Darmstädter Tagblatt 1914


Montag, den 9. November.

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177. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Nr. 309.

Montag, den 9. November.

1914.

Von den Kriegsſchauplätzen.

* Großes Hauptquartier, 8. Nov., vorm.
(W. T. B. Amtlich.) Unſere Angriffe bei Ypern und
weſtlich Lille wurden geſtern fortgeſetzt. Am Weſtrand
der Argonnen wurde eine wichtige Höhenſtellung,
Vienne=le=Chateau, um die wochenlang gekämpft wurde,
genommen; hierbei wurden zwei Geſchütze und zwei
Maſchinengewehre erbeutet. Sonſt verlief der neblige
Tag auf dem weſtlichen Kriegsſchauplatze ruhig.
Vom Oſten liegen keine neuen Nachrichten vor.
Oberſte Heeresleitung.
* (Ctr. Bln.) Der militäriſche Mitarbeiter des Berl.
Tagebl. ſtellt feſt, daß uns die Belgier durch die Ueber=
ſchwemmung
des Yſergebietes eine große Auf=
gabe
erſpart haben. Wiewohl unſer Angriff an dieſer
Stelle jetzt unmöglich geworden iſt, ſind andererſeits auch
wirkungsvolle Angriffe der Gegner ausgeſchloſſen und
wir konnten den größten Teil unſerer Streitkräfte von
dort an eine andere entſcheidende Stelle bringen. Wir
können jetzt Unternehmungen der Feinde auf dem Dünen=
gebiete
mit geringen Kräften zurückweiſen. Ypern, das
jetzt der Mittelpunkt des entſcheidenden Kampfes wurde,
iſt nicht nur von Oſten und Süden, ſondern auch von
Südweſten eingeſchloſſen, ſo daß dem Feinde nur noch
die Möglichkeit bleibt, in nördlicher Richtung am Furnes=
kanal
entlang und in weſtlicher Richtung gegen Poperinghe
abzuziehen. Ein Genfer Telegramm des Berl. Lok.=Anz.
ſagt, daß für Frankreich eine Woche der Enttäuſchung
vorübergegangen iſt. Im franzöſiſchen Generalſtabs=
bericht
wird zugegeben, daß St. Georges und andere
Punkte am linken Yſerufer von den Deutſchen beſetzt ſind,
die nach wie vor Ypern vom Norden und Süden, von
Bieſchoote und Meſine bedrohen. Joffre erwähnt noch
ein umfangreiches, gleichzeitig in Flandern und Frank=
reich
geplantes deutſches Vorgehen, geſtützt auf die ſehr
bedeutenden deutſchen Fortſchritte bei Arras, die der
franzöſiſche Generaliſſimus durch Erwähnung der Tatſache
anerkennt, daß die deutſchen ſchweren Geſchütze über die
Nordvorſtädte hinweg die Stadt Arras erreichen. Am
Aisneſluß nordöſtlich von Vailly dauerten die Kämpfe
fort. Die Deutſchen vertauſchten ihre Stellung bei dem
Dorfe Soupire mit einer vorteilhafteren. Eine Schluß=
note
der franzöſiſchen Mitteilung ſagt, daß der deutſche
Nordflügel rieſige Verſtärkungen heranführe und zwar
lauter friſche aktive Kräfte.
Vomöſtlichen Kriegsſchauplatze meldet der
Berichterſtatter der Frif. Zig.: Die vor etwa einem Mo=
nat
auf dem galiziſchen Kriegsſchauplatz ein=
geleitete
allgemeine Offenſive der verbündeten Armeen
hatte den Zweck, den von den Ruſſen mit den großen Trup=
penmaſſen
ihrer Hauptmacht vorbereiteten Angriff gegen
die deutſche Grenze zu verhindern. Die kühnen Vorſtöße
gegen Warſchau-Iwangorod zwangen die Ruſſen zur
vorzeitigen Entwicklung ihrer Kräfte und erreichten ihren
Zweck vollkommen, den ruſſiſchen Vorſtoß gegen Schleſien
zu vereiteln. Damit iſt die zweite Phaſe des Feldzuges
zu Ende und die verbündeten Armeen nehmen ungeſtört
ihre Neugruppierung vor.
* Wien, 7. Nov. Amtlich wird verlautbart: 7. No=
vember
: Die Lage auf dem nordöſtlichen Kriegs=
ſchauplatz
iſt unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalſtabs:
v. Höſer, Generalmaſor.
* Budapeſt, 7. Nov. (Ctr. Bln.) Durch die auf
dem oſtgaliziſchen Kriegsſchauplatz erzielten
Erfolge iſt die Hoffnung begründet, daß ſchon demnächſt
die ganze Linie Körösmezö-Kolomea-Czernowitz von
den Ruſſen gänzlich geſäubert ſein wird. In den letzten
zwei Tagen konnten unſere Truppen faſt ohne Kampf vor=
rücken
; die Ruſſen verlaſſen faſt fluchtartig die von ihnen
beſetzte Gegend und ziehen in nördlicher Richtung ab. Die
meiſten beſetzt geweſenen Ortſchaften wurden von den
Ruſſen in vandaliſcher Weiſe ausgeplündert, ſo daß die
Bevölkerung großem Elend preisgegeben iſt.

