Darmstädter Tagblatt 1914


N 36., Donnerstag, den 5. Februar.

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Reichstag ſetzte geſtern die zweite Leſung des
Etats fort.
In der Budgetkommiſſion des Reichstags
gaben die Staatsſekretäre v. Jagow und v. Tirpitz
Erklärungen ab über das Verhältnis zu Eng=
land
und über die Luftflottenfrage.
Die beiden Reichstagsabgeordneten Pfarrer
Hebel und Stadtpfarrer Pütz wurden von einem
Droſchkenautomobil überfahren. Der eine
wurde zur Seite geſchleudert und der andere kam unter
den Wagen zu liegen. Neben ſchweren Gehirnerſchüt=
terungen
erlitten beide erhebliche äußere Verletzungen.
Der Mörder von Degerloch, Lehrer Wagner,
wurde außer Verfolgung geſetzt und. dauernd in
eine Irrenanſtalt verbracht.
Die internationale Kommiſſion zur Erfor=
ſchung
des Mittelmeeres iſt am Dienstag in
Rom zuſammengetreten.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.

Deutſch=
engliſche
Verſtändigung.

Nach Londoner Meldungen ſoll zwiſchen Deutſch=
land
und England über die beiderſeitigen Ein=
flußſphären
in den portugieſiſchen Ko=
lonien
eine proviſoriſche Verſtändigung bereits erzielt
ſein. In diplomatiſchen Kreiſen will man wiſſen, Eng=
land
habe Deutſchland das Recht zugeſtanden, Angola
und den Südkongo wirtſchaftlich auszubeuten, während
Deutſchland hierfür England die Ausnutzung von Mozam=
bique
garantiert.
Man weiß, daß dieſe Verhandlungen ſeit Monaten
ſchweben, ohne daß ſie ſo recht vom Fleck kommen wollten,
trotzdem auf beiden Seiten der beſte Wille hierzu von je=
her
dageweſen iſt. Urſprünglich glaubte man, es handle
ſich darum, daß Portugal ſeinen auswärtigen Kolo=
nialbeſitz
aufgeben wolle und daß Deutſchland und Eng=
land
beabſichtigten, ſich gegen entſprechende Geldentſchädi=
gung
und unter gegenſeitiger Verſtändigung in den Be=
ſitz
dieſer Kolonien zu ſetzen. In Portugal entſtand hier=
über
einige Erregung, bis von ſeiten der Regierung er=
klärt
wurde, man denke nicht daran, den Beſitz aufzu=
geben
, es handle ſich nur darum, wirtſchaftliche Konzeſ=
ſionen
zu machen. Im Grunde genommen iſt da kein
allzu großer Unterſchied vorhanden. Portugal bleiht
nomineller Beſitzer während die wirtſchaftliche Aus=
nutzung
der betreffenden Gebiete England und Deutſch=
land
überlaſſen werden ſoll. Bekanntlich war bereits in
den 90er Jahren ein deutſch=engliſcher Afrikavertrag ab=
geſchloſſen
worden, der aber niemals veröffentlicht worden
iſt und überhaupt nicht in Kraft getreten iſt.
Bei den jetzigen Verhandlungen zwiſchen London und
Berlin handelt es ſich darum, jene Vereinbarungen nach
dem heutigen Stande der Dinge zu modifizieren und et=
was
Brauchbares zu ſchaffen. Es fragt ſich nun, ob die
Zugeſtändniſſe, die ſich beide Staaten machen, gleichwertig
ſind und ob Deutſchland nicht dabei wieder zu kurz kom=
men
wird. Ein endgültiges Urteil wird man heute noch
zicht abgeben können, bevor die ganze Angelegenheit bis
in alle Einzelheiten geregelt iſt, und ſo weit iſt man allem
Anſchein nach noch nicht, da es hierzu vor allen Dingen
ja auch noch des portugieſiſchen Einverſtändniſſes bedarſ.
Immerhin aber kann eine Verſtändigung zwiſchen Deutſch=
land
und England über die portugieſiſchen Beſitzungen
in Afrika nur begrüßt werden, und es wäre zu wünſchen,
daß wir uns auch ſonſt noch wegen der beiderſeitigen Be=
ſitzungen
übex wirtſchaftliche Fragen verſtändigten, um
allen Reibungen vorzubeugen.

Eine politiſche Rede Greys.

* Sir Edward Grey hielt am Dienstag ſpät abends
nach einem Diner in der Handelskammer in Mancheſter
eine Rede, in der er die Wichtigkeit der Erhaltung
der offenen Tür betonte und folgendes ausführte:
Die Schwierigkeit, die auswärtigen Märkte
offen zu halten, entſtehe im Falle innerer Wirren und
Revolutionen, wie jetzt in Meriko. Dort habe die Re=
volution
einen ſolchen Umfang angenommen, daß ſie ſich
jeder Kontrolle entzöge. England könne nicht eingreifen,
um die Märkte zu ſchützen, weil der Markt vollſtändig rui=
niert
ſei. In Perſien, wo die Handelsſtraße geſperrt ſei,

könnte England ſie mit einer verhältnismäßig kleinen
Macht offen halten. Man müſſe aber weiter blicken und
die Verpflichtungen des Reiches in Betracht ziehen, die
durch die Entſendung einer bewaffneten Macht entſtänden.
Das wichtigſte Ziel der äußeren Politik ſei, dem Lande
den Frieden zu erhalten, nicht aus Mangel an
Mut, als ob England vor der Idee eines Krieges ſo zu=
rückſchrecke
, daß es ihn unter keinen Umſtänden ins Auge
faſſen könnte, ſondern weil es ſich der verwüſtenden Fol=
gen
eines Krieges voll bewußt iſt. Grey erklärte weiter,
daß der Balkankrieg unvermeidlich geweſen ſei und
nur durch die Einmiſchung der Großmächte hätte verhin=
dert
werden können. Für die Großmächte wäre es aber
ein gefährliches Experiment geweſen, zur Erhaltung des
Friedens ſelbſt Gewalt anzuwenden. Doch erwieſen die
Mächte, indem ſie ſelbſt während der Ballankriſe den
Frieden bewahrten, dieſem den größtmöglichen Dienſt
und er könne ſagen, daß in dieſen ganzen europäiſchen
Kriſen keine Schwierigkeit durch die britiſche Politik ver=
größert
worden ſei. Die britiſchen Bemühungen ſeien,
ſoweit ihr Einfluß reichte, auf die Ausgleichung der
Schwierigkeiten gerichtet geweſen.
Grey kam dann auf die Rüſtungsfrage zu ſprechen und
ſagte, er beabſichtige nicht, eine wichtige Erklärung ab=
zugeben
. Die Urfachen der großen Ausgaben für die
Rüſtungen ſeien nicht allein eine britiſche, ſondern eine
europäiſche Frage. Man müſſe die Rüſtungen zu
Lande und zu Waſſer im ganzen betrachten. England
habe ſeine Seerüſtungen gewaltig vermehrt. Angeſichts
der Vermehrung der geſamten Rüſtungen Europas war
das unvermeidlich. Für England ſei die Flotte das,
was für die kontinentalen Nationen die Armee bedeute.
Eine große Steigerung in dem Bauprogramm eines jeden
europäiſchen Landes wirke ſtimulierend auf die Ausgaben
anderer Länder, während die Verminderung der Aus=
gaben
eines Landes ein anderes nicht notwendig beein=
fluſſe
. Es herrſche die Idee in Europa, daß dies ein
Wettrennen ſei, bei dem man ſchließlich einen Preis er=
ringen
könne, doch ſei das ganz irreführend; wenn das
vorderſte Pferd ſein Tempo verkangſame werden die an=
deren
nicht dasſelbe tun Der britiſche Flotten=
etat
ſei zwar ein bedeutender Faktor für die europäiſchen
Flottenetats, aber die Kräfte, die auf die Vermehrung
hindrängten, entzögen ſich tatſächlich jeder Kontrolle. Durch
den Bau des erſten Dreadnoughts übernahm England
eine gewiſſe Verantwortung, aber die gegenwärtigen ver=
mehrten
Ausgaben für Dreadnoughts ſeien nicht durch
England bedingt. Deutſchland lege Schiffe auf Kiel auf
Grund ſeines Flottengeſetzes das England nicht ändern
könne. Frankreich Oeſterreich=Ungarn. Rußland und
Italien bauten Dreadnoughts nicht Englands wegen.
Wenn England in dieſem Jahre gar nichts baute, würde
das keine Aenderung im europäiſchen. Schiffbau verur=
ſachen
. Für England würde eine enorme Reduktion ein
zu großes Haſardſpiel ſein, ſo lange keine Gewißheit be=
ſtehe
, daß eine entſprechende Wirkung auf das übrige
Europa folge. Auf die zu erwartenden parlamentariſchen
Klagen über die Höhe des Flottenetats Bezug nehmend,
ſagte Grey, daß England den finanziellen Druck nicht
mehr empfinde als andere daß es aber als kaufmänniſche
Nation von der Unproduktivität der Ausgaben durch=
drungen
und von der Beſorgnis wegen der Wirkungen
auf den Kredit nicht nur Englands, ſondern Europas, er=
füllt
ſei. Gegenwärtig könne man indes wenig tun, außer
die Ausgaben Englands in den Grenzen der Sicherheit
und Verpflichtungen gegen andere Reichsteile zu halten.
Grey ſprach ſeine Sympathie mit der Beſchränkung
der Rüſtungen aus, betonte aber daß es keinen
Zweck habe. an andere Nationen einen Appell zu rich=
ten
, der ihnen nicht willkommen ſei und den ſie nicht zu
akzeptieren bereit ſeien. Man müſſe berückſichtigen, daß
ſehr viele Länder die Rüſtungsausgaben als innerpoli=
tiſche
Angelegenheit betrachten und das Verlangen eines
fremden Landes, die Rüſtungsetats ſollten Gegenſtand
von Erörterungen oder Abmachungen ſein. als Anmaßung
übel nehmen. Die Regierung habe das Empfinden, war=
ten
zu müſſen, bis die großen europäiſchen Länder von
dem gleichen Gefühl durchdrungen ſeien wie ſie, daß ein
Einhalten in den Rüſtungsausgaben wünſchenswert ſei.
Grey ſprach zum Schluß die Erwartung aus, daß die
Finanzſchwierigkeiten allmählich eine Atmo=
ſphäre
in Europa erzeugen würden, die ein Uebereinkom=
men
der Nationen über die Rüſtungsausgaben weit mög=
licher
machen würde als gegenwärtig.

Deutſches Reich.

Reichstagswahl in Offenburg=Kehl.
Bei der Reichstagsneuwahl im 7. Wahlkreiſe Offenburg=
Kehl erhielten, wie ſchon mitgeteilt, Kölſch (natl.) 9616,
Dr. Wirth (Zentr.) 12 259, und Geiler (Soz.) 3032 Stim=
men
. Die entſprechenden Zahlen bei der Hauptwahl im
Jahre 1912 waren 8962, 11615 und 3705. Danach erhielt
diesmal nur der ſoz.=dem. Kandidat weniger Stimmen
( 673), während der nationalliberale 654 und der Zen=
trumskandidat
644 Stimmen mehr erhielten. In der
Stichwahl im Jahre 1912 ſiegte der nationalliberale
Kölſch mit 12 712 Stimmen über den Zentrumskandidaten,
auf den 12704 Stimmen entfielen. Die Ausſichten für
den Sieg der Nationalliberalen haben ſich verſchlechtert,
da dem Zentrum diesmal nur 389 Stimmen (gegen 1052
im Jahre 1912) an der abſoluten Mehrheit fehlten.

Der Kolonialgerichtshof. Einer parla=
mentariſchen
Nachrichtenſtelle wird aus Reichstagskreiſen
geſchrieben, es habe durchaus den Anſchein, daß das Ge=
ſetz
zur Errichtung eines Kolonialgerichtshofes auch dies=
mal
wieder nicht zuſtandekommen werde. Es ſei falſch,
wenn in der Preſſe der Anſchein erweckt werde, als ob die
Regierung im letzten Augenblicke ihren Widerſpruch gegen
Hamburg als Sitz dieſes Gerichtshofes aufgeben werde.
Die Wahl Berlins beruhe auf einem wiederholten, nahe=
zu
einmütigen Beſchluſſe des Bundesrates, für den ſehr
wichtige Gründe maßgebend waren. Wer über die Stim=
mung
in Bundesratskreiſen unterrichtet ſei, wiſſe, daß der
Bundesrat gar nicht daran denke, in dieſer Frage nachzu=
geben
; um ſo weniger, als die Gründe, die ſeine bisherige
Stellungnahme veranlaßten, uneingeſchränkt weiter be=
ſtehen
.
Eine Novelle zum Zwangsverſtei=
gerungsgeſetz
, die einen verſtärkten Schutz der Hy=
pothekengläubiger
herbeiführen ſoll, iſt bei der zuſtändigen
Reichsbehörde fertiggeſtellt und wird jetzt dem Bundesrat
vorgelegt werden. Es iſt demnach zu erwarten, daß der
Reichstag ſich noch in der laufenden Tagung mit dem Ge=
ſetzentwurf
befaſſen wird. Es handelt ſich bekanntlich
um die Abänderung des § 57 des Zwangsverſteigerungs=
geſetzes
.
Arbeitswilligenſchutz. Die Erörterung
des Arbeitswilligenſchutzes wurde von der Zweiten ſäch=
ſiſchen
Kammer wieder aufgenommen. Entgegen Ber=
liner
Meldungen erklärte Staatsminiſter Graf Vitzthum
von Eckſtädt, daß der ſächſiſchen Regierung von der Ab=
ſicht
der Bundesregierungen, den Schutz der Arbeitswil=
ligen
zum Gegenſtand eines beſonderen geſetzgeberiſchen
Vorgehens zu machen, nichts bekannt ſei.
Aus Elſaß=Lothringen. Die Auswahl
eines Nachfolgers für den Grafen von Wedel auf dem
Statthalterpoſten in Elſaß=Lothringen iſt bisher nicht er=
folgt
. Die in verſchiedenen Formen der Preſſe zugetragene
Vermutung, daß nach einigen Monaten Graf von Wedel
von dem Reichskanzler Herrn von Bethmann Hollweg ab=
gelöſt
werden ſolle, wird von offiziöſer Seite als irrig
bezeichnet. Auch die Meldungen über die Wahl eines
preußiſchen Prinzen oder überhaupt eines prinzlichen
Statthalters, werden für nicht zutreffend erklärt. Der
neue Staatsſekretär und der neue Unterſtaatsſekretär ſind
am Diensag mittag wieder nach Berlin zurückgekehrt. Sie
haben ſich in politiſchen Kreiſen dahin ausgeſprochen,
daß ſie die Erledigung wirtſchaftlicher Fragen, insbeſon=
dere
die der Steuerreform, als das zunächſt Wichtige in
Elſaß=Lothringen halten. Eine Politik der Nadelſtiche
würden ſie nicht verfolgen, vielmehr verſuchen, mit Volk
und Parlament in freundſchaftlichem Einvernehmen zu=
ſammenzuarbeiten
. Da Dr. Gregoire das Juſtiz= und
das Staatsſekretariat wahrſcheinlich nicht annehmen wird,
kommen in erſter Linie Miniſterialrat Lauſcher und Land=
gerichtspräſident
Krautmeyer in Saargemünd in Frage.
Wie man hört, entſprechen die Gerüchte von einer be=
vorſtehenden
Verſetzung des Generals v. Deimling von
Straßburg nach Karlsruhe nicht den Tatſachen. Zu einer
Verſetzung des Generals von Deimling liegt, wie an un=
terrichteter
Stelle verſichert wird, nicht der geringſte
Grund vor. Es darf als beſtimmt angenommen werden,
daß in der Leitung des Straßburger Korps ein Wechſel
in abſehbarer Zeit nicht eintreten wird.

Aus den Kolonien.

Deutſch=Oſtafrika. Der Kaffeebau am
Kilimandſcharo. Die Kaffeepflanzer am Kilimand=
ſcharo
haben ſich nunmehr zuſammengeſchloſſen, um durch
Qualitätsverbeſſerung des Kilimandſcharokaffees der
Ausbreitung dieſes Produktes die Wege zu bahnen. 70
Kaffeepflanzer, das ſind 95 Prozent der Geſamtzahl, wol=
len
eine Genoſſenſchaft gründen, um weiter an der Ver=
beſſerung
des Kaffeebaus zu arbeiten. Welchen Umfang
der Kaffeebau im Kilimandſcharogebiet angenommen hat,
beweiſt folgende Ueberſicht: 1909 gab es 108000 Bäume,
eine Ernte wurde noch nicht erzielt. Der heutige Stand
beträgt 2845000 Bäume, von denen 880000 ertragsreif
ſind. Die Kaffee=Ernte des Jahres 1913 belief ſich auf
8000 Zentner. 1917 werden ungefähr 4880000 Bäume
ertragsreif ſein. Die Kaffee=Ernte des Kilimandſcharo=
gebietes
wird dann die ſehr anſehnliche Summe von 84000
Zentner ausmachen. Wenn der Kaffeebau am Kilimand=
ſcharo
und Viktoriaſee, wo er gleichfalls gut gedeiht, ſich
weiter günſtig entwickelt, wie bisher, kann man damit
rechnen, daß ums Jahr 1925 100000 Zentner Kaffee in
Oſtafrika erzeugt n
en. Es iſt zu hoffen, daß die un=

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. Februar 1914.

Nummer 36.

bedingt notwendige Genoſſenſchaft der Pflanzer am Kili=
mandſcharo
und Meru mit amtlicher Unterſtützung bald
ins Leben tritt.

Ausland.

Frankreich.
Die Putilow=Angelegenheit. In der
Sitzung des Kammerausſchuſſes für auswärtige Fragen
erklärte der Deputierte Denis Cochin bei der Erörterung
der Putilow=Angelegenheit, er müſſe ſich fragen, ob Frank=
reich
bei dem Intereſſenſtreit der großen Waffenfabriken
nicht etwa die Rolle des betrogenen Teiles ſpiele. Er ſei
ein entſchiedener Anhänger des Bündniſſes mit Rußland,
aber er würde es bedauern, wenn Frankreich ſeine Ge=
heimniſſe
einer Waffenfabrik ausliefern würde, welche
dieſe Geheimniſſe direkt oder indirekt und vielleicht durch
Vermittelung ihrer franzöſiſchen Geſellſchafter zu einer
Art Erpreſſung benützen würde. Es wäre vielleicht gut,
wenn die franzöſiſche Regierung den letzteren gegenüber
eine beſtimmte Sprache führen würde.
Rußland.
Die Finanzierungspläne der Putilow=
Werke. Von einer der ruſſiſchen Regierung naheſtehen=
den
Seite, die zweifellos die Tatſachen völlig ſachlich dar=
ſtellt
, erfährt die Köln. Ztg. zu den Finanzierungsplänen
der Putilow=Werke folgendes:
Die Werke haben Aufträge angenommen, die ihr Ka=
pital
um etwa das Vierfache überſteigen. Hieraus hat
ſich ſeit längerer Zeit ein Mangel an baren Mitteln er=
gelen
, der vor etwa Jahresfriſt dazu führte, daß Ver=
handlungen
zum Zwecke der Kapitalerhöhung als nötig
erkannt wurden. Es lag nahe, ſich wegen dieſer Gelder
zunächſt an Frankreich zu wenden. Dort wurde der Zeit=
punkt
für eine Emiſſion wiederholt als ungünſtig be=
zeichnet
und nur dem dringendſten Geldbedarf durch
wiederholte Leiſtung von Vorſchüſſen begegnet. Dieſe
Vorſchüſſe haben ſich jedoch niemals zu einer Bereit=
ſtellung
der im ganzen erforderlichen Mittel erhöht. Die
franzöſiſcherſeits anſcheinend abſichtlich immer weiter hin=
ausgezogenen
Verhandlungen riefen bei den an den Pu=
tilow
=Werken intereſſierten Banken eine tiefgehende Ent=
täuſchung
hervor und bewirkten, daß dieſe Banken den
Verſuch machten, den geſamten Geldbedarf an anderer
Stelle zu decken. Zu dieſem Zwecke wandte ſich die füh=
rende
Bank dieſer Gruppe, die Petersburger Privat=
handelsbank
, an ein deutſches Bankinſtitut, um ihm das
Geſchäft als reines Börſengeſchäft vorzuſchlagen. Da die=
ſes
Bankinſtitut nicht in der Lage war, ſich ſofort zu ent=
ſcheiden
, ſo ließ die Privathandelsbank ſich eine 14tägige
Option auf die 20 Millionen Rubel geben. Aus dieſer
mir gegebenen Darſtellung erhellt ohne weiteres, daß die
Firma Krupp in dieſer Angelegenheit keinerlei Initia=
tive
ergriffen hat. Von der franzöſiſchen Preſſe iſt die an
ſich durchaus nicht bedeutende Angelegenheit zu einer
Größe aufgebauſcht worden, die ihr einen gewiſſen politi=
ſchen
Anſtrich gegeben hat. Die Einwürfe von franzöſi=
ſcher
Seite ſind allein deshalb durchaus hinfällig, da
Krupp und Schneider ſeit langem mit den Putilow= Wer=
ken
durch Lizenzverträge, die ſich auf das gleiche Material
beziehen. verbunden ſind. Im übrigen haben die Fran=
zoſen
lange genug Zeit gehabt, das Geſchäft ſelbſt zu
machen Nunmehr läßt ſich allerdings nicht mehr verken=
nen
, daß die ganze Angelegenheit einen gewiſſen politi=
ſchen
Anſtrich erhalten hat. Wenn die ruſſiſche Regierung
tatſächlich unter franzöſiſchem Einfluß verhindern ſollte,
daß dieſes Geſchäft mit Deutſchland abgeſchloſſen wird,
dann kann man darin einen Beweis dafür erkennen, wie
ſtark Frankreich ſeine Rolle als Hauptgeldgeber in Ruß=
land
dazu ausnutzen darf, ſich in innere Angelegenheiten
der ruſſiſchen Regierung einzumiſchen.
Balkanſtaaten.
Die Politik Rumäniens. Laut rumäniſchen
Blättermeldungen erklärte König Carol dem Korreſponden=
ten
des Moskauer Blattes Rußkoje Slowo, der Kurs der ru=
mäniſchen
auswärtigen Politik bleibe der alte. Er glaube
nicht, daß kriegeriſche Ereigniſſe im Anzuge ſeien. Wegen
des ſtarken Geldmangels würden auch nach der Schnee=
ſchmelze
auf dem Balkan keine neuen Schwierigkeiten
entſtehen. In der Inſelfrage würde die Schaffung einer

Autonomie für die Inſeln unter dem Protektorat Europas
das beſte Ausgleichsmittel ſein. Die Türkei habe zwar
viel zu viel in Aſien zu tun, um ſich durch ein Abenteuer
in Europa die Hand binden zu laſſen. Die Anſicht ſei
aber nicht von der Hand zu weiſen, daß ſich gegenwärtig
einige türkiſche Perſönlichkeiten am Ruder befinden, die
eine Gefahr für den Frieden bedeuten könnten. Wenn
aber wider Erwarten ein türkiſch=griechiſcher Konflikt aus=
brechen
würde, ſo würde ſich dieſer nur auf dem Lande
abſpielen, da die von der Türkei in England beſtellten
Kriegsſchiffe erſt im Herbſt geliefert werden könnten. Im
Kriegsfalle werde die Rolle Rumäniens durch die Bul=
gariens
und Serbiens beſtimmt werden. Es werde weder
Bulgarien für die Türkei noch Serbien für Griechenland
aktiv Partei ergreifen dürfen. Nur ein iſolierter türkiſch=
griechiſcher
Konflikt werde den als unverletzbar zu betrach=
tenden
Bukareſter Frieden nicht gefährden.
Neue Bündniſſe? Laut Nowoje Wremja wird
Venizelos in Petersburg auf Betreiben der ruſſiſchen
Diplomatie ein Bündnis mit Serbien unterſchreiben.
Bulgarien werde ſich entſchließen, dem Bund beizutreten.
In Bukareſt ſoll Venizelos den Beitritt Rumäniens zu er=
reichen
ſuchen.
Vereinigte Staaten.
Das Einwanderungsgeſetz. Das Repräſen=
tantenhaus
hat ſämtliche Amendements zur Einwande=
rungsbill
über den Ausſchluß von Aſiaten abgelehnt.
Ehina.
Reform der Landſchaften. Durch ein Edikt
Juanſchilais wurden alle Selbſtverwaltungsorgane der
Provinzen bis zur Reform der Landſchaftseinrichtungen
ſuspendiert mit der Begründung, daß nach der Erklärung
einiger Gouverneure die Landſchaften ihre Befugniſſe
überſchritten, die Geſetze verletzten und Mißbräuche dul=
deten
. Die Deputiertenwahl für die Kommiſſion zur
Abänderung der Verfaſſung wird planmäßig in drei bis
fünf Monaten durchführbar ſein.

* München, 3. Febr. Für die bisher unter aus=
ſchließlich
ſozialdemokratiſcher Parteiherrſchaft ſtehende
Ortskrankenkaſſe München, die größte Bayerns,
wurde zum erſtenmal wieder ſeit über 20 Jahren ein
nichtſozialdemokratiſcher Vorſtand beſtellt. Die ſozial=
demokratiſche
Herrſchaft in den Kaſſenämtern war be=
reits
durch die letzten Wahlen von den Kaſſenmitgliedern
beſeitigt worden.
* Rom, 3. Febr. Die internationale Kom=
miſſion
zur Erforſchung des Mittel=
meeres
iſt zuſammengetreten. Die Sitzung wurde durch
eine Anſprache des Marineminiſters eröffnet. Anweſend
waren u. a. der Unterſtaatsſekretär des Auswärtigen, die
Delegierten Italiens, Frankreichs, Spaniens. Oeſterreich=
Ungarns, Griechenlands und Tunis. Der Fürſt von Mo=
naco
wohnte der Sitzung nicht bei, da er an Grippe er=
krankt
iſt. Der König und die Miniſter des Aeußern und
der Marine ſtatteten dem Fürſten Beſuche ab.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 5. Februar.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Mittwoch den Major Graf von
Büdingen beim Stabe des Infanterie=Regiments Lübeck
(3. Hanſeatiſchen) Nr. 162, den Hauptmann Geppert im
2. Großh. Heſſ. Feld=Artillerie=Regiment Nr. 61, den
Oberleutnant Peters, Adjutant des Kommandos der
Pioniere XVIII. Armeekorps, den Rektor der Techniſchen
Hochſchule Geh. Hofrat Dr. Müller, den Profeſſor Finger
von der Techniſchen Hochſchule, die Kommerzienräte
H. und Th. Heinemann von München, den Bürgermeiſter
Keller von Gießen, den Regierungs= und Baurat Cramer,
Vorſtand des Werkſtättenamts 2, den Regierungs= und
Baurat Rothamel, Vorſtand des Eiſenbahnbetriebs=
amts
2; zum Vortrag den Vorſtand des Kabinetts
Geheimerat Römheld, den Intendanten des Hoftheaters
und der Hofmuſik Dr. Eger.

* Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Ober=Briefträger Georg
Pfeiffer in Ortenberg die Erlaubnis zur Annahme
und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem Deutſchen
Kaiſer, König von Preußen, verliehenen Allgemeinen
Ehrenzeichens (in Silber) erteilt.
* Ernannt wurden durch Entſchließung Großh. Mi=
niſteriums
des Innern die Referendare Walther Nanz
in Steinbach und Friedrich Dahlem in Dexheim zu
Regierungsaſſeſſoren.
D Perſonalnachrichten der Ober=Poſtdireltion in
Darmſtadt. Verliehen aus Anlaß des Scheidens aus
dem Dienſte das Ritterkreuz 2. Klaſſe des Verdienſtordens
Philipps des Großmütigen dem Poſtſekretär Kämmerer in
Darmſtadt; das Preußiſche Allgemeine Ehrenzeichen (in
Silber) dem Ober=Briefträger Pfeiffer in Ortenberg.
Verſetzt: Ober=Poſtaſſiſtent Werner von Krefeld nach
Eberſtadt. Angenommen: als Poſtagent Landwirt
Heinzinger in Klein=Auheim und Schuhmacher Küſter in
Grebenau. Freiwillig ausgeſchieden: Tele=
graphengehilfin
Schül in Heppenheim; die Poſtagenten
Ebel in Grebenau und Kemmerer in Klein=Auheim. Ge=
ſtorben
: Telegraphengehilfin Sommer in Offenbach.
g. Strafkammer II. Als Martyrium eines
Mieters könnte man die Vorfälle bezeichnen, die geſtern
durch eine Verhandlung vor der Strafkammer II aufge=
rollt
wurden. Der Fabrikant Ferdinand Lutz in Offen=
bach
hatte am 1. April 1913 ſeine Geſchäftsräume in das
Haus des Holzhändlers Martin Stöcker verlegt. Er
hatte einen dreijährigen Mietvertrag abgeſchloſſen, wurde
jedoch von dem Hauseigentümer anſcheinend ohne jede
rechte Veranlaſſung auf jede Art und Weiſe ſchikaniert,
ſo daß er es vorzog, den Vertrag bereits nach einem halben
Jahre zu löſen. Wie aus den Beleidigungen, die der
angeklagte Hausherr dem Privatkläger bei jeder Gelegen=
heit
an den Kopf warf, zu entnehmen iſt hat jener An=
ſtoß
daran genommen, daß Lutz Alkoholgegner iſt. Aus
dem Beſchimpfungsfeldzug, den Stöcker aus dem offen
ausgeſprochenen Grunde begann, den Lutz hinauszugrau=
len
und wenn es ihm 1500 Mark koſte, ſind bereits ſieben
Beleidigungsklagen und faſt ebenſoviel gerichtliche Ver=
fügungen
uſw. hervorgegangen. Auf alle mögliche Art
hatte Stöcker dem Lutz das Leben erſchwert, ſo die Fen=
ſter
vergittern laſſen, vor der Kontortür eine ſchwere
eiſerne Tür anbringen laſſen und andere Poſſen. Geſtern
lagen der Berufungsverhandlung Vorgänge zugrunde,
wo der Angeklagte den Privatkläger auf offener Straße
beſchimpfte und in das Geſicht ſpie. Das Schöffengericht
Offenbach hatte gegen Stöcker auf 1 Woche Gefängnis
und 30 Mark Geldſtrafe erkannt. Die Strafkammer er=
höhte
die Strafe auf 1 Monat und 3 Tage Ge=
fängnis
.
* Ueber die Tätigkeit der Arbeitsnachweisſtelle im
ſtädtiſchen Hauſe Waldſtraße 6 (Telephon 371) werden für
den Monat Januar folgende Zahlen mitgeteilt: 496 offene
Stellen, 661 Arbeitſuchende, 230 Vermittelungen, darunter
89 Dienſtboten.
* Städtiſche Leſe= und Bücherhalle. Während des
Monats Januar wurde die Leſehalle im ganzen von 4019
Perſonen beſucht (im Januar 1913: 3760), durchſchnittlich
an jedem Tage 129 Beſucher. Aus der Bücherhalle nach
Hauſe entliehen wurden im ganzen 12050 Bände (1913:
11941), darunter 4611 wiſſenſchaftliche und belehrende
Werke. Die Zahl der ſeit 1. April vorigen Jahres neu
eingeſchriebenen Leſer ſtieg auf 4292. An Büchergeſchenken
gingen in dieſem Monat weiter ein: Aus dem Nachlaß des
Herrn Pfarrers Eigenbrodt 10 Bde., von Herrn Hofuhr=
macher
Karp 15 Jahrg. Zeitſchr., von Herrn Lehrer i. P.
J. Klein 3 Bde. und 25 Jahrg. Zeitſchr., von Herrn Schrift=
ſteller
R. Röhle in Jugenheim a. d. B. 2 Bde., von Heern
Rittmeiſter Rogalla von Bieberſtein 15 Bde., von Frl.
Semm 2 Bde. Allen Gebern herzlichen Dank! Weitere
Schenkungen von Büchern, ſoweit ſolche nicht veraltet,
ſind jederzeit willkommen.
* Naturalverpflegungsſtation. Während des Monats
Januar 1914 wurde die Hilfe der Naturalverpflegungs=
ſtation
von 459 Perſonen in Anſpruch genommen. Die=
ſelben
verurſachten ein Koſtenaufwand von 527,85 Mark.
* In Amerika verſtorbene Heſſen. Reiſemar=
ſchall
Feldmann f. Herr Henry Feldmann, einer
der bekannteſten Deutſchen in Neu=York City, iſt am letz=
ten
Mittwoch im Deutſchen Hoſpital nach zwei Operatio=
nen
, infolge Nierenkrankheit, aus dem Leben geſchieden.
Der Dahingeſchiedene, welcher im 72. Lebensjahre ſtand,
ſtammte aus Butzbach Großherzogtum Heſſen, und kam
als Jüngling, zu Anfang des Jahres 1868, nach den Ver=
einigten
Staaten. Er war zuerſt unter General Franz
Siegel Agent der Great Weſtern Lebensverſicherungs=

Wenn Pierpont Morgans Kunſt=
ſchätze
verkauft werden . . .

C.K. Das Gerücht, daß Pierpont Morgans Sohn und
Erbe ſich mit dem Gedanken trage, die Kunſtſchätze ſeines
Vaters zu verkaufen, hat ein berechtigtes großes Aufſehen
hervorgerufen. Dieſe einzigartigen Sammlungen, für die
ungeheuere Summen ausgegeben ſind, ſollten ja nach dem
Wortlaut von Morgans Teſtament nach meinem Tode zur
Belehrung und Ergötzung des Publikums ausgeſtellt wer=
den
; aber dahinter findet ſich dann gleich der ominöſe
Satz: Danach ſoll mein Sohn das Recht haben, damit zu
mächen, was er will‟. Die Ausſtellung der Herrlichkeiten
wird ja nun in dem neuerbauten Flügel des Metropolitan=
Art=Muſeum in Neu=York erfolgen. Vorläufig hat- auch
der neue Herr der Schätze die Verkaufsgerüchte dementiert
und erklärt, daß für den Augenblick von einem derartigen
Entſchluß gar nicht die Rede ſein könnte. Aber immerhin
iſt der Gedanke, daß dieſe mit einem ſo gewaltigen Auf=
wand
zuſammengebrachten Kunſtwerke wieder in alle
Winde verſtreut werden könnten, nunmehr in das Bereich
der Möglichkeit gerückt und regt zum Nachdenken, zum
Weiterdenken an.
Was wäre die Sammlung, die ihrem Erwerber mehr
als 200 Millionen gekoſtet, wohl heute beim Verkauf wert?
ſo fragte ein Vertreter des Gaulois dieſer Tage einen der
bedeutendſten Kunſthändler von Paris. Wenn man ſie
in Serien verkaufte, zwei oder drei große Verſteigerungen
in drei Jahren antwortete dieſer, ſo würde man wohl
ſo viel herausbekommen, wie dafür gezahlt worden iſt;
mehr kaum, denn Piervont Morgan kaufte ſehr teuer.
Manche Stücke würden höhere Preiſe erzielen, andere wür=
den
kaum den Kaufpreis erreichen, denn dabei hat die
Laune des Milliardärs oft ihre Rolle geſpielt. So gab er ein=
mal
ſeinem engliſchen Einkäufer ein Aufgeld von 400000
Francs, weil dieſer ihm eine koſtbare Vaſe in einem Haus
von Vrighten dadurch verſchafft hatte, daß er einfach das
ganze Haus für 450 000 Francs kaufte. Dieſer kühne Streich
entzückte Morgan ſo, daß er ihn königlich belohnte. Und
wenn man die ganze Sammlung zuſammen verkaufte?
Die Lemälde und andere Kunſtwerke des 18. Jahr=
hunderts
würden ihren Preis halten; es ſind da für 30

is 40 Millionen Sachen, und die würden leicht von ver=
ſchiedenen
großen Händlern aufgenommen und unterge=
bracht
werden können. Bei den übrigen Sachen, beſonders
ei den Gegenſtänden, die aus den Ausgrabungen in Ita=
ien
und Aegypten ſtammen, würde der Verluſt bis
zu 50 Prozent betragen. Wenn ſich auch alle Muſeen
der Welt, unterſtützt von den Regierungen, mit aller Kraft
bei dem Ankauf beteiligten, ſo würden doch nicht die an=
gelegten
Summen wieder herauskommen, und jedenfalls
würde der ganze Kunſthandel in eine Verwirrung geraten
die Jahre lang andauern könnte. Ein Verkauf in einzelnen
Abteilungen, bei dem man nicht zu viel verlieren möchte,
würde ſich lange hinziehen, beſonders, da man nach großen
Käufern ſuchen mußte, die ganze Teile nehmen würden.
Solche gibt es ja in Amerika, Aber, es läßt ſich überhaupt
nicht recht vorausſehen, wie ein ſolcher Verkauf ſich ent=
wickeln
würde. Er liegt ja auch noch weit im Felde, denn
die im Teſtament vorgeſehene Ausſtellung wird wenigſtens
ein oder zwei Jahre in Anſpruch nehmen.
Was der amerikaniſche Milliardär Pierpont
Morgan an Werken der Kunſt in ſeinem leidenſchaftlichen
Sammeleifer zuſammengebracht hat, das iſt kaum zu über=
ſehen
, ſo ungeheuer viel iſt es. Der Katalog ſeiner Inku=
nabeln
allein umfaßt drei große Foliobände. Aber einige
der Hauptwerke genügen, um durch die Angabe ihres un=
gefähren
Kaufpreiſes zu beweiſen, welch ungeheuren Werte
in ſeiner Sammlung ſtecken. Für ſeinen berühmten Raf=
fael
bezahlte er dem Pariſer Kunſthändler Sedelmeyer 2,5
Millionen Francs. Die Frans Hals aus der Sammlung
des Grafen Mniszeck wurden für 2 Millionen Francs ge=
kauft
, die Hubert=Robert aus dem Beſitz des Herrn de Ver=
neuil
für 2,5 Millionen Francs. Für die vier Panneaus
von Fragonard bezahlte Morgan 1898 1,25 Millionen
Francs. Nicht minder große Werte ſind in ſeinen Bron=
zen
und Tapiſſerien angelegt. Für eine Million kaufte er
die Miniaturenſammlung der Mme. Heine. Morgans
einzigartige Sammlung koſtbarer Emailſachen wird auf 3
bis 4 Millionen geſchätzt. Dazu kommt ſeine herrliche Por=
zellanſammlung
, die mehrere Millionen wert iſt; ſeine
Sammlung alter Silberarbeiten, unter denen für die Kol=
lektion
Guttmann allein 3 Millionen bezahlt wurden. Und
dann ſeine Bücher! Die unvergleichliche Sammlung von
Inkunabeln, von Erſtdrucken, von Autographen und Manu=
ſkripten
iſt in ihrem Wert gar nicht abzuſchätzen.

Feuilleton.

* Die Schulden der Prinzeſſin Luiſe. Durch ein neuer=
liches
Abkommen ſind den drei Töchtern des Königs Leo=
pold
nochmals 16½ Millionen Francs zu den früheren 21
Millionen zugefallen. Die vielgenannte Prinzeſſin Luiſe
erhält von dieſen Millionen aber nur eine einzige, der
Reſt geht an die Gläubiger, die auf dieſe Abſchlagszahlung
ſchon lange warten. Die Gläubiger der Prinzeſſin Luiſe
können, ſo plaudert der Brüſſeler Korreſpondent der
B. Z. a. M., in vier Kategorien eingeteilt werden. Die
erſte Kategorie beſteht aus Lieferanten von Putz= und
Modeartikeln, die zweite aus ehrlichen Geldgebern, die
Vorſchüſſe auf die Erbſchaft leiſteten, die dritte aus raffi=
nierten
Geſchäftsleuten, welche Gelder gaben unter den
Bedingungen, die man nicht ſehr zahlungsfähigen Kava=
lieren
zu ſtellen pflegt. Die vierte Kategorie der Gläu=
biger
ſetzt ſich zuſammen aus Advokaten, deren Anſprüche
mehrere Millionen betragen. Unter der erſten Kategorie
findet man Herrn Paquin aus Paris mit einer Forderung
von 74000 Francs, eine andere Schneiderfirma in Paris
verlangt 64000 Francs und eine Londoner Firma 45000
Francs. Dazu kommen unbezahlte Hotelrechnungen im
Betrage von etwa 7000 Francs, ſowie kleinere Schulden
von Schuhgeſchäften und Modiſtinnen in Beträgen, die
zwiſchen 2000 und 10000 Francs variieren. Unter der
zweiten Kategorie findet man an erſter Stelle die Prinzeſ=
ſin
Stephanie mit einer Forderung von 171000 Francs,
die ſich aus vorgelegten Prozeßkoſten zuſammenſetzt. Der
preußiſche Fiskus iſt mit geſtundeten Steuern im Betrage
von 3550 Francs vertreten. Unter der dritten Kategorie
figurieren an erſter Stelle die Eheleute Schneemann aus
Hamburg, die die Kleinigkeit von 5950000 Francs ver=
langen
, eine Summe, die ſie aber ſchon ganz von ſelbſt
während des jüngſt geführten Prozeſſes auf drei Millionen
herabſetzten. An zweiter Stelle verlangt ein Schweizer
Adeliger 1 150000 Francs. Ein Pariſer Bankier folgt mit
1099000 Francs, ein deutſcher Graf v Hohenau bean=
ſprucht
875000 Francs, ein Münchener Ehepaar 1025000
Francs, eine Wiener Firma 875000 Francs, der bekannte
Berliner Herr Walter Inhoffen annähernd 1½¼ Million,
eine Berliner Immobilien=Geſellſchaft 10000 Francs,
Eine Pariſer Firma mit deutſchklingendem Namen meldet

[ ][  ][ ]

Nummer 36.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. Februar 1914.

Seite 3.

Geſellſchaft, etablierte ſich aber nach kurzer Zeit ſelbſt und
war 18781910 Diſtrikts=Manager der Royal Inſurance
Co. Außerdem war er im Grundeigentums=Geſchäft tätig
und erwarb durch Umſicht und Geſchäftsgeiſt ein beträcht=
liches
Vermögen. In Vereinskreiſen hat Herr Feldmann
ſeit vielen Jahren eine führende Rolle geſpielt. Er war
eines der älteſten Mitglieder des Beethoven=Männerchors,
deſſen Präſident er während eines Termins war. Außer=
dem
gehörte Herr Feldmann dem Arion und dem
Heſſen=Darmſtädter Volksfeſt=Verein lange
Jahre als Mitglied an. Eine hervorragende Rolle ſpielte
er in Keglerkreiſen. Er war Mitglied einer ganzen An=
zahl
Kegel=Klubs, Ehrenmitglied des Kegler=Verbandes
in Deutſchland, Ehrenmitglied des Vereinigten Kegel=
klubs
in Neu=York und leitete deren Reiſen zu den Kegel=
turnieren
in Hannover 1891 und Solingen 1904. Die letzte
Geſellſchaftsreiſe, welche Herr Feldmann arrangierte, war
die Reiſe des Heſſen=Darmſtädter Volksfeſt=Vereins von
Neu=York nach der alten Heimat im Jahre 1913. Er
hinterläßt ſeine Gattin Eliſe Schmidt, ebenfalls aus Butz=
bach
ſtammend, mit welcher er ſeit dem 19. November 1869
in glücklichſter Ehe vereint war, einen Sohn und ſechs
Töchter. In ihrer letzten Wohnung, in Neu=York City,
ſtarb am 18. Januar Frau Juſtina Grimm, gebürtig
aus Babenhauſen. Die Beerdigung fand am 21.
Januar ſtatt. An den Folgen eines Lungenleidens ſtarb
nach dreimonatiger Krankheit am 16. Januar in Liberty,
Neu=York, Herr Quirin Joſ. Hattemer im Alter von
erſt 33 Jahren. Der Entſchlafene war am 8. Mai 1880
in Gau=Algesheim (Rheinheſſen) geboren und kam
im Jahre 1906 nach Amerika. General Louis Wag=
ner
einer der bekannteſten Deutſchamerikaner Phila=
delphias
, und unter den Bürgern der Stadt der hervor=
ragendſten
einer iſt in Philadelphia hier nach kur=
zer
Krankheit plötzlich verſchieden. Er erreichte ein Alter
von 76 Jahren. Im Jahre 1849 war Louis Wagners
Vater, um den Nachwehen von 1848 zu entgehen, mit ſeiner
Familie von der deutſchen Univerſitätsſtadt Gießen in
Heſſen=Darmſtadt nach den Vereinigten Staaten ausge=
wandert
. Die Familie Wagner wandte ſich ſofort der
Stadt der Bruderliebe zu, in deren politiſchem, geſchäft=
lichem
und geſellſchaftlichem Leben der junge Deutſche bald
eine hervorragende Rolle ſpielen ſollte. Beim Ausbruch
des Bürgerkrieges ergriff er für das neue Vaterland die
Waffen. Er trat als Leutnant in die Armee ein, wurde in
der zweiten Schlacht von Bull Run ſchwer verwundet und
beſchäftigte ſich im ſpäteren Teil des Krieges mit der Re=
krutierung
und Organiſierung farbiger Soldaten. Nach
dem Friedensſchluſſe nahm er an allen öffentlichen und
ſtädtiſchen Angelegenheiten regen Anteil. Er diente der
Stadt Philadelphia als Council=Mitglied gehörte der
Unterrichtsbehörde an, war Recorder of Deeds, Direktor
der Oeffentlichen Werke und ſtand als Commander an der
Spitze des ſtaatlichen und nationalen Verbandes der
Grand Army; er war außerdem bis zu ſeinem Tobe Prä=
ſident
der Commiſſion ſtädtiſcher Truſtees und ſeit 18
Jahren Präſident der 3. Nationalbank. Der erſtgenann=
ten
Körperſchaft gehörte General Wagner ſeit 42
Jahren an.
Hausbeſitzer=Verein. Es wird hiermit nochmals
auf die heute abend im Kaiſerſaal ſtattfindende öffentliche
Verſammlung mit dem mit Lichtbildern ausgeſtatteten
Vortrag des Herrn v. Heſſert hingewieſen. Das Vortrags=
thema
dürfte in dieſer Form hier noch nicht behandelt
worden ſein und dürfte ſich daher für jeden Intereſſenten
der Beſuch empfehlen.
* Odenwaldklub. Die 11. Wanderung des laufenden
Vereinsjahres findet am kommenden Sonntag, den
8. Februar, ſtatt. Sie führt die Klubgendſſen von Hetz=
bach
aus durch einen der ſchönſten Teile unſeres Oden=
waldes
über die noch tief verſchneite Tromm nach Wald=
Michelbach. Alles nähere über den Weg und die Weg=
verhältniſſe
iſt am Freitag abend im Klublokal zu erfahren
Den Mitwanderern, die am Bierabend nicht teilnehmen,
wird an dieſer Stelle empfohlen, für die etwas lange
Bahnfahrt ein kleines Frühſtück und für die Wanderung
Eisſporen mitzunehmen.
* Der Geſangverein Sängerluſt veranſtaltet am
Samstag, 14. Februar, abends 8.11 Uhr, ſeinen dies=
jährigen
großen Maskenball in ſämtlichen närriſch
dekorierten Räumen des Mathildenhöhſaales. Für dies=
mal
ſind ganz beſondere Ueberraſchungen im Gange.
Schon jetzt ſei verraten, daß der Nebenſaal zu einem Win=
tergarten
mit lauſchigen Wein= und Sektniſchen eingerich=
tet
wird, im großen Saale bieten Verkaufsbuden Blumen,
Luftſchlangen. Leckerbiſſen aller Art feil, ſo daß ein recht
fideles Karnevalstreiben zu erwarten iſt. Eine ſtändig
tätige Liebespoſt befördert Anſichtskarten=Austauſch von
Tiſch zu Tiſch. Auf der Galerie reicht ein Café einen vor
züglichen Kaffee zur Stärkung dar. Wer ſich amüſieren
und einen echten Karnevals=Abend mitmachen will, ver=
ſäume
nicht, dieſen Maskenball zu beſuchen. Ein Kater=

bummel findet am darauffolgenden Sonntage auf die
Ludwigshöhe ſtatt. (Näheres ſiehe Anzeige.)
* Stenographie. Es wird noch einmal darauf hinge=
wieſen
, daß heute im Damenverein des Gabelsberger
Stenographen=Vereins (gegr. 1861) nachmittags und
abends Anfängerkurſe beginnen.

Heſſiſcher Landesverein vom Roten Kreuz.

g. Im Feſtſaale des Alten Gymnaſiums erfolgte geſtern
die feierliche Ueberreichung von Broſchen
an Helferinnen vom Roten Kreuz. Der Vor=
ſitzende
des Heſſiſchen Landesvereins vom Roten Kreuz,
Generalleutnant a. D. Korwan Exzellenz, begrüßte die
Erſchienenen im Namen des Landesvereins vom Roten
Kreuz und des Alice=Frauenvereins und teilte mit, daß
Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin es auf das
lebhafteſte bedauere, durch die Erkrankung des Prinzen
Ludwig davon abgehalten zu werden, die Ueberreichung
der Broſchen ſelbſt vornehmen zu können. Ihre Königl.
Hoheit habe deshalb Freiin von Nordeck zur Rabenau und
ihn, den Redner, damit beauftragt. Erfreulicherweiſe ſeien
auch die Anmeldungen zu dem heute beginnenden Lehr=
gang
für Helferinnen wieder ſehr zahlreich. Das beweiſe
daß der Gedanke der freiwilligen Krankenpflege in letzter
Zeit mehr und mehr Verbreitung gefunden habe. Um im
Kriege helfen zu können, ſei erforderlich, daß die Helferin=
nen
im Frieden vorgebildst werden, und zwar gut und
gründlich. Dieſe Vorbildußg ſoll theoretiſch und praktiſch
erfolgen. Herr Leibarzt Dr. Happel ſei leider durch die
Erkrankung des Prinzen Ludwig außerſtande, wie vor=
geſehen
, die Vorträge zu halten. Für ihn wird Herr Gene=
ralarzt
Dr. Lindemann die Vorträge erſtatten.
Redner verbreitete ſich hierauf ausführlich über die
Zeit vor dem Abſchluß des Genfer Abkommens und deſſen
allmähliches Werden, um den angehenden Helferinnen die
Bedeutung ihrer ſpäteren Stellung ans Herz zu legen.
Noch in den Kriegen zu Anfang des 19. Jahrhunderts fehlte
es ſo gut wie an allem in der Kriegs=Kranken= und Ver=
wundetenpflege
. Nur der erſte Napoleon hatte einige
praktiſche Anordnungen getroffen, und in ſeinem Heere
wurden zum erſten Male die Feldlazarette eingerichtet.
Doch beherzigte man die damaligen Erfahrungen nicht, und
ſo kam es denn, daß in den Kriegen in der Mitte des vori=
gen
Jahrhunderts es an den allernotwendigſten ſanitären
Vorrichtungen mangelte. Die Zuſtände, die ſich im Krim=
kriege
offenbarten, waren unbeſchreiblich, und die damals
in der Preſſe veröffentlichten grauenhaften Schilderungen
erregten einen Sturm der Entrüſtung, der zu zweckmäßigen
Maßnahmen der engliſchen Ragierung Veranlaſſung gab.
Die Regierung entſandte Miß Florence Nighthingale
nach dem Kriegsſchauplatz mit 39 gut ausgebildeten
Pflegerinnen; damals ein ganz ungewohnter Vorgang, die
Frau in der Verwundetenpflege zu verwenden. Wie recht
die engliſche Regierung gehandelt, zeigte ſich an den Er=
folgen
.
Redner ging ausführlich auf das Wirken dieſer bedeu=
tenden
Frau ein und erzählte dann von den Schrecken des
Krieges der Franzoſen und Sardinier gegen Oeſterreich,
der furchtbaren Schlacht von Solferino, wo es 38000 Tote
und Verwundete gab; der Schlacht bei Magenta, wo für
23000 Verwundete nur 16 Aerzte vorhanden waren, ſo
daß die ſanitären Einrichtungen vollſtändig verſagten.
Endlich, nach der Schlacht von Solferino, erklärte ſich dann
die öſterreichiſche Regierung bereit, private Hilfe zuzu=
laſſen
, und auf deren Veranlaſſung wurden dann etwa
40000 Mann zurückgebracht, worauf man die großen Vor=
teile
der Krankenzerſtreuung erkannte. Henry Dunant,
ein Augenzeuge der Schlacht von Solferino und ihrer
ſchrecklichen Folgen durch Verſagen der Sanitätseinrichtun=
gen
, veranlaßte 1863 eine Zuſammenkunft von Sachver=
ſtändigen
in Genf, die eine Reihe von Beſchlüſſen aufſtellte,
um eine großartige Sanitätseinrichtung für Kriegsfälle zu
ermöglichen. Dieſe Beſchlüſſe bildeten dann die Grundlage
für die am 22. Auguſt 1864 abgeſchloſſene Genfer Konven=
tion
, der ſofort 16 Staaten beitraten, darunter vier deutſche,
nämlich Preußen, Baden, Württemberg und Heſſen.
Noch vor dem Abſchluß der Genfer Konvention, im
deutſch=däniſchen Kriege, war eine beſſere Sanitätseinrich=
tung
durch den Johanniterorden getroffen worden. Redner
ging dann auf den amerikaniſchen Bürgerkrieg ein, durch
den die Bildung der Frauenvereine zur Ausübung der
freiwilligen Krankenpflege einen ſo mächtigen Anſtoß er=
hielt
, und ſchließlich auf die Bewährung der Einrichtungen
des Roten Kreuzes in den letzten Kriegen bis auf den
Balkankrieg. Er erörterte dann noch die Frage der Ver=
wendbarkeit
der Helferinnen und kommt zu dem Schluß,
daß eine aut ausgebildete, pflichtbewußte Krankenhelferin,
die jedes Jahr die Wiederholungskurſe durchmachte, einem
wenia geübten Sanitätsſoldaten vorzuziehen ſei.
Erzellenz Korwan ermahnte zum Schluß die
Helferinnen, ununterbrochen an ihrer Ausbildung zu ar=
beiten
und appellierte an ihr Pflichtgefühl. Sodann

date er den ver Krankenanſalln, die die Kurfe ermig.
lichten, ſowie dem Generaloberarzt, den Aerzten und den
Schweſtern des Alice=Hoſpitals, den Schweſtern des
Stadtkrankenhauſes, des Eliſabethenſtifts und dem La=
zarett
.
Sodann nahmen Exzellenz Korwan und Freiin
von Rabenau die Verteilung der Broſchen vor, und
zwar an folgende Damen: Hilfsſchweſter: Freiin
von Biegeleben; Helferinnen: Fräulein Andre, Frau
Arnold, Frl. Balſer, Frl. Anna Becker, Frl. Clotilde
Becker, Frau Mary Becker, Frl. Bell, Frl. Berndt, Frl.
Blaß, Frl. Bornemann, Frl. Dienſtbach, Frl. Eber Frl.
Edion, Frl. Eppenetter, Frau v. Falkenhayn, Frau Fiſcher=
Dick, Frl. Ganß, Frl. Goebel, Frl. Gottwald, Frl. Grem=
pel
, Frl. Gramlich, Frl. Guyot, Frau Haubach, Frl.
Hild, Frl. Hofmann, Frl. Jung, Frl. Kalkhof, Frl.
Klingemeier, Frl. Kneib, Frl. Kullmann, Frl. Lauber,
Frau Prof. Lenz, Frl. Leydhecker, Frl. Lotheißen, Frau
Sanitätsrat Machenhauer, Frl. Maurer, Frau von Moers,
Frau Müller, Frl. Muth, Frl. Nothnagel, Frl. Petry, Frl.
Pitthan, Frl. v. Randow Frau Geheimerat Römheld,
Frl. Dora Röhrig, Frl. Sandmann, Frl. Schenk, Frl.
Schläger, Frl. Schlapp, Frau Schneider Frau Steurer,
Frl. Steurer, Frl. Stiebritz, Frl. Uhrig, Frau Volz, Frl.
Wallauer, Frl. Watzinger Frl. Weber, Frl. Wecker, Frl.
Wickop. Frl. Wiegand, Frl. Wulkow, Frl. Zauſch, Frl.
Zeißler.
Exzellenz Korwan richtete hierauf noch eine kurze
Anſprache an die Helferinnen und ſprach zum Schluß die
Hoffnung auf baldige Geneſung des Prinzen Ludwig aus
und ſchloß mit einem beifällig aufgenommenen Hoch auf die
Großherzogin, womit die Feier ihren Abſchluß gefunden
hatte.
Die Ausſtattung des Feſtſaales hatte die Firma
Feidel, Hügelſtraße, freundlichſt übernommen.

Kunſtnotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktio.; ihr Urteil vor.
Konzert Ida Baur=Egelhaaf-Willem
de Boer. Im Konzertſaal des Hotels Zur Traube‟
wird heute Donnerstag, den 5. Februar, abends 8 Uhr, ein
Konzert der berühmten Sängerin Ida Baur=Egelhaaf und
des Violinvirtuoſen Willem de Boer ſtattfinden, das einen
erleſenen Kunſtgenuß verſpricht. Das ebenſo reichhaltige
wie künſtleriſch intereſſante Programm des Abends wird
beherrſcht von Beethoven, Schumann, J. S. Bach, Johs.
Brahms, Cyril Scott, M. Schillings, R. Strauß, M. Reger
und N. Paganini. Am Klavier wirkt Chr. G. Eckel= Frank=
furt
a. M. Es liegen uns zahlreiche Kritiken über das
Künſtlerpaar aus jüngſter Zeit vor. Von Ida Baur=
Egelhaaf heißt es da u. a.: Ein edles, überaus bieg=
ſames
und geſchmeidiges Organ, das im mezza vore bei
aller Weichheit doch ſatt gefärbt klingt, iſt ein höchſt wert=
voller
Beſitz der Sängerin, die in ihrem ureigenſten Aus=
drucksgebiet
wirklich reſtlos darzuſtellen und nachzuſchaffen
vermag . Und von Willem de Boer: Er ſtand
über ſeiner Aufgabe und brachte die Vorzüge des Werkes
zur vollen Geltung. Noch tiefer wirkte er in der ſchönen
Solo=Violin=Sonate von Reger. . . . de Boers ſauberes,
reines, klares Spiel, ſeine tadelloſe Technik, die Kraft und
Eleganz des Striches, der ſchöne tragende Ton in der
Kantilene, der der Innigkeit nicht entbehrt, erfreuten in
hohem Maße und geben beredtes Zeugnis von den Quali=
täten
dieſes Geigers, der trotz ſeiner Jugend ſchon zu den
hervorragenden Vertretern ſeines Inſtruments zu zählen
iſt. Karten bei G. Thies Nachf. (L. Schutter), Eliſa=
bethenſtraße
12, und an der Abendkaſſe.
* Robert Kothe=Abend. Ueber den Erfolg
des Münchener Künſtlers ſchreibt das Hamburger Frem=
denblatt
: Wie ein fahrender Geſell kam er daher, über
der Schulter am buntbemalten Band die lieblich ſüße Laute,
auf den Lippen ein ſchelmiſches Land. Und um ihn
herum ſtanden und ſaßen im Schatten der Dorflinde die
Buben und Mädel, die Alten und Jungen, entzückt lau=
ſchend
und ihn durch rauſchenden Beifall zu immer neuen
volksliedhaften Weiſen ermunternd. Pfälziſche und öſter=
reichiſche
, ſchwäbiſche und fränkiſche Verſe und Melodien
klangen da in die Stille hinein. Robert Kothe ſang ſie
wie einer, der da ſingen muß, aus fröhlich bewegter Bruſt
heraus, ohne Zierde, ohne Uebertreibung. Und wenn ſich
auch über ihm ſtatt breitäſtiger Linde eine bemalte Saal=
decke
wölbte und der Dorfplatz das nüchterne Konzert=
podium
in der Muſikhalle war, ſie ließen ſich alle von ihm
bezaubern und unterlagen willenlos der reizenden Sinnes=
täuſchung
. Als das Programm erſchöpft war, drängte alles
nach vorne zum Sänger und umringte ihn, wie dereinſt in
der Weſerſtadt die Kinder den Rattenfänger von Hameln,
und begehrten mehr und mehr. Und ich wette, wenn er
nit ſeiner Laute vorangegangen wäre, in den feuchten
Herbſtabend hinein, ſie wären ihm alle willig gefolgt, ſo.
ſehr hatte er ſich ihnen ins Herz geſungen. Für den am
Donnerstag, 12. Februar, hier ſtattfindenden Kothe=Abend
ſind Karten in der Hofmuſikalienhandlung Heinrich Arnold,
Wilhelminenſtraße 9, erhältlich.

* Roßdorf, 4. Febr. (Turnertagung.) In dem
Saale des Gaſthauſes Zur Germania tagte die 37. Jah=
resverſammlung
des hieſigen Turnvereins, die ſehr zahl=
reich
beſucht war. Nach Worten herzlicher Begrüßung durch
den verdienſtvollen Vorſitzenden Herrn Lehrer Emmerich
erſtattete der erſte Turnwart Löffler Bericht über den Turn=
betrieb
, aus dem hervorgeht, daß der Verein im verfloſ=
ſenen
Jahre die meiſten turneriſchen Erfolge ſeit Beſtehen
aufzuweiſen hat. Alsdann gab der Rechner Rückert die
Einnahmen und Ausgaben bekannt, aus denen zu erſehen
iſt, daß er 1233,34 Mark vereinnahmt und 1152,27 Mark ver=
ausgabt
hat, bleibt ſomit ein Ueberſchuß von 81 Mark
07 Pfg. Rechnet man nun den Reingewinn der Verloſung
hinzu, welche dieſes Jahr ausnahmsweiſe erſt am 15. Febr.
ſtattfindet, ſo kann der Verein auch mit ſeinem finanziellen
Erfolge zufrieden ſein. Beſonders freudig wurde bei der
Rechnungsablage die Opferwilligkeit mehrerer Mitglieder
und Turnfreunde begrüßt, wurden doch im verfloſſenen
Jahre nahezu 100 Mark an freiwilligen Spenden dem Ver=
eine
zugewieſen. Die Bücher befinden ſich nach dem Bericht
der Prüfungskommiſſion in beſter Ordnung, und wurde
dem Rechner, nachdem ihm der Dank des Vereins ausge=
ſprochen
, Entlaſtung erteilt. Nach dem Bericht des Zeug=
warts
Becker beſitzt der Verein zurzeit ein Vermögen von
15653 Mark, welches mit 10050 Mark belaſtet iſt als Hypo=
thek
, von welcher Schuld jedes Jahr mindeſtens 200 Mark
abgetragen werden. Aus den Niederſchriften der übrigen
Vorſtandsmitglieder geht hervor, daß der Verein zurzeit
aus 161 Mitgliedern beſteht, und zwar aus 115 über und
46 unter 18 Jahren. Außerdem hat der Verein eine
Damenabteilung von 12 und eine Knabenabteilung von
42 Perſonen. Bei der Wahl des Vorſtandes wurden acht
Vorſtandsmitglieder mit großer Majorität wieder= und
wei neu hinzugewählt. Neu eingetreten ſind im Laufe des

400000 Francs an, eine zweite 149000 Francs, eine dritte
157000 Francs, ein anderer in London wohnender Geld
geber beanſprucht die runde Summe von 200000 Francs,
ein Londoner Privatbankier 174000 Francs, ein Peſter
Bankier 128000 Francs und ein Berliner Bankier 375000
Francs. Dann kommen noch die Vermittler mit hohen
Proviſionsanſprüchen. Sie wohnen in Frankreich, Eng=
land
, Deutſchland und Oeſterreich und beanſpruchen zum
Teil Summen bis zu 100000 Francs. Als Honorar für
Anwälte notieren wir der Reihe nach: 12500 Francs,
21557,48 Francs, 68 250 Francs, 146000 Francs, 800
Francs, 37000 Francs, 312500 Francs, 5250 Francs,
100000 Francs, 156 250 Francs, 3000 Francs, 3000 Francs,
10000 Francs, 14000 Francs, 1200 Francs, 5000 Francs,
3323,18 Francs, 6000 Francs. Das ſind nette Summen,
welche die Prinzeſſin bezahlen ſoll. Nach der zwiſchen
den Advokaten und den Gläubigern abgeſchloſſenen Kon=
vention
wird jede einzelne Forderung auf ihre Begrün=
dung
geprüft. Gegen die Entſcheidung der Schiedsrichter
kann Berufung beim Appellgericht in Brüſſel eingelegt
werden. Man kann daraus Schlüſſe ziehen, wie lange es
noch dauern wird, bis die Gläubiger ihr Geld bekommen.
CK. Eine Entfernungsmeſſung zwiſchen Berlin und
Waſhington. Das deutſche geodätiſche Inſtitut in Pots=
dam
und die amerikaniſche Coaſt and Geodetio Survey
in Waſhington haben ſich zu einer intereſſanten gemein=
ſamen
Unterſuchung verbündet: auf Grund der neueſten
und feinſten Vermeſſungsmethoden ſoll die genaueſte Ent=
fernung
zwiſchen Amerika und der deutſchen Reichshaupt=
ſtadt
feſtgeſtellt werden und dabei auch die genaue Ent=
fernung
zwiſchen den amerikaniſchen und europäiſchen
Erdteilen. Die neuen Vermeſſungen gehen von der Theorie
aus, daß die Erdelaſtizität gewiſſe Verſchiebungen in den
Entfernungen hervorruft; die Geographen zweifeln neuer=
dings
die Unveränderlichkeit ſolcher Entfernungen an.
Während die amerikaniſchen Behörden die Entfernung von
Waſhington und Horta nach den Azoren feſtſtellen, wird
das Potsdamer Inſtitut die Entfernung von den Azoren
nach Berlin neu vermeſſen

** Vom Siegeszug der bunten Perücken. Die Lei=
denſchaft
für grüne, blaue, roſa und purpurne Perücken,
die gegenwärtig in Paris unter den modernſten Mode=
damen
herrſcht, beginnt ſich nun auch in London und Neu=
York zu verbreiten. In der britiſchen Hauptſtadt hat eine
Schauſpielerin dieſer exotiſchen Mode die Bahn gebro=
chen
, Madge MeIntoſh, die als Heldin in dem neuen er=
folgreichen
Einakter Die Muſikkur von Shaw mit einer
grasgrünen Perücke auftrat und mit großem Beifall die
Luſt zur Nachahmung erweckte. Die Dame erzählt, daß ſie
die Bühnenanweiſung des Dichters, der eine grüne Perücke
vorſchreibt, zunächſt mit nicht geringem Entſetzen erfüllte.
Aber Shaw beſtand auf ſeiner Anordnung, und als er ſie
in dem grünen Haarſchmuck erblickte, ſagte er: Ausgezeich=
net
! Und das Publikum war ſeiner Anſicht. Seitdem
mehren ſich die großen Beſtellungen, die in Paris auf bunte
Perücken gemacht werden, und am meiſten werden licht=
blaue
und blaßrote Werke der Friſeurkunſt verlangt, da
ſie zur Blondheit der engliſchen Miß am beſten paſſen.
Dunkle Schöne ziehen ein tiefes Purpur vor, und man
iſt entzückt von den ſeltſamen Lichtſpielen, die die elektri=
ſchen
Lampen des Abends in dieſen farbigen Wundern
entfeſſeln. Immerhin ſind die Ausſichten, daß ſich dieſe
Mode der farbigen Coiffüren in weite Kreiſe ausbreite
nur ſehr gering. Die Perücken ſind nämlich recht teuer; ſie
koſten gegen 200 Mark und mehr, und außerdem muß die
Dame im bunten Lockenſchmuck natürlich eine koloriſtiſch
fein abgeſtimmte Toilette haben, die zu den Farbentönen
der Friſur paßt, und eigentlich müßte ſie auch ihre Räume
damit in Harmonie bringen.
* Der Schlitzrock. Aus Wien wird berichtet, daß den
Damen, die zu den diesjährigen Hoffeſtlichkeiten zugelaſſen
ſeien, vom Hofmeiſteramt die Mitteilung gemacht wor=
den
iſt, daß es unbedingt verboten ſei, zu den höfiſchen
Veranſtaltungen in einer Toilette zu erſcheinen, die den
ſogen. geſchlitzten Rock aufweiſe und zeitweilig das Knie
erſcheinen laſſe. Die Beamten der Hofmeiſterei ſeien an=
gewieſen
, derart gekleidete Damen aus dem Schloſſe zu
weiſen.

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. Februar 1914.

Nummer 36.

Jahres 21, ausgetreten 8 Mitglieder; zum Militär traten
4 Turner ein.
Münſter b. Dieburg, 4. Febr. (Vom eigenen
Fuhrwerk überfahren.) Als der 42jährige
Bauersmann J. Kreher von hier heute nachmittag mit
ſeinem leeren Pfuhlfuhrwerk vom Felde heimfuhr, ſcheute
das Pferd und rannte davon. Kreher kam ſo unglücklich
dabei zu Fall, daß er eine weite Strecke mitgeſchleift
wurde und ſich dadurch ſehr erheblich verletzte. An ſeinem
Aufkommen wird gezweifelt. Ein beherzter Fuhrknecht
konnte das wilde Pferd zum Stehen bringen.
Offenbach a. M., 4. Febr. (Hartnäckige Selbſt=
mörder
in.) Montag abend wollte eine in Heuſenſtamm
wohnhafte Frau von der Mainbrücke aus in den Main
ſpringen. Der Brückenwärter, der dies bemerkte, hielt die
Frau jedoch von ihrem Vorhaben ab. Nach wenigen Mi=
nuten
ſtürzte die Genannte ſich unterhalb der Brücke in den
Main. Mit Hilfe einiger Leute verſuchte der Brücken=
wärter
nun, die Lebensmüde aus dem Waſſer zu ziehen.
Dies gelang aber erſt etwa 150 Meter unweit der Stelle,
an der die Frau in den Main geſprungen war. Die ſo=
fort
angeſtellten Wiederbelebungsverſuche blieben erfolg=
los
. Dem Brückenwärter gegenüber hatte die Frau vor=
her
angegeben, daß ſie in einer Unterſuchungsſache, die
zurzeit die Behörde in Heuſenſtamm beſchäftigte, falſch
ausgeſagt haben ſolle.
Biſchofsheim, 4. Febr. (Zu einem der größten
Rangierbahnhöfe Süddeutſchlands) wächſt
ſich der Güterbahnhof in Biſchofsheim aus. Obwohl er
erſt in den letzten Jahren Erweiterungen erfuhr, ſollen
jetzt wieder ſehr umfangreiche Vergrößerungen vorgenom=
men
werden. Noch im Laufe dieſes Jahres wird der
Bahnhof um zwei Kilometer gegen den Hof
Schönau hin verlängert. Dazu kommen Gleis=
erweiterungen
, um für den ſtetig wachſenden Güterverkehr
Raum zu ſchaffen. Die jetzige Blockſtation Hof Schönau
wird im nächſten Jahre nach Fertigſtellung der neuen
Gleisanlagen in eine Halteſtelle umgewandelt. Dieſe
Neuerung wird von allen umliegenden Orten wie Aſtheim,
Trebur, Königſtädten, Bauſchheim und Rüſſelsheim mit
Freuden begrüßt.
Worms, 4. Febr. (Die Stadtverordneten=
ſitzung
) bewilligte geſtern für die ſtädtiſchen Gas= und
Waſſerwerke 98000 Mark, für die Mutterberatungsſtelle
415 Mark, zur Erhöhung des ſeitherigen Zuſchuſſes für die
Gewerbeſchule (von 12000 Mark) 1175, und für die Ein=
führung
von Fachunterricht für Müller an der Gewerbe=
ſchule
1815 Mark. Beim ſtädtiſchen Arbeitsnachweis
wurde das Prinzip der Unentgeltlichkeit inſofern aufge=
hoben
, als bei der Vermittelung landwirtſchaftlicher Ar=
beiter
von den Arbeitgebern eine Gebühr erhoben werden
darf. Es entſpricht dies einem Antrag der Landwirt=
ſchaftskammer
. Des weiteren iſt die Erhöhung der
Armenunterſtützungsſätze erfolgt. Die höchſten Sätze von
5 bezw. 4 Mark ſind auf 6 bezw. 5 Mark, für Mann und
Frau von 7 auf 8,50 Mark erhöht worden.
Oppenheim, 4. Febr. (Zur Hebung des Klein=
Winzerſtandes) iſt von der Regierung ein namhafter
Betrag zur Verfügung geſtellt worden, der in erſter Linie
dazu verwendet werden ſoll, um Söhnen unbemittelter
Winzer durch Gewährung von Stipendien den Beſuch der
Wein= und Obſtbauſchule zu ermöglichen, vorausgeſetzt,
daß neben der Staatshilfe gleichzeitig auch von den in
erſter Linie intereſſierten Gemeinde= und Kreisver=
tretungen
entſprechende Mittel zu dem Zweck zur Ver=
fügung
geſtellt werden. Wenn mit der Ausbildung einer
genügenden Anzahl junger Leute für die Folgezeit eine
feſte Baſis für den rationellen Betrieb des Weinbaues ge=
ſchaffen
iſt, bleibt es weiteren Erwägungen maßgebender
Stellen vorbehalten, inwieweit muſterhaft angelegte Wein=
berge
zu prämiieren oder Subventionen zu Anlagen von
Muſterweinpflanzungen zu gesen ſein werden. Die Ge=
währung
von Stipendien hat im gegenwärtigen neun=
monatigen
Lehrgang für acht Beſucher der Schule
Anwendung gefunden.
Bingen, 4. Febr. (Eisſprengungen.) Nachdem
nach vielen Sprengungen und längerer Arbeit in der feſten
Eisdecke an der Nahemündung eine breite Rinne gebrochen
worden iſt, ſind hier die Sprengarbeiten zu Ende. Da=
gegen
ſind ſie heute bei Dietersheim aufgenommen wor=
den
, da dort augenblicklich die größte Gefahr vorhanden
iſt. Vor allem wird das Eis vor dem ſogenannten Sam=
ſchen
Wehre beſeitigt werden.
(*) Gießen, 3. Febr. (Dichter Schäfer f.) Der
heſſiſche Volkserzähler und Schriftſteller Rentamtmann G.
Schäfer iſt im Alter von 73 Jahren geſtorben. Er war in
Schaafheim geboren, wurde in Friedberg Lehrer und
ſtudierte dann Kameralwiſſenſchaft. Von 1885 bis 1902
ſtand er im heſſiſchen Staatsdienſt. An ſeine Amtszeit in
Bingenheim erinnert beſonders ſeine Volkserzählung Die
Hexe von Bingenheim an den Odenwald Die ſilbernen
Glocken von Mörlenbach und Der letzte Wodansprieſter
(*) Laubach, 3. Febr. (Ein bedauerliches Un=
glück
) trug ſich bei dem Holzhauen im Walde zu. Als
ein Baum ins Stürzen kam, glitten drei Mann infolge des
Eiſes aus, fielen zu Boden und wurden von dem ſtürzen=
den
Baum getroffen. Einer erlitt ſchwere innere Ver=
letzungen
, der zweite einen Schädelbruch und der dritte
leichtere Verletzungen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 3. Febr. Vom Ausſchuß
der Stadtverordneten zur Vorberatung des ſozial=
demokratiſchen
Antrages über die Bewilligung von 500000
Mark zur Unterſtützung von Berliner Ar=
beitsloſen
wurden unter Ablehnung dieſes Antrages
folgende Anträge angenommen: Die Stadtverordnetenver=
ſammlung
wolle beſchließen, den Magiſtrat zu ermäch=
tigen
, 300000 Mark zu verwenden zur Gewährung von
unverzinslichen Darlehen an Perſonen, die infolge wirt=
ſchaftlichen
Niederganges in vorübergehende Not geraten
ſind. Vorausſetzung der Bewilligung der Darlehen iſt ein
einjähriger Aufenthalt in Berlin. In der Regel ſollen
nur verheiratete und ſolche Perſonen unterſtützt wer=
den
, welche eine Familie zu unterhalten haben und fort=
laufende
Armenunterſtützung nicht beziehen. Der Magi=
ſtrat
ſoll ferner erſucht werden, die Verwaltung der ſtädti=
ſchen
Rieſelgüter zu beauftragen, Arbeitsloſe gegen den
ortsüblichen Tagelohn in möglichſt großem Umfange zu
beſchäftigen. Ferner ſei die ſtädtiſche Güterverwaltung
zu beauftragen, einen Organiſationsplan in bezug auf
die Koloniſation ſtädtiſcher Oedländereien vorzubereiten.
Die Kranken= und Invaliditätsbeiträge
für Dienſtboten ſind für Berlin infolge einer Ent=
ſcheidung
des Verſicherungsamtes, da eine neue Feſtſetzung
der Sachbezüge erfolgt, erheblich herabgeſetzt
worden. Der Direktor des Oberverſicherungsamtes
Potsdam, Egenolf Freiherr Röder von Diers=
burg
, iſt im Krankenhauſe Hermannswerder an den Fol=
gen
einer Operation im Alter von 50 Jahren geſtorben
Der Verewigte gehörte zum Kollegium der Königl. Re=
gierung
und bewies in der Leitung des ihm unterſtellten

Oberverſicherungsamtes einen weitſchauenden Blick und
großes ſozialpolitiſches Verſtändnis. Der außerge=
wöhnlich
ſtarke Schneefall an den letzten Dezember=
tagen
des vorigen Jahres hat, wie in der heutigen
Sitzung der Straßenreinigungsdeputation mitgeteilt
wurde, der Stadt Berlin 410000 Mark Koſten ver=
urſacht
. Die durchſchnittliche Schneehöhe betrug 31 Zenti=
meter
. Die Abfuhr koſtete 310500 Mark. d. ſ. 82 Pfg. für
den Kubikmeter.
4. Febr. (Verunglückte Reichstagsabge=
ordnete
.) Heute vormittag 8.45 Uhr wurden die beiden
Vertreter der Zentrumsfraktion des Reichstages Benedix
Hebel, Vertreter des Kreiſes Schwaben 4, und der Geiſt=
liche
Rat, Dekan und Stadtpfarrer Johann Puetz, Vertre=
ter
des Kreiſes Schwaben 2, an der Kreuzung der Blücher=
und Mittenwalder Straße von einem Droſchkenautomobil
umgefahren und zur Seite geſchleudert. Sie wurden beide
ſchwer verletzt nach dem St. Hedwigs=Krankenhauſe ge=
ſchafft
, wo ſie zurzeit noch bewußtlos und nicht verneh=
mungsfähig
daniederliegen.
Frankfurt, 4. Febr. (Eine Wildweſt=Szene
in den Straßen Frankfurts.) Die gute Stadt
Frankfurt a. M. hat heute ein Schauſpiel geſehen, wie ſie
es abenteuerlicher bisher wohl kaum erlebt hat. Und das
kam ſo: Der Cowboytrupp der Zirkus=Carré=Feſtſpiele,
die gegenwärtig im Zirkus der Fünfzehntauſend ſtattfin=
den
, war mit ſeinen Pferden zum Morgenritt ausgezogen
und hatte auf dem Rückwege einige Straßen der inneren
Stadt berührt. Die farbenfrohe Abenteuerlichkeit der etwa
30 Cowboys, Indianer, Mulatten und Neger war nicht
nach dem Geſchmack der Frankfurter Polizei. Als der
Trupp an der Konſtablerwache angekommen war, da ſtand
ſchon eine lange Kette von Schutzleuten, die die Straße
abgeſperrt hatten und ſofort die Cowboys umzingelten.
Als die freiere Sitten gewöhnten Amerikaner nicht gleich
begriffen was man von ihnen wollte, wurden Polizei=
ſäbel
blank gezogen. Zwei Cowboys, die nicht deutſch
ſprachen und der Polizei darum wohl als die Gefähr=
lichſten
erſchienen, wurden ſofort verhaftet und ſogar ge=
feſſelt
; ſie mußten allerdings nach kurzem wieder freige=
geben
werden. Natürlich hatte die Wildweſtſzene aber
in den Straßen einen ungeheuren Auflauf zur Folge, der
lange Zeit jeden Verkehr unterband; die Polizei hatte
alſo ungefähr das Gegenteil von dem erreicht, was ſie
beabſichtigt hatte. Die Leitung der Feſtſpiele beabſichtigt,
ſcharf gegen das rigoroſe Vorgehen der Polizeibeamten
zu proteſtieren.
Wiesbaden, 4. Febr. (Bei dem Wettbewerb
zur Erlangung von Entwürfen) für den Neu=
bau
der Naſſauiſchen Landesbank wurde der erſte Preis
in Höhe von 30000 Mark dem Regierungsbaumeiſter a. D.
Karl Moritz in Köln, der zweite Preis in Höhe von
20000 Mark den Architekten Bielenberg und Moſer
in Berlin und der dritte Preis in Höhe von 10000 Mark
dem Architekten Leonhard in Frankfurt a. M. zuer=
kannt
.
Stuttgart, 4. Febr. (Zum Mord in San Remo.)
Der Polizeibericht meldet: Der angebliche Ingenieur
Longfield=Wolf, der nach Zeitungsnachrichten an
der am 30. v. M. in San Remo verübten Mordtat be=
teiligt
war, wurde am letzten Samstag in der Perſon
des ledigen Mechanikers Albert Wolf, geboren am 22.
September 1894 in Thamm, Oberamt Ludwigsburg
(Württemberg) nicht Thann in Bayern amtlich er=
mittelt
. Wolf war bis vor kurzem hier wohnhaft und
in dem Geſchäft ſeines Vaters tätig. Seine angebliche
Frau iſt ebenfalls Stuttgarterin. Wolf hatte ſich ſchon
ſeit längerer Zeit als Sohn eines reichen Ananasplan=
tagenbeſitzers
in Santa Roſa ausgegeben und zuletzt unter
Schädigung hieſiger Perſonen auf großem Fuße gelebt.
Es iſt nicht unwahrſcheinlich, daß durch ihn noch weitere
Perſonen als die bereits feſtgeſtellten geſchädigt wor=
den
ſind.
Karlsruhe, 4. Febr. (Prinzeſſin Wilhelm.)
Die Beſſerung im Befinden der erkrankten Prinzeſſin Wil=
helm
von Baden hält an.
Straßburg, 3. Febr. (Ueber einen Zwiſchen
fall in Kolmar) wird der Straßburger Poſt gemeldet:
Am Montag iſt in Kolmar ein Rekrut des Dragoner=
Regiments Nr 14 von einem unbekannten Ziviliſten in
die Hand geſchoſſen und von einem Offizier in ärztliche
Behandlung gebracht worden. Die Kugel iſt noch nicht
entfernt worden. Nähere Aufklärungen des Vorfalls blei=
ben
abzuwarten.
Memmingen, 3. Febr. (Das Queckſilber im
Limburger Käſe.) Ein eigenartiger Fall beſchäftigte
am 23. Oktober vorigen Jahres das hieſige Landgericht.
Dieſes hatte den Käſer Benedikt Betz wegen fahrläſſigen
Vergehens gegen das Nahrungsmittelge=
ſetz
zu einer Gefängnisſtrafe von 14 Tagen verurteilt.
Der Angeklagte war in einem größeren Betriebe tätig und
hatte ſo eines Vormittags im März 1913 Käſe zu bereiten
Während er die ſaure Milch erwärmte und die Temperatur
mit dem Thermometer maß, zerbrach das letztere und das
Queckſilber fiel in das Gefäß mit Milch. Dieſer Umſtand
bekümmerte nun den Angeklagten in keiner Weiſe; er fuhr
vielmehr in der Anfertigung des Käſes fort, als ob nichts
geſchehen ſei. Der geſamte Inhalt des Gefäßes wurde zu
Limburger Käſe verarbeitet und dieſer kam in den Handel.
Als in einem derſelben Queckſilber vorgefunden wurde,
beſchlagnahmte ihn die Behörde und leitete das Verfahren
gegen den Schuldigen ein. In der Hauptverhandlung
machte der Angeklagte geltend, er habe die Beſeitigung der
durch das Queckſilber verunreinigten Milch unterlaſſen,
weil der Oberkäſer, dem auch einmal ein Thermometer zer=
brochen
ſei, ihm geſagt habe, es mache nichts aus, wenn
etwas Queckſilber in die Milch komme. Der als Zeuge
vernommene Oberkäſer hat jedoch erklärt, daß es ſich um
einen ganz anderen Fall gehandelt habe, in welchem ledig=
lich
in das Milchwaſſer für die Schweine etwas Queck=
ſilber
geraten war. Das Landgericht hat angenommen,
daß der Angeklagte gewußt hat, daß Queckſilber ein Gift ſei
und daß er, indem er es in der Milch beließ, ein Nahrungs=
mittel
derart hergeſtellt hat, daß es geeignet war, der
menſchlichen Geſundheit zu ſchaden. Die Reviſion des
Angeklagten, welche dieſe Annahme bekämpfte, wurde
geſtern vom Reichsgericht verworfen.
Neuſtadt a. d. Haardt, 4. Febr. (Die Ermordung
des Lehrers Hauck.) In bezug auf die Meldung,
daß der am Sonntag hier erſchoſſen aufgefundene Hilfs=
lehrer
Hauck von dem in Haft genommenen Lamvel
aus Rache erſchoſſen worden ſei, weil der Erſchoſſene ein
Liebesverhältnis mit ſeiner Frau unterhalten habe, wird
mitgeteilt, es ſei bis jetzt nur feſtgeſtellt worden, daß Lam=
pel
ſeine Frau am Sonntag in Saarbrücken ſuchte, und für
die Annahme, daß Hauck ein Liebesverhältnis mit der
Frau unterhalten habe, jede Anhaltspunkte fehlen.
Braunſchweig, 4. Febr. (Eiſenbahnunfall.)
Amtlich. Auf dem Bahnhof Braunſchweig=Oſt in der
Nähe der Helmſtedter Ueberwege fuhr am 3. Februar=
gegen
1 Uhr 30 Minuten nachts ein Rangierzug
einem von Magdeburg kommenden Güter=
zug
in die Flanke. Ein Heizer und ein Schaffner
wurden leicht verletzt. Etwa 12 Wagen und eine Lokomo=

