Darmstädter Tagblatt 1914


Nr. 132., Donnerstag, den 14. Mai.

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177. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Kaiſer iſt geſtern von Metz in Wiesbaden
eingetroffen.
Der Reichstag bewilligte geſtern in zweiter Leſung
den Etat für Kamerun. In namentlicher Ab=
ſtimmung
wurde der Erwerb des Grundſtücks
Vikktoriaſtraße 34 in Berlin für die Militär=
verwaltung
abgelehnt.
Die bayeriſche Kammer hat die Anträge der Libe=
ralen
und Sozialdemokraten auf Einführung der
Verhältniswahl abgelehnt.
Die engliſche Suffragette, welche das Herkomerbild
in der Kgl. Akademie beſchädigte, wurde zu ſechs
Monaten Gefängnis verurteilt.
Siehe auch Letzte Nachrichten.

Das Recht im Streben nach
Humanität.

** Der Vorſitzende eines Berliner Schwurgerichts
hat am Montag bei Eröffnung einer neuen Tagung eine
bemerkenswerte Anſprache an die Geſchworenen gehalten,
worin er ihnen die Pflicht ans Herz legte, bei ihren Wahr=
ſprüchen
das Recht zugunſten des Gefühls keinen Schaden
leiden zu laſſen, da Richter in der Schuldfrage unerbittlich
ſein und ſich hierbei in erſter Linie vom Rechte, nicht vom
Mitleide leiten laſſen müßten, womit keineswegs geſagt
ſei, daß ſie unterſchiedslos, ohne Prüfung von Urſache und
Wirkung über jemand den Stab brechen ſollten. Die Ver=
anlaſſung
zu dieſer Anſprache waren wohl einzelne.
Schwurgerichtsurteile der letzten Zeit, die in der Oeffent=
lichkeit
ſcharf kritiſiert worden waren, und es läßt ſich
nicht verkennen, daß die Mahnung des Vorſitzenden viel
Berechtigung hat.
Glücklicherweiſe kommen bei uns in Deutſchland
Schwurgerichtsurteile, die nur nach dem Gefühle unter
völliger Mißachtung des Rechts gefällt werden, gar nicht
oder doch nur höchſt ſelten vor, während ſolche Wahr=
ſprüche
in einzelnen anderen Ländern, namentlich in
Frankreich, an der Tagesordnung ſind. Aber Fälle, in
denen das Mitleid bei dem Wahrſpruch der Geſchworenen
eine größere Rolle geſpielt hat, als ſich mit dem Rechte
verträgt, hat es auch ſchon bei uns gegeben. Und das iſt
ja nur zu menſchlich; es wird Berufs= und Laienrichtern
paſſiert ſein, daß ſie dem Zuge unſerer Zeiſt nach Humani=
tät
folgten, der in unſerer ganzen Geſetzgebung, in der
immer größere Kreiſe ziehenden geſetzlichen und privaten
ſozialen Fürſorge, in den von Jahr zu Jahr ſteigenden
gemeinnützigen Beſtrebungen ſeinen Ausdruck findet. Aber
in der Rechtſprechung darf das Mitleid, darf die Humani=
tät
nicht überwiegen, der ausſchlaggebende Teil ſein:
Recht muß Recht bleiben. Verbrechen dürfen nicht durch
Rückſichten des Gefühls ſanktioniert, nicht zu Recht ge=
ſtempelt
werden. Wir ſind nicht dafür, daß nur nach dem
ſtarren Buchſtaben des Geſetzes Recht geſprochen wird,
ſondern der Geiſt des Geſetzes muß die Seele der Recht=
ſprechung
ſein, aber darunter darf das Recht nicht leeden,
nicht umgangen werden.
In unſeren Tagen iſt eine gewiſſe Neigung vorhan=
den
, in jedem Verbrecher nur einen Unglücklichen zu ſehen,
den Veranlagung, widrige Umſtände, ſoziale oder wirt=
ſchaftliche
Verhältniſſe von der geraden Bahn abgelenkt
haben. Daß dies in vielen Fällen zutrifft, läßt ſich nicht
leugnen, aber vor einer Verallgemeinerung ſolcher Theo=
rien
muß doch gewarnt werden. Für alle Verbrechen
mögen Milderungsgründe vorhanden ſein, aber Mord
bleibt doch immer Mord, Totſchlag bleibt Totſchlag und
Diebſtahl Diebſtahl. Jene Begleitumſtände können wohl
in gewiſſen Fällen beim Strafmaß, beim Appell an Gnade
mitſprechen, ſie ſchaffen aber das Verbrechen ſſelbſt nicht
aus der Welt. Dem Strafmaß oder der Gnade ſollen
aber die Geſchworenen nicht vorgreiſen, ihnen liegt allein
die Entſcheidung darüber ob, ob einem Angeklagten ein
Verbrechen zur Laſt zu legen iſt oder nicht, und hierbei ſoll
das Recht allein ausſchlaggebend ſein. Deshalb muß
man dem eingangs erwähnten Gerichtsvorſitzenden zu=
ſtimmen
, wenn er ſagt: jedem Uebeltäter von vornherein

weiteſtgehende Milde angedeihen, ihm aus irgendwelchen
humanen Regungen heraus gar ſtraffrei zu laſſen, ſei mit
einer rationalen Rechtspflege völlig unvereinbar.

Deutſches Reich.

Der Kriegsminiſter von Falkenhayn
über den Krupp=Prozeß. Die ſchon kurz mit=
geteilten
Ausführungen des Kriegsminiſters von Fallen=
hayn
über die Kruppangelegenheit im Reichstag lauteten
ausführlicher:
Der Abg. Liebknecht haſt die Vorwürfe, die er im vo=
rigen
Jahre erhoben hat, wieder erhoben. Nach meiner
Anſicht war er dazu weder berechtigt, noch war es zweck=
mäßig
. das zu tun. Durch die Prozeſſe, die ganz offen
geführt worden ſind, iſt längſt oſfenbar geworden, um was
es ſich handelte. Auf der einen Seite um die Anwendung
unlauterer Mittel und kau männiſcher Manöver, und auf
der anderen Seite um ſchwere Verſtöße gegen die Beam=
tendiſziplin
. Auch nicht der geringſte Schimmer von Lan=
desverrat
hat ſich während der Prozeſſe aufrecht erhalten
laſſen. Ich glaube, daß durch den Hinweis auf dieſen
Landesverrat, die Andeutung, daß ein ſolcher Verrat vor=
liegt
, es Ihnen gelungen iſt. hauptſächlich die Auf=
merkſamkeit
dieſes Hauſes im vorigen Jahre zu er=
regen
. Jedenſalls iſt nicht ein Schimmer von Landesver=
rat
bewieſen worden, trotzdem man bis in die tiefſten
Tiefen hineingegangen iſt. Ich habe mich in die Sache
wirklich hineingemengt und kann verſichern, daß ich feſt
überzeugt bin, daß die Angehörigen der Heeresverwaltung
vom Kriegsminiſterium handelt es ſich übrigens nur
um einen Beamten mit der Kernſäule kann es alſo
wohl nicht weit her ſein in ihrer Mehrzahl ſich tatſäch=
lich
nicht bewußt geweſen ſind, welche ſchweren Verſtäg=
ſie
ſich zuſchulden kommen ließen in dieſem Verkehr mit
der Firma Krupp. Alle Beteiligten ſind zur Verantwor=
tung
gezogen worden, und ſie werden ihr Leben lang
an dem zu tragen haben, was ſie ſich da eingerührt hatten.
Daher kann ich behaupten, daß ſeitens der Heeres=
verwaltung
alles geſchehen iſt, was überhaupt möglich
war, um der Wiederholung ſolcher bedauerlicher Einzel=
fälle
für die Zukunft vorzubeugen. Warum man das jetzt
hier wieder vorgebracht hat, nachdem die Heeresverwal=
tung
den Willen gezeigt hat, einzuſchreiten, wo ſich nur
irgend etwas zum Einſchreiten findet, das verſtehe ich
nicht Ich habe das ſchon im vorigen Jahre nicht ver=
ſtanden
, denn Vorteile ſind daraus nicht erwachſen und
konnten nicht erwachſen, nachdem mein Amtsvorgänger
perſönlich dem Abgeordneten Dr. Liebknecht verſichert
hatte, daß alles geſchehen würde, und nachdem der Ab=
geordnete
ſelber, wie er verſicherte, zu der Ueberzeugung
gekommen war, daß in der Tat alles geſchah, was nach
menſchlichem Ermeſſen möglich war. Nachteile ſind aber
in Maſſe erwachſen. Ich ſpreche nicht von den Nachteilen
für das Heer und die Verwaltung die müſſen wir ja
tragen , ſondern von den ſehr großen Nachteilen, die er=
wachſen
ſind für die deutſche Induſtrie und den Handel
im Auslande. In Deutſchland ſelbſt iſt der Ruf der Firma
Krupp viel zu gut begründet und viel zu gut bekannt, als
daß irgend welche derartigen Vergehen und Verſehen ihn
ſchädigen könnten; draußen aber kennt man die Verhäll=
niſſe
nicht ſo: da ſind genug Konkurenten, denen es Ver=
gnügen
macht, in die Kerbe zu hauen und aus dieſen Din=
gen
Vorteil zu ziehen. Es bleibt mir nur übrig, der Hoff=
nung
Ausdruck zu geben, daß das Haus, um das es ſich han=
delt
und das ſchon manchen Schlag überwunden hat, durch
ſeine Solidität und Tüchtigkeit auch dieſen Schlag über=
ſtehen
wird Das wünſche ich, nicht nur im Intereſſe der
Firma allein und deſſen, was ſie bedeutet für den Ruf
deutſcher Tüchtigkeit im Auslande ſondern das wünſche
ich auch im Intereſſe der 80 000 Menſchen, denen ſie Brot
verſchafft.
Die Beſoldungsnovelle. Die Blätter
melden aus Berlin: Verſchiedenen Blättern zufolge ſoll
das Reichsſchatzamt jetzt zu einem formellen Entgegen=
kommen
in bezug auf die Beſoldungsnovelle bereit ſein,
und die Zuſicherung geben wollen, daß etwa im nächſten
Jahre die in der zweiten Leſung beſchloſſene, über die
Vorlage hinausgehende, Gehaltsaufbeſſerung der gehobe=
nen
Unterbeamten und der höheren Poſtbeamten berück=
ſichtigt
werden. Die Konſervativen und die Liberalen
ſollen ſich auf eine ſolche Formel einlaſſen wollen, wäh=
rend
das Zentrum noch ſchwankend ſei. Immerhin wird
mit der Möglichkeit eines Zuſtandekommens der Beſol=
dungsnovelle
, ſowie der Vorlage zugunſten der Altpen=
ſionäre
und des Rennwettgeſetzes noch gerechnet. In
etwa acht Tagen wird der Reichstag ſeine Ferien begin=
nen
. Mit einer Tagung nach Pfingſten dürfte kaum ge=
rechnet
werden.
Die neugegründete Deutſche Welt=
wirſtſchaftliche
Geſellſchaft hielt am Dienstag
abend im Feſtſaal des preußiſchen Abgeordnetenhauſes
ihre erſte Tagung ab. Der vortragende Rat im Reichs=
koloniglamt
und außerordentliche Profeſſor an der Ber=
liner
Univerſität, Geheimer Reg.=Rat Dr. Zoepfl, ſprach
dabei über Weltwirtſchaftliche Forſchung, nachdem der
Vorſitzende, Wirkl. Geh. Ober=Finanzrat Dr. Schwarz,

die zahlreich erſchienenen Zuhörer begrüßt hatte. Bei der
erſten Tagung wurden unter den zahlreich erſchienenen
Mitgliedern und Gäſten der Vereinigung u. a. bemerkt,
der frühere Staatsſekretär des Reichskolonialamts von
Lindequiſt, der Vizepräſident der Deutſchen Kolonialge=
ſellſchaft
von Gayl, ferner die Exzellenzen von Liebert
und von Schubert, ſodann der erſte Vizepräſident des
Reichstages Dr. Paaſche als Vertreter des Deutſch= aus=
ländiſchen
Wirtſchaftsverbandes, Oberbürgermeiſter a. D.
Wardehn als Vertreter des Bundes der Landwirte, der
Abgeordnete Freiherr von Richthofen als Vertreter des
Hanſabundes, Geh. Oberregierungsrat Gerſtmeyer als
VVertreter des Reichskolonialamts und zahlreiche Abge=
ordnete
verſchiedener Parteien.
Die Wertzuwachsſteuer in Sachſen.
Nach längerer Debatte lehnte die Zweite ſächſiſche Kammer
den Geſetzentwurf, betreffend die Weitererhebung der
Wertzuwachsſteuer, ab.
Die Verhältniswahl in Bayern. Die
bayeriſche Kammer der Abgeordneten beſchäftigte ſich mit
den ſchon in der vorigen Seſſion von den Liberalen und
den Sozialdemokraten eingebrachten Anträgen über die
Einführung der Verhältniswahl bei den Landtagswahlen
in Bayern. Die Redner der Liberalen und der Sozial=
demokraten
traten für die Einführung dieſes Wahl=
ſyſtems
ein; der Redner des Bauernbundes verhielt ſich
abwartend, die Vertreter des Zentrums und des Bun=
des
der Landwirte lehnten das Syſtem ab, ebenſo der
Miniſter des Innern v. Soden, der erklärte, die Staats=
regierung
ſei nicht in der Lage, den Anträgen gegenüber
eine andere Stellung einzunehmen als gegenüber ähn=
lichen
Anträgen im Mai 1910 und im März 1912. Die
Gründe lägen darin, daß die ſeinerzeit verlangte Verhält=
niswahl
von dem Landtag mit großer Mehrheit abgelehnt
worden war, und daß ſeitdem keine weſentliche Aende=
rung
in den Anſchauungen der Mehrheit des Hauſes ſich
ergeben habe. Die Regierung könne zu einem ſolchen Vor=
gehen
nur die Hand bieten, wenn die Geſetze ſich als ver=
altet
erwieſen hätten, aber nach dem Wahlgeſetz von 1906
ſeien erſt zweimal allgemeine Wahlen durchgeführt wor=
den
. In den zwei Wahlperioden laſſe ſich kein abſchlie=
ßendes
Urteil über die Brauchbarkeit oder die Unbrauch=
barkeit
des Wahlſyſtems bilden. In Bayern könnte an
eine Aenderung des Wahlgeſetzes erſt herangetreten wer=
den
, wenn ſich die Mehrheit des Landtages über die
Grundzüge eines neuen Wahlrechtes, über die Bildung
der Wahlkreiſe, die Verteilung der Mandate uſw., geeinigt
habe, und wenn die Ausſicht vorhanden iſt, daß auch die
Kammer der Reichsräte ſich damit einverſtanden erkläre.
Zurzeit ſei aber die Stalatsregierung nicht in der Lage,
zu den Anträgen eine zuſtimmende Haltung einzunehmen.
Die Kammer lehnte die Anträge ab.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Der Heeresausſchuß der öſterreichiſchen
Delegation hat das Extraordinarium nach längerer
Debatte angenommen, indem er den Kriegsminiſter für
ſeine Mitteilung an die Delegation über die vorzügliche
Haltung und das Ausſehen des öſterreichiſchen Truppen=
detachements
in Skutari dankte. Dieſer erklärte, es er=
fülle
gewiß jedermann mit großer Befriedigung und Be=
ruhigung
, zu ſehen, daß in allen Dienſten, aber nament=
lich
, wenn ſie außerhalb der Monarchie zu leiſten ſeien,
der Ruhm der öſterreichiſchen Armee hochgehalten werde.
Der Redner gab weiterhin Aufklärungen über den Stand
der öſterreichiſchen Motorballons und erklärte, daß wegen
Anſchaffung in größerem Umfange Verhandlungen mit
verſchiedenen Unternehmungen eingeleitet ſeien und ſprach
die Hoffnung aus, daß ſich die öſterreichiſche Induſtrie
an den diesbezüglichen Lieferungen noch beteiligen werde.
Frankreich.
Das Dreijahrgeſetz. In parlamentariſchen
Kreiſen verlautet, daß der radikale Deputierte und ehe=
malige
Kriegsminiſter Meſſimy die Abſicht habe, ſeinen
Antrag auf Einführung der 30monatigen Dienſtzeit, der
im vorigen Sommer bei der Beratung des Dreijahrgeſetzes
von der Kammer abgelehnt worden war, von neuem ein=
zubringen
und deſſen baldige Erörterung zu verlangen.
Der Figaro weiſt darauf hin, daß Miniſterpräſident Dou=
mergue
, Kriegsminiſter Noulens und der Unterſtaats=
ſekretär
des Krieges Maginot wiederholt erklärt haben,
daß das Dreijahrgeſetz aufrecht erhalten werden müſſe,

[ ][  ][ ]

und daß bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge in
Europa nicht die Rede davon ſein könne, dasſelbe abzu=
ſchaffen
oder abzuändern. Es ſei alſo möglich, daß gleich
zu Beginn der nächſten Kammerſitzung ein ernſter Zwiſt
zwiſchen dem Miniſterium und der Mehrheit ausbrechen
werde, auf die jene ſich ſtützen wollen,
Spanien.
Die marokkaniſche Frage. Die Kammer
ſetzte die Debatte über die allgemeine Politik fort. Der
frühere Miniſterpräſident Romanones gab einen Ueber=
blick
über die Geſchichte der marokkaniſchen Frage und er=
klärte
, Spanien ſſei auf die Einladung Frankreichs nach
Marokko gegangen. Frankreich habe angekündigt, daß es
allein dort hingehe, wenn Spanien nicht mitginge. Ro=
manones
führte weiter aus, daß Spanien eine Kolonial=
armee
, ein Miniſterium für Marokko ſchaffen und ſeine
gegenwärtige Armee vollſtändig reorganiſieren müſſe.
Das Oberkommando in der ſpaniſchen Zone müſſe ſo bald
wie möglich einem Ziviliſten anſtelle des Militärs über=
tragen
werden. Die marokkaniſche Frage ſei die Zukunft
Spaniens. Alle Parteien müßten an der Löſung mitar=
beiten
, ohne die Opfer zu ſcheuen.
Türkel.
Die Reformierung der Flotte. Der Ma=
rineminiſter
Djemal Paſcha hat an alle Hafenpräfelten
des Reiches ein Rundſchreiben gerichtet, in dem er auf die
ruhmreiche Ueberlieferung der türkiſchen Flotte, die einſt
das ganze Mittelmeer beheruſchte, hinweiſt und die Prä=
fekten
auffordert, ihre Bemühungen aufzuwenden, um die
türkiſche Bevölkerung zu ermutigen, ſich an anderen Na=
tionen
ein Beiſpiel zu nehmen und die Beſatzungen für
die Flotte bereitzuſtellen, deren Schaffung die Regierung
programmäßig begonnen habe, um die Fehler der jüng=
ſten
Vergangenheit wieder gut zu machen.
Balkanſtaaten.
Zivil= und Militärbehörden in Ser=
bien
. Nach der Begründung der Interpellation, betref=
fend
die Unzufriedenheit des Offizierkorps durch den
Interpellanten Triſunowitſch (regierungsfreundlich) in
der Skupſchtina, erklärte Miniſterpräſident Paſitſch, daß
die letzte Verordnung mit der im Jahre 1907 erlaſſenen
Verordnung weſentlich identiſch ſei, wodurch die Frage
der Priorität der Zivilbehörden definitiv geregelt wurde,
ſo daß eine Mißſtimmung gegen die in dieſem Jahre er=
laſſene
Verordnung jeder Grundlage entbehre. Die Re=
gierung
ſei jedoch bereit, die ſtrittige Frage durch ein Ge=
ſetz
zu regeln. Der Fortſchrittler Marinhowitſch erklärte,
da die Regierung nicht die Kraft beſitze, den ſeit 1906 zwi=
ſchen
den radikalen Offizieren beſtehenden Konflikt aus
der Welt zu ſchaffen, müßte ſie das Feld räumen. Der
Miniſter des Innern Protio wies die Ausführungen des
Vorredners zurück und erklärte, die Veranlaſſung des
Konflikts ſei darin zu ſuchen, daß von einzelnen Offitzieren
die Unzufriedenheit geſchürt werde. Deshalb ſah ſich die
Regierung veranlaßt, den General Damian Popowitſch
der in einem amtlichen Bericht an den Kriegsminiſter ge=
gen
die Verordnung Stellung nahm, in den Ruheſtand
zu verſetzen. Um eine Wiederholung von Konſlikten zwi=
ſchen
den Vertretern der Zivil= und Militärbehörden vor=
zubeugen
, regelte die Regierung durch eine Verordnung
das Verhältnis zwiſchen den Zivil= und Militärbehörden.
Die internationale Kontrollkommiſ=
ſion
. Nachrichten aus Korfu zufolge ſchreiten die Be=
ſprechungen
der epirotiſchen Delegierten und der Mit=
glieder
der internationalen Kontrollkommiſſion gut fort,
ſo daß ſich die Lage gebeſſert hat. Im griechiſchen Mini=
ſterium
des Aeußern fand zwiſchen dem griechiſchen und
ſerbiſchen Delegierten eine Konſerenz über das Abkommen
betr. Salonili ſtatt. Die Delegierten gelangten zu einem
Einvernehmen. Man glaubt, daß in der zweiten Kon=
ſerenz
das Abkommen unterzeichnet wird.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 14. Mai.
Empfänge. Der Großherzog empfing am
Mittwoch den Oberſt Eggersſ, Kommandeur des Großh.
Artillerie=Korps, 1. Großh. Heſſ. Feld=Artillerie=Regiments
Nr. 25, den Aſſiſtenzarzt Buchhold bei demſelben Regi=
mnent
, den Leutnant v. Oppen im 2. Großh. Heſſ. Feld=
Artillerie=Regiment Nr. 61, den Intendantur=Aſſeſſor
Schamberg, Vorſtand der Intendantur der Großh.
(25.) Diviſion, den Lehrer Spilger von Laubach, den
Direktor des Landeszuchthauſes Marienſchloß Stumpf;
zum Vortrag den Staatsminiſter v. Ewald, den Finanz=
miniſter
Braun, den Miniſter des Innern v. Hom=
bergk
zu Vach, den Vorſtand des Kabinetts Geheimerat
Römheld.
* In den Ruheſtand verſetzt wurde der Weichen=
ſteller
in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft
Johannes Noll zu Zell=Romrod vom 1. Juni 1914 an.
*Erledigt iſt eine mit einer katholiſchen Lehrerin
zu beſetzende Schulſtelle zu Ober=Mörlen, Kreis
Friedberg.
Vom Hoftheater wird uns geſchrieben: Heute
abend dirigiert Geheimerat de Haan den Fidelio
während den Pizarro diesmal Kammerſänger Weber
ſingt. Am Freitag wird der Gerhart Hauptmann=
Zyklus mit der Traumdichtung Hanneles Himmel=
fahrt
fortgeführt, in der wegen Beurlaubung der
bisherigen Inhaber der Rollen Herr Baumeiſter den
Heidel, Herr Peterſen den Dorfſchneider und Fräulein
Pils einen Engel übernommen haben. Die Urauf
führung von Kain und Abel am Sonntag, den
17. Mai, ſteht unter der muſikaliſchen Leitung des Kom=
ſoniſten
, der als Dirigent des Kaim=Orcheſters, der Kon=
zerte
im Berliner Kgl. Opernhaus und der Wiener Phil=
harmoniker
, ſowie als Direktor der Wiener Hofoper ſeit
langen Jahren in der erſten Reihe der großen deutſchen
Orcheſterleiter ſteht. Den Abſchluß der Spielzeit
bildet am Sonntag, den 7. Juni, abermals eine muſi=
kaliſche
Uraufführung. Hofkapellmeiſter Paul
Ottenheimer, der bekanntlich mit ſeiner Operette Heim=
liche
Liebe einen der ſtärkſten Operettenerfolge der
etzten Jahre verzeichnen durfte, hat ſein neueſtes Werk
Hans im Glück der Generaldirektion zur Erſtauf=
führung
überlaſſen. Die bedeutendſten Größen der
Operette: Mizzi Guenther, Mimi Marlow, Hubert
Marſchka und Max Pallenberg werden die Hauptrollen
des Werks kreieren, deſſen nächſte Aufführungen im
Herbſt an drei großen deutſchen Theatern gleichzeitig ſtatt=
finden
werden.
* Arbeitsjubiläum. Geſtern feierte der Schloſſer
Michael Knell in der Maſchinenfabrik und Mühlenbau=
anſtalt
G. Luther A.=G., hier, ſein 25jähriges Arbeits=
jubiläum
. Aus dieſem Anlaß wurde er von ſeiten der
Beamten und Arbeiter mit reichen Geſchenken bedacht,
während ihm von ſeiten der Direktion ein namhafter Geld=
betrag
überreicht wurde.
* Abgeſtiegen ſind im Hotel Britannia: Oberbürger=
neiſter
Plaßmann von Paderborn, Bürgermeiſter Coß=
mann
von Mühlhauſen, Stadtrat Dr. Sempell aus Dort=
nund
und Dr. jur. Freiherr von Lyncker.
* In Amerika verſtorbene Heſſen. Herr Jakob
J. Schaeffer, ein wohlbekannter Bürger von Galion,
O., und hochgeachteter Geſchäftsmann, ſtarb am 14. April
in ſeiner Wohnung. Er war am 3. Februar 1831 in
Dodenau, Kreis Biedenkopf, Heſſen, geboren und erreichte
das hohe Alter von 83 Jahren.
* Kleine Urſache große Wirkung. Geſtern nachmittag
gegen 1½ Uhr entſtand auf der Rheinſtraße, Bismarck=
ſtraße
, Dornheimer Weg eine Betriebsſtörung der elektri=
ſchen
Straßenbahn, die faſt 2 Stunden das Befahren dieſer
Strecken unmöglich machte, und wodurch auch die übrigen
Linien zum Teil in Mitleidenſchaft gezogen wurden. Nach=
dem
im Elektrizitätswerk und auch auf der Strecke die
Kabel, die Oberleitung und die Wagen geprüft worden
waren, wurde feſtgeſtellt, daß ein Hörnerblitzableiter auf
einem Straßenbahnwagen, der ſich auf dem Dornheimer
Weg befand, auf unerklärliche Weiſe zuſammenlag und
eine ſtändige Verbindung zwiſchen Fahrleitung und
Schienen herſtellte. Nachdem der Blitzableiter wieder in
Ordnung gebracht worden war, konnte der Betrieb gegen
½4 Uhr wieder aufgenommen werden. Der Verkehr zum
Hauptbahnhof und Schloß wurde zum Teil über die Eliſa=
bethenſtraße
geleitet, hatte jedoch unter der Betriebsſtörung
ſehr zu leiden. Eine weitere Betriebsſtörung ergab ſich
an der Ecke Rheinſtraße und Paradeplatz, wo in der
Kurve einer der neuen großen Wagen aus den Schienen
ſprang. Er konnte aber bald wieder in die Schienen zu=
rückgebracht
werden.

