Darmstädter Tagblatt

14. September 1923


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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
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Nummer 254
Freitag, den 14. September 1923
186. Jahrgang

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Militär=Revolte in Spanien.
Paris, 13. Sept. (Wolff.) Aus Barcelona wird gemeldet:
Die Militärpartei hat eine Proklamation erlaſ=
ſen
, in der ſie die Regierung beſchuldigt, Spanien
dem Untergang zuzuführen und mitteilt, daß die
Militärpartei beſchloſſen habe, die Regierung
zu übernehmen, den Belagerungszuſtand zu ver=
hängen
und alle Verdächtigen, uamentlich die
kommuniſtiſchen Führer zuverhaften. Um 4 Uhr
morgens iſt die Telephonzentrale beſetzt worden. In Barcelona
läuft das Gerücht um, daß eine ähnliche Bewegung in mehreren
anderen Städten ausbrechen würde, und daß die Regierung in
der vergangenen Nacht in Madrid ſchleunigſt zuſammen=
getreten
ſei.
Paris 13. Sept. (Wolff.) Aus Barcelona meldet
Havas: Um 7 Uhr vormittags war das Leben in Barcelona voll=
kommen
normal. Mehrere Garniſonen, namentlich die
von Madrid (2 D. Red.) und Saragoſſa, haben ſich der
Bewegung angeſchloſſen. Es wird behauptet, daß be=
reits
ein Prozeß gegen den Außenminiſter und den Miniſterpräſi=
denten
eingeleitet ſei, und daß eine Regierungunterdem
Schutz der Militärbehörde gebildet werde. Dieſe
habe die telephoniſchen Verbindungen unterbrochen und übe die
Zenſur aus. Aus den Dokumenten, die ſie veröffentlicht haben,
gehe hervor, daß die Bewegung nicht gegen den König gerichtet
iſt, ſondern lediglich gegen die Regierung allein. Es läuft das
Gerücht um, daß der Miniſter für auswärtige Ange=
legenheiten
bereits in San Sebaſtian in Haft
genommen ſein ſoll.

Vom Tage.
Im Ruhrrevier ſind jetzt ſämtliche kommuniſtiſchen
Zeitungen auf längere oder kürzere Zeit von den Beſatzungs=
behörden
verboten.
Die niederüſterreichiſche Kammer für Handel,
Gewerbe und Induſtrie veranſtaltet, anſchließend an den bevor=
ſtehenden
Beſuch des Bundeskanzlers Seipel in Warſchau, eine Stu=
dienfahrt
nach Polen, an der ſich auch der Bundesminiſter für
Handel und Verkehr, Dr. Schuerff, beteiligen dürfte.
Wie ſeir hören, haben die Chriſtlich=Sozialen in Oeſter=
reich
die Aufſtellung einer Einheitsliſte mit den
Großdeutſchen für die Wiener Gemeindewahlen abgelehnt.
Wie die Journée Induſtrielle mitteilt, hat der franzöſiſche Mini=
ſterrat
in ſeiner letzten Sitzung die derzeitige Lage der franzöſi=
ſchen
Metallinduſtrie beſprochen.
Am 13. September trat in Genf die Internationale Hygie=
niſche
Kommiſion zuſammen, die auf Grund eines Beſchluſſes
der Dritten Arbeitskonferenz geſchaffen wurde. Auf der Tagesordnung
ſteht u. a. der Milzbrand in Frankreich, ferner die Unterſuchungen des
Internationalen Arbeitsamts über geſundheitsſchädigende Arbeiten.
Die Botſchafterkonferenz iſt geſtern nachmittag wiederum zu einer
Sitzung zuſammengetreten, um eine Löſung in der Frage der Beſetzung
von Korfu zu finden.
Wie aus Rom gemeldet wird, verſichert man in römiſchen unterrich=
teten
Kreiſen, daß der italieniſche Botſchafter in Berlin in den nächſten
Tagen in Rom erwpartet wird, um Muſſolini Bericht zu erſtatten.
Nach einer Havasmeldung aus San Pedro iſt der amerika=
niſche
Kreuzer Texas geſtern vormittag im dichten Nebel
mit einem Handelsdampfer zuſammengeſtoßen. Der
Handelsdampfer iſt ſtart beſchädigt.
Frankfurter Dollarkurs 93265000

* Die neue Währung.
Die Mark bleibt Zahlungsmittel.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der Reichskanzler hat in ſeiner Rede am Mittwoch auch
nähere Mitteilungen über die Errichtung der
Goldnotenbank gemacht und dabei in Ausſicht geſtellt, daß
in ſpäteſtens 14 Tagen, die Frage des wertbe=
ſtändigen
Geldes gelöſt ſein würde. Er hat hinzuge=
fügt
, daß die Mark Zahlungsmittel bleiben ſoll und
die neuen Möglichkeiten einer Stabiliſierung der Mark
angedeutet. Wir glauben, daraus entnehmen zu dürfen, daß der
Gedanke, an eine ganz neue Währung, der noch
bis zum Schluß der vorigen Woche im Vordergrund ſtand, fal=
len
gelaſſen worden iſt. Das Kabinett hat ſich davon
überzeugt, daß der Durchführung dieſes Planes unüberwindliche
Schwierigketen entgegenſtehen. Denn dieſer Plan hat zur Vor=
ausſetzung
, daß der Staat ſeinen Haushalt in Ordnung bringen
und die Notenpreſſe ſtillegen kann. Daran aber iſt, wenn auch
die Ruhrkredite im raſcheſten Tempo abgebaut werden, nicht zu
denken. Das Reich iſt bis auf weiteres nicht im Stande,
das Gleichgewicht zwiſchen den Einnahmen und
Ausgaben herzuſtellen. Der Erfolg einer neuen Wäh=
rung
wäre alſo lediglich, daß ſie ſich ſehr raſch abnützt und hinter
die Papiermark hergleiten würde. Deshalb wird das wert=
beſtändige
Geld, wie es bis jetzt in Ausſicht genommen iſt,
lediglich eine Rechnungswährung darſtellen, wäh=
rend
die Mark das alleinige Zahlungsmittel
bleibt. Daraus aber iſt zu ſchließen, daß die Reichsregie=
rung
dem Sturz der Mark ins Bodenloſe nicht tatenlos zu=
ſehen
wird, ſondern ſehr bald Schritte ergreifen wird, um dem
Währungsverfall Einhalt zu gebieten.
Hilferding über die Währungsreform.
TU. Berlin, 13. Sept. In der geſtrigen gemeinſamen
Sitzung des wirtſchaftspolitiſchen und finanzpolitiſchen Aus=k.
ſchuſſes des Reichswirtſchaftsrates gab der Reichsfinanzminiſter4D
Erklärungen ab über die beabſichtigte Währungsreform und die
Deviſenbewirtſchaftung. Dr. Hilferding verbreitete, ſich
ausführlich über die Finanzlage des Reichs und die
Möglichkeiten einer Hebung deer Valuta. Der Mi=
niſter
ging weiter auf die durch den rechtswidrigen Einbruch der
Franzoſen ins Ruhrgebiet geſchaffene Lage ein und gab einen
Ueberblick über die von der Reichsregierung ins Auge gefaßten
Vorſchläge zur Löſung des Konfliktes. Wie verſichert wird,
waren die Ausführungen des Miniſters ſehr wirkungsvoll.
Die ſachlichen Darlegungen des nach Hilferding
ſprechenden Reichswirtſchaftsminiſters von Raumer, waren
gewiſſermaßen nur Ergänzungen der Hilferdingſchen Rede.
Einſtweilen iſt nur feſtzuſtellen, daß das Reichskabinett ſich
an keines der Währungsprojekte, die in der letzten Zeit in den
Vordergrund getreten ſind, angeſchloſſen hat, vielmehr einen
eigenen Plan verfolgt, der allerdings weſentliche
Punkte der markanteſten Projekte übernommen hat. Bei dieſen
Plänen dürften ſich beſonders Schwierigkeiten hinſichtlich der der
Reichsbank zugedachten Stellung ergeben. Auch dürfte die Ver=
wirklichung
längere Zeit in Anſpruch nehmen. Der Plan Dr.
Helfferichs konnte, wie ſich jetzt zeigt, ſchon deshalb nicht ver=
wirklicht
werden, weil, wie aus den geſtrigen Ausführungen des
Reichskanzlers hervorgeht, der Entente eine Generalhypo=
thek
auf dendeutſchen Grundbeſitz angeboten wird.

Oppoſition gegen Poincaré.
Proteſt gegen den franzöſiſchen Nationalismus.
Paris, 13.Sept. (Wolff.) Die ſozialiſtiſche Partei hatte
für geſtern abend eine Proteſtverſammlung gegen den
franzöſiſchen Nationalismus und die faſziſtiſche
Politik Italiens einberufen. Es ſprachen eine Reihe ſozialiſtiſcher
Redner, unter ihnen Jean Longuet, der in ſeiner Rede unter ſtar=
kem
Beifall unter anderem die Leiden der deutſchen Arbeiterſchaft mit
denjenigen der nordfranzöſiſchen Bevölkerung während des Krieges ver=
glich
.
Die Verſammlung nahm eine Reſolution an, in der ſie die
franzöſiſche Regierung auffordert, binnen kürzeſter
Friſt eine Verſtändigung mit Deutſchland in der Re=
Farationsfrage auf anderem Wege als durch die Ruhrbeſetzung
anzuſtreben. Falls das Ruhrabenteuer noch weitergetrieben werde,
ſei es imſtande, eine Aera des Elends, der Gewalt und der Anarchie für
Deutſchland und für das geſamte ziviliſierte Europa heraufzuführen.
Der italieniſche Faſzismus drohe einen neuen Kieg
herbeizuführen. Schließlich ſpricht die Reſolution das Bedauern
der Verſammelten über das Vorgehen Frankreichs gegen den Völkerbund
aus.
Frankreich und Rußland.
Paris, 13. Sept. (Wolff.) Wie der Petit Pariſien mit=
teilt
, begibt ſich der Leiter der Ruſſiſchen Staatsbank, Schein=
mann
, mit Ermächtigung der franzöſiſchen Regierung nach Frank=
reich
. Er wird vielleicht ſchon heute in Paris ankommen. Zweck
der Reiſe iſt eine perſönliche Fühlungnahme mit den Leitern
eines franzöſiſchen Finanzinſtituts, mit denen Scheinmann be=
reits
ſeit einiger Zeit verhandelt. Die Beſprechungen werden
dem Blatte zufolge höchſtwahrſcheinlich die Einrichtung einer
Korreſpondenzſtelle der Ruſſiſchen Staatsbank in Frankreich zur
Folge haben. Eine leitende Perſönlichkeit des betr. Pariſer In=
ſtituts
hat dem Blatte erklärt, man bemühe ſich, eine durchführ=
bare
Formel zu finden, die es ermögliche, mit der Wahrnehmung
der franzöſiſchen und belgiſchen Intereſſen in Rußland einen An=
fang
zu machen. Alles was geſchehen ſei, ſei dem Miniſterpräſi=
denten
bekannt und habe ſeine Zuſtimmung,

Die Aufnahme der Kanzlerrede im Ausland.

Optimiſtiſche Stimmung in Berlin.
m. Berlin, 13. Sept. Ueber die Stimmung in Berliner
diplomatiſchen Kreiſen will ein Berliner Blatt erfahren haben,
die optimiſtiſche Auffaſſung der Lage dauere an. Es werde dar=
auf
hingewieſen, daß Dr. Streſemann mit großem Geſchick ver=
mieden
habe, ſich auf ein konkretes Angebot mit konkreten Gegen=
forderungen
feſtzulegen. Er habe es verſtanden, eine Atmoſphäre
zu ſchaffen, in der unmittelbare Verhandlungen möglich ſeien,
bei deren Abgrenzung und ziffernmäßige Ausfüllung des Rah=
menangebots
von Dr. Streſemann vereinbart werden könnten.
Den Gang der weiteren Verhandlungen ſtelle man ſich ſo vor:
Poincaré werde noch einmal, wahrſcheinlich ſchon am Sonntag,
auf die Rede Dr. Streſemanns antworten. Werde er feſtſtellen,
daß der Fortſchritt gewachſen ſei, ſo würden ſich die inzwiſchen
weiter laufenden Unterhaltungen zu einer offiziellen. Note
Deutſchlands verdichten. Alles komme jetzt darauf an, die vier=
zehn
kritiſchen Tage zu überſtehen, die nach den Aeußerungen
des Kanzlers zur Vorbereitung der neuen Währung nötig ſind.
Pariſer Preſſeſtimmen.
Paris, 13. Sept. (Wolff.) Die geſtrige Rede des Reichs=
kanzlers
wird in den großen Nachrichtenblättern entweder gar=
nicht
oder nur ſehr knapp beſprochen.
Der Matin ſchreibt: Soweit man nach den vorliegenden Mel=
dungen
urteilen kann, tut Streſemann einen Schritt vorwärts,
bietet reale Garantien. Die franzöſiſche Regierung beharrt feſt
in ihrer unanfechtbaren Stellung. Räumen wird ſie das Gebiet
nur nach Maßgabe der Zahlungen.
Das Oeuvre ſchreibt: Deutſchland macht beſtimmte Vor=
ſchläge
und es hat ſchon auf den paſſiven Widerſtand verzichtet
zum mindeſten in der Form, daß es darüber ſchweigt.
Der Gaulois ſchreibt: Wir müſſen zunächſt wiſſen, mit wel=
chen
Mitteln der Staat in der Lage iſt, ſich für die Mitwirkung
des Privatbeſitzes zu verbürgen. Schließlich mußten wir Auf=
klärung
erhalten über die Zuſammenſetzung jenes fideikommiſ=
ſariſchen
Ausſchuſſes, denn er iſt für uns nur inſoweit von In=
tereſſe
, als er uns die unbedingte Kontrolle der Erhebung der
Hypotheken und der Zahlung der Zinſen gewährleiſtet. Was
verſteht ſchließlich Streſemann unter der Zuſicherung, das Ruhr=
gebiet
zu räumen, die er von uns verlangt? Wenn es ſich darum
handelt, unſere Truppen aus dem beſetzten Gebiet nach Maßgabe
der Zahlungen zurückzuziehen, ſo iſt alles in Ordnung.
Der Figaro ſchreibt: Das Pfand iſt gut; mit ihm iſt es
möglich, Beträge zu erlangen, die es geſtatten, Frankreich ſofort
zu befriedigen. Gewiß, der Vorſchlag iſt verlockend. Aber
Streſemann fügt hinzu: das iſt nur möglich unter der Beding=
ung
, daß man uns zunächſt das Ruhrgebiet und das Rheinland
wiedergibt! Das iſt der ewige Kehrreim des deutſchen Kanz=
lers
. Für jedes Zugeſtändnis, das Deutſchland macht, ſucht es
eine entſprechende Konzeſſion abzupreſſen. Poinaré ſagt: Be=
zahlt
und wir räumen das Ruhrgebiet! Streſemann erklärt:
Räumt das Ruhrgebiet, damit wir bezahlen können!
Der Temps über die Kanzlerrede.
* Paris, 13. Sept. (Priv.=Tel.) Die halbamtlichen Kreiſe
halten ſich im Urteil über die Streſemann=Rede ſtark zurück.
Dieſe Zurückhaltung wird dadurch begründet, daß Poincaré, der
nach Boulogne abgereiſt iſt, von der Rede noch keine Kenntnis
genommen hat, und deshalb auch noch kein Urteil der Regie=
rungskreiſe
vorliegt. Der Temps ſchreibt, die Rede bringe eine
Enttäuſchung, da der deutſche Reichskanzler nicht die Einſtellung
des paſſiven Widerſtandes verſprochen habe und direkte Ver=
handlungen
aus dieſem Grunde zurzeit noch nicht möglich ſeien.
Immerhin brächte er in ſeinen Ausführungen intereſſante Feſt=
ſtellungen
: Streſemann verſichere, daß Deutſchland ſeine Wäh=
rung
und ſeine Volkswirtſchaft erſt nach Beendigung des Ruhr=
konfliktes
wiederherſtellen könne. Logiſcherweiſe hätte er daraus
folgern müſſen, daß die Einſtellung des paſſiven Widerſtandes
im Intereſſe Deutſchlands ſelbſt liege. Der deutſche Reichskanzler