tive entgleiſten und ſtörten beide Hauptgleiſe. Das Haupt=
gleis
in der Richtung Magdeburg-Braunſchweig war
heute früh gegen 7 Uhr 20 Minuten wieder fahrbar. Das
Hauptgleis in der Richtung Braunſchweig-Magdeburg
wird vorausſichtlich heute mittag wieder frei. Die Unter=
ſuchung
über die Schuldfrage iſt noch nicht abgeſchloſſen.
Harburg, 4. Febr. (Selbſtanzeige.) Ende des
Monats Januar ſtellte ſich bei der Gendarmerie Harburg
der Feilenhauer Max Lommel von Remſcheid mit des
Beſchuldigung, er habe einen Mord begangen. L. gas
an, daß er am 2. Februar 1913 bei Höchſt a. M. mit zwei
Helfern einen Arbeiter ausgeraubt und den Mann An den
Main geworfen habe. Lommel wurde dem Amtsgericht
Donauwörth zugeführt. Es ſind Erhebungen eingeleitet,
inwieweit die Angaben des Verhafteten der Wahrheit ent=
ſprechen
.
Radeberg (Sachſen), 4. Febr. ( Eiſenbahnun=
fall
.) Amtlich. Auf dem Staatsſtraßenübergang am
Bahnhof Radeberg fuhr geſtern abend ein von Dres=
den
kommender Kraftwagen durch die ge=
ſchloſſene
Schranke in den einfahrenden Perſonen=
zug
707. Der Kraftwagen wurde vollſtändig zertrümmert.
Ein Inſaſſe, der Mechaniker Herwarth aus Dresden, er=
litt
einen Schädelbruch und ſchwere Knochenbrüche. Er
wurde beſinnungslos in das Radeberger Krankenhaus
übergeführt, wo er bald verſtarb.
Breslau, 4. Febr. (Aerzte und Krankenkaſſen.)
Nach den Morgenblättern iſt die Ausführung des Beſchluſ=
ſes
des Vereins der Breslauer Aerzte vom 30. Januar, daß
die Aerzte die private Behandlung von Mitgliedern der
dem erſten Verband angehörenden Krankenkaſſen ablehnen
ſollen, bis auf weiteres vertagt, da der Vorſitzende des
Leipziger Aerzteverbandes am Wochenende von neuem
Verhandlungen mit dem Vorſitzenden des erſten Kranken=
kaſſenverbandes
, Fräßdorf=Dresden, wahrſcheinlich unter
Mitwirkung des Handelsminiſteriums, beginnt.
Lemberg, 4. Febr. (Der Buchdruckerſtreik.)
Nachdem die Differenzen im Buchdruckereigewerbe beige=
legt
ſind, iſt der Betrieb in den Buchdruckereien wieder
aufgenommen worden.
Luxemburg, 3. Febr. (Um eine Wildente!) An
der deutſch=luremburgiſchen Grenze bei Stadt=Bredimus
an der Moſel hatten luxemburgiſche Jäger eine
Wildente geſchoſſen, die auf dem deutſchen Ufer nieder=
fiel
. Als zwei Mann in einem Nachen die Jagdbeute
holen wollten, kam ein Jagdhüter von Palzem, um ſie feſt=
zunehmen
. Die Jäger wollten mit der Ente weglaufen,
als Einwohner von Palzem, größtenteils halbwüchſige
Burſchen, dem Förſter zu Hilfe kamen. Die Jäger wurden
inſultiert und geſchlagen. Nach einigen Angaben ſollen
Kollegen der Jäger vom luxemburgiſchen Ufer aus geſchoſ=
ſen
haben, was von dieſen beſtritten wird. Der Förſter
ließ die Jäger gegen eine Kaution frei. Als ſie ihren
Nachen wieder beſteigen wollten, wurden ſie mit Steinen
bombardiert.
Paris, 4. Febr. (Zur Fremdenlegion.) Einer
hieſigen Agentur=Meldung zufolge ſind geſtern in der Nähe
von Nancy, in Blamont, zwei deutſche Ulanen beritten
und in voller Uniform angekommen. Sie haben ſich auf
dem dortigen Bureau für die Fremdenlegion anwerben
laſſen und erklärten, infolge ſchlechter Behandlung deſertiert
zu ſein. (2)
Glasgow 4. Febr. (Die Stimmrechts=
weiber
.) In dem Schloſſe Aberchill bei Crieff
brach heute vormittag Feuer aus das von Anhänge=
rinnen
des Frauenſtimmrechts angelegt worden ſein ſoll.
Der Saal mit den koſtbaren Gemälden und Möbeln iſt=
zerſtört
worden. Auch ein anderes in dieſer Gegend ge=
legenes
unbewohntes Landhaus wurde durch eine
Feuersbrunſt heimgeſucht.
Neu=York, 4. Febr. (Aufſehen erregende Ver=
haftung
.) Großes Aufſehen erregt die Verhaftung des
Millionärs Oktavio Guinle, die auf Antrag der
Schauſpielerin Monika Borden erfolgte. Dieſe hatte ihn
auf 50000 Dollar Entſchädigung für ein gebrochenes Ehe=
verſprechen
verklagt. Guinle wurde wegen Fluchtverdachts
verhaftet, jedoch gegen 50000 Dollar Kaution wieder frei=
gelaſſen
. Er iſt Inhaber einer großen braſilianiſchen
Firma.

Darlamentariſches.

Der Hauptvoranſchlag im Finanzausſchuß.
St. Die Beratung des Hauptvoranſchlages gemeinſam
mit der Regierung wurde im Finanzausſchuß geſtern fort=
geſetzt
. Die drei Miniſter, Staatsrat Dr. Becker, Mi=
niſterialräte
Hölzinger, Schliephake Geh. Oberfinanzrat
Dr. Rohde wohnten den Verhandlungen bei. Beim Ka=
pitel
17 Landes=Muſeum wurde die Frage behan=
delt
, ob es zuläſſig ſei, Schenkungen, die dem Landes=
muſeum
gemacht wurden reſp. aus ſolchen Schen=
kungen
Gegenſtände zu veräußern. Der Mi=
niſter
des Innern legte dar, daß ſich bei einer Schenkung
eine Reihe von Gegenſtänden befunden hätte, die einen be=
ſonderen
wiſſenſchaftlichen Wert nicht gehabt haben, und
die darum zur Aufſtellung im Muſeum nicht geeignet
waren. Die Veräußerung dieſer Gegenſtände ſei, nachdem
eine Begutachtung durch verſchiedene Autoritäten vorge=
nommen
worden und als zuläſſig erachtet wurde, von dem
Miniſterium genehmigt worden. Für den Erlös von
38000 Mark, ſei ein ſehr wertvolles Holzbildwerk ange=
ſchafft
worden, deſſen Anſchaffung ſonſt unmöglich geweſen
wäre. Derartige Veräußerungen bezw. Verſteigerungen
ſeien auch früher anſtandslos vorgenommen worden, doch
werde man in Zukunft bei Aufnahme von Geſchenken den
Vorbehalt machen, daß ſie, im Falle ihre Aufſtellung nicht
angängig iſt, auch veräußert werden dürften. Das Mu=
ſeum
ſei laut Stiftungsurkunde als Fideikommiß des
Großherzogs bezeichnet worden und ſollte Stagtseigen=
tum
werden zur Benutzung des Publikums. In dem
Ausſchuß wurde darauf hingewieſen, daß der rechtliche
Charakter ſehr zweifelhaft erſcheine, weil Fideikommiß=
Vermögen nicht ins Einvernehmen mit Staatseigentum
gebracht werden könne. Weiter wurde darauf hingewieſen,
daß bei Schenkungen die Abſicht der Schenker jedenfalls
nicht dahin geht, dem Muſeum eine Veräußerungsmög=
lichkeit
zuzuwenden, ſondern daß die Abſicht der Schenker
wohl die ſei, die Zuwendungen dem Muſeum zu machen,
damit die Gegenſtände auch aufgeſtellt werden. Es ſeien
auch Beſchwerden darüber gekommen, daß früher vorhan=
dene
Bilder jetzt nicht mehr zu ſehen ſeien, weil ſie viel=
leicht
leihweiſe an öffentliche Anſtalten oder Gebäude des
Landes abgegeben ſeien, jedenfalls aber jetzt nicht mehr be=
ſichtigt
werden können. Der Kunſtgeſchmack ſei ein wech=
ſelnder
und es müſſe mit der Veräußerung oder Weggabe
von zum Landes=Muſeum gehörenden Gegenſtänden
äußerſt vorſichtig verfahren werden.
Längere Zeit verweilte der Ausſchuß bei der Erörte=
rung
der Organiſation des Geometerweſens,
Kapitel 69, 74, 98, 102. Von allen Seiten wurde im Aus=
ſchuß
die Erhöhung der Gebühren der Geometer von täg=
lich
17 auf 21 Mark bekämpft, weil das nur eine Abwäl=
zung
auf die Gemeinden, oder die Intereſſenten, und hier

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Nummer 36.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. Februar 1914.

Seite 5.

im weſentlichen auf die ländlichen Gemeinden bedeute.
Zwar ſei früher bei Schaffung des Kreisgeometer= Inſti=
tuts
der Grundſatz aufgeſtellt worden, daß es ſich ſelbſt er=
halten
müſſe, allein, da die Einnahmen des Inſtituts fort=
während
zurückgingen, die Ausgaben aber, insbeſondere
auch durch die neue Beſoldungsordnung ſteigen, werde
ein Zuſchuß von 43000 Mark erforderlich, der aber keines=
wegs
von den Gemeinden übernommen werden könnte.
Es bleibt kaum etwas anderes übrig, als dieſe 43000
Mark auf die Staatskaſſe zu übernehmen. Weiter wurde
die Lage der Feldbereinigungs= und Kataſtergeometer be=
ſprochen
. Bei erſteren wurde deren ausgedehnte Tätigkeit
anerkannt und gefordert, daß noch neue Stellen verwilligt
werden, da die Arbeit ſicherlich nicht im Abnehmen be=
griffen
ſei. Für die Kataſtergeometer werde auch in der
Kürze eine andere Regelung ſich als nötig erweiſen, weil
die Kataſterarbeiten in ihrem Umfange fortwährend zurück=
gingen
und bisher die Kataſtergeometer lediglich auf Ge=
bühren
angewieſen ſeien. Die Regierung legte dar, daß
das ſeitherige Verhältnis der Angliederung an die Kreis=
ämter
von den Kreisämtern nicht als günſtig bezeichnet
worden ſei, und daß manche Kreisgeometerſtellen an die
Finanzämter angegliedert worden ſeien, weil damit auch
die notwendigen Dienſträumlichkeiten beſchafft werden
konnten. Eine Vereinigung der Kataſtergeometer mit den
Feldbereinigungsgeometern werde ſicherlich mit der Zeit
eintreten müſſen, weil auch die Verdienſte der Kataſter=
geometer
erheblich im Schwinden begriffen ſeien.
Bekämpft wurde im Ausſchuß die Vereinigung der
Kreisgeometerſtelle in Bensheim mit der in Zwingen=
berg
als eine Benachteiligung von Bensheim.
In dem Budget ſind anſtatt ſeither 5 Kreisgeometer=
Gehilfenſtellen 10 ſolcher Stellen angefordert. Die
Kreisgeometer, die in ihren Avancementsverhältniſſen
ſehr ſchlecht geſtellt ſind, ſollen darin entſchädigt werden,
daß beim Kataſteramt drei weitere Stellen für Ver=
meſſungsanſtalten
geſchaffen werden ſollen.
Sodann gab die Regierung zu Kapitel 42 a.,
Jugendpflege, Auskunft über die Verwendung der
Gelder in Höhe von 15000 Mark. Es wurden u. a. ge=
geben
für Jungdeutſchland: 9000 Mark, Deutſche Turner=
ſchaft
: 500 Mark, Heſſiſcher Lehrerturnverein: 500 Mark,
Verein Jugendwohlfahrt: 500 Mark, Evangeliſcher und
katholiſcher Jünglingsverein je 2000 Mark. Fortſetzung
der Beratung morgen.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 4. Febr. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung um 1 Uhr 18 Minuten mit folgenden
Worten: Auch bei Beginn der heutigen Sitzung muß ich
Ihnen eine unerfreuliche Mitteilung machen. Die bei=
den
Kollegen Hebel und Pütz ſind heute morgen in
der Nähe ihrer Wohnung von einem Kraftfahrzeug
umgefahren und zu Boden geſchleudert worden.
Beide ſind verletzt und in das St. Hedwigskrankenhaus
gebracht worden. Auf meine telephoniſche Anfrage habe
ich erfahren, daß das Befinden des Herrn Kollegen Pütz
verhältnismäßig gut, dagegen das des Herrn Kollegen
Hebel weniger günſtig ſei. Ich glaube in Ihrer
aller Namen zu ſprechen (die Abgeordneten hatten ſich
erhoben), wenn ich beiden Herren baldige Wiederher=
ſtellung
und Geneſung wünſche. Die
zweite Leſung des Etats des Reichsamts des Innern
wird fortgeſetzt, und zwar mit der Beſprechung der bei
der Generaldebatte zurückgeſtellten Reſolutionen
des Zentrums, der Polen und der Sozial=
demokraten
, betr. das Vereinsrecht. Abg.
Dr. v. Laſzewski (Pole): Der Sprachenparagraph iſt
ein politiſches Ausnahmegeſetz gegen die Polen. Wir ver=
langen
gleiches Recht für alle und fordern, daß es jedem
Zugehörigen einer beſtimmten Nationalität unbenommen
bleibt, ſeine Mutterſprache zu gebrauchen, namentlich bei
Beſprechungen mit Stammesbrüdern. Der Sprachen=
paragraph
muß aufgehoben werden. Um den Gebrauch
der polniſchen Sprache verbieten zu können, erklärt man
unſere ſämtlichen Vereine als politiſche. Dieſe Hand=
lungsweiſe
widerſpricht dem Sinne des Geſetzes, mit
dem dadurch ein direkter Mißbrauch getrieben wird. (Sehr
richtig! bei den Polen.) Die Entſcheidung über Reviſio=
nen
und Beſchwerden muß dem oberſten Landesgericht
überwieſen werden. Von einer freiheitlichen Anwendung
des Geſetzes, wie ſeinerzeit zugeſagt war, iſt wenigſtens
uns Polen gegenüber keine Rede. Mit Gewalt kann
man ein Land erobern, nicht aber auf die Dauer regieren,
(Beifall bei den Polen.)
Abg. Legien (Soz.): Jede ſchikanöſe Anwendung
des Vereinsrechts ſoll nach den früheren Zuſicherungen
des jetzigen Reichskanzlers unterbleiben. Die liberalen
Parteien hätten, wenn ſie die Entwickelung vorausgeſehen
hätten, dem Sprachenparagraphen ſicherlich nicht zuge=
ſtimmt
. Die Polizeibehörde in Eſſen hat ſich eine Abſchrift
der Mitgliederliſte des Transportarbeiterverbandes ver=
ſchafft
und die ihm angehörenden Eiſenbahnarbeiter
denunziert. Die Polizeibehörde hat dabei nichts anderes
als einen Einbruchsdiebſtahl begangen. (Hört! hört) Dis
betreffenden Arbeiter wurden entlaſſen. So ſieht das libe=
rale
Vereinsrecht aus. Auch die Gewerkſchaften ſind der
Einmiſchung der Polizei ausgeſetzt, da ihre Veranſtaltun=
gen
als politiſche angeſehen werden. Wir wollen das
ganze Ueberwachungsrecht der Polizei beſeitigt wiſſen.
Es wird widerrechtlich angewandt und widerrechtlich von
den Gerichten ſanktioniert. Es mutet auch höchſt ſonderbar
an, daß für die ſchriftliche Genehmigung einer Verſamm=
lung
unter freiem Himmel ſeitens gewiſſer Polizeibehör=
den
eine Gebühr erhoben wird, da doch im § 7 des Ge=
ſetzes
ſteht, daß ein ablehnender Beſcheid koſtenfrei blei=
ben
ſoll (Heiterkeit) und ſomit für eine Genehmigung
doch ſelbſtredend auch keine Gebühr erhoben werden darf.
Wir verlangen, daß die für politiſche Vereine gegebenen
Beſtimmungen auf diejenigen Vereine zu beſchränken ſind,
welche die Erörterung politiſcher Angelegenheiten in
Verſammlungen bezwecken. Heutzutage werden auch alle
Sportvereine, die nur loſe im Zuſammenhang mit der
Sozialdemokratie ſtehen, als politiſche Vereine bezeichnet,
während Turn= und andere Sportvereine der bürgerlichen
Parteien unbehelligt bleiben. Ebenſo verhält es ſich mit
den gewerkſchaftlichen Organiſationen. Wenn es nach
der Polizei ginge, gäbe es überhaupt keine unpolitiſchen
Vereine in Deutſchland, denn jeder Verein iſt gelegentlich
gezwungen, zu irgendeiner ihn intereſſierenden Frage in
ſeinem Vereinsorgan Stellung zu nehmen. Auch der Po=
lizeipräſident
von Berlin, Herr Dr. v. Jagow, hat in
dieſen Fragen Gutachten abgegeben, von denen man nicht
weiß, ob man ſich mehr über ſeine juriſtiſche Unkenntnis
oder über ſeinen Mangel an Gewiſſenhaftigkeit wundern
ſoll. (Vizepräſident Dr. Paaſche rügt dieſen Ausdruck und
erſucht den Redner, ſich in ſeiner Kritik zu mäßigen.)
In ſeinem Gutachten über die Zuſammenſetzung und die
Betätigung der Generalkommiſſion gibt Polizeipräſident
v. Jagow einen falſchen Bericht. Das Gutachten iſt zu
vergleichen mit einer eidlichen Ausſage vor Gericht, und
ier hätte ſich leicht überzeugen können, daß das Gutachten

eine Unwahrheit enthält. (Glocke. Vizepräſident Dove:
Wollen Sie behaupten, daß der Polizeipräſident unter
Eid die Unwahrheit geſagt hat?) Abg. Legien: Es war
nur ein Vergleich. (Heiterkeit.) An den Sitzungen des
Aktionsausſchuſſes hat die Generalkommiſſion niemals
teilgenommen, wie in dem Gutachten behauptet wird,
und dieſes Gutachten wird dem Urteil des Oberverwal=
tungsgerichts
zugrunde gelegt, um die Gewerkſchaften zu
politiſchen Vereinen zu ſtempeln und ihnen die Mitglied=
ſchaft
der Jugendlichen zu entziehen. Wie das Reichsver=
einsgeſetz
gehandhabt wird, das iſt Rechtsbeugung. Es iſt
Zeit, gut zu machen, was an unſerer Arbeiterbewegung,
an unſeren Jugendlichen, geſündigt wird. Auch für Deutſch=
land
wird die Zeit kommen, wo das wahre Recht an die
Stelle der Rechtsbeugung treten wird. (Beifall bei den
Sozialdemokraten.)
Abg. Marx (Zentr.): Es iſt die höchſte Zeit, an eine
freiheitlichere Aenderung des Reichsvereinsgeſetzes heran=
zutreten
. Auch gegen die chriſtlichen Gewerkſchaften und
katholiſchen Vereine iſt zeitweilig von den Polizeibehörden
zu Unrecht vorgegangen worden. Höchſt bedauerlich iſt es,
daß von freiſinniger Seite, wie es Dr. Potthoff in der So=
zialen
Praxis getan hat, erklärt wird, daß Berufsvereine
politiſche Vereine ſeien. Dadurch werden ja den Polizei=
behörden
Waffen gegen dieſe Vereine in die Hand gegeben.
Wir verlangen vor allem die Aufhebung des ſogenannten
Sprachen=Paragraphen. Recht und Gerechtigkeit erfordert,
daß das Verbot des Gebrauchs einer nichtdeutſchen Sprache
in öffentlichen Verſammlungen beſeitigt wird. Ich erinnere
nur an das Verbot gegenüber dem Nordpolfahrer Amund=
ſen
, ſeinen Vortrag in Deutſchland in däniſcher Sprache
halten zu dürfen. Die radikalen Beſtrebungen in der Po=
lenbewegung
werden wir nach wie vor energiſch bekämp=
fen
. Dringend wünſchenswert iſt es, daß in den Zeiten vor
den Reichstagswahlen die öffentliche Bekanntmachung
einer Verſammlung in einer Zeitung, die in dem betreffen=
den
Wahlkreis herausgegeben wird, als genügend erklärt
wird. Auch den Beamten muß das Recht gegeben werden,
ſich in wirtſchaftlichen Vereinen zuſammenzuſchließen. Das
Vorgehen gegenüber den Berliner Schutzleuten war rigo=
ros
. Es iſt Zeit, endlich an eine dauernde Verbeſſerung
des Reichsvereinsgeſetzes heranzutreten. (Beifall im Zen=
trum
.)
Miniſterialdirektor Lewald: Wie bei faſt allen
Reichsgeſetzen, ſo liegt auch bei dem Reichsvereinsgeſetze
die Ausführung in den Händen der Einzelſtaaten. Es gibt
keine Reichsbeamten, die mit der Ausführung direkt etwas
zu tun haben. Ebenſo iſt auch die Reichsleitung nicht in
der Lage, einzuſchreiten (Unruhe und Widerſpruch links),
außer wenn von den Einzelſtaaten Ausführungsbeſtim=
mungen
gegeben werden, die mit dem Geſetz in Wider=
ſpruch
ſtehen. Sie werden zugeben müſſen, daß die Behör=
den
von dem Willen und dem Wunſche getragen ſind
das Vereinsgeſetz frei von Schikanen durchzuführen.
(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Es iſt recht bezeich=
nend
, daß die ganze Debatte ſich nicht wie früher gegen
die Auslegung der Maßnahmen der Exekutivbehörden
richtet (Lachen links), ſondern lediglich gegen die Ausleg=
ung
durch die Gerichte. Es iſt nicht zu leugnen, daß, wenn
auch von einander abweichende Entſcheidungen getroffen
werden, ſich heute da doch im Laufe der fünf Jahre eine
größere Sicherheit der Auslegung gebildet hat. Heute be=
ſteht
keine Neigung zur Einbringung einer Novelle zum
Vereinsgeſetz. (Hört, hört!) Verwahrung muß ich ein=
legen
gegen die Behauptung des Abg. Laszewski, das
Oberverwaltungsgericht habe einen Rechtsbruch vorgenom=
men
. Die Gerichte begehen keinen Rechtsbruch. ( Schallen=
des
Gelächter links, Bravo! rechts.) Was den Sprachen=
Paragraphen angeht, ſo will ich nur auf den Fall Roald
Amundſen eingehen. Amundſen ſtand der ganzen Sache
fern. Es war Sache der Konzertdirektion Sachs. Amund=
ſen
ſollte Vorträge in deutſcher und norwegiſcher Sprache
halten. Flensburg iſt eine durch und durch deutſche Stadt.
Man wollte nur eine däniſche Heerſchau halten. ( Wider=
ſpruch
.) Der Regierungspräſident hat deshalb eine poli=
tiſche
Agitation angenommen. Amundſen ſelbſt hat ſich
gar nicht beſchwert. Er wollte nur Geld verdienen zu wei=
teren
Forſchungsreiſen. Schließlich hat der Miniſter des
Innern die Entſcheidung des Regierungspräſidenten zu=
rückgenommen
. (Unruhe links.) Entweder beſchweren Sie
ſich, wenn eine Entſcheidung nicht zurückgenommen wird;
jetzt beſchweren Sie ſich, daß die Entſcheidung zurückge=
nommen
iſt. (Sehr gut! rechts.) Ferner iſt hier geklagt
worden, daß landwirtſchaftliche Vereine als politiſche Ver=
eine
erklärt und unter das Vereinsgeſetz geſtellt worden
ſind. Bei der Frage, was ein politiſcher Verein iſt, ent=
ſcheidet
nicht, was in den Satzungen ſteht; da kann alles
mögliche darin ſtehen, ſondern was ein Verein tut und
will. (Sehr richtig! rechts.) Ich gebe zu, daß es bei der
Beratung des Vereinsgeſetzes in der Kommiſſion den ver=
bündeten
Regierungen nicht gelungen iſt, eine Definition
zu finden, was politiſche Vereine ſind. Man hat deshalb
davon abgeſehen, und hat dieſe Frage der Judikatur an=
heimgeſtellt
. Es iſt aber doch ſehr gut denkbar, daß ein
landwirtſchaftlicher Verein politiſche Beſtrebungen ver=
folgt
. Dann fällt er eben unter das Reichsvereinsgeſetz.
Dasſelbe gilt auch von anderen Vereinen: Turn=, Geſang=
und Enthaltſamkeitsvereinen uſw. (Heiterkeit.) Bei dem
vom Abg. Legien hier erwähnten Turnverein handelt es
ſich um einen Verein, der in erſter Linie den politiſchen
Kampf erſtrebt und dann erſt die körperliche Ausbildung.
(Widerſpruch und Zurufe bei den Soz.). Außer der ſozial=
demokratiſchen
gibt es nur eine deutſche Turnerſchaft, die
auf nationalem Boden ſteht und ſich im einzelnen von poli=
tiſchen
Beſtrebungen fernhält. (Lachen und Widerſpruch
bei den Soz.) Abg. Legien hat nicht geſagt, wer die Gut=
achten
der Polizeibehörden eingefordert hat. Zu behaup=
ten
, der Polizeipräſident v. Jagow habe bewußt die Un=
wahrheit
berichtet, dazu würde mir der Mut fehlen.
(Bravo! rechts.) Das Gericht, das Zeugen vernehmen kann,
kann ſich das Urteil auch anders, als auf Grund eines Gut=
achtens
bilden. Bebel hat geſagt, die Gewerkſchaften hät=
ten
die proletariſche Klaſſenbewegung zu leiten. Welcher
Unterſchied beſteht denn da zur ſozialdemokratiſchen Or=
ganiſation
? Mit zweierlei Maß wird nicht gemeſſen. Iſt
nicht neuerdings auch ein Kommerzienrat, der am Grabe
eine Rede gehalten hat, in Strafe genommen worden. Was
das Verbot der Koalition der Berliner Schutzmannſchaft
betrifft, ſo muß der Diſziplinarbehörde das Recht vorbe=
halten
werden, einen ſolchen Verein zu verbieten, gerade
wie ein Biſchof eine Vereinigung von Klerikern verbieten
darf. (Sehr gut! rechts.) Die Schutzmannſchaft, die über
Leben und Eigentum von Millionen von Einwohnern zu
wachen hat, bedarf einer ſtrengen Diſziplin. Auch der Poli=
zeipräſident
von London hat ein gleiches Verbot erlaſſen
und den Beifall der engliſchen Preſſe gefunden. (Beifall
rechts.)
Abg. Dr. v. Veit (konſ.): Wir ſind überzeugt, daß das
Reichsvereinsgeſetz richtig angewendet wird. (Lachen
links.) Zu einem Fallenlaſſen des Sprachen=Paragraphen
ſind wir nicht geneigt. Ich bin weiter dafür, daß gegen
die ſozialdemokratiſche Jugendbewegung mit aller Kraft
eingeſchritten werden muß. Würde der ſozialdemokratiſche
Antrag angenommen, ſo würde vom ganzen Vereinsgeſetz

nchts übrig Pleihen. Daun hebt man doch ſchon lieber das
ganze Geſetz auf. Das Geſetz entſpricht aber den derzeiti=
gen
Anforderungen und wir lehnen alle Abänderungsan=
träge
ab. (Lebhafter Beifall.) Abg. Mertin ( Reichs=
partei
): Bezüglich der Judikatur in Sachen des Reichsver=
einsgeſetzes
halten wir die bisherige Zuſtändigkeit der
Oberlandesgerichte als Reviſionsinſtanz für das beſte und
lehnen den polniſchen Antrag, der die Frage anders regeln
will, ab. Daß die Befugniſſe der Polizeibehörden bezüg=
lich
der Ausführung des Reichsvereinsgeſetzes zu groß
ſeien, kann ich nicht anerkennen. Die Jugendpflege beſteht
nach unſerer Anſicht darin, daß man die Jugend hinaus=
führt
in die Natur und ſie nicht mit politiſchen Dingen
beſchäftigt. (Sehr richtig!) Wir wollen die Autorität
ſchützen und nicht ſchwächen.
Darauf wird die Weiterberatung auf Donnerstag
1 Uhr vertagt. Schluß gegen halb 7 Uhr.

