 19B nur 2, während die
Zahl der Einläufe von 31897 auf 52898 geſtiegen iſt. Die Zentrums=
partei
iſt ſich gleich geblieben, ſie macht keine Verſprechungen, die ſie nicht
halten kann. Beiden Rednern wurde anhaltender Beifall zuteil. Eine
H.W.W.
kurze Ausſprache ſchloß den Abend ab.
*
H. Eberſtadt, 5. Dez. Geſtern abend ſprach auf Einladung der
Ortsgruppe der Deutſchnationalen Volkspartei in einer
öffentlichen Wählerverſammlung im Gaſthaus Zur Eiſenbahn Freih.
v Forſtner über die bevorſtehenden Wahlen. Der Redner führte in
ſeinem Referat etwa folgendes aus: Es gibt nur eine Ueberlegung:
Wählen Sie am 7. Dezember die Partei, die Ihnen am nächſten ſteht,
wahlen Sie Männer im die neuen Parlamente, welche befähigt ſind
die Geſchicke unſeres Volkes zu leiten. Den Kampf gegen den Parla=
mentarismus
wird unſere Partei weiterführen, weil wir das beſchämende
Schauſpiel beim letzten Wahlkampf erlebt haben, daß die Miniſter der
Regierung, anſtatt in Berlin in ernſter Arbeit das Dawes=Gutachten
zu prüfen, im Lande herumgereiſt ſind und Wahlreden gehalten haben.
Nicht den Klaſſenkampf ſollten die Gegner auf die Fahne ſchreiben, ſon=
dern
wenn wir den Frieden haben wollen, müſſen wir alle zuſammen=
ſtehen
und uns Achtung gegen einander bezeugen. Wir haben den
Wahlkampf unter den Farben Schwarz=weiß=rot begonnen, und dieſe
Farben ſind uns etwas anderes, als ein Dekorationsmittel. Die Flagge
Schwarz=weiß=rot iſt auf unſeren Ueberſeedampfern vor aller Welt ge=
achtet
, weil ſie dank der Tüchtigkeit unſerer Arbeiter und Ingenieure
unſere Waren hinüberbrachten, die als gut angeſehen wurden. Wir
hoffen, daß Deutſchland durch dieſe Farben wieder zu Anſehen kommt.
Wir kämpfen auch gegen den proviſoriſch prolongierten Reichspräſidenten
Ebert, weil er gegen die erhobenen Beſchuldigungen ſeiner Stellung=
nahme
zu den Streikverboten bisher nicht das Geringſte unternommen
hat, um Klarheit in die Angelegenheit zu bringen. In der Diskuſſion
ſprachen Redner der Sozialdemokraten, Jahnſohn und Gemeinderat
Gärtner, für die Kommuniſtiſche Partei Quari und für die Deutſch=
nationale
Partei Bergſträßer. Redner erwiderte im Schlußwort, hier=
bei
, wie auch im Refergt, häufig durch Zwiſchenrufe der Gegner unter=
brochen
. Der Verſammlungsleiter, Gemeinderat Mahr, ſchloß darauf
die gut beſuchte Verſammlung.
I. Eberſtadt, 4. Dez. (Wählerverſammlung) Geſtern
Abend ſprach auf Einladung der Ortsgruppe des Heſſiſchen Bauernbun=
des
, in einer öffentlichen Wählerverſammlung im Gaſthaus Zur Eiſen=
bahn
, Dipl.=Ing. Kauth=Gernsheim über die Reichs= und Landtags=
wahlen
. In einer mehr als zweiſtündigen Rede legte der äußerſt tem=
peramentvolle
Redner die Ziele dar, um die es für die Kleinbauern und
Landwirte in der kommenden Wahl am 7. Dezember gehe. Er führte
aus, daß es nicht um die Fragen der Staatsform und der Reichsfarben
gehen dürfe, ſondern um die großen Probleme der deutſchen Wirtſchaft,
die ihrer Löſung harrten. So in erſter Linie um das Dawes=Gutachten,
bei dem ſich die Auffaſſungen nach rechts und links ſcheiden würden. Ein
Ausweichen vor dieſer Frage gebe es nicht. Redner ſteht auf dem Stand=
punkt
, daß verhandelt werden mußte und kritiſiert nur die Form. in der
das Gutachten zuſtande kam und angenommen wurde. Die Linkspar=
teien
, beſonders die Demokraten, ſeien viel zu bereitwillig geweſen. Es
hätte mehr Zurückhaltung und Würde gezeigt werden müſſen. Die
Landwirtſchaft bezeichnet der Redner als die Trägerin der deutſchen
Wirtſchaft, ohne die auch die deutſche Induſtrie nicht exiſtieren könne.
Die Landwirte und Kleinbauern ſeien Produzenten, die mit den Konfu=
menten
rechnen und zu rechnen haben. Ihre Politik müſſe ſich künftig
einſtellen: hier Stadt hier Land!. Die Loſung müſſe ſein: Arbeit für
das geſamte Volkl. Auch die Arbeiterſchaft ſei falſch geführt worden.
Programme aufzuſtellen, ſei eine Kleinigkeit, aber es müſſe auch die
Grundlage für ihre Ausführung vorhanden ſein. Was würde aus dem
Arbeiter werden, wenn die Landwirtſchaft nicht wäre! Die Landwirt=
ſchaft
iſt frei von jeglicher aggreſſiver Voreingenommenheit gegen die
Arbeiterſchaft. Der Kampf gegen ſie geht lediglich um den ſiunngemäßen
Ausgleich. Was möglich iſt, ſoll ihnen im Lohnkampfe werden. In
dieſem Sinne muß verſucht werden, das ſoziale Problem der Arbeiter=
ſchaft
zu löſen. Die Frage des Achtſtundentages iſt eine heille Frage,
die nur im Zuſammenhang mit den Erforderniſſen unſerer zuſammen=
gebrochenen
Wirtſchaft gelöſt werden kann. Die Landbevölkerung muß
in ihrer Geſamtheit zuſammenſtehen und zuſammenwirken im Intereſſe
des Wiederaufbaues. In der Diskuſſion ſprach der Kommnniſt Quari,
dem der Referent im Schlußwort erwiderte. Der Verſammlungsleiter,
Herr Gemeinderat Harniſchfeger ſchloß hierauf die Verſammlung, eben=
falls
mit einem Appell an die Wähler, am Wahltage für die Liſte des
Heſſiſchen Bauernbundes einzutreten.
Heppenheim, 4. Dez. Wahlverſammlung. Herr Ober=
landesgerichtspräſident
Dr. Beſt=Darmſtadt wird Samstag, den
6. Dezember, abends, im Hotel Halber Mond, dahier, fprechen. Da
Herr Beſt eine weit bekannte Perſönlichkeit iſt und als Hauptverteidi=
ger
der Aufwertung in gutem Rufe ſteht, dürſte ſich die Verſamm=
lung
eines guten Beſuchs erfreuen.

Rummer 339.
Pfungſtadt, 5. Dez. Die am Freitag abend von der Deut=
ſchen
Volkspartei abgehaltene Wahlverſammlung erfreute ſich
eines guten Beſuchs. Fräulein Birnbaum. M. d. L., die Rednerin
des Abends, hat durch ihre ſachlichen Ausführungen über die volkspar=
teiliche
Politik Regenſchaft abgelegt, die Zukunftsziele der Partei uns
die Wege zur Erreichung derſelben in eingehender Weiſe gezeigt. Nach=
dem
jetzt ſchon von einer Beſſerung der wirtſchaftlichen Lage geſprocher,
werden kann, ruſt die Deutſche Volkspartei, unter ihrem bewährter,
Führer Dr. Streſemann, alle ſtaatsbejahenden, auf dem Boden der
Verfaſſung ſtehenden Parteien auf den Plan, um im neuen Reichstag=
endlich
eine Regierung, hinter der der größte Teil des Parlaments ſteht=
bilden
zu können. Deshalb wähle jeder am Wahltage eine gefunde Mit=
telſtandspolitik
, die Politik Dr. Streſemanns und ſomit die Politik der
Deutſchen Volkspartei. Da ſich niemand in der Diskuſſion zu Worte
meldete, ſchloß der Vorſitzende die Verſammlung, indem er gleichzeitig
für die der Rednerin geſpendeten Aufmerkſamkeit dankte.
Ober=Ramſtadt 5. Dez. Landtagskandidat Dr. Keller,
der in den letzten Tagen faſt durchweg glänzend verlaufene Verſamm=
lungen
in Altenſtadt, Büdingen, Darmſtadt, Gins=
heim
, König, Lauterbach Lich. Nidda Oppenheim,
Weinolsheim und Wimpfen abgehalten hat, ſprach hier im
überfülltem Saale für die Deutſche Volkspartei. Die Ver=
ſammlung
wurde von Herrn Oberpoſtinſpektor Weber in vorbildlicher
Weiſe geleitet. Dr. Keller verbreitete ſich ausführlich über alle wichtiger
Fragen, die für die diesmaligen Wahlen in Betracht kommen, und fans
reichen Beifall für ſeine Ausführungen. Gegner waren zwar anweſend
machten aber von der Gelegenheit ſich auszuſprechen, keinen Gebrauch,
Die Verſammlung dürfte einen vollen Erfolg für die Deutſche Volkz=
partei
im Modautale bedeuten.
Bensheim, 5. Dez. Die öffentliche Wählerverſammlung der
Deutſchen Volkspartei, in der hier Neichstagsabgeordneter
Dauch=Hamburg ſprach, wurde zu einem vollen Erfolg. Geſpannt
lauſchten die zahlreichen Zuhörer den ſachverſtändigen Ausführungen
des bedeutenden Politikers. Reicher Beifall lohnte den Redner. Zur
Diskuſſion meldete ſich niemand. Herr Staatsanwalt Kleinjung
war der Verfammlung ein geſchickter Leiter.
* Wahlbewegung, in der Mainſpitze. Wie überall,
findet auch bei uns in der Mainſpitze in den letzten Tagen eine rege
Tätigkeit der Parteien ſtatt. Die erſten Kräfte der Parteien ſprechen
bei uns zu den Wahlberechtigten. So Herr Dingeldey, von der
Deutſchen Volkspartei, Herr Korell von den Demokra=
ten
, die Herren David und Strecker von den Sozialdemo=
kraten
. Aber auch die Zentrummspartei iſt nicht untätig
geblieben. Auch ſie hat in unſerem Gebiet eine rege Tätigkeit entfaltet
und führende Männer der Partei hierher entſandt. So ſprachen in einer
Reihe von Verſammlungen die Herren Direktor Burgbacher, ſowie
Gewerkſchaftsſekretär Weſp und der Landwirt Ludwig zu den Wäh=
lern
. Ueberall wurden die Erfolge des Kabinetts Marx behandelt und
den Verſammlungsbeſuchern an Hand von Beweiſen gezeigt, daß ge=
rade
der Reichskanzler Marx es war, der durch ſeine Perſon ſo viel
erreicht hat. Scharf gingen die Redner mit denjenigen Parteien ins
Gericht, die noch vor einigen Monaten die Zentrumspolitik Erzberger
WirthMarx bekämpfen und heute den Erfolg des Reichskanzlers Mar=
für
ſich beanſpruchen. Aber auch die Landwirte erfuhren einmal durch
den Landwirt Ludwig, wo wirklich die wahren Freunde der Landwirt=
ſchaft
ſitzen. In den großen Induſtrieorten unſerer Gegend ſprach des
Metallarbeiterſekretär Wefp zu den Wählern. Nachdem auch dieſes
Redner die Erfolge des Kabinetts Marx nach der außenpolitiſchen Seite=
den
Verſammelten erklärt hatte, behandelte gerade dieſer Redner auß
Grund ſeiner reichen Erfahrungen die Politik Marx von der wirtſchaft=
lichen
Seite aus und kam zu dem Reſultat, daß Reichskanzler Mars
durch den Londoner Abſchluß die Lage der deutſchen Arbeiterſchaß
weſentlich erleichtert hat. In allen Verſammlungen fanden gerade dieſe
Ausführungen großen Beifall, und auch die Ausſprachen zeigten, daß
auch die Gegner nichts gegen die Zentrumspartei vorbringen konnten,
ja manchmal haben ſie das Geſagte ohne weiteres anerkannt. So können
wir nach den bis heute abgehaltenen und ſo gut beſuchten Zentrums=
verſammlungen
, frohen Muts dem kommenden Sonntag entgegenſehen.
Wir Zentrumsanhänger in der Mainſpitze hoffen beſtimmt, daß auch bei
ihnen die Zentrumspartei zum Siege ſchreiten wird, denn ſie kämpft ja
Mit Gott, für Wahrheit, Freiheit und Recht!

Vollaufwertung perſönlicher Forderung. Das Kammergericht
Berlin hat den 8 7 der 1. Durchfährungsverordnung zur 3. St.N.V. für
ungültig erklärt in einer am 13. v. M. gefällten Entſcheidung. Gründe:
Der 8 7 iſt, ſoweit er die Aufwertung der perſönlichen Forderung auf
15 Proz, des Goldmarkbetrags anordnet, für ungültig zu erklären. Das
Gericht führt dazu aus, daß 8 3 für die perſönliche Forderung der Wei=
terentwicklung
des Nechts, die im Reichsgerichtsurteil vom B. Nov. 1923
ihren vorläufigen Abſchluß gefunden hat, freie Bahn läßt, während die
3. St.N.V. in gewollter Außerachtlaſſung der durch die Rechtſprechung
für die Aufwertung entwickelten Grundſätze, die Aufwertung der dring=
lichen
Forderung auf 15 Proz, beſchränkt. Dagegen iſt für die For=
derung
nach 8 3 die Aufwertung bis zum vollen Nenn=
betrag
zugelafſen. Der genannte Beſchluß erzeugt neuer=
lich
Rechtsunſicherheit. Man ſieht auch hieraus wieder, wie dringlich die
gefetzgeberifche Löſung des ganzen Fragenkomplexes iſt.
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New York: D. Albert Ballin am 6. 12. D. Thuringia am 11. 12,
D. Deutſchland am 18. 12. D. Mount Clay am 23. 12., D. Cleve=
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Thuringia am 11. 12., D. Weſtphalia am 8. 1. 25. Nach Phila=
delphia
BaltimoreNorfolk: D. Weſterwald am 16.
12, D. Monticello am 30. 12. Ein Dampfer am 16. 1. B. Nachder
WeſtküſteNordamerika: D. Holger ea. 6. 12., D. Sach=
ſen
ea. 20. 12, M. S. Iſis ea. 10. 1. B. Nach Südamerika=
Oſtküſte: D. Sachſenwald am 13 12., D. Wasgenwald am 20. 12,
D. Württemberg am 10. 1 25., D. Jdarwald am 10. 1. Nach Süd=
amerika
-Weſtküſte: D. Murla am 6. 12., D. Nitrokis am 13.
12., D. Nellerwald am 30. 12., D. Gerfried am 94. 12. Nach Guba
Mexiko: D. Nord=Schleswig am 10. 12., D. Nio Panueo am
20. 12, D. Antiochia am 24. 12., D. Liguria am 30. 12., D. Holſg=
tia
am 10. 1. 25. Nach Weſtindien: D. Galicia am 13. 12., D.
Radames am 3. 1. 25. Nach Afrika: D. Livadia am 20. 12,
D. Njaſſa am 7. 2. 2. Nach Oſtaſien: D. Lorenzolam 6. 12,
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[ ][  ][ ]

Rummer 339.

Samstag, den 6. Dezember 1924.

Seite 9.

Aus Heſſen.

* Griesheim, 5. Dez. Gemeinderatsbericht. 1. Mit Rück=
ſicht
auf die ſehr enormen Reparaturkoſten der Fuhrwerkswage, die
in keinem Verhältnis zu dem tatſächlichen Wert der Wage ſtehen, werden
die Mittel zum Ankauf einer neuen Fuhrwerkswage bewilligt. 2. Für
die Durchführung der Winterhilfe für bedürftige Familien wurde ein
Kredit von 8000 Goldmark bewilligt. Die Betreuung der Bedürftigen
ſoll durch die Wohlfahrtskommiſſion erfolgen, wobei auf den Grad der
Bedürftigkeit der einzelnen Familien gebührende Rückſicht zu nehmen iſt.
3. Die Ortslöhne wurden wie folgr feſtgeſetzt für männliche über 21
Jahre 5 Mk., weibliche 3,75 Mk., von 1621 Jahren 3,80 Mk., bzw. 2,80
Mk., unter 21 Jahren 2,50 Mk., bzw. 1,80 Mk. 4. Die Feſtſetzung des
durchſchnittlichen Jahresarbeitsverdienſtes für land= und forſtwirtſchaft=
liche
Arbeiter wurde wie folgt vorgenommen: für Männer über 21 Jahre
1500 Mk., für Frauen 1125 Mk., von 1621 Jahren 1140 Mk., bzw. 855
Mk., unter 16 Jahren 750 Mk., bzw. 562,50 Mk. 5. Die Hundeſteuer
für das Jahr 1925 wurde wie folgt feſtgeſetzt: für den erſten Hund 6
Mk., für jeden weiteren Hund 6 Mk. mehr. Währt der Hundebeſitz das
ganze Jahr, ſo werden für jeden m Zugang gekommenen Hund folgende
Teilſätze erhoben: ſofern der Hundebeſitz beginnt: a) nach dem 1. Januar
aber vor dem 1. April 34 der Sätze; b) nach dem 1. April aber vor dem
1. Juli ½ der Sätze; c) nach dem 1. Juli aber vor dem 1. Oktober ¼
der Sätze. 6. Die Stellungnahme zur weiteren Mitgliedſchaft der Ge=
Gemeinde bei der Bezirksſparkaſſe Groß=Gerau wurde auf die nächſte Sitz=
ung
zurückgeſtellt. 7. Das Kreisamt Darmſtadt hatte bezüglich der Er=
weiterung
des Ortsbauplanes zwiſchen Hofmann= und Georgſtraße bzw.
Sandgaſſe und Riedbahn verſchiedene Aenderungen bzgl. der Straßen=
breite
vorgeſchlagen, die den völligen Verhältniſſen nicht genügend Nech=
nung
trugen, zu der der Gemeinderat entſprechend Stellung nahm.
8. Mit der Jubiläumsſammlung für das Rote Kreuz ſoll die obere Mäd=
chenklaſſe
betraut werden. 9. Die Entſcheidung über die Geſuche um
Ermäßigung der Steigpreiſe für Heugras infolge Ueberſchwemmung,
wird der Feld, und Wieſen=Kommiſſion überlaſſen. 10. Die Einſtufung
des Schutzmanns Kiſſinger als Oberſchutzmann in Gruppe V der Be=
ſoldungsordnung
wurde genehmigt. 11. Der Weidenverſteigerung vom
3. Dezember d. J. mit einem Erlös von 2213 Mk. wurde trotz eingelegter
Mehrgebote die Genehmigung erteilt. 12. Das ſeither von Peter
Nothnagel III. gepachtete Grundſtück an der Raugaſſe ſoll als Obſtbaum=
ſchule
Verwendung finden. 13. Die ſogenannte Brücklewieſe (2 Mor=
gen
), die gegenwärtig eine Jahrespacht von 20 Mk. einbringt, iſt zurück=
zunehmen
und der Anlage einer Weidenkultur nutzbar zu machen.
14. Weitere 16 Vorlagen, die ſich auf Stundungs= und Wohlfahrtsange=
legenheiten
bezogen, wurden in zuſtimmendem Sinne erledigt.
8 Eberſtadt, 3. Dez. Die Zahl der Arbeitsloſen iſt auf
95 angewachſen. Die Gemeind beſchäftigt zirka 60 Niolarbeiter.
A Pfungſtadt, 3. Dez. Die Wahlhandlung wird hier am
Sonntag in drei Sälen der Knabenſchule (an der Kirche) vorgenommen
werden. Als Feldgeſchworenen der Gemeinde wurden der
Gemeinderat Ludwig Jäger II. und der Feldſchütze i. R. Adam Wein=
gärtner
eidlich verpflichtet.
* Nieder=Ramſtadt, 5. Dez. Gemeinderatsbericht. Durch
Einführung eines geſtaffelten Tarifs für Kraftſtrom iſt auch eine Aende=
rung
des Stromlieferungsvertrages mit der Anſtalt für Epileptiſche not=
wendig
geworden. Der Gemeinderat ſtimmte dem Abänderungsentwurf
Anſtalt und Mühlenbetrieb, getrennt gehalten werden. Der Gemeinde= und links entſpräche dem Vorſpannen eines Pferdes vorn am Wagen,
rat nimmt Kenntnis von dem Stand der Befeſtigungsarbeiten in der
Kilianſtraße und genehmigt, daß die Straßenfluchtlinie bei dem Ge=
lände
der Mitteldeutſchen Zündholzfabrik nochmals etwas verändert wird.
Ein Geſuch des Hermann Heil um Tieferlegung der Straße, wurde, da
aus techniſchen Gründen undurchführbar, für erledigt erklärt. Es wurde
moch beſchloſſen, vor der endgültigen Befeſtigung der Straße die Waſſer=
leitung
zu legen, ſowie zum Zwecke der Erhaltung eines Zuganges zum
Spengler angrenzt, nicht zu veräußern. Eine Debatte entſpann ſich
Furz barüber, wem das Obſt auf den ſeinerzeit durch den verſtorbenen
Dehrer im Schulhaushof angepflanzten Bäumen gehöre. Der Gemeinde=
Tat beſchloß, daß die Bäume in das Eigentum der Gemeinde überge=
mangen
ſeien und daß der derzeitige Inhaber der Dienſtwohnung die
Obſtnutzung gegen Zahlung einer jährlichen Anerkennungsgebühr an die
Gemeindekaſſe haben ſoll. Die Anfertigung von 12 Stück Rohſärgen
ſpird den Wenigſtfordernden, Schreinermeiſter Keil und Nanſt, zum
Preiſe von 13 Mark pro Stück übertragen. Anſtelle der urſprünglich in Ausſprache machte ein Deutſchnationaler einen mißglückten Rettungs=
Ausſicht genommenen Aufſtellung eines Reſevoirs für die Gemeindebade=
anſtalt
ſoll nunmehr auf ſachverſtändiges Anraten hin, ein Reduzier= Beifall der Verſammlung. Den Klagen eines ausgewieſenen Bahn=
wentil
eingebaut werden, unter der Vorausſetzung, daß die ausführende
SFirma volle Garantie für tadelloſes Funktionieren übernimmt und ſich
verpflichtet, das Reduzierventil wieder durch ein Reſervoir zu erſetzen,
geſuche werden der Finanzkommiſſion zur Vorberatung überwieſen.
geld von je 200 Mark zu gewähren wird inſoweit entſprochen, als der
rhrer Tätigkeit auch auf dieſe Gemeinde entfällt. Der Gemeinderat
rahme der leerſtehenden Näume in dem Fabrikgebäude der Mitteldeut=
chen
Zündholzfabrik. Die Einwendungen der Firma, daß der Betrieb die der Ortsgruppevorſitzende Herr Maurermeiſter Kämmerer mit Ge=
Hei Eintritt beſſerer wirtſchaftlicher Verhältniſſe wieder eröffnet würde,
aufgenommen wird und es der Firma ſeinerzeit bei dem Aufkauf nur fahren wird.
Darum zu tun geweſen iſt, den Kleinbetrieb als Konkurrenz auszuſchal=
ten
. Einem Anſinnen des Kreisamtes entſprechend, beſchließt deshalb
der Gemeinderat den erforderlichen Kredit für Einrichtung von Wohn=
ungen
bei einer Durchführung der Beſchlagnahme zu bewilligen, da er chen erhalten. Herr Hamann wird dieſem Rufe folgen und unſere Ge=
s
in anbetracht der großen Wohnungsnot nicht weiter zu verantworten
können glaubt, daß die nun ſchon nahezu ein ganzes Jahr lang leer= hat, ſehr vermiſſen.
ſtehenden Räume noch fernerhin unbenutzt bleiben. Die Neuverpach=
Sache vorliegendes Geſuch eines Pächters um Herabſetzung des Pacht= Abfahren von Weihnachtsbäumen aus den nahen Waldungen des angren=
preiſes
für erledigt erklärt. Verſchiedene öffentliche Verſteigerungen
üüber Ausführung von Gemeindefuhren werden genehmigt. Das Ge=
Bemeindeherdes wird abſchläglich beſchieden, da die Gemeinde den Herd
elbſt benötigt. Ebenfo mußte auch ein Geſuch des Fahrradhändlers Staats= und Gemeindewaldungen hat man überall begonnen.

Knöll, dahier, um käufliche Ueberlaſſung gemeindlichen Geländes, gegen=
über
dem Chauſſeehaus, abgelehnt werden, da dieſes zu dem beabſich=
tigten
Zweck nicht abgetreten werden kann. Aus Anlaß eines beſon=
deren
Falles wurde noch beſchloſſen, ortsüblich bekannt machen zu laſſen,
daß das Abreißen oder das Ueberkleben von Plakaten auf den Gemeinde=
plakattafeln
, verboten iſt und daß ſich die Vereine oder Parteien ſtreng
nach der Plakattafelordnung zu richten haben. Zuwiderhandlungen haben
Beſtrafungen zu gewärtigen. Den Schluß bildete noch eine kurze Ge=
heimſitzung
.
* Nieder=Ramſtadt, 5. Dez. Die Maul= und Klauenſeuche
im hieſigen Faſelſtall, die nebenbei bemerkt, diesmal einen normalen Ver=
lauf
nahm, iſt jetzt wieder erloſchen, ſodaß geſtern das Kreisveterinär=
amt
die Aufhebung der Sperrmaßnahmen anordnete. Der Faſelſtall
bleibt indeſſen noch bis Mitte nächſter Woche geſchloſſen. Die Orts=
durchfahrt
Nieder=Ramſtadt vom Chauſſeehaus bis zur Modaubrücke
iſt behufs Einlegung eines Regenwaſſerkanals auf ungefähr 3 Wochen
für Fuhrwerke, Kraftwagen und Krafträder geſperrt. Der Verkehr wird
durch die Ober=Ramſtädterſtraße geleitet.

