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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche iluffrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 61
Samstag, den 1. März 1924.
187. Jahrgang
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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
jede Verpſichiung auf Erfüllung der
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auffräge und Teiſſung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beitreibung fällt jeder
Rabatt weg. Bankonto: Deuiſche Bank und
Darm=
ſtädter 8 Nationalbank.
Der Abbau der Militärkontrolle.
Befriedigung in England.
* London, 29. Fehr. (Priv.=Tel.) In unterrichteten
poli=
tiſchen Kreiſen iſt man außerordentlich befriedigt über die
gün=
ſtige Aufnahme, die der engliſche Vorſchlag für den Abbau der
Militärkontrolle in Deutſchland bei den franzöſiſchen
Militärſach=
verſtändigen gefunden hat. Von franzöſiſcher Seite wird Wert
darauf gelegt, daß die engliſche Regierung nie die Anſicht gehabt
hat, eine vollſtändige und bedenkenloſe Einſtellung der
Militär=
kontrolle vorzuſchlagen, ſondern daß der erſte Schritt des
Ab=
baues der Erſatz der großen Nollet=Komniiſſion durch eine
klei=
nere techniſche Offiziers=Kommiſſion ſei, die auf Koſten der
Alli=
ierten ihre Tätigkeit ausüben würde, nur unter der
Voraus=
ſetzung in Beracht gezogen werden dürfe, daß die deutſche
Regie=
rung bereit ſei, die bereits gemeldeten fünf Bedingungen
anzu=
nehmen und genau zu erfüllen.
Die Sachverſtändigen=Beratungen.
Paris, 29. Febr. (Wolff.) Der Unterausſchuß des
Komi=
tees Dawes für Budgetfragen hat heute vormittag weiter über
den geſtern vorgelegten Bericht der Monopolſachverſtändigen
beraten. Im Anſchluß daran hat das Komitee Dawes dieſen
Bericht ſeinerſeits zur Kenntnis genommen. Die
Monopolſach=
verſtändigen, die dabei anweſend waren, haben den Bericht durch
mündliche Erläuterungen ergänzt, um die ſie aus dem Komitee
heraus im Laufe der Verhandlungen gebeten wurden. Der
Unterausſchuß für Bankfragen ſetzte heute nachmittag nach Havas
die Beratungen über den Bericht der Eiſenbahnſachverſtändigen
fort, während der Unterausſchuß für Budgetfragen weiter über
die Monopole verhandelt.
Vom Tage.
Die Spitzenorganifationen der Beamtenſchaft haben an die Parteien
des Reichstages eine Eingabe gerichtet, in der eine Abänderung der
Perſonalabbauverordnung und insbeſondere die Einrichtung einer
un=
parteiiſchen, paritätiſch zuſammengeſetzten Schiedsſtelle verlangt wird.
Im preußiſchen Finanzminiſterium fand eine Sitzung der
einzel=
ſtaatlichen Finanzminiſter ſtatt, in der über die Finanzlage
der Länder und über die Rückwirkungen beraten wurde, die
ſich aus der dritten Steuernotderordnung des Reiches
auf die Finazen der einzelnen Länder ergeben.
Als letzte der großen Werften haben auch die Deutſchen Werke
den Betrieb eingeſtellt und die Belegſchaft etwa 3500
Arbeiter, ausgeſperrt. Auf den nunmehr geſchloſſenen Kieler
Werſten ſind im ganzen etwa 13 000 Arbeite= beſchäftigt.
Das Telegraphenamt in Pirmaſens iſt von den
Fran=
zoſen beſetzt und für den allgemeinen Verkehr geſperrt
worden.
In Pirmaſens, Kaiſerslautern und Neuſtadt können
ſich die Separatiſten immer noch ungeſcheut in den Straßen
herumtreiben und die Bevölkerung beläſtigen.
Arthur Henderſon wurde im Wahlkreis Burnley mit großer
Mehr=
heit in das engliſche Unterhaus gewählt.
Der frühere engliſche Kriegsminiſter, Lord Derby, der zurzeit an
der Riviera weilt, erkkärte dort, daß er mit engliſchen Neuwahlen im
Mai rechne.
Gelegentlich des erſten offiziellen Empfangs bei der
Sowjetgeſandt=
ſchaft in Wien gab der Geſchäftsträger Lewicki eine Erklärung ab, in
der er u. a. ausführte, daß das erſtarkende Rußland in Europa
bei der Wiederherſtellung des wirtſchaftlichen Gleichgewichts nicht
entbehrt werden könne,
Der Völkerbundsrat tritt am 10. März unter dem Vorſitz des
Ver=
treters von Uruguay, Guani, in Paris zu ſeiner 28. Tagung
zu=
ſammen. Auf der Tagesordmung ſtehen zahlreiche wichtige Fragen, u. a
die Memelfrage.
Wüſie Szenen zwiſchen den Ronaliſten und der ſozialiſtiſchen Linken.
* Paris, 1. März. (Priv.=Tel.) In der geſtrigen
Kammer=
ſitzung iſt es zwiſchen 6 und ½8 Uhr abends zu ungewöhnlich
heftigen Zuſammenſtößen gekommen, die ſchließlich zu einer
regelrechten Schlägerei ausarteten, an der ſich mehr als: 60
Ab=
geordnete beteiligten.
Auf der Tribüne ſtand der Abg. Mandel, der die
Regie=
rung in der Frage der Innenpolitik interpellierte. Er kann
nur eine halbe Stunde ſprechen und wird, als er beginnt,
heil=
los zu kritiſieren, heftig und wiederhölt von Herriot, dem
Führer der radikalen Sozialiſten, unterbrochen."
Herriot ſtellt feſt, daß Caillaux nie und nimmer
einen Amneſtieerlaß für ſich in Anſpruch zu nehmen gedenke,
da dies als ein Bekenntnis ſeiner Schuld ausgelegt werden
könte. Herriot macht weiter aufſehenerregende Mitteilungen
über die Art, wie die Regierung Clemenceau gegen
Poli=
tiker der Linken während des Krieges verführ. So hat er zwei
Richtern, falls ſie die Angeklagten verurteilten, Beförderungen
zugeſichert.
Plötzlich ſpringt der Abg. Daudet auf und ergeht ſich in
heftigen Schmähreden gegen den Abg. Painleve, der frühere
Miniſterpräſident, der unter dem Druck des deutſchen Agenten
Caillaux ſeinerzeit einen Prozeß gegen die Action Frange
ange=
ſtrengt habe und der Hausſuchungen in den Redaktionsräumen
des Blattes habe vornehmen laſſen. Daudet fügt hinzu, die
Regierung habe gefälſchte Aktenſtücke benutzt, um die Royaliſten
zu verurteilen.
Painleve: Ich habe Herrn Daudet wiederholt gebeten,
mir Beweiſe für dieſe Behauptung zu erbringen. Dies konnte
er aber nicht, weil es ſich um eine ſchmähliche Lüge handelt.
Auf der Rechten ſetzt daraufhin großer Lärm ein.
Pain=
leve wird es faſt unmöglich, ſich angeſichts des wachſenden
Tu=
multes vernehmlich zu machen. Er muß ſeine Ausführungen auf
fünf Minuten unterbrechen. Schließlich fährt er fort: Ich nehme
Bezug auf eine Broſchüre, die Sie alle kennen und aus der
her=
vorgeht, daß einige Mitglieder der rohaliſtiſchen Partei im Falle
eines militäriſchen Zuſammenbruchs die Situation für politiſche
Beſtrebungen auszunutzen gedachten.
Die äußerſte Rechte ruft: Das iſt eine infame Lüge.
Daudet bemerkt anzüglich zu dem Redner: Sie wollen wohl
von dem Bonnet rouge (dem bekannten defaitiſtiſchen Blatt)
ſprechen.
Painleve verlieſt hierauf aus einer Nummer des Journal
offiziell einzelne Stellen, in denen von der Stellung der Action
Frange zu den franzöſiſchen Offizieren die Rede ſei. In den
Redaktionsräumen der Zeitung wurden Liſten mit den Namen
ider Offiziere beſchlagnahmt, die ſich zur royaliſtiſchen Bewegung
bekannten. Der Redner fügt indeſſen hinzu: Ich habe keinen
Grund zu der Annahme, daß die auf den Regiſtern eingetragenen
„Offiziere ihre Zuſtimmung zu dem Unternehmen gegeben hatten.
Zudem hatte die Kammer im geeigneten Augenblick die roya=
Uliſtiſchen Umtriebe mit überwältigender Mehrheit verworfen.
Es kommt nun zu wüſten Bemerkungen zwiſchen Rechts und
Dinks, in deren Verlauf plötzlich auf der extremen Rechten der
Ausruf: „Kanaille!” fällt. Darauf erheben ſich auf der
äußerſten Linken zahlreiche Abgeordnete und ſtürzen nach Rechts
cinüber. Sie werden jedoch von den aus dem Zentrum
herbei=
geeilten Deputierten aufgehalten. Dabei kommt es zu einem
vilden Handgemenge dem der Präſident Peret vergebens ein
Ende zu machen verſucht, indem er die Sitzung für aufgehoben
erklärt. Auch die Tribünen werden geräumt. Die Erregung im
Saal und in den Wandelgängen dauert noch lange an. Der
kommuniſtiſche Abg. Cachin hatte einen Fauſtſchlag ins Geſicht
erhalten und blutete ſtark aus der Naſe. Poincarz war
wäh=
rend dieſer Szene im Saal und ſaß die ganze Zeit über auf der
Miniſterbank. Gegen /48 Uhr beruhigten ſich die Gemüter.
Die belgiſche Kriſe.
Die katholiſche Union gegen jedes
Zuſammen=
gehen mit den Sozialiſten.
Paris, 28. Febr. (Wolff.) Nach einer Havasmeldung
aus Brüſſel hat der Landesausſchuß der
katholi=
ſchen Union, der geſtern vormittag dort zuſammengetreten
iſt, ſich mit der Kabinettskriſe beſchäftigt. Der Nation Belge
zu=
folge war eine ſtarke ausgeſprochene Feindſeligkeit
gegen jedes Zuſammengehen, mit den
Sozia=
liſten zu bemerken. Der Generalrat der
ſozialdemo=
kratiſchen Partei ſei zur Prüfung der Lage auf
kommen=
den Dienstag einberufen worden.
Belgiſche Neuwahlen?
Paris, 29. Febr. (Wolff.) Eine Perſönlichkeit, die bei
den Sachverſtändigenarbeiten, in Paris eine große Rolle ſpielt
und deren Name als eventueller Nachfolger des
Miniſter=
präſidenten Theunis genannt wurde (es kann ſich alſo nur um
den Staatsminiſter Frangui handeln), erklärte dem Brüſſeler
Berichterſtatter des Petit Pariſien:
Velgien hat unter den augenblicklichen Umſtänden eine
ſtarke Regierung nötig; es kann ſie nicht in einer
par=
lamentariſchen Diktatur finden. Man muß alſo ſofort
Neuwahlen vornehmen. Man werde vielleicht einwenden,
daß die Kammer, die gewählt werde, der heutigen Kammer
ähnlich ſein werde. Das gebe er zu, aber die Abgeordneten
hätten dann die Wähler hinter ſich. Dann müſſe man ein
Kabinett aus Katholiken, Liberalen und
So=
zialdemokraten bilden, deſſen Grundlage eine Politik der
Sparſamkeit und der Sicherheit ſei. Aber man dürfe das nicht
hinauszögern. Die Berichte der Sachverſtändigen würden in
einigen Tagen fertiggeſtellt ſein. Es ſei deshalb notwendig, daß
in einem ſehr nahen Augenblick Belgien eine Regierung beſitze,
mit der die europäiſchen Kabinette über die Konkluſionen der
Sachrerſtändigen verhandeln könnten.
Ein belgiſches Geſchäfisminiſterium?
TU Brüſſel, 29. Febr. Man rechnet immer mehr damit,
daß auf Grund der parlamentariſchen Grundſätze Vandervelde
als Führer der ſtärkſten Partei der Großen Koalition mit der
Bildung des neuen Kabinetts beauftragt werden wird. In den
politiſchen Kreiſen herrſcht jedoch die Auffaſſung vor, daß
Van=
dervelde einen eventuellen Auftrag des Königs ablehnen würde.
Bekanntlich erklärte Vandervelde, daß er auf Ausſchreibung von
Neuwahlen hinarbeite. Es dürfte daher zur Bildung eines
Ge=
ſchäftsminiſteriums kommen, das bis zur Abhaltung der
Neu=
wahlen die laufenden Geſchäfte erledigt.
Pariſer Kriſengerüchte.
Paris, 29. Febr. In parlamentariſchen Kreiſen wird die
Stellung Poincarés als endgültig erſchüttert angeſehen. Man
diskutiert bereits eifrig die neue Beſetzung der Regierung und
nennt auch ſchon Namen. Am meiſten werden drei
Kombinatid=
genannt, ein Kabinett der Diktatur, wie es vom nationalen Block
gefordert wird, mit Clemenceau an der Spitze, Martel als
Außen=
miniſter und Hengin als Kriegsminiſter. Auch ein „Kabinett der
Verſtändigung” mit Barthou und Loucheur wird beſprochen. Auch
ein Kabinett Francois Marſal wird in den Bereich der
Möglich=
keit gezogen.
Herriot entwickelte geſtern in einer Rede das Programm des
Linksblocks über die auswärtige Politik. Er ſagte u. a., die Ruhr
ſei vielleicht ein Preſſionsmittel geweſen. Aber dieſes Mittel ſei
verbraucht und habe kein Reſultat ergeben. Man müſſe zu der
Einigung zwiſchen den Alliierten zurückkommen und die Ruhr
gegen greifbare Pfänder austauſchen.
Ungarn und das neue Europa.
Von
Prof. Dr. Melchior Palagyi.
Es wäre gewiß noch in hohem Maße verfrüht, von einem
berfüngten Europa zu ſprechen, trotzdem tritt die neuartige
Phy=
ſiognomie des ſich wider aufrichtenden Weltteils allmählich
deut=
licher aus dem Zukunftsnebel hervor. Im vollen Gegenſatz
zur Vorkriegszeit will das neue Europa nicht mehr dulden, daß
eine einzelne Großmacht zu ſolcher Vorherrſchaft gelange, daß ſie
allein, offen oder insgeheim, über das Gleichgewicht der
konti=
nentalen Machtverhältniſſe zu entſcheiden habe. Vielmehr ſtrebt
der Weltteil mit nervöſer Anſpannung aller ſeiner Kräfte einem
noch nicht dageweſenen, neuartigen — wir möchten ſagen:
natürlichem Gleichgewichte zu, das der freien
Frie=
densentfaltung aller Einzelſtaaten gleich ſehr zuſtatten kommen,
und beſonders dem geknebelten Mittcleuropa unbehinderte
Atmungsmöglichkeit zuſichern ſoll. Man erinnert ſich, wie ſehr
im trübſeligen Vorjahr das Bündnis zwiſchen Frankreich und
der Tſchechoſlowakei die Gefahr heraufbeſchwor, daß die kleine
Entente und das Slawentum überhaupt, ja der ganze Weltteil
in den Siegeswagen der franzöſiſchen Hegemonie eingeſpannt
werde. Da lichtete ſich in unerwartet plötzlicher Weiſe der
euro=
päiſche Horizont, und Jugoſlawien wollte ſich nicht mehr
ein=
ſeitig bloß an Frankreich anlehnen, ſondern ſchloß einen
Freund=
ſchaftsbündnis mit Italien, das in dem neuen Europa eine
höhere Machtbedeutung zu erlangen bemüht iſt. Seither
be=
ginnt ſogar Polen ſein Vaſallenverhältnis zu Frankreich
ſchmerz=
lich zu fühlen und verſucht, wohl auch bei England Zuflucht zu
finden, um ſeine Oſtgrenze gegen Rußland ſichern zu können.
Die Großmächte ſelbſt, namentlich England und Frankreich, ſind
in einem harten Ringen miteinander begriffen mit dem
offen=
ſichtlichen Zweck, einer jeden einſeitigen Vorherrſchaft wirkſame
Niegel vorzuſchieben, und könnte es gelingen, das angedeutete
natürliche Gleichgewicht anzunähern, dann wäre dies ein Weg
zur Löſung der ſchwierigſten mitteleuropäiſchen Fragen, zu
denen nicht nur die deutſche, ſondern auch die öſterreichiſche und
die augenblicklich beſonders akut gewordene ungariſche Frage.
gehören.
Wie in allen Staaten, die durch den großen Krieg hart
mit=
genommen wurden, handelt es ſich auch in Ungarn um eine
gründliche Reform der inneren Politik, die in einem Atemzuge
gleich ſehr demokrätiſchen und nationalen
Cha=
rakter haben muß, um zur Wiedererſtarkung des Staates
führen zu können. Die Grundforderung, daß der ganze
Welt=
teil ſich auf ein neues und natürliches Gleichgewicht einſtelle,
das einem jeden Einzelvolk gkeich dienlich ſein ſoll, hat ſchon
an und für ſich einen ansgeſprochen weltdemokratiſchen
Charak=
ter, andererſeits ſetzt ſie aber auch ein höchſt energiſches
Zuſam=
inenfaſſen aller rein nationalen Kräfte in jedem Einzelſtaate
voraus. Die faſziſtiſchen, nationalſozialiſtiſchen,
nationalbolſche=
wiſtiſchen uſw. Bewegungen, die für das Uebergangseuropa ſo
kennzeichnend ſind, dürfen eben als notwendige Folgen der
gleichzeitigen ſcharfen Anſpannung gegenſätzlicher demokratiſcher
und nationaliſtiſcher Tendenzen betrachtet werden. Sie verleihen
dem heutigen Ungarn genau dieſelbe Phyſiognomie wie allen
anderen Staaten, in denen es ſich um die Wiedergeburt und den
Wiederaufbau des nationalen Lebens handelt.
Speziell für Ungarn kommt noch in Betracht, daß es ſich
nach einigen ſehr bedauerlichen revolutionärcn Schwankungen
(Oktobrismus, Bolſchewismus!) raſch wieder ſelbſt gefunden
hatte und durch ſeinen führenden Staatsmann, den Grafen
Bethlen, ſchrittweiſe dem allgemeinen europäiſchen politiſchen
Kurs angepaßt wurde. Ohne ſich ſeinerzeit auf ein europäiſches
Vorbild ſtützen zu können, ſchuf Eraf Bethlen die ſogenannte
„Einheitspartei”, deren Programm die vollſtändige Syntheſe
des demokratiſchen und nationalen Gedankens darſtellt, und ſich
eben aus dieſem Grunde in den ſchwerſten kritiſchen Tagen als
einziger feſter Stützpunkt und Hort des ungariſchen
Konſolidie=
rungsſtrebens bewährte. Weder Putſche von rechts, noch
Um=
ſturzverſuche von links konnten dies ſtarke politiſche Bollwerk
der ungariſchen Selbſtverjüngung ernftlich gefährden. Wie kein
Staatsmann in der Vorkriegszeit hat es Graf Bethlen erkannt,
daß nur die demokratiſche Umgeſtaltung Ungarns die Grundlage
ſeiner Wiedergeburt und ſeines Fortbeſtehens liefern könne.
Weil ſein demokratiſches Streben über jeden Zweifel erhaben
iſt, durfte er der Sozialdemokratie den wohlbegründeten
Vor=
wurf machen, daß ſie im Intereſſe ihrer Klaſſenherrſchaft den
demokratiſchen Gedanken entwertet und Ungarn im Jahre 1919
ins Verderben geſtürzt habe. Aber mit derſelben Offenheit und
Schärfe tritt er auch den einſeitigen Vertretern des ſogenannten
„Raſſenſchutzes” entgegen, indem er ihre reaktionären
Beſtrebun=
gen ſtufenweiſe unſchädlich macht und an Stelle derſelben den
geſunden nationalen Gedanken pflanzt. Darum iſt er auch
der=
zeit der einzige Mann, der den raſſenſchützleriſchen Uebergriffen
wirkſamen Einhalt gebieten kann. Die ganze ungariſche
Bauern=
ſchaft, mit ihrem begabten Führer Stephan Szab6 an der Spitze,
ſteht in geſchloſſenen Reihen hinter der Politik des Grafen
Veth=
len, ſo daß der nationaldemokratiſche Charakter ſeiner Regierung
ſchon hierin zu klarem Ausdruck gelangt.
Um es auch pſychologiſch nahe zu rücken, wieſo es kommt,
daß ein ungariſcher Magnat ſein Vaterland, in demokratiſchem
Sinne neuzugeſtalten bemüht iſt, ſei bemerkt, daß Graf Bethlen
zum Typus jener weniger höfiſchen ſiebenbürgiſchen Ariſtokratie
gehört, die eigentümlicher Weiſe in den letzten 3 bis 4
Jahr=
hunderten immer nur dann geſchichtlich hervortrat, wenn es ſich
Anſerer heutigen Ausgabe liegt
De Miegenasast
agesſpiegel im Eild und DOork
bei.
[ ← ][ ][ → ]Rummer 61.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 1. März 1924.
Seite 2.
um Sein oder Nichtſein des ungariſchen Volkes, um nationale
und Glaubensfreiheit des Ungartums, um Rettung der Raſſe
und ihrer urwüchſigen Kultur handelte. Es iſt, als ob dieſer
aus der ungariſchen bezw. ſiebenbürgiſchen Geſchichte
wohlbe=
kannte Typus ſchon hereditär jene diplomatiſche
Geſchäftstüchtig=
keit beſäße, die erforderlich iſt, um Ungarn in Tagen der höchſten
Not — wie dies ja auch die heutigen ſind — mit den jeweiligen
europäiſchen Lebensbedingungen in organiſchen ſtaatlichen
Ein=
klang zu bringen. Darum konnte es auch dem Grafen Bethlen
gelingen, auf ſeinen Auslandsfahrten nach London, Paris und
Rom die Großmächte für das verſtümmelte Ungarn zu
inter=
eſſieren und ihnen nahezulegen, was dieſes Ungarn ſelbſt noch
in ſeiner Verſtümmelung für den praktiſchen und friedlichen
Wiederaufbau der Donauſtaaten bedeuten könne. Die
Völker=
bundsanleihe, die Ungarn zugeſtanden wurde, hat keineswegs
eine bloße ſtaatsfinanzielle und wirtſchaftliche Bedeutung,
ſon=
dern ſymboliſiert zugleich, daß Ungarn ebenſo wie Oeſterreich
als ein durchaus ſelbſtändiger und unentbehrlicher Faktor der
großen Konſolidierungsarbeit Mitteleuropas anerkannt wird.
Die Anleihe befreit zugleich Ungarn von jener furchtbaren
Un=
ſicherheit, die in Form der Reparationsfrage wie ein
Damokles=
ſchwert über allen wirtſchaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten des
ſchwergeprüften Landes hing.
Da nun erfolgt plötzlich das Unerwartete. Im fünften Akt
des ungariſchen Wiederaufbaudramas ſcheint eine kataſtrophale
Wendung eintreten zu wollen. Die Anleihefrage erleidet zwar
nur rein formale, bedeutungsloſe Verzögerungen, aber die
ungariſche Währung wird von einer furchtbaren Kriſe ergriffen,
die Krone ſtürzt ins Bodenloſe, eine Panikſtimmung bemächtigt
ſich des Publikums, die wirtſchaftliche Kriſe droht in eine
poli=
tiſche auszuarten, Miniſter ſtürzen, alle Notverordnungen und
Hilfsmaßnahmen der Regierung ſcheinen zu verſagen. Dabei
läßt ſich jedoch, wie die einſtimmigen Berichte feſtſtellen, nicht der
leiſeſte boſitive Grund für die nervenzerſtörenden Vorgänge
aus=
findig machen. Trotzdem gewinnt es den Anſchein, als ob ein
politiſcher Zuſammenbruch herannahe. Unwillkürlich muß man
ſich fragen, ob denn Graf Kärolyi und die Oktobriſten oder gar
Béla Kän und die Bolſchewiſten nach Budapeſt zurückgekehrt
ſeien und die ganze fünfjährige Wiederherſtellungsarbeit eines
Landes plötzlich ins Nichts verſunken ſei.
Solche Fragen enthalten auch ſchon die einzig mögliche
Ant=
wort in ſich. Man kennt die wirtſchaftliche und politiſche
Nervo=
ſität dieſer Uebergangszeiten. In Budapeſt verliert man noch
immer zu leicht die Nerven. Auch vermögen geringfügige
Ränke=
ſpiele zwiſchen den Großmächten einem kleineren Staate großen
wirtſchaftlichen Schaden zu verurfachen. Aber die Weltgeſchichte
geht ihren ſicheren Weg und die fortſchreitende Konſolidierung
Mitteleuropas, alſo auch Ungarns, erleidet nicht den geringſten
Zweifel.
Kriegserklärung Jugoſlawiens an Bulgarien?
London, 29. Febr. Nach den letzten Nachrichten aus den
Balkanſtaaten hält man eine Kriegserklärung Jugoſlawiens an
Bulgarien für unmittelbar bevorſtehend. Es ſollen bereits über
eine halbe Million jugoſlawiſche Truppen, an die bulgariſche
Grenze geſchickt worden ſein. Dieſe ſtänden beſonders gegenüber
den Kohlenfeldern von Pernik. Jugoſlawien warte nur noch auf
einen anderen „mazedoniſchen Einfall” als eine Entſchuldigung
für einen Vorſtoß in bulgariſches Gebiet. In den Gebieten, die
an Nordalbanien angrenzen, würden ebenfalls Truppen
zuſam=
mengezogen. Jugoſlawien gibt zu, daß mazedoniſche Banden
dort ihr Hauptquartier haben und daß dieſes Gebiet
wahrſchein=
lich beſetzt wird.
Der Streit um das Kalifat.
Paris, 29. Febr. (Wolff.) Nach einer Havasmeldung aus
Konſtantinopel wird den letzten aus Angora
eingetroffe=
nen Nachrichten zufolge erwartet, daß die
Nationalver=
ſammlung das geſamte Budget ablehnt, um die
Demiſſion des Kabinetts herbeizuführen. Dieſes werde
dann von Ismet Paſcha unter Durchführung der verlangten
radikalen Reformen neu gebildet werden. Alles in allem
verlan=
gen die drei extremiſtriſch fortſchrittlichen Richtungen, die die
Mehrheit bilden, die Entfernung des Kalifen und der
kaiſerlichen Prinzen aus der Türkei, die Aufhebung der
religiöſen Gerichtshöfe und die Aenderung des derzeitigen
Sta=
tuts der frommen Stiftungen. Die Minderheit wird bei der für
Sonntag erwarteten Debarte ihre Oppoſition durch
Stimment=
haltung bekunden.
Nach einer Havasmeldung aus Konſtantinopel iſt das
Ge=
rücht verbreitet worden, daß der Kalif zurückgetreten ſei. Durch
eine Umfrage in ſeiner Umgebung ſei jedoch feſtgeſtellt worden,
daß er noch keinen Entſchluß gefackt habe, ſondern daß er die
De=
batte in der Nationalverſammlung in Angora aufmerkſam
ver=
folge. Die Familie des Sultans erwarte mit Ruhe die
Abſtim=
mung der Nationalverſammlung über die vorgeſchlagenen
Reſo=
lutionen.
Dr. Lnthers (xpoſé.
Unſere Verarmung. — Die Belaſiung der
Beamtenſchaff. — Die Aufwertungsfrage.
* Berlin, 29. Februar. (Eigener Bericht.)
Am Regierungstiſche: Reichsfinanzminiſter Dr. Luther.
Präſident Loebe eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 20 Min.
Vor Eintritt in die Tagesordnung fordert Abg. Thomas (K.)
Auskunft über die Handhabung der neuen Verordnung des
Reichspräſidenten. Er verlangt, daß die kommuniſtiſche Freſſe
ſofort freigegeben werden ſoll. — Präfident Loebe ſtellt feſt,
daß ein beſonderer Antrag auf Herbeirufung eines Miniſters
nicht geſtellt wird. Die Kommuniſten erklären ſich damit
ein=
verſtanden, daß ein Regierungsvertreter im Laufe der Ausſprache
auf ihre Anfrage antwortet.
In der Fortſetzung der Ausſprache über die erſte Leſung des
Notetats erhält zunächſt
Abg. Wulle (deutſchvölk.) das Wort. Die Regierung habe
erkkärt, ſie habe ihre Pflicht und Schuldigleit getan. Es gehe
nichts über ein gutes Gewiſſen. Weite Kreiſe des Volkes denken
freilich anders darüber. Man behandele die Verfaſſung wie eine
ſchöne Taſſe, die in den Glasſchrank geſtellt wird, aber nicht
ge=
braucht werden kann, damit ſie nicht kaput geht. Mit
Parteiver=
boten kann man keine Bewegung unterdrücken. Iſt denn
Deutſch=
land überhaupt noch ein Rechtsſtaat? Der Beamtenabbau wird
in einer Weiſe betrieben, die zum Raubau am Staate wird. Sie
(zu den Sozialdemokraten) haben den deutſchen Mittelſtand
reſt=
los proletariſiert. Die Mitteilungen Lloyd Georges über die
Vorgänge bei den Friedensverhandlungen 1919 zeigen, daß
be=
reits damals die Gegenſätze unter den alliierten Mächten ſehr
ſtark waren. Talleyrand hatte 1815 ähnliche Gegenſätze geſchickt
zugunſten Frankreichs ausgenutzt. Die deutſche Regierung aber
hatte den Verſailler Schandvertrag unterſchrieben und die
Chan=
cen für Deutſchland nicht ausgenützt, obwohl ſie von den
Un=
ſtimmigkeiten unter den Alliierten wußte. Die Rede Dr.
Streſe=
manns war viel zu de= und wehmütig. Dieſe Bettelei vor dem
Ausland berührt mich geradezu ekelhaft. (Zuruf bei der
Deut=
ſchen Volkspartei: Frechheit!) Unſer Geſandter Ulrich Rauſcher
in Warſchau ſoll ſeit Monaten nur davon leben, daß er den
Oſt=
juden Päſſe nach Deutſchland ausſtellt. (Hört, hört!) Die
Zu=
kunft liegt nicht bei den Lauen, ſondern bei den Fanatikern, die
Kopf und Kragen für die Freiheit des Vaterlandes riskieren,
Reichsfinanzminiſter Dr. Luther
führte aus, daß die Regierung den Notetat noch nicht vorlegen
könne, da die Einnahmen aus dem Rhein= und Ruhrgebiet
feh=
len. Die dritte Steuernotverordnung iſt als ein Monſtrum
be=
zeichnet worden. Die Regierung betrachtet ſie als eine
Notwen=
digkeit. — Wir ſind zunächſt nur mit einem vorläufigen Geſetz an
den Reichstag gekommen, das heute im Haushaltsausſchuß
ver=
abſchiedet wurde.
Der Miniſter ſchildert dann die Vorgänge, die zur Schaffung
der Rentenmark führten. In den Verhandlungen mit den
Ban=
ken und Wirtſchaftskreiſen kam es am 13. Oktober zu einer
Eini=
gung wonach die Papiermark unſer Währungsgeld blieb und
daneben nur ein neues Zahlungsmittel geſetzlich beſtmmt wurde,
die Rentenmark. Wenn in der Welt öffentlich an abſoluten
Zah=
len gezeigt wird, daß reichere Länder ihre Bürger ſteuerlich
höher belaſten, als wir, ſo haben dieſe abſoluten Zahlen keine
Beweiskraft. Der durchſchnittliche Steuerbetrag vom
Geſamt=
einkommen betrug 1913 109 Prozent, 1924 27,7 Prozent. 1913
betrug das jährliche ſteuerfreie Einkommen 556,8 Mk., 1924 nur Man iſt in führenden Zentrumskreiſen der Auffaſſung, daß ſich
285 Mk. Daran zeigt ſich ſchon unſere Verarmung.
meſſer dafür, wieweit produktives Kapital aufgeſpart
wor=
den iſt. Wir müſſen danach ſtreben, in unſere Wirtſchaft
Goldkredite hineinzubringen; dazu brauchen wir die Hilfe
von außen.
Eine gewiſſe Beſſerung unſerer wirtſchaftlichen Verhältniſſe zeigt
ſich daran, daß die Zahl der Erwerbsloſen und Kurzarbeiter
zurückgegangen iſt. Die Regierung erkennt die ſchwere ſteuerliche
Belaſtung des deutſchen Volkes wohl an. Leider iſt es nicht
mög=
lich, jedes Individuuen nach ſeiner Leiſtungsfähigkeit zu erfaſſen.
Unzweifelhaft iſt die Landwirtſchaft beſonders in der Not.
Der geringe Ertrag infolge des zurückgegangenen Verbrauches
der Düngemittel muß in Kauf genommen werden, wenn wir das
große Ziel erreichen wollen. Wenn behauptet wurde, ich hätte
mich darüber gewundert, daß die Induſtrie ſo wenig gegen die habe, in der Frage des Wahltermins allzu ſehr auf die fran=
Steuern wäre, ſo erkläre ich, daß ich ſo etwas niemals geſagt zöſiſchen Wahlen Rückſicht zu nehmen, da man in Frankreich
habe.
Im Haushaltsplan für 1924 können die für die
Beſatzungs=
koſten erforderlichen Mittel nicht bereitgeftellt werden.
Die Negierung iſt bemüht, eine andere Regelung zu finden. Die
Einnahmen aus dem beſetzten Gebieten, fließen uns nicht zu.
Auch die zweite Steuernotverordnung hat dort noch nicht einmal
Geltung. (Hört!) Die Zolleinnahmen aus dem beſetzten Gebiet
werden dadurch aufs ſchwerſte beeinträchtigt, weil die ſogen.
interalliierten Tarife in 217 Poſitionen niedrigere Sätze als der
deutſche Tarif aufweiſen. Dadurch iſt
das Loch im Weſten geradezu ſyſtematiſch aufgeriſſen
worden. (Hört!) Dieſen Zuſtand kann keine
Wäh=
rung der Welt auf die Dauer ertragen. Der Antrag,
die Einkommen über 8000 Mk. zu einer Sonderſteuer
heranzu=
ziehen, iſt unausführbar. Auch der Gedanke einer beſonderen
Verraögensſteuer iſt nicht durchzuführen. Der Gedanke einer
Vermögenszuwachsſteuer läßt ſich in der Praxis nur ſchwer
ver=
wirflichen.
Der Miniſter beſpricht dann die Wohnungsfrage. Es
ſei verſucht worden, einen Ausgleich der verſchiedenen Intereſſen
herbeizuführen. Zur Vereinfachung der Verwaltung war der
Veamtenabbau erforderlich. Den Beamten wurde dabei
eine harte Laſt auferlegt. Der Miniſter dankte der
Beamten=
ſchaft für ihre vaterländiſche Haltung. Dieſe Belaſtung der
Beamtenſchaft, ſoll nicht länger dauern als unbedingt
not=
wrendig. Der Miniſter hofft, daß ſchon am 1. April eine
Auf=
lockerung der gegenwärtigen Knappheit der Beſoldungen
eintre=
treten wird. Das wird ſogar beſtimmt geſchehen. Auch den
Kriegsbeſchädigten und Hinterbliebenen ſoll Erleichterung
ge=
ſchaffen werden. Notwendig iſt auch eine Steigerung der
Kauf=
kraft. Beim Perſonalabbau dürfen keine politiſchen oder
reli=
giöſen Geſichtspunkte mitwirken. Für das bisher auf dieſem
Gebiete Geſchehene iſt eine Rückwärtsrevidierung nicht möglich.
Bei der Frage der weiblichen verheirateten Beamten kann der
R4anh der Doppelverſorgung nicht beibehalten werden. Die
Peuſiusverkürzungen ſind nur vorübergehend. Die
Reichsregie=
denkt nicht daran, die kulturellen Aufgaben aufzuheben.
Die Aufwertungsfrage
hängt zuſammen mit der Rettung unſeres Volkes. Die
Auf=
wertung der Spareinlagen ſoll nicht vor 1932 erfolgen.
Hoffent=
lich hat ſich bis dahin unſer Wirtſchaftsleben genügend erholt.
Wir mußten endlich zu einer Klarheit kommen; zu einer feſten
Grundlage, an der nicht mehr gerüttelt werden darf.
Erſchül=
terungen können wir nicht mehr dulden. Der Leitgedanke der
Regierung iſt: Das Wohl des Volkes über alles! (Beiſall.)
Abg. Ledebour (b. k. Fr.) wirft dem Reichstag totale
Unfähigkeit vor. Das engliſche Parlament arbeitet da ganz
anders. Der Redner bekämpft beſonders die Mietſteuer.
Darauf werden die Beratungen abgebrochen.
Das Haus vertagt ſich. Nächſte Sitzung Mittwoch, 2Uhr.
Tagesordnung: Weiterberatung und Interpellation über die
Arbeitsloſigkeit in der Induſtrie und die Not der Laudwirtſchaft.
Schluß nach 6 Uhr.
Die Reichstagsauflöſung
unvermeidlich?
Die Stellungnahme des Zentrums.
Berlin, 29. Febr. Nach Schluß der heutigen
Plenar=
ſitzung trat die Zentrumsfraktion zu einer Sitzung zuſammen, in
der im weſentlichen die Wahlvorbereitungen beſprochen wurden.
die Auflöſung des Reichstages durch die gegenwärtige Regierung
Die Tatſache unſerer ungeheueren Kreditnot iſt ein Grad= vorausſichtlich nicht vermeiden laſſe, obgleich in der zwiſchen
heute und dem nächſten Mittwoch eingetretenen
Verhandlungs=
pauſe in den Plenarſitzungen noch mit den Sozialdemokraten
Fühlung genommen werden ſoll. Tritt die Auflöſung ein, ſo
wird der Wahltermin faſt mit Sicherheit der 6. April ſein, da
man mit Rückſicht auf die beſetzten Gebiete den Wahltermin
keineswegs nach dem 15. April feſtſetzen möchte, weil niemand
vorausſagen kann, welche Verhältniſſe, „nach dem Ablauf der
Micum=Verträge im beſetzten Gebiet herrſchen werden. Auch
möchte man aus innerpolitiſchen Gründen vermeiden, die Wahlen
in allzu größe Nähe zu den vorausſichtlich am 4. Mai
ſtattfinden=
den preußiſchen Gemeindewahl zu bringen, weil
erfahrungs=
gemäß bei Gemeindewahlen eine viel größere
Parteizerſplitte=
rung eintritt, als für die Reichstagswahlen zuträglich wäre.
Man glaubt in Zentrumskreiſen nicht, daß es viel Zweck
ſicher den Wahltermin auf alle Fälle erſt nach der endgültigen
Feſtlegung des deutſchen Wahltermins und dann um einige Zeit
ſpäter anberaumen werde.
* Die Zukunft des Heſſiſchen Landestheaters.
Trotzdem in keiner Weiſe und von keiner Seite ernſtlich in
Abrede geſtellt werden ſoll, daß die Zukunft des Heſſiſchen
Lan=
destheaters ſehr ſtark von der wirtſchaftlichen Seite abhängig iſt,
darf doch feſtgeſtellt werden, daß von mindeſtens der gleichen
Bedeutung die Frage iſt: Wer wird der künftige
Lei=
ter unſerer Bühnen? Aus verſchiedenen Gründen, nicht
zuletzt aus ſolchen der künftigen Geſtaltung, bzw.
Zuſammen=
ſetzung des künſtleriſchen Enſembles und in Verbindung damit
des Aufbaues eines allſeitig befriedigenden Spielplanes, ſteht
alſo die Frage des Intendantenwechſels zurzeit im
Vordergrunde des Intereſſes, und dieſe Frage iſt, wie die
Dinge jetzt liegen, außerordentlich brennend.
Gerüchtweiſe iſt über die Perſon des kommenden Intendanten,
bzw. über die Kandidaten, die für dieſen wichtigen Poſten in
Betracht kommen, mancherlei in die Oeffentlichkeit gedrungen,
das den Tatſachen nur ſehr loſe nahe kommt. In Wirklichkeit
iſt die Situation heute wohl die: Aus der Reihe der
Bewerber=
liſte, die einſchließlich derjenigen Herren, die direkt zur
Bewer=
bung aufgefordert wurden, einige 80. Namen umfaßt, iſt durch
eine vorläufige Siebung ein kleinerer Kreis als für den Poſten
in Betracht kommend herausgegriffen worden. Die zuſtändigen
Stellen — Regierung, Verwaltungsausſchuß, parlamentariſche
Kommiſſion und Theaterfachrat — haben erſte Beſprechungen in
den letzten Tagen gehabt, als deren Ergebnis anzuſehen iſt, daß
nur noch 7 bis 9 ernſtliche Bewerber zur engeren Wahl ſtehen,
alles Uebrige iſt ausgeſchieden worden.
Durch den nunmehr enger gezogenen Kreis der Bewerber,
der in allernächſter Zeit ſich ja doch ſtark verringern muß, wächſt
für die zuſtändigen Stellen eine Größe der Verantwortung über
die endgültige Auswahl, die ſicher nicht leicht zu nehmen iſt und
auch wohl von keiner Seite leicht genommen wird.
Wir wollen und können es nicht für unſere Aufgabe halten,
ſchon jetzt bei dieſem Stand der Dinge Stellung zu nehmen zu
einzelnen Perſönlichkeiten, die von der Regierung in die engere
Wahl genommen ſind. Aber die Frage des Intendanten iſt, wie
eingangs bemerkt, von einer ſo ungeheuren Wichtigkeit für die
Zukunft unſerer Theater und damit einer ſehr gewichtigen
Külturaufgabe, die wir nach wie vor in den Vordergrund
des Intereſſes geſtellt haben möchten — denn nur die kulturelle
Bedeutung der Theater kann die ſtarke materielle Belaſtung
recht=
fertigen —, daß wir es für unſere Pflicht und an der Zeit
halten, einiges Grundſätzliche zur Intendantenwahl zu
ſagen.
Grundſätzlich kommt unſerer Auffaſſung nach für Darmſtadt
jetzt in erſter Linie ein Theaterleiter in Frage, der allerdings
eine ſtarke, umfaſſende und nicht einſeitig
ein=
geſtellte künſtleriſche Perſönlichkeit ſein muß.
Es kann nicht in erſter Linie ein Regiſſeur in Frage kommen,
der entweder für Oper oder für Schauſpiel ſeine beſonderen
Ambitionen hat und bei dem beſten Willen das eine oder andere
zurücktreten laſſen muß, oder aber, was das Schlimmere wäre,
eben der Qualitäten als Theaterleiter entbehren muß. Es
darf für uns keine Perſönlichkeit in Frage kommen, die
irgend=
wie politiſch feſtgelegt iſt, und die aus dieſen oder anderen
Gründen von vornherein wiederum ſtarken Widerſtänden in
die=
ſem oder jenem Teil der Bevölkerung ausgeſetzt wäre. Es muß
der Verſuch gemacht werden, eine Perſönlichkeit zu finden, die
von vornherein Gewähr dafür gibt, daß dieſe Widerſtände,
ganz gleich von welcher Seite ſie kommen, entweder keine
Be=
gründung haben und darum ausbleiben müſſen, oder aber die
dank ihrer Geſamtqualifikation dieſen Widerſtänden
mit überzeugender Begründung entgegentreten kann. Die
Schwierigkeiten, mit denen die deutſchen Theater heute zu
kämp=
fen haben, ſind allgemein bekannt; bekannt iſt auch, daß dieſe
Schwierigkeiten gegenwärtig beſonders groß ſind für unſer
Lan=
destheater. Deswegen muß der neue Mann nicht nur eine ſtarke
Perſönlichkeit ſein, ſondern er muß auch über eine reiche
Erfah=
rung als Theaterleiter verfügen. Nur ein Intendant, der
bereits Theater geleitet hat, welche wie das unſrige Oper und
Schauſpiel vereinigt, kann die Gewähr für eine gedeihliche
Entwicklung bieten.
Wir ſind der Ueberzeugung, daß eine derartige
Perſönlich=
keit gefunden werden kann. Da unſere Theater nur mit
ſtar=
ken Opfern aller Bevölkerungsſchichten gehalten und getragen
werden können, da an ihrer kulturellen Miſſion ebenſo alle
Bevölkerungsſchichten das gleich ſtarke Intereſſe haben, kann nur
eine Perſönlichkeit in Frage kommen, die es dank ihrer ſtarken
Qualifikation verſteht, die Kunſt und das, was ſie in dem zur
Verfügung ſtehenden Rahmen zu bieten hat, für alle Kreiſe
der Bevölkerung führend zu geſtalten.
Wir wollen keinen Zweifel darüber laſſen, daß wir nicht
etwa auf dem Standpunkt ſtehen, daß für die Darmſtädter
Theater nach einer Aera der Gärung nunmehr die Zeit für
eine Periode der Ruhe gekommen ſei. Wir halten im
Gegen=
teil an der Forderung feſt, daß die Darmſtädter Theater, die ſeit
fe berufen waren, mit eine führende Rolle unter den deutſchen
Bühnen zu ſpielen, auch in Zukunft eine ſtarke,
zielbe=
wußte, nach dem Höchſten ſtrebende Leitung
ver=
langen. Und wir wiſſen uns in dieſer Forderung einig mit
der maßgebenden Mehrheit des künſtleriſchen Perſonals und
ſicher auch mit der Mehrheit der am Theater intereſſierten
Be=
völkerung.
Kunſi, Wiſſenſchaft und Leben.
— Frau Eliſabeth Horn=Harprecht, das frühere
Mit=
glied des Landestheaters, wurde nach außerordentlich erfolgreichem
Gaſt=
ſpiel an die Hamburger Kammerſpiele verpflichtet. Sie gaſtierte dort
mit Paul Wegener zuſammen in Leonid Andreiews „Der Gedanke‟. Die
Hamburger Preſſe ſagt über die Künſtlerin: „Neben Wegener ſtand in
der weiblichen Hauptrolle Frau Horn=Harprecht zum erſten Male auf
der Bühne der Kammerſpiele. Ihre reizvolle Bühnenerſcheinung, ihr
wundervolles, techniſch vorzüglich geſchultes Sprachorgan, ihr ſicheres,
ſinnvolles Spiel ſichern ihr von vornherein Erfolg. Dahinter aber ſpürt
man eine empfindungsreiche, unverbildete Seele und ein ſtarkes,
geſun=
des Temperament. So hatte man von ihr den allergünſtigſten Eindruck.”
(Hamburger Correſpondent.) — „Auch um Eliſabeth Horn=Harprechts
Tatjana Nikolajewna war öſtliche Luſt. Eine wunderſchöne frauenhaft
milde Güte leuchtete aus dieſem ſtillen Geſicht mit den großen dunklen
Augen. Nichts zu viel und nichts zu wenig, in ſich geſchloſſen, gerundet
und fein abgeſtimmt; eine dankenswerte Darbietung.” (Hamburger
Fremdenblatt.) — „Beſonders intereſſant und ſympathiſch geſtaltete ſich
das erſte Auftreten Frau Horn=Harprechts an dieſer Stelle. Eine klare,
moderne Erſcheinung; ihr Spiel immer gelöſt, ohne Spannung, von
Wärme und menſchlicher Güte getragen, weiblich hingebend und
be=
herrſcht zugleich. Frau Horn=Harprecht könnte in der Richtung, die ihr
Wirken geſtern zeigte, für Hamburg einen Gewinn bedeuten.” (
Ham=
buirger Anzeiger.)
Hans Pfitzner vollendete ſoeben die Kompoſition eines
Konzertes für die Violine mit Orcheſter. Das Werk wird, wie
alle anderen in den letzten Jahren veröffentlichten Pfitznerſchen
Kompoſitionen, wieder im Verlage der Firma Adolf Fürſtner,
Berlin, erſcheinen.
* Ein vollſtändiger Quellennachweis zur
Geſchichte der zeitgenöſſiſchen Dichtung. Im
neueſten Heft der „Schönen Literatur”, der von Will Veſper
herausgegebenen kritiſchen Monatsſchrift für zeitgenöſſiſche
deur=
ſche Dichtung (Verlag von Eduard Avenarius in Leipzig,
Roß=
ſtraße 5) finden wir eine Neuerung, die das lebhafte Intereſſe
aller Freunde der deutſchen Dichtung verdient. Die Zeitſchrift
hat es unternommen, all das, was in Zeitſchriften an Aufſätzen
über die Dichtung unſerer Tage erſcheint, in einer monatlichen
Bibliographie genau nachzuweiſen. Anſätze zu einem ſolchen für
die Wiſſenſchaft unſchätzbaren Unternehmen ſind auch ſchon ſonſt
gemacht, das Neue an der vorliegenden Bibliographie iſt, daß
ſie Vollſtändigkeit alles irgendwie Beachtlichen erreicht, denn die
Zuſammenſtellung geſchieht auf Grund der Neueingänge der
Deutſchen Bücherei zu Leipzig, der alle Neuerſcheinungen in
deut=
ſcher Sprache lückenlos zugehen. Für den Literaturhiſtoriker iſt
hiermit ein wiſſenſchaftliches Hilfsmittel allererſten Ranges
ge=
ſchaffen worden, und wir begrüßen dieſe wertvolle Erweiterung
der ſonſt auch für intereſſierte Laien außerordentlich anregendeil
Zeitſchrift mit großer Freude.