* Wichtig für Hausbeſitzer. Der Darmſtädter Haus=
beſitzerverein
gibt an ſeine Mitglieder unentgeltlich For=
mulare
zur Buchführung über Häuſer ab. Die Buchfüh=
rung
, die ſehr leicht verſtändlich iſt, hat den Zweck, der
Steuerbehörde buchmäßig nachweiſen zu können, daß der
ſeither übliche Abzug von 20 Prozent für Unkoſten im
allgemeinen nicht ausreichend iſt, wie der 1. Vorſitzende
des Vereins, Herr von Heſſert, in ſeinem im Februar d.
Js. gehaltenen Vortrag an 114 Häuſern nachgewieſen hat.
Kein Hausbeſitzer ſollte es verſäumen, ſich die Formulare
in ſeinem eigenen Intereſſe zu verſchaffen. (Siehe Inſerat.)
* Verein für das Deutſchtum im Ausland. Die ver=
einigten
Darmſtädter Ortsgruppen des Vereins für das
Deuſchtum im Ausland hatten ſich zu einer Vorſtands=
ſitzung
im Saarbau zuſammengefunden, um den auf Ein=
adung
zahlreich erſchienenen jungen Damen den Wiert und
die Notwendigkeit der Mitarbeit der weiblichen Jugend
an den hohen Aufgaben des Vereins vor Augen zu führen.
In ihrer Begrüßungsanſprache dankte Frau Profeſſor
Lenz all den Damen, die bereits ihre Bereitwilligkeit aus=
geſprochen
hatten, die Leitung der neuen Mädchenorts=
gruppe
zu übernehmen, gab in kurzen Worten ein Bild
vom Umfang und der Schwierigkeit der völkiſchen Arbeit
des Vereins, insbeſondere an den Sprachgrenzen, und
vies manches ſchiefe Urteil über den Schulverein zurück,
das nur einer gänzlichen Verkennung ſeiner dem deutſchen
Volkstum gewidmeten Tätigkeit entſpringen könne. Es
gelte vor allem, dem Anſturm fremder Volkskörper zu
wehren und durch Kindergärten, Schulen, Waiſenhäuſer
und Wohlfahrtseinrichtungen aller Art deutſches Weſen
wurzelecht zu erhalten. Die Mitglieder der Mädchenorts=
gruppe
ſollen etwa alle vier Wochen zuſammenkommen,
um ſich Belehrung zu verſchaffen über die Lage des Aus=
landsdeutſchtums
und die Maßnahmen des Vereins. Zu=
gunſten
des Weihnachtsbäumchens für Südtirol ſollen
Handarbeiten angefertigt werden. Ferner ſollen die frei=
willigen
Kräfte der Mädchenortsgruppe herangezogen wer=
den
zu den umſaſſenden Vorbereitungen, die für das
Deutſche Feſt am 7. November notwendig ſind. Die Dar=
egungen
fanden einmütigen Beifall. In den Vorſtand
der Mädchenortsgruppe wurden gewählt: Frl. Minna
Weitzel, Frl. Erika von Randow, Frl. Emily Beck, Frl.
von Uthmann, Frl. Magdalena Nebel, Frl. Grete Wolff,
Frl. Erna Kraft, Frl. Irmgard Mößner, Frl. Lulu
Ramdohr, Frl. Bertha Pizzala, Frl. Theſe Wulkow, Frl.
Viktoria Büchner, Frl. Gertrude Berndt, Frl. Lieſel
Kling, Frl. Emma Machenhauer, Frl. Irmgard Letten=
baur
, Frl. Paula Orth, Frl. Mathilde Rohde, Frl. Hilde
Süffert, Frl. Irma Voelkel, Frl. Emmy Wiener. Fräu=
ein
Weitzel dankte für das ihr entgegengebrachte Ver=
trauen
, erbat auch ferner die Unterſtützung der übrigen
Ortsgruppen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die
neugegründete Ortsgruppe erſprießliche Arbeit im Ge=
ſamtverein
leiſten werde. Geh. Schulrat Dr. Schweisgut,
der Vorſitzende der Männerortsgruppe, entbot der jun=
gen
Ortsgruppe ein herzliches Willkommen, warf einen
Rückblick auf die Geſchichte des Vereins und forderte die
leugewonnenen Mitglieder eindringlich auf, dem Dienſt
des deutſchen Vaterlandes ſich zu weihen, das nach Arndts
Wort reicht, ſoweit die deutſche Zunge klingt. Cand. Wie=
gand
ſprach ſodann als Vorſitzender der Akademiſchen
Ortsgruppe ſeine Freude über die Neugründung aus und
ſchloß mit dem Wunſch, die Gruppen der Jugend möchten
miteinander wetteifern in der Sorge für das Wohl und
Wehe deutſcher Schweſtern und Brüder jenſeits der Gren=
zen
. Die Mädchenortsgruppe zählt bereits über 100 Mit=
glieder
. Die nächſte Zuſammenkunft hat der neue Jugend=
verein
am 20. Mai im Gartenſaale des Saalbaues. Zu
dieſer geſelligen Vereinigung, die um 6 Uhr beginnt und
den nächſten Zweck hat, die Mitglieder des neuen Vereins
perſönlich in Fühlung zu bringen, ſind die Mitglieder
aller Ortsgruppen eingeladen. An die Gründungsver=
ſammlung
ſchloß ſich die erſte Beratung des Feſtaus=
ſchuſſes
, der dem Feſt des 7. Novembers einen beſonders
anziehenden Gehalt geben wird.
* Von den Tauffeſtlichkeiten in Braunſchweig bringt
die neueſte Nummer 20 unſerer Tiefdruckbeilage Illuſtrierte
Wochen=Chronil mehrere ſehr hübſche Aufnahmen. Ein
intereſſanter Artikel, der über die Sicherheitseinrichtungen
auf dem neuen Hapag=Dampfer Vaterland plaudert,
bringt Bilder, die ſehr anſchaulich die außerordentlich ver=
vollkommneten
techniſchen Vorrichtungen zum Schutze von
Leben und Eigentum auf dem Rieſenſchiff zeigen. Die
Ausſtellung für Buchgewerbe und Graphik, die durch den
König von Sachſen dieſer Tage eröffnet wurde, iſt in
mehreren Bildern in dem neuen Hefte wiedergegeben, fer=
ner
einige Säle aus der diesjährigen Berliner Kunſt=
ausſtellung
. Andere Bilder zeigen zwei vor kurzem ent=
hüllte
Denkmäler, die Kaiſer Wilhelm=Plakette für die
Sieger in den Olympiaprüfungskämpfen, den kürzlich durch
amtliche Vermeſſungen feſtgeſtellten Mittelpunkt des Deut=

Die Kaiſertage in Wiesbaden.

Wiesbaden, 13. Mai.
Wiesbaden hat Hochſaiſon, alle Hotels ſind über=
füllt
, die Penſionen beſetzt, in der Umgebung ſogar haben
die Fremden Wohnung nehmen müſſen, bis ſich hier wie=
der
eine Unterkunft für ſie findet. Und alles ſind Luxus=
fremde
, ſind Kurgäſte, die nicht herkamen, wie man zum
Porzellankitter geht, der gebrochene Fayencen wieder ganz
machen ſoll, ſie kamen her, um den Frühling von ſeiner
ſchönſten Seite kennen zu lernen, ſie kamen her aus dem
ſonnigen Süden wegen des Ueberganges zum nordiſchen
Klima. Die noch junge Wiſſenſchaft, die Phänologie, hat
ja die Tatſache feſtgeſtellt, daß der Frühling in der Rhein=
ebene
, in Wiesbaden und Umgebung am früheſten an
Baum und Strauch, in Blatt und Blüte ſich zeigt, um erſt
35 Tage ſpäter ſeinen Aufſtieg in die Berge zu vollenden.
Die Fremden aus aller Herren Länder kamen auch hen,
um in dieſen Maientagen, denen die Anweſenheit des
Kaiſers den glanzvollen höfiſchen Einſchlag gibt, das reiz=
volle
Kurleben zu genießen, das das deutſche Weltbad zu
keiner anderen Zeit im Jahre in gleich üppiger Weiſe zu
bieten vermag.
Der Kaiſer als Kurgaſt das verpflichtet die
Stadt zu außerordentlichen Darbjetungen als Huldigung
an den Gönnen, dem das Bad und ſeine Entwickelung
ſoviel zu verdanken haben. Ein Kaiſerwort vermag viel,
und ſo entſtand denn ſehr zum Nutzen des äußeren Bildes
Wiesbadens, raſcher als unter gewöhnlichen Verhältniſſen,
der Kurpalaſt, das ſchönſte Kurhaus der Welt, der Monu=
mentalbau
des Kaiſer Friedrich=Bades, der neue Bahnhof
uſw. Und ganze Berge Gold bleiben in den Kaiſertagen
hier, denn die eleganteſte Welt hat jetzt hier Rendezvous,
alles, was in den Glanz des Hofes gehört, was in ſeinen
Kreis hinein kommen will, der hohe Adel, die Geldmag=
naten
, die Kröſuſſe aus Dollarland. So ſind die Wies=
badener
Kaiſertage das kann bei allem Patriotismus
geſagt werden auch ein wirtſchaftlicher Faktor für die

Stadt von hoher Bedeutung. Aus dieſer Erwägung her=
aus
wird man auch die gewaltige Angſt und das außer=
ordentliche
, jedes gewöhnliche Maß überſteigende Intereſſc
und die fleißigſte Teilnahme verſtehen, mit denen man
hier begierig die Bulletins aus der Wiener Hofburg
erwartete. Gott erhalte Franz, den Kaiſer war das
Tag= und Nachtgebet aller tüchtigen Geſchäftsleute.
Der Kaiſer liebt es nicht mehr, ſein Wiesbadener
Programm zu überhäuſen, er will mehe der Kurgaſt ſein,
der Ferjentage hier verlebt, als der eifrige Repräſentant.
Er ſieht außer ſeiner Schweſter, der Prinzeſſin Friedrich
Karl von Heſſen, keine fürſtlichen Gäſte mehr hier, er hat
das Programm der Feſtſpiele eingeſchränkt, er hält nur
noch die Parade auf dem Kurhausplatz ab, der zu einem
Gartenparadies umgewandelt iſt, er unternimmt jeden
Morgen, ſo daß ihn nur die Frühaufſteher noch begrüßen
können, ſeine Spazierritte in den Taunus, nachmittags
die Autoausflüge in die Umgebung, mit dem obligaten
Waldpicknick, und macht die Abſtecher nach Homburg und
zur Saalburg, der ja ſein unermüdliches Intereſſe gilt.
Eine ſinnige Bereicherung erfährt in dieſem Jahre das
Programm durch den auf kaiſerlichen Wunſch eingeſchobe=
nen
Kinderhilfstag, an dem der Kaiſer auch die große
Parade angeſetzt hat, zu der er die Veteranen der letzten
Kriege befohlen hat. Ein Blumenkorſo, Kinderfeſtzüge im
Kurgarten, Ballonaufſtiege. Freilichtaufführungen, die
große Serenade der 1500 Schulkinder vor dem Schloß wer=
den
die Höhepunkte des Feſtes ſein, das ganz im Zeichen
der Kornblume und der Margeriten, den Farben Naſſaus,
blau und gelb ſteht. Auch einen Beſuch des Kaiſer Fried=
rich
=Bades will der Monarch machen, um die zur Probe an=
gebrachte
Ausſchmückung der Empfangshalle in Kadiner
Kacheln ſich anzuſehen, nach dem kaiſerlichen Urteil ſoll
dann die endgültige Ausſchmückung erfolgen. Ein Gala=
konzert
im Kurhaus hat der Kaiſer abgelehnt, er motivierte
die Abſage mit dem Bedürfnis nach Ruhe und nach Er=
holung
in Wiesbaden.
Im Mittelpunkte der Kaiſertage ſtehen natürlich wie
immer die Feſtſpiele. Die Bedeutung von einſt haben
ſie heute nicht mehr Damals ſuchte man aus dem Wies=

badener Hoftheater ein Bayreuth des Schauſpiels zu
machen, und in der Oper fand man den großen prunk=
vollen
Ausſtattungsſtil, der der Wiesbadener Inſzenier=
ungskunſt
Weltruf verſchaffte. So entſtanden die Neu=
bearbeitungen
von Oberon der Stummen von Por=
tici
, der Undine der Königin von Saba Armide‟,
der Afrikanerin die alle Regiegroßtaten bedeuten, deren.
verſönliche Note und ſtiliſtiſche Vollkommenheit nicht über=
oten
worden ſind. Generalintendant von Hülſen ſelbſt
ſchrieb zur Motivierung und Aufklärung auf mancherlei
Angriffe: Was das Scenarium, Malerei und Technik, auf
der Wiesbadener Hofbühne geben will, iſt die Nachahmung
der Natur. Statt hohler äußerer Pracht und ſchreienden
Prunkes: gediegene wertvolle, kulturhiſtoriſche Bilder,
ſtatt ballettartiger äußerlicher Effekte: poetiſch abgetönte
Stimmungsbilder, die nie vergeſſen laſſen, daß ſie nur
Mittel zum Zweck ſind, daß ſie nur den Grund bilden
ſollen, von dem ſich die Perlen der Kunſt, unbeeinflußt
von theatraliſchen ſtörenden Elementen, reiner und klarer
bheben. Und der große ſzeniſche Aufwand iſt durchaus
berechtigt, denn dieſe Feſtſpiele, die vorbildlich für alle
Maifeſtſpiele anderer Städte wurden, ſind eigenartig und
intereſſant durch das perſönliche Gepräge, das ihnen
innerlich und äußerlich der Kaiſer mit ſeiner Vorliebe für
Prunk und Pracht verleiht.
Der Empfang des Kaiſers heute früh trug den herz=
lichen
Charakter, der durch die beſondere Stellung der
Wiesbadener und der Kurgäſte zum Herrſcher bedingt iſt.
Die wundervolle Wilhelmſtraße in ihrem Frühlingskleide
iſt mit Fahnen Tannengirlanden und Obelisken, von deren
Spitzen aus gewaltigen Blumenkörben weiße Schneeballen
quellen, reich geſchmückt, in den Straßen ſtauten ſich die
Fremden und ſie wichen nicht eher, bis der kaiſerliche
Kurgaſt auf dem Balkon des Schloſſes erſchien und die
Huldigungen freundlich grüßend entgegennahm. Da kann
ſich auch der nüchternſte Beobachter nicht der gewaltigen
Wirkung dieſes ſpontanen Ausbruchs herzlicher Verehrung
und Dankbarkeit der Wiesbadener für ihren vornehmſten
Kurgaſt entziehen.
Walther Müller=Waldenburg.

[ ][  ][ ]

ſchen Reiches bei dem Dörfchen Crina im Bezirk Bitter=
feld
, Einzelheiten aus der Ausſtellung Die Küche im
Mai und anderes. Von Bildern vom Tage nennen wir
außer den Photographien, die Präſident Wilſon und
Staatsſekretär Bryan bei einer Miniſterſitzung und den
mexikaniſchen Präſidenten Huerta zuſammen mit ſeinem
Miniſterium darſtellen, die Porträts der verſtorbenen Ge=
mahlin
des deutſchen Reichskanzlers, General Woods, des
Oberbefehlshabers der amerikaniſchen Landungstruppen
in Mexiko, und des beliebten Lyrikers Georg Buſſe=
Palma, der als unheilbar geiſteskrank in einer Anſtalt
interniert werden mußte.
Aus der Beſſunger Bücherhalle ( Beſſunger=
ſtraße
48) wurden im Monat April 675 Bücher ent=
liehen
; eingeſchriebene Leſer ſeit 1. April: 218. Geſchenke
gingen ein: von Herrn Privatier N. Paqué 3 Jahrg.
Zeitſchriften; von Ungenannt 1 Bd.; von Herrn Pri=
vatier
Schweickert 3 Bde.; von Frl. Helfmann 1 Bd.,
von Herrn Kabinettsbibliothek=Direktor Zobel 15 Jahrg.
Kunſtwart, 9 desgl., verſchiedene Kunſtgaben 12 Bde.,
19 Hefte, 1 Mappe und 3 Broſchüren; von Frau M.
Brück 1 Jahrg. Woche‟. Den gütigen Gebern herzlicher
Dank! Anmeldungen weiterer Spenden von Büchern
und guten Zeitſchriften, ſowie Beitrittserklärungen zum
Verein für Verbreitung von Volksbildung ( Mindeſt=
beitrag
2 Mk.) werden vom Vorſtand des Vereins
gerne entgegengenommen. Unentgeltliche Bücherausgabe:
Dienstags, Donnerstags und Samstags von abends
7½9 Uhr. Daſelbſt auch Bücherverzeichniſſe zu 20 Pfg.
§ Selbſtmordverſuch. In der Nacht von Dienstag auf
Mittwoch hat ſich ein Diener in ſeinem Zimmer in ſelbſt=
mörderiſcher
Abſicht einen Schuß in die linke Bruſtſeite
beigebracht. Er iſt noch lebend durch die Sanitätswache
mittels Krankenautomobils in das Städtiſche Krankenhaus
verbracht worden.
* Unfall. Geſtern früh kurz vor 8 Uhr fuhr in der
Neckarſtraße ein beſetztes Privat=Auto beim Ausweichen
gegen einen Straßenbaum. Das Auto iſt erheblich beſchä=
digt
, das eine Vorderrad vollſtändig demoliert. Von den
Inſaſſen wurde glücklicherweiſe niemand verletzt.
§ Brand. Am Dienstag nachmittag gegen 3 Uhr hat
im Hauſe Grafenſtraße Nr. 27, Seitenbau links, erſter
Stock, in der Küche ein Brand ſtattgefunden, welcher
durch die herbeigerufene Tagesfeuerwehrwache alsbald
wieder abgelöſcht worden iſt.

Der öffentliche Arbeitsnachweis im April 1914.

In Darmſtadt.
Die männliche Abteilung des Arbeitsamts Darmſtadt
hat im Monat April, gemeinſchaftlich mit ihren Neben=
ſtellen
, 283 Stellen beſetzt. Es waren 636 Arbeitſuchende
und 562 offene Stellen gemeldet. Im allgemeinen hat ſich
hiernach die Lage des heimiſchen Arbeitsmarktes gebeſſert.
Dies tritt beſonders in die Erſcheinung bei der Holz=
induſtrie
. Während im Vormonat auf 100 offene Stel=
len
dieſer Branche noch 221 Arbeitſuchende kamen, waren
es im Berichtsmonat nur 139. Die Induſtrie der Nah=
rungs
= und Genußmittel bot hinreichende Be=
ſchäftigung
. Im Bekleidungsgewerbe überſtieg
die Nachfrage nach Arbeitskräften das Angebot ſolcher bei
weitem. Im Baugewerbe ſtanden 49 offene Stellen
zur Verfügung, während nur 30 Stellenſuchende vorgemerkt
waren. Die Nachfrage nach Leuten war beſonders groß
im Weißbindergewerbe. Noch im Vormonat kamen auf
100 offene Stellen im Baugewerbe 123 Arbeitſuchende, im
Berichtsmonat waren es nur 61. Die Beſchäftigungsmög=
lichkeiten
in den ungelernten Berufen waren nicht
ausreichend. Im März kamen auf 100 offene Stellen 76
Arbeitſuchende im Berichtsmonat 113. Es iſt hier alſo ein
Rückgang wahrzunehmen. Landwirtſchaftlichen
Betrieben wurden 13 Arbeitskräfte zugewieſen. Angebot
und Nachfrage deckten ſich hier. Außer den in Stellung
gebrachten Wanderern paſſierten Darmſtadt noch 223. Der
Dienſtbotennachweis litt an dem Mangel Stellen=
ſuchender
. Es waren 529 offene Stellen vorgemerkt und
nur 410 Mädchen, die häusliche Dienſte übernehmen woll=
ten
. In 110 Fällen kam eine Vermittlung zuſtande. Beim
Hausbeamtinnennachweis wog die Zahl der
Stellenſuchenden über. Lauffrauen waren 61 vorge=
merkt
, verlangt waren 78. Bei der Nebenſtelle für das
Wirtsgewerbe waren 66 Aushilfen vorgemerkt und 78 Aus=
hilfen
geſucht. Alle 66 Arbeitſuchende wurden untergebracht.
Durch die Lehrſtellenvermittlung kamen in 32
Fällen Lehrverträge zuſtande. Die Frauenberufs=
beratung
iſt in 7 Fällen in Anſpruch genommen
worden.
In der Provinz Starkenburg.
Die Arbeitsäriter Darmſtadt und Offenbach und die
Arbeitsnachweiſe Bensheim, Dieburg, Gernsheim und
Langen haben im abgelaufenen Monat zuſammen 532 Stel=
len
beſetzt. Es waren 1679 Arbeitſuchende und 807 offene
Stellen gemeldet. Lehrſtellen wurden 32 beſetzt. Die
Ziffern laſſen im Vergleich mit den Zahlen des Vormonats
eine Belebung des Arbeitsmarktes erkennen. Ungünſtig
war das Verhältnis zwiſchen Arbeitsangebot und Nach=
frage
noch in der Metallbranche. Hier kamen noch

im Durchſchnitt auf 100 offene Stellen 304 Arbeitſuchende.
Eine Beſſerung iſt aber auch hier feſtzuſtellen, denn im
Vormonat ſtanden 100 offenen Stellen noch 359 Stellen=
ſuchende
gegenüber. In der Lederinduſtrie wog die
Zahl der Arbeitſuchenden um das Dreifache über. In der
Holzinduſtrie kann die Lage im allgemeinen als befrie=
digend
bezeichnet werden. Im Bekleidungsge=
werbe
herrſcht Mangel an Arbeitskräften. Im Bau=
gewerbe
iſt eine bedeutende Beſſerung der Lage zu ver=
zeichnen
. Während im Vormonat auf 100 offene Stellen
noch 203 Arbeitſuchende kamen, waren es im Berichtsmonat
nur noch 136. Für ungelernte Kräfte (532) ſtanden
nur 300 offene Stellen zur Verfügung. Die Lage iſt hier
noch unverändert. Der Landwirtſchaft konnten 31
Arbeitskräfte zugewieſen werden. Die Zahl der Stellen=
ſuchenden
übertraf die Zahl der offenen Stellen um ein
geringes. Die Lehrſtellenvermittlung iſt noch
m Gang. Hauptſächlich im Nahrungsmittelgewerbe
(Bäcker, Metzger) und im Weißbindergewerbe ſind noch
offene Lehrſtellen zu beſetzen.

Durchführung des Geſetzes, betr. Kinderarbeit
in gewerblichen Betrießen Darmſtadts.

(Aus dem Jahresbericht der Gewerbe=Inſpektion.)
* Nach einer anfänglich raſchen, ſpäter ſtetigen Ab=
nahme
weiſen die aus den Liſten der Lehrer entnommenen
Zahlen der beſchäftigten Kinder zum erſtenmal eine Er=
höhung
auf, die im ganzen ungefähr 11 v. H. beträgt. Aus
den Zahlen iſt zu berechnen, daß die verhältnismäßige Zu=
nahme
der beſchäftigten fremden Kinder geringer iſt, als
die der eigenen, welch letztere namentlich bedingt wird
durch einen doppelt ſo großen Zuwachs der für Dritte
Beſchäftigten. Dabei muß ausdrücklich bemerkt werden,
daß alle nicht unmittelbar für den Verlag tätigen Zei=
tungs
= und Zeitſchriftenträger wie in früheren Jahren als
für Dritte beſchäftigt angenommen ſind. Aus den Ein=
tragungen
in den Verzeichniſſen der Schulen iſt die größere
oder mindere Selbſtändigkeit der Eltern bei der Ausfüh=
rung
ihres Gewerbes nicht zu erſehen, wie ſie dem Urteil
des Großh. Oberlandesgerichts vom 1. Februar 1911 zu=
grunde
gelegt iſt (vgl. Jahresbericht von 1912, S. 62). Es
kann aber wohl unbedenklich angenommen werden, daß die
Uebernehmer des Zeitungsaustragens am Orte der Aus=
gabe
und auch an ſolchen Orten, an denen von auswär=
tigen
Zeitungsverlegern beſondere Agenturen unterhalten
werden, nicht diejenige wirtſchaftliche Selbſtändigkeit be=
ſitzen
, von welcher der Begriff eines eigenen gewerblichen
Unternehmens abgeleitet werden könnte.
Als in verbotenen Betrieben beſchäftigt ſind 2 eigene
Kinder aufgeführt. Sie halfen dem Vater in der Metz=
gerei
. Die früher gemeldeten, beim Tabakrippen in der
Hausinduſtrie tätigen Kinder ſind nicht mehr in den Ver=
zeichniſſen
zu finden. Dagegen hilft ein Kind ſeiner
Mutter beim Bürſtenmachen. In den Wäſchereien eines
kleinen Ortes an der Bergſtraße ſind 4 eigene und 1 frem=
des
Kind beim Auflegen von Wäſche auf den Raſen be=
ſchäftigt
. Im Handelsgewerbe ſind beim Veckauf von Ge=
müſe
2 eigene Kinder tätig. Weiter wird die Beſchäftigung
von 2 eigenen Kindern über 12 Jahren und ſolchen über
10 Jahren beim Kegelaufſetzen an Sonntagen, auch nach
8 Uhr abends, von einem fremden Kind über 12 und einem
ſolchen von 11 Jahren beim Kegelaufſetzen an Werktagen
auch übeg 8 Uhr abends, von 2 fremden Kindern über 12
Jahren in der gleichen Weiſe, aber auch an Sonntagen,
gemeldet. In den Liſten vom Anfang des Sommerhalb=
jahres
waren dagegen 21 Kinder, 7 eigene und 14 fremde,
verzeichnet. Noch nicht 10 Jahre alt waren davon 3 eigene,
noch nicht 12 Jahre alt 2 fremde Kinder.
Die 3 bei Luſtbackeiten beſchäftigten Kinder ſind im
Hoftheater in Darmſtadt tätig, das nicht als gewerbliche
Anlage gilt.
Von den 1009 mit Botengängen und mit Austragen
von Waren und Zeitungen beſchäftigten Kindern, 704
eigene und 305 fremde hatten 184 noch nicht das erforder=
liche
Alter erreicht. Vor 8 Uhr morgens waren 16, nach
8 Uhr abends 10 Kinder tätig, bei der Beſchäftigung von
20 Kindern wurde die täglich zugelaſſene Arbeitszeit über=
ſchritten
, bei 4 Kindern fand ſich ein Verſtoß gegen die
Vorſchriften über die Einhaltung der Mittagspauſe, bei
9 ein ſolcher gegen die Sonntagsruhe.
Mit der Zahl der beſchäftigten Kinder und verhältnis=
mäßig
darüber hinaus iſt die Zahl der Verſtöße gegen das
Geſetz gewachſen.
In 323 von 332 Schulklaſſen, in denen Kinder als ge=
werblich
tätig gemeldet waren, ſind 219 ausgeſtellte Ar=
beitskarten
verzeichnet. Davon ſind 74 überflüſſig, weil
ſie auf eigene für Dritte beſchäftigte Kinder lauten. Am
richtigen Platze dagegen fehlt die Ausſtellung von 104
Arbeitskarten.
In vielen Fällen klagen die Lehrer über den ungün=
ſtigen
Einfluß des Austragens arößerer Mengen von Zei=
tungen
auf die Geſundheit der Schüler. Zum Teil bemän=
geln
ſie das für den Körperbau zu große Gewicht, teils
die zu weit ausgedehnte Zeit. Einzelne beſonders be=
merkenswerte
Fälle ſeien hier verzeichnet.

