Darmstädter Tagblatt 1913


29. September 1913

[  ][ ]

Abonnementspreis
Inſerate
176. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
werden
angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. Bei
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
gerichtlicher
Beitreibung oder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 10 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

In Straßburg trat am Samstag der 25. Bundes=
tag
der deutſchen Bodenreformer zu=
ſammen
.
Durch die Feuersbrunſt in Meinertshagen
wurden 24 Wohnhäuſer eingeäſchert. 500 Per=
ſonen
ſind obdachlos.
Das däniſche Folkething hat heute in dritter Le=
ſung
die Regierungsvorlage über Abänderung
der Verfaſſung mit 101 gegen 6 Stimmen der
Rechten angenommen. Die Vorlage geht nun an das
Landsthing.

Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
29. September 1813 bis 2. Oktober: Eilmärſche Blüchers
nach der Elbe. Napoleon in Dresden.
(Letzte Nachrichten ſiehe Seite 4.)

Oſtmarkenpolitik.

S. Die Polenfrage iſt durch die Vorgänge der letzten
Zeit wieder aktuell geworden. Die Polen und Dänen
vertreten die Intereſſen der dort wohnenden polniſch= und
däniſchſprechenden Bevölkerung und kämpfen für deren
völlige ſtaatsbürgerliche Gleichberechtigung.
Die däniſche Frage (Nordmarkenfrage) umfaßt die Pro=
bleme
, die durch das Zuſammenſtoßen der däniſchen und
der deutſchen Kultur in dem 1867 in Preußen einverleib=
ten
Nordſchleswig entſtanden ſind. Die Gegenſätze zwi=
ſchen
der däniſchen (jütiſchen) und der deutſchen Bevöl=
kerung
ſind teils religiös=geiſtiger, teils politiſcher Natur
(Gegenſatz zwiſchen den liberalen Dänen und den konſer=
vativen
preußiſchen Regierungskreiſen). Von den däniſch
Geſinnten, die in den jütiſchen Vereinen organiſiert ſind,
wird beſtritten, daß ſie auf Losreißung Nordſchleswigs
hinarbeiten, es handle ſich vielmehr für ſie nur um Er=
haltung
ihrer hohen jütiſchen Kultur und ihrer Mutter=
ſprache
. Die Politik der preußiſchen Regierung gegen die
däniſche Irredenta wechſelte. In den 80er Jahren trieb
ſie unter dem Oberpräſidenten Köller (Köllerkurs)
eine Politik der Zwangsmittel, ſo wurde 1888 die deutſche
Unterrichtsſprache unter gleichzeitigem Verbot von Privat=
kurſen
eingeführt (Sprachenreſkript). Nach dem Weggang
Köllers begann eine Politik der Verſöhnung ( Bruder=
gruß
=Politik), die Optantenfrage wurde mit Dänemark
geregelt. Aber neuerdings geht die preußiſche Regierung
wieder mit Ausweiſungen, Vortragsverboten uſw. vor.
Auf deutſcher Seite treten für eine Verſöhnungspolitik der
Friedensverein und der Marburger Theologieprofeſſor
M. Rade in der Grenzmarken=Korreſpondenz ein, dagegen
für eine Politik der ſtarken Hand der Deutſche Verein.

Um das Vordringen des Polentums in
den Provinzen Weſtpreußen und Poſen zu
brechen, hat Bismarck in den Jahren 1885 und 1886 neben
Maſſenausweiſungen ruſſiſcher und öſterreichiſcher Polen
ein beſonderes Geſetz für das Volksſchulweſen in
den beiden Provinzen veranlaßt, das die Berufung der
Volksſchullehrer in allen Gemeinden mit Ausnahme der
großen Städte und von vier weſtpreußiſchen Kreiſen den
Staatsbehörden überträgt und den Gemeinden nur das
Recht gibt, dabei gehört zu werden. Zu den vor allen ge=
gen
die Polen gerichteten geſetzlichen Maßnahmen gehörte
auch noch der ſogenannte Polen= oder Sprachen=
paragraph
im Reichsvereinsgeſetz (§ 12).
Ferner hat Bismarck die ſogenannte Anſiede=
lungsgeſetzgebung
begonnen, deren Entwickelung
etwas eingehender behandelt werden muß. Durch ein Ge=
ſetz
vom 26. April 1886 wurden der preußiſchen Regierung
100 Millionen Mark zur Verfügung geſtellt, um durch An=
ſiedelung
deutſcher Bauern und Arbeiter in den Provinzen
Weſtpreußen und Poſen das deutſche Element zu ſtärken.
Als die Polen, die ihren Parzellierungsbanken es be=
ſtehen
zurzeit 23 ſolcher auf geſellſchaftlicher Grundlage
errichteter Banken, die hauptſächlich mit Depoſiten arbei=
ten
und den privaten Güterhändlern große Mittel zur
Verfügung ſtellten, erfolgreich den Kampf um den Boden
in den beiden Provinzen aufnahmen, da wurde zunächſt
durch Geſetze vom 20. April 1898 und 1. Juli 1902 derſ
Betrag auf 350 Millionen Mark erhöht. (Das Geſetz von
1902 bewilligte außerdem 100 Millionen Mark zur Ver=
mehrung
des ſtaatlichen Domänen= und Forſtbeſitzes in
den beiden Provinzen.) Und ſchließlich gab das Geſetz
von 1908 dem Fonds abermals 200 Millionen Mark, wovon
75 Millionen Mark zur Umwandlung bäuerlicher Güter in
Anſiedelungsrentengüter und Förderung der Seßhaft=
machung
von Arbeitern auf dem Lande beſtimmt wur=
den
. Weitere 50 Millionen Mark ſollten zur Erwerbung
größerer Güter dienen, die im ganzen oder geteilt als
Rentengüter gegen vollſtändige Entſchädigung des
Staas veräußert und auf denen möglichſt viele ſelbſtändige
deutſche landwirtſchaftliche Arbeiter auf Rentenſtellen an=
geſiedelt
werden ſollen. Für Anſiedelungszwecke allein
ſind alſo bis jetzt 475 Millionen Mark bewilligt worden.
Aus dieſem Anſiedelungsfonds, dem auch die
Kapital=, Renten= und Pachtleiſtungen der Anſiedler zu=
fließen
, ſollen Grundſtücke zur Anſiedelung von Deutſchen
gekauft, auch ferner die Koſten beſtritten werden, die zur
Deckung der Gemeinde=, Kirchen= und Schulbedürfniſſe der
neuen Anſiedelungen erforderlich ſind. Die Durchführung
dieſer Aufgaben iſt einer beſonderen Anſiedelungs=
kommiſſion
mit dem Sitz in Poſen übertragen. Die
Ueberlaſſung der einzelnen Stellen an die Anſiedler ge=
ſchieht
entweder zu Eigentum gegen eine feſte, aber nach
Kündigung ablösbare Geldrente (Rentengüter), oder
was ſelten auch in Zeitpacht (meiſt auf 12 Jahre).

Bei der Bemeſſung der Größe der einzelnen Güter wird
verlangt, daß ein leiſtungsfähiger Bauernſtand und ſeß=
hafte
Arbeiter angeſiedelt werden, es wird dementſpre=
chend
auf die Einrichtung von Bauernſtellen bis zu 20
Hektar beſonders Rückſicht genommen. Erſt ſeit dem Ge=
ſetz
von 1898 iſt auch die Bildung großer Güter, der ſo=
genannten
Reſtgüter, zugelaſſen. Dieſe Zulaſſung
großer Güter, deren Inhaber auch Verwaltungsvorrechte
genießen, wird von den bäuerlichen Anſiedlern als dem
Anſiedelungszweck hinderlich, bekämpft. Als trotz der
großen Aufwendungen durch die rührige polniſche Anſie=
delungstätigkeit
die preußiſche Anſiedelungspolitik lahm=
gelegt
zu werden drohte, wurde in das Anſiedelungsgeſetz
vom 10. Juli 1904 eine Beſtimmung aufgenommen, die die
Parzellierungstätigkeit der Polen zu hemmen ſuchte. Es
ſollte nämlich die Anſiedelungsgenehmigung zur Errichtung
oder Einrichtung eines Wohnhauſes in den Provinzen
Weſtpreußen und Poſen ſtets verſagt werden, ſo lange
nicht eine Beſcheinigung des Regierungspräſidenten vor=
liegt
, daß die Anſiedelung mit den Zielen des Ge=
ſetzes
von 1886 nicht im Widerſpruch ſteht. Die Polen
aber verſtanden auch dieſe Beſtimmung zu umgehen, in=
dem
ſie das zu parzellierende Gut an die zahlreichen um=
liegenden
Häusler= oder Bauernſtellen aufteilten ( Adja=
zentenparzellierung
), die dadurch ihren Beſitz
vergrößern und arrondieren konnten, oder indem ſie be=
reits
vorhandene Arbeiter= oder Beamtenhäuſer als Wohn=
gebäude
der neugebildeten Parzellen benutzten ( Aus=
bauparzellierung
). In beiden Fällen brauchten
keine neuen Wohnhäuſer errichtet, alſo auch die Anſiede=
lungsgenehmigung
nicht eingeholt zu werden, und durch
die Erſparnis an Gebäudekoſten erwies ſich dieſe Art der
Parzellierung der ſtaatlichen überlegen. So kam es zu
dem Geſetz von 1908, das außer den erwähnten neuen fi=
nanziellen
Aufwendungen auch ein Enteignungs=
recht
bis zu einer Geſamtfläche von 70000 Hektar in je=
nen
Bezirken gab, in denen die Sicherung des Deutſch=
tums
nicht anders als durch Stärkung und Abrundung
deutſcher Niederlaſſungen mittelſt Anſiedelungen möglich
erſcheint (Enteignungsgeſetz). Zur Anwendung
iſt dies Geſetz bis jetzt noch nicht gekommen.
Von 18861910 ſind insgeſamt für Anſiedelungs=
zwecke
683 585 300 Mark ausgegeben worden, denen
207 452700 Mark Einnahmen gegenüberſtehen. Bis Ende
1910 ſind 18 507 Anſiedler angeſetzt worden, die mit ihren
Familien 111000 Köpfe zählen, die geſamte deutſche Be=
völkerung
in den Anſiedelungsgemeinden wird auf 131000
Perſonen geſchätzt.
Eine Anſiedelungsgeſetzgebung, die das Recht zur An=
ſiedelung
geſetzlich regelt, wurde nur in Preußen er=
laſſen
, und zwar verſteht das preußiſche Recht un=
ter
Anſiedelung die Errichtung einer Wohnſtätte durch
eine ſchon im Gemeindebezirk wohnende oder eine neuan=
ziehende
Perſon. Die Geſetzgebung unterwirft zur Er=

Alte Liebe.
Novelle von Reinhold Ortmann.

(Nachdruck verboten.)
12)
Weiter ſprachen ſie nichts mehr. Werner prüfte noch
einmal die Schlinge des unter ſeinen Armen um den Leib
gelegten Seiles und ſchwang ſich dann zu der winzigen
Platte empor, von der das ſogenannte Band, ein ſchmaler,
faſt horizontal laufender, aber oft unterbrochener oder bis
auf Handbreite verengter Vorſprung der ſenkrechten Wand,
ſeinen Anfang nahm. Die vordere Fläche ſeines Körpers
hart an den Felſen drückend, mußte er ſich Scheitt für
Schritt ſeitwärts weiterſchieben, immer darauf bedacht, für
ſeine Hände an einer Kante oder Buckelung des Geſteins
einen Stützpunkt zu finden. Selbſt die beſchwerlichſte Klet=
terei
über eine ſteile Geröllhalde hätte nicht anſtrengender
und aufregender ſein können als dies zollweiſe Vorrücken
mit dem Bewußtſein, über einem Abgrund von tauſend
Meter Tiefe gleichſam frei in der Luft zu ſchweben und
nicht ſo ſehr von der eigenen Kaltblütigkeit und Geſchick=
lichkeit
als von der Beſchaffenheit des Geſteins abhängig
zu ſein, deſſen Ausbrechen unter dem taſtenden Fuße oder
der klamernden Hand den ſicheren Sturz in die Tiefe be=
deutete
.
Wie es verabredet und durch die Lage geboten war,
ließ Leiningen das zur beſſeren Befeſtigung um einen vor=
her
geprüften Felsvorſprung geſchlungene Seil langſam
nach. Plötzlich aber verſpürte Werner unter ſeinen Armen
einen Ruck, der ihn zwang, an der Stelle ſtehen zu bleiben,
wo er ſich eben befand. Das Band war gerade hier ſo
ſchmal, daß es kaum Raum genug bot für die ganze Länge

ſeines Rdch, und ſaſt genn in rchien Snek ſien de
Wand vor ihm auf, an die er ſich mit der ganzen Kraft
ſeiner Muskeln preſſen mußte, um im Gleichgewicht zu
bleiben. Langſam nur und mit Anſtrengung vermochte er
den Kopf nach der Richtung hin zu drehen, aus der er ge=
kommen
war, um die Urſache des unter den gegebenen
Umſtänden ſo grauenhaft gefährlichen Zuges an dem hal=
tenden
Seil zu erſpähen. Ein einziger Blick aber reichte
hin, ihn die fürchterliche Abſicht ſeines Gefährten erkennen
zu laſſen. Mit feſt eingeſtemmten Füßen, den Oberkörper
über die Felsnaſe gepreßt, hielt Leiningen das ſtraff ange=
ſpannte
Seil in beiden Händen und ſtarrte mit gräßlich
verändertem, von höchſter Erregung verzerrtem Geſicht zu
ihm hinauf.
Werner Marolds Hände griffen in den Felſen, daß
ſeine Fingernägel brachen.
Mörder! kam es in gellendem Aufſchrei von ſeinen
Lippen. Aber in dem nämlichen Augenblick ſchon riß ihn
ein erneuter, heftigerer Ruck an dem feſſelnden Seil von
ſeinem unſicheren Standort los und ohne noch einen
weiteren Laut von ſich zu geben, ſtürzte er rücklings hin=
unter
in die furchtbare Tiefe.
8.
Auf einer in die Seitenbäume eines Leiterwagens ein=
gehängten
Tragbahre brachten ſie bei einbrechender Nacht
von den beiden jungen Touriſten, die am geſtrigen Nach=
mittag
in blühendſter Kraft den Gaſthof Zur Poſt ver=
laſſen
hatten, aus der Richtung von Atters her den einen
zurück notdürftig verbunden und hoffnungslos zerſchla=
gen
, noch in der Ohnmacht, die ihn während der qualvollen
Fahrt überkommen, beſtändia leiſe wimmernd,

Die Somnerzie der Hois inten ſch ſönſt zar
Ruhe begeben, und in aller Stille trug man ihn bei La=
ternenſchein
ins Haus, wo der wackere Hann=Tobi ſogleich
in aller Eile ein abgelegenes Parterrezimmer für ihn her=
richten
ließ.
Der Lebende wird Ihnen nicht viel Unruhe mehr ver=
urſachen
, ſagte der ältliche Herr, der den Transport des
Verwundeten nach Lengenbach geleitet hatte. Abgeſehen
von allem andern hat er eine Verletzung der Wirbelſäule
erlitten, die er um höchſtens vierundzwanzig Stunden
überſtehen kann. Wahrſcheinlich oder ſagen wir beſſer:
hoffentlich wird er gar nicht wieder zu klarem Bewußt=
ſein
gelangen. Und ich hätte ihn ebenſowohl in der
Bauernhütte zu Atters ſterben laſſen können, wenn er nicht
ſo flehentlich gebeten hätte, noch heute nach Lengenbach ge=
bracht
zu werden.
Sie haben recht daran getan, ſeinen Wunſch zu er=
füllen
, Herr Doktor, ſagte der Poſthalter, dem ſich der
Fremde gleich beim Eintreffen des traurigen Transports
als der praktiſche Arzt Dr. Alexander aus Berlin vorge=
ſtellt
hatte. Das wenige, was Menſchen noch an ihm tun
können, ſoll hier gewiß für ihn geſchehen. Er war ein
lieber Herr. Aber der andere! Um den andern, der mit
ihm war, geht mir’s ſchier noch mehr ans Herz. Nicht ein=
mal
ſeine Leiche haben ſie gefunden?
Der Doktor verneinte.
Bis zu unſerm Aufbruch von Atters war von den
Leuten, die nach ihm ſuchten, noch keiner zurück. Und in
der Dunkelheit werden ſie ihn ſchwerlich gefunden haben,
zumal er nach der Verſicherung ſeines Gefährten in den un=
zugänglichen
Schründen hinter der Jocheralpe liegen muß.

