Darmstädter Tagblatt 1914


Nr. 84., Mittwoch, den 25. März.

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 26 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Kaiſer iſt geſtern um 9 Uhr 40 Minuten in Ve=
nechig
eingetroffen und hat ſich ſogleich an Bord der
Hohenzollern begeben.
*
Der Reichstag erledigte geſtern Anfragen, dann in
dritter Leſung den Geſetzentwurf über Verlegung
der deutſch=ruſſiſchen Landesgrenze
und den Etat für Kiautſchou.
Geſtern abend wurde bei Köpenick auf der Spree ein
Fährkahn von einem Schleppdampfer
angerannt und zum Sinken gebracht. Von
20 Inſaſſen konnten nur 7 gerettet werden.
Zum italieniſchen Kriegsminiſter wurde General
Grandi ernannt.
Das engliſche Unterhaus hat die Effektiv=
ſtärke
der Flotte, ſo wie ſie im Etat feſtgeſetzt
war, angenommen.
Der japaniſche Miniſterpräſident hat dem
Kaiſer das Entlaſſungsgeſuch des Mini=
ſſteriums
überreicht.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Die Statthalterfrage.

Entgegen allgemeiner Erwartung iſt die Ent=
ſcheidung
über die Frage, wer als Nachfolger des
Grafen Wedel ſeinen Einzug im Straßburger Statthalter=
palaſt
halten wird, noch nicht gefallen, obwohl der bis=
herige
Inhaber des Poſtens nach Berlin gereiſt war und
hier mit dem Reichskanzler eine lange Beſprechung hatte
und auch vom Kaiſer in Audienz empfangen worden war.
Das Ergebnis dieſes Aufenthaltes war überraſchend,
Graf Wedel kehrt nach den Reichslanden nochmals für
kurze Zeit zurück weil man ſich wohl anſcheinend über
einen geeigneten Nachfolger bezw. über einige damit in
Zuſammenhang ſtehende Veränderungen in hohen Re=
gierungsſtellen
nicht endgültig ſchlüſſig geworden iſt. Der
Kaiſer hat ſeine Reiſe nach Wien und Korfu angetreten,
ohne ſeine Wahl zu treffen, die Entſcheidung iſt alſo noch
für einige Zeit vertagt. Möglich, daß ſie in Korfu er=
folgen
wird, denn der Kaiſer hat den Reichskanzler ein=
geladen
, die Oſterferien als ſein Gaſt im ſchönen Achilleion
zu verbringen, und während dieſer Zeit wird man nach
eingehenden Beſprechungen eine definitive Regelung der
ganzen Angelegenheit vornehmen. Hoffentlich erfolgt
dann nicht nochmals eine Vertagung, denn in den Reichs=
landen
will man endlich wiſſen, woran man iſt; denn
wenn auch die maßgebenden Verwaltungsſtellen daſelbſt
bereits beſetzt ſind, ſo kommt doch auf die Perſon des
Statthallers, die ja nicht nur repräſentative Bedeutung
hat, ſehr viel an.
In der letzten Zeit iſt vielfach der preußiſche Miniſter
des Innern von Dallwitz als Nachfolger hingeſtellt wor=
den
, und man erwartete am Samstag die offizielle Mit=
teilung
von der erfolgten Ernennung, indeſſen iſt ſie bis=
her
nicht gekommen. Die Kandidatur ſcheint aber doch noch
im letzten Augenblick auf Schwierigkeiten geſtoßen zu ſein.
Als ſein Name genannt wurde, ſind vielfach Bedenken ge=
äußert
worden, insbeſondere wurde geltend gemacht, daß
die Entſendung eines bisherigen preußiſchen Miniſters
des Innern auf den hohen Poſten die Bewohner der
Reichslande verletzen müſſe, indem man ſie einer preu=
ßiſchen
Provinz gleichſtelle, an deren Spitze man nicht ſel=
ten
verabſchiedete Miniſter ſetzt. Auch ſonſt wurden Ein=
wände
laut, ſo, daß Herr von Dallwitz kein Redner ſei
und über ein ſehr ungeeignetes Organ verfüge und der=
gleichen
mehr. Von linksſtehender Seite wurde insbe=
ſondere
darauf hingewieſen, daß er ſtreng konſervativ ſei
und daß ſeiner eventuellen Haltung von vornherein Miß=
trauen
begegnen würde.
Ob alle dieſe Dinge die Verzögerung veranlaßt haben
oder ob andere Momente in Frage kommen, entzieht ſich
für die Außenſtehenden. Jedenfalls aber wäre zu wün=
ſchen
, daß die Frage in wenigen Wochen ihre Regelung
findet und daß man nach Straßburg eine Perſönlichkeit
ſchickt, die ſich nach ihrer ganzen Veranlagung dazu eignet
und in den Reichslanden nicht ablehnend aufgenommen
wird.

Das neue italieniſche Kabinett.

** Die Löſung der durch den Rücktritt Giolittis ver=
anlaßten
Kabinettskriſis hat ziemlich lange Zeit in An=
ſpruch
genommen, was beweiſt, daß manche Schwierig=
keiten
zu überwinden waren, ehe das neue Kabinett,
welches die Firma Salandra trägt, ſich konſtituieren
konnte. Miniſterpräſident Antonio Salandra, der außer
dem Vorſitz noch das Reſſort des Innern verwaltet, iſt
in der wiſſenſchaftlichen und politiſchen Welt Italiens
wohlbelannt. Er ſteht im 61. Lebensjahre, war zuerſt
Advokat, ſpäter Profeſſor des Verwaltungsrechts an der
Univerſität Rom und gab zahlreiche volkswirtſchaftliche,
hiſtoriſche und juriſtiſche Schriften heraus. Seit 1886 ſteht
er im politiſchen Leben, war in der Kammer Anhänger
Crispis und ſchloß ſich ſpäter der Rechten unter Sonnino
an. Nachdem er in verſchiedenen Miniſterien Unterſtaats=
ſekretär
geweſen war, übernahm er im erſten Kabinett
Sonnino das Finanz= und im letzten das Schatzporte=
feuille
. Auch von ſeinen jetzigen Mitarbeitern haben die
meiſten ſchon der Regierung angehört. So namentlich
der Marquis San Giuliano, welcher das Reſſort des
Aeußern behalten und ſich in ſchwieriger Zeit in der Lei=
tung
der internationalen Politik Italiens bewährt und
ſich auch als ein treuer Freund des Dreibundes gezeigt
hat. Der Rechten gehört u. a. der neue Schatzminiſter
Rubini an, der, ein Nationalökonom von Ruf, im letzten
Kabinett von Sonnino das Reſſort der öffentlichen Ar=
beiten
leitete. Der jetzige Arbeitsminiſter Ciuffelli war
im Kabinett Luzzati Poſtminiſter, wogegen der neue
Unterrichtsminiſter Daneo, welcher Giolittianer iſt, das=
ſelbe
Portefeuille im letzten Kabinett Sonnino inne hatte.
Das erſt vor einiger Zeit neugebildete Kolonialminiſte=
rium
leitet der frühere Gouverneur von Erythrea, Martin,
von dem man hinſichtlich der Erſchließung von Tripolis
bedeutendes erwartet. Finanzminiſter Rava ſaß mit
San Giuliano zuſammen im Kabinett Fortis und leitete
damals den Ackerbau.
Das neue Kabinett nennt ſich das Miniſterium der
liberalen Sammlung, ſeine Hauptaufgabe wird die Durch=
führung
der Steuerreform ſein, die Giolitti erhebliche
Schwierigkeiten bereitete. Während dieſer aber eine er=
hebliche
Mehrheit im Parlament hatte, die nur in ein=
zelnen
Spezialfragen nicht zuſammenhielt, iſt das Kabinett
Salandra noch ungünſtiger daran, es iſt von vornherein
auf ſchwankende Mehrheiten angewieſen und bedarf vor
allen Dingen der Unterſtützung der Anhänger Giolittis.
Ob es unter dieſen Umſtänden eine längere Lebensdauer
haben wird, ob es die ihm geſtellten Aufgaben zu löſen
vermag, kann erſt die Erfahrung lehren. In der inter=
nationalen
Politik Italiens wird durch den Kabinetts=
wechſel
keine Aenderung eintreten, da, wie ſchon oben
geſagt, das Portefeuille des Aeußern in den Händen
San Giulianos bleibt, der bekanntlich in Begleitung des
Königs ſich zur Begrüßung Kaiſer Wilhelms nach Venedig
begeben hat

Deutſches Reich.

Waffengebrauch des Militärs in El=
ſaß
=Lothringen. Das Berliner Tageblatt meldet
neuerdings aus München, daß nach Mitteilung des baye=
riſchen
Kriegsminiſteriums eine Einigung zwiſchen den
Bundesſtaaten über den Waffengebrauch des Militärs er=
zielt
worden iſt. Hierbei handelt es ſich nur um den Er=
laß
gleichlautender Beſtimmungen für Elſaß=Lothringen,
nicht aber für das ganze Reich. Tatſache bleibt aber, daß
die für Elſaß=Lothringen neu ſormulierten, für alle dort
ſtationierten verſchiedenen Bundestruppen einheitlichen
Beſtimmungen dem Sinne nach in den weſentlichſten
Punkten das gleiche ſagen, wie die preußiſche Kabinetts=
order
von 1820. Der Paſſus iſt allerdings umgeändert
worden, nach welchem ein Eingreifen der Militärgewalt
aus eigenem Entſchluß für erlaubt erklärt wird, wenn die
Zivilbehörde zu einem ſolchen Eingreifen zu ſpät Befehle
ergehen läßt. Dafür hat man auf Antrag der ſüddeut=
ſchen
Staaten geſetzt, daß das Militär bei entſtehendem
Notſtand nach den allgemeinen amtlichen Beſtimmungen
zum Eingreifen aus eigenem Entſchluß berechtigt ſei.
Wünſche des Gewerbeſtandes und in
Vergeſſenheit geratene Regierungsvor=
lagen
. Vom Hanſabund wird uns geſchrieben: Das
neue Buchmachergeſetz wird nach der Ertragsſchätzung dem
Reiche eine Mehreinnahme von reichlich 15 Millionen
Mark erbringen, obwohl nach privaten Schätzungen noch
höhere Erträge erwartet werden dürfen. Bei dieſem An=

laß iſt zu erhoffen, daß die gewerbefreundlichen Abgeord=
neten
des Reichstages auf alsbaldige Aufhebung des
Scheckſtempels hinwirken werden, deſſen Ertrag zuletzt nur
noch etwa zwei Millionen erbrachte. Weite Kreiſe des
Mittelſtandes und Detailhandels und zahlreiche Gruppen
des Hanſabundes haben u. a. dieſe Wünſche geäußert,
und man darf erwarten, daß ihnen jetzt Erfüllung zuteil
wird. Auch die aus ſinanziellen Gründen nicht erfolgte
Wiedereinführung eines billigen Ortsportos ſollte nun=
mehr
im Intereſſe des Verkehrs wieder verſucht werden.
Im Jahre 1909 wurde ſeitens der verbündeten Regierun=
gen
vorgeſchlagen, das Ortsporto für Poſtkarten zu er=
mäßigen
, und über eine Ermäßigung auf 3 Pfg. iſt auch
verhandelt worden. Die Aufhebung der Fahrkartenſteuer
ſollte ebenfalls wieder einmal in den Mittelpunkt der Dis=
luſſion
gerückt werden. Zu dieſer Abgabe wurde ſeitens
der verbündeten Regierungen ſeinerzeit ausgeführt, daß
dieſelbe unpopulär und ungerecht ſei. Auch hat dieſe
Steuer, deren Ertrag auf 40 Millionen geſchätzt wurde,
nicht entfernt dieſe Summe erreichen können. Ein Ein=
gehen
auf dieſe Wünſche würde in weiten Kreiſen des
Gewerbeſtandes und des Hanſabundes freudig begrüßt
werden und den gerade in letzter Zeit bezweifelten Nach=
weis
erbringen, daß der Reichstag ſich die Wünſche des
Gewerbeſtandes wohl angelegen ſein läßt.
Aus Elſaß=Lothringen. Zu der zweiten
Leſung des Etats des Statthalters, die am Mittwoch in
der Erſten Kammer ſtattfindet, haben die Mitglieder Dr.
Molitor und Genoſſen folgenden Antrag eingebracht: Die
Erſte Kammer bleibt nach wie vor bei ihrer in den bei=
den
letzten Jahren ausgeſprochenen Auffaſſung, daß die
Herabminderung der Repräſentationskoſten des Kaiſer=
lichen
Statthalters nicht begründet iſt und der verfaſ=
ſungsmäßigen
Stellung des Statthalters nicht entſpricht.
Die liberalen Parteien in Sachſen.
Die ſächſiſchen Nationalliberalen, vertreten im National=
liberalen
Landesverein, verſammelten ſich in Plauen zu
ihrer Frühjahrsverſammlung. Der Hauptpunkt der Ver=
handlungen
war das geplante Abkommen mit den Frei=
ſinnigen
. Nach den Reden der Landtagsabgeordneten Dr.
Kaiſer=Dresden und Nitzſchke=Leipzig wurde folgende Re=
ſolution
angenommen: Der Vertretertag erblickt in einem
allgemeinen taktiſchen Abkommen mit der Fortſchrittlichen
Volkspartei für die Landtagswahl 1915 das gegebene Mit=
tel
, um den liberalen Einfluß in Sachſen zu ſtärken, ins=
beſondere
die Sozialdemokratie zurückzudrängen. Er er=
mächtigt
deshalb den Vorſtand des Nationalliberalen
Landesvereins zu weiteren Verhandlungen unter der Vor=
ausſetzung
, daß der bisherige nationalliberale Beſitzſtand
gewahrt bleibt und daß das ganze Abkommen der Be=
deutung
der Nationalliberalen Partei in Sachſen gerecht
wird,

Ausland.

Frankreich.
Annahme des Finanzgeſetzes. Die Kam=
mer
hat mit 399 gegen 115 Stimmen die Artikel des
Finanzgeſetzes angenommen, die über ererbte, im Aus=
lande
untergebrachte Kapitalien handelt.
Die Kammerwahlen. Der Vollzugsausſchuß
der radikalen und ſozialiſtiſch=radikalen Partei nahm ein=
ſtimmig
einen Beſchlußantrag an, in dem erklärt wird, daß
eine Verzögerung der Kammerwahlen eine ernſte Unzu=
träglichkeit
bedeuten würde. Die Regierung hat ſich übri=
gens
gleichfalls gegen jeden Aufſchub des Wahltermins
ausgeſprochen. Jaurés meint in der Humanité, eine Ver=
zögerung
der Wahlen wäre der ſchwerſte Fehler, den die
republikaniſche Partei begehen könnte. Jede Partei habe
bereits ihre Kampfſtellung eingenommen, und wenn ein=
zelne
Politiker wegen der etwaigen Wirkungen der jüng=
ſten
Ereigniſſe und der Rochette=Unterſuchung auf die
Wählerſchaft Beſorgniſſe hegen, dann würden die Republi=
kaner
gerade durch den Aufſchub des Kampfes den Ein=
druck
der Furcht und der Schwäche hervorrufen.
Die Gerüchte von einer bevorſtehen=
den
Demiſſion des Kabinetts Doumergue
tauchen abermals in äußerſt hartnäckiger Form auf. Sie
gewinnen entſchieden dadurch an Boden, daß keinerlei
offizielle Dementis dagegen veröffentlicht werden. Der
Grund für eine neue Kriſe wäre darin zu ſuchen, daß tat=
ſächlich
durch das Ausſcheiden von Caillaux und Monis
dem Kabinett Doumergue der rein radikal=ſozialiſtiſche
Charakter, den es bisher hatte, genommen worden iſt.
Wie aus glaubwürdiger Quelle verſichert wird, fand
Montag abend eine längere Miniſterkonferenz ſtatt, die ie=

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

Nummer 84.

doch kein entſcheidendes Reſultat ergeben haben ſoll. Je=
denfalls
kann man den Gedanken einer Demiſſion des Ka=
binetts
nicht von der Hand weiſen. Als mutmaßlicher
Nachfolger Doumergues gilt allgemein Delcaſſé. Doch iſt
auch dies nur Vermutung. Die Regierung hat ihrerſeits
verkünden laſſen, daß ſie nicht die Abſicht habe, den End=
termin
der Wahlen, der auf den 26. April feſtgeſetzt iſt,
zu verſchieben.
England.
Die Homerulekriſe. Die Debatte im Unter=
hauſe
dauerte faſt zwei Stunden. Während der ganzen
Zeit war das Haus gedrängt voll und es herrſchte große
Erregung. Es kam zu mehreren Unterbrechungen, beſon=
ders
während der Rede Asquiths.
Bonar Law erklärte, die Lage ſei ernſter, als Kriegs=
miniſter
Seely ſie angedeutet habe. Er führte dann die
Erklärung an, die, wie er ſagte, von General Paget und
den Offizieren gegeben worden ſei, nachdem Paget einen
Beſuch im Kriegsamt gemacht habe. Dieſe Erklärung ging
dahin, daß aklive Operationen gegen Ulſter begonnen wer=
den
ſollten und daß Paget erwarte, daß das Land am
Samstag in Flammen ſtehen werde und daß er folgende
Weiſungen aus dem Kriegsamt erhalten habe: Erſtens, daß
die Offiziere, die in Ulſter beheimatet ſind und die Erlaub=
nis
erhalten, in Urlaub zu gehen, wieder eingeſtellt wer=
den
ſollten, zweitens: daß diejenigen Offiziere, die nicht
geſonnen wären, aktive Operationen gegen Ulſter vorzu=
nehmen
, ihren Abſchied einreichen müßten und entlaſſen
würden. Bonar Law erklärte ſchließlich, unter dieſen Um=
ſtänden
würde es für Asquith ſchwer ſein, das Haus oder
das Land zu überzeugen, daß mit oder ohne ſein Wiſſen
einige Kollegen, die die Regierung vertreten, dieſe Trup=
penbewegungen
nicht vorgenommen hätten im Sinne des
abgekarteten Planes, um Ulſter entweder herauszufordern
oder einzuſchüchtern. Asquith wiederholte, daß die er=
griffenen
Maßnahmen reine Schutzmaßnahmen geweſen
ſeien. Die Regierung beabſichtige nicht, weitere Schritte
zu unternehmen. General Paget ſeien keine beſonderen
Inſtruktionen geſandt worden außer den bereits erwähn=
ten
, die mit den ergriffenen Maßregeln zuſammenhingen,
außer den allgemeinen Inſtruktionen an alle Komman=
deure
, in denen ſie darauf hingewieſen würden, daß es
ihre Pflicht wäre, den Zivilbehörden beizuſtehen und in
denen vorgeſchlagen werde, daß die in dem Unruhengebiet
beheimateten Offiziere nicht dort verwendet werden ſoll=
ten
. Dies habe nichts mit dem Bürgerkrieg zu tun, ſon=
dern
das gleiche Vorgehen würde eingeſchlagen worden
ſein, wenn es ſich um einen Ausſtand handelte. Es ſei
Tatſache, daß einige Offiziere die von General Paget an
ſie gerichteten Fragen und Bemerkungen in einem weiteren
Sinne ausgelegt hätten, doch ſei der Armeerat überzeugt,
daß ein Mißverſtändnis vorlag. (Lachen bei der Oppoſi=
tion
.) Unter dieſen Offizieren befand ſich auch General
Gough, einer der ausgezeichnetſten Kavallerieführer. Aber
ſämtliche Offiziere kehrten bedingungslos auf ihre Poſten
zurück. Asquith beſprach dann die von Bonar Law über
die Pflichten der Armee zum Ausdruck gebrachten Anſich=
ten
und ſagte, wenn Laws Doktrin von einer großen po=
litiſchen
Partei angenommen würde, ſo würde der ganze
Bau des Staates zerſtört. Balfour ſpottete über die Be=
mühungen
der Miniſter Asquith und Seely, das, was in
der Armee geſchehen ſei, als geringfügig hinzuſtellen, und
erklärte, die von Asquith erwähnten Inſtruktionen ſeien für
Ulſter beſtimmt. Gough habe ſeine Entlaſſung nachgeſucht,
weil er glaubte, er werde den Befehl erhalten, gegen Ul=
ſter
vorzugehen. Er ſei entlaſſen worden, weil er nicht
gegen Ulſter kämpfen wollte, und ſei wieder eingeſtellt
worden, obwohl er bei ſeiner Erklärung blieb, daß er
nicht gegen Ulſter kämpfen werde.
Südafrika.
Defizit bei den Eiſenbahnen. Der Eiſen=
bahnminiſter
erklärte im Abgeordnetenhauſe, er erwarte
für das Jahr 1913/14 bei den Eiſenbahnen ein Defizit
von 5,7 Millionen Mark. Dieſes ſei hauptſächlich aus
dem Ausfall in den Einnahmen entſtanden.
Mexiko.
Der Tod Bentons. Der Bericht des britiſchen
Konſuls in Galveſton, Paceval, über den Tod Bentons

beſagt, daß in dem Kampfe, der mit dem Tode endete,
kein Piſtolenſchuß abgegeben worden ſei. Das legt die
Vermutung nahe, daß Benton durch Stiche getötet wor=
den
iſt. Der Bericht macht keine Angaben über die To=
desart
, außer der Feſtſtellung, daß der Farmer nicht er=
ſchoſſen
worden iſt. Damit iſt die Erzählung Villas, die
Hinrichtung ſei auf Grund eines kriegsgerichtlichen Ur=
teils
durch Erſchießen von einer Abteilung Soldaten
vollſtreckt worden, hinfällig.
Japan.
Vertagung des Reichstags. Ein kaiſerlicher
Erlaß ordnet die Vertagung des Reichstags vom 25. März
ab an. Dies iſt gleichbedeutend mit einer Auflöſung des=
ſelben
. Wenn kein weiterer Erlaß die Seſſion verlängert
findet das Budget von 1913/14 auf das für 1914/15 An=
wendung
. Die Marine wird 6½ Millionen Pfund Ster=
ling
verlieren, die in dieſem Jahre im Etat für ſie an=
geſetzt
worden waren.

* Nichtbeſtätigung des Pfarrers Fuchs
in Dortmund. Wie bereits mitgeteilt, iſt die Ent=
ſcheidung
des Oberkirchenrats im Falle des Pfarrers Liz.
Fuchs zuungunſten der Dortmunder Reinoldigemeinde aus=
gefallen
. Pfarrer Fuchs iſt nicht beſtätigt worden Den
in den Eingaben des Presbyteriums der Reinoldi= Ge=
meinde
gegen das Weſtfäliſche Konſiſtorium erhobenen
Vorwurf. es hätte entgegen dem Wortlaut des § 12,3 des
Kirchengeſetzes vom 15. Auguſt 1898 von der Abhaltung
des Kolloquiums mit Pfarrer Liz. Fuchs zu Unrecht Ab=
ſtand
genommen, weiſt der Beſcheid zurück, da das Geſetz
wörtlich beſtimme, daß bei dem Uebertritt eines im
geiſtlichen Amte einer anderen deutſchen Landeskirche an=
geſtellten
Geiſtlichen das Konſiſtorium durch ein Kollo=
quium
feſtzuſtellen hat, daß er für den Dienſt der Lan=
deskirche
geeignet iſt, falls es nicht hierüber anderweitig
ausreichend unterrichtet iſt‟ Ebenſo wenig wie ein Ver=
ſtoß
des Weſtfäliſchen Konſiſtoriums gegen den Wort=
laut
der Geſetzesbeſtimmung vorliege, habe das Weſt=
fäliſche
Konſiſtorium gegen den Sinn des Geſetzes ver=
ſtoßen
. Eine ausreichende Kenntnis für die Entſcheidung
des Konſiſtoriums, daß Pfarrer Liz. Fuchs nicht geeignet
ſei für den Dienſt der preußiſchen Landeskirche habe das
Konſiſtorium ſchon vor der Abhaltung des Kolloquiums
erlangt. Darauf unterſucht die Entſcheidung unter dem
Geſichtspunkt eines Eingreifens von Aufſichtswegen den
Tatbeſtand. Es handle ſich um die Erklärung heſ=
ſiſcher
Geiſtlicher im Falle Jatho, die vom
Pfarrer Liz. Fuchs mit unterſchrieben war und in der
u. a. im Namen des Evangeliums gegen die Abſetzung
Jathos proteſtiert, dem Spruchkollegium gänzliche Ver=
ſtändnisloſigkeit
vorgeworfen, die Landeskirche als eine
ſich evangeliſch nennende Kirche bezeichnet wird. In
dieſem Schreiben wird ferner geſagt: Jatho ſei das Amt
nach einem von menſchlicher Kurzſichtigkeit und Unglau=
ben
diktierten Recht genommen worden. Die Entſchei=
dung
betont, daß das Konſiſtorium von Weſtfalen Pfar=
rer
Liz. Fuchs Gelegenheit gegeben habe, ſich offen wegen
der ſeinerzeit von ihm unterſchriebenen Erklärung auszu=
ſprechen
, und weiſt die Unterſtellung zurück, als habe das
Konſiſtorium von Pfarrer Liz. Fuchs einen Widerruf
verlangt. Nachdem Pfarrer Liz. Fuchs auf zwei Fragen
des Konſiſtoriums eine klare Antwort gegeben, ſei er auf
die dritte Frage, ob er noch heute auf dem in jener Er=
klärung
bekundeten Standpunkt ſtände, die Antwort ſchul=
dig
geblieben. Eine ſolche beſtimmte und unumwundene
Erklärung auf ſeine Fragen müßte aber das Konſiſtorium
verlangen. Da ſie verſagt worden ſei, ſo ſei es nach dem
Beſcheide des Evangeliſchen Oberkirchenräts nicht zu be=
anſtanden
, wenn das Weſtfäliſche Konſiſtorium nach dem
vorliegenden Sachverhalt ſich für ausreichend unterrichtet
erachtete, daß Pfarrer Lic. Fuchs nicht für den Dienſt der
Landeskirche geeignet ſei. Ausdrücklich betont der Be=
ſcheid
am Schluß, daß auf dieſer Rechtslage hinſichtlich
eines Eingreifens von Aufſichtswegen der von Pfarrer
Liz. Fuchs angebotene Nachweis über ſeine religiös= theo=
logiſche
und kirchlich=praktiſche Befähigung nicht in Frage
komme.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 25. März.
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben den Poſtſekretären Geor=g
Heinrichs in Rüſſelsheim und Georg Jochim in
Birkenau das Ritterkreuz 2. Klaſſe des Verdienſtordens
Philipps des Großmütigen, ſowie dem Briefträge
Johann Mensdorf in Lauterbach und dem Poſt=
hilfsſtelleninhaber
Briefträger a. D. Ernſt Schaaf in
Ober=Gleen das Allgemeine Ehrenzeichen mit der In
ſchrift Für langjährige treue Dienſte; das Ehrenzeichen
für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren an Leonharz
Müller in Höchſt, Kreis Erbach, ferner dem Emi
Bauer zu Wimpfen i. T. verliehen.
Der König von Preußen hat den Haupt=
mann
und Adjutanten der 3. Garde=Infanterie=Brigads
v. Olberg (ehemals 115), den Oberleutnant der Reſervg
des Leib=Drag.=Regts. (2. Großh. Heſſ.) Nr. 24 v. Frey=
hold
in Dedeleben, Provinz Sachſen, den Rittmeiſten
und Eskadronchef im Leib=Drag.=Regt. (2. Großh. Heſſ.)
Nr. 24 Grafen v. Limburg=Stirum nach Prüfung
derſelben durch das Kapitel und auf Vorſchlag des Durch=
lauchtigſten
Herrenmeiſters, Prinzen Eitel Friedrich von
Preußen, Königliche Hoheit, zu Ehrenrittern des Johan=
niter
=Ordens ernannt.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Hermann Bender
zu Stumpertenrod, Kreis Schotten, die erledigte Lehrer=
ſtelle
an der Volksſchule zu Lauter, Kreis Gießen; dem
Schulamtsaſpiranten Ludwig Becker aus Darmſtadt
eine Lehrerſtelle an der Volksſchule zu Mainflingen, Kreis
Offenbach.
* Ernannt wurde der Kanzleiwärter bei der
Hauptſtaatskaſſe Paul Hinze zum Kaſſediener bei
dieſer Kaſſe.
* Militärdienſtnachrichten. Im Beurlaubtenſtande,
Zu Hauptleuten befördert: die Oberleutnants der Re=
ſerve
: Laubis des Leibgarde=Inf.=Regts. (1. Großh.
Heſſ.) Nr. 115 (II Berlin), Ochſenius des Inf.=Leib=
Regts. Großherzogin (3. Großh. Heſſ.) Nr. 117 ( Pots=
dam
), Bendemann des Großh. Art.=Korps, 1. Großh.
Heſſ. Feldart.=Regts. Nr. 25 (VI Berlin), Riekes des
Inf.=Regts. Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116
(Torgau), Gräf des Inf.=Leib=Regts. Großherzogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117 (I Düſſeldorf), Reuter des
Inf.=Regts. Prinz Carl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118 (II Ham=
burg
), Hebenſtreit des 5. Großh. Heſſ. Inf.=Regts.
Nr. 168 (I Hamburg), Schuchmann (I Darmſtadt) des
1. Naſſ. Inf.=Regts Nr. 87, Löslein (II Darmſtadt),
Becker (I Darmſtadt) des Leibgarde=Inf.=Regts,
(1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, Biondino (Mainz), Weſter=
nacher
(I Frankfurt a. M.) des Inf.=Leib=Regts. Groß=
herzogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, Brill des 2. Großh.
Heſſ. Feldart.=Regts. Nr. 61 (Gießen). Zu Rittmeiſtern
befördert: die Oberleutnants der Reſerve: Langen des
Leib=Drag.=Regts. (2. Großh. Heſſ.) Nr. 24 (II Köln),
Haſenkamp des Leib=Drag.=Regts. (2. Großh. Heſſ.)
Nr. 24 (Kiel), Rautenſtrauch des Leib=Drag.=Regts.
(2. Großh. Heſſ.) Nr. 24 (Saarlouis), Andreae (Alfred)
des Garde=Drag.=Regts. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 23
(IIFrankfurt a. M.), Rieſe des Großh. Heſſ. Train=
Bats. Nr. 18 (III Frankfurt a. M.). Zu Oberleutnants
befördert: die Leutnants der Reſerve: Wolf (I Darm=
ſtadt
), Weimer (Friedberg) des Inf.=Regts. Kaiſer.
Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116. Zu Leutnants der
Reſerve befördert: die Vizefeldwebel bezw. Vizewacht=
meiſter
: Rühl (VI Berlin) des 2. Großh. Heſſ. Feldart.=
Regts. Nr. 61, Morell (I Breslau) des Leibgarde=Inf.=
Regts. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, Anton (I Darmſtadt),
Fehrer (Gießen) des Leibgarde=Inf.=Regts. (1. Großh.
Heſſ.) Nr. 115
g. Strafkammer I. Der Fuhrmann Karl Debus
von hier war am 18. Dezember v. J. beim Fahren durch
die Hochſchulſtraße mit ſeinem Möbelwagen am Randſtein
hängen geblieben. In dem Aerger darüber ſchlug er mehr
auf die Pferde ein, als notwendig ſchien; auch dann noch,
als der Wagen bereits frei war. Dieſe Tierquälerei erregte
einen Paſſanten derart, daß er dem Mann Vorhalt machte.
Der drehte den Spieß um und drohte dem unbequemen
Mahner mit dem Peitſchenſtiel. Ein benachrichtiger Schutz=
mann
ſtellte dann den Fuhrmann, doch weigerte ſich dieſer,
ſeinen Namen zu nennen. Das Schöffengericht hatte den
Angeklagten wegen Nötigung und öffentlicher Beleidiaung
zu drei Monaten Gefängnis und wegen der Tierquälerei

Die neue Nationalgalerie.

