Darmstädter Tagblatt 1914


Mittwoch, den 18. November.

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Nr. 318.

Mittwoch, den 18. November.

1914.

Der Krieg.
Von den Kriegsſchauplätzen. Der türkiſche Krieg. Genug und Uebergenug. Das abgekartete Spiel. Der
Temps ſchützt die Wahrheit.

Von den Kriegsſchauplätzen.

* Großes Hauptquartier, 17. Nov. (W. T. B.
Amtlich.) Auch der geſtrige Tag verlief auf dem weſtli=
chen
Kriegsſchauplatz im allgemeinen ruhig. Süd=
lich
Verdun und nordöſtlich Cirey griffen die Franzo=
ſen
erfolglos an.
Die Operationen auf dem öſtlichen Kriegs=
ſchauplatz
nahmen weiter einen günſtigen Fortgang.
Nähere Nachrichten liegen noch nicht vor.
Oberſte Heeresleitung.
* Berlin, 17. Nov. (W. T. B. Nichtamtlich.) Unter
den in der Schlacht bei Kutno gemachten Gefangenen
befindet ſich auch der Gouverneur von Warſchau,
von Korff, mit ſeinem Stabe.
* An der Front zwiſchen Dixmuiden und
Nieuport wird auf den überſchwemmten Feldern ge=
kämpft
. Der Amſterdamer Telegraaf meldet aus Sluis:
Se mehr man das deutſche Heer kennen lernt, deſto grö=
ßer
muß die Bewunderung für deſſen Organiſation wer=
den
. Man hat ſogar an die Regentage gedacht und Vor=
bereitungen
dagegen getroffen, indem man die Unter=
ſtände
mit Leinwand überdeckte. Der belgiſche Bericht=
erſtatter
der Tyd meldet: Zur Verſtärkung der geſchwäch=
ten
weſtlichen Front unſerer ablöſenden belgiſchen Trup=
pen
wurden friſche franzöſiſche Truppen herangeführt.
Ein Teil der Belgier geht nach Paris, um die unver=
brauchten
Truppen der Fortsbeſatzungen für den Front=
dienſt
frei zu machen.

Die Siege der Oſtarmee.

* Die Kunde von dem Siege unſerer Oſt=
armee
wird, wie das Berl. Tagebl. ſchreibt, für be=
ſorgte
Gemüter befreiend gewirkt haben. Wir dürfen
nicht glauben, daß mit dieſem Siege die ganze Maſſe des
ruſſiſchen Hauptheeres zum Stehen gebracht oder gar zum
Rückzuge gezwungen wäre. Es handelt ſich um ein Mil=
lionenheer
. Aber höchſt peinlich wird der feindlichen
Oberleitung dieſer Strich durch die letzten Operations=
pläne
jedenfalls ſein und eine Verzögerung der Bewe=
gungen
zur Folge haben. Ein guter Anfang der neuen
Epiſode in den öſtlichen Kämpfen iſt gemacht. In
der Voſſiſchen Zeitung lieſt man: Die nun beginnende
Offenſive der deutſchen Waffen hat mit einem außer=
ordentlich
großen Erfolg eingeſetzt. Sie hat wiederum
gezeigt, daß die Ueberlegenheit der Zahl, wie ſie die Ruſ=
ſen
ins Feld führen können, allein nicht das Entſcheidende
iſt. Die günſtige ſtrategiſche Lage, in der ſich jetzt die
verbündeten deutſchen und öſterreichiſch=ungariſchen Trup=
pen
befinden, bietet eine Gewähr dafür, daß weitere Er=
folge
in den nächſten Tagen erzielt werden, und daß auch
auf dem öſtlichen Kriegsſchauplatz ein voller Erfolg der
deutſchen Waffen in ſicherer Ausſicht ſteht. Nach dem
heutigen Bericht darf wohl angenommen werden, daß
auch Generaloberſt v. Hindenburg mit ſeinem General=
ſtabschef
Ludendorff ſeinen Einfluß für die Neuordnung
die Pläne auf dem öſtlichen Kriegsſchauplatz eingeſetzt

hat. Zugunſten des neuen Verfahrens ſpreche es auch,
daß man in Verbindung mit der ſtrategiſchen Defen=
ſive
in Serbien wieder die ſtrategiſche Offenſive aufge=
nommen
hat. Anſcheinend ſind auf dieſe Weiſe die ur=
ſprünglichen
ſtrategiſchen Pläne v. Hötzendorffs wieder
aufgenommen worden. Die Kreuzzeitung führt aus:
Durch den Hindenburgſchen Sieg im Oſten haben die
Hoffnungen der verbündeten Weſtmächte auf die mit gro=
ßer
Uebermacht auftretende ruſſiſche Offenſive einen
Stoß erlitten. Dieſe Hoffnungen waren in der letzten
Zeit beſonders deswegen ſtärker zum Ausdruck gelangt,
weil es um die Sache Englands und Frankreichs im
Weſten nicht eben günſtig ſteht. Trotz der Schwierig=
keiten
, die mit heftigem Sturm und Schneetreiben ver=
bunden
ſind, nehmen unſere Angriffe in Flandern einen
weiteren, wenn auch langſamen Fortgang. Der Ber=
liner
Lokal=Anzeiger ſchreibt zu den neueſten Niederlagen
der Ruſſen: Wieder einmal haben die Ruſſen ihren Pa=
rallelvorſtoß
gegen die preußiſche Grenze büßen müſſen.
Ein höheres Feldherrngenie, das mit der ruſſiſchen Hee=
resleitung
zu ſpielen ſcheint, hat ſie trotz ihrer ſicherlich
überlegenen Kopfſtärke mit mächtigen Schlägen vor ſich
hergetrieben. Für die Ruſſen kommt nun zur Erſchwe=
rung
der Lage hinzu, daß die Weichſel die beiden Ar=
meeflügel
voneinander trennt. Beſonders bedroht er=
ſcheint
dabei die auf dem linken Weichſelufer in Flucht be=
griffene
ruſſiſche Armee. Die Weichſel verſpricht für die=
ſen
Teil der ruſſiſchen Armee zu einer Barriere zu wer=
den
, an der ſie ſchweren Zoll zu zahlen haben könnte.
Für die ruſſiſche Armee auf dem rechten Weichſelufer ſind
die Ausſichten nicht viel günſtiger. Plozk würde ſich
vielleicht auf kurze Zeit verteidigen laſſen, aber dieſe Ver=
teidigung
könne ein Abſchneiden von Warſchau oder No=
wogeorgiewicz
mit ſich bringen. Unter allen Umſtänden
haben wir noch weitere günſtige Nachrichten aus Ruſſiſch=
Polen zu erwarten. Die Köln. Ztg. ſchreibt: Auf der
ganzen Front von Eydtkuhnen bis Kutno hat die ruſſi=
ſche
Offenſive ein Ende gefunden. Das Vertrauen auf
den genialen Oberbefehlshaber der deutſchen Armeen im
Oſten und die unerſchütterliche Tapferkeit unſerer im un=
wirtlichen
Land bei hereinbrechendem Winter fechtenden
Truppen iſt aufs neue glänzend bewährt worden. =
gen
weitere Erfolge ſich dieſen Siegen anreihen, die alle
hochgehenden Erwartungen unſerer Feinde wieder ein=
mal
zunichte machten. Die Frankf. Ztg. führt aus: Das
unbeſchränkte Vertrauen, das Deutſchland dem Führer
ſeines Oſtheeres entgegenbringt, hat ſich aufs neue be=
währt
. Wir ſehen daher der Entwicklung des Feldzuges
im Oſten, über die natürlich erſt nach dem Abſchluß der
jetzigen Kämpfe und der Verfolgung der fliehenden Ruſ=
ſen
ein Urteil möglich wird, mit voller Zuverſicht entge=
gen
. Die neuen deutſchen Siege werden ſich an jedem
Punkte der gewaltigen Front im Oſten fühlbar machen.
Unſere Verbündeten werden bald in Galizien und im
Kaukaſus den Ruſſen neue Bedrängnis ſchaffen, ſo daß
das ruſſiſche Rieſengeſpenſt immer mehr verblaſſen muß.
Wir haben immer gewußt, daß es nicht ſo furchtbar iſt,
wie es von ferne wirken mochte. Frankreich und Eng=
land
aber, deren Regierungen zu Beginn des Krieges ihre
Völker mit der ruſſiſchen Hilfe über die eigenen Nieder=
lagen
zu tröſten ſuchten, deren Armeeleitungen jetzt von
Flandern aus ſehnſüchtig nach Oſten ſchauten, ob nicht
der große Freund die Deutſchen endlich feſthalten könnte
ſie werden jetzt erkennen, daß die Hilfe Rußlands nicht
mehr kommen kann, daß ſie um ihr Schickſal ſelber kämp=
fen
müſſen. Wir wußten, daß der neue Sieg kommen
mußte. Unſere Feinde haben ſich darüber zu täuſchen
geſucht. Und die Täuſchung iſt ihnen nicht nur im eige=
nen
Lande gelungen, ſondern vielleicht auch bei einigen
Neutralen, deren Haltung man von Petersburg aus mit
Lüge und Verrat und mit noch handgreiflicheren Mitteln
zu beeinfluſſen hoffte. In dieſen Ländern wird man
nun des Zweifels enthoben, wo die wirkliche Macht, der
rechte Wille zum Siege iſt; man wird ſich danach zu rich=
ten
wiſſen.

Der Krieg in Serbien.
* Wien, 16. Nov. Amtlich wird verlautbart: 16.
November, Feldzeugmeiſter Potiorek, der Oberſtkom=
mandierende
unſerer Balkanſtreitkräfte, hat heute an ſeine
Truppen folgenden Aufruf erlaſſen: Nach neuntägigen
heftigen Kämpfen gegen einen hartnäckigen, an Zahl über=
legenen
, in faſt unbezwingbaren Befeſtigungen ſich ver=
teidigenden
Gegner, nach neuntägigen Märſchen durch
unwegſames Felsgebirge und grundloſe Straßen bei Re=
gen
, Schnee und Kälte, haben die tapferen Truppen der
5. und 6. Armee die Kolubara erreicht und den Feind
zur Flucht gezwungen. Ueber 8000 Gefangene
wurden in dieſen Kämpfen gemacht 42 Geſchütze, 31 Ma=
ſchinengewehre
und reiches Kriegsmaterial erobert. Das
Vaterland wird dieſer Leiſtung ſeine Dankbarkeit und
Bewunderung nicht verſagen. Meine Pflicht iſt es, die
hervorragende Haltung aller Trupepn voll anzuerkennen
und allen Offizieren und Soldaten der 5. und 6. Ar=
mee
im Namen des allerhöchſten Dienſtes wärmſten Dank
zu ſagen. Trotz der unter ſchweren Opfern und gewal=
tigen
Leiſtungen erzielten Erfolge dürfen wir noch nicht
ruhen. Doch der hervorragende Geiſt der mir unterſtell=
ten
Truppen bürgt dafür, daß wir die uns geſtellten Auf=
gaben
auch ſiegreich zu Ende führen werden zur Zufrie=
denheit
unſeres allerhöchſten Kriegsherrn, zum Ruhme
des Heeres und zum Ruhme des Vaterlandes.
Potiorek, M. P., Feldzeugmeiſter.
Dieſer Aufruf, der ſogleich allgemein zu verlautbaren
iſt, wird gewiß allenthalben begeiſterten Widerhall fin=
den
. Ich habe die tapfere Balkanarmee und ihren ſiegrei=
chen
Führer zu den weiteren glänzenden Erfolgen, die
den völligen Zuſammenbruch des zähen Geg=
ners
anbahnen, im Namen aller mir unterſtehenden
Streitkräfte beglückwünſcht. Erzherzog Ferdinand.
* Berlin, 17. Nov. Der Kriegsberichterſtatter der
Berliner Morgenpoſt meldet: Oeſterreichiſches Kriegs=
preſſequartier
, den 15. Nov. Die Beſetzung Bel=
grads
ſteht allem Anſchein nach in den nächſten Tagen
bevor. Sie wurde durch die Erſtürmung von Obrenovac
vorbereitet, das vorgeſtern nachmittag 5 Uhr in den Hän=
den
unſerer Truppen war. Eine zweiſtündige heftige
Beſchießung der ſerbiſchen Stellungen durch ſchwere Ar=
tillerie
hatte die Widerſtandskraft der Serben gebrochen,
die ſich fluchtartig auf die Stadt ſelbſt zurückgezogen hat=
ten
. Mit beiſpielloſer Todesverachtung unternommene
Sturmangriffe unſerer Infanterie vertrieben ſie auch von
dort. Es wurden viele Gefangene gemacht und Kriegs=
material
erbeutet. Der Wegnach Belgrad iſt nun
auch von Weſten offen. Die letzten Kämpfe er=
wecken
den Anſchein, als ob Serbien Mangel an Muni=
tion
leidet. Auch ſollen ihre Vorräte an Sanitätsmate=
rial
faſt zu Ende ſein. Im ſerbiſchen Volke macht ſich
ſtarke Kriegsmüdigkeit geltend. Der Kriegsberichterſtat=
ter
des Berliner Tageblatts ſchreibt von dem ſerbiſchen
Kriegsſchauplatz: Mit dem erwarteten Zuſammen=
bruch
der ſerbiſchen Defenſive war der Land=
weg
nach Belgrad frei, deſſen bevorſtehenden Fall die Be=
völkerung
erwartet. In Belgrad werden drei Diviſionen
konzentriert, auch werden auf der Südſeite feldmäßige
Befeſtigungen vorbereitet, ſo daß noch mit einem viel=
leicht
kurzen, aber hartnäckigen Kampfe gerechnet werden
muß.

Der türkiſche Krieg.

Türkiſcher Kriegsbericht.
* Konſtantinopel, 16. Nov. Ein amtlicher
Bericht des türkiſchen Hauptquartiers beſagt:
Geſtern haben wir die Engländer bei Fao (am Perſi=
ſchen
Golf) angegriffen. Sie hatten zahlreiche Tote,
die wir auf 1000 ſchätzten. Abdurrezek Bederkhani, der
von der ganzen muſelmaniſchen Welt wegen der revo=
lutionären
Umtriebe, denen er ſich ſeit Jahren ergeben
hat, verabſcheut wird, hat die Grenze mit 300 Mann

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 18. November 1914.

Nummer 318.

in der Gegend von Maku überſchritten, um den Ruſſen
zu helfen, aber er wurde ſogleich von unſeren Truppen
vertrieben. Eine große Anzahl ſeiner Anhänger wurde
getötet. Eine ruſſiſche Fahne, die in einem Dorfe der
Umgebung aufgepflanzt war, wurde von uns erbeutet.
Abdurrezek iſt Kurde und gehört zu der Familie der
Bederkhani.
Die Gefahr des engliſch=türkiſchen Krieges.
* Berlin, 16. Nov. Zur Verkündigung des Hei=
ligen
Krieges durch den Sultan bringt die heutige
Stampa, wie wir dem Berliner Tageblatt entnehmen,
einen längeren Artikel des Abgeordneten Cirmeni, in
dem dieſer unter anderem ſagt:
Zweifellos wird die Wirkung des Aufrufs auf die
800 Millionen eine ganz gewaltige werden. Dies geht
außer Zweifel ſchon allein daraus hervor, daß England
bislang die verzweifeltſten Anſtrengungen machte, die
Pforte zu überreden, von der Teilnahme am europäiſchen
Streite abzuſehen. Nur jene, die keine Ahnung davon
hatten, welch ungeheuere Gefahr ein engliſch=
türkiſcher
Krieg für das Britenreich bedeutet,
konnten ſich darüber wundern, als ſich die Londoner Re=
gierung
letzthin gar ſo merkwürdig nachgiebig, man
möchte ſagen, demütig und zahm der türkiſchen Regierung
gegenüber zeigte. Kein Wunder, denn der engliſchen Re=
gierung
, die ja bekanntlich alles andere als gnädig zu
nennen iſt, gab der Umſtand doch zu denken, daß der
größte Teil der 300 Millionen Mohammedaner britiſche
Untertanen ſind. Die Fundamente des Briten=
reiches
dürften wahrlich eine ſchwere Erſchütte=
rung
erleiden, wenn die über 70 Millionen Mohamme=
daner
in Indien, Aegypten und den übrigen engliſchen
Kolonien mit der Regierung des Padiſchahs gemeinſame
Sache machen ſollten. Wird der Padiſchah mit ſeinem
Aufrufe zum Heiligen Kriege den gewünſchten Erfolg ha=
ben
und ſchließlich alle an Mohammed glaubenden Völ=
ker
der britiſchen und franzöſiſchen Kolonien dem Auf=
rufe
zuführen? Die kommenden Ereigniſſe werden uns
ja bald die Antwort darauf geben.
Die Afghanen.
* Konſtantinopel, 16. Nov. In Indien
herrſcht ſtarke Gärung gegen England. Der Vizekönig
ſoll gedroht haben, dem Emir von Afghaniſtan die
Geldzuwendungen zu entziehen, wenn er ſich gegen England
wende. Aber die Afghanen meſſen der Drohung keine
Bedeutung bei und warten mit Ungeduld auf den Zeit=
punkt
, wo ſie den Khaiber=Paß und Peſhawar angreifen
werden.
C) Schon vor einer Reihe von Wochen ſind kriege=
riſche
Schritte Afghaniſtans gegen Ruß=
land
gemeldet worden. Blieb die Haltung des Emirs
trotzdem unklar, ſo traten inzwiſchen Ereigniſſe ein, die
in hohem Grade geeignet erſcheinen, die Entſcheidung des
Emirs im Sinne der Nachricht zu beeinfluſſen: der Los=
bruch
der Türkei und die Erklärung des Heiligen Krieges.
Für ein mohammedaniſches Staatsweſen, wie Afghani=
ſtan
es iſt, ſind beide Umſtände von um ſo größerer Be=
deutung
, je mehr die Selbſtändigkeit Afghaniſtans im
Norden von Rußland, im Oſten und Südoſten von Eng=
land
gefährdet wird. Das unabläſſige Vordringen Ruß=
lands
in Mittelaſien, das ſeine Eiſenbahn ſchon von
Merw bis Kuſchk in der Nachbarſchaft Herats gebaut hat,
bedroht Afghaniſtan ganz unmittelbar, und von England
her hat es nichts beſſeres zu erwarten. Afghaniſtan
würde alſo nur ſeine eigene Unabhängigkeit ſichern, wenn
es dem Rufe des Kalifen folgte.
Militäriſch wäre der Eintritt Afghaniſtans
in die Reihe der kriegführenden Mächte ein belangreiches
Ereignis Aus den Kriegen mit England als ein Volk
von ungeſtümer Tapferkeit bekannt, ſtellen die Afghanen
etwa 60000 Mann Infanterie, 80000 Reiter und 360 Ge=

ſchütze ins Feld. Das iſt eine Streitmacht, die unter
den obwaltenden Umſtänden ſowohl von Rußland wie
von England nicht leicht genommen werden darf. Die
politiſche Wirkung des Kriegsausbruches zwiſchen
Afghaniſtan und den beiden Dreiverbandsmächten iſt
ebenfalls von erheblicher Tragweite. Denn Afghaniſtan
grenzt an ruſſiſches Gebiet, das von einer mohamme=
daniſchen
Bevölkerung bewohnt wird und deshalb
angeſichts des Heiligen Krieges für den Befreiungskampf
gegen Rußland gewonnen werden kann. Gilt dies ſchon
von Transkaſpien ſo in erhöhtem Maße von dem
ruſſiſchen Vaſallenſtaate Buchara, deſſen gleichnamige
Hauptſtadt nicht weniger als 360 Moſcheen zählt und
aus dieſem Grunde der islamitiſchen Bewegung gewiß
nicht unzugänglich ſein dürfte. Nach der Seite In=
diens
aber iſt die Teilnahme Afghaniſtans am Heiligen
Kriege vielleicht ein Signal für Englands dortige moham=
medaniſche
Untertanen, gleichfalls dem Rufe des Kalifen
zu folgen. Da in Oſtindien mehr als 66 Millionen Mo=
hammedaner
wohnen, iſt leicht zu ermeſſen, was ein Auf=
ſtand
der indiſchen Mohammedaner bedeutete. Aller=
dings
ſtehen den Mohammedanern rund 218 Millionen
Hindus und rund 12 Millionen Buddhiſten gegenüber;
aber bei der Gärung, die aus ſozialen Gründen unter
den Hindus herrſcht, iſt es in hohem Grade zweifelhaft,
ob England unter den gegenwärtigen Verhältniſſen den
Grundſatz Teile und herrſche erfolgreich anzuwenden
vermag.
Angeſichts dieſer Sachlage darf den weiteren Nach=
richten
aus Afghaniſtan mit Spannung entgegengeſehen
werden.

Genug und Uebergenug.

* Unter dieſer Ueberſchrift ſchreibt Graf von Hoens=
broech
in der Poſt:
Immer und immer wieder lieſt man in Zeitungen
langatmige Erklärungsverſuche über die Haltung gewiſ
ſer Neutraler zumal über die Stimmung der
neutralen Preſſe. Laſſe man doch endlich dieſe weich=
herzige
und ſehr wenig Selbſtbewußtſein verratende
Pſychologie Finden wir uns doch endlich mit der
Tatſache ab, daß das neutrale Ausland, d. h. ſeine
von der neutralen Preſſe wiedergegebene und mehr
noch von ihr beeinflußte Volksſtimmung uns vielfach un=
freundlich
, oft ſogar feindlich gegenüberſteht. Fort mit
allen Erklärungsverſuchen! Denn aus ihnen klingt die
unwürdige Bitte heraus: Bitte, ſeid doch anders; be=
urteilt
uns beſſer! uſw. Wie wir militäriſch ganz auf
uns ſelbſt ſtehen und den Kuckuck fragen nach der günſti=
gen
oder ungünſtigen Beurteilung unſerer militäriſchen
Dinge, ſo ſollen wir auch den Kuckuck danach fragen, was
dieſe oder jene Zeitung Hollands, Italiens, Spaniens
uſw. über die ethiſche Seite unſerer Kriegführung oder
über das Deutſchtum überhaupt zuſammenſchreibt und
zuſammenlügt. Wir können und ſollen ſolche Aeußerun=
gen
gewiß als Tatſachenſtoff mitteilen, aber über ſie jam=
mern
, ihre Ungerechtigkeit, das in ihnen liegende Unver=
ſtändnis
deutſcher Art und deutſchen Weſens beklagen
nein und zehnmal nein! Solcher Böswilligkeit oder auch
Dummheit gegenüber gibt es nur ein einziges, unſer wür=
diges
Mittel: Stillſchweigende Verachtung.
Nur in zwei Fällen iſt die ſtillſchweigende Verachtung
in tatkräftiges Eingreifen (nicht in Klagen) umzuwandeln.
1. Sollten Berliner oder ſonſt in Deutſchland lebende
Berichterſtatter auswärtiger neutraler Blätter ſich erdrei=
ſten
, Ungünſtiges über Deutſchland ihren Zeitungen zu
ſchreiben, dann muß dieſen Herren kurzerhand der Stand=
punkt
klargemacht werden: Sie müſſen ſofort als läſtige
Ausländer über die Grenze abgeſchoben werden. 2.
Wenn die neutrale Auslandspreſſe wirkliche
Angriffe gegen Deutſchland richtet, dann muß unſere Re=
gierung
von der betreffenden neutralen Regierung ener=
giſch
verlangen, daß ſie dafür ſorgt, daß die Angriffe
aufhören, denn es ſind Verletzungen der pflichtmäßi=
gen
Neutralität.
Beſonders ſind einige holländiſche Blätter von die=
ſem
Standpunkt aus zu überwachen. In ihnen erſcheinen

fort und fort Artikel, die man als ſchwer verleumderiſch
und gegen Deutſchland hetzend bezeichnen muß. Auch
ſprechen eine Reihe Amſterdamer Blätter ungeſcheut von
Deutſchland als dem Erbfeind. So etwas iſt nicht
Stimmung iſt keine neutrale Pſychologie, das iſt
brutaler Angriff von neutraler Seite, der in beſtimm=
ter
Form zurückgewieſen werden muß.
Nicht nur Granatfeuer, auch Zeitungsartikel können
die Neutralität ſchwer verletzen. Und wenn das geſchieht,
muß rückſichtslos vorgegangen werden. Die Ausrede:
In Holland beſtehe keine Zenſur, alſo können die Zeitun=
gen
ſchreiben, was ſie wollen, und die holländiſche Regie=
rung
könne nichts dagegen tun, iſt gänzlich haltlos. Zen=
ſur
oder nicht, Holland iſt zu ſtrikteſter Neutralität ver=
pflichtet
und die Aufhetzung der holländiſchen öffentlichen
Meinung gegen Deutſchland durch einflußreiche hollän=
diſche
Zeitungen iſt Neutralitätsverletzung. Alſo in
ſolchen Fällen feſt zugreifen. Ein Schuß aus unſeren
diplomatiſchen 42=Zentimeter=Mörſern iſt da dringend
am Platze. Hat aber unſere Diplomatie ſolche Mörſer?
Wenn nicht, dann ſchleunige Anſchaffung.
Sonſt aber: ſtillſchweigende Verachtung. Laſſen wir
ſie bellen, und reiten wir durch die Welt wie bisher.
Dieſe ruhige Sicherheit erzwingt Achtung; die nervöſen
Erklärungsverſuche werden als Schwäche gedeutet und ſie
ſind ſchwächlich, weil ihnen das jetzt beſonders nötige
harte Selbſtbewußtſein fehlt. Alſo Schluß mit aller
Pſychologie Auch keine Kunſtpſychologie mehr! Die
Zerſtörung von Kunſtwerken bedarf keines Wortes der
Entſchuldigung oder Erklärung, denn die Zerſtörung ge=
ſchieht
nur als Kriegsnotwendigkeit. Dann iſt ſie ein
Opfer, gebracht für Deutſchlands Beſtand. Das
vergeſſe man nicht. Und verglichen mit Deutſchlands
Beſtand, ſind alle Dome und Kunſtwerke der Welt für
nichts zu achten. Denn: Deutſchland, Deutſchland
über alles!

Der Herzog von Braunſchweig und ſeine
engliſchen Titel.

