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Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Ntr. 327.
Freitag, den 27. November.
1914.
der Krieg.
Von den Kriegsſchauplätzen. — Der türkiſche Krieg. — Der Neutralitätsbruch Belgiens. — Ueber die Schonung der
Kunſtſchätze im Kriege. — Rußlands Weltabgeſchloſſenheit. — Die Verletzung ſchweizeriſcher Neutralität.
Von den Kriegsſchauplätzen.
40 000 ruſſiſche Gefangene.
* Großes Hauptquartier, 26. Nov. (W. T. B.
Amtlich.) Die Lage auf dem weſtlichen
Kriegs=
ſchauplatz iſt unverändert. In der Gegend Hilaire
und Souain wurde ein mit ſtarken Kräften angeſetzter,
aber ſchwächlich durchgeführter franzöſiſcher Angriff unter
großen Verluſten für den Gegner zurückgeſchlagen. Bei
Apremont machten wir Fortſchritte.
In Oſtpreußen iſt die Lage nicht verändert.
In den Kämpfen der Truppen des Generals von
Mak=
kenſen bei Lodz und Lowitſch haben die ruſſiſche 1.
und 2. und Teile der 5. Armee ſchwere Verluſte
er=
litten. Außer vielen Toten und Verwundeten haben die
Ruſſen nicht weniger als etwa 40000 unverwundete
Gefangene verloren. 70 Geſchütze, 160
Muni=
tionswagen, 156 Maſchinengewehre ſind von
uns erbeutet, 30 Geſchütze unbrauchbar gemacht worden.
Auch in dieſen Kämpfen haben ſich Teile unſerer
jun=
gen Truppen trotz großer Opfer auf das
glän=
zendſte bewährt.
Wenn es ungeachtet ſolcher Erfolge noch nicht
gelun=
gen iſt, die Entſcheidung zu erkämpfen, ſo liegt das an
dem Eingreifen weiterer ſtarker Kräfte des Feindes von
Oſten und Süden her. Dieſe Angriffe ſind geſtern
überall abgewieſen worden. Der endgültige
Ausgang der Kämpfe ſteht aber noch aus.
Oberſte Heeresleitung.
2
* Die Kreuzzeitung ſchreibt: Die Unternehmungen
auf dem weſtlichen Kriegsſchauplatz trugen in
der letzten Zeit den Charakter eines mühſeligen
Stel=
lungskrieges, dem der Kaiſer den treffenden Namen
„Maulwurfskrieg” gegeben hat. Die naſſe Kälte, in die
das Wetter dort nach einer Zeit klaren Froſtes
umge=
ſchlagen war, erſchwerte unſeren Soldaten das
Vordrin=
gen erheblich, ja es brachte ſtellenweiſe die
Unternehmun=
gen ſogar zum Stillſtand. Hierin ſcheint auf dem rechten
Flügel unſerer Aufſtellung ſoeben eine Aenderung
einge=
treten zu ſein.
Der Amſterdamer Telegraaf meldet aus Sluis:
Sturmwetter und Schneewehen machten die Operationen
an der Küſte geſtern ſchier unmöglich. Geſtern abend war
kein Kanonendonner vernehmbar. Die Grenze zwiſchen
Belgien und Seeländiſch=Flandern iſt nach wie vor ſtreng
geſchloſſen und von dem deutſchen Landſturm beſetzt. Im
Kampfe um Ypern hat ſich nichts geändert. Der Froſt
hat aufgehört und der Boden iſt wieder in Moraſt
ver=
wandelt, umſomehr, als es in den letzten Tagen ziemlich
viel geſchneit hat. In Rouſſelaere herrſcht Ruhe. Die
Truppenbewegungen nach der Front und die Ankunft
Verwundeter dauern fort. Die Laufgräben der
feind=
lichen Armeen liegen an einigen Stellen nur 50 Meter
voneinander entfernt. Man hört ſich gegenſeitig ſprechen.
Die Soldaten haben in den Laufgräben viel unter dem
Waſſer und Eis zu leiden.
Die Köln. Ztg. ſchreibt: An der flandriſchen Küſte
haben engliſche und franzöſiſche Schiffe am 22. und 23.
November eine lebhafte Beſchießung der
Seedör=
fer nordöſtlich Nieuport begonnen. Beſonders heftig iſt
die Beſchießung von Zeebrügge geweſen. Hier mündet
der große Kanal, der Brügge den verlorenen Anſchluß
an den Weltverkehr wiedergeben ſoll, dem die Stadt im
Mittelalter ihre hohe Blüte verdankte. Von 1895 bis
1904 ſind in Zeebrügge rieſige Hafenanlagen entſtanden,
die von einem 2,2 Kilometer langen und 50 Meter breiten
Staden gegen das Meer abgeſchloſſen werden, auf dem
Lagerhäuſer und Elevatoren errichtet wurden. Dieſer
Außenhafen iſt der Ausgangspunkt eines 70 Meter
brei=
ten und 8 Meter tiefen Kanals, den auch größere
See=
ſchiffe befahren können, und der in einen mit
Schleuf=
abgeſchloſſenen Binnenhafen führt. Weitere
Verbindun=
gen laufen nach Brügge und dem Kanalnetz von Nord=
belgien. Daß die feindlichen Schiffe ihr Feuer gerade
auf Zeebrügge lenkten, iſt aus dem Wunſch zu erklären,
dieſen Hafen zu zerſtören, ehe die Deutſchen ihn als
Stütz=
punkt für Unternehmungen zur See benutzen können.
Eng=
land hat mit Freude die Gelegenheit ergriffen, einen
Ha=
fen zu zerſtören, der ein Nebenbuhler im Weltverkehr
werden könnte. Deshalb hätte man ja auch in Antwerpen
am liebſten die großartigen Hafenanlagen vernichtet,
wenn nur Zeit dafür geblieben wäre. Immer wieder zeigt
ſich der ſchrankenloſe Eigennutz, der die engliſche Politik
beſeelt. All das Elend, das über Belgien gekommen iſt,
hat ſeine Regierung verſchuldet, die ſeit Jahren in
vol=
lem Einvernehmen mit dem Dreiverband einem Krieg
gegen Deutſchland entgegenſah, der allerdings nicht die
Wendung genommen hat, die man in dem Lager der
Verbündeten erwartete. Militäriſch war, wie geſagt,
die Beſchießung der Küſte gleichgültig. Die Lage hat ſich
dadurch nicht verändert, ſie iſt überhaupt in den letzten
Tagen in Weſtflandern die gleiche geblieben, weſentlich
wegin des Wetters Der Nieuwe Rotterdamſche
Cou=
rant ſchreibt aus Ooſtburg über die Beſchießung des
Ha=
fens Zeeb ügge: Das Bombardement machte auf die
Ein=
wohner einen entſetzlichen Eindruck. Sie flüchteten in
hellen Haufen nach Knocke oder landeinwärts. Viele
ſuchten auch in den Kellern Schutz. Vernichtet ſind das
neue baute Palaſthotel, das Lotſengebäude und die
Bri=
kettfabrik. Außerdem wurden 17 Privathäuſer, 2 Hotels,
eine M hle und eine Kirche durch Granaten getroffen.
Heyſt iſt nicht beſchädigt worden. In Zeebrügge wurden
17 Soldaten getötet.
* Paris, 25. Nov. Die Zeitungen, die ſeit Wochen
erklärt hatten, die Schlacht an der Aisne habe mit
einem Siege der franzöſiſchen Armee geendet, der Rückzug
der Deutſchen in Nordfrankreich ſtehe bevor und die
Deut=
ſchen ſeien zu geſchwächt, um die Offenſive wieder
auf=
nehmen zu können, fangen an, die Oeffentlichkeit darauf
vorzubereiten, daß die Wiederaufnahme der
deutſchen Offenſive in großem Umfange
bevorſtehe. General Bonnal erklärt im Matin: Wir
müſ=
ſen Joffre noch einige Wochen Friſt laſſen. Mit Hilfe
engliſcher Verſtärkungen und der Altersklaſſe 1914 und
mit genügender Munition werden wir vorwärts
mar=
ſchieren können. Bis dahin genügt es, die Stellungen zu
behaupten. — Oberſtleutnant Rouſſet ſchreibt in der
Li=
berté: Die Schlacht an der Aisne ſcheint keine ernſtlichen
Folgen haben zu können, es ſei denn, daß künftige
Nach=
richten andere Schlüſſe zulaſſen und nicht vorläufig nur
bedeuten, daß die Deutſchen nachlaſſen, einen
entſchei=
denden Schlag an den Paris zunächſtliegenden Teilen der
Front ausführen zu wollen. Der Figaro ſchreibt: Es iſt
wenig wahrſcheinlich, daß die Deutſchen ſich mit der
De=
fenſive begnügen werden. Man muß vielmehr glauben,
daß ſie eine ernſtliche ſtarke Offenſive maskieren und
vor=
bereiten wollen. Möglicherweiſe ſetzt die Offenſive bald
an den von ihnen gewählten Stellen ein, die wir nicht
kennen. Wir können aber verſichert ſein, daß die
Offen=
ſive die franzöſiſche Heeresleitung nicht unvorbereitet
treffen wird.
* Im Berliner Lokalanzeiger heißt es zu dem
Schei=
tern der ruſſiſchen Gegenoffenſive: Die
er=
folgreiche Arbeit auf dem ruſſiſchen Südflügel ſchreitet
rüſtig fort. Die Erfolge öſtlich von Ezenſtochau und im
Zentrum öſtlich von Lodz ſollten genügen, um dem
ruſ=
ſiſchen Oberkommando klar zu machen, daß eine ruſſiſche
Offenſive keine Ausſicht auf Erfolg mehr habe.
* Peſt, 26. Nov. Ein offiziöſer Bericht beſagt: Die
Zurückdrängung des durch die
Karpathen=
päſſe in die Komitate Ung und Zemplin
eingedrunge=
nen Feindes iſt mit Erfolg in Angriff genommen
wor=
den. Bei dem derzeitigen Stand der Operationen können
Einzelheiten nicht bekanntgegeben werden. Doch kann
be=
kanntgegeben werden, daß der Uſzoker Paß ſich wieder in
unſerem Beſitz befindet, und damit das Komitat Ung von
dcn Feinde geſäubert iſt. Die in das Komitat Zemplin
eingedrungenen feindlichen Kräfte zogen ſich nach
ſchwe=
ren Verluſten zu rück.
Der türkiſche Krieg.
Der Heilige Krieg.
* Konſtantinopel, 26. Nov. Die Regierung
ließ den Blättern eine vom 21. November datierte
Pro=
klamation, betreffend den Heiligen Krieg,
(arab. Datum 2. Muharrem 1333), zugehen. Die
Prokla=
mation trägt oben den eigenhändigen Namenszug des
Sultans und darunter die Worte: Ich befehle, daß dieſe
Proklamation in allen muſelmaniſchen Ländern verbreitei
werde. Sie iſt gezeichnet vom gegenwärtigen und drei
früheren Scheichs ul Iſlam, ſowie 24 hohen geiſtlichen
Würdenträgern. Der Proklamation voran geht eine
Be=
merkung, in welcher feſtgeſtellt wird, daß der Heilige Krieg
gegen die Feinde des Iſlams gerichtet iſt, die
ihre Feindſeligkeit durch Angriffe gegen das Kalifat
kundgegeben haben, während für die Staatsangehörigen
der übrigen Mächte, welche die Verträge beobachten, und
ihre Freundſchaft bekunden, die iſlamitiſchen Grundſätze
der Gerechtigkeit und des Friedens wechſelſeitige gute
Beziehungen erheiſchen.
* Konſtantinopel, 26. Nov. Der Scheich
Mehmed el Senuſſi, ein Neffe des Großen Scheich,
und der Scheich Geſchir el Senuſſi, die hier
einge=
troffen ſind, erklärten gegenüber den Vertretern türkiſcher
Blätter, ſie ſeien drei Monate vor der türkiſchen
Mobil=
machung abgereiſt. Sie hätten ſich in Sollum
einge=
ſchifft und ſeien über Alexandrien, Port Said und
Damas=
kus nach Medina gereiſt und ſodann über Aleppo
zurück=
gekehrt. In allen türkiſchen Städten ſeien ſie mit großen
Ehrenbezeugungen empfangen worden. Der Große Scheich
habe bereits vor der Proklamierung des
Hei=
ligen Krieges allen Zaujas in Marokko und Tunis
befohlen, den Heiligen Krieg gegen die Franzoſen
zu eröffnen. Der Krieg dauere ſeit Proklamierung des
Dſchihad fort. Auch die Zaujas in Aegypten erhielten
denſelben Befehl. In dieſem Augenblick dürfte der
Hei=
lige Krieg gegen die Engländer bereits
begon=
nen ſein. Wir wollten, ſagten die beiden Senuſſi, den
Dſchihad ſchon lange vorher eröffnen, aber eine innere
Stimme gebot uns, eine günſtige Zeit abzuwarten. Die
ſenuſſiſchen Streitkräfte, die gegen die Engländer
mar=
ſchieren ſollen, belaufen ſich auf einige hunderttauſend
Krieger. Alle wurden aufgefordert, ihre Pflicht zu
er=
füllen, um den Iſlam zu retten. Auf die Frage, ob der
Krieg gegen Italien fortdauern werde, ſagten die
Senuſſi: Da die von dem Kalifat erlaſſenen Fetwas den
Heiligen Krieg nur gegen die kriegführenden feindlichen
Mächte proklamiert haben, wäre es unmöglich, gegen eine
Macht vorzugehen, die heute mit dem Kalifat
freund=
ſchaftliche Beziehungen unterhalte. Die Senuſſi richteten
alſo ihren Haß gegen die Mächte, welche die Feinde des
Kalifats ſeien.
Die Sperrung des Suezkanals.
* Mailand, 25. Nov. (Ctr. Bln.) Wie Unione
meldet, haben die Türken bei der Beſetzung von
El Khazna im Suezkanal zwei ältere Dampfer
unbe=
kannter Nationalität gekapert, um ſie im Falle einer
For=
cierung der Durchfahrt durch engliſche Kriegsſchiffe zu
verſenken und damit die ganze Kanaldurchfahrt
zu ſperren. Vorläufig iſt in Kantara eine
Kontroll=
ſtation für ſämtliche den Kanal durchfahrenden
Handels=
ſchiffe eingerichtet worden. Die türkiſche Kontrolle des
Suezkanals England gegenüber iſt ſomit Tatſache
gewor=
den. Weiter wird berichtet, daß ſich auch gegen den Ort
Suez türkiſche Truppen im Anmarſch befinden. Die
draht=
loſe Verbindung Suez-Port Said iſt ſeit Samstag
geſtört.
* Rom, 25. Nov. Der hieſige türkiſche Botſchafter
teilte den Zeitungen mit, daß ägyptiſche Reiterei,
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. November 1914.
Nummer 327.
die die Vorhut des engliſchen Heeres am Suezkanal bildet,
zu den Türken übergegangen ſei.
Die Beſetzung von Täbris.
* Konſtantinopel, 26. Nov. Terdjumen=i=
Haki=
kat beſtätigt die geſtern abend hier eingelaufene Nachricht,
daß in Täbris 2000 Ruſſen von Angehörigen
perſiſcher Stämme ermordet worden ſind.
Der Neutrafitätsbruch Belgiens.
*⁎* Die unter dieſer Ueberſchrift von der deutſchen
Regierung erfolgte Veröffentlichung der in Brüſſel
auf=
gefundenen Schriftſtücke über engliſch=belgiſche
Verhand=
lungen wegen Landung engliſcher Truppen in Belgien
iſt ein neuer Beweis dafür, daß Belgien ſelbſt ſeine
Neu=
tralität längſt gebrochen hatte und mit dem Bruche
der=
ſelben ſeitens Englands ſchon Jahre vorher
einverſtan=
den war, ehe Deutſchland in der Vorausſicht der von den
Feinden geſchmiedeten Pläne das Land militäriſch
be=
ſetzen ließ. Wenn die britiſche wie die belgiſche
Regie=
rung gegenüber den früheren Enthüllungen über
mili=
ſtäriſche Abmachungen beider Staaten ſich aufs Ableugnen
und Beſchönigen gelegt hatten, ſo können ſie das
ange=
ſichts der vorliegenden unanfechtbaren Dokumente nicht
mehr, welche den ſtrikten Beweis liefern, daß es ſich nicht
lediglich um unverbindliche Beſprechungen zwiſchen
eng=
liſchen und belgiſchen Militärperſonen, ſondern um
Ver=
einbarungen handelte, von denen die
beiderſeiti=
gen Regierungen Kenntnis hatten. Aus den
Schriftſtücken geht auch hervor, daß das militäriſche
Zu=
ſammengehen, insbeſondere die Landung britiſcher
Trup=
pen in Belgien, nicht nur in großen Umriſſen verabrede:
worden war, vielmehr waren die Pläne in allen
Einzel=
heiten feſtgelegt und es iſt bemerkenswert, daß von der
belgiſchen und der engliſchen Armee immer als von „
ver=
bündeten” Streitkräften geſprochen wird.
Englands ganze Nichtswürdigkeit wird
in dieſen Schriftſtücken noch einmal vor aller Welt
ent=
hüllt; es war, unter Verletzung der belgiſchen Neutralität,
zu einem Angriff auf Deutſchland ſchon feſt entſchloſſen,
als noch Sir Grey deutſchfreundliche Verſicherungen im
Parlament abgab, als er noch an derſelben Stelle erklärte,
England habe keine Bündniſſe mit anderen Staaten, und
als noch die unter Förderung der Londoner Regierung
abgefandte Abordnung engliſcher Arbeiter in Deutſchland
weilte und hier gefeiert wurde. Wer weiß, wieviel Spione
von der britiſchen Militärverwaltung in dieſe
Abord=
nung hineingeſchmuggelt worden waren! Aus den
Schrift=
ſtücken läßt ſich aber auch erkennen, daß Belgien die
volle Mitſchuld an dem Schickſal trägt, welches das Land
ereilt hat, und daß die frivole Art und Weiſe, wie es
gegen ein Reich, mit dem es ſtets die beſten Beziehungen
unterhalten hatte, und mit dem es einen regen
Geſchäfts=
verkehr pflog, Verrat übte, gar nicht hart genug
be=
ſtraft werden kann. Wenn König Albert, ein Sproß aus
deutſchem Fürſtengeſchlechte, der es über ſich gewann, an
dem Verrate teilzunehmen, ſeines Thrones verluſtig geht,
ſo hat er ſich das ſelbſt zuzuſchreiben. Ohne ſeine
Zu=
ſtimmung ſind die letzten entſcheidenden Schritte und
Ab=
machungen ſchwerlich erfolgt, und jedenfalls hatte er von
dem bald ausbrechenden Kriege Kenntnis, als er im
No=
vember v. Js. ſein deutſches Dragoner=Regiment beſuchte
und auch am Berliner Hofe weilte. Welche Gedanken
müſſen ihn erfüllt haben im Angeſichte des Kaiſers, den
zu überfällen er im Komplott mit England und
Frank=
reich war!
Die Strafe für alle Niederträchtigkeit, mit der unſer=
Feinde ſo furchtbares Unheil über die Welt brächten,
wird hoffentlich nicht ausbleiben.
Die Gefangenen in Tſingtau.
* Berlin, 25. Nov. Nach den bisher vorliegenden
Nachrichten beträgt die Zahl der bei dem Kampfe um
Tſingtau beim Falle der Feſtung gefangenen
Ange=
hörigen etwa 4250, einſchließlich 600 Verwundeter. Die
Zahl der Gefallenen ſoll etwa 170 betragen, darunter G
Offiziere. — Von dem öſterreichiſch=ungariſchen Kreuzer
„Kaiſerin Eliſabeth” ſind 1 Leutnant und 8 Mann
ver=
wundet, 8 Mann tot. Die Behandlung der Gefangenen
in Japan ſoll gut ſein. Die japaniſche Regierung hat die
baldige Ueberſendung namentlicher Liſten der Toten,
Vex=
wundeten und Gefangenen in Ausſicht geſtellt.
Patriotiſche Kundgebung im ungariſchen
Abgeordnetenhauſe.
* Peſt, 25. Nov. Die heutige Sitzung dies
Ab=
geordnetenhauſes geſtaltete ſich zu einer großen
Opation für das Deutſche Reich und Kaiſer
Wilhelm, wobei auch mit großer Sympathie an die
Waffenbrüderſchaft des türkiſchen Reiches gedacht wurde.
Vizepräſident von Scaſz beantragte zunächſt, das Haus
möge Kaiſer Franz Joſef ſeine Huldigung ausdrücken und
beſchließen, daß das Abgeordnetenhaus ſeine
Bewunde=
rung, ſeinen Stolz und ſein Vertrauen zu der ruhmvoll
kämpfenden Armee zu Händen des
Höchſtkommandieren=
den, Erzherzog Friedrich, zum Ausdruck bringe. Sodann
fuhr der Vizepräſident fort: Es kann hier nicht meine
Aufgabe ſein, eingehend das herrliche Beiſpiel der
Bun=
destreue zu würdigen, in welcher das mächtige Deutſche
Reich (bei dieſen Worten bricht das ganze Haus in
ſtür=
miſche Beifallskundgebungen aus) mit ſeinem
hochſinni=
gen Kaiſer an der Spitze (erneute, ſtürmiſche
Beifalls=
kundgebungen, an denen alle Parteien ohne Unterſchied
teilnahmen), ſich bewährt haben. Es kann auch nicht
meine Aufgabe ſein, im einzelnen die Waffenbrüderſchaft
zu würdigen, welche mit der osmaniſchen Armee zuſtande
gekommen iſt, aber ich darf wohl im Namen des ganzen
Hauſes ausſprechen, daß wir von den aufrichtigſten und
wärmſten Sympathien für dieſe Nationen erfüllt ſind,
daß wir ihre Sache als die unſere anſehen, ihren Triumph
aus ganzer Seele herbeiwünſchen und ſie zu ihren
bis=
herigen Erfolgen aus tiefſtem Herzensgrunde
beglückwün=
ſchen. (Stümiſcher Beifall.) Ich beantrage daher, daß
wir die herzlichen Gefühle, welche uns für die mit uns
Schulter an Schulter kämpfenden Nationen beſeelen, in
dem Protokoll zum Ausdruck bringen. Ich bitte um die
Ermächtigung, dieſe in entſprechender Form an die
zu=
ſtändige Stelle gelangen laſſen zu dürfen.
Die deutſche und die internationale
Sozialdemokratie.
* (Ctr. Bln.) Im Anſchluß an die Beſprechung einer
Kundgebung der ſpaniſchen Sozialdemokratie,
worin im angeblichen Intereſſe des Fortſchreitens von
Demokratie und Sozialismus die Niederlage
Deutſch=
lands und Oeſterreichs gewünſcht wird, ſchreibt die
ſozial=
demokratiſche Chemnitzer Volksſtimme unter Hinweis auf
die Haltung der Schweizer und ſchwediſchen
Sozialdemokratie: „Wir können die ſpaniſche
Sozialdemokratie nicht recht als zuſtändig anerkennen für
die Beurteilung der Frage, wie ein ruſſiſcher Sieg über
Deutſchland kulturell, verfaſſungspolitiſch und ſozial
wirken müßte. Aber die ſpaniſche Sozialdemokratie hat
ſich ein Verdienſt erworben, indem ſie offen ausgeſprochen
hat, was die ſozialiſtiſchen Organiſationen vieker neutra=
ler Länder wünſchen. Sie wollen unſere Niederlage und
damit iſt der internationale Verkehr für die Kriegsdauer
mit ihnen genau ſo unmöglich, wie mit den ſozialiſtiſchen
Parteien der feindlichen Länder. Deutſchland hat
we=
nig Freunde in der Welt, die deutſche
Sozial=
dempkratie in der internationalen gar
keine.
Ueber „Die Schonung der Kunſtſchätze
im Kriege‟.
ſchreibt Oberſt Müller in der Neuen Zürcher Zeitung:
Die Proteſte und Vorwürfe gegen die deutſche
Kriegführung wegen der unnötigen Zerſtörung von
Kunſtſchätzen ſind meines Erachtens unbegründet.
Freilich übten die Deutſchen ebenſowenig wie ihre
Geg=
ner Schonung, wenn der Zweck des Krieges es erforderte.
Wenn ſie anders handeln würden, ſo würden ſie ein
Verbrechen an ihrem eigenen Volke begehen.