** Aus Berlin wird uns geſchrieben: Das Pro=
viſorium
in der Nationalgalerie, wodurch jahrelang den
Beſuchern das Erdgeſchoß verſchloſſen war, iſt jetzt beendet.
Der von Ludwig Juſti bei ſeinem Amtsantritt beantragte
Umbau der unteren Räumlichkeiten iſt nach langen mühe=
vollen
Verſuchen nunmehr fertiggeſtellt und die Galerie
wieder in allen Teilen der Oeffentlichkeit zugänglich. Die
Nationalgalerie hat darunter zu leiden, daß, ehe man an
eine Verwendung als Muſeumsbau dachte, ſie als ein
keinerlei Gebrauchszwecken dienendes Denkmal der Regie=
rung
Friedrich Wilhelms IV gedacht war. Der korin=
thiſche
Tempel zu dem Friedrich Wilhelm IV. ſelbſt eine
Skizze gemacht hatte, ſollte gebaut und in dieſem Tempel,
möglichſt ohne daß es zu merken geweſen wäre, eine Bil=
dergalerie
eingeordnet werden. Durch dieſe Vermengung
der Abſichten ergaben ſich für die Benutzung des Hauſes
vielerlei Schwierigkeiten. Es waren mehr Schau= als
brauchbare Ausſtellungsäume vorhanden und in den ſo
entſtandenen Räumen waren die Lichtverhältniſſe in vielen
Fällen unmöglich. Kommt hinzu, daß die Nationalgalerie
ſchon in den 80er Jahren, alſo ein Jahrzehnt nach ihrer
Fertigſtellung, für den damals vorhandenen Beſtand an
Kunſtwerken nicht mehr ausreichte. An einen Erweite=
rungsbau
iſt aber auf der Muſeumsinſel nicht mehr zu
denken. Es fehlt an Platz, nachdem man mit den Meſſel=
ſchen
Muſeumsneubauten begonnen hat, und es fehlt bei
der Geſchloſſenheit der Baumaſſe auch an der künſtleriſchen
Möglichkeit. Ehe man aber an die Errichtung eines Mu=
ſeumsneubaues
für die Kunſt der neueren Zeit zu gehen
vermag, mußte man, wie Juſti in einer zu der Wieder=
eröffnung
der Galerie erſchienenen Denkſchrift ausführt,
es mit einer größeren Anpaſſung des vorhandenen Ge=
bäudes
an den Muſeumszweck verſuchen.
Dreierlei Mängel waren es, die durch den inneren
Umbau des Galeriegebäudes beſeitigt werden ſollten: die
Raumnot, die widrigen Beleuchtungsverhältniſſe und der
Mangel an mittelgroßen Räumen, die den mittelgroßen
Bildern, wie ſie in den letzten Jahrzehnten größtenteils
gemalt werden, entſprechen. Man hätte in dieſer Hinſicht
viel erreichen können, wenn man eine Aufteilung der
mächtigen, durch zwei Geſchoſſe gehenden Säle, die für die
Cornelius=Fresken eingebaut worden ſind vorgenommen
hätte. Dann wäre aber das Galeriegebäude in ſeiner
jetigen Geſtalt angetaſtet worden. Die Umbauten, das

war der Vorſchlag Juſtis, ſollten aber ſo vorgenommen
werden, daß die neueren Einbauten jederzeit wieder be=
ſeitigt
und das Gebäude in ſeinen alten Zuſtand mühelos
wiederhergeſtellt werden könnte. Deshalb machte man ſich
an eine Umgeſtaltung des Erdgeſchoſſes, das ja im beſon=
deren
Maße zweckwidrig war. Es gab da eine fächerartig
aufgeteilte Apſis mit einzeln abgeteilten Kabinetten, in
die der Beſchauer von einem dunklen Mittelraum aus ein=
zutreten
hatte. Da die Eingänge den Fenſtern gegenüber
lagen, war man, ehe man überhaupt ein Bild anſehen
konnte, durch das einſtrömende Licht geblendet, und was
an den Wänden hing, mußte zunächſt alles ſchwarz erſchei=
nen
. Der Mittelraum zwiſchen dieſen Kabinetten war
für die Aufſtellung von Kunſtwerken unbrauchbac und lag
völlig verdunkelt, nachdem Tſchudi, um in die Kabinette
wenigſtens Ruhe zu bekommen, ihre Eingänge mit Stoffen
abgeſchloſſen hatte. Die Plaſtiken waren aufgpſtellt in
einer Wandelbahn, die nicht nur von mehreren Seiten
Licht hatte, ſondern die allmählich auch ſo vollgepropft
war, daß ein einzelnes Stück für ſich überhaupt nicht ge=
noſſen
werden konnte.
Dieſe Unzuträglichkeiten zu beſeitigen und für mittel=
große
Bilder geeignete Räume zu ſchaffen, war das Ziel,
das Juſti mit dem Baumeiſter Wille bei dem jetzigen Um=
bau
verfolgte. Die Wandelbahn wurde beſeitigt und eine
Folge von drei Raumgruppen angelegt, die Juſti nach den
in ihnen dominierenden Meiſtern Böcklin=, Menzel= und
Leibl=Reihe genannt hat. In der Leibl= und Böcklin=
Reihe, die an den Längsſeiten ſich gegenüber liegen, ſind
je vier mittelgroße Säle entſtanden, in die man durch
Türen unterhalb der Fenſter eintritt. Durch Einzug von
niedrigeren Decken, durch Einfügung einer Voute von
Profilen und ornamentierten Streifen unterhalb der
Decken und durch Abſchrägung der nach dem Innern ge=
legenen
Rückwand ſind dieſe Räume den mittelgroßen
Bildern dieſer beiden Malerkreiſe angenähert. Als Wand=
ton
wurde für die Reihe Böcklin, Feuerbach, Marées Rot
gewählt, wobei Sockel und Sims in Gold und Schwarz
abgeſetzt wurden. Für die Leibl=Reihe mit koloriſtiſch ſo
verſchiedenartigen Bildern, wie ſie von Liebermann, Trüb=
ner
Slevogt uſw. da ſind, entſchied man ſich für ein war=
mes
Grau. Am Rande dieſer beiden Reihen, beherrſcht
durch das Tryptichon von Marées und auf der Gegenſeite
durch die dekorativen Gemälde von Klinger, entſtanden
zwei verſchiedenartige achteckige Räume, in denen in ge=
wählten
Einzelſtücken Zeichnungen der hier ausgeſtellten
Maler geboten werden ſollen.

Die eigentliche Apſis nimmt fünf Räume mit den
Werken von Menzel ein. Menzels Bilder haben ducch=
weg
einen kleinen Maßſtab. Sieht man von der Anſprache
Friedrichs des Großen vor der Schlacht bei Leuthen ab,
ſo ſind die Tafelrunde das Flötenkonzert und das
Eiſenwalzwerk die umfänglichſten Bilder, die hier unter=
zubringen
waren. Es galt daher für dieſen größten Ber=
liniſchen
Maler des 19. Jahrhunderts eine Reihe beſon=
ders
intimer Räumlichkeiten zu ſchaffen. Da man mit
Rückſicht auf die vorhandenen Fenſteröffnungen, die ja aus
Pietät gegen den vorhandenen Bau nicht angetaſtet wer=
den
ſollten, die Decken der palaſtartig hoch angelegten
Säle nicht über ein beſtimmtes Maß herunterziehen konnte,
kam man dazu, dieſe Wirkung durch eine Höherlegung des
Fußbodens zu erſtreben. So führen jetzt in die Menzel=
Apſis acht Stufen empor, womit auch äußerlich ſchon die=
ſer
bedeutendſte Beſitz der Galerie aus dem übrigen Be=
ſtand
herausgehoben wäre.
Nun galt es noch für die Plaſtiken zu ſorgen, die in
der jetzt von der Böcklin=Reihe eingenommenen Säulen=
halle
untergebracht waren. Juſti hat ſich da das Beiſpiel
Tſchudis zunutze gemacht, die Sammlung durch Ausleihen
an andere Muſeen und durch Magazieren zu entlaſten.
Durch die neue Gründung der Bildnisſammlung war die
Galerie ſchon ſowieſo um eine Reihe von Büſten entlaſtet
worden. Für die Ausſtellung der übrigen Plaſtiken ergab
ſich im Erdgeſchoß die große, mit ſchwarzem Samt ausge=
ſtattete
Querhalle, die als Hintergrund für die Figuren
ruhige Wandflächen erhielt, wodurch allerdings das von
zwei Seiten einſtrömende Licht nicht beſeitigt werden
konnte. Weiterer Raum für Plaſtiken iſt dann noch geſchaffen
worden durch Schließung der Durchfahrt unter der Denk=
malstreppe
, durch Ausräumung der runden Halle vor dem
großen Cornelius=Saal und ſchließlich durch die Verwen=
dung
des Treppenhauſes, deſſen Architektur als Hinter=
grund
für geeignete Bildwerke gedacht iſt. In die Bilder=
ſäle
ſind der einheitlichen Wirkung halber nur Bronzen
aufgenommen worden.
Durch dieſe Umbauten ſind zu den bisher verfügbaren
549 Meter Wandfläche weitere 120 Meter Behangfläche ge=
ommen
. Damit iſt der jetzige Beſtand der Galerie ein=
wandsfreier
als bisher untergebracht worden; für den
weiteren, bei einer modern gedachten Galerie unerläßlichen
Zuwachs aber wird man ſich doch ſchon jetzt anfreunden
müſſen mit dem Gedanken an einen neuen Bau, der, wie
Juſti ſchreibt, von einem Meiſter, der unſere Zeit in den
Nerven hat, zu ſchaffen wäre,

[ ][  ][ ]

Nummer 84.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

Seite 3.

zu einer Woche Haft verurteilt. Die Strafkammer hielt
dem Angeklagten ſeine Erregung darüber, daß ein Unberu=
ifener
ſich einmiſchte, zugute und ermäßigte die Gefängnis=
ſtrafe
auf zwei Monate. Der Arbeiter Friedrich
Bauer von hier wurde wegen Erpreſſung in zwei Fällen
zu einem Jahr Gefängnis und fünf Jahren Ehr=
verluſt
verurteilt; fünf Wochen der Unterſuchungshaft wer=
den
ihm in Anrechnung gebracht. Die mitangeklagte Ehe=
frau
wurde von der Anklage eines Erpreſſungsverſuches
freigeſprochen.
* Nachtrag zur Tagesordnung für die Sitzung der
Stadtverordneten=Verſammlung am 26. März 1914:
15. Verlegung eines zweiten Geleiſes der Straßenbahn
in der Liebigſtraße.
* Von der Techniſchen Hochſchule. Der Großherzog=
liche
ordentliche Profeſſor der Mathematik, Herr Dr. J.
Horn, erhielt einen ehrenvollen Ruf an die Univerſität
Jena. Es iſt aber gelungen, die bewährte Kraft der
Darmſtädter Techniſchen Hochſchule zu erhalten und den
ihr drohenden ſchweren Verluſt abzuwenden.
Vom Hoftheater. Die heutige Mittwochs= Vor=
ſtellung
gehört dem D=Abonnement und bringt den
Turfſchwank 777: 10 deſſen Erfolg bei der Premiere
hinter dem der Spaniſchen Fliege nicht zurückſtand,
und der im Gegenſatz zu den meiſten andern Schwänken
neueren Datums nicht nur außerordentlich humorvoll,
ſondern auch ſehr harmlos geſtaltet iſt. Am Donnerstag
findet das Gaſtſpiel Eliſabeth von Schroeder=
Clary in Tosca, am Freitag im B=Abonnement
das erſte Auftreten von Johannes Sembach als Lohen=
grin
ſtatt.
* Kaufmänniſche Fortbildungsſchule für Mädchen.
Am Montag, den 23. März, fand die Abgangsprü=
fung
der Schülerinnen in den freundlichen Räumen der
Mädchenarbeitsſchule in der Karlſtraße 16 ſtatt. Dieſe
Fortbildungsſchule wurde Oſtern 1905 auf Anregung der
Vorſitzenden des Kaufmänniſchen Vereins für weibliche
Angeſtellte, Frau Geh. Juſtizrat Weber, und des verſtor=
benen
Stadtverordneten Kalbfuß gegründet. Sie trägt
einem dringenden Bedürfnis der Ausbildung der weib=
lichen
Jugend die ſich dem kaufmänniſchen Beruf zuwen=
den
will, Rechnung. In dieſem Jahre wurde der Fort=
bildungsſchulunterricht
, deſſen Dauer 1 Jahr beträgt, von
18 Schülerinnen beſucht. Dieſelben waren in Buchfüh=
rung
, Wechſellehre, kaufmänniſcher Korreſpondenz und
kaufmänniſchem Rechnen, Schönſchreiben, Stenographie
und Maſchinenſchreiben unterrichtet worden und gaben
die ausgelegten ſchriftlichen Arbeiten Zeugnis für den
Fleiß und die Gewandtheit der Schülerinnen. Fräulein
Anna Ruths prüfte eingehend in der Wechſellehre, dem
Scheckverkehr und den verſchiedenen Methoden der Konto=
korrentrechnung
. Die Mädchen antworteten ſicher und
bewieſen, daß ſie mit dem Stoff wohl vertraut ſind. Dar=
auf
wurde ein kaufmänniſcher Brief diktiert, der in kür=
zeſter
Friſt flott ſtenographiert wurde. Außerdem wurde
mit der Kopierpreſſe gearbeitet und die auf der Schreib=
maſchine
angefertigten Briefe waren ſauber und korrekt
ausgeführt. Fräulein Helene Schmidt prüfte in anregen=
der
Weiſe in der franzöſiſchen und engliſchen Sprache. Es
wurde hier ganz beſonders die kaufmänniſche Praxis
beachtet, die franzöſiſche Korreſpondenz berührt und aus
der Handelsgeographie mit Benutzung eines Globus in
engliſcher Sprache gefragt und geantwortet. Nach been=
deter
Prüfung ergriff der Vorſitzende, Profeſſor Kiſſinger,
das Wort, drückte ſeine Freude über den Fleiß und das
Betragen der Schülerinnen aus und ermahnte ſie, dieſen
Eigenſchaften auch in ihrem Berufe treu zu bleiben, dann
würden ſie es weiter bringen, als manche hervorragend
Beanlagte, denen dieſe Eigenſchaften abgehen. Mit dem
Danke an die Lehrerinnen und dem Wunſche, daß es den
Schülerinnen auf ihrem Lebenswege gut gehen möge,
ſchloß er die Prüfung. Wie die Leiſtungen der kaufmän=
niſchen
Fortbildungsſchule von den hieſigen Prinzipalen
geſchätzt werden, beweiſt die Verwendung eines Teils
der abgehenden Schülerinnen in hieſigen Geſchäften.
Der neue Kurſus beginnt am 24. April.
* Das Doppelquartett Rheingold hielt ſeine Abend=
unterhaltung
im Kaiſerſaal ab. Der geräumige Saal
war bis auf das letzte Plätzchen beſetzt. Unter der Lei=
tung
des bewährten Dirigenten, Herrn Franz Damm,
wurden die verſchiedenen Chöre meiſterhaft zum Vortrag
gebracht. Herr Roſemann erfreute die Zuhörer mit einem
Cellovortrag. Die einzelnen Muſikſtücke wurden von
einer Abteilung der Kapelle des Infanterie=Leibg= Re=
giments
Nr. 115 ausgeführt. Ein Baßſolo von Herrn
K. Eyberger, ſowie die von Herren Steinmann, Ahl und
Wedel vorgetragenen Couplets und humoriſtiſchen Vor=
träge
wurden durch reichen Beifall ausgezeichnet. Ein
von Fräulein Jungknecht und Fräulein Hoht, ſowie den
Herren Urbach, Eyberger, Hoht und D. Heldmann flott
geſpieltes Theaterſtück Das verhängnisvolle Hochzeits=
geſchenk
beendete das Programm. Dem Tanze wurde
bis zur frühen Morgenſtunde gehuldigt.

nn. Der Sanitätsverein Einigkeit hielt am Mon
tag abend in der Reſtauration Zur Stadt Koburg ſeine
29. ordentliche Hauptverſammlung ab. Aus
dem von dem erſten Vorſitzenden, Herrn Burhenne,
erſtatteten Jahresbericht war zu entnehmen, daß die Zahl
der Mitglieder am Ende des Vereinsjahres 952 beträgt.
Die Zahl der Vereinsärzte beträgt 33 und außerdem ſind
5 Spezialärzte und 4 Zahnärzte bereit, die Vereinsmit=
glieder
gegen ermäßigtes Honorar zu behandeln. Außer=
dem
wird den Mitgliedern in ſämtlichen Apotheken
Darmſtadts ein Rabatt von 10 Prozent gewährt. Auch
bei verſchiedenen Optikern wird auf optiſche und chirur=
giſche
Bedarfsartikel eine Preisermäßigung bis zu 20
Prozent gewährt. Der Bericht des Rechners, Herrn
Werkmeiſter Prieſter, ergab an Einnahme 10176 Mark
an Ausgabe 10175,16 Mark. Das Honorar an die Herren
Aerzte betrug in 1913 insgeſamt 8610,15 Mark. In den
30 Jahren des Beſtehens des Vereins wurden für Aerzte=
honorare
143290 Mark verausgabt. Das Vereinsver=
mögen
bſeträßt am Schluß des Verwaltungsjahres
7370,30 Mark gegen 6902,32 Mark im Vorjahr. Die Kaſſe
unterſteht dem Kaiſerlichen Aufſichtsamt für Privat=
verſicherung
. Nach dem Reviſionsbericht waren nach
dreimaliger Rechnungsprüfung Kaſſe und Bücher in
muſterhafter Ordnung und wurde dem Rechner, Herrn
Prieſter, mit Dank und Anerkennung Entlaſtung er=
teilt
. Auch dem geſamten Vorſtand wurde für ſeine Ge=
ſchäftsführung
der Dank des Vereins ausgeſprochen. Bei
der Neuwahl des Vorſtandes wurde der ſeitherige Vor=
ſitzende
, Herr Burhenne, einſtimmig wiedergewählt, und
die übrigen Herren in ihren Aemtern beſtätigt. Neuge=
wählt
wurden die Herren Schwöbel und Weber.
Vaterländiſche Bismarckfeier. Am 1. April ge=
denken
wir des 99. Geburtstages unſeres ein=
zigen
und unvergeßlichen Kanzlers. Ueber=
all
in deutſchen Landen finden ſich deutſche Frauen und
Männer in dieſen Tagen zur feſtlichen Gedächtnisfeier
zuſammen. In einer Stunde der Erinnerung wollen ſie
die überragende Geſtalt unſeres eiſernen Kanzlers wieder
lebendig werden laſſen; in einer Stunde der vaterländi=
ſchen
Erhebung wollen ſie noch einmal das unvergleich=
liche
und unvergängliche Werk Bismarcks in ſich aufneh=
men
; in einer Stunde des nationalen Wollens geloben
ſie, das von unſerem Großen zurückgelaſſene Erbe zu be=
wahren
und mit allen Kräften zu mehren und zu ſtärken.
In einer ſolchen vaterländiſchen Bismarckfeier, fern von
allem parteipolitiſchen Striche einer feſtlichen Beſtätigung
des nationalen Gedankens, fordert die National=
liberale
Partei alle vaterländiſch geſinnten Frauen
und Männer auf. Am Dienstag, den 31. Mär= abends
8¼ Uhr, findet im feſtlich geſchmückten Kaiſerſaal
(ohne Tiſche und Bierausſchank) eine Bismarckfeier ſtatt.
Feſtredner des Abends iſt Herr Profeſſor Dr. Hermann
von der Kgl. Akademie in Poſen. Er ſpricht über Bis=
marcks
Werk und Erbe Frauen und Männer von va=
terländiſcher
Geſinnung, ohne Unterſchied der Partei,
werden ſich an dieſem Abend zu einer nationalen Feier
zuſammenfinden.
* Deutſche Friedensgeſellſchaft, Ortsgruppe Darm=
ſtadt
. Auf den öffentlichen Vortrag des päpſtlichen
Prälaten Domkapitular Dr. Alexander Gießwein aus
Peſt über: Chriſtentum und Friedens=
bewegung
am heutigen Mittwoch im Fürſtenſaal
ſei hiermit hingewieſen. (Siehe Anzeige.)
Bewährte Hausmittel. Sehr häufig kann man
in Zeitungen Anpreiſungen von bewährten Haus=
mitteln
finden. Es werden da Mittel für Pflege des
Teints, gegen Magenkrankheiten, Fettleibigkeit, Rheu=
matismus
, Ischias uſw. empfohlen. Ferner wird darauf
hingewieſen, daß die betreffenden Mittel, die ſtets
namentlich angegeben werden und eine auffallende Be=
zeichnung
tragen, in den Drogerien und Apotheken zu
haben ſeien. Durch den Wortlaut des Artikels wird
vielfach der Eindruck erweckt, als ob die Mittel nur
einige Pfennige koſteten. Der Preis ſtellt ſich aber
ſpäter als unverhältnismäßig hoch heraus. Vielen der
angeprieſenen Mittel geht überhaupt jede Wirkung ab.
Es iſt daher dringend Vorſicht geboten. Wer bereits
auf dieſem Gebiete Erfahrungen geſammelt hat, wolle
ſie der Zentralſtelle zur Bekämpfung der
Schwindelfirmen in Lübeck, Parade 1, mitteilen,
die, wenn irgend möglich, auch mit Rat und Tat an
Hand geht.
** Brand. Geſtern nachmittag 3 Uhr brach in dem
Fahrzeugſchuppen der Funkerkompagnie
infolge Exploſion einer Benzinlötlampe Feuer aus.
Der Schuppen brannte nieder. Durch Eingreifen der
Lagerfeuerwehr und der Darmſtädter Feuerwehr wurde
der Brand in 35 Minuten auf ſeinen Herd beſchränkt.
Der Materialſchaden iſt nicht bedeutend. Perſonen wur=
den
nicht verletzt.
* Orpheum. Haskel=Enſemble. Als letzten
Repertoire=Wechſel bringt der neue Spielplan

heute Mittwoch, den 25. März, zwei weitere Novitäten
des amüſanten Haskel=Enſembles, womit die fidelen
Gäſte während der reſtlichen 6 Tage des Monats ihr Gaſt=
ſpiel
beſchließen werden. Es ſind zwei weitere erprobte
Schlager, betitelt Das Adoptivkind und Wie werde ich
energiſch welche ſeither eine nach Hunderten zählende
Aufführungsziffer erreicht haben. Der reichhaltige Abend
wird durch eine Reihe neuer Varieté=Kunſtkräfte an Ab=
wechſelung
noch gewinnen. (S. Anz.)
* Saalbautheater. Die Kino=Königin im
Darmſtädter Saalbautheater. Heute, Mitt=
woch
, morgen Donnerstag, und übermorgen Freitag,
finden noch drei Wiederholungen der glänzenden drei=
aktigen
Operette Die Kino=Königin von Jean Gilbert
durch das Neue Berliner Operetten=Enſemble im Darm=
ſtädter
Saalbautheater ſtatt, worauf nochmals aufmerk=
ſam
gemacht ſei. Nach der geſtrigen Erſtaufführung hier
in Darmſtadt dürfte auch dieſen drei weiteren Gaſtſpiel=
vorſtellungen
im Saalbautheater ein voller Erfolg zu
prophezeien ſein. Der alleinige Vorveckauff iſt nur im
Veckehrsbureau, Wartehalle am Ernſt=Ludwigsplatz,

Kunſtnotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Herr Dr. med. Oberdörffer von Schloß Rhein=
burg
bei Schaffhauſen, wird am 25., 26. und 27. März
drei hochintereſſante Vorträge halten über die Ent=
wickelung
der Kultur der weißen Raſſe.
Ausgehend von den Uranfängen der Menſchheitsentwicke=
lung
überhaupt, wird er die Zuhörer zunächſt zurückfüh=
ren
in die Gefilde von Zentralaſien, wo die Wiege unſe=
rer
Raſſe und Entwickelung geſtanden hat. Dann wird
er zeigen, wie ſich die weiße Raſſe aus niederen Raſſen
zu einer Kultur und Ziviliſation emporarbeitete, die ihr
verhängnisvoll wurde, indem die Menſchheit ihre Ver=
ſtandestätigkeit
zu Unnatur und Befriedigung niederer
Genüſſe mißbrauchte. Der Redner wird dann weiter auch
auf den Zuſammenhang zwiſchen Religion, Philoſophie,
Heilkunde uſw. eingehen und wird den Beweis bringen,
wie alle großen Menſchheitsführer die Miſſion hatten, die
Menſchheit wieder zu der Erkenntnis der für den Men=
ſchen
gültigen Naturgeſetze zu führen. Am zweiten Abend
werden dieſe Geſetze als die Naturgeſetze erläutert. Am
dritten Abend wird gezeigt, wie die wahre Lebenskunſt
mit Sittlichkeit und Kenntnis der Sexualgeſetze im Ein=
klang
ſteht. Die Kräfte der Verjüngung und Wieder=
geburt
haben wir in uns; dieſe Kräfte werden leider zu
Ausſchweifungen vergeudet, während ſie uns zu ungeahn=
ten
Höhen der Entwickelung führen könnten.

Groß=Gerau, 24. März. (Ein großes Kultur=
werk
), das Pumpwerk der Schwarzbach, wurde in feier=
licher
Weiſe in Gegenwart des Geheimerats Dr. Wallau,
verſchiedener Bürgermeiſter und ſonſtiger Gäſte ſeiner Be=
ſtimmung
übergeben. Das Pumpwerk, das in einer Se=
kunde
6000 Liter Waſſer auswirft, bewirkt einen Unter=
ſchied
des Waſſerſtandes im Rhein und in der Schwarz=
bach
von 1,50 bis 2,16 Meter, ſo daß die Orte Aſtheim,
Trebur u. a. hochwaſſerfrei gehalten werden können.
H. Lampertheim, 23. März. (Feuer.) Zum
zweitenmal innerhalb 8 Tagen ertönte heute nacht gegen
1 Uhr die Feueralarmglocke. In der Scheuer des Land=
wirts
Heinrich Medert in der Neuſchloßſtraße war Feuer
ausgebrochen, durch das die Heu= und Strohvorräte faſt
vollſtändig vernichtet wurden. Zum Glück konnte das
Feuer, das von Gäſten aus einer benachbarten Wirtſchaft
zuerſt geſehen worden war, ſofort gelöſcht werden, ſo
daß nennenswerter Gebäudeſchaden weiter nicht entſtand.
Offenbar liegt Brandſtiftung vor. Die Ermittelungen
nach dem Täter waren bis jetzt ohne Erfolg.
Heuſenſtamm, 24. März. (Unfall.) Der 45jährige
Drechſler Bott erlitt am Samstag einen Unfall, der
ihm das Auge koſtete. Beim Zuſchneiden einer Nabe
ſprang ein Splitter in das Auge ſo daß dasſelbe auslief
und die Sehkraft als verloren gilt. Er wurde ſofort dem
Städtiſchen Schweſternhauſe in Offenbach überbracht.
Mainz, 24. März. (Mordverſuch auf eine
Telegraphengehilfin.) Die in Koſtheim woh=
nende
Telegraphengehilfin Frl. Eliſe Schmitt ging
geſtern abend 9 Uhr nach Beendigung ihres Dienſtes zu
Fuß vom Mainzer Telegraphenamt nach Koſtheim. Zwi=
ſchen
Kaſtel und Koſtheim, etwa 200 Meier von den erſten
Wohnhäuſern Koſtheims entfernt, wurde Frl. Schmitt auf
dem linksſeitigen Fußſteig von zwei Kerlen beläſtigt. Frl.
Schmitt ging deshalb auf den Straßendamm, dem Gleis
der elektriſchen Bahn entlang. Darauf gab einer von den
beiden drei Schüſſe auf Frl. Schmitt ab, die ſie an
einem Ohr und am Kopf trafen; dann packten ſie die bei=
den
Kerle gleichzeitig am Halſe, zerriſſen ihr Kleid und
ſchlugen auf ſie ein. Einer der Kerle verletzte das Mäd=

Feuilleton.

O. Meteorologiſches aus Heſſen. (Vgl. Nr. 56 dieſes
Blattes vom 25. Februar.) Der verfloſſene Februar war
durchgängig zu mild und in den meiſten Landesteilen zu
trocken. Die Temperaturmittel ſchwanken zwiſchen 4,1 Grad
Celſius in Darmſtadt und 2,2 in Michelſtadt und Bad=
Nauheim. Auch die 519 Meter hoch gelegene Station
Neunkirchen meldet das ungewöhnlich hohe Mittel von
4,1 Grad, das aber vom Großh, Hydrographiſchen Bureau
für etwas zu hoch bezeichnet wird. Tatſache iſt jedoch,
daß namentlich im erſten kalten Drittel des Monats eine
ſogen. Temperaturumkehrung ſtattgefunden hat. Der höchſte
Monatsſtand wurde mit 15,6 Grad am 16. in Michelſtadt
beobachtet, während in Bad=Nauheim des Thermometer
nicht über 10,1 Grad ſtieg (Darmſtadt: 13,5). Den nied=
rigſten
Wert weiſt Michelſtadt mit 9,7 am 5. auf, wäh=
rend
in Neunkirchen ſeltſamerweiſe die Temperatuc nicht
unter 2,0 fiel (Darmſtadt: 7,2). Die Bewölkungs=
ziffer
war für die Jahreszeit niedrig; die Gegenſätze bil=
den
Mainz mit 70 und Neunkirchen mit 45 Prozent ( Darm=
ſtadt
: 62). Die Zahl der Froſttage ſchwankt zwiſchen 20
in Michelſtadt und Hochwaldhauſen einerſeits und nur
7 in Neunkirchen andererſeits (Darmſtadt: 12). Eistage,
d. h. ſolche an denen das Thermometer ſtändig unter Null
zeigte, fehlten an den meiſten Stationen, nur die rhein=
heſſiſchen
Stationen Mainz und Worms weiſen je 2 und
Alzey einen auf. Die größte Niederſchlagsmenge wurde
in der Station Herchenhain mit 70,1 Millimeter gemeſſen,
während Gießen nur 15,7 notierte (Darmſtadt: 33,2).
Ueberhaupt war der nordweſtliche Teil Oberheſſens ab=
norm
trocken. Schneefälle wurden nur ungefähr an der
Hälfte der Stationen beobachtet, wobei Herchenhain mit
7 an der Spitze ſteht (Darmſtadt: 1). Die meiſten rhein=
heſſiſchen
Stationen, ſowie Böllſtein Neunkirchen, Groß=
bieberau
und Oberroden melden ein Gewitter, eine in die=
ſem
Monat recht ungewöhnliche Erſcheinung. Das Mittel

der Waſſerſtände überſtieg in Mainz und Worms den
langjährigen Durchſchnitt ziemlich erheblich, während bei
der Lahn das Umgekehrte der Fall war und der Neckar
einen annähernd normalen Stand aufwies.
Die albaniſche Nationalhymne. Um dieſelbe Zeit,
da die Albaneſen in Durazzo ihren neuen Herrſcher will=
kommen
hießen, empfing Albanien auch ſeine National=
hymne
. In dem nationalen Liederſchatz des albaniſchen
Landes würde es gewiß nicht an patriotiſchen und kriege=
riſchen
Weiſen gefehlt haben, von denen die eine oder an=
dere
ſich zur Nationalhymne geeignet hätte, aber die Lie=
benswürdigkeit
eines Italieners hat den Albaneſen die
Qual einer Wahl erſpart. Es war der italieniſche Kapell=
meiſter
Nondella, der das Verlangen nach einer albaniſchen
Nationalhymne vorausahnte und ſo komponierte er denn
für den neuen Staat einen Marſch, der zwar vielleicht nicht
viel Lokalfärbung beſitzt, dafür aber friſch und tempera=
mentvoll
klingt. Albanien iſt damit im übrign durchaus
nicht das erſte Land, das ſeine Nationalhymne vom Aus=
land
erhalten hat: die ſpaniſche Königshymne ſtammt von
Friedrich dem Großen, und in Frankreich wird noch heute
vielfach behauptet, daß die Engländer die Melodie zu
ihrem God ſave the King von den Franzoſen entlehnt
hätten. Wie dem auch ſein möge, die Bürger der jungen
Hauptſtadt Albaniens hatten in den letzten Tagen aus=
reichend
Gelegenheit, die neue Nationalhymne zu erler=
nen
. Drei Tage lang ſpielte die Stadtkapelle von Bari,
die man zum Einzug des Prinzen Wilhelm nach Albanien
gerufen hatte, täglich wohl 1520 mal die neue Hymne.
Die Stadtkapelle hat im übreigen die Söhne der albaniſchen
Berge nicht reſtlos begeiſtert, die ſchlichten Bauern lauſch=
ten
mit erſtaunten Blicken der Orcheſtermuſik, und es ſcheint,
daß ſie die einfacheren heimatlichen Muſikinſtrumente vor=
ziehen
, die ſie von Kindheit auf vernahmen: die Hirten=
flöte
und das Tambourin.
C.K. Die Kugelernte auf dem Balkan. In Marſeille
ſind in dieſen Tagen vier Schiffe eingetroffen, die eine

ſeltſame Ladung vom Balkan brachten: unzählige kleine
Säcke, von denen ein jeder ungefähr einen Zentner wog
und die nichts enthielten als ſeltſam geformte kleine Bkei=
ſtücke
, plattgedrückte Kugeln, Geſchoſſe, von denen einige
noch deutlich Blutſpuren zeigten. Allein der Dampfer
Crimée landete mehr als 2000 dieſer Säckchen im Ge=
ſamtgewicht
von über 2000 Zentnern. Woher ſtammt dieſe
ſeltſame Fracht? Es ſind die Kugeln und Geſchoſſe von
den Walſtätten des Balkankrieges, Kugeln, die verwun=
deten
und töteten und auch jene Gsſchoſſe, die ihr Ziel
nicht erreichten und irgendwo verirrt auf den Boden
ſanken. Fleißige Bauern und arme, verſpätete Schlacht=
feldwanderer
haben in mühſamer, langwieriger Arbeit alle
dieſe Projektile geſammelt und in Säcke gepackt, um aus
dieſen Abfällen des Krieges beſcheidenen Nutzen zu ziehen.
Von Marſeille gehen die Kugeln nach Paris und an die
Röhrenfabriken, werden eingeſchmolzen und finden nach
kriegeriſcher Vergangenheit eine friedlichere Beſtimmung:
Gas= und Waſſerleitungsröhren, ſowie Kap=
ſeln
für Weinflaſchen werden aus ihnen bereitet. Auch
große Säcke und Kiſten mit den Reſten geplatzter oder zer=
ſtörter
Patronenhülſen aus Kupfer oder Meſſing ſind von
den Balkankriegsplätzen nach Marſeille verſandt worden,
um hier als altes Metall verkauft zu werden. Denn das
Metall behält ſeinen Wert und niemand fragt nach der
mörderiſchen Vergangenheit.
* Eine Hauptſtadt ohne Tinte. Der albaniſche Korre=
ſpondent
einer rumäniſchen Zeitung ſchickte ſeinem Ver=
lag
einen mit Bleiſtift geſchriebenen Bericht, worin es be=
zeichnenderweiſe
heißt: Ich muß mit Bleiſtift ſchreiben,
weil ich in dem Hotel, wo ich wohne und täglich 24 Mark
bezahle, keine Tinte bekommen kann. Der Wirt, der
ugenſcheinlich auf den guten Ruf ſeines Hauſes ſehe be=
dacht
iſt, verſichert, er habe wohl eine Flaſche Tinte ge=
habt
, dieſe ſei aber ausgelaufen, und es ſei ihm nicht mög=
lich
geweſen, in ganz Durazzo neue Tinte aufzutreiben.