* Berlin, 4. Febr. Die 19. Kommiſſion des
Reichstages zur Beratung des Entwurfes,
betr. den Verrat militäriſcher Geheimniſſe,
nahm den erſten Abſatz des Paragraphen 1 in folgender
Faſſung an: Militäriſche Geheimniſſe im Sinne des Ge=
ſetzes
und Schriften, Zeichnungen und andere Gegenſtände
(die in den Entwurf einbezogenen Nachrichten wer=
den
geſtrichen), deren Geheimhaltung im Intereſſe der
Landesverteidigung erforderlich ſei. (Die geſtrichene Stelle
hätte hauptſächlich die durch die Preſſe verbreiteten Nach=
richten
betroffen.)

Das Verhältnis zwiſchen Deutſchland
und England.

* Berlin, 4. Febr. Bei dem Marineetat in
der Budgetkommiſſion des Reichstags=
wurden
das Verhältnis zu England und die
Luftflottenfrage erörtert. Der Staatsſekretär des
Auswärtigen v. Jagow erklärte, das Verhältnis
zu England könne als recht gut bezeichnet
werden. Die Entſpannung und die Annäherung ſchreite
fort. Die Beziehungen der beiden Kabinette ſeien durch=
aus
vertrauensvoll. Staatsſekretär v. Tirpitz erklärte:
Was die marinetechniſche Seite betreffe, ſo habe er ſeinen=
Ausführungen vom Vorjahre nichts hinzuzufügen und
nichts von ihnen abzuziehen. Er betonte, daß die von
England angebotene Relation von 16:10 auch heute noch
annehmbar ſei, daß dagegen der nur gelegentlich einer
Wahlrede erwähnte Feierjahrsgedanke nicht
verwirklicht werden könne. Nach weiteren Aus=
führungen
hierzu betonte der Staatsſekretär, daß poſitive
Vorſchläge an uns bis jetzt nicht herangetreten ſind. Ge=
ſchehe
dies, würden ſie ſicherlich wohlwollend geprüft.
Weiter gab der Staatsſekretär Aufſchluß über das An=
wachſen
der Marineetats der verſchiedenen
Mächte in den letzten fünf Jahren, wobei ein ſehr viel
ſtärkeres Anwachſen bei den fremden
Staaten feſtzuſtellen ſei. Hiernach ſteigerten ſich die
Ausgaben in den letzten fünf Jahren in Deutſchland um
55 Millionen Mark, in England, das ſchon damals eine
doppelt ſo ſtarke Flotte hatte als wir, um 216 Millionen,
d. i. um das Vierfache, ungerechnet den noch zu erwarten=
den
Nachtragsetat von 60 Millionen, in Frankreich um
134 Millionen, d. i. das Zweifache, in Rußland um 302
Millionen, d. i. das Fünffache, und zwar faſt nur für
die Oſtſeeflotte.
Der Staatsſekretär des Auswärtigen Amtes v. Ja=
gow
führte im einzelnen aus, daß ſich auf dieſer Linie
Entſpannung und Annäherung glücklich weiter entwickel=
ten
. Der Grundton der öffentlichen Meinung ſei ein
anderer geworden als vor Jahren. Man könne ſich dem
Eindruck nicht verſchließen, daß in der allgemeinen Stim=
mung
ein gewiſſer Wandel eingetreten ſei. In bei=
den
Ländern habe die Erkenntnis an Boden gewonnen,
daß ſie in vielen Punkten und Fragen mit= und neben=
einander
arbeiten könnten und daß ſich ihre Intereſſen
vielfach berühren. Die Ereigniſſe der letzten Zeit, die
Vorgänge auf dem Balkan und die Verhandlungen in
London trugen manches hierzu bei. In England habe
man ſich überzeugen können, daß von deutſcher Seite keine
aggreſſive Politik getrieben werde. Mit England habe
Deutſchland daran arbeiten können, zwiſchen den beiden
Mächtegruppen ausgleichend zu wirken und internatio=
nale
Konflikte zu vermeiden. Daraus hätten ſich gewiſſe
Annäherungen ergeben. Die Beziehungen zwiſchen den
beiden Kabinetten ſeien vertrauensvoll und loyal und von
gegenſeitigem Entgegenkommen getragen.
Es würden ferner, wie bekannt, Verhandlungen über
Einzelfragen geführt werden. Dieſe Verhandlungen, die
von dem Wunſche geleitet ſeien, auf dem Gebiete des
wirtſchaftlichen und kolonialpolitiſchen Wettbewerbs In=
tereſſengegenſätze
zu vermeiden, nähmen ihren Fortgang,
ſeien aber noch nicht zu Ende geführt. Es ſeien viele
Wünſche und Gegenwünſche abzuwägen, und es ſpielten
auch die Intereſſen anderer Staaten hinein. Man dürfe
erwarten, daß das Ergebnis, wenn es auch nicht gegen
jede Kritik gefeit ſein werde, in beiden Ländern mit Be=
friedigung
aufgenommen werden würde. Hinſichtlich des
Feierjahres beſtätigte der Staatsſekretär v. Jagow, daß
amtliche Vorſchläge nicht an die deutſche Regierung ge=
langt
ſeien, und es ſcheine ihm auch ſchwer zu
ſein, einen Weg zur Verwirklichung des
Churchillſchen Vorſchlages zu finden, der
übrigens ſeines Wiſſens in der öffentlichen Meinung
Englands ſelbſt keinen beſonders lebhaften Anklang gen
funden habe.
Ein Mitglied des Zentrums hielt den Gedanken des
Feierjahres im Flottenbau für erledigt,
nachdem der engliſche Vorſchlag lediglich in die Oeffent=
lichkeit
geworfen worden ſei, nicht aber Gegenſtand von
Verhandlungen zwiſchen beiden Regierungen war. Bei
einer ernſthaften Behandlung dieſer Frage müßten doch
auch die Mächtegruppierungen in Betracht gezogen wer=
den
Ein Fortſchrittler begrüßte mit Genugtuung die
Beſſerung der Beziehungen zu England, die im Intereſſe
der beiden großen Staaten läge. Deutſchlands Rüſtungen
trügen keinen aggreſſiven Charakter. Erfreulich ſei, daß
der Staatsſekretär etwaige Vorſchläge von engliſcher Seite
über die Herſtellung einer gewiſſen Relation der Kampf=
ſchiffe
ernſthaft prüfen wolle und in dieſem Punkte an
den vorjährigen Anſchauungen feſthalte. Auch er würde
ein Abkommen mit England lebhaft begrüßen. Aber ge=
rade
England ſei es, das fortwährend zu neuen Rüſtungen
treibe. Deutſchland halte an ſeinem Flottengeſetz feſt.
Bedenklich mache ihn, daß Rußland ſeine Oſtſeeflotte in
hohem Maße ausbaue Ein ſozialdemokratiſcher Abge=
ordneter
meinte, die Ausführungen des Staatsſekretärs
hinſichtlich einer Relation von 16:10 hätten ihn ſym=
pathiſch
berührt.
Ein nationalliberaler Abgeordneter begrüßte es, daß
die Beziehungen zu England und der Ton der engli=
ſchen
Preſſe manierlicher geworden ſeien. Er möchte
aber die Worte des Referenten von dem geſunden Miß=
trauen
kräſtig unterſtreichen. In der Frage der deut=
ſchen
Militärmiſſion in der Türkei habe

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. Februar 1914.

Nummer 36.

England die franzöſiſch=ruſſiſchen Einſprüche unterſtützt.
Er wünſche nicht, daß bei der Regelung einer Reihe von
Fragen am Balkan und in Aſien aus zu weitgehender
Rückſichtnahme auf England die deutſchen Intereſſen dort
Schaden litten. Ein anderer Redner der Fortſchrittlichen
Volkspartei glaubte, daß, wenn auch mit England eine
Vereinbarung in den Rüſtungsfragen zuſtande käme,
Frankreich und Rußland nicht verpflichtet ſeien, weniger
zu rüſten. Bei der Einlegung eines Feierjahres würden
den deutſchen Werften und ihren Arbeitern Schwierig=
keiten
erwachſen Ein Mitglied der Konſervativen er=
klärte
ſich befriedigt von den Erklärungen der
Regierung und wünſchte, daß unſere Beziehungen
zu England immer gute ſeien; daß aber unter allen Um=
ſtänden
ein Abkommen zuſtande kommen müſſe, ſolle da=
mit
nicht geſagt ſein. In jedem Falle müßten die deut=
ſchen
Intereſſen gewahrt werden und die Worte des
Reichskanzlers wahr ſein, daß nicht gegen Konzeſſionen
in Aſien und Afrika deutſche Intereſſen preisgegeben
werden dürften.
Staatsſekretär v. Tirpitz antwortete auf einzelne
von den Vorrednern angeſchnittene Fragen, indem er
ausführte, daß wir bezüglich der Kaliberfrage dem Vor=
gehen
anderer Staaten gefolgt und bei der Steigerung
des Kalibers durch die Verminderung der Geſchützzahl
beſtrebt geweſen ſeien, an der unteren Grenze des De=
placements
zu bleiben. Was die Steigerung des Etats
anbetreffe, ſo müſſe man auch die natürliche Preisſteige=
rung
und das Sinken des Geldwertes berückſichtigen. Auf
die Erwähnung der ablehnenden Haltung der deutſchen
Regierung in der Frage der Beſchickung der San
Franzisko=Ausſtellung erklärte der Staatsſekre=
tär
des Auswärtigen Amtes, daß für dieſe Haltung, wie
ſeinerzeit dargelegt worden ſei, keine politiſchen, ſondern
lediglich wirtſchaftliche Gründe, insbeſondere die ableh=
nende
Haltung unſerer Induſtrie, maßgebend geweſen
ſeien.
Auf eine weitere Frage erwiderte der Staatsſekretär:
Ueber die Beibehaltung des Mittelmeergeſchwa=
ders
kann gegenwärtig noch kein Beſchluß gefaßt wer=
den
. Dies hängt von der weiteren Entwicklung der poli=
tiſchen
Lage ab die noch nicht zu überſehen iſt. Ein
Mitglied der Fortſchrittlichen Volkspartei ſtellte feſt, daß
bezüglich des Rüſtungsabkommens poſi=
tive
Vorſchläge von keiner Regierung vor=
lägen
, daß aber die Kommiſſion bereit ſei, ſolche Vor=
ſchläge
ernſthaft zu prüfen. Staatsſekretär v. Tirpitz
betonte, daß ohne das Maß von der Flottenſtärke, wie
es im Flottengeſetz zum Ausdruck komme, die Anbahnung
beſſerer Verhältniſſe zu England wahrſcheinlich nicht ein=
getreten
wäre. Wir hätten daher allen Grund, an un=
ſerem
bewährten Flottengeſetz feſtzuhalten. Der Staats=
ſekretär
hob nochmals hervor, daß Deutſchland bezüglich
des Deplacements und des Kalibers niemals der Treiber
geweſen ſei und auch niemals der Treiber ſein werde.
Letzteres erkannte auch ein ſozialdemokratiſcher Abgeord=
neter
als richtig an. Hierauf wurde der Titel Gehalt
des Staatsſekretärs bewilligt. Weiterberatung am Don=
nerstag
.

Luftfahrt.

* Mannheim, 4. Febr. Nach der Neuen Badiſchen
Landeszeitung iſt die in auswärtigen Blättern verbreitete
Meldung, daß das zweite Militärluftſchiff
Syſtem Schütte=Lan z zur Fahrt bereitliege und noch
in dieſer Woche ſeine erſte Probefahrt unternommen wer=
den
ſolle, ſowie daß bereits eine militäriſche Abnahme=
kommiſſion
eingetroffen, vollſtändig unrichtig. Nach ein=
gezogenen
Erkundigungen bei Herrn Profeſſor Schütte iſt
das neue Luftſchiff noch nicht fertiggeſtellt. Man hat ſich
noch keineswegs damit befaßt, eine Zeitbeſtimmung für
die erſte Probefahrt zu treffen. Auch die Angaben über die
Größenverhältniſſe des Luftſchiffes, die im übrigen mili=
äriſches
Geheimnis ſind, werden als gänzlich falſch bezeich=
net
. An dem Luftſchiff wird eifrig gearbeitet. Nach Fertig=
ſtellung
des Luftſchiffes wird ſofort mit den Probefahrten
begonnen werden.
* Friedrichshafen, 4. Febr. Die Probefahrten
mit dem Militärluftſchiff 3. 7 ſind jetzt abge=
ſchloſſen
. Die neuen Abzugsvorrichtungen für die aus=
ſtrömenden
Gaſe haben ſich bewährt. Die Ueberführung
nach Dresden wird demnächſt erfolgen.
* München, 4. Febr. Heute vormittag iſt ein Unter=
offizier
des Fliegerbataillons Oberſchleißheim aus 200
Meter Höhe auf den Kaſernenhof des Eiſenbahnbataillons

geſtürzt. Er war ſofort tot. Das Flugzeug iſt zer=
trümmert
.
* Helgoland, 4. Febr. Das Luftſchiff Sach=
ſen
überflog heute mittag die Hafenanlagen, umkreiſte
die Inſel, flog über die Düne zu dem hinter der Düne
liegenden Geſchwader und verſchwand dann in dichtem
Nebel. Das Schiff führte die Reichsdienſtflagge.
Landung deutſcher Fliegeroffiziere in Frankreich.
* Paris, 4. Febr. Im Gegenſatz zu der Meldung
der Agence Havas wird von einzelnen Berichterſtattern
behauptet, daß die beiden deutſchen Militärflieger, Leut=
nant
Preſtin und Leutnant Gerſtner, Luneville nicht ver=
laſſen
haben. Das Flugzeug, welches die Marke der Alba=
troswerke
trug, wurde auf Erſuchen der Offiziere von Sol=
daten
des achten Artillerie=Regiments zerlegt und nach
dem Bahnhof in Luneville gebracht, um nach Metz be=
fördert
zu werden. An Bord des Flugzeuges hat ſich nichts
Verdächtiges befunden. Beide Offiziere ſpeiſten, einer
freundlichen Einladung entſprechend, im Militärkaſino und
ſprachen ſodann dem General Varin und allen Offizieren
der Garniſon Luneville ihren Dank für die ihnen bereitete
Aufnahme aus. Nach einer anderen Darſtellung reiſten
die Offiziere um 11 Uhrſüber Pagny=ſur=Moſelle nach Metz
ab. Andere Berichterſtatter behaupten, daß ſie ſich um 1½
Uhr nachts noch immer in der Kaſerne der Kavalleriedivi=
ſion
im Schloſſe von Luneville befunden hätten. Die Er=
mächtigung
zur Abreiſe werde ihnen erſt nach der Unter=
ſuchung
erteilt, welche der heute erwartete Vertreter des
Kriegsminiſteriums über die Angelegenheit anſtellen ſoll.
(Notiz des W. T.=B.: Bis heute früh halb 8 Uhr waren
die beiden Offiziere bei ihrer zuſtändigen Flugſtation in
Metz noch nicht eingetroffen.)
* Paris, 4. Febr. Entgegen einer Meldung aus
Nancy, daß die beiden geſtern auf franzöſiſchem Boden ge=
landeten
deutſchen Fliegeroffiziere nach Deutſch=
land
abgereiſt ſeien, ſtellt eine Depeſche der Agence Havas
feſt, daß ſich die beiden Offiziere noch immer in Lune=
ville
befinden.
* Paris, 4. Febr. (Agence Havas.) Die Unter=
ſuchung
der Militärbehörden von Lunéville ergab
nichts Belaſtendes für die deutſchen Offiziers=
flieger
. Der Kriegsminiſter gab daraufhin bezüglich der
Abreiſe einen günſtigen Beſcheid. Der Miniſter des
Innern übermittelte dem Präfekten des Departements
Meurthe=et=Moſelle die Inſtruktion, daß die Offiziere
nach Deutſchland zurückkehren könnten. Der
abmontierte Apparat wird mit der Bahn zurückgeſchafft.
* Paris, 4. Febr. Die deutſchen Militär=
flieger
ſind um 4 Uhr im Automobil nach der
Grenzeabgereiſt. Bei der Abfahrt hat ſich keinerlei
Zwiſchenfall ereignet.
* Metz, 4. Febr. Von Deutſch=Avricourt aus tele=
phonierten
die Offiziersflieger nach Metz, daß
ihnen um 2 Uhr 30 Minuten geſtattet worden ſei,
Frankreich zu verlaſſen. Um 9 Uhr 56 Minuten
würden ſie in Metz eintreffen.
* Straßburg i. E., 4. Febr. Der abmontierte
Albatros=Doppeldecker der Metzer Fliegeroffi=
ziere
liegt zurzeit am Bahnhof Lunéville.
* Straßburg i. E., 4. Febr. Die beiden Metzer
Fliegeroffiziere, die bei Lunéville gelandet waren, ſind
um 6.55 Uhr abends in Deutſch=Avricourt ein=
getroffen
und um 7.20 Uhr nach Metz weitergereiſt.

Sport, Spiel und Turnen.

Ein heſſiſcher Staatspreis für Fußball. Es iſt eine
bekannte und anerkannte Tatſache, daß der heſſiſche Staat
mit beſonderem Entgegenkommen auch die Pflege des
Sports und der Leibesübungen unterſtützt und fördert, und
zwar beſonders auch der akademiſchen Jugend. Es darf
auch wohl eine Anerkennung der Tatſache, daß die Pflege
von Sport und Spiel an Unwerſität und Hochſchule ziel=
bewußt
betrieben wird, darin erblickt werden, daß das
Großh. Miniſterium des Innern einen Staats=
preis
für ein Fußballwettſpiel geſtiftet hat.
Der Preis ſoll in einem Wettſpiel zwiſchen Mannſchaften
der Landesuniverſität Gießen und der Techniſchen Hoch=
ſchule
Darmſtadt zum Austrag gebracht werden, das am

Sonntag, den 8. Februar, 3 Uhr nachmittags, auf dem
Olympiaſportplatz in Darmſtadt ſtattfinden wird. Der
Großherzog hat ſein Erſcheinen zu dem Wettſpiel in
Ausſicht geſtellt.

Der Maſſenmörder Wagner für irrſinnig
erklärt.

* Heilbronn, 4. Febr. Hauptlehrer Wagner
iſt infolge Beſchluſſes der Strafkammer im Einverſtändnis
mit der Königl. Staatsanwaltſchaft außer Verfol=
gung
geſetzt und dauernd in eine Irren=
anſtalt
verbracht worden.
* Heilbronn, 4. Febr. Der Beſchluß der Straf=
kammer
, den Hauptlehrer Wagner in eine Irren=
anſtalt
zu verbringen, ſtützt ſich auf die pſychiatriſchen
Gutachten von Profeſſor Gaupp=Tüdingen und Pro=
feſſor
Wollenberg=Straßburg. Beide Gutachten kommen
übereinſtimmend zu dem Ergebnis, daß der Angeſchuldigte
zur Zeit der Begehung der Straftaten ohne allen Zweifel
an chroniſchem Verfolgungswahnſinn ge=
litten
hat. Dieſer Auffaſſung iſt das Gericht beigetreten,
indem es die volle Ueberzeugung erlangt, daß der An=
geſchuldigte
ſeine Straftaten unter dem Zwange einer die
freie Willensbeſtimmung ausſchließenden krankhaften
Störung der Geiſtestätigkeit begangen habe, daß er alfo
ſtrafrechtlich nicht verantwortlich gemacht
werdin könne. Eine abſchließende Hauptverhandlung
hätte unmöglich zu einem anderen Ergebnis führen kön=
nen
. Deshalb ſoll von einem Hauptverfahren abgeſehen
und der Angeklagte dem Antrage der Staatsanwaltſchaft
gemäß außer Verfolgung geſetzt werden. Da der Angeſchul=
digte
als gemeingefährlich erſcheint, ſo iſt gleichzeitig ſeine
dauernde ſichere Verwahrung in einer Irrenanſtalt ver=
anlaßt
worden. Die Anſtalt iſt bis jetzt noch nicht bekannt
gegeben.

Literariſches.

St. Max=Reger=Karikaturen von Wil=
helm
Thielmann. Der junge, auch in Darmſtadt
beſtens bekannte Künſtler Wilh. Thielmann= Willings=
hauſen
, den wir als einen in ſeiner Kunſt ebenſo fein=
ſinnigen
wie ausdrucksvollen Schöpfer originellſter Holz=
ſchnitte
und feiner Radierungen ſchon lange ſchätzen, deſſen
Ausſtellungen in der Kunſthalle am Rheintor mehrfach
eingehende und anerkennende Beſprechungen in dieſem
Blatte fanden, hat ſich auch mit ganz erſtaunlichem Er=
folge
auf ein anderes Gebiet, das der Karikatur, begeben.
Er hat eine Mappe mit Max=Reger=Karikaturen
im Kunſtverlag von N. G. Elwert in Marburg erſcheinen
laſſen, die zweifellos ſowohl allen Freunden des berühm=
ten
Komponiſten, den ja bekanntlich beſonders enge künſt=
leriſche
Beziehungen mit Darmſtadt verknüpfen, eine
ebenſo willkommene Gabe ſein wird, wie den Freunden
der Kunſt Wilhelm Thielmanns. Wer die Radierungen
des Künſtlers kennt, von denen unſer Landesmuſeum
eine ganze Reihe beſitzt, die bei aller Feinheit eine außer=
gewöhnliche
Ausdruckskunſt offenbaren, der weiß zwar,
was der Künſtler in ſeiner Zeichnung, in ſeiner Beherr=
ſchung
der linearen Ausdrucksmittel zu ſagen vermag,
dennoch müſſen die vorliegenden Karikaturen überraſchen.
Sie ſind auf das Mindeſtmaß der Linie beſchränkt und
bieten dabei eine Charakteriſierung des Komponiſten, die
geradezu meiſterhaft wirkt. Und ein ſo feiner Humor
pricht aus den etwa 20 Blättern, eine ſo geſunde, be=
zeichnende
, aber in keiner Weiſe verletzende Satire, daß
ſich Wilhelm Thielmann mit dieſen neuen Perlen ſeines
Talents mit einem Schlage einen Platz neben den beſten
Karikaturiſten unſerer Zeit erobert hat. Ein Erfolg, zu
dem man dem ſtrebſamen Künſtler herzlich gratulieren
darf.

Vom Balkan.

* Bukareſt, 4. Febr. Der Kronprinz von
Griechenland iſt heute mittag hier eingetroffen und
auf dem Bahnhofe von dem Thronfolger, den Miniſtern
und dem griechiſchen Geſandten empfangen worden. Der
Kronprinz begab ſich in das königliche Schloß, wo er
Gaſt des Königs iſt.
* Köln, 4. Febr. Ein Berliner Telegramm der
Kölniſchen Zeitung bezeichnet die Nachrichten über die
Balkanbündniſſe insbeſondere die Meldung Wie=
ner
Blätter über ein Bündnis zwiſchen Griechenland
und Rumänien, dem wahrſcheinlich Deutſchland nahe=
ſtände
, als Kombination. Es ſei nichts davon zu
merken geweſen, daß Venizelos in Berlin mit dem Kron=
prinzen
von Rumänien und dem rumänifchen Geſandten
über ein Bündnis verhandelte, ebenſo wenig laſſen ſich hier
Anzeichen feſtſtellen, daß Deutſchland den Abſchluß eines
ſolchen Bündniſſes und den Beitritt dazu beabſichtige,
* Wien, 4. Febr. Eſſad Paſcha erklärt in der
Neuen Freien Preſſe: Zwiſchen mir und der Kontroll=
kommiſſion
wurde ein vollkommenes Einver=
ſtändnis
erzielt. Die Kontrollkommiſſion kommt
nunmehr zu ihrem ſtändigen Aufenthalt nach Durazzo. Ich
werde meinen Platz weiter behalten. Sobald mir die
Kontrollkommiſſion offiziell mitteilt, daß der Prinz zu
Wied zur Abreiſe nach Albanien bereit iſt, werde ich an
der Spitze einer Deputation nach Potsdam
reiſen. Wahrſcheinlich werde ich den Prinzen zu Wied
von Potsdam nach Wien und Rom begleiten, während die
übrigen Mitglieder der Deputation von Potsdam direkt
nach Albanien zurückreiſen.
* Paris, 4. Febr. Nach einer Meldung aus Athen
haben ſich die Vertreter der griechiſchen Regierung nach
Lariſſa begeben, um ſich mit dem dort eingetroffenen In=
genieur
der franzöſiſchen Bauunternehmung über die
Tracierung der Verbindungslinie zwiſchen
dem griechiſchen und dem internationalen Eiſenbahnnetz zu
verſtändigen.

Zur Lage in Mexiko.

* Mexiko, 4. Febr. Der Geſchäftsträger
der Vereinigten Staaten. O’Shaugneſſy,
benachrichtigte alle Fremden indirekt von der Freigabe
der Waffenausfuhr nach Mexiko durch ſeine
Regierung. Viele Fremde bereiten ſich zur Abreiſe vor.
Präſident Huerta äußerte, er laſſe O'Shaugneſſy die
Päſſe aus dieſem Anlaß nicht zuſtellen; die Freigabe des
Waffenhandels würde ſeine Haltung gegenüber den Ver=
einigten
Staaten und den Nordamerikanern in Mexiko
nicht beeinfluſſen.
* Neu=Orleans, 4. Febr. Nachdem die Verord=
nung
, die den Waffenhandel in Mexiko frei=
giht
, veröffentlicht worden war, erfuhr man, daß hier
und in den Nachbarſtädten 14000 Gewehre, 15 Millionen
Patronen, 60 Revolverkanonen und 4 Maſchinengewehre
lagerten, um nach Mexiko durchgeſchmuggelt zu werden.

Großherzogliches Hoftheater.