habe ferner eingeſtanden, daß Deutſchland die Einſtellung des
Kampfes not tue. Wenn Streſemann zugebe, daß die Räumung
des Ruhrgebietes nur im Austauſch von Zahlungen möglich
ſei, ſo müſſe er auch die Konſequenzen heraus ziehen. Er gebe
den Verbündeten die Beteiligung an einer Aktiengeſellſchaft an,
deren Guthaben und Einkünfte zu minimal ſeien. Streſemann
behauptet zu Unrecht, daß Deutſchland über den Vertrag von
Verſailles hinausgehe, wenn es den Privatbeſitz für die Zah=
lungen
beſchlagnahme. Der Temps lädt den Kanzler ein, den
Anhang 2 des Teiles 8 des Vertrages und den 8 12e nachzuſehen.
Er werde ſeinen Irrtum ſofort einſehen.
Keine Verſtändigungsbereitſchaft.
* Paris, 13. Sept. (Priv.=Tek.) In Vertretung des heute
zur Eröffnung der Fiſchereiausſtellung in Boulogne=ſur=Mer
weilenden Miniſterpräſidenten Poincaré erklärte heute nachmit=
tag
eine hohe Perſönlichkeit im Quai d’Orſay auf Anfrage über
die hieſige Aufnahme der Kanzlerrede unter anderem ungefähr
folgendes: Es wird feſtgeſtellt, daß der Kanzler ehrlich beſtrebt
ſei, den Ton zur gemeinſamen Verſtändigung zu finden. Es ſei
jedoch unrichtig, das Gegenteil von der franzöſiſchen Regierung
behaupten zu wollen. Bevor Verhandlungen in Gang kommen
könnten, ſei die Aufgabe des paſſiven Widerſtandes unerläßlich.
Die franzöſiſche Regierung könne ſich niemals damit einverſtan=
den
erklären, daß der paſſive Widerſtand als Waffe für alle Fälle
in der Hand des Kanzlers bleibe, um dieſen bei den Verhand=
lungen
ausſpielen zu können. Der Standpunkt Frankreichs bleibe
unverändert.
Engliſche Stimmen.
London, 13. Sept. (Wolff.) Der diplomatiſche Bericht=
erſtatter
des Daily Telegraph ſchreibt: Nicht zu verſtehen ſei die
Pariſer Meldung, wonach die britiſche Regierung Deutſchland
angeraten habe, ſeparate Verhandlungen mit Frankreich anzu=
knüpfen
. Baldwin und Curzon hätten immer betont, daß die
britiſche Regierung die Reparationsfrage als eine Frage anſehe,
die von allen Alliierten mit Deutſchland gelöſt werden müſſe,
und nicht nur von einem oder zweien von ihnen. Der Korre=
ſpondent
hebt hervor, daß Poincaré auf der Aufhebung des paſ=
ſiven
Widerſtandes und auf der Aufrechterhaltung einer direkten
militäriſchen und wirtſchaftlichen Kontrolle über die Rhein= und
Ruhrpfänder beſtehe, während Streſemann kaum weniger hart=
näckig
ſei in ſeiner Weigerung, den paſſiven Widerſtand einzu=
ſtellen
. Es könne ſein, daß die franzöſiſchen Induſtriellen ver=
ſuchen
würden, einen Druck auf Poincaré auszuüben, ſeine An=
ſicht
zu ihren Gunſten zu ändern.
Der diplomatiſche Berichterſtatter der Weſtminſter Gazette
ſchreibt: In London ſei man geſtern keineswegs überraſcht ge=
weſen
, als eine Stockung im Zuſammenhang mit den angeblichen
deutſch=franzöſiſchen Verhandlungen gemeldet worden ſei. Es ſei
klar, daß Poincaré zu allererſt die Aufhebung des paſſiven
Widerſtandes fordern werde, Deutſchland ſtrecke jedoch nicht die
Hände hoch.
Der diplomatiſche Berichterſtatter des Daily Chronicle
ſchreibt: Wenn Deutſchland bedingungslos ſich ergeben würde,
würde die Regierung Streſemann innerhalb weniger Tage ge=
ſtürzt
werden. Es ſei zweifelhaft, ob irgendein anderer als
Streſemanns Nachfolger unter dieſen Umſtänden länger als
eine Woche im Dienſt bleiben könnte.
Das belgiſche Graubuch.
* Paris, 13. Sept. (Priv.=Tel.) Nach hieſigen Blätter=
meldungen
iſt das lang erwartete belgiſche Graubuch ſoeben
erſchienen. Sein Umfang iſt 88 Seiten ſtark und es enthält 54
Dokumente aus der Zeit vom 22. Dezember 1922 bis zur Ant=
wort
auf die engliſche Note am 24. Auguſt dieſes Jahres. Das
Graubuch iſt von höchſtem politiſchen Intereſſe, weil es nicht
nur die Haltung der belgiſchen Regierung in der ganzen Repa=
rationsfrage
darſtellt, ſondern auch die wiederholt von Belgien
gemachten Vorſchläge und die techniſchen Gutachten ſeiner Sach=
verſtändigen
enthält.

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Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 14. September 1923.
Die Beſetzung von Korfu.
Die Räumungsfrage.

Nummer 254.

Paris 13. Sept. (Wolff.) Nach dem Londoner Korreſpondenten
des Newyork Herald wird in London in beſtunterrichteten Kreiſen an=
geblich
angenommen, daß die engliſche Regierung die Frage der Be=
ſetzung
von Korfu erneut zur Sprache bringen werde, falls es der Bot=
ſchafterkonferenz
nicht gelinge, von Muſſolini endgültige Zuſicherungen
im Sinne einer ſchleunigen Räumung zu erzielen.
Der Völkerbund unzufrieden.
* Paris 13. Sept. (Priv.=Tel.) Aus Genf wird gemel=
det
, daß der Völkerbundsrat mit der Haltung Italiens in
der Frage der Räumung Korfus nicht zufrieden iſt.
Er hat in dieſem Sinne der Botſchafterkonferenz Mitteilung
gemacht. Eine Debatte in dieſer Angelegenheit wird jedoch vor=
läufig
nicht ſtattfinden, da ſie den Austritt Italiens aus dem
Völkerbunde zur Folge haben würde.
Albaniſche Banden.
Paris, 13. Sept. (Wolff.) Nach einer Havasmeldung aus
Athen erfahren die Blätter aus Janina, daß in der Nähe der
Grenze albaniſche Banden aufgetreten ſind, die die
Bevölkerung terroriſieren, um zu erzwingen, daß
ſie die Mörder nicht verraten.
Paris, 13. Sept. (Wolff.) Nach einer Havasmeldung aus
Athen dementiert das halbamtliche Nachrichtenbüro die Meldung,
daß der Mord an den beiden Schäfern nach dem Verbrechen
von Kakavaria begangen worden ſei, um die Folgen des Mordes an
der italieniſchen Miſſion zu beſeitigen. Nach den Agentur handelt es
ſich um eine gewöhnliche Schlägerei, die am 29. Auguſt unter Ver=
wandten
entſtanden iſt.
Paris, 13. Sept. (Wolff.) Nach einer Havasmeldung aus
Athen iſt die Nachricht, Oberſt Botzaris, der Leiter der
griechiſchen Delegation in der albaniſchen Grenzkommiſſion, ſei ver=
haftet
worden, völlig unbegründet, desgleichen die weitere
Nachricht, derzufolge Oberſt Botzaris in Korfu als Kaufmann ver=
kleidet
beobachtet worden ſei. Oberſt Botzaris befinde ſich in Athen,
wohin ihn die Regierung zur Berichterſtattung berufen habe.
Erklärungen Muſſolinis im Miniſterrat.
Rom, 13. Sept. (Wolff.) Stefani meldet: Im Miniſter=
rate
führte Muſſolini aus:
Die auswärtige Lage ſtellt ſich von folgenden Seiten dar, die
eine aufmerkſame Würdigung erheiſchen.
Der italieniſch=griechiſche Konflikt
nähert ſich einer Phaſe der Ausführung der Sank=
tionen
. Die Botſchafterkonferenz hat in der Hauptſache die
im erſten italieniſchen Ultimatum enthaltenen Forderungen an=
genommen
. Korfu wird, wie wiederholt erklärt wurde,
geräumt, ſobald die Forderungen der Botſchafterkonferenz
ausgeführt ſind. Das iſt vollkommen korrekt. Niemand kann in
irgendeiner Weiſe an der italieniſchen Loyalität zwifeln. So=
bald
die Reparationen ausgeführt ſein werden, wird Italien
die Inſeln räumen, die einfach als Pfand beſetzt
wurden. Ein gewiſſes Drängen von manchen Seiten im Aus=
lande
iſt inopportun, tendenziös und ſelbſt kränkend. Die öffent=
liche
Meinung einiger Länder nahm im erſten Augenblick eine
feindſelige Haltung gegenüber der notwendigen und berechtigten
Aktion der italieniſchen Regierung ein, aber gegenwärtig iſt ſie
im Begriff, ihr Urteil und ihre Sprache zu ändern. Außerdem
hat man angeſichts des herrlichen Anblicks der moraliſchen Ein=
mütigkeit
, die unſer Volk bot, allgemein anerkannt, daß unſere
auswärtige Politik glücklich die Kriſe überwunden hat, die eine
ſehr ernſte Entwicklung hätte nehmen können. Jetzt braucht man
in Italien und in Korfu nur abzuwarten, daß Griechen=
land
reſtlos ſeine Pflicht erfüllt.
Hinſichtlich der
Frage von Fiume
erinnere ich an die letzten Vorfälle. Am 31. Auguſt beendete die
paritätiſche Kommiſſion ihre Arbeiten und unterbreitete das Er=
gebnis
den beiden Regierungen. Die italieniſche Regierung teilte
der ſüdſlawiſchen mit, daß man bis zum 15. September ange=
ſichts
des ungeheuren materiellen und morali=
ſchen
Unbehagens in Fiume zu einer Regelung gelan=
gen
müſſe. Trotzdem die italieniſche Regierung ſchon ein Ent=
gegenkommen
zeigte, machte ſie dieſen letzten durchaus billigen
und verſöhnlichen Vorſchlag an die Belgrader Regierung, die der
ſüdſlawiſche Geſandte in Rom, Antoniewitſch, übermittelte. Bis
heute iſt keine Antwort eingetroffen. Jedes Urteil iſt daher bis
jetzt verfrüht. Es beſteht immer noch die Möglich=
keit
einer unmittelbaren Verſtändigung ohne
Schiedsſpruch, vor allem dann, wenn die Belgrader Regie=
rung
die Beziehungen zwiſchen den beiden Ländern von einem

weniger engen und weniger örtlich begrenzten Geſichtspunkt aus
zu würdigen verſteht. Immerhin wird in dem gegebenen Augen=
blick
an Hand der Dokumente nachgewieſen werden, wie die ita=
lieniſche
Regierung in gutem Glauben mit Langmut handelte,
Hinſichtlich der
Reparations= und Ruhrfrage
erklärte Muſſolini: In meinen vorhergehenden Aeußerungen
ſpielte ich auf die Möglichkeit einer Entſpannung an,
die ſich beſonders nach der Rede Streſemanns in Stuttgart ver=
ſtärkte
. Ich glaube vorausſehen zu können, daß der bevorſtehende
Beginn der Löſung nicht leicht ſein wird, angeſichts der Ver=
wickeltheit
der Fragen, der Hinderniſſe und der Intereſſen, die
auf dem Spiele ſtehen, aber der Horizont wird ſich aufklären,
Der paſſive Widerſtand hat weder Sinn noch
bringt er Nutzen. Ihn fortzuſetzen würde be=
deuſten
, daß man ſich abſichtlich in eine Kataſtrophe
ſtürzen will. In dieſem Sinne iſt die italie
niſche Regierung vorſtellig geworden, um Ber=
lin
zu überzeugen. Ich brauche nicht hinzuzufügen, daß
Italien auch an dieſer Phaſe unmittelbar intereſſiert iſt, die man
als eine Phaſe der Entſpannung bezeichnen könnte, und daß
die Intereſſen Italiens bei der Regelungſorg=
fältig
gewahrt werden.
Nach zweiſtündiger Beratung, woran faſt alle Miniſter teil=
nahmen
, billigte der Miniſterrat einmütig Muſſolinis Ent=
ſcheidungen
und ſeine Haltung.
Die Lage Japans.
Ein kaiſerliches Oekret.
Paris 13. Sept. (Wolff.) Nach einer Havasmeldung aus
Oſaka iſt geſtern in einem kaiſerlichen Dekret die Lage Japans
nach dem Erdbeben auseinandergeſetzt worden. Die Regierung
appelliert an die Nation, fordert ſie zu äußerſter Anſpannung
ihrer Kräfte auf und kündigt Maßnahmen zur Wieder=
herſtellung
der Wohlfahrt des Landes an. Das
Dekret betont die Notwendigkeit, nicht allein Tokio wieder=
herzuſtellen
, ſondern zu entwickeln. Tokio ſei nicht allein
ein wirtſchaftliches, ſondern im beſonderen ein landwirtſchaft=
liches
Zentrum und die Quelle der nationalen Ziviliſation.
Tokio würde die Hauptſtadt bleiben. Das Dekret erwähnt, daß
zur Wiederherſtellung des japaniſchen Finanzweſens eine Son=
derorganiſation
geſchaffen worden iſt, und appelliert an alle, die
Lage der Opfer zu erleichtern und die alarmierenden Gerüchte
zu underdrücken, um zu einer Erneuerung der nationalen Macht
zu gelangen.
Die fremden Opfer.
m. Paris, 13. Sept. Die japaniſche Botſchaft in Paris ver=
öffentlicht
folgendes Telegramm aus Tokio: Von den 3000 Europäern.
und Amerikanern, die in Yokohama lebten, ſind nach einer Aufſtellung
des Miniſteriums des Aeußern 100 Perſonen dem Erdbeben zum Opfer
gefallen, darunter 50 Engländer und 20 Amerikaner. Mit Ausnahme
von 9 Perſonen, die ſich noch in Yokohama aufhalten, wurden alle
anderen Ausländer auf verſchiedene Schiffe gebracht.
300000 Perſonen in Fürſorge.
Paris 13. Sept. (Wolff.) Telegrammen zufolge, die
beim japaniſchen Konſulat in Marſaille eingegangen ſind, ſoll
ſich die Zahl der bei dem Erdbeben verletzten Perſonen, die bei
den öffentlichen Fürſorgeeinrichtungen in Behandlung ſind, auf
500 000 belaufen.
Franzöſiſch=bolſchewiſtiſche Verhandlungen.
Aus Helſingfors wird uns geſchrieben: Die Zahl der fran=
zöſiſchen
Induſtriellen und Handelsvertreter, die nach Moskau
reiſen, um dort Konzeſſionen von der Sowjetregierung zu erhal=
ten
oder andere Wirtſchaftsabkommen zu treffen, nimmt ſtändig
zu. Nach dem Beſuch des franzöſiſchen Senators de Monzie in
Moskau, nach den Verhandlungen, die Herr Martin mit den
Bolſchewiſten geführt hat, iſt jetzt ein Herr mit dem echt franzöſi=
ſchen
Namen Müller in Moskau eingetroffen. Herr Müller iſt
Vertreter der franzöſiſch=ruſſiſchen Zentralvereinigung und be=
müht
ſich, die Zuſtimmng der Sowjetregierung für die Grün=
dung
einer gemiſchten franzöſiſch=ruſſiſchen Aktiengeſellſchaft zu
erhalten. Dieſe Aktiengeſellſchaft will unter anderem Dampfer=
linien
im Schwarzen Meer und in der Oſtſee einrichten.
Der Sowjet der Volkskommiſſare hat den Vertrag zwiſchen
dem ruſſiſchen elektrotechniſchen Truſt der Schwachſtromwerke
und der franzöſiſchen Generalgeſellſchaft für drahtloſe Telegra=
phie
beſtätigt. Der Vertrag läuft fünf Jahre. Streitfragen wer=
den
durch ein Schiedsgericht entſchieden. Während der Dauer
des Vertrages hat der ruſſiſche Truſt das ausſchließliche Recht
der Nutznießung der Patente der franzöſiſchen Geſellſchaft. Dieſe
muß auch dem ruſſiſchen Truſt jedwede techniſche Unterſtützung
bei der Errichtung von Stationen für drahtloſe Telegraphie zu=
teil
werden laſſen. Der Truſt wiederum muß einen gewiſſen
Prozentſatz ſeiner Gewinne an die franzöſiſche Geſellſchaft ab=
führen
.

Seite 2.