* Braunſchweig, 16. Nov. Die Braunſchw.
N. Nachr. bemerken: Herzog Ernſt Auguſt von
Braunſchweig hat ſofort nach der engliſchen Kriegs=
erklärung
an Deutſchland freiwillig auf die Führung des
Titels eines Prinzen von Großbritannien
und Irland verzichtet. Er ordnete an, daß dies
ſer Untertitel in den Erlaſſen und Verordnungen uſw.
fortgelaſſen wird. Die Meldung iſt ſehr erfreulich,
weil die engliſchen Blätter mit lächerlicher Wichtigtuerei
mitteilten, daß das Parlament beabſichtige, dem Herzog
Titel und Vorrechte (!) eines engliſchen Prinzen zu ent=
ziehen
. Die Engländer kommen damit alſo zu ſpät.

Aus Belgien.

* Brüſſel, 16. Nov. Eine Verordnung des Ge=
neralgouverneurs
in Belgien beſtimmt, die durch Verord=
nung
vom 3. Oktober 1914 feſtgeſetzte Verpflichtung, deut=
ſches
Geld in Zahlung zu nehmen, wobei
eine Mark bis auf weiteres mit mindeſtens 1,25 Franken
zu berechnen iſt, kann durch Parteivereinbarungen nicht
beſeitigt werden.
* Brüſſel, 16. Nov. Das Gouvernement Namur
teilt mit, daß die Aufräumungsarbeiten an
der Maas derart fortgeſchritten ſind, daß die Maas vom
Rhein ab bis zum 16. November bis Maneche und bis
zum 22. November bis Namur ſchiffbar ſein wird.

Das abgekartete Spiel.

* Die Lügen, mit denen England, Frankreich und
Rußland die Schuld an dem tobenden Weltkriege von ſich
auf uns abzuwälzen verſucht haben, ſind jetzt wiederholt
durch unwiderlegbare Beweiſe klargelegt worden. Im=
merhin
muß jedes Dokument, das davon zeugt, daß
der Krieg von langer Hand von unſeren
Feinden vorbereitet worden iſt, veröffentlicht
und ſo für die Nachwelt aufbewahrt werden. In Neu=
York erſcheint ſeit einiger Zeit ein Wochenblatt The=
Fatherland das ſich die Verteidigung Deutſchlands und

Die Brandenburger an der
Aisne.

wb. Seit dem 11. September ſtehen an der Aisne und
vor Verdun bis Lille die deutſchen und franzö=
ſiſch
=engliſchen Heere einander gegenüber in
einer Frontausdehnung von über 100 Kilo=
metern
. In zähem Ringen, in offenſivem Anprall und
in hinhaltender Verteidigung wird hier gekämpft von
Maſſen und Kräften, wie die Welt in gleicher Größe und
Gewaltigkeit ſie noch nicht geſehen. Alle Mittel moderner
Waffenwirkung und Technik finden Anwendung, ſchwere
und ſchwerſte Artillerie ſpricht dröhnend ihr gewichtiges
Wort, und eine Waffengattung kommt ganz beſonders zur
Geltung und Wichtigkeit: das ſind unſere trefflichen, ſo
vielſeitig ausgebildeten Pioniere. Flugzeuge beider Par=
teien
durchfurchen die Luft, umlauert und bekämpft wie=
der
von abwehrenden Geſchützen. Durch Drahtleitung ſind
die einzelnen Teile der Rieſenfront und die verſchiedenen
Kommandobehörden mit einander verbunden. Die In=
fanterie
hat ihre Stellungen in Schützengräben derart ſtark
und zweckmäßig ausgebaut, daß einſt ein Plewna nicht
großartiger angelegt geweſen ſein konnte. Hin und her
wogt dauernd der Kampf, hier abwehrend, dort jäh zu=
packend
, bald vorſichtig vorfühlend, bald kühn vorſtoßend.
Aber über allen, über Gefahren und Strapazen, über
Tod und Entbehrung webt und lebt märkiſcher Sinn für
Gemütlichkeit und köſtlicher Humor. Die Schützen=
gräben
und Deckungen ſind nicht nur ſachgemäß,
ſondern faſt kunſtvoll angelegt. Mit Schlafräumen für die
Mannſchaften, mit kleinen Kochräumen und bequemen,
durch Stroh und Decken faſt behaglich eingerichteten Be=
obachtungsſtänden
. Durch eingeſteckte Zweige und Bäume,
durch Schichten von Preßſtroh und allerhand Grünem
werden die Geſchützſtellungen der Einſicht der Flieger von
oben herab entzogen. Nirgends fehlen witzige Inſchriften.
Zum luſtigen Höhlenbewohner ſteht an einer Deckung,
Hier wohnt der Urmenſch an der anderen. Sauber auf=
geſchichtet
ſtehen engliſche und franzöſiſche Blindgänger an
den Eingängen, ein drohendes Memento mori noch jetzt
in ihrer Unſchädlichkeit. An einer Erddeckung iſt ein Zet=
tel
angeheftet mit der Speiſenfolge, die mit der Anmer=
kung
ſchließt: Grünes Kompott wird zu jeder Mahlzeit
von den Engländern geliefert, womit die großen grünen

yddit=Geſchoſſe gemeint ſind. Tief hat ſich alles in die
wärmende Erde eingegraben. Zum Teil ſind auch in ge=
ſchickter
Weiſe die hier infolge der Sandſteingewinnung
zahlreich vorhandenen Höhlen mitbenutzt. Die Stellungen
der Protzen und Feldküchen, ſoweit ſie nicht einen Schup=
pen
oder wenigſtens eine Mauer zum Schutze gefunden
haben, gleichen Indianerdörfern aus Coopers Leder=
ſtrumpf
, Prachtausgabe. Durch geſchichtetes Preßſtroh,
durch Bäume und Bohlen ſind richtige kleine Niederlaſſun=
gen
entſtanden, die Mannſchaften hauſen in Erd= und
Bretterhütten; mit altpreußiſchem Ordnungsſinn und
Gründlichkeit iſt Sattel= und Geſchirrzeug auf=
gebaut
und ausgerichtet. Wie in tiefem Frieden wer=
den
hier Pferde geputzt und beſchlagen, es wird gekocht
und gebraten, und in dieſem Fache entwickeln ſich Talente,
von denen man nichts geahnt. Für die Infanterie ſorgen
die vorzüglichen Feldküchen, die einen nicht zu unter=
ſchätzenden
Faktor bei der zu erhoffenden glücklichen Be=
endigung
dieſes Feldzuges bilden. Ohne ſie und ihre täg=
lich
mehrmalige ſchmackhafte Füllung wären die großen
Märſche durch Belgien und Nordfrankreich nicht zu leiſten
geweſen. Zu wechſelnden Zeiten, aber ſtets ſehnlich er=
wartet
und freudig begrüßt, erreichen ſie die Nähe der
Kampflinie und geben ihren mit Kennermiene geprüften
Inhalt aus.
Die vorn in der Feuerfront haben mittlerweile wie=
der
etwas Neues erſpäht, ausgeheckt oder ausgekund=
ſchaftet
. Patrouillen haben ſich bis dicht an den Feind
ſogar durch dieſen hindurchgeſchlichen, bringen Nachrich=
ten
und melden wichtige Wahrnehmungen. Kecker Wage=
mut
und Luſt am Abenteuer laſſen unſere grauen Jun=
gens
die Gefahr außer acht ſetzen. Eine Patrouille
hat unbemerkt am Drahthindernis vor der engliſchen Stel=
lung
eine lange Schnur befeſtigt. An dieſer zogen nächt=
licherweile
unſere Leute, wodurch ein unheimliches Ge=
raſchel
entſtand. Wenn dann die aus der Ruhe aufge
ſcheuchten Engländer wie toll ins Dunkel ſchoſſen, ſangen
Unſere die Wacht am Rhein und wollten ſich halbtot
lachen. Aus dem Garten eines vom Gegner beſetzten
Schlößchens holten die Landwehrleute kürzlich nachts 5
Hammel und brachten ſie im Triumph glücklich nach
Hauſe. Nach Antwerpens Fall wurde die Nachricht hier=
von
in reinem Engliſch dem feindlichen Schützengraben
hinübergerufen. In ebenſo reinem Deutſch kam zurück:
Jawoll, Kuchen! So iſt überall Leben und Bewegung
trotz ſcheinbarer Ruhe, und neue Pläne und Unterneh=

mungen werden raſtlos erwogen und Erkundungen aus=
geführt
.
Das Stimmungsbild vom Geiſte und dem Leben un=
ſerer
Märker wäre aber nicht erſchöpfend gezeichnet, wenn
die Feldpoſt, die vielgeſchmähte, nicht hinreichende Er=
wähnung
fände. Nicht nur täglich, nein ſtündlich weilen
die Gedanken unſerer ſo innig an heimatlicher Scholle hän=
genden
Brandenburger daheim bei ihren Lieben. Sehn=
ſüchtig
wird jedes Lebenszeichen von Hauſe erwartet, jede
Zeile liebevoll ſtudiert, jede Zeitung faſt verſchlungen. Wie
groß iſt daher die Freude, wenn es endlich heißt: Die Poſt
iſt da. Korporalſchafts=, Beritt= oder Geſchützführer zum
Poſtempfang antreten! Was kommt da alles an, Poſt=
karten
und Briefe großen und kleinen Formats, orthogra=
phiſch
und unorthographiſch geſchrieben, Paket und Paket=
chen
. Mit heißen Augen zieht der Landwehrmann ſich
aus dem lauten Trubel zurück, um in verſchwiegener Ecke
die Grüße ſeiner Frau, die ungelenken Schriftzüge ſeiner
Kinder zu leſen. Keinen Pfennig von ſeiner Kriegslöh=
nung
hat er verbraucht, ſondern alles den Lieben daheim
durch Feldpoſt geſandt. Was aber ſchicken ſie ihm nun
wieder alles dafür! Zigarren und Strümpfe, Tabak und
Pulswärmer und noch allerlei anderes Schönes und Nütz=
liches
. Ueberhaupt die Liebesgaben! Großartig und
rührend ſind unſere Lieben daheim in ihrem treuen Ge=
denken
an uns, die wir vor dem Feinde ſtehen. Es iſt gar
nicht zu beſchreiben, was an Gaben der Liebe alles an=
kommt
von Privaten und Vereinen, von Dienſtſtellen und
aus öffentlichen Sammlungen. Warme Unterkleider und
Socken, Halstücher und Schals, Tabak zum Rauchen,
Kauen und Schnupfen, Kaffee und Schokolade, Zucker und
Kakao, Wurſt und Konſerven, Streichhölzer und Lichte;
kurz, alle Gaben aufzuzählen, iſt ebenſo ſchwer, wie den
Gebern zu danken. Sogar der Stammtiſch zum grünen
Hering hatte ſich durch eine Sendung von reichem In=
halt
beteiligt. Rührend aber war in ſeiner gutgemeinten
unpraktiſchen Art das Paket zweier alter Dämchen, das
alles mögliche Selbſtgeſtrickte und Selbſtgewebte enthielt,
daneben auch u. a. Brauſepulver! Na, für Abkühlung wird
hier ſchon genügend geſorgt, und Bedarf an abkühlenden
Mitteln dürfte kaum vorliegen. Aber herzlich gefreut, nein,
gerührt, hat auch dieſe Spende, und herzlich dankend haben
wir ihren Empfang beſtätigt. Der Feldpoſt, die in Zeiten
eiligen Vormarſches uns nicht immer folgen konnte und
auf deren Haupt manch Donnerwetter geknirſcht wurde
gilt unſer warmer Dank. Iſt ſie doch indirekt die Spen=

[ ][  ][ ]

Nummer 318.

Darmſtätder Tagblatt, Mittwoch, den 18. November 1914.

Seite 3.

Oeſterreichs gegen die verleumderiſchen Lügen der Ver=
bündeten
zur Aufgabe gemacht hat. In ſeiner neunten
Nummer vom 7. Oktober d. J. bringt nun dieſes Blatt
aus dem Pariſer Gil Blas vom 25. Februar 1913 eine
Stelle zum Abdruck, die damals leider unbeachtet geblie=
ben
zu ſein ſcheint und uns doch die Pläne unſerer
Feinde hätte verraten können. Dieſe Stelle lautet:
Eine oſtfranzöſiſche Zeitung veröffentlicht eine inter=
eſſante
Nachricht. Es iſt Tagesgeſpräch in militäriſchen
Kreiſen, daß ſeit Wochen große Ladungen engliſcher
Kriegsmunition nach Maubeuge verſchifft wurden.
Die Stadt Maubeuge iſt von großer militäriſcher Bedeu=
tung
. In dem franzöſiſchen Kriegsplan iſt ſie als Kon=
zentrationspunkt
für die verbündeten Truppen vorgeſehen,
die im Kriegsfalle durch den engliſchen Feldmarſchall
Sir John French als Oberkommandierenden unter Gene=
ral
Joffre kommandiert werden ſollen. Es iſt wohl be=
kannt
, daß die Geſchoſſe für die engliſchen Waffen von
denen der Franzoſen verſchieden ſind, aber die beiden Re=
gierungen
haben ein Abkommen getroffen, welches die
Landung der nötigen Munitionsbeſtände in Frankreich
bereits im Frieden ermöglicht.
Der Gil Blas vom 25. Februar 1913 war in der Tat
gut informiert, wie die Erbeutung des engliſchen Muni=
tionsmagazins
bei Maubeuge uns gezeigt hat.

Die Ueberreſte der belgiſchen Armee.

* Roſendaal, 16. Nov. (Ctr. Bln.) In den
letzten acht Tagen büßte die belgiſche Armee 18000 Mann
ein. Die Verluſte an Offizieren belaufen ſich auf 600
Mann. Etwa 2000 Mann flüchteten in Bürgerkleidung
nach Holland. Die Zahl der von den Deutſchen gefange=
nen
Belgier wird auf 4000 geſchätzt. Dieſe Angabe lie=
ferte
ein vorgeſtern internierter Leutnant. Er teilte noch
mit, daß die belgiſchen Heeresreſte ſich im Zuſtande völ=
liger
Auflöſung befinden. 25000 Mann ſind noch vorhan=
den
, doch läßt ſich mit den Mannſchaften nichts mehr un=
ternehmen
. Es ſcheint, daß die franzöſiſche Heeresleitung
den demoraliſierenden Einfluß der Belgier auf die Li=
nientruppen
fürchtet und eine ſtrenge Scheidung zwiſchen
den Franzoſen und Belgiern vorgenommen hat. Meu=
tereien
kamen in den letzten Tagen wiederholt vor. Die
erſchöpften Soldaten verließen nachts die Schützengräben
und boten ſich dem Feind als Gefangene an. Ein Haupt=
mann
, der ſeine Truppen zu einem Sturm antrieb, wurde
durch einen Bajonettſtich in den Nacken getötet. Dem =
nig
Albert iſt es unmöglich, den Mannſchaften Mut zuzu=
ſprechen
. Seine Beſuche in den Laufgräben werden von
den Offizieren ſehr peinlich empfunden.

Der Temps ſchützt die Wahrheit!

* Paris, 16. Nov. Der Temps entrüſtet ſich über
die deutſche Auslandspropaganda. Unter dem
Titel Für die Wahrheit ſchreibt das Blatt: Die
neue hiſtoriſche Schule jenſeits des Rheins, die unter
der Leitung der Unterzeichner des berüchtigten Mani=
feſtes
der Intellektuellen ſteht, iſt eine Wolffagentur von
rieſigem Umfange. Mit ſorgfältiger Umſicht und großer
Hingabe beſchafft man ſich alle möglichen Adreſſen. Wo
irgendwo Propagandazentren ſind, werden ſie aufgeſpürt
mit jener peinlichen Sorgfalt, mit der die Deutſchen
das iſt unbeſtreitbar ihren Spionagedienſt einzurichten
verſtehen. An allen Enden der Welt dringen ſie ein.
(Hoffentlich. D. R.) Das Blatt zählt die Staaten Miſſiſ=
ſippi
, Ohio, Indiana und Illinois auf, gibt ſeinem Aer=
ger
über Mitarbeiter wie Björnſon und Sven Hedin
Ausdruck und ſagt, alle, die irgendwie Beziehungen zu

dem neutralen Auslande hätten, ſeien zurzeit für dieſen
Spezialdienſt mobiliſiert. Schließlich fordert das Blatt
zum Einſchreiten auf, ehe es zu ſpät ſei und ſagt, wir
müſſen antworten und müſſen die Wahrheit ſchützen, das
iſt unſere dringende Pflicht. Alſo der Temps ſchützt die
Wahrheit! Das iſt köſtlich!

Britiſcher Kulturtiefſtand.

* Zu der geſtern von uns gekennzeichneten Aeußerung
Mac Kennas im Unterhauſe ſchreibt die Kreuz=Ztg.:
Im engliſchen Unterhaus hat Miniſter Mac Kenna er=
klärt
, wenn die Zeppeline in England einfielen, ſo
würden vorausſichtlich in noch weit größerem Umfange
als bisher Internierungen von Deutſchen vorgenommen
werden. Deutſche Männer, die interniert werden könn=
ten
, ſind kaum noch vorhanden. Die Aeußerung beweiſt
alſo, daß die Engländer ſelbſt nicht vor der Einſper=
rung
wehrloſer Frauen und Kinder zurück=
ſchrecken
. Das iſt bezeichnend für ihre Auffaſſung von
völkerrechtlichem Anſtand, aber nicht weiter überraſchend.
Im übrigen iſt die ganze Aeußerung ein überaus törich=
ter
Bluff. England ſollte ſich wirklich ſagen, daß es durch
ſolche Drohungen niemand einſchüchtert.
Der Kaiſer und die Regierung haben wieder und wieder
in klarſter Weiſe zu erkennen gegeben, daß ſie feſt entſchloſ=
ſen
ſind, England niederzuringen und ihm einen Frieden
aufzuzwingen, der der ungeheuren Blutopfer wert iſt, die
wir der engliſchen Niedertracht verdanken. Es iſt ganz
ſelbſtverſtändlich, daß jedes hierzu geeignete Mittel auch
rückſichtslos angewendet wird. Die maßgebenden Stel=
len
wiſſen genau, daß das deutſche Volk gar nichts an=
deres
erwartet und nach den bisherigen Zuſicherungen
erwarten kann. Niemand in ganz Deutſchland würde es
verſtehen, wenn man zögern wollte, irgend ein durch un=
ſere
techniſche Ueberlegenheit uns zur Verfügung ſtehen=
des
Mittel gegen die große Feſtung, als welche das bri=
tiſche
Inſelreich als Ganzes ſich darſtellt, ohne jede Rück=
ſicht
auszunutzen.

Das Urteil über die neue engliſche Wehrvorlage.

* Amſterdam, 16. Nov. Die öffentliche Meinung
Englands nimmt die Forderung der engliſchen
Regierung für den außerordentlichen Kredit von 225
Millionen Pfund zur Aufſtellung des neuen Heeres von
einer Million Soldaten mit ſehr gemiſchten Gefühlen auf
Man iſt zwar befriedigt, daß die Regierung zu energi=
ſchen
Mitteln greift, um den Krieg gegen Deutſchland
weiter fortſetzen zu können. Auf der anderen Seite ent=
halte
aber dieſe Forderung ein Eingeſtändnis, daß die
Lage der Verbündeten ſehr ſchwierig ſei.
Das in der Vorlage enthaltene Zugeſtändnis der deutſchen
Ueberlegenheit könne das engliſche Publikum nicht gerade
ermutigen.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 18. November.
* Ordensverleihung. Ihre Königl. Hoheit die
Großherzogin haben dem Bürgermeiſter und
Standesbeamten Julius Fenchel in Griedel das
Silberne Kreuz des Verdienſtordens Philipps des Groß=
mütigen
verliehen.
* Uebertragen wurde der Schulamtsaſpirantin
Johanna Fuchs aus Bingen eine Lehrerinſtelle an der
Volksſchule zu Ober=Mörlen, Kreis Friedberg.
* Militärdienſtnachricht. Zum Leutant befördert
vurde Vizefeldwebel Erich Landzettel aus Darm=
tadt
im 16. Reſ.=Inf.=Reg.
C Ritter des Eiſernen Kreuzes. Das Eiſerne Kreuz
erhielten: Regierungsbaumeiſter und Dipl.=Ing. Karl

Wolff, zurzeit Offizier=Stellvertreter im Inf.=Regs.
Nr. 143; Generaloberarzt Dr. Eichel, desgleichen ſein
Sohn Leutnant Max Eichel, im Inf.=Leib=Regt. Groß=
herzogin
Nr. 117; letzterer iſt ſchwer verwundet und wurde
ihm in voriger Woche von J. K. H. der Großherzogin
perſönlich die Heſſ. Tapferkeitsmedaille über=
reicht
; das Eiſerne Kreuz erhielt ferner Unterzahlmeiſter
Stracke vom 2. Bat. Inf.=Rgt. Nr. 115.
Den Mitgliedern der Turngeſellſchaft Darm=
ſtadt
Willy Seip und Ludwig Mulch wurde das
Eiſerne Kreuz verliehen; erſterer wurde gleichzeitig zum
Gefreiten, letzterer zum Feldwebel=Leutnant befördert.
Großh. Hoftheater. Heute geht Weingartners
Kain und Abel unter perſönlicher Leitung des Kom=
poniſten
in Szene. An demſelben Abend dirigiert
Generalmuſikdirektor Felix von Weingartner noch
Beethovens fünfte Sinfonie (C-moll). Nach dem außer=
ordentlichen
Erfolg, den Weingartner bei dem vorgeſtrigen
Hofmuſikkonzert fand, wird dieſe Tatſache von be=
ſonderem
Intereſſe ſein. Es wird ausdrücklich darauf
hingewieſen, daß Kain und Abel um 7 Uhr beginnt.
Donnerstag 6½ Uhr geht der erſte Teil der Goetheſchen
Fauſt=Tragödie zum erſtenmal an einem Abend in
Szene. Freitag wird Der Zigeunerbaron der in dieſem
Jahr wieder mit großem Erfolg in den Spielplan auf=
genommen
wurde, in der bekannten Beſetzung zum
erſtenmal bei kleinen Preiſen gegeben. Sonntag geht
auf A 10 Mignon in Szene. Dirigent Richard Lert.
Die nächſte Schauſpielnovität iſt Als ich noch im Flügel=
kleide
ein fröhliches Spiel von Albert Kehm und Mar=
tin
Frehſee. Die Erſtaufführung iſt für Donnerstag,
den 26., angeſetzt.
* Im Silberkranz. Am 22. Oktober feierte Herr
Oberzahlmeiſter Klein vom Leibgarde=Infanterie=
Regiment Nr. 115, zurzeit Kriegszahlmeiſter bei der
Militär=Eiſenbahn=Direktion II, das Feſt der Sil=
bernen
Hochzeit. War es der Jubilarin auch nicht
vergönnt, mit ihrem Gemahl dies Feſt gemeinſchaftlich
feiern zu können, ſo muß es dem Jubilar an dieſem
Tage in Feindesland doch annehmbar gut ergangen ſein,
denn ein ſehr wohlgelungenes Bild zeigt uns den
Jubilar in ſeinem reich mit Blumen geſchmückten und
ller Art Aufmerkſamkeiten ausgeſtatteten Quartier.
O Unterbringung wehrpflichtiger Schleſier in Darm=
ſtadt
. Der Oberbürgermeiſter erhielt am Montag abend die
Nachricht, daß zur vorläufigen Unterbringung
und Verpflegung 5000 Mann wehrpflich=
tige
Schleſier in Darmſtadt eintreffen werden.
Um 10 Uhr abends wurde ſodann mitgeteilt, daß am
Dienstag früh ½6 Uhr 2200 Mann ankommen würden.
Die Stadtverwaltung hat hierauf noch in der Nacht alle
Maßnahmen getroffen, die für die Unterbringung und
Verpflegung möglich waren. Es wird darauf aufmerk=
ſam
gemacht, daß dieſe Maßnahme ſelbſtverſtändlich nur
im Intereſſe der Schleſier ſelbſt liegt und zu irgend wel=
chen
Vermutungen keinen Anlaß gibt.
Verpackung der Liebesgabenbriefe an Kriegsgefan=
gene
. Die ſchweizeriſche Poſtverwaltung, die den Poſt=
verkehr
mit den deutſchen Kriegsgefangenen in
Frankreich vermittelt, führt Klage darüber, daß die als
Briefe verſandten Schächtelchen aus Karton mit Zigarren
uſw. für Kriegsgefangene oft ſchon in der Schweiz beſchä=
digt
eintreffen.. Es könne ſelten ein Poſtſack entleert wer=
den
, ohne daß dabei Trümmer von ſolchen Schachteln ſo=
wie
zerbrochene Zigarren und Zigaretten herausfallen.
Die deutſchen Abſender ſollten daher auf beſonders halt=
bare
Verpackung der Liebesgabenbriefe an Kriegs=
gefangene
um ſo mehr Bedacht nehmen, als dieſe Sen=
dungen
durch zahlreiche Hände gehen, bis ſie zu den
Kriegsgefangenen gelangen.
Verein für Verbreitung von Volksbildung. Gleich
der erſten Veranſtaltung, dem Vaterländiſchen Abend im
vorigen Monat, hatte auch der geſtrige Vortrag Krupp,
die deutſche Waffenſchmiede eine ſehr ſtarke
Anziehungskraft ausgeübt, ſodaß der Kaiſerſaal dicht
gefüllt war. Ein ſo im Brennpunkt allgemeinſten Inter=
eſſes
ſtehendes Thema durch einen Fachmann und aus=
drucksvollen
Redner wie Herr Dipl.=Ing. Fromholz=
Dortmund mit Unterſtützung durch ſcharfe, charakteriſti=
ſche
Lichtbilder behandelt, zu hören, iſt fürwahr ein hoher
Genuß, muß jeden feſſeln und ihm das Verſtändnis für
eine der hervorragendſten Leiſtungen deutſcher Technik

derin unſerer Freuden und unſerer Erholung; möge ſie
weiter ihre große und anſtrengende Arbeit bewältigen, die
Lieben daheim und uns zu gleichem Danke verpflichten.
Hinter der Front der Kämpfenden, in reſpektvoller
Entfernung auch von ſchweren feindlichen Geſchoſſen ar=
beiten
Nachſchub an Verpflegung und an Aus=
rüſtungsſtücken
aller Art und das Sanitäts=
weſen
. Letzteres hat ſeine Lazarette und zeitweiligen
Niederlaſſungen in den ſtillen, in tiefen Tälern eingebette=
ten
Dörfern angelegt. Hier finden die Verwundeten und
Kranken liebevolle Aufnahme und ſachgemäße Pflege und
Behandlung. Hier iſt Friede und Ruhe, und in erfreu=
licher
Weiſe ſchreitet die Beſſerung unſerer Kranken und
Wunden fort, die teils der Heimat zur endgültigen Heilung
zugeführt werden, teils bereits geheilt zur Front zurück=
eilen
. Ernſt und die Ueberlebenden an weitere treue
Pflichterfüllung gemahnend, wirken auf dörflichem Gottes=
acker
die Gräber unſerer Braven mit ihren ſchlichten Kreu=
zen
und mannhaften Inſchriften. Unweit von dieſen
Stätten, die jenſeits kriegeriſchen Lebens zu liegen ſchei=
nen
, arbeitet gewichtig und wichtig der Empfang an
Lebensmitteln und von allerlei, was zu des Lebens Not=
durft
und Nahrung gehört. Hier weiden große Rinder=
und Hammelherden, ſorglich behütet, von denen jedes
Haupt gezählt iſt und die vom Proviantmeiſter täglich
mit liebevollem Blick gemuſtert werden. Auf ſchweren
Rädern rollen Proviant= und Fuhrpark=Kolonnen her=
bei
und entleeren ihren koſtbaren und nahrhaften In=
halt
. Drinnen, im Schuppen, wirken mit olympiſcher
Ruhe Proviantmeiſter und Intendantur und ſuchen allen
berechtigten und unberechtigten Wünſchen gerecht zu wer=
den
. Und dieſe Wünſche und der Bedarf ſind wahrlich
nicht gering und ſind von ſo mannigfacher Art, daß man
ſich faſt wundern muß, wie ſie wenigſtens zum weitaus
größten Teile, erfüllt werden. Denn, was dieſe Häufung
von Menſchen und Pferden zum Unterhalt notwendig ge=
braucht
, das läßt ſich kaum beſchreiben. Aber es wird ge=
ſchafft
, und die Art, wie Nachſchub und Verpflegung,
namentlich neuerdings, funktionieren, ſtellt den an dieſem
Gelingen beteiligten Behörden das ehrendſte Zeugnis aus.
Tätigkeit und Rührigkeit aller Orten, gehobene Stim=
mung
trotz Strapazen und hinhaltenden Ausharrens in
wochenlangem Ringen, das iſt die Signatur der Betätigung
der Brandenburger an der Aisne. Geht es erſt wieder
vorwärts in einer Weiſe, die dem Naturell des kampf=
erprobten
Märkers mehr liegt, ſo wird er auch dann aufs
neue ſeinen Mann ſtellen.