Rummer 61.
Darmſtädter Tagblntt, Samstag, den 1. März 1924.
Seite 3.
Das Verhör Kriebels. —
* Die Toten ſiehen auf.
g. München, 29. Febr.
Geplänkel leitet die Verhandlungen am Freitag vormittag
ein, Proteſte gegen Angriffe auf die nationale
Ge=
ſinnung der Verteidigung und gegen „
hundsge=
meine Karikaturen” der Abenteurer in dieſem Drama vor
Gericht den Kampf um die Toten, die am 9. November
auf beiden Seiten fielen, zwiſchen Staatsanwalt und
Verteidi=
gung ſchloſſen die Vormittagsſitzung. Von Seiten der
Verteidi=
gung fällt das harte Wort, daß hier gemordet worden ſei.
Die Staatsanwaltſchaft verweiſt darauf, daß auch hier brave
Männer der Landespolizei ihre Pflichterfüllung mit dem Leben
zahlen mußten. Der erſte Schuß, das Signal zu dem
blutigen Abſchluß des Streites vom 8.
Novem=
ber, ſpielt wieder hinein: Niemals wird wohl dieſe
Tragö=
die und die Schuld an ihr ganz geklärt werden können.
Daß die Staatsanwaltſchaft verſucht, im objektiven
Ermittlungs=
verfahren auch hier Klarheit zu ſchaffen, iſt dankenswertes
Be=
ſtreben, der Erfolg aber höchſt zweifelhaft. Die Toten
ru=
hen und können nicht mehr ſprechen, wenn man ſie
auch heute im erbittertſten Ningen um die Wahrheit wieder
auf=
erſtehen ließ.
Was dazwiſchen liegt, iſt der Abſchluß des Verhörs eines
geraden, aufrechten Soldaten, der, wie kaum einer unter den
leitenden Köpfen des November=internehmens, nicht im
min=
deſten Politiker iſt. Ihn hatte die Politik nichts zu kümmern.
Er ſetzte die Befehle des Vorgeſetzten in die militäriſche
Wirk=
lichkeit um. Allerdings: Straflos macht dieſes
Gehor=
ſamsverhältnis nicht; denn der Untergebene iſt in
dieſem Falle Oberſtleutnant Kriebel, der Vorgeſetzte iſt der
Uſur=
pator Hitler. Militäriſch nimmt Kriebel die
Ver=
antwortung auf ſich allein.
Auch Kriebels Ausſagen belaſten Kahr und
Loſſow ſchwer, ſoweit ſie ſich auf die ominöſe Beſprechung
vom 6. Nobember beziehen, die den „annormalen Weg” der
Reichsdiktatur angeblich vorbereiten ſollte; aber ſie legen — im
Feuer des Kreuzverhörs — noch manche Breſche in das Gebäude
der Verteidigung. Typiſche Aeußerungen, die Loßſaw gebraucht
haben ſoll, und an die ſich Kriebel genau erinnern will, hat
Hitler nicht gehört, der ſich ebenfall swieder einmal zum
Wort meldet. Sie wären ihm aufgefallen, denn es war lateiniſch.
Dramatiſches Zwiſchenſpiel, als Kriebel
moraliſches Gericht, über Loſſow und Seißer
hielt, die einen Mann wie Ludendorff in dieſem Abenteuer
leißen, angeblich ohne ihn von ihrer Sinnesänderung zu
ver=
ſtändigen, Höhepunkt, als die Aeußerung eines
Reichswehr=
führers unter Eid geſtellt wird, der die Nachricht von dem
an=
geblichen Tote Ludendorffs mit den Worten aufgenommen haben
ſoll: „Das iſt die beſte Löſung!” und die moraliſche Seite
des Trauerſpiels beleuchtet es noch grell, als man hört,
daß am ominöſen 6. November der Vertreter des
Juſtizmini=
ſteriums einträchtiglich mit Ehrhardt und Kahr au einem Tiſch
ſaß, um den „annormalen Weg” für die Reichsdiktatur
vorzu=
bereiten.
Die Vormittagsſitzung.
Drahtbericht unſeres Korreſpondenten.
g. München, 29. Februar.
Am heutigen Vormittag wird die Oeffentlichkeit wieder
hergeſtellt. Den Eingang der Sitzung bilden Erklärungen der
Verteidigung, die ſich ſcharf gegen Aeußerungen eines rechtsſtehenden
Blattes wenden, daß die geſamte Verteidigung das Staatswohl außer
Acht laſſe. Des weiteren proteſtiert man energiſch gegen „gemeine
Karikaturen”, die die Münchener Tageszeitungen von den
Ange=
klagten veröffentlichen. Der Vorſitzende bemerkt hierzu, daß er die
weitere Anweſenheit ſolcher Zeichmer im Sitzungsſaale nicht geſtatten
werde!. Nachdem noch Nechtsanwalt Schramm erklärt hat, der
Vertei=
digung komme es nicht darauf an, den Nachweis zu liefern, daß Kahr,
Loſſow und Seißer auch Hochverrat begangen hätten, ſondern daß die
Angeklagten in Notwehr gegen Uebergriffe von
Macht=
habern, nicht gegen eine verfaſſungsmäßige Regierung gehandelt
hät=
ten, wird die Vernehmung des Oberſtleutnants
Krie=
bel fortgeſetzt.
Die ominöſe Beſprechung vom 6. November.
Er behandelt eingehend die Beſprechungen vor der Aktion; im
Bürgerbräukeller und erklärt dabei, daß er die Verantwortung für den
militäriſchen Teil der Aktion allein auf ſich nehme. Keiner der
Unter=
führer könne mit einer Verantwortung belaſtet werden, weil er
ledig=
lich ſeine Befehle ausgeführt habe. Die Verſammlung im
Bürgerbräu=
keller ſei auf Veranlaſſung des Herrn von Kahr ſelbſt einberufen
wor=
den. Kommerzienrat Zentz habe in einer Vorbeſprechung
aus=
geführt, Kahr wolle in dieſer Verſammlung erklären, daß die
Revolu=
tion von 1918 an dieſem Tage ende, und daß von dieſem Tage ab das
neue Deutſchland beginne. Der Angeklagte ſchildert dann die ominöſe
Beſprechung vom 6. November auf dem Generalſtaatsſekretariat. In
dieſer Verſammlung habe Kahr u. a. geſagt: Die Negierung
Streſemann, die keine nationale Regierung ſei, müſſe
von Bayern aus bekämpft werden. Alle Vorbereitungen für den
gnormalen Weg ſeien getroffen. Er verlange Difziplin von den
Ver=
bänden. Es ſeien neben der Bildung einer neuen
Reichs=
regierung auch Vorbereitungen zur Bildung einer neuen
Re=
gierung in Preußen im Gange, über die gegenwärtig
verhan=
delt werde. Den Befehl zur Aktion werde er ſelbſt
geben. Wenn ihn die Verbände im Stich ließen, werde er ſich allein
auf die Reichswehr und die Landespolizei ſtützen.
Loſſow gegen einen Kapp=Putſch.
Kriebel erklärt, Kahr habe mit keinem Wort von der
Anwen=
dung von Waffengewalt gegen Verbände geſprochen, ſondern nur geſagt,
wenn ein Verband keine Diſziplin halte und vorprelle, werde er dieſem
Verband ſeine Unterſtützung entziehen. Mit dieſer Aeußerung habe er
ſich gegen Bayern und Reich, den Bund Wiking, die Reichskriegsflagge
und die Nationalſozialiſten gewandt.
General Loſſow habe in der Beſprechung ebenfalls ausgeführt,
er mache jede Sache mit, die Ausſicht auf Erfolg habe, nur
keinen Kapp=Putſch. Wenn ihn ein Verband dazu bringen
wolle, einen Kapp=Putſch zu machen, werde er mit Waffengenalt gegen
ihn vorgehen.
Oberſt v. Seißer habe Kahr verſichert, daß die Landespolizei
ſich hinter ihn ſtelle und jeden Befehl von ihm ausführen werde,
Auf das Losſchlagen gewartet.
Oberſtleutnant Kriebel gibt dann u. a. noch an, auch in einer der
folgenden Beſprechungen habe Loſſow ihm geſagt: „Ich will
mar=
ſchieren, aber erſt, wenn ich mir 51 Prozent Erfolg in meinem
Notiz=
buch ausrechnen kann.” Als alter Soldat habe ihn dieſe Aeußerung
außerordentlich erſtaunt. Wenn man im Weltkriege mit ſolcher
Wahr=
ſcheinlickkeitsrechnung hätte anfangen wollen, hätte der Weltkrieg ſchon
am 2. Auguſt 1914 durch eine Kapitulation beendet werden müſſen.
Alle Verbände in Bayern hätten auf das
Los=
ſchlagen gewartet. Deshalb allein habe er (Kriebel) den
Ver=
bänden in dem mehrfach erwähnten Schreiben vom 7. November ſagen
wollen: „Wer jetzt den Mut hat, loszuſchlagen, wird uns auf ſeiner
Seite ſehen.”
„Glücklich entbunden”.
Der Angeklagte ſchildert dann eingehend die Vorgänge im
Bürger=
bräukeller am 8. Nodember. Ihm habe dabei nur das Ziel vorgeſchwebt,
den „drei Zauderern” die Tür aufzumachen, oder mit anderen
Worten, „ihnen einen Stups zu geben”, damit ſie endlich einmal in das
Waſſer ſprängen, das ihnen ſcheinbar zu kalt geweſen ſei.
Blutver=
gießen habe er durch ſeine Anurdnungen unter allen Amſtänden
Der Sitlexprozeß in München.
Die Rolle Kahrs, Loſſows und Seißers. — Im Bürgerbräu am Abend des 8. Nevember. — „Die drei Zauderer”
Die unſelige Schießerei an der Feldherrnhalle. — Der erſte Schuß.
vermeiden wollen. Um Kahr ſeinen Entſchluß zu erleichtern, habe
habe man im Kampfbund beſonderes Vertrauen entgegengebracht. Man
habe ihm auch das Ehrenpräſidium des Kampfbundes angeboten gehabt,
was er zwar nicht abgelehnt, aber auch nicht angenommen habe.
Haupt=
mann Röhm von der Reichskriegsflagge ſei von ihm über die Aktion
nicht verſtändigt wonden, ebenſowenig Oberamtmann Frick.
Auf Vorhalten des Vorſitzenden gibt Kriebel zu, daß er eine andere
Perſönlichkeit im Löwenbräukeller hatte, wo die Neichskriegsflagge
ver=
ſammelt war, der er unter dem Stichwort „glücklich entbunden”, von
dem Gelingen der Aktion telephoniſch Mitteilung machte.
Der Kampf gegen die Weimarer Verfaſſung.
Der Vorſitzende ſtellt feſt, daß ſich in einem Notizbuch Kriebels eine
Notiz befindet, daß auch Frick unter dieſem Stichwort verſtändigt
wer=
den müſſe.
Kriebel erklärt hierzu, daß es ſich hierbei mehr um eine
Ge=
dächtnishilfe gehandelt habe. Frick habe er nach Abſchluß der Aktion
durch einen Boten verſtändigen laſſen.
Auf Befragen des Vorſitzenden, wie er ſich vorgeſtellt habe, daß man
ſich mit Gewalt über die beſtehende Verfaſſung hinwegſetzen müffe,
er=
klärt Kriebel, den Kampf gegen die Weimarer Verfaſſung
auch mit der Tat, nicht nur mit Worten, zu führen, habe
er in ſeinem einfachen Soldatengemüt für eine
Selbſtverſtänd=
lichkeit gehalten. Einen perſönlichen Vorteil habe er nicht erſtrebt.
Er habe Ludendorff gebeten, ihm in der Nationalarmee lediglich eine
ſeinem Dienſtgrad entſprechende Kommandoſtelle zu geben. Ludendorff
habe ihn erſucht, zunächſt bei ihm zu bleiben, da er noch keinen Stab
habe. Generalſtabschef, wie ihm die Anklage vorwirft, ſei er nicht
geweſen.
Im weiteren Verlauf des Verhörs bekundet Oberſtleutnant Kriebel
u. a. noch, er ſei auch in der Nacht vom 13. zum 14. März 1920, als
Kahr Miniſterpräſident wurde, dabei geweſen. Damals ſeien in einem
Zimmer die Offiziere, in einem anderen Kahr, Eſcherich und andere in
Beratungen geſtanden. Es habe bis 4 Uhr gedauert, bis man ſich
dar=
über einig geworden ſei, wie die Sache gemacht werden könne. Im
Vordergrund habe die Frage geſtanden, wie man General Möhl
dazu bringen könne, mitzutun. Er (Kriebel) ſei dann auch in der Nacht
vom 8. zum 9. November gar nicht erſtaunt geweſen, daß General
Loſ=
ſow, wie er Ludendorff verſprochen hatte, nicht gleich im
Kriegsminiſte=
rium erſchien, ebenſo wenig, daß Kahr nicht kam. Er habe
angenom=
men, Kahr müſſe nun erſt ſeine Mitarbeiter verſtändigen und
um=
ſtimmen. In außerordentlicher Erregung erklärte Kriebel
hierauf:
Unerhört iſt es, daß Lofſow nicht einmal den Mut hatte,
nachdem er ſeine Truppen ſchon zurückgezogen hatte, einem Mann wie
Exzellenz Ludendorff, Mitteilung von ſeinem Entſchluß zu
machen, daß er nicht mehr mittun werde. Ob ich hier ſitze, iſt mir
voll=
ſtändig wurſcht. Ich rechne es mir zur Ehre an, dabei
ge=
weſen zu ſein und meine Pflicht erfüllt zu haben. Aber
daß man einem Manne wie Exzellenz Ludendorff das antat, betrachte
ich als das Unerhörteſte, was überhaupt möglich iſt. Jch ſchäme mich,
dieſelbe uniform getragen zu haben wie dieſe
Män=
ner. Ich bewundere es, daß Exzellenz Ludendorff in diefer ganzen
Zeit nicht ein Wort der Anklage, nicht ein Wort des Taßels gegenüben
dieſen Herren geäußert hat.
Mit erhobener Stimme fährt Oberſtleutnant Kriebel dann fort, er
könne es durch einen Zeugen eidlich unter Beweis ſtellen laſfen, daß
Hauptmann Nüdel vom Wehrkreiskommando bei der
falſchen Nachricht, daß Ludendorff an der Feldherrnhalle
erſchof=
ſen worden ſei, die unerhörte Aeußerung getan habe: „Das iſt die Die Sonderbeſtrebungen in Bayern ſeit 1918
beſte Löſung”. Im Saale löſt, dieſe Erklärung größte Erregung
ans. Man hört Rufe: Unerhört!
Ein dramatiſches Intermezzo.
Staatsanwalt Stenglein erklärt, es gehe nicht an, hier immer
nur die eine Seite zu Wort kommen zu laſſen. Es ſei nicht wahr, daß
Ludendorff keine Mitteilung erhielt. Oberſt Leupold habe Ludendorff
von dem Entſchluß Loſſous, ſeine Zuſage zurückzuziehen, ſchon um
5 Uhr vormittags am 9. November Mitteilung gemacht.
Der Vorſitzende verbittet es ſich energiſch, daß die
Staats=
anwvaltſchaft die Verhandlungsführung durch ihre Bemerkungen rügen
wolle.
Rechtsanwalt Luergebrune, der Rechtsbeiſtand Ludendorffs,
er=
klärt, es werde unter Beweis geſtellt werden, daß nicht Loſſow den
Oberſten Leupold ſandte, ſondern daß Ludendorff den Oberſten
Leut=
pold gebeten hatte, zu Loſſow zu gehen und ihm eine definitive Ant= deſſen eigenen dringenden Wunſch über ſein Wollen zu hören,
wort über die Haltung Loſſows zu überbringen. Das ſei nicht geſchehen.
Nechtsanwalt Kohl bemerkt: Das Urteil Kriebels über das
Ver=
halten Loſſows und Kahrs iſt das Urteil aller anſtündigen Menſchen.
Ich nehme an, daß auch der Staatsanwalt, der in den Grundſätzen des
Waffenſtudenten erzogen worden iſt, zu den anſtändigen Menſchen
gehört.
Der Vorſitzende weiſt die Aeußerung als unzuläſſig zurück,
während Staatsanwalt Stenglein das dramatiſche Intermezzo da= zuſammen. So kommt Ludendorff in die völkiſche Bewegung.
mit abſchließt, er habe Kahr, Loſſow und Seißer nicht zu verteidigen.
Er habe das ſchon mehrfach feſtgeſtellt. Er halte ſich aber für
ver=
pflichtet, feſtzuſtellen, daß man auch die andere Seite hören muß. Die
Verhandlungsführung habe er mit ſeiner Bemerkung nicht rügen wollen, lendete Tatſache war. Juriſtiſcher Angelpunkt ſeiner Darlegun=
Die Tragödie vom 9. November.
Antwort gebracht. Die erſten Anordnungen der Kampfbundführung ſeien
darauf abgeſtellt geweſen, Plünderungen zu verhüten und die Todes= Kampfverbände allein hätte er nicht mitgemacht. Auch er ſteuert
ſtrafe gegen Plünderer anzudrohen. Wenn hier und da
etwas vorgekommen ſei, ſo ſei es darauf zurückzuführen, daß die natio= ſo daß der Beweisaufnahme neue dringende Aufgaben erwachſen.
nalſozialiſtiſchen Sturmtrupps keine Kavalierklubs waren.
Kriebel erklärt weiter noch, um 10 Uhr vormittags am 9.
Novem=
ber habe ein Offizier ihm erklärt, er kenne die Stellung Kahrs und
Loſſows noch nicht. Er müſſe das jetzt feſtſtellen, damit es nicht zu einer
Schießerei käme. Darauf habe er angenommen, daß noch keine
end=
gültige Entſcheidung gefallen ſei. Die Verteidigung des
Bür=
gerbräukellers ſei nur für alle Fälle vorbereitet worden. Daß
man dort zwei Geſchütze auffahren ließ, ſei lediglich Kuliſſe geweſen.
Als die Lage untragbar wurde, habe er vorgeſchlagen, die
verhaf=
teten Miniſter und die Stadträte zum Austauſch
gegen Poehner und Frick als Geiſeln zu verwenden und
ſich nach Roſenheim zurückzuziehen. Beide Vorſchläge ſeien
verworfen worden. Bei dem Zug zur Feldherrnhalle ſei bei, dem
Kampfbund mit ungeladenen Gewehren marſchiert worden. Wenn eine
Kampfabſicht bei ihnen beſtanden hätte, ſo könne man bei ihnen als
alten erprobten Soldaten doch wohl vorausſetzen, daß ſie dann in
an=
derer Formation marſchiert wären.
Das Bild der Toten.
Der Angeklagte ſchildert dann in erſchütternder Weiſe den
Zuſam=
menſtoß an der Feldherrnhalle, der 20 Todesopfe: forderte. Auf ihn
ſelbſt ſeien vier Schuß abgegeben worden, obwohl er unbewaffnet war, dem Kriege ihm keine Zeit ließ, ſich um die Parteien zu küm=
und an der Reſidenz Deckung geſucht habe. Darauf habe er ſich dann
zu Boden fallen laſſen, weil er dachte: „Wenn die noch lange ſchießen,
trefen ſie mich am Ende doch noch!‟ Das Bild der Toten habe
ihn tief erſchüttert. Er habe dann auch verſucht, zu verhin= glauben konnte und nicht glauben wollte, fühlt man in ſeiner
dern, daß den Miniſtern unter dem Eindruck der Schießerei und ihren
Opfern irgendwie ein Leid geſchehen könne.
Auf den Rat ſeines Anwalts habe er ſich niht geſtellt, um nicht
monatelang eingeſperrt zu werden. Am 18. Januar habe er ſeine von
Anfang an beſtandene Abſicht, wenn es Zeit ſei, ſich den
Gerichtsbehör=
den zu ſtellen, durchgeführt. Er ſchließt ſeine zuſammenhängende
Dar=
ſtellung:
„Ichempfinde keinerlei Reue, hier mitgewirkt zu
haben, ſondern ich bin ſtolz darauf, weil ich ſchon ſein Herz jung geblieben iſt, um es mit der Freiheit des deutſchen
lange einen Ekel vor Männern habe, die nur reden
und nie etwas tun.”
Fragen der Verteidigung und der Staatsanwaltſchaft genommen, das
ſich im weſentlichen um die Vorgänge an der Feldherrnhalle und um
die Nolle Kahrs, Loſſows und Seißers dreht. Namentlich
über die unſelige Schießerei kommt es mehrfach zu
Auseinanderſetzun=
gen zwiſchen Staatsänwaltſchaft und Verteidigung, wobei von letzterer
Beweiſe dafür angeboten werden, daß der erſte Schuß von der
Landespolizei abgegeben wurde und daß auch das
Maſchi=
nengewehr des Panzerautos der Landespolizei 39 Sekunden lang
Streu=
feuer abgegeben habe
In dem Kreuzderhör wird die Stellung der
Ange=
er auch die Schutzhaft für die Miniſter und den Polizeipräſidenten und klagten doch in weſentlichen Punkten erſchüttert, da
deſſen Stellbertreter angeordnet. Dem Miniſterpräſidenten v. Knilling die Antworten Kriebels den Ausſagen Dr. Webers und Hitlers, die
ebenfalls in dieſem Zuſammenhang verſchiedene Richtigſtellungen bringt,
in einzelnen Punkten voneinander abweichen.
Ludendorff und der Kampfbund.
Oberſtleutnant Kriebel erklärt noch, daß Ludendorff zum
Kampfbund in keinerlei organiſatoriſchem Verhältnis ſtand und
keine Befehlsgewalt hatte. Man habe ihn lediglich als geiſtigen
Füh=
rer betrachtet und geehrt. Auch den Befehl zur Beſetzung des
Kriegs=
miniſteriums habe nicht Ludendorff, ſondern er ſelbſt gegeben. In
der Beſprechung am 6. November ſei auch Ehrhardt anweſend geweſen
und von Kahr begrüßi worden. Der Vertreter des Juſtizminiſteriums,
Oberregierungsrai Stauffer, ſei bei dieſer Gelegenheit ebenfalls
dabei geveſen. Gürkardts Anweſenheit wird auch von Dr. Weber
beſtätigt.
Von der Staatsanwaltſchaft wird im weiteren Verlauf der
Vormittagsſitzung noch feſtgeſtellt, daß ein Ermittelungsverfahren über
die Urſachen, die zu der Schießerei an der Feldherrnhalle führten, und
über den Verlauf dieſes tieſtraurigen Vorganges im Gange iſt. Auch
die der Polizei dort erteilten Inſtruktionen würden nachgeprüft. Das
Verfahren konnte, da faſt 100 Zeugen zu vernehmen ſind, noch nicht
ab=
geſchloſſen wverden.
Und Ludendorff ſpricht.
g. München, 29. Februar.
Am Nachmittag ſteht der am 9. November Totgeſagte vor
dem Richter. Ludendorff ſpricht. Der General trägt den
gleichen blauen Anzug, in dem wir ihn am erſten Tage der
Ver=
handlung geſehen haben, der die ſtraffe Soldatengeſtalt
charak=
teriſtiſch aus der Umgebung heraushebt. Die ſchon ſtereotyp
ge=
wordene Frage des vorſitzenden Richters: „Wollen Sie ſich
ver=
nehmen laſſen?” weicht diesmal der wenn möglich noch um eine
Nuance höflicheren Frage: „Wollen Exzellen, ſich äußern?”
Ludendorff zeigt, daß er keine Ausnahmeſtellung wil,
keinen Anſpruch auf eine geſonderte Bevorteilung erhebt: „Ich
ſtehe hier als deutſcher Mann, und will keine
Ausnahmeſtellung. Ich bin bereit, mich zu
ver=
antworten!“
Dann entwickelt der Politiker Ludendorff ſein
völkiſches Bekenntnis und die Beweggründe, die ihn bei
ſeinem Handeln am 9. November geleitet haben. Er ſpricht frei,
mit klarer, feſter Stimme, die ſich oft erhebt, oft, wenn die
Er=
regung durch ſeine Worte klingt, ſich zu noch ſtärkerer Akzentuierung
ſteigert. Glied um Glied reiht ſich in dieſer über dreiſtündigen
Rede aneinander, in der der General nur hie und da einen Blick
auf ſeine Notizen wirft, wenn es gilt, eine Theſe durch
Beweis=
material zu belegen. Der Saal folgt ihm in ſteigender
Spannung.
ziehen an uns vorüber, im Zuſammenhang mit ihnen die
Be=
ſtrebungen, die Polen ſchon während des Krieges verloren gehen
ließen, die Beſtrebungen, einen Rheinlandſtaat zu ſchaffen und
Preußens Vormachtſtellung im Reich zu brechen. Man erlebt es
mit, daß dieſe Beſtrebungen in dem großen deutſchen Führer des
Krieges ernſteſte Sorgen erwecken mußten. Namen, wie Dr.
Heim, Graf Bothmer, Fürſt Iſenburg, Brentano,
Profeſſor Förſter und das Bamberger Programm
tauchen hier wieder auf und als letztes Glied einer Sorgenkette
die Meuterei Loſſows im Oktober 1923, die
Luden=
dorff als Keim zu einer neuen undeutſchen Entwicklung erſchien.
Sorgen zerſtreuen ſich, als er Gelegenheit hatte, Loſſow auf
als ihm der General verſichert, daß die bayeriſche Diviſion
ſchwarz=weiß=rot und deutſchvölkiſch denkt,
ſchwarz=
weiß=rot und deutſchvölkiſch handeln will.
Den Politiker Ludendorff führt ſein Kampf gegen
Ultramon=
tanismus, undeutſches Judentum und Separatismus mit Hitler
So kommt er in die Ereigniſſe des 8. November hinein, erſt
gerufen, nachdem die Aktion im Bürgerbräu=Keller ſchon
vol=
gen iſt es, daß er der feſten Ueberzeugung war, die durch Kahr
repräſentierte bayeriſche Staatsgewalt wolle gemeinſam mit den
Das Verhör Kriebels geht darauf weiter. Er erklärt u. a. Kampfverbänden in Bayern lund im deutſchen Norden die
noch, Oberſt Leupold habe, trotzdem er darum erſucht worden ſei, keine deutſche Frage zur Löſung bringen. Eine Löſung durch die
zu dem Material gegen Loſſow, Kahr und Seißer erheblich bei,
Auch der Monarchiſt Ludendorff legt klares,
ein=
deutiges Bekenntnis ab: „Ich wäre ein ſchlechter Deutſcher und
Offizier, wollte ich meinem kaiſerlichen Herrn heute weniger
ehrerbietig und treu gegenüber ſtehen als damals. Aber die
Dynaſtien ſind nicht Selbſtzweck. Sie werden wiederkehren,
wenn das Volk ſie ruft. Eine zu frühe Löſung der monarchiſchen
Frage in einem Bundesſtaat würde ich für ein Unglück
an=
ſehen.”
Der Generalquartiermeiſter des Krieges wird
vor uns wach, als Ludendorff ſeiner Zuſammenarbeit mit
Oberſt=
leutnant Kriebel im Großen Hauptquartier, in den ſchweren
Tagen des Sommers 1918 gedenkt, wo Sorge und Freude in
ſtetem Wechſel miteinander lagen, als er mit Stolz den forſchen
Huſarenritt Roßbachs nach Thorn in Erinnerung zurückruft, als
er erklärt, daß die Sorge um die Sicherheit des Landes im
Weltkrieg und um die Wehrbarmachung des deutſchen Volkes vor
mern. Daß der höchſte Offizier des deutſchen Friedensheeres an
einen Wortbruch, der an ihm begangen worden ſei, nicht
Erregung über dieſe dunkle Seite der Novembervorgänge
durch=
klingen.
Der Menſc)Ludendorff legt ein ſchlichtes Bekenntnis
ab, daß ihn die Sorgen um die Wehrbarmachung des deutſchen
Volkes, die Laſt des Krieges ſelbſt alt und grau werden ließen,
daß das Unglück ſeines Kaiſerhauſes ihn getroffen hat, daß aber
Volkes bitter ernſt zu nehmen. Dem völkiſchen Gedanken gehört
Der Angeklagte wird hierauf in ein Kreuzfeuer von ſein Herz und will ihm die Treue halten, wie die völkiſche
Be=
wegung ihm die Treue hält.
Und als ob die Jugend draußen dieſes Gelöbnis des
Gene=
rals aufnehmen wollte, grüßen ihn, als der Kraftwagen die
Drahtverhaue durchfährt, die Hurra= und Heil=Rufe völkiſcher
Jugend. Hinter ſeinem Wagen her, der ſich raſch entfernt, klingt
das Lied: „Hakenkreuz am Stahlhelm, ſchwarz=weiß=rotes
Band
Seite X.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 1. März 1924.
Rummer 61.
Ludendorff vor Gericht.
Die Nachmittagsſitzung am Freitag wird von der Vernehmung
Ludendorffs ausgefüllt.
Vorſitzender: Wollen Exzellenz ſich äußern?
Ludendorff: Ich ſtehe hier als deutſcher Mann und will keine
Ausnahmeſtellung. Ich bin bereit, mich zu verantworten. Ich bin alt
geworden unter der Laſt des Krieges und der Wehrbarmachung des
deutſchen Volkes vor dem Kriege, aber mein Herz iſt jung und ſchlägt
für die Freiheit des deutfchen Volkes. Das Unglück meines
Kaiſer=
hauſes und des Wittelsbacher Hauſes waren mir bittere Stunden. Die
marxiſtiſche Ideenwelt hat ſich vor dem Kriege gegen die Wehrmacht
ausgeſprochen. Im Krieg kam der Munitionsſtreik vor dem
Marxis=
mus. Auf ſeiner Ideenwelt wird die Freiheit Deutſchlands nicht
er=
rungen werden. Auch von den Juden, die unſere Belange nicht
ver=
ſtehen, iſt unſere Freiheit nicht zu erwarten. Mir iſt es um die
Frei=
heit des deutſchen Volkes bitter ernſt. Nur der Geiſt kann die
Freiheit bringen, nicht die Wirtſchaft, wie man uns nach dem
Kriege lehren wollte.
Ludendorff gegen den Ultramontanismus.
Der General wendet ſich dann gegen den Ultramontanismus. Er
wvolle keinen Kulturkampf. Er bewundere die katholiſche Kirche und die
Tapferkeit der katholiſchen Soldaten, aber der Ultramontanismus als
ſolcher ſei eine ſchwere Gefahr für das deutſche Volk. Die
Zentrums=
politik habe Polen im Kriege verloren gehen laſſen. Er habe gefunden,
wie ſehr die Zentrumspolitik auch die Deutſchwerdung von Landesteilen
vor dem Kriege verhinderte, wie ſie es war, die Oberſchleſien verloren
gehen ließ. Das Neich, wie wir es haben, paſſe ihr nicht. Wenn auch
das Kaiſerreich ſchwand, ſo wurzele im Volk doch noch immer ſtark der
deutſche Gedanke.
Die ſeparatiſtiſchen Beſtrebungen.
Der General geht dann näher auf die ſeparatiſtiſchen Beſtrebungen
in anderen Teilen des Reiches ein. Er erklärt hierbei, daß ſchon im
Jahre 1918 in Bahern Sonderbeſtrebungen verfolgt worden ſeien. Der
Ruf: Los von Preußen! ſei ſchon damals erhoben worden. 1919 habe
man erfahren von einer Zuſammenkunft Dr. Heims mit
franzöſiſchen Generälen in Wiesbaden, in der Heim
nach dem Bericht Fochs zuverläſſig von der Loslöſung Bayerns
von Preußen und der Gründung eines katholiſch=konſervativen
Blocks als beſtes Bollwerk gegen den Bolſchewismus geſprochen habe.
Von 1920 liege ihm ein eingehender Schriftwechſel zwiſchen Dr. Heim
und dem Grafen von Bothmer vor, über deſſen Beziehungen man ſich.
wohl überall klar ſei. Hier wollte man auf Grund des 8 18 der
Wei=
marer Verfaſſung das gleiche Ziel auf förderaliſtiſchem Wege erreichen.
Der General berichtet dann über die ſeinerzeit behaupteten
Be=
ziehungen zwiſchen Bothmer, Dorten, Brentano, Profeſſor Förſter und
Fürſt Aſenburg und Dr. Heim, die auf die Bildung einer Rheiniſchen
Republik mit Einſchluß Heſſens und Heſſen=Naſſaus abgezielt haben
ſollen. Ludendorff eiklärt hier mit erhobener Stimme: Das ſind keine
Briefe an irgend einen Fuchs ober Machhaus — es ſind Briefe an den
Führer der Bayeriſchen Volkspartei Dr. Heim. Ihm hat der Haß
gegen das Preußen der Hohenzollern die Hand geführt. Kein
Deutſche=
kann ein ſolches Prograum vertreten, das Frankreich die
Vormacht=
ftellung in Europa für ewig ſichern würde.
Das Bamberger Programm.
Ludendorff kommt dann auf das Bamberger
Pro=
gramm zu ſprechen. Hier werde die gleiche Politik getrieben wie ſie
ſeit dem Zuſammenbruch Deutſchlands verfolgt wurde. Dieſe Politik
ſcheine ihm auch die des Herrn von Kahr zu ſein. Er ſei nicht aus
poli=
tiſchen Gründen nach München gekommen, ſondern aus familiären.
Seine Beziehungen zu Herrn von Kahr ſeien etwa 1921 etwas enger
geworden.
Von dem Gedanken einer vorübergehenden Loslöſung
Bayerns vom Reiche habe man in Bayern in aller
Oeffentlich=
keit mit einer Deutlichkeit geſprochen, die ihn in höchſtem Maße erſtaunt
habe. Er habe immer den Standpunkt vertreten, daß ſich alle Länder
Oeſterreichs an das Reich anſchließen ſollten. Wollten dann einzelne
Länder zu Bayern gehen — dann in Gottes Namen. Eine
voruber=
gehende Trennung Bayerns vom Reich habe er immer als
Hochver=
rat am deutſchen Gedanken, nicht nur in juriſtiſchem Sinne
abgelehnt.
Von Zeit zu Zeit ſeien immer wieder ſeparatiſtiſche
Be=
ſtrebungen ganz ſcharf hervorgetreten. Zuletzt 1923 ſei
er tief erſchüttert geweſen, als der ſeparatiſtiſche Rechtsrat in München,
Dr. Kühles, der fich ſelbſt erſchoſſen hatte, von der
katho=
liſchen Geiſtlichkeit in einem pomphaften Begräbnis beerdigt worden ſei.
Er habe damals zu ſeiner Frau geſagt, daß er, wenn er einſt ſterben
würde, ſicher kein ſo pomphaftes Begräbnis haben werde. Dieſer Mann,
der geſagt hatte: „Ein Franzoſe von hinten iſt mir lieber als ein Preuße
von vorne!”
Der geriſſenſte franzöſiſche Agent Richert habe das
an=
geboten, was die ſeparatiſtiſchen Kreiſe in Bahern erwogen hätten.
Heute noch ſtehe die gerichtliche Klärung der Aeußerungen aus, die ein
Miniſterialrat in dieſer Zeit über angebliche ſeparatiſtiſche
Be=
ſtrebungen im bayeriſchen Kabinett gemacht habe. Er
wolle daraus nichts folgern, ſondern nur zeigen, wie dieſe Dinge auf
ihn wirken mußten.
Die Weimarer Verfaſſung.
In die unglückſelige Weimarer Verfaſſung ſei der 8 18
über die Gliederung der Länder nicht durch die Sozialdemokratie
ſon=
dern durch das Zentrum hineingekommen. Im Weltkrieg ſei der
Vatikan nicht neutral, ſondern deutſchfeindlich geweſen. Auch
Offiziere, die ſich im Abwehrkampf an der Ruhr betätigt hätten, ſeien
veranlaßt worden, durch die Haltung des päpſtlichen Delegaten
Mon=
ſignore Teſta, der ſich gegen Sabotageakte im Auftrag des Papſtes
ge=
wandt hätte, ihre Tätigkeit für das Vaterland einzuſtellen.
Preußens Exiſtkenzberechtigung.
Er denke in dieſem Zuſammenhang auch an die Friedensreſolution
1917 und an die Sonderfriedensbeſtrebungen Oeſterreichs im gleichen
Jahre. Wie ſollte, ſo fährt General Ludendorff mit erhobener Stimme
fort, ein Frieden zuſtande kommen, wenn das Haus Habsburg umfallen
ſollte. Beſonders auffallend ſei ihm dann die Haltung Kahrs geweſen,
die Judenſchaft unter den Schutz der katholiſchen Kirche zu nehmen.
Die Politik, Dr. Heims und des Kölner Oberbürgermeiſters Dr.
Adenauer, das Rheinland von Preußen zu trennen, ſeien kein
Zu=
fall, ebenſowenig wie die gleichen Beſtrebungen im ganzen Reiche. Als
eu nach München gekommen ſei, habe man zu ihm taktloſerweiſe geſagt:
„Preußen hat ſeine Exiſtenzberechtigung verloren.”
Die Loslöſungsbeſtrebungen, ſo fährt der General fort,
haben mich immer mit größter Sorge erfüllt. Ich bin von allen Seiten
angegriffen worden. Heute öffnen ſich die Augen, heute erkennen auch
die Deutſche Volkspartei und die Deutſchnationalen, daß dieſe
Los=
löſungsbeſtrebungen als Landesverrat zu kennzeichnen ſind. Den
ultramontanen iſt es nicht ernſt mit dem Willen um den
Wiederaufbau Deutſchlands.
Auffallend ſei ihm auch die Stellung, die Dr. von Kahr mit dem
Führer des Alldeutſchen Verbandes, Dr. Clauß, verknüpfte. Dr.
Clauß ſei für die Berückſichtigung der Staatsperſönlichkeit Bayerns
überraſchender Weiſe eingetreten, überraſchend inſofern, als Clauß auf
den deutſchen Einheitsſtaat abziele und alle Staaten im Innern
weg=
fallen laſſen will.
Die Zerſetzungsarbeit.
Der General fährt fort: Das bayeriſche Volk halte ich für durch
und durch deutſch, aber von gewiſſen Kreiſen wird hier eine Politik
getrieben die Deutſchland durch und durch abträglich iſt und jede ſpätere
Machtbildung in Deutſchland ausſchließt. Als Preuße ſehe ich darin
auch eine Zerſetzungsarbeit eines Bundesſtaates gegen meinen
Heimatſtaat Preußen. Die Verfaſſungswünſche des bayeriſchen
Gefamt=
miniſteriums werden auch vielen die Augen geöfnet haben. Hält man
das mit den Ereigniſſen im Rheinland und in Hannover zuſammen,
ſo erhält man das Bild, unter deſſen Eindruck ich geſtanden habe.
Auch die Abmachung des Neichskanzlers, mit Dr.
Knilling über die Reichswehr ſind ein Menetekel für das,
was wir achten müſſen.
Die deutſch=völkiſche Freiheitsbewegung.
Selbſtverändlich bedrückt mich auch die Not, der Niedergang des
deutſchen Volkes, die ſteigende Teuerung und das Sterben vieler
Tau=
ſender genau ſo, wie die anderen Herren, die hier ſtehen. Ohne
natio=
nalen Willen iſt Deutſchland verloren. Wenn ein Mann zeitlebens für
ſein Land gearbeitet hat, ſo hat er das Recht, ſolange zu arbeiten, als
ihm das Blut durch die Adern rinnt. Es war mein brennendſter
Wunſch, dem Volke zu zeigen, wie die Gefahren zu überwinden wären,
wie es ſich feſtigen ſollte. Dabei ſtieß ich auf die völkiſche
Freiheits=
bewegung. Hier drängte ſich mir die Ueberzeugung auf, wo allein der
Weg liegt, der die Rettung bringen kann. Ich habe immer geglaubt,
daß wir nur durch Geſundung der deutſchen Arbeiterſchaft wieber zur
Freiheit kommen. Die deutſche Freiheitsbewegung verwirft den Kampf daß ſie ihn jederzeit beſonders rückſichtsvoll vernommen habe.
der Konfeſſionen. Sie hat den Willen zur Macht und zur
Wehrhaftig=
keit. Ich danke Oberland für das Vertrauen, das er mir geſchenkt
hat. Ich habe bei Hitler erkannt, daß bei ihm etwas Hohes war, daß
von ihm Rettung kommen konnte. Er hat vielen Lockungen
widerſtan=
werde ihm die Treue halten.
Ludendorffs Stellung zur Monarchie.
In ſeinen weiteren Ausführungen nimmt Ludendorff auch zur
monarchiſchen Frage Stellung. Er erklärt: Ich bin Monarchiſt und
bleibe Monarchiſt. Aber für mich haben die Dynaſtien keinen
Selbſt=
zweck. Wenn die Zeit da iſt, werden auch die Dynaſtien wieder
kom=
ſtaat würde ich als Unglück betrachten. Das ändert nichts an meiner Kampfbundtruppen ſchießen ließen.
grundſätzlichen Stellung; denn ich würde mir als ein ſchlechter
Deut=
ſcher vorkommen, wollte ich meinem Kaiſer und Herrn nicht heute mit
der gleichen Ehrerbietung gegenüberſtehen, wie damals.
Der Treubruch Loſſows.
Ludendorff betont dann: Ich hatte von der völkiſchen Be=
Generalkommiſſariats der erſte Schritt zur gewaltſamen Löſung der deut= Friedens machen.
ſchen Frage war, da Dr. von Kahr die Machtmittel Bayerns und
teil=
heerend wirken mußte.
Das Angebot einer Stellung als Generalgouverneur von Thüringen
und Sachſen an Poehner hat mir ebenfalls Bedenken eingeflößt. Ich
habe darin einen Verſuch geſehen, die Machtmittel Baherns auf Koſten fahren genau ſo, wie Herr von Kahr.
anderer Bundesſtaaten gewaltſam auszudehnen. Dazu kam die
Zu=
ſtellen.
Ich habe mich immer für eine Einigung der vaterländiſchen Be= richtete?‟
wegung eingeſetzt. Als die Reichswehr in Pflicht genommen wurde,
haben ſich die allerſchwerſten Sorgen erfüllt, als dieſe kleine Truppe, die ſolche, nur gegen die gegenwärtigen Regierungsträger.”
Deutſchland noch geblieben iſt, noch zwiſchen Reich und Land zerriſſen
werden ſollte.
Die Beziehungen zu den vaterländiſchen Verbänden. Begleiterſcheinungen des Hitlerprozeſſes.
Ludendorff ſchildert dann ſeine erſte Beſprechung mit General von München, 29. Febr. Von zuſtändiger Seite erfahren wir,
Loſſow, die auf deſſen dringendes Erſuchen erfolgte. Leſſow habe ihm
geſagt, er hätte gehen ſollen, aber die baheriſche Regierung hätte nicht
gewollt. Seine Sorgen ſeien grundlos. Die bayeriſche Reichswehr ſei
deutſch und ſtehe geſchloſſen hinter ihm. Er ſtrebe eine Entwickelung
Fühlung. Dieſe Beſprechung habe in ihm die Sorgen um die
Ord=
pung und um das Reich zerſtreut. Er habe zu Loſſow großes
Ver=
trauen gehabt, auch ſchon während des Krieges. Er habe ſich zu der
von Loſſow erbetenen Unterſtützung gern zur Verfügung geſtellt. Eine
Beeinfluſſung der deutſchen Lage durch die deutſchen Kampfverbände einen etwa beabſichtigten Hungerſtreik.
allein habe er ſtets als verfehlt angeſehen. Vom Kampfbund ſei mit
ihm darüber auch niemals geſprochen worden. Wenn aber der
bate=
riſche Staat mit ſeinen Machtmitteln die deutſche Frage gemeinſam mit
den vaterländiſchen Verbänden in Süd= und Norddeutſchland zur Löſung
bringen ſollte, ſei dies für ſeine Teilnahme an der ganzen Angelegen= von Seeckt erläßt folgenden Befehl an die Reichswehr:
heit entſcheidend geweſen.
Der Kampf zwiſchen Bahzern und Berlin
Reichswehr habe er eine gewiſſe Orientierung nur durch General Loſſow
erhalten, nicht von Kriebel oder einem anderen Herrn. Er habe immer
auf dem Standpunkt geſtanden, daß ein Zuſammenwirken der bayeriſchen
Staatsgewalt, der vaterländiſchen Verbände im Süden und Norden im
Name” — dazu führen könnte, den Druck auf die Reichsregierung fo ſiark autorität iſt in einem Umfange geglückt, wie es noch im Herbſt
zu machen, daß ein bewaffneter Kampf nicht notwendig geworden wäre.
durch Verhandlungen mit Seeckt vorzubereiten. Er (Ludendorff) habe
als erſtes Erfordernis die Propaganda erachtet, die Hitler zu übertragen
geweſen wäre. „An der Propaganda der Gegner im Weltkrieg iſt
Deutſchland zugrunde gegangen.”
Roßbach habe er ſeit Jahren gekannt, weil er einen forſchen Bug
bis vor Thorn durchführte. Er wendet ſich in dieſem Zuſammenhang
ſei vollſtändig grundlos.
Die geplante Angora=Regierung.
Lubendorff kommt dann auf eine Beſprechung, die er gemeinſam
mit Loſſowv und Generaldirektor Minoux in Berlin hatte. Sein Pro= wird der Reichswehr die Herausnahme aus der Politik und die
gramm ſei ihm reichlich wirtſchaftlich erſchienen. Wie Loſſow aus dieſer
Unterredung dazu habe kommen können, nachher zu erklären, er
(Ludendorff) habe ganz böſe Sachen vor, ſei ihm abſolut unklar, letzten Zeit beſonders gut tun. Ich bitte die Herren
Komman=
ſammen mit den Herren vom Norden. Dann ſei am 2. November dienend, das ſcharſe Inſtrument bleibt, als das ſie ſich in den
Oberſt Seißer nach Berlin gefahren. Er habe das Ergebnis dieſer
Reiſe nicht gehört. Die große Bedeutung der Reiſe nach Berlin ſcheine
ihm der Grund dafür geweſen zu ſein, daß die Herren die Verſammlung
am 6. November im Generalſtaatsſekretariat einberiefen.
Am 6. November ſei dann auch Admiral Scheer als Geſandter
Streſemanns zu ihm gekommen, um auf ihn wegen der Bereitſtellung
von Kampftruppen in Koburg Einfluß zu nehmen. Er habe ihn an
Herrn von Kahr verwieſen. Später habe ihm dann General von Loſ=
Sache gemacht werden. Er habe daraufhin Dr. von Scheuber=Richter
nach München holen ſollte. Auf dieſe Weiſe ſei Graefe nach München Beſtrebungen beſtimme ich:
gekommen. Er habe auf Wunſch Scheubers auch Loſſow eine
Beſprech=
ung mit Hitler zu erwirken verſucht.
vor dem Prozeß eine Schriſt verbreitet wurde, die die Zeugen zu
be=
einfluſſen geeignet ſei. Stellenweiſe ſei dieſe Schrift wörtlich in die
Anklageſchrift aufgenommen worden. Er müſſe gegen die in dieſer
Schriſt enhaltenen Beſchuldigungen auch bezüglich ſeines Sohnes die
ſchärfſte Verwahrung einlegen.
Das November=Orama.
Damit kommt dann Ludendorff zu den Ereigniſſen vom 8. und
9. November. Am Abend des 8. November wurde Ludendorff in
ſeiner Wohnung angeklingelt, im Bürgerbräukeller ſei ſeine
Anweſen=
heit dringend erwünſcht. Es werde ſofort ein Kraftwagen kommen, um
ihn abzuholen. Auf ſeine Frage, was eigentlich los ſei, habe ihm der
Anrufende geantwortet, das werde ihm auf dem Wege mitgeteilt
wer=
den. Dr. von Scheuner=Richter holte Ludendorff im Auto ab. Im
Bürgerbräukeller ſei für ihn die entſcheidende Frage geweſen, wie ſich
die Staatsgewalt zu der Aktion ſtelle. Er habe das ganze nur als ein
Vorprellen in der gegebenen Ziel= und Wegrichtung angeſehen. Er
ſei dann zu Loſſow gegangen und habe ihm ungefähr geſagt, daß die
Sache jetzt ins Rollen gekommen ſei und daß es jetzt nur noch ein
Mit=
machen geben könne. Weil er die Gefahren habe bannen wollen, habe
er ſich zu raſchem Handeln bekannt. Von Waffen oder irgendwelchem
Zwang habe er nicht das mindeſte wahrgenommen. Er ſei in dieſer
Stunde tief ergriffen geweſen und habe zu den Herren geſprochen, wie
es ihm ums Herz war.