.
Riegsbefurchtungenin London.
Italieniſche Geheimverträge mit Bulgarien und Angarn.
* London, 13. Sept. (Priv.=Tel.) Die nächſten 48 Stun=
den
müſſen darüber entſcheiden, ob Europa ſeinen Frieden er=
hält
oder in die Wirren eines neuen Krieges geſtoßen wird,
deſſen Ende heute noch niewand abſehen könnte. Alles hängt
davon ab, ob ſich die Botſchafterkonferenz mit Muſſolini über
die baldige Räumung Korfus und mit ihm und Serbien über
eine vernünftige Löſung der Fiuwe=Frage wird einigen können.
In der Tat iſt die Korfu=Angelegenheit augenblichlich an zweite
Stelle gerückt, oder vielmehr: man betrachtet die Beſetzung Kor=
fus
als eine einleitende Aktion des italieniſchen Soaates, ſich
Fiumes zu verſichern und ſich zum Diktator des Balkans aufzu=
werfen
.
Man befürchtet in London, daß Muſſolini zu einem neuen
Kriege mit Serbien entſchloſſen ſei und ſich durch unbekannte
Geheimverträge die Unterſtützung Bulgariens und Ungarns ge=
ſichert
habe, denen er als Endgelt die Wiedergabe einiger nach
dem großen Weltkrieg verlorenener Gebietsteile verſprochen habe.
Man glaubt hier weiter zu wiſſen, daß Italien die Revolu=
tion
in Bulgarien finanziert habe, der Stambulinski zum Opfer
gefallen iſt, und daß es dafür die Hilfe Bulgariens im Falle
eines Krieges mit Serbien beanſprucht. Wie hier heute gerücht=
weiſe
verlautet, mobiliſiert Bulgarien, um bereits auf den erſten
Wink Italiens über Serbien herzufallen. Die engliſche Regie=
rung
empfindet es mit Genugtuung, daß ſie gerade in dieſer
Frage Hand in Hand mit der franzöſiſchen Regierung auf die
Erhaltung des Friedens hinarbeitet. Frankreich iſt durch ſeine
Verträge ſeines ausreichenden Einfluſſes auf Rumänien, die
Tſchechoſlowakei und Polen ſicher, die einem Angriff Italiens
auf Serbien zweifellos nicht untätig zuſchauen würden.
Italiens Expanſionsabſichten.
m. Rom, 13. Sept. Die Preſſe beſchäftigt ſich mit dem
griechiſch=italieniſchen Konfbikt dahin, daß Italien nunmehr in
der Adria und im Mittelmeer eine eigene Politik habe, die ſich
dahin zuſammenfaſſen laſſe: Uebergewicht in der Adria für eine
weitere Ausdehnung im Mittelmeer. Italien ohne den Beſitz
von Korfu und ohne Stützpunkt in der Adria binde mehr eng=
liſche
Kräfte, als ein Italien, das in der Adria und im Mittel=
meer
an England durch ein Mittelmeerabkommen geknüpft
wäre. Aus dieſem Grunde würde ſich das Programm Italiens
durchaus mit den engliſchen Zielen vereinbaren laſſen.
Serbiens Mißtrauen.
* Belgrad, 13. Sept. (Priv.=Tel.) In Belgrader poli=
tiſchen
Kreiſen iſt wan vom Ergebnis der Pariſer Reiſe des
Präſidenten Paſitſch nicht zufrieden, da man darin nur eine Ver=
ſchleppungstaktik
Jtaliens zu erblicken glaubt. Frankreich habe
in Rom weit mehr Intereſſe als bei der Entente. Es müſſe ver=
ſuchen
, ſich für die Ruhraktion ſtarke Verbündete zu ſchaffen,
ohne aber ſelbſt größere Zugeſtändniſſe zu machen. Man hält
es immerhin für möglich, daß Italien eine Dauerbeſetzung
Korfus beabſichtige. Es würde die Italiener unbedingt zu Her=
ren
der Adria wachen, und Jugoſlawien käme um die Früchte
ſeiner zehnjährigen Kriegsführung, da auch bei einer Beſitzergrei=
fung
von Fiume der freie Ausgang zum Meere in Frage ge=
ſtellt
werde. Auf dem Balkan iſt die neue Monroedoktrin au
dem Wege, immer größere Bedeutung zu erlangen. Wenn Ita=
lien
wirkſam das Intereſſe der Balkanvölker bedrohen ſollte, ſo
kann es leicht nicht nur zu einer Reviſion des Vertrages von
Lauſanne kommen, ſondern auch zu einer Reviſion der Völker=
bundsverträge
.
Die Haltung Jugoſlawiens.
* Paris 13. Sept. (Priv.=Tel.) Aus Genf kommen Mel=
dungen
, wonach die jugoſlawiſche Regierung die Abſicht hat, die
letzten italieniſchen Forderungen als Ultimatum zu behandeln,
das heißt, die auf den 15. September angeſetzte Friſt einzuhalten.
Man macht von berufener Seite darauf aufmerkſam, daß ein
derartiges Verlangen den internationalen Gebräuchen wider=
ſprechen
würde. Der jugoſlawiſche Vertreter in Genf erklärte,
daß man auf Fiume unter keinen Umſtänden verzichten könnte.
Man hofft, daß Italien die Verträge von Rapallo und San
Marguerite anerkennen werde, oder, wenn es ſich dazu nicht ent=
ſchließen
wollte, ſich mit einem Schiedsſpruch von neutraler Seite
einverſtanden erkläre. Wenn Italien den Weg der Gewalt wolle,
ſo werde Jugoſlawien denſelben Weg beſchreiten müſſen. Die
Belgrader Regierung erklärt jedoch, daß ſie den Weg des
Schiedsgerichts vorſchlüge. Die Schriftſtücke, die ſich auf die
ſchwebenden Verhandlungen beziehen, ſollen veröffentlicht wer=
den
. Die italieniſche Preſſe beurteilt die Lage günſtig und weiſt
darauf hin, daß Muſſolini zu formalen Zugeſtändniſſen be=
reit
ſei.

Wanderungen durch beſſiſche Städte.
I.
Alt=Darmſtadt (Erſter Teil.)
Die alten Straßen und die alten Gaſſen haben für den ſtillen Beob=
achter
immer etwas ganz eigenes, und ſo mancher Ausſchnitt in unſerem
Darmſtädter Stadtbild, der Vergangenheit und Gegenwart in ſich ver=
einigt
, zwingt den Heimatfreund zum Fragen und Stillſtehen.
Immer wieder finden ſich kleine Kreiſe zuſammen, die ein lebhaftes
Intereſſe daran haben, Vergangenes feſtzuhalten und das, was einſt war,
dem Geſchlecht unſerer Tage zu überliefern. Wie vieles wird dabei dem
Beſchauer lebendig und vor allem lieb. Oftmals ſchon hat der Schreiber
im Freundeskreis ſeine kleineren und größeren Wanderungen durch unſer
Alt=Darmſtadt gemacht und in dem Bilderbuch der Vergangenheit
geblättert. Schicken wir uns an zu einem kleinen Spaziergang und ver=
ſammeln
uns auf dem Kapellplatz. Hier betreten wir alten Grund und
Boden. Urſprünglich ein Gottesacker, auf dem unſere Altvorderen in
der Zeit des 17., 18. und noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts ihre
letzte Ruheſtätte fanden. Er ſoll etwa um 1624 angelegt ſein und wurde
in den Peſtjahren 1635 und im Jahre 1728 erweitert. Der alte
Kirchhof, wie der Kapellplatz noch lange im Volksmund hieß, zer=
fiel
in drei Teile: 1. den gewöhnlichen Friedhof zwiſchen Kapelle und
Soderſtraße, 2. den Militärfriedhof, heutige Kapellſtraße und ſtädtiſche
Turnhalle; 3. den ſogen. Peſtfriedhof, den heute mit Linden bepflanzten
Kapellplatz vor der Kapelle bis zur Soderſtraße.
Die Stadtkapelle, urſprünglich Totenkapelle, ſoll ungefähr um
1601 entſtanden ſein. Sie wurde zum Teil auf Koſten des Leib= und
Zeltſchneiders Hermann Bierlein, der ſich gegen das ſechſte Ge=
bot
verſündigt hatte, erbaut. Bierlein ſtellte die Kapelle im Rohbau
her, ſie verfiel aber ſpäter und war bereits 1650 eine Ruine. 1657 nahm
ſich die Stadt des verfallenen Baues an, die alte Totenkapelle wurde auf=
gebaut
und ſtand bis zu ihrem Abbruch im Jahre 1818. Am zweiten
Oſtertag des genannten Jahres wurde in der alten Kapelle die letzte
Predigt gehalten, und am 21. Juli wurde der Grundſtein zur neuen
Kapelle gelegt. Im Jahre 1820 war der Neubau fertig und wurde am
22. Mai eingeweiht. Die Einweihungspredigt hielt Stadtpfarrer Peter
Ewald über 1. Moſe 28, 17, und die daran anſchließende erſte Taufe
vollzog Stadtpfarrer Ritſert.
Wir wandern von hier aus zum Woogsplatz, wo ein altes
Wahrzeichen von Alt=Darmſtadt lag, der kleine Woog, der vom
Darmbach durchfloßen wurde; an der angrenzenden Mühl= und Soder=
ſtraße
lagen die großen Bleichgärten, und an dem Platze, wo heute die
neue Turnhalle der Turngemeinde ſteht, lag das Anweſen des Färber=
meiſters
Flöring, (in den Jahren 1850 Hoffärber Bloch). Der kleine
Woog diente als Auswäſche. Unſer Weg führt uns durch die Woog=
ſtraße
zum Eichamt (Woogſtraße Nr. 4), früher das Stadtbau=
amt
und wohl auch das erſte Darmſtädter Spritzenhaus.
Hier im Hofe des Eichamtes ſehen wir heute noch ein ſehr gut erhaltenes
Stück der etwa um 1330 erbauten, älteſten Stadtmauer mit überdachtem
hrgang. Von hier aus gelangen wir zur Döngesborngaſſe,

ein ehemaliger Durchgang zur Teichmeiſterei. Wo heute das
Haus Döngesborngaſſe Nr. 2 liegt, war das ſogen. Pagenbad, ein Haus,
das früher ſeinen eigenen laufenden Brunnen, den Döngesborn, hatte.
Daneben ſetzt ſich die Große Bachgaſſe fort. Die enge Seite der
heutigen Großen Bachgaſſe, wo die Häuſer Nr. 11, 13, 17 liegen, wird
auf einem alten Stadtplan als die die neue Gaſſe bezeichnet. Der
dazwiſchen liegende Häuſerblock, ein Komplex von 6 Häuſern, hieß die
Inſel. Dieſe wurde 1885 abgebrochen.
Wir biegen nun ein in die Hinkelsgaſſe. Haus Nr. 3 gleich
am Anfang der Gaſſe rechts (Jakobiſches Haus) iſt ein Ueberreſt der
Winterreſidenz der Ritter von Frankenſtein. Am Hauſe Nr. 15 grüßt
uns der gewaltige Hinkelſtein (Hünenſtein), der beinahe ebenſo
weit in die Wohnung hineinragt, wie er nach außen die Straße der=
ſperrt
. Auch dieſes Haus war Frankenſteiner Beſitz und ſoll als Burg=
mannenhaus
gedient haben. Beim Eintritt in den Hof grüßt uns der
alte, ehrwürdige Hinkelsturm, eines der beſterhaltenen Stücke un=
ſerer
ehemaligen Stadtbefeſtigung, ſicher ein ehemaliger Wachtturm, er=
baut
um 1331. Er wurde 1909 von der Stadt erworben und unter Denk=
malſchutz
geſtellt. Bis 1910 war er bewohnt. Wenn wir im Erdgeſchoß
durch die Mauerbreche gehen, gewahren wir noch Stücke von dem Zwin=
ger
oder Burggraben. Im erſten Stock betreten wir den noch gut er=
haltenen
Wehrgang auf der Stadtmauer. Vom oberen Turmſtock haben
wir einen ſchönen Ausblick auf unſere Stadt.
Auf unſeren weiteren Wanderungen durch die Hinkelsgaſſe fällt uns
an dem Hauſe Nr. 17 eine noch gut erhaltene, ſchön gearbeitete Dach=
traufe
auf und eine Wetterfahne, die mit einem Kaminfeger geziert iſt.
Das Haus iſt ein Ueberreſt aus der alten Zunftzeit, das Zunfthaus
der Schornſteinfeger‟. Das Eckhaus, Ecke Lindenhofſtraße und
Hinkelsgaſſe iſt ebenfalls ein hiſtoriſcher Punkt. Es iſt mit der einen
Seite auf die alte Stadtmauer aufgebaut; ſein Hof iſt der aufgefüllte
Zwinger und im Hofe links ſehen wir ein Stück der alten Zwingmauer
und einen gut erhaltenen Halbturm mit noch vorhandenen Schieß=
ſcharten
. Hier war früher noch ein breiter Waſſeraraben, der Well=
graben
und vor dieſem der mit Palliſaden verſehene Wall, ein Stück der
alten Stadtbefeſtigung.
Wir biegen von hier aus in die Große Kaplaneigaſſe
ein. Dieſe einheitliche Bezeichnung iſt noch ncht ſo alt. Der obere Teil
der Großen Kaplaneigaſſe von der Rundeturmſtraße bis zur Schulzen=
gaſſe
hieß im Volksmund Hinter der Katzenmauer der mitt=
lere
Teil bis zur kleinen Kaplaneigaſſe Hundſtällergaſſe (ſo
genannt nach dem Hundsſtall, einem alten Stadtturm.) Der untere
Teil von der Großen Bachgaſſe bis zur kleinen Kaplaneigaſſe wurde als
Viehhofgaſſe nach dem dort gelegenen (heute Große Kaplaneigaſſe
Nr. 12) Viehhof bezeichnet. Gleich beim Eingang in die Große Kap=
laneigaſſe
von der Großen Bachgaſſe aus grüßt uns wieder ein ehemali=
ges
Zunfthaus (Nr. 4) das der Dachdecker. Die Vorderſeite des
Hauſes iſt mit handgearbeiteten Schindeln gedeckt; über der Haustüre
ſehen wir noch das Zunftwahpen mit der Jahreszahl 1757. Das Nach=
harhaus
Nr. 5 (Eigentümer A. Wenzel), war auch ehedem Frankenſteiner
Beſitz, ſpäter Gaſthaus zur Stadt Linz. Hier finden wir ein
beſonders ſehenswertes Treppenhaus und in den Innenräumen gut er=

haltene, kunſtvoll gearbeitete Stuckdecken. Am Hauſe Nr. 7 iſt eine be=
achtenswerte
geſchnitzte Tür, an der uns beſonders zwei gut erhaltene,
kunſtvoll gearbeitete Köpfe auffallen (anſcheinend, früher ein Patrizier=
haus
). Gehen wir noch ein Stückchen weiter, ſo gelangen wir an ein
hiſtoriſches Eck; es iſt dies der Verbindungszug zwiſchen der Langgaſſe
und der Großen Kaplaneigaſſe. Es zählt halb zur Lang= und halb zur
Großen Kaplaneigaſſe, trägt keine amtliche Bezeichnung, hat aber im
Volksmund den Namen Löwengrund, benannt nach einem
Maurer Fuchs, der hier ein Anweſen beſaß und im Volksmund der
Staalöb hieß. Hier im Eckhaus Nr. 12 und 14, früher dem Schreiner=
meiſter
Schäfer gehörig, hatte der als Darmſtädter Original bekannte
und von Profeſſor Hermann Müller in der Skizze feſtgehaltene Maler
Barth in einem Hintergebäude eine Zeit lang ſein Atelier. Im
Hauſe Große Kaplaneigaſſe Nr. 23 befindet ſich noch ein 40 Meter tiefer
Ziehbrunnen, der heute noch einige anliegende Häuſer mit Waſſer ver=
ſorgt
. Gegenüber grüßt uns ein baufälliges Haus, Große Kaplaneigaſſe
Nr. 30, das Geburtshaus Juſtus von Liebig. Dort biegt ein
ſchmales Gäßchen zur Langgaſſe ab, es iſt die Kleine Kaplaneigaſſe,
früher im Volksmund Pfarrer Braunegäßchen genannt. Die
Herleitung dieſer Bezeichnung ſtammt daher, weil in dieſem Gäßchen
ein Stadtpfarrer Wolfgang Jakob Braun wohnte. Das Pfarrhaus war
das heutige Haus Nr. 4, früher dem Bürgermeiſter Bücking gehörig.
Die nächſte, nach der Langgaſſe abziehende Seitengaſſe, (heute iſt
hier alles frei gelegt) iſt die Schulzengaſſe eine Abkürzung für
Schultheißenbaugaſſe. Früher trug dieſer Straßenzug im
Volksmund auch die Bezeichnung An der Waiſenpump‟. Die
Bezeichnung Schultheißenbaugaſſe kommt im 17. Jahrhundert vor. Der
Schultheißenbau war das Eckhaus der Lange= und Schulzengaſſe; im
17. Jahrhundert diente es als Schulhaus für die teutſchen
Schüler und 1698 bis 1750 als Waiſenhaus. In nächſter Nähe ſtand
eine Pumpe, die nach dem Waiſenhaus die Waiſenpumpe genannt
wurde. Hier wollen wir unſere erſte Wanderung beſchließen und ſagen
auf Wiederſehen!

Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Graf Dohna=Schlodien nach Frankfurt be=
rufen
. Zur Wiederbeſetzung des durch das Ableben von Prof.
Max Ernſt Mayer erledigten Lehrſtuhls für Strafrecht, Straf=
prozeßrecht
und allgemeine Rechte und Staatsrechtslehre iſt an
den ordentlichen Profeſſor Graf Dohna=Schlodien,
ein Ruf ergangen. Der Gelehrte gehörte ſeinerzeit der verfaſ=
ſunggebenden
Nationalverſammlung als Abgeordneter an.
Der neue Opernleiter des Mannheimer
Nationaltheaters. Als Nachfolger des als Generalmuſik=
direktor
nach Berlin berufenen erſten Kapellmeiſters, Erich Klei=
ber
, wurde von der Theaterkommiſſion Kapellmeiſter Richard
Lert vom Städtiſchen Opern= und Schauſpielhaus Hannover
gewählt.

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tayblatt, Freitag, den 14. September 1923.

Seite 3.

Das Kabinett Dr. Streſemann.
Vortrag des Abg. Dr. Dingelden.