Der Fall Tſingtaus.

* Tokio, 8. Nov. (Reuter=Bureau.) Der japa=
niſche
Oberbefehlshaber berichtete heute folgen=
des
: Der linke Flügel der Belagerer beſetzte die nörd=
liche
Batterie auf dem Shautanhügel um 5 Uhr 10 Min.,
die öſtliche Batterie auf Tatungſjing um 5 Uhr 35 Min.
Inzwiſchen rückte das Zentrum gegen die Forts Iltis
und Bismarck vor und eroberte zwei ſchwere Geſchütze.
Die Hauptmacht der Angreifer beſetzte die Forts Moltke,
Iltis und Bismarck. Die Garniſon hißte um 6 Uhr die
weiße Flagge auf dem Obſervatorium. Die Küſten=
forts
folgten dem Beiſpiel um 7 Uhr 30 Min.
* London, 8. Nov. Dem Reuterſchen Bureau wird
aus Tokio berichtet: Der Gouverneur Kapitän zur See
Meyer=Waldeck ſei im geſtrigen Kampfe verwun=
bet
worden.
* Tokio 8. Nov. (W. T. B. Nichtamtlich.) Der Unter=
ſtaatsſekretär
der Marine erklärte in einem Geſpräch über
die Zukunft Kiautſchous, daß Japan während der
Dauer des Krieges Tüngtau verwälten und nach dem

Kriege Verhandlungen über das Gebiet mit China ein=
leiten
werde.

Die Kfmofe in Serbien.

* Wien, 8. Nov. Amtlich wird gemeldet: Auf dem
ſüdöſtlichen Kriegsſchauplatze dauerten die
Kämpfe geſtern den ganzen Tag auf allen Fronten mit
unverminderter Heftigkeit an. Trotz des zähen Wider=
ſtandes
des Gegners, bei dem die Parole Bis auf den
letzten Mann! gegeben war, wurde im Raume bei Kru=
panj
Schanze auf Schanze von unſeren tapferen Truppen
erobert, bis heute um 5 Uhr vormittags auch Koſtajnik, ein
von den Serben für uneinnehmbar gehaltener wichtiger
Stützpunkt, erſtürmt wurde. Die Zahl der Gefangenen
und der erbeuteten Geſchütze iſt bisher nur annähernd be=
annt
.

Der türkiſche Tagesbericht.