Als freie Männer haben mir die Herren ihr Wort gegeben. Ich
wollte keine gezwungenen Mitarbeiter. Ich wollte freie Männer als
Mitarbeiter haben. Ich nahm an, daß ich es mit deutſchen Männern zu
tun hatte, die ein deutſches Wort halten. Hätten mir die Herren Nein
geſagt, dann hätte ich geſagt: „Nein, dann nicht!‟ Es wäre mir ganz
egal geweſen, was dann aus der Sache geworden wäre. Ich muß hier
die traurige Feſtſtellung machen, „daß deutſche Männer und deutſche
Offiziere mir ihr Wort und ihren Handſchlag nicht aufrecht erhalten
haben!“
Am 11. November hat Loſſow der Preſſe geſagt, wenn Ludendorff
und Hitler Diktatoren geworden wären, ſo wären die Namen Kahr und
Loſſow bald verſchwunden, ſie wären nur Propaganda für Hitler und
Ludendorff geworden. Ludendorff erklärt hierzu:
„Man kennt den Ludendorff nicht, wenn man ihm ſo etwas zutraut.”
Es ſei ihm immer nur daran gelegen geweſen, alle Stellen zu
be=
nachrichtigen, um jeder Unordnung irgendwelcher Art vorzubeugen. Was
die Anklage ſage, ſei nicht richtig. Er habe die Herren gebeten, ihre
Untergebenen zu unterrichten, um jedes Unglück auszuſchließen.
Ludendorff beſtätigt, daß Kriebel keine führende Stellung von ihm
haben wollte. Als Hoffnung und Enttäuſchung im Sommer 1918 im
Großen Hauptquartier uechſelte, war ihm Oberſt Kriebel ein lieber
Geführte. Daß er in kurzer Zeit mit ihm nochmals zuſammen Stunden
verleben würde, wie die am 8. November, habe er damals nicht
ange=
nommen,
General Ludendorff dankt beſonders der Staatsanwaltſchaft,
Die Vorgänge im Wehrkreiskommando.
Er ſchildert ſodann die Vorgänge in der Nacht vom 8. zum 9.
No=
den, die ihm angeboten wurden, um ihn von dem preußiſchen Luden= vember im Wehrkreiskommando, wo ſich ihm die Ueberzeugung
auf=
dorff zu trennen. Hitler iſt mir treu geblieben, und ich gedrängt habe, daß Loſſow, Kahr und Seißer feſtgehalten würden, weil
ſie nicht mehr erſchienen. Daß ſie ihr Ehrenwort gebrochen haben
könn=
ten, ſei ihm nicht in den Sinn gekommen. Von Oberſt Leupold habe er
angenommen, daß er als Vermittler weggehe und wiederkommen werde.
Loſſow habe keinerlei offizielle Mitteilung gemacht.
Die Schießerei an der Feldherrnhalle.
Das Unerhörteſte aber ſei, daß die gleichen Leute, die ihr Wort niht
men. Eine zu frühe Einrichtung einer Monarchie in einem Bundes= hielten, ohne Ankündigung auf die ohne jede Kampfabſicht anrückenden
„Ich weiß, daß auf der Feldherrnhalle oben, dann am Fuße der
Feldherrnhalle Leute von der Polizei auftguchten und Feuer gaben. Die
Reſidenz weiſt Schüſſe auf, die von dieſen Leuten von der Feldherrnhalle
gefallen ſind, und wenn der Hauptmann Schrauth und ſeine braven Lente
von der Landespolizei fielen, ſo ſind ſie nicht gefallen von Schüſſen der
Nationalfozialiſten, ſonden von denen der Polizeikräfte auf der
Feld=
herrnhalle.
Die Hoffnung, die ich zu Deutſchland hatte, ſah ich vernichtet, weil
wegung nichts zu fordern, ſie nicht von mir. In organiſatoriſchem Zu= die große Stunde in den Herren Kahr, Loſſow, Seißer kleine Menſchen
ſammenhang mit ihr habe ich nie geſtanden, aber wir haben uns auf gefunden hat. Die völkiſche Betzegung wird ihre geſchichtliche
Auf=
gleichen Wegen gefunden. Für mich ſtand feſt, daß die Einrichtung des gabe dennoch erfüllen und Deutſchland wieder zum ſtarken. Hort des
Damit war die Vernehmung Ludendorffs abgeſchloſſen. Der
Vor=
weiſe auch die des Reiches zur Verfügung hatte. Sie ſtelle einen ſchwe= ſitzende richtete an ihn noch die Frage, wie er ſich die Sache gedacht habe,
ren Verfaſſungsbruch dann aber auch einen Treubruch und einen Un= wenn die drei Herten bei der Stange geblieben wären. Ludendorff
er=
gehorſam des Generals von Loſſow, dar, deſſen Beiſpiel geradezu ber= widerte, daß nicht an Gewalt gedacht wuorden ſei, daß man vielmehr den
Druck auf die Reichsregierung als ausreichend erachtet habe. Der
Vor=
ſitzende fragt weiter, ob ihm etwas von den Miniſterverhaftungen
be=
kannt war. Ludendorff: „Ich habe die Verhaftungen erſt ſpäter er=
Schließlich ſtellt Staatsanwalt Ehardt auf eine Aeußerung des
ſammenarbeit Kahrs mit Ehrhardt, der das Organ des Juſtizrats Claß Generals noch feſt: „Daß wir nicht ſo kindiſch ſind, einem General
war. Bedenklich war es auch, daß die Offiziere unter Hinweis auf den Ludendorff den perſönlichen Mut abſprechen zu wollen, brauche ich wohl
Fahneneid veranlaßt werden ſollten, ſich geſchloſſen hinter Kahr zu nicht erſt zu betonen. Ich frage: Iſt Exzellenz Ludodendorff ſich darüber
klar geweſen, daß die Unternehmung ſich auch gegen die Reichsgewalt
Ludendorff antwortet: „Nicht gegen die Reichsregierung als
Die Verhandlung geht am Samstag vormittag ½9 Uhr weiter,
daß der im Zuſammenhang mit dem Hitler=Prozeß in
Landsberg in Schutzhaft genommene Hauptlehrer Streicher
ſich wieder auf freiem Fuß befindet. Dagegen trifft die
Mel=
in Schwarz=Weiß=Rot und völkiſchem Sinne an und wolle mit Hitler dung nicht zu, wonach die in Landsberg inhaftierten Major
von Bolz und Leutnant d. R. Weiß in den Hungerſtreik
getreten ſeien. Beide haben weder dem Anſtaltsleiter noch
dem Aufſeher gegenüber irgend welche Mitteilung gemacht über
General von Seeckt an die Reichswehr.
Berlin, 29. Febr. Der Chef der Heeresleitung General
Bei der Aufhebung des militäriſchen Ausnahmezuſtandes
allen Angehörigen der Reichswehr Dank und Anerkennung für
ihre pflichttreue, ſachkundige und unermüdliche Tätigkeit
auszu=
habe ſeine Beſorgniſſe wieder verſtärkt. Nach der Verpflichtung der ſprechen, iſt mir lebhaftes Bedürfnis. Wenn das Deutſche Reich
dieſen Winter überſtanden hat, ohne auseinander zu fallen, ohne
ſich im Bürgerkrieg zu verbluten und ohne in wirtſchaftliches und
ſoziales Elend zu verſinken, ſo verdankt es das dem ſelbſtloſen
Zuſammenwirken mit ſeinem Namen — „denn etwas gilt doch mein Wirken ſeiner Wehrmacht. Dieſe Wiederherſtellung der
Reichs=
vorigen Jahres für unmöglich gehalten wurde, und unſer wirt=
Loſſow ſei ſkeptiſcher geweſen. Er habe es für nötig erachtet, die Sache ſchaftliches Leben hat ſich allen ſchlimmen Vorausſetzungen
ent=
gegen in der durch die Reichswehr geſchaffenen Atmoſphäre der
Diſziplin durchſchlagend gebeſſert. Dieſe Tatſache und die
Sorge, die ſcharfe Waffe des militäriſchen Ausnahmezuſtandes
nicht ſtumpf werden zu laſſen, haben mich veranlaßt, die
Auf=
hebung des Ausnahmezuſtandes zu beantragen. Ich bin mir
gegen die Beſchuldigung, daß er die Infanterieſchule in einer Beſprech= nicht im Unklaren darüber, daß die ſtaatliche und wirtſchaftliche
ung in ſeiner Villa zum Meutern veranlaßt habe. Dieſe Beſchuldigung Sanierung Deutſchlands erſt angebahnt iſt und daß noch vieles,
ſehr vieles zur wirklichen Geſundung zu tun bleibt. Ich bin
aber der Anſicht, daß die Reichswehr dabei keinerlei Tagesarbeit
leiſten ſoll, ſondern für außerordentliche Ziele und Aufgaben
unverbraucht und aktionsfähig erhalten bleiben muß. Deshalb
ausſchließliche Beſchäftigung mit militäriſchen Aufgaben in der
General Loſſow habe dann eine Abhandlung verfaßt, die davon ſprach, deure, in dieſem Sinne an der Feſtigung der Truppe zu arbeiten,
es müſſe in Bayern eine Angora=Regierung geſchaffen werden zu= damit die Reichswehr, die überparteilich und nur dem Vaterland
letzten Monaten glänzend bewährt hat.
Ernennung eines Waffenausfuhr=Kommiſſars.
Verordnung Nr. 3.
Berlin, 29. Febr. Auf Grund der Verordnung des
ſow geſagt, wenn die Herren aus dem Norden da wären, könne die Reichspräſidenten vom 28. Februar und auf Grund des § 2 der
Verordnung des Reichspräſidenten über die Aufhebung des
mili=
gebeten, einen Herrn zu beauftragen, der Herrn von Graefe von Berlin täriſchen Ausnahmezuſtandes und die Abwehr ſtaatsfeindlicher
8 1. Zur Kontrolle der Waffenausfuhr aus den Waffen=
Induſtriegebieten Suhl, Zella=Mehlis wird ein Waffenausfuhr=
Kommiſſar eingeſetzt. Hierzu wird der Polizeimajor
Salit=
ter in Suhl ernannt.
§ 2. Zur Durchführung ſeiner Aufgaben ſteht dem
Waffen=
ausfuhr=Kommiſſar die Schutzpolizei in Suhl und die
Landes=
polizei in Zella=Mehlis zur Verfügung. Alle Reichs= und
Lan=
desbehörden haben, dem Waffenausfuhr=Kommiſſar jede
ge=
wünſchte Auskunft über den Waffenhandel zu erteilen und ihn
auf Anfordern in jeder Weiſe zu unterſtützen. Die an der
Waffen=
herſtellung und =ausfuhr beteiligten Betriebe und einzelnen
Per=
ſonen in den in § 1 erwähnten Gebieten haben dem
Waffen=
ausfuhr=Kommiſſar nach Maßgabe der von dieſem aufzuſtellenden
näheren Beſtimmungen über die Waffenausfuhr und den
Waffentransport jede Auskunft zu erteilen und ſeinen auf eine
Kontrolle der Waffenausfuhr abzielenden Verordnungen Folge
zu leiſten.
8 3. Beſchwerden gegen die von dem Waffenausfuhr=
Kom=
miſſar getroffenen Maßnahmen ſind an das Reichsminiſterium
des Innern zu richten.
8 4. Dieſe Verordnung tritt mit dem Tage ihrer
Verkündi=
gung in Kraft.
Reichsminiſter des Innern. gez.: Dr. Jarres.
Mahnung der ſächſiſchen Regierung an die Bevölkerung.
Dresden, 29. Febr. Das ſächſiſche Geſamtminiſterium
richtete anläßlich der Aufhebung des militäriſchen
Ausnahmezu=
ſtandes an die ſächſiſche Bevölkerung folgenden Aufruf:
Der militäriſche Ausnahmezuſtand iſt aufgehoben. Damit
übernimmt die ſächſiſche Regierung wieder die Verfügungsgewalt
über das Land. Die Regierung iſt entſchloſſen, Handel und
Wandel, Arbeits= und Unternehmungsfreudigkeit tatkräftig zu
fördern, und richtet an die geſamte Bevölkerung die ernſte Bitte,
ſie in dieſem Beſtreben zu unterſtützen. Wo erneut verſucht
werden ſollte, durch Unruhen oder Gewalttätigkeiten die
Sicher=
heit des Staates zu gefährden, wird die Regierung die
Macht=
mittel des Staates zum Schutze der geſamten Bevölkerung
an=
wenden. Unruhen und gewaltſame Störungen des
Wirtſchafts=
lebens ſchädigen in erſter Linie und am nachteiligſten die
wirt=
ſchaftlich ſchwachen Teile unſeres Volkes. Es halte ſich deshalb
jeder von Gewalttätigkeiten fern und bemühe ſich, an der vollen
Geſundung des allmählich wieder aufblühenden
Wirtſchafts=
lebens zu ſeinem Teil mitzuwirken.
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Darmſtädter Tagblatt, Saustag, den 1. März 1924.
Seite 7.
Von Oberlandesgerichtspräſident i. R. Dr. Beſt, Darmſtadt.
Wenn dem Beſitzer ein Acker enteignet wird, iſt wegen der
Höhe der Entſchädigung der Rechtsweg zuläſſig. Bei der
Be=
ſchränkung der Aufwertung, bei der Milliarden in Frage ſtehen,
hat ihn die Notverordnung grundſätzlich ausgeſchloſſen. Das
Landgericht I Berlin hat das für unwirkſam erklärt. Es hat
den Antrag eines Schuldners, auf Grund des § 10 der
Verord=
nung das anhängige Verfahren auszuſetzen, wegen
Verfaſſungs=
wiorigkeit der Verordnung abgelehnt. Die Regierung, die eine
vollendete Tatfache ſchafſen wollte und den Reichstag durch die
Drohung mit Auflöfung von der Aufhebung der Verordnung
abhalten will, zieht gegen den Nichterſpruch zu Felde. Es ſei
ein gewiſſer „Sport” der deutſchen Gerichte, „alles und
jedes” mit dem Gedanken zu prüfen, ob nicht die Regierung
ihre Befugnis überſchritten habe. Das Ermächtigungsgeſetz ſei
mit Zuſtimmung des Reichstages fo geſaßt worden, daß die
Regierung alle Verordnungen erlaſſen könne, die ſie für
not=
wendig halte. Nur eine politiſche Nachprüfung durch den
Reichs=
tag, nicht aber eine Nachprüfung durch die Geri hte ſei zugelaſſen.
Von einem Vorſtoß der Verordnung gegen die Verfaſſung ſei
nicht die Rede. Die Verordnung habe die Beunruhigung und
Unklarheit, die die Geldentwertung hervorgerufen habe, durch
Klarheit und Ordnung erſetzen und eine ſichere Grundlage für
neue Kredite ſchaffen wollen. Die Entſcheidung des Landgerichts
ſchaffe neue Unſicherheit und verwirre die ſchwebenden
Kreoit=
verhandlungen wie die Abgabe der Steuererklärungen. Die
deutſche Wirtſchaſt habe ein Intereſſe daran, daß in der
Auf=
wertung vor einem klaren Punkt Halt gemacht werde. Die
Be=
ſchränkung der Aufwertung auf höchſtens 15 Prozent und deren
Stundung bis 1. Januar 1932 ſei geboten, weil zurzeit für die
Aufwertung überhaupt keine Kapitalien zur Verfügung ſtünden.
Dazu iſt zu bemerken:
Das Ermächtigungsgeſetz hat der Regierung weitgehende
Vollmachten erteilt, aber ein Abweichen von den Vorſchriften
der Reichsverfaſſung ausdrücklich ausgeſchloſſen. Deshalb haben
die Gerichte die Ungültigkeit der Verordnung auszuſprechen,
ſo=
weit ſie mit der Verfaſſung nicht vereinbar iſt. Dies iſt für
die Beſchränkung der Aufwertung nach dem Artikel 153 der
Reichsverfaſſung der Fall. Da das Landgericht auf den Abſ. 1
des Art. 153 abſtellt, gehe ich auf den Abſ. 2, der mir mindeſtens
entſprechend anwendbar erſcheint, nicht ein. Abſ. 1 des Art. 153
ſagt im Satz 1, daß das Cigentum von der Verfaſſung
gewähr=
leiſtet wird. Dazu bemerkt der Juſtizminiſter und
Reichstags=
abgeordneter Dr. Dühringer, der bei der Be=atung der
Verfaſ=
ſung hervorragend beteiligt war (Voſſ. Zeitung vom 2. 1. 1924),
daß dieſe Vorſchrift nicht nur gegen Willküralte der Verwaltung,
ſondern auch gegen die Entziehung von Rechten durch die
Geſetzgebung ſichern ſollte, indem ſie dieſe Entziehung an die
Vorausſetzungen der Verfaſſungsänderung band. Im Einklang
damit ſteht die Mahnung der Reichsrichter. Sie beſagt: „Die
ernſte Gefahr, daß die geplante Maßnahme als
Vorſtoß gegen Treu und Glauben als unſittlich
ihrer unſittlichen Folgen wegen oder als
ver=
faſſungswidrige Enteignung für
rechtsun=
wirkſam erklärt wird, beſteht auch dann, wenn
die Regierung die im Nechte begründete
Auf=
wertung nur zum Teil verbieten ſollte.‟ Ob das
Landgericht Berlin „Sport” geübt oder das Recht gegen
Verfaſ=
ſungsbruch geſchützt hat, bedarf demgegenüber keiner Darlegung.
Auch die Begriffe Beruhigung, Ordnung und Klarheit
wur=
den bisher anders als von der Reichsregierung gewertet. Die
Geldentwertung hatte die Gläubiger beunruhigt, weil die
Zah=
lungen zum Papiermark=Nennbetrage ſie um Hab und Gut
brachten. Das Urteil des Reichsgerichts ſchuf Beruhigung, indem
es durch billigen Ausgleich der beiderſeitigen Intereſſen Treu
und Glauben wieder herſtellte. Die Verordnung will mit den
geringen Aenderungen, die ich in Nr. 38 und 51 des Tagblatts
dargelegt habe, den Zuſtand vor dem Erlaſſe des
Reichsgerichts=
urteils zum Geſetze machen. Damit beruhigt ſie die Schuldner,
die das Unrecht wollten. In ſolchem Sinne wird der Dieb
beunruhigt, dem der Eigentümer das Geſtohlene wieder abnimmt.
Und mit dem gleichen Rechte, mit dem zur Beruhigung der
alten Geldſchuldner das bürgerliche Recht beſeitigt, könnte man
das Strafgeſetz außer Kraft ſeren, weil es einzelne Mitbürger
in der Uebung ihres Gewerbes beunruhigt.
Daß man Klarheit ſchafft, wenn man das Recht teils
vollends, teils zu neun Zehnteln totſchlägt, iſt richtig. Aber
Ordnung im Sinne des Rechtsſtaats iſt das nicht. Und
der=
artige „Ordnung” wird auch durch die Verhältniſſe nicht bedingt,
weil die Forderungen des Rechts mit der von der Wirtſchaft
geforderten Klarheit voll vereinbar ſind. Die Mügelſche Formel,
auf die im Grunde das Reichsgericht abſtellt, iſt durchaus klar.
Die Aufwertung hat in dem Verhältniſſe zu erſolgen, in dem
bei Begründung und Tilgung der Schuld der Goldwert der
Forderung zu dem des Unterpfandes oder der ſonſt mit dem
Gläubigergeld beſchafften Sachwerte ſteht. Das muß allerdings,
wenn man nicht mit Mügel zur Vereinfachung einen
Durch=
ſchnittsfatz mit Abweichungen nach oben und unten annimmt,
im Einzelfall ermittelt werden, da ſich die Verhältniſſe der
Induſtriegeſellſchaften und die Golopreiſe der Unterpfänder
ver=
ſchieden entwicelt haben. Daran nimmt aber die Verordnung
bezüglich der Hypothekenforderungen ſelbſt leinen Anſtand. Denn
nach § 3 gilt für den perſönlichen Anſpruch der Höchſtſatz nur,
wenn nicht die allgemeinen Vorſchriften eine höhere oder
ge=
ringere Aufwertung bedingen, lind auch die Goldbilanzierung
der Induſtriegeſellſchaften ſteht dem nicht entgegen, da die
Feſt=
ſtellung des Goldmarktzertes der mit dem Anlehen beſchafften
Sachwerte nach der Mügelſchen Formel ergibt, in welcſem
Ver=
hältnis jene aufzuwerten ſind. Daß das bei gut ſtehenden
Ge=
ſellſchaften ein anderes iſt als die 15 oder vielmehr 7 Prozent
der Verordnung, hat ei Berliner Urteil ergeben, das leßthin
auf 75 Prozent erkannte. Aber das paßte der Induſtrie nicht,
und deshalb hat man im Begenſatz zu dem perſönlichen
Hypo=
thekanſpruch den feſten Satz aufgeſtellt, an dem jetzt unbedingt
feſtgehalten werden ſoll. Auch dieſer ſchafft aber Klarheit nur
bezüglich der Grenze, die ſelbſt bei den beſtehenden Geſellſchaften
nicht überſchritten werden darf. Für den Gläubiger kann die
Klarheit durch den Antrag des Schuldners beſeitigt werden, die
Aufwertung noch weiter herabzuſetzen. So iſt es um die
Be=
ruhigung, Klarheit und Ordnung beſchaffen, wegen deren die
Verordnung den vom Reichsgericht geſchaffenen Zuſtand
beſei=
tigt. Bleibt die Schaffung einer Grundlage für neue Kredite.
Der ſteht zunächſt entgegen, daß die Entrechtung der alten
Gläu=
biger neue nicht locken dürfte. Und daß die rechtswidrige
Be=
ſchränkung der alten Hypotheken auf einen kleinen Bruchteil der
dinglichen Sicherheit den deutſchen Immobiliarkredit auf das
ſchwerſte erſchüttern muß. Das iſt das Urteiß der berufenſten
Vertreter des deutſchen Realkredits, und das ergibt ſich als
Ur=
teil des Auslandes aus den Aeußerungen, die ich wiederholt
angezogen habe. Wie leicht trotz gegenteiliger Zuſagen auch die
neuen Gläubiger ein ähnliches Schickſal treffen kann, ergibt ſich
aus dem, was 29 der Verordnung bezüglich ſolcher Neubauten
beſtimmt, die mit öffentlicher Beihilfe aufgeführt worden ſind.
Sollte aber das Kreditbedürfnis der Wirtſchaft tatſächlich im
Einzelfalle entlaſteten Grundbeſitz und ſchuldenfreie Induſtrie
verlangen, dann muß ſolcher Zuſtand im Wege der Enteignung
auf geſetzlicher Grundlage herbeigeführt werden. Dann müſſen
aber im Intereſſe neuen Kredits die Laſten der Enteignung durch
die Allgemeinheit getragen, und es muß die Bereicherung der
wirtſchaftlich ſtarken Schuldner auf Koſten der ſchwachen
Gläu=
biger ausgeſchloſſen werden. Das Gegenteil iſt Zweck und
jeden=
falls Erfolg der Notverordnung, und deshalb untergräbt ſie den
Kredit, ſtatt ihm eine neue Grundlage zu ſchaffen. Daß die
Entſcheidung des Landgerichts Berlin nicht, wie die Regierung
behauptet, die Steuererklärung verwirrt, ergibt ſich aus dem § 38
der Verordnung. Danach ſind Markforderungen und =Schulden
bei der Vermögensſteuererklärung zum Papiermarknennbetrag
einzuſtellen, und dieſe Beſtimmung wird durch die Entſcheidung
nicht berührt.
Daß die Kapitalien nicht zur Verfügung ſtehen, mit denen
alsbald alle nach Maßgabe des Reichsgerichtsurteils
aufgewer=
teten Anſprüche befriedigt werden könnten, iſt zweifellos. Das
wird aber umſo weniger verlangt, als es ſich oft um
Schuldver=
hältniſſe handelt, die ſeit Jahrzehnten beſtehen. Und mit dieſer
Vorausſetzung entfällt auch die Folgerung. Aufwertung,
Stun=
dung und Verzinſung ſind den Verhältniſſen im einzelnen Falle
anzupaſſen. Daß die Schuldner ein Intereſſe daran haben, der
Berechnung der Aufwertung die ungünſtigen Verhältniſſe von
heute zugrunde zu legen, die Aufwertung aber erſt zu bezahlen,
wenn ſie in den vollen Goldwert ihres Beſitzes wieder
hinein=
gewachſen ſind, iſt begreiflich, kann aber an der Rechtslage nichts
ändern.
Aus dem Vorſtehenden erhellt, daß die jetzt von der
Regie=
rung geltend gemachten Gründe ebenſo zu bewerten ſind, wie
die im Frühjahr vorigen Jahres vom Reichsjuſtizminiſter
vor=
gebrachten, und die durch den Inhalt der Verordnung ſelbſt
widerlegte angebliche ſteuerliche Notwendigkeit der
Aufwertungs=
beſchränkung. (Tagblatt Nr. 38 und 51.) Insbeſondere iſt trotz der
gebrauchten ſtarken Worte das jetzt ausſchlaggebend betonte
Kreditbedürfnis mit Vorſicht aufzunchmen. Es deckt ſich mit
alledem nicht, was früher zur Rechtfertigung des
Aufwertungs=
verbots geltend gemacht wurde. Und es ſteht auch damit nicht
in Einklang, daß noch vor kurzem der Deutſche Handelstag ſich
gegen die Beſchränkung der Aufwertung ausgeſprochen hat.
Daß die jetzige Regierung zum Schutze der Währung, zur
Balancierung des Haushalts, zur Belebung der Wirtſchaft, zum
Ausgleich zwiſchen den Ländern, ſowie für Ruhe und Ordnung
Namhaftes geleiſtet hat, iſt unbeſtreitbar; unbeſtreitbar auch,
daß dies nur aufgrund des Ermächtigungsgeſetzes möglich war;
aber das Gemeinwohl ſordert, daß neben den Intereſſen der
Wirtſchaft und der Finanzen auch das Recht zur Geltung kommt.
Die Gerechtigkeit darf beſonders dann nicht mißachtet werden,
wenn es ſich um das Recht wirtſchaſtlich oder politiſch
Schwa=
cher handelt und deſſen Wahrung mit den Bedürfniſſen der
Wirtſchaft und der Finanzen wohl vereinbar iſt. Tatſächlich hat
der Reichspreſſechef in ſeinen Mitteilungen an die ausländiſchen
Preſſevertreter die Regelung der Aufwertungsfrage nicht unter
den lebensnotwenßigen Beſtandteilen der Verordnung
aufge=
führt, und tarſächlich läßt ſich die 3. Steuernotverordnung mit
geringen Aenderungen auch dann aufrecht erhalten, wenn man
die Aufſertungsvorſchriften ausſchaltet oder mit dem Urteil
des Landgerichts in Einklang bringt. Ich habe das in meinem
Eegenentwurf nachgewieſen (Nr. 38 des Tagblatts), und den
gleichen Nachweis hat Staatsſekretär Dr. Mügel in Nr. 127 der
Kölniſchen Zeitung vom 20. Februar d. Js. erbracht.
Wieder=
holt ſchien es auch, als ob nian unter dem Druck der öffentlichen
MNeinung die Regelung der Aufwertungsfrage fallen laſſen
ollte. Aber den intereſſierten Kreiſen, die hinter den Kuliſſen
zu ſuchen ſind, paßte das nicht. Sie fürchteten, daß die
Ent=
rechtung, die ſie anſtreben, auf verfaſſungsmäßigem Wege nicht
zu erreichen iſt, und deshalb mußte die wichtigſte Frage des
Privatrechts im Wege einer Steuernotverordnung geregelt
wer=
den. Ich hoffe, daß deren Opfer ihren Gegnern an Zähigkeit
nicht nachſtehen. Sie haben ſich jetzt im Reich überall
zuſammen=
getan, um gegen die Enteignung des Mittelſtandes zugunſten
der Nießbraucher der Geldentwertung anzukämpfen. Auf dem
Wege des Rechts wie der Politik. Auf dem erſten kann, nachdem
der Richterzerein des Reichsgerichts geſprochen hat, erſt ein
Spruch des vereinigten Senats endgültige Klärung bringen.
Auf politiſchem Gebiet aber wird die Aufwertungsfrage bei allen
künftigen Wahlen eine Nolſe ſpielen. Die Sozialdemokratie hat
das raſch begriffen. Während ſie vor kurzem noch zugunſten
der Privatgläubiger jede Aufwertung ausſchließen wollte, will
ſie dieſe jetzt bis zu 20 Prozent zulaſſen, die Stundung von acht
auf drei Jahre beſchränken, die Zinſen weſentlich erhöhen und
durch Ausdehnung der Aufwertung auf alle nach dem 1. Juli
1922 zurückgezahlten Forderungen die Aufwertung auch der
Sparkaſſeneinlagen, Pfandbriefe und Lebensverſicherungen pp.
möglich machen. Nach dieſem Vorgehen werden die bürgerlichen
Parteien nicht umhin können, zu den einzelnen Forderungen
unzweideutig Stellung zu nehmen.
Aus dem Reichstagshaushaltsausſchuß.
Berlin, 29. Febr. Im Haushaltsausſchuß des
Reichs=
tages wurde der Geſetzentwurf über die vorläufige Regelung des
Notetats für 1924 weiterbehandelt. Miniſterialdireltor
v. Schlieben (Reichsfinanzminiſterium) wies auf Anfrage darauf
hin, daß die Zoll= und Steuerverwaltung zur Vollendung ihrer
Bauten 13,5 Millionen Goldmark mehr erhalten habe, als
ur=
ſprünglich vorgeſehen war. Auf eine weitere Anfrage teilte der
Regierungsvertreter mit, daß beabſichtigt ſei, die
Beförderungs=
ſperre ab 1. April weſentlich zu mildern.
Der Ausſchuß ſtimmte weiterhin dem Geſetzentwurf über die
Haushaltsführung und Rechnungsablegung für die Jahre 1922
und 1923 zu. Alsdann gab der inzwiſchen erſchienene
Reichs=
bankpräſident Dr. Schacht zu § 3 des Goldetats für 1924 einige
vertrauliche Auskünfte. Darauf ermächtigte der Ausſchuß den
Reichsfinanzminiſter zur vorübergehenden Verſtärkung der
ordentlichen Betriebsmittel der Reichshauptkaſſe bis zu 300
Mil=
lionen Goldmark und zur Beſtreitung einmaliger
außerordent=
licher Ausgaben ebenfalls bis zu 300 Mill. Gmk. auf dem Wege
des Kredits flüſſig zu machen. Es darf jedoch von dieſer
Kredit=
ermächtigung nur im Rahmen des unbedingt Erforderlichen
Ge=
brauch gemacht werden.
Der Arbeitsplan des Reichstages.
Berlin, 29. Febr. Der Aelteſtenrat des Reichstags
beſchloß heute auf Antrag der Bayeriſchen Volkspartei, mit
Rückſicht auf die geplanten Pfalzkundgebungen, ſowie auf die
Abgeordneten des beſetzten Gebietes, den Samstag dieſer Woche,
ſowie den Montag und Dienstag der nächſten Woche ſitzungsfrei
zu halten. Am Mittwoch, den 5. März, wird die allgemeine
Aus=
ſprache durch die zweite Rednerreihe fortgeſetzt werden. Mit
dieſer Ausſprache werden verbunden die Interpellationen, die
von den Sozialdemokraten und von der deutſchnationalen
Volks=
partei zu den Eiſenbahnfahrpreiſen, zur Not der
Landwirtſchaft=
zur Frage der Arbeitsloſigkeit in der Induſtrie eingebracht ſind.
*Konzerte.
N. Der Arien= und Lieder=Abend von Fräulein Gertrud
Gehersbach von der Staatsoper in Wien hatte viel Freunde
zind Verehrer der Kunſt dieſer ausgezeichneten Sängerin in den
Städtiſchen Saalbau gelockt. Der wundervoll weiche Ton ihrer
ideal reinen Stmme bot in allen Vorträgen herrlichen Genuß,
wie auch die innige Veſeelung der Lieder. Und ſo zogen viele
Erinnerungen an Opernabende an uns vorüber, in denen die
Künſtlerin bei uns die Hauptrolle ſpielte und in tauſenden
Hörern fürs Leben haftende Eindrücke hervorgeruſen hat. Wenn
auch ihre Perſönlichkeit ſich völlig erſt von der Bühne her
er=
ſchließt, ſo begrüßen wir es herzlich, daß ſie darauf verzichtete,
Operngeſänge mit Klavierbegleitung im Konzertſaal zu ſingen,
denn dieſe Unſitte vieler Geſangskünſtler muß vor allem in
Städten, die eine Opernbühne beſitzen, ſtets gerügt werden.
So=
gar in der Meſſias=Arie „Erwach zu Liedern der Wonne”
ver=
mißt man den Streicherklang der führenden Inſtrumentalſtimme.
Wir fanden dieſen Vortrag ſtiliſtiſch nicht ganz auf der Höhe
ſtehend, bewunderten aber ganz beſonders die vorzüglich klare
Koloratur. Die zahlreichen Lieder von Max Reger, Hugo Wolf,
Joſeph Marx, dem bei uns viel zu ſelten geſungenen ſeinſinnigen
Lyriker, und Richard Strauß waren eine Fülle von farbenreichen
Liedern. Als Höhepunkte mögen hervorgehoben ſein: Reger:
„Wenn die Linde blüht”, Wolf: „Frühling”, der ſtürmiſch da
apo verlangt wurde, und das faſt noch gelungenere „
Geſellen=
lied‟
Wer ſich aus dem Banne des Zaubers dieſer lieblichen
Stimme zu löſen verſucht, um kritiſch zu werten, dem konnte nicht
entgehen, daß manche ſtarke Töne in der Höhe etwas hart
wur=
den, daß das — wie früher — hörbare Atmen zuweilen ſtörte,
und daß in einzelnen Liedern allzu viel portamento angewandt
ſpurde. Glücklicherweiſe überwiegen aber die obengenannten
hervorragenden Eigenſchaften der den Darmſtädtern ſo ans Herz
gewachſenen Sängerin ſo ſtark, daß man rein genießen konnte.
Ein beſondere Freude war wieder die wundervolle
Begleit=
kunſt des Wiesbadener Staatsopernkapellmeiſters „Arthur
Nother der uns in ſeiner Anpaſſungsfähigkeit und dem durch
feinſte Anſchlagskunſt der Singſtimmie ſich ausgezeichnet
anglei=
chenden Spiel als das Ideal eines Begleiters erſcheint. Zwei
Nichard Strauß=Lieder waren als Zugabe der Dank für den
überaus herzlichen Beifall.
I. V. Der evangeliſche Kirchengeſangverein der
Martinskirche veranſtaltete ein Kirchenkonzert, in das der
Ernſt der Paſſionszeit ſchon hineinleuchtete. Der Paſſionsteil
aus Händels „Meſſias” kam zur Aufführung; eine Aufgabe, die
für einen Kirchenchor, der oft im Gottesdienſt angewandte Kunſt
pflegt, reichlich ſchwer erſcheint, aber im Ganzen recht gut und
mit ſtarker Begeiſterung für die Sache gelöſt wurde. Beſonders
wirkte die herbe, tragiſche Größe des Chores „Sieh, das iſt
Gottes Lamm”.
Als Soliſten wirkten mit Frau Aga Zeh, welche die
un=
bequem tiefe Paſſionsarie „Er ward verſchmähet und verachtet”
mit dunkelgefärbter Altſtimme ergreifend vortrug, und die
Sopraniſtin Fräulein Cramer, deren leuchtende, ſieghafte
Stimme hierzu in der Arie „Ich weiß, daß mein Erlöſer lebt”,
einen ausgezeichneten Gegenſatz bildete. Sämtliche Stücke
wur=
den von einem kleinen, aber klangſchön ſpielenden Streichorcheſter
begleitet, das der Hauptſache nach aus Mitgliedern des collegium
musicum an der Techniſchen Hochſchule beſtand. Sie ſchickten
dem Werke Händels die Trauerſinfonie des gleichzeitig
wirken=
den italieniſchen Violinkünſtlers Locatelli voraus, die dieſer nach
dem Tode ſeiner Gattin ſchrieb. Das fünfſätzige klangſchöne
Werk iſt ein typiſches Beiſpiel für altklaſſiſche italieniſche
Violin=
kunſt. Auch der Schmerz wirkt künſtleriſch verklärt. Die Leitung
lag in Händen von Herrn Privatdozent Dr. Noack, dem es
ge=
lang, die Ausführenden in Orcheſter und Chor zu einheitlicher
Wirkung zuſammenzufaſſen und im Ausdruck reiche Nüancen
zu entwickeln. Daß er auch mit kurzen Worten in die Werke
einführte, war bei dem Fehlen von gedruckten Vortragsfolgen
ſehr erwünſcht. In die Orgelbegleitung teilten ſich ein Herr aus
dem sollegium musicum Locatelli und Herr Organiſt
Lano=
zettel, beide mit beſtem Gelingen. Bedauerlich war nur,
daß das ſvohlgelungene Konzert nicht beſſer beſucht war, denn
das treue Durchhalten der Kirchengeſangvereine und ihrer Leiter
durch die Zeiten ſtärkſter Not verdient es, daß man ihre
Beſtre=
bungen in jeder Weiſe unterſtützt.
C. K. Was der Schnee erzählt. Der Großſtädter freut ſich
an der lichten, fleckenloſen Decke des Schnees, die die Natur ſo
feiertäglich einhüllt, aber eilt gedankenlos über die weiße Decle
hin. Der Landmann, der Jäger, deſſen Auge mehr geübt iſt,
in dem Buche der Natur zu leſen, findet in dieſem weißen
Rieſen=
blatt, das da vor ihm aufgeſchlagen iſt, die intereſſanteſten Dinge
derzeichnet. Er iſt imſtande, ſich aus den Spuren im Schnee
die aufregendſten Abenteuer und Ereigniſſe zu vergegenwärtigen.
„Geſtern nacht fiel weicher Schnee”, erzählt ein ſolcher
aufmerk=
ſamer Leſer im Buch der Natur, „und die erſte Entdeckung, die
ich am nächſten Morgen machte, war die, daß ein Fuchs unſexem
Hühnerſtall einen Beſuch abgeſtattet hatte. Da mein Haus in
der Mitte des Dorfes liegt, iſt dies immerhin ein ſchöner Beweis
für die Frechheit von Meiſter Reinecke. Die Spuren ſeiner
Pfoten waren ſaſt kreisrund, und hier und da bemerkte ich, wo
ſein buſchiger Schwanz die Oberfläche des Schnees gefegt hatte.
Er war rund ums Haus herumgeſchlichen und hatte ſich an einer
Sielle wie ein Hund auf die Hinterbeine geſtellt in dem
vergeb=
lichen Beſtreben, ſich einen Eingang zu den leckeren Braten
da=
hinter zu verſchaffen. Ich folgte ſeiner Spur, die über ein
offenes Feld führte, und fand, wie ſie ſich mit den Spuren eines
Haſen kreuzte. Der Haſe war augenſcheinlich früher gekommen
als der Fuchs, denn Reineckes Schwanz hatte manche von den
Fußſtat fen des Haſen verwiſcht. Lampe aber mußte wohl
plötz=
lich den braunen Räuber gewittert haben, denn man ſah aus
ſeiner Spur, daß er auf einmal ſich in Galopp geſetzt hatte, wobei
er erſtaunliche Sprünge machte. Da ein Zwiſchenraum von
nicht weniger als 12 Fuß zwiſchen jedem ſeiner Fußtapfen war,
ſo konnte ich mir vorſtellen, in was für Rieſenſätzen er
davon=
geſchoſſen war. Die Fußſpuren eines Haſen ſind von denen
eines Kaninchens ganz verſchieden. Wenn ein Kaninchen läuft,
ſo bringt es ſeine Hinterbeine vor ſeine Vorderbeine, ſo daß die
vorderen Eindrücke bei jedem Sprung von den Hinterbeinen
und nicht von den Vorderbeinen gemacht werden. An der Hecke
hinter meinem Feld war der Schnee nach jeder Richtung von
Kaninchenſpuren durchkreuzt. Unter dieſen befanden ſich auch
kleinere Eindrücke, kleiner ſogar als die einer Ratte und ſehr
eng. Es waren die Fußſpuren eines Hermelins oder großen
Wieſels, jenes gefürchteten, blutgierigen Räubers, und bald kam
ich an eine Stelle, wvo der weiße Schnee von Blutflecken gerötet
und mit Kaninchenhaaren beſtreut war, dem Zeichen des
trau=
rigen Schickſals, das einige dieſer armen Tiere ereilt hatte.
Schon oft habe ich dieſe Opfer des Hermelins noch warm
ge=
funden, durch den Biß hinter das Ohr getötet, worauf ihnen das
Wieſel das Blut ausgeſaugt hatte."
— Der Mann, der die Bank ſprengen will. Aus Monte Carlo
kommt wieder einmal die Nachricht, daß ein fanatiſcher
Syſtem=
ſpieler auf dem beſten Weg zu ſein glaubt, die Bank ſprengen
zu können. Ein Engländer namens Beresford hat ein Eyſtem
ausgearbeitet, das unfehlbar zum Gewinn führen ſoll. Er hat
ſogar, was viel ſchtvieriger iſt, Geldleute gefunden, die ihm das
nötige Kapital zur Verfügung geſtellt haben, um ſein Syſtem
auszuprobieren. Als Bedingung wurde feſtgeſetzt, daß er ſeine
Verſuche ſechs Tage lang wiederholen müſſe. Jeden Morgen
ſollte ihm ein Kapital von 3000 Franes zur Verfügung geſtellt
werden. Beresford hatte Erfolg beim Trente et quarante, aber
nie beim Roulette. An dem erſten Tage gewann er im Trente et
quarante 15 000, am nächſten Tage ſogar 17 000 Franes. Er will
ein Syſtem öffentlich vorführen und einen großzügigen Angriff
auf die Vank unternehmen, hat ſich aber gegenüber der Direltion
verpflichtet, dieſen Verſuch nicht in den Hauptverkehrsſtunden zu
machen, jedenfalls nicht in der Hauptſaiſon.
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 1. März 1924,
Mummer 61.
Rus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 1. März.
*Der Dornbrecher.
Dulde, trage!
Beſſere Tage
Werden kommen.
Alles muß frommen
Denen, die feſt ſind.
Herz, altes Kind,
Dulde, trage!
Chriſtian Morgenſtern.
Auf dem Titelblatt des prächtigen „Sudetendeutſchen
Wander=
bogels” ſah ich ein erquickliches Bild. „Der Dornbrecher” habe
ich es genannt.
Eine kernige deutſche Jünglingsgeſtalt ſtemmt ſich mit ganzer
Kraft gegen eine Dornenwehr, die den Weg verſperrt. Mit
mutigem Griff faßt der Jüngling in die Dornen, um ſie
ausein=
ander zu biegen und das Strauchwerk zu zerbrechen, und mit
der ganzen Wucht ſeines Körpers, wie auch die Dornen ſich in
ihn hineinbohren, drückt er die Dornenmauer auseinander. Und
durch die alſo gewonnene Breſche ſieht man ein kleines deutſches
Siedlerhaus auf einer Wieſe liegen, von Blumen umblüht und
von einem ſeligen Himmel überſpannt.
Ein ungemein Sieghaftes, Trutziges, Zuverſichtliches lag in
dem Bilde. Das Herz hat es mir geſtärkt.
Dornbrecher! An unſer Volk habe ich gedacht und den
Einzelnen in ihm. Müſſen wir nicht ein Volk der Dornbrecher
ſein, voll mutigen Zugreifens, voll des Willens, Wunden zu
erleiden, aber auch voll des Glaubens, daß hinter den Dornen
ein Neues und Beſſeres, ja ein Seliges kommt! Alles
Greiſen=
hafte müſſen wir von uns ſtreifen; Morgenfrühe und Kraft
müſſen wir ſein, trutzige Sonnenhaftigkeit und müſſen ſcharf
alen denen entgegentreten, die durch ihre Mutloſigkeit unſere
Tage noch verdunkeln. Es iſt ein Verbrechen an unſerem Volke,
mutlos und glaubenslos zu ſein. Den Spruch Nietzſches, den
er Neujahr 1881 niederſchrieb, müſſen wir uns zum Wahlſpruch
machen:
„Und alles in allem und Großem: ich will irgend
wann einmal nur noch ein Jaſagender ſein!“
Freilich, dieſes Jaſagen muß erkämpft werden, Schritt für Schritt
wird es gehen, und jeder wird Kraft koſten und vielleicht Wunden
bringen. Aber auch, wie dieſer Große an anderer Stelle ſagt:
„Schritt für Schritt macht deutſch und ſchwer!” Ja, wir wollen
an dieſem kämpferiſchen Schritt für Schritt wieder deutſch
wer=
den als Einzelner und Geſamtheit, und wir wollen wieder
ſchwer und innerlich fruchtbar werden am deutſchen Geiſte und
deutſchen Weſen.
R. B.
— Heſſiſches Landestheater. Morgen Sonntag, wird im Kleinen
Haus Eichendorffs Luſtſpiel „Die Freier” für die Zuſatzmiete I gegeben.
Im Großen Haus gelangt Verdis komiſche Oper „Falſtaff” für die
Sondermieten 19 und 22 (nicht, wie infolge eines Satzfehler
ange=
kündigt, 20) zur Aufführung. Am Montag, den 3. März, findet im
Großen Haus als Vorſtellung zu Einheitspreiſen, abends 8 Uhr eine
Aufführung von Shakeſpeares Luſtſpiel „Viel Lärmen um Nichts” ſtatt.
Preiſe: 50 Pfg. bis 2 Mk. Der Vorverkauf dazu beginnt heute. Im
Kleinen Haus wird an dieſem Abend die von Richard Strauß
orche=
ſtrierte Tanzſuite zum erſten Male wiederholt. In der auf ſie
folgen=
den erſten Wiederholung der Neueinſtudierung von „Ariadne auf
Naxos”, ſingt Irene Eden vom Nationaltheater in Mannheim wieder
die Partie der Zerbinetta. Dieſe Vorſtellung fällt der Zuſatzmiete V zu.
Kunſtverein. Kommenden Sonntag, den 2. März, öffnet
die Kunſthalle am Rheintor ihre Pforten für eine neue Schau.
Es wird diesmal eine umfangreiche graphiſche Ausſtellung
ge=
zeigt, die von dem bekannten Berliner Euphorion=Verlag zur
Verfügung geſtellt wurde. In ihrer Vielgeſtaltigkeit gibt ſie
intereſſante Einblicke in die moderne Graphik, da viele gute
Namen vertreten ſind. Neben Werken von Lovis Korinth
erſcheinen Arbeiten von Schmidt=Rottluff, Kubin,
Schülein, Nauen, Pechſtein Seewald
Groß=
mann, Jäckel u. a. m.; auch Ludwig Meidner bringt eine
ſehr beachtliche Kollektion von 32 guten Blättern. An
Mappen=
werken ſollen hier nur „Der Totentanz” von Lovis Korinth, fün
Radierungen und 12 Radierungen Willi Geigers zu Doſtojewskys
Novelle „Der Gatte” genannt ſein. Da die Preiſe der
ausge=
ſtellten handſignierten Werke ſich in beſcheidenen Grenzen
be=
wegen, ſteht zu erwarten, daß die Ausſtellung, deren Beſuch
jedem Kunſtfreund empfohlen werden kann, auch ein gutes
Ver=
kaufsreſultat aufweiſen wird.
— Landesmuſeum. Unterhaltungen über bildende
Kunſt. Am kommenden Dienstag finden folgende Unterhaltungen
ſtatt: bei Geheimerat Back (im Gewerbemuſeum) über „die Rudolf Koch=
Ausſtellung”, bei Prof. Feigel über „Spätgotik”, bei Dr. Freund über
„Formrand II: Auflöſung und Bindung” Geheimerat Back und Prof.
Feigel beendigen damit ihre Unterhaltungen für dieſen Winter, Dr.
Freund wird die ſeinen bei genügender Beteiligung, aber ohne weitere
Ankündigung in der Tagespreſſe, fortſetzen.
Die diesjährigen Meiſterprüfungen finden etwas früher ſtatt. Es iſt
deshalb geraten, ſich umgehend anzumelden und für die Meiſter=
Vor=
bereitungskurſe vormerken zu laſſen, damit die Anzahl der Teilnehmer
feſtgeſtellt werden kann. Näheres hierüber auf dem Bureau der
Hnad=
werkskammer Darmſtadt, Saalbauſtraße 60.
— Geſchäftsjubiläum. Die bekannte Zigarren=Firma Edmund
Gerber. Obere Eliſabethenſtraße 5, kann heute auf ihr 60
jähri=
ges Beſtehen zurückblicken. (gegr. 1864). Der langjährige Inhaber
der Firma, Herr Ernſt Creter, iſt ſtets beſtrebt, durch ſtrengſte
Reelli=
tät und fachmänniſche Bedienung den alten guten Ruf des Hauſes in
jeder Weiſe hochzuhalten.