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Jugenheim (Bergſtraße), 4. Dez. In einer von der Ortsgruppe
Jugenheim der Deutſchen Volkspartei am 27. November einberufenen
Wählerverſammlung ſprachen Herr Landgerichtsrat Altendorf über die
Lage im Reich und Herr Stadtverordneter Haury über die Zuſtände in
unſerem engeren Vaterland. Der erſtere Redner entwickelte in lichtvoller
Darſtellung das Weſen der von der Deutſchen Volkspartei betriebenen
Politik. Sie hält ſich fern von Illuſionen und großen Worten und er=
ſtrebt
das jeweils Mögliche und Erreichbare unter dem Geſichtswinkel
des nationalen Wohles. Mit ſolcher nüchternen, ohne Blender arbeiten=
den
Politik ſind die Maſſen nicht gerade leicht zu gewinnen. Unter
Einſetzung ihrer Popularität bei den Frühjahrswahlen iſt die Partei
ihren geraden Weg gegangen. Mit der ſeitherigen Koalition geht es
nicht mehr. Eine tragfähige national geſinnte Mehrheit iſt nur zu
zu unter der Vorausſetzung, daß auch fernerhin die beiden Betriebe, erlangen durch Koalitionsverbreiterung nach rechts (eine nach rechts
eines anderen hinten). Es iſt ſchade, daß die zum Staatswohl notwendige
Annäherung an die D. D. nicht gefördert wird durch Wahlkampfmetho=
den
der Deutſchnationglen, die als unwahrhaftig bezeichnet werden
müſſen. (Aus der Verſammlung heraus war dem Redner einer der in
Maſſen ausgeſtreuten deutſchnationalen Wahlaufrufe vorgelegt worden,
in dem behauptet wird, von den durch dieſe Regierung bei der Entente
zu vertretenden Forderungen, wie Räumung des Ruhrgebietes, Rückkehr
Modaubach das Vorgartengelände, ſoweit es an das Eigentum des Wilh. der Gefangenen und Ausgewieſenen uſw. ſei gar nichrs erreicht!)
Dem Völkerbund könnten wir nur unter beſtimmten Garantien bei=
treten
. Herr Haury beleuchtete die Inkonſequenz und ſtete Umfallbereit=
ſchaft
der Koglitionsparteien in Heſſen, die perſönliche Note an leiten=
den
Stellen, unſer Steuerelend, den Miniſterenüberfluß, und die von
unten nach oben ſtatt von oben nach unten vor ſich gehende Abbau=
wirtſchaft
und noch mehr Unerfreuliches im Heſſenland unter zahlen=
mäßiger
Belegung ſeiner Behauptungen. Seine Feſtſtellungen empfand
man auf ſozialdemokratiſcher Seite als Volksverhetzung, In der freien
verſuch für das oben charakteriſierte Flugblatt. Er fand dabei nicht den
beamten über die verſagende Wohnungsfürſorge im beſetzten Gebiet
konnte Herr Landgerichtsrat Altendorf in autoritativer Form die tröſt=
liche
Mitteilung entgegenſetzen, daß mit Neuordnung der Verhältniſſe
Falls die Sache verſagt. Verſchiedene Steuerſtundungs= und Erlaß= von nun an die Beſatzungsmächte ſelbſt für die Koſten der Unter=
bringung
ihrer Leute aufzukommen haben. Dies wird bei den knickeri=
Einem Anſinnen des Kreisamtes, den Hebammen ein jährliches Warte= ſchen Franzoſen ſehr bald Wirkungen erzielen, die uns nur erwünſcht
ſein können. Bayern hat auch für ſeine Ausgewieſenen muſtergültig
Betrag auf je 150 Mk. feſtgeſetzt wird. Die fehlenden je 50 Mk. ſollen geſorgt. Einem Sozialdemokraten, der ſchon von Chriſtentums wegen
ich die Hebammen durch die Gemeinde Waſchenbach erwirken, da ein Teil eine Völkergemeinſchaft forderte, hielt Herr Altendorf entgegen, daß
ein rechter Chriſt erſt für ſeine Familie und damit für ſein Volk ſorgt
immt Kenntnis von dem Gang der Verhandlungen über die Beſchlag= und dann erſt für die Menſchheit. Der franzöſiſche und engliſche Arbeiter
halte vor allem zu ihrem Volk. Die anregend verlaufene Verſammlung,
ſchick leitete, hinterließ und vertiefte erſichtlich den Eindruck, daß unſer
rindet bei dem Gemeinderat wenig Glauben. Es wird vielmehr für deutſches Volk bei der nur mit Wirklichkeiten arbeitenden illuſionsfeind=
tpahrſcheinlicher
angenommen, daß der Betrieb überhaupt nicht mehr lichen Politik der Arbeit und des Opfers nicht ſchlecht gefahren iſt. und
Bensheim, 3. Dez. Ernennung. Der ſchon eine Reihe von
Jahren an der Gewerbeſchule mit großem Erfolg tätige Kunſtmaler Ha=
mann
hat einen Ruf als Profeſſor an die Städtiſche Malfhule in Mün=
werbeſchule
wird dieſen Künſtler, dem ſie ungeheuer viel zu verdanken
Von der Bergſtraße, 3. Dez. Weihnachtsbäume. Das Her=
ung
der Grundſtücke an den Bruchäckern wird genehmigt, ein in gleicher annahen des ſchönen Weihnachtsfeſtes gibt ſich kund durch das Hauen und
zenden Odenwaldes. Aus allen Tälern kommen zahlreiche Fuhren dieſer
Bäume, um in die nahen Städte und Ortſchaften verbracht zu werden.
uch des Jak. Reitz um Ueberlaſſung eines inzwiſchen freigewordenen Mögen ſie überall, wo dieſe Bäume den Weihnachtstiſch zieren, recht frohe
Feſttage mit ſich bringen. Holzſchlag. Mit dem Holzſchlag in den

* Von der Bergſtraße, 4. Dez. Billiges Fleiſch.
kaufen auch die Metzger der Stadt Bensheim das Pfd. prima Rind=
fleiſch
für 60 Pfg.

Nun ver=

Heppenheim (Bergſtraße), 5. Dez. Bei der am 1. Dezember ſtatt=
gehabten
Viehzählung wurden in hieſiger Stadt gezählt: 139 Pferde,
514 Stück Rindvieh (515) 27 Schafe (26), 577 Schweine (922), 1061
Ziegen (1014), 5857 Stück Federvieh. Nichtbeſchaupflichtige Hausſchlach=
tungen
von Schweinen wurden in der Zeit vom 1. 12. 192330. 11. 1924
397 vorgenommen. Die in Klamern beigeſetzten Zahlen bedeuten die am
1. Oktobr 19B3 ermittelten Viehbeſtände.
X Kirch=Beerfurth i. O., 3. Dez. Unfall. Beim Spielen mit
einer Axt wurde einem ſechs Jahre alten Jungen die rechte Hand faſt
ganz durchgehauen.
Groß=Umſtadt, 4. Dez. Am letzten Dienstag hielt die Deutſche
Volkspartei ihre Wahlverſammlung ab, die ſehr ſtark beſucht war.
Der Saal der Krone reichte nicht aus, die Beſucher zu faſſen; es
mußten noch Nebenräume dazu genommen werden. Leiter der Verſamm=
lung
war Herr Gg. Weber VIII.. Herr Landgerichtsrat Altendorf
behandelte in vornehmer und ſachlicher Rede die politiſche Lage im
Reich, Herr Zimmermeiſter Haury in trefflicher Weiſe die politiſche
Lage in Heſſen. Die Demokraten ſtellten zwei Gegenredner, deren einer
aus Frankfurt war, einen der Hypothekengläubiger= und Sparer= Schutz=
verband
. Ihnen erwiderte Herr Altendorf in ſeinem Schlußwort, wobei
er beſonders den Frankfurter Herrn wegen ſeiner Angiffe gegen die
Perſon Streſemanns abführte und noch die poſitive Stellung der D.V.P.
zu den landwirtſchaftlichen Schutzzöllen darlegte.
* Birkenau, 4. Dez. Freilichtbühne. Hier hat ſich ſeit
einigen Monaten eine Varieté=Freilicht=Bühne niedergelaſſen, die be=
abſichtigt
, während des Winters hier und in den benachbarten Ort=
ſchaften
abwechſelnd Vorſtellungen zu geben. Zu dieſem Zwecke hat
die Spielgeſellſchaft den großen Saal des Gaſthauſes. Zum deutſchen
Kaiſer während der ganzen Spielzeit gemietet. Wie es ſcheint, werden
die Vorſtellungen befriedigend beſucht und dürfte der Unternehmer wohl
auf ſeine Koſten kommen.
+ Groß=Gerau, 4. Dez. Schadenfeuer. Gegen abend brach
in der Fahrradhandlung Rauch, Hellwigſtraße, durch in Brand geratenes
Benzin Feuer aus. Die Werkſtätte, das Magazin und ein Treppenhaus
ſtanden im Nu in Flammen. Der ſofort herbeieilenden Pflichſt= und
Freiwilligen Feuerwehr gelang es, das Feuer einzudämmen und inner=
halb
zweier Stunden zu löſchen. Viel Material, darunter auch neue
und zur Reparatur gegebene Fahrräder, iſt verbrannt. Der Schaden iſt
beträchtlich.
ch. Nierſtein, 3. Dez. Schwer verunglückt iſt geſtern abend
der Steuermann eines hier vor Anker gegangenen Schleppdampfers.
Der Bedauernswerte fiel beim Verlaſſen der Ruderbrücke ſo unglück=
lich
auf Deck, daß er ſich einen komplizierten Beinbruch zuzog. Das
Haus des Küfermeiſters und Weinhändlers Jakob Gerhardt, der, wie be=
kannt
, das Gaſthaus zur Krone erworben hat, ging durch Verkauf in den
Beſitz des Schloſſermeiſters Andreas Seip dahier über. Die Zahl der
Wahlberechtigten in hieſiger Gemeinde bei der am Sonntag
ſtattfindenden Reichs= und Landtagswahl beträgt 2970. Gewählt wird in
zwei Bezirken im Rathaus. Bezirk 1 umfaßt die Wähler mit den An=
fangsbuchſtaben
AL, Bezirk 2 die von MZ.
* Butzbach, 3. Dez. Die neugewählte Stadtverordnetetenverſamm=
lung
wird in Kürze aus ihrer Mitte oder aus der Bürgerſchaft zwei
Beigeordnete zu wählen haben. Da die bürgerlichen die Mehr=
heit
haben, iſt es möglich, daß zwei bürgerliche Abgeordnete gewählt
werden. Von verſchiedenen Seiten wird nun vorgeſchlagen, einen
Sozialdemokraten zum Beigeordneten zu wählen, um dieſe Partei bei
den bevorſtehenden ſozialen Fragen, wie Wohnungsfragen, Wohlfahrts=
fragen
. Fürſorge uſw. zur Mitarbeit heranzuziehen.
* Gießen, 3. Dez. In die Klinik wurde ſchwer verletzt der 20 Jahre
alte Schneidergeſelle Auguſt Becker aus Alten=Buſeck eingeliefert, welcher
beim Holzfahren vom Wagen geſtürzt war und ſchwere Verletzungen
im Unterleib davon getragen hatte. An ſeinem Aufkommen wird ge=
zweifelt
.
* Rendel i. d. Wetterau, 5. Dez. Pfarrer Korell, der etwa vor einem
Jahre aus dem beſetzten Gebiete ausgewieſen wurde, hat unſer Dorf
dieſer Tage wieder verlaſſen und iſt nach Ober=Ingelheim zu rückgekehrt.
Er hatte es verſtanden, ſich die Herzen der Einwohnerſchaft zu gewinnen,
die ihm ein treues Andenken bewahren wird.
Ulrichſtein i. Oberh., 4. Dez. Ein Ausſchuß in Ulrichſtein i. Ober=
heſſen
erläßt folgenden Aufruf: Spendet für Turm und
Glocken von Ulrichſtein! Unſer heſſiſches Bergſtädtchen Ulrich=
ſtein
wurde am 13. September von einem ſchweren Brandunglück heim=
geſucht
. Nachts um 9411 Uhr geriet ein Wohnhaus in Brand, und durch
Funkenflug wurde das Feuer, auf den Kirchturm übertragen. Man
mag ſich das Entſetzen ausmalen, das uns ergriff, als wir unſeren lieben
Kirchturm in Flammen ſtehen ſahen. Der faſt 38 Meter hohe Turm
brannte, ſoweit er aus Holz hergeſtellt war, ab, und wurde auch innen
zerſtört. Die Turmuhr wurde ſchwer beſchädigt. Das Allerſchlimmſte
aber iſt: auch die drei Glocken ſind abgeſtürzt und geſprungen. Die eine
war von 1798, die andere von 1788 und die dritte, zum Erſatz für eine
im Krieg beſchlagnahmte, angeſchafft, war von 1920. Sie alle drei ſind
nun zerſtört. Unſer Kirchturm iſt nicht wegzudenken aus dem Land=
ſchaftsbild
des hohen Vogelsberges; er war ein Wahrzeichen der ganzen
Gegend. Uns aber, die wir um ihn herum wohnten, war er mehr: er
war uns wie der aufgereckte Finger Gottes, wie ein Wegweiſer von
unſerer Welt zur Ewigkeit; weil er uns lieb iſt, darum müſſen wir
ihn wiederhaben. Wir ſind entſchloſſen, ihn in alter Form wieder er=
ſtehen
zu laſſen, wenn unſer Vertrauen nicht enttäuſcht wird. Turm
und Glocken waren gut verſichert, aber trotzdem wird die Gemeinde viel=
leicht
5 oder 6 oder 7000 Mk. aufbringen müſſen, um den Turm wieder
ſo aufzubauen, wie er war. Es gehört nicht viel dazu, ſich zu ſagen,
daß ein kleines Bergſtädtchen im nicht reichen hohen Vogelsberg einen
ſolchen Betrag nicht aufzubringen vermag. Darum rufen wir herzlich
auf, uns durch Gaben zu helfen! Unſer Gottvertrauen läßt uns auch
auf brüderliche Hilfe vertrauenl Spendet für Turm und
Glocken von Ulrichſtein! Spenden erbeten an Pfarrer Korn=
mann
, Ulrichſtein, Poſtſcheckkonto Frankfurt a. Main, Nr. 160821.
* Grünberg, 3. Dez. In ſchwere Lebensgefahr geriet ein
Monteur der an dem Ueberlandwerk bei Ober=Ofleiden eine Ausbeſſe=
rung
vornahm. Er kam der Hochſpunnleitung zu nahe, ſtürzte ab und
blieb bewußtlos liegen. Nach Eintreffen des Arztes kam er wieder zu
ſich. Am Kopfe hat er ſchwere Brandwunden erlitten.
* Schotten, 3. Dez. Der Hochwildbeſtand in den ausgedehn=
ten
Wäldern zwiſchen Laubach, Ulrichſtein und Schotten iſt gegen die
Vorkriegszeit auf etwa den zehnten Teil heruntergegangen. Bei den
jüngſten größeren Jagden wurde nicht ein einziger Hirſch geſchoſſen.
Man führt dieſe Erſcheinung hauptſächlich auf die Wilddieberei zurück.

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Die trauernden Hinterbliebenen:
Marie Knippel, geb. Römer
Handarbeitslehrerin
Familie Wilh. Knippel
Fanilie Heinrich Maus
Familie Wilh. Pfeiffer
Familie Johanna Knippel.
Hahn b. Pfungſtadt, Darmſtadt, 5. Dez. 24.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 7. Dezember
nachmittags 2 Uhr, ſtatt. (*36138

Seite 10.

Samstag, den 6. Dezember 1924.

Rummer 339.

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Familiennachrichten

Die Verlobung ihrer Tochter
Lisel mit dem Leutnant a. D.
Herrn Karl-August Baur zei-
gen
an
Rechtsanwalt
Oarl Neuschäffer und
Frau Marie, geb. Ude

Meine Verlobung mit Fräu-
lein
Lisel Neuschäffer gebe
ich hierdurch bekannt
Karl-August Baur
Ltn. a. D. Lg.-J.-Reg. 115

Darmstadt, Miklas 1924

A5.0 3

Die Verlobung unserer Toch-
ter
Heli mit Herrn Dipl.-ing.
Hans Schneider geben wir
hiermit bekannt.
Adolf Rud. Müller
und Frau Magde
geb. Sittenauer
Darmstadt, Schulstr. 14

Meine Verlobung mit Fräu-
lein
Heli Müller, Tochter des
Herrn Kaufmann Adolf Rud.
Müller und seiner Frau Ge-
mahlin
Magda, geb. Sittenauer,
beehre ich mich anzuzeigen.
Hans Schneider
Dipl.-Ing.
Charlottenburg. Neue Kantstsr. 20 I.I.

Dezember 1924

Am Donnerstag abend entſchlief nach
kurzem, ſchwerem Krankenlager im Ater von
80 Jahren mein lieber Mann, unſer treu=
beſorgter
Vater, Schwiegervater, Großvater,
Schwager und Onkel
Herr
Friedrich Kaſtor
Leutnant a. D.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Auguſte Kaſtorf, geb. Thiele
Alwine Dietz, geb. Kaſiorf
Dr. med. Friedrich Kaſtorf, prakt. Arzt
Wilhelm Dietz, Eiſenbahn=Oberingenieur
Doris Kaſtorf, geb. Randhahn
und 2 Enkel.
Arheilgen b. Darmſiadt, und Pfungſtadt,
den 5. Dezember 1924
Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Dez., nachm.
3 Uhr, von der Kapelle des Waldfriedhofes, Darmſtadt,
aus ſtatt.
(*36208

G
Me
Frauenlob
Eine weit. Annahme=
ſtelle
befi det ſich in
Darmſtadt ( 36164
Ballonel. 10, part.

Todes=Anzeige.
Dem Herrn über Leben und Tod hat es ge=
fallen
, meinen lieben, herzensguten Gatten, unſeren
treuſorgenden Vater, Schwiegervater, Großvater,
Bruder, Schwager und Onkel
Herrn Zuſtus Knippel
im Alter von 62 Jahren nach langem ſchweren
mit Geduld ertragenem Leiden zu erlöſen.

Am Abend ſeines arbeitsreichen Lebens iſt das
Haupt unſerer Familie
Georg Hch. Haas
Kirchenvorſteher, Beteran von 1870,71
nach kurzem Leiden im Alter von 77 Jahren heute
früh ſanft entſchlafen.
Reinheim, den 5. Dezember 1924.
In tiefer Trauer:
Georg Hch. Haas Witwe
Familie Ludw. Haas
Familie Franz Oeſtreicher
Darmſtadt, Hochſtr. 14.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 7. Dezember,
nachmittags 21, Uhr, ſtatt. (*36220

Donnerstag, den 4. Dezember,
früh, entſchlief nach kurzem Kran=
kenlager
, fern von Heimat und
Eltern, unſer Landsmann

Denades Menie
Darmſtadt, den 4. Dezember 1924.
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Samstag den 6. D zember 1924.
P
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Ich wähle demokratiſch:
1. Weil ich eine Frau bin!
Der Deutſchen Demokratiſchen Partei verdanke ich mein politiſches Mitbeſtimmuugsrecht. Die
Rechtsparteien waren früher ausgeſprochene Gegner des Frauenſtimmrechts. Die demokratiſchen Frauen
Helene Lange und Gertrud Bäumer dagegen ſind als Vorkämpferinnen der Frauenbewegung allbekannt.
Der Weltkrieg hätte niemals ſo lange dauern hönnen, wenn die Frauen, einig in ihrem geſunden weib=
lichen
Empfinden, ſich dagegen geſträubt hätten. Denn die Frauen bilden die Mehrheit der Wählerſchaft.
In der Weimarer Verfaſſung, die den Demokraten Hugo Preuß zum Schöpfer hat, iſt
die politiſche und rechtliche Gleichſtellung der deutſchen Frau mit dem Mann verankert.
Die Deutſche Demokratiſche Partei iſt die Partei der Frau!
Sie allein hat mehrere Frauen an abſolut ſicherer Stelle auf den Kandidatenliſten aufgeſtellt.
Ich wähle demokratiſch=
2. Weil ich meine Familie liebe!
Sie ſteht meinem Herzen am nächſten, und ihr vor allem möchte ich neue Sorgen erſparen, die
durch politiſche und wirtſchaftliche Unruhen hervorgerufen werden.
Die Inflation und den Ruhrkrieg mit allen ihren Nöten und Plagen wird keine Hausfrau und
Mutter je vergeſſen.
Der Demokrat und jetzige Reichsbankpräſident Dr. Schacht hat die Währung befeſtigt, ihm
gehört meine Stimme.
Der heſſiſche demokratiſche Reichstagsabgeordnete Pfarrer Korell, der ſelbſt ausgewieſen war,
hat ſich wie kaum einer für das beſetzte Rheinland eingeſetzt. Ihn wähle ich. Meinen Mann
will ich vor Arbeitsloſigkeit geſchützt und ihm ein auskömmliches Einkommen geſichert wiſſen. Darum
ſtehe ich zur Partei Friedrich Naumann.
Meinen Kindern wünſche ich eine beſſere Zukunft in Frieden und Freiheit nach dem ergreifenden
Wort Fritz Reuters in kein Hüſung:
Die Tat ſei mein Der Segen Dein!
Frei ſollſt Du ſein Frei ſollſt Du ſein!
Die geringſte Tat, die es für die Frauen am 7. Dezember zu vollbringen gilt, iſt die Abgabe
des demokratiſchen Stimmzettels.
Ich wähle demokratiſch:
3. Weil ich mein Volk und Vaterland liebe!
Das deutſche Volk hat unter dem Kriege und ſeinen Folgen unſäglich gelitten.
Zu den Männern, die ſchon während des Krieges für eine Verſtändigung eintraten, gehörten
die Vorläufer der Deutſchen Demokratiſchen Partei! Die Kriegsverlängerer waren die Alldeutſchen und
die Vaterlandspartei, dieſelben, die unter Cuno=Becker ſich auf das verderbliche Ruhrabenteuer einließen
und heute mit dem Gedanken eines Rachekrieges ſpielen. Das Maß ihrer Schuld iſt gerüttelt voll.
Die Demokraten haben den Bürgerblock, der dieſe Volksverderber wieder in den Sattel heben
ſollte, zerſchlagen.
Die Annahme des Londoner Gutachtens und die infolgedeſſen für das beſetzte Gebiet eingetretenen
Erleichterungen bedeutet die Überleitung in ruhige, ſichere Zeiten.
Den Deutſchnationalen, die im Reichstag nicht Ja oder Nein dazu ſagen konnten, keine
Stimme! Keine Stimme auch der Deutſchen Volkspartei, die die Deutſchnationalen wieder in den
Sattel ſetzen wollten.
Der Deutſchen Demokratiſchen Partei, die ſchon zum 4. Mai unter der Parole für Verſtändigung
und für Annahme des Dawes=Gutachtens eintrat, gehört mein Vertrauen.
Ich wähle demokratiſch:
4. Weil ich an die kulturelle und menſchheitliche
Hendung der Demokratie glaube!
Jede einfache Frau kann die Schrift des bedeutendſten modernen Philoſophen Immanuel Kant
verſtehen, die Vom ewigen Frieden handelt. Sie iſt eine Vorahnung des Völkerbundes. Die Vor=
kämpfer
für den Gedanken der friedlichen Schlichtung der Streitigkeiten zwiſchen den Völkern ſtehen
in den Reihen der Deutſchen Demokraten.
Welche Frau, die Mann und Kinder wirklich liebt, ſollte ſolches Bemühen nicht von Herzen
unterſtützen?
Fort mit dem Kriege!
Die Demokratie iſt der Hort des Friedens!

Seite 11.