* Konſtantinopel, 7. Nov. Amtliche Meldung
des Großen Hauptquartiers: Nichts Neues an der kau=
kaſiſchen
Grenze.
Im Schatt=el Arab begegnete ein türkiſches
Motorboot, das zur Ueberwachung dort kreuzte, bei
Abadan einem engliſchen Kanonenboot und wechſelte mit
ihm Schüſſe, wobei eine Exploſion auf dem Kanonenboot
verurſacht wurde. Mehrere Schüſſe des türkiſchen Motor=
bootes
ſchlugen in die Petroleumlager in Abadan ein und
verurſachten dort einen Brand. Unſer Motorboot kehrie
ohne Schaden nach Baſſora zurück. Die Petroleumlager
brennen weiter.
* Konſtantinopel, 9. Nov. Das türkiſche
Hauptquartier meldet: Mit Hilfe Gottes iſt die ägyp=
tiſche
Grenze geſtern von den Unfrigen überſchrit=
ten
worden. Da die ruſſiſche Flotte ſich in ihre Kriegs=
häfen
zurückgezogen hat, hat unſere Flotte den Hafen Poti
bombardiert und allerlei Schaden angerichtet. Unſere
Gendarmen und die auf unſerer Seite ſtehenden Stämme
haben die engliſchen Truppen, die in Akaba gelandet wa=
ren
, vernichtet. Vier engliſche Panzerkreuzer, die ſich
dort befanden, haben ſich zurückgezogen, nur ein Kreuzer
iſt zurückgeblieben.

Proteſte der Neutralen gegen engliſche
Vergewaltigung.

* Kriſtiania, 7. Nov. Morgenbladet fährt fort,
gegen Engllands Völkerrechtsbruch aufs ener=
giſchſte
Stellung zu nehmen. In der Morgenummer ſagt
das Blatt: Das Seegefecht bei Yarmouth, wo deutſche
Kreuzer quer durch das engliſche Minenfeld an Englands
Küſte gelangten und Granaten in den engliſchen Hafen
hineingeworfen hätten, beweiſe, daß der Schutz durch die
engliſchen Minenfelder etwas illuſoriſch geworden ſei.
Den Weg, den die deutſchen Schiffe gegangen, wolle Eng=
land
in ſeiner Fürſorge für die Neutralen auch deren
Schiffe gehen laſſen, die Gefahr liefen, von den deutſchen
Granaten getroffen zu werden. Als die ruſſiſche Flotte
1904 vor der Doggerbank auf engliſche Fiſchdampfer ſchoß,
ſchnaubte die engliſche Preſſe und das engliſche Volk vor
Wut. Die ruſſiſche Flotte mußte ſich die Schmach gefallen
laſſen, von der engliſchen über den Atlantiſchen Ozean
konvoyiert zu werden. Wenn man jetzt annehmen ſollte,
daß England, welches ſich nach amtlichen Angaben aus=
ſchließlich
zum Schutze der Rechte eines kleinen neutralen
Landes in den Krieg geſtürzt habe, Roſtdſcheſtwenskys
Rolle in der Nordſee ſpielen wolle, ſo würde das bedeuten,
daß England allen Reſpektvorſeinen eige=
nen
ſtolzen Erinnerungen verloren hätte.
Da England nunmehr auch Pentland=Frith und die Minch=
kanäle
als geſchloſſen erklärt habe ſei faktiſch das neutrale
Skandinavien von England vollkommen blockiert. Hätte
Skandinavien fünfzig Unterſeeboote, wäre dieſer Völker=
rechtsbruch
vielleicht nicht paſſiert. Die Abendnummer
des Morgenbladet fährt fort, es ſei erfreulich, daß die
Geſandten der drei ſkandinaviſchen Königreiche
gemeinſam in London Proteſt eingelegt hätten. Am 5.
November habe die Sperre in Kraft treten ſollen, aber die
neutralen Länder hätten noch keine näheren Inſtruktio=
nen
erhalten.
Vieles deute darauf hin, daß die engliſche Bekannt=
machung
übereilt ſei. Die öffentliche Meinung
von Norwegen, Schweden und Dänemark
werde ſich durch das geſtrige Telegramm des Daily Tele=
graph
=Korreſpondenten in Neu=York nicht irre führen
laſſen, der behaupte daß England von Nordamerika
keine Proteſte erwartet habe, ausgenommen von denjeni=
gen
Exporteuren, die erzürnt ſeien, weil ihr ungeſetzlicher
Handel mit Deutſchland fortan unterbunden würde. Das
Telegramm beweiſt, daß die Preſſe dieſes kriegführenden
Landes ſich nicht länger an die obſettibe Wahrheit halte.
Es ſei ſogar geſetzlich erlaubt, Kriegsbedürfniſſe zu lie=
fern
, ſolange die Regierung des betreffenden Landes es
geſtatte. Vielleicht halte das engliſche Blatt jeden Handel
mit Deutſchland für ungeſetzlich, was wohl auch die Auf=
faſſung
ſei von der die Proklamation der engliſchen Admi=
ralität
ausgehe. Weil Norwegen bis zum äuterſten neu=
tral
ſei, habe die hieſige Preſſe das Telegramm des Daily
Telegraph aufgenommen. Für Norwegen ſei der Handel
mit Deutſchland ebenſo natürlich und erwünſcht wie der
mit England. Falls die britiſche Regierung offiziell den
Handel der Neitralen mti Deutſchland für ungeſetzlich
anſehe, werde die ſtrenge Neutralität der nordiſchen Län=
der
die Folgerung daraus ziehen und ein Ausfuhrverbot
auf Holzmaſſe, Papier und Eellloſe erlaſſen. Es ſei zwei=
felhaft
, ob der Daily Telegraph dann noch einem größe=
ren
Leſerkreis ſawe Anſichten äber geieglichen und unge=