Aus Feldpoſtbriefen Darmſtädter
Soldaten.

* Von einem Maſchinenſetzer des Darmſtädter Tag=
blattes
, der zum Landſturm einberufen iſt, geht uns fol=
gender
Brief aus Antwerpen, 8. November, zu:
Ihr Intereſſe vorausgeſetzt, will ich Ihnen einiges
über meine Erlebniſſe und empfangenen Eindrücke auf
und von der Reiſe zum Kriegsſchauplatz mitteilen. Am
28. Oktober, früh, wurde unſer Bataillon in Bodenheim
verladen, und um 8 Uhr morgens fuhr unſer Zug unter
den Klängen der neugegründeten Bataillonskapelle zum
Bahnhof hinaus, einem unbekannten Ziel entgegen.
Freilich ging das Gerücht herum, die Fahrt ſei nach Ant=
werpen
gerichtet, und ihr weiterer Verlauf gab dieſem
Gerüchte recht. Es erübrigt ſich wohl, zu ſchildern, mit
welch freundlichem Willkommen, um nicht zu ſagen Jubel
wir auf allen Stationen rheinabwärts begrüßt wurden.
Auch die Verpflegung unterwegs war reichlich und gut.
Abends um 11 Uhr lief unſer Zug in Aachen ein. Wir
fuhren jedoch erſt am anderen Morgen (29. Oktober) um
5 Uhr weiter, der belgiſchen Grenze zu, da zur Nachtzeit
in Feindesland der Zugverkehr, jedenfalls aus Gründen
der Sicherheit, ruht. Beim erſten Morgengrauen war an
den eigenartigen Telegraphenſtangen und Signalmaſten
zu erkennen, daß wir bereits auf belgiſchem Boden fuhren.
Eine ſehr intereſſante und reizvolle Fahrt wartete unſer.
Felsſchluchten und idylliſche Täler mit reichlichen Waſſer=
läufen
wechſelten ſtundenlang ab, deren intereſſantes Er
ſchauen durch das Dunkel ſehr vieler mehr oder weniger
langer Tunnels unterbrochen wurde. Dann wurde die
Landſchaft nach und nach flacher, und um 11 Uhr waren
wir in Lüttich. Trotz allem neugierigen Spähen war hier
an Zerſtörungen nicht viel zu ſehen, wenigſtens vom Zuge
aus. Nur einige Granaten hatten hier und da auf dem
Bahnhofe ſelbſt Dächer durchſchlagen und Schienen aufge=
riſſen
. Es wurde jedoch überall repariert, und deutſche
Eiſenbahner begrüßten uns mit deutſchem Gruß. Neben
bei geſagt, war alles mit deutſchen Beamten beſetzt und
die ganze Eiſenbahnſtrecke durch Militär bewacht. Auch
über Lüttich hinaus war außer einigen Schützengräben
und hier und da verſtreut liegenden Einzelgräbern ge=
fallener
Belgier nichts beſonderes zu ſehen. Hinter Tirle=
mont
aber machten ſich die fürchterlichen Folgen des Krie=
ges
bemerkbar. Erſt vereinzelt, dann immer zahlreicher
ragten rechts und links die rauchgeſchwärzten Giebel=
mauern
zerſchoſſener Häuſer geſpenſterhaft zum Himmel

empor. An der ganzen mit der Bahnſtrecke hier ziemlich
parallel laufenden Landſtraße entlang waren dieſe fürch=
terlichen
Zeichen des Krieges ſichtbar, und nur allmählich
gewöhnte ſich das Auge an dieſen ſchrecklichen Anblick.
Den Höhepunkt der Zerſtörung bot jedoch Loewen dar.
Der Bahnhof Loewen liegt tief, und zu beiden Seiten
ziehen ſich hochgelegene Straßenzüge hin; er war alſo wie
geſchaffen für einen meuchleriſchen Anſchlag. Es iſt aber
gründliche Vergeltung geübt worden. Das vom menſch=
lichen
Standpunkt erklärliche Mitleid mit den hiervon Be=
troffenen
tritt in den Hintergrund im Gedenken daran,
daß das Blut vieler unſerer Brüder hier meuchlings ver=
goſſen
worden iſt, und hiermit kommt auch die Ueberzeu=
gung
, daß dieſe harten Maßnahmen unbedingt notwendig
waren. Deren Zweckmäßigkeit und abſchreckende Wir=
kung
iſt ja im ſpäteren Verlaufe des Vormarſches genü=
gend
zutage getreten. Um 1 Uhr mittags fuhren wir
von Loewen wieder ab und waren um 2.15 Uhr in Lier.
Auf dieſer Fahrt hatten wir Gelegenheit, die wirklich
genial angelegten Sperranlagen vor den eigentlichen Be=
feſtigungswerken
zu bewundern. Das ganze Gelände iſt
überflutet und mit Stacheldrahtverhauen und handhohen
Spitzpfahlfeldern durchſetzt. Sämtliche Bäume ſind ge=
fällt
, und die Rieſenſtämme ſind dann von unſeren Pio=
nieren
zur Ausfüllung der Gräben benutzt worden. Jeder
natürliche Waſſergraben iſt zum Schützengraben ausge=
baut
, und hinter jeder Hecke ſind ſolche angelegt. Dieſe
ganzen Verteidigungsanlagen in Verbindung mit den
modernen Fortgürteln ſind für uneinnehmbar gehalten
worden, und ſie ſind es auch in der Tat allerdings nicht
für deutſche Truppen. Dann bot uns die Stadt Lier
ſelbſt wieder einen Anblick ſchrecklicher Verwüſtung. Es
gibt in der zirka 27000 Einwohner zählenden Stadt kaum
ein Haus, das nicht mehr oder weniger beſchädigt iſt,
und zwar hauptſächlich durch das Bombardement der
dort vorher gaſtlich aufgenommenen Engländer, wie mir
perſönlich von Lierer Bürgern erzählt wurde. Die Herren
Engländer waren nämlich ſo naiv, zu glauben, die Deut=
ſchen
hätten ſich in der Stadt Lier feſtgeſetzt, und ſie haben
dann die wehrloſen Bürger tapfer beſchoſſen. Vor ihrem
Rückzuge haben die belgiſchen und engliſchen Soldaten,
wie mir ebenfalls von Einheimiſchen berichtet wurde, in
der Stadt tüchtig geplündert und geraubt.
Um 4 Uhr nachmittags kamen wir in Antwerpen an.
Wegen Mangels an Unterkunft mußten wir aber noch=
mals
eine Nacht im Eiſenbahnwagen zubringen. Der
nächſte Morgen fand uns daher nicht in ſehr roſiger Stim=
mung
. Nachdem wir uns dann an aus der Stadt gehol=
tem
Kaffee gelabt hatten, fuhren die 3. und 4. Batterie

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 18. November 1914.

Nummer 318.

erſchließen. Einen echt vaterländiſchen Auftakt verlieh
der Vereinsvorſitzende, Herr Profeſſor Dr. Gaul, dem
Beginn des Abends, indem er mit einer kurzen Anſprache
des jüngſten Sieges über die Ruſſen gedachte und die
Verſammlung zu einem begeiſterten Hoch auf das Reich,
unſer tapferes Heer und deſſen genialen Führer im Oſten
veranlaßte. Dann ergriff der Vortragende das Wort und
gab in ſeinen über zweiſtündigen Ausführungen ein
treffliches Bild alles deſſen, was von der weltumſpannen=
den
und dabei ſo urdeutſchen Firma geleiſtet worden iſt
und geleiſtet wird. Der letzte männliche Inhaber der
Firma Frdr. Alfr. Krupp, der das Gewonnene zu erhalten
und ſtetig weiterzuentfalten wußte, hinterließ bei ſeinem
Tode 1902 den Betrieb mit 64000 Arbeitern, und dieſer,
der bei der Jahrhundertfeier im Jahre 1911 auf 72000
geſtiegen war, beſchäftigt in der jetzigen Kriegszeit wohl
80000 Arbeiter und Angeſtellte. Seine Bergwerke (Eiſen,
Kohlen uſw.), 22 an der Zahl, liegen nicht nur in Deutſch=
land
, ſondern in vielen Erdſtrichen und verſorgen die
zahlreichen Hochöfen, ſowie ſonſtigen Fabrikanlagen der
Firma mit dem Rohmaterial, das eigene Ozeandampfer,
Rheinſchiffe uſw. zuführen. Ungemein mannigfach ſind
die Erzeugniſſe, ſteht doch der Kruppſche Gußſtahl in ſei=
ner
Güte unerreicht und zum Neid des geſamten indu=
ſtriellen
Auslandes da. Auf das genialſte und wirtſchaft=
ichſte
iſt das geſamte Rieſenunternehmen gegliedert, und
der Vortragende ſchilderte dieſen Betrieb in ſeinen gerade=
zu
gigantiſchen Verhältniſſen mit der Verwendung aller
techniſchen Kräfte und Errungenſchaften aufs anſchau=
lichſte
. Vorbildlich und lange vor Beginn unſerer
Reichsſozialpolitik ſchuf Krupp Wohlfahrtsein=
richtungen
für alle ſeine Betriebe und wendete z. B. in=
nerhalb
zehn Jahren 30 Millionen Mark hierfür auf, wäh=
rend
ihn die Geſetzgebung nur zu 3 Millionen verpflichtet.
Arbeiterkolonien, Krankenhäuſer, Schulen und andere
Erziehungseinrichtungen, Erholungs= und Verſorgungs=
heime
, Konſumvereine, Bibliotheken u. a. m. vervollſtän=
digen
dieſes ſegensreiche Wirken, das dem Unternehmen
zufriedene, treue Arbeiter und Beamte ſichert und ein wei=
teres
Ruhmesblatt deutſcher Induſtrie iſt.
Der letzte Teil des Vortrages galt ſpeziell der Ge=
ſchütz
= und Geſchoßfabrikation und gab intereſſante Ein=
zelheiten
, ſoweit deren Mitteilung zurzeit angängig
war. Der in den Kruppſchen Werken ſelbſt ſtets wäh=
rende
Wettkampf zwiſchen Geſchütz und Panzer wurde
anſchaulich berührt und dem Beſchauer das neueſte Er=
gebnis
auf dem weſtlichen Kriegsſchauplatz im Bilde vor=
geführt
. Mit dem alten Kruppſchen Betriebe ſind im
Lauſe der Zeit noch die Gruſonwerke in Magdeburg und
die Germaniawerft in Kiel vereinigt worden. Ver=
trauensvoll
darf ſich das deutſche Volk auf Krupps Lei=
ſtungen
verlaſſen und der Heimtücke und Niedertracht
Englands, die hoffentlich durch einen Stoß ins Herz des
Inſelreiches getroffen werden, ſteht nach den Worten un=
ſeres
Kaiſers noch eine nette Ueberraſchung bevor. Mit
der flammenden Verſicherung, daß das Krämervolk jen=
ſeits
des Kanals im eigenen Lande und am eigenen
Leib die Vergeltung ſpüren müſſe, ſchloß der Redner und
löſte langanhaltenden ſtürmiſchen Beifall aus.
* Wohltätigkeitskonzert. Als Reinertrag des von
Herrn Kammervirtuoſen Backhaus am 9. d. M. ver=
anſtalteten
Beethoven=Abends iſt der Stadtver=
waltung
die Summe von 500 Mark zum Beſten der
ſtädtiſchen Hinterbliebenenfürſorge überwieſen worden.
* Ueber die Grundſätze bei Vergebung von Militär=
lieferungen
liegt der Großh. Handelskammer Darm=
ſtadt
Material vor, welches Intereſſenten auf Wunſch
zugängig gemacht werden kann.
Der Krieg als Erzieher‟. Die große Gemeinde
der Freunde und Verehrer, die der frühere hieſige Pfarrer
und Oberkonſiſtorialrat Dr. Karl Sell, jetzt Profeſſor an
der Univerſität Bonn, in Darmſtadt von ſeiner hieſigen
ſegensreichen Wirkſamkeit noch beſitzt, wird mit großer
Freude die Nachricht vernehmen, daß der Genannte ſich
auf Erſuchen des Darmſtädter Vortragsverbandes bereit
erklärt hat, zwiſchen Weihnachten und Neujahr hier einen
Vortrag über Der Krieg als Erzieher zu halten.
Der Ortsgewerbeverein hat für Freitag, den
20. d. Mts., einen Vortragsabend angeſetzt, in dem zu
rächſt Herr Profeſſor Dr. phil. und jur. J. Kollmann
von der hieſigen Großh. Techniſchen Hochſchule über
Das Kautionsweſen bei Vergebungöffent
icher Arbeiten ſprechen und im Anſchluß hieran

Herr Volksbankdirektor Stein über Die Kredit
verhältniſſe während des Krieges einige
Mitteilungen geben wird. Wir wollen nicht verfehlen
auf dieſe Vorträge aufmerkſam zu machen. (Siehe
Anzeigeteil.)
Alle Verſteigerungen von Häuten und Fellen ſind
bis auf weiteres verboten.

Der Neudruck des heſſiſchen Geſangbuchs.

O In dieſen Tagen iſt der lange erwartete Neu=
druck
des evangeliſchen Geſangbuchs für
das Großherzogtum Heſſen, ausgeführt von der
L. C. Wittichſchen Hofbuchdruckerei, im Verlag von
Johs. Waitz in Darmſtadt, erſchienen und gelangt
nunmehr zum Verkauf. Er unterſcheidet ſich dem Text
nach nicht von den früheren Ausgaben des Geſangbuchs
ſodaß letztere auch weiterhin in Schule und Gottesdienſt
gebraucht und, ſoweit der Vorrat reicht, verkauft werden
können; ſie werden jedoch nicht mehr gedruckt. Veran=
laßt
wurde der Neudruck durch das allerſeits empfundene
und von der evangeliſchen Landesſynode zum Ausdruck
gebrachte Bedürfnis, das Geſangbuch nach Papier, Druck
und Buchſchmuck den heutigen geſteigerten künſtleriſchen
Anforderungen entſprechend zu geſtalten. Während einige
andere deutſche Landeskirchen dieſem Bedürfnis durch
Herausgabe einer beſonderen Schmuckausgabe neben den
ſonſtigen zu entſprechen ſuchten, wurde in Heſſen nur eine
einzige, und zwar künſtleriſch ausgeſtattete Ausgabe (mit
Noten) veranſtaltet, um dieſe allen Kreiſen der evangeli=
ſchen
Gemeindeglieder zugänglich zu machen. Unter Mit=
wirkung
von mehreren auf dem Gebiete des Buchdrucks
und Buchſchmucks anerkannten Sachverſtändigen hat
Kunſtmaler Theodor Gengnagel zu Darmſtadt den
Druck geleitet und das Buch mit ſchlichtem, ſehr anſpre=
chendem
Schmuck verſehen. Von ihm rühren auch meh=
rere
Einbandentwürfe her, die in verſchiedener Ausfüh=
rung
zu vom Großh. Oberkonſiſtorium feſtgeſetzten ange=
meſſenen
Ladenpreiſen in den einſchlägigen Geſchäften
verkauft werden. Dieſe geſetzlich geſchützten Einbände
ragen auf der letzten Seite unter den Nachweiſungen
über Druck uſw. den Vermerk: Einband nach Entwurf
von Th. Gengnagel von J. Schäffer in Grünſtadt.

Rotes Kreuz.

(Geöffnet von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. Zen=
tral
=Abteilung: Rheinſtraße 34, Fernruf 25: Krankenbe=
förderungs
=Abteilung: Rheinſtraße 34, Fernruf 2576;
Materialien=Abteilung: Altes Palais, Fernruf 20; Liebes=
gaben
=Transport=Abteilung: Neckarſtraße 8, Fernruf 2421.)
Von der Fahrt und Tätigkeit der zweiten Ko=
lonne
des dritten Eleonorenzuges dürfte das
Folgende von allgemeinem Intereſſe ſein: Die zweite Ko=
lonne
wurde von dem Fürſten zu Erbach=Schönberg ge=
führt
und ſetzte ſich zuſammen aus 5 Kraftwagen mit
einem Chauffeur, Militärfahrern und Begleitmannſchaf=
ten
; Teilnehmer waren: Oberleutnant d. Reſ. Ber=
ninghaus
und Chemiker Fritz Schütz, Finanzaſſeſſor Zim=
mer
und Begleiter Karl Emmerling. Der Zugteil der
Kolonne beſtand aus einem Perſonenwagen, 4 geſchloſſe=
nen
Güterwagen, 7 offenen Wagen, auf denen die Autos
verladen waren, und einem Benzolwagen. Unter den
geſchloſſenen Wagen befand ſich ein von der Kommandan=
tur
III Darmſtadt für die Etappe beſtimmter, mit Pake=
ten
für die Landſturmbataillone Erbach, Darmſtadt I
und Worms. Auch dieſe Kolonne verließ, von J. K. H.
der Großherzogin und Sr. Exz. dem Miniſter des Innern
als Territorialdelegierten verabſchiedet, Darmſtadt am
Samstag, den 23. Oktober, 9 Uhr 30 vormittags. Der
Zug führte die Teilnehmer über Köln und Aachen nach
Brüſſel, von da über Löwen nach Namur. Am dortigen
Bahnhof wurden die Liebesgaben für ein heſſiſches Land=
wehr
=Bataillon den einzelnen Kompagnieführern ausge=
händigt
. Von da fuhr der Zug nach Libramont, wo ein
Teil ſeiner Ladung an ein Landſturm=Bataillon abgege=
ben
wurde. Auf der Hin= und Rückfahrt wurden den ein=
zelnen
Wachtpoſten, die auf der Strecke den Bahnſchutz
verſahen, Pakete zugeworfen, die bei dieſen große Freude
erregten. Außerdem wurden alle Privatpakete aus den
Stappenwagen verteilt. Am folgenden Tage wurde in
Bertrix ein Landſturmbataillon mit Gaben bedacht und
das für die Lazarette Beſtimmte in Sedan den Herren

Oberſtabsarzt Dr. Gerlach und Stabsarzt Dr. Blumen=
thal
übergeben. Von dort führte die Reiſe nach Rethel,
wo der Zug verlaſſen wurde. Die für zwei heſſiſche Land=
wehr
=Infanterie=Regimenter mitgeführten Liebesgaben
mußten der dortigen Sammelſtelle zur Weiterbeförderung
übergeben werden. Sodann brachten die Kraftwagen wei=
tere
Liebesgaben und die Etappenpakete für ein Land=
ſturm
=Bataillon nach Attigny. Auch einer heſſiſchen Dra=
goner
=Landwehr=Eskadron wurden Liebesgaben über=
bracht
, und damit war der Auftrag der Kolonne erfüllt.
Sie trat nach gaſtfreundlicher Aufnahme im Argonner
Walde am Samstag, den 31. Oktober, die Fahrt nach
Montmédy an und fuhr von da weiter nach Darmſtadt.
Das große Entgegenkommen, das die Behörden dem Zug
erwieſen, hat es neben anderem ermöglicht, den Auftrag,
die Liebesgaben an die Truppen heranzubringen, in ver=
hältnismäßig
kurzer Zeit auszuführen. Auch über die von
der zweiten Kolonne überbrachten Spenden liegen von
allen Bedachten Aeußerungen wärmſten Dankes vor. Man
gewinnt die Ueberzeugung, daß dieſe Art der Zufuhr von
Lebens= und Genußmitteln, wärmenden Kleidern und Zei=
tungen
vom größten Werte für unſere Tapferen im
Felde iſt. Die dritte Kolonne unterſtand der Füh=
rung
des Dr. Hoffmann, Mainkur. Es gehörten ihr an:
Se. Durchl. der Prinz Alfons zu Iſenburg, der Landrat=
Graf Wartensleben, Gelnhauſen, Rittergutsbeſitzer von
Günther, Erneſtgrün, Fabrikant Siebert, Hanau, Dr.
Waſſerzug, Frankfurt a. M., Generalmajor von Röder,
Frankfurt a. M., und Dr. Weiß, Darmſtadt., Dazu 4 Kraft=
wagenführer
.
Die Abteilung führte mit ſich: 3 Eiſenbahnwagen mit
Liebesgaben und Sanitätsmitteln, einen Benzinwagen
und 6 Lowries für die Autos. Während im erſten Wagen
Liebesgaben vom Roten Kreuz in Darmſtadt für die, 25.
Diviſion verpackt waren, der zweite Sanitätsmaterial und
Liebesgaben, der 21. Diviſion von der Kriegsfürſorge
Frankfurt a. M. zugedacht, enthielt, barg der dritte Gaben
für 2 Schwadronen der 6. Ulanen, gegeben zu zwei Drit=
teln
von Mainkur, zu einem Drittel vom Roten Kreuz
Hanau. Den,Wagen 1 und 3 waren in erheblicher Stück=
zahl
Einzelſendungen an Offiziere, Unteroffiziere und
Mannſchaften beigeladen. Samstag, den 24. Oktober, 10
Uhr 30, fuhr die Abteilung als Teil des Eleonorenzuges
nach Verabſchiedung durch J. K. H. die Großherzogin vom
Darmſtädter Bahnhof ab. Die Eiſenbahnfahrt ging nach
Aachen, Lüttich, Brüſſel, Gent. Dann über Brüſſel zurück
und über Mons nach Valenciennes. Nun wurden die
Autos flott gemacht und mit den für die Kavallerie= Regi=
menter
beſtimmten Gaben beladen, nachdem inzwiſchen
deren Standort ausfindig gemacht worden war. Prinz.
Iſenburg fuhr nach dem Quartier der heſſiſchen Dragoner,
Dr. Hoffmann nach dem der 6. Ulanen. Beide Herren
lieferten zunächſt die perſönlichen Sendungen ab, kehrten
aber dann nach Valenciennes zurück. Dort wurden dann
alle für die 23. und 24. Dragoner beſtimmten Sachen nebſt
ausreichenden Mengen Liebesgaben zuſammengeladen und
die Sendung unter Begleitung eines Vizewachtmeiſters
und eines Gefreiten an die mit den Regimentern verab=
redete
Stelle gebracht, wo ſie von der Bagage aufgenom=
men
wurde.
Gleichzeitig lieferten Graf Wartensleben und Genes
ral von Röder die von Gelnhauſen übergebenen Liebes=
gaben
ab. Die übrigen Wagen 1 und 2 und der Benzin=
wagen
liefen von Valenciennes weiter nach St. Quentinl
Von da fuhr die Kolonne an die Truppen heran und die ſie
begleitenden Herren meldeten ſich bei S. K. H. dem Groß=
herzog
, von dem ſie alsbald zum Frühſtück befohlen wur=
den
. Nach Uebergabe einer ſtattlichen Zahl perſönlicher
Sendungen und Briefe fuhr die Kolonne nach St. Quen=
tin
zurück, von wo am nächſten Tag die Heimreiſe erfolgte.
Inzwiſchen waren die Wagen 1 und 2 nach der Empfangs=
ſtelle
der 21. und 25. Diviſion gelaufen, wo ſie von Herrn
von Riedeſel übernommen wurden.
So hat auch die dritte Kolonne des dritten Eleonoren=
zuges
ihre Aufgabe gelöſt. Auch bei ihr hat man den Ein=
druck
gewonnen, daß die Zufuhr von Liebesgaben in der
Art wie die von ihr und den anderen Kolonnen des Eleo=
norenzuges
durchgeführte in der Verſorgung der kämpfen=
den
Truppen und der Verbände im Etappengebiet eine
hervorragende Rolle ſpielt.
Dem Automobil hat ſich hier ein weites Feld der Ver=
wendbarkeit
im Krieg erſchloſſen. Jedenfalls ermöglicht es
ine Zufuhr, die an Schnelligkeit die der Feldpoſt und

wieder nach Lier zurück, während die 1. und 2. Batterie
in Antwerpen verblieben. In Lier wurden wir dann zur
Beſetzung der einzelnen Forts in Gruppen eingeteilt, und
ich kam mit noch 29 Mann nach Fort Broechem. Dies iſt
ein ganz modernes Fort, 19091912 erbaut. Hier hatte ich
Gelegenheit, die furchtbaren Wirkungen unſerer Brum=
mer
und der öſterreichiſchen Motorbatterien anzuſtaunen.
Das ganze Fort iſt, wie auch alle übrigen, den äußeren
Gürtel von Antwerpen bildenden Forts, total mit wun=
derbarer
Präziſion zerſchoſſen. 34 Meter ſtarke Beton=
gewölbe
ſind glatt durchſchlagen, ganze Panzertürme aus=
gehoben
und meterſtarke Mauern durch den ſtarken Luft=
druck
umgeweht. Kurz und gut, ein Bild furchtbarſter
Verwüſtung. So etwas muß man geſehen haben; jeder
Verſuch einer Beſchreibung reicht an die Wirklichkeit nicht
heran. Jedenfalls wird in Zukunft die ganze Technik des
Feſtungsbaues eine vollſtändige Umwälzung erfahren
müſſen, wie überhaupt dieſer Krieg höchſtwahrſcheinlich im
ganzen Heeresweſen, wie in der geſamten Kriegstechnik
und=taktik große Veränderungen zeitigen wird.
Am Sonntag, den 1. November, waren wir den gan=
zen
Tag im Fort Broechem mit Aufräumungsarbeiten be=
ſchäftigt
, in der folgenden Nacht jedoch alarmiert, und um
3 Uhr morgens wurde der Marſch nach Antwerpen an=
getreten
(zirka 30 Kilometer). Hier wurden wir erneut
eingeteilt, und zwar zur Beſetzung der Befeſtigungswerke
von Antwerpen. Der Abteilung, der ich zugeteilt bin, iſt
das Zwiſchenwerk Porte de Brede überwieſen worden.
Wir haben eine Batterie von vier belgiſchen 8,7 cm= Ka=
nonen
zu bedienen, mit reichlicher Munition verſehen.
Wir haben ſie umgedreht und auf die Stadt gerichtet; ſie
ſind Tag und Nacht geladen und dienen im Falle eines
Aufſtandes zur Beſtreichung der angrenzenden Straßen
und Waſſerwege. Solche Vorſichtsmaßregeln ſind erfor=
derlich
, um allen Eventualitäten zu begegnen. Auch ſämt=
liche
übrigen vom Bataillon beſetzten Geſchützſtände wer=
den
für dieſen Zweck im Notfalle verwendet. Die Stadt
iſt zwar bis jetzt ruhig und vom Gouvernement ſind ein=
tretendenfalls
die ſchärfſten Maßnahmen angedroht (ſiehe
Loewen), der belgiſchen Regierung und den Engländern
iſt aber jedes Mittel recht, um die im großen Ganzen ver=
nünftige
Bevölkerung aufzuwiegeln. So werden oft des
Nachts die abenteuerlichſten Nachrichten angeſchlagen über
angebliche Siege der Verbündeten und Rückzug der Deut=
ſchen
. Bis jetzt hat alles dies nur den Erfolg gehabt, daß
die noch beſchäftigten belgiſchen Eiſenbahnarbeiter in den
Streik getreten ſind; Erſatz wird wohl bald hier ein=
treffen
. Vorgeſtern nacht iſt auch eine Brandſtiftung im