Von einem Knaben, den ſein Vater an allen Werk=
tagen
unmittelbar nach der Schule bei ſeiner fahrbaren
Holzſchneidemaſchine beſchäftigt, ſchreibt der Lehrer: Dem
Vater wäre die Mitnahme des Sohnes am zweckmäßigſten
zu unterſagen, denn von einer Erledigung der Schul=
arbeiten
kann faſt keine Rede ſein; auch übt das Umher=
fahren
, wenn auch nur am Ort, mit dem gelegentlichen
Wirtshausbeſuch auf den Jungen gewiß keinen
guten Einfluß aus. Die fahrbare Holzſchneidemaſchine
kann nicht als Werkſtätte im Sinne der §§ 12 und 4 des
Geſetzes angeſehen werden.
Ueber die Beſchäftigung eines 12jährigen Mädchens
beim Zeitungsaustragen in Gemeinſchaft mit der Mutter
urteilt ein anderer Lehrer: Dieſes Mädchen war in die=
ſem
Jahr 3½ Monate in einer Lungenheilanſtalt, die Re=
konvaleszenz
beanſprucht noch 20 halbe Schultage Urlaub.
Sie trägt 50 Zeitungsexemplare aus. Ob im Winterhalb=
jahr
die Abendſtunden von ½5 bis ½7 Uhr für die Aus=
heilung
der Lunge gut ſind, dürfte ſehr bezweifelt werden.
Aehnlich lautet der Eintrag bei der Beſchäftigung eines
12jährigen Mädchens, das in Gemeinſchaft mit der Mutter
in den frühen Morgenſtunden Brötchen austrägt: Sie iſt
ein ſchwächliches ſehr nervöſes Kind, das auf ſtädtiſche
Koſten jedes Jahr einige Zeit in Echolungsſtätten unter=
gebracht
wird.
Die Beſchäftigung eines Knaben, der einen Uhrmacher
bei ſeinen Fahrten über Land begleitet und Waren aus=
trägt
, war ſchon früher beanſtandet worden. Die Fahrten
werden als Erholung für den Knaben ausgelegt. Die ge=
werbliché
Tätigkeit war nicht zu erweiſen. Ueber ihn
ſchreibt der Lehrer: Der Schüler iſt recht ſchwach in ſeinen
Leiſtungen. Er macht ſeine häuslichen Arbeiten ſehr flüch=
tig
. Oefters fährt er über Land und kommt erſt ſpät abends
nach Hauſe. Aus erzieheriſchen und unterrichtlichen Geün=
den
ſollte hier eingeſchritten werden, zumal der Knabe kör=
perlich
ſchlecht entwickelt iſt.
Zur Beſchäftigung von vier 12= und 13jährigen Schü=
lern
einer ſtädtiſchen Knabenſchule meldet der Eintrag des
Lehrers: Die Arbeit ſchadet der Geſundheit bis jetzt noch
nicht. Die Schüler leiden auch nicht an Unterernährung.
Für die Schularbeiten iſt die Beſchäftigung bis abends
8 Uhr kein Vorteil, dieſe Jungen gehen in der Klaſſe in
der Regel zurück, vor allem im Winterhalbjahr, und ſie
gewöhnen ſich durch die Trinkgelder an das Naſchen und
an Unehrlichkeit.
Bei einem 13jährigen Schüler, der in einer fremden
Wirtſchaft Kegel aufſetzt. ſteht: Der Schüler hat des öfteren
an den den Kegelabenden folgenden Tagen gefehlt; er
wurde als krank entſchuldigt.
Insbeſondere aber klagen die Lehrer über die Beſchäf=
tigung
am frühen Morgen beim Brötchenaustragen und
beim Milchhandel. Die Schüler ſind teilnahmslos und
ſchlafen beim Unterricht ein.
Im Berichtsjahr ſind nachſtehende Beſtrafungen zu
verzeichnen:
Vier Bäckereiinhaber wurden mit Strafen von 5 bis
10 Mk. belegt, weil ſie fremde Kinder an Sonntagen und
vor 8 Uhr morgens mit Austragen von Backwaren beſchäf=
tigt
haben. Die Eltern von zwei 11jährigen Kindern ſind
mit 2 und 6 Mk. beſtraft worden. weil ſie dieſe zur Dienſt=
leiſtung
für Dritte beim Austragen von Backwaren vor
8 Uhr morgens und nach 8 Uhr abends herangezogen
hatten. Eine Milchhändlerin wurde mit 25 Mk. beſtraft,
weil ſie ein fremdes 12jähriges Kind täglich 6 Stunden
mit Austragen von Milch, ein Milchhändler mit 10 Mk.,
weil er ein 11jähriges Kind an Sonntagen von 8 bis 12 Uhr
vormittags in gleicher Weiſe beſchäftigte. Einen Fuhr=
mann
traf eine Strafe von 20 Mk., weil er einen 13 jäh=
rigen
Knaben morgens von 5 Uhr ab mit Auf= und Ab=
laden
von Marktkörben beſchäftigte. Die Eltern von 11
Kindern trafen Strafen von 3 bis 10 Mk., weil ſie die
unter 12 Jahre alten Kinder zur Dienſtleiſtung für Dritte
beim Zeitungsaustragen herangezogen, eines davon vor
8 Uhr morgens. Die Beſchäftigung eines fremden, unter
12 Jahre alten Kindes mit dem Austragen von Reklame=
blättern
büßte ein Schuhmacher mit 3 Mk.
Von den Gewerbeaufſichtsbeamten ſind im Berichts=
jahr
19 Reviſionen in für Kinderarbeit verbotenen Betrie=
ben
. 9 in Werkſtätten, 16 im Handelsgewerbe. 26 in Gaſt=
und Schankwirtſchaften und 356 beim Austragen von Wa=
ren
und bei Botengängen, im ganzen 426 Reviſionen zum
Zwecke der Durchführung des Kinderſchutzgeſetzes vorge=
nommen
worden.
Von den Wohlfahrtseinrichtungen, die den Zweck ver=
folgen
, das Erreichen des Schulzieles durch Förderung der
Geſundheit der Schüler zu erleichtern, ſei unter Bezug=
nahme
auf die gleiche Berichterſtattung im Vorjahre das
Milchfrühſtück in den ſtädtiſchen Schulen Darmſtadts er=
wähnt
. Im Winter 1912/13 ſind an 60 Tagen in der Zeit
vom 9. Dezember bis 1. März an durchſchnittlich 1560
Kinder 23600 Liter Milch und 93600 Wecken zum Früh=
ſtück
ausgeteilt worden. Die Koſten dafür betrugen 7836
Mark. Der ſtädtiſche Zuſchuß iſt der gleiche geblieben;
Sammlungen und ſonſtige Zuwendungen haben ſich nicht
geändert. Gegen das Vorjahr wurden täglich 70 Kinder
nehr geſpeiſt, aber an 8 Tagen weniger.

Abt Vogler und der Maler Friedrich
Oelenhainz.

Der Darmſtädter Hofkapellmeiſter Abt Joſeph
Vogler, deſſen hundertjährigen Todestages am 6. Mai,
überall gedacht wurde, der von einem Schubart hochge=
ſchätzte
Lehrer von Karl Maria von Weber und Meyer=
beer
, iſt auch mit dem bekannten Bildnismaler Friedrich
Oelenhainz ( 1804), der auf unſerer Jahrhun=
dert
=Ausſtellung beſonders zahlreich mit Bildern
vertreten ſein wird, zuſammengetroffen. Das erſte und
beſte Oelgemälde nämlich, das den Abt Vogler darſtellt,
iſt, wie auch das beſte von Chr. Fr. Dan. Schubart, dem
Dulder vom Asperg, von Oelenhainz gemalt worden. Es
iſt durch einen weitverbreiteten Stich von dem Wiener
Stecher Durmer, der mit Fleiß und delikat gearbeitet
iſſt und im Frauenholzſchen Verlag in Nürnberg er=
ſchien
, berühmt geworden. Dieſer Durmer hat auch ver=
ſchiedene
Trachtenbilder nach Oelenhainz gearbeitet.
Oelenhainz hat Vogler in einem Armſeſſel mit ge=
ſſchweiſter
Lehne ſitzend dargeſtellt. Er trägt die einfache
Kleidung eines Abbé und iſt noch nicht beleibt, wie auf
dem ſpäteren Urlaubſchen Bild. Seine Perücke iſt ſeit=
lich
in dicken, wagerecht laufenden Locken am Faden auf=
gerollt
. Der Rock mit großen Knopflöchern und kurzem
Stehkragen iſt offen. Der rechte Rockflügel bauſcht ſich
etwas auf. Von der Weſte ſind die oberen Knöpfe nicht
geſchloſſen, ſo daß die weiße Halsbinde vortritt. Links
ſſtehen einige Folianten im Hintergrund, über die aus
der linken Bildecke ein Vorhang fällt. Auf den Knien
hält Vogler ſein neuerfundenes Inſtrument, das Organ=
ſochordion
oder Oktochord, welches ſich über den linten

Unterarm legt. Eine Art Zither. Die Linke ſaßt auf=
wärts
, während die Rechte mit dem Zeigeſinger die Sai=
ten
bewegt. Voll ſchaut uns Vogler ins Geſicht, aben
ſeine Augen ſehen uns nicht. Oelenhainz hat uns hier
das völlige Verſunkenſein im Reiche der Töne trefflich
dargeſtellt. Vogler lauſcht angeſpannt dem verrauſchen=
den
Klana der Saiten, die ſeine vielgewandte Hand er=
klingen
läßt. Es iſt, als ob er gerade aufgehört habe,
zu ſvielen.
Wo das Oelenhainzſche Bild entſtand und wann,
läßt ſich mit völliger Beſtimmtheit nicht ſagen. Friedrich
Oelenhainz, der auch viel unterwegs war, hat den Abt
ſicherlich auf einer von deſſen vielen Reiſen getroffen.
Es mag die Bekanntſchafſt ſich ſchon von Mannheim her=
ſchre
ben, wo Oelenhainz den Gönner Voglers, den Kur=
fürſten
Karl Theodor, und ſein berühmtes reizendes
Stubenmädchen, die Louiſa Saint George, gemalt hat,
zwei Bilder, deren erſtes die Jahrhundert=Ausſtellung,
das andere die diesjährige Heidelberger Ausſtellung zei=
gen
wird.
Aber in jenen Tagen kann ſchon der Tracht wegen
das Bild nicht entſtanden ſein. Dieſe deutet auf die zweite
Hälfte der neunziger Jahre hin. Voglers Biograph
Schafhäutl gibt (S. 287) das Jahr 1795 als Entſtehungs=
zeit
an. Eine Quelle iſt nicht angegeben. Es ſtimmt auch
da ſeine Angabe nicht, daß Vogler nur mit Stern und
Mäntelchen in der Zeit nach ſeiner Darmſtädter An=
ſtellung
dargeſtellt ſei. Dies bezieht ſich auf das ge=
nannte
, viel ſpätere Urlaubſche Gemälde in Würzburg
Es iſt auch nicht annehmbar, daß das Bild etwa in einer
Studie, die um 1790 entſtand, ſeinen Urſprung habe, in
einem Jahre, wo Vogler mit Oelenhainz in Stuttgart
zuſammengetroffen ſein könnte, als dieſer auf der Reiſe

von Ulm nach Frankfurt im September ſich in Durlach
vom badiſchen Hofmedailleur Bürkle modellieren ließ.
Es kann nach allem mit großer Wahrſcheinlichkeit ange=
nommen
werden, daß das Oelenhainzſche Bild erſt um
1797 in Wien entſtand, denn damals hat Vogler nach
Löſung ſeines Dienſtvertrages in Schweden ſich in
Deutſchland wieder ſtändig aufgehalten und in Prag eine
Tonſchule gegründet und geleitet. Andererſeits hat V.
Durmer, der das Oelenhainzſche Gemälde in Punktier=
manier
in Kupfer ſtach. in Wien gelebt, und Oelenhainz
iſt gerade damals in Wien tätig und ſtändig wohnhaft.
Er malt da den ſpäteren Marſchall Schwarzenberg, den
Sieger bei Leipzig, und andere Fürſtlich Schwarzenbergi=
ſche
Familienmitglieder. 1796 kauft der Fürſt Schwarzen=
berg
von ihm das Bildnis des 1795 am 18. November in
Weinheim an der Beraſtraße an ſeiner Verwundung aus
der Schlacht bei Mannheim geſtorbenen Prinzen Friedrich
Schwarzenberg. Rittmeiſters im Cheveauxlegers=Regiment
Lobkowitz. Auch berichten Meuſel in ſeinem Archiv
(II, 144) und das Füßliſche Künſtlerlexikon (II, 2, S. 208),
daß der Durmerſche Stich zwiſchen 1796 und 1799 er=
ſchienen
iſt.
Das Oelenhainzſche Originalbildnis iſt heute ver=
ſchollen
. Es ſoll im Beſitz der wie Vogler in Darmſtadt
verſtorbenen Schweſter Voglers geweſen ſein. Es wäre
von beſonderem Intereſſe geweſen, das ſchöne Gemälde
in der Jahrhundert=Ausſtellung zu ſehen. Vielleicht weiß
einer der Leſer dieſer Zeilen, wo es hingekommen iſt. Es
iſt unzweifelhaft das würdigſte Denkmal das dem Abt
Vogler, dem Vielgeſchmähten, aber auch Vielbewunderten,
bei Lebzeiten geſetzt worden iſt. Ueber den Bildnismaler
Oelenhainz berichtet mein bei E. A. Seemann erſchienenes
Werk ausführlich.
Prof. Oelenheinz=Coburg,

[ ][  ][ ]

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Zu dem heute ſtattfindenden Film=
vortrage
des Afrikareiſenden Herrn Robert Schu=
mann
wird uns geſchrieben: Faſt zwei Stunden feſſelte
der Vortragende die Majeſtäten durch ſeine jagdlich und
wiſſenſchaftlich logiſch bearbeiteten afrikaniſchen Films,
während deren Vorführung er die Jagderlebniſſe ſeiner
langjährigen Studienreiſen in Afrika wiedergab. In ſtets
wechſelnden Szenerien rollten ſich 1600 Meter ab, den
Tierfang und die Jagd zeigend. Die Vortragsfolge war:
Kongonijagd, Gnufang, Elenjagd, Elefantenjagd. Nas=
hornfang
, brütende Rieſenſchlange, Oryxjagd und Nas=
hornjagd
. Aus allen Schumannſchen Aufnahmen
atmet uns ein friſches Weſidmannsleben entgegen, und
nur der Jäger iſt imſtande, ähnlich jagdliche Motive in
richtiger Folge auf den Film zu bannen, wielcher von
ſeiner Kindheit an nach deutſchem Weidmannsbrauch die
edle Weidmannskunſt ausübte und im Geſchöpf den
Schöpfer ehren lernte. Eine volle Würdigung wurde
dem Vortragenden zuteil, indem die Majeſtäten ſich huld=
vollſt
nach dem Vortrage an ihn wandten und S. M. der
Kaiſer in einer zwangloſen Debatte faſt eine Vierte! die intereſſanten Punkte über Tierbeobachtungen
ſich nochmals ausführlicher wiedergeben ließ. Herr Schu=
mann
hat ſeine Jagdtrophäen nach Darmſtadt mitge=
bracht
und wird dieſelben während der Vorführungen
zeigen.
* Gräfenhauſen, 13. Mai. (Richtigſtellung.) Zu
der Notiz Familiendrama in geſtriger Nummer teilt uns
der Bruder des B. mit, daß B. nicht geſtorben iſt, ſondern
ſich im Darmſtädter Krankenhauſe auf dem Wege der Beſſe=
rung
befindet. Wir empfehlen den Herren Bericht=
erſtattern
wiederholt und dringend, bei der Uebermittlung
von Nachrichten nicht leichtfertig zu handeln, ſondern nur
das zu berichten, von deſſen Richtigkeit ſie ſich überzeugt
haben.
* Erfelden, 13. Mai. (Ehrung.) Am Sonntag be=
gab
ſich der Vorſtand des Kriegervereins Erfelden zu ſei=
nem
vor einigen Wochen nach Darmſtadt verzogenen lang=
jährigen
Schriftführer Joſeph Freitag und über=
reichte
ihm ein prachtvolles Ehrendiplom als Zeichen, daß
derſelbe bei ſeinem Weggang von Erfelden von dem
Kriegerverein zu ſeinem Ehrenmitgliede ernannt wurde.
Auch von der Kriegerkameradſchaft Haſſia wurde ihm für
ſeine langjährige treue Mitarbeit im vorigen Jahre ein
Ehrendiplom überreicht.
N. Crumſtadt, 12. Mai. (Roheit.) Der Knecht eines
hieſigen Landwirts, der angetrunken war und von ſeinem
Herrn zurechtgewieſen wurde, brachte aus Wut dem einen
Pferde ſeines Herrn mit einem dolchartigen Meſſer ſo ge=
fährliche
Stiche und Riſſe am Unterleibe bei, daß das
wertvolle Tier jedenfalls eingehen wird. Der rohe Menſch
wurde von der Gendarmerie feſtgenommen und ins Arreſt=
lokal
nach Gernsheim gebracht.
Walldorf. 13. Mai. (Ein origineller Fleiſch=
krieg
) bei dem in erſter Linie das Publikum den Vorteil
hat, iſt hier zwiſchen den alteingeſeſſenen Metzgern und
einem neu zugezogenen Metzger ausgebrochen. Um dieſen
wirtſchaftlich kampfunfähig zu machen, haben die ver=
einigten
Metzger die Fleiſch= und Wurſtpreiſe ganz auf=
fallend
herabgeſetzt. Leber= und Blutwurſt koſten z. B.
50 Pfg. das Pfund Rindfleiſch 64 Pfg. und Schweinefleiſch
70 Pfg. Dieſe billigen Preiſe machen ſich auch die Bewoh=
ner
der Nachbardörfer zunutze, die in Scharen hierher
kommen und ihren Fleiſchbedarf decken.
Unter=Schönmattenwag, 13. Mai. (Der erbitterte
Streit um die Jagdverpachtung) iſt nun end=
lich
zu Ende gekommen. Der Verwaltungsgerichtshof in
Darmſtadt hatte bekanntlich die Sache zur nochmaligen
Entſcheidung an das Kreisamt zurückverwieſen und die
Koſten vom Kreisausſchuß der Gemeinde, diejenigen vom
Provinzialausſchuß und Verwaltungsgerichtshof Herrn
Anderſt auferlegt. Trotzdem nun abermals ein Geſuch von
ſeiten der Gemeinde mit einſtimmigem Gemeinderatsbe=
ſchluß
an das Großh. Kreisamt Heppenheim abgeſchickt
wurde, den Zuſchlag Herrn Rothmann zu erteilen, unter
ganz beſonderer Hervorhebung des Umſtandes, daß Herr
Rothmann ſich bereit erklärte, ungeachtet der Nichtaus=
übung
der Jagd, den jährlichen Pachtpreis in Höhe von
2507 Mark vom 15. Februar 1913 an zu bezahlen, während
Herr Anderſt dem Kreisamt die beſtimmte Erklärung ab=
gab
, für die fragliche Jagdpacht nicht aufzukommen, trotz
alledem iſt dieſes Bittgeſuch unberückſichtigt geblieben und
das Kreisamt erteilte den Zuſchlag Herrn Anderſt. Durch
die Rechtskraft dieſes Urteils wäre nun die Gemeinde
finanziell ſehr geſchädigt geweſen und auf Grund deſſen
wandte ſich der Gemeinderat an das Miniſterium des

Innern mit der Bitte, dem einſtimmigen Gemeinderats=
beſchluſſe
Rechnung tragen zu wollen. Das Mini=
terium
entſchied nun auch endgültig zugunſten
der Gemeinde und ſprach ſomit die Jagd Herrn Guts=
beſitzer
Rothmann aus Erfelden zu, ſowie den Teilhabern
den Herren Fabrikanten Kleve aus Eberſtadt und Hilde=
brand
aus Pfungſtadt. Die Nachricht von der Entſcheidung
des Miniſteriums wurde von der hieſigen Einwohnerſchaft
beifällig und freudig aufgenommen.
Monsheim, 13. Mai. (Zum Eiſenbahnunfall)
iſt noch mitzuteilen, daß das Ueberfahren des Gleiſes durch
Verſagen der Bremſe entſtanden ſein ſoll. Geſtern früh
kam ein Hilfszug mit Arbeitern und den nötigen Hebungs=
werkzeugen
an. Bis gegen 11 Uhr hatte man dann die
Maſchine ſoweit gehoben, daß die beiden davor geſpann=
ten
Maſchinen ſie auf das Gleis bringen konnten. An der
Unfallſtelle hatte ſich am Sonntag eine große Menſchen=
menge
von den umliegenden Ortſchaften eingefunden.
Nieder=Olm, 13. Mai. (Ein frecher Diebſtahl)
wurde hier ausgeführt. Als ein Dreſchmaſchinenbeſitzer
ſeine ſeit langer Zeit außer Betrieb befindliche
Dreſchmaſchine dieſer Tage durch einen Monteur nachſehen
ließ, entdeckte man, daß an der Maſchine die ſämtlichen
Meſſingteile losgeſchraubt und losgeſchlagen und ge=,
ſtohlen waren. Dem Beſitzer erwächſt dadurch ein Schaden
von 500 Mark.
Nieder=Ingelheim. 13. Mai. (Ein intereſſanter
Fund) wurde bei den Ausgrabungen an der alten Kaiſer=
pfalz
gemacht. Als man die Arbeiten für dieſes Jahr ein=
ſtellen
wollte, ſtieß man in letzter Stunde noch auf ein bis
jetzt nicht vermutetes Mauerwerk. An der nordöſtlichen
Seite der Umfaſſungsmauern legte man die ſtarken Grund=
mauern
eines Turmes frei, der an dieſer Stelle die Um=
wallung
des Palaſtes unterbrach. Nach Anſicht der Sach=
verſtändigen
hat man es in dem Turm mit einem Bollwerk
zum Schutze der Bauten zu tun. Der Fund findet in den
Kreiſen der Fachleute beſondere Beachtung.
Nieder=Saulheim, 13. Mai. (Die Opfer des
Eiſenbahnunglücks) befinden ſich jetzt alle außer
jeder Lebensgefahr, ſo daß endgültig nur drei Menſchen=
leben
zu beklagen ſind Die Verletzten befinden ſich mit
Ausnahme von 8 Perſonen, von denen der Heizer des Per=
ſonenzuges
und der Kaufmann Krämer aus Alzey, ſowie
die 18jährige Eliſabetha Pitthan aus Wallertheim wohl
am längſten zur Heilung bedürfen, jetzt außer ärztlicher Be=
handlung
. Die Entſchädigungsanſprüche an den Bahn=
fiskus
werden ſeitens der ſämtlichen Verunglückten bereits
geltend gemacht. Bei manchen dürfte infolge ſchwerer
Brüche und erheblicher innerer Verletzungen die frühere
Erwerbsfähigkeit nie mehr erreicht werden. Die zu zah=
lenden
Unfallrenten dürften daher eine bedeutende Höhe
erreichen.
Bingen, 13. Mai. (Leichtſinnige Boots=
fahrer
.) Vier Schüler der Kgl. Pomologie in Geiſen=
heim
waren mit einem Ruderboot in den freien Rhein
hinausgefahren. Der neue Dampfer Stachelhaus und
Buchloh Nr. 3 der kurz vorher mit vier Anhangſchiffen
bergwärts hier durchgekommen war, hatte mit zwei Käh=
nen
bereits das in dem hohen Wellengang ſchwankende
Fahrzeug, in dem die jungen Leute ſaßen, paſſiert, als
dieſe die Gewalt über den Nachen verloren quer vor das
dritte Anhangſchiff trieben und von dieſem überrannt
wurden. Das Boot ſchlug um und ſämtliche vier Inſaſſen
fielen in das Waſſer. Zwei der leichtſinnigen jungen Leute
hatten das Glück, ſich an dem Buganker des großen Kahnes
feſtzuhalten; die übrigen beiden konnten noch rechtzeitig
das Schleppſeil erwiſchen und ſich daran feſthalten. Dec
Kapitän des Dampfers, der den Unfall bemerkte, ließ ſofort
ſtoppen und die Ruderer aus ihrer gefährlichen Lage be=
befreien
.
(*) Klein=Linden, 12. Mai. (Ein ſchweres Un=
glück
verhüteten) geſtern abend die beiden 10= und
9jährigen Knaben des Lokomotivführers Hock. Die Mutter
wollte ein Stück Speck abſchneiden, dabei glitt das Meſſer
aus und drang tief ins linke Handgelenk der Mutter. Das
Blut ſprudelte ſofort mit Gewalt hervor. Der Vater aber
weilte im Dienſt und andere Hilfe war nicht zur Stelle.
Die beiden Jungen aber hatten ſich in der Schule gelegent=
lich
des naturgeſchichtlichen Unterrichts einige Winke des
Lehrers für ſolche Fälle gemerkt. Während der eine ſofort
mit einer ſtarken Schnur den Unterarm abband, verwickelte
der andere das Handgelenk mit einer Binde, ſo daß die
Blutung ſofort nachließ. Der Notverband der mutigen
Jungen erregte die Bewunderung der ſachkundigen Kran=
kenpflegerin
. Ohne das raſche Zugreifen der Knaben hätte
die Mutter ſicher großen Schaden erlitten.
(*) Nidda, 12. Mai. (Nach faſt 50jähriger
Dienſtzeit) iſt einer der dienſtälteſten Lehrer Ober=
heſſens
in den Ruheſtand getreten, nämlich Lehrer Hotz,
der 30 Jahre in unſerer Stadt wirkte. Er genießt in den
Kreiſen der heſſiſchen Lehrer ein hohes Anſehen. Lange
Jahre gehörte er den Vorſtänden des Lehrerheims Vogels=

berg und des Landeslehrervereins an, auch war er Rechner
des Imkervereins in Oberheſſen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 12. Mai. Die Budgetkom=
miſſion
des Abgeordnetenhauſes bewilligte heute entſpre=
chend
der Anforderung im Etat, der Bauverwaltung
500000 Mark als erſte Rate zum Neubau des König=
lichen
Opernhauſes in Berlin, indem ſie nach=
ſtehende
Bemerkung auf Grund eines kombinierten konſer=
vativen
und fortſchrittlichen Antrages anſchloß: Der Bau
auf Grund des Hoffmannſchen Entwurfes darf nicht be=
gonnen
werden, bevor a) die Königliche Akademie des
Bauweſens über weſentliche Einzelheiten des Entwurfes
gehört iſt; b) die Vorausſetzungen feſtgeſtellt ſind, an welche
die Stadt ihre Beteiligung geknüpft hat; e) eine Verwer=
tung
der durch die Beteiligung der Stadt zufallende, in
der Alten Straße und am Kleinen Königsplatz gelegenen
Grundſtücke in Höhe von mindeſtens 6 Millionen feſtgeſtellt
iſt und d) die Verwendung des alten Opernhauſes unter
weſentlicher Erhaltung der Architektur zu Univerſitäts=
zwecken
ſichergeſtellt iſt. In ſpäter Abendſtunde wurde
die Feuerwehr nach der Abtei gerufen, einem der
beliebteſten Ausflugsorte auf einer kleinen Spreeinſel. Bei
der Ankunft der Züge waren bereits der Neubau und der
alte Teil der Abtei völlig niedergebrannt. Der Kloſter=
gang
, die Küchenanlagen und der maſſive Teil der Abtei,
der nach der Stralauer Kirche zeigt, blieben verſchont.
Aus Furcht vor Einbrechern den Blitz=
ableiter
hinabgeklettert ſind die beiden Kinder
des Arbeiters Mews, der mit ſeiner Frau im zweiten
Stock eines Hauſes in Reinickendorf=Oſt wohnt. Bald nach
12 Uhr nachts erwachten das elfjährige Mädchen und ſein
neunjähriger Bruder durch ein aus dem Korridor dringen=
des
Geräuſch; ſie hörten die Tür mehrere Male ſchließen,
und in der Meinung, daß Einbrecher eingedrungen ſeien,
erhoben ſie ſich leiſe, öffneten das nach dem Hof führende
Fenſter und kletterten an dem am Fenſter entlang gehen=
den
Blitzableiter in den Hof hinab Nur mit dem Hemd
bekleidet pochten ſie dann an das Fenſter einer im Par=
terre
wohnenden Familie an und erzählten dieſer weinend
den Vorgang. Während die Leute die zitternden und frie=
renden
Kinder raſch ins warme Zimmer zogen und dort
betteten, ſandte man zue Polizei, um die vermeintlichen
Einbrecher zu verhaften. Als die Beamten in die Mewsſche
Wohnung kamen, fanden ſie dort Frau M. vor, die durch
mehrſaches Zuſchließen der Haustür das Geräuſch ver=
urſacht
hatte.
13. Mai. Heute mittag 12 Uhr fand im Reichskanzler=
palais
in der Wilhelmſtraße die Trauerfeier für die
verſtorbene Gemahlin des Reichskanzlers ſtatt.
Inn dem im erſten Stock des Mittelbaues des Palais ge=
legenen
Kongreßſaal war die Leiche unter einer Fülle von
Blumen aufgebahrt. Der Kaiſer und die Kaiſerin hatten
einen Kranz geſandt, ebenſo das Kronprinzenpaar. Die
übrigen preußiſchen Prinzen und Bundesfürſten hatten
ihre Teilnahme durch Ueberſendung von Kondolenzſpenden
bezeugt. Auch aus den diplomatiſchen und militäriſchen
Kreiſen, ſowie aus den Kreiſen der märkiſchen Ariſtokratie
waren unzählige Zeichen der Teilnahme eingelaufen. Kurz
vor 12 Uhr erſchien die Kaiſerin und bald darauf das
Kronprinzenpaar. Als Vertreter des Kaiſers war
Prinz Eitel Friedrich entſandt worden. Auch das diplo=
matiſche
Korps, die Parlamente, Staatsbehörden uſw.
hatten Vertreter geſandt. Durch Geſang des Domchors
wurde die Trauerfeier eingeleitet. Alsdann hielt General=
ſuperintendent
Lahuſen die Trauerrede. Nach nochmaligem
Chorgeſang und Segen endete die Feier mit dem Choral:
Wenn ich einmal ſoll ſcheiden.
Alt=Döbern, 13. Mai. (Kirchenbrand.) In dem
märkiſchen Städtchen Alt=Döbern im Kreiſe Kalau
iſt das ehrwürdige, aus dem 13. Jahrhundert ſtammende,
Gotteshaus ein Raub der Flammen geworden. Die
Kirche war ganz aus dunkelrotem Granit hergeſtellt und
enthielt viele alte Holz= und Steinſtatuen und Malereien.
Frankfurt, 12. Mai (Brand.) Heute abend gegen
½12 Uhr iſt in der Mälzerei der Frankfurter Bür=
gerbrauerei
Feuer ausgebrochen. Zwei Wehren ſind
mit der Löſchung beſchäftigt. Gegen ½1 Uhr konnte der
Brand auf ſeinen Herd beſchränkt werden.
Kolmar, 13. Mah. (Zu der Bluttat in der
Schlucht bei Gerardmeer) wird noch gemeldet,
daß nach der ſtaatsanwaltſchaftlichen Unterſuchung
Raubmord vorliegt. Der getötete Chauffeur hatte 600
Mark bei ſich von denen 100 Mark fehlen. Das übrige
Geld toug er in der hinteren Rocktaſche. Die beiden Ver=
brecher
ſcheinen bei Ausübung der Tat geſtört worden zu
ſein.
Weimar, 12. Mai. (Seltener Fund.) Auf der
bevorzugten Fundſtelle zu Ehringsdorf, wo man bereits

Feuilleton.

