Bezugspreis:
Anzeigenpreis:
177. Jahrgang
Ausg. A (mit Ill. Unterhaltungsbl.) mongtl. 60 Pfg.,
Die 49 mm breite Petitzeile oder deren Raum:
n ertelfährl. Mr. 1.30. Ausgabe B (mit Ill.
Unter=
im Kreiſe Darmſtabt 10 Pfg. auswärts 20 Pfg.;
Unltungsblatt u. Ill. Wochen=Chronik) monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der wöchentlichen Beilage: die 84 mm breite Rerlemeſeife z w td. 30 21g.;
25 Pfg. vierteltährl. Mk. 2.40. Beſtellungen nehmen
im Kreiſe Darmſtabt 30 Pfg., auswärts 75 Pfg.;
enigegen: die Geſchäftsſtelle Rheinſtr. 23 (Fernſpr.
Rabatt nach Tariſ. Anzeigen nehmen entgegen: die
ſcr. 1 u. 426), unſere Fikialen, Landagenturen u. alle
Geſchäftsſtelle Rheinſtr. 23, die Filialen u. Agen=
Goſtämter. Verantwortlichkeit für Aufnahme von
turen, Anzeigenerped. des In= und Auskandes. Bei
ſ.nzeigen an beſtimmten Tagen wird nicht übernom.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Konkurs od. gerichtl. Beitreib. fällt jed. Rabatt wea.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 20 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Reichstag ſetzte geſtern die zweite Leſung des
Poſtetats fort wobei die Oſtmarkenzulage
mit 194 gegen 127 Stimmen abgelehnt wurde.
Dem Reichstag iſt eine Novelle zur Gewerbeordnung
zugegangen, das ſogenannte
Kinematographen=
geſetz.
Der frühere Reichstagsabgeordnete Geh. Baurat von
Benoit iſt in Karlsruhe im Alter von 88 Jahren
ge=
ſtorben.
Die braſilianiſche Regierung hat den
Be=
lagerungszuſtand für die Hauptſtadt Rio de
Ja=
neiro, Nictheroy und Petropolis verfügt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7 und 8.
Die Wirtſchaftspolitik des Reichs
im preußiſchen Landtage.
*⁎* Als Staatsſekretär Dr. Delbrück kürzlich im
Reichstage über die Frage der Verlängerung der
Handelsverträge, der Reviſion des Zolltarifs
m. a. m. Erklärungen abgegeben hatte, wurde ihm von
ver=
ſſchiedenen Seiten der Vorwurf gemacht, mit einzelnen
ſſeiner Ausführungen den fremden Staaten vorzeitig die
ldeutſchen Karten aufgedeckt zu haben. Die Sache war
raber nicht ſo tragiſch zu nehmen, ſonſt müßte derſelbe
Vor=
wurf auch den preußiſchen Handelsminiſter treffen, deſſen
Darlegungen in der Mittwochſitzung des preußiſchen
Ab=
geordnetenhauſes den gleichen Gegenſtand betrafen und
die Delbrückſchen noch ergänzten.
Der bei der zweiten Leſung des Handelsetats
einge=
brachte nationalliberale Antrag, die preußiſche Regierung
möge im Bundesrate auf einen wirkſamen Schutz der
deutſchen wirtſchaftlichen Intereſſen bei der Neuregelung
unſerer handel spolitiſchen Verhältniſſe hinwirken, gab
dem preußiſchen Handelsminiſter Dr. Sydow Anlaß,
eine in die feierliche Form einer Kundgebung des
Geſamt=
miniſteriums gekleidete Erklärung abzugeben, die, wie
ſchon geſagt, den Erklärungen Dr. Delbrücks im Reichstag
ſich anſchloß und wohl hauptſächlich die Rechte darüber
beruhigen ſollte, daß Preußen deren wirtſchaftlichen
Standpunkt unter allen Umſtänden vertreten werde, auch
wenn „dieſer” Reichstag verſagen ſollte, dem man nach
konſervativer Anſicht wirtſchaftspolitiſche Aufgaben kaum
anvertrauen könne. Daß der Reichstag in ſeiner jetzigen
Zuſammenſetzung eine ſichere Mehrheit für die
Aufrecht=
erhaltung der heutigen Wirtſchaftspolitik enthält, will
man anſcheinend auf der Rechten nicht zugeben, um nicht.
zugeſtehen zu müſſen, das Reichsparlament könne neben
dem großen nationalen Werke, das es während der
letz=
ten Tagungsperiode ſchon geleiſtet hat, auch noch
erſprieß=
liche Arbeit auf wirtſchaftspolitiſchem Gebiete vollbringen.
Ob der Reichstag auch auf ſeiten der preußiſchen
Regie=
rung ſo wenig Vertrauen genießt, bleibt dahin geſtellt.
Die Erklärung des Staatsminiſteriums enthielt natürlich
darüber nichts, ſie ſang dem Zolltarif von 1902 ein Lob=
Lied und konſtatierte, daß jener ein hinreichender Schutz des
Inlandmarktes ſei und ſich auch beim Abſchluß der
Tarif=
verträge als ein brauchbares Werkzeug erwieſen habe.
Aus der allgemeinen Lohnſteigerung und der gehobenen
Lebenshaltung der Arbeiterbevölkerung folgerte Dr.
Sy=
dow, daß bei der jetzigen Wirtſchaftspolitik auch die
Inter=
eſſen der minderbemittelten Klaſſe gewahrt worden ſeien,
worüber die Anſichten bekanntlich auseinandergehen.
Auch das preußiſche Geſamtminiſterium ſteht auf dem
Standpunkt, daß im allgemeinen grundlegende
Aenderun=
gen des Zolltarifs nicht nötig ſind und ein Bedürfnis
für die Verſtärkung des Zollſchutzes nicht vorliegt, ſolange
die gegenwärtigen Handelsverträge in Kraft bleiben.
Deutſchland will ja zu ihrer Kündigung die Initiative
nicht ergreifen, aber man vermutet wohl in Berlin nicht
mit Unrecht, daß einzelne Staaten, darunter in erſter
Reihe Rußland, eine Verlängerung der Verträge nicht
beabſichtigen. Für dieſen Fall ſoll das Rüſtmittel des
Zolltarifs eine Verſtärkung erfahren, und es entſteht nun
die Frage, ob bei dieſer Gelegenheit nicht den agrariſchen
Wünſchen mehr entgegengekommen werden wird, als ſich
mit den Intereſſen der Geſamtheit des Volkes verträgt.
Der Gedanke des „lückenloſen” Tarifs iſt noch lange nicht
aufgegeben, und es iſt gar nicht ſo unwahrſcheinlich, daß
auf gewiſſer Seite die Hoffnung genährt wird, er werde
bei einer kommenden Zolltarifnovelle der Verwirklichung
näher gebracht werden. Darin liegt eine Beunruhigung,
die ſich in ihrer ganzen Bedeutung heute noch nicht
über=
ſehen läßt.
Der rollende Rubel in
Bulgarien.
C Man ſchreibt uns: Die in Sofia erſcheinende
Zeitung Kambana brachte kürzlich einen Leitartikel, in dem
der Einfluß des ruſſiſchen Geldes in
Bul=
garien ſchonungslos ans Licht gezogen wird. Seit den
Balkankriegen ſei die ruſſiſche Diplomatie wieder eifrig
tätig unter Zuhilfenahme ihrer agents provocateurs und
eines ausgedehnten Spionagedienſtes. Die Ruſſenfreunde
im Lande hätten daher wieder neue Hoffnung gefaßt, durch
Rußland zur Macht zu gelangen, und aus Rußland ſeien
beträchtliche Summen zu Agitationszwecken nach Bulgarien
geſandt worden. Im November vorigen Jahres habe Fürſt
Trubetzkoi, der Leiter der Balkanangelegenheiten im
ruſ=
ſiſchen Miniſterium des Aeußern, brieflich Herrn
Da=
new die Frage geſtellt: „Sagen Sie, was wir tun
müßten, um den verlorenen Einfluß zurückzugewinnen
und die Sympathien des bulgariſchen Volkes zu
erwer=
ben.‟ Danew ſoll geantwortet haben: Er wiſſe ſelber
nicht, wie das geſchehen könne, es ſei ſchon etwas zu ſpät
dazu. Ein Mittel bleibe noch übrig: Ferdinand zur
Abdankung zugunſten ſeines Sohnes Boris zu
zwin=
gen und ihn ſelbſt ſofort über die Grenzen Bulgariens
zu jagen, damit er der weiteren Entwickelung der Dinge
nicht hinderlich ſei. Hierfür ſeien aber große Summen
Geldes erforderlich, um zunächſt einen Teil der
haupt=
ſtädtiſchen Tagespreſſe und auch einige Führer der
Land=
wirte, Sozialiſten und andere einflußreiche Perſönlichkeiten
zu gewinnen. Außerdem müßten kleinere Provinzblätter
ins Leben gerufen werden, um das Gefühl der
Erkenntlich=
keit gegenüber Rußland im bulgariſchen Volke zu
er=
wecken.
Infolge dieſer kühnen und deutlichen Antwort
Da=
news ſei dann reichlich ruſſiſches Geld nach Bulgarien
ge=
floſſen. Unter genauer Angabe der Daten, der
einzelnen Beträge und der Namen der
Ueberbringer weiſt dann Kambana in demſelben
Artikel nach, daß ſeit Mitte November vorigen Jahres
auf den Namen der ruſſiſchen Geſandtſchaft in Sofia und
des ruſſiſchen Kloſters in Schipka insgeſamt 655000
Francs nach Bulgarien gelangt ſeien. Von
die=
ſer Summe ſeien an Dr. Danew 120000 Francs, an eine
Tageszeitung 85000, an eine andere 110000, an den
Füh=
rer einer der linksſtehenden Gruppen 70000, an einen
an=
deren kleineren Führer derſelben Gruppe 45000 und an
einen Führer einer anderen Gruppe der Linken 120000
Francs gezahlt worden.
Dieſe Enthüllungen haben in Sofia ungeheures
Auf=
ſehen erregt, zumal bekannt geworden war, daß bei den
letzten Wahlen der Rubel eine große Rolle ſpielte, und
insbeſondere die Sozialiſten ihre überraſchenden Erfolge
zum Teil ruſſiſchem Gelde zu verdanken hatten. Ruhiger
denkende Politiker wollen allerdings den Angaben der
Kambana nicht recht Glauben ſchenken und verlangen
deut=
lichere Beweiſe dafür, daß von ruſſiſcher Seite ſtarke
An=
ſtrengungen gemacht werden, um gegen die jetzige
Regie=
rung in Sofia zu arbeiten.
Deutſches Reich.
— Die Wiener Reiſe Kaiſer Wilhelms.
Das Wiener Fremdenblatt erhält von ſeinem Berliner
Mitarbeiter folgende Information: Wie nunmehr feſtſteht,
wird Kaiſer Wilhelm am 23. ds. Mts. auf ſeiner
Durch=
reiſe nach Korſu in Wien eintreffen und dem Kaiſer Franz
Joſef einen Beſuch abſtatten. Dieſer Beſuch trägt keinen
offiziellen Charakter. Kaiſer Wilhelm wird noch am
Abend des 23. von Wien aus ſeine Weiterreiſe antreten.
Im Gegenſatz hierzu ſteht eine Meldung des römiſchen
Blattes Meſſagero, nach der das italieniſche
Eiſenbahn=
miniſterium davon verſtändigt wurde, daß das deutſche
Kaiſerpaar am 23. ds. Mts. in Venedig eintreffen werde.
— Eine ungültige Reichstagswahl. Die
Wahlprüfungskommiſſion des Reichstags erklärte, wie
ſchon mitgeteilt, die Wahl des Abgeordneten Hoeſch (konſ.,
Magdeburg 2) mit 8 gegen 6 Stimmen für ungültig. Der
Wahlkreis Magdeburg 2 (Stendal=Oſterburg) war immer
von den Konſervativen und Nationalliberalen umſtritten
und abwechſelnd im Beſitz der einen und anderen dieſer
Parteien. Bei der Hauptwahl im Jahre 1912 erhielten
in dem bis dahin von Fuhrmann (natl.) vertretenen
Kreiſe die Konſervativen 10512 Stimmen, die
National=
liberalen 8621, die Sozialdemokraten 7434, die Polen 38
Stimmen. Bei der Stichwahl ſiegte Hoeſch (konſ.) mit
13 288 Stimmen gegen den nationalliberalen Kandidaten,
der 10995 Stimmen erhielt. Es müſſen ganz beſondere
Gründe für die Ungültigkeitserklärung der Wahl
vorge=
legen haben, da die Mehrheit der Stimmen Hoeſchs ſehr
bedeutend iſt.
— Die Reform der Beamtenbeſoldung.
An der Verſtändigung, die zwiſchen dem Reichsſchatzamt
und dem preußiſchen Finanzminiſterium über die
Beam=
tenbeſoldungsvorlage ſtattgefunden hat, ſoll beiderſeits,
wie der Berliner Lokal=Anzeiger hört, unbedingt
feſtge=
halten werden. Man muß deshalb darauf gefaßt ſein,
daß weder die Reichsregierung noch die preußiſche
Regie=
rung etwaigen weitergehenden parlamentariſchen
Be=
ſchlüſſen zuſtimmen werden. Erhöhungen über die
Vor=
lage hinaus ſollen vielmehr einer ſpäteren allgemeinen
Reform der Beamtenbeſoldung im Reiche und in
Preu=
ßen vorbehalten bleiben.
— Gewerkſchaftsſtreit und chriſtliche
Gewerkſchaften. Man ſchreibt uns: Gegenüber dem
Gewerkſchaftsſtreit, der die „Kölner” und die „Berliner”
ſo ſtark beſchäftigt, haben die chriſtlichen Gewerkſchaften
ſelbſt vollkommene Zurückhaltung beobachtet. Statt
deſ=
ſen wurde von ihnen in verſchiedenen Bezirken eine
ſyſte=
matiſch vorbereitete Hausagitation durchgeführt, die ihren
Mitgliederbeſtand um mehr als 6000 ſteigerte. Das
Zen=
tralblatt der chriſtlichen Gewerkſchaften gibt hiervon
Kennt=
nis und fügt hinzu: „Das iſt die wirkſamſte Abwehr
gegenüber den ewigen Quengeleien, womit man die
chriſtlichen Gewerkſchaften unaufhörlich zu beunruhigen
ſucht: man redet nicht mehr, man handelt.”
Aus Zabern. In Zabern iſt am Dienstag
die Nachricht eingetroffen, daß ſämtliche in Zabern
ſtatio=
nierten Gendarmen verſetzt werden ſollen, um durch
Gen=
darmen aus verſchiedenen Teilen des Deiches erſetzt zu
werden.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Der Abbruch der
Ausgleichsverhand=
lungen. Der deutſche Nationalverband nahm in einer
Vollverſammlung zu Wien eine Entſchließung an, in der
er den Abbruch der von der Regierung eingeleiteten
Aus=
gleichsverhandlungen in Böhmen zur Kenntnis nimmt
und erklärt, der deutſche Nationalverband werde mit aller
Entſchiedenheit dafür eintreten, daß den gerechten
For=
derungen des deutſchen Volkes in Böhmen Rechnung
ge=
tragen werde und erwarte, daß die nationale Solidarität
des geſamten deutſchen Volkes in Böhmen für alle Fälle
und in alle Zukunft beſtehen und ſich auch unter den
ſchwierigſten Verhältniſſen bewähren werde.
Stalien.
Libyen. In der Kammer führte der
Miniſterpräſi=
dent bei der Beratung der Ausgaben für Libyen aus:
Die Erörterung habe die völlige Einmütigkeit über die
abſolute Notwendigkeit in Libyen zu bleiben, ergeben,
wodurch den anderen Nationen gegenüber das Vorgehen
der Regierung in Libhen gerechtfertigt wird. Dieſe Frage,
welche über jeder miniſterieller Erwägung ſtehe, wolle er
nicht zum Gegenſtand einer Vertrauensfrage machen. (
Bei=
fall) Der Gedanke der Eroberung Libyens lebte in dem
Bewußtſein des italieniſchen Volkes. Die Regierung
ent=
ſchloß ſich im geeigneten Moment dazu: wenn Italien das
nicht getan hätte ſo bätten andere Mächte ſeinen Platz
eingenommen. An diplomatiſcher Vorbereitung habe es
nicht gefehlt, was dadurch bewieſen werde, daß keine
Re=
gierung das italieniſche Vorgehen in irgendeiner Form
gehindert hat. Das Souveränitätsdekret ſei eine abſolute
Notwendigkeit geweſen. Es habe Europa klar gemacht,
daß Italien niemals wieder aus Libyen zurückweichen
wolle; es habe die Suzeränität des Sultans begrenzt und
Kapitulationen ausgeſchloſſen. Italiens Ziel, ſei die
ſchnelle Pazifizierung der Kolonie, ſeine Sorge ſei, daß
die Bedürfniſſe der Kolonie nicht die wirtſchaftlichen
In=
tereſſen des Mutterlandes ſchädigen. Die
Eingeborenen=
bevölkerung müſſe ſo behandelt werden, daß ſie anerkenne,
daß Italien ihr Beſtes wolle und wünſche, daß ſie die
Wohltaten der Ziviliſation genießen ſolle. Das
italieni=
ſche Volk bleibt der feſten Ueberzeugung, daß man in
Li=
byen mit Würde bleiben muß. (Lebhafte Zuſtimmung.)
Er ſchlug vor, zur Erörterung der einzelnen Artikel
über=
zugehen. Die Kammer werde ſo am beſten den Willen
ausdrücken, in Libyen zu bleiben, und der Regierung die
nötigen Gelder zur Verfügung ſtellen. (Sehr lebhaſter
anhaltender Beifell. Giolitti wird lebhaft beglückwünſcht.)
Darauf wurde gemäß dem Antrage Giolitti der
Ueber=
gang zur Erörterung der einzelnen Artikel mit 361 gegen
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Nummer 65.
83 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen angenommen.
Dagegen ſtimmten die Sozialiſten, die Republikaner, ein
ſozialer Katholik und drei Radikale.
Frankreich.
Ein neuer Entwurf für die
Einkom=
menſteuer. Finanzminiſter Caillaux entwickelte vor
der Senatskommiſſion für die Einkommenſteuer ſeinen
neuen Entwurf. Die Kommiſſion nahm davon Kenntnis
daß Caillaux in dem Artikel 1 die franzöſiſche Rente von
der Einkommenſteuer befreit. Die neue Faſſung des
Ar=
tikels 1 hat in parlamentariſchen Kreiſen und in der Preſſe
eine lebhafte Erörterung hervorgerufen. Die
oppoſitio=
nellen Blätter weiſen ſpöttiſch darauf hin, daß Caillaux
und ſeine Anhänger das Miniſterium Barthou gerade
deshalb geſtürzt haben, weil in deſſen Anleiheentwurf
der franzöſiſchen Rente Steuerfreiheit gewährleiſtet
wor=
den war. Das Echo de Paris ſchreibt: Das radikale
Pro=
gramm iſt offenbar ein Werkzeug zu zweifachem Gebrauch.
Man benutzt es, um ans Ruder zu gelangen; man läßt
es fallen, um am Ruder zu bleiben. Der Gaulois
ſchreibt: Miniſterpräſident Doumergue und Kriegsminiſter
Noulens traten als Vertreter des Dreijahrgeſetzes auf und
Finanzminiſter Caillaux verteidigt die Unantaſtbarkeit der
Rente. Was bleibt da von dem Programm des radikalen
Kongreſſes in Pau noch übrig? War es der Mühe wert,
das Miniſterium Barthou zu ſtürzen? Der Figaro
be=
merkt, daß die franzöſiſche Rente ſeit zwei Tagen
geſtie=
gen ſei, ohne daß dies die innere und äußere Lage erklär
lich erſcheinen ließ, und ſpricht gegen Caillaux
unverhoh=
len die Verdächtigung aus, daß er ſeinen Freunden an der
Börſe von ſeinem Vorhaben Mitteilung gemacht haben
muß.
Der Bahnbau Tanger-Fez. Wie aus
Madrid gemeldet wird, hat der Oberbefehlshaber der
ſpa=
niſchen Truppen in Marokko, General Marina, an den
Kriegsminiſter ein Schreiben gerichtet, in welchem er
ge=
gen die in der Preſſe erhobenen Behauptungen, daß man
mit Rückſicht auf den in Marokko herrſchenden
Kriegszu=
ſtand mit dem Bau der Bahn Tanger-Fez noch nicht
be=
ginnen könne, lebhaft Einſpruch erhebt. Marina erklärt,
daß man die Arbeiten ſchon jetzt in aller Sicherheit in der
von den ſpaniſchen Truppen beſetzten Zone beginne könne.
Man möge den Bau dieſer Linie, welche für die
Wohl=
fahrt des ſpaniſch=marokkaniſchen Gebietes von
außer=
ordentlicher Wichtigkeit ſei, nicht länger aufſchieben.
Belgien.
Geſetzentwurf über Frauen= und
Kin=
derarbeit. Die Kammer hat in zweiter Leſung einen
Geſetzentwurf über die Frauen= und Kinderarbeit
ange=
nommen. Hiernach wird die Beſchäftigung von Kindern
unter 14 Jahren grundſätzlich unterſagt, eine Vorſchrift,
die mit dem neuen Schulgeſetz zuſammenhängt und daher
auch Ausnahmen für den Fall vorſieht, daß ein 13jähriges
Kind entſprechende Schulzeugniſſe aufweiſen kann. Ferner
verbietet das Geſetz die Nachtarbeit von Frauen jeglichen
Alters, d. h., nachts von 9 Uhr bis 5 Uhr morgens, und
zwar auch für die Schank= und Gaſthausbetriebe.
Letz=
tere ſind erſt nachträglich in den Kreis der betroffenen
Betriebe hereingezogen worden, was begreiflicherweiſe
unter den Betroffenen einen lebhaften Widerſtand
hervor=
gerufen hat, bis zur Stunde vergebens, denn der Miniſter
hat ausdrücklich erklärt, er erkenne keinen Grund für
Aus=
nahmebeſtimmungen. Nur zeigte die Kammer inſoweit
Entgegenkommen, als ſie einen Zuſatzantrag annahm, der
Ausnahmen für die Nachtarbeit von Frauen in
Gaſt=
häuſern und Schankbetrieben vorſieht, die aber jedesmal
durch königlichen Erlaß eigens beſtätigt werden müſſen.
Kußland.
Keine Kriegsvorbereitungen an der
Weſtgrenze. Das Organ des Finanzminiſteriums
er=
klärt in ſeiner Ausgabe vom 5. März: Die Kölniſche
Zei=
tung veröffentlichte am 3. März die Nachricht über an=
gebliche Kriegsvorbereitungen Rußlands an der
Weſt=
grenze. Am Abend desſelben Tages rief die Nachricht eine
lebhafte Unruhe an der Pariſer Börſe hervor, die ſich in
dem Kurſe der an dieſer Börſe gehandelten ruſſiſchen
Werte widerſpiegelt. Die Unruhe teilte ſich auch der
Petersburger Börſe mit, die unter der Einwirkung der
erwähnten Nachricht äußerſte Beſtürzung zeigte, die durch
Maßnahmen von Baiſſeſpekulanten noch geſteigert wurde
Wir ſind, ſo ſchreibt das Blatt, in der Lage, formell zu
erklären, daß die Nachricht der Kölniſchen Zeitung jeder
Begründung entkehrt.
Serbien.
Die Oppoſition in der Skupſchtina, Zur
Verhandlung ſtand am Donnerstag die Geſetzesvorlage,
betr. das Budgetproviſorium pro März 1914. Der
jung=
radikale Parteiſührer Drascowitſch erklärte, daß ſeine
Partei zum Zeichen des Proteſtes gegen das
verfaſſungs=
widrige Vorgehen der Regierung in der Budgetfrage an
den Verhandlungen der Geſetzesvorlage nicht teilnehmen
werde. Sämtliche jungradikalen Abgeordneten verließen
darauf demonſtrativ den Sitzungsſaal. Der
nationaliſti=
ſche Parteiführer Veljkowitſch ſchloß ſich der
Er=
klärung Drascowitſchs an und verließ gleichfalls mit
ſei=
nen Parteigenoſſen den Saal. Der Fortſchrittliche Miloje
owanowitſch gab namens der fortſchrittlichen Partei die
Erklärung ab, daß auch dieſe die Politik der Regierung
in entſchiedener Weiſe verurteile und deshalb gegen das
Budgetproviſorium ſtimmen werde. Der Berichterſtatter
der Majorität, Ninitſch, bezeichnete die von der
Oppo=
ſition gegen die Geſetzesvorlage erhobenen
Einwendun=
gen als unbegründet, da ſie in vollkommen korrekter Weiſe
im Parlament eingebracht worden ſei. Die Skupſchtina
ahm darauf die Vorlage, betr. das Budgetproviſorium,
mit 82 gegen 7 Stimmen in erſter Leſung an und ging
darauf zur Spezialberatung des Invalidengeſetzes über,
an der auch die Oppoſition wieder teilnahm.
* Journaliſtenkurſe. Wir leſen in der Köln.
Ztg.: Der achttägige Fortbildungskurſus für
Journa=
liſten, der an der Hochſchule für kommunale und ſoziale
Verwaltung in Köln abgehalten worden, iſt am
Diens=
tag zu Ende gegangen. Es iſt darin viel und oft davon
die Rede geweſen, daß die Zeitung ein Inſtrument der
öffentlichen Meinung ſei, daß nur das in den allgemeinen
redaktionellen Teil gehöre, was allgemeines öffentliches
Intereſſe hat. Gehört ſomit ein Bericht über den
Jour=
naliſtenkurſus an dieſe Stelle? Sicherlich; denn wenn es
wahr iſt, daß die Zeitung ein Inſtitut von gemeinem
Nutzen iſt, das der Allgemeinheit, dem Publikum, dient,
dann hat dieſes Publikum auch an der Ausbildung der
Männer, welche die Zeitung ſchreiben, das größte
Inter=
eſſe. Zudem ſpielt die Zeitung im wirtſchaftlichen wie im
öffentlichen Leben eine ſo bedeutſame Rolle, daß nicht nur
zünftigen Journgliſten, ſondern auch ſonſtigen
Intereſſen=
ten die Möglichkeit willkommen geweſen ſein wird, über
das Zeitungsweſen einmal etwas aus dem Munde von
Leuten zu hören, die aus langjähriger Praxis und
Er=
fahrung heraus darüber etwas zu ſagen haben. Die Stadt
Köln hat ſich deshalb ein anerkennenswertes Verdienſt
erworben, als ſie zum erſten Male in Deutſchland eine
ſolche Gelegenheit bot. Der volle Erfolg des Kurſes
hat der Kölner Stadtverwaltung auch gezeigt, daß ſie das
Richtige getroffen und einen langgehegten Wunſch
wei=
teſter Kreiſe erfüllt hat. Die Zahl der Teilnehmer betrug
einſchließlich 200 Studierender der beiden Hochſchulen
350; von auswärts waren 110 Hörer eingetroffen, u. a.
aus London, Berlin, Königsberg, Leipzig, Hannover,
Kaſſel, Nürnberg, München, Stuttgart, Heidelberg,
Kol=
mar. Nach Berufsarten geſondert zeigt die
Teilnehmer=
liſte ein ſehr intereſſantes Bild: Von den auswärtigen
Teilnehmern waren 20 Verleger, 43 Redakteure, ferner
Kaufleute, Staatsbeamte (zwei Oberregierungsräte),
Kommunalbeamte, Juriſten, Direktoren und Prokuriſten,
frühere Beamte, Geſchäftsführer u. a. m. Das
Vor=
leſungsverzeichnis übte in ſeiner Reichhaltigkeit gewiß
große Anziehungskraft aus; es behandelte die
verſchie=
denſten Gebiete des Journalismus, die politiſche
Betäti=
gung, die wechſelſeitigen Beziehungen von Preſſe und
Publikum, den Anzeigenteil und ſein Verhältnis zum
all=
gemeinen Teil, Kaufmannſchaft und Preſſe, Vorbildung
und Eigenſchaften des Redakteurs, Preſſe und Rechts=
pflege, Handelswelt und Preßkritik, Staat und Preſſe, die
ausländiſche Preſſe, Theater und Preſſe, den Verlegen
einer modernen Tageszeitung; ferner rein techniſche Fras
gen, die Aufmachung einer modernen Tageszeitung und
ihre Technik uſw. Verleger und Redakteure von Ruf und
Anſehen, hohe Staats= und Kommunalbeamte, die in bes
reitwilligſter Weiſe die Vorleſungen übernahmen, ſichen
ten von vornherein dem Kurſus die Bedeutung, die man
ihm in Fachkreiſen ſichern mußte und die man in Zukunftz
wenn möglich, zu erhöhen beſtrebt ſein wird.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 6. März.
* Vom Hofe. Die Großherzogin empfing am
Mittwoch vormittag von 9½ Uhr an im Neuen Palais
Freiin von Follenius, Frau W. Merck, Frau Milkau
und Freifrau V. von Riedeſel. (Darmſt. Ztg.)
* Ernennung. Der Kaiſer hat den Großh.
Heſſiſchen Rat bei der Provinzialdirektion Starkenburg,
Regierungsrat Freiherrn von Starck in Darmſtadt,
zum Mitglied der Kaiſerlichen Diſziplinarkammer ernannt.
g. Strafkammer I. Des Vergehens gegen die
Ge=
werbeordnung waren geſtern die Ziegeleibeſitzer Kärcher
und Weiler von Bensheim vor der hieſigen
Strafkam=
mer angeſchuldigt. Die beiden Angeklagten hatten im
Jahre 1908 die in Bensheim weſtlich der Bahn gelegene
Ziegelei mit Tongruben gekauft, der Vorbeſitzer hatte 1900
einen neuen Ringofen erbaut und bei dieſer Gelegenheit
auch die Genehmigung zur Ausbeutung der Tongruben ers
halten. Zur Bedingung war ihm damals gemacht worden,
die ausgebeuteten Gruben derart auszufüllen, daß das
Grundwaſſer nicht infiziert werde. Nun hat anſcheinend
der Vorbeſitzer angenommen, daß ihm durch dieſe Beſtimg
mung nur die Verpflichtung auferlegt wurde, wenn er die
Löcher ausfülle, daß dies ſo geſchehe, daß das Grundwaſſer
nicht infiziert wird. Da den neuen Beſitzern durch
Anord=
nung des Kreisamts auferlegt wurde, ſämtliche ausgebeus
teten Löcher mit Erde auszufüllen, erhoben dieſe Zivilklage
auf Nichtigkeit des Kaufvertrages, da ihnen jene unmög
lich zu erfüllende Bedingung verſchwiegen worden ſei
Landgericht jedoch, wie Oberlandesgericht erkannten
da=
hin, daß jene Beſtimmung zweierlei Deutung zulaſſe. Beiden
Gerichte ſind der Auffaſſung, die Beſtimmung wolle nur
verlangen, daß, wenn ausgefüllt werde, dies ſo geſchehe,
daß das Grundwaſſer nicht infiziert werde. Nachdem dieſe
Urteile ergangen waren, wurden die beiden Angeklagten
abermals aufgefordert, jener Beſtimmung nachzukommen,
Als dies nicht geſchah, erfolgte Anzeige. Das
Schöffen=
gericht hatte jedoch auf Freiſprechung erkannt. Wenn
ſich die Angeklagten auch in objektiver Weiſe gegen die
Ge=
werbeordnung vergangen hätten, ſo ſei doch in ſubjektiver
Beziehung ein Verſchulden nicht gegeben, zumal ihre
Weigerung durch die Erkenntniſſe der beiden Inſtanzen den
Anſchein einer Berechtigung erhielt. Die Strafkammer trat
geſtern dieſem Urteil bei und ſprach die
Angeklag=
ten ebenfalls frei. — Der vorbeſtrafte 19jährige
Spengler Karl Rudolf Klingele aus Stuttgart hat hien
am 23. Oktober vorigen Jahres vom Hofe der Volksküchen
ein ziemlich neues Fahrrad geſtohlen und im Pfandhaus
für 15 Mark verſetzt. Weiter hat er am 28. Oktober ein vor
drei Jahren in Offenbach geſtohlenes Fahrrad verkauft,
wie er angibt, im Auftrage eines Unbekannten. Da ihm
der Diebſtahl dieſes Rades nicht nachgewieſen werden kann,
wird er nur wegen Hehlerei verurteilt. Er erhält unten
Einbeziehung einer von der Frankfurter Strafkammer
wegen Diebſtahls gegen ihn erkannten Gefängnisſtrafe von
6 Monaten eine Geſamtgefängnisſtrafe von
9 Monaten. — Weiter wurde geſtern von der
Straf=
kammer die Einziehung eines aus Blei
ge=
fertigten Zweimarkſtückes und eines
merk=
würdig aus zwei Teilen, noch dazu in verſchiedenen
Far=
ben, zuſammengeklebten
Hundertmark=
ſcheins ausgeſprochen.
— Vom Großh. Hoftheater. Am heutigen Freitag,
wird der mit ſtarkem Intereſſe aufgenommene Ibſen=
Zyklus mit der Aufführung des Schauſpiels „ Die
Stützen der Geſellſchaft” weitergeführt werden,
Die Leitung hat Regiſſeur Harprecht, der das Werk einer
ſzeniſchen und dekorativen Neugeſtaltung unterzogen hat=
Die Aufführung, die im D=Abonnement ſtattfindet, beginnt
um 7½ Uhr. Es gelten die kleinen Preiſe. Am Sonntag
gelangt zum erſten Male in dieſer Spielzeit „Triſtan
und Iſolde” in der neuen ſzeniſchen Einrichtung der
vorjährigen Frühlings=Feſtſpiele zur Aufführung. Die
Leitung hat Hoſkapellmeiſter Paul Ottenheimer und
Re=
giſſeur Nowack. Die Hauptpartien werden erſtmalig von
Franziska Callwey und Georg Becker vertreten werden.
Der Beginn dieſer Vorſtellung, die der Serie B zufällt,
iſt auf 6 Uhr angeſetzt.
Aus neuen Erinnerungen an
Bismarck und Moltke.
** In ihren Erinnerungen an den Berliner
Hof” die die Prinzeſſin Radziwill in der Revue
veröffentlicht, widmet ſie in der neueſten Nummer zwei
Kapitel Bismarck und Moltke. Beſonders
inter=
eſſant iſt, was ſie über den eiſernen Kanzler als Gatten
und Familienvater zu erzählen weiß. „Bismarck hatte
eine tiefe Neigung für den alten Kaiſer. Wenn ſie
zuſam=
men waren, konnte man die unwillkürliche Ehrfurcht
be=
obachten, mit der die Augen des Kanzlers auf dem
Herr=
ſcher ruhten. Man fühlte in ſeinem Blick Dankbarkeit und
Bewunderung; man ahnte eine tiefe und wahre Liebe.
Wenige Perſonen haben dieſen Zug im Charakter des
Fürſten beobachtet, der doch ſo ſehr zur Zärtlichkeit neigte.
Niemals hat es einen beſſeren Gatten, einen liebevolleren
Vater gegeben, er war ein Menſch, gemacht für das
Fami=
lienleben, das er liebte, an dem er hing und in dem er
ebenſo wie in der Liebe zu ſeiner Frau und ſeinen Kindern
einen Troſt inmitten all der Sorgen fand, die ihm die
Füh=
rung der Staatsgeſchäfte verurſachte, und inmitten der
ungeheueren Verantwortung, die auf ſeinen Schultern
laſtete. Während der Stunden, wo die größten
Inter=
eſſen des Staates auf dem Spiel ſtanden, gingen ſeine
Ge=
danken zu ſeinen Enkelkindern und das geringſte
Unwohl=
ſein dieſer Kleinen beſchäftigte ihn mehr als ſeine
poli=
tiſchen Erfolge oder Mißerfolge. Es wäre ſchwer, ſich ein
glücklicheres Leben vorzuſtellen als das, das er mit ſeiner
Frau führte. Sie war in ihrer Art eine ganz ebenſo
be=
deutende Perſönlichkeit wie ihr Mann. Sie war durchaus
nicht, was man eine Frau von Welt nennt, und hatte nichts
von glänzendem Eſprit. Aber ſie beſaß eine gute Menge
geſunden Menſchenverſtandes, die für jeden Erfolg ſo
wich=
tig iſt. In ihrer völligen Aufopferung für den Fürſten,
mußte ſie völlig zurückzutreten, wenn es nötig war, und
unaufhörlich wachte ſie über ihn und über ſein
Wohler=
gehen, mit jener Zärtlichkeit, die nur der beſitzt, der das
ge=
liebte Weſen über ſich ſelbſt ſtellt. Für ſie war er
vollkom=
men; während der langen Jahre ihrer Verbindung war
tiemals der leiſeſte Streit zwiſchen ihnen, und es iſt
zweifelhaft, ob der Fürſt all die großen Dinge hätte
voll=
bringen können, mit denen ſein Name in der Geſchichte
ver=
knüpft iſt, wenn er nicht an ſeinem Herd die notwendige
Ermutigung für ſeine ſchwere Aufgabe gefunden hätte und
beſonders eine ebenſo ſtarke Liebe wie dieſen Glauben,
der Berge verſetzt.” Von der Fürſtin wird dann weiter
ge=
ſagt: „Die wichtigſten Dinge exiſtierten für ſie nur, wenn
ſie mit ihm in perſönlicher Berührung ſtanden; ſie war die
Frau des Fürſten Bismarck, aber keineswegs die Gattin
es deutſchen Reichskanzlers. Sie war gut, liebevoll,
wohl=
tätig, eine hingebende Mutter und ausgezeichnete
Haus=
frau. Ueberall reſpektierte man ſie, und ſogar die
elegan=
ten Kreiſe zogen ihre ſeltſamen Toiletten und die
Einfach=
heit ihres Benehmens nicht ins Lächerliche. Sie war für
ihren Mann eine beſſere Frau, als es wahrſcheinlich eine
geweſen wäre, die die politiſche Seite ſeiner großen
Per=
ſönlichkeit beſſer verſtanden hätte. Sie ſtellte für ihn
gleich=
ſam die Pantoffeln und den Schlafrock dar, die ſelbſt ein
Genie zu ſeinem völligen Behagen nicht entbehren kann.”
Zu Moltke ſtand die Familie Radziwill ſeit langem
in den freundſchaftlichſten Beziehungen; die Prinzeſſin
wurde ihm daher ſogleich nach ihrer Hochzeit vorgeſtellt
und „blieb immer ein Gegenſtand ſeines beſonderen
Wohlwollens. Es ſcheint, daß ich in meinem Aeußeren
ſeiner verſtorbenen Frau ähnlich ſah, einer ſehr jung
dahingegangenen Engländerin, die er leidenſchaftlich
ge=
liebt hatte; ich vermute, daß ich dieſem Umſtande die
Auf=
merkſaneleiten verdankte, die er für mich hatte. Der
Feld=
marſchall war ein großer langer Greis mit völlig
glatt=
raſiertem Geſicht; er trug eine Perücke, aber es
war eine nützliche Perücke, wenn man ſo ſagen darf,
denn ſie war nur dazu beſtimmt, ihren Träger
vor Erkältung zu ſchützen, und nahm keine andere Rolle
für ſich in Anſpruch. Moltke ſelbſt war der trockenſte
Menſch, den ich im ganzen Verlauf meines Lebens
ge=
ſehen habe. Man hat ihn einen großen Schweiger
ge=
nannt und ſicherlich verdiente er diefen Beinamen, aber er
war noch etwas mehr; er war ein großer Denker,
uner=
bittlich in ſeinen Schlüſſen, der nur im Auge hatte, was
er für ſeine Pflicht anſah und ſich durch nichts anderes
beſtechen ließ. Er hatte kaum ein Bewußtſein von den
Großtaten, die er vollbrachte. Er hielt ſie für ganz
natür=
lich und meinte, ſie müßten ganz von ſelbſt kommen, wenn
er ſie vorbereitet und vorhergeſehen hatte. Ich glaube
nicht, daß er jemals irgendwelche Erregung gehabt hat
außer jener Liebe zu ſeiner Frau. Die Armee exiſtierte
in ſeinen Gedanken nur wie eine Maſchine; er ſetzte ſie in
Marſch, wenn es nottat; er ſetzte ſich ſelbſt in Marſch mit
der Armee, die er leitete, mit einer Kaltblütigkeit, deren
kein anderer Sterblicher fähig geweſen wäre. Als ihm
nach der Kapitulation von Paris Kaiſer Wilhelm mit
be=
wegten Worten für den Anteil dankte, den er an dem
Triumph ſeiner Waffen genommen, begnügte ſich der
Feldmarſchall trocken zu erwidern: „Die Dinge konnten
garnicht anders vor ſich gehen. Nicht ich bin es, dem der
Dank gebührt, ſondern alle die, die mir gehorcht haben.”
Ein impoſantes Bild Bismarcks entwirft die
Verfaſſerin noch bei anderer Gelegenheit, da ſie ihn im
Reichstag ſchildert, wie er eine kaiſerliche Botſchaft
ver=
lieſt. „Der Fürſt echob ſich. Ich ſehe ihn noch vor mir,
aufrecht in ſeiner blauen Küraſſieruniform mit dem gelben
Kragen, den rieſigen Kopf in ſcharfem Umriß ſich
ab=
hebend von dem dunklen Grund des weiten Saales.
Nie=
mals war er mir ſo überwältigend erſchienen. Seine
vor=
ſſpringenden viereckigen Kinnbacken, die ganze
Entſchloſſen=
heit, die ſeine Haltung atmete, hatte etwas Ergreifendes,
während er ſich langſam bückte, um das Papier zu leſen,
das er in der Hand hielt Nachdem er den Angriff
des Reichstags, der wegen der Ruſſenausweiſungen gegen
ihn gerichtet worden war, durch dieſe Botſchaft abges
ſchlagen hatte, drehte er ſich, ohne auch nur einen letzten
Blick auf die zu werfen, die er eben zermalmt, auf ſeinen
Hacken um und verließ den Saal. Als er die Tür erreichte,
wendet er ſich plötzlich zurück und da er die Mitglieder des
Bundesrats noch ſtarr vor Staunen auf ihren Sitzen ſah,
machte er mit der Hand eine Gebärde der Unggduld und
der Drohung. Der Bundesrat erhob ſich ſogleich, wie von
einer höheren Gewalt getrieben, und mit geſenkten
Augen folgte er, fort aus der Verſammlung, dem eiſernen
Kanzler. .
Mummer 65.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Seite 3.
Der Voranſchlag der Haupt= und Reſidenzſtadt
Darm=
t für das Jahr 1914 (umfaſſend die Zeit vom 1. April
ſil bis 31. März 1915) iſt im Druck erſchienen, und zwar
liſtirtem Umfange von 364 Seiten.
Seinen 70. Geburtstag feiert am Sonntag, den
ärz, Schloſſermeiſter Ludwig Hufnagel.
Vortrag über das franzöſiſche Volkslied. In
vorletzten der neuſprachlichen Vorträge
5 Herr Bodart, der noch vom vorigem Winter
gutem Angedenken ſtand, über das franzöſiſche Volks=
Sicherlich hat es die Kunſt des Vortragenden
ver=
ſſiioen. die Ergenheit des Volksliedes dem Verſtändnis
baders nahe zu bringen. In den einleitenden Worten
ßrde darauf hingewieſen, daß Frankreich reich an
Absliedern iſt. Nachdem noch kurz darauf hingewieſen
roen war, daß das franzöſiſche Volkslied dramatiſcher
Sas mehr lyriſche deutſche Volkslied ſei, begann die
iltlache Reihe der Proben. Zu den Kinderliedern ge=
Uhrt: „Voici venir le Jour de l'An que donnerai-je
hnron enfant ? ferner die Rundtanzlieder: La Ronde
E Trinide und La Ballade de Saint-Nicolas.
Natür=
wird Liebeslied und Liebesfreude oft beſungen
W.ns mon coeur, il y a point d’amour, mais y en
ri. quelque jour‟. „Cest pourtant temps, ma mere, de
enarier‟. „Le joli tambour‟ „A la claire fontaine
Die Ehelieder ſind meiſt ernſt oder gar traurig.
Edh chanson du bonhomme Misére). Die weit
ver=
lbekete Ballade vom Riter Olaf erſcheint hier unter
In Titel „Jean Renaud‟. Als Probe für die in
emkreich ſehr verbreitete chanson à métamorphoses
lfiette eine Verſion, die Miſtral einem Volkslied gegeben
ſt Ein Winzerlied vertrat die Stelle der chanson de
Eier. Den Schluß bildeten 3 volkstümliche Lieder:
glu” von J. Richepin, „Les boeufs” und ein zeit=
(mnöſſiſches Lied vom Montmartre :„La visite du préket‟.