Güterbahnhof verübt worden; es ſollen 18 Waggons mit
Heu und Stroh verbrannt ſein. Wie geſagt, iſt der größte
Teil der Bevölkerung Vernunftsgründen zugänglich und
auf die Engländer, als Urheber allen Unglücks, ſehr ſchlecht
zu ſprechen. Jedoch gibt es hier auch viele Elemente, die
mmer noch auf eine Rückkehr ihrer Retter hoffen; denen
muß ſcharf auf die Finger geſehen werden. Hoffen wir
daß der ruhige Teil der Bevölkerung die Oberhand be=
hält!
Verzeihen Sie gütigſt die Bleiſtiftſchreiberei; aber
Tinte iſt für uns Luxus! Herzlichen Gruß!
J. M.
M . . . 1. November.
Liebe Eltern und Geſchwiſter! Ich möchte nicht ver=
ſäumen
, Euch, meine Lieben, am heutigen Tage einige
Zeilen zu ſenden, iſt es doch Allerheiligen, das Feſt der
Toten, wo wir gleich denſelben wieder auferſtanden ſind;
keiner unſerer Führer glaubte, daß nur einer aus dem
blutigen Gefecht lebend wiederkäme, und doch iſt es uns
mit Gottes Kraft gelungen, was kein Menſch glaubte, und
wir haben vollbracht, was noch nie dageweſen war, daß
ſich vier Regimenter Kavallerie mit 25000 Mann eng=
licher
Infanterie 13 Tage herumgeſchlagen haben. Die
Herren Engländer kamen nämlich von Calais, wo
ſie ausgeſchifft wurden, und wollten ſich mit den Fran=
zoſen
bei Lille vereinigen; um die Vereinigung zu ver=
hindern
, bekamen wir den Auftrag, uns dazwiſchen zu
ſchieben und ſie ſolange feſtzuhalten, bis unſere Infan=
terie
käme und uns helfen würde. Da bei der Infanterie
Unordnung vorkam, dauerte es 13 Tage, bis ſie zu uns
kam. Jetzt haben wir augenblicklich einige Ruhetage, die
uns ſehr gut tun, und haben ein ſchönes und gutes Leben
ſo z. B. ſtehen wir heute morgens um 8 Uhr auf, waſchen
uns und trinken Kaffee, dazu Brötchen und Geléebrot,
dann um 10 Uhr Frühſtück (Holländer Käſe und Butter=
brot
), um 1 Uhr Mittageſſen, beſtehend aus Suppe, Hack=
braten
und Schweinebraten, Kartoffel, Sauce, Spinat
und das nötige Trinken, nämlich guten Rotwein; um
4 Uhr wieder Kaffee, aber kein Spülwaſſer und Zichorie=
brühe
, ſondern guten Kaffee mit Bisquit und Lebkuchen;
um 8 Uhr Abendeſſen: Schweinegoulaſch, Kartoffel
Sauce, grüner Salat, und das nötige Bier fehlt nicht.
Das iſt aber nicht immer ſo; wenn wir auf dem Marſch
ſind oder im Gefecht, dann müſſen wir von dem trockenen
Kommißbrot leben, das wir bekommen; wir leben aber
hiervon gerade ſo gut, wiſſen wir doch, daß wir dann
wieder Arbeit bekommen, und da braucht man nichts zu
eſſen.

Heute mittag waren wir auch wieder einmal in der=
Kirche, und ich glaube, ein jeder von uns iſt gerne hinein
gegangen, nach ſolch ſchweren Tagen. Um 5 Uhr kam
dann unſer geliebter Kaiſer und beſuchte uns; er lobte
uns ſehr, und gab uns den ehrenden Beinamen, die
Eiſerne Brigade und in dem Moment, als er an uns
vorbei ging, kamen zwei engliſche Flieger und warfen
zwei Bomben, welche aber glücklicherweiſe keinen Schaden
anrichteten. Unſer Kaiſer hielt darauf noch eine An=
ſprache
an uns. (Der Kaiſer äußerte ſich hierbei über die
Indier. D. Red.) Ich glaube, daß wir jetzt hier in
Frankreich und in Belgien nicht mehr viel zu tun bekom=
men
. Wie es auch kommen mag, hat Gott bis hierher
geholfen, wird er auch weiter helfen.
* In dem Briefe eines Darmſtädter Maat vom
Panzerkreuzer Goeben der am 8. November in Kon=
ſtantinopel
aufgegeben iſt, heißt es: Die Wirkung von
Granaten habe ich in dem letzten großen Seegefecht deut=
lich
geſehen, als wir die ſchwere und bedeutende ruſſiſche
Feſtung & angegriffen haben. Da bekamen wir drei Voll=
treffer
in den hinteren Schornſtein, von außen ſieht man
nur die Einſchlagsöffnung und innen ſieht er aus, wie ein
Kaffeeſieb. Sogar oben im Maſtkorb, der 40 Meter über
Deck iſt, flogen die Granatſplitter herum, koloſſale Dimen=
ſion
haben unſere Schornſteine. Da kann ſich innen rin
dem Günterlui ſein Geſangverein mit dem Klavier be=
quem
rein ſtellen und nebenbei kann noch ein kleines
Tanzkränzchen ſtattfinden, dann mache Dir nur ein Bild,
wenn in einem ſolchen Raum eine Granate krepiert, was
da für eine Wirkung verurſacht wird; es iſt einfach zum
wundern. Wo wir natürlich mit unſeren 28 cm= Ge=
ſchützen
hingeſchoſſen haben, da wurde manches baufällig,
und alles brennt in vier Ecken, da wächſt vor der Kriegs=
erklärung
kein Gras mehr. So eine Granate von 13
Zentner Gewicht entwickelt in dem Moment ihrer Erplo=
ſion
1 Million Liter giftige Gaſe, wonach einer auf die
oben genannte Entfernung betäubt oder tot ſein kann.
Ueber unſere Kriegslage braucht Ihr keine Angſt zu haben,
bei uns verliert trotz der ſchweren Zeit ſo leicht keiner
den Mut. Bei uns heißt es, 15000 Meter vom Leib, dann
aber druff, daß die Fetzen bis nach Petersburg fliegen.
Und wenn die Fetzen ſchon rumfliegen, dann geht er ge=
wöhnlich
unter, dann iſt es vorbei. So einem modernen
Schiff, wie das unſrige, iſt keiner gewachſen. Darum
druff und immer druff. Denn es iſt ein ſchönes Leben auf
dem Panzerkreuer Goeben.

[ ][  ][ ]

Nummer 318.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 18. November 1914.

Seite 5.

anderer Beförderungsarten weit hinter ſich läßt. Damit
wird auch die Liebestätigkeit jetzt und künftig zu rechnen
haben.
Auskunftſtellen für Sendungen ins Feld: Für das
Polizeirevier 1: Mühlſtraße 60; 2: Mauerſtraße 17;
3: Bismarckſtraße 65; 4 und 5: Heidelbergerſtraße 24;
6: Hoffmannſtraße 57; 7: Viktoriaſtraße 34. Alle geöffnet
Werktags von 912 und 36 Uhr.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Reſidenz=Theater am Weißen Turm. Der
neueſte Film der Treumann=Larſen=Serie Herzens=
recht
kommt ab heute zur Vorführung. Ein Kino=
drama
in 3 Akten, dadurch intereſſant, daß die Lein=
wand
das Bild einer Schauſpielerin wiedergibt, die ſich
bei den Kino=Beſuchern eines großen Rufes als Dar=
ſtellerin
moderner Frauentypen erfreut. Baſſermann
hat einmal von ihr geſagt, ſie ſcheine alle Regiſter der
Frauenſeele zu beherrſchen. Ein Urteil das man nur
beſtätigen kann, wenn man ihre Leiſtungen zum Prüf=
ſtein
nimmt. Noch muß auf der Leinwand die Miene
und Geſte erſetzen, was ſonſt durch das Wort Geſtaltung
gewinnt. Viggo Larſen, als unzertrennlicher Begleiter
der Wanda Treumann, beſitzt dieſe Mittel, um ſich in
dieſer Beſchränkung als Meiſter zu zeigen und was be=
ſondere
Anerkennung verdient, iſt, daß der Künſtler als
Filmdarſteller ohne die groben Uebertreibungen der
Mimik auskommt. Ein leiſes Zucken ſeines ausdrucks=
vollen
Geſichts verrät oft mehr als ſonſt das beliebte
Agieren mit Armen und Schultern. Ein wirklich guter
Film, in Photographie, Handlung und Spiel iſt der
Filmroman Das Märchen vom Glück mit Liſſi
Nebuſchka, welcher als weiterer Schlager mit dem
üblichen Beiprogramm zur Vorführung gelangt. (Siehe
Anzeige.)

Griesheim, 16. Nov. (Vaterländiſche
Feier.) Daß auch unſere Jugend in ganz prächtiger
Art mobil ſein kann, beweiſt die geſtern nachmittag von
46 Uhr im Kaiſerſaal von Herrn Lehrer Heß in Ge=
meinſchaft
mit Herrn Muſiklehrer Kahl hier veranſtaltete
und von der Bevölkerung ſehr ſtark beſuchte über 500
Perſonen waren erſchienen vaterländiſche
Feier zum Beſten des Hilfsvereins zur
Unterſtützung bedürftiger Familien hie=
ſiger
Kriegsteilnehmer. Die Veranſtaltung
nahm einen erhebenden Verlauf. Da ſämtliche Mitwir=
kende
in uneigennützigſter Weiſe ſich in den Dienſt der
guten Sache ſtellten, war es möglich, dem Hilfsverein
über 100 Mark zuzuwenden. Außer den beiden genann=
ten
Herren beteiligten ſich an der gelungenen Feier als
Ausübende die Herren Pet. Rühl, Hch. Keller, Val. Po=
ſeiner
und Gardiſt Wilh. Höhl hier, Geg. Plößer und
Fritz Neuroth von Ober=Ramſtadt, Formſtecherlehrling
Löſch, die Volksſchüler Konr. Keller, Wilh. Mendel hier
und die Volksſchulklaſſe 2a in einer Stärke von 76 Kna=
ben
und Mädchen. Sämtliche Vorträge des Orcheſters
unter der tüchtigen Schulung des Herrn Kahl und die
Geſänge der Kinder fanden die beſte Aufnahme bei den
Zuhörern. Die Worte des Herrn Bürgermeiſters Kunz
zur Eröffnung der Feier und die Feſtanſprache des Herrn
Pfarrers Gerhard über Der Krieg und ſeine Bedeu=
tung
für uns gaben den ernſten Zeitverhältniſſen und
den Gefühlen der Anweſenden beredten Ausdruck. Die
Veranſtalter haben eine zweite Wohltätigkeits=Feier für
den Nachmittag des 2. Adventſonntags im Darmſtädter
Hof vorgeſehen.
-h- Auerbach, 16. Nov. (Auszeichnung.) Dem
Unteroffizier W. Fiſcher vom 115. Inf.=Regt. wurde
das Eiſerne Kreuz verliehen. Fiſcher iſt von hier und
von Beruf Gärtner. Der kürzlich mit der Tapferkeits=
medaille
ausgezeichnete Gerichtsſchreibergehilfe Fr. Ger=
hardt
von hier wurde zum Vizefeldwebel befördert. Der=
ſelbe
iſt z. Z. Regimentsſchreiber beim 116. Inf.=Regt.
in Gießen, gegenwärtig im Felde.
Bauſchheim, 17. Nov. (Der Gemeinderat) hat
mehrere hundert Mark bewilligt, damit jedem kämpfen=
den
oder verwundeten Gemeindemitglied ein Weihnachts=
paket
geſandt werden kann. Zur Abſendung kommen:
Kopf= und Lungenſchützer, Stauchen, Kniewärmer und
Strümpfe. Dieſe Sachen werden ſämtlich hier in ge=
meinſamen
Arbeitsſtunden angefertigt. Jeder Sendung
werden noch Zigarren, Schokolade, Paſtillen, Salz und
Kerzen beigelegt.
Mainz, 17. Nov. (Die Kartoffelvorräte
werden feſtgeſtellt.) Um der empfindlichen Kar=
toffelnot
entgegenzuwirken, hat die hieſige Bürgermeiſterei
die Anordnung getroffen, daß in den Vororten die Kar=
toffelvorräte
der Produzenten durch ſtäd=
tiſche
Beauftragte feſtgeſtellt werden. Die
Produzenten ſelbſt werden aufgefordert, ihre Vorräte
auf den Ortsverwaltungen anzugeben. Dies geſchah be=
reits
am Samstag. Die Angaben werden durch die Be=
auftragten
der Stadt in den Kellern nachgeprüft. Die
Produzenten haben gleichzeitig ihren eigenen Bedarf für
den Haus= und Viehſtand ſowie an Saatkartoffeln anzu=
geben
. Gegebenenfalls findet die Enteignung durch die
Stadt ſtatt. In dieſem Falle werden den Landwirten
6,50 Mark per Malter gezahlt und die Kartoffeln durch
ſtädtiſche Bedienſtete mit ſtädtiſchem Fuhrwerk abgeholt,
um dann den Käufern in der Stadt zugeführt zu werden.
Die gleiche Maßnahme iſt auch in anderen Orten Rhein=
heſſens
bereits im Gange. Die Kartoffelnot dürfte ſo
bald ein Ende haben. (Ein junger Held.) Gleich
nach der Mobilmachung meldete ſich der 18 Jahre alte
Sohn des Straßenbahnbedienſteten Becker als Kriegs=
freiwilliger
. Dieſer junge Held hat es durch ſeine Tap
ferkeit fertig gebracht, innerhalb weniger Wochen zum
Unteroffizier befördert zu werden. Er fiel im ſchwieri=
gen
Kampfgelände des Argonner Waldes mit drei Ka=
meraden
in Gefangenſchaft, und als er von einem franzö=
ſiſchen
Offizier in deſſen Zelt verhört und über die deut=
ſchen
Stellungen, die Stärken und Maßnahmen der
Truppen uſw. ausgeforſcht werden ſollte, legte der Offi=
zier
ſeinen Revover auf Tiſch und wollte Notizen machen
Becker erfaßte raſch entſchloſſen den Revolver und erſchoß
den Offizier mit deſſen eigener Waffe, worauf er mit
feinen Kameraden zum Zelt hinten hinaus flüchtete und
trotz Verfolgung der Poſten vom Zelt nach dem nahen
Wald und durch dieſen entkam. Becker hatte einen Ba=
jonettſtich
im Rücken und einen Aermelſchuß erhalten.
Die vier Soldaten trafen alsbald wieder ihre Truppen
und konnten ſogar noch wichtige Angaben über Den Feind
machen.

Engliſches Unterhaus.

* London, 16. Nov. Asquith erinnerte bei Ein=
bringung
der Kreditvorlage von 225 Millio=
nen
Pfund daran, daß am 8. Auguſt 100 Millionen
Pfund bewilligt worden ſeien. Dieſe ſeien teils für die
Kriegsführung, teils zur Sicherung der Lebensmittel=
verſorgung
und Fürſorge für die Flüchtlinge ausgegeben
worden. Von den neuen Krediten ſollen 10 Millionen
Pfund an Belgien und 800000 an Serbien als
bis zum Kriegsende unverzinsliche Darlehen überwieſen
werden. Die britiſchen Kolonien, die unter normalen
Umſtänden ſich mit Anleihen an den Londoner Geld=
markt
gewandt hätten, ſollten dieſer Notwendigkeit durch
die Reichsregierung überhoben werden, die ihnen An=
leihen
in Höhe von 30250000 Pfund verſchaffen werde.
Schließlich beſprach Asquith die Kriegskoſten und
ſagte, dieſe beliefen ſich gegenwärtig auf 900000 bis
1 Million Pfund täglich. In Anbetracht der
enormen Ausdehnung der Operationen und anderer Er=
wägungen
ſei das nicht übertrieben viel; er könne auch
keine Hoffnung darauf eröffnen, daß ſich die tatſächlichen
Ausgaben für die Zukunft vermindern würden. Auf
die Frage, welche Schritte die Regierung getan habe, um
den Feinden die Zufuhr notwendiger Artikel abzuſchnei=
den
, erklärte Asquith, daß die Regierung ſeit Kriegs=
beginn
keiner anderen Frage größere Aufmerkſamkeit ge=
ſchenkt
habe. Asquith ſagte ferner über die Zunahme
der Steinkohlenausfuhr nach Skandinavien, er glaube,
daß die Vermehrung nicht ſowohl daraus folge, daß
Steinkohlen ſchließlich nach Deutſchland gingen, ſondern
vielmehr, daß Skandinavien eine Zeitlang der Vorräte
veraubt geweſen ſei.
Das Unterhaus nahm nach kurzer Debatte einſtimmig
die Bill zur Bewilligung des Kredits von
225 Millionen Pfund an und ermächtigte die
Regierung, die zweite Million Mann unter die Waffen
zu ruſen.

Der Krieg.
Vom weſtlichen Kriegsſchauplatz.

* Rotterdam, 17. Nov. Der Nieuwe Rotter=
damſche
Courant meldet aus Ooſtburg: Am Sonntag
mittag wurden alle Bewohner durch entſetzlich ſchwere Er=
ſchütterungen
aufgeſchreckt, die ſämtliche Gebäude bis auf
die Grundfeſten erſchütterten. Der Kanonendonner
kam aus der Richtung Knocks=Blankenberghe und war
noch nie ſo deutlich hörbar, wie dieſes Mal.
* Kopenhagen, 17. Nov. Politiken meldet aus
Paris: Armentiéres wird beſchoſſen. Meh=
rere
Fabriken gingen in Flammen auf. Der Schaden iſt
bedeutend. Das ſtädtiſche Hoſpital wurde geräumt.

Vom öſtlichen Kriegsſchauplatz.

Die Gefangennahme des Gouverneurs von Warſchau.
* Gneſen, 17. Nov. Der Gouverneur von Werſchau,
). Korff, fuhr geſtern mit ſeinem Adjutanten in einen
Privatauto in der Richtung auf Kutno ab. Bei Tarnow
ſtieß er auf die Kavallerieſpitze der Deutſchen. Drago=
ner
holten das Auto ein und nahmen die
Inſaſſen feſt. Abends kam er unter Begleitung eines
Leutnants und eines Dragonergefreiten in Gneſen an,
wo er in einem Hotel untergebracht wurde. Der Kraft=
wagenführer
, ein Pole, erzählte, daß in Warſchau große
Angſt vor den Deutſchen, zumal vor Luftbomben, herrſche.
Freude in Wien über die deutſchen Erfolge.
* Wien, 17. Nov. Die Blätter begrüßen mit Freude
den neuerlichen Siegder Deutſchen über die ruſ=
ſiſchen
Truppen. Das Neue Wiener Tagblatt ſagt:
Was die oberſte deutſche Heeresleitung heute meldet, iſt
echt Hindenburgſche Taktik. Er ſchlägt ſich nicht
dort, wo es der Gegner will, ſondern er ſchlägt, wo er es
für angebracht erachtet. Auch die Neue Freie Preſſe
hebt die ſtrategiſche Bedeutung des Erfolges
der Deutſchen hervor und ſchreibt: Dieſer große Er=
folg
kann die Saat ſein für die Hautpentſcheidung. Deutſch=
land
iſt ſich bewußt, daß ein dauernder Friede icht bloß
in Frankreich und an der Küſte der Nordſee, ſondern auch
in Rußland errungen werden muß, daß es nicht ruhen
und nicht raſten könne, ehe dieſes Werk vollbracht iſt. Die
Monarchie hat die gleiche Ueberzeugung, deshalb ſind alle
Siege gemeinſam, wie ſich auch das Blut der Soldaten
auf den Kampfplätzen vermiſcht. Das Fremdenblatt
ſtellt feſt, daß die neuerliche ruſſiſche Offenſive
gegen Oſt= und Weſtpreußen raſch wieder Fiasko
erlitten habe. Die Siege von Valjewo und die deut=
ſchen
Siege werden nicht verfehlen, tiefſten Eindruck zu
machen, da dadurch ſinnfällig die Ohnmacht Rußlands,
ſeinen Freunden Unterſtützung zu gewähren, zutage tritk.
Ein ruſſiſcher Bericht.
* Petersburg, 17. Nov. Der ruſſiſche Ge=
neralſtab
veröffentlicht folgenden Bericht: Nach dem
Fehlſchlagen der Aktionen des Feindes gegen Warſchau und
Iwangorod, die durch unſere Siege gekrönt wurden, trat
der Feind den Rückzug zu ſeiner Grenze an, wobei er
ſchonungslos Eiſenbahnen und Chauſſeen zerſtörte. Längs
der Eiſenbahnen ſprengten die Deutſchen die Bahnhöfe
und die dazu gehörigen Gebäude in die Luft oder ſteckten
ſie in Brand und vernichteten alle Waſſertürme und riſſen
an gewiſſen Kreuzungspunkten die Schienen ſo vollſtän=
dig
auf, daß die Wiederherſtellung der zerſtörten Teile
längere Zeit erfordert. Man zerſtörte überall die Brücken
und Waſſerleitungen, ſelbſt die kleinſten, von Grund aus,
um dadurch deren Wiederherſtellung unmöglich zu machen.
Auf den Chauſſeen wurden ebenfalls alle Brücken zerſtört
und die Chauſſeen ſelbſt ſchachbrettartig auf der rechten
und linken Seite ausgegraben. Der Feind ſchlug die
Telegraphenſtangen um, zerſtörte die Iſolatoren und zer=
ſchnitt
den Draht.
Alles dies hielt unſere Verfolgung ernſt=
lich
auf, wodurch es dem Feind gelang, auf das linke
Weichſelufer zu kommen und ſich allmählich ſeinem Ge=
biet
zu nähern. Nachdem die Deutſchen dieſes Gebiet er=
reicht
hatten, benutzten ſie ihr ausgedehntes Eiſenbahn
netz, um Truppen auf dem ſchnellſten Wege
nach Norden zu ſchicken und gegen unſeren linken
Flügel ſtarke Streitkräfte einzuſetzen. Bei Wlolawec ſetzte
die deutſche Offenſive ein, die ſich gegenwärtig zu Kämpfen
auf der Front Plozk=Jentſchis=Runeioff entwickeln. In
Oſtpreußen, in der Nähe von Stallupönen und Po=
ſeſſern
, verſuchte der Feind unſere Offenſive aufzuhalten,
zog ſich aber zurück, nachdem dieſer Verſuch mißglückt war.
In der Gegend von Soldau und Neidenburg dauerten
die Kämpfe an.
Unſere Offenſive gegen Krakau und Galizien wird
fortgeſetzt. Ein Verſuch der Oeſterreicher, auf unſeren An=
ariffstraßen
feſte Stellungen einzunehmen, mißglückte. In

den Kämpfen am 13. November ſüdlich von Lyck mach=
ten
wir 10 Offiziere und 1000 Soldaten zu Gefangenen.
(Notiz d. W. T.=B.: Man weiß, mit welcher Vorſicht die
ruſſiſchen Zahlenangaben aufzunehmen ſind.)