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

Nummer 84.

chen mit einer in ein Taſchentuch gehüllten und heute früh
am Tatort gefundenen großen Schraube am Kopfe und an
einem Auge ſchwer. Die beiden Mordbuben ſchleppten
dann ihr Opfer nach dem rechten Fußſteig und warfen die
Aermſte in den Straßengraben. Die Hilferufe der Schwer=
verletzten
hörte der ſechzehnjährige Sohn des in der Nähe
wohnenden Bauunternehmers Lutz, der aus dem benach=
barten
Gaſthauſe Hilfe herbeiholte. Die Verletzungen von
Frl. Schmitt, die an Kopf, Bruſt und Rücken arg zuge=
richtet
iſt, ſollen ernſt, aber nicht lebensgefährlich ſein.
Sie wurde zur Operation in das Rochushoſpital nach
Mainz verbracht. Die im Laufe der Nacht von der Kri=
minalpolizei
mit einem Polizeihund angeſtellten Nach=
forſchungen
haben leider zur ſofortigen Ermittelung der
Täter nicht geführt. Man ſoll aber den Tätern auf der
Spur ſein. Heute bei Tagesanbruch fand man die Hand=
taſche
und das Taſchentuch des Opfers.
Friedberg, 24. März. (Dammrutſch.) Auf der
Güterzugſtrecke Friedberg-Bruchenbrücken fand geſtern
gegen abend ein ſtarker Dammrutſch ſtatt. Beide Gleiſe
ſind längere Zeit geſperrt. Die Güterzüge werden bis auf
weiteres über die Perſonenzuggleiſe nach und von hier
geleitet.
Lich, 24. März. (Guten Appetit.) Im Gießener
Anz. leſen wir: Sehr bedenkliche Eigenſchaften unſeres
Leitungswaſſers und die Mißſtände ſeiner Quellenfaſſung
ſollten nun doch endlich die Gemeindeverwaltung bewegen,
baldmöglichſt zweckmäßige Abhilfe zu ſchaffen. Vom
hygieniſchen Standpunkt aus iſt es unbedingt erforderlich,
daß die Bewohner reines Waſſer der Leitung entnehmen
können. Oder will man etwa gegenüber den Tatſachen,
daß allzu oft unſer Leitungswaſſer ſtark getrübt iſt und
daß man ſchon hier und da Fröſche (!!) und
andere Fremdkörper aus Leitungsröhren
in Wohnhäuſern entfernte, behaupten, daß unſere
Leitung kein unreines und geſundheitsſchädliches Waſſer
enthalte? Die Gemeindeverwaltung weiß doch, daß die
beiden Quellenfaſſungen verfehlt ſind und einer gründlichen
Verbeſſerung bedürfen. Warum ſucht man nicht zu ver=
meiden
, daß ſo große Mengen Tagwaſſer in die Quellen=
faſſungen
eindringen, und daß die Rohre, die das Waſſer
aus den Quellen abführen, allen möglichen Unrat mit auf=
nehmen
, weil ſie nicht mit den notwendigſten Siebvorrich=
tungen
verſehen ſind? Warum wird das Leitungsnetz nicht
von Zeit zu Zeit von den dazu beſtimmten Inſtallateuren
gereinigt?

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 23. März. Der Kron=
prinz
nimmt von übermorgen ab an einer Uebungs=
reiſe
des Großen Generalſtabs teil. Die letzte
Enkelin des Reichsfreiherrn v. Stein, Frau
Gräfin von der Groeben, iſt in Potsdam geſtorben. Sie
war die Majoratsherrin der v. Steinſchen Schlöſſer und
ausgedehnten Beſitzungen in Naſſau, Meiningen und Weſt=
falen
. Dieſe gehen nun als Majorat an den Sohn der
Verſtorbenen, den Grafen Unico von der Groeben über,
der die meiſte Zeit in Paris lebt. In der Müllerſtraße
fuhr geſtern ein Automobilomnibus, der infolge
eines Anpralls gegen einen Pflaſterſtein ins Schleudern
geraten war, gegen die Umzäunung der Baugrube der
Untergrundbahn. Die Umzäunung brach entzwei und der
Wagen kam mitſamt den Fahrgäſten quer über die Bau=
grube
zu liegen. Nur einem glücklichen Zufall war es zu
danken, daß der Wagen ſich an einigen eiſernen Trägern
feſtrammte und auf dieſe Weiſe hängen blieb. Die Fahr=
gäſte
konnten alle aus ihrem unfreiwilligen Gefängnis
herausklettern. Eine Frau klagte über Schmerzen im
Rücken und mußte die Hilfe der nächſten Unfallſtation
in Anſpruch nehmen.
Mannheim, 24. März. (Verhaftung.) Es beſtätigt
ſich, daß der bayeriſche Landtagsabgeordnete Abreſch
im Zuſammenhang mit der Affäre Abreſch=v. Harder in
Unterſuchungshaft genommen worden iſt. In der baye=
riſchen
Kammer wurde die Verhaftung des Abgeordneten
Eugen Abreſch in Mannheim lebhaft erörtert. Der in dem
Hauſe anweſende Miniſter des Innern, Freiherr von
Soden, erklärte in Privatgeſprächen mit den Abgeordne=
ten
auf Befragen, daß auch ihm eine Beſtätigung über die
Verhaftung des Abgeordneten Abreſch zugegangen ſei.
Er wolle den Bericht des badiſchen Miniſteriums des
Innern abwarten. Auch habe er ſich mit dem bayeriſchen
Juſtizminiſterium in Verbindung geſetzt. Dort ſei ihm
aber geantwortet worden, daß man höchſtwahrſcheinlich
an der Sachlage nichts ändern könne, da der Haftbefehl
von einem außerbayeriſchen Gerichte und die Verhaftung
auf außerbayeriſchem Boden erfolgt ſei.
Ueber den Verbleib der Tochter des Mannheimer
Rechtsanwalts v. Harder, die Abreſch entführt haben
ſoll, um ſich in den Beſitz ihres Vermögens zu ſetzen, ſoll
übrigens weder bei ihren Angehörigen, noch bei den Ver=
wandten
Abreſchs etwas zu erfahren ſein.
Krozingen bei Freiburg, 24. März. (Neues Ther=
malbad
.) Heute wurde hier das neue Thermalbad ſei=
ner
Beſtimmung übergeben. Die Krozinger Quelle, die
anläßlich des Erdbebens im November 1911 zutage ge=
treten
iſt, gilt nach dem Befunde von Sachverſtändigen
für die waſſerreichſte heiße Quelle Europas
und liefert täglich ſieben Millionen Liter Waſſer.
Fulda, 24. März. (Ueberfahren.) Der Bauunter=
nehmer
Frindler=Gelnhauſen wurde heute früh auf dem
Bahnhof Fulda von dem Rhönzug überfahren und ſo=
fort
getötet.
Landsberg a. W., 24. März. (Dammrutſch.)
Zwiſchen den Stationen Weyritz und Neuendorf auf der
Strecke Landsberg-Soldin erfolgte ein Dammrutſch. Der
Verkehr wird durch Umſteigen aufrecht erhalten.
Hagen i. W., 24. März. (Revolverheld.) Der
vorbeſtrafte 20jährige Arbeiter Dietrich, der kürzlich aus
dem Gefängnis entlaſſen worden war, ſtahl am Sonn=
tag
ſeinen Eltern Schmuckſachen. Für die Wiederbeſchaf=
fung
wurde Polizei in Anſpruch genommen. Wütend dar=
über
, verletzte Dietrich durch Schüſſe ſeine Mutter tödlich
und eine Schwägerin, ſowie einen jüngeren Bruder er=
heblich
. Er wurde von der Polizei durch Säbelhiebe
kampfunfähig gemacht und verhaftet.
Ilmenau, 24. März. (Seine Frau erſchoſſen.)
Der taubſtumme Schreiner Hoffmann geriet mit ſeiner
ebenfalls taubſtummen Frau in Streit und feuerte fünf
Revolverſchüſſe auf die Frau ab, die tödlich verletzt
wurde.
Wilhelmshaven, 23. März. ( Automobilun=
fall
.) Kapitänleutnant Baron v. Schwartzenberg
iſt von einem Automobil überfahren und ſchwer verletzt
worden.
Kiel, 24. März. (Zum Kieler Werftprozeß.)
Der Kaufmann Neugebauer=Hamburg, der frühere Maga=
zinaufſeher
Chrunſt=Hamburg und der frühere Gefängnis=
aufſeher
Grieß=Neumünſter, die in der Angelegenheit des
Kieler Werftprozeſſes kürzlich in das Unterſuchungs=

gefängnis eingeliefert worden waren, wurden heute aus
der Haft entlaſſen.
Franzensbad, 24. März. (Zur Verhaftung Dr
Habls.) Der frühere Amtsdirektor Dr. Habl iſt jetzt
gegen freies Geleit zurückgekehrt. Er hat eine Kaution
von 12000 Kronen geſtellt. Er will nachweiſen, daß die
gegen ihn erhobenen Beſchuldigungen (Mord, Mordver=
ſuch
, Betrug, Unterſchlagung uſw.) nicht auf Wahrheit
beruhen.
Rom, 24. März. (Gemälderaub.) In dem
unbewohnten Schloß des Grafen Cavazza in San
Martino bei Bologna wurde in der Nacht auf den Mon=
tag
ein großer Gemälderaub verübt. Die Diebe drangen
vom Dache her in das Schloß ein und nahmen, während
der Kaſtellan in tiefem Schlafe lag, alle Gemälde von den
Wänden. Nicht weniger als dreizehn beſte Werke wurden
geſtohlen. Aus der Auswahl der Gemälde wird geſchloſ=
ſen
, daß die Diebe Kenner waren.
Petersburg, 23. März. (Unterſtützung der
durch den Sturm Geſchädigten.) Die Kai=
ſerin
Alexandra Feodorowna hat ein Komi=
tee
zur Unterſtützung der von dem Sturm am 30.
dieſes Monats im Südoſten Rußlands heimge=
ſuchten
Bevölkerung organiſiert und als erſte Hilfe zur
Verteilung an die Bedürftigen 50000 Rubel bewilligt.
Kiew, 23. März. (Sturm.) Geſtern und die ganze Nacht
herrſchte im Südoſten Rußlands ein heftiger Sturm.
In den von ihm heimgeſuchten Dörfern und Ortſchaften
wurden zahlreiche Dächer losgeriſſen und Bäume ent=
wurzelt
. Mehrere Telegraphenlinien wurden beſchädigt
und viele Fahrzeuge auf dem Dniepr von ihren Anker=
plätzen
losgeriſſen.
Sokolin (Ruſſiſch=Polen), 24. März. (Von Wild=
ſchweinen
getötet.) Ein Waldhüter wurde auf ſei=
iem
Rundgange von Wildſchweinen angefallen und ge=
tötet
.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 24. März. Präſident Dr. Kaempf
eröffnet die Sitzung um 2,02 Uhr. Auf Antrag des
Abg. Dr. Spahn (Zentr.) wird von dem Etat des Aus=
wärtigen
Amts auch der Titel Staatsſekretär nachträg=
lich
an die Budgetkommiſſion verwieſen. Auf der Ta=
gesordnung
ſtehen zunächſt
Anfragen.
Abg. Mumm (Wirtſch. Vgg.) fragt: Welche Maß=
nahmen
ſind vom Reichsverſicherungsamt getroffen, um
die Anſtellungsbedingungen und Rechtsverhältniſſe, ſowie
die Beſoldung der Angeſtellten der Berufsgenoſſenſchaf=
ten
nach den Vorſchriften der Paragraphen 690 bis 705
der Reichsverſicherungsordnung zu geſtalten? Inwieweit
haben die Berufsgenoſſenſchaften dieſe Maßnahmen durch=
geführt
? Was ſoll geſchehen, um alle Berufsgenoſſen=
ſchaften
zu einer angemeſſenen Beſoldung ihrer Angeſtell=
ten
anzuhalten? Welches ſind die leitenden Gedanken
des Reichsverſicherungsamtes für die weitere Geſtaltung
dieſer Rechtsverhältniſſe?
Direktor im Reichsamt des Innern Dr. Caſpar:
Das Reichsverſicherungsamt hat zum Zwecke einer ange=
meſſenen
Regelung der allgemeinen Anſtellungsbedingun=
gen
und Rechtsverhältniſſe der Angeſtellten der Berufs=
genoſſenſchaften
, einſchließlich ihrer Beſoldungsverhält=
niſſe
, am 31. Oktober 1912 eine Muſterdienſtordnung er=
laſſen
und bei Genehmigung der von den Berufsgenoſſen=
ſchaften
beſchloſſenen Dienſtordnungen für eine ſolche an=
gemeſſene
Regelung Sorge getragen. In ſeinem Ge=
ſchäftsbericht
für 1913 hat es ſich über ſeine Tätigkeit auf
dieſem Gebiete und über deren Erfolge zuſammenfaſſend
geäußert. Leitender Gedanke des Reichsverſicherungs=
amtes
bei der Genehmigung der Dienſtordnungen iſt das
Beſtreben, den Willen des Geſetzgebers in einer für alle
Beteiligten billigen und ausreichenden Weiſe durchzu=
führen
.
Abg. Dr. Junck (natl.) fragt: Es iſt die Meinung
geäußert worden, daß die Erhebung des Wehr=
beitrages
von Ausländern (§ 10 und 11 des
Wehrbeitragsgeſetzes vom 3. Juli 1913) nach beſtehenden
Staatsverträgen des Deutſchen Reiches unzuläſſig ſei.
Welche Stellung nimmt der Reichskanzler hierzu ein?
Unterſtaatsſekretär im Reichsſchatzamt Jahn: Die
Erhebung des Wehrbeitrages von Ausländern gemäß
§ 10 und 11 des Geſetzes über einen einmaligen außer=
ordentlichen
Wehrbeitrag vom 3. Juli 1913 ſteht nach An=
ſicht
der Reichsleitung nicht in Widerſpruch mit beſtehen=
den
Staatsverträgen des Deutſchen Reiches. Der Wehr=
beitrag
iſt keine Abgabe, welche zu Kriegszwecken oder in=
folge
anderer außergewöhnlicher Umſtände auferlegt wird.
Die Bezeichnung außerordentlicher Wehrbeitrag bedeutet
ſachlich nichts anderes als eine nachdrückliche Betonung
der Einmaligkeit dieſer Abgabe von Vermögen und Ein=
kommen
. Die Kennzeichnung des Wehrbeitrages als eine
außerordentliche Finanzmaßnahme bezieht ſich ſomit
keineswegs auf den Verwendungszweck, ſondern beruht
lediglich auf finanzpolitiſchen Erwägungen, bei denen die
Abgrenzung der Finanzhoheit des Reiches und der Bun=
desſtaaten
im Vordergrund ſteht. Auf den Wehrbeitrag
iſt auch die Beſitzſteuer derart aufgebaut, daß der Wehr=
beitrag
ſich gewiſſermaßen als die erſtmalig in beſonderer
Form zur Erhebung gelangende Beſitzſteuer darſtellt.
Abg. Baſſermann (natl.) fragt: Iſt die Zei=
tungsnachricht
richtig, daß das kaiſerliche Konſu=
lat
in Aden durch die engliſche Firma
Aden Coal Company verwaltet und nach
außen durch einen Deutſchen, der Cleark dieſer Firma iſt,
repräſentiert wird? Gedenkt der Herr Reichskanzler mit
Rückſicht auf die Wichtigkeit der dortigen deutſchen Inter=
eſſen
die Einſetzung eines Berufskonſuls in Ausſicht zu
nehmen?
Direktor im Auswärtigen Amt Dr. Matthieu: Die
Geſchäfte des Konſulats in Aden werden augenblicklich
von einem Deutſchen namens Vogelſang wahrgenommen.
Derſelbe iſt Angeſtellter der Firma Aden Coal Company.
Dieſe Firma hat aber auf die Geſchäfte des Konſulats
kleinen Einfluß, wie Konſulate überhaupt nicht Firmen,
ſondern nur Perſonen übertragen werden können. Be=
reits
ſeit einiger Zeit ſind Bemühungen im Gange, das
Konſulat wieder einem ſelbſtändigen deutſchen Kaufmann
zu übertragen. Die Schwierigkeit dabei beruht darin,
daß ſelbſtändige Reichsangehörige ſich nicht im Hafen
von Aden (Steamer Point), ſondern nur in der etwa 7
Kilometer entfernten Stadt (Aden Kamp) befinden. Das
iſt auch der Grund, weshalb das Konſulat zurzeit von
dem Kaufmann Vogelſang, dem einzigen im Adenhafen
wohnhaften Deutſchen, verwaltet wird. Sollten dieſe Be=
mühungen
zu keinem Ergebnis führen, ſo wird nur übrig
bleiben, das Konſulat eingehen zu laſſen. Unſere Inter=
eſſen
in Aden ſind zu unbedeutend, um die Einrichtung
eines Berufskonſulats zu rechtfertigen. Die konſulariſche
Tätigkeit beſteht faſt ausſchließlich in der An= und Ab=
muſterung
von Schiffsmannſchaften.
Abg. Baſſermann (natl.) fragt: Anfangs Ja=
nuar
dieſes Jahres iſt in Perm der deutſche

Reichsangehörige Hans Rudolf Berliner
bei einer Ballonlandung von den ruſſiſchen
Behörden verhaftet worden und wird ſeitden
wegen Spionageverdacht feſtgehalten. Iſt der Hert
Reichskanzler bereit, mitzuteilen, welche Schritte im
Intereſſe des Genannten ſeitens der deutſchen Regierung
unternommen worden ſind?
Direktor im Auswärtigen Amt Dr. Kriege: An
7. vorigen Monats ſind die Reichsangehörigen Berliner
Haaſe und Nicolai in einem Freiballon in Bitterfeld auf=
geflogen
und am 11. vorigen Monats im Gouvernemern
Perm in Rußland niedergegangen. Die Herren ſind dann
nach Petersburg gebracht worden und werden dort in
einem Hotel unter polizeilicher Ueberwachung gehalten
weil gegen ſie wegen Spionageverdacht eine gerichtliche
Unterſuchung eingeleitet worden iſt. Das Ueberfliegen
der ruſſiſchen Grenze iſt, ſofern nicht eine beſondere Er=
laubnis
erteilt wird, verboten. Dieſes Verbot iſt uns
von der ruſſiſchen Regierung mitgeteilt und zur Kennt=
nis
der deutſchen Luſtfahrerkreiſe gebracht worden. Au
Veranlaſſung des Auswärtigen Amtes hat ſich der kaiſer
liche Botſchafter in Petersburg für die baldige Freilaſ=
ſung
der Luftfahrer verwandt, aber die Antwort erhalten
daß zunächſt das Ergebnis der gerichtlichen Unterſuchung
abgewartet werden müſſe. Die Botſchaft iſt daraufhin
angewieſen worden, auf möglichſte Beſchleunigung des
Verfahrens hinzuwirken. Nach einem ſoeben eingegan=
genen
Telegramm der Botſchaft, wird die Unterſuchung
vorausſichtlich in den nächſten Tagen ihren Abſchluß
finden.
Abg. Dr. Frank (Soz.) fragt: Da in dem Geſetzent=
wurf
vom 25. Februar 1914, betreffend Aenderung der
Gewerbeordnung, für einen Teil theatraliſcher Vorſtel=
lungen
, neue Beſtimmungen vorgeſchlagen werden, iſt die
Befürchtung laut geworden, daß die zugeſagte Regelung
des ganzen Theaterweſens noch auf lange Zeit hinaus=
geſchoben
ſei. Iſt der Herr Reichskanzler bereit, darüber
Auskunft zu geben, ob noch in dieſem Jahr der Entwurft
eines Reichstheatergeſetzes dem Reichstag vorgelegt wer=
den
wird?
Direktor im Reichsamt des Innern Dr. Caſpar:
Die Vorbereitungen für die geſetzliche Regelung des
Theaterweſens ſind ſoweit vorgeſchritten, daß dem Bun=
desrat
in nächſter Zeit der Entwurf eines Geſetzes vorge=
legt
werden kann. Es wird von den Beratungen im
Bundesrat abhängen, wann der Entwurf an den Reichs=
tag
gelangt.
Es folgt die Abſtimmung über den Antrag, die
Petition der Bäckerinnung Germania nach Schutz gegen
Boykott und Streikausſchreitungen der Regierung als
Material zu überweiſen. Die Kommiſſion hat Uebergang
zur Tagesordnung beantragt. Die Abſtimmung bleibt
zweifelhaft. Es findet Hammelſprung ſtatt. Dabei ſtim=
men
für den Antrag 92 Abgeordnete, 150 ſtimmen da=
gegen
. Der Antrag iſt ſomit abgelehnt. Die Petition
wird durch Uebergang zur Tagesordnung er=
ledigt
. Es folgt die dritte Leſung des Geſetzent=
wurfes
, betreffend die
Verlegung der deutſch=ruſſiſchen Landesgrenze
vom Memelſtrom bis zum Piſſekfluß. Das Geſetz wird
ohne Debatte definitiv angenommen. Es folgen
Rechnungsſachen, die ohne Debatte erledigt wer=
den
. Der Nachtragsetat für Südweſtafrika
(Diamanten=Einnahmen und Bahnbau Karibib-Windhuk)
wird ohne Debatte in dritter Leſung angenommen. So=
dann
beginnt die zweite Leſung des
Etats für Kiautſchou und das oſtaſiatiſche
Marinedetachement.
Der Abg. Nacken (Ztr.) erſtattet Bericht und führt
aus: Der Etat iſt mit großer Vorſicht aufgeſtellt worden.
Das Detachement bei Tſingtau zurückzuziehen, iſt gegen=
wärtig
noch nicht angängig. Die Verhältniſſe in
Kiautſchou ſind durchaus geſund. Der Handel iſt geſtie=
gen
und die Einwohnerſchaft hat ſich ſeit 1910 um etwa
20000 Perſonen vermehrt. Die deutſch=chineſiſchen Hoch=
ſchulen
müſſen ausgebaut werden, um der drohenden
amerikaniſchen Konkurrenz rechtzeitig vorzubeugen.
Staatsſekretär Großadmiral v. Tirpitz: Der Marine=
verwaltung
und mir perſönlich iſt vom allererſten Anfang
an klar geweſen, daß wir mit der Beſitzergreifung von=
Tſingtau einen guten Griff gemacht haben, obgleich vor
17 Jahren noch nicht alle Chancen voll überſehen werden
konnten. Wir ſind deshalb mit dem Tempo der Entwicke=
lung
der Kolonie vorſichtig vorgegangen. Die berechtig=
ten
Intereſſen der Chineſen ſind bei allem Feſthalten an
den Chancen ſtets berückſichtigt geblieben. Unſere Ko=
lonie
Tſingtau iſt dazu da, den Chineſen einen Einblick
in unſere wirtſchaftliche und kulturelle Stellung zu ge=
währen
. Die Herſtellung regelmäßiger und raſcher Fluß=
verbindungen
iſt notwendig, da durch die Bahnbauten
nach dem Innern des Landes ein größerer Güterumſchlag
zu erwarten iſt. Dazu kommt, daß Tſingtau der nörd=
lichſte
eisfreie Hafen Chinas iſt und ſomit ſtändig dem
Verkehr offen ſteht. Greifen wir jetzt zu, um den deut=
ſchen
Intereſſen in China Eingang zu verſchaffen. ( Bei=
fall
.) Abg. Dr. Paaſche (natlb.): Es hat ſich nie=
mand
zum Wort gemeldet. Da mnöchte ich es nicht unter=
laſſen
, dem Staatsſekretär die Anerkennung für das aus=
zuſprechen
, was unter ſeiner Leitung in China geſchehen
iſt. Wir hoffen, daß Kiutſchou immer mehr das wird,
was wir erſtreben: ein nutzbringendes Kulturzentrum in
Oſtaſien. China mit ſeinen vielen hundert Millionen
Menſchen iſt geeignet, für die deutſchen Intereſſen ein
außerordentlich günſtiges Abſatzgebiet abzugeben. Auf
Einzelheiten des Etats gehe ich nicht ein. Die beſte Aner=
kennung
iſt, daß ſich niemand gemeldet hat, um Kritik an
dieſem Etat zu üben. (Beifall.) Damit ſchließt die
Diskuſſion. Der Etat wird angenommen
und eine Reſolution der Budgetkommiſſion auf Einſtel=
lung
einer Poſition zur Verbreitung der deutſchen Sprache
und Förderung der Privatſchulen für chineſiſche Schüler
in den nächſten Etat ebenfalls. Damit iſt die Tages=
ordnung
erſchöpft.
Der Präſident ſchlägt vor, die nächſte Sitzung abzu=
halten
am Donnerstag, den 26. März, nachmittags 2 Uhr,
und als Tagesordnung: Petitionen, Notetat, Wahlprüfun=
gen
, Duellantrag. Abg. Graf Weſtarp (konſ.) be=
antragt
, zuerſt den Duellantrag und ſodann die Wahlprü=
fungen
vorzunehmen. Abg. Ledebour (Soz.)
widerſpricht dem. Die Abſtimmung bleibt zweifelhaft.
Es findet Hammelſprung ſtatt. Für den Antraa Graf
Weſtarp ſtimmen 101 Abgeordnete, dagegen 122. Es ver=
bleibt
ſomit bei dem Vorſchlage des Präſidenten.
Schluß ¾4 Uhr.
* Berlin, 24. März. Die Budgetkommiſſion
des Reichstags beriet heute den Etat für das
Auswärtige Amt. Bei den Geſandtſchaften und
Konſulaten befindet ſich eine Mehrforderung von 480500
Mark. Dieſe Summe ſoll verwendet werden, um den
Zugang zu dem diplomatiſchen Dienſt den Befähigten ohne
Rückſicht auf die Vermögenslage zu ermöglichen nach einer
Forderung des Reichstags vom Jahre 1913, deren Be=

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Nummer 84.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

Seite 5.

willigung der Staatsſekretär damals in Ausſicht ſtellte.
Der Staatsſekretär des Auswärtigen Amtes äußerte ſich
unter Hinweis auf die dem Reichstage vorgelegte Denk=
ſchrift
kurz über die Grundſätze der neuen Beſoldungs=
ordnung
. Die vom Reichstag gewünſchte Denkſchrift über
die Begründung einer Auslandshochſchule konnte noch
nicht fertiggeſtellt werden. In dieſer Angelegenheit ſind
eingehende Verhandlungen mit verſchiedenen Reſſorts er=
forderlich
die noch nicht abgeſchloſſen werden konnten.
Eine endgültige Stellungnahme zu dieſer Frage war da=
her
noch nicht möglich. Hinſichtlich der Vorbildung der
Beamten des Auswärtigen Dienſtes bemerkte der Staats=
ſekretär
, daß auf die juriſtiſche Grundlage nicht verzichtet
Awerden könne ohne daß man das Beſtehen beſtimmter Exa=
mina
überſchätzen ſollte. Der Wert der Perſönlichkeit
werde gerade im diplomatiſchen Dienſt ſtets beſonders
maßgebend ſein. Die ſeit kurzem durchgeführte Reform
der Vorbildung ſcheine ſich nach den bisherigen Erfahrun=
gen
zu bewähren. Die Vertreter verſchiedener bürger=
lichen
Parteien beantragten in einer Reſolution die Errich=
tung
einer Auslandshochſchule und die Einſetzung
einer Prüfungskommiſſion, vor der eine Prüfung abzu=
legen
iſt, von deren Beſtehen die Anſtellung im Auslands=
dienſt
abhängig gemacht werden ſoll. Staatsſekretär von
Jagow legte Verwahrung gegen generelle Vorwürfe ein
die von einem Mitgliede der Kommiſſion gegen unſere
Diplomatie erhoben wurden. Irrtümlich ſei die Annahme,
daß die Diplomatie überaltert ſei, und ebenſo irrtüm=
lich
ſei die Vorſtellung, daß es den deutſchen Diplomaten
an wirtſchaftlicher Vorbildung fehle. Daß die Aufgabe
der Botſchafter nicht allein auf wirtſchaftlichem ſondern in
erſter Linie auch auf politiſchem Gebiete liege, ſei klar und
zeigte ſich ja gerade in den letzten Jahren. Stabilität in
der Beſetzung der diplomatiſchen Poſten ſtrebe auch das
Auswärtige Amt an.
Der Staatsſekretär des Auswärtigen Amtes führte
verſchiedenen Kommiſſionsrednern gegenüber noch u. a.
aus, für ſolche diplomatiſchen Poſten, wo wirtſchaftliche
Spezialkenntniſſe beſonders bedeutungsvoll ſeien würden
gerade Beamte aus dem konſulariſchen Dienſt gewählt, die
beſonders gute wirtſchaftliche Kenntniſſe beſitzen. Hin=
ſichtlich
der Durchſetzung von Konzeſſionen in
überſeeiſchen Ländern ſei es eine falſche Auffaſ=
ſung
, anzunehmen, die Vertreter des Reiches müßten den
Kaufleuten die Konzeſſionen fix und fertig herausholen
Es ſei Aufgabe der Reichsvertreter, auf Möglichkeiten
aufmerkſam zu machen und zur Verwirlichung von Pro=
jekten
behilflich zu ſein. Die Arbeit der Erwerbung von
Konzeſſionen müßent aber die Intereſſenten ſelber leiſten.
Die Fälle ſeien nicht ſelten, wo die Intereſſenten zur Aus=
nützung
vorhandener Möglicheiten fehlten oder verſagten.
* Berlin, 24. März. Die 20. Kommiſſion
des Reichstags nahm in zweiter Leſung den Entwurf,
betreffend die Gebührenordnung für Zeugen
und Sachverſtändige im weſentlichen nach den Be=
ſchlüſſen
der erſten Leſung an.

Gerichtszeitung.

* Metz, 24. März. Heute beginnt vor dem Ober=
kriegsgericht
die auf mehrere Tage berechnete Be=
rufungsverhandlung
gegen den früheren Leutnant
Tiegs vom Fußartillerie=Regiment Nr. 16 in Dieden=
hofen
, der am 20. November vorigen Jahres wegen Tot=
ſchlags
, verübt an dem Fahnenjunker Förſter, von dem
gleichen Regiment, vom Kriegsgericht zu zehn Jahren
Zuchthaus und Ausſtoßung aus dem Heere verurteilt
worden war. Nach dieſer Verurteilung tauchte die Ver=
mutung
auf, daß Tiegs nicht ganz zurechnungsfähig ſein
könnte, weshalb er inzwiſchen auf ſeinen Geiſteszuſtand
beobachtet worden iſt. Zu der Verhandlung ſind mehrere
Sachverſtändige geladen.
* Metz, 24. März. In dem Prozeß gegen den
früheren Leutnant Tiegs vor dem Oberkriegs=
gericht
wurde bald nach der Eröffnung die Oeffentlichkeit
für die ganze Dauer des Prozeſſes wegen Gefährdung mi=
litäriſcher
Intereſſen ausgeſchloſſen.

* Luxemburg, 24. März. Vor dem Zucht=
pollizeigericht
begann heute vormittag die Ver=
handlung
gegen den Biſchof Koppes wegen ſeiner be=
kannten
Rede auf dem Metzer Katholikentage, deretwegen
eine Anzahl linksgerichteter luxemburgiſcher Abgeordne=
ter
Verleumdungsklage gegen den Biſchof angeſtrengt
hatte. Eine Reihe von Journaliſten aus Deutſchland,
die der damaligen Verſammlung des Katholikentages bei=
wohnten
, ſind als Zeugen geladen worden

* LLuxemburg, 24. März. (In dem Prozeß
gegen Biſchof Koppes vor dem Zuchtpolizeige=
richt
war eine Anzahl von Mitgliedern des Lokalkomitees
des Metzer Katholikentages als Zeugen erſchienen. Der
Biſchof ſelbſt war anweſend. Den Vormittag füllte die
Zeugenvernehmung aus. Der Biſchof ſelber äußerte ſich
über ſeine Rede, die er aus dem Stegreife gehalten habe.
Er habe damit keinen Abgeordneten beleidigen wollen.
Die Ausdrücke bezüglich der Freimaurerei ſeien zwei päpſt=
lichen
Enzykliken entnommen. Am Nachmittag begannen
die Plädoyers.

Der Kaiſer in Venedig.