Anige der Lieder wurden von H. Bodart geſungen.
— Konzert des Hoftheater=Chors. Das Programm
ſes Konzertes des Hoftheater=Chors, das
m Samstag, den 7. März, unter der muſikaliſchen
Lei=
ſſrg des Hofchordirektors Robert Preuß im großen Saale
Turngemeinde ſtattfindet, bietet eine Reihe erleſener
iſtleriſcher Genüſſe. Den Abend leitet das „
Meiſter=
ſiger”=Vorſpiel ein, das die Großh. Hofkapelle unter
Lei=
rg von Robert Preuß zu Gehör bringen wird. Es
fol=
t Vorträge, die der geſamte Chor ſingt, Lieder,
geſun=
er von Gertrud Geyersbach und Leo Schützendorf, ein
Maefenſolo von Vicki Baum, ein Cello=Vortrag von Hugo
Prdreae. Im zweiten Teil wird Rombergs „Lied von
ei Glocke” in welchem die Damen Geyersbach und Mül=
Ur ſowie die Herren Hilsdorf und Schützendorf die Soli
Abernommen haben, das Programm beſchließen. Die Kla=
Aierbegleitung hat Herr Kapellmeiſter Sautier vom Hof=
Uhiater. Die vollſtändigen Texte der Geſänge ſind zum
Wteiſe von 25 Pfg. bei der Firma Schutter, die auch den
Mertenverkauf übernommen hat, erhältlich. Am Abend
Uns dieſe Programmbücher auch an der Kaſſe zu erſtehen.
* Wohltätigkeitskonzert. Bei dem am Samstag, den
ds. Mts., im Chauſſeehaus ſtattfindenden
Wohl=
ärtigkeitskonzert zur Verabreichung eines
lveermen Frühſtücks für arme Kinder wird, vielfachen
lünſchen nachkommend Herr H. Fiſcher ſein ſchon einige
Nale mit Erfolg aufgeführtes Eichendorff=Idyll zur
Auf=
üerung bringen. Das Werk wurde zur Feier des 50
jäh=
ligen Todestages des Dichters J. v. Eichendorff
kom=
rniert. Wir wollen daher nicht verfehlen, an dieſer
Selle nochmals darauf hinzuweiſen.
* Konzert Tula und Maria Reemy=Dr. Walter Georgii.
Es ſei nochmals darauf verwieſen, daß das morgen
Saamstag, den 7. März, abends ſtattfindende Konzert
ir Geigerinnen Tula und Maria Reemy und des Pianiſten
Dr. Walter Georgii im Saale des Muſikvereins
rächt in der „Traube”) ſtattfindet. (Näheres ſiehe Anz.)
* Der Verband evangeliſch=kirchlicher
Frauen=
vareine im Großherzogtum Heſſen vermittelt die
Aus=
bildung von Frauen und Mädchen als Nothelferinnen
n der Krankenhilfe für Stadt und Land. Der Kurſus,
dar in Darmſtadt ſtattfindet, beginnt am 1. Mai und
dinuert 4 Monate. Davon dienen 3 Monate zur
Unter=
weiſung in der Krankenhilfe im Diakoniſſenhaus
Eliſa=
bi thenſtift und 1 Monat zur Unterweiſung in der
Säug=
lirigspflege im Eleonorenheim der Großh. Zentralſtelle
für Säuglings= und Mutterfürſorge. Anmeldungen zum
Kurſus werden bis ſpäteſtens 1. April erbeten und ſind
am Frau Pfarrer Lina Strack in Birkenau i. O. zu
richten, welche die für die Ausbildung geltenden
Be=
dingungen und Verträge verſendet und auch zu jeder
weiteren Auskunft bereit iſt.
* Naturwiſſenſchaftlicher Verein. Am Dienstag,
ten 10. März 1914, abends 8½ Uhr pünktlich, findet die
291. Sitzung im Fürſtenſaal, Grafenſtraße 20, ſtatt. Die
Tagesordnung lautet: Dr. L. Scheuring „Helgoland und
diie Königl. Biologiſche Anſtalt auf Helgoland” (mit
Licht=
bäldern).
— Vortrag zum Beſten des Photographiſchen Inſtituts
deer Techniſchen Hochſchule. Man teilt uns mit, daß unſerem
Berichterſtatter über den Vortrag „Bilder von der Inſel
Bornholm” einige ſachliche Irrtümer unterlaufen ſind, die
ien Intereſſe von Bornholm unbedingt einer Berichtigung
vedürfen. Die Hauptverbindung für den Fremdenverkehr
aus Deutſchland geht von Saßnitz aus. Viermal
wöchent=
lich, nicht einmal nur, iſt Fahrgelegenheit. Berlin-Born=
holm kann man bei Benutzung günſtiger Verbindung in
10—11 Stunden fahren, nicht 19 Stunden. Bornholm hat
die Größe der Inſel Rügen (nicht nur die halbe Größe)
Zu berichtigen iſt beſonders der Satz: „Eine Hauptplage
bil=
den die vielen Kreuzottern und die Ohrwürmer, die in Maſſe
auftreten, und den Badegäſten viel Plage bereiten.” Ich
habe lediglich geſagt, daß man verhältnismäßig häufig in
der Bornholmer Heide auf Kreuzottern ſtößt und, daß es
ſich empfiehlt, den Kindern dicke Strümpfe anzuziehen.
Ohrwürmer treten an einer einzigen Stelle in Menge auf
(eine Folge der außergewöhnlichen Trockenheit der
Mo=
nate Juni und Juli!). Es war aber meinerſeits weder die
Rede von einer Kreuzotternplage noch von einer
unerträg=
lichen Beläſtigung durch Ohrwürmer. Bei den Angaben
über die Granitinduſtrie betonte ich ausdrücklich, daß ſich
die Daten nur auf eine Firma (Bornholmer Granit=A.=G.),
nicht auch auf die anderen Firmen bezögen. Auch muß es
nicht heißen 50 Tonnen Schotter, ſondern 50000 Tonnen
Schotter.
* Sozial=mediziniſcher Abend. In der Ernſt Ludwig=
Heilanſtalt (Dr. Loſſens Klinik) fand am 4. März wieder
ein Sozial=mediziniſcher Abend ſtatt. Der
Augenarzt Herr Dr. Schlippe ſprach über „Unfall und
Erkrankungen des Auges” Vortragender berichtete in
großen Zügen über die mannigfachen Verletzungen, denen
das Auge in den verſchiedenſten Betriebszweigen ausgeſetzt
iſt. Im Anſchluß daran ſprach er über die Therapie und
den Endausgang der Unfallerkrankungen. Der letzte Teil
ſeines Vortrages war der Art der Rentengewährung
ge=
widmet; dabei wurden die einzelnen Folgen des Unfalles
und ihre beſondere Bewertung bei der Feſtſetzung der
Ren=
tenhöhe genauer erwähnt. Dem Vortrag vorausgegangen
waren kurze kliniſche Demonſtrationen durch
den Leiter der Anſtalt. Beſonderes Intereſſe bei den
Er=
ſchienenen erweckte ein Mann, dem infolge eines Unfalles
vor Inkrafttreten des Unfall=Verſicherungsgeſetzes beide
Unterarme hatten amputiert werden müſſen und der mit
ſinnreichen, von ihm ſelbſt konſtruierten Protheſen imſtande
iſt, alle Verrichtungen des täglichen Lebens ohne jede
fremde Hilfe auszuführen. Auch verdient er für ſich und
ſeine Familie durch einen Handel mit Galanteriewaren
ſeinen Lebensunterhalt.
* Aliceverein für Frauenbildung und Erwerb (
Alice=
ſchule). Die Kochſchule des Alicevereins für
Frauenbildung und Erwerb, Friedrichſtraße 4, veranſtaltet
eine Ausſtellung, welche Zeugnis ablegen ſoll von
dem, was dort gelehrt und gelernt wird. Man wird
Pro=
ben von den einfachſten bis zu den feineren Speiſen ſehen
und Gelegenheit haben, durch Ankauf die Güte derſelben
zu prüfen. Die Alice=Kochſchule beſteht ſeit dem Jahre
1889. Eine große Anzahl junger Mädchen wurde dort
unterrichtet, von denen die meiſten im eigenen Haushalt
ſich an ihre Lehrzeit mit Dank erinnern. In dem
ſchön geſchmückten Eßſaal wird man ſich gerne die
Ausſtellung anſehen. Mit der Ausſtellung iſt auch eine
Verloſung verbunden. — Der nächſte Kurſus beginnt am
1. April und werden Anmeldungen täglich daſelbſt
ent=
gegengenommen. Mit der Kochſchule iſt ein Mittagstiſch
verbunden.
* Die Abteilung Darmſtadt der Deutſchen
Kolonial=
geſellſchaft veranſtaltet am nächſten Dienstag, 10.-März,
einen weiteren Lichtbilder=Vortrag im Saale des
Hotels Zur Traube‟. Es wird Herr Profeſſor Dr. C.
Uhlig=Tübingen über: „Der Kilimandſcharo und Meru,
die europäiſchen Anſiedelungen daſelbſt, und
Hochgebirgs=
touren auf den Gletſchern des Kibogipfels” ſprechen. Der
Redner war von 1900 bis 1906 im Dienſte des Reiches in
Deutſch=Oſtafrika tätig und führte nochmals im Jahre 11910
eine Forſchungsreiſe dort aus. Er leitete Vermeſſungs=
und Landeskulturarbeiten, ſowie geographiſch=geologiſche
Expeditionen, beſtieg dabei zweimal den höchſten Gipfel
des Kilimandſcharogebirgsſtocks, des gewaltigſten in ganz
Afrika, den über 6000 Meter hohen, mit ewigem Schnee
und Eis — trotz ſeiner Lage faſt unter dem Aequator —
bedeckten Kibo, und ferner als Erſter den weſtlich
benach=
barten Vulkan Meru. Nach ſechs Jahren kehxte Profeſſor
Dr. Uhlig über Südafrika, durch das er eine
wirtſchaft=
liche Studienreiſe ausführte, in die Heimat zurück, um ſich
der Ausarbeitung der Ergebniſſe ſeiner Reiſen zu widmen.
Er war zunächſt Dozent an der Univerſität Berlin und iſt
jetzt ordentlicher Profeſſor der Erdkunde an derjenigen in
Tübingen, wo er auch den Vorſitz der dortigen Abteilung
der Deutſchen Kolonialgeſellſchaft führt. Er iſt bekannt als
vorzüglicher Redner. Es beteiligt ſich bei der
Veranſtal=
tung, die auch touriſtiſch ſo Intereſſantes und Seltenes
bietet, die Ortsgruppe Darmſtadt des
Oden=
waldklubs, worauf deren Mitglieder noch beſonders
aufmerkſam gemacht werden. (Das Nähere iſt aus der
An=
zeige in dieſer Nummer erſichtlich.)
* Schiedsrichterliches Verfahren. Der erſte der drei
Vorträge des Profeſſors Dr. Kollmann über
Ein=
führung des ſchiedsrichterlichen Verfahrens zur
Schlich=
tung gewerblicher Streitigkeiten findet, wie vorgeſehen,
rm Freitag, den 6. März, nachmittags 7 Uhr, im
Sitzungs=
ſaal Großh. Zentralſtelle für die Gewerbe ſtatt.
* Bund deutſcher Militäranwärter Am nächſten
Sonn=
tag hält der Landesverband Großherzogtum
Heſſen des Bundes deutſcher Militäranwärter im
Reſtau=
rant Perkeo, Alexanderſtraße, ſeinen Verbandstag
für das Geſchäftsjahr 1914 ab. Im Laufe der
Verhand=
lungen kommen immer wieder die noch unerfüllten Wünſche
der heſſiſchen Militäranwärter, Vermehrung der ihnen vor=
behaltenen Stellen, Vorbehalt auch der beſſeren mittleren
Beamtenſtellen, Herausgabe einer Prüfungsordnung zur
Erlangung dieſer Stellen, Anrechnung der geſamten
Mili=
tärdienſtzeit als penſionsfähige Vordienſtzeit im Staats=
und Kommunaldienſt und Anrechnung eines Teiles der
Militärdienſtzeit auf das Beſoldungsdienſtalter nach den
für das Reich und Preußen geltenden Beſtimmungen in
den Vordergrund der Beratungen.
* Verein für Vogel= und Geflügelzucht (ält. Verein)
Die Märzverſammlung, welche von 49 Mitgliedern beſucht
war, wurde von dem erſten Vorſitzenden eröffnet und gab
dieſer verſchiedene Einläufe, ſowie die Beſchlüſſe der letzten
Vorſtandsſitzung bekannt. Hierauf wurde vom
Schrift=
führer das Protokoll der letzten Verſammlung verleſen,
welches genehmigt wurde. Zum nächſten Punkt der
Tages=
ordnung, Beſchaffung von Bruteiern zur Hebung der
Ge=
flügelzucht, übergehend, wurde nach längerer Beſprechung
beſchloſſen, daß die von den Mitgliedern gewünſchten
Raſſeneier in die Vereinsbrutmaſchine eingelegt werden
ſollen und die ſich ergebenden Kücken dem gefaßten Beſchluß
entſprechend an die Mitglieder abgegeben werden. Mit
der Verloſung von zwei Orpingtonhahnen, ſowie der
üblichen Freiverloſung von 150 Eiern konnte die
Verſamm=
lung geſchloſſen werden.
§ Tödlicher Unfall. Der 60 Jahre alte Holzarbeiter
Philipp Schneider aus Arheilgen wurde am
Diens=
tag nachmittag zwiſchen ein und zwei Uhr in dem in der
Gemarkung Darmſtadt gelegenen Walddiſtrikt Buchecke
beim Holzfällen von einem niederſtürzenden Baum
zu Boden gedrückt und auf der Stelle getötet.
§ Aſyl für Obdachloſe. Während des Monats
Februar wurde in dem im Lokale des zweiten
Polizei=
reviers in der Alexanderſtraße errichteten Aſyl für
Ob=
dachloſe 417 Perſonen, und in demjenigen im Lokale des
fünften Polizeireviers in der Ludwigshöhſtraße 132
Per=
ſonen, zuſammen 549 Perſonen, Obdach gewährt.
§ Hundefang. Während des Monats Februar ſind
durch den hieſigen Polizei=Hundeaufſeher 23 Hunde
ein=
gefangen worden. Hiervon wurden 13 Hunde von ihren
Eigentümern wieder ausgelöſt, 3 Hunde ſind verkauft
worden und 7 Hunde mußten getötet werden.
* Illuſtrierte Wochenchronik. Zur Thronbeſteigung
des Fürſten von Albanien bringt die neueſte
Num=
mer 10 unſerer Tiefdruckbeilage „Illuſtrierte
Wochenchronik” intereſſante Bilder: Das neue von
Profeſſor Doepler dieſes Jahr entworfene
Staats=
wappen, die neuen Freimarken des Fürſtentums, die
albaniſchen „Königmacher” wie man die Mitglieder der
internationalen Regierungskommiſſion in Durazzo nennen
kann, den albaniſchen Beſuch in Neuwied. Ein
eigen=
artiges Kulturbild bietet die Aufnahme einer Hauptſtraße
in Skutari mit dem erſten „Kino” der in Albanien jetzt
eröffnet wurde. — Von dem kürzlich im Reichstag beim
Marineetat wiederholt erörterten engliſch=deutſchen
Flottenverhältnis 16110 plaudert ein durch neue reizvolle
Schiffsaufnahmen reich illuſtrierter Aufſatz eines
See=
offiziers. Von Bildern vom Tage bringt das neue Heft
den neuen ſchwediſchen Staatsminiſter vonHammorskjold,
den ruſſiſchen Großfürſten Konſtantin, gegen deſſen
Drama „Der Juden=König” der ruſſiſche Synod ſein
Auf=
führungsverbot durchzuſetzen verſucht und die wegen
Auf=
reizung zu einem Jahr Gefängnis verurteilte
ſozial=
demokratiſche Agitatorin Roſa Luxemburg. Einen
inter=
eſſanten Moment aus dem Verbandsfußballwettkampf um
den Kronprinzenpokal gibt eine gute Aufnahme wieder.
Unter der Rubrik „Aus aller Welt” findet man eine
Gruppe „Wackes”, einer ſchon ſeit Jahrzehnten im Baſeler
Faſtnachtstrubel bekannten Type, ferner das vom
Erfin=
der vorgeführte Modell der „räderloſen Eiſenbahn”, die
ohne Schienenſtrang läuft. Eine neuartige und
viel=
verſprechende ärztliche Behandlungsmethode die
Be=
kämpfung der Rauchſucht in einer amerikaniſchen Klinik
lernt man durch eine andere Photographie kennen. Aus
der Welt der Frau bringt unſere Beilage ein Bild vom
Suffragettenkrieg in London, die ſchöne Prinzeſſin
Eliſa=
beth von Rumänien, die Braut des griechiſchen
Kron=
prinzen und als originellen Beitrag zur Modenfrag, den
Hoſenrock 1914, der, von Poiret entworfen, à la
Herren=
beinkleid gearbeitet iſt.
* Orpheum. Selten wurde hier ſo andauernd und ſo
herzlich gelacht, als bei den gegenwärtigen Aufführungen
des tollen Schwankes So’nfrecher Kerl” durch
Leon=
hard Haskel nebſt ſeinem trefflichen Enſemble, welches
mit täglich ſteigendem Erfolge ſein Gaſtſpiel fortſetzt; das
amüſante, von Anfang bis Ende mit unwiderſtehlichem
Humor durchſetzte Stück verbleibt nur noch bis Samstag
uf dem Spielplan. Für Sonntag, den 8. März, iſt
bereits Repertoirewechſel vorgeſehen. (S. Anz.)
Schwurgericht.
g. Das Schwurgericht verhandelte geſtern gegen den
44jährigen ehemaligen Kirchenrechner Johann Karl
Engel von Gernsheim wegen Verbrechen im Amt.
Engel, der bereits am 18. Januar von der hieſigen
Straf=
kammer wegen Privatunterſchlagungen zu 1 Jahr
Ge=
fängnis verurteilt wurde, gibt über ſein Leben folgendes
an: Er beſuchte anfänglich die Volksſchule in Gernsheim,
zuletzt zwei Jahre die höhere Bürgerſchule. 1884 wurde
er bei der Gerichtsſchreiberei Gernsheim beſchäftigt; da
Feuilleton.
* Idealismus in der Kindererziehung. Heute
unter=
llegt alles der jeweiligen Zeitſtrömung; auch für die
Kindererziehung exiſtiert eine Zeitſtrömung, für die ein
Schlagwort geprägt iſt, das heißt: Individualismus. Im
ganzen iſt eine individuelle Kindererziehung von jeher
Prinzip geweſen, und inſofern bringt dieſe Zeitſtrömung
ggar nichts neues. Neu iſt heute nur das, was bei der
ndividuellen Kindererziehung die moderne
Kinder=
terziehung in dieſelbe hineinträgt. Heute bedeutet
näm=
ich für viele Eltern der Ratſchlag: „Erzieht individuell”
eeine Aufforderung zum: Laissez faire, laissez aller in
Der Kindererziehung. Alles ſcheint nach dieſer
Rouſſeau=
chen Auffaſſung erlaubt, nur nicht der Zwang oder der
Hinweis auf Gehorſam, auf Pflicht oder auf die
Unter=
werfung unter die Gebote Gottes. An einem langen
Lenk=
ſſeil ſollen die Kinder erzogen werden, und dabei wird
micht gedacht an die vielen Schiffbrüche, welche eine ſolche
Jugenderziehung mit ſich bringen kann. Einer Pädagogik,
twelche nur darauf bedacht iſt, überall zu erleichtern und
küberall bloß zu ſchonen, wird es ſelten gelingen, einen
Charakter, eine ſittliche Perſönlichkeit auszubilden. Der
Durchſchnittsmenſch, und damit hat man bei der
Auf=
fſtellung von Regeln zu rechnen, muß heute wie von jeher
ſo erzogen werden, daß er lernt, ſich anzuſtrengen, ſich zu
fügen und beſcheidene Anforderungen an ſeine Umgebung,
aber möglichſt hohe an ſich ſelbſt zu ſtellen. Nur ſo kann
der junge Menſch für ſeine Aufgaben als erwachſener
Menſch richtia vorbexeitet werden. Alſo weg mit dem
Rouſſeauſchen Laissez faire und Laissez aller in der
Kindererziehung, weg mit der Stärkung des Eigenſinns
und der Schwäche und der Trägheit des Kindes, welche
die Weſensart der meiſten Kinder ausmachen, und herein
mit dem echten Individualismus, mit der Ausbildung
der edlen Weſensarten des Kindes, der Beſcheidenheit,
des Pflichtgefühls und der Sittlichkeit. Namentlich die
Mütter ſollten das heutige Schlagwort in der
Kinder=
erziehung: Individuell” im richtigen Sinne zu verſtehen
und zu betätigen ſuchen und ſich insbeſondere dabei
mer=
ken, daß die Kindererziehung überhaupt nur dann zu
einem echten Ziel führen kann, wenn Mutter und Vater
nach gleichem Prinzip erziehen, und daß die Mutter
deshalb niemals ein Laissez kaire einführen darf, wenn
der Vater ein die, eur hie (ſage, wozu du hier biſt)
er=
ſtrebt. Derartige Verkehrtheiten muß die Mutter ſpäter=
K.
meiſtens mitbüßen.
* Ueber eine Operation ſiameſiſcher Zwillinge erhält
die Voſſiſche Zeitung aus Paris folgenden Bericht: Ein
Pariſer Chirurg, Profeſſor Dr. Le Filatre, hat in der
Kli=
nik des Dr. Saiſon Lierval in Paris eine ſenſationelle
Operation ausgeführt. Er hat zwei
zuſammenge=
wachſene Schweſtern im Alter von drei Monaten,
die in der Nabelgegend zuſammenhingen, durch einen
chirurgiſchen Eingriff getrennt. Vor der Operation wurde
durch Röntgenſtrahlen unterſucht, ob das Zwillingspaar
durch innere Organe verbunden wäre. Die Unterſuchung
ergab jedoch kein verläßliches Reſultat. Die Operation,
die in Gegenwart einer großen Anzahl von Chirurgen der
Pariſer Univerſität ausgeführt wurde, dauerte eine
Vier=
telſtunde. Nach dem Schnitt zeigte ſich eine ungefähr acht
Zentimeter große Wunde, und man ſtellte feſt, daß die
beiderſeitigen Lebern durch eine Art Brücke verbunden
waren. Auch dieſer Verbindungsgang wurde getrennt und
die Wunde vernäht. Die beiden Mädchen ſind die Kinder
eines etwa 40 Jahre alten Ehepaares aus Nogens bei
Paris, das auch noch andere Kinder beſitzt, die normal
gewachſen ſind. Das Befinden der beiden
Zwillings=
ſchweſtern iſt befriedigend, und die Aerzte hegen die
zu=
verſichtliche Hoffnung, die beiden Mädchen am Leben zu
erhalten. Eine ähnliche Operation führte vor etwa
zehn Jahren der Chirurg Profeſſor Doyen an einem
Zwillingspaar aus, das indeſſen die Operation nicht
überlebte.
* Der größte Mann der Welt. Der Ruhm des
Rie=
ſen Machnow iſt dahin. Ganz in der Stille iſt ihm
ein Rivale erſtanden, der ihn heute bereits, trotzdem er,
wie ſein Impreſario verſichert, mit ſeinen 19 Jahren
noch nicht ganz ausgewachſen iſt, um nahezu 20
Zenti=
meter überragt. Im Paſſagetheater in Berlin zeigt er
ſich dem erſtaunten Publikum, und man kann wohl ſagen,
daß er auf jeden, der ihm entgegentritt, einen gewaltigen
Eindruck macht. Teddy Bobs, ſo heißt der Mann, iſt im
großen und ganzen wohlgebaut. Ein bißchen mager kann
man ihn finden und namentlich die Backen etwas ſchmal
und eingefallen. Faſt unheimlich wirken die Dimenſionen
der Hände. Die Länge der Finger erreicht etwa das
Maß einer normalen ganzen Hand. Nur die geiſtigen
Talente werden vermutlich hinter dem körperlichen
Wachs=
tum zurückgeblieben ſein. Teddy Bobs, ein geborener
Engländer, der aber in Kanada groß geworden iſt, ſoll ſich
in ſeiner Anoxmalität ganz wohl fühlen.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Nummer 65.
er jedoch keine Entſchädigung erhielt, gab er nach zwei
Jahren dieſe Stellung auf und war hierauf 11 Jahre als
kaufmänniſcher Angeſtellter tätig. 1902 wurde er als
Ge=
hilfe des Ortseinnehmers in Gernsheim angenommen und
rhielt anfänglich 600 und 800 Mark Gehalt, von 1902 ab
erhielt er 100 Mark Monatsgehalt und ſeit Mai 1913 150
Mark. Im Jahre 1909 wurde ihm auch noch das Amt des
Rechners der katholiſchen Kirchengemeinde übertragen. Er
wvurde vom Kreisamt als Kirchenrechner beſtätigt, eine
Be=
ſtallungsurkunde ihm ausgehändigt und am 1. Dez. 1909
wurde er eidlich verpflichtet. Durch das Amt eines
Kir=
chenrechners wurde er auch Präſes der Marianiſchen
Ju=
gend=Sodalität und in der Folgezeit verkehrte Engel faſt
ausſchließlich mit jungen Leuten im Alter von 20 Jahren.
Als Veranlaſſung zu den von ihm begangenen
Unterſchlagungen gibt Engel an, daß er als Kirchenrechner
eine Kaution von 6000 Mark ſtellen mußte. Da er das
Geld nicht hatte, liehen ihm zwei Tanten die Kaution. Als
ihm nun von ſeinen Angehörigen deswegen Vorhalt
ge=
macht wurde, habe er beſchloſſen, ſich von den Tanten
un=
bhängig zu machen. Deshalb begann er zu ſpielen; er
fuhr Sonntags nach Frankfurt und Mainz, wo er in Cafés
größere Summen im Spiel verlor. Anfänglich habe er
nur Beträge von 20 Mark der Kirchenkaſſe entnommen,
als jedoch die Verluſte immer größer wurden und er
merkte, daß ſich niemand um die Kirchengelder kümmerte,
nahm er größere Beträge an ſich. Wie Engel angibt, kennt
er nur einen der Spielkumpane, an die er mitunter an
einem Abend bis zu 800 Mark verlor. Außer dieſen
Spiel=
verluſten gab er noch leichtſinnig große Beträge für ſeino
unnatürlichen Neigungen aus. So fuhr er häufig mit
einigen von den jungen Leuten zu Trinkgelagen oder
Theatervorſtellungen nach Mainz, Worms und Darmſtadt,
wobei Engel alle ſreihielt. Wenn er in Darmſtadt den
letzten Zug verpaßte, hat er wiederholt ſich mit einem
Auto nach Hauſe fahren laſſen. In Worms gab er
ein=
mal etwa 10 jungen Leuten ein Diner mit Wein.
Wieder=
holt übernachtete er mit den jungen Leuten in Worms in
einem vornehmen Hotel. Hierbei gab er ſich als
Reſeren=
dar aus. Ein junger Mann, der im Leibgarde=
Infan=
terie=Regiment Nr. 115 ſein Einjährigenjahr abdiente,
er=
hielt von ihm Summen, die in die Hunderte gingen. Aus
verſchiedenen Umſtänden geht hervor, daß Engel
homo=
ſexuellen Neigungen huldigte, doch ſtellt dies Engel
ent=
ſchieden in Abrede.
In den vier Jahren, die Engel das
Kirchenrechner=
amt führte wurde nicht eine einzige Viſitation
vorgenom=
men und ſo läßt es ſich auch erklären, daß Engel
Unter=
ſchlagungen in der enormen Höhe von 17200 Mark
be=
gehen konnte. So hob er von Sparkaſſenbüchern in
Zwin=
genberg 13050 Mark ab, die er überhaupt nicht als
Ein=
nahmen verbuchte. Auch andere Einnahmen trug er nicht
oder nur unvollkommen ein. Außer dieſen Summen hat
er einem Armenhausinſaſſen 855 Mark und einer armen
Invalidenrentnerin 11 Mark unterſchlagen. Als am 6.
September 1913 eine unvermutete Viſitation erfolgte, ging
Engel flüchtig, angeblich mit Selbſtmordgedanken. Auf
ſeiner planloſen Flucht kam er auch nach Salmünſter, wo
er einem Kapuziner ein Geſtändnis ablegte. Auf deſſen
Anraten ging dann Engel nach Darmſtadt, um ſich den
Behörden zu ſtellen. Hier fiel einem Schutzmann ſein
planloſes Umherirren und verſtörtes Weſen auf, und auf
Vorhalt gab ihm Engel zu, der ſteckbrieflich verfolgte
Kir=
chenrechner zu ſein, worauf er verhaftet wurde.
Durch die Beweisaufnahme wird feſtgeſtellt, daß
Engel in einer ganzen Anzahl Fälle die
Büchereintragun=
gen in der ausgeſprochenen Abſicht, ſeine Unterſchlagungen
zu verdecken, fälſchte. Die Geſchworenen bejahten die
Frage nach dem Verbrechen im Amt und billigten dem
Angeklagten mildernde Umſtände zu. Das Gericht
verur=
teilte ihn unter Einrechnung der von der Strafkammer
er=
kannten Gefängnisſtrafe von 1 Jahr zu 3 Jahren6
Mo=
naten Gefängnis und 5 Jahren Ehrverluſt.
Bezirksverein Johannesviertel.
nn. Der Bezirksverein Johannesviertel
hielt am Mittwoch abend ſeine
Jahresverſamm=
lung im Reſtaurant „Frankfurter Hof” ab zu der auch
der Vorſitzende des Ausſchuſſes der Vereinigten
Bezirks=
vereine Herr Sanitätsrat Dr. Kolb erſchienen war. Vor
Eintritt in die Tagesordnung hielt der Vereinsvorſitzende,
Herr Bauunternehmer und Stadtverordneter Sames
einen hochintereſſanten Vortrag über den „Städtiſchen
Voranſchlag für das Jahr 1914‟. Aus den aus
dem=
ſelben vorgetragenen Zahlen war ein enormes Steigen
der ſtädtiſchen Schullaſten, der Beamtengehälter und der
Armen= und Fürſorgekoſten, ſowie Betriebsausfälle bei
faſt allen ſtädtiſchen Betrieben zu konſtatieren. Ein
Kar=
dinalpunkt des ſtädtiſchen Finanzplans ſei, daß man heute
vor einem noch ungedeckten Defizit von 800000 Mark ſtehe,
und daß ein neuer Steueraufſchlag die Folge ſein werde.
Hoffentlich werde es der Stadtverwaltung und der
Stadt=
verordneten=Verſammlung gelingen, angeſichts der
ſchlech=
ten Zeitverhältniſſe das Steuergeſpenſt noch in letzter
Stunde abzuwenden. In der Beſprechung betonte Herr
Rechnungsrat Götz, die Mitteilung von einem Fehlbetrag
von 800000 Mark ſei ſo wichtig, daß alle Bezirksvereine
ſich mit dieſer ſo wichtigen Frage befaſſen ſollten. Durch
die enorme Steigerung der Schullaſten und
Beamten=
gehälter ſei der Ausgleichsfonds zu ſtark belaſtet worden.
Die Urſachen dieſer ungeheueren Erhöhung ſeien der
Zu=
ſammenbruch der Grunderwerbskaſſe und die frühere
Ver=
neidung der Steuererhöhung bei der ſtädtiſchen
Beſol=
dungsreform. Wenn alle Reſerven herangezogen würden,
ſo ſei eine Steuererhöhung von 15—20 Prozent nicht zu
vermeiden. Ohne eine eingehende Prüfung der
Sach=
lage werde ſich die Bevölkerung mit dieſer Steuererhöhung
nicht einverſtanden erklären.
Herr Sanitätsrat Dr. Kolb gibt eine Reihe
Erläu=
terungen zu dem ſtädtiſchen Voranſchlag und bedauert, daß
man in der Stadtverwaltung nicht daran ging, eine
Ver=
einfachungskommiſſion zu wählen. Aus der Mitte der
Verſammlung wurde entſchieden gegen die Abſicht der
Städtiſchen Sparkaſſe Proteſt erhoben, zum Zweck der
Einnahmeerhöhung eine Steigerung der Hypothekzinſen
vorzunehmen. In einer demnächſtigen allgemeinen
Ver=
ammlung der Vereinigten Bezirksvereine ſollen dieſe
Fragen zur Beſprechung geſtellt werden. Nach dem von
dem Vorſitzenden erſtatteten Jahresbericht wurden die
Vereinsgeſchäfte in 3 Vorſtandsſitzungen und 1
Hauptver=
ſammlung erledigt. Die Mitgliederzahl des Vereins
be=
trägt Ende 1913 — 175. Der von dem Rechner, Herrn
Küſter, vorgetragene Kaſſenbericht für 1913 ergibt
in Einnahme 389.92 Mark, in Ausgabe 361,64 Mark.
Das Vereinsvermögen beträgt 1412,41 Mark. Bei den
Vorſtandswahlen wurde Herr Stadtv. Sames
ein=
ſtimmig zum Vorſitzenden gewählt und die übrigen
Vor=
tandsmitglieder in ihren Aemtern wieder beſtätigt. Als
Vertreter der Vereinigten Bezirksvereine wurden die
derren Rechnungsrat Götz und Leo Bauer gewählt.
Bezirksverein Nordoſt.
— Unter anſehnlicher Beteiligung ſeiner Mitglieder
hielt der Bezirksverein Nordoſt in der
Reſtau=
ration Nagel ſeine zweite ordentliche
Haupt=
erſammlung ab. Nach begrüßenden Worten des
ſtellvertretenden 1. Vorſitzenden, Herrn A. Meixner
er=
ſtattete derſelbe einen eingehenden Bericht über das
ab=
gelaufene Geſchäftsjahr, wobei er mit Genugtuung
konſta=
ierte, daß eine über Erwarten große Anzahl Bewohner
des Viertels dem neuen Verein als Mitglieder beitraten.
Die Ereigniſſe des vergangenen Jahres haben bewieſen,
daß für die Gründung eines neuen Bezirksvereins im
nordöſtlichen Viertel, auf bürgerlicher Grundlage, ein
drin=
gendes Bedürfnis vorlag. Die Geſchäfte des Vereins
wur=
den in 1 Hauptverſammlung, 2 Mitgliederverſammlungen
und 14 Vorſtandsſitzungen erledigt. Auch hat der Vorſtand
durch Abhaltung belehrender und allgemein
intereſſieren=
der Vorträge das Intereſſe ſeiner Mitglieder für ſtädtiſche
Fragen wachgerufen. In zahlreichen Eingaben hat der
Vorſtand ſich der im Viertel bemerkbar machenden Mängel
angenommen und ihre Abſtellung angeregt. Ein
Haupt=
augenmerk richtete der Vorſtand auf die baldige
Durchfüh=
rung der elektriſchen Straßenbahn durch die Hochſchulſtraße
und die Weiterführung der Bahn von dem
Schloßgarten=
platz nach dem Riegerplatz, um ſo dem lange Zeit ohne
elektriſche Linienführung gebliebenen Teil unſerer Stadt
die gewünſchte Verbindung mit dem Zentrum und den
ibrigen Stadtteilen zu geben. In entſprechenden
Ein=
aben an die Heag und die weiter in Betracht kommenden
Behörden wurde dieſe Angelegenheit ſo weit gefördert,
daß nunmehr die erſten Spatenſtiche zur Durchführung der
elektriſchen Bahn durch die Hochſchulſtraße erfolgt ſind und
aus der Mitte der Verſammlung wurde mitgeteilt, daß dier
Weiterführung der Bahn vom Schloßgartenplatz nach dem
Riegerplatz jetzt auch geſichert ſei und nur noch der
mini=
ſteriellen Genehmigung bedürfe. An den
Stadtverordneten=
wahlen beteiligte ſich der Verein durch Herausgabe eines
eigenen Zettels, der mit zu dem Siege des Bürgertums
beigetragen hat. In der Diskuſſion, an der ſich
zahl=
reiche Mitglieder beteiligten, wurde zu dem erſtatteten
Jahresbericht Stellung genommen und dem Vorſtand für
ſeine vorzügliche Leitung der Geſchäfte der Dank der
Ver=
ſammlung ausgeſprochen. Ebenſo wurde dem Rechner des
Vereins, Herrn Gg. Krämer für ſeine Tätigkeit gedankt
und ihm Entlaſtung erteilt. Bei den nun folgenden Vor= wurde Herr A. Meixner als 1.
Vor=
itzender, die ausſcheidenden Vorſtandsmitglieder, die
Her=
ren Pohl, Krämer und Hille, wiedergewählt und die Herren
Ittmann und Oehnke neu hinzugewählt.
Auf verſchiedene Anregungen aus der Verſammlung
wurde bezüglich der dem Viertel im November vorigen
Jahres beſcherten Martinskerb um unter allen Ums
ſtänden eine Wiederholung einer ſolchen Veranſtaltung zu
verhindern, die nachſtehende Reſolution gefaßt und
einſtimmig angenommen: „Die am 2. März 1914 ſtatte
gehabte Hauptverſammlung des Bezirksvereins
Nordoſt=
proteſtiert einſtimmig und energiſch gegen die
Wieder=
holung der Martinskerb und bittet dringend, alle weiteren
bahingehenden Geſuche unter allen Umſtänden
abzu=
lehnen.” — Die vorjährige gleiche Veranſtaltung hat für
weite Kreiſe des Martinsviertels ſo viel Unzuträglichkeiten
im Gefolge gehabt und allenthalben ſo viel Mißſtimmung
erzeugt, daß eine Fernhaltung derartiger unzeitgemäßen
Einrichtungen, die lediglich das Anſehen des
Martins=
viertels herabzuſetzen geeignet ſind, im Intereſſe der
Ge=
ſamtheit des Viertels unbedingt verlangt werden muß,
Der Vorſtand des Bezirksvereins Nordoſt erhält
gleich=
zeitig den Auftrag in dieſem Sinne ſofort bei den
maß=
gebenden Behörden vorſtellig zu werden.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nacht
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
* Unheimliches aus dem Reiche den
Myſtik. Unter dieſem Titel werden die gefeierte
öſter=
reichiſche Schauſpielerin Helene Odilon und
Kaſimirv. Radwan am 8. März im Kaiſerſaal
hier=
ſelbſt einen gemeinſamen Abend veranſtalten. Frau
Odilon bringt Rezitationen, während Dr. Radwan einen
Experimentalvortrag hält. Die Wunder der
Wachſugge=
ſtion, der Telepathie, der Gedächtniskunſt uſw. werden
von dieſem berufenen Künſtler vorgeführt. Die gefeierte
Wiener Künſtlerin wird zunächſt unheimliche Geſchichten
von Maupaſſant vorleſen und ſo gewiſſermaßen
Stim=
mung machen für die darauffolgenden Experimente Dr
von Radwans. Kartenverkauf bei Gg. Thies Nächflg=
(L. Schutter).
— Dieburg, 4. März. (Delegiertentag.) Auf
den am nächſten Sonntag, den 8. März, ſtattfindenden
Delegiertentag des Geſangvereins „Sängerluſt” ſei
hier=
mit aufmerkſam gemacht. Derſelbe wird nachmittags um
2 Uhr im feſtlich geſchmückten Saalbau des Hotels „
Main=
zer Hof” abgehalten.
Offenbach, 5. März. (Neubau dies
Kreisamts=
gebäudes.) Wegen der Errichtung eines neuen Kreis
amtsgebäudes ſchweben ſchon ſeit dem Jahre 1906
Ver=
handlungen, da das vorhandene Gebäude viel zu klein
iſt und auch durch An= bezw. Aufbauten nicht
zweckent=
ſprechend vergrößert werden kann. Bereits im Jahre
1908 wurde für den Neubau ein Grundſtück erworben, doch
konnte dieſer vorerſt nicht zur Ausführung kommen, da
die finanzielle Lage des Staates die Vermeidung aller
nicht unbedingt notwendigen Ausgaben erheiſchte. Die
Sachlage hat ſich nun dadurch geändert, daß die Stadt=
Offenbach ſich bereit erklärt hat, das jetzige
Dienſt=
gebäude nebſt der Dienſtwohnung zu einem angemeſſenen
Betrage käuflich zu erwerben, wodurch die aus dem
Neubau für den Staat erwachſende finanzielle Belaſtung
Leopold Dippel F.
In dieſen Tagen endete in Darmſtadts Mauern das
Leben eines Mannes, deſſen Namen — dem heutigen
Ge=
ſchlecht ſeiner Mitbürger faſt unbekannt — in der Welt der
Wiſſenſchaft leuchtet und unvergänglich bleibt.
Leopold Dippel, der Botaniker und ehemalige
ordentliche Profeſſor an Darmſtadts Techniſcher Hochſchule,
ſtarb nach kurzem Leidenskampf am 4. März im hohen
Alter von faſt 87 Jahren.
Betrachtet man die Errungenſchaften auf dem Gebiet
der Naturwiſſenſchaft während der letzten zwei
Menſchen=
alter, ſo findet man, daß die Arbeiten Leopold Dippels
redlich Teil daran hatten.
Er hatte ſeine Arbeitskraft ganz dem Studium der
Pflanzen geweiht. Von ſeinem Leben kann man wohl
ſagen, daß es reich an Mühen und Arbeit geweſen ſei, daß
es aber auch der köſtlichen Früchte, Befriedigung und
Er=
folge, nicht ermangelt habe.
In der Nachbarſchaft des Waldes — er war als Sohn
eines bayeriſchen Oberförſters am 4. Auguſt 1827 in
Lauter=
ecken in der Rheinpfalz geboren — unter Buchen und
Eichen, begann ſein Daſein; und er hatte jener Welt, die
einſt ſeine Wiege umrauſcht, die Stätte ſeiner kindlichen
Spiele umgrünt hatte, bis in die letzten Tage ſeines Lebens
eine treue Liebe bewahrt.
Seine Knabenjahre verflogen auf den Gymnaſien zu
Kaiſerslautern und Zweibrücken. Nur die Ferienzeiten
ſahen ihn im Elternhaus. Dort und beim Streifen durch
die Wälder, die der Pflege ſeines Vaters anvertraut
waren, erwachte in ihm jene Neigung zum Forſtberuf, die
von ſeinem Vater eifrig gefördert wurde.
Ausgeſtattet mit dem Reifezeugnis, bezog er daher im
Jahre 1845 die Akademie zu Aſchaffenburg, um ſich dem
Studium der Forſtwiſſenſchaften zu widmen.
Seine Studentenjahre fielen in die für die damalige
deutſche Jugend ſo kritiſchen Zeiten, in die Jahre 1846 bis
1848, die ſchier überreich waren an vielſeitigen Hoffnungen,
an heißem Sehnen, an verworrenen Zielen und allen jenen
Träumen, die erſt im Jahre 1871 mit der Gründung des
Deutſchen Reiches ihre Erfüllung fanden. Man muß wohl
wie Dippel in jener kaiſerloſen, ſchrecklichen Zeit jung
ge=
weſen ſein und die Not und Sehnſucht jener Tage
mit=
erlebt haben, um die Größe des Errungenen, den
Zuſam=
menſchluß der deutſchen Stämme unter einem Kaiſer, ſo
tief würdigen zu können, wie es Dippel in weihevollen
guten Stunden bis in ſein hohes Alter hinein getan hat
Der junge Student wurde von dem damaligen Strudel der
Empfindungen miterfaßt, der ihn von Aſchaffenburg an
die Akademie nach Karlsruhe verſchlug, wo er im Jahre
848 das Forſtexamen beſtand.
Stärker jedoch als das Intereſſe am politiſchen Leben
war in ihm der Drang nach wiſſenſchaftlicher Betätigung,
er ihm das Erreichte nicht genügen ließ und ihn von
karlsruhe nach der Univerſität München führte. Dort
ſchon wandte er ſich ausgewählten Gebieten der
Natur=
wiſſenſchaften zu und ſiedelte dann, angeregt durch das
Erkannte, im Jahre 1849 an die Univerſität Jena über, wo
der berühmte Schleiden lehrte. Unter Schleidens Leitung
widmete er ſich ganz der Botanik und führte die erſten
elbſtändigen Arbeiten auf dem Gebiete der Mikroſkopie
aus. Hier begannen ſeine Forſchungen über den Aufbau
der Pflanzenkörper, für die er fortan ſeine reichen Kräfte
ganz einſetzte.