Deutſche Dichter und Denker der
Gegenwart für die Demokratie.
Viele Männer und Frauen, deren Namen im deutſchen
Geiſtesleben heute Glanz und Bedeutung haben, denken und
fühlen republikaniſch und demokratiſch. So haben ſich für die
Demokratie erklärt: Riccarda Huch, Guſtav Frenſſen,
Walter v. Molo, Fritz v. Unruh, Thomas Mann,
Bernhard Kellermann, Heinrich Mann u. a. m.
Außerdem erließen geſtern
über hundert Vertreter des deutſchen
Geiſteslebens
folgende Erklärung:
Die unterzeichneten Vertreter des deutſchen Geiſteslebens,
die nicht alle der Deutſchen Demokratiſchen Partei angehören,
ſehen es als ihre nationale Pflicht an, bei dieſer Reichstagswahl
zur Stimmabgabe
für die Kandidaten der Deutſchen Demokratiſchen Partei
aufzufordern, denn nur die Deutſche Demokratiſche Partei ver=
bürgt
die Fortſetzung der notwendigen nationalen Außenpolitik,
und nur ſie vertritt im Gegenſatz zum trennenden Bürgerblock
den Gedanken wahrer Volksgemei nſchaft und ſözia=
ler
Gerechtigkeit.
Die Erklärung trägt folgende Unterſchriften:
Prof. Ach=Göttingen, Prof. Altmann=Heidelberg, Prof.
Andreas=Heidelberg, Prof. Anſchütz=Heidelberg, Prof.
Apelt=Leipzig, Prof. Askenaſy=Karlsruhe, Dr. Gertrud
Bäumer=Berlin, Prof. Baumgarten=Kicl, Prof. W.
Baumgartner=Marburg, Prof. Bergſträßer=Potsdam,
Prof. v. Blume=Tübingen, Prof. Benn=Berlin, Prof. M.
Born=Göttingen, Prof. Bredig=Karlsruhe, Prof. Lujo
Brentano=München, Profeſſor Brinkmann=Heidelberg,
Prof. Britt=Tübingen, Prof. E. R. Curtius=Heidelberg,
Prof. Darmſtädter=Göttingen, Prof. Daur=Heidelberg,
Prof. Delbrück=Berlin, Prof. M. Deutſchbein=Marburg,
Prof. M. Dibelins=Heidelberg, Prof. Deren=Leipzig, Prof.
Drieſch=Leipzig, Prof. Eulenburg=Berlin, Prof. Fre=
denhagen
=Greifswald, Prof. Gaupp=Tübingen, Profeſſor
Gehrig=Dresden, Prof. Geiler=Heidelberg, Prof. Goetz=
Leipzig, Pfarrer Gaus=Berlin, Prof. Grünfeld=Halle, Prof.
Gunkel=Halle, Prof. Hampe=Heidelberg, Prof. Heing=
heimer
= Heidelberg, Staatspräſident Dr. Helpach=Baden,
Prof. Herbſt=Heidelberg, Prof. Herkner=Berlin, Profeſſor
Hermann=Hamburg, Staatspräſident a. D. Hieber= Stutt=
gart
, Prof. Hebohm=Berlin, Prof. E. Hoffmanu= Heidel=
berg
, Prof. Holl=Karlsruhe, Riccarda Huch=München,
Prof. Hätſchek=Göttingen, Prof. H. Hermelink=Marburg,
Prof. Heller=Marburg, Prof. Haa8=Tübingen, Prof. Höl=
ſcher
=Marburg, Prof. Heſſenberg=Tübingen, Dr. Hoh=
mann
=München, Prof. Jäckh=Berlin, Prof. Jaſpers=
Heidelberg, Prof. Jakobſohn=Marburg, Prof. Jaſtrow=
Berlin, Prof. Jenſſen=Göttingen, Prof. Joſt=Heidelberg,
Prof. Julcher=Marburg, Schulrat Prof. Georg Kerſchen=
ſteiner
=München, Prof. Klemperer=Dresden, Profeſſor
Klingmüller=Greifswald, Profeſſor Kromayer=Leipzig,
Prof. Kühn=Göttingen, Profeſſor Landsberg=Vonn, Dr.
Helene Lange=Berlin, Prof. M. Lehmann=Göttingen,
Prof. Leipoldt=Leipzig, Prof. Lewin=Breslau, Prof. Max
Liebermann=Verlin, Thomas Mann=München, Prof.
Meinecke=Berlin, Dr. Mommſen=Göttingen, Prof. Mül=
ler
=Bonn, Prof. Niebergall=Marburg, Prof. R. Otto=
Marburg, Prof. Auguſt v. Parſeval=Berlin, Prof. Th. Poſ=
ner
=Greifswald, Prof. Pringsheim=Göttingen, Profeſſor
Probſt=Karlsruhe, Prof. Rade=Marburg, Muſeumsdirektor
Riez=Stettin, Geſandter a. D. Dr. Richter=Berlin, Ernſt
Rosner=München, Prof. Rothenbücher=München, Dr.
Paul Rohrbach=Berlin, Prof. Rumpf=Mannheim, Prof.
C. Runge=Göttingen, Profeſſor Sackur=Karlsruhe, Profeſſor
Schermann=München, Prof. Schücking=Berlin, Prof.
Schücking=Breslau, Prof. Semrau=Greifswald, Miniſter
a. D. Prof. Seyfert=Dresden, Prof. Spiegelberg= Mün=
chen
, Prof. Stählin=Berlin, Prof. Stengel=Marburg,
Profeſſor Steindorff=Leipzig, Prof. Steinmann=Bonn,
Prof. W. Stimming=Leipzig, Prof. Straßmann=Berlin,
Prof. Thena=Heidelberg, Prof. Titius=Berlin, Prof. W.
Tröltſch=Marburg, Dr. v. Ubiſch=Heidelberg, Profeſſor
Wagg=Heidelberg, Prof. W. Weisbach=Berlin, Prof. Alfred
Weber=Heidelberg, Dr. Marianne Weber=Heidelberg, Prof.
A. Windaus=Göttingen, Prof. Walther=Göttingen, Prof.
Julius Wolf=Berlin, Prof. Ziehen=Frankfurt a. M., Prof.
K. Ziegler=Greifswald, Prof. L. Zimmermann= Göt=
tingen
.
Admiral von Truppel
der ehemalige Gouverneur von Kiautſchou, Reichstagskandidat
der Deutſchen Demokratiſchen Partei, erklärte in einer Rede am
2. Dezember in Deſſau:
Die Demokratiſche Partei hat von Anfang an im Reichs=
tag
nationale Realpolitik getrieben, viel früher als Herr
Streſemann.
Major von Parſeval
führte in der gleichen Verſammlung aus:
Ich bin Demokrat, weil ich Gegner derjenigen bin, die uns
ins Unglüs geſtoßen haben, und weil die Demokratie die
Staatsform iſt, die unſerem Volke erlaubt, neue Hoffnun=
gen
für die Zukunft zu hegen . . . . Wollen Sie alſo für
eine Zuſammenarbeit der Völker, für Einheit und für Wie=
deraufbau
ſein, ſo müſſen Sie demolratiſch wählen. Sind
Sie aber für einen Putſch, für Zerſetzung und neues Unglück
dann deutſchnational.

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Damit ſich der Name unſerer Sanitätsrat Dr. Sperlings Nerven=Schokolade der großen
Allgemeinheit beſſer einprägt, ergeht deshalb an die zahlreichen Freunde unſeres Präparats und
alle, die eine poetiſche Ader in ſich fühlen die Aufforderung, uns mit zwei= bis ſechszeiligen
Reklamereimen zu unterſtützen. In welcher Weiſe dieſe Aufgabe gelöſt wird, darin laſſen wir jedem
Einſender freie Hand; es muß lediglich nur auf unſer Präparat Bezug genommen ſein. Auch ſtellen
wir nicht zur Bedingung, daß der ganze Name Sanitätsrat Dr. Sperlings Nerven=Schokolade
in einer Verszeile untergebracht wird, ſondern es iſt nur Wert darauf zu legen, daß unſer Präparat
unberkennbar und in einer prägnanten Form aus dem Versgebilde hervorleuchtet. Außerdem
wollen wir noch die Erleichterung gewähren, daß erforderlichenfalls die Worte Sanitätsraf und
Dr. in Wegfall kommen können, ohne daß dieſes bei der Beurteilung des eingeſandten Verſes
irgendwie von Einfluß ſein wird.
Wir führen hier einen Zweizeiler an:
Sanltätsrat Dr. Sperling’s Nerven-Schokolade
Bekanntllch nervenstärkend wirkt im höchsten Grade.
Unter allen Umſtänden ſetzen wir Mk. 5000. an Preiſen aus, halten jedoch für die beſten und
entſprechend unſern Propagandadrichtlinien brauchbarſten Einſendungen wiederum auf 1000 Ein=
gänge
1000 Mark Preiſe zur Verfügung, ſo daß bei 100 000 Eingängen folgende Preiſe zur
Verteilung kommen würden:
1. Preis: Wohnhaus, schlüsselfertig, neu erbaut am Platze des Prelstrigerz, oder ein
.. . H. 20 000.
fabrikneues Markenauto in modernster Austführung im Werte von je .
2. Prels: 1 fabrikneues Auto (Wanderer) oder eine vollständige Wohnungselnriehtung mit
H. s000.
Wäscheausstaltung im Werte von je
2. Prele: jabrikneues Auto (Opel) oder eine voilständige Wohnungseinrlchtung mit
H. 4400.


Wäschseusstattung im Werte von je
4. Preis: 1 vollständige Wohnungseinrlohtung, bestchend aus Spolse- Herren- und Schlaf-
zimmer
und Küche, oder ein fabrikneues schweros Motorrad im Werte von le . . H. 2 600.
6. Preis: 2 kompl. Zimmereinrichtungen oder Wäscheausstattung oder fabrikneues Mötor-
M. 1500.
rad im Werte von je
8. Preis: 2 kompl. Zimmereinrichtungen oder Wäscheausstattung oder fabrikneues Hotor-
. . . H. 1 200.
rad im Werte von je.
7. Preis: 1 kompl. Zimmereinrichtung oder fabrikneues Hotorrad im Werte von Jo. . . M. 1000.
8. Preis: kompl. Zimmereinrichtung oder fabrikneues Motorrad im Werte von je M. 800.
9. Preis: / kompl. Zimmereinrichtung oder febrikneues Motorrad im Werte von je . M. 800.
10. Preis: 1 fabrikneues Lelchtkrattrad Werte von .
M. 600.
11.60. Prels: jo ein Horren- oder Damenjahrrad bester Ausführung. Marke Pfell, im
Werte von je M. 150..
M. 7500.
61.160. Preis: je eine Markennähmaschine (Sahwingschitf) im Worte von le M. 150. M. 15000.
161.260. Preis: je ein Fahrrad oder loa‟-Photoapparat im Worte von le M. 100. M. 10 000.
281560, Prels: je eine loa‟-Kamerz 2/12 Im Werte von je M. 50.. . . . M. 16 000.
A. 8 700.
561850. Preis: ſe eine lca‟-Kamera 61/2/9 im Werte von je M. 30..
851. 1000. Prels: Partllmerlen und Seifen in Luxusausführung im Werte von ſe M. 20. M. 8 000.
Goramtbotrag M. 100 600
Die korrekte Durchführung unſeres Wettbewerbs verbürgt unſere Firma und das Preiskomitee.
Die Bertrauenswürdigkeit wird außerdem prädeſtiniert durch das Ergebnis unſeres, durch das
Thüringiſche Miniſterium genehmigten Preisausſchreibens, wonach wir 4000 Preiſe im Werte von
Mk. 40 000. zur Verteilung bringen konnten, u. a. der 1. Preis ein Auto im Werte von
Mk. 15 000., Preisträger: Herr H. Theveſſen, Vierſen, 2. Preis ein Motorrad im Werte von
Mk. 2000., Preisträger: Herr A. Müller, Adorf, 8. und 4. Preis je ein Motorrad im Werte
von Mk. 1000., Preisträger: Herr M. Rudolph, Panitzſch. Herr G. Hochhuth, Berlin, 6. und
6. Preis ein Motorrad und komplette Zimmereinrichtung im Werte von je Mk. 600., Preisträger
Herr W. Witte, Neukölln, Herr W. Mulder, Hamburg, ſowie 37 Fahrräder und Nähmaſchinen und
50 Photoapparate. Zweifellos werden recht viele neue Freunde ihr Intereſſe an unſerem Präparat
bekunden und uns mit den mannigfaltigſten Kindern ihrer Muſe beglücken. Es iſt daher anzunehmen
daß die ausgeſevten Preiſe ſich im gleichen Verhältnis erhöhen werden, als die Zahl von 100 000.
überſchritten wird.
Auch behalten wir uns vor, weitere gute, nicht prämiierte Einſendungen noch mit Troſtpreiſen
in bedenken.
Tellnahmebedingungen:
a) Unſer Wettbewerb iſt offen für jedermann, ausgeſchloſſen ſind nur Angehörige unſerer Firma
und deren Familienmitglieder.
b) Jeder Einſendung ſind Mk. 2.20 (jedoch keine Briefmarken) beizufügen, wofür dann jedem
Teilnehmer eine Packung unſerer Sanitätsrat Dr. Sperlings Nerven=Schokolade zum regulären
Verkaufspreis portofrei überſandt wird. Die Einſendung kann in verſchloſſenem Briefumſchlag (der
Sicherheit halber möglichſt unter Einſchreiben) oder durch überweiſung des Betrages auf unſer
Poſtſcheck 33 058 Leipzig erfolgen, in welch letzterem Falle der Vers auch auf den Bahlkartenabſchnitt
niedergeſchrieben werden kann. Die Adreſſenangabe bitte recht deutlich. Die Angabe der Zeitung,
der der Wettbewerb entnommen iſt, iſt erwünſcht.
c) Die Einſendungen werden numeriert, und erfolgt der Verſand unſeres Präparats in der
Reihenfolge der Eingänge.
d) Das Preiskomitee, beſtehend aus den Herren Schriftſteller E. R. Mellinghoff, Oberhaufen,
Sanitätsrat Dr. Sperling, Waltershauſen, Arno Schumann, Erfurt, vereidigter Bücherreviſor
beim Landgericht Erfurt, und zwei Herren unſerer Firma, entſcheidet über die eingeſandten Be=
werbungen
und übernimmt unter nolarieller Kontrolle die Preisverteilung.
) Die Preisverteilung iſt endgültig und unanfechtbar, und unterwirft ſich jeder Teilnehmer
unſeren Bedingungen.
1) Die prämiierten Einſendungen gehen in unſeren Beſitz über, alle anderen werden vernichtet.
) Die Preisverteilung findet im Laufe des Dezembers ſtatt und wird das Ergebnis mit den
Namen und Einſendungen der erſten Preisträger allen Teilnehmern ſchriſtlich bekanntgegeben byw.
veröffentlicht.
h) Die Preisträger werden ſämtlich ſchriſtlich benachrichtigt, der Verſand der Preils gſeigt
koſtenlos.
1) Jeder Teilnehmer darf ſich nur mit einem Wers bewerhen,
E) Schriftwechſel kann nicht geführt werden.

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in allen auf unſerm Gebiet ſiegenden Dingen zu pflegen,
iſt unſere Richtſchnur. Das Bewußiſein unſerer Ueberlegenheit
über fremöländiſche Erzeugniſſe ſtärkt uns in unſerm Kampfe
gegen ſede Fremdtümelei. Unſere geſetzlich geſchützten
Neuerburgmarken
Ind Das Ergebnis einer ſorgfälnig erprobten Herſtellungsweiſe unter Verwendung alletfelaſter
Rohſtoffe und aſtbewährter Rezepte. Köle Reife und würzige fülle geben unſern Er=
zrugniſſen
ein eigenes Gepräge ſachlicher Höchſtleiſtung. An ihrer beſonderen Eigenart ſind
ſie eine Gruppe für ſich, ein Hohes Lied deutſcher Deſtillakionskunſt. Wie weiſen aus=
dräcklich
darauf hin, daß ſich unſer Haus nur mit der Herſtellung von Weindrand und
feinen Eikören befaßt und nicht beteiligt iſt an Anternehmungen anderer Ari.

n. (*35525is

OH5
Für die vielen Ehrungen, Ge=
ſchenke
und Blumenſpenden an=
läßlich
unſerer Goldenen Hochzeit
herzlichen Dank.
(* 361
Gg. Prieſter Verkführer i. R.
und Frau (setss
Kara.

1) Meideſchluß iſt der 15. Deiember 1924.
F. A. Ruthemann, Waltershausen (Thür.), Gegr. 1892
Generalvertrleb für Deutsohland dor Ban.-Rat Dr. 8porlinge Hervon-Behokelady

Generalvertreter: Ludwig Germann, Darmſtadt, Grafenſir. 35.

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339.

Samstag, den 6. Dezember 1924.

Seite 13.

Handball.

Sport, Spiel und Turnen

6

Handhallſpiel Sp.=B. 98 D. J. K. Sachſenhauſen findet bereits
um 1 Uhr ſtatt.

Fußball.

Der weſtdeutſche Fußballmeiſter disqualifiziert.
Der Weſtdeutſche Spielverband hat den Duisburger Spiel=
e
rein mit einem Spielverbot von ſechs Wochen belegt, weil er wie=
elholt
gegen die Verbandsſatzungen verſtoßen hat, indem er trotz
zDrmaliger Verwarnungen nicht ſpielberechtigte Spieler einſtellte.

Rugby.

Stiftung eines Rugby Pokals.
Der bekannte Frankfurter Sportsmann Oskar Kreuzer, der ſowohl
Tennis= wie auch als Rugbyſpieler einen internationalen Ruf ge=
z
ßt, hat dem Brandenburg=Mitteldeutſchen Rugby=Verband einen wert=
en
Pokal als Wanderpreis geſtiftet, den der jeweilige Meiſter des
Frrbandes erhält. Entgültig kann der Preis errungen werden, wenn er
zrimal gewonnen werden iſt.

Winterſport.

Die deutſche Hochſchulmeiſterſchaft im Skilaufen
zT am 25. und 26. Februar auf dem Feldberg im Schwarzwald
uSgetragen werden.
Deutſch=holländiſcher Eislaufwettkampf.
Anfang Februar 1925 ſoll in Davos ein Länderkampf Deutſchland
MUland im Eisſchnelllaufen über 500, 1500, 5000 und 10 000 Meter ſtatt=
den
. Als Vertreter Deutſchlands kommen hierfür in Betracht: der
eiſter Müller=Berlin, ferner Vollſtadt=Altona, Neuſtifter=München,
6-und, Stöhr, Kleeberg (Berlin). Auf holländiſcher Seite kommen in
rer Linie De Koning und De Krufl in Frage. Die Verhandlungen
miſchen dem Kgl. Holländiſchen Schlittſchuhläufer=Verband und dem
O utſchen Eislauf=Verband ſind noch nicht abgeſchloſſen.
Eislaufmeiſterſchaften.
Die deutſche Meiſterſchaft im Eisſchnellaufen bringt der Altonaer
Schlittſchuhläuferverein in Verbindung mit mehreren anderen Schnell=
aafwettbewerben
für den 9. und 10. Januar 1925 zur Ausſchreibung.
der Wettbewerb, der über 500, 1500 und 5000 Meter führt, iſt von W.
Müller (Berliner Schlittſchuhklub) zu verteidigen. Die Wertung erfolgt
nich Punkten dergeſtalt, daß als Punktzahlen bei 500 Meter die Sekun=
der
zahlen der erreichten Zeiten, bei 1500 Meter der dritte Teil, bei
50 Meter der zehnte Teil der in Sekunden umgerechneten Zeiten
ylten. Sieger iſt der, der die niedrigſte Geſamtpunktzahl hat. Ueber
die gleichen Strecken geht das Schnellaufen um den Preis der Stadt
Atona, den im vergangenen Jahr H. Kleeberg vom Berliner Schlitt=
ſch
uhklub gewann. Meldeſchluß iſt am 6. Januar 1925 bei H. Knudſen,
Atona, Eggersallee 20. Die Berliner Eislaufmeiſterſchaften ge=
ſarigen
durch den Berliner Eislaufverein von 1886 der wie bereits ge=
meldet
, am 24. und 25. Januar die Europameiſterſchaft im Kunſtlaufen
ſur Herren veranſtaltet, Ende Dezember oder Anfang Januar zur

Earlli e e eueree eie Df eu e
nicht ausgetragen wurde. Der internationale Schlittſchuh=Klub Davos
vrröffentlicht die Ausſchreibungen für die am 31. Januar und 1. Februar
ſtrttfindende Damen=Weltlaufmeiſterſchaft im Kunſt=
lrufen
, die im letzten Winter Frau Plank=Szabo (Wien) gewann.
Deer erſte Tag bringt die Pflicht=, der zweite Tag die Kürlaufen. Da=
n
ben verzeichnet das Programm noch internationale Schnellaufen, Eis=
hrckey
und einen Walzerwettbewerb. Nennungen ſind bis zum 27. Ja=
ynar
beim Veranſtalter abzugeben.

Radfahren.

Flugſport.

Rund um die Zugſpitze.
Die bahriſchen Flugverbände treten in dieſem Winter mit einer
ſportlich neuartigen Veranſtaltung an die Oeffentlichkeit. Am 31. Januar
und 1. Februar wird ein Flugwettbewerb Rund um die Zugſpitze ver=
anſtaltet
. Das Protektorat hat der Bayriſche Miniſter Ritter von Meinel
übernommen. Der erſte Tag bringt den Start zum Flug um die Zug=
ſpitze
in Schleisheim. Nach Umfliegen des Wendepunktes, des Münchener
Hauſes auf dem Zugſpitzengipfel, wird auf dem Flugplatz Garmiſch=
Partenkirchen gelandet. Um Gelegenheit zu geben, den Wettbewerb aus
nächſter Nähe zu beobachten, werden mehrere Junkers=Verkehrsflugzeuge
die Teilnehmer begleiten. Das zweitägige Turnier ſieht ferner vor:
Höhen= und Gleitflüge mit Ziellandung, Geſchicklichkeits= und Kunſt=
fliegen
, Geſchwindigkeits=Differenzflüge, Fallſchirmabſprünge, eine kom=
binierte
Staffel zwiſchen Flugzeug, Skiläufer, Skijöring und Automobil.
Der Münchener Verein für Luftfahrt wird ſich mit ſeinen Ballons be=
teiligen
, außerdem werden einige der Rhönſegelflieger auf den benach=
barten
Höhen ihre Kunſt im Segelfliegen zeigen.

Boxen.

Die Stundenrekorde der deutſchen Radrennbahn.
Eine Zuſammenſtellung der Stundenhöchſtleiſtungen im Radfahren
bemter Motorſchrittmachern zeigt, daß ſich die neue Bahn in Elberfeld
as die weitaus ſchnellſte erwieſen hat, denn Saldow legte am 5. Oktober
8-,080 Kilometer in einer Stunde zurück. Die bisher ſchnellſte deutſche
T ahn, Dresden ſteht mit 81,210 Kilometer, die ebenfalls von Saldow im
Auguſt dieſes Jahres gefahren wurden, an zweiter Stelle. Danach fol=
gen
: Chemnitz mit 78,265 Kilometer (Saldow), Hannover mit 73,210
Zilometer (Wegmann), Eſſen mit 72,300 Kilometer (Bauer), Düſſeldorf
mit 72,000 Kilometer (Wittig), BerlinOlympia mit 71,530 Kilometer
Wittig), BerlinStadion mit 70,468 Kilometer (Thomas), Nürnberg
7D,400 Kilometer (Sawall), KölnRiehl mit 67,800 Kilometer (Bauer),
Freslau mit 67,250 Kilometer (Wegmann), BerlinTreptow mit 63,460
ilometer (Lewanow), Forſt i. L. mit 63,370 Kilometer (Sturm), Magde=
buurg
mit 63,200 Kilometer (Weiß), Dortmund mit 58,830 Kilometer
(Suignard) und Erfurt mit 56,300 Kilometer (Sturm).
Eröffnungsrennen der Berliner Winterbahn.
Die erſten Radrennen auf der Bahn des Berliner Sportpalaſts, die
leeute, Samstag, den 6. Dezember, 7½ Uhr abends beginnen, bringen
ells Hauptnummer ein 200=Runden=Punktfahren an dem Hoffmann,
wäußler, Gottfried, Oeſtermeier, Münzner, Osk. Tietz, Sennecke, Schwab,
Golle, Rudel, Techmer, Jenſſen, Kroll, Stoltz und Behrendt teilnehmen.
Dieſe 15 Fahrer beſtreiten auch das Fliegerhauptfahren, zu dem außer=
dem
noch A. Meyer, Paſſenheim, Krahner, Schrefeld, Otto Tietz. Müller
und Erxleben zugelaſſen ſind. Für das Ein=Stundenmannſchaftsfahren
ſind folgende Paare verpflichtet worden: Schmidt-Paſſenheim, Krahner
Neinas, SchulzSchönborn, PawkeTetzlaff, Lehmann-Kutzer Erx=
geben
Seel. ZimmermannP. Meher, A. Meher-Jenske, Müller
Raujekat, LinſenerKrüger und SchrefeldOtto Tietz.
Das Feſt der Meiſter.
Der Gau Leipzig des Bundes Deutſcher Radfahrer bringt ſein
Winterſaalſportfeſt am Sonntag, 8. Februar, zur Durchführung. Sämt=
iche
deutſchen Meiſter im Saalfahren haben bereits ihre Zuſage erteilt,
im Zweier= und Dreierradballſpiel Gebr. Stoltze=Hornung (Erfurt), im
Einerkunſtfahren Gutſchmidt=Caputh, im Sechſer= und Achterkunſtreigen
R.=V. Friſchauf=Hainichen bezw. R.=C. Pfeil=Erfurt. Auch der Start des
Sekannten Schweizer Vereins Veloclub an der Sihl=Zürich iſt ſo gut wie
ſicher.
Dauerrennen auf der Breslauer Winterbahn.
Für die Dauerrennen auf der Breslauer Winterbahn, die am Sonn=
rag
, den 14. Dezember, ſtattfinden, wurden der deutſche Meiſter Saldow,
Ferner Krupkat und Thomas verpflichtet, die in drei Läufen über 10, 15
und 25 Kilometer zuſammentreffen.
Eine neue Rabrennbahn in Halle a. S.
Die Arbeit für eine neue Radrennbahn in Halle iſt in Angriff
Senommen. Es hat ſich ein Konſortium, beſtehend aus Mitgliedern des
D.M.V., B. D.R. und V. D.R. gebildet mit der Aufgabe, eine Rad= und
Motorradrennbahn herzuſtellen. Die Bahn wird eine Länge von 600
MMeter aufweiſen. Für Anlage leichtathletiſcher und fußballſportlicher
Fampfſtätten im Imenraum iſt gleichfalls Sorge getragen.
New Yorker Sechstagerennen. Noch drei Mannſchaften an der Spitze.
Das von 15 Mannſchaften beſtrittene 32. New Yorker Sechstage=
Tennen nahm am Montag früh in der weiten Halle von Madiſonſquare
Garden programmäßig ſeinen Anfang. Die ſerſten Nachtſtunden ver=
liefen
bei ſcharfem Tempo ziemlich eintönig. Erſt nach der Nachmittags=
wertung
entfeſſelte der Belgier Gooſſens eine Jagd, die nach 12 Minu=
ten
damit endete, daß die ſchweizeriſch=italieniſche Mannſchaft Egg=
Girardengo, die ſtets einwandfrei abgelöſt hatte, eine Runde Vorſprung
zugeſprochen erhielt, während eine Reihe anderer Mannſchaften dabei
eine oder mehrere Runden einbüßten. In der zweiten Nacht entfeſſelte
Gaſtman gegen 2 Uhr morgens einen neuen Vorſtoß, der ein allgemeines
Durcheinander zur Folge hatte. Nachdem der von dem dröhnenden
Lärmen und Schreien der erregten Maſſen begleitete Poſitionskampf ab=
geflaut
war, verkündete das Renngericht, daß die Mannſchaften Mac
Namaravan Kempen und WalthourGiorgetti eine Runde gewonnen
hatten und nunmehr mit Egg=Girardengo zuſammen an der Spitze lie=
gen
. Bei den Wertungskämpfen taten ſich beſonders van Kempen und
der Belgier Stockelynx hervor. Nach 41 Stunden, in denen die drei
Spitzenmannſchaften 1113,657 Kilom. zurückgelegt hatten, war der Stand
des Rennens folgender: Mac Namaravan Kempen 91 P., Walthour
Giorgetti 49 P., EggGirardengo 27 P.; eine Runde zurück: Madden
Bekmann 47 P.; KocklerStockholm 42, GoulletHoran 33, Gooſſens
Buyſſv 32, BelloniDeruyter 30, HanleyMge Begth 25, Tahlor
Benezatto 14 P., Grenda-Coburn 7 P.