C K. Baumwollene Fenſterſcheiben. Die amerikani=
ſchen
Schulbehörden haben in den letzten Jahren in dem
Streben nach einer Verbeſſerung der Schulhygiene
manche bemerkenswerte Erfolge errungen; nun berichtet
John B. Todd in einem Aufſatz des Scientific American
über einen intereſſanten neuen Verſuch, der in der gleichen
Richtung unternommen wurde und ſo überraſchend gün=
ſtige
Ergebniſſe zeitigte, daß ſeine Wiederholung in gro=
ßem
Maßſtabe vorgeſehen wird. Es handelt ſich dabei um
nichts anderes als die Einführung von baumwolle=
nen
Fenſtern in den Klaſſenzimmern viel.
beſuchter Schulen bezw um eine verminderte Benutzung
des Glaſes als Fenſterſcheibe. Man ging von der Er=
kenntnis
aus, daß Glas als ſtarker Wärmeleiter die äußere
Temperatur weitergibt, ohne zugleich der Luft Zutritt zu
geſtatten; Verſuche mit Stoffenſtern zeigten dann, daß
baumwollene Fenſter durchaus genug Licht durchlaſſen und
dabei in ſehr glücklicher Regulierung auch eine ſtändige
Zufuhr friſcher Luft ermöglichen. Die Aufgabe war, einem
vielbenutzten Klaſſenzimmer ſowohl genügend Luft als
Licht zu verſchaffen: und dabei, bei Vermeidung von Zug=
luft
, eine Regelung der Temperatur zu erreichen. Das
Zimmer, in dem der erſte Verſuch durchgeführt wurde iſt
mit einem mechaniſchen Fächer verſehen, der warme Luft in
den Raum einführt; unter den Fenſtern liegen auch Röhren
der Dampfheizung. Das Zimmer hat fünf nach Oſten lie=
gende
große Fenſter, die naturgemäß im Winter während
des Unterrichtes verſchloſſen gehalten werden müſſen. Man
beſchloß nun, aus den unteren Teilen der Fenſter die
in ihrer Flächenausdehnung nicht weniger als 901100
Zentimeter meſſen die Glasſcheiben herauszunehmen
und durch einen ungebleichten Baumwollſtoff zu erſetzen.
Nachdem dies geſchehen war, blieben die Fenſter während
des Unterrichtes im Winter ſozuſagen geöffnet. Durch die
Poren des Stoffgs erfolgte eine ſtete Luftzufuhr. Die
ſonſt in ſtarkbeſetzten Klaſſenzimmern beſonders in den
Wintermonaten bemerkbare ſtickige oder muffige At=

moſphäre verſchwand vollkommen, und auch die Reizun=
gen
und Erkrankungen der Luftwege der Schüler Huſten
und Schnupfen hörten bald auf. Klagen über Kopf=
chmerzen
wurden nicht mehr laut. Am Morgen, vor Be=
ginn
des Unterrichtes, ſchließt der Schuldiener die Fenſter
und führt dem Zimmer mit Hilfe des mechaniſchen Fächers
genügend warme Luft zu, um eine normale Temyeratur
zu erzielen. Durch Beimengung von Dampf wird die
nötige Feuchtigkeit eingeführt. Wenn der Unterricht be=
ginnt
, werden die Glasfenſter beſeitigt und die
Zufuhr warmer Luft abgeſperrt. Nun ſitzen die
Kinder neben den offenen Fenſtern, nur durch den
dünnen Baumwollſtoff von der äußeren Winter=
temperatur
getrennt. Das Ueberraſchende dabei iſt, daß
die Zimmertemperatur mit ebenſo geringen Schwierig=
keiten
auf ihrer Höhe gehalten werden konnte, als wären
die Fenſteröffnungen durch Glasſcheiben geſchloſſen. Nur
bei beſonders ſtarken Winden verringerte man die luft=
durchläſſigen
Stofflächen. Zugluft kam nicht vor: die
Schnelligkeit der von der Dampfheizung ausſtrömenden
warmen Luftwogen iſt größer als die langſam und gleich=
ſam
geſiebt durch den Stoff einſtrömende kalte Luft von
außen. Da außerdem das Glas 20 mal mehr Wärme nach
außen ausſtrahlt als die Baumwolle, blieb die Temperatur
warm. 18mal wurden Unterſuchungen des Staubgehal=
tes
der Klaſſenzimmerluft vorgenommen. Er erwies ſich
als um 33 Prozent geringer wie früher bei geſchloſſenen
Glasfenſtern. Der Feuchtigkeitsgehalt der Luft ſtimmte
mit dem der Luft im Freien faſt völlig überein, und die
eingeſetzten Baumwollflächen behinderten den Lichteinfall
in das Klaſſenzimmer nicht wobei ſelbſtverſtändlich voraus=
geſetzt
wird, daß die Stoffenſter ſauber gehalten werden,
damit ſich in ihnen kein Staub feſtſetzt, der den Lichtſtrahlen
den Weg verſperrt. Das Intereſſanteſte iſt nun, daß die
geiſtige Aufnahmefähigkeit und Arbaitskraft
der Kinder in dem Freiluftklaſſenzimmer erheblich
größer waren, als in den mit Glasſcheiben verſchloſſenen
Schulzimmern. Der Geſundheitszuſtand der Kinder hob
ſich. Die Lehrer anderer Klaſſen, die anfangs dem Ver=
ſuche
ſkeptiſch gegenüberſtanden, folgten bald dem Beiſpiele

mit gleichem Erfolge, und nun ſind bereits verſchiedene
andere amerikaniſche Schulen dazu übergegangen, dieſe
Baumwollfenſter in den Klaſſenzimmern einzuführen.
ml. Die Kunſt, ein Theater zu füllen. Ein findiger
amerikaniſcher Theaterdirektor glaubt endlich das Mittel
entdeckt zu haben, ſein Haus alle Abende zu füllen. Dieſes
Mittel beſteht darin, daß der Direktor für die Güte der
aufgeführten Stücke eine Bürgſchaft übernimmt, wie etwa
ein Schneider für den guten Sitz des gelieferten Anzugs
oder ein Eierhändler für die Friſche der Eier. Mit einem
Wort, er zahlt dem Zuſchauer das Geld zurück, wenn das
Stück nicht ſeinen Beifall findet. Das beweiſt die An=
zeige
, die der Direktor kürzlich in den Zeitungen veröffent=
lichte
, und die wie folgt lautet: Wir geben das Eintritts=
geld
allen zurück, denen unſer Stück nicht gefällt. Wenn
Sie ein Auto oder eine Nähmaſchine kaufen, ſo kaufen Sie
ſie unter Garantie. So übernehmen wir auch für das
Luſtſpiel Ruth iſt futſch volle Garantie, und verpflichten
uns demzufolge, denjenigen, die nicht lachen, ihr Geld zu=
rückzuzahlen
. Es ſoll nicht unerwähnt bleiben, daß es
ſich bei dieſer Anzeige nicht etwa um eine kleine Vorſtadt=
bühne
, ſondern um ein im beſten Teil Neu=Yorks gelegenes
großes Theater handelt.
B.B. Der Tropfen am Waſſerleitungshahn iſt dieſer
Tage in bezug auf ſeine Inhaltsmenge von einer Berliner
Häuſerbank einer eingehenden Prüfung unterzogen wor=
den
. Ein etwas undichter Waſſerleitungshahn erhielt eine
ſtändige Beaufſichtigung und dabei wurde ermittelt, daß
ein ſolcher tropfender Hahn in der Minute durchſchnittlich
50 Tropfen verliert. In 100 Minuten ſind das 5000
Tropfen, was einem Liter gleichkommt. In 24 Stunden
fließen demnach durch einet tropfenden Waſſerleitungs=
hahn
nicht weniger wie 14½ Liter Waſſer nutzlos fort.
Aufs Jahr berechnet ſind das 5000 Liter. Jetzt konnte ſich
die Bank den großen Waſſerverbrauch erklären und ordnete
ſchleunigſt eine Reviſion der Leitungshähne und Erneue=
rung
ſchadhafter Gummiplatten an. Der Tropfen am
Waſſerleitungshahn iſt alſo ein guter Kunde der Waſſer=
werke
.

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ſeit einigen Jahren die Reſte diluvialer Säugetiere und
menſchlicher Feuerſtätten, aber noch niemals menſchliche
Skelettreſte gefunden hat, iſt heute in einem Steinbruch in
12 Meter Tiefe der Unterkiefer eines diluvialen
Menſchen in guter Verfaſſung zutage gefördert worden.
Der Fund wurde der zuſtändigen Stelle zur weiteren Be=
urteilung
übergeben.
Dresden, 13. Mai. (Die Vorbereitungen
für die Errichtungeiner Univerſität) neh=
men
ihren Fortgang. Die Gemeinde Dresden hat bereits
in dem Vorort Räcknitz ein umfangreiches Grundſtück ge=
kauft
. Auf dem Grundſtück ſoll zunächſt ein Krankenhaus
errichtet werden, das ſpäter einmal, wenn dlie Univerſität
zuſtande kommt, als Univerſitätskrankenhaus dienen ſoll.
Dresden, 13. Mai. (Eiſenbahnunfall.) Amtlich.
Heute vormittag gegen 8 Uhr entlief beim Rangieren der
letzte Wagen des Haineberg-Kipsdorfer Güterzuges Nr.
10 254 infolge einer Beſchädigung und Verſagens der
Heberleinbremſe. Der Wagen entgleiſte zwiſchen
Spechtritz und Rabenau und ſtürzte in die Weiſſeritz. Ver=
letzt
wurde niemand. Betriebsſtörungen ſind nicht ein=
getreten
.
Leipzig, 13. Mai. (Unfall.) An dem Neubau des
Warenhauſes Althoff löſten ſich zwei eiſerne Träger
und ſtürzten in die Tiefe. Fünf Arbeiter wurden
ſchwer verletzt.
Echternach, 13. Mai. (Ins Herz geſchoſſen.) Ein
hieſiger Bäckermeiſter hatte ein geladenes Gewehr in die
Wohnſtube geſtellt. Ein Dienſtmädchen legte aus Scherz
das Gewehr auf ein anderes an; der Schuß ging los und
das getroffene Mädchen wurde ſo ſchwer verletzt, daß es
bald darauf im Krankenhauſe ſtarb.
London, 13. Mai. (Gekenterter Dampfer.) Der
Stahlſchraubendampfer Turret Hill kenterte auf der Höhe
von Southwold. Der Kapitän wurde in einem Boote von
dem belgiſchen Dampfer Kremlin aufgeleſen. Der Reſt
der Mannſchaft fehlt.
Petersburg, 13. Mai. (6 Perſonen ertrunken.)
Im Seekanal ſchlug ein Boot um und alle ſechs Inſaſſen,
zwei etwa 20 Jahre alte Leute, zwei Damen und
zwei Kinder ertranken. Die Leichen ſind bisher noch nicht
geborgen.
Cardiff, 13. Mai. (Schiffsunfall.) Im Briſtol=
kanal
ſtieß der Dampfer Stern, von Neu=Seeland kom=
mend
, mit einem Dampfkutter aus Cardiff zuſammen.
Fünf Menſchen kamen bei dem Zuſammenſtoß um.
Shreveporte (Louiſiana), 12. Mai. (Lynchjuſtiz.)
Ein Neger war unter der Anklage, ſich gegen ein zehn=
jähriges
weißes Mädchen vergangen zu haben, in das Ge=
fängnis
gebracht worden. Ein Mob von etwa 1000 Per=
ſonen
, war am hellen lichten Tage ungefähr drei Stun=
den
an der Arbeit, die Gefängnistür zu erbrechen. Er
drang ſchließlich in die Zelle des Negers ein, warf dieſem
einen Strick um den Hals, ſchleppte ihn auf die Straße
und erhängte ihn an einer Telephonſtange in der
Nähe des Gerichtsgebäudes.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 13. Mai. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung um 2.22 Uhr. Vor Eintritt in die
Tagesordnung gibt Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) fol=
gende
Erklärung ab: Die Staatsanwaltſchaft iſt auf
Grund der Anzeige eines früheren Direktors der Firma
Görz gegen dieſe vorgegangen. Sie hat ſich geweigert, ein=
zuſchreiten
, und das habe ich erwähnt. Tatſächlich ſchwebt
ein Verfahren gegen die Firma noch jetzt Dieſe Angaben
ſtützen ſich auf eidliche Ausſagen. Abg. Erzberger
(Ztr.): Die Staatsanwaltſchaft hat es zweimal abgelehnt,
gegen Görz wegen Urkundenvernichtung, Beamtenbeſtech=
ung
und Betrug vorzugehen und zwar auch, nachdem Zeu=
gen
eidlich vernommen waren. Ich habe meinen geſtrigen
Erklärungen nichts weiter hinzuzufügen. Hierauf wird die
zweite Leſung des Etats für Kamerun
(Dualaangelegenheit) fortgeſetzt. Abg. Frhr. von
Rechenberg (Ztr.): Die Frage der Duala hat überall,
nicht allein in der Preſſe großen Staub aufgewirbelt. Wir
müſſen uns fragen, welche Gründe für die Enteignung der
Duala maßgebend geweſen ſind. Politiſche Gründe waren
es nicht, ſie waren urſprünglich nur hygieniſcher Natur.
Die Umſiedelung eines Teiles der Duala wurde not=
wendig
. Man mußte vor allen Dingen eine Wohnungs=
reform
anſtreben, weil die gegenwärtigen Wohnungen
wahre Brutſtätten der Malaria, die geradezu epidemiſch
geworden iſt, darſtellen und ſomit auch für die Weißen eine
erhebliche Anſteckungsgefahr bilden Die Konſequenzen
aus dieſen Umſtänden waren ſanitätspolizeiliche Vor=
ſchriften
. Der angeregte Schutzſtreiſen von einem Kilometer
genügt nicht Die Anſichten der Mediziner ſind heute hin=
ſichtlich
der Malaria ganz anders geworden, als ſie früher
waren; auch die Abſichten über ihre Bekämpfung haben ſich
geändert Will man die hygieniſchen Maßnahmen voll
zur Geltung bringen, iſt eine Trennung von Schwarzen
und Weißen unumgänglich notwendig. Den Eingeborenen
muß ein direkter Zugang zu dem Fluß geboten werden
und da wäre es zweckmäßig, zunächſt den Schiffahrtsweg
auszubauen. Hierin liegt eine Lebensfrage für die Leute.
Die Budgetkommiſſion hat ſich der Anſicht angeſchloſſen,
daß eine volle Entſchädigung der Eingeborenen ſtattfinden
müſſe. Wenn die Anſicht vertreten wurde, daß man den
Eingeborenen eine Wertſteigerung der Grundſtücke nicht be=
rechnen
ſolle, ſo wäre das eine ungerechtfertigte Maßnahme
Weshalb will man den Dualas das verdenken, was man
unſeren Landsleuten nicht verargt? Es iſt auch nicht rich=
tig
, daß die Eingeborenen nichts zur Wertſteigerung ihres
Gebiets getan hätten. Die Eingeborenen tragen 3 Mil=
lionen
zu den Koſten der Kolonie bei. Mehr können ſie
nicht tun und mehr können wir nicht erwarten. In erſter
Linie kommen, wie geſagt, für die Enteignung hygieniſche
Gründe in Frage. Schlechte Charaktereigenſchaften können
nicht dazu führen, denn qualifizierte Frechheit iſt bis jetzt
noch kein Enteignungsgrund. Der lebhaften Agitation
muß entgegengetreten werden; ihre Auswüchſe müſſen be=
ſeitigt
werden. Die Regierung dürfte auch von ſich aus
die nötigen Maßnahmen getroffen haben. Ich habe das
feſte Vertrauen zum Kolonialamt, daß es mit dieſer ſchwie=
rigen
Frage auch noch fertig wird. Ich möchte aber bit=
ten
, daß uns anſtelle der bisherigen Skizzen und Entwürfe
eine feſte Grundlage desjenigen gegeben wird, was ge=
ſchehen
ſoll.
Abg. Keinath (natl.): Das Eiſenbahnnetz in
Kamerun muß künftig vermehrt werden. Auf dier Baſis
der Mittellandbahn ſollte die Linie nach Südoſten und
Norden in das neue Kongogebiet und zum Tſchadſee ge=
führt
werden. Dieſer Plan iſt durchaus zweckmäßig. Das
Vorgehen gegen die Dualas iſt eine Staatsnotwendigkeit.
Wollen wir Duala zum Handelszentrum des Schutzge=
bietes
machen, ſo müſſen geſunde Verhältniſſe dort geſchaffen
werden. Die Dualas haben ihr Landmonopol rückſichts=
los
ausgenützt. Ohne Trennung zwiſchen Weißen und
Schwarzen iſt eine Sanierung Dualas nicht möglich. Ge=
wiß
brauchen die Weißen die Schwarzen als Diener; im
allgemeinen läßt ſich die Malaria aus der Europaſtadt

noch verbannen. Ohne Enteignung iſt eine Trennung nicht
möglich. Beſſer iſt es, wenn wir das ganze Gebiet doch
einmal gebrauchen, die Maßnahmen mit einem Male
durchzuführen. Was würde die Sozialdemokratie wohl
ſagen, wenn es ſich um eine Enteignung des Bergbaus
oder um eine Verſtaatlichung der Bergregale in Seutſch=
land
handeln würde. Da wäre ſie ſofort dabei. (Zuruf bei
den Soz.: Unſinn! Präſident Kaempf: Ich weiß nicht, wer
dieſen Zuruf gemacht hat. Abg. Henke (Soz.), ich war es!
Präſident Dr. Kaempf: Ich rufe Sie zur Ordnung!)
Wirtſchaftliche Schädigung dürfen für die Eingeborenen
nicht entſtehen. Zukunftswerte dürfen nicht entſchädigt
werden. Es muß feſt zugegriffen werden, in Duala freie
Bahn zu ſchaffen, um Handelszentrum zu werden. (Beifall.)
Abg. Dr. Braband (Ftſchc. Vpt.): Wenn ein Mitglied
der Rechten geſagt hat, in dieſer Angelegenheit habe die
Regierung alle nur denkbaren Ungeſchicklichkeiten begangen,
ſo muß ich ſagen, daß auch das Vorgehen gegen den
Rechtsanwalt Halpert eine derartige Ungeſchicklichkeit war.
Wenn bei uns qualifizierte Frechheit ein Enteignungs=
grund
wäre, ſo wäre der Schriftſteller zu enteignen, der
heute im Vorwärts in unflätigen Redewendungen das
Verhalten des Reichstages in der Dualaangelegenheit be=
ſchrieben
hat. Wenn er ſchreibt: die moraliſche Fäule ſtinke
zum Himmel, ſo erinnere ich an ein nordiſches Sprich=
wort
: Wer es hat zuerſt gerochen, der hat’s verbrochen!
(Große Heiterkeit.) Das Vorgehen der Regierung gegen
die Dualas bei Vorenthaltung des Petitionsrechts ſtellt
tatſächlich eine ſtaatsrechtliche Ungeheuerlichkeit dar. Im
Intereſſe der Entfaltung Dualas zum Zentralpunkt, haben
wir die Sanierung und Enteignung nötig. Dieſes müſſen
wir entſchieden durchführen. Die Entſchädigung muß
reichlich ſein. Die Sozialdemokraten vermuten, wenn ihre
Argumente verſagen, hinter allem die Tätigkeit von
Spitzeln Das war ſo bei der Beſudelung des Kaiſer
Friedrich=Denkmals und iſt jetzt ſo bei Manga Bell, der
durch Spitzel aufgeputſcht ſein ſoll. (Lebhafte Zuſtim=
mung
.) Auch hierfür kommt hoffentlich bald der Gegen=
beweis
. Wir haben in Kamerun eine wertvolle Kolonie,
die einen erheblichen Gewinn für das Deutſche Reich be=
deutet
.
Abg. v. Böhlendorf=Kölpin (konſ.): Die Frage
der Sanierung der Stadt Duala hat bei allen bürgerlichen
Parteien einmütige Zuſtimmung gefunden. Ebenſo ſind
wir mit der vorgeſchlagenen Enteignung einverſtanden,
nur muß alles in gerechter Weiſe gehandhabt werden. Wir
müſſen den Eingeborenen zeigen, daß wir ihre Intereſſen,
ſoweit es für die Allgemeinheit nötig iſt, ſchützen wollen.
(Da infolge der lauten Unterhaltung im Hauſe der Redner
ſich nur ſchwer verſtändlich machen kann, bittet Vizepräſi=
dent
Dr. Paaſche dem Redner mehr Aufmerkſamkeit zu
ſchenken.) Die Gerechtigkeit muß dabei gewahrt werden.
Der Eiſenbahnbau muß nach Möglichkeit gefördert wer=
den
. Abg. Dr. Arendt (Rpt.): Ich bedaure, daß Kol=
lege
Semler erkrankt iſt und an der Debatte nicht teil=
nehmen
kann. Wir pünſchen ihm baldige Geneſung. ( Bei=
fall
.) Schon als wir in Kamerun waren, haben wir es
vorausgeſehen, daß eine weitgehende Grundſtücksſpeku=
lation
an der Bahnſtrecke entſtehen würde und daß weit=
gehende
Maßnahmen nötig werden würden. Die Enteig=
nung
iſt durchaus eine geſetzmäßige Maßnahme. Was
wir dort unternehmen, entſpricht vollkommen dem Vorgehen
anderer Kolonialmächte, dem Englands und Hollands.
Schon in früheren Jahren hat uns der völlig gleiche Sa=
nierungsplan
vorgelegen. Duala ſoll der Knotenpunkt
von Handel und Wandel werden. Wir müſſen jetzt ganze
Arbeit machen. Daran dürfen uns alle Angriffe nicht hin=
dern
. Es handelt ſich um ein Kulturwerk erſten Ranges,
der blühenden Kolonie eine geſunde Hauptſtadt zu ſchaf=
fen
.. Die deutſche Herrſchaft hat allen Eingeborenen
großen Segen gebracht. Es folgt nun die namentliche
Abſtimmung
über das Militärkabinettsgebäude Vikto=
riaſtraße
34. Berlin (erſte Rate 3 Millionen Mark.)
Es ſtimmen von 344 Abgeordneten 75 für die Poſition, 268
dagegen, einer enthält ſich. Die Forderung iſt ſomit ab=
gelehnt
.
Die Beratung der Dualaangelegenheit
wird fortgeſetzt. Staatsſekretär Dr. Solf: Bevor ich
auf die Schaffung einer Europäerſtadt in Duala übergehe,
möchte ich auf einige allgemeine Fragen des Etats für
Kamerun eingehen. Bei den Kommiſſionsverhandlungen
habe ich die Notwendigkeit zugegeben zwiſchen den Rechten
der Eingeborenen und der Deutſch=Weſtafrikaniſchen Han=
delsgeſellſchaft
bezüglich der Wahrung der Landesbeſitz=
rechte
der Eingeborenen Ordnung zu ſchaffen. Dieſe Zu=
ſage
werde ich halten. Ein Spezialkommiſſar wird ent=
ſandt
. Im nächſten Jahre hoffen auch wir Auskunft hier=
über
erteilen zu können. Der Expedition nach Neu=
Kamerun konnte in der Denkſchrift noch nicht Erwäh=
nung
getan werden, weil dieſe Expedition erſt im April
1913 ſtattgefunden hat. Im nächſten Jahr erfolgt näherer
Bericht. Ich möchte aber des als erſten gefallenen Feld=
webels
Sievertſen hier ehrend gedenken (Bravo.) Die
neu erworbenen Teile ſind durchaus wertvolle Gebiete, im
Süden haben wir fruchtbares Hochland mit einem glän=
zenden
Hafen und im Oſten ein außerordentlich bevöllkertes
Land Leider müſſen wir in dieſem Gebiet mit der Schlaf=
krankheit
rechnen. Es muß zugegeben werden, daß die
Schlafkrankheit eine ſchwere und ſchwer zu bekämpfende
Seuche iſt, Aber wir dürften ihrer ſchon Herr werden,
beſonders in Neu=Kamerun. Die Engländer haben vieles
erreicht durch Verpflanzung von Dörfern. Wenn wir die
unkultivierten Gegenden von der Schlafkrankheit befreien,
ſo verbreiten wir am beſten die Segnungen europäiſcher
Kultur. Ich bitte Sie, möglichſt große Mittel für dieſen
Zweck zu bewilligen. Wenn wir in Afrika Kolonialpolitik
treiben, ſo dürfen wir nicht damit rechnen, für uns zu ern=
ten
. Unſere Kinder und Kindeskinder würden uns einer
ſchweren Unterlaſſungsſünde zeihen, würden wir nicht Be=
ſitz
ergreifen von dieſen Ländern. (Bravo.) Nun zur
Dualaangelegenheit. Eine Audienz mit den Häuptlingen
habe ich abgelehnt, mit dem ganzen Volke wollte ich ver=
handeln
und da hat mir Mangan Bell als Wortführer eine
glänzende Rede gehalten. Er könnte ſogar hier auftreten.
Er ſagte mir: Was immer Du auch ſagen mögeſt, wir
werden gehorchen. Du kannſt Dich auf uns verlaſſen und
mein Volk wird ebenfalls gehorchen. Das brachte mir
einige Hoffnung, daß die ſchwierige Angelegenheit der
Duala aus der Welt geſchafft werde. Ich beſichtigte unter
Führung des Amtsmanns Roen, deſſen ich dankbar ge=
denken
möchte, die alten und die neuen Gebiete, wobei mir
Potemkinſche Dörfer nicht vorgemacht wurden. Mit
meinen eigenen Augen ſehe ich mehr als Sie aus tauſend
Petitionen. Ich kenne die Tropen und ihre Völker und
vertuſche nichts.
Der hier weilende Gouverneur von Kamerun iſt eben=
ſo
überraſcht geweſen wie ich ſelbſt über die Vorkommniſſe.
Darauf beruht die ſchiefe Auffaſſung ſeiner Erklärung in
der Budgetkommiſſion. Poſitive Erklärungen können wir
nicht geben. Auch ich bin als guter Kenner der Einge=
borenen
von den Dualas getäuſcht worden. Sie haben
nicht gehorcht Neue Argumente hat Rechtsanwalt Halpert,
deſſen erſte Eingabe außerordentlich geſchickt war, in

ſeinem zweiten Schreiben nicht vorbringen können. Statt
Tatſachen, brachte er nur Verdächtigungen und iſt ſogar
geiſtig handgreiflich geworden. (Heiterkeit.) Das Tele=
ramm
war nicht beſtellte Arbeit. Hätte ich ſo gehandelt,
ſo wäre das eine Gemeinheit geweſen. Gegen den Vor=
vurf
brauche ich mich nicht zu verteidigen. Das Honocar
Halperts wollte ich nicht bemängeln. Ich wollte nur cha=
rakteriſieren
, daß die Eingeborenen ſo reiche Mittel haben,
um ohne weiteres 8000 Mark flüſſig zu machen. An der
Verhaftung des Duala in Hamburg iſt meine Behörde
völlig unbeteiligt und von einer Zurückhaltung von Brief=
ſchaften
iſt keine Rede. Daß die Duala auswandern iſt bis=
her
nicht zu beobachten geweſen. Die Zahl der Steuer=
zahler
nimmt zu. Aus Anlaß der Enteignung ſind nur
zwei Beſtrafungen vorgekommen. Von Brutalität der Be=
amten
iſt keine Rede. Das Material des Abg. Wels dürfte
von einem ſchwarzen Schreiber ſtammen. Gerade zu jener
Zeit fanden viele Diebſtähle ſtatt; auch eine Eigenſchaft der
Dualas. Da müſſen wir feſt zugreifen. Wir geben bei
der Enteignung der Eingeborenen anſtelle des Stamm=
beſitzes
Individualeigentum. Sie zu den Sozialdemo=
kraten
wollen es gerade umgekehrt machen, wenn Sie
enteignen, wenn Sie es können. (Heiterkeit.) Abg. Lede=
bour
: Das habe ich gar nicht geſagt.) Sie hätten es aber
ſagen können. Unſere Denkſchrift enthält keine Beleidig=
ungen
des Rechtsanwalts Halpert (Ledebour ruft: Be=
wußte
Unwahrheiten!) Die habe ich den Dualas vorge=
worfen
, die ich ker ie, nicht dem Dr. Halpert den ich nicht
kenne (Große Heiterkeit.) Die Wünſche nach Ausbau der
Kanäle werden berückſichtigt werden. Auch werden die
Entſchädigungen möglichſt voll geleiſtet werden. Daß das
Prinzip, Weiße= und Eingeborenenſtadt gut iſt, iſt klar,
nur durchführbar iſt das nicht. Einerſeits brauchen wir
die ſchwarzen Diener, andererſeits müſſen Aerzte, Militär
und Miſſionare in der Eingeborenenſtadt wohnen. Daß
es lediglich eine Enteignung aus hygieniſchen Rückſichten
ſei iſt nicht richtig. Wir wollen in Duala einen Welthafen
ſchaffen. Ich bin der feſten Ueberzeugung, wenn die Duala=
neger
weiter petitionieren, werden ſie in ſpäterer Zeit
eine Dankpetition an den Reichstag ſchicken, wenn ſie ihre
ſchönen Wohnungen bekommen haben. Glücklich werden
auch die Weißen ſein, weil heute in Duala die Grundlage
für einen großen Welthafen gelegt wird, über den die
deutſche Flagge wehen wird. Die Dualaneger werden ſie
nicht herunterreißen.
Abg. David (Soz.): Der Staatsſekretär hat nicht
in die Sache hinein=, ſondern um die Sache herumgeredet.
Ein fühlendes Herz für die Neger haben nur wir. ( Prä=
ſident
Dr. Kaempf rügt dieſe Redewendung.) Es
wird ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen.
Der Etat wird bewilligt. Die Reſolution der
Budgetkommiſſion wird angenommen, die Abſtimmung
über die Petition wird bis zur dritten Leſung vertagt.
Nächſte Sitzung: Donnerstag 11 Uhr. Kleine
Etats, kleine Vorlagen, Etat des Auswärtigen,
Reichskanzler, Reichskanzlei. Schluß nach ½8 Uhr.