Mittwoch, 4. Februar.
Die Jüdin von Toledo.
W-l. Grillparzers Trauerſpiel Die Jüdin von
Toledo, mit dem heute der Grillparzer=Zyklus
abſchloß, iſt erſt aus dem Nachlaſſe des im Jahre 1872
verſtorbenen Dichters herausgegeben worden, und die
letzte Feile fehlt ihm. Mehr als in anderen Grillparzer=
ſchen
Stücken überwiegt in ihm die Rhethorik zum Nach=
keile
der Geſchloſſenheit der Handlung. Als) Vorlage
diente Grillparzer ein Stück von Lope de Veja, mit der
er aber ganz frei und ſelbſtändig verfuhr.
Der junge König Alfonſo, der, von pedantiſchen
Lehrern erzogen, bisher an der Seite ſeiner tugend=
haften
und ſtolzen Gattin ein gleichmäßiges, von dem
Hauch der Leidenſchaft unberührtes Leben geführt hat,
wird von der ſchönen Jüdin Rahel, einem Ausbund
weiblicher Koketterie, mit den Feſſeln einer ſinnlichen Lei=
denſchaft
umſtrickt, der er ganz verfällt. Zu ſpät erwacht
in ihm der Mann. Er fühlte ſich glücklich in dem unge=
ſtörten
Gleichgewichte ſeines Weſens, die Welt hatte ihn
noch nicht in ihre ſtrenge Lehre genommen. Alles iſt gut,
da erſcheint jene Jüdin, und etwas wird in ihm rege,
von deſſen Daſein er bis jetzt keine Ahnung gehabt hat.
Die Leidenſchaft für das üppige Weib ergreiſt ihn und
verwandelt ſein ganzes Weſen. Er weiß ſich indeſſen
von dieſer Leidenſchaft frei zu machen und geht ſiegreich
und ſittlich geläutert aus dem Kampfe ſeiner Leidenſchaft
hervor. Dieſe Läuterung des Königs iſt nur durch den
grauſamen Tod der Rahel möglich, von der ſich der
König nach ihrem Tode entſetzt abwendet. Man hat ſich
von dieſem Schluß früher abgeſtoßen gefühlt; geiſtreich
bemerkt Heinrich Laube, der gewiegte Praktiker, zu dieſer
zwar konſtruierten, aber hochgenialen Schlußwendung:
Selbſt die auffallende Schlußwendung iſt ganz richtig;
es fragt ſich nur, ob dieſe Richtigkeit im Theater genügen,
ob die Nichtachtung der aufgeregten Gefühle das Publi=
kum
nicht verſtimmen werde. Denn die Zuhörerſchaft im
Theater bedarf immer ſchließlich einer Genugtuung für
ihre Gefühle und geſtattet nicht leicht, daß zu einer höhe=
ren
Tagesordnung nüchtern übergegangen werde.
Erſt ſpäter hat ſich dieſe richtige Auffaſſung von dem
hohen ſittlichen Ideal des Dichters, der die Befreiung
von der Leidenſchaft wie die Heilung von einer Krankheit
aufgefaßt wiſſen wollte, Geltung verſchafft, unter welchem

Geſichtspunkte dann das Stück nach Verdienſt bewertet
worden iſt.
Den Darſtellern der Hauptrollen, des Königs und der
Rahel, ſtellt das Schauſpiel wegen der Kompliziertheit der
Charaktere ſchwere Aufgaben. Wie in der Rolle des Jaſon
und des Phaon muß der Darſteller des Königs es ver=
ſtehen
, dem problematiſchen Grundzug dieſes Charakters
gerecht zu werden und den immerfort wechſelnden, oft ins
Gegenteil umſchlagenden Empfindungen und Stimmungen
pſychologiſche Glaubwürdigkeit zu verleihen, dabei auch
noch die Klippe des deklamatoriſchen Pathos vermeiden.
Herr Ehrle bewährte ſich in der geſchickten und takt=
vollen
Löſung dieſer ſchwierigen und vielſeitigen Aufgabe
als echter Künſtler. Aus den ſich ſcheinbar widerſprechen=
den
Zügen der Rahel Natürlichkeit und Koketterie. Kind=
lichkeit
und Falſchheit, Einfältigkeit und Raffiniertheit,
Nachgiebigkeit und Trotz, ein Weib, das ſich zehnmal mit
jedem Atemzuge widerſpricht ein einheitliches Charak=
terbild
zu ſchaffen, iſt außerordentlich ſchwer und kann nur
der Genialität einer Perſönlichkeit gelingen, der man es
ohne weiteres glaubt, denn ſie iſt mehr ein Problem, als
ein Charakter. Frau Meißner kehrte in der Darſtellung
dieſer ſchönen Hexe mehr die berechnende Kokette und die
Fehler hervor, die der König ſelbſt mit den Worten charak=
teriſiert
:
Nimm alle Fehler dieſer weiten Erde,
Die Torheit und die Eitelkeit, die Schwäche,
Die Liſt, den Trotz, Gefallſucht, ja die Habſucht,
Vereine ſie, ſo haſt Du dieſes Weib.
Die ſtolze und tugendhafte Königin, neben der Eſther
der einzige imponierende Charakter, der inmitten aller
zwiſchen Extremen wechſelnden Perſonen zielbewußt und
feſt daſteht, wurde durch Frl. Pils ſehr ſympathiſch ver=
körpert
. Die tragikomiſche Rolle des Jſaak, der als Vater
der Königsbuhle hohle Hände macht, ſpielte Herr Weſter=
mann
mit ſcharf ausgeprägter und mit Humor untermiſch=
ter
Charakteriſtik. Ernſt und würdevoll war der Manrique
des Herrn Heinz, friſch und ſympathiſch der Garceran
des Herrn Schneider. Die Rolle der Eſther, meiſt
pathetiſcher Art, wurde von Frl. Alſen mit verſtändnis=
vollem
Takt geſprochen und dargeſtellt.
Das Haus war gut beſucht. Die Regie hatte Herr
Baumeiſter. Die Inſzenierung des Stückes verriet
viel Geſchmack; nur die Landſchaft des Luſtſchloſſes paßte
ſich dem modernen Stil ſchlecht an.

[ ][  ][ ]

Nummer 36.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. Februar 1914.

Seite 7.

Darmſtadt, 5. Februar.
C) Lichtbilder=Vortrag der Deutſchen Kolonialgeſell=
ſchaft
und des Deutſchen Flottenvereins. Der geſtern abend
in dem Feſtſal des Hotels Zur Traube von der Ab=
teilung
Darmſtadt der Deutſchen Kolonialgeſellſchaft und
dem Deutſchen Flottenverein (Kreisgruppe Darmſtadt)
veranſtaltete Lichtbilder=Vortrag des Oberleutnants a. D.
Dr. Schultze=Berlin über ſeine Erforſchungsreiſe
mit Herzog Adolf von Mecklenburg vom Kongo durch
Neu=Kamerun bis zum Tſchadſee war außerordentlich
zahlreich beſucht und bot für die Zuhörerſchaft einen hoch=
intereſſänten
und lehrreichen Vereinsabend. Der Redner
der als Begleiter des Herzogs Adolf von Mecklenburg an
der Erforſchungsreiſe in unſere neuen Reichskolonien teil=
genommen
hatte, ſchilderte in feſſelnder Weiſe an Hand
zahlreicher Lichtbilder Land und Leute des von Frankreich
eingetauſchten neuen Kolonialgebietes insbeſondere die
dort vorhandenen Urwaldverhältniſſe die eine Ausdeh=
nung
von etwa 2500 Meilen haben. Die erſte Kenntnis
hiervon brachte der Afrikaforſcher Stanley, der hier wiſſen=
ſchaftlich
vieles geleiſtet, aber ungerechterweiſe viel ange=
feindet
wurde. In dem ganzen Urwaldgebiet herrſchten
fortgczetzt Ueberſchwemmungen, ſo daß die Bäume viele
Meter unter Waſſer ſtehen. Eingehent ſchildert der Red=
ner
die Zuſammenſetzung des Urwaldes und die vorhan=
denen
Nutzpflanzen. von denen der Kauiſchukbaum, die
Rafſia= und die Frikuspalme, wegen ihrer wertvollen
Eigenſchaften zum Kolonialexport am geeignetſten ſind.
Beſonders wertvoll aber ſind die Oelpalmen unter deren
Schatten man tagelang wandern kann. Auch der Kakao=
baum
findet ſich in den Niederungen Neukameruns ſehr
zahlreich und ſeine Erträgniſſe und Güte ſtehen dem otf=
afrikaniſchen
Produkt in keiner Weiſe nach. Die Tier=
welt
, insbeſondere das Wild iſt ſehr ſchwach vertreten und
der Jäger würde hier keine Be,riedigung finden. Dagegen
beherrſcht der Gorilla und der Schimpanſe auf weite
Strecken den Urwald und bringen die Bewohner in ſtete
Gefahr. Auch Vögel findet man ſehr wenig, dagegen ſind
die Inſekten, insbeſondere Schmetterlinge um ſo ſtärker
vertreten. Die letzteren erreichen oft die Größe einer Hand.
Die Bewohner Neu=Kameruns ſtehen auf einer ſehr tiefen
Kulturſtufe; ſie ſind ſehr klein und reichen dem Eucopäer
kaum bis an die Bruſt, und die Wohn= und Lebensver=
hältniſſe
ſind primitivſter Art. Sie huldigen teilweiſe noch
dem Kannibalismus, dem jedoch von der Regierung bereits
ſcharf entgegen getreten wird. Eingehend ſchilderte der
Redner noch das Küſtengebiet Neu=Kameruns, das in
ſeiner landſchaftlichen Schönheit mit unſeren Kolonien
wetteifert und von zahlreichen Völkerſchaften beſiedelt iſt.
Zum Schluß ſeines Vortrags beſprach er noch das Leben
des Euroväers im Urwald und die Urwald=Faktoreien.
auf denen die Züchtung von Rindvieh im Vordergrund
ſteht. Dabei gab er der Hoffnung Ausdruck, daß es deut=
ſchem
Wagemut und Ausdauer gelingen werde, auch die=
les
Neuland des Reiches nach und nach zu koloniſieren.
Reicher Beifall und Dank wurde dem Redner zuteil, dem
auch der Vorſitzende der Kolonialgeſellſchaft in Darmſtadt
in trefflichen Worten Ausdruck gab.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 4. Febr. Wie das W. T. B. von zuſtändiger
Seite erfährt, iſt das Gerücht von einem bevorſtehenden
Wechſel in der Leitung des Geheimen Zivil=
kabinetts
des Kaiſers vollſtändig gegen=
ſtandslos
.
* Berlin, 4. Febr. Dem Berl Lokalanzeiger zufolge
iſt Generalleutnant Freihrrr v. Richthofen, bisher
Kommandeur der Gardekavallerie=Diviſion, in
gleicher Eigenſchaft zur 6. Diviſion in Brandenburg a. H.
verſetzt worden. Mit der Führung der Gardekaval=
lerie
=Diviſion wurde Generalmajor v. Pelet=
Norbonne beauftragt, bisher Kommandeur der 30.
Kavalleriebrigade in Straßburg. Er war der Vorſitzende
im Kriegsgericht gegen den Oberſten v. Reuter.
* Berlin, 4. Febr. Der Seniorenkonvent des
Abgeordnetenhauſes unterhielt ſich über die
Frage der Kontingentierung der Etatsbera=
tung
, ohne zu einem ſicheren poſitiven Ergebnis zu
kommen. Dagegen hat ſich die Verſammlung bereit ge=
funden
, einer Erweiterung der Sitzungen um eine halbe
bis eine Stunde zuzuſtimmen, um den Etat ſoweit als
imöglich vor Oſtern zu fördern. Uebereinſtimmung herrſchte
darüber, daß von einer Verabſchiedung des Etats vor
Oſtern nicht die Rede ſein kann und daß man im äußer=
ſten
Fall zufrieden ſein müßte, wenn auch nur die zweite
Leſung des Budgets vor Oſtern zum Abſchluß gebracht
werde.
* Metz, 4. Febr. Zum Gouverneur von Metz
anſtelle des Generalleutnants von Oven iſt der bis=
herige
Kommandeur der 16. Diviſion in Trier, Generalleut=
nant
von Lindenau ernannt worden.
* Stuttgart, 4. Febr. Die Zweite Kammer nahm
heute einen Antrag an, in dem die Regierung erſucht
wird, im Bundesrat für eine möglichſt baldige
Aufhebung der Fahrkartenſteuer einzutreten
unter der Vorausſetzung, daß der dadurch entſtehende
Ausfall ohne Erhöhung der Matrikularbeiträge gedeckt
wird. Miniſterpräſident Dr. v. Weizſäcker erklärte,
daß er mit dieſem Antrage einverſtanden ſei, da er der
Regierung im Bundesrat eine Stütze bieten werde, wenn
dort wieder einmal die Frage der Aufhebung zur Sprache
komme. Vielleicht werde die Steuer noch
einmal abgeſchafft werden. Einer Erhöhung
der Matrikularbeiträge würde ſich die Regierung mit aller
Entſchiedenheit widerſetzen.
* Karlsruhe, 4. Febr. Der heute mittag ausgegebene
ärztliche Bericht über das Befinden der
Prinzeſſin Wilhelm von Baden beſagt: Im
Befinden Ihrer Königlichen Hoheit beſtand heute morgen
noch die Beſſerung wie am Tage zuvor, doch ſtellten
ſich im Laufe des Vormittags wieder große Schwäche=
erſcheinungen
ein, die von neuem ernſte Be=
ſorgniſſe
erwecken.
* Karlsruhe, 4. Febr. Nach dem vorläufigen amt=
lichen
Ergebnis der Erſatzwahl im 7. badiſchen
Reichstagswahlkreis wurden insgeſamt 24913 gültige
Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Profeſſor Dr.

Wirth=Freiburg (Zentr.) 12259, auf Kaufmann und
Stadtrat Kölſch=Karlsruhe (natlib.) 9616 und auf Redak=
teur
Geiler=Mülhauſen i. Elſ. (Soz.) 3032 Stimmen; zer=
ſplittert
waren 6 Stimmen. Somit iſt Stichwahl nötig
zwiſchen Kölſch (natlib.) und Dr. Wirth (Zentr.).
* Bremen, 4. Febr. Der frühere langjährige Präſi=
dent
des Norddeutſchen Lloyds, Geo Plate, iſt im Alter
von 70 Jahren auf ſeinem Gute Neuglobſow (Mark) ge=
ſtorben
.
* Wien, 4. Febr. Das Neue Wiener Tagblatt ſtellt ſeſt,
daß Oeſterreich=Ungarn in der Frage der
Orientbahn den Standpunkt weiter vertritt, daß die
ſerbiſche Regierung zunächſt den Betrieb der in den neu
erworbenen Gebieten gelegenen Strecken an die Orientbahn=
geſellſchaft
zurückzuſtellen habe, worauf weitere Verhand=
lungen
ſtattfinden können. Nichts deſtoweniger nahm
man hier mit gewohnter Konzilianz den franzöſi=
ſchen
Vermittelungsvorſchlag ſehr ſympathiſch
auf. Die bezüglich der Orientbahnen zwiſchen Oeſterreich=
Ungarn und den deutſchen Intereſſentenkreiſen ſchwebenden
Fragen ſeien rein finanzieller Natur und dürften bald eine
allſeits befriedigende Löſung finden.
* Peſt, 4. Febr. Das Ungariſche Korreſpondenzbureau
meldet: Der panſlawiſtiſche Agitator Graf
Bobrinsky iſt in Begleitung zweier ruſſiſcher Jour=
naliſten
in Marmaros Sziget eingetroffen. Das Geſuch
um ein freies Geleit war vom Juſtizminiſter abgelehnt
worden. Graf Bobrinsky meldete ſich in dem Landesver=
ratsprozeß
, der jetzt in Marmaros Sziget verhandelt wird,
freiwillig als Zeuge. Die Vernehmung wird morgen vor=
mittag
ſtattfinden. Eaf Bobrinsky wird vom Ezerno=
witzer
Gerichtshof wegen politiſcher Umtriebe ſteckbrief=
lich
verfolgt. Anläßlich der Anweſenheit des Gra=
fen
Bobrinsky in Ungarn ſchreibt die Wiener Allgemeine
Zeitung: Hier werde die Angelegenheit Bobrinsky
nicht als eine Affäre betrachtet, mit der man ſich vom
diplomatiſchen Standpunkte aus zu befaſſen hätte. Die
Angelegenheit gehe nur jene öſterreichiſchen Gerichtsbehör=
den
an, die ſeinerzeit den Steckbrief hinter Bobrinsky er=
ließen
. Von ihrem Ermeſſen hinge es ab, ob ſie ſich wegen
der Auslieferung des Grafen an die ungariſchen Behörden
wenden wollten.
* Paris, 4. Febr. Gegenüber der von mehreren Blät=
tern
in einem Bericht über die letzte Sitzung des
höheren Marinerats gebrachten Meldung, daß
durch die vom Marineminiſter Monis vorgeſchlagene Ver=
änderung
eine Verzögerung des Flottenpro=
gramms
verurſacht worden ſei, erklärt eine amtliche
Note, daß von einer ſolchen Verzögerung nie=
mals
die Rede geweſen ſei und auch nicht die
Rede ſein könne. Einzelne Blätter kritiſieren lebhaft den
auf Anſuchen des Marineminiſters gefaßten Beſchluß des
Budgetausſchuſſes, wonach die drei Aufklärungskreuzer,
deren Kiellegung im Laufe dieſes Jahres erfolgen ſoll,
in Führungsſchiffe kleiner Geſchwader umgewandelt
werden ſollen.
* Paris, 4. Febr. Der Direktor des Paſteurſchen In=
ſtituts
Roux gab heute zu Ehren des Geheimrats Prof.
Dr. Ehrlich ein Frühſtück, welchem die Mitglieder
dieſes Inſtituts ſowie andere hervorragende Forſcher bei=
wohnten
. Dr. Rour beglückwünſchte in ſeinem Trinkſpruch
Profeſſor Ehrlich zu ſeiner Entdeckung, wobei der Frank=
furter
Gelehrte in herzlichen Worten für die Unterſtützung
dankte, die er bei den Schülern Paſteurs gefunden habe.
* Paris, 4. Febr. Aus Madrid wird gemeldet:
Der Miniſterrat hat ſich mit der Lage der franzöſi=
ſchen
Staatsangehörigen in Mexiko beſchäf=
tigt
und beſchloſſen, beim amerikaniſchen Botſchafter in
Madrid Schritte zu unternehmen, damit ſeine Regierung
gegebenenfalls für den Schutz der Spanier und der
ſpaniſchen Untertanen ſorge.
* Petersburg, 4. Febr. Ein Tagesbefehl an
das Militär erwähnt die jüngſt vorgekommenen
Ausſchreitungen von Offizieren die einen
Mangel an moraliſcher Einwirkung und die Sorgfalt ſei=
tens
der Kommandierenden und der älteren Kameraden
erkennen ließen. Der Kaiſer wandte dieſer Erſcheinung
die ernſteſte Aufmerkſamkeit zu. Er befahl dem Kriegs=
miniſter
, die ſtrengſten Maßnahmen zu ergreifen, um ſol=
chen
Ausſchreitungen vorzubeugen. Der Kriegsminiſter
ſeinerſeits lenkt die Aufmerkſamkeit der Befehlshaber
darauf, daß die Mängel in der militäriſchen Erziehung
der Offiziere auf eine mangelhafte innere Ordnung in dem
betreffenden Truppenteile hinweiſe, deſſen Kommandeur
ſeiner Aufgabe nicht gewachſen erſcheine.
* Petersburg, 4. Febr. Venizelos und Paſitſch
frühſtückten heute beim Miniſter des Aeußern. Darauf
fand ein Bankett der griechiſchen Kolonie zu
Ehren Venizelos ſtatt, der ſich heute abend nach Buka=
reſt
begibt.
* Petersburg, 4. Febr. Nach Bekanntmachung im
Ruſſiſchen Finanzanzeiger unter dem 28. Dezember 1913
hatte das ruſſiſche Zolldepartement verfügt,
daß die Leitwege Djulfa-Täbris und Askabad für den
Tranſit=Poſtpaketverkehr nach Perſien vom
1. Februar 1914 n. St. ab zu ſperren ſind. Das Zoll=
departement
hat jetzt bekannt gegeben, daß dieſe Beſchrän=
kung
bis auf weiteres aufgehoben ſei.
* Petersburg, 4. Febr. Heute begann die zweitägige
Gedenkfeier des Leibgarde=Koſaken=Regiments zur
Erinnerung der Teilnahme an den Befreiungskrie=
gen
gegen Napoleon. An den Kaiſergräbern wurden
Kränze niedergelegt. Zahlreiche Deputationen nahmen an
der Feier teil.
* London, 4. Febr. In Saint Fillans, Grafſchaft
Perth, ſind wertvolle Möbel in den dem Präſidenten der
Antiſuffragettenliga gehörenden Häuſern verbrannt.
Dies iſt heute der dritte Anſchlag von Anhängern
des Frauenſtimmrechts in Schotttand.
* Sheffields, 4. Febr. Während eines großen Fuß=
ballſpiels
, zu dem eine große Zuſchauermenge erſchienen
war, brach eine Mauer ein und begrub viele
Menſchen unter ſich. 16 Verletzte wurden ins
Krankenhaus gebracht.
Unruhen in Peru.
* Neu=York, 4. Febr. Aus Lima wird gemeldet: Der
Miniſterpräſident Varela wurde bei einem heftigen
Kampfe, der auf die Eroberung des Palaſtes des Präſi=
denten
folgte, getötet. Dr. Auguſte Durand, der

frühere Führer der Revolutionäre, iſt Herr des Palaſtes.
Es heißt, daß er eine neue Regierung bilden wird.
* Neu=York, 4. Febr. Nach einer Depeſche aus Lima
iſt der Präſident von Peru von den Aufſtändiſchen
gefangen genommen worden, die unter dem Oberſten
Benavides den Palaſt des Präſidenten angegriffen hatten.
* Neu=York. 4. Febr.. Nach Meldungen aus Lima
begann der Angriff auf den Palaſt heute morgen
4 Uhr 30 Minuten. Tauſende der Bevölkerung wurden
durch die Schüſſe aufgeſchreckt und begaben ſich auf die
Straßen. Die Soldaten erhielten den Befehl, in die Luft
zu ſchießen, um zu große Menſchenanſammlungen zu ver=
hüten
. Ein Ziviliſt wurde getötet. In der
Stadt herrſcht große Aufregung. Die Banken und Läden
ſind geſchloſſen. Präſident Billinghurſt wird als Ge=
fangener
nach Calao gebracht, um außer Landes verwieſen
zu werden.

Amtlicher Wetterbericht.

Die Wetterlage hat ſich nicht geändert. Hoher Druck
bedeckt den ganzen Kontinent und beherrſcht ausſchließlich
unſere Witterung. Eine Aenderung iſt vorerſt nicht zu
erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den
5. Februar: Meiſt heiter, vielfach Dunſt und Nebel, keine
weſentliche Temperaturänderung, Nachtfroſt, ziemlich ruhig.

A

Kafarrhbrcuchen Sie-s
nich zuhdbendaöhner:
O
Wopeträblelen
Schulz beferorräfig 8
mallenApofreken und
Drogerien-Preeisder.
Origindischachfel-NI

Die heutige Versammlung im
Kaisersaal‟, 8½ Uhr, ist für
Hauspesnizer
überaus wichtig.
Fehle also Keiner!
Hausbesitzer-Verein.

(3672

Oin hohen Alter noch möglichſt rüſtig zu ſein, iſt der
Wunſch wohl aller Menſchen. Sachgemäße Ernährung
unter Zuziehung möglichſt nährſtoffreicher Kräftigungs=
mittel
helfen am eheſten dieſes Ziel zu erreichen. Der
altbekannte Kaſſeler Hafer=Kakao genießt als derartiges
Kräftigungsmittel großes Anſehen und wird deshalb
auch gern ärztlich empfohlen.
Geſchäftliches.
Das weltberühmte St. Bennobier aus der
Aktienbrauerei Löwenbräu in München, größte Brauerei
Deutſchlands mit über 800000 Hektoliter Umſatz, iſt
wie alljährlich im Reſtaurant G. Schmitz, Luiſenſtraße,
ſowie im Hotel Prinz Heinrich, Bleichſtraße, im
Ausſchank. Freunde dieſes vortrefflichen Starkbieres
ſeien hierauf aufmerkſam gemacht.

Todes=Anzeige.
Statt jeder beſonderen Mitteilung.

Heute nacht ſtarb nach längerem Leiden
unſere treugeliebte Mutter, Großmutter und
Schweſter
(3669
Frau
Fäumie Blueh
geb. Simon.
Paris, London, Darmſtadt,
4. Februar 1914.
Die trauernden Hinterbliebenen.

Die Beerdigung findet Freitag, den 6. Febr.,
vormittags 11 Uhr, vom Trauerhauſe Alice=
ſtraße
16 aus, ſtatt.
Blumenſpenden und Trauerbeſuche dankend
verbeten.

nach Pilsner Art 5
nach Münchner Art
Hell Export 600u
feinste Wafelbiere
in Flaschen und Syphons.
1371a

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. Februar 1914.

Nummer 36.

Bäcker=Junung Darmſtadt.
Todes=Anzeige.
Den werten Kollegen die traurige Mit=
teilung
, daß unſer langjähriges Mitglied, die
Kollegin
(3628
Kath. Hechler
plötzlich in die Ewigkeit abgerufen wurde.
Die Beerdigung findet am Donnerstag,
den 5. Februar, nachmittags 3 Uhr, vom
Trauerhauſe Schloßgraben 11 aus, ſtatt.
Darmſtadt, den 4. Februar 1914.
Der Vorſtand.

Todes=Anzeige.
Heute früh wurde mein lieber Gatte, unſer
guter Vater, Großvater und Bruder (3653
Herr Wilhelm Franck
Pfarrer
nach längerem, ſchwerem Leiden durch einen
ſanften Tod erlöſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Julie Franck, geb. Wendeberg,
Marie Bernhard, geb. Franck,
Willi Franck, Pfarrvikar,
Ludwig Bernhard, Pfarrer,
Emmi Heuſer,
George Franck.
Rohrbach, am 4. Februar 1914.
Die Beerdigung findet am Freitag, nach=
mittags
um 2½ Uhr ſtatt.

Tageskalender.
Donnerstag, 5. Febeuar.

Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr, Ende gegen
10½ Uhr (Ab. C): Figaros Hochzeit
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Konzert von Ida Baur=Egelhaaf und Willem de Boer
um 8 Uhr im Hotel Zur Traube‟

Vortrag von A. v. Heſſert um 8½ Uhr im Kaiſerſaal
(Hausbeſitzerverein).
Monatsverſammlung des Gartenbauvereins um
8 Uhr im Fürſtenſaal
Konzerte: Hotel Heß um 3 Uhr. Café Zur Oper
um 8 Uhr. Rummelbräu um 8 Uhr. Bürgerkeller
um 8 Uhr. Perkeo um 8 Uhr.

Verſteigerungskalender,
Freitag, 6. Februar.

Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 9½ Uhr in
der Ludwigshalle‟
Nutz= unnd Brennholz=Verſteigerung um
9 Uhr im Ober=Ramſtädter Gemeindewald ( Zu=
ſammenkunft
am Diſtrikt Finſterhöhlenberg der Wald=
mühle
gegenüber).
Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr im Darm=
ſtädter
Hof zu Griesheim.
Stammholz=Verſteigerung um 10 Uhr in Ober=
förſterei
Langen (Zuſammenkunft am Ernſt= Ludwigs=
tempel
, Forſtwartei Koberſtadt).
Nutz= und Brennholz=Verſteigerung um
9 Uhr im Büttelborner Gemeindewald (Zuſammenkunft
auf der Chauſſee nach Darmſtadt am Eingang des
Waldes).
Jagdverpachtung um 4½ Uhr im Rathaus zu
Dietesheim.
Gewerbebibliothek (Bibliothek, Vorbilderſamm=
lung
und Patentſchriftenauslegeſtelle) geöffnet Werktags
von 912½ und 36 Uhr, ausgenommen Samstag
nachmittags. Bibliothek=Abende Dienstags
und Freitags von 810 Uhr abends.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Max Htreeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Carl Friedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträg=
liche
werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.

Freisraiser

des

esidenz-Theaters
am weißen Turm.
Wie lautet der Titel uns. demnächstigen
Srossen Lastspleis!
Aus nachſtehenden 113 Buchſtaben:
aaaaaa, à, b, ecacc, eeeeeeee, ffff, gggg, hh
hhhhhhhhh, iiiiliiiliiiti, kk, I1I111I, mm,
Inunnnnnnnn, ooooooooocoo, TT, 38 8 8 8 88 8,
itititittitt, au, s
ſind 13 Worte zu bilden, und derart in die unten ge‟
zeichnete Figur einzuſetzen, daß die mittelſte Reihe=
von
oben nach unten geleſen, den Titel unſeres Luſt=
ſpiels
ergibt, und demzufolge auch in die mittelſte
Querreihe zu ſetzen iſt.
Die Worte bezeichnen: 1. Reihe: Buchſtabe, 2. Raum
am Hauſe, 3. Fußbekleidungsſtück, 4. Fernſprechapparat,
5. Verkehrsmittel im Winter, 6. Stadt in Norwegen,
7. Beliebtes Feſt, 8. Der Titel unſeres demnächſt er=
ſcheinenden
großen Luſtſpiels, 9. Kolonie in den Vor=
orten
Berlins, 10. Reiche Dame, 11. Notwendiger
Signalbeſtandteil eines Kriegsſchiffes, 12. Ruhetag
in der Woche, 13. Schmerzhafte Verletzung, 14. Jüngſt
verſtorbener japaniſcher Fürſt, 15. Buchſtabe.
Zur Erleichterung ſei erwähnt, daß der oberſte
Buchſtabe ein H, der mittelſte Buchſtabe der ganzen
Figur ein N, und der unterſte Buchſtabe ein O ſein muß.

Rheinſalm
Weſerſalm
Silberſalm
Lachsforellen Karpfen
Seezungen
Steinbutt
Rotzungen
Heilbutt

Lebend
Frisch
Hummer
Forellen
Hechte
Schleien
Zander
Stockfiſch
Nordſee=
Schellfiſch
Nordſee=
Sablau
Iertur
Schollen
Auſtern
Gabrat

Brat=Bückling
Muſcheln

Für die richtige Löſung dieſes Preisrätſels haben wir
50 Preise
ausgeſetzt. 1. Preis: 2 Abonnements 1. Platz;
2. Preis: 1 Abonnement 1. Platz; 3. Preis: 1 Abon=
nement
2. Platz, u. 47 Troſtpreiſe: Je 1 Billett 1. Platz.
Sämtliche Löſungen müſſen bis Montag, den
9. d. Mts., abends, in unſerem Beſitz ſein. Das
Reſultat geben wir am Dienstag, den 10., in der
Zeitung bekannt. Die ausgeloſten Preisträger werden
denſelben Abend im Theater bekannt gegeben. Man möge
dieſes Inſerat ausſchneiden, an unſer Theater ſenden,
oder an der Kaſſe abgeben, verſehen mit
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Wohnort:

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mieten geſ. Off. G 64 Exp. (*291

Die Freie Studentenſchaft Darmſtadt iſt
am 1. Februar 1914 aufgelöſt worden.
Alle Forderungen an die obengenannte Organiſation oder ihre
Abteilungen und Aemter: Fechtabteilung, photographiſche Abteilung,
Schießabteilung, Tanzabteilung, Tennisabteilung, Bücheramt, Exkur=
ſionsamt
, Feſtamt, Vortragsamt, ſind bis zum 12. Februar einzu=
reichen
an
Wilh. Berger, cand. mach., Taunusstr. 3, II.
Spätere Forderungen können nicht berückſichtigt werden. Die Adreſſe:
Freie Studentenſchaft, Techniſche Hochſchule iſt mit dem 1. Februar
aufgehoben.
(*2550imd
Das Zeitungsamt iſt unverändert an den Freiſtudentiſchen
Gauverband für Heſſen und Heſſen=Naſſau, übergegangen.
Die Kommiſſion der aufgelöſten Freien Studentenſchaft
zur Regelung der Geſchäfte.