3 Dr. Krantz †. Aus Domäne Konradsdorf kommt die
erſchütternde Nachricht vom Tode des Direktors des Reformbundes der
Gutshöfe, Dr. Heinz Krantz, der freiwillig aus dieſem Erdenleben
ſchied. Im 42. Lebensjahre ſtehend, aus der juriſtiſchen Laufbahn
her=
vorgegangen, hatte ſich Krantz raſch in land= und volkswirtſchaftlichen
Kreiſen hervorgetan, mit glänzender Begabung ausgeſtattet, der
Be=
gründer und Leiter der Organiſationen Reformbund der Gutshöfe und
Gutsreform e. G. m. b. H.; es haben ihm, wie der Nachruf ſo ſchlicht
und doch wahr ſagt, dieſe Begabung, nie erlahmender Schaffensdrang
und vorbildliches Pflichtbewußtſein im ſteilen Aufſtieg die Führerſchaft
in der fortſchrittlich geſinnten ſüdweſtdeutſchen Landwirtſchaft gegeben
dieſe Führerſchaft trat jedem Teilnehmer der Darmſtädter
Landwirt=
ſchaftlichen Woche zu Beginn des Jahres ſo recht vor Augen, als Krantz
in einer einſtündigen, meiſterhaften Rede über die Zukunft unſerer
Land=
wirtſchaft ſprach, waren doch gerade ſeine Ausführungen in dieſer
Nichtung wohl mit das Beſte, was die eindrucksvolle Tagung uns
bot. Nicht nur die Landwirtſchaft, das ganze Vaterland hat in Krantz
einen /Mann verloren, der unerſetzlich iſt. „Maltis ille bonis flebilis
occidit” ſagt Horaz; zu dieſen Vielen gehören alle, die einen
Wiederauf=
ſtieg Deutſchlands wünſchen! R. i. p.
* Der Feſthaus=Verein Darmſtadt hielt am Donnerstag im
Kaiſer=
ſaal eine überaus zahlreich beſuchte Hauptverſammlung ab, auf
deren Tagesordnung als Hauptgegenſtand ſtand: „Die Zukunft des
Feſthaus=Vereins”. Auch das Ehrenmitglied des Vereins, Oberſt von
Hahn war erſchienen. Zu Beginn der Verſammlung gedachte der
Vor=
ſitzende mit Worten ehrenden Gedächtniſſes des kürzlich verſtorbenen
zweiten Vorſitzenden Geheimen Oberjuſtizrats von Heſſert, deſſen
Andenken in der üblichen Weiſe geehrt wurde. Allſeitig war man der
Meinung, daß die ideale Zukunftsaufgabe, die ſich der Verein geſtellt
über die Nöte und Schwierigkeiten der Gegenwart hinnübergerettet
werden ſolle, wenn auch in abſehbarer Zeiit auf Verwirklichung des
Ziels des Vereins, der Saalnot Darmſtadts dauernde Abhilfe zu
ſchaf=
fen, kaum gerechnet werden kann. Der neue Jahresbeitrag wurde auf
1 Mark feſtgeſetzt; höhere Beiträge werden natürlich gern
angenom=
men. Man bittet, um die Koſten des Einſammelns zu erſparen, die
Beiträge bei Herrn Heinrich Arnold (Wilhelminenſtraße 9)
ab=
zuliefern, der auch Neuanmeldungen von Mitgliedern gern
entgegen=
nimmt.
— Zuſammenſchluß aller Hypothekengläubiger. Im Hinblick der 3.
Steuernotverordnung hat der Hypothekengläubiger=Schutzverband für
das Deutſche Reich, Sitz Berlin=Bicsdorf, beſchloſſen, außer ſeiner
bis=
herigen Vertretung der Hypothekengläubiger auch die Jutereſſen der
Gläubiger aller feſtverzinslichen Anlagen aufzunehmen. (Hypotheken,
Sparkaſſeneinlagen, Lebensverſicherungen, Pfandbriefe uſw.)
Wochenſpielplan des Heſſiſchen Landestheaters
vom 2. bis 9. März.
Großes Haus.
Sonntag: 7 Uhr: „Falſtaff”. Oper von Verdi. Sondermieten
19 (9), 22 (10). Preiſe: 1—10 Mk.
Montag: 8 Uhr: Volksvorſtellung zu Einheitspreiſen: „Viel
Lärmen um Nichts”. Sondermieten 11 (10), 14 (9).
Preiſe: 0,50—2 Mk.
Dienstag: 7 Uhr: „Fatinitza”. Operette von Suppé. A 15.
Preiſe: 1—10 Mk.
Mittwoch: 7 Uhr: „König Lear”. Sondermieten 17 (9), 18 (9).
Preiſe: 0,80—8 Mk.
Donnerst.: 7 Uhr: „Othello”. Oper von Verdi. C 14. Preiſe:
1—10 Mk.
Freitag: 7 Uhr: Neu einſtudiert und =inſzeniert: „Prinz
Friedrich von Homburg”. Schauſpiel von Kleiſt.
F15. Preiſe: 1—10 Mk.
Samstag: 7 Uhr: „Louis Ferdinand”. Schauſpiel von Unruh.
Sondermiete 16 (9), Schülermieten weiß 5 und
blau 5. Preiſe: 0,80—8 Mk.
Sonntag: 11½ Uhr: Gedenktag für das beſetzte Gebiet.
2½ Uhr: Feſtſpiel der Turngemeinde 1846.
7½ Uhr: „Elektra”. Oper von R. Strauß. D 14.
Preiſe: 1—10 Mk.
Kleines Haus.
Sonntag: 7 Uhr: „Die Freier”, Luſtſpiel von Eichendorff.
Zuſatzmiete I 7.
Montag: Uihr: Zum erſten Male wiederholt: Tanzſuite
von Frangois Couperin, zuſammengeſtellt und für
das Orcheſter bearbeitet von Rich. Strauß; hierauf
„Ariadne auf Naxos”. Oper von Rich. Strauß.
Zuſatzmiete V 8. Preiſe: 1,50—7,50 Mk.
Dienstag: 7 Uhr: „Was Ihr wollt”, Luſtſpiel von Shakeſpeare.
Sondermiete 21 (10). Preiſe: 0,80—4 Mk.
Mittwoch: 7 Uhr: „Figaros Hochzeit”. Oper von Mozart.
Zuſatzmiete II8. Preiſe: 1—5 Mk.
Donnerst.: 7 Uhr: „Frühlings Erwachen”. Schauſpiel von
Wedekind. Sondermiete 20 (10). Preiſe: 0,80—4 Mk.
Freitag: 7 Uhr: „Die Gärtnerin aus Liebe‟, Oper v. Mozart;
hierauf: „Baſtien und Baſtienne” Oper von Mozart.
Zuſatzmiete X7. Preiſe: 1—5 Mk.
Samstag: 8 Uhr: Kammermuſikabend des Buſch=Quartetts.
Preiſe: 1—6 Mk.
Sonntag: 6 und 8 Uhr: Filmvortrag: „Die Braunkohle als
Retterin aus Deutſchlands Not” Preiſe: 0,50—4 Mk.
*Orpheum.
„Ein Walzertraum”.
Ueber die Oskar Strausſche Operette „Ein Walzertraum”
iſt ſeit Jahren viel geſchrieben worden, und ſie lebt immer noch.
Sie lebt nicht nur, ſie iſt noch nicht einmal älter geworden, wie
denn ja auch der Walzer, der wundervolle Wiener Walzer, trotz
aller Neuerfindung von Tänzen niemals ſterben oder alt werden
wird. Sie iſt erſtaunlich jung geblieben und wird, gute
Auf=
führung vorausgeſetzt, immer wirkſam und zugkräftig bleiben.
Das macht, weil ſie ſo ganz erfüllt iſt eben von Walzer und von
Träumen. Weil ſie lacht im Walzer und weint im Walzer und
ſogar alle möglichen Staatsaktionen im und durch den weichen,
ſchmeichelnden, temperamentvollen Walzer löſt, kurz, weil ſie
lachendes, tanzendes Leben iſt.
Das Bertram=Enſemble im Orpheum, in deſſen Spiclplan
ſich der „Walzertraum” ſeit Tagen mit ſteigendem Erfolge hält,
bringt unter der muſikaliſchen Leitung P. Dietrichs, der
einen ſtarken künſtleriſchen Einfluß auf ſein Orcheſter ausübt,
eine Aufführung heraus, die ſich ſehen laſſen kann, die in der
Negie Adolf Jordans, der techniſchen Leitung E. Finks,
und mit Hilfe der ſehr ſchönen und wirkſamen Ausſtattung, für
die Herr Rantzow verantwortlich zeichnet, allerhand
Anſprü=
chen genügt. — Die Aufführung iſt ſlott und friſch und wird
dem Charakter der Operette vollauf gerecht. Man hat ſich für
einige Hauptpartien Gäſte verſchrieben, die ſich dem in den
führenden Stellen ausgezeichneten eigenen Enſemble vortrefflich
einpaſſen. Alma Saccur, die in Darmſtadt beſonders geſchätzte
Künſtlerin, ſingt die Prinzeſſin Helene, und Karl Heinz Baum
(Frankfurt), der übrigens ab 2. März durch Richard Riedel
von der Frankfurter Oper abgelöſt wird, den Leutnant Niki. Er
fingt und ſpielt dieſen flotten Leutnant, wie ihn eben ein rechter
Operettentenor ſingen und ſpielen muß, um zum mindeſten alle
Backfiſchherzen ebenſo zu erobern, wie ihm ja auch die arme
und doch ſo glückliche Franzi rettungslos verfallen iſt. (Herrn
Süßengut iſt wohl abſichtlich einmal verdiente Ausſpannung
gewährt worden?) Daß Herr Bertram dem Vetter Graf
ſeine ganze zwingende, auch vor draſtiſchem Ausdruck nicht
zu=
rückſchreckende Komik verleiht, daß er der Partie auch geſanglich
durchaus gewachſen iſt, bedarf kaum beſonderer Erwähnung.
Alle überſtrahlt aber Marga Peter, die mit ihrem Charme,
ihrer Liebenswürdigkeit und lachender Fr — eiheit ſich ganz in
den Charakter des Wiener Mädels eingelebt hat. Die übrigen
Nollen ſind entſprechend gut verteilt und das Zuſammenſpiel iſt
wie immer ausgezeichnet, flott und ſicher. — Es bedarf auch
keiner beſonderen Erwähnung, daß die vielen Tänze, Duette
und Terzette vielfach da capo verlangt werden. Die
Orpheums=
beſucher ſind ſehr anſpruchsvoll, aber ſie ſind auch dankbar und
beifallsfreudig, und wo das zuſammentrifft, gibt es ſtets
har=
moniſche und angenehme Abende.
St.
— Der Gabelsberger Stenographenverein, gegr. 1861, Darmſtadt,
Fachſchule für Stenographie und
Maſchinenſchrei=
ben hielt im überfüllten Fürſtenſaal ſeine Jahreshauptverſammlung
ab. Aus den Berichten des Geſchäftsführers, der Unterrichtsverwaltung,
der Abteilung für Preis=, Schön= und Wettſchreiben, der
Wanderabtei=
lung, der Geſelligkeitsabteilung und des Kaſſenwarts iſt folgendes zu
erwähnen: Der Unterricht war an 1064 Stunden von 26 504
Teilneh=
mern beſucht. Durchſchnittlich waren die Kurſe von 25 Teilnehmern
be=
ſucht. Es liefen insgeſamt 3 Satzkürzungskurſe, 9 Syſtem=
Wiederholungs=
kurſe, davon 1 Kurſus in Beſſüngen, und 20 Diktatkurſe. Außerdem
wurden 14 Anfängerkurſe, davon 2 in Beſſungen, welche an 384 Stunden
von 9216 Teilnehmern beſucht waren, abgehalten. Durchſchnittlich liefen
15 Kurſe in jedem Quartal. Der Verein hatte alſo im abgelaufenen
Jahre in rund 1500 Unterrichtsſtunden rund 36 000 Teilnehmer
aufzu=
weiſen. Wahrlich ein gutes Zeichen, daß die Stenographie als
unent=
behrliches Mittel für jeden Menſchen erkannt worden iſt. Im
verfloſſe=
nen Jahre waren 320 Zugänge zu verzeichnen, ſodaß nach Abzug der
Austritte ſich eine Mitgliederzahl von 1400 ergibt. An 2
Vereinswett=
ſchreiben beteiligten ſich zuſammen 250 Mitglieder, durchſchnittlich mit
guten Erfolgen, während an 5 Vereinswanderungen in den Odenwald
und die Bergſtraße eine durchſchnittliche Teilnehmerzahl von 35
Per=
ſonen aufzuweiſen war. 18 Mitglieder konnten durch eifrige Beteiligung
an allen Wanderungen das Dekorierungsabzeichen erhalten. Der Ge
burtstag des Vereins wurde im Mai, das Herbſtfeſt im Oktober
abgehal=
ten. Die Weihnachtsfeier vereinigte uns im Dezember. Alle dieſe
Ver=
anſtaltungen ſind als gut gelungen zu betrachten. Trotz großer
Aus=
gaben für Zeitſchriften, Zeitungen, Lokal uſw. ſind die Kaſſenverhältnifſ
geregelt ins neue Jahr übergegangen. Für rührige Werbetätigkeit
konnten Frl. Merz und Herr König einen Ehrenpreis arhalten, während
die muſtergültigen Hausarbeiten von Frl. Vetter und Frl. A. Spief
mit bleibenden Ehrenpreiſen bedacht werden konnten. Von allen
Mit=
gliedern begrüßt wurde die Umwandlung der Beleuchtungseinrichtung
(Stehlichter) in dem Unterrichtslokal in ruhige und hellbrennende
Hänge=
lichter, die im Laufe des vergangenen Jahres auf Vereinskoſten erfolgt
iſt. Von dem wiedergewählten 1. Vorſitzenden, Herrn
Verwaltungsober=
inſpektor Werner, wurde den einzelnen Vorſtands= und
Ausſchußmit=
gliedern der Dank für ihre rührige Tätigkeit, deren Erfolge ſich erſt nach
Ablauf des Vereinsjahres überblicken laſſen, ausgeſprochen. Nach
Neu=
feſtſetzung des Vereinsbeitrags und der Unt rrichtsgebühr wird der
Vor=
ſtand auf Vorſchlag einſtimmig gewählt, ſodaß die Zuſammenſetzung
— mit wenigen Ausnahmen — die gleiche iſt wie im Vorjahre.
Ruheſtändige ſtädtiſche Arbeiter und deren Hinterbliebenen
erhalten am Montag, den 3. März d. J., eine Zahlung aus der
Stadtkaſſe.
* Tollwut in Darmſtadt.
Obwohl ſeit mehr als drei Tagen unter den vierfüßigen
Einwohnern Darmſtadts die Tollwut ärztlich feſtgeſtellt und
von Polizei und Kreisamt die unbedingt erforderlichen
Schutz=
maßnahmen ſofort angeordnet wurden, die unerläßlich ſind, ſollen
nicht erhebliche Gefahren für die Menſchen daraus erwachſen,
ſah und ſieht man täglich und in allen Straßen noch
unge=
zählte Hunde frei und ohne Maulkorb
herum=
laufen. Gewiß iſt den vierbeinigen Hausgenoſſen der
monate=
lange Maulkorbzwang wenig ſympathiſch, und nur wenige finden
ſich mit Würde in dieſen Zwang, die meiſten, beſonders die
Dackel, laufen mit ſehr grießgrämigen Geſichtern herum, aber
angeſichts der ernſten Gefahr ſind die Schutzmaßnahmen eben
unerläßlich, und es muß ernſtlich gefordert werden, daß alle
Hundebeſitzer ſich dem fügen. Ganz abgeſehen davon, daß
Uebertretungen ſchwer beſtraft werden müſſen.
Das Kreisamt Darmſtadt hat durch Bekanntmachung vom
26. Februar folgende Schutzmaßregeln angeordnet:
1. Sämtliche Hunde in der Stadt, ſowie in dem Landkreis
Darmſtadt ſind bis auf weiteres feſtzulegen, d. h. anzuketten
oder einzuſperren.
2. Der Feſtlegung iſt gleich zu achten das Führen der mit
einem ſicheren Maulkorb verſehenen Hunde an der Leine.
3. Die Benutzung der Hunde zum Ziehen iſt nur unter der
Bedingung geſtattet, daß ſie feſt angeſchirrt, mit einem
ſicheren Maulkorb verſehen und außer der Zeit des
Ge=
brauchs feſtgelegt werden.
4. Die Verwendung von Hirtenhunden zur Begleitung der
Herde, von Fleiſcherhunden zum Treiben von Vieh und von
Jagdhunden bei der Jagd kann nur unter der Bedingung
geſtattet werden, daß die Hunde außer der Zeit des
Ge=
brauchs (außerhalb des Jagdreviers) feſtgelegt oder, mit
einem ſicheren Maulkorb verſehen, an der Leine geführt
werden.
5. Hunde dürfen ohne kreisamtliche Erlaubnis aus dem Kreis
Darmſtadt nicht ausgeführt werden.
6. Wenn Hunde entgegen dieſen Vorſchriften frei herumlaufend
betroffen werden, ſo kann deren ſofortige Tötung
polizeilich angeordnet werden.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe Vorſchriften werden
ſtreng beſtraft.
Es liegt im Intereſſe der Einwohnerſchaft, insbeſondere
der Hundebeſitzer ſelbſt, daß die Schutzmaßnahmen genau befolgt
werden. Das Polizeiperſonal iſt angewieſen, ihre Einhaltung
ſtreng zu überwachen.
*
E Tollwut. Das Polizeiamt Darmſtadt weiſt auf die
veröffent=
lichte Bekantnmachung des Kreisamts Darmſtadt vom 26. d., betr.
den Ausbruch der Hundetollwut in Darmſtadt, hin. Die darin
getroffenen Anordnungen ſind genaueſtens zu beachten, ihre
Durchführung wird durch die Polizeiorgane ſtrengſtens überwacht.
Die Neuregelung der Arbeitszeit
in den deutſchen kommunalen Verwaltungen
und Betrieben
iſt, wie der Reichsarbeitgeberverband deutſcher Gemeinden und
Kom=
munalverbände ſchreibt, ſeit 1920 zentral durch ſogen.
Reichsmantel=
tarifverträge geregelt (vgl. § 2 der Verordnung über die Arbeitszeit vom
21. Dez. 1923 im Reichsg.=Bl. Nr. 134 vom 31. Dez. 1923). Die
An=
paſſung der im allgemeinen zwingenden, immerhin aber elaſtiſchen
zen=
tralen Beſtimmungen an die bezirklichen (örtlichen) Verhältniſſe und
Bedürfniſſe iſt Sache der zuſtändigen Verbände, die hierbei nach
Maß=
gabe der geſetzlichen Vorſchriften einvernehmlich mit den
Gewerkſchafts=
leitungen arbeiten. Gleiches gilt für die Feſtſetzung der
Gemeinde=
arbeiter lohntarife, deren Vereinbarung im Gegenſatz zu den
Manteltarifverträgen ausſchließlich Sache der Bezirks=uſw.=
Arbeitgeber=
verbände iſt. Nur in wenigen Fällen findet noch eine örtliche
Rege=
lung ſtatt.
Nach Ablauf der Demobilmachungsverordnungen (17. Nov. 1923)
empfanden es die Kommnalverwaltungen als Aufgabe, auch die
Ar=
beitszeit neu zu regeln. Die Verhältniſſe drängten auf möglichſte
Be=
ſchleunigung.
Die vom Reichsverband noch im November 1923 angebahnten
Ver=
handlungen, die zwecks Hebung der Wirtſchaftlichkeit
der Betriebe und der Entlaſtung der
Gemeinde=
finanzen eine Verlängerung der Arbeitszeit zum Ziele hatten,
zer=
ſchlugen ſich, da die Gewerkſchaften ſich (bgl. die angezogene Verordnung)
einer Aenderung der Tarifbeſtimmung widerſetzten.
Auch die gleich nach Neujahr vom Reichsarbeitsminiſterium
auf=
genommenen Verhandlungen hatten keine endgültige Einigung zur Folge.
Die Entſcheidung, die über die Arbeitszeit der
Gemeinde=
arbeiter am 22. Januar, über die des Fahrperſonals der
kommunalen Straßenbahnen am 23. Januar 1924 erging, wurde von
den Gewerkſchaften zwar angefochten, aber am 13. und 14. Februar 1924
als endgültig und bindend beſtätigt. Deshalb gilt jetzt:
Die Arbeitnehmer ſind auf Verlangen des Arbeitgebers, das
mög=
lichſt vom Bezirksverbande für ſeinen Bereich zu ſtellen iſt, zu einer
durchſchnittlichen täglichen Arbeitszeit von neun Stunden verpflichtet.
Die Arbeitszeit kann daher je nach Maßgabe der Verhältniſſe und des
ſachlichen Bedürfniſſes z. B. vom Arbeitgeber allein ſo geregelt werden,
daß etwa im Winter 8, in den Uebergangsjahreszeiten
9 und im Sommer 10 Stunden gearbeitet wird.
Nur ſoweit es erforderlich iſt, die Arbeitszeit bis auf
regel=
mäßig täglich 10 Stunden auszudehnen, iſt dies bezirklich, örtlich oder
betriebsweiſe zu vereinbaren.
Beſteht die Dienſtſchicht zu einem Teil nur aus ſogen.
Dienſt=
bereitſchaft, ſo wird die Dauer der zu vergütenden reinen
Ar=
beitszeit beſonders feſtgeſetzt.
Angemeſſen berückſichtigt ſind die Verhältniſſe der
Wechſel=
ſchichtarbeiter, alle geſetzlichen Schutzvorſchriften bleiben
unberührt. Für das Fahrperſonal kommunaler Straßenbahnen beträgt
die durchſchnittliche tägliche Arbeitszeit neun Stunden. Die elaſtiſch
gehaltenen Vorſchriften geſtatten die Eigliederung in die Dienſtpläne.
Die Bezahlung der verlängerten Arbeitszeit regelt ſich
beſtimmungsgemäß nach den bezirksweiſe (Land, Provinz) neu zu
ver=
einbarenden Lohntarifen.
Die ſich dabei ergebende Erhöhung des Tages= bzw.
Wochenverdienſtes bedeutet für die Arbeiterſchaft eine ſicher
fühlbare und willkommene Erleichterung der immerhin noch
ſchwierigen Lebenshaltung.
Daß mit einer dem Geiſte wahrer Volks= und
Arbeits=
gemeinſchaft entſpringenden Auffaſſung Streiks und
Arbeitsver=
weigerungen oder läſſige Dienſtauffaſſung unvereinbar ſind, bedarf für
den Einſichtigen keiner beſonderen Ausführung
— Möblierte Zimmer. Man ſchreibt uns: Der 12 Goldmark
betra=
gende Februarſatz für ein einfach möbliertes
Durchſchnitts=
zimmer (4 Mk. für den Raum, 4 Mk. für die gewöhnliche
Bedie=
nung, 3 Mk. für die Einrichtung, 1 Mk. für Betriebskoſten), ohne
Früh=
ſtückszubereitung, Stiefel= und Kleiderreinigen bleibt auch für März
beſtehen. Hierbei iſt mit einem der Vorkriegszeit entſprechenden
Auf=
wartefrauen=Stundenlohn von 25 Pf., wenn die Aufwartefrau keine
Beköſtigung erhält, gerechnet. Es empfiehlt ſich, an dieſem Satz
feſtzu=
halten. Die Frage der Mieteberechnung für dürftigere oder für beſſere
Zimmer als ein 12 Mk.=Normalzimmer, die Frage der Berechnung von
Zuſchlägen, wenn mehrere Perſonen ein Zimmer bewohnen, die Frage
der Vergütung für Küchenbenutzung mit oder ohne Geſchirr, die Frage
der Verteilung der neuen vierzieligen Gemeindegrundſteuer, der neuen
einmaligen Brandverſicherungsabgaben und der neuen einmaligen
Staatsgrundſteuer auf die Untermieter (die anderen Nebenabgaben, die
der Hauseigentümer erhebt, ſind in dem Mieteſatz einbegriffen) u. a. m.
ſind in früheren Artikeln des Tagblatts, auf die hier verwieſen wird,
eingehend behandelt.
— Zuſamemnſchluß der Kleinrentner, Hypothekenbeſitzer und
Klein=
aktionäre. In Sachſen hat ſich ein Reichsſchutzverband
deut=
ſcher Kleinrentner, Hypothekenbeſitzer und Kleinaktionäre mit Sitz m
Dresden gegründet, der es ſich zur Aufgabe machen will, die in
ber=
ſchiedenen Teilen des Reiches beſtehenden kleineren Einzelverbände zu
einem Geſamtverband zu vereinigen. Der Reichsſchutzderband will eine
ſo große Organiſation des ſparenden Mittelſtandes ſchaffen, daß ſie in
der Lage ſei, ihre berechtigten Forderungen mit Nachdruck und Erfolg
geltend zu machen. (In München iſt eine Zentralſtelle für Südbahern
— dort führt Profeſſor Kullmer vorerſt die Geſchäfte — in Nürnberg
eine ſolche für Nordbayern in Ausſicht genommen.)
Mummer 60.
Darmſtädter Dagbkatt, Freſtag, deit 29. Februar 1924.
Seite 9.
* Hypothekengläubiger=Schutzverband
Landesgruppe Heſſen.
In der geſtern abend im Feierabendſaal ſtattgefundenen und
außer=
brdentlich gut beſuchten erſten Hauptverſammlung erſtattete
zunächſt der erſte Vorſitzende, Herr Dr. Schnerr, über das abgelaufene
Geſchäftsjahr Bericht. Es ging daraus hervor, daß der Verband am
28. Januar 1923 gegründet wurde. In dieſer Zeit fanden einige
Auf=
klärungsvorträge und öffentliche Verſammlungen ſtatt, einer großen
Zahl von der Entwertung betroffenen Perſonen wurden Auskunft
er=
teilt, unentgeltlich, wodurch Prozeſſe vermieden wurden. Die plötzlich
hereingebrochene außerordentliche Entwertung verurſachte, in der
Tätig=
keit eine kurze Unterbrechung. Nach Eintritt einer ſtabilen Währung
wurde ſofort der Kampf gegen die beabſichtigte vollſtändige
Entrech=
tung der Gläubiger aufgenommen um das beabſichtigte Verbot
der Aufwvertung zu derhindern. — Für die Zukunft ſoll die Tätigkeit
auf alle Gläubiger erſtreckt werden, auf Veſitzer von Obligationen,
Pfandbriefen, ſtaatlicher und kommunaler Papiere, Sparkaſſenguthaben
uſwv. Nedner fordert auf zur Werbung und Schaffung einer ſtarken
Organiſation, damit der nun eingeſetzte Kampf auch erfolgreich fortgeſetzt
werden kann. Dem Kaſſenbericht, den Herr Geißler erſtattete,
war zu entnehmen, daß die in entwertetem Papiergeld im Jahre 1923
eingegangenen Beiträge heute gegenſtandslos geworden ſind. Dem
Kaſſierer wurde Entlaſtung erteilt. — Sodann erfolgte die Beratung
über die Beiträge. Es wurde beſchloſſen: Alte Mitglieder zahlen 1Mk., neue
Mitglieder 1.50 Mk. Eintrittsgeld. Neuen Mitgliedern ſoll bei
Bedürf=
tigkeit eine Ermäßigung auf 1.— Mk. gewährt werden. Der Monats=
Mindeſtbeitrag ſoll 50 Pf. betragen mit Rückwirkung zum 1. Januar.
Ueber das Arbeitsprogramm für 1924 referierte zunächſt Herr
Dr. Schnerr ſowie über die Tagung in Heidelberg. Dortſelbſt fanden ſich
die Vertreter der Schutzverbände der Aufwertungsgläubiger aus
Süd=
deutſchland zuſammen. (Es wurde beſchloſſen, den Verband Darmſtadt
Ket GEe Der Wfen Ee Eeldend es elscer De
Beſt hat den Ehrenvorſitz angenommen. Ferner wurde beſchloſſen, die
beſtehenden Gruppen in den einzelnen Ländern an die Hauptverbände
heranzuziehen (für Heſſen an Darmſtadt). Es ſoll gefordert werden, daß
die Goldſchulden in ihrem vollen Goldwert anerkannt
wer=
den, wegen einer Herabſetzung der Beträge ſollen darauf geſetzliche
Be=
ſtimmungen getroffen werden wegen Feſtſtellung einer Reduzierung der
Summen. Hierzu referierte Herr Oberlandesgerichtspräſident Dr. Beſt
über den geſetzlichen Standpunkt nach Treu und Glauben. Die Forderung
ginge zu weit, man ſoll ſich keiner Ueberforderung ſchuldig machen, um
zu zeigen, daß der Gläubiger ſich nicht bereichern will, ſondern nur ſein
Recht fordert. Hierauf legt der Geſamtvorſtand ſeine Aemter nieder.
Herr Geheimrat Dr. Beſt dankt im Namen der Mitglieder für die
ſeitherige erſprießliche Tätigkeit der Vorſtandsmitglieder. Den Vorſitz
übernimmt einſtimmig einer der Gründer des Verbandes, Herr
Ober=
ingenieur Quiel, den zweiten Vorſitz Herr Dr. Schnerr, zum
zweiten (juriſtiſchen) Vorſitzenden wurde in Abweſenheit Herr
Senats=
bräſident Dornſeiff vorgeſchlagen und der Vorſtand ermächtigt, mit
Herrn Senatspräſidenten Dornſeiff in Verbindung zu treten. Zum
Ehrenvorſitzenden wurde einſtimmig Herr
Oberlandes=
gerichtspräſident Dr. Beſt ernannt. Zum Rechner wurde Herr
Geißler wiedergewählt. Zum Protokollführer wurde gewählt Herr
Ludwig durch Wiederwahl. Der zweite Protokollführer foll durch den
Vorſtand ernannt werden. Zu Beiſitzern wurden gewählt Frl. Walz,
Herr Studienrat Axt, Herr Oberſt a. D. Wrzodek und Her
Ober=
juſtizinſpektor Melior. Hierauf referierte Herr
Oberlandesgerichts=
präſident Dr. Beſt über den Stand der Aufwertungsfrage für
Obli=
gationen, ferner die gegenwärtigen Verhältniſſe
diedurchdie Notverordnung entſtanden und den Spruch
des Landgerichts Berlin I. Der Spruch des Reichsgerichts habe eine
Be=
ruhigung gebracht, während die Notverordnung wieder den früheren
Zu=
ſtand der Beunruhigung gebracht habe. Es gleiche das dem, daß die
Notver=
ordnung gewiſſermaßen das Strafgeſetzbuch außer Kraft ſetze zugunſten
des Diebes und eine Beruhigung gewiſſer Kreiſe in Ausübung ihres
„ehrenwerten‟ Geſchäftes gebracht habe. (Lebhafter Beifall.) Des
weite=
ren geht Redner eingehend auf die Probleme ein, wie ſie durch die
Not=
verordnung in ungerechter Weiſe in „Ordnung” gebracht werden ſollen,
ferner auf das Kreditbedürfnis des Reiches, das mit privaten gar nicht
in Einklang zu bringen iſt. Wenn auch die Regierung ſage, an der
Ver=
ordnung ſei nicht zu rütteln, ſo müſſe weiter gekämpft werden, ohne
Angſt haben zu müſſen, daß man Landesverrat begehe, Beifall.)
Sodann kommt Redner auf die Stellnug der Parteien in der Aufwertung
zu ſprechen, wonach die Sozialdemokratie in ihrer Haltung
um=
geſchwenkt ſei und nun auch für die Aufwertung Privater eintrete. —
Hierauf wurde grundſätzlich beſchloſſen, einen Vertreter, für die am
9. März in Berlin ſtattſindende Tagung zu entſenden, der Vertreter
wird vom Vorſtand ernannt. Herr Studienrat Axt referiert
ſo=
dann über den aufzunehmenden Kampf gegen die Reichsregierung. Herr
Oberlandesgerichtspräſident Dr. Beſt habe der Regierung zweimal
Brücken gebaut, die die Regierung jedoch nicht betreten habe. Die
Par=
teien haben verſagt. Gegen die Regierung, insbeſondere gegen den
Reichs=
finanzminiſter, und gegen die Parteien müſſe Front gemacht werden.
Der Nücktritt des Reichsfinanzminiſters müſſe gefordert werden. Von
der Reichsregierung müſſe dringend die Aufhebung der Verordnung
ver=
langt werden. — Herr Geheimrat Dr. Beſt gibt der Minung Ausdruck,
daß wohl weniger der Gedanke, das Materielle verloren zu haben, die
Gläubiger bedrücke, mehr ſei es der Gedanke, daß das Necht totgeſchlagen
ſei durch die Entrechtung. — Oberjuſtizinſpektor Melior bringt den
Vorſchlag, in Kürze die Stellungnahme der Parteien in den Zeitungen
zu veröffentlichen, damit die Entrechteten ſehen, in welchen Parteien ſie
ſind und wie dieſe Barteien ihr Recht vertreten. — Nach weiterer kurzer
Diskuſſion wurde die Verſammlung von dem Vorſitzenden geſchloſſen,
nachdem ein Reſolutionsentwurf dem Vorſtand überwieſen wurde zur
Verwendung bei der Berliner Tagung.
— Der von der Anthropoſophiſchen Geſellſchaft am Dienstag, den
26. Februar, veranſtaltete Vortragsabend, an dem Dr. Poppelbaum
ſprach über das Thema: „Der Stammbaum des Menſchen”,
findet Dienstag, den 4. März, in der Aula, im Realgymnaſium ſeine
Fortſetzung. (S. Anzeige.) Im Anſchluß daran wird Frau v. Shbel=
Peterſen an drei Abenden, und zwar jeweils Dienstags abends 8 Uhr,
ſprechen über das Thema: „Welt und Menſch” (Näheres wird
heute in acht Tagen noch bekannt gegeben.)
Lokele Veranſtaltungen.
Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchii
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritſ.
5 als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten,
— Die Vereinigung früherer Leibgardiſten teilt
als vorläufige Anzeige mit, daß ſie am Sonntag. 9. März, im
Bürgen=
haus (Stadt Pfungſtadt) abends 8 Uhr (wie jedes Jahr) die
Wieder=
kehr der Regimentsgründung und ihr eigenes 10jähriges Stiftungsfeſt
feiert. Es ſollen Darbietungen aus den Kameradenkreiſen, Muſik uſw.,
den Abend verſchönern. Ein reger Beſuch des einfach gehaltenen
Kame=
radenabends wird als ganz ſelbſtverſtändlich angeſehen. Anzeige
er=
folgt noch.
—Verein ehemal. 6ler. Berichtigung. Der Zug am
Sonntag geht nicht 10.45, ſondern 10.15 vorm.
— Aus dem Wartburgverein. Jugendhilfe und
Jugend=
freude iſt das Zeichen, unter dem der diesmalige Familien= und
Werbe=
abend des Wartburgvereins ſteht. Auf der einen Seite der freudige
Dienſt unſerer Jungſcharen und auf der anderen Seite ein Abend in der
großen Vereinsfamilie. Jugend und Alter im engſten Zuſammenwirken,
Das Gepräge des Abends wird die Heimat und die Arbeit ſein, die
Volksſtücke, die zur Darſtellung gelangen, werden dieſen Charakter
tra=
gen, daneben muſikaliſche und ſonſtige Darbietungen. Alles dies wird
einen Ausſchnitt aus der Arbeit des Wartburgvereins geben. Der Abend
iſt diesmal im Mittelpunkte der Stadt, im großen Hoſpizſaal.
Ober=
gaſſe 12, abends 7 Uhr. Zutritt iſt für Jedermann frei. Kaffee wird
gereicht. Bitte Taſſen und Zubrot mitbringen.
— Faſtnachtſonntagskonzert auf der
Ludwigs=
höhe. Morgen, ab 4 Uhr, findet ein humoriſtiſches Konzert mit großem
Orcheſter uter Leitung des Herrn Obermuſikmeiſters Mickley ſtatt. Zu
Grunde liegt ein Frühling an der Bergſtraße. Zu dieſem Zweck iſt der
große Saale feſtlich dekoriert. Zu dem humoriſtiſch gehaltenen
Pro=
gramm wird ein ehem. Narrhalleſe einen der Zeit entſprechenden
Vor=
trag halten. (Siehe Anzeigenteil.)
— Nationalſtenographen=Verein v. Kunowzki,
Darmſtadt. Auf das heute Abend im Saale des „Feierabends”
Stiftsſtraße 51. ſtattfindende Stiſtungsfeſt wird an dieſer Stelle
noch=
mals hingewieſen.
Verein für naturgemäße Lebens= und Heilweiſe
Naturheilverein) E. V. Das herrliche Winterwetter lockt Alt und
Jung ins Freie und laden wir deshalb unſere Mitglieder und Freunde
zu einem Familienſpaziergang am Sonntag, den 2. März, nach Traiſa
herzlichſt ein. Dortſelbſt im „Darmſtädter Hof‟ Einkehr zum Kreppel=
Kaffee.
— Das Reform=Muſikinſtitut Otto Bartke
veran=
ſtaltet nach längerer Pauſe eine Schüler=Morgenmuſik in der Aula des
Realgymnaſiums am Sonntag, den 2. März, 11½4 Uhr.
Unſere Heimat zur älteren Braunkohlenzeit.
(Zum Filmvortrag über die Braunkohle im
Landes=
theater)
Die Braunkohlen der Grube „Prinz von Heſſen”, und die
gleichaltigen Oelſchiefer von Meſſel gehören zu den älteſten
Bildungen dieſer Art, die wir in Deutſchland kennen. Ihr Geheimnis
lichtet ſich nach und nach, beſonders durch die zahlreichen
Foſyil=
funde der Grube Meſſel, die dank der weiſen Fürſorge des Dinektors
der Gewerkſchaft Meſſel, Herrn Dr. Spiegel, in vorbildlicher Weiſe
geſammelt und der wiſſenſchaftlichen Bearbeitung zugeführt worden ſind.
Einen Schrank ſolch eigenartiger Funde birgt das Heſſiſche
Landes=
muſeum. In den letzten Jahren ſind eine Reihe von Arbeiten (
Abhand=
lungen der Heſſiſchen geologiſchen Landesanſtalt III 3; II3; Ul12,3 4)
erſchienen, die ſich mit der Deutung der Meſſeler Funde befaſſen. Wir
ſind auf Grund dieſer Unterſuchungen berechtigt, anzunehmen, daß es
ſich um ein ſtilles Süßwaſſerbecken, etwa um das Altwaſſer eines Fluſſes,
handelt, in dem feiner Ton ſich abſetzte. Gleichzeitig mit dem Ton
ſan=
ken die Leichen der Algen und kleinen Waſſertierchen zu Boden, deren
Fetlgehalt ſich dem Tone mitteilte und ihn heute ſo wertvoll macht.
Zahlreiche Pflanzenblätter wurden von dem Fluſſe mitgebracht
oder von dem Winde herbeigeweht, und ſanken in dem ſtillen Waſſer zu
Boden, wo ſie von dem zarten Ton eingebettet wurden. Sie liegen jetzt
noch zwiſchen den Tonſchichten wie in einem Herbar, vollſtändig
unbe=
ſchädigt. Engelhardt, der Bearbeiter der Pflanzenfunde hat Dutzende
von Gattungen und Hunderte von Arten feſtgeſtellt: Sumpfzhpreſſen,
Palmen, Magnolien, Feigen, Lorheergewächſe, Schlingpflanzen, Lotos
und vieles andere. Es entſteht vor unſerem Auge das Bild eines
tro=
piſchen bis ſubtropiſchen Urwaldes, der ſich allerdings nicht einem
heu=
tigen ohne weiteres gleichſtellen läßt, weil die jetzt lebenden Verwandten
jener Pflanzen über weite tropiſche und ſubtropiſche Gebiete der Erde
berteilt ſind, die meiſten ſind allerdings in Indien heimiſch. Aber auch
Tierreſte finden ſich zwiſchen den Tonſchichten: zwei merkwürdige
Fiſcharten mit rautenförmigen, hornigen Schuppen, Krokodile,
Schild=
kröten, Waſſerfledermäuſe, die über der ſtillen Waſſeroberfläche jagten,
ein ſchnepfenähnlicher Vogel, der die Ufer belebte. Nahe Verwandte
jener Fiſche leben heute mit Verwandten jener Krokodile zuſammen im
Mündungsdelta des Miſſiſſippi, ſodaß man auf ähnliche
Klimaverhält=
niſſe ſchließen könnte. Auch Inſekten fanden ſich; nach Anſicht des
Be=
arbeiters lebten ſie bei einer Luſtemperatur von 30 bis 40 Grad Celſius.
Das Merkwürdigſte ſind aber die Pferdereſte die von Haupt
beſchrieben wurden (im Notizblatt des Vereins für Erdkunde und der
geologiſchen Landesanſtalt 1/ 32). Auf Grund dieſer Pferdefunde konnte
das Alter der Ablagerung als Altertiär (Lutetien) feſtgeſtellt werden.
Dieſe Pferdchen von Biegengröße traten mit 4 Zehen auf, während bei
unſerem Pferde ja nur noch die Mittelzehe entwickelt iſt. Wie die Tiere
ins Waſſer geraten ſind, läßt ſich nicht ſagen. Man könnte ſich denken,
daß ſie von Krokodilen bei der Tränke überraſcht oder von Raubtieren
hineingejagt wurden. Die Braunkohle, die ſchließlich über dem Ton
ab=
gelagert wurde und die auf Grube. Prinz von Heſſen” abgebaut wird,
deutet auf Verlandung des Beckens hin.
Beſtand damals der Odenwald ſchon? Nun, der Odenwald
ge=
hört zu den alten Gebirgen, die damals ſchon zu einer „Faſtebene”
abge=
tragen waren, auf der die Urwälder wuchſen. Erſt ſpäter, im
Zuſam=
menhang mit der Auffaltung der Alpen, die auch die alten Gebirgskerne
etwas in Bewegung brachte, tauchten deren tiefliegende Sockel empor.
Dabei wurde die Spannung in dem Naume Odenwald—Schwarzwald.
Vogeſen—Hardt ſo ſtark, daß nordſüdlich gerichtete Spalten aufriſſen, an
denen der Mittelteil jener Maſſe, der Rheintalgraben, einſank. Die
öſt=
liche dieſer Spalten geht ja durch Darmſtadt hindurch. Der öſtliche Teik
Darmſtadts liegt deshalb im Odenwald, der weſtliche in der Rheinebene.
Lange Zeit war der Rheintalgraben von einem Flachmeer, dem „
Main=
zer Becken”, erfüllt.
Wo war der Menſch in fener fernen Zeit?. Er exiſtierte noch
nicht. Seine früheſten Spunen laſſen ſich als erſt einer viel ſpäteren Zeit
angehörend feſtſtellen.
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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 1. März 1924,
Runimter 61.
Aus Heſſen.
— Nieder=Ramſtadt, 29. Febr. Auf Veranlaſſung des Miniſteriums
des Innern findet kommenden Sonntag im geſamten unbeſetzten
Ge=
biet ein ſogenannter Deutſcher Pfalztag ſtatt. Von
beſonde=
ren Veranſtaltungen ſoll in hieſiger Gemeinde mit Rückſicht auf die
Kürze der Zeit Abſtand genommen werden. Dagegen wird eine
Haus=
ſammlung ſtattfinden, die zur Linderung der durch die
Gewaltmaß=
nahmen der Separatiſten hervorgerufenen Not beitragen ſoll. In
An=
betracht des guten Zweckes wird der Einwohnerſchaft die Sammlung
aufs wärmſte empfohlen.
H. Eberſtadt, 29. Febr. Gemeinderatsſitzung. Der
Ge=
meinderat ſtimmte dem Vorſchlage des Feld= und Waldausſchuſſes zu,
wonach bei zuſtändigen Stellen beantragt werden ſoll, von den in
die=
ſem Jahre überhauenen 1140 Fm. Holz 500 Fm. als außerordentliche
Fällung zu betrachten und den Reſt der überhauenen Menge auf mehrere
Jahre zu verteilen, ſo daß dieſer auf den nächſtjährigen Holzhieb niht
auf einmal angerechnet wird. Die Ausführung von Nigolarbeiten ſoll
in dieſem Jahre öffentlich zur Vergebung gelangen. In erſter Linie
ſollen Invalidenrentner und ältere Leute dabei berückſichtigt werden.
Bei guten Rigolſtücken werden 2 Pf. pro Quadratmeter, für Stücke mit
Buchenwurzeln 3 Pf. pro Quadratmeter als Arbeitslohn bezahlt. Der
Dung aus dem Faſelſtall ſoll, ſoweit erforderlich, für den Pflanzgarten
im Prömſter verwendet und das Anfahren an Ort und Stelle öffentlich
vergeben werden. Die/ Oberförſterei wird zur Beſchaffung des
benötig=
ten Thomasmehls ermächtigt. Es wird beſchloſſen, die im Nathauskeller
noch lagernden Kartoffeln an Erwerbsloſe zum Preiſe von 2 Mk. per
Zentner abzugeben. Das von der Reichsbahndirektion Mainz für den
Wohnungsneubau in der Pfungſtädter Straße begehrte
Gemeinde=
gelände ſoll der Bahnverwaltung zum Preiſe von 4,50 Mk. pro
Quadrat=
meter uuter der Bedingung abgetreten werden, daß dies, falls es erfor=
Antrag des Johs. Emich wegen Ueberlaſſung eines Eubbegräbnisplatzes
wird im Rahmen der Beſtimmungen der Friedhofs= und
Begräbnis=
ordnung ſtattgegeben. Der von Georg K. beantragten Stundung der
der Gemeinderat grundſätzlich ſeine Zuſtimmung nicht geben. In der
meinderat im Hinblick auf die hier vorliegenden Tatumſtände zur Ueber=
Angelegenheit endlich als erledigt zu betrachten it. Bei dieſer
Gelegen=
heit wird beſchloſſen, das Kommando der Feuerwehr zu bedeuten, bei
Feuerwehrübungen die Bürgermeiſterei jeweils rechtzeitig zu
benachrüh=
tigen, damit von ihr die erforderlichen Vorkehrungen getroffen werden
können, um ähnliche Vorfälle künftig zu vermeiden. Auf eine
Mittei=
lung des Schulvorſtandes hin wird die Verwaltung beauftragt einen
Koſtenvoranſchlag für eine elektriſche Klingelleitung für die Schulen
Kreisamts, den Waſſerbezugspreis für die Provinzial=Pflegeanſtalt im
Hinblick auf deren Großverbrauch und den gemeinnützigen Zweck der
Anſtalt weſentlich zu ermäßigen, konnte ſich der Gemeinderat wegen
Anſtalt hat demnach für ihren Waſſerverbrauch den feſtgelegten Groß= ſcheint die Verlegung der Offenbacher Bauleitung nach Frankfurt
be=
abnehmerpreis zu zahlen. Das Geſuch der Freiwilligen Feuerwehr um
Anſchaffung von 10 Feuerwehrbluſen wird zur Beratung dem
Finanz=
ausſchuß überwieſen, ein zweites Geſuch, betr. Erlaß der
Vergnügungs=
deren Zahlſtunden vom 1. März ab auf die Zeit von 8—12 Uhr
vor=
mittags feſtgeſetzt. Der kath. Schweſternſtation ſoll, wie alljährlich, das
erforderliche Brennholz durch die Gemeinde geliefert werden. Eine
Anzahl kleiner Vorlagen wird an die zuſtändigen Ausſchüſſe verwieſen.
Die Vorwürfe des Gemeinderats Mahr, die dieſer den
Gemeinderats=
fraktionen und den Mitglieden des Finanzausſchuſſes wegen der
Feſt=
ſetzung der Ausſchlagsſätze für die Gemeinde=Grund= und
Gewerbe=
ſiteuer in der letzten Sitzung ſowohl, als auch in der Oeffentlichkeit
machte, ſtellten ſich nach Prüfung der tatſächlichen Verhältniſſe als
un=
berechtigt und unveranlaßt heraus und wurden entſprechend
zurück=
gewieſen. Eine Vorlage des Kreisamts in gleicher Sache wird zur
Vorberatung dem Finanzausſchuß zugewieſen. Der Pachtpreis für die Teil in ein Leichterſchiff überſchlagen war und die beiden Pumpen, von
gierung am Sonntag, den 2. März, geplanten Rhein= und Pfalztag
(Separatiſtenſchäden) konnte das ſeitens einer Gemeindevertretung
er=
wartete Verſtändnis nicht beobachtet werden. Durch perſönliche An=
ſichten und Bedenken mußte der große einigende Gedanke des
Unter=
nehmens beſchämend zurücktreten. (Es wäre wünſchenswert, wenn die
Bürgerſchaft Eberſtadts ſich dadurch in ihrer Opferwilligkeit für die
be=
drängten und bedrückten Brüder im Weſten nicht irre machen ließe
und die Sammlung ein gutes Ergebnis zeitigen würde. D. B.) In
geheimer Sitzung Wohlfahrtsangelegenheiten.
8 Eberſtadt, 29. Febr. Unfall. Beim Holzabfahren im
Fran=
kenſteiner Wald geriet an einer abſchüſſigen Stelle ein Fuhrmann von
hier ſo unglücklich unter die Räder ſeines ſchwer beladenen Wagens,
daß er ſchwer verletzt nach Hauſe gefahren werden mußte.
Roßdorf, 29. Febr. Der Gedenktag für das beſetzte
Gebiet findet am morgigen Sonntag in unſerer Kirche nachmittags
um 2 Uhr ſtatt. Die Ortsdereine nehmen mit ihren Fahnen teil,
Männerchöre werden ſingen, ein Orcheſter wird mitwirken, Gedichte
werden vorgetragen. Die Leitung hat Rektor Heß, die Rede hält
Pfar=
ver Berck. Jedermann iſt herzlich eingeladen.