Badiſcher Landtag.

* Karlsruhe, 13. Mai. In der Zweiken
Kammer des Landtages, welche heute die Be=
atung
des Kultusetats beendete, erklärte der Kultus=
miniſter
Dr. Böhm wiederholt, daß die Regierung nicht
in der Lage ſei, für die Aufhebung des
Jeſuitengeſetzes zu ſtimmen, aber bei der
Interpretation des Jeſuitengeſetzes im Bundesrat mit=
wirken
werde. Zur Frage der Zulaſſung von Männer=
klöſtern
in Baden wies der Miniſter darauf hin, daß die
Nationalliberalen ſich hauptſächlich aus volkswirtſchaft=
lichen
Gründen gegen die Zulaſſung von Männerorden
ausgeſprochen haben, daß gegen die Zulaſſung 92 ſcharfe
PProteſte bei der Regierung eingegangen ſeien, woran ſie
nicht achtlos vorübergehen könne. Er, der Miniſter, werde
mit der Kurie in Verhandlungen eintreten und dieſe in
friedlichem Geiſte führen als treuer Freund der Kirche.
Höher als die Kirche aber ſtehe ihm noch der Staat.
In der heutigen Verhandlung wurde der Geſetzentwurf
betr. die Aufbeſſerung geringbeſoldeter
Pfarrer aus Staatsmitteln, in welchem an ſtaatlichen
Zuſchüſſen für evangeliſche Pfarrer 300000, für katholiſche
Pfarrer 350000 und für altkatholiſche Pfarrer 8600 Mark
vorgeſehen ſind, in namentlicher Abſtimmung mit 49 gegen
15 Stimmen angenommen.

Sächſiſcher Landtag.

* Dresden 13. Mai. Bei der Beratung des Etats=
kapitels
Direkte Steuern gab in der Zweiten Kammer der
Finanzminiſter eine Erklärung ab, nach der
er bedauert, daß der Staat nicht mehr uneinge=
ſchränkter
Herrſcher im eigenen Hauſe ſei.
Auf dem Gehiete der direkten Steuern ſei bei jeder even=
tuellen
Aenderung der Steuergeſetzgebung auf die Reichs=
geſetze
Rückſicht zu nehmen. Der Miniſter ſprach ſich ſo=
dann
entſchieden gegen die Anträge auf Fortfall der un=
teren
Steuerklaſſen aus und betonte, daß die Pflicht des
Steuerzahlens mit dem Gebrauch des Rechts der Wahl
verbunden bleiben müſſe. Der Miniſter machte ſodann
Mitteilungen über die Ergebniſſe des Wehrbei=
trags
in Sachſen. Es ſeien im Königreich Sachſen
60077 Perſonen zur Abgabe der Erklärung zur Wehrſteuer
aufgefordert worden. Von dieſen hätten 94,93 Prozent die
Erklärung rechtzeitig abgegeben, 2,20 Prozent hätten Ver=
längerung
nachgeſucht, 2,87 Prozent hätten die Abgabefriſt
verſäumt. Das Ergebnis des Wehrbeitrages könne bis
jetzt nicht genau angegeben werden. Immerhin könne man
mitteilen, daß in Sachſen etwa 75 Millionen
Mark Wehrbeitrag einkommen würden.
Dieſe Ziffer entſpreche nicht ganz den Erwartungen, die
das Finanzminiſterium gehegt habe. Was den Einfluß
des Wehrbeitragsergebniſſes auf die Einkommenſteuer an=
belange
, müſſe feſtgeſtellt werden, daß ſich die Einkommen=
ſteuer
nur um einen geringen Bruchteil erhöht habe. Ge=
naue
Ziffern könnten noch nicht angegeben werden. Jedoch
ſei von goldenen Bergen die man ſich in manchen Kreiſen
vom Wehrbeitrag verſprochen habe, nichts zu ſpüren. Dies
ſei ein erfreuliches Zeichen dafür, daß bisher in Sachſen
jeder Staatsbürger ſeine Steuerpflicht erfüllt habe.
Allerdings ſeien einige Fälle der Steuerhinterziehung be=
kannt
geworden. Ueber dieſe ließe ſich das Miniſterium
genaue Berichte erſtatten, um dadurch zugleich einen Ueber=
blick
über die Wirkung des Generalpardons zu erlangen.
Jedenfalls könne erklärt werden, daß ſich die Steuer=
hinterziehungen
auf alle Schichten des Volkes, auf Stadt
und Land, Arm und Reich verteilten. Im Sitzungsver=
laufe
lehnte die Kammer den ſozialdemokratiſchen An=
trag
auf Fortfall der vier unterſten Steuer=
ſtufen
gegen 27 ſozialdemokratiſche Stimmen ab; da=
egen
wurde der fortſchrittliche Antrag auf Fortfall der
wei unterſten Steuerklaſſen ohne Beeinträchtigung der
politiſchen Rechte mit 48 Stimmen gegen 27 der Rechten
angenommen.

[ ][  ][ ]

Frinz Heitrichtz Plug 1914.
Situationsplan der Hauptetappe Darmſtadt.

Nebenſtehend bringen
wir einen Ueberſichts=
plan
für den Flugplatz
der Haupt=Etappe Darm=
ſtadt
. Es iſt aus dem
Plan deutlich zu erſehen,
welchen Weg die Auto=
mobile
, Drofchken und
Fußgänger zu nehmen
haben, um zu den Zu=
ſchauerplätzen
u. Tribünen
zu gelangen. Beſonders
wichtig iſt, daß der ein=
zige
Zugang zum
Start= und Landungs=
platz
und zu den Zu=
ſchauerplätzen
durch die
deutlich bezeichnete Quer=
ſtraße
iſt. Hier ſind auch
die Kaſſen und Kontroll=
ſtellen
. Es empfiehlt ſich,
den Plan auszuſchneiden
und aufzubewahren. Der
Plan iſt, auf haltbarem
Karton gedruckt, auch
von der Geſchäftsſtelle
im Bahnhofshotel zu
beziehen.

Die große Darmſtädter Flugwoche.

Prinz=Heinrich=Flug 1914.
* Die Ordnung auf dem Darmſtädter
Flugplatz muß natürlich im Intereſſe der ſachgemäßen
Durchführung des Fluges und vor allem im eigenſten
Intereſſe der Beſucher ſtreng durchgeführt wer=
den
. Es ſind die umfaſſendſten Maßnahmen getroffen
worden, um einen geregelten Verkehr zum und vom Flug=
platz
, ſowie auf dem Flugplatz ſelbſt durchzuführen.
Dazu aber iſt unerläßlich, daß den Anord=
nungen
der Oberleitung unbedingt Folge
geleiſtet wird. Nur ſo kann bei dem in Ausſicht
ſtehenden Maſſenandrang Gewähr dafür geboten werden,
daß alles klappt, wie es die Organiſation vorgeſehen.
Als Mitglied der Sportoberleitung für den ganzen Flug
hat Herr Direktor Baier=Darmſtadt gewiſſermaßen die
Oberleitung der Darmſtädter Flugveranſtaltungen. Mit=
glieder
der Sportleitung der Etappe Darmſtadt
ſind die Herren Hauptmann v. Dewall, Proſeſſor
Eberhardt, Hauptmann Hüſer, Oberleutnant Kel=
ler
und Frhr. v. Oetinger. Sämtliche Herren tragen
die rote Armbinde mit Goldrand. Beſonders den An=
ordnungen
dieſer genannten Herren, die in jeder Be=
ziehung
kompetent ſind muß unbedingt Folge ge=
leiſtet
werden. Im übrigen ſind aber ſämtliche
Herren, die Armbinden tragen, berechtigt, Anordnungen
zu treffen, und muß auch dieſen Folge gegeben werden.
Im übrigen iſt für die Darmſtädter Flugtage folgen=
des
zu beachten: Wegen des zu erwartenden großen An=
dranges
empfiehlt es ſich dringend, Eintrittskarten im
Vorverkauf bei den mehrfach bekannt gegebenen Ver=
kaufsſtellen
zu erſtehen, damit der Andrang an den Kaſſen
vermieden wird. Da die Karten übrigens im Vorver=
kauf
erheblich billiger ſind, empfiehlt ſich das auch aus
dieſem Grunde. Wiederholt wird darauf hingewieſen,
daß der einzige Zugang zum Flugplatz durch
die Lagerſtraße von der Griesheimer
Chauſſſee aus iſt. Die Zufahrtſtraße für Autos und
Droſchken und deren Standplätze ſind durch Schilder ge=
kennzeichnet
. Auf jedem Platz iſt ein Erfriſchungs=
raum
vorgeſehen mit Sitzgelegenheiten, in dem warme
und kalte Getränke, Brötchen, Kuchen und dergleichen ver=
abreicht
werden.
Die offiziellen Poſtkarten und Briefver,
ſchlußmarken ſind in den Vorverkaufsſtellen und auf
dem Flugplatz erhältlich; ſie werden, wenn ſie in die auf
dem Flugplatz befindlichen Briefkaſten eingeworfen wer=
den
, mit dem Stempel Darmſtadt, Prinz=Heinrich=Flug
11914 abgeſtempelt. Die Eintrittskarten müſſen
ſſichtbar getragen werden, andernfalls Zurückwei=
ſung
erfolgen kann. Ohne Gefahr für Geſundheit und
Leben der Flieger und des Publikums kann Landung und
Abſlug nur vollzogen werden, wenn der dafür vorgeſehen=
Raum vollkommen freigehalten wird. Das Betreten des
Fluggeländes und das Ueberſteigen der Schranken iſt da=
her
auf das ſtrengſte unterſagt. Die Abſperrungsmann=
ſchaften
und alle durch Armbinden gezeichneten Perſonen

ſind angewieſen. Zuwiderhandelnde rückſichtslos zurück=
zuweiſen
und nötigenfalls der Polizei zu übergeben.
Die Armbindenabzeichen haben ſolgende Be=
deutung
: rote ſeidene Binde mit Goldrand, Aufdruck
Oberleitung: Sportliche Oberleitung des ganzen Prinz=
Heinrich=Fluges; rote ſeidene Binde mit Goldrand, Auf=
druck
Etappenleitung: Sportliche Etappenleitung; rote
ſeidene Binde mit Silberrand: Obmann des Schiedsge=
richts
; rote ſeidene Binde: Sportgehilfen; weiße ſeidene
Binde mit Goldrand: Mitglieder des Organiſationsaus=
ſchuſſes
; weiße ſeidene Binde: Preſſedienſt; fahlbraune
Lederbinde mit der Aufſchrift Zeitnehmer: Zeitnehmer;
blaue ſeidene Binde mit Goldrand: Flieger, Wettbewer=
ber
, Beobachter; blaue Tuchbinde: Monteure; orangegelbe
ſeidene Binde. Auſdruck Arzt: Aerzte; grüne ſeidene
Binde mit Silberrand, Aufdruck Autodienſt: Auto=
leitung
; grüne Tuchbinde: Chauffeure des Autodienſtes;
gelbe Tuchbinde: Flugplatz=Angeſtellte; rot=weiße Binde:
Führer zur Beſichtigung der Flugzeuge.
Die in Dienſten der Oberleitung ſtehenden Automo=
bile
ſind vorn durch zwei gelbe Fähnchen mit der Auf=
ſchrift
Prinz=Heinrich=Flug gekennzeichnet, die in Dien=
ſten
der Sport=Etappenleitung ſtehenden durch gleiche
grüne Fähnchen.
Der Start der Flieger am Sonntag früh
wird noch rechtzeitig bekannt gegeben. Vorausſichtlich er=
ſolgt
der Start ab 5 Uhr, doch kann die Abflugsſtunde
noch früher oder ſpäter gelegt werden.
Sonderzüge.
In der heutigen Nummer des Darmſtädter Tagblatts
iſt der Sonderfahrplan der Heſſiſſchen Eiſen=
bahn
=Aktien=Geſelllſchaft, welcher gelegentlich
des Prinz=Heinrich=Fluges durchgeführt werden ſoll, ab=
gedruckt
.
Am 15. und 16. Mai, nachmittags 1½ Uhr, beginnt
der halbſtündige Verkehr und endigt abends gegen 9 Uhr.
Nach Bedarf werden außer dieſen Sonderzügen noch
weitere verſtärkte Züge eingelegt.
Am 16. Mai, nachmittags 3 Uhr, beginnt das Schau=
fliegen
, ſo daß es zweckmäßig ſein dürfte, das Ver=
kehrsmittel
der Dampfbahn rechtzeitig in Anſpruch zu
nehmen, um eine Anſchwellung des Verkehrs zu ver=
meiden
.
Am Sonntag, den 17. Mai, morgens in aller
Frühe, ffahren vom Böllenfalltor, Landskronſtraße, Tau=
nusſtraße
und Oſtbahnhof, und zwar 3.00, 4.00, 4.30, 5.15
und 5.45, Sonderzüge der elektriſchen Straßenbahn ab
desgleichen auch von Eberſtadt um 2.45, 3.45, 4.15, 5.00
und 5.30, die den Anſchluß an die Dampfbahn=
züge
am Hauptbahnhof erreichen, welche direkt
nach dem Truppenübungsplatz in Griesheim fahren. Am

Sonntag morgen iſt in aller Frühe ein etwa viertelſtün=
diger
Verkehr vorgeſehen. Die gegen 3 Uhr mit den
Sonderzügen der Staatsbahn eintreffenden Fremden kön=
nen
mittels Dampfbahn vom Stirnweg bis zu dem
Truppenübungsplatz befördert werden.
Die Eiſenbahndirektionen Mainz und Frankfurt
haben folgende Verwaltungsſonderzüge zum 17. Mai d. J.
vorgeſehen:
I. Heidelberg ab 135 vorm., Friedrichsfeld ab 150 Wein=
heim
ab 207, Heppenheim ab 219 Bensheim ab 226, Auer=
bach
ab 222, Bickenbach ab 241, Darmſtadt=Hbf. an 256 vorm.
II. Mannheim ab 118 vorm., Friedrichsfeld an 130 vor=
mittags
, alſo Anſchluß an den Sonderzug I.
III. Frankfurt a. M.=Südbf. ab 225 vorm., Sprend=
lingen
=Buchſchlag ab 238, Langen ab 244, Darmſtadt=Hbf.
an 300 vormittags.
IV. Wiesbaden ab 210 vorm., Mainz=Hbf. ab 225,
Mainz=Südbf. ab 230 Groß=Gerau ab 250, Darmſtadt=
Hauptbahnhof an 306 vormittags.
In Frankfurt läßt die Städtiſchſe Straßenbahn,
um den Benutzern des Sonderzuges Straßenbahnfahr=
gelegenheit
nach dem Südbahnhof zu bieten, folgende
Sonderwagen verkehren: ab Konſtablerwache 2.00 Uhr
nachts, an Südbahnhof 2.10 Uhr nachts; ab Opernplatz
2.00 Uhr nachts, an Südbahnhof 2.12 Uhr nachts.

Luftfahrt.

* Rom. 13. Mai. Der Militärflieger Leuk=
nant
Landini iſt bei einem Fluge Porte Ferrajo-
Piombino ins Meer geſtürzt. Er konnte in ſchwer
verletztem Zuſtande gerettet werden.

Der Kaiſer in Wiesbaden.

* Metz, 12. Mai. Der Kaiſer iſt um 11 Uhr nüch
Wiesbaden abgefahren. Zur Verabſchiedung
waren auf dem Bahnhof anweſend der Statthalter von
Dallwitz, der Staatsſekretär von Rödern, der Bezirksprä=
ſident
, der kommandierende General von Mudra und der
Polizeipräſident.
* Wiesbaden, 13. Mai. Der Kaiſer iſt heute
morgen 7,15 Uhr, von Metz kommend, auf dem hieſigen
Bahnhof eingetroffen. Zum Empfang waren der kom=
mandierende
General des 18. Armeekorps, Exzellenz von
Schenck, und der Polizeipräſident von Wiesbaden, Kam=
merherr
von Schenck, anweſend. Nach kurzer Begrüßung
begab ſich der Kaiſer mit Gefolge nach dem Fürſten=
pavillon
und fuhr dann in offenem Automobil nach dem
Schloß. Das Wetter iſt ſehr ſchön. Trotz der frühen Mor=
genſtunde
hat ſich ein zahlreiches Publikum vor dem Bahn=
hof
und in den Einzugsſtraßen eingefunden, das dem
Kaiſer jubelnde Begrüßungsovationen darbrachte. Die
Stadt prangt im Feſtſchmuck. Der Fremdenbeſuch, der
ſtets im Mai mit dem Kaiſerbeſuch ſeinen Höhepunkt er=
reicht
, weiſt diesmal Rekordziffern auf. Mit allen Zügen
treffen neue Gäſte ein, die aus Anlaß des Kaiſerbeſuchs,
der Maifeſtſpiele und der zahlreichen Veranſtaltungen der
Kurverwaltung hier ihren Aufenthalt nehmen. Vor dem
Schloſſe wiederholten ſich bei der Ankunft des Kaiſers die
Huldigungen des Publikums, auf welche der Kaiſer durch
Grüßen wiederholt dankte. Nach der Einfahrt des kaiſer=
lichen
Automobils in den Schloßhof wurden die Feldzeichen
der hier garniſonierenden Truppenteile von der 6. Kom=
pagnie
des Füſilier=Regiments von Gersdorff ( Kurheſ=
ſches
) Nr. 80, unter Führung von Hauptmann von Los=
berg
in das Schloß übergeführt.
* Wiesbaden. 13. Mai. Auf Allerhöchſten Befehl
begannen heute abend die diesjährigen Feſtvorſtel=
lungen
der Kgl. Schauſpiele mit Guſtav Freytags Die
Journaliſten‟ Den Konrad Bolz gab Karl Clewing aus
Berlin. Das Haus war mit Roſengirlanden geſchmückt
und von einer glänzenden Geſellſchaft gefüllt. Unter der
Führung des Intendanten Barons von Mutzenbacher er=
ſchien
in der großen Hofloge der Kaiſer, den das Publi=
kum
mit Hochrufen empfing. Der Kaiſer verneigte ſich
dankend. Neben Sr. Majeſtät nahmen Platz der Kriegs=
miniſter
von Falkenhayn und Generaloberſt von Scholl.
Der Kaiſer empfing in der Pauſe einige Damen der
hieſigen Geſellſchaft und ließ ſich nach Schluß der Vor=
ſtellung
den Schauſpieler Cleving und Vertreter anderer
Rollen vorſtellen.

Konzerte.

mm. Ein Wohltätigkeitskonzert größeren Stiles ſand
am Mittwoch abend zum Beſten des Diakoniſſenhauſes
Eliſabethenſtift ſtatt. Seit Jahren hat der Inſtru=
mentalverein
ſein viertes Konzert in den Dienſt
dieſer ſchönen Sache geſtellt, wobei ihm der Kirchen
chor der Martinsgemeinde treu zur Seite ſteht
In der Vortragsfolge fiel angenehm unter bekannteren
Muſikſtücken eine zum erſtenmal geſpielte Sonate für
Streichorcheſter von J. Friedrich Faſch, dem Leiter der Ber=
liner
Singakademie, einem Zeitgenoſſen von Sebaſtian
Bach und Händel auf, die (von dem namhaſten Muſik=
gelehrten
Hugo Riemann ſehr geſchickt bearbeitet) eine
dankbare Nummer für den Inſtrumentalverein, deſſen
Stärke hauptſächlich im Streicherchor liegt, war. Die an=
dere
Glanznummer war das G=Moll=Konzert von Händel,
das wir vor mehreren Jahren ſchon an gleicher Stelle von
dem ſo plötzlich verſchiedenen Hoforganiſten Hugo Römer
glänzend vorgetragen, hörten. Die diesmalige Aufführung
ſtand der früheren kaum nach; den Orgelpart hatte Herr
Organiſt Borngäſſer übernommen, der außer der
Begleitung auch als Solonummer in der Mitte des Abends
die von Bach anläßlich ſeiner Hamburger Reiſe (mit
Mattheſon) komponierte G=Moll=Fantaſie undFuge ſpielte,
die Bach dort auf der prachtvollen Orgel der Katharinen=
birche
, einem Geſchenk eines kunſt ſinnigen Patriziers
ſpielte. Er erhielt trotzdem die Stelle nicht, denn die wohl=
weiſen
und fürſichtigen Presbyter waren noch kunſtverſtän=

diger und beſürchteien, daß Technit der Andacht ſchaden
könne, auch fanden ſie den Silberklang von 4000 Talern,
en ein unbedeutender Mitbewerber, dem Kirchen=
kaſten
zahlte, weit muſikaliſcher als Bachs Tonſpiel.
Wie möchte es ihm wohl hier ergangen ſein, oder heute
noch ergehen? An Inſtrumentalwerken bot das Programm
noch an drei Stellen Stücke für 2 Violinen von Sebaſtian
Bach und deſſen hochbegabten Sohn Philipp Emanuel, die
von den Damen Freiin E. v. Bellersheim und
L. Hickler mit der an ihrem Spiel ſchon oft gerühmten
Sicherheit ausgeführt wurden. Lieder mit Orgelbeglei=
tung
ſang Frau Pfarrer Fiſcher aus Goddelau, begabt
mit guten Stimmitteln und muſikaliſchem Talent, das
indes, wie ihre Tonbildung noch nicht die letzte Feile er=
halten
hat. Am beſten (auch nach dem höheren Wert als
Kompoſition) gefiel uns die bekannte Kirchenarie von
Stradella, zu der Herr O. Hallwachs die Cello=
Cantilene mit wundervoller Tongebung ausführte. Ueber
dieLeiſtungen desMartinschors unter Herrn Colins hin=
gebender
Leitung, können wir auch diesmal nur Anerken=
nendes
ſagen. Außer zwei kleineren Chorliedern von Ph.
Emanuel Bach (die dem Programm größere Einheitlichkeit
wahrten) ſpendete er den 100. Pſalm (Jauchzet dem Herrn
alle Welt) in der weniger bekannten wir möchten faſ
ſagen: wertvolleren zweiten Kompoſition (A=Dur) von
Felir Mendelsſohn. Nicht vergeſſen dürfen wir Herrn
Wilhelm Schmitt als Leiter des Konzerts, dem wohl
auch die einheitlich ſchöne und intereſſante Zuſammenſtel=
lung
des Programms ihren Urſprung verdankt. Möchte
daher manch Scherflein dem Gotteskaſten zugefallen ſein!

[ ][  ][ ]

Gerichtszeitung.

* Mannheim, 13. Mai. Die Zivilkammer I des
Mannheimer Landgerichts hat heute im Prozeß
Abreſch gegen Rechtsanwalt v. Harder das Urteil ge=
fällt
. Nach dieſem hat Rechtsanwalt v. Harder 18000
Mark nebſt 4 Prozent Zinſen vom 1. April 1914 an das
Konto Puerto=Marquez, Eugen Abreſch bei der Dresdener
Bank zu bezahlen. Es wird feſtgeſtellt, daß ſich Herr von
Harder jeder Verwaltungsmaßnahme über den Grund=
beſitz
in Argentinien ohne Zuſtimmung des Klägers
Abreſch zu enthalten hat Das Urteil iſt gegen Sicherheits=
leiſtung
von 19000 Mark vorläufig vollſtreckbar. Die
Koſten ſind von dem Beklagten zu tragen.
* Kolmar, 13. Mai. Vor dem hieſigen Schöffen=
gericht
kam heute die Privatklage des Reichs= und
Landtagsabgeordneten Abbé Wetterlé und des poli=
tiſchen
Direktors des Nouvelliſt d’Alſace Lorraine gegen
den Vorſitzenden des allgemeinen Deut=
ſchen
Wehrvereins Generals a. D. Keim, zur
Verhandlung. General Keim hatte in einem Artikel des
Tag, überſchrieben Schwob und Elſäſſer Wetterlé Feig=
heit
vorgeworfen. Außerdem hatte er von jämmerlichen
Hetzern, von Baſtarddeutſchen, alemanniſcher Herkunft, von
entarteten Volksgenoſſen und von einer Schandpreſſe ge=
ſprochen
, wodurch ſich Wetterlé und der verantwortliche
Redakteur des Nouvelliſte, Sidel, beleidigt fühlten. In
der Verhandlung legte Rechtsanwalt Claaß das Haupt=
gewicht
auf die Frage, ob Wetterlé ſich als Deutſcher oder
als Franzoſe fühle. Wetterlé antwortete, er ſei Elſäſſer,
weitere Fragen über ſeine Geſinnung lehne er ab. Das
Gericht verkündete nach ſechsſtündiger Verhandlung folgen=
des
Urteil: General Keim wird wegen öffentlich began=
gener
Beleidigung zu 200 Mark Geldſtrafe bzw.
20 Tagen Haft verurteilt. Das Gericht habe die gebrauchten
Ausdrücke als beleidigend angeſehen, wenn auch anderer=
ſeits
der Beweis erbracht ſei, daß Wetterlé hetze. Der Ver=
treter
des Generals Keim hat ſofort Berufung eingelegt.

Die Erkrankung des Kaiſers Franz Joſef.

* Wien, 13. Mai. Amtlich wird über das Befin=
den
des Kaiſers gemeldet: Die Nacht verlief gut.
Die katarrhaliſchen Erſcheinungen waren gegen geſtern
etwas geringer. Das Allgemeinbefinden iſt unverän=
dert
gut.
* Wien, 13. Mai. Der Abendbericht über das
Befinden des Kaiſers beſagt: Die katarrhaliſchen
Erſcheinungen zeigen keine bemerkenswerten Veräiderun=
gen
. Der übrige Befund iſt der gleiche geblieben. Nach
3 Uhr nahm der Kaiſer wieder wie gewöhnlich Emv=
fänge
ab.

Vermiſchtes.

XIX. Staats= und wirtſchaftswiſſen=
ſchaftlicher
Fortbildungskurſus zu Frank=
furt
a. M. In der Zeit von Mitte Mai bis 4. Juli wird
in den Räumen der Akademie für Handels= und Sozial=
wiſſenſchaften
, Jordanſtraße 19, wiederum ein Fortbil=
dungskurſus
abgehalten werden, der ſich diesmal haupt=
ſächlich
mit Fragen der Kommunalwirtſchaft und des
Kommunalweſens befaßt. Es iſt eine Reihe von Vorträ=
gen
vorgeſehen, zu denen namhafte Theoretiker und Prak=
tiker
des Kommunalweſens als Referenten gewonnen
worden ſind. Außerdem werden im Anſchluß an die
Vorträge verſchiedene Beſichtigungen ſtattfinden. Ferner
wird in der Zeit vom 22. bis 30. Mai eine Studienreiſe
durch die Städte Mainz, Mannheim, Straßburg, Stutt=
gart
, Ulm, München, veranſtaltet. In erſter Linie ſind die
Veranſtaltungen im Intereſſe der von den Verwaltungs=
und Juſtizbehörden delegierten Teilnehmer getroffen
worden, doch können zu den einzelnen Vorträgen auch
Herren und Damen, deren Vorbildung von der Geſchäfts=
ſtelle
als genügend angeſehen wird, als Hörer zugelaſſen
werden.

Mexiko und die Vereinigten Staaten.

* Waſhington 13. Mai. Wie Konteradmiral
Badger meldet, dauerte das Bombardement von Tam=
pico
geſtern abend noch an.
* Waſhington 12. Mai. Nach einer langen Kon=
ferenz
mit dem Präſidenten Wilſon erklärte ein Mit=
glieds
des Kabinetts, Wilſon halte das Vertrauen aufrecht,
daß die Vermittlung Erfolg haben und weitere ſchwere
Verwicklungen Mexikos abwenden werde.
* Mexiko, 13. Mai. Das Dekret Huertas
nach dem jeder Handelsverkehr mit den Vereinigten
Staaten aufhört, iſt heute aufgehoben worden.
* Köln, 13. Mai. Die Kölniſche Zeitung meldet aus
Berlin: Mitte April wurde aus Mexiko gemeldet, daß
im Staate Sonora ein Deutſcher namens Radke
von den Aufſtändiſchen gefangen und nach dem Norden ge=
bracht
worden ſei. Nach neuerdings eingelaufenen Berich=
ten
befindet ſich Radke in Freiheit.

