Darmstädter Tagblatt 1914


Nr. 114., Sonntag, den 26. April.

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 24 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Reichskanzler iſt nach Berlin zurück=
gekehrt
.
Auf der Werft der Aktiengeſellſchaft Weſer
in Bremen lief geſtern nachmittag der kleine
Kreuzer Erſatz Irene vom Stapel. Der erſte
Bürgermeiſter der Stadt Regensburg taufte das Schiff
auf den Namen Regensburg.
Die Geſandten der ſechs Großmächte haben am
Freitag der griechiſchen Regierung die Antwort=
note
der Mächte überreicht.
Der japaniſche Miniſterpräſident ließ erklären, daß Ja=
pan
keinerlei Abſicht habe, die Verwicke=
lungen
in Mexiko auszunützen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Politiſche Wochenſchau.

** Als Fürſt und mit ſonſtigen Zeichen kaiſerlicher
Anerkennung verläßt der bisherige Statthalter der Reichs=
lande
Graf Wedel die Stätte ſeiner erfolgreichen Wirk=
ſamkeit
, um Herrn v. Dallwitz Platz zu machen. Re=
präſentativ
geſtimmte Gemüter hielten auch für den neuen
Mann gleich eine Erhöhung ſeines perſönlichen Ranges in
Vereitſchaft. Aber dieſe ſeltſame Politik, die leere
Aeußerlichkeiten an die Stelle ſtaatsmänniſcher Leiſtungen
ſetzt, wird erfreulicherweiſe nur ein Erzeugnis privater
Einbildungskraft bleiben. Es beſteht vielmehr guter
Grund zu der Annahme daß bei der Berufung des bis=
herigen
preußiſchen Miniſters des Innern nach Straß=
burg
auch die Abſicht mitſpielte, unter Zurückdrängung
aller repräſentativen Erwägungen einen Beamten mit
der Statthalterſchaft zu betrauen, der als ſolcher den El=
ſaß
=Lothringern zum Bewußtſein bringt, daß ſie nur ein
Teil des deutſchen Ganzen ſind, und auf dieſe Weiſe der
Entwicklung eines elſaß=lothringiſchen Ueberſchwanges,
wie er des öfteren hervortrat, entgegenzuwirken.
Der jetzige Statthalter der Reichslande hat in dem
ehemaligen Unterſtaatsſekretär der Reichskanzlei v. Loe=
hell
einen Nachfolger erhalten. Als Vertrauensmann
des Fürſten Bülow in kritiſchen Zeitläuften der inneren
Politik bewährt, iſt Herr v Loebell anſcheinend zur Durch=
führung
wichtiger Aufgaben auserſehen. Vermutlich ſoll
er, der als Konſervativer die Fühlung mit dem Libera=
lismus
aufrechterhalten und gepflegt hat, der wachſenden
Entfremdung zwiſchen rechts und links entgegenwirken
und damit auf dem parlamentariſchen Kampfplatz das Ge=
lingen
einer Reform des preußiſchen Landtagswahlrechtes
i vorbereiten. Herrn v. Loebells Ernennung iſt von der
Rechten mit gedämpftem, von einflußreichſter Zentrums=
ſeite
mit unverhohlenem Mißtrauen aufgenommen wor=
* den. Man hat ihm namentlich im Zentrumslager nicht
die Tatkraft und Geſchicklichkeit vergeſſen, mit der er Zen=
trumsübergriffe
in die Verwaltung zurückwies und ohne
Furcht vor einer Reichstagsauflöſung den Wahlkampf mit
durchgefochten hat. Der Entwicklung der inneren Politik
Preußens darf man nach dieſem Miniſterwechſel erwar=
tungsvoll
entgegenblicken.
Für die Stellung des Reichskanzlers bedeuten
eide Perſonalveränderungen inſofern eine zweifelloſe
feſtigung, als ſie mit dem ausdrücklichen Hinweiſe an=
gekündigt
wurden, daß ſie nach Vortrag des Reichs=
kanzlers
erfolgt ſeien. Auf die Konſervativen dürfte die=
ſer
Umſtand ſchwerlich ohne Wirkung bleiben Sie müſſen
erkennen, daß weder ihre parlamentariſchen Angriffe noch
ihre außerhalb des Parlaments vermittels des Preußen=
bundes
gegen Herrn von Bethmann Hollweg gerichtete
Aktion ſeine Stellung ernſthaft erſchütterten; ſie haben
den Mann ihres beſonderen Vertrauens im Staatsmini=
ſterium
an die Reichslande verloren und finden ſeinen
Poſten durch einen Staatsmann beſetzt, von dem ſie tak=
tiſche
Ueberlegenheit zu erwarten haben.
Die Reichstagserſatzwahl in Schwetz
brachte dem freikonſervativen Abgeordneten v. Halem,
deſſen Mandat wiederholt angefochten war, diesmal den
Sieg mit einem ſo erheblich größeren Vorſprung vor dem
polniſchen Gegenkandidaten, daß der Wahlkreis nunmehr
wohl zur Ruhe kommen wird. Der Rückgang der polni=
ſchen
Stimmen hängt großenteils mit dem Fortzuge pol=
niſcher
Wanderarbeiter nach dem Weſten zuſammen und
darf infolgedeſſen nicht überſchätzt werden.
Vor einer Ueberſchätzung des Beſuches ihrer hohen
engliſchen Gäſte ſind die Franzoſen wohl trotz
der ſtürmiſchen Begeiſterung ſicher mit der ſie König
Georg und ſeine Gemahlin bejubelt haben. Denn auf
den Frühlingstraum der Pariſer Preſſe, das herzliche
Einvernehmen zwiſchen Frankreich und Großbritannien
zu einem Bündnis erweitert zu ſehen, iſt der Reif einer
kühlen Reuter=Erklärung gefallen, die, Sir E. Greys ge=
ſchickte
Hand in jedem Satze verratend, trocken feſtſtellt,
daß als Ergebnis der Pariſer Feſttage eine Erweiterung
der beſtehenden engliſch=franzöſiſchen Beziehungen nicht
erwartet werden könne. Indem die ruſſiſche Regierung
gleichzeitig verſicherte, Rußland habe niemals die Frage
einer Umbildung des Einvernehmens in ein Bündnis
aufgeworſen und Großbritannien einen entſprechenden

Vorſchlag nicht gemacht, erhielt jene Reuter=Erklärung ein
Gegenſtück, das iebhaft genug an die Geſchichte vom Fuchs
und den ſauren Trauben erinnert. Die Köln. Ztg. gab
in dieſem Zuſammenhange zu verſtehen, daß die Erwei=
terung
der Ententepolitik des Dreiverbandes zu einem
Bündnis für Großbritannien gegenüber Deutſchland, die
Abkehr von ſeiner jetzigen Entſpannungspolitik bedeuten
und durch Deutſchland entſprechend erwidert werden
würde.
Machten die Pariſer Feſttage auf die Börſe keinen
Eindruck, ſo wurde dieſe teils durch die Erkrankung des
Kaiſers Franz Joſef, der erfreulicherweiſe auf dem
Wege der Beſſerung zu ſein ſcheint, teils durch die ame=
rikaniſch
=mexikaniſche Kriſis beunruhigt.
Ohne Kriegserklärung und ohne Verkündung einer
Blockade haben die Amerikaner, nachdem in der Salut=
frage
zwiſchen ihnen und Huerta keine Einigung zuſtande
gekommen, unter erfolgreicher Bewältigung des Wider=
ſtandes
mexikaniſcher Truppen den Hafen Veracruz be=
ſetzt
und landeinwärts verſchanzte Stellungen bezogen.
Die Beſetzung des Hafens Tampico ſollte folgen iſt jedoch
aufgeſchoben worden. Die Einſtellung der Feindſelig=
keiten
durch die Amerikaner dürfte aber kaum erfolgen,
da die Salufrage nur einen Vorwand bildete und die
wirtſchaftspolitiſchen Gegenſätze zwiſchen der Union und
Mexiko fortdauern. Die neueſten Meldungen laſſen die
Haltung der Rebellen=Generale in einem den Vereinig=
ten
Staaten günſtigeren Lichte erſcheinen als die Er=
klärung
, die Garranza tags zuvor an Präſident Wilſon
gerichtet haf Nach der amerikaniſchen Meldung will der
Rebellenführer Villa in einen Krieg mit den Vereinigten
Staaten nicht hineingezogen werden, Carranza aber ſeine
Erklärung als Grundlage für weitere Verhandlungen an=
geſehen
wiſſen, die die Zurückziehung der amerikaniſchen
Truppen und die tatſächliche Anerkennung Carranzas als
Präſidenten oder kriegführende Partei zum Ziele hätten.
Daß Ville ſeine eigenen Wege gehen möchte, erſcheint nicht
unglaubwürdig. Die Angaben über Garranzas Abſichten
aber zeigen offenkundig das Beſtreben, ſeine an Wilſon
gerichtete Erklärung abzuſchwächen. Immerhin beſteht die
Möglichkeit, daß Carranza ein Doppelſpiel treibt um
von Amerika für ſich ſelbſt möglichſt viel herauszuſchlagen.
Aber ſeine Erklärung wendet ſich ſo unumwunden gegen
die Verletzung der Souveränität Mexikos durch die Union
und fordert ſo beſtimmt die Räumung von Veracruz, daß
man annehmen darf, Carranza richte ſich auf einen Krieg
gegen die Union ein. Letztere ſelbſt nimmt anſcheinend
dasſelbe an; denn ſie hat angeſichts der Erklärung Gar=
ranzas
das Waffenausfuhrverbot nach Mexiko erneuert.
Das Ende des mexikaniſchen Bürgerkrieges nötigt die Ver=
einigten
Staaten zur Führung eines Landkrieges, der
wegen der geographiſchen Ausdehnung und Beſchaffenheit
Merikos ſowie wegen der miltäriſchen Schwäche der
Union dieſe vor äußerſt ſchwierige Aufgaben ſtellt.

Die Pariſer Unterredungen.

* Der franzöſiſche Miniſterpräſident, Doumergue
erklärte einem Mitarbeiter des Petit Pariſien:
In meinen Unterredungen mit Sir Ed=
ward
Grey wurden alle Angelegenheiten erörtert, die
gegenwärtig, ſei es im Orient, ſei es anderwärts, die
franzöſiſche und die engliſche Diplomatie beſchäftigen.
Wir haben erkannt, daß in keinem Punke auch nür die
leichteſte Meinungsverſchiedenheit zwiſchen uns beſtehr.
Wie ſollte es auch anders ſein, da doch die Inter=
eſſen
der beiden Nationen in allen Teilen der Welt voll=
ſtändig
ſolidariſch ſind? Es war nur natürlich, daß im
Laufe dieſer Unterredungen auch die Rolle der ruſſiſchen
Dipkomatie zur Sprache kam. Wir können ſagen, daß
die Tripel=Entente niemals beſſer funk=
tioniert
hat, und daß das Konzert der Tripel=
Entente niemals enger geweſen iſt. Aber dieſes Kon=
zert
betätigt ſich für das Gleichgewicht und den Frieden.
Der Friede kann nur aus dem Gleichgewicht hervorgehen,
das bisher aufrechterhalten worden iſt. Wir ſind ebenſo
darauf bedacht, den Frieden zu ſchützen, als die Inter=
eſſen
eines jeden Teiles zu wahren. Ich lege Wert dar=
auf
, den hervorragenden Eigenſchaften Sir Edward Greys
öffentliche Anerkennung zu zollen. Dieſer Staatsmann
iſt ebenſo bemerkenswert durch die Klarheit ſeiner Ge=
danken
und durch Sachkenntnis, wie durch ſeine hohe Auf=
faſung
von Recht und Gerechtigkeit. Die franzöſiſch=
engliſchen
Feſte waren nicht bloß ein glänzender
Zwiſchenfall ohne Zukunft. Ich weiß, daß König Georg
und Königin Mary von dem ihnen bereiteten Empfang
durchaus befriedigt waren, und zwar nicht bloß von dem
amtlichen Empfang, ſondern auch von der Aufnahme, die
ſie bei der Pariſer Volksmenge gefunden haben. Dieſe
Aufnahme drückte die wirkliche Freundſchaft des Publi=
kums
aus, das bisweilen ein ſehr großer Diplomat iſt.
Die frohe Herzlichkeit, die ſich in allen Pariſer Vierteln
kundgegeben hat, iſt ein Anzeichen dafür, daß die Entente
cordiale nunmehr mächtige, unerſchütterliche Wurzeln im
Volke geſaßt hat.
Die Times ſchreibt zu dem Beſuch des eng=
liſchen
Königspaares:
Seine Bedeutung liegt in der Tatſache, daß ſein
Charakter wefentlich konſervativ war. Er
hat nichts neues in die Beziehungen zwiſchen beiden
Ländern eingeführt oder etwas an dem früheren Beſtand
geändert. Er läßt die Entelle mit Frankreich und die
Eripel Entente, wie er ſie fand die auf denſelben Prin=
zipien
baſiert und dieſelben Ziele verfolgt wie zuvor.

Er hat ſie vor den Augen aller Welt bekräftigt und beide
Nationen ſind ſich darüber einig, daß dieſe Bekräftigung
genigt.

Die Großmächte und Griechen=
land
.

* Die Geſandten der ſechs Großmächte
haben am Freitag dem Miniſterpräſidenten Venizelos
die Antwortnote der Mächte auf die Note Grie=
chenlands
vom 22. Januar überreicht. Venizelos erklärte,
die Regierung würde unverzüglich den Befehl geben zur
Räumung der von den griechiſchen Truppen noch beſetzten
Teile von Epirus.
Da der Miniſter des Aeußern Streit unpäßlich iſt,
begaben ſich die Vertreter der Großmächte zum Kriegs=
miniſter
und Miniſterpräſidenten Venizelos und über=
reichten
nacheinander die Antwort der Mächte. Die Mächte
würdigen darin den Wert der Verſicherungen Griechen=
lands
in der Note vom 21. Februar. Die griechifchen
Wünſche ſeien der Gegenſtand wohlwollender Prüfung
ſeitens der ſechs Mächte geweſen. In der Note heißt es
weiter:
Schon von der albaniſchen Kontrollkommiſſion war
beſchloſſen worden, daß der albaniſchen Bevöl=
kerung
völlige Gleichheit zugeſichert werden ſollte
hinſichtlich ihrer Religion, Sprache und verſchiedenen
Rechte. Die Mächte ſind bereit, ihren ganzen Einfluß
auszuüben damit der durch die Kontrollkommiſſion auf=
geſtellte
Grundſatz tatſächlich durchgeführt wird,
die wirkſamſte Maßregel, den verſchiedenen Volksſtämmen
die materiellen und moraliſchen Wohltaten zu verſchäffen.
Die Mächte ſind geneigt, Albanien zu empfehlen, den
griechiſchen Vorſchlag in Erwägung zu ziehen, der die
Einſtellung lokaler Elemente in die ſüdalbaniſche Gendar=
merie
betrifft. Die Mächte ſind geneigt, ihren ganzen
Einfluß bei der Türkei auszuüben, damit die griechiſche
Bevölkerung von Imbros, Tenedos und Caſtelloritzo
wirkſame Garantien erhält, die zum Schutze ihrer Inter=
eſſen
und ihrer Schulen notwendig ſind. Was den Grund=
ſatz
der Neutralität des Kanals von Korfu betrifft, ſo
erklären die Mächte, daß ſie bereit ſind, an einem inter=
nationalen
Uebereinkommen teilzunehmen. Die Mächte
ſehen kein Hindernis darin, daß der Plan einer Berich=
tigung
der griechiſch=albaniſchen Grenze in der Gegend
von Argyrokaſtro wirkſam werde. Dagegen halten ſie die
Linie für die Erenze bis Caſtelloritzo aufrecht, ohne jedoch,
bis die endgültige Feſtſetzung der Grenze erfolgt, einer
Ueberprüfung Widerſtand entgegenzuſetzen, wofern die
Wünſche Griechenlands ſich mit der gegebenen Grenzlinie
vereinbaren laſſen. Bezüglich der ägäiſchen In=
ſeln
, die Griechenland zugeſprochen worden ſind, wer=
den
die Mächte ihren freundſchaftlichen Einfluß auf die
Türkei dahin ausüben, daß Griechenland im Beſitz dieſer
Inſeln nicht geſtört wird, und daß die gemeinſame Ent=
ſcheidung
Europas von der Türkei beachtet wird. Die
Vertreter der Mächte empfahlen hierauf Griechenland
mündlich die Räumung von Nord=Epirus. Miniſterpräſi=
dent
Venizelos antwortete, er werde hierüber ſofort ent=
ſprechende
Befehle erteilen.

Deutſches Reich.

Bei der Reichstagserſatzwahl im
Wahlkreiſe Königsberg 6 (Braunsberg= Heils=
berg
) wurden 11890 gültige Stimmen abgegeben. Hier=
von
erhielten Gouverneur a. D. Freiherr v. Rechenberg=
Berlin=Schöneberg (Zentr.) 10835 Stimmen, Erzprieſter
Hinzmann=Wormditt (Zentr.) 802 Stimmen und Redak=
teur
Marchionini=Königsberg (Soz.) 227 Stimmen. Zer=
ſplittert
waren 26 Stimmen. Freiherr v. Rechenberg iſt
ſomit gewählt.
Beamtennovelle und Rennwettgeſetz.
Es iſt ſchon vor einiger Zeit mitgeteilt worden, daß in
Bundesratskreiſen die Abſicht beſtehe, die Beſoldungs=
novelle
ſcheitern zu laſſen, falls das Plenum des Reichs=
tages
den weitergehenden Beſchlüſſen ſeines Ausſchuſſes
beitritt. Es beſteht aber dann auch die Gefahr, daß das
Geſetz über die Altpenſionäre nicht zuſtande kommt, da
der Reichstag ohne Beamtenbeſoldungsnovelle dem neuen
Renngeſetz nicht zuſtimmen dürfte, deſſen Einnahmen zur
Deckung des Mehrbedarfs für die Gehalts= und Penſions=
erhöhungen
herangezogen werden ſollen. In Bundesrats=
kreiſen
wird großer Wert darauf gelegt, daß das Renn=
wettgeſetz
ſchon zum 1. Juli in Kraft tritt, damit noch
in dieſem Jahre die Beſtenerung inländiſcher Rennen e

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

Nummer 114.

folgen kann. Falls die Einigung zwiſchen Bundesrat und
Reichstag über alle drei Geſetzentwürfe zuſtande kommt
und das Rennwettgeſetz ſchon im Sommer in Kraft treten
kann, ſollen auch die vorgeſehenen Beamtenklaſſen und
Altpenſionäre ſchon vom 1. Juli ab in den Genuß der
höheren Einnahmen treten. Es wird deshalb als drin=
gend
wünſchenswert bezeichnet, daß das Rennwettgeſetz
im Laufe des Mai vom Reichstag verabſchiedet wird. Im
Juni würden dann die Ausführungsbeſtimmungen des
Bundesrats erſcheinen und Konzeſſionierungen von Buch=
machern
erfolgen.
Der Deutſche Landwirtſchaftsrat
und die Handelsverträge. Der Deutſche Land=
wirtſchaftsrat
hat einen handelspolitiſchen Ausſchuß mit
drei Unterausſchüſſen gebildet. Letztere treten im Mai
zuſammen, zwei in Berlin und einer in Wiesbaden. Zu
den Sitzungen ſind auch die Verbände des Obſt=, Wein=
und Gemüſebaues geladen, die zum Teil bereits Stellung
zur Neuregelung der Handelsverträge genommen haben.
Die Arbeiten der Ausſchüſſe ſollen ſo beſchleunigt werden,
daß der ſtändige Ausſchuß des Deutſchen Landwirtſchafts=
rates
in ſeiner Sommerſitzung Ende Juni in Koblenz
über die Anträge verhandeln kann.
Die Nationalliberalen. Das offizielle
Organ der nationalliberalen Parteileitung, die National=
liberale
Korreſpondenz, nimmt Stellung zu der Weigerung
der Jungliberalen, ihren Reichsverband gemäß dem Be=
ſchluſſe
des Parteivorſtandes aufzulöſen, und zur Er=
klärung
der Altnationalliberalen, die danach den Be=
ſchluß
des Zentralvorſtandes als gegenſtandslos bezeich=
net
. Die beiden Kundgebungen, ſo läßt nunmehr der
Parteivorſtand erklären, die ſchließlich nicht von der letz=
ten
entſcheidenden Stelle ausgehen, werden den geſchäfts=
führenden
Ausſchuß der Partei von dem energiſchen Ver=
ſuch
, den beinahe einmütig gefaßten Beſchluß des Zen=
tralvorſtandes
auf dem Wege gütlicher Verhandlungen zur
Durchführung zu bringen, nicht abbringen. Wie dieſe
Verhandlungen auch endigen, ihr Ergebnis wird dem im
Herbſt ſtattfindenden Parteitag vorgelegt werden, dem
das letzte Wort in der Angelegenheit gebührt.
Gegen die Feier des 1. Mai durch Ar=
beitseinſtellung
treffen einzelne Arbeitgebervpr=
bände
entſchiedene Maßnahmen. So hat der Verband der
Metallinduſtriellen im Bezirk Leipzig ſeinen Mitgliedern
die Verpflichtung auferlegt, etwaige Geſuche von Ar=
beitern
um Beurlaubung für den 1. Mai abſchlägig zu be=
ſcheiden
und diejenigen Arbeiter, welche den 1. Mai ganz
oder teilweiſe feiern, zu entlaſſen. Will ein Verbands=
mitglied
einen ſeiner enſtlaſſenen Arbeiter wieder an=
nehmen
, ſo darf dies nach Ablauf von mindeſtens einer
Woche geſchehen. Ein anderes Verbandsmitglied ſoll
ſolche Arbeiter nicht vor ſechs Wochen nach dem 1. Mai
einſtellen dürfen. Der Arbeitgeber=Schutzverband der
deutſchen Tiſchlermeiſter und Holzinduſtriellen hält ſeinen
alljährlich gefaßten Beſchluß, nach dem auf eigenmächtiges
Verlaſſen der Arbeit am 1. Mai ſofortige Entlaſſung und
Ausſperrung auf die Dauer von drei bis zu zehn Tagen
erfolgt, ebenfalls aufrecht.
Die Freifahrkarten der preußiſchen
Abgeordneten. Im preußiſchen Abgeordnetenhauſe
lag ein Antrag des Abg. Dr. Dittrich (Zentr.) vor, der
von den Nationalliberalen, der Volkspartei und den Frei=
konſervativen
mit unterſtützt iſt und die Regierung er=
ſucht
, während der Legislaturperiode den Mitgliedern des
Abgeordnetenhauſes für die geſamte Monarchie eine Frei=
fahrkarte
auf den preußiſch=heſſiſchen Staatsbahnen zu

gewähren. Unterſtaatsſekretär Dr. Drews verlas dann
folgende Erklärung des Miniſters des Innern:
Ich bin nicht in der Lage, die Zuſtimmung des Kgl.
Staatsminiſteriums zu dem Antrage Dr. Dittrich, betr.
die Bewilligung von Eiſenbahnfreifahrkarten während
der ganzen Legislaturperiode an die Mitglieder des Hau=
ſes
der Abgeordneten in Ausſicht zu ſtellen. Die Frage
der Abänderung der Vorſchriften über die Diäten und
Reiſekoſten der Abgeordneten war in der letzten Seſſion
der vorigen Legislaturperiode eingehend in Kommiſſions=
beratungen
erörtert worden. Das Ergebnis der hierbei
vorgenommenen Abſtimmungen eröffnet nicht die Mög=
lichkeit
, eine entſprechende Neuregelung mit dem für die
Staatsregierung in vorderſter Reihe ſtehenden Ziele der
Verbeſſerung der Präſenzverhältniſſe des Hauſes in Ein=
klang
zu bringen. Damit entſchwindet die erſte Grund=
lage
für ein Vorgehen der Staatsregierung, der in dieſer
Frage eine beſonders ſorgfältige Prüfung um ſo mehr
auferlegt iſt, als mit der Erfüllung des Wunſches eine
Veränderung der verfaſſungsmäßigen Vorſchriften ver=
bunden
ſein würde.
Sozialdemokratiſche Niederlagen in
Baden. Die nach den neuen Beſtimmungen der Reichs=
verſicherungsordnung
in Baden vollzogenen Ausſchuß=
wahlen
für die Ortskrankenkaſſen haben in 38 bisher ſo=
zialdemokratiſch
geleiteten Krankenkaſſen die ſozialdemo=
kratiſche
Alleinherrſchaft gebrochen. Die Liſten der chriſt=
lichen
Gewerkſchaften haben einen Geſamtzuwachs von 57
vom Hundert aufzuweiſen.

Ausland.

Frankreich.
Caillaux hielt in einer Wählerverſammlung in
La Ferté=Bernard eine Anſprache, in der er ſagte: Meine
Gegner haben bekundet, daß ich ein abgetaner, geſchlage=
ner
Mann ſei. Da irrt man ſich gewaltig. Ich werde
morgen, ebenſo wie geſtern, in der Breſche ſtehen. Dazu
bedarf es der republikaniſchen Wähler von Mamers. Ich
brauche Euch, um mich zu rächen. Ihr müßt mich rächen,
denn Euch wollte man treffen, indem man auf mich zielte.
Trachtet deshalb, daß mit meinem Siege die Republik,
die Freiheit, Gerechtigkeit und der Friede der Welt
triumphiere.
Der Generalſtab wird zwiſchen dem 27. April
und dem 3. Mai eine gemeinſame Reiſe nach den Ge=
bieten
an der belgiſchen Grenze antreten. An dieſer Reiſe
werden nicht weniger als 25 Generäle und 250 Offiziere
aller Chargen und Waffengattungen teilnehmen. An der
Grenze ſollen kriegsmäßige Uebungen zwiſchen einen
blauen Partei unter dem Oberbefehl des Generals Ruffey
und einer roten Partei unter dem General Caſtelnau ſtatt=
finden
.
Rußlana.
Der Beſuch des Zaren am ſchwediſchen
Hof erfolgt, wie in Petersburg verlautet, unmittelbar
nach der Reiſe der Zarenfamilie in die Schären.
Amerika.
Die Streikbewegung in Süd=Kolorado
ergreift weitere Arbeiterkreiſe. Der Staatsverband der
Gewerkſchaften erließ einen Aufruf an alle Arbeiter, ſich
zu verſtändigen und zur Unterſtützung der Kohlengräber
nach Süd=Kolorado zu ziehen. Die Schriftſetzer=Union in
Denver bewilligte 500 Dollar zur Anſchaffung von Waf=
fen
. Bei einem Gefecht zwiſchen Truppen und Streiken=
den
nahe Monſon gelang es dieſen, zwei Militärzüge zum
Halten zu bringen.

* Paris, 24. April. Vor ſeiner Abreiſe ſandte der
König von England an den Präſidenten Poin=
caré
ein Telegramm, in dem er ſeinem und der Königin
beſten Dank für den ſo herzlichen und freundſchaftlichen
Empfang Ausdruck gab, den ſie empfunden hätten. Der
Aufenthalt in Paris werde immer eine ihrer koſtbarſten
Erinnerungen ſein, und ſie würden niemals die Aufnahme
vergeſſen, die ihnen bereitet worden ſei. Der König wie=
derholte
dem Präſidenten gegenüber die Wünſche für eine
glückliche Aufrechterhaltung der innigen Beziehungen zwi=
ſchen
den beiden Ländern. Präſident Poincaré ſandte ein
Danktelegramm, in dem es heißt: Paris, welches die
Freude gehabt hat, das Herrſcherpaar des befreundeten
Reiches zu begrüßen, und die geſamte franzöſiſche Be=
völkerung
werden entzückt bleiben von dem Beſuch, den
ſie nicht vergeſſen werden.

Natur und wir.