* Habitzheim, 28. Febr. Einen genußreichen Abend bot uns der
hieſige Männergeſangverein mit ſeinen geſanglichen und
thea=
traliſchen Darbietungen, was ſchon dadurch bezeugt wurde, daß auf
viel=
ſeitigen Wunſch der Einwohnerſchaft Habitzheims die Veranſtaltung
zweimal gegeben wurde. Die Vortragsweiſe der vier echt deutſchen,
ſchönen Volkslieder „Die Mühle im Tale”, das „Nheinlied” uſw. war
in Geſangstechnik und Tonfülle ſowie Stimmenausgleich durchweg jeder
Anforderung gerecht werdend. In Anbetracht, daß der Chormeiſter,
Herr Fr. Möller, den Verein, der längere Zeit verwaiſt war, nur eine
ganz kurze Zeit leitet, waren die Leiſtungen ſehr gut. Die Aufführung
des Theaterſtückes (Geſang und Proſa) „Die Lieſel von Michelſtadt”
war den Verhältniſſen entſprechend (unvollkommene Bühne) ſehr
zu=
ſagend.
r. Babenhauſen, 1. März. Große Brenn= und
Nutzholzver=
ſteigerungen finden dieſen Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und
Freitag im Babenhäuſer Stadtwalde ſtatt. Die Zuſammenkunft iſt ſtets
derlich wird, zu dem gleichen Preiſe zurückerworben werden kann. Dem vormittags 9 Uhr auf der alten Seligenſtädter Straße am Eingang des
Waldes.
* Wizhaufen, 28. Febr. Gemeinderatsbericht. Die in
der Sitzung am 25. Januar beſchloſſenen Steuerſätze für Grund= und
Gebühr für ein von der Gemeinde erworbenes Erbbegräbnis konnte / Gewerbeſteuer wurden vom Miniſterium des Innern nicht genehmigt
und wurden in der heutigen Sitzung folgende Sätze beſchloſſen auf
Schadenerſatzſache Ludwig Schuhmann (Villenkolonie) erklärt ſich der Ge= Vorſchlag des Kreisamts Darmſtadt, für Gebäude und Bauplätze 8
Goldpfennig, land= und forſtwirtſchaftliche Grundſtücke 30 Goldpfennig
nahme der Hälſte der entſtandenen Koſten einverſtanden, womit die und Anlage= und Betriebskapital 4 Goldpfennig, alles von 100 Mark
Steuerwert. Ein abgängiger Faſel ſoll verſteigert werden; wird der
von der Faſelkommiſſion feſtgeſetzte Taxpreis nicht erreicht, ſo ſoll die
Genehmigung nicht erteilt werden und ſoll der Faſel event, in der
Ge=
meinde geſchlachtet werden. Die Verſteigerung findet am 6. März,
nachmittags 2 Uhr, ſtatt; auch ſoll ein junger Faſel angeſchafft
wer=
den. Die Wiegegebühren werden wie folgt feſtgeſetzt: Großvieh per
Stück 1 Mk., Kleinvieh 0,50 Mk., alles übrige, wie Bau= und
Brenn=
vorzulegen, worauf Beſchluß erfolgen wird. Das Anfahren von 22 material, Heu, Stroh Eis Obſt, Getreide, Altmaterial uſw., pro 100
Raummetern Rundholz für die Gemeinde zur Säge wird dem Chriſtian Kg. 4 Goldpfennig. Der Verkaufspreis von den Ziegenböcken ſoll dem=
Junker zum eingelegten Preis übertragen. Einer Verfügung des nächſt an die Ziegenhalter verteilt werden. An den Hilfsverein für
* Offenbach, 28. Febr. Der Bahnhofsumbau ſoll, wie
gerichtweiſe verlautet, am 1. März wieder aufgenommen werden.
Er=
der bedrängten finanziellen Lage der Gemeinde nicht anſchließen. Die kundigungen an maßgebender Stelle brachten keine Beſtätigung, jedoch
völkerung und Geſchäftswelt ſtarke Beunruhigung ausgelöſt.
* Oſthofen, 28. Febr. Ein Mühlenbeſitzer aus Worms, der zu
ſteuer für den am 9. Februar, 1924 ſtattgefundenen Ball, mangels geſetz= geſchäftlichen Beſprechungen in einer hieſigen Mühle weilte, geriet der
licher Unterlagen abgelehnt. Auf Antrag der Gemeindekaſſe werden Transmiſſion zu nahe und erlitt dabei ſchwere Verletzungen, an deren
Folgen er unmittelbar ſtarb.
Worms/ 28. Febr. Nahrungsmittelkontrolle. Bei einer
am 2. Februar ſtattgefundenen Kontrolle in den hieſigen Metzgereien
wurde in einem Falle eine Wurſtprobe erhoben, die einen Waſſergehalt
von über 82 Prozent hatte. Gegen den Herſteller dieſer in
außer=
gewöhnlich hohem Grade gefälſchten Wurſt iſt Strafverfahren eingeleitet.
Eine ganz exemplariſche Strafe dürſte hier am Platze ſein.
Bingen a. Rh., 28. Febr. Einhavarierter Schleppkahn
gehoben. Der havarierte franzöſiſche Schleppkahn wurde im Laufe
des Sonntags ſchwimmend, nachdem die Ladung Kohlen zum größten
Gemeindejagd wird einem Angebot des Jagdpächters gemäß auf 3450 Luſtenberger (Bingen) und Bopp (Aßmannshauſen), hilfreich in Tätig=
Mark für das Pachtjahr 1924 feſtgeſetzt. Für den von der heſſiſchen Re= keit getreten waren. Am Dienstag wurde das gehobene Schiff an das
hieſige Ufer verbracht, wo es notdürftig ſoweit hergeſtellt wird, daß es
zur Reparatur auf einer Schiffswerft abtransportiert werden kann. Die
Schiffswand iſt auf Backbordſeite an zwei Stellen gebrochen.
8 Vilbel, 29. Febr. Die Maſſenheiuer
Bürger=
meiſterwahl hatte folgendes Ergebnis: Landwirt Georg See
er=
hielt 143 Stimmen, ſein ſozialdemokratiſcher Gegenkandidat 109. Der
Vertreter des Bürgertums gilt alſo als gewählt.
Friedberg, 29. Febr. Feſtgenommen. Die Polizei
ver=
haftete hier zwei Rheinländer, die im Verdacht ſtehen, in Bad=Nauheim
Einbruchsdiehſtähle begangen zu haben.
O Nieder=Erlenbach, Kr. Friedberg, 29. Febr. Zum
Bürger=
meiſter wurde der Vertreter des Bauernbundes, Philipp Mutz 2.,
gewählt. Er erhielt 284 Stimmen, dagegen der ſozialdemokratiſche
Kan=
didat Kreutz nur 218.
X Schwalheim b. Friedberg, 29. Febr. Aus der Stichwahl
zum Bürgermeiſter iſt der bürgerliche Kandidat Dietz 3. gegen den
Kommuniſten Hofmann mit großem Vorſprung als Sieger
hervor=
gegangen.
+ Butzbach, 29. Febr. Neubau einer Synagoge. Hier
plaut die iſraelitiſche Gemeinde den Neubau einer Synagoge. Die
Ge=
meinde will zu dieſem Zweck einen geeigneten Bauplatz zur Verfügung
ſtellen.
* Gießen, 29. Febr. Verhaftung eines Separatiſten.
Wegen hochverräteriſcher Handlungen wurde der Hilfsarbeiter Karl
Büttner verhaftet. Büttner hat ſich in Planig in Rheinheſſen als
ſeparatiſtiſcher Rädelsführer aufgeſpielt.
7 Gießen, 9. Febr. Ein Proteſt der Gießener Haus=
und Grundbeſitzer. Der Hausbeſitzerverein Gießen hielt
die=
ſer Tage ſeine Hauptverſammlung, verbunden mit einer
Proteſtkund=
gebung, die einen überaus ſtarken Beſuch aufzuweiſen hatte, im Kath.
Vereinshaus ab. Eine Entſchließung gegen die
Wohnungszwangswirt=
ſchaft, in der die alsbaldige reſtloſe Aufhebung der Zwangswirtſchaft des
Haus= und Grundbeſitzes gefordert wird, wurde einſtimmig angenommen.
Butzbach, 28. Febr. Vollſtreckung eines Todesurteils.
Der Landarbeiter Wilhelm Sauer aus Julshoff, der am 3. Juni 1923
die 72 Jahre alte Witwe Hofmann aus Gießen in der Nähe des
Schif=
fenberges ermordete und deshalb vom Schwurgerichte zu Gießen zum
Tode verurteilt wurde, iſt geſtern früh in der Zellenſtrafanſtalt Butzbach
enthauptet worden.
j. Hungen, 28. Febr. Die Verwaltung der Grube Friedrich
bei Treis hat ſeit einiger Zeit unter Attentaten von ehemaligen
Arbei=
tern zu leiden, ſo daß ſogar ein Kommando Schutzpolizei hierher verlegt
werden mußte. Der letzte Anſchlag galt der elektriſchen
Ueberland=
leitung, über welche ein ſtarker Eiſendraht geworfen wurde. Man
wollte auf dieſe Weiſe die Waſſerpumpen außer Tätigkeit ſetzen und
die Grube zum Erſaufen bringen. Da aber die Verwaltung ſehr auf
der Hut iſt, entdeckte man ſofort die Urſache und rettete wiederum das
Werk und die darin beſchäftigte Arbeiterſchaft.
— Trais=Gorloff, 28. Febr. Ein Bubenſtreich wurde hier in
der Nacht zum Dienstag gegen 1½ Uhr an der 20 000=Voltleitung der
Ueberlandanlage welche nach der Grube Friedrich abzweigt, verühtz=
Der Täter warf eine Kette vermittelts einer daran befeſtigten Schnur=
und eines Steins über die elektriſche Leitung, wodurch Kurzſchluß
ein=
trat, der nicht nur die Stromlieferung für die Grube Friedrich, ſondern
auch für mehrere Ortſchaften unterband. Auf die Ermittelung des
Geiſteskranke in Heſſen ſoll ein Beitrag von 20 Mk. abgeführt werden. Täters wurde von der Grube eine Belohnung von 500 Goldmark
aus=
geſetzt.
K. Aus dem Kreiſe Gießen, 28. Febr. Der älteſte
Einwoh=
ner unſeres Kreiſes und vielleicht in ganz Oberheſſen, Zimmermeiſter
Ludwig Peter Weller zu Leihgeſtern, iſt geſtern im hohen Alter von
ſchloſſene Sache zu ſein. Dieſe Nachricht hat in der Offenbacher Be= faſt 95 Jahren geſtorben. Er blickt auf eine zahlreiche
Nachkommen=
ſchaft, Enkel und Urenkel, zurück.
O Lauterbach, 29. Febr. Jagdverpachtung. Die Feldjagd
zu Langenhain (zirka 900 Hektar groß) iſt zum Jahrespachtpreis
von 6700 Goldmark auf 6 Jahre verpachtet worden.
O Freienſteinau (Vogelsberg), 29. Febr. Beim Holzmachen
verunglückt iſt hier der 19jährige Knecht Kaſpar Muth. Er kam
beim Tragen eines Baumſtammes zu Fall und bekam einen Finger der
linken Hand abgequetſcht.
I. Vom Vogelsberg, 28. Febr. Heftiger Schneefall, mit
Schneeſtürmen herrſchte in den letzten Tagen in unſeren Bergen. An
einzelnen Stellen haben ſich mächtige Schneewehen aufgetürmt, ſo daß
der Verkehr zwiſchen den Dörfern des oberen Vogelsberges nur ſchwer
aufrecht zu erhalten war. Vielfach mußte die Straße wie im Januar
von einem Ort zum anderen freigeſchaufelt werden. Dafür iſt ein ſehr
lebhafter Verkehr durch die Schneeſchuhläufer eingetreten, welche faſt
täglich mit den Zügen von Frankfurt, Gießen, Hanau und Gelnhauſen
nach der Höhe eilen und beſonders der Schneeſchuhbahn am
Hoherods=
kopf zueilen. Auf dem Klubhaus geht es daher ziemlich lebhaft zu.
Der Landwirt iſt zufrieden, daß ſeine Saaten gegen die Kälte geſchützt
ſind. Aber infolge der anhaltenden Kälte ſind die Preiſe für Brennholz
ſehr hoch.
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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 1. März 1924.
Seite 11.
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Nummer 61
Beilage zum Darmſtädter Tagblatt
Samstag, 1. März
1994
Reich und Ausland.
Der betrügeriſche Radioverlag.
Weinheim a. d. B. Der Radioverlag „Menſchen” in Leipzig=
Gohlis hatte vor einiger Zeit in vielen badiſchen Städten, ſo auch in
Weinheim, große Radiovorträge angekündigt. Wie nun laut
Wein=
heimer Anzeiger aus dem Erfurter Polizeibericht zu erſehen iſt, hatte
dieſer ſogen. Verlag, als deſſen Inhaber der Schriſtſteller Lothar
Schülde zeichnete, wohl verſucht, Vorträge ſtattfinden zu laſſen, mußte
ſie aber jetzt infolge des finanziellen Mißerfolges einſtellen. Er hat
Konkurs angemeldet, da er in Zahlungsſchwierigkeiten geraten iſt, im
übrigen ging aber Schilde ſeit dem 10. Februar flüchtig, da ſein
Ge=
ſchäftsgebaren als nicht einwandfrei aufgedeckt und gegen ihn ein
Ver=
fahren wegen Betrugs eingeleitet wurde. Diejenigen, die Geld für
eine Eintrittskarte nach Leipzig ſandten, ſind ſchwer geſchädigt worden.
Die Erfurter Polizei gibt mit Recht die Warnung weiter, in Zukunft
keine Gelder mehr für Cintrittskarten noch auswärts zu ſenden, ſoweit
es ſich nicht um bekannte, einwandfreie Firmen handelt.
Hunde in der Schafherde.
Wiesloch. Unweit der hieſigen Bahnſtation brachen heute
mor=
gen in eine weidende Schafherde während der Abweſenheit des
Schä=
fers wildernde Hunde ein, zerriſſen mehrere Schafe und jagten die
übrigen in den zurzeit ziemlich tiefen Leimbach, in dem 43 Stück
er=
tranken. Nur mit Hilfe einer herbeigerufenen Eiſenbahnerrotte gelang
es, die übrigen der ungefähr 20 Schafe ſtarken Herde zu retten. Die
Gendarmerie hat ſchon Unterſuchung nah dem Beſitzer der Hunde
eingeleitet.
Eine „Schreckenstat”.
Düſſeldorf. Einen Gifttrunk” im Gerichtsſaal, der ſich
nachher aber als harmlos erwies, nahm ein Arbeiter, als er ſeine
Ver=
urteilung zu 8 Monaten Gefängnis entgegennehmen mußte. Er hatte
mit einigen Mittätern mehrfach einem Weinlager einen heimlichen
Beſuch abgeſtattet und zog, als man ihm ſeine Strafe zudiktiert hatte,
ein Fläſchen aus der Taſche, trank es aus und ſtürzte zu Boden. Im
Zuſchauerraum brach daraufhin ſeine Braut ohnmächtig zu Boden,
worauf ein Tumult entſtand. Als ſich die Aufregung gelegt hatte, ſtellte
ſich heraus, daß der Mann Linte getrunken hatte, die ihm nicht viel
ſchaden wird. Lediglich die Hofe des Gerichtsſchreibers, ſowie die Akten
haben einige ſchwerer zu beſeitigende Spuren dieſer Schreckenstat
davon=
getragen.
Grubenungläck in Buer.
Buer. Ein Grubenunglück ereignete ſich zur Nachtzeit auf der
Zeche Graf Bismarck, Schacht 3 und 4. Ein mit Eiſenſchienen beladener
Förderkorb wurde in den Schacht hinabgelaſſen, in dem Korb aber hatten
auch drei Bergleute Platz genommen, was dem Fördermaſchiniſten nicht
bekannt war. Der Aufſchlag gegen den Boden war nun derart ſtark,
daß die Leute ſchwere innere und äußere Verletzungen, u. a. auch
Kno=
chenbrüche, davontwugen. Sie mußten ſofort ins Krankenhaus Buev=Erle
eingeliefert werden, wo bereits einer von ihnen geſtorben iſt. Das
Be=
finden der beiden anderen iſt beſorgniserregend.
Die Lohnkriſe in der ſüdbayeriſchen Textilinduſtrie,
Augsburg. Der Schiedsſpruch, der vom Landesſchlichtungsamt
in München für die ſüdbayeriſche Textilinduſtrie in der Lohnfrage
ge=
fällt wurde, iſt von den Arbeitgebern abgelehnt worden mit der
Be=
gründung, daß ſich dann Löhne ergeben würden, die im Vergleich zu den
Konkurrenzbezirken viel zu hoch wären.
Ein neuer Schmugglertrick.
Schöneberg. Auf welche Tricks die Schmuggler berfallen, zeigte
ſich dieſer Tage wieder bei der hieſigen Zollſtation. Ein „fahrender”
Muſikant trug auf dem Rücken eine große Baßgeige; das iſt nun in
hieſiger Gegend auch in heutiger Zeit nichts Neues. Ein naſeweiſer
Zöllner intereſſierte ſich aber in dieſem Falle gerade einmal für den
inneren Ban dieſes Brummapparates, und ſiehe da, deſſen ganzer Bauch
uar gefüllt mit lauter hochfeinen Zigaretten, die er irgendwo verſchluckt
hatte und „zollfrei” wiedergeben wollte. Die Zöllner waren nun ſo
in das Inſtrument verliebt, daß ſie es mit allem Drum und Dran
behielten. Dieſer Auftakt war für den Muſikanten ſchon ſchmerzlich,
das Finale wird noch ſchmerzlicher werden.
* Schüler=Selbſtmorde.
Die Lokalberichterſtattung, der Preſſe hat durch die Spitzmarke
„Schüler=Selbſtmorde” in manchen Kreiſen eine Vorſtellung erzeugt, als
ob die gelegentlich vorkommenden Selbſtentleibungen von Schülern der
Negel nach mit Einrichtungen des Schulweſens in engem urſächlichem
Zuſammenhange ſtänden. So beeinflußte Kreiſe ſind alsdann ſehr
ge=
neigt, der Schule und ihren Ordnungen eine „Schuld” an dem traurigen
Vorfalle beizumeſſen. Dabei wird niemals die Frage aufgeworfen, ob
der Prozentſatz der Selbſtmorde bei den im gleichen Alter ſtehenden
Jüngern des Kaufmannsſtandes oder anderer praktiſcher Berufe nicht
vielleicht höher iſt. Man möchte das umſo eher vorausſetzen, als die
Gefahrenquelle der Verſuchung, welche kaufmänniſche
Vertrauensſtel=
lungen jugendlich unfeſten Naturen bereiten, naturgemäß häufiger den
Reif einer Frühlingsnacht auf Lebenshoffnungen fallen läßt, als
Miß=
erfolge in der Schule es vermögen. Denn ſelbſt, wenn die Schule einem.
ihrer Zöglinge die Ausſicht, ſein Ziel zu erreichen, für die Dauer
beneh=
men muß, bleibt dem Betroffenen, ſolange ſein Vertrauensverhältnis
zum Elternhauſe unerſchüttert ſteht, der Uebergang zu einem von
Schul=
zeugniſſen unabhängigen Berufe unverſperrt. Aber eben mit dieſem
Ver=
hältniſſe hapert es nur allzu oft, und mangelnde Einfühlung der
El=
tern in das Seelenleben der heranwachſenden Kinder mag manchmal
eine ſtarke Mitverantwortung an den unſeligen Entſchlüſſen tragen, die
ſie in einen vorzeitigen Tod treiben. Auch in dem jüngſten in Berlin
vorgekommenen Falle iſt zu beachten, daß der unglückliche Schüler den
todbringenden Sturz aus dem Fenſter in dem Augenblick ausgeführt
hat, da er die Stimme der ihn im Schulgebäude ſuchenden Mutter hörte,
nachdem er ſich eine ganze Nacht außerhalb des Hauſes herumgetrieben
hatte. Gegen die Schule, läßt ſich unter dieſen Umſtänden wohl am
wenigſten ein Vorwurf erheben.
In manchen Fällen wird die Entſtehung des ſchlimmen Gedankens
ſich jeder Aufklärung entziehen, zumal bei jungen Männern von 17 bis
20 Jahren. Schreiber dieſer Zeilen erinnert ſich eines Falles aus ſeiner
Schulzeit, der unaufgeklärt blieb. Ein ſehr begabter, kaum
achtzehn=
jähriger Oberprimaner, dem eine glänzende Abgangsprüfung
bevor=
ſtand, hatte ſich in der Nacht nach einem Balle erhängt. Man wollte
wiſſen, daß ſein Vater in Geiſtesumnachtung geſtorben ſei. Die Furcht
vor einem ähnlichen Schickfal ſollte den Sohn getrieben haben, ſich durch
rechtzeitigen freiwilligen Abſchied vom Leben vor ihm zu retten. Dieſe
Vermutung erſcheint aber unwahrſcheinlich. Bemerkenswert indeſſen
finde ich die Angabe, daß der junge Mann nach ſeiner Heimkehr vom
Feſte noch einige Zeit an einem Schulaufſatze über „Emilia Galotti”
ge=
ſchrieben hat. Und am Schluſſe des Goetheſchen „Werther”, ſteht der
Satz: „Emilia Galotti lag auf ſeinem Tiſche.” Haben wir hier die
Ideenverbindung zum Werther vor uns? Und dann noch eins. Ich
hatte mit dem Unglücklichen zwei Jahre vorher gemeinſam
Konfirman=
denunterricht genoſſen. Ich erinnere mich, daß er den Geiſtlichen einmal
zu einer ausgiebigen Erörterung des Themas „Selbſtmord” veranlaßte,
ein Zeichen, wie lebhaft ſich ſein Geiſt mit dieſem beſchäftigt hat.
Viel=
leicht hat er auch im Augenblick der Tat bloß mit dem Gedanken geſpielt
und ſich nicht rechtzeitig wieder befreien können, ſodaß ſtatt Mord „
fahr=
läſſige Tötung” vorläge, wie es oftmals der Fall ſein mag. Auch Kinder,
die untereinander „Aufhängen” geſpielt haben, ſollen gelegentlich ſchon
ſchuld am Tode eines Spielgefährten geworden ſein.
G
Eine uyſteriöſe Geſchichte.
München. Ein rätſelhafter Fall, der erſt jetzt der Polizei
be=
kannt wird, ereignete ſich im September 1923 in Gieſing. Um dieſe
Zeit erſchien in einer Zeitung ein Inſerat, wonach ein neugeborener
geſunder Knabe geſucht und an Kindesſtatt angenommen werde. Eine
Frau in Gieſing erbot ſich, ihren erſtgeborenen Knaben, herzugeben.
Darauf erſchien bei der Frau ein Mann, der ſich als Medizinalrat und
Hausarzt der das Kind ſuchenden Familie ausgab. Er unterſuchte das
Kind, erklärte es für krank und bemerkte, daß das Kind in einem
Säug=
lingsheim untergebracht werden müſſe. Die Mutter des Kindes war
damit einverſtanden. Bald darauf erſchienen zwei ſchwarzgekleidete
Damen, eine jüngere und eine ältere, verſchleiert bei der Mutter des
Kindes in Begleitung eines Mannes; ſie ſtellten ſich als Mutter,
Toch=
ter und Bruder vor. Aus der Erzählung der jungen Dame entnahm
man, daß ſie ein totes Kind geboren habe und nun wieder ein Kind
haben wolle. Die Frau gab daraufhin ihr Kind her, ohne ſich um Name
und Stand der Familie zu erkhundigen. Es wurde ihr nun mitgeteilt,
daß ſie in einem halben Jahre Nachricht von ihrem Kinde erhalte. Die
drei Perſonen verließen darauf das Haus, beſtiegen am
Wetterſtein=
platz ein dort wartendes Auto und fuhren davon. Nachdem die Mutter
bis heute noch keine Nachricht von dem Kinde erhalten hat, erſtattete
ſie Anzeige bei der Polizei. Man vermutet eine Kindesunterſchiebung.
Der Riefenſtern Andromeda nähert ſich der Erde.
Aus Rom und aus Arizona (Vereinigte Stagten) kommt zur gleichen
Zeit die Nachricht, daß zwei Aſtronomen die Beobachtung gemacht
haben, daß der von kosmiſchem Nebel umgebene Andromedaſtern ſich
mit einer Geſchwindigkeit von 30 000 Kilometern in der Sekunde der
Erde nähere. Die Andromeda iſt einer jener tauſend Fixſterne, die die
moderne Aſtronomie als einen Komplex von vielen Sternen, die mit
un=
ſeren unzulänglichen Mitteln ſchwer zerlegbar ſind, bezeichnet; in ihrer
ungeheuren Entfernung von unſerer kleinen Erde erſcheinen die Sterne
der Andromeda als eine unermeßliche und undurchdringliche Nebelmaſſe.
Der Aſtronom Sliepher war der Erſte, der ſich mit beſonderem Eifer
dem Studium der Andromeda gewidmet hatte. Er konnte vor allem
feſtſtellen, daß die Maſſe der Andromeda vierhundertmal größer ſei, als
der geſamte Raum, in dem ſich unſer ganzes Sonnenſyſtem bewegt. Er
gab bereits der Vermutung Ausdruck, daß dieſe Nebelmaſſe ſich unſerem
Sonnenſyſtem nähern dürſte; für dieſe Vermutung vermochte er jedoch
den wiſſenſchaftlichen Beweis nicht zu erbringen. Unſeren modernen
Aſtronomen, einem Italiener und einem Amerikaner war es
vorbe=
halten, die Vermutung Sliephers in Gewißheit umzuwandeln und die
Geſchwindigkeit zu berechnen, mit der ſich der phantaſtiſche Abſtand
zwi=
ſchen dem Sternenbild der ungeheuren Andromeda und der Atmoſphäre
unſerer kleinen winzigen Erde in jeder Sekunde verringert.
So unermeßlich groß auch die Stundengeſchwindigkeit von 30000
Kilometern, mit der der Andromedanebel unſerem Sonnenſyſtem
näher=
rückt, unſerer an irdiſche Maßſtäbe gewöhnten Vorſtellung erſcheinen
mag, iſt ſie dennoch im Vergleich zu den undenkbaren Diſtanzen des
außerhalb unſeres Sonnenſyſtems liegenden Univerſums direkt als
Schneckentempo zu bezeichnen. Die Aſtronomen berechnen bekanntlich die
Geſchwindigkeit der Planeten und die Dauer der kosmiſchen Ereigniſſe
nicht mit Meilen und Kilometern, ſondern mit Lichtjahren. Ein
Licht=
jahr iſt jene unermeßliche Diſtanz, die das Licht in einer Stunde
zu=
rücklegt. Da die Geſchwindigkeit des Lichtſtrahls bekanntlich in einer
einzigen Sekunde dreihundertauſend Kilometer beträgt, wird man wohl
die mehrere Billionen Kilometer, die ein Lichtjahr bedeutet, mit vielen
Nullen auf ein Stück Papier ſchreiben, die Unendlichkeit dieſer
Entfer=
nung mit unſerer menſchlichen Phantaſie doch nie begreifen können.
Nun beträgt die Geſchwindigkeit des Andromedanebels kaum eine
Tauſendſte einer Lichtſekunde, wie dies die ſpektroſkopiſchen
Unterſuchun=
gen des italieniſchen und amerikaniſchen Aſtronomen zu gleicher Zeit
übereinſtimmend ergaben. Die Gefahr eines Zuſammenſtoßes zwiſchen
unſerem kleinen Sonnenſyſtem mit dem Nieſenſtern Andromeda iſt
vor=
läufig nicht zu befürchten, da ſich der Andromedanebel von unſerer
Erde in einer Entfernung von 32 000 Lichtjahren befindet. Jener
Licht=
ſtrahl, der heute von dem Rieſenſtern ins Teleſkop des Aſtronomen
ge=
langt, verließ vor 32000 Jahren, zu einer Zeit, in der wahrſcheinlich
nur Mamute die einzigen Lebeweſen unſerer Erde waren, die
Andro=
meda. Es dürfte daher ſelbſt im ſchlimmſten Fall einige Millionen Jahre
dauern, bis der Andromedanebel unſer Sonnenſyſtem mit Hgut und
Haaren verſchlingt.
Ein großer Poſtdiebſtahl
wurde in Mailand nach Ankunft des um 71 Uhr abends in
Chiaſſo eintreffenden Zuges verübt. Ein Sack, der 200—300
ein=
geſchriebene Briefe und Wertſachen enthielt, wurde geſtohlen, während
der mit dem Transport nach dem Bahnpoſtbureau betraute Poſtangeſtellte
kurze Zeit vor einem beſetzten Geleiſe warten mußte. Der Schaden
der Poſtverwaltung gilt als bedeutend, da es ſich um ausländiſche
Poſt=
ſachen handele, für die in Gold Erſatz zu leiſten ſei.
* Vaterliebe in der Tierwelt.
Von Mutterliebe wird aus dem Reich der Tiere gar Vieles und
Rührendes erzählt; um ſo weniger hören wir von Vaterliebe. Und
doch iſt auch ſie vorhanden und könnte in mancher Hinſicht auch dem
Menſchen zum Vorbild dienen. Darauf weiſt der bekannte Tierkenner
Th. Zell in einem ſoeben bei Carl Reißner in Dresden erſchienenen Buch
„Die Vernunft der Tiere. Von Lehrmeiſtern der Menſchen” hin, in dem
er in eigenartiger Weiſe zeigt, wie die Tiere auf Kriegs= und Jagdpfaden,
als Baumeiſter, Kulturatbeiter und Politiker, in der Technik und ſogar
auf ſprachwiſſenſchaftlichem wie religiöſem Gebiet unbewußte Lehrmeiſter
der Menſchheit geweſen ſind. Was die Elternliebe anbelangt, ſo wird
nach dem Grundſatz der Natur, mit den einfachſten Mittern zu arbeiten,
das Männchen nur dann bemüht, wenn es zur Aufzucht der Jungen
unbedingt notwendig iſt. Das iſt vielfach in der Vogelwelt der Fall,
wäh=
nend es bei den Säugetieren die Ausnahme iſt. Hier herrſcht meiſt nur
die Mutterliebe, während ſich Vaterliebe nur bei den menſchenähnlichen
Affen, bei den größten Raubtieren und bei einigen Pflanzenfreſſern
fin=
det. Vaterliebe kommt hauptſächlich bei folgenden Säugetieren vor: beim
Löwen, Tiger, Ichneumon, beim Seeotter, Nenntier, Nilpferd und
Nas=
horn. Dieſe Ausnahmen haben ihre Begründung in beſonderen
Ver=
hältniſſen. Während z. B. die Wölfin und Füchſin für ihre Jungen
ſtets Nahrung findet, können Löwin und Tigerin ihre Kleinen nicht
allein ernähren, und deshalb muß der Vater helfen. Den jungen
Ich=
neumon und Seeottern drohen beſondere Gefahren, zu deren Abwendung
der Vater eingreifen muß, und ebenſo iſt es bei den Renntteren im
hohen Norden, bei den Nilpferden, in deren Nähe die gefährlichen
Kroko=
dile hauſen, und bei den alleinlebenden Nashörnern. Beſonders
intereſ=
ſant iſt die ſogen, ſchlummernde Vaterliebe, die bei Tieren, die ſonſt
als ſchlechte Väter bekannt ſind, dann auftritt, wenn das Weibchen
ſtirbt. Unſer als Paſcha bekannter Haushahn, der ſich um feine Brut
nicht kümmert, bemuttert doch die Kleinen aufs Sorgfältigſte, wenn eine
Kichlein führende Henne verunglückt. Auch bei Hunden, die ſonſt
ſchlechte Väter ſind, hat man das beobachtet. Und ebenſo iſt es beim
Fuichs, deſſen Vaterliebe die Zoologen ein ſehr ſchlechtes Zeugnis
aus=
ſtellen, von dem die Jäger aber immer wieder hie und da ruhrende Züge
der Pflege ſeiner Jungen vermelden. Der Fuchs wird eben dann zum
guten Vater, wenn die Füchſin gefangen oder getötet iſt und die Kleinen
ganz auf ihn angewieſen ſind. Die beſten Väter der Tierwert ſind manche
Affen; ſie können manchemn Menſchenvater als leuchtendes Beiſpiel
die=
nen. So erzählt Brehm einen Vorfall, den er mit den ſcheußlich=
häß=
lichen Mantel=Pavianen erlebte. Er war mit einer Herde
zuſammen=
getroffen, auf die Hunde gehetzt wurden. Eins der ſtäxrſten Männchen
trat aber den Hunden kühn entgegen und befreite ein von ihnen
um=
zingeltes Junges. Die Affen ſtehen alſo auch in der Hinſcht den
Men=
ſchen beſonders nahe, weil bei ihnen — als ſeltene Ausnahme unter den
Säugetieven — die Vaterliebe ſehr ausgebildet iſt.
Elektriſierung
der Schweizer Eiſenbahnen.
Seit Beginn dieſes Jahrhunderts iſt die Schweiz mit der
Elektriſierung ihrer Eiſenbahnen erfolgreich vorgegangen.
Zu=
erſt wurde die Strecke Seebach—Wettingen als Verſuchsſtrecke
ausgebaut. Die umfangreichen Verfuche führten hier zur
An=
nahme des hochgeſpannten Einphaſen=Wechſelſtroms mit 15 000
„Volt. Die 1906 gegründete Lötſchbergbahn nahm das gleiche
Syſtem auf ihrer 108 Kilometer langen Linie an; ihr folgten die
Rätiſche Bahn mit ihrem 227 Klm. langen Netz und, ebenfalls
in Graubünden, die 61 Klm. lange Berninabahn. Dieſe wurde
für Gleichſtrom eingerichtet. Das bedeutendſte Werk aber iſt die
Elektriſierung der mit den beiden nördlichen Zufahrtlinien
Lu=
zern—Arth=Goldau und Zürich—Art=Goldau 272 Klm. langen
Gotthardbahn. Zuerſt wurde die Tunnelſtrecke Erſtfeld—Airolo
fertiggeſtellt, wo ſich die Rauchplage für Reiſende, Zug= und
Tunnelreviſionsperſonal am fühlbarſten machte. Auf dieſer
Strecke wurde der elektriſche Betrieb bereits im Oktober 1920
aufgenommen, ihr folgte die Südſtrecke Airolo—Bellinzona im
April 1921 und Bellinzona—Chiaſſo bis Februar 1922. Die
Nordſtrecken Erſtfeld bis Luzern und Zürich endlich wurden in
verſchiedenen Etappen bis März 1923 vollendet, ſo daß ſich die
Gotthardbahn ſeit Jahresfriſt vollſtändig im elektriſchen Betrieb
befindet, der ſich in Bälde auch auf die Anſchlußlinien bis Baſel
und Schaffhauſen ausdehnen wird. Die Gotthardbahn
verwen=
det für ihren Betrieb gleichfalls Wechſelſtrom, wogegen eine
an=
dere Gebirgsbahn, die Simplonſtrecke Lauſanne—Iſelle, die in
Kürze ebenfalls vollſtändig elektriſiert ſein wird, für Drehſtrom
eingerichtet wird. Zur Stromperſorgung der Gotthardbahn, die
uns am meiſten intereſſiert — hat doch das Deutſche Reich, als
es noch in Blüte ſtand, zu den Baukoſten der im Jahre 1882
er=
öffneten Gotzhardbahn einen ſehr erheblichen Beitrag geſtiftet —
dienen die beiden Kraftwerke Ritom im Teſſin und Amſteg auf
der Nordſeite. Der hier erzeugte Strom mit 15000 Volt wird
für die nächſtliegenden Strecken der Fahrleitung unmittelbar
zu=
geleitet. Der übrige Teil aber, durch Transformatoren auf
60 000 Volt gebracht, wird auf die ſochs auf der Strecke verteilten
Unterwerke übertragen, von wo er, wieder auf 15 000 Volt
um=
geformt, der Fahrleitung zugeführt wird. Der Betrieb wird
durch etwa 30 Lokomotiven, wovon die Hälfte Schnellzugs=, die
andere Hälfte Güterzugslokomotiven ſind, ausgeführt, die, was
Leiſtungsfähigkeit und Geſchwindigkeit anbelangt, das
Voll=
kommenſte darſtellen und den früheren Dampflokomotven in
die=
len Beziehungen um ein Viertel bis ein Drittel überlegen ſind.
Die Güterzuglokomotiven können auf den Steilrampen auch als
Vorſpannlokomotiven der Schnellzüge benutzt werden. Die
Stei=
gungen auf der Nordſeite über 700 Meter, auf der Südſeite über
90 Meter, werden auf der Bergfahrt ſpielend überwunden; auf
der Talfahrt wird bei der Bremſung Strom zurückgenommen
und den Kraftwerken wieder zugeführt.
Wer jetzt über den Gotthard fährt — wieder entvickelt ſich
wie ehedem im Frieden ein bedeutender Reiſeverkehr aus
Deutſchland nach Italien —, wird gegenüber der früheren
Be=
läſtigung durch Rauch, beſonders in den Tunnels, die ruhige,
rauch= und ſtaubfreie Fahrt und die erhöhte Reiſegeſchwindigkeit
angenehm empfinden. Mit dem bisher Erreichten iſt noch längſt
kein Stillſtand in der Elektriſierung der Schweizer Eiſenbahnen
eingetreten. Der vorhandene Reichtum an Waſſerkräften und
der Mangel an Kohlen im eigenen Lande legen es nahe, auf der
mit ſo großem Erfolg betretenen Bahn fortzufahren. In der Tat
ſind auch bereits umfaſſende Pläne zur weiteren Elektriſierung
der Schweizer Bahnen aufgeſtellt worden. Die erhöhten
An=
lagekoſten ſolcher Bahnen werden durch geringere Betriebskoſten
mehr als ausgeglichen. Wie bekannt, ſind auch in Baden und
Oberbahern, wo beim Mangel an Kohlen ebenfalls große
Waſ=
ſerkräfte zur Verfügung ſtehen, Anfänge mit der Elektriſierung
der Eiſenbahnen gemacht werden; bald wird ſie weiter nach
Nor=
den vordringen, wobei uns die bisher auf faſt 1000 Kilometer
Schweizer Vollbahnen gemachten Erfahrungen von erheblichem
Nutzen werden können.
Zur Auswanderungsfrage
(Die Notwendigkeit ſachverſtändiger Beratung.)
D.4.I. Der Auswanderungsgedanke iſt in den ſeltenſten Fällen ein
plötzlicher Entſchluß. Was in weiter Ferne liegt, zeigt ſich dem Auge des
romantiſch veranlagten Deutſchen meiſt in roſigerem Licht als die nähere
Umgebung. Sind aber einige Freunde und Bekannte draußen, die günſtig
berichten, und geht daheim nicht alles nach Wunſch, ſo reift manchmal
auch der Entſchluß zur Auswanderung ſehr ſchnell. Die verſchiedenen
Formalitäten, die es noch zu erfüllen gilt, werden als Laſt und unnötiges
Hemmnis empfunden. Und doch haben ſie ihren Wert auch für den
Aus=
wanderer, da ſie zu reiflicher Ueberlegung zwingen. Schon an der Art,
wie der Auswanderer dieſe erſten „Hecken und Zäune nimmt” wird man
erkennen, ob er überhaupt zur Auswanderung taugt, ob er den weit
größeren Schwierigkeiten und Hemmniſſen draußen Herr werden wird.
Die Erledigung aller Formalitäten wird erleichtert, wenn man
recht=
zeitig vor dem Aufbruch die zuſtändige öffentliche Auswanderer=
Bera=
tungsſtelle aufſucht. Hier ſei das Deutſche Ausland=Inſtitut
in Stuttgart empfohlen, das durch umfangreiches, dort
zuſammen=
laufendes Material und ſeine etwa 500 Vertrauensmänner in aller Welt
in die Lage verſetzt wird, alle die mannigfaltigen Fragen des
Auswan=
derers zu beantworten. Da gilt es zu prüfen, ob die Vorausſetzungen
für eine erfolgreiche Auswanderung gegeben ſind, ob die Beziehungen
zuverläſſig, die in Ausſicht geſtellten Löhne ein Vorwärtskommen
ermög=
lichen, ob Klima und Lebensverhältniſſe des neuen Landes gut ſind. „Wer
einen Turm baut, überſchlage die Koſten.” Jeder Auswanderer ſteht vor
einem ſolchen Turmbau, der ebenſo ſorgfältiger Vorbereitung bedarf wie
der des Architekten.
Durch Inanſpruchnahme einer ſolchen Beratung kann nicht nur
mancher unnötige Weg in der Heimat, ſondern auch manches Lehrgeld
draußen erſpart werden.
Die Befürchtung manches Auswanderers, daß er nur „gewarnt”, daß
er bei ſolcher Beratung in ſeinen Lieblingsplänen nur gehemmt werden
könnte, iſt unbegründet. Die Heimat hat kein Intereſſe geſunde
Aus=
wanderungsabſichten zu ſtören. Sind die Pläne aber ungeſund, ſo liegt
es wiederum im eigenſten Intereſſe des Auswanderers, daß er möglichſt
rechtzeitig ſie in geſunde und wirklich durchführbare umwandelt. Beſſer
eine Enttäuſchung rechtzeitig erlebt, ehe alles in eine falſche Bahn
ge=
leitet wird, ehe alle Brücken zum Rückweg abgebrochen ſind, als erſt
draußen erkannt, daß man ſich einem Irrwahn hingab. Wie manches
Auswandererelend hätte vermieden werden können, wenn rechtzeitig eine
ſachgemäße Beratung ſtattgefunden hätte!
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 1. März 1924.
Rummer 61.
Gloſſen aus Auguag.
Von Karl Arthur Vollrath.
Der Verfaſſer nimmt in leitender Stellung an der
Tournee der Sarraſani=Schau durch Südamerika teil.
Die Redaktion.
Die „Republik öſtlich des Uruguah=Fluſſes”, einfach Uruguay
genannt, lächelt ein wenig überlegen über uns. Sie hat in 100
Jahren 68 Revolutionen durchgemacht, und wir haben nicht
ein=
mal eine richtig fertiggebracht. Die Republik hat Kriege geführt
gegen Spanien, Portugal, Argentinien, Braſilien, Paraguay und
gegen ſich ſelbſt — ſo furchtbar, daß bis vor kurzem auf acht
Frauen ein Mann kam. So ſehr war das männliche Geſchlecht
ausgetilgt worden. Vor zwei Menſchenaltern hat Montevideo
eine regelrechte Belagerung von zehn Jahren durchgenracht — ſeit
Troja ein Unikum in der Weltgeſchichte. Dafür hat nun das
Ländlein — ſo groß wie Preußen — den letzten europäiſchen
Krieg glänzend überſtanden. Es trieft von Wohlſtand. Mit ſeinen
eineinhalb Millionen Einwohnern leiſtet es ſich mehr Miniſterien
als wir im Deutſchen Reich haben, und darunter iſt eines für
Radiotelephonie. Ich will unſeren Damen nur ſehr kurz
an=
deuten, daß die Dienſtmädchen — Negerinnen aus Braſilien —
in ſeidenen Strümpfen gehen. Fleiſchfarbene Seidenſtrümpfe
auf einer ſchwarzen. Wade ergibt übrigens einen durchaus
luſti=
gen Eindruck. Auch will ich allen, die ſich dafür intereſſieren,
er=
zählen, daß man auf jede dritte Familie ein Auto und auf jede
vierte Familie eine Radioſtation und ein Klavier rechnet. Jede
Straße der quadratiſchen Stadtanlage wird von einer
Straßen=
bahn durchfahren. Läuft ſie nicht elektriſch, ſo iſt ſie mit Pferden
beſpannt, wie bei uns — wie lange iſt es doch her?. Bei den
Elektriſchen wetteifern zwei Geſellſchaften. Die engliſche iſt noch
ſchlechter als die deutſche. Aber das hat gar nichts zu ſagen
gegen das Telephon von Montevideo, das franzöſiſch iſt. Die
Schrecken von Dantes Juferno verblaſſen gegen die Schrecken des
Telephonierens in Montevideo. Uebrigens ſoll es „einmal”
umgebaut werden.
Nebenbei die Hauptſache: dieſes Montevideo iſt eine
herr=
liche Stadt. Die Bucht, um die es ſich ſchmiegt, iſt eine
Miniatur=
ausgabe derjenigen von Neapel; auch ein kleines Vefuplein iſt
da, der Cerreo. Er ſpeit freilich kein vulkaniſches Feuer, ſondern
ſpendet ein bißchen Scheinwerferlicht zum Beſten der La Plata=
Schiffahrt. Im übrigen iſt die große Tugend der Stadt ihre
Rauchfreiheit. Wir Europäer werden völlig ſtutzig, wenn wir
zum erſten Male Straßen ohne Ruß und Staub, Häuſer in Weiß
ſehen, nicht in Grau, Ockergelb oder in jenen Knallfarben, die
vor lauter Verzweiflung Herr Tautz in Magdebrg eingeführt
hat. Das macht, das Land und die Stadt hat keine Induſtrie,
und die paar Schornſteine, die rauchen, gehören zu jenen
Schlacht=
häuſern fernweg von der Stadt, in denen tauſend Rinder täglich
erledigt und verſandtfertig gemacht werden. Sie verwandeln
ſich entweder in Gefrierfleiſch oder in Liebigs Fleiſchextrakt, und
Deutſchland hat hoffentlich recht bald wieder recht viel Geld, um
ſich beides zu kaufen.
Die Stadtanlage iſt ein Netz von Rechtecken, und da die
Häu=
ſer einſtöckig ſind, höchſtens zweiſtöckig — o Ideal aller unſerer
Siedlungsfreunde! —, ſo iſt die Stadt mit ihrer Halbmillionen=
Bevölkerung größer als Berlin. Das häusliche Leben in den
Ländern ſpaniſcher Kultur ſpielt ſich ab im Hofe, dem „Patio”,
während ringsum die Schlafzimmer fenſterloſe Alkoven zu ſein
pflegen. Dieſe Höfe ſind zierliche Oaſen mit Fächerpalmen, mit
Springbrunnen, Marmorflieſen und Singvögeln, wie einſt bei
den Arabern und Mauren, deren Kultur die Spanier geerbt
haben. Nur kann hier in Amerika im Falle des Regens ein
Glasdach hinübergeſchoben werden. Eingefleiſchte Montebideaner
behaupten, bei ihnen regne es im Sommer nie. Ich habe aber
in dieſem Sommer Regenfälle geſehen, von denen man in Europa
beim beſten Willen keinen Begriff hat, ausgemachte Tropenregen
— mit Regentropfen ſo groß wie Hühnereier. Und mit
Stürmen, die zu den ſchwerſten Prüfungen des Nervenſyſtems.
gehören.
Auch die Faſſaden der Häuſer ſind ſchön, nach den Begriffen
der Einheimiſchen. Zu uns ſpricht die Aeſthetik dieſer
meer=
ſchaumartigen Aichitektur ebenſo wenig wie die Schönheit einer
ruſſiſchen Kirchenarchitektur. Alles, was nach außen gekehrt iſt,
iſt reich und vornehm in dieſem Lande, ſo wvie der beſcheidene
Mann, auch wenn er keinen Centavo in der Taſche hat, dennoch
einen Anzug von neueſtem Schnitt, ſeidene Strümpfe und
blitz=
blank geputzte Stiefel trägt. So, wie die Autos dieſer
eingeſeſ=
ſenen Familien von Silber, Meſſing, Nickel und den
ſchreiend=
ſten Lackierungen zu ſtrotzen pflegen. Uebrigens: draußen, wo
die Gärten ſind, iſt es Mode geworden, Villen im „deutſchen”
Stile zu bauen. Das iſt der Holzfachwerk= und Backſteinſtil, in
dem man vor dreißig Jahren die Villen im Grunewald gebaut
hat, mit Zinnen, Türmen und Ritterſtatuen, und in dem Bodo
Ebhardt auf allerhöchſten Befehl die deutſchen Burgen
reſtau=
rierte. Ein wenig ſpät kommt dieſe Mode, ſie iſt hier
ausſchließ=
liche Kriegsgewinnler=Angelegenheit.
Die Glanzpunkte der Stadt ſind die Plätze, die Parks, die
Badebuchten. Man hat hier den Sinn für üppige,
verſchwende=
riſchen Gartenarchitekturen. Für ſie ſpendet die Natur gratis
und franko die herrlichſten Palmen, Eukalyptusbäume, die
wun=
derſamſten Blumenſträucher, mit glühenden Farben und
betäu=
bendem Duſte in der Nacht. Das alles iſt von tropiſcher
Ueber=
fülle — doch ohne Seele, wie jegliche Landſchaft hier unten. In
Potsdams Gärten lebt die Romantik, in Verſailles ſprüht der
Elan eines Volkes, das Weltgeſchichte gemacht hat. Hier iſt nur
Reichtum, herzloſer Reichtum. Die Badebuchten ſind ſplendide
Anlagen, mit Teraſſen und Luxushotels. Nur, da die Natur dem
Land einen ſteinigen Strand ſchenkte, hat man den Sand
irgend=
woher anfahren laſſen. Man ſchafft längs der uruguhaiſchen
Küſte eine Riviera mit einer pompöſen Autoſtraße (armſelige
„Avus” im Grunewald dagegen)), man will das Fremdenzentrum
von Südamerika werden, und da in jenen Luxushotels die
Nou=
letten rollen, emſiger als in Monte Carlo, ſo hat man das Geld
dazu.
