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Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Nr. 320.
Freitag, den 20. November.
1914.
Der Krieg
Von den Kriegsſchauplätzen. — Sperrung des Libauer Hafens durch deutſche Schiffe. — Der türkiſche Krieg. — Bericht
des ruſſiſchen Admiralſtabes. — Die Türkei als Großmacht. — Die „Ueberlegenheit‟ Rußlands. — Lügenmeldungen
Athener Zeitungen. — Die Finanzlage in England. — v. Hindenburg über die Ruſſen. — Erfolge unſerer Verbündeten.
Von den Kriegsſchauplätzen.
* Großes Hauptquartier, 19. Nov. (W. T. B.
Amtlich.) In Weſtflandern und in
Nordfrank=
reich iſt die Lage unverändert. Ein deutſches
Flug=
zeug=Geſchwader zwang auf einem
Erkundungs=
fluge zwei feindliche Kampf=Flugzeuge zum Landen und
brachte ein feindliches Flugzeug zum Abſturz. Von
un=
ſeren Flugzeugen wird eins vermißt.
Ein heftiger franzöſiſcher Angriff in Gegend Servon
am Weſtrand der Argonnen wurde unter ſchweren
Verluſten für die Franzoſen
zurückgeſchla=
gen. Unſere Verluſte waren gering.
Auf dem öſtlichen Kriegsſchauplatz ſind die
erneut eingeleiteten Kämpfe noch im Gange.
Oberſte Heeresleitung.
* Die Meldungen der engliſchen Berichterſtatter ſind
erfüllt von Schilderungen der Wirkung des ſchlechten
Wet=
ters auf die Operationen in Weſtflandern. Sie
er=
geben jedenfalls, daß auch die Verbündeten ſchwer unter
dem plötzlich einſetzenden Regen und Sturm und
gele=
gentlichem Schneetreiben leiden. In manchen Berichten
tritt auch die Befürchtung hervor, daß auf die Dauer die
Mannſchaften den Anſtrengungen, die ihnen die Kämpfe
unter ſolchen Verhältniſſen auferlegen, nicht gewachſen
ſein könnten. Zum Troſt werden allerhand
Siegesnach=
richten verbreitet, die ſich bei genauerem Zuſehen aber auf
Vorgänge beziehen, die acht und mehr Tage zurückliegen.
Auffallend iſt, wie übereinſtimmend in den letzten Tagen
die engliſchen Blätter der Tapferkeit der neugebildeten
deutſchen Truppenteile Anerkennung ſpenden, die, ſo ſagen
ſie, trotz aller Verluſte immer wieder angriffen, wenn auch
— natürlich — erfolglos. Man kann ſich hierbei des
Ge=
dankens nicht erwehren, daß dieſe Bemerkungen lediglich
dazu beſtimmt ſind, die öffentliche Meinung auf Rückſchläge
vorzubereiten, die etwa kommen können, und zu gleicher
Zeit darauf hinzuarbeiten, durch die drohende Gefahr
eines deutſchen Vordringens an den Kanal auf den
Ein=
tritt in das Heer fördernd einzuwirken. Der Augenzeuge
aus dem britiſchen Hauptquartier, der ſich von Zeit zu
Zeit in der Daily Mail hören läßt, ſagt nämlich: In der
letzten Zeit waren die Laufgräben der feindlichen Truppen
ſo dicht aneinander, daß man genau hören konnte, was in
den feindlichen Gräben vorging. Die Deutſchen
muſizier=
ten und ſangen häufig. Die neuen Korps beſtehen aus
ſehr jungen Leuten, die aber mit einem Mut und einer
Hartnäckigkeit kämpfen, die erſtaunlich iſt. Man kann die
preußiſche Kriegsmaſchine bewundern, die durch ihre
Diſziplin ſolche Ergebniſſe erzielt. Trotz aller Verluſte
haben die Deutſchen immer wieder Reſerven, wo und
wann ſie ſie brauchen. Die Sechzehn= und
Siebzehnjähri=
gen marſchieren in die Gewehrmündungen, ohne mit der
Wimper zu zucken. Sie kämpfen mit einer Bravour, zu
der ein Jahrhundert der Diſziplin gehört. Sie wiſſen,
ſie kämpfen um ihre nationale Exiſtenz und in dem
Kampfe beweiſen ſie, daß ihnen das Lied „Deutſchland,
Deutſchland über alles” keine leere Phraſe iſt.
Im Argonner Wald, wo kürzlich unſere
Trup=
pen einen wichtigen Stützpunkt ſprengten und im Sturm
nahmen, ſchreitet der mühevolle Angriff fort. Seinen
Druck ſuchen die Franzoſen zu erleichtern, indem ſie aus
dem Bereich der in weitem Umkreis um Verdun
liegen=
den Befeſtigungen Vorſtöße machen, die neuerdings ſich
be=
ſonders nach Süden richten. Sie ſtanden im
Zuſammen=
hang mit einem Verſuch, von Weſten her gegen die über
die Maas bei St. Mihiel vorgeſchobenen deutſchen Kräfte
vorzugehen, um ſie zu zwingen, den Rückzug auf das
rechte Flußufer anzutreten. Des weiteren ſollte dann der
Angriff zuſammen mit dem Stoß von Verdun nach Süden
die deutſchen Truppen aus dem Gelände werfen, das ſie
in erbitterten Waldgefechten nördlich der die Maaslinie
deckenden Forts von Lionville, Gironville und Jouy
erobert hatten. Zuletzt war ihnen hier die Wegnahme des
Bois brulé bei Apremont geglückt, und die Möglichkeit
lag vor, daß ſie die Verbindung zwiſchen Toul und
Ver=
dun an dieſem Punkte ſchließlich durchbrechen könnten.
Sogar in den Vogeſen machte ſich erneute Tätigkeit der
Franzoſen geltend. Von den Erfolgen, die ſie bei
Mar=
kirch gehabt haben wollen, iſt es wieder ſtill geworden.
Dann gingen ſie bei Cirey vor, einem kleinen, durch eine
Seitenbahn mit der Strecke Lunéville-Deutſch=Avricourt
in Verbindung ſtehenden Städtchen, das durch ſeine Glas=
und Spiegelinduſtrie bekannt iſt. Die Angriffe wurden
abgeſchlagen und unſere Truppen haben durch einen
Ge=
genſtoß den Feind gezwungen, einen Teil ſeiner
Stellun=
gen ſüdweſtlich von Cirey zu räumen. Das Schloß
Cha=
tillon, das dabei geſtürmt wurde, iſt auf den franzöſiſchen
Karten nicht eingetragen, es liegt wohl auf oder an dem
ein von Süden kommendes Flüßchen begleitenden
Höhen=
zug, an deſſen Fuß ſich der Ort Valet Chatillon befindet.
* Bern, 19. Nov. In einer Beſprechung der
Kriegslage beurteilt der Militärkritiker des Berner Bund
die Sachlage auf dem öſtlichen Kriegsſchauplatz
wie folgt: „Die Meldung des ruſſiſchen Generalſtabes vom
17. November ſpiegelt die Ueberraſchung wieder, die
Hin=
denburg den Ruſſen mit ſeinem Flankenſtoß bereitet hat.
Das Telegramm iſt in dieſer Hinſicht geradezu ein
Do=
kument, denn es offenbart ſich darin die
Verken=
nung der Lage, in der ſich der ruſſiſche Generalſtab
befunden hat, indem er ſich in der Hoffnung wiegte, die
Deutſchen bei Warſchau und Iwangorod vollſtändig
ge=
ſchlagen zu haben. Der ruſſiſche Volkscharakter iſt von
großem Sanguinismus getragen, der ihn auch kleinere
Erfolge gern im hellſten Lichte erblicken läßt. Wir
glau=
ben daher an eine Selbſttäuſchung der Ruſſen, die ſich
nicht nur in ihren militäriſchen Meldungen vom 17. bis
30. Oktober, ſondern auch in dem beſonderen
Siegestele=
gramm des Großfürſten Nikolaj Nikolajewitſch nach
Lon=
don und Bordeaux kundgab. Sie glaubten wirklich, die
Verbündeten ſchwer geſchlagen zu haben und hielten ſie
nicht mehr für voll operationsfähig, während es ſelbſt
aus der Ferne erſichtlich war, daß die Verbündeten der
Entſcheidung ausgewichen waren und auf eine
Defenſiv=
linie zurückgingen, die möglichſt nahe und günſtig zu den
eigenen rückwärtigen Verbindungen lag. Die Ruſſen
be=
ſtätigen heute, wie langſam und ungeſtört dieſer
ſtrategiſche Rückzug vor ſich ging, denn die Deutſchen
nah=
men ſich Zeit, die Verbindungen in Polen ſo gründlich
zu zerſtören, daß die Ruſſen jetzt, wo ſie ſelbſt wieder an
Rückzug denken müſſen, in die peinlichſte, ja geradezu
kritiſchſte Lage kommen könnten. Daß die Deutſchen
dann die ſchleſiſchen Bahnen zur Konzentration eines
Offenſivflügels bei Thorn benutzten, macht die ruſſiſche
Meldung ebenfalls post kestum klar. Aus alledem geht
hervor, wie ſchwer und überraſchend Hindenburgs
Flan=
kenſtoß die ruſſiſche Armee getroffen hat.”
* Berlin, 19. Nov. Ueber den Eindruck der
deutſchen Siege über die Ruſſen in Rom
meldet der dortige Berichterſtatter der Deutſchen
Tages=
zeitung: Unſere Siege machten hier den ſtärkſten Eindruck,
namentlich, weil die ruſſiſchen Nachrichten in den letzten
Wochen den Glauben hatten erwecken wollen, daß
Deutſchland und Oeſterreich=Ungarn dem allvernichtenden
Einfall der Ruſſen kaum noch ſtandzuhalten vermochten.
*
* Ueber die Beſchießung von Belgrad wird
dem Berl. Tagebl. vom ferbiſchen Kriegsſchauplatz
ge=
meldet: Zur gleichen Zeit, als die öſterreichiſch=ungariſchen
Truppen in Valjewo einzogen, erſchien in Belgrad ein
öſterreichiſch=ungariſcher Parlamentär und wiederholte die
Aufforderung zur Uebergabe der Stadt. Der
Komman=
dant der Feſtung erbat eine einſtündige Bedenkzeit. Als
dieſe Friſt abgelaufen war, ohne daß eine Antwort
er=
folgt war, wurde von der öſterreichiſch=ungariſchen
Ar=
tillerie, die auf dem Donau=Ufer bei Semlin Stellung
genommen hatte, und von den Donau=Monitoren ein
ver=
heerendes Feuer auf die bereits arg mitgenommene Stadt
eröffnet, das namentlich den öffentlichen und militäriſchen
Gebäuden, ſoweit ſie noch ſtehen, galt. Die Beſchießung
rief in Belgrad eine Panik hervor und richtete furchtbaren
Schaden an. Der Fall von Belgrad iſt nun täglich zu
er=
warten.
Sperrung des Libauer Hafens
durch deutſche Schiffe.
* Berlin, 19. Nov. (W. T. B. Amtlich.) Am 17.
November haben Teile unſerer Oſtſee=Streitkräfte die
Einfahrt des Libauer Hafens durch verſenkte
Schiffe geſperrt und die militäriſch wichtigen Anlagen
beſchoſſen. Torpedoboote, die in den Innenhafen
eindrangen, ſtellten ſeſt, daß feindliche Kriegsſchiffe nicht
im Hafen waren.
Der ſtellvertretende Chef des Admiralſtabs:
Behncke.
Der türkiſche Krieg.
Türkiſche Kriegsberichte.
* Konſtantinopel, 19. Nov. (W. T. B.
Nichtamt=
lich.) Das türkiſche Hauptquar tier meldet:
Un=
ſere Flotte, die ausgelaufen war, um nach der ruſſiſchen
Schwarze Meer=Flotte, welche Trapezunt beſchoſſen
hatte, zu ſuchen, traf dieſe auf der Höhe von
Sewaſto=
pol. Die feindliche Flotte beſtand aus zwei
Schlacht=
ſchiffen und Hilfskreuzern. In dem Kampfe, der ſich
ent=
wickelte, wurde ein ruſſiſches Schlachtſchiff
ernſtlichbe=
ſchädigt. Die übrigen ruſſiſchen Schiffe ergriffen, von
unſeren Kriegsſchiffen verfolgt, die Flucht in der
Rich=
tung auf Sewaſtapol.
* Konſtantinopel, 18. Nov. Der heutige
Be=
richt des Hauptquartiers beſagt: Auf den
Kriegs=
ſchauplätzen werden die Kämpfe fortgeſetzt. Unſere
Trup=
pen an der ägyptiſchen Grenze beſetzten Kalat=ul=nahl (?),
das 120 Kilometer jenſeits der Grenze liegt, und hißten
dort die türkiſche Fahne. Unſere Truppen, die durch
Laſiſtan nach Rußland eindrangen, ſchlugen mit Gottes
Hilfe die Ruſſen nach heftigem Kampfe und fügten dem
Feinde große Verluſte zu. Unſere Truppen machten 100
Gefangene und erbeuteten zwei Gebirgsgeſchütze.
Aegypten und der Sudan.
* Konſtantinopel, 17. Nov. Das Blatt Turan
erklärt: Da die ägyptiſchen Liberalen trotz der
Maß=
nahmen der Engländer ſchon ſeit langer Zeit alle
Vorbe=
reitungen für einen allgemeinen Aufſtand
getrof=
fen hatten, wird dieſer ſofort beginnen, ſobald die
Nach=
richten von der Verkündigung des Heiligen Krieges
nach Aegypten gelangen werden. Die engliſchen
Trup=
pen in Aegypten reichen nicht hin, um einen ſolchen
Auf=
ſtand zu unterdrücken. Die Bevölkerung des Sudans
hat ſich bereits erhoben und dringt gegen Norden vor.
Die eingeborenen ägyptiſchen Offiziere und Truppen, die
nach dem Sudan verſchickt worden ſind, werden ſich der
Bewegung anſchließen. Andererſeits nähern ſich die
Se=
nuſſi der Grenze Aegyptens.
Die Haltung Bulgariens und Griechenlands.
* Konſtantinopel, 18. Nov. (Ctr. Bln.) Auf
dem orientaliſchen Kriegsſchauplatz, der ſich
vorläufig auf das Schwarze Meer, einige Gegenden
Ar=
meniens und auf das Gelände der zur Befreiung
Aegyp=
tens entſandten Expedition erſtreckt, könnte eine
Erwei=
terung eintreten. In Bulgarien werden Stimmen
laut, die ſtatt der Politik des Abwartens lieber einem
Ein=
treten Bulgariens in den Kampf das Wort reden.
Frag=
lich iſt dabei, ob Griechenland, das ein Bündnis mit
Serbien unterhält, dieſem Staate zu Hilfe eilen wird.
Auf Grund zuverläſſiger Informationen kann verſichert
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. November 1914.
Nummer 320.
werden, daß das Athener Kabinett ein Eingreifen
Grie=
chenlands in den Weltkrieg als ein Unglück für
Griechen=
land auffaßt. Venizelos, und mit ihm die wichtigſten
Perſönlichkeiten des Landes, vertreten die Anſicht, daß nach
den offenkundigen Niederlagen der Tripelentente das
Einhalten der Neutralität das einzige Mittel
dar=
ſtellt, um den Beſtand Griechenlands als ſelbſtändigen
Staat zu retten. Nur falls Griechenland einem
unmittel=
baren Angriff ausgeſetzt würde, wäre es gezwungen,
ſo=
fort die Neutralität aufzugeben und zu den Waffen zu
greifen. (Frkf. Ztg.)
Bericht des ruſſiſchen Admirals
ſtabes.
* Petersburg, 19. Nov. (W. T. B. Nichtamtlich.)
Ein Bericht des Admiralſtabes beſagt: Geſtern
mor=
gen erſchien ein deutſches Geſchwader, beſtehend
aus zwei Kreuzern, mehreren Dampfern und 10
Torpedo=
booten vor Libau. Die Deutſchen beſchoſſen die
Stadt und den Hafen von Libau von neuem, wodurch
mehrere Brände hervorgerufen wurden. Am gleichen
Tage näherte ſich früh morgens die ruſſiſche Schwarze
Meer=Flotte dem türkiſchen Fort von Trapezunt
und beſchoß Fort und Kaſerne, was an der Küſte eine
heftige Feuersbrunſt verurſachte. Osmaniſche Schiffe
wur=
den auf der Reede nicht entdeckt.
Die Türkei als Großmacht.
Von D. Trietſch=Berlin.
Iſt die Türkei zu den Großmächten zu rechnen? Unter
den Großmächten verſteht man nach der üblichen
Defini=
tion „die europäiſchen Staaten, die das Eingreifen in
Machtfragen von europäiſchem Intereſſe als ihre
gemein=
ſame Aufgabe betrachten, die von den kleineren Staaten
da=
bei anerkannt werden und durch ihre Einigkeit deren
Widerſtand faktiſch ausſchließen‟. Dieſe Definition iſt
ſehr theoretiſch, wie gerade die Ereigniſſe der letzten Jahre
und beſonders die der letzten Monate ſo deutlich gezeigt
haben. Statt einer Einigkeit der Großmächte hatten wir
den Gegenſatz zweier Mächtegruppen, und die Autorität
gegenüber den Kleinſtaaten iſt recht fadenſcheinig
gewor=
den. Gerade in dem einzigen Falle, in dem in den letzten
Jahren beide Mächtegruppen übereinſtimmten, der Türkei
den „Status quo” zu garantieren, ſetzten ſich die kleinſten
Kleinſtaaten des Balkan — Montenegro voran — über den
einheitlichen Willen aller ſechs Großmächte hinweg. Sie
machten, was ſie wollten und konnten, und die
Groß=
mächte ließen den Dingen ihren Lauf. Neuerdings iſt
die der Inſtitution der Großmächte zugrunde liegende
Idee einer gewiſſen Solidarität und Verantwortung
Eu=
ropas ſogar auch inſofern fallen gelaſſen worden, als in
den großen enropäiſchen Krieg alle möglichen kleinen und
großen Staaten und Völker anderer„ Erdteile und Raſſen
mit hineingezogen wurden.
Aber trotz alledem bleibt „Großmacht” ein Begriff,
unter dem man ſich etwas denken kann. Es liegt darin
nämlich auch eine Bewertung von Staaten, und gerade
vor etwa hundert Jahren iſt es ſogar vorgekommen, daß
eine unzweifelhafte Großmacht, die eben erſt die
Weltherr=
ſchaft am nächſten geſtanden hatte, nämlich Frankreich, zur
Strafe für ſeine „Unarten” aus dem ſogenannten Konzert
der Großmächte für eine Reihe von Jahren ausgeſchloſſen
wurde. So behält der Großmachtsbegriff doch eine
Be=
deutung. Auf deutſcher Seite ſehen wir im gegenwärtigen
Kriege neben Oeſterreich, das Schulter an Schulter mit uns
kämpft, auch die Türkei in den Krieg eintreten, die damit
den von einſichtigen deutſchen wie türkiſchen Politikern
längſt befürworteten Anſchluß gefunden hat.
Die Großmachtſtellung der Türkei iſt ihr gerade von
Deutſchland zuerſt zugeſprochen worden, und noch dazu
in einem für ſie ſehr kritiſchen Moment. Herr von
Kider=
len=Wächter war es, der vor genau 3 Jahren, am 11.
No=
vember 1911, ſeine Rede im deutſchen Reichstag mit den
Worten begann: „Es beſteht ein Krieg zwiſchen einer uns
verbündeten und einer uns befreundeten Großmacht . ..
In der Tat zeigt eine Betrachtung der europäiſchen
Groß=
mächte, daß die Türkei nach politiſchem Gewicht, nach
Lage, Fläche und Bevölkerung wohl den europäiſchen
Großmächten zuzurechnen iſt.
Zwiſchen den ſechs allgemein anerkannten europäiſchen
Großmächten beſtehen ja ſchon ſehr bedeutende Unterſchiede.
Rußland, die größte von allen, hat faſt zwanzigmal ſo viel
Fläche wie Italien, und viermal ſo viel Einwohner.
Immerhin ſind die italieniſchen Ziffern, ſoweit Europa
in Frage kommt, nicht viel kleiner als die der
nächſtgröße=
ren Staaten. Großbritannien hat nur unweſentlich mehr
Fläche und Frankreich nur wenig mehr Einwohner, und in
beiden Fällen könnte eine gerechtere Abgrenzung die
Diffe=
renzen noch verringern. Bezüglich der Einwohnerzahl iſt
Italien ohnehin dabei, mit einem bedeutenden
Bevölke=
rungszuwachs Frankreich einzuholen. Nach Italien, das
immerhin ſchon zirka 35 Millionen Einwohner zählt, kommt
von europäiſchen Staaten Spanien, das übrigens früher
— ebenſo wie Schweden — zu den Großmächten gerechnet
worden war, mit nicht ganz 20 Millionen. Hierauf folgt
dann plötzlich Rumänien mit nur etwa 7½ Millionen, ſo
daß die ſchärfſten Trennungen zwiſchen Rumänien und
Spanien oder Spanien und Italien liegen.
Nun mag man Spanien als eine wiederaufſtrebende
oder als eine in den letzten Jahrzehnten durch den Verluſt
der hauptſächlichſten Kolonien geſchwächte Macht
betrach=
ten. Dies iſt hier nicht Gegenſtand der Unterſuchung, wohl
aber die Einreihung der Türkei, die ſelbſt nach den
Ver=
luſten der letzten Kriege und ohne Hinzurechnung
Aegyp=
tens etwa 22 Millionen Einwohner in Europa und Aſien
zählt, während ſie mit Aegypten und deſſen Nebenländern
37 Millionen Einwohner hat, mit welcher Ziffer ſie
Ita=
lien übertrifft und an das heutige Frankreich faſt
heran=
reicht. Von dieſem türkiſchen Bereich iſt zwar nur der
allerkleinſte Teil in Europa gelegen. Es iſt aber auf
Grund der Lage und möglichen Machtentfaltung eher
mög=
lich, in Europa den Bereich der Türkei zu erweitern, als
die Türkei aus Europa auszuſchalten.
Militäriſch und maritim kann die Türkei ihre Kräfte
in europäiſchen Konflikten und auf europäiſchem Gebiet
zur Geltung bringen, wie man eben erſt wieder ſieht. In
der Wahrung europäiſcher Beſtimmungen und
Ueberein=
künfte wetteifert die Türkei mit den beſten europäiſchen
Mächten und ſteht hoch über dem Verfahren europäiſcher
Kleinſtaaten, die unter ſchweigender Zuſtimmung der
Großmächte unbequeme Bevölkerungstatſachen mit Feuer
und Schwert aus der Welt ſchaffen. Die Türkei, die im
Beſitze der Meerengen für ganz Europa eine ungeheure
Verkehrsbedeutung beſitzt, iſt aber außerdem noch die
Vor=
macht der geſamten iſlamiſchen Welt und hat als ſolche
— wenn ſie aus dem gegenwärtigen Weltkrieg geſtärkt
hervorgeht — einen ungeheuren Einfluß auf einen
Länder=
komplex, der von Südoſteuropa an über Vorderaſien und
Nordafrika hinweg das kleine Europa vom Reſt der alten
Welt, faſt abſchließt.