Wenn der Feind eine Kathedrale als Beobachtungspoſten
benutzt oder Batterien dahinter aufſtellt, ſo beſchieße ich
dieſe Kathedrale. Die Zerſtörung mag hundertmal als
barbariſch bezeichnet werden. Eine viel größere
Barbarei wäre es, anders zu handeln, wodurch ich
Hunderte braver Krieger dem Verderben preisgeben und
die eigene Kriegskraft brechen würde. Iſt eine Ortſchaft
beſetzt, ſo habe ich als Führer die heilige Pflicht, ſie zu
beſchießen auch wenn wertvolle Kunſtſchätze dabei
zu=
grunde gehen. Krieg iſt Krieg. Wer den Endzweck
er=
reichen will, muß die Vernichtung des Feindes
wollen. Dieſe grundſätzlichen Kriegsrechte ſind ſo
ſelbſt=
verſtändlich, daß man darüber keine Worte ſollte
verlie=
ren müſſen. Die deutſche Kriegführung zerſtört nicht
un=
nötig, jedenfalls nicht mehr als der Gegner tut. Oft ſogar
geſchieht von den hochſten Stellen aus das Möglichſte, um
Zerſtörungen zu verhindern. Der Artikelſchreiber teilt
ſodann wörtlich einen Brief eines Hauptmanns mit, der
aus der Linie in Woevre bittet, die Kunſtſchätze von Etain
durch das Metzer Muſeum dem Beſitzer und der Mitwelt
zu retten. Das Gemeindearchiv iſt bereits gerettet, um
es ſpäter der Gemeinde wieder zuzuſtellen. Schreiber
hofft, daß ſeine Ausführungen dazu beitragen werden,
die Vorurteile gegen die Deutſchen zu befeitigen und den
ungerechten Anſchuldigungen den Boden zu entziehen.
Von deutſchen Männern, deren Wort etwas gilt, iſt
wiederholt der Wunſch ausgeſprochen worden, daß man
ſich gegen die nichtswürdigen Verleumdungen unſerer
Kriegführung, die namentlich von den Engländern
aus=
gehen, überhaupt nicht mehr rechtfertigen ſolle, ſondern
ihnen am beſten dafür mit der eiſernen Fauſt in die
Lügen=
mäuler fahre. Immerhin iſt dieſe Auslaſſung, die von
neutraler Seite kommt, mitteilenswert.
Die Lügen=Times am Pranger.
* Nach Ballin, Rathenau und Heineken ergreift nun
auch Auguſt Thyſſen das Wort. Das Wolff=Bureau wurde
um Verbreitung folgender Erklärung erſucht:
Mülheim.=Ruhr. Die unter Nennung auch meines
Namens von der Times aufgeſtellten Behauptung über
aufkommenden Kriegspeſſimismus in der deutſchen
In=
duſtrie iſt vollkommen aus der Luft gegriffen und nötigt
mich zu der Erklärung, daß ich mit den Vertretern der
deutſchen Erwerbsſtände einig bin in der
unerſchütter=
lichen Zuverſicht auf den endgültigen Sieg unſerer
Waf=
ſen und der feſten Entſchloſſenheit, dieſen Krieg auch
wirt=
ſchaftlich bis zum Ende durchzuhalten. Ich habe genau
die gegenteilige Auffaſſung von der Lage, als ſie der mir
gänzlich unbekannte neutrale Gewährsmann der Times
mir unterſtellte. Ich habe mich auch niemals, weder
direkt noch indirekt, in ähnlichem Sinne geäußert. Auch
hat die deutſche Regierung niemals den geringſten
Ver=
ſuch gemacht, ſich mit mir darüber zu beſprechen. Wenn
Deutſchland die Intrigen Englands und das Beſtreben,
ſeine Alleinherrſchaft auf dem Weltmeer immer mehr zu
entwickeln, Jahrzehnte lang ertragen und wenn es ruhig
mit angeſehen hat, wie England aus rein egoiſtiſchen
Intereſſen die Revancheluſt Frankreichs genährt und die
durch den Berliner Frieden geſchaffene ernſtliche
Miß=
ſtimmung Rußlands gegen uns ſich zunutze gemacht hat,
überhaupt der ganzen Einkreiſungspolitik Eduards VII.
und ſeines Nachfolgers in der jetzigen engliſchen Regie=
Der Marſchall Vorwärts und
die Engländer.
In letzter Zeit las man in den Zeitungen häufig
Urteile hochſtehender Männer über die Engländer; nicht
nur Deutſche haben das grundeigenſte Weſen jener
Krä=
mer erkannt und treffend in Worten feſtgelegt, ſondern
auch Engländer ſelbſt haben oft genug ihren Landsleuten
warnend zugerufen, wohin der Weg führt, den ſie gehen.
Ich nenne hier nur Bernhard Shaw und Carlyle, der
vor etwa 50 Jahren ſchon ſeine warnende Stimme hob.=
Es ſind jetzt 100 Jahre her; damals waren die
Eng=
länder aus „Geſchäftsintereſſen” bekanntlich unſere
Ver=
bündeten. Wie genau aber der alte Blücher ſeine
Eng=
länder erkannt hatte, wie er ſie aufzufaſſen und ihre Hilfe
zu bewerten wußte, wird gerade heute ein jeder gerne
leſen. Vor mir liegt ein Buch: Deutſcher Heldenhumor”,
von Louis Baron von Falkenſtein; herausgegeben von
Leopold Graf von Kalckreuth. Ich greife einige Stellen
heraus:
„Vom überraſchten Napoleon eifrigſt verfolgt, hatte
Blücher am 4. März die Aisne erreicht, wo ſein bereits
angekommener „Schwerenöter” — ſo nannte er Bülow—
das feſte Soiſſons zur Kapitulation gezwungen und dadurch
dem ſchleſiſchen Heere einen Uebergang geſichert hatte.
Jenſeits, bei Craonne, wollte Blücher eine Schlacht
an=
nehmen; allein der „Kantſchu=Ritter” Wintzingerode war
nicht ſo pünktlich wie Bülow geweſen, und Blücher
ent=
ſchloß ſich, bis in die ſtarke Stellung von Laon
zurückzu=
gehen. Nach der blutigen Schlacht bei Laon am 9. und
10. März brach Blücher am 16. auf, als der Erſte zur
großen Heerfahrt nach dem verhaßten Babel”, wie er
Paris ſtets nannte. Am 2. Juni wurde Blücher zum Fürſten
von Wahlſtatt erhoben, am 6. Juni begleitete er den König
auf einer Reiſe nach England. Als er dort mit dem Rufe
„Hepp, hepp, hurräh! Blutſcher!” begrüßt wurde, meinte
er: „Nu engliſieren ſie mich auch — doch glücklicherweiſe
nur im Namen.‟ Die Damen drängten ſich an ihn heran,
um ihn zu küſſen. „Sapperment!” rief er, „wenn mir
doch das vor 50 Jahren paſſiert wäre.”
Die Stadt London gab ihm das Bürgerrecht. „Viel
Ehre, wenn ich mich nur nicht mit boxen ſoll!” dankte er.
Die Univerſität Oxford ſandte ihm das Doktor=Diplom. —
„Wie, Ochs — Ochſe fort?” fragte er, abſichtlich
mißver=
ſtebend; „das klingt eben nicht gaſtlich. Kann jetzt nicht
mehr als akademiſcher Fuchs an zu ochſen fangen.” Als
endlich die Abreiſe kam, meinte er: „Es iſt Zeit, daß wir
das Inſelland verlaſſen, ſonſt hätten Lob und Luft mi
benebelt, daß auch ich einen Spleen nach dem Kontinent
gebracht hätte.”
Er wurde zum großen Kongreß nach Wien geladen,
wo alle deutſchen „Potentaten und Potentätchen” von
Gott=
tes und Napoleons Gnaden, ſowie die Diplomaten von
ganz Europa ſich verſammelten. — „Was ſoll ich da; da
würden mir nur wieder die Glacés platzen und die
Fauſt=
handſchuhe — na, ich ſehe kommen, daß wir Preußen ſolche
bald wieder anziehen müſſen.”
Sein Wahrſpruch ſollte bald in Erfüllung gehen. Am
9. März 1815 polterte er die Treppe des engliſchen
Ge=
ſandtſchaftshotels hinauf. „Haben die Engländer eine
Flotte im Mittelmeer?” rief er dem Lord, ohne weiteren
Morgengruß, entgegen.
„Warum?” fragte der Lord verſteckt.
„Warum? — darum —, weil der Teufel, oder
viel=
mehr der Bonaparte wieder los iſt.”
„Ich weiß.”
„Sie wiſſen? — Aber wenn Sie auch in Ihrem
Ox=
ford ſtudiert haben, ſo werden Sie auch wiſſen, daß Elba,
wo er verſchwand, nicht weit von Frankreich entfernt iſt,
und dort es wieder ſichtbar wird.”
„Goddam! Da werden wir ihn ſchon kapern.”
„Ja, Kapernſauce wird er Euch ums Maul ſchmieren,
wie Anno 99, als er aus Aegypten kam und Euch
Waſſer=
rätten entwiſchte.”
Der edle Lord verſicherte, daß ſolches nur ein
Aus=
nahmefall geweſen ſei und der General Bonaparte nur
durch den Nebel entkommen ſei.
„Nun”, entgegnete Blücher, „da werdet Ihr im
eng=
liſchen Nebel als erſte Seemacht wohl wieder
vorbei=
irländern!“
Am 9. April reiſte er als Oberfeldherr der preußiſchen
Armee nach Lüttich ab. Mitte Mai ſtand er an der Maas
und Sambre mit 90000 Preußen. Rechts von ihm ſtand
Wellington mit 100000 Mann der „ſogenannten”
eng=
liſchen Armee, die jedoch zu zwei Dritteln aus
Hannove=
ranern, Braunſchweigern und Niederländern beſtand.
Durch Blüchers ſogenannten diplomatiſchen „Racker”
— Pozzo di Borgo — erfuhr er, daß Napoleon den Plan
hegte, ſeine beiden Gegner einzeln zu ſchlagen, bevor
Oeſterreicher und Ruſſen heranzukommen vermöchten.
Blücher war der Anſicht, man müſſe dem Feinde gleich auf
den Leib rücken. Wellington aber, der am 29. Mat bei
Blücher erſchien, erklärte, daß er ſeine vorteilhafte
Stel=
lung nicht aufgeben könne und machte den Vorſchlag, dan
der, der zuerſt angegriffen würde, vom anderen ein
Armee=
korps zur Unterſtützung erhalten ſollte. „Gut”, ſagte
Blü=
cher, „ein Mann, ein Wort, und keiner ein Mann von
Worten. Punktum.”
Am 16. Juni wurde Blücher bei Ligny angegriffen;
ſofort ſandte er Nachricht an Wellington, mit der
Be=
merkung, daß er das verſprochene Hilfskorps nur in den
Raum der rechten Flanke möge einrücken laſſen.
Der Gang der blutigen Schlacht iſt bekannt, und
ebenſo, daß kein Engländer, dafür aber das feindliche
Korps Arlons 20000 Mann ſtark in Blüchers Flanke
er=
ſchien. Der Generalſtab war außer ſich über das
Aus=
bleiben der Engländer, die ihren eigenen Vorteil nur im
Auge, für andere aber größere Nachteile durch ihre frühere
Verheißung jetzt herbeiführten.
„Uebung von Recht und — Pflicht iſt nach der engliſchen
Praxis ein „Gummi=Elaſtikum”” ſagte Blücher, ſetzte ſich
perſönlich an die Spitze ſeiner Reiterei und führte ſie
gegen den über Ligny vordringenden Feind.
Der Rückzug mußte angetreten werden, wobei Blücher,
der mit dem Pferde geſtürzt war, faſt in Gefangenſchaft
geriet, wäre er nicht durch ſeinen Adjutanten Noſtiz
be=
ſchützt und gerettet worden.
Bald kamen Boten von den Engländern und baten
um Unterſtützung durch das verſprochene Armeekorps, da
Napoleon ſich gegen ſie gewandt habe.
„Sieh, ſieh”, ſagte Blücher, „nu reckt ſich der engliſche
Gummi=Elaſtikum bis zu uns, da der Feind ihnen auf
die rote Jonke rückt. — Na” fuhr er fort, „wir wollen
nicht Carte cachée ſpielen, ſondern gleich va banque ſagen.
— Laßt meinen Herrn Bruder Elaſtikum nur wiſſen, daß
ich kein Korps ihm ſenden, ſondern — mit der ganzen
Armee kommen würde.”
Und Blücher hielt ſein Wort. Oft ſtockten die Kolonnen
bei den unüberwindlichen Hinderniſſen. „Kinder” rief.
Blücher ihnen zu, „ich habe meinem engliſchen Kameraden
Wellington Beiſtand verſprochen, und Ihr wollt doch nicht,
daß ich wortbrüchig werden ſoll?”
Es war 3 Uhr. Die engliſchen Linien wankten. „Die
Nacht oder Blücher!” ſeufzte Wellington voll banger
Sorge. Die ſchützende Nacht war noch ferne, der rettende
Blücher aber nah.
Blüchers Eingreifen entſchied die Schlacht. Im
un=
aufhaltſamen Vordringen traf er bei Belle=Alliance, wo
Napoleon geſtanden hatte, auf Wellington, der in dieſem
Nummer 327.
Darmſtätder Tagblatt, Freitag, den 27. Norember 1914.
Seite 3.
rung nicht früher entgegengetreien iſt, ſoh lag dies nicht
an dem Willen des deutſchen Volkes, ſondern an der
Friedensliebe unſeres Kaiſers. Jeder weitblickende
eng=
liſche Staatsmann hätte ſich längſt darüber klar ſein
müſſen, daß Deutſchland ſich dieſen Druck von England
nicht dauernd würde gefallen laſſen können. Jetzt, da es
durch Englands Politik zu dieſem unvermeidlichen Kriege
gekommen iſt, iſt ein Ende erſt denkbar, wenn dieſe
Ueberhebung Englands gebrochen und auch
Deutſchlauds Stellung in der Welt anerkannt iſt. Wenn
auch der Krieg uns und unſeren Freunden und Feinden
die größten Opfer an Gut und Blut auferlegt, ſo kann
doch von einer Erſchöpfung Deutſchlands
nicht die Rede ſein, weil unſere Verhältniſſe
durch=
aus geſund ſind und unſer Vertrauen zum Siege durch die
große Begeiſterung und die beiſpielloſe Tatkraft der Nation
erheblich gehoben und befeſtigt iſt. Es kann mich nur
wundernehmen, daß die Times über dieſe wahre
Stim=
mung Deutſchlands ſo wenig orientiert ſein ſollte. Auguſt
Thyſſen.
Rußlands Weltabgeſchloſienheit.
* (Ctr. Bln.) Nach einer Stockholmer Meldung iſt
die Vereiſung des ruſſiſchen Hafens Archangelsk
im Weißen Meer bereits eingetreten, obwohl England
durch die Lieferung von Eisbrechern und auch ſonſt auf
jede mögliche Weiſe verſucht hat, dieſen grimmigen Feind
des Dreiverbandes, nämlich die Kälte, für den ruſſiſch=
eng=
liſchen Handelsverkehr unſchädlich zu machen. Da der
Hafen Libau durch deutſche Minen geſperrt iſt, iſt
Ruß=
land jetzt vollkommen von der Welt
abgeſchloſ=
ſen, zumal die oſtaſiatiſchen Häfen für
Lebensmittelaus=
fuhr überhaupt nicht und für die Einfuhr von Waffen und
Nunition nur in beſchränktem Maße in Frage kommen.
Das Aufhören der erſtgenannten Möglichkeit bedeutet
volkswirtſchaftlich einen enormen Verluſt für Rußland.
England und Rußland ſcheinen nun einen
Neutralitäts=
bruch Schwedens erzwingen zu wollen, um für ihre
Konterbande einen Weg freizumachen. Man iſt deshalb
in Stockholm begreiflicherweiſe ſehr beſorgt.
Ueber 1 Million engliſche Verluſte.
* (Ctr. Bln.) Nach indirekten Meldungen betrugen
die Verluſte der Ruſſen bis 1. November 327000
Tote, 575000 Verwundete und 232000 Gefangene.
Die engliſche Niederlage in Oſtafrika.
* Berlin, 25. Nov. Ueber die den Engländern in
Oſtafrika bereitete Niederlage erfährt der Lok.=Anz.
Die Engländer geben zwar den Namen der „
wichti=
gen Endſtation” nicht an, die ſie in Beſitz nehmen
woll=
ten, doch iſt man in den hieſigen Kreiſen, die ſchöpferiſch
an unſerem Bahnnetz in Oſtafrika mitgewirkt haben, der
Ueberzeugung, daß es ſich um Tanga gehandelt hat. Auf
zwei Punkte ſtützt ſich ihre Anſicht: einmal, weil Daresſalam
bald nach Ausbruch des Krieges in die Hände unſerer
Feinde fiel, alſo nicht mehr erobert zu werden braucht,
und ſodann, weil das Telegramm davon ſpricht, die
Bri=
ten hätten den Eroberungsverſuch gemacht, weil ſie den
betreffenden Platz unbeſetzt glaubten. Nun war aber, wie
man ſich erinnern wird, vor einiger Zeit gemeldet worden,
die Deutſchen hätten ſich aus Tanga zurückgezogen. Jetzt
zeigt es ſich, daß man dieſe Meldung gefliſſentlich in die
Welt geſetzt hatte, um den Engländern eine Falle zu
ſtel=
len, in die ſie nach ihrem eigenen Geſtändnis denn auch
glücklich hineingeraten ſind. Tanga iſt Ausgangspunkt
der zum Kilimandſcharo führenden Uſambara=Bahn.
Die Verletzung der ſchweizeriſchen Neutralität.
* Bern, 26. Nov. Da im Falle einer Wiederholung
der Neutralitätsverletzung durch Frankreich und England
eine längere Achtung der ſchweizeriſchen Neutralität an
der Belforter Grenze nicht erwartet werden kann, hat der
Bundesrat eine Verfügung erlaſſen, jeden
feind=
lichen Flieger über ſchweizeriſchem Gebiet ſofort ohne
beſonderen höheren Befehl herunterzuſchießen.
Gleich=
zeitig iſt gegen die in Frage kommenden
Grenzſchutzkom=
mandos eine ſtrenge Unterſuchung eingeleitet worden, um
feſtzuſtellen, ob die fremden Flieger an der Grenze
recht=
zeitig geſichtet worden ſind. Der deutſchen Regierung iſt
eine Aufklärungsnote des ſchweizeriſchen Bundesrats
zu=
gegangen.
Wahrung der Neutralität Hollands.
* Haag, 25. Nov. In dem vorläufigen
Kom=
miſſionsbericht des Parlaments über den
Voranſchlag des Etats 1915 wird über die äußere
Politik geſagt:
Der Miniſter wurde von verſchiedenen Seiten für die
Art gelobt, mit der er in dieſen Zeiten großer
Schwierig=
keit, die doppelte Tätigkeit und doppelten Takt erforderten,
die Geſchäfte geführt und die Neutralität des Lan
des würdig behauptet habe. Der Bericht weiſt auf die
ſchwierige Lage hin, in der Holland, das vollſtändige
Neutralität zu bewahren, aber auch bewahrt zu ſehen
wünſcht, durch die beſchränkenden Beſtimmungen
ge=
bracht werde, deren Bedingungen es den Reedereien faſt
unmögtich machen, ihren Betrieb auszuüben; ferner durch
Minenlegen auf offener See und durch Vorſchriften, die
den Begriff der Konterbande ſo ausdehnen, daß ſie große
Nachteile für den Handel und ebenſo große Unſicherheit
zur Folge habe. Man hat beklagt, daß die Londoner
De=
klaration nicht als unantaſtbar gelte, daß den Intereſſen
der neutralen Schiffahrt Abbruch geſchehe und daß das
Jahrhunderte alte Prinzip der Freiheit
des offenen Meeres in Gefahr komme. Man
vertraue darauf, daß die Regierung ſortfahren werde, zur
Aufhebung dieſer Maßregeln mitzuwirken und nachteilige
Folgen für das Land, ſoweit als möglich, abzuwenden.
Dabei entſtand die Frage, ob es ſich nicht empfehlen würde,
daß die Regierung mit anderen neutralen Mächten, wie
Amerika, Schweden, Norwegen und Dänemark
verhan=
delc. — Einige Abgeordnete erbaten Informationen, wie
der Verſuch der deutſchen Regierung behandelt worden
ſei, die belgiſche Bevölkerung aus Holland mit
Lebens=
mitteln zu verſorgen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 27. November.
* Danktelegramm des Großherzogs. Auf das von
vem Oberbürgermeiſter aus Anlaß der Feſtfeier für
Groß=
herzogs Geburtstag für die Stadt Darmſtadt und die
Feſtverſammlung vom 24. November abgeſandte
Glück=
wunſchtelegramm iſt von Seiner Königlichen
Ho=
heit dem Großherzog folgende Antwortaus dem
Felde eingetroffen: Uebermitteln Sie bitte meinen
auf=
richtigſten Dank für die treuen Wünſche. Ernſt Ludwig.
Militärdienſtnachrichten. Baader, Leutnant
der Landw.=Inf. 1. Aufgeb. (Gießen), jetzt Führer der
Garn.=Komp. Saargemünd, zum Oberleutnant.
Bier=
mann, Oberleutnant der Landw. a. D. (Halle a. S.),
zuletzt des 2. Aufgeb. des 1. Garde=Gren.=Landw.=Regts.
(Gießen), zum Hauptmann — befördert.
* Ritter des Eiſernen Kreuzes. Hauptmann der
Reſ. Bendemann vom Reſerve=Feld=Art.=Regt. Nr. 25
erhielt das Eiſerne Kreuz 1. Klaſſe.
* Von der Techniſchen Hochſchule. Die am 20.
Okto=
ber gehaltene Rektoratsrede des ord. Profeſſors Dr.
A. E. Berger iſt unter dem Titel „Der deutſche
Idealismus und der Weltkrieg” im Verlag von
A. Bergſträßers Hofbuchhandlung, hier, als Sonderdruck
erſchienen und kann durch alle Buchhandlungen bezogen
werden.
— Großh. Hoftheater. Heute Freitag geht
Offen=
bachs phantaſtiſche Oper „Hoffmanns Erzählungen” in
Szene in der Beſetzung der beiden erſten erfolgreichen
Aufführungen dieſer Spielzeit. Das Volkskonzert am
Samstag iſt als Gedächtnisfeier für unſere gefallenen
Krieger gedacht. Außer der C moll=Sinfonie von Brahms
umfaßt das Programm noch das Benedictus aus dem
Requiem von Mozart, wobei Mizzi Marx, Anna Jacobs,
Auguſt Globerger, Alfred Stephani als Soliſten
mit=
wirken. Ferner ſingt Anna Jacobs drei Lieder: Gebet
von Hugo Wolf, Kreuzzug von Franz Schubert und
Dem Helden von Nobert Schumann. Zum Schluſſe
wird der Trauermarſch aus der Götterdämmerung von
der Hofkapelle geſpielt. Die muſikaliſche Leitung des
Abends hat Hofrat Paul Ottenheimer. Der
Karten=
verkauf zu dieſem Abend, zu dem die
Volksvor=
ſtellungspreiſe gelten, findet täglich zu den ge=
wohnten Kaſſenſtunden an der Tageskaſſe des
Hof=
theaters ſtatt. Sonntag wird die „Fledermaus” von
Johann Strauß in teilweiſer Neubeſetzung der
Haupt=
partien wieder in den Spielplan aufgenommen, Für
die Vorſtellungen am Donnerstag, Freitag und
Sonn=
tag gelten die kleinen Preiſe.
Generalmuſikdirektor Felix von Weingartner
der am letzten Sonntag in Wien ein Philharmoniſches
Konzert mit außerordentlichem Erfolg geleitet hat, kehrt
Mitte Dezember nach Darmſtadt zurück und wird u. a.
Beethovens 9. Sinfonie dirigieren.
— Der Vereinslazarettzug des Heſſiſchen Roten
Kreuzes kann Sonntag, den 29., und Montag, den 30. d.
Mts., während der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr
nachmittags, beſichtigt werden. Für die Beſichtigung
wird zugunſten des Roten Kreuzes ein Eintrittsgeld
ex=
hoben, das am Sonntag vormittag (9—1 Uhr) 1 Mk.,
am Sonntag nachmittag (von 1—4 Uhr) 25 Pfg. und
am Montag während des ganzen Tages (9 Uhr
vor=
mittags bis 4 Uhr nachmittags) 50 Pfg. beträgt. Die
eingehenden Beträge werden für den Lazarettzug
ver=
wendet. Der Zug ſteht zur Beſichtigung auf dem
Darmſtädter Güterbahnhof, Eingang vom
Dornheimer=
weg unmittelbar vor der Brücke, der Halteſtelle „
Stirn=
weg” der Straßenbahn.
* Johannes Müller, der von ſeiner früheren
Vor=
tragstätigkeit auch hier im beſten Andenken ſtehende
glän=
zende Redner, hat ſich auf Bitten ſeiner Darmſtädter
Freunde bereit finden laſſen, am 11., 14. und 16.
Dezem=
ber ſeine in Berlin vor Tauſenden gehaltenen
Kriegs=
vorträge auch hier zu wiederholen. Die Themata der
drei Abende werden lauten: „Der Krieg als Schickſal
und als Erlebnis” „Der Krieg als Not und als
Auf=
ſchwung”, „Der Krieg als Gericht und als Aufgabe‟.—
Der Ertrag der drei Abende wird wohltätigen Zwecken
überwieſen werden. Der Vorverkauf beginnt demnächſt.