) Der Menſch iſt ganz Menſch nur in der Natur. Wir
Deutſchen zumal ſind ſo mit ihr verwachſen, daß wir un=
ſeres
Lebens höchſte Weihe von ihr empfangen. Was be=
deuten
alle anderen Stimmen, wenn die Mutter zu uns
ſpricht? Sie aber iſt unſere Mutter, aus deren Schoß wir
hervorgegangen ſind, die uns am Herzen hält und der wir
unſere eigene Luſt und Freude entgegenbringen. Sie iſt
unſere beſte Freundin und heimlichſte Vertraute, die Mit=
wiſſerin
unſerer ſtillſten Geheimniſſe. Sie, die das heilige
Schweigen kennt.
Wir ſind niemals ganz glücklich im Salon. Die
höchſte Freude treibt uns hinaus in die ſchöne Welt. Der
Wald muß unſeren Jubelruf hören und widerhallen
Unſer Herz muß ſingen mit den Vögeln und hüpfen mit
den Rehkälbern. Es muß ſich recken und ſtrecken mit den
ſchlanken Stämmen und lachen mit den wilden Waſſern.
Wir brauchen den Sturm, daß wir ihn übertönen, und
den Wind, daß er mit unſeren Haaren ſpielt. Und wenn
wir ganz glücklich ſind, ſtürmen wir frohlockend auf die
Eipfel, werfen die Arme in die Luft und ſind frei.
Unſeren Schmerz können wir nicht in unſeren vier
Wänden begraben. Wir tragen ihn hinaus in den düſte=
ren
Tann, wo die Stille wohnt. Die heiligen dunkeln
Wälder ſind die Kammern unſeres Leides. Dort bergen
wir uns wie das verwundete Tier im Dickicht. Dem
Walde ſagen wir alles und er empfängt alle unſere Seuf=
zer
. Er legt ſeinen milden Arm um uns und nimmt uns
auf wie ein Kind. Er redet nicht, wie Menſchen ſprechen,
aber in ſeinen Wipfeln weht das heilige Verſtehen, das
aus gleichem Schmerz geboren iſt, aus dem Schmerz der
Welt. Im dunkeln Walde betten wir unſer Herz wie auf
weiches Moos und in ſeiner wunderbaren Weite löſt ſich
die ſchwerſte Bitterkeit. Der Wald iſt unſer Freund.
Und unſere Sehnſucht tragen wir in die weite Ebene.
Wenn ſich die unendliche Fläche vor dir dehnt, über der
der alte Himmel hängt, dann wird dein Herz ſchwermütig
und begehrt das Namenloſe. Aber der Wunſch iſt nicht
heftig und wild, ſondern aufgeſogen von der Ferne, die
weit, weit verſchwimmt. Was ſollſt du begehren, wo das
Grenzenloſe vor dir liegt? Du wirſt wünſchen und fühlen,
wie klein du biſt. Du wirſt aufgehen wollen im All und
verzichten auf dein begrenztes Gelüſte. So wirſt du weh=
mütig
=glücklich ſein.
So gehören Menſch und Natur zuſammen. Gott hat
ſie für einander geſchaffen, daß ſie Freunde ſind und daß
das Menſchenherz im Angeſicht der Welt für jede neue
Stimmung ein neues Verſtehen findet.

Wie Veracruz genommen
wurde.

** Erſt jetzt bringt der Kabel aus dem ſo ſchnell von
den Amerikanern überwältigten Veracruz die genaue=
ren
Einzelheiten der Umſtände unter denen Onkel Sams
Marineſoldaten die Stadt beſetzten und nicht ohne
Blutvergießen an die Stelle der mexikaniſchen Trikolore
das Sternenbanner ſetzten.
Am Morgen des entſcheidenden Dienstags wußte
Veracruz noch nichts von dem Schickſal, das ihm bevor=
ſtand
. Aber eine dumpfe Ahnung nahender ſchwerer Er=
eigniſſe
lag über der Stadt, und die vielen Leute, die von
der Hafenſeite aus die amerikaniſchen Schiffe beobachteten,
verfolgten mit einer Miſchung naiver Neugier und banger
Ungewißheit den Verkehr zwiſchen der Flotte und dem
amerikaniſchen Konſulat. Noch wußte die Menge nichts
davon, daß Admiral Fletcher entſchloſſen war, die Ver=
hängung
der Blockade mit der Beſetzung des Zollamtes
zu eröffnen, und daß im Auftrage des Admirals der ameri=
kaniſche
Konſul den Militärkommandanten General Maas
und den Bürgermeiſter Diaz aufgefordert hatte, im Namen
der Humanität unter Androhung eines Bombarde=
ments
die Stadt zu übergeben. Träge ſchien der Vor=
mittag
verſtreichen zu wollen, und auf der kleinen Inſel
San Juan d’Ulloa wogten die Kronen der Kokospalmen
im Morgenwinde. Wird’s etwas geben? Was führen die
Yankees, die Gringos im Schilde? Schon drohte der
Eifer der Schwätzer am Strande zu erlahmen, als plötzlich,
ohne Warnung ohne Uebergang, das Bild ſich veränderte
und die läſſige Neugier zur höchſten Spannung wandelte.
Es war um 11 Uhr, als jäh von der Seite des Trans=
portſchiffes
Prairie ein Dutzend bemannter Boote her=
vorſchoß
und im Tageslichte Gewehrläufe blitzten. Die
kleinen Fahrzeuge nahmen ſofort ihren Kurs auf die Lan=
dungsbrücke
, wo die mexikaniſchen Zuſchauer ſich drängten
und noch immer nicht an den Ernſt der Situation glauben
wollten. Als die Boote anlegten und die 250 Amerikaner,
nicht ohne Aufwendung turneriſcher Anſtrengungen ans
Land ſprangen, tönte ihnen aus der Volksmenge heiteres
Gelächter entgegen: man amüſierte ſich köſtlich über die
Springerkünſte der neuen Gäſte. Aber ſchnell ſollte dieſe
harmlos behagliche Stimmung enden. Noch war kein
Widerſtand erfolgt, noch war kein Schuß gefallen; jetzt
aber ſah man auf den Dächern der Häuſer an der Waſſer=
front
Metall aufblitzen, ſah über den Mauern und zwi=
ſchen
Fenſterrahmen einzelne Gewehrläufe auftauchen, und

als die Amerikaner ſich in Richtung auf das Zollhaus in
Bewegung ſetzten, ward aus der Operettenſtimmung jäh
Ernſt. Nach den erſten Schritten blitzte es an einem Häuſer=
dache
auf, dann an drei, vier anderen Stellen: und einen
Augenblick ſpäter war das Schießen allgemein geworden.
Die Amerikaner antworteten ſofort: und wenige Sekun=
den
ſpäter fiel der Baß der Kanonen ein. Als man ſah,
daß Widerſtand geleiſtet werden ſollte, begann die
Prairie zu feuern um die Mexikaner, Soldaten wie be=
waffnete
Bürger zu verſcheuchen. Aber es war umſonſt:
die Landungstruppen mußten zum ſchnellen Angeiff ſchrei=
ten
. Noch war niemand gefallen. Dann ſah man zwei
Amerikaner getroffen niederſinken, die Erregung unter den
Gelandeten flammte auf, und im nächſten Augenblick
ſtürmten die Truppen vor. Fünf Minuten ſpäter waren
die Dächer der nächſtliegenden Häuſer geſäubert, die
Schützen mit dem Bajonett zum Schweigen gebracht, die
erſten Menſchenopfer dieſes friedlichen Krieges gefallen.
Ein paar mit der Waffe in der Hand überwältigte Bürger
wurden als Gefangene abgeführt: und nun erfolgte ohne
weiteren Zwiſchenfall die Beſetzung des Zollhauſes. Faſt
alle Beamten hatten bereits die Flucht ergriffen. In=
zwiſchen
waren an anderen Stellen weitere Matroſen ge=
landet
: und als die Mittagsſtunde ſchlug, waren nicht nur
das Zollamt, ſondern auch das Poſtamt, der Bahnhof, das
Rathaus und alle wichtigen Gebäude an der Hafenſeite in
den Händen der Amerikaner. Dies war der Augenblick,
in dem der einzige Verſuch eines organiſierten Wider=
ſtandes
einſetzte. Man ſah Banden von Mexikanern in
weſtlicher Richtung die Stadt verlaſſen: und wenige Mi=
nuten
ſpäter war ihre Abſicht offenkundig geworden. Es
war der Verſuch eines Umgehungsmanövers, um die
amerikaniſchen Truppen im Bahnhofsgebäude abzuſchnei=
den
. Von der Flotte aus ward die Bewegung rechtzeitig
beobachtet, und nun ſäten die Geſchütze der Prairie‟ Tod
und Verderben in die kleine Schar. Es währte nur wenige
Minuten, dann war die Truppe aufgelöſt und der einzige:
Verſuch eines einheitlichen militäriſchen Widerſtandes er=
ledigt
. Aber das Schießen von den Häuſerdächern ſchwieg
darum noch nicht. Es waren nicht nur Bürger, die hier
in patriotiſcher Hitze mit dem Schießprügel hantierten; am
Tage vorher waren mit der Bahn aus dem Inneren aller= abenteuerliche Elemente eingetroffen die im Falle eines
amerikaniſchen Ueberfalles ein wenig Lorbeer ernten und
wohl noch mehr im Trüben fiſchen wollten. Von den
Stadtteilen aus, die von den Eroberern noch nicht beſetzt
waren, untechielten ſie ein lebhaftes aber ſchlechtgezieltes
Feuer auf die Matroſen, wo immer ein Trupp auftauchte.
Es war umſonſt, daß der amerikaniſche Admiral einen

Stadt und Land.

Darmſtadt, 26. April.
* Vom Hofe. Die Großherzoglichen Herrſchaften.
begaben ſich am Freitag abend 7 Uhr im Auto zum
Beſuch der Fürſtin=Mutter zu Erbach=Schönberg nach
Schloß Schönberg und kehrten um 10 Uhr 30 Minuten.
zurück. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Der Großherzog empfing am
Samstag den Leutnant der Reſerve v. Wolf, Vorſtand
der Depoſitenkaſſe der Bank für Handel und Induſtrie,
den Amtsrichter Dr. Wahl von Wöllſtein, den
Dr. Clemm v. Hohenberg von Mannheim, den Direktor
der Realſchule Foermes, den Pfarrer Zimmermann, den
Direktor Dr. Bauer von Gießen, den Geheimerat Ludo
Mayer von Offenbach a. M., den Miniſterialſekretär
Finanzrat Lony, den Seminarlehrer Krämer, den
kammerjunker Miniſterialſekretär Frhrn. v. Senarclens=
Grancy, den Architekten Margold; zum Vortrag den
Staatsminiſter v. Ewald, den Finanzminiſter Braun,
den Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach, den
Vorſtand des Kabinetts Geheimerat Römheld.
Ordensverleihungen. Der Großherzog hat
dem Oberlehrer a. D. Profeſſor Wilhelm Engel=
hardt
in Dieburg die Krone zum Ritterkreuz 1. Klaſſe
des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen und
dem Bürgermeiſter und Ortsgerichtsvorſteher Andreas
Kliem III. zu Kloppenheim die Krone zum Silbernen
Kreuz des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen
verliehen.
In den Ruheſtand verſetzt wurden der Weichen=
ſteller
in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft
Peter Hofmann zu Nieder=Flörsheim und der Bahn=
wärter
in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft
Peter Spengler zu Langſtadt, beide mit Wirkung
vom 1. Mai 1914 an.
g. Verwaltungsgerichtshof. Der Verwaltungs=
gerichtshof
hatte ſich in ſeiner geſtrigen Sitzung mit!
einer Klage über die Heranziehung zur Kanalbenutzungs=
gebühr
zu befaſſen. Das Grundſtück der Eheleute Karl
Johann Haſſemer in Bingen grenzt mit ſeinem hins
teren Teile, dem Garten, an einen Weg, und zwar ur=
ſprünglich
nur mit einem ſchmalen Streifen. Auf Grund
dieſer Angrenzung wurden ſie zu den Kanalgebühren her=
angezogen
, und zwar für das geſamte an den Weg gren=
zende
Grundſtück, einſchließlich des vom Nachbar erſt ſpä=
ter
zur Arrondierung zugekauften Geländes. Der Kläger
erklärte ſich nur bereit, die Gebühren für den Streifeng
der urſprünglich zum Grundſtück gehörte, zu zahlen, da=
gegen
wurde die Zahlungspflicht für das neu erworbenef
Gelände beſtritten, da dieſes nicht mit dem übrigen.
Grundſtück eine wirtſchaftliche Einheit bilde. Es beſtehe
auch gar nicht die Abſicht, das neue Grundſtück völlig mit
dem alten zu vereinigen. Der alte Zaun ſei ſtehen ge=
blieben
und nur eine Türe führe in den neu erworbenen
Teil. Der Provinzialausſchuß der Provinz.
Rheinheſſen hatte der Klage ſtattgegeben und dahin
erkannt, daß eine Heranziehung des neu erworbenen Ge=
ländes
nicht ſtatthaft ſei. In der geſtrigen Berufungs=
verhandlung
vor dem Verwaltungsgerichtshof wurde vom
Vertreter des Klägers noch geltend gemacht, daß das ſtrit=
tige
Gelände gewiſſermaßen zur Bauſpekulation erworben
ſei. Der Verwaltungsgerichtshof erkannte in dieſer Sache
dahin, die Klage der Eheleute Haſſemer wird unter

[ ][  ][ ]

Nummer 114.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

Seite 3.

Aufhebung des Urteils des Provinzialausſchuſſes abge=
wieſen
. Dem Kläger fallen die Koſten beder Inſtanzen
zur Laſt.
g. Provinzialausſchuß. Auf Veranlaſſung der Be=
hörden
wurden der ſeit 1886 beſtehenden Talgſchmelze der
Firma Loeb hier neue erſchwerte Bedingungen auferlegt,
um insbeſondere die läſtige Fliegenplage und den üblen
Geruch zu beſeitigen, der durch dieſen Betrieb verurſacht
werde. Gegen dieſe Bedingung erhob die Firma Ein=
ſpruch
. Daraufhin befaßte ſich der Kreisausſchuß am
26. November mit dieſer Sache und ſetzte 16 Bedingun=
gen
feſt mit der Maßgabe, daß neue Bedingungen geſtellt
würden, wenn die Mißſtände hierdurch nicht behoben
würden. Der Provinzialausſchuß beſchloß in ſeiner
geſtrigen Verhandlung über die Berufung der Firma
einen Augenſcheinstermin an Ort und Stelle. Der Ge=
legenheitsarbeiter
Wilhelm Haberboſch von Offenbach
hetreibt einen Trödelhandel, ohne die erforderlich An=
zeige
erſtattet zu haben. Das Kreisamt Offenbee te
den Antrag, dem H. den Gewerbebetrieb zu un en.
Der Provinzialausſchuß beſchloß demgemäß auf unter=
ſagung
des Handels. Der Leonhard Trinkaus in
Nieder=Kainsbach will im Umherziehen mit Federvieh,
Lumpen, altem Eiſen, Zuckerwaren uſw. handeln. Das
Kreisamt Erbach hatte das wiederholte Geſuch um Er=
teilung
eines Wandergewerbeſcheines abgewieſen. Der
Provinzialausſchuß erkannte geſtern auf Verwerfung
der Berufung des Geſuchſtellers gegen das Urteil
des Kreisausſchuſſes.
g. Strafkammer I. Der Arbeiter Wilhelm Lorenz
und ſein Schwiegerſohn Pabſt hatten einen gewiſſen
Schneider ſchwer mißhandelt und waren deshalb vom
Schöffengericht zu 9 Monaten und 4 Monaten Gefängnis
verurteilt worden. Gegen dieſe Verurteilung verfolgten
ſie Beruſung an die Strafkammer. Der Verletzte hatte
felbſt Anlaß zu der Mißhandlung gegeben, indem er in
betrunkenem Zuſtande die auf der Straße ſtehenden An=
geklagten
durch wirre Redensarten beläſtigte und ſich nicht
abweiſen ließ. Das Berufungsgericht würdigte dieſen
Sachverhalt und ermäßigte die Strafe auf 6 bezw. 3 Mo=
nate
Gefängnis. Der Weißbinder Mayer von Nieder=
Modau hatte im Dezember in Ernſthofen bei einer Rau=
ferei
mit Ernſthofener Burſchen einen der Gegner durch
Fußtritte, den anderen mit der Fauſt arg mißhandelt. Er
hatte deshalb 6 Wochen Gefängnis vom Schöffen=
gericht
zudiktiert erhalten. Seine Berufung nahm er nach
nochmaliger Verhandlung auf Anraten zurück. Der aus
Oeſterreich ſtammende Kürſchner Franz Czerwenka
hatte auf der Wanderſchaft hier in einem Hauſe gebettelt
und war dabei in die Magdkammer eingebrochen. Es
fielen ihm dabei Kleider und Schmuckſachen in die Hände
Die Strafkammer verurteilte ihn zu 7 Monaten Ge=
fängnis
abzüglich einen Monat der Unterſuchungs=
haft
.
Vom Hoftheater. Die heutige zweite Feſtſpiel=
Aufführung Don Juan beginnt, worauf nochmals be=
ſonders
aufmerkſam gemacht ſei, um 7½ Uhr. Am Diens=
tag
geht als vierte und letzte Vorſtellung des Shakeſpeare=
Zyklus Der Kaufmann von Venedig in Szene,
der in der Neuausſtattung und Neubeſetzung dieſes Jah=
res
einſtimmig als eine der beſten Vorſtellungen des
Schauſpiels bezeichnet wurde. Für Mittwoch iſt die Pre=
miere
von Shaws Komödie Helden angeſetzt, in der
die Damen Müller=Rudolph, Meißner und Gothe, ſowie
die Herren Jordan, Harprecht, Ehrle, Jürgas und Schnei=
der
beſchäftigt ſind; die Spielleitung hat Hans Baumeiſter.
HK. Ausſchuß in Sachen des unlauteren Wettbewerbs
bei der Großh. Handelskammer Darmſtadt. Die Beſtre=
bungen
der Handelskammer, einen derartigen Ausſchuß zu
bilden, ſind nunmehr zum Abſchluß gelangt. Es beſteht
der Ausſchuß, welcher ſich in erſter Linie die Ueberwachung
der Ausverkäufe zur Aufgabe ſtellt, aus der Kleinhandels=
kommiſſion
der Handelskammer, die ſich je nach Bedarf
aus Branche=Sachverſtändigen ergänzt. Zu dieſem Zwecke
ſind der Handelskammer 18 Sachverſtändige aus den
Gruppen Bekleidung, Lebensmittel, Haushalt und
Verſchiedenes in Darmſtadt benannt worden. Von aus=
wärtigen
Plätzen können Sachverſtändige nach Bedarf zu=
gezogen
werden. Der Ausſchuß wird die Aufgabe haben,
die angemelden Ausverkäufe und eingereichten Waren=
verzeichniſſe
zu prüfen, worauf den betreffenden Anmel=
dern
jeweilig mitgeteilt wird, ob Ausverkaufs= und
Warenverzeichnis den geſetzlichen Vorſchriften entſprechen.
Sind keine Einwendungen gegen die Ausverkaufsanzeigen
zu erheben, ſo wird mitgeteilt, daß gegen die Veröffent=
lichung
und den Beginn des Ausverkaufs von einem
gewiſſen Zeitpunkt ab nichts einzuwenden iſt. Sollten da=

gegen Einwendungen vorhanden ſein, ſo werden die be=
treffenden
Intereſſenten erſucht, ſich zur Behebung derarti=
ger
Anſtände auf dem Bureau der Handelskammer zu
weiterer Beſprechung einzufinden. Falls die Anſtände
nicht beſeitigt werden können, ſo würde ſich der Ausſchuß
genötigt ſehen, die zuſtändige Stelle zwecks Erhebung
einer Strafanzeige zu benachrichtigen. Ebenſo wird der
Ausſchuß die Anzeigen in den Tagesblättern überwachen
und bei etwaigen Verſtößen gegen die Beſtimmungen des
unlauteren Wettbewerbsgeſetzes die betreffenden Firmen
darauf aufmerkſam machen, daß bei weiterer Veröffent=
lichung
der Anzeige eine Strafe zu gewärtigen haben.
* Abgeſtiegen ſind im Britanma=Hotel Herr Felix
v.
ngartner und Frau.
Treue Mieter. Wie uns mitgeteilt wird, wohnt
ſeit dem Jahre 1871, alſo nunmehr 43 Jahre, Frau
Oberleutnants=Witwe Freifran von Ricou in dem
Hauſe des Herrn Nikolaus Knöß, Heidelberger Str. 5 hier.
* Konzert. Zum Beſten des Frauenvereins Caritas
veranſtaltet Herr Hofopernſänger Otto Semper im
Saale der Loge in der Sandſtraße Mittwoch, den
29. April, abends 8 Uhr, einen Liederabend unter
Mitwirkung von Herrn Kammermuſiker Fritz Mehmel
(Violine) und Herrn Otto Hauske (Klavier). Karten
ſind bei Herren H. Arnold und Leop. Schutter (Thies Nachf.)
zu haben.
* Tanzaufführungen mit Ball. Man ſchreibt uns: Es
wird nochmals auf den heute abend im Konzertſaale
Rummelbräu, Allee 61, ſtattfindenden modernen Tanz=
aufführungsabend
mit anſchließendem allgemeinen Feſt=
ball
unter Mitwirkung einer Abteilung der Kapelle des
Großh Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61 (Obermuſikmeiſter Weber)
hingewieſen. Da der Einlaßkartenverkauf ein ſehr reger
iſt, empfiehlt esſich, ſich rechtzeitig einen guten Sitzplatz im
Feſtſaale zu ſichern. Die Saalöffnung iſt um ½7 Uhr an=
geſetzt
und ſind Einlaßkarten, à Perſon 19 Pfennig, da=
ſelbſt
noch zu haben. Ein Konzert leitet die Tanzauffüh=
rungen
ein. (Siehe heutige Anzeige.)
* Vortrag im Naturheilverein. Man ſchreibt uns:
Donnerstag, den 30. April, abends, wird im Kaiſerſaal
Herr E. Sommer aus Frankfurt a. M., der bekannte Spe=
zialiſt
für Körperkultur, einen öffentlichen Lichtbilder=
vortrag
halten über das Thema: Ideale Körperbildung
und wie man ſie erlangt Herr E. Sommer, deſſen für
wiſſenſchaftliche Zwecke aufgenommenen Muskelbilder ſei=
nerzeit
in den Hygiene=Ausſtellungen Dresden und Darm=
ſtadt
Aufſehen erregten, wird von allererſten Autoritäten
der Kunſt und Wiſſenſchaft als hervorragend ſchönes
Modell bezeichnet. Umſo mehr dürfte dieſer Vortrag
jeden körperlich oder geiſtig einſeitig tätigen Stubenhocker
intereſſieren, zumal er, aus der Praxis für die Praxis,
einem jeden das bietet, was er ſucht und braucht. Zahl=
reiche
, zum Teil vollſtändig neuartige, hochintereſſante
Lichtbilder zeigen, wie unſer Körper auf einfache Weiſe,
ohne Zeitverluſt, zur klaſſiſchen Vollendung entwickelt
wird. (Näheres ſiehe Anzeige.)
* Das Darmſtädter Fahrplanbuch (Rotes Fahrplan=
buch
) für das Sommerhalbjahr 1914 iſt ſoeben erſchienen
und in den bekannten Verkaufsſtellen zum Preiſe von
20 Pfennig von heute ab zu haben. Das rote Fahrplan=
buch
wird bekanntlich herausgegeben nach amtlichen
Quellen. Es übertrifft an Reichhaltigkeit des
Inhalts, ſchnellſter und leichteſter Auffindbarkeit der ein=
zelnen
Strecken und Ueberſichtlichkeit zur Feſtſtellung der
Anſchlußſtrecken uſw. alle anderen Fahrplanausgaben und
iſt dadurch und durch ſeine Handlichkeit ſchnell beliebt und
unentbehrlich geworden. Die Zugrundelegung ausſchließ=
lich
amtlicher Quellen verbürgt die Zuverläſſigkeit des
Fahrplanbuches.
Entgleiſt iſt geſtern nachmittag in der Neckarſtraße,
Ecke Rheinſtraße, ein Wagen der elektriſchen Straßenbahn.
Der Wagen ſtellte ſich faſt quer zu den Schienen und es
bedurfte erheblicher Anſtrengungen, ihn wieder ins rechte
Geleis zu bringen. Das intereſſante Schauſpiel hatte
natürlich Hunderte von Zuſchauern angelockt, ſo daß der
berühmte große Menſchenauflauf ſofort entſtand. Zu
einer erheblichen Betriebsſtörung kam es nicht, trotzdem
eine ganze Anzahl Wagen und ein Zug der Dampfbahn
warten mußten, bis das Geleiſe frei wurde.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer Expe=
dition
(Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende Bilder
neu ausgeſtellt: Porträts vom Tage. Miniſterbegegnung
auf Korfu. Der Wiedereinzug des 99. Infanterie= Regi=
ments
in Zabern. Karte zu dem Konflikt zwiſchen den
Vereinigten Staaten von Nordamerika mit Mexiko.

* Orpheum. Heute Sonntag, den 25. April, finden,
wie üblich, 2 Vorſtellungen ſtatt und gelangt auch in der
Nachmittagsvorſtellung das vollſtändige Programm wie
abends zur Darſtellung. Die Nachmittagsvorſtellung um
4 Uhr findet bei den bekannt niedrigen Preiſen ſtatt. Die
Abendvorſtellung beginnt um ½9 Uhr.

Die Elektriſche nach Eberſtadt.

D Der Ausbau der Straßenbahn von Darmſtadt nach
Eberſtadt geht ſeiner Vollendung entgegen.
Mit fieberhafter Tätigkeit werden von über hundert Leu=
ten
die letzten Arbeiten hergeſtellt. Nachdem die Tele=
graphenverwaltung
die Telegraphenſtangen von Lands=
kronſtraße
bis Eberſtadt entfernt hatte, wurde mit der
Errichtung der Oberleitung begonnen, die auf dem eigenen
Bahnkörper jetzt fertiggeſtellt iſt. Die Gleisverlegungs=
arbeiten
innerhalb des Ortes ſind bis zur Schwanen=
ſtraße
derart gefördert, daß der Betrieb der Dampfbahn
zeitweiſe über das eine oder andere Gleis ausgeführt
werden konnte. Während der letzten Nächte ſind die An=
ſchlüſſe
an der Landskronſtraße, Ludwigshöhe und dem
Ortseingang Eberſtadt hergeſtellt worden, ſo daß nun=
mehr
der zweigleiſige Ausbau, mit Ausnahme der Pfla=
ſterarbeiten
, vollendet iſt.
Das für die Stromlieferung des in Eberſtadt errich=
teten
Umformerwerkes für die Straßenbahn erforderliche
Kabel iſt bereits verlegt und wurde am Dienstag, den
21. April, abends, unter Spannung geſetzt. Hierbei hat
zum erſten Male das Elektrizitätswerk der Heſſiſchen
Eiſenbahn=Aktiengeſellſchaft am Dornheimer Weg 20000
Volt abgegeben. Am Mittwoch abend wurde die Schalt=
anlage
des Umformerwerkes in Eberſtadt unter Span=
nung
geſetzt und die Einankerumformer für den Bahn=
betrieb
für Verſuchszwecke angelaſſen. Am Donnerstag
haben auch dieſe beiden Maſchinen ihre Probe beſtanden,
ſo daß Freitag nachmittag mit den Probefahr=
ten
der Straßenbahnwagen von Landskronſtraße bis
Eberſtadt auf der 1200 Volt=Strecke begonnen werden
konnte. Es wurde mit einem Zug von 3 Wagen (2 An=
hängewagen
) gefahren, der einen ſehr gediegenen groß=
ſtädtiſchen
Eindruck niachte. Das Umformerwerk
mit der inneren Einrichtung und auch die Wagenhalle ſind
ſoweit hergeſtellt, daß nur noch im Laufe dieſer Woche
die letzten Arbeiten auszuführen ſind. Die Gleisanlagen
von der Straße nach den Wagenhallen ſind ebenfalls ſo=
weit
hergerichtet, daß der Einfahrt der Wagen nichts mehr
im Wege ſteht.
Am Montag nachmittag findet die landespoli=
zeiliche
Prüfung ſtatt und wird hierauf das Fahr=
perſonal
eingefahren werden, ſo daß am Freitag, den
1. Mai, der fahrplanmäßige elektriſche Betrieb von Darm=
ſtadt
nach Eberſtadt aufgenommen werden kann.

Ortsgewerbeverein.

* Seine ordentliche Hauptverſammlung hielt im Re=
ſtaurant
Sitte der Ortsgewerbeverein Darmſtadt ab. Nach
Begrüßungsworten des Vorſitzenden, Herrn Stadtverord=
neten
Sames erſtattete dieſer einen ausführlichen =
tigkeitsbericht
für die Zeit vom 1. April 1913 bis
Ende März 1914, dem wig folgendes entnehmen: Die
Lage des Handwerks am Platze iſt im abgelaufenen Jahr
leider keine günſtige geweſen. Ein ſeit Jahren anhal=
tender
Tiefſtand auf dem Gebiete des Baumarktes hat
enorme Schäden gebracht. Große handwerkliche Betriebe
haben Einſchränkungen erfahren, mancher junge Anfänger
hat ſeine ſchwer errungene Selbſtändigkeit wieder auf=
geben
müſſen. Die lebhaften Klagen, insbeſondere auch
die des Hausbeſitzerſtandes ſind in vielem begründet. Die
Laſten an Steuern, Abgaben, Beiträgen zu den ſozialen
Wohlfahrtseinrichtungen werden immer mehr. Hand in
Hand damit geht die fortwährende Steigerung der Löhne
und der Preiſe für alles was zu des Lebens Unterhalt
gehört. So iſt es zu verſtehen, daß immer dringender der
Ruf nach Maßnahmen laut wird, von denen man eine
Wiederhelebung der Verhältniſſe erwartet. Es iſt zu be=
geüßen
, daß der Herr Oberbürgermeiſter der Frage der
Heranziehung der Induſtrie jetzt ſeine volle Aufmerkſam=
keit
widmet. Nicht zu leugnen iſt aber daß ein nicht ge=
ringer
Teil der ungünſtigen Lage dem Kleingewerbe ſelbſt
zur Laſt fällt. Man ſpricht zwar immer von der Wichtig=
keit
des richtigen Kalkulierens, man ſchimpft über die jeder
Vernunft hohnſprechenden Submiſſionsergebniſſe aber
ein ernſthaftes Wollen zum endlichen Aufraffen iſt
bei der großen Maſſe des Handwerks noch nicht zu ſpüren.