Auch die Militärmacht der Türkei iſt nicht gering zu
ſchätzen. Sind die Türken in den Balkankriegen zunächſt
unter dem Ueberfall der Nachbarſtaaten militäriſch
zu=
ſammengebrochen, ſo weiß man jetzt, daß dieſe Niederlagen
auf ein unglückliches Zuſammentreffen nie dageweſener
und nie geahnter Umſtände zurückzuführen waren, und
als die Türkei ſich zu erholen begann, und die Schwäche
der ſich um die Beute ſtreitenden Sieger ihr wieder
Ge=
legenheiten bot, nötigte Europa ſie zum Frieden, bevor ſie
mehr als Adrianopel zurückgewinnen konnte. So kurze
Zeit auch ſeit dem Eintreten der Türken in den Krieg
ver=
floſſen iſt, ſo ſcheinen doch bisher die Ruſſen die trüben
Erfahrungen von ihrem letzten Türkenkriege beſtätigt und
wiederholt zu ſehen, und diesmal können ſie nur einen
klei=
nen Teil ihrer Streitkräfte dem als dritten auftretenden
türkiſchen Gegner entgegenwerfen. Schließlich iſt auch die
türkiſche Flotte zu erwähnen, die ſich beim erſten Anſturm
ſchon als Herrin des Schwarzen Meeres erwies und die
ja auch wahrend der Balkankriege manch Gutes
gelei=
ſtet hat.
Nach alledem beſteht wohl kein Zweifel, daß die
Tür=
kei — obwohl zumeiſt außerhalb der geographiſchen
Gren=
zen Europas gelegen — trotzdem zum politiſchen Europa
zu rechnen iſt und hier kraft ihrer Lage und Ausdehnung,
ihrer Volkszahl und Machtmittel, und vor allem kraft
ihres Einfluſſes auf ſo zahlreiche europäiſche Völker und
Länder die Großmachtſtellung zu beanſpruchen alles
Recht hat.
Der vorausſichtliche Ausgang des Krieges, der den
Sieg der deutſchen Gruppe und die Befreiung der
Kern=
länder des Iſlam von Fremdherrſchaft und unwürdiger
Bevormundung zur wahrſcheinlichen Folge haben wird,
muß zu einer deutſch=iſlamiſchen Weltpolitik führen, die
für abſehbare Zeiten den Machtverhältniſſen der Erde
ihren Stempel aufdrücken wird.
Zum Bereich und zur Intereſſenſphäre des Iſlam
ge=
hören außer den heutigen iſlamiſchen Majoritätsgebieten
noch ganz Afrika und große Teile Südoſtrußlands und
Zentralaſiens — beides Gebiete, in denen eine kräftige
iſlamitiſche Propaganda im Gange iſt. Hat dieſe ſelbſt in
den letzten Jahrzehnten des Niederganges der politiſchen
Macht des Iſlam große und ſtetige Erfolge erzielt, ſo iſt
von einem wiedererſtarkten und ſelbſtändiger gewordenen
Iſlam eine ſehr viel größere und ſchnellere
Einwirkung=
auf jene gegebenen Ausbreitungsgebiete der Religion des
Propheten zu erwarten.
Beſonders in Afrika macht die Iſlamiſierung ſehr
be=
deutende Fortſchritte. Die Einfachheit deſſen, was der
Iſlam von dem Neger verlangt, ſagt ihm um ſo mehr zu,
als er mit ſeinem Eintritt in die muslimiſche Gemeinſchaft
in jeder religiöſen Hinſicht dem Araber gleichgeſtellt iſt,
deſſen Vorfahren von Muhammeds Zeiten her dem Iſlam
anhingen. Hingegen fordert das Chriſtentum vom Neger
mehr und bietet ihm ſeiner Auffaſſung nach weniger, weil
die Kluft zwiſchen dem neubekehrten Neger und dem
europäiſchen Chriſten durch den Uebertritt kaum verringert
wird.
Mit iſlamitiſchen Kernländern im Norden und einem
Neger=Iſlam, der heute ſchon bis in die Kapkolonie ſeine
Fühler ausgeſtreckt hat, bildet der ſchwarze Erdteil die
rie=
ſigſte Provinz des Iſlam und damit auch eine
Einfluß=
ſphäre der wachſenden türkiſchen Großmacht.
Anderer=
ſeits werden nach der vorausſichtlichen Zurückdrängung
der franzöſiſchen, belgiſchen und britiſchen Intereſſen
die=
jenigen der Deutſchen und der Buren in Afrika die
Ober=
hand unter den europäiſchen Elementen gewinnen. Dieſe
politiſche und koloniale Neubildung größten Stiles wird
aber durch die Großmacht=Stellung der Türkei derart
ge=
fördert und geſichert, daß Deutſchland wiederum das
aller=
größte Intereſſe daran hat, zugunſten dieſer türkiſchen
Großmacht=Stellung keine Mühe und kein Opfer zu ſcheuen.
Schon längſt hat Deutſchland ſein Beſtes getan, um die
ſtürkiſche Wehrmacht auf eine achtunggebietende Höhe zu
bringen. Ganz neuerdings haben die Deutſchen auch die
Engländer in der Fürſorge für den Stand der türkiſchen
Flotte abgelöſt. Wirtſchaftlich und finanziell iſt ebenfalls
Deutſchlands Intereſſe und Einfluß geſtiegen, während
beiſpielsweiſe in letzterer Hinſicht die Türkei von ihrem
früheren Geldgeber, Frankreich, für abſehbare Zeit nichts
mehr zu erwarten hat. Schließlich ſind auch die
kultu=
rellen Einflüſſe Deutſchlands und die Ausbreitung
ſei=
ner Sprache im Orient in letzter Zeit ſehr geſtiegen, und
weitere große Entwickelungen bereiten ſich in dieſer
Be=
ziehung vor.
Die „Ueberlegenheit‟ Rußlands.
— Die Nachricht von den neuen Siegen Hindenburgs
über die Ruſſen hat in ganz Deutſchland mit Recht große
Genugtuung hervorgerufen, umſomehr, als in den letzten
Wochen eine entſcheidende Schlacht auf dem öſtlichen
Auf den Kokosinſeln.
) Die kleine idylliſche Inſelgruppe der
Kokos=
oder Keeling=Inſeln im Indiſchen Ozean war
vom Geſchick dazu auserſehen, der Schauplatz jener
Tra=
gödie zu werden, in der unſere brave „Emden” ihren
Untergang fand. Unendlich fern ſchien für dieſe niedrigen
Korallenatolls in ihrem dichten grünen Kranz der
Kokos=
palmen der große Krieg, der in Europa tobt. Und doch
ſind ihnen ſeine Schrecken und Aufregungen nun recht
nahe gekommen. In welch ein Bild des Friedens und
der Ruhe hier Mars mit rauher Hand hineingriff, das
ſchildert ein Brief, den ein Berichterſtatter aus
Direc=
tion=Island ſchreibt, von derjenigen der kleinen Inſeln,
auf der ſich die von den Deutſchen vernichtete Kabelſtation
befand. „Wir ſaßen, nichts Böſes ahnend, auf unſerem
Inſelchen, das mit den anderen zuſammen einen
Korallen=
archipel bildet, deſſen luſtige Farbigkeit ein ſo anmutiges
Bild bietet. Zwiſchen den Korallenriffen liegen wie
licht=
blaue Flecke die kleinen Untiefen der Lagune, die
merk=
würdig zu dem Grün des Mittelländiſchen Meeres
kontra=
ſtieren. Wenig anderes als die Kokospalmen, die ihnen
den Namen gaben, wächſt auf dieſen Infeln; ein paar
Papaya=Bäume, die eingeführt wurden, und etwas
dün=
nes Gras. Die Einwohner ſind von Java gekommen und
ſprechen malaiiſch; ſie ſind eifrig dabei, die Kerne aus
den Kokosnüſſen zu ſchneiden und Kopra zu machen, und
verbringen all ihre freie Zeit in oder auf dem Waſſer.
Die Tierwelt iſt nur ſehr ſpärlich vorhanden. Nur ſehr
wenige von den eingeführten Tieren und Vögeln können
auf dieſem eigenartigen Boden gedeihen; Hunde und
Rat=
ten halten ſich noch am eheſten. Man amüſiert ſich, ſo gut
es geht; wir fiſchen und ſchwimmen und rudern und
ſpie=
len Tennis, Etwas Leben bringen die Beamten von der
Kabelſtation in dieſe paradieſiſche Eintönigkeit; es ſind
luſtige Kerle, die ihre Bärte haben ganz lang wachſen
laſſen, damit ſie ſich nicht zu raſieren brauchen, und die
Haare ganz kurz geſchoren, um die Bürſte entbehren zu
können. So lebten wir und taten, was wir wollten. Der
Krieg ſchien unendlich fern zu ſein. Wohl kamen
offi=
zielle Nachrichten durch die Kabelſtation, aber ſie
erzähl=
ten uns ſehr wenig Tatſachen, und aufgerüttelt wurden
wir aus unſerer Ruhe erſt, als die Geſellſchaft Gewehre
herſchickte, damit wir bei einem Ueberfall auf die Station
bewaffnet wären, und der Befehl kam, es müßten
Pa=
trouillen ausgeſtellt werden, um nach den Deutſchen
aus=
zublicken. Auch dies ſchien nur unnötige Vorſicht. Da
hörten wir von Singapore, daß ein deutſcher Kreuzer nach
den Inſeln ausgeſandt ſei, und dann wollte ein Beamter
der Station Scheinwerfer auf dem Meere bemerkt haben.
Nun war es um unſere idylliſche Ruhe geſchehen, und
dann kam auch der Angriff der „Emden” und der
darauf=
folgende Kampf.”
Wenn auch die Kokosinſeln noch nie vorher ein ſo
riegeriſches Schauſpiel erlebt haben, ſo hat doch ihre
Ge=
ſchichte ſchon öfters von ſich reden gemacht. Es gab
näm=
lich „Könige” der Kokosinſeln, und zwar iſt die
Dynaſtie vor 85 Jahren von einem gewiſſen Roß
begrün=
det worden. Dieſer Roß war ein engliſcher
Marineoffi=
zier, dem die 20 Koralleninſelchen mit ihren wundervollen,
in der Sonne glänzenden Lagunen in die Augen ſtachen.
Er glaubte hier die Oertlichkeit und die idealen
Bedin=
gungen für einen idealen Staat gefunden zu haben, und
ging nach Schottland, um die nötige Bevölkerung zu
ſuchen. Als er zwei Jahre ſpäter nach den Inſeln
zurück=
kam, fand er hier einen anderen Abenteurer, Alexander
Hare, der mit 200 Sklaven, die ihm der Rajah von
Bandſchu zum Geſchenk gemacht hatte, von dem Archipel
Beſitz ergriffen hatte. Trotzdem landete Roß mit ſeinen
Leuten, die beiden Parteien bekämpften einander, bis
Hare von ſeinen Leuten verlaſſen wurde, die zu Roß
über=
gingen. Der erſte König der Kokosinſeln ſtarb 1854, und
ihm folgte ſein Sohn. Im Jahre 1886 wurden die Kokosinſeln
für einen Teil der Straits Settlements, der hinterindiſchen
engliſchen Kolonie erklärt; aber Clunies Roß, der Enkel
des erſten „Königs” erhielt das Vorrecht, die
Oberherr=
ſchaft über die Inſeln auszuüben. Roß übte eine „
wohl=
wollende Despotie” aus und verbannte vor allem jedes
Geld von der Inſel. Das auf den Kokosinſeln gültige
Geld beſtand aus Schafsfellen. Der gegenwärtige „König”,
John Sidney Clunies Roß, der 1910 ſeinem Vater folgte,
lebt meiſtens in London.
Die Mohammedaner in
Rußland.
*⁎* Die Millionen von Mohammedanern, die
in Rußland wohnen, bedeuten natürlich eine ſchwere
Gefahr für das Zarenreich in ſeinem jetzigen Kampf
gegen die Türkei. Denn dieſe ruſſiſchen Untertanen
empfinden als Anhänger des Propheten eine ſtarke
Sym=
pathie für die Vormacht des Iſlam. Merkwürdigerweiſe
ſind nun die Träger der paniſlamitiſchen Bewegung nicht
in erſter Linie die ruſſiſchen Mohammedaner in Aſien,
ſondern der Hort dieſer gegenwärtig ſo bedeutſamen
Strö=
mung ſind, wie Profeſſor Otto Hoetzſch in ſeinem vor
kur=
zem erſchienenen Werk über Rußland ausführt, die
Wolgatataren, die hauptſächlich in den
Gouverne=
ments Kaſan, Simbirsk, Aſtrachan und jenſeits der Wolga
ſitzen. Rußland hat klugerweiſe dem Iſlam immer große
Freiheiten gelaſſen, und einzelnen Teilen der Bevölkerung
gegenüber hat man auch leichtes Spiel. So ſind z. B.
die Kirgiſen und Turkmenen nur dem Namen nach
An=
hänger des Iſlam; ſie beobachten die Gebote des Korans
nicht und geben nicht nach Mekka. Ganz anders aber iſt
die Lage bei den mohammedaniſchen Tataren des
Nor=
dens, an der Wolga und in Weſtſibirien. Der nüchterne
und zuverläſſige, dabei ſehr verſchlagene Tartar hängt mit
Leib und Seele am Glauben des Propheten, und
unbeab=
ſichtigterweiſe hat die Regierung dazu beigetragen, ihn
darin noch zu beſtärken. Das geiſtliche Oberhaupt der
mohammedaniſchen Bevölkerung Rußlands iſt nämlich der
Mufti von Orenburg, und dieſes Orenburger Muftiat
wurde von Zar Nikolaus I. begründet, der dadurch einen
Mittelpunkt des ruſſiſchen Iſlam ſchuf. Durch dieſe
Zen=
traliſierung erſtarkte die Macht des Iſlam in Rußland,
und die „tatariſche Bewegung” hat der Regierung ſchon
viel zu ſchaffen gemacht. Rußland zählte 1880 11
Millio=
nen Muſelmänner, deren ganze Literatur an gedruckten
Büchern nur 7—8 betrug; dieſe 11 Millionen verfügten
über eine Buchdruckerei, 4 Führer und 12 Leute mit
höhe=
rer Bildung, von denen einer in Weſteuropa ſtudiert hatte.
1910 dagegen war die Zahl der Moslems auf 18
Millio=
nen gewachſen, ſie hatten über 1000 gedruckte Bücher, 14
Druckereien und 16 periodiſche Schriften, in Rußland
Höhergebildete 200, in Weſteuropa Studierte 20, etwa 100
Literaten, 6 höhere und 5000 niedere Schulen, 37
Wohl=
tätigkeitsanſtalten, 3 kleine Banken und 3 Dorfbanken.
So iſt eine große muſelmaniſche Bewegung in
Ruß=
land entſtanden, die ſich im ſtrengen Gegenſatz zu dem
Staat und der von ihm vertretenen Kultur fühlt. Ihre
Bedeutung zeigte ſich zuerſt, als ſie 1905 in das politiſche
Leben eingriff. Vom 28. Januar bis zum 5. Februar 1906
fand ſogar ein beſonderer mohammedaniſcher Kongreß in
Petersburg ſtatt, auf dem die ruſſiſchen Moslems
beton=
ten, ſie wollten ſich keiner der ſchon vorhandenen Parteien
anſchließen, und für ſich auf je eine Million
Mohammeda=
ner einen Abgeordneten verlangten. Die Dumen haben
denn auch bisher immer eine Anzahl mohammedaniſcher
Abgeordneter gehabt. Wie ſich dieſe Bewegung in den
letzten zehn Jahren kulturell entwickelte, beweiſt die
Tat=
ſache, daß bei den Tataren heute auf 150 Seelen eine
Moſchee und ein Mollah kommen, bei den Ruſſen und
Fremdſtämmigen derſelben Gegend erſt auf 1500 Seelen
ein Prieſter. Bei den iſlamiſchen Tataren kommt eine
Schule auf 100 Seelen beiderlei Geſchlechts, bei den
Chri=
ſten auf 1500—3000, und die Buch= und Zeitungsliteratur
iſt bei den Tataren verhältnismäßig noch viel größer. So
zeigt ſich die iſlamitiſche Bewegung der ruſſiſchen Kultur
überlegen, und ſie hat Len Anſchluß an den Paniſlamismus
gefunden, den ſie auch unter den bis dahin ganz ruhigen
Sarten und Kirgiſen Turkeſtans verbreitete. Man darf
alſo beſtimmt erwarten, daß das Feuer der Erhebung,
das heute die ganze mohammedaniſche Welt durchlodert,
ſeine Flammen auch im Innern Rußlands entfeſſeln
wird.
Nummer 320.
Darmſtätder Tagblatt, Freitag, den 20. November 1914.
Seite 3.
Kriegsſchanplaße nicht mehr zu verzeichnen geweſen war.,
Gab es doch manchen Kleinmütigen, der in der
ſeiner=
zeit erfolgten Rücknahme unſerer Streitkräfte von der
Weichſel einen Mißerfolg der deutſchen Operationen
er=
blicken wollte, noch dazu, wo in der letzten Zeit wieder
ruſſiſche Streitkräfte in einigen Gegenden
Oſtpreu=
ßens eingefallen waren und andere die Grenze
bedroh=
ten. Von maßgebender Stelle iſt indeſſen ſchon mehrfach
betont worden, daß bei der weiten Ausdehnung unſerer
öſtlichen Angriffsfläche es wohl vorkommen kann, daß
feindliche Trupps die Grenze überſchreiten, daß aber
Vorſorge getroffen iſt, ſie nicht weit hereinkommen zu
laſ=
ſen. Es iſt daher zu irgendwelcher Beunruhigung
keiner=
lei Grund vorhanden, zumal auch auf deutſchem Boden
für alle Fälle umfangreiche Verteidigungsmaßnahmen
be=
reits ſeit Monaten getroffen und in der letzten Zeit noch
vermehrt worden ſind.
Es mag ja richtig ſein, daß die Ruſſen hinſichtlich der
Mannſchaftsziffer uns überlegen ſind, aber die Ziffer
machts nicht immer. Allerdings ſind wir damals wegen
der numeriſchen Uebermacht der Ruſſen zurückgegangen,
aber nicht im Gefühl der Schwäche, ſondern aus
wohlüber=
legten taktiſchen Gründen. Es beſtand die Gefahr einer
Ueberflügelung, und überdies hatten die Ruſſen in den
Weichſelfeſtungen treffliche Stützpunkte, von wo aus ſie
ſich leicht mit Munition und Proviant verſehen konnten,
Lockte man ſie weiter vor, ſo waren ſie darin behindert,
während wir uns inzwiſchen günſtige Poſitionen
ausge=
ſucht hatten. Nach dieſer Methode war Hindenburg
be=
reits in Oſtpreußen verfahren und ſie hat auch diesmal
wieder zum Siege geführt. Der deutſche Führer im Oſten
iſt eben ein Stratege, der alles kühl abwägt, unbekümmert
um den Eindruck, den ſeine Maßnahmen nach außen hin
machen. Er hat den richtigen Augenblick abgewartet, um
die Neugruppierung auszunutzen und den Ruſſen einen
empfindlichen Schlag zu verſetzen; mit welchem Erfolg,
das zeigen die amtlichen Angaben über die Verluſte des
Gegners.
Man ſpricht oft davon, es ſei nicht möglich, Rußland
niederzuringen, ſeine Heeresmaſſen ſeien zu groß und die
Ausdehnung des Reiches ermögliche es, die Truppen
ſo=
weit zurückzuziehen, daß der Gegner nicht folgen könne.
Abwarten! Bisher haben die Ruſſen bereits ungeheure
Verluſte gehabt, ſowohl an Toten, Verwundeten,
Gefan=
genen, Geſchützen und Munition, und noch weitere ſolche
deutſchen Erfolge, dann muß Rußland ſchließlich klein
beigeben. Vor allem aber iſt eines nicht zu vergeſſen:
Wenn die Niederlagen Frankreichs und Englands im
Weſten endgültig ſind, dann iſt auch das Schickſal
Ruß=
lands beſiegelt und gleichzeitig fällt damit auch ſeine
über=
ragende Stellung im Rate der Völker. Die neue ruſſiſche
Niederlage hat ihren Eindruck auf die Verbündeten nicht
verfehlt, die ſich von dem neuen ruſſiſchen Vorſtoß ſo viel
verſprachen hatten. Schwer iſt unſer Ringen gegenüber
einer Welt von Feinden, aber die Erfolge in Weſt und
Oſt beſtärken uns in unſerer Zuverſicht, daß wir trotz aller
angeblichen Ueberlegenheit Rußland und ſeiner
Verbün=
deten ſiegen werden.
Lügenmeldungen Athener Zeitungen.
* Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung veröffentlicht
folgende intereſſante Zuſammenſtellung von
Lügen=
meldungen der Athener Zeitungen:
20. Oktober. Schwere Typhusepidemien deutſcher
Armeen. Deutſche verſchanzen eiligſt Namur und Metz
wegen bevorſtehenden Rückzuges.
23. Oktober. Kaiſer in Czenſtochau. Prinz Max von
Sachſen, nach anderen Meldungen Prinz Max von Heſſen,
gefallen, Herzog von Braunſchweig gefangen. In
Mar=
ſeille ſoll Landung von 50000 Japanern begonnen
haben.
24. Oktober. Eine Granate tötete im Großen
Haupt=
quartier Admiral von Tirpitz und viele andere. In
War=
ſchau deutſcher Prinz gefangen. Ruſſen erbeuteten 50
Ge=
ſchütze. Deutſche Verluſte an der Aisne 100000.
25. Oktober. In Frankreich gelandete Japaner
wur=
den auf linken Flügel transportiert.
23. Siober. Poriugleſiſche Arme und Flote
abge=
gangen zur Vertreibung Deutſcher, die in portugieſiſche
Kolonien eingefallen.
2. November. S. M. S. „Scharnhorſt” und „
Gnei=
ſenau” gefangen, in Adrianopel 4 deutſche Offiziere
er=
ſchoſſen. In den Argonnen in letzter Woche 8000
deut=
ſche Gefangene.
3. November. Texas wird 50000 Mann nach
Frank=
reich ſchicken.