Literariſches.

Das Aprilheft der in Herrmann Hoffmanns Verlag
Berlin SW. erſcheinenden Zeitſchrift des Herrn
dieſer einzigartigen und in Deutſchland ganz neuen Pu=
blikation
, bringt einen ſportlich wie modiſch gleich amüſan=
ten
Artkel über den Reitſport, der jeden Reiter von Paſſion
intereſſiert. Daran ſchließt ſich eine Abhandlung über
Die Dame im Sattel mit Zeichnungen des Pariſers
Boutet de Monvel. Von amüſanten Plaudereien ſeien
noch die Epiſtel des Barons de Meyer=Hausmann Wenn
man heiratet der Artikel Die Loge von Walter Turs=
zinsky
und eine literariſch wertvolleArbeit Ueber dieLite=
ratur
desDandytums vonDr. Lüthge genannt. Originalzeich=
nungen
von Finetti, Delp, Krotowski, Fournier, Deutſch,
dem Neu=Yorker Zeichner Oels und eine Fülle reizvoller
Stiche und Photos illuſtrieren das Heft, das von einem
eigenen, neuartigen Geiſt durchzogen iſt.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telege. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 13. Mai. Die ſterbliche Hülleder Ge=
mahlin
des Reichskanzlers wurde heute nach=
mittag
nach der Trauerfeier im Reichskanzlerpalais in aller
Stille nach dem Stettiner Bahnhof übergeführt, um von
dort nach Hohenfinow gebracht zu werden, wo in
engſtem Familienkreiſe die Beiſetzung in der Bethmann
Hollwegſchen Familiengruft erfolgt. Der Sarg ſtand bei
der Ueberführung auf einem vierſpännigen Wagen, dem
eine Anzahl Kranzwagen folgte und dem ſich die Equi=
pagen
mit den nächſten Angehörigen der Entſchlafenen an=
ſchloſſen
.
* München, 13. Mai. Die Kammer der Abgeordneten
hat einſtimmig der Nachtragsforderung der Regierung

wonach die Dampfſchiffahrt auf dem Starn=
berger
See vom 1. Januar 1914 ab verſtaatlicht wird,
zugeſtimmt.
* Köln, 13. Mai. Die Kölniſche Zeitung meldet aus
Berlin: Wie bekannt, war bei den Verhandlungen
mit Dſchawid Bei in Berlin, die vor Weihnachten
ihren vorläufigen Abſchluß fanden, über die meiſten zur
Diskuſſion ſtehenden Fragen eine grundſätzliche Einigung
erzielt worden. Ueber die damals noch unerledigt geblie=
benen
Punkte ſollen die Verhandlungen nunmehr wieder
aufgenommen werden. Vorbereitende Beſprechungen dürf=
ten
bereits dieſer Tage in Konſtantinopel beginnen. Deut=
ſcherſeits
nehmen, ſoweit es ſich um die von der Regierung
zu regelnden Angelegenheiten handelt, Botſchafter Frei=
herr
v. Wangenheim und ſoweit techniſche Bahn= und
Finanzfragen zur Verhandlung ſtehen, die Direktoren der
Anatoliſchen Eiſenbahngeſellſchaft, Hugu=
enin
und Günther, daran teil. Sobald durch die vorberei=
tenden
Beſprechungen eine geeignete Grundlage geſchaffen
iſt, wird ſich der türkiſche Finanzminiſter zum endgültigen
Abſchluß und zur Unterzeichnung der Verträge nach Berlin
begeben.
* Breslau, 13. Mai. Die zu einer rechts= und
ſtaatswiſſenſchaftlichen umgebildete Fa=
kultät
der Univerſität Breslau hat den volkswirtſchaft=
lichen
Doktortitel Dr. rer pol. geſchaffen. Von den Be=
werbern
wird ein dreijähriges juriſtiſches und national=
ökonomiſches
Studium ſowie eine volkswirtſchaftliche Ab=
handdlung
gefordert.
* Wien, 13. Mai. Die Neue Freie Preſſe meldet aus
Durazzo: Die internationale Kommiſſion zur Feſt=
ſetzung
der Nordgrenze in Albanien hat infolge
von Meinungsverſchiedenheiten zwiſchen den Delegierten
von Italien und Frankreich, welch letzterer ſich übermäßig
zugunſten von Montenegro verwandte, die Arbeiten
eingeſtellt. Die Kommiſſion iſt nach Skutari zurück=
gekehrt
.
* Peſt, 13. Mai. Der Marineausſchuß der ungari=
ſchen
Delegation verhandelte über das Marine=
budget
. Der Marinekommandant erklärte, daß die
nächſten jetzt projektierten Schiffe 24 500 Tonnen Gehalt und
zehn Geſchütze von 35 Zentimetern haben werden. Oeſter=
reich
=Ungarn könne jetzt den Vergleich mit allen Kriegs=
ſchiffen
aller Seemächte, ausgenommen der allerſtärkſten im
Typ aufnehmen. Was den Wunſch nach Feſtſtellung eines
Flottenprogramms betreffe, ſo ſei die Marineleitung dies=
bezüglich
auf die Initiative der beiden Regierungen ange=
wieſen

* Liſſabon, 13. Mai. Die Regierung erklärt, daß die
Lage in der portugieſiſchen Kongokolonie
nicht beunruhigend ſei und daß ſie in der Provinz
Angola über die notwendigen militäriſchen Streitkräfte
verfügt, um den in der dortigen Gegend ausgebrochenen
Eingeborenenaufſtand zu unterdrücken.
* London, 13. Mai. Die Reſolution der Regierung
über die weitere Behandlung der Bill betr. Home=
rule
, Trennung von Kirche und Staat in Wales und
Pluralwahlrecht wurde im Unterhauſe mit 276 gegen
194 Stimmen angenommen.
* Kopenhagen, 13. Mai Das däniſche Fehmarn=
Komitee in dem ſämtliche Hauptorganiſationen des
däniſchen Wirtſchaftslebens durch ihre Vorſitzenden ver=
treten
ſind faßte heute auf der Kopenhagener Börſe fol=
gende
Reſolution: Das Komitee hält es ſelbſt bei
großen finanziellen Aufwendungen für ausgeſchloſſen, daß
die Korſoer=Kiel=Route mit der langen Seereiſe und dem
unvermeidlichen Umſteigeverkehr brauchbar und zufrieden=
ſtellend
auszugeſtalten iſt. Nach den von der däniſchen
Regierung und dem däniſchen Reichstag getanen Aeuße=
rungen
darf nicht damit gerechnet werden, daß Dänemark
ſich an einem eventuell koſtſpieligen Ausbau der Korſoer=
Kiel=Route beteiligt. Dagegen darf man erwarten daß
Dänemark bereit ſein wird, bedeutende Opfer zu bringen,
um die Roedby=Fehmarn=Route zu verwirklichen. Das
Komitee iſt deshalb entſchloſſen, die Arbeit für die Durch=
führung
dieſer Linie durchzuführen, welche mit ihren un=
beſtreitbaren
Vorteilen für den Verkehr auf die Dauer ſich
nicht zur Seite ſchieben läßt.
* Petersburg, 13. Mai. Im Reichsrat wurde
heute der Reformgeſetzentwurf zur Förderung der
Mäßigkeit des Volkes mit der Maßgabe angenom=
men
, daß jährlich 10 Millionen anſtatt der von der Kom=
miſſion
vorgeſchlagenen 20 Millionen dafür ausgeworfen
werden. Der Miniſter des Innern hat einen Geſetz=
entwurf
über den Erwerb und Verlluſt der ruſ=
ſſiſchen
Staatsangehörigkeit ausgearbeitet,
Ein Ausländer, der ſich naturaliſieren laſſen will, muß
die fremde Staatsangehörigkeit aufgeben und fünf Jahre
in Rußland gelebt haben; die Ehefrau und die minder=
jährigen
Kinder erwerben die Staatsangehörigkeit mit.
Jede naturaliſierte Familie zahlt eine Gebühr von 100
Rubeln. Ausländer ſind als Bauern oder Kleinbürger
einzutragen, ſoweit ſie nicht ein Recht auf eine höhere
Stufe des Staatsbürgerrechtes beſitzen, und unterliegen
der Militärdienſtpflicht.
* Livadia, 13. Mai. Geſtern wurde zu Ehren der
außerordentlichen türkiſchen Geſandtſchaft an
Bord der Kaiſerjacht Standart ein Frühſtück ge=
geben
, wozu alle Mitglieder der Geſandtſchaft mit den
Kommandanten und Offizieren der kaiſerlich ottoman: Jacht Ertogrul geladen waren. Generaladjutant
Admiral Nilow und ſein Stab machten Honneurs an
Bord. Während des Frühſtücks brachte der Admiral einen
Toaſt auf den Sultan aus, Talaat Bei auf den Kaiſer
von Rußland. Gleichzeitig wurde die Mannſchaft der
Sultansjacht vom kaiſerlichen Hofe bewirtet. Im Laufe
des Tages beſuchten die Mitglieder der Geſandtſchaft die
anweſenden Großfürſten und (Großfürſtinnen. Abends
fand Diner an Bord der türkiſchen Jacht ſtatt. Heute früh
ging die Jacht in See.
* Santiggo de Chile, 13. Mai. In der Kammer
erklärte der Finanzminiſter, daß die Einnahmen für
das Jahr 1914 auf 329 Millionen Peſos Gold, die Aus=
gaben
auf 321 Millionen berechnet würden. Nur bel
den Eiſenbahnen und einigen anderen Kapiteln würden
die Ausgaben die Einnahmen um 3 Millionen überſteigen.
Das Deſizit würde durch die Erſparniſſe am jetzigen
Budget gedeckt. Am 20. April verfügte die Regievung
üüber 21700000 Peſos Papier und 88 Mllionen Peſos
Gold, wovon der arößere Teil in Europa deponiert war.
Der Konverſionsfonds für Papiergeld erreichte 190
Millionen Peſos Gold. Der Miniſter fügte hinzu, daß
die Banken ſich in guter Lage beſänden. Der Kaſſen=
beſtand
ſei groß genug, um den Verpflichtungen des
Staatsſchatzes zu genügen.
* Tokio, 13. Mai. Der Geheime Rat hat den Schieds=
gerichtsvertrag
zwiſchen den Vereinigten Staaten und
Japan beſtätigt.

Die Beſoldungsnovelle.
Berlin, 13. Mai. Ueber eine Verſtändigung
in der Frage der Beſoldungsnovelle wurde auch
heute im Reichstage unter den Parteien verhandelt, ohne

daß indeſſen bis zur Stunde eine Einigung erzielt worden
wäre. In Frage ſteht gegenwärtig ein Kompromißantrag
der Parteien mit Ausnahme des Zentrums und der
Sozialdemokratie für die dritte Leſung, in dem gefordert
wird, daß die Reichsregierung ſich bereit erklärt, bis
1. April 1915 eine Vorlage unter Berückſichtigung der
jetzigen Wünſche, unter Ausſchluß der höheren Poſt=
beamten
, zuſammenzubringen und dieBeſoldungserhöhun=
gen
am 1. April 1916 vorzunehmen. Die Regelung würde
alſo anlog dem Beſitzſteuergeſetz erfolgen, wo ſich die Re=
gierung
auch auf die Einbringung eines Geſetzentwurfes
für eine beſtimmte Zeit verpflichtete.

Verurteilte Bilderſchänderin.
* London, 13. Mai. Fräulein Anſell, welche geſtern
das Herkomerbild in der königlichen Akademie beſchädigte,
iſt zu ſechs Monaten Gefängnis verurteilt
worden.

Die Aufſtände in Marokko.
* Suk el Arba, 13. Mai. Aus Tazo wird gemeldet,
daß die franzöſiſchen Truppen nach einem ſehr
harten Kampfe das von Schluchten durchſchnittene Ge=
birge
überſchritten haben, in dem der Scheik der Hadjamt
ſtarke Streitkräfte der Riota und Zuls zuſammengezogen
hatte. Die Stellung wurde genommen und der Feind
zerſtreut, der zahlreiche Tote und Verwundete zurückließ,
Hadjami befehligte im Jahre 1913 die Aufſtändiſchen,
die Fez belagerten. General Gouraud begibt ſich morgen
nach Zrorka, um dort mit General Liautey zuſammenzu=
trefffen
. Die eingenommene Stellung liegt vier Kilometer
von dem Lager der Ued Amilil entfernt.

Der Marineſkandal in Japan.
* Tokio, 13. Mai. Der Prozeß gegen den Kapitän
Suzuki im Zuſammenhang mit den Beſtechungs=
fällen
in der Marine hat heute vor dem Kriegs=
gericht
begonnen. Die Unterſuchungskommiſſion, welche
ſich mit den Transaktionen der Firmen Armſtrong und
Vickers befaßte, fand nicht den geringſten Anhalt dafür,
daß Beſtechungen vorgekommen ſind.

Preußiſch=Süddeutſche Klaſſenlotterie.
* Berlin, 13. Mai. In der heutigen Vormittags=
ziehung
der Preußiſch=Süddeutſchen Kllaſſ=
ſenlotterie
fielen 5000 Mark auf Nr. 18907 36339
211992. 3000 Mark auf Nr. 3720 6320 13769 22163 23153
32067 35806 48485 50018 51126 63868 65915 69161 73068
77379 79907 80539 81503 87440 100929 101670 105882 106414
109601 112381 115197 122022 122347 123922 132876 140823
143025 146792 148740 149367 162836 163389 171917 177207.
184272 195483 198878 198993 201284 206189 211260 212523
219085 230932 und 231151. In der Nachmittagsziehung
fielen 150000 Mark auf Nr. 226485, 15000 Mark auf
Nr. 86778 223918, 10000 Mark auf Nr. 21797, 5000 Mark
uf Nr. 219059, 3000 Mark auf Nr. 8365 9556 18063 19664
42237 43590 46409 51852 62783 63920 80507 80895 94765
98792 111209 111510 114909 120795 127611 130948 136276
40711 147222 149546 154563 157306 159083 164536 168394
173084 187131 188190 193545 200586 205758 209264 219695
222579 und 227177. (Ohne Gewähr.)
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Das moderne Leben mit ſeiner Haſt und Raſtloſigkeit
kann die Hausfrau oft in ſchwierige Situationen
bringen. Sie wird aber nie über unerwartete Mittags=
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Allen Verwandten; Freunden und Be=
kannten
die traurige Nachricht, daß es Gott
dem Allmächtigen gefallen hat, geſtern abend
11½ Uhr unſere liebe, gute Tochter und
(12006
Schweſter
Babette
im 15. Lehensjahre nach längerem Leiden zu
ſich in die Ewigkeit abzurufen.
In tiefer Trauer:
Anton Fuhrmann und Familie.
Darmſtadt, den 12. Mai 1914.
Gervinusſtraße 30.
Die Beerdigung findet am Freitag, nachmit=
tags
4 Uhr, von der Leichenhalle des Darm=
ſtädter
Friedhofs aus ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte unſerer
lieben Mutter ſagen wir auf dieſem Wege unſeren
innigſten Dank, insbeſondere dem Herrn Pfarrer
Lindenſtruth für die troſtreichen Worte am Grabe.
Minna Törge,
Familie Joſt.

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines geliebten Mannes,
unſeres Vaters, Bruders, Schwagers u. Onkels, ſagen
wir allen unſeren Dank, insbeſondere dem Eiſen=
bahn
=Werkſtätte= und Beamten=Verein der In=
ſpektion
I für die zahlreiche Kranzſpende, ſowie
ſeinen Freunden und Bekannten.
(12005
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Frieda Blöcher nebſt Kindern.

Todes=Anzeige.
Allen Freunden und Bekannten hierdurch
die traurige Mitteilung, daß es Gott dem All=
mächtigen
gefallen hat, heute unſere liebe, treu=
beſorgte
Mutter und Schwiegermutter
Frau Kath. Kühn
geb. Vogel
nach langem Leiden zu ſich in die Ewigkeit
abzurufen.
(11956
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Gg. Kühn, Grafenſtraße 4,
W. Nehmzow, New=York,

H. Horneff, Stockſtadt a. Rh.
Darmſtadt, den 13. Mai 1914. (11956
Die Beerdigung findet Freitag, den 15. Mai,
nachmittags 3 Uhr, vom ſtädtiſchen Friedhof
aus ſtatt.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Der weſtliche hohe Druck hat ſich ſüdoſtwärts aus=
gebreitet
; auf ſeiner Vorderſeite herrſcht in unſerem Be=
zirk
nach trübem Wetter mit Regen und Hagelſchauern
meiſt trockenes, ſehr kühles Wetter; nachts ſanken die
Temperaturen ſehr tief (Lauterbach Minimum P 1%.
Unter Hochdruckeinfluß haben wir heute zwar noch
wolkiges, doch meiſt trockenes, etwas wärmeres Wetter
zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den 14. Mai:
Vorwiegend wolkig, meiſt trocken, etwas wärmer, weſt=
liche
Winde.

Tagestalender.

Donnerstag 14. Mai.
Großh. Hoftheater Anfang 7½ Uhr, Ende nach
10 Uhr (Ab. C): Fidelio
Konzert um 8 Uhr im Perkeo.

Ständige Rettungswache der Sanitätskolonne,
Telephonruf Nr. 2425.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil Max Streeſe; für den Anzeigenteil,
Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Carl Ffriedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträg=
liche
werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.

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[ ][  ][ ]

Bekanntmachung.

Für den am 15., 16. und 17. d. Mts. oder an den folgenden Tagen auf dem
Truppenübungsplatz Darmſtadt ſtattfindenden Prinz Heinrich=Flug wird auf Grund
des Art. 65 der Kreis= und Provinzialordnung Folgendes angeordnet:
Alle auf den Truppenübungsplatz fahrenden Wagen, Automobile und Motor=
räder
haben von der Straße Darmſtadt-Griesheim aus die an der Halteſtelle der
Dampfſtraßenbahn abzweigende Querſtraße einzuſchlagen und auf dieſer bis zur Ein=
mündung
der Hauptlagerſtraße zu fahren. An dieſer durch eine Tafel mit der Auf,
ſchrift Hauptlagerſtraße. Fahrzeuge halten kenntlich gemachten Stelle hat das
Publikum die Fahrzeuge zu verlaſſen und ſich auf den durch Tafeln kenntlich ge=
machten
Wegen auf die Zuſchauerplätze zu begeben.
II.
Die leeren Automobile haben ſodann durch die Hauptlager= und Waldſtraße
nach der nördlichen Lagerſtraße abzufahren und an dem für ſie vorgeſehenen Halte=
platz
Aufſtellung zu nehmen.
Die leeren Fuhrwerke haben die Hauptlagerſtraße weiter zu fahren und ſich an
dem für ſie beſtimmten Halteplatz aufzuſtellen.
III.
Die Automobile ſind zur Rückfahrt an ihrem Halteplatz (nördliche Lagerſtraße)
zu beſteigen. Die Abfahrt hat von hier aus zu erfolgen, und zwar nur über die
weſtliche Lagerſtraße nach der Straße Griesheim-Darmſtadt.
Die Fuhrwerke ſind zur Rückfahrt an ihrem Halteplatz (an der Hauptlager=
ſtraße
) zu beſteigen.
Die Anordnung in Abſatz I Satz 2 gilt auch für die Fuhrwerke.
Auf der Straßenſtrecke Darmſtadt (Rheintor)-Griesheim iſt Automobilen auf
der Hin= und Rückfahrt das Ueberholen anderer Automobile unterſagt.
Auf der von der Straße Darmſtadt-Griesheim nach dem Truppenübungsplatz
abzweigenden Querſtraße und den Straßen innerhalb des Lagers ſowie auf der weſt=
lichen
Lagerſtraße dürfen Automobile und Motorräder mit einer Stundengeſchwin=
digkeit
von höchſtens 15 km fahren. Auch auf dieſen Straßen iſt Automobilen das
Ueberholen anderer Automobile unterſagt.
Für die Automobile der Oberleitung (kenntlich durch gelbe Flaggen mit der
Aufſchrift: Prinz Heinrich=Flug 1914) und die Automobile der hieſigen Etappenleitung
(kenntlich durch grüne Flaggen mit der Aufſchrift: Prinz Heinrich=Flug 1914) ſowie
für Krankenautomobile gelten die Vorſchriften unter IV nicht.
VI.
Die Zuſchauer dürfen ſich unter keinen Umſtänden auf dem Flugplatze außer=
halb
der abgeſperrten Zuſchauerplätze aufhalten.
Das Betreten der Gebäude im Barackenlager iſt unterſagt.
Ill.
Das Publikum wird dringend aufgefordert, die vorſtehenden Anordnungen zur
Verhütung von Unglücksfällen genau zu befolgen.
Zuwiderhandlungen gegen die Anordnungen werden auf Grund des Art. 65
der Kreis= und Provinzialordnung mit Geldſtrafen bis zu 30 Mark beſtraft.
Darmſtadt, den 9. Mai 1914.
Großh. Kommandantur.
Großh. Kreisamt Darmſtadt.
von Randow.
J. V.: Dr. Reinhart,

Au di. Stimſihe de Andentht dis Prtige.

Trotz mehrfacher Warnungen durch die Behörden iſt der grobe und gefährliche
Unfug, nach vorüberfahrenden Fuhrwerken und Fahrzeugen, insbeſondere Auto=
mobilen
, mit Steinen zu werfen, noch nicht ganz beſeitigt. Beſonders ſind die ge=
ſchloſſenen
Automobile dieſer Beläſtigung ausgeſetzt
Ebenſo ſind ſonſtige Beläſtigungen des Fuhrverkehrs, insbeſondere das
abſichtliche Stehenbleiben auf der Fahrbahn bei herannahenden Fahrzeugen,
das Anſchreien vorüberfahrender Fuhrwerke und Fahrzeuge, das Nachlaufen
und Anhängen an die Fuhrwerke ungehörig und oft ſehr gefährlich.
Dieſem Unweſen kann nur dann wirkſam geſteuert werden wenn ihm neben
den polizeilichen Behörden auch die Schulverwaltungsſtellen mit allem Nachdruck ent=
gegentreten
.
Wenn Schulkindern die Obhut kleiner Kinder anvertraut iſt, wie dies auf dem
Lande häufig vorkommt, ſo haben dieſelben ihr beſonderes Augenmerk darauf zu
richten, daß die Kinder von der Fahrbahn wegbleiben und daß ſie die Fahrbahn nur=
dann
überſchreiten, wenn keine Fuhrwerke, insbeſondere keine Kraftfahrzeuge, in der
Nähe ſind.
Wir empfehlen Ihnen daher wiederholt, mit allen Mitteln der Belehrung, der
Verwarnung und, ſofern erforderlich, der Beſtrafung auf die Schuljugend entſprechend
einzuwirken und dabei namentlich auch daran zu erinnern, daß für etwa angerichteten
Schaden die Eltern im vollen Umfange aufzukommen haben würden, ebenſo wie die
Eltern auch, wie aus der nachſtehend abgedruckten Vorſchrift des Heſſiſchen Polizei=
ſtrafgeſetzes
hervorgeht, in Strafe genommen werden können.
Darmſtadt, den 6. Mai 1914.
Großherzogliche Kreisſchulkommiſſion Darmſtadt.
Fey.

Auszug aus Artikel 44 des Heſſiſchen Polizeiſtrafgeſetzes.

Wenn Eltern, Vormünder oder andere Perſonen, deren Obhut Kinder unter
12 Jahren oder ſonſtige unzurechnungsfähige Perſonen (§§ 51 und 55 des Deutſchen
Strafgeſetzbuchs) anvertraut ſind, es an der erforderlichen Aufſicht über dieſelben haben
ſehlen laſſen und dieſe während der Zeit, wo ſie ohne ſolche Aufſicht waren eine mit
Polizeiſtrafe bedrohte Handlung begangen haben, ſo werden die zur Beaufſichtigung
verpflichteten Perſonen beim erſten Fall polizeilich verwarnt, im Wiederholungsfalle
aber bis zu einem Dritteile der auf die Uebertretung ſelbſt geſetzten Straſe belegt.

An die Ortspolizeibehörden der Landgemeinden und die Gendarmerie
des Kreiſes.

Sie wollen nachdrücklich darauf achten, daß von den, durch die Ortſchaften
fahrenden Kraftfahrzeugen die vorgeſchriebene Fahrgeſchwindigkeit (15 Kilometer
in der Stunde) nicht überſchritten wird. Bei Zuwiderhandlungen iſt das Kennzeichen
zu notieren und Anzeige zu erheben. Auch Pferdefuhrwerke dürfen durch die Ort=
ſchaften
nicht übermäßig ſchnell fahren.
In engen Ortsſtraßen, desgleichen beim Bergabfahren auf ſteilen Ortsſtraßen
ſowie beim Ein= und Ausfahren in oder aus Höfen oder Häuſern und an Orten,
wo die Paſſage durch den Zuſammenfluß von Menſchen verengt wird, darf niemand
anders als im Schritt fahren oder reiten.
(11591si
Darmſtadt, den 6. Mai 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

An die Oriepolzeibehörden und die Felpolzeibehörden
des Kreiſes Darmſtadt.

Es kommt leider immer noch ſehr häufig vor, daß Haushaltungs=Abfälle,
Scherben, altes Papier u. dergl., namentlich auch alte Blech= und Emailgefäße,
in Feld und Wald, auf Wege und Plätze oder auf fremde Grundſtücke in
unzuläſiger Weiſe gebracht oder weggeworfen werden. Art. 112 und 370 des
Polizeiſtrafgeſetzbuchs geben die Möglichkeit, gegen ſolche Verunreinigungen von
öffentlichen Straßen, Plätzen und Anlagen einzuſchreiten. Sofern auf Privatgrund=
ſtücken
an öffentlichen Wegen ſolcher Unrat unverdeckt lagert, kann mit Polizei=
verfügung
im einzelnen Falle auf Grund des Art. 66 der Kreis= und Provinzial=
ordnung
durch uns, oder auf Grund des Art. 129b der Städteordnung durch den
zuſtändigen Polizeibeamten vorgegungen werden. Nach Art. 38 des Feldſtrafgeſetzes
iſt ſtrafbar, wer unbefugt Steine, Scherben, Schutt oder Unrat auf fremde Felder wirſt.
Ferner bildet es einen bedauerlichen Mißſtand, daß das Waſſer der Bäche
und Gräben durch Einleitung und Einwerfen fremder Stoffe immer mehr Ver=
unreinigungen
ausgeſetzt wird. Es iſt deshalb erforderlich, daß die Ortspolizeibehörden
auf den Zuſtand der Bäche und der in dieſelben mündenden. Gräben ein beſonderes
Augenmerk richten und alljährlich Beſichtigungen derſelben vornehmen laſſen. Direkte
Zuleitungen verunreinigender Stoffe müſſen abgeſtellt werden. Oft kommt es vor,
daß Schutt und Unrat an den Ufern der Bäche abgeſchüttet wird, damit er vom
Waſſer weggeſchwemmt werde, und daß Abfälle aus Haushaltungen (alte Blechgeräte,
Scherben uſw) in Gräben und Bäche geworſen werden. Bei dem allgemeinen
Intereſſe, welches an der Erhaltung eines möglichſt reinen Bachwaſſers beſteht, erſcheint
es unbegreiflich, daß die Einwohnerſchaft mancher Orte an der Bekämpfung dieſer
bedauerlichen Mißſtände ſelbſt ſo wenig Anteil nimmt. Nach Art. 120 des Polizei=
ſtrafgeſetzes
iſt das unbefugte Einlegen oder Einwerfen von Steinen, Sand, Erde,
Räumen, Schutt, Unrat und anderen feſten Körpern in die Bäche oder Gräben oder
Triebwerkskanäle bei erheblicher Geldſtrafe unterſagt.
Die erwähnten Mißſtände werden nicht ſelten auch dadurch begünſtigt, daß von
der Gemeinde nicht in ausreichender Weiſe für Plätze geſorgt iſt, wo Schutt, Haus=
haltungsabfälle
uſw. abgeladen werden können, oder daß dieſe Plätze bei der Ein=
wohnerſchaft
nicht genügend bekannt ſind.
Wir beauſtragen Sie daher:
1. das Polizei= und Feldſchutzperſonal zu genauer Aufmerkſamkeit auf die be=
regten
Mißſtände und deren Verhütung anzuweiſen;
2. für Abladeplätze für Schutt, Haushaltungsabfälle u. dergl., ſoweit erforder=
lich
, zu ſorgen und bekannt zu machen, wo dieſe Abladeplätze liegen:
3. aus den Bächen und Gräben, ſowie von öffentlichen Wegen und Plätzen
den Unrat, wie Scherben, Blechgefäße uſw. entfernen zu laſſen und, ſofern
auf Privatgrundſtücken in der Nähe von öffentlichen Wegen ſolcher Unrat
in mißſtändiger Weiſe lagert, den Eigentümer zur Beſeitigung desſelben
aufzufordern, wenn dieſer Aufforderung aber nicht entſprochen wird, das
Weitere, wie oben bemerkt, zu veranlaſſen;
4. durch öffentliche Bekanntmachung vor den oben bemerkten Verunreinigungen
zu warnen.
Darmſtadt, den 6. Mai 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

An die Großh. Gendarmerieſtationen des Kreiſes Darmſtadt.

