Abonnementspreis
Inſerafe
176. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
60
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Jaunriertes Anterhattungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
In Gießen fand am Samstag die Einweihung
des neuen Hauſes der Handelskammer für
Gießen, Alsfeld und Lauterbach ſtatt.
Das Marineluftſchiff „L. 2” iſt nach erfolgreicher
Fahrt und auf Grund der Probefahrtergebniſſe von
der Abnahmekommiſſion in den Beſitz der
Ma=
rine übernommen warden.
Der Schnelldampfer „Kronprinzeſſin „
Ce=
eilie” mit der Kronprinzeſſin kehrte von ſeiner
Reiſe nach dem engliſchen Kanal am Samstag
nachmit=
tag nach der Weſer zurück. Der Dampfer kam um 4 Uhr
in Bremerhaven an. Um 4 Uhr 50 Min. reiſte die
Kron=
prinzeſſin im Sonderzuge nach Berlin.
Der König von Griechenland iſt am Freitag
abend in Paris eingetroffen.
Nach dem Austauſch der Inſtrumente des
Friedensver=
trages wird eine türkiſch=bulgariſche
Kom=
miſſion dieneue Grenze zwiſchen Bulgarien und
der Türkei topographiſch beſtimmen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.
Eän
Sy h
Suvmiſſion und Heimarbeit.
Große Mengen behördlicher Aufträge an
Kleidungs=
ſtücken, Wäſche, Stiefeln, Sattlerarbeiten uſw. werden
all=
jährlich ausgegeben. Wollte man die Summen
zuſammen=
zählen, die an Arbeitslöhnen für dieſe Gegenſtände, die
großenteils in Heimarbeit angefertigt werden, von
Mili=
tär=, Poſt=, Polizeibehörden, ſtädtiſchen Krankenhäuſern
und anderen kommunalen Anſtalten gezahlt werden, ſo
würden viele Millionen dabei herauskommen. Dieſe
rie=
ſigen Aufträge können, wenn ſie an die richtige Stelle
ge=
leitet werden und unter Feſtlegung gewiſſer
Arbeits=
bedingungen ausgegeben werden, einen weſentlichen
Ein=
fluß auf die Löhne und Arbeitsbedingungen einer nach
Tauſenden zählenden Arbeiterſchaft ausüben. Da es ſich
bei den genannten Lieferungen zudem vielfach um
weib=
liche, in ungünſtiger wirtſchaftlicher Lage befindliche
Heim=
arbeiter handelt, die aus eigener Kraft nur in beſcheidenem
Umfange die Arbeitsverhältniſſe zu regeln imſtande ſind,
kann die Beeinfluſſung der Submiſſionsbedingungen zu
ihren Gunſten eine ſehr große Bedeutung erlangen; hier
iſt ſie auch beſonders notwendig.
Leider hat das Submiſſionsweſen in der Art, wie es
heute gehandhabt wird, gerade die entgegengeſetzte
Wir=
kung: die Vergebung an den Mindeſtbietenden hat
not=
wendig zur Folge, daß die Löhne auf ein Mindeſtmaß
herabgedrückt werden und vielfach gerade bei behördlichen
Aufträgen beſonders niedrig ſind. Schrieb man doch in
England gerade dem Druck, der bei Militäraufträgen
aus=
geübt wurde, die Entſtehung des Schwitzſyſtems zu. Aus
dieſer Erkenntnis heraus entſtanden die Bemühungen, in
die Lohn= und Arbeitsverhältniſſe bei Submiſſionen
regelnd einzugreifen. Im Dezember 1911 faßte der
Reichs=
tag folgende Reſolution:
„Daß bei Vergebung von öffentlichen Lieferungen, die
in der Hausarbeit hergeſtellt werden, an erſter Stelle
Be=
rufsorganiſationen oder Genoſſenſchaften von
Hausarbei=
tern berückſichtigt werden, im übrigen ſolche
Gewerbetrei=
bende, welche Gewähr leiſten, daß den mit jenen
Lieferun=
gen beſchäftigten Hausarbeitern ſolche Löhne gezahlt
wer=
den, die von den genannten Organiſationen oder
Genoſſen=
ſchaften gezahlt werden oder in Tarifverträgen zwiſchen
Hausarbeiterorganiſationen und Gewerbetreibenden über
Arbeiten gleicher Art vereinbart ſind.”
Damit iſt ein erfreulicher Fortſchritt zu verzeichnen,
der in weiteren Reſolutionen des Reichstages bei
Be=
ratung der Marine=, Militär= und Poſtetats einen
wei=
teren Ausdruck fand. Hier wurde beſchloſſen, „den
Reichs=
kanzler zu erſuchen, anzuordnen, daß die Reichs=Poſt= und
Telegraphenverwaltung bei Vergebung von Lieferungen,
die ganz oder teilweiſe in der Hausarbeit hergeſtellt
wer=
den, 1. die Berufsorganiſationen und Genoſſenſchaften der
Hausarbeiter und =arbeiterinnen berückſichtigt, 2. ſolchen
Lieferanten den Vorzug gibt, die für die in der
Hausarbeit hergeſtellten Arbeiten mindeſtens die von den
Berufsorganiſationen und Genoſſenſchaften der
Haus=
arbeiter und =arbeiterinnen gezahlten Löhne nachweislich
zahlen oder mit den Organiſationen der Hausarbeiter und
=arbeiterinnen Tarifverträge vereinbart haben, oder deren
für Hausarbeit gezahlte Löhne von dem zuſtändigen
Fach=
ausſchuß als angemeſſen bezeichnet ſind”.
Auch eine Reihe von Einzelſtaaten, z. B. Württemberg
und Bayern, haben Verſuche gemacht, die
Arbeitsverhält=
niſſe inſofern zu regeln, als ſie tariftreue Firmen
bevor=
izugen. Nicht minder energiſch iſt eine größere Anzahl von
Städten vorgegangen. Beſonders bemerkenswert iſt die
Klauſel, die die Stadt Würzburg ihren
Lieferungsver=
trägen eingefügt hat. Sie bevorzugt nicht nur die
Fir=
men, welche für die ſpeziell an jenen Lieferungen
beſchäf=
tigten Arbeiter tarifliche Löhne zahlen, ſondern vor allem
diejenigen, welche überhaupt mit ihren Arbeitern in einem
Tarifverhältniſſe ſtehen.
Während ſo in der Allgemeinheit, in leitenden
Regie=
rungskreiſen, aufgeklärten Stadtparlamenten und
Magi=
ſtraten, die Ueberzeugung durchgedrungen iſt, daß auch
öffentliche Körperſchaften „käufermoraliſche”
Verpflichtun=
gen haben, fehlt es doch noch vielfach an der Durchführung
im einzelnen, ja, an der Klarheit über die Methode, die
man anwenden muß, um die genannten Forderungen
be=
ſonders in bezug auf die Heimarbeiter durchzuſetzen. Die
Beſtimmung, daß tarifliche Löhne oder anſtändige
durch=
ſchnittliche, ortsübliche Löhne gezahlt werden, genügt nicht,
wenn ein Gewerbe noch nicht tariflich geregelt iſt. Denn,
wer will in einem ſolchen Falle ſagen, was ortsüblich,
an=
ſtändig oder gerecht iſt! Die Lohnklauſel in dieſer
allge=
meinen Faſſung hat ihren Wert für gut organiſierte
Ge=
werbe, nicht aber für unorganiſierte oder ſchwach
organi=
ſierte Heimarbeiter. Hier müſſen ſtärkere Mittel den Lohn
ſichern. Die engliſchen Erfahrungen weiſen den Weg. Nur
dort, wo man in dem Vertragsſchema die Stücklöhne ſelbſt
feſtlegte, iſt eine wirkliche Beſſerung der Lage der
Heim=
arbeiterſchaft erreicht worden. Daneben kommt ein
wei=
teres Mittel in Frage, die direkte Vergebung durch den
Submittenten ſelbſt an die Arbeiter. Dieſer Weg iſt
viel=
fach beſonders von Militärbehörden eingeſchlagen worden,
die zu beſcheidenen, aber anſtändigen Löhnen Heimarbeit
hauptſächlich an Angehörige von Militärbeamten oder
Unteroffizieren ausgeben. Auch einige Städte, beſonders
die Armenverwaltungen ſind auf dieſe Weiſe vorgegangen
und beſchäftigen eine Anzahl ärmerer Frauen oder Witwen
zu Löhnen, die es dieſen ermöglichen, ohne die ſonſt
not=
wendig werdende öffentliche Unterſtützung auszukommen.
Einen dritten Weg ſieht die oben erwähnte Reſolution des
Reichstages vor: Die Vergebung von öffentlichen
Liefe=
rungen an Genoſſenſchaften von Hausarbeitern. Dieſes
Vorgehen bietet zwar ſeine beſonderen Schwierigkeiten und
iſt nur da gangbar, wo Genoſſenſchaften kapitalkräftig und
unternehmungsluſtig genug ſind, um ſolche Aufträge
aus=
zuführen. Dann aber bringen ſie auch ganz beſondere
Vor=
teile, nicht nur die befriedigende Löſung der Lohnfrage,
ſondern auch eine kräftige Unterſtützung der meiſt ſchwachen
Initiative der Heimarbeiterſchaft. Es werden dadurch
Kräfte ausgelöſt, die der Allgemeinheit letzten Endes zu
gut kommen. Von einer gänzlichen Ausſchaltung des
pri=
vaten Unternehmens wird ſelbſtverſtändlich in abſehbarer
Zeit keine Rede ſein können, und es wird in jedem
ein=
zelnen Fall genau zu erwägen ſein, welches Vorgehen am
zweckmäßigſten iſt. In jedem Fall aber müſſen Staat,
Ge=
meinden, öffentliche Anſtalten ſich ihrer Verantwortung
für die von ihnen beſchäftigten Arbeiter bewußt ſein und
dementſprechend die Lieferungsbedingungen regeln.
Dr. Kaete Gaebel=Berlin.
n hFaf e
Die runſſche Politik.
— Der ruſſiſche Miniſter des Aeußern Saſonow wird
in nächſter Zeit auf Urlaub gehen und die Gelegenheit
be=
nutzen, in Paris vorzuſprechen, um dort mit den leitenden
Stellen zu konferieren. Dieſe Ausſprache tut gründlich
not, da bekanntlich zwiſchen beiden Verbündeten nicht alles
ſo iſt, wie es ſein ſollte. Durch ſeine geographiſche Lage,
wie auch ſeine ganzen Intereſſen iſt Rußland darauf
an=
gewieſen, ſeine Hauptpolitik auf den Balkan und Orient
zu richten. Gerade hier aber gibt es Intereſſengegenſätze
zwiſchen den Angehörigen des Dreiverbandes, und die
letz=
ten Wirren haben ja auch auf das deutlichſte gezeigt, daß
alle ſchönen Vereinbarungen ein beſchriebenes Stück
Pa=
pier bleiben, wenn jeder ſeinem Vorteil nachgehen will.
Dieſe Erfahrung mag gelegentlich der Kawalafrage die
Herren an der Newa recht peinlich berührt haben, und man
wird dort gut tun, für künftige Fälle ſich entſprechend
ein=
zurichten.
In Petersburg gibt es ruſſiſche Diplomaten, die von
einem beſonders intenſiven Auftreten Rußlands in Europa
wenig wiſſen wollen, ſondern die Anſicht vertreten, den
Schwerpunkt der Außenpolitik ganz und gar nach Aſien
zu verlegen. Gewiß läßt es ſich nicht leugnen, daß der
ſla=
wiſche Gedanke während des Balkankrieges wieder hell
auf=
flatterte und daß die Herrſchaften den Mund recht voll
nah=
men, um die leitenden Kreiſe in ihrem Sinne zu
beein=
fluſſen, andererſeits zeigte ſich aber, daß die Balkanſtaaten
ſelbſt von dieſer panflawiſtiſchen Richtung berzlich wenig
wiſſen wollten und eine Führung Rußlands direkt
ablehn=
ten. Eine Folge dieſes Standpunktes war das Scheitern
der Petersburger Verſtändigungskonferenz, die man an
der Newa im Intereſſe des ruſſiſchen Ruhmes gern geſehen
hätte.
Wenn man in gewiſſen ruſſiſchen Kreiſen auf eine
Be=
tätigung in Europa minder Wert legen will, ſo geht man
dabei auch von der Erwägung aus, daß man auf dem
Bal=
kan ſchließlich doch einmal zu einem Zuſammenſtoß mit
Oeſterreich=Ungarn kommen müſſe, deſſen Intereſſen dort
weit größer ſind, als die ruſſiſchen. Ein bekannter
ruſ=
ſiſcher Diplomat, Baron von Roſen, hat vor einer Reihe
von Jahren eine Denkſchrift verfaßt, die jetzt in einer
fran=
zöſiſchen Zeitſchrift veröffentlicht wird und die für eine
Verlegung des Schwergewichts der ruſſiſchen Politik nach
Aſien eintritt. Auch von einer Eroberung Konſtantinopels
verſpricht ſich der Diplomat wenig und vertritt die Anſicht,
daß eine Neutraliſierung der Dardanellen wie diejenige
des Suezkanals vollſtändig ausreichend ſei. Auch für ein
Zuſammengehen mit England hat der genannte Diplomat
wenig übrig, er befürwortet einen Dreibund, der ſich aus
Rußland, Frankreich und Deutſchland zuſammenſetzt. Dieſe
Konſtellation wäre zweifellos die geeignetſte, den
Welt=
frieden zu erhalten, für abſehbare Zeit dürfte dieſer
Ge=
danken aber eine ſchöne Utopie bleiben. Der Vorſchlag
des Barons von Roſen mag an und für ſich ein recht
be=
achtenswerter ſein, in die Praxis dürfte er aber kaum
um=
geſetzt werden, und man wird daher mit einer Fortſetzung
der bisherigen Außenpolitik Rußlands zu rechnen haben.
Ob freilich Rußland ſelbſt dabei ſo gut fährt, ſteht dahin,
die Fehlſchläge der letzten Monate müßten den
Macht=
habern an der Newa eine deutliche Mahnung ſein.
E
Deutſches Reich.
— Altersgrenze und Altersrente. Dem
Reichstag wird, wie mitgeteilt, noch in dieſem Jahre eine
Denkſchrift zugehen über die Erhebungen zur Frage der
Herabſetzung der Altersgrenze für den Bezug der
Alters=
rente. Nach dem Einführungsgeſetz zur
Reichsverſiche=
rungsordnung hat der Bundesrat im Jahre 1915 die
geſetz=
lichen Vorſchriften über die Altersgrenze dem Reichstag
zur erneuten Beſchlußfaſſung vorzulegen. Zur
Vorberei=
tung für die Entſchließungen des Bundesrates wurde ein
Ausſchuß aus Regierungsvertretern und Sachverſtändigen
gebildet, auf deren Veranlaſſung eine Auszählung
ſämt=
licher Verſicherungskarten in den Altersklaſſen vom 60. bis
zum 65. Lebensjahr von den Landesverſicherungsanſtalten
vorgenommen wurde. Auf dieſe Weiſe wurde ermittelt,
wieviel Verſicherte in jeder Altersklaſſe vorhanden ſind, die
bei einer Herabſetzung der Altersgxenze auf 60 Jahre
An=
ſpruch auf den Bezug der Altersrente hätten. Auf Grund
dieſer Auszählungen hat man die Belaſtung durch die
Herabſetzung auf insgeſamt jährlich 13¾ Millionen Mark
errechnet. Daraufhin wurde angenommen, daß die
Ange=
legenheit damit bereits endgültig geklärt ſei. Dieſe
An=
nahme iſt jedoch nicht zutreffend. Denn die bei der
Aus=
zählung der Altersklaſſen gewonnenen Zahlen bedürfen zu
ihrer richtigen Bewertung einer ſachverſtändigen
Nachprü=
fung, die inzwiſchen von der zuſtändigen Stelle ausgeführt
iſt. Das Ergebnis dieſer Nachprüfung wird in der für den
Reichstag beſtimmten Denkſchrift niedergelegt werden, die
die Unterlage für die Entſcheidung des Reichstages bilden
dürfte, ob die Herabſetzung der Altersgrenze ſtattfinden
ſoll.