5. November. Ruſſen ſchnitten deutſchen Rückzug auf
Poſen ab.
6. November. Deutſche Verluſte in letzten Schlachten
in Belgien 150000, deshalb Mißſtimmung;
Inſubordi=
nation, Deſertion in deutſcher Armee. Kronprinz infolge
Strapazen erkrankt, angeblich geſtorben.
7. November. Stab Hindenburg, aus ſächſiſchen und
deutſchen Prinzen beſtehend, gefangen.
8. November. Deutſche Behörden in Brüſſel bereiten
Bewohner auf Angriff der Verbündeten vor. Deutſche
be=
feſtigen Brügge, da Rückzug bevorſteht. Aufſtand
Süd=
afrika unterdruckt. Nach Meldungen aus Bordeaux
räu=
men Deutſche Belgien, da Stellungen wegen
fortwähren=
der Niederlagen unhaltbar.
10. November. Deutſche bereiten Belagerung des
von Ruſſen beſetzten Przemysl vor. Die Angriffe
wer=
den ſchwächer; viele Deutſche deſertieren nach Holland,
ganze Truppenteile ergeben ſich Holland.
11. November. Kaiſer hat, fortwährend
zurückwei=
chend, Großes Hauptquartier Potsdam aufgeſchlagen.
Die letzte Meldung fällt zeitlich mit dem Tage zuſammen,
wo Dirmuiden, das Zentrum der engliſchen Stellungen
an der Yſer, von den deutſchen Truppen genommen wurde.
Es dürfte dieſen Lügenmeldungen gegenüber von
Intereſſe ſein, feſtzuſtellen, daß ihnen in Griechenland
offenbar nicht allgemein Glauben geſchenkt wird, und daß
gerade die gebildeten Kreiſe ſie vielfach ablehnen. Ein
beredtes Zeugnis in dieſer Richtung liegt uns in einem
Brief vor, den ein Darmſtädter Hochſchul=
Profeſſor von einem Athener Architekten, einem
früheren Schüler der Darmſtädter Techniſchen Hochſchule,
dieſer Tage erhalten hat; der Brief hat folgenden
Wort=
laut:
Athen, 1. Oktober 1914.
In den ſchweren Zeiten, die gegenwärtig auf dem
deutſchen Volke laſten, fühle ich mit vielen Griechen,
welche während ihrer Studienzeit deutſche Kultur und
Sinnesart kennen und ſchätzen gelernt haben, in
Dank=
barkeit für die in Deutſchland erhaltene wiſſenſchaftliche
und allgemeine Förderung, das Bedürfnis, den
Freun=
den und Lehrern in Deutſchland meine warme
Sympa=
thie auszudrücken.
Die einmütige und opferwillige Erhebung des
deut=
ſchen Volkes, das Zuſammenſtehen aller Parteien und
Klaſſen ohne Unterſchied von Stellung und Rang, ſein
heldenmütiges Verhalten, die an den Tag gelegte
opfer=
willige Fürſorge für alle vom Kriege direkt oder indirekt
Betroffenen, und nicht minder die gerade bei dieſem
An=
laſſe zutage getretene erſtaunliche wirtſchaftliche Stärke
Deutſchlands, rufen volle Bewunderung hervor.
Ich empfinde daher umſomehr das Bedürfnis, mein
tiefſtes Bedauern auszuſprechen über Berichte von
Vor=
kommniſſen, welche mit der ganzen Art des deutſchen
Vol=
kes und ſeinem Ehrgefühl nicht im Einklange ſtehen
kön=
nen. Wer das Glück gehabt hat, deutſches Weſen in
Wahrheit kennen zu lernen, wird niemals geneigt ſein,
ſolchen Berichten Glauben zu ſchenken.
In der Ueberzeugung, daß Deutſchland um die
Er=
haltung ſeiner hohen Kultur kämpft, hege ich die Hoffnung
und ſpreche den Wunſch aus: das deutſche Volkund
ſeine Kulturarbeit mögen
unbeeinträch=
tigt aus dieſer ſchweren und unheilvollen
Kriſis hervorgehen.
Daß eine große Anzahl Griechen aller Berufsarten
mir gleichgeſinnt ſind, weiß ich ſicher. Sie würden auch
gern an eine ähnliche Kundgebung gemeinſam
her=
antreten, wenn ſie es nicht als eine patriotiſche Pflicht
er=
achteten, in keiner Weiſe Veranlaſſung zu geben, daß ein
derartiges Vorgehen als eine Verletzung der von unſerer
Regierung offiziell erklärten Neutralität von irgend einer
Seite mißdeutet werden könnte.
Umſomehr fühlt ſich jeder von uns veranlaßt, einzeln
dieſe ſeine Gefühle der Bewunderung und Sympathie
ſei=
nen Freunden und Lehrern zum Ausdruck zu bringen.
Mit vorzüglicher Hochachtung ꝛc.
Dem Schreiber des Briefes iſt im übrigen bei deſſen
Beantwortung mit dem Dank für ſeine Kundgebung zum
Ausdruck gebracht worden, daß eine gemeinſame und auch
öffentliche Bekanntgabe des von ihm und einer großen
An=
zahl gleichgeſinnter Griechen vertretenen objektiven Stand=
punktes wohl kaum als eine Verletzung der von der
grie=
chiſchen Regierung erklärten Neutralität angeſehen
wer=
den könnte, wenn auf der anderen Seite derart tendenziöſe
Lügenmeldungen, wie ſie in der Zuſammenſtellung der
Norddeutſchen Allgemeinen Zeitung enthalten ſind, von
der Athener Preſſe unbeanſtandet gebracht werden dürfen.
Der Kriegsausſchuß für warme
Unter=
kleidung
hat für Samstag, den 21. November, nachmittags 4 Uhr,
eine Verſammlung nach dem Reichstag einberufen, zu
welcher Einladungen an alle größeren wirtſchaftlichen
Verbände und Organiſationen ergangen ſind. In dieſer
Verſammlung ſoll erörtert werden, wie die erwähnten
Korporationen am beſten die Zwecke des
Kriegsausſchuſ=
ſes zu fördern und dadurch für den beſtmöglichen
Kälte=
ſchutz unſerer im Felde ſtehenden Truppen beizutragen
in der Lage ſind. Da der Schwerpunkt der Verſammlung
in der Diskuſſion liegt, iſt möglichſt zahlreiche Beteiligung
beſonders erwünſcht.
General von Beſelers Dank an die Hochſchule
Hannover.
* Auf die erfolgte Verleihung der Würde eines
Dok=
tor=Ingenieurs „Ehren halber” hat der General der
In=
fanterie von Beſeler, wie der Hannoverſche Kurier meldet,
aus dem Felde folgendes Dankſchreiben geſandt:
„Euer Magnifizenz! Hochgeehrte Herren! Nehmen
Sie meinen wärmſten und tiefempfundenen Dank
entge=
gen für die hohe Auszeichnung, die Sie mir durch die
Verleihung der Würde eines Doktor=Ingenieurs „Ehren
halber” gütigſt haben zuteil werden laſſen. Meine
Le=
bensarbeit hat mich oft die mächtige Hilfe ſchätzen gelehrt,
die Kriegskunſt und Kriegsweſen in unſeren Tagen einer
gewaltig und bewundernswert aufſtrebenden Technik, die
ſich auf dem Fundament deutſcher Wiſſenſchaft und
deut=
ſchen Fleißes aufbaut, zu danken hat. Ich danke Ihnen,
daß Sie mich der Aufnahme in den Kreis Ihrer
Mitarbei=
ter für würdig erachtet haben, und denke mit freudigem
Stolz daran, daß es mir vergönnt geweſen iſt, an einer
entſcheidenden kriegeriſchen Handlung teilnehmen zu
kön=
nen, die der Welt gezeigt hat, welche gewaltige
Kampf=
mittel uns die Technik zu ſchaffen gewußt hat.
In ausgezeichneter Hochachtung habe ich die Ehre zu
ſein, hochgeehrte Herren, Ihr aufrichtig ergebener Dr.=
Ing. von Beſeler, General der Infanterie.”
Oeſterreichiſche Vergeltungsmaßnahmen.
* Wien, 18. Nov. Das K. K. Korr.=Bur. teilt mit,
daß mit Rückſicht auf die traurige Lage, in der ſich unſere
Staatsangehörigen, namentlich in England,
be=
finden ſollen, in der letzten Zeit die Maßnahmen bei uns,
beſonders gegen die Engländer verſchärft wurden,
indem außer weiteren Internierungen insbeſondere auch
verfügt wurde, daß engliſche Staatsangehörige ohne
Un=
ierſchied des Alters und Geſchlechts von 8 Uhr abends
bis 6 Uhr früh ihre Wohnung nicht verlaſſen, öffentliche
Lokale aber überhaupt nicht beſuchen dürfen. Die
Ver=
ſchärfungen bleiben ſo lange aufrecht, als nicht die
Ge=
wißheit beſteht, daß auch unſeren Staatsangehörigen in
England eine andere Behandlung zuteil wird. Die
in=
ternierten Ausländer werden bei uns überall gut
behan=
delt, da hier nicht der Ehrgeiz beſteht,
bar=
bariſche Sitten nachzuahmen.
Ein tapferer italieniſcher Kommiſſar.
* Rom, 19. Nov. Die Tribuna meldet aus
Neapel: Geſtern abend iſt, von Buenos Aires
kommend, der italieniſche Dampfer „Ravenna” mit
631 Auswanderern eingetroffen. Der Dampfer war
von den Engländern vor Gibralter angehalten und in
den Hafen geſchleppt worden, da ſich an Bord 50
deut=
ſche Reſerviſten befanden, die ſich zu jener Zeit
ein=
geſchifft hatten, als das Dekret von London ihnen die
Paſſage geſtattete. Jetzt verlangten die Ortsbehörden
ihre Ausſchiffung als Kriegsgefangene. Dieſem An=
Aus Feldpoſtbriefen Darmſtädter
Soldaten.
H., 26. Oktober 1914.
Wir ſird Tag und Nacht im Schützengraben und ſind
auch nur 400 Meter von den feindlichen Gräben. Ja, wir
gingen Schleichpatrouille bis an die Stellung, wo die
Franzoſen liegen, und ſie merkten uns nicht. Wir hatten
von Samstag auf Sonntag, am 23. und 24., da ich ſelbſt
dabei war, eine Beobachtung gemacht, die folgende war:
Wir gingen, ein Unteroffizier und drei Mann, freiwillig
auf die Suche nach den feindlichen Stellungen. Wir
kro=
chen auf Händen und Füßen, auch ein bißchen auf dem
Bauch, und kamen die 500 Meter lange Strecke, ohne vom
Feind bemerkt zu werden, heran. Aber ach, welch ein
Schauſpiel ſahen wir da: der eine ſchlief, der andere
rauchte gemütlich ſeine Pfeife; wir ſahen auch einige, die
Karten ſpielten, alles dies hatten wir geſehen, ohne
be=
merkt zu werden. Es vergingen zwei Stunden, und wir
dachten an unſere Rückkehr; denn es waren jetzt ſchon über
ſechs Stunden, da wir weg waren. Jetzt, unſere Rückkehr
war etwas ſchlechter und ſchwerer. Als wir uns gerade
zum Zurückgehen wendeten, kamen drei Franzoſen aus
ihrer Deckung und bemerkten uns zum Unglück. Sie
ſchrien gleich: „Ana wah! Ana wah!” das heißt auf
Deutſch: „Vorwärts!” Und im Nu hatten ſich die
Fran=
ſoſen gezeigt. Wir hatten noch ſo viel Glück, uns 50 bis
60 Meter hinter einen Strohhaufen zu flüchten und ſchoſſen
von da aus mit vier Gewehren wie die Wahnſinnigen. Es
hatte zum Glück faſt jeder Mann 300 Patronen, alſo
zu=
ſammen 1000 bis 1200 Stück. Es war wohl für uns
ge=
fährlich; wir dachten aber nicht daran, immer ruhig
ge=
zielt, und die Franzoſen ſchoſſen auch feſte auf den
Stroh=
haufen. Da, auf einmal wurde unſer Unteroffizier
ge=
troffen; es war ein Herzſchuß und er ſtarb den Tod fürs
Vaterland. Er war im Beſitze des Eiſernen Kreuzes. Das
war für uns im Moment peinlich; aber immer weiter
feuern aus drei Gewehren, hatte ich befohlen, und es
wurde wieder raſend geſchoſſen, ſo daß die Franzoſen nicht
merkten, daß einer fehlt. Endlich hörten wir, vielmehr
merkten wir, daß noch mehr Schützen bei uns waren und
Feuer abgaben, ein Glück wieder für uns, denn wir hatten
auch faſt keine Patronen mehr. Es war eine Patrouille,
die uns ſuchen ſollte, weil wir ſchon ſo lange weg waren,
und hat uns gefunden.
So hatten wier 1½ Stunden mit den Kerls zu tun,
und endlich hörten ſie auf zu ſchießen. Wir ruhten auch,
wollten uns doch überzeugen, was wir 8 Männerchen —
zuerſt 4, dann 8, ein Verluſt — für einen Schaden gemacht
haben Wir übrigen teilten uns die Patronen, reichten
uns treu die Hände und ſagten uns: „Jetzt vor!” und
wenn wir alle liegen bleiben. Aber wir merkten, daß
un=
ſere Gefahr nicht mehr ſehr groß war; denn als wir jeder
Mann drei Schritt Abſtand voneinander, vorgingen und
krochen, ſahen wir zum größten Erſtaunen den
Schützen=
graben leer. Halt, halt, nicht leer, Tote und Verwundete
und einige andere, die ſich ergaben, waren noch im Graben
gelegen. Wir nahmen zuerſt die Geſunden gefangen; es
waren 13 Stück. Einer von uns konnte franzöſiſch; er
ſagte gleich: „Waffen niederlegen!” was auch ohne
Schwie=
rigkeit geſchah; dann befahl er, alles zuſammen auf einen
Haufen niederlegen; das war das erſte, dann kamen die
Verwundeten. Was laufen konnte, mußte zu den anderen
gehen und ſich verbinden laſſen, die anderen wurden
ge=
tragen.
Als wir ſie beiſammen hatten, wurde es heller Tag.
Es waren 8 ſchwer und 16 leicht Verwundete, zuſammen
24. Jetzt mußten die Geſunden die 13 Tragbahren von
Holz und ihren Mänteln machen und mußten die, welche
nicht laufen konnten, darauf legen und tragen. Dies
hat=
ten wir getan und etwas geſchwitzt dabei. Jetzt nur noch
die Toten zählen; das hatten aber ſchon in der Zeit drei
von unſeren gemacht währenddeſſen, als wir mit den
Ver=
wundeten zu tun hatten. Sie zählten genau 53 Tote,
24 Verwundete und 13 Geſunde, die ſich ergeben hatten,
alſo zuſammen 90 Franzoſen vernichtet und gefangen.
Endlich, nach 10½ſtündiger Arbeit, kehrten wir mit unſerer
Beute zurück.
Ja, wir hatten ein Gefecht gemacht, 8 gegen eine
Kompagnie von 250. Nicht zu glauben, aber doch wahr . ..
Aber welch ein Jubel! Als uns ſchon die Kompagnie für
tot oder gefangen hielt, marſchierten wir in
Gräben=
kolonne an, unſer Kompagnieführer beantragte gleich, daß
wir mit den Gefangenen zum Regimentsſtab, alſo zum
Oberſt marſchieren ſollten, was wir auch gerne taten. Aber
auf dem Wege zum Oberſt wurde einer frech von den
Ge=
ſunden und wollte nicht ſeinen eigenen Landsmann helfen
tragen. Mit dem machten wir es kurz: zehn Schritt
von uns wurde er aufgeſtellt und niedergeſchoſſen vor
ſei=
nen eigenen Kameraden, daß die anderen Reſpekt vor uns
bekamen. Jetzt kommen wir beim Oberſt an, und ſie
ſtaunten alle, als wir es ihnen erzählt hatten, wie es uns
ging. Wir wurden gleich zum Eiſernen Kreuz wegen
Tap=
ferkeit vorgeſchlagen und werden es vielleicht in 8 oder 14
Tagen bekommen. Das war aber ein Sonntag für uns;
auch erhielten wir gleich warmes und gutes Eſſen beim
Oberſt und rauchten gute Zigarren. Unſere Gefangenen
hatten wir ja weiter abgegeben und wir durften den Tag
ruhen. Dies war mein ſchönſtes Erlebnis bis jetzt im
Kriege.
Meine Liebe, ich habe Dir 10 Mark geſchickt von
mei=
ner Löhnung, hoffentlich wirſt Du ſie bekommen; meiner
Mutter habe ich auch 17 Mark geſchickt; denn wir können
hier doch nichts kaufen, und was ſoll man mit dem Gelde
tun. Da ſchickt es jeder nach Hauſe.
Will jetzt Schluß machen, denn es iſt 12 Uhr und um
3 Uhr geht es wieder in den Schützengraben. Gute Nacht,
ſchlafe wohl und träume von Deinem Liebſten im Felde.
So lang im deutſchen Lande noch deutſche Mädchen
ſind, und für den Liebſten beten zu Gott ein deutſches Kind.
.... Johann.
Seite 4.
Darmſtadter Tagolatt, Frettag, den 20. Novemper 1914.
Nummer 320.
ſuchen widerſetzte ſich der an Bord befindliche königliche
italieniſche Kommiſſar der dem Gouverneur
von Gibralter auseinanderſetzte, daß die deutſchen
Sol=
daten nicht als Kriegsgefangene betrachtet werden
lönn=
ten, weil ſie zur Zeit der Wirkſamkeit des engliſchen
De=
krets nach Europa abgereiſt ſeien. Die guten Gründe des
Kommiſſars wurden anerkannt und „Ravenna” konnte
die Fahrt nach Neapel fortſetzen.
Die Finanzlage in England.
* Im engliſchen Unterhauſe legte der Schatzkanzler
Lloyd George die Finanzlage ausführlich dar und
ſagte, daß für den Zeitraum bis zum 31. März eine
Sum=
me von 1915535000 Pfund Sterling erforderlich
ſeien, wovon 339575000 Pfund Sterling für
Kriegsaus=
gaben. Er ſchlug eine Erhöhung der
Einkom=
menſteuer vor, die tatſächlich einer
Verdoppe=
lung nahekommt und 12½ Millionen Pfund Sterling
einbringen ſoll. Ferner beantragte er eine höhere
Bela=
ſtung des Bieres und beſonders eine Beſteuerung des
Tees im Umfange von drei Pence für das Pfund, ſowie
eine Beſchränkung der Abzahlung an die Tilgungsfonds.
Außerdem müßten 321325000 Pfund Sterling aufgebracht
werden. Schatzkanzler Lloyd George ſchlug ferner die
Ausgabe einer Anleihe von 350 Millionen Pfund
3½prozentiger Rente zum Kurſe von 95 Prozent vor, die
1928 zu pari einlösbar ſei. Er teilte dabei mit, daß die
Regierung bereits ein Angebot zur Uebernahme von 100
Millionen Pfund empfangen habe. Das Unterhaus nahm
die geſamten Vorſchläge der Regierung an.
* Rotterdam, 18. Nov. Der Nieuwe
Rotterdam=
ſche Courant meldet aus London: Obwohl die Preſſe im
allgemeinen die Rede Lloyd Georges lobt und die
Bereit=
willigkeit des Landes ausſpricht, die Steuern zu
tra=
gen, wird doch eine gewiſſe Kritik geübt. — Daily
Tele=
graph klagt, daß nicht alle Klaſſen gleichmäßig belaſtet
werden. Eine Verdoppelung der Einkommenſteuer treffe
ſtets am ſchwerſten. Daily Chronicle ſagt: Eine
derar=
tige ſchwere Belaſtung iſt unter den gegenwärtigen
Verhältniſſen und in einem Induſtrielande gefährlich, wie
das Schlachten der Henne mit goldenen Eiern. Eine
Ver=
doppelung der Einkommenſteuer müſſe den
Unterneh=
mungsgeiſt ſchädigen.
Englands Vergewaltigung der Neutralen.
* Wien, 18. Nov. In Beſprechung der
Proteſt=
aktion der neutralen Staaten gegen die durch
das rückſichtsloſe Vorgehen Englands erfolgte
Ver=
letzung ihrer Rechte betonen die Blätter die berechtigte,
tiefgehende Erregung, die ſich der neutralen Staaten
in=
folge einer Reihe unerlaubter Maßnahmen Englands
bemächtigte. Sie bilde die ſtärkſte Widerlegung der
heuch=
leriſchen Ausführungen des Premierminiſters Asquith im
Unterhauſe. — Die Neue Freie Preſſe erklärt: Die
neu=
tralen Staaten trafen das Richtige, wenn ſie in
Waſhing=
ton Beſchwerde wegen der Lähmung des Handels mit
Amerika erhoben haben, da nur Amerika den notwendigen
Druck auf England ausüben könnte. — Die Reichspoſt
ſagt: Die neutralen Staaten, deren Handel ohnehin durch
Englands Willkürherrſchaft zur See aufs ſchwerſte
ge=
ſchädigt werde, ſollen die Ohnmacht der engliſchen Flotte
entgelten. Wenn ſich England von dem neutralen Amerika
Lebensmittel, Waffen und anderes Kriegsmaterial
ſchik=
ken läßt, ſo iſt das kein Völkerrechtsbruch, wohl aber,
wenn das kleine Holland Tee verkauft. Den neutralen
Staaten dürfte die Rede Asquiths erſt recht die Tatſache
zum Bewußtſein bringen, daß es ein Kampf um die
Freiheit der Völker insbeſondere um die
Han=
delsfreiheit auf den Meeren iſt, den die verbündeten
Kai=
ſerreiche gegen den britiſchen Welttyrannen führen.
Die franzöſiſche Regierung bleibt in Bordeaux.
* Baſel, 18. Nov. Unter der Ueberſchrift „
Ueber=
ſiedelung nach Paris” ſchreiben die Baſeler Neueſten
Nach=
richten: Nach Meldungen aus Bordeaux ſcheint die
Ueberſiedelung der Regierung und der Ver=
waltungen noch keineswegs in ſicherer Ausſicht zu ſtehen.
Der Sonderberichterſtatter der Times in Bordeaux meint:
Bei einer Ueberſiedelung der Regierung nach Paris ſei
offenbar der Wunſch vieler Beamter der Vater des
Ge=
dankens. In Frankreich ſeien allerdings im Schoße der
Regierung mehrmals Erörterungen darüber gepflögen
wvorden; aber man habe ſchon darum keinen beſtimmten
Beſchluß faſſen können, weil die Sache ganz von Joffre
abhänge. Die ganze Abfaſſung der Meldung deutet
darauf hin, daß ſie die öffentliche Meinung in Frankreich
darauf vorbereiten ſolle, daß die Regierung nicht ſo
bald zurückkehren werde.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 20. November.
* Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Poſtſekretär a. D. Kleiß
in Darmſtadt die Erlaubnis zur Annahme und zum
Tragen des ihm von Sr. Maj. dem Deutſchen Kaiſer,
König von Preußen, verliehenen Verdienſtkreuzes in
Gold erteilt.
* In den Ruheſtand verſetzt wurden folgende
Beamte in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſenbahngemein=
ſchaft vom 1. Dezember d. J. an: Schaffner Balthaſar
Schäfer zu Frankfurt a. M., Bahnwärter Ludwig
Jungk zu Zell.
Ritter des Eiſernen Kreuzes. Sergeant Georg
Moſer im Leib=Dragoner=Regiment Nr. 24, 2. Esk.,
erhielt für beſondere Tapferkeit die Heſſiſche
Tapferkeits=
medaille und das Eiſerne Kreuz.
g. Ausloſung der Geſchworenen. Geſtern wurden die
Geſchworenen zu der am 7. Dezember unter dem
Vor=
itz des Herrn Landgerichtsrats Dr. Lebrecht
beginnen=
den Tagung des Schwurgerichts der Provinz Starkenburg
ausgeloſt. Geloſt wurden folgende Herren: Landwirt Mart.
Wenzel IIII., Heppenheim; Landwirt Georg Bauer V.
Götzenhain; Portefeuiller Karl Roſenkranz, Offenbach;
Notenſtecher Georg Seipel, Offenbach; Landwirt
Gil=
bert I., Hahn; Bürogehilfe Friedr. Rauch V., Ginsheim:
Landwirt Ad. Crößmann II., Pfungſtadt; Rentner Jakob
Weiland, Eberſtadt; Maurermeiſter Jakob Kreth,
Bens=
heim; Landwirt Georg Krauß V., Groß=Rohrheim;
Wil=
helm Schneider, Schaafheim; Landwirt Markwart VII.,
Gronau; Kohlenhändler Peter Liebig VII., Pfungſtadt;
Beigord. Val. Platz III., Biblis; Teilhaber Heinr. Wilh.
Ritzert, Offenbach; Bankvorſteher Georg Sohl, Offenbach;
Zimmermeiſter Chriſtian Bohn III., Seeheim; Fabrikant
Wilh. Rexroth, Michelſtadt; Rentner Robert Wittenberg,
Auerbach; Kaufmann Julius Bauer, Bensheim;
Schrei=
ner Konr. Wilsbacher, Offenbach=Bürgel; Landwirt Joh.
Bauer, Fürth i. O.; Fabrikant Georg Buchner, Darmſtadt;
Maſch.=Ing. Arth. Hauſe I., Offenbach; Landwirt u.
Zigar=
renmacher Joh. Ad. Wißmann, Zellhauſen; Apotheker
Wilh. Gg. Otto Phil. Schott, Offenbach; Prof. Dr. Eduard
Anthes, Darmſtadt; Bautechniker Heinrich Heberer I.,
Heuſenſtamm; Bankdirektor Ludw. Habicht, Darmſtadt;
Franz Joh. Reichenbach I., Dietzenbach.
— Großh. Hoftheater. Heute, Freitag, wird „Der
Zigeunerbaron” in der bekannten Beſetzung gegeben und
zwar zum erſtenmal bei kleinen Preiſen. Nach längerer
Pauſe wird Sonntag wieder „Mignon” mit Anna Jacobs
in der Titelpartie in den Spielplan aufgenommen. Am
Dienstag, den 24., findet eine Geſamtaufführung des
zweiten Teiles der Fauſttragödie ſtatt. Dieſe Vorſtellung
beginnt um 7 Uhr. Als Feſtvorſtellung zur Feier des
Geburtstages Sr. Königl. Hoheit des
Groß=
herzogs iſt für Mittwoch, den 25., die Erſtaufführung
der „Marketenderin” angeſetzt, einer Spieloper
Humperdincks, die, der Stimmung der Zeit entſprechend,
bei ihrer Uraufführung einen überaus ſtarken Erfolg
hatte. Die nächſte Schauſpielnovität iſt Kehm und
Frehſee’s „Als ich noch im Flügelkleide‟ Dieſes
fröh=
liche Spiel wurde bisher von ungefähr 200 deutſchen
Bühnen angenommen und fand überall ſtärkſten
Lach=
erfolg.
* Die Ablieferung von Gold an die Reichsbank.
Um den zur Erhöhung der Leiſtungsfähigkeit der
Reichsbank wünſchenswerten Rückfluß von
Gold=
münzen (auch fremdes Gold) an ſie zu fördern und dem
Publikum die Ablieferung zu erleichtern, ſind die
Reichs=
bankanſtalten angewieſen, die Portokoſten und
Be=
ſtellgebühren, welche durch Einſendung dieſer Münzen
und Ueberſendung des Gegenwertes in Papiergeld
ent=
ſtehen, auf Bankfonds zu übernehmen.
* Zum Totenſonntag dieſes Jahres, welcher
be=
kanntlich auf den kommenden Sonntag, den
22. d. Mts., fällt, verdient wohl daran erinnert zu
werden, daß ihm, ganz abgeſehen von dem beſonders
ernſten und erhebenden Charakter in dem gegenwärtigen
gewaltigen Weltkrieg, auch eine hohe hiſtoriſche
Be=
deutung zukommt. Verknüpft er doch die Zeit der
Befreiungskriege anfangs des 19. Jahrhunderts eng mit
der gegenwärtigen; iſt er doch herausgeboren aus dem
Ernſt der damaligen Tage. Seine eigentliche Entſtehung
greift auf den 4. Juli 1816 zurück, an dem eine
allge=
meine Feier zum Gedächtnis für die in den
Freiheits=
kriegen Gefallenen ſtattfand. Angeregt durch dieſe
er=
hebende Feier befahl König Friedrich Wilhelm III. von
Preußen am 17. November desſelben Jahres, daß am
letzten Sonntag des Kirchenjahrs ein „jährliches
allge=
meines Kirchenfeſt zur Erinnerung an die Verſtorbenen”
in allen evangeliſchen Kirchen der preußiſchen Staaten
gefeiert werden ſolle. Wie lebhaft wird uns diesmal
der erſte Urſprung dieſer Feier wieder vor die Seele
treten!
* Johannesgemeinde. In dem liturgiſchen
Abend=
gottesdienſt, der am Totenſonntag um halb 6 Uhr in
der Johanneskirche gehalten wird, trägt der
Kirchen=
geſangverein vier Abſchnitte aus den „Muſikaliſchen
Exequien” von Heinrich Schütz für Chor,
Solo=
ſtimmen und Orgel, in der Bearbeitung von Karl
v. Jan, vor. Das Werk trägt die Ueberſchrift: „Konzert
in Form einer deutſchen Begräbnis=Meſſe” und wurde
von Schütz auf den Tod ſeines ihm naheſtehenden
Landesherrn, den Fürſten Heinrich Poſtumus zu Reuß,
1636 komponiert.
* Eine liturgiſche Totenfeſtfeier, unter Mitwirkung
des Kirchengeſangvereins der Martinsgemeinde, findet
nächſten Sonntag, abends ½6 Uhr, in der Martinskirche
ſtatt. Der Eintritt iſt frei.
* Die Generalverſammlung des Konſum=Vereins am
22. Nov. findet im „Perkeo” Alexanderſtraße, ſtatt.
(Näheres ſiehe Anz.)
* Mandolinenkranz, Darmſtadt. Am Sonntag, den
29. Nov., findet im großen Saale des Kaiſerſaales ein
Wohltätigkeitskonzert zum Beſten des
Roten Kreuzes ſtatt. Ein abwechſlungsreiches
Pro=
gramm iſt für dieſen Abend zuſammengeſtellt. Frl. Hertha
Neuhaus vom Bremer Stadttheater hat ihre gütige
Mitwirkung zugeſagt. Auch die von dem Mandolinen=
und Gitarre=Chor zum Vortrage kommenden Muſik=
Stücke ſind dieſem Abend angepaßt. Karten ſind ab
Samstag, den 21. November, in der
Hofmuſikalienhand=
lung von Gg. Thies, Nachf. Leop. Schutter, zu erhalten.
Aufruf!
In Kürze beginnt die zweite Abonnementsſerie der
Vorſtellungen im Großh. Hoftheater. Der
unterzeichnete Ausſchuß wiederholt daher ſeine frühere
Bitte, das Hoftheater durch Abonnementsanmeldungen
nach Kräften zu unterſtützen. Hierzu bietet der Beginn des
zweiten Viertels der Abonnementsvorſtellungen die beſte
Gelegenheit.
Das Hoftheater hat mit der Wiederaufnahme der
Vor=
ſtellungen nicht nur eine hohe künſtleriſche Aufgabe,
ſon=
dern auch eine im höchſten Maße verantwortungsvolle
ſo=
ziale Pflicht gegenüber der Exiſtenz ſeiner Mitglieder
übernommen. Zwar ſorgt Seine Königliche Hoheit in der
gegenwärtigen außergewöhnlichen Zeit für die
dreihun=
dert Angeſtellten des Hoftheaters und deren Familien,
Aber darüber hinaus iſt eine weitgehende
Unterſtützung=
durch unſer Publikum, ſtarkes Abonnement und lebhafter
Theaterbeſuch notwendig, um den Mitgliedern einen
finan=
ziellen Rückhalt zu geben und die Stetigkeit des Betriebes
zu ſichern. Gerade wir Darmſtädter, die Grund haben,
auf unſer Hoftheater ſtolz zu ſein, müſſen in dieſen ernſten
Tagen dazu beitragen, unſerer Stadt die Segnungen
ech=
ter deutſcher Kunſt zu erhalten und gleichzeitig einer
hohen ſozialen Pflicht zu genügen.
Wir wenden uns an alle unſere Mitbürger im feſten
Vertrauen auf ihre Kunſtbegeiſterung und ihr patriotiſches
Gefühl, und wir hoffen, daß jeder, wie bisher, das Seine
zu dem edlen Zweck beiträgt. Vor allem halte, wer ſich
als Abonnent angemeldet hat, dieſe Anmeldung aufrecht;
wer bisher noch beiſeite ſtand, leiſte jetzt dem Aufruf der
Generaldirektion Folge.
Das Hoftheater muß nicht nur bedeutende künſtleriſche
Werte, ſondern auch große wirtſchaftliche Verpflichtungen
gegenüber den Hunderten von Angeſtellten wahren. Nur
wvenn alle unſere Mitbürger unſer Kunſtinſtitut nach
Kräften unterſtützen, wird das Hoftheater inſtand geſetzt
werden, ſeine jetzt doppelt wichtige und bedeutungsvolle
Aufgabe nach der kulturellen wie nach der ſozialen Seite
vollauf zu erfüllen.
Namens des Ausſchuſſes zur Förderung der Intereſſen
des Großh. Hoftheaters:
Dr. Gläſſing, Oberbürgermeiſter.
II. Worte des Alten Fritz. Man hat in dieſen Tagen,
da ringsum die Masken gefallen ſind und die Neider im
Haß gegen uns ſich gefunden haben, an die eiſernen und
glorreichen Jahre des ſiebenjährigen Krieges
er=
innert, da alle Großmächte Europas über das junge
Preu=
ßen herfielen und ſchließlich, nach langem, ſchwerem
Strauße, doch blutig heimgeſchickt wurden. Wie
über=
raſchend viel von dieſem Vergleiche zutrifft, zeigen
nach=
ſtehende Ausſprüche des großen Friedrich. Sie
entſtam=
men den Tagen des ſiebenjährigen Krieges, der Zeit, da
er mit ſeiner Armee unerſchrocken einer ganzen Welt voll
Feinden entgegentrat. Der Geiſt, der ihn und ſeine
Tap=
feren durch Blut und Leid zum Triumphe und zum Siege
führte, führe uns auch heute! „Seit der Liga von
Cam=
brai ſah man keine Verſchwörung gleich der dieſes
in=
famen Dreibundes gegen mich; es iſt ruchlos, es iſt ein
Schandfleck der Menſchheit. Sah man je, daß drei
Staats=
oberhäupter ſich zuſammentaten, um ein viertes, das ihnen
nichts zufügte, zu vernichten? Ich hatte keine Händel mit
Frankreich, keine mit Rußland. Wenn in der bürgerlichen
Geſellſchaft drei Leute ihren Nachbarn überfallen, werden
ſie nach Richterſpruch gerädert. Wie! Fürſten, die in ihren
Reichen dieſe Geſetze achten, geben ihren Völkern ſo
ſchnö=
des Beiſpiel? O Zeiten! O Sitten! Wahrlich, beſſer
wäre es, mitten unter Tigern und Leoparden zu leben, als
in einem Zeitalter, das ſich geſittet nennt, inmitten von
Heuchlern, Räubern und Treubrechern .. . Schwer iſt die
Arznei, allein, große Uebel heiſchen harte Kuren.” (An
ſeine Schweſter Wilhelmine.)
„Wird man einen Wanderer anklagen, gegen den
drei Straßenräuber ſich mit ihren Helfershelfern
verſchwo=
ren haben, und der im Winkel eines Waldes, durch den
ſeine Geſchäfte ihn führten, hinterrücks überfallen wird?
Wird alle Welt nicht lieber aufſtehen und die Verbrecher
gefangen nehmen? Arme Sterbliche, die wir ſind! Die
Welt bewertet unſer Tun nicht nach unſeren Gründen,
ſondern nach dem Erfolge. Was bleibt uns alſo?
Wir müſſen erfolgreich ſein!” (Apologie meines po
litiſchen Verhaltens.)
* Aus Reims. Die Nordd. Allgem. Ztg. erzählt in
einem Bericht über die Beſchießung von Reims:
„Quarante-neuviéme jour du bombardement!‟ — „
Neun=
undvierzigſter Tag der Beſchießung!” — das iſt die neue
Zeitrechnung der Bewohner von Reims. Jeden Morgen,
noch ehe es dämmert, kriechen ſie aus ihren durch
Sand=
ſäcke geſchützten Kellern hervor und eilen, Männer, Frauen
und Kinder, mit einigen Flaſchen Wein, Brot und kaltem
Fleiſch für ein „Al fresco=Mahl!” unter dem Arm, auf die
umliegenden Höhen der Stadt, von wo ſie dem
Artillerie=
duell der franzöſiſchen Batterien mit den auf den
erober=
ten Forts Brimont, Nogent, l'Abeſſe und Bedru
aufgeſtell=
ten deutſchen Geſchützen zuſehen. Am Abend, wenn das
Ar=
tilleriefeuer nachläßt, kehren ſie dann in die Stadt zurück,
und die beiden noch erſcheinenden Lokalblätter teilen
ihnen mit, welchen Schaden die Deutſchen am 49. Tage der
Beſchießung angerichtet haben. Ein Mitarbeiter des
Daily Graphic erzählt, daß beſonders die älteren
Stadt=
teile ſchwer gelitten haben. Was die Geſchoſſe der
deut=
ſchen Artillerie nicht zerſtören, vernichten ihre „mit
bren=
nendem Petroleum gefüllten Handgranaten”. (!!) Nach
Anſicht der Reimſer haben es die Deutſchen beſonders auf
die großen Sektkellereien von Pommery unweit des
Marnekanals abgeſehen, deren elektriſche Station gleich zu
Beginn der Beſchießung zerſtört wurde. Auch die übrigen
Gebäude ſind ſchwer beſchädigt. Von den 120000
Bewoh=
nern der Stadt ſind höchſtens 40000 zurückgeblieben.
Ob=
gleich ſie ſich tagsüber verſteckt halten oder auf die Berge
flüchten, ſind doch gegen 700 Opfer des Artilleriekampfes
geworden, und über 1000 mußten, ſchwerer oder leichter
verwundet, fortgeſchafft werden. Die meiſten Verletzungen
ſind auf herabfallende Mauerſtücke oder einſtürzende
Häu=
ſer zurückzuführen. Erſt recht zeigt ſich am Abend, wie
verlaſſen die alte Krönungsſtadt der franzöſiſchen Könige
jetzt iſt. Kein Licht darf gebrannt werden; weder auf der
Straße noch aus den Fenſtern der Häuſer darf ein heller
Strahl leuchten. In den Ggſthöfen ziehen die
Angeſtell=
ten doppelte dunkle Vorlänge vor die Fenſter, ehe ſie Licht
anzünden. Auf der Straße herrſcht ägyptiſche Finſternis.
Von Zeit zu Zeit erklingt der Schritt einer
Militär=
patrouille, die nachprüft, ob auch kein Lichtſchein aus
irgend einem Hauſe den deutſchen Geſchützen ein Ziel zu
bieten vermag. In den drei oder vier Cafés und
Re=
ſtaurants, die ihren Betrieb aufrechterhalten haben, ſieht
man nur Uniformen. Schon einige Minuten vor 9 Uhr
ertönt der Ruf: „On ferme!” Man ſchließt mit größter
Pünktlichkeit, und die Gäſte müſſen in dunkler Nacht ihre
Irrfahrt nach dem oft im Keller gelegenen Heim oder dem
Hotel antreten.
* Das „Archibald=Douglas”=Hemd. Aus Dortmund
wird dem B. T. geſchrieben: Direktor B., ein jovialer
Herr, den auch in dieſer ernſten Zeit der Humor nicht
ver=
laſſen hat, ſandte jüngſt ſeinem im Weſten bei der
ſchwe=
ren Artillerie ſtehenden Neffen ein Liebespaket, dem er
außer vielem Eß= und Rauchbaren aus den Beſtänden
ſei=
nes Wäſcheſchrankes ein dickwollenes Normalhemd und
eine Unterhoſe vom gleichen Stoff einverleibt hatte. In
ſeinem Begleitſchreiben bezeichnete er das Hemd als ein
„Archibald=Douglas”=Hemd, während er der
Un=
terhoſe die Bezeichnung „Egmont”=Hoſe verlieh. Er
überließ es ſeinem Neffen, die Deutung dieſer Namen zu
erraten. In verhältnismäßig kurzer Zeit bekam er von
dem jungen Krieger folgende Feldpoſtkarte: „Deiner Rede
Sinn iſt dunkel; — Gib mir dazu einen Kommentax, —
Denn ſo iſt mir die Sache nicht klar. Drauf antwortete
flugs der Onkel: Lieber.. .! Durch den ſtarken Verlehr
mnit der dicken Berta iſt Dir der Sinn für Muſik und
Theater offenbar abhanden gekommen. Weißt Du denn
nicht mehr, daß die bekannte Löweſche Ballade „
Archi=
bald Douglas” mit den Worten beginnt: „Ich hab’ es
ge=
tragen ſieben Jahr, nun kann ich’s nicht länger mehr
tra=
gen!” Und haſt Du vergeſſen, daß im letzten Akt im „
Eg=
nont‟ Egmont ſein Klärchen dem Schutze ſeines neuen
Freundes Ferdinand mit den Worten anvertraut: „Du
wirſt ſie nicht verachten, weil ſie mein war.”
Nummer 320.
Darmſtadter Tagblatt, Freitag, den 20. November 1914.
Seite 5.
Rotes Kreuz.
(Geöffnet von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends.
Zen=
tral=Abteilung: Rheinſtraße 34, Fernruf 25;
Krankenbe=
förderungs=Abteilung: Rheinſtraße 34, Fernruf 2576;
Materialien=Abteilung: Altes Palais, Fernruf 20;
Liebes=
gaben=Transport=Abteilung: Neckarſtraße 8, Fernruf 2421.)
Wir haben vor einiger Zeit Auskunftsſtellen
für Sendungen ins Feld eingerichtet. Damit
glaubten wir, demjenigen Teil der Bevölkerung zu
die=
nen, der in den Beſtimmungen der Poſt= und
Heeresver=
waltung nicht genügend Beſcheid weiß. Daß hier Hilfe
notwendig und angezeigt war, beweiſt der Umſtand, daß
täglich von Paketen und Sendungen gemeldet wird, die
infolge ungenauer oder ungenügender Adreſſierung ihr
Ziel nicht erreichen. Da aber dieſe Einrichtung ſo gut wie
gar nicht in Anſpruch genommen wurde, ſind wir zu
un=
ſerem lebhaftem Bedauern genötigt, die Auskunftsſtellen
für Sendungen ins Feld von Samstag, den 21. Nov.,
abends 6 Uhr an zu ſchließen. Allen, die uns dabei
unter=
ſtützt haben, insbeſondere denen, die uns die nötigen
Räume gütigſt überließen, ſprechen wir hiermit nochmals
unſeren verbindlichſten Dank aus.
s. Groß=Gerau, 18. Nov. (Die ordentliche
Mit=
gliederverſammlung der Bezirks=
Spar=
kaſſe Groß=Gerau) findet am 25. November zu
Groß=Gerau im Dienſtgebäude der Sparkaſſe ſtatt. Das
87. Verwaltungsjahr (1913) erbrachte einen Reingewinn
von 100 045,51 Mark und ſoll dieſer nach Antrag des
Auf=
ſichtsrats zur einen Hälfte an die geſetzliche Rücklage und
zur anderen Hälfte an die Betriebsrücklage Verwendung
finden. Dem Rechenſchaftsbericht über die Verwaltung
im Jahre 1913 entnehmen wir folgendes: An Kapitalien
floſſen zurück 1956061 M., die Aktivkapitalzinſen
erbrach=
ten 946510 M., an neuen Einlagen ſind zu verzeichnen
3957519 M., an neu ausgeliehenen Kapitalien 3011978
Mark, zurückbezahlte Einlagen 3 181408 M., die
Beſol=
dungen und Penſionen erfordern 22240 M.,
Unterſtützun=
gen und Geſchenke 7613 M., Zuſchuß zum Krankenhaus
10000 M. Das Vermögen der Kaſſe beträgt 23 794646
Mark. Das Guthaben der Einleger in 12095 Konten
beziffert ſich auf 22504 763 M. Hieran ſind die
Bewoh=
ner nachſtehender Orte wie folgt beteiligt: Aſtheim
132 212 M., Bauſchheim 440700 M., Berkach 391 166 M.,
Biebesheim 811688 M., Biſchofsheim 1 467529 M.,
Büt=
telborn 409122 M., Crumſtadt 887454 M., Dornberg
198018 M., Dornheim 472081 M., Erfelden 295779 M.,
Geinsheim 316270 M., Ginsheim 565 424 M.,
Godde=
lau 851 184 M., Griesheim 2253043 M., Groß=Gerau
3034 448 M., Haßloch 34313 M., Klein=Gerau 399 776 M.,
Königſtädten 641398 M., Leeheim 681179 M., Nauheim
646 134 M., Raunheim 508175 M., Rüſſelsheim 1761431
Mark, Stockſtadt 525 442 M., Trebur 1045642 M.,
Waller=
ſtädten 549629 M., Wolfskehlen 312024 M., Worfelden
311 233 M., Mörfelden 1026 301 M., Walldorf 511945 M.,
ſonſtige Orte 1024023 M. Der Durchſchnittsbetrag eines
Sparkontos betrug in 1904 1356 M., in 1913 1861 M. Die
Kaſſe vergütet für Einlagen bis zu jeder Höhe bei
täg=
licher Verzinſung 3½ Prozent. Die geſetzliche Rücklage
wird nach Hinzufügung der Hälfte des Reingewinnes in
1913 die Höhe von 1 162925,83 Mark betragen — 5167
Prozent des Guthabens der Einlagen.