Man hat vielleicht auch das Zeug dazu, ein Fremdenzentrum
zu werden. Denn der Menſchenſchlag hat von Natur eine uns
übernervöſen Europäern verblüffende Liebenswürdigkeit, eine
von Herzen kommende Gaſtfreundlichkeit. Es iſt die ſtarke
Tu=
gend dieſes Volkes, mit der andere Vorzüge parallel laufen. Man
ſagt in Südamerika, daß in Kolumbien das feinſte Spaniſch
ge=
ſprochen wird, und daß in Uruguay die ſchönſten Frauen zu
Hauſe ſind. Ich habe die Frauen in Chile, in Argentinien, in
Braſilien noch nicht an der Quelle ſtudiert, aber ich glaube es,
was man ſagt, fürwahr, ich glaube es.
Bei alledem haben ſich dieſe Südamerikaner ſo ſehr von dem
Spanierlande emanzipiert, daß ſie neuerungsdurſtig ſind um
jeden Preis. Die herrſchende Partei, die „rote Partei”, lebt
da=
von, daß ſie alle, grundſätzlich alle Neuerungen der Welt hierher
verpflanzen will, kritiklos, auch wenn ſie gar nicht für das Land
paſſen. Man hat hier den Achtſtundentag eingeführt, weil er in
Europa Mode geworden iſt. Er iſt ein Unding für Uruguay.
Denn der Uruguayer: er arbeitet gar nicht oder doch nur zwei
Stunden am Tage. Und der Ausländer, der in die
Landwirt=
ſchaft gehen muß: für ihn gelten die acht Stunden natürlich nicht,
für ihn gelten die zwölf, die vierzehn Stunden. Der
Einhei=
miſche: wovon er lebt, das iſt mir in zwei Monaten ein Rätſel
geblieben. Vielleicht vom Lotterieſpielen. Es iſt das Land, in
dem der Bettler hoch zu Roß von Farm zu Farm, von Eſtancia
zu Eſtaneig reitet. Und in dem gewiß keiner verhungern kann.
Aber, lieber deutſcher Auswanderer, glaube gar nicht, daß
dir hier die gebratenen Gühner in den Mund fliegen!. Glaube es
gar nicht!. Jede Auswanderung bedeutet zunächſt den Zwang,
eine Stufe abwärts zu ſteigen. Wer dieſes Opfer nicht bringen
will, der bleibe in Deutſchland und unterernähre ſich redlich.
Lieber deutſcher Auswanderer, mache dich gefaßt auf
kümmer=
liche Wellblechbaracken, fernweg aller Kultur, denn deine Farm
liegt vielleicht von der einzigen Großſtadt Montevideo ebenſo
weit eutfernt wie Königsberg in Preußen von Eſſen a. d. Ruhr.
Mache dich gefaßt auf ein nach Landesſitte zähes Kuhfleiſch, das
du mit deinen Zähnen nicht zerreißen kannſt; mache dich gefaßt
auf ein Maisbrot, wie es die öſterreichiſche Armee im vierten
Kriegsjahre ihren Völkern zu beißen gab; mache dich gefaßt auf
das Nationalgetränk, die Mathe, die bitterer ſchmeckt als die
Galle des Tintenfiſches. Mache dich gefaßt darauf, daß der
ſpa=
niſche, der italieniſche Auswanderer dich immer und überall an
Bedürfnisloſigkeit unterbieten wird, der Serbe, der Kroate, der
Slowake. Und wenn du den Mut haſt, dieſes Opfer zu bringen,
dann kann deinen Kindern, vielleicht erſt deinen Kindeskindern
ein klein wenig Behaglichkeit blühen. Du ſelbſt mußt dich opfern.
Hier iſt Reichtum im Lande, aber es iſt der Reichtum derer die
in der dritten und vierten Generation hier ſind, nicht der
Reich=
tum der friſch Eingewanderten, und dieſe alten Geſchlechter
bilden in dem Lande, wo man die Freiheit offen zur Schau ſtellt,
und wo man den Fortſchritt in Paradeſtellung vorweiſt, eine
heimliche Ariſtokratie, eine feſte, ſtill und verbiſſen
zuſammen=
haltende „herrſchende” Klaſſe.
Dieſe Klaſſe macht ihre Politik unter ſich aus, und ſie tur
das ein wenig handfeſter, als wir das gewohnt ſind. Hier müſſen
auch die Herren Führer ein wenig perſönlichen Mut aufbringen
und die Waffe in die Hand nehmen, nicht nur, wie bei uns, die
namenloſen Maſſen auf der Straße. Während wir mit unſerem
Sarraſani=Zirkus hier ſpielen, teilt ſich das öffentliche Intereſſe
zwiſchen uns und der Einführung der allgemeinen Dienſtpflicht.
(Deun da in Europa der Militarismus jetzt im Ueberſchwange
iſt, darf um Gotteswillen Uruguah nicht zurückbleiben, um
Gotteswillen nicht!) Der Kriegsminiſter, Herr Niveros,
unter=
breitet der Oeffentlichkeit eine entſprechende Vorlage, der
Ex=
präſident und Verleger der größten Zeitung „El Dia” bekämpft
ſie. So ſchickt ihm der Kriegsminiſter eine Forderung auf
Piſto=
len, und ſie wird mit Bravour augenommen. Es kommt zum
Duell, und alle Kaffeehäuſer ſind erhitzt vor Erwartung. Und
es geht los, auf echt uruguahiſche Art. Herr Or. Drumm, der
Zeitungsverleger, ſtellt ſich hin und ſchießt nicht. Will nur zeigen,
daß er vor dem Schießeiſen des Kriegsminiſters keine Angſt hat.
Und der Kriegsminiſter ſteht da und wartet und ſchießt dann
ein Loch in die Luft. Denn er will nicht unritterlich ſein und
auf einen Geguer anſetzen, der ſich nicht wehrt. Nachher
ver=
ſöhnen ſich beide Gegner nicht. Denn es wäre ſchade um den
politiſchen Kampf, der doch weitergehen muß.
(Könnte man ſich beiſpielsweiſe Herrn Ullſtein und Herrn
v. Seeckt in einer ſolchen Situation vorſtellen?)
So ſonderbar geht es zu in dieſem Lande der bizarren
Widerſprüche am La Plataſtrome, der breiter iſt als die Oſtſee.
Und das vielleicht auch für uns einmal ein Touriſtenland ſein
wird, wenn wir wieder geſund geworden ſind. Hoffentlich recht
bald!
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 60
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 29. Februar 1924.
Seite 15
Spott, Shiel und Tarnen.
Die Oeutſchlandfahrt.
Won Verlin zur Oſtſee. — Pommerns begeiſterter Willkommensgruß.
Noch 84 Fahrer im Wettbewerb. — Schnee und eiſige Kälte.
Von unſerem Sonderberichterſtatter Siegfried Doerſchlag.
Stettin, 27. Februar.
Vom Rhein zu den baheriſchen Alpen, — von da nach Schleſiens
Bergen, — dann zur Reichshauptſtadt, heute zur Oſtſeeküſte! Der 200ſte
Kilometer der Deutſchlandfahrt iſt überſchritten. 53 Fahrer haben
bis=
her alle Etappen mit eigener Maſchinenkraft (ohne Zuhilfenahme
frem=
der Beförderungsmittel) bezwungen. Das ſind rund die Hälfte der in
Köln Geſtarteten. Die anderen auch weiterhin beteiligten Fahrer haben
weniger als eine, eine oder zuvei Tagesſtrecken mit der Bahn
zurück=
gelegt, und halten aus ſportlichem Intereſſe weiter mit. Man kann
da=
mit rechnen, daß etwa 75 Deutſchlandfahrer das Endziel Köln erreichen
werden.
Nicht nur über den gleichgültigen Empfang in Berlin waren die
Deutſchlandfahrer enttäuſcht, ebenſo auch über den Begrüßungsabend.
Reichspräſident Ebert, der Vorſitzende des Ehrenausſchuſſes der
Deutſch=
landfahrt, der ſein Erſcheinen wiederholt zugeſagt hatte, ließ ſich in
letz-
ter Stunde entſchuldigen und ſandte den Deutſchlandfahrern ein
warm=
herziges Schreiben, das vom Berliner Gauvorſitzenden Ihring verlefen
wurde. Uebel vermerkt wurde das Nichterſcheinen des Berliner
Ober=
bürgermeiſters, der als bisher einziges Stadtoberhaupt der an der
Deutſchlandſtrecke liegenden Städte nicht zur Begrüßung der Fahrer vom
Rhein erſchienen war, und der es auch verabſäumt hatte, einen Vertreter
zu entſenden. Was Wunder, daß die Fahrer und Veranſtalter, die
während ihrer elftägigen Fahrt überall begeiſterte Empfänge gefunden
hatten, über den Berliner Empfang verſtimmt waren.
Netter war ſchon der Auszug aus der Reichshauptſtadt. Voran ein
Laſtauto mit einer Muſikkapelle — dahinter die
Oberlei=
tungswagen — dann die Fahrerkolonne —, ſo gings aus
der Stadt hinaus. Das Thermometer zeigte 100 Celſius Kältegrade.
Gleich vor den Toren Berlins begann wieder der gewohnte Kampf mit
dem Schnee. Spieker auf Rudge hat bei Bernau Maſchinendefekt und
muß die Weiterfahrt mit der Bahn antreten. Haars=Bielefeld, der
bis=
her auf ſeiner Herko=Maſchine ſtrafpunktfrei geblieben war, gab in
Ber=
lin infolge ſchwerer Erkrankung ſeiner Familie auf. Merettig iſt auf
ſeiner Beiwagenmaſchine nach ſeinem geſtrigen Unfall auch nicht mehr
dabei. Bauer auf Panther, der vorgeſtern zurückgeblieben war, hat mit
eigener motoriſcher Kraft wieder Anſchluß an das Feld erlangt; Spieker
auf Herko, der in Breslau zur Reparaturvornahme zurückgeblieben war,
iſt der Kolonne auf ſeiner Maſchine nachgeſetzt und hat ſie in Berlin
wieder erreicht nach Zurücklegung der 309 Km. langen Strecke Breslau—
Berlin an einem Tage. Seine Fahrt hat er ſich von 17 Polizeiämtern
beſcheinigen laſſen. Juriſch=Leipzig, der Benjamin der
Deutſchlandfah-
rer, hält ſich auf ſeiner erſt am Tage der Fahrzeugabnahme in Köln
ge=
kauften Jonus=Maſchine, die er erſt am Abend vor dem Start erhielt,
glänzend. Nachdem wieder mit beſchränkter Mindeſt= und Höchſtzeit
ge=
fahren wird, gibt es keine beſonderen Parforceleiſtungen zu erwähnen,
und die Deutſchlandfahrer und die durch Teilnahme ihrer Maſchinen
in=
tereiſierte Induſtrie müſſen ſich mit einem ſummariſchen Lob begnügen.
Freundlich war der Empfang der Deutſchlandfahrer in Ebersvalde
— freundlich in Schſvedt a. O. — dann aber, mit Ueberſchreitung der
pommerſchen Grenze und Eintreffen in dem kleinen Landſtädtchen Gartz
wurde er begeiſtert. Ganz Gartz ſtrahlte im Flaggenſchmuck, Girlanden
und Begrüßungsplakate überzogen die Straßen. Eine Kapelle vor dem
Kontrollokal begrüßte jeden eintrefſenden Fahrer mit klingendem Spiel,
Im Kontrollokal drinnen gabs Würſtchen, Grog, ,Blumen für jeden
Fah=
rer. Der Herr Bürgermeiſter kredenzte in höchſt eigener Perſon die
Verpflegung. Die Fahrer waren durch dieſe herzliche Gaſtlichkeit in
dem nur 3000 Einwohner zählenden Landſtädtchen ganz begeiſtert und
konnten den vortrefflichen Empfang durch die Gartzer und vor allem
durch den Gartzer Radfahrerverein, der die Kontrolleitung übernommen
hatte, nicht genug rühmen.
Eine halbe Wegſtunde ſpäter grüßte ein breites. Transparent die
Fahrer an den Toren Stettins. Obwohl wir in unſerem von der N. A. G.
zur Verfügung geſtellten N.A. G.=Preſſewagen mit dem Sieger der
All=
ruſſiſchen Zuverläſſigkeitsfahrt, Hans Berthold=Berlin, am Steuer, nicht
an der Spitze der Kolonne in Stettin eintrafen, weil wir uns in Gartz
aufgehalten hatten, waren immer noch nach Zehntauſenden zählende
Menſchenmaſſen auf den Einfahrtsſtraßen. Jubelndes Hurra bei der
Durchfahrt durch die Menſchenmauern der ſportsfrohen Stettinen
Am Zicl humoriſtiſche Gruppenbilder der froh gelaunten
Deutſch=
landfahrer, die hier, wie auf der ganzen Strecke ſeit Leipzig von der
In=
duſtrie=Film=A.=G. gefilmt werden. Jeder Fahrer erhält irgend ein
Präſent, Likör, Zigaretten, jeder Fahrer wird verpflegt, und jeder
er=
hält eine weißblaue Schleife als Erinnerungsgabe der Pommerſchen
Motorradfahrervereinigung, die ſich in höchſt anerkennenswerter
Sports=
ſolidarität trotz ihrer Zugehörigkeit zum D.M.V. in den Dienſt der
Sache geſtellt hat. Möchte doch überall in den deutſchen Gauen im
Mo=
torſport ſolche nutzbringende Solidarität herrſchen!
Nachſtehend können erſtmalig die aller Wahrſcheinlichkeit nach
ſtraf=
punktfreien Fahrer aufgeführt werden, die bisher alle Etappen ohne
Zuhilfenahme fremder Beförderungsmittel zurückgelegt haben; da die
Liſten aller Geheimkontrollen noch nicht überprüft ſind, iſt es immerhin
möglich, daß der eine oder der andere infolge kleiner Verſpätungen
einige wenige Strafpunkte bat.
Klaſſe I (bis 150 ccm): Karl Flöch=Köln auf S.CK. Karl
Feld=
mann=Detmold auf D.K.W., Fritz Feldmann=Hamm auf. D.K.W., J.
Sprung=Zſchoppau auf D K.W., W. Seifert=Zſchoppau auf D K.W., Franz
Naue=Stendal auf Herko, Hermann Spilker=Bielefeld auf Herko, Paul
Noggenbuck Köln auf Allright, Karl Leuſch=Neumünſter auf Newe,
Him=
berg=Köln auf Expreß.
Klaſſe II (über 150—250 ccm): A. Anders=München auf Vis
Simplex, Schuchhardt=Kaſſel auf N. S.U., Eſſer=Köln auf Magnet Debon.
Klaffe III (über 250—350 ccm): H. Wronker=Köln auf Apex,
Erich, Bethge=Köln auf Neſtoria, Georg Meier=Nürnberg auf Franzan:,
N. Schulz=Hamburg auf Haweka, H. Wachter=Köln auf S. Schlömer,
N. Bremer=Hamburg auf Haweka, Buſſinger=München auf Ardic, H.
Wolf=Nürnberg auf Neſtoria, Schulze=Düſſeldorf auf Ardie.
Klaſſe IV (über 350—500 ccm): Georg Högl=München auf
D.M. W., 2: Schumacher=Aachen auf Saroleg, J. Trimborn=Wiesdorf auf
Beardmore=Präziſion, H. Eibel=Küpperſteg auf Beardmöre=Präziſion,
J. Roſenbaum=Düſſeldorf auf B.W.M., Fritz Gyr=Meißner=Köln auf
Trumpf Aß, Jean Pütz=Köin auf Panthcr, Relf André Klein=
Charlot=
tenburg auf NS.U., Jung=Köln auf Trumpf Aß, Juriſch=Leipzig auf
Jonus, Theo Schwarz=Koblenz auf Sarolea, Walter Hemming=Suhl auf
Allright K.=G.
Klaſſe V (über50g—750 ccm): F. Schmitz=Wiesdorf auf
Wan=
derer, H. Friedrich=Charlottenburg auf Mabeco, H. Werth=Köln auf
Brough=Superior, Joſeph Buch=Köln auf O.E.C.=Megola, H. Bätz=Köln
(einziger Soziusfahrer) auf KM.B., M. Buſch=Köln auf engl. Triumph,
Benjamin Dick=Köln auf engl. Triumph, Fritz Stüpp=Ohligs auf K.M. B.,
F. Buſch=Köln auf engl. Triumph, Guſtav Fieß=Opladen auf Mars, J.
Stelzer=München auf Megola.
Klaſſe VI (über 750 ccm): Schlömer=Köln auf Brough=
Supe=
rior, Franz Ullrich=Köln auf N. S.U., J. Siemons=Burg/Moſel auf
Har=
ley=Davidſon, J. Woodhouſe=Köln auf Sunbeam, Peter Viſé=Aachen auf
Harley=Davidſon.
Radfahren.
Straßenrennen für Berufsfahrer.
Der Sportausſchuß des Bundes Deutſcher Radfahrer hat für die
Saiſon 1924 vierzehn Straßenradrennen angeſetzt, die für Berufsfahrer
offen ſind, und zwar: 27. April: Berlin-Kottbus-Berlin; 11. Mai:
Rund um Speſſart und die Rhön; 18. Mai: Großer Preis
des Saarlandes (Saarbrücken); 25 Mai: München-Zürich (intern.);
4. Juni: Deutſche Bergmeiſterſchaft (Drachenfels); 8. Juni: Großer
Preis von Deutſchland (international mit Start und Ziel in Köln);
22. Juni: Rundfahrt durch Oberſchleſien; 6. Juni: Großer Sachſen=
Preis (Chemnitz); 13. Juli: Rund um Köln; 16. bis 20. Juli: Zürich=
Berlin (international in Verbindung mit Fahrt für Motorräder, Ziel
Stadion); 2. Auguſt: Deutſche Meiſterſchaft „Rund um
Frank=
furt; 24. Auguſt: Rund um Oſtpreußen; 7. September: Rund um
Berlin.
Fußball.
Sportverein Darmſtadt — Olympia Lorſch.
Trotz begründeter Reklamationen hat ſich die Verbandsbehörde
des Süddeutſchen Fußballverbandes unter den beſtehenden
Witterungs=
verhältniſſen nicht überzeugen laſſen, daß die Durchführung
einwand=
freier Verbandsſpiele am morgigen Sonntag im Odenwaldkreis (und
auch vielleicht anderwärts) nicht gut möglich iſt. Wenn feſtſteht, daß zur
Zeit die Sportplätze am Böllenfalltor durch die vorhandenen
Schnee=
maſſen einen regelrechten Spielbetrieb nicht zulaſſen, ſo wird inzwiſchen
trotzdem die Leitung des Sportvereins, wenn auch unter großen Koſten,
nichts unverſucht laſſen, das Spielfeld im Stadion in einen
einiger=
maßen benutzbaren Zuſtand zu verſetzen. Es iſt bedauerlich, daß unter
dieſen Verhältniſſen ein Spiel ſtattfinden muß, bei dem der Sportverein
auch noch gegen ſeinen, in den diesjährigen Verbandsſpielen einzigen
Bezwinger, den Fußballklub Olympia=Lorſch, zum Rückſpiel
an=
zutreten hat. Ohne Zweifel wird das Treffen ſich aber trotzdem
intereſ=
ſant geſtalten, haben doch die Lorſcher Fußballer von jeher einen Gegner
abgegeben, der nicht unterſchätzt werden darf. Die Einheimiſchen haben
das zur Genüge beim Vorſpiel in Lorſch am eigenen Leibe erfahren
müſſen. Die Liga=Elf des Sportvereins wird trotz ihrer in der letzten
Zeit erzielten Erfolge auf der Hut ſein müſſen, daß ſie nicht wie beim
Vorſpiel, auch beim Rückſpiel, morgen Sonntag, das Nachſehen hat.
Zu=
ſchauerplätze und Tribüne im Stadion ſind, ſoweit dies möglich, ſchon in
einen benutzbaren Zuſtand verſetzt worden, ſo daß die ſicher zahlreich
bei dieſem Spiel ſich einfindenden Zuſchauer nicht auch noch den
be=
ſtehenden Unannehmlichkeiten ausgeſetzt ſind.
„Union” — „V. f. R.”
Ka. Der Exerzierplatz hat am Sonntag, den 2. März, vormittags,
wieder Hochbetrieb. Die Kreisligamannſchaften obiger Vereine treffen
ſich im Verbandsrückſpiel. Dieſes Spiel iſt für beide Vereine von größter
Bedeutung und wird demgemäß (zumal noch Lokaltreffen) zu einem
har=
ten Kampfe werden. Wir ſind aber überzeugt, daß beide Mannſchaften
— ſie haben es ſchon früher bewieſen — einen äußerſt fairen und
den=
noch ſpannenden Kampf liefern, werden, dem ein guter Beſuch zuteil
werden wird. Die Vereinsleitung der Raſenſpiele hat keine Koſten
ge=
ſcheut und den Platz ſowie Zuſchauerraum in ſpielfähigen bezw. für
die Zuſchauer ſchneefreien Zuſtand zu ſetzen. Mögen die Darmſtädter
Sportler dieſe Leiſtung durch guten Beſuch anerkennen.
Die 3. Mannſchaft begibt ſich nach Aſchaffenburg, um mit der
Hleichen der dortigen „Viktoria” ſich im Freundſchaftsſpiel zu meſſen.
V. f. R. Darmſtadt (Jod.=Abtlg.)
Ka. Infolge Mißverſtändniſſes konnten wir am Montag über die
wichtigen Jugend=Spiele des V.f.R. nicht berichten, weshalb dieſe heute
nachgetragen ſeien:
Ia Jgd. V.f.R. — Eintracht Frankfurt, 2:1;
IIa Jgd. V.f.R. — Eintracht Frankfurt, 4:1;
IIb Jgd. V.f.N. — Eintracht Frankfurt, 0:0;
Ia Schülermannſchaft V.f.R. — Eintracht Frankfurt, 3:1;
Ib Jgd. V.f.N. — Germania 94 Frankfurt, 5:1.
Mit dieſem prachtvollen Siege der V.f.R.=Jugend über beſte Gegner
zeigte ſie wieder ihr unaufhaltſames Vorwärtsdringen.
Deutſche Boxmeiſterſchaft
des Schwergewichts.
Samſon ſchlägt Breitenſträter in der dritten Runde.
* Berlin, 29. Febr. (Priv.=Tel.) Das ſportbegeiſterte
Berlin hatte heute ſeinen großen Tag. Der weite Raum des
Sportpalaſtes war bis auf den letzten Platz gefüllt, um den
Kampf zwiſchen Breitenſträter und Samſon um die deutſche
Schwergewichts=Meiſterſchaft zu ſehen.
Der Kampf beginnt. Breitenſträter queckſilbrig, Samſon ruhig.
Dem Meiſter gelingen ein paar Treffer, auf die Samſon die
Antwort nicht ſchuldig bleibt. Breitenſträter iſt am Schluß der
dritten Runde etwas im Vorteil.
Zweite Runde: Breitenſträter fällt nach beiderſeitig
lebhaf=
tem Kampf unmitelbar vor Schluß der Runde auf das linke Knie
und bleibt bis 8 unten.
Die dritte Runde: Etwa in der Halbzeit ſchlägt Samſon=
Körner Breitenſträter nieder. Dieſer kann ſich zwar am Ende des
Auszählens noch erheben, iſt aber nicht mehr in der Lage, den
Kampf fortzüſetzen.
Das Ergebnis wurde von der Menge mit ungeheurer
Er=
regung und lebhaften, nicht endenwollenden Ovationen für den
neuen deutſchen Meiſter Samſon aufgenommen.
Winterſport.
Skiklub Darmſtadt=Odenwald.
Wiederum ruft der Klub ſeine Mitglieder zu einem Skikurs nach
der Neunkircher Höhe für morgen Sonntag, den 2. März,
zu=
ſammen. Um möglichſt frühzeitig an Ort ud Stelle zu ſein — die
Kursteilnehmer treffen ſich vorm. 9 Uhr vor dem Gaſthaus „Zum
grünen Baum”, iſt der Aufſtieg nach der Neunkircher Höhe, der von
Ober=Ramſtadt (am beſten fährt man vom Hauptbahnhof um 2,50 bezw.
Oſtbahnhof 3,07, eventl, auch 4,51 bezwo. 5,08 ab) über Ernſthofen führt,
ſchon für heute Nachmittag vorgeſehen. Für Unkerkunft in
Neun=
kirchen oder Lützelbach wird, wenn Beſiellung ſofort erfolgt, geſorgt.
Es iſt beabſichtigt, am Sonntag abend ab Reinheim mit dem Zuge
6,20 oder 8,54 zurückzufahren.
Leichtathletik.
Odenwalbgau D. A. S. V. 1891, 2. Kreis (Mittelrhein).
Nächſten Sonntag, vorm. 9½ Uhr, findet in der Turnhalle der
Ballonſchule eine Kampfrichterprüfung ſtatt. Es iſt Ehrenpflicht eines
jeden Vereins, ſeine Kampfrichter zu ſtellen, damit ſie im kommenden
Jahre, den an ſie geſtellten Anforderungen gewachſen ſind. Die
Kämpfe erſtrecken ſich auf die Fliegen=, Bantam=, Feder= und Schwere
Mittelgewichtsklaſſen. Die jeweils erſten Sieger dieſer Klaſſen vertreten
den Odenwaldggu in der i= t Mannſchaft gegen den Nahe=
Idartal=Gau.
Fr. Arb.=Athletikſooiverein Darmſtadt.
Die Serienkämpfe um die Bezirksmeiſterſchaft des 7. Bezirkes vom
14. Kreis des Arbeiter=Athletenbundes Deutſchlands finden am 9. März
in Darmſtadt (Mathildenhöhſaal) ihren Abſchluß. Es ſtehen ſich
folgende Vereine im Endkampf, der ſehr ſtark beſtritten werden wird,
gegenüber: Dieburg, Gundernhauſen, Georgenhauſen und Darmſtadt.
Briefkaſten.
L. R., hier. Ihre Anfrage iſt nicht recht verſtändlich. Die
Beſtim=
mungen über die Rentenmark brachten wir ſeinerzeit im Handelsteil.
Die betr. Nr. müßte auf der Geſchäftsſtelle eingeſehen werden.
Betterbericht der Gießener Betterwarte.
Vorherſage für den 2. März:
Trübe, Temperatur wieder milder, Nachlaſſen der Niederſchläge.
Tageskalender.
Landestheater Großes Haus, Anfang 7½ Uhr,
10 Uhr (Sondermiete 122 132): „Die Boheme‟. — Kleines
fang 3 Uhr, Ende 6 Uhr (Fremdenmiete Fr. II2): „Die Freier”. —
Orpheum, 794 Uhr: Ein Walzertraum”. — Union=
Zentral=Theater, „Palaſt=Lichtſpiele: Kino=Vorſtellungen.
Traube, abends 8 Uhr: 5. Geſellſchaftsabend mit Tanz. — Café Fürſt
Bismarck, ab 8½ Uhr abends: Großes Elite=Konzert. —
Stenographen=Verein, abends 7½/= Uhr, im „Feierabend”:
Theater=
abend mit Tanz.
Ende nach
Haus, An=
Reſidenz=,
Hotel
National=
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Feuillton und Heſſiſche Nachrchten: Max Streeſe
Verantwortlich für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
Verantwortlich für Schlußd ent: Andreas Bauer
Verantwortlich für den Inſeratenteil: Willy Kuhle
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt.
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Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 1. März 1924.
Mummer 61.
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Aus den Amtsverrundlgungen des Kreisamts
Darmſtadt und den Bekanntmachungen des
Pollzelamts Darmſtadt.
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Sonntagsdienſt und Nachztdienſt in
den Apotheken Darmſtadts: Es verſehen
den Sonntagsdienſt und in der Woche
vom 1. März bis einſchl. den 8. März
den Nachtdienſt die Merck ſche Apotheke,
Rheinſtraße 9, und die Beſſunger
Apo=
theke. Larlſtraße 1u1.
In der Strafſache
gegen den Jakob Roßkopf,
Milch=
händler in Darmſtadt,
Schloßgarten=
ſtraße 25, wegen Nahrungsmittelfälſchung
— Milchfälſchung, bezw. Verkaufs von
gewäſſerter oder verſälſchter Milch — hat
die I. Straſkammer des Heſſiſchen
Land=
gerichts in Darmſtadt am 26. Januar
1924 für Recht erkaunt:
Auf die Berufung des Angeklagten
und der Staatsaywaltſchaft wird das
angefochtene Urteil dahin abgeändert, daß
der Angeklagte Jakob Roßkopf wegen
Vergehens gegen 8 10. Ziff. 2, des Na) zu drei (3) Monaten
Gefängnis und weiter einer Geldſtrafe
von 100 (Einhundert) Goldmark oder
einem weiteren Monat Gefängnis
ver=
urteilt wird.
Die Veröffentlichung des
entſcheiden=
den Teils des Urteils ſoll auf Koſten
des Verurteilten je einmal im
Darm=
ſtädter Tagblatt, im Heſſiſchen
Volfs=
freund und in der Heſſiſchen
Landes=
zeitung erfolgen.
Die Koſten der Berufung, fallen dem
Angeklagten zur Laſt.
gez. Neuroth. Schmidt I. Schmidt II.
Dr. Melior, Dr. Zimmermaun.
Die Richtigkeit der Abſchrift der
Ur=
teilsformel wird beglanbigt und die
Voll=
ſtreckbarkeit des Urteils beſcheinigt. (2437
Darmſtadt, den 23. Febr. 1924.
Der Gerichtsſchreiber Heſſ. Amtsgerichts I.
Holzverſteigerung Nr. 6
Letzte diesjährige
Brennholzver=
ſteigerung im Stadtwald.
Donnerstag, den 6. März, werden im
Saale „Heiligkreuz” zu Darmſtadt, vorm.
9 Uhr, aus Förſterei Heiligkreuz, Abt. 21
und 51, verſteigert:
Rm Scheiter: 644 Buche, 4 Hainbuche,
88 Eiche, 8 Birke.
Rm Knüppel: 603 Eiche.
Unterſtrichene Nummein werden nicht
verkauft. Ausfunft durch Herrn Förſter
Hofmann, Darmſtädter Forſthaus.
Darmſtadt, den 28. Februar 1924.
Oberförſterei Darmſtadt
3 V.; Burk. (St. 2466
Bekanntmachung.
Die Holzverſteigerung Nr. 6 vom
28 Febr. 1924 iſt genehmigt. Die
Ab=
fuhrſcheine ſind in der Zeit vom 4. bis
18. März 1924 bei den Kaſſenſtellen
ein=
zulöſen. Überweiſung und erſter
Abfuhr=
tag: Dienstag, den 4. März 1924.
Darmſtadt, den 29. Februar 1924.
Oberförſterei Beſſungen
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Delp.
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veranlaßt in letzter Zeit durch ihren
durchschlagenden Erfolg
Mißgön-
ner zu den verschiedensten
Ver-
leumdungen. Wir weisen dieselben
als vollkommen aus der Luft
ge-
griffen auf das Entschiedenste
zurück und machen darauf
auf-
merksam, daß wir die Verbreiter
dieser unwahren Gerüchte
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richtlich verfolgen lassen werden
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58461t Getrag. Anzug
mittl. Fig., z. vk. (-7n
Beſſungerſtr. 112, I.
Bekanntmachung.
rad 3. PS. für 280ℳ , Nach dem Geſetz vom 21. Janua=
1924 über eine außerordentliche
Steuer vom Gewerbebetrieb iſt von
dem Steuerwert des gewerblichen An=
18 „, ſtarke, nelellage= und Betriebskapitals (mit
Aus=
nahme des land= und
forſtwirtſchaft=
lichen), der nach Artikel 1 des
Finanz=
geſetzes für das Rechnungsjahr 1923 der
6,50 ℳ, 2Mille Sleip=/Gewerbeſteuer unterliegt, eine einmalige
außerordentliche Staatsſteuer zu
entrichten. Die außerordentl. Steuer
beträgt von je 100 Mark
Steuer=
wert 3 Goldpfennige. Die Steuer
wird nicht erhoben, wenn der
Steuer=
wert des Anlage= und Betriebskapitals
den Betrag von 10 000 Mark nicht
er=
reicht. Für die Umrechnung dieſer
Gold=
ſchuld in Papiermark gilt der für den
Tag der Zahlung jeweils
bekanntge=
machte Goldumrechnungsſatz für
Reichs=
ſteuern.
Beiſpfel: Der Steuerwert ſei 40000
Mark; die Steuer beträgt 12 Goldmark
oder z. Zt. 12 Billionen Papiermark.
deutſcheritalieniſcher. Steuerbeſcheide werden nicht
ausge=
fertigt, jedoch ſollen den Pflichtigen kurze
Benachrichtigungen zugehen. Zahlung
phonten, Sonaten liſt ohne weitere Aufforderung
ſpäteſtens am 5. März 1924 an die
zuſtändige Finanzkaſſe oder
Unter=
erhebſtelle zu leiſten, auch dann,
wenn die erwähnte Benachrichtigung
einem Steuerpflichtigen nicht zugegangen
ſein ſollte. Im Falle des
Zahlungsver=
zugs muß die Beitreibung eingeleitet
werden, außerdem ſind Zuſchläge in Höhe
von 5 v. H. des Rückſtandes für jeden
auf den Zeitpunkt der Fälligkeit
folgen=
den angefangenen halben Monat zu
entrichten.
Da Steuerwert und Steuerpflicht
ſeſt=
ſtehen, ſo ſind Rechtsmittel dagegen
nicht gegeben. Einwendungen gegen die
Berechnung der Steuer ſind an das
zu=
ſtändige Finanzamt zu richten.
Darmſtadt, den 18. Febr. 1924.
Heſſ. Miniſterium der Finanzen.
Henrich. (2216os
Brenn= u.
Nutzholz=
verſteigerung.
Im Babenhäuſer Stadtwald
wer=
den nachbezeichnete Holzſortimente vere
1. Dienstag, den 4. März,
vormit=
tags 9 Uhr, Diſtrikte Kleiner
Bremer=
garten, Röderpfad, Roſee u.
Molken=
born: Kiefern: 47 rm Scheiter,
420 rm Knüppel, 9 rm Stöcke und
17. Hundert Wellen.
Zuſammen=
kunft: Kl. Bremergarten im Abtrieb.
II. Mittwoch, den 5. März,
vormit=
tags 9 Uhr, Diſtrikt Kreuzlache:
277 Fichten=Stämme (Bauholz) —
78,00 tm; 171 Fichten=Derbſtangen
— 10,50 fm;
II. Donnerstag, den 6. März,
vor=
mittags 9 Uhr, Diſtrikte Kreuzlache,
Röderpfad, Große Heege: 100 Eichen=
Stämme — 36 tm; 1. Buchen=
Stamm — 0,65 fm; 3 Hainbuchen=
Stämme — 1 im; 14 Birken=
Stämme — 7 km: 10. Fichten=
Schnittſtämme— 7tm; 78Kiefern=
Schnittſtämme — 65 fm; 16
Kie=
fern=Bauſtämme — 7 km;
V. Freitag, den 7. März, vormit=
2rädr. Handgarren 3. vh. tags 9 Uhr, Diſtrikt Kreuzlache:
Eichen: 76 rm Scheiter, 177 rm
Knüppel, 138 rm Stöcke, 86 Hund.
Wellen; Birke: 10 rm Scheiter,
6 rm Knüppel; Kiefern: 13 rm
Scheiter, 10 rm Knüppel, 14 rm
Stöcke, 21 Hund. Wellen; Fichten:
2 rm Scheiter, 20 rm Stöcke, 3
Hundert Wellen.
Die Zuſammenkunft am 2., 3. und 4.
Verſteigerungstage iſt jedesmal
vormit=
tags 9 Uhr auf der alten Seligenſtädter
Straße am Eingang des Waldes. Vier
Kiefern=Stämme im Diſtrikt Große Heege
(—7tm Inbalt) können nicht vorgezeigt
werden. Nähere Auskunft hierüber
er=
teilt Förſter Eckert.
Babenhauſen, den 25. Februar 1924.
Heſſ.Bürgermeiſterei Babenhauſen.
(V, 2387
Rühl.
Schw. Konfirm.=Kld,
und 1 blaues billig
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Kaupſtr. 5. 1, St. r.
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Küchrnuhren ſow.
Stand=
uhr bill. zu vk.
Moos=
bergſtr. 52, Hof II. U8g
Naumann=G. Mad
mit Zubehör zu
ver=
kau en Mollerſtr. 40,
Hths., 3, St. (*5780
Seite 12
Nummer Gr.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 1. März 1924
Nachrichten des Standesamts Darmſtadt.
Sterbefälle: Am 14. Februar: Auguſt Götz, Werkhelfer i. R.,
71 J., Kahlertſtr. 12; Katharine Anſt, geb. Ubinger, 57 J., Ehefrau
des Eiſenbahnwerkſtättcnarbeiters in Auerbach, hier Stadtkrankenhaus
Am 15.: Babette Weinſchenk, geb. Beker, 49 J., Ehefrau des Kaufm.,
Schuſtergaſſe 10. Am 16.: Hildegard Langlitz, geb. Appel, 78 J., Ww.
des Kutſchers, hier, Nieder=Ramſtädter Str. 30; Eliſabethe Heß, geb.
Schniering, 47 J., Ehefr. d. Milchhändlers, Mauerſtr. 9½; Helene
Henriette Clemm, geb. Joſt, 62 J., Ehefrau des Privatiers,
Heidelber=
gerſtr. 9½. Am 17.: Franz Joſeph Leitz, Fabrikarbeiter, 73 J.,
Hügel=
ſtraße 63; Moſt, ohne Vorname, ein Mädchen, 2 Tage,
Alexander=
ſtraße 15; Johanna Albert, geb. Alberth, 64 J., Ehefrau des
Tapezier=
meiſters Hügelſtr. 41; Chriſtoph Kraffert, Miniſterialkanzleidiener i.
R., 82 J., Niederſtr. 25: Anna Gutjahr, geb. Noſe 58 J., Ehefrau d.
Schriftführers, Gernsheim a. Rh., hier, Eliſabethenſtift; Auguſte Roth,
geb. Bellgard, 65 J., Ehefr. d. Kleinrentners, Karlsſtr. 115. Am 18.:
Wilhelmine Weitzel, geb. Henkel, 72 J., Witwe d. Schloſſers in
Frank=
furt a. M., hier, Stadtkrankenhaus; Carl Jone, Drucker, 43 J.,
Becker=
ſtraße 33; Luiſe Henn, geb. Bingel, 49 J., Ehefrau des
Oberbahn=
hofvorſtehers, Friedrichsſtr. 12: Eliſabethe Lenz, geb. Bohländer, 73 J.,
Ehefrau des Magazinarb., Beſſunger Str. 82½. Am 19.: Chriſtian
Heß, Geſchäftsführer, 61 J., ledig, Saalbauſtr. 41; Heinrich Stein,
8 Mon., Erbacher Str. 12. Am 20.: Chriſtine Schuhmann, geb.
Buck=
peſch, 49 J., Ehefrau des Fuhrmanns, Gr. Kaplaneigaſſe 35; Dorothea
Weber, geb. Wüſtendörfer, 56 J., Ehefrau d. Gärtners, Martinsſtr. 99.
Gottesdienſtliche Anzeigen.
Ebangeliſche Gemeinden.
Sonntag Eſtomihi, den 2. März 1924,
Die Kirchen ſind geheizt.
Stadtkirche: Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer
Kleber=
ger. — Um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Heß.
Die Stadtkirche iſt wochentags von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr
nachmittags zu ſtiller Andacht geöffnet. Eingang: Nordtüre.
Stadtkapelle: Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt (Jahresfeſt des
Chriſtlichen Jugendvereins). Pfarrer Lic. Humburg aus Barmen. —
Um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Vogel. — Nachm. 3 Uhr:
Feſtfeier des Chriſtl. Jugendvereins mit Anſprachen: Bundeswart Lic.
Humburg, Landesjugendpfarrer Zentgraf u. Pfarrer
Trommers=
hauſen=Frankfurt
Schloßkirche: Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer
Zimmer=
mann. — Um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Zimmermann.
Amtshandlungen an Auswärtigen: Pfarrer Heß.
Gemeindehaus (Kiesſtr. 17): Sonntag, abends 8 Uhr:
Familien=
feier des Chriſtl. Jugendvereins. — Dienstag, 4. März, abends 8 Uhr:
Monatsverſammlung der Männervereinigung der Lukasgemeinde.
Vortrag von Dr. jur. Wagner: „Die zehn Gebote als Grundlage einer
Kultur” Gäſte willkommen. — Mittwoch, den 5. März abends 6 Uhr:
1. Paſſionsandacht: „Könnt ihr den Kelch trinken?” rer Vogel.
Martinskirche: Vormittags 10 Uhr: Hauptgottesd nſt. Pfarrer
Beringer. Feier, des heil. Abendmahls mit Vorbereitung.
Anmel=
dung von ½10 Uhr an in der Sakriſtei. — Um 11½ Uhr:
Kindergottes=
dienſt für den Oſtbezirk. Pfarrer Beringer. — Abends 6 Uhr
Pfarraſſiſtent Müller. — Abends 7½ Uhr im Gemeindehaus:
Fa=
milienabend der Männervereinigung. — Mittwoch, den 5. März, abends
8 Uhr im Martinsſtift: 1. Paſſionsandacht. Pfarrer D. Waitz,
Johanneskirche: Vormittags 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer
Marg. — Um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. — Mittwoch, den
5. März, abends 8 Uhr im Gemeindehaus: 1. Paſſionsandacht. Pfarrer
Marx. — Montag, den 3. März, abends 8 Uhr: Gemeindeabend des
Frauenvereins.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Vorm. 10 Uhr:
Haupt=
gottesdienſt. Pfarraſſiſtent Gerſtenmaier. — Um 11½ Uhr:
Kinder=
gottesdienſt. Pfarraſſiſtent Gerſtenmaier. — Abends 6 Uhr: Pfarrer
Wagner. Feier des heiligen Abendmahls. Anmeldung von ½6 Uhr
an in der Sakriſtei. — Montag, den 3. März, vorm. 11 Uhr:
Vorſtands=
ſitzung des Frauenvereins (Eichberſtr. 1). — Mittwoch, den 5. März,
abends 8 Uhr in der Kirche: 1. Paſſionsandacht. Pfarraſſiſt. Gerſtenmaier,
Pauluskirche: Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Rückert.
— Um 11 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Rückert. — Abends
5½ Uhr: Geiſtliches Konzert in der Kirche,
Stiftskirche. (Im geheizten Saal des Schweſternhauſes.)
Sams=
tag, den 1. März, abends 8 Uhr: Beichte. — Sonntag, den 2. März,
vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit Feier des heiligen Abendmahls,
Pfarrer Hickel. — Um 11¾ Uhr: Kindergottesdienſt. — Evangel.
Sonntagsverein (Chriſtl. Verein junger Mädchen), Sonntag,
vor=
mittags 10 Uhr: Beteiligung am Jugendgottesdienſt in der
Stadt=
kapelle. — Nachm. 3½ Uhr: Jungfrauenfeſt. — Donnerstag, den
6. März, abends 8 Uhr: Paſſionsandacht. — Samstag, den 8. März,
abends 8 Uhr: Paſſionsbetſtunde.
Kranichſtein (echloßkapelle): Vormittags 10 Uhr: Gottesdienſt.
Pfarraſſiſtent Wetzel=Arheilgen.
Stadtmiſſion (Mühlſtr 24): Sonntag, vorm. 9 Uhr: Gebetsſtunde.
— Um 11 Uhr: Kindergottesdienſt (Funkerkaſerne) — Um 11½ Uhr:
Kindergottesdienſt. — Nachm. 3½ Uhr: Bibelſtunde. — Abends 8 Uhr:
Familienabend des Blauen Kreuzes mit Kaffee. Zutaten bit e,
mit=
bringen. — Montag, abends 8½ Uhr: Bibelbeſprechſtunde für Männer.
— Dienstag, abends 8½ Uhr: Blaukreuz=Bibelſtunde. — Mittwoch,
Philadelphia=Konferenz. Vorm. 9½ Uhr: Gebetsvereinigung
Um 10 Uhr: Referat über: „Klare und unklare Stellung in der Gnade‟
Inſp. Lutz=Stuttgart. Nachm. 2½ Uhr: Fortſetzung. Abends 8½ Uhr:
Evangeliſationsvortrag. Thema: „Gottes Weg zur Hilfe für unſer Volk”,
Inſp. Lutz. — Freitag, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde in der
Stadt=
mädchenſchule Beſſungerſtraße. — Jugendbund für E. C.,
Mühl=
ſtraße 24: Sonntag, vorm. 9 Uhr: Weißkreuzſtunde. — Nachm. 2½ Uhr:
Bibelbeſprechſtunde für Jünglinge. — Um 4½ Uhr: Bibelbeſprechſtunde
für Jungfrauen — Dienstag, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde für
Jüng=
linge und Gebetsſtunde für Jungfrauen. — Mittwoch: Teilnahme an
der Philadelphia=Konferenz. — Donnerstag, abends 8 Uhr;
Bibel=
ſtudium.
Vereinigung chriſtl. Eiſenbahner und Poſtbeamten
(Mauerſtr. 5). Sonntag, nachm. 2 Uhr: Bibelbeſprechſtunde.
Wartburgverein Darmſtadt. Vereinslokal: Gemeindehaus der
Martinsgemeinde, Liebfrauenſtr. 6. Dienstag, abends 8½ Uhr:
Bibel=
beſprechſtunde, Freie Ausſprache. Gäſte willkommen.
Ehriſtlicher Verein junger Männer Darmſtadt, E. V.,
Alexander=
ſtraße 22 (Infanterie=Kaſerne, 1. Hof links): Sonntag: Teilnahme am
Jahresfeſt des Chriſtl. Jugendvereins, Dieburgerſtr. 26, I. —
Donners=
tag, abends 8 Uhr: Bibelſtunde im Familienkreis.
Ehriſtlicher Jugendverein Darmſtadt (Dieburgerſtr. 26, I.)
Sams=
tag, den 1. März, abends 8 Uhr: Begrüßungsfeier (nur für Männer
und junge Männer). — Sonntag, den 2. März, vorm. ½9—½10 Uhr:
Gebetsgemeinſchaft. — Um 10 Uhr: Feſtgottesdienſt in der
Stadt=
kapelle. Feſtprediger: Bundeswart Lic, Humburg=Barmen. —
Nach=
mittags 3 Uhr: Feſtverſammlung in der Stadtkapelle. — Abends 8 Uhr:
Familienabend im Gemeindehauſe, Kiesſtraße 17. — Montag, abends
8½ Uhr: Gebetsgemeinſchaft — Mittwoch, abds. 8½ Uhr: Bibelſtunde,
Katholiſche Gemeinden.
Sonntag, den 2. März 1924,
St. Ludwigékirche: Samstag, nachm. 4 Uhr und abends 8 Uhr:
Beichtgelegenheit.
Sonntag, vorm. 5½ Uhr: Beichtgelegenheit — Um 6 Uhr: Erſte
heil. Meſſe. — Um 7 Uhr: Heil. Meſſe mit Predigt. — Um 8 Uhr:
Singmeſſe mit Predigt und Kommunion des Männergpoſtolates.
½11 Uhr: Verſammlung. — Um 9½ Uhr: Hochamt mit Predigt. —
Um 11 Uhr: Singmeſſe mit Predigt. — Nachm. ½3 Uhr:
Chriſten=
lehre, Roſenkranz=Bruderſchaftsandacht und Prozeſſion. — Mittwoch,
vorm. 8¾ Uhr: Weihe und Austeilung der Aſche; darauf feierliches
Hochamt — Donnerstag, nachm. 5 Uhr: Beichtgelegenheit. — Freitag,
vorm. 8¾ Uhr: Segenamt. — Abends 6½ Uhr: Herz=Jeſu=Andacht.
Kapelle der Barmherzigen Schweſtern: Sonntag, vorm. 6!, Uhr:
Heil, Meſſe. — Um 9 Uhr: Studentengottesdienſt. — Nachm. 6 Uhr:
Roſenkranzandacht.
Kapelle in der Waldſtraße: Sonntag, vorm. 7 Uhr: Heil. Meſſe.
Kapelle in Nieder=Ramſtadt: Sonntag, vorm. 9½ Uhr: Hochamt
mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, nachm, von 5—7 und abends von
8—9 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. — Um
½7 Uhr: Frühmeſſe. — Um 8 Uhr: Heil. Meſſe mit Predigt und
Generalkommunion der Jünglinge. — Um 9½ Uhr: Hochamt mit
Pre=
digt. — Nachm. 2 Uhr: Andacht mit Segen. Nach derſelben religiöſer
Vortrag für Jünglinge.