Parlamentär mit weißer Flagge ſandte, um die Stadt=
behörde
aufzufordern, für die Einſtellung dieſer Schießerei
zu ſorgen, widrigenfalls man Veracruz mit den ſchweren
Schiffsgeſchützen bombardieren werde. Der General Maas
war bereits verſchwunden, der Bürgermeiſter außerſtande,
etwas zu tun, und ſo begann denn das Bombardement.
Vom Hafen aus ſandten die Schiffe längs der Straßen
ihre Geſchoſſe, einzelne Gebäude, von denen aus beſon=
ders
fleißig geſchoſſen wurde, wurden unter Granatfeuer
genommen, und bald war Ruhe geſchaffen.
Die Hafenfront der Stadt bietet nun freilich einen
wüſten Anblick denn viele Gebäude haben hier unter dem
Geſchützfeuer mehr oder minder ſchwer leiden müſſen. Als
am nächſten Morgen aus den noch unbeſetzten Stadtteilen
wiederum Gewehrſchüſſe fielen, wurde mit Hilfe von ge=
landeten
Verſtärkungen gegen 3000 Mann die ganze
Stadt beſetzt und alle Dächer abgeſucht. Gegen 300 Ge=
fangene
führte man ab in Baracken und zum Teil an Bord
der amerikaniſchen Schiffe Als am nächſten Tage die ganze
Stadt in amerikaniſchen Händen war, war von mexi=
kaniſcher
Seite nicht ein einziger Kanonenſchuß gefallen.

Feuilleton.

Was den Franzoſen Monarchenbeſuche koſten. Die
feierlichen Monarchenempfänge in Paris koſten den fran=
zöſiſchen
Steuerzahlern recht anſehnliche Summen; merk=
würdig
aber bleibt der oft gewaltige Unterſchied zwiſchen
den Aufwendungen, die von den verſchiedenen Miniſterien
und Inſtanzen bei der Staatskaſſe liquidiert werden. Als
der Zar im Jahre 1902 Paris beſuchte, koſtete der Empfang
und die Bewirtung des ruſſiſchen Kaiſers dem franzöſiſchen
Fiskus weit über 1½ Millionen Francs; als aber 2 Jahre
ſpäter das italieniſche Königspaar in der Seineſtandt er=
ſchien
, ſchloß die Koſtenrechnung mit wenig über 300000
Francs ab. Der Beſuch des Königs Alfons erforderte
im Jahre 1905 rund 740000 Francs, 1913 aber nicht ganz
200000. In dieſem Jahre ſind für den Beſuch des eng=
liſchen
Königspaares und dem folgenden Beſuche des
Herrſcherpaares von Dänemark 400000 Francs bewilligt
worden. Wenn Ueberſchüſſe bleiben, müſſen ſie an das
Schatzamt zurückgeführt werden. Nach dem Beſuche des
Schwedenkönigs erteilte, wie die Opinion berichtet, das
Miniſterium des Auswärtigen eine genaue Abrechnung

und lieferte dem Schatzamt gewiſſenhaft als Ueberſchuß
die ſtattliche Summe von 1 Sou zurück. Kurz vor
dem jetzt erfolgten Beſuche König Georgs von England
machte der Miniſter Viviani im letzten Augenblick die Ent=
deckung
daß die neuen Galakutſchen der Republick dringend
einer neuen Vorgoldung bedurften Und er mußte das
Parlament um die Bewilligung neuer Mittel bitten, denn
es ſtellte ſich heraus, daß die zu dieſem Zwecke ausgeſetzten
Summen ſamt und ſonders für die Neuvergoldung der
Galakutſche des Präſidenten verausgabt worden waren.
* Wertvolle Briefe. Lucrezia die berühmte und
viel umſtrittene Tochter des Borgia=Papſtes Alexander VI.,
die Schweſter Ceſare Borgias hat in der Geſchichte
einen beſonderen Platz eingenommen, und eingehend be=
ſchäftigte
ſich die Forſchung mit ihrem Lebensſchickſal. Als
ſie 20 Jahre zählte, war ſie bereits zum dritten Mal ver=
heirater
, ihr dritter Gemahl war Alfonſo d’Eſte, der Her=
zog
von Ferrara, Bruder des Kardinals, der zu Tivoli
die prachtvolle Villa d’Eſte erbauen ließ. Als Lucrezia
40jährig ſtarb, hinterließ ſie den Ruf einer ſchönen und
liebenswürdigen Freundin und Beſchützerin der Künſte
und die Hiſtoriker ſpäterer Jahrhunderte haben ihr Bild
von dem Schatten vieler jener Verbrechen gereinigt die
mit ihrer Jugend verknüpft wurden. Nun iſt die Erinne=
rung
an ſie im Auktionsſaal wieder erweckt worden: bei
Sotheby in London kam am Mittwoch ein eigenhändiger
Brief der ſchönen Lucrezia unter den Hammer und ent=
ſeſſelte
unter den Sammlern einen heißen Wettſtreit. Die
fein und ſauber beſchriebene Folioſeite hat Lucrezia am
14. Januar 1502 mit ihren Schriftzügen bedeckt, um ihrem
höchſtverehrten und illuſtren Bruder dem Kardinal
dEſte, mit anmutigen Worten und im Tone frauenhafter
Demut für ein prachtvolles Halsband zu danken, das der
Kardinal der ſchönen jungen Schwägerin geſchickt hatte.
Der Brief wurde ſchließlich für die ſtattliche Summe von
4900 Mark zugeſchlagen. Ein lebhafter Kampf ent=
brannte
dann um eine Anzahl Dokumente, die ſich auf das
Leben und das Schickſal der Maria Stuart beziehen:
das Hauptintereſſe erregte dabei ein eigenhändiger Brief
der unglücklichen Schottenkönigin, der an den Count
Rheingrave gerichtet war. Der Brief, ein Folioblatt,
das vom 21. September 1563 aus Sticling datiert iſt, und
von der Rückgabe von Havre de Grace handelt, ſchließt mit
der Unterſchrift votre bien bouße amie, Marie R. und
wurde mit 2000 Mark bezahlt. Ein drittes intereſſantes

Schriftſtück ſtanmte von dem Herzog von Alencon,
aus der Zeit, da dieſer unglückliche Zwerg, der jüngſte
Sohn der Katharina von Medici um die Königin Eliſa=
beth
freite. Er geriet dabei in Geldverlegenheit, und am
5. November 1581 ſchrieb er dringend an ſeinen Bruder
Heinrich III. mit der Bitte, ihm en toute extresme
diliganse 50000 Kronen zu ſchicken. 14 Tage ſpäter
küßte Eliſabeth den Alencon ſteckte ihm einen Ring an
den Finger und verkündete öffentlich die Verlobung.
Jener Brief des armen Zwerges fand am Mittwoch einen
Liebhaber, der 900 Mark für das Schriftſtück anlegte.
B. 81 Lebensjahre 80 Dienſtjahre. Die in dieſen
Blättern kürzlich erwähnte Verleihung des Ehrenbürger=
rechts
ſeitens der Stadt Offenbach im Jahre 1837 an den
Oberſt v. Carlſen hat die Erinnerung an den alten
Generalleutnant und Stadtkommandant von Darmſtadt
wiedererweckt. Derſelbe war von Geburt ein Däne, diente
zuerſt neun Jahre in der däniſchen Marine und im Feld=
jägerkorps
und trat 1794 auf Empfehlung des Prinzen
Friedrich von Heſſen in das Landgräfl. Heſſ. Chevaux=
legers
=Regiment ein. Er machte in der Folge 11 Feld=
züge
mit: 17941797. 18061807, 1809. 18121815 und
wurde auf Nachſuchen 1848 in den Ruheſtand verſetzt. Da
er aber durch anderweite Verwendung bei der Militär=
verwaltung
in Dienſtaktivität blieb, ſo war es ihm ver=
gönnt
, 1854 ſein 60jähriges Dienſtjubiläum feiern zu kön=
nen
. Da der ehrwürdige Veteran mit Einſchluß ſeiner
Dienſtleiſtung in Dänemark bereits über 69 Jahre unter
Beiwohnung von 11 Feldzügen gedient hatte, ſo trat bei
ihm der gewiß ſeltene Fall ein, daß er ſomit 81 Jahre
alt unter doppelter Anrechnung der Kriegsjahre 80
Dienſtjahre zählte. Er ſtarb 1863 im 90. Lebensjahr als
der älteſte Soldat in dem Großh. Heſſiſchen Trupfenkorps.
* Vereinsberichterſtattung. Die Kemptener Tages=
zeitungen
haben beſchloſſen, über Vorgänge in Ver=
einsverſammlungen
nach 11 Uhr nachts
nicht mehr zu berichten, weil den Mitarbeitern, die den
ganzen Tag über wieder anſtrengende geiſtige Arbeit zu
verrichten haben, eine über 11 Uhr nachts hinausgehende
Tätigkeit nicht zugemutet werden könne und die kange
Dauer der Verſammlungen in der Regel nur auf der
Mangel einer ſtraffen Geſchäftsführung und auf über=
ſchießende
Rednerkraft zurückzuführen ſei. Dies ſoll übri=
gens
nicht nur in Kempten vorkommen.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

Nummer 114.

In großen Mengen ſtehen auch heute noch die Handwerker
außerhalb der Organiſationen, einige Mark Beitrag ſind
ihnen zu viel, trotzdem ſie ſich ſelbſt das immer vor Augen
führen, was die Arbeiter durch ihre Opferwilligkeit in ihren
Vereinigungen ſich geſchaffen haben. Sie ziehen nur nicht
die Nutzanwendung daraus. Die Verſammlungen zur Be=
ſprechung
wichtiger Angelegenheiten, die Vorträge beleh=
render
Art ſind meiſtens beſchämend ſchlecht beſucht.
Möge mit dieſer Lauheit endlich gebrochen und mit friſchem
Mut und Vertrauen eine Geſundung der Verhältniſſe er=
kämpft
werden.
Der Bericht verbreitet ſich dann eingehend über die
Tätigkeit des Vereins, von der unſere Leſer ja jeweils
unterrichtet wurden. Zum Schluß darf nicht vergeſſen
werden, daß der Ortsgewerbeverein am 20. März d. J.
auf ſein 75jähriges Beſtehen zurückblicken konnte. Aus
dieſem Anlaß iſt im Juni d. J. eine würdige akademiſche
Feier beabſichtigt. Die Zahl der Mitglieder iſt erfreu=
licherweiſe
wiederum geſtiegen. Der Zuwachs beträgt 125
Mitglieder und die Geſamtmitgliederzahl ſtellt ſich zurzeit
auf 759, gegen 634 im Vorjahr. Durch Austritte war im
abgelaufenen Jahr ein Verluſt von 13 Mitgliedern und
durch Tod ein ſolcher von 11 Mitgliedern, insgeſamt van
24, zu verzeichnen. Zu Ehren der Verſtorbenen erheben
ſich die Anweſenden von ihren Plätzen.
Im Anſchluß an dieſen Bericht gibt Herr Baurat
Jäger als Vorſitzender des Aufſichtsrats der Gewerbe=
ſchule
verſchiedene Mitteilungen. Weſentliche Aenderun=
gen
gegen das Vorjahr ſeien in der Gewerbeſchule nicht
zu verzeichnen. Der Neubau der Gewerbeſchule werde im
übrigen gefördert und ſtehe zu hoffen, daß, nachdem die
Platzfrage erledigt und das Stadtbauamt mit der Aus=
arbeitung
eines Projekts beauftragt ſei, der Neubau auch
bald eine vollendete Tatſache werde. Herr Direktor Pro=
feſſor
Dr. Meiſel beſpricht verſchiedene innere Ange=
legenheiten
der Schule, insbeſondere die Raumverhält=
niſſe
. Er lädt wiederholt den Ortsgewerbeverein ein, ſich
von dem Wirken der Anſtalt durch perſönliche Beſichtigung
zu überzeugen. Stadtverordneter Haury fordert eine
ausgebaute Mittelſchule mit Einjährigem=Abſchluß, um
dem Handwerk wieder beſſere Kräfte zuzuführen und einen
guten Nachwuchs zu ſichern.
Herr Prof. Dr. Sonne berichtet kurz über die Tätig=
keit
der Vortragskommiſſion, Herr Weißbindermeiſter
Kraus ebenſo über die Beſichtigungen uſw. Herr Stadt=
verordneter
Werner gibt Kenntnis von ſeiner Tätigkeit
im Hanſabund.
Die Rechnungsablage des Ortsgewerbevereins für
1913 erſtattet Herr Rechnungsrat Rumpf. Die Einnah=
men
betragen 4824,99 Mark, die Ausgaben berechnen ſich
auf 3915,35 Mark, ſo daß ein Ueberſchuß von 909,64 Mark
verbleibt. Der Vermögensſtand des Vereins vermehrte
ſich gegen das Vocjahr um 370,44 Mark auf 21 544,27 Mark.
Ueber die Rechnungsablage der unter der allgemeinen Ver=
waltung
des Ortsgewerbevereins ſtehenden Eckhardt=
Stiftung zur theoretiſchen Ausbildung junger Ge=
werbetreibender
wird gleichfalls berichtet. Der Zinſen=
ertrag
in 1913 betrug 484,07 Mark, die Ausgaben 200,20
Mark. Der Anteil des Darmſtädter Ortsgewerbevereins
an dem Geſamtvermögen beträgt 6628,05 Mk. An demſelben
ſind noch weitere Gewerbevereine beteiligt. Nach dem Bericht
der Rechnungsprüfer wird Entlaſtung beantragt, die mit Dan=
kesworten
erteilt wird. Als Rechnungsprüfer für 1914
werden zugleich die Herren Hofſpenglermeiſter Adolf
Kling und Weißbindermeiſter Delp beſtellt. Die Neu=
wahlen
des Vorſtandes ergaben zunächſt einſtim=
mige
Wiederwahl der 3 Vorſitzenden, der Herren Stadt=
verordneten
Sames, Werner und Weißbindermeiſter Kraus.
Von den 6 ausſcheidenden Vorſtandsmitgliedern werden
die Herren Hofdachdeckermeiſter Weiler, Sattlermeiſter
Wallauer, Prof. Dr. Sonne und Hofſchneidermeiſter Sie=
menſen
wieder= und die Herren Prof. Dr. Kollmann ſo=
wie
Handwerkskammerſyndikus Schüttler neugewählt.
Nachdem noch Herr Baurat Jäger dem Vorſtande und
insbeſondere ſeinem 1. Vorſitzenden warme Worte des
Dankes gezollt. ſchließt der Vorſitzende gegen 12 Uhr die
Hauptverſammlung.

Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am 25. April 1914.

Butter, ½ kg 1,351,40 M.
in Part.½ kg 1,20-1,30 M.
78 Pf.
Eier, Stück
Schmierkäſe, ½ Lit. 20-22 Pf.
Handkäſe, Stück . 410 Pf.
Kartoffeln, Ztr. 2,50-3,00 M.
Kumpf (10 Liter) 4550 Pf.
4 Pf.
½ kg
Mäuschen Pfd. 1214 Pf.
Obſt u. dergl.:
Aepfel, ½ kg . 1225 Pf.
Zitronen, Stück 45 Pf.
Apfelſinen, Stück 510 Pf.
Birnen, ½ kg . 2030 Pf.
Salat, Gemüſe uſw.:
Kopfſalat, Stück 1015 Pf
Kohlrabi,, ober=
irdiſche
, neue 1215 Pf.
Feldſalat, Körbchen 10 Pf.
10 Pf
Lattig
Radieschen, Bündel 23 Pf
Rettiche, Stück . 10 Pf
Bündel 1015 Pf
Meerrettich, Stück 1025 Pf.
Roterüben, ½ kg 10 Pf.
Zwiebeln, ½ kg 1820 Pf.
Tomaten, ½ kg 7080 P
Spinat, ½ kg . 1012 Pf.
Weißkraut, Stück 830 Pf.
Rotkraut, Stück 1030 Pf
Blumenkohl, Stück 3070 Pf.
Rhabarber ½ kg 1518 Pf
.56 Pf.
Grünkohl
Gelberüben, ½ kg 56 Pf.
Schwarzwurz, ½kg 25-30 Pf.
Gurken, Stück . 4050 Pf
Spargel I. Sorte
kg . . 5560 Pf.

Spargel II. Sorte
½ kg.
3540 Pf.
Spargel III. Sorte
½ kg
. 30 Pf.
Geflügel, Wildbret:
Gänſe, ½ kg . 0000 Pf.
Enten, Stück 3,004,00 M.
Hahnen, Stück 2,503,50 M
Hühner, Stück 2,503,00 M.
Tauben
. 6570 Pf.
Lapins, Stück 1,001,20 M.
Zicklein . . . 2,504 M.
Fiſche:
Hecht, ½ kg . 0,901 M.
1 M.
Aal, ½ kg
Karpfen, ½ kg . . 70 Pf.
Andere Rheinfiſche,
. 3560 Pf.
½ kg.
Rotzungen, ½ kg . 60 Pf
Schollen, ½ kg . . 50 Pf.
Kabeljau, ½ kg . 30 Pf.
Schellfiſche, ½ kg . 30 Pf.
Bratſchellfiſche
2025 Pf.
½ kg
In den Fleiſchſtänden:
66 Pf.
Rindfleiſch, ½ kg
0 Pf
Hackfleiſch, ½ kg
Rindsfett, ½ kg . 56 Pf.
Rindswürſtchen, Stück 15 Pf.
Schweinefleiſch, ½ kg 80 Pf.
Geſalzenes und Koteletts,
. 86 Pf.
kg
Schwartemagen und
Fleiſchwurſt, ½ kg 80 Pf.
Leber= und Blutwurſt,
70 Pf.
½ kg
Ziegenfleiſch, ½ kg 60 Pf.

Kunſtnotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redakkion ihr Urteil vor.
* Union=Theater (Kunſtlichtſpiele, Rhein=
ſtraße
6). Wer vieles bringt, wird manchem etwas brin
gen, dachte die Leitung des Union=Theaters und ſtellte
für die kommenden Tage ein Programm zuſammen, das
ſich beſonders durch ſeine Vielgeſtaltigkeit auszeichnet. An
der Spitze ſteht eines jener dezenten Meiſterwerke. die
ihren Eindruck deshalb nie auf den Zuſchauer verfehlen,

weil ſie von den erſten Schauſpielern wiedergegeben wer=
den
. So wird in dem vieraktigen Drama Die letzte Liebe
einer Königin die berühmte Tragödin Sarah Bernhardt
die Hauptrolle ſpielen und demſelben ihren Stempel echter
Künſtlerſchaft aufdrücken. Daneben wird ein Luſtſpiel
von überwältigender Komik gegeben, das den ominöſen
Titel Die Mumie trägt und ſicher den Beifall auch des
Verwöhnteſten finden dürfte. Von den weiteren Darbie=
tungen
des komiſchen Genres erwähnen wir noch die Ko=
mödien
Moritz, der markierte Schütze und Wie er Lies=
chen
eroberte Werkchen, die den großen und kleinen Be=
ſuchern
des Theaters ſicher einige frohe Minuten ſchaffen
werden. Der Unterhaltung und dem Wiſſen zugleich die=
nen
die beiden Films Kairo und Bilder aus einem
Kalibergwerk und das Journal bringt das Neueſte aus
aller Welt.
* Modeſchau im Hotel Traube am Mitt=
woch
, den 29. April, 4½ Uhr. Die Vorbereitungen für
die große Modeſchan ſchreiten vorwärts und werden
große Anſtrengungen gemacht, um für Darmſtadt etwas
ſehr Großzügiges zu bieten. Bei dem lebhaften Inter=
eſſe
, das die hieſigen Damen der Veranſtaltung entgegen=
bringen
, iſt es dringend ratſam, ſich die Billetts vorher zu
ſichern, da nur eine beſtimmte Anzahl verkauft wird.
Die Mannequins werden nur das Allerneueſte für Früh=
jahr
und Sommer vorführen. Die Schau wird von einem
Künſtlerkonzert begleitet. Der neue Tanz Furlana
wird von einem preisgekrönten Tanzpaar vorgeführt,
ebenſo die Tänze Tango, Braſilienne, One ſtep uſw.
Der Saal wird durch die koſtbarſten orientaliſchen Tep=
piche
, ſowie Blumen dekoriert, ſo daß die Veranſtaltung
eine erſtklaſſige wird.
Mörfelden, 25. April. (Ein merkwürdiger
Rechtsſtreit) wird demnächſt zum Austrage kommen.
Infolge Verhinderung des Bürgermeiſters hatte der Bei=
geordnete
für kurze Zeit die Bürgermeiſtereigeſchäfte ge=
führt
und dafür eine Vergütung von 25 Mark erhalten.
Der Gemeinderat beſchloß, dieſe Summe vom Ge=
halt
des Bürgermeiſters in Abzug zu
bringen. Das Kreisamt Groß=Gerau erklärte dieſen
Beſchluß jedoch nicht für angängig. Daraufhin hat jetzt
der Gemeinderat in einer erneuten Abſtimmung den erſten
Beſchluß aufrecht erhalten. Die Frage, wer den Beige=
ordneten
für ſeine Vertretungsgeſchäfte zu bezahlen hat.
die Gemeinde oder der Bürgermeiſter, ſoll jetzt durch die
Verwaltungsgerichte entſchieden werden.
C5 Von der Bergſtraße, 24. April. (Ein gutes
Honigjahr.) Dank dem Blütenreichtum haben die
Vorräte der Bienenvölker zugenommen, ſo daß die
Imker auf Aprilhonig rechnen. Züchteriſche Be=
ſtrebungen
zur Verbeſſerung des Bienenmaterials und
Einführung der ſchwarzbraunen Edelraſſe ſind im
Gange. Der Bienenzüchterverein Weinheim iſt zur
Zeit mit Errichtung einer Königin=Belegſtation
auf Gemarkung Lützelſachſen beſchäftigt. An Zucht=
material
ſtehen auserleſene Königinnen vorzüglicher
ſchweizeriſcher Stämme zur Verfügung.
* Schleiersbach i. Odw., 25. April. ( Freiluft=
bad
.) Man ſchreibt uns: Auf den Wieſen, bei dem
vielen Darmſtädtern wohlbekannten Luftkurort Hof
Schleiersbach, wurde dieſer Tage ein kleines Freiluftbad
mit Badezelle für kalte und warme Bäder errichtet. Die
günſtige Einwirkung von Luft und Sonne auf den
menſchlichen Organismus iſt ja in unſerer Zeit allge=
mein
bekannt und dürfte dieſe Neuerung freudig begrüßt
werden, um ſo mehr, als das Bad, das jetzt noch in ganz
beſcheidener Umrahmung ſteht, je nach Erfordernis er=
weitert
und außer den Schleiersbacher Kurgäſten ſpäter=
hin
wohl auch ſonſtigen Beſuchern zugänglich gemacht
werden ſoll. Das ſchöne Wetter und die herrliche
Baumblüte in Schleiersbach haben ſchon einige Gäſte
angelockt, ſo daß die Vorſaiſon bereits begonnen hat
und die Beſucher ſtändig hier weilen. Demnächſt übt
dann wieder die ſogenannte Kirſchenzeit eine ganz
beſondere Anziehungskraft aus, da Schleiersbach mit
dieſen Früchten ſchon von Alters her reich geſegnet
iſt und dieſes Jahr verſpricht, ein ausnahmsweiſe
gutes Kirſchen= und Frühobſtjahr zu werden.
Offenbach, 25. April. (Mit der Beſchaffung
zweiter Hypotheken) beſchäftigte ſich geſtern eine
vom Haus= und Grundbeſitzerverein einberufene Ver=
ſammlung
. Vertreten war die Handelskammer, die Lan=
deshypothekenbank
und die Stadt. Stadtverordneter
Diehl brachte ſeinen in einer Denkſchrift niedergelegten
Vorſchlag zur Sprache, der in der Verſammlung Beifalk
fand. Hiernach will der Haus= und Grundbeſitzerverein
einen Hypothekenverein gründen mit dem Recht
zur Ausgabe von Schuldverſchreibungen, um damit den
zur Beſchaffung zweiter Hypotheken erforderlichen Grund=
ſtock
zu erhalten. Eine aus den Intereſſenten gebildete
G m. b. H. ſoll mit ihren eingezahlten Anteilen die erſte
Sicherheit für etwaige Ausfälle bieten. Die Stadt, de=
ren
Mitwirkung erſtrebt wird, käme erſt in letzter Linie
für die Garantieleiſtung in Betracht. Da nun aber die
Regierung die Gewährung der Rechtsfähigkeit eines ſol=
chen
Vereins von der arundſätzlichen Bereitwilligkeitser=
klärung
der Offenbacher Stadtverordneten=Verſammlung
zur Uebernahme der Garantie für die etwaigen Ausfälle
abhängig macht, ſoll hierüber ein Beſchluß der Stadtver=
ordnetenverſammlung
herbeigeführt werden. Der Stadt ſoll
bei der Beleihung der Objekte ein ausgedehntes Vetorecht
eingeräumt werden. Die Landeshypothekenbank hat ſich
bereit erklärt, der Stadt ein Kommunaldarlehen zu mäßi=
gem
Zinsfuß zur Gewährung zweiter Hypotheken zu über=
laſſen
.
Neu=Iſenburg, 25. April. (Frecher Dieb.) Auf
der Polizei meldete ſich ein 18jähriges Mädchen und er=
klärte
, ſie ſei von Stuttgart nach Frankfurt zugereiſt und
dort von einem jungen Mann angeſprochen worden, der
ſich bereit erklärte, ihr die Sehenswürdigkeiten Frank=
ſurts
zu zeigen. (!) Sie ſeien dann auch durch den Wald
nach Iſenburg gegangen. Am Bahnhof der Waldbahn
verſchwand der Begleiter des Mädchens, nachdem er ihm
das Portemonnaie mit 20 Mark Inhaltaus
dem Täſchchen geſtohlen hatte. Vollſtändig
mittellos mußte es hier übernachten, während die Eltern
in Stuttgart von dem Vorfall telegraphiſch unterrichtet
wurden. Trotz der genauen Beſchreibung des Räubers
konnte die Spur nicht verfolgt werden.
* Mainz, 25. April. (Rheinſchiffahrts= Inter=
eſſen
.) Geſtern tagte hier eine Konferenz zahlreicher an
der Rheinſchiffahrt intereſſierter Körperſchaften, insbeſon=
dere
Handelskammern, in der die Wahrung der Intereſſen
von Handel und Induſtrie im Rheinſtromgebiet gegenüber
den Beſtrebungen auf einſeitige eiſenbahntarifariſche Bevor=
zugungen
der deutſchen Nordſeehäfen erörtert wurde.
Man war über die Notwendigkeit einer Zuſammenarbeit
auf dieſem Gebiete vollkommen einig und ſetzte einen vor=
läufigen
Ausſchuß mit dem Recht der Zuwahl zur weiteren
Bearbeitung der Frage ein. In dieſen Ausſchuß wurden
folgende Körperſchaften gewählt: Die Handelskammern
zu Köln, Duisburg, Düſſeldorf, Frankfurt a. M., Mainz

und Mannheim, ſowie der Verein zur Wahrung der
Rheinſchiffahrtsintereſſen in Duisburg.
Mainz, 25. April. (Junge Revolverhelden.)
Wegen gefährlicher Schießerei iſt gegen mehrere Mom=
bacher
Schuljungen eine Unterſuchung durch die Krimi=
nalpolizei
eingeleitet worden. Die jungen Schützen führ=
ten
auf dem Großen Sande am Müllerwäldchen mit
Schußwaffen ihre Kriegsſpiele auf, wobei ein
Mädchen aus Mainz, das vorüberging, durch einen
Schuß verletzt wurde. Die Sache lief noch günſtig
ab, doch hätte leicht ein ſchweres Unglück entſtehen konnen.
Gießen, 25 April. (Schwer verletzt) wurden am
Freitag die Arbeiter Klee aus Alsfeld und Greb aus
Leuſel in die Gießener Klinik gebracht. Bei den Erdarbei=
ten
am Bahnbau der Strecke Alsfeld-Nieder=Aula, die
über die Schwalm und den Wieſengrund bei Altenburg
führt, war Klee von der Feldbahn zwiſchen die Wagen
geſtürzt. Beide Beine wurden von den 50 Zentner
ſchwer beladenen Wagen abgequetſcht. Der Arbeiter Greb
wurde ebenfalls überfahren und verlor ein Bein.
Friedberg, 25. April. (Neue Seminarſchule)
Am Donnerstag wurde die neue Seminarſchule, die zweite
in Heſſen, eröffnet. Zahlreiche Gäſte waren in der Turn=
halle
des Lehrerſeminars anweſend, u. a. Kreisrat Frei=
herr
Schenck zu Schweinsberg und Schulrat Süß als Ver=
treter
des Kreisamts, Bürgermeiſter Stahl als Vertreter
der Stadt. Seminardirektor Dr. Karg eröffnete die Schule
mit einer Anſprache, in der er vor allem auch des verſtor=
benen
Seminardirektors Dr. Schäfer gedachte, der ſich mit
großem Intereſſe an den Vorarbeiten zur Errichtung der
Schule beteiligt hat. Direktor Karg wünſchte, daß die
Seminarſchule eine Muſterſchule werden möge. Die neue
Seminarſchule iſt eine vierklaſſige Volksſchule; als Lehr=
kräfte
ſind die Lehrer Koch, Braun, Heberer und Kirſch
berufen worden. Bisher hielten die Seminariſten und
Kandidaten des Predigerſeminars ihre Unterrichtsübungen
in der ſtädtiſchen Muſterſchule ab. Der Unterricht am
Lehrerſeminar beginnt am 28. April.
Langsdorf, 25. April. (Einbruch.) In der Nacht
auf Freitag wurde bei dem auf der Strecke Langsdorf-
Hungen wohnenden Bahnwärter Metzger ein Einbruch
verſucht. Kurz nach 10 Uhr abends vernahm der ablöſende
Bahnwärter Sehrt von Hungen verdächtige Geräuſche
und Glasſcherbenklirren. Er weckte darauf ſeinen Kolle=
gen
Metzger, um nach der Urſache zu ſehen. Als die bei=
den
aus der Haustüre traten, wurden drei Schüſſe
auf ſie abgegeben. Nun gab auch Metzger einen
Schuß ab, worauf ſich offenbar der oder die Täter entfern=
ten
. Als die Bahnwärter gemeinſam die Umgebung der
Häuſer abſuchten, machten ſie die Wahrnehmung, daß die
Täter die Laternenſcheiben eingeſchlagen und die Laternen
ausgeblaſen hatten. Die ſofort benachrichtigte Gendar=
merie
aus Hungen ſtellte alsbald Ermittelungen an; es
iſt jedoch bis jetzt nicht gelungen, die Einbrecher zu er=
mitteln
.