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Winterthur

Hermannsches Institat.
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verbunden mit Sprachſeminar.

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schneiden
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[ ][  ][ ]

Nummer 36.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. Februar 1914.

Seite 9.

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Herrn Konzertmeister Adolf Busch
(Violine) aus Wien und
Herrn Städt. Musikdirckter Fritz Busch
(Klavier) aus Aachen.
Programm: 1. Sonate in C-moll, op. 30, Nr. 2 von Ludwig van
Beethoven. 2. Sonate in A-dur, op. 162 von Franz Schubert. 3. Zu
Richard Wagners Gedächtnis (gest. 13. Februar 1883): Album-
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für Violine von Richard Wagner. 4. Sonate in D-moll. op. 108
von Johannes Brahms.
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strasse
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5 Mk., Saalkarten zu 3 Mk. Numerierter Balkon zu 3 Mk. und
Galerie zu 1.50 Mk., Studentenkarten zu 1 Mk. und Schülerkarten
zu 50 Pfg. bei Heinrich Arnold, im Verkehrsbureau und
abends an der Kasse. (Die städtische Billettsteuer wird von der
Vereinskasse getragen). Beitrittserklärungen für das
laufende Vereinsjahr, die noch vor dem obigen Kon-
zerte
erfolgen, berechtigen zu dessen freiem Be-
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. Der Jahresbeitrag beträgt 12 Mk.
Der Vorstand.

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von Benno Rauchenegger und Rich. Manz.
Abends 8.10 Uhr:
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Volksstück mit Gesang u. Tanz in 5 Aufzügen von Dr. L. Ganghofer
und Hans Neuert. Musik von F. M. Prestele.
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num. Mk. 1.10, Saal-Entree (III. Platz) 55 Pfg.
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Für die Sonntag-Nachmittags-Vorstellungen nur an der Theater-
kasse
vormittags von 1012 Uhr und von 2½ Uhr ab.
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Gev dem Ohm en
Hängche.
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nen Mann.
Kanns do mer nen Daler
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Zum Hess. Hof.

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Donnerstag, den 5. Februar 1914.
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Muſikal. Leiter: Willem de Haan.
Spielleiter: Otto Nowack.
Perſonen:
Graf Almaviva . Guſt. Kirchberg=
van
Eyck a. G.
Die Gräfin, ſeine
Gemahlin
Gt. Geyersbach
Cherubin, Page d.
Grafen .
. Marg. Beling=
Schäfer
Figaro, Kammer=
diener
d. Grafen AlfredStephani
Suſanne, Kam=
mermädchen
der
Gräfin .
. Olga Kallenſee
Marzelline, Beſchl.
im Schloſſe des
Grafen
. Anna Jacobs
Bartolo, Arzt . . L. Schützendorf
Baſilio, Muſikm. Karl Bernhardt
Don Gußmann,
Richter .
. Fritz Hilsdorf
Antonio, Gärtner Auguſt Kräger
Bärbchen, ſ. Tocht. Hede Schaub
Zwei Edel= . . Eva Unger
damen
Lydia Riethof
Chöre: Robert Preuß.
Krank: Annemarie Liſchke.
Preiſe der Plätze (Gewöhnl.
Preiſe): Sperrſitz: 1.13. Reihe
14.20 , 14.20. Reihe 3.40 ,
Parterre: 1.5. Reihe 2.90 ,
6.8. Reihe 2.35 , Proſzeniums=
loge
6.20 , Mittelloge 6.20 ,
Balkonloge 5.20 , 1. Rang 4.70 ,
2. Rang: 1.6. Reihe 2.70 , 7. u.
8. Reihe 2.15 , 1. Galerie 1.35 ,
2. Galerie 0.75 .
Kartenverkauf: an der Tages=
kaſſe
im Hoftheater von 9½1½
Uhr und eine Stunde vor Beginn
der Vorſtellung; im Verkehrsbüro
von 81 Uhr und von 2½ Uhr
bis kurz vor Beginn der Vor=
ſtellung
. (Im Verkehrsbüro wer=
den
auch telephoniſch Kartenbe=
ſtellungen
entgegengenommen.
Telephon Nr. 1582.)
Anf. 7 Uhr. Ende geg. 10½ Uhr.
Vorverkauf f. die Vorſtellungen:
Freitag, 6. Febr. 106. Ab.=Vſt.
D 27. Filmzauber. Gew.
Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Samstag, 7. Febr. Außer Ab.
25. Volksvorſtellung zu ermäßigten
Preiſen. Die luſtige Witwe.
Anfang 7½ Uhr. Vorverkauf bis
einſchl. Samstag, 7. Febr., im Ver=
kehrsbüro
(Ernſt=Ludwigsplatz).
Verkauf der etwa noch vorhand.
Karten am Tage der Vorſtellung
auch an der Tageskaſſe im Hof=
theater
zu den übl. Kaſſeſtunden.
Sonntag, 8. Febr. Nachm. 2½
Uhr. Auß. Ab. 26. Volksvorſtell.
zu ermäß. Preiſen. Neu einſtud.:
Der dunkle Punkt. Vor=
verkauf
bis einſchl. Samstag, den
7. Febr., nur im Verkehrsbüro,
Ernſt=Ludwigsplatz. Verkauf der
noch vorhanden. Karten am Tage
der Vorſtellung an der Tageskaſſe
im Hoftheater vorm. von 11 Uhr
ab. Abends 7 Uhr. Auß. Ab.
Einmal. Gaſtſpiel von Madame
Charles Cahier. Neu einſtud. u.
neu inſzeniert: Samſon und
Dalila‟ Dalila: Mad. Charles
Cahier. Gew. Preiſe.
Aus dem Spieltlan.
Montag, 9. Febr. Außer Ab.
X. Sonder=Vorſtellung. Die
ſpaniſche Fliege. Anfang
8 Uhr. (Zu dieſer Vorſtellung
findet kein Kartenverkauf ſtatt.)

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. Februar 1914.

Nummer 36.

Daisor-Ausverkauf

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Darmstadt, Rheinstraße 1.

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Gesangverein Sängerlust

Inhaber der Medaille für Kunst und Wissenschaft.

Samstag, den 14. Februar, abends 811:

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in sämtl. närrisch dekorierten Räumen des Mathildenhöhsaales, Dieburgerstr. 26.
Wintergarten.
Wein-, Sekt-Lauben Café Liebespost. Sonstige Ueberraschungen.
Eintrittskarten für Fremde pro Person Mk. 1.10 im Vorverkauf bei den
Herren: Friseur Hch. Schnebele, Schustergasse 19; Friseur Daniel Scherer, Arheilgerstr. 7;
Johann Treusch, Zigarrengeschäft, Mollerstr. 17 und Verkehrsbüro, Ernst-Ludwigsplatz.
Abends an der Kasse: Herren: Mk. 1.65 und Damen Mk. 1.10.
Maskenabzeichen nur für Mitglieder unentgeltlich bei Herrn Wilh. Kläden, Schützenstr. 8, I.
NB. Katerbummel mit Tanz: Sonntag, den 15. Februar auf der
(3612dd
Ludwigshöhe, oberer Saal. Abmarsch ½3 Uhr vom Kapellplatz.

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Samstag, den 7. Februar 1914
von 8½ Uhr ab
Noommernach. Jest
im Winter

in den sämtlichen

glänzend illuminierten u. zu einem Gartenhaine
umgewundelten Räumen des Saalbaues.

Zwei Festmusiken Aufführungen
I. Teil:
Buntes Brettl.
Sekt- und Bierausschank
II. Teil:Fest-Ball mit Fackelpolonaise.
Für auswärtigen Besuch sowie für junge Herren,
welche noch kein selbständiges Einkommen besitzen,
erhalten die Mitglieder des Vereins Eintrittskarten zu
den üblichen Preisen: Donnerstag, den 5. Februar
und Samstag, den 7. Februar von 35 Uhr im
Vereinshause Schulstrasse Nr. 8.
Die Teilnahme von hier ansässigen Nichtmitgliedern
ist in iedem Falle strengstens ausgeschlossen.
Ohne Vorzeigung der Karten lst
der Eintritt Alemand gestattet.
Vereinsauskunftsstelle bei den Herren Müller & Rühle,
Elisabethenstr. 5.

Anmeldungen zur Mitgliedschaft finden
noch vor dem Feste Erledigung, wenn solche spätestens
bis zum 5. Februar unter der Postadresse: Vorstand
des Mozart-Vereins eingereicht werden.
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Stiftſtraße 31, I.

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(muſikaliſche Clowns), preis=
gekrönt
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Kaupſtraße 5, part. I.

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zu verleihen oder zu verkaufen.
*2630id) Kranichſteinerſtraße 18.

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bergerſtr
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Mollerſtr. 25, II.

Schicke, ſeid. Damenmaske und
Damendomino zu verk. oder
zu verleih. Kiesſtr. 71, pt. (*2752md

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*2718mdfs) Gr. Caplaneigaſſe 14.

Eleg. Maskenkoſtüme, ganz

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Krieger-u. Militär-Verein, Blücher
(Hassia-Verein.)

In ſämtlichen Räumen des Kaiſerſaales
Sonntag, 8. Februar Aufang präzis 7 Uhr 71½ Minuter
Aaskenbarz.

Der Glanzpunkt
Neudes Karnebals 1914 Neu:
Hochinteressante
spannende Tanlz-Wettbewerbe.
Treffpunkt der geſamten Darmſtädter Tanzwelt.
Alles ſtaunt. Jeder amüſiert ſich. Alles iſt überraſcht.

Internationale Tango-Konkurrenz
Wiener Walzer-Konkurrenz
Rheinländer-Konkurrenz
Francaise-Konkurrenz
(3207
Schönheits-Konkurrenz

Es kommen je nach Beteiligung 6 erſtklaſſige, hochfeine Damen=
und Herren=Uhren mit Goldrand zur Verteilung, außerdem noch
eine große Anzahl wertvoller II. und III. Preiſe.
Jeder Anweſende hat Stimmrecht.
berrenkarte 55 Pfg. Damenkarte 35 Pfg.
Eintritt:
Mitglieder frei.
Kein Weinzwang. Kein Weinzwang.
Maskenkarten für Mitglieder erhältlich beim 1. Vor=
ſitzenden
, Herrn Kneip, Kiesſtraße 34, I.

Vereinigte Geſellſchaft
Samstag, den 7. Februar,
abends 8 Uhr
Iuskenbattt
Karten für das Balleſſen werden bis 7. Februar, mittags
1 Uhr, durch den Geſellſchaftswirt zum Preiſe von 2 Mk. ausgegeben.
Hierbei werden zugleich für maskierte Perſonen die Abzeichen ver=
abfolgt
. Für nicht mit Karten verſehene Teilnehmer erhöht ſich der
Preis auf 2.50 Mk.
(3610
Im Intereſſe geordneten Servierens wird gebeten, die Löſung
von Tiſchkarten nicht zu verſäumen. Galeriekarten werden nur für
Mitglieder und nicht mehr als drei für je einen Haushalt abgegeben.

Bayern=Verein.
Samstag, 7. Februar, abends 8 Uhr 31 Min.,
im Perkeo, Alexanderſtraße 12:
Großer Haskenban
Mla-kiria
(3206sd
Alles Nähere ſiehe Plakate.
Eintritt: Herren=Masken 1.10 , Damen=Masken 55 , Nicht=
masken
: Herren 1.10 , eine Dame frei, jede weitere Dame 55
(inkl. Steuer).
Vorverkauf bei: J. Söllner, Schuchardſtr. 9, Chr. Kelſch,
Ernſt=Ludwigſtr. 8, II, T. Schild’s Hutmagazin, Eliſabethenſtr. 22

Restadrahr Zum Weilschuster

Kiesstrasse 32
Donnerstag, den 5. Februar, abends: (3601md


wozu ergebenſt einladet

Herzelsuppe

Carl Seipp.

Restaurant Perkeo
3598md) Donnerstag, den 5. Februar:
osses

Rod.
Sehlachtrest

(Italienerin
Maskenkostüme u. ſpaniſcher
Zigeuner) zu verl. od. zu verk
2963) Gutenbergſtr. 61, 3. St.

hübſche Maskenkoſtüme bill.
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Schwanenſtr. 7. 1 St. links.

Maskenanzüge bill. zu verleihen.
W (*2957ds) Schloßgaſſe 32, I.
Schwarz. Domino billig zu verl.
S) Kranichſteinerſtr. 41, Hth., I.r.

leg. Damenmaske bill. zu verl. od.
Gu verk. Riedeſelſtr. 72, p. (*2566ids

[ ][  ][ ]

36 16.

Donnerstag, 3. Februgr.

1914.

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppenübungs=
platz
Darmſtadt bringen wir hiermit zur allgemeinen Kenntnis=
(3657
Darmſtadt, den 30. Januar 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Aebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 5. bis 6. Februar 1914.?

Die
Dauer der
Truppenteil
Tag
Datum
1 Abſperrung) Bemerkungen
Abſperrung
erſtreckt ſich
von bis
5. Febr. Donnerstag1 Fußartillerie= 90 V.
Bis zum
Regt. Nr. 18 11.B. 5= N. Landgraben
6. Freitag

An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.

Wir bringen die unten abgedruckte Bekanntmachung aus dem Regierungs=
blatt
Nr. 1 vom 8. Januar 1914 zu Ihrer Kenntnis. Der Zweckverband iſt damit
genehmigt und rechtskräftig.

Die erſte Ansſchußſitzung (Mitgliederverſammlung) findet am Dienstag, den
10. Februar 1914, nachmittags 3½ Uhr im Sitzungsſaal des Kreisamts ſtatt. Nach
§ 9 der genehmigten Satzung haben ſich dazu die Vertreter der unten genannten Ver=
bandsgemeinden
, nämlich der Großh. Bürgermeiſter oder wenn verhindert der geſetzliche
Stellvertreter, einzufinden.
In der Sitzung iſt der Vorſtand zu wählen und der Rechner zu beſtellen.
Ueber die bis jetzt bereits eingelaufenen Baugeſuche iſt Beſchluß zu faſſen.
Darmſtadt, den 30. Januar 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Piſtor.

Bekanntmachung

die Gründung eines Zweckverbandes der Landgemeinden des Kreiſes Darmſtadt
für den Bau billiger Eigenhäuſer betreffend.
Vom 31. Dezember 1913.
Auf Grund der Artikel 196, 197 des Geſetzes, die Landgemeindeordnung betreffend,
vom 8. Juli 1911 iſt der Satzung des von den Gemeinden Arheilgen, Eberſtadt,
Griesheim, Hahn, Nieder=Ramſtadt, Ober=Ramſtadt, Roßdorf Weiterſtadt und
Wirhauſen zum Zweck der Beſchaffung biliger, geſunder und zweckmäßig hergerichteter
Wohnungen in eigens erbauten, angekauften oder gemieteten Häuſern gegründeten
Verbandes die Beſtätigung erteilt worden.
Darmſtadt, den 31. Dezember 1913.
Großherzogliches Miniſterium des Innern.
J. V.: Schliephake.
(2627

Gee reneter den geſt. geinent Setiat.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde! In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher. 1 Ulmer Dogge (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dort=
ſelbſt
jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(3621

Bekanntmachung.

Unter den Pferden der 5. Eskadron des Leib=Dragoner= Regi=
ments
Nr. 24 iſt die Bruſtſeuche feſtgeſtellt worden.
(3620
Darmſtadt, den 2. Februar 1914.

Großherzogliches Polizeiamt.
J. V.: Stumpf.

Beſichtigung von Mietwohnungen und Feuerſtätten.

Die Wohnungs= und Feuerſtättenbeſichtigung findet gegen=
wärtig
im erſten Polizei=Revier ſtatt.
(3591mdf
Darmſtadt, den 29. Januar 1914.
Das Baupolizeiamt.
Steinberger

Lieferung von Kreide, Schwämmen und Tinte
für die ſtädt. Schulen in 1914/15.

Obige Lieferung ſoll vergeben werden. Angebote nebſt Muſtern
ſind bis längſtens Montag, den 9. Februar 1914, vormittags
10 Uhr, bei mir einzureichen.
Die Lieferungsbedingungen liegen im Stadthaus, Zimmer Nr. 39,
zur Einſicht offen.
(3379ids
Darmſtadt, den 30. Januar 1914.
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

Vergebung von Fuhrleiſtungen.

Die in den Rechnungsjahren 1914, 1915 und 1916 bei der Stadt=
gärtnerei
vorkommenden Fuhrleiſtungen ſollen verdungen werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen liegen im Geſchäfts=
zimmer
der Stadtgärtnerei Rheinſtraße 15/18, Zimmer 65, während
der Dienſtſtunden zur Einſicht offen.
Angebotsformulare werden dort abgegeben. Angebote ſind bis
Montag, den 16. Februar, vorm, 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle abzugeben.
(2838
Darmſtadt, den 24. Januar 1914.
Stadtgärtnerei.
J. V.: Klier.

Für die Ausſührung von Kleinpflaſter auf den Kreisſtraßen Gber=
ſtadt
-Bickenbach und Eberſtadt-Seeheim ſollen im öffentlichen
Wettbewerbe die nachſtehend aufgeführten Fuhrleiſtungen und Lie=
ferungen
in 3 Loſen vergeben werden, und zwar:
a) das Anfahren von 985 cbm Walzſchotter, 348 cbm Walz=
gries
, 230 cbm Wandſteine, 695 cbm Steinmehl und
97 Waggons Kleinpflaſterſteine;
b) die Anlieferung von 1075 chm gewöhnl. Pflaſter= und
Walzſand, 140 cbm Steingeröll und 40 cbm Bankettkies.
Die Bedingungen liegen in den Geſchäftsräumen des Unter=
zeichneten
(Neckarſtraße 3) an den Vormittagen offen, woſelbſt ſchrift=
liche
Angebote bis ſpäteſtens Samstag, den 14. I. Mts., vorm.
10 Uhr, entgegengenommen werden.
(3634
Darmſtadt, den 3. Februar 1914.
Der Großh. Kreisbauinſpektor.

Großer freiwiliger Möbel=Verkauf
im Auktions= und Möbelhaus
Telephon 1774 Bleichstrasse Nr. 1 Telephon 1774.
Täglich ununterbrochen geöffnet.
Im gefl. Auftrage zu Versteigerungspreisen:
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1 Herrenzimmer. m. engl. Zügen ꝛc.
dunk. eich. m. vorgebautem Büfett, Kredenz,
1 Speiſezimmer: Auszugtiſch m. Lederſtühlen, Umbau u. Diwan.
Küchenſchrank und Küchenbüfett m. Kunſt=
1 Küche, pitſch=Pine: verglaſung und Linoleumbelag.
Gasbadeofen, mod., mit Brauſevorrichtung,
Kaſſenſchrank, groß. Schlafzimmer, dunkel pol., engl. Bett=
ſtellen
, la Einlage, Bücherſchränke, gr. Kleiderſchrank, zweitür.,
Dipl.=Schreibtiſche, Sekretär, geſchn. Bult, Vertiko, Pfeiler=
ſchränkchen
, Umbau f. Diwan, ſchwarz, Diwan m. Umbau, eich.,
Diwan, Chaifelongues, Klubſeſſel (Rindl.), Serviertiſch, Leder=
u
. einf. Stühle, Waſchkommode m. Spiegel, Büfett, nußb., eiſ.
Bettſtelle, weiß, Waſchmaſchine, Oefen u. Lüſter f. Gas, Salon=
Lüſter, elektr., Regulatuhr, Wollmatratzen, Trumeaux, Spiegel ꝛc.
Glasſchränke, Theken, Eiſen= und Holz=
Laden=Einrichtungen: Firmenſchilder, f. alle Geſchäfte paſſend.
Schränke, Truhen, Kirſchbaum=Kommode, Roll=
(3659
Antike Möbel: putt, Delgemälde, Zinnteller uſw.
Auktionator und
Taxator.
Johannes Krummeck,
Annahme von Verſteigerungen, Verkäufen u. Taxationen.

Bekanntmachung.

Nach den für die Abgabe von
Waſſer aus dem Waſſerwerk be=
ſtehenden
Satzungen werden als
Großabnehmer angeſehen dieieni=
gen
Induſtriellen, Gewerbetreiben=
den
und Grundſtückbeſitzer, welche
pro Jahr mehr als 1000 Kubik=
meter
Waſſer verbrauchen und
ſich vor Beginn des Verwaltungs=
jahres
hierzu auf ein Jahr ver=
pflichten
. Es iſt hierbei gleich=
gültig
, ob der Waſſerverbrauch an
einer Stelle ſtattfindet, oder ob
der Abnehmer mehrere eigene Ver=
brauchsſtellen
beſitzt. Im letzteren
Falle wird er indeſſen zum Erſatz
der Koſten herangezogen, welche
der Stadt durch die Ausführung
derweiteren Zuleitung nebſt Waſſer=
meſſer
uſw. erwachſen ſind.
Diejenigen Waſſer=Abnehmer,
welche gemäß dieſer Beſtimmungen
im Verwaltungsjahr 1914 auf den
Großabnehmerpreis Anſpruch zu
machen gedenken, werden erſucht,
bindende ſchriftliche Erklärungen
bis 15. März l. J. an die Städti=
ſche
Waſſerwerksverwaltung ge=
langen
zu laſſen.
Die ſeitherigen Großabnehmer
ſind bei weiterer Beanſpruchung
des Großabnahmepreiſes zur Er=
neuerung
ihrer Erklärung inner=
halb
gedachten Termins ver=
bunden
.
(3224a
Denjenigen Abnehmern, welche
keine Erklärung abgeben, wird das
Waſſer im Verwaltungsjahr 1914
zum gewöhnlichen Preis, bezieh=
ungsweiſe
zur feſtgeſetzten Mini=
maltaxe
berechnet.
Darmſtadt 29. Januar 1914.
Städt. Waſſerwerks=Verwaltung.
Rudolph.

Bekanntmachung.

Donnerstag, 26. Februar I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
ſoll die der Witwe des Zimmer=
manns
Jakob Appelmann, Anna
Margarete, geb. Montag, dahier
und deren Kindern zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 594¾/10 222 Hofreite Rhön=
ring
Nr. 15,
III 594 67 Grasgarten
(Vorgarten)
daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(B733
verſteigert werden.
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, wird Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
* Darmſtadt, 16. Januar 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII,2531

Bekaunimachung.

In dem Konkursverfahren über
das Vermögen des Valentin
Fuchs I. von Pfungſtadt wird
Termin zur Abnahme der Schluß=
rechnung
, zur Erhebung von Ein=
wendungen
gegen das Schlußver=
zeichnis
, zur Prüfung der nach=
träglich
angemeldeten Forderungen
und zur Genehmigung der vom
Verwalter betätigten Grundſtücks=
verkäufe
beſtimmt auf: (3674
Dienstag, den 3. März 1914,
vormittags 10 Uhr,
Zimmer Nr. 114.
Darmſtadt, 28. Januar 1914.
Großherzogliches Amtsgericht II.

antik., billig zu verkaufen
Sofd, Karlſtr. 54, Stb. I. ſ. (*2918ds

Altertümliche
Bilder. Bücher, geſchnitztes
Wandſchränkchen, Pfeifen ꝛc.,
billig zu verkaufen. (3681dfs
Näheres Expedition.
Güchenmöb, Tiſche, Seſſ, Bücher=
geſtell
, Garderob., Nähmaſch. zu
verk. Wendelſtadtſtr. 8, I. (*2847

Holz-Verſteigerung.

Mittwoch, 11. Februar I. J., vormittags ½9 Uhr,
wird in der Brücher’ſchen Wirtſchaft zu Arheilgen das Brennholz
von der Abtriebsfläche in Luderplatte 13, ſowie das ganze Dürr=
und Windfallholz der Forſtwartei Kalkofen (Nr. 119 und 5271060)
verſteigert:
Scheiter, rm: 68 Buchen I. Kl., 134 Buchen II. Kl.,
2 Hainbuchen, 86 Eichen (hiervon 6 rund), 177 Birken,
0,8 Eſchen, 6 Pappeln, 6 Erlen, 6 Kiefern, 2 Lärchen,
12 Fichten; Knüppel, rm: 241 Buchen, 72 Eichen, 210 Bir=
ken
, 18,8 Erlen, 2 Linden, 15 Kiefern, 32 Fichten; Reiſig,
Wellen: 2120 Buchen; Stöcke, rm: 62 Buchen, 75 Eichen.
Blau unterſtrichene Nummern werden nicht verſteigert. Aus=
kunſt
erteilt Förſter Loeſch zu Kalkofen, Poſt Darmſtadt.
Darmſtadt, den 3. Februar 1914.
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoop.
(3608

Holz=Verſteigerung.

Donnerstag, den 12. Februar, vormittags
von 9 Uhr an
ſollen in der Turnhalle, Woogsplatz 5 dahier, aus dem Diſtrikt
Glasberg (15 Minuten vom Oſtbahnhof entfernt) verſteigert werden:
Scheiter, rm: 279 Buchen, 32 Eichen;
Knüppel, rm: 200 Buchen, 38 Eichen, 1 Birke, 2 Fichten;
Reiſig, Hdt. Wellen: 50 Buchen, 7 Eichen;
Stöcke (fein geſpalten) rm: 33 Buchen, 24 Eichen.
Zur Verſteigerung kommt die Nummernfolge 639 bis 982.
Die blau unterſtrichenen Nummern kommen nicht zum Ausgebot.
Nähere Auskunft erteilt der Großh. Forſtwart Kolb zu Beſſunger
Forſthaus.
Darmſtadt, den 3. Februar 1914.
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
Daab.
(3516ds

Holzverſteigerung.

Freitag, 6. Februar, vormittags 9 Uhr anfangend,
werden im Ober=Ramſtädter Gemeindewald in den Diſtrikten
Finſterhöllenberg und Eichelberg nachbenannte Holzſortimente an
Ort und Stelle verſteigert:
30 Stück Lärchen=Derbſtangen von 7 cm mittl. Durchmeſſer;
130 Stück Lächen=Reisſtangen von 5 em mittl. Durchmeſer;
510 Stück Fichten=Reisſtangen (Bohnenſtangen), 35 cm Durchm.
34 rm Buchen=, 7 Eichen= und 41 Kiefern=Scheiter; 19rm Kiefern=
Knüppel; 240 Stück Buchen=, Eichen=, Kiefern= und Fichten=
Wellen; 41 rm Buchen=, 11 Kiefern= und 28 Fichten=Stöcke.
Zuſammenkunft am Diſtrikt Finſterhöllenberg, der Waldmühle
gegenüber.
Ober=Ramſtadt, 30. Januar 1914.
(3405id
Großh. Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.

Voranſchlag der Gemeinde Roßdorf für 1914.

Der Voranſchlag der Gemeinde Roßdorf für 1914 liegt vom
6. Februar bis 12. Februar 1914 von 8 bis 12 Uhr vorm. und von
2 bis 6 Uhr nachm. auf dem Bureau des Bürgermeiſters zu Jeder=
manns
Einſicht offen. Einwendungen gegen den Voranſchlag können
bei dem Bürgermeiſter ſchriftlich oder zu Protokoll vorgebracht werden.
Es wird darauf aufmerkſam gemacht, daß eine Umlage von
40 000 Mk. beſchloſſen worden iſt, zu der auch die Ausmärker heran=
(3616
gezogen werden ſollen.
Roßdorf den 31. Januar 1914.
Großh. Bürgermeiſterei Roßdorf.
Lorenz.

Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, den 5. Februar 1914, nachm. 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtraße 16
öffentlich zwangsweiſe gegen Barzahlung:
a) für beſtimmt: 2 Rundſchneidmaſchinen, 1 Kleider=
ſchrank
, 1 Pfeilerſchrank, 1 Diſch, 3 Stühle, 1 vollſt.
Bett, 1 Bettſtelle, 1 Spiegel, 1 Anrichte u. 1 Topfbrett;
b)vorausſichtlich: 5 Büfetts, 1 Pianino, 3 Schreib=
tiſche
, 6 Vertikos, 8 Diwans, 2 Sofas, 7 Betten, 1 Stand=
uhr
, 3 Spiegel=, 2 Kleider= und 2 Kaſſenſchränke, 2 Rube=
betten
, 2 Nähmaſchinen, 1 Fahrrad, 1 Landauer, 1 Halb=
verdeck
, 1 Partie Korſetts, Krawaten u. Hemden, 2 Schreib=
maſchinen
, 2 Dampfmaſchinen pp.
(3655
Darmſtadt. den 4. Februar 1914.
Thüre, Großh. Gerichtsvollzieher,
Bleichſtraße 9.