* Suchen Sie Nebeneinnahmen oder auskömmliche
Exiſtenz? Wir bieten Ihnen ſchon mit 4—500 Mk. Kapital
ein Einkommen von 3—400 Mk. monatlich. Beſondere
Vorkenntniſſe ſind nicht erforderlich. — Dieſe und
ähn=
lich klingende Anzeigen kann man immer wieder in den
Tageszeitungen, insbeſondere in ſolchen finden, deren
Leſerkreis den mit irdiſchen Gütern weniger geſegneten
Bevölkerungsſchichten angehört. Die Anzeigen gehen,
man kann es ruhig behaupten, faſt alle von den
ſogenann=
ten Schwindelfirmen aus. Dieſe Firmen haben beſonders
in den Großſtädten ihren Sitz und ſuchen durch rede= und
formgewandte aber durchaus gewiſſenloſe
Proviſions=
reiſende auf den kleinen Plätzen Vertretungen für den
Alleinvertrieb ihrer angeblich geſchützten Neuheiten. Es
handelt ſich hierbei um den Vertrieb von Waren mit
aller=
lei ſchönen Namen, z. B. der Türſchließer „Laſſo”, der
Haarweller „Rapid” der Schnittmuſter „Mereita” oder
Paraſienne” der Bluſenverſchlüſſe „Merei” u. a. Meiſt
ſind die Waren gar nicht geſchützt. Sollte wirklich aber
einmal ein Gebrauchsmuſter eingetragen ſein, ſo iſt es in
der Mehrzahl der Fälle wegen älterer gleichartiger
Schutz=
rechte rechtsunbeſtändig. Bekanntlich werden ja die
Ge=
brauchsmuſter eingetragen ohne vorhergehende eingehende
Nachprüfung, ob ſchon ähnliche Rechte beſtehen. Nur zu
oft iſt daher ein eingetragenes Gebrauchsmuſter nur ein
rein formelles und daher wertloſes Recht. Die Firmen,
die den Nebenerwerb anbieten, haben es nur auf den
Verkauf ihrer minderwertigen Waren zu hohen
Prei=
ſen abgeſehen. Daher müſſen ſich denn auch die Opfer
ſo=
fort verpflichten, für mehrere Hundert Mark Waren
abzu=
nehmen und eine größere Anzahlung zu leiſten. Hohe
Nebeineinnahmen oder gar eine eigene Exiſtenz gewährt
der Vertrieb ſolcher Waren nie. Einmal iſt der
Einkaufs=
preis für die Wiederverkäufer viel zu hoch. Die fraglichen
Waren ſind in Warenhäuſern und anderen Geſchäften
ſchon zu einem niedrigeren Preiſe als dem Einkaufspreis
der Wiederverkäufer zu haben. Vor allem iſt aber ein
Verdienſt ſchon deshalb ausgeſchloſſen, weil ſich die
Schwindelfirmen nur geſchäftsunerfahrene
Per=
ſonen als Opfer ausſuchen und dieſe infolge ihrer
Un=
kenntnis die richtigen Wege zum Vertrieb der Waren
nicht einzuſchlagen wiſſen. Wohl wiſſen die Vertreter der
Schwindelfirmen die Sache als überaus gewinnbringend
zu ſchildern. Mögen ſie auch noch ſo ſchön reden; man
laſſe ſich nicht zum Vertragsabſchluß, insbeſondere zum
Unterſchreiben eines Scheines übertölpeln; man ziehe
Zeugen hinzu, auch wenn die Reiſenden es zu verhindern
ſuchen; man beſpreche mit einem Bekannten die Sache
und hole über die Firma und ihre Vertreter eine Auskünft
Augenblick weniger Engländer, als geretteter Menſch und
Feldherr war, vom keuchenden Vollblut ſprang und
Blü=
cher in die Arme ſchloß.
Am 3. Juli, vor Parts, ſchloß Davouſt im Namen der
proviſoriſchen Regierung mit Blücher eine Konvention ab.
Eine Abordnung der Regierung erſchien, um noch
einige günftige Bedingungen zu erſchmeicheln. Obgleich
Blücher, der ſonſt ſo gemütliche alte Herr, die rauhe Seite
herauskehrte, ſo perhandelte man doch lieber mit dem
geraden Deutſchen, der ſich nicht reich zu ſiegen
ſuchte, als mit dem Engländer, hinter deſſen
Artigkeiten gewöhnlich ein „was bringt’s”
zu ſtecken pflegte.
So wie damals, ſo iſt es auch heute noch. Stets dort
war England zu finden, wo es, im Trüben fiſchend, ſich
bereichern konnte. Die Geſchichte iſt überreich an
Beiſpie=
len und Beweiſen, daß dies Volk ſelbſt vor den gemeinſten
Gewiſſensloſigkeiten nicht zurückſchreckte. Die Erlebniſſe
Blüchers ſind heute beſonders deshalb leſenswert, weil
ſie auf denſelben Schlachtfeldern ſich ereigneten, auf denen
wir eben nicht mit, ſondern, Gott ſei Dank, gegen das
perfide Albion den Sieg des Rechts und der Wahrheit
über Lug, Trug und Gemeinheiten erringen werden.
Blücher ſchrieb damals, vor 100 Jahren: „Napoleon
verlor auf dieſem Flecken belgiſcher Erde ganz
Frank=
reich.”
Heute gilt es mehr! Und mit Gottes Hilfe werden
J. G. Bickel.
wir es erreichen!
Aus Feldpoſtbriefen Darmſtädter
Soldaten.
* Eine Feldpoſtkarte eines hieſigen Unterbeamten, der
als Fußartilleriſt bei Dixmuiden am 16. d. M. ſchreibt:
Heute mit großer Freude die Karte — erhalten. Die
Zi=
garren ſind ſtets willkommen und erwarte ich ihr Eintreffen.
Seit zwei Tagen ſind wir in . . . (Ortsunterkunft). Der
Feind iſt eingeſchloſſen; er kämpft noch verzweifelt, doch
vergebens; denn was die Deutſchen einſchließen, ſitzt feſt
In einem Tagesbefehl von Seiner Majeſtät ſpricht er
ſei=
nen Dant und volle Anerkennung ſeiner Fußartillerie aus
— Geleiſtete: ein neuer Anſporn zu un
über das
ſerer nie verſagenden Stimmung. Gefangene
werden hier aller Raſſen gemacht: Gelbe, Braune und
Schwarze; unſere Menagerie iſt fertig. Vieles
durchgemacht. Zugleich erlaube mir noch
haben wir in
— mit werter Familie in beſtem Wohlbefinden vom Felde
der Ehre zu grüßen.
„ 16. 11. 14.
Lieber Vater! Geſtern abend bekam ich wieder Poſt:
eine Karte vom 4. und einen Brief vom 8. 11. und
Groß=
mutters wundervollen Baſchlick vom 9. 11. mit ihren lieben
Zeilen. Sage ihr meinen allerherzlichſten Dank dafür
Auch Zeitungen ſind wieder gekommen vom 7. und 9., ſo
daß anſcheinend die Poſt jetzt wieder in normalen Bahnen
iſt. Hoffentlich geht es ſo weiter und die Verbindung reißt
nicht wieder ab. Nach wie vor geht es uns gut hier. Wir
ſitzen in unſeren einigermaßen wohnlichen halbzerſtörten
Häuſern, nur will es nicht recht warm werden, da bei ſehr
ſtarkem Wind und viel Regen es durch alle Fugen und
Ritze zieht. Für alle Fälle haben wir uns jetzt noch ein
ſtarkes Blockhaus unter der Erde gebaut, mit Schiffsbohlen
und Eiſen als Dach, was wohl ziemlich ſicher iſt, wenn wir
ſtarkes Feuer bekommen. Unſere Mannſchaften hauſen alle
in derartigen Häuſern, die ſie ſich ganz wohnlich
einge=
richtet haben. Die Verpflegung iſt ſehr gut; wir haben jetzt
ſogar ab und zu Butter, Eier und Käſe; wenn man noch
hie und da mal ein Glas Bier haben könnte, wäre in der
Beziehung kein Wunſch mehr zu erfüllen. Nur fragt es
ſich, wie es wird, wenn es wieder vorwärts geht, da muß
man erſt anfangen, wieder mühſam zu bauen, und muß
wohl erſt mal wieder im Dreck liegen. Sogar eine Bade
wanne habe ich jetzt, beſtehend aus einer Waſchbütte, und
der Koffer iſt auch da, ſodaß man mit häufiger friſcher
Wäſche beinahe wieder zum Kulturmenſch wird. — Unſerc
Pferde ſtehen in Häuſern und Wohnzimmern und freſſen
ſich dick und rund. Geſtern früh hatten wir bei greulichem
Wetter — Schnee= und Regenſturm — Feldgottesdienſt,
zum erſten Male im Feldzug, woraus hervorgeht, daß es
der erſte ruhige Sonntag war, und in der Tat ſind die
Sonntage eigentlich immer unſere ſchlimmſten Tage
ge=
weſen. Eben haben wir gerade die Nachricht bekommen,
daß wieder 28000 Ruſſen gefangen und 60
Maſchinen=
gewehre erbeutet ſind. Nun kann es vielleicht doch
ſchnel=
ler zu Ende gehen, man glaubt hier, daß die Engländer
ſchon anfangen, ihre Truppen hier herauszuziehen, da es
ihnen ja überall in ihren Kolonien dreckig geht, und aus
einem gefundenen engliſchen Tagebuch geht hervor, daß ſich
die edlen Bundesbrüder hier gar nicht vertragen, die Eng=
länder über die Feigheit der Franzoſen ſchimpfen und ſie
ſogar ſchon mit der Waffe vorgetrieben haben. Man kann
ja nie vorausſehen, wie es wird; aber eine Meuge
An=
zeichen ſprechen dafür, daß der Widerſtand erlahmt.
Fran=
zoſen laufen ziemlich zahlreich über, dabei liegt in
Frank=
reich alles ſtill; es geht keine Bahn mehr, außer für
Mili=
tärzwecke, da ſie ihre Eiſenbahnleute faſt alle eingezogen
haben. Und die Türken ſcheinen ja tüchtig auf die Ruſſen
loszugehen. Prachtvoll finde ich es, daß jetzt ein
Unter=
ſeeboot ſogar vor Dover einen Engländer in den Grund
gebohrt hat; wenn wir nur noch dahin kämen und dieſe
S... im eigenen Land noch zuſammenhauen könnten.
C...y, 8. 11. 14. 8 Uhr abends. (Sonntag.)
Liebe Familie M.. .! Vielen herzlichen Dank für
Ihren ſo freundlichen Brief vom 2. d. M. Gerne glaube
ich, daß zu Hauſe jetzt viel gebetet wird. Mir wird es von
allen Seiten geſchrieben. Heute bekam ich ſogar von einer
„Freundin” das Gebet geſchickt, das ſie alle Abend für die
Soldaten betet. Ja, der Krieg ſchmiedet, und er hat
man=
chen wieder zu unſerem alten lieben Herrgott geführt. Auch
ich alter Heide wurde ſchon wieder bekehrt. Man betet hier
zu verſchiedenen Zeiten. Wie oft ſehe ich ſchon Leute
ab=
ſeits von ihren Kameraden ſitzen und in ihrem
Teſtament=
chen oder Feldgeſangbuch leſen, nicht ahnend, was ſonſt
vorging. Es werden auch von Militärgeiſtlichen
Gottes=
dienſte im Freien, manchmal auch in zerſchoſſenen Kirchen,
abgehalten. Wer da ſein kann, iſt dabei. Wie feierlich
dieſe Handlungen — auch das Abendmahl — ſind, glaubt
niemand. Häufig verſchwindet da auch jeder Unterſchied
in der Konfeſſion. Evangeliſche, Katholiken und ſogar
Juden beten zuſammen; die Reden ſind entſprechend
ge=
halten. Am meiſten berührte mich die Leichenrede eiues
katholiſchen bayriſchen Pfarrers für elf gefallene Krieger
verſchiedener Regimenter. Beim Geſecht beten die
Krieger in freien Momenten hinter ihren Deckungen teils
laut, teils liegen ſie ſtill, die Hände über das Gewehr
ge=
faltet, und die Blicke zum Himmel gerichtet. Unwillkürlich
betet jeder in der größten Gefahr; ich tat dies z. B. bei
Reims in einer gefährlichen Lage. Hoffen wir, daß die
Kirche wieder mehr zur Geltung kommt! (Aus dem
Feld=
poſtbrief eines Vizewachtmeiſters aus Darmſtadt.)
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. November 1914.
Nummer 327.
ein. Erklärt der Reiſende, er könne mit dem
Vertragsab=
ſchluß nicht warten, er werde ev. einem anderen Bewerber
die Vertretung übertragen, ſo iſt Vorſicht erſt recht am
Platze. Vor allem unterſchreibe man keinen Schein, bevor
man ſelbſt ihn nicht genau durchgeleſen und ſeinen
Inhalt in allen auch anſcheinend nebenſächlichen
Punk=
ten verſtanden hat. Man laſſe ſich nie durch die
Verſiche=
rung des Reiſenden, der Vertrag ſtimme ſchon, oder durch
vorgeſchützte Eile zum eiligen Unterſchreiben verleiten.
Man laſſe auch nie den Reiſenden den Schein vorleſen.
Selbſt muß man ihn leſen. Alle Stellen, die einem
verdäch=
tig erſcheinen, ſind unbedingt zu ſtreichen, vor allem die
Beſtimmungen, daß mündliche Nebenabreden keine
Gültig=
keit haben und daß als Erfüllungsort der Sitz der Firma
vereinbart wird. Gerade dieſe Nebenbeſtimmungen ſichern
in den meiſten Fällen den Schwindlern den Erfolg. Die
Zentralſtelle zur Bekämpfung der
Schwin=
delfirmen in Lübeck erteilt jedermann koſtenloſe
Auskünfte über zweifelhafte Firmen und ihr
Geſchäftsge=
baren. Bei ihr frage man vor der Annahme einer
Ver=
tretung über den Ruf der in Betracht kommenden Firma
an. Auch bei bereits eingetretenen Schädigungen geht ſie
mit Rat und Tat an Hand. Minderbemittelte erhalten
fer=
ner auch bei der Städt. Rechtsauskunftſtelle in Darmſtadt,
Stadthaus, Rheinſtraße, ſachgemäßen Rat.
* Offiziersgräber bei Maiſſin. Der Vater eines
ge=
fallenen jungen Offiziers teilt uns mit, daß er von Herrn
Oberſtleutnant A., der ſich zurzeit in Sedan befindet, eine
Liſte der auf dem Orts= und Soldatenfriedhof in Maiſſin
begrabenen Offiziere empfangen hat, deren Namen infolge
Fehlens der Erkennungsmarke nicht feſtgeſtellt werden
konnten. In Ermangelung der Namen ſind auf den
ange=
fertigten Holzkreuzen ſonſtige Erkennungszeichen (
Buchſta=
ben der Wäſcheſtücke uſw.) vermerkt. Es handelt ſich in
der Hauptſache um Offiziere aus heſſiſchen
Regimen=
tern, darunter eine ganze Reihe aus dem 115. Regiment,
auch ſolche aus dem 117., 118. ſowie aus dem 30. Reſerve=
Regiment. Herr Major Thylmann in Mainz, Uferſtraße
51, iſt gerne bereit, nähere Auskunft zu geben.
Kriegsgericht.
g. Eine dreiſte Urkundenfälſchung beging der
beim Erſatz=Bataillon eines hieſigen Infanterie=Regiments
als Freiwilliger eingetretene Bernhard Kinz aus
Habitz=
heim, um einen Monat Löhnung nochmals ausgezahlt zu
erhalten. Er mußte ſich vom Kriegsſchauplatz nach dem
Regiment zurückbegeben und erhielt einen Fahrtausweis,
auf dem vom Feldwebel mit Bleiſtift die Notiz gemacht
war, daß Kinz Löhnung bis zum 11. 11. 14 erhalten
habe. Kinz änderte dies dahin ab, daß er nur bis zum
11. 10. Löhnung erhalten habe. Der Fahrtausweis iſt
eine öffentliche Urkunde, doch nahm das Gericht an, daß
die Bleiſtiftnotiz des Feldwebels auf dem Schein eine
private Mitteilung ſei, deshalb kommt Kinz mit einer
Gefängnisſtrafe von 3 Wochen davon, im
an=
deren Falle beträgt die Mindeſtſtrafe 6 Monate.
Der Erſatzreſerviſt Sally Gotthelf vom Artillerie=
Regiment Nr. 25 hat zwei Dienſtriemen einem Kameraden
für ein paar Pfennige verkauft. Später erbrach er mittels
einer Feuerzange den Schrank eines Kameraden und
ent=
wendete daraus 10 Mark. Als der Diebſtahl entdeckt
wurde, verſuchte ſich Gotthelf zu erhängen, angeblich, weil
ſein Plan, beim Militär zu bleiben, durch ſein
leichtſinni=
ges Verhalten vereitelt worden war. Er wurde an
die=
ſem Vorhaben gehindert, darauf verſuchte er ſich im
Arreſt=
hauſe die Pulsadern zu durchſchneiden. Er wird zu
7 Monaten Gefängnis verurteilt.
Eine ſchwere
Trunkenheitsausſchrei=
tung ließ ſich der beim Infanterie=R eiment Nr. 168 als
Freiwilliger eingetretene Maſchinenſchloſſer Kaſpar Fuchs
aus Kaiſerslautern zuſchulden kommen. Sein
Vorſtraf=
regiſter weiſt nicht weniger als 29 Vorſtrafen auf.
Be=
reits am 23. Auguſt entfernte er ſich ohne Urlaub acht
Tage von ſeinem Truppenteil in Offenbach. Am 6.
Sep=
tember unternahm er eine ausgedehnte Reiſe durch die
Offenbacher Wirtſchaften. Nach Mitternacht betrat
er die Wirtſchaft Gräf, verlangte barſch ein Glas Bier
und fing ſofort an zu ſkandalieren. Bald erwachte in ihm
unter dem Einfluſſe des Alkohols der bayeriſche
Partiku=
larismus, er ſchimpfte auf den Kaiſer und den deutſchen
Kronprinzen und hob demgegenüber die Vorteile des
Königs von Bayern und des Kronprinzen Rupprecht
her=
vor. Als ihn der Wirt aus dem Lokal entfernen wollte,
drohte er einem Gaſt, ihn aus dem Fenſter werfen zu
wollen, auch zog er das Seitengewehr. Den
herbeigehol=
ten Schutzleuten gegenüber ſetzte Fuchs ſeine
Widerſetz=
lichkeit fort und auch auf der Wache benahm er ſich wie
ſinnlos, ſo daß er gefeſſelt werden mußte. Er gibt an,
er ſei vollſtändig ſinnlos betrunken geweſen. Sofort nach
der Mobilmachung ſei er von Brüſſel nach Deutſchlank
geeilt, um ſich freiwillig zu ſtellen. In Brüſſel habe e
viel Abſynth getrunken und könne deshalb Alkohol
ſchlech=
vertragen. Der Anklagevertreter beantragte ſechs Einzel
ſtrafen und hieraus eine Geſamtſtrafe von 3 Jahrer
6 Monaten Gefängnis. Das Gericht nahm eine
fortgeſetzte Handlung bezüglich der Alkoholausſchreitun
gen an und erkannte auf eine Gefängnisſtrafe von 2 Jah
ren 3 Monaten.
Wegen Achtungsverletzung vor verſammelte
Mannſchaft, Ungehorſam und Beharrens im
Un=
gehorſam hatte ſich der 1873 zu Bürſtadt geborene
Fabrikarbeiter Philipp Heinrich Ofenloch von Bürſtad
zu verantworten. Er war zum Landſturm=Infanterie=
Bataillon II Darmſtadt eingezogen, und als am 12.
Ok=
tober die Kompagnie angetreten war, um die
Bahnhofs=
wachen einzuteilen, durfte jeder Wünſche vorbringen, zu
welcher Wache er zugeteilt werden möchte. Aus Aerger
darüber, daß, wie ſchon ſtets die Bobſtädter Wache, zu
der der Angeklagte gern wollte, beſetzt war, als an ihr
die Reihe kam, ſeine Wünſche vorzubringen, ließ ſich
Ofen=
loch dazu hinreißen, einem wiederholt gegebenen Befehl
des Feldwebels, ruhig zu ſein und ſeinen Namen zu
nennen, nicht nachzukommen. Der Anklagevertreter be
antragte die Mindeſtürafe von 1 Jahr Feſtung und
Befürwortung bedingter Begnadigung. Das Gericht
er=
kannte auf 2 Monate 2 Wochen Gefängnis. Das
Beharren im Ungehorſam wurde nicht als feſtgeſtellt
er=
achtet, ſo daß die ſchwere Mindeſtſtrafe nicht angewandt
zu werden braucht.
Ein hartnäckiger Raucher iſt der 25jährige Eiſendreher
Eduard Schäfer von Offenbach, der als Reſerviſt zum
Erſatz=Bataillon Nr. 115 eingezogen war. Er hatte ſich
ohne Urlaub nach Hauſe begeben und ſollte deshalb eine
Arreſtſtrafe verbüßen. Er ſtellte ſich mit kauendem Munde
und einem Stück Brot in der Hand an und aß trotz
Ver=
bots durch den Unteroffizier ruhig während des
Mar=
ſchierens auf der Straße weiter. Unterwegs verließ er
zweimal das Glied und ging in ein Zigarrengeſchäft, um
ſich Zigaretten zu kaufen. Aus dem erſten Geſchäft wurde
er vom Unteroffizier gewaltſam entfernt, beim zweiten
Male war er ſchneller, und er trat mit brennender
Ziga=
rette in das Glied. Trotz wiederholter Aufforderung
rauchte er ruhig weiter. Auch im Arreſtlokal holte er eine
Zigarette hervor und rauchte. Er legte nach dem Befehl
des Unteroffiziers die Zigarette weg, zog jedoch ab und zu
daran. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen
Achtungsverletzung, Ungehorſam, Beharrens im
Ungehor=
ſam und Verlaſſen ſeines Platzes auf dem Marſche im
Felde zu einer Geſamtſtrafe von 1 Jahr Gefängnis.
Wegen Achtungsverletzung im Felde in
Ver=
bindung mit Drohung ſtand der 1888 zu Homburg in
der Pfalz geborene Sattler Eugen Weinmann vor
Gericht. Der Angeklagte befand ſich als Trainſoldat bei
einer Fuhrpark=Kolonne im Weſten. Am 26. September
äußerte er zu dem Wachtmeiſter, das Fleiſch werde
un=
gerecht verteilt, man ſehe ſich ja in Worms wieder. Das
Gericht erkannte auf 3 Wochen ſtrengen Arreſt.
Der am 3. Juni 1892 zu Mannheim geborene
Ge=
freite Otto Apfel im Infanterie=Regiment Nr. 115 wurde
am 3. Auguſt dem Rekruten=Depot des Erſatzbataillons
überwieſen. Er wurde als Kompagnieſchreiber verwendet.
In dieſer Eigenſchaft hat er in mehreren Fällen die
Poſt=
ſachen, die an ehemalige Angehörige der Kompagnie nicht
mehr zugeſtellt werden konnten, da ſie anderen
Truppen=
teilen zugeteilt worden waren, mit nach Hauſe genommen
und beraubt. Auch öffnete er unbefugt mehrere Briefe.
Es fielen ihm hauptſächlich Zigarren, Zigaretten und
Schokolade in die Hände. Das Gericht erkannte auf
3 Monate Gefängnis, abzüglich 2 Wochen der
Unterſuchungshaft.
Der am 6. Dezember 1882 zu Mainz geborene
Dach=
decker und Tapezierer Karl Friedrich Poſſelmann,
jetzt bei Erſatz=Eskadron Dragoner=Regiments Nr. 24, der
ſchon wiederholt vorbeſtraft iſt, hat ſich am 1. November
ohne Urlaub entfernt und ſtellte ſich am dritten Tage
wie=
der in Mainz. Er erhält 3 Monate Gefängnis.
Eine bewegte Zeit hat der Gärtner Chriſtian
Geiß=
ler von Seligenſtadt hinter ſich. Er hatte ſich nach
kur=
zer Dienſtzeit am 3. Februar 1912 von ſeinem Regiment
(Dragoner=Regiment Nr. 24) entfernt, angeblich, weil er
vom Wachtmeiſter chikaniert worden ſei. Er begab ſich
über Luxemburg nach Frankreich, wo er in einem großen
Stablwerke fünf Monate arbeitete. Am 1. Februar 1913
wurde er in Trier feſtgenommen, angeblich wollte er ſich
ſeinem Regiment freiwillig ſtellen. Daran wurde er aber
verhindert durch ein Spiel des Zufalls. Ein früherer
Bekannter hatte ihn nämlich in Trier erkannt und der
Polizei Anzeige erſtattet. Auf dem Transport nach
Darmſtadt entſprang er ſeinem Transporteur, indem er
zwiſchen Mainz und Groß=Gerau aus dem Abortfenſter
des Zuges ſprang. Er begab ſich nun nach Belgien und
von da nach Amerika. Vor Beginn des Krieges war er
gerade auf einem Dampfer der Red Star=Linie in
Ant=
werpen. Er wurde mit anderen nach Lüttich
transpor=
tiert, von wo er über Holland nach Weſel gelangte, um am
Kriege teilzunehmen. Er war bereits 6 Wochen im Feld
und kam verwundet zurück. Er hatte ſich nun geſtern
erſt wegen ſeiner Jugendtorheit vor dem Kriegsgericht
zu verantworten. Wegen Fahnenflucht in zwei
Fällen wurde er zu 5 Monaten Gefängnis und
zur Verſetzung in die zweite Klaſſe des Soldatenſtandes
verurteilt. Er wird aber wohl Begnadigung auf Grund
des kaiſerlichen Amneſtieerlaſſes erhalten.