Die Operationen in Galizien.

* Wien, 17. Nov. Amtlich wird verlautbart; 17.
November, vormittags: In dem Bereiche von Krakau vor=
gebrochen
, nahmen unſere Truppen geſtern die
vordere Verteidigungslinie des Feindes
nördlich der Reichsgrenze. Im Raume Wolbram=Pilica
gelangten die Ruſſen zunächſt nur in den Bereich unſeres
Artilleriefeuers. Wo feindliche Infanterie angriff, wurde
ſie geworfen. Eines unſerer Regimenter machte 500
Gefangene und erbeutete 2 Maſchinengewehr=
abteilungen
. Der deutſche Sieg bei Kutno äußerte
bereits ſeine Wirkung auf die Geſamtlage.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalſtabs:
v. Höfer, Generalmajor.
* Berlin, 17. Nov. Die B. Z. a. M. meldet aus
Wien: Die Feſtungen Przemysl und Krakau ſind
ſo gut verſorgt, daß ſie viele Monate, ja ein Jahr, dem
Feinde trotzen können.

Die Tätigkeit des Kreuzers Karlsruhe‟.

* Amſterdam, 17. Nov. Das Handelsblad meldet
aus London: Der Kapitän des engliſchen Dampfers
Maria, von Puentas Arenas nach England unter=
vegs
, erzählte, daß ſein Schiff am 20. September von
dem deutſchen Kreuzer Karlsruhe be=
ſchlagnahmt
und verſenkt worden iſt. Der
Kapitän und die Mannſchaft der Maria wurden an
Bord des Begleitſchiffes Crefeld gebracht. Die Karls=
ruhe
hatte damals bereits die Dampfer Powicaſtle‟,
Strathroy Mapleberanch, High=Landhope und In=
drani
beſchlagnahmt. An demſelben Tage, wie die Ma=
ria
, wurden die Dampfer Corniſh=City am darauf=
folgenden
Tage die Dampfer Rio Aaguſa, Farne‟,
Njaba del Arinaga Lynrowak, Cervantes, Pruth
und Condor beſchlagnahmt. Am 22. Oktober lief die
Crefeld in Santa Cruz ein und landete insgeſamt 439
Perſonen von den erbeuteten Dampfern.

Von der Tätigkeit der Darlehenskaſſen.

* Berlin, 17. Nov. Die von den Darlehens=
kaſſen
ausgeliehenen Beträge verminderten ſich in der
Zeit vom 7. bis zum 14. November um 83,9 auf 1036,7
Millionen Mark. Davon entfallen 750,4 Millionen Mark
auf ſolche Entnahmen, die für Zwecke der Kriegsanleihe
eanſprucht wurden. Da am 7. November die für Zwecke
der Kriegsanleihe bewilligten Darlehen 801,9 Millionen
Mark betrugen, iſt eine Verminderung um 51,5 Millionen
Mark zu verzeichnen. Dies iſt um ſo bemerkenswerter, als
die Einzahlungen auf die Kriegsanleihe in der Woche vom
7. November bis zum 14. November um 95,6 auf 3673,8
Millionen ſtiegen. Kontingentierten Zucker beleihen die
Darlehenskaſſen bis zu zwei Dritteln des aus der Verord=
nung
des Bundesrats vom 31. Oktober 1914 ſich ergeben=
den
jeweiligen Kontingents des Preiſes.

Vom ſüdlichen Kriegsſchauplatz.

* Wien, 17. Nov. (Amtlich.) Auf dem ſüdlichen
Kriegsſchauplatze ſchoben ſich unſere Truppen
bis an die Kolubara heran. Dieſe wurde auch
ſchon mit Teilen überſchritten, obwohl ſämtliche Brücken
vom Gegner zerſtört waren. In Valjewo, wo bereits
ein höheres Kommando eingetroffen iſt, wurden Ruhe
und Ordnung raſch hergeſtellt. Die Stadt wurde
von den ſerbiſchen Truppen hart mitgenommen. Ein
kleineres Kavalleriedetachement machte geſtern 300 Ge=
fangene
.
* Wien, 17. Nov. Das Neue Wiener Journal ver=
öffentlicht
eine Unterredung mit dem Linienſchiffsleut=
nant
Wulff, dem Kommandanten, der gegen Serbien
operierenden Donauflottille. Wulff ſchildert
die Tätigkeit der Donaumonitore, deren Zweck von An=
fang
an war, den Kriegsſchauplatz in die Save zu ver=
legen
Die äußerſt ſchwierige Save=Einfahrt wurde zum
erſtenmal durch den Monitor Temes am 19. September
nachts forciert. Trotz zahlreicher ſerbiſcher Minen gelang
die Durchfahrt unter der Semliner Brücke, die zur Siche=
rung
der Durchfahrt von ſämtlichen Monitoren gleich=
zeitig
unter Feuer genommen war. Nachdem Temes
die ſerbiſche Stellung auf beiden Ufern erfolgreich be=
ſchoſſen
hatte, verließ ſie den Fluß wieder. Die Temes
wiederholte das Huſarenſtück noch zweimal und fuhr be=
kanntlich
bei der dritten Fahrt auf eine Mine, wobei ſie
explodierte. Das begleitende Patrouillenſchiff, auf dem
ſich Kommandant Wulff befand, barg unter heftigem
feindlichen Feuer die Verwundeten, während das einzige
benutzbare Geſchütz der Temes das Feuer erwiderte.
Da ſeither beide Save=Ufer in unſeren Händen ſind, ſind
Hebungsverſuche möglich. Infolge des großen Schadens,
den die Monitore den Serben zufügten, werden ſie bei
dieſen fliegende Teufel genannt. Auf den Kopf eines
jeden gefangenen Matroſen ſind 56 Dinar, auf den jedes
Offiziers 1000 Dinar ausgeſetzt.
* Wien, 17. Nov. Der Kriegsberichterſtatter der
Neuen Freien Preſſe meldet, daß ſich die Serben nach
dem Fall von Valjewo 10 Kilometer weit in der
Richtung auf Kragujewac zurückgezogen ha=
ben
. Um die neue Stellung tobt ein neuer
Kampf.
* Wien 17. Nov. Aus dem Kriegspreſſequartier
wird gemeldet: Der Armeeoberkommandant Erzher=
zog
Friedrich richtete an den Armeeoberkomman=
danten
der Balkan=Streitkräfte, Feldzeugmeiſter Po=
tiorek
ein Telegramm, in dem er ihn zu der
Allerhöchſten Auszeichnung mit dem Militärverdienſt=
kreuz
erſter Klaſſe mit der Kriegsdekoration, worin er
nicht allein eine allerhöchſte Anerkennung ſeiner außer=
ordentlichen
Verdienſte, ſondern auch ein Zeichen der Zu=
friedenheit
des Allerhöchſten Kriegsherrn mit den Lei=
ſtungen
der Truppen auf dem ſüdlichen Kriegsſchauplatze
erblickt, herzlichſt beglückwünſcht und ihn er=
ſucht
, auch den Balkan=Streitkräften die herzlichen Glück=
wünſche
zu übermitteln.
* Wien, 17. Nov. Oberbürgermeiſter Dr. Weiß=
kirchner
ordnete anläßlich der Siege der öſter=
reichiſch
=ungariſchen Armee in Serbien
die Beflaggung des Rarhauſes und ſämtlicher ſtädtiſcher
Gebäude an. Er richtete an Feldzeugmeiſter Potiorek ein
Telegramm, in dem er die Freude der Stadt Wien über

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 18. November 1914.

Nummer 318.

die glänzenden Erfolge der tapferen Südarmee aus=
ſpricht
, und den heldenmütigen Söhnen Oeſterreich= Un=
garns
ſowie ihren genialen Führern im Namen der
Stadt Wien die herzlichſten Grüße entbietet.

Spende aus Argentinien.

* Berlin, 17. Nov. Die Deutſche überſeeiſche Bank
in Buenos=Aires hat dem Stellvertreter des Reichskanz=
lers
375000 Mark als das Ergebnis einer Kriegs=
ſammlung
überreicht, welche die in Argentinien lebenden
Deutſchen und Deutſchenfreunde zur Unterſtützung der ver=
wundeten
und notleidenden Familien geſammelt haben.

Eine engliſche 10 Milliardenanleihe.

* London, 17. Nov. Daily News erfährt, die Re=
gierung
beabſichtigt eine Kriegsanleihe von 500
Millionen Pfund zu begeben, die in zwei gleichen
Teilen emittiert werden ſoll.

Rußlands Abſichten.

* Sofia, 17. Nov. Das Sofioter Blatt Utro zi=
tiert
eine in der Birſchewija Wjedomiſti veröffentlichte
Aeußerung des ruſſiſchen Profeſſors Jaſtrebow, daß das
Ziel des jetzigen Krieges die Eroberung Armeniens
Keinaſiens, des Bosporus und der Darda=
nellen
mit dem bulgariſchen Hinterlande und die Um=
wandlung
des Schwarzen Meeres in einen ruſſiſchen
Binnenſee ſein müſſe. Er zitiert weiter die Erklärung des
Präſidenten des Londoner Balkankomitees, Buxton, daß
Rußland den Beſitz der Dardanellen mit
Bulgarien und Rumänien als Hinterland
anſtrebe. Das Blatt ſagt: Man ruft uns alſo zu Hilfe,
damit wir Sklaven des Staates werden, deſſen Einrich=
tungen
ſo ganz anders als die unſeres kleinen, aber
freien Vaterlandes ſind. Das ſollen alſo die Idrale ſein,
für die ganze Generationen erzogen wurden und zehn=
tauſende
von Opfern fielen. Jaſtrebow öffnet auch dem
verblendetſten Ruſſophilen unter uns die Augen darüber,
daß Bulgarien mit allen Kräften ſich dagegen wehren muß,
daß das Schwarze Meer ein ruſſiſcher Binnenſee werde.
Da die Wünſche Jaſtrebows, ſowie die Knechtſchaft Maze=
doniens
von den Mächten des Dreiverbandes
unterſtützt werden, müſſen alle bulgariſchen Kräfte gegen
dieſe Tendenzen organiſiert werden.

Die Aufſtandsbewegung in Hegypten.

* Konſtantinopel, 17. Nov. Das Blatt Kurn
erfährt, daß die ägyptiſchen Liberalen trotz der Maßnah=
men
der Engländer ſchon ſeit langer Zeit ihre
Vorbereitungen für einen allgemeinen
Aufſtand getroffen haben und es werde dieſer ſofort
beginnen beim Eintreffen der Nachricht von der Verkün=
digung
des Heiligen Krieges. Die engliſchen Truppen in
Aegypten reichen nicht aus, einen ſolchen Aufſtand zu
unterdrücken. Die Bewohner des Sudan haben ſich
bereits erhoben und dringen gegen Norden vor. Die
nach dem Sudan entſandten ägyptiſchen Offiziere und
Truppen haben ſich der Bewegung angeſchloſſen. Anderer=
ſeits
rücken die Senuſſi bereits gegen die Grenze Aegyp=
tens
vor.

Aus Tſingtau.

* London, 17. Nov. Das Reuterſche Bureau mel=
det
aus Tokio unter dem 16. November: Die japaniſchen
Truppen ſind in Tſingtau eingerückt.
* Berlin, 17. Nov. Die Kohlenverſor=
gung
Berlins iſt bisher, wie die Voſſ. Ztg. durch
eine Rundfrage bei den beteiligten Firmen in Erfah=
rung
brachte, trotz der beſtehenden Schwierigkeiten glatt
verlaufen. Auch für die Zukunft hegt man in beteiligten
Kreiſen keine Bedenken.
* Berlin, 17. Nov. (Amtlich.) Bekanntmachung
über die Behandlung von Feuerungsmaterial
als relative Konterbande, vom 17. Nov. 1914, Z. 23,
Nr. 9. Die Priſenordnung vom 30. Sept. ( Reichsgeſetz=
blatt
1914, Seite 275) wird dahin erläutert: Mit Aus=
nahme
von einigen ſehr harten oberſchleſiſchen Hölzern
wie Pockholz, Paliſander, Ebenhalz und dergl. ſind
alle Holzarten in unbearbeiteter/oder nur
roh bearbeiteter Form als relative Kon=
terbande
anzuſehen, weil ſie ſich als Feuerungs=
material
verwenden laſſen, unter Umſtänden aucht tatſäch=
lich
als ſolches verwendet werden. Zu dieſen Holzarten
zählen auch Grubenhölzer und Papierhölzer, roh
oder entrindet, dagegen ſind diejenigen Holzarten nicht
zum Feuerungsmaterial zu rechnen, welche infolge ihrer
Bearbeitung durch Menſchenhand oder Maſchinen eine ſo
erhebliche Wertſteigerung erfahren haben, daß ihre Be=
nutzung
als Feuerungsmaterial mit ihrem durch die Be=
arbeitung
erhöhten wirtſchaftlichen Wert in keinem Ein=
klang
ſtehen würde. Berlin, 17. November 1914. Der
Stellvertreter des Reichskanzlers. Dr. Delbrück.
* Paris, 17. Nov. Die Gruppe der geeinig=
ten
Sozialiſten drückte nach einem Vortrage der
Miniſter Sembat und Guesde über die innere und
äußere Politik dieſen erneut das bereits früher ausge=
drückte
Vertrauen einſtimmig aus.
* Kopenhagen, 17. Nov. Berlingske Tidende
meldet aus Drontheim: Der engliſche Dampfer
Weimar (?), von Archangelsk nach Leith unterwegs,
geriet bei einer Boe bei Boſereholm auf Grund. Auf
dem Dampfer befanden ſich 28 engliſche Marineoffiziere
und Matroſen, die mit einem Eisbrecher von Kanada
gekommen waren; ſie ſind in Drontheim interniert wor=
den
.
* London, 17. Nov. Das Reuterſche Büro meldet
unter dem 16. November aus Melbourne: Der Ver=
teidigungsminiſter
teilte mit, daß ein zweites Ba=
taillon
(!) Infanterie für den Auslandsdienſt ge=
bildet
werden ſoll.
* Kopenhagen 17. Nov. National=Tidende
meldet aus Paris: Die franzöſiſche Regierung teilte
der griechiſchen Regierung mit, daß ſie von der
1913 abgeſchloſſenen griechiſchen Anleihe mit Rückſicht auf
den Krieg nur 800000 Pfund ausbezahlen könne. Det
Reſt könne erſt nach Beendigung des Krie=
ges
bezahlt werden.

Letzte Nachrichten.

* Berlin, 17. Nov. (Amtlich.) Der internatio
nale Poſt=Giroverkehr, welcher nach Ausbruch
des Krieges eingeſtellt worden war, wird am 20. Novem=
ber
zwiſchen Deutſchland und Oeſterreich=Ungarn wieder
aufgenommen.
* Berlin, 17. Nov. Die B. Z. a. M. erfährt über die
Fahrt zur Beſichtigung einiger Einrichtungen der
ſozialdemokratiſchen Gewerkſchaften, daß
die Fahrt zunächſt gemeinſchaftlich nach den Konſum=
vereinsanlagen
nach Lichtenberg ging. Nach deren Be=

ſichtigung trennten ſich die Fahrtteilnehmer in zwei Grup=
pen
, von denen die eine die Einrichtungen des Holz=
rbeiterverbandes
beſuchte, die andere das Gewerk=
ſchaftshaus
. An beiden Orten wurden die Teilnehmer
mit einer Anſprache begrüßt, auf die bei den Holzarbei=
tern
der Reichsſchatzſekretär Kühn, im Gewerkſchafts=
haus
Handelsminiſter Sydow mit einigen Dankes=
worten
erwiderten. Die Teilnehmer an der Beſichti=
gungsfhrt
empfingen, wie ſie erzählen, ſehr wertvolle
Eindrücke, die ſicherlich ſpäter, wie die B. Z. glaubt, bei
der Löſung dringender Fragen, z. B. der Arbeitsloſen=
fürſorge
, von großem Nutzen ſein werden. Zugleich
aber iſt der Miniſterbeſuch bei den Gewerkſchaften in der
gegenwärtigen Zeit ein glänzendes Zeugnis für die politi=
ſche
Einigkeit und Geſchloſſenheit des deutſchen Volkes.
H. Mannheim, 17. Nov. Bei der heutigen Reichs=
tagserſatzwahl
im 11. badiſchen Reichstagswahlkreis
Mannheim=Weinheim=Schwetzingen wurde für den im
Felde gefallenen Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig
Frank der ſozialdemokratiſche Kandidat Chefredakteur
Oskar Geck mit 11574 abgegebenen Stimmen gewählt.
Ein Gegenkandidat von bürgerlicher Seite war nicht auf=
geſtellt
. Wahlberechtigt waren 68644, davon ſtand
aber mehr als ein Drittel im Felde. Frank wurde in
der letzten Wahl mit 31560 Stimmen im erſten Wahl=
gange
gewählt.

Verluſtliſte (aus Nr. 78).

Infanterie=Regiment Nr. 60, Weißenburg.
8. Kompagnie: Gefr. Auguſt Pfeffer, Ruhl=
kirchen
, ſchv.
12. Kompagnie: Musk. Fritz Wilhelm Fey
Mainz, vw.
Füſilier=Regiment Nr. 80,
Wiesbaden, Bad Homburg v. d. Höhe.
3. Kompagnie: Füſ. Ludwig Jacob, Mör=
felden
, ſchv.
4. Kompagnie: Füſ. Peter Sixel, Bingen, ſchv.
5. Kompagnie: Gefr. d. Reſ. Peter Schreiber II.,
Eſſenheim, vw.; Gefr. d. Reſ. Erwin Böhm, Rüdes=
heim
, vw.
6. Kompagnie: Einj.=Freiw. Erich Friedberger,
Gießen, vw.; Füſ. Heinrich Preher, Beſſungen, vw.
Einj.=Freiw. Auguſt Erxleben, Darmſtadt, vw.; Reſ.
Karl Löber, Wimpfen, vw.
7. Kompagnie: Gefr. Andreas Böhm, Wörr=
ſtadt
, lv.; Einj.=Freiw. Jakob Reuter, Butzbach, ſchv.;
Einj.=Freiw. Karl Roth, Nidda, vw.; Reſ. Franz
Trapp, Rüdesheim, vw.
8. Kompagnie: Füſ. Joſef Leiſt, Koſtheim, vw.;
Reſ. Heinrich Faulhaber Rüdesheim, vw.
9. Kompagnie: Reſ. Wilh. Friedrich, Hummet=
roth
, t.
10. Kompagnie: Füſ. Franz Boerner, Mom=
bach
, lv.; Reſ. Wilhelm Metz, Darmſtadt, ſchv.
Infanterie=Regiment Nr. 146, Allenſtein.
6. Kompagnie: U.=O. Paul Grotloh, Mainz, lv.
Reſerve=Jäger=Bataillon Nr. 8, Schlettſtadt.
1. Kompagnie: Reſ. Karl Bechtel, Biebesheim, t.
3. Kompagnie: Objäg. d. Reſ. Joſef Adam,
Klein=Steinheim, t.
4. Kompagnie: Gefr. d. Reſ. Karl Dofflein,
Gernsheim, t.
Feldartillerie=Regiment Nr. 25, Darmſtadt.
Verluſte infolge Krankheit.
Kan. Ludwig Ernſt Maier geſtorben Lazarett
Inor=Stenay am 16. Oktober, beerd. Schloßgarten Inor.
Feldfliegertruppe.
Obltn. Wilhelm Müller vom Inf.=Regt. Nr. 116, Eis=
bergen
, ſchv. am 18. Aug., Ort nicht angeg.; Ltn. Walter
Rocco vom Inf.=Reg. Nr. 116, Halle a. d. S., t., bereits in
Verluſtliſte Nr. 51 beim Inf.=Regt. Nr. 53 als Roccow
veröffentlicht; Oblt. Fritz v. Zangen vom Inf.=Regt. Nr.
117, vermißt ſeit 5. Oktober, von einem Aufklärungsflug
bei Reims nicht zurückgekehrt; Gefr. d. Reſ. Ludwig
Cezanne, vom Drag=Regt. Nr. 14, Rüſſelsheim, lv.,
mit dem Laz. Chäteau=Thierry in Gefangenſchaft, 8. Sept.

Verwundete und kranke Soldaten
in Darmſtädter Lazareffen.
Mitgeteilt vom Heſſiſchen Landesverein vom Roten Kreuz
Die Lazarette ſind ourch die nachſtehenden Buchſtaben
bezeichnet.

A Alicehoſpital, Dieburger Straße 21. Täglich 34 Uhr nachm.,
B Diakoniſſenhaus Eliſabethenſtift, Erbacher Straße 25. Täglich 24 Uh
nachm. C Eleonorenheim (Lazarett J. K. H. der Großherzogin. Hein
heimerſtraße 21) Sonntags, Dienstags, Mittwochs und Freitags von
46 Uhr nachm. D Ernſt=Ludwig=Heilanſtalt (Dr. Loſſen), Stein=
ſtraße
21. Täglich 25 Uhr nachm. E Garniſonlazarett (Reſ.=Laz. I),
Aleranderſtraſe 27. Mitt ochs und Sonntags von 24 Uhr nachm.
F Haus Hagenburg, Dieburger Straße 241 (Hirſchköpfe.) Täglich
36 Uhr nachm. G Dr. Machenhauerſche Klinit, Lagerhausſtraße 24.
Täglich 24 Uhr nachm. H Marienhöhe (Geneſungsheim).
Täglich 1012 Uhr vorm., 4½ 61 Uhr nachm. I Schweſternhaus der
Barmherzigen Schweſtern Nieder=Ramſtädter Straße 30. Nachmittags von
24 Uhr. K Städtiſches Krankenhaus, Grafenſtraße 9 Werktäglich
231 Uhr nachm., Sonntags 1112 Uhr vorm. L Städt. Saalbau
(ebenfalls Reſ=Laz. I), Riedeſelſtraße 40. Mittwochs, Samstags und Sonn=
tags
von 2 4 Uhr. M Techniſche Hochſchule (Reſ.=Laz. II), Hochſchulſtr. 1.
Sonntags, Mittwochs und Samstags von 24 Uhr nachm. N Klinik
Dr. Ollendorff (Weberſche Augenklinik), Frankfurter Straße 42. Täglich
1012 Uhr orm., 24 Uhr nachm. O Vereinslazarett vom Roten
Kreuz, Olbrichweg 10, Vereinslazarett Mathildenhöhe‟ Täglich 34 Uhr
nachm. P Ererzierplatz (Reſ.=Lazarett III), Mittwochs und Sonntags
von 2 4 Uhr nachm.
Hinter jedem Lazarett ſind die Beſuchszeiten angegeben,
die nach Möglichkeit einzuhalten ſind. Ausnahmen werden
zugelaſſen.
Zugang vom 10. bis 14. November.
Acker, Hch., Hedersroth, Reſ.=Inf. 88, M. Alt, Ernſt,
Aug., Remſcheid, Inf. 67/2, P Baginski, Oskar, Alt=
mechen
, Inf. 67/10, P Ballweg, Leo, Glashofen, 115
Erſ., M Bannert, Paul, Kl.=Schimmnitz, Kr. Oppeln,
Füſ.=Regt. 38, O Bauer, Max, Neuburg, Reſ.=Art. 25/5
D Bauer, Peter, Kerpſich=Hammersdorf, Inf. 173/6, P
Baum, Paul, Johannesberg, Gren. 10/10, K Bautz=
mann
, Walter, Pönitz, Sachſen, Jäg.=Bat. 13, O
Becker II., Adam, Neu=Iſenburg, Inf. 115/9, B Bene=
diktes
, Joſ., Diſchingen, Mil.=Betr.=Abt. 3, M Berning,
Franz, Kleindenbach, Ldw.=Inf. 83/10, I Bettinger,
Karl, Lützelſtein, Inf. 145/12, I Bitz, Jakob, Er=
bach
i. O., Inf. 115/2, H Blaſius, Max, Neuhof, 2
Ldſt.=Erſ.=Bat., M Blum, Franz, Neuhof, 2. Ldſt.=Erſ.=
Bat., M Bonner, Valentin, Heringen a. d. Werra, Inf.
135/9, P Born, Auguſt, Fränkiſch=Crumbach, Art. 61/5,
B Boſſe, Hans, Schöningen, Inf. 92/8,P Bräuer,
Fritz, Burbach, Reſ.=Inf. 30, M.=G., P Britz, Guſtav,
Herdecke, Hagen, Inf.=Regt. 30/1, O Brackmann, Hans,
Wismar, I Brumſtein, Georg, Schlett=
ſtadt
, Inf. 160/9, K Burger, Georg, H Buhrer, Wil=
helm
, Herrenberg, Inf. 127, P Clareſſens, Ferd., Wur=
ſelen
, 2. Pferde=Depot 8. A.=K., P Frößmann, Georg,
Hahn, Art. 25, M Dauſel, Wilhelm, Magdeburg, Ldw.=