Groß=Gerau, 19. Nov. (In Schutzhaft) befinder
ſich im hieſigen Haftlokale auch ein Kongoneger, der
Tanzkünſtler und Veranſtalter von Vorträgen iſt. Der
ſchwarze Yumbo ſpricht geläufig deutſch.
Biſchofsheim, 10. Nov. (Feuer.) In der Nacht
zum Mittwoch brach in der Hofreite des Adam
Fiſcher VIl., Bahnhofſtraße 3, ein Brand aus. Der
Dachſtuhl der Waſchküche iſt abgebrannt. Die
Entſtehungs=
urſache des Feuers iſt bis jetzt unbekannt.
Steinbuch, 19. Nov. (Liebesgabenſammlung.)
In der letzten Woche wurde hier eine Sammlung von
jLebensmitteln für die Lazarette in Darmſtadt
veranſtaltet. Dieſe Sammlung hatte nun ein ſehr gutes
Reſultat. Nicht weniger als 15 Kiſten und 39 Säcke
gingen nach Darmſtadt ab. Die Kiſten enthielten: Obſt,
Butter, Eier, Latwerge und Gelee; die Säcke: Kartoffeln,
Rüben und Gemüſe. Die Verteilung an die Lazarette
übernahm das Büro des Roten Kreuzes. Die
Samm=
lung iſt ein ſchönes Zeugnis für die Opferwilligkeit der
Bewohner von Steinbuch. Mögen nach andere
Land=
gemeinden dieſem ſchönen Beiſpiel nachfolgen.
Mainz, 19. Nov. (Die Kartoffelverſorgung.)
Da die Landwirte und Händler faſt gar keine Kartoffeln
auf die Märkte mehr ſchicken, hat die ſtädtiſche
Verwal=
tung die Kartoffelverſorgung ſelbſt in die Hand
genom=
men. Es werden auf dem morgigen Wochenmarkte von
der ſtädtiſchen Verwaltung Kartoffeln im Kleinverkauf
abgegeben.
Worms, 19. Nov. (Grober Unfug.) Auf dem
Neumarkt hat heute nacht ein 26 Jahre alter verheirateter
Taglöhner von hier an einem Warengeſchäft eine
Schau=
fenſterſcheibe im Werte von etwa 300 M. vorſätzlich
zer=
trümmert. Gegen den Täter der wegen gleicher Vergehen
ſchon mehrfach vorbeſtraft iſt, wurde Strafverfahren
ein=
geleitet. — (Selbſtmord.) Im Stadtteil Worms=
Pfiffligheim hat ſich ein 48 Jahre alter verheirateter
Schuhmacher durch Oeffnen der Pulsader das Leben
ge=
nommen. Ueber die Gründe iſt noch nichts bekannt.
Religiöſe Schriften für die Verwundeten
und die Feldtruppen.
— Der Zentralausſchuß für die Innere Miſſion der
deutſchen evangeliſchen Kirche zu Berlin hat im Kriege
1870/71 in Verbindung mit der Felddiakonie die Lazarette
und die Feldtruppen mit Büchern und Schriften allein
ver=
ſorgt. Da diesmal die Verſorgung mit Unterhaltungsſtoff
von vielen Seiten zugleich in Angriff genommen iſt, wurde
auf Veranlaſſung des Zentralausſchuſſes für Innere
Miſſion der Geſamtausſchuß zur Verteilung von Leſeſtoff
im Felde und in den Lazaretten gebildet, der ſein
Geſchäfts=
zimmer im Reichstagsgebäude hat. Die mit ihm in
Ver=
bindung ſtehenden Vereinigungen und Bibliotheken haben
bis jetzt rund 600—700000 Bücher und Schriften an die
Soldaten verſandt. So konnte der Zentralausſchuß für
Innere Miſſion von Woche zu Woche mehr auf die
Ver=
breitung von religiöſen Schriften Gewicht legen, nach
denen ſeitens der Soldaten im Felde beſonders große
Nach=
frage iſt. Bisher ſind vom Zentralausſchuß neben den
Unterhaltungsſchriften allein rund 65000 religiöſe
Schriften zur Verteilung gelangt, und zwar in erſter Linie
an die Lazarette und ſeit September immer mehr an die
Feldtruppen. Das Militär=Oberpfarramt in Straßburg,
das ein beſonderes Depot zur Verſorgung der
Feldgeiſt=
lichen errichtet hat, erhielt zunächſt allein 4000 bibliſche
Schriften. Auch an die Lazarette in Belgien ſind viele
Bücher und Schriften geſandt. Außerdem werden an viele
Soldaten und Offiziere im Felde, da ein reiches
Adreſſen=
material vorliegt, regelmäßig Schriften befördert.
Des=
gleichen ſind die Erſatztruppen jetzt mehr als früher in der
Lage, Schriften mit ins Feld zu nehmen. In Verbindung
mit dem Zentralausſchuſſe haben auch viele Landes= und
Provinzialvereine für Innere Miſſion die Verſorgung des
betreffenden Korps in ihrem Bezirk übernommen. Wie
ſehnſüchtig gerade im Felde die religiöſen Schriften
er=
wartet werden und wie jede Sendung mit Freuden begrüßt
wird, möge eine Kartennotiz zeigen, die ein Oberjäger an
den Zentralausſchuß ſchrieb: „Es iſt mir eine große
Freude, Ihre Sendung in Empfang zu nehmen. Bei uns
allen iſt der heiße Wunſch nach Feldgottesdienſten
vor=
handen. Sogar Leute, die nie nach Gottes Wort
Verlan=
gen gehabt haben, hören andächtig unſeren Andachten zu,
die hier und da von Kameraden gehalten werden. Wenn
Sie mir eine größere Sendung von „Gott iſt unſere
Zuver=
ſicht” ſchicken würden, wäre ich Ihnen ſehr dankbar; ich
werde die Loſungen gern zur Verteilung bringen.”
Der Zentralausſchuß für Innere Miſſion bittet die ſeit
Beginn des Krieges übernommene Arbeit, die mit der
Länge des Krieges an Umfang und Bedeutung von Woche
zu Woche zunimmt, mit Büchern, Schriften und
Geldmit=
teln unterſtützen zu wollen. Poſtſcheckkonto des
Zentral=
ausſchuſſes für Innere Miſſion, Berlin NW. 7, Nr. 127/45.
Bahnadreſſe: Berlin=Dahlem, Bahn Berlin-Lichterfelde=
Weſt,
Landwirtſchaftliches.
— Schlachtviehmarkt Darmſtadt.
Schweine=
markt am 18. November. Auftrieb: 63 Schweine. Preiſe
(pro 50 Kilogramm Schlachtgewicht): 1. Qual. 77 Mk.,
2. Qugl. 76 Mk., 3. Qual. 76 Mk. Marktverlauf: flau;
Ueberſtand. — Schweinemarkt am 19. November. Auftrieb:
61 Schweine. Preiſe (pro 50 Kilogramm Schlachtgewicht):
1. Qual. 77 Mk., 2. Qual. 76 Mk., 3. Qual. 76 Mk.
Markt=
verlauf: mäßig; Ueberſtand. — Kälbermarkt am 19.
November. Auftrieb: 126 Schweine, 6 Schafe, 1 Ziege.
Preiſe (pro 50 Kiloaramm Lebendgewicht): 1. Qual. 53
Mark. 2. Qual. 52 Mk., 3. Qual. 50 Mk. Marktverlauf:
lebhaft.
Vermiſchtes.
— „Heimatgrüße an unſere Tapfern im
Felde” verſendet der Evongeliſche Feldpropſt der
Armee monatlich 2—3mal in 500 000 Exemplaren. Es ſind
ſeelſorgerliche Anſprachen von ihm, die unſeren
kämpfen=
den Brüdern draußen ſagen ſollen, wie wir in der
Heimat ihrer in Dank und Fürbitte gedenken, und wie
wir uns deſſen zu ihnen verſehen, daß ſie unter den
ſchweren Mühſalen und Gefahren des Krieges in allen
Stücken fortdauernd als chriſtliche Soldaten ſich erweiſen
we den, auf die das Vaterland mit ſtolzer Freude
blicken kann. Dieſe Heimatgrüße werden, wie Briefe
und Berichte bezeugen, draußen dankbar willkommen
geheißen und von Hand zu Hand weitergegeben. In
den Schützengräben wie in den Lazaretten werden ſie
geleſen und ergänzen ſo oder erſetzen auch einmal das
perſönliche Wort des Seelſorgers. — Außer dieſen
Heima grüßen hat der Evangeliſche Feldpropſt auch
50000 Exemplare der Dr. Conradſchen Schrift „Ein‟
feſte Burg iſt unſer Gott” ausgeſandt und — wie auf
der Innenſeite des Umſchlags zu leſen iſt — den Herren
Offizieren und Unteroffizieren als Heimataruß
über=
mittelt‟ Die Mittel dazu ſind ihm größenteils vom
Evangeliſchen Ober=Kirchenrat zur Verfügung geſtellt
vorden. Auch für dieſe Sendung ſind, wie der Verſeger
Warneck ſchreibt, Dankesbezeugungen zahlreich eingelaufen.
Literariſches.
* W. L. Friedrich, Geſchichte von Nieder=
Ramſtadt, mit einem Beitrag zur Geſchichte
des Mühltals. Darmſtadt, bei H. L. Schlapp. Preis:
1 M. (Mitglieder d. Hiſtor. Vereins beziehen die Schrift
durch die Kanzlei des Staatsarchivs: 60 Pf., einſchl. Porto.)
Der Erlös iſt für Hinterbliebene der Krigesteilnehmer
beſtimmt. — In der Geſchichte dieſer Gemeinde tritt u. a.
bereits im 16. Jahrhundert der ausgedehnte Handel der
darin anſäſſigen Bäcker und Müller hervor, der, ohne ſich
uf die geſamte Umgebung mit Einſchluß der umliegenden
Reichsſtädte zu beſchränken, ſogar bis zu entlegenen
Kriegs=
lagen hinübergriff. So wurden die Truppenlager in
Frank=
furt 1549, vor Metz 1552 (bei der Belagerung dieſer Stadt
durch Kaiſer Karl V.) und vor Straßburg 1592 von der
unternehmenden Gemeinde Nieder=Rimſtadt mit dem
not=
wendigſten Mundvorrat verſehen. Landgraf Georg I. gab
zu Beginn ſeiner Regierung den dortigen Bäckern und
Müllern zum Lohn einen eigenartigen Zunftbrief, den
der Verfaſſer im Auszug vorlegt. Wie nämlich dieſer
neuer=
dings feſtſtellte, verſorgte dieſelbe einmütige Gemeinde die
Feſtung Rüſſelsheim bei Erneuerung der Feſtungswerke
im Jahr 15 0 mit Brot.
Der Krieg.
Vom öſtlichen Kriegsſchauplatz.
Die Schlacht in Ruſſiſch=Polen.
* Wien, 19. Nov. Amtlich wird verlautbart: Die
Schlacht in Ruſſiſch=Polen nimmt einen
gün=
ſtigen Fortgang. Nach den bisherigen Meldungen
machten unſere Truppen 7000 Gefangene und
er=
beuteten 18 Maſchinengewehre und auch meh
rere Geſchütze.
v. Höfer, Generalmajor.
Die gewaltigen Kämpfe im Oſten erſtrecken ſich nun,
wie ſchon aus dem geſtrigen amtlichen Bericht unſerer
Ver=
bündeten hervorging, auf die ganze Front von Eydtkuhnen
bis herab nach Galizien. Nicht nur unſere Truppen ſind
zur ſchneidigen Offenſive übergegangen, ſondern auch die
Oeſterreicher ſind erneut im gewaltſamen ſiegreichen
Vor=
gehen. Beſonders erfreulich iſt die große Zahl an
Gefan=
genen, die die Verbündeten machten, denn daraus geht
am beſten hervor, daß die öſterreichiſch=ungariſchen
Trup=
pen in ihrer Angriffsluſt und Tapferkeit ungeſchwächt
da=
ſtehen. Leider hat dieſer zweite ruſſiſche Vormarſch, der
nun an allen Punkten der gewaltigen Front wohl ſein
Ende gefunden haben dürfte, auch wieder ſchweres Unglück
über unſere ſchon ſo ſchwer geprüfte Provinz Oſtpreußen
ge=
bracht, denn nach neueren Meldungen waren die Ruſſen
bereits bis in die Gegend von Gumbinnen und Angerburg
vorgedrungen. Wir freuen uns daher beſonders darüber
daß dieſe ruſſiſchen Truppenabteilungen zurückgeſchlagen
wurden.
* Berlin, 19. Nov. (W. T. B. Amtlich.) Die
Peters=
burger Meldung über das Vorrücken ruſſiſcher
Truppen gegen Gumbinnen und
Anger=
burg, wie über die Beſetzung von Laugszargen hei
Tauroggen iſt durch die Ereigniſſe überholt.
Die Ruſſen waren vorgegangen, wurden aber
zurückge=
ſchlagen.
von Hindenburgs Anſicht über die Ruſſen.
* Wien, 19. Nov. Der Berliner Korreſpondent der
Neuen Freien Preſſe gibt einen ausführlichen Bericht von
General v. Hindenburg. Der Bericht enthält
charak=
teriſtiſche Schilderungen dieſes Armeeführers und des
Ge=
nerals Ludendorf. Er gibt u. a. Aeußerungen von
Hindenburgs in zwangloſer Unterhaltung bei der
Abend=
tafel wieder. Auf die Frage, welches ſeine Erfahrungen
über das Zuſammenwirken der deutſchen und der
öſter=
reichiſch=ungariſchen Truppen ſeien, ſagte Hindenburg, die
Oeſterreicher und die Ungarn ſind ausgezeichnete Soldaten.
Mannſchaften und Offiziere ſind mutig und tapfer. Wir
kämpfen Schulter an Schulter und ſetzen in den Fortgang
dieſer tagelangen Kämpfe die beſten Hoffnungen. Wir
ſchätzen die Oeſterreicher und Ungarn als vortreffliche
Ka=
meraden. Der Verkehr zwiſchen den Oberkommandos der
verbündeten Armeen bewegt ſich in den angenehmſten
Formen. Gegenwärtig ſtehen wir namentlich in regen
Be=
ziehungen zu General Dankl, dem Führer der erſten Armee,
mit dem wir Fühlung haben.
Ueber die Ruſſen ſagte von Hindenburg
folgen=
des: Die Ruſſen ſind gute Soldaten. Sie halten Diſziplin,
und Diſziplin entſcheidet ſchließlich dieſen Feldzug. Aber
die ruſſiſche Diſziplin iſt etwas anderes, als die deutſche
und die öſterreichiſche und ungariſche Diſziplin. In
un=
ſerem Heer haben wir die Diſziplin des Geiſtes und der
Moral, bei den Ruſſen iſt dagegen die Diſziplin ſtumm und
ſtumpfer Gehorſam. Die Ruſſen haben viel ſeit ihrem
Kriege mit Japan gelernt. Ihre Stärke ſind die
Feldbefeſtigungen, ſie verſtehen es glänzend, ſich
einzugraben. Nun wird es mit dem Eingraben bald ein
Ende haben, wenn die Erde hart friert. Das iſt einer der
Vorteile, die uns ein Winterfeldzug gegen
Ruß=
land bringt. Wenn ſie nicht in die Erde kriechen
kön=
nen, wird es den Ruſſen ſchlecht gehen. Vor der
ruſſi=
ſchen Uebermacht fürchten wir uns nicht. Die Uebermacht
gehört nun einmal zu den hauptſächlichſten Waffen
Ruß=
lands. Bei Tannenberg waren ſie uns gleichfalls
überlegen. Man weiß, was es ihnen genützt hat. Die
Uebermacht iſt nicht das Entſcheidende.
Die Ruſſen ſind mürbe. Alle Anzeichen
deu=
ten darauf hin, daß ſie bald fertig ſind. An
Waffen und Munition beginnt es ihnen zu mangeln. Auch
hungern ſie. Selbſt die Offiziere
erman=
geln der Nahrung. Auch das Land leidet Hunger.
Lodz hungert. Das iſt bedauerlich, doch iſt es gut ſo. Mit
Sentimentalität kann man keinen Krieg führen. Je
un=
barmherziger die Kriegsführung iſt, um ſo beſſer iſt es in
Wirklichkeit, um ſo ſchneller bringt man den Krieg zu Ende.
Gerade an dieſer Art des Krieges haben die ruſſiſchen
Truppen zu tragen, daß ſie bald nicht mehr weiter können.
Der Krieg mit Rußland iſt gegenwärtig vor allem eine
Nervenfrage. Wenn die Deutſchen und die
Oeſter=
reicher und Ungarn die ſtarken Nerven haben und ſie
be=
halten werden — und ſie werden ſie haben und ſie werden
ſie behalten —, ſowerden ſie Sieger ſein.
Die ruſſiſchen Verluſte in der Schlacht
an der Weichſel.
* Petersburg, 16. Nov. Der ruſſiſche
Kriegs=
berichterſtatter Nemirowitſch=Dautſchenko ſendet ſeinem
Blatte aus Warſchau ein viele Spalten langes Telegramm
mit Einzelheiten aus der großen Schlacht an der
Weichſel. Beſonders bemerkenswert ſind die Angaben,
die er über die ſchweren ruſſiſchen Verluſte
machen darf. Er ſpricht von einem 18tägigen
Rin=
gen, das die Scharten aus dem Mandſchureikriege
aus=
wetze. Im Anprall eines zuerſt ſtark überlegenen
Fein=
des hätten ſich Bataillone um Bataillone, Regimenter um
Regimenter geopfert, um hinter ihnen die Organiſation
des ruſſiſchen Rieſenheeres zu ſichern. Durch die
deut=
ſchen Maſchinengewehre ſeien Kompagnien mit ihren
Offi=
zieren weggefegt worden, aber viermal, fünfmal wurden
ſie erneuert, bis der Feind ſeine Munition erſchöpft hatte.
In den Wäldern von Blone und bei Joſefoff reihen ſich
Maſſengräber in langer Ausdehnung aneinander, alles
ſibiriſche Truppen, hundert und mehr Soldaten in
den einzelnen Gräbern. Beſonders verluſtreich für die
ruſſiſchen Truppen war die Erſtürmung von Rakitni,
ſüd=
weſtlich von Warſchau. Die Deutſchen hatten acht Reihen
von übereinanderliegenden Verſchanzungen hergeſtellt. Mit
ſchweren Haubitzen beherrſchten ſie den ganzen Umkreis.
Mit ſtoiſcher Gelaſſenheit ſeien die Sibiriaken in die Hölle
marſchiert, die die tödlichen Geſchoſſe zu Tauſenden
aus=
geſpien habe. Heute noch könne man die deutſchen
Ver=
haue ſehen, dieſes Zickzack von Verteidigungsmaßnahmen,
die die ruſſiſchen Truppen von außen nicht vermuten
konn=
ten. Unter dem mörderiſchen Feuer löſten ſich alle
Ver=
bände, die Offiziere fielen, und jeder Soldat war ſein
eige=
ner Leutnant. Was ſich bei Rakitni abſpielte, wiederholte
ſich bei Eſchoff, bei Pruſſamj und vielen anderen kleineren
Orten, die kein Bericht bisher erwähnte, die aber blutigere
Schlachten ſahen, als ſie bisher in Frankreich ſich
zutru=
gen. Offen gibt Nemirowitſch=Dautſchenko zu, daß es
meiſtens die deutſche Nachhut war, die den
nachdrängen=
den Ruſſen ſtandhielt, zum Teil in natürlichen, zum Teil
in künſtlich geſchaffenen Befeſtigungen. Die ſchweren
deut=
ſchen Geſchütze ſeien derart verſteckt aufgeſtellt geweſen,
daß die ruſſiſche Artillerie ſie nicht finden konnte. Die
deutſche Artillerie habe den ruſſiſchen Batterien ſchwere
Verluſte zugefügt, die meiſten hätten 20 Prozent ihres
Be=
ſtandes verloren. Ein Regiment hatte 22 zerſchoſſene
Ge=
ſchütze.
* London, 19. Nov. (Ctr. Frkf.) Der Times wird
aus Kopenhagen gemeldet, daß die ruſſiſchen
Verluſte der letzten Schlacht auf 40000 bis 50000 Mann
geſchätzt werden.
Eine hochherzige Spende.
* Berlin, 19. Nov. Die Kaiſerin empfing
heute nachmittag eine Abordnung des Vereins
deut=
ſcher Lokomotivführer zur Ueberreichung einer
aus einer Sammlung herrührenden Kriegsſpende
von 120000 Mark. Die Kaiſerin unterhielt ſich
ein=
gehend mit jedem einzelnen und drückte hohe Freude aus
über die reiche Gabe, die zum Teil dem Zentralkomitee
vom Roten Kreuz zur weiteren Einrichtung von
Lazarett=
zügen überwieſen werden ſoll Ein kleinerer Teil ſoll
nach dem beſonderen Wunſch der Spender für die
Notlei=
denden in Oſtpreußen und Elſaß=Lothringen Verwendung
finden.
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. November 1914.
Nummer 320.
Der türkiſche Krieg.
Die türkiſchen amtlichen Berichte.
* Konſtantinopel, 19. Nov. Mitteilung des
Hauptquartiers: In den Kämpfen bei Köprikoej
nahmen die türkiſchen Truppen den Ruſſen außer den
be=
reits gemeldeten noch 5 Maſchinengewehre ab.
* Konſtantinopel, 19. Nov. Amtlicher Bericht
des Hauptquartiers: Seit zwei Tagen greift unſer Heer mit
Macht das ruſſiſche Heer an, das ſeine Stellung in der
Linie Azab=Zazak=Khakab in der Nähe der Grenze
einge=
nommen hat. Mit Gottes Hilfe eroberte unſer Heer
durch einen Bajonettangriff in der Nähe von
Azab viele ſehr ſtark befeſtigte Höhen. Der
Kampf nimmt weiter für uns einen ſehr günſtigen
Verlauf.