Ein deutſches Reichs=Armengeſetz,
Der am 25. und 26. September in Stuttgart ſtattfindende
deutſche Armenpflege=Kongreß wird durch einen
Geſamt=
bericht vorbereitet, der ſoeben als 100. Heft der Schriften
des Deutſchen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit
(München, Duncker u. Humblot) erſchienen iſt und in
ſie=
ben Einzelberichten die Grundlagen und Richtlinien eines
deutſchen Reichsarmengeſetzes aufzeigt. Die Regelung der
Aufgaben der öffentlichen Armenpflege, die Schaffung
leiſtungsfähiger Verbände, die Durchführung eines
poli=
zeilichen Arbeitszwanges für Arbeitsſcheue und ſäumige
Nährpflichtige, die Regelung der Fürſorge für wandernde
Arbeitsloſe, die Auſſtellung einheitlicher, die
Erſtattungs=
pflicht der Armenverbände regelnder Tarife, die
Durch=
führung einer Aufſicht über die öffentliche Armenpflege
und die Regelung der Rechtſprechung bilden den Inhalt
der wertvollen Einzelberichte, die über den augenblicklichen
Zweck der Vorbereitung eines Reichsarmengeſetzes hinaus
ein wichtiges Quellenwerk biſden.
— Abänderung des Wechſelrechts. Ein
Entwurf zur Abänderung des geltenden deutſchen
Wechſel=
rechts iſt im weſentlichen bei den zuſtändigen Reſſorts
fertiggeſtellt und dürfte in nicht ferner Zeit dem Bundes=
Seite. 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. September 1913.
Nummer 222.
rat zugehen, ſo daß der Reichstag ſich im Laufe der
näch=
ſten Tagung mit ihm beſchäftigen kann. Die Vorlage ſieht
auf der Grundlage der geſchloſſenen internationalen
Ver=
einbarung über das Wechſelrecht eine Abänderung des
gel=
tenden deutſchen Wechſelrechts vor, das in ſeinen
Beſtim=
mungen den neuen Vorſchriften angepaßt iſt.
— Die Haftpflicht der Eiſenbahnen.
Ueber den Entwurf über die Haftpflicht der Eiſenbahnen,
der dem Bundesrat vorliegt, und im Winter dem
Reichs=
tag zugehen wird, wird folgendes mitgeteilt: Der
Ent=
wurf regelt die Haftpflicht von Perſonen= und Sachſchäden
für alle Arten von Eiſenbahnen, und unterſcheidet hierbei
Eiſenbahnen mit eigenem Bahnkörper und Straßenbahnen
ohne dieſen. Für letztere ſind wegen der ſtärkeren
Kolli=
ſionsgefahr die Haftpflichtbeſtimmungen gemildert, ſie
entſprechen den Beſtimmungen des
Automobilhaftpflicht=
geſetzes, während für Eiſenbahnen mit eigenem Bahnkörper
die Beſtimmungen des Reichshaftpflichtgeſetzes mit
Berück=
ſichtigung der beſonderen Verhältniſſe maßgebend ſind.
Die eigentlichen Straßenbahnen, die eigentlich Kleinbahnen
ſind, konnte man in dieſem Geſetz als ſolche nicht behandeln,
wollte man ſie nicht ungebührlich hoch belaſten. Man ſuchte
deshalb die ſchweren Bedingungen des
Reichshaftpflicht=
geſetzes zu mildern, in der Erwägung, daß Straßenbahnen
im Stadtbetriebe als Eiſenbahnen nicht angeſehen werden,
und die größere Anzahl von Zuſammenſtößen auf das
Schuldkonto anderer Wagenführer geſetzt werden muß. Bei
der Haftpflicht wird die Straßenbahn den Automobilen
gleich geachtet, obwohl die Möglichkeit, Unfällen
vorzubeu=
gen, bei einer Schienenbahn viel beſchränkter iſt.
Wün=
ſchenswert erſcheint aber, nunmehr auch die
Straßen=
bahnen in anderer Beziehung ihres Charakters als
Klein=
bahnen zu entkleiden, und Zuſammenſtöße mit ihr nicht
für andere Wagenführer als „Gefährdung eines
Bahn=
transportes” zu behandeln. Dies ließ ſich im Rahmen
des Haftpflichtgeſetzes jedoch nicht erreichen.
— Die Mitglieder der
nationallibera=
len Reichstagsfraktion kommen am 4. und
5. Oktober in Wiesbaden zuſammen. Trägt auch die
Zu=
ſammenkunft, ebenſo wie diejenige des Vorjahres in
Hei=
delberg, in erſter Linie geſelligen Charakter, ſo werden die
Abgeordneten doch die Gelegenheit zu einer Ausſprache
über die Fragen, die im kommenden Winter den Reichstag
beſchäftigen oder ſonſt im Vordergrund des politiſchen
Intereſſes ſtehen, benützen. Neben der auswärtigen Lage
werden beſonders Fragen der Wirtſchaftspolitik, die durch
die bevorſtehende Erneuerung der Handelsverträge
aufge=
worfen ſind, Anlaß zu Erörterungen geben, weiterhin die
Frage des Arbeitswilligenſchutzes, die ja Induſtrie und
Gewerbe lebhaft beſchäftigt, über die aber doch in weiten
Kreiſen große Unklarheit herrſcht. Auch die für die
Win=
tertagung angekündigten neuen Vorlagen dürften geſtreift
werden.
— Die chemiſche Induſtrie und die
Weltausſtellung in San Franzisko. Der
Verein zur Wahrung der Intereſſen der chemiſchen
Indu=
ſtrie Deutſchlands faßte in ſeiner Hauptverſammlung in
Hamburg u. a. folgenden Beſchluß: „Da durch die
Be=
ſchickung von Weltausſtellungen für die chemiſche Induſtrie
Ergebniſſe, die den hohen Unkoſten auch nur einigermaßen
entſprechen, nicht zu erwarten ſind, ſo hat der
überwie=
gende Teil der deutſchen chemiſchen Induſtrie ſich bereits
ſeit einer Reihe von Jahren an derartigen Veranſtaltungen
nicht mehr beteiligt. Auch hinſichtlich der Beteiligung an
der Weltausſtellung in San Franzisko lagen keine Gründe
vor, die die chemiſche Induſtrie, die die große
wirtſchaft=
liche Bedeutung der Eröffnung des Panamakanals nicht
verkennt, zu einer Aenderung ihrer Stellungnahme hätten
veranlaſſen können.”
— Zur Thronfolgefrage in
Braun=
ſchweig ſchreiben die Braunſchweiger Neueſten
Nachrich=
ten: Wir haben die Erlaubnis zur Veröffentlichung
fol=
gender, aus den Vertrauenskreiſen der Nächſtbeteiligten
ſtammenden Erklärung erhalten: Zwiſchen der preußiſchen
Regierung und dem Hofe in Gmunden werden allerdings
noch diesbezügliche Verhandlungen gepflogen. Deshalb
hat die braunſchweigiſche Regierung auf Veranlaſſung
Preußens beim Bundesrat noch nicht den Antrag auf
Auf=
hebung der Sperrbeſchlüſſe vom 2. Juli 1885 und 28.
Fe=
bruar 1907 geſtellt. Keineswegs aber haben jene
Verhand=
llungen den Verzicht des Prinzen Ernſt Auguſt von Cum=
berland auf Hannover zum Ziele. Die Grundlage der
be=
vorſtehenden Bundesratsverhandlungen bildet der Brief
Sr. Hoheit des Prinzen Ernſt Auguſt vom 20. April. Nach
vorausſichtlicher Erledigung des Bundesratsbeſchluſſes im
Oktober iſt der Einzug des Prinzen als Herzog in
Braun=
ſchweig im November vorgeſehen.
Ausland.
Frankreich.
Der Beſuch des Königs Konſtantin.
An=
läßlich der Ankunft des Königs Konſtantin beſchäftigen
ſich verſchiedene Blätter von neuem mit der Potsdamer
Rede. Mehrfach wird darauf hingewieſen, daß Tag und
Stunde der Ankunft geheim gehalten worden ſeien und
König Konſtantin den Bahnhof unbemerkt durch die
Ge=
päckhalle verlaſſen habe. Der Matin meint, der jüngſte
Trauerfall in dem griechiſchen Königshauſe bilde keinen
genügenden Grund für dieſe Eskamotage. Man habe dem
König nach ſeiner unglücklichen Potsdamer Rede der
Neu=
gierde des Publikums entziehen wollen. Gewiß, die Worte
des Königs hätten in Frankreich berechtigte
Unzufrieden=
heit hervorgerufen, aber das franzöſiſche Volk ſei zu
rit=
terlich, als daß es dem Oberhaupt einer befreundeten
Na=
tion, deſſen Regierung alles getan habe, um die
unglück=
lichen Worte vergeſſen zu machen (!), einen ſchlechten
Emp=
fang bereiten ſollte. Es wäre paſſender geweſen, ſich auf
den Takt des franzöſiſchen Volkes zu verlaſſen, als ſeine
Leidenſchaften zu fürchten. — Der Petit Pariſien ſchreibt:
Wir verlangen gewiß nicht, daß unſere Leſer dem König
Konſtantin eine Begeiſterung entgegenbringen, die ihrem
Herzen fern liegt, aber es gibt einen Ruf, in den jeder
einſtimmen kann, der Ruf: „Es lebe Griechenland!”—
Es heißt, daß die Mitglieder der chauviniſtiſchen
Patrio=
tenliga beabſichtigt haben, gegen den König Konſtantin
eine Kundgebung zu veranſtalten. Der Präſident dieſer
Liga, Déroulede, richtete an den Generalſekretär der
Ver=
einigung ein längeres Telegramm, in dem er dringend
vor jeder feindſeligen Kundgebung gegen den König
Kon=
ſtantin warnt; es wäre ſonſt zu fürchten, daß dann ſelbſt
die unzufriedenſten Offiziere und die verſtändigſten
Staats=
männer Griechenlands ſich notgedrungen um das
Königs=
paar ſcharen, wenn die Pariſer Patrioten Miene machten,
den Schützling Kaiſer Wilhelms auszuziſchen.
Spanien.
Poincarés Beſuch in Spanien. Die
ſpa=
niſchen Behörden treffen umfaſſende Vorbereitungen für
einen feierlichen Empfang des Präſidenten Poincaré. Bei
ſeiner Ankunft im Hafen von Karthagena wird er von
einem aus drei Panzerkreuzern, ſechs Kreuzern, drei
Tor=
pedobootszerſtörern und ſechs Torpedobooten beſtehenden
Geſchwader begrüßt werden. Präſident Poincaré wird
in San Sebaſtian Aufenthalt nehmen, wo ihn die
fran=
zöſiſche Kolonie feſtlich begrüßen wird.
Türkei.
Das türkiſch=franzöſiſche Abkommen.
Dſchavid teilte einem Ausfrager Einzelheiten über das
türkiſch=franzöſiſche Abkommen mit und bemerkte dabei:
Nur an Frankreich müſſen wir uns anlehnen, nur bei ihm
finden wir ein Mittel, um die Türkei zu einem modernen
Staate zu machen. Ich trete für eine vollkommene
Ver=
ſtändigung mit Frankreich auf politiſchem und
wirſchaft=
lichem Gebiete ein. Darin allein liegt unſer Heil.
Dſcha=
vid iſt entzückt von dem Wohlwollen Pichons und dem
Entgegenkommen der Pariſer Hochfinanz.
Mexiko.
Das Kriegsgericht, das die Unterſuchung über
den Tod des Expräſidenten Madero und des
Vizepräſiden=
ten Suarez führt, die im Februar, während ſie in das
Ge=
fängnis geführt wurden, erſchoſſen wurden, iſt zu dem
Ergebnis gekommen, daß eine ſtrafbare Handlung nicht
vorliegt.
Japan.
Die kaliforniſche Frage. Der japaniſche
Botſchafter in Waſhington, Chinda, hat ſich
auffallender=
weiſe bei dem Präſidenten Wilſon angemeldet, obwohl der
Botſchafter bisher die Verhandlungen in der kaliforniſchen
Frage, die noch immer der Regelung harrt, mit Mr.
Bryan geführt hat. Später erfuhr man, daß der japaniſche
Diplomat die Nutzloſigkeit ſeiner Bemühungen eingeſehen
hat, die japaniſch=amerikaniſchen Verhandlungen mit Bryan
weiterzuführen. In der Unterredung mit Wilſon
legte der Botſchafter die Notwendigkeit dar, daß die
Ver=
einigten Staaten ihre bisherige gleichgültige Haltung in
der kaliforniſchen Frage aufgeben müßten. Chinda hat
in den letzten Tagen drei Beſprechungen mit Bryan
ge=
habt, die alle nach kurzer Zeit wieder abgebrochen wurden.
* Die Einfuhr von Fleiſch aus dem
Aus=
lande. Angeſichts des fortdauernd außerordentlich hohen
Standes der Fleiſchverkaufspreiſe hatte der Stadtrat von
Karlsruhe neuerdings beim Miniſterium des Innern
Vorſtellungen erhoben mit der Bitte, beim Reichskanzler
die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Einfuhr
von Schlachtrindern aus Holland zu
erwir=
ken. Als Antwort auf die Eingabe teilt das Miniſterium
ein Schreiben des Reichskanzlers mit, worin die
Stadt=
gemeinde unter Bezug auf die ablehnende Stellungnahme
des preußiſchen Miniſteriums für Landwirtſchaft,
Domä=
nen und Forſten auf die Einfuhr von Rindfleiſch
aus Rußland oder den Niederlanden
hinge=
wieſen wird. Nach dem Erlaß des preußiſchen
Land=
wirtſchaftsminiſteriums iſt dieſes nach den Erfahrungen,
die im letzten Winter mit der holländiſchen
Rindviehein=
fuhr gemacht wurden, zu ſeinem Bedauern nicht in der
Lage, dem Antrag auf Wiederzulaſſung der Einfuhr die
Genehmigung zu erteilen, weil die Einſchleppung der
Seuche befürchtet werden müſſe, die Vieheinfuhr aus
Holland zu einer Senkung der Preiſe im Inlande
vor=
ausſichtlich nicht oder nur unvollkommen führen werde
und überdies die Frage der weiteren Entwickelung der
Fleiſchpreiſe nicht ſo ungünſtig zu beurteilen ſei (!), wie
dies ſeitens der Karlsruher Stadtgemeinde geſchehe.
Dem=
gegenüber vertritt der Karlsruher Stadtrat den
Stand=
punkt, daß aus dem gegenwärtigen, nach den amtlichen
Veröffentlichungen bekannt gewordenen Seuchenſtand in
Holland die Gefahr der Verſchleppung der Seuche aus
Holland bei Einhalung der erforderlichen
Vorſichtsmaß=
nahmen ſo gut wie ausgeſchloſſen iſt, daß nach den
Er=
fahrungen und nach neuerlichen Erkundigungen eine
Herabminderung der Preiſe durch die Einfuhr von
leben=
dem Vieh aus Holland mit großer Wahrſcheinlichkeit
er=
wartet werden darf, während bei der Einfuhr von Fleiſch
aus dem Auslande, die bereits ſchon ſeit längerer Zeit
aufgenommen worden iſt, dieſer Erfolg ausbleiben wird,
und daß, wenn nicht bald für Abhilfe auf dem
angegebe=
nen Wege Sorge getragen wird, mit Sicherheit ein
wei=
teres Anziehen der Fleiſchpreiſe zu befürchten ſteht. Der=
Stadtrat beſchloß deshalb, den Vorſtand des Deutſchen
Städtetages um weitere Schritte zur Wiederermöglichung
der holländiſchen Vieheinfuhr zu erſuchen.