Inf. 26/8, I Deckmann, Wilhelm, Neuß a. Rh., Inf.
45/5, K Dietrich, Ferd., Wasmünſter, Inf. 30/2, F
Dreizer, Dietrich, Grünreukampsfelde, Reſ.=Inf. 92, M
Ducarn, Ludwig, Biſſert, Art. 16, M Erkle, Georg,
Eichert, Auguſt, Stein=
Darmſtadt, B
bach, Bion.=Bat. 13/3, B Eickmeyer, Engelh., Neuwied,
Inf. 144/5, P Erbert, Joh. Otto, Saugsdorf, Reſ.=Inf.
101/2, P Fahlbuſch, Georg, Hannover, Inf. 144/Maſch.=
Gew., P Fleck, Karl, Jagſtfeld, Landw.=Inf. 50, M
Forſter, Georg, Wimsbach, Erſ.=Pferde=Depot, P Föll=
mer
, Moritz, Steinbach, Sachſen, Reſ.=Inf. 17/8, P
Frank, Nikol., Palzem, Bez. Trier, Inf. 67/5, G Fruke,
Wilhelm, Volpke, Inf. 65/10, P Friedmann, Peter,
Griesheim, Reſ.=Drag. 23/2, P Friedrich, Ludwig,
Mümling=Crumbach, Reſ.=Inf. 116, M Frenger, Otto,
Desloch, Inf. 28/9, P Furthmann, Peter, Krefeld,
Ldw.=Prov.=Kol. 2, P Fuß, Hrch., Ollheim, Train=Bat.
8/2 Fhrp.=Kol. A.=K., P Geid, Peter, Bettingen, Inf.
160/3, K Geiger, Joſeph, Renningen, Art. 49/3, P.
Gerner, Andreas, Eſchweiler=Punge, Inf. 160/9, P
Glaubrecht, Karl, Steinbach, Reſ.=Inf. 118/5, D Golitz,
Paul, Kampitz, Inf. 62/7, P Göllmann, Reinh., Butt=
lar
, Inf. 145/8, P Gösker, Franz, Rieſte, Inf. 67/1, P
Götz, Ludwig, Darmſtadt, Inf. 136/1, N Graffen=
berger
, Guſt., Schilliningen, Inf. 135/2, P Hartlapp,
Karl, Lipine, Gren. 10/1, P Hartmann, Wilhelm, Erz=
bach
, Reſ.=Inf. 118/6, I Heiler, Wilhelm, Braubach,
Inf. 80, M Heinbuch, Konrad, Büdingen, Ldw.=Inf.
116/8, P Helbach, Joh., Kaub a. Rh., Reſ.=Erſ.=Esk. 18.
A.=K., P Herbert, Albert, Hildesheim, Ldw.=Inf. 26/6,
I Herrmann, Karl, Cannſtatt, Inf. 127/5, P Herr=
mann
, Matthias, Limbach, Inf. 67/8, P Herrmann,
Matthias, Philippsweiler, Reſ.=Inf. 69/3, B Heuſer,
Karl, Buch, Feldart. 7, M Hittel, Georg, Hanau, Inf.
168, M Hofmeyer, Chr. Joh., Schwanheim, Train=Bat.
8 Prov.=Kol., P Hofmann, Erwin, Groß=Zimmern,
Reſ.=Inf. 30/2, B Hörth, Peter, Ober=Steinbach, Inf.
173/7, P Hubert, Wilhelm, Mainz, Reſ.=Inf. 116/4, B
Janſen, Arnold, Graf=Rath, Inf. 53, M Janſen, Swi=
ſters
, Reejenmorten, Inf. 173/5, P Jochim, Adam,
Darmſtadt, Inf. 136, M. Iſenbügel, P., Ratingen, Ldw.=
Inf. 118/2, P Jung, Julius, Mülhauſen, Inf. 77/3, E
Kaeſſer, Erhard, Walderſen,=Inf. 65/6, I Kartler,
Leonhard, Sontheim, Pion.=Bat. 13/3, P Kasperski,
Petrus, Obra, Poſen, Inf. 161/8, N Keim, Wilhelm,
Neu=Iſenburg, Reſ.=Pferde=Dep., P Keller, Joſ., Weis
ſenau=Mainz, Ldw.=Inf. 18/5, O. Kerſt, Chriſt., Nie=
der
=Kaufungen, Fußart. 7/1, B Kettner, Wilhelm,
Gießen, Inf. 115, M Klein, Julius, Wittgert, Reſ.=Inf.
80/2, P Klemm, Franz, Seifersdorf, Inf. 68, M
Klug, Wilhelm, Niederolderhütte, Fußart. 9/7 Mun.=Kol.,
K Knips, Franz, Ahrweiler, Inf.=Regt. 25, M. Knor=
ren
, Heinrich, Kainkirchen, Train=Bat. 8/3, P Koch,
Ernſt, Gaidorf, Inf. 122, M Köns, Servatius, Güls,
Art. 70/4, P Krauch, Emil, Darmſtadt, Inf. 113, M
Krauſe, Fritz, Pirſchen, Gren. 10/9, P Krämer, Heinrich,
Herzfeld. Inf. 30/10, P Krämer, Vinzenz, Wöllmicke,
Reſ.=Inf. 87/9, P Kredel, Ldw.=Leutn., Inf. 87/3, H—
kremer, Matthias, Hof=Hau, Inf. 30/4, P Krüger, Wil=
helm
, Inf. 138/9, K Kuhn, Friedrich, Oberfeld, Reſ.=
Inf. 173/8, I Kurth, Wilhelm, Schophoven, Reſ.=Inf.
68/12, P Kühm, Emil, Sorge, Reſ.=Pion. 23/2, P
Landzettel, Heinrich, Wixhauſen, Inf. 143/3, B Lang=
kan
, Anton, Großlenkendorf, Inf. 144/9, B Lauden=
berger
, Jakob, Vielbrunn, Reſ.=San.=Komp., M Lemm,
Adolf, München=Gladbach, Inf. 145/5,P Lemaire,
Eduard, Pervillers, Inf. 173/6, P Lewondonsky, Tho=
mas
, Crußcyn, Poſen, Inf. 83, M Limbourg, Peter,
Bitburg, 2. Schwere Reſ.=Reiterei, K Linfer, Wilhelm,
Benrath, Inf. 30/12, P Liſchke, Georg, Leipzig=Konnes
witz, Reſ.=Inf. 102/8, P Lotz, Adam, Urberach, Landw.s
Inf. 116, M Lutz, Georg, Nieder=Klingen, Inf. 115/1, D
Maier, Karl, Schönebeck, Inf. 60/10, A. Malik, Karl,
Leutnant d. R., Hutſchin, Inf. 144/9, K Manke, Erich,
Rettſchutz, Inf. 144/4, P Marzilius, Heinrich Chriſt.
Albert, Braubach/Rh., Train 18/2, P Maurer, Fried=
rich
, Merxheim, Reſ.=Inf. 17/8, P Mayer, Eugen,
Ravensburg, Inf. 124/5, K Meier, Karl, Burghauſen,
Bayer. Reſ.=Inf. 16/2, D Moeſe, Richard, Weigels=
dorf
, Pion.=Bat. 6/1, P Müller, Johann, Mainz, Art. 61,
Erſ.=Abt., 1. Rekr.=Dep., P Müller, Karl Emil, Bres=
lau
, Füſ. 38/11, P Münzberg, Paul, Stadtel=Lenos,
Schleſien, Pion.=Bat. 6/1, E Naffin, Rudolf, Zypnier,
Inf. 130/6, P Neetz, Hubert, Dierſen, Inf. 68, M
Nick, Adam, Kriffel, M Nödner, Hans, Lan=
kow
, Inf. 144, M Oeß, Franz, Altona, Pion.=Bat. 29, M
Oſter, Joſeph, Gibrath, Inf. 65, H Ott, Karl Anton,
Obertshauſen, Reſ.=Inf. 116, M. Packer, Johann,
Unterrodach, Train=Abt. 18, M Pinoczower, Iſidor,
Ratibor, Inf. 62/2, P Puderbach, Auguſt, Oberaden,
Inf. 28/2, P Pägner, Max, Krottendorf, Reſ.=Inf.
133/8, P Rapp, Hans, Vilbel, Reſ.=Drag. 4, M—
Raſer, Wilhelm, Hamburg, Inf. 67, M Rauſch, Jo=
hann
, Hoffeld, Inf. 68/10 K Reer, Paul, Aſchersleben,
Inf. 120/2, N Reinwald, Karl, Weilmünſter, Train=
Bat. 18, M Rekoſiewitz, Max, Ulm a. d. D., Reſ.=Erſ.=
Esk. 18. A.=K., P Reuter, Heinrich, Darmſtadt, Reſ==
Inf. 116/1, I Riebel, Johann, Auerbach, Ldw.=Inf.
116/4, P Riefer, Johann Edw., Neu=Iſenburg, Inf.
115 Erſ., M. Rinſch, Peter, Krefeld, Inf. 30/5, P
Rinza, Reinh., Kaſſel, Jäg.=Bat. 56/2, K Ritz, Jakob,
Malſtadt=Burbach, Art. 34/4, P Rösberg, Bonn, Inf.
69/3, G Roßmann, Alois, Amberg, Reſ.=Inf. 87/9, K
Rothkehl, Karl, Bernburg, Gren. 10/10, P Rühl,
Karl, Darmſtadt, Inf. 21, M Salſcheider, Joſ., Seel=
bach
, Reſ.=Inf. 30/8, B Seyd. Wilhelm, Erbach, Train=
Abt. 5, M. Siebeck, Otto, Nieder=Clobuau, Inf. Regt.
2/11, P Specker, Johannes, Neuß a. Rh., Art. 59, P
Sprenger, Konrad, Konſtanz, Inf. 127/9, B Sucha=
nek
, Alois, Schepankowitz, Inf. 62/11, P Suslick, Jo=
hann
, Dorf Landsberg, Gren. 10/10, P Scheffler, Emil,
Frankfurt a. M., Inf. 143/6, K Schleyen, Fr., Krefeld,
Eiſenb.=Bau=Komp. 13, P Schmidt, Ernſt, Vielbrunn,
Ldw.=Inf. 26/5, P Schmidt, Ferd., Krofdorf, Train=
Erſ.=Abt. 18, E Schmidt, Philo, Ebersberg, Reſ.=Inf.
88/11, P Schmitt II., Adalbert, Niederbrechen, Erſ.=
Bat. 87, O Schmitz, Peter, Leversbach, Pferde=Dep. 8.
A.=K., M Schmuck, Karl, Recklinghauſen, Inf. 67/7, K
Scholl, Bernh., Straßebersbach, Inf. 116, M
Scholz, Franz, Köln, Reſ.=Inf. 68/1. P Schröper, Paul,
Poſte 1, Jäg.=Bat. 5/2, K Schütz, Joſeph, Kreuznach,
Reſ.=Inf. 17, O Staub, Chriſt., Wolfsanger, Reſ.=Inf.
30/5, P Stenislawcyk, Franz, Gutow. Poſen, Art=
Regt. 8. A.=K., M Stoffel, Wilhelm, Köln, Reſ.=Inf.
65/10, N Stork, Philipp Ludwig, Arheilgen, Reſ.=Inf.
136/2, P Strathaus, Johann. Wadersloh, Inf. 39/5, P
Taſchenberger, Kurt, Pauſchütz, Inf. 139, M Teng=
ler
, Hermann, Herford. Inf. 30/2. B Theis, Johann,
Gemünd, Reſ.=Inf. 69/1, P Theus, Auauſt, Bracht,
Rheinprovinz, Inf. 30/4. O Thielen, Nikol., Bittburg,
Inf. 30/5, P Tiepke, Ernſt, Halle a. d. Saale, Reſ.=Inf,
80/2, M Timaeus, Kurt, Hannover, Inf. 65, M

[ ][  ][ ]

Nummer 318.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 18. November 1914.

Seite 7.

Trautwein, Jakob, Ockenheim, Reſ.=Inf. 87/8, P Troska,
Michel, Recklinghauſen, Inf. 144/1, P— Tübel, Emil,
Klein=Dittenausdorf, Feld=Gend., M Ulrich, Karl, Zülz,
Schleſien, Fußart. 10/1, P Unger, Paul, Gülcho, Inf.
63/5, P Velten, K., Gerhauſen, Inf. 127/1, P Vogel,
Phil., Vilbel, Reſ.=Drag. 4, M Voßen, Franz, Aachen,
Reſ.=Inf. 29/1, P Wagner, Philipp, Schmitten i. T.,
Reſ.=Inf. 87/8, P Warzächer, Paul, Halbendorf,
Oppeln, Schleſien, Fußart. 10, O Weber, Wilhelm,
Ober=Ramſtadt, Inf. 115/10, I Wegmann, Franz,
Weife, Inf. 63/11, K Weiß, Fr., Kirchſchönbach, Art.=
Dep., M Wenner, Johann, Troen, Gren. 10/2, K
Wenſchel, Art. 61/4, H Weſterhorſtmann, Anton, Del=
brück
, Fußart. 7/5, P Wiench, Johann, Königshütte,
nf. 38/12, P Wollrath, Walter, Wilhelmshaven, Inf.
30/2 P Wolf, Jakob, Darmſtadt, Reſ.=Inf. 116/1, N
Buttke, Max, Mondſchütz, Inf. 38/9, P Wyleſich,
Adolf, Bücken, Inf. 23/8, P Zabke, Max, Laurahütte,
Fernſpr.=Abt. 6. A.=K., I Zehlfuß, Georg, Hähnlein,
Ldw.=Inf. 116/1, P.

Aus den Lazaretten entlaſſen
Svom 10. bis 14. November:

Balzarek, Robert, Inf. 11/5, K Bauer, Jakob,
Bad=Orb, Inf. 115/4, B Biegner. Eugen, Reutlingen,
Reſ.=Inf. 119/9, D Bonifer, Wilhelm, Götzenhain, Inf.
115/8, B Bornheim, Daniel, Art 61/2, K Brokate,
Heinrich, Art. 80/5, K Buſch, Richard, Inf. 107/7, K
Düll, Leonhard, Rothenburg, Train=Abt. 18, B
Engelhard, Wilhelm, Inf. 115/7, K Gärtchen, Joſeph,
Jäger 5/2, K Göhriſch, Paul. Worms, Drag. 24/4, O
Grunewald, Heinrich, Eberſtadt, Inf. 115/1, D Heyer,
Jakob, Vorſt, Inf. 145/11, B Kiſtinger, Georg, Inf.
115/2, K Kneib Georg, Inf. 115/1, K Kruckenbaum,
Friedrich, Hamm, Pion.=Bat. 7/2, O Lammich, Franz,
Garde=du=Corps, K Löffler, Heinr. Phil., Darmſtadt,
Inf. 115/1, B v. Malapert=Neufville, Freiherr, Hans,
Darmſtadt, Inf. 118, M, ab Privatpflege, Villen=
kolonie
Eberſtadt Mansfeld, Ernſt, Inf. 115, Maſch.=
Gew., K Marx, Adolf, Train 18/3, K Müller,
Ernſt, Inf. 133/8, K Müller, Fritz Albrecht, Alten=
burg
, Reſ.=Drag. 3/4, D Neumann, Johannes, Wor=
felden
, Inf. 115/5, B Oſt, Georg, Inf. 168/2, K
Queck, Karl, Inf. 121/5, K Reinewald, Karl, Weil=
münſter
, Train=Bat. 18, M, ab Laz. Alsbach Ret=
tig
, Adam, Elmshauſen, Drag. 23/3, I Röder, Joſeph,
Jager=Bat. 5/4, K Rückert, Otto, Stuttgart, Reſ.=Inf.
120/1, D Seyd, Wilhelm, Erbach, Train=Abt. 5, M,
ab Gen.=Heim Falkenſtein Simon, Peter, Drag=
23/2, K Schlörb, Wilhelm, Inf. 115/7, K Schmidt,
Ottz, Inf. 137/9, K Schönfelder, Hugo, Inf. 104/6,
K Schuchmann, Emil, Langenfeld i. Sa., Inf. 98, M
Schüppe, Karl, Inf. 157/10, K Vetter, Philipp, Lan=
gen
=Brombach, Feld=Art. 25, M Bohns, Joſeph, Art.
B4, K.

Apotheker Neumeier’s
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Aerztlich empfohlen. Deutsches Erzeugnis.
Erhältlich in den Apotheken.
(I,21415
Apotheker Neumeier, Frankfurt am Main.

Familiennachrichten.

Todes=Anzeige.
Am 22. Oktober d. J. erlitt in Frankreich
mein innigſtgeliebter Gatte, der treubeſorgte
Vater meines Kindes, unſer lieber Sohn, Bruder,
Schwager und Onkel
Johannes Brunnengräber
Finanzamtsgehilfe
z. Zt. Erſatzreſerviſt im Reſ.=Inf.-Regt. 116
im 24. Lebensjahre den Heldentod für das
Vaterland.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Frau Margarethe Brunnengräber,
geb. Roßmann,
Familie Adam Brunnengräber.
Darmſtadt, den 17. November 1914. (21456
Du ſtarbſt in Deinen ſchönſten Jahren
Und hinterläßt uns ſchweres Leid.
Nichts hilft das Jammern, hilft das Klagen.
Nun ruhe ſanft in Ewigkeit!

Den Heldentod erlitt am 20. Oktober in
treuer Pflichterfüllung im Kampfe fürs Vater=
land
auf Frankreichs Erde unſer einziger,
innigſtgeliebter, herzensguter, treuer Sohn und
Bruder
Friedrich Becker
Unteroffizier im Infanterie-Regiment Nr. 168
im 19. Lebensjahre.
Im tiefſten Schmerze:
Familie Friedrich Becker.
Darmſtadt, den 17. November 1914
(B21471
Neue Niederſtraße 19.

Am 14. Auguſt erlitt in den Kämpfen auf
dem weſtlichen Kriegsſchauplatz den Heldentod
für das Vaterland
Rechtsanwalt
Dr. Alerander Bopp
Rittmeiſter der Reſerve
im Leib=Dragoner=Regiment Nr. 24
Mitglied unſeres Aufſichtsrats.
Wir verlieren in ihm einen treuen Freund
und Berater, welcher uns mit ſeiner großen
Sachkenntnis und Erfahrung ſeit Jahren die
wertvollſten Dienſte geleiſtet hat.
Sein allzu früher Tod erfüllt uns mit tiefer
Trauer. Wir werden dem Dahingeſchiedenen
ſtets ein ehrendes Andenken bewahren.
Darmſtadt=Berlin, November 1914.
Aufſichtsrat und Vorſtand der
Deutſchen Lebensverſicherungs-Bank
Aktiengeſellſchaft.
21454)

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
meinen innigſtgeliebten herzensguten Mann,
unſeren lieben Bruder, Onkel und Schwager
Herrn
Heinrich Stamm
Schneidermeiſter
nach langem mit großer Geduld getragenem
Leiden im 55. Lebensjahr durch einen ſanften
Tod zu erlöſen.
In tiefer Trauer:
Eliſabethe Stamm Ww.
Darmſtadt, den 17. November 1914.
Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittag
um ¾4 Uhr vom Portale des Waldfriedhofes
aus ſtatt.
(21440

Kranken-Unterstützungsbund der Schneider

Filiale Darmstadt.

Todes=Anzeige.
Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unſer
Mitglied
Heinrich Stamm
letzke Nacht ven einem längeren Leiden durch
den Tod erlöſt wurde. Die Beerdigung
findet Donnerstag, den 19. d. Mts., nachmittags
3¾ Uhr, vom Waldfriedhof aus ſtatt. (21467
Um zahlreiche Beteiligung bittet
Der Vorſtand.
Darmſtadt, den 17. November 1914.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme bei
dem Hinſcheiden meiner lieben Gattin, unſerer guten
(21460
Mutter und Schwiegermutter
Frau Hohannette Haſſelmann
geb. Rühl
ſagen wir unſeren tiefgefühlten Dank, insbeſondere
Herrn Pfarrer Waitz für die troſtreiche Grabrede.
Die trauernden Hinterbliebenen.
J. d. N.: Ludwig Haſſelmann.
Darmſtadt, den 17. November 1914.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe innigſter Teilnahme
bei dem uns betroffenen ſchweren Verluſte ſagen
herzlichen Dank.
(*9551
Darmſtadt, den 17. November 1914.
Familie Bert.

Am 5. November erlitt den
Heldentod fürs Vaterland in Nord=
frankreich
unſer herzensguter, innigſt=
geliebter
, hoffnungsvoller und unvergeßlicher
Sohn und Bruder
Heinrich Bruſius
Poſt=Aſſiſtent
Unteroff. d. Reſ. im Inf.=Regt. Nr. 48/12
im 27. Lebensjahre.
In tiefer Trauer:
Ludwig Bruſius und Frau geb. Wolf.
Adolf Bruſius, Dipl. ing., z. Zt. im Felde.
Otto Bruſius, stud. ing.
(21437
Darmſtadt, den 16. November 1914.

Statt beſonderer Anzeige.
Geſtern entſchlief ſanft nach ſchwerem Leiden
unſere gute, treuſorgende Mutter, Großmutter
und Schwiegermutter
Frau Sabine Bangert
geb. Wollrab.
Um ſtille Teilnahme bitten:
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 17. November 1914.
(Taunusſtr. 5).

Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmit=
tags
½3 Uhr, auf dem Darmſtädter Friedhof
ſtatt.
(21438

Dankſagung.

Für die uns erwieſene herzliche Teilnahme
bei dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte ſagen
innigen Dank.
Jakob Neuroth, z. Zt. im Felde.
Dina Neuroth geb. Berx.
Friedrich Neuroth u. Familie.
Eliſe Berr Witwe.
(*9573
Griesheim b. D., 17. November 1914.

Gottesdienſtliche Anzeigen.

Mittwoch, den 18. November 1914.
Hofkirche: Abends um 6 Uhr: Andacht.
Stadtkirche: Abends um 7 Uhr: Kirchenmuſi=
kaliſche
Abendfeier unter Mitwirkung
des Kirchengeſangvereins und der Chor=
ſchule
. (Kollekte.)
Johanneskirche: Abends um 8 Uhr: Andacht.
Pfarrer Dingeldey.
Martinskirche: Abends um 8 Uhr: Andacht.
Pfarrverwalter Storck.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Abends um
8 Uhr: Kriegsbetſtunde. Pfarrer Wagner.
Pauluskirche: Abends um 8 Uhr: Kriegsbetſtunde.
Pfarraſſiſtent Sann.

der ganzen deutſchen Armee liegen
Die Verlustlisten ſämtlich von der erſten erſchienenen
Liſte bis zu den neueſten Liſten in unſerer Geſchäftsſtelle
zur Einſichtnahme auf.

Wetterbericht.

Die mitteleuropäiſche Depreſſion, die uns Montag an=
haltende
Niederſchläge brachte, iſt unter dem Herannahen
eines ausgedehnten, ziemlich kräftigen Hochs von Weſten
her raſch nach Oſten abgezogen, ſo daß wir geſtern bereits
ganz unter Hochdruckeinfluß ſtanden. Wir haben daher
weitere Aufheiterung und Froſt zu erwarten.
Wetterausſichten für Mittwoch: Wolkig, trocken,
kalt, Nachtfroſt, nördliche Winde.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr, Ende 9¾ Uhr
(Ab. B): Kain und Abel
Konzert um 6 Uhr im Café Metropole.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Kurt Mitſching; für den Anzeigen=
teil
, Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem Ge=
ſchäftsleben
: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. Für
den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an
die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche wer=
ſen
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden
nicht zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Schobteste
Liebesgaben
zu Weihnachten!
Unentbehrlich und glänzend bewährt im Kriege

Kriegs-Taschenuhren
Kriegs-Armbanduhren

mit und ohne
Leuchtblatt
mit starkem
Lederband Vonl

Ferner empfehle: Taschenlampen, Kompasse, Ferngläser, Kriegsbrillen (Horn),
Signalpfeifen, Mundharmonikas. Passende Feldpostschachteln zu jedem Artikel.
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S erledigt gegen Einsendung des Betrags und Portos.

Ludwigstr. 20
S. KKafn, Hofuhrmache
Fernruf 506.e
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Richard Wagner-Verein Darmstadt.
Montag, den 23. November 1914, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde
Zum Besten des Roten Kreuzes:
Deutscher Volkslieder-Abend
von Konzertsängerin Fräulein
Elena Gerhardt
aus Leipzig.
Am Klavier: Herr Paul Aron aus Berlin.
Der Blüthner-Konzertflügel ist aus dem Lager der Firma Hofliefe-
rant
A. W. Zimmermann (Ludwig Schweisgut).
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz im Saal zu
5 Mk., Saalkarten zu 3 Mk., Numerierter Balkon zu 3 Mk., Galerie
zu 1.50 M., Studentenkarten 1 Mk. und Schülerkarten zu 50 Pfg. bei
Heinrich Arnold, im Verkehrsbureau und abends an der
Kasse. (Die städtische Billettsteuer wird von der Vereinskasse
getragen). Beitrittserklärungen für den Rest des Ver-
einsjahres
, die nochvor dem obigen Konzerte erfolgen,
berechtigen zu dessen freiem Besuche. Der Beitrag
für den Rest des Jahres 1914 (3 Abende) beträgt 4 Mk.
Der Vorstand.
21441)

SlenerbereinHarmlalte
Freitag, den 20. November 1914, abends 8½ Uhr
im gelben Saal des Reſtaurants Sitte (Karlſtraße)
Vortrag
des Herrn Professor Dr. phil. und jur. J. Kollmann
von der Großherzoglich Techniſchen Hochſchule
über:
as Rautionsmeſen bei
Vergebung öffentlicher Arbeiten
Im Anſchluß hieran wird Herr Volksbankdirektor Stein
über: Die Kreditverhältniſſe während des Krieges einige kurze
(21412mf
Miiteilungen geben.
Zahlreicher Beſuch erwünſcht. Nichtmitglieder willkommen.
Der Vorstand.

Verein Kunſtfreund.
Am 26. November 1914, abends 8½ Uhr
findet im
Grünen Zimmer des Kaiſerſaals (Grafenſtraße)
die Hauptverſammlung des Vereins Kunſtfreund‟
Tagesordnung:
ſtatt.
1. Jahresbericht.
2. Rechnungsablage.
3. Neuwahl des Vorſtandes.
4. Jahresverloſung.
5. Sonderverloſung gemäß § 8 der Satzungen.
(21458
Um zahlreiches Erſcheinen bittet
Der Vorstand.
Darmſtadt, den 17. November 1914.
Alexanderstrasse
5
Calé Metropole.

18. November ab 6 Uhr

Großes patriotisches Konzert
des berühmien
Oberbaper. Musik- und Gesangs-Ensembies.