Die Deuſche Volkspartei hatte für geſtern abend zu einer öffent=
lichen
Verſammlung in den Saalbau geladen. Der Saal war ſo über=
füllt
, daß Hunderte wieder umkehren mußten.
Abg. Dr. Oſann begrüßte die Erſchienenen herzlichſt, mit dem Hin=
weis
auf den Ernſt der Stunde, in der die Verſammlung ſtattfindet. Nie=
mand
kann wviſſen, was zurzeit in Berlin verhandelt wird, aber die Deut=
ſche
Volkspartei hat die Pflicht und das Recht zu erfahren, wie ſie zu dem
Kabinett Streſemann ſteht und was ſie von dieſem erwartet.
Lebhafte: Beifall begrüßte den Redner des Abends, Landtagsabge=
prdneten
Dingeldeh. Seine Ausführungen bewegten ſich in etwa
folgendem Gedankengange: Keine Betrachtung der Lage könne ausgehen
von der Gegenwart. Sie muß ausgehen von der Wurzel alles Uebels,
das iſt und bleibt das Verſailler Diktat. Dieſes Diktat von Verſailles
ſtellt einen Sieg Frankreichs über die angelſächſiſche Raſſe dar. Er legt
im Allgemeinen die politiſchen Ziele Frankreichs feſt. Wenn heute Lloyd
George ſeinen Einfluß einzubüßen beginnt in England, ſo liegt, das in der Hand der Regierung bleibt. Darum war Bedingung, daß der
daran, daß durch das Verſailler Diktat die Votherrſchaft Frankreichs
in Europx ſich auszuwirken beginnt. Das Ziel Frankreichs war ſeit
Jahrhunderten, die Reiche an ſeiner Oſtgrenze ſo klein zu halten, daß es allen Mitteln entgegengetreten werden. (Bravo!) Das iſt feſter Ent=
von
dieſen nichts zu fürchten hat. Dieſes Ziel war immer die Zerſtücke=
lung
der großen Oſtſtaaten in kleine ohnmächtige Staaten und die Rhein=
grenze
. Frankreich hat dieſe Ziele durch das Verſailler Diktat teilweiſe
erreicht, teilweiſe ihre Erreichung wirkſam vorbereitet. Deutſchlands Not
und Elend datiert von dem Tage an, an dem das Verſailler Diktat unter=
zeichnet
wurde. (Sehr richtig!) Die Erfüllungspolitik, gegen die die
Deutſche Volkspartei immer geweſen iſt, hat erwieſen, daß jede Unter=
ſchrift
, jedes Nachgeben Deutſchlands, jeder Verſuch, unmögliche Forde=
rungen
zu erfüllen, ergebnislos geblieben iſt, daß ſie nie erreicht hat, was
erreicht werden ſollte, eine lohalere Geſinnung Frankreichs gegenüber
Deutſchland, ſondern daß ſie immer wieder neue drückende und unerfüll= heit des Reiches mit allen Opfern zu erreichen. Es werden noch wei=
bare
Forderungen gezeitigt hat. Das Kabinett Wirth, das die Er=
eime
Schwenkung eingeleitet,aber es konnte dadurch das Vertrauen des
Volkes nicht mehr halten. Dr. Cunos Amtsantritt brachte dann eine
notwendige Aenderung dieſer Politik. Seine erſte Erklärung war die,
daß das deutſche Volk keine Verpflichtung mehr eingehen werde, die es
nicht halten kann. Poincaré hat aus dieſer Schwenkung ſofort die Folge= rechtigkeiten ſind zu beſeitigen. Das deutſche Wirtſchaftsleben hat in
rungen gezogen. Im Augenblick, da das Kabinett Cuno erklärte, ſich zu
Neparationslieferungen nur in dem Umfange verpflichten zu können, in
dem Deutſchland ſie leiſten könne, wenn auch bis zur äußerſten Grenze es langſam geſunden laſſen. Heute muß es wieder Opfer bringen. Das
ſeiner Leiſtungsfähigkeit, in dieſem Augenblick wurde das Marterinſtru=
ment
wieder eingeſetzt, Frankreich beſetzte das Ruhrgebiet. Mit der Be= für den Einzelbeſitz. Schwere Eingriffe müſſen noch kommen, und
ſetzung kam der Ruhrkrieg. Der paſſive Widerſtand wurde nicht befohlen, zwar bald kommen. Daneßen muß mit allen Mitteln die Produktion
er wurde geboren aus dem Volke heraus. Der Gedanke des paſſiben gehoben werden. Opfern müſſen jetzt alle. Bravol. Was in dieſer
Widerſtandes war von Anfang an nicht Selbſtzweck, er war einfach der,
die Welt von der Ungerechtigkeit dieſer Gewaltanwendung und von der war nicht etwa deſſen private Anſicht. Das war Beſchluß des
Gefihrlichkeit dieſer Gewaltpolitik zu überzeugen. Niemand konnte Gefamtkabinetts. (Bravo!)
vorausſagen, daß das deutſche Volk dieſen ſo ungleichen Rieſenkampf
durch acht Monate hindurch mit allen Opfern führen werde, ohne daß
auch nur eine Land in der Welt regen würde, dem deutſchen Volre ausſichten, ſondern es trit an die Löſung von Aufgaben heran, von
zu helfen. Niemand kann auch beſtreiten, daß die Politik des Kabinetts
Cuno zuuächſt einen ſtarken außenpolitiſchen Erfolg erzielt hat., unbe= iſt das deutſche Volk in einer Lage, in der es nicht allein Herr ſeiner
ſtreitbarer Erfolg war es doch, daß England durch ſeine Kronjuriſten Geſchicke iſt. Komme, was will, ich weiß es aus perſön=
der
Welt erklären ließ, daß die Ruhrbeſetzung ungerecht und der Wider= licher Ueberzeugung, daß der Name Dr. Streſemann
ſtand des deutſchen Volkes berechtigt ſei. Daß dieſer Feſtſtellung vor aller
niemand hiſſen, und die Erklärungen Englands haben allgemein über= Bravo und Händeklatſchen.)
raſcht. Die iuneren Schwierigkeiten in England ſind kein Grund dafür.
Es fehlen heute England die machtpolitiſchen Mittel und es fehlen ihm Verſammlung aus. In der
die machtpolitiſch ſtarken Bundesgenoſſen, um eine ſtarke Stellung gegen
Frankreich einzunehmen, das iſt der wahre Grund.
Wie war nun die innere Lage Deutſchlands?. Wir ſtanden vor der Willen des Redners und ſeiner Partei anerkenne, ſo ſehr bezweifle
Notwendigkeit, einmal nicht nur auf die Erträgniſſe des Nuhrgebiets zu er, daß der Weg, den das Kabinett Streſemann eingeſchlagen, der rich=
verzichten
, ſondern zum andern auch noch dieſes gewaltige, produktiv ſtill=
gelegte
Gebiet aus Reichsmitteln zu erhalten. Das hat ſich ausgewirkt in
Goldmark auf den Kopf der Bevölkerung hat der Ruhr= Amerika hat ſich auf die Seite Frankreichs geſtellt. Japan war der
kampf gekoſtet. Nachdem der ſächſiſche Miniſterpräſident, für den es Bundesgenoſſe Englands, und ſo wurde Frankreich der Amerikas. Das
vertrauliche Mitteilungen innerhalb der Regierung nicht zu geben ſcheint, Kabinett Cuno war auf Gedeih und Verderb auf England eingeſtellt,
das geſagt hat, kann es ja nicht mehr verſchwiegen werden.
Um den Kampf weiterzuführen, kamen die Steuervorlagen; auf unſere Seite zu bringen, iſt der Ruhrkrieg gewonnen. Den paſſiven
des Kabinetts Cuno, die trotz der unglaublichen Schwere von einer ge=
artiges
nicht mehr erlebt. Dann brachten die Kommuniſten das Miß=
nächſt
gegen den Regierungswechſel war, kam einen Tag ſpäter das Miß= wilde ſozialdemokratiſche Blätter wie den Volksfreund zur Mäßigung
trauenspotum der Sozialdemokraten, ein Zurückweichen vor der zu veranlaſſen, obwohl zahlreiche ſozialdemokratiſche Führer nicht mit
Straße, wie es die Frkft, Ztg. nannte. Für die unterrichteten war der Haltung dieſes Blattes einverſtanden ſind. Im weiteren vertritt
das Vorgehen der Sozialdemokraten allerdings keine Ueberraſchung. In der Redner die Ueberzeugung, daß auch ein Kabinett der Rechten mög=
dem
Darmſtädter Sozialiſtenorgan z. B. war ſchon lange dem Kabinett lich und lebensſihig geweſen wäre, das das Vertrauen Englands be=
keit
war, daß er aber im politiſchen Kampf kein Führer ſein konnte. Die Wenn Herr Streſemann nun nicht erreicht, was er erſtrebt, dann trägt
geleiſtet hat, bleibt in der Geſchichte des deutſchen Volkes erhalten. Es trauens Englands.
war mehr, als jetzt überſehen werden kann. Cuno konnte bleiben,
einem außenpolitiſchen führen wollte. Er hat es nicht gewollt. Wenn die Deutſche Volkspartei tritt. Bisher haben die beiden Parteien ſich
geſagt wird, daß Streſemann ſich zur Nachfolge gedrängt, daß er Cuno ſtets auf dem Boden gefunden, daß das Vaterland höher
ſelbſt mit ſtürzen half, um an ſeine Stelle zu treten, ſo iſt dies Lüge und ſteht als die Partei. GBravol). Niemand bedauert dieſe Kampf=
Verleumdung. Das deutſche Volk trägt ſchwer an den Sünden des Jah= ſtellung mehr als wir. Wenn der Vorredner ſagte: Wenn das Opfer
res 1918. Die ſchwerſte iſt die, daß gleichzeitig mit der Umordnung der von drei Goldmark pro Kopf nicht reicht für den Ruhrkampf, ſo müſſen
Volk hat das je getan. Weder die franzöſiſchen, noch die ruſſiſchen Revo=
keinem
Volke zugemutet werden, darum konnten wir den doppelten nationale Vollspartei abgelehnt hat, ſich an einem Vertrauens=
Kampf nicht aufnehmen.
Dr. Cuno trat zurück. Was bleibt zu tun, um den völligen Zuſam=
menbruch
zu derhüten. Man rief nach dem Diktator. Die Deutſchnatio= (Sehr richtig!) Wenn es zu einem Kabinet WirthBreitſcheidt ge=
nalen
rufen es heute noch. Ein Diktator aber wird nicht gemacht, er iſt kommen wäre durch eine Weigerung Streſemanns, dann hätte das den
da. Wo aber iſt heute in Deutſchland der ſtarke Mann?. Man riet auch Zuſammenbruch des Volkes in ganz kurzer Zeit zur Folge gehabt.
lange heißt es für uns va banque ſpielen, vollten wir ſchweren Kampf am wenigſten aus den Händen eines Deutſchnationalen. Das bleibt
gleichzeitig nach innen und außen führen. Wer wollte es verantworten, eine Phraſe. (Sehr richtig!) So lange der Feind im Lande ſteht, kann
Opfer ſo manchen Programmzieles brachte, um mit den Sozialdemokra= Nichtig iſt, daß auch der Deutſchen Volkspartei die Frage ſchwere Sorge
diſche Pflichterſüllung ſein, wenn man in einem Augenblick, da Deutſch= tragen wir die Verantwortung dafür, daß der letzte
lands Leben an einem Faden hing, Parteintereſſen voranſtellen, keine Verſuch, auf friedlichem Wege die Freiheit des
Opfer bringen wollte.
nung der deutſchen Leiſtungsfähigkeit Reparationen zu leiſten, um den gerne zugrunde gehen. (Stürmiſches Bravo!)
deutſchen Boden ungeſchmälert zu erhalten und Deutſchlands. Wider=
ſtandskraft
nicht völlig erlahmen zu laſſen. Der paſſive Widerſtand wird Oſann, treu zur Partei und hinter dem Führer zu ſtehen, vor allem
ſo lange geführt werden, bis das erreicht iſt, bis die Ausgewieſenen zu= aber treu zum Vaterlande, beſchloß die Verſammlung.
rückkehren können, die Gefangenen freigelaſſen ſind. Wer in die
Welt hinausrief, Streſemann wolle den paſſiven
Viderſtand aufgeben, hat ſich ſchwer am deutſchen
Volk verfündigt. (Sehr richtig!) Wer das tat, iſt allerdings dem geſtrigen Beſuch beim Staatspräſidenten, der im Begriffe ſtand, nach
paſſiben Widerſtand mit demagogiſchen Mitteln in den Rücken gefallen. Berlin zu reiſen, und knüpfte daran einige Schlußfolgerungen, die er
zu wirtſchaftlichen Verhandlungen bereit iſt, wenn gangen:
die Unverletzbarkeit des deutſchen Bodens garan=
werden
. (Sehr richtig!) Allerdings muß zugegeben werden, daß un= präſident heute mittag mit ſeiner Gemahlin zu einem Verwandtenbeſuch
ſers Lags ſchwer iſt in dieſem Kampf. Wir ſtehen allein mit einer bis nach Braunſchweig abgereiſt iſt.