* Die Volksernährung und der Wald=
Man ſchreibt uns: In der Zeitſchrift Das Land dem=
Organ des Deutſchen Vereins für ländliche Wohlfahrts=
und Heimatpflege, regt Voelker=Eisleben an, alle
geeig=
neten Hänge der bewaldeten Hügel= und Bergketten mit
Beerenſträuchern zu beſetzen und in den Forſten nach
Mög=
lichkeit eßbare Pilze anzuſiedeln. Dieſe Anregung
ver=
dient die Beachtung aller beteiligten Faktoren. Denn
grö=
ßere Erträge an Heidelbeeren, Erdbeeren, Himbeeren und
Brombeeren würden nicht nur wegen der erhöhten
Obſt=
preiſe den Verbrauchern äußerſt willkommen ſein — man
denke beiſpielsweiſe nur an die verhältnismäßig
enor=
men Preiſe, die in Berlin für Walderdbeeren bezahlt
wer=
den müſſen — ſondern es würden auch die Sammler
jener Beeren guten Verdienſt und die Beſitzer der
be=
treffenden Waldungen eine ſchätzenswerte Nebeneinnahme
haben. Von den Pilzen gilt das gleiche, wie von den
Beeren. Auch ſie müſſen häufig ſehr teuer bezahlt
wer=
den; ihre Verbilligung aber liegt darum im Intereſſe
weiter Volkskreiſe, weil ſie außerordentlich nahrhaft ſind
und zu einem nicht geringen Grade die Einſchränkung des
Fleiſchverbrauches geſtatten. Ein planmäßiges Vorgehen
nach beiden Richtungen könnte um ſo größere Erfolge
erzielen, als bisher die Beeren= und Pilzzucht wohl nur
zum kleinen Teil rationell betrieben worden iſt
* Telegraphiſcher Zeitungsdienſt nach
der deutſchen Südſee. Die in voriger Woche aus=
Rabaul eingetroffenen Nummern des Amtsblattes
für=
das Schutzgebiet Deutſch=Neuquinea bringen zum erſten
Male einen ausgedehnten, ſpaltenlangen telegraphiſchen
Berliner Nachrichtendienſt. Die Telegramme wurden von
der Karolinen=Inſel Jap durch Vermittelung eines im
Hafen liegenden, mit drahtloſer Telegraphie
ausgeſtatte=
ten Dampfers nach der Hauptſtadt des Schutzgebietes
über=
mittelt. Nach Fertigſtellung der Station für drahtloſe
Telegraphie wird Rabaul einen regelmäßigen
telegraphi=
ſchen Nachrichtendienſt erhalten.
HB. Sinclairs Urteil über England und
Deutſchland. Daily Scetch veröffentlicht eine
Unter=
reduna mit Upton Sinclair, dem Verfaſſer des berühmten
Romans aus den Chikagoer Schlachthäuſern. „Der
Sumpf”. Sinclair ſagt: Die oberen Klaſſen in England
gehören zu den beſtgenährteſten, beſtgepflegten, intelligen=
Aus neuen Briefen von Blücher
und Gneiſenau.
C Einige ergreifende Briefe aus jener Zeit, da der
Gedanke der Befreiung in den beſten Geiſtern wie ein
loderndes Flammenzeichen aufgegangen war, werden in den
bei E. S. Mittler erſchienenen und von Friedrich Meuſel
herausgegebenen Politiſchen Schriften und Briefen des
Oberſten F. A. L. von der Marwitz mitgeteilt. Dieſer
märkiſche Edelmann, ſelbſtändige Politiker und tapfere
Soldat, deſſen kriegeriſche Ruhmestaten in den Kämpfen
bei Hagelberg und Braunſchweig gerade jetzt ihre 100
jäh=
rige Wiederkehr erleben, ſtand mit den bedeutendſten
Per=
ſönlichkeiten im Briefverkehr und hat ſo auch von Blücher
und Gneiſenau in jener ſchickſalsreichen Epoche der
Vor=
bereitung zu den großen Taten wichtige Schreiben
erhal=
ten. „Uebrigens verzweiffle ich noch nicht, mein liber
Freund” ſchreibt ihm Blücher am 12. Sept. 1809, „daß
unſer deutſches vaterland gerettet werden kan; es wird
aber und muß mit Feuer angegriffen werden; ich tuhe
Re’dlich das meinige, und der König erheld nicht ruhe
von meine ſeitten, bis er ſich entſchliſt, oder mich entleſt,
auf beides bin vorbereittet; bin ich erſt loß, ſo kan ich
als ein freier man über mein bißchen Ich Disponiren.”
Auch Gneiſenau läßt im Augenblick der tiefſten
Knech=
tung ſich den Mut nicht brechen. Von der äußerſten Grenze
Preußens, von Memel, wohin er mit dem König
gegan=
gen, ſchreibt er am 11. Dezember 1807 an Marwitz: „Wir
ſind geſchlagen, gebeugt, gedemüthiget, beraubt und
ver=
armt, ſitzen hier in einem elenden Neſte ohne Hoffnung,
haben auch in dem günſtigſten Fall, die Ausſicht, nur mit
ban gräßten Anſtrengungen einen geſunkenen Staat in
einer ſchwankenden Exiſtenz zu erhalten, und dennoch,
ſoll=
ten Sie es glauben, ſind die Intriguen im vollen Gange.
Der König ſieht durch dieſes Gewebe, hat aber
Gutmüthig=
keit genug, nicht darein zuſchlagen. Ich miſche mich in
nichts, verlange nichts weiter, als mit halbem Solde
ab=
zutreten, unter der Bedingung, im Kriege wieder gebraucht
zu werden; ich ſehne mich hinweg aus dieſer Sphäre, allein
man begreift mich nicht.”
Am 4. Oktober 1808 ſchreibt Gneiſenau von
Königs=
berg „mit erſtarrten Fingern” an den Freund, der ſich mit
einem Anliegen an ihn gewandt hatte: „Ueberdem, mein
Freund, haben Sie ſich an mir einen ſchlechten Fürſprecher
gewählt, denn ich bin von Zeit zu Zeit in einer halben
Ungnade, und nur meine Unabhängigkeit und mein
dar=
aus hervorgehender guter Wille, erhält mich noch, denn
ſonſt würden meine ſo zahlreichen Feinde längſtens einen
vollſtändigen Sieg über mich erhalten haben. So aber
weiß man, daß man mir einen Gefallen erweiſt, wenn
man mich vom Hofe entfernt, und vielleicht eben deswegen
behält man mich in deſſen Nähe. Aller ungünſtigſten
Kon=
ſtellationen ungeachtet laſſe ich dennoch die Hoffnung nicht
ſinken. Es kann noch alles ſehr gut werden, und, daß es ſo
werde, habe ich meine Hoffnung mit auf Sie, mein Freund,
gerichtet.” Aus gezwungener Untätigkeit fragt er dann
am 29. Oktober 1810 von ſeinem Landgute Mittel=
Kauf=
fung aus bei Marwitz an: „Hat man Ihnen nicht auch
ge=
ſagt, daß mir große Güter geſchenkt worden ſeien?
Glau=
ben Sie nicht ein Wort davon. Ich habe Nichts, und ſogar
hat man mir meine Amtshauptmannſchaft genommen.
Ich beklage mich nicht und werde mich beſtreben, nach
andern Planen zu leben und mit einem beſchränkten
Ein=
kommen mich zu begnügen. Einige Kenntnis des
Welt=
laufs hat ſich mir aufgedrungen und wie könnte ich
ver=
langen, eine Ausnahme zu ſeyn?”
Feuilleton.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Eineneue Oper Humperdincks. Die neut
Oper Humperdincks, nach einem Text von Robert Miſch,
hat nun endlich ihren endgültigen Titel erhalten: „Die
Marketenderin, eine deutſche Spieloper in zwei
Auf=
zügen” Wie die Firma Adolf Fürſtner, Berlin=Paris,
mitteilt, ſpielt der erſte Akt im November 1813 in
Blü=
chers Hauptquartier zu Höchſt a. M., der letzte in der=
Silveſternacht 1813/14 in Kaub. Den Hintergrund der
Handlung beider Akte bildet der Vormarſch der
ſchleſi=
ſchen Armee nach der Schlacht bei Leipzig und Blüchers
Rheinübergang bei Kaub. Blücher ſelbſt und Gneiſenau
ſind Sprechrollen, die elſäſſiſche Marketenderin (Sopran),
Blüchers Stabskoch (Tenor) und ein urberliner
Feld=
webel (Baßbuffo) dagegen ſind die Vertreter der
Ge=
ſangspartien der Spielover und die eigentlichen Träger
der Handlung. Meiſter Humperdinck legt ſoeben die letzte
Hand an die Inſtrumentation des Werkes, das
voraus=
ſichtlich noch in dieſer Saiſon ſeine Uraufführung erleben
wird.
C) Die Vollendung des Wildenbruch=
Denkmals für Weimar. Der Bildhauer Richard
Engelmann hat nunmehr, wie die Kunſtchronik berichtet,
das Denkmal für Ernſt von Wildenbruch vollendet, das
gegenüber der Weimarer Fürſtengruft aufgeſtellt werden
ſoll. Der Künſtler, der auf das übliche realiſtiſche
Por=
trätſtandbild verzichtet, gibt auf hohem Sockel den ſchön
bewegten Umriß einer edel gebildeten nackten
Jünglings=
geſtalt, deren, Haupt einen antikiſierenden Helm trägt,
Die Rechte faßt kampffroh nach dem Schwert, während
Nummer 222.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. September 1913.
Seite 3.
teſten der Welt, aber die armen Klaſſen ſind die elendeſten
der Welt. Ich habe in den zwei Jahren meines Londoner
Aufenthaltes genug davon geſehen. Schwächlinge, die
nicht richtig gehen können, häßlich von Geſicht, ohne
Le=
benskraft. Ich habe eure Regimenter in England,
Bermu=
das und Halifax beobachtet und ſagte mir, daß, wenn ihr
mit dieſen Soldaten in den Krieg ziehen wolltet, ihr
Schlimmes erleben werdet. Ich kenne auch Deutſchland
ſehr genau und zögere deshalb nicht, zu behaupten, daß
eure Arbeiter und Soldaten keinen Vergleich mit den
deut=
ſchen aushalten können, weil ſich die deutſchen beſſerer
Fürſorge erfreuen. In der deutſchen Regierung lebt doch
noch der Geiſt Friedrichs des Großen, der dem
kapitaliſti=
ſchen Syſtem nicht hold iſt, der Seele und Körper der
Maſſen zerſtört. Deutſchland weiß, daß der Tag kommt,
wo es kämpfen muß.
* North=Foreland, 19. Sept. Funkſpruch an
Bord des Lloyddampfers „Kronprinzeſſin Cecilie‟ Die
Fahrt des Schnelldampfers „
Kronprin=
zeſſin Cecilie” des Norddeutſchen Lloyds mit der
Kronprinzeſſin an Bord verlief bei ſchönſtem Wetter
pracht=
voll. Bei dem geſtrigen Diner hieß der Präſident des
Norddeutſchen Lloyd, Konſul Achelis, die Kronprinzeſſin
im Namen des Norddeutſchen Lloyds willkommen und
dankte ihr für die wiederholten Beſuche an Bord ihres
Patenſchiffes, ſowie für ihre Bereitwilligkeit, die Taufe
des auf der Schichauwerft in Danzig in Bau befindlichen
großen Lloyddampfers am 11. Dezember ds. Js.
vorzu=
nehmen. Den Höhepunkt bildete heute nachmittag die Fahrt
um die Inſel Wight, deren landſchaftliche Schönheiten
deutlich hervortraten. Um 3.30 Uhr nachmittags wurde
Needles paſſiert und darauf die Rückreiſe angetreten.
* Bern, 19. Sept. Die Kommiſſion der
internationalen Arbeiterſchutzkonferenz
gelangte zu folgenden Ergebniſſen: Für Frauen ohne
Unterſchied des Alters und für Jugendliche bis zum 16.
Jahre ſoll das Prinzip des Zehnſtundentages gelten.
Nachtarbeit der Jugendlichen unter 14 Jahren ſoll
aus=
nahmslos für Jugendliche bis zum 16. Jahre im
Prin=
zip verboten ſein. Der Entwurf der Vereinigung für
Arbeiterſchutz hat je eine Altersgrenze von 18 ſtatt 16
Jahren vorgeſehen. Die Kommiſſion, betreffend
Nacht=
arbeit für Jugendliche, verhandelt zurzeit über die
In=
duſtrie, für welche das Inkrafttreten des
Nachtarbeits=
verbotes hinausgeſchoben werden ſoll. Die Kommiſſion
beendet ihre Arbeiten erſt am Montag vormittag. Am
Montag nachmittag findet eine Plenarſitzung ſtatt zur
Entgegennahme des Berichtes des Vorſitzenden der
Kom=
miſſion für den Zehnſtundentag für Frauen und
Jugend=
liche. Der Kommiſſionsbericht, betreffend Nachtarbeit,
wird in der Plenarſitzung am Dienstag erſtattet
wer=
den. Am Mittwoch wird die Redaktion des Protokolls
vorgenommen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 22. September.
Der neue Winterfahrplan der Straßenbahn.
— Vor uns liegt der neue Winterfahrplan der
Stra=
ßenbahn, welcher am 1. Oktober in Kraft tritt. Aus
dem=
ſelben geht hervor, daß auf allen Linien innerhalb der
Stadt ab Schloß morgens 7.45 Uhr bis abends 8.45 Uhr
der 7½=Minutenbetrieb anhält. Als erhebliche
Verkehrs=
verbeſſerung iſt zu erwähnen, daß die bisher am
Herd=
weg aufhörende Linie 1 nunmehr durchweg bis zur
Ohly=
ſtraße geführt wird. Intereſſant iſt, daß durch dieſe
Ver=
längerung, welche die Einnahme der Linie nicht erhöhen
wird, jährlich etwa 20 150 Wagenkilometer mehr gefahren
werden, was einer Betriebs=Mehrausgabe von zirka 5690
Mark entſpricht.
Der Winterfahrplan enthält folgende Linien:
1. Hauptbahnhof-Ohlyſtraße;
2. Hauptbahnhof-Böllenfalltor;
3. Hauptbahnhof-Landskronſtraße;
4. Schloß — Eliſabethenſtraße-Hauptbahnhof-
Dornhei=
mer Weg-Bismarckſtraße=Ecke Wendelſtadtſtraße;
7. Faſanerie-Heidelberger Straße=Ecke Landskronſtraße;
8. Taunusſtraße-Heidelberger Straße=Ecke
Landskron=
ſtraße;
9. Oſtbahnhof-Schloß-Mathildenplatz —
Schloßgarten=
platz.
Der Fahrplan der letztgenannten Linie und der Strecke
Hauptbahnhof-Dornheimer Weg tritt jedoch erſt nach
Fertigſtellung der Gleisarbeiten in Kraft und wird
vor=
läufig die bisherige Linienführung über den alten
Bahn=
hof beibehalten. Beſonderen Wert legt der neue Winter=
fahrplan auf die Anſchlüſſe der einzelnen Linien
anein=
ander an den Umſteigeplätzen. Die von der Faſanerie
an=
kommenden Wagen ermöglichen ein ſofortiges Umſteigen
in Linie 3 nach dem Hauptbahnhof und Linie 9 zum
Oſt=
bahnhof und umgekehrt. Ebenſo iſt ein Umſteigen von
Linie 7 und 8 in Linie 4 zum Hauptbahnhof ermöglicht,
wie auch die Wagen der Linie 4 vor dem Abfahren der
Wagen der Linien 7 und 8 zur Faſanerie am Schloß
an=
kommen. Ferner haben die Wagen der Linien 3 und 9
am Schloß direkt Anſchluß zum gegenſeitigen Umſteigen.