Leider zwangen ihn beſondere Umſtände, Jena ſchon
1850 wieder zu verlaſſen und eine Lehrerſtelle an einem
Privatinſtitut im Fürſtentum Birkenfeld anzunehmen. Der
Lehrberuf vermochte jedoch nicht, ſeinen Forſcherdrang zu
erſticken, und von Birkenfeld aus erſchienen im Jahre 1851
ſeine erſten wiſſenſchaftlichen Veröffentlichungen. Von dort
aus unterzog er ſich in Oldenburg im Jahre 1854 dem
Unterexamen in den Naturwiſſenſchaften und Mathematik,
das er mit dem Prädikat Vorzüglich” beſtand. Dieſer
Erfolg trug ihm 1856 eine Reallehrerſtelle an der Höheren
Bürgerſchule zu Idar ein.
Auch dort betrieb er neben ſeinem Lehrerberuf eifrig
rein wiſſenſchaftliche Arbeiten, und faſt Jahr um Jahr
konnte er in größeren Abhandlungen das Erkannte der
Oeffentlichkeit vorlegen. Sein Name wurde dadurch in
wiſſenſchaftlichen Kreiſen bekannt und man begann, auf
ihn aufmerkſam zu werden. Nun ſtellten ſich auch bald die
Anerkennungen ein. So ernannte ihn 1863 das Freie
Deutſche Hochſtift in Frankfurt a. M. zu ſeinem
Ehrenmit=
glied und Meiſter; die Niederländiſche Naturforſchende
Geſellſchaft in Rotterdam erkannte ihm im ſelben Jahre
einen Preis zu und ernannte ihn ein Jahr ſpäter zu ihrem
korreſpondierenden Mitglied. Die franzöſiſche Akademie
der Wiſſenſchaften in Paris teilte ihm, zuſammen mit
Hanſtein=Berlin, einen Preis zu. Am 15. Juli 1864
pro=
movierte ihn die Philoſophiſche Fakultät der Univerſität
Bonn zum Dr. honoris causa, eine der höchſten Ehrungen,
die ihm Zeitlebens zuteil wurden, und deren 50jährige
Wiederkehr er im Sommer dieſes Jahres hätte begehen
können.
Im Jahre 1869 erfolgte ſeine Berufung an die
Tech=
niſche Hochſchule nach Darmſtadt als ordentlicher Profeſſor
der Botanik und Direktor des Botaniſchen Gartens. Mit
Freuden leiſtete er dieſem ehrenvollen Ruf Folge — die
faſt gleichzeitige Berufung nach Berlin hatte er
ausgeſchla=
gen —, und gewann ſich damit einen neuen großen Wir=
kungskreis. Während ſeiner Tätigkeit in Darmſtadt
er=
ſchienen, neben verſchiedenen kleinen Abhandlungen,
dar=
unter auch einiger in Weſtermanns Monatsheften, ſeine
großen weitbekannten Werke, wie „Das Mikroſkop und
ſeine Anwendung” dann „Grundzüge der allgemeinen
Mikroſkopie” ferner das „Handbuch der Laubholzkunde‟
Eine Aufgabe, die ſeinerzeit auch in Darmſtadt
allge=
neines Intereſſe hervorgerufen haben dürfte, wurde von
ihm im Jahre 1874 gelöſt. Es war dies die Anlage des
Botaniſchen Gartens an der Roßdörfer Straße. Hier
pflanzte er in geographiſchen Gruppen junge Bäumchen
und Schößlinge aus den verſchiedenſten Ländern aller
Zonen und hatte im Laufe der Jahrzehnte noch die Freude,
ſie unter ſachkundiger Pflege zu mächtigen Bäumen
empor=
gedeihen zu ſehen, die durch ihren Wuchs und Farbenpracht
beſonders im Frühjahr und Herbſt jedes Auge entzücken.
Im Jahre 1896 trat er in den Ruheſtand. Aber auch
hier konnte er der ihm liebgewordenen Arbeit im
Dienſte=
der Wiſſenſchaft nicht entraten, und noch im Jahre 1905
erſchien von ſeiner Hand ein Buch über „Die Diatomeen
der Rhein= und Mainebene‟. Er durfte es noch erleben,
daß jüngere Fachgenoſſen auf dem von ihm Erkannten
weiterbauen konnten und daß viele ſeiner dereinſt zuweilen
angefochtenen Erkenntniſſe in unſeren Tagen mit
vollkom=
meneren Inſtrumenten und Apparaten voll beſtätigt
wur=
den.
Auch in Darmſtadt wurden ihm vom In= und Ausland
— 1879 ernannte ihn die Geſellſchaft für Mikroſkopie zum
hrenmitglieo; ihr folgte neben vielen anderen kleineren
wiſſenſchaftlichen Vereinigungen die „Royal Microſcopial
Society London” die ihn im Jahre 1886 zum
korreſpon=
dierenden Mitglied ernannte —, und von ſeinen
ehemali=
gen Schülern und Fachgenoſſen Anerkennung und
Ehrun=
gen zuteil.
Erwähnt ſei noch, daß er neben ſeiner wiſſenſchaftlichen
Tätigkeit in den Mußeſtunden eifrig die Malerei betrieb.
Unter ſeiner kundigen Hand entſtanden kleine, feine,
ſtim=
mungsvolle Landſchaftsbilder mit Gruppen ſeiner
gelieb=
ten Bäume. Leider war er nicht zu bewegen, ſein
künſtle=
riſches Schaffen weiteren Kreiſen zugänglich zu machen.
Noch in den letzten Jahren beſuchte er fleißig die
Ausſtel=
lungen und ſuchte ſich die Techniken moderner Meiſter noch
zu eigen zu machen. Allen Kunſtbeſtrebungen, die in den
letzten Jahrzehnten in Darmſtadt Wurzel faßten, hatte er
ſtets ein faſt jugendliches Intereſſe entgegengebracht.
Mit Leopold Dippel ſchied ein Mann aus dem Leben,
der wohl perſönlich in der Oeffentlichkeit nie beſonders
her=
vorgetreten iſt, deſſen Werke aber unvergänglich bleiben.
Er ruhe in Frieden!
Bernhard Rapp.
Nummer 65.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Seite 5.
Aerentlich vermindert wird. Der Kreistag, der nächſten
Rontag tagt, wird ſich mit dieſer Angelegenheit befaſſen
ud nach dem Antrage des Kreisausſchuſſes ſeine
Zuſtim=
ſung dazu geben, daß die bei der Errichtung eines neuen
eisamtsgebäudes erwachſenden Koſten, ſoweit ſie nach
Beſchluß vom 4. April 1908 von dem Kreiſe zu ver=
Unen wären, in einer Summe an die Staatskaſſe ein=
Pahlt werden ſollen. — (Beilegung des Kran=
Enkaſſenlonflikts.) Um die Wahl ies
Vor=
enden der Allgemeinen Ortskrankenkaſſe Offenbach war
Gſofern ein Konflikt entſtanden, als man ſich auf die
Per=
ie des bisherigen Vorſitzenden, des ſozialdemokratiſchen
wverkſchaftsbeamten und Stadtverordneten Käppel,
egen deſſen Amtsführung auch von der Gegenſeite nichts
Ainzuwenden war, nicht einigen konnte. So kam es denn,
ß bei der erſten Wahl die Arbeitgeber einſtimmig für
n Arbeitgeberkandidaten Buſſe ſtimmten und die Ar=
Eitnehmer mit Ausnahme des Vertreters der chriſtlichen
Pewerkſchaften für ihren bisherigen Vorſitzenden Käppel
Uintraten. Nach den Beſtimmungen der
Reichsverſiche=
lunigsordnung mußte am Mittwoch abend eine abermalige
Wahl vorgenommen werden, deren Ergebnis auf Grund
iges Kompromißvorſchlages zu einer Einigung führte.
danach wurde der Arbeitgebervertreter Buſſe dem
Ab=
urnmen gemäß einſtimmig gewählt, der ſich aber
verpflich=
le hat, nach Ablauf von zwei Jahren den Vorſitz wieder
ſiiederzulegen, um dieſen den freien Gewerkſchaften zu
ſiberlaſſen. Wäre die Einigung nicht herbeigeführt
wor=
dn, ſo hätte das ſtädtiſche Verſicherungsamt einen
be=
jahlten Vorſitzenden ernannt, der der Kaſſe
und 5000 Mark Ausgaben verurſacht hätte.
C Jügesheim, 5. März. (Pfarrer Flath †.)
Am 3. d. M. ſtarb nach kurzer Krankheit (Influenza) der
tholiſche Pfarrer Johannes Flath von Jügesheim
(Kreis Offenbach) im 45. Lebensjahre. Der Verewigte
praar ein geborener Darmſtädter und Sohn eines
Poſt=
ſchaffners.
Wald=Michelbach, 5. März. (Schnee im
Oden=
pald.) In der Nacht von Montag auf Dienstag hat es
hier recht geſchneit. Die Mittagsſonne hatte aber den
Schnee bald wieder vertrieben. Geſtern nacht iſt wieder
Schnee gefallen, und es ſchneit ruhig weiter. Unſere
Ge=
end hat nun ihr ſchönſtes Winterkleid wieder
ange=
ſommen.
Mainz, 5. März. (Stadtverordnetenſitzung.)
In der geſtrigen Stadtverordnetenſitzung wurde von
Stadtv. Dr. Pagenſtecher eine Anfrage an die
Bürger=
meiſterei wegen einer den ſtädtiſchen Koksverkauf
betreffenden Notiz des Wiesbadener Tageblattes gerichtet,
in der behauptet worden war, die Mainzer
Gaswerksver=
waltung habe 600 Waggons minderwertigen Koks von
benachbarten Werken bezogen und als Mainzer Koks
wei=
ſer verkauft. Dadurch habe ſich die Stadt von den
Ab=
wehmern Abzüge von 20 bis 40 Mark für den Waggon
lgefallen laſſen müſſen, und die Kokskäufer hätten erklärt,
daß ſie unter keinen Umſtänden Mainzer Koks abnehmen.
Beig. Gündert legte dar, daß die Stadt von auswärts
bezogenen Koks nur in der Stadt weiter verkauft habe.
Von 354 gelieferten Waggons Nußkoks ſeien 6 beanſtandet
und in einem Falle ein Nachlaß von 40 Mark gewährt
worden. Bei einem Umſatz von 4800 Tonnen ſei in nur
prei Fällen Beanſtandungen Gehör gegeben worden. Die
Anſtellung von nur acht Lehrperſonen gab dem Stadtv.
Reinach Veranlaſſung, zu fragen, ob auch in Mainz
ich der Geburtenrückgang bemerkbar mache,
vas vom Beig. Dr. Külb verneint wurde. Doch ſei
n Zukunft ein Stillſtand oder Rückgang der Zahl der
aufzunehmenden Volksſchüler nicht unwahrſcheinlich.
An=
geſichts der Finanzlage der Stadt wird die
Wiederher=
ftellung der Karmeliterkirche um einige Jahre
zu=
rückgeſtellt. Bekanntlich ſollen dort die in der Steinhalle
des Kurfürſtlichen Schloſſes untergebrachten Gegenſtände
aufgeſtellt werden.
Mainz, 5. März. (Zum Leichenfund im Dom.)
Beſtern nachmittag wurde auf dem Friedhof die
Kindes=
leiche, die im Dom gefunden, in Gegenwart der
Staats=
anwaltſchaft und des Unterſuchungsrichters durch den
Kreisarzt Medizinalrat Dr. Schäffer einer Sektion
unter=
zogen. Tas Kind hatte gelebt und war lebensfähig,
Nahrung wurde im Magen nicht gefunden. Die
Wahr=
ſſcheinlichkeit beſteht, daß es vielleicht erſtickt wurde, ſonſt
fanden ſich keine Merkmale eines gewaltſamen Todes.
Muſchenheim, 5. März. (Intereſſanter Fund.)
Hieſige Schulkinder fanden beim Spielen in einem
Stein=
bruch Tonſcherben von einer alten Urne, einen glatt
bearbeiteten Stein in Form der alten Steinaxt. Auch
eine eiſerne Waffe kam zum Vorſchein, allem Anſchein
nach iſt es eine Lanzenſpitze; ſie iſt 50 bis 60 Zentimeter
lang und hat auf der einen Seite eine Höhlung, welche
wohl zur Aufnahme des Holzſchaftes diente.
Der zweite heſſiſche Jugendtag.
(*) Friedberg, 5. März. „Die Bedeutung des
Turn=
unterrichts in der Fortbildungsſchule” war das Thema,
welches Lehrer Saum=Darmſtadt behandelte. Vor 105
Jahren ſorgten Fichte und Arndt für geiſtige Erziehung,
Jahn für körperliche Ausbildung der deutſchen Jugend.
Nach der Zeit der Reaktion übernahm die deutſche
Turner=
ſchaft Jahns Werk. Dieſe Zahl, eine halbe Million
Mit=
glieder, doch ſind noch vier Fünftel der deutſchen Jugend
ohne turneriſche Uebung. Nach einer Denkſchrift des
Schulrats Schmuck=Darmſtadt, nimmt die Wehrfähigkeit
der Jugend mehr und mehr ab Frankreich ſpendet ſeinen
Turnvereinen, obwohl ihre Zahl nur ſoviel umfaßt wie
zwei deutſche Turnkreiſe, mehr Unterſtützung als die
deut=
ſche Regierung. Hinderniſſe der Einführung des
Turn=
unterrichts in den Fortbildungsſchulen ſind: Mängel an
Räumen und Lehrkräften, der Widerſtand der Lehrherrn
und die Koſten. Nur die Städte und größeren Orte haben
Turnhallen und Spielplätze. Durch die
Turnlehreraus=
bildungsanſtalt in Darmſtadt könnte ſich Heſſen geeignete
Lehrkräfte heranbilden. In Norddeutſchland wird mehr
geturnt als im Süden auch Heſſen ſteht zurück. Von 726
Gemeinden, die Bericht erſtatteten, haben 70
obligato=
riſchen, 86 fakultativen Turnunterricht. — Bürgermeiſter
Mueller=Darmſtadt ſprach über „Rechtsberatung der
jugendlichen Mitglieder der Jungdeutſchlandvereine‟
Wenn die Jugend ins Leben tritt, dann ſtürmen die
Ge=
ſetze auf ſie ein, es entſteht eine natürliche Verwirrung,
viele finden ihren Untergang. Auskunftſtellen ſind alſo
erforderlich, dieſe dürfen aber keine politiſche Tendenz
haben, noch konfeſſionell ſein, es müſſen gemeinnützige
Auskunftsſtellen benutzt werden.
Eine rege Ausſprache ſchloß ſich an die drei
Vorträge. Die Herausgabe eines Liederbuchs für
Jung=
deutſchland wurde angeregt. Plakate mit Ratſchlägen
ſollen angefertigt und in Vereinszimmern ausgehängt
werden. Ueber den Turnunterricht in Fortbildungsſchulen
geben die Turnlehrer Fury=Bingen und Roth=
Worms ihr Urteil dahin ab daß die Einführung wohl
durchführbar ſei, ſich bereits bewährt, ja die Erwartungen
übertroffen habe. Die Schüler zeigten Luſt und Liebe zu
körperlicher Betätigung. Fury=Bingen ſtellt dann einige
Leitſätze auf, die die Einführung des obligatoriſchen
Turn=
unterrichts in Fortbildungsſchulen fordern. Der Vertreter
des Sports. Dr. Schütz, weiſt auf die Vorzüge des Sportes
hin, dem Jungdeutſchlandbund gehörten auch eine große
Anzahl Sportvereine an. Der Vorſitzende, Frhr. von
Heyl, teilt auf Anfrage mit, daß die Einführung des
Turnens in den Fortbildungsſchulen in Heſſen im neuen
Schulgeſetz vorgeſehen werde. — Den Jahresbericht
erſtattet Exzellenz General Bernhardt. Das zu
An=
fang beſtehende Mißtrauen ſchwindet mehr und mehr,
viele Vereine haben ſich jetzt angeſchloſſen. Die
Jugend=
feſte in Darmſtadt, Mainz, Offenbach uſw. haben neue
Kreiſe zugeführt. Die angeſchloſſenen Vereine wurder
materiell unterſtützt zur Anſchaffung von Geräten,
Spiel=
plätzen und Jugendheimen. Auch wurden geeignete Leute
in den Führerkurſus nach Darmſtadt geſandt. Eine enger=
Fühlung mit der Armee iſt erreicht; verſchiedene
Be=
günſtigungen werden den Jungdeutſchland=Vereinen
zu=
teil, z. B. billige Beſchaffung von Sportanzügen und
Aus=
rüſtungsgegenſtänden. Prosſſor Kiſſinger bittet um
Beiträge und Berichte aus den Vereinen für die
Heſſen=
ausgabe der Jungdeutſchlandpoſt, welche monatlich mit
einer Beilage erſcheint. Freiherr von Heylſchloß die
ſchön verlaufene Tagung mit Dankesworten an die
Be=
zirksobmänner, und bittet die vielſeitigen Anregungen in
die Tat umſetzen zu wollen.
An die Verhandlungen ſchloß ſich um 2 Uhr ein
ge=
meinſames Mittageſſen an. Kreisamtmann
Her=
berg brachte ein Hoch aus auf die verdienſtvolle und
ziel=
bewußte Leitung der heſſiſchen Jungdeutſchland=
Beweg=
ung, Freiherrn von Heyl. Dieſer dankte und toaſtete auf
den Bezirksvorſitzenden Kreisamtmann Herberg und
Pro=
feſſor Dr. Schoell, welche die Vorbereitungen zu dem
wohlgelungenen 2. Heſſiſchen Jugendtag getroffen hatten.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 4. März. Der Feſtnahme
der früheren Bureauleiterin des Grundſtücksſpekulanter
Schiffmann iſt heute auf Veranlaſſung des
Unter=
ſuchungsrichters die Verhaftung der Geliebten
Schiff=
manns, Fräulein Bertha Anyos unter dem Verdacht des
Konkursverbrechens gefolgt. Die Verhaftete hat
Schiff=
mann, als er vor zwei Jahren aus Berlin flüchtete, nach
Amerika begleitet. Bei Prüfung des bisher in der Affäre
Schiffmann und ſeiner früheren Bureauleiterin
beſchlag=
nahmten Materials ſoll ein Schriftſtück gefunden worden
ſein, das dem Berliner Tageblatt zufolge, zur Erlaſſung
des Haftbefehls führte. — Wie dem Berliner Tageblatt
mitgeteilt wird, iſt heute in einer Ortſchaft an der
Gör=
litzer Bahn ein Mann unter dem Verdacht, der Mörder
der beiden am Teufelsſee erſchlagenen Frauen zu
ſein, verhaftet worden. Es paßt auf ihn die
Be=
ſchreibung, die die beiden Knaben von dem Manne
ge=
geben haben, den ſie am Tage der Tat am Teufelsſee
ge=
ſehen haben. Auf dem Friedhof in Nowawes wurden
geſtern nachmittag die beiden Opfer der Bluttat am
Teu=
felsſee unter großem Zudrana der Bevölkerung beſtattet
Zu dem Morde in der Krefelder Straße
wird gemeldet: Die Witwe Netſch lebte mit ihrem 35 lungenkranken, etwas geiſtesgeſtörten Sohn
zu=
ſammen. Zwiſchen der Mutter und dem Sohne kam es
oft zum Streit, der manchmal in Tätlichkeiten überging
Seit Montag, an dem man die Witwe zum letzten Male
ſah, iſt anch der Sohn verſchwunden. Anſcheinend ha
er ſeine Mutter ermordet und iſt dann geflüchtet. De
Gerichtsarzt ſtellte feſt, daß Frau Netſch durch einen Schuß
über dem rechten Ohre getötet worden iſt. Die Frau
ſchlief ſeit ſieben Jahren in ihren Kleidern auf dem
Sof=
aus Angſt vor dem Sohn, der das einzige Bett benutzte
Der Sohn führte ſtändig einen Revolver bei ſich. In der
Kleidung der Frau fand man erſpartes Geld in Höhe von
719 Mark eingenäht.
5. März. In der großen Wandelhalle des
Herren=
hauſes wurde die unter dem Protektorat des Herzogs
Johann Albrecht von Mecklenburg ſtehende
Ausſtel=
lung deutſcher Edelſteine und Edelmetalle
eröffnet. — Der Muttermörder Guſtav Goedicke iſt
heute vormittag in einem Privatlogis feſtgenommen
und der Kriminalpolizei zugeführt worden. Goedicke
brachte dort die letzte Nacht zu und fiel bereits durch ſein
ſcheues Weſen auf. Als der Logisinhaber heute morgen
das Signalement in den Zeitungen las, benachrichtigte
er die Polizei, die ſofort einen Beamten und die
Schwe=
ſter Goedickes dorthin entſandte, worauf ſeine Feſtnahme
erfolgte: Der Hausdiener Goedicke hat eingeſtan
den, ſeine Mutter am Sonntag vormittag erſchoſſen
zu haben. Er hatte ſtändig Streit mit ſeiner Mutter
aus deren Wohnung er ſeit drei Monaten nicht mehr
her=
ausgekommen ſei. Er habe auch beabſichtigt, den Arzt
Dr. Großmann, der ihn vor ſieben Jahren operierte,
ſo=
wie ſeine beiden verheirateten Schweſtern umzubringen.
Potsdam, 5. März. (Entkommener Mörder.)
In dem an der Wetzlarer Bahn gelegenen Drewitz wurde
geſtern abend ein Mann geſehen, auf den das Signalement
des Mörders am Teufelsſee paßt. Er wurde angehalten,
zog aber einen Revolver und entkam. Der Wald wurde
die ganze Nacht ohne Erfolg durchſucht.
Frankfurt a. M., 5. März. (Selbſtmord.) In der
Bockenheimer Anlage brachte ſich heute nacht ein etwa 24
Jahre alter junger Mann mit einem Revolver einen Schuß
in die rechte Schläfe bei, der ſeinen ſofortigen Tod
zur Folge hatte. Da der Selbſtmörder keine Papiere bei
ſich trug, konnten ſeine Perſonalien nicht feſtgeſtellt werden.
Metz, 5. März. (In berechtigter Notwehr
erſchoſſen.) Wie aus Hargarten in Lothringen berichtet
wird, gab der Beſitzer eines einſam gelegenen Gutes, als
ſeine Frau von zwei Individuen beläſtigt wurde, mehrere
Revolverſchüſſe auf die Angreifer ab und tötete einen
der=
ſelben, den Sohn einer Bergmannsfamilie, durch einen
Schuß ins Herz. Der andere wurde verletzt.
Düſſeldorf, 4. März. (Das Kriegsgericht) der
14. Diviſion verurteilte wegen Zweikampfes den
Leut=
nant Grafen Beißel v Gymnich vom Ulanen=Regiment
Nr. 5 zu drei Monaten Feſtung und den Leutnant der
Re=
ſerve Eckardt zu vier Monaten Feſtung. Das ohne ernſte
Folgen verlaufene Piſtolenduell iſt zurückzuführen auf ein
Renkontre beim Karneval.
Hamburg, 5. März. (Die Opfer der
Explo=
ſion.) Von den bei der Exploſion in der
Alteiſenhand=
lung der Firma Schwalbe ſchwer verletzten Arbeitern
ſind zwei geſtorben, ſo daß die Zahl der Opfer unter
Einſchluß eines Vermißten wahrſcheinlich fünf
betra=
gen wird.
Wien, 5. März. (Durcheine Lawine verſchüt
tet.) Bei Gomagoi in Tirol wurden zwei Offiziere
zwei Fähnriche und elf Mann des dritten
Landes=
ſchützen=Regiments durch eine Lawine
verſchüt=
tet. Von den Militärſtationskommandos Meran,
Schlanders und Bozen ſind Rettungsexpeditionen
abge=
gangen. Die Bergungsarbeiten haben bereits begonnen.
Neu=York, 4. März. (Neu=York im
Bliz=
zard.) Die Folgen des furchtbaren Blizzard,
der am letzten Sonntag über Neu=York hereinbrach und
noch am Montag abend von ſeiner Stärke nichts eingebüßt
hatte, ſind größer und gefährlicher als die erſten Berichte
andeuteten. Die Stadt iſt von der Umwelt ſo gut wie
völlig abgeſchloſſen, der Telephon= und der
Telegraphen=
dienſt ſo gut wie ganz unterbrochen, und noch ſchlimmer
ſteht es mit dem Eiſenbahnverkehr. Seit dem Jahre 1888
iſt ein ſolcher Sturm nicht über die Oſtſtaaten der Union
niedergegangen. Der Blizzard richtete um ſo größeren
Schaden an, als er völlig unerwartet über die Stadt
her=
inbrach. Am Sonntag morgen gegen 10 Uhr verwandelte
ſich der niedergehende Regen in Hagel, und zugleich wuchs
der Wind zu einem Zyklon an, der Sturm erreichte im Nu
eine Geſchwindigkeit von über 110 Kilometer in der
Stunde. Um Mitternacht ſank dann die Temperatur
ruck=
veiſe, und überall in der Stadt hörte jeder Verkehr auf.
Die Tauſende von Männern, Frauen und Kindern, die in
den Reſtaurants weilten, konnten nicht nach Hauſe kommen
und mußten an Ort und Stelle übernachten. Am Montag
früh waren faſt alle Telegraphenſtangen umgeworfen, ſo
daß auch Nachrichten über die Verwüſtungen des Sturmes
ausblieben; es iſt jedoch kaum ein Zweifel, daß viele
Men=
ſchen durch dieſes mit der Gewalt einer Naturkataſtrophe
hereingebrochene Unwetter ihr Leben verloren haben und
daß der angerichtete Materialſchaden gewaltig iſt. Das
Geſchäftsleben lag am Montag in ganz Neu=York ſo gut
wie völlig danieder, den Angeſtellten war es unmöglich, an
ihre Arbeitsſtellen zu gelangen. Die erſte Nacht forderte
allein in der Stadt Neu=York acht Menſchenleben. Die
Nahrungszufuhr iſt unterbrochen, und wenn der Blizzard
noch einige Tage andauert, wird es zu einer Hungersnot
kommen müſſen. Auch die Kohlenvorräte reichen nicht aus,
und in den Armenvierteln herrſchen erſchütternde Zuſtände.
Noch ſchlimmer als der City erging es den
Vor=
orten. In Staten=Island verſagte alsbald die
elek=
triſche Beleuchtung, und die Stadt blieb in völlige
Finſter=
nis gehüllt. Dasſelbe Schickſal teilten faſt alle kleineren
Städte im Umkreiſe von 30 Kilometer um Neu=York. Einige
der Hochbahnlinien konnten zwar am Montag im Laufe
des Vormittags einen Teilverkehr improviſieren, aber die
elektriſchen Straßenbahnlinien ſind vollkommen lahm
ge=
legt. Um das Unglück voll zu machen, traten 15000 der bei
der Neu=Yorker Straßenreinigung beſchäftigten Männer in
den Ausſtand und weigerten ſich, während des Sturmes
in den vereiſten Straßen Schnee zu ſchaufeln. Der
Bahn=
verkehr nach auswärts ſtockte; der erſte Zug, der nach dem
Blizzard Neu=York erreichte, war der Expreßzug aus
Waſ=
hington; er lief Montag mittag gegen 1 Uhr ein mit 15
Stunden Verſpätung bei einer gewöhnlichen Fahrzeit von
5 Stunden. Im Hafen ruht alle Arbeit, fremde Schiffe
konnten nicht einlaufen, nur einigen kleinen
Küſten=
dampfern gelang es, ſich in den ſchützenden Hafen zu
flüch=
ten. Die Feuermeldungsleitungen ſind zum größten Teil
zerſtört. Die Milchhändler weigern ſich bereits, den
einzel=
nen Kunden mehr als einen halben Liter Milch zu liefern,
die Gemüſevorräte ſind erſchöpft, Butter und Eier werden
noch für einen oder zwei Tage reichen. Das amtliche
Wetterbureau gibt Nachrichten heraus, in denen alle Schiffe
gewarnt werden, während der nächſten Tage auszulaufen.
Kälteres Wetter wird prophezeit, und eine Fortdauer der
Kälte wäre für die Straßenbahnen gleichbedeutend mit der
Unmöglichkeit, ihre Linien während der nächſten Tage
wieder betriebsfähig zu machen.
Neu=York, 5. März. (Die Arbeitsloſen.) 190
Männer und eine Frau aus Induſtriearbeiterkreiſen, die
das Recht auf Speiſung und Unterbringung in Kirchen
be=
anſpruchten, wurden verhaftet, als ſie in eine katholiſche
Kirche während des Faſtengottesdienſtes eindrangen und
großen Lärm verurſachten.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 5. März. Präſident Dr. Kaempf
eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. — Eingegangen
iſt eine Novelle zur Gewerbeordnung (
Kine=
matographengeſetz). Die
zweite Leſung des Poſtgeſetzes
wird fortgeſetzt.
Abg. Werner=Hersfeld (Wirtſch. Vgg.): Die mittleren
Beamten im Dienſte des Reichspoſtamtes fühlen ſich
da=
durch benachteiligt, daß ſie, trotzdem ſie hervorragende
Dienſte zu leiſten haben, nicht die entſprechende Stellung
finden. Die berechtigte Forderung dieſer Beamtenkategorie
ſollte ſchleunigſt erfüllt werden. — Eine Reihe von Titeln
wird ohne Debatte bewilligt. Beim Titel „Poſtagenten”
tritt Abg. Werner=Hersfeld (Wirſch. Vgg.) nochmals
für die Beſſerſtellung der Poſtagenten ein, die für das platte
Land von außerordentlicher Wichtigkeit ſeien und deren
Dienſtbetrieb einen Umfang angenommen hätte, daß er
nicht mehr als nebenamtlich bezeichnet werden könne. —
Abg. Dr. Neumann=Hofer (Fortſchr. Vpt.):
Beſchwer=
den ſind aus verſchiedenen Orten eingelaufen, wo es
meh=
rere Kaufleute gibt. Es iſt vielfach vermutet worden, daß
der betreffende Kaufmann, der die Poſtagentur bekommt,
die Stelle dazu benützt, um die Geheimniſſe ſeines
Kon=
kurrenten zu erforſchen. Gerade aus meinem Wahlkreis
ſind ſolche Beſchwerden laut geworden. Bei Vergebung
der Poſtagentenſtellen ſollte die Poſtbehörde darauf
Rück=
ſicht nehmen.
Staatsſekretär Krätke: Für die Poſtagenten werden
alljährlich hohe Summen eingeſetzt, in dieſem Jahre
wie=
derum 273000 Mark. Bei der Auswahl neuer Agenten
treten wir mit dem Gemeindevorſtand in Verbindung, ob
von dieſer Seite Einwendungen gegen die betreffenden
Perſonen erhoben werden. Die Agenten ſetzen ſich aus
allen Ständen zuſammen. Daß in einzelnen Fällen
uner=
freuliche Zuſtände beſtehen, kann nicht beſtritten werden,
aber es handelt ſich immer nur um Einzelfälle. — Der Titel
wird bewilligt. Zwei von der Budgetkommiſſion
vor=
geſchlagene Reſolutionen, betr. Erhöhung der Tagegelder
der nicht etatsmäßig angeſtellten Poſt= und
Telegraphen=
aſſiſtenten, ſowie der weiblichen Gehilfen bei den
Poſt=
ämtern dritter Klaſſe, ſowie betr. Maßnahmen über
Ge=
ſundung und zweckmäßige Ausgeſtaltung der
Poſtkranken=
kaſſen, werden angenommen. Es folgt die Ausſprache
über die Oſtmarkenzulage.
Staatsſekretär Krätke: Dieſe Zulage iſt für die
be=
treffenden Beamten von größter Wichtigkeit. Es
handelt=
ſich um 6059 Beamte, denen die Zulage, die ſie jahrelang
bezogen haben, entzogen werden ſoll. Das ſind 10 Prozent
ihres Einkommens. Die Gehaltsaufbeſſerung der mittleren
und unteren Beamten ſteht in keinem Verhältnis zu der
hnen entgehenden Zulage. Würde es ſich um eine
Neu=
einführung handeln, ſo wäre ein Mißtrauen zu verſtehen.
Niemand — auch nicht die polniſchen Abgeordneten — kann
nachweiſen, daß die Beamten korrumpiert ſeien. Die
Reichsbeamten ſollen den preußiſchen Beamten gleichgeſtellt
werden. Ich bitte Sie nicht auf dem ablehnenden
Stand=
punkt zu beharren, ſondern von der Streichung abzuſehen.
(Beifall.)
Abg. Schlee (natl.): Es iſt nicht richtig, daß die
Oſt=
markenzulage politiſche Tendenzen verfolgt und antipolni.
ſchen und antikatholiſchen Zwecken dienen ſoll. (Wider=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Nummer 65.
ſpruch.) Wir Deutſche im Oſten ſind nicht
kulturkampffreu=
dig. (Sehr richtig! bei den Nationalliberalen. Lachen im
Zentrum und bei den Polen.) Wir wollen nur einen
Zu=
ſammenſchluß der deutſchen Elemente des Oſtens. Wir
beantragen, dieſe Zulage als unwiderrufliche zu erteilen,
damit alle Willkür bei Erteilung oder Entziehung der
Zu=
lage ausgeſchloſſen iſt und daß lediglich ein Ausgleich
gegenüber den Gehältern der preußiſchen Beamten
feſtge=
ſtellt wird. Die Beſchwerden, die hier vorgetragen
wur=
den über Verfehlungen von Poſtbeamten im Oſten ſind
gering und völlig unabhängig von der Zulage. Wir ſind
auch für den Antrag der Konſervativen, dieſe Zulage auf
alle gemiſcht=ſprachigen Gegenden auszudehnen. (Beifall
bei den Natl.) — Abg. Noske (Soz.): Es iſt abſolut
un=
richtig, daß es ſich um eine Zulage für wirtſchaftlich
be=
drängte Beamten handelt. Es iſt nichts als eine politiſche
Frage. Der Appell an uns, daß es ſich um kleine und
mitt=
lere Beamten handelt, zieht nicht. Daß der Staatsſekretär
aus Fürſorge oder Vorliebe zu ſeinen Beamten die Zulage
verlangt, iſt nach den Ereigniſſen der letzten Tage, in denen
er die Beamten in einer anderen Grenzprovinz nach unſerer
Ueberzeugung im Stich gelaſſen hat, nicht anzunehmen.
Die Beratung der Beſoldungsnovelle wird zeigen, daß wir
geneigt ſind für die Beamten genügend zu ſorgen. Wir
ſind grundſätzlich Gegner der Kampfmethode Preußens
gegen die polniſchen Mitbürger und lehnen deshalb die
Zulage ab. (Lebhafter Beifall bei den Soz.)
Abg. Graf Weſtarp (konſ.): Wir müſſen die ſchwere
Schädigung der Beamten im Oſten wieder gut machen. Die
Reichsbeamten dürfen nicht für Beamte minderer Güte
angefehen werden. (Sehr richtig! rechts.) Mit der
Be=
amtenfreundlichkeit, mit dem Wettlauf der Parteien um
die Gunſt der Beamten, iſt die Haltung des Reichstages
nicht vereinbar. In ſich iſt die Zulage durchaus ſachlich
begründet. Sie ſollte einen Ausgleich bilden für die
Schwierigkeiten der amtlichen Stellung in den Oſtmarken.
(Sehr richtig! rechts. Lachen bei den Polen.) Die
Bevöl=
kerung iſt zweiſprachig und da entſtehen für die
Poſtbeam=
ten naturgemäß Erſchwerniſſe. Ganz falſch iſt der
Vor=
wurf, als würde die Oſtmarkenzulage dazu dienen, um
einzelne politiſche Zwecke zu verfolgen. Daß es ſich um
eine Körruptionszulage handelt, iſt erfreulicherweiſe in
dieſem Jahre nicht behauptet worden. Das wäre auch eine
unberechtigte Beleidigung der Verwaltung wie der
Beam=
ten. (Sehr richtig! rechts.) Die die Zulage ablehnenden
Parteien tun dies nur aus politiſchen Gründen, um gegen
die Oſtmarkenpolitik Preußens zu proteſtieren. Die
Oſt=
markenzulage hat einen nationalen Zweck (Sehr gut! und
Heiterkeit bei den Polen), für den allerdings die
Sozial=
demokraten kein Verſtändnis haben und haben wollen. Mit
unſerem Antrage, auch den übrigen gemiſcht=ſprachigen
Gegenden die Zulage zu gewähren, wollen wir denjenigen,
die in der Zulage eine politiſche Agitation ſehen, die Hand
bieten, mit uns zuſammen zu ſtimmen. (Lebhafter Beifall
rechts. Ziſchen bei den Polen und links. Wiederholter
Beifall rechts.) — Abg. Kopſch (Fortſchr. Vpt.): Wir
treten für die Oſtmarkenzulage ein, da ſie keinen
korrupti=
ven Charakter hat. Irgend welche Gegenbeweiſe ſind nicht
erbracht worden. Der Unterſchied zwiſchen Reichs= und
preußiſchen Beamten darf nicht weiter im Oſten verſchärft
werden. Darüber hinaus werden indirekt weite Kreiſe des
Mittelſtandes geſchädigt. Die Parteien, die bisher gegen
die Zulage waren, mögen durch ihre Zuſtimmung
bekun=
den, daß ſie gewillt ſind, die politiſchen Gegenſätze zu
be=
ſeitigen und zu verhindern, daß die Beamten in den
poli=
tiſchen Kampf hineingeführt werden. Der konſervative
Antrag auf Ausdehnung der Zulagen auf alle
gemiſcht=
ſprachigen Gegenden iſt für uns durchaus annehmbar. Wir
hoffen, daß durch die Zulage ein Grundſtein gelegt wird
zur Verſöhnung. (Beifall links.)
Abg. Brandys (Pole): Neue Gründe für die
Be=
rechtigung der Zulage ſind nicht erbracht worden; nur
allein der ließe ſich hören, daß ein Ausgleich zwiſchen
Reichs= und Staatsbeamten erfolgen ſoll. Eine
Gleich=
ſtellung iſt aber undurchführbar. Daß der Dienſt in den
öſtlichen Provinzen ſchwerer iſt, als anderswo, iſt nicht
be=
wieſen worden. Die deutſchen Beamten im Oſten
boden=
ſtändig zu machen, heißt, den Gegenden künſtlich einen
ger=
maniſchen Charakter aufdrücken. Wir wollen niemand
germaniſieren (Heiterkeit rechts, Zurufe), poloniſieren.
Der politiſche Kampf der Nationalitäten geht die Beamten
nichts an; ſie haben ihren Dienſt im Intereſſe des Staates
zu tun. Am allerwenigſten kommen die mittleren Beamten
mit der Bevölkerung zuſammen, und für den Beſtelldienſt
können ja polniſche Briefträger angeſtellt werden, die die
Sprache des Volkes kennen. Jetzt iſt aber Bedingung, daß
die Briefträger die polniſche Sprache nicht verſtehen
dür=
fen. (Sehr richtig! bei den Polen.) Auch ſind es nicht
wirtſchaftliche Gründe, die für die Zulage ſprechen, denn
die Lebensbedingungen ſind im Oſten billiger, als
anders=
wo. Wenn jemals etwas für die Ablehnung der Zulage
ſprach, ſo war es die Rede des Abg. Grafen Weſtarp, der
klar betonte, daß die Zulage aus politiſchen Rückſichten
geſchaffen ſei. Ich bitte, es bei dem Kommiſſionsbeſchluß
zu belaſſen und die Oſtmarkenzulage abzulehnen. (Beifall
bei den Polen.) — Abg. Mertin (Rpt.): Wenn
beſtrit=
ten wird, daß in gemiſcht=ſprachigen Bezirken die
Dienſt=
verhältniſſe ſchwieriger ſeien als in anderen, ſo iſt das nicht
verſtändlich. Nicht nur die unterſten Beamtenklaſſen haben
mit dem Publikum zu tun, ſondern auch die
Schalterbeam=
ten und die höheren Dienſtſtellen. Unſere Reſolution, die
die Zulage auf alle gemiſcht=ſprachigen Gegenden
ausge=
dehnt wiſſen will, entzieht den Gegnern der Zulage den
Boden. Wir wollen nicht Gnadengeſchenke für die
Beam=
ten, ſondern Gerechtigkeit. (Beifall rechts.) — Abg.
Lede=
bour (Soz.): Was Sie hier national nennen, iſt die
Ger=
maniſierungspolitik der Regierung, die lediglich zu einer
leidenſchaftlichen Verbitterung zwiſchen den Polen und
Deutſchen künſtlich führt. Es kann nicht beſtritten werden,
daß in dieſer Zulage die ſchlimmſte Korruption liegt.
(Glocke. Vizepräſident Dr. Paaſche: Ich muß Sie
bit=
ten, ſolche Ausdrücke zu unterlaſſen. Ich rufe Sie zur
Ord=
nung. Bravo!) In Elſaß=Lothringen (Vizepräſident
Dr. Paaſche bittet, auf dieſes Thema nicht einzugehen.)
Abg. Ledebour (fortfahrend): Eine Parallele iſt
durch=
aus zuläſſig, um einen Differenzpunkt aufzuklären, der zur
Debatte ſteht. (Vizepräſident Dr. Paaſche: Dann aber
ganz kurz.) Das entſpricht durchaus meinen Intentionen.
(Heiterkeit.) Der Staatsſekretär hat ſeine Beamten in
Elſaß=Lothringen gegen ehrenrührige Vorwürfe nicht in
Schutz genommen. Da iſt es erklärlich, wenn
korruptions=
fähige Elemente ſich ſagen, wir müſſen gegen dieſe
ver=
dammten Wackes mal gehörig die rauhe Seite
herauskeh=
ren, dann werden wir uns das Wohlgefallen des Herrn
Staatsſekretärs erwerben. Das iſt eine Illuſtration zum
korrumpierenden Syſtem. (Beifall bei den Soz. Ziſchen
— Vizepräſident Dr. Paaſche: Wegen des letzten
Aus=
druckes rufe ich Sie abermals zur Ordnung.) — Abg.
Czarlinski (Pole): Es handelt ſich hier um eine
emi=
nent politiſche Frage.
Staatsſekretär Krätke: Es handelt ſich nicht um
irgend welche politiſche Fragen, ſondern lediglich darum,
ob den Beamten der zehnte Teil ihres Gehalts
vorenthal=
ten werden kann. Es iſt keineswegs erwieſen, daß die Zu=
lage zu Maßnahmen führt, die verworfen werden müßten.
In den Oſtmarken handelt es ſich um ein einheitliches
Gebiet, in dem es neben den Reichsbeamten nur preußiſche
Beamte gibt. Die Poſtbeamten ſind nur mittelbare
Reichs=
beamte. Sie werden angeſtellt im Namen des Königs von
Preußen, genau wie die Eiſenbahnbeamten, die die
Zu=
lage bekommen und deshalb 10 Prozent beſſer geſtellt ſind.
Korrumpierend wirkt die Zulage nicht, denn 9 Prozent der
Poſtbeamten, die polniſch ſind, bekommen die Zulage
eben=
falls. Bedenken Sie aber dieſen Moment und beſeitigen
Sie die Ungerechtigkeit. Auf die Ausführungen des Abg.
Ledebour zu antworten, verzichte ich (Bravo!), weil ich
nach dem Schillerſchen Spruch handele: „Ganz anders als
ſonſt in Menſchenköpfen ſpiegelt ſich in ihm die Welt!”
(Bravo! — Abg. Ledebour ruft: Sie müſſen Schiller
beſſer lernen!)
Abg. Dr. Spahn (Ztr.): Wir verharren auf dem
Be=
ſchluß der Kommiſſion und lehnen die Vorlage ab.
Damit ſchließt die Debatte. — In namentlicher
Abſtimmung ſtimmen von 323 Abgeordneten gegen die
Wiederherſtellung der Etatspoſition 194, dafür 127
Abge=
ordnete; zwei enthalten ſich der Stimme. Die
Oſtmar=
kenzulage iſt damit abgelehnt. Es folgt die
namentliche Abſtimmung über den Antrag Schultz=
Brom=
berg (Rpt.) und Graf Weſtarp (konſ.), welcher
außerordent=
liche unwiderrufliche Zulagen für die mittleren Kanzlei=
und Unterbeamten auch auf die anderen gemiſcht=ſprachigen
Kreiſe und Reichsteile ausdehnen will, in denen ähnliche
Verhältniſſe obwalten wie in der Provinz Poſen und in
den gemiſcht=ſprachigen Kreiſen von Weſtpreußen. Es
ſtim=
men von den 312 Abgeordneten bei drei Stimmenthaltungen
121 für den Antrag, 188 dagegen. Der Antrag iſt damit
abgelehnt.