[ ][  ][ ]

Seite 2

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 28. September 1913.

Nummer 228.

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Der Bedeutung des Jackenkleides für die herrschende Mode
entsprechend, ist dasselbe in vielen Variationen hinsichtlich
der Stoffe und Macharten am Lager. Ich biete eine riesige
Auswahl in Jackenkleidern jeder Art, die besseren Preislagen
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Abänderungen werden sachgemäss und sorgfältig ausgeführt.

Ernst-Ludwigsplatz

(20108)

Marktplatz-Ecke.

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Abonnementspreis
Inſerate
176. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
werden
angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenkuren und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. Bei
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
gerichtlicher
Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

N 229.

Die heutige Nummer hat 10 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.
In Straßburg trat am Samstag der 25. Bundes=
tag
der deutſchen Bodenreformer zu=
ſammen
.
Durch die Feuersbrunſt in Meinertshagen
wurden 24 Wohnhäuſer eingeäſchert. 500 Per=
ſonen
ſind obdachlos.
Das däniſche Folkething hat heute in dritter Le=
ſung
die Regierungsvorlage über Abänderung
der Verfaſſung mit 101 gegen 6 Stimmen der
Rechten angenommen. Die Vorlage geht nun an das
Landsthing.

Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
*29. September 1813 bis 2. Oktober: Eilmärſche Blüchers
nach der Elbe. Napoleon in Dresden.
(Letzte Nachrichten ſiehe Seite 4.)

Oſtmarkenpolitik.
S. Die Polenfrage iſt durch die Vorgänge der letzten
Zeit wieder aktuell geworden. Die Polen und Dänen
vertreten die Intereſſen der dort wohnenden polniſch= und
däniſchſprechenden Bevölkerung und kämpfen für deren
völlige ſtaatsbürgerliche Gleichberechtigung.
Die däniſche Frage (Nordmarkenfrage) umfaßt die Pro=
bleme
, die durch das Zuſammenſtoßen der däniſchen und
der deutſchen Kultur in dem 1867 in Preußen einverleib=
ten
Nordſchleswig entſtanden ſind. Die Gegenſätze zwi=
ſchen
der däniſchen (jütiſchen) und der deutſchen Bevöl=
kerung
ſind teils religiös=geiſtiger, teils politiſcher Natur
(Gegenſatz zwiſchen den liberalen Dänen und den konſer=
vativen
preußiſchen Regierungskreiſen). Von den däniſch
Geſinnten, die in den jütiſchen Vereinen organiſiert ſind,
wird beſtritten, daß ſie auf Losreißung Nordſchleswigs
hinarbeiten, es handle ſich vielmehr für ſie nur um Er=
haltung
ihrer hohen jütiſchen Kultur und ihrer Mutter=
ſprache
. Die Politik der preußiſchen Regierung gegen die
däniſche Irredenta wechſelte. In den 80er Jahren trieb
ſie unter dem Oberpräſidenten Köller (Köllerkurs)
eine Politik der Zwangsmittel, ſo wurde 1888 die deutſche
Unterrichtsſprache unter gleichzeitigem Verbot von Privat=
kurſen
eingeführt (Sprachenreſkript). Nach dem Weggang
Köllers begann eine Politik der Verſöhnung ( Bruder=
gruß
=Politik), die Optantenfrage wurde mit Dänemark
geregelt. Aber neuerdings geht die preußiſche Regierung
wieder mit Ausweiſungen, Vortragsverboten uſw. vor.
Auf deutſcher Seite treten für eine Verſöhnungspolitik der
Friedensverein und der Marburger Theologieprofeſſor
M. Rade in der Grenzmarken=Korreſpondenz ein, dagegen
für eine Politik der ſtarken Hand der Deutſche Verein.

Alte Liebe.

Novelle von Reinhold Ortmann.
(Nachdruck verboten.)
12)
Weiter ſprachen ſie nichts mehr. Werner prüfte noch
einmal die Schlinge des unter ſeinen Armen um den Leib
gelegten Seiles und ſchwang ſich dann zu der winzigen
Platte empor, von der das ſogenannte Band, ein ſchmaler,
faſt horizontal laufender, aber oft unterbrochener oder bis
auf Handbreite verengter Vorſprung der ſenkrechten Wand,
ſeinen Anfang nahm. Die vordere Fläche ſeines Körpers
hart an den Felſen drückend, mußte er ſich Schritt für
Schritt ſeitwärts weiterſchieben, immer darauf bedacht, für
ſeine Hände an einer Kante oder Buckelung des Geſteins
einen Stützpunkt zu finden. Selbſt die beſchwerlichſte Klet,
terei über eine ſteile Geröllhalde hätte nicht anſtrengender
und aufregender ſein können als dies zollweiſe Vorrücken
mit dem Bewußtſein, über einem Abgrund von tauſend
Meter Tiefe gleichſam frei in der Luft zu ſchweben und
nicht ſo ſehr von der eigenen Kaltblütigkeit und Geſchick=
lichkeit
als von der Beſchaffenheit des Geſteins abhängig
zu ſein, deſſen Ausbrechen unter dem taſtenden Fuße oder
der klamernden Hand den ſicheren Sturz in die Tiefe be=
deutete
.
Wie es verabredet und durch die Lage geboten war,
ließ Leiningen das zur beſſeren Befeſtigung um einen vor=
her
geprüften Felsvorſprung geſchlungene Seil langſam
nach. Plötzlich aber verſpürte Werner unter ſeinen Armen
einen Ruck, der ihn zwang, an der Stelle ſtehen zu bleiben,
wo er ſich eben befand. Das Band war gerade hier ſo
ſchmal, daß es kaum Raum genug bot für die ganze Länge

Montag, den 29. September.

Um das Vordringen des Polentums in
den Provinzen Weſtpreußen und Poſen zu
brechen, hat Bismarck in den Jahren 1885 und 1886 neben
Maſſenausweiſungen ruſſiſcher und öſterreichiſcher Polen
ein beſonderes Geſetz für das Volksſchulweſen in
den beiden Provinzen veranlaßt, das die Berufung der
Volksſchullehrer in allen Gemeinden mit Ausnahme der
großen Städte und von vier weſtpreußiſchen Kreiſen den
Staatsbehörden überträgt und den Gemeinden nur das
Recht gibt, dabei gehört zu werden. Zu den vor allen ge=
gen
die Polen gerichteten geſetzlichen Maßnahmen gehörte
auch noch der ſogenannte Polen= oder Sprachen=
paragraph
im Reichsvereinsgeſetz (§ 12).
Ferner hat Bismarck die ſogenannte Anſiede=
lungsgeſetzgebung
begonnen, deren Entwickelung
etwas eingehender behandelt werden muß. Durch ein Ge=
ſetz
vom 26. April 1886 wurden der preußiſchen Regierung
100 Millionen Mark zur Verfügung geſtellt, um durch An=
ſiedelung
deutſcher Bauern und Arbeiter in den Provinzen
Weſtpreußen und Poſen das deutſche Element zu ſtärken.
Als die Polen, die ihren Parzellierungsbanken es be=
ſtehen
zurzeit 23 ſolcher auf geſellſchaftlicher Grundlage
errichteter Banken, die hauptſächlich mit Depoſiten arbei=
ten
und den privaten Güterhändlern große Mittel zur
Verfügung ſtellten, erfolgreich den Kampf um den Boden
in den beiden Provinzen aufnahmen, da wurde zunächſt
durch Geſetze vom 20. April 1898 und 1. Juli 1902 der
Betrag auf 350 Millionen Mark erhöht. (Das Geſetz von
1902 bewilligte außerdem 100 Millionen Mark zur Ver=
mehrung
des ſtaatlichen Domänen= und Forſtbeſitzes in
den beiden Provinzen.) Und ſchließlich gab das Geſetz
von 1908 dem Fonds abermals 200 Millionen Mark, wovon
75 Millionen Mark zur Umwandlung bäuerlicher Güter in
Anſiedelungsrentengüter und Förderung der Seßhaft=
machung
von Arbeitern auf dem Lande beſtimmt wur=
den
. Weitere 50 Millionen Mark ſollten zur Erwerbung
größerer Güter dienen, die im ganzen oder geteilt als
Rentengüter gegen vollſtändige Entſchädigung des
Staas veräußert und auf denen möglichſt viele ſelbſtändige
deutſche landwirtſchaftliche Arbeiter auf Rentenſtellen an=
geſiedelt
werden ſollen. Für Anſiedelungszwecke allein
ſind alſo bis jetzt 475 Millionen Mark bewilligt worden.
Aus dieſem Anſiedelungsfonds, dem auch die
Kapital=, Renten= und Pachtleiſtungen der Anſiedler zu=
fließen
, ſollen Grundſtücke zur Anſiedelung von Deutſchen
gekauft, auch ferner die Koſten beſtritten werden, die zur
Deckung der Gemeinde=, Kirchen= und Schulbedürfniſſe der
neuen Anſiedelungen erforderlich ſind. Die Durchführung
dieſer Aufgaben iſt einer beſonderen Anſiedelungs=
kommiſſion
mit dem Sitz in Poſen übertragen. Die
Ueberlaſſung der einzelnen Stellen an die Anſiedler ge=
ſchieht
entweder zu Eigentum gegen eine feſte, aber nach
Kündigung ablösbare Geldrente (Rentengüter), oder
was ſelten auch in Zeitpacht (meiſt auf 12 Jahre).

ſeines Gaſes, und ſaſt genn hi rechen Finlclſen die
Wand vor ihm auf, an die er ſich mit der ganzen Kraft
ſeiner Muskeln preſſen mußte, um im Gleichgewicht zu
bleiben. Langſam nur und mit Anſtrengung vermochte er
den Kopf nach der Richtung hin zu drehen, aus der er ge=
kommen
war, um die Urſache des unter den gegebenen
Umſtänden ſo grauenhaft gefährlichen Zuges an dem hal=
tenden
Seil zu erſpähen. Ein einziger Blick aber reichte
hin, ihn die fürchterliche Abſicht ſeines Gefährten erkennen
zu laſſen. Mit feſt eingeſtemmten Füßen, den Oberkörper
über die Felsnaſe gepreßt, hielt Leiningen das ſtraff ange=
ſpannte
Seil in beiden Händen und ſtarrte mit gräßlich
verändertem, von höchſter Erregung verzerrtem Geſicht zu
ihm hinauf.
Werner Marolds Hände griffen in den Felſen, daß
ſeine Fingernägel brachen.
Mörder! kam es in gellendem Aufſchrei von ſeinen
Lippen. Aber in dem nämlichen Augenblick ſchon riß ihn
ein erneuter, heftigerer Ruck an dem feſſelnden Seil von
ſeinem unſicheren Standort los und ohne noch einen
weiteren Laut von ſich zu geben, ſtürzte er rücklings hin=
unter
in die furchtbare Tiefe.
8.
Auf einer in die Seitenbäume eines Leiterwagens ein=
gehängten
Tragbahre brachten ſie bei einbrechender Nacht
von den beiden jungen Touriſten, die am geſtrigen Nach=
mittag
in blühendſter Kraft den Gaſthof Zur Poſt ver=
laſſen
hatten, aus der Richtung von Atters her den einen
zurück notdürftig verbunden und hoffnungslos zerſchla=
gen
, noch in der Ohnmacht, die ihn während der qualvollen
Fahrt überkommen, beſtändia leiſe wimmernd,

1913.

Bei der Bemeſſung der Größe der einzelnen Güter wird
verlangt, daß ein leiſtungsfähiger Bauernſtand und ſeß=
hafte
Arbeiter angeſiedelt werden, es wird dementſpre=
chend
auf die Einrichtung von Bauernſtellen bis zu 20
Hektar beſonders Rückſicht genommen. Erſt ſeit dem Ge=
ſetz
von 1898 iſt auch die Bildung großer Güter, der ſo=
genannten
Reſtgüter, zugelaſſen. Dieſe Zulaſſung
großer Güter, deren Inhaber auch Verwaltungsvorrechte
genießen, wird von den bäuerlichen Anſiedlern als dem
Anſiedelungszweck hinderlich, bekämpft. Als trotz, der
großen Aufwendungen durch die rührige polniſche Anſie=
delungstätigkeit
die preußiſche Anſiedelungspolitik lahm=
gelegt
zu werden drohte, wurde in das Anſiedelungsgeſetz
vom 10. Juli 1904 eine Beſtimmung aufgenommen, die die
Parzellierungstätigkeit der Polen zu hemmen ſuchte. Es
ſollte nämlich die Anſiedelungsgenehmigung zur Errichtung
oder Einrichtung eines Wohnhauſes in den Provinzen
Weſtpreußen und Poſen ſtets verſagt werden, ſo lange
nicht eine Beſcheinigung des Regierungspräſidenten vor=
liegt
, daß die Anſiedelung mit den Zielen des Ge=
ſetzes
von 1886 nicht im Widerſpruch ſteht. Die Polen
aber verſtanden auch dieſe Beſtimmung zu umgehen, in=
dem
ſie das zu parzellierende Gut an die zahlreichen um=
liegenden
Häusler= oder Bauernſtellen aufteilten ( Adja=
zentenparzellierung
), die dadurch ihren Beſitz
vergrößern und arrondieren konnten, oder indem ſie be=
reits
vorhandene Arbeiter= oder Beamtenhäuſer als Wohn=
gebäude
der neugebildeten Parzellen benutzten ( Aus=
bauparzellierung
). In beiden Fällen brauchten
keine neuen Wohnhäuſer errichtet, alſo auch die Anſiede=
lungsgenehmigung
nicht eingeholt zu werden, und durch
die Erſparnis an Gebäudekoſten erwies ſich dieſe Art der
Parzellierung der ſtaatlichen überlegen. So kam es zu
dem Geſetz von 1908, das außer den erwähnten neuen fi=
nanziellen
Aufwendungen auch ein Enteignungs=
recht
bis zu einer Geſamtfläche von 70000 Hektar in je=
nen
Bezirken gab, in denen die Sicherung des Deutſch=
tums
nicht anders als durch Stärkung und Abrundung
deutſcher Niederlaſſungen mittelſt Anſiedelungen möglich
erſcheint (Enteignungsgeſetz). Zur Anwendung
iſt dies Geſetz bis jetzt noch nicht gekommen.
Von 18861910 ſind insgeſamt für Anſiedelungs=
zwecke
683 585300 Mark ausgegeben worden, denen
207 452700 Mark Einnahmen gegenüberſtehen. Bis Ende
1910 ſind 18 507 Anſiedler angeſetzt worden, die mit ihren
Familien 111000 Köpfe zählen, die geſamte deutſche Be=
völkerung
in den Anſiedelungsgemeinden wird auf 131000
Perſonen geſchätzt.
Eine Anſiedelungsgeſetzgebung, die das Recht zur An=
ſiedelung
geſetzlich regelt, wurde nur in Preußen er=
laſſen
, und zwar verſteht das preußiſche Recht un=
ter
Anſiedelung die Errichtung einer Wohnſtätte durch
eine ſchon im Gemeindebezirk wohnende oder eine neuan=
ziehende
Perſon. Die Geſetzgebung unterwirft zur Er=