Turnen.

Die Kriſe im Deutſchen Amateur=Boxverband. Der Süddeutſche
Verband aufgelöſt. Ein Südweſtdeutſcher Amateur=Box=Verband
gegründet.
Bekanntlich hat der Deutſche Reichsverband für Amateurboxen, Sitz
Berlin, ſeit einigen Wochen den geſchäftsführenden Ausſchuß des Süd=
deutſchen
Amateur=Boxverbandes, Sitz Frankfurt, ſeines Amtes enthoben,
was er mit unordentlicher Geſchäftsführung und Beſchwerden verſchie=
dener
Verbandsvereine begründete. Zum Vertrauensmann, der die Er=
ledigung
der laufenden Verbandsgeſchäfte vorläufig zu übernehmen hatte,
wurde der Vorſitzende der Boxabteilung des Fußballklubs Phönix,
beſtellt.
Die ganze Tagung ſtand unter dem Zeichen größter Erregung, und
ſehr oft wurde eine beinahe perſönliche Note in die Verhandlungen
hineingetragen. Der ſuſpendierte Verbandsvorſtand, der durch ſeinen
zweiten Vorſitzenden, Strack=Offenbach, und den dritten Vorſitzenden,
Ehrhardt=Frankfurt, ſowie den Sportwart Schönig=Frankfurt vertreten
war (der erſte Vorſitzende Jungfermann war wegen Krankheitsfall am
Erſcheinen verhindert), trat ſofort in die denkbar ſchärfſte Oppoſition
ein und beanſtandete zunächſt, daß Bradenahl überhaupt nicht Mitglied
des Verbandes, bzw. ſtimmberechtigt ſei. Erſt nach 1½ Stunden, als
Bradenahl den Nachweis erbracht hatte, daß ſeine Anmeldung zum
Reichsverband ordnungsgemäß vollzogen war, kam man über dieſen
Punkt hinweg. Schon allein daraus geht die koloſſale Hartnäckigkeit her=
vor
, mit der der Süddeutſche Verbandsvorſtand ſeine Intereſſen vertrat.
Die Anklageſchrift des Reichsverband und die einzelnen Widerlegungs=
momente
des Süddeutſchen Verbandes waren Gegenſtand ſchärfſter und
teiweiſe erbittertſter Diskuſſion. Beim dritten Punkt der Tagesordnung:
Neuwahl des Süddeutſchen Vorſtandes wurde zunächſt dem alten Vor=
ſtand
mit 36 Stimmen gegen 10 Enthaltungen, das Vertrauen ausge=
ſprochen
, worauf der Vertreter des Reichsverbandes, Delegierter Gerſt=
mann
, erklärte, gemäß ſeinen Vollmachten unter keinen Umſtänden einen
Frankfurter Verband anerkennen zu können. Die hierauf einſetzende Er=
regung
war unbeſchreiblich. Es wurde dann von den verſchiedenſten Ver=
einsvertretern
zum Ausdruck gebracht, daß man ſich in Süddeutſchland
ſeinen Verbandsvorſtand ſelbſt wählen könne und jeden, dem Berliner
Verband genehmen ablehnen werde. Die ſüddeutſchen Vereine zeigten bei
dieſer Gelegenheit eine ſeltene Einmütigkeit. Im Namen des Reichsver=
bandes
löſte darauf der Berliner Delegierte den Süddeutſchen Amateur=
Boxverband auf, nachdem er keine andere Gelegenheit ſah, ſeinen Wei=
ſungen
entſprechend zu verfahren.
Nachdem der Stab über das Leben des Süddeutſchen Amateur= Box=
verbandes
gebrochen war, beſchloſſen die anweſenden Vereine die Grün=
dung
eines Südweſtdeutſchen Amateur=Boxverbandes und beſtellten zum
geſchäftsführndeen vorläufigen Vorſtand: Strack=Offenbach, 1. Vorſitzen=
der
: Junker=Offenbach, Schriftführer: Schönig=Frankfurt, Sportwart;
Hack=Bockenheim, Kaſſier. An den Reichsverband ſoll um Aufnahme
herangetreten werden. Im Ablehnungsfall ſind weitere Schritte vorge=
ſehen
. Die erſte Tagung des neuen Verbandes, die ſich mit der end=
gültigen
Wahl des Vorſtandes befaſſen foll, ſoll im Januar 1925 in
Heidelberg ſtattfinden.
Sch.
Die Geſchichte der Boxweltmeiſterſchaft im Schwergewicht.
Trotz des großen Alters, das der Boxſport hat, kennen wir eine
Weltmeiſterſchaft in unſerem heutigen Sinne erſt ſeit dem Jahre 1880.
Zahlreich waren die Kämpfer, die ſich ſeit dem Beſtehen des Boxſports
mit einem Meiſtertitel ſchmücken konnten, offiziell der erſte Weltmeiſter
war aber der Amerikaner Paddy Ryan, der 1880 dieſen Titel zuge=
ſprochen
erhielt. Seit dieſer Zeit hat die viel umſtrittene Meiſterwürde,
deren Träger beſonders in den letzten Jahren ungeheure finanzielle
Vorteile daraus ziehen konnten, oft den Beſitzer gewechſelt. Paddy Ryan
mußte 1886 ſeinen Titel an ſeinen Landsmann Jack Kilrain ab=
geben
, der vorher den engliſchen Meiſter Jam Smith geſchlagen hatte.
Im Jahre darauf beanſpruchte John Sullivan nach einem in 75 Runden
erkämpften Sieg über ſeinen Landsmann Kilrain den Weltmeiſtertitel
für ſich. Das Gleiche tat auch ein engliſcher Boxer namens Mitchell.
Es erhob ſich ein lebhafter Streit, der damit endete, daß man Sulli=
van
und Mitchelk am 10. März 1888 in Chantilly bei Paris gegen=
überſtellte
. Der Kampf, der mit bloßen Fäuſten ausgetragen wurde,
ging über 39 Runden und endete nach äußerſt erbittertem Fight unent=
ſchieden
. Beide waren vollkommen erſchöpft. Trotz dieſes Reſultats ſah
man auch weiterhin Sullivan als Weltmeiſter an, bis vier Jahre ſpäter
ein junger amerikaniſcher Kaufmann namens Jim Corbett, der ſich
durch einige ſchöne Erfolge bemerkbar gemacht hatte, die er weniger
ſeiner Kraft als ſeinem wiſſenſchaftlichen Boxen zu verdanken hatte, am
7. September 1892 in New York Sullivan in der 23. Runde entſcheidend
ſchlagen konnte. Der neue Titelhalter konnte ſich fünf Jahre ſeiner
Würde erfreuen. 1897 mußte er in Carſon die Ueberlegenheit des
damals hauptſächlich im Halbſchwergewicht kämpfenden Bob Fitzſim=
mons
anerkennen, der nach 14 Runden durch k. o. gewann. Fitzſim=
mons
war einer der beſten, wenn nicht vielleicht der beſte Boxer der Welt,
die je gelebt haben, und ſtand damals bereits im 37. Lebensjahre. Am
9. Juni 1899 wechſelte der Weltmeiſtertitel abermals ſeinen Beſitzer.
Jim Jeffries, ein Boxer von herkuliſcher Geſtalt und über 100
Kilogramm ſchwer, kämpfte mit dem beinahe 50 Pfund leichteren Fitz=
ſimmons
um den Titel und ſchlug den faſt 40jährigen Weltmeiſter dank
ſeiner großen Kraft und Jugend k. v. Jeffries verteidigte ſeinen Titel
hintereinander gegen eine ganze Reihe von Herausforderern, wie Cor=
bett
, Sharkey, Rullin, Monroe uſw., und zog ſich dann ungeſchlagen
ins Privatleben zurück. Der zum Weltmeiſter erklärte Marvin Hart
behielt die Würde nur wenige Monate und mußte ſie am 15. Februar
1906 an Tommy Burns abtreten. Dann tauchte der berühmte
Neger Jack Johnſon auf, der ſich eifrig bemühte, mit Burns zu=
ſammenzukommen
. Dieſer verſtand es jedoch ſtets, dem Neger auszu=
weichen
, der ihn ſchließlich in Auſtralien ſtellen und ihm am 26. Dezem=
ber
1908 in Sidney nach 14 Runden den Titel abnehmen konnte. Damit
wurde zum erſten Male ein Neger Weltmeiſter aller Kategorien. Der
neue Ruhm des Negers ließ aber die weißen Amerikaner nicht zur Ruhe
kommen und Joffries wurde von ſeinen Freunden bewogen, ſich noch
einmal an den Titel heranzumachen. Es kam dann 1910 der denkwürdige
Kampf in Reno (Kalifornien) zuſtande, in welchem nach dramatiſchem
Verlauf Johnſon ſeinen Gegner nach 15 Runden überlegenen Kampfes
glatt erledigte. Auch hier mußte das Alter der Jugend weichen. Meh=
rere
Jahre blieb dann Johnſon Weltmeiſter, vernachläſſigte aber ſeine
Form und ſo konnte der 115 Kilogramm ſchwere Jeß Willard am
5. April 1916 in der 26. Runde den Neger ſchlagen. Am 4. Juli 1919
wechſelte der Weltmeiſtertitel dann zum letzten Male, ſeinen Beſitzer.
Jeß Willard mußte in Teledo bereits in der 3. Runde gegen Jack
Dempſey, der damals 26 Jahre alt war, aufgeben. Dempfey, der
180 Meter groß iſt und zirka 87 Kilogramm wiegt, verdankt ſeine
überaus zahlreichen Erfolge ſeiner furchtbaren Schlagkraft und Schnellig=
keit
, der bisher nur der ausgezeichnete Taktiker Tom Gibbobs, der
über 15 Runden nur nach Punkten verlor, ſtandhalten konnte. Als
Weltmeiſter hat Dempſey nur noch wenig gekämpft, da ſich einmal keine
geeigneten Gegner für ihn fanden, andererſeits aber das Zuſtandekom=
men
eines Kampfes an den reichlich unbeſcheidenen Forderungen Demp=
ſehs
ſcheiterte. Er traf am 2. Juli 1921 in New York auf den Franzoſen
George Carpentier, der damals Weltmeiſter im Halbſchwergewicht war,
und ſchlug dieſen in der 4. Runde k. o. Einen ſenſationellen Verlauf
nahm dann Dempſeys bisher letzter Titelkampf am 16. September 1923
in New York, wo er von dem Argentinier Louis Firpo aus dem Ring
geſchlagen wurde, Firpo dann aber in der 2. Runde furchtbar zuſammen=
ſchlug
. Dempſeyz hat ſeitdem pauſiert und ſich hauptſächlich im Film be=
tätigt
. Neuerdings hat er auch die Abſicht kundgegeben, ſich vom Box=
ſport
zurückzuziehen, da angeblich keine Gegner für ihn vorhanden ſind,
obgleich Leute wie Tom Gibbons, Jack Renault, Tony Fuente, Harry
Wills ſchon lange auf Dempſey warten. Aber wie geſagt, unter einer
halben Million Dollar macht es Herr Dempſey ja nicht mehr, und bei
dieſen Summen kann ſelbſt ein ſo geriſſener Veranſtalter wie Tex
Rickard nur ſchwer auf ſeine Koſten kommen.

Der Hermannslauf der Deutſchen Turnerſchaft.
Die Eilbotenläufe ſind in den letzten Jahrzehnten zu einem be=
liebten
Zugmittel bei den Wettkampffeſten geworden. Und auch Eil=
botenläufe
Quer durch eine Stadt und von Stadt zu Stadt erfreuen
ſich allgemeiner Beliebtheit. Was aber wollen die größten unter ihnen
bedeuten gegenüber dem gewaltigen Eilbotenlauf aller Zeiten im Jahre
1913, den die Deutſche Turnerſchaft zur Einweihung des Völkerſchlacht=
denkmals
in Leipzig ausgeführt hat? Bei durchſchnittlich 200 Meter
Laufſtrecke für den einzelnen Läufer haben über 40 000 Turner an dieſem
Rieſeneilbotenlauf teilgenommen, der von den Landesgrenzen Deutſch=
lands
zu der berühmten Leipziger Gedächtnishalle führt. Ein Teil des
Laufes wurde ſogar in Amerika von den Turnern der dortigen deut=
ſchen
Turnvereine übernommen. Von Bremerhaven, vom Knivsberg bei
Flensburg, vom Ernſt=Moritz=Arndt=Denkmal auf Rügen von Taurog=
gen
an der ruſſiſchen Grenze, von der Dreikaiſerecke in Myslowitz, von
der Befreiungshalle in Kehlheim, von der Zeppelinwerft am Bodenſee,
von Straßburg und von Waterloo gingen die Läufe zum Herzen Deutſch=
lands
. Eine ſtattliche Reihe von Nebenläufen, die ſich dann mit den
Hauptläufen vereinigten, wurde noch angeſchloſſen, ſo daß insgeſamt
8000 Kilometer zurückgelegt wurden.
Dieſe Rieſenleiſtung wird im Jahre 1925 ihre Wiederholung fin=
den
und vorausſichtlich noch erheblich übertroffen werden. Denn die
Deutſche Turnerſchaft plant in gleicher Weiſe wie bei der Einweihung
des Völkerſchlachtdenkmals in Leipzig bei der 50=Jahrfeier des Her=
mannsdenkmals
im Teutoburger Wald bei Detmold einen Eilbotenlauf.
den ſie Hermannslauf genannt hat, und vom 14. bis 16. Auguſt
durchführen wird. Es ſind insgeſamt 12 Läufe beabſichtigt, deren Zahl
ſich durch verſchiedene Nebenläufe, von denen bereits 6 feſtliegen, noch
weſentlich vermehren wird. Infolge der durch den Friedensvertrag von
Verſailles bewirkten Verkürzung der deutſchen Landesgrenzen mußten
die meiſten der Ausgangsſtellen des Leipziger Laufes in Wegfall kom=
men
. Diesmal gehen die Läufe aus von Norden in Oſtfriesland, Wil=
helmshaven
, Lehe, Flensburg, Lübeck, Saßnitz, Oſtpreußen, Cleiwitz,
Wahlſtadt, Kulm, Kelheim, München, Lindau, Konſtanz, dem Nieder=
walddenkmal
, Saarbrücken, Aachen, Weſel.
Die Durchführung des Laufes wird nicht nur einen überzeugenden
Eindruck von der organiſatoriſchen und techniſchen Leiſtungsfähigkeit
der Deutſchen Turnerſchaft geben, ſondern auch, was beſonders be=
grüßungswert
erſcheint, das vaterländiſche Empfinden weiter Kreiſe
wecken und zu einer gewaltigen Kundgebung des deutſchen Volksgemein=
ſchaftsgedankens
werden.

Ringen.

Schikat wirft Laſſarteſſe.
Die Ringkämpfe in Breslau hatten nur einen ſchwachen
Beſuch aufzuweiſen. Der frühere Weltmeiſter Laſſarteſſe=Frankreich war
für den kürzlich mit friſchen Siegeslorbeeren aus Amerika zurückgekehrten
Tilſiter Richard Schikat kein ebenbürtiger Gegner und erlag ſchon
nach 8 Minuten einem Ueberwurf. Der Finne Sirk warf den Bres=
lauer
Brückner nach 31 Minuten ebenfalls durch Ueberwurf, während
Schachmeiſter=Berlin, nach 26 Minuten den Neger Eſſaw durch
Hüftſchwung auf die Schultern legte.

Pferdeſport.

Traberimporte aus Amerika.
Oeſterreich will ſeinen Vorſprung auf dem Gebiete der Traberzucht
nicht verlieren. Es hat eben erſt den Deckhengü Guardian Truſt 2:02
1/4 (1:16) eingeführt, und ſchon wieder einen neuen erſtklaſſigen Hengſt
in Amerika erworben: Peter Harveſter, der als Vierjähriger 2:05 1/4
(1:17,8) trabte. Ein noch wertvollerer Ankauf wurde in Amerika aber
für deutſche Rechnung gemacht, und zwar der Dreijährige Co=
lonel
Bosworth 2:06 3/4, der in der verfloſſenen Saiſon einen
Rekord von 2:02 3/4 (1:16,3) erzielte und damit das beſte Pferd iſt, das
bisher übers Waſſer zu uns kam.
Vom Turf.
Der Jokeyzlehrling A. Kalff jr., der Sohn des Trainers N. Kalff,
verbringt den Winter in England, wo er von Trainer Alex Waugh
weiter ausgebildet werden ſoll. Die 4j. Weiſtritz v. Nuage=Wache, die
vom Stall Charlottenthal als Mutterſtute an das Geſtüt Ludenberg
verkauft wurde, iſt vor ihrem Transport ins Geſtüt an inneren Ver=
letzungen
eingegangen.
Frankfurter Rund=Funk=Programm.
Samstag, 6. Dez. 11.10 Uhr: Wirtſchaftsmeldungen: Berliner und
Hamburger Produkten (Vorbörſe), amerikaniſche Produkten ( Anfangs=
kurſe
). 11,55 Uhr: Zeitangabe. 12 Uhr: Nachrichtendienſt.
4.10 Uhr: Wirtſchaftsmeldungen: Amtliche Produktenbörſe, Hamburg,
Berlin, Köln, Magdeburger Zucker und Nürnberger Hopfen, Deviſen=
kurſe
. 4.306.00 Uhr: Rundfunknachmittag in Muſik und Wort.
6.006.30 Uhr: Die Leſeſtunde (An die Jugend): Aus dem Ro=
man
. Der Ruf der Wildnis, von Jack London 7.30 Uhr: Vortrag
von Herrn Rudolf Werner: Wie wird das Bettler= und Landſtrei=
cherweſen
am beſten bekämpft? 8 Uhr: Vortrag von einem Frank=
furter
Profeſſor: Schülerreiſe nach Schweden 1924. 8.30 Uhr:
Gaſtſpielabend Münchener Künſtler. 1. Mozart: Arie der Pamina
aus der Oper Die Zauberflöte. 2. Franz Adam: Drei Lieder:
a) Im Lenz, b) Wie traumverloren klingt dein ſüßes Lied, c) O ſüßes
Glück. 3. Carl Ditter v. Dittersdorf: Arie der Eleonore, aus der
Oper Doktor und Apotheker: Wie kann wohl Freude noch
4. Pergoleſi: Arie der Serpina, aus der Oper La Lerva Padrona,
5. Schubert: Der Hart auf dem Felſen. 6. Mozart: Trio für Kla=
vier
, Klarinette und Viola, Op. 14, Nr. 2, in Es=Dur (Andante
Menuetto Allegretto). 9.30 Uhr: Nachrichtendienſt, Wetter=
meldung
, Sportbericht. 9.40 Uhr: Die Spätankündigung: Dieſes
iſt die Witwe Bolte, die das auch nicht gerne wollte! 9.50 Uhr:
Theater= und Konzertkalender. 9.55 Uhr: Zeitvorbereitung.
9,55 Uhr: Drei Minuten der Hausfrau. 10 Uhr: Zeitangabe.
1011 Uhr: Volkstümliche Klaſſik, Konzert des Hausorcheſters.
Sonntag, 7. Dez. 8.30 Uhr: Morgenfeier veranſtaltet vom Wartburg=
verein
e. V. 1. Marſch aus Judas Makkabäus, Händel. ( Bläſer=
chor
des Wartburgvereins. Leitung: Herr P. Rauſchenberger). 2. Die
Himmel rühmen. (Jugendchor der Johannisgemeinde.) 3. Choral:
Mir nach, ſpricht Chriſtus, Schein. (Bläſerchor.) 4. Anſprache: Herr
Pfarrer Grimm von der Johannisgemeinde. 5. Macht hoch die Tür,
das Tor macht weit. (Jugendchor.) 6. Veſpergeſang (Jugendchor).
7. Motette: Macht auf die Tore der Gerechtigkeit Klein. ( Bläſer=
chor
des Wartburgvereins.) 45 Uhr: Kinderſtunde. 56 Uhr:
Sonntagsnachmittagskonzert. 8 Uhr: Stunde der Frankfurter Zei=
tung
. 8.30 Uhr: Datterich, Lokalpoſſe von E. Niebergall. ( Dar=
ſtellung
einzelner Szenen). 9.30 Uhr: Zeitangabe, Wettermeldung,
Sportbericht. Abends und die ganze Nacht hindurch: Verkündigung
der Wahlreſultate.
Briefkaſten.
H. F. 13. Soweit wir wiſſen, nein. Zunächſt dürfte, wenn bertrag=
lich
nichts feſtgelegt iſt, die Hausordnung maßgebend ſein, beſteht ſolche
nicht, dann iſt die Ortsſitte maßgebend.

Tageskaiender.
Landestheater, Großes Haus, Anfang 7½ Uhr, Ende nach 10
Uhr (Außer Miete): Die Journaliſten. Kleines Haus, Sams=
tags
=Fremdenmiete, 2. Vorſtellung, Anfang nachmittags 3 Uhr, Ende
5½ Uhr: Die heimliche Ehe, abends Anfang 8 Uhr, Ende 9½ Uhr:
Zweiter Kammermuſik=Abend des Schnurrbuſch Quartetts. Or=
pheum
, abends 8 Uhr: Varieté. Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=
Lichtſpiele: Kinovorſtellungen. Deutſche Volkpartei,
abends 7½ Uhr, in der Turnhalle (Woogsplatz): Wählerverſammlung.

Wetterbericht der Gießener Wetterwarte.
Wettervorherfage für Sonntag, den 7. Dezember:
Meiſt bedeckt, wenig kälter, mit leichten Niederſchlägen iſt noch zu
rechnen
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Pokitik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve
Veramwortlich für Fenilleton und Hefſiſche Nachrichten: Mar Strueft
Verantwontlich für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
Verantwortlich für Schhußdienſt: Andreas Bauer
Verantwortlich für den Inſeratenteil: Willy Kuhle
Druch und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt.

Die heutige Nummer hat 22 Seiten

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Samstag, den 6. Dezember 1924.

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Lebenswogen.
Roman von Pgul Lindenberg.
(Nagdrud verboten.
449)
Ein ſeliges Lächeln glitt über Aſtas Geſicht, ſie ſtrich ſich mit
der Hand über die Stirn, wie um trennende Gedanken zu ver=
ſcheuchen
:
Anaſtaſia, ja ja ſo hieß ich Meſotten da ſpielte
ſich Rolf hieß der große Hund
Rolf, unſer treuer Bernhardiner, jubelte Wolf, o mein
geliebtes Schweſterchen, hab’ ich dich gefunden! Er ſtrich ihr das
maſſe Haar zuruck, küßte ſie, ſtreichelte ihre Wangen.
Wolf mein Bruder mein lieber, lieber Bruder!
Es war ein glücklicher Abend, den die Freunde mit Aſta und
TTatjana in Geſellſchaft des Abtes auf der nach dem Kloſtergarten
gehenden Veranda verbrachten.
Der Abt Vuc Karadzic, eine würdige Erſcheinung mit wal=
Ilendem weißen Bart, hatte ſich auf das liebevollſte der Geretteten
ungenommen und mit tiefer Teilnahme ihre Schickſale gehört.
Hier bei mir, meine lieben Töchter, hatte er ſich an Aſta
und Tatjana gewandt, ſollen Sie ein friedliches Aſyl finden;
Sie beide haben die Ruhe nach wilden Lebensſtürmen verdient!
Man hatte beſchloſſen, daß Wolf und Klaus nach zwei Tagen
die Rückreiſe antreten ſollten, um dem Großfürſten alles münd=
Eich zu berichten und weiteres zu beſchließen.
Zwei kurze und doch ſchöne Tagel
In innigem Zuſammenſein, verbrachte man ſie in dieſer
Wildnis von Oleander= und Lorbeerbüſchen, Pinien, Oliven,
Zypreſſen, Eichen, Goldregen, Myrthen und Flieder, in dem Klo=
Iſtergarten mit Roſen und Kamelien am blauen Meer mit dem
Blick auf das weißleuchtende Naguſa. Nur die wildzerklüfteten
Grotten vermied man mit ihren ſchimmernden Felſenklippen,
ähren Untiefen und Strudeln, in denen die beiden Ruſſen ihren
Untergang gefunden.
Und dann kam die Abſchiedsſtunde!
Klaus wollte Aſtas Hand nicht loslaſſen, ihre Augen ſtanden
voll Tränen und Tränen, lagen in ihrer Stimme: Glückliche
Fahrt und frohe Wiederkehr!
Ja, frohe Wiederkehr, Aſta geliebte, teure Aſta!"