* Roßdorf, 26. Nov. (Die Ortsgruppe
Roß=
dorf des Deutſchen Flottenvereins) hat
un=
ter den Mitgliedern eine Sammlung veranſtaltet, zum
Zweck, den „blauen Jungen” unſeres Patenkindes S. M.
S. „Heſſen” eine Weihnachtsgabe zu ſtiften. Das
Er=
gebnis war der Betrag von 63,50 Mark; hiervon wurden
2 Mark der Dienerin des Vereins für ihre Mühewaltung
belaſſen und 61,50 Mark an den Landesausſchuß des
Deut=
ſchen Flottenvereins abgeführt, der das weitere veranlaßt.
Allen den hochherzigen Gebern ſei auch an dieſer Stelle
Dank geſagt.
— Groß=Gerau, 25. Nov. (
Handelskammer=
wahl.) Bei der geſtern hier ſtattgehabten Wahl zur
Handelskammer für den Bezirk Groß=Gerau wurde
der Likörfabrikant Heinrich Hirſch aus Groß=Gerau
ein=
ſtimmig bei reger Beteiligung wiedergewählt.
Biſchofsheim, 26. Nov. (Ein jugendlicher
Brandſtifter) trieb geſtern zwiſchen Biſchofsheim
und Bauſchheim ſein Unweſen. Er zündete mehrere Stroh=
und Heuhaufen an und verſchwand dann.
h. Zwingenberg, 25. Nov. (Das Eiſerne
Kreuz) erhielten von hier der Offizier=Stellvertreter
Blum Sohn des Oberamtsrichters Geh. Juſtizrats Dr.
Blum, und der Kanonier Kolb, Sohn des Taglöhners
und Fleeſchbeſchauers Kolb.
h. Zwingenberg, 26. Nov. (Beſitzwechſel.) Das
bekannte Gaſthaus „Zum Rieſen” ging durch Kauf in den
Beſitz des Metzgermeiſters Poth, ſeither Pächter der
Metzgerei und Wirtſchaft „Zur Krone” gegenüber dem
Amtsgericht, über. Verkäufer iſt der Bezirkskaſſierer
Ren=
dant Zimmermann in Friedberg, bzw. deſſen
minderjäh=
riger Sohn aus erſter Ehe. Letzterer iſt der Alleinerbe
der vor Jahresfriſt verſtorbenen Frau Heinrich Rieß
Litwe Der Käufer war in früheren Jahren in
Darm=
ſtadt als Metzgermeiſter anſäſſig, kam dann nach
Zwin=
genberg, von hier kurze Zeit nach Bensheim, und dann
wieder hierher, wo er mit beſtem Erfolg Metzgerei
be=
treibt. Auch in dem neuerſtandenen Anweſen wird
Metz=
gerei eingerichtet.
Offenbach, 26. Nov. (Gattenmord.) Vor kurzem
teilte der hier wohnende Hausburſche Funk der Polizei
mit, ſeine Frau habe ſich am 10. November heimlich aus
der Wohnung entfernt, nach einem hinterlaſſenen Zettel,
den er vorlegte, in der Abſicht, ſich das Leben zu nehmen.
Heute hat ſich nun ein Zeuge bei der Polizei gemeldet
und dort mitgeteilt, am fraglichen Abend zwiſchen 11½
und 12 Uhr am Main, in der Nähe des Gaswerks.
Hil=
ferufe gehört zu haben. In unmitttlbarer Nähe der
Pumpſtation, am Auslauf des Kanals, ſeit ihm ein Mann
entgegengekommen, der auf ſeine Frage, od er die
Hilfe=
rufe gehört habe, eine ausweichende Ancwort gegeben
habe. Auf dieſe Bekundungen hin wurde Funk heute
vor=
mittag unter dem Verdacht, ſeine Frau umgebracht
zu haben feſtgenommen. Nach anfänglichem
Leugnen geſtand er ſchließlich, ſeine Frau
getötet und al sdann in den Main geworfen
zu haben. Die Leiche konnte bis jetzt noch nicht
gebor=
gen werden. Die näheren Tatumſtände bedürfen noch der
Unterſuchung.
Lindenfels. 25. Nov. (Die Arbeitslage.)
Etwa zwanzig hieſige Arbeiter ſind nach Namur
abge=
reiſt, um bei den Aufräumungsarbeiten an den dortigen
Forts beſchäftigt zu werden. Der übrige Teil unſerer
Ar=
beiterſchaft iſt bis jetzt noch in den hieſigen Granit= und
Syenitwerken tätig. Die Firma hofft, den Betrieb auch
während des Winters trotz des Krieges aufrecht erhalten
zu können. Von Arbeitsloſigkeit wäre man dann in
un=
ſerer Gemeinde verſchont. — (Die Liebestä=
* Das deutſche Lied. Mancher Kamerad meint, man
könne nur vor dem Feinde Tapferkeit zeigen, nur in der
Front. Es gibt auch eine Tapferkeit hinter der Front, oft
nicht minder groß wie der ſchneidigſte Sturmangriff: die
Tapferkeit in den Lazaretten. Wer mit offenem Auge und
fühlendem Herzen durch unſere Lazarette geht, der erſt
lernt uns Deutſche ganz kennen, der erſt verſteht ganz,
warum wir Deutſche ſiegen müſſen, und wenn eine ganze
Welt von Feinden ſich gegen uns verbündet.
Man ſieht jenes Heldentum, das keinem noch ſo
er=
ſtrahlendem Heldentum in der Schlacht nachſteht, ja oft
noch größer iſt, weil es ſtill iſt. Unſere Helden in den
Lazaretten, die prahlen nicht, die ſind ſtill.
Ein großer Saal mit 20—30 Betten nebeneinander,
darin ſchwer, oft ſehr ſchwer Verwundete. Aber kaum
einer ſpricht. Manchmal ein leiſes Flüſtern, ein ganz
leiſes Stöhnen, wenn die Schmerzen gar zu ſchlimm
werden. Sonſt nichts. Tiefes Schweigen. Das
Schwei=
gen der Kraft. Eine große geheimnisvolle Kraft ſtrömt
von dieſen Krankenbetten aus, leuchtet aus den Augen,
aus den Zügen jedes einzelnen, und dieſe Kraft heißt
Geduld!
Unſere Kranken ſind alle geduldig. Es iſt als ob ſie
unbewußt ahnten, welch ein Großes es iſt um die
Ge=
duld, als ob ihnen allen in ihren Schmerzen aufgegangen
wäre die tiefe Wahrheit, daß wie alles Große, ſo auch der
Sieg in dieſem großen, ehernen Kampf uns im Grunde
nur zufallen kann durch zähes, unerbittliches Ausharren
durch Geduld; und es iſt, als ob die Verwundeten alle
wüß=
ten, welch einen Dienſt ſie dem Vaterland leiſten, wenn ſie
auf ihrem Krankenlager in ſich ſammeln dieſe große,
ge=
heimnisvolle Kraft: Geduld.
Denn von dieſer Kraft müſſen ſie ſpenden, wenn ſie
das Lazarett verlaſſen haben, die einen, die das Glück
haben, in die Front zurückzukehren, den Kameraden, die die
Geduld verlieren möchten, wenn einmal ein
An=
griff nicht gleich gelingt, eine Erwartung nicht gleich
ihre Erfüllung findet. Und die, die in die Heimat
zurück=
kehren, müſſen die Geduld ſpenden jenen Philiſtern
da=
heim, die nicht zufrieden ſind, wenn ſie nicht jeden
Mor=
gen beim Frühſtück mindeſtens leſen können: vrei einer
Feſtung, die von uns erobert; einem Armeekorps, das
von uns gefangen; einem Dutzend engliſcher Kreuzer, die
von uns vernichtet wurden. Es iſt kein Zufall, daß
unſere Verwundeten, unſere Kranken alle ſo geduldig
ſind. Die Geduld ſtammt aus der tiefſten Kraftquelle,
die wir Menſchen, beſonders wir Deutſchen haben: aus
dem Glauben. Jeder rechte Deutſche glaubt, aber keiner
iſt ſich dieſes Glaubens ſo tief bewußt, wie unſere
Ver=
wundeten.
In der tiefen heiligen Stille der Lazarette klären
ſich die Empfindungen, mit denen jeder Deutſche mit einer
Kraft wie wohl nie vorher ſich ſeines Gottes bewußt
wurde. Darum ſchließt auch faſt jede Erzählung eines
Verwundeten mit dem ſchlichten, oft ergreifenden
Be=
kenntnis: Ich bin wieder fromm geworden.
Und darum erſcheint es mir auch nicht als ein
zu=
fälliges Erlebnis, was mir jüngſt in einer Dorfkirche
be=
gegnete, die in ein Lazarett umgewandelt war. Ein
gro=
ßes, ſchönes Gotteshaus. Als ich eintrete, jenes
Halb=
dunkel der Kirchen, das von dem hellen Schein der
Mit=
tagsſonne draußen ſeltſam abſtach; jenes tiefe Schweigen,
das ich als beſonders bezeichnend für unſere Lazarette
ge=
funden habe. Auf dem Boden der Kirche, auf Matratzen,
30—40 meiſt Schwerverwundete.
Auf einmal ſetzt die Orgel ein, und die hohen, weiten
Räume des Gotteshauſes — der franzöſiſchen Kirche
durchbrauſen die Klänge des alten frommen deutſchen
Liedes:
Harre, meine Seele, harre des Herrn.
Alles ihm befehle, hilft er doch ſo gern!
Wir waren in dem Augenblick alle in der Heimat
waren nicht evangeliſch, nicht katholiſch, nicht jüdiſch; wir
waren alle nur deutſch.
Wir fühlten, das war nicht ein Lied, das zufällig
in dem einen Lazarett erklang; das iſt das Lied, das
über=
all erklingt auf dem großen weiten Kampfplatz, wo unſere
braven deutſchen Jungen auf dem Schmerzenslager liegen.
Das iſt das Lied, das überall in deutſchen Herzen klingt,
im Gefecht, in der Heimat: das Lied der Kraft, das Lied
der Geduld, die aus dem Glauben ſtammt, das deutſche
Lied!
Dr. Italiener.
*⁎* Der beſeitigte Brotkorb. Aus Berlin wird
uns geſchrieben: Die in letzter Zeit
vieler=
örterte Frage, ob in den Gaſtwirtſchaften die
Brotkörbe deren Inhalt den Gäſten zur freien
Ver=
fügung ſtand, behufs Erzielung einer Einſchränkung un=
nötigen Brotverbrauchs abgeſchafft werden ſollen, iſt für
die Provinz Brandenburg kurzerhand durch ein vom
Oberbefehlshaber in den Marken erlaſſenes
Verbot der Aufſtellung der Körbe gelöſt worden. In den
Kreiſen der Wirte herrſchte bisher über dieſe Frage keine
volle Einigkeit; auf der einen Seite hätte man die
unbe=
ſchränkte freie Brotzugabe ſchon früher gern beſeitigt
ge=
ſehen, aber nachdem ein großes, in Berlin in zahlreichen
Filialen vertretenes Unternehmen ſich ablehnend
ver=
halten hatte, war es im allgemeinen beim Alten
geblie=
ben, nur in einem Teile der Speiſewirtſchaften war der
Brotkorb etwas „höher gehängt” worden. Nun die Sache
durch ein Machtwort des militäriſchen Befehlshabers
ent=
ſchieden worden iſt, müſſen auch die Gegner des Verbots
gute Miene dazu machen. Daß zu den Gegnern das ganze
Gros der Konſumenten gehört, die den Brotkorb ſehr
vermiſſen werden, weil ihnen ſein Inhalt eine
notwen=
dige Ergänzung des, kargen Mittags= oder Abendmahles
war, läßt ſich nicht abſtreiten; eine Verbilligung der
Spei=
ſen durch das erſparte Brot wird kaum eintreten. Aber
in dieſer harten Zeit muß der einzelne ſowohl wie die
Allgemeinheit Opfer bringen und das deutſche Volk hat
bisher bewieſen, daß es ſie gern bringt und hoffentlich
findet ſich ein Weg, der den Intereſſen aller Teile nach
Möglichkeit gerecht wird. Denken wir daran, welchen
furchtbaren Strapazen und Entbehrungen unſer Heer
aus=
geſetzt iſt, das nicht nur für unſer großes Vaterland,
ſon=
dern auch für jeden einzelnen von uns viel ſchwerere
Opfer bringt.
B. B. Ein Freiwilligen=Schneeſchuhläufer=Korps für
die Oſtarmee iſt gegenwärtig in Bildung begriffen. Eine
Verſammlung ſämtlicher Harzer Schneeſchuhläufer=
Ver=
einigungen beſchloß, zur Schaffung eines ſolchen Korps
in eine große Werbetatigkeit einzutreten und ſetzte davon
das Kriegsminiſterium und das Oberkommando der
Oſtarmee in Kenntnis. Der bekannte Sportler Lehrer
A. Friedrich in Clausthal iſt der Leiter der Organiſation.
Die freiwilligen Schneeſchuhläufer werden als
Kriegs=
freiwillige ohne Dienſtgrad betrachtet, für ſie gelten ſomit
alle Kriegsgeſetze und Beſtimmungen, die auf Formation,
Beförderung, Verſorgungsberechtigung uſw. Bezug
ha=
ben. Die Meldungen zu dieſem Korps ſind bereits recht
zahlreich eingelaufen.
Nummer 327.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. November 1914.
Seite 5.
tigkeit) für die Soldaten und Verwundeten hat auch
in unſerem Städtchen herrliche Früchte gezeigt.
Zahl=
reiche Frauen und Mädchen haben ſich an dem
Liebes=
werk beteiligt. Es wurde fleißig geſtrickt und genäht,
ſo daß reiche Gaben zur Unterſtützung abgegeben werden
konnten. Eine in den letzten Tagen veranſtaltete
Samm=
lung ergab einen ſtattlichen Poſten warmer Unterkleider,
ſowie eine nette Summe Geldes, ſo daß es möglich iſt,
allen hieſigen, im Felde ſtehenden Soldaten ein reiches
Weihnachtspaket zukommen zu laſſen.
Gießen, 26. Nov. (Handelskammerwahl.)
Bei der geſtrigen Wahl zur Handelskammer, die ohne jede
Agitation verlief, wurden die ausſcheidenden Mitglieder,
Geh. Kommerzienrat Heichelheim, Fabrikant
Kom=
merzienrat Klingſpor und Drogenhändler Ad. Noll,
mit 70 von 72 abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Für
Gießen=Land wurde im Bezirk Lich das bisherige
Kam=
mermitglied Brauereibeſitzer Ihring einſtimmig
wieder=
gewählt.
Stadtverordnetenverſammlung
15. Sitzung.
g. Darmſtadt, 26. Nov.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet um 3½
Uhr die Verſammlung und macht folgende
Mitteilungen:
Der Bürgermeiſter der Stadt Straßburg und das
Mi=
niſterium für Elſaß=Lothringen haben für die Bewilligung
der Spende von 5000 Mark zugunſten der durch den
Krieg Geſchädigten in Elſaß=Lothringen gedankt.
Für die Ausſtellung der Darmſtädter Künſtler=
Kolonie 1914 und auf deren Koſten ſind verſchiedene
Kunſtwerke geſchaffen worden, welche zu bleiben beſtimmt
ſind. Es war geplant, dieſe Werke der Stadt
Darmſtadt bei einem feſtlichen Ausſtellungs=Schlußakt
in das Eigentum und in die Obhut zu
über=
geben. Der Ernſt der Zeit, wie auch der Umſtand, daß
der Ausſtellungsbetrieb wegen des Krieges eingeſtellt
wer=
den mußte, machten eine ſolche Schlußfeier unmöglich. Es
iſt daher die Uebergabe der Kunſtwerke ohne beſondere
Form, lt. Mitteilung der Kabinettsdirektion, bereits
vor=
genommen worden. Es handelt ſich um Kunſtwerke im
Ausſtellungsgebäude, insbeſondere in dem Hochzeitsturm
und in der Umgebung des Ausſtellungsgebäudes. Von
den Kunſtwerken im Platanenhain ſind diejenigen
über=
wieſen worden, die bis jetzt in das Eigentum Seiner
Kö=
niglichen Hoheit des Großherzogs übergegangen ſind. Der
Oberbürgermeiſter hat den wärmſten Dank der
Stadt=
verwaltung der Kabinettsdirektion bereits
über=
mittelt.
Stadtv. Lindt bringt ein im Tagblatt
veröffentlich=
tes Eingeſandt zur Verleſung, in dem an der Aufforderung
des Finanzamtes zur Abgabe einer Steuererklärung
be=
mängelt wird, daß nicht angegeben iſt, wie die Wertpapiere
deklariert werden ſollen, nachdem ſeit dem 1. Auguſt die
Börſen geſchloſſen ſind. Die Frage gehe beſonders auch
die Stadt an, weshalb er den Herrn Oberbürgermeiſter
er=
ſuche, ſich nicht mit dem Finanzamt, ſondern mit dem
Fi=
nanzminiſterium wegen dieſer Frage möglichſt bald in
Ver=
bindung zu ſetzen, damit klargeſtellt werde, was denn
eigentlich der Deklaration zugrunde gelegt werden ſoll.
Es müßte zumindeſt eine Dienſtanweiſung an die
Finanz=
ämter ergehen, damit eine Gleichmäßigkeit gewährleiſtet
ſei und die Steuerpflichtigen wiſſen, woran ſie ſeien. —
Stadtv. Sames iſt der Anſicht, daß der Sache nicht die
Wichtigkeit beizulegen iſt; die Wertpapiere, die jetzt
vor=
übergehend gefallen ſind, würden nach dem Kriege
voraus=
ſichtlich auch wieder ſteigen. — Stadtv. Dr. Noellner
kann ſich nichts verfehlteres denken, als dieſe Aufforderung
zur Steuererklärung. Die Stadt wird damit furchtbar
ſchlechte Geſchäfte machen. Es ſei nur erwähnr, daß die
Reichsanleihen infolge der 5prozentigen Kriegsanleihe von
96 auf 80 geſunken ſind; es müſſen alſo in der Deklarierung
die Papiere weſentlich heruntergeſetzt werden. Aus diefem
Grunde ſei er der Anſicht, daß die Stadt ein ſehr ſchlechtes
Geſchäft mache mit der Aufforderung zur Deklaration. Mit
welchem Wert ſollen denn die Induſtrie=Papiere eingeſetzt
werden, die jetzt überhaupt keinen Ertrag haben? Der
Fehler der Aufforderung könne nur dadurch gut gemacht
werden, daß ſie zurückgezogen wird. Der richtige
Stand=
punkt wäre wohl geweſen, die alte Einſchätzung beſtehen zu
laſſen. Wer damit nicht zufrieden geweſen wäre, hätte
re=
klamieren können. — Stadtv. Dr. Bender bemerkt, daß
die von ſeinem Vorredner zum Ausdruck gebrachte
An=
ſchauung ſich mit der ſeinigen decke. Nur iſt er der
Mei=
nung, daß das Reſultat noch viel trauriger und unrichtiger
werden wird, und dabei fahre nicht nur die Stadt, ſondern
vor allem auch der Staat furchtbar ſchlecht. Obgleich er
eine ziemliche Sachkenntnis in dieſen Angelegenheiten
be=
ſitze, müſſe er ſagen, daß er ſich angeſichts dieſer
Aufforde=
rung zur Deklarierung keinen Rat wußte. Das richtigſte wäre
geweſen, man hätte alles beim alten gelaſſen, oder aber.
man muß klipp und klar beſtimmen, was denn eigentlich
deklariert werden müſſe. — Der Oberbürgermeiſter
bemerkt, daß er ſich bereits in dieſer Angelegenheit beim
Finanzminiſterium gemeldet habe. — Stadtv. Aßmuth
beantragt eine Beratung in der Kommiſſion. — Stadtv. Dr.
Noellner weiſt demgegenüber darauf hin, daß für eine
Spezialberatung keine Zeit ſei; denn die Steuererklärungen
würden bis zum 15. Dezember verlangt. — Es wird
hier=
auf in die Tagesordnung übergetreten.
Geſuch um Befreiung von baupolizeilichen
Beſtimmungen.
Am Erdgeſchoß eines Hauſes in der Neckarſtraße ſollen
Fenſterläden angebracht werden. Da hierbei der in § 5 der
Baupolizeiordnung vorgeſchriebene Mindeſtabſtand vom
Fußſteig nicht eingehalten werden kann, wird um
Befrei=
ung von dieſer Beſtimmung nachgeſucht. Das Geſuch wird
befürwortet. Es wird nach dem Bericht des Stadtv. Dr.
Kolb genehmigt.
Straßenreinigung.
Die Eiſenbahnverwaltung hat nachgeſucht, das
Reini=
gen, Beſtreuen bei Glatteis, Beſeitigen von Schnee und
Eis, ſowie Begießen verſchiedener eiſenbahnfiskaliſcher
Straßen= und Platzflächen durch die ſtädtiſche
Straßen=
reinigungsanſtalt zu übernehmen. Dem hierüber
verein=
barten Vertrage beantragt die Stadtverwaltung
zuzu=
ſtimmen. Das geſchieht ohne Debatte.
Der Automobilverkehr in der Kirchſtraße.
§ 5 der Polizeiordnung vom 14. Oktober 1909 über den
Betrieb der elektriſchen Bahn in der Kirchſtraße verbietet
dort den Durchgangsverkehr mit Automobilen. Da ſich auf
Grund der Erfahrungen dieſes Verbot nicht rechtfertigen
läßt, ſoll der genannte Paragraph entſprechende
Aenderung erfahren. Die Aenderung wird nach
dem Bericht des Stadtv. Saeng genehmigt.
Kreditbewilligung aus Anlaß des Krieges.
Es berichtet hierüber der Herr Oberbürgermeiſter
Seit der letzten Beſchlußfaſſung der
Stadtverordnetenver=
ſammlung ſind im Einverſtändnis mit dem Hauptausſchuß
weitere durch den Krieg bedingte Kredite in
An=
ſpruch genommen worden, wofür nachträglich die
Zuſtimmung der Stadtverordnetenverſammlung erbeten
wird. Es handelt ſich um folgende Gegenſtände: 1.
Aus=
dehnung der Kriegsverſicherung auf die im Etappengebier
tätigen Schweſtern des Stadtkrankenhauſes; 2.
Unter=
ſtützung verſchiedener Fürſorgeſtellen; 3. Brot= und
Kar=
toffelverſorgung; 4. Einquartierungslaſten; 5.
Unter=
ſtützungsweſen; 6. Volksſpeiſeanſtalten; 7. Liebesgaben;
8. Fürſorge für die nach Darmſtadt verbrachten Schleſier.
Die Stadt hat u. a. für etwa 35000 Mark Kartoffeln
an=
gekauft und auch ſonſtige Maßnahmen für die Verſorgung
der ſtädtiſchen Bevölkerung mit Lebensmitteln getroffen.
So ſoll, wenn der Winter beſonders ſtreng und die Not
groß werden ſollte, in dem Hallenſchwimmbad eine
Volks=
ſpeiſehalle eingerichtet werden. — Für die Einquartierung
ſind umfangreiche Maßnahmen rforderlich geweſen. An
Quartiergeldern ſind an Bedürſtige 27000 Mark gezahlt
worden. Für Maſſenquartiere wurde die Fabrik von Alter
gemietet und entſprechend hergerichtet.
Stadtv. Göbel gibt dann einige Zahlen bekannt über
die Tätigkeit der Strickſtelle. Bisher wurden 3700 Strümpfe
geſtrickt und zur Zeit werden 405 Frauen beſchäftigt. —
Stadtv. Delp bedauert es, daß durch die Zuſtimmung des
vom Herrn Oberbürgermeiſter eingeſetzten
Lebensmittel=
ausſchuſſes die der Konſumgenoſſenſchaft erteilte
Geneh=
migung zum Verkaufe des Frankfurter Brotgewichts vom
Polizeiamt zurückgenommen worden iſt. Es ſei dies umſo
bedauerlicher, als in der jetzigen ſchweren Zeit die
Verſor=
gung der Bevölkerung mit Lebensmitteln nicht unnütz
er=
ſchwert und verteuert werden ſoll. — Beig. Ekert bemerkt
hierzu, daß die Zurücknahme der Genehmigung durch das
Polizeiamt dadurch veranlaßt wurde, daß durch die
Zu=
laſſung eines anderen Brotgewichtes ſich Schwierigkeiten
bei der Erhebung ergeben würden. — Der
Oberbürger=
meiſter bemerkt, daß die Kommiſſion nur zum Zwecke
einer Begutachtung gehört werden könne und auch nicht
für Beſchlußfaſſung zuſtändig ſei. — Es ſprechen zu dieſer
Sache noch die Stadtverordneten Jung, Dr. Fulda,
Dr. Oſann und Delp. Die Angelegenheit wird in einer
Sitzung nochmals eingehend beſprechen werden.