De Donneraiſe des Geneis danien ſch lanſt zun
Ruhe begeben, und in aller Stille trug man ihn bei La=
ternenſchein
ins Haus, wo der wackere Hann=Tobi ſogleich
in aller Eile ein abgelegenes Parterrezimmer für ihn her=
richten
ließ.
Der Lebende wird Ihnen nicht viel Unruhe mehr ver=
urſachen
, ſagte der ältliche Herr, der den Transport des
Verwundeten nach Lengenbach geleitet hatte. Abgeſehen
von allem andern hat er eine Verletzung der Wirbelſäule
erlitten, die er um höchſtens vierundzwanzig Stunden
überſtehen kann. Wahrſcheinlich oder ſagen wir beſſer:
hoffentlich wird er gar nicht wieder zu klarem Bewußt=
ſein
gelangen. Und ich hätte ihn ebenſowohl in der
Bauernhütte zu Atters ſterben laſſen können, wenn er nicht
ſo flehentlich gebeten hätte, noch heute nach Lengenbach ge=
bracht
zu werden.
Sie haben recht daran getan, ſeinen Wunſch zu er=
füllen
, Herr Doktor, ſagte der Poſthalter, dem ſich der
Fremde gleich beim Eintreffen des traurigen Transports
als der praktiſche Arzt Dr. Alexander aus Berlin vorge=
ſtellt
hatte. Das wenige, was Menſchen noch an ihm tun
können, ſoll hier gewiß für ihn geſchehen. Er war ein
lieber Herr. Aber der andere! Um den andern, der mit
ihm war, geht mir’s ſchier noch mehr ans Herz. Nicht ein=
mal
ſeine Leiche haben ſie gefunden?
Der Doktor verneinte.
Bis zu unſerm Aufbruch von Atters war von den
Leuten, die nach ihm ſuchten, noch keiner zurück. Und in
der Dunkelheit werden ſie ihn ſchwerlich gefunden haben,
zumal er nach der Verſicherung ſeines Gefährten in den un=
zugänglichen
Schründen hinter der Jocheralpe liegen muß,

[ ][  ][ ]

Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. September 1913.

Nummer 229.

ſchwerung der Parzellierung die Anſiedelung einer Reihe
von Beſchränkungen und knüpft ſie an eine behördliche
Genehmigung. In den übrigen Bundesſtaaten iſt die An=
ſiedelung
nur den bau= und ſicherheitspolizeilichen Be=
ſtimmungen
unterworfen.

Politiſche Tagesneuigkeiten.
Deutſchland.

Landtagserſatzwahl in Rottweil. Am
zweiten Wahlgange der Nachwahl im Wahlkreiſe Rott=
weil
wurde der liberale Müller mit einer Mehrheit von
217 Stimmen gewählt. Das Mandat gehörte dem Zen=
trum
. Die Rechte beſitzt infolgedeſſen in der Zweiten
Württembergiſchen Kammer, wo ſie bisher ſo ſtark wie
die Linke war, nur 45 Sitze von 92.
Eine Schulkonferenz. Im Herbſt wird in einer
Stadt Mitteldeutſchlands eine Zuſammenkunft von Ver=
tretern
der Kultusminiſterien ſämtlicher deutſchen Bun=
desſtaaten
ſtattfinden. Der Gegenſtand dieſer Zuſammen=
kunft
wird eine gemeinſame Ausſprache über eine Reihe
von Fragen und Beſtimmungen des Schulweſens der
Bundesſtaaten ſein, ſoweit dieſe Beſtimmungen und Ein=
richtungen
den Verſuch der Herſtellung einer größeren
Einheitlichkeit in manchen Punkten wünſchenswert er=
ſcheinen
laſſen.

Frankreich.

Die Errichtung eines neuen Armeekorps.
Einer offiziöſen Meldung zufolge wird der Kriegs=
miniſter
gleich beim Wiederzuſammentritt des Parlaments
einen Geſetzentwurf über die ſeit der Einführung der
dreijährigen Dienſtzeit geplante Errichtung eines neuen
Armeekorps einbringen. Die durch einen Erlaß des
Kriegsminiſters kürzlich angeordnete neue Verteilung der
Landwehrunterdiviſion bilde bereits eine vorbereitende
Maßnahme für die Organiſierung des neuen Armeekorps.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 29. September.

* Orpheum. Wie bereits gemeldet, beginnt am Mitt=
woch
, den 1. Oktober, ein kurzes Gaſtſpiel des be=
kannten
Kölner Volkstheaters Jobs Kölner Luſtige
Bühne. Wer erinnert ſich beim Leſen des Namens Job
nicht mit Vergnügen der vielen Stunden voll Frohſinn
und Humor, der Stunden des befreiendſten, herzlichſten
Lachens, die uns dieſe fidele Künſtlerſchar bei ihrem erſten
hieſigen Gaſtſpiel beſcherte. Gleich die erſte Novität, mit
der die luſtigen Kölner Künſtler diesmal debutieren, der
übermütige Schwank Schieber, gibt ihnen volle Gelegen=
heit
, ihre Kunſt ins hellſte Licht zu ſetzen und das alte
Renommee aufs neue zu befeſtigen. In Wiesbaden, Saar=
brücken
, Krefeld, woſelbſt Jobs Luſtige Bühne in den
letzten Monaten gaſtierte, ſchrieb die Preſſe über dieſen
neueſten Schlager u. a.: . . . und wenn an den Plakat=
ſäulen
ſtürmiſche Lachſalven verſprochen werden, ſo iſt
nicht zuviel geſagt, wie die geſtrige Premiere gezeigt hat.
(Kref. Ztg.) Die Aufführung fand ſtürmiſche Heiterkeit.
Es gab Szenen von unwiderſtehlicher Komik. (Tagebl.)
. . . . keine drei Minuten vergehen, und man iſt im Banne
der allgemeinen Lachſuggeſtion, toſende Lachſtürme durch=
zittern
das Haus. (Saarbr. Ztg.)

Zeppelinlandung in Darmſtadt.

St. Der von der Großherzoglich Heſſiſchen Vereinigung
für Luftſchiffahrt geſtern veranſtaltete Zeppelintag
hatte, wie wohl in allen Städten, die auf der Rundfahrt
beſucht wurden, auch hier Tauſende auf die Beine ge=
bracht
. Zum zweiten Male ſeit Zeppelins großem Triumph
ſollte ein Zeppelinluftſchiff, das ſo oft ſchon ſtolz über
uns hinweg geſegelt, auch in Darmſtadt landen. Damals
war es die ſelige Schwaben die während der Flua=
woche
ſpät abends auf dem Griesheimer Truppen=
Uebungsplatz niederging, um Paſſagiere einzunehmen. Der
Griesheimer Uebungsplatz wurde damals gewählt, weil
man den Infanterie=Exerzierplatz am Rheintor mit ſeiner
Waldumgebung für zu klein und gefahrvoll zur Landung
hielt. Daß die Landung ohne beſonders umfangreiche Vor=
bereitungen
diesmal dem noch größeren Schweſterſchiff
Viktoria Luiſe auf dem Exert glatt gelang, be=
weiſt
, daß man den Rieſenluſtkreuzer heute ſo ſicher in der
Hand hat, daß man Landungen auch auf verhältnismäßig
kleinen Plätzen ruhig riskieren kann. Ohne Aufregung ging
es allerdings nicht ab bei der Landung. Es herrſchte
ziemlich ſtarker Wind und das Luftſchiff ging außerhalb
des abgeſperrten Platzes nieder, nachdem es ein paar Mal
gehörige Mengen Waſſerballaſt über die nach oben

ſtarrenden Neugierigen ergoſſen. Der Abſperrkordon war
zwar ſchnell wieder geſchloſſen, jedoch gabs eine zweite
Aufregung, als eine Bodenböe den Koloß packte und ein
ganzes Stück ſeitlich in die Zuſchauermenge hineintrieb.
Endlich gelang es aber kräftigen Dragonerhänden, den
Rieſen zu feſſeln und der Paſſagierwechſel konnte vor ſich
gehen. Die ſchwankende Treppe wurde herabgelaſſen. Das
fehlende Stück bis zum Erdboden erſetzten hilfsbereite,
kräftige Hände, die, kurz entſchloſſen, die Paſſagiere hin=
einhoben
. In etwa einer Viertelſtunde war das etwas
umſtändliche und primitive Ein= und Ausſteigen beendet
Weitere zehn Minuten waren notwendig, das Luftſchif,
abzuwiegen den Ausgleich des zu leicht befundenen‟
beſorgten ein Paar als Balaſt eingenommene Dra=
goner
. Dann wurden die Motore angeworfen, die Pro=
peller
begonnen ihr melodiſches Brummen und unter tau=
ſendſtimmigem
Hurra und Hoch erhob ſich die Viktoria
Luiſe ſchnell und majeſtätiſch ſicher in die Lüfte, um nach
einer Schleifenfahrt über Darmſtadt mit günſtigem Winde
in der Richtung auf Aſchaffenburg davon zu ſegeln. Bei
dem herrlichen Wetter nahm die Fahrt einen ungemein
genußreichen Verlauf. Sie endete in Frankfurt.

Jung=Darmſtadts Pioniere.

e Eine intereſſante Brückenbauübung fand am geſtri=
gen
Sonntag vormittag am großen Woog ſtatt, die von
der Ortsgruppe Jung=Darmſtadt des Jung= Deutſch=
landbundes
veranſtaltet wurde, und zu der ſich ein zahl=
reiches
Publikum eingefunden hatte. Als Aufgaben waren
der Bau einer Jochbrücke und einer Laufbrücke als Ver=
bindungsweg
von dem Ufer des Woogs zur Luft= und
Lichtbadinſel von etwa 30 Meter Ueberbrückung geſtellt
worden. Das hierzu erforderliche Brückenbaumaterial, als
Dielen, Stangen und Fäſſern, von den Herren Weißbinder=
meiſter
J. Schmidt und Obſtweinkelterei K. Ph. Müller
hier in dankenswerter Weiſe zur Verfügung geſtellt, war
bereits am Samstag nachmittag von der Jungmannſchaft
zum Brückenbauplatz am hinteren Woog angefahren und
während der Nacht abwechſelnd bewacht worden. Punkt
6 Uhr früh am Sonntag begannnen die Brückenbau= Vor=
arbeiten
, an denen 36 Mann der älteren Abteilung Jung=
Darmſtadts unter der fachmänniſchen Leitung ihres Füh=
rers
, Herrn Koch, teilnahmen, und bei denen auch die
Jungmannſchaft mit Eifer und Luſt zur Hand gingen. Der
ſchwierigſte Teil der Arbeit des Brückenſchlagens, die Her=
ſtellung
der Tragteile für die Jochbrücke aus Stangen und
Fäſſern, wurde von der Altmannſchaft mit Ruhe und Um=
ſicht
ausgeführt und bereits um 8 Uhr konnten einzelne
Teile der Jochbrücke ins Waſſer gelaſſen und miteinander
verbunden werden. Daß hierbei auch kräftige Waſſerarbeit
(bei 12 Grad) zu leiſten war, iſt beim Feldbrückenbau ſelbſt=
verſtändlich
. Doch auch dieſe ſchwierigen Arbeiten wurden
von der Jungmannſchaft ſpielend überwunden und ſchon
um 10 Uhr, war die Jochbrücke zu zwei Dritteln zum Ge=
brauch
fix und fertig geſtellt. Wegen Materialmangel
mußte der Weiterbau abgebrochen werden. Viel raſcher
aing nunmehr der Bau einer Laufbrücke von ſtatten. Im
Nu waren die Pfähle gerammt, mit Trägern verbunden
und mit Bohlen belegt, ſo daß nach etwa einer Stunde
der Brückenbau vollendet und zur Verwendung gebrauchs=
tüchtig
fertig geſtellt war. Während des Brückenſchlags
wurde den Jungen Brot und Erfriſchungen gereicht, und
auch die Sanitätskolonne hatte einen Mann zur eventuel=
len
Dienſtleiſtung bereitgeſtellt. Nach Beendigung der nicht
leichten Brückenbauarbeiten wurde die geſamte Jung=
Darmſtadt=Mannſchaft mit einer vorzüglich ſelbſt bereiteten
Feldſuppe geſpeiſt und allen Teilnehmern Dank und An=
erkennung
für ihre Arbeit ausgeſprochen. Am Nachmittag
fand eine eingehende Prüfung und Kritik durch Offiziere
der hieſigen Truppen ſtatt und fanden auch hier die
Brückenbauten eine gute und lobende fachmänniſche Beur=
teilung
und Anerkennung. Wenn dieſe erſte Brückenbau=
Uebung Jung=Darmſtadts auch nicht in militäriſchem Stil
und Schneid und fachmänniſch durchgeführt werden konnte,
ſo zeigte ſie doch, mit welcher Ausdauer und Luſt die
Jugend bei der Sache war und die teils ſchwierigen Trans=
portarbeiten
des Baumaterials zur Verwendungsſtelle raſch
und ſachgemäß bewältigte, wofür ihr nur Anerkennung zu
zollen iſt.

Verband Heſſiſcher Verkehrsvereine.