zum Weißbluten geſchwächten Wirtſchaftskraft. Es kommt jetzt allein
auf die geſchickten Verhandlungen an. Für die Freiheit, für die Unver=
letzlichkeit
des deutſchen Staates darf kein Opfer zu groß ſein. Und wenn
wir das letzte hingeben müſſen, um die Freiheit zu erkaufen, ſo iſt dieſes
letzte nicht vergeblich geweſen. Gewiß klingt es ſchön, wenn geſagt wird,
lieber den aktiven Widerſtand und gegebenenfalls ein Sterben in Schön=
heit
, als dieſes langſame Hinſiechen. Aber Politik, die über Völkerſchick=
ſale
entſcheidet, kann nicht aus Gefühlsmomenten geführt werden.
Die große Koalition bedeltet Opfer. Das iſt gewiß. Es war durch=
aus
nicht leicht, zuzuſtimmen, daß wichtige Miniſterien in Händen von
Sozialdemokraten liegen, aber auch der Gegenſeite iſt es nicht leicht, ſich
unter volksparteiliche Führung zu ſtellen. Nur die Sorge um das Wohl
des Ganzen konnte darüber hinweghelfen. Es war unbedingt notwendig,
daß in der Zeit, wo noch immer der ruſſiſche Rubel rollt und blutige
Kämpfe ausbrechen können, das uns noch verbliebene Machtmittel feſt
Reichswehrminiſter im Amte bleibt, und daran wird auch nichts ge=
ändert
werden. Beginnenden Aufruhrerſcheinungen wird ſofort mit
ſchluß der Regierung Streſemann. Der Verſuch, rufſiſche
Experimente in Deutſchland zu machen, wird un=
bedingt
ſcheitern. (Lang andauerndes Bravol) Ein ſolcher
Verſuch wird heute auch ein anderes Bürgertum
finden. (Wiederholtes Bravo!) Auch wenn das einigen Zwiſchen=
rufern
hier nicht paſſen ſollte. Dafür bietet das Kabinett Streſemann
volle Gewähr.
Die letztbewilligten brutalen Steuern mit dem ſtarken Eingriff in
den Beſitz ſind bewilligt worden in der feſten Entſchloſſenheit, die Frei=
tere
Eingriffe notwendig werden. Erinnern wir uns der Zeit des
füllungspolnik befelgte, hat in den letzten Tagen ſeines Beſtehens ſchon daniederliegenden preußiſchen Staates. Welch ungeheure Laſten wur=
den
ihm auferlegt, welche Opfer erpreßt! Das Reich muß erhalten
bleiben, auch wenn der Einzelne darunter leiden muß. Wir müſſen,
ſoll das Reich gerettet werden, zu einer ganz anderen Finanzpolitik
kommen. Steuerlich muß rückſichtslos durchgegriffen werden. Unge=
den
letzten Jahren wiede; ſoviel Kraft geſchöpft, daß es dem Staat nun
wieder geben kann, was er zur Exiſtenz braucht. Vier Jahre hat man
gilt für Induſtrie, wie : Landwirtſchaft und für das große Gewerbe=
Beziehung in den letzten Tagen von Dr. Streſemann geſagt wurde,
So tritt das Kabinett Streſemann ſein Amt an nicht unter Sieges=
denen
noch niemand ſagen kann, ob ſie überhaupt lösbar ſind. Wieder
niemals unter einer Kapitulationsurkunde des
Welt kein koſitives Eingreifen der engliſchen Regierung folgte, konnte deutſchen Volkes ſtehen wird. (Lang andauernder Beifall,
Abg. Dr. Ofann ſprach dem Redner den herzlichſten Dank der
Diskufſion
ſprach zunächſt der Abg. Kindt (Deutſchnatl.). So ſehr er den guten
tigs iſt. Des Uebels Wurzel ſei nicht der Verſailler Vertrag, ſondern
bie deutſche Lauheit und Unentſchloſſenheit. Beim Verſailler Vertrag
dem heute allen bekannten Stand unſerer Mark, Täglich drei habe es ſich um einen Kampf Englands gegen Amerika gehandelt, und
und das war richtig für die deutſche Politik. Wenn es gelingt, Amerika
Widerſtand dürfen wir nicht aufgeben. Das hat die Times bei all
wiſſen Mehrheit beſchloſſen wurden. Seit Auguſt 1914 hatte man der= ihrer Frankreich=Freundlichkeit dringend geraten. Bezeichnend iſt, daß Kilometer 2,5 Millionen; jede weiteren angefangenen 100 Kilo=
trauensüotum
ein, und obwohl die Mehrheit des Reichstags zu= S8 auch unter dem Labinett Streſemann noch nicht gelungen iſt, ſo meter 750 000 Mark mehr. Dringende Geſpräche loſten das Drei=
Cuno ſchärſter Kampf angedroht worden. Es kam die letzte Kabinetts= halten hätte, das jetzt dem Kabinett mit fünf Sozialdemokraten gegen= bekannt gegebene Verordnung der Einbruchsmächte über den
ſitzung, und Dr. Cuno trat zurück, weil er angeſichts des Mißtrauens= über ſchwindet. Gegebenenfalls wäre jeder Diktator recht geweſen, und Warenverkehr aus dem unbeſetzten Deutſchland nach dem beſetz=
votums
der Sozialdemokraten den Ruhrkampf nicht allein weiter führen wenn er Noske geheißen hätte. (Bravol) Redner ſtellte dann das Be= ten Gebiet wurde vielfach nicht beachtet. Dies führte zu einer
konnte. Wer Cuno kannte, ſtimmt im Urteil, überein, daß er eine Per= ſtehen der proletariſchen Hundertſchaften durch die Sozialdemokraten Verſchärfung der Sperrmaßnahmen und zur Beſchlagnahme
ſönlichkeit von tiefem Pflichtgefühl und von ſtarker politiſcher Reinlich= feſt. Das ſei ein bedenkliches Zeichen unter dem Kabinett Streſemann, ganzer Paketladungen, ſowie zur Verhaftung von Poſtbeamten.
Starknerdigkeit eines Führers im ſcharfen Kampf fehlte ihm. Was Cuno die Deutſche Volkspartei die Verantwortung für den Verluſt des Ver= ſetzten Gebieten und nach dem Ausland wurde darum geändert.
Abg. Dingeldey ſtellt feſt, daß es allerdings das erſte mal iſt,
wenn er wollte, wenn er einen innenpolitiſchen Kampf gleichzeitig mit daß die Deutſchnationale Volkspartei in eine offene Kampfſtellung gegen noch in Paketſendungen zugelaſſen. Nähere Auskunft wird an
Staatsform Hand in Hand ging die böllige Preisgabe jeder Machtmittel, eben fünf Goldmark geopfert werden, ſo frage ich: Wie vereint ſich Landesrates iſt zum erſten Male der Haushaltsplan des Saar=
(Lebh. ſehr ricktig!) Weder Frankreich, noch Nußland, noch ein anderes damit die Forderung der ſofortigen Rebiſion der Steuergeſetze? (Sehr gebietes für das Rechnungsjahr 1923 zur Kenntnisnahme zuge=
lutionäre
koaren Paziſiſten. Ihrer Machtmittel haben ſie ſich nie ent= richtig!) Es iſt mir kein Fall bekannt, in dem Dr. Streſemann Stellung gangen. Dem Landesrat ſteht bekanntlich nicht das Recht der
äußert. Darum müſſen wir heute Demütigungen hinnehmen, wie ſie gegen Dr. Cuno genommen hat, wohl aber weiß ich, daß es die Deutſch= Verhandlung und Genehmigung zu. Der Geſamtetat ſchließt mit
botum für Dr. Cuno zu beteiligen. (Hört! Hört!) Die Deutſche Etat wird in der Oeffentlichkeit zahlreiche Erörterungen hervor=
Volkspartei hat hinter Dr. Cuno geſtanden, aber er hat abgelehnt., rufen, da viele Punkte im Etat der Aufklärung bedürfen.
Kabinettsbildung ohne die Linke. Auch das wäre nicht möglich geweſen. Wenn Herr Kindt ſagte, die Macht gehöre heute in die Hand eines
Jeder Einſichtige wird zuſtimmen, wenn ich ſage, ſolange uns eine ge= Cinzigen, ſo frage ich, in weſſen Hände denn? (Buruf Kindt: Noskel) Reichstags ſprach ſich die Mehrzahl der Parteien gegen eine ſo=
niale
überragende Perſönlichkeit fehlt, wie etwa Bismarck ſie war, ſo Noske würde die Diktatur über Deutſchland niemals übernommen haben, fortige Einberufung des Reichstags aus, machdem die Regierung
ein ſolches Chaos herbeizuführen!. Wenn die Deutſche Volkspartei das an eine Entſcheidung durch Reichstagswahlen nicht gedacht werden, ſind, ſo daß ſich eine erſchöpfende Mitteilung noch nicht machen
ten zuſammenzugehen, ſo tat ſie das, weil es die einzige Möglichkeit war, macht, was geſchehen ſoll, wenn die Parteien, mit denen heute Streſe= treter der Deutſchnationalen Volkspartei und der Kommuniſten
das innerpolitiſche Chaos zu verhindern. Es würde ſchlechte vaterlän= mann regiert, ihm die Gefolgſchaft verſagen. Gewiß, dann aus, die aber im Plenum nur über 81 Stimmen verfügen, wäh=
Die Aufgabe des Kabinetts Streſemann iſt, unter weiteſter Anſpan= bringen wir, und mit dieſem Rufe werden wir wärtigen Ausſchuſſes, deſſen Verhandlungen vor der Einberu=
Ein eindringliches Schlußwort des Verſammlungsleiters Abg. Dr. lungen gepflogen.
M. St.
Abg. Kindt erwähnte im Laufe ſeiner Ausführungen auch einen Zuchthaus von Wenden von den Franzoſen gefangen gehaltenen
Der paſſite Widerſtand muß ſo lange aufrecht erhalten bleiben, bis Ver= übrigens auch in ſeinem Parteiorgan veröffentlicht hatte. Dem Blatte bes Jahr Gefängnis und 1000 Goldmark Geldſtrafe, und Czygen
ſtändigungsmöglichkeiten gegeben ſind. Nur wenn Frankreich iſt dazu vom Staatsmiiſterium folgende Berichtigung zuge= ein Jahr Gefängnis und 100 Goldmark Geldſtrafe. Beiden
tiert wird, kann der pafſive Viderſtand aufgegeben heute nach Berlin begeben hat. Wahr iſt, daß der Herr Staats= Akten bei der am 27. März erfolgten Durchſuchung der Handels=

2. Es iſt alſo auch nicht wahr, daß ſich der heſſiſche Miniſterpräſ=
den
nach Berlin begeben hat, um nach einer perſönlichen Aeußerung
des Miniſterpräſidenten Frieden zu machen. Wahr iſt, daß der
Herr Staatspräſident unmittelbar vor ſeiner Abreiſe den Herrn Land=
tageabgeordneten
Kindt auf deſſen telephoniſches Erſuchen, ſozuſagen
zwiſchen Tür und Angel, empfangen hat. Herr Abgeordneter Kindt
interpellierte den Staatspräſidenten wegen Uebungen der proletariſchen
Hundertſchaften. Im Vorbeigehen ſind auch wenige Bemerkungen
über Deutſchlands gegenwärtige außenpolitiſche Situation gefallen. Es
iſt aber nicht wahr, daß Abgeordneter Kindt dem heſſiſchen Staats=
lenker
nahelegte, doch alles zu tun, was zu eiger Aufrechterhaltung des
Widerſtandes geſchehen könne‟. Es iſt auch nicht wahr, daß der Staats=
präſident
von Kapitulation geſprochen hatz er hat lediglich das Bild
von der belagerten Feſtung gebraucht.
3. Wahr iſt, daß heute vormittag auf telephoniſche Anfrage der
Redaktion der Heſſiſchen Landeszeitung dieſer von einem Beamten
des Staatsminiſteriums ausdrücklich erklärt wurde, der Herr Miniſter
des Innern von Brentano reiſe nach Berlin zu einer Beſprechung der
Innenminiſter der deutſchen Länder.

Die neuen Poſigebühren.
Berlin, 13. Sept. (Wolff.) Die Gebühren, die vom
20. September ab im Poſtſcheckverkehr und vom 16. September
ab im Telegraphen= und Fernſprechverkehr innerhalb Deutſch=
lands
in Kraft treten, ſind folgende:
Poſtkarten im Ortsverkehr 50 000 Mark, im Fernverkehr
100 000 Mark.
Briefe im Ortsverkehr bis 20 Gramm 100 000 Mark, bis
100 Gramm 150 000 Mark, bis 250 Gramm 250 000 Mark, bis
500 Gramm 300 000 Mark; im Fernverkehr bis 20 Gramm
250 000 Mark, bis 100 Gramm 350 000 Mark, bis 250 Gramm
400 000 Mark, bis 500 Gramm 450 000 Mark.
Druckſachen bis 25 Gramm 50 000 Mark, bis 50 Gramm
100 000 Mark, bis 100 Gramm 150 000 Mark, bis 250 Gramm
250 000 Mark, bis 500 Gramm 300 000 Mark, bis 1 Kilogramm
375 000 Mark.
Geſchäftspapiere und Miſchſendungen bis 250
Gramm 250 000 Mark, bis 500 Gramm 300 000 Mark, bis 1 Kilo=
gramm
375 000 Mark.
Warenproben bis 100 Gramm 150 000 Mark, bis 250
Gramm 250 000 Mark, bis 500 Gramm 300 000 Mark.
Päckchen bis 1 Kilogramm 500 000 Mark.
Pakete bis 3 Kilogramm 1. Zone 600 000 Mark, 2. und
3. Zone 1,2 Millionen; bis 5 Kilogramm 1. Zone 900 000 Mark,
2. und 3. Zone 1,8 Millionen; bis 6 Kilogramm 1. Zone 1 Mil=
lion
, 2. Zone 2 Millionen, 3. Zone 3 Millionen; bis 7 Kilogramm
1. Zone 1,1 Millionen, 2. Zone 2,2 Millionen, 3. Zone 3,3 Mil=
lionen
; his 8 Kilogramm 1. Zone 1,2 Millionen, 2. Zone 2,4 Mil=
lionen
, 3. Zone 3,6 Millionen Mark. Jedes weitere Kilogramm
koſtet in der 1. Zone 200 000 Mark, in der 2. Zone 400 000 Mark
und in der 3. Zone 600 000 Mark mehr.
Poſtanweiſungen bis 2 Millionen 100 000 Mark, bis
5 Millionen 150 000 Mark. bis 10 Millionen 20 000 Mark, bis
30 Millionen 250 000 Mark, bis 50 Millionen 300 000 Mark, bis
100 Millionen 400 000 Mark, bis 200 Millionen 550 000 Mark,
bis 300 Millionen 700 000 Mark, bis 400 Millionen 850 000 Mark,
bis 500 Millionen 1 Million Nark.
Poſtſcheckgebühren bis 2 Millionen 20 000 Mark, bis
5 Millionen 30 000 Mark, bis 10 Millionen 40 000 Mark, bis
30 Millionen 50 000 Mark, bis 50 Millionen 60 000 Mark. bis
100 Millionen 80 000 Mark, bis 20 Millionen 120 000 Mark. bis
300 Millionen 160 000 Mark, bis 400 Millionen 200 000 Mark,
bis 500 Millionen 240 000 Mark, über 500 Millionen 300 000 Mk.
Telegrammgebühren werden vom 16. September ab
erhöht. Im Fernverkehr beträgt die Grundgebühr 400 000 Mark,
die Wortgebühr 200 000 Mark; im Ortsverkehr iſt die Grund=
gebühr
auf 200 009 Mark, die Wortgebühr auf 100 000 Mark
feſtgeſetzt.
Fernſprechgebühren. Es wird nur Geſprächsgebühr
erhoben. Dieſe entſpricht in Ortsnetzen bis zu 50 Teilnehmern
mindeſtens der Gebühr von 20 Geſprächen, in Ortsnetzen bis
1000 Teilnehmern 30 Geſprächen, bis 10 000 Teilnehmern 40 Ge=
ſprächen
, darüber 50 Geſprächen. Ein Ortsgeſpräch koſtet 250 000
Mark, ein Ferngeſpräch bis 3 Minuten und bis einſchl. 5 Kilo=
meter
250 000 Mark, bis 10 Kilometer 500 000 Mark, bis 25 Kilo=
meter
725000 Mark, bis 50 Kilometer 15 Millionen, bis 100
fache, Blitzgeſpräche das Hundertfache.
Der Poſiverkehr mit dem beſetzten Gebiet.
Berlin, 13. Sept. (Wolff.) Die von der Poſtverwaltung
Der Poſtwverkehr aus dem unbeſetzten Deutſchland nach den be=
Bis auf weiteres iſt der Verkehr nur auf die Beförderung von
Lebensmitteln beſchränkt. Andere Waren ſind weder in Briefen
den Poſtſchaltern erteilt.
Der Etat des Saargebietes.
m. Saarbrücken, 13. Sept. Den Abgeordneten des
einer Einnahme und Ausgabe von 155 362 755 Franken. Der
Vorläufig keine Einberufung des Reichstags.
Berlin, 13. Sept. (Wolff.) Im Aelteſtenausſchuß des
hatte wiſſen laſſen, daß die außenpolitiſchen Verhandlungen und
die finanzpolitiſchen Verhandlungen im Innern noch im Fluß
läßt. Für die Einberufung des Reichstags ſprachen ſich die Ver=
rend
die übrigen Parteien die Auffaſſung der Regierung teilten.
Die Einberufung des Reichstags iſt demnach nicht vor den letzten
Reiches zu erhalten, geſcheitert iſt. Diefes Opfer Septembertagen zu erwarten. Ueber die Einberufung des Aus=
fung
des Reichstags zu erfolgen hätten, werden noch Verhand=
Ein halbes Jahr Unterſuchungshaft.
Eſſen, 13. Sept. (Wolff.) Die ſeit dem 27. März im
Herren Dr. Dresbach und Czygen ſtanden am 7. Septem=
ber
vor dem Werdener Kriegsgericht. Dresbach erhielt ein hal=
wurde
die Unterſuchungshaft angerechnet. Die Anklage lautete
1. Es iſt nicltz wahr, daß ſich der heſſiſche Miniſterpräſident Ulrich auf Gehorſamsverweigerung wegen Nichtherausgabe amtlicher
kammer, ſowie auch Inlaufſetzung eines gegen General Degoutte
gerichteten Flugblattes.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 14. September 1923.