Beim Titel „Beiträge für die Betriebskrankenkaſſen
für die bei den Poſt= und Telegraphenanſtalten
beſchäf=
tigten, krankenverſicherungspflichtigen Perſonen” führt
Abg. Behrens (Wirtſch. Vgg.) aus: Während die
Orts= und Betriebskrankenkaſſen ſich bemühen, die
Fa=
milienhilfe neben der Krankenhilfe möglichſt auszubauen,
lehnt die Poſtverwaltung dieſes ab. Gerade bei
Ge=
burten bedarf die Familie einer beſonderen Unterſtützung
und dieſe ſo notwendige Einrichtung, hebt die
Poſtver=
waltung auf, anſtatt ſie allgemein zu machen. Darin
würde ein gutes Mittel zur Bekämpfung des
Geburten=
rückganges liegen. — Direktor im Reichsamt
Aſchen=
born: Infolge der Neuorganiſation der
Poſtkranken=
kaſſen war es notwendig, auch die Frage der
Familien=
beihilfe zu regeln. Es ſollte nicht mehr den Vorſtänden
einſeitig zur Entſcheidung anheim geſtellt werden, ſondern
ſie ſollte durch Satzungen feſtgelegt werden. Von der
Fa=
milienbeihilfe iſt wenig Gebrauch gemacht worden. Auch
waren die erforderlichen Beiträge verhältnismäßig hoch,
ſo daß eine Aenderung erwünſcht erſchien.
Beim Titel „Unterhaltung der Telegraphenlinien”,
trat Abg. Dr. Quarck=Frankfurt (Soz.) für Vermehrung
der unterirdiſchen Telephonleitungen ein. Die jetzige
Ausdehnung der Kabel entſpreche bei den mißlichen
Witterungsverhältniſſen Deutſchlands nicht den
tatſäch=
lichen Bedürfniſſen, namentlich auf der Strecke Berlin
Köln und Berlin-Frankfurt a. M. So ſeien die letzten
großen Schneefälle für Handel und Verkehr im Weſten
geradezu kataſtrophal geweſen. Dadurch, daß die
Tele=
phonverwaltung zur Verbeſſerung der Leitung nichts tue,
habe ſie noch dazu Vorteile durch die Mehreinnahmen, die
dadurch entſtänden, daß nur dringend geſprochen werden
könne. — Staatsſekretär Krätke: Wir ſtreben dahin,
möglichſt die Verkabelung unſeres Telephonnetzes
durch=
zuführen. Es iſt uns erſt ſeit zwei bis drei Jahren
mög=
lich, denn vocher war auf eine große Entfernung hin eine
Durchführung dieſes Projekts nicht möglich. Ducch dieſe
Kabel werden die meiſten Beſchwerden in Fortfall
kom=
men, da dann ſofort eine große Zahl von Leitungen zur
Verfügung ſteht, die auch den Störungen durch Unwetter
nicht ausgeſetzt ſind. Wir ſind nach Amerika die erſten,
die mit der Verkabelung der Telephonlinien begonnen
haben. Daß unter Umſtänden zu gewiſſen Zeiten nur
dringend geſprochen werden kann, kommt daher, daß alle
zu gleicher Zeit ſprechen wollen. Allen Wünſchen kann
die Verwaltung nicht entſprechen. Wir tun aber, was in
unſeren Kräften ſteht und werden die Verbindungen nach
Möglichkeit ausbauen. — Abg. Dr. Gradnauer (Soz.):
In Dresden laſſen die Telephonverhältniſſe immer noch
viel zu wünſchen übrig. Handel und Verkehr ſind infolge
des Nichtfunktionierens der dortigen Telephonverwaltung
geſchädigt worden.
Staatsſekretär Krätke: Dresden iſt die erſte Stadt,
in der die halbautomatiſche Einrichtung getroffen worden
iſt. Bei den 25000 Anſchlüſſen iſt es erklärlich, daß nicht
ſofort alles klappt. Die Beamten und Fabrikanten
muß=
ten erſt lernen. Jetzt ſind die Dresdener ſtolz auf die
Ein=
richtung. In Liegnitz mit 12000 Anſchlüſſen hat der
halb=
automatiſche Betrieb ſofort vorzüglich geklappt. — Abg.
Dr. Quarck=Frankfurt a. M. (Soz.): Wenn die
Ver=
kabelung der Telephonleitungen auch eine Milliarde koſtet,
dann muß dieſe Kulturarbeit trotzdem geleiſtet werden.
Der Titel) wird bewilligt. Es folgt der Titel „Arbeiten
zum Bau von Telegraphenlinien und Unterſtützung von
Arbeitern ꝛc.” — Abg. Taubadel (Soz.): Die
Verhält=
niſſe deg Poſt= und Telegraphenarbeiter haben ſich trotz
aller Petitionen an den Reichstag noch nicht gebeſſert.
Vor allem muß ihrem Wunſche Rechnung getragen werden,
daß ihnen nach ihrem Uebergang in das
Unterbeamten=
verhältnis die vorhergehenden Dienſtjahre angerechnet
werden. Es muß endlich etwas durchgreifendes für die
bedrängten Telegraphenarbeiter geſchehen. — Abg.
Heck=
mann (natl.): Was die Telegraphenarbeiter beim
Reichspoſtamt erreicht haben, trotzdem ihre Wünſche ſehr
beſcheiden und vernünftig waren, iſt gleich Null. Immer
hatte der Staatsſekretär ein ebenſo freundliches wie
be=
ſtimmtes Nein. (Sehr gut.) Die Haltung des
Staats=
ſekretärs iſt geradezu nicht zu verſtehen. Die
Tele=
graphenarbeiter verdienen mindeſtens eine Gleichſtellung
mit den Briefträgern. — Abg. Kopſch (Fortſchr. Vpt.):
Auch ich kann beſtätigen daß die Wünſche der
Telegraphen=
arbeiter durchaus berechtigt ſind. — Abg. Behrens
(Wirtſch. Vgg.): Wir ſind überraſcht von der ablehenden
Haltung des Staatsſekretärs gegenüber der Errichtung
eines Reichsausſchuſſes für Arbeiter. Da bleibt nur
übrig, daß der Reichstag alle dieſe Wünſche vorbringt, die
ſonſt der Reichsarbeitsausſchuß zur Sprache bringen
würde. Die Zahl der aufſichtsführenden Beamten iſt viel
zu groß. Es genügen dazu gründlich und beſſer
vorgebil=
dete Vocarbeiter.
Direktor im Reichspoſtamt Aſchenborn: In einer
Reihe von Krankenkaſſen hat man da, wo die Ausgaben
für die erkrankten Gehilfinnen größer waren als für die
Telegraphenarbeiter, die Mitgliedſchaft getrennt und
be=
ſondere Beitragsleiſtungen eingeführt. — Staatsſekretär
Krätke: Was die Regierung in der Frage der
Tele=
graphenarbeiter angeordnet hat, namentlich hinſichtlich
der Beſchäftigung von Vorarbeitern, darf man nicht von
der Hand weiſen. Wir müſſen darauf ſehen, daß gut und
billig gearbeitet wird. Vor allen Dingen aber iſt es nötig,
daß ein Mann die Arbeit leitet, der gut vorgebildet iſt,
und die volle Verantwortung übernehmen kann. Was dier
Frage der ärztlichen Unterſuchung der Telegraphenarbeiter
anlangt, ſo iſt es zwecklos, einen Mann unnötig
unter=
ſuchen zu laſſen, wenn man abſolut nicht weiß, ob er
je=
mals zur Beamtenkarriere kommt. Deshalb iſt es
prak=
tiſcher, die Unterſuchung dann vornehmen zu laſſen, wenn
es ſich darum handelt, den Mann ins Beamtentum
zu=
übernehmen. Die Errichtung von Reichsausſchüſſen
muß=
ich ablehnen, da die Ausſchüſſe doch immer nur radikalen
Zwecken dienen ſollen und können. Nach einer weiteren
Bemerkung des Abg. Behrens (Wirtſch. Vgg.) wird der
Titel bewilligt und die Weiterberatung auf Freitag
1 Uhr vertagt. Vorher Anfragen, außerdem
Kolonial=
etat. — Schluß nach ¾ 7 Uhr.
* Berlin, 5. März. Die 16. Kommiſſion des
Reichstages (Löſung der Duellfrage) nahm
einſtimmig den Grundſatz an, daß bei Vorliegen
frevel=
haften Verſchuldens an Stelle der Feſtungshaft
Gefäng=
nisſtraſe treten ſoll, und beſchloß mit 8 gegen 5 Stimmen
der Konſervativen und Nationalliberalen, daß bei
Vor=
liegen einer ehrloſen Handlungsweiſe der Verluſt der
bürgerlichen Ehrenrechte obligatoriſch ſein ſoll.
Der Kaiſer in Wilhelmshaven.
* Wilhelmshaven, 4. März. Nach der
Abend=
tafel an Bord der „Deutſchland” begab ſich der Kaiſer
im Automobil nach der Offiziersſpeiſeanſtalt, wo= er um
8 Uhr den ſeekrieggeſchichtlichen Vortrag des Kapitäns z. S.
v. Mantey hörte.
* Wilhelmshaven, 5. März. Der Kaiſer hat
heute morgen ½11 Uhr die „Deutſchland” verlaſſen und iſt
auf dem Waſſerwege zur Werft zur Vornahmeder
Beſichtigungen gefahren.
* Wilhelmshaven, 5. März. Der Kaiſer vers
ließ die „Deutſchland” um 5 Uhr nachmittags und
fuhr=
im Automobil nach dem Fort Rüſterſiel, wo er einen
Spaziergang auf dem Deich unternahm. Um 6½ Uhr
kehrte der Kaiſer auf die „Deutſchland” zurück, die
in=
zwiſchen in der Schleuſe feſtgemacht hatte und nach der
Durchfahrt nach Helgoland in See gehen ſoll.
Militäriſches.
* Berlin, 5. März. Das Militärwochenblatt
mel=
det: Auler, Generalleutnant und Inſpekteur der erſten
Ingenieun=Inſpektion, iſt in Genehmigung ſeines Ab= mit der geſetzlichen Penſion zur
Dispo=
ſition geſtellt worden. v. Wrochem, Generalleutnant
à la suite der Armee und militäriſches Mitglied des
Reichsmilitärgerichts, iſt in Genehmigung ſeines
Ab=
ſchiedsgeſuches mit der geſetzlichen Penſion zur Dispoſition
geſtellt worden. v. Wienkowski, Generalleutnant von
der Armee, kommandiert zur Dienſtleiſtung beim
Reichs=
militärgericht, iſt zu den Offizieren à la suite der Armee
verſetzt und zum militäriſchen Mitglied des
Reichsmili=
tärgerichts ernannt worden. v. Hellfeld,
Oberſtleut=
nant und Chef des Stabes der Generalinſpektion der
Fuß=
artillerie, iſt zum Kommandeur des Fußartillerie=
Regi=
ments Nr. 10 ernannt worden. Hüther, Oberſtleutnant
und Kommandeur des Fußartillerie=Regiments Nr. 10, iſt
zum Chef des Stabes der Generalinſpektion der
Fuß=
artillerie ernannt worden.
Gerichtszeitung.
* Berlin, 5. März. Wegen Beleidigung des
deutſchen Kronprinzen verurteilte die 4.
Straf=
kammer des Landgerichts I Berlin, den Schriftſteller Hans
Leuß zu einer ſechsmonatigen
Gefängnis=
ſtrafe. Die Beleidigung wurde in einem Artikel der
Welt am Montag vom 14. Januar erblickt, mit der
Ueber=
ſchrift: „Wilhelm der Letzte!‟” Der Mitangeklagte
Redak=
teur Scholtz wurde freigeſprochen. Außerdem
wurde auf Einziehung der noch vorhandenen Exemplare
und Unbrauchbarmachung der zur Herſtellung verwendeten
Platten und Formen erkannt.
* Elberfeld 5. März. In der Flanderss
bacher Mordaffäre hat der Staatsanwalt gegen den
Beſchluß der Elberfelder Strafkammer auf
Wiederauf=
nahme des Verfahrens und die ſofortige Entlaſſung der
Frau Hamm aus dem Zuchthaus, Beſchwerde beim
Ober=
landesgericht in Düſſeldorf eingelegt.
Zum Ableben des Kardinals Dr. Kopp.
* Breslau, 5. März. Aus Wilhelmshaven iſt bei
dem Breslauer Domkapitel folgendes Telegramm
des Kaiſers eingegangen: „Schmerzlich bewegt durch
die Meldung, daß Gott der Herr dem Leben des
Kardi=
nals von Kopp ein Ziel geſetzt hat, ſpreche ich dem
Domkapitel mein wärmſtes Beileid aus. Ich nehme an
dem ſchweren Verluſt, den das Kapitel und die Diözeſe
Breslau durch den Tod erlitten haben, lebhafteſten
An=
teil. Ausgeſtattet mit reichen Geiſtesgaben, einem ſtarken
Glauben einem lauteren Charakter und warmem
Empfin=
den für die Not der Zeit, hat der Entſchlafene als treuer
Sohn der katholiſchen Kirche, aufrichtiger Patriot und
guter Staatsbürger ſeines verantwortungsvollen
Hirten=
amtes vorbildlich, treu und ſegensreich gewaltet und ſich
um Bistum, Kirche und Staat hohe Verdienſte erworben
Ich werde des Verewigten und ſeiner charaktervollen
Perſönlichkeit ſtets gern dankbar gedenken.” — An den
Weihbiſchof Dr. Auguſtin in Troppau gelangte folgendes
Telegramm der Kaiſerin: „Die Nachricht über
das Hinſcheiden des Kardinals von Kopp hat mich mit
aufrichtiger und tiefer Teilnahme erfüllt. Wir beklagen
den Verluſtdieſes Kirchenfürſten, der ſich durch ſeine treue
und hingebende Arbeit unvergeßliche Verdienſte um die
Kirche und das Vaterland erworben hat. Ich bitte Sie,
den Verwandten und Angehörigen des Kardinals mein
innigſtes Beileid auszuſprechen.”
* Breslau, 5. März. Die Teilnahme
Kai=
ſer Franz Joſefs zeigte ſich in folgendem
Tele=
gramm aus Schönbrunn an das Domkapitel: „Die
Nachricht von dem Ableben des Kardinal=Fürſtbiſchofs
Dr. v. Kopp erfüllt Se. Majeſtät, die der edlen
Per=
ſönlichkeit und dem ſegensvollen Wirken dieſes
hochver=
dienten Kirchenfürſten ſtets beſondere Wertſchätzung
ge=
zollt hat, mit tiefer Trauer. Se. Majeſtät werden dem
verewigten Kardinal dieſe Geſinnung ſowie herzliche
Dank=
barkeit für die von ihm bei jeder Gelegenheit bewieſene
Treue und Anhänglichkeit immer bewahren und ſprechen
einem Hochwürdigſten Domkapitel ſeine innigſte
Teil=
nahme an dem ſchmerzlichen Verluſt, den dasſelbe durch
das Hinſcheiden ſeines allverehrten Oberhirten erleidet,
aus. Im allerhöchſten Auftrage: Freiherr Schieſl von
Perſtorff.”
* Troppau, 5. März. An dem
Leichen=
begängnis des Kardinals Dr. v. Kopp nimmtein
Kummer 65.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Seite 7.
Arretung des Kaiſers Franz Joſef Erzherzog
ſrl Franz Joſef teil, der morgen früh in Troppau
trifft.
Wien, 5. März. Der Präſident Fürſt
Windiſch=
ſſi tz widmete im Herrenhaus zu Beginn der
Sitz=
dem verſtorbenen Mitglied des Herrenhauſes
Kar=
l v. Kopp, der mit ſcharfem Geiſte, feinem Takte und
h ger Entſchloſſenheit ſich der Löſung der ſchwierigen
fgaben widmete, einen warmempfundenen Nachruf. Er
e, daß die Bedeutung dieſer einflußreichen impoſanten
Wiönlichkeit weit über die Grenzen ſeines Bistums
ate.
Die Verhaftung der drei Deutſchen
in Paris.
* Das Berliner Tageblatt meldet aus Paris zu der
ſFäre der drei verhafteten Deutſchen:
Vor=
ueig ſcheint gegen die Verhafteten nur Klage wegen
Erelei und Schwindelei vorzuliegen. Die Zeitungen
Aebben aber dabei, daß dieſe geheimnisvollen Deutſchen
h damit beſchäftigt haben, Rekruten für die
Fremden=
ſſhion anzuwerben. Wie der Temps mitteilt, haben ſich
e Deutſchen in einem Werbebureau gemeldet, um ſich ſelbſt
Uir die Fremdenlegion anwerben zu laſſen. Sie haben
Paaufhin eine Unterſtützung erhalten, ſpäter aber nichts
Wehr von ſich hören laſſen. Nach der Auffaſſung des
In=
ſartſigeant gingen die Deutſchen darauf aus, junge Leute
ſit die Fremdenlegion anzuwerben und dann deren
Korre=
undenz an deutſche Zeitungen zu verkaufen, um der Hetze
e en die Fremdenlegion neue Nahrung zuzuführen.
So=
ſſrinigt man die Angelegenheit des kürzlich verſchwundenen
Urgenieurs Konrad aus Berlin hiermit in Verbindung,
le angeblich aus Frankreich an einen deutſchen Freund
ſechrieben hat, er ſei Agenten der Fremdenlegion in die
hinde gefallen. Von der Polizei iſt eine Beſtätigung dieſer
Abenteuerlichen Gerüchte nicht zu erhalten. Sie nimmt
ſerr mit Beſtimmtheit an, daß die drei verhafteten
Per=
ſonen ſchon verſchiedene Male in Paris waren, ohne ſich
irzumelden.
Engliſches Unterhaus.
* London 5. März. In Beantwortung einer
An=
age erklärte Grey: Wie ich erfahre, erteilte die türkiſche
egierung den Firmen Armſtrong und Vickers die
fonzeſſion für die Umgeſtaltung der beſtehenden
Werf=
ſten in Konſtantinopel. Das Abkommen iſt durch
Pivate Verhandlungen zuſtande gekommen, die von der
ti rkiſchen Regierung und den beteiligten Firmen geführt
nrorden ſind. Die britiſche Regierung hatte keinen Anteil
daran. Auf eine weitere Frage ſagte Grey, die britiſche
F egierung habe die Verhandlungen nicht eingeleitet und
ſauich nicht an denſelben teilgenommen. Als Morrell (lib.)
fragte, ob die britiſche Regierung nichts tue, um von dieſer
Art von Aufträgen abzuraten, erwiderte Grey: Wir tun
gewiß nichts, um andere Länder zur Steigerung der
Rüſt=
ungsausgaben aufzumuntern. Wenn aber andere Länder
auf eigenen Antrieb ſich für derartige Ausgaben
entſchei=
den, würden wir natürlich nicht davon abraten, daß die
Lufträge britiſchen Firmen erteilt werden. — Die
Ho=
nerulebill wurde unter dem Beifall der Liberalen
imd Nationaliſten wieder eingebracht, ebenſo der
Geſetzentwurf für die Trennung der Kirche vom Staate in
Wales und der Geſetzentwurf für die Abſchaffung der
Plu=
talſtimmen bei den Wahlen.
Dem Premierminiſter Asquith ging eine von 358
Unterhausmitgliedern unterzeichnete Denkſchrift zu,
in der die Regierung erſucht wird ſich an der
Weltaus=
ſrellung in San Franzisko zu beteiligen, da die
Ablehnung den britiſchen Handelsintereſſen nachteilig ſei
ſund auf die Beziehungen Englands zu den Vereinigten
Staaten ihre Wirkung ausüben könnte.
Die ſchwediſchen
Verteidigungs=
maßnahmen.
* Stockholm, 5. März. Das Svenska Telegram=
Byran iſt ermächtigt, das Staatsratsprotokoll
vom Staatsrat am 3. März zu veröffentlichen, in dem
Staats= und Kriegsminiſter Hammarſkjöld die
Verteidigungsvorlage der Regierung
be=
gründet. Eine Hauptſache ſei die
Winteraus=
bildung. Deshalb werde eine zuſammenhängende
Re=
krutenſchule von 250 Tagen vorgeſchlagen, die in der
letz=
ten Woche des Oktober oder ſpäteſtens am 1. November
Zu beginnen hätte. Nach der Rekrutenſchule ſoll vor der
erſten Einberufung von 30 Tagen ein Zwiſchenraum
lvon reichlich zwei Monaten erfolgen, während welcher
Zeit die Wehrpflichtigen, die es wünſchen, im Dienſt
ver=
bleiben können. In die Ausbildungszeit gehört auch eine
zweite und dritte Wiedereinberufung von je 30 Tagen,
ſo daß die ganze Ausbildungszeit 340 Tage umſaßt. Den
Studenten und den mit ihnen Gleichgeſtellten würden
be=
ſonders große Forderungen betr. einer reichlicheren, jedoch
höchſtens 500 Tage umfaſſenden Dienſtzeit geſtellt
wer=
den. Die Frage nach der Ausbildungszeit für die
ein=
zelnen Waffen werde in der Hauptſache in
Uebereinſtim=
mung mit der Vorlage der Verteidigungskommiſſion
feſt=
geſetzt. Weiter werden Veranſtaltungen zur
Sicherung gewiſſer Land= und
Seebefeſti=
gungen gegenüber überraſchenden
An=
griffen angekündigt. Ein Jahrgang werde durch die
Herabſetzung des wehrpflichtigen Alters um ein Jahr
gewonnen.
Der weſentlichſte Teil der Flotte ſei die
Küſten=
flotte, die aus mindeſtens zwei Diviſionen
Panzer=
ſchiffen mit je vier Schiffen beſtehen ſoll. Die Küſtenflotte
müſſe vier Diviſionen Torpedojäger von im ganzen 16
Schiffen, ſowie zwei Diviſionen Unterſeeboote zählen,
beides Schiffstypen von kräftigerer Konſtruktion als
bis=
her. Die Ausgaben bei der Durchführung der neuen
Ver=
teidigungsvorlage werden als bedeutend bezeichnet,
des=
halb wird eine progreſſive Wehrſteuer auf die großen
Ver=
mögen und die großen Einkommen angekündigt. Dieſe
Steuer darf indeſſen nur für militäriſche Zwecke
verwen=
det werden. Die übrigen Ausgaben dürfen nicht durch
Anleihen gedeckt werden. Weiter kündigt der
Staats=
miniſter an, daß eine Vorlage eingebracht werde, betr.
Reform der Militärgerichtsbarkeit und die Einführung
eines vom Reichstage zu ernennenden Repräſentanten zur
Beaufſichtigung und Aufrechterhaltung der Militärgeſetze.
Das Staatsprotokoll ſchließt mit folgender Erklärung
des Königs: Nach meiner Auffaſſung ſoll das Voll
Gelegenheit haben, durch die Neuwahlen zur Zweiten
Kammer ſeine Anſichten über die Verteidigungsfragen zu
erkennen zu geben. Von der Löſung der Lebensfrage des
Landes hängt die Möglichkeit ab, Freiheit und
Unab=
hängigkeit zu bewahren und unſere Unabhängigkeit zu
ſchützen. Ich ſtimme alſo der Vorlage des
Staatsminiſters zu. Ich möchte bei dieſer
Ge=
legenheit erklären, daß jeder Wunſch oder jedes Streben
nach einer perſönlichen Königsmacht mir fremd war, iſt
und bleiben wird. Nach den Geboten der Verfaſſung und
ihrem Geiſte habe ich, getreu meinem Wahlſpruch: „Mit
Gott für das Vaterland” bisher mein Königsamt
ver=
waltet. Von meinem feſten Entſchluß, dies auch in
Zu=
kunft zu tun, werde ich niemals abweichen.
Vom Balkan.
* Trieſt, 5. März. Das Fürſtenpaar von
Albanien iſt um 9,05 Uhr mittels Eilzuges der
Staats=
bahn hier eingetroffen und mit fürſtlichen Ehren
empfan=
gen worden. Schon bei der Einfahrt des Zuges in das
Stadtgebiet begann die Strandbatterie beim Leuchtturme
nit einem Geſchützſalut von 21 Schäſſen, worauf die Schiffe
der hier ankernden öſterreichiſchen Geſchwader und die
fremden Kriegsſchiffe große Flaggengala hißten und mit
21 Schüſſen ſalutierten. Unter neuerlichem Geſchützſalut
fuhr der Zug in den Staatsbahnhof ein. Am Bahnhof war
die Ehrenkompagnie des 32. Infanterie=Regiments
auf=
geſtellt. Als das Fürſtenpaar dem Zuge entſtiegen war,
vurde es vom Statthalter Prinz zu Hohenlohe begrüßt.
Der Fürſt und die Fürſtin richteten an die vorgeſtellten
Perſönlichkeiten freundliche Worte. Der Fürſtin wurde
vom Bürgermeiſter namens der Stadt und den Vertretern
des öſterreichiſch=albaniſchen Komitees prächtige
Blumen=
ſträuße überreicht. Hierauf ſchritt der Fürſt die Front der
Ehrenkompagnie ab, während die Regimentsmuſik die
ilbaniſche Hymne intonierte. Sodann wurden die
Mit=
glieder der albaniſchen Miſſionen und der albaniſchen
kolonie vorgeſtellt. Nunmehr begab ſich das Fürſtenpaar
im Automobil zur Landungsſtelle, wo die Einſchiffung auf
die Kriegsjacht „Taurus” erfolgte. Auf dem ganzen Wege
vom Bahnhof bis zur Landungsſtelle bildete eine große
Menſchenmenge Spalier, die das Fürſtenpaar ſympathiſch
begrüßte. Beim Beſteigen des Dampfbootes ertönten
21 Salutſchüſſe der fremden Kriegsſchiffe. Als das
Für=
ſtenpaar das Fallrep des „Taurus” betrat, ſalutierten
abermals die Strandbatterie und die fremden Schiffe mit
1 Kanonenſchüſſen.
* Trieſt, 5. März. Von der Kriegsjacht „Taurus”
begab ſich der Fürſt von Albanien auf das
öſter=
reichiſch=ungariſche Schlachtſchiff „Tegethoff” wo ihm
ſämtliche Schiffskommandanten des öſterreichiſch=
ungari=
ſen Geſchwaders vorgeſtellt wurden. Sodann beſichtigte
der Fürſt den engliſchen Kreuzer „Glouceſter” und den
ranzöſiſchen Kreuzer „Bruix”
* Trieſt, 5. März. Das Fürſtenpaar von
Albanien begab ſich heute mittag unter dem Salut der
Schiffe an Land, machte dem Statthalter einen
halbſtündi=
gen Beſuch und kehrte an Bord des „Taurus” zurück, wo
s das Diner einnahm. Am Nachmittag beſichtigte das
Fürſtenpaar in Begleitung des Statthalters und deſſen
Zemahlin das Schloß Miramare. Hofmarſchall v. Trotha
und Leibarzt Berghauſen ſind aus Durazzo hier
eingetrof=
en und haben ſich an Bord des „Taurus” begeben.
* Trieſt, 5. März. Die Kriegsjacht „
Tau=
rus” mit dem Fürſtenpaar von Albanien iſt heute
nach=
nittag 5 Uhr in Begleitung der Kriegsſchiffe Bruix” und
„Blouceſter” unter dem Geſchützſalut des
öſterreichiſch=
ingariſchen Geſchwaders nach Durazzo abgegangen.
Großherzogliches Hoftheater.
Donnerstag, 5. März.
Cavalleria ruſticana. — Der Bajazzo.
W-l. In den beiden unzertrennlichen neuitalieniſchen
Opern ſetzte heute Herr Kammerſänger Soomer aus
Dresden ſein Gaſtſpiel fort. Das Haus war wieder
voll=
beſetzt. Im Grunde eignen ſich die beiden Rollen des
Alfio und Tonio=Taddeo für das Gaſtſpiel eines durch
Ge=
ſtalt und Stimme alle überragenden Sängers wie Herrn
Soomer nicht, da die Gefahr vorliegt, daß dieſe
epi=
ſodiſchen Rollen in den Leidenſchaftsdramen dadurch zu
ſehr aus dem Rahmen des Ganzen herausgehoben werden
und ein ihnen nicht zukommendes Uebergewicht erhalten.
Herr Soomer iſt der berufene Repräſentant für
Helden=
geſtalten, die im Mittelpunkte einer großen Oper ſtehen
und ihrem Charakter nach prävalieren ſollen. Für den
Alfio im beſonderen iſt Herrn Soomers Erſcheinung zu
wuchtig; auch liegt ihm die Partie offenbar nicht
beſon=
ders gut, denn die Wirkung, die von ſeinem Sebaſtiono
ausging, blieb heute aus. Ueberhaupt ſchwebte kein
gün=
ſtiger Stern über der Aufführung, und ſie litt unter
mancherlei tonlichen und geſanglichen Unzulänglichkeiten
und zwar nicht bloß bei den Chören.
Erſt in dem Prolog zum „Bajazzo” kamen Herrn
Soomers ſtimmliche Ueberlegenheit und geſangliche
Vorzüge wieder zur vollen Geltung, und er erntete nach
ihm ſehr lebhaften Beifall. Obwohl er die Formen ſeiner
Hünengeſtalt durch ein geſchickt gewähltes weites Gewand
ausgeglichen hatte, überragte er doch als tragikomiſcher
Tölpel zu ſehr die gewöhnlichen Sterblichen ſeiner
Um=
gebung. Darſtelleriſch und geſanglich war er im übrigen
hervorragend. Herr Becker ſang die Partie des Canio,
die zu ſeinen beſten gehört, ganz vortrefflich, und der
reiche Beifall nach dem Schluß des erſten Aktes galt in
rſter Linie ihm. Frau Kallenſee als Nedda=
Colom=
bine und Herr Semper als Silvio boten die gewohnten
guten Leiſtungen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 5. März. Der Reichskanzler iſt geſtern
abend von Hamburg kommend, wieder in Berlin
ein=
getroffen.
* Berlin, 5. März. Der Bundesrat überwies den
Entwurf, betr. die Beſtimmungen über die Beſchäftigung
der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen in den
Werk=
ſtätten mit Motorbetrieb den zuſtändigen Ausſchüſſen
Zugeſtimmt wurde einem Antrage auf die Errichtung
einer Abrechnungsſtelle im Scheckverkehr, der Vorlage,
betr. den Veredelungsverkehr mit Getreide, Reis,
Hülſen=
früchten uſw., und der Vorlage, betr. den
Veredelungs=
verkehr mit ausländiſchen photographiſchen Apparaten.
Ein Antrag Heſſens und ein Antrag Schwarzburg=
Sondershauſens, betr. die Anerkennung der
Reifezeugniſſe der heſſiſchen
Studien=
anſtalten, bezw. der dreiklaſſigen Studienanſtalt in
Sondershauſen als ausreichender Nachweis der
wiſſen=
ſchaftlichen Vorbildung im Sinne der Prüfungsordnung
für Aerzte uſw., wurde angenommen. Zur Errichtung
einer Haftpflichtverſicherungsanſtalt der
Braunſchweigi=
ſchen landwirtſchaftlichen Berufsgenoſſenſchaft wurde die
hierfür beſchloſſene Satzung genehmigt.
* Berlin, 5. März. Die von den Blättern verbreitete
Nachricht über einen angeblich bevorſtehenden Rücktritt
des Landwirtſchaftsminiſters Freiherrn v. Schorlemer=
Lieſer oder einer Erſchütterung ſeiner Stellung iſt, wie
dem W. T.=B. von zuſtändiger Stelle mitgeteilt wird, in
jeder Beziehung freierfunden.
* Berlin, 5. März. Das Landungskorps S. M.
S. „Cormoran” führte, wie auf funkentelegraphiſchem
Wege gemeldet wird, mit dem Stationsleiter und der
Po=
lizeitruppe von Kieta auf der Bougainville=Inſel eine
ſechstägige Expedition nach dem ſüdweſtlichen
Teile der Inſel als Demonſtration und gleichzeitig als
Strafexpeditlon aus. Eine Stammesſeihde der
Einge=
borenen wurde dabei unterdrückt. Die Haltung der
Trup=
pen war vorzüglich.
* Straßburg, 5. März. Die Zweite Kammer
erledigte geſtern abend, nachdem die Preſſevertreter die
Tribüne verlaſſen hatten, ohne weſentliche Debatte den
Reſt des Unterrichtsetats und nahm u. a. eine
Reſolution der Abg. Hauß und Genoſſen (Ztr.) an,
die ſich für eine größere Berückſichtigung des franzöſiſchen
Sprachunterrichts in den Elementarſchulen, den höheren
Schulen und den Lehrerbildungsanſtalten ausſpricht.
* Straßburg, 5. März. Heute fand im
Landtags=
gebäude eine beſondere Sitzung der neugegründeten Liga
zur Verteidigung von Elſaß=Lothringen
zum Zwecke des Satzungsentwurfes ſtatt. Danach iſt der
Zweck der Liga: 1. Unbegründete Angriffe und
Verdäch=
tigungen, die gegen Elſaß=Lothringen und ſeine
Bewoh=
ner erfolgen, geziemend zurückzuweiſen und richtig zu
ſtellen; 2 in erforderlichen Fällen die ſtrafrechtliche
Ver=
folgung derjenigen in die Wege zu leiten, die einen
Wider=
ruf der von ihnen ausgeſtreuten unrichtigen
Behauptun=
gen und Beleidigungen verweigern. Mitglied kann jeder
Reichsangehörige werden ohne Unterſchied des Geſchlechts.
Die konſtituierende Verſammlung findet nächſte Woche ſtatt.
* Karlsruhe, 5. März. Beim Miniſterpräſidenten
und Freifrau von Duſch im Staatsminiſterialgebäude
fand heute ein parlamentariſcher Abend ſtatt,
an dem die Miniſter, zahlreiche Mitglieder der Erſten und
Zweiten Kammer ohne Unterſchied der Fraktion und
Ver=
treter der Preſſe teilnahmen. Der Abend nahm einen ſehr
animierten Verlauf.
* Köln, 5. März. Wie in Berlin von zuſtändiger
Seite erklärt wird, entbehrt die Behauptung von dem
be=
vorſtehenden Rücktritt des deutſchen
Bot=
ſchafters in Petersburg, Grafen von Pourtales,
jeglicher Begründung. Ferner wird entgegen der
Nach=
richt der Südd. Zeitung, die Botſchaft in Petersburg ſtehe
mit dem bekannten Artikel der Kölniſchen Zeitung in
Verbindung, feſtgeſtellt, daß dies in keiner Weiſe zutrifft.
* Dresden, 5. März. Die Zweite Kammer
be=
willigte im außerordentlichen Staatshaushaltsetat 1914/15
die angeforderten 6273000 Mark zur Vermehrung der
Lokomotiven Tender und Triebwagen. 20726000 Mark
zur Vermehrung der Perſonen=, Gepäck= und Güterwagen
und erteilte nachträglich ihre Zuſtimmung zu der bereits
erfolgten Anſchaffung von vier normalſpurigen
Loko=
motiven, 40 ſchmalſpurigen Perſonenwagen, 200
ſchmal=
ſpurigen Güterwagen und 1082 vollſpurigen Güterwagen.
* Wien, 5. März. Das Abgeordnetenhaus trat
heute wieder zuſammen. Vor dem Uebergang zur
Tages=
ordnung gaben die Abgeordneten Kramarcz und
Sta=
nek eine Darſtellung über die
Ausgleichs=
verhandlungen. Der Präſident entzog beiden
Abge=
ordneten nach den Aufforderungen, einen Antrag zu ſtellen,
urter dem Lärm ihrer Parteigenoſſen ſchließlich das Wort.
Auch dem nächſten Redner Baxa (tſchechiſch=radikal) wurde
das Wort entzogen, wobei es zu großem Lärm und
Klop=
fen mit Pultdeckeln bei den Tſchechen kam. Der Präſident
unterbrach die Sitzung.
* Innsbruck, 5. März. Wie offiziell mitgeteilt wird,
retteten ſich von der geſtern im Ortlergebiet
verſchüt=
teten Skiabteilung von 20 Mann ein Offizier und
vier Mann, die übrigen 15 ſindtot.
* Paris, 5. März. Die Kammer hat einen
Geſetz=
entwurf angenommen, der bezweckt, das Wahlgeheimnis,
die Freiheit der Wähler ſowie die ehrliche Abwicklung des
Wahlgeſchäftes zu ſichern. — Eine Note der Agence Havas
teilt mit: Mit den Vorſchlägen, betreffend den Artikel=2
des Kommiſſionsentwurfes der
Einkom=
menſteuer, die der Finanzminiſter Caillaux in der
Senatskommiſſion machte, beabſichtigte der Finanzminiſter
nicht, wie die Blätter daraus ſchloſſen, die Steuerfreiheit
der franzöſiſchen Rente feſtzulegen. Der Miniſter wird
die erſte Gelegenheit ergreifen, um in der Kammer
aus=
einanderzuſetzen, daß er ſeinen Grundſätzen treu bleibt.
* Paris, 5. März. Im Hinblick auf die vom
Finanz=
miniſter Caillaux veröffentlichte Note über die
irr=
tümliche Auffaſſung, welche ſein neuer
Ein=
kommenſteuerentwurf in der Preſſe gefunden hat,
erklärten mehrere Mitglieder des Finanzausſchuſſes des
Senats, der Geſamtausſchuß ſei der Anſicht geweſen, daß
durch den neuen Wortlaut des Entwurfes die franzöſiſche
Rente von der Einkommenſteuer befreit ſei.
* London, 5. März. Der Militä retat für 1914s
1915 beläuft ſich auf 28 845000 Pfund, das iſt eine Zunahme
gegen das Vorjahr um 625000 Pfund, wovon 480 000 auf
die Entwickelung der militäriſchen Luftſchiffahrt
zurückzu=
führen ſind, wofür eine Million ausgeworfen worden iſt.
* Konſtantinopel, 5. März. Heute fand die Trauung
des Kriegsminiſters Enver Paſcha mit der Prinzeſſin
Nadjie, einer Nichte des Sultans und Tochter des
ver=
ſtorbenen Prinzen Suleiman ſtatt, der die kaiſerlichen
Prin=
zen, die Miniſter und Senatoren beiwohnten.
* Kapſtadt, 5. März. In der heutigen Sitzung des
Parlaments übten die Vertreter der Arbeiterpartei
bei der Weiterberatung der Indemnitätsbill
Obſtruktion, indem ſie bei jedem der deportierten
Ar=
beiterführer geſondert die Zurücknahme des
Ausweiſungs=
befehls beantragten, in welchem die Deportierten als
un=
erwünſchte Elemente bezeichnet werden. Alle Anträge
wer=
den abgelehnt und die ſämtlichen
Ausweiſungs=
befehle nach 24ſtündiger ununterbrochener Sitzung
an=
genommen.
* Tokio, 5. März. Eine große Bedeutung wird der
Tatſache beigemeſſen, daß der Premierminiſter und
darauf Fürſt Togukawa in beſonderer Audienz
vom Kaiſer empfangen wurden. Auch iſt der
Kronrat zu einer beſonderen Verſammlung einberufen
worden. Unterrichtete Kreiſe bringen den Namen
Togu=
kawa mit der Nachfolge Yamamotos als Premierminiſter
in Verbindung. Letzterer wird möglicherweiſe
demiſſio=
nieren, weil der Flottenetat ſeitens des Oberhauſes um
70 Millionen Yen herabgeſetzt worden iſt.
Zur Strandung des Dampfers „Zanzibar”
* Berlin, 5. März. Von S. M. S. „Condor” der zu
der Unfallſtelle des deutſchen Dampfers Zanzibar”
entſandt worden war, iſt folgende drahtloſe Meldung
ein=
gegangen: Bei dem Dampfer befinden ſich die
ſpani=
ſchen Kriegsſchiffe das Kanonenboot „Laya” das
Schulſchiff „Regina Regente” und der Panzerkreuzer
„Catalunna” unter einem Admiral. Zum Schutze gegen
Seeräuber iſt ein ſpaniſches Detachement von einem
Offizier und 15 Mann auf dem Dampfer eingeſchifft
wor=
den. Die Abbringungsverſuche wurden
Bergungsdamp=
fern aus Gibraltar übertragen. Die Kriegsſchiffe ſelbſt
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
kömen ſch wegen ihres Tieſganges hieran nicht beteiligen=
Bei dem herrſchenden guten Wetter beſteht eine
Ge=
fahr für den Dampfer nicht. Der „Condor” ging
zum Kohlennehmen vorübergehend nach Gibraltar und
wird alsbald nach der Unfallſtelle zurückkehren.
Ein Geſetz gegen den Schmutz im Kinotheater.
* Stuttgart, 5. März. Die Zweite Kammer hat
mit 50 gegen 31 Stimmen in der Geſamtabſtimmung in
zweiter Leſung das Lichtſpielgeſetz angenommen.
Die Sozialdemokratie und die Volkspartei ſtimmten
ge=
ſchloſſen dagegen. — Das genannte Geſetz enthält u. a.
Beſtimmungen über das Jugendſchutzalter, das der
Kom=
miſſionsfaſſung entſprechend auf 17 Jahre feſtgeſetzt wurde.
Es beſchäftigt ſich weiter mit der Prüfung der Lichtſtreifen
nach ſittlichen, äſthetiſchen und religiöſen Geſichtspunkten
durch eine Landesſtelle, ſowie mit einer örtlichen
Nach=
prüfung durch die Polizeibehörde, und enthält Vorſchriften
über die Zulaſſung von Lichtſtreifen nach Ausſchneiden der
beanſtandeten Teile, Vorführung von
Jugendvorſtellun=
gen, Bekanntmachung der Vorſtellungen durch Plakate
und Aufrufe, ſowie ſchließlich die Strafbeſtimmungen für
Zuwiderhandlungen.
Eine irrtümliche Mobilmachung in Frankreich.
* Paris 5. März. Die Reſerviſten der Gegend von
Montbéllard erhielten vor einigen Tagen
Mo=
bilmachungsbefehle denen ſie ſofort nachkamen.
In Belfort, wo die Reſerviſtgn am ſpäten Nachmittag
ein=
trafen, wurde jedoch feſtgeſtellt, daß es ſich um einen
Irrtum handelte. Den Reſerviſten wurde die
Order erteilt, heimzukehren. Die Unterſuchung hat
er=
geben, daß ein Poſtbeamter, der Urheber dieſer
irrtüm=
lichen Mobiliſierung war. Er hatte aus Verſehen einen
für die Militärbehörde beſtimmten Briefſack geöffnet und
die darin enthaltenen Mobilmachungsbefehle den
Reſer=
viſten zugeſtellt.
Die franzöſiſche Induſtrie und die Weltausſtellung in
San Franzisko.
* Paris, 5. März. Verſchiedene Pariſer
Induſtrie=
verbände richteten an die hieſige Handelskammer eine
Eingabe, in welcher ſie erklären, daß ſie infolge des
in=
quiſſitoriſchen Vorgehens der
ameri=
kaniſchen Regierung in ihren
Handelsverbin=
dungen mit den Vereinigten Staaten den größten
Schwie=
rigkeiten ausgeſetzt ſeien, und es deshalb ablehnen
müſſen, an der Weltausſtellung in San
Franzisko teilzunehmen. Die Pariſer
Han=
delskammer faßte deshalb einen Beſchlußantrag, in
wel=
chem ſie das Parlament erſucht, die für die Beteiligung
Frankreichs an der Weltausſtellung in San Franzisko
be=
antragten Kredite erſt dann zu bewilligen, wenn das
amerikaniſche Zollregime durch Maßnahmen der
geſetz=
gebenden Körperſchaften und der Verwaltungsbehörde
abgeändert ſein werde.
Die Panamakanalfrage.
* Waſhington, 5. März. In einer gemeinſamen
Sitz=
ung mit der Regierung verlas Präſident Wilſon
heute eine Botſchaft, durch die er das Parlament
auf=
fordert, der Aufhebung der Panamakanalbill,
durch die die Küſtenſchiffahrt von den Gebühren befreit
werde, zuzuſtimmen. Er erklärt, die Befreiung von den
Zöllen ſei eine mißverſtandene Wirtſchaftspolitik und
ver=
ſtoße gegen den engliſch=amerikaniſchen Vertrag von 1901
Obwohl dies die kürzeſte Botſchaft ſei, die er dem Hauſe
je gegeben habe, ſo ſei doch keine Botſchaft von
ſchwer=
wiegenderer Bedeutung als dieſe.