Reich und Fusland.

Aus der Reichshauptſtadt, 24. April. Die Reſtau=
rierung
der Denkmäler in der Siegesallee,
die in der Nacht zum Karfreitag von dem geiſtesgeſtörten
Franzoſen Aſtier dadurch erheblich beſchädigt wurden, daß
an ſechs von ihnen den Adlern die Schnäbel abgeſchlagen
wurden, iſt nunmehr in Angriff genommen worden. Von
dem Vorſchlag, den Adlern Kopf und Hals bis zur Bruſt
abzumeißeln, um dann dieſe Teile nach ihrer Erneuerung
nach außen faſt unſichtbar wieder anzuſetzen, hat man Ab=
ſtand
genommen, um in den meiſten Fällen nur den Schna=
bel
abzuhobeln und mittels Zapfens die Nachbildung zu
befeſtigen. In dieſer Weiſe wird bei den Denkmälern des
Kurfürſten Joachim II., an dem bekanntlich beide Adler
demoliert wurden, des Kurfürſten Joachim Friedrich,
Friedrichs des Großen und des Markgrafen Heinrich das
Kind verfahren. An dem Denkmal des Kurfürſten Georg
hat man ſich dagegen entſchloſſen, den Kopf ganz zu beſei=
tigen
, und hat ihn abgeſägt, weil der Marmor hier durch
Witterungseinflüſſe ungünſtig beeinflußt war und die Ein=
fügung
eines neuen Schnabelſtücks ſchädlich gewirkt haben
würde. Am Denkmal Friedrichs III., bei dem der Scha=
den
nur wenig in die Erſcheinung tritt, hat man von einer
Ausbeſſerung zunächſt überhaupt Abſtand genommen.
Billige‟ Preßkohlen gab es heute vormittag amt
Kottbuſer Damm. An der Ecke der Bürknerſtraße fuhr ein
Motorwagen der Straßenbahn einem mit Preßkohlen hoch=
beladenen
Plattenwagen ſo wuchtig in die Flanke, daß
die Seitenbretter brachen und die ganze Ladung auf den
Straßendamm herabfiel. Wagen aller Art fuhren darüber
hinweg, und ſo war wohl der größte Teil der Kohlen zer=
ſtückelt
. Aus allen Häuſern der Nachbarſchaft kamen nun
Frauen und Kinder mit Säcken, Körben und Eimern und
trugen von der verunglückten Ladung weg, was ſie nur
ſchleppen konnten. Auch zufällig Vorübergehende machten
ſich die Gelegenheit zunutze. Dem Führer des Wagens
ſchien an den zerbröckelten Kohlen nichts mehr zu liegen.
So nahm jeder ungehindert, was er bekommen konnte, und
binnen zehn Minuten war alles fort. Ueber drei
Wochen tot in ihrer Wohnung gelegen hat
die 43jährige Näherin Helene M. in der Ackerſtraße. Da
ſie ſeit längerer Zeit nicht geſehen worden war, ließ der
Wirt heute vormittag die Wohnung öffnen. Den Eintre=
tenden
ſtrömte ein ſtarker Verweſungsgeruch entgegen.
Auf dem Bette fand man die Leiche der M. Ein vom 30.
März datierter Brief beſagt, daß die Verſtorbene Selbſt=
mord
durch Vergiften verübt hat, und zwar, weil ſie ſich
in ihren Wahnideen verfolgt glaubte.
25. April. In der Wohnung ſeiner geſchiedenen Frau
hat ſich infolge finanzieller Schwierigkeiten der Kaufmann
Dr. jur. v. Rabenau erſchoſſen.
Schöneberg, 25. April. (Selbſtmord.) In der
vergangenen Nacht hat ſich in der Wohnung ſeines Vaters
der Ulanenleutnant Heros v. Borcke aus bisher unbe=
kannten
Gründen erſchoſſen.
Hanau, 25. April. (Stiftung.) Der Stadt
Hanau ſind von der verſtorbenen Rentnerin Fräulein
Marie Lindenbauer Stiftungen im Betrage von
über ¼ Million Mark vermacht worden. Hauptſächlich
bedacht iſt eine Stiftung zur Errichtung eines Heimes für
bedürftige arbeitsunfähige weibliche Perſonen der beſſe=
ren
Stände. Eine weitere Stiftung wird zur Errichtung
einer Pflegeanſtalt für arme, kranke Kinder dienen. Die
Johanniskirche in Hanau hat eine Stiftung für Armen=
zwecke
, die Stadt Gelnhauſen zwei Stiftungen für Arme
und Unterſtützungszwecke erhalten.
Fulda, 25. April. (Verheerungen durch eine
Windhoſe.) Bei einem Gewitter, das geſtern hier nie=
derging
, bildete ſich eine Windhoſe, die verſchiedene
Dächer abhob. Bei Neuenberg wurde ein Landmann mit
ſeinem Geſpann von ihr erfaßt und mehrere Male im
Kreiſe herumgeſchleudert.
Waldshut, 25. April. (Feuer.) Heute früh um 4
Uhr brach in der Kolonialwarenhandlung von Eugen
Heberer Feuer aus, welches das ganze Gebäude ein=

[ ][  ][ ]

Nummer 114.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

Seite 5.

äſcherte und drei Nachbargebäude ſtark beſchädigte. Die
Entſtehungsurſache des Feuers iſt noch nicht bekannt.
Landsberg a. d. W., 25. April. (Kindesmord.)
In Gorgaſt vergrub die Arbeiterin Miſtela ihr neugebore=
nes
Kind lebend im Feld, ſo daß es erſtickte. Die Mörderin
wurde verhaftet.
Halle, 25. April. (Schwerer Unfall.) Beim
Brückenbau auf dem hieſigen Bahnhof riß eine Lokomo=
tive
das Baugerüſt ein, auf dem zahlreiche Arbeiter ſtan=
den
, die in die Tiefe ſtürzten. Zwei Arbeiter wur=
den
tödlich, vier leicht verletzt.
Hamburg, 25. April. (Der Dampfer Vater=
land
) iſt von ſeinem Liegeplatz losgelöſt und von meh=
reren
Schleppern in den Vorhafen gebracht worden, wo er
gedreht wird. Ein intereſſanter Moment war die Begeg=
nung
des größten Dampfers der Welt mit dem größten
Segelſchiff der Welt, Potoſi, das in den Hafen einlief.
Breslau, 24. April. (Die Hinterlaſſenſchaft
Dr. Kopps.) Der Teſtamentsvollſtrecker des Kardinal=
fürſtbiſchofs
Dr. Kopp erklärt im Gegenſatz zu Meldun=
gen
, daß Kopp 7 Millionen Mark Erſparniſſe hinterlaſſen
habe, daß ſein Nachlaß nicht einmal eine Million
betrage, der für allgemeine und gute Zwecke beſtimmt iſt.
Der Familie hat er nur wenig hinterlaſſen.
Paris, 24. April. (Freiſpruch einer Gatten=
mörderin
.) Die Pariſer Geſchworenen haben abermals
eine wegen Gattenmordes angeklagte Frau freigeſprochen.
Vor einigen Wochen erſchoß die in der Pariſer Geſellſchaft
ſehr bekannte Frau Debieſſe ihren Gatten wegen ehe=
licher
Untreue. Obwohl ſich nun in der Verhandlung, die
geſtern ſtattfand, herausſtellte, daß Frau Debieſſe ihr Ver=
brechen
ſchon ſeit längerer Zeit vorbereitet hatte, gaben
die Geſchworenen ihren Wahrſpruch auf nichtſchuldig
ab, ſo daß die Angeklagte freigeſprochen werden mußte.
Dieſer abermalige Freiſpruch begegnet in der Pariſer
Preſſe lebhaftem Intereſſe. Man will darin ein deutliches
Anzeichen für die Stellungnahme der Geſchworenen im
Falle der Gemahlin des Finanzminiſters Caillaux, die be=
kanntlich
den Chefredakteur des Figaro erſchoß, erblicken.
Paris, 25. April. (Ein Waldbrand von unge=
wöhnlicher
Ausdehnung) wütet ſeit geſtern in
einem großen Fichtenwalde in der Nähe von Marcillac.
Das Feuer brach aus noch unbekannter Urſache in einer
Fichtenſchonung aus und dehnte ſich mit ungeheurer Ge=
ſchwindigkeit
über eine Fläche von 160 Hektar aus. Trotz=
dem
die Feuerwehren der geſamten Umgebung in Aktion
traten, gelang es bisher nicht, den Waldbrand erfolgreich
zu bekämpfen. Man befürchtet, daß rieſige Beſtände des
Waldes den Flammen zum Opfer fallen werden.
Charbin, 25. April. (Räuber.) Nach einem Tele=
gramm
aus Mulin hat eine Tſchunſchuſenbande
zwei ruſſiſche Angeſtellte des Holzinduſtriellen
Tſcherkaſſow gefangen genommen und fordert nun ein
Löſegeld von 15000 Rubeln, anderenfalls drohen ſie die
Gefangenen zu töten, die Arbeiter zu verjagen und die
Holzvorräte in Brand zu ſetzen. Eine Abteilung der ruſ=
ſiſchen
Grenzwache iſt zur Befreiung der Gefangenen aus=
gerückt
.
Tokio, 24. April. (Beulenpeſt.) In der Umgegend
von Tokio haben ſich 500 Erkrankungen an Beulen=
peſt
ereignet.

Parlamentariſches.

* Der Abgeordnete Joutz hat der Zweiten Kammer
folgende Anträge zugehen laſſen:
1. Hohe Zweite Kammer der Landſtände wolle be=
ſchließen
, Großh. Regierung zu erſuchen, den beabſichtig=
ten
Un bau des Teichhauſes zu Bad=Nauheim und die
Errichtung eines Gebäudes für ein Verkehrsbureau da=
ſelbſt
einſtweilen zu verſchieben und die für dieſe Vor=
haben
in Ausſicht ſtehende Ausgabe zum Bau eines
Palais für Se. Königl. Hoheit den Groß=
herzog
zu Bad=Nauheim verwenden zu wollen
2. Hohe Kammer wolle beſchließen, Großh. Regierung
zu erſuchen, einen Geſetzentwurf vorzulegen, welcher es
ermöglicht, die Feldbereinigung in Heſſen
mehr wie ſeither zu fördern, dementſprechend abkömmliche
Amtmänner oder andere geeignete Beamte zu Feldbe=
reinigungen
zu verwenden und wenn Mangel an Geo=
metern
1. Klaſſe ſein ſollte, Geometer 2. Klaſſe, die ſeitens
der Regierung bereits Bayern für dieſen Zweck empfohlen
wurden, einzuſtellen.
3. Hohe Zweite Kammer wolle beſchließen, Großh. Re=
gierung
zu erſuchen, einen Geſetzentwurf vorzulegen,
welcher den Ankauf käuflichen Geländes in
den Gemeinden des Landes durch die Gemeinden zur
Verpachtung an landwirtſchaftliche Kleinbe=
triebe
, oder auch gegebenenfalls zum Verkauf an dieſel=
ben
ermöglicht und dementſprechend die Landeshypotheken=
bank
zu ermächtigen. zu dieſem Zwecke den Landgemeinden
zu billigem Zinsſuß und unter ausgedehnten Rückzah=
lungszugeſtändniſſen
ſtets ein Kapital zur Verfügung zu
ſtellen unter diesbezüglicher allgemeiner Bekanntmachung
in den Gemeinden des Landes.

Gerichtszeitung.

* Berlin, 25. April. In dem Prozeß wegen
Entführung einer Japanerin wurde heute
mittag das Urteil gefällt. Es erhielten der Angeklagte
Holzke wegen Entführung einer Minderjährigen und ver=
ſuchter
Erpreſſung zwei Jahre Gefängnis unter Anrech=
nung
von neun Monaten der erlittenen Unterſuchungshaft
die Angeklagte Frau Holzke und die beiden Töchter Ella
und Margarete Holzke wegen Entführung je 100 Mark
Geldſtrafe.
* Kiel, 25. April. Das Oberkriegsgericht
der Marineſtation der Oſtſee verurteilte den Obermatro=
ſen
Zitz vom Kanonenboot Panther erneut zu fünf
Jahren und zwei Monaten Zuchthaus, nach=
dem
das Reichsmilitärgericht das frühere Urteil aufge=
hoben
hatte. Zitz hatte vom Panther als er vor Kap=
ſtadt
lag, Geheimpapiere entwendet und ver=
ſucht
, ſie an ein engliſches Fort zu verkaufen, worauf er
fahnenflüchtig wurde.

Luftfahrt.

* Hamburg, 25. April. Einen tollkühnen
Flug, der für die Betroffenen noch glimpflich endete,
haben am Donnerstag die beiden Flieger Schlegel und
Rohrbach gemacht. Die beiden Piloten gerieten bei einem
Fluge Gotha-Schwerin-Hamburg in ein Gewitter, das
die Gotha=Taube über eine halbe Stunde lang wie ein
Spielzeug durch die Lüfte warf und ſchließlich die Ma=
ſchine
zu Boden ſchmetterte. Schlegel ſchreibt an
die Tägliche Rundſchau: Steil ſchoſſen wir der Erde zu und
in wenigen Minuten lag unſer Apparat unten. Glücklicher=
weiſe
konnten wir uns ſelbſt befreien. Weder ich noch mein
Paſſagier ſind ernſtlich verletzt worden.

Turnen, Spiele und Sporf.

* Pferdeſport. Rennen zu Le Tremblay,
25. April. Prix Darioletta. 3000 Francs. 1. Prince
Murats (Sharpe), 2. Jskander, 3. Sylvia II. 88:10
26, 15:10. Prir Barbelle. 3000 Francs. 1. J. Henneſſys
La Gloriette (Barker), 2. Pandataria, 3. Wife. 246110;
57, 39, 46:10. Prix Sultan. 4000 Francs. 1. Baron J.
de Bethmanns Morbihan (Reiff), 2. Queſture, 3. For=
mium
. 13:10; 11, 20:10. Prix Flying Dutchman. 6000
Francs. 1. J. Rutgers Sandby (O'Neill), 2. Ginko, 3.
Méliſto. 15:10. Prix Bay Middleton. 4000 Francs
1. Carters Vobis (J. Childs), 2. Fait du Prince, 3. Faux
Pas. 44:10; 18. 26, 20:10. Prix Payment. 4000 Frs.
1. Lepetits La Briance II (Lemmel), 2. Gilles de Rais,
3. Arégnie IV 242:10; 48, 15, 20110.

Der falſche Alexander.

* Bromberg, 25. April. Der Schwindler Thor=
mann
war hier wegen zahlreicher Liebesverhältniſſe be=
kannt
. Ein junges Mädchen ſoll ſich ſeinetwegen vergiftet
haben. Nunmehr hat die Staatsanwaltſchaft die Ausgra=
bung
der Leiche angeordnet, da der Verdacht aufgetaucht
iſt, daß Thormann das Mädchen vergiftet hat. Auch nach
anderen Richtungen ſchweben noch Ermittelungen.
* Köslin, 25. April. Nach einer Meldung der Kös=
liner
Zeitung hat die Stadtverwaltung der Staatsanwalt=
ſchaft
den Verdacht mitgeteilt, daß Thormann zwei
Quittungen über 386 und 500 Mark gefälſcht und
zu unrecht erhoben habe.

Die Erkrankung des Kaiſers Franz Joſef.

* Wien, 25. April. Die Nachrichten aus Schönbrunn
lauten heute ſehr widerſpruchsvoll. Der Kaiſer erhob ſich
heute etwas ſpäter als ſonſt und war infolge des vielen
Huſtens während der Nacht recht abgeſpannt. Trotzdem
beſtand er darauf, daß im Tagesprogramm keine Aende=
rung
eintrete.
* Wien, 25. April. (Amtlich.) Das Befinden
des Kaiſers war in der Nacht inſofern beſſer, als der
Schlaf in der erſten Hälfte gut war und wenig unter=
brochen
wurde, die zweite Hälfte häufig durch Huſten ge=
ſtört
wurde. Appetit, Kräftezuſtand und Allgemeinbefin=
den
ſind wie geſtern.

Vom Balkan.

* Athen, 25. April. Die Agence d’Athènes bringt
Meldungen aus Saloniki, nach welchen die türkiſchen
Behörden Thraziens die Griechen vor die Wahl
ſtellen, zum Iſlam überzutreten oder auszuwandern. Die
Auswandernden in Rodoſto ſind ohne Nahrung und
Obdach zuſammengepfercht, bis die Schiffe aufnahmebereit
ſind. Augenblicklich warten 1500 Flüchtlinge. 25000 ſind
binnen Wochenfriſt in Saloniki angekommen. Sie ſind
zumeiſt krank und erſchöpft, ſo daß die Militär= und Zivil=
ſpitäler
überfüllt ſind.
* Athen, 25. April. Der griechiſche Konſul in
Smyrna hat ſich zu dem Wali begeben, um eine end=
gültige
Antwort wegen der Ausweiſung der
helleniſchen Untertanen zu verlangen. Er er=
hielt
die Antwort, der Wali ſei über Land gefahren. In=
zwiſchen
forderten geſtern Polizeibeamte die helleniſchen
Untertanen auf, das Land ſofort zu verlaſſen.
* Athen, 25. April. Das Blatt Patris zählt die
von den Türken gegen das griechiſche Element in
der Türkei ausgeübten Unterdrückungen auf
und ſchreibt: Wir glauben zu wiſſen, daß ſich der grie=
chiſche
Miniſterrat in den letzten Tagen ernſtlich mit
der unhaltbaren Lage in der Türkei befaßt hat.
Das Kabinett iſt überzeugt, daß es ſich nicht mehr um ein=
fache
Zwiſchenfälle handelt, die durch einfache Erklärun=
gen
lösbar ſind. Die Entſchlüſſe Griechenlands werden
ſich nach der Lage richten. Was Epirus betrifft, ſo können
wir der Entſcheidung der Mächte natürlich nur gehorchen,
dagegen können wir, was die Inſeln anlangt, ſie weder
zurückgeben, noch die Arbeiten für ihre Verteidigung und
Sicherheit vernachläſſigen. Die Frage der Griechen in der
Türkei wird unverzüglich aufs Tapet gebracht; ſelbſtver=
ſtändlich
wird kein diplomatiſcher Schritt unterlaſſen, der
beweiſen kann, daß nicht wir provozieren. Aber ſolange
die Lage in der Türkei ſich nicht tatſächlich ändert, müſſen
wir auf einen Bruch mit der Türkei gefaßt ſein. Da un=
ſere
Ueberlegenheit ſicher iſt, kann das helleniſche Volk be=
züglich
der Folgen beruhigt ſein.
* Cetinje, 25. April. Nach einer der Havas zuge=
gangenen
Meldung haben hundert öſterreichiſche
Soldaten die montenegriniſche Grenze
überſchritten und ſind trotz des Widerſpruches der
Grenzwache fünf Kilometer weit in das Innere vorgerückt.
Der Zwiſchenfall rufe in Cetinje große Erregung hervor.
(Anmerkung des Wolff=Bureaus: An zuſtändiger Wiener
Stelle iſt der Vorfall bisher unbekannt.)
* Belgrad, 25. April. Einer Blättermeldung zu=
folge
beſchloß die Regierung, der Skupſchtina in den
nächſten Tagen Geſetzentwürfe über den Bau
neuer Eiſenbahnen zu unterbreiten. Nach den
Geſetzentwürfen werden die Baukoſten auf 210 Millionen
Dinar veranſchlagt. Vorgeſehen iſt der Bau folgender
Linien: Uesküb-Monaſtir, Priſchtina-Prizrend, Prilep-
Iſtip und Mitrowitza-Uvatſch, ſowie der Ausbau der Linie
Belgrad-Pozarewatſch Prahovo. Der Belgrader Haupt=
bahnhof
wird erweitert. Da für die Ausgeſtaltung der
Zewaffnung der Arme gleichfalls 210 Millionen erforder=
ich
ſind, beträgt die neue Anleihe 420 Millionen Dinar.

Vermiſchtes.

Wichtige Winke für Auswanderer. Wie
nötig es heutzutage iſt, unter den Auswanderern eine
ſorgfältige Auswahl zu treffen, die Ungeeigneten zu war=
nen
und den Geeigneten die richtigen Wege zu weiſen,
dafür gibt der 50. Jahresbericht des Vorſtandes des
deutſchen Hilfsvereins Kaiſer Wilhelm=Stiftung zu Sao
Paolo einen erneuten Beweis. Der Vorſitzende dieſes
Hilfsvereins, der demnächſt von Sao Paolo ſcheidende
Geiſtliche der deutſch=evangeliſchen Gemeinde, Paſtor Te=
ſchendorf
, ſchreibt darüber: Es kann in dieſen Zeiten
nicht dringend genug vor der Zuwanderung nach der
Stadt Sao Paolo gewarnt werden. Zugleich müſſen wir
es aber auch lebhaft bedauern, daß die Kolonien ſo viel=
fach
mit ſtädtiſchen Elementen beſiedelt werden, die ſich
nach undren Erfahrungen im deutſchen Hilfsverein in
jene Verhältniſſe abſolut nicht eintſleben vermögen und
früher oder ſpäter doch wieder den Städten zuſtreben
müſſen, wo ſie dann völlig mittellos uns zur Laſt fallen.
In demſelben Sinne äußerte man ſich auf dem 8. land=
wirtſchaftlichen
Kongreß in San Manoel. Sao Paolo:

Unſere Staatsregierung hört nicht auf, den Unterneh=
mern
, die Kontrakte zur Lieferung von Einwanderern
übernehmen, einzuſchärfen, daß ſie nur Leute haben will,
die gewöhnt ſind, auf dem Lande zu arbeiten, alſo wirk=
liche
Landwirte und Ackerbauer, aber keine Leute aus den
Städten, Handwerker und Induſtriearbeiter. Trotzdem
wird aber in ſpekulativer Weiſe Propaganda gemacht und
ſkrupellos angeworben, was nur irgend zu bekommen iſt,
ganz gleichgültig, ob es für Arbeiten auf dem Lande taugt
oder nicht. Was aber das Schlimmſte iſt: den Leuten
werden falſche Vorſpiegelungen gemacht, es werden ihnen
Märchen erzählt; die Wunderdinge von 1001 Nacht glau=
ben
ſie vorzufinden, und wenn ſie dann die rauhe Wirk=
lichkeit
empfängt, dann erleben ſie greoße Enttäuſchungen.
Deutſch=evangel. Auswanderer wollen daher nicht verſäu=
men
, ſich vor ihrer Ausreiſe an den Evangeliſchen Haupt=
verein
für deutſche Anſiedler und Auswanderer zu Witzen=
hauſen
zu wenden, welcher jedem unentgeltlich mit Rat
und Auskunft zur Verfügung ſteht. Seine zahlreichen
Veröffentlichungen über die verſchiedenſten Anſiedlungs=
gebiete
ſollte kein Auswanderer ungeleſen laſſen.
Die Stolze=Schreyſche Schule der
Kurzſchrift, die über ihre neueſten Erhebungen be=
richtet
, hat auch im letzten Zähljahre einen erfreulichen
Aufſchwung genommen. Sie wird in Deutſchland von
092 Vereinen mit 87791 Mitgliedern gepflegt, 90 Ver=
einen
und 6811 Mitgliedern mehr, als im Jahre zuvor.
Auch die Zahl der in Deutſchland Unterrichteten, mit der
die Stolze=Schreyſche Gemeinſchaft ſchon ſeit einer Reihe
von Jahren an der Spitze ſteht, hat ſich wieder um 7914
vermehrt und beträgt jetzt 142059. In Preußen wirken
für Stolze=Schrey 1546 Vereine mit 63850 Mitgliedern.
Die Zahl der Unterrichteten ſtellt ſich hier auf 111925.
In der Schweiz iſt Stolze=Schrey unter den ſtenographi=
ſchen
Syſtemen faſt alleinherrſchend. Auch die Pflege der
fremdſprachlichen Uebertragungen, mit deren Kenntnis
oft recht gut bezahlte Stellungen zu erlangen ſind,
nimmt zu.

Literariſches.

H. Prehn v. Dewitz erzählt in einem hochinter=
eſſanten
Aufſatz von Geld und Geldmacht in der Ge=
ſchichte
in Heft 11 der Zeiten und Völker ( Mo=
natshefte
für Geſchichte Kulturgeſchichte. Länder= und
Völkerkunde jährlich 12 Hefte und 2 Buchbeilagen 4.80
Mark). Aus den uns vorliegenden Heften 7 bis 12 möch=
ten
wir noch als beſonders wertvolle Beiträge hervor=
heben
einen Aufſatz über den franzöſiſchen Staatsmann
Jules Ferry von Dr. Albrecht Wirth, eine Abhandlung
Theodor Ebners über das Studentenleben früherer Zeit;
ferner gibt A. Zimmermann einen wertvollen Rückblick
über den Kubaniſchen Feldzug von 1898. Damit iſt aber
der Inhalt der Hefte noch lange nicht erſchöpft; in kür=
zeren
und längeren wertvollen hiſtoriſchen und kulturge=
ſchichtlichen
Beiträgen bieten ſie noch eine Fülle von An=
regung
, ſo daß wir die Monatsſchrift nur aufs wärmſte
empfehlen können. Mit Heft 12 kam auch die zweite Buch=
beilage
zur Ausgabe: Mammonarchen, Teil 1, Aus der
Geſchichte der großen ausländiſchen Vermögen von H.
Prehn v. Dewitz, zu dem der oben genannte Artikel ge=
wiſſermaßen
die Einleitung bildete.
Die Art, Behandlung und Wiederherſtellung der
Oel=, Tempera= und Freskogemälde, ſowie
der Aquarelle, Paſtelle, Miniaturen, Handzeichnungen und
Bilddrucke. Nach langjährigen Erfahrungen und Ver=
ſuchen
zuſammengeſtellt von Ludwig Kainzbauer,
Maler. Mit 32 Abbildungen. 11 Bogen 2 Mk., gebunden
3 Mk. Dieſes Buch befaßt ſich mit der Erklärung der ein=
zelnen
Arten des Bildes deſſen Erhaltung, Reinigung und
im Beſchädigungsfalle deſſen Wiederherſtellung ( Reſtau=
rierung
), welcher letzteren ein beſonders breiter Raum
gewidmet werden mußte Die Reinigung und Reſtaurie=
rung
der Bilder iſt nach langjährigen Erfahrungen und
Verſuchen niedergeſchrieben und beſonders ſind die auf
Papier ausgeführten Malereien, ſowie die Kunſtdrucke
und Reproduktionen berückſichtigt. A. Hartlebens Verlag
in Wien.

Mexiko und die Vereinigten Staaten.