Rummer 254.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 14. September.
Ernannt wurden: am 20. Februar 1923 der Schulamtsanwärter
Nikolaus Rettig aus Winkel, Kreis Bensheim, zum Lehrer an der
Volksſchule zu Offenbach a. M.; am 28. Auguſt der Kanzleigehilfe Hein=
rich
Henſel in Ortenberg zum Kanzliſten bei dem Amtsgericht Orten=
berg
mit Wirkung vom 1. September 1923; am 6. September der
Polizeiaſſiſtent Philipp Laiſt aus Honnef a. Rh. zum Polizeiober=
afſiſtenten
mit Wirkung vom 1. Oktober 1923; am 7. September der
Polizeiwachtmeiſter Fortunatus Sperling aus Darmſtadt zum
Polizeioberwachtmeiſter mit Wirkung vom 1. Oktober 1923; zu Ober=
ſteuerſekretären
wurden ernannt: die Steuerſekretäre: Rochus Bellen=
baum
zu Bingen (Finanzamt), Franz Anton Braun zu Ober= Ingel=
heim
, Friedrich Johe zu Darmſtadt (Finanzamt=Stadt), Adam Kern
zu Offenbach (Finanzamt=Stadt), Heinrich Balthaſar Köhler zu
Mainz, Heinrich Lang zu Grünberg, unter Verſetzung zum Finanzamt
Gießen, Philipp Metzler zu Wörrſtadt, Ludwig Neumann zu
Darmſtadt (Finanzamt=Stadt), unter Verſetzung zum Finanzamt Lan=
gen
, Adam Niebling zu Bingen, Karl Petermann zu Mainz,
Georg Rathgeber beim Landesfinanzamt Darmſtadt, Adolf Rings=
hauſen
, zu Darmſtadt (Finanzamt=Stadt), Wilhelm Rummel zu
Darmſtadt (Finanzamt=Stadt), unter Verſetzung zum Finanzamt Höchſt
i. O., Chriſtoph Sehring, zu Langen, Adam Stauder zu Mainz,
Heinrich Zöll, zu Mainz; die Steuerpraktikanten: Karl Bauer zu
Mainz, Heinrich Deuchert zu Lauterbach, Wilhelm Hofmeyer
beim Landesfinanzamt Darmſtadt, Georg Heil zu Bingen, Otto
Kampeis bei der Oberfinanzkaſſe Darmſtadt, Hermann Lamberth
zu Mainz, unter Verſetzung zum Finanzamt Oppenheim, Wilhelm
Laubenheimer zu Worms, unter Verſetzung zum Finanzamt Hep=
penheim
, Otto Lipp zu Mainz, Karl Mölich bei der Oberfinanzkaſſe
Darmſtadt, Philipp Richard Michel zu Friedberg, Ernſt Ludwig Sud=
heimer
zu Mainz, Georg Seibert zu Oppenheim, unter Ver=
ſetzung
zum Finanzamt Ober=Ingelheim, Wilhelm Schmidt zu Zwin=
genberg
, Konrad Schmidt zu Worms, Friedrich Wilhelm Schön zu
Büdingen, Wilhelm Schleuning zu Homberg a. d. O., Karl
Schreiner zu Worms, unter Verſetzung zum Finanzamt Oſthofen,
Philipp Volz zu Darmſtadt (Finanzamt=Stadt).
Zwangsanleihe. Die Schuldverſchreibungen für die bis
zum 31. Januar 1923 vorgenommenen Zeichnungen können bei
den Annahmeſtellen nunmehr in Empfang genommen werden.
Landabgabe. Goldumrechnungsſatz für die Zeit vom
15. September bis einſchließlich 18. September 1923 13900 000
Mark.
Deviſenablieferung. Vom Finanzamt wird uns geſchrie=
ben
: Zur Vermeidung von Irrtümern wird darauf hingewieſen,
daß der Termin für die Ablieferung der ausländiſchen Ver=
mögensgegenſtände
(Deviſenablieferung) im Sinne der Verord=
nung
des Reichspräſidenten vom 25. Auguſt d. J. ( Reichsgeſetz=
blatt
I S. 833) am 15. d. Mts. abläuft. Dagegen iſt die
Friſt für die nach § 8 der Verordnung abzugebende Erklärung
die Erklärung betrifft diejenigen Deviſenablieferungspflich=
tigen
, die zwar auf Grund ihrer Brotverſorgungsabgabe ab=
lieferungspflichtig
ſind, jedoch im maßgebenden Zeitraum (10.
bis 20. Auguſt d. J.) nicht oder nicht genügende Deviſen beſeſſen
hatten, um die ihrer Brotverſorgung entſprechende Menge von
Goldmark abliefern zu können bis auf den 30. d. Mts. ver=
längert
worden.
Zweite Rentenzahlung für September an Kriegsbeſchädigte und
Hinterbliebene. Nachdem die Teuerungszulage für die Zeit vom 1. bis
15. September d. J. von 13 530 auf 38 840 Prozent erhöht worden iſt,
ſollen den Kriegsbeſchädigten und Hinterbliebenen dieſe erhöhten Zu=
lagen
alsbald ausgezahlt werden. Die Zahlung erfolgt ausnahmslos
durch Poſtſcheck, und zwar gleich für den ganzen Monat September
in einer Summe. Sollte ſich, was nach den ſeitherigen Erfahrungen
anzunehmen iſt, der Prozentſatz für die zweite Monatshälfte des Sep=
tember
wieder erhöhen, dann wird der Ausgleich für die zweite Monats=
hälfte
mit der Zahlung für den Monat Oktober zuſammen mit dem
Ausgleich über die Berechnung der Teuerungszulage für den ganzen
Monat September erfolgen. Es iſt nicht ausgeſchloſſen, daß durch
dieſe ſogenannte Zwiſchenzahlung für September, die in den nächſten
Tagen bewirkt wird, die Zahlung für den Monat Oktober nicht ſchon
am 29. September, ſondern erſt am 1. Oktober und folgende Tage ſtatt=
finden
wird, worauf ſchon jetzt hingewieſen wird. Eine genaue Mit=
teilung
darüber wird ſeinerzeit durch die Poſtämter erfolgen, die den
Tag der Auszahlung durch Aushang im Poſtſchalterraum zur allge=
meinen
Kenntnis bringen werden.
Rentenzahlungsverkehr beim hieſigen Poſtamt 1. Die Zu=
lageempfänger
aus der Unfallverſicherung erhalten ihre er=
höhten
Bezüge am Montag, den 17. d. Mts. für die Zeit vom
16. bis 30. September an der Paketannahme. Die Beträge ſind
in die Quittungen zunächſt nicht einzurücken.
* Ein Brief ½ Million Porto! Nach dem neuen Poſt=
tarif
(den wir morgen veröffentlichen) koſtet ein Fernbrief ab
20. September 250 000 Mark, eine Poſtkarte 100 000 Mark, ein
Telephongeſpräch 250 000 Mark (Stadtgeſpräch). Das billigſte
Poſtporto ſind 50 000 Mark für eine Stadtpoſtkarte oder eine
Druckſache.
Geldabrundung.: Wie im heutigen Anzeigenteil bekannt gemacht,
bitten die Darmſtädter Bauken zur Verringerung der Arbeitslaſt bei
Zahlungs= und Ueberweiſungs=Aufträgen, Ausſchreibungen von Schecks
uſw. die Beträge auf volle 1000. Mark abzurunden.
. Die Arbeitsgemeinſchaft ſämtlicher Darmſtädter Jugendverbände
und die erangeliſche Jugendgemeinſchaft werden nochmals auf den
Filmvortrag über Bodelſchwingh aufmerkſam gemacht, der morgen
Samstag abend, um 8½ Uhr, in der Stadtmiſſion gehalten wird. Ein=
tritt
50 000 Mark. Vorverkauf bei Ph. Heß, Schillerplatz 5, und Buch=
handlung
der Stadtmiſſion, Mühlſtr. 24. Altpenſionäre, Kleinrentner
uud alle Kreiſe, die infolge ihrer Notlage den Eintrittspreis nicht zahlen
können, werden zu einer beſonderen Vorführung am Sonntag, vormittag
11 Uh=, herzlichſt eingeladen.
Orpheum. Gaſtſpiel des Neuen Operetten=Theaters,
Frankfurt a. M. Der durchſchlagende Erfolg, der am vergangenen
Freitag, Sonnabend und Sonntag den Gaſtſpielen der Frankfurter Ope=
rettenbühne
Dewald u. Glock beſchieden war, hat die Direktion des
Orpheums veranlaßt, zwei weitere Gaſtſpiele für dieſen Sonnabend
und Sonntag anzuſchließen. Vielfachen Wünſchen zufolge kommt wie=
derum
die herrliche melodiöſe Operette Der Vetter aus Dingsda Mu=
ſik
von Eduard Künnecke, zur Aufführung und zwar in derſelben Be=
ſetzung
mit den Damen: Müller, Palick und Widmeier ſowie den Her=
ren
: Anders (1. Fremder), Florian, H. u. M. Kappenmacher, Ludwig
und Weſtermeier in den Hauptrollen. Spielleiter iſt Herr H. Kappen=
macher
, Orcheſterdirigent Herr Kapellmeiſter Albert Miſchel.
Konzert des Buſch=Quartetts. Für den von der Städt. Akademie
für Tonkunſt veranſtalteten Konzertabend des Buſch=Quartetts im Großen
Haus des Heſſiſchen Landestheaters am Montag abend macht ſich, wie
zu erwarten war, ein außerordentlich reges Intereſſe geltend. Es
empfiehlt ſich deshalb, ſich bei Konzert=Arnold möglichſt umgehend mit
Karten zu verſehen.
Autoraſerei. Am 1. d. M., abends gegen 7½/9 Uhr, wurde in der
Neckarſtraße eine Frau mit einem an der Hand geführten Leiterwägelchen
von einem Auto überfahren. An den Verletzungen iſt die Frau bald
darauf geſtorben. Der Autolenker kümmerte ſich um die Verletzte nicht,
ſondern fuhr weiter und iſt unerkannt entkommen. Inzwiſchen konnte
der rückſichtsloſe Autolenker ermittelt und dem Gerichte zugeführt wer=
den
. Das Auto ſowie auch der Wagenlenker ſind von Offenbach a. M.
Das Auto befand ſich bei dem damaligen Zuſammenſtoß auf der Durch=
reiſe
durch Darmſtadt.
Verwaltungsgerichtshof. Tagesordnung für die öffentliche
Sitzung des Verwaltungsgerichtshofes am Samstag, den 15. September
1923, vormittags 9½ Uhr: 1. Vorentſcheidung gegen den Förſter Genne=
bach
in Bad=Salzhauſen; 2. Reviſionsbeſchwerde der Katharina Schön=
hals
in Gießen gegen ihre Heranziehung zur Wertzuwachsſteuer.
n. Reichsdiſziplinarkammer. Eine zweitägige, öffentliche Verhand=
lung
galt der Anklage gegen Regierungsrat Dr. Joſt, früheren Vor=
ſtand
des Finanzamts Langen, wohnhaft zu Allertshofen, wegen mehr=
facher
Verſtöße im Sinne des Reichsbeamtengeſetzes. Den Vorſitz führte
Oberlandesgerichtsrat Lang, Referent war Beiſitzer Landgerichtsrat Dr.
Fuchs, die Beſchuldigung wurde durch Oberregierungsrat Dieper ver=
treten
, und Dr. J. hatte mit ſeiner Verteidigung den Rechtsanwalt Neu=
ſchäffer
betraut. Er ſelbſt beſtreitet die gegen ihn in dieſem Dienſtſtraf=
verfahren
erhobenen Vorwürfe rechtlich wie tatſächlich und machte in
erſter Linie den Einwand der Unzuſtändigkeit geltend, indem er über=
haupt
die Eigenſchaft des Reichsbeamten in Abrede ſtellt. Beſagtem
formellen Punkt war der erſte Teil der Verhandlung gewidmet, und
man erachtete die Einrede für durchaus unbegründet, da J. nach der
Ende 1919 erfolgten Schaffung der Reichsfinanzverwaltung für die Län=
der
gemäß eigener Erklärung in jene übernommen wurde und ſein
ſpäter erklärter Rücktritt davon nebſt der Auffaſſung, ſtatt deſſen heſ=
ſiſcher
Beamter zu ſein, unrichtig erſcheint. Der Rücktritt wäre nur zu=
läſſig
geweſen, falls die ſo übernommenen Beamten ſchlechter als die
heſſiſchen geſtellt ſein würden, was nicht zutrifft. Auch der weiter von
J. für die Berechtigung des Nücktritts vorgebrachte Grund, die Reichs=
finanzverwaltung
habe in dem beiderſeitigen Vertragsverhältnis ihre

Verpflichtungen nicht erfüllt und dieſem damit ſelbſt den Boden entzogen,
wurde als nicht ſtichhaltig erachtet. Die Beweisaufnahme fand demge=
mäß
im ferneren Verlauf der Verhandlung über die verſchiedenen An=
ſchuldigungen
ſtatt und ergab nach Ueberzeugung des Gerichtshofs, mit
Ausnahme eines mehr nebenſächlichen Moments, deren Beſtätigung. Sie
gehen dahin, daß J. in den Jahren 1921 und 1922 bei Vertretung ver=
meintlicher
Anſprüche gegenüber dem Landesfinanzamt die richtige Ein=
ſchätzung
ſeines Verhältniſſes zu dieſer ſeiner unmittelbar vorgeſetzten
Behörde habe vermiſſen laſſen, ſowie, daß er ſowohl in der ſpeziellen
Steuerſache eines Dritten, als auch bezüglich ſeiner ſelbſt gegenüber dem
Landesfinanzamt und bezw. dem Reichsfinanzminiſter zu Maßnahmen
dieſer Vorgeſetzten in einer Weiſe Stellung genommen habe, die grobe
Verſtöße wider die Dienſtzucht darſtelle, ferner, daß er im Frühjahr 1922
ſeiner im dienſtlichen Intereſſe ſeitens des Reichsfinanzminiſters ver=
fügten
Verſetzung von Langen nach Fürth i. O. keine Folge geleiſtet und
endlich fortgeſetzt entgegen dienſtlichen Vorſchriften Steuerpflichtigen
durch Beratung und Anfertigung von Steuererklärungen bezw. Be=
ſchwerden
uſw., Hülfe geleiſtet und dabei das betreffende Finanzamt
durch die gewählte Kritik in der öffentlichen Meinung herabgewürdigt
habe. Wie noch erwähnt ſei, hatte J. in dem ſchriftlichen Verkehr aus
jenen Anläſſen einen ſehr ſcharfen Ton angeſchlagen, er forderte u. a.
den Reichsfinanzminiſter mit Klageandrohung unter Friſt zur Erledi=
gung
von Gehaltsanſprüchen auf und ſtrengte eine, in allen Inſtanzen
geſcheiterte Zivilklage auf Feſtſtellung, daß er nicht Reichsbeamter ſei,
beim hieſigen Landgericht an. Die umfangreiche Beweisaufnahme
brachte außer der Verleſung der gepflogenen Ermittlungen uſw. noch=
malige
Abhör einzelner Zeugen. Die Diſziplinarkammer erkannte dem
Antrag des Anklagevertreters auf Dienſtentlaſſung J.s mit der Ein=
ſchränkung
, daß ihm noch für zehn Jahre die Hälfte der geſetzlichen Pen=
ſion
zu gewähren ſei, legte ihm auch die Koſten des Verfahrens auf.
Der Verurteilte will Berufung an den Reichsdiſziplinarhof einlegen.
Lokale Veranſtaltungen.
Die Merunter erſchelnenden Notizen ſind ausſchtleßtich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten,
in keinem Fallte irgendwie als Bedprechung oder Kritd.
Volkstümliche muſikal. Sonntagsvormittags=
Vorträge von Oberregierungsrat Grospietſch im Real=
gymnaſium
. Der für den 16. September angekündigte Liederzyklus
Die ſchöne Müllerin mit Herrn Hans Höfflin muß wegen Indispoſi=
tion
des Künſtlers auf den 30. September, 11½ Uhr, verlegt werden.
Dementſprechend verſchiebt ſich auch der Vortrag der Winterreiſe von
Schubert durch Herrn Biſchoff ebenfalls um vierzehn Tage auf den
14. Oktober.
Der Jugendbund für entſchiedenes Chriſten=
tum
begeht am Sonntag, den 25. September, ſein Jahresfeſt, für das
folgendes Programm vorgeſehen iſt. Vormittags 9 Uhr Choralblaſen
vom Turm der Johanneskirche, um 10 Uhr Feſtgottesdienſt in dem vor=
erwähnten
Gotteshaus unter Mitwirkung des gemiſchten Chors der
evangeliſchen Stadtmiſſion, nachmittags um 3 Uhr Feſtverſammlung
im Saale der Stadtmiſſion (Mühlſtr. 24), abends um 8 Uhr muſikaliſch=
deklamatoriſche
Feier ebendaſelbſt (Pſalm 23). Feſtprediger: Pfarrer
Jäger=Heidelberg.
Die Ortsgruppe Darmſtadt des Reichs=
verbandes
der Baltikum=, Freikorps= und Finn=
land
=Kämpfer hielt am letzten Samstag eine Zuſammenkunft
ab, die ſehr anſprechend verlief. Das nächſte Zuſammenſein findet am
Samstag, den 22. September, abends 8,30 Uhr, im Martinsglöckchen
am Riegerplatz ſtatt.
Kriegerverein Darmſtadt e. V. Es werden hierdurch
ſämtliche Mitglieder des Vereins und deren verehrte Damen zu der am
15. d. M., abends 8 Uhr, in der Brauerei Schul, Schloßgaſſe, ſtatt=
findenden
Stammtiſcheinweihung (Stammtiſch des Vereins) herzlichſt
eingeladen.
Aus den Parteien.
* Deutſche Demokratiſche Partei. Am Mittwoch nach=
mittag
hatten ſich im freundlich geſchmückten Parteilokal die Mitglieder
der Frauengruppe zuſammengefunden, um gemeinſam des 50. Geburts=
tages
von Dr. Gertrud Bäumer zu gedenken. Nach einer Be=
grüßung
durch die Vorſitzende, Frl. Rahaus, ergriff Frau Direktor
Buckſaht=Mainz das Wort und entrollte in feſſelnder Weiſe ein
Lebensbild der Gefeierten. Auch denen unter den Zuhörerinnen, denen
die Nednerin erheblich Neues nicht ſagen konnte über die hochverehrte
Führerin, die Gertrud Bäumer für alle in der Frauenbewegung Tätigen
ſeit langem iſt, mußte es be; ihren lichtvollen Ausführungen von neuem
zum Bewußtſein kommen, welch ein hervorragend begnadetes Weſen
dieſes Geburtstagskind iſt, das mit ſeinen 50 Jahren vielleicht auf einem
Höhepunkt ſteht, keinesfalls aber am Ende ſeiner Entwicklung angelangt
iſt. Geboren iſt G. Bäumer 1873 zu Hohenlimburg als Tochter eines
Pfarrers und ſpäteren Kreisſchulinſpektors. So hat wohl ſchon das
Elternhaus Teil an den theologiſchen und pädagogiſchen Ideen, die ſie
ſpäter ſtändig beherrſchten. Schon frühzeitig lernte ſie, durch gemein=
ſame
Berufsintereſſen, Helene Lange kennen, was ſicherlich ein Glück
für die junge Lehrerin war. Nachdem dieſe beiden bedeutenden Frauen
ſich zu engſter Lebensgemeinſchaft zuſammengefunden hatten, veranlaßte
H. Lange dann die junge Frcundin, zu ſtudieren und ſpäter auch den
Doktorhut zu erwerben. Das Intereſſe der Lehrerin G. Bäumer
wandte ſich dann, ihrem Werdegang gemäß, beſonders den Fragen,
welche die höhere Mädchenſchulbildung betreffen, zu. Doch blieb ihr
auch das Kleinkind und die Sorge für ſein Wohl nichts Unbekanntes;
dafür legt ihr mit Lilli Dröſcher zuſammen herausgegebenes Buch
Kinderſeele beredtes Zeugnis ab. Die Schriftſtellerin G.
Bäumer iſt vor allem die gelehrte Frau; für das Deutſchland
ihres Aufſtieges etwas Beſonderes. Wohl hatten wir früher auch
gelehrte Frauen in unſerem Vaterlande, und die Gegenwart zeitiat
uiancherlei Nachfolgerinnen auf dieſem Gebiete; unter den Schrift=
ſtellerinnen
im Beginn ihrer Laufbahn gab es gelehrte Frauen kaum.
Eine ſogenannte geborene Rednerin iſt G. Bäumer eigentlich wohl
nicht, aber niemand, der ſie jemals hörte, wird ſich der zwingenden
Logik ihrer Ausführungen haben entziehen können, und wird allemal
ſeine Freude gehabt haben an ihrer Art, mit der ſie während des
Sprechens, gleichſam mit den Worten ringend, dieſe ſtets erfolgreich
meiſtert. Ihre Arbeiten auf den verſchiedenſten Gebieten ſind von
wundervoller Objektivität und ſtets mit Frauenaugen vom Frauen=
ſtandpunkt
aus geſehen, mag ſie nun von Goethes Freundinnen, von
den Frauen der Romantik oder von Abälards Heloiſe berichten. Ge=
meinſam
mit H. Lange ſchrieb ſie das Handbuch der Frauenbewegung
und zahllos ſind ihre prachtvollen Abhandlungen aus faſt allen Gebieten
menſchlichen Wifſens, die ſie im Laufe der Jahre in der Frau und
in der Hilfe veröffentlichte. Im Vereinsleben, dem ſie ja
ſtändig einen großen Teil ihrer Kraft und Zeit widmete, kommt ihr ihr
fabelhaftes Organiſationstalent zuſtatten, das auszuüben ſie z. B. ſeit
1910 als Vorſitzende des Bundes deutſcher Frauenvereine und während
des Krieges reichlich Gelegenheit hatte. Wir erinnern hier nur an ihre
Organiſation des nationalen Frauendienſtes und alles, was ſpäter damit
in Zuſammenhang von ihrer Initiative ausging. Und endlich die ge=
borene
Politikerin G. Bäumer, die wir ja in der Demokratiſchen
Partei mit Freude und Stolz die Unſere nennen dürfen. Seit den
Frauen die Möglichkeit wurde, ſich darin zu betätigen, iſt ſie auf dieſem
Gebiete zweifellos eine ganz überragende Perſönlichkeit. Als Mit=
arbeiterin
und Freundin Friedrich Naumanns war ſie längſt vor 1918
Mitglied der demokratiſchen Fortſchrittlichen Volkspartei. Zur Wei=
marer
Nationalverſammlung wurde ſie in Hamburg und in Thüringen
als Kandidatin aufgeſtellt und gewählt, um dann auch im erſten Reichs=
tag
des neuen Deutſchen Reiches ein Mandat zu erhalten. Sie gehörte
zu den demokratiſchen Volksvertretern, die gegen den Frieden von Ver=
ſailles
ſtimmten und die damals den Austritt der Partei aus der Regie=
rung
veranlaßten. Bei großen, wichtigen Anläſſen, aber nur bei ſolchen,
hat ſie ſeitdem auch im Reichstag geſprochen, auch dort ganz als Frau
im beſten und edelſten Sinne wirkend. Seit 1920 iſt ſie in Berlin
Miniſterialrätin, daneben unermüdlich fleißig mit der Feder
und außerdem als Wahlrednerin und gefeierte Vortragende im deut=
ſchen
Vaterlande tätig, wo man ihrer bedarf. Nur ein an Leib und
Seele abſolut geſunder Menſch wie ſie kann die Fülle von Arbeitslaſt
bewältigen, die auf ihr laſtet und die wir hier ja nur flüchtig andeuten
können, und es dabei doch fertig bringen, allzeit voll bezwingender
Anmut und diskreter Eleganz in der äußeren Erſcheinung zu ſein.
Naturgemäß hat ihr Eintreten in die große Politik innerhalb der Demo=
kratiſchen
Partei ihr Verhältnis zu einem Teil der Frauengemeinde, die
ihr früher reſtlos Gefolgſchaft leiſteten, etwas verſchoben; aber alle
Frauen müſſen doch ihre überragende Bedeutung und Vielſeitigkeit
willig anerkennen, vor der auch viele Männer es lernten, ehrlich Reſpekt
zu haben. Nach Schluß von Frau Buckſaths Ausführungen, die wir
hier ja nur ſehr lückenhaft wiedergeben können, las Frau Scheidt eine
neuere feinſinnige Dichtung von G. Bäumer Der ewige Fluch vor,
und eine lebhafte Ausſprache über die politiſche Lage beſchloß die an=
regenden
Stunden, die es allen Anweſenden zum Bewußtſein brachten,
daß es, wie G. Bäumer es ausdrückt, auch der Frauen Pflicht ſei, ſich
an der Politik zu beteiligen, da ſie allein die Löſung aller menſchlichen
Aufgaben in ſich beſchließt.
L. R.
* Roßdorf, 13. Sept. Das Kirchengeſangvereinsfeſt
des Dekanats Darmſtadt (unbeſetztes Gebiet) findet am Sonn=
tag
, den 16., hier ſtatt. Die Kirchengeſangvereine von Darmſtadt,
Meſſel, Roßdorf wirken mit. Um 1 Uhr pünktlich iſt Hauptprobe, um
2 Uhr pünktlich beginnt der Gottesdienſt, in dem die acht Vereine unter