Und da ſchlang ſie die Arme um ihn und küßte ihn.
Tatjana reichte Wolf den Ring, den ihm ihr Vater über=
geben
: Bitte, nehmen Sie ihn ein Amulett für die Reiſe
Iſch werde ihn Ihrem Vater zurückgeben.
Ich bat Sie, ihn zu tragen meine Mutter gab ihn einſt
meinem Vater
Und Sie wiſſen, Tatjana, was auf dem Ring ſteht? .."
Ich bin dein
Und du biſt mein? Wie fragender Jubel lag es in Wolfs
Stimme.
Und du biſt mein . . ." wiederholte Tatjana zärtlich.
Er zog ſie ſanft an ſich: Teures, holdes Mädchen, wie ſehr,
wie ſehr liebe ich dich!
Und ich dich auch, du Liebſter, du mein Erretter, mein
Held!
16. Kapitel.
Wieder vereint!
Es war in der Wohnung des Geheimrats Replin.
Wolf und Klaus waren am Nachmittag des geſtrgen Tages
in Berlin eingetroffen. Erſterer hatte gleich nach ſeiner Ankunft
Herrn Redlich aufgeſucht und ihm die näheren Aufklärungen ge=
geben
, ihm gedankt, was er für Aſta getan und ihm mitgeteilt,
daß er ihm die für ſeine Schweſter aufgewendeten Koſten erſetzen
werde. Das eilt gar nicht, verehrter Herr Baron, hatte Herr
Redlich geantwortet, die Hauptſache iſt, daß Ihre Schweſter au
der Seite Ihres Freundes glücklich wird! Und wenn Sie mich
irgendwie gebrauchen können, ich werde gern Ihnen und Ihrer
Schweſter jederzeit zur Seite ſtehen. Sichtlich bewegt hatt er
den ihm von Wolf übergebenen Brief Aſtas geleſen, dann Wolf
zu dem verhüllten Mignongemälde führend und den Vorhang
zurückziehen: Ich habe ja kaum noch ein Anrecht auf dies Bild
aber ich bitte Sie, es mir zu laſſen, es wird mir ſtets eine Er=
innerung
, eine ſehr liebe Erinnerung ſein, und ich werde den
Künſtler um eine Kopie erſuchen, die eine beſcheidene Hochzeits=
gabe
von mir ſein ſoll. Und wenn Fräulein Aſta Berlin berührt,
nicht wahr, ich darf ſie dann begrüßen und ihr perſönlich alles
Gute und Frohe wünſchen? Das hatte Wolf gern verſprochen
und darauf der Wirtſchafterin Frau Gringel, ihrer hübſchen
Nichte Mizerl und Emmerich Schönbart die ihm von Aſta mit=
gegebenen
, von freundlichen Zeilen begleiteten beſcheidenen Ga=

Seite 15.

ben überreicht, die froheſten Dank hervorgerufen. Emmerich hatte
auf einen Ring an ſeiner linken Hand gedeutet und auf Frau
Gringel gewieſen: Auch wir, Herr Baron, haben das glüabrin=
gende
Schiff der Hoffnung beſtiegen und wollen bald in den be=
ſeligenden
Hafen der Ehe einlaufen, wie der Dichter ſo ſchön
ſagt aber ſeine rundliche Braut hatte ihn durch ein ener=
giſches
Zupfen an ſeinem Zitat gehindert.
Klaus hatte ſich während dieſes Beſuches bei ſeiner Behörde
zurückgemeldet und an den amtlichen Stellen nach der Wohnung
Herrn Maſchkes geforſcht, um ſich bei dieſem nach ſeinem Aufent=
halt
in Sibirien und der Bewandnis mit Georg zu erkundigen.
Endlich hatte er nach vielem Umherlaufen die Adreſſe des ein=
ſtigen
Gefangenen erfahren, ihn aber nicht angetroffen, ebenſo=
wenig
Frau Maſchke und Georg.
Wolf hatte ſich nach ſeiner geſtrigen Ankunft für die heutige
elfte Vormittagsſtunde beim Geheimrat Replin angeſagt, um ſich
von ihm zum Großfürſten zu begeben, mit Klaus, der in aller
Frühe ſeine Nachforſchungen fortſetzen und ihn dann beim Ge=
heimrat
abholen wollte.
Als Wolf das Empfangszimmer des Geheimrats betrat, kam
ihm ſchnellen Schrittes der Großfürſt entgegen, ihn innig in die
Arme ſchließend: Willkommen, mein teurer junger Freund
wie danke ich Ihnen für alles, was Sie für mich, für mein ge=
liebtes
Kind getan! Sie haben uns beiden ein neues Leben ge=
geben
, dem Vater das Kind, dem Kind den Vater!
Wolf wehrte ab: Es war mir eine liebe, eine herrliche Auf=
gabe
und ohne die Hilfe meines Freundes und meiner Schwe=
ſter
hätte ich ſie nicht löſen können!
Ihrer Schweſter? fragte der Großfürſt erſtaunt. Sie ſag=
ten
mir doch, ſie wäre verſchollen.
Das war ſie und in Lacroma fand ich ſie wieder!
Das müſſen Sie näher erzählen, und vieles andere. Wir
erhielten ja nur eine kurze Depeſche über die glückliche Ankunft
auf der Inſel. Kommen Sie, Replin, der mich ſofort heute früh
von Ihrer Ankunft benachrichtigte, harrt gleichfalls Ihrer!
Dann mußte er eingehend erzählen er tat es in ſchlichter,
ſchmuckloſer Weiſe, das Gelingen hauptſächlich Klaus und Aſta
zuſchiebend und von ihrer Verlobung berichtend.
(Schluß folgt.)

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Nummer 339.

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[ ][  ][ ]

Nummer 339.

Der Haarmann=Prozeß.
Der Vernehmung Grans.
Hannover. Auch am zweiten Verhandlungstag im Haarmann=
eiozeß
war der Zuſchauerraum wieder dicht gefüllt. Oberpräſident
oske wohnte der Sitzung ebenfalls bei.
Haarmann erklärte auf eine Frage des Vorſitzenden, daß er die
ichenteile in die Leine geſchafft habe und die Kleidungsſtücke zuerſt
zmbrannt, ſpäter an Grans gegeben habe, der ſie verkaufte. Zum
7il habe Haarmann ſie auch ſelbſt verkauft.
Nunmehr wird die Vernehmung Grans fortgeſetzt. Haarmann
treift in die Feſtſtellungen von Grans ein mit dem Bemerken: Ich
nSchte Grans nicht hineinreißen. Aber er muß bei der Wahrheit blei=
mr
. Er hat von meinem Gelde gelebt, er hat mich belogen und be=
t
. hlen. Wenn Grans leugnet, werde ich noch andere Sachen erzählen.
Im weiteren Verlauf des Verhörs erklärte Haarmann, Grans wiſſe
uch mehr und noch einer wiſſe etwas.
Vorſitzender: Sie ſtehen heute vor dem irdiſchen Richter, ſpäter
urr dem himmliſchen.
Haarmann: Das weiß ich.
Vorſitzender: Erleichtern Sie Ihr Gewiſſen, damit Sie ruhig
tarben können.
Haarmann: Man hat mir alles genommen. Ich wollte mit
ans ein Geſchäft haben. Er hat aber mein Geld benutzt, um es
rchzubringen.
Grans beſtreitet nach wie vor, von Haarmann ſelbſt gelebt zu
ſben, gibt aber zu, von ihm indirekt ſehr viele Vorteile gehabt zu
lben. Eine Frage des Vorſitzenden, ob Grans gewußt habe, daß Haar=
nann
junge Männer tötete, verneint Grans. Das Fleiſch, das er bei
ärarmann geſehen habe, ſtammte von einem Pferdeſchlächter. Grans
Slärt, Schlächter=Karl nicht zu kennen. Auf Wunſch des Oberſtaats=
altes wird feſtgeſtellt, daß ſich die Spitzeldienſte Haar=
nranns
auf vier bis fünf Fälle beziehen und daß er nie im Auftrage des
Lolizeipräſidiums, ſondern privatim, auf Anregung des Kommiſſars
) üller handelte. Von der Polizei hat er nie eine Belohnung erhalten,
idern nur von den Geſchädigten.
Nunmehr werden
die Einzelfälle der Opfer Haarmanns
Sandelt. Zunächſt kommt Fritz Rothe, Hannover, an die Reihe, der
et dem 25. September 1918 vermißt wurde. Bei der Erörterung der
Snzelheiten der Mordtat wird die Oeffentlichkeit ausgeſchloſſen.
Nach Wiederherſtellung der Oeffentlichkeit kommt der Fall des
oeiten Opfers Haarmanns zur Verhandlung. Es handelt
uv um die 17jährige Franke, Berlin. Haarmann erklärt ſofort,
rege ihn zu ſehr auf, daß ſoviele Frauen da ſeien; ſie ſollten raus=
chen. Franke wird ſeit dem 12. Februar 19B3 vermißt. Auf
Emzelheiten will ſich Haamann nicht mehr beſinnen können. Während
hrarmann weiterhin behauptet, daß der Schrank, in dem die Leiche
Cegen hat, offengeſtanden habe, als Grans kam, beſtreitet letzterer
ſes. Haarmann habe immer ſelbſt den Schlüſſel zum Schranke ge=
ubt
. Vorſitzender: Haben Sie auch noch die Leichen in den Schrank ge=
t
, nachdem er nicht mehr verſchließbar war? Haarmann: Ja, da
zirig ja die Geſchichte erſt los. Wenn ein Opfer da war, das tot war,
ing Grans immer ans Fenſter.
Grans beſtreitet erneut Leichen in der Wohnung Haarmanns ge=
en
zu haben. Im weiteren Verlauf der Vernehmung gibt Haarmann
daß er Grans erzählt habe, wie er ſein erſtes Opfer umbrachte. Er
mit Grans ſehr intim geweſen. Dann wird Haarmann aufgeregt
u d ruft: Ich bitte, ſofort auch Witkowski zu verhaften. Er und
ans haben Hennies ermordet. Das war ich nicht! Grans be=
tteitet
das und erklärt, Frau Engel ſei Zeuge, daß er den Mantel
S Hennies von Haarmann gekauft habe. Haarmann ſchildert darauf
Fall Hennies und erzählt: Eines Morgens, als ich nach Hauſe kam,
Be ich die Leiche des Hennies in meiner Wohnung in der Roten Reihe
Funden. Wogegen Grans erzählt, Witkowski habe die Wohnung in
roten Reihe nicht betreten. Haarmann erklärte nochmals aufs Beſtimm=
Te, daß er Hennies nicht umgebracht habe und führt aus, daß die an Hen=
s
begangene Tat ein Mord ſei, während er nicht gemordet habe.
leinend erklärt er weiter: Daß ſolche Lausbuben mich zum Opfer
nacht haben, iſt gemein.
Darauf tritt eine Pauſe von einer halben Stunde ein. Um 1,25 Uhr
rden die Verhandlungen wieder aufgenommen, und es wird die Ver=
nchmung
über den Fall Franke fortgeſetzt. Auf eine Anfrage des
Smatsanwaltes erzählt Haarmann, wie Grans nachts bei ihm ans
ßiriſter anklopfte, als er noch mit der Leiche Frankes beſchäftigt war.
rans bleibt auf wiederholte Vorhaltungen bei der Behauptung, daß
die Leiche nicht geſehen habe, auch nicht im Schranke. Nunmehr
ummt der Fall des 16½jährigen Schulze=Golshorn, der ſeit dem
ärz vermißt wurde, zur Verhandlung. Haarmann erkennt Schulz
Bilde nicht wieder. Es wird Schulzes Anzug hereingebracht,
baarmann erklärt, es ſei ihm, als ob er dieſen Anzug gekauft

* Der Maſſenmord von Haiger.
Der Haiger Maſſenmord hat durch das Geſtändnis Angerſteins eine
mehr als ſeltſane Wendung genommen. Er hat zwar bis jetzr nur erſt
Tat zugeſ anden, ein umfaſſendes Geſtändnis konnte er noch nicht
ſakegen, da zu ſeiner ſchweren Verletzung noch eine Bauchfellentzündung
hinzugetreten iſt. Tappte die Kriminalpolizei auf Grund der Ausſagen
Angerſteins zu Anfang noch im Dunkeln, ſo lenkte ſich plötzlich der Ver=
derhr
gegen ihn ſelbſt, als bei Unterſuchung des umliegenden, friſch ge=
ügten
Feldes keinerlei Fußſpuren feſtgeſtellt wurden. Auch bei den
Cfichen fand man verſchiedene Haare, die mit denen Angerſteins über=
eirſtimmten
; ja, ſchließlich entdeckte man ſogar noch Fingerabdrücke, die
n Grund eingehender Unterſuchungen als die Angerſteins feſtgeſtellt
rden konnten. Gleichzeitig ergaben die Nachforſchungen in Haiger
ſelbſt allerlei Material, das Angerſtein ſtark belaſtete und keinen Zweifel
m hr darüber ließ, daß er die Tat ſelbſt ausgeführt hat.
Unklar allerdings iſt noch, wie der Mörder vorgegangen iſt. Wahr=
ceinlich
hat Angerſtein zuerſt ſeine im Bett liegende Frau getötet und
deun die übrigen Perſonen einzeln in das Haus gelöckt und durch furcht=
brre
Beilhiebe und Stiche mit einem Hirſchfänger getötet. Nachdem
die acht Perſonen umgebracht waren, ging Angerſtein in den Keller, holte
Aenzol, übergoß ſein Privatbureau fingerhoch damit und begab ſich
ein auch in das obere Stockwerk, wo er das gleiche Manöver vornahm.
Die dort angeſtellten Erhebungen ergaben nun, daß Angerſtein
nrhmittags, wahrſcheinlich ſchon nach vollbrachter Tat, in einem Laden
uggeblich für ſeine liebe Frau zwei Tafeln Schokolade kaufte. Dann
ung er in ein Inſtallationsgeſchäft und kaufte ſich ein Taſchenmeſſer.
S in dritter Gang war nach einer Buchhandlung. Vermutlich wollte
Angerſtein durch dieſe Beſorgungen den Verdacht von ſich ablenken; er
eging aber den Fehler, zu verſchiedenen Perſonen, auch zu einem
Pelizeibeamten, von dumpfen Ahnungen zu ſprechen, daß zu Hauſe
twas paſſiert wäre. Inzwiſchen war die Dunkelheit hereingebrochen,
und Angerſtein begab ſich wieder in ſein Haus zurück. Dort hat er dann
derin Brand angelegt, wahrſcheinlich aber in der Aufregung vergeſſen,
urch im Parterregeſchoß das Benzol anzuzünden, ſo daß dieſer Raum
nllſtändig unverſehrt blieb. Dann muß ſich Angerſtein vor das Haus
ngeben und ſich ſelbſt einen Stich in den Unterleib, der die Magen=
nde
verletzte, beigebracht haben. Bei ſeiner Vernehmung durch den
S aatsanwalt gab er an, daß er auf dem Rückwege von der Poſt vor
ſemer Haustüre von einem großen ſtarken Mann überfallen worden ſei.
Deſe Angabe irritierte im erſten Augenblick die Kriminalpolizei; es ge=
ſarig
aber doch dann außerordentlich ſchnell, ihn als den Täter zu ent=
even
.
Der Fall Angerſtein iſt zwar ein Ereignis ungewöhnlicher Art, doch
ennt die gerichtsärztliche Literatur Fälle, die mit dem jetzigen eine auf=
allende
Aehnlichkeit haben. Im Jahre 1868 hat ein holſteiniſcher
Zruernburſche Timm Thode acht Hausgenoſſen: Vater, Mutter, Schwe=
tr
, vier Brüder und ein Dienſtmädchen, ermordet und hinterher das
brus angezündet. Auch die beiden großen Wachthunde hatte er beſei=
. Ein ähnlicher Fall liegt noch gar nicht lange zurück; es handelt ſich
er um die Schreckenstat des Lehrers Wagner in Degerloch bei Mühl=
heuſen
. Dieſer ermordete am 4. September 1913 ſeine Frzu und vier
ſmder. Am nächſten Tage begab er ſich nach Mühlhauſen, wo er unter
derr Paſſanten auf offener Straße ein Blutbad anrichtete, von denen er
acht niederſchoß und elf verwundete. Wagner wurde ohne weiteres als
Prran iker erkannt und in die Irrenanſtalt gebracht. Ob es ſich bei
Argerſtein ebenfalls um einen Geiſteskranken handelt, wird der weitere
V rlauf der Unterſuchung ergeber

Segen stittdt
die Frau durch Kaiser’s
Brust-Caramellen mit
dem 3 Tannen. Sie ver-
ibtdamit
sich. Husten
Heiserkeit, Verschlei-
muing
, Keuchhusten,
Brust- und Rachenka-
tarrh
und beugt Er-
Dosen 80 Pfg , aber nie offen

kältungen vor. Beweise:
7000 not. beglaubigte
Zeugnisse von Aerzten u
A Prinzten. Von Millionen
* im Gebrauch.- Apetittan-
regende
, feinschmeckende
Bonbons. Zu haben in
Apotheken, Drogerien u.
wo Plakate sichtbar. Nur
in Paketen zu 30 Pfg.,
Lass, Siesich nichtsanderes aufreden, (V,12427

Samstag, den 6. Dezember 1924.

Seite 17.

Reich und Ausland.
40. Kongreß Deutſcher Oentiſten in Erfurt.
B. Die vom 28. bis 30. November tagende und von Delegierten der
Landes= und Großbezirke, auch aus den beſetzten Gebieten ſtark beſchickte
40. Generalverſammlung des Reichsverbandes Deutſcher Dentiſten er=
ledigte
eine Reihe wichtiger, auch die Allgemeinheit intereſſierenden:
Fragen.
Zur Begrüßung des Kongreſſes hatten ſich verſchiedene Vertreter
der Behörden uſwv. eingefunden. So Oberbürgermeiſter Dr. Mann,
Regierungsrat v. Kuhnhardt als Vertreter des Regierungspräſidenten,
Verſicherungsdirektor Zenker, Stadtrat Dr. Jakobi, Stadtſchulrat Dr.
Gutſche, Stadtverordnetenvorſteher Flache, Berufsſchuldirektor Schacht,
der Vorſitzende des Betriebskaſſenverbandes Dünkler; Volberth, Fräu=
lein
Grammann, Vorſitzende des Krankenkaſſenverbandes weiblicher An=
geſtellten
.
Ferner als Vertreter des Reichsverbandes Oeſterreich. Zahntechniker
deſſen Präſident Otto Buſch und der Vizepräſident Frz. Weber.
Hierauf begannen die Beratungen der Kommiſſionen bzw. der
Delegiertenverſammlung.
Neben der Bereitſtellung beträchtlicher Mittel zum Ausbau der
periodiſchen Fachliterarur (Deutſche Dentiſtiſche Wochenſchr.) ſtand
der Ausbau einer Anzahl von Berufsſchulen und Fortbildungsinſtituten
(Berlin, Karlsruhe, München, Frankfurt a. M., Kiel uſw.) zur Be=
ratung
. Die Berufsſchulen ſind zum größten Teile bereits beſtehenden
ſtädtiſchen Gewerbeſchulen angegliedrt und bilden eine ganz außerordent=
lich
wertvolle Unterſtützung und Ergänzung der fachmänniſchen Aus=
bildung
. Die Fortbildungs=Inſtitute dienen der Ausbildung in der
eigentlichen Zahnbehandlung bzw. der Fortbildung der jungen Dentiſten
zu Aſſiſtenten.
Einen weiteren wichtigen Punkt der Tagesordnung bildete die ſtaat=
liche
Prüfung der Dentiſten als Zulaſſungsbedingung zur Kranken=
kaſſenbehandlung
(8 123 der Reichsverſicherungsverordnung). Als Mit=
glieder
der ſtaatlichen Prüfungs=Kommiſſionen fungieren im allgemeinen
ein höherer Medizinalbeamter, ein Zahnarzt und zwei Dentiſten.
Ueber die Ausſichten im Dentiſtenberuf äußerten ſich die Delegierten,
die infolge des außergewöhnlichen Zuſtroms ehemaliger Offiziere uſw.
zur Zahnheilkunde eingetreten geweſene Ueberfüllung infolge Abwande=
rung
aus dem Beruf nun wieder etwas zurückgegangen iſt, ſodaß jungen
Leuten mit guter Schulbildung und Luſt und Geſchick zu feineren tech=
niſchen
Arbeiten die Möglichkeit geboten erſcheint, ſich ſpäter als Dentiſt
aber im Intereſſe derjenigen jungen Leute, die dieſen Beruf ergreifen
wollen, ſich bei der Standesorganiſation Deutſcher Dentiſten über eitte wünſcht ſein, wenn ſie nicht gleichzeitig ein Beweis dafür wäre, daß
etwa anzunehmende Lehrſtelle vorher zu erkundigen, damit nicht dugch
ungeeignete Lehre ſpäter Unannehmlichkeiten auftreten. Das Gen Fral
ſekretariat des Reichsverbandes Deutſcher Dentiſten (Bensheim/H ſſen) 1921 noch 350 000, 1922 120 00 und 1923 nur noch 45 000 Tonnen. In
gibt Anfragenden unentgeltlich Auskunft.
Ganz beſonderen Wert legte der Kongreß darauf, durch geeignete
Maßnahmen die Möglichkeit zu ſchaffen, daß auch dem unter der Schwere
der Zeit ganz beſonders leidenden Teil der Bevölkerung, der weder
krankenverſichert noch mit den modernen Verhältniſſen angepaßten Ein=
künften
verſorgt iſt, die Zahnbehandlung im Intereſſe des allgemeinen
Geſundheitszuſtandes zu erſchwinglichen Preiſen geſichert iſt.
Zum Schluß wurde ſeitens des Kongreſſes der Beſchluß gefaßt, für
Aufklärung darüber Sorge zu tragen, daß das Publikum ſich nicht durch
die während die Krieges und der Nachkriegszeit emporgewucherten
Auswüchſe des Berufes und die von dieſen beliebte Reklame leiten läßt,
den teilweiſe bombaſtiſchen Verſprechungen Glauben zu ſchenken. Ge=
wiſſenhafte
, möglichſt ſchmerzloſe und billige Behandluag liegt im Inte=
reſſe
eines jeden Fachmannes und bedürfen derartige Selbſtverſtändlich=
keiten
keiner beſonderen Betonung oder gar Reklauge. Es wird ſeitens
der Standesvertretung die Oeffentlichkeit im eigenen Intereſſe gebeten,
gegenüber allen öffentlichen Reklamen über Zahnbehandlung weite geſuchte Rolf Wilda aus Deſſau verhaftet. Er kam in Begleitung einer
gehendſte Vorſicht walten zu laſſen. Als nächſter Kongreß wurde Kiel
gewählt.
Mit dem Kongreß verbunden war eine große und intereſſante Aus=
ſtellung
von Inſtrumenten, Apparten und Materialien zur Zahnbehand=
lung
, die von faſt ſämtlichen großen Fabriken und Handlungen der
Dental=Induſtrie beſchickt war.

Wohnungsverkäufe des Wohnungsamtes.
S. Frankfurt. Das Frankfurter Wohnungsamt läßt ſich in vie=
len
Fällen für die Ueberlaſſung einer Wohnung eine Abfindungsſumme
zahlen, die manchmal recht hoch iſt und die zur Neuerſtellung von Woh=
nungen
für Unbemittelte verwandt wird. In einer Gerichtsverhandlung
wurde jetzt einmal näher auf dieſe Unterſchiede der Ueberlaſſung von
Wohnungen gegen Dringlichkeitsſchein oder gegen Abfindungsſumme
eingegangen. Ein Kriegsbeſchädigter mit dem Dringlichkeitsſchein hatte
eine Wohnung vom Wohnungsamt gekauft, hatte auch die Anzahlung ge=
leiſtet
konnte aber den Reſt nicht aufbringen, da das Wohnungsamt
4000 Mari verlangt hatte. Das Gericht erklärte ſich mit dieſem Ver=
jahre
des Frankfurter Wohnungsamtes in keiner Weiſe einver=
ſtanden
, da auf dieſe Weiſe nur derjenige eine Woh=
nung
erhalte, der über die nötigen Mittel verfüge und daß hierdurch
beſonders begüterten Ausländern die Möglichkeit gegeben ſei, ſich hier
anſäſig zu machen, während die Einheimiſchen jahrelang vergeblich war=
ten
könn,n. Es ſei merkwürdig, daß die Oeffentlichkeit nicht erfahre, wie
viel Austauſchwohnungen jährlich verkauft würden, welche Wohnungen
nur auf den Dringlichkeitsſchein abgegeben würden und wieviel Aus=
länder
gegen Bezahlung ſich in Frankfurt jährlich anſäſſig, machten. Das
Gericht vertagte die Verhandlung, um dieſe Frage klarzuſtellen,

Deuiſche Ferienkinder in Eſland.
Infolge der wirtſchaftlichen Kriſe, die Eſtland eben zu überſtehen
hatte, war es den dort anſäſſigen Deutſchen nicht möglich, ihre Gaſtfreund=
ſchaft
in demſelben großen Maße, wie im vorigen Sommer, auszuüben.
Die Zahl der Balten in Eſtland iſt eine geringe, es ſind rund 18000
(1,7 Proz.), von denen 7000 auf die Hauptſtadt Reval entfallen.
Die Ferienkinderzentrale des Eſtländiſchen Deutſchen Frauenverbands
faßte dennoch den Entſchluß, 185 erholungsbedürftigen Kindern aus allen
Gauen Deutſchlands einen Sommeraufenthalt zu gewähren. Die Beför=
derung
geſchah größtenteils mit den Dampfern der Stettiner Dampfer=
Kompagnie A.=G., wo ſie koſtenfreie Beförderung und Verpflegung er=
hielten
. Die Kinder wurden im ganzen Lande zerſtreut, und alle haben
ſie den herrlichen Sommer in vollen Zügen genoſſen. Es iſt ſeit Jahr=
zehnten
einer der ſchönſten nordiſchen Sommer geweſen, faſt ganz ohne
Negen. Die kleinen Feriengäſte ſind von den Pflegeeltern in der herz=
lichſten
Weiſe aufgenommen und wie die eigenen Kinder beſchenkt wor=
den
. Die Eindrücke, die die Kinder von dem deutſchen Leben und den
Sitten der Balten gewonnen haben, bleiben fürs Leben, und ich glaube,
daß ſie gerne an die Zeit zurückdenken. Wer einmal den Abſchiedsſzenen
beigewohnt hat, der wird es beſtätigen können.
Der Rücktransport ließ ſich nicht allein durch die Dampfer bewerk=
ſtelligen
. 94 Kinder traten die Heimreiſe zur Se an und der Reſt fuhr
mit einem Bahntransport, zu dem in bereitwilligſter Weiſe von ſeiten
des eſtniſchen Verkehrsminiſteriums koſtenfreie Fahrt in Sonderwagen
gewährt wurde. In Riga hatten die Kinder einen Tag Aufenthalt, wo
ſie in der großen Gilde aufgenommen und verpflegt wurden. Die Gilde
iſt der Zuſammenſchluß der deutſchen Kaufmannſchaft, die ſeit Jahrhun=
derten
beſteht. Bei der Weiterfahrt durch Lettland und Litauen erlebten
die Kinder von ſeiten des litauiſchen Roten Kreuzes eine außerordentlich
freundliche Aufnahme. Während eines Aufenthalts, wo die Kinder ver=
pflegt
wuden, ſpielte ihnen eine Militärkapelle muntere Weiſen vor,
Nach langer Fahrt gelangten alle Kinder wohlbehalten bei ihren Eltern
an. Sowohl den Balten, als auch insbeſondere der Ferienkinderzen=
trale
, war es eine große Freude, ihr im vorigen Jahr begonnenes Werk
der Nüchſtenliebe weiterführen zu können.
Georg Blosfeld.