* Venedig, 24. März. Ueberall werden feſtliche
Vorbereitungen für den Empfang des
deutſchen Kaiſers getroffen. Da die Kaiſerin
verhindert iſt, den Kaiſer zu begleiten, wird auch die
Königin Elena nicht nach Venedig kommen. Die Blätter
knüpfen an die Tatſache, daß der Miniſter des Aeußern
Marquis di San Giuliano den König nach Venedig be=
gleiten
wird, längere Kommentare. Zum Bankett an Bord
der Hohenzollern am Mittwoch abend, werden die
Spitzen der Militär= und Zivilbehörden von Venedig
Einladungen erhalten.
* Venedig, 24. März. Der Kaiſer mit Gefolge
iſt im Sonderzug um 9,40 Uhr hier eingetroffen; General=
oberſt
v. Keſſel iſt dem Gefolge hinzugetreten. Beim
Einlaufen des Zuges ſpielte die Stadtkapelle die deutſche
Hymne. Auf dem Bahnhofe waren erſchienen der deutſche
Botſchafter v. Flotow, Militärattaché Major v. Kleiſt,
Marineattaché Korvettenkapitän Freiherr v. Senar=
clens
=Grancy, die Kommandanten der deutſchen
Kriegsſchiffe, der deutſche Konſul Rechſteiner, die
Spitzen der italieniſchen Behörden und die Mitglieder
des venetianiſchen Adels. Der Kaiſer, der kleine Admi=
ralsuniform
trug, begrüßte die Verſammlung auf das
freundlichſte. Der Kaiſer übergab dem Sindaco 3000
Mark für die Hinterbliebenen der mit dem Hafendampfer
Verunglückten.
* Venedig, 24. März. Nach dem geſtrigen düſte=
ren
Trauertage herrſchte heute prachtvolles Früh=
lingswetter
. Die öffentlichen Gebäude und Privat=
paläſte
ſind reich beflaggt. Der Canale Grande iſt beſon=
ders
prachtvoll geſchmückt. Zahlloſe Gondeln und Motor=
boote
führen die Behörden zum Bahnhof. Herrliche Tep=
piche
und reicher Pflanzenſchmuck vom Anlegeplatz bis
zum Ende des Bahnſteiges, der mit reichsdeutſchen und
italieniſchen Wappen behängt iſt, verleihen der Station
ein feſtliches Gepräge. Das Ufer des Canale Grande iſt
ſchwarz voll Menſchen. Eine große Menſchenmenge hält
die Stufen einer gegenüberliegenden Kirche dicht beſetzt.
Um 9,20 Uhr waren bereits alle Behörden: der deutſche
Botſchafter, Admiral Souchon und die Kommandanten
der deutſchen Kriegsſchiffe anweſend. 20 Minuten ſpäter
fuhr der Hofzug auf der Station ein, während die Stadt=
kapelle
die deutſche Nationalhymne intonierte. Der Kai=
ſer
begrüßte, am Wagenfenſter ſtehend, militäriſch die Er=
ſchienenen
, ſprang ſchnell heraus und ſchüttelte zunächſt
dem Vizeadmiral Garolli herzlichſt die Hand und unter=
hielt
ſich ſodann angelegentlichſt mit dem Bürgermeiſter.
Nach der Begrüßung des deutſchen Botſchafters und der
Herren der Botſchaft durchſchritt der Kaiſer den Warte=
ſaal
. Der Kaiſer ſah blühend aus und war in ausge=
zeichneter
Stimmung. Das ſpalierbildende Militär ſchul=
terte
beim Erſcheinen des Monarchen das Gewehr und
die Menge brach in laute Hochrufe aus. Der Kaiſer
beſtieg, begleitet von dem Generaladjutanten v. Pleſſen
und ſeinem Flügeladjutanten, das Ruderboot der Hohen=
zollern‟
. Den Fahrzeugen des venetianiſchen Ruderklubs
folgend, durchſchnitt das kaiſerliche Boot blitzſchnell die
Fluten des Canale Grande. Das ſich an den Fenſtern und
den Balkonen befindende Publikum begrüßte das Boot
überall auf das lebhafteſte. In Motorbooten folgte das
übrige Gefolge dem kaiſerlichen Boot in geringer Ent=
fernung
. Als das kaiſerliche Boot in Sicht kam, feuerte
der Kreuzer Breslau Geſchützſalut und die auf dem
Oberdeck aufgeſtellte Mannſchaft begrüßte den Kaiſer mit
einem lauten dreimaligen Hurra. Gleichzeitig führte das
Luftſchiff Parſeval glänzend gelungene Manöver aus
denen der Kaiſer die größte Aufmerkſamkeit ſchenkte. Um
10 Uhr ſtieg der Kaiſer an Bord der Hohenzollern noch=
mals
durch Salven begrüßt.
* Venedig, 24. März. An Bord des Schiffes ließ
ſich der Kaiſer zunächſt die Schiffsmannſchaft vorſtel=
len
, die bei dem Dampferunglück Hilfe leiſtete. Mittags
war Frühſtückstafel an Bord. 1 Uhr 45 Minuten nach=
mittags
begab ſich der Kaiſer im Ruderboot mit Gefolge
nach dem Palaſt Vallis Moncenigo am Canale Grande.

Um 5 Uhr nahm der Kaiſer den Tee bei Graf und Gräfin
Papadopoli.
* Venedig, 24. März. Zur Abendtafel an
Bord der Hohenzollern wurden geladen der deutſche
Botſchafter, der Militär=Attaché und der Marine=Attaché,
ſowie Graf Farini.

Luftfahrt.

* Johannisthal, 24. März. Der Flieger
Linnekogel ſtellte heute mittag auf einem Rumpler=
Eindecker neueſter Konſtruktion einen Welthöhen=
rekord
mit einem Fluggaſt auf, da er eine Höhe von
5500 Metern erreichte.

Turnen, Spiele und Sport.

* Fußballſport. F.=K. Olympia=Darmſtadt
1898. Das 3. Pokalſpiel der Nord= und Weſtkreis= Fuß=
ballrunde
gegen die Ligamannſchaft des F.=Sp.=V. Frank=
furt
endete nach intereſſantem Verlauf mit 111 unentſchie=
den
. Olympia unternahm durch einen unverhofften
Durchbruch und unhaltbaren Schuß des Mittelſtürmers
Ensgraber die Führung. Doch nicht allzu lange konnte
ſie dieſe behalten. Schon vor Halbzeit gelang es der un=
ermüdlich
angreifenden Stürmerreihe der Gäſte, den Aus=
gleich
herbeizuführen. Das Spiel wurde ſehr flott durch=
geführt
und zeigte recht ſpannende Momente. Dem
Spiel der 1. Mannſchaft ging das Privatſpiel der 2.
Mannſchaft gegen die 1. Mannſchaft des Fußball=
Klubs Olympia=Lorſch voraus. Die Darm=
ſtädter
Mannſchaft gewann mit 210. Beide Tore erzielte
der Halbrechte Mager. Die Gäſte zeigten gutes Zuſam=
menſpiel
. Die Einheimiſchen verdanken den ſchönen Er=
folg
in erſter Linie dem vorzüglichen Torwächter Böcher.
Nächſten Sonntag, den 29. März, findet, wie in allen
größeren Plätzen Deutſchlands, ſo auch hier, ein Wald=
lauf
ſtatt. Nähere Mitteilungen folgen noch.

Der Rochetteausſchuß in Frankreich.

* Paris 23. März. In der Nachmittags=
ſitzung
lehnte Maitre Bernard neuerlich ab, ſeinen
unbekannten Gewährsmann zu nennen und über die
Unterredungen mit Caillaux Aufſchluß zu geben. Dieſe
Ablehnung ſei endgültig. Auf Bitten Caillaux’ erklärte
er, daß der Gewährsmann mit Caillaux nicht identiſch
ſei. Briand erinnerte an die Interpellation über die
Rochette=Angelegenheit, auf welche er habe antworten
müſſen und betonte, daß er durchaus eine korrekte Rolle
ſpielte. Von Anfang der Sache an habe er dem Staats=
anwalt
die Anweiſung gegeben, Rochette ſtreng zu über=
wachen
, und wenn er verdächtig erſchiene, ihn vor Er=
öffnung
der Unterſuchung fragen zu laſſen, ob er eine
Nachprüfung der Bücher zulaſſen wolle. Als Briand zum
zweitenmale Juſtizminiſter war, plädierte Rochette für
Nichtigkeit des Verfahrens und Verjährung. Briand
ließ den Generalſtaatsanwalt rufen und machte ihm hef=
tige
Vorwürfe, daß er einen Aufſchub von ſieben Mo=
naten
gewährt habe, und verhehlte ihm nicht, daß er ihn
ganz dafür verantwortlich machen würde. Fabre =
gerte
zunächſt mit der Antwort, ſagte aber ſchließlich, er
habe dieſen Aufſchub gewährt, weil er dazu gezwungen
worden ſei. Als Beamter ſei er gewöhnt, zu gehorchen
und habe geglaubt, ſich einem höheren Befehl beugen zu
müſſen. Briand erklärte weiter, er ſei wenige Tage vor
dem Tode Calmettes telephoniſch zu Barthou gerufen
worden, wo er Calmette getroffen habe. Barthou habe
ihm geſagt daß Calmette den Bericht habe veröffentlichen
wollen. Er Briand habe Calmette beſchworen,
dies nicht zu tun und Calmette habe dies mit ſeinem
Ehrenwort verſprochen Ein Ausſchußmitglied bemerkte
darauf, er habe am Tage des Amtsantritts des Kabinetts
Doumergues in einer Redaktionsſtube gehört, daß Bar=
thou
den Bericht Fabres beſitze, mit welchem er ſeine
Gegner erdolchen könnte, wann er wollte. An dem an=
geblichen
Montag, fuhr das Ausſchußmitglied fort, tele=
phonierte
man mir, daß man den Bericht Fabres am an=
dern
Morgen veröffentlichen werde. Dieſe Nachricht
wurde mir von einem Redakteur des Figaro beſtätigt.
Briand wiederholte, daß Calmette ſein Ehrenwort ge=
wiß
nicht gebrochen hätte. Ein Ausſchußmitglied be=
merkte
darauf: Ja, aber außer Calmette konnte auch ein
anderer eine Abſchrift des Berichts beſitzen. Die Unter=
redung
mit dem Oberſtaatsanwalt Fabre ſchilderte Briand
ebenſo wie dieſer. Von dem ihm durch Fabre übergebe=
nen
Schriftſtück habe er ſeinen Kollegen im Miniſterrat
Mitteilung gemacht; dann habe er das Schriftſtück in

Großherzogliches Hoftheater.
Dienstag, den 24. März.
Zum erſten Male:
Belinde.

Ein Liebesſtück in 5 Aufzügen von Herbert Eulenberg.
W-l. Herbert Eulenbergs Trauerſpiel Belinde‟ die
modernen Dramatiker vermeiden mit faſt komiſcher Furcht
die Bezeichnung Trauerſpiel oder Tragödie‟ behan=
delt
das pſychologiſch und juriſtiſch intereſſante Enoch
Arden=Thema, das tragiſche Schickſal des verſchollenen und
tot geſagten Mannes der nach Jahren in ſeine Heimat
zurückkehrt und ſein Weib im Beſitze eines andern und ſich
ſeiner Rechte als Gatte und Hausherr entſetzt ſicht. Zwar
iſt Beliade, als ihr Gatte Eugen nach zehn Jahren zurück=
kehrt
, nicht die Frau, ſondern nur die Verlobte eines
andern, aber für die pſychologiſche Behandlung des The=
mas
iſt es dasſelbe. Eugen, dem von den Verwandten
ſeiner Frau ſeine Armut vorgeworfen worden war, war
vor zehn Jahren nach Amerika gegangen, um reich zu wer=
den
und ſeine über alles geliebte Frau zu beglücken. Er
hatte nicht geſchrieben, anfangs weil es ihm zu ſchlecht
ging, ſpäter nicht, aus Trotz eine etwas unwahr=
ſcheinliche
Motivierung, aber der Dichter braucht ſie und
das genügt. Als er zurückkehrt, findet er ſeinen Stuhl
beſetzt und ſeine Frau auf ewige Zeiten ihm verloren.
Sie hat einem Jüngling, Roger, ihr Herz zugewandt, der
die Kerze ergriffen hatte, die auf dem Tiſche ſtand und
darauf brannte, daß einer ſie ergriff und beabſichtigt,
ſich mit ihm zu vermählen. Tags vorher erſcheint Eugen
wie das Geſpenſt aus dem Grabe und ſtellt ſich zwiſchen
beide Geliebte. Er weicht nicht und will nicht weichen,
vielmehr bis zum letzten Atemzug um jeden Finger und
jedes Haar von ihr kämpfen Auch Roger verzichtet nicht
auf das geliebte Weib. Schließlich entſcheidet zwiſchen
beiden ein ſogen, amerikaniſches Duell, bei dem das
Todeslos auf Roger fällt, infolgedeſſen er ſich erſchießen
muß. Belinde, anfangs verzweifelt und wie Niobe,
ganz Tränen, wird durch die Treue und ſtandhafte Liebe

ihres edelgeſinnten Gatten gerührt, und die alte Liebe
zu ihm erwacht wieder in ihrem Herzen. Aber mit dem
Makel der Untreue belaſtet und in dem Gefühl, ſeiner
Liebe nicht mehr würdig zu ſein nimmt ſie Gift und büßt
ihre Untreue durch den Tod. Eugen, dem ohne ſie das
Leben wertlos geworden iſt, beſchließt, ihr zu folgen und
den freiwilligen Hungertod zu ſterben.
Das Trauerſpiel iſt bis zu dem Tode Rogers im
3. Akte ſehr ſpannend. Mit dem vierten Akte ſetzt die
pſychologiſche Motivierung der inneren Umwandlung
Belindes ein, mit der ſich der Verfaſſer eine hohe und
ſchwierige, aber im Sinne eines echten Dichters gelöſte
Aufgabe geſtellt hat. Wenn der innere Wert der beiden
letzten Akte auch höher ſteht, als der der erſten, ſo läßt die
dramatiſche Spannung andererſeits infolge des Hervor=
tretens
des rein Pſychologiſchen zum Nachteil der Hand=
lung
und der langen Dialoge nach.
In dem verſchlungenen Garten des Innern Belin=
dens
ſich zurechtzufinden iſt nicht ſo ganz leicht. Das
Urteil über das Stück ſelbſt iſt aber abhängig von der Be=
urteilung
ihres Charakters in deſſen Zeichnung ſich der
Verfaſſer, wie ſchon bemerkt, als ein echter Dichter zeigt,
der die ſeeliſchen Regungen und Empfindungen eines
Weibes bis in die Tiefen nachſpürt und die einzelnen
Fäden ſeines Gewebes mit pſychologiſcher Feinheit zu
einem Ganzen geſchickt zu vereinigen weiß. Je ſchwieriger es
von Anfang iſt, die ſeeliſche Metamorphoſe Belindens glaub=
würdig
zu machen, deſto größer iſt der Triumph für den
Dichter, wenn es gelungen iſt.
Ein von vornherein feſt umgrenzter Charakter von
imponierender Konſequenz, ein ganzer Mann, iſt Eugen,
während Roger der gänzlich im Banne ſeiner Liebes=
raſerei
ſtehende jugendliche und beglückte Liebhaber iſt.
Die epiſodiſche Rolle des viel zu breit behandelten
Hyazinth nimmt etwa die Stelle des Narren in den Shake=
ſpeareſchen
Tragödien ein, der unter der Maske des Toren
ſich in geiſtreichen Paradoxen bewegt und den Ernſt des
Lebens perſifliert.
Das Stück, das mit Ausnahme der auf dieſen Weiſen
im Gewande des Halbidioten ſich beziehenden Stellen in
Verſen geſchrieben iſt, zeichnet ſich durch Schönheit und
Tiefe der Sprache aus und muß als ein tiefangelegtes

und poetiſches Werk bewertet werden. Neben den Vor=
zügen
aber können auch die Mängel nicht unerwähnt blei=
ben
. Ein Fehler iſt es daß die entſcheidende Wendung in
der Handlung dem Zufall in Geſtalt eines amerikaniſchen
Duells überlaſſen wird während ſie ſich aus den Be=
gebenheiten
und Charakteren mit innerer Notwendigkeit
heraus entwickeln ſoll. Hätte der Zufall, über den der
Dichter nicht Herr iſt, dem Eugen anſtatt Roger den wei=
ßen
Todesball in die Hände geſpielt, ſo wären die beiden
letzten Akte nicht möglich geweſen. Sodann tritt die
Figur des Hyazinth zu aufdringlich in den Vordergrund
und paralyſiert nicht ſelten die ſchönſten tragiſchen Wir=
kungen
, obwohl man ja die Abſicht des Dichters, die ihn
dabei geleitet hat, wohl erkennt.
Die Aufführung darf höchſtes Lob beanſpruchen Die
Regie führte Herr Paul Eisner, der mit dieſem Debut
als Regiſſeur viel Ehre eingelegt hat. Als Belinde gab
Frl. Pils eine tief angelegte, fein ausgearbeitete und
konſequent durchgeführte, dabei intereſſante Charakter=
ſtudie
. Nur das pathetiſche Sprechen hat ſie noch nicht
ganz abgelegt. Brillant war Herr Baumeiſter, der
die Rolle des Eugen ſo lebenswahr und lebenswarm
ſpielte, daß man ſie ſich beſſer dargeſtellt nicht denken
kann. Den Jüngling Roger ſpielte Herr Ehrle mit der
ganzen Leidenſchaft eines in Liebesparoxysmus befange=
nen
Jünglings. Die Liebe iſt bei Eulenberg oft mehr Sinn=
lichkeit
, Als Hyazinth, der ewig behandſchuhte Mann vom
letzten Adel, bot Herr Harprecht gleichfalls eine fein
durchdachte und charakteriſtiſch durchgeführte Leiſtung.
Die kleineren Rollen des Ignaz, des Moritz und des Phi=
lipp
fanden in den Herren Heinz, Waſſermann
und Peter ſen vortreffliche Vertreter. Die Rolle des
Backfiſches Cäcilie ſpielte Frl. Horn anmutig und natür=
lich
. Nur muß ihre Sprechweiſe noch fließender werden.
Das Stück hat nur eine Szene, nämlich das Zimmer
Belindens das mit gewohntem Geſchmack ausgeſtattet
war. Das Haus wurde erſt nach dem dritten Akt während
der längeren Pauſe erhellt, die übrigen Pauſen waren
ganz kurz. Das Publikum nahm die Neuheit ſehr bei=
fällig
auf.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

Nummer 84,

einen verſiegelten Umſchlag getan und es dem Perſonal=
direktor
übergeben. Es ſei kein amtliches Schriftſtück ge=
weſen
; er hätte den Eindruck gehabt, als ob ihm Fabre,
nur um ſich zu ſichern, nur eine Kopie des Schriftſtückes
übergeben habe. Als er, Briand ſpäter Miniſterpräſi=
dent
geworden ſei und das Juſtizminiſterium verlaſſen
habe, habe er das Schriftſtück ſeinem Nachfolger, Bar=
thou
, übergeben und dann nicht mehr davon ſprechen
hören. In der morgigen Sitzung wird Barthou ver=
nommen
.
* Paris, 24. März. Der Rochette=Ausſchuß
vernahm heute vormittag zunächſt den früheren Miniſter=
präſidenten
Barthou. Dieſer verwahrte ſich entſchieden
gegen den Vorwurf, daß er die Kampagne des Figaro
gegen Caillaux angeſtiftet und Calmette verſchiedene
Schriftſtücke geliefert habe. Er habe im Gegenteil auf An=
regung
Doumergues den Direktor des Figaro, Calmette,
erſucht, gewiſſe Depeſchen über gewiſſe Angelegenheiten,
welche nicht innerer Natur waren, nicht zu veröffentlichen,
und Doumergue und Caillaux haben ihm dafür lebhaft
gedankt. In der Rochette=Affäre habe er ſich vor drei
Jahren einen Angriff des radikalen Rappel zugezogen,
weil er dem Erſuchen des Herausgebers dieſes Blattes,
Dumesnil, eine Unterſuchung gegen einen der Sachver=
ſtändigen
anzuordnen, nicht Folge geleiſtet habe. Kurz
nachdem das Miniſterium Monis an das Ruder gekom=
men
ſei, habe er erfahren, daß der Rochette=Prozeß ver=
tagt
werden ſolle. Er habe zu Caillaux geſagt: Es gehen
merkwürdige Dinge zu. Monis hat den Oberſtaatsanwalt
kommen laſſen, um die Rochette=Affäre zu verſchieben.
Caillaux habe geantwortet, er habe bei Monis Schritte
unternommen, um den Aufſchub zu erlangen. Caillaux
habe hinzugefügt, Rochette beſitze eine Liſte der Emiſſio=
nen
verſchiedener Geſchäfte. Er beabſichtige, dieſe Liſte
zu veröffentlichen, was eine große Aufregung hervorrufen
könnte. Er habe bei Monis interveniert, damit derſelbe
dieſe Enthüllungen Rochettes verhindere. Barthou ſagte
weiter: Auf meine Frage, warum er ſich nicht an den
Juſtizminiſter gewandt habe, antwortete Caillaux, daß es
ſich da um die richtige Manier handle. Der Juſtizminiſter
Perrier beſitze dieſe nicht.
Barthou ſagte weiter aus, als Briand ihm den
Bericht Fabres übergeben habe, riet er ihm, dieſen auch
an ſeinen Nachfolger weiter zu geben, denn es handle ſich
um ein ihm perſönlich übergebenes Dokument. Er, Bar=
thou
, habe daran gedacht, den Bericht zu vernichten und er
ſei glücklich, daß er es nicht getan habe. Er habe es ſtets
abgelehnt, den Bericht auszuliefern, namentlich Calmette
gegenüber. Calmette habe ihm geſagt, daß er ſich ander=
weitig
eine Abſchrift davon verſchafft habe. Er, Barthou,
und Briand hätten darauf beſtanden, daß Calmette den
Bericht nicht veröffentlichen ſollte. Calmette gab ſein
Ehrenwort und fügte hinzu, er werde einen ſehr genauen
Auszug veröffentlichen. Auf ihm vorgelegte Fragen faßt
ſich Barthou dahin zuſammen, daß er den Bericht Fabres
ſeinem Nachfolger nicht übergeben habe, nachdem er zu
Briand bemerkte, daß es ſich um kein amtliches Schrift=
ſtück
handle, und da er glaubte es könnten ſich Unzuträg=
lichkeiten
ergeben, wenn der Bericht von Hand zu Hand
ginge. So habe er den Bericht mitgenommen, ohne daß
Briand einen Einwand gemacht habe; denn beide hätten
damals dem Dokument keine außergewöhnliche Bedeutung
beigemeſſen.
* Paris 24. März. Die Kammer nahm ohne
Erörterung einen von Jaurés eingebrachten Geſetz=
entwurf
an, der beſtimmt, daß die Rochette=
Kommiſſion von den richterlichen Vollmachten Ge=
brauch
machen könne, die ihr geſtern und vorgeſtern vom
Parlament und der parlamentariſchen Unterſuchungs=
kommiſſion
zugebilligt worden ſind.

Das Attentat der Frau Caillaux.

* Paris 23. März. Die frühere Mitarbeiterin des
Figaro, Frau Macagne Eſtredere, welche vom Unter=
ſuchungsrichter
Boucard in der Angelegenheit der Frau
Caillaux vernommen wurde, erklärt, daß Cal=
mette
vergeblich einer Perſon 30000 Francs angeboten
habe, welche ihm eine Zuſammenkunft mit der geſchiede=
nen
Frau Caillaux=Dupré verſchaffen ſollte, welche pho=
tographiſche
Kopien mehrerer Privatbriefe Caillaux’ be=
ſitze
. Calmette habe auch ihr ein ähnliches Anerbieten
gemacht, doch habe ſie dasſelbe gleichfalls abgelehnt. Der
Komponiſt Iſidor de Lare beſtätigt, daß Frau Macagne
Eſtredere bei der Fürſtin von Monaco bei einem Früh=
ſtück
, welchem auch Frau Caillaux beiwohnte, von dieſem
Anerbieten Calmettes erzählt habe. Er habe den Ein=

druck gehabt, daß Calmette ſich eine Waffe gegen Caillaux
verſchaffen wolle.
* Paris, 24. März. Der Figaro veröffentlicht
bezüglich der Ausſage ſeiner ehemaligen Mitarbeiterin
Macagne Eſtredere, wonach Calmette 30000 Francs an=
geboten
habe um eine Zuſammenkunft mit der geſchiede=
nen
Gattin Caillaux', der Beſitzerin verſchiedener intimer
Briefe des letzteren, zu erlangen, eine Note, in der dieſe
Behauptung als höchſt unwahrſcheinlich bezeichnet wird.
Calmette, welcher alle Welt kannte, habe nicht nötig ge=
habt
, 30000 Francs für eine derartige Zuſammenkunft
zu bezahlen. Es ſei auch höchſt unwahrſcheinlich, daß
Calmette, deſſen Vorſicht und Verſchwiegenheit ſprich=
wörtlich
waren, über dieſe Dinge mit Frau Eſtredere ge=
ſprochen
hätte. Er habe über ſeine Kampagne nur mit
einigen Mitarbeitern geſprochen, zu denen er vollſtes
Vertrauen hatte. Die Fürſtin von Monaco welche der
Verteidiger der Frau Caillaux, Labori, gleichfalls als
Zeugin namhaft gemacht hatte, wird kaum vorgeladen
werden. Sie wird, obgleich ſie geſchieden iſt, als ſoupe=
räne
Fürſtin angeſehen, und deren Vorladung könne nur
durch diplomatiſche Vermittelung erfolgen. Der Unter=
ſuchungsrichter
Boucard, der die Unterſuchung nicht ver=
zögern
wolle, dürfte daher auf die Zeugenausſage der
Fürſtin von Monaco verzichten.

Schiffsunglück auf der Spree.

* Köpenick, 24. März. Heute abend gegen 5½
Uhr wurde auf der Spree ein Fährkahn, der von der
Spindlerſchen Fabrik nach der Lindenſtraße überſetzen
wollte, von einem Schleppdampfer angerannt und zum
Sinken gebracht. Von den ſämtlichen Inſaſſen, etwa 20
bis 22, darunter viele Frauen, konnten nur 7 ge=
rettet
werden. Bisher konnte nur die Leiche einer
jungen Frau geborgen werden.
* Köpenick, 24. März. Zu dem Unglück aut
ver Oberſpree wird noch gemeldet: Um 5¾ Uhr
ließen ſich 22 Arbeiter der Spindlerſchen Fabrik nach dem
anderen Ufer der Spree überſetzen. Ein von einem
Schleppdampfer gezogener Kahn fuhr gegen die Fähre,
dieſelbe kippte um und ſämtliche Inſaſſen fielen ins Waſ=
ſer
. Bis 7 Uhr waren 6 lebend geborgen. Nach den
Ausſagen der Geretteten hat der Führer des Dampfers
Schuld an dem Unglück. Die Verunglückten ſind Fami=
lienväter
aus Friedrichshagen.
* Köpenick, 24. März. Zu dem Untergang
des Fährbootes wird noch gemeldet: Um ¾6 Uhr
iſt das Fährboot, das mit 21 Perſonen beſetzt war die
Zahl ſteht noch nicht genau feſt von dem Schlepp=
dampfer
Paul der Reederei Pankow, Führer Max
Polzenhagen aus Stralau, zum Kentern gebracht
worden. 9 Perſonen konnten gerettet werden, 11 bis
12 ſind wahrſcheinlich ertrunken. Die ge=
naue
Zahl ſteht noch nicht ſeſt. Der Führer des Schlepp=
dampfers
gibt an, daß er ſich vor dem Zuſammenſtoß in
der Kajüte aufgehalten habe und die Führung dem 19 Bootsmann Karl Valentin übertragen habe. Auf
das erſte Warnungsſignal eilte er an Deck. Auf das zweite
Warnungsſignal, gab er dem Botsmann den Befehl, links
zu ſahren. Der Schleppdampfer kam auch noch an dem
Fährboote vorbei. Das geſchleppte Schiff kam jedoch ge=
gen
die Fähre. Polzenhagen gibt an, daß das Unglück
nicht geſchehen wäre, wenn das Schiff in dem Fahrwaſſer
des Dampfers gehalten hätte.

Vermiſchtes.

Von der Intelligenz der Fiſche. Der
ehemalige Vorſteher und Leiter des Armenhauſes von
Mantua, Lazzé, in Nonno weiß eine intereſſante Beob=
achtung
mitzuteilen Im Garten des Armenhauſes befand
ſich ſeit Jahren ein Waſſerbaſſin von etwa 1½ Meter
Tiefe, in dem, man weiß nicht woher, unter vielen kleinen
Fiſchen vier ſchöne Karpfen ihren Wohnſitz aufgeſchlagen
hatten. Lazzé hatte es ſich zur Gewohnheit gemacht, täg=
lich
Brotſtücke in das Baſſin zu werfen, und mußte mit=
der
Zeit die Wahrnehmung machen, daß die Karpfen unter
all den anweſenden Fiſchen die einzigen waren, die ſich
an dieſe Fütterung gewöhnten. Sobald die Fiſche ihr
Stück Brot erhalten hatten, tauchten ſie in die Tiefe des
Waſſers und waren nicht mehr zu ſehen. Eines Tages,
berichtet Lazzé, vergaß ich die Fütterung, ich war ander=
weitig
beſchäftigt. Plötzlich kommt mein kleiner Junge
ganz aufgeregt herbeigelaufen. Vater, Vater, da ſind
Fiſche, die den Kopf aus dem Waſſer herausſtrecken! Ich
eilte zu dem Baſſin und ſah mit Staunen die vier Karpfen:

ſie ſtreckten wirklich die Köpfe aus dem Waſſer hervor und
ſchienen auf etwas zu warten. Ich warf ihnen ihre Brot=
rationen
zu, und ſie verſchwanden ſofort. Allein der Vor= begann mich zu beſchäftigen, ich wollte nun ergrüns
den, ob die Fiſche wirklich Intelligenz beſitzen, und ſo=
wiederholte
ich das Experiment viermal, gab ihnen einige=
Tage lang ihr Futter, machte dann aber eine Pauſe.
Wenn ich an dieſem Tage ſpäter zum Baſſin kam, fand
ich die Karpfen ſtets mit aus dem Waſſer geſtreckten
Köpfen gleichſam wartend vor, als wollten ſie ſagen: Wo=
bleibt
denn heute unſer Brot? Seitdem bin ich zu der
Ueberzeugung bekehrt, daß auch die Fiſche Intelligenz he=
ſitzen
.

Literariſches.

* Herbert Eulenbergs Liebesſtück Belinde
das geſtern ſeine Erſtaufführung am Darmſtädter Hofs
theater erlebte, iſt im Verlag von Kurt Wolff in Leipzig,
als Buch erſchienen. Auch die Dramen Alles um Geld‟,
Dogenglück, Simſon ꝛc. ſind in demſelben Verlagee
ſchienen.
Das Märzheft (Nr. 15) vom Pariſer Chie
kommt wie der Frühling mit Glanz und Blüten! Und
die neue Mode iſt da! Wieder ſind es mehr als 100
Modelle in allen Kleiderarten, Bluſen, Bluſenröcken, in
Kindergarderoben, die das Märzheft vom Pariſer Chie
bringt. Und beim Durchblättern dieſes Heftes wird es
einem wirklich frühlingswarm zu Sinn. Wie reizende
Glockenblumen ſehen manche Koſtüme aus, bei manchen
denkt man an die Blüte des Krokus. Wer ſich die erſten
Frühlingsveilchen kauft, der kauft ſich wißbegierig und
ſehnſuchtsvoll auch das Märzheft vom Pariſer Chic.
Abonnements nimmt jede Buchhandlung, Poſtamt oder
direkt der Verlag Guſtav Lyon. Berlin SW. 68, Schützen=
ſtraße
8, entgegen. Preis 40 Pfg pro Heft, 1,20 Mark vier=
teljährlich
und 4,50 Mark pro Jahr.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Straßburg i. E., 24. März. Die Zweite Kam=
mer
ſtimmte heute gegen die Stimmen der Sozialdemos
kraten, die den Termin des Wiederzuſammen=
tritts
der Kammer auf den 3. November feſtſetzen
wollten, dem Regierungsvorſchlag auf Vertagung des
Landtages bis zum 17. November zu.
* München, 24. März. Heute mittag 12 Uhr beſuchte
der König von Württemberg mit dem Ehrendienſt
das Rathaus. Er wurde vom Oberbürgermeiſter Dr.
Borſcht und dem Bürgermeiſter Brunner am Ein=
gang
des Rathauſes empfangen und durch die Repräſen=
tationsräume
geführt, wobei ihm der Oberbürgermeiſter
einen Willkommentrunk der Stadt darreichte. Der König
dankte für die Begrüßung und trank auf das Wohl, das
Wachſen und Blühen der Stadt. Darauf begab ſich das
Königspaar mit Gefolge und dem Ehrendienſt zu einem
Frühſtück in der württembergiſchen Geſandtſchaft, zu dem
noch weiter geladen waren: Staatsminiſter Graf von
Hertling, Oberſtzeremonienmeiſter Graf von Moy, der
bayeriſche Geſandte in Stuttgart Graf v. Moy, Legations=
rat
Freiherr von Gemmingen und andere.
* München, 2.). März. Ueber die parlamentariſche
Behandlung des Falles Abreſch wird noch bemerkt,
daß das Direktorium der Kammer keine Schritte zur Prä=
ziſierung
des Rechtsſtandpunktes unternehmen wird, da
dieſer klar liegt. Abgeordneter Abreſch wurde ſeinerzeit
vom Zentrum und dem Bund der Landwirte in den Land=
tag
gewählt.
* Danzig, 24. März. Der Dampfer Franziska der
in der Nacht zum Montag am Danziger Heiſterneſt ſtran=
dete
, iſt heute nachmittag von privaten und fiskaliſchen
Dampfern abgeſchleppt und nach dem Danziger Ha=
fen
gebracht worden.
* Sofia, 24. März. Die Sobranje wurde auf den
2. April zu einer außerordentlichen Seſſion einbe=
rufen
.
* Rom, 24. März. Der König unterzeichnete heute
die Ernennung des Generals Grandi zum Kriegs=
miniſter
. General Taſſoni wurde zum Unterſtaats=
ſekretär
im Kriegsminiſterium ernannt.
* Athen. 24. März. Wie die Agence d’Athenes mel=
det
, wird ſich der Miniſterpräſident Venizelos wahr=
ſcheinlich
in Begleitung des Miniſters Streit nach
Korfu begeben, um den deutſchen Kaiſer zu be=
grüßen
.
* Kapſtadt, 24. März. Der engliſche Arbeiter=
führer
Tom Mann iſt in Kapſtadt eingetroffen.
* Neu=York, 24. März. Ein Telegramm aus Elverijel
im Staate Durango meldet: Der wirkliche Angriff auf
Torreon begann geſtern. General Villa beſetzte Lerdo
und ging widerſtandslos mittags zum Angriff auf General
Gomez in Patacio vor, wo ein ſehr blutiges Gefecht ſtatt=
ſtand
. Die Verluſte waren auf beiden Seiten ſehr ſchwer,
große Maſſen Verwundeter wurden nach dem Hoſpital in
Elverijel gebracht. Nach einem Telegramm des Haupt=
quartiers
der Aufſtändiſchen in Matamoros nahmen
die Aufſtändiſchen Guerrero nach neunſtündi=
gem
Kampfe ein.