Stadtv. Hammann wünſcht, Schritte dagegen zu
unternehmen, daß die Getreidehöchſtpreiſe durch unerlaubte
Abmachungen illuſoriſch gemacht würden. Es ſeien ihm
Fälle bekannt geworden, daß man dem Käufer die Fracht
und eine Maklergebühr von 20—50 Mark pro Tonne
auf=
erlegt habe. — Wie der Herr Oberbürgermeiſter
da=
zu bemerkt, ſchweben bereits Verhandlungen.
Die Familienunterſtützung der ſtädtiſchen
Arbeiter.
Eine Anzahl ſtädtiſcher Arbeiter hat gebeten, den
Fa=
nilien der zum Kriegsdienſt eingezogenen ſtädtiſchen
Ar=
beiter den vollen Lohn als Unterſtützung zu
gewähren. Der Hauptausſchuß hat Ablehnung des
Ge=
uches beantragt, dagegen empfohlen, die Anträge auf
Gewährung des A=Lohnes in Fällen
beſon=
derer Notlage wohlwollend zu behundeln. Dem
An=
trage des Hauptausſchuſſes wird nach dem Berichte des
Stadtv. Aßmuth zugeſtimmt.
Ein öffentliches Leſezimmer für
Beſſungen.
Der Verein für Verbreitung von Voltsbildung will
mit Unterſtützung des Vereins gegen den Mißbrauch
geiſti=
ger Getränke im Erdgeſchoß des ſtödtiſchen Hauſes
Beſſun=
ger Straße 48, das ihm für jährlich 150 Mk. vermietet iſt,
ein öffentliches Leſezimmer für den
Stadt=
teil Beſſungen einrichten und hat um eine ſtädtiſche
Beihilfe gebeten. Der Oberbürgermeiſter beantragt die
Be=
willigung eines Zuſchuſſes von jährlich 150 Mark vom
lau=
fenden Rechnungsjahre ab. Der Zuſchuß wird bewilligt.
Berichterſtatter Stadtv. Lindt.
Erhöhung des ſtädtiſchen Beitrags zu den
Koſten des Prinz Heinrich=Flugs.
Der Verein für Luftfahrt hat mit Rückſicht auf
das ungünſtige finanzielle Ergebnis der Veranſtaltungen
aus Anlaß des Prinz Heinrich=Flugs um Erhöhung des
von der Stadt ſeinerzeit bewilligten endgültigen Beitrags
von 3000 Mark auf 5000 Mark nachgeſucht. Die
Stadtver=
ordnetenverſammlung hatte in ihrer Entſcheidung vom
18. Dezember v. J. bereits dem Verein anheimgeſtellt,
ſpäter um eine Erhöhung des Beitrags nachzuſuchen, wenn
das finanzielle Ergebnis eine weitere Beihilfe
erfordern ſollte. Dieſe Notwendigkeit liegt nunmehr vor.
Der Finanzausſchuß hat das Geſuch zur Genehmigung
empfohlen. Die Summe wird nach dem Berichte des
Stadtv. Dr. Bender bewilligt.
Die Halteſtelle der elektriſchen Bahn ander
Pelzſchneiſe.
Von Seiten der Bewohner des Waldhausviertels an
der Heidelberger Straße auf Eberſtadter Gemarkung iſt die
Eiſenbahn=Aufſichtsbehörde angegangen worden, die
Halteſtelle an der Pelzſchneiſe um etwa 140 Meter
ſüd lich an die Gemarkungsgrenze zu
ver=
ſchieben. Die Aufſichtsbehörde erſucht, bevor ſie Schritte
in der Sache unternimmt, um Mitteilung des
Stand=
punktes der Stadtverwaltung. Der Verkehrs=.
ausſchuß ſpricht ſich für Beibehaltung der
Halte=
ſtelleam derzeitigen Platze aus. —
Berichterſtat=
ter Stadtv. Saeng. Es entſpinnt ſich eine lebhafte
De=
batte über dieſen Punkt. Die Stadtverord. Dr.=Ing. Heyd
und Hammann ſprechen ſich für die Verlegung aus,
Stadtv. Dr. Noellner beantragt zur Vermittlung, für
den Winter verſuchsweiſe die Halteſtelle zu verlegen. Man
einigt ſich ſchließlich dahin, die Angelegenheit noch einmal
in einer gemeinſamen Sitzung des Verkehrsausſchuſſes
und des „elektriſchen” Ausſchuſſes zu beraten.
Fuhrleiſtungen für die Feuerwache.
Die Automobilleiter für die Feuerwache,
die im Herbſt d. J. fertiggeſtellt ſein ſollte, kann von den
Firmen vorerſt nicht geliefert werden, da die
Automobil=
fabriken von der Heeresleitung völlig in Anſpruch
genom=
men ſind. Es muß daher die Leiter für Pferdebeſpannung
zunächſt weiter dienen, ſodaß für die Zeit vom 1. Januar
bis Ende März 1915 und vorausſichtlich auch für das
fol=
gende Verwaltungsjahr die Mittel für die Pferdehaltung
zu bewilligen ſind. Für 1914 (Januar bis April 1915) ſind
nachzubewilligen 1050 Mark. Für 1915 werden die
erfor=
derlichen Mittel im Voranſchlaa vorgeſehen werden. Die
Mittel werden nach dem Bericht des Stadtv. Göbel
be=
willigt.
Der Winterfahrplan der elektriſchen
Straßenbahnen
wurde genehmigt. Nach der Mitteilung der Heag
wurde die Abfahrt des letzten Wagens vom Hauptbahnhof
dem Fahrplan der Staatsbahn angepaßt. — Stadtv. Kahn
bedauert, daß der Bau der Linie ins Martinsviertel noch
immer ruhe und eine Linie, die ſchon immer den 7½
Mi=
nutenverkehr hatte, in eine ſolche mit 15 Minutenverkehr
verſchlechtert wurde, nämlich die Linie 9. Demgegenüber
wird vom Beig. Ekert betont, daß es immer noch an
Fuhr=
werken mangle, um das Material herbeizuſchaffen zum
Bau der Linie in das Martinsviertel. — Stadtv.
Her=
bert rügt, daß die Anſchlüſſe faſt gar nicht zu erreichen
ſeien.
Damit iſt die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung
erledigt. — Schluß ½6 Uhr.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Rebaktisg
keinerlei Verantwortung für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.
Die große Zahl und Anhäufung der
Wohltätig=
keitsveranſtaltungen zum Beſten unſerer
Krieger: Samstag: Gura=Konzert, Sonntag: Chriſtus=
Drama, Montaa: Richard Wagner=Verein, Dienstag:
Vaterländiſcher Abend Donnerstag: Vaterländiſcher
Abend, Samstag: Volkskonzert, Sonntag:
Mandolinen=
kranz=Konzert, Montan: Vaterländiſcher Abend und
Darmſtädter Streichquartett, zu denen noch mehrere
Voranmeldungen hinzukommen, geben Veranlaſſung,
gegen das Zuviel und die dadurch herbeigeführte
Zerſplitterung Bedenken auszuſprechen. Jede
Veranſtaltung verurſacht Unkoſten, die — wir ſprechen
aus Erfabrung bei manchen nicht einmal durch
die Einnahmen gedeckt werden bezw. letztere auf ein
Minimum hinabdrücken. Auch iſt das Publikum jetzt
gar nicht in der Lage, alle dieſe Veranſtaltungen zu
unterſtützen. Es wäre deshalb zu empfehlen, daß ſich
mehrere Vereine und Veranſtalter je zu einer
gemein=
ſamen Veranſtaltung zuſammenſ löſſen, damit Unkoſten
geſpart werden und die Aufwendungen dafür dem guten
Zweck — der doch die Hauptſache ſein ſoll — zufließen.
Alſo keine Zerſplitterung, ſondern Konzentration der
Wohltätigkeit!
Publicus.
— Die Bahnhofsbuchhandlung in Darmſtadt hat
erfreulicherweiſe den Vertrieb des Corriere della Sera
ſeit 1. I. Mts. eingeſtellt. Dieſes Mailänder Weltblatt
gehört zu den deutſchfeindlichen Blättern, die ſich nichts
daraus machen, Lügen über Deutſchland zu verbreiten.
So brachte Anfang Auguſt das Blatt in der ihm eigenen
ſenſationellen Aufmachung die Nachricht, die Deutſhen
ſeien in Holländiſch=Limburg eingefallen. Erſt jüngſt
ließ es die Großherzogin von Luxemburg als
Kriegs=
gefangene in Nürnberg ſchmachten. Dieſes Blatt hat
hier noch Abonnenten und liegt in ſehr beſuchten
Kaffee=
wirtſchaften auf. Sollte es nicht an der Zeit ſein, der
Verbreitung dieſes uns feindlichen Blattes hier
entgegen=
zuwirken?
Ein Deutſcher.
Großherzogliches Hoftheater.
Donnerstag, den 26. November.
Zum erſten Male:
Als ich noch im Flügelkleide.
Ein fröhliches Spiel in 4 Aufzügen von Albert Kehm
und Martin Frehſee.
Wl. Ein Töchterheim, in dem 12 Zöglinge im Alter
von 14—18 Jahren hauſen und in deſſen unmittelbarer
Nachbarſchaft das Vereinshaus der ſtudentiſchen
Verbin=
dung „Rhenonia” liegt, man kann ſich denken, welches
Maß jugendlicher Ausgelaſſenheit darin verzapft wird,
und welcher Zündſtoff für Exploſionen darin angehäuft
iſt. Die Tollheit erreicht ihren Höhepunkt, als die
Stu=
denten unter der Hecke in den Garten dieſes
Bienenſchwar=
mes kriechen und trotz aller Bewachung durch den
weib=
lichen Cerberus den Weg zu den jugendlichen Herzen
fin=
den und ſie erobern. Die Penſionsmutter kommt aus der
Aufregung und Entrüſtung nicht mehr heraus, gibt aber
ſchließlich klein bei, als ihr ein beredter Muſenſohn
aus=
einanderſetzt, daß es doch eine gute Empfehlung für ihr
Inſtitut ſei, wenn ſich die Zöglinge ſo gleich von ihm weg
verloben. Der Uebermut und die Ausgelaſſenheit der
zwölf jungen Mädchen im Flügelkleide, denen nichts heilig
iſt, die geſtrenge Vorſteherin mit ihrer moraliſchen
Ent=
rüſtung, die nebenher in ewigem Krieg mit ihrem
Küchen=
drachen, dem Faktotum des Hauſes, liegt, allerlei Ulk und
ſituationskomiſche Einfälle, die allerdings oft ans
Poſſen=
hafte ſtreifen, bewirken, daß das Publikum aus dem
La=
chen nicht herauskommt. Fünf ſelige Paare ſind das
be=
friedigende Endergebnis dieſes tollen Treibens, das ſich
in den verſchiedenen Räumen des Penſionats, und ſogar
in dem Schlafzimmer der Vorſteherin mit dem poetiſchen
Namen Iſolde Gutbier, abſpielt.
Den Vogel ſchoß Frau Gothe ab. Mit allerliebſter
Natürlichkeit und Humor und dem ganzen Bewußtſein
der Unwiderſtehlichkeit ihrer 18 Jahre und ſieghafter
Frechheit ſpielte ſie die Rolle der Führerin der zwölf
Ju=
gendlichen und des Penſionsideals Eliſabeth Haaſe. in
deren Reize der Student der Rechtswiſſenſchaft mit dem
„noch ſchrecklicheren Namen” Gutbier verſtrickt wird. Von
dem Dutzend der Inſtitutszöglinge waren noch Frau
Meißner als dichtende Wilhelmine, Frl. Hacker als
burſchikoſe Gertrude, Frl. Pils als geſetzte Amerikanerin
Mary und Frl. Widmann als einfältige Stefanie
größere Rollen zugefallen.
Als neu entdeckte komiſche Alte führte ſich Frl.
Niedt in der Rolle der Penſionsvorſteherin ſehr
vor=
teilhaft ein. Unendliche Heiterkeit erweckte der derbe
Küchendragoner der Frau Müller=Hanno, namentlich
in der draſtiſchen Szene mit ihrer Herrſchaft, in der ſich
beide an Bosheiten gegenſeitig überboten. Eine
diſtin=
quierte Erſcheinung war Frl. Horn als Lehrerin Faure.
Den Studioſus Paul Gutbier ſpielte Herr Ehrle
natür=
lich und friſch, die beiden anderen Rhenanen wurden durch
die Herren Kroczak und Schneider, der Fax und
Liebhaber der gefährlichen Köchin durch Herrn Jordan
dargeſtellt. Die kleinere, wenig dankbare Rolle des
Leh=
rers ſpielte Herr Weſtermann
Spielleiter war Herr Harprecht. Die Zimmer
des Töchterheims waren mit außerordentlichem
Ge=
ſchmack in modernem Stil hergerichtet. Das
Schlafzim=
mer der Tante Iſolde ſchien direkt aus einer
Möbelhand=
lung bezogen zu ſein, Störend waren nur die ſehr
lan=
gen Pauſen, die ihren Grund vielleicht in einem Mangel
an techniſchem Perſonal haben.
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. November 1914.
Nummer 327.
Landwirtſchaftliches.
— Schlachtviehmarkt Darmſtadt.
Schweine=
markt am 25. Nov. Auftrieb 148 Schweine. Preiſe (50
Kilogramm Schlachtgewicht) 1. Qual. 75 Mk., 2. Qual. 74
Mark, 3. Qual. 73 Mk. Marktverlauf: Flau; Ueberſtand.
— Schweinemarkt am 26. Nov. Auftrieb 150 Schweine.
Preiſe (50 Kilogramm Schlachtgewicht) 1. Qual. 75 Mk.,
2. Qual. 74 Mk., 3. Qual. 73 Mk. Marktverlauf: Drückend;
Ueberſtand. — Kälbermarkt am 26. Nov. Auftrieb 139
Kälber, 15 Schafe. Preiſe (50 Kilogramm Lebendgewicht)
1. Qual. 52 Mk., 2. Qual. 50 Mk., 3. Qual. 48 Mk.
Markt=
verlauf: Lebhaft.
— Frankfurt a. M., 25. Nov. (Viehhof=
Marktbericht.) Auftrieb: 1719 Schweine.
Marktver=
lauf: Langſam; bleibt Ueberſtand. Schweine: a) 56,58;
70,73; b) 55,57, 69,70; c) und d) 56,58, 70,73.
Kartoffel: Großhandel: 7,50—8,00, Kleinhandel
8,50—9,00 Mark.
Der Krieg.
Von den Kämpfen im Weſten.
* Amſterdam, 26. Nov. Telegraaf meldet aus
Sluis vom 26. November: Ueber die Beſchießung
Zeebrügges ſind übertriebene Gerüchte im
Umlauf. Nur ein Gebäude im Hafenviertel geriet in
Brand. Das eigentliche Zeebrügge iſt nicht getroffen
worden.
Vom Kriegsſchauplatz im Oſten.
* Wien, 26. Nov. In Beſprechung der geſtrigen
Mit=
teilungen der oberſten Heeresleitungen der verbündeten
deutſchen und öſterreichiſch=ungariſchen Armeen heben die
Blätter übereinſtimmend hervor, daß, obwohl eine
end=
gültige Entſcheidung in der Rieſenſchlacht
in Ruſſiſch=Polen bisher nicht erzielt ſei, aus den
Berichten doch mit unzweifelhafter Sicherheit hervorgehe,
daß die Verbündeten trotz der von ruſſiſcher Seite neuerlich
herangezogenen Verſtärkungen und trotz der
außerordent=
lichen Zähigkeit des Gegners fortgeſetzt Erfolge
aufweiſen, welche für den Enderfolg von
ent=
ſcheidender Bedeutung ſein dürften. Wenn
ſich dieſe Erfolge auch angeſichts der lakoniſchen Kürze der
offiziellen Mitteilungen noch nicht überſehen ließen, ſo
ge=
ſtatteten ſie doch die Annahme, daß der Höhepunkt des
ge=
waltigen Ringens überſchritten ſein dürfte. Die
außer=
ordentlich hohe Ziffer der von den verbündeten Truppen
gemachten Gefangenen bedeutete nicht nur den Beweis der
taktiſchen Ueberlegenheit der Verbündeten, ſondern auch
den nicht hoch genug anzuſchlagenden Erfolg hinſichtlich
der fortſchreitenden Ausgleichung der Ueberlegenheit des
Gegners.
* Wien, 26. Nov. Amtlich wird verlautbart: 26.
No=
vember, mittags. Die Schlacht in Ruſſiſch=
Polen hat an einem großen Teil der Front den
Cha=
rakter eines ſtehenden Kampfes angenom
men. In Weſtgalizien wehren unſere Truppen die
über den unteren Donajec vorgedrungenen ruſſiſchen Kräfte
ab. Die Kämpfe in den Karpathen dauern fort.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalſtabs:
v. Höfer, Generalmajor.
Vom ſüdlichen Kriegsſchauplatz.
* Wien, 26. Nov. Vom ſüdlichen Kriegsſchauplatz
wird amtlich unter dem 26. November gemeldet: In den
Kämpfen an der Kalubara iſt ſeit geſtern ein
weſent=
licher Fortſchritt zu verzeichnen. Das Zentrum der
feindlichen Front wurde in einer ſtarken Stellung bei
La=
zarevoitſch von den durch ihren Elan rühmlichſt bekannten
Regimentern Nr. 11, 73 und 102 erſtürmt. Hierbei wurden
8 Offiziere und 1200 Mann gefangen
genom=
men und 3 Geſchütze, 4 Munitionswagen und 3
Maſchinen=
gewehre erbeutet. Auch ſüdlich des Ortes Ljig gelang es,
die öſtlich des gleichnamigen Fluſſes gelegenen Höhen zu
nehmen und 300 Gefangene zu machen. Die von
Valjewo ſüdwärts vorgerückten Kolonnen ſtehen vor
Kos=
jeric.
* Wien, 26. Nov. Das Fremdenblatt veröffentlicht
Mitteilungen des Feldbiſchofs Bjelik über ſeine
Wahr=
nehmungen auf dem ſüdlichen
Kriegsſchau=
platze. Der Feldbiſchof hebt hervor, daß überall, wo er
die Seelſorge der Garniſonen und Reſerveſpitäler in
Augenſchein nahm, er die Ueberzeugung gewann, daß in
den Militär= und Zivil=Sanitätsanſtalten ſowie in den
Krankenhalte=Stationen in der Nähe des ſüdlichen
Kriegs=
ſchauplatzes die Militär= und Zivilgeiſtlichkeit
aufopfe=
rungsvoll ihre Pflicht erfülle. Er ſchildert den
überwäl=
tigenden Eindruck beim Betreten des ſerbiſchen Bodens,
wo überall die Spuren auf die überſtandenen Kämpfe
hin=
deuteten und erkennen ließen, unter welchen ungeheueren
Anſtrengungen die braven öſterreichiſch=ungariſchen
Trup=
pen jeden Schritt feindlichen Bodens errangen. Der
Feld=
biſchof gelangte bis Schabatz, wo er aus militäriſchen
Gründen zurückkehren mußte. Der Feldbiſchof ſtellt feſt,
daß die Etappenkommandos mit übermenſchlicher Kraft
die Hinderniſſe, die ſich den vordrängenden Truppen und
deren Verſorgung mit Munition und Lebensmitteln
ent=
gegenſtellen, überwinden und für die Armee ſorgen, von
deren ausgezeichnetem Geiſt, Mut und
Hel=
dentum ſelbſt bei den älteſten Landſturmleuten er nur
das Beſte hörte und mit eigenen Augen wahrnahm.
* Sofia, 26. Nov. Nach einer Meldung aus Niſch
ſoll in der Drina=Diviſion ein Aufruhr ausgebrochen
ſein.
Die Vernichtung der „Emden‟.
* Berlin, 26. Nov. Ueber das Gefecht S. M. S.
„Emden” mit dem engliſchen Kreuzer „Sidney” iſt
vom Kommandanten S. M. S. „Emden”
Fregattenkapi=
tän vor. Müller, nachſtehender telegraphiſcher Bericht
eingegangen:
Der engliſche Kreuzer „Sidney” näherte ſich den
Ko=
kosinſeln in hoher Fahrt, als dort gerade eine von S. M.
S. „Emden” ausgeſchiffte Landungsabteilung das Kabel
zerſtörte. Das Gefecht zwiſchen den beiden
Kreuzern begann ſofort. Unſer Schießen war
zuerſt gut, aber binnen kurzer Zeit begann das Feuer der
ſchwereren engliſchen Geſchütze, wodurch ſchwere
Ver=
luſte unter unſerer Geſchützbedienung entſtanden. Die
Munition ging zu Ende, die Geſchütze mußten das Feuer
einſtellen.
Trotzdem die Ruderanlage von dem feindlichen Feuer
beſchädigt war, wurde der Verſuch gemacht, bis auf
Tor=
pedoſchußweite an die „Sidney” heranzukommen, aber
der Verſuch mißglückte, da die Schornſteine zerſtört waren,
infolgedeſſen die Geſchwindigkeit der „Emden” ſtark
her=
abgeſetzt war. Das Schiff wurde deshalb in voller
Fahrt an der Nord(Luv)ſeite der Kokosinſeln auf ein
Riff geſetzt.
Inzwiſchen war es der Landungsabteilung gelungen,
auf einem Schoner von der Inſel zu entkommen. Der
engliſche Kreuzer nahm die Verfolgung auf, kehrte aber
am Nachmittag wieder zurück und feuerte auf das Wrack
S. M. S. „Emden”. Um weiteres Blutvergießen zu
ver=
meiden, kapitulierte ich mit dem Reſt der Beſatzung. Die
Verluſte S. M. S. „Emden” betragen 6 Offiziere,
4 Deckoffiziere, 26 Unteroffiziere und 93
Mann gefallen, 1 Unteroffizier und 7
Mann ſchwer verwundet.
Heimreiſe von Ruſſen.
* Frankfurt a. M., 26. Nov. Das
ſtellvertre=
tende Generelkommando des 18. Armeekorps gibt bekannt:
Den noch hier weilenden ruſſiſchen Untertanen,
einſchließlich Geiſtlichen und approbierten Aerzten, wird
die Heimreiſe, jedoch nur über Stralſund--Saßnitz-
Schweden, wieder geſtattet. Ausgeſchloſſen ſind
hiervon Männer zwiſchen 17 und 45 Jahren, auch wenn
ſie nur für eine beſchränkte militäriſche Verwendung
ge=
eignet ſind. Ausgeſchloſſen ſind ferner ſolche Perſonen,
die aus politiſchen Gründen zurückgehalten werden.
Ge=
ſuche ſind an das zuſtändige Kreisamt oder
Polizeiprä=
ſidium einzureichen. Von dieſen werden ſie dem
ſtellver=
tretenden Generalkommando zur Entſcheidung eingereicht.
Die Kriegsanleihe in Oeſterreich=Ungarg.
* Wien, 26. Nov. In der Neuen Freien Preſſe
be=
ſpricht der Direktor der Oeſterreichiſchen Kreditanſtalt,
Spitzmüller, das Ergebnis der
Kriegsan=
eihe, welches ſowohl in Oeſterreich, als auch in Ungarn
alle Erwartungen übertroffen habe.
Wäh=
rend das Nationalvermögen Oeſterreich=Ungarns bisher
auf etwa ein Drittel des deutſchen Nationalvermögens
geſchätzt wurde, ergab die Subſkription auf beide
Kriegs=
anleihen mindeſtens die Hälfte des in Deutſchland
gezeich=
neten Betrages. Das Ergebnis müſſe um ſo höher
ein=
geſchätzt werden, als die Monarchie, die bisher in normalen
Zeiten zumeiſt bei der Deckung eines größeren
Kreditbedar=
fes nach auswärtiger Hilfe ausſchaute, nun mit einem Male
zum Bewußtſein ihrer eigenen großen finanziellen Kraft
gelangte und damit mit einem Ruck ſich auf eigene Füße
ſtellte. Spitzmüller hebt weiter hervor, daß gerade eine
Reihe kleiner Zeichner, die bisher von den
ſtaat=
ichen Anlehen wie von dem Wertpapiermarkt überhaupt
ſich fern hielten, zu den Schaltern der Subſkriptionsſtellen
ſich in ungeahntem Maße herandrängten. Neben dieſer
Wandlung weiſt Spitzmüller, auf die außerordentliche
Höhe der Beteiligung der Induſtriegeſellſchaften an der
Zeichnung der Kriegsanleihe hin, zumal es unter normalen
Umſtänden gewiß nicht ihre Aufgabe ſein könne, ſich in
größerem Maße in Effekten feſtzulegen. Doch müſſe
her=
vorgehoben werden, daß die Zeichnungen höchſtens zehn
Prozent des Geſamtſubſkriptionsertrages darſtellen
dürf=
ten. Ganz entſchieden müſſe der Annahme
entgegengetre=
ten werden, als ob das öſterreichiſche Kapital ſich bei
die=
ſem feierlichen Anlaß übernommen hätte. Die Zeichnungen
ſind durchaus ſolider Natur und das Produkt einer
ehr=
lichen, aber dabei doch maßvollen Anſtrengung der
öſter=
reichiſchen Wirtſchaft. Das finanzielle Preſtige Oeſterreich=
Ingarns, wie auch der Monarchie in ihrer Geſamtheit
werde durch den Erfolg der Zeichnungen nicht nur
außer=
rdentlich gekräftigt, ſondern bei Freund und Feind ganz
neu bewertet werden müſſen. Spitzmüller iſt überzeugt
aß der Erfolg bei wirkſamer Ausnutzung der Zukunft
zweifellos einen dauernden Erfolg der öſterreichiſchen
Wirtſchaft mit ſich bringen werde.