Die Lage in Veracruz.
* Veracruz 24. April. Die amerikaniſchen
Vorpoſten ſind weiter ſüdlich vorgedrungen und haben
die Waſſerſtation beſetzt. Es kehren normale Verhältniſſe
wieder. Eine Anzahl Wirtſchaften und Läden hat wie=
der
geöffnet. Die amerikaniſchen Schiffskapellen ſpielten
geſtern in verſchiedenen Stadtteilen.
* Veracruz, 24. April. Die Kriegsſchiffe Loui=
ſiana
und Miſſiſſippi die heute hier eingetroffen
ſind, haben Marineſoldaten, Matroſen und zwei Flug=
zeuge
gelandet. Den Vorpoſtenſtellungen wurden zwölf
Maſchinengewehre und einige dreizöllige Feldgeſchütze zu=
geteilt
. Bei dem Hauptquartier des Konteradmirals Flet=
cher
ſtehen im Terminalhotel Maſchinengewehre, während.
in der Nachbarſchaft ſieben Feldgeſchütze in Reſerve gehal=
ten
werden.
* Veracruz, 24. April. In der vergangenen Nacht
iſt hier ein Zug mit Flüchtlingen eingetroffen, in
dem ſich der britiſche Geſchäftsträger und andere
Paſſagiere, meiſt Frauen und Kinder, befanden. Es ſind
Anordnungen erlaſſen worden, nach denen die Bürger nach
7 Uhr 30 Minuten abends in ihren Wohnungen bleiben
ſollen. Die Nächte ſind ruhig. Die Geſamtzahl der Ge=
fangenen
beläuft ſich auf 300; viele ſind bereits wieder
freigelaſſen worden.
* Waſhington, 25. April. Admiral Fleicher teilt
mit, daß bei Veracruz insgeſamt 17 Amerikaner ge=
tötet
und 70 verwundet worden ſind.
* Paris 24. April. Nach einer Meldung des hie=
ſigen
Neu=York Herald fanden die Amerikaner in den
Trümmern der Kaſernen und der Marine=
ſchule
, die von den amerikaniſchen Kriegsſchiffen be=
ſchoſſen
worden waren, die Leichen von 64 mexikaniſchen
Soldaten. Die bisher feſtgeſtellte Geſamtzahl der bei dem
Bombardement auf Veracruz gefallenen Mexikaner
beträgt 182. Nach einer Depeſche desſelben Blattes wur=
den
durch die von den mexikaniſchen Truppen auf Laredo
abgefeuerten Kanonenſchüſſe drei Amerikaner getötet. Die
Kugeln der amerikaniſchen Grenzpatrouille, welche den
Angriff erwiderte, töteten etwa 10 Mexikaner.
* Waſhington, 24. April. Konteradmiral Bad=
ger
meldet, daß Veracruz verhältnismäßig
ruhig iſt, und daß die amerikaniſchen Truppen ihr Mög=
lichſtes
tun, um die Ordnung wiederherzuſtellen. Ameri=
kaniſche
Schiffskapellen geben in den Straßen der Stadt
Konzerte. Der amerikaniſche Kriegsſekretär teilte heute
dem Gouverneur von Texas mit, daß auf ſeine Weiſung
hin ein weiteres Regiment regulärer Teuppen an die
Grenze geſchickt werden würde. Das Kriegsamt hat In=
ſtruktionen
zum Schutze der internationalen Brücke er=
laſſen
. Der Brückenſchutz müſſe jetzt von amerikaniſches

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

Nummer 114.

SSeite aus geſchehen, da eine Bewegung der Truppen über
den Rio Grande einen Einfall in das Gebiet der Konſtitutio=
naliſten
bedeuten würde, was jedoch gegen die ameri=
kaniſche
Politik ſei. Miſter Bryan gibt bekannt, daß alle
amerikaniſchen Konſuln in Mexiko, gleichviel, ob im Gebiet
der Bundesregierung oder der Konſtitutionaliſten, ihren
Poſten verlaſſen können, überläßt es aber ihrem eigenen
Ermeſſen, ob ſie von dieſer Erlaubnis Gebrauch machen
wollen.
* Veracruz, 25. April. Der franzöſiſche Kreuzer
Condé iſt heute nacht hier eingetroffen.
Die mexikaniſchen Rebellen.
* Waſhington. 24. April. Nach einer Konferenz
mit dem Staatsſekretär Bryan rieten die Vertreter und
Anhänger Carranzas dieſem telegraphiſch, ſich gegen=
über
Amerika neutral zu verhalten.
* Neu=York, 24. April. Nach einer Meldung aus
Albuquerque in Neu=Mexiko haben die dortigen
Eiſenbahnangeſtellten die Nachricht echalten, daß General
Villa General Carranza verhaftet und gefangen ge=
nommen
hat. Unter den Gebäuden, die in Nuevo Laredo
von den Regierungsſoldaten durch Dynamit zerſtört wur=
den
, befindet ſich das amerikaniſche Konſulat, das Rat=
haus
, eine Getreidemühle, das Poſtamt, das Theater und
das Zollamt. Angelegte Feuer brachen an verſchiedenen
Stellen der Stadt aus.
Gewalttaten in Mexiko.
* Mexiko 24. April. Ein amerikaniſcher
Juwelierladen iſt geſtern um Mitternacht vom
Mob geplündert worden, wobei die Polizei zuſah,
ohne einzuſchreiten. Europäer und Amerikaner haben ſich
vorbereitet, im Augenblick der Gefahr ſich unverzüglich an
Verſammlungsorten zuſammenzufinden, die zur Vertei=
digung
eingerichtet worden ſind. Alle Bahnbeamten in
Mexiko, die Amerikaner ſind, ſind auf Befehl der Regie=
rung
entlaſſen worden. Es verkehren keine Züge mehr
außer ſolchen, die von der Regierung überwacht werden.
* Mexiko, 24. April. Bei Ausſchrgitungen
des Pöbels gegen die Amerikaner wurde das
Schild der amerikaniſchen Geſandtſchaft vom Pöbel herab=
geriſſen
und in Stücke getreten. Zwei Amerikaner ſollen
erſtochen worden ſein. Man hegt ernſte Beſorg=
niſſe
um die 800 Amerikaner, die noch in Mexiko geblie=
ben
ſind. In Veracruz eingetroffene Flüchtlinge berichten,
daß ihr Eiſenbahnzug unterwegs feſtgehalten, und daß
ſie beraubt und inſultiert worden ſeien. In Tuxpan ein=
getroffene
Flüchtlinge erzählen, eine ganze Anzahl ameri=
kaniſcher
Baulichkeiten ſei von der Volksmenge zerſtört
worden. Unter den demolierten Gebäuden befindet ſich
das Haus des hieſigen amerikanſchen Konſuls, ſowie
mehrere amerikaniſche Hotels und Läden.
* Laredo, 25. April. Nuevo Laredo iſt nur
noch ein Trümmerhaufen, nachdem geſtern die
mexikaniſchen Regierungstruppen die Gebäude der Stadt
in Brand geſetzt oder mit Dynamit geſprengt hatten. Von
den Schüſſen der amerikaniſchen Schnellfeuergeſchütze wur=
den
zwei Mexikaner getötet, andere ſah man niederſtür=
zen
. Heute früh brannte noch eine Anzahl Gebäude, doch
beſtand keine Möglichkeit, die Flammen zu löſchen. Die
Mexikaner hatten die Brände mit Petroleum und anderen
feuergefährlichen Mitteln angelegt. In Laredo iſt kein
Schaden entſtanden. Zwei Mexikaſer wurden von
Scharfſchützen getötet, einer, als er die internationale
Brücke mit Dynamit ſprengen wollte, der andere, als er
einen Bahndamm aufſprengen wollte.
* Veracruz, 25. April. Wie verlautet, wurde in
der Stadt Mexiko von einer Volksmenge das
Denkmal von George Waſhington nieder=
geriſſen
, wobei ein Sohn Huertas die Menge führte.
Präſident Huerta ſelbſt ſoll dabei das Seil um das Denk=
mal
gewunden haben.
Kabinettskriſis in den Vereinigten Staaten?
* Waſhington, 25. April. Wie verlautet, ſteht
eine Kabinettskriſe bevor. Der Kriegsſekretär for=
dert
die Verwendung des Landheeres gegen
Mexiko, während Staatsſekretär Bryan dagegen iſt.
Der Marineſekretär nimmt in der Streitfrage eine Mittel=
ſtellung
ein. Bryan hatte ſich auch heftig gegen die Er=
neuerung
des Waffenausfuhrverbots gewandt.
Die Haltung Japans.
* Tokio, 25. April. Der Miniſterpräſident
ermächtigte das Reuterſche Bureau zu der Erklärung, daß
Japan keinerlei Abſicht habe, die gegenwär=
tigen
Verwickelungen in Mexiko auszu=
nutzen
, um von den Vereinigten Staaten eine befrie=
digende
Löſung der kaliforniſchen Streitfrage zu erlangen
Letzte Nachrichten.
* Neu=York, 25. April. Ein Telegramm aus
Albuquerque dementiert die Meldung, daß Car=
ranza
von Villa gefangen genommen worden ſei.
Ein Telegramm aus Veracruz meldet, daß 7 Ameri=
kaner
und ein Engländer namens Boyd in einem Eiſen=
bahnzuge
von Regierungstruppen gefangen genommen
worden ſeien. Vier der Amerikaner würden wahrſcheinlich
erſchoſſen werden. Nach einem Telegramm des Admirals
Mayo haben die Inſurgenten ihren Angriff auf Tampico
erneuert.
* Waſhington, 25. April. In der Note, die
Bryan geſtern dem mexikaniſchen Inſurgentenführer
Carranza übermittelte, erklärte Bryan, die
Vereinigten Staaten würden ihre Streitkräfte zurück=
ziehen
, ſobald ſie Genugtuung erhielten. Falls Carranza
gegen die Vereinigten Staaten eine feindliche Haltung
einnähme, würde er ganz Mexiko in einen Krieg ſtürzen,
Huertas Macht würde fortbeſtehen, die Sache der Inſur=
genten
würde aber verloren ſein.
* Veracruz, 25. April. Die Zeitung El Dictamen
meldet, daß in der Stadt Mexiko drei Amerikaner
vom Pöbel von einem Straßenbahnwagen heruntergeriſ=
ſen
und auf der Straße getötet wurden. Ein vierter
Amerikaner ſei im Gebäude des chriſtlichen Vereins jun=
ger
Männer von Mitgliedern des Fußballklubs, dem er
angehörte, ermordet worden. Die Meldung entbehrt der
Beſtätigung.

Waſhingkon, 20. April. Statsſetreiür Bryan
teilte dem engliſchen Botſchafter Spring Rice mit,
daß in Orizaba ein Engländer und 19 Ameri=
kaner
verhaftet wurden. Bryan ſtellte in Abrede,
daß die Gefangenen hingerichtet worden ſeien. Das bra=
ſilianiſche
Konſulat in Orizaba ſei gebeten worden, ſich
um die Freilaſſung der Verhafteten zu bemühen.
* Waſhington 25. April. Der ſpaniſche
Botſchafter hat die Vertretung der Intereſſen Mexi=
kos
in Waſhington übernommen.
* Berlin, 25. April. Die mexikaniſche Ge=
ſandtſchaft
iſt ſeit einigen Tagen ohne Nachrich=
ten
aus der Heimat. Bisher konnte der Depeſchen=
wechſel
zwiſchen der mexikaniſchen Regierung und den
Geſandtſchaften im Auslande auf dem engliſchen Kabel
vollzogen werden. Seit einigen Tagen nimmt jedoch auch
die engliſche Kabelgeſellſchaft keine chiffrierten Tele=
gramme
mehr an und läßt von den Azoren aus die nach
Mexiko beſtimmten chiffrierten Telegramme in Anbetracht
des Kriegszuſtandes zurückgehen, da die mexikaniſche Sta=
tion
des Kabels ſich in Veracruz befindet, wo die Ameri=
kaner
eine Zenſur ausüben und dadurch der Verkehr für
chiffrierte Telegramme vollſtändig geſperrt iſt.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 25. April. Der Bundesrat hat der Vor=
lage
, betreffend die Ergänzung zum Entwurfe
des Reichshaushaltsetats und einer zweiten
Ergänzung des Entwurfs des Haushaltsetats für die
Schutzgebiete für das Rechnungsjahr 1914, zugeſtimmt.
Ueber den Entwurf eines Rennwettgeſetzes und den Ent=
wurf
eines Geſetzes über den Abſatz von Kaliſalzen vom
25. Mai 1910 wurde Beſchluß gefaßt. Der Entwurf von
Beſtimmungen über die Wehrbeitragsſtatiſtik und die Vor=
lage
, betreffend Aenderung der Vorſchriften über die Lenk=
vorrichtung
dreirädriger Kraftfahezeuge wurde angenom=
men
.
* Berlin 25. April. Reichskanzler von Bethmann
Hollweg iſt heute abend hier eingetroffen.
* Berlin, 25. April. Bei Renovierungsarbei=
ten
im Lunapark geriet ein Teerofen in Brand. Das
Feuer griff auf die Gebiegsbahn über, welche völlig zer=
ſtört
wurde.
* Hamburg, 25. April. Der Dampfer Vaterland‟
gewann um 5 Uhr nachmittags die freie Elbe und geht
elbabwärts.
* Altenburg, 25. April. Heute ſtarb hier im 83.
Lebensjahre der Geheime Hofrat Profeſſor Hermann
Kluge, der beſonders durch ſeine Geſchichte der deutſchen
Nationalliteratur bekannt wurde. Er war langjähriger
Landesbibliothekar der Herzoglichen Landesbibliothek.
* Wien, 25. April. Der ehemalige ungariſche Mini=
ſterpräſident
Fejervary, Geheimrat, General der In=
fanterie
und Kommandant der ungariſchen Leibgarde, iſt
hier nach langer Krankheit im Alter von 82 Jahren ge=
ſtorben
.
* Korfu, 25. April. Das Kaiſerpaar weilte
heute vormittag im Muſeum, wo Profeſſor Doerpfeld
einen Vortrag vor badiſchen Lehrern hielt. Der Kai=
ſer
frühſtückte bei Armour auf deſſen Jacht Atowana.
* Paris, 25. April. Gegenüber der Meldung eines
römiſchen Blattes, die franzöſiſche Regierung
habe in Italien eine Anzahl Tonnen Pulver
eiligſt beſtellt, um das in der franzöſiſchen Marine
gebräuchliche Pulver zu erſetzen, erklärt der franzöſiſche
Marineminiſter, daß in der Tat in Italien einige Tonnen
Pulver beſtellt worden ſeien, aber nicht um die Vorräte
der Flotte zu erſetzen, ſondern um Unterſuchungen über
die Stabilität des italieniſchen Pulvers vorzunehmen und
den geringeren Zuſatz von Nitroglyzerin feſtzuſtellen. Um
ähnliche Feſtſtellungen machen zu können, ſind auch in an=
deren
Ländern, beſonders in Schweden und Rußland, Be=
ſtellungen
gemacht worden.
* Paris, 25. April. Das Verfahren gegen die Ge=
brüder
Lancelotti, welche der Vorſchubleiſtung des
Zimmermalers Perugia bei dem Diebſtahl der Gio=
conda
beſchuldigt waren, iſt eingeſtellt worden.
* London, 25. April. Die Banque Induſtrielle
de Chine in Paris richtete an das Reuterſche Bureau
eine Zuſchrift, in der ſie es als unrichtig bezeichnet,
daß ſie, wie am 22. April van Peking gemeldet wurde, die
Hafenbaukonzeſſion in Pukau und andere Kon=
zeſſionen
der chineſiſchen Regierung zurückgegeben
habe, und daß die von ihr in Paris ausgegebene Anleihe
nicht erfolgreich geweſen ſei.
* Konſtantinopel, 25. April. Der türkiſche Finanz=
miniſter
teilte dem Vertreter der Deutſchen Bank mit,
daß er den von dem bekannten deutſch=öſterreichiſchen Kon=
ſortium
für die Zollanleihe vom Jahre 1911 der tückiſchen
Regierung 1911 gewährten und wiederholt erneuten
Vorſchuß von 3 Millionen türkiſchen Pfund
im Laufe des Monats Mai zurückzahlen werde.
Die Rückzahlung erfolgt aus dem Erlös der in Paris ab=
geſchloſſenen
neuen ottomaniſchen Anleihe und ſteht im
Zuſammenhange mit den deutſch=franzöſiſchen Abmachun=
gen
über die türkiſchen Eiſenbahnfragen, insbeſondere mit
der in Ausſicht genommenen Zurücknahme der franzöſiſchen
Beteiligung an dem Unternehmen der Bagdad=Eiſenbahn
durch die Gruppe der Deutſchen Bank.
* Panama, 25. April. Oberſt Goethals, der Gouver=
neur
der Kanalzone, hat das Kanalgebiet in
Kriegszuſtand verſetzt. Die Schleuſen werden von
Truppen bewacht und auf den Befeſtigungen an beiden
Enden des Kanals iſt Küſtenartillerie in Bereitſchaft.

Beamtenaustauſch zwiſchen Elſaß=Lothringen und dem
Reiche.
* Berlin, 25. April. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung erfährt: Auf Veranlaſſung des Reichs=
kanzlers
iſt im Intereſſe der Förderung
des Reichsgedankens in Elſaß=Lothringen ein
regerer Beamtenaustauſch zwiſchen dem Reichs=
lande
und dem Reiche in die Wege geleitet worden. Reichs=
ländiſche
Beamte mit akademiſcher Vorbildung wurden zur
vorübergehenden Beſchäftigung im Reichs= und preußiſchen
Staatsdienſt herangezogen, wie umgekehrt Reichs= und

Statsbeante in Elſahz=Loſheingen beſchäftigt werden, In
Betracht kommen Referendare, Gerichts= und Regierungs=
aſſeſſoren
und Schulamtskandidaten. Dieſen kann aus
dem allerhöchſten Dispoſitionsfonds eine angemeſſene Re=
muneration
gewährt werden. Durch dieſe Maßregel ſoll
erreicht werden, daß aus Elſaß=Lothringen übernommene
Beamter einen Einblick in die nationalen, kulturellen und
wirtſchaftlichen Lebensbedingungen des Reichs und des
führenden Bundesſtaates bekommen, ſowie daß die nach
Elſaß=Lothringen entſendeten Beamten auch Verſtändnis
für die dort zu löſenden nationalen und wirtſchaftlichen
Fragen erhalten. Es wäre nur freudig zu begrüßen, wenn
dieſer Beamtenaustauſch ſich auf immer breiterer Grund=
lage
vollziehen würde.
Abſchied des Fürſten von Wedel.
* Straßburg, 25. April. Mit dem fahrplanmäßigen
Zuge 7.07 Uhr abends hat das Statthalterpaar Fürſt
und Fürſtin von Wedel Straßburg ver=
laſſen
, um von nun ab ſeinen bleibenden Wohnſitz in
Berlin zu nehmen. Zum Abſchied hatten ſich am Bahn=
hof
die Miniſter mit dem Staatsſekretär v. Rödern an
der Spitze, die Unterſtaatsſekretäre a. D. Dr. Petri und
Mandel, Polizeipräſident v. Lautz und Bürgermeiſter
Dr. Schwander, der kommandierende General von
Deimling und zahlreiche Generale mit ihren Damen
eingefunden, dazu ein nach hunderten zählendes Publi=
kum
, das den Bahnſteig füllte und immer wieder in Hoch=
rufe
ausbrach, bis der fürſtliche Salonwagen aus der
Halle fuhr. Fürſt und Fürſtin Wedel, denen eine Fülle
von Blumenſpenden überreicht wurden, verabſchiedeten
ſich, die Hand reichend und nach allen Seiten freundlich
dankend, von den Damen und Herren, die gekommen wa=
ren
, dem ſcheidenden Statthalterpaare ein letztes Lebewohl
zu ſagen.
Die Affäre Abreſch.
* Mannheim, 25. April. In der Angelegenheit des
bayeriſchen Landtagsabgeordneten Abreſch iſt eine ent=
ſcheidende
Wendung eingetreten, indem nämlich
das Landgericht Mannheim die über Fräulein Ilſe von
Harder verhängte vorläufige Vormundſchaft
aufgehoben hat. Die ganze Affäre Abreſch iſt be=
kanntlich
aus der Frage entſtanden, ob Frl. Ilſe von
Harder geſchäftlich zurechnungsfähig ſei oder nicht. Das
Urteil des Landgerichts Mannheim ſchließt dieſe Zurech=
nungsfähigkeit
des Fräuleins Ilſe von Harder in ſich.

Zur Miniſterkriſis in Gotha.
* Gotha, 25. April. Wie die Thüringiſche Landes=
zeitung
zur Miniſterkriſe in Sachſen=Koburg=
Gotha meldet, haben Hofkammerpräſident v. Baſſe=
witz
, ſowie der Juſtitiar der Hofkammer, Geh. Hof=
kammerrat
Zeyes, dem Herzog ihre Entlaſſung
angeboten.
Waffenſendung für die Ulſterleute.
* London, 25. April. Aus Belfaſt wird gemeldet,
daß in der heutigen Nacht an drei Stellen der Meeres=
küſte
von Ulſter eine Ladung von 70000 Geweh=
ren
und einer halben Million Patronen für die Ulſter=
Freiwilligen gelandet worden iſt. Es iſt dies die Ladung,
die im vorigen Monat auf dem Dampfer Fanny bei
einer däniſchen Inſel verladen wurde. Der Dampfer
Fanny hat dieſe Waffen auf hoher See auf einen an=
deren
Dampfer und dieſer wieder auf zwei kleinere Schiffs
übertragen. Der größte Teil der Waffen wurde in Lorne
ausgeſchifft. Das geſamte Freiwilligen=Korps war geſtern
nacht von Carſon mobiliſiert worden, wie es hieß, für
eine Probemobiliſation. Sie hatten einen dichten Kor=
don
um Lorne gebildet, ſo daß die Polizei machtlos war.
Ueber 200 Automobile ſtanden bereit und verteilten die
Waffen noch in der Nacht unter die Rebellen. Dieſe ver=
hinderten
die Polizei daran, die Behörden zu benachrich=
tigen
. In Belfaſt hat ſich eine größere Abteilung Frei=
williger
mit ihren Automobilen eingefunden, aber nur um
die Behörden hinters Licht zu führen. Dort wurde nichts
ausgeladen. Dieſer Streich gegen die Regierung iſt voll=
kommen
gelungen.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

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Uhr, halten. Es wird den Intereſſenten Gelegenheit ge=
boten
, ſich von der überraſchend einfachen, ſauberen und
ſparſamen Handhabung des Oekonom zu überzeugen,
indem vor deren Augen ganze Mahlzeiten, Braten und
Kuchen hergeſtellt und als Koſtprobe verteilt werden.


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Darmſtadt, den 25. April 1914.
Die Beerdigung findet Montag, den 27. April,
nachmittags 4 Uhr, vom Portale des Darm=
ſtädter
Friedhofs aus ſtatt.

Nummer 114.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

Seite 7.

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Familiennachrichten.

Allen Verwandten, Bekannten,
4 A. Geschäftsfreunden, sowie un-
serer
werten Nachharschaft für die
überaus zahlreichen Ehrungen, die
uns anläßlich unserer Silbernen
Hochzeit zuteil wurden, insbeson-
dere
der Singmannschaft der Turn-
gemeinde
, dem Hess. Fechtverein
Waisenschutz und dem Werk-
meister
-Bezirksverein Darmstadt
unseren herzlichsten Dank.
Darmstadt, den 25. April 1914.
Heinrich Brommer u. Frau
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des so überaus schnell beliebt gewordenen

Danksagung.

Dampfernachrichten.

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treter
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Nordamerika: Amerika 23. April 10 Uhr 30 Min.
morgens von Neu=York über Cherbourg und Southampton
nach Hamburg. Bosnia nach Baltimore, 24. April
5 Uhr 50 Min. morgens Lizard paſſiert. Dortmund.
von Neu=York, Newport News nnd Boſton kommend,
24. April 7 Uhr morgens auf der Elbe. Kaiſerin
Auguſte Victoria nach Neu=York, 24. April 5 Uhr
30 Min. morgens Dover paſſiert. Nicaria von
Boſton, 23. April 8 Uhr abends in Neu=York. Rhaetia
22. April 7 Uhr morgens in Boſton: Weſtindien,
Mexiko: Bavaria nach Havanna und Mexiko, 24. April
6 Uhr morgens Queſſant paſſiert. Wasgenwald nach
Weſtindien, 23. April 11 Uhr morgens in Antwerpen.
Südamerika, Weſtküſte Amerikas: König Wilhelm II.,
von dem La Plata kommend, 24. April 1 Uhr morgens
in Hamburg. Sevilla, von dem La Plata kommend,
22. April 7 Uhr abends von Montevideo direkt nach
Hamburg. Oſtaſien: Arabia 22. April 5 Uhr
nachm. von Kobe nach Moji. Belgravia 22. April
in Kobe, heimkehrend. Emden 23. April 12 Uhr
mittags von Algier nach Port Said, ausgehend.
Preußen 23. April 12 Uhr mittags in Antwerpen, aus=
gehend
. Sithonia 23. April von Marſeille nach
Havre. Uckermark 21. April 7 Uhr abends von Kobe
nach Yokkaichi. Vergnügungsdampfer Meteor, vierte
Mittelmeerfahrt, 23. April 8 Uhr abends in Tunis.

Für die uns anläßlich des. Ab=
lebens
meiner lieben Frau, unſerer
guten Mutter bewieſene Teilnahme
ſagen wir unſeren aufrichtigſten Dank.
F. Büttner u. Kinder.
Darmſtadt, den 24. April 1914.
11140

Tageskalender.
Sonntag, 26. Apeil.

Großh. Hoftheater, Anfang 7½ Uhr, Ende 10½ Uhr
(außer Abonnement): Don Juan
Vorſtellungen um 4 und 8¼ Uhr im Orpheum.
Matinee der Kammermuſik=Vereinigung um 11¼ Uhr
im Saale des Muſikvereins.
Vortrag von Profeſſor Hattemer um 8 Uhr im Kon=
kordiaſaal
(Volksverein für das katholiſche Deutſch=
land
).
Unterhaltungsabend der Jugendvereinigung der
Petrusgemeinde um 7½ Uhr im Gemeindehaus.
Feſtball des Tanzlehrer=Verbandes um 7½ Uhr im
Rummelbräu
Wanderung des Odenwaldklubs nach Mainz (Abfahrt
6.29 Uhr).
Tanzausflug der Stenographen=Vereinigung Ga=
belsberger
nach Traiſa (Abmarſch um 2½ Uhr vom
Kapellplatz).
Tanzkränzchen um 4 Uhr in der Stadt Pfung=
ſtadt
Kraft=Sportverein um 4 Uhr im Reſt. Roſen=
höhe‟

Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Bürgerkeller um
4 Uhr. Perkeo um 4 und 8 Uhr. Reſt. Schweizer=
haus
zu Eberſtadt um 4 Uhr.
Generalverſammlung des Obſt= und Gartenöau=
verbandes
für den Kreis Darmſtadt um 3½ Uhr im
Weißen Schwanen zu Arheilgen.

Verſteigerungskalender.
Montag, 27. April.

Holzverſteigerung und Wieſenverpachtung
abends 6 Uhr in der Brücherſchen Wirtſchaft zu Ar=
heilgen
.
Pferde=Verſteigerung um 11 Uhr in der Dra=
goner
=Kaſerne (Regt. Nr. 23).

Duic und Beriagt 2. g. Filicſe Haſbuchtuchant.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil Max Streeſe; für den Anzeigenteil,
Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Carl Friedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträg=
liche
werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
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Seite 8

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

Nummer 114.

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Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

Nummer 114.

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Nummer 114.

Seite 11.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Spitzhund (zugelaufen). Die Hunde können von
den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(10694

Beſichtigung von Mietwohnungen u. Feuerſtätten.

Die Wohnungs= und Feuerſtätten=Beſichtigung findet gegen=
wärtig
im fünften Polizei=Revier ſtatt.
(10721ggg
Darmſtadt, den 24. April 1914.
Das Baupolizeiamt.
Steinberger.

us der Landrichter Dr. Müller’ſchen Stiftung zu Darmſtadt

ſind durch die unterzeichnete Behörde vier Unterſtützungslegate
von jährlich 500 Mk. an bedürftige elternloſe Studierende der
Rechtswiſſenſchaft aus den Provinzen Starkenburg oder Oberheſſen
zu vergeben. Bewerbungen um dieſe Legate ſind binnen vier Wochen
bei der unterzeichneten Behörde einzureichen.
(10653
Darmſtadt, den 23. April 1914.
Großherzogliches Miniſterium der Finanzen
Abteilung für Finanzwirtſchaft und Eiſenbahnweſen
In Erledigung: Dr. Rohde.

Entfernung der Herbſtzeitloſe.

Die Herbſtzeitloſe findet ſich auf den Wieſen ſtellenweiſe in
größerer Menge vor. Um die Weiterverbreitung dieſer ſchädlichen
Pflanze zu verhüten, fordere ich die Wieſenbeſitzer auf, die Ent=
fernung
der Herbſtzeitloſen bis zum 10. k. Mts. vorzunehmen,
andernfalls dies auf Koſten der Säumigen, deren Beſtrafung außer=
dem
nach § 37 des Feldſtrafgeſetzes veranlaßt wird, erfolgen muß.
Darmſtadt, den 24. April 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
(10722gg
J. V.: Jaeger.

Städtiſches Leihamt Darmſtadt.