-g. Der Verband Heſſiſcher Verkehrsver=
eine
(Protektor Se. Königl. Hoheit der Großherzog)
hielt geſtern im weinfröhlichen Bingen ſeine 9. Haupt=
verſammlung
ab, auf der die angeſchloſſenen Ver=
eine
recht zahlreich vertreten waren. Stadtbaumeiſter
Koch=Bingen hieß die Verſammlung im Namen des
Verkehrsvereins Bingen willkommen, worauf der Vor=
ſitzende
, Herr Rentner Sieben= Auerbach, die Ver=
ſammlung
eröffnete und beſonders die Vertreter der Be=
hörden
begrüßte, Herrn Kreisrat Geheimerat Dr. Steeg,
Bürgermeiſter Neff=Bingen, Landtagsabg. Molthan=

Mainz, Vertreter der Handelskammer Worms Dr. Sar=
torius
, der Handelskammer von Friedberg, Herrn Kauf=
mann
Stoll, der Handelskammer Bingen, Sekretär
May und Direktor Schumacher vom Bund der Deut=
ſchen
Verkehrsvereine.
Kreisrat Geheimerat Dr. Steeg begrüßte die Ver=
ſammlung
mit herzlichen Worten namens des Kreiſes
Bingen, Bürgermeiſter Neff im Namen der Stadt Bin=
gen
, Landtagsabg. Molthan im Namen der Stadtver=
waltung
Mainz. Sekretär May wies beſonders darauf
hin, daß am ſelben Tage vor 30 Jahren das Niederwald=
denkmal
eingeweiht wurde. Direktor Schumacher
brachte die beſten Glückwünſche des Bundes Deutſcher
Verkehrsvereine für gedeihliches Wirken. Dem Zuſam=
menſchluß
der einzelnen Verbände ſei die Schaffung eines
Auskunftsbureaus in Paris zu danken. Die gleiche Ein=
richtung
ſei in London bevorſtehend; auch ſchweben Ver=
handlungen
, in Holland mehrere Stellen zu ſchaffen für
die deutſche Verkehrspropaganda. In neueſter Zeit werde
die Brauchbarkeit der Filmpropaganda erprobt. Zwei
Probefilms, darunter einer vom Rhein, ſeien bereits im
Auftrage, und von deren Ergebnis ſei einer Erweiterung
dieſer Propaganda abhängig. Für die Eiſenbahnpropa=
ganda
durch Bildſchmuck in den Abteilen ſei ein zweiter
Wettbewerb veranſtaltet worden, der gute Motive brachte;
die Entwürfe kurſierten in der Verſammlung. Ein dritter
Wettbewerb ſei in Vorbereitung. Weitere Begrüßungen
erfolgten durch die Vertreter der Handelskammern Fried=
berg
, Bingen und Worms, ſowie dem Vertreter von
Offenbach, Beig. Eißnert. Der Vorſitzende des Darm=
ſtädter
Verkehrsvereins, Stadtv. Stemmer, geht etwas
näher auf die Eiſenbahnreklame ein. Wenn auch der
zweite Wettbewerb beſſere Reſultate ergeben habe, ſ.
müſſe unbedingt das Intereſſe der Verkehrsvereine bei
der Auswahl der einzelnen Bilder mehr berückſichtigt wer=
den
, wie bei dem erſten Wettbewerb.
Der Vorſitzende dankte im Namen des Arbeitsaus=
ſchuſſes
der ſchönen Stadt Bingen und ihrem Verkehrs=
verein
für die liebenswürdige Einladung, die heutige Ver=
ſammlung
im gaſtlichen Bingen abzuhalten und eröffnete
damit die neunte Hauptverſammlung des Verbandes Heſ=
ſiſcher
Verkehrsvereine. Er dankte allen herzlich für das
zahlreiche Erſcheinen.
Der Vorſitzende dankte im Namen des Verbandes
Heſſiſcher Verkehrsvereine für die freundlichen Worte und
die Anerkennung, die ſie der geleiſteten Arbeit gezollt
haben. Er bitte die Herren, die feſte Verſicherung mit nach
Hauſe nehmen zu wollen, daß der Verband an der Erfül=
lung
ſeiner Pflicht weiter zu arbeiten ſtets bemüht bleiben
wird. Er führte dann weiter aus: Sie alle vertreten
Städte von mehr oder weniger großer Bedeutung. Für
Sie handelt es ſich darum, den Verkehr in Ihrem Orte zu
vermehren und nach Ihrem Orte zu lenken und den großen
Reiſeverkehr auf Ihren Ort aufmerkſam zu machen. Der
Mittel und Wege hierzu gibt’s unzählige. Es gibt faſt nichts
im öffentlichen Leben, was nicht in das Gebiet der Ver=
kehrshebung
und =förderung fällt oder gezogen werden
kann. Das ganze Erwerbsleben, der Handel, die Kunſt,
alles ſteht heute im Zeichen des Verkehrs. Sie, meine
Herren, haben Ihr Augenmerk gerichtet in der Hauptſache
auf Ihren eigenen Ort, und wohl Ihnen, wenn das Wort
Kirchturmspolitik auf Ihre Tätigkeit nicht anzuwenden
iſt. Anders iſt es mit unſerer Vereinigung, mit unſerem
Verband Heſſiſcher Verkehrsvereine! Für uns gilt es,
unſer Augenmerk auf das ganze Land und darüber hin=
aus
zu richten; die Wohlfahrt unſeres Heſſenlandes muß
uns am Herzen liegen. Eiferſüchtig und intenſiv haben
wir zu beobachten, was draußen vorgeht, damit auch wir
unſer Feld behaupten können. Durchzogen von dem ſchön=
ſten
Strom Deutſchlands, an deſſen Ufern das regſte Leben
pulſiert, ausgezeichnet in allen ſeinen Teilen durch hervor=
ragende
landſchaftliche Schönheiten, bewohnt von einer
fleißigen, intelligenten Bevölkerung, kräftig voranſchrei=
tend
an der Spitze deutſcher Kultur und Kunſt, regiert von
einem idealen, kunſtſinnigen Fürſten, ſo ſtellt ſich unſer
Heſſenland dar.
Trotzdem wir einen Verband haben, ſo bleibt die
Hauptarbeit doch in den lokalen Vereinen zu leiſten. Sie
dürfen ſich nicht allein auf uns verlaſſen, nicht alles Heil
kann von uns kommen. Haben dieſe Wünſche, zu deren
Durchführung ſie ſich zu ſchwach fühlen, dann können ſie
ſich an uns wenden und wir werden, ſoweit dies in unſern
Kräften ſteht, ihnen zu helfen ſuchen.
Wie wir nun verſucht haben, unſere Aufgabe zu löſen,
davon ſoll jetzt die Rede ſein. Das Geſchäftsjahr, über
das zu berichten iſt, umfaßt die Zeit vom 1. April 1912 bis
1. April 1913. Dasſelbe fällt noch in die Periode der
Geſchäftsführung durch den Verkehrsverein Bad Nauheim.
Es iſt bekannt, daß die Leitung der Geſchäfte alle zwei
Jahre wechſelt und nach der bisher geübten Praxis dann
ſtets auf eine andere Provinz übergeht. In der vorjähri=
gen
Hauptverſammlung in Bensheim wurde der Verkehrs=

Von da holt ihn keiner herauf, und wenn er zehnmal ſein
Leben daran ſetzen wollte.
Hätt ich gewußt, daß ſie ohne Führer auf die Weiß=
ſpitze
wollen, ich hätt fürwahr alles aufgeboten, ſie daran
zu hindern. Und wie das Unglück geſchehen iſt hat ers
Ihnen noch erzählen können, der arme Herr?
Wir waren am frühen Nachmittag mit unſern beiden
Führern kaum eine Viertelſtunde über die Jocheralpe hin=
aus
, als wir aus einer kleinen Schlucht zu unſerer Rechten
wiederholt ſchwache Hilferufe hörten. Und der Toni Haid
von Atters ſah denn auch nach beinahe halbſtündigem
Suchen und Herumkletern den Mann drunten zwiſchen den
Felsbrocken liegen, die die letzte Steinmuhre da hinabgefegt
hat. Es war nicht einmal eine ausnehmend ſchwierige
Stelle, wo er abgeſtürzt iſt, und wenn er nicht eben nach
dem Verluſt ſeines Begleiters genötigt geweſen wäre, ſie
allein zu paſſieren, würde ihm als einem geübten Berg=
ſteiger
, wie ers doch geweſen ſein ſoll, das Unglück ſchwer=
lich
widerfahren ſein. Na, die beiden wackeren Burſchen
von Atters brachten ihn mit unſäglicher Mühe ſo weit her=
auf
, daß ich wenigſtens eine oberflächliche Unterſuchung
vornehmen konnte. Und wenn ich auch bald ſah, daß es
da nichts mehr zu retten gab, ſchafften wir ihn doch
natürlich aus einer aus der Amberger Hütte requirierten
Tragbahre alsbald mit vereinten Kräften nach Atters zu=
rück
, wo ich dann mit Einrichten und Verbinden für ihn
tat, was ſich eben tun ließ. Während der ganzen Zeit
war er trotz der unſäglichſten Schmerzen bei vollem Be=
wußtſein
geweſen, aber er hatte merkwürdiger Weiſe von
dem Unfall ſeines Gefährten mit keiner Silbe geſprochen
Und er kam damit erſt heraus, als die Leute in Atters, die
die beiden Herren am voraufgegangenen Nachmittag zu=

ſammen geſehen hatten, ihn um das Schickſal des andern
befragten. Nun erzählte er, daß ſein Begleiter an einer ex=
ponierten
Stelle, ungefähr drei Viertelſtunden oberhalb der
Jocheralpe, infolge Fehltritts abgeglitten und nach Zer=
reißen
des Seiles in einen tiefen Schrund geſtürzt ſei. Er
habe auf ſeine Zurufe keine Antwort mehr von unten er=
halten
, und da eine Hilfeleiſtung nach Lage der Dinge voll=
ſtändig
ausgeſchloſſen ſchien, habe er eilig den Abſtieg be=
gonnen
, um Beiſtand aus Atters zu requirieren. Nach
ſeinem eigenen Abſturz aber ſei der Gedanke an den andern
wunderbarerweiſe ſeinem Gedächtnis völlig entſchwunden.
Obwohl es inzwiſchen bereits ziemlich ſpät geworden war
iſt doch daraufhin ſofort eine mit allem Erforderlichen aus=
gerüſtete
Rettungsexpedition von Atters aufgebrochen, der
ſich beinahe alle bergtüchtigen Männer des Dörfchens an=
geſchloſſen
haben. Man muß abwarten, von welchem Er=
folge
ihre Bemühungen ſein werden; aber ich habe, offen ge=
ſtanden
, wenig Hoffnung, daß ihnen auch nur die Berg=
ung
der Leiche gelingen wird.
Sie wurden durch das Erſcheinen des Dr. Rainer, des
in Lengenbach anſäſſigen Arztes, unterbrochen, der auf
Wunſch des Dr. Alexander ſogleich um ſeinen Beiſtand er=
ſucht
worden war, und der ſich nun mit dem Kollegen zu
dem Verunglückten begab. Von einer nochmaligen gründ=
lichen
Unterſuchung konnte in Anbetracht ſeines augenblick=
lichen
Zuſtandes und mit Rückſicht auf die bereits angeleg=
ten
Verbände nicht die Rede ſein. Aber während ſich der
Lengenbacher Arzt oberflächlich um ihn zu ſchaffen machte,
erwachte er trotz aller aufgewendeten Vorſicht aus ſeiner
Betäubung und ſchaute mit völlig klaren Augen um ſich.
Sie ſind’s, Doktor Rainer? fragte er ſchwach. Bin ich
denn ſchon in Lengenbach?

Der Arzt bejahte und erkundigte ſich volll herzlicher
Teilnahme nach ſeinem Befinden. Da bewegte Leiningen
wie abwehrend den bandagierten Kopf.
Ich glaube, es wird nicht mehr viel Staat mit mir zu
machen ſein, Doktor! Die Beine die Beine! ſind
ſie denn ganz zerbrochen, daß ich ſo gar nichts mehr von
ihnen ſpüre? Und die Kälte die fürchterliche Kälte!
Wenn Sie nur etwas tun könnten, mich ein bißchen zu er=
wärmen
!
Man ſuchte ihn natürlich über die Art und die Schwere
ſeiner nach der Meinung beider Aerzte unbedingt tödlichen
Verletzung zu täuſchen, und es ſchien, als ob er dem er=
mutigenden
Zuſpruch Glauben ſchenke. Er erkundigte ſich,
wie ſpät es ſei, und als man ihm ſagte, daß nur noch
wenige Minuten an Mitternacht fehlten, äußerte er das
Verlangen, den Wirt des Gaſthofes zu ſprechen. In der
Annahme, es könne ſich um irgendwelche letztwilligen Ver=
fügungen
handeln, beeilte man ſich, ſeinem Wunſche zu will=
fahren
, und mit dem gütigſten Ausdruck ſeines ehrwür=
digen
Patriarchengeſichts trat der wackere Poſthalter an
das Lager.
Sie dürfen mir nicht bös ſein, lieber Hann=Tobi, daß
ich Ihnen ſo viele Ungelegenheiten mache, flüſterte der
Verletzte mit einem ſchwachen Verſuch zu lächeln, und Sie
müſſen mir obendrein einen kleinen Dienſt erweiſen. Es=
iſt
dringend notwendig, daß ich Fräulein Seyfried auf der
Stelle ſpreche. Schicken Sie doch, bitte, eines der Zimmer=
mädchen
hinauf, ſie zu wecken. Sie weiß natürlich noch
nichts nicht wahr?
Nein, Herr Baron, ſie kann nichts wiſſen, denn ſie
iſt ja ſchon ſeit dem geſtrigen Abend nicht mehr da.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 229.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. September 1913.

Seite 3.