Wir verweiſen auf vorſtehende Verfügung an die Ortspolizeibehörden und die
Feldpolizeibehörden des Kreiſes und beauftragen Sie, in den Landgemeinden bei
Verhütung der oben bemerkten Mißſtände mitzuwirken, ſowieſtrafbare Verunreinigungen
zur Anzeige zu bringen. Insbeſondere wollen Sie, wenn Sie eine Verunreinigung
von Waſſerläufen durch Einleiten fremder Stoffe wahrnehmen, nötigenfalls ſofort
deren Urſache zu ermitteln ſuchen und darüber an uns berichten.
Darmſtadt, den 6. Mat 1914.
(11961ds
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Wegen der Gleislegungsarbeiten für den Ausbau der elektriſchen Straßenbahn
in Eberſtadt iſt das Stück der Heidelbergerſtraße von der Obergaſſe bis Pfung=
ſtädterſtraße
für jeden Fuhrwerksverkehr vom 14. bis 17. ds. Mts. polizeilich
geſperrt. Vom 18. ds. Mts. erfolgt die Sperrung der Heidelbergerſtraße von der
Pfungſtädterſtraße bis zur Kirche für den durchgehenden Fuhrwerksverkehr auf die
Dauer von etwa 5 Wochen.
Es wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß vom 14. bis 17. ds. Mts.
ein Wagenverkehr von und nach dem Bahnhof Eberſtadt infolge der Sperrung nicht
erfolgen kann.
Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Anordnungen ſind nach § 2 der Polizei=
verordnung
vom 12. Februar 1908 ſtrafbar.
(11983a
Darmſtadt, den 12. Mai 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

Das Großh. Minſterium des Innern hat dem Vorſtand des Thüringer Muſeums
zu Eiſenach die Erlaubnis erteilt, je 25 000 Loſe der nunmehr noch zur Ausſpielung
gelangenden 5. und 6. Serie der Eiſenacher Muſeumslotterie innerhalb des Großher=
zogtums
zu vertreiben.
Nach dem von der zuſtändigen Behörde genehmigten Verloſungsplan dürfen in
jeder Serie 120 00 Loſe à 1 Mk. ausgegeben werden. Zum Vertrieb in Heſſen dürfen
nur mit dem heſiſchen Zulaſſungsſtempel verſehene Loſe gelangen.
(11960
Während der Zeit des Vertriebes der Loſe zur I. Klaſſe einer Königl. Preuß.
Klaſſenlotterie iſt Ankündigung Ausgabe und Vertrieb der Loſe in Heſſen nicht geſtattet.

Das Großh. Miniſterium des Innern hat der Stadtgemeinde Friedrichshaſen
am Bodenſee die Erlaubnis erteilt, 10 00 Loſe à 2 Mk. der im Februar 1915 zur
Ziehung gelangenden Bodenſee=Uferſtraßen=Lotterie innerhalb des Großherzogtums
zu vertreiben. Nach dem von der zuſtändigen Behörde genehmigten Verloſungsplan
dürfen 75 000 Loſe à 2 Mk. ausgegeben werden. Zum Vertrieb in Heſſen dürfen nur
mit dem heſſiſchen Zulaſſungsſtempel verſehene Loſe gelangen. Während der Zeit des
Vertriebes der Loſe zur 1. Klaſſe einer Königlich Preußiſchen Klaſſenlotterie iſt An=
(11980
kündigung, Ausgabe und Vertrieb der Loſe in Heſſen nicht geſtattet.

Straßenſperre.

Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird die 21. Kreisſtraße Babenhauſen.-
Seligenſtadt von Zellhauſen bis Seligenſtadt (km 34,1537,5) vom 15. Mai 1914 ab
bis auf weiteres für den Wagen= und Automobilverkehr geſperrt.
Die aufgeſtellten Warnungstafeln ſind zu beachten.
(11979
Offenbach, den 7. Mai 1914.
Großherzogliches Kreisamt.
Lochmann.

Verſteigerung im ſtädt. Leihamt Darmſtadt (Kiechſtr. 9).

Die im April 1913 verſetzten Pfänder Nr. 1 bis einſchließlich
Nr. 2829 (rotes Pfandſchein=Formular) ſind ſoweit dieſelben bis
ietzt weder ausgelbſt noch deren Verſatzeit erneuert von Montag,
den 18. Mai 1914 ab zur Verſteigerung heranzuziehen.
Es kommen zum Ausgebot:
Montag, den 18. Mai, von nachmittags 2 Uhr ab: Weißzeug
und Kleidungsſtücke;
Dienstag, den 19. Mai, von nachmittags 2 Uhr ab: Gold= und
Silbergegenſtände, Uhren, Ringe, Regulateure, Nähmaſchinen
und dergl.
Die Verſteigerung findet gegen ſofortige Barzahlung ſtatt.
Die Auslöſung verfallener Pfänder hat bis längſtens Sams=
tag
, den 16. Mai 1914, vormittags 12 Uhr zu erfolgen.
Der ſofortige Wiederverſatz ausgelöſter, verfallener Pfänder
kann vom 14. Mai 1. Js. ab großen Andrangs wegen nicht
mehr ſtattfinden.
(11141a
Darmſtadt, den 1. Mai 1914.
Die ſtädtiſche Leihamts=Verwaltung.
Paul.

Bekanntmachung.

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Darmſtadt, 9. Mai 1914.
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Bekanntmachung.

Die Zuſchuß= und Sterbekaſſe Hahn, früher eingeſchriebene
Hilfskaſſe Nr. 27, hat ſich am 8. März 1914 aufgelöſt, beſtätigt durch
Senatsbeſchluß des Kaiſerlichen Aufſichtsamts für Privatverſicheruns
in Berlin. vom 22. April 1914. Dieſelbe iſt in Liquidation getreten
und iſt der ſeitherige Vorſtand zu Liquidatoren beſtellt worden.
Es werden nun alle Gläubiger, welche noch Forderungen an die
Kaſſe zu machen haben, aufgefordert, dieſelben bis längſtens zum
1. Junk 1914 bei dem Unterzeichneten einzureichen, ſpäter einlaufende
Forderungen bleiben unberückſichtigt.
(11840imd
Hahn, den 10. Mai 1914.
Der Vorſtand der Zuſchuß= und Sterbekaſſe Hahn.
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Verſchloſſene Gärten.
Roman von Fritz Gantzer.
(Nachdrück verboten).

Otto Behring hatte den leiſe grün behauchten und von
Maßliebchen geſprenkelten Rain längſt hinter ſich und
ſchritt ſchon auf dem ſich windenden Feldwege dahin. Er
ſchlängelte ſich durch Ginſtergebüſch und Brombeerhecken
und lief in ſanftem Fall zu Tal. Ab und zu lag ein gra=
nitner
Wanderſtein, zur Zeit des Eiſes über das Meer
gekommen, wie ein ſtummer Weggenoß zur Seite und lud
zum Ausruhen ein.
Ein Stück voran war einer dieſem Locken gefolgt.
Dort ſaß ein kleiner weißhaariger Herr, der trotz der
Frühe des Jahres ſchon einen breitkrempigen Strohhut
trug und, im merkwürdigen Gegenſatz zu dieſer noch nicht
kalendermäßigen Kopfbedeckung, mit ſeinem dicken Win=
terüberzieher
zu einem ſtillen Lächeln reizte.
Otto lächelte auch und muſterte den ſcheinbar mit einer
ihn ungemein intereſſierenden Tätigkeit Beſchäftigten. Das
kleine, dürre Körperchen des alten Herrn war ganz in
ſich zuſammengekrochen, das brillenbewehrte Auge auf
einen winzigen Gegenſtand geſenkt, den die Finger vor=
ſichtig
berührten. Als Behring dicht bei ihm war, ſah
der Vertiefte, durch den ſchnellen Schritt wohl dazu ver=
anlaßt
, auf.
Horibles odonata! Beim Zeus, er iſt’s! Alle Hei=
ligen
, endlich, endlich! Seit drei Jahren fahnde ich auf
das Bieſt! ſchrie er glückſtrahlend.

Deriten ver anſgeſprungen., Leihe ſünf guth mat
er. Aber ſehnig ſchien er, zäh und kerngeſund. Seine
ſtahlgrauen, buſchig bewimperten Augen leuchteten wie
die eines Jünglings und maßen den ihn mit offenkun=
diger
Verblüfftheit Betrachtenden. Nun lachte er. Das
heißt: Sie ſind nicht Horibles odonata, Verehrteſter. Das
iſt eine winzig kleine Eule, eine ſelten vorkommende Abarr
von Horibles mutatis. Sehen Sie hier! Er wies Otto
in rein wirrer Sammlerfreude einen winzigen, braun=
grauen
Schmetterling, der in einem Zyankaligläschen lag,
und hüpfte von einem Bein auf das andere. Während
des nicht enden wollenden Freudentanzes hatte Behring
Zeit, den kleinen Herrn genauer zu betrachten. Der breit=
randige
Panama trug eine Menge auf Inſeltennadeln ge=
ſpießter
, meiſt unſcheinbarer Schmetterlinge. Das ſah un=
gemein
verwunderlich aus. Der dicke Winterflauſch war
ſtark abgetragen und reichte weit über die Knie. Vor=
witzig
ſchauten ein kurzes und ein langes Hoſenbein aus
weißem Drell hervor.
Das iſt zum mindeſten ein Original, dachte der Geo=
meter
lächelnd.
Ja, immerzu, lächeln Sie nur, Verehrteſter, Beſter,
Schönſter, ſprudelte es ihm entgegen. Lachen Sie ſich doch
einen Krampf meinetwegen.
Verzeihung! unterbrach Behring verlegen. Es war
nicht im entfernteſten meine .
Pſt! Still, mein Lieber, Vergnügter, Froher! Sie
ſind im höchſten Grade beluſtigt über mich. Schadet nichts,
ſchadet nichts! Die herrlichen Trebnitzer nennen mich ja

unch den vernicten Schtneſern und eibergeſhuadten
Kalittenjäger. Doa kümmt uns oll Kalitenſchieter met
ſien’m Bammelkittel und ſienm Strauhhut, ſeien ſe. Er
lachte wie ein Faun und machte eine Verbeugung. Ich
habe nämlich das Vergnügen, mich Ihnen als den Prä=
zeptor
Ludwig Bachhuber vorzuſtellen, der ſich des Vor=
zuges
rühmen darf, der Trebnitzer Jugend die heilige
Wiſſenſchaft in die vorzüglichen Köpfe zu trichtern, ſofern
ſich irgendwo Eingang zum Hirn findet. Und wenn ich
dieſe Seligkeit nicht zu koſten brauche, wie beiſpielsweiſe
heute, wo mich noch die wunderbaren Oſterferien erfreuen,
befleißige ich mich der Kalittenjagd. So, da haben Sie
meine halbe Lebensgeſchichte, Schönſter, Guteſter. . . .
Und Sie?
Otto Behring lächelte noch herzhafter denn vorhin
und nannte ſeinen Namen.
Angenehm. Und weiter nichts?
Ich bin Geometer.
Alſo der Schatten, der einem großen Ereignis vor=
aufgeht
. Der Vorläufer einer neuen Epoche für Trebnitz,
Gewiſſermaßen der erſte Pfiff von der Bahn.
Ludwig Bachhuber hatte während dieſer merkwürdi=
gen
Redewendungen ſeine Horibles odonata geſpießt und
zu den übrigen Schmetterlingen auf den Hut geſteckt. Nun
ſah er, den Kopf zur Seite neigend, luſtig zwinkernd zu
Behring hoch.
Ganz recht, nickte der zuſtimmend. Schatten, Vor=
läufer
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Des int des beineſten eigtadterois der bngpeige
Geometer.
Bachhuber reckte ſich auf und ſchlug dem vergnügt
Lachenden derb auf die Schulter. Sie ſind mein Mann,
Lieber. Sie ſind keine Trauerfahne. Solche Menſchen
muß man in unſerer ſauertöpfiſchen Zeit, wo alles ſen=
ſibel
, nervös, auf gut deutſch ſtark dreiviertel angekarrt iſt,
feſthalten. Hören Sie, Viellieber? Feſthalten. Er packte
beide Arme Behrings und ſchüttelte ihn, als habe er
einen von der Trebnitzer Jugend vor ſich, und lachte ſo
friſch und geſund wie ein luſtiger Bube, der mit dem
Aprilwind um die Wette läuft und ſich von ihm das
blonde Gelock zauſen läßt. Kommen Sie, Vergnügteſter!
Nun ſteigen wir ſelbander zu Tal.
Otto war es nur recht, ſich der Geſellſchaft des klei=
nen
, luſtigen Herrn noch länger erfreuen zu dürfen, und
ſtimmte lebhaft zu.
Im hurtigen Schritt folgten ſie dem ſich leiſe winden=
den
und gemach ſenkenden Wege. Trebnitz ſpielte Ver=
ſtecken
mit ihnen. Einmal zeigte es ſich den beiden Män=
nern
in ſeiner ganzen Ausdehnung, um dann hinter einer
Schonung oder jenſeits eines Hügels für kurze Zeit zu
verſchwinden. Nur das ſchwarzrote Dach des maſſigen,
plump auslaufenden Turmes der Feldſteinkirche blieb
ſtändig ſichtbar. Es berührte wie verſtändiges Alter, das
dem tändelnden Spiel lockerer Jugend ernſt und gemeſſe=
nen
Geſichts zuſchaut.
Ludwig Bachhuber wies zu ihm hinüber. Sehen Sie
meinen alten Freund dort. Den Burſchen mag ich. Der
iſt wie ein Bild unſerer Mark. Herbe, trotzig, ſchlicht.
MManchmal lächelt er ſonnig, ſo ſonnig warm. Sehen Sie,
wie eben jetzt.
Eine blanke Lichtwelle übergoß ſein graues Gemäuer
und tauchte es in Gold.

Das iſt ſchön, ſagte Otto Behring leiſe.
Schön? Junger Mann, das iſt viel zu matt charakteri=
ſiert
. Köſtlich, einzig, wunderbar, heilig iſt das. Liebſter,
hören Sie? Heilig. Und ſo kann das Land weitum auch
lächeln, wenn es der göttliche Baldur neu ſchmückt oder
wenn ihm die Fee des Sommers roten Mohn in das gelbe
Haar flicht, oder wenn es der Herbſt mit ſeinem Kuß an=
flammt
, daß es glüht, leuchtet, prunkt, brennt. Herrgott,
junger Mann, haben Sie ſchon mal einen im gloſtenden
Brand ſtehenden märkiſchen Laubwald geſehen an einem
Herbſtabend, ehe Helios die Tore ſeines Sonnenhofes
ſchloß?
Otto Behrings Augen ruhten in ehrlichem Ueber=
raſchtſein
auf der merkwürdigen Figur ſeines Begleiters.
Aber Sie ſind ja ein Dichter, Herr Bachhuber! ſtieß
er ſtatt einer Antwort hervor. Das klang, wie in einer
Beſtürzung geſprochen, ſo, als ſei Dichter gleichbedeutend
mit Verbrecher.
Ein meckerndes Lachen ſchlug an ſein Ohr. Mein
Allerverehrteſter, ebenſo gut könnten Sie mich Ihren Groß=
vater
nennen. Ich bin das eine ſo wenig wie das andere.
Hören Sie, Dichter gibt es nur n paar in Deutſchland.
Die ſind ſo dünn geſät wie, na, wie, ich weiß nicht gleich
wie. Mich armſelige Kreatur einen Dichter zu nennen,
kommt einer Beamtenbeleidigung gleich.
Aber Herr . .
Pſt, kein Aber, Liebwerker. Ich habe in bißchen Poeſie
im Leibe, weiter nichts. So’n Quentchen vielleicht. Na,
und die gehört zum Leben wie ein vergnügtes Lachen.
Die macht jung, froh, geſund. Und wer ſie nicht hat, der
iſt ein Jammerfilz. Hören Sie, Trauteſter, haben Sie
etwa keine Poeſie? Bei allen Heiligen, dann zehn Schritt
vom Leibe!

eme e etetet
ſeine Hände in entſchiedener Abwehr weit von ſich geſtreckt.
Poeſieloſe Menſchen ſind mir ein Greuel, Liebſter.
Der Jüngere lächelte. Ich dichte ſogar.
Sagt gar nichts. Sagt abſolut nichts, junger Mann,
Solche Gelegenheitsverbrecher beſitzen notoriſch keinen
Funken Poeſie.
Aber ich liebe unſere Mark.
Sehr ſchön. Die kann nur einer lieben, der Poeſie
hat. Gut, kommen Sie!
Schon beim nächſten Schritt blieb Bachhuber hart
ſtehen und ſah wie gebannt nach links. Da drüben gibt’s
noch ne kleine Ausbeute. Einige Galantetis ,gaukeln da.
Sehen Sie, jetzt iſt alle Poeſie futſch. Nun wird der poeſie=
geſegnete
Schulmeiſter gleich ein kaltherziger Mörder ſein.
Aber: Les extrémes se touchent, Liebſter. Auf Wieder=
ſehen
! Wenn Sie mal dem Kalittenſchieter Ihre Ge=
genwart
in ſeinem Hauſe ſchenken wollen, wird er ſich
freuen. Er wohnt gleich neben dem grauen Turm. Schief,
eng, aber gemütlich.
Die Verſicherung Otto Behrings, daß er gern kom=
men
würde, vernahm der vor Jagdeifer glühende Samm=
ler
nicht mehr. Er war ſchon mit einem elaſtiſchen Satz
über einen Graben geſprungen und ſtürmte querfeldein,
einer nach Süden abgedachten Halde zu. Sein Winter=
flauſch
flatterte in grotesken Schwenkungen auf, daß die
Beinkleider aus weißem Drell bis über die Knie hinauf
ſichtbar waren.
Otto Behring blickte ihm lächelnd nach und ſchritt
dann leichtfüßig weiter Sein vorläufiges Begehren ſtand
nun mit energiſchem Sinn nach Emilie Ehrenbergs Mit=
tagstiſch
.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nrankurter Karsvericht Voh js. Aar 19z.
Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. (Darmstädter Bank.)

(2
27.
Eäe
ſ
pr. .
Schweden v. 1890.
Moskau-Kasan . . . . . . .4½ 94,30
Frankf. Hypothek.-Bankl 10 213,50Gelsenkirchen Bergw. . . 11 180½
Staatspapiere.
Pfandbriefe.
87,30
Serben steuertrei
do. . . . . . . . . . . . . .
do. do. Kred.-Ver. 8½ 1155,80Harpen Bergbau. . . . . e11 1176,25
100,30 do. amort. v. 1805 ::
78,90Wladikawkas. . . . . . . .
Dt. Reichsschatzanw.
100,00 Mitteldeutsche Kred.-Bk. 6½ 116,40Kaliwerke Aschersleben-10 (136,80
85,20 Berliner Hyp.-Bk.-Pf. .
98.60 Türk. Egypt. Tribut
Rjäsan-Koslow . . . . . .
93,60Nation.-Bank f. Deutschl.
111,50 Kaliwerke Westeregeln . 13 203,25
Dt. Reiohsanleihe p. 19187
do, unkdb. 1918. . . .
98,80 do. kons. steuerfreie .
88,00 Portugies. Eisenb. v. 1886
93,75 Pfälzische Bank . .
63,40) do.
122,50Königin Marienhütte . . 6 81,00
do. . . . . p. 1925
1919. . . .
86,70
do. Admin. v. 1903.
76,80 40. . . . . . . . . . . . . . 4½ 86,50 do,
94,75Reichsbank . . . . . .
8.43 136,20 1Laurahütte . . . . . . . .
§ (143,00
(o. . . . . .
1921. .. ..
77,70
do. unif. v. 1903. .
Livorneser . . . . . . . . . . 24/10 69,20
95,75 Rheinische Kredit-Bank.
126,50 TOberschles. Eisenbed.
do. . . . . . . . ..
6 82,80
1922. . . .
do.
100,30
do. v. 1905. . .
4 72,701Salonique Monastir. . . .
84,30 A. Schaaffhaus. Bk.-Ver.
109,40 MOberschl. Eisen-Industrie 3 I 68.00
Freußische Schatzanw.
3 60,50) do. . . . . . . . . . . .
91,20Ungarische Staats-Rente
95,00 Wiener Bank-Verein . . . 8 1130½ Phönix Bergbau ..
Bagdadbahn . . . . . . . . 4 77,30 do. Komm.-Obl. unk. 1918
Staffelanleihe.
18 230,75
86,70) 1913 unkdb. bis 1923 . . 4½ 89,80Anatolische Eisenbahn .4½ 90,25 Frankt. Hyp.-Bk. pr. 1910
6500
Rheinische Braunkohlen 10 230,00
Consols .
77,601 Ungar. Staatsk.-Scheine
96,00
Missouri-Pacitic I.
Riebeck Montan . . . . . . 12 1192,00
do. . . . . . .
4 90,20 do. 1915 .. .
Aktien von Trans-
97,00
V. 1913 . . . . . . . . . . . .4½ 98,50
do. do. v. 1905 . . 4
96,50
South West.-Afr. Shares . 5 1117½
Badische Staats-A
, 1920 .. .
do.
86,40) vort-Anstalten.
3½ 88,00 do. Gold-Rente. . . .
82,40Northern-Pacific. . . . . . 4 94,90
do, V. 92/94 .
de. Ser. 1219. . . . .
do. Staats-Rente 1910
1128,40
80,60 1Jouthern-Pacific . . . . . . 4 I 91,80 Kommunal-Oblig. Scr. 1,
Hamb.-Amerika-Packetf.
do:. .. .
do.
2
97,10
Verzinsliche
Kr. 4 81,10 St. Louis & San Francisco
(111,50
Baverische Ablös.-Rente:
86,50 INorddeutscher Lloyd.
unkdb. 1910 . . . . .
97,80Argent. innere Gold-Anl.
116,00 Anlehenslose. 2t.
Tehuantepec . . . . . . .
E.-B.-Anl. kdb. ab 1906
Frankfurt. Schleppschiff.
Frankf. Hyp.-Kred.-Ver.
97,80
v. 1887 5
94,001Südd. Eisenb.-Gesellsc
Ungar. Lokalbahn . . . . 5 98,50
do. unkdb, p. 1918 .
Ser. 1542
131,00Badische . . . . . TIr. 100 4
97,80 do. äußere v. 1890 . . . 5 99,80
94,90 Anatol. Eisenb. 60%-Akt
do. unkdb. p. 1920 . .
do. . . . . . . 4849
115,00 Cöin-Mindener . Tlr. 100 3½143,30
do. innere v. 1888
Provinz-Anleihen.
4½
96.00Baltimore
E.-B.- u. Allgem. Anl.
do. unk. 1922 52
6 91½ Holländ. Komm. . H. 100 3'115,55
98,50 do. äußere v. 1888 .
88,60Canada .
unkdb. p. 1930
4½
96,70
10 191,75 IMadrider
do. 1913. . . . . .
. . Frs. 100 3
Rheinprov. Obl. Em.
do. v. 1897 . . . . . .
85,00
86,50 Schantung.
do. Anleihe .
3½ 87,00
do. Ser. 45 . . .
7½ 1139,50 Meininger Präm.-Pfdbr. . 4 141,60
do. Em. 10 . .
76,00 Chile Gold-Anl. v. 1911.
5 93,10
Prinz Henry.
do.

3 83,50 Hess. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
153,00 AOsterreicher 1860er Lose .
do. 9. . .
do. v. 1889 . . .
98,00
4½
96,90 Lombarden .
Hamburger Staats-Anl.
3½
Ser. 12, 13, 16
21,00Oidenburger. . . . TIr. 40 3 128,50
*4½ Posen Prov.. ..
do. v. 1906 . . . .
96,90 Pennsylvania.
do. v. 1887/94
4 95,90
14, 15, 17I
6 1111,00Raab-Grazer . . . . H. 1502½
do. . . . .
6 Westfalen Prov. V.:
79,20 Chines. St.-Anl. v. 18.
97,40
do. . . . . . . .
95,80
do. unkdb. 1920 . . . .
99,10 Hess. Prov. Oberhessen.
97,25 do. v. 1896
Hessische Staats-Anleihe
97,50
do.
1923 . . ..
Industrie-Aktien.
do. Starkenburg.
97,30
do. Reorg. Anl.
84,20
do. unkdb. p. 1921
5 87,60
do. Ser, 1, 2, 68 . . .
Mk.
Unverzinsliche
84,80 do. v. 1898 . .
D19
4½
84.20Badische Anilin-Fabrik . 28 1655,00
do. . . . . . .
Städte-
do
.
35 . . . . . . .
p. St.
Anlehenslose.
75.20Japaner . . . . . .
84,20 Chem. Fabrik Griesheim 14 (249,50
4½ 89,00
do. . . . . . . . ...
do. kündb. 1915.
Obligationen.
Sächsische Staats-Rente 3 77,60Innere Mexikaner.
96,90 Farbwerke Höchst . . . . 30 599,75 Augsburger .
64,15
. A. 7 35,00
do. Komm. unk. 1913
Außere do. v. 1899
Württembg. Staats-Anl.
96,90 Ver. chem. Fabr. Mannh., 20
5 I 84,50 1Darmstadt.
4
TTIr. 20 1202,00
do.
Braunschweig
1914
98,40 Mexikan. Gold v. 1904 .
(unkdb. p. 1921).
97,10Zement Heidelberg . . . . 10 1148,70 Mailänder
69,50
do. . . . .
Pe. 45
3½ 87,40) d0.
1916
87,85
do. cons. . . . . . . . .
do. v. 79/80 . . .
97,401Chemische Werke Albert 30 447,20
97,00
3 41,50Frankfurt .
Fs. 10
1920
do.
do.
do. Irrigat.-Anleihe
77,60
do. . . . . . . .
97,50Holzverkohl. Konstanz i 15 1306,50 Meininger .
68,00 do. . .
.. 1.7 1 37,75
88,80) do.
1923
5 95.80 Buenos-Aires Prov.
Bulgarische Gld.-Anl.
84,20TLahmeyer . . . . . . . .
94,50
A. 100 59400
Osterreicher v.
63,75 Sießen
do. verlosb. u. kündb. S
Tamaulipas . .
Griech. Anl. v. 1890 . . . . 1,6
84,15 Schuckert, Nürnberg. . . 8 146,20
A. 100 539,00
67,00) do. . . .
87,00
v.
do.
unktäb. 1915
do.
do. v. 1887 Monopol 19/ 51,50Sao Paulo E.-B.
94,60 Siemens & Halske. . .
Heidelberg.
A. 100 1457,00
12 1211.00 Ungar. Staats
91,00 Meininger Hyp.-Bk. Pfdb.
do. v. 1913 . . .
Italienische Rente, . . . . 3½
95,80 Bergmann Elektr. .
3½ 86,10
5 97,00 do. . . .
Fs. 30 74,00
5 1122,00 Venediger . . . . .
do. unkdb. 1922. . . . .
Osterr. Staats-R. v. 1913 . 4½ 91,60 Siam v. 1907. . . . . . . . . 4½ 95.00 Karlsruhe .
86,00Allg. Elektr.-Gesellsch. . 14 (242,00Türkische . . . . .. Fs. 400 166,80
4 94,90
do. .
e
do. Silber-Rente . . . . 4½! 85,40
25 333,25
Hagen Akkum..
do. . . . .
3½ 86,90Rheinische Hyp.-Bk, Pfb.
Prioritäts-
do
, Papier-Rente . . . 4½
Magdeburg
4
94,00 1Deutsch. Übersee-Elektr. 11 (177,00 Gold, Silber und
unkdb. 1917
Obligationen.
do, Gold-Rente . . . . . 4 85,80
Gummi Peter .
Mainz . . . . .
93,7
4 95,00
1919
do. . . . . .
Banknoten.
do. einheitl. Rente . . 4 82.05Südd. Eisenb.-Gesellsch.
94,00Adler-Fahrradwerke . . . 25 333,00
3½,
do. . . .
1921
do. . . . . .
v. 1895/97
Portug. Tab-Anl. 1891 . . 4½ 97,60
96,20Maschinenfabr. Badenia . 6 1130,00Engl. Sovereigns. . .
84,30Mannheim .
4 95,65
2044
1924
Go. . . . .
do, inn. amort. 1905 . .
v. 19043½
84,60 Wittener Stahlröhren . . 0
16,28
do. . . .
3½ 86,20
74,10
20-Franks-Stücke . . . .
do. . . . . . .
do. unif. Serie I .
61,60 Hess. Eisenb.-Akt.-Ges.
München . .
415
95,20 Motoren, Oberursel . . .8½ 155,00Amerikanische Noten .
4 96,00
do. Komm. unk. 1923
III,
do. 7
64,701 Oblig., gar. v. d. Stadt
96,00 Gasmotoren, Deutz . .
Nauheim .
20,51
3½
9 120,50Englische Noten . . . .
1924 .
do.
Darmstadt.
do. Spezial Titel.
81,40
. .
96,80) Siemens Glas-Industrie . 15 1220,00Französische Noten.
4 93,85Nürnberg .
9,70
4 95,00 jSüdd. Bod.-Kred.-Pfdbr. .
Zamänen v. 1903 . .
99.90 Nordd. Lloyd-Obüigat.
88,10Enzinger Filter .
(169,10
do. . . . . .
3½ 85,80
23 288,00Holländische Noten
4½
...
do. .
do. Gold v. 1913. .
91,40 Donau-Dampfschiff. v. 82
81,10
Steaua Romana.
91,50 lOffenbach . .
10 1143,50 Italienische Noten. . . . . .
4½ 95,50
do. Schatzsch. v. 1913
100,001 Elisabethbahn.
4 90,80 do. v. 1914 . .
Zellstoff Waldhof . . . . . 15 1178,50 Osterr.-Ungarische Noten. . 85,10
4
do. conv.
85.001 Franz-Josef-Bahn: .
Bad. Zucker-Waghäusel .12,831221,00 Russische Noten . . . . . . .
do. . . . . . . . . . . . . .3½
4 1 87,50
Bank-Aktien.
do. v. 1890
93,60 Kaschau-Oderberger v. 89
Neue Boden-Aktien-Ges.
Wiesbaden. . . . . . . . . . 4
82,50 Schweizer Noten. . . . . . . . 81,30
do. v. 1891
Süddeutsche Immobilien 0 60,80
87,00 Prag-Duxer . .
do. . . . . . .
..3½
.. . 3 71,40
Bank für elektr. Unter-
do
. v. 1905
85,00Osterreich. Staatsbahn . 5 1101,70 Worms . . . . . . ..
. . 4 95,10 nehmungen Zürich . . 10 1192,00
do. v. 1908 .
do. . . .. ..
G0. . . . . . . . . . .
Reichsbank-Diskont
Bergwerks-Aktien.
85,00
Berg.-Märkische Bank. .
do, v. 1910 . .
d6. . . . . . . . ..
73,20 Lissabon v. 1888 . . . . . .
do. Lombard Zsf.. . 5
Berliner Handelsges.. . . 8½ 1152,50
85,0
Russische St-Anl. v. 1905
do. Südbahn (Lomb.) .
98,50Moskau v. 1912 . . . . . . .4½ 94,00 Darmstädter Bank . . . . 6½ 116,60 Aumetz-Friede .
12 156,00
98,10
do. kons. v. 1880 .
do. d0.
Stockholm v. 1880 . . . . . 4 92,00 Deutsche Bank. . . . . . .12½/240,80 1 Bochum. Bergb. u. Gußst. 14 220.00
,.
70,80
Tendenz:
86,60
do. Gold v. 1890
do.
do.
50,80Wien Komm. . . . . . . . .