Betreffend: Erneuerung der Verſatzzeit von Pfändern.
Die Verſatzzeit der im April 1913 verſetzten Pfänder (rotes
Pfandſchein=Formular) Nr. 1 bis einſchl. Nr. 2829 iſt nunmehr
erneuern zu laſſen.
Wir fordern die Pfandſchuldner zur Erneuerung der Verſatzzeit
mit dem Bemerken auf, daß dieſelbe von jetzt ab bis zu dem betr.
Verfalltage ſtattfinden muß. Nach Ablauf dieſer Friſt können die
verfallenen Pfänder nur noch ausgelöſt werden.
.

Darmſtadt, den 1. März 1914.
Die ſtädtiſche Leihamtsverwaltung.
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Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren über
das Vermögen des Kaufmanns
Karl Gehbauer zu Darmſtadt iſt
zur Abnahme der Schlußrechnung
des Verwalters, zur Erhebung von
Einwendungen gegen das Schluß=
verzeichnis
der bei der Verteilung
zu berückſichtigenden Forderungen
der Schlußtermin auf:
Mittwoch, den 20. Mai 1914,
vormittags 9 Uhr,
vor dem Großh. Amtsgerichte I
hierſelbſt, Zimmer Nr. 219, be=
ſtimmt
. In demſelben ſollen auch
die nachträglich angemeldeten For=
derungen
geprüft werden. (10687
Darmſtadt, 21. April 1914.
Der Gerichtsſchreiber
des Großh. Amtsgerichts I.

Bekanntmachung.

In dem Konkursverfahren über
den Nachlaß des Edmund Schrei=
ner
von Darmſtadt wird Termin
zur Erklärung über Genehmigung
eines abgeſchloſſenen Vergleichs
und zur Prüfung der nachträglich
angemeldeten Forderungen auf:
Samstag, den 9. Mai 1914,
vormittags 11 Uhr,
Zimmer 201
beſtimmt.
(10686
Darmſtadt, 24: April 1914.
Großherzogliches Amtsgericht I.

Bekanntmachung.

In unſerem Handelsregiſter A.
vurde heute die Firma A. u. J.
Gandenberger in Pfungſtadt ge=
löſcht
.
(10655
Darmſtadt, 21. April 1914.
Großherzogliches Amtsgericht II.

Bekanntmachung.

Die Firma Philipp JacobyII.
in Ober=Ramſtadt iſt übergegangen
auf Otto Jacoby daſelbſt. Dieſer
führt das Geſchäft unter der Firma
Philipp Jacoby II. Nachfolger,
Inhaber Otto Jacoby weiter.
Die in dem Geſchäft begründeten
Verbindlichkeiten ſind bei dem Er=
werb
durch Otto Jacoby nicht mit
übernommen. Die dem Philipp
Jacoby II. ſeither erteilte Prokura
(10658
iſt erloſchen.
Eintrag in das Handelsregiſter
iſt erfolgt.
Darmſtadt, 21. April 1914.
Großherzogliches Amtsgericht II.

Bekanntmachung.

In das Handelsregiſter iſt am
21. April 1914 die durch Geſell=
ſchaftsvertrag
vom 18. April 1914
errichtete Arthur Andreas und Com=
pagnie
, Geſellſchaft mit beſchränkter
Haftung, mit dem Sitz in Ober=
Ramſtadt, eingetragen worden.
Gegenſtand des Unternehmens iſt
die gewerbliche Herſtellung und der
Vertrieb von Celluloid= Waren,
ſpeziell Kämmen, Haarſchmuck und
Toilette=Artikel.
Das Stamm=Kapital beträgt
25 000 Mark.
Geſchäftsführer ſind: Fabrikant
Siegfried Reichenbach zu Darm
ſtadt, Fabrikant Ernſt Beſſunger
daſelbſt, Kaufmann Arthur Andreas
zu Ober=Ramſtdt.
Zur Vertretung der Geſellſchaft
iſt ein Geſchäftsführer nur in Ge=
meinſchaft
mit einem zweiten Ge=
ſchäftsführer
berechtigt. Die Stamm=
einlage
des Geſchäftsführers Arthur
Andreas im Betrage von 5000 M.
iſt durch Einbringen ſeiner Er=
finder
= und Konſtruktionsgedanken,
Modelle, Muſter, Gebrauchsmuſter=
ſchutzrechte
, Patente, Licenzen
Fabrikationsverfahren und dergl
geleiſtet. Die Dauer der Geſell=
ſchaft
iſt auf 10 Jahre beſtimmt.
Die Bekanntmachungen erfolgen im
Deutſchen Reichsanzeiger. (10657
Darmſtadt, 21. April 1914.
Großherzogliches Amtsgericht II

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Bekanntmachung.

In unſer Handelsregiſter wurde
heute eingetragen: Firma: Lud=
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Dintelmann in Pfungſtadt,
Inhaber: derſelbe. Prokuriſt:
Johannes Dintelmann in Pfung=
(10656
ſtadt.
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handlung
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Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

Nummer 114.

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1. Einzelkarten 20 Pfg.
2. Abonnementskarten für die ganze Badesaison
für Einzelpersonen 6 Mk.
3. Desgl. für Familien für die ganze Badesaison 8 Mk.
4. Für Angehörige werden auf den Namen lautende
Beikarten ausgestellt, und zwar für Kinder bis zu
18 Jahren frei, während für über 18 Jahre alte
Familienglieder je 1 Mk. zu zahlen ist.
Die Inhaber von unverzinslichen Anteilscheinen zu
20 Mk. geniessen für jeden Anteilschein eine Ermässigung
des Abonnementspreises um 1 Mk.
b) Eintrittspreise für Nichtmitglieder:
1. Einzelkarten 35 Pfg.
2. Abonnementskarten für die Badesaison 12 Mk.
für jede einzelne Person. (Familienkarten werden
an Nichtmitglieder nicht abgegeben.)
Allen Besuchern des Bades wird ein von
einem Arzt verfasstes Merkblatt über das
Verhalten im Luftbad ausgehändigt.
3. Der Tennisplatz
Tennisspieler zahlen für eine auf den Namen lautende
Abonnementskarte für die Saison 4 Mk. Nichtabonnenten
zahlen für die Person und Stunde 10 Pfg.
Der Tennisplatz ist in erster Linie für unsere
Mitglieder bestimmt, Durch Mitglieder einzuführende
Nichtmitglieder bezahlen 6 Mk. bezw. 15 Pfg.
Mit Ausnahme vorstehender Preisänderungen gelten für
den Besuch des Spielplatzes, des Licht-Luft- und Sonnen-
bades
, sowie des Tennisplatzes die in den Satzungen fest-
gestellten
Bedingungen, die auch von Nichtmitgliedern zu
beachten sind. Herausgreifen wollen wir dass das Rauchen
nicht gestattet ist und dass Hunde auf den Platz nicht
mitgenommen werden dürfen. Den Anordnungen des Vor-
standes
sowie des Aufsichtführenden ist jederzeit Folge zu
geben. Etwaige Wünsche nehmen die Mitglieder des Spiel-
platz
-Ausschusses entgegen. Die Karten für die Bäder werden
nur auf dem Spielplatz von dem aufsichtführenden Herrn
ausgegeben. Die Aufnahme neuer Milglieder kann dagegen
nur bei dem Vorsitzenden des Vereins, Herrn Stadtver-
ordneten
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Der Sieg des Herzens.
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22)

Er erhob den Revolver und drückte die kalte Mün=
dung
an die Schläſe. Ein leiſer Schauder durchrieſelte
ihn ein leichter Druck des Fingers, und alles war zu
Ende. Er ſchloß die Augen da fühlte er einen weichen,
warmen Arm ſich um ſeinen Hals legen, und eine zit=
ternde
Hand drückte ſeine Hand mit der Waffe nieder.
Hans, mein lieber Hans, was willſt Du tun? flüſterte
eine angſtvoll bebende Stimme.
Eva!
Er blickte in das blaſſe Geſicht, in die tränengefüllten
Augen Evas die Waffe entſank ſeiner Hand.
Eva kniete neben ihm nieder, ergriff ſeine Hände und
ſah flehend zu ihm auf. Ich verlaſſe Dich nicht, Hans,
flüſterte ſie, was auch geſchehen mag. Ich habe Dich ja
ſo lieb ſo lieb . . . .
Wie himmliſche Muſik klang die ſanfte Stimme in
ſeinem Herzen, in ſeiner Seele wider. Noch war nicht
alles verloren, wenn treue Liebe um ihn ſich ſorgte.
Verzeih mir, Eva, ſtammelte er. Ich wußte ja nicht,
was ich tat . .
Wir wollen treu zuſammenhalten, Hans und es
wird alles wieder gut werden.
Bleibe bei mir, Eva, dann fürchte ich das Leben nicht.
Ich will bei Dir bleiben, Hans fürchte Dich nicht.
Sein Haupt ſank auf ihre Schulter; erleichternde Tränen
perlten ihm über die Wangen.
Auf dem Korridor des Moabiter Gerichtsgebäudes
ging es lebhaft zu. Die Verhandlung gegen Rautheim
und Genoſſen wegen gewerbsmäßigen Glücksſpiels ſtand
auf der Tagesordnung, und ſowohl die Staatsanwaltſchaft

wie anch de Beriehlaung haite geſtracße Zeign ge=
laden
.
Die Anwälte mit ihren gefüllten Aktenmappen eilten
mit wichtigen Geſichtern durch die Menge der Wartenden;
Schreiber mit dicken Aktenſtößen haſteten vorüber, ſuchten
ihre Chefs, verſchwanden in den verſchiedenen Bureaus,
kamen wieder zurück, antworteten mit wichtigtueriſchen
Mienen auf Fragen, die dieſer oder jener an ſie richtete,
und liefen davon, als hätten ſie keine Minute Zeit.
In plaudernden Gruppen ſtand das Publikum der
Zeugen und der neugierigen Zuhörer umher. Zeitungs=
reporter
ſpitzten ihre Bleiſtifte und ſchauten ſich mit =
chelnder
Miene um, als wollten ſie ſagen: Das iſt alles
für uns nichts neues wir ſind hier zu Hauſe und laſſen
uns nicht imponieren! Zeugen, die zum erſtenmal mit
dem Gericht in Berührung kamen, ſtanden in ſtummer
Verlegenheit in den Fenſterniſchen. Andere ſuchten durch
lautes, ſcheinbar harmloſes Benehmen den Anſchein der
Erfahrung und Sorgloſigkeit zu erwecken. Zweifelhafte
Geſtalten ſchlichen vorüber, mit dieſem und jenem leiſe
flüſternd, einer den Verſuch machend, ſich an einen Zeugen
oder Anwalt heranzudrängen.
Beamte in Uniform ſchritten würdevoll daher, die
Umſtehenden mit ſtrengen Blicken meſſend, als wollten ſie
ſagen: Muckſt euch nicht oder wir faſſen euch am Kragen.
Es herrſchte eine gedrückte, ſchwüle, muffige Luft in
den überheizten Räumen; draußen ſtürmte der Wind des
erſten Frühlings und warf kalte Regenſchauer an die
Fenſter, die vor Näſſe trieften. Ein Geruch von naſſen
Mänteln und Kleidern, ein Dunſt von ſchwitzenden Men=
ſchen
erfüllte die Luft und erſtickte jeden freien Atemzug.
In einer Gruppe ging es beſonders lebhaft zu. Meh=
rere
Perſonen hatten ſich um Carl Adolf Borchers ver=
ſammelt
, und der kleine Haarkünſtler ſetzte ihnen ſeine
Auffaſſung der Sachlage auseinander.

I0 am Zun haen, nehne deret, ih berſche 6 von der Sache. Ich bin nämlich Friſeur und Coif=
feur
und beſchäftige mich mit der wiſſenſchaftlichen Haar=
pflege
das iſt ein großer Unterſchied, meine Herren!
Ich bin kein gewöhnlicher Barbier nee, beileibe nicht.
Und dadurch bin ich denn in ſehr vornehme Kreiſe gekom=
men
und weiß, wie es in ihnen zugeht . . . .
Schwatz keinen Unſinn, Borchers, brummte ſeine neben
ihm ſtehende Frau. Du kommſt ſonſt noch in Ungelegen=
heiten
.
J Gott bewahre! Wie ſollte ich wohl? Was ich
aber ſagen wollte, meine Herren, in vornehmen Kreiſen
da wird viel Karten geſpielt . . . .
Anderswo auch! rief eine lachende Stimme.
Jawohl, Schafskopf und Kümmelblättchen, erwiderte
Borchers eifrig. Aber das iſt in den vornehmen Kreiſen
nicht Mode da geht’s nicht um den GGroſchen, da geht
es um Taler und Zwanzigmarkſtücke . . . .
Dat kommt auf eins heraus! rief ein anderer. Dat
kommt nur auf’s Portemonnaie an.
Freilich freilich auf’s Portemonnaie kommt es
an. Und was den Herrn Baron Rautheim anbetrifft . .
Der hat’s große Portemonnaie . . . .
Aber dat Geld hat er nich!
Nee das hat ſeine Frau . . .
Alles lachte. Vergebens ſuchte ſich Carl Adolf Gehör
zu verſchaffen. Ein Gerichtsdiener mit einem gewaltigen.
Bart ging vorüber und ſagte mit barſcher Stimme: Ma=
chen
Sie hier nich ſon Radau. Sie ſind hier nicht in
Ihrer Stammkneipe . . .
Nanu? Man kann ſich doch freundſchaftlich unter=
halten
, meint jemand.
Doch der Gerichtsdiener warf ihm einen ſtrengev
Blick zu und verſchwand dann in dem Gerichtsſaal.
Man lachte hinter ihm drein.

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Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

Nummer 114

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hieß es.
Ja, die Beamten . . . wollte Carl Adolf wieder an=
fangen
, aber Frau Borchers ergriff ihn feſt bei dem Arm
und führte ihn beiſeite, energiſch auf ihn einſprechend, ſo
daß ſich der kleine Haarkünſtler ängſtlich duckte.
In einer anderen Gruppe ſtanden der Bauunterneh=
mer
, der Bankier, der Major a. D. mit dem hiſtoriſchen
Namen und der Theaterſchriftſteller zuſammen, welche an
dem verhängnisvollen Abend mitſiſtiert worden waren,
und erörterten den Fall.
Man nicht einſchüchtern laſſen! ſagte der Bauunter=
nehmer
mit ſenem breiten Lachen. Bange machen gilt
nich, meine Herren. Wat wir in eine Privatgeſellſchaft
treiben, ght dem Kriminal gar nichts an. Ick werd es
dem Hekrn Gerichtshof ſchon deutlich machen dadruff
können Sie ſich verlaſſen.
’s iſt aber doch ne ärgerliche Geſchichte, meinte der
Major. Wenn es in die Zeitung kommt.
Schadet nichts, Herr Major, unterbrach ihn lächelnd
der Theaterſchriftſteller. Vor der Oeffentlichkeit habe ich
keine Angſt.
Ja Sie! Das macht für Sie wohl Reklame?
Ja tut es auch. Wiſſen Sie, was ein berühmter
Schauſpieler ſagte: Schreiben Sie über mich, meine Her=
ren
, jeden Tag eine Notiz und wenn Sie ſchreiben, ich
hätte ſilberne Löffel geſtohlen mir iſt’s recht .
Sehen Sie, ſo ſtehe ich zu der Sache. Ich pfeife auf die
ganze Geſchichte.
Ja, Ihnen ſchadet’s nicht. Aber mir kann es die
Bnifoxm koſten.

Sie ichemn ſe ſe dach nicht nechr an, Mter=
Das verſtehen Sie nicht .
Keinen Streit, meine Herren, unterbrach der Bau=
unternehmer
das Geſpräch. Wir müſſen zuſammenhalten,
und unſeren Freund Rautheim dürfen wir nicht in der
Patſche ſitzen laſſen . .
Eine Glocke ertönte. Gerichtsdiener liefen hin und
her. Eine barſche Stimme rief: Rautheim und Genoſſen.
Aha, jetzt kommen wir an die Reihe, ſagte der Bau=
unternehmer
, und alle drängten nach der Tür des Ge=
richtsſaales
.
In einer Fenſterniſche lehnte Hans und beobachtete
ſchweigend das Treiben um ihn. Er ſah blaß und abge=
magert
aus; ein müdes Lächeln ſchwebte auf ſeinen Lip=
pen
, wie von einem unterdrückten Seufzer. Seine Augen
blickten melancholiſch und teilnahmslos in die Menge,
aber ſeine Haltung war ſtraff, faſt ſtolz emporgerichtet.
Da ſchmiegte ſich eine weiche Hand in die ſeinige.
Eva ſtand neben ihm und ſah lächelnd zu ihm auf.
Weshalb ſo traurig, Hans? ſprach ſie leiſe. Dieſe
Stunde wird auch vorübergehen . .
Ja, wie alles im Leben, Eva, entgegnete er mit trü=
bem
Lächeln. Du haſt recht, es iſt nicht der Mühe wert,
ſich über etwas zu grämen . . . .
Nicht dieſe verzweifelte Stimmung, Hans, bat ſie.
Es wird alles gut werden. Du haſt doch jetzt ſchon wieder
Beſchäftigung gefunden.
Freilich als Schreiber . . .
Nun, es iſt doch ehrliche Arbeit, Hans.
Ich ſchäme mich ihrer nicht. Dir und Deinen Eltern,
Eva, muß ich vor allem dankbar ſein. Was wäre aus mir
geworden, wenn Ihr mir nicht geholfen hättet!

Srich des nich denider Bir woiſter in dach dai
es Deine Schuld nicht war, daß Du in dieſe Schwierigkeit
geraten biſt.
Es war meine Schuld, mein Leichtſinn, Eva!
Wir wollen es vergeſſen, Hans. Ein neues Leben
liegt vor uns.
Ein neues Leben wenn es nur auch ein gutes, er=
folgreiches
Leben iſt!
Hans wir wollen zuſammenhalten.
Von ganzem Herzen, Eva.
Sie drücken ſich heimlich die Hände. An ihrer treuen
Liebe, an ihrem Mut und an ihrer Kraft richtet auch er
ſich wieder auf. Das Schwerſte lag ja ſchon hinter ihm.
Mit ſeinen Gläubigern hatte er ſich abgefunden; durch
den Juſtizrat Walterburg hatte er in dem Kontor einer
Bank eine Beſchäftigung erhalten, durch die er ſein Leben
notdürftig beſtreiten konnte. Carl Adolf Borchers und
ſeine Gattin gaben ihm Koſt und Wohnung, und Evas
treue Liebe warf einen hellen goldigen Schein in ſein ein=
ſames
, arbeitsvolles Leben.
Aber die alte Spannkraft, die frühere Lebensfreudig=
keit
wollten noch immer nicht zurückkehren. Er fühlte noch
immer den Druck der Schuld auf ſeinem Leben, auf ſei=
nem
Denken laſten, und oftmals ſchienen ſich düſtere Wol=
ken
auf ſein Leben zu ſenken, die ihm jeden Weg in die
Freiheit, jeden Weg zum Licht verſperrten.
Es war etwas in ihm erſtorben die Freude am
Leben das Vertrauen auf ſich ſelbſt, das erſt langſam
durch treue, liebevolle Pflege wieder zu neuem Daſein
erbbihen konnte.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 114.
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

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Der Sport des Sonntags.
sr. Mit dem Vorrücken der Jahreszeit nehmen auch
die rennſportlichen Veranſtaltungen an Zahl
wie an Bedeutung zu. An 9 verſchiedenen Rennplätzen
wird am Sonntag ſchon auf dem grünen Raſen gekämpft;
eine Zahl, die auch zur Zeit der ſportlichen Hochſaiſon im
Mai oder Juni nicht mehr weſentlich übertroffen wird.
Der Flachrennſport iſt jetzt in Hamburg auf ſeiner letzten
Etappe im Reiche angelangt, bevor am nächſten Sonntag
die Kampagne in der deutſchen Trainingszentrale Hoppe=
garten
beginnt. Im Mittelpunkte des zweitägigen Mee=
tings
auf dem Horner Moor ſteht das mit 20000 Mark
ausgeſtatete Frühjahrs=Handikap. In dem Felde des
1800=Meter=Rennens befindet ſich eine ganze Anzahl von
Pferden, die ihre Klingen ſchon in dem vorangegangenen
Ausgleichsrennen gekreuzt haben. Eine erſte Chance beſitzt
Chateauguay, der Vierte aus dem Großen Kölner Früh=
jahrs
=Handikap, der dort ein ſehr unglückliches Rennen
hatte. Seine gefährlichſten Gegner ſtecken in dem Wein=
bergſchen
Pirol und Lockruf. In den übrigen Rennen ſind
Moſel, Aſtarte Potoskaff, Nicolo, Buoy and Gull und
Hamilton in Front zu erwarten. Am Montag ſteht im
Godeffroy=Rennen die erſte bedeutendere Dreijährigen=

Furnen, Spiele und Sport.

* Rad= und Motorrennen in Darmſtadt. Am Sonn=
tag
den 3. Mai, hält der Velocipedtlub auf der hieſigen
Radrennbahn ſeine Eröffnungsrennen ab. Was man bis=
her
vom Velocipedklub ſah, war in jeder Beziehung ein=
wandfrei
. Die diesjährige Rennſaiſon wird mit einem
Programm eröffnet werden, das alle bisher gebotenen
Rennen bei weitem übertrifft. Außer erſtklaſſigen Flieger=
rennen
finden 5 Dauerrennen für Berufsfahrer mit Mo=
torſchrittmachern
ſtatt und ſind wir überzeugt, daß dieſe
auf das ſportliebende Publikum ihre Anziehungskraft nicht
verfehlen werden. (Näh. ſ. Anz.)
* Radrennen. Mainzer Sportplatz. Mit dem
neuen karoſſerierten Fahrrad, dem Brennabor=
Fiſch, der zum erſten Male in Süddeutſchland gezeigt wird,
beſtreitet heute Sonntag, an dem die Eröffnungs=
Rennen ſtattfinden, Pawke=Berlin ein Rennen gegen die
Meiſterfahrer Böſchlin und van Gent.

Piſung dieſes Zahres zur Enſcheldung. Die Graditzerin
Granada hat es in dem 15000 Mark=Rennen hauptſächlich
mit Grazie aus dem Weinbergſchen Stalle und Harmonie
zu tun.
In der Reichshauptſtadt lädt wiederum Karlshorſt zu
Gaſte. Von den beiden Hauptnummern iſt das Hürden=
Rennen der Vierjährigen trotz des anſehnlichen Prei=
ſes
von 15000 Mark ſehr ſchwach beſetzt. In dem Quintett
iſt Exarch zu beachten, da Saul mit 70 Kilogramm trotz
ſeiner Klaſſe ein mehr als hohes Gewicht zu ſchleppen hat.
Stärker beſetzt iſt der Silberne Humpen, eine Herren=
Steeple=Chaſe über 4200 Meter. Der für dieſes=Rennen
aufgeſparte Galbally (Lt. Erbprinz zu Bentheim) ſollte
das Ende unter ſich ausmachen. In den übrigen Rennen
ragen Quodlibet, Schlagwerk, Arnara, Giabar, Pois de
Senteur und Fife Honours hervor. Die anderen Meetings
in Horſt=Emſcher, Leipzig, Frankfurt a. M., Nürnberg,
Oels, Thorn=Mocker und Beeskow weiſen keine Konkur=
renzen
von weitgehenderer Bedeutung auf. In Wien
wird den öſterreichiſchen Derby=Kandidaten in den Trial=
Stakes zum erſten Male ernſtlich auf den Zahn gefühlt.
Heißer Favorit in dem 46000 Kronen=Rennen iſt Graf G.
Andraſſys Had laſſuk. Paris bringt Longchamps im Prix
Biennial ebenfalls eine wertvolle Dreijährigen=Prüfung,
und im La Coupe eine mit 25000 Francs ausgeſtattete
Steherprüfung, die für den Beſitzer des Siegers einen
Ehrenpreis im Werte von 10000 Francs vorſieht.
Auffallend ſchwach iſt es mit dem Radſport be=
ſtellt
, da in Deutſchland lediglich an drei Plätzen Bahn=
rennen
ſtattfinden. Das Goldene Rad von Friedenau, ein
100 Kilometer=Rennen in zwei Läufen von je 50 Kilometer,
gelangt zum zweiten Male in Treptow zur Entſcheidung.
Miquel, Janke, Demke und Stellbrink gehören zu den Be=
werbern
. In den Fliegerrennen dürfte wieder Lorenz
dominieren. In Erfurt ſtarten Nettelbeck. Kjeldſen, Alt=
wein
und Timmermann, während ſich in Main z Böſch=
lin
, Pawke und van Gent begegnen. Auf der Landſtraße
wird der Große Straßenpreis von Hannover, veranſtaltet
von der Allgemeinen Radfahrer=Union, entſchieden. Das
300 Kilometer=Rennen ſieht als Neuheit zum erſten Male
eine Gruppe der Militärfahrer unter den Startern.
Deutſche Fahrer befinden ſich in Mailand, wo ſich Arend,
Stabe und Wegener an den Eröffnungs=Rennen beteili=
gen
. Auf der Pariſer Buffalobahn wird die Hauptnummer

biehmat nicht hinter Moloren, ſonderm mit Tandenſüh=
rung
, ausgefahren. Die franzöſiſchen Straßenfahrer be=
gegnen
ſich auf der Strecke Paris=Menir, während die
Belgien ſich an der in Brüſſel beginnenden Rundfahrt
durch Belgien beteiligen.
Im Fußballſport fällt die Entſcheidung der noch
ausſtehenden Meiſterſchaften von Südoſt= und Mittel=
deutſchland
. In den Schlußſpielen ſtehen ſich in Forſt i. L.
Askania=Forſt und Sportfreund=Breslau, und in Leipzig
Verein für Bewegungsſpiele und die Spielvereinigung
gegenüber. Von den verſchiedenen Geſellſchaftsſpielen iſt
die Begegnung zwiſchen Holſtein=Kiel und Herta=Berlin
in der Reichshauptſtadt, von Viktoria in Prag mit dem
dortigen Deutſchen Fußballklub und von dem Berliner
Ballſpielklub in Hannover mit Eintracht hervorzuheben.
In Amſterdam findet der Länderwettkampf zwiſchen Hol=
land
und Belgien ſtatt.
Der Hockeyſport bringt die Entſcheidung um die
Berliner Meiſterſchaft, die am Sonntag vormittag zwiſchen
Teutonia=Volksſport und Berliner Sportklub vor ſich geht.
Einen glänzenden Verlauf verſpricht das internationale
Schwimmfeſt des Magdeburger S. C. 1896 zu neh=
men
, zu deſſen zweitägiger Veranſtaltung ſich Schwimmer
aus England, Belgien, Oeſterreich und Ungarn eingefun=
den
haben.

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
ſeinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 del
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Auf einigen ſtädtiſchen Aemtern iſt ein Stadtplan
von Darmſtadt im Maßſtab 1:5000 aufgehängt. Es iſt
dies das neueſte Erzeugnis des ſtädtiſchen Vermeſſungs=
amtes
, und iſt dieſer Plan gewiß mit großen Unkoſten her=
geſtellt
worden. Auf Befragen, wo man den Plan echal=
ten
könne, wurde mir geſagt, der Plan ſei nur in einigen
Exemplaren und nur für ſtädtiſche Zwecke hergeſtellt wor=
den
. Ich frage deshalb an, warum wird dieſer, für jeden
Gewerbetreibenden Geſchäftsmann uſw. äußerſt brauch=
bare
Plan nicht in größerer Maſſe hergeſtellt und verkauft?
Es könnten hiermit wenigſtens die Koſten für die An=
fertigung
des Originales erlöſt werden.
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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

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[ ][  ][ ]

Nr. 14.

Sonntag, 26. April.

1914.

Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg.
(Nochdruck verboten.)