Kapelle zu Arheilgen: Vorm. 10 Uhr: Hochamt und Predigt,
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, von 5—7 Uhr und von
8—8½ Uhr abends: Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von 6½ Uhr an: Beichtgelegenheit. — Um 7½ Uhr:
Heil. Meſſe (vor und in derſelben Austeilung der heil. Kommunion),
— Um 7¾ Uhr: Predigt. — Um 8½ Uhr: Heil. Meſſe (nur in
der=
ſelben Austeilung der heil. Kommunion). — Um 9½ Uhr: Hochamt
mit Predigt (vorher Austeilung der heil. Kommunion). — Um 2 Uhr:
Chriſtenlehre. — Um 2½ Uhr: Andacht. — An Wochentagen 5),
Stun=
den vor Schulbeginn heilige Meſſe.
Vereine: Jeden 1. Sonntag im Monat Männerkongregation. —
7½ Uhr: Heil. Meſſe mit Generalkommunion, — Nach der Andacht
Verſammlung im Vereinsſaal, Herdweg 28. — Jeden 3. Sonntag im
Monat Jungfrauenkongregation. — 7½ Uhr: Heil. Meſſe mit
General=
kommunion. — Um 3 Uhr: Kirchliche Verſammlung. — Um 4½ Uhr:
Weltliche Verſammlung im Vereinsſaal, Herdweg 28. — Jeden letzten
Sonntag im Monat Frauenſonntag. — Um 7½ Uhr: Heil. Meſſe mit
Generalkommunion der Frauen. — Nach der Andacht Verſammlung
im Vereinsſaal, Herdweg 28. — Jeben 1. und 3. Donnerstag im
Mo=
nat, abends 8 Uhr: Verſammlung der katholiſchen Jugendvereinigung
St. Martin Beſſungen (jüngere Abt., 14—17 Jahre) im Vereinsſaal,
Herdweg 28. — Jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat, abends 8 Uhr:
Verſammlung der katholiſchen Jugendvereinigung St. Martin Beſſungen
(ältere Abt., 18—24 Jahre) im Vereinsſaal, Herdweg 28.
Katholiſcher Kirchenchor St. Martin und St. Marien Montags und
Samstags, abends, Probe bei Bickelmann, Beſſungerſtr. 6.
St. Fidelis (Kapelle der Engliſchen Fräulein, Waldſtr. 31): Vorm.
8 Uhr: Singmeſſe mit Predigt. Sammlung zu Gunſten der Erbauung
der St. Fideliskirche, Kathol. Pfarramt: Herdweg 28.
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, nachm. 5 Uhr, und abends 8 Uhr:
Beichtgelegenheit.
Sonntag, vorm. 6 Uhr: Beichtgelegenheit. — Um ½7 Uhr:
Früh=
meſſe. — Um 9½ Uhr: Hochamt mit Predigt. — Nachm. ½2 Uhr:
Andacht.
Provinzial=Pflegeanſtalt bei Eberſtadt: Montag, morg. ½8 Uhrt
Heil. Meſſe und Predigt.
Kapelle zu Pfungſtadt: Sonntag, vorm, 7 Uhr:
Beichtgelegen=
heit. — Um 7½ Uhr: Hochamt und Predigt. — Nachm. 4 Uhr: And,
Sonſtige Gemeinſchaften.
Chriſtliche Verſammlung (Waldſtr. 18): Sonntag, den 2. März,
vorm. 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. — Nachm. 4½ Uhr: Ve
kündi=
gung des Wortes Gottes. — Mittwoch, den 5. März, abends 8½4 Uhr:
Gebetsſtunde. — Freitag, den 7. März, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde,
Jedermann iſt freundlich eingeladen.
Evangeliſche Gemeinſchaft (Eliſabethenſtraße 44): Sonntag, den
2. März, nachm. 2 Uhr: Sonntagsſchule. — Abends 8 Uhr:
Gottes=
dienſt. — Abends 9 Uhr: Jugendbund (Bibelſtunde). — Donnerstag,
den 6. März, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde. Pred. Erhardt,
Ehriſtliche Gemeinſchaft Darmſtadt (Mollerſtraße 40): Sonntag;
den 2. März, vorm. ½10 Uhr: Heiligungsſtunde. — Um 11 Uhr:
Sonn=
tagsſchule. — Abends 8 Uhr: Evangeliſation. — Dienstag, abends
8 Uhr: Bibelſtunde. — Freitag, abends 8 Uhr: Gebetsſtunde.
Gemeinde der Siebententags=Adventiſten, Mauerſtu. 5, I.:
Frei=
tag, abends 8 Uhr und Samstags, vorm. ½10 Uhr: Oeffentl.
Gottes=
dienſt. — Sonntag, abends 8 Uhr: Religiöſer Vortrag.
Gemeinde gläubig getaufter Ehriſten (Baptiſten), Mauerſtr. 171
Sonntag, den 2. März, vorm. 10 Uhr: Gebetsſtunde. — Nachmittags
4 Uhr: Predigt. — Abends 8 Uhr: Jugendſtunde, — Donnerstag, den
6. März, abends 8½ Uhr: Bibelſtunde
Kirche Jeſu Ehriſti der Heiligen der letzten Tage (Darmſtadt,
Saalbauſtr. 67, Bürgerhalle): Sonntag, den 2. März, nachm. 2½ Uhr;
Sonntagsſchule. — Um ½4 Uhr: Predigt. — Donnerstag, den 6. März,
abends 8 Uhr: Bibelſtunde. Jedermann herzlich willkommen.
Die Heilsarmee, Schulzengaſſe 3, Ecke Landgraf=Georgſtraße, nächſt
dem Schwimmbad: Sonntag, den 2. März: Vorm. 10½ Uhr:
Heili=
gungs=Verſammlung. — Nachm 2 Uhr: Kindergottesdienſt. — Abends
8 Uhr: Heils=Verſammlung. — Mittwochs und Freitags, abends 8 Uhr:
Oeffentliche Verſammlung.
Methodiſtengemeinde (Frankfurterſtr. 3): Sonntag, den 2. März,
nachm. ½3 Uhr: Sonntagsſchule. — Um ½4 Uhr: Gottesdienſt.
Eswirkt schnell und ohne
Huhe und ist sparsammm
Gebrauch.
nn
Statt beſonderer Anzeige.
Nach Gottes hl. Willen entſchlief heute früh nach
langem ſchweren mit außerordentlich großer Geduld
ertragenem Leiden im Alter von 36 Jahren,
wohl=
verſehen mit den heil. Sterbeſakramenten, meine
innigſtgeliebte Frau, unſere treuſorgende Mutter,
Tochter, Schwiegertochter, Schweſter, Schwägerin,
Tante und Nichte
Frau Anna Horn
geb. Schmitt.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Friedrich Horn und Kinder.
Darmſtadt, den 28. Februar 1924.
Kirchſtraße 14.
Die Beerdigung findet Montag, den 3. März, borm.
11 Uhr, von der Kapelle des Friedhofé, Nieder
Ram=
ſtädterſtraße, aus ſtatt.
(*5754
Das Seelenamt wird am Montag, den 3. März, vorm.
8¾ Uhr, in der St. Ludwigskirche gehalten,
Todes=Anzeige.
Geſtern verſchied plötzlich im
Alter von 42 Jahren unſer lieber
Sohn, Bruder, Schwager und
Onkel
Direktor des Reformbundes der
Zutshöfe und der Gutsreform.
Konradsdorf, den 29. Febr. 1924.
Frau Edith Ruoff, geb Krantz
Domänenpächter Fritz Ruoff
Konradsdorf.
Die Beerdigung findet in
Mem=
mingen, die Ueberführung am
Samstag, den 1. März, mittags
1 Uhr, vom Friedhof Bad=
Nau=
heim zum Bahnhof ſtatt. (2486
Welches
Tuchwarengeſch.
uſw. gibt Stoffe in
kommiſſion z. Abſ.
a. Privatkdſch. ? (*
Angebote u. P 34
an die Geſchäftsſt.
Achlung!
Hauſierer!
Billiger
Seifenſchlager.
Angeb. unt. P. 62 an
die Geſchäftsſt. ( 5881
Belcher Groffiſt
beliefert zu erricht.
Lebensmittelgeſch, i
Odenw. mit Ware,
8-14 täg. Kredit,gegen
Sicherheit? (2443
Ang. u. P 33 Gſchſt.
Vorz. Sioewer=Fahrtäd.
u. Nähmaſchinen empf.
F. Lepper, Graſenſtr. 31
Reparat, all. Fabrik.
gebr. Nähmaſchine
preisw. abzug, (*5800
Heute früh verſchied im 42. Lebensjahre
Herr
Dr. Jur. Heinz Krantz
der Begründer und Leiter unſerer Organiſationen.
Glän=
zende Begabung, nie erlahmender Schaffensdrang und
vorbildliches Pflichtbewußtſein haben ihm in ſteilem
Auf=
ſtieg die Führerſchaft in der fortſchrittlich geſinnten
Süd=
weſideutſchen Tandwirtſchaft gegeben.
Sein Verluſt iſt unerſetzlich. Dem Geiſie des
Ver=
ſtorbenen entſprechend, werden wir ſein Werk weiterführen.
Reformbund der Gutshöfe Gutsreform e. G. m.b. H.
Der Bundesvotſitzende Der Vorſitzende des Aufſichtsrats
Ob.=Amtmann Güngerich. Freiherr von Pangenheim.
Der Vorſtand
Kahle.
Bad=Nauheim, den 28. Februar 1924.
(2459
Schaller’s Tee
in Origivalpackungen
verdankt den gut. Ruf u.
großen Umsatz nur der
Vorzüglichkeit seiner
Qualität
3 Ceplon, Chtna u. Indisch. Tee
in Kisten sowie lose, zu
billigsten Tagespreisen
Carl Schaller, Barlsruhe
(Baden)
Tee- u. Vanille-Import
Man verlange ausdrücklich „Schaller’s Tee‟.
Statt beſonderer Anzeige.
Heute nacht ½/, 1Uhr entſchlief ſanſt mein lieber,
guter Mann, unſer lieber Vater und Großvater,
Bruder, Schwager und Onkel
dert
Binel Mouuef
Rechnungsrat i. R.
Für die tieftrauernd Hinterbliebenen:
Frau Marie Kreuder, geb. Pracht.
Darmſtadt, Grünberg i. H., Gießen, 29. Febr. 24.
z. Zt. Schuchardſtr. 8, II.
(*5850
Die Beerdigung findet Montag, den 3. März,
nach=
mittags 2 Uhr, von der Kapelle des alten
Fried=
hofes, Nieder=Ramſtädter Straße, aus ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen bitte abzuſehen.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe
herz=
licher Teilnahme an dem ſchweren
Verluſte unſerer lieben Mutter
ſagen wir allen herzlichen Dank.
Beſonders danken wir der „
Lieder=
tafel” und dem „Männerquartett
Arion”, für ihre erhebenden Grab=
(*5760
geſänge.
Darmſtadt, 28. Febr. 1924.
Familien Matheis u. Hags.
Das echte
Naſſeler
en Zuckerkrankhei
iſt beſtes Mitt
den uſw. Stet
Magen=, 2
friſch erhältl, bei D. & E. Matzelt, Darmſtadt.
Welche Fir mna
würde ſtrebſam.
Be=
amten, 30 Jahre alt,
geſtützt auf la
Zeug=
niſſe, Filiale oder
Generalvertretung
komm ſſionsw., gleich
welch. Branche,
über=
geben? Angeb. unter
P 60 Geſchäftsſt. (*58*
Kinderwagen
in großerAuswahl
Spezialgeſchäft
Donges& Wieſt
Eliſabethenſtr. 25½ (10a
Stühle
werden geflochten
Eliſa=
bethenſtr. 19, II. (*3274ego
Empfehle
junges Rindfleiſch,
per Pfd 45 Z
Kalbfl. per Pfd. .90 5
Schwfl. „ „ 100 %
Axt, Eberſtadt,
Gaſthaus zum Ode wald.
Teleph. 291. (*5787
Steuer=Rundſchaa
8S99898888889998888S99SS988889885555358388859888985888888898858388859385558389938588885988889989 88398998989989999999SBBSBBSSSBBBSSSSSSSSSSS
Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 1. März 1924.
Rummer 61.
* Die Abſchlußzaßlung
auf Eintommenſteuer 1925.
Die „Frkf. Ztg.” macht in Nr. 100 vom 7. Februar 1924 auf
ein für die Steuerpflichtigen wichtiges Vorgehen einer Neihe
von Finanzämtern aufmerkſam:
Nach 8 1 Abſ. 2 der Steuernotverordnung vom 19.,/21. Dez.
1923, der von der Abſchlußzahlung auf die
Einkommen=
ſteuerſchuld für das Kalenderjahr 1923 handelt, haben dieſe
Einkommenſteuerpflichtigen, die erhöhte Vorauszahlungen nach
dem Geſetze vom 9. Juli/11, Auguſt 1923 zu entrichten hatten,
bis zum 10. Januar 1924 einen Betrag von 0,40 Goldmark für
jede vollen tauſend Mark der Jahresſteuerſchuld zu zahlen.
Stehen nun die Zahlungen auf die Steuerſchuld des
Kalender=
jahres 1923 (Vorauszahlungen, Steuerabzug vom Arbeitslohn,
Abſchlußzahlung) außer Verhältnis zur
Leiſtungs=
fähigkeit des Steuerpflichtigen, ſo kann das
Finanzamt die Abſchlußzahlung anderweit
feſt=
ſetzen. Bei Bemeſſung der Leiſtungsfähigkeit iſt auch der
Verbrauch zu berückſichtigen.
Nach der angegebenen Quelle haben nun verſchiedene
Finanzämter derartige Beſcheide ergehen laſſen. Zu dieſen zählt
auch das Finanzamt Darmſtadt=Stadt. Auf vorgedrucktem
For=
mular wird geſagt, daß die nach Art. I 8 1 Abſ. 1 der 2.
Steuer=
notverordnung zu entrichtende Abſchlußzahlung auf die
Ein=
kommenſteuer und die im Kalenderjahr 1923 geleiſteten
Ein=
kommenſteuervorauszahlungen außer Verhältnis zur ſteuerlichen
Leiſtungsfähigkeit ſtehen, weshalb das Finanzamt gemäß Art. 1
8 1 Abſ.2 der genannten Steuernotverordnung die
Abſchluß=
zahlung anderweit, und zwar auf Goldmark feſtgeſetzt hat.
Nach 537 St.N.V. findet gegen Entſcheidungen über
Vor=
aus= und Abſchlußzahlungen nur die Beſchwerde ſtatt. Mit
Recht wird nun darauf hingewieſen, daß ein ſo ergangener
Steuerbeſcheid (das benutzte Formular iſt links unten mit Nr.
8. 4. 2133 bezeichnet und anſcheinend aus C. Heymanns Verlag,
Berlin W. 8, hervorgegangen) mit 8 211 R.Abg.O. nicht in
Cin=
klang zu bringen iſt. Steuerbeſcheide ſollen (3. 2 daſ.) „die
Grundlagen der Feſtſetzung und Veranlagung, ſoweit ſie dem
Steuerpflichtigen nicht ſchon mitgeteilt ſind, enthalten.‟ Der
Reichsfinanzhof hat in einem Urteil vom 7. März 1922
ausge=
ſprochen, daß, wenn das Finanzamt vom Recht der Schätzung
Gebrauch macht, dieſe Schätzung den ganzen Tatbeſtand umſaßt,
aus welchem eine Steuerpflicht ſowohl dem Grunde nach als
auch in einer überhaupt beſtimmten Höhe hergeleitet wird und
daß ſonach dieſe Schätzung die Bedeutung eines
Wahrſcheinlich=
keitsſchluſſes aus beſtimmten Umſtänden hat. Das
Finanz=
amt hat ſonach dem Steuerpflichtigen die Tatſachen bekannt zu
geben, die nach ſeiner Anſicht die Vorausſetzungen des 8 1 Abf.2
(daß nämlich die Zahlungen auf die Steuerſchuld des
Kalender=
jahre 1923 außer Verhältnis zur Leiſtungsfähigkeit des
Steuer=
pflichtigen ſtehen) erfüllen. Nur dann iſt der Steuerpflichtige in
der Lage, im Falle der Erhebung der Beſchwerde ſachlich gegen
den Beſcheid des Finanzamts Stellung zu nehmen.
Der Steuerpflichtige wird daher im eigenen Intereſſe gut
daran tun, innerhalb der von der Zuſtellung des Beſcheids an
laufenden einmonarigen Beſchwerdefriſt (das Formular enthält
die bezügliche Rechtsmittelbelehrung) dem Finanzamt
klarzu=
legen, daß er ſich beſchwert fühlt, damit im Beſchwerdeverfahren
die Sachlage geklärt werden kann. Gegen eine
Beſchwerdeent=
ſcheidung iſt nach 8 37 weitere Beſchwerde an den
Reichsfinanz=
hof zuläſſig, und es kann (8 37 Abſ. 2) der Reichsfinanzhof (vgl.
den Beckerſchen Kommentar zu 8 283 R.Abg.O. Anm. 4) im
Ein=
zelfalle darüber zur Endentſcheidung angerufen werden, ob das
Finanzamt „innerhalb der Grenzen ſeiner Machtbefugniſſe”
ge=
handelt hat.
Nachtrag zut beſſiſchen
Gewerbeſteuerreform.
In unſerer Kritik des heſſiſchen Entwurfs einer
Gewerbe=
ſteuer waren auch die preußiſchen Verhältniſſe geſtreift worden.
Mittlerweile hat eine vorläufige Neuregelung der preußiſchen
Gewerbeſteuer ſtattgefunden, worüber das Nachſtehende hier
mit=
geteilt ſei. (Wir folgen dabei einem Auſſatz von Stracke in „N.
St.N.‟ Nr.3 vom 1. Februar 1924 S. 29 flgg.)
Ein auf Grund des Notſtandsparagraphen der preußiſchen
Verfaſſung erlaſſene Verordnung vom 23. November 1923 hat
das Plenum des Landtags am 15. Dezember 1923 beſchäftigt und
iſt dort unter Ablehnung verſchiedener Anträge angenommen
worden. Bezügliches Geſetz gilt nur bis Ablauf des Jahres 1925.
Grundſätzlich ſind in Preußen betriebene ſtehende
Ge=
werbe einſchließlich des Bergbaues der Steuer unterworfen.
Gewverbeſteuerfrei ſind:
1. Erwerbs= und Wirtſchaftsgenoſſenſchaften,
deren Betrieb auf den Kreis der Mitglieder beſchränkt iſt,
ſo=
wie Zentralen dieſer Genoſſenſchaften, auch wenn ſie G.m.
b. H. und A. G. ſind.
2. Land= und Forſtwirtſchaft, Viehzucht und Jagd, Fiſchzucht
und, falls die Gemeinde (die Steuer iſt eine reine
Kommunal=
abgabe, deren Ertrag den Gemeinden vollſtändig überlaſſen
iſt) nicht das Gegenteil beſchließt, Fiſchfang, Obſt=, Wein= und
Gartenbau.
Eine Beſteuerung, findet jedoch bei landwirtſchaftlichen
Weinbranntweinbrennereien, ſowie bei gewerbsmäßiger
Vieh=
haltung von erkauftem Futter uſw. ſtatt.
8. Ausübung amtlichen Berufs (z. B. Notar) und allgemein die
freien Berufe.
4. Nur auf Antrag wohltätige oder gemeinnützige Unternebmen.
Die Gewerbebetriebe des Reichs, der Länder und
Gemein=
den (früher befreit) ſind jetzt allgemein der Beſteuerung
unter=
worfen.
Die Steuer wird nach dem Gewerbeertrag und dem
Ge=
werbekapital bemeſſen: anſtelle des letzteren kann auf Beſchluß
der Gemeinde die Lohnſumme treten.
Der Ertrag wird nach den Beſtimmungen des Reichseink=
St.G, über das ſteuerbare Einkommen aus dem Gewerbebetrieb
ermittelt. Die Nichtabzugsfähigkeit der Zinſen des eigenen
oder entliehenen Betriebs= und Anlagekapitals iſt beibehalten.
Miet= und Pachtzinſen der dem Gewerbebetrieb dienenden
Näume ſind nicht mehr abzugsfähig. Bezüge der Geſellſchafter
der offenen Handelsgeſellſchaft, der G.mh.H. uſw., die für
ge=
leiſtete Arbeiten und Dienſte gezahlt werden, ſind nicht
abzugs=
fähig. Dafür dürfen aber bei allen Gewerbebetrieben außer
der A.6. für Arbeiten und Dienſte des oder der
Geſchäftsin=
haber (Geſellſchafter) insgeſamt drei Achtel des dem niedrigſten
Hundertſatze der Reichseinlommenſtener unterliegenden
Einkom=
mens — nach Tarif von 1922: 400 000 Mk. — abgezogen werden.
Bei der A. G. iſt dieſer Abzug nicht möglich; hierfür dürfen aben
die Bezüige der Direltoren ſtets voll als Geſchäftsunkoſten
ab=
gezogen werden.
Als Gewerbeertrag gelten nicht bei
Verſicherungsunternel=
mern die erforderlichen Zuführungen an die Reſerbekonten und
bei Schachtelgeſellſchaften die Gewinnanteile auf Aktien uſw.,
falls die Geſellſchaft mindeſtens ein Fünftel der Aktien der
Toch=
tergeſelliſchaft beſitzt.
Das Gewerbekapital wird nach den Beſtimmungen für die
Reichsvermögensſteuer ermittelt, die Lohnſumme nach Maßgabe
ſämtlicher Löhne und Gehälter, die im Betriebe — vorübergehend
oder dauernd — beſchäftigten Arbeitnehmern gezahlt werden.
Dieſer Lohnſumme ſind Tantiemen, Gratifikationen, Wert der
freien Wohnung, Verpflegung und ähnliche Leiſtungen (dagegen
nicht die Vergütungen an Geſelſchafter einer offenen
Handels=
geſellſchaft oder G.m. b. 6.) hinzuzurechnen. Lehrlinge und
Schwerbeſchädigte bleiben außer Betracht.
Steuertarif. Die Lohnſummenſteuer beträgt 1 v. T. der
Lohnſumme, die Ertragſtuer für den Teil des Ertrags, der den
Betrag erreicht, der nach den ſiedrigſten Satz zur
Neichseinkom=
menſteuer herangezogen wird, 1 b.H., für das nächſte 1½fache
dieſer Summe 1½ v.H., darüber hinaus 2 v. H.; die
Gewerbe=
kapitalſteuer für den Teil des Kapitals, der dem 5fachen
des obengenannten Betrags entfpricht, 1 v. T., darüber hinaus
1½ b.T. Veranlagungszeitraum iſt das Kalenderjahr. Juriſtiſche
Perſonen müſſen jährlich dem Vorſitzenden des
Gewerbeſteuer=
ausſchuſſes ohne beſondere Aufforderung Geſchäftsbericht,
Bi=
lanz und darauf bezügliche Generalverſammlungsbeſchlüſſe
ein=
reichen.
Hinſichtlich der Rechtsmittel finden die Vorſchriften der
Reichsabgabenordnung Anwendung. Gegen den
Veranlagungs=
beſcheid iſt Einſpruch beim Steuerausſchuſſe gewährt, gegen die
Einſpruchsentſcheidung Berufung an den Berufungsausſchuß,
gegen die Berufungsentſcheidung Rechtsbeſchwerde an das
Ober=
berwaltungsgericht.
Die Gewerbeſteuer iſt, wie bisher, Gemeindeſteuer, der
Er=
trag iſt den Gemeinden vollſtändig überlaſſen.
* Bemerkungen zur Hundeſteuer.
Wir gehen in unſeren Betrachtungen etwas weiter in die
Vergangenheit zurück, weil wir glauben, daß das Thema
verſchie=
denärtige Seiten bietet, deren Beurteilung in früherer Zeit
auch heute noch das Intereſſe der Leſer finden dürfte.
Werfen wir zunächſt einen Blick auf das Hundeſteuergeſetz
vom 4. September 1874. Es belegte die Beſitzer von Hunden
mit einer Staatsſteuer von 2. fl. 55 Kr. — 5 Mk. für jeden
Hund, die alljährlich an die Staatskaſſe abzuführen waren. Den
Gemeinden war geſtattet, das Halten von Hunden innerhalb der
Gemarkung mit einer Abgabe bis zum Betrage von höchſtens
2 fl, 55 Kr. — 5. Mk. jährlich für den Hund zugunſten der
Ge=
meindekaſſe zu belegen.
Es gingen dem Geſetz Verhandlungen der Zweiten Kammer
des Landtags am 17. Juni 1874 voraus. Abg. Pfannſtiel
aus Oberheſſen hätte gewünſcht, daß ein Antrag Wadſack,
auch die Beſitzer abgelegener Höfe und diejenigen, die Hunde
bloß zur Bewachung nötig haben, berückſichtigt hätte, denn ein
Hund iſt ein unbedingtes Bedürfnis für einen Hofbeſitzer, der
abgelegen wohnt. (Mit höherer Steuer ſeien Beſiſier von
Hun=
den zu belegen, wenn letztere aus bloßer Liebhaberei gehalten
würden.) Demgegenüber war Abg. Welcker gegen jede
Aus=
nahme. Baden habe Ausnahmen für iſoliert Wohnende gehabt
und ſie aufgehoben, weil im Einzelfall zu ſchwer zu entſcheiden
war, ob Befreiung einzutneten habe oder nicht. Abg.
Wad=
ſack wollte mit dem Antrag die Schäferhunde ausnehmen, Abg.
Büchner vegte Steuermarken der Hunde behufs beſſerer
Kon=
trolle an.
Es war die Zeit der großen Steuerreform — 1899 — in
Heſſen, neben der vielumſtrittenen Weinſteuer kam auch ein
Hundeſteuerentwurf wieder. Vorgeſchlagen wurde
regierungs=
ſeitig eine ſtaatliche Steuer von 10 Mk. pro Hund jährlich, der
eine Gemeindehundeſteuer mit höchſtens 10 Mk. an die Seite
treten konnte.
Abg. Köhler (Langsdorf), der den Reigen der Redner in
der Volkskammer eröffnete, freute ſich über den Fortfall der
Be=
ſteuerung der Hirtenhunde, aber die Freude wurde ihm doch
vergällt, weil die Hundeſteuer mun auf das Doppelte erhöht
werden ſollte; ſo ſprach er ſich für die alte Summe aus und wollte
nur die Hirtenhunde ſteuerfrei laſſen; im übrigen glaubte er
nicht, daß „wir mit Erhöhung der Steuer zu höheren Beträgen
kommen werden, denn es werden ſehr viele Hunde abgeſchoſſen
werden und wir werden kein Mehr erlangen”. Abg, Korell
glaubte auch nicht, daß Mehreinnahmen erzielt werden, er war
aber doch für Freilaſſung der Hirtenhunde und der Hunde auf
vereinzelt gelegenen Bauernhöfen (3—4 Kilometer vom
Mutter=
rrt entfernt) zu haben. Der Vermehrung der Hunde auf dem
Lande durch dieſe hohe Steuer entgegenzutreten, hielt er
durch=
aus nicht für gerechtfertigt. Oberfinanzaſſeſſor Becker (der
ſpätere Finanzminiſter) meinte „man muß alles
zuſammen=
kratzen”, ſwie Abg. Ulrich ſagte), um die Mittel zur
Durch=
führung der Steuerreform aufzubringen, nachdem man die
Weig=
ſteuer aus dem Reformplan herausgeſtrichen. Die Befürchtung,
daß eine große Menge von Hunden abgeſchafft werde und
des=
halb eine Erhöhung der Einnahmen nicht herauskomme, ſei
un=
begründet; zurzeit würden in Heſſen etwa 49 000 Hunde
gehal=
ten. Wenn Sie die Straßen von Darmſtadt betrachten, unter
5—6 Hunde ſieht man ſelten zuſammen und ſich auf den
öffent=
lichen Plätzen herumtreiben.‟ (Damals lag als fertiges
Steuer=
projekt der Regierung eine Betriebsſteuer vor, die
Re=
gierung ſah aber von Einbringung des bezüglichen Entwurfs
im Landtage ab.) — Backes trat für die Züchtereien ein, die
ganz zu befreien oder nur mit niederem Satze zu belegen ſeien.
Bähr wiederum war gegen die Backesſche Anſchauung, hielt
aber 10 Mk. für ein bißchen hoch. Die Hunde würden nicht
zu=
nehmen, es ſei aber guch kein Schaden, wenn ſie abnehmen (auch
vom Standpunkte des Jägers). Bähr ſprach ſich für eine
Katzenſteuer, im übrigen für den Antrag Korell aus. Erk
gegen die Vorlage; in vielen Dörfern mit auseinanderliegenden
Hofreiten ſei das Halten von Hunden unbedingte
Notwendig=
keit. „Da hat man nachts keinen Schutz und keine Wache, und
ſo iſt der Hund der einzige Nachtwächter, wie Bähr vorhin
ſagte.” „Korell: „Auf dem Bauerngut muß der Hund auch
Tagwächter ſein, im Sommer, wenn die ganze Familie auf dem
Felde iſt.‟ Die Erhöhung auf 10 Mk. hält K. für
ungerechtfer=
tigt. Ulrich mit ſeinen Freunden war entſprechend dem
Standpunkt der Sozialdemokraten gegen die Vorlage. Dr.
Ofann war für Befreiung der Hirtenhunde und
für den Antrag Korell. Die Beſteuerung der Hunde habe
nur kann einen inneren Grund, wenn man annehme, daß die
Hunde im großen und ganzen nicht notwendig und eine Art
Liebhaberei, Luxusgegenſtand ſind. „Einzelne Kategorien von
Hunden, die nötig ſind, kann man herausnehmen, und ſo trifft
Korell das Nichtige. ” — Wann ein Hof als abgelegen zu
betrach=
ten ſei, müſſe der Regelung in der Praxis vo behalten bleiben;
es werde ſich eine gewiſſe liebung herausbilden. Die Sicherheit
werde durch die Bewachung durch die Hunde we entlich erhöht.
Auf Befragen erklärte Oberfinanzaſſeſſor Becker, nur wer in
Heſſen Wohnſitz habe, werde zur Hundeſteuer, herangezogen,
nicht der vorübergehend dort, ſich Aufhaltende. Der Antrag
Korell fand Annahme, der Antrag Weidner Ablehnung.
So kam das Hundeſteuergeſetz vom 12. Auguſt 1899 zuſtande.
Art. 1: Die Beſitzer von Hunden im Großherzogtim haben für
jeden Hund jährlich eine Steuer von 10 Mk. zur Staatskaſſe zu
entrichten. Art. 2: Den Gemeinden iſt geſtattet, das Halten von
Hunden innerhalb der Gemarkungen mit einer jährlichen
Ab=
gabe bis zu höchzſitens 10 Mk. für jeden Hund zugunſten der
Ge=
meindelaſſe zu belegen. Art. 3: Befreit ſind Beſitzer von
Hirten=
hunden; gleicherweiſe ſind die Beſitzer von Bauernhöfen und
Mühlen, die mindeſtens 500 Meter vom letzten Hauſe des Ortes
entfernt gelegen ſind, bezüglich je eines Hundes ſteuerfrei.
Das Jahr 1200 brachte ſchon eine Abanderung des
vorjäh=
tigen Geſetzes am 22. Dezember: Von der Hundeſteuer wurden
ſerner befreit alle diefenigen Perſonen, die infolge ihres Berufs
oder Gewerbes einſam wohnen und ein Einkommen von
wueniger als 200 Mk. verſteuern.
Die gerade jetzt wieder beklagte Ueberhandnahme der Hunde,
insbeſondere in den größeren Orten, hatte bereits 1888 einen
Antrag Ohly und Genoſſen im Landtage gezeitigt, der die
Re=
gierung erſucht wiſſen wollte, eine Vorlage einzubringen, durch
welche die Hundeſteuer unter Verückſichtigung der
Verſchieden=
heit der Verhältniſſe in den Städten und auf dem Lande anders
normiert und für die größeren Städte mindeſtens verdoppelt
werde. Der Oberbürgermeiſter von Darmſtadt war kein
Hunde=
freund und er pflegte dieſer Abneigung gegen die „Freunde
des Menſchen” oft draſtiſchen Ausdrück zu verleihen. Die
die=
gierung ſprach ſich damals genen den — in der Folge auch in
beiden Kammern abgelehrten — Aitrag aus; erſt in den
Ge=
ſetzesvorlagen vom 11. Januar 189” glaubte die Negierung den
Verſuch machen zu ſollen, durch eine geeignete Erhöhung der
Steuer wenigſtens einer weiteren Vermehrung der Hunde
entgegenzuwirken. „Es foll hierbei,” ſo heißt es in der
Begrün=
dung, nzwar nicht verkannt werden, daß durch eine ſolche
Steuer=
erhöhung des erſtrebte Ziel nicht ohne weiteres erreicht werden
wird, allein ſoweit dies nicht der Fall iſt, wird aus der
Er=
höhung doch wenigſtens eine mäßige Vermehrung der
Staats=
einnahmen erwartet werden dürfen, die bei Durchführung der
geplanten Finanz= und Steuerreform ſehr erwünſcht ſein und
zur Entlaſtung der direkten Steuern Verwendung finden werden.
Die Anlagen enthalten ſtatiſtiſches Material, das auch heute noch
von Intereſſe ſein dürfte. 1874 wurden in den dvei Provinzen
an Hunden gehalten: in Starkenburg 11 702, in Oberheſſen 9013
in Rheinheſſen 6534. Das Jahr 1888 — die Zeit des Antrags
Ohly — ergibt in der gleichen Reihenfolge der Provinzen eine
Zunahme an Hunden: 14065, 9089, 8732; das Jahr 1898
ver=
zeichnet eine große Zunahme: 21 522, 12157, 13929, was ein
Mehr gegen 1874 von 20 299 Hunden — 743 Prozent bedeutet.
Eine Ueberſicht ſtellt die Anzahl der ſeit 1874 in den größeren
Städten Heſſens gehaltenen Hunde (Darmſtadt, Offenbach,
Gießen, Friedberg, Mainz, Alzey, Bingen, Worms) feſt.
Darm=
ſtadt hatte 1874 1214 Hunde, 1888 deren 1660, 1898 deren 2491.
Nach über 21 Jahren erſt iſt ein am 1. Januar 1922 in Kraft
getretenes Abänderungsgeſetz zu verzeichnen: Die Steuer wurde
auf 20 Mk. jährlich erhöht und die Gemeinden ermächtigt, das
Halten von Hunden mit einer Jahresabgabe bis zum vierfachen
Betrag der ſtaatlichen Abgabe zu belegen. Befreit waren nur:
a) Perſonen, die gewerbsmäßig Herden irgendeiner Art hüten,
für die zur Ausübung des Gewerbes gehaltenen und hierzu
un=
entbehrlich notwendigen Hunde. Als unentbehrlich nowwendig
gelten: für das Hüten von Schafherden bis zu 300. Stück
2 Hunde, bis zu 600 Stück 3 Hunde, von mehr als 600 Stück
4 Hunde; für das Hüten anderer Herden ohne Rückſicht auf deren
Stückzahl 1 Hund. b) Beſitzer von Hunden, die ausſchließlich
zu wiſſenſchaftlichen Zwecken, zur Unterſtützung von Blinden,
zu Polizei= oder Heereszivecken oder ſonſt in Ausübung eines
öffentlichen Dienſtes gehalten werden. Für Beſitzer von
Hunde=
züchtereien können Ermäßigungen bewilligt werden, und zwar
für Staats= und Gemeindehundeſteuern.
Ab 1. Januar 1924 iſt die Hundeſteuer auf Gold geſtellt.
Hält man die früheren Befreiungsgründe vor Augen, ſo iſt
gegen=
über der Zeit vor über 20 Jahren der rein fiskaliſche Charalter
der Steuer (die gegen die Zunahme der Hunde einen Damm
bilden ſoll!) immer mehr hervorgetreten, zurückgetreten iſt der
Charakter des Hundes als Wächter, und dies in einer Zeit
durchaus ungenügenden Polizeiſchutzes (ngmentlich auf dem
Lande!). Das iſt bedauerlich und ſollte mahnen, dieſe Geſetze
von den wiriſchaftlichen Geſichtspunkten aus beſſer
durchzuden=
ken und abzufaſſen. Nun hat der Stadtverordnete Leuſchner
einen Antrag der ſozialdemokratiſchen Fraltion bei der
Stadt=
verwaltung eingebracht, der fordert: 1. In beſonders gelagerten
Fällen die Hundeſteuer ganz oder teilweiſe zu erlaſſen; 2. den
Bewohnern der beſetzten Stadtteile (Dornheimer Weg) die
Hundeſteuer ganz zu erlaſſen, da ſie ohne polizeilichen Schutz
ſeien. Eine geſchäftsordnungsmäßige Behandlung dieſer
An=
träge dürfte ſich erübrigen, da Art, 4 des Hundeſteuergeſetzes die
Gemeinden ermächtigt, im Einzelfall die Gemeinde=Hundeſtener
zu ermäßigen oder ganz zu erlaſſen. Der Antrag unter 1 iſt alſo
gegenſtandslos und andererſeits werden die Hundebeſitzer der
genannten Straße gerade aus dem mangelnden polizeilichen
Schutz einen ſtichhaltigen Grund für den Steuererlaß herleiten
können.
Mitteilung der Stadtverwaltung verdanken: Im. Jahre 1910
waren 2300 Hunde in Darmſtadt, 1916 gingen ſie auf 2100, 1918
auf 1500 und 1920 auf 1300zurück, während die Zahl in 1922
auf 2000 und in 1923 auf 3200 anſtieg. Ob und was die auf
Gold geſtellte Hundeſteuer Staat und Gemeinden netto
ein=
bringen wird, darüber wird ein zuverläſſiges Urteil ſich erſt nach
Ablauf des Jahres 1924 fällen laſſen, man wird abwarten
müſſen, ein wie großer Steuerbetrag uneinbringlich bleiben, und
andererſeits, welche Aufwendungen der bezügliche
Erhebungs=
apparat verurſachen wird. Dieſen letzteren Punkt, der einen
alten Grundſatz des Meiſters Adolf Wagner darſtellt, ſollten wir
angeſichts der Steuerbukette, mit denen wir eben beglückt
wer=
deu, nicht außer Acht laſſen.
„Notwendige” Werbungskoſten. Als ſolche erſcheinen auch
notwendige Ausgaben, die dem Steuerpflichtigen durch
Fahr=
ten zwiſchen Vohnung und Arbeitsſtätte
er=
wachſen. (Im Fragefalle waren für ſolche Fahrten zwiſchen
Vorort von Berlin und Wohnung in Berlin — wo auch die
Arbeitsſtätte — 20 000 Mk. in Abzug gebracht) Der N.Fhof
hat mit Urteil vom 12. Dezember 1923 dieſen Abzug für
gerecht=
fertigt erklärt. Nach 8 13 1d EinkSt.G. ſind allerdings nur
notwendige Ausgaben, die durch Fahrten zwiſchen Wohnung
und Arbeitsſtätte entſtehen, abzugsfähig. Aber bei Beurteilung
des Einzelfalles und Würdigung der tatſächlichen Verhältniſſe
muß ſich die Steuerbehörde auf den Standpunkt des
Steuer=
pflichtigen ſtellen, ſeine perſönlichen Verhältniſſe als gegeben
annehmen und von hier aus beurteilen, ob er die Ausgaben für
notwendig halten konnte. Zu den gegebenen Tatſachen gehört
aber der Wohnſitz des Steuerpflichtigen. Der Steuerpflichtige
unterliegt in der Vahl ſeines Wohnſitzes
kei=
nerlei Beſchränkung; ihm können ſteuerlich keine
Nach=
teile daraus entſtehen, daß er nicht am Orte ſeiner Arbeitsſtitte
nohnt, ohne Rückſicht darauf, aus welchen Gründen er ſeinen
Wohnſitz gewählt hat und ob dieſer von der Arbeitsſtätte mehr
oder weniger weit entfernt liegt. Es verſchlägt vorliegenden
Falles auch nichts, daß der Steuerpflichtige außer der Villa im
Vorort noch eine Wohnung in Berlin gehabt hat, denn er hat
unſtreitig den größten Teil des Jahres im Vorort gewohut und
von dort aus die Fahrten zu ſeiner Arbeitsſtätte unternommen.
Rummer G1.
tädter Tagblatt, Sanstag, den 1. März 1924.
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1. März 1924 Nr. 61
Stand der Fſeiſch=Perſorgung
Deutſchlands.
* Den Berichten nach ſind die Zufuhren an Schlachtvieh aller
Gat=
tungen zu den Viehmärkten dem Bedarf entſprechend völlig genügend,
und da auch vom Auslande nicht nur Gefrierfleiſch, ſondern auch lebende
Tiere dem deutſchen Fleiſchmarkt zugeführt werden, iſt das Angebot ſehr
häufig größer als der Bedarf. So iſt z. B. die Einfuhr von lebenden
Tieren aus Dänemark bereits auf der Vorkriegs=Einfuhr engelangt, und
da weiter durch die moderne Schiffahrtstechnik auch der Vieh=Import
von Ueberſee möglich iſt, treffen jetzt auch ſtändig Transporte von
Ar=
gentiniſchen Rindern ein. Iſt demnach das Angebot in allen Sorten
Fleiſch ſehr reichlich, ſo macht ſich trotzdem auf den Viehmärkten bei
ziemlich gleichbleivendem Auftrieb ein ſtändiges Steigen der Viehpreiſe
bemerkbar. Giegenüber den Viehpreiſen vor Wochen haben dieſelben
zurzeit wieder angezogen und bewegen ſich bei Kälbern und Schweinen
wieder üb= Vorkriegspreiſen. Auf der landwirtſchaftlichen Woche in
Berlin w den die Wünſche der deutſchen Landwirtſchaft oftmals betont
und ausgeſ rochen, daß der dem Landwirt verbleibende Betrag der
landwirtſchafttiche:: Erzeugniſſe viel zu gering ſei gegenüber den
heuti=
gen Preiſen für alle landwirtſchaftlichen Bedarfsgegenſtände. Eine
Senkung dieſer Preiſe müſſe unbedingt erfolgen und ſchließlich müſſe
auch eine Herabſetzung der Frachten gefordert werden. Für die
Fleiſchverſorgung Deutſchlands ſind dieſe Aeußerungen der
Landwirt=
ſchafts=Vertreter von ganz beſonderer Bedeutung, denn wenn man den
vielen Wünſchen der Landwirtſchaft gerecht
Neiſcherſoräung guelng. iud duir dher uit zunfren Auftziebschlen.
heute noch nicht einmal an den Friedenszahlen angelangt. Man muß
ſich deshalb wundern, wenn ſeitens einzelner Redner die Einfuhr von
Gefrierfleiſch bemängelt wurde. Nach wie vor werden wir auf die
Einfuhr von Auslandsfleiſch angewieſen ſein, um die Fleiſchverſorgung
der geſamten Bevölkerung nicht nur ſichern, ſondern eben durch dieſe
Einfuhr jeder inländiſchen Preisſteigerung begegnen zu können. Wie
alljährlich, wird mit Beginn der Weidezeit die Auftriebszahl zu den
Märkten geringer und dieſer Rückgang wird auch in dieſem Jahre
kom=
men, ſo daß die Einfuhr von Vieh, Gefrierfleiſch uſw., ſchließlich von
Bedeutung und in der Preisgeſtaltung ausſchlaggebend ſein wird. Jede
übermäßige Preisſteigerung iſt im Intereſſe unſeres geſamten
Wirt=
ſchaftslebens zu vermeiden und die Landwirtſchaft wirb mit ihren an
ſich wohl berechtigten Wünſchen warten müſſen, bis unſer
Wirtſchafts=
leben mehr ſtabiliſiert iſt, ſo daß auch die Preiſe für induſtrielle
Er=
zeugniſſe ſich ihrem Friedenspreis nähern können. Es darf außerdem
nicht vergeſſen werden, daß die Landwirtſchaft in den verfloſſenen
Jah=
ren nicht im entfernteſten die Opfer getragen hat, die andere
Berufs=
ſtände und teilweiſe auch die Induſtrie haben bringen müſſen.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
w. Notierung der Deviſen und Banknoten an der
Berliner Börſe in Billionen Mark. Zur Beſeitigung der
derzeitigen großen Ziffern werden vom 1. März 1924 an an der
Ber=
liner Börſe Deviſen und Banknoten wie die Dividendenpapiere in
Bil=
lionen Mark notiert, wobei ſich die Notizen verſtehen für Buenos Aires,
London, Newyork, Japan, Rio de Janeiro für eine Einheit,
Amſter=
dam, Brüſſel, Danzig, Kopenhagen, Kriſtiania, Stockholm Helſingfors,
Italien, Paris, Schweiz, Spanien, Liſſabon, Prag, Jugoſlawien, Sofia
für 100 Einheiten, Wien und Budapeſt für 100 000 Einheiten. — Da
noch nicht feſtſteht, an welcher Stelle der Danziger Gulden, der vom
1. März ab ebenfalls für je 100 Einheiten in Billionen Mark notiert
wird, in das Kursſchema einrangiert wird, werden wir dies am 1. März
bei der telegraphiſchen oder telephoniſchen Uebermittlung mitteilen.
* Bayeriſche Zinnbergbau=A.=G., Wunſiedel. Mit
den vorgenommenen Arbeiten im Fichtelgebirge iſt die Geſellſchaft jetzt
ſo weit fortgeſchritten, daß ein Teil eines der am Seehaus befindlichen
Lager mit einem Inhalt von zirka 60 000 Kilo metalliſch reinem Zinn
freigelegt iſt. Es kann daher mit Beſtimmtheit damit gerechnet werden,
daß die Ueberlagerung bei dieſem Zinnſeifenlager bereits in 4 Monaten
vollkommen abgebaggert ſein wird. Es wird noch in dieſem Jahre die
Produktion aufgenommen werden können, und es wird für das
Ge=
ſchäftsjahr 1924 bereits mit einem günſtigen Reſultat zu rechnen ſein.
t. Wechſel im Vorſtand des Vereins deutſcher
Maſchinenbauanſtalten. Wie der Deutſche Handelsdienſt
be=
richtet, ſcheiden die geſchäftsführenden Vorſtandsmitglieder Geheimrat
v. Buttlar und Dipl.=Ing. Fröhlich, nach einer freundſchaftlichen
Ver=
einbarung mit dem Verein deutſcher Maſchinenbauanſtalten zum erſten
April aus der Geſchäftsleitung desſelben aus.
t. Alte und neue Banknoten. Wie wir erfahren werden
in den nächſten Tagen neue Reichsbanknoten zu 10, 20 und 50 Billionen
Mark in den Verkehr geworfen. Die jetzt kurſierenden Noten von 5 10
und 100 Billionen ſollen durch dieſe neuen Noten erſetzt werden. Ihr
Aufruf wird unmittelbar nach der Ausgabe der neuen Scheine
er=
folgen. Es handelt ſich alſo um eine rein techniſche Maßnahme,
Ein=
ziehung der alten und Erſatz durch neue Noten.
* Beſſerung der Weſtfäliſchen Eiſeninduſtrie.
Wie die deutſche Bergwerkszeitung berichtet, iſt ſeit einigen Tagen bei
verſchiedenen Werken des Ruhrbezirks ein ziemlich erheblicher
Eingang an Aufträgen zu verzeichnen geweſen. Sowohl in
Stabeiſen, als auch insbeſondere in Blechen hat ſich die Nachfrage
ent=
ſchieden verſtärlt. Dasſelbe gilt von Walzdrähten und gezogenen
Drähten. In verzinkten Drähten ſoll bereits eine gewiſſe Knappheit
eingetreten ſein. Die Beſſerung der Geſamtlage kennzeichnet ſich nach
außen hin auch durch ein Anziehen der Preiſe. Während Stabeiſen
noch vor kurzem mit 126 Goldmark angeboten wurde, ſind jetzt 128
Goldmark leicht zu erzielen und es heißt, daß die Preiſe zunächſt noch
ſteigende Tendenz verfolgen. Auch das Ausland tritt wieder mit ſtarken
Käufen hervor, wobei die Welt=Markt=Preiſe ebenfalls entſchieden nach
oben tendieren. Für Stabeiſen werden jetzt 120 Gm. ab Werk erzielt,
gegen bisher 100 bis 103 Gm. Im Durchſchnitt haben die Welt=Markt=
Preiſe für Walzerzeugniſſe um etwa 10—15 Gm. in den letzten Tagen
zugenommen.
Warenmärkte.
wb. Amtl. Notierungen der Frankfurter Börſe,
Abteilung Getreide vom 29. Februar. (Getreide, Hülſenfrüchte
und Biertreber ohne Sack, Weizenmehl, Roggenmehl und Kleie mit
Sack). Preis je 100 Kg.: Weizen Wetterau 18,75—19,25, Roggen 16,75
bis 17, Sommergerſte für Brauzwecke 21—22, Hafer inländiſch 15,50—16,
Hafer ausländiſch —, Weizenmehl ſüdd. Spezial Null 28,5—29,
Roggen=
mehl 24,75—25, Weizen= und Roggenkleie 8,5—9,5, Mais La Plata 13,25
bis 19,75. — Tendenz: ruhig.