Die engliſche Niederlage in Oſtafrika.
* London, 26. Nov. Die Blätter berichten über die
Kämpfe in Oſtafrika folgendes:
Zu dem Angriff auf den wichtigen deutſchen Bahnhof
wurden 1½ Bataillone engliſcher Streitkräfte am 2.
No=
ember zwei engliſche Meilen vom Bahnhof gelandet, die
ſofort vorrückten. Dieſe kleine Truppenmacht wurde noch
außerhalb der Stadt in ein heftiges Gefecht
ver=
wickelt und wurde gezwungen, einen Teil zurückzuziehen
und Verſtärkungen abzuwarten. Am 4. November, früh,
wurde der Angriff erneuert und 800 Yards von der
Stel=
lung des Feindes entfernt gerieten die engliſchen Truppen
in ein heftiges Feuer. Trotz ſtarker Verluſte drangen jedoch
ie Soldaten des Grenadier=Regiments 101 vom linken
Flügel in die Stadt ein und griffen den Feind mit dem
Bajonett an. Auf dem rechten Flügel drangen das North
Lancaſhire=Regiment und Kaſchmir=Rifles vor und
er=
reichten ebenfalls die Stadt; ſie wurden jedoch heftigem
Gewehrfeuer aus den Häuſern ausgeſetzt und wurden
ge=
zwungen, 500 Yards zurückzugehen. Die Verluſte der
britiſchen Truppen waren ſchwer, ſo daß man es als
zweck=
los anſehen mußte, den Angriff zu erneuern. Die
Abtei=
lung ſchiffte ſich daher wieder ein und kehrte zu ihrem
Aus=
gangspunkt zurück. Ihre Geſamtverluſte betrugen 795
Mann an Offizieren und Mannſchaften, darunter 141
Eng=
länder.
Die Mannſchaftsverluſte der engliſchen Flotte.
* London, 26. Nov. Die Admiralität veröffentlichte
geſtern abend die Verluſtliſte der engliſchen
Flotte vom Beginn des Krieges. In der Liſte
ſtehen 220 Offiziere als tot, 37 verwundet und 51 vermißt
oder interniert; an Mannſchaften werden 4107 tot, 436
ver=
wundet und 2492 vermißt oder interniert angegeben.
Der türkiſche Krieg.
Der amtliche türkiſche Bericht.
* Konſtantinopel, 26. Nov. Das Hauptquartier
gibt bekannt: Im allgemeinen hat ſich auf den
Kriegs=
ſchauplätzen nichts verändert. Heute wurde feſtgeſtellt, daß
wir dem Feind bei Morghal vier Geſchütze
abge=
nommen haben, von denen zwei unbrauchbar gemacht
wurden.
Die türkiſche Aktion gegen Aegypten.
* Konſtantinopel, 26. Nov. Wie das Blatt
Turan erfährt, verfolgen die Engländer mit ihrer
Trup=
penlandung an der Küſte bei Fao den Zweck,
auf dieſe Weiſe indirekt den türkiſchen Vormarſch gegen den
Suez=Kanal zu hindern. Die Engländer ſeien zu der
Er=
kenntnis gelangt, daß ſie in Aegypten keinen ernſtlichen
Widerſtund werden leiſten können. und en nüſ des=
halb dort, die türkiſchen Truppen an ihrem Beginnen, den
Vormarſch gegen Aegypten, abzuziehen. Die Engländer
nehmen an, die Entſendung von muſelmaniſchen indiſchen
Truppen anderer Geſinnung könnte die Türkei veranlaſſen,
auf eine Beſetzung Aegyptens zu verzichten. Das Blatt
meint jedoch, daß die Engländer damit kein Glück haben
werden, da die Türken bei Baſſorah über genügende
Streit=
kräfte verfügen.
* Madrid, 26. Nov. Einer Meldung des Corriere
della Sera aus Kairo zufolge hat die Bevölkerung von
Aegypten nicht die geringſte Kenntnis von den
Ereigniſſen an der Grenze von Aegypten und dem Kriege
in Europa. Die Engländer üben die ſtrengſte Zenſur aus
über Telephon, Telegraph und Poſtverkehr. Ankommenden
Reiſenden werden ſogar Zeitungsausſchnitte aus den
Zei=
tungen genommen. Die Einſetzung von Huſſein
Kia=
mil Bey in die Stellung als Kalif der Araber, die auf
den 19. November feſtgeſetzt worden war, iſt noch nicht
er=
folgt.
Der Heilige Krieg.
* Konſtantinopel, 25. Nov. Die Proklamation
des Scheichs ül Iſlam iſt ein längeres Schriftſtück, in
dem es heißt: „Rußland, das ſich bemüht, die
Unab=
hängigkeit zu vernichten, die ein Geſchenk der Vorſehung
für die Nationen und Völker iſt, und das, indem es die
ganze Menſchheit zu unterjochen ſucht, ſeit Jahrhunderten
der grauſame Feind der menſchlichen
Wohl=
ahrt iſt, war bis jetzt die Urſache des Unglücks im nahen
und fernen Oſten. Es vereinigte ſich im gegenwärtigen
europäiſchen Kriege mit England und Frankreich, die
Mil=
lionen von Muſelmanen unter ihrem Joch halten und die,
um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen, es darauf
abge=
ſehen haben, ſoviel wie möglich das Kalifat, den
Stutz=
punkt des Iſlam und das einzige Zentrum der
Beſtändig=
keit des Iſlamismus, zu erſchüttern und zu ſchwächen.
Dieſe Gruppe von Uſurpatoren, die ſich Tripelentente
nennt, hat während des letzten Jahrhunderts alle
iſlamiti=
ſchen Völker Indiens, Zentralaſiens und des größeren
Teiles von Afrika ihrer Unabhängigkeit und Freiheit
be=
raubt. Dieſe Länder waren ſeit einem Jahrhundert die
Urſache des Verluſtes ſehr wertvoller Teile der Türkei und
haben, indem ſie unſere Nachbarn aufwiegelten, den
Bal=
kankrieg hervorgerufen. Sie haben den gegenwärtigen
Krieg hervorgerufen.”
Die Proklamation legt ſodann dar, daß diejenigen, die
eine Feindſchaft gegen die Religion des Iſlam bekunden,
früher oder ſpäter den Zorn Gottes erfahren werden, und
daß der Kalif, der Diener der heiligen Stätten Mekka=
und Medina, um mit Hilfe des Allmächtigen dieſe
heili=
gen Stätten des Iſlam ſowie die heiligen Orte Jeruſalem,
Nedſchef und Kerbela, das Zentrum des Kalifats, kurz alle
Orte, wo die Propheten und die heiligen Märtyrer
begra=
ben liegen, vor jedem Angriff zu ſchützen, es für ſeine
Pflicht erachtet hat, gemäß den Geboten des genannten
Fetwas die Muſelmanen zum Heiligen Kriege
auf=
zufordern. Das Kalifat rief alle ottomaniſchen Untertanen
von 20 bis 40 Jahren zu den Waffen. Heer und Flotte, die
auf dieſe Art vorbereitet wurden, werden nach und nach
auf den verſchiedenen Kriegsſchauplätzen konzentriert, auf
denen der Heilige Krieg geführt wird. Alle Gläubigen
des Iſlam erhalten den Befehl, an dem großen Heiligen
Kriege teilzunehmen, ſei es, indem ſie ſelbſt dienen, ſei es
durch finanzielle Beihilfe. Daher müſſen
Muſel=
manen, die unter der tyranniſchen Herrſchaft der genannten
Regierungen, in der Krim, Kaſan, Turkeſtan,
Bu=
chara, Chiwa, Indien, China, Afghaniſtan,
Perſien, Afrika und den anderen Kontinenten ſich
be=
finden, nach Maßgabe ihrer Kräfte mit den Osmanen am
Heiligen Kriege teilnehmen.
Der Aufruf hebt hervor, daß, um insbeſondere der
Tragödie ein Ende zu ſetzen, wie ſie die Entſendung
muſelmaniſcher Untertanen der feindlichen Mächte auf die
blutigen Kriegsſchauplätze darſtelle, auf denen ſie gegen den
Kalifen und deſſen Verbündete Krieg führen ſollen, die
Muſelmanen alle Opfer auf ſichnehmen und
Ge=
duld haben müſſen. Der Aufruf ſchließt mit einem
glühen=
den Appell an alle Muſelmanen, ihre Pflicht zu tun,
wobei an die heiligen Worte erinnert wird, die den
Ueber=
lebenden ein glückliches Leben und denjenigen, die als
Mär=
tyrer auf dem Felde der Ehre fallen, die Wonnen des
Pa=
radieſes verſprechen. Der Aufruf drückt die Ueberzeugung
aus, daß mit Gottes Hilfe die Feinde der Religion
be=
ſiegt werden.
Porfugal.
* Liſſabon, 25. Nov. Eine Volksmenge hat
vor dem Parlament begeiſtert ihrer Sympathie
für England, Frankreich und Belgien Ausdruck
gege=
ben. Die portugieſiſche Preſſe hebt hervor, daß der jetzige
Beſchluß der Kammer von dem im Monat Auguſt
gefaß=
ten bedeutend abweiche, da die Regierung damals nur zu
Verteidigungsmaßnahmen ermächtigt worden ſei.
* Paris 26. Nov. Anläßlich der für Mitte
De=
zember bevorſtehenden Einberufung des
Parla=
mentes erörtert der Temps die Frage, ob die
Einberu=
fung ein Zeichen für die Rückkehr der Regierung
nach Paris bilden dürfe, und erklärt, der Feind halte
noch zehn Devartements ganz oder teilweiſe beſetzt.
Nach der Rückkehr der Regierung nach Paris dürfe die
Hauptſtadt nicht wieder ein Ziel für eine noch allzu nahe
feindliche Armee ſein. Der Tag werde kommen, wo der
Feind genügend zurückgedrängt und damit Paris wieder
Hauptſtadt werden könne. Die in Paris zu erledigenden
Aufgaben würden nur kurze Zeit in Anſpruch nehmen.
Man werde das Parlament um die Genehmigung
erſu=
chen, die Steuern erheben und die Ausgaben des
näch=
ſten Jahres machen zu dürfen. Falls die Regierung
Er=
klärungen abgeben müſſe, werde dies nicht in öffentlicher
Sitzung geſchehen können, ſondern ſie würden wegen ihres
vertraulichen Charakters vor dem Budgetausſchuß
abgege=
ben werden müſſen. Die Kammern würden
vorausſicht=
lich nur abzuſtimmen haben. „Wir können nicht
an=
nehmen”, ſagt das Blatt, „daß ſie über die vorliegenden
Geſetzentwürfe oder Interpellationen in eine öffentliche
Diskuſſion eintreten wollen.”
* Berlin, 25. Nov. Weihnachtspakete für
in Konſtantinopel befindliche
Marinean=
gehörige können zur Beförderung an das
Reichsmarine=
amt geſandt werden. Die Pakete müſſen außer der Adreſſe
des Abſenders und des Empfängers die Aufſchrift tragen:
„Liebesgabenſammelſtelle für Konſtantinopel,
Reichs=
marineamt Berlin” und porto= und beſtellgeldfrei bei
letz=
terem eingehen. Ihr Gewicht darf 5 Kilo nicht überſteigen.
Die Beförderung von Berlin erfolgt für den Abſender und
Empfänger koſtenfrei. Für Verluſte oder Beſchädigung der
Pakete übernimmt das Reichsmarineamt keine
Verant=
wortung.
* Berlin, 26. Nov. Das B. T. meldet aus
Kri=
ſtiania: Nach einer Drahtmeldung aus Paris kann man
jetzt eine neue Uniform der franzöſiſchen Truppen
ſehen. Die roten Beinkleider ſind abgeſchafft,
327.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. November 1914.
Seite 7.
die ganze Uniform graublau und weiß. Sie ſoll faſt
un=
ſichtbar ſein.
* London, 26. Nov. Times melden aus Kairo:
Der öſterreichiſch=ungariſche Konſul in
Abei=
ſynien, Schwimmer, befindet ſich auf der Reiſe über
Aegypten nach Oeſterreich. Er beſitzt einen Geleitbrief.
* Konſtantinopel, 26. Nov. Eine
Sondergeſandt=
ſchaft des osmaniſchen Roten Halbmondes
wird ſich unverzüglich nach Oeſterreich=Ungarn und
Deutſch=
land begeben, um eine Sammlung für die osmaniſchen
Verwundeten zu veranſtalten.
Letzte Nachrichten.
* Berlin, 26. Nov. (Amtlich.) In der heutigen
Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme:
Der Entwurf der Bekanntmachung betr. die
Anrech=
nung militäriſcher Dienſtleiſtungen in der
Arbeiterverſicherung, der Entwurf der
Bekannt=
machung betr. die Erhaltung von Anwartſchaften aus der
Krankenverſicherung, der Entwurf der Bekanntmachung
betr. die Wochenhilfe während des Krieges, und der
Ent=
wurf der Bekanntmachung betr. die zwangweiſe
Verwal=
tung franzöſiſcher Unternehmungen, ferner eine Vorlage
betr. die Verarbeitung von Rüben, Rübenſäften und
To=
pinamburs in Brennereien, ſowie ein Antrag betr. die
Aenderung des Weingeſetzes.
* Hamburg, 26. Nov. Die Erſatzwahl für den
verſtorbenen Reichstagsabgeordneten Metzger iſt auf
Freitag, 29. Januar 1915, feſtgeſetzt worden.
* London, 26. Nov. Das Reuterſche Bureau meldet
aus Waſhington unterm 25. Nov.: General Blank verließ
geſtern die Stadt Mexiko. Die Truppen Zapatas
nahmen unmittelbar darauf Beſitz von der Stadt.
Feldpoſtſchmerzen.
— Jedermann hat den Wunſch, daß ſeine Briefe im
Felde bald und richtig ankommen. Der Krieg bringt es
mit ſich, daß dabei Verzögerungen oder auch Verluſte nicht
ausbleiben. Dieſe Fälle müſſen immer Ausnahmen
blei=
ben, wenn die angewandte Feldadreſſe richtig war. Hieran
ändert auch der Umſtand nichts, daß gelegentlich
Feld=
poſtſendungen auf verbrecheriſche Art verſchwinden. Was
über den Umfang dieſer Art von Verluſten im Publikum
erzählt wird, ſind maßloſe Uebertreibungen. Man möge
der Poſtbehörde Glauben ſchenken, wenn ſie auf Grund
ihrer Wiſſenſchaft in ſolchen Dingen — und wer wüßte
es denn beſſer als gerade ſie — erklärt, daß nicht der
ge=
ringſte Grund zu einer Beunruhigung vorliegt, da die
Zahl der hie und da durch unlautere Machenſchaften
ab=
handen gekommenen Feldpoſtſendungen gegenüber der
Rie=
ſenmenge der intakt bleibenden Sendungen völlig
ver=
ſchwindet. Das Haupübel, was ſo viele „Verluſte”
zei=
tigt, iſt und bleibt die angewandte falſche Feldadreſſe. Die
Sendungen irren dann unter Umſtänden viele Wochen
lang umher, was einem Verluſte nahezu gleichkommt, oder
ſie gelangen deshalb an den Abſender nicht zurück, weil er
nicht angegeben worden iſt. Bei der großen Zahl der im
jetzigen Kriege gebildeten Formationen, deren Bezeichnung
den Allerwenigſten geläufig iſt, reichen oft kleine
Ab=
weichungen von der normalen Feldadreſſe aus, um die
Sendung unanbringlich zu machen oder zu verzögern.
Adreſſiert beiſpielsweiſe jemand ſeinen Feldpoſtbrief an
einen Angehörigen der „Sanitäts=Kompagnie Nr. 2 des
Garde=Reſervekorps,” ſo iſt das ganz etwas anderes, als
wenn er ſchreibt „Garde=Reſerve=Sanitäts=Kompagnie
Nr. 2‟ Auch ſteht jene Kompagnie auf dem einen, dieſe
aber auf dem anderen Kriegsſchauplatz. Verwechſelt er
in der Feldadreſſe die „Kraftwagenkolonne A und B (xte
Armee)” mit der „Armee=Kraftwagenkolonne a und b‟.
ſo geht der Brief aus dem gleichen Grunde unweigerlich
nach einer falſchen Richtung. Alſo peinkichſte Genauigkeit
in der Niederſchrift der Adreſſe, verehrtes Publikum!
Man laſſe ſich auch durch den Vordruck der Formationen
auf den Briefumſchlägen oder Poſtkarten nicht verleiten,
bloß um ihn auszufüllen, Angaben niederzuſchreiben, die
der Empfänger nicht mitgeteilt hat. Der Vordruck „
Ar=
meekorps” wird oft unausgefüllt bleiben müſſen, bei
man=
chen Formationen vielleicht der ganze Vordruck. Für alle
Fälle kann dieſer nicht paſſend gemacht werden: er dient
in erſter Linie den großen Maſſen der in gewöhnlicher
Weiſe formierten Truppen.
Die Abſender von Feldpoſtbriefen wenden ferner,
zu=
meiſt nur aus Unkenntnis, vielfach eine militäriſche
Adreſſe an, die zwar ſo lange zutraf, als ſich der
Emp=
fänger noch in der heimiſchen Garniſon befand, die aber
mit ſeinem Ausrücken ins Feld nicht mehr gilt und ſo
die Ueberkunft des Briefes gefährdet. Hierunter leiden
namentlich die Briefe für die vielen Heeresangehörigen,
die, ſei es als Kriegsfreiwillige oder als ehedem
Ver=
wundete und hierauf wieder garniſondienſtfähig
Gewor=
dene, bisher einem heimiſchen Erſatzbataillon angehört
haben und die dann zu dem zugehörigen aktiven Regiment
ins Feld gerückt ſind. Daheim erhielten ſie ihre Briefe
unter der Adreſſe des Garniſonsortes, wobei noch das
Erſatzbataillon und die Kompagnie, deren das Bataillon
bekanntlich vier hat, mit angegeben war. Draußen im
Felde werden nun dieſe Leute auf die einzelnen 12
Kom=
pagnien des Regiments verteilt. Damit iſt die
Brief=
adreſſe für die bisherigen Erſatzmannſchaften eine
an=
dere geworden. Der Grenadier Klaus Hermann Meier
von der 4. Kompagnie des Erſatzbataillons Grenadier=
Re=
giments Nr. 12 ſteht jetzt bei der 12. Kompagnie 3.
Ba=
taillons Grenadier=Regts. Nr. 12. Briefe, die Meiers
An=
gehörige unter ſeiner bisherigen Kompagniebezeichnung
an ihn ins Feld ſenden, gelangen der Adreſſe gemäß zur
4. Kompagnie des Regiments. Da K. H. Meier dort
un=
bekannt iſt, vermerkt der Feldwebel auf ihnen „nicht bei
4/I 12” und übergibt ſie als unbeſtellbar der
Feldpoſt=
anſtalt, die ſie mit dem Stempel „zurück” bedruckt und
wieder heimwärts ſendet. Hat der Abſender vielleicht
noch hinzugefügt „Erſatzbataillon”, ſo muß er ſich
gewär=
tigen, daß auf dem Briefe der Standort dieſes Bataillons
angegeben, der Brief dorthin geſandt und bei der 4.
Kom=
pagnie mit dem Vermerk „nicht bei 4/E 12” verſehen wird.
Die Angehörigen aber leſen aus dem Feldwebelvermerk
unter Umſtänden ganz etwas anderes heraus und geraten
in große Beſorgnis, bis ihnen eines Tages K. H. Meier
ſchreibt, daß er der 12. Kompagnie des Regiments
einver=
leibt worden ſei. Von nun an funktioniert der
Brief=
wechſel. Es gibt Leute daheim, die ſoweit militäriſe
gebildet ſind, daß ſie K. H. Meiers Zuteilung zu einer
anderen Kompagnie im Felde vorausſahen und die
des=
halb in einem gleichen Falle die Kompagnie=Angabe in der
Feldadreſſe unterließen. Was war hiervon die Folge? Die
Briefe mußten nunmehr ſämtliche Kompagnien des
Re=
giments durchwandern, bis ſie den Empfänger erreichten —
oder auch nicht. Denn draußen haben die Feldwebel nicht
immer die Zeit, ſich mit unzureichenden Briefadreſſen ſo
eingehend zu befaſſen und es kann leicht vorkommen, daß
einer den Brief zurückſchickt und es dem Abſender
über=
läßt, die richtige Kompagnie darauf zu vermerken. In
jedem Falle warte man daher, ſobald der Angehörige
eines heimiſchen Erſatzbataillons zur Front abgegangen
iſt, zunächſt ſeinen Brief ab, der die Feldadreſſe enthält,
und nun erſt ſchreibe man ins Feld. Viele, viele Tauſende
von Briefen werden dann vor dem Schickſal bewahrt
bleiben, daß ſie ganz umſonſt geſchrieben worden ſind, und
auch die Feldpoſt wird es dankbar empfinden, wenn ſie
auf dieſe Weiſe wieder einmal in ihrem Konto einen
größeren Poſten löſchen darf, bei dem ſie bisher „
ver=
ſagte‟.
Verluſtliſte (aus Nr. 85).
Reſerve=Infanterie=Regiment Nr. 221, Darmſtadt.
Fromelles vom 28. bis 31. 10. und vom 1. bis 6. 11. und
Aubers vom 2. bis 5. 11. 14.
I. Bataillon.
1. Kompagnie: U.=O. Konrad Fenchel, Gambach,
ſchv.; Kriegsfr. Heyum, Eberſtadt, lv.; Erſ.=Reſ. Willy
Herrmann, Offenbach a. M., ſchv.; Kriegsfr. Adam
Nees, Heppenheim, ſchv.
2. Kompagnie: Kriegsfr. Ludwig Eitel,
Mühl=
heim a. M., ſchv.; Kriegsfr. Ludwig Müller II., Groß=
Umſtadt, ſchv.; Kriegsfr. Heinrich Spahr, Neuſtadt, lv.;
Kriegsfr. Hellmuth Enſinger, Frankfurt a. M., gef.;
Erſ.=Reſ. Wilhelm Wittmann, Friedrichsthal, ſchv.;
Erſ.=Reſ. Georg Gerbig, Darmſtadt, lv.
3. Kompagnie: Kriegsfr. Georg Darmſtädter,
Weiterſtadt, gef.; Kriegsfr. Wilhelm Kloß, Gießen, ſchv.;
Kriegsfr. Philipp Kröll, Kirch=Brombach, lv.; Kriegsfr.
Walter Schmidt I., Dortmund, lv.; Kriegsfr. Ernſt
Stoll, Bad Nauheim, ſchv.; Kriegsfr. Bruno Janſon,
Obernburg, ſchv.; Kriegsfr. Georg Kröhl, Darmſtadt, lv.;
Kriegsfr. Wilhelm Stahl, Babenhauſen, lv.
4. Kompagnie: Kriegsfr. Jakob Schneider,
Frankfurt a. M., lv., bei der Truppe; Kriegsfr. Alfr. Fr.
Herm. Pretzſch, Torgau, gef.
II. Bataillon.
5. Kompagnie: Off.=Stellv. Ludw. Hauk,
Schaaf=
heim, lv.: Erſ.=Reſ. Heinrich Burkhardt, Hirſchhorn
a. N., Iv.
6. Kompagnie: Gefr. Jakob Fuchs, Offſtein, ſchv.;
Freiw. Joh. Walter, Gundheim, lv.; Freiw. Erich
Eiber, Stettin, lv.
7. Kompagnie: Erſ.=Reſ. Heinrich Marx,
Lützel=
bach, lv.; Erſ.=Reſ. Karl Marzenell, Seckenheim, lv.;
Erſ.=Reſ. Franz Ofenloch, Bürſtadt, gef.
8. Kompagnie: Freiw. Ernſt Hirſch, Gimbsheim,
lv.; Freiw. Adam Keil, Lampertheim, lv.