Modernste Reste . für
Anzüge, Hoſen u. Ueberzieher ſeh
billig. Ludwigspl. 2. 2. St. (*2853

Glavierſtimmer Emil Schultze,
K. Kammermuſiker Herderſtr. 11.
Aufträge auch bei Fräul. Walther,
Wilhelminenſtraße 13. (2662a

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. Februar 1914.

Nummer 36.

Weiblich

Kaufm. gebild.
jüngeres Fräuiein
aus beſſerer Familie ſucht zum
1. od. 15. April paſſ. Wirkungs=
kreis
, wo ſie teils auf d. Bureau,
teils im Detail. Beſchäftigung
findet. Offerten unter E 13
an die Expedition. (*2883dsi

Kontoriſtin, geübt im Maſchinen=
ſchreiben
, Stenographie, ſow. allen
üblichen Kontorarbeiten, ſucht ſich
zum 1. April zu veränd. Off. unt.
63 an die Exped.
*2920

Junge Beamten-Wwe.
wünſcht Filiale
zu übernehmen
od. ſonſt. geeig. Nebenbeſchäft., für
den nachm. Gefl. Offerten unter
G 50 an die Exp. erbeten. (3619
Güchtige Schneiderin empfiehlt
ſich in und außer dem Hauſe
Riedeſelſtr. 42, parterre, I. (*2873ds

nimmt
Tücht. Weißſtickerin noch
Kund. an. Wo? ſagt die Exp. (*2868

Perſ. Schneiderin empf. ſich i. u
a. d. Hauſe Gartenſtr. 18 III (3357a

Perf. Büglerin nimmt Kunden
in u. außer dem Hauſe, auch wird
Wäſche auf Wunſch ausgebeſſert.
Poſtkarte gen. Karlſtr. 112. (3649a

Tüchtige Schneiderin,
langj. Direktrice, empf. ſich im An=
fert
. v. Kleidern, Bluſen, Röcken
auch Aenderungen w. tadellos u
prompt gelief. in u. auß. d. Hauſe
b. mäß. Pr. Bismarckſtr. 27. (*2884

Tlickfrau empf. ſich in Weißzeug
7 u. Kleider, ſow. Herrenkleider.
Gardiſtenſtraße 9, I.
(*2887

berf. Schneiderin empf. ſich im
P Anfert. feiner Damengarderobe.
*2931)
Wienersſtr. 47, III.

Süchtiges Mädchen ſucht tags=
über
Laufdienst. Näheres
Gardiſtenſtraße 17.
(*2857

übernimmt Ver=
Geb. Fräul. tretung d. Haus=
frau
, auch halbe Tage. Offerten
unter G 52 an die Exped. (*2876

ſehr ehrl.
Suche f. meine Lauttrau u. fleißig
noch einige nachm. Beſchäftigung.
Zu erfrag., mitt. zwiſch. 2 u. 4 Uhr,
bei Neu, Heinrichſtr. 65, I. (*2870

ſucht p. 1. März Stellung; über=
nimmt
evtl. Aushilfe. Prima
Zeugniſſe aus erſtem Hauſe zu
Dienſten. Gefl. Offerten unter
& 56 an die Exped. erb. (3635

in all. häusl. Arb.
Kräft. Frau bew., ſucht tags=
über
Beſchäftigung, auch waſchen.
Eckhardtſtraße 35.
(*2891

Junge Frau ſ. Laufſtelle v. 810
od. nachm. 2. Std. Nähe Marien=
platz
bevorzugt. Näh. Exp. (*2944

Mädchen ſucht ſofort Laufſtelle,
morg. u. nachm. je 2 Stund. (*2943
Magdalenenſtraße 3, Hths. part.

Jg. Frau ſucht morgs. 2 St. Lauf=
dienſt
Beſſungerſtr. 34. (B3667

Männlien

Erfahrener
Wiener Schneider
ſucht Arbeit in u. außer d. Hauſe.
Beſte Bedienung. Mäßig. Preis.
Ausbeſſerungen, auch für Herren.
R. Tuscha, Arheilgerſtr. 83.
Poſtkarte genügt. (3094dc
Jo. vh. Mann ſ. ſ. St. gl. w. Branche.
Reitz, Magdalenenſtr. 6, p. l. (*2889
mit mehrjähriger
Bautechniker Praxis in Hoch=
und Eiſenbetonbau, ſucht, geſtützt
auf gute Zeugniſſe, per bald oder
ſpäter Stellung. Gefl. Angeb. unt.
6 68 an die Exved.
(*2907ds
Junger Mann (militärfrei),
tüchtig, ausgebild. im Kaufmanns=
fach
, auch Büro u. Lageriſt, mit den
beſten Empfehlungen, ſucht ſeine
Stellung am 1. April zu ändern.
Nähere Auskunft erteilt (2951df
Operninſpizient Fleiſchmann,
Lichtenbergſtraße 69, part.
Selbſt. perf. Schneid. ſucht Stil

als Direktrice. Off. u. G. 61 an
die Expedition.

*2930
19jähr. Mann ſ. ſof. St., Radf.,
pr. Zeugn. Sandbergſtr. 46. (B3666
Tuche f. m. Sohn., m. Einſ=Freiw.=
S Berecht., kaufm. Lehrſt. Off.
unter G 48 an die Erped. (*2861

15 jähr. Junge, Radſ. ſ. Beſchäft.
Kranichſteinerſtr. 7, Stb. II. (*2942

e Stellen

Weiblich

mit guter Schulbild.
Fräulein und ſchöner Schrift
für leichte Büroarbeiten nachmitt.
geſucht. Offerten mit Gehalts=
anſpruch
und Altersangabe unter
F35 an die Exped. ds. Bl. (*2904

Reinl. junge Mädchen
und Knaben (3589md
bis zu 16 Jahren für leichte Arbeit
geſucht. Näh. Wehner & Fahr,
Schokoladenfabrik, Holzhofallee 1.

Modes!
Zuarbeiterin, die auch etwas im
Verkauf bew. iſt, geſ. E. Hohmann,
Modes, Eliſabethenſtr. 16. (*2867

Perfekte
Jacken-
Arbeiterinnen
f. unſere Aenderungs=Ateliers
(3662
geſucht
D. Rehfeld & Co., G. m. b. H.
Ludwigſtraße 5.

Tüngeres Fräulein aus guter
Familie und mit höherer Schul=
bildung
findet
(3578md
Lehrſtelle
in hieſiger Buchhandlung.
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[ ][  ][ ]

Nummer 36.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. Februar 1914.

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Das Tippfräulein.
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(Nachdruck verboten).
26

Graf Dietrich mochte das nicht hören. Sie brauchen
bei fremden Damen keine Anleihen zu machen, Fräulein
Schacht, meinte er eifrig. Sie haben anderes, Eigenes und
Beſſeres, auf das Sie ſtolz ſein können, und zur Baroneſſe
gewendet, ſagte er: War Wardenburg nicht einmal mit
dieſer Gräfin Gartenhauſen in Berlin verlobt?
Ja, leider, war die Erwiderung. Die Familie ſoll
ihm übel mitgeſpielt haben, und allerlei Mißverſtändniſſe
verſchärften die Situation.
Na, meinte Pechtold, das war lange vor meiner Zeit,
ich weiß nur ſoviel: Die kleine Gräfin iſt an ſich ein ganz
reizendes Mädel und in ihrem Hauſe alles tipptopp, aber
heiraten möchte ich ſie nicht um die Welt, trotz ihres vielen
Geldes. Sie iſt nämlich hölliſch eigenſinnig, von den Brü=
dern
verzogen und kalt wie eine Hundeſchnauze. Jeden=
falls
hat ſie bis jetzt ihr Herz noch nicht entdeckt.
Alle lachten über dieſe kurze und derbe Charakteriſtik,
Gabi ſelbſt nicht am allerwenigſten, und Graf Dietrich
meinte, ſofort lebhafter werdend:
Dieſe Mängel und Unarten ſind bei vornehmen
Frauen durchaus nicht ſelten. Ein naives, volles und
warmes Empfinden findet man eben nur in anderen
Kreiſen.

Die eie dame beſrit das ſeheſt und lichenswülctg,
und während die Unterhaltung ſich auf dem Gebiet fortbe=
wegte
, ſchien Fräulein Flotts Stellvertreterin ſamt der
überraſchenden Aehnlichkeit vergeſſen zu ſein. Beim Ab=
ſchied
kam Pechtold aber ganz nahe an Gabi heran, reichte
ihr die Hand und fixierte ſie dabei in einer Weiſe, welche
ihr das Blut in die Wangen trieb. Zweifel und Arg=
wohn
lagen wieder in ſeinem Blick, und als er dann mit
Graf Dietrich den langen Korridor hinabſchritt, ſagte er
nachdenklich: Du haſt recht, dieſes kleine Tippfräulein hat
bei aller Beſcheidenheit vornehme Allüren und ein beſon=
ders
angenehmes, gut geſchultes Organ. Sie iſt auch ſehr
niedlich und ihre Aehnlichkeit mit der Gabi Gartenhauſen
geradezu verblüffend. Wenn es nicht Unſinn wäre, würde
ich glauben, ſie ſei es ſelbſt. Vielleicht beſtehen, von ihr
ſelbſt ungeahnt verwandtſchaftliche Beziehungen zwiſchen
den beiden Mädchen und Fräulein Schacht iſt ein wildes
Reis von einem edlen Stamm.
Der junge Graf fuhr ganz entrüſtet auf: O, bitte ſehr,
ſagte er im Hinblick auf ſeine reellen Abſichten mit Gabi.
Fräulein Flotts Stellvertreterin iſt die Tochter ehrbarer
Eltern. An ihrer Geburt haftet kein Makel. Ihre Fa=
milienverhältniſſe
ſind beſcheiden, aber tadellos.
Pechtold lachte. Woher weißt Du denn das, mein
guter Ditt?
Von ihr ſelbſt mein Junge.
Das iſt keine ſehr zuverläſſige Quelle.
Jedenfalls eine, die mir vollkommen genüge.

Dan aunitere ich Dir zu Dinmn ſindihen Br=
trauen
.
Das kannſt Du auch. Ich habe es bisher noch nicht
verſchwendet. Wo es nicht angebracht iſt, warnt mich ſo=
fort
mein Gefühl.
Pechtold lächelte mitleidig. Du biſt ein Idealiſt, Ditt,
und Idealiſten werden immer betrogen. Dieſe ſchlaue
kleine Berlinerin kann Dir vorreden, was ſie will. In
Deiner Verliebtheit haſt Du gar nicht den richtigen Maß=
ſtab
für ſie. Möchten Deine Erfahrungen nicht zu bitter
ſein.
Graf Dietrich erging ſich noch des weiteren über Gabis
unvergleichliche Vorzüge, und Pechtold zweifelte dieſelben
an; aber am nächſten Morgen reiſte der junge Ofifzier nach
Berlin zurück, und Gabi atmete wieder erleichtert auf.
Immerhin hatte dieſe gefährliche Epiſode noch ein ſehr un=
angenehmes
Nachſpiel.
Schon am nächſten Morgen traf Pechtold in der Ka=
ſerne
mit Hans Hermann, Gabis Bruder, zuſammen. Er
erzählte ihm von ſeinem Aufenthalt in Schleſien, erwähnte,
wieviel Böcke er geſchoſſen habe, und ſagte dann plötzlich:
Uebrigens Gartenhauſen, ich habe in den letzten Tagen
lebhaft Ihrer gedacht. Ein Zufall führte mich mit meinem
alten Freunde Treſſenſtein zuſammen, und er nahm mich
auf ein paar Tage mit nach Hellborn. Prachtvolles Gut=
Gehört dem Vater ſeiner Stiefmutter, dem Baron Haſſel=
mann
, und dieſer Haſſelmann hat zurzeit ein Tippfräulein,
ich ſage Ihnen, Ihre Schweſter, wie ſie leibt und lehr!

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. Februar 1914.

Nummer 36.

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. Ich war ganz ſtarr, und wenn die Kleine wie=
der
hier iſt, möchte ich die beiden jungen Damen einmal
nebeneinander ſehen. Iſt die Gräfin Gabi jetzt noch in
Berlin?
Hans Hermann, der korrekte junge Mann, der jeden
Eklat ſo glühend haßte, hatte Mühe, ſeine heftige Erreg=
ung
zu meiſtern. Sollte Pechtold die Wahrheit ahnen, das
Unheil bereits auf dem Wege ſein? Er mußte es abwen=
den
mit aller Kraft, und ſo ſagte er ſcheinbar ruhig und
gleichgültig: Ja, der Zufall ſpielt manchmal ſelten.
Meine Schweſter iſt bereits abgereiſt. Heinz, Herbert und
ſie gehen zwar erſt ſpäter nach Tirol. Zwei von uns beglei=
ten
ſie immer auf ihrer Sommerfahrt, aber ſie wollte nicht
warten, bis die Brüder Urlaub haben, und macht in=
zwiſchen
eine Vetternreiſe in Sachſen und Thüringen
Dieſer Tage wollte ſie in Dresden ſein.
Sie reiſt alſo ganz allein?
Freilich, bei den Verwandten kann ſie unſere Beglei=
tung
ſehr gut entbehren, und wir gehen lieber wo anders
hin. Begreiflich, nicht? Was übrigens die Aehnlichkeit
anbelangt, ſo würde ich das betreffende Tippfräulein auch
gern einmal ſehen, ſchon um die Unterſchiede zu konſtatie=
ren
, die ſchließlich doch immer vorhanden ſind. Bleibt das
intereſſante Weſen noch lange in Hellborn?
Das weiß ich nicht, war die Antwort. Mir wurde ge=
ſagt
, ſie ſei nur zur Vertretung in Hellborn, und zwar
von einem Fräulein Flott oder Tott, das Ihre Schweſter
auch kennen will. Von der können Sie gewiß Ihre Adreſſe
erfahren.
Hans Hermann ſchien ſich zu erinnern. Ach ja, die
Flott, ſagte er, von der ſpricht Gabi noch dann und wann.
Wie heißt denn Ihre Doppelgängerin?

Aoien Schucht. Sie mirſchäbet ſih mn duns
ihr Weſen und ihre Toilette von Gräfin Gabi und trägt
Madonnenſcheitel à la Cleo de Merode. Aber niedlich iſt
ſie, ſogar ſehr niedlich, und der Treſſenſtein iſt ganz ver=
ſchoſſen
in ſie.
Na, meinte Hans Hermann, das iſt ja weniger ange=
nehm
. Schließlich handelt es ſich in einem ſolchen Fall
doch nur um eine Liebelei.
Doch nicht, entgegnete Pechtold ernſt, wenigſtens nicht
im gewöhnlichen Sinne. Der Menſch iſt imſtande, ſie zu
heiraten. Er hat ſo allerhand verrückte Ideen über Raſſen=
aufbeſſerung
und ſcheint eine ebenbürtige Gemahlin zu
verſchmähen. Na, aus der Kleinen läßt ſich was machen
und ſie kann ſich gratulieren, wenn er ſie nimmt. Er iſt
ein uranſtändiger, kindguter Menſch, und dabei hat er den
nötigen Mammon.
Was iſt er denn?
Halb Gelehrter, halb Großgrundbeſitzer. Er lebt auf
ſeinem ſchönen Gut in der Lauſitz und hat wenig Nach=
barſchaft
. Darum will er auch bald heiraten. Seine El=
tern
haben natürlich andere Abſichten in bezug auf ſeine
künftige Frau, und wie eine Aeußerung der Gräfin mir
verriet, iſt man auf das gefährliche Tippfräulein bereits
aufmerkſam geworden. Sonſt hätte ſich kein Menſch um ſie
gekümmert, denn ſie bleibt unter den Kuliſſen und das
Haus iſt voll von Gäſten. Nun aber, da ſie auf den Sohn
und Erben, der ſie zufällig kennen lernte, eine ſo ſtarke An=
ziehungskraft
ausübt, erſcheint ſie mit einem Male wich=
tig
und intereſſant und wird von allen Seiten beobachtet.
Ich glaube, am liebſten ſchickte man ſie ſchleunigſt weg.
Weshalb tut man das nicht?
Ich weiß es nicht, kann mich auch in meiner Annahme
irren. Uebrigens iſt in Hellborn noch eine andere Perſön=

ſchet, ie nr dier gowiſie Sestchuig gu öhe mnie
ſteht, Gartenhauſen. Ihre Schweſter war doch ſchon ein=
mal
verlobt, nicht wahr?
Ja, vor vielen Jahren.
Und ihr Verlobter war ein Freiherr v. Wardenburg,
der kurz nach der Trennung zuſammenbrach?
Allerdings, er ging ins Ausland und iſt verſchollen.
Nun hören und ſtaunen Sie! Eben dieſer Herr von
Wardenburg iſt jetzt in Hellborn.
Nicht möglich! Als was iſt er da? Als Gaſt des
Barons?
Nein, als eine ArtOberinſpektor und Güterdirektor mit
unumſchränkter Machtvollkommenheit. Seit ſieben Jahren
ſchon. In der Geſellſchaft läßt er ſich nicht blicken, aber die
Haſſelmanns und Treſſenſteins halten große Stücke auf
ihn, und Dietrich geht zuweilen bei ihm noch in die Lehre.
Er ſoll ein großartiger Landwirt und energiſcher, famoſer
Menſch ſein. Was war er den früher?
Ungefähr das Gegenteil, unſerer Anſicht nach.
Das wundert mich. Er macht jetzt einen ſehr guten
Eindruck.
Hans Hermann ſchwieg einen Augenblick. Dann
meinte er zögernd:
Wie erfuhren Sie, daß er der Verlobte meiner Schwe=
ſter
war? Rühmte er ſich deſſen?
O nein, erwiderte Pechtold ruhig. Ich ſelbſt habe ihn
nur flüchtig geſprochen. Die Rede kam ganz zufällig auf
ihn und ſeine einſtige Braut, als ich die Aehnlichkeit zwi=
ſchen
Fräulein Schacht und Gräfin Gabi erwähnte. Da
meinte die alte Dame, die Schweſter des Barons, Herrn
von Wardenburg ſei ſie auch gleich aufgefallen uſw.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 36.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. Februar 1914.

Seite 15.

eccHELr

Vorträge.

Sektion Darmſtadt Deutſcher und
Oeſterreichiſcher Alpenverein. Bei dem hohen
Intereſſe, das dem Skiſport von allen Seiten entgegenge=
bracht
wird, ſah man dem Vortrag der letzten Monats=
verſammlung
mit großer Erwartung entgegen. Und dieſe
Erwartung wurde durch die Darbietungen des Redners
weit übertroffen. Es ſprach Freiherr v. Bernuth, Mit=
glied
der Sektion Bayerland, als Gaſt über Wintertouren
m Gebiete des Groß=Glockners und Venedigers. Nach
mehr vorbereitenden Touren auf das als Ausſichtsberg
günſtig gelegene Kitzſteinhorn (2304 Meter) und andere
Höhen am Zellerſee gewann man auf der im Sommer ſo
harmloſen Straße nach dem Mooſerboden jetzt im Winter
nur unter großen Schwierigkeiten den Zugang zur Hoch=
gebirgswelt
. Für mehrere Tage bot alsdann die Ober=
walder
Hütte auf dem Großen Burgſtall (2965 Meter) in
großartigſter Umgebung Unterkunft und Schutz vor dem
eiſigen Schneeſturm. Der Aufſtieg zum Johannisberg
(3467 Meter) am Ende der Paſterze, auf die Glockerin (3425
Meter) und das Wiesbachhorn (3579 Meter) waren ſtolze
Leiſtungen, die der Erſteigung des Groß=Glockners (3798
Meter) über die Adlersruh (3465 Meter) vorausgingen.
Es war die zweite Wintererſteigung dieſes Königs der
Tauern. Die Ausſicht bei Abendbeleuchtung von der
Adlersruh gewährte reichen Lohn für die Mühen des Auf=
ſtiegs
. Nach dem ſchwierigen Abſtieg über das Ködnitz=
kees
hinunter nach Kals gings nach Windiſch=Madrei zur
Bezwingung der Dreiherrenſpitze (3505 Meter) über die
Klarahütte im Umbaltal in ſchwer zu erreichender Lage.
Nach vielen vergeblichen Verſuchen im Jahre 1912 er=
reichte
der Redner die Spitze erſt im Jahre 1913 zuſammen
mit ſeinem Bruder, nachdem ſie Scharſchmitt und Preuß
ſchon im April 1912 erzwungen hatten. Der Redner gab
ein anſchauliches Bild von den hohen Reizen der Winter=

landſchaft in den Höhen über 3000 Meter, von dem Hoch=
gefühl
des Aufenthaltes in der reinen klaren Bergluft, den
Wirkungen der Beleuchtung und dem wallenden Nebel=
meer
, aber er betonte auch, daß nur der geſtählte und wohl=
ausgerüſtete
Alpiniſt im Beſitze der erprobteſten Technik
und Vorſicht berufen ſei, den Gefahren von Sturm und
Kälte in den Hochgebirgsregionen im Winter zu trotzen
und das beſeligende Glücksgefühl reinſter Naturſchönheit
zu genießen. Prächtige photographiſche Aufnahmen ver=
halfen
dem formvollendeten Vortrag zur höchſten Anſchau=
lichkeit
. Der Redner erntete reichen Beifall bei der zahl=
reichen
Verſammlung und der Vorſitzende der Sektion
ſprach ihm den wohlverdienten Dank aus.

Sport, Spiel und Turnen.

sr. Die Winter=Prüfungsfahrt des Allgemeinen Deut=
ſchen
Automobil=Klubs im Oberharz ſollte am Montag
noch einen Wettbewerb für die vierräderigen Wagen brin=
gen
, nachdem die Motorräder und die Dreiradwagen be=
reits
am Sonntag ihr volles Penſum abſolviert hatten.
Vorgeſehen war für dieſen zweiten Tag eine 50 Kilometer
lange Strecke, die eine Bergprüfung über 10 Kilometer
von Seeſen nach Lautenthal umfaßte. Da die Oberleitung
nur feſtgeſtellt hatte, daß kurz vor Lautenthal die Straße
völlig vereiſt ſei und an ein Paſſieren der Wagen nicht zu
denken ſein würde, entſchloß man ſich, dieſe Prüfung ab=
zubrechen
und auf einer anderen Straße nach Goslar
zurückzukehren, die keinerlei beſondere Schwierigkeiten bot.
Das Klaſſement für die Automobile ſteht noch nicht feſt.
Die Berechnung der Leiſtungen an Hand der Strecken=
bücher
der Unparteiiſchen dürfte auch noch mehrere Wochen
in Anſpruch nehmen. 8 bis 9 Konkurrenten blieben ohne
Strafpunkte und haben Anwartſchaft auf erſte Preiſe. Für
zweite Preiſe kommen 6 bis 7 Teilnehmer in Frage, die
bis zu 20 Strafpunkte auf ihrem Konto haben.

Landwirtſchaftliches.

Frankfurt a. M., 4. Febr. ( Kartoffel=
markt
.) Man notierte: Kartoffeln im Waggon 4,505
Mark, Kartoffeln im Detail 66,50 Mark. Alles
pro 100 Kilo.
Frankfurt a. M., 4. Febr. ( Schlachtvieh=
markt
.) (Amtlicher Bericht.) Auftrieb 1343 Schweine.
Preiſe pro 50 Kilogramm Lebendgewicht: Fettſchweine
über 3 Zentner Lebendgewicht 5356 Mk. (Schlachtgewicht
69 Mk.), vollfleiſchige Schweine über 2,5 Zentner Lebend=
gewicht
5356 Mk. (6869 Mk.), vollfleiſchige Schweine
über 2 Zentner Lebendgewicht 5356 Mk. (6869 Mk.),
vollfleiſchige Schweine bis zu 2 Ztr. Lebendgewicht 5356
Mark (6869 Mk.). Marktverlauf ziemlich rege; bleibt
Ueberſtand.

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Einſender dieſes iſt Abonnent der elektriſchen Stra=
ßenbahn
und fährt morgens früh mit dem zweiten Wagen,
ſowie nachmittags den Wagen kurz nach 1 Uhr von
der Landskrone nach dem Hauptbahnhof. Die Wagen ſind
regelmäßig voll beſetzt und müſſen die Fahrgäſte, welche
an der verſchloſſenen Tür ſitzen, warten, bis der Wagen
langſam leer wird. Iſt der letzte Fahrgaſt aus dem
Wagen, dann erſt wird auch die vordere Tür geöffnet. Die
Fahrgäſte, welche den paſſenden Zug benützen wollen oder
pünktlich an der Arbeitsſtelle ſein ſollen, müſſen beides
im Trabe zu erreichen ſuchen. Könnte man nicht, nach=
dem
der Wagen am Bahnhof angelangt iſt, auch die vor=
dere
Tür gleich öffnen, damit ſich derſelbe ſchneller ent=
leeren
kann?
Ein langjähriger Abonnent.

Einſenderin erklärt ſich mit dem Artikel in Nr. 34
vollſtändig einverſtanden. Anläßlich der Wahlen hatte ſie
Gelegenheit, mit verſchiedenen Frauen des Mittelſtandes
über die neuen Beiträge der Krankenkaſſe Rückſprache zu
nehmen. Alle waren ſich einig, daß das Krankengeld eine
drückende Laſt für ihr Haushaltungsbudget ſei. Aber
was will man machen? hieß es. Die oberen Stände
werden das ganze Krankengeld für ihr Perſonal zahlen,
und zwingen uns, das gleiche zu tun. Darum, ihr Haus=
frauen
aller Stände, heraus aus eurer Gleichgültigkeit!
Und wenn der Ruf zu einer Hausfrauenverſammlung er=
ſchallt
, erſcheint vollzählig. Die geeignetſte Zeit zu der
Abhaltung einer ſolchen Verſammlung wäre wohl der
Nachmittag. Dann kann ſich gewiß jede Hausfrau ein
Eine Hausfrau.
Stündchen frei machen.

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[ ][  ]

Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. Februar 1914.

Nummer 30.

Maiiger Warenhaus

Markt 7

Guggenheim &. Marx

Markt 7

Beginn:
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Tischwäsche, einige 1000 Meter Damaste, Halbleinen und
Bettuch-Cretonne, ca. 10000 Stück Stickerei-Reste u. Coupons.

(3644

Maizer warchaus

Guggenheim & Marx

Märkt 7

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Von der Reise zurück

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10 000 Mk. per ſofort, nur
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Off. u. F 88 an die Exv. (B3451

U hreitet
10000 Mk., innerh. 75% der
ortsger. Taxe, für la Objekt geſucht.
Off. u. E 63 an die Exp. (*2584id
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würde auf kurze Zeit ca.
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gegen Verpfändung des Mobiliars,
einer eleg. 4 Zimmer=Einrichtung,
leihen ? Gute Verzinſung. Geſl.
Zuſchr. nur von Selbſtgeber unt.
G 51 an die Exp. erbeten. (*2880

erhalt. ſicherePerſon.
Darlehen v. Selbſtg. d. Wilh.
Schuchmann, Stiftſtr. 46. (*2921dfs

Streng reell!
Vorſchußfreie Darlehen gibt
an Beamie ꝛc.
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PREUss, Schulſtraße 10.
Proviſion erſt nach Auszahlung.

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Alleinſteh. Geſchäftsdame
ſucht ſtillen Teilhaber od. Teil=
haberin
für rent. Geſchäft. Off.
unt. G 72 an die Exp. (*2966df

Herr oder Dame
kann ſich mit 23000 Mark an
feiner, gutgehender Fremdenpen=
ſion
beteiligen. Evenk. rationelle
Vergrößerung, auch durch Haus=
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(2625
an die Expedition.

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Lebendfriſchen
Tafelzander
Oſtender Steinbutt u.
Seezungen
Heilbutt, Goldbarſch
Seeforellen, Merlans.
Hochfeiner
Beilm
im Ausſchnitt.
Lebende Karpfen, Schleien
Forellen
Breſem, Hechte, Weißſiſche
alles andere billigſt.
Räucherwaren, Marinade,
Fiſchkonſerven.
Fischhalle
neitiager & Biechschmict
Hoflieferanten (3663
19 Eliſabethenſtraße 19
Telephon 543.