ſetzlichen Handel werde mitteilen können. Unter immer
größer werdenden Laſten habe Norwegen ſeine Neutra=
lität
eingehalten; es beweiſe damit, daß ihm an der Neu=
tralität
viel gelegen ſei. Norwegen laſſe ſich nicht ohne
energiſchen Widerſtand von dem geraden Wege der Neu=
traltät
abbringen. Wolle es nicht buind in die Gefahr
hineinſteuern, ſo wünſcht das Blatt den nordiſchen Ge=
ſandten
in London große Geduld, viel Vorſicht und eine
gewandte und unerſchütterliche Feſtigkeit.
* Zürich, 7. Nov. Im Anſchluß an den See=
kampf
an der engliſchen Küſte bei Yarmouth ſchrei=
ben
die Neuen Züricher Nachrichten, eines der Hauptorgane
der Schweizer Katholiken: Wir haben ein Verſtändnts
für die Freude in ganz Deutſchland ob dieſer Bravourtat
der deutſchen Marine. Seit dem denkwürdigen 20. Juni
1667, da die Holländer unter ihrem großen Seehelden,
Admiral Ruiter, in die Themſe einliefen und angeſichts
London 13 engliſche Schiffe vernichteten und 8 kaperten,
iſt es das erſte Mal, daß wieder ein feindliches Geſchwa=
der
an der engliſchen Küſte auſtaucht, um ſie zu beſchießen.
Das deutſche Geſchwader hat mit ſeinem Erſcheinen vor
Yarmouth zunächſt ſeinem Lande einen mächtigen Erfolg
eingebracht, zugleich auch eine Befreiungstat für
Europa verübt. Die Art und Weiſe, wie das
engliſche Regime ſeit Kriegsausbruch
ſchaltet und waltet, iſt unerträglich ge=
worden
. Dieſe Art bedeutet nicht mehr bloß Krieg mit
den Mächten, mit denen ſich England im Kriegszuſtand
befindet, ſondern zum Teil auch wirtſchaftlichen Krieg
gegen die Neutralen und Geltendmachung von
Herrenrechten gegenüber Nationen denen gegenüber
England abſolut keine ſolchen beſitzt. Man ſehe nur die
Klagen der Vereinigten Staaten, Hol=
lands
und Dänemarks, Schwedens und
Norwegens Auch die Schweiz hätte ſolche anzu=
bringen
. Die engliſche Regierung iſt wahrlich nicht gut
beraten, da ſie glaubt, den Beweis erbringen zu ſollen,
daß ſie, wenn es darauf ankommt, den ganzen Erdball in
ihre wenigſtens indirekten Dienſte und zu Mitleidenſchaft
zwingen kann. Schon darum nicht, weil das Bewußtſein
dadurch immer mächtiger aufdämmert, daß der Tag für
Europa und die übrige Weſt ein geſegneter ſein wird, von
dem an die Meere nicht mehr dem Szepter eines Einzigen
werden unterworfen ſein, ſondern Gemeingut der Völker
ſind.