Ein Dementi.

* Paris, 24. März. Die Agence Havas ſetzt den Ge=
rüchten
von Spaltungen im Kabinett und dem
beabſichtigten Zurücktreten gewiſſer Miniſter ein
formelles Dementi entgegen.

Briefkaſten.

H. St., hier. Frau K. hat tatſächlich einmal aus=
nahmsweiſe
die Eliſabeth geſungen.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Der Hausarzt empfiehlt bei Neigung zur Verſtopfung,
räger Verdauung, uſw.
(I,7749
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das wohlſchmeckende, milde
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bei Störungen der Verdauung.,
bei Schwäche u. Appetitlosiakelt.

Saalbautheater.

Die Kino=Königin.
St. Die Theater bekämpfen den Kino als ihren größ=
ten
Konkurrenten, der mit ſeinen unkünſtleriſchen Darbie=
tungen
ihre künſtleriſche Miſſion lähmt, und die Ope=
rettenlibrettiſten
machen die ſchönſte Reklame für den Kon=
kurrenten
. Nach dem Filmzauber bringen ſie Die
Kinokönigin und ſtellen ſich damit das Zeugnis aus,
daß ſie entweder ſehr aktuell oder geiſtig arm ſind. An
der Kinokönigin iſt ſo ziemlich nichts Neues. Daß ein
Bräutigam die Braut warten läßt zum Verlobungsfeſt
und die Verlobung ſchließlich in die Brüche geht, iſt nicht
neu. Auch daß ein Lift verſagt und gerade an einer Stelle
hängen bleibt mit zwei Menſchen darinnen, die abſolut
nicht zuſammen überraſcht ſein wollen, ſoll ſchon dage=
weſen
ſein. Und daß ein halbverkommener Sprößling
eines alten Adelsgeſchlechtes nach Amerika geht, um Mil=
lionen
zu erwerben, entweder als Kinoſchauſpieler, oder,
da er Duſel hatte, als Bräutigam eines Goldfiſchchens
iſt ebenſo wenig neu, wie der Schauſpieler, der ſich für
einen großen Künſtler mit einem kleinen Zungenfehler
hält, während die Direktoren immer der umgekehrten An=
ſicht
zuneigen, daß er ein kleiner Schauſpieler mit einem
großen Zungenfehler iſt. Auch daß eine Kino=Duſe, die
von dem Geliebten verſchmäht wird, Rache dadurch nimmt,
daß ſie einen kompromittierenden Film entriert, dürfte
im Zeitalter des Kinos keine ganz neue Idee ſein. Ebenſo
wenig, daß ſich ſchließlich doch alles in Wohlgefallen auf=
löſt
und ſich alle kriegen. All das wie geſagt, iſt nicht
neu. Aber aus der mehr oder weniger geſchickten Anein=
anderreihung
dieſer bekannten Tatſachen und ihrer orga=
niſchen
Verbindung durch eine Anzahl noch weniger neuer
Witze entſtand Die Kino=Königin Operette in
3 Akten von Georg Okonkowsky und Julius Freund.
Muſik von Jean Gilbert. Orcheſter: Muſikkorps Inf.=
Regts. Nr. 115. Orcheſter=Dirigent: Dr. Berthold Ullmann.
Regie: Oberregiſſeur Georges La Tour=Albrecht uſw.
uſw. uſw. Und ein Neues Berliner Operetten=Enſemble
(Direktion: E. Aßmy) macht den größten Operetten=
ſchlager
der Gegenwart daraus und beglückte ſämtliche
halbwegs erfolgverſprechenden Städte des Reiches da=
mit
. Da durfte auch Darmſtadt nicht fehlen und wir haben
ein viermaliges Gaſtſpiel!

Der äußere Erfolg der geſtrigen Erſtaufführung war
gut. Die Muſik, in der Jean Gilbert vielfach Anleihen
bei ſich ſelbſt und anderswo gemacht hat, iſt recht hübſch
und flüſſig ausgefallen, wenn ſie auch nicht ſo viel Cha=
rakter
zeigt, wie z. B. die der keuſchen Suſanne. Ueber
den Mangel an einheitlicher Handlung mußten die
Schlager hinweghelfen, deren jeder Akt eine ganze An=
zahl
aufzuweiſen hat. Dieſe Gefangs= und Tanzduette,
Enſembleſzenen uſw. bringen Leben in die ziemlich unde=
finierbare
Handlung und feſſeln die Aufmerkſamkeit des
Auditoriums. Viele der Schlager ſind ja ſchon längſt be=
kannt
geworden, ehe die Kino=Königin auch hier Audienz
gab und die lieblichen kleinen Dingerchen ſummen
ſchon längſt in den Gaſſen umher, am Tage und auch In
der Nacht, wenn die Liebe erwacht‟ Der Theaterzettel
freilich macht eine große Einlage daraus. Auch die
übrigen Geſangsſchlager, Drum träume ſüß, lieb’ Mägde=
lein
Juplala=Duett Man lacht, man lebt, man liebt
Zärtlich, ſüße und leiſe Ach Amalie, wer hätte das
gedacht ſind vielfach bekannt geworden, wie es ja ein
ſehr beliebter Trick der modernen Operettendichter iſt, ihre
Schlager der Operette vorauszuſchicken in die Provinz,
damit ſie Propaganda machen.
Die Aufführung durch das Neue Berliner Operetten=
Enſemble war recht flott und wirkſam. Die Einzelleiſtun=
gen
bewegen ſich in der Bewertung zwiſchen den Prädi=
katen
gut bis vorzüglich. Zu letzteren möchten wir zählen
den ganz ausgezeichnet ſtotternden Kinoregiſſeur des
Herrn Toni Capell, die in Tanz und Spiel ganz rei=
zende
Annie des Frl. Liſa Wehn, deren geſangliches
Können leider nicht ganz auf der Höhe ihrer Darſtellung
ſtand, was wohl auf eine Indispoſition zurückzuführen
war, den Clutterbuck des Herrn Hans Swoboda und
die Kinokönigin Delia Gill die Emmy Dorffer äußerſt
geſchickt und erfolgreich in Geſang und Spiel verkör=
perte
. Gut war auch Georges La Tour=Albrecht
als Baron de Gardennes, der beſonders mit den lieb=
lichen
kleinen Dingerchen Erfolg hatte, und Fini
Frank als Virginia Clutterbuck. Die übrigen Mitſpie=
ler
rechtfertigen keine beſondere Erwähnung. Wohl aber
noch die Regie, die bei den Unzulänglichkeiten der Saal=
baubühne
verhältnismäßig Hervorragendes leiſtete. Das
Publikum bereitete der Kinokönigin einen warmen
Empfang, der hin und wieder herzlichen Charakter an=
nahm
.

[ ][  ][ ]

Nummer 84.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

Seite 7.

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Geſchäftliches.
Einige hieſige Schuhmachermeiſter brachten vor eini=
ger
Zeit eine Anzeige, die einen neuen Fußmodellier=
Apparat, D. R. ang., erwähnt, der ſchon mehrere Wochen
im Gebrauche iſt. Nicht bloß die Meiſter, ſondern auch
vielfach Kunden, deren Fußbekleidung nach ihm gefertigt
wurde, rühmen den großen Fortſchritt, den er brachte.
Ein Teil dieſer Kunden hatte normale Fußverhältniſſe,
ein anderer derſelben litt an mancherlei Fußleiden, da
die Füße abnorm waren. Dieſe Erfindung zeigt, daß
ſich das ganze Schuhmacherhandwerk der Gegenwart eifrig
bemüht, nicht bloß eine ſchöne, ſondern auch eine ſolche
Beſchuhung zu liefern, die die vielen Fußübel ſorgfältig
berückſichtigt. Viele moderne Menſchen klagen über Hüh=
neraugen
und Plattfußanlagen, Entzündungen des Fer=
ſenbeins
, Ballenbildung, Verhärtungen der Sohle, Sen=
kungen
der Fußwurzeln und Mittelfußknochen. Dieſe
Leiden bringt man nicht auf die Welt, ſondern man er=
wirbt
ſie durch ſchlechtes Schuhwerk. Dieſen Unglücklichen

müſſen Arzt und Schuhmacher helfen, die es verſtehen, die
Fußbekleidung dem Fuße genau anzupaſſen. Für Eltern
und Erzieher iſt es daher ungemein wichtig, ſtets auf voll=
kommen
paſſendes Schuhwerk zu achten.

In der Schule iſt heut Geographieſtunde. Die
kleinen Neunjährigen verſagen leider in den meiſten
Fragen wie kann man mit neun Jahren auch wiſſen,
wie die Planeten alle heißen, wie groß die Erde iſt und
vas derlei ſchwierige Fragen ſonſt ſind. Der Lehrer
möchte ſchier mutlos werden ſchließlich verſucht er es
doch noch mit einer letzten Frage: Wer kann mir ſagen,
was ein Globus iſt? Sofort erhebt die ganze Klaſſe
wie ein Mann die Hand, einer überſchreit den anderen,
und aus 35 friſchen Kinderkehlen ſchallt es freudig:
Ein Globus iſt ein Putz=Extrakt!

Viel Glück iſt in dem Hauſe, wo die Kinder gut
gedeihen. Ein ideales Nährmittel iſt ein Pudding aus
Sinner=Puddingpulver. Die Kinder reißen ſich
um dieſen Leckerbiſſen und da er nur aus den nahr=
hafteſten
und leichtverdaulichſten Rohſtoffen beſteht, be=
kommt
er aufs beſte! Man verlange ausdrücklich Sinner!

Dampfernachrichten.
Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem Ver=
treter
: Adolf Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Arcadia über Halifax nach Boſton,
22. März 10 Uhr 30 Min. morgens Dover paſſiert.
Barcelona von Boſton kommend, 22. März 8 Uhr
40 Min. morgens Lizard paſſiert. Batavia nach
Baltimore, 22. März von Ponta Delgada. Dortmund
21. März 10 Uhr morgens in Philadelphia. Imperator
21. März 3 Uhr nachm. von Neu=York über Cherbourg
und Southampton nach Hamburg. Kaiſerin Auguſte
Victoria von Neu=York kommend, 21. März 11 Uhr
30 Min. abends in Hamburg. Preſident Lincoln nach
Neu=York, 22. März 10 Uhr 45 Min. abends von
Southampton. Pretoria 21. März 5 Uhr 30 Min.
nachm. von Neu=York direkt nach Hamburg. Weſt=
indien
, Mexiko: Antonina von Mexiko und
Havanna kommend, 22. März 8 Uhr 30 Min. abends
in Hamburg. Conſtantia nach Weſtindien. 22. März
4 Uhr nachm. Dover paſſiert. Dania nach Havanna
und Mexiko, 22. März 10 Uhr abends Dover paſſiert.
Fürſt Bismarck nach Havanna und Mexiko, 21. März
nachm. von Corung. Grunewald von Weſtindien
kommend, 21. März 8 Uhr abends von Havre. Kron=
prinzeſſin
Cecilie 21. März von Veracruz, heimkehrend.
Sibiria nach Jamaika, 22. März in Ponta Delcada.
Spreewald von Weſtindien kommend, 22. März 3 Uhr
nachm. Lizard paſſiert. Steigerwald nach Mexiko,
22. März in Havanna. Wasgenwald von Mexiko
und Havanna kommend, 23. März 10 Uhr morgens in
Hamburg. Südamerika, Weſtküſte Amerikas: Badenia‟
nach dem La Plata, 22. März 5 Uhr morgens in
Vliſſingen. Motorſchiff Chriſtian X. von Neu=York,
22. März in Paranagua. König Wilhelm II. nach
dem La Plata, 21. März 4 Uhr nachm. von Rio de
Janeiro. Macedonia 22. März in Paranagua.
Naſſovia nach Neu=York, 22. März von Viktoria.
Verſchiedene Fahrten: Cleveland, Orient= und Indien=
fahrt
, 21. März 5 Uhr nachm. in Jaffa. Kurmark
nach Indien, 21. März 3 Uhr morgens Gibraltar
paſſiert. Markomannia von Perſien kommend, 21. März
von Malta. Vergnügungsdampfer Meteor, dritte
Mittelmeerfahrt, 22. März 4 Uhr nachm. von Saloniki.
Numantia 21. März nachm. von Cochin. Nordmark
nach Indien, 21. März von Falmouth nach Malta.
Perſepolis nach Perſien, 22. März morg. Perim paſſiert.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Ausläufer des Tiefdruckgebietes über dem Ozean ver=
urſachten
Montag in ganz Deutſchland zeitweiſe Trübung
und Regen= in höheren Lagen auch Schneefälle. Das
Tiefdruckgebiet hat ſeinen Einfluß weiter ſüdoſtwärts
ausgedehnt. Wir haben heute im Bereich der Randge=
bilde
des Tiefs weiterhin mit unbeſtändigem Wetter zu
rechnen.
Ausſichten in Heſſen für Mittwoch, den 25. März:
Unbeſtändig, zeitweiſe aufhelternd, zeitweiſe Nieder=
ſchläge
, Temperatur wenig geändert.

Tageskalender.
Mittwoch, 25. März.

Großh. Hoftheater, Anfang 7½ Uhr, Ende 9¾ Uhr
(Ab. D): 777110.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Saalbautheater, Anfang 8 Uhr: Die Kino=
königin
.
Vortrag von Profeſſor Mußler um 8 Uhr in der Eliſa=
bethenkirche
.
Vortrag von Domkapitular Dr. Gießwein um 8¼ Uhr
im Fürſtenſaal (Friedensgeſellſchaft).
Vortrag von Dr. med. Oberdörffer um 8½ Uhr im
Kaiſerſaal.
Generalverſammlung der Heidenreich= von Sie=
boldſche
Stiftung für arme Wöchnerinnen um 3½ Uhr
Grüner Weg 21.
Hauptverſammlung des Dialonievereins um 3½
Uhr im Landesſynodalgebäude.
Hauptverſammlung des Literariſchen Vereins um
5½ Uhr im Vereinslokal.
Hauptprüfung um 5 Uhr im Konſervatorium für
Muſik (Mühlſtraße 70).
Spielabend des Schachklubs um 8 Uhr im Reſtaurant
Kaiſerſaal
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Hotel Heß um
4 Uhr. Bürgerkeller um 8 Uhr. Perkeo um 8 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Donnerstag, 26. März.
Hofreite=Verſteigerung des Julius Triebert
(Viktoriaſtraße 63) um 11 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Altes Metall= uſw. Verſteigerung um 9 Uhr
Eſchollbrückerſtraße 18.
Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der
Turnhalle am Woogsplatz.
Stammholz=Verſteigerung um 9½ Uhr ( Zu=
ſammenkunft
auf der Chauſſee Meſſel-Urberach an der
Schnellenbruchſchneiſe).
Nutz= und Brennholz=Verſteigerung um 10
Uhr im Zeilharder Gemeindewald (Zuſammenkunft bei
Gaſtwict Heberer, Station Meſſel).
Großh. Hofbibliothek geöffnet: Montag bis
Freitag von 91 Uhr und 24 Uhr, Samstags von
91 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil Max Streeſe; für den Anzeigenteil,
Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus vem Geſchäfts=
leben
: Carl Friedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträg=
liche
werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.

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Donnerstag, 26. März, 8 Uhr
Freitag, 27. März, 8 Uhr
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Operetten-Ensemble
(Direktion: E. Assmy)
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Operette in 3 Akten von

Graue Haare
machen alt, man
sollte dieselben
entfernen, denn
man ist nur so
alt, wie man aus-
sieht
. Sieht man
jung aus, ist man
jung, sieht man
alt aus, ist man
alt,niemandfrägt
nach dem Ge-
burtsschein
.
Herm. Schellen-
bergs
20 Jahre
jünger auchge-
nannt
, Exlepäng‟
gibt jedem Haar
die früh. Farbe
wieder. Flasche
Mk. 3.50. Ueber
10Jahre erprobt.
Tausende Dankschreiben. Von
Aerzten, Professoren etc. ge-
braucht
u. empfohlen. Goldene
Medaille Leipzig 1913. Färbt
nach und nach unauffällig.
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Liebliche, kleine Dingerchen!
Man lacht, man lebt, man liebt!
In der Nacht! Ach, Amalia!
Der größte Operetten-
erfolg
der letzten Jahre!
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[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtadter Tagblatt, Mittwoch, den 25. Marz 1912.

Nummer 84.

Hauswirtſchaftliche Fortbildungsſchule.
Die hauswirtſchaftliche Fortbildungsſchule blickt mit dem Schluß
des laufenden Schuljahres auf ein fünfundzwanzigjähriges Be=
ſtehen
zurück. Aus dieſem Anlaß iſt für die Schülerinnen der der=
maligen
Abendkurſe, ſowie fur alle Schülerinnen früherer
Jahrgänge (Tages= und Abendkurſe) eine beſondere Feier für Sonn=
tag
, den 5. April, nachmittags 3 Uhr, in der Turnhalle des
Schulhauſes Rundeturmſtraße 9 geplant.
Es erſcheint aber notwendig, daß ſich alle ehemaligen
Schülerinnen, die an dieſer Feier teilnehmen wollen, vorher an=
melden
und Eintrittskarten empfangen.
Die Karten werden ausgegeben: Freitag, den 27. März,
von 812 und von 26 Uhr und Samstag, den 28. März,
von 812 Uhr in den Fortbildungsſchulräumen der Schulhäuſer
Rundeturmſtraße 9, Lagerhausſtraße 9 und Hermannsſtraße 21.
Ohne Karte kann der Zutritt zu der Feier nicht geſtattet werden.
Darmſtadt, den 24. März 1914.
(7758mdf
Der Vorſtand:
Dr. Glässing, Oberbürgermeiſter.

für Mädchen.

Der Unterricht beginnt am 24. April d. J., Karlstr. 16, I.,
vormittags 11 Uhr mit folgenden Unterrichtsfächern:
Buchführung, Wechsellehre, Korrespondenz, kaufm.
Rechnen, Stenographie, Maschinenschreiben,
Französisch und Englisch.
Anmeldungen nehmen entgegen: Frl. A. Ruths, Heidenreich=
ſtraße
29 und Frl. Ph. Walz, Karlſtraße 43.
Auskunft erteilt Frl. Neudecker, Schirmgeſchäft, Ernſt=
Ludwigſtraße 9.
Der Vorsitzende
Profeſſor Kissinger.
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Die nächſten Kochkurſe beginnen am
u. und 2. Aprit.
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Nummer 84.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

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Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

Nummer 84.

Die Hebung unſeres Körpergewichts.

Von einem Spezialiſten.
Die meiſten Mageren nehmen täglich vier bis 6 Pfund
ſolide, fettproduzierende Nahrung zu ſich, und ihr Körper=
gewicht
und Umfang ändern ſich nicht im geringſten, wäh=
rend
andererſeits runde und umfangreiche Perſonen nur
ganz leichte Eſſer ſind und dabei immer mehr zunehmen. Es
iſt Unſinn zu behaupten, das läge ſo in der Natur des be=
treffenden
Individuums. So ein Zuſtand iſt kein natür=
licher
. Magere Leute bleiben mager, weil ihr Stoffwechſel
defektiv iſt, Sie abſorbieren gerade genug von der ein=
genommenen
Nahrung, um das Leben und den Anſchein
von Geſundheit und Stärke zu erhalten. Da hilft auch kein
Stopfen, und von zwölf Mahlzeiten im Tag bleibt kein
Pfund bei ihnen. Alle fettproduzierenden Elemente der
Nahrung paſſieren unbehelligt den Verdauungskanal und
gehen unverbraucht wieder ab, eine richtige Verſchwendung.
Solche Leute brauchen etwas, was dieſe Elemente aſſi=
milieren
hilft, daß ſie ins Blut übergehen und vom Blut=
kreislauf
aus den dürftigen Zellengeweben zugeführt wer=
den
, etwas was die roten Blutkörperchen vervielfältigt und
die Verteilung der Nährſubſtanzen durch das Blut anregt,
fördert. Für dieſen Zweck empfehle ich immer folgendes
Rezept: 15 gr Cardamommtinktur, 60 gr Salrado comp.
und 90 gr einfachen Zuckerſirup, dazu genügend deſtill.
Waſſer zum Auffüllen einer 250=Gramm=Flaſche. Das
Rezept kann in jeder Apotheke oder Drogerie zuſammen=
geſtellt
werden; nehmen Sie davon 20 Minuten vor jeder
Mahlzeit regelmäßig 1 bis 2 Eßlöffel ein, die Gewichts=
zunahme
iſt oft ganz erheblich und nimmt von Woche zu
Woche zu. Seine verdauungsfördernden, kräftigenden
Eigenſchaften kommen bei Entkräftung ſehr zuſtatten und
geben zumal älteren Leuten neue Lebenskraft und Energie.
Wenn Ihr Körpergewicht unter dem Normal iſt wenn Ihr
Verdauungs= oder Nervenſyſtem nicht ſo funktioniert vie
es ſollte, verſuchen Sie das genannte Rezept, und Sie wer=
den
ſehen, wie ſchnell es hilft.
(VIII., 7685

Zweite Kammer der Stände.

107. Sitzung.
St. Darmſtadt, 24. März.
Am Regierungstiſch: Staatsminiſter Dr. v. Ewald,
Finanzminiſter Dr. Braun, Miniſter des Innern
v. Hombergk zu Vach, Staatsräte Dr. Becker,
Süffert, Miniſterialräte Hölzinger, Dr. Kratz,
Schliephake, Dr. Weber.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um 10¼ Uhr.
Das Haus tritt alsbald in die Tagesordnung ein und ſetzt
die Spezialberatung des
Hauptvoranſchlags für 1914
fort. Es wird zunächſt das zurückgeſtellte Kapitel 39,
Höhere Bürgerſchulen, beraten. Abg. Mergell
beantragt hierzu, vom Rechnungsjahre 1914 ab auch den
höheren Bürgerſchulen in Beerfelden, Groß=Umſtadt, Rei=
chelsheim
i. O., Rimbach, Rüſſelsheim, Hungen, Sprend=
lingen
(Rheinheſſen) und Wöllſtein, die zurzeit keinerlei
Staatszuſchuß genießen, die nach dem neuen Geſetz über
die höheren Schulen zuläſſige Staatsbeihilfe zu gewäh=
ren
. Als Ausgangspunkt für die Berechnung der perſön=
lichen
Koſten einer Schule dienen hierbei in allen Fällen
die Schulgeldſätze der ſtaatlichen Anſtalten. Der An=
trag
iſt unterſchrieben von den Abgeordneten Berthold,
Fenchel, Hauck, Kredel, Lang, Schott. Weiter liegt
hierzu ein Antrag Henrich vor die Regierung zu
ermächtigen, die Zuſchüſſe zu den Koſten der höheren
Mädchenſchulen auch für 1914 zu gewähren.
Abg. Molthan als Berichterſtatter erklärt, daß es
ſich bei dem erſten Antrag (Mergell) um Anſtalten han=
delt
, denen die Staatszuſchüſſe entzogen worden ſind.
Der Antrag bezweckt, den Anſtalten entgegenzukommen
deren Exiſtenzberechtigung erwieſen ſei. Der Finanzaus=
ſchuß
bittet, dem Antrag zuzuſtimmen. Auch den Antrag
Henrich bittet der Ausſchuß anzunehmen.
Abg. Mergell gibt eine ausführliche Begründung
ſeines Antrages, die auf der Tribüne aber unverſtändlich
bleibt. Redner verbreitet ſich beſonders ausführlich über
die Bedeutung der höheren Bürgerſchulen.
Staatsrat Süffert teilt mit, daß die Regierung
dem Antrag Henrich zuſtimmen kann. Nicht dagegen kann
die Regierung dem Antrag Mergell zuſtimmen, da die
hierfür in Frage kommenden Schulen ein rein lokales
Intereſſe haben. (Die weitere Begründung des gegneri=
ſchen
Standpunktes der Regierung bleibt in der Unruhe
des Hauſes auf der Tribüne unverſtändlich.) Die Re=
gierung
werde die Schulen mit möglichſtem Wohlwollen
behandeln, dem Antrag Mergell bitte er jedoch nicht zu=
zuſtimmen
.
Abg. Molthan: Dieſes Wohlwollen der Regierung
iſt ein rein platoniſches; wir bitten, dem Antrag Mergell
zuzuſtimmen. Die Anträge Henrich und Mergell,
ſowie der Ausſchußantrag werden angenom=
men
.
Ohne Debatte wird angenommen Kapitel 40, Leh=
rerſeminare
uſw Zu Kapitel 53. Aerztlicher
Dienſt und Impfweſen, wünſcht Abg. Joutz die
Errichtung eines Lehrſtuhles für Homöopathie an der
Univerſität Gießen. Das Kapitel mit dem Kapitel 54
wird debattelos angenommen. Zu Kapitel 55, Heb=
ammenlehranſtalt
zu Mainz, wünſcht Abg. Dr.
Wolf=Gonſenheim, daß die heſſiſche Regierung in der
Hebung des Hebammenweſens allein vorgehe. Das Ka=
pitel
wird angenommen.
Zu Kapitel 56, Landsheil= und Pflege=
anſtalt
Philippshoſpital bei Goddelau,
vertritt Abg. Senßfelder wiederholt eine Eingabe
der Irrenwärter um Regelung bezw. Verbeſſerung ihrer
Gehaltsbezüge.
Abg. Raab verbreitet ſich ſehr eingehend über die
materielle Lage der Irrenwärter und beklagt es, daß die
Regierung ſich ablehnend gegen die Eingabe der Irren=
wärter
verhalten habe. Er wendet ſich beſonders dagegen,
daß die Wärter nach 6jähriger Dienſtzeit entlaſſen wer=
den
. Hier würde ganz ſchematiſch verfahren. Das ſei
ebenſo falſch, wie die Tatſache, daß man die Wärter

winge, 6 Jahre auszuhallen dadurch, daß man ihnen erſt
nach 6 Jahren einen Teil des verdienten Lohnes aus=
zahle
. Hierdurch wird es immer ſchwerer, das geeignete
Perſonal zu erhalten. Er beantragt die Regierung
zu erſuchen, die Eingabe einer wohlwollenden Prüfung
zu unterziehen und ſpäteſtens dem Landtag von 1915 eine
Vorlage zu machen.
Abg. Dr. Oſann: Der Ausſchuß hat die Anſtalt
einer Beſichtigung unterzogen und den Eindruck gewon=
nen
, daß die Anſtalt ganz vorzüglich geleitet wird und
daß gerade auch das ärztliche und Pflegeperſonal ganz
ausgezeichnet ausgebildet iſt und ſeinen ſchweren Dienſt
muſtergültig ausübt. Der Finanzausſchuß hat darum,
da er die Eingabe der Irrenwärter für berechtigt hält, be=
ſchloſſen
, dieſe Eingabe bei der Wichtigkeit der Materie
beſonders zu beraten. Dieſe Beratung ſoll ſofort nach
Erledigung des Budgets ſtattfinden.
Miniſterialrat Hölzinger möchte das Geſagte
unterſchreiben. Die ganze Materie ſei ſo ſchwierig und
wichtig, daß ſie einer eingehenden und beſonderen Be=
ratung
bedarf. Redner bittet, dem Ausſchußantrag zu=
zuſtimmen
und den Antrag Raab abzulehnen.
Abg. Raab tritt nochmals für ſeinen Antrag ein,
damit die Angelegenheit nicht wieder hinausgezogen
wird. Abg. Molthan iſt gegen dieſen Antrag, da
man das Haus unmöglich feſtlegen könne, ohne die An=
gelegenheit
genaueſtens geprüft zu haben. Der Aus=
ſchußantrag
und der Antrag Raab werden an=
genommen
. Ebenſo ohne Debatte Kapitel 57.
Zu Kapitel 57a, Landes=Heil= und Pflege=
anſtalt
bei Alzey, rügt Abg. Raab daß den Wär=
tern
für Verpflegung und Wäſche 600 Mark abgezogen
werden, ſo daß ſie mit 800 Mark ihre Familie ernähren
ſollen. Das ſei natürlich nicht möglich, ſo daß nur ledi=
ges
Perſonal hier auskommen kann. Auch dem techni=
ſchen
Perſonal, Schloſſern und Heizern uſw., iſt es un=
möglich
, eine Familie zu begründen. Redner befürwortet
eine dahingehende Eingabe des techniſchen Perſonals.
Miniſterialrat Hölzinger: Die Eingabe des tech=
niſchen
Perſonals iſt erſt vor 14 Tagen hier eingegangen.
Die Regierung wird den Wünſchen inſofern entſprechen,
daß ſie dem techniſchen Perſonal geſtattet, ſich ſelbſt zu ver=
pflegen
und dafür der im Budget eingeſtellte Betrag von
86 Pfg. pro Kopf ausgezahlt wird. Das Kapitel wird
genehmigt. Ebenſo ohne Debatte die Kapitel 58 und 59.
Zu Kapitel 60, Abwehr und Unterdrückung
von Viehſeuchen, vermag der Ausſchuß den under
Titel 5 angeforderten Zuſchuß von 3000 Mark zu einer
vom Kreis Büdingen zu leiſtenden Abfindungsſumme an
eine Maſchinenfabrik in ſeiner Mehrheit nicht zu befür=
worten
, da er eine Verpflichtung des Staates hierfür
nicht erkennen kann. Er beantragt daher Ablehnung
dieſer 3000 Mark. Der Ausſchuß beantragt gegen
zwei Stimmen: Bewilligung von 80000 Mark in Ein=
nahme
und 170300 Mark in Ausgabe.
Abg. Dr. Weber iſt gegen den Ausſchußantrag und
bittet, dem Kreis Büdingen den Zuſchuß weiter zu be=
willigen
, da der Kreis das ſonſt als eine Zurückſetzung
empfinden müſſe.
Miniſterialrat Hölzinger ſtimmt dem zu, um ſo
mehr, als der Staat tatſächlich alljährlich 3000 Mark auf=
wenden
müßte, wenn der Kreis Büdingen die Verpflich=
tung
nicht auf ſich genommen hätte.
Abg. Hauck kommt hierbei auf das amtliche Ver=
wiegen
der Schlachttiere zu ſprechen und bringt hierbei
einige Beſchwerden vor.
Miniſterialrat Hölzinger verbreitet ſich eingehend
über die einſchlägigen Beſtimmungen über das Verwie=
gen
von Schlachtvieh. Die Verordnung iſt im Regie=
rungsblatt
abgedruckt. Zur Ausführung der Verordnung
iſt beſtimmt, daß von Kreisämtern und Gemeinden alle
erforderlichen Maßnahmen zu treffen ſind.
Präſident Köhler erſucht hierbei, doch zu dieſem
Kapitel nicht mehr zu ſprechen; es hat mit Viehſeuchen
abſolut nichts zu tun und könnte überhaupt etwa bei der
Beamtenbeſoldung oder dergleichen beſprochen werden.
(Heiterkeit.)
Abg. Henrich beantragt nunmehr namens des
Ausſchuſſes, den Zuſchuß für Büdingen zu
bewilligen und die Ausgabeſumme um 3000 Mark zu
erhöhen.
Abg. Hauck iſt mit der Regierungsantwort nicht zu=
frieden
. Die Maßnahmen in den verſchiedenen Gemein=
den
ſeien noch nicht genügend geregelt. Die Kreisfleiſch=
beſchauer
ſollten die Sache in die Hand bekommen.
Miniſterialrat Hölzinger weiſt nochmals darauf
hin, daß durch Verordnung vom 18. April 1909 die Kreis=
ämter
angewieſen ſind alle Anordnungen, die notwendig
ſind, ſelbſtändig zu erlaſſen. Das iſt auch geſchehen.
Der Ausſchußantrag wird angenommen.
Ebenſo Kapitel 61 und Kapitel 62.
Zu Kapitel 63, Armenpflege liegt ein Antrag
des Abg. Hauck vor: Ich beantrage: Zu Kapitel 63 unter
Ziffer 18 zu ſetzen: Dem Heilſtättenverein für das
Großherzogtum Heſſen 20000 Mark. Die Ausgabe für
dieſes Kapitel von 117016 Mark auf 137016 Mark zu er=
höhen
. Abg. Dr. Oſann beantragt namens des Aus=
ſchuſſes
Ablehnung dieſes Antrages da der Heilſtätten=
verein
vorerſt über genügend Mittel verfüge.
Abg. Hauck befürwortet ſeinen Antrag, den der Aus=
ſchuß
abzulehnen bittet.
Abg. Molthan: Der Heilſtättenverein ſelbſt hat
einen derartigen Wunſch noch nicht geäußert. Wenn der
Verein ſelbſt mit einem Erſuchen an das Haus herantritt,
kann man ſich damit nochmals beſchäftigen. Redner bittet,
den Antrag zurückzuziehen.
Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach: Die
Regierung erkennt die Bedeutung des Heilſtättenvereins
voll und ganz an, ſie hat ſich aber gegen den Antrag Hauck
ausgeſprochen, weil es ihr nicht angängig erſcheint, derart
große Beträge zur Unterſtützung einzelner Vereine zu be=
willigen
, ohne dahingehende Erſuchen gründlich zu bera=
ten
und zu prüfen. Der Heilſtättenverein hat aber ſelbſt
noch niemals ein Erſuchen zur Unterſtützung aus Staats=
mitteln
eingebracht. Er hat vielmehr ſeine Aufgaben ſeit=
her
ſtets aus freiwilligen Beiträgen beſtritten. Die Re=
gierung
bittet alſo, den Antrag Hauck abzulehnen. Nach
weiteren kurzen Bemerkungen des Abg. Henrich wird