ausſchuß der Bergſtraße gewählt. In dem Berichtsjahre
fand die Hauptverſammlungin Bensheim und
vier Arbeitsausſchußſitzungen in Mainz und
Frankfurt ſtatt, die alle zahlreich beſucht und in denen um=
fangreiche
Tagesordnungen zu erledigen waren. Als eine
beſondere Leiſtung des Verbandes iſt die Durchführung
der Herausgabe der Heſſen=Nummer der Illuſtrierten Zei=
tung
zu bezeichnen. Herr Kommerzienrat Schmahl=Mainz
war es, der ſich der mühevollen Arbeit unterzog, und er
hat wahrlich ſeine Schuldigkeit getan und es meiſterhaft
verſtanden, die widerſtreitendſten Intereſſen in geſchickter
Weiſe auszugleichen. Die im Oktober gelegte Abrechnung
ergab einen Ueberſchußß, der auf Beſchluß der Ver=
treter
aus den einzelnen Provinzen im Verhältnis der
Einzahlung zur Rückzahlung kam. Meines Erachtens
waren die Erwartungen, die man allgemein an dieſe
Heſſen=Nummer, mit Rückſicht auf den Aufwand an Zeit,
Arbeit und Geld, glaubte ſtellen zu dürfen, übertrieben
hoch, daher die Unzufriedenheit, die das Erſcheinen der
Nummer alsdann naturgemäß auslöſen mußte. Für die
Zukunft iſt jedenfalls größte Vorſicht am Platze. Als eine
weitere beſondere Leiſtung des Verbandes iſt die Wie=
deraufſtellung
der Ausſtellung der Diora=
men
heſſiſcher Städte und der Bergſtraße
in der Trinkkur=Anlage in Bad Nauheim zu bezeichnen.
Die Ausſtellung iſt das Sorgen= und Schmerzenskind des
Verbandes. Sie wurde geſchaffen vom Großh. Finanz=
miniſterium
für die Berliner Reiſe= und Verkehrsausſtel=
lung
. Die beteiligten Städte und die Bergſtraße mußten
erhebliche Opfer bringen auch der Staat leiſtete große
Zuſchüſſe. Sie iſt Eigentum des Verbandes und wurde
nach Schluß der Berliner Ausſtellung nach Bad Nauheim
verbracht, in einem recht üblen Zuſtand. Sie fand Unter=
kunft
in einem ſtaatlichen Lokal und hatte das Unglück,
nochmals in ein anderes Lokal verbracht werden zu müſ=
ſen
, um dort beſſeren Zeiten entgegen zu ſehen. Mit Zu=
ſtimmung
der Großh. Kur= und Badeverwaltung gelangte
ſie im Sommer 1912 zur Wiederaufſtellung. Mit großen
Koſten der Beteiligten und großen Schwierigkeiten wur=
den
die Trümmer zuſammengeſucht und zuſammengefügt.
In vornehmer Aufmachung ſtand ſie nun 1912 dem Bade=
publikum
zur Beſichtigung offen. Zahlreiche Kurgäſte in
Bad Nauheim haben ſie gegen ein kleines Eintrittsgeld
beſichtigt, wofür ſie die Proſpekte und Führer der beteilig=
ten
Orte empfingen, und manch einer mag dadurch die
Anregung erhalten haben, die im Bilde geſehenen Orte
nun auch tatſächlich zu beſuchen. Von der Bergſtraße kann
verſichert werden, daß dieſe Dioramen=Ausſtellung in Bad
Nauheim auf unſeren vorjährigen Fremdenverkehr von
ganz ausgezeichnetem Einfluß geweſen iſt. Der Rechnungs=
abſchluß
der Dioramenkaſſe, die geſondert geführt wird
war nicht ungünſtig zu nennen, wenn man berückſichtigt,
daß die Ausſtellung der Reklame diente und nicht dem
Geldverdienen. Als die Badeſaiſon 1913 in Bad Nauheim
begann, beſtand Gefahr, daß die Ausſtellung von ihrem
Platze in der Trinkkur=Anlage hätte entfernt werden müſ=
ſen
. Um dem vorzubeugen, wandte ich mich um Schutz
direkt an den hohen Protektor des V.=A. d. B., Se. Kgl.
Hoheit den Großherzog, und erzielte, daß uns geſtattet
wurde, die Ausſtellung auch im laufenden Sommer noch
an derſelben Stelle zu belaſſen, dagegen im Herbſt entfernt
werden müſſe. Sie iſt nun wieder eröffnet, ohne Eintritts=
geld
zu beſichtigen und wird von bedeutend mehr Kur=
gäſten
beſucht. Nach Schluß der Saiſon muß ſie abge=
brochen
werden und wir wiſſen nicht, wohin damit. Als
ein leider fehlgeſchlagener Verſuch müſſen unſere Bemüh=
ungen
bezeichnet werden, in Verbindung mit dem Bund
Deutſcher Verkehrsvereine Sammelanzeigen zu erlaſſen.
Die Beteiligung war leider eine ungenügende, und mußte
die Sache fallen gelaſſen werden. Der Verſuch ſoll im
kommenden Frühjahr wiederholt werden und iſt dann auf
beſſeren Erfolg zu hoffen.
Mit der Uebernahme der Geſchäfte des Verbandes
ſtand es für mich feſt, daß ſeine Organiſation eine Aende=
rung
erfahren müſſe. Bei der ehrenamtlichen Tätigkeit
der Verwaltung unſeres Verbandes läßt es ſich wohl nicht
anders machen, als daß alle zwei Jahre ein Wechſel in
der Leitung eintritt, ebenſo wird es ſich auch nicht ändern
laſſen, daß immer der jeweilige Vorſitzende, ſofern ihm
nicht ein ausreichendes Perſonal zur Verfügung ſteht, die
Haupt= reſpektive die ganze Arbeit zu leiſten hat. Da er
nun nicht immer räumlich oder örtlich den maßgebenden
Stellen der Verwaltung des Großherzogtums naheſtehen
kann, was jedoch ein weſentlicher Faktor bei der Vertre=
tung
unſerer Wünſche und Eingaben iſt, habe ich den Vor=
ſchlag
gemacht, danernde Kommiſſionen für
die einzelnen Zweige unſeres Verkehrs
mit den Behörden zu bilden. Dieſer Vorſchlag iſt
als ſehr zweckentſprechend vom Arbeitsausſchuß angenom=
men
worden und wurden die folgenden Kommiſſionen
gebildet, die, unabhängig vom Wechſel der Leitung, im
Amte bleiben. Es wurden gebildet: ein Ausſchuß für den
Verkehr mit den Verwaltungsbehörden; ein Ausſchuß für
das Verkehrsweſen (Eiſenbahn, Schiffahrt, Autzmobilver=
bindungen
); ein Ausſchuß für die Reklame. Dieſe neue
Organiſation dürfte von allen Intereſſenten äußerſt freu=
dig
begrüßt werden. In großen Zügen iſt dies die
Arbeit, der wir uns unterzogen haben und womit wir hof=
fen
, unſere Schuldigkeit getan und die Aufgabe erfüllt zu

haben, wie ſie aus dem in der Satzung feſtgelegten Zweck
hervorgeht. Der Vorſitzende dankte ſodann dem vorjähri=
gen
Vorort Bad Nauheim, insbeſondere dem Herrn R.=A.
und Notar Stahl als 1. Vorſitzendem, dem Herrn Wall=
mann
als Geſchäftsführer und dem Herrn Stoll als Rech=
ner
, ſowie den Herren des Arbeitsausſchuſſes für die
Mühe des Reiſens und des Zeitaufwandes und für das
rege Intereſſe, das ſie den Verhandlungen entgegengebracht
haben. Es ſind dies die Herren: Stadtverordneter Heim=
Gießen, Stadtbaumeiſter Koch=Bingen, Kommerzienräte
Schmahl und Molthan und Stadtverordneter Webel=
Mainz, Stadtverordneter Stemmer=Darmſtadt, Hofphoto=
graph
Herbſt und Hoflieferant Ebel=Worms, Weidtmann=
Neu=Iſenburg und der Redner ſelbſt. Ganz beſonderer
Dank ſei den ſtaatlichen und kommunalen Behörden, die
uns mancherlei Förderung angedeihen ließen, gezollt.
Redner ſchloß mit dem herzlichen Wunſche, daß ſich der
Verband Heſſiſcher Verkehrsvereine immer weiter ausdeh=
nen
möge, immer weitere Kreiſe ziehen und immer mehr
Anhänger finden möge, um das im vollſten Maße zu wer=
den
, was er ſein will. Mögen alle Faktoren im Heſſen=
lande
ſich darüber klar werden, daß eine Zentralſtelle nötig
iſt, wo alle Maßnahmen zuſammenſtrömen müſſen, die der
Hebung und Förderung des Verkehrs dienen, damit wir
eine gewichtige und achtungebietende Organiſation wer=
den
, die ſtark genug iſt, im Lande etwas zu gelten. Mit
vereinten Kräften muß daran gearbeitet werden, um die
geſchaffene Organiſation und die errungene Poſition zu
befeſtigen und weiter auszubauen. Am Kopfe der heuti=
gen
Einladung finden ſich die angeſchloſſenen Mitglieder
aufgeführt. Es ſei daraus erſichtlich, welche großen Lücken
noch beſtehen, welche großen Teile unſerer engeren Heimat
unſerer Arbeit noch fernſtehen. Lückenlos ſollten wir, die
wir nicht bureaukratiſch, ſondern nach praktiſchen Grund=
ſätzen
arbeiten, als die berufenen Vertreter des Landes da=
ſtehen
; um ſo mehr, als nicht hohe Beiträge die Mitglied=
ſchaft
erſchweren. Er ſetze fortan an den Kopf unſerer Be=
ſtrebungen
die Deviſe: Viribus unitis!, und ſetzte alle
Hoffnung auf die Zukunft. Möge darum der Verband
Heſſiſcher Verkehrsvereine blühen, wachſen und gedeihen,
zum Wohle unſeres ſchönen Heſſenlandes!
Dem Vorſitzenden wurde durch Erheben von den
Plätzen der Dank für ſeine Tätigkeit zum Ausdruck ge=
bracht
.
Die Rechnungsablage erſtattete Schatzmeiſter
Stoll=Bad Nauheim. Die Rechnung ſchließt mit einem
Ueberſchuß von 450,66 Mark. Die Rechnung wird von den
Rechnungsprüfern für richtig befunden und dem Rechner
Entlaſtung erteilt ebenfalls für die Abrechnung über die
Dioramenkaſſe. Wie der Vorſitzende mitteilte, ſoll eine
Beitragserhöhung nicht vorgenommen werden. Dem frü=
heren
Vorort wurde Entlaſtung erteilt. Auf Vorſchlag
des Vorſitzenden beſchloß die Verſammlung, den Ar=
beitsausſchuß
zu vergrößern, damit Orte wie Offenbach
Groß=Umſtadt, König i. O., WWimpfen, Oppenheim, Alzey
uſw. darin vertreten ſein können. Jede Gruppe des Ver=
bandes
ſoll in Zukunft einen Vertreter entſenden. Der
bisherige Ausſchuß wurde wiedergewählt. In der Be=
ſprechung
wurde von mehreren Rednern das Bedauer:
zum Ausdruck gebracht, daß die Beſtrebungen der Ver=
kehrsvereine
bei der Stadtverwaltung in Gießen kein
Verſtändnis finden.
Der Vorſitzende berichtete hierauf über den Bund
Deutſcher Verkehrsvereine, dem der Verband
mit einem Beitrag von 400 Mark angehört. Dem Bund
iſt von der Eiſenbahnverwaltung ein großer Beitrag zur
Verfügung geſtellt worden, durch den beſonders die
Herausgabe des Buches Deutſchland ermöglicht wurde.
Da der Beitrag von 400 Mark dem Verband kaum er=
ſchwinglich
war, trat der Bund mit dem Vorſchlag an den
Verband, er wolle an die Kur= und Badedirektion von
Bad Nauheim und die größeren Städte Heſſens mit dem
Erſuchen herantreten, direkte Beiträge an den Bund zu
entrichten. Der Beitrag des Verbandes wurde hierauf
auf 150 Mark ermäßigt. Der Direktor Schumacher
bemerkte zu dieſem Bericht, daß der Bund für den regel=
mäßigen
angemeſſenen Beitrag von 150 Mark Dank aus=
ſpreche
. Der Bund könne den Verkehrsvereinen und
=verbänden eine große Hilfe und ein ſtändiger Berater
ein. So vor allem auf dem Gebiete der Broſchürenver=
teilung
, des Inſerierens uſw. Vor allem die Beſchickung
von Ausſtellungen ſei ohne ſachverſtändige Hilfe nicht
ratſam. Zu unterſtützen ſei beſonders die Ausſtellung,
die im Anſchluß an die Internationale Graphiſche Aus=
ſtellung
Leipzig 1914 als Sonderausſtellung Deutſchland
im Bild in Leipzig ſtattfindet, desgleichen die Große
Ausſtellung Düſſeldorf 1915 Aus 100 Jahren Kultur und
Gruppe Deutſchland als Verkehrs= und Reiſe=
Kunſt
land Anfragen werden vom Bund Deutſcher Verkehrs=
vereine
gern beantwortet. Stadtv. Stemmer regt
an, die Dioramenausſtellung auf der Düſſeldorfer Aus=
ſtellung
1915 zur Aufſtellung zu bringen. Dem wider=
ſpricht
Landtagsabg. Molthan wegen des Zuſtandes
der Dioramen, wenn ſie jetzt wiederum transportiert wer=
den
ſollen. Stadtv. Stemmer ſetzt natürlich eine Erneue=
rung
bezw Erſetzung der Bilder voraus.
Herr Rentner Sieben berichtet ſodann über den
Verkehrsausſchuß der Bergſtraße. Die Mittel
ſeien erfreulich gewachſen durch Zuſchüſſe der Provinz

und der Kreisimer, ſowie der Kommunalbehörden. Die
Hauptaufgabe ſei die Durchführung der Photographie=
Ausſtellung im Oktober=November. Es folgte der Be=
richt
des Verkehrsvereins Bingen. Stadtv. Stemmer
freut ſich, feſtſtellen zu können, daß die Arbeit des Ver=
kehrsvereins
Darmſtadt immer mehr bei den
Behörden anerkannt wird. Der Verein zählte Ende 1912
691 Mitglieder. Der Verein gehört dem Rheiniſchen Ver=
kehrsverein
an und iſt der Verein dadurch in deſſen Pro=
pagandaſchriften
vertreten. Der Verein widmet ſeine
Aufmerkſamkeit und ſeine Tätigkeit beſonders der Ver=
beſſerung
der ſchlechten Eiſenbahnverhältniſſe. Auch der
Bericht des Verkehrsvereins Mainz ſtellt ſchlechte Eiſen=
bahnverhältniſſe
feſt. Die Mitgliederzahl ſei die gleiche
geblieben. Der Bad Nauheimer Verkehrsverein hat
eine Ausgabe von 12 231,95 Mark und einen Kaſſenbeſtand
von 3000 Mark, Worms kann eine erhebliche Hebung des
Verkehrs feſtſtellen. Es konnte eine Hebung des Vereins=
intereſſes
durch die Herausgabe von Reklamemar=
ken
erzielt werden. Der Vertreter von Worms beklagte
weiter die geringe Berückſichtigung von Worms durch den
Rheiniſchen Verkehrsverein; die gleiche Klage hat der
Vertreter von Oppenheim. Dieſer Verein zählt 300 Mit=
glieder
. Die Schaffung eines Ortsmuſeums
ſei geplant. Der Verkehrsverein Groß=Umſtadt hat
eine Einnahme von 75 Mark; der Verein hat trotz der
geringen Summe ſehr viel erreicht, ſo u. a., daß das
Kreisamt Amtstage in Groß=Umſtadt abhält, daß der
Kreisſtraßenwärter in Groß=Umſtadt ſeinen Wohnſitz er=
halten
hat uſw. Die Verſammlung dankte Herrn Arzt=
für
ſeine verdienſtvolle Tätigkeit.
Kaufmann Werner=Langen berichtete über die
Tätigkeit des Streckenverbandes Darmſtadt=Frankfurt,
Wie bedeutend die Intereſſen hier zwiſchen Frankfurt und
Darmſtadt gewachſen ſind, gehe aus folgenden amtlichen
Zahlen hervor: 1903 wurden an Einkommenſteuer ge=
zahlt
137112 Mark, 1913 bereits 315552 Mark, an Ver=
mögensſteuer
1903 38654 Mark, 1913 73814 Mark; das
ſteuerbare Vermögen wuchs von 51½ Millionen auf 74
Millionen, die Steuerzahler von 8577 auf 12561. Zum
Schluß berichteten die Vertreter von Alzey und Gießen=,
Mit einem Dank an die Mitglieder ſchloß der Vor=
ſitzende
die intereſſant verlaufene Verſammlung. Ein ge=
meinſames
Mittagsmahl in der neuen Binger Feſt=
halle
vereinigte die Teilnehmer mit den Damen, die wäh=
rend
der Verhandlungen unter Führung von Binger
Damen das Goethehaus mit Goethemuſeum und die Burg
Klopp beſucht hatten. Bei dem Mahle brachte Stadtv.
Stemmer=Darmſtadt den Damentoaſt aus, Dr.
Weißmann Lindenfels brachte ein Hoch auf den
Vorſitzenden aus. Eine Rheinfahrt nach Rheinſtein und
dem Schweizerhaus beſchloß die Tagung, die vom herr=
lichſten
Wetter begünſtigt war.

Kongreſſe und Verbandstage.