* Mannheimer Produktenbörſe. Die Börſe war gut
beſucht, die Stimmung war ruhig. Verlangt wurden für die 100 Kg.
bahnfrei Mannheim in Goldmark: Weizen inl. 19—20,5, ausl. 20,75
bis 21,5, Roggen 16,75—17, Gerſte 21—22, Hafer 15,75—16,5, Mais
19,5—20, Weizenkleie 9—9,50 Weizenmehl Spezial Null 29, bei der
zweiten Hand 28,5, Roggenmehl 25, bei der zweiten Hand 24,5 Mark.
* Mannheimer Viehmarkt. Zum Viehmarkt waren
zuge=
führt: 36 Kälber, 82 Schweine, 366 Ferkel und Läufer. Bezahlt wurden
pro 50 Kg. Lebendgewicht: für Kalber 46—58, für Schweine 58—72
Goldmart, für Ferkel pro Stück 11—30 Gm. — Tendenz: Kälber
ruhig, langſam geräumt, Schweine ruhig, Ueberſtand, Ferkel und
Läufer mittelmäßig.
wd. Berliner Produktenbericht. Die Beendigung des
Arbeiterſtreiks bei den Berliner Mühlen hatte zwar zur Folge, daß
ſei=
tens der Berliner Mühlen wieder Nachfrage am Produktenmarkt be.
merkbar wurde; das Geſchäft blieb jedoch ſtill, weil nicht über die
geſt=
rigen Preiſe geboten wurde. Auch ſonſt zeigte ſich wenig Intereſſe für
Noggen und Weizen. Braugerſte war nach ie vor begehrt, beſonders
für Mitteldeutſchland. Mittlere und geri Gerſtenſorten ebenfalls
zu feſteren Preiſen gut verkäuflich. Hafer eid andauernd für den
Ex=
port begehrt, war aber auch durchſchnittlich etwas mehr angeboten,
ſo=
daß die Preiſe keine großen Aenderungen erfuhren. Angebot von der
hinterpommerſchen Küſte wurde bevorzugt. Mehl hatte ruhiges
Ge=
ſchäft. Futterartikel waren reichlicher am Markte.
Memeler Zellſtoff 130, Mez Söhne 6¾, Petroleum /23, Raſtatter
Wag=
gon 10¾, Tiag 4½, Ufa 105/s.
wb. Berliner Börſenſtimmungsbild. Wie ſchon geſtern
zu bemerken war, hat die Effektenbörſe an Widerſtandsfähigkeit
gewon=
nen. Die Urſache mag in den Hoffnungen liegen, die man hinſichtlich
einer günſtigeren Entwbickelung der außenpolitiſchen Lage hegen zu kön.
nen glaubt. Eine Pelebung des Geſchäfts trat aber auch heute nicht
in Erſcheinung, was man ſich durch die Steuerſorgen, die hohen
Um=
ſatzſpeſen und die Unſicherheit bezüglich der Bewertung der Aktien bei
der Aufſtellung der Goldmarkbilanzen erklärt. In allen Abteilungen
des Induſtriemarftes überwogen kleine Erholungen die mäßigen
Ab=
ſchwächungen. Von Montanwerten, zeichneten ſich aus Klöcknerwerke,
Phönix, Riebeck=Montan und Schleſiſche Zink durch Feſtigkeit. Von
Kaliaktien wurden Kali Aſchersleben und Salzdetfurth zu gebeſſerten
Kurſen aus dem Markt genommen. Für chemiſche Werte beſtand aute
Meinung, Aglo Continental gewannen 2 Bill., Ludwig Loewe 2½ Bill.,
Humboldt 2afchinen ziemlich 2 Bil. Proz. Auch Schiffahrts= und
Bank=
aktien beſſeien ſich vorwiegend um Bruchteile eines Billionen=
Prozen=
tes. Lebhaftes Geſchäft, zu ſreigenden Kurſen entwickelte ſich in
Elektri=
ſchen Hochbahn=Aktien, die zeitweilig einen Kurs von 50 Bill. erreichten.
Im Anſchluß daran waren auch Hamburger Hochbahn zu 19—20 Bill.
Proz. rege gehandelt. — Für Schutzgebietsanleihe, zeigte ſich wieder
leb=
haftes Intereſſe bei einem Kurſe von 4½ Bill. Proz. Es hieß, daß
zwiſchen dem Auswärtigen Amt und der ſüdweſtafrikaniſchen Regierung
über die Frage der Anerkennung der Anleihe als Anleihe der
Schutz=
gebiete und nicht des Deutſchen Reiches Verhandlungen ſchweben. Der
Deviſenmarkt war unverändert; Paris war etwas erholr.
Deriſenmarkt.
Sämtliche Zahlen verſtehen ſich als 1000 Mk.
....!. 144667000 135633090 144667000 145633000
Berliner Kurſe. (Eigene telegr. Meldung.
Sämtliche Zahlen verſtehen ſich mit 1000 000000.
Börſen.
Frankfurter Börſenbericht vom 29. Februar
1924. (Eigener Bericht.) Die Börſe zeigte heute etwas mehr
Wider=
ſtandsfähigkeit. Die zahlenmäßig zurückgegangenen Verkaufsauftrage,
die vom Publikum noch an den Markt kamen, konnten faſt überall ohne
weiteren Kursdruck erledigt werden. Die Umſätze blieben minimal und
beſondere Vorgänge ſind auf keinem Gebiet zu verzeichnen.
Am Kaſſamarkt beſtand nach wie vor Intereſſe für Roeder=Aktien.
Gebr. Fahr blieben bei Umſatz von nur wenigen Stück unverändert.
Frankf. Allg. Verſicherungen leicht befeſtigt. Ettlinger Spinnerei
wur=
den nach Pauſe niedriger mit 85 notiert. Deutſche Renten liegen ſehr
ruhig. Größeres Geſchäft konnte ſich nur wieder in Schutzgebietsanleihen
entwickeln, die bei Börſenbeginn bis 5,3 gehandelt wurden und
ſchließ=
lich den Markt mit 4,6 verließen. Die Spekulation findet hier neue
Nahrung in Gerüchten über die Intereſſennahme eines holländiſchen
Finanzkonſortiums in dieſer Emiſſion. Ausländiſche Renten blieben
voll=
kommen geſchäftslos. Im freien Verkehr hörte man: Beckerſtahl 11,
Beckerkohle 11, Brown Boveri 2½, Georgi 0,8, Growag 0,/410, Hanſa
Lloyd 2,2, Kayſer Waggon 0,675, Kreichgauer 0,550, Krügershall 1234,
Aktiengeſ. für Anilinfr.
Aſchaffenburger Zellſtoff
Augsb.=Nürnb. Maſch..
Berl.=Anhalt=Maſchinen
Berl.f.Elektr. W.vorzug. 1 11000
Bismarckhütte
Braunkohlen=Briketts
Bremer Vulkan ....."
Wolle. . . . . . .. 1 g5050
Chem. Heyden ......"
Weiler .
Deutſch=Atlant. Tel..
Deutſche Maſchinen.
Deutſch=Niedld. Tel.
Deutſche Erdöl.
Deutſche Petroleum
Dt. Kaliwerke
Dt. Waffen u. Munit
Donnersmarckhütte ,
Dynamit Nobel
Elberfelder Farbei
Elektr. Lieferung
R. Friſter
Gaggenau V
Gelſenk. Gußſta
Geſ. f. elektr. Untern..
Halle Maſchinen
Han. Maſch.=Egeſt.. .
Hanſa Dampfſch. . .
17750 29 2.
17750 Hemoor Zement .. 28 2
68000 29. 2.
68000 34750 33100 Hirſch Kupfer .. 41250 41100 38500 38250 Höſch Eiſen 56000 57250 11400 47.0 Hohenlohe Wer 45250 41000 Kahla Porzellan 18000 17100 71030 71000 Lindes Eismaſch. 10700 11000 34250 36750 Lingel Schuh 4500 4500 91000 32030 Linke u. Hofma 33500 33250 90600 L. Loewe u. 51500 53750 7800 7600 C. Lorenz 8100 8125 19750 Meguin 23000 23000 25250 26250 Niederländi 53100 51500 9100 9250 Nordd. G 1200 1250 3300 44000 Orenſtein 20375 21000 64500 65750 Rathgeb 13250 13560 Romback 30250 30500 67500 67500 Roſitzer Zucke 51503 51000 116500 118750 Rütgerswer 21500 21500 152000 150000 Sachſenwerk 3100 3300 10125 10625 Sächſiſche 49000 48500 20600 21000 Siemens Glas 34000 34000 3i00 24600 Thale Eiſenhüt 5400 4300 Ver. Laufit 7500 7500 Volkſted
Weſtf. Eiſ. Le
Mi= 12600 13250 30 30000 30500 30500 17000 17060 Wittener Gußſtahl:. 44600 45000 28000 27900 Wanderer=Werke ... 14000 13250 135000
18675 135000
19750
Darmſtädter und Nationalbank, Kommandit=Geſellſchaft auf Aktien.
Frankfurter Kursbericht vom 29. Februar 1924.
Die Notierungen ſind in Billionen Prozent ausgedrückt.
Europäiſche Staatspapiere.
a) Deutſche.
5% Reichsanleihe ..........."
........
4e
„..
3½% „
..
390
Dollar=Goldanleihe. . . . . . . ...."
Dollar=Schatzanweiſungen ...
Dt. Schatzanw. K Ausg. Iv. 23
TTv. 23
Tv. 24
k Nv.24
4½% IV. u. V. Schatzanweiſg.
4½% HI.—IX.
4½ Dt. Schutzgebiet v.0,8-11u.13
v. 14
Sparprämienanleihe .. . . . . ..."
Zwangsanleihe .. . . . . . . . . . . .."
4½ Preuß. Konſols ........."
3½% „ „ ......"
..
3%
4% Bad. Anl. unk. 1935 ......"
3½% „ „ v. 1907 ......."
4% Bahern Anleihe ........."
3½
Heſſ. Dollar Goldmk.=Schatzanw.
rckz. 26 ....."
8—16% Heſſen Reihe XXXYI.
untilgb. b. 28 . . .. . . . . . . . . .."
4½ Heſſen unk. 1924.. . . . . . . ..
3½% ................."
3% „ „..............."
4% Württemberger .. . . . . ...."
b)Ausländiſche.
5% Bosnien L.=E.=B. v. 1914..
50 L.=Inveſt.=Anl. v. 1914
4½ „ v. 1902 ........"
.....
47
5% Bulgar. Tabak 1902... . . . .
12/,% Griech. Monopol ...."
4½% Oeſt. Staatsrente v. 1913
ab 1918 ............!."
4½% Oeſt. Schatzanweiſ., ſtfr.
v. 1914 ................."
4% Oeſt. Goldrente ........."
4% „ einheitl. Rente ......"
5% Num. am. Rente v. 03....
4½% „ Goldrente v. 13 ...."
4% „ am. Goldrente konv.
4½ „ am. v. 05 ..... ...."
470, Türk. (Admin.) v. 1903....
4½ „ (Bagdad) Ser. I.."
„II..
4% „ v. 1911. Zollanl. ...
4½%0 Ung. Staatsr. v. 14 ....
4½ „ Goldrente ........"
„ Staatsr. v. 10 ...."
4% Kronenrente ......
Anßereuropäiſche.
5% Mexik. amort. innere . . . . . ."
5% „ fonf. äuß. v. 99.....
4% „ Gold v. 04. ſtfr. . .. .
3% „ koni. inner. ......."
Frrigationsanleihe .
5% Tamaulipas Serie l......"
28 2. 29. 2.
0,1225
036
19
54.750
54,7504
2,5 Me
0,45
0375
0,59
0.47
0,45
0,014
0.1i2
0,525
50.5 M
50,5 M
4,6
0.19
2 64Mc
0.45
0.375
4,2
— 8
0,41
0.062
45
1,6255
12,35
11ls
Oblig. v. Transportanſt.
4½ Uliſabethbahn ſtfr. . . . . . . . .
4% Gal. Carl Ludw.=Bahn. . . .
5% Oeſt. Südb. (Lomb.) ſtfr. ..
4½
2,6% Alte Oeſt. Südb. (Loms.)
26%Neue
4% Oeſt. Staatsb. v. 1883 ...."
3% Deſt.
1. b. 8. Em..
9. Em. .. . .
v. 1885 ....
3% Oeſt. Staatsb. b. Erg. Netz.
4½ Rudolfb. (Salzkammerg.) ..
2a Anatolier I............"
Salon. Conſt. Jonction ..."
38 Salonique Monaſtir ......
5% Tehuantepee. . . . . . . . . . . .."
4½%
„........
Nach Sachwert verzisl.
Schuldverſchreibungen.
5% Badenw. Kohlenwertanl. .
6% Heſſ.Braunk.=Nogg.Anl. v.23
5% Preuß. Kaliwert=Anleihe ..
5% „ Roggenwert=Anl. .
5% Sächſ. Braunk.=Anl. Ser. Iu. II
5% Südd. Feſtwertbk. . . . . . . . .
Bank=Aktien.
Allg. Deutſche Creditanſtalt. . . .
Bank für Brauinduſtrie ......"
Barmer Bankverein. . . . . . . . . ."
Baher Hypotheken= u. Wechſelb.
Berliner Handelsgeſellſchaft . . .
Commerz= und Privatbank ..."
Darmſtädter u. Nationalbank ..
Deutſche Bank ..............
DeutſcheEffekten= u. Wechſelbank
Deutſche Hypot.=Bank Mein.. ..
Deutſche Vereinsbank ........
Disconto=Geſellſchaft . . . . . . . . .
Dresdner Bank. . . .. .. ... . ..
Frankfurter Bank ...........
Hhpotheken=Bank.
Metallbank. . . . . . . . . . . . . . . . ..
Mitteldeutſche Creditbank. . . . .
Oeſterreichiſche Creditanſtalt ...
Reichsbank=Ant. . . . . . . . . . . . . .
Rhein. Creditban ..........."
Hypothekenbank ......"
Süddeutſche Disconto=Geſellſch.
Weſtbank .... . . . .. .. ........"
Wiener Bankverein .........."
Bergwerks=Aktien.
Berzelius.
.........
Bochumer Bergb. ........ . . .
Buderus......
..
Dt. Luxemburger ............"
Eſchweiler Bergwerks=Akt. . . . .
Gelſenkirchen Bergw. ........"
Harpener Bergbau.... . . . . . . ."
Kaliwerke Aſchersleben ......."
„ Salzdetfurth .. . . . . .
Weſteregeln .......
glöcknerwerke (abg. Lothr. Hütte)
Mannesmann Röhren ........"
Mansfelder ......
..
Oberbedarf .. .. . . .. . . . ......
Oberſchleſ. Eiſen (Caro) ....."
Otavi Minen u. Eb.=Ant. ... ."
Phönix Bergbau ..........."
12.25
3
4,25
15
13,75
6,8
17.5
3
5,1
23,75
2,85
0.67
39,75
4,5
5,4
135
0.49
12.25
59,5 59
Rhein. Stahlwerke .. . . . . . . . . ."
Riebeck Montan.. . . . . . . . . . ..
Rombacher Hütte . . .. . . . . . . . .
Tellus Bergb.= u. Hütten=Akt. . .
Ver. Laurahütte . . . .. . . . . . . .."
Aktien induſtr. Unternehmung.
Brauereien
Henninger Kempf=Stern. . . . . .
Löwenbräu München ......."
Schöfferhof (Binding)........"
Werger ........... ........."
12
225 22,75
—
33
—
65,75
82,25 83.5
20,25 22,5
52.,25
üe
38,75
37
42,25 42,75
T— Tauſend. M — Millionen. M4— Milliarden aU —ohne Umſaz. X —rationiert.
Akkumulat. Berlin ..........."
Adler & Oppenheimer ......."
Adlerwerke (v. Kleher) ......."
A. E. G. Stamm. . . . . . . . .
6% „ „„ Vorzug Lit.4 ..."
5% „ „„ Vorzug Lit. B...
Amme Gieſecke & Konegen ...."
Anglo=Continental=Guano .....
Anilin Bln.=Treptow.. . . . . . . ."
Aſchaffenburger Zellſtoff ....."
Badenia (Weinheim)........"
Badiſche Anilin=n. Sodafabrik.
Bad. Maſchf. Durlach ........"
Bad. Uhrenfabr. Furtwangen ..
Baldur Piano. . . . . .
Baſt Nürnberg .."
Bahriſch. Spiegel.
Beck & Henkel Caſſel) .....
Bergmann El. Werke ... . . . .
Bing. Metallwerke . ..
Brockhues, Nieder=Walluf. ..
Eementwerk Heidelberg.. ..
Karlſtadt ..
Lothringen (Meß).
Chem. Werke Albert..
Griesheim Elektron ....
„ Fabrik Milch ..
Weiler=ter=mer ..
Daimler Motoren...
Deutſch. Eiſenhandel Berlin ..
Dt. Gold= u. Silberſcheideanſt..
Dingler, Zweibrücken ......."
Dresdener Schnellpreſſen ....
Dürkoppwerk (Stamm) ......"
Düſſeld. Natinger (Dürr) .....
Dyckerhof & Widm. Stamm .. ."
Eiſenwerk Kaiſerslautern ....
L. Meher fr.. .. . . .
Elberfelder Farbw. v. Baher.
Kupfer=u. Meſſingw.
Elektr. Lieferungs.=Geſ. ......
Licht und Kraft . .. .. .."
Elſäſſ. Bad. Wolle......... . . ."
Emag, Frankfurt a. M...... ..
Email. & Stanzw. Ullrich ...."
Enzinger Berke ........... .."
Eßlinger Maſchinen .. . . . . . ..."
Ettlingen Spinnerei ........."
Faber, Joh., Bleiſtift ........"
Faber E Schleicher ...... ...."
Fahr, Gebr., Pirmaſens ....."
Felten E Guilleaume, Carlsw...
Feinmechank (Jetter). ..
Feiſt Sektkellerei Frankf. a. M..
Frankfurter Gas... . . . . . . . .
Frankfurter Hof ...........
Frf. Maſch. Pokorny & Wittel.
Fuchs, Waggon Stamm .. . . ."
Ganz. Ludwig. Mainz ....."
Geiling & Cie. .............
Germania Linoleum .. .. ....."
Gelſenkirchen Gußſtahl ......."
Goldſchmidt, Th. . . . . . . . . . . . .
Gotha Waggon .............."
Greffenius, Maſchinen Stamm.
Gritzner Maſchinenf. Durlach. . .
Grün & Bilfinger ..........."
Hammerſen (Osnabrück) ......
Hanfwerke Füſſen ..........."
Heddernheimer Kupfer ......."
Heyligenſtaedt, Gießen .......
Hilpert Armaturenf. . . . . . . . . .
Hindrichs=Auffermann. . . . . . . .
Hirſch Kupfer u. Meſſ. .. . . . . .
Hoch= und Tiefbau .........."
Höchſter Farben ............."
Holzmann, Phil. ..
Holzverk.=Induſtr. .. ... . . ...."
Hydrometer Breslau ........"
Inag ...........
.
Funghans Stamm. . . . . . . . . . .
Karlsruher Maſchinen ........"
Klein, Schanzlin & Becker ..."
Knorr, Heilbronn............
Kolb & Schüle Spinn. . . . . . . .
Konſervenfabrik Braun ......"
Krauß & Co., Lokom. .
Lahmener & Co. ..
Lech, Augsburg".
Lederw. Rothe .............
Lederwerke Spicharz ......."
Lingel, Schuhw. Erfurt ....
Löhnberger Mühle ..
Lüdenſcheid Metalliv. ..
Luther, Maſch.=u Mühlenbau..
Lux’ſche Induſtrie ..........."
Mainkraftwerke Höchſt .......
Meguin, Bußzbach ...........
Metallgeſ. Frkft. . . . . . . . .. . ..
Meyer, Dr. Paul ...........
Miag, Mühlenb., Frankf. a. M..
Moenus Stamm .. . . . . . . . . . ."
Motorenfabrik Deutz ........."
Motorenfabrik Oberurſel ....."
Neckarſulmer Fahrzeugwerke...
Neckarwerke Eßl. Stamm . . . . .
Oleawerke Frankfurt a. M.....
Beters Union Fraukfurt a. M.
Pfälz. Nähm., Kayſer ........"
Philipps A.=G. .... .... ... .."
Porzellan Weſſel............"
Reiniger, Gebbert & Schall. . .
Rhein. Elektr. Stamm . . . . . . . .
„ Metall Vorzüge ..... . .
Rhenania, Aachen ...........
Niedinger, Maſchinen ........."
Rückforth, Stettin ..........."
Rütgerswerke ..............."
Schleußner (Frankfurt a. M.) ..
Schneider & Hanau. . ........
Schnellpreiſen Frankenthal. . . .
Schramm Lackfabrik. .....
Schriftgießerei Stempel, Ffm.
Schuckert Elektr. (Nürnberg) ...
Schuhfabrik Berneis=Weſſel ..."
Schuhfabrik Herz............
Schuhf. Leander Offenbach ..."
Schultz, Grünlack, Rosh.. . . . . . .
Seilinduſtrie Wolff .........."
Sichel & Co., Mainz ........."
Sie uens Elektr. Betriebe .....
Siemens Glasinduſtrie ... ....
Siemens & Halske.. ........."
Stöckicht=Offenbach=Gummi .. .
Süddeutſche Immobilien ....."
Thüring. elektr. Lief.=Geſ., Gotha
uhrenfabrik Furtwängler ....."
Beithwerke in Sandbach
Verein f. Chem. Induſtr. Frkft.
Verein deutſch. Olfabr. Mannh.
„ Faßfabriken Caſſel .."
Gummifabr. Bln.=Frkf.
Pinſelfabr. Nürnberg ..
Ultramarin ........"
Zellſtoff, Berlin .......
Vogtländ. Maſch. Vorzüge ....
Stämme . . ..
Voigt & Haeffner Stämme .. .
Voltohm, Seil........
Wahß & Frehtag. . . .
Wegelin Rußfabrik ........
Zellſtoff Waldhof Stamm ..
Buckerfabr. Waghäuſel....
Frankenthal ..
Heilbronn..
Offſtein ...
Rheingau.
Stuttgart
Transport=Aktien.
Schantung E. B. ..... .. . . ..
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſ.
Hapag (Paketfahrt) ........
Nordd. Lloyd.. . . . . . . . . ....
Darmſtädter Werte.
Bahnbedarf
...
Dampfkeſſel Rodberg.....
Helvetia Konſervenfabrik. .
Gebr. Lutz
..
Motorenbfarik Darmſtadt .
Gebr. Roeder ..........
Venuleth & Ellenberger ..
unnotierte Aktien.
Allg. Bankverein Düſſeldorf..."
Beckerkohle. . ... . .. . . . . . .. . . ."
Beckerſtahl .................."
Benz.. . . . . . . . ..............
Brown Boveri.............."
Cont. Handelsbank ..........."
Deutſche Handelsbank ........"
Fraunff. Handelsbank. . . . . . . . . .
Falconwerke ................"
de Giorgi Choc. ....... ......"
Growag ...................."
Hanſa Lloyd ..............."
Hero Conſerven .............
Holſatiawerke, Altona . . . . . . . .
Kubel Rheydt
Krügershall Kali
Metall Starkenburg ..
Metz, Karl & Söhne, Freibg. . ..
Neckar=Gummi
Petroleum Dtſche.
Raſtatter Waggon
Remy Chem.
Tertil= Ind. Barmen (Tiag)....
Ufa Film ..
Unterfranken Großkraftw. . ....
Bankgeschaft
Fernsprecher 1308, 1309
11—2 212
Aktien / Renten / Deuisen / Sorten
Darmstadt
1 Luisenplatz 1
Nummer 61.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 1. März 1924.
Das Reparationsabkommen
mit der Holzinduſtrie.
Seite 21.
Havas berichtet aus Koblenz folgende Einzelheiten über die
Abmachung, die kürzlich zwiſchen der Rheinlandkommiſſion und den
Vertretern der Holzinduſtrie im beſetzten Deutſchland getroffen worden
iſt. Die ſämtlichen zu einer Fideikommißgeſellſchaft
zuſammengeſchloſ=
ſenen Holzhändler verpflichteten ſich, bis 1. Februar 1925 folgende
Men=
gen zu liefern: 65 000 Schwellen, 20000 Stangen, 75 500 Kubikmeter
Schnittholz, 14 000 Kubikmeter Grubenholz, 400 Kubikmeter berindetes
Holz. Als Gegenleiſtung für die Bewilligung von weiteren Holzſchlägen
im beſetzten Gebiet, durch die das Programm der Sachlieferungen
ver=
vollſtändigt werden ſoll, haben ſich gewiſſe Holzhändler ferner
verpflich=
tet, nachſtehende Mengen zu liefer
14 280 Kubikmeter Fichtenſtangen. Der Anteil Belgiens an dieſen
Lie=
ferungen belaufe ſich wahrſcheinlich auf 320 000 Schwellen, 3200 Stangen,
1670 Kubikmeter Schnittholz und 32 530 Kubikmeter Grubenholz.
Die Wiriſchaft des Auslandes.
* Spaniſche Bank=Dividenden. Die Bank von Spanien
hat für 1823 eine Schluß=Dividende von 65 Peſeten vergütet, die mit der
Abſchlags=Dividende von 55 Peſeten im Juli v. Js. einen Geſamtbetrag
von 120 Peſeten pro Aktie ergibt, d. h. 24 Prozent gegen 28 Proz. i. V.
Die Banca=Central verteilte für 1923 eine Geſamt=Dividende von 8
Prozent.
Erwerbsgeſellſchaften.
* Glasfabrik A.=G., Brockwitz. 20 Mill. neue
Stamm=
aktien wurden zum Handel und zur Notiz an der Berliner Börſe neu
zugelaſſen. Laut Mitteilung der Verwaltung iſt der Geſchäftsgang als
zufriedenſtellend zu bezeichnen; zurzeit liegen noch für mehrere
Mo=
nate Aufträge vor. Ueber das Ergebnis des abgelaufenen
Geſchäfts=
jahres laſſen ſich, mit Rückſicht auf die gegenwärtigen wirtſchaftlichen
Verhältniſſe, beſtimmte Angaben noch nicht machen.
* Tüllfabrik Flöha A.=G. Die im September beſchloſſene
Kapitalserhöhung und Schaffung von Genußſcheinen wird infolge der
gänzlich veränderten Verhältniſſe nicht zur Ausführung gelangen. Die
nächſte G.=V. ſoll Aufhebung der Beſchlüſſe genehmigen. Die von der
Oppoſitionsgruppe Laband, Stiehl u. Co. angeſtrebte Anfechtungsklage
iſt darauf zurückgenommen worden. Die Einigungsverhandlungen
ſol=
len bis zu einem gewiſſen Grade erfolgreich verlaufen ſein.
* Köln=Lindenthaler Metall=Werke A.=G., Köln.
Am 25. ds. Mts. wurde der Vollbetrieb auf den Werken wieder
aufge=
nommen, da die Nachfrage nach den Fabrikanten bedeutend iſt. Die Groß=
Motorrad=Fabrikation Suhl (4 PS.=Maſchinen) iſt ausverkauft, ſodaß
eine erhebliche Vergrößerung der Anlagen erwogen wird. Das Werl
Gerresheim iſt ebenfalls ſeit einiger Zeit vollbeſchäftigt. Die Kölner
Werke „Allreight” und „Cito” arbeiten ab 25. Februar wieder mit voller
Belegſchaft und vollem Betrieb. Das Siegburger=Werk, das 1½ P8,
kleine Motorräder herſtellt, ſoll mit herangezogen werden, um die
an=
deren Werke zu entlaſten. Um der großen Nachfrage nach Motorrädern
Herr zu werden, hat die Verwaltung ſich gezwungen geſehen, von einer
bekannten engliſchen Fabrik rund 5000 Motore verſchiedener Typen zu
kaufen, um mit ihren 2½ bis 4 PS.=Modellen in genügender Anzah
lieferungsfähig zu bleiben. Die Geſellſchaft hat die Abſicht, entweder mit
deutſchen Groß=Konzernen in Zukunft dieſe Lieferungen abzuſchließen,
oder durch Fuſion oder dergl. ſich eine Quelle zu verſchaffen, um die
gro=
ßen Poſten Motore, die benötigt werden, in Deutſchland herzuſtellen.
Die Geſellſchaft beſchäftigt ab 25. Februar rund 2000 Arbeiter. Das
Geſchäft für die kommende Saiſon läßt ſich gut an bei erheblichem
Export.
* Iller=Werke A.=G., München. Das Unternehmen, das
die Ausbeutung der Iller=Waſſerkräfte von Kempten inne hat, hat in der
Elektro=Stahl=Werke A.=G. Nichard. Lindenberg, Baden=Baden, eine
Stromabnehmerin gefunden. Die Stahl=Werk Lindenberg A.=G. will bei
Memmingen ein Elektro=Stahlwerk erſtehen laſſen. Die Koſten für das
Werk werden ſich auf etwa 50 Mill. Goldmark belaufen. Die Fabrik
wird jährlich etwa 120 000 Tonnen Elektro=Stahl produzieren. Die
Bau=
zeit iſt auf 2½ bis 3 Jahre berechnet bei einer ſpäteren
Beſchäftigungs=
möglichkeit von 1000 Arbeitern.
— Bergbau=A.=G. „Fichtelgold” Brandholz. Der
Aufſichtsrat beſchloß, der auf 22. März nach München einzuberufenden
Generalverſammlung, anläßlich der Umſtellung auf Goldmark, die
Her=
abſetzung des gegenwärtigen Aktienkapitals von 100 Millionen
Papier=
mark auf 5 Millionen Goldmark vorzuſchlagen. Das Geſchäftsjahr ſoll
auf das Kalenderjahr verlegt werden.
* Metallwarenfabrik A.=G., Bär u. Stein,
Ber=
lin. In der ao. G.=V. wurden verſchiedene Satzungsänderungen
ge=
nehmigt. U. a. wurde, in anbetracht der weſent ichen Erweiterung des
Unternehmens durch die Uebernahme der Nickel= und Tafelwarenfabrik
von den Bingwerken A.=G., ſowie durch den Erwerb der
Aktienmajo=
rität der Max Dannhorn A.=G., der Name der Geſellſchaft in „
Metal=
lon”. Vereinigte Nickelwaren=Fgbriken, Bär u. Stein-Bing—Dannhorn
A.=G., mit dem Sitz in Berlin und Nürnberg umgewandelt. Die Zahl
der Aufſichtsratsmitglieder wurde von 7 auf 17 erhöht und
General=
direktor Stephan Bing, Direktor „Juſtus Schwarz=Nürnberg und
Direkter Stephan Müllen=Berlin, ſämtlich Direktoren der Bing=Werke,
neu in den Aufſichtsrat gewählt.
Siemens Elektriſche Betriebe. Von dem Vorſitzenden
des Aufſichtsrates der Siemens Elektr. Betriebe Herrn C. F. v.
Sie=
mens wird folgende Erklärung gemacht: Die von der Direktion der
Siemens Elektr. Betriebe A.=G. gegebene Auskunft, daß die
Reorgani=
ſations=Verhandlungen noch nicht zu irgend einem Ergebnis geführt
haben und auch heute in keiner Weiſe zu überſehen iſt, wie ſich der
Aus=
gang geſtalten wird, entſpricht in jeder Weiſe den Tatſachen. Es iſt
un=
möglich, auf den augenblicklich beſtehenden Währungszuſtand feſte
Vor=
ſchläge aufzubauen. Verhandlungen mit den Franken=Obligationären
haben bisher überhaupt noch nicht ſtattgefunden. Erſt nach Eintritt einer
dauernden Stabilität kann überſehen werden, ob eine Umgeſtaltung der
Reorganiſationspläne vorgenommen werden kann und muß. Dabei iſt zu
berückſichtigen der bedeutende Subſtanzverluſt der Geſellſchaft im
Aus=
land während der Kriegs= und Nachkriegszeit, der einen weſentlichen
Einfluß auf die Rente ausüben muß. Der deutſche Elektro=Konzern hat
ſeinen Beſitz an Aktien während der ganzen Zeit weder vermehrt noch
vermindert.
* Kattowitzer A.=G. für Bergbau und
Eiſenhüt=
tenbetrieb. Die verſchiedenen Betriebe der Geſellſchaft werden im
laufenden Jahre auf den höchſten Grad der Leiſtungsfähigkeit gebracht
werden. Wie der deutſche Handelsdienſ; erführt, wird dem Ausbau der
Hruben beſonder= Aufüerkſackeir zugewandt werden. Der
Geſchäfts=
gang ließ bis in die letzte Zeit hinein in verſchiedenen Zweigen viel
zu wünſchen übrig.
w. Apollo=Werke A.=G. in Apolda i. Thür. Wie wir
von zuverläſſiger Seite hören, werden die Bilanzziffern der Apollo=
Werke A.=G. in Apolda i. Thür, für das am 31. Oktober 1923
been=
dete Geſchäftsjahr einer demnächſt ſtattfindenden G.=V. vorgelegt werden.
Die gut geleiteten Werke, die gut beſchäftigt ſind, follen auch
befriedi=
gende Reſultate erzielt haben. Ueber die verſchiedenen Anfragen
be=
züglich der Konvertierung der Aktien läßt ſich zurzeit noch nichts
Be=
ſtimmtes ſagen, da die Goldmarkbilanz erſt nach Veröffentlichung der
geſetzlichen Vorſchriften aufgemacht werden kann. Jedenfalls iſt die Lage
beider Werke (in Apolda und Markranſtädt) als durchaus
zufrieden=
ſtellend zu bezeichnen.
* Dürkoppwerke A.=C Bielefeld. Die Geſellſchaft
wird von der Verteilung einer Dividende für das abgelaufene
Geſchäfts=
jahr Abſtand nehmen und den Gewinn auf neue Rechnung vortragen.
Die G.=V. findet am 31. 3. ſtatt.
* Steigende Konjunktur in der
Automobil=
induſtrie. Der Beſchäftigungsgrad der deutſchen
Automobilindu=
ſtrie hat ſich nach D.H.D. in den letzten Wochen ſtark gehoben. Die
meiſten Großbetriebe konnten von der Kurzarbeit wieder zur vollen
Beſchäftigung übergehen. Einzelne Werke arbeit en bereits mit
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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 1. März 1924.
Seite 23.
Hans Peter Kromm der Lebendige.
61)
Eine Geſchichte von Ufer zu Ufer
von Johanna Wolff.
(Nachdruck verboten).
Titje ſchob ſeinen Arm unter den des andern: „Du kommſt
mit zu mir”, ſagte er, „kannſt mit Lydia und mir Salz und
Brot teilen. Lydia iſt nämlich meine Schweſter, mein guter
Hausgeiſt.”
Sie gingen durch die ſtillen Straßen, gingen in gleichem
Schritt und Tritt, als wären ſie aufeinander eingeſtellt. Hans
Peter war unendlich wohl zumute. Welch unvergebene Fülle
von Empfindungen, fühlte er in ſich aufgeſpart! Eine
über=
quellende Wärme und Freude erfüllte ihn. Er ſuchte nach einem
Ausdruck für ſein Empfinden und fand keinen.
Im Schatten der kleinen Kirche blieb Titje ſtehn: „Freund!”
ſagte er mit ſeiner Stimme voll Wohllaut. Und: Freund!”
tönt es mit verhaltenem Jubel zurück. Das war’s! Das hatte
Hans Peter geſucht.
War’s denn möglich? Durfte er dieſen herrlichen, dieſen
wunderbaren Menſchen ſo nennen?
„Ich habe auf dich gewartet”, ſprach Titje, nund nun du
gelommen biſt, bin ich dir gut.”
„Und ich ſuchte nach dir!”, gab der andre zurück, „aber es
geſchah unbewußt, und unbewußt bin ich hierher gelangt —
ver=
irrt — zufällig.”
Titje lächelte fein. „Der Zufall iſt des lieben Gottes
Lieb=
lingsbote”, ſagte er, „und Verirrungen können unſere beſten
Richtwege ſein. Gut, daß wir uns gefunden, wie?”
„Haſt du bewerkt, daß ich Ein=Auge bin? Du ſahſt mich
an —
„Ja, Lieber — und es ſchnitt mir ins Herz. Nun will ich dir
ſchaun helfen ...
Noch in den Grenzen der Vorſtadt liegend, beſaß der Doktor
ein Haus, und Lydia, die ältere Schweſter, wirtete ihm. Daß
er einen Gaſt mitbrachte, mochte ſie wohl gewohnt ſein, daß er
ihn ſo beglückt mit ſich führte, ließ ſie wieder und wieder auf=
ſchaunz verwundert ging ihr Blick den Worten und Bewegungen
des Bruders nach — ihre Seele hing an ihm, das ſpürte man.
Nachdem das Mahl vorüber, zog Lydia ſich zurück. Die
Freunde blieben miteinander und ſprachen von ihrem Leben,
und ob ſie ſprachen oder ſchwiegen, es war gleich ſchön und ging
zwiſchen beiden ein Ueberſchtbang um, wie ihn nur ſehr reiche
oder noch unverbrauchte Gemütskräfte aufbringen können.
„Sag mir nur, Titje”, äußerte ſich Hans Peter, den lieben
Gefundenen um die Schulter faſſend, „wie kommen dir ſolche
Worte? Weißt du auch, daß du mir das Große, Neue nahgebracht
haſt, das ich längſt erfühlte, aber in keines Menſchen Bruſt Odem
heben ſah? Wie biſt du reich, du Geſegneter Gottes!”
„Das macht: ich bin Armenarzt, Freund. Wo die
Kümmer=
nis zu Hauſe iſt, da blüht mein Reich, da dichtet die
Wirklich=
keit Hungerlieder und Elends=Pſalmen — — Aber ſchau mich
nicht ſo voll Erbarmen an, mein Junge, dies Amt nährt mich
zwar recht mangelhaft, doch ich hatte die Vorſicht, mir einen
wohlhabenden Vater auszuſuchen. Not leiden wir nicht. Titie
ging im Zimmer auf und ab. „Im Gegenteil, neulich fiel mir
das Glück zu, einen reichen Paten zu beerben. Jetzt leihe ich
Mittel aus an unbemittelte Begabungen.” Er klappte in die
Hände. „Eine danbare Aufgabe, was? Ueberhaupt — ſo ein
bißchen Menſch=Sein! Vielleicht es bis zum Mit=Menſch=Sein
bringen — — Sieh, ich war Schiffsarzt auf einem Dampfer für
Auswanderer, und drei Jahre hatte ich ein Amt im Zuchthaus
bei Schwerverbrechern. Und du?‟
Da erzählte Hans Peter von der Mutter, von der
Sonnen=
mühle und wie er das Malen aufgegeben. „Wenn ich mit dem
Polytechnikum fertig bin, gehe ich fort”, ſagte er. „Ich will die
großen Oelbohrwerke in Rumänien und auf Java
kennen=
lernen.”
Titje fann in ſich hinein. So ſuchen wir irrend unſern
Weg, einer wie der andre. Mich pflegte mein Vater,
Armen=
narr” zu nennen! Und Armennarr heißen, mich auch etliche
meines Standes. Mein alter Herr ſtarb, er hätte mich gern in
einer politiſchen Laufbahn geſehn, ſtatt deſſen ſaß ich im
Zucht=
haus und gab ein Buch für Gefängnisweſen heraus: „Ueber die
Nutzbarmachung anormaler Menſchenkräſte.‟ Dafür wurde ich
von der guten Geſellſchaft unter die Streber geſetzt. Jetzt
ver=
ſuche ich, meinen inneren Menſchen an dieſem Jungvolk wieder
aufzufriſchen. Und es tut mir gut, ſag ich dir. Ich möchte ihn
nicht miſſen, dieſen Abendumgang! Und von meinen
Jung=
mannen nehme ich das gleiche an. Ich hoffe, ihnen geiſtig noch
mehr als körperlich voranhelfen zu können.
„Das kannſt du!” ſagte Hans Peter überzeugt, „dir möchte
ich Gehilfe werden.”
„Topp, das gilt! Hab mir ſchon lange einen gewünſcht.”
Titje hielt ihm die Hand hin, und der andre ſchlug ein: „
Irgend=
wie wirſt du Pfadfinder werden, das künd ich dir. Vielleicht
ſchaffſt du uns einmal ein Muſter für Kleine=Leut=
Behauſun=
gen”, ſagte Titje beim Abſchied, „die aut uns not”. Und dann
war er gegangen, denn er hatte den Freund Gewordenen nach
Hauſe begleitet.
Hans Peter ſprang die Stufen zu ſeiner Bude hinauf. Er
war wie berauſcht. Aber von einem hatten ſie nicht miteinander
geſprochen: Vom Weibe! Und er hatte Litje kein Wort über
Hilde geſagt.
Von ſeinem Lager noch reckte der Glückvolle die Arme nach
einem kleinen hellen Stern, der zu ihm niederblinkte: „
Armen=
narr! Armennarr!‟ Da ſchlief er ſchon.
Wie Hans Peter und Hilde miteinander weiterkamen.
„Ach Gott, das iſt ein ſchlimmes Ding dem Einen wie dem Andern,
— wenn Zweie, die ſich lieb gehabt, getrennte Wege wandern.”
Von da ab ſchritt Hans Peter öfter den Richtweg, den er
in der Nacht mit Titje Bernd gegangen war. Die Schwere
war aus ſeinen Gliedern entwichen, in ſeinem Kopf war eine
ſchöne Helle eingekehrt. Titie war ein Menſch, von dem
be=
ſtändig Anregungen ausgingen. Man konnte nicht mit ihm
zuſammenſein, ohne ein Zuſtrömen höherer Kräfte zu
empfin=
den. Wie Hans Peters Blick von klein auf auf
Wahrnehmun=
gen der äußeren Umwelt eingeſtellt geweſen, ſo ſchauten Tities
Augen nach innen; er ſchien auf Ebenen des Daſeins heimiſch,
die höher geſtuft als die Erde, die er trat, und doch war er kein
Welt=Fremder, ſondern in allen Dingen des Lebens zu Hauſe,
mit denen Beruf oder ſein Wollen ihn zuſammenführte. (F. f.)
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99
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Rothenburger Seifen- und Oelfabrik Schmieg & Scheib, Nürnberg
Herstellerin der bekannten „Aula‟-Seifen.
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beſitzen Landwirtſchaft mit Weinbau bei Oppenheim.
Ich bin 1,70 m groß, ſchlank, ev. geſund und von gut.
Ruf. — Meine zuk. Frau ſoll in ähnlichen ſozialen
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hältniſſen ſtehen, aus gutem Hauſe ſtammen, unbedingt
moraliſch einwandfrei und ihrer Erſcheinung nach
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mindeſt Durchſchnittsdame ſein. — Zuſchrift, deren mir
wenige geeignete genügen, erbitte ich unter P 55 a. d.
Geſchäftsſt Unbedingte Verſchwiegenheit ſichere ich u.
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(e5861
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Baumwollmärkten die Preise des Rohmaterials
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sowie Anzug-, Mantel- und Hosenstoffe
Um den Einkauf zu erleichtern lege gegen
eine kleine Anzahlung Ware zurüek
Wilhelm Beuster
Kleiderfabrik am Markt
(2495
rihaus dſeser Pranche.
nerkannt
Darmſtädter Dagblatt, Samstag, den 1. März 1924.
Nummer 61.
Jeder Deutsche, gleich welcher politischen Richtung, muß diesen kulturhlstorischen
Film sehen!
Rahrschande
„Die Greuel der französischen Soldateska im Ruhrgebiet‟
Einzig existierende Original-Aufnahmen der
Erschießung Schlageter 8
von den Franzosen selbst hergestellt und jetzt in deutschen Händen!
Herr v. Bastineller hat monatelang im Brennpunkt des Ruhrkampfes gestanden und
war Augenzeuge der
Erschießung der Krupp’schen Arbeiter
Herr von Bastineller wird dlesen Film persönlich erläutern!
S6 Ein Kammerspiel
D m6 Mig m
„Mora
Der zweite Film, ebenfalls mit Vortrag des Herrn Dr. Töpfer
„Der Freiheitskämpfer von 1813" Theodor Körner
Aufgen. von der
s Einlage nach
Der Meisterspringer von Kürnberg Kutur-4bt. d-Ifa
Bedark!
Frits Kortner
„Pat und Patachon‟
Die beiden nord. Komiker in dem
5aktigen Lustspiel
Die Braut aus
Australien
Es werden 10 Pfennig für jede Eintrittskarte mehr erhoben, welche dem Gedenk- u. Opfertag der Rhein-
(*588
Ruhr-, Hessen- und Pfalzgebiete überwiesen werden.
Kath. Geſellen=Verein
Friedrichſtr. 30
Sonntag, den 2. März
Ball
nebſt allerlei Ueberraſchungen.
Beginn 411 Uhr.
Alle Mitglieder, Ehrenmitglieder u. Freunde
ſeien auf dieſem Wege herzlichſt eingeladen.
Der Vorſtand.
*5864)
Parterre: Café „Junggeſell”.
Reſtauration
„Zur guten Quelle‟
Ecke Lichtenberg= und Kaupſtraße.
Heute Samstag
(5801 Adolf Conrath.
Heute Samstag
Von 10 Uhr ab Wellfleiſch mit Kraut.
Es ladet ein
(*5812
Peter Steiger, Erbacherſtraße.
Samstag und Sonntag
mit Konzert.
Es ladet freundlichſt ein
Fant
Ludw. Debus,
Ludwigshöhſtra ße Nr. 35.
Residenz-Theater
Ein Raubtiergroßfilm in 6 Akten
„Wildnis”
nach einer Anregung von
John Hagenbeck
In der Hauptrolle:
Ernst Hoffmann, Niveau
Glbson, Dornneau Shirley,
Heinrich Peer.
Ferner das nord. Drama in 5 Akten
16
„Zigeuner‟
mit Hugo Swoboda
Olga Augustowa.
Morgen Sonntag, den 2. März, ab 4 Uhr
bei jeder Witterung
in den großen, Sälen
bei feenhafterIllumination
Ein Frühling an
der Bergſtraße!
Großes Orcheſter=Konzert
Humor in allen Ecken. Alles iſt fidel.
Leitung: F. Mickley
Zentral-Theater Anicht vergeſſen. Narrhalleſen!
Lucie Höflich, Olga
Tschechowa, Carl Ebert und
Kestaurent Bender
Telephon 2505
Elisabethenstr. Nr. 23
Telephon 2505
Große Bockbler-Woche
bis einschl. Dienstag, den 4. März
Aubiläums-Doppelbock
ein Bier, welches in seiner Qualltät noch niemals in
den Mauern Darmstadts zum Ausschank gekommen Ist
Bockwürste und Champagnerkraut
Großes Orchester-Konzert
Sehenswerte Dekorationen / ausgeführt von der Möbelfabrik Ludwig Alter
Beleuchtung und Illumination / installiert von der Firma K. Hartmann
Punkt 4 Uhr: Einzugsmarſch
der Narhalleſen mit den geladenen
Gäſten: Graf Rodenſteiner, Graf
von Auerbach und Melibokus.
Eintrittspreiſe wie bisher
Nach der Vorſtellung TANZ
Masken haben keinen Zutritt!
Sportplatz=Reſtaurant
am Böllenfalltor
Morgen Sonntag.
Konzert
Anfang 4 Uhr /75890 Anfang 4 Uhr
Reſtaurant zur goldnen Kette
Obergaſſe 44.
Heute Samstag —
Metzelſuppe
mit Konzert
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Martin Jäckle.
Heute Samstag
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Robert Kümmerlein,
Erbacherſtraße.
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Heute
Ka
Näharbeit
aller Art wird
ange=
nommen (Heimarb.).
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Frankfurter Hof
Frankfurterſtraße
Eche Landwehrſtraße
5811
Eamstag
Großes Schlachtfeſt
mit Stimmungsmuſik
Im Ausſchank: ff. Kronen-Pilsener und
Märzen-Doppel-Bock.
ismarck
OM
Hotel Traube
Rosenmontag
den 3. März 1924-
Tosset Ban
in sämtlichen unteren Räumen
Karten und Tischbestellung
rechtzeitig erbeten
KRf
Ab heute Samstag, 1. März
bis einſchließlich 8. März 1924
mit verſtärkter Hauskapelle
unter Mitwirkung unſeres
kleinen Xhlophonkünſtlers
Anfang punkt 8½ Uhr
Ohne Preisaufſchlag
Aefftte
mit Konzert.
Ab 10 Uhr warmes Frühſtück. (5765
Fritz Rummel,
Ecke Grafen= und Waldſtraße.
Samstag und Sonntag
wozu frdl, einladet
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Aug. Englert,
Ballonplatz 4.
Heute Samstag
wozu freundlchſt einladet
Heinrich Speier, Frankfurterſtr. 57.
Heute
Hierzu ladet ein
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D Ahaſtraße 24.
Heute Eamstag, den 1. März 1924
wozu freundlichſt einladet (5762
Joſef Stocker,
Reſtauration „Zur Sonne‟,
Luiſenſtraße 6.
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