An der Neckarſtraße, Ecke Rheinſtraße, haben die Wagen
der Linie 4 vom Hauptbahnhof direkt Anſchluß an die
Wagen der Linie 7 zur Heidelberger Straße und
umge=
kehrt. Ecke Wendelſtadt= und Bismarckſtraße iſt die
ſofor=
tige Umſteigemöglichkeit von den vom Hauptbahnhof
kom=
menden Wagen der Linie 4 in die zum Schloßgartenplatz
fahrenden Wagen der Linie 9 vorhanden, und umgekehrt.
Der letzte Wagen ab Hauptbahnhof 1.00 Uhr hat Anſchluß
an den von Heidelberg eintreffenden Eilzug und den von
Mainz kommenden Perſonenzug 12.59 Uhr an
Hauptbahn=
hof. Auch die Abfahrt der Straßenbahnwagen vom
Hauptbahnhof im Anſchluß an die vorletzten Züge von
Groß=Gerau und Frankfurt ſind um einige Minuten
gün=
ſtiger gelegt. Ein Sonderwagen vom Hoftheater nach
dem Hauptbahnhof nach Schluß der Vorſtellungen iſt
eben=
falls vorgeſehen.
* Vom Hofe. Die Großherzoglichen
Herr=
ſchaften begaben ſich Freitag nachmittag 3 Uhr mit
dem in Jaadſchloß Wolfsgarten anweſenden Beſuch im
Auto nach Offenbach und beſichtigten daſelbſt die
Porte=
feuille=Fabrik von Ludwig Krumm. Die Rückkehr nach
Wolfsgarten erfolgte um 5½ Uhr. Se. Königl. Hoheit
der Großherzog begab ſich Samstag früh 5¼ Uhr
in den Kranichſteiner Park auf Jagd. (Darmſt. Ztg.)
* Hoftrauer. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog haben wegen des Ablebens Ihrer Hoheit der
Prinzeſſin Sofia von Sachſen=Weimar
eine Hoftrauer vom 19. bis einſchließlich 21.
Sep=
tember d. Js. angeordnet.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Samstag den Hauptmann
v. Follenius vom k. u. k. öſterr. Feſtungs=Artillerie=
Bataillon Nr. 5 in Krakau, den Hauptmann im
Schwediſchen Generalſtabe Falkman, den Oberleutnant
v. Wachter vom Leibaarde=Infanterie=Regiment (1. Großh.
Heſſ.) Nr. 115, den Amtsgerichtsrat Weidig, den Dr. Karl
Merck, den Profeſſor Albin Müller, den
Regierungs=
baumeiſter Röhrich; zum Vortrag den Staatsminiſter
von Ewald, den Vorſtand des Kabinetts Geheimerat
Römheld.
* Juſtizperſonalien. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben den Oberamtsrichter bei dem
Amtsgericht Lampertheim Wilhelm Trautwein zum
Amtsrichter bei dem Amtsgericht Worms unter Erteilung
des Charakters als Amtsgerichtsrat, den Amtsrichter bei
dem Amtsgericht Fürth Amtsgerichtsrat Friedrich
Bickel=
haupt zum Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Wald=
Michelbach, den Oberlandesgerichtsſekretär an dem
Ober=
landesgericht Dr. Franz Bittel zum Amtsrichter bei
dem Amtsgericht Groß=Gerau und den Gerichtsaſſeſſor
Dr. Rudolf Everling in Darmſtadt zum
Oberlandes=
gerichtsſekretär an dem Oberlandesgericht, ſämtlich mit
Wirkung vom 1. Oktober 1913; den Amtsrichter bei dem
Amtsgericht Ober=Ingelheim Georg Hausmann zum
Oberamtsrichter bei dieſem Gericht ernannt, ſowie dem
Amtsrichter bei dem Amtsgericht Groß=Umſtadt Fritz
Schade und dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht
Offenbach Hans Küchler den Charakter als
Amts=
gerichtsrat erteilt.
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Vorſitzenden der
Handels=
kammer Gießen Geheimen Kommerzienrat Siegmund
Heichelheim zu Gießen das Ehrenkreuz des
Verdienſt=
ordens Philipps des Großmütigen zum 20. September
1913 verliehen.
* Militärdienſtnachrichten. Beim 3. Batl. 5. Großh. Heſſ.
Inft.=Regts. Nr. 168 des 18. Armeekorps wird eine neue
Zahlmeiſterſtelle gebildet, die mit dem Zahlmeiſter
Füh=
rer vom Großh. Heſſ. Train=Batl. Nr. 18 vom 18.
Armee=
korps beſetzt wird. Als Erſatz bezw. in die Stelle wird
unter Ernennung zum Zahlmeiſter überwieſen
Unterzahl=
meiſter Ruppel vom 18. Armeekorps.
Se. Majeſtät der König von Preußen hat verliehen
den Kgl. Kronenorden 3. Klaſſe dem Oberſtlt. a. D.
Bull=
rich zu Dippelshof in Heſſen.
g. Strafkammer I. Der 19jährige Friſeur Adolf
Kalkoffen von Güdingen hatte hier ein Liebesver=
hältnis begonnen, wozu ihm jedoch die nötigen Mittel
fehlten. Um ſich dieſe zu verſchaffen, öffnete er am 3. Juni
im Geſchäft ſeines Arbeitgebers mittelſt eines
Schrauben=
ſchlüſſels einen Schrank, dem er 12 Mark entnahm. Er ging
ſpäter nach Frankfurt, wo er ebenfalls einen Diebſtahl
beging, wegen deſſen er ſich ſpäter zu verantworten haben
wird. Von Frankfurt ging er nach Baden=Baden, wo er
ein vor der Hauptpoſt ſtehendes Fahrrad im Werte von
100 Mark an ſich nahm, das er verkaufte. Das Gericht
er=
kannte wegen eines ſchweren und eines einfachen
Dieb=
ſtahls auf 8 Monate Gefängnis, abzüglich 4 Wochen
der Unterſuchungshaft. — Eine 19jährige Verkäuferin war
der Urkundenfälſchung und Unterſchlagung angeklagt. Sie
hatte in dem Geſchäft eine eigene Kaſſe für ihre Verkäufe,
desgleichen die übrigen Verkäufer. Die geſamten Verkäufe
wurden in ein Buch eingetragen. Der Angeklagten lag es
ob, die Summen zu addieren. Das Ergebnis wurde dann
mit dem Kaſſeninhalt verglichen. Nun will der
Geſchäfts=
inhaber bemerkt haben, daß das Endergebnis immer
zu=
ungunſten des Geſchäfts friſiert war. In drei Fällen
konnte er feſtſtellen, daß die urſprüngliche Eintragung
aus=
radiert und von der Angeklagten andere Eintragungen
ge=
macht waren. Auf Grund dieſer Beobachtungen iſt er der
Ueberzeugung, daß die Angeklagte die Raſuren machte, um
ſich zu bereichern. Dieſe behauptet, daß ſie die fraglichen
Raſuren nicht gemacht habe, wenn ſie einmal radiert habe
ſo ſei dies geſchehen, wenn ſie in der Eile etwas falſch
aufgeſchrieben habe. Das Engagement wurde nicht
fried=
lich gelöſt, und liegen die Verkäuferin und der
Geſchäfts=
inhaber noch in Zivilklage. Das Gericht erkannte nach
dem Antrage des Staatsanwalts auf Freiſprechung,
da ein Beweis für eine Urkundenfälſchung nicht erbracht
worden ſei. Fragliches Buch ſtand jedem der Verkäufer
offen, ebenſo die Kaſſen. — Ein Standesbeamter aus dem
Odenwald wird wegen Vergehens gegen das
Perſonen=
ſtandsgeſetz zu 3 Mark Geldſtrafe verurteilt. Er
hatte eine kleine Formalität außer Acht gelaſſen.
g. Provinzalausſchuß. Der Provinzialausſchuß
be=
ſchäftigte ſich in ſeiner Sitzung am Samstag mit dem
Geſuch der Firma Martin Glenz in Lauerbach um
die Erlaubnis=Erteilung zur Einleitung der
Fabrikabwäſſer in die Mümling. Das
Ge=
ſuch wurde dem Kreisamt Erbach unterbreitet und die
Gräfliche Rentkammer erhob dagegen Einſpruch, da die
abzuleitenden Abwäſſer der Fiſchzucht ſchädliche Stoffe
enthalten. Die chemiſche Prüfungsſtation und die
Kultur=
inſpektion haben die Reinigung der Abwäſſer als
er=
forderlich erachtet, da insbeſondere die Forelle, die
haupt=
ſächlichſte Fiſchart der Mümling, nur in reinem Waſſer
gedeihen könne. Der Kreisausſchuß, vor dem am 24.
April über das Geſuch verhandelt wurde, verwarf die
Einwendungen als unbegründet. Der Vertreter der
Rent=
kammer legte gegen dieſe Entſcheidung Rekurs ein. Der
Vertreter der Geſuchſteller bemerkte, daß die Anlage einer
Sickergrube bei den ſchwierigen Terrainverhältniſſen
äußerſt koſtſpielig ſei. Ueberdies ſtehe durchaus nicht feſt,
ob das Fiſchſterben auf dieſe Abwäſſer zurückzuführen
ſei. Die Anlage einer Grube ſtehe in keinem Verhältnis
zu dem Umfange des Betriebes. Wenn man allen
Be=
trieben im Mümlingtale ſo ſchwere Bedingungen
aufer=
lege, ſo ſei das gleichbedeutend mit der Vertreibung der
Induſtrie aus dem Mümlingtale. Der
Provinzialaus=
ſchuß beſchloß Beweiserhebung.
Der Kirchendiener Karl Moritz Keller zu
Offen=
bach iſt am 27. Auguſt 1912 geſtorben. Er war mit
Wir=
kung vom 1. Januar 1909 in die Fürſorgekaſſe für Beamte
und Bedienſtete aufgenommen und ihm 5 Jahre 9
Mo=
nate Vordienſtzeit angerechnet worden. Die
ruhegehalts=
fähige Dienſtzeit beträgt insgeſamt 9 Jahre 4 Monate
27 Tage. Die in Artikel 6 Abſ. 1 des Fürſorgekaſſegeſetzes
vorgeſchriebene zehnjährige Wartezeit iſt ſonach nicht
er=
füllt. Die Fürſorgekaſſe lehnte die Bewilligung von
Witwengehalt ab weil der Tod des Keller nicht die Folge
einer Krankheit, Verwundung oder ſonſtigen Beſchädigung
war, die der Verſtorbene in Ausübung des Dienſtes oder
aus Veranlaſſung desſelben ohne eigenes Verſchulden ſich
zugezogen hatte. Die Witwe Keller klagt deshalb gegen
die Fürſorgekaſſe auf Bewilligung des geſetzlichen
Wit=
wengeldes, mit dem Hinweis darauf, daß an der
geſetz=
lichen Wartezeit von 10 Jahren nur noch einige Monate
gefehlt hätten und deshalb Billigkeitsgründe für die
Ge=
währung ſprächen. Der Verwaltungsrat wandte
dem=
gegenüber ein, daß die Wartezeit nicht erfüllt ſei und auch
ein urſächlicher Zuſammenhang zwiſchen Dienſtausübung
und Tod nicht nachgewieſen ſei. Der Provinzialausſchuß,
der bereits am 12. Juli über die Sache verhandelt hatte,
beſchloß damals, den Stadtpfarrer Dittmar zu
verneh=
men, ob und inwiefern der Beruf des Kirchendieners
Keller beſondere Anforderungen an deſſen geiſtige und
die Linke die Scheide hält, und die ganze Figur atmet
lebhaft lebendige Schwungkraft, die zum Angriff bereit
iſt. Es ließ ſich wohl nicht plaſtiſch ſchlichter und zugleich
pſychologiſch treffender ein Symbol von=Wildenbruchs
Perſönlichkeit und Dichtung geſtalten. Das Werk, deſſen
Prſtament in großen Antiqualettern den Namen des
Dichters trägt, ſoll in Bronze ausgeführt werden und den
Mittelpunkt einer ſchlichten runden Brunnenanlage
bil=
den, ſo daß es ſich feierlich und wirkſam von den hohen
alten Bäumen abhebt, unter denen es ſtehen wird.
* Richard Loening †. Aus Jena kommt die
Meldung, daß in der Nacht vom 18. zum 19. September
nach längerer Krankheit der ordentliche Profeſſor für
deutſches Strafrecht und Strafprozeß, der Geh. Juſtizrat
Dr. Richard Loening, Dekan der juriſtiſchen Fakultät, im
Alter von 65 Jahren verſtorben iſt. Richard Loening
be=
ſuchte das Gymnaſium zu Frankfurt a. M., und bezog
dann die Univerſitäten zu Heidelberg und Berlin, wo er
1869 promovierte. Ein Jahr ſpäter unterbrach der Krieg,
an dem er mit Auszeichnung teilnahm, ſeine Studien.
Danach kam er noch einmal für längere Zeit in ſeine
Vaterſtadt als Referendar, bis er ſich 1875 der
Univerſi=
tätskarriere widmete und ſich in Heidelberg habilitierte,
wo er, wie ſpäter in Jena, ſich ſo hohe Verdienſte um die
Wiſſenſchaft erworben.
* Spielplan des Frankfurter
Stadt=
theaters. 1. Opernhaus. Montag; 22. Sept.: Madame
Butterfly. Dienstag, 23.: Alda. Mittwoch, 24.: Wiener
Blut. Donnerstag, 25.: Coſi fan tutte. Freitag, 26.:
Ge=
ſchloſſen. Samstag, 27.: Die Hugenotten. Sonntag, 28.,
¼4 Uhr: Vorſtellung bei ermäßigten Preiſen: Der
Zigen=
nerbaron; 7 Uhr: Zum erſten Male (Uraufführung): Der
Zwerg und die Infantin. Tanzſpiel in 2 Akten. Nach
dem Märchen „Der Geburtstag der Infantin” von Oskar
Wilde. Szeniſche Bearbeitung von Karlheinz Martin,
Muſik von Bernhard Sekles. Hierauf: Der Barbier von
Sevilla. Montag, 29.: Tannhäuſer. — 2. Schauſpielhaus.
Montag, 22.: Strindberg=Abend. Wetterleuchten; hierauf:
Mit dem Feuer ſpielen. Dienstag, 23.: Das
Beſchwerde=
buch. Mittwoch, 24.: Zum erſten Male: Das Geheimnis,
Schauſpiel in 3 Akten von Henri Bernſtein. Donnerstag,
25., und Freitag, 26.: Volksvorſtellung bei kleinen
Prei=
ſen: Fuhrmann Henſchel. Samstag, 27.: Das Geheim=
nis. Sonntag, 28., 3 Uhr: Puppchen, 8 Uhr: Das
Ge=
heimnis. Montag, 29.: Das Beſchwerdebuch.
* Spielplan des Großh. Hof=und
Natio=
nal=Theaters Mannheim. Montag, 22. Sept.:
Kolberg. Dienstag, 23.: Zar und Zimmermann.
Mitt=
woch, 24.: Mein Freund Teddy. Donnerstag, 25.:
Rauſch. Freitag, 26.: Abſchied Beling=Schäfer: Die
Geiſha. Samstag, 27.: Die Bohéme. Sonntag, 28:
Ca=
valleria Ruſticana. Bajazzo. Montag, 29: Zum erſten
Male: Profeſſor Bernhardi.
— Der Elefant als Kritiker des Kubismus. Mr.
Snyder, der glückliche Beſitzer einer Menagerie, die zurzeit
im Neu=Yorker Zentral=Park die Schauluſt des Publikums
anlockt, iſt ſehr ſtolz auf einen prächtigen ſüdafrikaniſchen
Elefanten, dem er den ſchönen Namen „Hattie” gegeben
hat. Es iſt ein Bild von einem Elefanten, ſozuſagen eine
Elefantenſchönheit, und zugleich ein Künſtler, denn Hattie
vollbringt nicht weniger als 14 verſchiedene Kunſtſtücke.