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die Redaktion des Blattes von jeher als ihre Hauptaufgabe
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Heft 2 des kürzlich begonnenen neuen Jahrgangs ab
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und es wird unser fortgesetztes Bestreben sein, in Bild 2
und Wort den grossen Ereignissen zu folgen.
Jährlich erscheinen 28 Hefte. Preis fürdas Heft nur30 Pf.
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Großh. Hoftheater.
Mittwoch, den 18. November 1914.
38. Abonnements=Vorſtellung. B9.
Kain und Abel.
Oper in 1 Akt
von Felix von Weingartner.
Muſikaliſcher Leiter: Generalmuſik=
direktor
Felix von Weingartner.
Spielleiter: Otto Nowack.
Perſonen:
Robert Perkins
Adam . .
Eva Clement. Feiſtle
Abel
. Aug. Globerger

Ada
Kain

.. L. Schützendorf
*.* Ada: Lucille von Weingartner=
Marcel.
Hierauf:
Sinfonie Nr. 5 (C-moll)
von Beethoven.
Muſikaliſcher Leiter: Generalmuſik=
direktor
Felix von Weingartner.
Nach der Oper findet eine Pauſe
von 30 Minuten ſtatt.
Krank: Franziska Callwey.
Adelheid Croneberg.
Preiſe der Plätze (Gewöhnl.
Preiſe): Sperrſitz: 1.12. Reihe
4.20 , 13.19. Reihe 3.40 ,
Parterre: 1.5. Reihe 2.90 ,
6.8. Reihe 2.35 , Proſzeniums=
loge
6.20 , Mittelloge 6.20 ,
Balkonloge 5.20 , 1. Rang 4.70 ,
2. Rang: 1.6. Reihe 2.70 , 7. u.
8. Reihe 2.15 , 1. Galerie 1.35 ,
2. Galerie 0.75 .
Kartenverkauf: an der Tages=
kaſſe
im Hoftheater von 9½—1½
Uhr und eine Stunde vor Beginn
der Vorſtellung.
Anfang 7 Uhr. Ende 9¾ Uhr.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Donnerstag, 19. Nov.: 39. Ab=
Vorſt. C 11. Fauſt I. Teil.
(1. und 2. Abend.) Kleine Preiſe.
Anfang 6½ Uhr.
Freitag, 20. Nov.: 40. Ab.=Vſt.
D 11. Der Zigeunerbaron.
Kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Samstag, 21. Novbr.: Außer
Abonnement. (III. Sondervorſtell=
ung
.) Der Reviſor. Anfang
8 Uhr.
Zu dieſer Vorſtellung findet
kein Kartenverkauf ſtatt.

[ ][  ][ ]

Ntr. 124.

Mitwoch, 18. Novenber.

1914.

Generaltommandos 18. Arme=
korps
vom 14. ds. Mts. bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis=
Darmſtadt, den 17. November 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
Frankfurt a. M. den 14. November 1914.
Stellvertretendes Generalkommando
XVIII. Armeekorps.
Aht IIe J. Nr. 41995.
Alle Verſteigerungen von Häuten und Fellen ſind bis auf weiteres verboten.
Der Kommandierende General:
(gez.) Freiherr von Gall.

An die Ortspolizei=Behörden des Kreiſes. (21449

Wir beauftragen Sie, die vorſtehende Anordnung wiedeeholt zur öffentlichen
Kenntnis zu bringen und das Polizeiperſonal anzuweiſen, den Befolg der Anord=
nung
ſtreng zu überwachen.
Darmſtadt, den 17. November 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

In den Gemeinden Dietzenbach, Dudenhofen und Seligenſtadt (Kreis Offen=
bach
) iſt die Maul= und Klauenſeuche ausgebrochen.
(21459

Artiche Aechnigles des Groſt. Peietente Darnſent.

Geſunden: 1 längliche ſchwarze Damentaſche mit gelbem Druck=
knopf
und Portemonnaie mit Inhalt und Schlüſſel. 1 ſchwarze
Straußfeder. 1 vergoldete Broſche mit blauen Steinchen. 1 ſchwarzer
Damenpelz. 2 ſchwarze Handtäſchchen. 1 Portemonnaie mit 40 Pfg.
Inhalt. 1 Sturmlaterne, 1 Brille. 1 grauer geſtrickter Handſchuh
1 grünliche waſſerdichte Decke. 12 Stehlragen und 1 Paar Man=
ſchetten
. 1 Kinderſpielzeug (Ente), 1 Feuerzeug. 1 blauer Sami=
gürtel
mit gelber Schnalle, 1 Anhänger (Herrenphotozraphie in
Silberfaſſ. Eine Anzahl Schlüſſel. Zugelaufen: 1 Jagdhund. (21432
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
findet
ſich: 1 Hofhund (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Ver=
ſteigerung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(21427

Bekanntmachung.

Auf Anordnung der zuſtändigen militäriſchen Stellen haben die An=
gehörigen
aller Staaten, mit denen wir uns im Kriegszuſtand befinden,
(Ruſſen, Franzoſen, Belgier, Engländer einſchl.
der engliſchen Kolonien, Serben, Montenegriner
und Japaner) ohne Rückſicht auf Alter und Geſchlecht

bis zum 24. November
abends aus dem Stadtbezirk Darmſtadt ſich zu entfernen.
Feindliche Ausländer, welche nach dem 24. November hier
betroffen werden, werden ſofort feſtgenommen.
Die Wahl des neuen Aufenthaltsortes iſt mit gewiſſen Aufenthalts=
beſchränkungen
freigeſtellt.
Verboten iſt unter anderem die Ueberſiedlung
a) in den Bezirk um Darmſtadt, begrenzt durch die Kreislinie: Neu=
Iſenburg, Oberroden, Groß=Umſtadt, Brensbach, Reichelsheim,
Zwingenberg, Gernsheim, Rheinſtrom, Oppenheim, die genannten
Orte einſchließlich,
b) in den Bezirk um Frankfurt a. M., begrenzt durch die Kreislinie
Flörsheim, Hofheim, Königſtein, Homburg, Rodheim, Windecken,
Hanau, Groß=Krotzenburg, Oberroden, Wixhauſen, die genannten
Orte einſchließlich,
c) in den Bezirk um Mannheim, ſoweit den Bezirk des 18. Armee=
korps
betrifft, die Kreislinie: Offſtein, Pfeddersheim, Herrnsheim,
Hofheim, Bürſtadt, VLorſch, Ober=Ladenbach, Birkenau, Grenze der
Provinz Rheinheſſen bis Offſtein, die genannten Orte einſchließlich,
d) in den Bezirk der Feſtung Mainz; als ſolcher gelten alle Ort=
ſchaften
, innerhalb der Kreislinie: Höhenkamm des Taunus, Kelk=
heim
, Kriftel, Okriftel, Groß=Gerau, Oppenheim, Wörrſtadt, Gau=
Algesheim, Geiſenheim, die genannten Orte einſchließlich.
e) in das Gebiet des Zweckverbandes Groß=Berlin, und in eine An=
zahl
anderer Städte.
Bis zum 18. ds. Mts. einſchl. haben alle feindlichen Aus=
länder
ſchriftlich oder mündlich dem Polizeiamt anzuzeigen, wo=
hin
ſie verziehen wollen, damit die nötigen Ermittlungen wegen
Erteilung des Reiſerlaubnisſcheines noch angeſtellt werden können.
Wer dieſe Friſt verſäumt, hat ſofortige Feſtnahme zu gewärtigen.
Perſönliche Meldungen können nur in den Vormittagsſtunden ent=
gegengenommen
werden.
Ausnahmen können nur geſtattet werden:
a) bei ſchwerer Krankheit, die durch ein amtsärztliches Atteſt be=
ſcheinigt
werden mu.
b) für einzelne Perſonen, die ſich ſeit vielen Jahren in Deutſchland
befinden und für deren deutſchfreundliche Geſinnung und Betätigung
zwei angeſehene Deutſche volle Bürgſchaft übernehmen.
Derartige Ausnahmegeſuche ſind ſchriftlich bei dem Polizeiamt
bis zum 18. lfd. Mts. einzureichen, nicht direkt bei dem General=
kommando
Frankfurt a. M.
Ruſſiſche Saiſonarbeiter haben hier zu bleiben.
Als Aufentshaltsort für mittelloſe Perſonen iſt das Kriegs=
gefangenenlager
Gießen beſtimmt. Mittelloſe Perſonen haben ſich
auf den zuſtändigen Polizeirevieren zu melden, nicht auf dem Polizeiamt.
Die Ausreiſe nach der Heimat kann in dem ſeitherigen
Umfange den Angehörigen feindlicher Staaten geſtattet werden, Ruſſen
dürfen jedoch vorläufig das Reichsgebiet nicht verlaſſen. Die Anträge
ſind ſchriftlich an das Polizeiamt zu richten, eine Photographie iſt
beizuſchließen.
Darmſtadt, den 15. November 1914.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Herſtellung von Hausanſchlüſſen.
*2

Um Straßen= und Fußſteig=Aufbrüche und die, beſonders bei
Froſt= und Regenwetter damit verbundenen Unzuträglichkeiten, Be=
läſtigungen
und Gefahren für das Publitkum im bevorſtehenden
Winter zu vermeiden, fordere ich alle Hausbeſitzer, die Kanal=, Waſſer=
oder
Gasanſchlüſſe herzuſtellen beabſichtigen, hiermit auf, baldigſt
und längſtens bis zum 10. kommenden Monats bezügliche Anträge
bei den betreffenden Verwaltungen zu ſtellen, damit dieſe Anſchlüſſe
vor eintretendem Froſt ausgeführt werden können.
Bei Froſtwetter dürfen keinerlei derartige Arbeiten in An=
griff
genommen werden, ſofern nicht genügende Gründe die alsbaldige
Herſtellung erfordern.
Auch für die im ſtädtiſchen Intereſſe vorzunehmenden Arbeiten
wird nach dieſem Grundſatz verfahren werden, nur einige untergeord=
nete
Herſtellungen werden zur Beſchäftigung arbeitsloſer Leute zur
Ausführung gelangen müſſen.
Die betreffenden Arbeiten finden jedoch in weniger verkehrs=
(21089msm
reichen Straßen ſtatt.
Darmſtadt, den 9. November 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Ekert.

Kartoffeln geſucht.
Größere Mengen guter, ausgeleſener Speiſekartoffeln, Winter=
ware
, kauft Stadtverwaltung Darmſtadt.
Anerbieten mit Herkunft, Sorten und Preisangabe, frei Bahn=
(21089msm
hof Darmſtadt, umgehend erwünſcht.

Ueberſicht

der Durchſchnittspreiſe von folgen=
den
Früchten und Verbrauchsgegen=
ſtänden
in der Zeit
vom 1. bis 15. November 1914:
per Sack à 100 Kilo
Weizen von Mk. 28. bis 28.
Korn
24. 24.
Gerſte
24.
26.
Hafer
23. 25.
Butter ½ Kilo Mk. 1.40
Butter in Partien Mk. 1.30
Eier per Stück 12 und 13 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 3.
Karkoffeln per 100 Kilo Mk. 8.
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 2.25
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 3.50
Heu per 50 Kilo Mk. 4.50
Darmſtadt, 17. November 1914.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.

Marinigeſäſt.

Auf Erſuchen der Großh. Be=
zirkskaſſe
Darmſtadt bringe ich
hiermit zur öffentlichen Kenntnis,
daß die Berichtigung der auf Mar=
tini
fälligen Pacht=, Holz= und
Grasgelder bis längſtens Ende
dieſes Monats geſchehen muß,
widrigenfalls das mit Koſten ver=
bundene
Beitreibungsverfahren ein=
geleitet
werden wird. (21446md
Darmſtadt, 17. November 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Ekert.

Bekanntmachung.

Die Zahlung der rückſtändigen
Beträge für im Wirtſchaftsjahr
1913/14 aus den Waldungen der
Stadt Darmſtadt erſteigertes Holz
hat bei Vermeidung des koſten=
pflichtigen
Zwangsvollſtreckungs=
verfahrens
bis längſtens Ende
November an den Werktagen, vor=
mittags
von 8½ bis 12½ Uhr,
hierher zu erfolgen. (21230s
Darmſtadt, 11. November 1914.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Bekanntmachung.

In unſerem Handelsregiſter A.
wurde heute die Firma W. Hilde=
brand
II. in Eberſtadt ge=
löſcht
.
(21411
Darmſtadt, 14. November 1914.
Großherzogliches Amtsgericht II.
wird angekauft.
(20934a
Schlachthof.
Dünger u. Pfuhl
jedes Quantum, zu ermäßigten
Preiſen.
(18618a
Schlachthof.
Eichein
(nicht unter 10 Kilo)
kauft zu (B21311
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Heinrich Keller Sohn
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Bekanntmachung,
den § 9 des Ortsbauſtatuts für die Stadt Darmſtadt betr.

Auf Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung vom 17. Sep=
tember
d. Js., nach Begutachtung durch den Kreisausſchuß und mit
Genehmigung Großh. Miniſteriums des Innern vom 2. v. Mts. zu
Nr. M. d. J. 18552, lautet der obige Paragraph wie folgt:
§ 9.
Die Anlieger haben nach Maßgabe der Vorſchriften der
Artikel 21 der Allgemeinen Bauordnung und 197 IIa der Städte=
ordnung
zu tragen:
1. Den Aufwand für den Erwerb des für die Straßen,
einſchließlich der Straßenkreuzungen, erforderlichen Geländes,
und zwar in zweiſeitig bebaubaren Straßen je die Hälfte
bis zu einer Breite von je 10m, in einſeitig bebaubaren
Straßen und in Straßen an Plätzen bis zu einer Breite
von 12m.
2. Die Koſten der für die Herſtellung des Straßenkörpers
(Fahrbahn und Bürgerſteige einſchließlich der Straßen=
kreuzungen
) erforderlichen Erdarbeiten.
3. Die Koſten der den Bedürfniſſen des Verkehrs entſprechen=
den
erſten Einrichtung der Straße mittels Ehauſſierung der
Fahrbahn und Pflaſterung der Gofſen.
4. Die Koſten für Herſtellung von Fußſteigen nach Maßgabe
der Vorſchriften der §§ 10 und 11.
Inſofern es in einzelnen Fällen (wie insbeſondere bei Straßen=
durchbrüchen
) zu ungerechtfertigten Härten führen würde, die Anlieger
nach vorſtehenden Beſtimmungen heranzuziehen, kann die Stadt
durch Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung für einzelne
Straßen oder Straßenteile die oben verzeichneten Aufwendungen ganz
oder teilweiſe übernehmen.
Meine Bekanntmachung vom 28. v. Mts. iſt hiermit aufgehoben.
Darmſtadt, den 16. November 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Ekert.
(21447md

Liebesgaben
für die Darmſtädter Truppenteile im Felde.

Die Stadt Darmſtadt will den hieſigen, jetzt im Felde ſtehen=
den
Truppenteilen in aller Kürze einen größeren Liebesgabentrans=
port
als Weihnachtsgabe überſenden. Dem Transporte können
perſönliche und unperſönliche Pakete beigegeben werden. Um eine
gerechte Verteilung herbeiführen und auch diejenigen bedenken zun
können, an die perſönliche Gaben nicht gerichtet ſind, wäre es als
beſonders dankenswert zu begrüßen, wenn recht viele unperſönliche
Pakete der Sendung beigefügt werden könnten.
Wer eine Beiſtener leiſten möchte, iſt herzlich gebeten, ſie im
Stadthaus, Zimmer Nr. 39, abzugeben. Gaben werden auf Wunſch
auch abgeholt. Beſondere Bekanntmachungen ergehen in dieſer Be=
ziehung
noch. Erwünſcht ſind Zigarren, Zigaretten, Tabak, Trocken=
zünder
, elektriſche Taſchenlampen, Briefpapier, Spielkarten, warme
Kleidungsſtücke (neue), vornehmlich wollene Unterſachen, Lebeng=
mittel
für die Feldküche, z. B. Tee, Zucker, Gewürz, beſonders auch
hart getrocknete Fleiſch= und Wurſtdauerwaren und dergleichen,
Wer den Krisgern Liebesgaben ſpenden will gibt doppelt,
wenn er ſie bei den Heimarbeiterinnen anfertigen läßt.
Darmſtadt, den 13. November 1914.
(21421a
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

Auskunſt über Kriegsfürforge.

Der Leiter der Rechtsauskunftsſtelle iſt auch mit der Erkeilung
Hen in Einzenfuhren von Auskunſt in Angelegenheiten der Kriegsfürforge im Allge=
meinen
beauftragt.
Die Auskunftsſtelle gibt jedermann Aufſchluß über die be=
ſtehenden
Fürſorgeeinrichtungen und in ſonſtigen beſonderen durch
den Kriegszuſtand hervorgerufenen Fragen. Sie leiht Kriegsteil=
nehmern
, die durch den Krieg ganz oder teilweiſe erwerbsunfähig
geworden ſind, und den Hinterbliebenen von Kriegsteilnehmern bei
der Verfolgung ihrer Rechtsanſprüche ihre Unterſtützung. Bei ihr
können auch Schadenserſatzanſprüche Reichsdeutſcher, die durch den
Kriegsausbruch Vermögensverluſte in Feindesland erlitten haben,
angemeldet werden.
Die im Stadthauſe, Zimmer 44, beſtehende Auskunftsſtelle
der Frauenhilfe gibt gleichfalls Auskunft über Kriegsfürſorge im
Allgemeinen im Zuſammenhang mit dem Tätigkeitsgebiet der
Frauenhilfe.
Die Auskunftsſtelle der Stadt iſt der ſtädtiſchen Rechts=
auskunftsſtelle
, Stadthaus, Erdgeſchoß rechts, Zimmer Nr. 9.
angeſchloſſen. Sprechſtunden vormittags 9 bis 12 Uhr.
Darmſtadt, den 10. November 1914.
(21129ddd
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

Wiſche und Klelbungeſticke ſur Behlrſtige,

Für den kommenden Winter wird für alle, die auf Unterſtützung
angewieſen ſind, um die Abgabe warmhaltender Wäſche und Kleider,
auch Schuhe, dringend gebeten. In der großen Mehrzahl aller Haus=
haltungen
dürften ſich Wäſche= und Kleidungsſtücke, auch Schuhe,
beſinden, die nicht mehr getragen werden, die aber bei entſprechender
Herichtung Bedürftigen noch gute Dienſte leiſten können. Neben
der Damenvereinigung, die in den unteren Räumen des Schul=
hauſes
Hermannsſtraße 9 eine Stelle für die Sammlung und
Ordnung von Wäſche= und Kleidungsſtücken eingerichtet hat, iſt auch
das ſtädtiſche Armen= und Fürfſorgeamt, Waldſtraße 6, ( Fern=
ſprecher
2419 und 2516), bereit, die Gaben in Empfang zu nehmen
und ordnungsmäßig zu verteilen.
Wer die Sachen vorher ausbeſſern laſſen möchte wende ſich
an die Geſchäftsſtelle des Heimarbeiterinnen=Vereins, Wald=
ſtraße
19, II. Es wird ſo Arbeitsgelegenheit für Frauen und
Mädchen geſchaffen, die auf Verdienſt angewieſen ſind.
Jede Zuwendung wird mit herzlichſtem Dank angenommen.
(20383a
Darmſtadt, den 12. November 1914.
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläfing.

Dunkelbl. Koſtüm, G. 42, 1. Hut
Tfür jung Mädchen zu verk.
*9532) Zimmerſtr. 5, 2. St. r.

Täglich 5060 Liter Milch
D geſtcht. Angebote u. P 48
an die Geſchäftsſtelle. (*9309sim

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 18. November 1914.

Nummer 318.

Einquartierung.

Die ſeitherige Umquartierung nach 10 Tagen iſt nicht weiter
durchführbar. Ich beſtimme deshalb, daß ein Antrag auf Umquar=
tierung
für ſolche Mannſchaften, die mit Verpflegung einquartiert
ſind, erſt vom vierzehnten Tage an und für Mannſchaften ohne Ver=
pflegung
(nur mit erſtem Frühſtück) erſt nach Verlauf von vier
Wochen geſchehen kann.
(21327a
Darmſtadt, den 14. November 1914.
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Ekert.

En nächſter Zeit ſollen Pakete durch Automobil an die Reſerve=
Munitions=Kolonnen=Abteilung Nr. 25 der Reſerve= Di=
viſion
25 befördert werden.
Angehörige, welche bei dieſer Kolonne ſtehende Soldaten haben,
können Pakete bis zu 1 kg bis Samstag, den 21. November, bei
Herrn Kommerzienrat Hickler, Heidelbergerſtraße 101, abliefern.
(21409
Im Auftrage des Kommandanten:
Freiherr v. d. Heyden=Rynſch, Hauptmann und Platzmajor.

Weihnachts=Gaben
für das Reſerve=Infanterie=Regiment 116.

Auch dem Reſerve=Infanterie=Regiment 116 ſoll eine Weih=
nachtsfreude
im Feld bereitet werden. Zu dieſem Zweck bitte ich
freundlichſt alle, die mithelfen wollen, insbeſondere die Angehörigen
derjenigen Offiziere und Mannſchaften, die im Reſerve=Infanterie=
Regiment 116 ſtehen, oder im Laufe des Krieges gekämpft haben,
Spenden dafür in der Wohnung des derzeitigen Regimentskomman=
deurs
, Oberſtleutnant von Weſternhagen, Moſerſtraße 9, bis ſpä=
teſtens
25. November ds. Js. abgeben zu wollen. Jede Gabe
iſt willkommen, in erſter Linie wollene Unterkleidung, Schokolade,
Lebkuchen, Lichter, Briefpapier, Tintenbleiſtifte, zuſammenlegbare Eßbe=
ſtecke
, Pfeifen, Tabaksbeutel, Tabak, Mundharmonikas uſw., aber
auch Geldſpenden, die zum Ankauf weiterer Gaben verwandt wer
den ſollen, werden mit Dank entgegengenommen.
(B21419
Frau Oberſtleutnant von Weſternhagen
Darmſtadt, Moſerſtraße 9.

D.e Geſchäftsſtelle der
Heimarbeiterinnen
Waldſtraße 19, II.
geöffnet von 912 und von 36 Uhr
nimmt Heimarbeit für Wäſchenäherinnen, Schneiderinnen, Strickerin=
nen
und Stickerinnen an und vermittelt auch Arbeitskräfte ins Haus.
Aufträge für Liebesgaben werden ſchnellſtens erledigt.
Beſtellungen auf Socken und Strümpfe im Rathaus, I. Stock,
(21433
täglich von 56 Uhr.

Verſteigerung.

5 Schränke, 5 Tiſche, Stühle, Kommode, Glasſchrank,
2 Nachttiſche, 2 Betten, Spiegel, Bilder, Uhren, kl. Geſchirr,
Lampen uſw. werden Freitag, den 20. November 1914,
vorm. 11 Uhr, meiſtbietend mit unbedingtem Zuſchlag verſteigert.
21443)
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[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 18. November 1914.

Seite 11.

S
dedt
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Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 18. November 1914.

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[ ][  ][ ]

Nummer 318.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 18. November 1914.

Seite 13

Der ſilberne Adolf.
Roman von Horſt Bodemer.
(Nachdruck verboten.)
27)

Da wurde es dem ſilbernen Adolf warm unter der
Weſte!
Sie ſaßen in einer Ecke des Speiſeſaales luſtig plau=
dernd
beieinander. Sekt perlte in den Gläſern, die Haus=
kapelle
ſpielte. Ein raffiniertes Diner hat Ellen Wom=
men
zuſammengeſtellt, und als ſie bei der Zigarette und
der Taſſe Mokka angelangt waren, machte Ellen Wommen
ein ganz ſpitzbübiſches Geſicht.
Wie kommen Sie ſich eigentlich vor ſilberner Adolf?
Da wurde er übermütig.
Ungefähr ſo, wie der liebe Gott in Frankreich! Kell=
ner
, ’ne Anſichtskarte, ich möchte an meine Braut ſchreiben!
Sie drohte mit dem Finger.
Wiſſen Sie, was mir aufgefallen iſt? Daß Sie gar
nicht von Ihrem Rotfuchs geredet haben!
Er hat mich geärgert! Ich bleib’ nichts ſchuldig, i Gott
bewahre! Sie ſchreiben doch mit?
Nur jetzt Vorſicht, predigte ſich Ellen Wommen.
Wenn Sie es wünſchen herzlich gern!
Sie hob das Sektglas! Da verbeugte er ſich und
ſchüttete das prickelnde Naß mit einem Schluck hinunter.
Die Anſichtskarte lag vor ihm, den Bleiſtift drehte er
in der Hand hin und her. Wie zog er nun ſeinem Rot=
fuchs
am beſten die Naſe lang? Ja, wie tut man das?

Weun man ſehr wenig ſchreibt, die Taſachen für ſch
ſprechen läßt. Boßig würde ſich Karla ärgern boßig!
Order parieren ſollte ſie lernen! Teufel auch! Ihn ärgern,
das ſollte ſie lieber bleiben laſſen! Da ſchrieb er:
Von einem Schlemmereſſen ſenden herzliche Grüße
Adolf Ruſten.
Und dann ſchob er Ellen Wommen die Karte hin und
den Bleiſtift. Adolf Ruſten hatte er unterſchrieben? Sollte
ſie ein paar freundliche Worte hinzufügen? Sie überlegte.
Da wurde er ungeduldig. Bloß Ihren Namen, bitte gnä=
diges
Fräulein. Sie ſoll große Augen machen! Ich hab'
wirklich meine Gründe!
Da tat ſie, als ob ſie den Scherz wirklich für ausge=
zeichnet
halte und ſchrieb mit großen, eckigen Buchſtaben
unter ſeinem Namen
Ellen Wommen.
Während er die Adreſſe ſchrieb, ſog ſie den Rauch ihrer
Zigarette tief ein! Das Ende von Karla Plunks Verlöb=
nis!
Nicht die Spur des Bedauerns regte ſich in ihr. Wer
nicht im Leben um ſich ſchlug war ein Narr! Kampf war
Leben! Je erbitterter, um ſo ſchöner der Sieg!
Kellner, gleich in den Briefkaſten werfen, ſagte Adolf
Ruſten, dann rieb er ſich die Hände. Wiſſen Sie, gnä=
diges
Fräulein, ich bin abſolut nicht hartherzig, aber
was ſein muß, muß ſein!
Da zog Ellen Wommen die Augenbrauen hoch und
zerſtampfte den Reſt der Zigarette in der Aſchenſchale.

der von Ruſtenl Herſchen gerade Mißhſimmungen
zwiſchen Ihrer Braut und Ihnen, bitte, verſchonen Sie
mich mit ihnen, ſie gehen mich doch gar nichts an.
Da bekam er einen roten Kopf. Sie nickte ihm freund=
lich
zu. Nur den großen, lieben Jungen in guter Laune
halten.
Kellner! Die Likörbatterie! Aber nur ein Glas! Und
das nicht für mich!
Der ſilberne Adolf mußte lachen! Ein Mordsmädel
war doch Ellen Wommen! Großzügig hielt ſie das Ge=
ſpräch
in der Hand und wenn es drohte, zu entgleiſen,
pfefferte ſie einen Satz hin mit humoriſtiſchen Lichtern
drauf. Und dann ſetzte ſie die Karre wieder in Trab. Und
wenn er den kleinen Finger ausſtreckte. Weg mit den Ge=
danken!
Um Gottes willen jetzt keine Vergleiche, mit
Ellen Wommen konnte ſein Rotfuchs ja doch nicht galop=
pieren!
Die ſaß dickköpfig bei Häpel und las Onkelchen
vor und kam nicht vom Fleck! Und er ſaß im Danziger
Hof, iner Hamburger Millioneuſe gegenüber, die Reiter=
blut
für drei in den Adern hatte und leckte ſich die Lippen!
Woll ja! Da trank er ſeinen Henneſſy, Drei Sterne! So,
das war ein guter Verdauungsſchluck. Wohlig wurde
ihm zumute, er ſah Ellen Wommen an und erſchrak.
Finſter ſtarrte ſie vor ſich hin, ſpielte mit den Diamant=
ringen
an ihrer Hand.
Sie fühlte ſeinen Blick, ſah nicht auf, ſagte lagſam
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Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 18. November 1914.