Engliſche Beklemmungen.

* London, 7. Nov. Daily Mail ſchreibt: Der Sieg
kann nur gewonnen werden und das britiſche Reich nur
geretet werden, wenn England für Armeen
ſorgt, die eine kräftige Offenſive gegen Deutſchland er=
greifen
können. Wir ſtehen dem Angriff durch eine voll=
kommen
bewaffnete, hochorganiſierte Nation von 65 Mil=
lionen
gegenüber. Es iſt ein Kampf, der um un=
ſere
Eriſtenz geht. England kann den Angriff nur
niederſchlagen und alle Ziele erreichen, wenn es möglichſt
bald Armeen von ein bis zwei Millionen Mann ins Feld
ſtellen kann. Es gibt keinen anderen ſichtbaren Weg zum
Erfolge Wenn die freiwillige Rekrutierung nicht die er=
forderlichen
Streitkräfte ſchafft, ſo muß England die all=
gemeine
Wehrpflicht annehmen Je länger die Retrutie=
rungsbehörde
zögert, beſſere Methoden anzunehmen, deſto
näher rückt die allgemeine Wehrpflicht. Das Blatt ſieht
zwei große Schwierigkeiten, die die freiwillige Rekrutie=
rung
behindern. Erſtens macht ſich ein großer Teil des
Publikums die wirkliche Lage an der Front nicht klar,
was eine Folge der Geheimnistuerei der Be=
hörden
ſei. Der zweite Grund ſei die ungenügende
Fürſorge für die Frauen und Familien der eintretenden
Kriegsfreiwilligen und für die Verwundeten.

Der Aufſtand in Südafrika.

* Amſterdam, 8. Nov. Nieuws van den Dag
meldet aus Johannesburg vom 7. November: Re=
bellen
, die durch Regierungstruppen verfolgt werden,
ſind in den Oranje=Freiſtaat eingefallen. Gene=
ral
Beyers ſcheint ſich bei ihnen zu befinden. Sie haben
die Brücke über den Sandfluß bei Wirginig zerſtört. Trup=
pen
Dewets haben an verſchiedenen Stellen die Eiſenbahn
nach dem Freiſtat zerſtört.
* Pretoria, 7. Nov. Dewet ritt am 29. Okto=
ber
in Vere im Freiſtaat ein. In einer Rede bezeichnete
er den Einfall in Deutſch=Südweſtafrika als
einen ſeigen Art und als eine Räuberei. De=
wet
ſagte weiter: Ein Freund riet mir, etwas länger zu
warten, bis England ſtärkere Schläge erhalten habe. Aber
es iſt unter meiner und meines Volkes Würde, einem toten
Hund einen Fußtritt zu geben. England hat die Hände.
voll genug. Ich haſſe die Lüge, die beſtändig verbreitet
wird, daß Tauſende von Auſtraliern, Kanadiern und In=
dern
geſandt werden können, um gegen uns zu kämpfen.
Woher ſoll England ſie nehmen? England hat genug zu
tun, um ſeine eigenen Schlachten zu ſchlagen.
* London, 7. Nov. Das Reuterſche Bureau meldet
aus Kapſtadt vom 7. November: Ein Kommando der
Aufſtändiſchen hat geſtern nachmittag die Eiſenbahn
bei Blömhof in Weſttransvaal überſchritten, wurde aber
von den Regierungstruppen unter den Kommandanten
Delarey und Swatz angegriffen. Letztere machten 51 Ge=
fangene
. Die Auftändiſchen überſchritten ſpät
abends den Vaalfluß nach dem Freiſtaat und wur=
den
von dem Kommandanten Oberſt Limmer verfolgt.