Die Kriſe in Schiffahrt und Schiffbau.
Unter der Ueberſchrift Ein offenes Wort zur Schiffahrts= und
SSchiffbaukriſe, veröffentlicht die Kölniſche Zeitung, aus berufener
Feder eine Darſtellung der ſchweren Notlage des Schiffbaus. An Hand
von Zahlen wird erörtert, um wieviel die Arbeiten auf ausländiſche Rech=
eine
angeſehene und ausreichende Exiſtenz zu erwerben. Dabei liegt es nung bei den Schiffswerften geſtiegen ſind. An und für ſich könne ja eine
Steigerung der Auslandsaufträge für den heimiſchen Schiffbau nur er=
unſere
Werften von den Inlandsaufträgen nicht mehr leben können. Von
Neubauten aus dem Inlande erhielten die deutſchen Reedereien im Jahre
dieſem Jahre erreichen die Inlindsaufträge noch nicht einmal 40000
Tonnen. Der Verfaſſer des Artikels zieht daraus den Schluß, daß wir
heute an einem entſcheidenden Wendepunkte für unſere Schiffahrt und
die deutſche Werftinduſtrie angelangt ſind. Schiffahrt und Schiffbau
brauchen in ihrer Notlage den Staat, man dürfe nicht vor dem Geſpenſt
Subvention zurückſchrecken. Das gute alte Prinzip Alles ganz aus
eigner Kraft in voller Freiheit könne heute nur noch theoretiſche Bedeu=
tung
haben, weil eben die eigene Kraft nicht mehr hinreicht. Die Lage
ſcheine ſich auf die Frage zuzuſpitzen, ob und wie es ſich ermöglichen läßt,
der Schiffahrt und der Werftinduſtrie durch das Reich langfriſtige und
leicht derzinsliche Kredite zur Verfügung zu ſtellen, um ſie in den Stand
zu ſetzen, ihre Flotte in abſehbarer Zeit auf den Vorkriegsſtand zu
bringen.
Der falſche Harry Piel.
Im Schloßeafé in Magdeburg wurde der ſchon lange ſteckbrieflich
Dame in die Bar des genannten Cafés, gab, ſich als Filmſchauſpieler
Harry Piel aus, verlangte Sekt und lud den anweſenden Geſchäftsführer
zum Trinken ein. Dieſer lehnte aber ab. Kurze Zeit darauf kam der
Kellner zum Geſchäftsführer und teilte ihm mit, daß der angebliche Harry
Piel mit einem Scheck, lautend über tauſend Mark, zahlen wolle. Der
Geſchäftsführer forderte Barzahlung, die ihm verweigert wurde. Man
holte dann einen Schutzmann herbei. Als dieſer das Lokal betrat, kam
ihm der Zechpreller mit einer Larve im Geſicht und einem geladenen
Revolver in der Hand entgegen und forderte ihn auf, ihm den Ausgang
zu zeigen. In dieſem Moment griff ein Gaſt ein. Er faßte den Ver=
brecher
von hinten an den Ellenbogen und warf ihn zu Boden, ſo daß
ein Entrinnen nicht mehr möglich war. Daraufhin wurde der Verbrecher
der Polizei zugeführt. Die Polizei hatte einen guten Fang gemacht.
Wilda hatte Schecks im Werte von 10 000 Mark, unterzeichnet mit von
Budenhauſen und Harry Piel bei ſich.
Richarda Wagnera ...
Rb. Aus Karlsbad in Böhmen wird uns berichte: Der tſchechiſche
Chauvinismus hat mit der Zuſammenſtellung derneuen Karlsbader Stra=
ßenbezeichnungen
ein Kulturkurioſa geſchaffen, das wert iſt, der Nach=
welt
erhalten zu bleiben. Seit wenigen Tagen gibt es in der weltbe=
rühmten
Sprudelſtadt folgende Straßennamen: Göthova, Schiller=
ova
Lutherova, Richarda Wagnera Gabelsbergerova und Felis
Dahna. Aus den Anweiſungen für die Kurfrequenz im Jahre 1924
geht hervor, daß die deutſche Sprudelſtadt Karlsbad aus Deutſchland
und Deutſchöſterreich einen Beſuch aufzuweiſen hatte, der jenen der
tſchechiſchen, ſlawiſchen und überſeeiſchen Länder um ein Vielfaches über=
traf
.
Das neue deutſche Klubhaus in London.

Schlechter Geſchäftsgang der Frankfurter Ortskrankenkaſſe.
8. Frankfurt. Die hieſige Ortskrankenkaſſe zählt 176 000 Mit=
glieder
, von denen 3,6 Prozent ungefähr die ſtändige Krankenziffer bil=
den
. Dieſe 6300 Perſonen bedeuten für die Kaſſe eine ſehr ſtarke Be=
laſtung
, da ſich der Krankenſtand des vorigen Jahres z. B. auf 3000 Per=
ſonen
hielt. Infolge des doppelten Krankenſtandes ſind die Ausgaben
für Krankengeld, ärztliche Pflege und Arzneimittel ſo hoch, daß die Kaſſe
in den letzten Monaten erhebliche Beträge aus ihren Reſerven entnehmen
mußte. An eine Herabſetzung der Beiträge, die augenblicklich ſieben
Prozent des Arbeitsverdienſtes betragen, iſt daher nicht zu denken, da
ſchon ſo das Defizit eines Monats über 100 000 Mark hinausgeht. Die
Kaſſe führt ihre ſchlechte Lage auf die allgemeine wirtſchaftliche Lage zu=
rück
, da immer noch ſehr viel Kurzarbeit herrſcht, beſonders ſei die Ver=
ſicherungsgrenze
bei einem monatlichen Einkommen von 200 Mark zu
niedrig bemeſſen, da jetzt wieder viele Angriffe durch neue Gehaltser=
höhungen
ausſcheiden. Zunächſt werden daher die Beitragsleiſtungen der
freiwilligen Mitglieder, die 14 Prozent des Geſamtbeſtandes ausmachen,
erhöht werden, da dieſe einen verhältnismäßig ſehr niedrigen Beitrag
zahlen. Dabei iſt ſtatiſtiſch nachgewieſen, daß beſonders die weiblichen
freiwilligen Mitglieder die Kaſſe viel ſtärker belaſten als die Pflichtmit=
glieder
. Von Wichtigkeit iſt beſonders die Tatſache, daß am 1. Dezember
eine neue Verordnung der Reichsregierung in Kraft tritt, wonach in Zu=
kunft
keine Erwerbsloſenbeiträge zu zahlen ſind für die Hausangeſtellten,
die in der häuslichen Gemeinſchaft des Arbeitgebers aufgenommen ſind.
Die Zukunft des transatlantiſchen Zeppelinflugverkehrs.
DD. Berlin. Ueber die Abſichten und Pläne zur Ausgeſtaltung
des internationalen Zeppelinflugverkehrs wird uns geſchrieben:
Das Schickſaal der Zeppelinhalle in Friedrichshafen hat die geſamte
Oeffentlichkeit der Welt in der letzten Zeit in beſonderem Maße intereſ=
ſiert
. Der Proteſt, der nach der erſten ſo wohl gelungenen Amerikafahrt keit haben, worauf hierdurch beſonders hingewieſen wird.
des 3 R. 3 faſt in der ganzen Welt gegen eine Zerſtörung der Halle,
wie ſie die Franzoſen auf Grund des Verſailler Vertrages fordern, laut
geworden iſt, ſcheint den Erfolg gehabt zu haben, daß an eine Zerſtörung
vorläufig nicht mehr im Ernſt gedacht wird. Der Gedanke eines Luft= ein glücklicher Gedanke. Doppeltes Gold wird alſo durch den in vor=
ſchiffverkehrs
zwiſchen Europa und Amerika macht inzwiſchen weitere
Fortſchritte. Es ſteht feſt, daß Amerika dem Gedanken eines regelmäßi=
gen
Verkehrs ſehr ſympatiſch gegenüberſteht. Es iſt jedoch unmöglich,
daß ſich Amerika allein finanziell an einem derartigen Unternehmen be=
erforderlich
. Es kann vorerſt noch keiner das Riſiko übernehmen und die
Initiative ergreifen. Zunächſt iſt ein wöchentlicher Poſtverkehr zwiſchen
Amerika und Deutſchland geplant. Erſt ſpäter wird ſich ein erfolgreicher fehlen, die der Körperpflege den letzten Abſchluß, dem gut angezogenen
Paſſagierverkehr ermöglichen laſſen. Um dem breiten Publikum einen
derartigen Luſtverkehr zu ermöglichen, müſſen erſt 40 bis 50 gelungene
Fahrten ausgeführt ſein. Es iſt ferner die Gründung einer deutſch= turm, Dr. Dralle’s Birkenwaſſer u. a.
ſpaniſchen Geſellſchaft beabſichtigt, die den Verkehr zwiſchen Spanien
und Argentinien bewerkſtelligen ſoll. Beſonders jetzt nach der Z. R.3= daß ſeine Gaben immer willkommen ſind, Freude bringen und den
Fahrt mißt man dieſem Projekt in Spanien das allergrößte Intereſſe
bei. Auch eine deutſch=engliſche Luftſchiffahrtsgeſellſchaft, die den Verkehr
nach Indien leiten ſoll, liegt im Bereich der Möglichkeit. Deutſchland iſt
bereits vor einem Jahr aufgefordert worden, ſich an einem ſolchen Unter= liebe fremde Parfümerien. Sie ſollen angeblich beſſer ſein als deutſche.
nehmen zu beteiligen. Der gleichfalls viel erörterte transſibiriſche Ver= Daß dadurch die Arbeitsmöglichkeiten bei uns ſich verringern, deutſches
kehr iſt techniſch nicht gut möglich, da das Luftſchiff eine Höhe nehmen
müßte, die praktiſch nicht im Bereich der Möglichkeit liegt. Ein Verkehr Erwägungen ſpielen keine Rolle. Aber eine Tatſache, auf die hinge=
von
Petersburg nach Irkutſk iſt allerdings ſehr gut denkbar: Auch für wieſen werden muß, ſollte doch Eindruck machen: Weshalb kauft das
Polarfahrten und Forſchungsreiſen eigne ſich das Luftſchiff der Zukunft,
das um dieles größer ſein wird, als 3. R. 3. Die atmoſphäriſchen Be=
dingungen
für den Polarflug ſind außerordentlich günſtig, ſo daß man
innerhalb von acht Tagen eine Hin= und Rückreiſe bequem zurücklegen die deutſchen Marken, die der verwvöhnte Ausländer gern kauft, auch
kann.

Der deutſche Klub in London, der jetzt eine Mitgliederzahl von über
700 in London anſäſſigen Deutſchen hat, verlegte kürzlich ſein Haupt=
quartier
von Kenſington nach einem mehr zentral gelegenen Punkte der
Stadt, und hat ſich nun zwiſchen Strand und Themſe in der Nähe
des Savoy=Hotels eingerichtet. Die neuen Räume des Klubs liegen tat=
ſächlich
ſo nahe bei dieſem Hotel, daß die Mitglieder, wenn ſie nach der
durch Radio weitergegebenen Muſik der Savoykapelle tanzen, auch gleich=
zeitig
die Muſik aus dem Ballraum ſelbſt, hören können, wenn ſie die

Fenſter öffnen.
Ein literariſcher Zirkel iſt die letzte Errungenſchaft des deutſchen
Klubs. G. Bernard Shaw wird am 4. Dezember dort über St. Joan
ſein vielbeſprochenes Schauſpiel ſprechen, das jetzt auch in Berlin gege=

ben wird.

Die Opfer des Erdbebens in Batavia.

DD. London. Nach den letzten Meldungen aus Batavia ſind bei
dem Erdbeben etwas 90 Menſchen ums Leben gekommen.

e stehen
Koferrh-
Bonbons
virkenden Zusafz,

Eeſchäft iches.
Anläßlich des Weihnachts=Verkaufs gibt die Fa. J. Rehfeld an die
Kunden Theaterkarten, welche für die erſte Vorſtellung des Weihnachts=
märchens
Das Chriſtkindlein am Samstag, den 13. Dezember, Gültig=
Gold wert iſt das richtige Präparat für zerrüttete Nerven und zur
allgemeinen Kräftigung. Gold wert iſt aber auch eine gute Idee oder
liegender Nummer abgedruckten Ideenwettbewerb der Firma F. A.
Ruthemann, Waltershauſen, Thür., geboten. Wer greift da nicht zu!!
Womit erfreue ich meine Lieben zum Feſt? Im Zeichen dieſer ewig
teiligt. Die deutſche Beteiligung iſt ſchon aus pſychologiſchen Gründen alten und ewig neuen Frage ſteht die Weihnachtszeit. Mannigfaltig in
Art und Umfang ſind die Gaben, je nachdem üppig oder beſcheidener,
aber auf keinem Weihnachtstiſche ſollte eines jener angenehmen Dinge
Menſchen die letzte perſönliche Note geben: Dralle’s Lavendelwaſſer
und Lavendelſeife, Parfümerie Poppy oder Illuſion im Leucht=
Der Name Dralle gewährleiſtet dem Schenkenden das Bewußtſein,
Empfänger nie enttäuſchen.
Und noch eins:
Weite Kreiſe der deutſchen Damenwelt kaufen immer noch mit Vor=
Geld ins Ausland fließt, die Zahlungsbilanz ſich verſchlechtert, ſolche
Ausland deutſche Parfümerien, ſogar in recht großen Mengen?
Sollte ſich nicht auch die deutſche Damenwelt bekehren laſſen von
dem alten Vorurteil und zum mindeſten den Verſuch machen, ob nicht
ihrem Geſchmack genügen?

mit derm Sntiseetisch

[ ][  ][ ]

Seite 18.

Gottesdienſtliche Anzeigen.
Evangeliſche Gemeinden.
2. Adventsſonatag, den 7. Dezember 1924.
Stadtkirche: Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer gle=
berger
Um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Heß.
Abends 5 Uhr: Abendgottesdienſt mit Feier des heil. Abendmahls,
Pfarrer Vogel.
Die Stadtkirche iſt wochentags von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr
nachmittags zu ſtiller Andacht geöffnet. Eingang: Nordtüre.
Stadtkapelle: Vorm. 8½ Uhr: Morgenandacht. Pfarrer Vogel,
um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Heß. Um 1114 Uhr:
Kindergottesdienſt. Pfarrer Kleberger.
Schloßkirche: Vorm 10 Uhr: Haupegottesdienſt mit Feier des heil
Abendnals. Pfarcer Zimmermann. Um 11½ Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Pfarrer Zimmermann.
Amtshandlungen an Auswärtigen: Pfarrer Heß.
Gemeindehaus (Kiesſtr. 17) Mittwoch, den 10. Dez., abends 6 Uhr:
Bibelſtunde über Lied 33. Pfarrer Vogel Freitag, den 12. Dez
abends 8½ Uhr: Gemeindeverein der Markusgemeinde: Vortrag des
Profeſſors Pfannmüller über: Das Wiedererwachen des Buddhis=
mus
im Geiſtesleben der Gegenwart. Sonntag, den 14. Dez abends
8 Uhr: Familienabend der Markusgemeinde. Muſik und Deklamation.
Teebewirtung.
Martinskirche: Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarraſſiſtent
Reinhardt. um 11 Uhr: Kindergottesdienſt für den Weſtbezirk.
Pfarrer D. Waitz. Abends 6 Uhr: Predigtgottesdienſt. Pfarraſſiſt,
Müller. Feier des heil. Abendmahls mit Vorbereitung. Anmeldung
von 16 Uhr an in der Sakriſtei. Montag, den 8. Dez., abends
8 Uhr im Gemeindehaus: Lichtbildervortrag über: Weihnachten in
Bildern alter und neuer Meiſter. Pfarrer D. Waitz. Mittwoch,
den 10. Dez; abends 8 Uhr im Martinsſtift: Bibelſtunde (8. Gebot),
Pfarrer Beringer.
Altersheim: Vorm. ½10 Uhr; Pfarraſſiſtent Müller.
Johanneskirche: Samstag, den 6. Dez., abends 8 Uhr: Jugend=
gottesdienſt
der evangeliſchen Jugendgemeinſchaft Sonntag, den
7. Dez, vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt Pfarrer Goethe. (Kollekte
für den Samariterverein.) Um 11½ Uhr: Kindergottesdzenſt
Abends 5 Uhr: Pfarrer Marx. Feier des heil. Abendmahls mit Vor=
bereitung
. Abends 8 Uhr im Gemeindehaus: Adventsfeier des
Frauenvereins. Teekarten zu 50 Pfg. bein Kirchendiener. Diens=
tag
, den 9. Dez abends 8 Uhr im Gemeindehaus: Monatsverſamm=
lung
des Männervereins. Lichtbildervortrag von Studienrat Dr. Better,
über: Deutſches Volkstum in Sie enbürgen‟. Entritt frei. Gäſte
willkommen. Mittwoch, den 10. Dez, abends 8 Uhr: Bibelſtunde
im Gemeindehaus. Pfarrer Goethe.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Vorm. 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. P arraſſiſtent Nürnberger. Um 11 Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Pfarraſſiſtent Nürnberger. Abends 6 Uhr: Abendgottes=
dienſt
. Pfarrer Wagner.
Bauluskirche: Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Rückert.
Um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Rückert.
Nachtwachen) übernehmen die Brüder (Diakonen) der Männertranken=
pflege
=Station im Evang. Männerheim, Forſtmeiſterſtr, 9. Fern=

ſpreiher 2883.
Stiftskirche: Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Miſſ. Bellon.
Um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Evang. Sonntagsver=
ein
(Chriſtl. Verein junger Mädchen). Sonntag, nachm. von 4 bis
7 Uhr: Vereinsſtunden (Jugendſonntag). Donnerstag, den 11. Dez.,
abends 8 Uhr: Betſtunde.

Samstag, den 6. Dezember 1924.
Ebang. Stadtmiſſion Mühlſtraße 24): Sonntag, vorm. 7½ Uhr:
Hofmiſſon. Um 9 Uhr: Gebetsſtunde. Um 11½ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
Nachm. 2½. Uhr: Bibelbeſprechſtunde für Jünglinge.
um 3½ Uhr: Bibelſtunde. Pred Semmel. Thema: Aufregung
in der Stadt (Matth. 21, 10). Abends 8 Uhr: Lichtbildervortrag
Blaukreuz. Montag, abends 8½ Uhr: Werbeabend Kriegerdank=
bund
. Dienstag, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde für Jünglinge und
Gebetsſtunde für Jungfrauen. Mittwoch, nachm 4 Uhr: Kinderbund
für Knaben und Mädchen. Donnerstag, abends 8½ Uhr: Bibel=
ſtunde
. Pred. Semmel Thema: Der gelöſten Zunge Lobgeſang
(Luk 1, 67). Freitag, abends 8 Uhr: Blaukreuz=Bibelſtunde Abends
8½ Uhr: Bibelſtunde in der Stadrmädchenſchule (Beſſungerſtraßel.
Samstag, abends 8 Uhr: Poſaunenchor. Fugendbund für E. C.,
Mühlſtraße 24: Sonntag, vorm. 7 Uhr: Weiheſtunde Um 9 Uhr:
Weißkreuzſtunde für Fünglinge. Nachm. 4½ Uhr: Bibelbeſprechſtunde
für Jungfrauen. Dienstag, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde. Mitt=
woch
, abends 8½ Uhr: Freundeskreis=Bibelſtunde. Donnerstag,
abends 8 Uhr: Gebetsſtunde für Fünglinge. Samstag, abends 8 Uhr:
Orcheſter.
Vereinigung chriſtl. Eiſenbahner, Mühlſtr. 24, Samstag,
den 6. Dez abends 6 Uhr: Bibelbeſprechſtunde.
Ehriſtlicher Verein junger Männer Larmſtadt, E.V., Alexander=
ſtraße
22 (Infanrerie=Kaſerne, 1. Hof links): Sonntag, den 7. Dez=
abends
8½ Uhr: Heimabend (nur für junge Männer). Dienstag,
abends 8½ Uhr: Bibelſtunde für Haupt= und Jugendabteilung. H.
Paſche. Donnerstag, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde im Familien=
kreiſe
. Miſſ. Rottmann. Samstag, abends 8½ Uhr: Wochenſchluß.
Das Heim iſt geöffnet: Täglich ab 7½ Uhr abends, außerdem
Sonntags von 36 Uhr nachmittags.
Wartburgverein Darmſtadt (C. V. J. M.). Vereinslokal: Ge=
meindehaus
der Martinsgemeinde, Liebfrauenſtr. 6 (Mollerſtr. gs). gung des Wortes Gottes. Mittwoch, den 10. Dez, abends 83 1.,
Wir verweiſen unſere Mitglieder auf die Veranſtaltungen des C. V.
J. M., Alexanderſtr.
Chriſtlicher Jugendverein Darmſtadt (Dieburgerſtr. 26, I.): Sonn=
tag
, vorm. 9 Uhr: Gebetsſtunde. Um 10 Uhr: Kirchgang Nach= ſation. Donnerstag, den 11. Dez., abends 8½4 Uhr: Bibelſtun!
mittags 3 Uhr: Gemütliches Beiſammenſein. Abenos 8½4 Uhr: Mit= Prediger Erhardt.
glieder=Verſammlung. Montag, abends 8½ Uhr: Stilles Beiſam=
abends
8½ Uhr: Bibelſtunde für Angehörige (Offenb. Joh., Apotheker
Winter). Donnerstag, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde für junge
Männer (Kandidat der Theol, Lautenſchläger. Samstag, abends
8½ Uhr: Poſaunenſtunde.
Katholiſche Gemeinden.
Sonntag, den 7. Dezember 1924.
St. Ludwigskirche: Samstag, nachm. 4 Uhr und abends 8 Uhr:
Beichtgelegenheit.
Sonntag, vorm. 16 Uhr: Beichtgelegenheit Um 6 Uhr: Rorate=
amt
. Um 7 Uhr: Heil Meſſe mit Predigt. Um 8 Uhr: Sing=
meſſe
mit Predigt und Kommunion des Männerapoſtolates. Um
Häusliche Pflege von kranken Männern (Aushilfe am Tage und 9½= Uhr: Hochamt mit Predigt. Um 11 Uhr: Singmeſſe mit Nieder=Ramſtädterſtr. 13): Sonntag, den 7. Dez, vorm. 10½ Un
Prebigt. Nachm. ½3 Uhr: Chriſtenlehre und Roſenkranz= Bruder=
ſchaftsandacht
und Prozeſſion. An allen Werltagen, vorm, 612 Uhr: 1o. Dez, abends 8 Uhr: Bibelſtunde. Jedermann willkommen.
Rorateamt.
Kavelle der Barmherzigen Schweſtern: Sonntag, vorm. 127 Uhr:
Heil. Meſſe. Um 6 Uhr Roſenkranzandacht.
Kapelle in der Waldſtraße: Sonntag, vorm. 7 Uhr: Heil, Meſſe. 8 Uhr: Eine beſondere Verſammlung.
Kapellſe in Nieder=Ramſtadt: Sonntag, vorm. ½10 Uhr: Hoch=
amt
mit Puedigt.
f