Das 15. hat er jetzt vollbracht, ohne dazu angelernt zu
ſein, nur aus eigener Initiative. Der Neu=Yorker Herald
berichtet davon: Mr. Snyder hatte einen kubiſtiſchen Maler
damit beauftragt, Hattie in ihrer ganzen Schönheit zu
porträtieren. Am Mittwoch nahm der Künſtler vor dem
Elefantenzwinger ſeinen Platz ein, ſtellte die Staffelei auf
und griff zum Pinſel, um mit kühnem Schwunge Hatties
äußere Reize kunſtgerecht in Vierecke aufzulöſen. Das
Modell näherte ſich ſichtlich intereſſiert dem in ſein Werk
vertieften Kubiſten und blinzelte die ſchönen Dreiecke,
Vierecke und geometriſchen Formen an, die ſich in üppiger
Fülle auf der Leinwand häuften. War Hattie mit der
Art, wie ſie der Nachwelt überliefert werden ſollte, nicht
einverſtanden? War ihre berechtigte Eitelkeit verletzt? Sie
hat es nicht verraten: nur ihren Rüſſel hat ſie durch das
Gitter geſteckt, kurz entſchloſſen die kubiſtiſche Schmiererei
ergriffen, ein paarmal kopfſchüttelnd durch die Luft hin
und her bewegt und dann in einen Winkel des Zwingers
geſchleudert, wo ſie gebrochen und zerriſſen liegen blieb,
dieweil der Meiſter des Pinſels entſetzt die Flucht
er=
griff. Des Malers Künſtlerſtolz muß tief verletzt ſein,
denn er hat Mr. Snyders Vorſchlag, die Löwen zu malen,
nunmehr zurückgewieſen, er iſt überzeugt, daß die
afrika=
niſche Tierwelt für die raffinierten Künſte des Kubismus
einen höchſt bedauerlichen Mangel an äſthetiſchem Ver=
ſtändnis verſpüren läßt, und wird künftig ſeine
geometri=
ſchen Tierporträts wieder im Schutze ſeiner vier
Atelier=
wände malen, in denen er ſich vor einer ſo tieriſch rohen
Kritik ſicher weiß.
* Lehärs Wunderkind. Eine luſtige kleine Geſchichte
aus Wien erzählt die Comödia. In der ſchönen
Donau=
ſtadt herrſcht nach den Angaben des Blattes eine
eigen=
artige Epidemie, eine Ueberproduktion an muſikaliſchen
Wunderkindern, die mit ihren kleinen Patſchhändchen die
Taſten des Flügels und die Saiten der Violine vor
be=
wundernden Zuſchauern meiſtern. Vor kurzem nimmt
Franz Lehär, der erfolgreiche Operettenkomponiſt, ſeinen
kleinen, noch nicht ganz dreijährigen Sohn mit auf einen
kurzen Spaziergang. Auf der Straße begegnet dem
Kom=
poniſten ein Freund, der ihn anſpricht: „Ah! Grüß Gott,
Herr v. Lehär, wie ſchaut’s, wie ſtets, ich wußte gar nicht,
daß Sie ſo ein reizendes Buberl haben.” „Ja,” ſagt ſtolz
der Vater, „iſt er nicht wirklich hübſch? Und klug iſt er!
Ich ſage Ihnen: ein richtiges Wunderkind!” „Ach, gehn’s,
er auch?” „Aber gewiß, er wird nun ſchon bald drei
Jahre alt und kann noch nicht Klavier ſpielen. . ."
* Das kinematographierte Nordlicht. Einer
ſchwedi=
ſchen Expedition, die zum Studium des Nordlichtes das
Polarmeer aufgeſucht hat, iſt es nach einem Bericht der
Nature gelungen, die prachtvolle Himmelserſcheinung
kinematographiſch feſtzuhalten. Verſuche dieſer Art ſind
ſchon im Jahre 1910 angeſtellt worden, doch fielen die
Bilder alle zu ſchwach aus; jetzt iſt es jedoch gelungen,
beſonders helle Nordlichter kinematographiſch
aufzuneh=
men. Am 8. April dieſes Jahres ſind rund 100
Aufnah=
men hergeſtellt worden, jede mit einer Expoſitionsdauer
von ungefähr 4 Sekunden. Die kinematographiſche
Wiedergabe der Bilder ſoll in Naturtreue zeigen, wie die
Furm der Nordlichter ſich allmählich verändert und wie
dieſe Ausſtrahlungen nach Dichtigkeit wechſeln. Störmer,
der die Aufnahmen gemacht hat, wird die Ergebniſſe
dem=
nächſt in Form eines Buches veröffentlichen.
* Das verfluchte Kapital. Bald nach dem Tode Aug.
Bebels wurde behauptet, daß Bebel etwa 900000 Fr.
hinterlaſſen habe. Jetzt verſichert das Pariſer Journal,
daß ſeine Erben in der Erbſchaftsdeklaration für die
Zü=
richer Verwaltung den Betrag von 1170000 Fr.
ange=
geben haben.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. September 1913.
Nummer 222.
körperliche Leiſtungsfähigkeit geſtellt hat, welche
Leiſtun=
gen Keller betätigt hat, die beſonders hoch waren, in
wel=
cher Art und in welchem Umfange, und welche
Dienſt=
leiſtungen des Keller auch ſeeliſche Aufregungen mit ſich
gebracht haben und in welcher Art. Dieſe Vernehmung
iſt inzwiſchen erfolgt. Der Pfarrer gibt an, daß Keller
ein äußerſt pflichtbewußter Mann war, der immer
ängſt=
lich darauf bedacht war, ob er auch alles ordentlich
be=
ſorgt hatte. Seine Obliegenheiten waren mitunter ſehr
anſtrengend. Er hatte u. a. das Glockenläuten beim
Gottesdienſt zu erledigen und häufig danach
Schlag=
anfälle erlitten. Am 27. Auguſt war dreimal
hinterein=
ander Gottesdienſt und am Nachmittag ging er zum
Jung=
deutſchlandfeſt, wo er wahrſcheinlich infolge
vorangegan=
gener ſeeliſcher Aufregungen einem Schlaganfall erlegen
iſt. Der Provinzialausſchuß beſchloß, die
Miniſterial=
abteilung für öffentliche Geſundheitspflege darüber zu
hören, ob durch dieſe Aeußerung eine Aenderung des
Obergutachtens der Miniſterialabteilung veranlaßt werde.
Dem Landwirt Wilhelm Heinrich v. Langen zu
Wimpfen iſt eine Kuh am 19. Juli 1911 verendet, eine
andere hat er am 3. Januar d. J. notſchlachten müſſen.
Bei dieſer hat nach Angabe des Veterinärarztes Dr.
Fuchs in Wimpfen Milzbrandverdacht vorgelegen. Die
ſpätere Unterſuchung hat jedoch ergeben, daß das Tier
nicht an Milzbrand erkrankt geweſen ſei. Er hat das
Tier aber auch nicht auf die Freibank bringen können,
weil die Verbringung auf den Waſenplatz angeordnet
worden ſei. Der Kreisausſchuß Heppenheim lehnte den
Entſchädigungsantrag ab. Auch der Provinzialausſchuß
wies die Klage ab.
Der 24jährige Valentin Dölger zu Biblis will im
Kreiſe Gießen mit Leinen= und Baumwollwaren
Hauſier=
handel treiben. Er iſt lahm und kann ſich auf andere Art
ſchwer ſein Geld verdienen. Das Kreisamt Bensheim
hatte das Geſuch um Erteilung des Wandergewerbeſcheins
abgelehnt, da der Geſuchſteller noch nicht 25 Jahre alt ſei.
Der Provinzialausſchuß gab der Klage ſtatt und erteilte
den nachgeſuchten Wandergewerbeſchein.
V. V. Volksvorſtellungen im Großh. Hoftheater. Wie
aus dem Anzeigenteil erſichtlich, iſt dem Verkehrsverein
wieder der Kartenverkauf für die Volksvorſtellungen im
Großh. Hoftheater übertragen worden. Als erſte
Vor=
ſtellung für Sonntag, den 28. ds. Mts., nachmittags 2½
Uhr, iſt „Alt=Heidelberg” in Ausſicht genommen.
Ein=
trittskarten hierzu können bei den Vereinsſtellen und bei
dem Verkehrsbureau vorausbeſtellt werden. Die Preiſe
für ſämtliche Plätze ſind um 10 Pfg. erhöht worden,
welche dem Penſionsfonds zugeführt werden.
* Jahrhundertfeier der Befreiungskriege in Darmſtadt.
Wie ſchon bekannt gegeben, wird auch Darmſtadt nicht
zu=
rückſtehen, wenn es ailt, die Erinnerung an die
Be=
freiungskriege und insbeſondere das Gedächtnis an die
Schlacht bei Leipzig würdig durch Feiern in größerem
Maßſtabe zu begehen. Freitag fand bereits unter dem
Vorſitz von Herrn Bürgermeiſter Mueller im Stadthauſe
eine Beſprechung eines eigens für die Leitung der Feiern
gebildeten Ausſchuſſes ſtatt; dieſe gelten als
Veranſtaltun=
gen der Stadt Darmſtadt. Das Programm, das noch nicht
in allen Einzelheiten feſtſteht, ſieht für den 17. Oktober
eine öffentliche Feier im „Kaiſerſaal” vor, bei der Herr
Prof Dr. Bauer die Feſtrede über die Schlacht bei Leipzig
halten wird. Umrahmt wird der Vortrag durch
Geſangs=
darbietungen des Militäranwärtervereins. Die
Haupt=
feier wird am 18. Oktober ſtattfinden, und zwar in der
Turnhalle. Die Feier wird ebenfalls öffentlich ſein, und
es ſei beſonders darauf hingewieſen, daß nur in ganz
ge=
ringem Umfange Einladungen hierzu an die Vertreter von
Behörden und Vereinen ergehen werden. Zum mindeſten
ſollen zwei Drittel aller Plätze für das Publikum
freige=
halten werden. Ueber die Art der Kartenverteilung wird
näheres noch bekannt gegeben. Die Feier wird aus einer
Anſprache von Herrn Prof. Karl Berger beſtehen,
Lieder=
vorträge des Darmſtädter Lehrerſängerchors werden folgen
und ſich dann „Lebende Bilder” anſchließen, die Szenen
aus den Befreiungskriegen darſtellen. Die Ausarbeitung
dieſer Idee hat Herr Stadtſekretär Göbel übernommen,
der auch den verbindenden Text verfaſſen wird. Am Abend
des 18. Oktober wird auf dem Bismarckturm ein
Freuden=
feuer abgebrannt; auch iſt beabſichtigt, vom Hochzeitsturm
herab die Stadt und die Umgebung durch einen
Schein=
werfer zu beleuchten. Der 19. Oktober, der auf einen
Sonn=
tag fällt, wird morgens kirchliche Feiern bringen.
Nach=
mittags werden die Kriegervereine, die Turnvereine, der
Jungdeutſchlandbund und andere Vereine eine patriotiſche
Kundgebung vor dem Bismarckturm veranſtalten. Die
Vereine werden in geſchloſſenem Zuge nach dem
Dommers=
berge ziehen. Die Feſtrede wird dort Herr Prof. Kiſſinger
halten. In der Stadtkirche wird abends eine
Gedächtnis=
feier veranſtaltet, die als Kirchenkonzert ausgeſtaltet wird.
Nach der Rückkehr der Vereine vom Bismarckturm wird
in der Turnhalle am Woogsplatz nochmals eine Feier
ſtattfinden, die von den Turnvereinen ausgeht. Das
Pro=
gramm ſteht noch nicht feſt; vorausſichtlich werden die
„Lebenden Bilder” hier nochmals aufgeführt werden.
Gegen den Impfzwang. Man ſchreibt uns:
Deut=
ſcher Reichsverband zur Bekämpfung der
Impfung. Sitz in Schlachtenſee bei Berlin.
Die im April d. J. hier gegründete Ortsgruppe
die=
ſes Verbandes hielt im Reformhaus Thaliſia,
Alexander=
ſtraße 4, ihre erſte diesjährige Wintermonatsverſammlung
ab, in der eingehend die in Ausſicht genommene innere
und äußere Vereinsarbeit beſprochen wurde. Ueber die
Ergebniſſe dieſer Zuſammenkunft wurde uns folgendes
bekannt: Die Leitung der Ortsgruppe, die bisher von
Frankfurt a. M. aus erfolgte, iſt nunmehr in die Hände
des Herrn Kaufmann Bruno Sieger, hier, übergegangen,
der bereits wiederholt als eifriger Agitator für alle
Re=
formbeſtrebungen hervorgetreten iſt. In der
Schloßgar=
tenſtraße 5, II, iſt eine eigene Geſchäftsſtelle eingerichtet
worden, die täglich von 5—7 Uhr koſtenlos Rat und
Aus=
kunft in allen Impfangelegenheiten erteilt und der auch
alle nach erfolgter Impfung auſtretenden Erkrankungen
zu melden ſind. In nächſter Zeit wird eine planvolle
Werbearbeit in und um Darmſtadt entfaltet, volkstümliche
Aufklärungs= und Lichtbildervorträge abgehalten und ein
eigenes Flugblatt herausgegeben werden. Die
impfgeg=
neriſche Bewegung iſt inzwiſchen auf 300000 deutſche
Männer und Frauen angewachſen, die kraftvoll im
Reichs=
verband organiſiert ſind. Der kürzlich in Leipzig
abge=
haltene 7. deutſche Impfgegnerkongceß hat unter überaus
zahlreicher Beteiligung einen äußerſt günſtigen Verlauf
genommen und ſichtlichen Eindruck insbeſondere bei den
Behörden hinterlaſſen, die ſich zu den impfgegneriſchen
Forderungen ſchon jetzt weit wohlwollender wie früher
verhalten. Der Reichsverband verlangt ſeit Jahren:
1. Einſetzung einer varitätiſchen Kommiſſion aus
Impf=
freunden und Impfgegnern zur unparteiiſchen
Nachprüf=
ung des Impfgeſetzes. 2. Ausſetzung aller Dauerſtrafen
und Zwangsimpfungen bis zur Klarſtellung des
Wort=
lautes des Impfgeſetzes. 3. Einführung der
Gewiſſens=
klauſel nach engliſchem Muſter. 4. Entſchädigung
Impf=
geſchädigter.
Schnelles und rückſichtsloſes Fahren der
Automobiliſten gibt verſchiedentlich Grund zur Klage.
Da iſt es jedenfalls erfreulich, aus der letzten Nummer
des offiziellen Organs des Allgemeinen Deutſchen
Automobil=Klub e. V., Sitz München, erſehen zu können,
wie die Leitung dieſer mit ihren 23000 Mitgliedern
größten Automobiliſten=Vereinigung Deutſchlands die
Mitglieder wiederum auffordert: Vorgeſchriebene
Geſchwindigkeits=Beſchränkung
reſpek=
tieren! In Rückſicht auf Menſchen und Vieh
Aus=
puffklappe ſchließen! Bei Staublage und naſſem
Wetter langſamer fahren!‟ Das ſind Mahnungen,
denen wir hierdurch gern weitere Verbreitung geben.
* Möblierte Zimmer geſucht. Vom 28. bis
30. September und vom 13. bis 17. Oktober finden
hier in Darmſtadt Tagungen der Deutſchen Zentrale
für Jugendfürſorge und der Deutſchen Landes=
Frauen=
vereine und der deutſchen Krankenpflegeanſtalten vom
Roten Kreuz ſtatt. Beide Kongreſſe werden hunderte
auswärtige Teilnehmer nach Darmſtadt bringen. Da
für die Unterbringung der Gäſte die hieſigen Hotels
nicht ausreichen, werden beſſere Privatzimmer geſucht.
Meldungen können im Verkehrsbureau erfolgen. (Siehe
Anzeige.)
* Der Ortsgewerbeverein wird am Mittwoch die
Maſchinenfabrik Collet u. Engelhardt, die Schuhfabrik von
Eugen Wallerſtein und die Techniſchen Lehranſtalten in
Offenbach beſichtigen. (Näheres in der heutigen Anzeige.)