Unſere in der Nähe von Batum vorrückenden
Trup=
pen brachten dem Feind eine weitere große
Nie=
derlagebei und beſetzten die Stellungen Zavotlar und
Koura. Wir erbeuteten bei Zavotlar viele ruſſiſche
Ge=
fangene, 6 Offiziere, darunter ein Oberſtleutnant und
ein Hauptmann der Koſaken, ſowie mehr als 100
Sol=
daten. Auch wurden erbeutet 4 Kanonen, 1 Auto,
eine Menge Pferde und viel Lebensmittel. Die
ruſſi=
ſchen Verluſteſindſehrgroß. Die Ruſſen retteten
ſich in regelloſer Flucht in der Richtung auf
Batum.
Unſere Truppen, die auf Aſerbeidſcham
vor=
rückten, hatten am 16. November ein Gefecht mit einer
ſtarken ruſſiſchen Abteilung in der Nähe von
Salmas. Die Ruſſen wurden geſchlagen und
verloren an Toten 2 Offiziere und 100 Mann. Die
Häupt=
linge der perſiſchen Stämme, die bis jetzt noch mit
den Ruſſen gehalten hatten, haben ſich mit ihren Stämmen
mit unſeren Truppen vereinigt.
* Konſtantinopel, 19. Nov. In Trapezunt
zerſtörten die Ruſſen mit ihrem Bombardement das
ruſſiſche Konſulat und verwundeten den noch
an=
weſenden Konſul ſchwer am Bein. Der Konſulatſekretär
und der Kawaß wurden gleichfalls verwundet.
Von dem engliſchen Kreuzer „Glasgow‟
* Berlin, 19. Nov. Die Voſſ. Ztg. meldet aus
dem Haag: Einem Bericht der Central News aus Rio
de Janeiro zufolge iſt die „Glasgow” am Dienstag in
Valparaiſo angekommen mit ſichtlichen Spuren
des jüngſt überſtandenen Kampfes, aber ohne ernſtere
Beſchädigungen.
Zunehmender Rekrutenmangel in England.
* Rom, 19. Nov. Der Londoner Korreſpondent der
Gazetta del popolo ſchreibt: Der Zufluß von
Rekru=
ten in England gehe jetzt derartzurück, daß
eine Reihe von Werbebüros überflüſſig wurden. (Wie
ſoll da die bewilligte zweite Million zuſammenkommen?)
Die Behandlung der Internierten in England.
* London, 19. Nov. (Meldung des Reuterſchen
Büros.) Der amerikaniſche Konſul Swain, der im
Na=
men Deutſchlands und Oeſterreich=Ungarns das
Kon=
zentrationslager von Dorcheſter beſichtigte,
läußerte in einem Interview: Die Internierten
könnten Gott danken, (!) in dieſem Lager
unter=
gebracht zu ſein. Sie ſeien in ſoliden Gebäuden
unter=
gebracht; die ſanitäre Aufſicht führten zwei Inſpektoren,
von denen einer ein Sanitätsoffizier ſei, die regelmäßig
das Lager beſuchten. Jeder neu Aufgenommene werde
ärztlich unterſucht. Jeder Krankheitsfall werde zur
Kennt=
nis der Inſpektoren gebracht. Ernſtlich Kranke würden nach
den Zivilkrankenhäuſern gebracht. Drei junge Männer,
die herzleidend waren, ſeien nach dem deutſchen Hoſpital in
London, das nicht geſchloſſen ſei, übergeführt worden.
Zwei oder drei Internierte hätten ſich nach Privatkliniken
begeben. Die Beköſtigung ſei erheblich beſſer, als wie ſie
die engliſchen Gefangenen in Deutſchland erhielten.
Je=
der Gefangene habe Decken und eine Matratze. Den
jun=
den Leute werde Tages= und Abendunterricht
er=
teilt, der durchſchnittlich von 200 Mann beſucht werde. Für
Unterhaltung, Schach und Kartenſpiel ſeien Säle
bereit=
geſtellt; auch das Fußballſpiel werde gepflegt. Ein
be=
ſonderes Gebäude diene in der Woche als Schule und
Verſammlungslokal, Sonntags als Kirche, ein anderes
Gebäude diene als Muſikſaal. Unter den Internierten
befänden ſich gute Muſiker und Sänger, jeden Abend
fän=
den Vorſtellungen ſtatt. Für Badegelegenheit ſei geſorgt.
Jeder Internierte dürfe wöchentlich zwei Briefe ſchreiben.
In Dorcheſter, wie in den anderen Lagern, beſtehe die
große Schwierigkeit, Beſchäftigung für die Gefangenen
zu finden. (Wir würden uns freuen, wenn die Angaben
richtig wären, aber die engliſche Preſſe und auch das
Reu=
terſche Büro haben ſchon ſoviel zuſammengeſchwindelt,
daß wir vorläufig hinter dieſer Meldung ein
Frage=
zeichen ſetzen müſſen. Andererſeits bezogen ſich die
Kla=
gen über ſchlechte Behandlung der Internierten nur auf
einige beſtimmte Lager.)
Sven Hedin.
* Wien, 19. Nov. Der Präſident der
Geographi=
ſchen Geſellſchaft hat an Sven Hedin ein Schreiben
ge=
richtet, in dem er ſeine Entrüſtung über die Streichung
Sven Hedins aus der Reihe der Ehrenmitglieder der
Pariſer Geographiſchen Geſellſchaft ausſpricht und
mit=
teilt, daß die geſtrige Monatsverſammlung der Wiener
Geographiſchen Geſellſchaft beſchloſſen hat, Sven Hedin
ihre dankbare Anerkennung dafür auszuſprechen, daß er in
wahrheitsgemäßer Schilderung der Sachlage nicht nur in
ſeinem Vaterlande, ſondern in der ganzen Welt
Zeug=
nis abgelegt hat gegen die Flut von Lügen
und Verleumdungen die von den Gegnern
Oeſterrich=Ungarns ſyſtematiſch über Oeſterreich=Ungarn
und ſeine Bundesgenoſſen verbreitet worden iſt. Er
ſpricht zugleich den Wunſch aus, Sven Hedin möchte in
dieſem Winter nach Wien kommen und, wenn möglich, die
politiſchen Verhältniſſe Perſiens und
Afghaniſtans zum Gegenſtand von Vorträgen in der
Geſellſchaft machen.
Italiens Neutralität.
* Zürich, 19. Nov. Nach einer Meldung der Neuen
Züricher Zeitung aus Mailand beſchloß der
Zentral=
vorſtand des über das ganze Land verbreiteten
Land=
arbeiterverbandes, der für die Beteiligung am Kriege
wirkenden Agitation eine energiſche
Gegenagi=
tation für die weitere Beachtung der
unbeding=
ten Neutralität entgegenzuſetzen.
Die Proteſtnote der Neutralen.
* Stockholm, 19. Nov. Das Amtsblatt
veröffent=
licht heute den franzöſiſchen Wortlaut der Proteſtnote
der Regierungen von Schweden, Norwegen und Dänemark
an gewiſſe Kriegführende. Ihr Inhalt iſt hauptſächlich
folgender: Darauf bedacht, die ſtrikteſte Unparteilichkeit zu
beobachten und in der Ausübung ihres Handels von dem
Geiſte vollkommenſter Loyalität gegenüber den
Kriegfüh=
renden erfüllt, glaubten die neutralen Länder, ſich auf die
Unverletzbarkeit der grundlegenden Sätze
des internationalen Rechtes verlaſſen zu
können. Indeſſen haben ſie von Tag zu Tag zu ihrem
Schaden feſtſtellen müſſen, daß Kriegführende das Recht
in Anſpruch nehmen, Grundſätze anzuwenden, die mit
den Intereſſen der Neutralen ebenſo
un=
verträglich ſind, wie mit dem Völkerrecht.
Die gegenwärtige Kriſe wird eines Tages ein Ende
nehmen. Dann werden die kriegführenden Staaten
ſicher=
lich nicht darüber ungehalten ſein, einige derjenigen
Grundſätze noch in Geltung vorzufinden, die ihnen in
der Vergangenheit teuer waren und deren ruhmreiche
Verfechter ſie oft geweſen ſind. Sich der Grundſätze des
Völkerrechtes zu erinnern, heißt das gemeinſame Erbe
der ziviliſierten Nationen bewihren und verhindern, daß
Fortſchritte, die man mehr als hundertjährigen
Anſtren=
gungen verdanke, verfallen.
Die Note führt kurz folgende beſonders wichtige
Punkte an: Das Minenauslegen auf den
gro=
ßen Handelsſtraßen im Meere ohne die
ſchul=
dige Rückſichtnahme auf die Sicherheit der friedlichen
Schiffahrt, das beträchtlichen Schaden verurſacht und ſelbſt
den Verluſt zahlreicher Menſchenleben nach ſich gezogen
hat., Die Freiheit der Meere und das unwandelbare Recht
der Neutralen, die gemeinſamen Straßen zu benutzen,
vermindert und beſchränkt. Ferner führt die Note an:
Die Grundſätze für relative und abſolute
Konterbande, die Grundſätze über Durchſuchung
und Kaperung, die ſeit Jahrhunderten anerkannt ſeien
würden nicht mehr beachtet, was dem geſetzmäßigen
Han=
del beträchtliche Verſpätung und Schaden zufüge.
* Berlin, 19. Nov. Der Lokal=Anzeiger meldet aus
Kriſtiania: Der deutſchgeborene Norweger Arwin
Eigel=
tinger, der Sohn eines hieſigen Großhändlers, iſt als
eutſcher Kriegsfreiwilliger auf dem
weſt=
lichen Kriegsſchauplatz gefallen.
* London, 19. Nov. Einer Meldung des
Reuter=
ſchen Bureaus zufolge iſt die Unterbringung der
Kriegsanleihe von 350 Millionen Pfund Sterling
bereits geſichert. Eine große Anzahl von Zeichnern hätte
den ganzen Tag über Voranmeldungen bei der Bank von
England eingereicht.
* Kriſtiania, 19. Nov. Die japaniſche Geſandtſchaft
teilt mit, daß die Blockade von Kiautſchou am
10. November infolge der Okkupation durch japaniſche
Streitkräfte aufgehoben worden iſt.
Letzte Nachrichten.
* Berlin, 19. Nov. (Amtlich.) In der heutigen
Bundesratsſitzung gelangten zur Annahme: Der
Entwurf einer Bekanntmachung über das Verbot des
Handels mit in England abgeſtempelten Wertpapieren,
der Entwurf einer Verordnung betreffend Tagegelder
und Fuhrkoſten für Sachverſtändige der nach dem Geſetze
über die Kriegsleiſtungen vom 13. Juni 1873 zu
bilden=
den Schätzungskommiſſion, ferner die Vorlage
be=
reffend Aenderung der Beſtimmungen zur Ausführung
des Weingeſetzes.
Weihnachten im Felde.
Die heimatliche Poſt nimmt in der Zeit vom 23.
bis 30. November Pakete bis einſchließlich 5
Kilo=
gramm für unſere Soldaten im Felde an und befördert
ſie bis zu dem zuſtändigen militäriſchen Paketdepot in der
Heimat. Das Porto beträgt 25 Pfg. Bei den
militäri=
ſchen Paketdepots kann auch unmittelbar von Abſendern
portofrei aufgegeben werden. Die Pakete werden von den
militäriſchen Paketdepots geordnet und über die
militäri=
ſchen Sammelſtationen an die Etappenhauptorte geſandt.
Hier werden ſie von den Etappenbehörden übernommen,
verteilt und der Truppe zugeführt.
Die Verſendungsbedingungen für
Weih=
nachtspakete ſind folgende:
1. Höchſtgewicht 5 Kilogramm; Wert= und
Einſchreib=
pakete unzuläſſig.
2. Leicht verderbliche Waren (z. B. Weintrauben,
fri=
ſches Fleiſch) dürfen nicht beigepackt werden; ebenſo wenig
feuergefährliche Gegenſtände (Streichhölzer,
Benzinfeuer=
zeuge).
3. Die Verpackung muß feſt und dauerhaft und
gegen Näſſe widerſtandsfähig ſein. —
Papp=
kartons ſind mit Leinwand zu umnähen. Leicht
zerdrück=
bare Waren (z. B. Obſt, Pfefferkuchen, Flüſſigkeiten) ſind
nur in Kiſten zu verpacken. Es yird ausdrücklich betont,
daß die Pakete nicht nur einen wochenlangen Transport
aushalten müſſen, ſondern auch zeitweiſe einem
beträcht=
lichen Druck ausgeſetzt ſind, da ungefähr 3000 Pakete in
einem Eiſenbahnwagen verpackt werden müſſen. —
Un=
genügend verpackte Pakete werden von der
Weiterbeför=
derung ausgeſchloſſen, falls ſie verſehentlich angenommen
worden ſind.
4. Der Anbringung der Adreſſe iſt beſondere
Aufmerkſamkeit zuzuwenden. Bei Kiſten wird die Adreſſe
am beſten mit Tinte oder Farbe auf den Deckel
geſchrie=
ben. — Bei in Leinwand genähten Paketen muß die
Adreſſe aufgenäht werden; zweckmäßig ſind dazu die im
Handel zu habenden Paketadreſſen aus Leinwandpapier,
mit dem üblichen Vordruck für Feldpoſtſendungen. Neben
dieſen aufgeſchriebenen bezw. aufgenähten Adreſſen iſt auch
die Befeſtigung der Adreſſen durch Anhänger aus Leder
oder Leinwand empfehlenswert. Das Aufkleben der
Adreſſe mit Gummi, Leim oder Kleiſter iſt zu vermeiden,
weil derartige Adreſſen durch Regen abgeweicht und von
Mäuſen während der Lagerung in den Paketdepots und
auch auf dem Transport abgefreſſen werden können.
5. Die Beſchreibung der Adreſſe. Die Truppen im
Felde ſind mehrfach und nachdrücklich darauf hingewieſen
worden, ihren Angehörigen ihre richtige Feldadreſſe
mit=
zuteilen. Es wird dringend davor gewarnt, Aenderungen
an dieſen mitgeteilten Adreſſen vorzunehmen. Bei der
Abfaſſung der Adreſſen ſind folgende Punkte zu beachten:
a) ob der Truppenteil des Empfängers einem Armeekorps
oder einem Reſervekorps oder einem Landwehrkorps
an=
gehört. In dieſem Falle muß der Adreſſe ſtets das
be=
treffende Korps und das dazu gehörige Paketdepot zuge=
fügt werden. Welches Paketdepot zugehörig iſt, ergibt ſich
aus der am Schluſſe beigefügten Liſte.
Beiſpiel für ſolche Adreſſen!
Grenadier Ernſt Müller, 5. Kompagnie,
Infanterie=Regiment 7,
9. Infanterie=Diviſion,
5. Armeekorps,
Paketdepot Glogau.
Reſerviſt Franz Schmidt, 2. Kompagnie,
Reſerve=Jäger=Batl. 8
5. Reſerve=Diviſion,
3. Reſervekorps,
Paketdepot Brandenburg a. H.
b) ob der Empfänger einem Truppenteil angehört,
der weder einem Armeekorps noch einem Reſervekorps,
noch einem Landwehrkorps angehört. In dieſem Falle
muß die Adreſſe außer dem Truppenteil noch die
betref=
fende Armee bezw. die Etappeninſpektion enthalten. Ein
Paketdepot darf nicht angegeben werden.
Die unter b) aufgeführten Sendungen werden durch
die Poſtanſtalten an beſtimmte Paketdepots geſandt, deren
Orte zwiſchen der Heeresverwaltung und dem
Reichspoſt=
amt vereinbart ſind.
Beiſpiele für ſolche Adreſſen ſind:
Dragoner Heinz, Dragoner=Regiment 4, 5.
Ka=
vallerie=Diviſion, 10. Armee.
Gefreiter Auguſt, Flieger=Abteilung I, 1. Armee.
Unteroffizier Weiß, Etappen=Feldbäckerei=
Ko=
lonne 4. Etappen=Inſpektion der 3. Armee.
Hauptm. Schmidt, Eiſenbahnbau=Kompagnie 14,
Militär=Eiſenbahn=Direktion 3.
Leutnant Schwarz, Pionier=Belagerungstrain des
Pionier=Regiments 20, 5. Armee.
(Jeder Adreſſe iſt hinzuzufügen: Gehört keinem
Armee=, Reſerve=, Landwehr=Korps an.)
Abkürzungen jeder Art ſind verboten, da ſie nicht nur
aufhalten, ſondern auch zu Irrtümern Anlaß geben. Bei
der letzten Paketauflieferung wurde u. a. folgende Adreſſe
vorgelegt: E. K. K. 4. Fl. 3, das ſollte heißen: Etappen=
Kraftfahr=Kolonne 4, Fleiſchkolonne 3. Pakete mit ſolchen
Aufſchriften werden zurückgewieſen oder nicht weiter
be=
fördert. Auf jeder Adreſſe iſt der Abſender zu
ver=
merken.
6. Die Pakete ſind mit Begleitadreſſe
aufzulie=
fern. Auf dem Abſchnitt dieſer Begleitadreſſe dürfen
keine Mitteilungen gemacht werden, da dieſe
Begleit=
adreſſen als Belege bei den Poſtanſtalten und Paketdepots
verbleiben.
7. Die Verſendung erfolgt auf Gefahr des Abſenders.
Erſatzanſprüche können weder bei der Poſt, noch bei der
Heeresverwaltung erhoben werden. Sollten die
Empfän=
ger beim Eintreffen der Pakete — weil verwundet, ge= oder vermißt — ſich nicht mehr beim Truppenteil
befinden, ſo werden ſolche Pakete zum Beſten des
be=
treffenden Truppenteils verwendet. Ebenſo werden
Pa=
kete, die infolge falſcher oder ungenügender Adreſſe
nicht=
beſtellt werden können, den Truppenteilen zur
Verwen=
dung überlaſſen. Eine Rückſendung findet in beiden Fällen
nicht ſtatt.
8. Pakete, die beim Paketdepot eingeliefert worden
ſind, können nicht wieder zurückverlangt werden; ebenſo
wenig kann den Anträgen auf nachträgliche Berichtigung
oder Aenderung der Adreſſen nachgegeben werden.
Verzeichnis der Paketdepots:
In zweifelhaften Fällen wollen die Abſender ſich Rat
bei unterrichteten Perſonen oder bei den Poſtanſtalten,
vor Abfaſſung der Adreſſe, holen. Es ſind zu ſenden:
Für Angehörige derjenigen
Trup=
nach dem
penteile, die dem Verbande der nach=
Paketdepot=
ſtehenden Korps angehören
Rerlin
Gardekorps Garde=Reſervekorps
Königsberg i. Pr. . 1. Armeek. 1. Reſ.=Korps
Stettin
Brandenburg (Hav.)
3.
4.
Magdeburg
5.
Glogau
6.
Breslau.
7.
Düſſeldorf
8.
Coblenz
8./
„
9.
9.
Hamburg
Hannover
10.
10.
11.
Caſſel
11.
12. „ (Kgl. Sächſ.)
Dresden
12.
13.
13. „ (Kgl. Würt.)
Stuttgart .
14.
14.
Karlsruhe.
15.
15.
Straßburg i. C
16.
Metz
16.
17.
Danzig.
17.
Frankfurt a. M.
18.
(Darmſtadt?) 18.
19.
Leipzig.
19. „ (Kgl. Sächſ.)
20.
Elbing
20.
Mannheim
21.
21.
22.
Berlin
22.
23.
Stettin
23. „
24.
24.
Magdeburg
25.
Glogau
25.
26.
26.
Caſſel
Dresden
27.
27.
Stuttgart
28.
Königsberg i. Pr. . 28.
Brandenburg a. H. 29.
29.
30.
30
Düſſeldorf
31.
Breslau
31.
32.
32.
Coblenz
33.
33.
Hannover
34.
Karlsruhe i. B.
34.
35.
35.
Straßburg i. E.
36.
36.
Metz
37.
37.
Danzig
Frankfurt a. M. . 38.
38.
39.
Leipzig .
39. „ (Kgl. Sächſ.)
40.
Elbing . .
40.
41.
Mannheim
41.
Glogau
42.
42.
Stuttgart
43.
43.
(Kgl. Würt.)
München .
Kg. Bay. 1. Armeek. Kg. Bay. 1. Reſ.=K.
Würzburg
Nürnberg .
3.
München
Nürnberg
5.
5. „
Breslau
. Landwehrkorps
Hamburg
Marinetruppen in Belgien u. belgiſche
Beſatzungstruppen
Coblenz
Eiſenbahn=Formationen u. Kolonnen
für den weſtlichen Kriegsſchauplatz
Breslau
Eiſenbahn=Formationen u.=Kolonnen
für den öſtlichen Kriegsſchauplatz.
) Nur für die Großherzoglich Heſſiſchen Truppen.
Nummer 320.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. November 1914.
Seite 7.
Verwundete und kranke Soldaten
in Darmſtädter Lazaretten.
Mitgeteilt vom Heſſiſchen Landesverein vom Roten Kreuz.
Die Lazarette ſind ourch die nachſtehenden Buchſtaben
bezeichnet.
A — Alicehoſpital, Dieburger Straße 21. Täglich 3—4 Uhr nachm.
B — Diakoniſſenhaus Eliſabethenſtift, Erbacher Straße 25. Täglich 2—4 Uh
nachm. — C — Eleonorenheim (Lazarett J. K. H. der Großherzogin.
Hein=
heimerſtraße 21) Sonntags, Dienstags, Mittwochs und Freitags von
4—6 Uhr nachm. D — Ernſt=Ludwig=Heilanſtalt (Dr. Loſſen).
Stein=
ſtraße 21. Täglich 2—5 Uhr nachm. — E — Garniſonlazarett (Reſ.=Laz. I),
Alexanderſtraße 27. Mitt ochs und Sonntags von 2—4 Uhr nachm. —
F — Haus Hagenburg, Dieburger Straße 241 (Hirichköpfe.) Täglich
3—6 Uhr nachm. — G — Dr. Machenhauerſche Klinik, Lagerhausſtraße 24.
Täglich 2—4 Uhr nachm. — H — Marienhöhe (Geneſungsheim).
Täglich 10—12 Uhr vorm., 4½— 6½ Uhr nachm. — I — Schweſternhaus der
Barmherzigen Schweſtern, Nieder=Ramſtädter Straße 30. Nachmittags von
2—4 Uhr. — K — Städtiſches Krankenhaus, Grafenſtraße 9. Werktäglich
2—3½ Uhr nachm., Sonntags 11—12 Uhr vorm. — L — Städt. Saalbau
(ebenfalls Reſ=Laz. I), Riedeſelſtraße 40. Mittwochs, Samstags und
Sonn=
tags von 2—4 Uhr. — M — Techniſche Hochſchule (Reſ.=Laz. II), Hochſchulſtr. 1.