Frühlingsboten. Die erſten Kongreſſe. Lücken. Zur
Kritik Berlins. Der vorurteilsloſe Herr Profeſſor.
Berliner und ruſſiſche Verhältniſſe. Glückliches Zaren=
land
. Was uns ſonſt der Lenz noch bringt. Ein Ge=
ſellſchaftskapital
. Die Freude an der Natur. Auf dem
grünen Raſen. Die Buchmacherkrankheit. Weltſtadt=
ſzenen
. Erlebte Romane.
Wenn die Blätter ſpießen und die Knoſpen ſich zwi=
ſchen
ihnen leis hervorwagen, wenn der Frühling auch in=
mitten
der Weltſtadt endloſen Häuſerreihen ſeinen holden
Zauber entfaltet, dann kommen außer den Verlobungen
und gelegentlichen geſellſchaftlichen Skandälchen noch an=
dere
Ergebniſſe winterlicher ſtiller Arbeiten ans Tages=
licht
: die Kongreſſe. Ihr Vortrab iſt ſchon bei uns
erſchienen, indem ſich hier die Chirurgen und die Mitglie=
der
der deutſchen Röntgen=Geſellſchaft zu wichtigen Ver=
ſammlungen
mit bedeutſamen wiſſenſchaftlichen Erörte=
rungen
und Vorträgen vereinten. Und nun wird ſich ihnen
gar raſch eine lange Gefolgſchaft anſchließen, iſt doch Ber=
lin
beſonders beliebt zu derartigen Veranſtaltungen, da
man hier bekanntlich ſo außerordentlich günſtige Gelegen=
beit
zur gemeinſamen anſtrengenden und anregenden Ar=
beit
hat! So anſtrengend und anregend, daß manchen
Kongreßteilnehmern von all’ den Mühen und Plackereien
noch am nächſten Morgen der Kopf brummt und ſie ſo müde
ſind, daß ſie erſt in der friſchen Luft des Tiergartens oder
Grunewalds Erholung ſuchen müſſen zu weiteren Forſch=
ungen
im Zauberbanne Berlins.
So zahlreich aber auch die Kongreſſe ſein werden, die
in den nächſten Monaten hier ſtattfinden, es dürften doch
noch einige Lücken auszufüllen ſein, zu denen wir uns mit
der bekannten Hochachtung dieſen und jenen Vorſchlag er=
lauben
. So wäre ein Kongreß ſicherlich ſehr intereſſant,
auf welchem die ſchlechten Eigenſchaften der
Berliner gründlich kritiſiert und Mittel zur Verbeſſe=
rung
ihres Charakters vorgeſchlagen werden. Als ver=
ſtändnisvollſter
Redner dürfte Herr Profeſſor Werner
Sombart das große Wort führen, denn dieſer hervor=
ragende
Zeitgenoſſe hat dieſer Tage in einem vielgeleſenen
hieſigen Blatte die Berliner und Berlinerinnen ganz ge=
hörig
mitgenommen, und zwar im Vergleich mit ruſſiſchen
Zuſtänden, die dem betreffenden Herrn Profeſſor vielfach
in roſigem Licht erſcheinen. Nun die deutſchen Luftſchiffer,
die man ſchon ſeit Monaten in Perm feſthält und andere
Reiſende, die ſich auch ein bischen auf dem Erdball umge=
ſehen
, dürften anderer Meinung ſein, aber was will das
ſagen gegen ein Wort dieſes berühmten Lichtes der Natio=
nalökonomie
und aller ſonſtigen Weltweisheit! Er findet
eben breite Maſſen der Berliner Bevölkerung brummig
und flegelhaft er wird in unſeren Reſtaurants und Ge=
ſchäften
ſehr ſchlecht bedient, die Kutſcher ſchneiden ihm
Grimaſſen, die Friſeure antworten nicht auf ſeine wiß=
begierigen
Fragen, die Portiers weiſen jeden Nickel=
Händedruck mit beißender Satire zurück, jede ihm erwieſene
Dienſtleiſtung wird nur verächtlich und widerwillig ge=
tan
. Das iſt eben der neue Mittelſtand, der nach der An=
ſicht
des bedeutenden Gelehrten unſere ganze Kultur ver=

kitſcht‟. In Rußland iſt das alles ganz anders, da ſind die
Leute höflich, gebildet, hochkultiviert, oh, du glückliches
Rußland und du armſeliges Berlin! Ja, wie ſteht’s denn
aber dann, wenn Herr Profeſſor Werner Sombert hier im
Winter ſeine Vorträge hält, für die ganz gehörig die Trom=
mel
gerührt wird verzichtet er da auf den unſere Kul=
tur
verkitſchenden Mittelſtand, der nach allgemeiner An=
ſicht
bildungsluſtiger und =fähiger wie in jeder anderen
Weltſtadt iſt? Denn dieſer Mittelſtand gibt auch gern Geld
aus, wenn er Neues und zugleich Wiſſenswertes zu hören
bekommt, aber nach den obigen Proben der ſcharfen, ſo
gründlichen Beobachtungsgabe des Herrn Profeſſors wird
er es ſich wohl reiflich überlegen, ob er den Worten dieſer
Berühmtheit im Studium der Völker und Weltſtädte auch
fernerhin lauſchen ſoll.
Zu anderen Ergebniſſen über die Berliner kommt der
Mitarbeiter eines der größten Londoner Blätter, der in
mehreren Aufſätzen unſer geſelliges Leben be=
leuchtet
und hervorhebt, in welch beſonderer Weiſe da Ber=
lin
ſeine viel älteren Schweſtern an der Seine, Themſe
und Donau übertrumpft. Der Engländer wundert ſich
immer von neuem über die Fülle leckerer und ſeltener
Dinge, die in den den Anforderungen des Magens dienen=
den
Geſchäften ausliegen. Nicht bloß an einzelnen Stellen,
wie in Paris und London, von Wien ganz zu ſchweigen,
ſondern an vielen Dutzenden, über die ganze Stadt ver=
ſtreuten
Plätzen. Entfernungen ſcheinen in der Heran=
bringung
all’ des Schönen überhaupt keine Rolle mehr zu
ſpielen; wenn der Winter noch ſeine Herrſchaft ausübt.
leuchten uns ſchon friſche Kirchen und Erdbeeren und
Pfirſiche entgegen, von der Riviera und dem ſüdlichen
Frankreich kommend Afrika ſchickt uns ſeine ſchönſten,
grad’ gepflückten Feigen, Kalifornien ſeine Grape=Früchte,
Auſtralien ſeine köſtlichen Pflaumen; Spargel und ſonſtige
junge Gemüſe, die man hier früher nur im Sommer be=
kam
, ſind überhaupt nicht mehr an die Saiſon gebunden,
auf den durch die Straßen gezogenen Handwagen türmen
ſich zu ganzen Bergen Apfelſinen und Bananen, die zu bil=
ligſten
Preiſen angeboten werden. Bezüglich der Tafel=
freuden
wird hier ſicher ein Zuviel getrieben und den
leiblichen Genüſſen ein gar zu großer Wert beigemeſſen.
Das erſchwert vielfach die Geſelligkeit und mutet jenen
Familien, die ſie nicht entbehren können oder wollen, recht
beträchtliche Ausgaben zu, die durchaus nicht immer mit
den Einnahmen harmonieren. Es iſt daher zu verſtehen,
daß der Kaiſer den Wunſch geäußert hat, es möchten be=
züglich
dieſer gaſtronomiſchen Freuden gewiſſe Einſchrän=
kungen
eintreten und man möchte auch endlich mit der alten
Unſitte brechen, daß meiſt nach Beendigung der Tafel die
Damen und Herren ſich abſondern, letztere um dem geliebten
Havannakraut und dem kühlen Naß aus Pilſen oder
München zu huldigen.
Vorläufig iſt ja dies Kapitel des Berliner Lebens ab=
geſchnitten
; jetzt huldigen die Berliner dem Frühling!
Die Freude an der Natur iſt, trotz manch gegenteiliger
Anſichten, bei dem Großſtädter lebhaft ausgeprägt, das
zeigt uns jeder dieſer ſchönen Apriltage von neuem. Be=
ſucht
mal jetzt die äußeren Stadtteile, namentlich in den
Abendſtunden, nachdem dort die ſchrillen Pfiffe der Fabri=
ken
das Ende regſamer Tagestätigkeit verkündet; beſucht
jene langen Straßenzüge, die ſich längs der Ringbahn
ausſtrecken, bis zu weiten Flächen, die der Bebauung har=
ren
. Die gewaltigen, vierſtöckigen Häuſer enthalten meiſt
nur zweizimmerige Wohnungen, aber die Mehrzahl iſt
mit einem kleinen Balkon verſehen, der jetzt von Groß und
Klein mit rührender Sorgfalt ausgeſchmückt wird, mit
billigen Blumen in ſelbſtgezimmerten, grün geſtrichenen
Käſten, mit Efeu= und Weingerank, mit Schlingpflanzen,
die ſpäter die berühmte und erſehnte Laube hoch über dem
Straßengetümmel bilden ſollen. Und wie zeigt ſich nun
erſt jene Liebe zur Natur an den Sonntagen, an denen
Hunderttauſende das Weichbild der Stadt verlaſſen und
mit Kind und Kegel hinausſtrömen nach allen Richtungen
der Wündroſe. Beſonders ſtark jetzt nach Werder,
deſſen Obſtgärten in märchenhafter Blütenpracht ſtehen
und mit ihrem lichten Schimmer die aufnahmefreudigen

M ree
mit einem halbvergeſſenen Märchen aus ferner, ſchöner
Kinderzeit beglücken.
Freilich, es gibt auch viele Tauſende in unſerer Bevöl=
kerung
, die nicht der Natur wegen hinauspilgern, ſondern
um einzig dem Sport und noch mehr der Wettluſt zu fröh=
nen
. Wie verheerend letztere oft wirkt, zeigt uns ja in
recht betrübender und bedenklicher Weiſe der gegenwärtig
hier zur Verhandlung ſtehende Beſtechungsprozeß
gegen mehrere Gendarmeriewachtmeiſter, die den Buch=
machern
williges Gehör geliehen und ihre Hände ebenſo
willig geöffnet. Nach einigen Zeugenausſagen muß es
in unſerer Einwohnerſchaft eine ganze Schicht von Buch=
machern
geben, die ſich auf Tauſende von Angehörigen
dieſes modernen Erwerbszweiges beläuft. Wer hier und
da und dort Einblicke gewonnen, nicht nur draußen auf
dem grünen Raſen, ſondern innerhalb unſeres Stadtgebie=
tes
, in Hunderten harmloſer Geſchäfte mit ſtillen Hinter=
ſtübchen
, in denen ſich die Wettluſtigen verſammeln, der
weiß, daß die Polizei ſtets nur einige Opfer heraus=
greifen
kann, daß ſie aber im großen und ganzen machtlos
gegen dieſe Krankheit wie an Gerichtsſtätte die Buch=
macherſucht
genannt ward, iſt. Das wird ja weſentlich
beſſer werden, wenn erſt das neue Wettgeſetz zur Einfüh=
rung
gelangte, das mit ſeinen Beſteuerungen der Wetten
und Wettenden dem Staat eine hübſche Einnahme ver=
ſpricht
.
Auch andere Weltſtadtſzenen entrollen ſich jetzt
dort, wo die Themis thront, Szenen, die wie einem Kol=
portageroman
entnommen zu ſein ſcheinen. Selbſt der
Titel Der Raub der Javanerin paßt dazu und
übt von Anfang an ſeine Spannung aus. Eine ganze
Familie ſteht vor Gericht, Vater, Mutter und Töchter, an=
geklagt
, eine junge Javanerin, die Tochter eines deutſchen
Arztes und einer Eingeborenen, lange Zeit verſteckt ge=
halten
zu haben, um erhebliche Summen von der Mutter
des braunäugigen Kindes der Tropen zu erpreſſen. In der
Tat, der phantaſievollſte Romanſchriftſteller kann bei dieſer
Würklichkeit in die Schule gehen und viel lernen; er hätte
ſich kaum getraut, einen Silveſterabend zu ſchildern, wie
er hier ſtattgefunden hat: daß der Vater der jungen Java=
nerin
in Gegenwart ſeiner Tochter und deren Freundinnen
ſich eine Kugel in den Kopf ſchießt, während eines der
jugendlichen Mädchen, ſeiner Bitte nachkommt und das
Händelſche Largo ſpielt in welch hehre Weiſen ſich der
Klang der Glocken von der Kaiſer Wilhelm= Gedächtnis=
kirche
und plötzlich der Revolverſchuß miſchen.
Ja, ja, mit dem Griff ins volle Menſchenleben hat’s
noch immer ſeine Richtigkeit. Das beweiſt abermals die
Entlarvung des zweiten Bürgermeiſters
von Köslin, der jahrelang ſeine angeſehene Stellung
ausgeübt hat, unter falſchem Namen und auf Grund ge=
fälſchter
Papiere, während ihn überall verſchiedene Poli=
zeibehörden
ſuchten und ſein Steckbrief immer wieder ver=
öffentlicht
ward. Bis er ſich endlich von ſelbſt verrät, auch
hier infolge einer galanten Erinnerung aus ſeiner Jung=
geſellenzeit
, auch hier alſo das übliche cherchez la
femme! Nur die richtige Gattin jenes Hochſtaplers, der
anfangs der Wloche in Berlin verhaftet wurde, iſt zu be=
dauern
, da ſie, die einer ſehr angeſehenen Beamtenfamilie
entſtammt, keine Ahnung von dem Vorleben ihres=bereits
mit Gefängnis beſtraften Mannes hatte Es muß für ſie
eine furchtbare Stunde geweſen ſein, als ihr plötzlich die
nötigen Eröfnungen gemacht wurden; glaubte ſie doch
ihren Mann auf einer wichtigen Dienſtreiſe in Berlin,
von der er am folgenden Tage zurückkehren wollte, wäh=
rend
er nun hier in Unterſuchungshaft ſitzt. Der Roman
hat nicht das zufriedenſtellende Ende, wie es ſonſt ſeitens
unſerer Schriftſteller beliebt iſt!

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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

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geſtatten wir uns, die Vereinsmitglieder ergebenſt
einzuladen.
Tagesordnung:
1. Entgegennahme des Geſchäftsberichts.
2. Abnahme und Genehmigung der Jahresrechnung.
3. Wahl des Vorſtandes.
4. Wahl von 2 Rechnungsprüfern für das laufende Geſchäftsjahr.
Darmſtadt, den 26. April 1914.
(10689
Der Vorſtand des Vereins Walderholungsſtätte.
Mueller, I. Vorſitzender.

Kautmannischer-Verei Darmstaut (E. V.
Außerordentliche Generalversammlung
Samstag, 9. Mai, abends 9 Uhr

im Vereinslokal.

Tagesordnung: Beitragserhöhung.
Der Vorstand.
10684)

Oeffentlicher Vortrag
Am Dienstag, den 28. April, abends 8½ Uhr,
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im Gartenſaal des ſtädt. Saalbaues, Saalbauſtr.
über:
Die Bedeutung gesunder u. kranker Derven
für körperliche u. geistige Tätigkeit.
Nähere Erläuterungen anhand von Tafeln
über:
(10662go
Bau und Funktioh des Nervenſyſtems, krankhafte Ver=
änderung
, deren Urſachen, ſowie vollſtänd. Wiederherſtellung
Nach dem Vortrag: Fragenbeantwortung.
Reſervierter Platz Mk. 1.
Eintritt Mk. 0.50.

Verein für naturgemässe Lebens= u. Heil-
weise
(Daturheilverein) e. O. Darmstadt.
Donnerstag, den 30. April, abends 8¼ Uhr,
wird Herr E. Sommer, ſtaatlich geprüfter Turnlehrer und Schrift=
ſteller
für Körperkultur aus
Frankfurt a. Main, im Kaiſerſaal, Grafenſtraße, einen
Oeffentlichen Vortrag
halten über
Ideale Körperbildung und wie man ſie erlangt.
In dieſem Vortrag wird, unter Benutzung von hochinter=
eſſanten
Lichtbildern, die moderne Einzelgymnaſtik von ganz neuen
Geſichtspunkten und in äußerſt feſſelnder und anregender Weiſe an=
ſchaulich
behandelt. Unſere Mitglieder mit Familie, ſowie neu bei=
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Mitglieder haben zu dem Vortrag freien Zutritt. Nichtmit=
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haben 30 Pfg. Eintritt zu bezahlen. Dieſer Vortrag dürfte
vielen Beſuchern unſeres Luftbades willkommen ſein.
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Wir laden zu recht zahlreichem Beſuche freundlichſt ein.
Der Vorstand: L. Saeng, Vorſitzender.

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Nummer 114.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

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Don Juan: Kgl. Kammer=
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Donnerstag, 30. April. 157. Ab.=
Vorſt. C 39. Der Freiſchütz.
Gew. Preiſe. Anfang 7 Uhr.

Da draussen im duftigen
Garten (Walzer).
O du lieber, o du g’scheiter
(Potpourri a. Walzertr.).
Piccolo! Piccolo! Tsin, tsin,
tsin (Entréelied des Gra-
fen
Niki).
Leise, ganz leise.
Ich hab’ einen Mann.
Ichhab’mit Freud.angehört.
I bin a Weaner Madel.
Ein Mädel, das so lieb’
und brav.
Ach, die arme Dynastie
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La vraie Furlana.
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Prinz von Preussen.
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Freie literariſche Geſellſchaft

[ ][  ][ ]

Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

Nummer 114.

Frankfurter Kursbericht vom 25. April 1914.
Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. (Darmstädter Bank.)

2
Staatspapiere.
100,20
Dt. Reichsschatzanw.
9860
Dt. Reichsanleihe p. 1918:
99,10
do. . . . . p. 1925
86,75
do. . . . . . . . . . . .
77,90
(o. . . . . . . . . .
100,20
Preußische Schatzanw.
9110
Staffelanleihe . . .
Consols . . . .
77,70
(0....
Badische Staats-Anleihe: 4 96,75
. .3½ 89,00
do. v. 9294 .
do. . . . . . . . . . . . . . 3
97,00
Baverische Ablös.-Rente
E.-B.-Anl. kdb. ab 1906 4 97,20
do. unkdb. p. 1918 .
4 97,20
4 97,20
de. unkab. p. 1920
E.-B.- u. Allgem. Anl.
4 97,60
unkdb. p. 1930
3½ 8500
Jo. Anleihe .
do.
3 75,90
e
Homburger Staats-Anl. . 4 97,00
do. v. 1887/94 . .
.3½
do. .. . . .........
79,20
Hessische Staats-Anleihel 4 97.75
do. unkdb. p. 1921 . . . 4 97,50
do. . . . . . . . . . . . . .3½l 84,70
do. . . . . . . . . . . . . . 37 75,20
Bächsische Staats-Rente 3 77.80
Württembg. Staats-Anl.
(unkdb. v. 1921). . . . 4 98,20
do. v. 79190 . . . . . . . 3½ 87.,70
(0. . . . . . . . . . . . . .
77,50
Bulgarische Gld.-Anl. . . 5 96,00
Griech. Anl. v. 1890 . . . . 1.61 51.50
do. V. 1887 Monopol 1% 51,50
Italienische Rente . . . . . 3½
Osterr. Staats-R. v. 1913 . 4½ 91,00
do. Silber-Rente . .
85,85

do. Papier-Rente . .
do. Gold-Rente . . .
86,30
do, einheitl. Rente
8150
Portug. Tab-Anl. 1891 . .4½ 97,50
do, inn. amort. 1905 . . 4½
do. unif. Serie I
61,30
do.
III. . 3
do. Spézial Titel. .
Rumänen v. 1903 . . . . . . 5 1100,00
do. Gold v. 1913. .
4½) 91,40
do. Schatzsch. v. 1913 4½100,00
do. conv..
4 85,00
do. v. 1890
4 9860
do. v. 1891
4 87,20
do, v. 1905
4 85,00
do. v. 1908 .
4 1 85,30
do, V. 1910
4 85,20
Russische St--Anl. V
4½ 98,00
do, kons. v. 1360
4 85,75
do, Gold v. 1890
4
do. v. 1902.
489,50
Schweden v. 1880. .
3½
do. v. 1886 .
85,50

Schweden v. 1890. . . . . .3½
Serben steuerfrei . . . . . 4½ 86,70
do, amort. v. 1895 .
78,10
Türk. Bgypt. Tribut

do. kons. steuerfreie
do. Admin. v. 1903 . . . 4 76,30
do. unif. v. 1903. . .
do. v. 1905 . . . . . . . . 4 72,70
Ungarische Staats-Rente
1913 unkdb. bis 1923 . . 4½ 90,00
Ungar. Staatsk.-Scheine
98,50
V. 1913. . . . . . . ..
8250
do, Gold-Rente.
80,30
do. Staats-Rente 1910.
Nr. 4 18030
do.
Argent. innere Göld-Anl.
v. 1887 5
5 98.00
do. äußere v. 1890
do. innere r. 1888
4½
do. äußere v. 1888 . . . 4½
do. v. 1897 . . . . .
Chile Gold-Anl. v. 1911. . 5 94,00
4½
do. v. 1889 .
4½ 88,80
do. v. 1906
Chines. St.-Anl. v. 1895.
7
do. v. 1896
do. Reorg. Anl..
587,60
do. v. 1898 .
4½
4½ 89,30
Japaner
Innere Mexikaner
59,50
Außere do.
v. 1899 5 80,50
Mexikan. Gold v. 19
4 66,50
do. cons. .
3 39,75
do. Irrigat.-Anleihe .4½ 61,70
3½ 64,00
Buenos-Aires Pro
5
Tamaulipas . .
5
Sao Pauſo E.-B.
5 96,70
do. v. 1913 .
Siam v. 1907.
4½ 95,50
Prioritäts-
Obligationen.
Südd. Eisenb.-Gesellsch.
v. 1895/973½ 84,30
v. 19043½ 81,50
Fess. Eisenb.-Akt. Ges.
Oblig., gar. v. d. Stadt
4 93,95
Darmstadt. . . . . . .
Nordd. Lloyd-Obligat. . . 4½ 100,00
92,00
Donau-Dampfschitf. v. 82
4 91,05
Llisabethbahn . . . . .
4
Franz-Josef-Bahn . . .
Kaschau-Oderberger v. 89) 4
Prag-Duxer . . . . . . . . . 3 71,60
Osterreich. Staatsbahn . 5 101.65
do, . . .
* .
73,25
do,
do, Südbahn (Lomb.)
97,90
do. do.
70,50
do. do.
o 50,50
Raab-Oedenburg
76,10
Kronprinz Rudolfbahn .
Rus. Südwest.
4 84,10

Moskau-Kasan . . . . . . .4½
do. . . . . . . . . .
Wladikawkas. . .
4 1 85,70
Rjäsan-Koslow. .
Portugies. Misonb. v.
§65,10
do. . . . . .
4½
Livorneser . . . . .
69,50
Salonique Monastir.
62,30
Bagdadbahn . . . . . . . . 4 77,50
Anatolische Eisenbahn .4½ 90,00
Missouri-Pacitic I.
4 90,00
do. do, V. 1905
4 57,50
Northern-Pacific.
4 95,20
Southern-Pacific.
4 91,10
St. Louis & San Francisco) 5
5
Tehuantepec
Ungar. Lokalbahn . .
5 98,50
Provinz-Anleihen.
4 96,40
Rheinprov. Obl. Em. 20/
3½ 86,60
do. Em. 10
3 83,50
do. 9.
3½
Posen Prov.
4 95,90
Westfalen Prov. V.
4 95,90
Hess. Prov. Oberhessen 31
do. Starkenburg . .
Städte-
Obligationen.
4 94,60
Darmstadt.
3½ 87,20
4o. . . . .
4 9650
Frankfurt
3½ 87,00
do. . . .
*4 94,50
Gießen . . .
.... 3½ 57,00
do. . . . . . .
4294,30
Heidelberg.
73½
do. . . . . . . .
4½ 94,90
Karlsruhe . . .
3½ 86,50
(0. . . . . . .
4
Magdeburg . .
4 95,00
Mainz . . . . . .
3½ 87,00
do. . . . . . .
4 9450
Mannheim . . .
3½ 86,50
do. . . . . . .
4 96,50
München . . . .
3½
Nauheim . . . . .
4 95,20
Nürnberg . . .
do. . . . . . . .
13½
4
Offenbach . . .
494,30
do. v. 1914 .
3½ 87,80
G0.
4
Wiesbaden. .
.3½
(o. . . . . .
42
Worms . . . .
do. . . . . . . .
Lissabon v. 1888
75,00
Moskau v. 1912 .
.. .4½ 94,00
Stockholm v. 1880 . .
Wien Komm. . . . . . . . . 5
Wiener Kassenscheine .4½ 98,80
Zürich v. 1889 .
Buenos Stadt v. 1892 . . . 6%

Pfandbriefe.
Berliner Hyp.-Bk.-Pf. .
101,00
3860
do. unkäb. 1918.
8875
1919.
d0.
94,75
1921
do.
6,5
do.
1922..
... . . 3½, 83.50
do. .. ..
9500
do. Komm.-Obl. unk. 1918
Frankf. Hyp.-Bk. pr. 1910) 4 95.00
1915 .. . . 4 96,00
4o.
1920 . . . 1 4 1 9650
do.
dc. Ser. 1219. . . . . . 3½ 86,40
Kommunal-Oblig. Ser. 1,
unkab. 1910 . . . . . . . 3½ 86,50
Frankf. Hyp.-Kred.-Ver.
Ser. 1542
94,00
4345
9190
do. . . . .
960
do. unk. 1922 52
do. 1913. . . . . . . 3¾/ 88.60
..3½ 86,50
do. Ser. 45 . . .
Hess. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
Ser. 12, 13, 16) 4 96,90
14, 15, 17
96,90
do. . . .
do. unkäb. 1920 . . . . 4 97,40
1923 . . . . 4 97,50
do.
do. Ser. 1, 2, 68 . . . . 3½ 84,30
do. 35 . . . . . . . 3½ 84.50
do. kündb. 1915
. 3½ 8t,30
do. Komm. unk. 1913
96,90
do.
96,90
1914
1916
97,10
do.
1920
97,40
do.
1923) 4 97,50
do.
do. verlosb. u. kündb..
84,20
unkab. 1915l 3½ 84.50
do.
94,60
Meininger Hyp.-Bk. Pfdb.
4 95,80
do. unkdb. 1922..
do.
3½ 86,00
Rheinische Hyp.-Bk. Pfb.
unkäb. 1917
94,00
1919
94,00
do. . . .
94,10
1921
do. . . .
96,20
do.
1924
84,70
do. . .
95,20
do. Komm. unk. 1923
96,00
1924
do.
Südd. Bod.-Kred.-Pfdbr.
96,60
do. . . . . . . .
88,00
Bank-Aktien.
Bank für elektr. Unter-
nehmungen
Zürich . . 10 192,50
2150,30
Berg.-Märkische Bank.
Berliner Handelsges. . . . 8½ 152.00
Darmstädter Bank . . . . 6½ 1117,10
Deutsche Bank. . . . (12½44149
Deutsche Vereinsbank. . 6 118.25
Dt. Effekt.- u. Wechs.-Bk. 6 1112,10
Disk.-Kommand.-Ant. .. 10 185,.00
Dresdner Bank. . . . . . .8½ 150,10

Frankf. Hypothek.-Bank 10 212.75
do. do. Kred.-Ver., 8½ (154,90
Mitteldeutsche Kred.-Bk 6½ 1116,70
111,00
Nation.-Bank f. Deutschl.
Pfälzische Bank . . . . . . 7 (12300
. . . . .8.43 135,25
Reichsbank .
Rheinische Kredit-Bank . 7 (127.75
(166,5
A. Schaaffhaus. Bk.-Ver..
8 (130,40
Wiener Bank-Verein . .
Aktien von Trans-
port
-Anstalten.
Hamb.-Amerika-Packetf. 10 (127,00
Norddeutscher Lloyd. . . 8 1110,40
Frankfurt. Schleppschitf. 4 1116,00
Südd. Eisenb.-Gesöllsch. . 6½ 1128,20
Anatol. Lisenb. 60%-Akt. 5½
6 37.o0
Baltimore . . . . . . . . .
Canada . . . . . . . . . . . 10 1905)
7½ 1138,10
Schantung . . . . . . . . .
8 155,00
Prinz Henry. . . . . . . .
Lombarden . . . . . . . . . 0 20,25
Pennsylvania . . . . . . . . 6 1111,50
Industrie-Aktien.
Badische Anilin-Fabrik . 28 629,60
Chem. Fabrik Griesheim 14 (262,50
30 (636,75
Farbwerke Höchst . .
Ver. chem. Fabr. Mannh., 20 314,50
10 148,25
Zement Heidelberg
Chemische Worke Albert 30 1449,00
Holzverkohl. Konstanz . 15 1303,25
6 128,00
Lahmeyer . . . . . . . . .
Schuckert, Nürnberg. . . 8 145,40
Siemons & Halske. . . . . 12 (213,75
5 122,25
Bergmann Elektr. . . . .
14 (2427/
Allg. Elektr.-Gesellsch.
25 1331,50
Hagen Akkum. . .
Deutsch. Übersee-Elektr. 11 (175,00
Gummi Peter . . . . . . . . 0 1 80,00
Adler-Fahrradwerke . . . 25 335,80
(133,00
Maschinenfabr. Badenia
Wittener Stahlröhren ..
Motoren, Oberursel . . .8½ 1155,50
9 (1900
Gasmotoren, Deutz . . .
Siemens Glas-Industrie . 15 1236,50
23 1287,50
Enzinger Filter . . . .
Steaus Romana . . . . . . 10 (148.50
Zellstoff Waldhof . . . . . 15 1194,50
Bad. Zucker-Waghäusel .12,831220,50
80,00
Neue Boden-Aktien-Ges. .
Süddeutsche Immobilien! 0 58.00
Bergwerks-Aktien.
12 1159,50
Aumetz-Friede . .
Bochum. Bergb. u. Gußst. 14 220,50
Leonhard, Braunkohlen . 9 1161,50
Konkordia Bergbau .
23 (344,75
Deutsch-Luxemb. Bergb. 10 (128.75
10 222,50
Eschweiler . . . . . . .