* Stenographie und Maſchinenſchreiben. Man
chreibt uns: Wer die Tages= und Fachzeitungen in der
letzten Zeit verfolgt hat, wird gefunden haben, daß die
Zahl von Stellenangeboten, in denen die Kenntnis der
Stenographie und des Maſchinenſchreibens verlangt
wird, ſtets im Steigen begriffen iſt. Nicht nur bei
Staats= und Gemeinde=Verwaltungen, ſondern auch
be=
ſonders in kaufmänniſchen Betrieben müſſen die
Ange=
ſtellten den Nachweis einer größeren Fertigkeit in der
Habelsbergerſchen Stenographie, dem verbreitetſten und
leiſtungsfähigſten Syſtem, erbringen. Wie aus dem
heutigen Anzeigenteil erſichtlich, eröffnet der unter dem
Protektorat Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs
ſtehende Gabelsberger=Stenographenverein von 1861 jetzt
wieder nach Stadtteilen getrennte
Anfänger=
kurſe für Herren. Dieſer Verein verfügt über eine
größere Anzahl vorzüglich ausgebildeter Unterrichtsleiter,
welche ſchon jahrelang praktiſch mit beſten Erfolgen
tätig ſind und zum Teil bereits die ſtaatliche Prüfung
für das Lehramt der Stenographie abgelegt haben.
Wer den geſteigerten Anforderungen der Jetztzeit
Rech=
nung tragen will, dem iſt hier die beſte Gelegenheit zur
gründlichen Ausbildung geboten. Im Maſchinenſchreib=
Unterricht lernen die Schüler, unter durchats
fach=
männiſcher Leitung, nicht nur die Taſtmethode gründlich
beherrſchen, ſondern ſie werden auch mit allen
ein=
ſchlägigen Arbeiten, Vervielfältigungen uſw. vertraut
gemacht.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Ex=
pedition (Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende
Bilder neu ausgeſtellt: Zur Tauſendjahrfeier der Stadt
Kaſſel: Blick aus einem Zeppelin=Luftſchiff auf den
Kaſ=
eler Juſtizpalaſt. — Ein deutſcher Bahnhof in der Schweiz:
der neue badiſche Bahnhof in Baſel, Ueberſicht der
Gleis=
anlagen für den Perſonenverkehr, Mittelbau und
Haupt=
eingang. — Die folgenſchwere Exploſionskataſtrophe in
Koburg: die Trümmer des eingeſtürzten Hauſes. — Eine
große Probemobilmachung in Dänemark.
— Eine Einbrechergeſellſchaft wurde vor einiger Zeit
von der hieſigen Polizei feſtgenommen, von der eine
grö=
ßere Anzahl Diebſtähle in Darmſtadt begangen worden
ſind. Es ſind dies: der 24jährige Laboratoriumsgehilfe
Ludwig Nehrwein, der 22jährige Milchhändler Karl
Reinheimer und der 20jährige Handlungsgehilfe
Al=
bert Weicker. Das edle Trio hatte keinerlei Anlaß zu
ſeinem verbrecheriſchen Tun, und ihr Treiben iſt wohl nur
durch irregeleiteten Betätigungsdrang erklärlich. Nehrwein
wurde, wie ſchon gemeldet, von einem Schutzmann bei
dem Einbruch in einen Zigarrenladen in der
Wilhelminen=
ſtraße erwiſcht. Er gab dann ſeine Komplizen an. In der
Wohnung der drei jugendlichen Verbrecher fand man ein
reich aſſortiertes Warenlager. Es ſind bisher annähernd
20 Diebſtähle feſtgeſtellt, u. a. haben ſie den Einbruch in
ein hieſiges Lederwarengeſchäft begangen, wo ihnen
wert=
volle Koffer und Portemonnaies, ſowie Taſchen in die
Hände fielen.
Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am
1,40 M.
Butter, ½ kg . .
in Partien, ½ kg 1,30 M.
7—10 Pf.
Eier, Stück
Schmierkäſe, ½ Lit. 20-22 Pf
Handkäſe, Stück 4—10 Pf.
Kartoffeln, Ztr. 2,50-3,00 M.
Kumpf (10 Liter) 40 Pf.
. . . 3—4 Pf.
½ kg
Obſt u. dergl.:
Aepfel, ½ kg . 12—16 Pf.
Zitronen, Stück . 7—8 Pf.
Apfelſinen, Stück 6—10 Pf.
Birnen, ½ kg . 10—20 Pf
Zwetſchen, ½ kg 10—12 Pf.
Trauben, ½ kg 30—35 Pf.
Brombeeren, Schoppen14 Pf.
Eierſchwämme, ½kg 30.35 Pf
Quitten, ½ kg . . 20 Pf.
Salat, Gemüſe uſw.:
Kopfſalat, Stück 5—6 Pf.
Endivien, Stück 5—6 Pf.
Feldſalat, Körbchen 10 Pf.
Radieschen, Bündel 3 Pf.
Rettiche, Stück . 3—10 Pf.
Bündel
3 Pf
Meerrettich, Stück 20—35 Pf
Roterüben, Bündel 5—6 P
kg
. 6 Pf
Zwiebeln, ½ kg 5—7 P
Tomaten, ½ kg . 15 Pf.
Spinat, ½ kg . . 15 Pf.
Weißkraut,
Stück 5—15 Pf.
Rotkraut, Stück 8—35 Pf.
Blumenkohl, Stück10—50 Pf.
Wirſing, Stück . 3—10 Pf.
Erbſen, ½ kg .
28 Pf.
Roſenkohl, ½ kg . 30 Pf
5 Pf.
Gelberüben, ½ kg.
20. September.
Saubohnen, ½ kg 25 Pf.
Bohnen, ½ kg . 15—25 Pf.
Gurken, Stück . 5—30 Pf
100 Stück 1,50-3,00 M.
Geflügel, Wildbret:
Gänſe, ½ kg 0,95—1,00 M.
Enten, Stück 3,50—4,00 M.
Hahnen, Stück 1,50—2,50 M.
Hühner, Stück 2,50—3,00 M.
Tauben, Stück 60—70 Pf.
Haſen, Stück 3,50—4,00 M.
Lapins, Stück 0,90—1,00 M.
Fiſche:
90 Pf.
Hecht, ½ kg . .
Aal, ½ kg 1,10—1,20 M.
Karpfen, ½ kg 70—80 Pf.
Andere Rheinfiſche,
35—60 P
kg.
1 kg
Rotzungen,
60 Pf
50 P
Schollen, ½ kg
Kabeljau, ½ kg 19—21 Pf.
Schellfiſche, ½ kg 17—28 P
Seelachs, ½ kg .
7 Pf.
Seehecht, ½
kg . . 27 Pf.
Goldbarſch, ½ kg . 17 Pf.
In den Fleiſchſtänden:
Rindfleiſch, ½ kg . 70 Pf.
Hackfleiſch, ½ kg . 76 Pf.
Rindsfett, ½ kg
. 56 Pf.
Rindswürſtchen, Stück 15 Pf.
Schweinefleiſch, ½ kg 92 Pf.
Geſalzenes und Koteletts,
kg .
1 M.
Schwartemagen u.
Fleiſch=
wurſt, ½ kg
90 Pf.
Leber= und Blutwurſt
½ kg . ...
72 Pf.
Jugenheim, 20. Sept. (
Gemeinderatswah=
len.) Zum erſten Male hat auch Jugenheim einen
Kom=
munalwahlkampf hinter ſich. Die Stimmung der
Bürger=
ſchaft kam nun in der geſtrigen Wahl dadurch zum
Aus=
druck, daß die Kandidaten der Bürgerlichen den Sieg
da=
vontrugen. Es erhielten die Herren Görnett 171, Loos
151 und Rindfuß 144 Stimmen; die Kandidaten der
So=
zialdemokraten blieben weit zurück.
b. Heppenheim a. d. B., 20. Sept. (
Landwirt=
ſchaftliche Winterſchule.) Am 3. November
die=
ſes Jahres, vormittags ½11 Uhr, wird die
landwirt=
chaftliche Winterſchule Heppenheim wieder
eröffnet. Die Schule iſt in der Lage, mehr als 50
Schü=
ler aufzunehmen und dieſen die weitgehendſte
Ausbil=
dung zuteil werden zu laſſen. Landwirten, die Söhne im
Alter von 15 bis 18 Jahren haben, kann dieſe Anſtalt nur
dringend empfohlen werden. Söhnen wenig bemittelter
Landwirte können Stipendien gewährt werden. Nähere
Auskunft erteilt Großh. Kreisamt Heppenheim. — (Bei
der Obſtbaumzählung) im Jahre 1913 wurden
in der Gemarkung Heppenheim folgende Obſtbäume
ge=
zählt: tragfähige: Aepfel 7995, Birnen 4849,
Zwet=
ſchen und Pflaumen 8313, Kirſchen 1197, Aprikoſen 310,
Pfirſiche 1265, Walnüſſe 747, zuſammen 24676. Noch
nicht tragfähige: Aepfel 2067, Birnen 1437,
Zwet=
ſchen und Pflaumen 1475. Kirſchen 386, Aprikoſen 69,
Pfirſiche 310, Walnüſſe 392, zuſammen 6127.
Mörfelden, 20. Sept. (Sturz vom Gerüſt.) Aus
zehn Meter Höhe abgeſtürzt iſt der verheiratete Maurer
Fr. Siegel an einem Neubau. Er trug ſchwere innere
Verletzungen davon und brach einen Arm. Man hält den
Zuſtand für ſehr bedenklich.
Offenbach, 20. Sept. (Stiftung.) Das Ehepaar
Louis Feiſtmann hat anläßlich ſeines ſilbernen
Ehejubi=
läums unſerer Stadt die Summe von 20000 Mark zur
Stärkung der Joſeph und Friederike Feiſtmann=Stiftung
überwieſen. Aus den Zinſen des Stiftungsfonds
wer=
den dauernde oder vorübergehende Unterſtützungen an
bedürftige ältere Männer oder Frauen ohne Rückſicht
auf=
die Konſeſſion gewährt.
Offenbach, 20. Sept. (Das Eiſenbahnunglück.)
Die Staatsanwaltſchaft Darmſtadt hat gegen den
Schran=
kenwärter Herzog von Kleinoſtheim und den
Weichen=
ſteller L. Burkardt von hier die Anklage wegen
fahr=
läſſiger Gefährdung eines Eiſenbahntransportes und
fahr=
läſſiger Tötung erhoben. Beide Angeſchuldigte ſollen an
dem ſchweren Unfall, der ſich am 8. September auf dem
Eiſenbahnübergang zwiſchen Oberrad und hier ereignete,
ſchuld ſein.
Waldmichelbach, 20. Sept. (Vom Amtsgericht.)
Am 1. Oktober verläßt Oberamtsrichter Wünzer Wald=
Michelbach in dem er 14 Jahre als Richter tätig war, um
einer Berufung nach Darmſtadt Folge zu leiſten
Mainz, 20. Sept. (Radium für Mainz.) Nach
dem Vorbilde anderer Städte wird auf Anregung der
Großh. Bürgermeiſterei und der Direktion des ſtädtiſchen
Krankenhauſes eine Spende zur Beſchaffung
von Radium im Wege freiwilliger Beiträge
aufge=
bracht werden. Da bereits erhebliche Summen
gezeich=
net ſind ſo wird auch auf dieſem humanitären Gebiete
unſere Stadt hinter anderen größeren Gemeindeweſen
nicht zurückzuſtehen brauchen. — (Rheinnebel.) Heute
morgen herrſchte hier Nebel auf dem Rhein, ſo daß die
Schiffahrt ſtark behindert war. Manche Schiffe traten
erſt mit, ſtundenlanger Verſpätung die Reiſe an. Auch
der Waſſerſtand zeigt ſteigende Tendenz. Seit geſtern iſt
der Rhein von 1,45 auf 1,58 Meter geſtiegen, der Main
in Koſtheim von 1,19 auf 1,22 Meter.
Im
* Mainz, 20. Sept. (Ketteler=Kirche.)
Stadtteil Mombach wurde heute im Beiſein der Spitzen
der Behörden die zum Gedächtnis des früheren Mainzer
Biſchofs Wilhelm Emanuel von Ketteler errichtete Kirche
eingeweiht.
Heidesheim, 20. Sept. (Selbſtmord.) Den Tod
im Rhein geſucht hat geſtern abend die im
ſiebzehn=
ten Lebensjahr ſtehende Tochter eines hieſigen
Bäcker=
meiſters. Das junge Mädchen, für deſſen unglückliche Tat
man bis jetzt keine Erklärung hat, war am Nachmittag
auf einer Wieſe in der Flur nach dem Rhein zu mit dem
Aufſchütten von Grummet beſchäftigt, von wo aus es nicht
mehr zurückkehrte. Die Oberkleider und einige in Papier
eingewickelte Haarkämmchen lagen am Rheinufer bei den
Weidenbüſchen. Ein Schiffer vom jenſeitigen Ufer hat
den Vorfall bemerkt und Bergungsverſuche angeſtellt, die
aber erfolglos blieben.
* Gießen, 20. Sept. Wie der Gießener Anzeiger
er=
fährt, iſt der Profeſſor Dr. Albert Brackmann=
Mar=
burg zum Nachfolger des Profeſſors Werminghoff als
ordentlicher Profeſſor für mittelalterliche und neue
Ge=
ſchichte nach Königsberg i. Pr. berufen worden. —
Pro=
feſſor Dr. Koeppe=Marburg hat eine Berufung in die
neugegründete Profeſſur für Nationalökonomie an der
deutſchen Techniſchen Hochſchule in Graz abgelehnt.
* Gießen, 20. Sept. (Vom Zuge überfahren.)
Der etwa 20 Jahre alte Sohn eines Lehrers in Leihgeſtern,
der bei einem Bankhauſe in Düſſeldorf tätig war, und am
1. Oktober bei dem hieſigen Infanterie=Regiment als
Ein=
jähriger eintreten wollte, hat ſich geſtern nachmittag
zwi=
ſchen 2 und 3 Uhr in der Nähe von Klein=Linden von
einem Zuge überfahren laſſen. Es ſcheint, als ob der
junge Mann, der ſofort tot war, die Tat in einem Anfall
geiſtiger Verwirrung verübt hat.
(*) Großen=Linden, 20. Sept. (Ueberfahren
und getötet.) Vom Zuge wurde der 26 Jahre alte
Sohn des Lehrers Buß=Leihgeſtern an der Lückenbach
überfahren und getötet.
Bad Nauheim, 19. Sept. (Feuer.) Das bekannte
Gaſthaus „Schweizerhaus” iſt in der vergangenen Nacht
bis auf die Umfaſſungsmauern niedergebrannt. Die
Wirtsleute und die Gäſte entgingen mit knapper Not dem
Verbrennungstod.
(*) Nidda, 20. Sept. (Tödlicher Unfall.) Bei
der Dreſchmaſchine getötet wurde Landwirt Guſtav
Schwab=
in Kohden. Er hatte den Wagen zu lenken; dabei ſtieß
der Wagen gegen einen Stein. und die Deichſel ſchlug ihm
gegen den Unterleib. Nach kurzer Zeit ſtarb er an den
inneren Verletzungen.
Kunſtnotizen.
lleber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nacht
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
* Chopin=Abend von Raoul von
Ko=
czalski. Heute, Montag, findet im Saale des Hotels
„Zur Traube” um 8 Uhr abends das zweite Konzert Raoul
von Koczalskis ſtatt. Diesmal iſt die ganze Veranſtaltung
den Werken Chopins gewidmet, und das Programm
ent=
hält die ſchönſten Perlen Chopinſcher Muſe. Wir weiſen
empfehlend auf dieſen Abend hin.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 20. Sept. Der erſté
Bilderſchmuck in einem Eiſenbahnabteil
iſt nunmehr zunächſt in den durchgehenden Zügen,
die=
von dem Anhalter Bahnhof abgehen, angebracht worden.