ie ine eie beiht un de eſentg 38
genommen.
Zu Kapitel 65 beantragt der Ausſchuß: 1 die in Ein=
nahme
und Ausgabe vorgeſehenen 167270 Mark zu be=
willigen
; 2. die Großherzogliche Regierung
zu erſuchen, für die Folge die Einnahmen aus Bei=
trägen
der Feuerverſicherungsgeſellſchaften, aus Kapital=
zinſen
, von Gebäuden und Grundſtücken, und ſonſtige
Einnahmen des Fonds, ſoweit ſie den ihr bisher zur
freien Verfügung ſtehenden Betrag überſteigen, minde=
ſtens
aber den Betrag von 40000 Mark, in die Einnahmen
des Budgets zur Verfügung der geſetzgebenden Faktoren
einzuſtellen. Aus dieſen überſchießenden Einnahmen ſind
zunächſt die Zuſchüſſe an die Provinzialſiechenanſtalt zu
beſtreiten. Der hiernach verbleibende Reſt wird, ſoweit er
nicht für weitere, im Budget feſtzuſetzende, öffentliche und
gemeinnützige Zwecke beſtimmt wird, dem Kapital zuge=
ſchlagen
.
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach:
Die Regierung hat ſich mit dem Erſuchen des Ausſchuß=
antrages
nicht einverſtanden erklärt, weil der ihr zur Ver=
fügung
ſtehende Anteil an der Summe, der ſeither 80000
Mark betrug, ein für allemal feſt begrenzt werden ſoll,
während die ſonſtigen Einnahmen des Fonds eine ſtei=
gende
Tendenz zeigen. Die Einnahmen des Fonds be=
ſtehen
bekanntlich aus einer Abgabe der Verſicherungs=
anſtalt
und aus den Zinſen des Fonds. Wenn alſo die
Abgaben der Anſtalt wachſen und der Fonds anwächſt,
wachſen auch die Zinſen. An dieſem Wachſen aber ſoll
der Staat keinen Anteil haben und der Ueberſchuß dem
Budget zufließen. Das will mir nicht richtig erſcheinen,
namentlich nicht um deſſentwillen, weil doch die Anforde=
rungen
an den Fonds ſtändig wachſen, während der Geld=
wert
ſinkt. Es iſt darum notwendig, daß auch der Staat
an dem wachſenden Ueberſchuß beteiligt wird. Ich würde
daher vorſchlagen, ein Erſuchen anzunehmen etwa dahin=
gehend
, daß die Regierung erſucht wird, ein Abkommen
mit den Ständen zu treffen wonach die der Regierung
zur freien Verfügung ſtehenden Beträge fixiert werden
Gegen den Antrag des Ausſchuſſes müſſen wir uns aber
mit aller Entſchiedenheit wenden.
Nach weiteren kurzen Ausführungen der Abgg. Hen=
rich
und Dr. Weber wird der Ausſchußantrag
angenommen.
Zum Kapitel 67, Reichsverſicherungsord=
nung
liegt ein Antrag der Abgg. Leun und Genoſſen
vor: Wir beantragen, die geforderten Mehrkoſten inſo=
lange
abzulehnen, als nicht in jeder Provinzialhauptſtadt
ein Oberverſicherungsamt oder mindeſtens in Gießen und
Mainz je eine beſondere Spruchkammer errichtet wird.
Abg. Raab fragt an, bis wann endlich eine Novelle
zum Geſetz, betreffend das Knappſchaftsweſen, zu erwar=
ten
iſt, das im Sinne der neuen Reichsverſicherungsord=
nung
neu geordnet werden müſſe. Den Antrag Leun hält
Redner nicht für gerechtfertigt, da Spruchkammern in den
verſchiedenen Provinzen bereits beſtehen. Nur, daß die
Arbeiten alle in Darmſtadt vorbereitet werden müſſen, er=
ſchwert
und verzögert die Rechtſprechung. Es iſt vorge=
kommen
, daß Arbeiter auf ihre Berufungsentſcheidung bis
8 Monate warten mußten. Die Spruchkammern verſagen
alſo in der Praxis. Er bittet, dem Ausſchußantrag zuzu=
ſtimmen
und dabei die Regierung zu erſuchen die Errich=
tung
zweier weiterer Oberverſicherungsämter in die Wege
zu leiten und den Landſtänden baldmöglichſt Vorlage
zu machen. Redner führt dann Beſchwerde über die Lun=
genheilanſtalt
Sandbach, reſpektive über die Landesver=
ſicherungsanſtalt
. Die Anſtalt wurde im vorigen Jahre
neu geſtrichen, und zwar von den Inſaſſen. Hierbei wur=
den
giftige Farben verwendet und dabei nicht einmal die
vom Bundesrat erlaſſenen Vorſichts= und Schutzbeſtim=
mungen
angewendet.
Abg. Fenchel zieht den Antrag Hauck zugunſten des
Antrags Raab zurück. Abg. Damm (ſchwer verſtänd=
lich
) bittet, den Antrag Raab und den Antrag Fenchel ab=
zulehnen
. Für 3 Verſicherungsämter iſt Heſſen zu klein.
Miniſterialrat Schliephake: Zu den Ausführun=
gen
des Abg. Raab iſt ſchon neulich mitgeteilt worden, daß
die Landesverſicherungsanſtalt dem Miniſterium nicht un=
terſteht
; wir müſſen es deshalb aus prinzipiellen Gründen
ablehnen, auf die Ausführungen einzugehen. Die Novelle
zum Knappſchaftsgeſetz iſt in Vorbereitung und wird dem=
nächſt
an das Haus gelangen. Beſchwerden über Ver=
zögerung
von Entſcheidungen ſind noch nicht an die Re=
gierung
gelangt. Wenn wirklich einmal eine Verzögerung
eingetreten ſein ſollte, ſo iſt ſicher dann nicht das Oberver=
ſicherungsamt
in Darmſtadt ſchuld denn es iſt ſchließlich
ganz gleich, ob die Entſcheidungen in Darmſtadt, Mainz
oder Gießen vorbereitet werden. Die drei Spruchkammern
in den drei Provinzen genügen vollauf. Die Oberverſiche=
rungsämter
ſind daher unnötig und würden nur erheblich
die Koſten vermehren. Im Intereſſe aller Inſtanzen liegt
es, wenn nur ein Oberverſicherungsamt beſteht, ebenſo
im Intereſſe der einheitlichen Rechtſprechung. Ich bitte
alſo dringend, die Anträge Raab und Hauck abzulehnen.
Abg. Henrich als Berichterſtatter bittet auch, den
Antrag Raab abzulehnen. Abg. Raab ſtellt der Regie=
rung
Material über Verzögerungen von Entſcheidungen
in Ausſicht. Abg. Fenchel vertritt nochmals den An=
trag
Raab. Der Ausſchußantrag wird ange=
nommen
, der Antrag Raab abgelehnt.
Zu Kapitel 68.
Arbeiterkolonie und Arbeitsnachweis,
beantragt der Ausſchuß: 1. Die angeforderten 10500
Mark zu bewilligen; 2. die Großherzogliche Re=
gierungzu
erſuchen: a) im Bundesrat für die Ein=
führung
einer Reichs=Arbeitsloſen=Verſicherung zu wirken,
b) den Ständen alsbald jedoch ſpäteſtens bis zur Vor=
lage
des nächſten Budgets eine Denkſchrift vorzulegen
über den Umfang der im Großherzogtum zurzeit beſtehen=
den
und in den letzten Jahren beobachteten Arbeitsloſig=
keit
, über die Leiſtungen aus öffentlichen Mitteln zur Be=
kämpfung
der Arbeitsloſigkeit und ihre Folgen im Bereich
des Großherzogtums, ſowie über die Erfahrungen, die in
anderen Bundesſtaaten mit der Gewährung von Staats=
beihilfen
gemacht worden ſind, e) die Anträge der Abge=
ordneten
Ulrich und Genoſſen für erledigt zu erklären.

bei Hieren leiden, Harnsaure, Zucker, Eiweiss.

Fürstliche Wildunger Mineralquellen, A.-G., Bad Wildungen Schriften kostenfrei
1913: 14664 Badegäste
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[ ][  ][ ]

Nummer 84.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

Seite 11.

Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach=
Oas Problem der Behebung der Arbeitsloſigkeit, die auf
das Zuſammenſtrömen der Arbeiter in den größeren
Städten und in den Induſtriezentren zurückzuführen iſt,
trheiſcht das ernſthafte Studium und die fortgeſetzte Auf=
meckſamkeit
der Regierung. Es hieße jedes menſchliche
Gefühl verleugnen, wollte man die Augen verſchließen vor
dem durch die unverſchuldete Arbeitsloſigkeit verurſachten
Elend, wie es uns von Herrn Ulrich ſo draſtiſch geſchil=
dert
worden iſt. Es fehlt nicht an Vorſchlägen und an
beachtenswerten Verſuchen zur Löſung dieſer Frage. Aber
über das Verſuchsſtadium iſt man noch nirgends hinaus=
gslangt
. Die notwendigſte und erfolgreichſte Arbeits=
loſenfürſorge
beſteht zweifellos in der Schaffung von Ar=
beitsgelegenheit
. In dieſer Beziehung ſind der Staat,
Gemeinden und Gemeindeverbände in gleicher Weiſe be=
ſtrebt
, in Zeiten der Verſchlechterung des Arbeitsmarktes
durch Zuweiſung von öffentlichen Arbeiten, die zu dieſem
Zweck zurückgeſtellt worden ſind nach Möglichkeit Abhilfe
zu ſchaffen. Die von den Kreisämtern und den Handels=
bammern
eingezogenen Nachrichten ergeben wie dies ja
auch in Ihrem Ausſchußbericht beſtätigt wird, keinen An=
halt
dafür, daß die Arbeitsloſigkeit in dieſem Winter einen
Umfang erreicht habe, der zu beſonderen Maßnahmen Ver=
anlaſſung
böte. So ſind auch in unſerer Nachbarſtadt
Frankfurt die Arbeitsloſenunterſtützungen vom Magiſtrat
wieder eingeſtellt worden, nachdem von den bewilligten
30000 Mark 29000 Mark ausgegeben worden waren und
die am 24. Februar vorgenommene Zählung nur 477 Ar=
beitsloſe
, wovon 298 auf das Saiſongewerbe entfallen, ge=
zählt
wurden. Inſoweit die Arbeitsloſigkeit durch Zu=
weiſung
von Arbeit nicht behoben werden kann, ſind auch
bei uns die Städte Mainz und Offenbach zur Gewährung
von Barunterſtützungen an ſolche Arbeiter, die ohne ihr
Verſchulden arbeitslos geworden ſind, übergegangen. Die
für die Barunterſtützungen aufgeſtellten Grundſätze weichen
inſofern weſentlich voneinander ab, als in Offenbach die
Unterſtützungen in Anlehnung an das ſogen. Genter Syſtem
durch Vermittelung der Berufsvereine, die ſelbſt Arbeits=
loſenunterſtützung
gewähren, ausgezahlt werden und es
den Arbeitern und Privatangeſtellten, die einer derartigen
Organiſation nicht angehören, überlaſſen bleibt, ſich durch
Spareinlagen bei der ſtädtiſchen Sparkaſſe Anwartſchaft
auf den ſtädtiſchen Arbeitsloſenzuſchuß zu erwerben. In
Mainz dagegen wird die Unterſtützung ohne Rückſicht auf
die Zugehörigkeit zu einem Berufsverein gewährt und bei
Nichtorganiſierten auch von einer Spareinlage nicht ab=
hängig
gemacht. Eine Arbeitsloſenverſicherung hat noch
keine unſerer Städte verſucht. Eine ſolche Verſicherung
könnte nach unſerer Anſicht wirkſam nur durchgeführt wer=
den
als Zwangsverſicherung durch das Reich. Eine ſolche
iſt aber zurzeit undurchführbar. Die von den Gemeinden
bis jetzt geſchaffenen Einrichtungen können als eine be=
friedigende
Löſung der Frage der Arbeitsloſenfürſorge
nicht angeſehen werden und ſtimmen wir daher den Aus=
führungen
in dem Bericht Ihres Ausſchuſſes vollkommen
bei, daß die Frage noch nicht genügend geklärt ſei, und
daß noch nicht genügend Erfahrungen und Material vor=
liegen
um eine Inanſpruchnahme des Staates in beſtimm=
ter
Richtung zu rechtfertigen‟. Durchaus anzuerkennen
iſt das Beſtreben einzelner Betriebsinhaber, der Arbeits=
loſigkeit
in ihren Betrieben zu Zeiten verminderter Auf=
träge
durch Zahlung von Wartegeldern durch Einlegung
von Feierſchichten und derartigen Maßnahmen vorzubeu=
gen
und ſich ſo einen Stamm von gelernten Arbeitern zu
ſichern. Allſeitig als wirkſam anerkannte Hilfsmittel, um

die Frage der Arbeitsloſenverſicherung der Löſung ent=
gegenzuführen
, ſind die Maßnahmen zur Arbeitsvermitte=
lung
, Arbeitsverteilung und Arbeitsbeſchaffung durch die
Förderung und den Ausbau der Arbeitsnachweiſe. Wir
haben daher zu dieſem Zweck 1500 Mark mehr angefordert,
was die einſtimmige Zuſtimmung Ihres Ausſchuſſes ge=
funden
hat. Dagegen kann ich mir von der von dem Aus=
ſchuß
erbetenen Denkſchrift über den Umfang der im Groß=
herzogtum
zurzeit beſtehenden und in den letzten Jahren
beobachteten Arbeitsloſigkeit, über die Leiſtungen aus
öffentlichen Mitteln zur Bekämpfung der Arbeitsloſigkeit
und ihrer Folgen im Bereich des Großherzogtums, ſowie
über die Erfahrungen, die in anderen Bundesſtaaten mit
der Gewährung von Staatsbeihilfen gemacht worden ſind,
einen weſentlichen Erfolg wenigſtens im nächſten Jahr
noch nicht verſprechen.
Abg. Henrich iſt erfreut, daß auch die Regierung
dem Problem der Arbeitsloſenfürſorge volle Aufmerkſam=
keit
ſchenkt. Ein Eingreifen mit öffentlichen Mitteln recht=
fertige
ſich nur bei unverſchuldeter, als wirtſchaftliche
Maſſenerſchkinung auftretender Arbeitsloſigkatt. Gewiß
könnte der Arbeitgeber durch beſſere Verteilung der Arbeit
vielfach vorbeugen. Man verſuche die Arbeitsloſigkeit
wohl durch Schaffung neuer Arbeitsgelegenheit ( Notſtands=
arbeiten
, Urbarmachung von Oedländereien) zu bekämpfen,
aber das habe keine große praktiſche Bedeutung. Viel
größere Bedeutung habe die Arbeitsvermittelung.
Die öffentlichen Arbeitsnachweiſe hätten bis jetzt viel ge=
leiſtet
, ſie könnten aber noch mehr leißen, namentlich in
Heſſen, das im Verhältnis weniger leiſte als die Nachbar=
ſtaaten
. Redner beſpricht im Anſchluß daran die Land=
flucht
und die Arbeiternot auf dem Lande. Daß der männ=
liche
Arbeiter eine dauernde Beſchäftigung aufſucht, iſt
nur zu billigen, dagegen ſei es zu beklagen, wenn die Ar=
beiterinnen
die Fabrilarbeit der geſunderen landwirt=
ſchaftlichen
Arbeit vorziehen. Nach all den beſprochenen
Maßnahmen wird aber noch genug Anlaß zur Hilfe bei
unverſchuldeter Arbeitsloſigkeit vorliegen. Das haben
zuerſt die Arbeiterorganiſationen eingeſehen, die ſchon viel
auf dieſem Gebiet geleiſtet haben. Auch die Gemein=
den
gehen immer mehr daran, Unterſtützungen zu gewähren.
Unterſtützungen ohne Gegenleiſtung ſeien bedenklich. Ver=
ſicherungskaſſen
ohne Beitrittszwang haben bis jetzt wenig
Erfolg gehabt. Das vielfach angewandte Genter Syſtem
(Gemeindezuſchüſſe an Gewerkſchaften) ſei mangelhaft, da
es nur den organiſierten Arbeitern zugute komme. Neuer=
dings
iſt ein neues Syſtem aufgekommen (auch in Frank=
furt
), wonach mit den Organiſationen Rückverſicherungs=
verträge
abgeſchloſſen wurden und den nichtorgani=
ſierten
Arbeitern die freiwillige Verſicherung möglich ge=
macht
wird. Die lokalen Verſicherungen werden wegen
der ungleichmäßig verteilten Riſiken immer mangelhaft
ſein. Es ſei deshalb eine allgemeine Reichsverſicherung
anzuſtreben, ſo ſchwierig dieſe Frage auch ſei. Doch müß=
ten
die Arbeitgeber von neuen Laſten möglichſt verſchont
werden. Staatliche Beihilfe gewährt bis jetzt
Bayern an Gemeinden, die eine Arbeitsloſenverſicherung
eingeführt haben. Redner macht darüber nähere Mittei=
lungen
. Voreder Staatsbeihilfe dürfe man auch bei uns
nicht zurückſchkecken. Die Arbeiter hätten den gleichen An=
ſpruch
an den Staat wie andere Berufsſtände. Allerdings
müſſe man vorher genau wiſſen, wo, wie und in welchem
Umfang man helfen wolle und ſolle. Dieſe Hilfe ſei aber
immer nur als ſubſidiäre Maßregel gedacht, die Haupt=
ſache
bleibe die Arbeitsbeſchaffung. Redner empfiehlt die
Anträge des Ausſchuſſes zuo Annahme.

Abg. v. Helmolt: Auch wir erkennen an, daß die
behandelte Materie ſehr wichtig iſt, doch behandeln wir
die Sache von anderem Geſichtspunkte aus. Tatſache iſt,
daß trotz der Arbeitsloſigkeit immer noch auf dem Lande
ein erheblicher Mangel an Arbeitern herrſcht. Alljährlich
wandern Tauſende von Arbeitern vom Lande ab nach den
Großſtädten, beſonders nach Berlin, ohne daß ſie dort ge=
nügende
Arbeitsausſichten haben. Viel iſt auch ſchuld,
daß die Politik der Gewerkſchaften und der Sozialdemo=
kratie
Arbeitgeber und Arbeitnehmer immer mehr ent=
fremdet
. Auch der Widerſtand der Gewerkſchaften gegen
die Ueberſtunden iſt ſchuld an der Arbeitsloſigkeit, da die
Unternehmer gezwungen werden, bei dringender Arbeit
Aushilfskräfte einzuſtellen, die dann natürlich, ſobald die
Arbeit nachläßt, wieder entlaſſen werden. Eine ſtaatliche
Arbeitsverſicherung würde, wie das ganze ſoziale Ver=
ſicherungsweſen
uns ſchon dargetan hat, das Selbſtver=
antwortungsgefühl
der Arbeiter noch mehr beeinträchtigen.
Das liegt nicht im Intereſſe des Volksganzen. Trotzdem
iſt natürlich notwendig, daß Staat und Gemeinden nach
Möglichkeit der Not der Arbeitsloſen ſteuern, doch gehören
dazu einwandfreie Unterlagen, die wir aber noch nicht
haben. Ich bin überzeugt daß die große Mehrzahl der
Arbeiter die Arbeit der Unterſtützung vorziehen wird,
aber es gibbt doch auch viele, die gern jeder Arbeit aus dem
Wege gehen. Dieſe zu unterſtützen, liegt doch kein Grund
vor. Eine Arbeitsloſenverſicherung nach Genter Syſtem
würde nur die Gewerkſchaften ſtärken, dazu liegt aber
abſolut kein Anlaß für uns vor. Jedenfalls wäre die Ar=
beitsloſenverſicherung
mehr oder weniger eine Prämie auf
die Landflucht. Wir verhalten uns alſo dem Antrag des
Ausſchuſſes gegenüber durchaus ablehnend.
Darauf wird die Sitzung auf nachmittags ½4 Uhr
vertagt. Schluß ½2 Uhr.

108. (Nachmittags=) Sitzung.
Am Regierungstiſch: Staatsminiſter Dr. v. Ewald,
Finanzminiſter Dr. Braun, Miniſter des Innern von
Hombergk zu Vach, Staatsrat Dr. Becker, Mini=
ſterialräte
Schliephake, Dr. Kratz.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um 3½ Uhr.
Die Debatte über Kapitel 68 zur Arbeitsloſenverſicherung
wird fortgeſetzt. Abg. Raab bedauert, daß der Aus=
ſchuß
den Antrag Ulrich abgelehnt habe. Der Abge=
ordnete
Ulrich hat beantragt, die Regierung zu erſuchen:
1. im Bundesrat für die Einführung einer Reichs= Arbeits=
loſen
=Verſicherung zu wirken, 2. im Hauptvoranſchlag für
1914 den Betrag von 50000 Mark bereitzuſtellen, aus dem
denjenigen Gemeinden ein Zuſchuß gewährt wird, die
eine Arbeitsloſenunterſtützung zur Einführung bringen und
als Tit. 3 einziſtellen: Beitrag zur Arbeitsloſenunterſtütz=
ung
50000 M. Die von den Vorrednern vorgebrachten Ge=
gengründe
laſſen die rauhe Wirklichkeit vermiſſen. Red=
ner
verſucht in längeren Ausführungen dieſe Gründe zu
entkräften. Die Not durch die Arbeitsloſigkeit ſei in Heſ=
ſen
tatſächlich ſehr groß. Die Arbeiter ſind meiſt auf
Selbſthilfe angewieſen. Die Gewerkſchaften hätten außer=
ordentlich
ſegensreich gewirkt und er müſſe die gegen ſie
gerichteten Vorwürfe aufs ſchärfſte zurückweiſen. Diel
Gewerkſchaften haben ſtaatserhaltender gewirkt, als die
Miniſter mit ihren Geheimräten. (Präſident Köhler
rügt dieſen Ausdruck). Die Arbeiter fürchten die Ar=
beitsloſigkeit
mehr als die Krankheit, gegen die ſie ja
verſichert ſind. Früher hat man allerdings auch gegen
die Krankenverſicherung Einwendungen erhoben. Heſ=
ſen
habe in bezug auf die Arbeitsloſigkeit im Auguſt vori=
gen
Jahres an fünfter Stelle im Reiche geſtanden. Die

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Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

Nummer 34,

Ausführungen der Abgeordneten Schott und von Helmolt
forderten zum Widerſpruch geradezu heraus. Die Miß=
ſtände
ſind namentlich in der heutigen unſinnigen Wirt=
ſſchaftsordnung
begründet. Das Kapitel wird dann
mit Annahme des Ausſchußantrages genehmigt.
Mit Kapitel 69, Kreisgeometer, werden die
Kapitel 74, Bodenmeliorations= und Waſ=
ſerverſorgungsweſen
uſw., und 102, Kataſter,
zuſammenberaten. Hierzu liegen folgende Anträge vor=
die
Abgeordneten Singer und Genoſſen beantra=
gen
: 1. Die Stellen der Kreisgeometer auf Inhaber zu
bewilligen. 2. Die Angliederung der Vermeſſungsämter
an das jeweilige Finanzamt in die Wege zu leiten; die
Abgeordneten Fenchel und Genoſſen beantragen
zu Kapitel 74, Titel 2, III einzuſtellen ſtatt, wie vorge=
ſehen
: 1. ſtatt 11 Feldbereinigungsgeometer, 13 und dem=
gemäß
ſtatt 34600 Mark, 38600 Mark. 2. ſtatt 8 Feld=
bereinigungsgeometergehilfen
, 16 und folgerichtig dann
ſtatt 16000 Mark, 32000 Mark; der Abg. Dr. Oſann
beantragt: Die Zweite Kammer wolle Großh Regierung
erſuchen, bei der bevorſtehenden Neuorganiſation des
Geometerweſens den Kataſtergeometern ſtatt der
Bezahlung nach Taxen, ein feſtes Einkommen zu ge=
währen
.
Nach einer Geſchäftsordnungsdebatte wird beſchloſſen,
die ſämtlichen Anträge aus dem Budget herauszunehmen
und geſondert zu behandeln.
Abg. Urſtadt beſpricht eingehend die Lage der
Privatgeometer. Die Reorganiſation der hier in Frage
kommenden Materie könne durchgreifend nur dann durch=
geführt
werden, wenn eine Sachverſtändigenkommiſſion
eingeſetzt wird, deren Aufgabe es auch ſein müßte, die
Verhältniſſe in den anderen Staaten zu ſtudieren. In
den Examen ſcheinen die Anſorderungen zu hoch ge=
ſchraubt
worden zu ſein, oder die Vorbildung auf die
Examen iſt ungeeignet. Denn nur dadurch iſt die große
Zahl der unbeſtandenen Examen zu erklären. Redner
macht verſchiedene Reorganiſationsvorſchläge. Den Ka=
taſtergeometern
ſollte ein feſtes Einkommen garantiert
werden. Die Geometer 2. Klaſſe ſind beſonders ſchlecht
geſtellt. Man ſollte ſie wenigſtens von der Verſicherungs=
pflicht
befreien.
Es wird dann beſchloſſen, die mitgeteilten Anträge
der Vereinfachungskommiſſion zu über=
weiſen
.
Abg. Boxheimer unterſtützt den Wunſch des Abg.
Urſtadt, die Geometer 2. Klaſſe von der Verſicherungs=
pflicht
zu befreien.
Abg. Schott bleibt auf der Tribüne unverſtändlich.
Er tritt für die Beibehaltung des Vermeſſungsamtes in
Wöllſtein ein Wolf=Stadecken befürwortet eine beſ=
ſere
Organiſation des Voranſchlagsweſens.
Der Ausſchußantrag zu Kapitel 69 dahin
geändert, daß die Anſtellung von fünf weiteren Kreis=
geometergehilfen
bewilligt wird wird dann ange=
nommen
.
Ohne Debatte werden erledigt die Kapitel 70, 71,
(72 und 73.
Zu Kapitel 74, Bodenmeliorations= und
Waſſerverſorgungsweſen uſw., liegt folgender
Antrag der Abgeordneten Lang, Kredel und Mer=
gell
vor: Wir beantragen: Unter Kapitel 74, Titel 3
und 5 des Staatsvoranſchlages für 1914 ſind für Auf=
forſtungen
von Gemeindewüſtungen und Ueberführen von
Gemeindeſchälſchlägen in Hochwald Staatsbeihilfen vor=
geſehen
. Die wirtſchaftliche Lage im ſüdlichen Odenwald
hat bis in die neueſte Zeit hinein unverändert und
infolge der neuen Gemeindeſteuergeſetzgebung wohl noch
in verſtärkterem Maße zur Veräußerung von Privat=
grundbeſitz
geführt, für die häufig faſt kein anderer Kauf=
liebhaber
zu finden war, als der Fiskus oder ein Stan=
desherr
. Die unmittelbar beteiligten Gemeinden haben
in ſolchen Fällen, namentlich, wenn ihr Jagdrecht gefähr=
det
erſcheint, nach Möglichkeit und Kräften gekauft Es
hat ſich jedoch, zumal, wenn vorerſt ertragloſe Schäl=
waldungen
zum Verkauf ſtanden gezeigt, daß ſtark be=
laſtete
Gemeinden, wie zum Beiſpiel neuerdings Ober=
Sensbach, ſolche Käufe nicht ausführen konnten. Der
Kreis Erbach beabſichtigt daher, in ſolchen Fällen einzu=
ſpringen
und derartiges Gelände, das die Gemeinden
nicht erwerben können, zu kaufen, um es ſpäter, wenn
die finanzielle Lage der Gemeinde günſtiger geworden
iſt, an dieſe zurückzugeben. Zu dieſem Zweck erſcheint es
erwünſcht, daß die in Kapitel 74, Titel 3 und 3a. vorge=
ſehenen
Beihilfen bei Vornahme entſprechender Meliora=
tionen
auch dem Kreis zugute kommen, der ja hier ledig=
lich
als Geſchäftsführer der Gemeinden tätig wird und
der in gleicher Weiſe auf Förderung durch Staatsbeihilfe
rechnen darf, wie die Gemeinden oder wie Private (bei
Umwandlung von Eichenſchälſchlägen in Viehweihe). Wir
beantragen daher die erwähnten Budgetpoſten auch zu=
gunſten
der im Beſitz von Kreiſen befindlichen Wüſtungen
und Schälſchlägen zur Verfügung zu ſtellen.
Abg. Lang möchte ſeinem Antrag einige Worte hin=
zufügen
: Ein weiteres Gut wurde inzwiſchen in Heb=
ſtahl
außer Ober=Sensbach frei. Wenn der Kreis nicht
raſch durch Kauf zugegriffen hätte, ſo ſtand am ſelbigen
Tage der Güterſchlächter, ferner ein Geldmann, der 300
Morgen zuſammenhängend ſucht, um eigene Jagden zu
erwerben, und zwei andere Liebhaber dahinter. Der
Kreisausſchuß Erbach iſt deshalb vom Kreistage ermäch=
tigt
, mit Hilfe des Meliorationsfonds derartige Güter

zu kaufen, um ſolche in ſpäteren Jahren den Gemeinden,
wenn ſolche kräftig genug ſind, wieder zurückverkaufen
zu können. Hebſtahl konnte nicht kaufen, da es vor
einigen Jahren erſt Feldbereinigung hatte, und ſchon für
37000 Mark Ländereien gekauft hat, war alſo faſt am
Ende ſeiner Leiſtungsfähigkeit. Umwandlungen von
Schälwaldungen in Hochwaldungen oder Viehweiden
ſind mit großen Koſten verknüpft. Da Finanzausſchuß
und Miniſterium ſich für derartige Käufe ausgeſprochen
haben zugunſten des Kreiſes, und die Gelder in Kap., 74
vorgeſehen ſind, ſo kann das Haus, des guten Zweckes
halber, ſich auch dafür ausſprechen.
Abg. Korell=Ingelheim möchte die Aufmerkſam=
keit
des Hauſes und der Regierung auf die Ueberſchwem=
mungen
zwiſchen Ingelheim und Frei=Weinheim lenken,
wo den Bauern die Ernte vollſtändig vernichtet wurde.
Abg. Dr. Weber befürwortet die Ausdehnung der
Hutweidenmeliorationen im Vogelsberg. Der An=
trag
des Ausſchuſſes und der Antrag
Lang werden angenommen.
Zu Kapitel 75, Landgeſtüt, das mit 75a, Land=
wirtſchaftskammer
, zuſammenberaten wird, frägt
Abg. v. Brentano, ob die Regierung nicht auch eine
Geſtütsſtation in Rheinheſſen vorſehen will.
Abg. Korell=Ingelheim befürwortet ſeinen An=
trag
, betreffend Anſtellung eines Obſt= und Gemüſebau=
technikers
in Nieder=Ingelheim. Der Antrag lautet: Die
Großh. Regierung wird erſucht, die Anſtellung eines
kauſmänniſch geſchulten Obſt= und Gemüſebau=
technikers
in Nieder=Ingelheim durch Verhandlungen
mit dem Kreiſe Bingen, der Landwirtſchaftskammer, ſo=
wie
den Gemeindevorſtänden der beiden Ingelheim und
von Frei=Weinheim, und dem Vorſtande des Ingelhei=
mer
Obſtmarktes zu fördern und in den nächſten Staats=
voranſchlag
nötigenfalls einen angemeſſenen Betrag als
Zuſchuß einzuſetzen.
Redner kritiſiert dann wiederholt das Reblausgeſetz
insbeſondere die Entſchädigung für Schäden, die durch die
Reblausbekämpfung entſtehen. Gegen das Reblausgeſetz
wolle er nicht vorgehen, doch dürfe es in der Anwendung
nicht zum Ruin der Winzer werden Abg. Wolf=
Stadecken befürwortet ſeinen Antrag, die Kellerkontrolle
auf Staatskoſten ausführen zu laſſen. Abg. Finger
bleibt auf der Tribüne unverſtändlich. Er befürwortet
einen Antrag auf Errichtung einer Geſtütsſtation im ſüd=
lichen
Teil von Rheinheſſen, etwa in Pfeddersheim oder
Heppenheim uſw. Auch eine Fohlenweide fehlt dort.
Abg. Molthan möchte dem Abgeordneten Korell ge=
genüber
doch betonen, daß man unter allen Umſtänden
an dem Reblausgeſetz feſthalten ſollte. Das Verfahren
zur Feſtſtellung der Entſchädigung müſſe allerdings be=
ſchleunigt
werden. Dem Antrag Wolf bezüglich der
Koſten der Kellerkontrolle, bittet Redner zuzuſtimmen,
da die Kellerkontrolle im öffentlichen, allgemeinen Inter=
eſſe
erfolge.
Miniſterialrat Schliephake verbreitet ſich zu=
nächſt
über die Geſtütsſtationen, beſonders über die
Wünſche, in Lich eine Station zu errichten. Die Zweck=
mäßigkeit
einer ſolchen Station iſt nicht feſtſtehend, doch
wird die Frage ebenſo wie die Errichtung einer Station
in Rheinheſſen geprüft werden. Alle Wünſche auf Errich=
tung
von Geſtütsſtationen können unmöglich erfüllt wer=
den
. Die kleinen Stationen ſind durchaus unzweckmäßig.
Auch die Züchter haben davon keinen Vorteil. Jeden=
falls
ſind die Vorteile der größeren Stationen durchaus
überwiegend gegenüber den Nachteilen einer weiteren
Entfernung. Dem Abg. Dr. Weber iſt die Regierung
dankbar für die Anregung bezüglich der Hutweiden=
meliorationen
im Vogelsberg. Dem Wunſche des Abg.
Korell=Ingelheim wird die Regierung gerne entſprechen.
Was die Beſchwerden über das Reblausgeſetz betrifft, ſo
hat ſich der Bundesrat ſchon damit beſchäftigt und wer=
den
entſprechende Ausführungsbeſtimmungen wohl dem=
nächſt
ergehen. Zur Frage der Koſten der Kellerkontrolle
iſt feſtzuſtellen, daß dieſe zu den ortspolizeilichen Koſten
gehören, die nach der Landgemeindeordnung von den Ge=
meinden
zu tragen ſind. Dem Wunſche, die Reblausent=
ſchädigungen
zu beſchleunigen, wird nach Möglichkeit ent=
ſprochen
, wenn aber Meinungsverſchiedenheiten entſtehen,
muß der Rechtsweg beſchritten werden.
Abg. Dr. Weber bittet, den Antrag Wolf geſondert
zu beraten da der Ausſchuß ſich damit noch nicht be=
ſchäftigen
konnte. Abg Fenchel vertritt nochmals
den Antrag, in Lich eine Geſtütsſtation zu errichten.
Nach weiteren Ausführungen der Abgeordneten Korell=
Ingelheim und Wolf=Stadecken wird der Ausſchuß=
antrag
zu Kapitel 75 angenommen.
Zum Kapitel 75a liegt ein Antrag Brauer u. Gen.
vor, den geſtrichenen Zuſchußbetrag von 53000 Mark
für die Landwirtſchaftskammer wieder ein=
zuſtellen
.
Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach ver=
weiſt
auf die im Ausſchußbericht niedergelegte Begrün=
dung
der ablehnenden Haltung der Regierung unter Dar=
legung
ſehr ausführlichen Zahlenmaterials, aus dem her=
vorgeht
, daß die Landwirtſchaftskammer ſehr wohl ohne
dieſen Zuſchuß auskommen kann. Redner möchte gleich=
zeitig
der Legende entgegentreten, als ob der ſeitherige
Referent für die Landwirtſchaftskammer nicht mit der
nötigen Energie für die Intereſſen der Landwirtſchaft
eingetreten ſei. Das Gegenteil ſei der Fall. Den ab=
lehnenden
Standpunkt haben lediglich der Herr Finanzmini=
ſter
und der Redner vertreten. Er gebe ſich der Hoffnung