Leitung des Kirchenmuſikmeiſters Profeſſor Mendelsſohn vier Geſamt=
chöre
ſingen und Dekan Weißgerber die Anſprache hält. Nach einer
Kaffeepauſe iſt bei gutem Wetter am Ludwigstempel, bei ſchlechtem in
der Kirche Nachverſammlung, in der die Vereine Einzelchöre vortragen
und Anſprachen gehalten werden. Ein Poſaunenchor wirkt voraus=
ſichtlich
auch mit. Freunde des evangeliſchen Kirchengeſangs ſind herz=
lich
eingeladen.
r. Babenhauſen, 13. Sept. Keine Woche, nein, keine halbe Woche
vergeht, ohne daß der Milchpreis erhöht wird. So koſtet das Liter
Milch ſeit geſtern 1,6 Mill. Mk. Ein ganz gehöriger Aufſchlag von
460 000 Mk. auf dieſen Betrag. Das wird teure Kuchen geben zu der
Babenhäuſer Kirchweihe, die kommenden Sonntag und
Montag hier gefeiert wird und ſtets viele Gäſte aus der Umgebung
anlockt.
A* Offenbach, 13. Sept. In unſerer Stadt waren am 31. Auguſt
1681 Erwerbsloſe, darunter 1239 männliche und 442 weibliche.
Für Hausperſonal waren 77 Stellen offen. Keine dieſer Stellen wird
geſucht, obgleich 166 weibliche Erwerbsloſenunterſtützungsempfänger voll
erwerbslos ſind. Wie man ſagt, braucht ein Erwerbsloſer bis jetzt nur
ſolche Arbeit anzunehmen, die ſeiner bisherigen Beſchäftigung entſpricht.
Wer alſo Fabrikarbeiterin war, braucht kein Dienſtmädchen zu werden.
Neuerdings allerdings ſcheint ſich in dieſer Anſicht eine Wandlung zu
vollziehen. Das hieſige Abendblatt vom 10. d. M. tritt nämlich dafür
ein, daß Arbeitsloſe auch einen Verufs= und Ortswechſel vornehmen
müßten. Die Landeszuckerſtelle iſt nicht mehr in der Lage,
die Koſten für den Auguſtzucker vorzulegen. Es machte deshalb die
Stadt für dieſen Zweck eine Vorlage von 60 Milliarden. Um die Zins=
zahlung
hierfür, die täglich 7 Millionen beträgt, möglichſt raſch los zu
werden, fordert die Stadr für das Pfund einen Vorſchuß von 500 000
Mark von jedem Bezugsberechtigten. Da auf den Kopf zwei Pfund
Zucker ausgegeben werden, ſind von jedem Einwohner 1000 000 Mark
zu erlegen. Die Einzahlung erfolgt nach Brotkartenbezirken. Da an
jeder Zahlſtelle mehr als ein Bezirk abgefertigt wird, iſt der Andrang
ganz gewaltig, und die Leute ſtehen wieder einmal ſtundenlang, bis ſie
in die Reihe kommen. Die allgemeine Meinung iſt, daß man eine un=
zweckmäßigere
Einteilung nicht gut hätte treffen können.
* Offenbach, 13. Sept. In der letzten Stadtverordneten=
verſammlung
fragte der Kommuniſt Seekamp an, ob ein Lehrer
verbunden ſei, bei einem feierlichen Ankaß aufzuſtehen, wenn das
Deutſchland=Lied geſungen werde. Wie dadurch bekannt wurde, handelt
es ſich um einen Vorfall bei der Verfaſſungsfeier am 11. Auguſt. Der
Lehrer Heinrich Weber blieb beim Abſingen des Deutſchland=Liedes
bei der Schulfeier ſitzen. Der Vorgang unterliegt gegenwärtig der
Beurteilung des Landesamtes für das Bildungsweſen. Der Vorfall
iſt deshalb bemerkenswert, weil Lehrer Weber, der früher in Reuters
im Vogelsberg dienſtlich verwendet war, auf beſonderen Wunſch der
Stadtverordnetenverſammlung hierher verſetzt wurde. Er war damals
Schriftleiter des Pfeil, einer ſozialiſtiſchen Zeitſchrift für Erziehung,
die im Verlage des Offenbacher Abendblattes erſchien. Lehrer Weber
iſt in der Zwiſchenzeit von den Sozialdemokraten zu den Kommuniſten
übergetreten.

Reich und Ausland.
Die Aufklärung des Freiburger Raubmordes.
Der wegen Mordes an der Kammerpräſidentenwitwe Daenzler
in Freiburg mit ſeiner Geliebten verhaftete 41 jährige Schneider Ludw.
Freismidl hat dem Heidelberger Tageblatt zufolge in ſeiner
Zelle Selbſtmord begangen, indem er ſich aus ſeiner Unterkleidung
einen Strick anfertigte und ſich damit am Beleuchtungskörper erhängte.
Seine Geliebte wurde in das Unterſuchungsgefängnis eingeliefert.
Die Kriminaliſtik weiſt eine ganze Reihe don Verbrechen auf, die
durch Unterſtützung der Preſſe eine ſchnelle Aufklärung fanden. Auch
die Feſtnahme des Schneiders Ludwig Freismidl, der die Kammer=
präſidentenwitwe
in Freiburg ermordet hat, und ſeiner Geliebten, der
Dienſtmagd Philemena Kirchinger, iſt vor allem der Mitwirkung
der Preſſe zu verdanken. Eine Milchhändlerin, die geleſen hatte, daß
die ihr perſönlich bekannten Perſonen wegen des Mordes geſucht wur=
den
, ſah dieſelben am Samstag vormittag in der Dreimühlenſtraße in
München. Die Milchhändlerin begab ſich zur Polizeiwache und teilte
ihre Beobachtungen mit. Ein Schutzmann verfolgte das Paar, holte es
ein und verhaftete es. Philomena Kirchinger gab ſofort in der Polizei=
wache
zu, die Geſuchte zu ſein, während ihr Begleiter entſchieden be=
ſtritt
, Freismidl zu ſein. In der Polizeidirektion legte auch Freismidl
ſchließlich ein umfaſſendes Geſtändnis ab. Freismidl, der in Scheidung
lebte, war bereits vorbeſtraft. Nach der Trennung von ſeiner Frau
erneute er ſeine früheren Beziehungen zur Philomena Kirchinger, die
eine Schweſter ſeiner Frau iſt. Freismidl ließ ſich von ſeiner Geliebten
beherbergen und auch ihren Lohn aushändigen. Wegen der Beher=
bergung
des Geliebten wurden dem Mädchen Vorwürfe gemacht. Freis=
midl
gab ihr den Rat: Bevor du gehſt, ſtiehlſt! Dieſen Rat befolgte
dann auch die Kirchinger. Während des Münchener Turnfeſtes ſtahl die
Kirchinger den Turnern Gegenſtände im Werte von vielen Millionen
und entfernte ſich damit heimlich. In der Nymphenburgerſtraße wartete
unterdeſſen ihr Geliebter. Beide begaben ſich ſofort nach Paſing und
fuhren von dort nach Freiburg. Unterwegs bereits ſagte Freismidl
ſeiner Geliebten, daß ſie wieder in Stellung gehen und die Gelegenheit
zum Stehlen benutzen müſſe. Zu dieſem Zweck gab er ihr gefälſchte
Arbeitszeugniſſe.
Nach ihrer Ankunft in Freiburg begab ſich die Kirchinger zum
Arbeitsamt und erhielt dort eine Stelle bei der Kammerpräſidenten=
witwe
Daenzler in der Dreikönigſtraße 17. Sie trat die Stelle unter
falſchem Namen an. Das Drängen Freismidls, der zwei Nächte in der
Dienſtbotenkammer zugebracht hatte, beantwortete die Kirchinger mit der
Erklärung, daß alles verſchloſſen ſei. Dann erſchlagſt ſie!
war ſeine Erwiderung. Am 30. Juli vormittags gab er ihr ein Beil
in die Hand und ſchickte ſie ins Zimmer der Frau, damit ſie dieſe er=
morde
. Die Kirchinger ging mit dem Beil auch in das Zimmer. Doch
fehlte ihr der Mut zur Ausführung der Tat. Als ſie dies ihrem Ge=
liebten
fagte, erklärte er: Dann mach’ ich’s! Am Nachmittag führte
Freismidl dann die Bluttat aus. Sofort nach der Tat rafften die
beiden zufammen, was ſie Wertvolles fanden. Freismidl vergaß auch
nicht, ſein Mordwerkzeug mitzunehmen. Als er verhaftet wurde, trug
er das Beil noch am Leib.
Am 30. Juli abends fuhr das Verbrecherpaar nach Frankfurt a. M.
Dort verkauften ſie das geraubte Silbergeld. Am nächſten Tage fuhren
ſie nach Berlin weiter, wo ſie ſich 14 Tage unter falſchem Namen auf=
hielten
. Nach einer kurzen Reiſe nach Stettin kehrten ſie wieder auf
einige Tage nach Berlin zurück; dann fuhren ſie nach Paſſau. Von
dort begaben ſie ſich in die Gegend von Hautzenberg, wo die Kirchinger
eine verheiratete Schweſter beſuchte. Von dieſer erfuhren ſie, daß ſie
wegen des Mordes geſucht wurden. Jetzt reiſten ſie nach München, wo
ſie ſich ſeit 14 Tagen aufhielten. Meiſt trieben ſie ſich in der Umgebung
von München herum und nächtigten in Heuſtadeln. Von dem Erlös
des geruabten Gutes hatten ſie noch 55 Millionen Mark bei ſich.

Briefkaſten.
A. E. Wenden Sie ſich an das Deutſche Auslands=Inſtitut, Stuttgart.

Gottesdienſt der iſraelitiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge (Friedrichſtraße).
Freitag, den 15. Sept. Vorabendgottesdienſt 6 Uhr 30 Min.
Samstag, den 16. Sept. Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min.
Sabbatausgang 7 Uhr 20 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen: Morgens 6 Uhr 30 Min.
Abends 5 Uhr 45 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der Iſrael. Religionsgeſellſchaft.
Samstag, den 15. Sept. Vorabend 6 Uhr 10 Min. Morgens
8 Uhr. Nachm. 4 Uhr 30 Min. Sabbatausgang 7 Uhr 20 Min.
Wochengottesdienſt: Morgens 5 Uhr 15 Min. Abends 6 Uhr
15 Min.
Mittwoch, den 19. Sept.: Erev Jaum Kippur. Morgens
4 Uhr 30 Min. Nachm. 2 Uhr.

Wetterbericht der Gießener Wetterwarte.
Wettervorherſage für Samstag, 15. September.
Zunächſt noch heiter und trocken.

Tageskalender.
Heſſiſches Landestheater (Großes Haus), D 1, d 1, Anfang
7 Uhr, Ende 9¾ Uhr: Viel Lärmen um Nichts. Kleines Haus:
5 und 8 Uhr: Der erſte Ruſſenfilm Polikuſchka‟. Schloß=
Café: Nichard Wagner=Abend. Union=, Reſidenz=, Zentral=Theater,
Palaſt=Lichtſpiele: Kinovorſtellungen.

Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Stadt und Land,
Reich und Ausland: Max Streeſe; für den Inſeratenteil:
J. V. A. Fleiſcmann, ſämtlich in Darmſtadt.