Die erſten Bilder ſtellen unter anderem dar das
Kriegs=
ſchiff „Braunſchweig” und ferner Anſichten verſchiedener
Städte, wie Kaſſel, Düſſeldorf, Heidelberg, Leipzig,
Mannheim und Stettin. — Ein Gemäldediebſtahl
iſt in der vergangenen Nacht im Kunſtſalon Hohenzollern
Nummer 222.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. September 1913.
Seite 5.
im Hotel Eſplanade in der Bellevueſtraße 16, verübt
wor=
den. Nach den bisherigen Ermittelungen muß der Dieb
durch ein ganz ſchmales, kleines Luftfenſterchen
einge=
drungen ſein. Es erſcheint allerdings kaum möglich, daß
ein Mann ſo ſchlank ſein könnte, um ſich durch dieſe kleine
Oeffnung hindurchzwängen zu können. Trotz alledem gibt
es keine Spur für einen anderen Ein= oder Ausgang. Der
Dieb hat ein großes Gemälde von Hausmann, ein
Kircheninterieur aus Florenz, eine Florentiner Meſſe in
der Kirche, ein drei Meter langes Gemälde durch Schnitte
ſtark beſchädigt. Ein Tierbild, ein zwei Meter großes
Ge=
mälde von Schebeck, das einen Weißkopfgeier darſtellt, hat
er aus dem Rahmen herausgeſchnitten und mitgenommen.
Andere wertvolle Sachen hat er unberührt gelaſſen. Auf
welchen Beweggrund die Beſchädigung an dem großen
Bilde von Hausmann zurückzuführen iſt, ſteht noch dahin
Etwa einen Racheakt anzunehmen, dafür fehlt es an
jedem Anhalt. — Bei einem Wohnungsbrand
in der Urbanſtraße 106, gerieten die drei Kinder eines
Glaſers heute nacht in Lebensgefahr. Es gelang jedoch
Hausbewohnern, die Kinder noch rechtzeitig ins Freie zu
bringen. — Heute morgen gegen 8¾ Uhr iſt auf dem
Untergrundbahnhof Kaiſerdamm ein Gefreiter eines
Darmſtädter Artillerie=Regiments, als er
einen in Fahrt befindlichen Zug beſteigen wollte, zwiſchen
Zug und Tunnel geraten. Der Zug wurde ſofort zum
Stehen gebracht. Der Soldat kam mit leichten
Verletz=
ungen davon.
Frankfurt a. M., 20. Sept. (Vermißt.) Seit
Don=
nerstag wird der 19 Jahre alte Sohn des Kammerherrn
und Hofchefs der Landgräfin von Heſſen, Freiherrn von
Bothmer, vermißt. Der junge Mann war auf der
Durchreiſe von Hamburg nach Würzburg hier in einem
Hotel abgeſtiegen, wo er ſich als Herr v. Bothmer aus
Wien eintrug. Am Donnerstag iſt er, ohne überhaupt
ſeine hier wohnenden Eltern beſucht zu haben, vom
Haupt=
hahnhof abgefahren, und man vermutet, daß er nach
Frankreich gereiſt iſt, um ſich dort für die Fremdenlegion
anwerben zu laſſen, da er ſich verſchiedentlich in dem
Sinne geäußert hatte.
Frankfurt, 20. Sept. (Ein D=Zug=Dieb.) Die
Strafkammer machte jetzt einen D=Zug=Dieb unſchädlich,
der Ende April und Anfang Mai dieſes Jahres im
hie=
ſigen Hauptbahnhof ſein Unweſen trieb. Es iſt der 1878
in Neu=Iſenburg geborene Kaufmann Karl Cahn der
am 21. Mai verhaftet wurde, nachdem er etwa ein Dutzend
D=Zug=Diebſtähle mit Erfolg ausgeführt hatte. Der
Nach=
weis gelang dadurch, daß aus den Diebſtählen
her=
rührende Gegenſtände bei einer Hausſuchung in der
Woh=
nung Cahns gefunden wurden. Eine Menge dieſer
Sachen hat die Berliner Polizeibehörde zur Ermittelung
der Eigentümer in Verwahrung. Wie erinnerlich,
ent=
wendete Cahn eine Aktenmappe, die einen Wechſel über
200000 Mark und Scheckbücher enthielt. In der
Verhand=
lung leugnete Cahn. Er behauptet, die bei der
Haus=
ſuchung vorgefundenen Sachen von zwei Herren echalten
zu haben. Für die Tatſache, daß Cahn Mittäter hatte,
ſpricht der Umſtand, daß dem Gericht von unbekannter
Seite ein Brief zugegangen iſt, in dem dieſes erſucht wird,
Cahn nicht ſo ſchwer zu beſtrafen, da er nicht ſo ſchuldig
ſei, wie es den Anſchein habe. „Er tut uns ſehr leid;
helfen können wir ihm jetzt nicht. Wenn wir in
Sicher=
heit ſind,, laſſen wir noch mehr von uns hören. Wir
be=
geben uns nach einem anderen Erdteil.” So ſchreibt der
unbekannte Abſender. Das Gericht verurteilte Cahn zu
vier Jahren Zuchthaus.
Kaſſel, 19. Sept. (Unglücksfall beim
Bahn=
bau.) Beim Bahnbau Gemünden-Kirchhain hat ſich
heute nachmittag ein ſchwerer Unglücksfall zugetragen.
Ein Baugerüſt, das zum Bau einer
Eiſenbahnunter=
führung benutzt worden war, wurde abgebrochen. Es
ſtürzte teilweiſe vorzeitig zuſammen. Mehrere Balken
ſtürzten auf die unten befindlichen Arbeiter. Dabe;
wurde ein Arbeiter auf der Stelle getötet. und ein
zweiter lebensgefährlich verletzt.
Fulda, 20. Sept. (Beſitzveränderungen im
Bergbau der Rhön.) Die
Braunkohlengruben=
felder am Breuersberg bei Biſchofsheim, Glückauf,
Lina=
zeche, Bolkenſtein und Höhenwald auf der langen Rhön
ſind in den Beſitz des bayeriſchen Staats übergegangen.
Der Gewerkſchaft „Hohe Rhön=Lettengraben” iſt das
Bergwerkseigentum an Braunkohlen für weitere 800
Hek=
tar in den Gemarkungen Hauſen und Fladungen
ver=
liehen worden
Metz, 20. Sept. (Eiſenbahnunfall.) Wie aus
Hagendingen zurückkehrende Arbeiter berichten, hat
geſtern abend auf der elektriſchen Anſchlußbahn der
Thyſſenſchen Werke an einer Eiſenbahnüberführung ein
ſchwerer Zuſammenſtoß ſtattgefunden, bei dem vier
Per=
ſonen ſchwer, darunter einer lebensgefährlich und etwa
10 Perſonen leicht verletzt wurden. Das Unglück
ereig=
nete ſich, als an einem Triebwagen des von der Rampe
herabfahrenden Zuges die Luftdruckbremſe verſagte. Vier
Wagen ſind zertrümmert. Eine Anzahl Arbeiter konnte
ſich durch rechtzeitiges Abſpringen retten.
Großherzogliches Hoftheater.
Sonntag, 21. September.
Der Freiſchütz.
W-l. In der heutigen Aufführung des „Freiſchütz”
ſang Herr Becker hier erſtmalig die Partie des Max
die ja, obwohl ſie im ganzen mehr lyriſchen Charakters
iſt, häufig vom Heldentenor geſungen wird. Herr Becker
war aufs beſte disponiert und entfaltete, namentlich im
erſten Akte, viel ſtimmlichen Glanz und tonliche Energie,
ſo daß, wenn man ſeine ſonſtigen geſanglichen Vorzüge
noch hinzurechnet, die große Arie des erſten Aktes zu
beſt=
möglicher Wirkung gelangte. Den Eindruck des Dialoges
beeinträchtigte die ſchlechte Ausſprache der Vokale. Das
Aennchen hat Frau Beling=Schäfer hier ſchon bei
ihrem Gaſtſpiel mit beſtem Erfolge geſungen. Eine
durch=
aus fertige und routinierte Sängerin, wird ſie der Kritik
wohl kaum je Anlaß zu Einwendungen geben. Ihr Spiel
war ſehr lebendig, liebenswürdig und fein pointiert. Das
Duett zwiſchen ihr und Agathe zu hören, war eine
wirk=
liche Freude. Neu war noch Herr Schützendorf als
Eremit, der die Partie mit des Baſſes Grundgewalt und
ſehr eindrucksvoll ſang. Als Brautjungfern führten ſich
drei junge Damen Unger, Begas und Moore beim
Publikum vorteilhaft ein.
Die übrige Beſetzung war geblieben. Wundervoll
ſang wieder Frl. Geyersbach die Agathe und
ent=
feſſelte nach der berühmten großen Arie einen Sturm des
Beifalls. Das Herrn Stephani als charakteriſtiſcher
und ſtimmgewaltiger Kaſpar früher geſpendete Lob kann
nur wiederholt werden. Die Chöre, namentlich die
Män=
nerchöre, waren gut.
Die muſikaliſche Leitung hatte Herr Lert die Regie
führte Herr Nowack. Szeniſche Neuerungen waren nicht
vorgenommen worden. Auf den Widerſpruch, daß der erſte
Akt eine Herbſtlandſchaft darſtellt und im zweiten die
Nachtigall ſingt, haben wir früher ſchon hingewieſen.
Metz, 20. Sept. (Zugentgleiſung.) Der
Lor=
rain meldet aus St. Marie=aux=Chenes, daß heute nachr
ein Arbeiterzug der Stummſchen Gewerkſchaft in der
Nähe dieſes Ortes an einer abſchüſſigen Stelle mit der
Lo=
komotive entgleiſt iſt und vier Bremſer, die verbotswidrig
auf der Lokomotive Platz genommen hatten, um ſich vor
der Kälte zu ſchützen, durch den aus der Lokomotive
aus=
ſtrömenden Dampf ſchwer verbrüht wurden. Zwei
wurden nach Metz in das Hoſpital gebracht, ein dritter
wurde nach St. Marie=aux=Chenes gebracht.
Bernburg, 20. Sept. (Jubiläumsſtiftungen.)
Anläßlich des heutigen 50jährigen Jubiläums der
Ge=
ſchaft Solvay & Co., Brüſſel, errichteten die
Deutſchen Solvaywerke, Aktiengeſellſchaft in Bernburg, wie
der Anhalter Kurier meldet, für ihre Fabrikarbeiter und
deren Hinterbliebenen einen Penſionsfonds mit 3½
Mil=
lionen Mark; ferner wurde den Fabrik= und Bergarbeitern
die Gewährung eines jährlichen Erholungsurlaubs
zuge=
ſagt. Zur Ehrung der wiſſenſchaftlichen Verdienſte von
Ernſt Solvay überwieſen ſie der preußiſchen Akademie
für Wiſſenſchaften, deren korreſpondierendes Mitglied
Sol=
vay iſt, 250000 Mark, damit aus dem Erträgnis eine
ordentliche Mitgliederſtelle der mathematiſch=phyſikaliſchen
Klaſſe, und zwar in erſter Linie eine Stelle für den
Ver=
treter der techniſchen Wiſſenſchaften mit Fachgehalt,
aus=
geſtattet werde.
Wien, 20. Sept. (Hagelkataſtrophe.) Die
Stadt Petringe in Kroatien wurde geſtern nachmittag
von einer furchtbaren Hagelkataſtrophe heimgeſucht.
Sämtliche Telephon= und Telegraphenleitungen ſind
zer=
ſtört worden. Der Schaden beträgt über 2 Millionen
Kronen. Mehrere Perſonen, darunter deg Bürgermeiſter,
ſind verletzt worden.
Griſolles, 20. Sept. (von Winterfeldt.) Nach
dem Morgenbericht über das Befinden des deutſchen
Militärattachés von Winterfeldt hatte der Verletzte
eine etwas unruhige Nacht. Die Operationswunden ſehen
ſehr gut aus. Temperatur 37,2, Puls 98. Der Zuſtand
iſt leicht gebeſſert, aber noch immer ernſt.
Brüſſel, 19. Sept. Ein Drama auf der
Renn=
bahn Grönendoel hat ſich heute früh abgeſpielt. Der
Jockei Brown war von ſeinem Stallbeſitzer, für den er
früher geritten hatte, verabſchiedet worden. Voller Wut
erwartete Brown auf der Rennhahn ſeinen Nachfolger
Hendye bei der Morgenarbeit. Als derſelbe an ihm
vor=
überritt, zog Brown einen Revolver und ſchoß auf Hendye,
den er in den Unterleib traf . Hendye fiel vom Pferd, auf
das Brown ſich ſofort ſchwang und im Galopp davon
raſte. Er konnte bisher noch nicht eingeholt werden. Der
Zuſtand ſeines verletzten Rivalen iſt äußerſt ernſt.
Mons, 19. Sept. (Dammbruch.) Der
Kanal=
damm von Pommeroeul Antoing iſt aufs neue an der
Stelle geborſten, wo er nach dem Unfall vom
Diens=
tag wieder ausgebeſſert war. Die Fluten ſtrömten an. Der
Kanal iſt trocken. Ein Schiff iſt auf Grund
ge=
raten. Die Schiffahrt iſt unterbrochen.
Chriſtiania, 20. Sept. (Deutſche Kohlenfelder
in Spitzbergen.) Das Blatt Aftenpoſten erhielt ein
Telegramm aus Spitzbergen, wonach die bedeutenden
Koh=
lenfelder in Green Harbour wahrſcheinlich in den Beſitz
einer deutſchen Geſellſchaft übergehen werden. Der
be=
treffende deutſche Kapitaliſt ſei kürzlich von Spitzbergen
zurückgekehrt, und das Unternehmen ſei ſo gut wie
ge=
ſichert.
Charbin, 20. Sept. (Feuensbrunſt.) In der
Handelsſtadt Nigguta in der Mandſchurei brach eine
Feuersbrunſt aus, die 600 Häuſer vernichtet hat. Viele
Handelshäuſer haben bedeutende Verluſte zu verzeichnen.
Frankfurter Ausſtellungspfäne.
* Frankfurt, 20. Sept. Die ſeit einiger Zeit in
der ſtädtiſchen Verwaltung ſowohl wie in der Bürgerſchaft
beſprochenen Ausſtellungsprojekte ſind in mehreren
Vorbeſprechungen einer Kommiſſion eingehend erörtert
worden. Das Ergebnis der zahlreichen Bearbeitungen
und Beſprechungen hat ſich nunmehr, hieſigen Blättern
zu=
folge, zu zwei Plänen für große internationale
Aus=
ſtellungen verdichtet, abgeſehen davon, daß für die
Zwiſchenjahre laufende kleinere Veranſtaltungen geplant
ſind. Das eine der bereits beſchloſſenen Projekte trägt
den Titel: „Jugend und Volk im zwanzigſten
Jahrhundert” mit dem Untertitel „Internationale
Ausſtellung für Erziehung, Bildung, Ausbildung und
körperliche Ertüchtigung‟ Es handelt ſich um eine
Aus=
ſtellung, die den geſamten Komplex der Fragen umfaßt:
Kinderfürſorge, Jugenderziehung, Schulbildung
Jugend=
ſchutz und Jugendpflege, Hygiene, Sport und Spiel,
Be=
rufsbildung von den Fortbildungs=Einrichtungen an bis
zu den Hochſchulen, ferner Volksbildung und Volkskultur,
alſo um ein überaus reiches und mannigfaches Gebiet mit
zahlreichen Ausſtellern, wie Behörden, Korporationen und
Vereinen und nicht zuletzt der Induſtrie Beabſichtigt iſt,
in der Ausſtellung dieſes heute im Vordergrund des
In=
tereſſes ſtehende und als beſonders bedeutſam anerkannte
Kulturgebiet ſeiner Bedeutung entſprechend in
umfaſſen=
der Weiſe zur Darſtellung zu bringen. Für dieſe
Aus=
ſtellung kommt das Jahr 1916 in Betracht.