III. Bataillon.
9. Kompagnie: U.=O. Friedrich Fluth,
Viel=
brunn, gef.; Musk. Paul Kretzer, Frankfurt a. M., gef.;
Musk. Eugen Rohmann, Wenigumſtadt, an ſeinen
Wunden geſtorben im Lazarett am 28. 10. 14; Gefr. d. R.
Gg. Adam, Groß=Steinheim, vw.; Musk. Karl Schreitz,
Friedberg i. H., vw.: Musk. Friedrich Metz, Karlsruhe,
vw.; Musk. Nikolaus Bauer, Viernheim, vw.; Musk.
Oskar Gieſe, Offenbach a. M., vw.; Musk. Peter
Witt=
ges, Frankfurt a. M., vw.; Musk. Franz Tave: Frank,
Mimbach, vw.: Reſ. Tamb. Joſef Brehm, Offenbach
a. M., vw.; Reſ. Albert Straßner, Edenkoben, vw.;
Musk. Paul Voehl, Elberfeld, vw.; Musk. Adam
Sa=
lomon, Soden=Schlüchtern, vw.; Musk. Heinrich Lanio,
Bad=Ems, vw.; Reſ. Horn. Adam Kiefer, Bürgel=
Offen=
bach a. M., vw.; Musk. Albert Ebert, Rüdesheim, vw.;
Musk. Paul Meckel, Frankfurt a. M., vw.: Musk.
Chri=
ſtian Reußwig, Nieder=Mittlau, ſchv.; Musk. Friedrich
Bechtold, Geislitz, ſchv.
10. Kompagnie: Musk. Jean Steitz, Friedberg
i. H., ſchv.; Musk. Otto Jakob, Frankfurt a. M., lv.;
Musk. Guſtav Sulzmann, Offenbach a. M., ſchv.; Reſ.
Hermann Schmidt, Langd, lv.; Musk. Hermann
Na=
gel, Hirzenhain, lv.; Musk. Robert Conrad, Frankfurt
a. M., gef.; Musk. Ludwig Möller, Friedberg i. H., lv.;
Musk. Hermann Schönwolf, Ober=Rosbach, lv.; Musk
ketier Adam Simon, Niederzell, lv.; Musk. Friedrich
Schreiner, Frankfurt a. M., lv.
11. Kompagnie: Gefr. d. R. Wilhelm Eckhardt,
Darmſtadt, lv.; Musk. Sieafried Vogel, Münſter, lv.;
Musk. Wilhelm Fäkler, Offenbach a. M., lv.; Musk.
Al=
fred Stache. Groß=Perſchnitz, lv.; Musk. Otto
Klep=
per, Frankfurt a. M., lv.; Gefr. d. R. Chriſtian Reblé,
Offenbach a. M., vw.; Gefr. d. R. Georg Steingäſſer,
Frankfurt a. M., vw.; Erſ.=Reſ. Franz Lühr, Marburg,
vw.; Musk. Karl Müller III., Hagen i. W., vw.; Musk.
Bruno Bachmann, Offenbach a. M., vw.; Tamb.
Jo=
hann Rabenbauer, Rönkam, vw.; Musk. Friedrich
Wiegand, Hersfeld, ſchv.
12. Kompagnie: U.=O. d. R. Berthold Teich,
Koſchpendorf, ſchv.; Musk. Karl Klemenz. Offenbach
a. M., ſchv.; Musk. Heinrich Brunotte, Gießen, gef.;
Wehrm. Ludwig Otto, Neu=Iſenburg, an ſeinen Wunden
geſtorben in Fournes am 30. 10. 14: Gefr. Chriſt. Kitz,
Büdesheim, lv.; Musk. Karl Ludw. Holzapfel, Hanau,
lv.; Reſ. Joſef Schmidt. Jahrsdorf, lv.; Musk. Wilhelm
Emil Peter Klein, Offenbach a. M., lv.; Wehrm. Florian
Schuler, Gießen, lv.; Musk. Konrad Ernſt Seib,
Offen=
bach a. M., lv.: Gefr. d. L. Johannes Vorwald,
Ditt=
lofsroda, gef.: Reſ. Ludw. Wilh. Groſch, Offenbach a. M.,
lv.; Musk. Martin Röder, Frankfurt a. M., lv.; Musk.
Heinrich Theobald Schillina, Groß=Krotzenburg, ſchv.;
Musk. Friedr. Gottfr. Guſtav Gebühr, Bernburg, ſchv.;
Musk. Ludwig Rückert. Neu=Iſenburg. ſchv.; Wehrm.
Georg Hunkel, Sprendlingen, gef.; Musk. Chriſtoph
Franz, Horbach, lv.
Reſerve=Infanterie=Regiment Nr. 87.
II. Bataillon, Limburg.
8. Kompagnie: Reſ. Anton Poradzewsky,
Mainz, lv.
Infanterie=Regiment Nr. 88.
II. Bataillon, Hanau.
6. Kompagnie: Musk. Johann Reinheimer,
Mainz, lv.
8. Kompagnie: Musk. Herm. Dohm, Mainz, vm.
Sendet jedem Krieger
als Kräftigungsmittel sowie zur
Linderung bei Magen= u.
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fall den tausendfach bewährten
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(21867
der ganzen deutſchen Armee liegen
Die Verlüstlisten ſämtlich von der erſten erſchienenen
Liſte bis zu den neueſten Liſten in unſerer Geſchäftsſtelle
zur Einſichtnahme auf.
Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2.
Freitag, den 27. Nov. Vorabendgottesdienſt 4 Uhr
30 Min.
Samstag, den 28. Nov. Morgengottesdienſt 8 Uhr
45 Min. Sabbatausgang 5 Uhr 20 Min.
Gettesdienſt in der Synagage der israelitiſchen
Religions=
geſeüſchaft.
Samstag, den 28. Nov. Vorabend 4 Uhr. Morgens
8 Uhr. Nachmittags 4 Uhr. Sabhatausgang 5 Uhr
20 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 29. Nov., an:
Morgens 6 Uhr 45 Min. Nachmittags 4 Uhr.
Familiennachrichten.
Statt Karten.
Die glückliche Geburt eines gesunden
Töchterchens zeigt an
Frau Gustel Kern,
geb. Bosselmann,
zugleich im Namen ihres im Felde steh. Mannes, des
Forstassessors Richard Kern
Leutnant d. L.
Darmstadt, den 25. November 1914. (21889
Den Heldentod ſtarb am 11. Oktober an
den Folgen einer ſchweren Verwundung mein
guter, innigſtgeliebter Mann, der treuſorgende
Vater ſeines Kindes
Karl Lelona
Gefreiter der Reſerve der 3. Schwadron
des Dragoner=Regiments Nr. 23
im 26. Lebensjahre
(*10201
Um ein frommes Gebet für den lieben
Verſtorbenen bittet
Im Namen der Finterbliebenen:
Die trauernde Gattin:
Dina Lelong und Kind.
Darmſtadt, Bernkaſtel, Metz, 26. Nov. 1914.
Ein ſchwer Geſchick hat unſer junges Glück
vernichtet,
Ein friſcher Hügel hüllt mein Liebſtes ein,
Und was das arme Herz gehofft, erdichtet,
Schlaf wohl, ſchlaf wohl, es hat nicht ſollen ſein.
Allen Verwandten, Freunden und
Be=
kannten die ſchmerzliche Mitteilung, daß mein
lieber, guter Vater, unſer lieber Bruder,
Schwager und Onkel
Herr Ludwig Sulzmann
Großh. Kammermuſiker
und Hofmuſik-Inſpektor i. P.
am 26. November nach längerem Leiden ſanft
entſchlafen iſt.
(21886
Darmſtadt, den 26. November 1914.
Marie Sulzmann,
Suſanne Enders, geb. Sulzmann,
Margarete Dallet, geb. Sulzmann.
Die Beerdigung findet Samstag, den 28. Nov.,
2½ Uhr, vom Portale des Städtiſchen Friedhofs
aus ſtatt. Die Einſegnung findet eine
Viertel=
ſtunde zuvor in der Friedhofskapelle ſtatt.
Statt beſonderer Anzeige.
Den Heldentod fürs Vaterland ſtarb am
16. November auf belgiſchem Boden unſer
lieber, treuer Sohn, Bruder und Neffe
Regierungsbaumeiſter und Königl. Oberlehrer
Heinrich Enſinger
Kompagnieführer
Ritter des Eiſernen Kreuzes.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Julie Enſinger.
Darmſtadt, 26. November 1914. (*10191
Von Beileidsbeſuchen bittet man abzuſehen.
Todes=Anzeige.
Verwandten und Bekannten hiermit die
ſchmerzliche Mitteilung, daß geſtern meine liebe
Frau, unſere treubeſorgte Muter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
Franziska Helfrich
geb. Petri
nach langem Leiden ſanft verſchieden iſt.
Im Namen der tieſtrauernden Hinterbliebenen:
Valentin Helfrich und Kinder.
Familie Th. Nachtkamp=Riedl, Darmſtadt.
Familie Karl Engler, Darmſtadt.
Familie Georg Engler, Frankfurt a. M.
Familie Jean Engler, Barmen.
Familie Stay u. Heinemann, Frankfurt a. M.
Darmſtadt, den 26. November 1914.
Die Beerdigung findet Samstag, 28 Novbr.,
nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des
Darmſtädter Friedhofes aus, ſtatt. (21888
Woterbericht.
Eine weſentliche Aenderung der Wetterlage iſt ſeit
vorgeſtern nicht eingetreten. Auf der Vorderſeite der
nördlichen Depreſſion wandern einzelne Randwirbel
nordoſtwärts über Mitteleuropa hinweg. Wir behalten
bei ſüdweſtlichen Winden trübes, regneriſches Wetter.
Wetterausſichten für Freitag: Trüb, zeitweiſe
Nie=
derſchläge, etwas milder, ſüdweſtliche Winde.
Tageskalender.
Freitag, 27. November.
Großh. Hoftheater. Anfang 7 Uhr, Ende 10 Uhr
(Ab. D): „Hoffmanns Erzählungen”.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Kurt Mitſching; für den
Anzeigen=
teil, Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem
Ge=
ſchäftsleben: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. — Für
den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an
die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche
wer=
den nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden
nicht zurückgeſandt.
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Die Eröffnung des Krematoriums in Darmſtadt fand am
10. Oktober 1914 ſtatt. — Einäſcherungsgebühren: 60 Mk., für
Mit=
glieder des Heſſ. Landesvereins für Toten=Einäſcherung: 50 Mk. —
Die Vereinsmitglieder erhalten unentgeltlich das Vereinsorgan
„Flamme‟. — Jahresbeitrag 3 Mk.
Letztwillige Verfügungen können bei dem Verein (Tägl.
An=
zeiger, Waldſtraße 28) hinterlegt werden; daſelbſt ſind Satzungen,
Formulare für letztwillige Verfügungen und Merkblätter zu erhalten.
Beitrittserklärungen zu richten an den Vorſitzenden: Dr. Heil,
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Nummer 327.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. November 1914.
Seite 9.
Der filberne Adoff.
Roman von Horſt Bodemer.
(Nachoruck verboten.)
35)
Der General ſchloß die Korridortür auf.
Da hinein, Herr Brüchterloh! Meine Frau freut ſich,
Sie mal wiederzuſehn, aber ſie wird ſich gedulden!
Ein Mann ſchritt über die Schwelle, dem das Herz
bis zum Halſe hinaufſchlug. Ein Mann mit ernſten
Vor=
ſätzen.
Mitten im Zimmer ſtand Ellen Wommen. Er ging
auf ſie zu, feſten Schrittes. Er zog ſie an ſeine Bruſt.
Sie fühlte, wie ſtürmiſch ſein Herz ſchlug. Da warf ſie
den Kopf in den Nacken, ſah ihn an mit glänzenden
Augen. Noch küßte er die Mädchenlippen nicht.
Ellen, wie hab’ ich Dich lieb!
Und ich Dich! Und ich Dich! Du haſt mich ja faſt um
den Verſtand gebracht!
So ſollte ſie nicht weiterreden. Warum ſich
gegen=
ſeitig anklagen? Es hatte keinen Sinn. Durch Schweigen
vernarbt manche Wunde. Mädchenlippen zitterten. Sie
ſollten nicht mehr zittern. Jauchzen ſollten ſie — jauchzen!
Und wie er Kuß auf Kuß gab und nahm, war’s ihm, als
verſänke ein Leben und ein neues ſtieg auf. Und das neue
brachte Arbeit, brachte innere Zufriedenheit. Denn wo
Frauenlippen nach dem Willkomm dürſten . .. und
Kin=
derlachen einſt ins Ohr ſchallt — nach getaner Arbeit, nur
dort iſt die Welt ſchön.
Alſo hinaus in das Leben, über See, mit Dir, Ellen,
mit Dir!
Ja, mit Dir! Mit Dir! Und einſt wiedergekommen
als echte Hamburger!
Wenn wir den Heimatwimnpel hiſſn, Elen u in zehn
Jahren — dann wollen wir gute Rechenſchaft ablegen
können!
Das wollen wir, Erich, das wollen wir!
Zwei Hamburger Kinder ſahen ſich an. Zwei
Ham=
burger Kinder, deren Väter ſeit Jahrhunderten
groß=
zügig ihre Fäden geſpannt über die ganze Welt. Und
Hamburger Blut verirrt ſich einmal — aber müde wird
es nicht.
Häpel hatte, im Waldesſchatten, ſein
Mittagsſchläf=
chen gemacht.
Als er mit knurrendem Magen wieder zu ſeinen
Leu=
ten auf das Haferfeld trat, ſagte einer der Tagelöhner, die
zum Eſſen nach Hauſe gegangen waren:
Der Herr Rittmeiſter läßt ſagen, der Herr
Adminiſtra=
tor möchte doch gleich mal zu ihm kommen!
Häpel ſpuckte erſt einmal aus, brannte ſich dann
um=
ſtändlich die kurze Peife an, damit der Hunger nicht zu
ſehr in ihm rumorte, zwinkerte den Himmel an und
meinte:
Das wird wohl noch Zeit bis zum Abend haben!
Es iſt zwar kein Wölkchen zu ſehen, aber mich zwickt’s in
der kleinen Zehe! Und das iſt immer ein Zeichen, daß
ein Gewitter im Anzuge iſt! Und deshalb wollen wir
machen, daß wir ſchleunigſt hier fertig werden!
Die Leute lachten. Der Tagelöhner, der ihm die
un=
erfreuliche Mitteilung gemacht, nickte.
Jawohl! Das Gewitter iſt ſchon da! Aber dem Hafer
wird es weiter nichts ſchaden. Das tobt im Schloſſe! Der
Herr Rittmeiſter ſoll ne ſchöne Laune haben, der Diener
hat mir’s ſelber erzählt!
Da paſte Hahel wie ein Schornſtein, zeigte daun mit
dem Pfeifenſtiel über die Schulter — nach dem Schloſſe.
Da wollen wir’s erſt austoben laſſen! Wenn ich mal
ſchimpfe, geht Ihr mir doch auch aus dem Wege! Und
nun zugegriffen! Bin ich fertig mit meiner Pfeife, helf?
ich mit! Los — los!
Ernſt Häpel wartete auf eine Patrouille vom Schloſſe
— oder von ſeiner Frau. Es war doch gut, man wußte
ungefähr, wie die Aktien ſtanden, bevor man ſich in die
Höhle des Löwen begab. Aber keine Patrouille erſchien.
Da ſetzte er ſich gegen acht auf den letzten
Ernte=
wagen ganz oben auf. Vor dem Inſpektorhauſe kletterte
er aber wie ein Wieſel herunter begab ſich im Eilmarſch
zu ſeiner „Alſchen”. Daß die heute ſo ganz „verſagt” hatte,
begriff er nicht. Wo war denn nur ſeine gute Erziehung
geblieben?.
28. Kapitel.
Auch Karla Plunk hatte ſich geſagt: So kann es nicht
weiter gehen! Beſſer ein Ende mit Schrecken! Seit Dolf
ihr das angetan, durfte ſie die Hände nicht mehr in den
Schoß legen. War’s vorüber — mochte es ſein! Bekam
ſie noch eine ſolche Karte, brach ſie zuſammen! Wenn ſie
ihren Dolf nur nicht ſo ſchrecklich lieb gehabt hätte! Ach
was, ach was! Jetzt den Kopf hochgenommen und gezeigt,
daß ſie nicht mit ſich ſpielen ließ. Ihr gegenüber war der
Herr Rittmeiſter immer leidlich vernünftig geweſen! Alte
Leute haben manchmal ihre Schrullen! Und wenn ſie ſich
dem anvertraute vielleicht war das das allerbeſte! Ganz
ſicher war es das!
Als Häpel ſie am Morgen fragte, ob ſie zum Vorleſen
aufs Schloß gehen werde hatte ſie energiſch mit dem Kopf
genickt. Der Adminiſtrator ſchien allerdings wenig erfreut
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Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. Rovember 1914.
Nummer 327.
barüber, dem er rührte ſumm, mit langem Geſicht, in
ſeiner Kaffeetaſſe herum und empfahl ſich ſehr bald.
Frau Häpel hatte die Hände gerungen, nachdem ihr
Mann gegangen war.
Es geht uns an den Kragen! Wenn der Herr
Ritt=
meiſter die Wahrheit erfährt!
Da hatte Karla den beginnenden Redeſchwall
unter=
brochen.
Der Herr Rittmeiſter wird ſich ſchon beruhigen!
Da=
für laſſen Sie mich ſorgen! Die Schuld hab ich zu
über=
nehmen — und der Herr Leutnant!
Und dann war auch ſie gegangen, erſt einmal in eine
ſtille Parkecke, um ſich klarzumachen, was ſie eigentlich
alles dem Herrn Rittmeiſter zu ſagen hatte. Das war
ſehr viel,=und in knappe Worte mußte es gefaßt werden,
ſonſt hörte er ſie doch nicht bis zum Ende an.
Pünktlich auf die Minute betrat ſie ſein
Arbeitszim=
mer, Er winkte ihr ſehr fidel mit der Hand zu.
Guten Morgen! Guten Morgen! Nein, was ſich ein
Meuſch an den anderen gewöhnen kann, ordentlich gefehlt
haben Sie mir! Und der Häpel ſagte mir geſtern ſo was
von Kofferpacken! Das iſt natürlich Unſinn — nicht wahr:
Karla war über dieſe Einleitung herzlich froh! Da
ließ ſich der Faden raſch abſpinnen.
Es wird mir nichts anderes übrig bleiben, Herr
Ritt=
meiſter, als von Ruſten Abſchied zu nehmen!
Nee, nee! Es bleibt Ihnen noch mauches andere
übrig! Bei Häpel, das iſt allerdings auf die Dauer kein
Aufenthalt für Sie! Die Sache wird einfach ſo gemacht,
Sie ziehen ins Schloß, leſen mir vor, halten den
Haus=
ſtand in Ordnung und ſtricken meinethalben für die
Neger=
kinder in der Freiheit wollene Strümpfe für den Winter!
Ach Gott, Herr Rittmeiſter, mir iſt wirklich nicht zum
Lachen!
Chriſtoph Ruſten aber ſand die Situation ganz
wun=
dervoll. Er rieb ſich mit einem Schmunzeln die Hände.
Nun ſetzen Sie ſich erſt einmal, Fräulein Plunk!
So-o, wir werden ſchon einig! Eigentlich hab’ ich zum
Beichtvater gar keine Veranlagung, aber der Fall
inter=
eſſiert mich wahrhaftig. Alſo was hat’s gegeben?
Werden Sie Augen machen, Herr Rittmeiſter!
Die mach’ ich ſchon lange, nämlich, wenn ich Sie ſehe,
Fräulein Plunk! Nur keine Angſt! Runter, was auf dem
kleinen Herzchen iſt! Tief holte Karla Atem.
Alſo, Herr Rittmeiſter, ich hab’ Sie ganz ſchmählich
betrogen!
Ach nee? Wie haben Sie das denn angeſtellt?
Ich bin Ihres Neffen Braut!
Da ſtand Chriſtoph Ruſtens Mund erſt einmal weit
offen.
Hergeſchickt, um mich einzuwickeln, ich verſtehe!
Wenn Sie es ſo nennen wollen?
Mit der zitternden Fauſt hieb der Rittmeiſter auf
einen Oberſchenkel.
Und der Häpel, der verfluchte Kerl?!
Dem laſſen Sie es, bitte, nicht entgelten, das iſt die
einzige Bitte, die ich noch habe!
Noch — Fräukein! Das iſt zwar zienlich viekt
ver=
langt, aber ich denke, nun geht die Bitterei munter weiter!
Nein, Herr Rittmeiſter, denn zwiſchen mir und Ihrem
Neffen iſt es aus — ganz aus!
Sehr vernünftig von Ihnen!
Karla Plunk fiel aus allen Wolken. Sie hatte
ge=
glaubt wunder wie klug zu ſein, aber der Herr Rittmeiſter
wurde nicht neugierig.
Darf ich Ihnen die Gründe auseinanderſetzen? fragte
ſie zaghaft.
Aber wozu denn? Die ſind mir wirtlich herzlich
einer=
lei! Das erfreulichſte ſeh’ ich darin, daß Sie nun zu mir
ziehen! Und der Junge wird ſich recht bald die
Schwind=
ſucht an den Hals geärgert haben! Ja—a, Rache
ſchmeckt ſüß!
Da war ein Weg, um das Geſtgäch wieder in das
rechte Gleiſe zu bringen.
Das wünſch’ ich ihm denn nun doch nicht!
Jotte nee, wie gefühlvoll! Fräuleinchen, ſo kommtt
man nicht durchs Leben!
Karla Plunk konnte die Tränen nicht mehr
zurück=
halten. Das Geſchluchze ging Chriſtoph Ruſten über die
Nerven.
Na, warum hat es denn den Krach gegeben?
Da erzählte ſie von Ellen Wommen ſehr ausführlich.
Und geſtern kam die Karte! Hier! Sie iſt mit ihm.
in Danzig, zuſammen! Iſt das nicht unerhörr:
(Schluß folgt.)
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21812dfs)
Der Vorstand.
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Heitrich urii
Hoflieferant.
(21883
[ ← ][ ][ → ]Nr. 130.
Freitag, 27. November.
1914.
Bekanntmachun
ig.
Die nachſtehenden Bekanntmachungen des Herrn
Reichskanzlers vom 28. Oktober und 5. November 1914,
betreffend Höchſtpreiſe, für Getreide. Kleie und Hafer
bringen wir hiermit wiederholt zur öffentlichen Kenntnis.
Zu einzelnen Vorſchriften der Verordnung hat Großh.
Miniſterium des Innern noch folgendes bemertt:
Die Höchſtpreiſe für Roggen, Weizen, Gerſte und
Hafer gelten nur für inländiſche Waren und für den
Großhandel. Als ſolcher gilt insbeſondere der Verkehr
zwiſchen dem Erzeuger, dem Verarbeiter und dem Händler.
Die Höchſtpreiſe für Getreide ſind für beſtimmte
Hauptorte feſtgeſetzt, nach denen ſich die Höchſtpreiſe für
die Nebenorte regeln. Sie gelten für den Abnahmeort.
Jeder Beteiligte, ſei er Landwirt oder Händler, muß ſich
darüber klar ſein, daß kein Verkäufer an dem Orte, wo
das Getreide letzten Endes abzunehmen iſt, einen höheren
Preis erzielen darf als der Höchſtpreis iſt, der für dieſen
Ort gilt. In dieſem Höchſtpreiſe ſind gemäß § 10 der
Verordnung bei Getreide, aber nicht bei Kleie, die Koſten
der Verladung und des Transportes bis zum
Güter=
bahnhofe, bei Waſſertransport bis zur Anlegeſtelle des
Schiffs oder Kahns des Abnahmeorts enthalten. In
allen früheren Stadien des Verkehrs wird alſo der
ver=
tragsmäßig vereinbarte Preis kein höherer ſein dürfen,
als der Höchſtpreis abzüglich aller Koſten und eines
angemeſſenen Gewinns für den Handel, der das
Ge=
treide umzuretzen hat. Nur in dieſem Sinne iſt auch §3
Abſ. 1 der Anordnung zu verſtehen, wonach der
Höchſt=
preis in den Nebenorten gleich dem Höchſtpreis dem
nächſtgelegenen Hauptorte ſein ſoll. Dieſe Vorſchrift hat
zur Folge, daß für jeden Hauptort ein Bezirk beſteht,
deſſen Grenzen durch die Punkte beſtimmt werden, die
ſich auf der Mitte zwiſchen dem Hauptorte und den
umliegenden anderen Hauptorten befinden. Bei der
Be=
rechnung der Entfernungen kommt es nicht auf die
Luſt=
linie, ſondern auf die bei der Frachtberechnung
maß=
gebende Eiſenbahnentfernung an. Höchſtpreiſe gelten für ein
Hektolitergewicht bei Roggen bis zu 70 kg, bei Weizen
bis zu 75 kg. In §§ 2 und 4 ſind Steigerungen des
Höchſtpreiſes vorgeſehen. Sie beziehen ſich auf jedes
volle kg. um das ein hI Roggen mehr als 70 kg und
ein hl Weizen mehr als 75 kg wiegt. Bei Gerſte ſind
Höchſtpreiſe nur für ſolche bis zum Hektolitergewicht von
68 kg (Futtergerſte) feſtgeſetzt. Dagegen war die
Feſt=
legung eines Qualitätsgewichts für Hafer nicht
erforder=
lich. Es wurde als genügend erachtet, einen Höchſtpreis
feſtzuſetzen und es dem Handel zu überlaſſen, dieſen Preis
für die beſte Qualität anzulegen, für geringere Qualitäten
dagegen entſprechend niedrigere Preiſe zu bewiligen.