Unruhen in Braſilien.
* Rio de Janeiro, 5. März. Heute nacht lief hier das
Gerücht, daß auf Grund einer ſtürmiſch verlaufenen
Sitzung, die in dem militäriſchen Klub wegen der Lage
im Staate Ceara ſtattfand, beſchloſſen wurde, den
Be=
lagerungszuſtand über Rio de Janeiro zu
verhängen. Die Nacht verlief in Ungewißheit, da die
Re=
gierung die Nachricht nicht amtlich beſtätigte.
Anderer=
ſeits laſſen die Truppenbewegungen deutlich beſondere
Maßnahmen der Regierung erkennen. Heute morgen
be=
ſtätigte es ſich, daß der Belagerungszuſtand für
Rio de Janeiro, Nictheroy und Petropolis
verfügt worden iſt.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Blousen
Hüte
Jupons
Schirme und Handschuhe (3234a
Carl Schürmann & Co.
und Wilhelminenstr. Ecke.
Dampfernachrichten.
Nordd. Lloyd, Bremen. Mitgeteilt von dem
Ver=
treter: Anton Fiſcher in Darmſtadt, Frankfurterſtr. 12/14.
„Wittekind” 3. März 3 Uhr nachm. in Bremerhaven
an=
gekommen. „Main” 1. März 1 Uhr nachm. von
Balti=
more nach Bremen abgegangen. „Frankfurt” 1. März
11 Uhr vorm. in Boſton angekommen. „Bremen” 2. März
11 Uhr vorm. Lizard paſſiert. „Lützow‟ 3. März 6 Uhr
vorm. in Amſterdam angekommen. „Prinz Ludwig”
2. März 7 Uhr nachm. von Neapel abgegangen. „Prinzeß
Alice‟ 2. März 2 Uhr vorm. von Gibraltar abgegangen.
„Sigmaringen” 2. März 2 Uhr nachm. von Malta ab=
gegangen. „Rorderneyl 2. März 3 Uhr nachm. in
Ant=
werpen angekommen. „Roon” 3. März 4 Uhr vorm.
von Suez nach Auſtralien abgegangen. „Greifswald‟
2. März 11 Uhr vorm. von Melbourne abgegangen.
„Borkum” 2. März Schlly paſſiert. „Aachen” 2. März
in Pernambuco angekommen. „Würzburg” 3. März in
Oporto angekommen. „Manila” 3. März in Kaewing
angekommen. II. Weſtindienfahrt: „Großer Kurfürſt”
28. Febr. in La Guaira angekommen.
Danksagung.
Aus Anlass unserer Silbernen Hochzeit
sind uns als Zeichen der Freundschaft und
Verehrung ganz unerwartet zahlreiche
Glück-
wünsche und Geschenke zugegangen, so dass wir
hierfür einstweilen nur auf diesem Wege unseren
innigsten Dank aussprechen können.
Insbesondere gilt dieser Dank den Herren
Kapellmeistern und Kapellen des Art.- Regts.
Nr. 61, sowie des Train-Bat., ferner dem „
Bür-
ververein‟ Bessungen für die uns dargebrachten
Ständchen.
Alle diese Verehrungen haben uns
freund-
lich überrascht und erneut den Beweis gebracht,
welchen Freundschafts- u. Bekanntenkreises wir
uns erfreuen dürfen.
Georg Brück und Frau.
Unterfertigte erfüllt hiermit die
traurige Pflicht, ihre lieben
Bundes-
brüder von dem am 4. März 1914
in Hamburg erfolgten Ableben ihres
lieben Philisters
(5940
Dipl.-Ing.
Paul Griesenberd
(1906—1908)
geziemend in Kenntnis zu setzen.
Die Darmstädter Burschenschaft
„Markomannia‟
I. A.:
Chr. Caspari XXx.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlichſter Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres lieben Sohnes ſagen
wir Allen, insbeſondere Herrn Pfarrer D. Waitz
für ſeine troſtreiche Grabrede, unſeren herzl. Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Joh. Will.
Darmſtadt, den 5. März 1914.
(*5848
Innigen Dank Allen
welche uns bei unſerem herben Verluſte Rat und
Troſt ſpendeten.
(5923
Frau S. Dexheimer Wwe.
nebst Tochter Marie.
Darmſtadt, den 6. März 1914.
Todes=Anzeige.
Heute morgen verſchied nach längerem
Lei=
den unſer lieber Bruder, Schwager und Onkel
Herr Ludwig Schneider
im Alter von 51 Jahren.
(5978
Die trauernden Hinterbliebenen:
Eliſe und Marg. Schneider,
Familie Martin Schneider.
Darmſtadt, den 5. März 1914.
Die Beerdigung findet Samstag, den 7. März,
nachmittags 3½ Uhr, vom Eliſabethenſtift
Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 6. März:
Vorabendgottesdienſt 6 Uhr 15 Min.
Samstag, den 7. März:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Min. Nachmittags
Jugendgottesdienſt und Predigt 4 Uhr.
Sabbatausgang 7 Uhr 5 Min.
Donnerstag, 12. März: Purim. Vorabendgottesdienſt
7 Uhr 10 Min. Morgens 7 Uhr.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=,
geſellſchaft.
Samstag, den 7. März:
Vorabend 5 Uhr 45 Min. Morgens 8 Uhr Nachmittags
4 Uhr 30 Min. Sabbatausgang 7 Uhr 5 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 8. März, anz
Morgens 6 Uhr 30 Min. Nachmittags 6 Uhr.
NB. Mittwoch, 11. März: Faſttag Taanis Eſther
Nachmittags 6 Uhr 25 Min. — Donnerstag, 11. März:
Purim. Morgens 6 Uhr 20 Min.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Im Wirkungsbereich von Ausläufern des nördlichen
Tiefdruckgebietes hatte unſer Bezirk Mittwoch
veränder=
liches, mildes Wetter mit Regenfällen, das ſich heute
fort=
ſetzte. Das nördliche Tief hat ſeinen Einfluß weiter
ſüd=
wärts ausgebreitet. Wir werden Freitag nach
vorüber=
gehender Beſſerung unſerer Witterung wieder trübes,
reg=
neriſches Wetter haben.
Vorausſichtliche Witterung in Heſſen am Freitag,
den 6. März: Vorwiegend trüb, zeitweiſe Regenfälle, keine
weſentliche Aenderung der Temperatur, weſtliche Winde.
Tageskalender.
Freitag, 6. März.
Großh. Hoftheater Anfang 7½ Uhr. Ende gegen
10½ Uhr (Ab. D): „Die Stützen der Geſellſchaft”.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vorleſung eigener Dichtungen von Rudolf
Presber um 8 Uhr im „Mathildenhöhſaal” (Freie lit.. Geſellſchaft).
Hauptverſammlung des Bezirksvereins „
Ma=
thildenhöhviertel” um 8½ Uhr im Brauerei=Ausſchanh
Fay.
Konzerte: Hotel Heß um 4 Uhr. — Café „Metropole”.
um 4½ Uhr. — Bürgerkeller um 8 Uhr. — „Perkeo” um
8 Uhr.
Druck und Berag. z. 6. Mitiſe Haſbuchenſeret
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil Max Streeſe; für den Anzeigenteil,
Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem
Geſchäfts=
leben: Carl Friedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen;
nachträg=
liche werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.
Diese Schutzmarkz
Schrauths Waschpulver, genahlene
Salmiak-Terpentin-Seife in heissem Wasser gut aufgelöst,
(1381a
st
S eine
H
int mst beit das beste Waschmittel.
Pfund-Paket 18 Pfennig überait zu haben.
[ ← ][ ][ → ]Nummer 65.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Weiblich Abſolb. der höh. Mädchenſchſucht Beſchäftig. bei Kind. Gefl
Off. u. P 62 a. d. Exp. (*5675df Zu Flickarbeiten
empfehle ich mich halbe Tage, fer=
tige auch Knabenkleider an. Näh.
Liebfrauenſtraße 90, III. r. (5950fsm Perf. Büglerin m. la Reſ. h. T.
fr. Off. u. R 20 a. d. Exp. (*5886 Verk. Schneider in empf. ſ. in u. auß. d.
* Hauſe. Gartenſtr. 18, 3. (*5782dfsg Fräulein, geſetzten Alters, ein=
faches Weſen, erfahren in Küche
und Haushalt, ſucht Stellung als
Haushälterin oder Alleinmädchen.
Gefl. Offerten unter P 92 an die
Exped. ds. Bl. erbeten. (*5795df Junge Frau ſucht morgens
2 Stund. Laufdienſt. Off. unter
R 1 an die Expedition. (*5827 Junges
anſtänd. Mlädchen
welches ſchon in beſſ. Häuſern war,
ſucht Stellung in kleineren Haush.
Viktoriaſtr. 24, II., 2. Eingang
Landwehrſtraße.
(*5831 Habe noch Tage frei z. Waſchen.
Heerdweg 17, Manſ. (*5344fo Lauffrau, unabhängig, ſucht Be=
ſchäftigung von 8—4 Uhr Gar=
diſtenſtr. 11, Seitenbau. (*5885 Eim Kochen gewandte Frau
empfiehlt ſich für Geſellſchaft.
und Hochzeiten ꝛc.
(*5859fi
Lauteſchlägerſtr. 6, Hth. Landmädchen, w. gedient haben,
gute Zeugn. beſitzen, Kinderm.,
Monatsm., Stundenfrauen ſuchen
Beſchäftig. Frau Berta Neßling,
Ludwigſtraße 8, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin. (*5855fs Saub. Frau ſucht Laufſt., auch
Büro od. Lad. putz. Kiesſtr. 2, II. (* Aelt.Mädch., durchausehrl., ſ. K.
u. Haush. gew., ſ. morg. b. n. d.
Spül. Beſch. Gr. Kaplaneig. 60, I., r. (* 19jähr. Mädch., im Hand= u.
Maſchinennäh. bewand., ſucht Stelle
in Geſchäft od. b. Schneid. (*5890
Wienersſtr. 52, Stb., I., r. Besseres Mädchen
im Koch. u. all. Hausarbeiten er=
fahren, ſucht zum 1. April Stelle
in beſſ. ruhig. Haush. Beſſunger
Stadtteil bevorz. Off. erb. an Frl.
M. Zimmer, Naumburg a. S.,
(*5899fs
Gr. Jakobſtraße 6. Jg. Frau ſucht nachm. Stelle z.
Putzen u. Waſchen. Nur mittags z.
treffen. Stiftſtraße 50. (*5917. Jg. ſ. Mädch., i. Hausarb. erf.,
ſof. Stell. vor= u. nachmitt. 2 Std.
Weinbergſtr. 45, 3. St., I. (B5954 nimmt noch
Tücht. Schneiderin Kunden an
in und außer dem Hauſe. Kon=
firmandenkleider bei billigſter Be=
rechnung. Näh. Exped. (*5680ds
Seite 9.
reiswerte
reitags-Angebote
aus verschiedenen Abteilungen:
Gardigen-Reste
Jg., reinl., unabh. Frau ſ. Laufd
Gardiſtenſtr. 17, II., Vdh. (*5810dso
in enormer Auswahl, in Längen von
2—10 Meter, bis 150 cm breit Meter
Einzelne Stores und Bettdecken
in engl. Tüll und Erbstüll
im Preise bedeutend reduziert.
schmal
Ein Posten
breit
Stickerei-Reste
Rest ca. 1.15 Meter, solange Vorrat
weiss/rot Handtuch= Stoffe Meter . . Bettkattunreste
in Längen v. 2—10 m,
nur Ia Qual., garant.
waschecht . . Meter
Ein
Posten
Cretonne
Serie I
Serie III
80 cm
breit
mit kleinen Bleichfehlern, regulärer
Wert bedeutend höher
Maiersarchkauf
Markt 7
Guggenheim & Marx.
Markt 7
(5936
ſunge Dame
(höherer Schulbildung) mit allen kaufm.
Ar=
beiten vertraut, auch ebenſo bewandert im
Haus=
halt, ſucht paſſenden Wirkungskreis. Offerten
unter P 89 an die Expedition ds. Bl. (5816dfs
Saub. Frau od. Mädchen
für leichte Arbeit von 8—12 Uhr
vormittags ſofort geſucht.
Pianogroßhandlung
Karl Arnold, (5843a
Ecke Erbacherſtr., n. d. Schwimmbad.
Tüchlle Kalegerin
und Bogenfängerin ſofort geſucht.
Heedt & Ganß, G. m. b. H.
Schulſtraße 2. (5861df
Männlich
Bureauvorsteher
(Juriſt) ſucht gut dot. Stellung.
Junger Kaufmann
Kolonialw. und Delikateſſ. Verk
Dekor., Kontor, Lager, sucht
Stellung per 1. April. Offerten
Kaufmann
(Drogiſt), 21 J., mit der
Schreib=
maſchine vertr. u. der Stenographie
kundig, ſucht Stellung in einem
Engros=Geſchäft oder kaufm. Büro.
Off. u. R 10 an die Exp. (*5860fs
Intell. strebs.
junger Mann
19 Jahre alt, 5 Jahre in
einer Stellung, mit allen
Kontorarbeiten, Gabelsb.
Stenograph.,
Schreibma=
ſchine beſt. vertraut,
ge=
ſtützt auf 1. Zeugn. und
Empfehl., ſucht p. 1. April
od. 1. Mai Stell. in gr.
Hauſe. Off. unt. R 22
an die Expedition. (5964
Zum ſofortigen Eintritt
werden mehrere jüngere
Mädchen
für leichte Handarbeiten geſucht
Gamaschenfabrik Heß,
in all. Büroarb. bewandert ſowie Luiſenſtr. 6, Fabrikbau. (*5719df
Off. unt. P 28 an die Exp. (*5672f1 Stenographie u. Maſchinenſchreib.,
ſucht Stellung auf Büro und
Reiſe per 1. April oder ſpäter. — die bereits in Druckereien waren, ſo=
Gefl. Offerten an Poſtlagerkarte fort geſucht C. W. Leske. (*5721dfs
Nr. 64, Darmſtadt. (*5765dfs
Jg. Mann, ged., ſ. Arb. gl. w. Art.
unter R 18 an die Exp. (*5868fs Off. unt R 4 an die Exped. (*5823
Aelt. Halbinvalidefinden dauernde u. lohnende
ſucht leichte Beſchäftigung. Offert. Beſchäftigung.
unter P 84 an d. Exp. (*5763df
Suche für meinen Sohn (Jsr)
14 Jahre alt, zu Oſtern (5944fgo
die ſchick
Tücht. Schneiderin arbeitet,
Lehrstelle
gleich welcher Branche. Gefl. An=lbaldigſt geſucht. Off. mit Preis
gebote unter N 59 an die Exped.unter R 2 an die Exped. (*5826
Madchen
Mädchen
(5015a
Liebigſtraße 25, Hinterbau.
Melker
Jg. tücht., gel. Schweizer ſucht ſof.
Stell. Off. u. R 14 Exped. (*5877
Otenhe
Schneiderin i. Haus
Gesucht die Knabenkleider
arbeitet Herderſtr. 11, I. (*5858
Angehende
ſofort
Schneiderin geſucht
Gutenbergſtr. 60, III.
(*5867
Weiblich
Kassiererin und
Lehr-
mädchen gesucht
Gg. Heckmann-Schmidt,
Ludwigſtraße 8. (5821dfs
Geſucht ſaub. u. fleiß. Lauffrau
für morg. und nachm. 2 Std.
*5547mdf)
Liebfrauenſtr. 82.
Tüchtiges Hausmädchen im
Alter von 16—18 Jahren, a. liebſt.
v. Lande, geſucht. Näheres Gg.
Crößmann, Grafenſtr. 16. (*5813df
4 zum 1. April ein gut
Geſnchlempfohlenes Mädchen,
das ſelbſtändig kochen kann.
Freifrau von Schenk
in Dieburg.
Näheres auch durch Fräulein
Schneider, Dieburgerſtr. 235. (5654a
Saub. Dienſtm. p. 1. April geſ.
Eliſabethenſtr. 52, pt. (*5576mdf
Ein in Haus= u. Küchenarb.
gut erfahrenes Mädchen per ſof.
oder als Aush. geſucht. Vorzuſt.
11—12 Uhr vorm. u. 6—7 Uhr
nachm. Steinſtraße 8, I. (5743df
Mädchen für 3 Stunden
tags=
über geſucht Wilhelminenſtr. 4,
Laden.
(*5814dfg
Für die Helfmannſchule,
Stift=
ſtraße 45, wird ein fleißiges
Mädchen
geſucht.
(5815dfs
Von kinderloſem Ehepaar wird
per 1. April, event früher, tüchtiges
erfahrenes
Alleinmädchen,
das etwas kochen kann und gute
Zeugniſſe beſitzt, bei gutem Lohn
geſucht. Vorzuſtellen vormittags
von 10—12 Uhr
(5826df
Gartenſtadt, Hohlerweg 34.
tücht, gut empf.,
Monatsfrau, 2—3 Stund.
mor=
gens geſucht. Vorzuſt. 5—6 Uhr
Bismarckſtr. 23, part.
(*5741df
Suche per 1. April 1914 Mädchen
od. alleinſtehende Frau zur
ſelbſt=
ſtändigen Führung des Haushalts
von 4 Perſ. Kochen erforderl. Gute
Zeugn. Beding. Näh. Exp. (5857dfs
Tüchtiges Alleinmädchen, das
auch koch. kann, per 15. März oder
ſpäter zu kleiner Familie geſucht.
Näh. Hölgesſtr. 16, part. (5651a
Suche zum 1. April ein lüchtiges,
zuverläſſiges
(5674mf
Alleinmädchen
welches perfekt kochen kann und
alle Hausarbeit gründlich verſteht.
Näheres Expedition.
Ein braves Mädchen für
Haus=
arbeit geſucht.
(*5532mfg
Frankfurterſtraße 16, I.
Geſucht
eine tüchtige, in jeder Hinſicht
ſelbſtändige Köchin. Eintritt
ſofort. Vorzuſtellen zw. 4—5 Uhr.
Frau Miniſterialrat Weber
Heinrichſtraße 47. (*5593mfs
Für Profeſſorenhaus in
Heidel=
berg wird erfahrenes u. zuverläſſig.
Mädchen
das kochen kann und auch
Haus=
arbeit übernimmt, zum 1. April
bei gutem Lohn geſucht. Gute
Zeugniſſe Bedingung. Vorzuſtell.
zwiſchen 6 und 8 Uhr abends
Ohlyſtr. 32, Darmſtadt. (B,5943
Puttzfrau geſucht.
Schuchardſtraße 18, II. (*5845
In einen Offiziershaushalt ohne
Kinder wird ein älteres,
zuver=
läſſiges Mädchen, das kochen kann
und mit allen häuslichen Arbeiten
vertraut iſt, zum 1. April geſucht.
Zur groben Arbeit Burſche im
Haus, große Wäſche außerhalb.
Nur Mädchen mit den beſten
Zeug=
niſſen wollen ſich melden zwiſchen
—5 Uhr nachmittags. Frau von
Oheimb, Orangerieallee 12. (B5960
Saubere Lauffrau für 2
Stun=
den morgens geſucht Mühlſtr. 26,
1. Stock rechts.
(*5879
Laufmädchen ſofort geſucht
Soderſtraße 9, 1. Stock. (*5883
Saufmädchen für vor= u.
nach=
mittags 2 Stunden geſucht.
Näheres in der Expedition. (*5857
für Sonntags eine
Gesucht Frau zum Spülen
Rheingauer Weinstube
Luiſenplatz 1. (*5862
Perfekte
ältere Herrſchaftsköchin
m. beſten Zeugniſſen, zur Aushilfe
auf ca. 6 Wochen nach Villa a. d.
Bergſtr. von einz. Herrn sofort
geſucht. Gehalt bis 70 Mk. monatl.
Angeb. u. R 17 Expedit. (*5870fs
Mädchen oder Frau
tagsüber für Hausarbeit ſofort
geſucht Aliceſtr. 15, parterre. (*5874
Jg. ſaub. Mädch. oder
Lauf=
mädch. f. d. ganz. Tag geſ. (*5893
Heidenreichſtr. 21, part.
Saubere Lauffrau geſucht für
norgens 1½ Std.
(*5889
Heinrichſtraße 71, part.
Suche Köchinnen in
Herrſchafts=
häuſer, Mädchen, welche bürgerl.
kochen können, zu einem Herrn, zu
einer Dame, zu zwei Leuten,
ſo=
wie in gute Geſchäftshäuſer.
Frau Berta Nessling,
gewerbsmäßige Stellenvermittlerin
Ludwigſtr. 8. (*5854fs
Reſtaur=, Bei= u. Kaffe=Köchin,
Haus=u. Küchenmädchen geſucht für
Hotels, Reſtaur. u. Cafés. (*5909
Mina Dingeldein, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin,
Eliſabethen=
ſtraße 5, Telephon 531.
Tücht. Frau o. Mädchen z.
Kun=
denfrag. geſ. Off. u. R29 Exp. (*5905
für ei
Erfahrenes Mädchen unſere 8
Küche geſ. Kaiser-Automat.
Männlich
10-20 Marte
tägl. Verd. durch leichte Fabrikat.
Proſp. gratis. Heinr. Heinen, Mül-
(E,5931
heim-Ruhr-Broich.
Tüchtige Vertreter
für Auswahl= und Konfitüren=
Automaten geſucht. Kartomat=
Aktiengeſ. für Apparatebau,
(I,5928
Staaken=Berlin.
alle Beruſe
Offene Stellen enthält ſtets
die Zeitung Deutſche Vakanzen=
Poſt, Eßlingen 143. (I,1984
Mädchen vom Lande, das
et=
was kochen kann, für einfachen, kl.
Haushalt geſucht. Off. u. R 30
an die Exped.
(*5912
Hieſiges Fabritgeſchäft ſucht
per 1. April
jüngeren Commis
der mit Stenographie und
Schreib=
maſchine vertraut iſt.
(4820a
Selbſtgeſchriebene Offerten mit
Gehalts=Anſprüchen unter L 52
an die Expedition.
Hoher Aebenperdieuſt
Eine Zierde für jede Wohnung
bilden meine neuen patent. Artiker.
Herren u. Damen mit gutem
Be=
kanntenkreis können ſich mühelos
hohen Nebenverd. ſchaffen. Auch
für Privatreiſende ſehr geeignet.
Offert. beförd. unt. F. C. 4128
Rudolf Moſſe, Caſſel. (I,5927
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Nummer 65.
Alieſtraße 6, möbl. Zim. fürjede Zeitdauer zu verm. (*5884fms Zu vermieten
ſchönes Zimmer mit Morgenſonne,
Gas u. Zentralheizung in kleiner
Villa Mühlſtr. 42, I. (*5878 Grafenstrasse 8, I.,
einfach möbl. Zimmer mit und
ohne Penſion ſofort zu vm. (*5916 Bismarckſtr. 74, II., möbliert.
Wohn= und Schlafzimmer zu
vermieten.
(*5919 Ludwigſtr. 15, II., groß. hübſch
möbl. Zimmer m. elektr. Licht mit
1 oder 2 Betten zu verm. (*5915fi Alexanderſtr. 4, II., ſchön. groß.
möbl. Zimmer zu verm. (*5922fs Fuhrmannſtr. 12, Htb., II. r.,
eine Schlafſtelle zu verm. (*5913 Schulſtr. 7, 2. Stock, gut möbl.,
ſep. Zimmer, mit Kaffee 22 Mark
monatlich, zu verm. (*5685dsi gut möbliertes
Hochstr. 57 Zim. (B5853ids Gemütl. Heim findet ein an=
ſtändiges Fräulein bei einer allein=
ſtehenden Beamtenfrau. Zu er=
fragen in der Exped. (*5864fso Oen gesch Pferdeſtall
für 2—3 Pferde mit Burſchenſtube,
vom 1. April od. 1. Mai d. J. ab in
Nähe der Künſtlerkolonie zu miet.
geſucht. Angeb. mit Preisang. an
Major v. Renthe-Fink
Hotel Traube. (*5727dfs (5376a
Im Auftrag ſuche
G-O2m.-Wohnauns
mit Garten oder kleines Haus.
Georg Koch, Dekorations=
geſchäft, Riedeſelſtr. 48. Meintie Zt.= eſt.
mit Bad u.
Veranda baldigſt geſucht.
Offerten mit Preis unter R 31
an die Expedition ds. Bl. (*5910 Hochherrſchaftliche moderne
—5 Zimmerwohnung
mit allem Komfort per 1. April cr.
oder ſpäter in beſter Lage geſucht.
(I.5929
Neubau bevorzugt.
Offert. mit Preisang. und Plan
unter M. B. 8993 an Rudolf
Mosse. München. Einzelne Dame ſucht p. 1. Juli
od. 1. Okt. große 2 Zimmer=
wohn. mit Zubeh., mögl. Veranda,
in beſſerem Hauſe, a. geteilte Etage,
part. ausgeſchl., im mittl. Stadt=
teil. Zentralheiz. erw., n. Beding.
Gefl. Offerten mit Preis unt. R 3
an die Exp. ds. Bl.
(*5825 Kleines Haus
zum Alleinbewohnen geſucht. Off.
unt. R 8 an die Exped. (*5863fso uche per ſofort möbl. Zimmer
(Vorderhaus) zum Erteilen von
Muſikunterricht. Offerten unter
P 40 an die Exp.
(*5608mf per 15. März gut möbl.
Suche Zimmer mit ſep. Eing.
in beſſerem Hauſe (Darm=, Beck=,
Roßdörfer= und obere Kies=
ſtraße bevorzugt). Off. unt. M. K.
postl. Postamt 4, Stiftstr. (*5483mf Geſucht vom 1. April bis 1. Juli
gut möbl. Wohn= u. Schlaf=
zimmer für einen älteren Herrn,
möglichſt im Zentrum der Stadt,
mit voller Penſion. Off. mit Preis=
angabe u. P 72 an die Exp. (*5704df Außerhalb der Stadt ſind von
2 Herrn
(*5856
—3 gut möbl. Zimmer
geſucht. Eberſtadt nicht ausgeſchl.
Offert. unt. R 12 an die Exped. Einf. möbl. ungen. Zim., mögl. ſep.
u. part., von Herrn geſ. Off. mit
Preis unt. R 15 an die Exp. (*5872
Heizer geſucht!
Für die chirurgiſche Univerſitäts=Klinik in Gießen wird zum
1. April I. J. ein
Heizer
geſucht. Bewerber, die das Schloſſerhandwerk erlernt haben und Eſchollbrückerſtr. 6, I., elegant
Kenntniſſe auf dem Gebiete der elektriſchen Anlagen beſitzen, werden möbl. Wohn= und Schlafzimmer,
bevorzugt. Als Jahresvergütung werden neben freier Station 900 M. auch einzeln, zu vermieten. (5975a
gewährt. Meldungen unter Anſchluß von Zeugniſſen ſind alsbald
bei der Verwaltung der chirurgiſchen Klinik einzureichen. (5919fs
Feste Anstellung!
Angenehme Selbſtändigkeit.
Strebſamen Herren mit tadelloſer Vergangenheit bietet
ſich Gelegenheit, im Außendienſt einer angeſehenen
Verſiche=
rungs=Aktien=Geſellſchaft
hochbezahlte selbständige Stellung
zu erlangen. Nichtfachleute werden nach kurzer Probezeit mit
hohen Bezügen angeſtellt. Herren, die Organiſationstalent
zeigen, werden bald zum
Oberbeamten oder Generalagenten
befördert. Offerten unter R 178 F. M. an Rudolf
Mosse, Mannheim.
(I,5926
Aeltere JFahrradreparateure
(5672mfo
per ſofort geſucht.
J. Donges & Wiest.
geſucht.
Ein Sattler
Post=
halterei, Grafenſtr. 6. (*5849
Tüchtige
Rockarbeiter
für feine Maßarbeit geſucht
Hermann Meyer & Co.
Rheinſtraße 15. (5955
eſ. Näh. Eiſga=
Fuhrmann bethenſtr. 68.(2138
Kräft. Arbeitsbursche
(5824df
16 Jahre, geſucht.
L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei
Darmſtadt, Rheinſtraße 23.
Hausmeister
gesucht
von größerer ſtudentiſcher
Ver=
bindung in Darmſtadt m. eigenem
Haus und Dienerwohnung.
Erforderlich: Gute Bedienung u.
Küche für Mittag= u. Abendeſſen.
Angebote an Artur Hein, Darmſtadt,
Lichtenbergſtraße 73, part. (5676
ein jung. ſaub. Haus=
Geſuchl burſche mit guten
Zeugniſſen, der ſchon im Hotel war
Rheinſtraße 50.
*5842)
Jünger. Hausbursche
ſofort geſucht (5956
Schürmann & Comp.
Lohriing
zum 1. April geſucht. Sohn
acht=
barer Eltern. Rode, Papierhandl.,
(5373a
Schulſtraße 3.
Lehrling
für größeres kaufmänniſches Büro
zu Oſtern geſucht. Selbſtgeſchr.
Offerten unt. O. 78 an die Exp.
ds. Blattes.
Riedeſelſtraſte 68, 1.
Stock=
geräum. 5 Zimmerwohnung nebſt
Zubehör, per 1. April zu verm.
Preis Mk. 780.—. Näh.
Holzhof=
allee 1, Kontor.
(4824gif
Me h ete e
verm. an kleine Familie. (*5634mdf
Ecke Frankfurter= u.
Kahlert=
ſtraße 1 (Ausſicht nach d.
Herrn=
garten) ſchöne, ſehr große 3 Zim.=
Wohn. mit all. Zub. wegzugshalb.
p. 1. April zu v. Näh. part. (5856oidf
erieret te
mann, gr. 2 Zimmerwohn. z. verm.,
paſſend für Bahnarbeiter. (*5828
Großer Eckladen in frequent.
bevorzugter Lage mit Kontor, ev.
auch Wohnung, alsbald zu verm.
Off. u. R 24 Exped. (*5900fms
Le
12 Eliſabechenſtraße 42
heller luftig. Raum, zu Werkſtatt,
Verkaufsraum ꝛc. geeignet, per
1. Januar.
(284if
Umer
Karlſtr. 11, II., großes,
ſehr fein möbl. Zimmer mit
Gasbeleucht. zu verm. (3388oidf
Wadſtr. 3, 1. ., autmdt.
mit Bücherſchr. u. Schreibt. (5728a
Schulſtraße 6, 1. Etage,
ein gut möbl. Wohn= und
Schlafzim. mit elektr. Licht
ſofort zu vermieten. (5074t
Lehrling
per Oſtern geſucht. Selbſtgeſchr.
Offerten erbitte unter L 53 an
(4821a
die Expedition.
Einen Lehring
gegen Vergütung ſucht auf Oſtern
Heinrich Heimann,
Tapezier=
meiſter, Beſſungerſtr. 90. (B5198
Riedeſelſtraße 68, 2. Stock,
geräum. 5 Zimmerwohnung nebſt
Zubehör per 1. April zu verm.
Preis Mk. 600.—. Näh. Holzhof=
(4823ifs
Allee 1, Kontor.
(*5t91at Palnplaz 3, möbl. Zimmer
Von hieſiger Fabrik wird billig zu vermieten.
(5623t
Heinheimerſtr. 22, III., ſchön.
möbl. Z. m. Koſt, p. W. 12 M. (5729a
Mauerſtr. 12, Manſ., möbl.
Zimmer mit Kaffee zu verm. (5247a
Wienersstr. 40, I.
gut möbl. Zim., mit Kaffee 24 Mk.
mtl., an geb. Herrn oder Dame zu
verm. Näh. Beckſtr. 4, II. (5957a
Grafenſtraße 39, II., ſchön
möbl. Zimmer ſofort. (5952a
Neue Schwanenſtr. 72, II.,f
möbl. Zim. an ſol. Herrn. (*5875fsg
Frankfurterſtraße 24, part.
freundl. Zimmer mit Penſion in
gut. Hauſe ſof. zu verm. (5938t
Die gemeinschaftlichen riesigen Einkäufe der 4 Betten-
Spezial-Geschäfte Buchdahl Darmstadt, Mainz,
Frank-
furt, Karlsruhe, ermöglichen den Verkauf der besten
Fabrikate zu allerbilligsten Preisen.
Deckbett und 2 Kissen
aus garant. federd. rot. Inlet, mit doppelt
gereinigten haltbaren Federn gefüllt, Mk.
Deckbett und 2 Kissen
aus garantiert echt türkischrot federd.
Inlet, mit doppelt gereinigt. prachtv. gr.
Halbdaunen gefüllt
. Mk.
mit Daunen gefüllt, 2
Deckbett kissen mit Halbdaunen
gefüllt, aus Ia echt türkischrot Daun.-Köp.,
prachtvolle Garnitur .
nur Mk.
2-
4—
Andere Zusammenstellungen sehr billig!
Reinigung von Bettfedern und Daunen per Pfd. 20 Pfg.
Metall- und Holzbetten in enormer Auswahl.
Seegras-, Woll-, Kapok-, Rosshaar-Matratzen.
Patent-Matratzen. Reformbetten. Steppdecken.
(5935
Betten-
Spezial-Haus
Dochaun
Markt 11
Tel. 2188
Bei der Verloſung des Heſſiſchen Volksſchriften=Vereins
am 2. März entfielen auf folgende Nummern Gewinne:
9, 19, 20, 22, 25, 37, 40, 43, 67, 68, 72, 74, 86, 93, 95, 98, 110, 111,
112, 116, 120, 128, 135, 137, 138, 163, 166, 172, 179, 192, 196, 216, 223,
232, 237, 243, 244, 245, 247, 260, 273, 287, 293, 299, 301, 306, 308, 309,
311, 313, 320, 325, 335, 342, 356, 385, 390, 395, 398, 408, 430, 451, 462,
463, 471, 482, 493, 514, 520, 531, 543, 544, 559, 560, 561, 577, 582, 583,
589, 614, 619, 631, 633, 640, 650, 665, 667, 671, 672, 674, 676, 693, 695,
696, 698, 699, 708, 709, 711, 714, 723, 728, 731, 742, 744, 745, 752, 763,
767, 772, 785, 790, 807, 814, 815, 821, 840, 853, 871, 882, 888, 894, 907,
915, 917, 920, 926,2927, 951, 953 958, 959, 974, 989, 998, 1010, 1020,
1038, 1043, 1062, 1079, 1084, 1088, 1111, 1116, 1135, 1137, 1145, 1168,
1173, 1179, 1197, 1202, 1215, 1216, 1219, 1227, 1236, 1253, 1257, 1259,
1274, 1281, 1283, 1299, 1306, 1309, 1341, 1346, 1349, 1365, 1369, 1373,
1375, 1385, 1387, 1397, 1401, 1407, 1412, 1413, 1423, 1424, 1430, 1439,
1440, 1441, 1442, 1451, 1452, 1453, 1456, 1465, 1471, 1475, 1493, 1525,
1527, 1528, 1536, 1545, 1566, 1569, 1583, 1596, 1604, 1618, 1621, 1631,
1646, 1652, 1671, 1687, 1688, 1689, 1690, 1695, 1698, 1701, 1704, 1711,
1712, 1718, 1720, 1725, 1728, 1732, 1733, 1745, 1762, 1763, 1781, 1784,
1794, 1799, 1803, 1814, 1822, 1823, 1824, 1826, 1834, 1844, 1851, 1854,
1855, 1868, 1870, 1881, 1882, 1891, 1901, 1918, 1957, 1958, 1961, 1970,
1975, 1977, 1978, 1979, 1980, 1984, 1987, 1995, 1997.
Die Gewinne können bei Herrn Lehrer Haſſinger, Darmſtadt,
Stiftſtraße 43, 1. St., von vorm. 9 Uhr bis nachm. 2 Uhr in Empfang
genommen werden. Auswärtigen Gewinnern werden die Gewinne
gegen Einſendung des Portos zugeſandt. Die bis zum 20. März
nicht abgeholten bezw. eingeforderten Gewinne verfallen zugunſten
des Vereins.
(5979
Neu eingetroffen
sind grosse Posten
mit
Lack-
mit Lack-
Mark
EleganteDamen-Schnurstietel kappen b.50
Elegante Damen-Halbschune kappen 6.50
Braune Chepreanz-Damen-Schnürstiefel 7.50
Braune Chepreauz-Damen-Halbschuhe 7.50
Moderne Damen-Spangenschuhe . 5.00
Mod. Bozleder-Herren-Schnürstiefel 7.50
Braune Chevreanz-Heren-Schnürstiefel 1.50
Moderne Bozleder-Kinder-Schnürstiefel
25/26 3.75
27/30 4.25
31/35 4.75
Konfirmanden-Stiefel
neueste Form
(5958
5.50 6.50 7.50 8.50 10.50
Alleinverkauf der beliebten, Salvator-Stiefel‟
Schuh-
haus L. Spier
1 Louisenplatz 1.
Nummer 65.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
Uihher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
inden ſich: 1 Foxterrier, 1 Jagdhund (zugelaufen). Die Hunde
Pimnen von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
lerden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dort=
elbſt jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(5933
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Seite 11.
Bekanntmachung.
Da in letzter Zeit wiederholt über Beläſtigungen des
Publi=
kams durch Ball= und andere Spiele auf der Straße Beſchwerde
Ageführt worden iſt, ſehen wir uns veranlaßt, darauf hinzuweiſen, daß
nach Art. 292 des Polizeiſtrafgeſetzbuches und § 366,7 des
Reichsſtrafgeſetzbuches derjenige mit Geldſtrafe bis zu 60 Mk.
rder mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft wird, der auf Straßen
lrder öffentlichen Plätzen mit Steinen oder anderen Gegenſtänden
wirft, wodurch Menſchen beſchädigt oder verunreinigt werden
können. Unter dieſen Tatbeſtand fallen insbeſondere auch Spiele
rnit Hartgummibällen.
Iſt die mit Strafe bedrohte Handlung von Kindern begangen
reorden, ſo werden nach Art. 44 des Polizeiſtrafgeſetzbuches die
Eltern oder andere aufſichtspflichtige Perſonen, die es an der
er=
forderlichen Aufſicht haben fehlen laſſen, beim erſten Fall
poli=
zeilich verwarnt, im Wiederholungsfalle mit Geldſtrafe bis zu
einem Drittel der auf die Uebertretung ſelbſt angedrohten
Strafe belegt.
Bei eintretenden Körperverletzungen können außerdem nach
S§ 823 ff., 832 des Bürgerlichen Geſetzbuches für den Täter und
auf=
lchtspflichtige dritte Perſonen (Eltern uſw.) weitgehende
zivilrecht=
liche Schadenerſatzverpflichtungen entſtehen.
Darmſtadt, den 3. März 1914.
(5809fs
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Bekanntmachung,
betreffend das Peitſchenknallen.
Infolge ſtändiger Beſchwerden über unnötiges Peitſchenknallen
erſuchen wir die Lenker von Fuhrwerken wiederholt, ſich nur in
dringender Gefahr zur Verhütung von Unfällen durch
Peitſchen=
knallen, ſonſt ſtets durch einfachen Zuruf, bemerkbar zu machen.
Ein Gebot der Sitte und des Anſtandes iſt es insbeſondere,
wor Krankenhäuſern, vor den Hochſchulanſtalten, vor Gerichts=
Ver=
waltungsgebäuden, vor Schulhäuſern und Kirchen das Peitſchen=
Fnallen völlig zu unterlaſſen.
Unnötiges oder mutwilliges Peitſchenknallen wird nach § 4 de
Werordnung betr. die Verhütung von Unglücksfällen durch Fuhrwerkr
wom 13. Juli 1842 und § 12 der Droſchken=Ordnung für Darmſtade
wom 15. September 1906 beſtraft.
Die Schutzmannſchaft iſt angewieſen, gegen unnötiges Peitſchen
knallen mit Strafanzeigen vorzugehen.
Darmſtadt, den 3. März 1914.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
(5811
Krankenverſicherung der Hausgewerbtreibenden.
Seit dem 1. Januar ds. Js. ſind auch die Hausgewerbtreiben
den krankenverſicherungspflichtig. Sie gehören, ſoweit ſie in der
Stadt Darmſtadt ihre eigene Betriebsſtätte haben, der Allgemeinen
Ortskrankenkaſſe Darmſtadt an. Bei der gleichen Kaſſe werden
auch ihre hausgewerblich Beſchäftigten verſichert.
Die Hausgewerbtreibenden und ihre hausgewerblich
Beſchäf=
ttigten ſollen ſich ſelbſt bei der Allgemeinen Ortskrankenkaſſe zur
Eintragung in das Mitgliederverzeichnis der Kaſſe anmelden.
Beſchäftigt jedoch ein Hausgewerbtreibender regelmäßig zwei und
mehr hausg=werbliche Verſicherungspflichtige (abgeſehen von den zur
Familie gehörigen Hausgenoſſen), ſo iſt er verpflichtet, alle
Beſchäf=
tigten bei der Krankenkaſſe binnen 3 Tagen nach Beginn der
Be=
ſchäftigung anzumelden und binnen 3 Tagen nach Ende der
Beſchäf=
tigung abzumelden.
Für die Krankenverſicherung haben an die Kaſſe zu zahlen:
1. diejenigen, in deren Auftrag und für deren Rechnung
haus=
gewerblich gearbeitet wird, Zuſchüſſe, die bis zum 31.
De=
zember 1914 feſtgeſetzt ſind, auf 2 vom Hundert des
Ent=
gelts, das die Auftraggeber dem Hausgewerbtreibenden für
die gelieferte Arbeit zahlen;
2. die Hausgewerbtreibenden ſelbſt und ihre hausgewerblich
Beſchäftigten Beiträge nach Maßgabe der Satzung der
Krankenkaſſe (4½ vom Hundert des von dem Großh.
Ober=
verſicherungsamt feſtgeſetzten Ortslohns.)
Die Auftraggeber, die in der Stadt Darmſtadt ihren
Betriebs=
ſitz haben, müſſen der Allgemeinen Ortskrankenkaſſe Darmſtadt in
der erſten Woche eines jeden Monats eine Liſte der ſämtlichen im
abgelaufenen Monat beſchäftigten Hausgewerbtreibenden
ein=
reichen. In der Liſte iſt der Name und eigene Betriebsſitz der
Haus=
gewerbtreibenden, ſowie der Betrag des Entgelts anzugeben. Iſt der
Wert der von dem Hausgewerbtreibenden ſelbſt beſchafften Roh= und
Hilfsſtoffe angeſetzt worden, ſo ſind auch Menge und Wert dieſer
Stoffe, ſowie der nach Abzug ihres Werts tatſächlich gezahlte Betrag
anzugeben. Beim Einreichen der Liſten hat der Auftraggeber
die fälligen Zuſchüſſe einzuzahlen.
Werden Hausgewerbtreibende dauernd nur für denſelben
Auf=
traggeber beſchäftigt, ſo kann dieſer, wenn die Hausgewerbtreibenden
zuſtimmen, auch ihre Beiträge einzahlen. Er kann dann dieſe Bei
träge an dem Entgelt, das er dem Hausgewerbtreibenden zu zahlen
(5917
hat, abziehen.
Darmſtadt, den 3. März 1914.
Verſicherungsamt der Stadt Darmſtadt.
Kröll.
Autz= und Brennholz=Verſteigerung.
Montag, den 9., und Dienstag, den 10. März,
vormittags 9½ Uhr anfangend,
verden im Ober=Ramſtädter Gemeindewald, Diſtrikt Hainböhl (
Ge=
narkung Ober=Modau) verſteigert:
Nutzholz:
Stämme: Lärchen 37 St. 12—32 cm Durchm., 6—18 m lang,
10—22 „
Fichten 104 „ 14—36 „
12—16 „
Derbſtangen: Lärchen 36 „ 8—12 „
13 „
10 „
Fichten 4 „
Brennholz:
Scheiter, rm: 36 Buchen, 25 Kiefern;
Knüppel, rm: 369 Buchen, 2 Eichen, 1 Eſpe, 20 Kiefern,
12 Lärchen, 21 Fichten;
Wellen: 50 Buchen, 50 Kiefern;
Stöcke, rm: 16 Buchen, 15 Kiefern, 13 Fichten.
Zuſammenkunft an beiden Tagen jedesmal auf der Kreisſtraße
ieder=Modau-Frankenhauſen am Eingang des Waldes.
(5671mfs
Ober=Ramſtadt, den 2. März 1914.
Großh. Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.
v. Kleid, ganz neu, ſow.
für mittl. Figur, und
leider f. 3 Jahr. bill. zu
(*5846
ebigſtr. 7, I.
en-Marmelade
f. Hügelſtr. 89. (*5873fs
2 Betten
Waſchkomode m. Spiegelaufſatz u.