hin, daß für das Jahr 1915 ſich eine Einigung mit der
Landwirtſchaftskammer erzielen laſſe.
Abg. Breidenbach: Schon ſeit mehreren Jahren
habe er das zweifelhafte Vergnügen, die Landwirtſchafts=
kammer
bei dieſem Kapitel zu vertreten. Es ſei bedauen
lich, daß die Landwirtſchaftskammer Feinde ringsum
habe, daß ſelbſt die eigenen Reihen noch nicht erfaßt haben
was die Landwirtſchaftskammer der Landwirtſchaft füll
Nutzen bringt. Er kritiſiert dann die damaligen Ausfühn
rungen des Miniſters des Innern nach der Darmſtädter
Zeitung, und rügt, daß der Herr Miniſter in ſeine Zahll
lenaufſtellung allerlei Beträge eingeſetzt hat, die doch auch
im Intereſſe der Städte aufgewendet werden. Er bes
ſpricht dann ſehr eingehend die Lage der Landwirtſchaft,
Der Gerſtenbau ſei dem Ruin verfallen. Millionen von
Zentnern würden vom Auslande eingeführt. Die Land
wirtſchaft müſſe unbedingt geſchützt und unterſtützt wer=
den
, um ihre große Aufgabe erfüllen zu können. Redner
bittet ſchließlich, dem Antrag Brauer zuzuſtimmen.
Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach ver=
wahrt
ſich gegen den Vorwurf, daß die gegebene Zahlens
zuſammenſtellung tendenziös aufgeſtellt worden war. Die
Aufſtellung iſt nur gemacht worden zum Vergleich mit den
Aufwendungen anderer Staaten. Es mußten darum alle
Aufwendungen in Betracht gezogen werden, die andere
Staaten hierbei in Betracht ziehen.
Abg. Henrich wird nach den neueren Feſtſtellungen
für den Antrag Brauer ſtimmen.
Der Antrag Brauer wird hierauf ein=
ſtimmig
angenommen. Damit iſt der Ausſchuß=
antrag
gefallen und die Summe von 144190 Mark wird
um 53 100 Mark in Ausgabe erhöht.
Kapitel 76, Bergbau, wird debattelos ange=
nommen
.
Zu Kapitel 77, Kunſtſtraßenweſen, bringen
die Abgg. Kredel und Lang Wünſche lokaler Natur=
vor
. Abg. Lang führt aus: Es kommen in den von den
beiden Abgeordneten vertretenen Bezirken für die in den
nächſten Jahren zu bauenden Straßen ärmere Gemein=
den
mit vielfach recht hohen Gemeindeſteuern in Betracht,
z. B. Würzberg, Ernsbach, Elsbach, Roßbach, Ober=
Kainsbach, Rothenberg, Schöllenbach=Heſſelbach uſw. Es
iſt bei dieſen Orten der Regierung Gelegenheit gegeben,
mit den übrigen Mitteln von 1911 an dieſen bedrängten
Orten unter die Arme zu greifen. Das Kapitel wird
dann angenommen.
Zu Kapitel 78 befürwortet Abg. Heedt ſeinen An=
trag
, den Staatszuſchuß auf 30000 Mark noch in dieſem
Budget zu erhöhen.
Miniſterialrat Schliephake ſtellt einiges in den
Ausführungen des Vorredners richtig und weiſt darauf
hin, daß die Regierung in anderer Beziehung, z. B. Bei=
trägen
für Kaufmänniſche Fortbildungsſchulen, die Han=
delskammer
entlaſte. Die Angelegenheit erſcheint jeden=
falls
nicht ſo dringlich, daß ſchon das gegenwärtige Bud=
get
damit belaſtet wird, zumal ein Geſuch der Handels=
kammer
ſelbſt nicht vorliegt.
Der Antrag Heedt wird angenommen. Der
Ausſchußantrag iſt damit abgelehnt.
Die Kapitel 79, 79a, 80, 80a werden debattelos er=
ledigt
.
Zu Kapitel 81, Gewerbeaufſicht, macht Abg.
Raab längere Ausführungen über den Schutz der Bau=
handwerker
, der vielfach ungenügend ſei. Vor allem ſei
zu rügen, daß das Aufſichtsperſonal nicht techniſch gebildet
iſt, und daß die Regierung ſich immer noch nicht entſchlie=
ßen
kann, Leute aus Arbeiterkreiſen hierzu heranzuziehen.
Miniſterialrat Dr. Kratz erörtert eingehend die Art
der Durchführung der Bauaufſicht unter Zugrundelegung
von Zahlenmaterial, und ſtellt feſt, daß die heſſiſche Bau=
berufsgenoſſenſchaft
die größte Zahl von Reviſionen vor=
genommen
hat. Was die Baupolizeiaufſicht betrifft, ſo
iſt das Sache der Baupolizeibehörden (Kreiſe und Städte),
für das notwendige geeignete Material zu ſorgen. Es
iſt übrigens wiederholt anerkannt worden, daß Mißſtände
beſeitigt wurden.
Der Ausſchußantrag wird angenommen.
Ebenſo ohne weſentliche Debatte die Kapitel 82 bis 87.
Damit iſt die VIII. Hauptabteilung erledigt. Die Sitzung
vird um 7¼ Uhr geſchloſſen.
Nächſte Sitzung Mittwoch 9 Uhr.

Ein vernachläſſigter
Schnupfen hat ſchon
manchem die Ge=
ſundheit
gekoſtet.

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Nummer 84.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

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Zu spät gekommenl

Bitt’ schön, Herr Lehrer, um Entschul=
digung
. Wir sind zu Haus so lange beim
Frühstück sitzen geblieben, weil der Kaffes
so gut geschmeckt hat. Mama hat ihn
heute zum ersten Mal mit
Weber’s Carlsbader Kaffeegewürz
zubereitet.

Ein guter Morgenkaffee ist wohltuend und er=
frischend
, wenn er mit Weber’s Carlsbader
Kaffeegewürz zubereitet wird. Bei Verwen=
dung
von Weber’sCarlsbader Kaffeegewürzver=
mindern
sich dienervenerregenden Eigenschaften
der Kaffeebohnen, während der gesundheitför=
dernde
Nährwert des Getränkes sich erhöht.

Die Erbſchaft.

Roman von Adeline Genke.
(Nack druck verboten.)
30
Ach Gott, ſagte Lotte gedrückt, jetzt nur nicht auch noch
einen Beſuch! Mit innerem Widerſtreben entſchloß ſie ſich
endlich, hinauszugehen und zu öffnen und als ſie öff=
nete
, ward ihr Geſicht ganz bleich: Da ſtand der Doktor
Hans Bauer!
Was wollte er?! Allerhand ſchreckhafte Vorſtellun=
gen
kreuzten ſich blitzſchnell in ihrem Hirn: Sie zum Pro=
zeſſieren
und dergeſtalt neuer nutzloſer Quälerei animie=
ren
? Oder indirekt für ſeine Bemühungen nun doch ein
Honorar fordern? Ach, ſie wußte ſelbſt nicht recht, was
ſie alles dachte in ihrem ſchmerzhaften Schrecken. Ganz
mechaniſch lud ſie ihn zum Nähertreten ein, ſtellte ihn
Mutter und Schweſtern vor und bot ihm einen Sitz.
Aber auch der Doktor Hans Bauer ſah ernſt und et=
was
gedrückt aus. Anſtatt Platz zu nehmen, blieb er
ſtehen, blickte Lotte Arnold an, blickte rundum, faßte ſich
wie neulich in den Halskragen und blickte Lotte Arnold
wieder an.
Ja, nun iſt’s doch anders gekommen anders, als
wir dachten, förderte er bruchſtückweiſe ſeine Gedanken
zutage. Herrgott, mein Lebtag werd’ ich an den Schrecken
denken! Den Kopf hab’ ich mir darum zerbrochen und
hab’ doch nichts dagegen tun können! Und nun wiſſen
Sie’s ja!
Ja, nun wiſſen wir’s, ſagte Lotte und ſuchte nach
einem mühſamen Lächeln, das ihr jedoch nicht gelang.
Ja, ja, murmelte Hans Bauer, ſcheußlich war’s
aber wie ich’s da las
Ihr Herr Vetter hatte es Ihnen ſchon mitgeteilt, als

ich das letztemal zu Ihnen kam, nicht wahr? fragte Lotte,
um nur etwas zu ſagen.
Ja, ja, er hatte mir’s gerade zuvor mitgeteilt, nickte
Hans Bauer gedrückt. Und ich weiß ja, ſcheußlich war’s
von mir ich hätte Sie vorbereiten, es Ihnen nach und
nach beibringen müſſen aber ich konnt’s Ihnen wahr=
haftig
nicht ſagen!
Lottes Augen öffneten ſich plötzlich weit. Sie
konnten
Nicht! Nein! Ich bracht’s nicht zuwege faktiſch,
mit dem beſten Willen bracht’ ich’s nicht zuwege! geſtand
Hans Bauer mit dem Mut der Verzweiflung. Zehnmal
wollt ich anſetzen, zehnmal hab’ ich’s verſucht, aber wie
ich Sie da ſo vor mir ſah in Ihrem Eifer und glücklichen
Hoffen und doch auch ſelber genug Beſcheid von Ihnen
und allem wußte und daran dachte, wie Sie neulich
vor mir daſaßen und weinten zehnmal blieb mir da
wieder das Wort im Hals ſtecken! Ich konnt’ Ihnen den
Schlag nicht verſetzen! Nicht um die Welt hätt’ ich’s
gekonnt! Und wenn’s auch hundertmal meine Pflicht ge=
weſen
wäre, es Ihnen mitzuteilen und wenn’s nichts
gibt, das mich entſchuldigt ich ich konnt’s eben nicht!
Sie konnten nicht! Deshalb! Deshalb! Ein Jubel=
ſchrei
, ein lauter, erlöſter Jubelſchrei war’s aus Lottes
Mund.
Wieſo: deshalb? fragte er verſtändnislos und hatte
es dann doch in der nächſten Sekunde ſchon begriffen, was
dies jauchzende Deshalb! bedeutete. Und da bewies
der Doktor juris Hans Bauer wieder einmal ſeine ganze
gelegentliche Zerſtreutheit. Daß ſie nicht allein waren,
wie in ſeinem Bureau, vergaß er er vergaß die kleine
Mama und Thea und Mizzi, die in Lebensgröße da im
Zimmer ſaßen vergaß völlig die ſechs weiblichen Augen

ind dren, de de ſcher end bechter nd eastr 31
ſeine Arme hatte er ſich im gleichen Augenblick Lotte Ar=
nold
geholt und hielt ſie darin feſt. Lotte! Aber Lotte!
Wie haſt Du denn ſo was von mir denken können! Wie
haſt Du mich denn für ſo einen elenden jämmerlichen Kerl
halten können, der ſein liebes Mädel nicht mehr mag,
bloß weil ſie zufälligerweiſe keine Sechzigtauſend erbt!
Wie haſt Du denn auch nur einen einzigen Augenblick
Und dann bewieſen es ſeine Lippen zwar ohne wei=
tere
Worte, aber trotzdem in einer jeden ferneren Zweifel
gänzlich ausſchließenden Weiſe Lotte Arnold intenſiv und
lange, wie er ſie noch immer mochte, ſo daß ihr in den
letzten Tagen ein wenig blaß gewordenes Geſicht ſchließ=
lich
rot wie eine Purpurroſe ſich ihm entzog und ſie ihm
halb verlegen, halb lachend ein vorwurfsvolles: Aber,
Hans, die Mutter! zuflüſterte.
Denn Mama Arnold ſaß da, verſteinert, traute nicht
ihren Augen, traute nicht ihren Ohren.
Ja, ſo! beſann ſich Hans Bauer und lachte. Vor den
alten Rohrſeſſel zog er Lotte mit ſich, und mit juriſtiſcher
Beredſamkeit floß es nun über ſeine Lippen, wie er ſeine
Lotte lieb gehabt hätte von der erſten Stunde des Kennen=
lernens
an wie er gern Himmel und Erde in Bewegung
geſetzt hätte, um ihr die erſehnte Erbſchaft zu verſchaffen
wie er nur die geſtern erfolgte Rückkunft ſeines beſon=
deren
Gönners und Freundes, des alten Juſtizrats Mül=
ler
, abgewartet und dieſer nach erfolgter Rückſprache ſich
bereit erklärt habe, ſich zur Ruhe zu ſetzen und ihm die
geſamte Praxis abzutreten und wie er mit einer ſo klu=
gen
, praktiſchen Frau wie ſeine Lotte in ein paar Jahren
unbedingt ein reicher Mann ſein müſſe! Und er ſchloß
ſeine ganze ſprudelnde Auseinanderſetzung mit der For=
derung
: Nun ſegnen Sie uns, Mamachen!

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

Nummer 84,

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Und Mama Arnold, der ein Schwiegerſohn immer
als ein Ding vorgeſchwebt hatte, das nach langem Han=
gen
und Bangen, Warten, Hoffen und Fürchten, Bedenken
und Ueberlegen und nochmals Bedenken endlich zu vor=
ausbeſtimmter
Stunde ſteif und feierlich in Frack und Zy=
linder
kam und in ſteifen, feierlichen Worten ſein An=
liegen
vortrug, ſah ihn nun wie aus den Wolken herab=
geſchneit
hier urplötzlich vor ſich, fand keine einzige Se=
kunde
Zeit zum Bangen und Fürchten und Bedenken und
mußte zerfließend die zwei vor ihr ſtehenden glücklichen
Leutchen ſegnen.
Danach aber kam’s alsbald noch hinter dem die Rüh=
rung
tilgenden Taſchentuch hervor, als erſter Triumph
nach durchlittener ſchwerer Zeit: Und die Verlobungs=
karten
, die beſtellen wir bei der Müllern im Papier=
lädchen
!
Mit der wiedergefundenen Schweſternherzlichkeit von
früher hatten die Aelteſte und Jüngſte der Arnoldsmädel
dem vor ihren Augen gewordenen Brautpalar gratuliert,
dann ließ man ihm Zeit und Gelegenheit zum ungeſtör=
ten
Sichausſprechen.
Mama Arnold und Thea gingen in die Küche; einen
feſtlichen Verlobungskaffee wenigſtens mußte es doch nun
geben. Mizzi war an den Wäſcheſchrank im Schlafzimmer
geſchickt worden, um das ſorgfältig geſchonte beſte Gedeck
hervorzuſuchen und den Tiſch damit zu rüſten.
Endlich war’s gefunden; es vorſichtig auf dem Arm
tragend, öffnete ſie die Tür zum Wohnzimmer. Da ſaßen
auf dem alten Kattunſofa zuſammen der Doktor Hans
Bauer und Lotte, ſprachen kein einziges Wort miteinander,
ſahen einander nur lange an und dann küßten ſie ſich.
Mizzi drückte die Tür leiſe wieder zu. Ins Schlaf=
zimmer
rannte ſie zurück, das geſchonte Kaffeegedeck warf
ſie irgendwohin und ſich ſelbſt auf die Kiſſen des nächſten
Bettes und ſchluchzte ſchluchzte.

So gab’s denn in dem Regiſtratorswitwenheim nun
wirklich eine echte, richtige Braut, und wenn Mama Ar=
nold
auch manchmal noch ſtaunend das graue Köpfchen
ſchüttelte, mußte ſie es nachgerade doch einſehen, daß ſie
trotz der verlorenen Erbſchaft und des unheilkündenden
Traumes von der dreifach geſpenſtiſchen Dreizehn dennoch
einen leibhaftigen, greifbar lebendigen Schwiegerſohn
beſaß.
Und Hans Bauer weilte kaum ein paar Stunden in
der kleinen Wohnung im dritten Stock der Mietkaſerne, da
war er dort auch ſchon völlig zu Hauſe, und keins dachte
mehr daran, daß es doch eigentlich ein faſt Fremder war,
mit dem ſie da ſo rückhaltlos alle Sorgen und kleinen In=
timitäten
ihres ſchlichten Daſeins beſprachen und teilten.
Aber durch Lotte wußte er ja ſeit langem von ſo vielem
genauen Beſcheid, überall hin lief er ihr nach und miſchte
ſich mit ſeiner warmen Luſtigkeit ſo ungeniert und ſelbſt=
verſtändlich
in alle ihr Leben und ihre häuslichen Ange=
legenheiten
betreffenden Dinge, daß man gar nicht dazu
kam, ſich irgendwie vor ihm zu genieren. Wie ein Strom
von Friſche und Fröhlichkeit ging es von ihm zu der ſo
leicht verängſtigten und bekümmerten Mama Arnold hin=
über
. Ordentlich ſelber verliebt war ſie in ihren Schwie=
gerſohn
, und wehmütigen Blickes betrachtete ſie oft ihre
Aelteſte und Jüngſte, denen das Schickſal kein ſolches Glück
gönnte wie ihrer Zweiten.
Thea zeigte jetzt noch mehr Ernſt und Gehaltenheit
wie früher, ſo daß Mama Arnold ſchließlich nicht anders
konnte, als doch einmal an die ängſtlich geſchonte Wunde
zu rühren.
Es gibt ja noch andere Männer, Theachen. Viel=
leicht
findeſt Du doch noch einen, tröſtete ſie ſchüchtern.
Aber da flammte es auf in den dunklen Augen ihrer
Aelteſten. Noch einmal einen anderen?! Zum zweiten
Male Glauben und Liebe an einen Mann wegwerfen?!
Nein, Mutter, damit bin ich fertig für alle Zeit! Von kei=

nem will ich mehr wiſſen, von keinem! Allein zimmere
ich mir nun mein Leben zurecht.
Allein, ach du lieber Gott! Mama Arnold hing be=
trübt
das graue Köpfchen. Von ſolchem Alleinſein hielt
ſie nichts. Aber es iſt doch nicht immer einer wie der
andere, gab ſie zu bedenken. Sieh nur, wie glücklich
Lotte iſt!
Ich gönne ihr das Glück von Herzen aber ich bin
nicht Lotte! Für mich iſt einer wie der andere! ſagte
Thea hart und beſtimmt.
Jedoch Mama Arnold war noch nicht überzeugt.
Wenn Du nun aber wieder einen lieb hätteſt? fragte
ſie leiſe.
Dann werde ich eben mit mir fertig zu werden ver=
ſuchen
! erwiderte Thea mit der gleichen Härte und Be=
ſtimmtheit
, die der kleinen Mama den Mut zu weiterem
Zureden gänzlich nahmen.
Und Mizzi, ihre lebenſprühende, lebensluſtige Mizzi
konnte jetzt auch manchmal ſo ſehr ſtill ſein! Und ſo ar=
beitseifrig
war ſie nach dem Verluſt der Erbſchaft gewor=
den
! Wo ſie’s vermochte, half ſie daheim noch nebenher
der allezeit tätigen Lotte, nahm ihr häusliche Beſchäf=
tigungen
und da und dort einen Gang ab.
Jetzt hatte ſie den Kaffeetiſch gedeckt und den ein=
fachen
ſelbſtgebackenen Kuchen daraufgeſtellt; es war
wieder Sonntag nachmittag, der erſte nach Lottes Ver=
lobung
. Hans Bauer war vor einer halben Stunde ge=
kommen
und freute ſich des gemütlichen Beiſammenſeins
im Heim ſeiner Braut, denn draußen regnete es in Strö=
men
. Und gerade wie am vorigen Sonntaa ſchallte da
im Korridor plötzlich die Klingel. Mizzi nahm das leer=
gewordene
Tablett vom Tiſch, ſtrich mit der Rechten ihr
weißes Schürzchen glatt und ging, um den vermeintlichen
Bekannten zu öffnen, die ſich trotz des ſchlechten Wetters
zu einem Gratulationsbeſuch aufgemacht hatten.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Kummer 84.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

Seite 15.

Amtliche Nachrichten des Grofh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 Taſchenmeſſer mit weißem Stiel. 1 Pritſche.
1 große Bernſteinhalskette. 1 großer Schlüſſel 1 Hundemarke mit
der Nr. 5124. 1 braunes Stofftäſchchen. 1 Karbidbehälter f. Motor=
klaterne
. 1 großes Schlachtmeſſer. 1 ſchwarzes ſchmales Handtäſchchen
mit Taſchentuch und einigen Pfennigen. 1 Träger von einer Hand=
taſche
mit ſchwarzer Kordel.
(7730

Ortsſatzung über den Betrieb von
Wirtſchaften.

Auf Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung vom 26. Februar
1914 und mit Genehmigung Großh. Miniſteriums des Innern vom
10/13. März 1914 wird auf Grund der §§ 142 und 33 Abſatz 3 der
Gewerbeordnung für das Deutſche Reich und des § 50 Abſatz 2 der
Ausführungsverordnung zur Gewerbeordnung vom 20. März 1912
beſtimmt:
§ 1.
Die Erlaubnis zum Betriebe einer Gaſtwirtſchaft, ſowie zum
nicht nur vorübergehenden Ausſchänken von Wein, Bier und anderen
geiſtigen Getränken, außer Branntwein, ſoll nur dann erteilt werden,
wenn ein Bedürfnis hierfür vorhanden und nachgewieſen iſt.
§ 2.
Dieſe Ortsſatzung hat vom 1. April 1914 bis zum 31. März
918 Gültigkeit.
(7814
Darmſtadt, den 23. März 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Mueller.

Räumungsfriſten bei der Wohnungsmiele.

Zum bevorſtehenden Vierteljahreswechſel bringe ich nachſtehen=
des
Ortsſtatut wiederholt zur Kenntnis. Wenn nicht anderes ver=
einbart
iſt, iſt für die Dauer der ſtatutariſchen Räumungsfriſten Miet=
zins
an den bisherigen Vermieter nicht zu entrichten. (7788mds
Darmſtadt, den 20. März 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Mueller.
Auf Grund des Geſetzes vom 6. Januar 1906, betreffend die
Räumungsfriſten bei der Wohnungsmiete, wird auf Beſchluß der
Stadtverordneten=Verſammlung vom 31. Mai 1906, ſowie nach An=
hörung
des Kreisausſchuſſes und mit Genehmigung Großherzogl.
Miniſteriums des Innern vom 2. November 1906 zu Nr. M. d. J. 37271
folgendes Ortsſtatut erlaſſen, deſſen Beſtimmungen ſofort in Kraft
treten:
§ 1. Endigt das Mietverhältnis am Schluſſe eines Kalender=
vierteljahres
, ſo muß die Räumung gemieteter Wohnungsräume
durch den Mieter:
a) bei kleinen, d. h. aus höchſtens 3 Zimmern und etwaigem
Zubehör beſtehenden Wohnungen am erſten Tage des fol=
genden
Monats, ſpäteſtens 5 Uhr nachmittags,
b) bei mittleren, d. h. aus 4 bis 5 Zimmern und etwaigem
Zubehör beſtehenden Wohnungen am zweiten Tage des
folgenden Monats, ſpäteſtens 12 Uhr mittags,
e) bei großen, d. h. aus mehr als 5 Zimmern und etwaigem
Zubehör beſtehenden Wohnungen am dritten Tage des
folgenden Monats, ſpäteſtens 12 Uhr mittags, beendet ſein.
§ 2. Die im § 1 beſtimmten Räumungsfriſten werden nur
mit der Beſchränkung gewährt, daß
a) bei Wohnungen, welche aus 3 bis 4 Zimmern und etwaigem
Zubehör beſtehen, ein Zimmee,
b) bei Wohnungen, welche aus mehr als 4 Zimmern und
etwaigem Zubehör beſtehen, zwei Zimmer,
ſchon am erſten Tag des folgenden Monats, ſpäteſtens 12 Uhr mit=
tags
, vollſtändig geräumt ſind.
§ 3. Kann der Mieter ſchon mit der Beendigung des Miet=
verhältniſſes
ſeinen Ueberzug in die neue Wohnung bewerkſtelligen,
ſo finden die Vorſchriften der §§ 1, 2 keine Anwendung.
Hat der Vermieter auf Grund eines ihm geſetzlich oder ver=
tragsmäßig
zuſtehenden Rechtes das Mietverhältnis ohne Einhaltung
einer Kündigungsfriſt gekündigt, ſo ſtehen die in den §§ 1, 2 bezeich=
neten
Räumungsfriſten dem Mieter nicht zu.
§ 4. Fällt der Tag, an welchem nach den §§ 1, 2 die Räu=
mung
ganz oder teilweiſe zu beendigen iſt, auf einen Sonntag oder
einen ſtaatlich anerkannten allgemeinen Feiertag, ſo tritt an die Stelle
des Sonntags oder des Feiertags der nächſtfolgende Werktag.
Darmſtadt, den 27. November 1906.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Morneweg.

Nachſter Zuchtviehmarkt in Darmſtadt

Dienstag, den 31. März 1914.
Darmſtadt, den 21. März 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Schmitt.
(7744ms

Slammhotz= u. Lutzſchener=Verſteigerung

Montag, den 6. April I. Js., vormittags
½9 Uhr beginnend,
(werden zu Darmſtadt, in der Reſtauration Zum Heiligen Kreuz
Dieburgerſtraße Nr. 234 (Halteſtelle der elektriſchen Straßenbahn,
verſteigert:
Stämme:

26 St. la. Kl. 76,64 fm, 55 St. Ib. Kl. IIa. 2 15,85 43 IIb. 28 IIIa. 29,22. 82 IIIb. 88 IVa. 52,88 31 IVb. V. Kl.
II.
, 41
108 St r. 14,47 fm
= 28,74 (Wagnerholz).

Buchen: Kl. II 4 St. 5,54 fm, Kl. III 14 St. 12,56 fm
Nutzſcheiter:
Eichen, 263 rm (geſpalten).
Nummerverzeichniſſe werden durch unterzeichnete Stelle
koſtenlos, Revierkarten gegen portofreie Einſendung von 50 Pfg
abgegeben. Das Holz wird auf Wunſch durch die in dem Verzeich
nis namhaft gemachten Forſtwarte vorgezeigt. Die nächſten Bahn
ſtationen ſind 25 km entfernt. Die Eichen=Nutzſcheiter kommen
nicht vor 1 Uhr nachmittags zum Ausgebot.
Darmſtadt, den 23. März 1914.
(7721
Großh. Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoop.

Wegſperre.

Die Hanauer Steinſchneiſe zwiſchen Speierhügelſchneiſe und
Frankfurterſtraße wird wegen Walzarbeiten ab 1. April bis Oſtern
für Fuhrwerke geſperrt; ſtellvertretend iſt der Erzhäuſer Weg
(7720
zu benutzen.
Darmſtadt, den 23. März 1914.
Großh. Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoop.

Gescharts Verlesung und Einptenlung.
Meiner werten Kundschaft, sowie Freunden und Bekannten die
ergebene Mitteilung, dass ich von Mittwoch, den 25. März ab meine
Geschäftslokalitäten von Marktstrasse nach

neben den Laden des Herrn Juwelier Stork verlegt habe.
Das mir seither in so grossem Masse entgegengebrachte Wohlwollen
bitte auch auf meine neuen Geschäftslokalitäten übertragen zu wollen.
Hochachtungsvoll
Gustav Kanzler, Herren- u. Damen-Friseur

Schulstrasse 12 Telephon 2215.

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rot, 2 Pfd.=Doſe 110
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2 Pfund=Doſe . . 130
Süßkirſchen, rot
ohne Stein
2 Pfund=Doſe . . 140
Aprikoſen, unge=
ſchält
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do., geſchält
2 Pfund=Doſe . . 240

Submiſſion auf Eichen=Autzſcheit.

(Stadtwald.)
Montag, den 30. März 1. Js., morgens 9 Uhr,
ſollen die bis dorthin einzuſendenden, mit Submiſſion bezeichneten
ſchriftlichen Gebote auf folgende Eichen=Nutzſcheiter=Loſe geöffnet
werden:
Los Nr. 1 = 57 rm Nr. 134213591 Los Nr. 4 = 51 rm Nr. 13971414
2 76 13601379
5 61 14151434
3 54 13801396
p. 6 38
14351445
Das Holz, beſonders geeignet für Glaſer und Küfer, ſitzt in den
Abteilungen 8 und 9 der Forſtwartei Heiligkreuz.
Auskunft und Vorzeigung auf vorherige Mitteilung durch Herrn
Forſtwart Hofmann am 27., 28. und 29. d. Mts., ſowie jederzeit
durch die unterzeichnete Stelle, wo auch die Verkaufsbedingungen
offen liegen.
Darmſtadt, den 17. März 1914.
(7205dm
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Faſelochs=Verkauf.

Montag, den 30. März 1914, vormittags 11½ Uhr,
wird auf hieſigem Rathauſe ein gutgemäſteter, zur Zucht untauglich
gewordener Faſelochs auf dem Submiſſionswege vergebrn. Be=
dingungen
liegen vom 23. d. Mts. ab auf unſerem Büro zur Ein=
ſicht
offen.
Pfungſtadt, den 23. März 1914.
(7731ms
Großherzogliche Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.

Düngerverkauf.

Freitag, den 27. März, von 9¾ Uhr vormittags ab, wird
auf dem vorderen Hofe der alten Kavallerie=Kaſerne am Marienplatz
in Darmſtadt die Matratzenſtreu von einer Eskadron öffentlich
meiſtbietend verſteigert.
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viehgewinne
80% bar, für die Silberpreise der volle Geldwert.
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[ ][  ][ ]

Nr. 84.

Mittwoch, 25. März.

1914.

Luftfahrt.