Sonntags, Mittwochs und Samstags von 2—4 Uhr nachm. — N — Klinik
Dr. Ollendorff (Weberſche Augenklinik), Frankfurter Straße 42. Täglich
10—12 Uhr orm., 2—4 Uhr nachm. — O — Vereinslazarett vom Roten
Kreuz, Olbrichweg 10, „Vereinslazarett Mathildenhöhe‟. Täglich 3—4 Uhr
nachm. — P — Ererzierplatz (Reſ.=Lazarett III), Mittwochs und Sonntags
von 2—4 Uhr nachm.
Hinter jedem Lazarett ſind die Beſuchszeiten angegeben,
die nach Möglichkeit einzuhalten ſind. Ausnahmen werden
zugelaſſen.
Zugang vom 15. und 16. November:
Albert, Auguſt, Roßdorf, Inf. 115/4, P — Ande,
Jo=
hann, Züſchen, Landſturm=Bat. 43/1, K — Aſtheimer,
Heinrich, Griesheim bei Darmſtadt, Pion. 25/2, K
Bangert, Oberoſtern, Reſ.=Inf. 118/5, D — Beck, Karl,
Gelnhaar, 3. Landſt.=Esk. 23, B — Bienhold, Herm., Kiel,
K — Binnenkamp, Bernh., Ankune, Landw.=Inf. 73/9, K
— Böhm, Karl, Freiberg (Sachſ.), Landw.=Inf. 74/2, K
— Böhme, Max, Seifersbach, K — Braun, Georg,
Er=
felden, J.=R. 118/5, L. — Buckmann, Wilhelm,
Bürger=
feld, Landw.=Inf. 73/10, K — Buſſer, Peter Ed.,
Froſch=
hauſen, Erſ.=Bat., 2. Komp., P — Daum, Heinrich, Mainz,
Inf. 143/1, K — Dell, Georg, Mannheim, Ldſt.=Erſ.=Bat. 2,
Darmſtadt, P — Deusborn, Peter, Metterich, K — Dequis,
Jakob, Reichelsheim, Ldſt.=Bat. Erbach, P — Diſcher,
Georg, Kettenheim, Inf. 115/2, K — Dölp, Rimbach,
Ldſt.=Bat. Erbach, P — Dörr, N., Wemetsweiler, J. 138/8, P
— Düringer, Heinrich, Worms, B — Eckardt, Jakob,
Koſt=
heim, Inf. 115/1, P — Fiſcher, Adolf, Eberſtadt, Inf.
115/8, L. — Flick, Adam, Günderfürſt, Reſ.=Inf. 118/5, L.
— Forg, Ph., Alzey (Rheinh.), Train 18, L. — Franz,
Otto, Riebesheim, Erſ.=Fl.=Abt. 3, L. — Friedrich,
Wil=
helm, Rimhorn, Ldſt.=Bat. Erbach, P — Fuhr, Mich.,
Bonsweiher, Ldſt.=Bat. 4 Erbach, T — Gänzler, Ph.,
Jugenheim, Art. 25/3. Erſ.=Batt., E — Geiſt, Joh.,
Hel=
persheim. Inf. 115/2, E.=K., K — Gentſch, Albert,
Hohen=
heida, Erſ.=Train 16/3, T — Geſing, Joſeph, Willem,
Art.=Dep., K — Gisbert, Phil., Gabsheim, Inf. 116/9, T
— Gräwis, Leo, St. Nabor, Inf. 115/6, L. — Grimm,
Joſeph, Zellhauſen, Landw.=Feldart. 27, P — Glunz,
Oskar, Immendingen, Reſ.=Inf. 116/4, D — Glock, Emil,
Darmſtadt, Reſ.=Inf. 81, L. — Guttmann, Adolf,
Frank=
furt a. M., Erſ. 115/1, P — Hahnenkamp, Gerh. Marx,
Ldw.=Inf. 73/9, K — Hauf, Nikolaus, Viernheim, Ldſt.=
Bat. Erbach, P — Haxl, Chriſtoph, Wiesbaden, L.=B. 3, L.
— Heil, Richard, Ober=Mörlen, P — Helbig, Valentin,
Viernheim, Ldſt.=Bat. Erbach, P — Hennig II., Heinrich,
Hohenzell, Erſ.=Bat. Ldſt. 3/4, P — Hinrichs, Hermann,
Bredenborn, Ldw.=Inf. 73/10, K — Hinterſcheit, Herbert,
Hellenthal (Rheinprov.), Erſ.=Fl.=Abt. 3, E — Hoffmann,
Wilhelm, Ober=Ramſtadt, K — Horn, Joh. Leonh.,
Wei=
tengeſäß, Ldſt.=Bat. Erbach, P — Janſen, Joh., Goddelau,
Inf. 30/3, L. — Kabel, Konrad, Kordelshütte, Ldſt.=Bat.
Erbach, P — Keller, Peter, Boden, Ldſt.=Bat. 5,
Darm=
ſtadt, P — Kindel, Hermann, Ober=Buſchkan, Ldw.=Inf.
20/7, Spandau, K — Kiren, Jakob, Flasdorf, Inf. 173/7,
P — Kloos, Juſtus, Gailshauſen, Reſ.=Drag. 4/1, L.
Körbel, Heinrich, Schlierbach, Erſ.=Bat. 115/1, P —
Krä=
mer, Friedrich, Darmſtadt, Reſ.=Fußart. 3/1, B — Lapp,
Karl, Mühlinghauſen, Train=Abt. 18/3, P — Laub,
Jo=
hann, Sandbach, Reſ.=Inf. 118/5, D — Liebich, Heinrich,
Pfungſtadt, Inf. 168/10. P — Linde, Richard, Linden,
Ldw.=Inf. 74/4, K — Lindenbaum, Karl, Ramlow, Erſ.=
Bat. 35/4, K — Marquardt, Herm., Golm, K — Marx,
Adolf, Schmitten i. T., Train=Erſ.=Bat. 18/3, P — Mayer,
Siegm., Alsheim, Ldw.=J.=R. 118, P — Meiſinger,
Phi=
lipp. Pfirſchbach, Reſ.=Inf. 118/5. D — Menke, Herm.,
Nande, Ldw.=Inf. 74/7, K — Meſſe, Georg, Hauſen, Inf.
115/2. B — Meter, Rudolf, Freiburg i. Br., Garniſ.=Bäck.
18. A.=K., P — Mieſch, Joſ., Oberhorchheim, San.=Komp.
18. A.=K., P — Müller, Franz, Kilianſtädten, Ldſt.=Erſ.=
Bat. 2 Darmſtadt, P — Müller, Karl, Güſtrow, Reſ.=Art.
46/2, K — Nack, Peter, Heppenheim, Ldſt.=Bat. Esk. 2, P
— Olt, Wilhelm, Hainarund, Ldſt.=Bat. Erbach, P
Ottermann, Joſ., Schmitten i. T., Ldſt.=Bat. 3/1, P
Pfannſchmidt. Karl, Darmſtadt, P — Prüll, Heinrich, Zetel,
Ldw.=Inf. 7/12, K — Rehm. Gg., Dieburg, Train 18, L
— Roth, Hans, Worms. Erſ.=Inf. 115/2. Rekr.=Dep., E
— Röder. Anton, Mühlheim, Inf. 115/4, P — Rumpe,
Martin. Roſenheim, J.=R. 115/6, D — Seip, Heinrich,
Gammelsbach, 2. Erſ.=Bat. 5/2, P — Siefert, Joh.,
Viel=
brunn, Reſ.=Inf. 118/5. D — Siensalüß, Fritz,
Weſten=
dorf, Ldw.=Inf. 78/6. K — Spatz. Georg, Erbach, Reſ.=
Inf. 118/5. D — Sulzbach. Friedrich Karl. Steinbach,
Ldſt.=Bat. Erbach, P — Schäfer, Philipp, Wolfskehlen,
J.=R. 115/2. L. — Schloſſer, Heinrich, Elpenrod. Inf. 115/3,
P — Schmalzel. Adam. Herbſtein, 2. Ldſt.=Erſ.=Bat., 4.
Komp., P — Schmitt, Phil., Mackenheim, Ldſt.=Bat.
Er=
bach, P — Schneider, Friedrich, Balzel, K —
Schweibur=
ger, Alois. Trasham. Ldſt.=Bat. Erbach, P — Steinert,
Oswald, Chemnitz, K — Stelter, Emil, Zetel, Ldw.=Inf.
73/10, K — Trivvel. Konrad, Großenhauſen. 3. Ldſt.=Bat.,
P — Waaner, Friedrich. Darmſtadt, Ldw.=San.=Komp., L.
— Zachow. Karl. Parchim. Drag. 18, Erſ.=Esk., P — Zahn,
Michael, Gau=Bickelheim, Train=Abt. 18/3, P — Zertzinski,
Oswald. Kronc, K.
Weterbericht.
Das Gebiet hohen Luftdrucks hat ſich ziemlich
ver=
flacht, während über der Nordſee und im Nordweſten
eine Depreſſion erſchienen iſt, die ſich raſch ſüdwärts
vor=
lagern dürfte. Es ſteht ſonach ein Wetterumſchlag bevor.
Auf der Vorderſeite der Depreſſion treten Trübung,
Er=
wärmung und Niederſchläge ein.
Wetterausſichten für Freitag: Bedeckt, zeitweiſe
Schnee=, ſpäter Regenfälle, mild, ſüdweſtliche Winde.
Im Krieg und Frieden
gebraucht man gegen Huſten und Heiſerkeit
Eutol=Bonbons
Doſe 30 Pfg. Feldpoſtkarton 65 Pfg.
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2. bei Rekonvaleszenz und
Schwäche-
zuständen aller Art
3. bei Magen- und Darmleiden
4. bei Lungenleiden
5. bei Bleichsucht und Blutarmut
6. bei Kinderkrankheiten
7. bei Frauenleiden
8. bei Ernährungsstörungen
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Wöchnerinnen.
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Feldpoſt=Beſtellungen
auf das
Darmſtädter Tagblatt
werden in unſerer Geſchäftsſtelle ſowie von
jeder Poſtanſtalt entgegengenommen.
Darmſtädter Tagblatt.
Gotiesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 20. Nov. Vorabendgottesdienſt 4 Uhr
30 Min.
Samstag, den 21. Nov. Morgengottesdienſt 8 Uhr
45 Min. Sabbatausgang 5 Uhr 25 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religians=
geſellſchaft.
Samstag, den 21. Nov. Vorabend 4 Uhr 5 Min.
Morgens 8 Uhr.
Nachmittags 4 Uhr.
Sabbataus=
gang 5 Uhr 25 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 22. Nov., an:
Morgens 6 Uhr 45 Min. Nachmittags 4 Uhr.
Statt besonderer Anzeige.
Am 8. November erlitt den Tod fürs Vaterland mein inniggeliebter,
hoffnungsvoller Sohn, mein lieber Bruder und Neffe
Waldemar Rummel
Einjährig-Gefreiter im Königl. Bayer, Infanterie-Regt. Nr. 19.
In tiefer Trauer:
Anna Rummel, geb. Grossmann,
Norbert Rummel.
Ludwig Rummel, Bankier.
Darmstadt, den 19. November 1914.
Allen Verwandten, Freunden und
Kameraden die ſchmerzliche
Mit=
teilung, daß mein lieber Neffe
Cand. med.
Waldemar Rummel
Einjährig-Gefreiter im 19. Bayer. Inf.-Regt.
am 8. November 1914 den
Helden=
tod fürs Vaterland fand. (*5754
In tiefer Trauer:
Ludwig Rummel, Bankier.
Darmſtadt, 19. November 1914.
Anfang November erlitt den Heldentod
für ſein Vaterland mein innigſtgeliebter einziger
Sohn, unſer lieber Bruder
Oberlehrer
Dr. Otto Schaffner
Offizier-Stellvertreter im Grenadier-Regt. 2.
Frau L. Schaffner Ww.
Marie Fiſcher.
Eliſabeth Zeh.
Anna u. Lotti Schaffner,
Prof. Dr. Wilh. Fiſcher, z. Zt. j. Felde.
Phil. Beh.
Darmſtadt, den 19. November 1914.
Heinrichſtraße 156.
(*9696
Site 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. November 1914.
Nummer 320.
Todes=Anzeige.
Am 23. Oktober erlitt auf Frankreichs Erde
den Heldentod fürs Vaterland mein heißgeliebter
Gatte, der treubeſorgte Vater unſeres Kindes,
unſer innigſtgeliebter Sohn, Bruder, Schwager
und Onkel
Gearg Bohl
Wehrmann im Reſ.=Inf.-Regt. 116, 4. Komp.
(*9709
im Alter von 35 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Sophie Bohl geb. Meinhardt
nebſt Sohn.
Familie Jakob Bohl.
Familie Ernſt Danz.
Familien Georg, Adam u. Philipp
Meinhardt.
Klara Meinhardt.
Arheilgen, Weiterſtadt, den 19. Nov. 1914.
Todes=Anzeige.
Verwandten und Bekannten hiermit die
ſchmerzliche Mitteilung, daß geſtern meine liebe
Frau, unſere treubeſorgte Mutter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
Wilhelmine Moll
geb. Geyer
nach langem Leiden ſanft verſchieden iſt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
W. Möll, Rößlerſtr. 81.
Darmſtadt, den 19. November 1914.
Die Beerdigung findet Samstag nachmittag
3 Uhr vom Leichenhaus des Beſſunger Fried=
(21520
hofes aus ſtatt.
Am 2. November erlitt den Heldentod fürs
Vaterland in Frankreich unſer lieber Sohn,
(*9748
Bruder und Enkel”
Georg Benkendörfer
Bäcker
im 21. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen:
J. Heinrich Wagner, Schreinermeiſter
Heinheimerſtraße 59.
Den Ehrentod erlitt am 20. Oktober unſer
lieber Sohn, Bruder und Schwager (*9685
Ludwig Koch
Infanterie-Regiment Nr. 168
im Alter von 21 Jahren auf Frankreichs Boden.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Georg Koch, Zimmermann.
Darmſtadt (Gardiſtenſtr. 18), 16. Nov. 1914.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem mich betroffenen Verluſt meiner lieben
Braut, für die überaus zahlreichen Blumenſpenden,
ſowie den Schweſtern im Städtiſchen Krankenhaus
für die liebevolle Pflege, ſage ich auf dieſem Wege
(B21528
meinen beſten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Steinmann.
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
meinen innigſtgeliebten, herzensguten Mann,
unſeren guten Vater, Bruder, Schwager,
Schwiegerſohn, Onkel und Neffen
Herrn Joh. Gompf
Eiſenbahnſekretär
nach längerem, ſchwerem Leiden im 53.
Lebens=
jahre durch einen ſanften Tod zu erlöſen.
In tiefer Trauer:
Eliſabethe Gompf, geb. Diehl
und Kinder.
Darmſtadt, den 19. November 1914. (B21542
Die Beerdigung findet Samstag, den 21. Nov.,
nachm. 2¼ Uhr, auf dem Beſſunger Friedhof
ſtatt; die Einſegnung eine Viertelſtunde vorher.
Meselelander
Freitag, 20. November.
Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr, Ende nach 10
Uhr (Ab. D): „Der Zigeunerbaron”.
Vortrag von Profeſſor Dr. Kollmann um 8½ Uhr im
Reſulurant Sitte.
Städtiſches Hallenſchwimmbad, Mühlſtraße
Nr. 33 (geöffnet an Werktagen von 8 Uhr vormittags
bis 8 Uhr abends, Samstags bis 8½ Uhr, Sonn= und
Feiertags von 8—12½ Uhr).
Gewerbebibliothek (Bibliothek,
Vorbilderſamm=
lung und Patentſchriftenauslegeſtelle) geöffnet Werktags
von 9—12½ und 3—6 Uhr, ausgenommen Samstag
nachmittags.
Druck und Verlag: L. C. =Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Kurt Mitſching; für den
Anzeigen=
teil, Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem
Ge=
ſchäftsleben: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. — Für
den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an
die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen nachträgliche
wer=
den nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden
nicht zurückgeſandt.
die neueſte Nummer der
Wochen=Chronik
monatlich 20 Pfennig
(einzelne Nummer 5 Pfennig)
erſcheint Dienstag. Beſtellungen nehmen unſere Geſchäftsſtelle, unſere Trägerinnen, ſowie unſere Agenturen
und ſämtliche Poſtanſtalten entgegen, die letzteren unter der Bezeichnung Darmſtädter Tagblatt Ausgabe B.
Die neueſte Nummer enthält unter anderem wiederum eine Reihe
hochinter=
eſſanter, aktueller Bilder vom weſtlichen und öſtlichen Kriegsſchauplatz:
Große Wäſche an einem Ruhetag.
Die Türkei ſchlägt los!
(Eine Reihe intereſſanter Bilder aus der Türkei).
die polniſche Legion.
Eine Anzahl Bilder vom weſtlichen
und öſtlichen Kriegsſchauplatz.
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[ ← ][ ][ → ]Nr. 133.
Freitag, 20. November.
1914.
Bekanntmachung.
Am 21. November d. Js. wird von 11 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags
und am 24. d. Mts. von 11 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags auf dem Truppen=
mit Inlanterie=Mumition ſcharf geſchofen werden. Die Abſperung
er=
ſtreckt ich bis zum Landgraben.
Darmſtadt, den 19. November 1914.
(21537
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Starck.
Verhütung von Feuersgefahr.
Nach § 368 des Reichsſtrafgeſetzes wird derjenige mit Geldſtrafe
bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft, der es
unter=
läßt, dafür zu ſorgen, daß die Feuerſtätten in ſeinem Hauſe in
bau=
lichem und brandſicherem Zuſtande unterhalten, oder daß die
Schorn=
ſteine zur rechten Zeit gereinigt werden. Im Falle der Entſtehung
eines Brandes kann auf Gefängnisſtrafe erkannt werden. Wir ſehen
uns veranlaßt, auf die Beſtimmungen um deswillen beſonders
hin=
zuweiſen, weil wiederholt Brände dadurch entſtanden ſind, daß bei
dem Verſetzen von Oefen und Herden in andere Räume die dabei
außer Benutzung gekommenen Rauchrohröffnangen der Schomſteine
entweder gar nicht, oder nicht mit feuerſicherem Material, ſogar mit
leicht entzündlichem Material (Papier, Lumpen u. dergl.) verſchloſſen
worden ſind.
(20894fff
Darmſtadt, den 2. November 1914.
Das Baupolizeiamt.
Steinberger.
erter ete ete e en
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
findet ſich: 1 deutſcher Schäferhund, 1 Windhund. 1 Jagdhund (
zu=
gelaufen), Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=
Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten
Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vorm. 10 Uhr, ſtatt. (21520
Unterbringung und Beſchäftigung der hier
zugewieſenen Schleſier.
Der Stadt Darmſtadt ſind etwa 5000 junge Schleſier zum
vor=
übergehenden Aufenthalt zugewieſen worden.
*Darunter befinden ſich Schüler höherer Lehranſtalten, die
wäh=
rend des Aufenthalts hieſige höhere Schulen beſuchen ſollen. Es wäre
erwünſcht, dieſe iungen Leute in Darmſtädter Bürgerquartieren,
mög=
lichſt unentgeltlich, unterzubringen. Ich bitte um gefällige Mitteilung,
wer von der hieſigen Einwohnerſchaft bereit iſt, ſolchen jungen Leuten
für die Zeit ihres Hierſeins unentgeltliche Aufnahme zu gewähren.
Der weitaus größere Teil dieſer Schleſier gehört dem
Arbeiter=
ſtand an und wäre deren Beſchäftigung ebenfalls dringend erwünſcht.
Ich fordere die hieſigen Gewerbetreibenden, insbeſondere die Innungen
auf, ſofern und ſoweit ſie ihren Arbeiterbedarf nicht mit hieſigen
Leuten decken konnten, den Bedarf von Arbeitskräften bei mir
an=
zumelden, damit ihnen paſſende Arbeitskräfte aus den Reihen der
jungen Schleſier zugewieſen werden können.
Darmſtadt, den 19. November 1914.
(21521fs
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.
Schleſier.
Es iſt behördlich angeordnet worden, daß alle hier
eingetroffe=
nen Schleſier ärztlich unterſucht werden. Bei einem Teil iſt dies
bereits geſchehen.
Ich beſtimme hiermit, daß, wer noch nicht unterſucht iſt, ſich
Freitag, den 20. November, mittags von 2 Uhr an, in den
großen Quartieren:
Schule am Ballonplatz, Schule in der Müllerſtraße,
Peſtalozziſchule, Schule in der Rundeturmſtraße, Schnle
in der Landgraf Georgsſtraße, Ludwigshalle —
Ober=
gaſſe 12, Ausſtellungsgebäude — Mathildenhöhe,
Gaſt=
haus — Weinbergſtraße 10, Turnhalle — Dieburger
Straße 26
einzufinden hat. Wer nicht in dieſen benannten Häuſern liegt,
ſon=
dern in kleinen Quartieren, beſonders auch Privathäuſern
unter=
gebracht iſt, hat ſich in dem nächſtliegenden oben bezeichneten Lokal
zu ſtellen. Ausgenommen von dieſen Beſtimmungen ſind die Rekruten.
Richtbefolgung der Aufforderung führt den Betreffenden zu
Unannehmlichkeiten.
Darmſtadt, den 19. November 1914.
(21522
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.
Weihnachtsſammlung.
Der Klang der Weihnachtsglocken, der ſonſt „Friede auf Erden”
verkündete, wird diesmal durch den Donner der Kanonen übertönt,
und während ſonſt der Weihnachtsbaum mit ſeinem milden
Kerzen=
licht erſtrahlte, ſprühen diesmal Feuergarben unſerer Geſchütze und
bringen Tod und Verderben.
Unſere Lieben, der Vater, der Gatte, die Söhne, die Brüder,
die Freunde ſtehen im Feld und weilen mit ihren Gedanken am
Weihnachtsabend noch mehr als ſonſt in der Heimat, die ſie, wenn
nötig, mit dem Leben zu ſchützen hinausgezogen ſind. Nicht viel
können wir für ſie tun, die für uns alles wagen, aber das Wenige
wollen wir mit Freuden tun, um ihnen unſere heiße Dankbarkeit zu
zeigen, um ihnen zu zeigen daß wir ihrer wert ſein wollen.
Des=
halb ſoll unſeren tapferen Truppen auch im Felde der
Weihnachts=
tiſch gedeckt werden, und die Stadt Darmſtadt hat es übernommen,
den Angehörigen ihrer Regimenter eine Weihnachtsfreude zu bereiten,
deren Beförderung das Rote Kreuz in liebenswürdiger Weiſe
über=
nommen hat.