2 Nachtſchränkch., noch ganz neu,
umſtändehalb. bill. zu verk. (*5880
Heinheimerſtr. 18, Stb., part.
Ueberſicht
der Durchſchnittspreiſe von
folgen=
den Früchten und
Verbrauchsgegen=
ſtänden in der Zeit
vom 15. bis 28. Februar 1914:
per Sack à 100 Kilo
Weizen von Mk. 20.50 bis 24.50
Korn
„ 16.— „ 18.−
Gerſte
.— „ 18.50
Hafer
— „ 19.75
Butter ½ Kilo Mk. 1.40
Butter in Partien Mk. 1.30
Eier per Stück 9 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 2.
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 6.—
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 1.75
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 2.75
Heu per 50 Kilo Mk. 3.75
Darmſtadt, 5. März 1914.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.
Die Holz=Verſteigerungen
vom 2. und 3. März ſind genehmigt.
Abgabe der Abfuhrſcheine am
10. März. — Ueberweiſung am
11. März.
Ober=Ramſtadt, 4. März 1914.
Großherzogliche Oberförſterei
Ober=Ramſtadt.
Hoffmann. (5092
HASSTA
Vervielfältigungs-
Büro
Inh. S. Guttmann
Vendelstadtstr. 26
Telephon 1679.
(4733a
Schrei bmaschinen-
Arbei ten
Diktate
in separätem Raum
Vervielfältigungen
ohne Fettrand.
Zeugnis-Abschriften
schne II-sauber
diskret-biIIig.
Sämtliche Coupons
per 1. April 1914
werden bereits von heute ab ohne Abzug und
spesenfrei an meiner Kasse eingelöst.
Ständiger Vorrat solider
Anlage-
papiere.
(5642ifi
Hermann Wertheim
Bankgeschäft
Filiale Darmstadt, Rheinstr. 33.
Losholz-Ausgabe.
Die Ausgabe des Losholzes an diejenigen Bezugsberechtigten
der früheren Gemeinde Beſſungen, die hiervon mündlich verſtändigt
wurden, findet Freitag, den 6. lfd. Mts., nachmittags von 3—5 Uhr
in dem Turnſaal des Schulhauſes der Stadtknabenſchule III,
Lud=
wigshöhſtraße Nr. 42, ſtatt.
Ich bringe dies hiermit nochmals zur Kenntnis der Beteiligten.
Darmſtadt, den 2. März 1914.
(5860df
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Schmitt.
Weltherühmie
Kieler Fischwaren.
Mache Sie bitte einen Verſuch und
Sie bleiben mein ſteter Kunde.
Alle 9 Sorten zuſ. nur 3 Mk. geg.
Nachn., Verp. fr. Je 1 Doſe Ia
Bismarckher., Senfher., Rollmops,
Geleeheringe und Oſtſeeſardinen
ferner hochleck. Bücklinge,
Fleck=
heringe, Rieſenlachsheringe, Kieler
Sprotten oder Rauchaal. Garant.
für den richtigen Inhalt der
Send=
ung. C. Hagemann,
Fiſch=
räucherei und
Fiſchkonſerven=
fabrik, Kiel.
(II,5930
Holz-Verſteigerung.
Donnerstag, den 12. März, vormittags von
9 Uhr an
ſollen in der Turnhalle, Woogsplatz 5 dahier, aus den Diſtrikten
Dachsberg und Grabenſtück als letzte Brennholzverſteigerung in
der Forſtwartei Böllenfalltor verſteigert werden:
Scheiter, rm: 208 Buchen, 1 Eiche, 3 Kiefern;
Knüppel, rm: 124 Buchen, 7 Kiefern;
Reiſig, 100 Wellen: 27,2 Buchen, 1 Kiefer;
Stöcke (grob), rm: 51 Buchen.
Zur Verſteigerung kommt die Nummernfolge 1873 bis 2048.
Nähere Auskunft erteilt der Großh. Förſter Klipſtein zu
Böllen=
falltor.
Darmſtadt, den 4. März 1914.
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
Daab.
(5916fo
Für Brautleute!
Ein neu pol. Wohnzim., eichen
Schlafzim. mit Apotheken u. groß.
türig. Spiegelſchrank, eleg. Küche
mit Kunſt=Verglaſung für nur
570 Mk. zu verkaufen. Daſelbſt
eine gebrauchte Handnähmaſchine
und eine Wanduhr billig.
Laute=
ſchlägerſtraße 7, 1. St. links.
Kein Laden.
(*5918
Zur Konhirmation
Uhren-
und Goldwaren
billigſt
(5942.
Zu verkaufen: verſchied. Kaktus
F. Karl
und eine Hängelampe
Fuhr=
t. r. (*5914
Soderſtraße 14. am Kapellplatz. mannſtr.
Eier=Abſchlag!
Täglich gar. friſche Eier à 10 Pf.,
eigene Hühnerzucht. D.
Rocken=
felder, Lauteſchlägerſtr. 34. (*5876
Kleine Weißbinder- u.
Lackier-
billigſt. Wilh. Dick,
arbeilel Ludwigshöhſtr. 78(*5740df
G. F. Deiter, Waldſtr. 23.
Moderne Herrenkleidung n. Maß,
unter Garantie für guten Sitz.
Anfertigung auch ohne
Stoff=
lieferung.
(4769a
Die Korb= und Stuhlflechterei
Eckhardtſtr. 33 zmpf. ſich im
Flechten von Körben und Stühlen.
Reparaturen bill., Arbeit wird
abge=
holt. Gg. Treuſch. Poſtk. gen. (5615a
Partie hochfeine aromat.
Ehe
— Zigarren
per 100 St. nur 4.75 Mk. abzug.
*5798df
Weißmantel, Karlſtr. 30.
Preis Mk 4300.
5/14 HP. Viersitzer.
Komplett mit allem Zubehör: abnehmbare Räder, Scheibe,
(3881a
Beleuchtung, Verdeck nebst Hülle, Pneumatikhalter,
Mk. 5000.
Huppe, mit kompl. Werkzeug, wie Bild
Kein Chauffeur. — Einfachste Handhabung. — Der Billigste im Gebrauch.
Probefahrt sowie Vorführung der Wagen ohne Kaufzwang.
Rheinstrasse 19.
Hads Cvermard
Seite 13.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Nummer 65.
Vorträge.
M Vorträge über Religionsunterricht.
Am Donnerstag nachmittag 3 Uhr fanden im Fürſtenſaale
die erſten zwei der von der Kommiſſion für Reform der
Lehrpläne anberaumten Vorträge über den
Religions=
unterricht ſtatt. Nach einer kurzen Begrüßung der
Ver=
ſammlung, in der auch die oberſten Kirchen= und
Schul=
behörden vertreten waren, durch den Vorſitzenden der
Kommiſſion, Geh Oberkonſiſtorialrat D. Peterſen,
hielt zuerſt Profeſſor Liz. Jäger=Friedberg einen
Vor=
trag über „Die Behandlung der Propheten und der
Leſe=
ſtücke aus dem Alten Teſtament”, in dem er in klarer, auf
eingehendem Studium beruhender Darſtellung die
einzel=
nen Abſchnitte des neuen Lehrbuches in den
Zuſammen=
hang der Geſchichte der Religion Iſraels ſtellte. Alsdann
gab Profeſſor D. Dr. Diehl=Friedberg in lebendigen
Ausführungen Antwort auf die Frage, inwiefern die neue
Bibliſche Geſchichte einen Fortſchritt gegen die früheren
Schulbücher darſtellt, indem er an Beiſpielen aus früheren
Lehrbüchern zeigte, wie ſchon in den früheren
Jahrhun=
derten ernſte Verſuche gemacht worden ſind, das zu
er=
reichen, wonach wir heute ſtreben, und wie unſer neues
Schulbuch in pietätvoller Weiſe auf dem aufbaut, was
frühere Zeiten herausgearbeitet haben, und doch bei allen
Treue gegen das Erbe der Vergangenheit in Inhalt und
Sprache ein Werk darſtellt, das den Vergleich mit dem
Beſten nicht zu ſchenen braucht, was in der heutigen
päda=
gogiſchen Literatur zu finden iſt. Mit Rückſicht auf den
von dem Lehrerverein auf 5½ Uhr angeſetzten Vortrag
von Lehrer Gansberg war keine Gelegenheit zur
Aus=
ſprache; doch wird hierzu an den beiden nächſten
Vor=
tragstagen reichlich Gelegenheit ſein. — Während
dies=
mal Theologen die Referenten waren, werden die beiden
nächſten Vorträge von Schulmännern gehalten werden,
und zwar wird Schulrat Dieterich=Erbach über den
„Neuen Lehtplant und Lehrer Dollinger=Ober=Olen
über „Die Behandlung der Apoſtelgeſchichte und der
neu=
teſtamentlichen Leſeſtücke” reden. Abends 8 Uhr desſelben
Tages wird Univerſitätsprofeſſor D. Dr. Schian=
Gie=
ßen die innerlichen und prinzipiellen Fragen des
Reli=
gionsunterrichts behandeln in einem öffentlichen Vortrag,
deſſen Gegenſtand „Der evangeliſche Glaube und der
Re=
ligionsunterricht” iſt. Da der Fürſtenſaal ſich für die
Scharen der von nah und fern herbeigeeilten Pfarrer und
Lehrer (gegen 300) als zu klein erwies, iſt für die nächſten
Vorträge der Kaiſerſaal in Ausſicht genommen.
Turnen, Spiele und Sport.
* Main=Rhein=Gau der Deutſchen Turnerſchaft. Am
kommenden Sonntag, den 8 März, vormittags 10 Uhr,
findet in Groß=Gerau die 1. Uebung der Leiter und
Leiterinnen von Frauenabteilungen ſtatt.
* Athletikſport. Bei dem am 1. März abgehaltenen
Kreistag des zweiten Kreiſes des Deutſchen
Ath=
letenverbandes wurde dem Kraft=
Sport=
verein Darmſtadt zur Vorbereitung der Olympiade
für 1916 ein nationaler Wettſtreit für Schwer=
Athletik für 1915 überwieſen.
* Automobilprüfungsfahrt. Am 22. Februar fand
eine Prüfungsfahrt für kleine Wagen und
Sidecars ſtatt, in der drei deutſche Wagen
er=
folgreich gegen zahlreiche Konkurrenz abſchneiden konnten.
Als Erſter erreichte ein 8/20 PS. Benz=Runabout das Ziel,
indem er die 225 Kilometer lange Strecke in drei Stunden
drei Minuten und zwei Sekunden zurücklegte, alſo eine
Durchſchnittsgeſchwindigkeit von über 70 Kilometer
er=
reichte. Ein Adler=, ſowie ein Matthis=Wagen legten die
Strecke in drei Stunden 23 Minuten, bezw. in drei
Stun=
den 24 Minuten und 4 Sekunden zurück.
Euftfahrt.
sr. Anerkannter Flugweltrekord. Die
Federation Aeronautique Internationale hat den von
dem deutſchen Flieger Bruno Langer am 3. Februar
dieſes Jahres auf einem Roland=Pfeil=Doppeldecker der
Luftfahrzeug=Geſellſchaft ausgeführten Dauerflug von 14
Stunden 7 Minuten als Dauer=Weltrekord anerkannt.
Ferner wurde auch von der Federation Aeronautique
In=
ternationale die Freiballonfahrt des Herrn Hugo Kaul= mit dem Ballon „Duisburg” vom 13.—17. Dezember
mit einer Entfernung von 2827,9 Kilometer und einer
Dauer von 87 Stunden anerkannt. Von dieſen beiden
Weltrekordleiſtungen iſt inzwiſchen die Diſtanzleiſtung
von Ingenieur Berliner überboten worden, der es
auf zirka 3000 Kilometer brachte. Die Anerkennung
die=
ſer Leiſtung ſteht jedoch noch aus.
Landwirtſchaftliches.
— Shlachtviehmarkt Darmſtadt.
Schweine=
markt am 4. März. Auftrieb: 202 Schweine. Preiſe,
1. Qual. pro 50 Kilogramm Schlachtgewicht 66 Mk.,
2. Qual. 65 Mk., 3. Qual. 64 Mk. Marktverlauf: lebhaft,
wenig Ueberſtand. — Schweinemarkt am 5. März.
Auf=
trieb: 188 Schweine. Preiſe 1. Qual. pro 50 Kilogramm
Schlachtgewicht 66 Mk., 2. Qual. 65 Mk., 3. Qual. 64 Mk.
Marktverlauf: lebhaft, geräumt. — Kälbermarkt am
5. März. Auftrieb: 178 Kälber. Preiſe 1. Qual. pro 50
Kilogramm Lebendgewicht 58 Mk., 2. Qual. 56 Mk.,
3. Qual. 52 Mk. Marktverlauf: lebhaft.
w. Lampertheim, 4. März. Der letzte
Ferkel=
markt war mit 185 Tieren befahren, die zum größten
Teil=
abgeſetzt werden konnten. Die Preiſe bewegten ſich zwie
ſchen 35—42 Mark pro Paar. Am kommenden Dienstag
findet Prämiierungs=Ferkelmarkt ſtatt.
rar Uiniziers-Asprranten uner w.
gen!
Zu den bevorstehenden Einberufungen
empfehlen wir vorschrifts- und zweckmäßige
Aus-
rüstungen in Stiefeln und Gamaschen. Unser
eigens für diesen Zweck und vielfach erprobter
Stiefel ist ein hervorragendes Stück Arbeit unserer
heimischen Schuhindustrie. Ein Stiefel, der vermöge
seiner soliden Bauart allen Anforderungen entspricht
Preis Mk.
Schuhhaus Friedr. Soeder, Hoflieferant
Alleinverkauf der berühmten Marken „Salamander” und „Herz‟
12 Ludwigstrasse 12.
Feiner Kinderwagen
Preis 85 Mark, jetzt 45 Mark,
zu verkaufen.
(6535a
Riedlingerſtraße 19, II.
c
Unterricht (*5861fs
im Bügeln u. Glanzbüg. wird ert.
Bügelgeschäft, Hofſtallſtr. 8, part.
Musikschüler
werden in meiner weit berühmten
Stadtkapelle bei muſterhafter
Aus=
bildung unter günſt. Bedingungen
jederzeit unentgeltl. aufgenommen.
Hubert Schumacher
Städt. Muſikd., Rathenow. (*822a
DAMEN
welche d. Anfertigung Ihrer eigenen
Garderobe gründl. erlernen wollen,
erteilt gepr. Schneiderin Unterricht.
Off. u. P 80 Exped. erbet. (B5880
Kochstunde
Es können ſich wieder einige
junge Damen an dem
Kochunter=
richt beteiligen. Anmeldung
jeder=
zeit. Vorzügliche Empfehlungen.
Frl. J. Friedrich
Frankfurterſtr. 74, 1. St. (5972fif
Saale der „Stadt Pfungstadt‟‟
Metalldrahtlampen
erstklassige Fabrikate, zu
konkurrenz-
losen Preisen.
W. Schoeller Nachf.
G. m. b. H. (3814a
Elektrotechnisches Büro.
Rheinstrasse 7
Telephon 223.
ausherren.
ausverwalter u. Hrchlickten!
Wenden Sie ſich bei
Kanal-Verstopfung
nur an das Darmstädter Kanalreiniguugsinstitut.
Inhaber: Philipp Maul, Eſchollbrückerſtraße 6. (2908a
Auch werden Neuanlagen billigſt ausgeführt. Voranſchläge koſtenlos.
Brennmaterlalen
7
Bei Bezügen im Monat März gewähren wir Vorzugs=Preiſe.
Anthracit=Eiform=Briketts ſolange unſerer Vorrat reicht Mk. 1.25
pro Zentner, bei fuhrenweiſer Abnahme frei Aufbewahrungsort
ausſchlielich Oktrof.
(5768ms
Max Pfaelzer, G. m. b. H.
Mathildenplatz 9
Kohlenhandlung Fernruf 2557.
Annahmeſtelle: Karl Koch, Eliſabethenſtraße 49.
TLichen, gr. Lager gut gepfl., bis 20
CJahre lagernd, für Glaſer=,
Schreiner= u. Treppenarbeiten, auch
Gerüſtſtangen, verkauft W. Holtz,
Zimmermstr., Artillerieſtr. 9, p. (B48 6
„Büſett, Kredenz
Wegen Umzug und Umbau,
dunkel eichen, zu verk. (*5511ms
Wendelſtadtſtr. 52, 2. St.
Neu= und Anſtricken
von Strümpfen ſow. Beinlängen
auf der Maſchine billig u. prompt
Heinheimerſtr. 50, I. Hahnes. (827a
Restkaufschilling
(2000 Mk.) auf ſehr gutes Objekt
zu verkaufen. Off. u. P 91 an
die Expedition d. Bl. (*5796df
II. Hypothek
Auf ſehr rentables Geſchäftshaus
Rheinſtraße eine II. Hypothek
von Mk. 35000 geſucht zu 5%
Zinſen per 1. April d. Js.
Vor=
zügliche Real= u. Perſonalgarantien.
Weiteren Aufſchluß bei Sebaſtian
Eckler, Rheinſtraße 9, I.
Tele=
phon 243.
(*5853fgm
Tanzen Karoline von Hessen-Darmstadt
lehrt gut u. billig allabendlich im ihr Aufenthalt in Prenzlau 1750 bis 1756.
Mit mehreren Illustrationen. Preis Mk. 2.50.
(Eliſabethenſtraße). Privatſtunden
Von E. Mentzel.
(16785
Tageszeit. Phillpp Scholll Zu beziehen in der Expedition des Tagblatts u. durch
*5745df) Tanzlehrer, Mählstr. 26, II.
alle Buchhandlungen.
zu jeder
Eine
zweite Hypothek
von 8000—10000 M., nach
44000 M. Landesbank=
Hypo=
thek, auf einem Anweſen in
Darmſtadt mit Nachlaß zu
verkaufen geſucht. (*5920fms
Offerten unter R 27 an
die Expedition.
5968fs
laſerarbeiten und
Rolladen=
reparaturen werden gut u.
billig ausgeführt Glaſerei
Pal=
laswieſenſtraße 23 und
Kaup=
ſtraße 48.
(4638a
Die naturreinen
alkoholfreien
Tein
und
W
Ormser
Hüpoth. v. 160 u. 70 M.
1. bis Herbſt, event. früh., geſucht.
Objekt u. Subjekt hochprima. Off.
unt. P 83 an die Exv. (*5824fo
empfehlen hervorrag Aerzte
bei Plutarmut, Bleichsucht,
Nervosität (Prof. Forel, Prok.
Eulenburg, Prof. Jordy, Dr.
Gilbert, Dr. Keferstein)
bei Herzkrankheiten,
Rheu-
matismus u. (icht (Dr. Matzen,
Dr. Stoll-Nauheim, Dr. Kühne)
bei Magen-, Darm-,
Leber-
u. Nierenleiden (Prof. Bunge,
Prok. Winternitz)
bei allen akuten fieberhaften
Krankheiten (Dr. Järschky,
Prof. Bleuler, Dr. Albu, Dr.
Schilling.)
(2415
Verlangen Sie Sorten-
und Preisliste u.
auf-
klärende Literatur von
Schanhes Horn
Alexanderstr. 4, I.
SSendungen auch Proben frei Haus.
Nummer 65.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Seite 13.
Californiſches
Edel=Miſchobſt
Pfd. 60, 80. Pf., 1.—
Calif. Pflaumen
„ Aprikosen
„ Birnen
„ Aepfel
Donau-Zweischen
zum Roheſſen und Kochen,
ſehr verdauungsfördernd
Roforngesch., Arista
Anton Braunwarth
Ernſt=Ludwigſtraße 3
Fernſprecher 971.
(4288a
Adlen
Automobile
Alleinverkauf:
Müller & Ober
Karlstrasse 30 (4267a
Reparaturen aller Systeme.
Empfehle in grosser Auswah
und zu billigen Preisen
laHafer-
mastgänse, p. Pfund 9o Pfg.,
Junge Enten, 3.50—4 Mk. , Junge
Hahnen von 1—3 Mk., deutsche
Poularden in feinster Qualltät.
Suppen- und Brathühner von
1.50 Mk. an.
(276a
Verkauf Freitags Karlstr. 22,
Hof, Schröder.
Tägl. friſch
eintreffend=
la holländ. Süßrahmtafelbutter
vom Block ſow. in ½=Pfd.=Stücken
Ia Vogelsberger Landbutter
Ia friſche Land=Eier
Ueberrheiner Delikateß=
Bauern=
handkäſe, ff. Schmierkäſe
ſowie ſtets friſches Kommißbrod
auch im Ausſchnitt empfiehlt
M. Ewald (4817a
Eier=, Butter= u. Käſeſpezialgeſchäft
Tel. 1163. — Unt. Eliſabethenſtr. 56.
Kleinweizen!
150 Pfund 11 Mk. (mit Sack)
ver=
ſendet gegen Nachnahme (IV,2589
Rheinisch-Westfälischer
Geflügelfutter-Versand
Neuss a. Rhein.
Aepl & John, Aaaufakturwaren. (5511a
Doktenuisockdon
Billige
Bezugsquelle
für
Tapezierer.
Eigene
Werkstätte
im
Hause.
Grösste Auswahl, zu wirklich billigen Preisen!
Kinderbettstellen
5.75
mit abschlagbaren Seitenteilen, mit und ohne Messingverzierung, in bis
„40.−
enorm großer Auswahl, zu billigsten Preisen
Bettstellen für Erwachsene
7.90
nur solide und beste Fabrikate, mit und ohne Messingverzierung, in bis
enorm großer Auswahl, zu billigsten Preisen
.45.−
Seegras-Matratze
14.50
aus rotem Drell, 3teilig
Woll-Matratze
aus Ia Drell, mit vorzüglicher
19.50
Wollfüllung . . .
Kapok-Matratze
aus Ia Drell, mit erstklassiger
rein Java-Füllung . .
38.
Patent-Matratze
14.50
mit Gegendruck . . .
(3079a
Maiizer Warenkaus
Markt 7
GUGGENHEIM & MARx
Markt 7
Neu eröffnet!
Neue Reklame-Fahrräder, mit
Gummi, ſchon von 42 ℳan
Laufdecken, fr. Ware, v. 2.25 „ „
Luftschläuche, „ v. 1.95 „,
Pedale . . Paar v. 1.50 „ „
Keite ½ . . . . v. 1.50 „
Speichen m. Nippel . v. 3 ₰ „
Sättel
. . . v. 1.95 ℳ ₰
Fußpumpen . . . . v. 75₰ ₰
Glocken .
„ v. 28 „ „
Lenkstangen
. v. 1.95 ℳ6 „
Korkgriffe
. v. 25 ₰ .
Handbremsen
.v. 1.45ℳ „
Schutzbleche kompl. v. 98₰ „
Hosenklammern . . v. 2 „ „,
Felgen, schw. emailliert v. 98 „ „
Gesp. Vorderräder . . v. 3.50 ℳ „
Hinterräder mit
Zahnkranz . . v. 3.95 ₰
Emaillelack . Doſe v. 30 ₰ „
Alle Fahrradzubehörteile am Lager
mit Gummi, Freilauf=
Brems=
nabe, kompl., 1 Jahr Garantie
von 73 ℳ an
Oskur Hauser
Darmſtadt (5925
Obere Elisabethenstr. 7
Pogerntene
Steinholzböden
Saba
für Badezimmer, Küchen etc. der
beste Belag.
Linoleumunterlagen
in
(*5829
Kork, Holz, Bimbs, Asphalt
und Gyps.
„ Estriche‟
Ausgleichsmasse f. ausgetretent
Holzfußböden und Treppen.
Feuersich. Asbestplatten
für alle Zwecke.
Isolierungen aller Art.
Schuchmannsches
Steinholz-lsolierwerk
mit elektrischem Betrieb
Teleph. 2091. Artilleriestr. 10.
Sontroll=National=Regiſtrier=
Kaſſe, faſt neu, für nur 250
Mark abzugeben
(5304s
Spaniſche Weinhalle
Mathildenplatz 8.
Land
in Peſcren
in echter Qualität empfiehlt (2632a
Oberhess. Wursthalle, Schustergasse 10₰
Damen-Schreibtisch
tadellos erh., wird billig abgeged.
Viktoriaſtr. 25, II.
(*5737df
Die Erbſchaft.
Roman von Adeline Genke.
(Nachdruck verboten.)
11
Am Nachmittag rüſtete Lotte ſich wie das erſtemal
zu ihrem bedeutungsvollen Gang. Zwar galt es jetzt nicht
mehr der Bezauberung eines alten „Knaſterbarts”, wie
Mizzi den ehrwürdigen Juſtizrat reſpektlos tituliert hatte,
aber weshalb ſollte ein junges Mädchen ſich nicht
trotz=
dem ein bißchen hübſch machen, wenn es ſich vor Fremden
zeigen mußte! Vor dem Spiegel ſtellte Lotte feſt, daß die
weiße Bluſe mit dem kleinen Schlips der hellblauen in
bezug auf Kleidſamkeit nichts nachgab, und wanderte dann
ſehr viel leichtern und erhobenen Sinnes als das vorige
Mal nach ihrem Ziel, das nun das Bureau des Herrn
Rechtsanwalts Doktor juris Bauer war.
Faſt ſchien es, als ob der Doktor juris Bauer ſchon
eine Ahnung von dem ihm bevorſtehenden Beſuch hätte.
Wenigſtens las er, nachdem draußen im Wartezimmer nie‟
mand mehr ſeines Beiſtandes harrte, nochmals einen Brief
durch, der am Morgen bei ihm eingetroffen war und deſſen
letzte Hälſte dieſen Wortlaut hatte:
. . .. Du ſiehſt alſo, viellieber Vetter, wie tatkräſtig
ich, Deinem Wunſche nachkommend, zur Förderung der
Angelegenheit Deiner Schützlinge beigetragen habe. Die
amtliche Antwort, deren Inhalt ich Dir obenſtehend
mit=
teilte, iſt bereits auf dem Wege zu ihnen, während mein
geſtrenger Chef einſtweilen noch nicht ganz fertig iſt mit
ſeinem Erſtaunen über den plötzlichen unbegreiflichen
Amtseifer ſeines Referendars. Fernerhin bringe ich Dir
als Reſultat meiner privaten Nachforſchungen noch
fol=
gendes zur gefälligen Kenntnisnahme: Der ſelige
Kauf=
mann Johann Kaſimir war in der Tak nur ein armer
Schlucker, muß aber nebenbei ein verfluchter
Schwere=
nöter geweſen ſein, da es ihm noch in vorgerückteren
Jah=
ren gelang, die reiche Brauerstochter Anna Marie Meyer
zu ehelichen. Allerdings ſoll das holde Weſen „einen
kleinen Verdruß” mit ſich herumgetragen haben, worunter
man hierzulande einen ſtattlichen Buckel verſteht.
Dieſes edle Paar alſo iſt ohne jegliche
Nachkommen=
ſchaft aus dieſer Welt geſchieden; Brüder, Schweſtern,
Onkel und Tanten ſind ebenfalls nicht vorhanden oder
doch ausgeſtorben geweſen; ein in jungen Jahren nach
Amerika verdufteter Vetter der ſeligen Anna Marie hat nie
wieder etwas von ſich hören laſſen, wird alſo wohl ſchon
längſt ein unrühmliches Ende gefunden haben. Deine
Schützlinge ſind die einzigen, von denen auf den neulich
als letzten vor der Verjährung ergangenen amtlichen
Auf=
ruf hin Meldung einlief, und haben nach menſchlicher Vor”
ausſicht ſomit die beſten Chancen.
Nachdem ich Dich ſo durch dieſe Bemerkung ganz
be=
ſonders befriedigt zu haben hoffe, geſtatte ich mir, Dein
rührend pflichteifriges Intereſſe für Deine erberwartende
Klientſchaft etwas ſchärfer unter die Lupe zu nehmen mit
der verſtändigen Anfrage: Welche iſt’s, die Du mit ihren
Sechzigtauſend in Belagerungszuſtand zu verſetzen
ge=
denkſt: die Thea, die Lotte oder die Mizzi? Ich erlaube
mir ferner, weil auch der kluge Mann aus anderer
Weis=
heit noch Profit ziehen kann, Dir als Vetter und in ſolchen
Dingen Sachverſtändiger den dringlichen Rat zu erteilen:
Sieh beizeiten auf Deinen Vorteil! Denn die arge Män=
nerwelt weiß heutzutage ſolch ein Goldfiſchlein gar leicht
aufzuſpüren und wegzuſchnappen. Welchen Dir
wider=
fahrenden Unglücksfall aufs aufrichtigſte bedauern würde
Dein allzeit getreuer Vetter und Referendar
Kurt Heinſius.
Nachſchrift: Könnteſt Du nicht eventuell auch für mich
ſorgen und mir eins der Sechzigtauſendmarkmädel
reſer=
vieren? Ganz egal, ob die Thea, die Lotte oder die
Mizzi!
Frechdachs! ſagte der Doktor juris Bauer halblachend,
ſchloß den Brief in den Schreibtiſch, drehte ſeinen
Schnurr=
bart ein wenig flotter und blickte durchs Fenſter nach
einer Richtung, die — zufällig natürlich! — gerade die
Richtung war, wo Lotte Arnold herkommen mußte.
Die war jedoch ſchon näher, als er vermutete und
er=
wartete. Drunten an der Haustür ſtand ſie bereits und
be=
trachtete ſich vor dem Eintreten die ſchwarze Aufſchrift auf
dem ſchlichten, weißen Porzellanſchild: „Dr. jur. Hans
Bauer, Rechtsanwalt.” Hans alſo — Lotte fand dieſen
Vornamen hübſch. Und weiter betrachtete ſie ſich das
ein=
fache, ſaubere Innere des Hauſes, in dem ſie die paar
Treppenſtufen zum Parterre hinanſtieg — betrachtete ſich
den Korridor, der die Spuren nicht allzu vieler Fußtritte
auſwies — das Vorgemach mit den leerſtehenden
Stüh=
len für die Wartenden, wo ein junger Schreibgehilfe über
ſeine Maſchine hinweg den Fliegen nachguckte und der
Bureauvorſteher ihr eilig entgegenkam — erfaßte mit
ra=
ſchem Blick noch die nicht zu reichliche, wenn auch gediegens
und moderne Ausſtattung des Sprechzimmers, in das er
ſie geleitete, und hatte mit ihrem vom praktiſchen Leben
geſchulten Verſtand aus allem fertig ihren Schluß ge=
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Nummer 65.
Gardinen-
Spanner
Lold
„
Der Beste! Der Kleinste!
Der Billigste!
Mk. 3150
m.
Kieischannkuchfe h. H.
10 Ludwigstrasse 10
(5949
modern — in allen Preislagen.
Tel. 1705
Erstes Spezialhaus
(5946a
Tel. 1705
Empiehler
Schepeler’s Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade, Eier,
Butter, Käſe, Palmin und Palmona. (269a
Kolonialwaren zu bekannt billigen Preiſen.
L. Pabst, Dieburgerstr. 19, Ecke Stiftstrasse.
Grosser Eisschrank u. Restaurationsherd
Friedrich Händler,
Inh.: Math. Breunig, (*5832
Heidelbergerſtr., Ecke Sandbergſtr
neu,
Dipl.-Schreibtisch, ganz
eichen, 75 Mk., dazu paſſ.
Bücher=
ſchrank, auch einzeln (*5791df
Uhland, Hügelſtr. 29, Schreinerei.
Küſter für Gas u. Elektriſch,
3=, 4= u. 5flam., für 8 Mk., 20 Mk.
u. 25 Mk., verſchiedene
Beleuch=
tungskörper aller Art von 80 Pfg.
bis 6 Mk. G. Starck, Abteilung
Gürtlerei, Frankfurterſtr. 5. (*5723dfs
Hirsch-, Reh- und
Wildschwein-Braten
HASEN, auch geteilt
Schwere Lapins per Stück von Mk. 1.00 an
P
Wild-Ragout Pfd. 50 u. 60Pfg.
Geißlämmer, auch im Ausschnitt
FEir Krert SRikete
5963
HOFLIEFERANT.
Zann=Burten
Alle Sorten Zahn-Bürsten in nur bester Qualität. — Garantie
für jede Bürste. — Spezial-Bürsten Kosmodont und Ideal,
von Zahnärzten empfohlen, in allen Grössen vorrätig. (2592a
Parfümerie Fr. Tillmann
Telephon 2231.
Elisabethenstrasse 21
Schutz vor Bazillen
„Lassen Sie sich ja keinen losen
Feigen=
kaffee geben. Da können allerlei Bazillen
hineingekommen sein. Bringen Sie nur
Weber’s Feigen-Kaffee
in der bekannten Originalpackung mit
der Krone.‟
Weber’s Feigen-Kaffee wird nur in
Packun=
gen verabfolgt. Durch die geschlossenen
Kartons ist der Inhalt vor Vermischung
mit Staub und Bazillen geschützt. Das
40jährige Renommee der Weber’ſchen Marke
bürgt für die gute Qualität des Fabrikates.
zogen: Als Anfänger, den er ſich ſelber genannt, beſaß
der Doktor juris Bauer erſt einen geringen Zuſpruch
von Klienten und hatte es ſehr nötig, ſich tüchtig nach
ſeiner Decke zu ſtrecken und hauszuhalten, um mit ſeinen
Mitteln auszukommen, um nach außen hin ſtandesgemäß
aufzutreten; irgendwelchen Luxus, wie zum Beiſpiel den,
ein armes Mädchen zu heiraten, durfte er ſich unter keinen
Umſtänden erlauben.
Um ſo anerkennenswerter und netter von ihm war es,
daß er ſich der unbemittelten Ratſucherin heute wieder
mit demſelben, ja faſt noch größerem Eifer als beim
vorigen Mal widmete und eine ehrliche Mitfreude ſein
an=
genehmes Geſicht erhellte, als ſie ihm froh von dem erſten,
zu weiterem Hoffen berechtigenden Erfolg Bericht
erſtat=
tete und er ihn noch durch die von ſeinem Vetter erhaltene
Mitteilung ergänzte.
Alſo nun die Beweiſe. Was muß da geſchehen, Herr
Doktor? erkundigte ſie ſich geſpannt.
Hans Bauer hatte wieder einmal mit ganzer
Aufmerk=
ſamkeit in die braunen Augen ſeiner Klientin geguckt und
trotzdem nicht recht aufgepaßt.
Beweiſe? — Ja ſo, natürlich, Fräulein Arnold! Den
Totenſchein Ihres Großvaters, der ihn als einzigen Sohn
bezeichnet, haben Sie, nicht wahr? Wir müſſen alſo aus
den alten Vorberger Kirchenbüchern die Urkunden über
ſeine Geburt und über Geburt und Ableben Ihres
Ur=
großvaters Johann Kaſimir herſtellen laſſen. Ferner
müſ=
ſen wir für die ehemalige Exiſtenz von deſſen Bruder,
Ihrem Urgroßonkel, deſſen Abkömmling Ihrem Vermuten
nach der Erblaſſer war, die gleichen Beſcheinigungen auf
die gleiche Weiſe beſchaffen, durch Nachſuche und Auszüge
aus den Kirchenbüchern nämlich. Und drittens müſſen
wir ebenſo von Ihrem Urgroßonkel bis zu dem Erblaſſer
herab die Abkommenſchaft eruieren und dieſelben Belege
dafür ausſtellen laſſen.
Ach, Du großer Gott! Schwindelnd von dieſer
juriſti=
ſchen Auseinanderſetzung und völlig entſetzt über die
Un=
zahl der herbeizuſchaffenden Urkunden der ſämtlichen
Ka=
ſimirs ſank Lotte gegen die Lehne des Seſſels, in dem ſie
dem Doktor Bauer gegenüber ſaß. Das iſt ja ſchrecklich!
Ja, indeſſen leider ganz und gar nicht zu umgehen
und unerläßliche Bedingung für unſeren Erfolg, erklärte
der Doktor Bauer in einem Ton, der ſein aufrichtiges
Be=
auern verriet, Lotte Arnold dieſe umſtändlichen
Anfor=
derungen des Amtsgerichts nicht erſparen zu können. Aber
ſehen Sie, Fräulein Arnold, ich beſorge Ihnen den
gan=
zen Kram von A bis Z, laſſe Ihnen die ſämtlichen Geſuche
von meinem Schreiber herſtellen und fertigmachen, daß
Sie ſie nur noch morgen hier abholen und auf die Poſt
zu bringen brauchen, verſicherte er tröſtend.
Lotte fühlte ſich auch wirklich durchaus getröſtet und
hatte plötzlich wieder volles Vertrauen und ganze
Zuver=
ſicht, als der Doktor Hans Bauer ſo zu ihr ſprach. Nur
eine andere Sorge kam ihrem praktiſchen Sinn, und ſie gab
ihr offen Ausdruck:
Aber dieſe vielen Dokumente werden wohl eine
Menge Geld koſten?
Bezahlt müſſen ſie natürlich werden, gab ihr
ſachver=
ſtändiges Gegenüber zu, aber keines doch wohl mit viel
mehr als einer Mark. Und um Hundertachtzigtauſend
kann man ſchließlich ſchon was draufgehen laſſen, nicht?
Ja, freilich! geſtand ſie lachend zu, die
unvorherge=
ſehene Ausgabe machte ihr mit einem Male gar keine
Sorge mehr; es freute ſie nur, daß ſie die letzte kleine
Rate ihrer gemeinſamen Erſparniſſe noch nicht auf die
Sparkaſſe getragen hatte. Derart waren ſie doch nun
gerüſtet.
Sich zum Weggang erhebend, bot ſie ihrem Helfer in
unbefangener, aufrichtiger Anerkennung die Hand. Ich
vanke Ahnen herzlich, Herr Doktor!
Doktor Hans Bauer ſchüttelte dieſe Hand mit ſehl
viel Wärme.
Ich tue das alles ſehr gern, Fräulein Arnold. — Sie
wollen alſo ſchon gehen, haben gar nichts mehr zu fragen?
Lotte beſann ſich. — Nein, ich habe gar nichts mehr
zu fragen, mußte ſie antworten und warf, während ſie
ihren beiſeite geſtellten Sonnenſchirm aus dem
Garde=
robenſtänder nahm, zufällig einen Blick aus dem
Hinter=
fenſter des die ganze Tiefe des Hauſes durchmeſſenden
Zimmers. — Ach, wie ſchön!
Nicht wahr? — Raſch war Hans Bauer neben ſie an
dieſes ſelbe Fenſter getreten und deutete nach dem ziemlich
großen Garten hinaus, der mit ein paar hohen Linden,
Obſtſpalieren, farbenreichen Blumenbeeten und ſorgfältig
gehaltenen Gemüſe=Anlagen eine ſeltene Oaſe zwiſchen
den kahlen Höfen der Innenſtadt bildete. — Nicht wahr,
etwas dergleichen würde man hier nicht ſuchen? Iſt es
nicht hübſch?
Wunderhübſch! beſtätigte Lotte, die daheim immer alle=
Fenſter von Blumenſtöcken voll hatte, und konnte ihren
Blick nicht losreißen von einem dichten Buſch eigenartig
roter Geranien. — O, von dieſer Sorte hätte ich ſchon
lange gern einen Steckling gehabt! Ich bin eine ſolche
Gartenliebhaberin und habe mit allem, was ich einpflanze,
eine ſo glückliche Hand, bemerkte ſie erläuternd.
Ja, das glaube ich, ſagte Hans Bauer mit
Ueber=
eugung und dem lebhaften Hinzuſetzen: Aber den
Ab=
leger können Sie ja ſofort bekommen. Und ich darf Ihnen
dabei doch auch gleich einmal den Garten zeigen, nicht?
Ach, nein, das wird doch nicht gehen, erwiderte ſie
leicht errötend, ihre Gartenliebhaberei mitſamt der
Steck=
lingsſehnſucht aus Schicklichkeitsgründen heldenhaft
be=
zwingend.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 65.
Seite 15.
Frankfurter Kursbericht vom 5. März 1914.
Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. (Darmstädter Bank.)
taatspapiere.
Reichsschatzanw.
4 100,00
keichsanleihe p. 1918.
98,40
Wild. . . . . p. 1925 „
Wip. . . . . .
86,20
i.
77,50
i Bische Schatzanw.
90,50
Ssaffelanleihe.
90,15
consols . .
86,15
W. .
77,40
Rusche Staats-Anleihe
9550
.5. v. 92/94
89,95
ſo. ..
5400
Perische Ablös.-Rente. 4 97,00
1--B.-Anl. kdb. ab 1906) 4 97,10
Meh. unkdb. p. 1918 . . .
97,20
. unkdb. p. 1920
97,10
I.-B.- u. Alfgem. Anl.
unkdb. p. 1930 . . . .
97,10
(w. Anloihe
85,00
w. 41
75,70
iburger Staats-Anl.
96.70
o. v. 1887/94 .
88,80
D. .
79,80
Mbisische Staats-Anleihe 4 97,30
Fo. unkdb. p. 1921 . .
97,00
(s. . . ..
84,60
. .
74,80
Miinsische Staats-Rentel 3 77,60
Wirrttembg. Staats-Anl.
(unkdb. p. 1921). . . . 4 97,55
o. V. 79/80 . . . . . . . 3½ 88,10
lo.
.ete. . . . 3 7700
ugarische Gid.-Anl:. . 5
Risch: Anl. v. 1890 . . . . 1,6
Io. v. 1887 Monopoll13/ 53,50
a ienische Rente. .
Sterr. Staats-R. v. 1913 14½ 92.,70
Mo. Silber-Rente . . . .4½ 87,10
Ao. Papior-Rente . . . 4½
Jo. Gold-Rente . . . . . 4 89,70
Jo, einheitl. Ronte .1 4 8280
a-tug. Tab-Anl. 1891 . .4½ 97.10
Jo. inn. amort, 1905 . .4½ 74.90
Jo. unif. Serie I .
6206
do. „
64,60
, III.
do. Spezial Titel. .
9,70
Aumänen v. 1903 . .
100,20
Jo. Gold v. 1913.
91,40
do. Schatzsch. v. 1913.
1020
clo. conv. . . . .
1 8550
do. v. 1890 . . . .
9400
do. v. 1891 . . .
87.30
do. v. 1905 . .
85,65
do. v. 1908
do. v. 1910
1 86,00
ussische St.-Anl. v. 1905
98,90
do. kons. v. 1880
87,90
do. Gold v. 1890
do. v, 1902
90,70
mweden v. 1880.
do. v. 1886 .
Schweden v. 1890.
Serben steuerfrei
do. amort. v. 1895
Ba0
Türk. Egppt. Tribut .
do. kons. steuerfreie .
85,00
do. Admin, v. 1903 . .
77,00
do. unif. v. 1903 . . .
85,80
do. v. 1905. .
1300
Ungarische Staats-Rente
1913 unkdb. bis 1923 . . 4½ 90,90
Ungar. Staatsk.-Scheine
V. 1913₰
98,90
, „
do. Gold-Rente. .
83,40
do. Staats-Rente 1910.
82,10
do. „
Kr. 4 8240
Argent. innere Gold-Anl.
v. 1887 5
do, äußere v. 1890 .
599,50
do. Innoro v. 1888
4½ 95,50
do. äußere v. 1888 . . . 4½
do. v. 1897
Chile Gold-Anl. v. 1911
94,60
do. v. 1889 . . . . . . . .4½
do. v. 1906 . . . . . . . .4½ 92,30
Chines. St.-Anl. v. 1895.
98,90
do. v. 1896 . . .
88,20
do, Reorg. Anl..
do. v. 1898
Japaner . . ..
91,20
Innere Mexikaner .
62,60
Außere do.
81,0
Mexikan, Gold v. 1904 .
69,00
do. cons. . .
43,00
69,00
do. Irrigat.-Anleihe
67,20
Buenos-Aires Prov.
65,00
Tamaulipas .
Sao Paulo L.-B.
98,40
do. v. 1915 . . . ..
Siam v. 1907 . . . . . . . . . 4½ 96,60
Prioritäts-
Obligationen.
Südd. Eisenb.-Gesellsch.
v. 1895/97 zu
84,50
v. 1904 3½
Hess. Eisenb.-Akt.-Ges.
Oblig., gar. v. d. Stadt
Darmstadt.
94,15
Nordd. Lloyd-Obligat. . .4½ 99,50
Elisabethbahn .
Franz-Joset-Bahn: .
Prag-Duxer
72,50
Osterreich. Staatsbahn-.
do.
89,95
do.
do. Südbahn (Lomb.)
98,80
do. do.