Rummer 339;
St. Eliſabethenkirche: Samstag, nachm, um 5 Uhr und aben)
8 uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte.
Um 17 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr: Heil. Meſſe mit Predigt
Generalkommunion der Jünglinge und des Männerapoſtolates.
91= Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. 2 Uhr: Adventsandst
St. Martinskapelle am Herdweg: Samstag, nachm. von 57
und abends von 88½= Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. 6½ Uhr: Beichte. Um 7½ Uhr: Heil. Meſſe.
Um 794 Uhr: Predigt. Um 8½ Uhr: Heil Meſſe. Um 91 I
Hochamit und Predigt. Nachm. 2 Uhr: Chriſtenlehre. Um 21. 11
Andacht.
St. Fidelis in der Waldſtraße (Kapelle der Engliſchen Fräulenu
An allen Sonn= und Feiertagen morg. 8 Uhr: heil. Meſſe und Preb
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, nachm. 5 Uhr, und abends 8 1y
Beichtgelegenheit.
Sonntag, vorm. 746 Uhr: Beichtgelegenheit. Um ½7 Uhr: Fr.,
meſſe Um 9½ Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm, 132 11
ehriſtenlehre, um 2 Uhr: Andacht.
Provinzial=Pflegeanſtalt bei Eberſtadt: Montag, morg, ½8 m.
Heil. Meſſe und Prebigt.
Kapelle zu Pfungſtadt: Sonntag, vorm. 7 Uhr: Beichtgeleg=
heit
. Um 7½ Uhr: Hochamt und Predigt.
Sonſtige Gemeinſchaften.
Ehriſtliche Verſammlung (Waldſtr. 18): Sonntag, den 7. De
vorm. 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Nachm. 4½ Uhr: Verkümt
Gebetsſtunde. Freitag, den 12. Dez., abends 8½4 Uhr: Bibelſtun.
Evangeliſche Gemeinſchaft (Eliſabethenſtraße 44): Sonntag, Sy
7. Dez., nachm. 2 Uhr: Sonntagsſthule. Abends 8 Uhr: Evangnel
Chriſtliche Gemeinſchaft Darmſtadt (Mollerſtraße 40): Sonnt=.
menſein. Dienstag, abends 8½ Uhr: Singſtunde. Mittwoch, den 7. Dez vorm 1410 Uhr: Heiligungsſtunde. Abends. 8 Un,
Evangeliſationsverſammlung. Dienstag, abends 8 Uhr: Bibelſtunn,
Freitag, abends 8 Uhr: Gebetsſtunde.
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tag, abends 8 Uhr und Samstags, vorm. 110 Uhr: Oeffentl. Gote=
dienſt
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Sonntag, den 7. Dez., vorm 10 Uhr: Bibelſtunde. Pred. Wei
hold=Worms. Um 11 Uhr: Sonntagsſchule (derſelbe). Nach=r
4 Uhr: Predigt. Prediger Zeinhold Donnerstag, den 11. De=
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8½ Uhr: Gebetsſtunde. Jedermann iſt herzlich eingeladen.
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Sonntagsſchule. Abends 71 Uhr: Gottesdienſt. Mittwoch en
Die Heilsarmee, Schulzengaſſe 3: Sonntag, vorm. 10 Uhr: Heiü
gungs=Verſammlung. Um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Aben!
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Miteinanderherrſchen aller geſunden Kräfte des Volkes,
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Die Zentrumspartei iſt die Volksgemeinſchaft im Kleinen,
darin ruht die Kraft unſerer Politik.
Dr. Marx.
Ich glaube an eine langſame, aber darum deſto ſtärkere
Feſtigung unſeres inneren Volks= und Staatslebens. Alle, die
mit mir dieſen Glauben haben, mögen den langſamen Weg
Reichskanzler Marx.
mit mir gehen
Jeder, der der Entwicklung in Deutſchland ſeit den Tagen
der Revolution gefolgt iſt, muß feſtſtellen, welch große Aner=
kennung
der Zentrumspartei und den katholiſchen politiſchen
Führern gebührt. Die Anerkennung muß man Dr. Marx und
den anderen Zentrumsführern zollen, daß ſie Deutſchland
gerettet haben.
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Wähler, willſt Du poſitive Arbeit des Reichstages, willſt
Du eine zielklare, beſonnene, und vernünftige Politik, willſt
Du keinen Zick=Zack=Kurs, keinen Rechts=, keinen Linksblock,
dann tritt ein für die Politik der Mitte, die ſich auf die mittlere
Linie des Zentrums ſtützt, wie ſie ſich im Namen Marx
verkörpert. (Streſemann in Hamburg.)
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braune Kinderturnſchuhe. 1 braunes Kin=
derpelzmützchen
. 1 grauer Herrenpelzkra=
gen
. 1 ſilbernes Bröſchchen (Muttergottes=
und Heilandbild). 1 brauner gefütterter
Herrenglacéhandſchuh. 1 weißer rohſeid.
Schal. 1 Vorſchlagkette (1 Meter). 1 Paar
braune Damen=Autohandſchuhe. 1 Damen=
ſchirm
(modern). 1 kleines grüngeſtrichenes
Büſtengeſtell. 1 Nickelbrille. 1 ſchwarzer
und 1 roter langer Tropfen=Ohrring in
Silberfaſſung. Eine Anzahl verſchiedene
Schlüſſel. 1 ſchwarzes Kindertäſchchen mit
Taſchentuch. 1 gelbſeidener Schal. 15 Mk.
in Hartgeld, 1 grüngeſtrichener Fenſter=
laden
(vor 14 Tagen). Zugelaufen: Ein
junger grauer Wolfshund 1 junger rot=
brauner
Dackel. 1 kleiner Rehpinſcher. Ein
weißes Kätzchen mit dunklen Flecken. Ein
roter Fuchshund. 1 brauner Baſtardhund.
Sonntagsdienſt und Nachtdienſt in
den Apotheken Darmſtadts: Es verſehen
den Sonntagsdienſt und in der Woche vom
5. Dez. bis einſchließlich 13. Dez. den
Nachtdienſt die Apotheke am Juſtizpalaft,
Bismarckſtraße 9, die Einhorn=Apotheke,
Kirchſtraße 10½

Einträge in das Handelsregiſter B:
Am 1. Dezember 1924: Tabakwaren=
Vertriebsgeſellſchaft mit beſchränk=
ter
Haftung in Darmſtadt: Durch Be=
ſchluß
der Geſellſchafter vom 21. No=
vember
1924 iſt die Geſellſchaft aufge=
löſt
. Ludwig Beutel, Kaufmann in
Darmſtadt, iſt zum Liquidator beſtellt;
am 2. Dezember 1924: Heſſiſche Lan=
deshypothekenbank
, Xktiengeſell=
ſchaft
in Darmſtadt: Landesbankdirektor
Emil Baſtian iſt aus dem Vorſtand aus=
geſchieden
.
(16504
Darmſtadt, den 4. Dez. 1924.
Amtsgericht Darmſtadt I.

Die Lieferung von etwa 300 ehm
Pflaſterſteinen
zur Herſtellung der Zufahrtsſtraße am
Lämmchesberg, Schul=, Kirchſtraße und
Sackgaſſe in Eberſtadt b. D. ſoll ſub=
miſſionsweiſe
vergeben werden. Ange=
botsunterlagen
ſind beim Gemeindebau=
amt
erhältlich. Die Angebote ſind ver=
ſchlofſen
mit Aufſchrift Pflaſterſtein=
Lieferung verſehen bis ſpäteſtens Don=
nerstag
, den 18. Dezember 1924,
nachm. 3 Uhr, bei der Bürgermeiſterei
Eberſtadt abzugeben.
(16479
Eberſtadt, den 4. Dez. 1924.
Heſſ. Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Schäfer.

Verſteigerung vonZiegenböcken.
Montag, den 8. ds. Mts., vorm.
11 Uhr, werden im hieſigen Faſelſtall
7 überzählige
Ziegenböcke
öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Griesheim, den 5. Dezbr. 1924.
Heſſ. Bürgermeiſterei. (16494

Maſſchwein= Verkauf.
Mittwoch, den 10. ds. Mts., vormitt.
11:, Uhr, ſoll im hiefigen Faſelſtall ein
der Gemeinde gehöriges, ſchweres, gut=
gemäſtetes
Schwein öffentlich verſteigert
werden.
(16528
Pfungſtadt, den 4. Dezember 1924.
Heſſiſche Bürgermeiſterei.
Schwinn.

Spultet, Sorſicht:
Benützt zur Anmeldung Eurer auf=
zuwertenden
Forderungen ( Sparkaſſen=
guthaben
uſw.). um Eure Rechte auf
alle Fälle zu wahren, nur das vom
Hypothekengläubiger= und Sparerſchutz=
Verband herausgegebene Anmeldungs=
formular
.
(16491
Mit Merkblatt ſind zu haben für
10 Pfennige: Im Verkehrsbüro, Zei=
tungsverkäufer
Werner, Hauptpoſt,
und Buchhandlung Säng, Kirchſtraße.

[ ][  ][ ]

6. Dezember 1924

Dndersbtett

Nr. 339

Wirtſchaftliche Rundſchau.
*fm. Die Lage des Arbeitsmarkts in Baden, iſt ſich
Sgenüber der Vorwoche faſt völlig gleich geblieben. Die Zahl der Er=
veerbsloſen
verminderte ſich um 264. Die Zahl der Arbeitsſuchenden iſt
rund 90 zurückgegangen. In der Landwirtſchaft war, bedingt durch
die vorgeſchrittene Jahreszeit, die Vermittlertätigkeit naturgemäß ge=
n
ng. Die Induſtrie der Steine und Erden hatte ſtellenweiſe ungedeckten
edarf an Marmorhauern und =Schleifern. Auch in der Metallindu=
fie
wurden Facharbeiter eingeſtellt. Auch nach Elektromonteuren, Blech=
ern
und Inſtallateuren beſtand Nachfrage. Die Lage der Schwarz=
Bälder Uhreninduſtrie und der Pforzheimer Schmuckwareninduſtrie blieb
Umverändert. Auch in der Möbelinduſtrie, Tabak=, Leder= und Papier=
unduſtrie
beſteht Nachfrage nach Arbeitskräften, ebenſo im Spinnſtoff=
Swerbe, im Bau= und Bekleidungsgewerbe. Im Gaſtwirtsgewerbe da=
gegen
hielt das Ueberangebot von Arbeitskräften an.
Efm. Die Vertretung der badiſchen Wirtſchaft bei
dien Pariſer Verhandlungen. Auf Grund des Voranſchlags
deer Handelskammer für die Kreiſe Karlsruhe und Baden iſt als Sach=
terſtändiger
für die deutſch=franzöſiſchen Wirtſchaftsverhandlungen
H aufmann Martin Elſas, Vorſtandsmitglied der Handelskammer für
Karlsruhe und Baden, in Paris eingetroffen.

Verſicherungsweſen.

Erwerbsgeſellſchaften.

w. Gebr. Roſenberg, Holz=A. G., Köln a. Rh. Die
ßerordentliche Generalverfammlung dieſer Geſellſchaft wurde in dem
C=ilvahauſe in Berlin, Friedrichſtraße 23, abgehalten. Sie genehmigte
zie vorgelegte Goldmarkeröffnungsbilanz für den 1. Januar 1924, die ein
Aermögen der Geſellſchaft von 700 000 Goldmark aufweiſt. Sodann iſt
beſchloſſen worden, das Grundkapital von 50 Millionen Papiermark auf
7r0 000 Goldmark zu ermäßigen. Die Ermäßigung erfolgt dadurch, daß
de Zahl der Aktien auf 35 000 und ihr Nennbetrag auf je 20 Goldmark
zerringert wird. Auf 10 alte Aktien über je 1000 Papiermark kommen
ſ mit 7 neue Aktien über je 20 Goldmark. Weiter wurde beſchloſſen, das
rundkapital um bis 1 Million Goldmark durch Ausgabe von Stamm=
aStien
zu je 100 Goldmark nom., die auf den Inhaber lauten und die
25 1. Januar 1925 dividendenberechtigt ſein ſollen, zu erhöhen. Das ge=
ſrtzliche
Bezugsrecht der Aktionäre wird ausgeſchloſſen. Die jungen
Arktien werden einem Konſortium übergeben, deſſen Zuſammenſetzung
) urd Führung der Vorſtand beſtimmt, das die Aktien zum Kurſe von
windeſtens 100 Prozent zeichnen und mit ihnen nach Weiſung verfahren
ſU. Inſoweit die Kapitalserhöhung bis zum 31. Dezember 1925 noch
necht durchgeführt iſt, gilt ſie als geſcheitert. Die durch die Umſtellung
wotwendig gewordenen Satzungsänderungen wurden genehmigt und der
ufſichtsrat zur Durchführung der Aenderungen ermächtigt.
Banken.
Der Reichsbankausweis.
Im Zuſammenhang mit den Ultimoanſprüchen ſtieg die Wechſel=
anlage
der Reichsbank nach dem Ausweis vom 29. November um
1.9 auf 2290,2 Millionen Reichsmark, wobei zu berückſichtigen iſt, daß
dre Summe der rediskontierten Wechſel gleichzeitig um 33.4 auf 397.6
ATillionen Reichsmark abnahm. Die Lombardforderungen veränderten
ſich kaum. Die Zahlungsmittelanforderungen waren wie zu den vorher=
ghenden
Monatsſchlüſſen recht bedeutend. An Banknoten und Nenten=
brukſcheinen
zuſammen floſſen in der Berichtswoche 442.9 Mill. Rm. ( ge=
gen
496,6 Mill. in der letzten Oktoberwoche) ab. Der Umlauf an beiden
Ceeldzeichen ſtellte ſich Ende November insgeſamt auf 3543 Mill. Rm.,
Xd. i. um 44 Mill. höher als Ende Oktober d J. Der Notenumlauf allein
nahm in der Ultimowoche um 313.1 auf 1863.2 Mill. zu. Die Beſtände
der Reichsbank an Rentenbankſcheinen gingen im ganzen um 229.8 auf
2 2.8 Mill. zurück, und zwar wurden 129.8 Mill, in den Verkehr gege=
hen
. Der Rentenmarkumlauf wuchs demgemäß auf etwa 1680 Mill.,
nährend rund 100 Mill. zur Rückzahlung auf das Darlehn der Reichs=
brnk
bei der Rentenbank verwandt wurden. Da außerdem weitere 3.1
MMAZill. in Rentenmarkwechſeln an die Rentenbank übergeben wurden, er=
fuhr
das Darlehn eine Verminderung um 103.1 auf 6847 Mill. Die
frmden Gelder gingen zum Monatsſchluß um 200,4 auf 703.9 Mill. zu=
urck
. Die Abnahme erfolgte zum größten Teil bei den öffentlichen
Crithaben; die von privater Seite für den Ultimo benötigten Mittel
u uuden diesmal in der Hauptſache auf dem Kreditwege bei der Bank
uſchafft. Die Goldbeſtände zeigen eine geringe Zunahme um 0.7 auf
25.5 Mill., die zur Golddeckung herangezogenen Deviſenbeſtände eine
ſtAche um 0.2 auf 231.8 Mill. Die Deckungsziffern ergaben im Zuſam=
nenhang
mit der beträchtlichen Vermehrung des Notenumlaufs eine
Abnahme von 44.8 auf 37.3 Prozent für die Notendeckung durch Gold
Tein, von 598 auf 49.8 für die Notendeckung durch Gold und Deckungs=
Aviſen. Die Kaſſenbeſtände an Scheidemünzen verminderten ſich um
35 auf 49.5 Mill.

* Aachener und Münchener Lebensverſicherungs=
Aktien=Geſellſchaft. Die bisherige Aachen=Potsdamer Lebens=
verſicherungs
=Akt.=Geſ., die, wie wir bereits berichteten, in die Aachener
und Münchener Gruppe (Aachener und Münchener Feuer=Verſicherungs=
Geſellſchaft in Aachen, Hamburg=Bremer Feuer=Verſicherungs= Geſell=
ſchaft
in Hamburg, Verſicherungsgeſellſchaft Thuringia in Erfurt) ein=
getreten
iſt, hielt in Aachen, im Quellenhof, ihre Generalverſammlung
ab, die über den Papiermarkabſchluß für das Jahr 1923, die Goldum=
ſtellung
und Aenderungen des Geſellſchaftsvertrages zu beſchließen hatte.
Es waren ſämtliche Aktionäre mit allen Stimmen vertreten. Die Ver=
ſammlung
beſchloß einſtimmig im Sinne der von der Verwaltung ge=
ſtellten
Anträge. Das Geſchäftsjahr 1923 ſchließt ohne Gewinn oder
Verluſt ab. Das Kapital wird wie bereits beſprochen, auf 3 Millionen
Goldmark, mit 30 Proz. Einzahlung 900 000 Mk. umgeſtellt; außer=
dem
verfügt die Geſellſchaft über eine Umſtellungsbarrücklage von rund
300 000 Mk. Der Grundbeſitz der Geſellſchaft beſteht aus zwei wertvol=
len
Geſchäftsgebäuden in Aachen und Potsdam, die einen vorſichtig ge=
ſchätzten
Friedenswert von rund 1 200 000 Mk. haben und mit 50 Proz.
dieſes Wertes 600 000 Mk. in die Bilanz eingeſetzt ſind. Die flüſſi=
gen
Mittel der Geſellſchaft belaufen ſich auf über 600 000 Mk. Das In=
wentar
iſt auf 1 Mk. abgeſchrieben. Es wurde beſchloſſen, den Namen
der Geſellſchaft, mit Rückſicht auf die Zugehörigkeit zur Aachener und
Münchener Gruppe, in Aachener und Münchener Lebensverſicherungs=
Aktien=Geſellſchaft abzuändern. In den Aufſichtsrat der Geſellſchaft
wurden gewählt die Herren: 1. Regierungsvizepräſident a. D. Robert
von Görſchen in Aachen (Vorſitz), 2. Rechtsanwalt Dr. Fritz Besgen in
Aachen (ſtellv. Vorſitzender), 3. Direktor a. D. F. J. Dorſt in Aachen,
4. Fabrikbeſitzer Fritz Heinrigs in Aachen, 5. Fabrikbeſitzer Alfred Jske
in Inden, 6. Fabrikbeſitzer Fritz Neumann in Eſchweiler, 7. Kommer=
zienrat
Arthur Paſtor in Aachen, 8. Dipl.=Ing. Fritz Peters in Eſch=
weiler
. 9. Landrat Hermann Pütz in Aachen, 10. Generaldirektor
Arthur Schweisfurth in Aachen, 11. Direktor M. Schleiermacher in
Hamburg, 12. Generaldirektor Wilhelm Spans in Aachen, 13. Geh.
Juſtizrat, Dr. jur. h. c. Karl Springsfeld in Aachen, 14. Direktor Max
Stock in Erfurt. Ueber den Verlauf des Geſchäfts wurde berichtet, daß
das Neugeſchäft einen günſtigen Aufſchwung genommen hat und nur
über den ſchleppenden Eingang der Prämiengelder zu klagen iſt. Für
die Folge iſt auf der Grundlage der ſtarken Gruppenorganiſation mit
einem erheblichen Anwachſen des Geſchäfts zu rechnen. Mit dem Eintritt
der neuen finanzkräftigen Geſellſchaft auf breiter organiſatoriſcher
Grundlage in den Wettbewerb, wird einem lebhaften wirtſchaftlichen Be=
dürfnis
Rechnung getragen.
Warenmärkte.
w. Amtliche Notierungen der Frankfurter Börſe,
Abteilung Getreide, vom 5. Dezember. (Getreide, Hül=
ſenfrüchte
und Biertreber ohne Sack, Weizenmehl, Roggenmehl und
Kleie mit Sack.) Preis je 100 Kilogr. Weizen, Wetterau 20,5022,50,
Roggen 20,5021,50, Sommergerſte für Brauzwecke 2426, Hafer, in=
ländiſch
17 5021,50, ausl. , Weizenmehl, ſüdd. Spez. 0 3538,15,
Roggenmehl 3134, Weizenkleie 13, Roggenkleie 12. Tendenz: ruhig.
w. Berliner Produktenbericht. Die Tendenz des Pro=
duktenmarktes
iſt vorwiegend matt. Weizen war auf handelsrechtliche
Lieferungen vermehrt angeboten. Auch die Auslandsberichte lauteten
ungünſtig. Auch die Preiſe für Roggen wurden durch größere Ver=
kaufsaufträge
aus der Provinz gedrückt. Inlandsabladungen zur ſofor=
tigen
Verfügung waren nur zu billigeren Preiſen verkäuflich. Die erſte
Hand kann die geforderten Preiſe nicht durchſetzen. Von Hafer und
Gerſte waren gute Qualitäten gefragt, die reichlich angebotene Mittel=
ware
war dagegen nicht unterzubringen. Mehl war trotz niedrigerer
Forderungen geſchäftslos. Futterartikel lagen ſtill.

Börſen.

* Frankfurter Börſe vom 5. Dez. (Eigener Bericht.) Von
der heutigen Börſe iſt wenig zu berichten. Man eröffnete u Aktien=
markt
bei ziemlich lebhaftem Geſchäft mit leicht befeſtigten Kurſen, wobei
wiederum Montan= und Chemiewerte beſonders beachtet waren. Irgend
welche ſpezielle Anregungen lagen nicht vor. Nach Feſtſtellung der erſten
Kurſe wurde das Geſchäft etwas ruhiger und das Kursniveau gab auf
Realiſationen zum Wochenende geringfügig nach. Zu den Kaſſekurſen
machte ſich wieder etwas Nachfrage auf den hauptſächlichſten Märkten
geltend, ſo daß zur Einheitsnotiz die Anfangskurſe faſt überall wieder
erreicht und teilweiſe ſrgar wieder überſchritten wurden. An der Nach=
börſe
machte die Befeſtigung noch etwas Fortſchritte. Man hörte um
2 Uhr Anilin 26½½ G., 26½ Br., Höchſter 24,3 G., Deutſch=Luxemburg
7878½. Im Freiverkehr waren Ufa ſpät nachbörslich mit 12¼ ge=
ſucht
. De= Kaſſamarkt lag überwiegend feſt. Als nennenswert höher
ſind zu erwähnen: Frankfurter Allgem. Verſicherung 72, Gebr. Fahr 7,
Bremen=Beſigheimer Oel 30,5, Ver. Dt. Oel 37, Weiler ter Meer 21¾.

Der Renkenmarkt war vorbörslich lebhaft und unter ſehr ſtarken
Schwankungen befeſtigt. Im vorbörslichen Freiverkehr wurde ein Kurs
von 875 für Kriegsanleihe geſtreift. Die erſte Notiz ſtellte ſich auf 875.
Im Verlauf gab der Kurs unter anhaltenden Schwankungen etwa auf
835 Md. Prozent nach, um ſich nachbörslich auf 865 Md. Prozent zu
erholen.
w. Berliner Börſenſtimmungsbild. Im Börſenver=
kehr
herrſchte durchweg eine zuverſichtliche Stimmung. Gleich zu Be=
ginn
führten Käufe zu einer Erhöhung des Kursniveaus für nahezu
ſämtliche Gruppen der Induſtriewerte. Angeregt war das Geſchäft
hauptſächlich auf dem Montanmarkte, wo ſchwere Papiere ein bis zwei
Prozent gewannen. Chemiſche und Elektrizitätswerte zogen in mäßige=
rem
Umfange an. Von Maſchinenfabriken fanden nur einzelne Papiere,
wie Augsburg=Nürnberger, Gebr. Böhler und Berlin=Karlsruher In=
duſtrie
größere Beachtung. Deutſche Kaliwerte beſſerten ſich nach der
Bekanntgabe des Umſtellungsverhältniſſes von 5:1. Von Bankaktien
traten nur Diskontogeſellſchaft und Reichsbank durch mäßige Erholungen
hervor. Auch auf dem Schiffahrtsaktienmarkt war das Geſchäft be=
ſchränkt
; nur Hamburger Paketfahrt und Hamburg=Südamerika ver=
mochten
ſich um Bruchteile eines Prozents zu erhöhen. Von den Bahn=
ktien
erfuhren Kanada eine Beſſerung von 1, Proz. Das Umſatzgebiet
der deutſchen Anleihen war bei feſter Stimmung anfangs ziemlich be=
lebt
. Deutſche Anleihe ging etwas in die Höhe und konnte ſich auch
ſpäterhin behaupten. Das Geſchäft wurde allmählich ziemlich ſtill. Die
feſte Stimmung erhielt ſich aber unverändert. Die Börſenkreiſe verhal=
ten
ſich jedoch zurückhaltend, im Hinblick auf die bevorſtehende Wahl und
auch aus dem Grunde, da zum Wochenſchluß wenig Neigung zur Ein=
gehung
neuer Engagements beſteht.
Deviſenmarkt.

Rf
Geld
zrief. Kue
eid Vfe
tiert Amſterdam=Rotterdam . 169,89 170.31 i 170.31 voll Brüſſel=Antwerpen ....." 20.97 21.03 20.76 20.82 voll Chriſtiania. 62.52 62.68 62.72 62.88 voll Kopenhagen 74.01 74.19 74.06 74.24 voll Stockholm. 113.06 113.34 112.96 113.24 voll Helſingsfors 17.,54 10.58 10.535 10.575 voll Italien".
London 18.22
19.6)
4.195 18.26
19.65
4.205 18.13
19.63
4.195 18.17
19.68
4.2 5 voll
voll
voll New=Norck Paris.. 23.08 23.14 22.97 23. 13 voll Schweiz 81. 18 81.38 81.22 81.42 voll Spanien 57.93 58.07 57 93 58 07 vonl Wien (i. D.=Oſterr. 5.905 5.925 5.9070 5.9270 voll Prag .. 12.64 12.68 12.,64 12.68 vonl Budapeſt. 5.67 5.69 5.69 5.71 voll Buenos=Aires. 1.6086 1.6120 161 1.6140 voll Bulgarien. 3.065 3.075 3.065 3.075 voll Japan ...... 1.60 8 1.61 2 1.6030 1.6070 von Rio de Janeiro 0.48 4 0.48 6 0.4860 0.4880 voll Belgrad. 6.16 6.18 6. 22 6.24 voll Liſſabon 18.73 18.77 18 98 19.02 voll Danzig 77.85 78.05 78.05 voll Konſtantinopel" . 2.295 2.305 2.28 2.29 voll

Berliner Kurſe. EEigene telegraphiſche Melbung.)
Sämtliche Zahlen verſtehen ſich mit 1000000000

Aktiengeſ. für Anilinfr.
Aſchaffenburg. Zellſtoff
Ausgb.=Nürnb. Maſch.
Berl.=Anhalt=Maſchinen
Berl. f.Elektr. W. vorzug.
Bismarckhütte
Braunkohlen=Briketts.
Bremer Vulkan
Wolle. ..
C.em. Heyden
Weiler
Deutſch=Atlant. Tel.
Deutſche Maſchinen ..
Deutſch=Niedld. Tel...
Deutſche Erdöl ......
Deutſche Betroleum.. .
Dt. Kaliwerke
Dt. Waffen u. Munitton 91625
Donnersmarckhütte.
Dynamit Nobel ..
Elberfelder Farben ..
Elektr. Lieferung
R. Friſter .
Gagegnau Vorz.
Gelſenk. Gußſtahl..
Geſ. f. eleſtr. Untern..
Halle Maſchinen
Han. Maſch.=Egeſt

4. 12.
22875 5. 12.
23500 Hanſa Dampfſch. . . . . 4. 12 5. 12.
950 27100 26500 Hemoor Zement ...." 60600 25000 26750 Hirch Kupfer ......" 18000 17625 4000 4200 Höſch Eiſen ..... 61875 66500 5375 5500 Hohenlohe Werke, 23750 25375 Kahla Po=zellan 7500 7700 R3d 45750 Lindes Eismaſch. . 800 800 81500 85000 Lingel Schuh .." 2300 2200 142500 142000 Linke u. Hofmann 11000 14300 3200 3250 L. Loewe u. eo. 67500 67360 21750 21000 C. Lorenz .. 4800 5200 25500 Meguin ... 8750 8400 700 7150 Niederländiſche Kohle 57250 29500 Nordd. Gummi. 0400 45000 48800 Orenſtein. . .... .. 18750 18500 14400 Rathgeber Waggon .. 6500 6500 9000 29725 Rom acher Hütten 2500 23700 942,0 Ro itzer Zucker 50000 105000 1 110000 Rütgerswerke 16000 16900 11300 11400 Sachſenwerk .. 1860 1800 22375 2 875 Sächſiſche Gußſtahl .. 14800 14550 82500 82250 Siemens Glas ... 20750 4300 5250 Thale Eiſenhütte 6750 7100 Ver. Lauſitzer Glas. Ric 22000 24000 Volkſtedter Porzellan. 6750 129875 130500 Weſtf. Eiſ. Landendreer 1750 17900 10400 10500 Wittener Gußſtahl 16625 27500 78000 73000 Wanderer=Wer 9900 10000

Darmſtädter und Nationalbank, Kommandit=Geſelſchaft auf Abtien.