Zu dieſem Zweck veranſtalte ich in den Tagen vom 23. bis
28. November eine
Hausſammlung von Weihnachtspaketen und Gaben.
An die Bürgerſchaft unſerer Stadt ergeht die herzliche Bitte,
dieſe Sammlung durch reiche Spenden zu unterſtützen, damit jeder
unſerer tapferen Krieger im Feld einen
Weihnachtsgruß aus der Heimat
erhalten kann.
(21287gms
Darmſtadt, den 14. November 1914.
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Glaſſing.
Liebesgaben
für die Darmſtädter Truppenteile im Felde.
Die Stadt Darmſtadt will den hieſigen, jetzt im Felde
ſtehen=
den Truppenteilen in aller Kürze einen größeren
Liebesgabentrans=
port als Weihnachtsgabe überſenden. Dem Transporte können
perſönliche und unperſönliche Pakete beigegeben werden. Um eine
gerechte Verteilung herbeiführen und auch dieſenigen bedenken zu
kännen, an die perſönliche Gaben nicht gerichtet ſind, wäre es als
beſonders dankenswert zu begrüßen, wenn recht viele unperfönliche
Pakete der Sendung beigefügt werden könnten.
Wer eine Beiſteuer leiſten möchte, iſt herzlich gebeten, ſie im
Stadthaus, Zimmer Nr. 39, abzugeben. Gaben werden auf Wunſch
auch abgeholt. Beſondere Bekanntmachungen ergehen in dieſer
Be=
ziehung noch. Erwünſcht ſind Zigarren, Zigaretten, Tabak,
Trocken=
zünder, elektriſche Taſchenlampen, Briefpapier, Spielkarten, warme
Kleidungsſtücke (neue), vornehmlich wollene Unterſachen,
Lebens=
mittel für die Feldküche, z. B. Tee, Zucker, Gewürz, beſonders auch
hart getrocknete Fleiſch= und Wurſtdauerwaren und dergleichen,
Wer den Kriegern Liebesgaben ſpenden will, gibt doppelt,
wenn er ſie bei den Heimarbeiterinnen anfertigen läßt.
Darmſtadt, den 13. November 1914.
(21421a
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.
Auffrieren von Regenrohren.
Die an Kanäle angeſchloſſenen Regenrohre ſind dem Auffrieren
ausgeſetzt bei erſchwertem Ablauf des Regen= und Tauwaſſers infolge
Verſtopfung.
(21482df
Wir empfehlen daher gründliche Reinigung der in den
Fuß=
ſteigen vorhandenen Regenrohrſinkkaſten vor Eintritt des Winters.
Darmſtadt, 18. November 1914.
Städtiſches Tiefbauamt.
Dur Vergebung von 9000 gewöhnlichen Handtüchern iſt Termin
) auf Donnerstag, den 26. d. Mts., vormittags 10 Uhr, im
Geſchäftszimmer der unterzeichneten Verwaltung anberaumt.
Be=
dingungen und Muſter können dort eingeſehen werden. Angebote
ſind bis zu dem Zeitpunkte verſchloſſen einzureichen.
(21508
Garniſon=Verwaltung, Truppenübungsplatz Darmſtadt.
Die Etappen=Kommandantur Darmſtadt 3
macht darauf aufmerkſam, daß Weihnachtsſendungen für die Truppen
nur bis zum 30. d. Mts. aufzugeben ſind, da ſonſt keine Ausſicht
auf rechtzeitige Beförderung vorhanden iſt.
Auch muß jedem Paket eine Begleitadreſſe beigegeben werden.
Etappenkommandantur 3.
21523)
A. B.: Eberhard, Oberleutnant und Adiutant
Die Kleinkinderſchule, Mauerſtraße
bittet wie alljährlich um Gaben für die Chriſtbeſcherung der!
Kinder, die in dieſem Jahre noch bedürftiger ſind.
(21527a
Es ſind zur Empfangnahme gerne bereit: Frau Oberſtleutnant
Cramolini, Annaſtraße 35, Frau Schäffer v. Bernſtein,
Schieß=
hausſtraße 67, Frau Major v. Kietzell, Ohlyſtraße 38, Frau Juſtizrat
Scharmann, Hochſtraße 53, Frl. v. Gandenberger, Wienersſtr. 64,
Frl. v. Knorr, Saalbauſtraße 79, und die Schweſtern der Schule.
In vielen Millionen von
Bänden verbreitet
erfüllt die „Bibliothek der Unterhaltung und des
Wissens‟ ihr Programm: jedem Bücherliebhaber
Gelegen-
heit zu geben zur Anlegung einer wirklich gediegenen,
Spannendste Unterhaltung und eine unerschöpfliche Fund‟
grube des Wissens zugleich bietenden Privatbibliothek
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Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. November 1914.
Nummer 320.
Der ſilberne Adoff.
Roman von Horſt Bodemer.
ck verboten.)
29)
Da kam Ellen Wommen im Reitkleid, einen ſteifen,
kleinen Herrenhut auf dem vollen Haar. Ganz
ausge=
laſſen war ſie.
Guten Morgen! Guten Morgen! Danke! Danke!
Was fang ich mit den vielen Roſen an? Heute ſteck ich
mir eine von Ihnen an die Bruſt, Herr von Grüningen!
Man muß die Gaben gleich verteilen!
Die übrigen hielt ſie ſtumm dem Portier hin.
Der luſtige Hans trat wieder einmal von einem Bein
aufs andere, ſchmunzelte über ſein ganzes Geſicht,
zwin=
kerte mit den Augen.
Lebensverſicherung abgeſchloſſen, meine Gnädigſte?
Da reckte Ellen Wommen ihre biegſame, ſchlanke
Ge=
ſtalt auf, ihre Augen blitzten.
Herr von Grüningen, die Antwort drauf geb ich
Ihnen, wenn ich freiwillig von Ihrem „Scheinwerfer”
abgeſtiegen bin! So ſtill, Herr von Ruſten? Haben Sie
vielleicht — Angſt um mich?
Ein Blitz ſchoß aus ſeinen Augen, der ſie erſchauern
ließ ... Alſo ſo ſtand es um ihn? Nun geritten und ihm
den Kopf vollends verdreht. Dieſer kleine Clown war
ein gutes Mittel zum Zweck ... Sie raffte jäh ihr Kleid
zuſammen.
Kommen Sie meine Herren!
Außer Grüningens Burſche und einem Stallknecht
war kein Menſch in der Reitbahn des Tatterſalls. Das
ſchöne Wetter hatte alle ins Freie gelockt .. . Der
bild=
ſchöne Schimmel war von dem Leibhuſaren kaum zu
halten.
O! O! ſagte der luſtige Hans. Häng dich nicht an die
Trenſe, mein Sohnchen! Der Schinder hat, Gott ſei
Dank, ein ſehr weiches Maul! Kitzlich überall, meine
Gnädigſte — und einen Damenſattel trägt er meines
Wiſſens zum erſtenmal auf dem Rücken! ... O! O! ...
Ruhe, mein Pferdchen! Du wirſt deine Sache ſchon gut
machen! ... Denke nur, die Dame da hat ſich ſoeben zu
unſeren Gunſten in eine Lebensverſicherung eingekauft!
Sehr hoch, mein Schimmelchen! .. . Da wird ſich der Levy
Dirſchauer aber freun! Und wir kommen einmal
vor=
übergehend aus der Pleite! ... So lange dieſe erfreuliche
Zeit anhält, ſollſt du auch täglich drei Stückchen Zucker
mehr haben! ... Na, meine Gnädigſte, immer noch Mut?
Der luſtige Hans hatte das Pferd kurz an der Trenſe
gefaßt, es drehte ſich mit ihm im Kreiſe herum, pfefferte
hinten aus.
Ellen Wommens Wangen brannten. Sie ſah Adolf
Ruſten an.
Wollen Sie mich in den Sattel heben?
Da ſtand er ſchon an dem Pferde, breitbeinig, in ſeiner
Dreibaſigeit, hielt ihr die ofengefalteten Hände hir =
und wieder brach ein Blitz aus ſeinen Augen. Faſt
un=
merklich nickte ſie ihm zu. . . Im nächſten Augenblick ſaß
ſie im Sattel, der ſilberne Adolf bekam von dem Schimmel
einen Stoß, daß er durch die halbe Bahn ſtolperte, dann
ſtieg das Pferd, der luſtige Hans hing ihm am Gebiß,
ſprang plötzlich ſchnell zur Seite, denn „Scheinwerfer”
hieb nach vorn aus. . . Und nun begann ein Kampf
zwi=
ſchen dem Pferde und Ellen Wommen, ein Kampf, dem
eine Reiterſeele, wie dem luſtigen Hans, der Atem
ver=
ſetzte. . . Leicht die Hand, biegſam wie eine Gerte die
Ge=
ſtalt, ruhig die Hände, ſaß Ellen Wommen oben. Es half
kein Auskeilen, kein Bocken, kein Wegbrechen gelang. . .
Schon fünf Minuten dauerte dieſer Kampf — faſt auf der
Stelle.
Adolf Ruſten ſtand da, die Fäuſte geballt, das Kinn
weit vorgeſtreckt. Der Atem pfiff ihm aus der Kehle. Die
lugen hingen an Ellen Wommens Geſtalt. Begehrliche
Augen! .. . Wahrhaftig, der Schimmel zäumte ſich bei, faſt
unmerklich. Langſam drückte ſie ihn nach der Pante —
jetzt war er auf dem Hufſchlag, Schritt für Schritt,
knir=
ſchend, ging er vorwärts. An der Ecke wollte er
weg=
brechen. Da riß ſie ihn hoch. Auf zwei Beinen tänzelte
das Pferd, jähe Röte ſchoß in Ellen Wommens Geſicht,
weit beugte ſie ſich auf den Hals, drückte den Reitſtock feſt
auf die Flanke der Außenſeite. Ein Satz — und „
Schein=
werfer” trabte.
ohne Operation
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Chefarzt: Dr. med. COLEMAIN.
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Hanau a. M., Leipzigerstr. 42, den 23. Mai 1914.
Sehr geehrter Herr Doktor!
Da es nun schon über ein Jahr her ist, dass
ich durch Ihr Heilverfahren ohne Operation von
meinem Bruchleiden gesund geworden bin,
trotz-
dem ich schwere Arbeiten verrichten musste,
teile ich Ihnen mit, dass sich Ihre Behandlung
vorzüglich bewährt hat. Ich spreche Ihnen
hiermit meinen aufrichtigsten Dank aus und
werde jedem Bruchleidenden gern schriftliche
und mündliche Auskunft geben.
Hochachtungsvoll
Otto Rohmund, Schlosser.
Villingen, Kr. Giessen, den 18. März 1914
i. Oberhessen, Nr. 133.
Sehr geehrter Herr Doktor!
Für die überaus freundliche und sachgemässe
Behandlung meines rechtsseitigen Bruchleidens
sage ich Ihnen hiermit meinen verbindlichsten
Dank. Ich litt an einem rechtsseitigen
Leisten-
bruche und bin nun dank Ihrer vorzüglichen
Benandlung jetzt völlig geheilt. Ich habe das
Band schon mehrere Monate nicht mehr getragen
und fühle mich jetzt wieder völlig gesund, während
ich vor der Behandlung grosse Beschwerden hatte,
die mich in meiner Arbeitsfähigkeit sehr
beein-
trächtigten, Ich werde nicht verfehlen, Ihre
Be-
handlung bestens zu empfehlen. Erteile Auskunft.
Hochachtuugsvoll
Wilhelm Zimmer I., Landwirt und Bäckermeister.
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Nummer 320.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. November 1914.
Seite 11.
Der kuſtige Hans hatte den Pananahut weit ins
Ge=
nick geſchoben, ſtakte mit hohen Knien im Kreiſe herum.
O1 O! O! . . . So was lebt nich! . . . Das
Sektfrüh=
ſtück iſt flöten, und ich hab’ drauf gehungert! . . . So was
kann ja kein Menſch anſehen, da muß er heulen — vor
Vergnügen! Und dann rannte der kleine Kerl auf den
langen Ruſten zu. Silberner Adolf, gib mir inen Kuß!
Der ſchob ihn lachend beiſeite. . . Da zwinkerte ihn
der luſtige Hans an.
Weißt Du, in Ermangelung . . .
Werd’ nicht verrückt, Junge! . . . Sieh lieber zu,
Fräu=
lein Wommen reitet abgekürzten Galopp!
Der luſtige Hans bließ die Backen auf.
Und jetzt Renvers! . . . Teufel auch, jetzt Travers!
Er lief und holte die Springſtange. Nu aber, meine
Gnädigſte, meine allerletzte Hoffnung von wegen
Sekt=
frühſtück und Lebensverſicherung!
Ellen Wommen lachte, verſammelte den Schimmel auf
der ſchmalen Seite, im abgekürzten Galopp ritt ſie gegen
das Hindernis. „Scheinwerfer” wollte wegbrechen, ſie
zwang ihn über die Stange. Rief Grüningen mit
blitzen=
den Augen zu: Zwei Löcher höher! Feſt in ihrer Hand
nahm der Schimmel wie ein Pfeil das Hindernis. . . Eine
Hürde wurde hereingebracht. Einmal brach er weg, nie
wieder gelang es ihm.
Nach einer Vierteſtunde glit Elen Wommen aus
dem Sattel. Scheinwerfers Flanken ſchlugen, der Schaum
flockte ihm vom Gebiß. Adolf Ruſten war
herzugeſprun=
gen, hielt das Pferd ... Der luſtige Hans aber ſtakte
weiter mit hochgezogenen Knien, immer um das Pferd
und Ellen Wommen herum.
Na, Herr von Grüningen, — total ſprachlos?
Da blieb er ſtehen. Sah ſie an wie einen Geiſt aus
einer anderer Welt.
Das hat mir wahrhaftig noch niemand vorwerfen
können, daß ich einmal ſprachlos geweſen bin! Und ich
hab mich oft in Situationen befunden .. . Situationen —
Heiland — Mailand! .. . Aber wenn man ſo etwas ſieht,
alſo da verſchlägts einer leidlich ehrlichen Reiterſeele den
Atem! ... In den Zirkus gehören Sie — in den Zirkus!
Der luſtige Hans fuchtelte mit den Händen in der
Luft herum .. . Ellen Wommen lachte ihn aus.
Da hätt’ ich ja einen Notanker! Danke für den guten
Ratſchlag! ... Um die Lebensverſicherung hab ich Sie ja
geprellt, wenn Sie aber einverſtanden ſind — das
Sekt=
frühſtück trag ich gern und auf der Stelle, nach ſolchem
Genuß!
Da ſprang Hans Grüningen erſt einmal mit beiden
Beinen in die Luft.
Haſt du gehört, ſilberner Adolf? .. . Darf man
über=
haupt einer jungen Damen eine Wohltat abſchlagen? Ich
Werdchun reſtſerig nachent u dear ig dar foleungſt
dem vom gnädigen Fräulein erteilten Befehl
nachzu=
kommen — nämlich Sekt zu trinken!
Ellen Wommen drückte dem Burſchen ein Trinkgeld in
die Hand und ging langſam mit Adolf Ruſten dem
Aus=
gang der Reitbahn zu. Der faßte nach ihrer
herabhän=
genden Hand, drückte ſie ein paarmal ſtumm. In dem
Druck lag ein Bekenntnis. Da ſah ſie ihn mit glühendem
Geſicht an, ein Blick traf ſie, ein lodernder Blick. Sie
ſenkte den Kopf und entzog ihm langſam ihre Hand.
Auf den Fußſpitzen, die Hände auf den Sattel
ge=
ſtützt, Scheinwerfer ſtand jetzt ganz ruhig, ſah Hans
Grü=
ningen den beiden nach. Er ſah den Händedruck, er ſah
Ruſtens Blick, da brummte er vor ſich hin.
Luſtiger Hans, da kommſt du wieder einmal einen
reichlichen Poſttag zu ſpät! ... Und dann ſteckte er die
Hände in die Hoſentaſchen, in ſein Geſicht bohrte ſich ein
energiſcher Zug von den Naſenflügeln bis zu den
Mund=
winkeln. Oder auch nicht! Denn der ſilberne Adolf iſt
ein kompletter Stieſel!
Und dann ſtakte er hinter den beiden her und pfiff
einen luſtigen Reitermarſch.
(Fortſetzung folgt.)
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L. Scharmamm Nachf., Unifrmschneidlerei, Schulstrase 7, I, Telephon 619.
Sriegenerbrereindermlelle
Freitag, den 20. November 1914, abends 8½ Uhr
im gelben Saal des Reſtaurants Sitte (Karlſtraße)
Vortrag
ie ben Peolener br il. u gur . ohmamn
von der Großherzoglich Techniſchen Hochſchule
über:
„as Kautionsweſen bei
Vergebung öffentlicher Arbeiten”
Im Anſchluß hieran wird Herr Volksbankdirektor Stein
über: „Die Kreditverhältniſſe während des Krieges” einige kurze
Miiteilungen geben.
(21412mf
Zahlreicher Beſuch erwünſcht. Nichtmitglieder willkommen.
Der Vorstand.
Darmstädter Consum-, Spar- und
Produktions-Genossenschaft
Eingetragene Genoſſenſchaft mit beſchränkter Haftung.
Cruchtliche Ccherurverbamm
am Sonntag, den 22. November 1914, nachm.
3 Uhr, im Saale des „Perkeo”, Alexanderſtraße.
Tagesordnung:
1. Bericht des Vorſtandes und Aufſichtsrats und Genehmigung der
Jahresrechnung.
2. Verteilung der Erübrigung.
3. Neuwahl des ehrenamtlichen Vorſtandsmitgliedes. Turnusmäßig
ſcheidet aus Genoſſe Rudolf Aßmuth. (Wiederwahl iſt zuläſſig.)
4. Anträge.
I. Statutenänderung: In § 56, Abſ. 3 nach dem Satze: „Für die
entnommenen Waren ſteht den Mitgliedern ein feſter Barrabatt
von 4 Prozent zu zuzuſetzen: =Abänderungen dieſes Satzes
kann die erſte Generalverſammlung eines Geſchäftsjahres für
das betr. Jahr voraus mit einfacher Mehrheit beſchließen.”
II. In Anbetracht der Kriegslage beſchließt die Generalverſammlung
vorſichtshalber für das laufende Geſchäftsjahr den feſten Rabatt
auf 3 Prozent feſtzuſetzen, mit der Maßgabe, daß das 4. Prozent
wenn möglich im nächſten Herbſt als einfache Rückvergütung
verteilt werden kann.
Legitimationskarten müſſen am Saaleingang vorgezeigt
werden und dienen auch zur Abſtimmung.
Der Aufſichtsrat:
J. Jung, Vorſitzender.
21507)
Alle Weihnachts-Geschenke
die ins Feld gesandt werden
bereiten dem Empfänger erst rechte Freude, wenn sie mit
meinem schwarz-weiss-roten Bändchen mit dem Aufdruck
„Weihnachtsgruss aus der Helmat‟
geschmückt sind. Stück 15 und 20 Pfennig.
5 Für Geschäfte, die Feldpost-Arlikel führen, Engros-Preise.
Telephon
Georg Schuunegel, Kheinstrasse 4 1227.
Zziig zu verk.: Soſa, Tſche,
D Stühle, Utür Kleiderſchrank,
Kommode, 2 Betten mit Matr.
(*9676) Heinheimerſtr. 59, III.
Uieberzieher, iltle, Arde shofen
f. ſt. Ftg., Kinderjacket u.
Samt=
mantel (4—6 J.) Anzuſ. vormitt.
Näh. i. d. Geſchäftsſt. (*9630
Großh. Hofthegter.
Freitag, 20. November 1914.
40. Abonnements=Vorſtellung. D11.
Der Zigennerbaron.
Operette in 3 Akten v. Joh. Strauß.
Perſonen:
Graf Peter Ho=
. Paul Peterſen
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Conte Carnero, Adolf Jordan
Sändor Bärinkay, Aug. Globerger
Kälman Zupän, L. Schützendorf
Arſena, ſ. Tochter Marg. Beling=
Schäfer
Mirabella, Erzieh. Minna Müller
Hanno.
Ottokar, i. Sohn . Otto Thomſen
Ezipra, Zigeuner. Anna Jacobs
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Päli,
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Jöszi,
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Mihälp, 55 . . Oto Wolf.
Ein Herold. . . Adolf Klotz
Seppl, e.
Later=
nenbub
. Erna Stoffer
Mikſa, Schiffs=
. Br. Waigand
knecht
Ein Zigeuner=
. Erna Jungkurth
Lnabe
. Frieda Herbach
Minna,
.Alerand. Lauth
Irma,
2 . Anna Guerdan
Tereſt,
. Helene Rungius
Aranka,
Katicza, §z 2 . Tylde Haſal
Juleſa, I Maja Schott
Iſtvän, Zſupän’s
1 Knecht
. Adolf Braun
Kälmän,
. Berta Kroczak
Elaire Senten
Andräs,
. Marie Rapp
Matyäs,
. Käthe Müller
Dönes,
. B. Ungibauer
Marlon,
Vor dem 3. Akt: Rakoczymarſch
von Franz Liest.
Nach d. 1. u. 2. Akte längere Pauſen.
Krank: Franziska Callwey.
Adelheid Croneberg.
Preiſe der Plätze (Kleine
Preiſe): Sperrſitz: 1.—12. Reihe
3.70 ℳ, 13.— 19. Reihe 3.20 ℳ,
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terre: 1.—5. Reihe 2.35 ℳ, 6.—8.
Reihe 1.95 ℳ, Proſzeniumsloge
5.20 ℳ, Mittelloge 5.20 ℳ,
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II. Rang: 1.—6. Reihe 2.15 ℳ,
7. u. 8. Reihe 1.75 ℳ, I. Galerie
1.15 ℳ, II. Galerie 65 Z.
Kartenverkauf: an der
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Uhr und eine Stunde vor Beginn
der Vorſtellung.
Anfang 7 Uhr. Ende nach 10 Uhr.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Samstag, 21. Novbr.: Außer
Abonnement. (III.
Sondervorſtell=
ung) „Der Reviſor”. Anfang
8 Uhr.
Zu dieſer Vorſtellung findet
kein Kartenverkauf ſtatt.
Sonntag, 22. Nov.: 41. Ab.=Vſt.
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Anfang 7 Uhr.
Montag, 23. Nov.: (Keine
Vor=
ſtellung).
Dienstag, 24. Nov.: 42. Ab.=Vſt.
A 11. „Fauſt” II. Teil. (3. und
4. Abend.) Kleine Preiſe. Anfang
6½, Uhr.
Die Erhebung der 2. Rate des
Abonnementsgeldes für 1914/15
findet Montag, den 23. u.
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