Deutsche Vereinsbank. 6 118.10Leonhard, Braunkohlen. 9 1159,00 Uneinheitlich, später schwach.
do. v. 1902 . . .
Raab-Oedenburg . . . . .
76.50 Wiener Kassenscheine .
a 98,80 Dt. Effekt.- u. Wechs.-Bk.! 6 112,40 1 Konkordia Bergbau ..
23 (350 00
89,60
Schweden v. 1880. .
Kronprinz Rudolfbahn .
86.40 Zürich v. 1889 .
Disk.-Kommand.-Ant. . . 10 187,55 Deutsch-Luxemb. Bergb. 10 124.80
... . 30
do. v. 1886 .
Buenos Stadt v. 1892 . . . 6 191,30 Dresdner Bank . . . . . . .8½ 149,60 Eschweiler . . . . . . . .
86,00 Russ. Südwest . .
10 227,80
84,60

Sandei und Vorkekr.

Frankfurt a. M. 13. Mai. (Börſe.) Die
geſtern an der Börſe zum Durchbruch gekommene beſſere
Stimmung konnte ſich auch zu Anfang auf den heutigen
Verkehr übertragen und zeigten beſonders Montanwerte
gegen den geſtrigen Schluß befeſtigte Notierungen. Deutſch=
Luxemburger und Phönix=Aktien ſtellten ſich zirka 1 Pro=
zent
höher. Die früher erwähnten Ausſichten auf das
Zuſtandekommen des Röhrenſyndikats, ſowie vereinzelte
Deckungen wirkten ebenfalls auf die Befeſtigung der Kurſe
ein. Im Veclauf der Börſe konnten ſich die gebeſſerten
Kurſe jedoch nicht voll behaupten, da es dem Markt an
neuen Käufern mangelt und die Auslandsbörſe durch ihre
ſchwankende, unſichere Haltung zur Zurückhaltung mahnen.
Die übrigen Marktgebiete wieſen nur geringe Kursver=
änderungen
gegen geſtern auf und der Schluß geſtaltete ſich
bei ſehr ſtillem Geſchäft wieder ſchwächer, ſo daß die an=
fänglichen
Kursbeſſerungen zum größten Teil wieder ver=
loren
gingen. Der Kaſſamarkt war wenig verändert. Ten=
denz
uneinheitlich, ſpäter ſchwach.
* Die neu herausgegebene 4½prozentige
Mannheimer Stadt=Anleihe wurde dieſe Woche
an der Börſe notiert und lautete geſtern die Notiz 102¾
B. u. G.

Schiffsliſte für billige Briefe nach
den Vereinigten Staaten von Amerika (10
Pfennig für je 20 Gramm.) Die Portoermäßigung erſtreckt
ſich nur auf die Briefe, nicht auch auf Poſtkarten, Druck=
ſachen
uſw. und gilt nur für Briefe nach den Vereinigten
Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Gebieten
Amerikas, z. B. Canada. Prinz Friedrich Wilhelm ab
Bremen 16. Mai, Kaiſer Wilhelm II. ab Bremen 19. Mai,

Kaſein Augtiſe iloriah e e e e Aat, Aron=
prinz
Wilhelm ab Bremen 26. Mai, Imperator ab
Hamburg 27. Mai, George Waſhington ab Bremen 30.
Mai, Kronprinzeſſin Cecilie ab Bremen 2. Juni,
Vaterland ab Hamburg 6. Juni, Kaiſer Wilhelm der
Große ab Bremen 10. Juni, Preſident Lincoln ab Ham=
burg
11. Juni, Prinz Friedrich Wilhelm ab Bremen 13.
Juni. (Poſtſchluß nach Ankunft der Frühzüge.)
Alle dieſe Schiffe, außer Preſident Lineoln ſind
Schnelldampfer oder ſolche, die für eine beſtimmte Zeit vor
dem Abgange die ſchnellſte Beförderungsgelegenheit bieten.
Es empfiehlt ſich, die Briefe mit einem Leitvermerke wie
direkter Weg oder über Bremen oder Hamburg zu
verſehen.
* Kameruner Bananen. Am Samstag, den
9. Mai, lief auf der Werft von Joh. C. Tecklenborg A.=G.,
Geeſtemünde, die erſte der beiden für die Firma F. Laeisz,
Hamburg, im Bau befindlichen Bananendampfer, welche
einen neuen, in Deutſchland bisher noch nicht gebauten
Typ darſtellen, glücklich vom Stapel. Die Dampfer ſind
ausſchließlich für den Transport der auf den Kameruner
Plantagen der Firma Laeisz geernteten Bananen be=
ſtimmt
. Das Schiff, das den Namen Pungo erhielt, be=
ſitzt
bei einer Länge von 123,5 Metern eine Tragfähigkeit
von 4600 Tonnen. Beſonders intereſſant ſind die für die
Aufbewahrung der Bananen getroffenen Einrichtungen.
Neun Ladebäume aus Mannesmannrohr für je drei Ton=
nen
Tragfähigkeit bringen die Fruchtbündel in die beiden
vor und hinter dem Maſchinenraum gelegenen großen
Laderäume, die ihrerſeits durch vier Decks untergeteilt
ſind. Hier werden die Bündel in zwei Schichten zwiſchen
Lattengeſtellen aufgeſtapelt. Die Wände der Laderäume
ſind ſorgfältig und eigenartig iſoliert, um ein Eindrin=
gen
der Wärme zu verhüten. Die künſtliche Kühlung ge=

ſchieht derart, daß Luft durch zwei Kohlenſäurekältemaſchi=
nen
mit Hilfe ſoledurchfloſſener Rohrſchlangen abgekühlt
und mittels Ventilatoren durch die Laderäume gedrückt
und geſaugt wird, die hierdurch auf der gleichbleibenden
Temperatur von 10 bis 12 Grad Celſius gehalten wird.
Die Frucht wird bekanntlich in unreifem Zuſtand gepflückt
und verfrachtet, um dann am Beſtimmungsort einen Nach=
reifeprozeß
durchzumachen.

Landwirtſchaftliches.

* Die Maul= und Klauenſeuche wurde feſt=
geſtellt
in zwei Rindviehbeſtänden zu Rodheim, Kreis
Friedberg. Ferner in den Beſtänden eines Großvieh=
ſchlächters
zu Mergentheim, württemberg. Jagſtkreis; die
Einſchleppung geſchah von Augsburg.
Frankfurt a M., 13. Mai Schlachtvieh=
markt
(Amtlicher Bericht.) Auftrieb: 1706 Schweine.
Preiſe für 1 Zentner Lebendgewicht (Schlachtgewicht) in
Mark: Fettſchweine über 3 Zentner Lebendgewicht 4548
(6061), vollfleiſchige Schweine über 2½ Zentner Lebend=
gewicht
4446 (5759), vollfleiſchige Schweine übeg 2
Zentner Lebendgewicht 4448 (5860), vollfleiſchige
Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht 4448 (5860).
Marktverlauf: Geſchäft ziemlich rege, bleibt Ueberſtand.
F.C Frankfurt a. M., 13 Mai. ( Kartoffel=
markt
.) Man notierte: Kartoffeln im Waggon 6,50 Mk.,
Kartoffeln im Detail 7,50 Mk. Alles per 100 Kilo.
F.C Frankfurt a. M., 13. Mai. ( Frucht=
markt
.) Weizen, hieſiger, 21½21¾, Weizen, Kurheſſ.
21½21¾, Franken, Pfälzer, Ried 16½17¾, Roggen
17½18, Gerſte (Wett.) 16¾17¾, Hafer 1718, Mais
1515¾.

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nimmt noch
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Lauteſchlägerſtr. 12.
*13745d

Hess. Gardinen- und Stickerei-Manufaktur
HENRI PORTUNE, Darmstadt
Bleichstraße 1 G.m.b. H. Telephon Nr. 1615

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60 Pf. b. MI. 1. im Abonn.

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50 Pf. bis 70 Pf. im Abonn.

Auselaut des berühnten
:: Wormser Weinmostes::

Kein Trinkzwang. (114
Damenzimmer.
Reform-Restaurant
lexanderstrasse 4. 1. Stock.

[ ][  ][ ]

Kongreſſe und Verbandstage.

* Heidelberg, 12. Mai. Der zweite Kon=
greß
des Allgemein Poſitiven Verbandes
wurde heute mit einem überwältigend beſuchten Feſt=
gottesdienſt
in der Heiliggeiſtkirche eröffnet. Prälat von
Römer=Stuttgart hielt die Feſtpredigt auf Grund des
Schriftwortes Hebräer 13, Vers 8 und 9. Um ½9 Uhr er=
öffnete
der 1. Vorſitzende, Paſtor Bernbeck aus Okar=
ben
, die öffentliche Verſammlung, die die große
Stadthalle bis auf den letzten Platz füllte. Er gab einen
Rückblick auf die Arbeit des Verbandes und den erſten
Kongreß in Berlin und bemerkte: Im poſitiven Lager iſt
nicht alles auf einen Ton in dogmatiſcher Hinſicht abge=
ſtimmt
; aber wir finden uns zuſammen, trotz dieſer Nüan=
cierungen
. Wir laſſen uns den häuslichen Frieden nicht
ſtören durch Uebergriffe aus dem liberalen Lager. Aber
wir bedauern die Art der Polemik auf liberaler Seite.
Jetzt ſind 33 Organiſationen im A. P. V. vereint. Er iſt
die Vertretung des poſitiven Chriſtentums. Eine Auf=
wärtsbewegung
des konſervativenProteſtantismus’ iſt feſt=
zuſtellen
. Der theologiſche Liberalismus hat Fiasko ge=
macht
unter den Arbeitern und den Gebildeten. Der Nach=
wuchs
wendet ſich ab von dieſen Kreiſen, die das Herz
leer laſſen und die Fundamente des Bekenntniſſes an=
taſten
. Gerade in Baden ſoll daher die nie veraltende
Herrlichkeit des Bekenntniſſes gezeigt werden, wo die
Stürme um das Bekenntnis toben. Mit Dankes= und
Begrüßungsworten ſchloß der Vorſitzende, dem lauter Bei=
fall
dankte.
Anſtelle des erkrankten Profeſſors D. Bornhäuſer nahm
D. Philipps=Charlottenburg das Wort zu dem Vor=
trag
über das Thema: Das Bekenntnis der
Kirche nicht eine Parteifrage, ſondern eine
Lebensfrage‟. Es handelt ſich bei der Frage nach
dem Bekenntnis um Sein oder Nichtſein der Kirche, nicht
um Parteifragen. Das Hauptbekenntnis iſt das allge=
mein
bekannte, auf Heilserfahrung gegründete Apoſtoli=
kum
, das der Redner, ohne es noch zu nennen, in ſchar=
fen
Umriſſen ſkizziert. Schlichte bibliſche Ausſagen lie=
gen
hier vor, die Luther in ihrer Bedeutung für uns klar=
gelegt
hat. Keinen Stein aus dieſem Turm des Bekennt=
niſſes
laſſen wir ausbrechen, da ſonſt alles zuſammen=
fallen
könnte. Hypotheſen und angebliche Ergebniſſe der
Wiſſenſchaft können es nicht umſtoßen. Bei einzelnen
Punkten wollen wir nicht über Zwirnsfaden ſtolpern.
Aber wir laſſen uns nicht den Inhalt rauben, indem man
die Form antaſtet. Bei gemeinſamem Glaubensbeſitz läßt
ſich über Formen wohl reden. Es liegen im Bekenntnis
keine Parteifragen vor ſondern es iſt eine Lebensfrage
für unſere chriſtliche Kirche. Lebhafter Beifall folgte den

etwa einſtündigen Ausführungen des eindringlichen, zu
Herzen gehenden Vortrags, an den ſich eine angeregte
Diskuſſion anſchloß.

Turnen, Spiele und Sport.

* Main=Rhein=Gau (Deutſche Turnerſchaft). Man
ſchreibt uns verſpätet: Die am Sonntag auf dem Darm=
ſtädter
Exerzierplatz abgehaltenen Frühjahrs=Wettſpiele
rfreuten ſich einer guten Teilnahme. Nicht weniger als
47 Mannſchaften, zuſammen 235 Turner, traten unter Lei=
tung
des Gauſpielswarts Martin=Pfungſtadt an. Es
wurde nur Fauſtball und Fußball geſpielt, während
Schleuderball und Tamburinball, da keine Gegner vor=
handen
waren, ausfallen mußten. Die Spiele fanden
trotz des heftigen Windes eine gute Durchführung, ſo daß
nachſtehende Reſultate erzielt werden konnten: Fauſtball.
A=Klaſſe: Lehrer=Turnverein Groß=Gerau gewann gegen
Tv. Arheilgen und Tgſ. Walldorf I Werkſtätte III Darm=
ſtadt
, I. Mannſchaft, gewann gegen Tv. Pfungſtadt I und
Tv. Groß=Gerau. Tv. Walldorf I gewann gegen Tgd.
Beſſungen III und Tgſ. Walldorf II. Tad. Beſſungen I
gewann gegen Tgſ. Walldorf II und Tgd. Sprendlin=
gen
I. Turnerbund Nauheim gewann gegen Tgd. Darm=
ſtadt
I und Tgd. Sprendlingen. Tv. Groß=Gerau gewann
gegen Tgd. Darmſtadt II und Tgd. Beſſungen II.
B=Klaſſe: Turnverein Erbach gewann gegen Tv. Rüſſels=
heim
und Akad. Tv. Alemannia‟ Darmſtadt. Tv. Die=
burg
gewann gegen Tgd Egelsbach und Tv. Nieder=
Roden und Tgd. Darmſtadt I. Tgſ. Walldorf II gewann
gegen Tv. Pfungſtadt II und Tv. Rüſſelsheim. Tgd. Nie=
der
=Roden gewann gegen Tgſ. Darmſtadt und Tv. Wor=
felden
. Tv. Nieder=Roden gewann gegen Tgd. Sprend=
lingen
und Akad. Tv. Alemannia‟ Darmſtadt. Tgd.
Sprendlingen II gewann gegen Tv. Rüſſelsheim =und
Tgd. Egelsbach. Tv. Worfelden gewann gegen Tv. Meſſel
und Tv. Pfungſtadt. Tv. Meſſel gewann gegen Tgſ.
Darmſtadt und Tv. Langen. Fußball: Tv. Arheilgen
gegen Tv. Erfelden mit 1.0 Toren. Tgd. Sprendlingen
gegen Leib=Dragoner 24 mit 422 Toren. Tv. Arheilgen
gegen Tgd. Babenhauſen mit 211 Toren. Tgd. Beſſun=
gen
gegen Tgd. Egelsbach mit 111 Toren. Tgd. Sprend=
lingen
gegen Tgd. Babenhauſen II mit 000 Toren.
** Darmſtädter Sportklub 1905 E. V. Während in der
Leichtathletik=Abteilung des D. S.=C. ſchon alle Vor=
arbeiten
für das am 21. Juni ſtattfindende Sportfeſt feſt
im Gange ſind, wartet die Fußball=Abteilung noch mit
einigen ſehr intereſſanten Wettſpielen auf. Schon am kom=
menden
Sonntag ſehen wir die beſtbekannte Pfungſtädter
Germania=Mannſchaft hier und die nächſten Sonntage
führen uns die Liga=Mannſchaften Germania=Bieber
und Karlsruher Fußball=Verein als Gäſte zu. Das Wett=
ſpiel
am nächſten Sonntag dürfte beſonderes Intereſſe er=
wecken
und eine anſehnliche Sportgemeinde auf den Sport=
klubplatz
locken. Pfungſtadts Mannſchaft hat ſich ſeit ihrem
letzten Hierſein bedeutend verbeſſert, insbeſondere hat der
Sturm durch den neuen Rechtsaußen bedeutend an Durch=
ſchlagskraft
und Torſchuß gewonnen. Aber auch Sport=
klubs
Elf hat ſich in ihrer Form wieder gehoben, was das
hohe Reſultat am Sonntag gegen Offenbach zeigt. Die
Verteidigung Müller-Krüger im Verein mit Walter im
Tor dürfte ein ſchlecht zu nehmendes Hindernis ſein.
Hieran anſchließend eine zähe, ausdauernde Läuferſeite
und ein ſchußfreudiger Sturm geben der Sportklub=Elf
wieder eine anſehnliche Spielſtäcke, die nach eifrigem
Training noch verbeſſert werden kann.
sr. Lawn Tennis. Das Wiesbadener Lawn
Tennis=Turnier brachte am letzten Spieltage die
Begegnung zwiſchen H. Kleinſchroth=München und Berg=
mann
=Dresden. Der Dresdener ſpielte im allgemeinen
recht unſicher und unterlag mit 1:6, 3:6 gegen H. Klein=
ſchroth
, der mit ſeinem Bruder Robert, ſowie dem Fran=
zoſen
Gault aus Paris als letzte Teilnehmer eingetroffen
waren In der Damen=Meiſterſchaft von Wiesbaden ſiegte
Fräulein M. Bamberger mit 611, 0:6, 6:3 über Fräulein
Tripp. Im Einzelſpiel um den Wiesbadener Pokal ſtan=
den
ſich Lüdke und Otto gegenüber. Nach intereſſan=
tem
Verlauf ſiegte ſchließlich Otto knapp mit 6:4, 644.
sr. Willi Poege *. Der bekannte deutſche Automobi=
liſt
und Herren=Rennfahrer Willi Poege iſt am Montag
in Bad Nauheim im Alter von 44 Jahren einem ſchweren
Herzleiden erlegen. Poege, der in ſeiner Jugend ein eifri=
ger
Radler war und ſich auch an Radrennen beteiligte,

wandte ſich im Jahre 190 dem aufblühenden Automobl=
lismus
zu, in welchem Sport er bis zum Jahre 1910
große Erfolge in internationalen Wettbewerben als Renn=
fahrer
errang. Auch als Aviatiker hat ſich Poege kurze
Zeit verſucht.

Gewinnauszng
der
4. Drenßiſch-Füddentſchen
(230. Königlich Prenßiſchen) Klaſſenlatterie
5. Klaſſe 4. Ziehungstag 12. Mai 1914

Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
iu den beiden Abteilungen 1 und II.

(Nachdruck verboten)
(Ohne Gewähr A. St.=A. f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
4 Gewinne zu 10000 Mk. 62337 181174
2 Gewinne zu 5000 Mk. 47780
66 Gewinne zu 3000 Mk. 15599 46768 54676 59620
73207 78179 78687 79271 80899 83895 89171 95529
114055 122614 130434 130505 130584 146577 159299
177719 178641. 188158 197493 205477 210313 212870
216556 220166 220578 228159 228301 231059 231417
150 Gewinne zu 1000 Mk. 384 3690 7309 9483
10340 13992 16949 17537 17577 24048 24326 31478
32098 36489 36500 37733 39558 39945 42163 47235
47883 48613 52544 54976 56633 61328 64044 67861
70668 73296 73618 74096 78695 80283 81373 82922
83894 85344 90646 93590 95964 99290 103008 106140
109268 120426 123421 124856 128708 131607 132846
134395 136488 141544 142350 143820 156320 162244
169199 169219 177150 179498 187738 187836 188573-
197896 201913 202295 204196 212234 218907 229369
230463 231519 233458
190 Gewinne zu 500 Mk. 691 3994 12194 14096
15246 20495 20795 21318 22571 32961. 39544 40490
41839 43816 49347 50411. 62106 63264 65937 67037
72483 73966 78606 78676 81325 82011 87653 88534
89959 90007 90090 95233 97365 101177 101326
102810 103093 116117 116533 116753 123677 125515
126930 128165 128621 126665 132405 132585 134131
134335 134955 140421 143804 144849 146412 147971
147994 150281 152840 153853 155195 155760 160590
160640 162824 165894 167441. 169640 170827 172038
172530 172953 174015 177874 178619 179081 179702
179901. 180827 181210 182227 182804 187604 188629
191676 192986 201649 206436 213930 216685 217315
219996 224550 226246 228651.
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
4 Gewinne zu 15000 Mk. 30644 80310
4 Gewinne zu 10000 Mk. 65258 228138
4 Gewinne zu 5000 Mk. 47654 188417
80 Gewinne zu 3000 Mk. 5909 6584 23532 26665
37960 38639 42450 42878 54389 63176 65396 67049
89281 69295 69932 91843 93898 106333 113901
113916 118028 120414 138449 141959 160056 165855
169854 169900 187877 192916 195308 197134 197908
200656 2204900 206590 212391 214235 224038 232561
160 Gewinne zu 1000 Mk. 1441 2489 4281 6779
8098 10488 14537 14593 20068 23096 24066 25480
30910 35919 37751 41240 44232 51712 59331. 60993
51231. 69581. 78867 78875 83073 83766 83829 85518
86965 87117 87486 89608 90198 98828 106752 107520
109998 113670 116725 117764 125086 126936 127599
130664 131211 132267 139720 143863 149380 151789
153534 153848 153941 154227 154859 155430 157921.
158652 165676 168440 168754 169552 183864 185321.
187719 190637 192705 198467 207771. 207910 207938
217272 218266 220408 220488 224164 230384 231187
232346 232354
168 Gewinne zu 500 Mk. 858 8742 12491 17829
18046 26300 29430 30045 32126 36382 36580 39454
42482 42830 43360 46392 48910 49988 50157 50476
50585 55832 56576 64712 66286 68326 71302 73355
76820 78915 81615 86773 87331 88713 90269 94084
97029 97942 99541. 99631 100010 101170 101777 111253
111866 112973 114712 118420 123015 123449 130247
133214 135274 136277 138091 140541. 140840 144142
157578 158147 158355 159239 165794 168132 182866
182965 183414 186170 186196 191467 199809 202885
205837 208688 209869 209884 213401 213998 214138
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Szene aus Auerbachs Keller u. ſ. w. Ferner einige humoriſtiſche Sprechfilms u. a.:
Geſtörtes Ständchen, Der Politiker, Studenten=Kommers.
Es kommen in jedem Programm 6 deutsch ſprechende u. ſingende Films zur Vorführung.
Alles hier Gebotene iſt eine Aufſehen erregende Neuerung auf dem Gebiete der Kine=
matographie
. Es herrſcht nur eine Stimme des Lobes und der Verwunderung über dieſes
geniale Werk.
Aussprüche allerhöchster und hoher Herrschaften:
Kaiſer Franz Joſeph I.: Ich freue mich, daß man mir Gelegenheit gab, dieſe gewaltige Erfindung kennen zu lernen.
Das iſt ja Leben, vollſtändiges Leben, eine wunderbare Erfindung.
König Georg von England: Ich bin entzückt über die Erfindung dieſes Wunderwerks.
König Ludwig von Bayern: Jetzt ſtirbt man nicht mehr. Im Weſen des Kinetophons liegt die Unſterblichkeit.
König Wilhelm von Württemberg: Nun iſt auch dieſes Problem gelöſt. Man hat minutenlang das Empfinden, nicht
Bilder, ſondern lebende Menſchen vor ſich zu haben.
Großherzog Friedrich von Baden: Die Vorſtellung hat mich außerordentlich intereſſiert und meine Erwartungen über=
troffen
. Der Synchronismus ſtimmte bis ins kleinſte Detail.
Großherzog Ernſt Ludwig von Heſſen: Mich hat eine einmalige Vorſtellung des Kinetophons zu ſeinem dauernden
Freund gemacht.
Der Erfinder Thomas A. Ediſon: Es iſt nach meiner Ueberzeugung mein reifſtes und ſchönſtes Werk.
Anfang der Vorführungen nachmittags 3 Uhr und finden ununterbrochen bis 11 Uhr
abends ſtatt. Preiſe der Plätze: III. Platz 50 Pfg., II. Platz 75 Pfg., I. Platz 1.10 Mk.,
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Großherz. Hoftheater.
Donnerstag, den 14. Mai 1914.
166. Abonnem.=Vorſtellung. C 42.
Fidelio.
Große Oper in 2 Akten
von L. van Beethoven.
Muſikal. Leiter: Willem de Haan.
Spielleiter: Otto Nowack.
Perſonen:
Don Fernando,
Miniſter . . . Otto Semper
Don Pizarro,
Gouverneur eines
Staatsgefängniſſ. Georg Weber
Floreſtan, Gefang. Georg Becker
Leonore, ſeine Gat=
tin
, unter dem
Namen Fidelio . Franz. Callwey
Rocco, Kerkermeiſt. AlfredStephani
Marzelline, ſeine
Tochter .
. Marg. Beling=
Schäfer
Jaquino, Pförtner Karl Bernhardt
Erſter 1 Ge= Aug. Globerger
Zweiter fangener L. Schützendorf
Nach der Kerkerſzene im 2. Akt:
Leonore=Ouvertüre Nr. 3 von
Beethoven.
Chöre: Robert Preuß.
Nach dem 1. Akte längere Pauſe.
Krank: Sybille Huber.
Preiſe der Plätze (Kleine
Preiſe): Sperrſitz: 1.13. Reihe
3.70 , 14.19. Reihe 3.20 , Par=
terre
: 1.5. Reihe 2.35 , 6.8.
Reihe 1.95 , Proſzeniumsloge
5.20 , Mittelloge 5.20 , Bal=
konloge
4.70 , I. Rang 4.20 ,
II. Rang: 1.6. Reihe 2.15 ,
7. u. 8. Reihe 1.75 , I. Galerie
1.15 , II. Galerie 65 .
Kartenverkauf: an der Tages=
kaſſe
im Hoftheater von 9½ 1½
Uhr und eine Stunde vor Beginn
der Vorſtellung; im Verkehrsbüro
von 81 Uhr und von 2½ Uhr
bis kurz vor Beginn der Vor=
ſtellung
. (Im Verkehrsbüro wer=
den
auch telephoniſch Kartenbe=
ſtellungen
entgegengenommen.
Telephon Nr. 1582.)
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Freitag, 15. Mai. 167. Ab.=Vſt.
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8 Uhr.
Samstag, 16. Mai. Keine Vor=
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Frühlings=Feſtſpiele. Vierter
Abend: Kain und Abel
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