Teilnehmer am Prinz Heinrich=Flug 1914.
Zu dem Prinz Heinrich=Flug 1914 haben genannt:
2 Offiziersflieger (Eindecker): 1. Leutn. Canter
(Flugzeugführer), Wettbewerber: Kgl. preuß. Heeresver=
waltung
, Rumpler=Taube, 2. Hauptmann von Detten,
Kgl. preuß. H., Albatros=Taube. 3. Oberleutn Hantel=
mann
, Kgl. preuß. H., Albatros=Taube. 4. Oberleutn.
Joly, Kgl. preuß. H., Gotha=Taube, 5. Oberleutn, Kaſtner,
Kgl. preuß. H., Albatros=Taube. 6. Oberleutn. Kolbe,
Kgl. preuß. H., Albatros=Taube, 7. Oberleutn. Ladewig,
Kgl. preuß. H., Rumpler=Taube. 8. Leutn. Pfeifer, Kal.
preuß. H., Albatros=Taube. 9. Leutn. Pretzell, Kgl. preuß.
Heeresverwaltung, Albatros=Taube. Doppeldecker:
10. Oberleutn. v. Beaulieu, Kgl. preuß. H., L. V. G.= Dop=
peldecker
. 11. Leutn. Bonde Kgl. preuß. H., Albatros=
Doppelbecker. 12. Leutn. v. Butkar, Kgl. preuß. H., 2. B.
G.=Doppeldecker. 13. Leutn, Carganiev, Kgl. preuß. H.,
L. V. G.=Doppeldecker. 14. Oberleutn. Emrich, Kgl. bayr.
Heeresverwaltung. Otto=Doppeldecker. 15. Oberleutn.
Geyer, Kgl. preuß. H., Aviatik=Doppeldecker. 16. Leutn.
v. Hiddeßen, Kgl. preuß. H., Albatros=Doppeldecker. 17.
Leutn. Schlemmer, Kgl. bayr. H., L. V. G.=Doppeldecker.
18. Leutn. Frhr. v. Thüna, Kal. preuß. H., L. V G.= Dop=
peldecker
. 19. Leutn. Walz, Kgl. bayr. H., L. V. G.= Dop=
peldecker
. 20. Leutn. Wentſcher, Kgl. preuß. H., L. V. G.=
Doppeldecker. Sämtlich mit 100pferdigen Mercedes=Motor.
B. Zivilflieger. (Eindecker): 21. Anslinger
(Flugzeugführer), Wettbewerber: Goedecker=Mainz, Goe=
decker
=Eindecker, 100pferd. Mercedes. 22. v. Arnim, Ober=
leutnant
d. R. v. Arnim, Eindecker, 120pferd. Argus. 23.
Beck, Kondor=Werke (Eſſen=Ruhr), Kondor=Eindecker. 100. Mercedes. 24. Freindt, Jeannin=Flugzeugbau= Ber=
lin
, Jeannin=Stahltaube, 120pferd. Argus. 25. Friedrich,
Rumpler G. m. b. H.=Berlin, Rumpler=Eindecker 100pferd.
Mercedes. 26. Höfig, Deutſche Flugzeugwerke Leipzig=
Lindenthal. Eindecker, 100pferd. Mercedes. 27. Krumſiek,
Zentrale für Aviatik=Hamburg. Hanſa=Gotha=Taube, 100. Mercedes. 28. Paſchen, D. Briſtolwerke=Halberſtadt,
Briſtol=Taube, 110pferd. Argus. 29. Schlegel. Gothaer
Waggonfabrik=Gotha, Gotha=Taube, 100pferd. Mercedes.
30. Steffen. Sportflieger G. m. b. H.=Berlin, Etrich=Taube,
100pferd. Mercedes. 31. Stiefvater, S. Kgl. Hoh. Prinz
Friedr. Sigismund, Bulldogg, 120pferd. Argus. Dop=
peldecker
: 32. Hennig, Otto Schwade & Co.=Erfurt,
Schwade=Doppeldecker, 80pferd. Schwade. 33. Laitſch,
Luſtverkehrsgeſelſchaft=Verlin, L. B. G.=Doppeldecker. 100. Meredes. 34. Schauenburg, Allgemeine Elektrizi=
tätsgeſellſchaft
=Berlin, A. E. G.=Doppeldecker, 100pferd.
Benz. 35. Schüler, Ago Flugzeugwerke=Berlin, Ago= Dop=
peldecker
, 140pferd. Argus. 36. Schroeder, D. Sommerflug=
zeugwerke
=Darmſtadt, Sommer=Doppeldecker. 100pferd.
Gnöme, 37 Sommer, Robert Sommer=Frankfurt a. M.,
Sommer=Doppeldecker, 90pferd Gnöme. 38. Viktor
Stoeffler, Automob. und Avfatik=Mülhauſen i. E., Aviatik=
Doppeldecker, 109pferd. Oberurſel. 39. Dipl.=Ing. Thelen,
Albatroswerke=Berlin, Albatros=Doppeldecker, 75pferd.

e ee enehene
Otto=Doppeldecker, 140pferd. Argus.
Die unter B. angeführten Flugzeuge in Privatbeſitz
werden ſich zunächſt nach § 4 der Ausſchreibung einer Puns
prüfung unterziehen müſſen, bei der ſie den Nachweis er=
bringen
, daß ſie gewiſſen militäriſchen Anforderungen ge=
nügen
. Die Vorprüfungen werden vor dem Flug zumeiſt
auf den Flugplätzen, an denen die einzelnen Firmen an=
ſäſig
ſind, ſtattſinden.
sr. Das Freiwillige Automobilkorps beim Prinz Hein=
rich
=Fluge. Der Prinz Heinrich=Flug dieſes Jahres wird
an die Begleitautomobile ganz beſonders hohe Anforde=
rungen
ſtellen, da ſehr große Entfernungen in Frage kom=
men
. Man hat ſich allerdings entſchloſſen, von dem bis=
herigen
Modus abzugehen, die Flieger durch Automobile
zu verfolgen, um ihnen bei Notlandungen ſchnell Hilfe
leiſten zu können. Immerhin wird es noch genügend für
die Begleitautomobile zu tun geben. Die an dem Flug
beteiligten Wagen des Kaiſerlichen Freiwilligen Auto=
mobilkorps
ſollen vorzugsweiſe als Ordonanzwagen ver=
wandt
werden und entweder den Prinzen Heinrich beglei=
ten
, oder ſich in der Nähe der Depots aufhalten und den
Verbindungsdienſt mit den Flugplätzen in Darmſtadt,
Frankfurt a. M., Hamburg und Köln unterhalten. Da=
neben
ſollen aber noch Privatautomobiliſten zur Unterſtütz=
ung
herangezogen werden, um im Notfalle Fliegern ſchnell
Hilfe bringen zu können. Die Beſitzer von Automobilen,
die in dieſer Weiſe ihre Unterſtützung gewähren wollen,
müſſen ſich verpflichten, an beſtimmten Tagen auf telegra=
phiſchen
oder telephoniſchen Anruf mit ihren Wagen zur
Verfügung zu ſtehen, und ſollen entweder Offiziere
der Leitung oder auch Monteure mit Erſatzmaterial von
den nächſtgelegenen Bahnhöfen nach der eventuellen Not=
landungsſtelle
von Fliegern befördern. Die Verſtändi=
gung
erfolgt in der Weiſe daß die Flieger nach erfolgter
Notlandung zunächſt die Oberleitung des Prinz Heinrich=
Fluges oder den Vertreter des nächſtgelegenen Depots an=
rufen
. Von dort werden dann eventuelle Wünſche an die
Automobiliſten weitergegeben.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt i.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
35 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 20 März: dem Fabrikarbeiter Adam
Bickel, Erbacherſtr. 13, ein S. Adam. Am 15.: dem Poſt=
boten
Karl Delp, Arheilgerſto. 78. ein S Karl. Am 19.:
Lokomotivheizer bei der Staatsbahn Phil. Laun Vik=
toriaplatz
10, eine T. Eliſabeth Margareta. Dem Maurer
Georg Vierheller, Woogſtr. 1, ein S. Franz Georg Jo=
hannes
Am 21.: dem Dachdecker Gottfried Stelzer,
Sackgaſſe 10, ein Sohn. Am 22.: dem Kupferſchmied Jo=
hannes
Volk, Schutnechtſtr. 52, ein S. Ludwig.
Aufgebotene. Am 20. März. Packer Karl Johann
Chriſtian 5 Dietz zu Heilbronn, mit Dienſtmädchen Lina
Johanna Schäfter zu Neckargartach. Sänger Karl
3 Lochmann, mit Ghorfängerin Roſa Emilie e Kühn,
beide zu Trier. Buchhalter Ludwig Huxhorn II., mit

Pfungſtadt Konditor
Philip e Sior zu Kirch=Verſurth, mit Dienſtbote Maria
Weimar, hier. Am 21.: Eiſenbahnbetriebs=Ingenieur
Friedr. Wilhelm Dietz, hier, mitz Dorothee Luiſe Sophie
Alwine Kaſtorf zu Gonſenheim. Zimmermann Johann
Anton Schader, mit Anna Barbara Hochling beide zu
Bensheim. Hofkutſcher Peter Kraft, hier, mit Eliſabethe
Götz zu Jugenheim. Kaufmann Moritz Adler, hier,
mit Sara Roſenberg zu Griesheim Kaufmann Her=
mann
Zimmermann, Nieder=Ramſtädterſtr. 29, mit
Elonore Pullmann zu Groß=Zimmern. Am 23.: Tag=
löhner
Johann Peter Ehmig, Mauerſtr. 22, mit Dienſt=
bote
Elſa Katharine Moter, Arheilgerſtr. 25. Fuhrknecht
Peter Grimm, Hinkelsgaſſe 7, mit Fabrikarbeiterin
Katharine Gerhard, ebendaſelbſt. Möbelpolier Adolf
Leder, Viktoriaplatz 6, mit Sophie Margarethe Sag=
gau
zu Uslar. Kaufmann Joh. Anton Henning, Alexan=
derſtr
. 9 mit Verkäuferin Magdalene Eliſabeth Breuer.
ebendaſelbſt. Reiſender Joſef Edmund o Begurh zu
Frankfurt a. M. mit Margareihe Wilhelmine Eliſabeihe
5 Morchel. Irensſtr. 66, Schloſſer Georg Ludwig s Uſſter,
Schulnechtſtr. 57, mit Strohhutnäherin Ehriſtinas Donges,
Große Kaplaneigaſſe 35.
Eheſchließungen. Am 18. März: Fabrikant Rudolph
Traiſer, mit Eliſabethe Bauer, beide hier Am 21.:
Schreiner Heinrich Schäfer, mit Helene Delp, beide
hier. Schloſſer und Mechaniker Heinrich Roßmann, hier,
mit Katharina Nungeſſer zu Arheilgen. Am 23.: Kunſt=
maler
Karl 5 Schultheiß zu München mit Alie o Trier,
hier.
Geſtorbene. Am 19 März: Ernſt Geſſer, Ge=
noſſenſchaftsbeamter
i. P. 61 J. kath., Beckſtr. 71. Su=
ſanne
Marie Bindewald, geb Haffer, Witwe des
Schloſſers, 77 J., ev., Neue Ireneſtr. 72. Am 20.: Hein=
rich
Kraus, Kaufmann, 47 J., ev., Emilſtr. 30. Auguſt
Heil Sohn des Schreines. 6 J., ev., aus Nieder= Ram=
ſtadt
, hier Grafenſtr. 9. Johann Hans Ehrler, Sohn
des Tapeziers 2 J., kath., Blumenthalſtr. 54. Am 21.:
Michael Helfrich Hofſchuhmachermeiſter, 61 J., kath.,
Friedrichſtr. 16. Friedrich Neidig, Fabrikarbeiter. 22 J.,
ev., ledig, Arheilgerſtr. 19. Am 22.: Emil Büdinger,
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[ ][  ][ ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Mittworg, den 23. März 1914.

Nummer 84.

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[ ][  ][ ]

Nummer 84.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

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Seite 20.

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[ ][  ][ ]

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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. März 1914.

Seite 21.

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Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. Marz 1914.

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I

[ ][  ][ ]

Seite 23.

Fankurter Karsbericht Ve 2. Aarz 1914.
Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. (Darmstädter Bank.)

Z
Staatspapiere.
Dt. Reichsschatzanw.
Dt. Reichsanleihe p. 1918.
98,90
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98,85
do. . . . . .
86,20
do. . .
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99,90
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86,15
de. . . . . . . .
7760
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do. v. 92/94
3½ 89.50
do, .

3
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do. unkdb. p. 1918
4 97.10
do. unkdb. p. 1920
97,05
E.-B.- u. Allgem. Anl.
unkäb. p. 1900
4 97,20
do. Anleihe .
3½ 84,70
6o.
315,40
Hamburger Staats-Anl.
96.80
do. v. 188794
88,20
do.
79,80
Hessische Staats-Anleihe
97,20
do. unkdb. p. 1921 .
97,20
3o. . . . . . . .
.. .3½ 84.50
do. . . . . . . . . . . . . . 3 74,20
Sächsische Staats-Rente) 3 77,60
Württembg. Staats-Anl.
(unkdb. p. 1921). . . . 4 98,00
do. v. 79/80 . . . . . . .3½
do. . . .
. . . . . . . 3 76,50
Bulgarische Eld.-Anl. . . 5
Griech. Anl. v. 1890 . . . . 1,6) 54,80
do. v. 1887 Monopoll1¾/ 51,50
Italienische Rente. . 31,
Osterr. Staats-R. v. 1913 4½ 91,80
do. Silber-Rente . . . .4½
do. Papier-Rente . . .4½ 87,40
do. Gold-Rente . . . . . 4 87,85
do. einheitl. Rente . . 4 82,55
Portug. Tab-Anl. 1891 . .4½ 96,80
do. inn. amort. 1905 . .4½
do. unif. Serie I
6175
do.
III.
64,60
do. Spezial Titel. ..
945
Rumänen v. 1903 . . . . . . 5 99.65
do. Gold v. 1913.
4½ 91,00
do. Schatzsch. v. 1913 .4½100,00
do. conv. . . .
85,00
do. v. 1890 .
93,50
do. v. 1891
187,00
do. v. 1905 .
85,60
do. v. 1808
O9,50
do. v. 1910 .
85,60
Russische St.-Anl.
97,60
do. kons. v. 1880
87,10
do. Gold v. 1890
do. v. 1902 . .
90,10
Schweden v. 1880.:
do. v. 1885

2n
Schweden v. 1890. .
86,90
Serben steuerfrei
do. amort. v. 1805
7830
Türk. Egypt. Tribut .
do. kons. steuerfreie
85,00
do. Admin. v. 1903.
76,50
do. unit. v. 1903. .
do. v. 1905.
72,80
Ungarische Staats-Rente
1913 unkdb. bis 1923 . .
90,40
Ungar. Staatsk.-Scheine
v. 1913.
98,70
do. Gold-Rente.
88,40
do. Staats-Rente 1910.
81,50
do.
Kr. 4 1 82,05
Argent. innere Gold-Anl.
v. 1887
do. äußere v. 1800
5 99,00
do. innere v. 1888 . . .4½ 94,90
do. äußere v. 1888 . . . 4½
do. v. 1807
Chile Gold-Anl. v. 1911. . 5 92,00
do. v. 1889 .
4½
do. r. 1906
4½ 87,60
Chines. St.-Anl. v. 1895
6
do. v. 186
5 99,20
do. Reorg. Anl.
5 87,25
do. v. 1898
4½ 90,10
Japaner
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61,20
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5 84,00
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d.
3½
Lissabon v. 1888
4
4½ 94,00
Moskau v. 1912
4
Stockholm v. 1880 . .
Wien Komm. . . . . . . . . 5
Wiener Kassenscheine .4½
98,70
Zürich v. 1889
Buenos Stadt v. 1892 . . . 6

Pfandbriefe.
Berliner Hyp.-Bk.-Pf. .
100,00
93,25
do. unkäb. 1915.;
1915:
94,00
do.
94.50
1921.
40.
85.75
1922. .
do.
do. .
83,50
. .
do. Komm.-Obl. unk. 1918
95,25
9500
Frankf. Ap. Bk. pr. 1910
96,00
1915
do.
96,50
do.
1920 ..
dc. Ser. 1219. . . . . . 3½ 86,40
Kommunal-Oblig. Ser. 1,
unkdb. 1910 .
86,50
.. . .3½
Frankf. Hyp.-Kred.-Ver.
Ser. 1542
94,00
94,90
4849
do. . . .
96,00
do. unk. 1922 52
88,60
do. 1913. . . . . . .
3½ 86,50
do. Ser. 45 . . . .
Hess. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
96,90
Ser. 12, 13, 16
96,90
14, 15, 17
do. . .
9740
do. unkdb. 1920
1923 .. .
97,50
do.
do. Scr. 1, 2, 68 . .
84,30
do. 35 ..
3½ 84.30
do. kündb. 1915.
3½ 81,30
do. Komm. unk. 1913
96,90
96,90
1914
do.
do.
97,10
1916)

97,40
1920
do.
97,50
1923
do.
do. verlosb. u. kündb..
84,20
do.
unkräb. 1915 3½ 84,70
94,50
Meininger Hsp.-Bk. Pfdb.
95,80
do. unkdb. 1922.
do.
. 3½ 86,0
Rheinische Hyp.-Bk. Pfb.
94,00
unkdb. 1917
1919
94,00
do. . . . . .
94,30
1921
do. . . . . .
do. . . . . . 1924 4 96,20
3½ 84,50
do. . . . . . . . ..
do. Komm. unk. 1923
4 95,20
1924 .
do.,
4 96,00
Südd. Bod.-Kred.-Pfdbr.
96,40
do.
3½ 88,00
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7½ 158.60
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Dresdner Bank .
(155½1g

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Mitteldeutsche Kred.-Bk. 6½ 117.25
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Wiener Bank-Verein . .
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.. . . . 10 145,25
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. . 12 163,00
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23 360,00
Konkordia Bergbau
Deutsch-Luxemb. Bergb.! 10 1133,00
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10 221.00

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Gelsenkirchen Bergw. . . 11 193,50
Harpen Bergbau . . . . . . 11 1184,50
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Kaliwerke Westeregeln . 13 208,00
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Laurahütte . . . . . . . . . 8 155,50
6 85,20
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Oberschl. Eisen-Industrie
67,00
Phönix Bergbau . .
18 (239,25
Rheinische Braunkohlen 10 219,75
12 197,00
Riebeck Montan . . . ..
South West.-Afr. Shares . 5 1119,25
Verzinsliche
Anlehenslose. (2f.
Badische . . . . . TIr. 100 4 177,00
Cöln-Mindener . TIr. 1003½142,90
2
Holländ. Komm. . A. 100
Madrider . . . . . Frs. 100 3 77,00
Meininger Präm.-Pfdbr. .
141,00
österreicher 130er Lose:
180,00
Oldenburger . . . . TIr. 40 3 1128,30
Raab-Grazer . . . . H. 150/2½
Unverzinsliche
Mk.
Anlehenslose.
ſp. St.
Augsburger
. A.7
Braunschweiger
TIr. 20 (200,40
Mailänder
Po. 45
do.
Fe. 10 42,00
Meininger
. . . A.7 35,30
Ostereicher v. 1
A. 100
do.
v. 18
A. 100 555,00
A. 100
Ungar. Staats .
Fs. 30
Venediger
Türkische
Fs. 400 168,20
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns.
20,24
20 Franks-Stücke ::
16,26
Amerikanische Noten .
4,20½
Englische Noten . .
20/44
Französische Noten.
81,20
1169,15
Holländische Noten
Italienische Noten .
81,00
Osterr.-Ungarische Noten . . 85,00
Russische Noten .
Schweizer Noten. .
81,10.
Reichsbank-Diskont .
do. Lombard Zsf...
Tendenz:
Still.

Handel und verkehr.

Frankfurt a. M., 24. März. (Börſe.) Auf
feſteren Verlauf der New=Yorker Börſe konnte auch der
hieſige Markt in freundlicherer Stimmung eröffnen.
Immerhin konnte ſich in verſchiedenen Werten größeres
Geſchäft nicht entwickeln, umſo weniger, als im Verlauf
neuerliche Unterbietungen am Eiſenmarkt gemeldet wur=
den
. Vorübergehend zeigte ſich Intereſſe für Schiffahrts=
werte
, doch trat auch hier bald wieder die bereits ſeit län=
gerer
Zeit zu beobachtende Zurückhaltung zutage. Aus=
gehend
von Deutſch=Luxemburgern machte ſich ſchließlich
eine ſchwächere Stimmung auf dem Montanmarkte be=
merkbar
, wodurch ſich die Geſamttendenz abſchwächte. Auch
heute war faſt auf allen Märkten eine große Geſchäfts=
unluſt
zu konſtatieren. Der Kaſſamarkt war ruhig. Es
ſind meiſt, wenn auch nicht erhebliche, Kursabſchläge zu
verzeichnen.

Landwirtſchaftliches.

Groß=Gerau, 24. März. Der Maſſenauftrieb
bei den hieſigen Ferkelmärkten hält an. Am letz=
ten
Ferkelmarkt waren nämlich 1012 Tiere aufgetrieben.
Die Preiſe bewegten ſich aber denoch in ihrer ſeitherigen
Höhe und wurden für Ferkel 1225 Mark, für Springer
2839 Mark und für Einleger 4055 Mark pro Stück be=
zahlt
. Der nächſte Ferkelmarkt findet am Montag, den
30. März d. J., ſtatt.
II. Frankfurt a. M., 24. März. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Am Wochenmarkt war nur ruhiger Verkehr;
für Landweizen in beſſerer Ware zeigte ſich größere Nach=
frage
zu etwas höherem Preiſe, während mindere Quali=
täten
ſchwer verkäuflich ſind. Für 77 Kilo Weizen wur=
den
bis 21,25 Mk. bewilligt. Roggen ruhig und behaup=
tet
. Hafer in guten Sorten gefragt; auch Mais und Gerſte
feſt. Die Forderungen für Mehl und Futtermittel blie=
ben
unverändert. Der Mannheimer Getreide=
markt
war ohne Preisänderungen. An der Ber=
liner
Produktenbörſe war Getreide etwas matter
auf Realiſationen und die geringe Kaufluſt. Das inlän=
diſche
Angebot war nur mäßig, in guten Sorten knapp.
Die Auslandsofferten blieben unverändert. Hafer be=
hauptet
bei ſchwachem Konſum. Nach den letzten
Kabelnachrichten von den amerikaniſchen Ge=
treidemärkten
(New=York und Chicago) waren
Weizen und Mais nach ſchwacher Eröffnung ſchließlich feſt
auf beſſere Nachfrage ſeitens der Mühlen in Kanſas City,

die Abnahme der Vorräte in Minneapolis und den
hauſſelautenden Viſible Supply=Ausweis. In Mais er=
folgten
zeitweiſe Abgaben der Firma Armour, ohne jedoch
die Preisbeſſerung beſonders zu beeinfluſſen. Die ſicht=
baren
Weizenvorräte ſind dort in dieſer Woche von 59,74
Millionen Buſhels auf 57,82 Millionen Buſhels und die
Maisvorräte von 20,27 Millionen Buſhels auf 20,08 Mil=
lionen
Buſhels zurückgegangen. Auch in Kanada haben
die Weizenvorräte eine Abnahme von 21,12 Millionen
Buſhels bis 20,40 Millionen Buſhels erfahren.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
Weizen, hieſiger und Wetterauer 20,5020,75, Nord=
deutſcher
20,5020,75, Kurheſſiſcher 20,5020,75, Ruſſi=
ſcher
2223, La Plata 22,5022,75, Rumäniſcher 2223,
Kanſas 22,5023, Manitoba 2223, Redwinter 22,50 bis
23, Walla Walla 22,5022,75; Roggen, hieſiger 16,35
bis 16,40, Bayeriſcher 16,3516,40, Ruſſiſcher , Ame=
rikaniſcher
, Rumäniſcher ; Gerſte, Pfälzer 17,50
bis 18, hieſige und Wetterauer 1717,50, Riedgerſte 17,50
bis 18, Ungariſche , Fränkiſche 17,5018; Hafer, hie=
ſiger
16,2517, Bayeriſcher 16,2517,25, Ruſſiſcher 16,50
bis 18, Amerikaniſcher , Rumäniſcher 16,5017,75;
Mais mixed 15, Ruſſiſcher 1515,20, Donaumais 14,90
bis 15,20, weißer Mais 1515,10, La Plata 15, Rumäni=
ſcher
1515,20, Weizenſchalen 10,7511, Weizenkleie 10,25
bis 10,50, Roggenkleie 1010,50, Futtermehl 1214, Bier=
treber
, getrocknet, 12,7513, Futtergerſte 13,2513,75,
Weizenmehl, hieſiges (Baſis ab Mannheim), Nr. 0: 31 bis
31,50, feinere Marken 31,5031,75, Nr. 1: 29,502975,
feinere Marken 3030,25, Nr. 2: 2828,50, feinere Mar=
ken
28.7529, Nr. 3: 26,5026,75, feinere Marken 27 bis
27,25. Nr. 4: 22,5022,75, feinere Marken 2323,25;
Roggenmehl, hieſiges, Nr. 0: 24,7525, Nr. 1: 22,25 bis
22,75, Nr. 2: 2020,50.
Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 17.23. März.
Die matte Lage des Getreidemarktes hielt auch in der
erſten Hälfte der Woche an, erſt zum Schluſſe gewann der
Markt eine etwas feſtere Haltung. Die Gründe waren
wiederum die guten Ernteberichte vom Auslande, zu denen
noch der erſtmalige überaus günſtige Saatenſtandsbericht
des Deutſchen Landwirtſchaftsrats hinzukam. Nach dem=
ſelben
iſt in Deutſchland der Stand der Winterſaaten von
Roggen und Weizen im allgemeinen als befriedigend, viel=
fach
ſogar als gut zu bezeichnen. Außerdem ſtellt ſich
immer mehr heraus, daß die Anbaufläche von Winterwei=
zen
ſowohl im Auslande wie im Inlande wahrſcheinlich

eine größere iſt, als im Vorjahre. Der preisbefeſtigende
Faktor des Weltmarktes, die geringe Weizenausfuhr Ar=
gentiniens
, wurde durch die überaus ſtarke Ausfuhr
anderer Exportländer, wie insbeſondere Auſtraliens, wett=
gemacht
. Letzteres Land hat in dieſem Erntejahr bisher
faſt 300 000 Tonnen Weizen mehr ausgeführt, als in der=
ſelben
Zeit des Vorjahres Für Deutſchland kam noch
hinzu, daß endlich im Laufe der Woche der langerſehnte
Umſchwung zur trockenen Witterung und damit zur Er=
ledigung
der Frühjahrsbeſtellung und der Frühjahrsaus=
ſaat
eintrat, womit ein geringeres Angebot inländiſcher
Ware verbunden war. Die in Ausſicht ſtehende Einfüh=
rung
von Getreidezöllen in Rußland bewirkte im Oſten
ſtellenweiſe eine Wiederbelebung der Ausfuhr von Getreide
über die ruſſiſche Grenze. Im übrigen blieb die ruſſiſche
Drohung ohne Einfluß auf den Roggenmarkt. Futter=
gerſte
war überwiegend feſt, noch feſter Mais, da alte
Ware knapp iſt und die zu erwartende neue, aus Argenti=
nien
wegen des naſſen Erntewetters vorausſichtlich nicht
ganz einwandfrei ſein wird. Der Ausfuhrüberſchuß
Argentiniens wird auf ſechs Millionen Tonnen geſchätzt.
Es ſtellten ſich die Preiſe für inländiſches Getreide am
letzten Markttage gegenüber der Vorwoche wie folgt:

Weizen Roggen Hafer
Königsberg. . 200
152 (*1 ) 158 (2
Stettin
151 (*1 ) 146
182
184
Poſen
146 (*2 ) 150
Breslau
181
)145
144
Berlin
193 (*1 ) 155 (*2 ). 179
165
191 (*1 ) 153
Magdeburg
157
Halle .
170
191
188 (*1 ) 157
Leipzig
166
Dresden
193 (*3 ) 152
161
)150
184
Roſtock
196
Hamburg
156 (*1 ) 165
Hannover
188
164
153
. 195 (*1 ) 156
Düſſeldorf
172
195
2 ) 156 (*1 ) 167
Köln
Frankfurta. M. 205½ (*1½) 165 (41 ) 170
165
Mannheim . . 207½
182½(
Straßburg . . 207½
172½(
175
166
. 200
162 (*2
München

Weltmarktpreiſe: Weizen: Berlin Mai 198,50 (* 0,75),
Peſt April 213,85 (P3,40), Paris März 215,60 (), Liver=
pool
März 163,10 (0,95), Chikago Mai 143,90 (
Roggen: Berlin Mai 159,50 (0,75), Futtergerſte Süd=
ruſſ
. frei Hamburg unverzollt ſchwim. 114 (), März
112,50 ( 1,50), Mais Argent. ſchwim. 115 (4- 2), April(Mai
105,50 (* 1,50), Donau März 108,50 (-1) Mark.

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[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 25. Marz 1914.

Nummer 84.

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Programm
zu dem am Mittwoch, den
25. März, von 12 Uhr mittags ab
vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle
des Großh. Art.=Regts. Nr. 61.
1. Kriegsmarſch und Schlacht=
hymne
aus der Oper Rienzi von
Rich. Wagner. 2. Fantaſie aus
Friedrich v. Flotows Aleſſandro
Stradella von A. Schreiner.
3. Dorfkinder, Walzer aus der
Operette Der Zigeunerprimas
von Kälmän. 4. Triumphmarſch
aus der Oper Alda von (H. Verdi.
5. Angereihte Stücke aus Hof=
manns
Erzählungen von Offen=
bach
=Engel. 6. In der Heimat,
da gibts ein Wiederſehn, Lieder=
marſch
von Lindemann.

Eine Sensation ist der Film
Die Detektivin
AAkter Ein Kriminalroman von grösster VAkten
Spannung.
II. Hauptstück:
Wenn das Herz spricht
AAkter Ueberaus spannendes und zu Herzen AAkter
gehendes Drama.
Ein äusserst spannendes Bild, reich an effektvollen Szenen.
Es schildert uns Momente, wie sie packender u. realistischer
noch nicht dargestellt wurden.

III. Hauptstück:

(7811

Künstlers Lieb u. Leid
Grosses dramatisches Gemälde.
Akter Auch dieses in allen Teilen unüber- Jükter
treffliche Meisterwerk ist im buch-
stäblichen
Sinne eine Attraktion‟. Jedes einzelne Bild,
jede Szene, selbst die nebensächlichsten Einzelheiten, sind
so durchdacht und vollendet zusammengestellt, dass sie
sich zu einem Gesamtbild von überwältigender Wirkung
vereinigen.

Der Trauermarsch

Akter
Ein wunderbares Drama.
Die Rolle Lucies wird von der sieben-
jährigen
Tänzerin Tina Valine gespielt.
fiorzu der übrige hochinteressante
und abwechslungsreiche Spielplan.

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[ ][  ]

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am Dienstag, den 31. März, abends 8¼ Uhr
im feſtlich geſchmückten Kaiſerſaal.
Feſtrede über:
Bismarcks Werk und Erbe
von Professor Dr. Herrmann von der königl. Akademie in
Poſen, Alle vaterländiſch geſinnten Frauen und Männer ſind
(7825
herzlich eingeladen.
Der Vorſtand.

Deutsche Friedensgesellschaft
Ortsgruppe Darmstadt.
Oeffentlicher Vortrag des päpſtlichen Prälaten,
Domkapitular Dr. Alexander Gießwein aus Budapeſt
über:
Christentum und Friedensbewegung.
Mittwoch, 25. März, abends 8¼ Uhr, im Fürstensaal.
Freunde und Gegner der Friedensbewegung sind eingeladen.
(7353fm)
Eintritt frei.
Freie Ausſprache.

Oeffentliche Vorträge
Dr. med. Oberdörffer
Rheinburg bei Schaffhausen.
Mittwoch, 25. März 1914, abends 8½ Uhr, Kaiſerſaal, Grafenſtraße:
Entwicklung und Kultur der weißen (ariſchen) Raſſe.
Reſervierter Platz 50 Pfg.
Eintritt 30 Pfg.
Donnerstag, 26. März, abends 8½ Uhr, Fürſtenſaal:
Menſchenkenntnis, die Kunſt aus Geſtalt, Geſicht und
Schädelbildung den Charakter und Geſundheitszuſtand
zu erkennen.
Reſervierter Platz 50 Pfg.
Eintritt 30 Pfg.
Freitag, 27. März, abends 8½ Uhr, Kaiſerſaal:
Sexualmoral und Lebenskunſt.
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Samstag, den 4. April 1914, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde:
Abschieds-Liederabend
von Hofopernsängerin Fräulein
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Geversbach.
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz im Saal zu 5 ,
Numerierter Balkon zu 3 und Galerie zu 2 sind, soweit noch
vorhanden, bei Heinrich Arnold zu haben. (Die städtische Billett-
steuer
wird von der Vereinskasse getragen.) Beitrittserklärungen
für das laufende Vereinsjahr, die noch vor dem obigen
Konzerte erfolgen, berechtigen zu dessen freiem Be-
suche
. Der Beitrag für den Rest des Jahres 1914 beträgt 10 .
Der Vorstand.
7816)

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Mittwoch, 25. März, nachm. 4.-6 Uhr
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Donnerstag, 26. März, 8 Uhr
Freitag, 27. März, 8 Uhr
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Liebliche, kleine Dingerchen!
Man lacht, man lebt, man liebt!
In der Nacht! Ach, Amalia!

Ich mußte mich vor 2 Jahren
am Hals wegen einer
Brusen
anſchwellung operieren laſſen. Die
Wunde iſt längſt vernarbt, trotzdem
waren die Drüſen im Januar wieder
ſtark angeſchwollen. Auf ärztl.
Rat trank ich Altbuchhorster
Mark-Sprudel Starckquelle
(Jod=Eiſen=Mangan= Kochſalz=
quelle
). Der Erfolg war über=
raſchend
. Schon nach 6 Fl. waren
die Drüſen zu meiner größten
Freude völlig zurückgegangen. Ich
werde den Markſprudel immer
trinken er ſchmeckt prachtvoll, wirkt
appetitanregend, verdauungs=
fördernd
u. blutverbeſſernd und be=
kommt
mir viel beſſer als Lebertran,
den ich früher trank. H. G." Aerztl.
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Heute
25. März
Letzter Spielplan
2 Erst-Aufführungen 2
Die letzten Schlager des
Haskel-Ensemble.
Das
Auoprnma
Vaudeville in 1 Akt.
Musik von Artur Steinke.
Wie werde ich energisch?
Posse in 1 Akt.
Verfasst u. inszeniert v. L. Haskel
eine Serie I. (7832
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von Wangenheim,
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von Reichenbach,
Rennſtallbeſitzer. Herm. Knispel
von Deiningen=
Donnersmark,
Rittergutsbeſitzer K. Weſtermann
Graf Prittwitz, Lt.
b. d. Huſaren . Frz. Schneider
Frhr. v. Starken=
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Huſaren . . . Emil Kroczak
Siegfr. v. Löwen=
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Gräfin Lind=
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der Vorſtellung; im Verkehrsbüro
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bis kurz vor Beginn der Vor=
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beth
von Schroeder=Clary.
Tosca‟. Tosca: Eliſabeth v.
Schroeder=Clary. Gew. Preiſe.
Anfang 7½ Uhr.
Freitag, 27. März. 140. Ab.=Vſt.
B 34. Erſtes Gaſtſpiel v. Johs.
Sembach. Lohengrin‟
Lohengrin: Johs. Sembach. Ge=
wöhnl
. Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Samstag, 28. März. Auß. Ab.
35. Volksvorſtell. zu ermäß. Preiſen.
Die ſpaniſche Fliege‟
Anfang 8 Uhr. (Vorverkauf bis
einſchl. Samstag, 28. März, im
Verkehrsbüro, Ernſt=Ludwigsplatz.
Verkauf der etwa noch vorhanden.
Karten am Tage der Vorſtellung
auch an der Tageskaſſe im Hof=
theater
zu den übl. Kaſſeſtunden.