* Straßburg, 27. Sept. In Anweſenheit der Un=
terſtaatsſekretäre
Exzellenz Mendel und Köhler, die
zur Seite A. Damaſchkes am Vorſtandstiſch Platz genom=
men
hatten, wurden heute vormittag 10 Uhr in ziemlich
gut beſetzten Aubette=Saal die Verhandlungen des 23.
Bundestages der deutſchen Bodenrefor=
mer
aufgenommen. Nach begrüßenden Worten A. Da=
maſchkes
hieß Unterſtaatsſekretär Mandel im Namen
und im beſonderen Auftrag des kaiſerlichen Statthalters
die Bodenreformer im ſchönen Elſaß herzlich willkommen.
Der Unterſtaatsſekretär wies auf die Bedeutung der jun=
gen
wirtſchaftlichen Bewegung hin, und auf die Vorteile,
die daraus für die Kreiſe der kleinen Grundbeſitzer zu er=
hoffen
ſeien und betonte beſonders, daß der Boden nicht
zum Gegenſtand der Spekulation gemacht werden dürfe,
ſondern daß er für die Allgemeinheit da ſei. Bürgermei=
ſter
Dr. Schwander, der die Verſammlung im Namen der
Stadt Straßburg willkommen hieß, ſprach von den boden=
reformeriſchen
Maßnahmen der Stadt Straßburg, die bei=
zeiten
einen namhaften Teil hochwertigen Bodens erwor=
ben
habe. In weiteren Begrüßungsworten hob dann der
Präſident der Zweiten Kammer Dr. Ricklin hervor,
daß die Tagung geeignet ſei, gewiſſe irrtümliche Anſchau=
ungen
über Elſaß=Lothringen zu bekämpfen. Die Grüße
des abweſenden Biſchofs von Straßburg überbrachte Pro=
feſſor
Gaß vom katholiſchen Prieſterſeminar. Weitere
Worte des Willkommens ſprachen noch Profeſſor Cur=
tius
namens der Kirche Augsburgiſcher Konfeſſion und
im Auftrage des Synodalvorſtandes der Reformierten
Kirche des Landes Pfarrer Kunz. Von zahlreichen Kor=
porationen
und Stadtverwaltungen ſind Begrüßungs=
ſchreiben
und Telegramme eingegangen. Der Kaſſenbe=
richt
für 1912 ſchließt ab mit 162 225 Mark an Einnahmen
und Ausgaben, wobei auf neue Rechnung 58 325 Mark vor=
getragen
werden. Aus dem vom Bundesvorſitzenden er=
ſtatteten
Jahresbericht iſt zu entnehmen, daß der Bund im
vergangenen Jahre um 2400 Einzelmitglieder und um 100
Korporationen zugenommen hat. Die Zahl der letzteren
beträgt nunmehr im ganzen 581. Mit einem Vortrag des
Prälaten Mſgr. Dr. Werthmann=Freiburg i. B. über
Wohnungsnot und Sittlichkeit ſchloß erſt nach Mittag
die erſte Verſammlung.

Großfeuer.

* Meinertshagen, 27. Sept. Das Großfeuer,
welches ſeit mittag wütete, äſcherte 24 Wohnhäuſer
ein, darunter zwei Wirtſchaften, eine Buchdruckerei, eine
Brennerei und das Geſchäftslokal des Konſumvereins. 32.
Familien mit 200 Perſonen ſind obdachlos, ſie retteten
kaum das nackte Leben und ſind vorläufig in den freigege=
benen
Schulräumen untergebracht. Der Landrat Altonas
weilte nachmittags auf der Brandſtätte. Der Gemeinde=
rat
wurde für den Abend zu einer dringlichen Sitzung ein=
berufen
zwecks Vorbereitung einer Hilfsaktion. Den aus
aus der näheren und weiteren Umgebung herbeigerufenen
Feuerwehren wurde ein Extrazug zur Verfügung geſtellt.
Die Gefahr iſt noch nicht beſeitigt. Seit dem Nachmittag
bildet Meinertshagen das Ziel von Tauſenden von Neu=
gierigen
. Der kleine Bahnhof iſt kaum in der Lage, den
ungeheuren Verkehr zu bewältigen.
* Dortmund, 27. Sept. Tremonia meldet von
der Feuersbrunſt in Meinertshagen, daß bis
2½ Uhr außer vielen Scheunen, Schuppen und Ställen
22 Häuſer brannten. Die evangeliſche Kirche konnte jetzt
geſchützt werden. Dreißig Feuerwehren, die als einer
Entfernung von vier Stunden gekommen ſind, verſuchen,
die übrigen Häuſer zu ſchützen. 500 Perſonen ſind
obdachlos. Die meiſten verloren ihre größtenteils
nicht verſicherte Habe. Hunderte von Arbeitern ſind brot=
los
, da die meiſten Fabriken brennen, Menſchenleben ſind
nicht zu beklagen, doch iſt viel Vieh umgekommen. 15
Kühe wurden durch ein Stallfenſter erſchoſſen, damit ſie
nicht den Feuertod ſtürben.

Großherzogliches Hoftheater.

Sonntag, den 28. September.
Der Zigeunerbaron.
W-l. Die heutige Aufführung der Straußſchen Operette
Der Zigeunerbaron brachte einem wieder zum Bewußt=
ſein
, wie ſehr die Operette in den letzten Jahrzehnten
heruntergekommen iſt. Gegen die ſüßlich=ſeichten Melo=
dien
der Luſtigen Witwe und anderer frivoler Mach=
werke
mutet dieſe Operette faſt wie klaſſiſche Muſik an.
Zu ſolchem Reichtum der Erfindung, ſolch dramatiſcher
Steigerung, ſolchem Schwung der muſikaliſchen Sprache
und ſo prachtvollen Enſembles haben ſich die neuzeitlichen
Operettenkomponiſten nicht wieder aufſchwingen können.
Sie arbeiten mit billigeren Effekten. So fand denn auch
das Publikum an der Operette, deren Aufführung ſehr
ſorgfältig vorbereitet war und vortrefflich gelang, großes
Gefallen und ſpendete enthuſiaſtiſchen Beifall. Die mufi=
kaliſche
Leitung hatte Kapellmeiſter Kleiber, der mit
jugendlichem Feuer dirigierte und der Aufführung echtes
Temperament einflößte. Schon die ſchneidig geſpielte
Ouvertüre erntete lebhaften Beifall, prachtvoll herausge=
arbeitet
war der den letzten Akt einleitende famoſe Wal=
zer
, wie er es überhaupt verſtand, alle Pointen aus der
Straußſchen Muſik mit Fineſſe herauszuholen. Auch die
Regie des Herrn Regiſſeurs Nowack brachte neues Leben
in die alte Operette, namentlich waren die Enſemble=
ſzenen
ſehr lebendig und draſtiſch ausgeſtaltet worden,
köſtlich waren die Zigeunerſzenen; ein geſchmackvoller,
alles Ueberladene und Aufdringliche vermeidender neuer
ſzeniſcher Rahmen trug zu dem friſchen und fröhlichen
Geſamteindruck der Aufführung weſentlich bei.

Die geſanglichen Leiſtungen waren durchaus gut,
allen voran Herrn Globergers ſtimmfriſcher und ton=
prächtiger
Barinkay, als welcher er ein bisher an ihm
kaum gekanntes Temperament entfaltete. Die beiden
weiblichen Hauptrollen waren durch zwei routinierte und
abſolut zuverläſſige Sängerinnen vertreten. Sehr ſchön
ſang Frau Schäfer=Beling die Partie der Arſena,
während Frau Becker in der dramatiſch ſtark pointierten
und ſchwierigen Partie der Saffi eine überraſchende Ton=
fülle
und dramatiſche Verve des Vortrags, ſowie in der
Darſtellung der Rolle viel Leben und Temperament ent=
wickelte
. Frl. Jacobs ſang die Partie der Czipra
muſtergültig. An beſte Vorbilder hielt ſich Herr
Schützendorf in der dankbaren Rolle des Zſupan,
die ihm recht gut gelang, während Herrn Bertram, der
die Rolle des Grafen vertrat, der leichte Operettenſtil
weniger liegt. Mit gutem Gelingen unterzog ſich Herr
Thomſen ſeiner Aufgabe als Otokar. Die komiſchen
Rollen des Carnero und der Mirabella lagen bei Herrn
Jordan und Frau Müller=Rudolph in berufe=
nen
Händen. Die von Herrn Chordirektor Preuß ein=
ſtudierten
Chöre verdienen noch ein beſonderes Lob.
Die von dem Ballettkorvs hübſch ausgeführten Tänze,
in denen ſich eine Stilverſchönerung angenehm bemerk=
bar
machte, waren von Frau Ballettmeiſterin Ehrle
arrangiert. Die Geſtaltung des Bühnenbildes, deren wir
ſchon lobend gedacht haben, rührte von den Herren Kem=
pin
und Schwerdtfeger her.
Am Schluß der animiert verlaufenen Vorſtellung er=
ſchienen
mit den Sängern auch die Herren Kleiber und
Nowack vor der Rampe, um für den außergewöhnlich
lebhaften Beifal zu danken.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Luftfahrt.

Frankfurt a. M., 28. Sept. Das Lufkſchif=
Viktoria Luiſe ſtieg heute morgen 9 Uhr 55 Min.
zu einer Fahrt durch Heſſen auf, wobei es in
Mainz, Worms und Darmſtadt Landungen vornahm,
bei welchem ein Paſſagierwechſel ſtattfand. Gegen 3 Uhr
kreuzte das Luftſchiff über Frankfurt und landete bei
widrigem Winde um 4 Uhr glatt vor der Luftſchiffhalle
Frankfurt a. M., 28. Sept. Das Luftſchiff
Viktoria Luiſe bleibt in nächſter Zeit in Frank=
furt
am Main ſtationiert. Das Luftſchiff Hanſa
welches in Hamburg ſtationiert iſt, wird am 28.
September eine Landungsfahrt nach Lübeck, am 5.
Oktober eine nach Itzehoe und am 12. Oktober eine
nach Hannover=Minden unternehmen. Für das in Leip=
zig
ſtationierte Luftſchiff Sachſen ſind Landungs=
fahrten
geplant nach: Altenburg, Gera, Eiſenberg,
Sangerhauſen, Mühlhauſen, Zeitz, Schwarzenberg= Anna=
berg
, Görlitz und Haida in Böhmen.
* Mannheim, 28. Sept. In Gegenwart der ſtäd=
tiſchen
und militäriſchen Behörden erfolgte beim Luxem=
burger
Gaswerk heute vormittag die Taufe eines
Freiballons des Mannheimer Vereins für Luftfahrt
auf den Namen Geh. Rat. Reiß Anſchließend ſtarteten
außer dieſem, der um 10 Uhr 10 Min. zu ſeiner erſten
Fahrt in die Lüfte ſtieg, um 10,25 Uhr der der Luftſchiff=
werft
Lanz gehörige Freiballon Schütte=Lanz unter Füh=
rung
des Diplomingenieurs Bleiſtein und ebenfalls um
10,40 Uhr der Ballon Zähringen dem Mannheimer
Verein für Luftfahrt gehorend, unter Führung des Dr.
Helferich von der Heidelberger Sternwarte.

Die Tauſendjahrfeier der Stadt Kaſſel.

* Kaſſel, 27. Sept. Von den weiteren feſtlichen
Veranſtaltungen des heutigen Tages ſind die von Maſ=
ſenchören
2500 Knaben und Mädchen auf dem
Friedrichsplatze einer unüberſehbaren Menſchenmenge dar=
gebotenen
Volks= und Vaterlandslieder=Vorträge zu er=
wähnen
, die Rektor Kürſten leitete. Ein Radfahrerreigen,
ausgeführt vom Gauverband Kaſſel des Deutſchen Rad=
fahrer
=Bundes, löſte die Geſangsvorträge ab. Abends
gab das Königliche Hoftheater als Feſtvorſtellung
Emil Jadobis Chaſſala Mit Eintritt der Dunkelheit
begann die Illumination und bald lag Kaſſel in feſtlichem
Lichterglanz. Den Beſchluß des Tages machte ein Fackel=
zug
des Kurheſſiſchen Sängerbundes durch einige Stadt=
teile
, worauf eine Serenade vor dem auf dem Friedrichs=
platze
eigens zur Tauſendjahrfeier aufgeſtellten Chaſſala=
Standbild folgte.
Der Reichskanzler ſandte zur Tauſendjahrfeier
der Stadt Kaaſſel folgendes Glückwunſchtelegramm: Der
Reſidenzſtadt Kaſſel ſpreche ich zu der erhebenden Feier
ihres tauſendjährigen Beſtehens meine aufrichtigſten Glück=
und Segenswünſche aus. Die großartige Entwickelung,
welche das altheſſiſche Gemeinweſen in den letzten Jahr=
zehnten
, insbeſondere als Reſidenz Ihrer Majeſtäten ge=
nommen
hat, bieten ſichere Bürgſchaft dafür, daß es auf
dem Wege aufwärts auch weiterhin den immer wachſen=
den
neuen Kulturaufgaben voll gerecht wird. Ich be=
dauere
nochmals, daß ich verhindert bin, perſönlich an den
Gedenktagen teilzunehmen und wünſche dem Feſte unter
den Auſpizien des königlichen Prinzen einen glänzenden
Verlauf.
* Kaſſel, 28. Sept. Auch in der Frühe des heu=
tigen
Feſttages riefen von den Türmen herab Choräle
und das Geläute der Kirchenglocken zur Feier des Jubel=
feſtes
auf. Trotzdem das Wetturnen der Kaſſeler
Turnerſchaft in der Turnhalle bereits in aller Frühe
um 6½ Uhr begann, wohnte eine dichtgedrängte Men=
ſchenmenge
bei. Darauf fand um 9 Uhr vormittag in
allen Kirchen der Stadt ein Feſtgottesdienſt ſtatt. Die
Mitglieder der ſtädtiſchen Körperſchaften wohnten dem=
ſelben
in der altehrwürdigen Martinskirche bei. Von der
Kaiſerſtraße ausgehend, ſetzte ſich um 11 Uhr vormittags
der Feſtzug in Bewegung, der vorbei dem Rathauſe, wo
er den Stadtoberen und Ehrengäſten zu den Fenſtern
hinauf huldigenden Gruß entbot, durch die verſchiedenen
Stadtteile, namentlich die Altſtadt mit ihren altersſchiefen
Fachwerkbauten, führte. Der erſte Teil des von einer
großen Teilnehmerſchar zur Darſtellung gebrachten Zuges
gab in zwanzig Gruppen eine Reihe ſittengeſchichtlich in=
tereſſanter
Bilder aus der tauſendjährigen Vergangenheit
der Stadt beginnend mit der Gruppe Königs Konrad I.
als Herr des Guthofes Kaſſel inmitten von Chatten und
endigend mit dem Einzug der ſiegreichen Truppen 1871.
Dazwiſchen marſchierten zahlreiche Muſikkapellen. Erregten
ſchon die hiſtoriſchen Trachten in den lebendigen Bildern
des erſten Teiles des Feſtzuges den jubelnden Beifall der
Bevölkerung, ſo noch vielmehr die im zweiten Teil (Kräfte
der Gegenwart benannt) vorüberziehenden Vertretungen
von heſſiſchen Landleuten in ihren maleriſchen Trachten.
Aus der Schwalm und entfernteren Teilen des Heſſen=
landes
waren Vertretungen (Erntewagen, Hochzeitswager
uſw.) im Feſtzuge. Den Schluß des Zuges machte der
Wagen Gewerbefleiß‟ Den Nachmittag füllten ſportliche
Veranſtaltungen in der Karlsaue. Abends wurde im
Königlichen Hoftheater Lohengrin gegeben. Es folgten
Feſt=Kommerſe in der neuerbauten Stadthalle und in der
Fachhalle. Die ganze Stadt war feſtlich erleuchtet.
Morgen vormittag finden Turn= und Spiel= Veranſtaltun=
gen
der Kaſſeler Mittel= und Bürgerſchulen, am Nachmit=
tag
Vorführungen von dreizehn Turnvereinen in der
Karlsaue und darauf eine Huldigunsfahrt der Kaſſeler
Rudervereine auf der Fulda ſtatt. Am Dienstag erreichen
die offiziellen Veranſtaltungen mit Jugendſpielen und
einem Volksfeſt in der Karlsaue ihr Ende.
Prinz Auauſt Wilhelm von Preußen, das Fürſtenpaar
zu Waldeck und Pyrmont und Landaraf Chlodwig von
Heſſen wohnten von den Fenſtern des Rathauſes dem Feſt=
zuge
bei und äußerten ihre Befriedigung über das wohl=
gelungene
Schauſpiel. Der Vorüberzug des Zuges dauerte
eine Stunde. Nachmittags nahm Prinz Auguſt Wilheln
am Gartenfeſte in der Karlsaue teil und reiſte abends
zurück.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 27. Sept. ( Gasexplo=
ſion
.) In dem Beamtenwohnhaus der Städtiſchen Gas=
anſtalt
in der Fichteſtraße ereignete ſich heute abend eine
heftige Gasexploſion in der Wohnung des Gasmeiſters
Lange. Dieſer und ſeine Pflegetochter wurden ſchwer
verletzt. Die Feuerwehr löſchte den Brand bald.
(Selbſtmord.) Der wegen verſuchter Erpreſſung ver=
haftete
Kufmann Eiſenträger, der kürzlich Selbſtmord ver=
ſuchte
, indem er in der Unterſuchungshaft ſich einen lan=
gen
Nagel in den Kopf zu treiben verſuchte, der indeſſen
in der Schädeldecke ſtecken blieb=und mit der Zange ent
kernt wurde, und einige Zeit darauf einen ſpitzen Gegen=
ſtand
; ſeir Auge ſtieß, um ihn in das Gehirn zu drücken,