Die heutige Nummer hat 6 Seiten

[ ][  ][ ]

neten=
ein
Lehrer

Darmſtädter Tagblatt
Handel und Wandel in Heſſen.
h. Heſſiſche Eiſenbahn=A.=G Darmſtadt. Auch im
lung am 28. Sextember eine Dividende von 200 (12) Prozent vorgeſchla= nominal 1000 Mark zu 50 000 Prozent zuzüglich Bezugsrechtſteuer und
gen wird.
h Offenbacher Gummiwerke Karl Stoeckicht A.=G.
und Erhöhung des Vorzugsaktienſtimmrechts vom 12= auf das 25 fache, innerhalb 55 Jahren rückzahlbare Roggenpfandbriefe im Geſamtbetrag
Wirtſchaftliche Rundſchau.
h Liga=Gummiwerke A.=G. in Frankfurt a. M. Auf
Antrag der Deutſchen Bank, Filiale Frankfurt, und des Bankhauſes
Otto Hirſch, Frankfurt a. M., wurde die Einführung von 12 Millionen
Mark Stammaktien zum amtlichen Handel an der Frankfurter Börſe ge=
werden
.
gebnis auch auf das erhöhte Aktienkapital erwartet werden könne.
Mainz, der aus folgenden Firmen beſteht: Louis Guntrum=Oppenheim
Louis Guntrum, außerdem Max Gehrig=Frankfurt a. M. gewählt.
* J. D. Riedel A.=G. Zwecks Errichtung von Neuanlagen, Er=
weiterung
der Auslandsbeziehungen und Verſtärkung der Betriebs=
mittel
des geſamten Konzerns, ſchlägt die Geſellſchaft Erhöhung des
Stammkapitals um nominal 110 Millionen Mark auf insgeſamt 25
dingungen zum Bezuge angeboten, der Aeſt der Geſellſchaft zur beſt= Generalverſammlung die Verteilung einer Dibidende von 50 Proz, für
Stammaktienkapitals findet gleichfals eine Erhöhung des zur Zeit acht= Mark vor.
ums Dr. Hans von Gwinner für einige Zeit ſeinen Wohnſitz nach den
Vereirigten Staaten verlegen, und aus dieſem Grund aus dem Vorſtand (i. V. 500 Mark) auf die Genußſcheine verteilt werden.
ausſcheiden.
Stammaktien des Unternehmens in den offiziellen Verkehr der Berliner dende von 500 Prozent zuzüglich einer Eutwertungsentſchädigung von
Börſe eingführt werden. Für dieſe Aktien beſtand im Freiverkehr in 2500 Prozent zur Verteilung vorſchlagen (i. V. 50 Prozent),
den letzten Tagen lebhaftes Intereſſe, ſodaß der Preis die Höhe von 60
Millionen erreichte.
* Neue Kalipreiserhöhungen. Die Sechſer=Kommiſſion
des Reichskalirates beſchloß einſtimmig eine Erhöhung der Kali= Inland=
preiſe
um 109,74 Prozent mit Wirkung ab 10. September, wobei ein
Verbraucherrabatt von 22½9 Prozent gewährt wird im Rahmen eines
vom 23. Auguſt ablaufenden Kontingentes von 400 000 Doppelzentnern
reinen Kalis für alle Aufträge, die zur prompten Lieferung bis zum
17. September nachmittags 4½ Uhr dem deutſchen Syndikat vorliegen.

Handelsbtat
Banken.
* Weſtbank A.=G. Frankfurt a. M. Ein Teilbetrag von
Geſchäftsjahr 1222/23 waren die Straßenbahnen nicht rentabel und nur 100 Millionen Mark der neu zur Ausgabe gelangenden 300 Millionen
durch befriedigendes Arbeiten des Elektrizitätswerks und des Gaswerks Mark ab 1. Januar 1923 dividendenberechtigten Stammaktien wird den
Ober=Roden konnte nach 929 (6) Mill. Mk. Rücklagen ein Reingewinn Aktionären in der Zeit vom 12. bis 26. September einſchließlich zum
von 22,99 (0,69) Mill. Mk. erzielt werden, woraus der Hauptverſamm= Bezug angeboten. Auf nominal 5000 Mark alte entfällt eine junge zu
Schlußſcheinſtempel.
* Roggenpfandbriefe der Bahriſchen Hypo=
in
Offenbach a. M. Die Verwaltung beantragt Kapitalserhöhung theken= und Wechſelbank. Dem Inſtitut wurde die Genehmi=
um
54 Millionen Mark Stammaktien auf insgeſamt 101 Millionen Mark gung erteilt, 130 000 Stück 4prozentige unverlosbare, ſeitens der Bank
von 500 000 Zentnern auszugeben. Die Rückzahlung wird nicht vor Be=
ginn
des fünften Jahres ſeit der Ausgabe, das Ausgabejahr als erſtes
gerechnet, erfolgen.
Neugrundungen.
Wein= und Spirituoſen=Handels=A.=G. Ludwigs=
nehmigt
. Nach dem Zulaſſungsproſpekt iſt der Geſchäftsgang bisher zu= hafen a. Rh. Mit 200 Millionen Mark Grundkapital wurde das neue
friedenſtellend geweſen. Infolge reichlicher Aufträge für den Reſt des Unternehmen gegründet, das den Handel mit Wein und Spirituoſen,
Geſchäftsjahres dürfte wieder mit einem gutem Ergebnis gerechnet ſowie die Vermittlung ſolcher Handelsgeſchäfte, ferner den Erwerb und
Betrieb von Fabriken und Unternehmungen, die ſich mit der Erzeugung,
hAdlerwerke Kleher, Frankfurt a. M. Zu der Ein= / Bearbeitung, Verwertung und Vertrieb von Spirituoſen befaſſen, weiter
führung der letzten 350 Millionen Mark Stammaktien an der Berliner die Errichtung und den Erwerb von Anlagen, die zur Förderung dieſer
Börſe teilt der Zulaſſungsproſpekt über den Geſchäftsgang mit, daß Zwecke geeignet ſind, zum Gegenſtand hat. Die Gründer, die ſämtliche
infolge des bisher befriedigenden Geſchäftsganges ein angemeſſenes Er= Aktien übernommen haben, ſind: Arnold von und zu Frauenberg, Kauf=
mann
in Berlin=Dahlem, Karl Pedell, Kaufmann in Charlottenburg,
b. A.=G für Kellereibedarf, vorm. Blitz u. Cb., Paul Nieſe Kaufmann in Berlin, Paul Kamrath, Direktor in Berlin,
Frankfurt a. M. Die außerordentliche Generalverſammlung geneh= Siegfried Brühn, Kaufmann in Berlin=Schöneberg. Zum Vorſtand
migte neben der bereits gemeldeten Kapitalserhöhung den Abſchluß einer wurde Kaufmann Richard Mayer, Ludwigshafen a. Rh. beſtellt. Mit=
Inter ſſengemeinſchaft mit dem Weinhandelskonzern G. m. b. H. in glieder des erſten Aufſichtsrates ſind: Dr. jur. Auguſt Weber, Berlin,
a. Rh., Louis Guntrum=Bensheim A.=G. J. A. Harth u. Co. A.=c.= Rud. Hünlich, Wilthen, Generaldirektor, Dr. Wilhelm Winkelhauſen,
Mainz, G. Sieben G. m. b. H.=Mainz. Als Vertreter des Weinhandel= Magdeburg, Generaldirektor Gotthard Seiferth, Starogard, Polen.
konzerns wurde in den Aufſichtsrat der Kellereibedarf=A.=G. Direktor Arthur Schick, Kaufmann, Saarbrücken, Leo Schick, Kaufmann, Saar=
brücken
und R.=A. Dr. G. Schulz, Ludwigshafen a. Rh.
Oividendenvorſchläge.
h. Gretſchel u. Ulbrich A.=G., Frankfurt a. M. Der Auf=
Millionen Mark vor. Ein Teilbetrag ſoll zu noch feſtzuſetzenden Be= ſichtörat ſchlägt der auf den 28. September einberufenen ordentlichen
möglichſten Verwertung überlaſſen werden. Mit der Erhöhung des das erſte Geſchäftsjahr und Kapitalserhöhung von 16 bis auf 64 Mill.
* Gardinenfabrik Plauen A.=G., Plauen. Die Ge=
fachen
Stimmrechts der 10 Millionen Mark Vorzugsaktien ſtatt: Um die fellſchaft erzielte im abgelaufenen Geſchäftsjahr einen Reingewinn von
Beziehungen zum Ausland, insbeſondere zu den Vereinigten Staaten 203 Millionen Mark (i. V. 3,9 Mill.). Hieraus ſoll eine Dividende von
weiter auszubauen, wird der ſtellvertretende Vorſitzende des Direktoris 1000 Prozent (i. V. 50 Prozent) auf die Stammaktien und 5000 Mark
* Eilenburger Kattunmanufaktur A.=G. Eilen=
* Ehriſtoph & unmack A.=G, Niesky. Durch die Firma burg. Die Geſellſchaft wird nach Vornahme reichlicher Abſchreibungen
E. L. Friedmann & Co, ſollen in den nächſten Tagen 99,5 Millionen und Rückſtellungen der Generalverſammlung zum 16. Oktober eine Divi=
Warenmärkte.

wb. Frankfürter Getreidemarkt vom 13 Sept. Ge=
treide
, Hülſenfrüchte und Biertreber ohne Sack; Weizenmehl, Roggen=
mehl
und Kleie mit Sack, Preis je 100 Kilogramm. Die Preiſe verſtehen
ſich für alsbaldige Lieferung; Parität: Frankfurt. Weizen, Wetterauer,
280300 Millionen Mk., Roggen 230250 Millionen Mk., Hafer, inlän=
diſcher
200220 Millionen Mk. ausländiſcher , Weizenmehl ſüdd.
Spez. 0 600640 Millionen Mk. (bei Waggonbezug ab Mühlenſtation),

14. September 1923Nr. 254

Roggenütehl 425450 Millionen Mk., Weizen= und Roggenkleie 140150
Millionen Mark. Tendenz: feſt.
wb. Verliner Produktenmarkt. Anſcheinend im Zuſam=
menhang
mit dem am Debiſenmarkt eingetretenen leichten Rückſchlag
war auch die Stimmung am Produktenmarkt heute merklich ruhiger. Die
Käufer hielten ſich aber in ihrer bisherigen Reſerve. Angeboten war
hauptſächlich bahnſtehende Ware, und zwar am meiſten in Roggen, ſo
daß hierfür billiger als geſtern anzukommen war. In Weizen waren
die Offerten bei recht auseinandergehenden Forderungen geringer, und
Umſätze fanden nur wenig ſtatt. Im Mehlgeſchäft iſt es bei nachgeben=
den
Preiſen etwas ſtiller geworden. Gerſte blieb nach wie vor geſucht.
Die übrigen Artikel veränderten ſich bei kleinen Umſätzen nur wenig im
Preiſe.
Börſen.
wb. Verliner Börſenbericht. Nachdem am Vormittag die
Debiſenpreiſe bei kleinen Umſätzen ungefähr auf der Grundlage von 450
und 100 Millionen für London bezw. Newyork genannt worden waren,
erfolgte bei Feſtſetzung der amtlichen Notierung infolge des Eingreifens
der Reichsbauk ein weiterer mäßiger Rückgang, wobei auch die Zuteilun=
gen
etwas höher als geſtern bemeſſen werden konnten. Die bisherige
dringende Nachfrage hat erheblich nachgelaſſen, und das Geſchäft iſt all=
gemein
geringer geworden.
w. Deviſemmarkt. Frankfurt a. M., 13. Sept. Telegr, Auszahlungen:

fe
Geid V. Ser
Geld V
Briel 2orat. Antwerpen=Bruſſel: 5685750. 571450 4289250. 4310750. Holland ......... 41895000. 42.105000. 136907500. 37 092500. London.. 488775000. 491 225000. 428 925000. 431 075000. Paris... 6782000. 6817000 15 486250 5513750. Schweiz 20 947500. 21058500. 16857750. 16942250. Spanien 14962500. 15037500 12568500. 12631500. Italien" 15 187000. 5213000. 4 139625. 4160375. Liſſabon=Oporto. Dänemark 19950000 20050000. 16957500. 17042500. Norwegen. 18952500. 19047500. 15 211875. 15 288125. Schweden 28927500. 29 (67500. 24 738000. 25 862000. Helſingfors 2693250. 2706500. New=York. 107730000. 108270000. 93765000. 94 235000. Deutſch=Oſterreich 157605. 158395. 137156.25 137843.75 Budapeſt 5286.75 531350 3790,50 3809.50 Prag. 3391500. 3408500. 2693250. 2706750. Agram.. 1296750. 1303250.

w. Deviſenmarkt. Berlin, 13. September Telegr, Auszahlungen für:


Vei
Brief
Geld 13. Septem
Geld
V Eert Amſterdam=Rotterdam 37205000. Rcee 36100000. 36491000. Brüſſel=Antwerpen ... 4688250. 4711750. 4408950. 4431050. 10 Chriſtiania . . . . . . 15561000. 15639000. N 14962500. 15037500. 12/. Kopenhagen .. 17556000. 17644000. 16758000. 16842000. 121. Stockholm.. 25536000. 25644000. 24538500. 24661500. 121, Helſingfors: 2593500. 2606500. 243850. 2466150. Italien. . 1 4309200. 4330800. 4029900. 4050100. London .. 438900000. 241100000 1 41i8950000. 421050000. New=York 95760000. 95240000. 9216900. 92631000. Paris... 5605950. 5634050 1 5306700. 5333300. 12l. Schweiz: 17316600. 17 403400. 16359000. 1641000. 121, Spanien 12967500. 13032500. 12369000. 12431000. 121, Wien (in Deutſch=O) 135660. 136340. 12/675. 130325. 10 Prag .. 2892750. 2907250. 2793000 2607000. Budapeſt: 5187. 5213. 4987.50 5012.50 Buenos=Aires 30922300. 31077500. 1 30124500. 30273500. Bulgarien:. 937650. 942350. 917700. 922300. Japan ... 458 5000. 46115000. 44688000. 44912000. Rio de Janeiro: 9576000. 9624000. 8977500. 9022500. Belgrad... 1037400. 1042600. 977500. 1002500. Liſſabonn. 3790500. 3809500. 3591000. 3609000. Sofia.. ..

Bankgeschaft
Fernsprecher 1308, 1309

11er 2FUTN
Aktien / Renten / Deuisen / Sorten.

Darmstadt
1 Luisenplatz 1

(3478a

Familiennachrichten

Statt Karten.

)

Die glückliche Geburt eines

Sonntagsmädels
zeigen an

Säo Paulo, 19. August 1923

Konsul Pistor

und Frau Frida Softe
geb. Erich
(7507
Todes=Anzeige.
Heute früh entſchlief ſanft nach
ſchwerem Leiden mein lieber, un=
vergeßlicher
Gatte, unſer Vater,
Schwiegerſohn und Bruder
Herr Leopold MahzerI.
Teilhaber der Fa. Gebrüder Mayer.
Im Namen der in tiefer Trauer
Hinterbliebenen:
Frau Hermine Mayer, geb. Mohr. R
Griesheim b. D., 12. Sept. 1923,
Die Beerdigung findet Freitag, den
14. Septbr., 9½ Uhr vorm., vom
Hauſe, Neue Darmſtädterſtraße 20,
aus ſtatt. (*24807

Dankſagung.
Für die ſo vielen Blumen=
ſpenden
und Teilnahme an un=
ſerem
ſchwerſten Verluſt und
Allen, welche das Geleit zur
letzten Ruhe gegeben, ſpreche
ich auf dieſem Wege im Namen
der trauernden Hinterbliebenen
meinen herzlichſten Dank aus.
Oscar Matzelt.
Darmſtadt, Schulſtr. 4. Gaust

2 Freunde, 23 u. 28J.
alt, ſuchen auf dieſem
Wege mit zwei einf.
alleinſtehend. Mädels
bekannt zu werden
zwecks ſpät. Heirat.
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Bild, das zurückgeſ.
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tüchtig im Haushalt,
mit Haus und Aus=
ſteuer
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amt
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zwecks ſpätererHeirat
in Briefwechſel zu
treten; am liebſten
Witwer ohne Kind.
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ſtellung
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gut erzog. Knaben,
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wünſcht die Bekannt=
ſchaft
m. Fräul. oder
Witwe nicht unter
25 Jahren, welche
Liebe zu d. Kindern
hat, zwecks ſpäterer
Heirat. Diskr. zuge=
ſichert
. Angeb. mit
Bild u. O. 140 an
die Geſchſt. (*24791

Reichsbeamter, Wit=
wer
, v. K., 36 J. alt,
möchte ſich wieder
verheiraten. Wtw.
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ſchriften u. P 17 an
die Geſchſt. (r24859
22

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billigung
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Weg verloren. Wie=
derbringererhälthohe

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ohne Haus. Ang. u.
P 7 Gſchſt. C24834

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Blumenthalſtraße 7.
In Ausführung der Verordnung vom 31, 8. 23, nach welcher als Höchſtgrund=
lohn
das 7fache der Reichsindexzahl zu gelten hat, wurde der ab 3, 9. 23 geltenden
Stufe 33 mit einem Grundlohn von 8 Millionen
die Stufe 34 Grundlohn 11 Millionen, tägl. Verdienſt von 10 050 00114050000
14050 00119 050 000
35. 15
angehängt.
Aus den gleichen Gründen wird Stufe 36 angefügt mit einem
Grundlohn 20 Millionen, tägl. Verdienſt von 19050 001 und mehr.
Der tägliche Beitrag beträgt:
in Stufe 34 Mk. 935 000

35 1275000
86 1700000
Die Stufen 34 und 35 ſollen am 10. 9. 23 und die Stufe 36 am 17. 9. 23 in Kraft treten,
Ferner wird bekanntgegeben, daß mit Wirkung vom 17. 9, 23 die drei unterſten
Stufen 3, 4 und 5 mit der 6. Stufe vereinigt werden, mit einem Grundlohn von
28 000 Mk. und einem täglichen Beitrag von 2880 Mk., mithin per Monat bei 50 Tagen
71400 Mk.
Die Arbeitgeber werden erſucht, die entſprechenden Meldungen zur richtigen
Einſtufung alsbald bewirken zu wollen. Sodann geſtatten wir uns, darauf hinzuweiſen,
daß Arbeitgeber von mindeſtens 5 Verſicherten die Beiträge nach jeder Lohnzahlune
an die Kaſſe abzuführen haben. Erfolgt dies nicht, ſo wird ein Aufſchlag von 10 %
für jede Woche des Verzugs berechnet.
Auf unſere Bekanntmachung vom 5. 9, 23 nehmen wir noch Bezug.
(7506
Darmſtadt, den 13. September 1923,
Der Vorſtand.
Sames, II. Vorſitzender.

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