Dr.
Gelsenkirchen Bergw. . . 11 180½
Harpen Bergbau. . . . . .11 179,50
Kaliwerke Aschersleben . 10
Kaliwerke Westeregeln . 13 201,00
Königin Marienhütte . . 6 8100
Laurahütte . . . . . . . . . 8 143,50
6 82,00
Oberschles. Eisenbed.
Oberschl. Eisen-Industrie 3 65,00
Phönix Bergbau .
18 1235,75
Rheinische Braunkohlen 10 /230,00
Riebeck Montan . . . . . . 12 (195,20
South West.-Afr. Shares . 5
Verzinsliche
Anlehenslose. (Zt.
Badische . . . . . TIr. 100 4
Cöln-Mindener . Tlr. 1003½142,50
Holländ, Komm. . f. 100 3
Madrider . . . . . Frs. 100 3 77,00
Meininger Präm.-Pfäbr. . 4 140,40
Osterreicher 1860er Lose.
17950
Oldenburger. . . . TIr. 40 3 (127,50
Raab-Grazer . . . . 11. 15012½ 99,20
Mk.
Unverzinsliche
Anlehenslose.
p. St
Augsburger
.A.7
Braunschweig
Tlr. 20 203,50
Iailänder
Fs. 45
do.
Fs. 10
Meininger
.. A. 7 36,40
H. 100
Osterreicher v.
V.
A. 100 (540,00
do.
Ungar. Staats .
A. 100 442,20
Venediger
Fs. 30 76,00
Türkische ::
Fs. 400
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns. . .
2041
20-Franks-Stücke . . . . .
16,28
Amerikanische Noten .
4,19
Englische Noten. . . .
20,47
Französische Noten. .
81,40
Holländische Noten . .
169,25
Italienische Noten . . . . .
81,05
Osterr.-Ungarische Noten. . 85,15
Russische Noten . . . . . .
Schweizer Noten. . . . . . . . 81,25
Reichsbank-Diskont .
do. Lombard Zsf. . .
Tendenz:
Erholt.

Handel und verkenr.

Frankfurt, 25. April. (Börſe.) Obwohl ſich
die Spekulation infolge der unklaren politiſchen Lage auch
heute große Zurückhaltung auferlegte, zeigte ſich die Börſe
bei Eröffnung doch ſehr widerſtandsfähig und einzelne
Werte konnten ſich auf Deckungskäufe um etwa 1 Prozent
erholen. Die beſſere Stimmung konnte ſich auch im wei=
teren
Verlaufe der Börſe behaupten, zumal, auch meil der
Reichsbankausweis einen befriedigenden Eindruck hinter=
ließ
. Teilweiſe nahm das Geſchäft einen lebhafteren Cha=
rakter
an und konnte man insbeſondere auf dem Kaſſa=
Induſtriemarkt Deckungs= und kleine Meinungskäufe be=
merken
. Die beſſere Stimmung hielt auch am Schluß des
offiziellen Verkehrs an. Höher notieren Anilinfabrik 1,60.
Prozent, Chemiſche Werke Albert 1,50 Prozent, Ediſon
1¼ Prozent, Adlerwerke Kleyer 2 Prozent, Daimler= Mo=
toren
3½ Prozent. Dagegen niedriger Heidelberger Ze=
ment
1¾ Prozent, Chemiſche Griesheim 2½ Prozent,
Holzverkohlung 1½ Prozent, Enſinger Filter 4½ Prozent.
Tendenz erholt.
Stand der Darmſtädter Volksbank, e. G.
m. b. H., am 31. März 1914. Aktiva. 1. a) Kaſſa,
Sorten und Kupons M. 166 162.76; b) Guthaben bei der
Reichsbank und dem Poſtſcheckamt M. 42906.09. Zuſ.
M. 209 068.85. 2. Wechſel= u. Deviſen=Konto M. 336 002.73.
3. Bankverkehr=Konto M. 747162.35. 4. Lombard=Konto
M. 372 808.02. 5. Effekten=Konto M. 485 995.30, a) inlän=
diſche
Staatspapiere Nom. M. 276 800.; b) ſonſtige bei
der Reichsbank und anderen deutſchen Notenbanken beleih=
bare
Wertpapiere M. 190 800.; e) ſonſtige Wertpapiere
M. 87 100.. 6. Konto=Korrent=Konto (ſämtlich gedeckt)
M. 3070 910.27. 7. Vorſchuß= und Vorſchußwechſel=Konto
M. 684 194.95. 8. Beteiligung am Schutzverein für Nieder=
Modau M. 3000.. 8a. Haus= und Immobilien=Konto
M. 305956.19. 9. Mobilien=Konto M. 18. 10. Schrank=
fächer
=Konto M. 1. 11. Haus= und Immobilien= Unter=
haltungskoſten
=Konto M. 225.73. 12. Verwaltungskoſten=
Konto M. 17 713.55. Sa. M. 6 233 056.94. Paſſiva.
1. Geſchäftsanteil=Konto M. 1434 567.89. 2. Reſervefonds=
Konto I M. 368 285.66. 3. Reſervefonds=Konto II, Im=
mobilien
=und Effektenreſerve M. 117903.32. 4. Delkredere=
Konto M. 50000.. 5. Penſions= u. Unterſtützungsfonds=
Konto M. 204 405.92. 6. Darmſtädter Volksbank= Stiftungs=
fonds
=Konto M. 12 500.. 7. Darmſtädter Volksbank=
Stiftungsfonds=Zinſen=Konto M. 166.65. 8. Hypotheken=
Konto M. 66000.. 9. Akzeptationen= und Aval=Konto
M. 93145. 70. 10. Bankverkehr=Konto M. 25 461.58. 11.
Konto=Korrent=Konto M. 124 986.64. 12. Sparkaſſen=
und Scheck=Konto M. 3 693 661.69. 13. Dividende=Konto

M. 19 528.47. 14. Zinſen=Konto M. 19063.39. 15. Ver=
ſchiedene
Beiträge und Vergütungen M. 3380.03. Sa.
M. 6 233 056 94 Umſchlag im März M. 6 120 811.74.
Zahl der Mitglieder 1973.
Zentralkaſſe der heſſiſchen landwirt=
ſchaftlichen
Genoſſenſchaften zu Darmſtadt.
Dem Bericht über das erſte Geſchäftsjahr 1913 iſt folgendes
zu entnehmen: Der durch die Verluſt= und Gewinnrech=
nung
und die Vermögensbilanz ausgewieſene Reingewinn
in Höhe von 15 286,77 Mark hat die Erwartungen für das
erſte Geſchäftsjahr übertroffen. Da gemäß § 46 des Sta=
tuts
in dem erſten Geſchäftsjahr eine Dividende nicht ver=
teilt
werden darf, wird vorgeſchlagen, den Reingewinn aus
1913 ſo zu verwenden, daß 7500 Mark dem Reſervefonds
und 7786,77 Mark der Betriebsrücklage überwieſen wer=
den
. Am 31. März 1914 betrugen: die Forderungen an die
Genoſſenſchaften in laufender Rechnung 3514000 Mark,
auf Wechſelkonto 2899000 Mark, die Kreditleiſtung an die
Genoſſenſchaften daher zuſammen 6 413000 Mark: die Ge=
ſchäftsguthaben
der Genoſſenſchaften 383000 Mark, die
Guthaben der Genoſſenſchaften in laufender Rechnung
1377000 Mark, das Guthaben der Landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaftsbank 1932000 Mark, das Guthaben der
Preußiſchen Zentral=Genoſſenſchaftskaſſe in laufender
Rechnung 90000 Mark und auf Wechſelkonto 1541000 M.,
zuſammen 1 631000 Mark, das Guthaben des Großh.
Heſſiſchen Fiskus 1240000 Mark. Der Höchſtkredit, der
bei der Preußiſchen Zentral=Genoſſenſchaftskaſſe jemals in
Anſpruch genommen worden iſt, betrug rund 4800000 M.
Der Geſamtumſatz in den erſten drei Monaten des Ge=
ſchäftsjahres
1914 machte 57 Millionen Mark aus. Am
Tage des Abſchluſſes dieſes Berichtes gehören der Zentral=
kaſſe
321 Genoſſenſchaften mit 804 Geſchäftsanteilen an.
Zum Schluß heißt es in dem Bericht: Glauben wir inner=
halb
Jahresfriſt in ſchwerer Zeit gewiſſe Reſultate ausge=
wieſen
zu haben, ſo bleibt uns nur noch die Pflicht, der
Preußiſchen Zentral=Genoſſenſchaftskaſſe, der Großh.
Heſſiſchen Staatsregierung und den beiden heſſiſchen
Ständekammern aufrichtig zu danken für die Hilfe, die ſie
uns bei der Wiederaufrichtung einer Geldausgleichſtelle für
die heſiſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften geleiſtet
haben. So geräuſchvoll ſich der Zuſammenbruch der Land=
wirtſchaftlichen
Genoſſenſchaftsbank geſtaltet hat, ſo ſtill
vollzog ſich während derſelben Zeit der Aufbau unſerer
Zentralkaſſe. Schon iſt die Heſſenkaſſe in der Lage, ihren
Genoſſenſchaften dieſelben, wenn nicht zum Teil günſti=
gere
Geſchäftsbedingungen bieten zu können, als ihre Vor=
gängerin
. Bleibt nur zu hoffen, daß die gewiß nicht leichte
Abwickelung der Geſchäfte der Landwirtſchaftlichen Ge=
noſſenſchaftsbank
ſich doch noch raſcher vollzieht, als man

den Umſtänden nach heute anzunehmen wagt, und daß die
Gläubiger der Landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaftsbank 50
Prozent ihrer Guthaben zurückerhalten. Erfüllen ſich dieſe
Erwartungen möglichſt bald, dann wird auch der Schrecken,
der das landwirtſchaftliche Genoſſenſchaftsweſen Heſſens
getroffen hat, wieder weichen. Die Lehren aus der Genoſ=
ſenſchaftskriſis
werden hoffentlich nie vergeſſen werden!
* 5proz. Deutſch Luxemburg. Obligatio=
nen
. Das Konſortium hat die Option auf die reſtlichen
10 Millionen Mark ausgeübt und wird zur Auflöſung
gelangen, ſobald die Schlußabrechnung vorliegt.

Landwirtſchaftliches.

* Berlin. 25. April. (Wöchentlicher Saa=
tenſtandsbericht
der Preisberichtſtelle des
Deutſchen Landwirtſchaftsrats.) Auch wäh=
rend
der letzten acht Tage herrſchte in ganz Deutſchland
nahezu ununterbrochen ſonniges, trockenes Wetter. Dabei
war es anfangs verhältnismäßig kühl, beſonders in Oſt=
und Mitteldeutſchland kamen ziemlich zahlreiche Nacht=
fröſte
vor. Seit dem 20. ſtieg die Temperatur bei lebhaften
öſtlichen Winden indeſſen mit jedem Tage höher empor,
auch die Nächte wurden allmählich milder. Erſt am
Schluſſe der Berichtswoche erfolgte nach Uebergang des
Windes nach Weſt eine merkliche Abkühlung doch kam es
nur vereinzelt zu leichten Strichregen. Der Einfluß die=
ſer
Witterungsverhältniſſe auf den Felderſtand wird ſehr
verſchieden beurteilt. Im allgemeinen waren die kalten
Nächte und ſcharfen Oſtwinde dem Wachstum nicht för=
derlich
, doch haben die Weizenſaaten nicht gelitten, ſich
bei der warmen Witterung der letzten Tage vielmehr
weiter gekräftigt, ſo daß ihr Stand nach wie vor günſtig
beurteilt wird. Dagegen iſt beim Roggen vielfach eine
Verſchlechterung eingetreten. Aus der Mehrzahl der Ge=
biete
wird berichtet, daß der Roggen ein ſpitzes Ausſehen
angenommen habe, und daß ſeine Beſtockung infolge der
herrſchenden Trockenheit namentlich auf leichten Böden zu
wünſchen übrig laſſe. Für eine gedeihliche Weiterentwick=
lung
wird allgemein ſchon Regen herbeigeſehnt. Die Fut=
terpflanzen
und Wieſen haben ihren guten Stand beibe=
halten
, dürften aber auch bald eine Anfeuchtung brauchen.
Die Frühjahrsbeſtellung hat gute Fortſchritte gemacht;
die Körnerausſaat iſt meiſt erledigt und auch die Beſtellung
der Rüben= und Kartoffeläcker geht flott von ſtatten. Die
frühbeſtellten Sommerſaaten ſind gut aufgelaufen, aller=
dings
droht die jetzt herrſchende Trockenheit die Weiter=
entwicklung
bezw. den Aufgang der Spätſaaten zu beein=
trächtigen
.

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Nummer 114.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

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Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

Nummer 114.

Briehinkels Sunndags=
Noochmitdags=Bedrachtunge.

Des Geſchlecht der Hausbeſitzer un des Kohr der
Mieder. Die Kinner ſin for die Hausherrn en iwwer=
wundener
Standpunkt. Dodezu muß ich mich aißern.
Deß Gedicht, wo ſich hinne ſo verworſchtelt reimt, daß
mer’s heechſtens bloß ſinge kann. Ja, die Kinner, ja
die Kinner! Hausherrliche Anehmlichkeite. Neiſte
Sehenswerdichkeit.
Nemlich die Sach is die. Wer in letztererer Zeit uff=
merkſam
dorch die Zeidunge gange is, der hott valleicht
eraus gefunne, daß zwiſche dem Geſchlecht der Hausbe=
ſitzer
un dem Kohr der Mieter widdermol en Kambf aus=
gebroche
is uff Läwe un Dod. Un, was dhun die krie=
cheriſche
Baddeie in dem Fall? Sie gehn uffenanner los,
mit Eigeſandte un ſo, daß die Schwart kracht. Jeder dunkt
voller Eifer die Fedder ins Dintefaß, daß die Funke devo
fahrn, un es ſcheenſte is jeder hott recht.
Dißmol hannelt ſichs um die Kinner. Die ſin nemlich
de meiſte Herrn Hausherrn en Dorn im Aag, und ſie dhete
ſe am liebſte abſchwörn beim Vermiete. Eme Bekannte
vun mir, dem hott’s jo drotzdem nie an ere Wohnung ge=
mangelt
, denn warum? Er hat genau ſex un e vertel
Dutzend vun dem klaane Gezäwwels, un wann ſo e Haus=
türrann
in ſeim Bollezeiſchargong gefragt hatt: Hawen
Sie Kinndärr? Dann hott mei Bekannter ganz dreiherzich
geſſagt: Noin! Un do is jeder Hausbeſitzer druff enei
gefalle und hott mit alle ſeine Aage geguckt, wann die
Wohnung ſchee eigeraumt war und zuguterletzt is der
dann mit ſeine neu Staarn agerickt kumme.
Freilich, um damit daß mer die Hausherrn neilege
kann, kann ſich doch net jeder neu Kinner aſchaffe, dann
wie e Gewidder gibts errdimmlicher Weiſe zehe, nnoch=
her
ſtimmts doch net un mer is erſt recht de Gebritſchte.
Annerſeitz is mir die Sach aach vieler zu ernſt, un ich
ſeh gornet ei, daß mer ſchbaßhalwer ſo lang ſei arme Bälg
verduckele ſoll, bis de Möwelwage widder fort is. Un
alſo, weil mir die Sach zu ſehr am Herze liggt, un weil
ich mer ſchbeter mol kaa Vorwurf mache loſſe will, dohie=
gehend
, daß es am End haaße dhet, ſo un ſo, un de

Briehinkel is an allem ſchuld, der hott die Sach gafach
uff die leichte Axel genumme, deſſentwege will ich mich
jetzt beizeit zu dem Fall vernemme loſſe, und will mei
Maul uffdhu, un mei Gudachte driwwer abgewe. Na=
dierlich
, wie immer, in verbundener Rede. Allerdings, ſie
is dißmol e bißche arg verbunne, un aus dem verzwerjelte
Versmaß, wann do aaner draus kimmt, der kann ſich
von ſchreiwe. Ei, deß reimt ſich hinne ſo verworſchtelt,
daß ich beim ſchkandiern ſogar ſelwert iwwer mei Finger
geſchtolwert bin un hab mer uff de Daume gedrete.
Awwer deß is net mei Schuld, ſundern deß kimmt doher,
ich war die Woch im Filmzauwer ſage un ſchreiwe:
im Filmzauwer. Nadierlich ſchtandesgemäß zweiter
Gallerie, dann unner uns geſagt fimfunſiebzig Fennig
ingluſiefeh Bier is dodefor grad Geld genug. Nemlich des
ganzige, wos ich aus dem faule Zauwer aus dem
Filmzauwer wollt ich ſage deß ganzige, was ich draus
behalte hab, deß war die Melodie Un=tern Lin=denn, un=
tern
Lin=denn un wann ich valleicht zufellig in de Maa=
ſterſinger
geweſe weer, hett ich jedenfalls uff die Melodie
vum Preislied losgelegt: Morſchendlicht leuchtet un ſo.
Awwer, wie geſagt, die Dunnerkeilsmelodie is mer net
aus em Kobb gange, un ſo werds halt aach deß beſte ſei,
wann ſe mei Gedicht ſinge, do klabbts am beſte. Die
Muſick ſchbielt widder en Vers vor un des Lied ſchteicht:
In die Zukunft ſieht mit Bange,
Jetzt das Deitſche Reich,
Dann der Storch, der is ſchun lange
Net mehr ganz beim Zeich.
Däglich lieſt mer in de Zeidung
Große Uffſätz voll Bedeidung,
Daß es ſchlimmer werd jetzt immer
In fein Kinnerdeich.
Geht die Sach ſo weiter,
Ach, dann werd’s noch heiter.
Deitſchland ſchterbt, es is en Graus,
Nooch un naach ſo langſam aus,
Selbſt der Stamm der Heiner,
Der werd immer kleiner.
Die Dreibrunne werrn geſchunne,
Kaaner kimmt mehr raus.
Ja, die Kinner, ach die Kinner,
Werrn in Deitſchland ewe ror,
Langſam kimmt mer jetzt dehinner,
Un ſchiebt ſchnell en Riegel vor;
Deutſchland, Deutſchland iwwer alles!
Solls doch haaße, jeden Falles,
Awwer ſo geht ſicherlich,
's Rennomeh noch in die Brich.

Guckt, in Frankreich kennt ihr ſehe,
Wohi ſo was fiehrt,
Dort ließ mer’s ſchon lang geſchehe,
Daß der Storch pauſiert.
Doch, jetzt ſetze die Franzoſe
Sich voll Eifer uff die Hoſe,
Kinnerſege allerwege,
Werd ſogar brämiert!
Doch, der Storch mit Lache,
Dhut ſich nix draus mache,
Un er ſeegt: Es leihd mer uff!
Steicht mer mol em Buckel nuff!
Doch, wem’s noch e Fraad is
Dem bring ich ſe gradis,
Wer for Geld ſich
Aans beſtellt ſich,
Kann lang worte druff.
Ja, die Kinner, ja, die Kinner,
Sin for Frankreich e Malehr,
Die Bevölkerung werd ſtets dinner,
Kaum noch langt’s for’s Milledehr.
Ja, ich mach derr Eich e Wettung,
De Franzoſe noch ihr Rettung,
Is dann ſchließlich hinnedrei
De Profeſſor Döderlei!
Zwar in Deitſchland, ohne Frage,
Is deß noch kaa Muß,
Dann bei uns is ſozuſage
Noch der Kram im Schuß.
Awwer, weil’s aach heechſte Zeit is,
Hofft mer, daß der Storch bereit is,
Werd vernimfdich un beißt kimfdich
In die harte Nuß.
Dhut vor alle Dinge
Widder Kinner bringe,
Wie es frieher ieblich war:
Immer aans doch alle Jahr
Dhut bei Arm un Reiche
Er ſich pinktlich zeige,
Uff der Höhe kennt ihr ſehe
Dann den deitſche Ar.
Ja, die Kinner, ja, die Kinner,
Sin jo doch das greeßte Glick,
Werd der Zuwachs immer dinner,
Geht die ganz Natzion zurück.
Deß weer Deitſchlands greeßter Schade,
Dann de Kaiſer brauch Saldade,
Liewer Storch, drum ſtreng dich a‟,
Beiß uns fleißig in die Baa.

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[ ][  ][ ]

Nummer 114.

Darmſtädter Tagblatt,=Sountag, den 26. April 1914.

Seite 23.

Nur die Sach hot e Bedenke,
Un dodruff kimmts a,
Dhut der Storch uns Kinner ſchenke,
Sin mer iwwel dra;
Hott mer ſiwwe uffzuweiſe,
Kann mehr ſich e Baa ausreiße,
Zur Belohnung ohne Wohnung
SSteht mer noochher da.
Dann die Hausbeſitzer,
Sin kaa Unnerſtitzer,
Un is die Famillje groß,
Schittle ſe des Köbbche blos,
Doch, ſie dhun ſich hiete,
Wohnung zu vermiete,
Ohne Zage dhun ſe frage,
Ob mer kinnerlos.
Dann, die Kinner, ja die Kimmer,
Sin de Hausherrn ihr Malehr,
Un drum kimmt mehr aach dehinner,
Warum ſo viel Wohnung leer.
An de Hausherrn dhuts nor lieje,
Wann die Leit kaa Kinner krieje,
Un de Storch in aller Wut
Jetzt in Deitſchland ſtreike dhut.
Drum, ihr Hausherrn, ſeid vernimfdich,
Es liegt bloß an Eich,
Un dann is de Storch aach kimfdich,
Widder ſchee beim Zeig.
Kummt in Punkto Kinnerſege
Eire Mieter jetzt entgege,
Dann kimmt jeder vun Eich ſpeter
Aach ins Himmelsreich.
Macht dem Storch bei Zeite
Nor kaa Schwierigkeite,
Dann ſunſt gibt es, o Mälehr,
Iwwerhaupt kaa Kinner mehr,
Speter fehlt’s im Lendche
An de nöt’ge Menſche.
Ich prof’zei es: eier Bajes
Stehn dann genzlich leer.
Doch, die Kinner, nur die Kinner,
Rette Eich vor dem Ruin,
Jetzt kummt ihr valleicht dehinner,
Daß ſe werklich nötig ſin;
Deshalb loßt ganz unbenumme
Alle Kindlein zu Eich kumme,
Un dann ſteht Eich, merkt die Lehr,
Kinfdich nie e Wohnung leer.
Alſo, wann die Herrn Hausherrn dodruffhie net
winnelwaaſch werrn, dann waaß ich net. Jetzt hab ich en
doch gewiß die Folge vum Geburterickgang leicht un

blauſiewel ausenanner poſſamendiert, un an meine Rech=
nung
ſieht jeder, daß ich kaa Hausbeſitzer bin ſunſt
weer eventuell die Rechnung e bische annerſter ausgefalle.
Vordehand ſag ich mer awwer deß: ſin viel Kinner do,
werrn ſchbeter aach emol viel Wohnunge gebraucht; gibt’s
mmer weniger Kinner, dann fehlts ſpeter an de Menſche
un die Herrn Hausherrn könne ſich ihr Wohnung eiſalze
mit un ohne elektriſch Licht, Gaß, Bleichplatz, Veranda,
Bad un alle Bequemlichkeitsſchickahne. Deß is emol ſo
klar wie Kleesbrieh. Alſo die Hausbeſitzer hawwe mei=
nes
Erachtens des greeßte Inträſſe am Kinnerzuwachs
Freilich kenne ſe net verlange, daß die Mieter die Unkoſte
vun de Kinner allaa drage, un da ſe doch ans Bezahle ge=
wehnt
ſin, do kenne ſe ruhig zu de Kinndaaf, zum Schul=
geld
un ſo ebbes beiſteiern.
Wohl gemerkt, ich bin kaa Hausbeſitzer, un mei Ur=
daal
is deſſentwege dorch Sachkenntnis dorchaus net ge=
driebt
. Awwer ſoviel is ſicher: hott e Hausherr in jedem
Loſchie e Famillje wohne mit eme Haufe Kinner, dann
hott er faſt gor kaa Unanehmlichkeite, weil jed Famillje
felſefeſt devo iwwerzeigt is, daß ihr Bälg am beſte er=
zoge
ſin, heechſtens daß er im Laaf vum Johr alleritt e
paar klaane Ausgawe hott, dann ſo Kinner loſſe als gern
die Rollläde e bische runnerfalle, daß de ganze Fenſter=
rahme
aus em Leim geht, un dann rutſche ſe aach als gern
die Oelfabb e bische vum Gelender runner, un ver=
ſchameriern
als e bische ’s Lingruſta im Drebbehaus,
odder e Fenſterſcheib geht als e bische kapudd; aach dhun
ſe mit Vorlieb allerhand unverdaute Gegeſtend, Blauklötz=
cher
un Kohleſchibbe un ſo, ins Gloſädd ſchtobbe, daß
mer’s als e bische uffreiße muß loſſe, awwer no: Jugend
hatt keine Tugend un muß ſich ausdowe, un e vernimf=
dicher
Hausherr ſeegt do aach nix driwwer, dann meiſtens
hotts aach gor kaan Wert, weil’s iwwerhaubt kaans ge=
weſe
war un jed Famillje im Bruſtton dieſſter Iwwer=
zeigung
behaubt: Unſere Kinder dhun ſo was niſcht!
Un hott e Baddei valleicht aftervermiet un der Loſchie=
mann
kimmt nachts haam un dröbbſelt mit ſeim Stebbelche
Stärien ’s ganze Drebbehaus voll, dann macht’s e ver=
nimfdicher
Hausherr morjens vor Tau un Tag eweg, daß
es die anner Baddeie net ſehe, un is froh, daß er dem
Loſchiemann net aach noch die Stiwwel wixe muß.
Aach wann die Dochter vun’s Herr Mayers mit ihrm
Braidiſchamm als awends e halb Stund lang im Haus=
gang
ſteht, weil ſe abſelud des Schlüſſelloch net finne
kann, un die Fraa Müller kimmt aus em Theater haam
un ſtolwert iwwer deß Päärche, deß wo deß Schlüſſelloch
als noch net gefunne hott, un dhut in de Dod enei er=
ſchrecke
dann muß de Herr Hausherr erſcheine, muß
die Fraa Müller beruhige un dem verdatterde Päärche
es Schlüſſelloch ſuche. Iwwerhaubt als Friedensengel
muß er ſtets am Platz ſei, wann er gewinſcht werd. Sei
beſuner Aagemerk muß er uff die Weſchkich, de Bleichplatz

un die Weſchlein hawwe, deß ſind die drei Eisheilige am
wöchentliche Hauskallenner, do muß er ſtets wie e Feier=
wehrsmann
, odder wie e Sanidäder in voller Ausriſtung
uff em Sprung ſteh un muß im Ernſtfall Oel uff die Woge
der Erregung gieße.
No un ſo hott er de ganze Dag ſei Unnerhaltung un
brauch kaane Vergniege nooch zu laafe. Nooch Homborg
odder gar nooch Karlsbad brauch er im Lewe net, heech=
ſtens
als e bische nooch Sandbach, un dort is es Lewe net
ſo deier. Uff die Art ſchbart ſoe Hausbeſitzer net bloß
en Haufe Geld, oh Kondrolehr, im Gegedaal, er kann ſich
ſogar noch neweher e bische wos verdiene, indem daß er
her geht un leßt ſich ſehe, in de Meß odder ſo, als Abnor=
mididhät
, un er kann ganz beruhigt uff ſei Reklame=
programm
ſchreiwe:
Lewend zu ſehen!
Kein Schwindel!
Abſolut reel!
Mitteleuropäiſcher Schkeläddmenſch!
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Die Verkäuferin. Lehr= und Lernhefte für
Schule und Praxis. Verkaufskunde (Berufskunde
1. Teil). Von Wilhelm Heering und Elfriede Steuer.
(IV und 44 S.) 8 ſteif geheftet 45 Pfg. Verlag von B.
G. Teubner, Leipzig und Berlin, 1914. In der heutigen
Zeit ſcharfen Wettbewerbes und damit immer rationellerer
Ausgeſtaltung des Geſchäftsbetriebes, beginnen Schule und
Praxis, der Ausbildung der Verkäuferinnen als des für
den geſchäftlichen Erfolg oft ausſchlaggebenden Perſonals
immer mehr Beachtung zu ſchenken. Das vorliegende Heft
ſucht dieſe Beſtrebungen zu unterſtützen, indem es in knap=
per
, aber durch lebensvolle Beiſpiele anſchaulich gemachter
Form die Verkaufskunde als Lehre vom richtigen Um=
gang
mit der pſychologiſch und ſozial ſo mannigfach ge=
arteten
Kundſchaft darſtellt.
Fritz Müller: Fröhliches aus dem
Kaufmannsleben. Mit einer Einleitung von Dr.
Fritz Roſe und Schattenriſſen von Wilhelm Repſold.
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nur wenige Seiten in dieſem billigen Büchlein zu leſen,
um zu erkennen, daß es etwas in dieſer Art bisher noch
nicht Dageweſenes bietet. Die Schattenbilder von Repfold,
die das Büchlein ſchmücken, tragen dazu bei, es noch hüb=
ſcher
zu machen. Jeder Kaufmann nehme es in die Hand.
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Seite 24.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 26. April 1914.

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