verübte heute dadurch Selbſtmord, daß er drei lange
Nägel verſchluckte und dabei ſeine inneren Organe völlig
zerriß.
Dresden, 27. Sept. (Einweihung einer Tal=
ſperre
.) Unter zahlreicher Beteiligung fand heute die
Einweihung der neuen, mit einem Koſtenaufwande von
1364000 Mark erbauten Weißeritztalſperre bei
Malter ſtatt. Anweſend waren der König, der Kronprinz,
Prinz Friedrich Chriſtian und die Staatsminiſter Graf
Vitzthum zu Eckſtädt und von Seydewitz.
Aſchaffenburg, 28. Sept. (Kaplan Schmidt.
Der Vater des Mörders Kaplan Schmidt in Neu=York hat
auf Grund eines Bildes, das er in einem Frankfurter Blatt
ſah, die Identität ſeines Sohnes feſtgeſtellt, da es bisher
zweifelhaft war, ob der in Neu=York verhaftete Schmidt
auch der Mörder ſei.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
Santiago de Chile, 28. Sept. Für drahtloſe
Telegraphie ſind ſechs Stationen eröffnet: in
Arica, Antofagoſta, Coquimbo, Valparaiſo, Talcahuanc
und auf der Inſel Mocha. Ende Dezember ſoll der
Dienſt auch in Punta renas aufgenommen werden.
Griſolles, 27. Sept. General Bourderiat, der die
Diviſion Montauban abgibt, um die Diviſion von Chau=
menz
zu übernehmen, beſuchte Frau von Winter=
feldt
, um ſich über das Befinden des verunglückten
Militärattachés zu erkundigen. Es iſt eine leichte Beſſe=
rung
feſtgeſtellt worden. Der Abendbericht ſagt: Der
Tag war ziemlich gut und kein Zwiſchenfall trat ein.
Temperatur 37,3, Puls 96. Die Erſcheinungen in der
Bruſt ſind unverändert. Heute abend findet eine Rönt=
genaufnahme
des Beckens ſtatt, da der Zuſtand des
Patienten es erlaubt. (Vormittagsberichtt vom
28. September über das Befinden des Oberſtleutnants
v. Winterfeldt.) Der Kranke hatte eine ruhige Nacht.
Die Temperatur betrug vormittags 36,6, Puls 36, At=
mung
22. Der Zuſtand der Lunge iſt unverändert. Der
Verletzte fühlt ſich beſſer.
Paris, 28. Sept. Das Amtsblatt veröffent lich
einen Erlaß des Kriegsminiſters über die am
1. Okt. in Kraft tretende neue Zuſammenſetzung und Ver=
teilung
des 2., 6., 20., 7. und 14. Armeekorps. Einzelnen
Blättern zufolge werde dieſer Erlaß unter anderem den
Zweck haben, angeſichts der deutſchen militä=
riſchen
Maßnahmen in der Gegend von
Trier, die Deckung der franzöſiſchen Nordoſt=Grenze
zu verbeſſern. Mehrfach wird für die wichtigſte dieſer
Beſtimmungen hervorgehoben, daß dadurch das Haupt=
quartier
der vierten Armeediviſion nach Meziéres ver
legt, und daß ein Teil des zweiten Armeekorps der
luxemburgiſchen Grenze näher gebracht wird. Dieſer
Reorganiſationsplan werde übrigens durch die bereits
angekündigte Errichtung des 21. Armeekorps, als deſſen
Hauptquartier Epinal in Ausſicht genommen iſt, vervoll=
ſtändigt
werden.
Paris, 28. Sept. Der radikale Deputierte Francois
Deloncle teilte dem Miniſterpräſidenten Barthou mit,
daß er ihn bei dem Zuſammentritt der Kammer über die
Wiederaufnahme der diplomatiſchen Beziehungen
zum Vatikan interpellieren werde.
H. B. Brandenburg a. H., 28. Sept. Ein Groß:
feuer brach in der Kaſerne des Füſilier=
Regiments Nr. 35 aus, in den Räumen, wo das
1. Bataillon untergebracht iſt, und verbreitete ſich mit
großer Schnelligkeit über das drei Stock hohe Gebäude.
Die Mannſchaften konnten ſich ſämtlich in Sicherheit
bringen. Die ganze Kriegsausrüſtung des
1. Bataillons iſt vernichtet. Der Schaden beträgt
ſchätzungsweiſe eine halbe Million Mark.

Das Jeſuitengeſetz.

* Görlitz, 28. Sept. Anläßlich der Tagung des Evan=
geliſchen
Bundes wurden in ſämtlichen evangeli=
ſchen
Kirchen Feſtgottesdienſte mit auswärtigen Predigern
abgehalten. Hieran ſchloß ſich die Hauptverſammlung des
Evangeliſchen Bundes, die zur Frage des Jeſuiten=
geſetzes
folgende Kundgebung beſchloß: Die 26. Ge=
neralverſammlung
des Evangeliſchen Bundes in Görlitz
erblickt in der Tatſache, daß der Metzer Katholikentag, un=
bekümmert
um den einmütigen Widerſpruch weiteſter evan=
geliſcher
Volkskreiſe, völlige Bewegungs= und Betätigungs=
freiheit
des Jeſuitenordens im Deutſchen Reich forderte,
eine erneute Anſage eines verſchärften konfeſſionellen Kam=
pfes
, in der Ueberzeugung, daß die deutſche Volksgemein=
ſchaft
und die nationale Gemeinbürgerſchaft nur möglich
ſei, wenn alle Volksteile aufeinander Rückſicht nehmen, der
Jeſuitenorden aber rückſichtsloſe Bekämpfung des Prote=
ſtantismus
und wichtiger Kulturerrungenſchaften zur tra=
ditionellen
Aufgabe hat, erwartet die Generalverſammlung
zuverſichtlich, daß der Bundesrat im Intereſſe des kon=
feſſionellen
und inneren Friedens weder der Aufhebung,
noch der Abbröckelung des Jeſuitengeſetzes zuſtimmt.

Japan und China.

H. B. Peking, 28. Sept. Die Bankiers der Fünf=
mächte
=Gruppe erhielten die Mitteilung, daß die politiſche
Kommiſſion den Vertrag der Gruppe mit China revidiert
habe. Die amerikaniſche Regierung hat ihre Beauftragten
angewieſen, die induſtriellen Unternehmen in China ſo
weitgehend als möglich zu unterſtützen.
Die China von Japan geſetzte Friſt von 3 Tagen
wegen des Nankinger Zwiſchenfalles iſt in der Nacht zum
Sonntag abgelaufen. General Changſon, der in Nanking
mit ſeinen Regierungstruppen ſteht, hat ſich bis jetzt energiſch
geweigert, dem japaniſchen Verlangen nachzukommen
und ſeine Truppen eine Sühne=Parade vor dem java
niſchen Konſulat in Nanking machen zu laſſen. Der
britiſche Konſul in Nanking hat den japaniſchen darauf
aufmerkſam gemacht, daß Japan allzuviel aus dem
Nankinger Zwiſchenfall mache und daß es ſehr wünſchens=
wert
ſei, daß Japan ſeine Unnachgiebigkeit aufgebe, die
die ſchwerſten Folgen haben könne. In politiſchen
Kreiſen iſt man hier der Anſicht, daß die Japaner Ab=
ſichten
auf das Yſangſetal hätten und meint, daß die
Forderungen Japans viel zu weit gingen. Eng=
land
würde deshalb in den nächſten Tagen Vorſtellungen
in Peking machen.
* Peking, 27. Sept. (Reuter.) Die japaniſche
Geſandtſchaft dementiert aufs Beſtimmteſte die
Behauptung von der Ueberreichung eines Ultimatums an
China und erklärt, China bewilligte die japaniſchen For=
derungen
.
Nanking, 27. Sept. (Reuter.) General Changſuen
beſuchte heute morgen das japaniſche Konſulat in Be=
gleitung
einer 50 Mann ſtarken Leibwache und ent=
ſchuldigte
ſich wegen des Vorfalls in
Nanking. Am nachmittag wird ein Regiments ſeiner
Truppen vor dem japaniſchen Konſulat vorbeimarſchieren
und vor dem Konſul präſentierev

piereue Ipfernig

GentrtrU

K
Eakbr
mit Goldmundsf. mit Hohlmundst. flach

Dampfernachrichten.

Holland=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Aug. Cellarius in Darmſtadt, Bleichſtr. 53,
Rotterdam 24. Sept. 11 Uhr 15 Min. vorm. Wight
paſſiert. Nieuw Amſterdam 22. Sept. vorm. in Neu=
York eingetroffen. Noordam 21. Sept. 10,30 Uhr vorm.
Lizard paſſiert. Ryndam 19. Sept. vorm. in Rotterdam
eingetroffen. Potsdam 23. Sept. von Neu=York abgeg

Todes=Anzeige.
Wir machen hiermit die traurige Mitteilung,
daß heute vormittag ½9 Uhr unſere liebe Groß=
und Schwiegermutter, Schweſter und Tante

Frau
Heinrich Rieß Witwe
geb. Benz
nach kurzem, aber ſchwerem Leiden im Alter
(20212
von 74 Jahren ſanft entſchlafen iſt.
Um ſtille Teilnahme bitten
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Rendant Zimmermann,
Friedberg (Oberh.)
Zwingenberg, den 27. Sept. 1913.
Die Beerdigung findet am Dienstag, 30. Sept.,
nachm. 4 Uhr, vom Trauerhaus in Zwingen=
berg
aus, ſtatt.

Statt beſonderer Anzeige.
Nach langem, ſchwerem Leiden wurde
heute nachmittag 6 Uhr unſere liebe Schweſter,
Tante und Schwägerin
(20211
Mathiiae Byermahh
geb. Ritter
Witwe des Pfarrers Guſtav Eyermann
im 74. Lebensjahre durch den Tod erlöſt.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Eina Ritter.
Darmſtadt, den 27. September 1913.
Mathildenſtraße 46.
Die Beerdigung findet am Dienstag, 30. Sept.
1913, nachmittags 3¼ Uhr, von der Friedhofs
kapelle aus, ſtatt. Die Einſegnung daſelbſt
eine Viertelſtunde vorher.

Tageskalender,
Montag, 29. September.

Großh. Hoftheater, Anfang 7½ Uhr, Ende nach
9½ Uhr: (Ab. D): Hans Sonnenſtößers Höllenfahrt
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 30. September.
Hofreite=Verſteigerung des Georg Philipp
Volz (Eckhardtſtraße 35) um 11 Uhr auf dem Orts=
gericht
I.
Dünger=Verſteigerung um 9 Uhr in der Dra=
goner
=Kaſerne (Regt. Nr. 24).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Nummer 229.

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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. September 1913.

Seite5.

M 22000000
4½ % Landesherrlich genehmigte Hypothekaranleihe
verstärkte Tilgung bis 1. Oktober 1924 ausgeschlossen
Seiner Durchlaucht