* Berlin, 7. Nov. An das Lagerkommando
in Ruhleben iſt heute eine Flut telephoniſcher An=
rfagen
nach eingelieferten Engländern gerichtet worden.

[ ][  ]

Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, tag, den T. November 1914.

Nummer 305.

Ebenſo ſind viele Perſonen im Lager eingetroffen, um
die Erlaubnis zu erbitten, inhaftierte Englander perſön=
lich
zu ſprechen. Bei der großen Zahl der feſtgenomme=
nen
Engländer können telephoniſche Geſuche nicht beant=
wortet
werden. Perſönliche Sprecherlaubnis wird eben=
falls
grundſätzlich nicht erteilt. 80 Engländer wurden
in Hannover verhaftet, darunter auch der Direktor An=
derſon
von der engliſchen Gasanſtalt.
* Berlin, 7. Nov. Aus Anlaß des Seeſieges
an der chileniſchen Küſte waren die öffentlichen
Gebäude Berlins und viele Privatgebäude heute be=
flaggt
, und auf Anordnung der Kirchenbehörde wur=
den
um Mittag alle Kirchenglocken Berlins geläutet.
* Peſt, 8. Nov. (Ctr. Bln.) Unſere in Serbien ope=
rierende
Armee beabſichtigt, noch vor Eintritt des
Winters einen entſcheidenden Schlag gegen
die Serben zu führen. Hiervon gibt auch ein vom Feld=
zeugmeiſter
Potiorek an die ihm unterſtellten Truppen
gerichteter Tagesbefehl Kenntnis, in dem die Truppen
aufgefordert werden, die letzte Kraft des Feindes zu bre=
chen
und den Feldzug noch vor Eintritt des Winters zu
beenden.
London, 7. Nov. Wie Daily Mail meldet, iſt
der Minenfiſcher Mary bei Loweſtoft durch eine
Mine zerſtört worden.

Nachruf.

In den Gefechten bei Raucourt am 28. 8.,
bei Tannay am 31. 8. und bei Pargny am
8. 9. ſtarben den Heldentod:
(21026
Hauptmann v. Consbruch
Oberleutnant d. Reſ. v. der Malsburg
Leutnant d. Reſ. Stumpf
Jahnenjunker Nicolai
Am 22. 9. ſtarb am Typhus im Lazarett
Luxemburg:
Leutnant d. Reſ. Fitting
Das Regiment wird den Tapferen ſtets ein
treues und ehrendes Andenken bewahren.
Eggersh
Oberſt und Kommandeur des Großherzogl.
Artilleriekorps 1. Großh. Heſſ. Feld=Art.=
Regiments Nr. 25.

Nachruf.
Am 25. Oktober d. J. mußte auf dem
Felde der Ehre der Gauvertreter des Main=
Rhein=Gaues der Deutſchen Turnerſchaft
Herr
Lehrer Karl Saum
fürs Vaterland ſein Leben laffen.
Die Darmſtädter Turnerſchaft verliert in
ihm einen eifrigen Mitarbeiter, war er doch
auch einer der techniſchen Leiter der bis jetzt
in Darmſtadts Mauern abgehaltenen Jung=
deutſchlandsfeſte
. Einer unſerer Beſten iſt mit
Karl Saum dahin gegangen. Schlicht und
beſcheiden, von idealer Lebensanſchauung und
ſtrengſter Pflichterfüllung, war er der Jugend
ein leuchtendes Vorbild, uns allen ein lieber
Freund, Führer und Helfer.
Die Darmſtädter Turnerſchaft wird ihren
edlen Turnfreund Karl Saum nicht ver=
geſſen
.
(21031
Darmſtadt, im November 1914.
Darmſtädter Turnerſchaft.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Kurt Mitſching; für den Anzeigen=
teil
, Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem Ge=
ſchäftsleben
: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. Für
den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an
die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche wer=
den
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden
nicht zurückgeſandt.