72,50
do. do.
„ ..2010 52,10
77,65
Raab-Oedenburg . .
86,80
Kronprinz Rudolfbahn
Russ. Südwest . . . . . . . 4 85,90
Moskau-Kasan . .
do,
86,70
Wladikawkas. .
86,00
Rjäsan-Koslow.
Portugies. Eisenb. v.
68,80
do.
Livorneser .
69,80
Salonique Monastir.
62.90
Bagdadbahn
79,00
Anatolische Eisenbahn
91,25
Missouri-Pacitic
Northern-Pacific.
94,70
Southern-Pacitic . .
91,60
St. Louis & San Franc
Tehuantepec . . .
Ungar, Lokalbahn.
Provinz-Anleihen.
Rheinprov. Obl. Em. 20/21
96,20
do. Em. 10
86,30
do. . 9.
83,30
Posen Prov..
73½ —
Westfalen Prov. V.
96,00
Hess. Prov. Oberhessen .
96,50
do. Starkenburg .
86,30
Städte-
Obligationen.
Darmstadt.
4 94,80
do. .
3½ 88,00
Frankfurt .
4 96,0
1n
do. . . . . . . . . . . . . .3½ 89.00
Gießen . . . . . . . . . . . 4 94.50
do. . . . . . . . . . . ... .3½
Heidelberg . . . . . . . . . . 4 95,00
. . .3½ 86,40
Go. . . . . .
4½ 94.70
Karlsruhe .
3½ 87,50
do. . . . .
Magdeburg
95,00
Mainz . . .
do. ..
95,10
Mannheim
do.
86,50
München
9.,80
3½,
Nauheim
Nürnberg
95,40
do.
3½ 86,30
Offenbach .
4 95,50
do. v. 1914:
4
do.
3½
Wiesbaden
4
do.
.3½
Worms
do.
87,20
2
:
Lissabon v. 1888 . . . . . . 4
93,60
Moskau v. 1912 . . . . . . . 41
Stockholm v. 1880 . . . . . 4
Wien Komm. . . . . . . . . 5
Wiener Kassenscheine .4½ 98,80
Zürich v. 1889 .
Buenos Stadt v. 1892 . . . 6'101,50
Pfandbriefe.
Berliner Hyp.-Bk.-Pf.
100,00
do, unſäb. 1918. .
93,25
do.
1919. ..
94,00
do.
1921.
94.50
96,00
do.
1922. .
do. ..
83,50
do. Komm.-Obl. unk. 1918
95,25
Frankf. Hyp.-Bk.
do. unkäb. 1910:
95,00
1915 .
do.
96,00
96,50
1920 .
do.
de. Ser. 12—19. ..
3½ 86,40
Kommunal-Oblig. Ser. 1,
86,50
unkdb. 1910 .
Frankf. Hyp.-Kred.-Ver.
Sor. 15—42
94,00
48—49
94,80
do. . . . .
52
96,00
do. unk. 1922
88,50
do. „ 1918.₰
do. Ser. 45 .
86,50
Hess. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
96,70
Scr. 12, 13, 16
96.70
14, 15, 17
do. . . .
97,50
do. unkdb, 1920
97,410
1923
do. „
do. Ser, 1, 2, 6—8 .
84,20
84.10
do. „ 3—5 . . .
do. kündb. 1915.
§ 81.10
96,70
do. Komm, unk. 1913
40.
„ 1914) 4 96,70
1916 4 56.90
do,
1520) 4 97.70
do.
1923) 4 97,40
do.
do. verlosb. u. kündb..*3½ 84,65.
do.
unkäb. 1915 3½g 54 65
94,50
Meininger Hpp.-Bk. Pfdb.
do. unkdp. 1922.
8600
do. . . . . . . . .
Rheinische Hyp.-Bk. Pfb.
unkäb. 1917
94,50
1910
do. . .
94,50
94,401
1921
do. . . . . .
1924 4 96,20
do. . . . . .
*85,30
do. . . ...
95,20
do, Komm, unk. 1923 .
96,00
do.
1924
Südd. Bod.-Kred.-Pfdbr.
96,40
3½ 83,00
do, . .
Bank-Aktien.
Bank für elektr.
Unter-
nehmungen Zürich . . 10 194,501
Berg.-Märkische Bank. . 7½ 158,20
Berliner Handelsges. . . . 9½ 1162,50
Darmstädter Bank . . . . 6½ 123,20
Deutsche Bank . . . . . . .12½259,40
Deutsche Vereinsbank. . 6 123,00
Dt. Lfekt.- u. Wechs.-Bk. 6 (118.09
Disk.-Kommand.-Ant. . . 10 197,10.
Dresdner Bank .
5½/, (15800
Frankf. Hypothek.-Bankl 10 217.00
Mitteldeutsche Kred.-Bk.16½ 124,00
Nation.-Bank f. Deutschl.
(11690
Pfälzische Bank . . .
(128,50
Reichsbank
6.95 (141.00
Rheinische Kredit-Bank
(1300
A. Schaaffhaus. Bk.-Ver. .
(1057
Wiener Bank-Verein . .
½ (140,70
Aktien von
Trans-
vort-Anstalten.
Hamb.-Amerika-Packetf. 10 1143½/
Norddeutscher Lloyd.
125,55
Frankfurt. Schleppschiff. 4 1116,00
Stidd. Eisenb.-Gesellsch. . 6½ 1129,50
Anatol. Eisenb. 60%-Akt. 5½ 116,80
6 92.75
Baltimore . . . .
10 2161,
Canada . . . . . . .
Schantung:
7½ 1139,75
Prinz Henry.
§ 116100
Lombarden
0 22½
6 (115,00
Pennsylvania
Industrie-Aktien.
Badische Anilin-Fabrik . 28 1645,00
Chem. Fabrik Griesheim 14 (265,25
Farbwerke Höchst . . . . 30 1657,00
Ver, chem. Fabr. Mannh.. 20 343.50
Zement Heidelberg ... 10 (15290
Chemische Werke Albert 30 457,00
Holzverkohl. Konstanz . 15 1319,25
Lahmeyer
6, 127,60
Schuckert, Nürnberg . . . 8 1511/
Siemens & Halske.
12 (21775
5. (125,50
Bergmänn Elektr. .
Allg. Elektr.-Gesellsch. 14 247,05
25 (338,50
Hagen Akkum. . .
Deutsch. Übersee-Elektr. 11 (177.70
0 *81,50
Gummi Peter . . . .
Adler-Fahrradwerke . . . 30 373,00
Maschinenfabr. Badenia. 9 1130,00
Wittener Stahlröhren.
Gasmotoren, Oberursel .8½ 1161,75
Gasmotoren, Deutz . . .
124,00
Siemens Glas-Industrie . 15
23 (32250
Enzinger Filter . . .
Steaua Romana .
10 1150,30
Zellstoff Waldhof. . .
15 225,00
Bad. Zucker-Waghäusel. 12,831213.50
3720
Neue Boden-Aktien-Ges.
Süddeutsche Immobilien O
61,50
Bergwerks-Aktien.
Aumetz-Friede .
12 167,00
Bochum. Bergb. u. Gußst. 14 (225,00
Leonhard, Braupkohlen. 9 1158,00
Konkordia Bergbau
23 344,00
Deutsch-Luxemb. Bergb. 10 1142,60
Eschweiler . . . . . . . . . . 10 221,80
pr.
Gelsenkirchen Bergw. . . 10 195,75
Harpen Bergbau . . . . . .11 187,25
Kaliwerke Aschersleben . 10 1159,00
Kaliwerke Westeregeln .13 (203,00
Königin Marienhütte . . 6 86,00
Laurahütte . . . . . . .
§ (159,50
Oberschles. Eisenbed.
6 89,00
Oberschl. Eisen-Industrie 3 68,90
Phönix Bergbau . . .
18 242,90
Rheinische Braunkohlen 10 213,00
Riebeck Montan . . . . . . 12 197,20
South West.-Afr. Shares 5
Verzinsliche
Anlehenslose. (Zt.
Badische .
Tlr. 100 4 (179,75
Cöln-Mindener . TIr. 1003½
Holländ. Komm. . H. 100 3‟ —
Madrider
. Frs. 100 3 —
Meininger Präm.-Pfdbr.. 4 141,50
Osterreicher 1860er Lose . 4 180,80
Oldenburger. . . . TIr. 40 3 (129,60
Raab-Grazer . . . . H. 150/2½110,60
Unverzinsliche
Mk.
Aulchenslose.
ſp. St.
Augsburger .
. A. 7
Braunschweiger .
. Tlr. 20 203,00
Fs. 45
Mailänder .
do.
. Fs. 10
Meininger
. . . A. 7 35,00
Osterreicher v. 1864 . H. 100
do. v. 1858 . H. 100
H. 100 438,50
Ungar. Staats . .
Fs. 30
Venediger . . . ..
Türkische . . . . . . Fs. 400 167,40
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns. . .
20,41
20-Franks-Stücke . . . .
1626
Amerikanische Noten . .
14,195/
2046
Englische Noten . . . . . .
Französische Noten. . .
8125
Holländische Noten . .
169,45
8105
Italienische Noten . . .
Osterr.-Ungarische Noten . . 85,10
Russische Noten . . . . . . .
Schweizer Noten . . . . . . .
81,15
Reichsbank-Diskont .
do. Lombard 2ak:
Tendenz:
Lustlos.
handel und Verkehr.
— Frankfurt=a. M., 5. März. (Börſe.) Unter
ſſhem Einfluß beſſerer Neu=Yorker Kurſe und auf günſtigere
eurteilung der Lage in Paris eröffnete der hieſige Verkehr
u etwas feſteren Kurſen. Eine weitere Stütze, beſonders
ür Montanwerte, bot der beſſer gehaltene Bericht des Iron
ge über die Lage der amerikaniſchen Eiſeninduſtrie.
Bank=
illien lagen ruhig; Deutſche Bank=Aktien auf günſtigen
Aöſchluß 1 Prozent gebeſſert. Elektriſche Werte mußten
nachgeben. Größeres Geſchäft konnte ſich auch heute auf
einem Markt etablieren und die Kurſe bröckelten im
wei=
lieren Verlaufe ab. Die Kurſe der Kaſſawerte mußten
eben=
fallls meiſt um Kleinigkeiten nachgeben.
— Generalverſammlung der
Darm=
lſtädter Volksbank, eingetragene
Genoſſen=
ſſchaft mit beſchränkter Haftpflicht. Die Mitt,
noch abend in den Fürſtenſaal einberufene
Generalver=
ſammlung war von über 60 Mitgliedern beſucht.
Zu=
nrichſt berichtete der Leiter der Verſammlung, gleichzeitig
Lorſitzender des Aufſichtsrates, Herr Ludwig Roll, über
dre Tätigkeit dieſes Verwaltungsorganes im
abgelaufe=
nen Jahre. Durch eine Reviſionskommiſſion hat es eine
Lreihe unangemeldeter Reviſionen vorgenommen, auch hat
ſch der geſamte Aufſichtsrat an der Inventuc beteiligt.
Lulsdann erläuterte der Direktor Stein eine Reihe im
eedruckten Geſchäftsbericht mitgeteilter Angaben und
Jahlen. Er wies darauf hin, daß das Kreditgeſchäft der
Bank auf das Blühen und Gedeihen des Bauhandwerks
engewieſen ſei, das unter der Ungunſt der letzten Jahre
zu leiden hatte, ſo daß das Kreditbedürfnis naturgemäß
imſtatt geſtiegen etwas gefallen ſei. Von einer Belebung
iees Baumarktes ſei im abgelaufenen Jahre nichts zu
verſpüren geweſen, weder hier noch in anderen Städten.
Wie im Jahre 1912, ſo war auch in 1913 das Geld knapp
und teuer. Die Not, II. Hypotheken zu erhalten, war
nach wie vor groß; ſie ſei heute noch in gleichem Grad
vörhanden. Erſte Hypotheken wurden von den meiſten
Reallredit=Inſtituten nur gegeben mit erhöhten
Zins=
ſäitzen und mit dem Verlangen erheblicher
Geldbe=
ſchaffungskoſten für neue wie für prolongierte Hypotheken.
Schon früher habe Redner die Vorteile der
Tilgungs=
bypotheken gegenüber den feſten Darlehnshypotheken
her=
vorgehoben, er wolle dies auch heute wiederholt tun. Wer
eine Tillgungshypothek auf ſeinem Grundſtück habe und
ſeine Verpflichtungen erfülle, werde ſchwerlich eine Not
per II. Hypotheken kennen. Es ſei eine wirtſchaftliche
Not=
wendigkeit, daß, wer Schulden mache, ſie auch im Ver=
Hältnis zu ſeiner Leiſtungsfähigkeit in regelmäßigen
Raten wieder tilge. Auch die Staaten hätten dazu
über=
gehen müſſen die allmähliche Rückzahlung ihrer im Laufe
Der Zeiten ſehr angeſchwollenen Rentenſchulden in die
Wege zu leiten. Redner verwies auf die geringen
Er=
ſiolge, die die 4prozentigen Anleihen von 1912 und 1913
und die 4prozentige Bayeriſche Staatsanleihe, die im
Dezember 1913 herausgekommen ſei, gehabt hätten; er
werglich hiermit das über alles Erwarten günſtige
Zeich=
rungsergebnis der vor kurzem ausgegebenen Preußiſchen
werlosbaren Schatzſcheine. Erfreulich ſei der Anfang
wieſes Jahres erfolgte Umſchwung in der Bewertung
unſerer deutſchen Anlagepapiere, an denen in den letzten
Jahren viel Geld verloren gegangen ſei. Man dürfe
hhoffen, daß das Jahr 1914 für die Geſchäftswelt wieder
billigere Zinsſätze bringe, daß dieſe Verbilligung der
Zinsſätze auch dem Hypothekenmarkte und weiter auch
dem Baugewerbe zugute komme. Abgeſehen von der
Ueberproduktion und den in allzu ſtarkem Grade
einge=
fführten Steuern und ſonſtigen Abgaben, liege der
Schwer=
punkt für die Not der Hypothekengelder und für das
Da=
miederliegen des Baugewerbes in der ſeitherigen
Geld=
knappheit und Geldteuerung, in dem Aufſchwung der
In=
duſtrie, die die Kapitalien an ſich gezogen hat, und die
die Kapitaliſten zum Erwerb von Aktien und zur
Ab=
ſtoßung ihrer Anlagewerte wozu die Hypotheken zählen,
angeregt hat. Nur in billigen Geldzeiten wird der
Privatkapitaliſt ſich wieder dem Hypothekenmarkte
zuwen=
den. Bei dem jährlichen Zuwachs von etwa 800000
Men=
ſchen, den Deutſchland aufzuweiſen hat, müſſe ſich das
Wohnungsbedürfnis ſteigern, wodurch das Baugewerbe
wieder angemeſſene Beſchäftigung finde; nur müßte
ver=
hütet werden, daß mittelloſe Leute wieder draulos bauen
und bei Banken zu willfährigen Kredit erhalten, daß
Spe=
kulanten einen großen Teil des Baugeländes aufkaufen,
dadurch den Grund und Boden verteuern, und ſo der
Ge=
ſundung der Bautätigkeit entgegenwirken. Staat und
Stadt könnten durch ihre Bodenpolitik preisregulierend
wirken. Sie ſollten kein Baugelände an
Grundſtücks=
ſpakulanten verkaufen, ſondern nur an
kreditwür=
dige Baugewerbetreibende oder an ſolche Perſonen, die
eine angemeſſene Anzahlung leiſten und ſich verpflichten,
innerhalb einer gewiſſen Friſt zu bauen. Redner bekannte
ſich dann zu den Grundſätzen, die Herr Reichsbank=
Präſi=
dent Havenſtein vor einigen Jahren und neuerdings
wieder über Kreditgewährung und über Liquidität
aus=
geſprochen hat. Mit Genugtuung hob er hervor, daß ſich
die Volksbank von ungeſunder Kreditgewährung ſtets
fern gehalten habe, deshalb habe die Volksbank keine
weſentlichen oder überhaupt keine Verluſte im
Kredit=
geſchäft zu verzeichnen. Here Stein erwähnt den
gün=
ſtigen Stand der ſofort greifbaren Mittel gegenüber den
Verbindlichkeiten der Bank, ebenſo das günſtige
Verhält=
nis zwiſchen eigenem Vermögen und fremdem Kapital
und zwiſchen Reſerven und Betriebskapital und zwiſchen
Reſerven und Geſchäftsanteilkapital.
Mit dem Wunſche daß das Inſtitut ſich weiter günſtig
entwickele, wozu die Mitglieder durch Ueberweiſung ihrer
Geſchäfte an es beitragen könnten, und mit einem
Hin=
blick auf die von Staat und Stadt und der Induſtrie
ge=
planten Bauarbeiten, ſowie auf die Vorteile, die ſich für
die hieſige Geſchäftswelt aus der in dieſem Jahre
ſtatt=
findenden Ausſtellung auf der Mathildenhöhe ergeben
würden, ſchloß Redner mit Worten des Dankes an den
Aufſichtsrat und an die Beamten der Bank ſeinen mit
Beifall aufgenommenen Vortrag.
Geſetzlicher Beſtimmung gemäß wurde die Volksbank
im vergangenen Oktober von dem Reviſor des Verbandes
revidiert. Der Bericht der ſich über die Geſchäftsführung
und die Geſchäftseinrichtungen der Genoſſenſchaft ſehr
an=
erkennend ausſpricht, kam zur Verleſung. Die Bilanz
wurde alsdann genehmigt, ebenſo die vorgeſchlagene
Gewinnverwendung und die Entlaſtung der
Verwaltungsorgane. Herr Direktor Stein kam auf die
Verhandlungen in der Zweiten Kammer in der die
Ge=
werbeſteuerpflicht, die für die Genoſſenſchaften durch das
neue Gemeinde=Umlagengeſetz ſeit 1. April vorigen Jahres
eingetreten iſt, zu ſprechen, und betonte, daß es wohl
ge=
recht und billig ſei, die Genoſſenſchaften zu den Laſten
der Gemeinden beitragen zu laſſen, daß aber die Wirkung
der Gewexbeſteuer bei zeinzelnen Genoſſenſchaften, wie
ihm gemeldet worden ſei, zu ſtark in die Erſcheinung trete,
und daß man bei ihnen die Steuerſchraube nicht zu ſehr
anziehen dürfe, da gerade bei den Kreditgenoſſenſchaften
der Steuerdruck wieder von den Gewerbetreibenden und
der Landwirtſchaft indirekt verſpürt werde. Herr
Nachti=
gall ſchloß ſich dieſen Ausführungen an, indem er noch
hin=
zufügte, daß Herr Abg. Ulrich in einer der letzten
Kammer=
verhandlungen die Genoſſenſchaften als Steuerſubjekte
der Regierung beſonders empfohlen habe.
Einen ſehr anſchaulichen und intereſſanten Bericht
er=
ſtattete Herr Glaſermeiſter Ludwig Werner über den
Allgemeinen Genoſſenſchaftstag in Poſen, der beſonders
für die Teilnehmer aus dem Weſten ſehr wertvoll geweſen
ſei. So hätten ſie bei dieſer Gelegenheit auch einmal die
Verhältniſſe in der Oſtmark, wenn auch nur flüchtig,
kennen gelernt.
Herr Stadtv. Hammann wies im Anſchluß an den
Vortrag auf die wirtſchaftliche Kraft der Schulze=
Delitzſch=
ſchen Genoſſenſchaften hin. In den Aufſichtscat wurden
an Stelle der ausgeſchiedenen Mitglieder neugewählt die
Herren Philipp Baumann, Ludwig Roll, Juſtus Weber,
Ludwig Werner.
— Darmſtadt, 5. März. Laut dem ſoeben
er=
ſchienenen Verwaltungsbericht der
Reichs=
bank für das Jahr 1913 betrug der Geſchäftsumſatz bei
der hieſigen Reichsbankſtelle im Giro= und
Anweiſungsverkehr 637090 200 Mk., im Wechſelverkehr
56 582600 Mk., im Lombardverkehr 10334500 Mk., zu=
ſanten Kaldtrah dit gegen erortich mit inr Zahe
1912.
* Berlin, 4. März. In der heutigen Sitzung des
Aufſichtsrats der Deutſchen Bank in Berlin
wurde die Bilanz per 31. Dezember 1913 vorgelegt und
genehmigt. Der auf den 31. März einberufenen
General=
verſammlung wird die Verteilung einer Dividende
von 12½ Prozent (wie im Vorjahre) in Vorſchlag
ge=
bracht, unter Erhöhung des Gewinnvortrags um Mark
1247162,81. Die Geſamtumſätze beliefen ſich auf 129
Milliarden Mark (gegen 132 Milliarden Mark im
Vor=
jahre); es betrugen am 31. Dezember 1913 die
Haupt=
poſten des Abſchluſſes einſchließlich der Filialen: Aktiva:
Kaſſe, fremde Geldſorten und Kupons: 1913: 90348302
Mk. (1912: 88823876 Mk.) Guthaben bei Noten= und
Abrechnungs=Banken 37100602 Mk. (35838 490 Mk.)
Wechſel und unverzinsliche Schatzanweiſungen 639 402212
Mk. (646 912649 Mk.), Noſtroguthaben bei Banken und
Bankfirmen 61734631 Mk. (72715199 Mk.), Reports und
Lombards gegen börſengängige Wertpapiere 233 226705
Mk. (240 198323 Mk.), Deutſche Schatzanweiſungen
110341815 Mk. (61097100 Mk.) eigene Wertpapiere
(darunter für 21,3 Millionen Deutſche Staatspapiere)
50 859807 Mk. (52315091 Mk.), zuſammen 1223014074
Mk. (1 197900 730 Mk.). Vorſchüſſe auf Waren und
Waren=
verſchiffungen 216 769037 Mk. (232249780 Mk.), davon
am Bilanztage gedeckt a) durch Waren, Fracht= oder
Lager=
ſcheine 66 928823,46 Mk., b) durch andere Sicherheiten
60 648 745,63 Mk., Debitoren in laufender Rechnung a)
ge=
deckte durch börſengängige Wertpapiere 348 735294 Mk.
(373 616876 Mk.), b) durch andere Sicherheiten 163 705560
Mk. (171319160 Mk.), c) ungedeckte 126019342 Mk.
(125 361 179 Mk.), Konſortial=Beteiligungen 53 462 472 Mk.
(49 418750 Mk.), dauernde Beteiligung bei anderen Banken
und Bankficmen 82 469 426 Mk. (78 597977 Mk.),
Bankge=
bäude in Berlin, Augsburg, Bremen, Brüſſel, Dresden,
Frankfurt am Main, Hamburg, Leipzig, München,
Nürn=
berg, Wiesbaden und London 31500000 Mk. (31500000
Mark). Paſſ iva: Kreditoren: a) Noſtroverpflichtungen
1824563 Mk. (2013 559 Mk.), b) Guthaben deutſcher
Ban=
ken und Bankfirmen 129702 479 Mk. (108616 723 Mk.),
c) Einlagen auf proviſionsfreier Rechnung 899006 740 Mk.
(869817394 Mk.), d) ſonſtige Kreditoren 549 512009 Mk.
(593 003601 Mk.), zuſammen 1580 045 791 Mark
(1573 451278 Mk.). Noch nicht eingelöſte Schecks
16624284 Mk. (15055 117 Mk.), Akzepte (Zentrale)
67712367 Mk. (83482835 Mk.) Akzepte (Filialen)
216 366 444 Mk. (228 763 498 Mk.) Aktienkapital 200 000 000
Mk. (200000000 Mk.), Reſerven 112500000 Mk.
(110000000 Mk.). In den Aktiven ſind enthalten Deutſche
Schatzanweiſungen und Schatzwechſel, Anleihen des Reichs
und der Bundesſtaaten im Buchwert von 167,6 Millionen
Mark Das Jahreserträgnis betrug brutto
68 307 136 Mk. (1912: 66 340 384 Mk.), wozu der vorjährige
Gewinnvortrag von 3019750 Mk. tritt. Für Gehälter,
Gewinnanteile an Vorſtand und Beamte, Steuern und
ſonſtige Handlungsunkoſten wurden verausgabt 30 844914
Mk. (im Vorjahre 30 137765 Mk.). Aus dem
Rein=
gewinn von 35745407 Mk. (34348 244 Mk), wird
vor=
geſchlagen: der Reſerve B zu überweiſen: 2500000 Mk.
(wie im Vorjahre), zu Abſchluß=Gratifikationen an die
Beamten zu verwenden 3000 000 (2850000 Mk.), 12½
Pro=
zent Dividende zu verteilen 25000000 Mk. (wie im
Vor=
jahre) und auf neue Rechnung vorzutragen 4 266.912 Mk.
(3019750 Mk.) Aus dieſem Vortrag wird der auf das
neue Jahr entfallende Teil des Wehrbeitrags zu zahlen
ſein. Durch die obige Zuweiſung erhöhen ſich die
bilanz=
mäßigen Reſerven auf 115000 000 Mk. — 57½ Prozent
des Aktienkapitals von 200 000 000 Mark.
Literariſches.
— Anſtandslehre. Ein Ratgeber in allen Fragen
des ſchönen Benehmens von M. Ermann, 3. umgearbeitete
Auflage. Preis 65 Pfg. Zimmermannſcher Verlag,
Chemnitz, Annenſtraße. Vorliegendes Werkchen erfüllt ſein
Verſprechen und lehrt in kurzgefaßter, doch klarer Form,
wie man ſich als gebildeter Menſch zu benehmen hat. Ein
ſchönes Benehmen iſt überall der beſte Empfehlungsbrief,
deshalb ſollte Jedermann trachten, ſich die heutigen Regeln
des guten Tones anzueianen.
Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Nummer 65.
uetchen
I
von besenderer Preiswardigteit!
In
Materiar!
Maschinengarn, farbig, Rolle 8₰
Maschinengarn, 500 Vards,
Nr. 24—60
. . Rolle 16 ₰
Maschinengarn, grobe Num.
500 Tards
20 ₰
Untergarn, 1000 Fards, Rolle 25 ₰
Leinen-Zwirn .
Stern 5
Reihgarn . . kleine Spulen
grosse Spulen 18
Gutermann-Nähseide, Stern
Knopflochseide
. Rolle
. Brief
Nähnadeln .
Maschinen-Nadeln, Dutzend 30₰
Stecknadeln . . 150 Stück
2 Stück
Fingerhüte
Schneiderkreide . . Stück 1
Zentimeter-Masse . von 5 ₰ an
Knopfformen, Dutzend von 2₰ an
Bleiplomben . 2 Stück von 5 ₰ an
Haken u. Oesen, schwarz, Pack 3 ₰
Druckknöpfe Dutzend von 5 ₰ an
Rocklitze, schwarz u. farb., Mtr. 8 ₰
Taillenband . . . 4 Meter 15 ₰
Rockbund . . . . Meter 15 ₰
Rockbund, rund . . Meter 25 ₰
Armblätter . 2 Paar von 15₰ an
Kopierrädchen . . . . . 20 ₰
Fischbein Dutzend von 20 ₰ an
Taillenstäbe Dutzend von 18 ₰ an
Hakenleisten . . . . Stück 8 ₰
Gelegenheits-Posten:
1 Posten farbige
Gummigürtei
1 Posten
Stück
Stück
Diverses:
Haarnadeln, lackiert 2 Pack 1
Lockennadeln . . . 2 Pack 1₰
Porzellan-Hemdenknöpfe Dtzd. 1₰
Kragenknöpfe . Stück von 2 ₰ an
Hosenschnallen
Westenschnallen
Kettenaufhänger
Wäscheknöpfe .
Stopfgarn . . .
Stück 1 ₰
. . Stück 1₰
Stück 1 ₰
Dtzd. von 6 ₰ an
. von 10 ₰ an
Schuhriemen . Paar von 3 ₰ an
Schuhriemen für
Halb-
schuhe, Macco Paar von 25 ₰ an
Hut-Gummiband Mtr. von 3 ₰ an
Stopfwolle . . 5 gr. Rollen 5 ₰
Stopfnadeln, Brief 25 Stück 10 ₰
Halbleinenband Stück von 5 ₰ an
Strumpfbandverschluss Paar 15 ₰
Zwirnknöpfe Dtzd. von 18₰ an
Samt-Gummigürtel
Stück 25 ₰ Schwarze
Damen-Lackgürtel
von 20 an 1 Posten Rock-Volant in medernen Farben Perlmutt-Knöpfe
Karte à 2 Dutzend
15₰ 25₰ 28₰ 38 ₰ 2½ Mtr. Band
in verschiedenen Farben 35 Kinderkrager
reizende Sachen . . von 30an Damen-Stickereikragen
von. 20an Meter
. ül. u. Harhlcſtile
von 75 an
Wäschebesatz 10 Meter-Stücke . . . 18 ₰
mmmimiimmminmnmmmmmmmmmmmmmmmmmhmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmimmmmmmmmmmmmmmmmmm
Besatz- und Zierknöpfe jeder Art,
Perl-
mutt-, Steinnus-, Horn-, Jett-, Metall-,
ICrlUDe Posamentrie-, Samt- u. Tressen-Knöpfe.
(5971
Gebr.Rtothschild Rearkt
eNoLer22
Anerkannt gutes Fabrikat.
Unerreicht in Qualität und Preis.
Spezialmarke in Chevreaux,
Box- und Lackleder.
Jedes Paar
5337a)
Darmstadt, Ludwigstrasse 6.
Lauteſchlägerſtr. 18, p.,
ſind folgende Gegenſtände
zu verkaufen:
1 Kleiderſchrank (Itür. m.
Spiegel=
ſcheibe), 1 Vertiko, 1 Nachttiſch m.
Marmorplatte, 1 Paar
Fenſter=
gardinen (Größe 3.50X1,35mi,
dazu 1 graue Leinengarnitur m.
Beſatz, 1 Rouleau=Holzgewebe
(Größe 2.75 X1.45m), 1 desgl. (Größe
2.65X1.65 m).
(*5907
Kalbsbraten
ſchauamtlich unterſucht u. geſtemp.
Pfund 42 Pfg., empfiehlt Gerull,
Skuldeinen, P. Kaukehmen (Oſtpr.)
Bielfachen Wünſchen
nachkommend, gebe ich Essen
über die Strasse ab. Auch
vegetariſch. Frl. J. Friedrich,
(5973fi
Frankfurterſtr. 74.
Für günſt. geleg. Wirtſchaft mit
7 3 Zimmerwohn. werd. tüchtige
geſ. Kaution
Wirtsleute von 500 Mk.
muß geſtellt werden. Offert. unt.
R 5 an die Exp. (5921fs
Wäſche zum Waſchen
wird angenommen. Große Stücke
10 Pfg., kleine Stücke 4 Pfg.
5284a) J. Plößer I., Malchen.
Junger Mann
29 J., kath. in geſ. Stellung, 1700
Mk. Einkommen, 10 Mille Verm.,
ſucht Bekanntſchaft mit liebev.
verm. häusl. Fräulein
zwecks Heirat.
Offerten unt. R. O. 48 poſtlag.
5850
Poſtamt I.
Kanarienhähne u. Weibchen
billig zu verk. Marktpl. 11½, III. r.,
Eingang Marktſtraße.
(*5904
Ein anſtändiger Arbeiter
Witwer, 47 J. alt, mit einem Kind,
wünſcht Dienſtmädch. od. Witwe
nicht unt. 35 J., o. Kind., mit etw.
Verm., wenn mögl. v. Lande, zwecks
bald. Heirat kennen zu lernen. Off.
unt. P 63 an die Exp. (*5674dfs
D 69, Sperrsitz
4. Reihe, für den Reſt der
Spiel=
zeit abzugeben
(5959fs
Eliſabethenſtraße 5, 1. St.
Verloren
eine Achatbroſche mit ſilbernem
Rändchen gefaßt. Abzug. gegen
(*5921
gute Belohnung.
Hoffmannſtraße 15.
Veriorent
1 gold. Ohrring mit 1 bunten
Stein u. mit 8 kl. weißen Steinen
umgeben, abzugeben gegen gute
Belohnung Wilhelmſtr. 36. (*5851
Verloren
Samstag nacht (Turnhalle
Woogs=
platz) ein Leder=Cigaretten=Etuis
mit Monogramm J. K. u. ſilb.
Beſchlägen. Der ehrliche Finder
wird gebeten, dasſelbe gegen
Be=
lohnung Hölgesſtraße 11, parterre,
abzugeben.
(5801mf
Altes Gold
Brillanten, Platin und Silber
kauft zum höchſten Wert (4002a
Juwelenhandlung Kurtz
Pädagogſtr. 2. — Telephon 1202.
Zahle Höchste
Preiſe für getr. Kleider, Schuhe,
Wäſche uſw. Poſtkarte gen.
A. Hochmann
Kleine Ochſengaſſe 16. (5329omf
Kaufe gebr. Möbel
ganze Wohn.=Einricht. u. Nachläſſe
gegen ſofortige Kaſſeun
Jul. Lich, Alexanderſtr. 3. (3419a
Kaufe Möbel
Wohnungs=Einrichtungen und
Nachläſſe, ſowie antike Sachen
gegen ſofortige Kaſſe (4265a
L. Schuchmann, Woogsſtr. 5.
25 Mark
und mehr zahle ich für getragene
Kleider, Stiefel, Uniformen,
Zahn=
gebiſſe uſw. (5306a
Zarnicer, Kleine Bachgaſſe 1.
Komme auch nach auswärts. 4
Ich kaufe
getr. Herren= u. Damen=Kleider,
auch Stiefel, Bettfedern, Gold,
Silber ꝛc. Zahle Ihnen ſtets
kon=
kurrenzl. Preiſe. Der erſte Verkauf
überzeugt Sie. Poſtkarte genügt.
Max Schnitzer, Schloßgaſſe 33.
(5303s
Telephon 2097.
Bis zu 30 Mark
zahle ich für getr. Herrenkleider.
Schuhe, Zahngebiſſe ꝛc. (*5691dfs
Kletzewski, Schloßgaſſe 29.
Poſtkarte genügt.
Haare
ausgekämmte und abgeſchnittene,
kauft fortwährend zu den höchſten
(1736a
Preiſen.
G. Kanzler, Friſeur, Marktſtr. 3.
In kaufen geſucht
1 Zwillings=Kinderwagen. Off.
mit Preis unt. R 16 Exped. (*5871
Tuche billiges Motorrad. Off. u.
K 32 an die Exp. (*5911fi
Kleiderſchrank und 1
Waſch=
tiſch nur aus der Hand zu
kaufen geſucht. Offert. unt. R 25
(*5896
an die Expedition.
zu kauf. geſ.
Schreibmaſchine Angebote mit
Schriftprob., Fabrikat u. Preis w.
berückſicht. Off. u. B 28 Exp. (*5906
Zweite Kammer der Stände.
94. Sitzung.
St. Darmſtadt, 5. März.
Am Regierungstiſche: Staatsminiſter Dr. v. Ewald,
Eenanzminiſter Dr. Braun, Miniſter des Innern
. Hombergk zu. Vach, Staatsräte Dr. Becker, Lor=
Bacher, Miniſterialräte Hölzinger. Dr. Weber,
Reh. Oberfinanzräte Dr. Rohde, Seip, Geh. Lega=
Ilionsrat Dr. Neidhart.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um 9¼ Uhr.
ie Generaldebatte über die Regierungsvorlage, den
Hauptvoranſchlag der Staats=Einnahmen und=Ausgaben
im Etatsjahre 1314
Abetreffend wird fortgeſetzt. Abg. Schott: Aus den
End=
zhlen des Budgets erſieht man, daß dieſe von Jahr zu
Jahr gewachſen ſind. Wie im ganzen wirtſchaftlichen
Neeben, ſtiegen auch fortgeſetzt die Ausgaben für den
Etaatshaushalt denen vielfach die Einnahmen nicht Stich
halten. Das Bild des gegenwärtigen Voranſchlags iſt
deſſenungeachtet infolge ſparſamen Wirtſchaftens ein recht
erfreuliches. (Redner bleibt im weiteren vielfach
unver=
ſtäindlich.) Er beſpricht dann den Niedergang der
Renta=
halität der Schälwaldungen. Die Gemeinden, die
dar=
unter zu leiden haben, ſeien ſehr zu bedauern, da der
L-ebergang zum Hochwaldbetrieb ſich nur ſehr langſam
rollziehen kann und ſehr koſtſpielig iſt. Auch ſonſt
wach=
ſen die Belaſtungen der Gemeinden durch alle möglichen
Unforderungen fortgeſetzt. Rheinheſſen ſei in ſeinem
Ver=
taögensbeſtand zurückgegangen durch ſchlechte Weinernten.
Der Ausfall, den dieſe in den letzten Jahren vor 1911 und
dach dieſem erbracht haben, kann kaum mehr eingeholt
Derden. Wenn auch ein gutes Weinjahr erhebliche
Ein=
r ahmen bringt — 1911 brachte für Rheinheſſen 23
Millio=
pen —, ſo muß dabei doch in Betracht gezogen werden,
daß die Unkoſten für die Bebauung der Weinberge ſehr
erheblich geſtiegen ſind. Auch das neue Weingeſetz hat
dazu beigetragen. Weiter klagen die Landwirte über die
Anverkäuflichkeit der Braugerſte, die hervorgerufen ſein ſoll
durch die ausländiſche Konkurrenz. Es wäre ſehr
inter=
eſſant, zu erfahren, ob das zutrifft. Die Kartoffelpreiſe
ſind ſo niedrig, wie ſeit 30 Jahren nicht. Die Viehzucht
hat eine Zunahme erfahren; aber es iſt feſtgeſtellt worden.
daß, um den für Deutſchland erforderlichen Milchbedarf
ganz zu decken, noch 50—60 000 Stück Milchkühe
erforder=
lich ſind. Die Klagen über Arbeitermangel im
Landwirt=
ſchaftsbetrieb nehmen immer noch zu. Durch all dieſes
ſommt der bäuerliche Mittelſtand in Gefahr, und nur das
Großkapital, der Großbetrieb vermag ſich zu behaupten.
Zu dem Antrag Ulrich, 50 000 Mark zur Errichtung der Ar=
Heitsloſenverſicherung in das Budget einzuſtellen, bemerkt
Redner, in einer Zeit, wo noch 100000 Sachſengänger und
200 000 Arbeiter aus dem Auslande in deut=
Ichen Betrieben beſchäftigt werden kann man ſolchem
An=
grag nicht zuſtimmen. Es muß erſtrebt werden, zunächſt
die deutſchen Arbeiter in Deutſchland zu beſchäftigen. Die
Zahl der Arbeitsloſen wird meiſt ſehr übertrieben
darge=
ktellt. Auch einem Geſetz zum Schutze der Arbeitswilligen
Sann ich nicht zuſtimmen. Redner klag: kann darüber, daß
den kleinen Landſtädten ſo manches genommen wird, an
das ſie ſeit Jahrzehnten gewöhnt ſind.
Abg. Eißnert kommt auf die geſtern beſprochene
Offenbacher Säuglingspflege zurück. Die geſtern von
dem Herrn Miniſter des Innern gegebene Darſtellung ſei
micht ganz richtig. In der Hauptſache ſind es nämlich
Säuglinge, die hier als Pflegekinder unter ſechs Jahren
in Betracht kommen. Da ſolle die Polizei ihre Finger
da=
won laſſen. Es wäre beſſer, der Stadtverwaltung dieſe
FFürſorge zu überlaſſen. Redner kommt dann ebenfalls auf
rdas Budget zu ſprechen. Durch die Vermögens=Veranlag=
Generalpardons würden auch die
Ein=
kotmenſtenern ſteigen, da ſa doch die Zinſen zu dem
Ein=
kommen geſchlagen werden. Es wäre bedauerlich, wenn
die Regierung ſich zu dem Antrag auf
Arbeitsloſenverſiche=
rung ſich dem Standpunkte des Abg. Schott anſchließen
würde. Die Arbeitsloſenunterſtützung ſoll nur ſolchen
Ar=
beitern zugute kommen, die tatſächlich keine Arbeit finden
können. Das wird ſehr genau überwacht. In Offenbach
hat man mit der Arbeitsloſenverſicherung gute
Erfahrun=
gen gemacht; die Koſten ſind gar nicht ſehr hoch. Redner
beſpricht dann die Lage der Hausbeſitzer und erörtert
da=
bei die Schwierigkeit der Beſchaffung zweiter Hypotheken.
Da reiche die Hilfe der Kommunen nicht aus. Der Staat
müſſe helfen. Die vom Abg. Molthan gewünſchte
Waren=
hausſteuer würde doch die große Maſſe des Volkes zu
tra=
gen haben, ſicher nicht der Warenhausbeſitzer. Die
Filial=
ſteuer trifft in erſter Linie den kleinen Kaufmann; ſie hat
praktiſch keinen Wert. Die Schullaſten der Städte ſind
allerdings hoch, doch dürfe nicht wieder danach geſtrebt
wer=
den, die Schülerzahl ſehr zu erhöhen.
Staatsrat Dr. Becker:
Die Regierung denkt nicht daran, Behörden aus
klei=
nen Städten zu entfernen und zuſammenzulegen, ohne daß
dazu zwingende Gründe vorliegen. Was die ſteuerlichen
Punkte betrifft die berührt wurden, ſo ſind zunächſt
Kla=
gen über die Wirkungen des neuen
Gemeindeumlagenge=
ſetzes geführt worden. Es iſt mit Recht darauf hingewieſen,
daß dieKreiſe, die bei einer neuenSteuer gut weggekommen,
ganz ſtill ſind, während die, die ſich irgenowie beoruckt
fuh=
len, ein großes Klagen erheben. Man erlebt dies ja auch
auf anderen Gebieten, daß ein paar Schreier ſich als
Ver=
treter des Volkes, als Vertreter der Oeffentlichkeit
hin=
ſtellen. Wer aber die Wirkung eines Steuergeſetzes
ge=
recht prüfen will, muß tiefer gehen und darf ſich durch die
Schreier nicht beeinfluſſen laſſen. Redner führt einige
Fälle an, die ergeben haben, daß die erhobenen Klagen
gar nicht auf das Gemeindeſteuergeſetz zurückzuführen ſind.
Richtig iſt allerdings, daß ſogenanntes Baugelände in
der Nähe großer Städte ziemlich hoch belaſtet worden iſt:
da muß dann geprüft werden, wie Abhilfe zu ſchaffen iſt.
Die Steuergeſetze dürfen nicht die Wirkung haben,
Be=
ſitzer, die nicht Spekulanten ſind, von ihrem Beſitz zu
ver=
treiben. Wir haben im Gegenteil das größte Intereſſe
daran, die Leute an ihre Scholle zu feſſeln, ſie ihnen
jeden=
falls zu erhalten. Richtig iſt auch, daß manche
Gewerbe=
betriebe hoch belaſtet wurden. Dabei iſt aber daran zu
er=
innern, daß es nicht die Regierung war, die dieſe
Ertrags=
zuſchläge verlangt hat. Hier muß noch nach Abhilfe
geſucht werden. Doch muß vor allzu ſchneller
Geſetzes=
änderung gewarnt werden. Wir haben ausgedehntes
Ma=
terial geſammelt, das ſich zurzeit in Druck befindet und das
den Ständen demnächſt unterbreitet werden ſoll in Form
einer Denkſchrift. Dieſes Material iſt ſehr genau geſichtet
worden und wird eine gute Grundlage für eine eventuelle
Geſetzesänderung bieten. Zu dem Wunſch des Abg. Henrich
über den Ausſchlag der Gemeindeſteuer vom Einkommen
als Zuſchlag zu den tatſächlich erhobenen Staatsſteuern iſt
zu bemerken, daß dadurch die Steuerzahlung
des Einzelnen nicht berührt werden würde. Es
könnte ſich alſo mur um ein Mittel handeln, das den
Städ=
ten im gegenſeitigen Konkurrenzkampf dienen könnte. Dem
Abg. Ulrich hat geſtern ſein Temperament einen böſen
Streich geſpielt. Er hat die Steuerbeamten mit Ausdrücken
belegt, gegen die ich auch vom Standpunkte der Regierung
aus entſchieden Verwahrung einlegen muß. Ich hätte das
vom Abg. Ulrich gar nicht erwarket, da ich weiß, daß er
ſonſt Achtung vor dieſen Beamten hat. Gerade in der
Jetztzeit haben die Steuerbeamten doch eine ungeheuere
Arbeit, bei der ſie erfreulicherweiſe nie verſagt
haben. Man ſollte ihnen doch die
Arbeits=
freudigkeit nicht nehmen durch Ausführungen, wie ſie der
Abg, Urich hier Aber auch in ſonſiger
Be=
ziehung hat Abg. Ulrich geſtern ſehr ſtark daneben gehauen
In dem beregten Fall der Veranlagung der Heimarbeiter
hat auch der Abg. Eißnert als Vertreter der Stadt
Offen=
bach mitgewirkt; auch er hat ſich der Erkenntnis nicht
ver=
ſchloſſen, daß man die Fälle zur Kenntnis der höheren
Inſtanzen bringen müſſe. Nachdem Herr Ulrich das
Material des Oberlandesgerichts geleſen, das ich ihm
geſtern zur Verfügung ſtellte, ſcheint er ſein Urteil ja
ge=
mildert zu haben. Redner erörtert dann ſachlich den in
Frage ſtehenden Fall, den einzigen, der die Gerichte
be=
ſchäftigt hat. Der betreffende Portefeuiller arbeitete für
mehrere Fabrikanten, zahlte alle Verſicherungsbeiträge
ſelbſt uſw., ſo daß man gar nicht im Zweifel über ſeine
Eigenſchaft als Heimarbeiter ſein konnte. Das
Oberlandesge=
richt hat nicht prinzipiell, ſondern nur in dieſem Spezialfall
geurteilt. Das wurde ausdrücklich feſtgeſtellt, ebenſo die
Schwierigkeit der Entſcheidung in dieſem Spezialfall.