Fürst Max
Sgon zu Fürstenberg
und der

Darstlichich Slandeskerrsaian varstenberg
zu Donaueschingen.
Seine Durchlaucht Fürst Max Egon zu Fürstenberg und die Fürstliche Standesherrschaft Fürstenberg zu Donaueschingen haben
nom. M 22000000 auf den Inhaber lautende Teilschuldverschreibungen
ausgegeben. Die Ausgabe der Inhaberpapiere ist vom Grossherzoglich Badischen Justizministerium, dem Finanzministerium
und dem Ministerium des Innern genehmigt worden.
Die Anleihe ist mit 4½ % jährlich in halbjährlichen Raten am 1, April und 1. Oktober jedes Jahres verzinslich und zum Nennwert:
rückzahlbar.
Sie ist eingeteilt in
1 2000
Serie A über je M 2000 Nr.
B 1000 200117000
500 1700123000
C
Die Einlösung erfolgt im Wege der Auslosung mit jährlich 1% des ursprünglich ausgegebenen Betrages zuzüglich der durch die
eingetretene Tilgung ersparten Zinsen. Die Auslosungen erfolgen im Juli jedes Jahres, erstmals im Juli 1914. Die Schuldner sind befugt,
vom Jahre 1924 ab verstärkte Auslosungen vorzunehmen oder auch sämtliche noch ausstehende Teilschuldverschreibungen mit Frist von drei
Monaten auf einen Quartalsersten, jedoch nicht früher als zum 1. Oktober 1924, zu kündigen.
Zur Sicherung für diese Anleihe sind von Seiner Durchlaucht dem Fürsten Max Egon zu Fürstenberg, den sämtlichen Agnaten
des Fürstlichen Hauses Fürstenberg und der Fürstlichen Standesherrschaft Fürstenberg von den standesherrlichen Liegenschaften, die sich
in Baden, Württemberg, Hohenzollern und Oesterreich befinden, rund 5570 ha landwirtschaftliche und rund 25000 ha forstwirtschaft-
liche
Gelände des badischen Besitzes durch Eintragung einer Sicherungshypothek gemäss § 1187 BGB. in dem über die Güter und Grund-
stücke
der Fürstlich Fürstenbergischen Standesherrschaft geführten Grundbuche von Donaueschingen verpfändet worden. Der Pfandbesitz
verteilt sich auf die nachfolgend genannten zwölf Amtsgerichtsbezirke: Donaueschingen, Engen, Messkirch, Neustadt, Pfullendorf, Ueberlingen,
Villingen, Waldshut, Wolfach, Bonndorf, Stockach und Triberg.
Die Verpfändung ist nicht äuf die Revenuen beschränkt, sondern ergreift das Pfand seiner Substanz nach. Die Eintragung ist in
Abteilung III durchweg an erster Stelle erfolgt. Dieser Hypothek gehen vor die nach Artikel 36 §§ 8 und 9 des Bad. A.-G. z. BGB. der
Eintragung nicht bedürfenden hausgesetzlichen Abfertigungsansprüche der von der Erbfolge ausgeschlossenen Söhne und Töchter der fürst-
lichen
Familie und der hausgesetzliche Wittumsanspruch der Witwe eines Hauptes der standesherrlichen Familie. Derartige auf den Haus-
gesetzen
beruhende Ansprüche haften auf dem gesamten Besitz der fürstlichen Familie. Sie betragen zurzeit weniger als M 75000 jährlich.
Der Gesamtwert der forstwirtschaftlichen Grundstücke beträgt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . M 84647770
der der landwirtschaftlichen . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9653000
insgesamt rund M 94 300000
Der Wert der forstwirtschaftlichen Grundstücke verteilt sich auf M 67718217 Holzvorrat und M 16929554 unter Forst stehen-
den
Boden. Die landwirtschaftlichen Grundstücke verteilen sich in zahlreichen Loosen auf 145 Gemeindeu. Der Grund und Boden
ist nach dem weiter unten erwähnten Gutachten im allgemeinen von guter, vielfach sogar sehr guter Beschaffenheit.
Die gegebenen Taxwerte sind an Ort und Stelle von einer besonderen Schätzungskommission, der für den forstwirtschaftlichen‟
Betrieb u. a. der Universitätsprofessor Endres-München angehörte, festgestellt worden. Die forstwirtschaftlichen Verwaltungseinrichtungen
gewährleisten nach dem Gutachten dieser Kommission eine gute und geordnete Bewirtschaftung der fürstlichen Waldungen, auch die Ver-
waltung
des landwirtschaftlichen Besitzes wird von den Sachverständigen als mustergültig bezeichnet.
Durch die bisherige besondere Schonung des Bestandes hat sich im Laufe der Zeit ein Bestand an
jederzeit schlagbarem Holz von etwa 20 Millionen Mark Wert angesammelt.
Die Schuldner sind verpflichtet, die verpfändeten Grundstücke so zu bewirtschaften, dass der Wert der Substanz des von der
Hypothekenhaftung ergriffenen Grundbesitzes nicht vermindert wird, insbesondere ist der zum Pfandgegenstand gehörige Wald in dem bei
der Fürstlichen Forstverwaltung von jeher üblichen, die Nachhaltigkeit des Ertrages sichernden Schlag- und Kulturzustand zu erhalten.
Die Deutsche Bank in Berlin ist als Grundbuchvertreterin der Obligationäre im Sinne des § 1189 BGB. im Grundbuch ein-
getragen
.
Zulassung der Teilschuldverschreibungen zum Handeln an den Börsen von Frankfurt a. M. und Mannheim wird
alsbald beantragt.
Von vorstehenden Teilschuldverschreibungen werden
Hom. M 15000000
unter nachstehenden Bedingungen zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt:
1. Zeichnungeu werden bis einschliesslich
Montag, den 6. Oktober 1913
gleichzeitig
in Darmstadt bei der Bank für Handel und Industrie,
Deutschen Vereinsbank Filiale Darmstadt,
ausserdem in Frankfurt a. M., Wiesbaden, Mannheim, Ludwigshafen, Karlsruhe, Freiburg i. B., München, Nürn-
berg
, Augsburg, Bamberg, Stuttgart und Strassburg i. E. bei den in den dortigen Bekanntmachungen angeführten Stellen
während der bei ieder Stelle üblichen Geschäftsstunden auf Grund des bei den Stellen kostenfrei erhältlichen Anmeldeformulars entgegen-
genommen
. Die Bestimmung des Zeitpunktes, bis zu welchem am letzten Zeichnungstage Zeichnungen entgegengenommen werden, bleibt.
dem Ermessen jeder einzelnen Stelle vorbehalten,
2. Der Zeichnungspreis beträgt
990
70
zuzüglich 4½% Stückzinsen ab 1. Oktober 1913 bis zum Zahlungstage, Stempel der Zuteilungsnote zu Lasten der Zeichner.
3. Bei der Zeichnung ist auf Verlangen der Zeichnungsstelle eine Kantion von 5% des gezeichneten Betrages in bar oder börsengängigen,
von der betreffenden Stelle für zulässig erachteten Wertpapieren zu hinterlegen.
4. Die Zuteilung, welche sobald als möglich nach Schluss der Zeichnung durch schriftliche Benachrichtigung der Zeichner geschieht, unter-
liegt
dem freien Ermessen ieder einzelnen Zeichnungsstelle.
Zeichnungen, welche unter Uebernahme einer Sperrverpfliehtung erfolgen, finden vorzugsweise Berück.
sichtigung.
5. Der Kaufpreis des zugeteilten Betrages ist bei derselben Stelle, bei der die Anmeldung erfolgt ist, in der Zeit vom 14. bis 27. Ok-
tober
d. Js. einzuzahlen;von letzterem Tage ab gelangen die Stücke zur Ausgabe.
(20114
Berlin, Frankfurt a. M., Mannheim, Ludwigshafen, Stuttgart, im Oktober 1913.
rdoo
Bank fur Handel und Industrie.
Deutsche Bank.
Mitteldeutsche Creditbank. Deutsche Vereinsbank. Rheinische Creditbank.
Württembergische Vereinsbank.
Pfälzische Bank.

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im Rathausſaal hier der Platz zur Aufſtellung eines Karuſſells für
die am 2. und 3. November d. J. ſtattfindende Kirchweihe und die
am 9. November folgende Nachkirchweihe öffentlich verſteigert.
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Arheilgen, den 18. September 1913.
Großh. Bürgermeiſterei daſelbſt.
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Vereinfür Verbreitung von Volksbildung
Darmſtadt.
Einladung zu den Lehrkurſen für Aufänger u. Norgeſchrittene
in franzöſiſcher Sprache: Vorausſichtlich Montags u. Donnerstags
abends 8½ Uhr,
in engliſcher Sprache: Dienstags und Freitags, desgleichen,
in Buchführung (Korreſpondenz und Geſchäftsrechnen): Zeit noch
zu vereinbaren,
in Deutſch (ſchriftlicher Ausdruck, Rechtſchreiben und Schönſchreiben):
desgleichen.
Die Sprachkurſe dauern von Mitte Oktober bis Ende März
und koſten pro Monat nur Mk. 5.. Der Kurſus in Buchführung
(1820 Abende) koſtet im ganzen Mk. 6., der Deutſchkurſus Mk. 3.
An den Kurſen kann Jedermann teilnehmen (Damen und Herren).
Für Teilnehmer, welche 2 oder mehrere Lehrgänge beſuchen wollen,
können die Beiträge um 10% ermäßigt werden.
Anmeldungen am Verkehrsbüro, bei der Geſchäftsſtelle des
Vereins (Gutenbergſtr. 68, p.) und bei Zigarrenhandlg. J. Mylius,
(20204a
Herdweg 2.

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. September 1913.

Nummer 229.

Hessische
Handelslehranstalt

Steuer=Erhebung.

Das III. Ziel der Gemeinde=
ſteuern
für das Rechnungsjahr
1913 iſt, bei Vermeidung der Mah=
nung
, bis Ende dieſes Monats
an den Werktagen, vormittags von
8 bis 12½ Uhr, hierher zu ent=
richten
.
Im Intereſſe raſcheſter Ab=
fertigung
an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder abge=
zählt
bereit zu halten.
Darmſtadt, 8. September 1913.
Die Stadtkaſſe.
Koch.
(18847a

Singt Ihr
Vogel nicht

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Das Wintersemester beginnt Dienstag, 7. Oktober
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Diplomhandelslehrer
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Sprechstunden Montag bis Freitag 121 und 35 Uhr.

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[ ][  ][ ]

Nummer 229.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. September 1913.

Seite 7.

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Ueberwältigende Arena-Szenen! Spannende Gladiatoren-Kämpfe! Aufregende Löwen-Szenen! Ausbruch des Vesurs!
Die letzten Tage von Pompeji ist das vollendetste Meisterwerk der Lichtbildkunst, das alle anderen in jeder Beziehung turmhoch überragt.
Die Inszenierungskosten allein gehen in die Hunderttausende und erforderte die Herstellung einen Zeitraum von über 2 Jahren.
Vorführungen täglich 3½, 6 und 9 Uhr abends.
Trotz der ganz enormen Unkosten keine Preiserhöhung.
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Vorzugskarten und Passepartouts haben keine Gültigkeit.
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Grafenstrasse 18

Der Lach-
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Spielzeit 1913/14.

eine

Versammlung mit freier Aussprache

statt.

Tages-Ordnung:

1. Jahresbericht des Obmannes.
2. Freideutscher Jugendtag.
3. Arbeitsplan für den Winter 1913/14.
(20199
4. Organisation und Wahlen.
Wir laden hierzu unsere Mitglieder, sowie alle Freunde der
Bestrebungen für Lebens- und Kulturreform freundlichst ein.
Der Obmann: Rechtsanwalt Staedel.

Eröffnungs-Vorstellung
Mittwoch Oktober



Gastspiel

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mit dem tollen
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Montag, den 29. Sept. 1913.
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Tagung der Deutſchen Zentrale
für Jugendfürſorge
Zum erſtenmale wiederholt:
Hans Sonnenſtößers
Höllenfahrt.
Ein heiteres Traumſpiel in fünf
Bildern von Paul Apel. Muſik
von Richard Beermann.
Spielleiter: Bruno Harprecht.
Perſonen:
Hans Sonnen=
ſtößer
, stud. phil. Kurt Ehrle

Alb. Becher, Ober=
regiſſeur
u. Schau=
ſpieler
, ſ. Freund
Fr. Dr. Schwalbe,
verwitwet . . .
Elſe, eine Verw.
Frau Dr. Schwal=
bes
. .
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Emilie, ſ. Frau
Guſtav, 1 ihre
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Otto Kretſchmar,
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von 81 Uhr und von
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Vorſtellung. (Im Verkehrsbüro
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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. September 1913.

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3½ Schweden . . . .

4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 79,00
4 Türk. unifiz. v. 1903
4 Ungar. Goldrente . . . 84,40
4, do. Staatsrente. . . 82,10

In Prot.
Z.
5 Argentinier . . . .. . 98,30
82,80
de.
4½ Chile Gold=Anleihe . 92,00
5 Chineſ. Staatsanleihe.
-
4½
do.
4½ Japaner .
89,40
5 Innere Mezikaner. . . 76,70
3
50,00
do.
4 Gold=Merikanerv. 1904 76,50
5 Gold=Mexikaner . . . . 93,60
3½ Buenos Aires Provinz 67,00
Aktien inländiſher
Tranzportanſtalten,
10 Hamb.=Amerika= Paket=
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. . . . . . . 147,40
7 Nordd. Jloyd . . . . . 125,40
6½ Südd. Eiſenb.=Beſ. . 126,50
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Transvortanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 493 . . 117,25
6 Baltimore und Ohio . 95,25
6 Schantungbahn . . . . 122,99
8 Luxemb. Prince Henri 167,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 26,45
6 Pennſylvania R. R.
Leßte Induſtrie=
Aktien.
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4 Brauerei Werger
65,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . .
.540,50
14 Chem. Fabrik Griez=
heim
. .
.247,75
30 Farbwerke Höhſt . . 614,00
20 Verein chem. Fabriken
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10 Cement Heidelberz . . 145,00
30 Chem. Werke Albert 438,00
14 Holzverkohlung Kon=
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9 Steana Romana Petr. 149,50
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12,83 Bad. Zucker=Waz=
.. 205,50
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14 Bochumer Bergs. u.
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6 Laurahütte . . . . . . 168,50
10 Kaliwerke Aſchersleben 141,00
Weſteregeln 188,00
13.
7½ South Weſt Africg 116,50
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Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 87,50
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 97,90
4 Eliſabethbahn, freie . .
4 Franz=Joſefs=Bahn . .
3 Prag=Duxer . . . . . . 72,00
5 Oeſterr. Staatsbahn . 100,90
4 Oeſterr. Staatsbahn . 88,30
75,80
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 97,20
da.
74,00

Inhten
(
2¾ Oeſt. Sübb. (Lomb.) 53,75
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3 Raab=Oedenburg . .
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7½ Bergiſch=Märkiſche
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9½ Berlin. Handelsgef. .161,75
6½ Darmſtädter Bank .116,25
12½) Deutſche Bank . . . 247,50
6 Deutſche Vereinsbank . 116,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 111,50
10 Diskonto=Kommandit 184,90
8½ Dresdener Bank 149,00
10 Frankf Hypoth.=B. 207,00
6½ Mitteld. Kreditbank 114,25
7 Nationalb. für Deutſchl. 117,50
7 Pfälziſche Bank. . .
122,30
6,95 Reichsbank . . . . . 134,25
7 Rhein. Kreditbank. . .127,10
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 107,40
7½ Wiener Bankverein . 131,75
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17. . . 94,30

2
Srhen
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19. . . . . . . 84,50
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S.1519,2126 93,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 95,00
84,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 97,20
8½
84,20
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
86,60
S. 12, 13, 16 . .
S. 14, 15, 17, 24/26
96,60
1823. . . . . . . . .
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 84,20
S. 25 . . . . . . . . 84,00
S. 911 . . . . . . . 84,10
Meininger Hyp.=Bank 95,00
3½
do.
84,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank 0
(unk. 1917) . . 93,60
3½ do. (unk. 1914) . . 83,30
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 97,7
3½
do.
85,30
Städte=
Obligationen.
-
4 Darmſtadt . . . ..
3½
do.
86,50
4. Frankfurt. . . . . . . 96,50
3½
do.
95,70
Gießen . . .. . .. .
-
3½
do.
Heidelberg . . . . . . 93,00
3½
do.
84,50
4 Karlsruhe . . . . . . 94,50
Zu
do.
85,30
4 Magdeburg. . . . . .
3½
do.
4 Mainz . . . . . . ..
94,50
3½
do.
4 Mannheim . . . . . . 94,00
3½
89,00
do.
4. München .. . . .. . .97,40
3½ Nauheim . . . . . .
Nürnberg. . . . . . . 96,00
3½
do.
83,60
4 Offenbach. . . . . .
2

2
3½ Offenbach . . . . .
4 Wiesbaden . . . . . .
3½ do.
4 Worms. . . .. . . . 93,30
3½
do.
4 Liſſaboner v. 1886 . 76,00
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 179,50
3½ Cöln=Mindner 100 136,00
3 Holl. Komm. . fl. 100 109,50
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.=Pfand=
136,40
briefe . . . .
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 179,50
3 Oldenburger . . . . . . 126,70
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger. . . .
I, 7
Braunſchweiger Tlr. 20 200,00
Freiburger . . . . Fs. 15. 112,00
Mailänder . . . . Fs.45
do. . . . . Fs.10 .
Meininger . . . . . ſl. 7
Oeſterreicherv. 1864fl. 100 570,00
do. v. 1858fl. 100 505,00
Ungar. Staats . . fl. 100 387,28
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 164,80
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Engl. Sovereigns . . . . 20,36
20 Franks=Stücke .. . . 16,14
Amerikaniſche Noten . . . 4,19¼
Engliſche Noten . . . . . 20,40
Franzöſiſche Noten. . . . 80,85
Holländiſche Noten. . . . 168,45
Italieniſche Noten . .
80,30
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,75
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . (80,70
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[ ][  ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. September 1913.

Nummer 229.

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