Statt besonderer Anzeige.
Heute Samstag Abend ½7 Uhr entschlief unerwartet infolge eines Herz-
schlags
nach nur einige Stunden dauerndem Unwohlsein mein lieber unver-
gesslicher
Gatte, unser treubesorgter Vater, Bruder, Schwager und Onkel
Herr Philiop Feidel
(21030
im Alter von 60 Jahren.
Frau Elise Feidel, geb. Roth,
Artur Feidel,
Paul Feidel,
Otto Feidel, zur Zeit im Feld,
Darmstadt, den 7. Nov. 1914. Adolf Feidel,
Hügelstr. 17.
Erna Feidel,
Adam Feidel Witwe, Erfelden,
Ludwig Feidel, Giessen,
Heinrich Roth II., Eschollbrücken,
Ludwig Roth, Darmstadt,
Karl Roth Witwe, Darmstadt.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 10. November, nachmittags ¾/2 Uhr, vom Trauerhause
Hügelstrasse 17 aus, auf dem seitherigen Hauptfriedhof (Nieder-Ramstädterstrasse) statt.

Todes=Anzeige.
Heute früh kurz nach Mitternacht verſtarb plötzlich und unerwartet infolge eines Schlaganfalles mein
innigſtgeliebter Gatte, unſer treubeſorgter, herzensguter Vater
itz Rothhardt
F
Prokuriſt der Firma E. Merck
im 47. Lebensjahr.
In tiefer Trauer:
Nätha Rothhardt, geb. Alt
und Kinder.
Darmſtadt, den 8. November 1914.
(21029
Die Beerdigung findet Dienstag, 10. November, nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehaus Hochſtr. 54 aus, ſtatt.
Beileidsbeſuche werden dankend abgelehnt.

Treu dem Wahlſpruche
der Deutſchen Turner=
ſchaft
: HerzundHand
dem Vaterland ver=
ſchied
in Erfüllung ſeiner
Pflicht am 25. Oktober
auf Frankreichs Boden unſer
(21027
Gauvertreter
Karl Saum.
Wir trauern erſchüttert um einen Führer
von hervorragendem Pflichtbewußtſein, von
unermüdlicher Arbeitsfreude, von edlem
Charakter. Sein Fehlen in unſeren Reihen
empfinden wir ſchwer.
Wir werden dem Dahingeſchiedenen
dauernd ein ehrendes und treues Andenken
bewahren.
Der Main-Rhein-Gau
der Beutſchen Turnerſchaft.
Darmſtadt, den 9. November 1914.

Allen Verwandten, Freunden und Bekannten
die ſchmerzliche Mitteilung, daß unſer lieber
Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Neffe
Heinrich Spöhrer
Dragoner im 2. Großh. Heſſ. Drag.-
(Leib=Brag.) Regiment Nr. 24, 5. Eskadron
am 25. Oktober in einem Gefecht in Belgien
gegen die Engländer im Kampfe für das Vater=
land
im vollendeten 18. Lebensjahre den Helden=
tod
gefunden hat.
(21028
Im Namen der trauernd Hinterbliebenen:
J. Spöhrer, Schutzmannswitwe,
und Kinder.

Tageskalender.

Montag, 9. November.
Beethoven=Abend von Wilhelm Backhaus um 8
Uhr in der Turnhalle am Woogsplatz.
Opern=Abend um 8 Uhr im Kaffee Fürſt Bismarck
Monatsverſammlung des Vereins für Vogel= und
Geflügelzucht um 9 Uhr in der Krone.

Me Ziume
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Erhältlich bei Arthur Sittig,
Du=