Snropäiſche Staatspapiere.
a) Deutſche.
5½ Reichsanleihe ..........."

Zwllar=Goldanleihe per 1935 ..
1932..
2vllar=Schatzanweiſungen ....
4½% IV. u. V. Schatzanweiſg..
44% HI.IK.
(½Dt. Schutzgebiet v. 0.8-11u. 13
v. 14
SSarprämienanleihe ........."
Zwwangsanleihe ............."
4½ Preuß. Konſols .........."
344%0

...
4½ Bad. Anl. unk. 1935.. .....
34% v. 1907.......
v. 1896.... . . .
4½ Bahern Anleihe ........."
34
.......
iefſ. Dollar Goldmk.=Schatzanw.
rck. 26
16% beſſen Reihe XXXHI.
muntilg. b. 28
S Heſſen unk 1924 ...
..
B½%....."

s ...........
4S Württemberger alte ......"
b)Ausländiſche.
5 Bosnien L.=E.=B. v. 1914..
L.=Inveſt.=Anl. v. 1914
S% 1902 ..........
............
S Bulgar. Tabak 1902... .. ..
12 % Griech. Monopol .......
S% Oſt. Staatsrente v. 1913
ab 1918 ....
S% Oſt. Schatzanweiſ. ſtfr.
5. 1914 ...
....
S Oſt. Goldrente ........."
einheitl. Rente ......
Rum. am. Rente v. 08 ....
Goldrente v. 18 ....
am. Goldrente konv.
am. v. 05 ...."

5 Türk. (Admin. ) v. 1903.. ..
(Bagdad. Ser. I ..
L..........
v. 1911, Zollanl. ..
5% Ung. Staatér. v. 14 ...
Goldrente ......
Staat r. v. 10 ....
S Kronenrente .....
Außereuropäkiſche.
5e Mexit. amort. innere .. . ."
vonf. äuß. v. 99 ....
Gold v. 04, ſtfr. ...
S konf. inner. ......"
4½% Irrigati nsanleihe
78 Tamaulipas. Serie 1.....

Oblig. v. Transportanſt.
4½ Eliſabethbahn ſtfr.. . .. . .
42 Gal. Carl Ludw.=Bahn ...
Fx Oſt. Südb. (Lomb.). ſtfr.

4. 12. 5u 0.8751 1.2 0.99 30. 91.75 94.75 10 88.5 88.3 0.700 0.575 0.590 6.5 6.9 65 69 0.46 0.1 11.750 13 1.06 1.27 133 1.15 1.2 1.35 1.8G 14 1.45 0.085 0081 0.53 ab 1.26 1.325 1.125 1.19 1.32 5.85 18 35 10 0.35 0.95 4.4 435 2.2. 2.5 3. 5.8 s 15 15 15 33.5 34.25
105 85 1.45 19.

2,6% Alte Oft. Südb. (Lomb.).
2,6% Neue"

49 Oſt. Staatsb. v. 1883 ...
1. b. 8. Em. .
*
9. Em.
v. 1885
3% Oſt. Staatsb. b. Erg. Netz.
42 Rudolfb. (Salzkammerg.).
4½% Anatolier I
30 Salon. Conſt. Fonktion . .
30 Salonique Monaſtir ..
5% Tehuantepee.
......
4½%

Nach Sachwert verzinsl.
Schutdverſchrei ungen.
Badenw. Ko lenwrtanl. v. 23
127 Fftr. Pfandbr.=Bk. Goldobl.
1Em.
5% Fftr. Pfandbr.=Bk. Goldobl.
II. Em.. . . . . . . . . . . . . . . . . .."
6% Großkraftwerk. Mannheim
Kohlenwertanl. v. 23......."
6% Heſſ. Braunk.=Rogg. Anl. v. 23
5% Heſſ. Roggenanleihe v. 1923
5% Neckar A.=G. Stuttgart Gold
anl. v. 23 ......."
50 Pfälzer Hyp. Bank. Gold=
Pfdbr. v. 24 .............."
5% Preuß. Kaliwert=Anleihe..
Roggenwert=Anl. . .
5%
5% Rhein. Hypot.=Bank Gold=
Pfdbr. v. 24 .......T...
5% Rhein=Main=Dona Gold=
anl
. v. 23........"
5% Sächſ. Braunk.=Anl. v. 23,
Ser. Iu. II..
5% Sächſ. Roggenwertanl. v. 23
5% Südd. Feſtwertbk. Goldobl.
Bank=Aktien.
Allg. Deutſche Creditanſt.. . . . . .
Bank für Brauinduſtrie .......
Barmer Banwerein
...
Bayer Hypotheken= u. Wechſelb.
Berliner Handelsgeſellſchaft
Commerz= und Privatbank
Darmſtädter u. Nationalbank.
Deutſche Banf
Deutſche Effekt.= u. Wechſelban:
Deut che Hypot.=Banf Mein.
Deutſche Vereinsbank ........"
Disconto=Geſellſchaft . .. ......"
Dresdener Bank............."
Frankfurter Bank.........."
Frankfurter Hypotheken=Bank.
Metallbank.
..
Mitteldeutſche Creditbank ....."
Oſterreichiſche Creditanſtalt. . .
Reichsbank=Ant.
......
Rhein. Creditbank ...........
Rhein, Hypothekenbank
Süddeutſche Disconto=Geſellſch
Weſtbank ...................
Wiener Bankverein ........."
Bergwerks=Aktien.
Berzelius
........
Bochumer Bergb. ........ ..
Buderus . . . . . . . . ..........
Dt. Luxemburger .. . . . . . . . . .."
Eſchweiler Berowerks=Akt. . ...
Gelſenkirchen Bergw. ........"
Harpener Bergbau ........."

4. 12 7.85 75 4.8 .5 6.15 i. 7.1 17.25 10 9.75 1.52 16 6 6½25 9.5 9.25 3.8 4.75 4.75 50 50 1.83 1.7 3.35 3.3 4.45 4.3 1.7 1.7 55 54 75 1.65 1.65 4.7 4.7 1.54 1.53 3.2 1.9 2.05 1.5 2.9 129 130 6.1 6.2 11.3. 11.8 11.75 11.8 4.1 4.1 6 6.1 0.3 0.3 16.5 16.55 8.25 4.3 1. . 1.75 5.9 6.25 15.2 16 1.85 1.9 10.55 1).5 62.5 6ſ.15 3.2 3.4 5.6 9.8 9.5 0.13 0.13 6.7 6.7 6.75 65 15.75 15.95 75 112 11 76.5 102.5 104.9 Frankenkurs in London: 84.8 Markkurs 192/16

7. Teuierd M Milliouen M4 Milliarden aU ohne Umſatz X rationiert

Kaliwerke Aſchersleben ...... 14.25
Salzdeturt .......
Beſtereg In ......
Klöcknerwerke (abg. Lothr.=Hütte
Mannesmann Röhren.... . . .."
Mansfelder
..
Oberbedarf
.............
Oberſchleſ. Eiſen Caro) .......
Otavi Minen u. Eb. Ant. . . . . .
Phönix Bergbau........ .. ..."
Rhein. Stahlwerke . .. . . .. . . . .
Riebeck Montan . ............
Rombach Hütte .. . . . . .. .. .."
Tellus Bergb.= u. Hütten=Akt.. .
Ver. Laurahütte ............"
Aitien induſtr. Unterneimu g:
Brauer ien.
Henninger Kemp Stern ....."
Löwenbräu M nchen..

Schöfferhof (Binding) ........"
Werger ....
D

Akkumulat. Berlin ..........."
Adler & Oppenheimer ........"
Adlerwerie (v. Kleger)........"
A. E. G. Stamm .. . . . . . . . ."
6% A. E. G. Vorzug Lit. 4 .....
25 A. E. G. Vorzug Lit. B
Amme Gie’ cke & Konegen.. ...
Anglo=Continental=Guano ...
Anilin Bln.=T eptow .........
Aſchaffenburger Zellſtoff ......"
Badenia (Weinheim) ... .....
Babiſche Anilin= u. Sodafabrik,
Bad. Maſchf. Durlach ........"
Bad Uhrenfabr. Furtwangen..
Baldur Piano ..............."
Baſt Nürnberg ... ...... .....
Bahrich Spiegel ............"
Beck & Hen el CCaſſel) ........"
Bergmann El. Werke ... . . . . .."
Bing. Me allwerke ... .. . ...."
Brockhues, Nieder=Walluf ....."
Eementwert Heide berg.......
Krlt dt........
Lothring n (Metz)
Chem. Werke Alber: ......"
G iesheim El ltron ...
F brik Milch
Weiler=te me
Daimler Motoren .........."
Deutſch. Eiſen ndel Berlin ...

Deutſche Erdöl
Dt. Gold= u. Silberſcheideanſt.,
Dingler, Zweibrücken ........."
Dresdn Schnellpreſſe ......"
Dürkoppwerk (Stamm).. . . . . .
Düſſeld. Ratinger (Dürr)......"
Dyckerhoff & Bidm. St mm...
Eiſenwer, Kaiſerölaute n...
L. Meyer fr. . ......
Elberfelder Farbw. v. Baher...
Elberfelder Kupfer=u. Meſſingw.
Elektr. Lieſerungs=Geſ. ......."
Elektr. Licht und Kraft . . . . . . ..
Elſäſſ. Bad. Wolle .........."
Emag, Frankfurt a. M. ...... .
Email.- E Stanzw. ullrich .....
Enzinger Werke ............."
Eßlinger Maſchinen ..........
Ettlinger Spinnerei .........."
Faber Joh. Bleiſtift .........."

f. 12 17.5 52.5 zy 53.25 5.) 3.75 13.25 11.5 2.71 49 49.5 42.25 44 41.25 42 23.1 23.9 6.4 7.15 4s B.5 23 46 48.5 2.6 2.75 9.95 101 3.6) 3.95 3.40 3.45 4.1 4.35 23 B.65 26.75 26.6 0.65 25.3 26.1 15.6 15.5 24 2 5.6 v.5 5.4 2.8 17.3 17.9 3.6 35 76 24.6 24.25 10.9, 11 12.25 22.75 B.85 12,6 125 20.5 21.25 2.95 z1 5.25 5.4 44 49 18.9 19.75 5.7 6 2.6 29 2.95 4.25 4.2 1.6 1.59 1.3 23.05 24 0.5 16 16.9 7.85 7.5 9 0.25 6.2, 3.45 8,8 6.45 125 12.6

Frankfurter Kursbericht vom 5. Dezember 1924.

146 Faber & Schleicher ...........
Fahr, Gebr. Pirmaſens ..... .
Felten & Guilleaume, Carlsw.
Feinmechanik (Fetter)
..
F iſt Sektkellerei Frankf. a.M..
Frankfurte Gas ..........."
Frankfurter Hof ............
Fkf. Maſch. Pokorny & Wittek.,
Fuchs Waggon Stamm ......
Ganz. Ludwig, Mainz ........
Geiling & Cie. ...............
Germania Linoleum ........."
Gelſenkirchen Gußſtahl . . . . . ."
Goldſchmidt, Th.
Gotha Waggon ............"
Greffenius, Maſchinen Stamm.
Gritzner Maſchinenf. Durlach.
Grün & Bilfinger ............"
H mmerſen (Osnabrück) ......"
Hanfwerke Füſſen .........."
Heobernheimer Kupfer .......
Heyligenſtaedt, Gießen ......."
Hilpert, Armaturenf. . . . . . . . . .
Hindrich=Auffermann . . . . . . .
Hirſch Kupfer u. Meſſ. ... . . . . .
Hoch= und Tiefbau ...........
Höchſter Farben .............
Holzmann, Phil. . . .. . .. . . . . . .
Holzverk.=Induſtr. . .. .... . . . .
Hydrometer Breslau ........."
Fnag ......................"
Jung ans St mm ... . . . . . . .
Karlsruher Maſchinen ........
Karſtadt, R. ...............
Klein, Schanzlin & Becker .....
Knorr, Heilbronn ............
0.65 Kolb & Schüle, Spinn. . . . . . . .
Konſervenfabrik Braun .. ...
Krauß & Co., Lot m. .
...
28.5 Lahmeher & Co. ..
Lech. Augsburg ... ........"
Lederw. Rothe .............
5.4 Lederwerke Spicharz ........"
Lingel Schuhw Erjurt.......
Löhnberger Mühle ........"
Lüdenſchein Metallw. ... . ..."
Luther, Maſch.= Mühlenbau..
Lux’ſche Inouſtrie
......."
Mainkraftwerte Höchſt........
Meguin. Butzbach ...."
Metallge). F.ift. ....."
Meyer, Dr. Paul ......."
Miag, Mühlenb. Frankf. a. M.
Moenus S.amm
Motoren brik Deutz......."
Motorenfabrik Oberurſel .....
Reckarſulmer Fahrzeuawerke..
Neckarwerke Fßl Stamm.
Sle zwerke Franfturt a. M.
Beters Unio, Frankfurt a. M..
Pfäiz Nähm., Kayſer ........
Bhiliops A.-6
........
Porzellan Weiſſel ..........
Reiniger. Gebber & Schall.
Rhein Elektr. Stumm..
Ryein. Met. 11 Vorzüge ..
Rhenania Aachen ........"
Riedin er Maſchinen ........"
Rückfo ty, Stetti.
Nutgerswerk.
Sleußner (Frankfur a. M.)
Schneider & Hanau.
Schuellpreſſen Frankenthal ..
Schramm Lackfabrik
Schniſtgieveret Stempel. Ffn.
Shuck. r: lektt (Nurnperg) .

4. 12.
5.7)
6.75
30
14.75

Schuhfao.t Bernels=Weld ...
Schuhfubtik Herz.........."
Schuhf. L rander, Of enbach ...
Schultz, Grünlack, Rdsh. ... . . ."
Seilinduſtrie Wolff..........."
Sichel & Co., Mainz.... . . . . .."
Siemens Elektr. Bekriebe .. . . .
Siemens Glasinduſtrie .......
Siemens & Halske ........ ..."
Stöckicht=Offenbach=Gummi . .
Süddeutſche Immobilien ....."
Thüring. =lektr. Lief.=Geſ., Gotha
Uhrenfobrik Furtwäng er ....."
Beithwerke in Sandbach .....
Verein f Chem Induſtrie Frkft
Verein deutſch. Olfabr. Mannh.
. Faßfabriken Caſſel ....."
Gummifabr. Bln.=Frkft.
Pinſelfabr. Nürnberg ..
Ultramarin .. . . . . . . . . ."
Zellſtoff, Berlin .......
Vogtländ. Maſch. Vorzüge ....
Vogtländ. Maſch. St imme ....
Voigt & Haeffner Stämme . . . .
Voltohm. Seil .............."
Wanß & Frentag ............"
Wegelin Rußfabrik.... . . . . . . ."
Zellſtoff Waldhof Stamm.. . ..
Zuckerfabr. Waghäuſel ......."
Frankenthal ......"
Heilbronn ........
Offſtein ........."
Rheingau ........
Stuttgart .. ... ..

36.5
3 65
2.5
16.75
19.5
2.75

5. 12.
73

20
2.75

19.75
7.2

Tra 8por.=Aktien.
Deu ſche Eiſenb.=Geſ. Fitm. . . .
Schantung E. B. ..........."
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſ....
Ha dag (Paketfahrt) .........." 47
2.4
71.5
21.9 17
2.65
70
25.35
3.5 Nor b. Llond. 3.6 Darm ädter Werte Bahnbedarf
............ 1.5 Dumpfkeſſe Rodberg ......." 4.5 4.3 Helvetia Konſervenfabrik ....." 4.5 ......
Gebr Lutz 21.7 Motorenfabrik Darmſtadt . . . .. 8.0 8.9 Gebr. Roeder
..... 8.2, 8.25 Venuleth & Ellenberger 33 Unnotierte Aktien. Apt
.................." 1.9 Beckerkohle. ..............." 3.5 Beckerſtahl ................." 0.9 Benz... . . . . . . .." 4.2 Brown Boveri Chem Andreae Deutſche Petroleum 14 Diamond Shares Entrepriſe Falkonwerke . Großkraftw. Bürttbg. (Growag 0. :25 Unterfranten (Ufra) Hania Lloyd Hero Conſerven ............ Holſatiawerke, Altona ........" Kabel Rhendt .............." Krügershall Kali ............ 6.,5 Metall Starkenburg .......... Otto & Quanz.............. kaſtutter Waggon ..........." Textil=Ind, Barmen (Tiag) ..."
Ufa Film ... U.5 [ ][  ]

Rae

Ein Spiel von Mutterliebe u. Kindes
schmerzen in 8 wuchtigen, tief-
ergreifenden
Akten
In den HAUPTROLLERI

Bsssie Love• Gsorg Hughes

der alle Herzen erodert !
der ledes Herz erweicht!

Das Hotel zu den 3 Affen

Lustspiel in 2 Akten

Neue Wochenschau
Z. R. 3 in Amerika

16507s0

Heute Samstag, abd. 8½), Uhr

Der Vorſtand,

16487

Union-Theater

Nur noch zwei Tage der Prunk- und
Ausstattungsfilm in 2 Teilen

Messalina

Seite 22.

9. Leu 6. Dezember 1924.
SI

Rummer 339,

VEINHANDLUNS

Restaurant Rehberger

Jnh.: Karl Teoschle=

Heute Samstag

Schlachtfest

Sperfalität:
Mänchener Schlacht-Platten
Im Ausschaak:
Extra Starkgebrautes
Doppel-Bock-Bler

Gesatig

Verbandsſchau

von

Kaninchen und

Geflügel
des Hefſiſchen Landesverbandes
im Chauſſeehaus
Darmſtadt Heidelbergerſtraße (essono
Eröffnung: Sonntag, vormittags 9 Uhr.

I. Darmſtädter Kleintierzuchtverein.

Mitglieder und Wähler unſerer Partei, die aus irgend
welchem Grund nicht zu den Wahllokalen gehen können,
werden per Auto abgeholt. Wir bitten diesbezügliche
Wünſche auf der
Geſchäftsſtelle, Wilhelminenſtr. 5, mündlich oder
durch Fernruf 1304 und 1819
anzumelden. Am Wahltag, Sonntag, den T. Dezember,
bitten wir die Meldungen auch noch an unſer
Zentralbüro in der Turnhalle Woogsplatz
Fernruf 1917 zu richten.
(1641488
oder:
Saalbau, Jagdzimmer, Fernruf 420, Schnellbächer, .
Pallaswieſenſir. 19, Fernruf 2184 (Metzgermeiſter Laux),
Gaſiwirt Nagel, Ecke Mauer= und Tauteſchlägerſtr., Fern=
ruf
874, Gaſtwirt Canz, Chauſſeehaus (Heidelbergerſtr. 89),
Fernruf 4366, woſelbſt auch Rat und Auskünfte erteilt werden.

sc
Orphenm unrd Schalplatten

Midch

Meuer 115. Dezbr.:
e Ein Varieté=Programm O
wie es ſeinſoll!
e Feſſelnd, reichhaltig, vielſeiſtige
von Anfang bis zu Ende!
(Näheres Tagesplakate.)
Karten: de Waal, Rheinſtraße 14,
Verkehrsbüro, Ernſt=Ludwigsplatz

31 Rheinſtr. 31.
(1606ba)

6 Akte I. Teil 6 Akte

IIssamäs 1e

5 Akte II. Teil 5 Akte
Beide Tefle in einem Programm!

Der Film zeist die Oualen des
römigahen Sklaventums und das
ausschweifende Leben u. Treiben
der Leibeigenen.
(36197

Anfang 3 Uhr. ir Letzte Abendvorstellung 8 Uhr

esidenz-Theater

das Tolende zcnieksät

Sittenroman in 6 Akten
Hauptdarsteller: ERNSY RÜCKERT
Prank Norton
in dem Abenteuer-Roman
Der unheimliche Fahrgast5 Atte

Heute Samstag, 6. Dezdr.
4
Eihacchtſent

(165141

mit Konzert
D Auswahlreiche Küche.
Ferner empfehle das beliebte Mainzer
Aktienbier im Ausſchank und in Flaſchen,
ſowie ff. Ausſchank= und Flaſchenweine zu
den billigſten Tagespreiſen.
(u65ö8
Es ladet freundlichſt ein der Wirt

Franenberein u. Mäunnerbereinig.

der Martindgemeinde. 2 Darmſtadt
I. Vortragsabend
Montag, den 8 Dezember 1824,

OAFE HASSIA
Darmstadt

Heute Samstag, den 6. Dezember
abends 8 Uhr (esergs

Auftreten erstklassiger Künstler

Sportplatz
Heidelbergerstr.

Fonntag, den 7. Dezember
nachmittags 3 Uhr

Münster

gegen
Umion
I. Mannschaften./36og9

K
mit Kinderbeſcherung
des Vereins ehml. 61. Artill

Am Sonntag, den 7. Dez., nachm.
4Uhr, im Konkordiaſaal, Waldſtraße
Mnſikaliſche Leitung Oberm. M. Weber

Großes Beihnachtsprogramm

Wegen Kinderbeſcherung wollen ſich alle
Mitglieder vollzählig einfinden. (16523
Der Borſtand.

abends 8 Uhr, im Gemeindehaus,
Liebfrauenſtraße 6, (16472
Lichtbildervortrag
von Herrn Pfarrer D. Waitz über

Weihnachten im Bilde alter
und neuer Meiſter.

Eintritt frei.

Vor dem Vortrag, findet die Fahres=
u
. Mitgliederverſammlung d. Frauen=
vereins
ſtatt. Tagesordnung: 1. Jahres=
berichtu
. Rechnungsabl. ;2. Vorſtandsw.

M. Grünewald, Darmſtadt
Arheilgerſtraße 50.

Landestheater.
Großes Haus.
Samstag, 6. Dez.
Außer Miete.
Die Journaliſten
von G. Freyztag.
Anf. 7½,Ende n. 10 Uhr.
Preiſe:
0.50, 1, 1.50, 2, 3 Mk.

Klein. Haus. (V16512
Nachmittags 3 Uhr
Samstags=Fremdenmlete
2. Borſtellung
Die heimliche Ehe
von D. Cimaroſa.
Ende 6½ Uhr.
Preiſe: 15 Mark.

Abends 8 Uhr
Zweiter
Kammermuſikabend
D4e
Schnurrbuſchquartetts
Ende 91, Uhr.
Preiſe: 1. 2 und 3 Mk

Bücher und Noten
werden gut u. preis=
wert
gebund. Horn,
Darmſt., Alexander=
ſtraße
4, I. G613c

Alte u neue
Meiſterin=
ſtrumente
,
Schnlergeigen,
ſowie ſämtliche
Zupfinſtrumn.,
ff. Salten und
Beſtandtelle in
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Darmſtadt.
Hügelſtraße 2.

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Darmſtadt, Kariſtr 14
Vor Weihnachten jed.
Sonntag, ab 2 Uhr,
geöffnet.

Heute Samstag

Wmit Konzert
(* 36203
Es ladet höflichſt ein
Otto Rau
Darmſtadt, Heidelbergerſtr. 40

Zum Luftſchiff=Darmſtadt
Cangsaffe 32
Langgaſfe 32
Samst. 6., Sonnt. 7. dezember
Spanſau
S wozu höflichſt einladet
36116
Georg Weber,

Heute Samstag

wozu freundlichſt einladet ( ssoze
Hermann Schäfer
Lichtenbergſtraße 75, Darmſtadt.

Metzelſuppe

Heute
Samstag
beim
Meenzer Müller
Darmſtadt, Schuſtergaſſe 3 (*36204
Alles wieder friſch in bekannter Gite

Zum Baheriſchen 90

Darmſtadt

Ballonplatz B 141
Heute großes

Karl Siein

eſauran d Srcf
Darmſtadt ( 36153) Bleichſiraße 3E.

jachtfen
wezu freundlichſf einladet (esauss 1ren
Geſwirtſchaft u. Apfelweinkelterel- 11ü

Heute Samstag und Sonntag

Heute Samstag

Jean Geßner, Darmſtadt
Saglbauſtrafe 05. (ezßig

Reſtauration
Zum beſſiſchen Haus
Darmſiadt * Ecke Grafen= und Baldfiraße
Heute Samstag

Haſpelm. Kraut
II
ssizo Friedrich Rummel

Bin von heute ab unter Nummer 1826
an das Telephomnetz angeſchloſſen.

Reſtauration Sonne‟
Luiſenſtraße 6, Darmſtadt.
Heute Samstag

Morgens Wellfleiſch mit Kraut.
Wozu freundlichſt einladet (*36085
Joſef Stocker.

Samstag und Sonntag
wozu ergebenſt einlade. (*36094
H. Katzenbach
Kaſtan enallee, Darmſtedt,
14 Apfelwein (Speierling), Fay Bier.

Samstag, den 6. Dezember

Wozu freundlichſt einladet (B 1641
Ludwig Lind Ww.

Darmſtadt
Beſſungerſtraße 39 : Beſſungerſtraße 30
9
S

Darmſtadt, Karlſtraße 104
Samstag und Honntag
Metzel=
ſuppe
.
Tel. 2807. Tel. 2807.
(*36111)

Heute Samstalg

Zum grünen Laub

Es ladet höflichſt ein
(*36038
H. Ziemer, Darmſtadt.

Reichstags= u. Landtagswahl 1924
Sahnefmiinie

Schneliſte Bekannigabe durch direkten Zuruf des Darmſtädter Tagblatts am Sonntag abend im

Darmstadt
Kaßfeehaus Ernst Ladwig
gegenüber der Haupipost