Der Höchſtpreis für Roggen= und Weizenkleie gilt
nur für den Verkauf durch den Herſteller. Er hat
dem=
nach in rechtlicher und wirtſchaftlicher Hinſicht einen
anderen Eharakter als die Höchſtpreiſe für Rogen,
Weizen und Hafer. Während die Getreidepreiſe nur für
den Großhandel, aber auch für alle am Großhandel
Be=
teiligten gelten gilt der Kleiehöchſtpreis nur für den
Herſteller der Kleie, alſo für den Müller. Dieſen bindet
er aber für Abſatz, gleichviel ob Klein= oder Großhandel
vorliegt. Der Höchſtpreis gilt, wie aus § 10 hervorgeht,
für die Lieferung ab Mühle. Er ſchließt die Koſten der
Verladung und des Transports zur Verladeſtelle nicht
in ſich. Ein unter dieſen Bedingungen geltender
Kleie=
höchſtpreis ſoll nicht die Folge haben, daß jeder
Ver=
braucher die Kleie zum gleichen Einſtandspreis an der
Verkaufsſtelle erhält. Dieſer wird ſich vielmehr um die
Koſten des Verkehrs, Handelsſpeſen und um einen
an=
gemeſſenen Handelsgewinn höher ſtellen als der
feſtge=
ſetzte Höchſtpreis. Die Vorſchriſten gelten nur für Kleie,
dagegen nicht für Futermehl.
Werden bei einem Vertrag über den Verkauf von
Roggen, Weizen, Gerſte oder Hafer andere
Lieferungs=
bedingungen vereinbart, als in §10 der Bekanntmachung
vom 28. Oktoher, ſowie § 6 der Bekanntmachung vom
5. November a. a. O. vorgeſehen ſind, ſo darf der Preis
den Höchſtpreis inſoweit überſchreiten, als es die
be=
ſonderen Mehrleiſtungen des Lieferers rechtfertigen.
Die vorſtehenden Anordnungen des Bundesrats vom
28. Oktober und 5. November berühren früher
abge=
ſchloſſene Verträge nicht. Dagegen ſind Verträge, die
nach dem Inkrafttreten der Anordnungen zu einem
höheren Preiſe als dem Höchſtpreiſe abgeſchloſſen werden,
nichtig.
Darmſtadt, den 20. November 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachungen.
Bekanntmachung über die Höchſtpreiſe für Getreide
und Kleie.
Vom 28. Oktober 1914.
Auf Grund von § 3 des Geſetzes, betreffend
Höchſt=
preiſe, vom 4. Auguſt 1914 (Reichs=Geſetzbl. S. 339), in
der Faſſung der Bekanntmachung vom 28. Oktober 1914
(Reichs=Geſetzbl. S. 458) hat der Bundesrat folgende
Ver=
ordnung erlaſſen:
§ 1. Der Preis für die Tonne inländiſchen Roggens
darf im Großhandel nicht überſteigen in:
Mar
Mark
237
Aachen
Hamburg
228
Berlin
220
Hannover
228
Braunſchweig
227
226
Kiel
231
Bremen .
Königsberg i. Pr. . 209
Breslau .
225
212
Leipzig
Bromberg
224
209
Magdeburg
Caſſel
Mannheim.
231
236
Cöln .
München
27
236
Danzig
Poſen.
210
212
Dortmund .
Roſtock
235
218
Dresden.
Saarbrücken
237
225
Duisburg
Schwerin i. M. . . 219
236
Emden .
216
Stettin
232
Erfurt
229
Straßburg i. Elſ. . 237
Frankfurt a. M. . 235
Stuttgart .
233
. 218 Zwickau
Gleiwitz .
227
§ 2. Beträgt das Gewicht des Hektoliters Roggen
mehr als 70 Kilogramm, ſo ſteigt der Höchſtpreis für jedes
volle Kilogramm um eine Mark fünfzig Pfennig.
§ 3. In den im § 1 nicht genannten Orten (
Neben=
orte) iſt der Höchſtpreis gleich dem des nächſtgelegenen im
§ 1 genannten Ortes GHauptort).
Die Landeszentralbehörden oder die von ihnen
be=
ſtimmten höheren Verwaltungsbehörden können einen
niedrigeren Höchſtpreis feſtſetzen. Iſt für die Preisbildung
eines Nebenortes ein anderer als der nächſtgelegene
Hauptort beſtimmend, ſo können dieſe Behörden den
Höchſt=
preis bis zu dem für dieſen Hauptort feſtgeſetzten
Höchſt=
preis hinaufſetzen. Liegt dieſer Hauptort in einem
ande=
ren Bundesſtaate, ſo iſt die Zuſtimmung des
Reichskanz=
lers erforderlich.
§ 4. Der Höchſtpreis für die Tonne inländiſchen
Wei=
zens iſt vierzig Mark höher als der Höchſtpreis für die
Tonne Roggen (§§ 1 und 3) Beträgk das Gewicht des
Hektoliters Weizen mehr als 75 Kilogramm, ſo ſteigt der
Höchſtpreis für jiedes volle Kilogramm um eine Mark.
fünf=
zig Pfennig.
§ 5. Der Höchſtpreis für die Tonne inländiſcher Gerſte,
deren Hektolitergewicht nicht mehr als 68 Kilogramm
be=
trägt, iſt in den preußiſchen Provinzen Schleswig=Holſtein,
Hannover und Weſtfalen, ſowie in Oldenburg,
Braun=
ſchweig, Waldeck, Schaumburg=Lippe, Lippe, Lübeck,
Bre=
men und Hamburg zehn Mark, in dem rechtsrheiniſchen
Bayern 13 Mark, anderorts fünfzehn Mark niedriger als
der Höchſtpreis für die Tonne Roggen (§§ 1 und 3).
§6. Ein nach den §§ 1 bis 5 in einem Orte beſtehender
Höchſtpreis gilt für die Ware, die an dieſem Orte
abzu=
nehmen iſt.
§ 7. Als Großhandel im Sinne der §§ 1 bis 6 gilt
insbeſondere der Verkehr zwiſchen dem Erzeuger, dem
Verarbeiter und dem Händler.
§ 8. Der Preis für den Doppelzentner Roagen= oder
Weizenkleie darf beim Verkaufe durch den Herſteller
drei=
zehn Mark nicht überſteigen. Dieſe Vorſchrift gilt nicht für
Futtermehl (Bollmehl, Rand, Grießkleie und dergleichen).
§ 9. Die Höchſtpreiſe bleiben bis zum 31. Dezember
1914 unverändert, von da ab erhöhen ſie ſich am 1.
und 15. jeden Monats bei Getreide um eine Mark fünfzig
Pennig für die Tonne, bei Kleie um 5 Pfennig für den
Doppelzentner.
§ 10. Die Höchſtpreiſe gelten für Lieferung ohne Sack
und für Barzahlung bei Empfang; wird der Kaufpreis
ge=
ſtundet, ſo dürfen bis zu zwei Prozent Jahreszinſen über
Reichsbankdiskont hinzugeſchlagen werden. Sie ſchließen
bei Getreide, aber nicht bei Kleie, die Koſten der
Ver=
ladung und des Transports bis zum Güterbahnhofe, bei
Waſſertransport bis zur Anlegeſtelle des Schiffes oder
Kahnes des Abnahmeortes in ſich.
ee
in Kraft. Der Bundesrat beſtimmt den Zeitpunkt drs
Außerkrafttretens.
Berlin, den 28. Oktober 1914.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers.
Delbrück.
Bekanntmachung über die Höchſtpreiſe für Hafer.
Vom 5. November 1914.
Auf Grund von § 3 des Geſetzes, betreffend
Höchſt=
preiſe, vom 4. Auguſt 1914 (Reichs=Geſetzbl. S. 339) in der
Faſſung der Bekanntmachung vom 28. Oktober 1914
(Reichs=Geſetzbl. S. 458) hat der Bundesrat folgende
Ver=
ordnung erlaſſen:
§ 1. Der Preis für die Tonne inländiſchen Hafers
darf im Großhandel nicht überſteigen in:
Mark
Mark
Aachen .
221
Hamburg
217
Berlin
212
Hannover
218
Braunſchweig
217
Kiel
216
Bremen .
219
Königsberg i. Pr.
204
Breslau.
204
Leipzig
Bromberg
206
Magdeburg
216
Caſſel.
218
Ma nheim.
222
Eöln
221
München
220
Danzig.
207
Poſen:
205
Dortmund .
Roſtock
223
210
Dresden .
212
Saarbrücken
224
Duisburg
Schwerin i. M.
223
210
Emden .
218
Stettin
209
Erfurt
Straßburg i. Elſ.
217
223
Frankfurt a. M. . . 221
Stuttgart .
220
Gleiwitz .
202
215
Zwickau .
Der Höchſtpreis gilt nicht für Saathafer; das Nähere
beſtimmt der Bundesrat.
§ 2. In den im § 1 nicht genannten Orten (
Neben=
orte) iſt der Höchſtpreis gleich dem des nächſtgelegenen im
§ 1 genannten Ortes (Häuptort).
Die Landeszentralbehörden oder die von ihnen
be=
ſtimmten höheren Verwaltungsbehörden können einen
niedrigeren Höchſtpreis feſtſetzen. Iſt für die Preisbildung
eines Nebenortes ein anderer als der nächſtgelegene
Hauptort beſtimmend, ſo können dieſe Behörden den
Höchſt=
preis bis zu dem für dieſen Hauptort feſtgeſetzten
Höchſt=
preis hinaufſetzen. Liegt dieſer Hauptort in einem
ande=
ren Bundesſtaate, ſo iſt die Zuſtimmung des
Reichskanz=
lers erforderlich.
§ 3. Ein nach den §§ 1 und 2 in einem Orte
beſtehen=
der Höchſtpreis gilt für die Ware, die an dieſem Orte
ab=
zunehmen iſt.
§ 4. Als Großhandel im Sinne der §§ 1 bis 3 gilt
insbeſondere der Verkehr zwiſchen dem Erzeuger, dem
Verarbeiter und dem Händler.
§ 5. Die Höchſtpreiſe bleiben bis zum 31. Dezemher
1914 unverändert, von da ab erhöhen ſie ſich am 1. und
15. jeden Monats um eine Mark fünfzig Pfennig für die
Tonne.
§ 6. Die Höchſtpreiſe gelten für Lieferung ohne Sack
und für Barzahlung bei Empfang; wird der Kaufpreis
geſtundet, ſo dürfen bis zu zwei Prozent Jahreszinſen über
Reichsbankdiskont hinzugeſchlagen werden. Sie ſchließen
die Koſten der Verladung und des Transports bis zum
Güterbahnhofe, bei Waſſertransport bis zur Anlegeſtelle
des Schiffes oder Kahnes des Abnahmeortes in ſich.
§ 7. Dieſe Verordnung tritt am 9. November 1914 in
Kraft. Der Bundesrat beſtimmt den Zeitpunkt des
Außer=
krafttretens.
Berlin, den 5. November 1914.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers:
Delbrück.
(21861
An die Großherzogl. Bürgermeiſtereien der
Landgemeinden des Kreiſes.
Die obige Bekanntmachung wollen Sie ſogleich
orts=
üblich zur allgemeinen Kenninis bringen. Die
Orts=
polizeibehörden und die Gendarmerie haben die
Ein=
haltung der hiernach feſtgeſetzten Höchſtpreiſe ſorafältig
zu überwachen und jede Ueberſchreitung unnachſichtlich
zur Anzeige zu bringen.
Darmſtadt, den 20. November 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Die deutſche ſoziale Verſicherungsgeſetzgebung hat in der gegenwärtigen Zeit
für die Kriegsteilnehmer, ihre Angehörigen und Hinterbliebenen eine beſondere
Be=
deutung gewonnen, und es liegt geradezu im nationalen Intereſſe, dafür zu ſorgen,
daß im einzelnen Fall die Berechtigten möglichſt bald in den Genuß der ihnen
geſetz=
lich zuſtehenden Bezüge gelangen oder dieſe ihnen doch ſichergeſtellt werden. Da aber
in den einzelnen Fällen nicht immer Klarheit über die Rechtslage beſteht, da ſich
zu=
dem unter den in Betracht kommenden Perſonen häufig Frauen beſinden, die in
Rechts=
ſachen und im Verkehr mit den Behörden unerfahren ſind, erſcheint es zweckmäßig.
auf dem Gebiet der Sozialverſicherung für die Dauer des Krieges eine beſondere öffentliche
Rechtsberatung zu ſchaffen. — Der Vorſtand der Landesverſicherungsanſtalt hat
des=
halb in ſeinem Verwaltungsgebäude in Darmſtadt, Wilhelminenſtraße 34, eine
Kriegs=
auskunftsſtelle für Arbeiter= und Angeſtelltenverſicherung eingerichtet und iſt bereit,
allen im Großherzogtum Heſſen wohnenden Kriegsteilnehmern, ſowie deren
Ange=
hörigen und Hinterbliebenen koſtenlos mündlich und ſchriftlich Auskunft in
Angelegenheiten der Arbeiter= (Kranken=, Unfall=, Invaliden= und Hinterbliebenen=
Verſicherung) und Angeſtelltenverſicherung zu erteilen.
Darmſtadt, den 23. November 1914.
(21862
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Michel.
Bekanntmachung.
Auf Grund des § 2 der Kaiſerlichen Verordnungen vom 31. Juli 1914, betreffend
das Verbot 1. der Ausfuhr und Durchfuhr von Waffen uſw., 2. der Ausfuhr
und Durchfuhr von Rohſtoffen, die bei der Herſtellung und dem Betriebe von
Gegen=
ſtänden des Kriegsbedarfs zur Verwendung gelangen, 3. der Ausfuhr von
Verpfleg=
ungs=, Streu= und Futtermitteln, 4. der Ausfuhr von Kraftfahrzeugen uſw., 5. der
Ausfuhr und Durchfuhr von Verbandmitteln uſw., bringe ich nachſtehendes zur
öffent=
lichen Kenntnis:
Verboten iſt
A. die Aus= und Durchfuhr von
1. Wollgeweben der Zolltarifnummer 432 im Gewichte von mehr als 300 g auf
1 am Gewebefläche;
2. Baumwollgarn bis Nr. 32 engliſch (ſtatiſtiſche Nr. 440a bis d, 441a bis d,
442a bis d und k bis n);
3. Rhabarberwurzeln, auch getrocknet, gemahlen oder ſonſt zerkleinert (ſtatiſtiſche
Nr. 72 b) und Erzeugniſſen davon, ferner Senegawurzeln;
4. Zellhorn (Zelluloid) (ſtatiſtiſche Nr. 639 a);
5. Baſelin;
6. Paraffin;
7. Maſchinen zur Anfertigung von Feld= und Armeekabeln
8. roh= und fertigbearbeiteten Achſen, Kurbelwellen und Zahnrädern für
Kraft=
fahrzeuge jeder Art, Zündapparaten für Kraffahrzeuge jeder Art;
9. Beſtandteilen von elektriſchen Taſchenlampen und von dazu geeigneten
Trockenbatterien:
10. Rund= und Flachſtrickmaſchinen bis Nr. 10 einſchließlich;
11. Strickmaſchinennadeln aller Stärken;
12. Kadmium (Kadmiummetal);
B. die Ausfuhr von
Stärkeerzeugniſſen der Zolltarifnummern 174 und 175.
Berlin, den 16 November 1914.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers.
Delbrück.
(21864
Frankfurt a. M., den 17, 11. 1914.
XVIII. Armeekorps
Stellv rtretendes Generalkommando.
Abtlg. IIIb J.=Nr. 41992 3342.
Bekanntmachung.
Das innerhalb des Korpsbezirks bei Kriegsausbruch von Angehörigen
feind=
licher Staaten zurückgelaſſene und in Verwahrung von Eiſenbahn=, Poſt= und
Zoll=
behörden ſowie von Schiffsrhedereien, Spediteuren, Gaſt= und Logierhäuſern befindliche
Reiſegepäck wird hierdurch mit Beſchlag belegt und jede Verfügung über dasſelbeunterſagt.
Die vorgenannten Behörden und Privatperſonen haben von der Verwahrung
derartigen Gepäcks hierhin alsbald Anzeige zu erſtatten und ſind zur Herausgabe desſelben
auf Verlangen verpflichtet. Etwaige Anſprüche wegen des Gepäcks ſind anzumelden
und bleiben vorbehalten.
Schadenserſatzanſprüche für Verluſt oder Beſchädigung des Reiſegepäcks, von
dem anzunehmen iſt, daß es Angehörigen feindlicher Staten gehört, iſt von den erſatz
pflichtigen deutſchen Behörden bis auf Weiteres nicht zu leiſten.
Zuwiderhandlungen werden gemäß § 9 des Geſetzes über den
Belagerungs=
zuſtand vom 4. Juni 1851 mit Gefängnis bis zu einem Jahre beſtraft.
(21871
Der kommandierende General
Freiherr von Gall, General der Infanterie.
Die Maul= und Klauenſeuche in Rüſſelsheim (Kreis Groß=Gerau) iſt erloſchen.
Die für Ort und Gemarkung Rüſſelsheim angeordneten Schutzmaßregeln ſind
auf=
gehoben.
(21863
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. November 1914.
Nummer 327.
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21890
Nu
Serrbab
Darmstadt.
Verloſung von Schuldverſchreibungen der
Stadt Darmſtadt.
In Vollziehung des Schuldentilgungsplanes der Stadt
Darm=
ſtadt ſind heute nachſtehende 3½prozentige Schuldverſchreibungen
auf den Inhaber durch Verloſung zur Rückzahlung berufen worden,
nämlich:
1. Rückzahlbar am 1. Februar 1915.
Buchſt. H. Abt. I über 2000 M.: Nr. 69, 81, 377, 491, 509, 583, 635,
723, 727 und 895.
„ H. „ II über 1000 Mk.: Nr. 5, 114, 139, 366, 437, 469,
473, 508, 513 und 561.
„ H. „ III über 500 Mk.: Nr. 160, 202, 239, 301, 390, 460,
612 und 674.
„ H. „ IV über 200 Mk.: Nr. 121, 262, 413, 456, 579, 634,
714 und 875.
2. Rückzahlbar am 1. Juni 1915.
Buchſt. U. Abt. I über 1000 Mk.: Nr. 62, 112, 137, 139, 163, 207,
241, 257, 271, 291, 419, 470, 576, 708, 732,
793, 833, 856 und 900.
„ U. „ II über 500 Mk.: Nr. 123, 212, 251, 286, 364, 369,
455, 486, 505, 525, 541, 604, 668, 736, 738,
893, 936 und 951.
„ U. „ III über 200 Mk.: Nr. 35, 40, 71, 127, 135, 159, 230,
231, 298, 301, 306, 402, 419, 486, 565, 686,
753, 946 und 974.
3. Rückzahlbar am 1. Juli 1915.
Buchſt. K. Abt. I über 2000 Mk.: Nr. 194, 288, 304, 415, 505, 590,
598, 620, 658, 686, 701, 767, 844 und 864.
„ K. „ II über 1000 Mk.: Nr. 51, 160, 175, 314, 408, 501,
502, 516, 551, 620, 654, 693, 883, 909, 951,
1014, 188, 1169, 1293, 1299, 1302, 1335,
1392, 1435, 1688, 1803, 1850, 1868, 1902,
1921 und 1987.
„ K. „ III über 500 Mk.: Nr. 233, 266, 338, 437, 536, 574,
623, 787, 790, 845, 910, 987, 988, 1042, 1069,
1148, 1169, 1182, 1210, 1233, 1301, 1312,
1360, 1364, 1376, 1527, 1613, 1800, 1883,
1927, 1947 und 1982.
. „ IV über 200 Mk.: Nr. 105, 162, 172, 208, 268, 363,
,
504, 507, 620, 711, 733, 752, 762, 776, 836
und 874.
Die Einlöſung aller Stücke geſchieht bei der Stadtkaſſe
Darm=
ſtadt, außerdem erfolgt die Rückzahlung der Schuldverſchreibungen:
des Anlehens Buchſtabe 11 bei der Dresdener Bank in Berlin
und deren Niederlaſſung zu Frankfurt a. M., bei der
Oldenburgiſchen Spar= und Leihbank zu Oldenburg
und bei dem Bankhauſe Ephraim Meyer & Sohn zu
Hannover;
des Anlehens Buchſtabe U bei der Bank für Handel und
Induſtrie zu Darmſtadt und Berlin und deren übrigen
Niederlaſſungen
des Anlehens Buchſtabe K bei der Bank für Handel und
Induſtrie zu Darmſtadt und Berlin und deren übrigen
Nederlaſſungen, bei den Bankhäuſern Delbrück, Schickler
& Cie. zu Berlin, der Deutſchen Bank, Zweigſtelle
Darm=
ſtadt (vormals Ferdinand Sander zu Darmſtadt) und
Frankfurt a. M. und bei der Deutſchen Vereinsbank,
Filiale Darmſtadt.
Die Verzinſung der Schuldverſchreibungen hört mit den oben
enannten Verfallterminen auf.
Darmſtadt, den 23. November 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
Dr. Gläſſing.
Anmeldungen zur Stammrolle für 1915.
Alle im Jahre 1895 geborenen, hier wohnhaften oder ſich
dauernd hier aufhaltenden Militärpflichtigen haben ſich in der Zeit
vom 1. bis 15. Dezembee ds. Is vormittags von 9 bis 12 Uhr, im
Stadthauſe, Rheinſtraße 16/18, Zimmer Nr. 20 und 21, zur
Stamm=
olle anzumelden. Die nicht in Darmſtadt geborenen
Militär=
pflichtigen haben ihren Geburtsſchein vorzulegen und durch eine
Beſcheinigung des Arbeitgebers oder ein ſonſtiges Zeugnis
nachzu=
weiſen, daß ſie hier dauernden Aufenthalt genommen haben und
nicht nur vorübergehend anweſend ſind.
Außerdem haben ſich in derſelben Zeit, unter Vorlage ihres
Loſungsſcheines und der vorerwähnten Aufenthaltsbeſcheinigung,
alle Militärpflichtigen früherer Jahre zu melden, die bisher weder
einem Trnppenteil überwieſen worden ſind, noch einen
Ausmuſterungs=
ſchein oder eine Ausſtandsbewilligung erhalten haben.
Auf der Ruckſeite des Loſungsſcheines muß die
Abmel=
dung von dem ſeitherigen Aufenthaltsorte beſcheinigt ſein.
Militärpflichtige, die zur Zeit von hier abweſend ſind, müſſen
von ihrem geſetzlichen Vertreter oder Arbeitgeber angemeldet werden.
Eine Unterlaſſung der Anmeldung wird mit Geldſtrafe bis
zu 30 Mk. oder mit Haft bis zu 3 Tagen beſtraft. (21878a
Darmſtadt, den 26. November 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
Dr. Gläſſing.
Dank
allen Menſchenfreunden, die für die bei uns untergebrachten Schleſier
in ſo reichem Maße Gaben geſpendet haben. Die Kleidungs= und
Wäſcheſtücke ſind bis auf den letzten Reſt verteilt worden. Die
Decken wurden, nachdem ſie gute Dienſte getan hatten, wieder
ein=
geſammelt und können von den Spendern im Schulhauſe,
Müller=
ſtraße 11, wieder abgeholt werden. Decken, die bis Mitte nächſter
Woche nicht abgeholt ſind, werden wir dem Roten Kreuz für
Ver=
wundete zur Verfügung ſtellen.
(21885
Stadt=Knabenſchule II.
Claß.
Weihnachtsgaben für eine bayeriſche
Erſatz=Brigade
die unter Führung des Generalmajors Grafen von
Zech ſteht, ſollen ins Feld geſchickt werden. Alle,
die freundlichſt dazu beitragen wollen, werden gebeten,
zweckentſprechende Gaben
jeglicher Art oder auch Geld in der Wohnung der
Unterzeichneten baldmöglichſt abzugeben. Jede Gabe
iſt herzlichſt willkommen.
(*10140df
Gräfin Zech, Wilhelmstrasse 8.
Eine Anzahl Farbfäſſer
billig zu verkaufen.
(21876
L. C. Wittich’sche Hofbuchdruckerei.
Nr. 327.
Freitag, 27. November.
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(1381a
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Hanshälteriu, und Haus, ſucht
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oder auswärts. Angeb. u. H 97
an die Geſchäftsſtelle. (*10187
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kleidern und Moderniſieren von
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Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. November 1914.
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