Nummer 318.

Wenn ich morgen noch hier bleibe, da möchte ich.
Ihrer Frau Mutter in Langfuhr doch meinen Beſuch
machen!
Er ſtreckte das Kinn vor. Das hätte ihm gerade
gepaßt.
Meine Mutter weiß gar nicht, daß ich hier bin! Ich
wohn direkt am Bahnhof in einem Hotel! Sie iſt nämlich
ne ziemlich unmoderne Frau, wie all die alten Damen in
dieſer Ecke! Die würden es ſo ziemlich alle zuſammen
nicht begreifen, daß Sie auf der Reiſe von Hamburg nach
Königsberg in Danzig Station machen und jetzt ſollte
ßie auch einen Naſenſtüber weghaben mit einem abge=
wieſenen
Freier, der nun verlobt iſt, allein dinieren
und ins Theater gehen! So etwas gilt hier für shocking,
meine Allergnädigſte!
Sie blieb ernſt. Tat, als wär’ der Naſenſtüber gar
keiner, als berühre ſie nicht, was die Menſchen hier denken
könnten und ſagte ruhig:
Ich wollte nicht unhöflich ſein, Herr von Ruſten! Aber
ganz wie Sie es für gut halten!
Da verbeugte er ſich und machte ſie darauf aufmerk=
ſam
, daß es Zeit ſei, ins Theater zu gehen. Die Walküre
wurde gegeben.
20. Kapitel.
Frau von Leubenfingen=Hohenſtädt, die tonangebend
in der weſtpreußiſchen Geſellſchaft war, ſie hatte ihre
Jugend in verſchiedenen Hauptſtädten Europas verbracht,
ihr Vater war bald da, bald dort als Botſchaftsrat ge=
weſen
, führte immer wieder das Glas an die Augen und
ſagte dann zu der Gattin des Erblandmarſchalls Graf
Kwelerath, die neben ihr ſaß:
Beſte Gräfin, wer iſt eigentlich die junge Dame da
drüben in der Loge, neben dem blonden, großen Herrn in

den ſchlechſthenden Gehrods Wenn dieſes fraiefarbene
Kleid mit den wundervollen Spitzen nicht von Paquin=
Paris ſtammt, will ich aber auch gar nichts von Toiletten
verſtehen!
Die rundliche Gräfin Kwelerath drückte ihr Unterkinn
an den breiten Hals, zuckte die vollen Schultern:
Keine Ahnung!
Und der blonde Herr?
Den kenn’ ich auch nicht! . .
Der ſilberne Adolf aber ſchmunzelte über ſein ganzes,
geſundes Geſicht. Ihm gabs einen Heidenſpaß, neben
Ellen Wommen hier auf dem Präſentierteller zu
ſitzen, die Operngläſer wurden auf die Loge von allen
Seiten gerichtet. Die Hanſeatin aber tat, als berühre ſie
das gar nicht. Sie plauderte mit Adolf Ruſten harmlos
über Wagner und die Walküre. Er aber warf ſelten ein=
mal
ein Wort dazwiſchen, brachte das Wenige, was er
von Wagner wußte, nicht ungeſchickt an und freute ſich
diebiſch, daß er Grüningen, den luſtigen Hans, einen gu=
ten
Freund von den Leibhuſaren, in einer Loge dicht
neben der ſeinen entdeckt hatte, der ihn verſtohlen an=
zwinkerte
und die Lippen ſpitzte.
Der luſtige Hans, ein kleines, mordshäßliches Kerl=
chen
mit abſtehenden Ohren, einer Kolbennaſe, breitem
Mund und hohen Schultern, galt in der Armee als einer
der beſten Reiter, tollſten Frauenjäger und tüchtigſten
Trinker. Und als Witzbold erſter Klaſſe! Und wenn er
dienſtlich nicht ſo tüchtig geweſen wäre, hätte er den At=
tila
wahrſcheinlich nicht mehr getragen. Wenn er einmal
in eine heikle Lage kam und das war keine Seltenheit
verſtand er den Schaden immer wieder mit vielem
diplomatiſchen Geſchick, unter Zuhilfenahme ſeines
ſchnoddrigen Mundwerkes, einzurenken. Und dieſes di=

plomatiſche Geſchic bewies er auf der Stele. Er ging
nicht in die Loge und ließ ſich vom ſilbernen Adolf deſſen
Begleiterin vorſtellen, ſondern ſagte erſt einmal Frau von
von Leubenfingen=Hohenſtädt guten Abend. Die bekam
ja das Operglas nicht von ihrer Adlernaſe herunter.
Sie fragte ihn auch gleich, ob er die junge Dame
kenne.
Der luſtige Hans zog ſeine hohen Schultern noch
höher, bedauerte ſehr. Aber ihr Begleiter ſei ein Herr
von Ruſten, bekannt unter dem Namen der ſilberne Adolf,
ſicher habe ſie ſchon von ihm gehört, Kamelreiterkorps!
Vernichtung der Simon=Kopperleute! Und vor kurzem
ſei er abgegangen. Warum eigentlich, wiſſe man nicht
genau. Es wurde allerdings von einer Verlobung ge=
munkelt
vielleicht ſei die Dame gar ſeine junge Frau!
Und da die Pauſe noch mindeſtens fünf Minuten dauerte,
könne er ſich ja gleich mal an der Quelle erkundigen,
wenn der gnädigen Frau ungeheuer viel daran liege.
Ja, wirklich, ſehr viel, Herr von Grüningen, beteuerte
Frau von Leubenfingen.
Da machte er ſeinen Kratzfuß und ſchob ſich bedäch=
tig
durch die Menſchen im Foyer nach Ruſtens Loge. Da=
bei
hob er die Knie ſo hoch, als müſſe er auf Schritt und
Tritt über Quaderſteine ſteigen. Das war eine Eigen=
ſchaft
von ihm, die ihm ſchon bei manchem Abenteuer zum
Verräter geworden war, denn ſo wie er lief in Danzig
und weiteſter Umgebung kein Menſch herum.
Die Loge wurde geöffnet, Adolf Ruſten ſtellte vor:
Leutnant von Grüningen, genannt der luſtige Hans
Fräulein Wommen!
Sie lachte, ſchüttelte ihm die Hand.
(Fortſetzung folgt.)

Die neueſte Nummer der
1e
Gehyerrestorettt
Monattich 20rfennig
(einzelne Nummer 5 Pfennig)
erſcheint Dienstag. Beſtellungen nehmen unſere Geſchäftsſtelle, unſere Trägerinnen, ſowie unſere Agenturen
und ſämtliche Poſtanſtalten entgegen, die letzteren unter der Bezeichnung Darmſtädter Tagblatt Ausgabe B.
die neueſte Nummer enthält unter anderem wiederum eine Reihe hochinter=
eſſanter
, aktueller Bilder vom weſtlichen und öſtlichen Kriegsſchauplatz:
Die polniſche Legion.
Große Wäſche an einem Ruhetag.
Eine Anzahl Bilder vom weſtlichen
Die Türkei ſchlägt los!
und öſtlichen Kriegsſchauplatz.
(Eine Reihe intereſſanter Bilder aus der Türkei).

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[ ][  ][ ]

Nummer 318.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 18. November 1914.

Seite 15.

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Vom Brot.

2 Die Frage der Beſchaffung eines Erſatzes für unſer
gebräuchlichſtes Brotgetreide für den Fall, daß Weizen und
Roggen bei langer Kriegsdauer knapp werden ſollten,
rührt dazu, uns mit dem täglichen Brot in ſeinem
wörtlichen Sinne von ſeiner kulturgeſchichtlichen
Seite etwas näher zu beſchäftigen. Der Städter, der
gewohnt iſt, morgens ſeine friſchen Semmeln auf dem
Frühſtückstiſche vorzufinden, kann ſich ſchwer an den Ge=
wanken
gewöhnen, bald vielleicht auf Weizenbrot verzichten
zu ſollen, weil es wünſchenswert iſt, den Vorrat an Wei=
zenmehl
für Küchenzwecke zu erhalten, und doch iſt das
aus Weizen gebackene Brot erſt ſeit dem 18. Jahrhundert
pei uns eingebürgert. Früher kannte man in Deutſchland
aſt nur Roggenbrot; das iſt umſo verwunderlicher, als
ſchon im früheſten Altertum Weizen zu Brot verarbeitet
worden iſt.
Die Griechen lernten die Kunſt des Brotbackens
rühzeitig von den phöniziſchen und ägyptiſchen Einwan=
verern
, in deren Heimatländern man ſchon ſeit den älte=
iten
Zeiten Getreidekörner in Handmühlen zermahlte und
aus dem Mehl Brot buk. Abraham kannte es nur un=
geſäuert
, aber ſchon Moſes verbot den Juden, geſäuer=
les
Brot zum Oeſterlamm zu eſſen. Auch in Rom gab es
öffentliche Bäcker, doch wurde dort das Getreide in Mör=
Tern geſtoßen. Von Rom aus verbreitete ſich dann das
Brotbacken über das weſtliche und nördliche Europa.
Kaum ein anderes Gewerbe muß ſich mit ſeinen Erzeug=
niſſen
ſo nach Freud und Leid der Menſchheit richten, wie
das des Bäckers. Es gibt kaum ein Feſt im Jahr, zu
neſſen Feier nicht ein beſonderes Gebäck in verſchiedener
Form gebräuchlich wäre. Schon im Altertum buk man
Brot in ſehr verſchiedenen Formen. Herodot ſchreibt,
vaß die Aegypter allerlei Weizengebäck in den zierlichſten
Figuren backten, Stiere, Kühe, Schafe, Fiſche, Sterne,
Dreiecke und Scheiben. Zuerſt ſind die Brotgebilde wohl
zu Ehren der Götter entſtanden. Aegyptiſche Arme, die kein
Wieh zur Gabe für die Götter hatten, opferten ein aus
Roggenmehl geknetetes und dann gebackenes Schwein oder
Rind. Auf die gleiche Art erſetzten auch die Germa=
nen
das Tieropfer. Von ihrem in verſchiedenen Tier=
vormen
gebackenem Brot wurden eines oder einige den
WBöttern dargebracht, und das übrige verzehrte die Fa=
milie
. Zur Feier hoher Götterfeſte war es Brauch, dem
Teig die Geſtalt des Gottes oder eines ihm geheiligten
Symbols zu geben. So buk man zum Julfeſte Kuchen
in Haſen= oder Ebergeſtalt. Zur älteſten Bäckerei gehören
nweifellos die Bretzeln; die Bretze, ein Ring mit vier
Speichen, iſt das Bild des aufſteigenden Sonnenrades;
die Germanen buken und aßen ſie gleich nach Neujahr, zur
Zeit des Erwachens der Sonne und Baldurs Wiederkehr.
Die chriſtliche Kirche ließ ſpäter alle heidniſchen Feſte mit
hren oft ſeltſamen Bräuchen beſtehen und begnügte ſich
wamit, ihnen eine Deutung nach ihrem Sinne zu geben.
So ſind viele altgermaniſche und noch ältere Ge=
woräuche
auf unſere Zeit gekommen, in vielen ſpielt der
lberglaube eine große Rolle. In verſchiedenen
Häuerlichen Gegenden pflegt man, um zu erfahren, ob ein
Schwerkranker dem Tode geweiht iſt oder wieder geneſen.
wird, ihm auf die eine Seite ein Stücklein Brot und auf
wie andere etwas Erde zu legen. Wendet ſich der Kranke
mit dem Geſicht gegen das Brot, ſo bleibt er am Leben,
rvendet er ſich auf die Seite, wo die Erde liegt, ſo ſtirbt
ſer. Bei Sterbefällen wird der Teig für Nudeln und
Küchel, die zur Verteilung an die Leidtragenden beſtimmt
find, auf die Leiche geſtellt, damit der Teig gut aufgeht.
Mach dem abendlichen Gebetläuten darf keine Hefe abge=
geben
werden. In ein Haus ſoll man nur bei zunehmen=
vem
oder Vollmond einziehen und dabei Brot und Salz
zuerſt hineingetragen, ſo wird man keinen Mangel leiden.
Die Juden und Zigeuner wiſſen das Feuer zu bannen
und zu löſchen, indem ſie auf eine Brotrinde ein Beſchwö=
Gungswort ſchreiben und ſie in die Flamme werfen. In
der Kurfürſtlichen Kunſtkammer zu Mün=
then
war um 1703 noch zu ſehen, Korn ſo vom Himmel
geregnet, und Brot, ſo daraus gebacken worden ferner
ein Méel, welches in Böheim in der großen Teuerung
ott einem armen Mann mit vielen Kindern gegeben,
Der hinausgegangen, Leimen oder Letten (Lehm) zu
holen, ſeinen Kindern Brot daraus zu backen; da ihme

dann Gott, weil (während) er um mehr Leimen ausge=
gangen
, den andern unterdeſſen zu Haus in Meel gema=
chet
, daß er gutes Brod backen könne. Zahllos ſind die
Volksſprüche, die ſich an das Brot und ſeine Ver=
wendung
knüpfen. Von den weniger bekannten ſei eine
kleine Auswahl hier angeführt: Wenn die Kinder hart
reden lernen, ſoll man ihnen Bettelbrot zu eſſen geben.
Wer will werden reich, der ſchneide das Brot fein gleich.
Wer ein Brot aufſchneidet und ſchneidet nicht gleich,
der hat ſelbigen Tages gelogen. Wenn einer von dem
Brot ißt, das ein anderer hat liegen laſſen, ſo wird er
krank. Wer Brot ißt, davon ſchon einer gebiſſen hat,
der wird jenem feindlich und gram. Wenn man beim
Schatzgraben Brot bei ſich hat, ſo können die Geſpenſter
kein Unheil zufügen. Wenn man ein Brot anſchneidet,
nuß man ſelbes immer mit dem Meſſer unten mit drei
Kreuzen bezeichnen, ſonſt können die Hexen daran teil
haben.

Landwirtſchaftliches.

Frankfurt, 16. Nov. (Viehhof= Markt=
bericht
.) Auftrieb: 1765 Rinder (397 Ochſen, 44 Bullen,
1324 Kühe), 269 Kälber, 114 Schafe, 2211 Schweine.
Preiſe (pro 50 Kilo Lebendgewicht) Ochſen: a) 5256
(Schlachtgewicht 9598), b) 4550 (8090); Bullen:
a) 4547 (8082), b) 4244 (7578); Kühe: a) 4750
(8490), b) 4346 (8083), c1) 3944 (7585),
c2) 3642 (6778), d) 3035 (6070), e) 2328 (5264);
Kälber: a) 4650 (7885), b) 4245 (7176);
Schafe: à) 40 (98); Schweine: a) 5759 (7274),
b) 5657,50 (7072), c) und d) 5759 (7274). Markt=
verlauf
: Schleppend, namentlich bei Weiderindern und
Schweinen Ueberſtand.
Kartoffeln: Großhandel 7,508,50; Kleinhandel
8,509.
Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 10. bis 16. November.
Die Ausführungsanweiſung zu der Verordnung über
die Höchſtpreiſe hat die in den Kreiſen des Getreidehan=
dels
beſtehenden Zweifel leider nicht ganz zu beſeitigen
vermocht. Am meiſten erörtert wird die Frage, ob es
erlaubt iſt, die zum Höchſtpreiſe gekaufte Ware an einen
zweiten Ort zu bringen, wenn durch Fracht und Ein=
kaufsproviſion
der am Verbrauchsort geltende Höchſtpreis
überſchritten wird. Es ſind in den letzten Tagen mehrfach
Geſchäfte auf dieſer Grundlage zuſtande gekommen, nach=
dem
das Handelsminiſterium auf eine telegraphiſche An=
frage
die Zuläſſigkeit dieſes Vorgehens beſtätigt haben
ſoll. Es iſt klar, daß dieſe den Höchſtpreis überſchrei=
tenden
Einkaufspreiſe von den Müllern einkalkuliert und
dadurch in den Mehlpreiſen zum Ausdruck kommen müſſen.
Sollen die Verbraucher nicht um den Vorteil gebracht wer=
den
, der ihnen mit der Einführung von Höchſtpreiſen zu=
gedacht
war, dann wird ma nicht umhin können, auch für
Mehl Höchſtpreiſe feſtzuſetzen, wie wir dies ſtets als not=
wendiges
Korrelat der Höchſtpreiſe für Getreide befür=
wortet
haben. Nicht ganz geklärt iſt ferner die den Hafer=
handel
intereſſierende Frage, was unter Kleinhandel zu
verſtehen iſt. Unhaltbare Zuſtände haben ſich im Gerſten=
geſchäft
herausgebildet. Ware unter 68 Kilo wird über=
haupt
nicht mehr auf den Markt gebracht, und die Folge
davon iſt, daß die Preiſe für ſchwere Qualitäten weiter
erheblich angezogen haben. Es iſt dringend nötig, hier
Abhilfe zu ſchaffen. Will man die Verfütterung von Brot=
getreide
wirkſam verhindern, dann wird auch die Ver=
ordnung
betr. Kleie eine Ergänzung erfahren müſſen. Seit
Einführung der Höchſtpreiſe iſt Kleie beim Herſteller über=
haupt
nicht mehr zu kaufen, weil die Müller meiſt ihre
ganze Produktion an Händler verſchloſſen haben. Soll
alles Brotgetreide für die menſchliche Ernährung geſichert
werden, dann iſt darauf hinzuwirken, daß dem Landwirt
andererſeits zu erſchwinglichen Preiſen Futtermittel zur
Verfügung geſtellt werden. Die Landwirte ſind jetzt all=
mählich
mit den Feldarbeiten fertig, und es iſt zu hoffen,
daß in nächſter Zeit mehr Angebot herauskommen wird.
Ein Abwarten mit dem Verkauf bietet diesmal ohnehin
keine Ausſicht auf Gewinn, wohl aber ſind auf Grund des
Geſetzes vom 4. Auguſt die Behörden ermächtigt, die unter
die Höchſtpreiſe geſtellten Waren mit Beſchlag zu belegen,
wobei der Uebernahmepreis natürlich unter den Höchſt=
preis
zu ſtehen kommt. Ueber das Geſchäft ſelbſt iſt nicht
viel zu ſagen. In der erſten Wochenhälfte waren es außer
den Unklarheiten über die Höchſtpreiſe auch mancherlei
Verkehrsſchwierigkeiten, die das Geſchäft behinderten, und
erſt zuletzt mehrten ſich die Umſätze, wobei es ſich meiſt
um Abſchlüſſe zu Höchſtpreiſen ab Stationen handelte. Es

ſtellten ſich die Preiſe am letzten Marktage in Mark für
1000 Kilogramm wie folgt (die in Klammern beigefügten
Preiſe ſind die geſetzlichen Höchſtpreiſe):
Gerſte
Weizen
Roggen
über 68 kg Hafer
Berlin . .
(260) 220 (220) 240-260
(212)
Danzig . . 250 (252) 210 (212) 220-255 205 (207)
Poſen ..
(250)
(210)
(205)
Breslau .247-252 (252) 207-212 (212) 225-235 197-202 (204)
Roſtock . . 252 (258) 208-209 (218)
202-204 (210)
Hamburg 264-268 (268) 226-228 (228) 263-271 217 (217)
Kiel . .
264 (266)
(226) 270
(216)
Leipzig . . 260-265 (265) 220-225 (225) 211-250
(214)
Dresden . 265 (265) 225 (225) 235-257 208-212 (212)
Köln
276 (276) 236 (236)
(221)
Düſſeldorf 276-280
236-240
223-226
Frankfurt 272-275 (275)
(235)
(221)
München . 277 (277) 237 (237) 224-250 215-220 (220)

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt i.
Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
8 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.

Geborene. Am 11. Nov.: dem Kutſcher Peter Strom=
berger
, Soderſtraße 42, ein S. Georg Willi. Am 8.: dem
Zementarbeiter Angelo Perini, Pankratiusſtraße 26,
eine T. Maria Thereſia. Am 11.: dem Schreiner Georg
Späth, Große Ochſengaſſe 4, ein S. Karl. Dem Kauf=
mann
Ernſt Mörſch, Taunusſtraße 3, eine T. Margot
Irmgard Erna Wilhelmine. Dem Chemiker Dr. der Phi=
loſophie
Anton Kölliſch, Viktoriaſtraße 50, eine T. Lieſe=
lotte
Gertrud. Am 14.: dem Schreiner Georg Reeg,
Beckſtraße 2, ein S. Georg Julius. Am 12.: dem Schnei=
der
Chriſtian Metzger, Hölgesſtraße 3, ein S. Heinrich
Martin.
Aufgebotene. Am 9. Nov.: Vizewachtmeiſter Louis
Karl Wilhelm Heinrich Kahle in St. Avold mit Katha=
rina
Schneider in Mackweiler. Brauer Georg Haag
in Pfungſtadt mit Anna Maria Rettig in Bensheim.
Am 10.: Kaufmann Ludwig Wolff, Darmſtraße 14, mit
Hermine Schmitt in Weinheim a. d. B. Am 11.: Händ=
ler
Wilhelm Klein, Ballonplatz 6, mit Händlerin Mar=
garethe
Schwab, geb. Old, Ballonplatz 6. Am 16.:
Elektromonteur Ludwig Schneider, Dornheimer Weg 77,
mit Kammerjungfer Maria Mahler, Alexandra=Weg 14.
Eheſchließungen. Am 11. Nov.: Prakt. Arzt, z. Zt.
Feldarzt, Dr. Jſaak Spier mit Elſa Wich, beide in
München. Am 12.: Schneider, z. Zt. Musketier Jakob
Flörsheimer, mit Eliſabetha Daum, beide hier. Am
13.: Sergeant und Trompeter Karl Heſſe, hier, mit
Margaretha Gaſche in Langenſelbold. Am 14.: Re=
ſervelokomotivführer
Wilhelm Weber in Wiesbaden
mit Schneiderin Eliſabetha Ittmann, hier. Taglöhner
Heinrich Bender mit Eliſabetha Heiſt, beide hier.
Kaufmann, z. Zt. Erſatzreſerviſt, Karl Sauer in Frank=
furt
a. M. mit Karoline Wolff, hier.
Geſtorbene. Am 12. Nov.: Liſette Joſephine Luft,
geb. Humla, Ehefrau des Monteurs, 68 J., kath., Lichten=
bergſtraße
83. Am 28. Aug.: Franz Faver Dirſcherl,
Mälzer, z. Zt. Gefreiter der Reſerve im Reſ.=Inf.=Regt.
Nr. 116, 28 J., kath., Pankratiusſtraße 23, zu Mouzon in
Frankreich. Georg Böhm, Schiffer, z. Zt. Reſerviſt im
Reſ.=Inf.=Regt. Nr. 116, 24 J., ev., led., Schloßgaſſe 15,
zu Mouzon in Frankreich. Am 12. Nov.: Johann Michael.
Kurz, Poſtſekretär i. P., 72 J., ev., Kiesſtraße 97. Am
28. Auguſt: Joſeph. Wagner, Dienſtknecht, z. Zt. Wehr=
mann
im Reſ.=Inf.=Regt. Nr. 116, 28 J., kath., Rhein=
ſtraße
48, bei Mouzon in Frankreich. Am 4. Nov.: Wil=
helm
Friedrich Heinrich Merz, Hausburſche, z. Zt. Mus=
ketier
im Inf.=Regt. Nr. 111, 22 J., ev., Liebfrauen=
ſtraße
110, Grafenſtraße 9. Am 13.: Johannette Wilhel=
mine
Haßelmann, geb. Rühl, Ehefrau des Spenglers,
66 J., ev., Schwanenſtraße 65. Eliſe Finger, geb.
Millet, Witwe des Großh. Heſſ. Staatsminiſters i. P.,
Exz., 83 J., kath., Riedeſelſtraße 23. Adam Bohländer,
Sohn des Hilfsſchaffners bei der Staatsbahn, 1 J., ev.,
Gräfenhäuſer Weg 45. Am 14.: Eliſabeth Hofmann,
Tochter des Taglohners, 3. Mte., ev., Liebfrauenſtraße 51.
Am 15.: Wilhelm Alexander Hennemann, Schüler, Sohn
des Kaufmanns, 7 J., ev., Heinrichſtraße 156. Karoline
Eliſabetha Ueberle, geb. Hauſer, Witwe des Fiſchers,
73 J., ev., Arheilger Straße 7. Eliſe Hattenbach, geb.
Raaſch, Witwe des Kreisgerichtsſekretärs, 85 J., ev., Nie=
der
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Beruf, 24 J., ev.,ned., Grafenſtraße 9. Am 16.: Emil Er=
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Seite 16.

Darmſtädter Tagblätt, Mittwoch, den 18. November 1914.

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