Uebrigens hat die Frage nur für die Gemeindeſteuer
In=
tereſſe. Es muß auch wieder darauf hingewieſen werden, daß
dieſe Fragen ja nur in den Kommiſſionen behandelt
wer=
den, nicht allein von der Steuerbehörde. Es lag ſicher kein
Anlaß vor, aus dieſem Fall eine ſo große Aktion zu
machen. Der Abg. Ulrich hat geſtern von den Leuten
ge=
ſprochen, die vor Hunger nicht ſchlafen können, an dieſen
wolle der Staat ſich erholen. Herr Ulrich liebt ſolche
Ueber=
treibungen. Er weiß ganz genau, daß hier überhaupt nur
Fälle in Frage kommen, wo ein Einkommen von mehr als
1300 Mark vorhanden iſt. Da kann doch nicht davon
ge=
ſprochen werden, daß die Leute vor Hunger nicht ſchlafen
können. Zur Staatsſteuer im allgemeinen übergehend,
meint Redner, man dürfe aus den günſtigen
Ergeb=
niſſen der Staatsſteuerveranlagung nicht ſchließen, daß ſich
nur die Verhältniſſe der Beſitzenden gebeſſert haben. Auch
die unteren Einkommen ſind entſchieden geſtiegen. Es
be=
weiſt das die Tatſache, daß fortgeſetzt ein ſteuerliches
Auf=
rücken erfolgt, und auch die Einlagen der Sparkaſſen
be=
weiſen das Richtig iſt, daß unſere ſteigenden Steuern ſtets
in vollem Umfange aufgezehrt wurden durch die
Mehraus=
gaben, das wird auch in Zukunft wohl ſo bleiben. Unſere
Steuereinnahmen für das nächſte Jahr werden
uns ſicherlich keine Enttäuſchung bringen.
Die Weinmißernten und die niedrigen Preiſe der
landwirtſchaftlichen Produkte werden in
Steuer=
ausfällen bemerkbar werden, wenn ſie ſich
weiterhin fortſetzen. Der Optimismus des
Bauern, beſonders des Weinbauern, iſt geradezu
bewun=
dernswert. Was den Wehrbeitrag betrifft, ſo ſind wir mit
großer Vorſicht an die Schätzung der Einnaymen
herangetreten. Unſere Finanzämter haben dieſe Vorſicht
beſtätigt. Immerhin kann man erwarten, daß der
General=
pardon aus Vermögens= und Einkommensſteuer größere
Mehrbeträge ergtbt, als man von vornherein erwartet
hatte. Es iſt falſch, wenn man geſagt hat, daß nur
die Beſitzenden fündigen. Geſündigt wird hierbei in allen
Kreiſen. Man hält das für eine Notwehr gegenüber dem
Staat. Das ſoll natürlich keine Entſchuldigung für
Defrau=
danten ſein, die tatſächlich in reichlicher Zahl vorhanden
ſind. Vielfach ſind aber die Leute ſich durch die
Wehrbei=
tragsdeklaration erſt recht klar geworden über ihrVermögen.
Das hat in anderen Fällen aber auch zu Ausfällen geführt.
Die vom Abg. Ulrich angeregte Freilaſſung der unteren
Klaſſen würde einen Steuerausfall von über einer Million
ergeben. Dabei iſt natürlich zu überlegen, daß dieſer
Aus=
fall dauernd ſein würde. Auch die immer wieder
ge=
wünſchte weitere Steigerung in der Progreſſion iſt praktiſch
nicht durchführbar. Herr Ulrich überſieht auch dabei, daß
wir ſchon jetzt dem beſitzenden Steuerzahler 20 Prozent
ſeines Einkommens für Staat und Kommune
abnehmen. Wenn der Abg. Henrich geſagt hat,
daß gerade dieBeſitzenden jammern über die hohenSteuern,
Elegant
Haltbar
Sie passen sich infolge des konkurrenzlosen Massystems der natürlichen
Fussform an und unterstützen den jugendlichen Fuss in seiner Entwicklung.
Mk. 13.50 Mk. 14.50 Mk. 15.50 und höher.
Preiswert
(5321sf
gegenüber
Chasalla-Schuhgeschäft m. b. H., Darmstadt, Rheinstr. 12½, der Hauptpos
Deue Poſtiſten à 25 Pfg., 10 m
N¾ Zoll Gasrohr, 1
Jong=
leurgewicht, 40 Pfd., abzugeben.
(*5898
Soderſtraße 7. 2. St.
Neue Kindeinrichtung
für die größt. Säle ausreich.,
um=
ſtändehalber für 150 Mk. zu verk.
(*5897
Soderſtraße 7, II.
Versch. Haushaltungsgegenstande
aus ein. Nachlaß ſofort zu verk.
(*5881.
Soderſtr. 22, Manſ.
Tagl. friſch empfehle:
Allerfeinſte
Süßrahm=Tafelbntter
(beſtes Molkereiprodukt)
per Pfund 1,50 Mk.
Friſcheſte Landbutter
per Pfund 1,25 Mk.
Vorzüglichen
Speiſe=Quark
(weißer Käſe, Käſematte)
beſonders zu Kuchen und Torten
geeignet
(5961
per Pfund 30 Pfg.
täglich friſch lieferbar.
W. Reitinger
Soderſtraße 2. Am Kapellpl.
Telephon 1834.
Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Nummer 65.
ſo iſt das natürlich. Wir haben doch im Laufe der
letzten Jahre erhebliche neue Laſten den Beſitzenden
auferlegt, und wer am meiſten betroffen wird, der jammert
natürlich am meiſten. Der Abg. Oſann hat betont, daß die
Einzelſtaaten für Erhebung der Zölle und Einnahmen für
das Reich zu gering entſchädigt würden. Das iſt richtig.
Es ſchweben zurzeit ſchon Verhandlungen
inner=
halb der verbündeten Regierungen, hier Abhilſe
zu ſchaffen. Dieſe kann aber nur mit Hilfe
des Reichstages erfolgen und ich möchte hoffen,
daß nicht nur die politiſchen Freunde des Herrn Oſann
im Reichstage gegebenenfalls die Intereſſen der
Bundes=
ſtaaten in dieſem Sinne vertreten werden. Noch eine
Be=
merkung über unſere Finanzlage im allgemeinen: Sie hat
in den Kammern verſchiedene Beurteilung erfahren. Zu
der Annahme, daß man irgendwem den Vorwurf
leicht=
fertigen Finanzgebarens machen wollte, liegt wirklich kein
Anlaß vor. Unſere Finanzlage iſt gut, aber man kann doch
unmöglich mit Beſtimmtheit ſagen, daß auch in Zukunft
unſere Kaſſen gleich gut gefüllt ſein werden.
In der Beurteilung der Entwickelung der
Einnahmen iſt dies der Fall. Aber auch mit ſteigenden
Ausfällen muß man mit Beſtimmtheit rechnen. Ich habe
ſchon darauf hingewieſen, daß nur allein an
Stempelein=
nahmen im Jahre 1915 4—500000 Mark wegfallen
werden. Dazu kommt die Belaſtung durch die
Be=
ſoldungsordnung. Das alles mahnt doch dringlichſt zur
Vorſicht und Sparſamkeit. Unſere Vergangenheit lehrt
uns doch, daß die Hoffnungen uns ſchon oft betrogen haben
und daß wir nur mit Steuererhöhungen die Ausfälle decken
konnten. Enttäuſchungen werden uns auch in Zukunft nicht
erſpart bleiben. Ueber kleine Rückſchläge werden wir ja
wegkommen, aber es können auch große kommen.
Wenn die Regierung darum auch zur
Beſoldungsord=
nung nunmehr weiſe Zurückhaltung dringend empfiehlt,
ſo iſt das lediglich zurückzuführen auf die durch die Lehren
der Vergangenheit gezeitigte Sorgs um unſere finanzielle
Zukunft. Wenn davon geſprochen wurde, daß es ſich bei
den noch beſtehenden Differenzen um die Austragung einer
Machtfrage handelt, ſo möchte ich doch darauf hinweiſen,
daß für eine ſolche Machtfrage unſere
Verfaſſung keinen Raum bietet. Dieſe
Macht frage würde über dies
a us getragen werden auf de m
Rücken der Beamten, der Lehrer, der
Altpenſionäre. Wenn man wirklich einmal eine
Machtfrage zum Austrag bringen will, ſo ſoll man
nicht die Beamten und Lehrer für dieſen
Kampf, die Koſten zahlen laſſen.
Die Regierung hat den Wünſchen der Zweiten Kammer
Entgegenkommen bewieſen auf allen Gebieten. Sie iſt auf
dem Wege, der zu einer Verſtändigung führen kann,
ver=
ſchiedene, ſehr weite Schritte, entgegengekommen.
Nach=
dem eine große Strecke dieſes Weges
zu=
rückgelegt worden iſt durch das
Entgegen=
kommen der Regierung, ſollten alle, denen
an einem Zuſtandekommen der
Beſoldungs=
ordnung wirklich ernſtlich gelegen iſt, ſich
nicht abhalten laſſen, den noch
zurückzulegen=
den kürzeſten Teil des Weges durch ein
be=
ſcheidenes Entgegenkommen ihrerſeits
zu gehen. (Bravo!)
Es tritt dann eine Pauſe ein.
Abg. Ulrich bleibt in dem Fall des Offenbacher
Heimarbeiters trotz der Ausführungen des Staatsrats
Becker auf ſeiner Meinung beſtehen, da ihn der Herr
Staatsrat nicht habe überzeugen können. Unmöglich könne
man einen Heimarbeiter als Gewerbetreibenden mit einem
großen Vermögen anſehen. Die Stadtverwaltung in
Of=
fenbach wolle derartige ungerechte Gelder gar nicht. Er
freue ſich aber, daß der Sache auf dem Verwaltungswege
jetzt näher getreten werde, und dann bekäme ſein Kollege,
Beigeordneter Eißnert, gewiß Recht. Der Herr Staatsrat
habe eine merkwürdige Art zu reden und ſo, wie er ſich
die Sache zurecht gemacht habe, ſo vermöbele er den ſich
zurechtgemachten Ulrich. (Heiterkeit; der Präſident rügt
die=
en Ausdruck.) Der Herr Regierungsvertreter habe
Heim=
arbeiter vorgebracht, die er (Redner) nicht für ſolche halten
könne. Er verlange doch ſo kritiſiert zu werden, wie er die
Sache gemeint habe. Jede Abſicht, einen Steuerbeamten
zu beleidigen, habe ihm ferngelegen und der Ausdruck des
Staatsrats von einer „Mißhandlung” ſei unbegründet
Die Spareinleger in der Umgebung Offenbachs kämen
keineswegs aus den unteren Schichten. Der Chefredakteur
der Darmſtädter Zeitung, Hofrat Dr. Buſchmann, habe die
ſtärkſte Partei des Landes und die nicht
unbedeutendeſozial=
demokratiſche Fraktion heruntergeriſſen, und da ſeien die
Sozialdemokraten in der Stellung des Verteidigers, nicht
des Angreifers, geweſen. Das ſei auch nicht der einzige
derartige Artikel geweſen. Das ſonſtige Verdienſt des
Herrn Dr. Buſchmann habe er nicht angreifen wollen.
Abg. Henrich: Das Beſtreben nach Polemik ſcheint
diesmal am Regierungstiſch ſtärker geweſen zu ſein, als
bei den Fraktionsrednern. Daß nicht nur von den
Beſitzen=
en, ſondern von allen Front gemacht wird, die ſich durch
die Steuern bedrückt fühlen, habe ich ſelbſt ſchon betont.
Daß ich mit meiner Anregung, die Steuerzuſchläge in den
Steuerzettel anders einzuſetzen, den Steuerzahlern Sand
in die Augen ſtreuen wollte, muß ich zurückweiſen. Dieſe
Abſicht habe ich nie. Für den Steuerzahler iſt es
gleich=
gültig, unter welchem Kapitel er ſeine Steuern zahlt, aber
den Städten iſt es nicht gleich, wenn die höheren
Steuer=
ufſchlagsprozente auf dem Zettel ſtehen, das fällt doch
be=
ſonders in dem Konkurrenzkampf zwiſchen Mainz und
Wiesbaden ins Gewicht. Was die Beſoldungsordnung
betrifft, ſo iſt es nicht unſere Abſicht, das, was die Lehrer
bekommen ſollen, den Beamten zu nehmen. Wir wollen
nur, daß die Lehrer mit den Beamten gleich behandelt
wer=
den. Der Fehler der ungleichen Behandlung iſt 1912
ge=
macht worden. Das kann ernſtlich nicht beſtritten werden.
Staatsrat Dr. Becker:
Es muß zurückgewieſen werden, daß die Regierung
das Bedürfnis nach Polemik hat. Wenn wir auf
Einzel=
heiten der Debatte eingehen, ſo halten wir das für unſere
Pflicht. Daß das Beſitzſteuergeſetz keine rechte Freude
erwecke, auch nicht in den Kreiſen der politiſchen Freunde
des Herrn Henrich, iſt Tatſache. Von einer Animoſität
neinerſeits gegen die Linke des Hauſes kann keine Rede
ſin. Der Herr Staatsminiſter hat natürlich nicht geſagt,
daß man den Beamten etwas abgezogen habe, um es den
Lehrern zu geben. Er hat nur richtig feſtgeſtellt, daß den
Beamten tatſächlich Abzüge gemacht wurden und daß man
darum nicht den Lehrern mehr geben könne.
Damit ſchließt die Generaldebatte.
In der Spezialdebatte werden die erſten Kapitel ohne
Debatte nach den Ausſchußanträgen angenommen.
Zu Kapitel 7a:
Braunkohlenbergwerk und Kraftwerk
„Ludwigshoffnung”
führt Abg. Breidenbach aus: Die Grube „Ludwigss
hoffnung” ſei immer noch ein Sorgenkind, doch ſei zu
hoß=
fen, daß die nun durchgeführte neue Fabrikation zu einer
Rentabilität der Preßſteinfabrik führen werde. Ueber das
Kraftwerk kann nach dem erſten Betriebsjahr noch nichts
Sicheres geſagt werden. Die Berechnung liefert aber den
Beweis, daß das erſte Betriebsjahr recht erfreulich iſt und
die beſten Ausſichten für die Zukunft eröffnet. Das Werk
erweckt auch die Hoffnung, daß die Bahnbauten in
Ober=
heſſen vielleicht elektriſch durchgeführt werden. Die
An=
griffe des Mainzer Anzeiger gegen die Grube
Ludwigs=
hoffnung müßten durch die Regierung entſchieden
zuruck=
gewieſen werden. — Abg. Dorſch klagt darüber, daß
den Bauern durch den eingelegten Schienenſtrang die
Be=
nutzung ihres Grundſtückes erſchwert wird. Der Direktor
des Werkes ſcheine nicht genügend Beſchäftigung zu haben,
da er vich zur Jagd geht und auch ſonſt meiſt abweſend iſt,
— Abg. Molthan möchte die Kritik des Mainzer Blattes
nicht ſo tragiſch nehmen. Die Vereinigung der beiden
Werke hätten ſich als grundſätzlich richtig erwieſen. Man
ſollte erſt einmal den Werken ein paar Jahre Zeit laſſen
ſich zu entwickeln, ehe man kritiſiert. Den Wunſch des Abg,
Dorſch, daß der Direktor im Werke ſelbſt wohnen müſſe,
halten wir für berechtigt. Wenn in den nächſten Jahren
die Rentabilität der Werke ſteigt, ſollte man doch an den
Bau einer Wohnung für den Direktor herantreten.
Jeden=
falls, glaube ich, daß wir mit den beſten Hoffnungen auf
die Grube Ludwigshoffnung blicken können. — Abg
Brauer möchte die Gelegenheit benutzen, dem jetzt in
Penſion gegangenen Geheimerat Breidert Dank zu
ſagen, deſſen Bemühungen die Provinz Oberheſſen ſo viel
zu danken habe. — Abg. Ulrich: Wenn man die
Ren=
tabilität beſpricht, muß man die Werke zuſammen rechnen,
dann ergibt ſich ein immerhin angenehmes Reſultat. Die
Kritik des Mainzer Blattes hat einen beſtimmten Zwech
dem wir hier aber nicht zu dienen brauchen. Die Frage
der Ditektorwohnung muß eingehend geprüft werden. Man
müſſe da ſehr vorſichtig ſein. — Abg. Joutz fordert
eben=
falls, daß der Direktor am Platze des Werkes wohnen
müſſe.
Nach weiteren Ausführungen der Abg. Breidenbach
und Dorſch führt
Finanzminiſter Braun
aus: Er möchte nur drei Punkte zu den Erörterungen der
Herren Vorredner ſagen. Erſtens: es iſt für mich völlig
ausgeſchloſſen, daß die erſten Ueberſchüſſe, die die Werkei
ergeben, für Bauzwecke (Direktorenwohnung) ausgegeben
werden. (Sehr richtig!) Zweitens: der Artikel im
Main=
zer Anzeiger trägt die Tätigkeitsmerkmale des
Konkurrenz=
neides und der Konkurrenzwünſche ſo offen an der Stirn
daß es wirklich nicht nötig iſt, näher darauf einzugehen,
oder ſich darüber zu ereifern. Drittens: Wenn die Frage
des Ankaufes der Solms=Braunfelsſchen Gruben
ange=
ſchnitten wurde, ſo begegnet es unſeren Wünſchen
durch=
aus, daß, wenn es je zu einem Ankauf der Gruben kommen
ſollte, das nur zu einem ſo billig wie möglichen Preiſe
geſchehen kann. Ob das aber zu einem ſo ungewöhnlich
billigen Preiſe möglich ſein wird, bleibt beſtreitbar.
Ob=
wir den Erwerb überhaupt beabſichtigen, iſt eine durchaus
noch offene Frage, über die ich mich hier nicht näher äußern
möchte.
Darauf wird die Sitzung auf Freitag 9 Uhr vertagt,
Bäke
MAHRRADER 43
DRElSWERTESTE
Spezialität: Fehrräder
mit konzentrischem
Ring-
lager eEigenes Petente
leichte kttenlose fahrräder
NASMASCEIINEN
ABRIKATE
Nähmaschinen eller
Systeme für
Hausge-
brauch, Gewerbe und.
Industrie 665 12
GEELSGAET EIELEFEIR. ESRAue Grurruan:
Vertreter: L. Beudt Nachf.
Spelrad, ſehr gut erh., 25 Mk.,
daſelbſt neues, einmal gefahr.
Torpedo=Fahrrad 60 Mk.
5888fs) Ludwigshöhſtraße 78.
Stußzflügel
Fabrik. Steinway & Sons, wenig
geſpielt u. ſehr gut erh., wegzugsh.
für 1200 Mk. zu verk. Angeb. unt.
P 99 an die Exp.
(*5830fg
Akad. geb., nur pünktlich à la
tailor made arbeitende
Damenschneiderin
ſpeziell für Jacket=Koſtüme, Ball=
und Geſellſchafts=Roben empfiehlt
ſich in und außer dem Hauſe unt.
Garantie für elegant. Schnitt und
chiken Sitz. Pariſer Journale.
Gefl. Offerten unter R 7 an
die Expedition d. Bl.
(5934
Eleg. Jackenkleid, Größe 44, zu
verk. Näh. in d. Exp. (*5882
Lästige Haare
an Händen und Armen,
entfernt leicht
Damenbart u. schmerzlos in
einigen Minuten das völlig
giftfreie, unschädliche
Rino-Depilatorium.
Wird nur mit Wasser angefeuchtet
und einige Minuten aufgelegt.
Ist durchaus haltbar und greift die E
Haut nicht an.
Flacon M. 1.25.
Nur echt mit Firma:
Rich. Schubert & Co., Weinböhla. S
Chr. Schwinn, Rheinſtraße 8.
Fr. Beckenhaub, Ecke Schul= und
Kirchſtraße.
Carl Watzinger,
Wilhelminen=
ſtraße 11.
Verstioerfe Besreekte
Preislisten durchlsämtliche
Verkaufsstellen kosfenlos
Würktembergische
Mefallwarenfabrik
Geislingen-St.
Flottgehendes reutab. Geſchäft
einerlei welcher Branche, Lebensmittel=Branche bevorzugt, von
t. erfahrenem Kaufmann (Darmſtädter) zu mieten ev. zu kaufen
ge=
ſucht. Anerbieten unter R 21 befördert die Exv.
(B5967
Empfehle
ſchönen billigen Blumenkohl,
Schwarzwurz., Rotkraut, Weißs
kraut, Spinat, Pariſer
Kopf=
ſalat und Freilandſalat. (*5887
Süße Orangen
Stück 5, 6, 7, 8 Pfg.
Dutz. 55, 70, 80, 90 „
Blut=Orangen
Stück 7, 9, 10, 12 Pfg
Dutz. 80, 105, 110, 130 ₰
bei 100 Stück billiger.
Eier
10 Stück 68 Pfg., 10 Stück 78 Pfg.,
10 Stück 85 Pfg.
Ed. Türtmann
Grafenſtr. 19. Teleph. 1425,
Schweinefleiſch
. Pfd. 80₰
Kotelett u. Solperfleiſch
86₰
80 ₰
Fleiſchw. u. Schwartem.
Leber= u. Blutwurſt
66₰
Ganz. u. ausgel. Schmalz „ 80₰
H. L. Dieter
Schweinemetzgerei
Mathildenplatz 10 (*5902
ſowie Samstag a. d. Wochenmarkt.
mzugshalber zu verkaufen ein
Bureautiſch, ein Waſchtiſch u
eine eiſerne Bettſtelle mit
Stroh=
matratze Viktoriaſtr. 24, p. (*5908
Kl. Pritschen-Auto
tadellos laufend, für nur 550 Mk.
Willy Neuroth,
Motorfahrzeuge, (*5901
Pankratiusſtr. 63. Telephon 1060.
Anfertigung von billigen
Haararbeiten, Zöpfen zu
1.50 M., Flechten zu 70 Pfg.
Nehme Beſtellung außer Haus
entgegen. Poſtkarte genügt.
Karl Lang, Friseur,
35771) Sandbergſtr. 45.
Gebr. Pianino, nussh.
Karl Arnold Mk. 200.−
(4266a
Ecke Erbacherstr. (Schwimmbad)
Nummer 65.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Seite 19.
Einfauung
(mit
Licht-
um OPerag bildern
des Herrn Professor Dr. C. Uhlig
aus Tübingen über:
ſer Kilimandjaro und Meru, die europäischen
An-
iedlungen daselbst und Hochgebirgstouren auf den
Gletschern des Kibogipfels
r Dienstag, den 10. März 1914, abds. 8 Uhr
im Saale des Hotels zur Traube
leranstaltet von den Abt. Darmstadt der Deutschen
Kolonial-
ſesellschaft unter Anschluss des Odenwald-Klubs,
Orts-
gruppe Darmstadt.
Entrittskarten zu 50 Pfg. (Studenten, Schüler u. Schülerinnen
I 20 Pfg.) sind in den Buchhandlungen von Bergsträsser u. Waitz,
icwie abends an der Kasse zu haben. Die Mitglieder obiger
Ver-
ine haben freien Eintritt.
(5976fi
ichard Wagner-Verein Darmstad
Montag, den 9. März 1914, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde:
Moderner Tondichter-Abend (Neuheiten-Abend) von Herrn
Konzertsänger Rudolf Gmeiner
aus Berlin (Bariton) und Herrn Konzertmeister
Ferdinand Kaufmann
us Frankfurt a. M. (Violine), unter Mitwirkung des Komponisten
Ferrn Dr. Emil Mattiesen aus Berlin (Klavier) und des Herrn
Lorenzo Matossi aus Frankfurt a. M. (Klavier).
Der Ibach-Konzertflügel ist aus dem Lager der Firma
Hof-
lieferant Heinrich Arnold (Mühlstr. 1—3 und Wilhelminenstr. 9).
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz im Saal zu
5 Mk., Saalkarten zu 3 Mk, Numerierter Balkon zu 3 Mk. und
Calerie zu 1.50 Mk., Studentenkarten zu 1 Mk. und Schülerkarten
zu 50 Pfg. bei Heinrich Arnold, im Verkehrsbureau und
abonds an der Kasse. (Die städtische Billettsteuer wird von der
Vereinskasse getragen). — Beitrittserklärungen für das
laufende Vereinsjahr, die noch vor dem obigen
Kon-
rerte erfolgen, berechtigen zu dessen freiem
Be-
sche. Der Jahresbeitrag beträgt 12 Mk.
(5948
Der Vorstand.
2V 25
Korm.
ME88
Die beliebten
Kaffee-Konzerte
finden täglich nachmittags von 4—6 Uhr
statt.
(5905
Freitag
nachmittags konzertiert:
Künstler-Orchester
Aronadt.
Sonate in G-moll von Robert Schumann.
Herr Klavier-Virtuose Werdenschlag.
Athalia, Ouvertüre von Mendelssohn.
Fantasie „„Die Jüdin” von Halevy.
Per Gynt, Suite Nr. 2 von Grieg.
Salvator im Anstich.
Perkeo-Sanl.
Monat März täglich abends 8 Uhr (5652a
Carellos 8 Kometen.
Best existierendes Musik-, Gesang- und Tanz-Ensemble
Ludwigshohe
Jeden Mittwoch und Samstag
Kur-Konzert.
Eintritt 30 Pfg. 10 Abonnementskarten (inkl. Steuer) Mk. 2.
(B271
ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe.
garrengeſchäft
C
in guter zentraler Lage, verhältniſſehalber ſofort zu
verkaufen. Offerten unter O. 71 an die Expedition
(5595a
ds. Bl. erbeten.
ſod. Konſirmandentl., Gr. 42,
Schwarz. Konfirmandenkl., fa
zu verk. Anzuſ. v. 2—5 Uhr.
neu, billig zu verk. (*54
Gutenbergſtr. 10, 2. St.
5894) Große Ochſengaſſe 9, 3. S
Samstag, den 7. März, im grossen Saal der
Turngemeinde, Woogsplatz:
AoREEfF
veranstaltet vom
Opernchen
des Grossherzoglichen Hoftheaters
unter Leitung des Herrn Hofchordirektors Robert Preuss
und unter freundlicher Mitwirkung der Hoftheatermitglieder
Frau Viky Baum (Harfe), Fräul. Gertrud Geversbach (Sopran),
Herren Fritz Hilsdorf (Tenor), Leo Schützendorf (Bass), Augo
Andreae (Cello), sowie der Grossherzoglichen Hofkapelle.
PROGRAMM:
I. Teil:
Vorspiel zu „Meistersinger‟ (Hoforchester)
Gemischte Chöre von Auber, Cromer, Doppler und Wiltberger;
Lieder für Sopran: Frl. Gertrud Geyersbach;
Lieder für Bass: Herr Leo Schützendorf;
Paraphrase für Harfe (von Schubert-Trnecék): Frau Viky Baum
Tello-Konzert a-moll (von Saint-Saéns): Herr Hugo Andreae und
Hoforchester.
II. Teil:
Das Lied von der Glocke für Soli, gemischten Chor und
Or-
chester von A. Romberg.
Solisten: Frl. Gertrud Geyersbach, Herren Leo Schützendorf
und Fritz Hilsdorf, sowie die Grossherzogliche Hofkapelle.
— Anfang 8½ Uhr.
Eintrittskarten zu Mk. 5.00, Mk. 3.30, Mk. 2.20 (numeriert),
Saal Mk. 1.65, Galerie Mk. 1.10 im Vorverkauf bei Gg. Thies
Nachf. — Vereinskarten bei Herrn Müller, Hoftheaterkassier,
Riedlingerstrasse 21, I.
¾ Stunden Pause.
Tombola — Ball — Tango
z: Holländisches Café z3
Während des Balles: Aufführung eines Original-TAN60,
ge-
anzt von 8 Damen vom Grossherzoglichen Hofballet, einstudiert
von Hofballetmeisterin Hedwig Ehrle.
Ballorchester: Kapelle WEBER.
Eintritt für Nichtkonzertbesucher nur gegen Lösung einer
Ballkarte à Mk. 1.— im Vorverkauf bei Herrn F. Hermes,
Hof-
theaterfriseur, Louisenstrasse, oder an der Abendkasse.
Das Reinerträgnis dient zum Besten der Pensions- und
Sterbekassen, sowie des Künstlerheims.
(5922
Versäumen Sie nicht!
Heute letzter Tag von
Ehe auf
Kündigung
3 Akter
Das silberne
Kreuz
3 Akter
Morgen
Horlz Frinee
in einem 2 Akter
Die EhredesHauses
3 Akter
im
(5970
Samstag, den 7. März 1914:
Iletzel=
Suppe
wozu freundlichſt einladet
Heinrich Speier
Rhönring 1. (*5866fs
Empfehle tägl. friſche
Sied- und Trinkeier
Jakob Schellhaas (4813a
Mathildenſtr. 9.
Schlacht-
u. Zuchtgeflügel.
Prima Kapaunen, Poularden,
Suppenhühner, junge Hahnen,
Tauben, täglich friſch geſchlachtet;
ferner Leghühner, beſte Eierleg.,
Lapins, friſch geſchoſſ., empfiehlt
K. Glöckner,
*5341) Darmſtr. 33a, II.
Garant. für nur gute Bedienung.
Kollſtändiges Bett und neuer
Krankenſeſſel zu verkaufen
(*5847
Mathildenſtraße 1.
Direktion: Willy Roemheld.
Samstag, 7. März, 8 Uhr
Sonntag, 8. März, 8 Uhr
Montag, 9. März, 8 Uhr
3 Gastspiele
Ammasucchf
Berliner Operette
Heuscne
Inmmmmmmii
Sasanne
mmmmmmmmmmmum
Operette in 3 Akten von
G. Okonkowsky. Musik von
Jean Gilbert
Preise (inkl. Steuer):
3.30, 2.20. 1.70, 1.10 Mk.
Vorverkauf: Verkehrsbüro.
341:
12. Wanderung
Sonntag, den 8. März. 1914.
Ziel:
Wein=
nweldk)
00
heim.
Abfahrt:
H.=B. 6 Uhr 16
S.=B. 6 „ 18
G
oder
.=B. 6 Uhr 45.
Marſchz. 6¼ St.
Führer:
P. Isenbügel u.
Th. Körner.
pa Dar
Tiſch= u.
Teil=
nehmertarten bei B. Bergmann.
Der Vorstand.
5924)
Sou mußt’s
kumme!
B5516)
Hobelbank zu verlaufen
Kari=
ſtraße 25, Werkſtätte. (5951a
Okr nLon
1Stürme von Heiterkeit!
Tränen
werden
gelacht
(5969
über
Haskel
LLetzte 2 Aufführungen!
Freitag6., Samstag 7. März
Hannemann
und seine Tochter.
So’n
frecher Kerl
dazu die brillant. Spezialität.
Sonntag, 8. März:
Neue
2Lach-Schlager?
Vorverkauf u. Preise wie bek.
Reginn Ggl. 3 1, Ur.
Großherz. Hoftheater.
Freitag, den 6. März 1914.
125. Abonnem.=Vorſtellung. D 32.
IBSEN-ZTKLUs.
Zweiter Abend:
Neu einſtudiert:
Die Stützen der Geſellſchaft.
Schauſpiel in 4 Aufzügen
von Henrik Ibſen.
Deutſch von Wilhelm Lange.
Perſonen:
Conſul Bernick . Johs. Heinz
Betty, ſeine Frau Minna Müller=
Rudolph
Olaf, beid. Sohn Käthe Gothe
Fräulein Bernick,
Schweſter des
Conſuls . . . Charlotte Pils
JohannTönneſen,
Frau Bernicks
jüngerer Bruder H. Baumeiſter
Fräul. Heſſel, ihre
ältere Halbſchw. Herta Alſen
Hilmar Tönneſen,
Frau Bernicks
Vetter
Rich. Jürgas
Hilfspred. Rohr=
. K. Weſtermann
land
Kaufm. Rummel Paul Peterſen
Frau Rummel . Sophie Doſtal
Fräulein Rummel Luiſe Kümmel
KaufmannWiege=
Adolf Jordan
land .
Kaufm. Altſtedt . A. Waſſermann
Fr. Doktor Lingen Ellen Widmann
Frau Poſtmeiſter
Holt .
. Agn. Wisthaler
Fräulein Holt . Frieda Groß
Dina Dorff, ein
junges Mädchen
im Hauſe des
Conſuls
. Eliſabeth Horn
Prokuriſt Krapp. Herm. Knispel
Schiffsbau. Auler E. Jannings
Nach dem 2. Aufz. längere Pauſe.
Preiſe der Plätze (Kleine
Preiſe): Sperrſitz: 1.—13. Reihe
3.70 ℳ, 14.—20. Reihe 3.20 ℳ,
Par=
terre: 1.—5. Reihe 2.35 ℳ, 6.—8.
Reihe 1.95 ℳ, Proſzeniumsloge
5.20 ℳ, Mittelloge 5.20 ℳ,
Bal=
konloge 4.70 ℳ, I. Rang 4.20 ℳ,
II. Rang: 1.—6. Reihe 2.15 ℳ,
7. u. 8. Reihe 1.75 ℳ, I. Galerie
1.15 ℳ, II. Galerie 65 ₰.
Kartenverkauf: an der
Tages=
kaſſe im Hoftheater von 9½—1½
Uhr und eine Stunde vor Beginn
der Vorſtellung; im Verkehrsbüro
von 8—1 Uhr und von 2½ Uhr
bis kurz vor Beginn der
Vor=
ſtellung. (Im Verkehrsbüro
wer=
den auch telephoniſch
Kartenbe=
ſtellungen entgegengenommen. —
Telephon Nr. 1582.)
Anf. 7½ U. — Ende geg. 10½ U.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Samstag, 7. März. Außer Ab.
KI. Sonder=Vorſtellung. „Die
verſunkene Glocke.” Anfang
8 Uhr. (Zu dieſer Vorſtellung
findet kein Kartenverkauf ſtatt.)
Sonntag, 8. März. 126. Ab.=Vſt.
B 31. In der neuen Inſzenierung:
„Triſtan und Jſolde‟.
Ge=
wöhnliche Preiſe. Anfang 6 Uhr.
Montag, 9. März. (Keine Vorſt.)
Dienstag, 10. März. 127. Ab.=
Vorſt. A 33. Der lachende
Ehemann.” Kleine Preiſe.
An=
fang 7½ Uhr.
(5792mdf
Koolenz Konie
[ ← ][ ]Seite 20.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. März 1914.
Nummer 68
Bhlanz der Darmstädter-Volobai
eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht
Aktiva.
per 31. Dezember 1913.
Passiva.
1. Kasse, fremde Geldsorten und
Zins-
scheine
2. Guthaben bei der Reichsbank und
dem Postscheck-Konto
3. Wechsel . .
4. Devisen . . .
,,,
5. Wertpapiere:
a) Anleihen des Reichs und der
Bundesstaaten
b) Sonstige bei der Reichsbank
be-
leihbare Wertpapiere
c) Sonstige börsengängige
Wert-
papiere
d) Sonstige Wertpapiere . .
6. Guthaben bei Banken
,
7. Forderungen aus Lombardierung
börsengängiger Wertpapiere
8. Konto-Korrent-Forderungen (
sämt-
lich gedeckt)
9. Festbefristete Hypothekforderungen
und Güterziele . . . . .
10. Vorschüsse:
a) Gegen Wechsel . . .
b) Sonstige Vorschüsse (sämtlich
ge-
deckt) . . . .
11. Forderungen aus:
a) Geleisteten Kautionen
b) Garantien und Bürgschaften
(sämtlich gedeckt) . . .
12. Noch zu empfangende Zinsen:
a) von Haus-Konto .
b) von Immobilien-Konto I . . .
c) von Immobilien-Konto II . .
d) von Lombard-Konto . .
e) von Vorschuss-Konto . . .
13. Mobilien-Konto . . . .
14. Schrankfächer-Konto . . . . .
15. Grundstücke:
a) Geschäftshaus Hügelstr. 8 u. 16,
amtl. Taxe 358000 Mk. .
b) Haus Schützenstr. 12 (Immobilien-
Konto I), Steuerwert 57000 Mk.
c) Haus Stiftstrasse 9 (Immobilien-
Konto II) amtl. Taxe 120000 Mk.
16. Beteiligung am Schutzverein für
Nieder-Modau G. m. b. H. . .
,, 8000 5. Delkrederefonds . . .
, 50000 228987 70 6. Pensions- u. Unterstützungsfonds 197848 13 7. Darmstädter Volksbank-Stiftung
8. Darmstädter Volksbank-Stiftung, 12500 147174 52 481 01
500 a) tägli
428943 57
b) mit 388 14950 qmit 1 12. Schulden bei Banken . . . . 10765 41 244838 24 13. Hypothekschulden (Stiftstrasse 9) 66000 14. Forderungen aus: 22 464 43 a) übernommenen Kautionskrediten 19000 487771 48 b) übernommenen Garantien und 465307
19000 05 Bürgschaften . .
15. Dividende-Konto . 66 148 60 85 148
1798 60
68 66 148 60 gütungen .
85 148 60 , , ,
en: 950 518 965
3 317 4) von Wechel-Kontg 2 869 12 4902 22 18. An früher ausgeschiedene Mitglieder J 20f 5. 11037 98
39 zu zahlende Geschäftsguthaben . 1362
179001 38 2330 19. Reingewinn . . 87 210 082 10 28 Iberis 125 115 563 18. 3000
6 34 20 —
Lassalt 4. Die Geschäftsanteile der Mitglieder betrugen am 31. Dezember 1912 Mk. 1491 150.57; in 1913 wurden an Dividenden gutgeschrieben
und bar einbezahlt Mk. 45 502.83; an ausgeschiedene Mitglieder wurden zurückbezahlt Mk. 70 829.08, so dass sich Ende 1913 das Gesamt- guthaben auf Mk. 1 465 824.32 beläuft. Von 998 Mitgliedern betragen die Haftsummen Mk. 998000.—, von 992 Mitgliedern Mk. 1 984000.−. Die Geschäftsguthaben haben sich von 1912 auf 1913 um Mk. 25 326.25, die Haftsummen in der gleichen Zeit um Mk. 50 000.— vermindert. Am Jahresschlusse betrugen die Haftsummen obiger 1990 Genossen Mk. 2 982000.- Ende 1912 zählte die Genossenschaft 1987 Mitglieder; im Laufe des Jahres 1913 sind 90 Mitglieder beigetreten; dagegen sind aus- geschieden: durch Tod 44, freiwillig 33, durch Ausschluss 10, verbleibt Stand am 31. Dezember 1913: 1990 Mitglieder
Die von der Generalversammlung genehmigte Dividende von sechs Prozent wird von heute ab
aber nur gegen Vorlage der Geschäftsanteilbücher — ausbezahlt, bezw. gutgeschrieben.
Darmstadt, den 5. März 1914.
Darmstädter Volksbank
eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.
Stein.
L. Habicht.
Thomas.
(5915
Vognarr Filieh!
(Täglich frisch und stets trinkfertig)
vorzüglich bewährt und ärztlich empfohlen zur
Re-
gulierung der Magen- und Darmfunktionen (
Durch-
fall, Verstopfungen, Blähungen etc. etc.) und zur
Bekämpfung der verschiedenen
Stoffwechselerkrank-
ungen wie Leiden der Galle, Leber, Nieren u. Blase
(Gallenstein Harnsteine, Zuckerruhr, Wassersucht)
ferner der Gicht, Neurasthenie, Migräne usw.
ist wegen seiner äusserst leichten Ver-
Voghurt daulichkeit und seines grossen
Nähr-
wertes das idealste Nahrungsmittel für Kranke
und Gesunde, für Erwachsene und Kinder.
Eine Voghurt-Kur
ist die beste Radikalkur zur Entgiftung des Blutes und
verlängert das Leben!
Man befrage den Arzt!
gelangt in meiner Milch-
Voghurt-Milch Trinkhallezum Ausschank
und wird täglich frisch zubereitet frei ins
Haus geliefert.
Im Abonnement Preissermässigung!
Zu beziehen durch
Willenn Reitinger
Soderstrasse 2, am Kapellplatz
Telephon 11834
596
(Schönes eiſernes Kinderbett
verlauſt
billig zu verkaufen (*5834 Gebrauchte Stiefel ſtets billig.
Adolf Spießſtraße 23, 2. St. I.Groſch, Luiſenſtraße 40. (*5869fg
Friſche
Ser
10 Stück . . . 58 Pfg.
Friſche bayriſche Eier
10 Stück . . . 68 Pfg.
Friſche große Siedeier
(dunkelgelbdotterig)
10 Stück nur . 78 Pfg.
Allerfeinſte Trinkeier
Friſcheſte Landeier
mit Marke „Trinkei” verſehen
10 Stück . . . 88 Pfg.
Von 25 Eiern an liefere frei ins Haus
Darmſtädter
Eiergroßhandel
Math. Roſenſtock.
Telephon 602 und 490.
(596
Lndwigſtr. 18, Karlſtr. 102, Kaupſtr. 42,
Landwehrſtr. 13, Nd.=Ramſtädterſtr. 53.
Kohlen, Holz, Briketts,
auch Sackzentner, billigſt. (2136a
K. Koch. Eliſabethenſtr. 49.
zut erhaltenes Mädchenrad für
15 M. ſof. z. verkauf. (*5739ds
Mauerſtraße 22, I.
offeriere in beſtens erprobten und
bewährten Sorten neueſter Ernte
Wie
Gemüſeſamen:
Blumenkohl
Weißkraut
Rotkraut
Wirſing
Roſenkohl
Blätterkohl
Oberkohlrabi
Erdkohlrabi
793 115 80 Gelbe Rüben
135256 56 1 Salatrüben
Sellerie
Radies
Peterſilie
Rettich
Zwiebeln
Salat
Gurken
Erbſen
Bohnen
Porree
Melonen
Karotten
Die
ſchönſten Blumenſamen
für Gruppen:
Levkoyen
Goldlack
Petunien
Verbenen
Kornblumen
Strohblumen
Sonnenroſen
Scabioſen
Nelken
Balſaminen
Phlox
Reſeda
Zinnien
Ritterſporn
Colenz
Vergißmeinnicht
Saut
zu Einfaſſungen:
Kreſſe
Silene
Pyrethrum
Tauſendſchön
Nemophila
So
Schlingpflanzen:
Kreſſe
Winden
Mina lobata
Wicken
Japaniſcher Hopfen
Die
intereſſanten Hamen:
Rieſentabak Schampflanze
Moſchuspflanze
Alles in neueſter
Ernte!
Diverſes:
Steckzwiebeln Runkelrüben
Grassamen
in bewährten Miſchungen für alle
Bodenklaſſen.
Lilien, viele Sorten
Knollenbegonien, Tuberosen,
Montbretien, Gladiolen etc.
Blumendünger.
Gartenwerkzeuge.
Blumen- u. Pflanzenstäbe u. Etiketten
von Holz, Zink u. Aluminium.
Spezialität:
Vogelfutter-Sämereien
für exotiſche u. einheimiſche Vögel
Universal-Fischfutter.
Kataloge werden auf Verlangen
umſonſt und poſtfrei zugeſandt.
Fritz Hareld
Samen- und Blumenzwiebel-
Handlung (5459a
jetzt Kirchstrasse 4.
Kontor u. Lager: Müllerstr. 39