Im Jahre 1918 ſoll eine Ausſtellung unter der
Bezeichnung „Länder und Völker” ſtattfinden. Die
Ausſtellung wird den Beziehungen Deutſchlands zu
ande=
ren Völkern und der Völker unter einander dienen. Sie
ſoll das Intereſſe an der Heimat und an den fremden
Ländern und deren Kenntnis durch umfaſſende
Vprfüh=
rung ihrer Schönheiten und der für ſie typiſchen Erzeug
niſſe und Einrichtungen fördern, ſie ſoll außerdem die
Arten und Formen ihrer Verkehrsverhältniſſe, ihrer
Be=
ſiedlungsmöglichkeit uſw. wiſſenſchaftlich und
allgemein=
verſtändlich veranſchaulichen. Bei der Wahl der beiden
Ausſtellungsprogramme war der Geſichtspunkt
ausſchlag=
gebend, daß Frankfurt dank ſeiner zentralen Lage und
ſeiner internationalen Beziehungen vorzugsweiſe
geeig=
net erſcheint, Kulturwerte, die auf internationalen
Beziehungen aufgebaut ſind und die Pflege
inter=
nationaler Beziehungen fördern werden, durch eine
all=
gemeine Ausſtellung und die damit verbundenen
Kon=
greſſe zur Darſtellung bringen und auszubauen.
Die Schreckenstat in Mühlhaufen.
*Stuttgart, 20 Sept. Die Vernehmungendes
Lehrers Wagener ergeben immer mehr ein
weite=
res Bild davon, mit welch klarer Ueberlegung der
Maſſen=
mörder zu Werke ging. Nach de mMord in Degerloch
ent=
fernte er ſich mit dem Mordwerkzeug in einem
Hand=
koffer das Fahrrad neben ſich herſchiebend von zu Hauſe.
Das Rad ließ er als Paſſagiergut nach Ludwigsburg
be=
fördern, während er den Koffer mit dem Werkzeug in den
Eiſenbahnwagen mitnahm. Nach einem Beſuch in
Eglosheim fuhr er mit der Bahn nach
Bietig=
heim, wo er, ohne eine Spur von Aufregung zu zeigen,
mit einem Kollegen zuſammenkam. An dem Rad ließ er
ſich noch die Rücktrittbremſe in Ordnung bringen.
Als=
dann fuhr er nach Großſachſenheim und von dort nach
Untermberg und Biſſingen, um den dortigen
Enzüber=
gang zu beſichtigen, denn, ſo ſagte er: „Ich hatte doch
mit der Möglichkeit zu rechnen, daß ich auf meiner Fahrt
von Mühlhauſen nach Eglosheim verfolgt werde, und
mußte deshalb die Enzübergänge genau kennen”.
Dann ging der Weg wieder zurück nach Großſachſenheim
über Berkheim, Vaihingen Stationsbahnhof,
Kleinglatt=
bach, Illingen bis auf den Uebergang von
Mühl=
hauſen. Dort ging er vom Rad, um ſich für die
Aus=
führung der Tat vorzubereiten. Während deſſen kam ein
Mann vorbei, der ihn etwas fragte. Er gab ihm zur
Antwort, das Rad gehöre ihm, er ſolle ſeiner Wege gehen
„Wenn er, ſo ſagte er, mich länger beläſtigt hätte, hätte
ich ihn erſchießen müſſen.‟ Er ließ Rad und Ruckſack
liegen und machte ſich an die Telephonleitung. „Aber”
ſo ſagte er wörtlich, „ich hatte meine Kräfte überſchätzt”;
mit Klettern kam ich nicht hinauf und mit dem Bohren
und mit dem Einſchlagen der Kloben hatte ich zu viel
Zeit verbracht. Da mir nun das Durchfeilen der
Lei=
tung mißlungen war, konnte Mühlhauſen Vaihingen um
Hilfe erſuchen und damit war mir auch der Rückweg über
Illingen abgeſchnitten, da von daher die Vaihinger
Feuerwehr kommen mußte. Deshalb mußte ich ſo raſch
als möglich hinein in den Ort und meinen Plan
aus=
führen, wenn ich zur rechten Zeit nach Eglosheim
kommen wollte.” In welch raffinierter Weiſe Wagener
den ganzen Plan erdacht hatte, geht auch daraus hervor,
daß er vor etwa einem Jahre auf dem Degerlocher
Schießplatz ſeine Piſtolen erprobt hatte. Dabei hatte er
gefunden, daß die Feder, die die Patronen von unten her
in den Lauf einführt dem Einſchieben des Ladeſtreifens
Widerſtand entgegenſetzte. Er kam daher auf den
Ge=
danken, aus den einzelnen Ladeſtreifen die zehnte
Pa=
trone zu entfernen und nur neun darin zu laſſen, weil ſo
das Laden ſchneller vor ſich ginge. Wagener ſagte
wei=
ter, wenn ihm das Mißgeſchick nicht paſſiert wäre, daß er
in Mühlhauſen in der Aufregung beide Piſtolen
abge=
ſchoſſen hätte, ſo wäre ihm jedenfalls auch ſein Plan
ge=
lungen und er hätte auch Egolsheim heimgeſucht, wie es
nach ſeinem Plane feſtgeſetzt war. Er wollte auch in
Eglosheim morden.
Sporf, Spiel und Turnen.
Wiesbadener Herbſtrennen.
Erſter Tag. 20. September.
1. Preis von Bingen. 4510 Mark, Diſtanz
1000 Meter: 1. M. Hirſchs Doktor (Bullock), 2. Parvati,
3. Twigged it. Acht Pferde liefen. Längen: 1, Kopf, ½.
Tot.: Sieg 33:10, Pl. 12, 12. 15:10.
2. Preis von Stolzenfels. 4000 Mark, Diſt.
1400 Meter: 1. Wepes Was ihr wollt (Davis), 2.
Hof=
warpnir, 3. Dichtung. Vier Pferde liefen. Längen: 2, 1.
Tot.: Sieg 35:10, Pl. 12, 21:10.
3. Rheinland=Preis. Ehrenpreiſe und 13000
Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Dr. Lemkes Menton (
Ra=
ſtenberger), 2. Noteleß, 3. Blue Darling. Sieben Pferde
liefen. Längen: 1½, 1, Kopf. Tot.: Sieg 61110. Pl. 16,
12, 17110.
4. Wiesbadener Herbſt=Handikap.
Ehren=
preiſe und 6600 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. W.
Linden=
ſtaedts Au revoir (Davis), 2. Silvia, 3. Lavalliére.
Sieben Pferde liefen. Längen: 2, 1, 1. Tot.: Sieg 45:10,
Pl. 17, 19, 16:10.
5. Preis vom Goldenen Grund. 5000 Mk.,
Diſtanz 1000 Meter: 1. Kgl. Privat=Geſtüt Weils Eile
mit Weile (Schlaefke), 2. Magna. 3. Prinz von Sagan.
Neun Pferde liefen. Längen: 1, Kopf, Kopf. Tot.: Sieg
38:10, Pl. 16, 25, 25:10.
6. Preis von Rüdesheim. 2800 Mk., Diſtanz
3000 Meter: 1. R. Heydens Frankfurt (Printen),
2. Myrrha, 3. Zobten. Neun Pferde liefen. Längen:
¾/, 2. 4. Tot.: Sieg 36:10. Pl. 15, 16. 30:10
7. Preis von Georgenborn. 2800 Mark,
Diſtanz 3000 Meter: 1. W. Dodels Kentucky (Printen),
2. Wackerlos, 3. Guernica II. Zwölf Pferde liefen,
Längen: ¾, 1½, 2. Tot.: Sieg 20:10, Pl. 13, 18, 19110.
Am erſten Tage der diesjährigen Herbſtrennen wurden
am Totaliſator insgeſamt 202770 Mark umgeſetzt.
Zweiter Tag. 21. September.
1. Preis von Naſſau. 2800 Mark, Diſtanz 2700
Meter: 1. W. Kochs Figio Afrikanus (Wurſt), 2. The
Witt, 3. Flora fina. Sieben Pferde liefen. Tot.: Sieg
117110, Pl. 27, 16, 17110. Längen: ½, 3.
Mark.
2. Damen=Preis. Ehrenpreis und 2500VIII.
Diſtanz 3000 Meter: 1. Ltn. Prinz Heinrichs X
Conoy Island (Herfeldt), 2. Farsfield, 3. Helvetia.
Neun Pferde liefen. Tot.: Sieg 103:10, Pl. 25, 17, 48:10.
Längen: 1, ½.
3. Rofmarta. 6000 Mark, Diſtanz 4500 Meter:
1. E. von Lotzbecks Early Clofing (Martin), 2. La
Fari=
doudaine, 3. Copley. Neun Pferde liefen. Tot.: Sieg
29110, Pl. 14, 13, 17110. Längen: 1½, 4.
Taunus=Jagdrennen. Ehrenpreis und
4.
3000 Mark, Diſtanz 3600 Meter: 1. Rittmeiſter v.
Kum=
mers Adler (Leutn. v. Moßner), 2. Red Clover, 3.
Flo=
rika. Drei Pferde liefen. Sieg 16:10. Längen: 3, 3/
5. Rauenthaler Jagdrennen. 2800 Mark,
Diſtanz 3000 Meter: 1. J. Lipolds Polar Star (Fiſcher)
2. Golden Lov, 3. Faultleß. Neun Pferde liefen. Tot.:
Sieg 57:10, Pl. 24, 55. 25:10. Längen: 1½, 1½.
6. Kellers Kopfrennen. Ehrenpreis und
2600 Mark, Diſtanz 1000 Meter:
1. Herrn Neumanns
Black Fivan (Purgold). 2. Saint Denis III, 3. Gleam.
Zwölf Pferde liefen. Tot.: Sieg 23:10, Pl. 16, 30, 54110.
Längen: 1½, 2½.
7. Preis von Hattenheim. Ehrenpreis und
2600. Mark, Diſtanz 2500 Meter: 1. A. Hungers Florimont
Rebortet (Leutn. Knell), 2. Argila, 3. Prinzeſſiſe des
Urf=
fins. Acht Pferde liefen. Tot. 26:10, Pl. 13, 13, 15:10.
Längen: 2, ¾, ½.
* Fußball. F.=C. Olymvia 1898. Am geſtrigen
Sonntag begannen in allen Klaſſen und Abteilungen
unſeres Bezirkes die Meiſterſchaftskämpfe. Olympia
hatte 3 Mannſchaften ins Feld geſtellt. Die 4.
Mann=
ſchaft war ebenſo wie die alte Herrenmannſchaft ſpielfrei.
Die erſte Mannſchaft ſpielte in Mainz gegen den dortigen
Fußball=Verein und erzielte mit 0—0 ein unentſchiedenes
Reſultat. Die zweite Mannſchaft ſpielte vor gutem
Be=
ſuch auf dem Olympia=Sportplatz an der
Heidelberger=
ſtraße gegen die zweite des Mainzer Fußball=Vereins
und gewann leicht mit 3—1. Die dritte Mannſchaft
ſpielte in Mainz gegen die dritte des Mainzer Fußball=
Vereins und gewann überlegen mit 5—1.
Die Streikbewegung in England.
* Mancheſter, 20. Sept. Die Arbeit ruht
vollſtändig. Auf den Docks in Mancheſter feiern 5000
Mann; etwa 50 Schiffe werden an der Abfahrt
verhin=
dert. Die Direktoren der Kanalgeſellſchaft lehnen jedes
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. September 1913.
Nummer 222.
Zugeſtändnis ab, ebenſo den Empfang einer
Arbeiterdele=
gation. Die Arbeiter bereiten einen langen Streik vor
* Nottinaham, 20. Sept. Etwa 100 auf dem
Güterbahnhof der Midland=Eiſenbahn beſchäftigte
Arbeiter ſind heute nachmittag in den Ausſtand
ge=
treten.
* London, 20. Sept. Der Verwaltungsrat der
nationalen Vereinigung der
Eiſenbahn=
angeſtellten gab auf Grund einer heute abend
abge=
haltenen Verſammlung ein Communigué heraus, in dem
er die Mitglieder der Vereinigung in ganz England
auf=
fordert, die Arbeit wieder aufzunehmen.
* Liverpool, 20. Sept. Amtlich wird bekannt
ge=
geben, daß das Streikkomitee die von den
Eiſenbahngeſell=
ſchaften geſtellten Bedingungen angenommen
hat, aber die Beſchlußfaſſung über eine Einigung erfolgt
erſt in einer Maſſenverſammlung heute abend.
* London, 20. Sept. Der Ausſtand in
Liver=
pool iſt beigelegt. Die Arbeit wird am Montag
wieder aufgenommen werden. — Die ausſtändigen
Eiſen=
bahnangeſtellten in Crewes beſchloſſen, am Montag die
Arbeit wieder aufzunehmen.
* Sheffield, 21. Sept. Die hieſigen
Aus=
ſtändigen nehmen gemäß dem Beſchluß des
Exekutiv=
ausſchuſſes am Montag die Arbeit wieder auf.
Luftfahrt.
Die Ueberführung des Marineluftſchiffes „L 2” nach
Johannisthal.
* Friedrichshafen, 20. Sept. Das
Marineluft=
ſchiff „L. 2” iſt heute früh um 4.20 Uhr unter Führung
des Luftſchiffkapitäns Gluud zur Fahrt nach
Jo=
hannisthal aufgeſtiegen. An Vord befindet ſich die
militäriſche Marineabnahmekommiſſion. Um 5.58 Uhr
hatte das Luftſchiff Ulm in der Richtung auf Nürnberg
paſſiert.
* Nürnberg, 20. Sept. „L. 2” paſſierte 8.55 Uhr
in langſamer Fahrt die Stadt und fuhr in der Richtung
nach Erlangen weiter.
* Jena, 20. Sept. Das Marineluftſchiff
„L. 2” paſſierte um 11 Uhr 20 Minuten Saalfeld, um 11
Uhr 55 Minuten in mäßiger Höhe Jena und verſchwand
dann in nördlicher Richtung.
* Leipzig, 20. Sept. Das Marineluftſchiff „L 2"
hat um 1 Uhr Leizig überflogen.
* Berlin, 20. Sept. Das Luftſchiff „L 2” iſt heute
nachmittag 3 Uhr 45 Minuten über Berlin erſchienen.
* Berlin, 20. Sept. Das neue
Marineluft=
ſchiff „L. 2” hatte auf ſeiner Fahrt bis Nürnberg
nord=
weſtlichen Wind in einer Stärke von etwa ſieben
Sekunden=
meter.
* Johannisthal, 20. Sept. Das Luftſchiff
„L 2” iſt um 3.36 Uhr über dem Flugplatz eingetroffen
und um 4 Uhr 8 Min. glatt mitten auf dem Platze
gelandet. Das Luftſchiff iſt darauf in die Halle
ge=
bracht worden.
Mit dem Waſſerflugzeug von Friedrichshafen nach
Hamburg.
* Friedrichshafen, 20. Sevt. Ingenieur Dahm
iſt heute früh 4.30 Uhr mit ſeinem Waſſerflugzeug
„F. F. 9‟ des Flugzeugbaues Friedrichshafen zu einem
Flugnach Kiel aufgeſtiegen. Das Fahrzeug hat die
Richtung auf Baden eingeſchlagen. Es fliegt den Rhein
entlang
* Friedrichshafen, 20. Sept. Der Ingenieur
Dahm von dem Flugzeugbau Friedrichshafen iſt heute
früh um ½5 Uhr mit dem Waſſerflugzeug „F. F. 9" nach
Hamburg aufgeſtiegen. Der Flieger beabſichtigt,
an dem Wettbewerb der Nationalflugſpende teilzunehmen.
Die Fahrt des kühnen Fliegers, der erſt anfang Auguſt
ſein Pilotenzeugnis erworben hat, geht den Rhein
ent=
lang über Schaffhauſen, Mannheim, Mainz, Köln, Weſel
nach Hamburg. Unterwegs ſind verſchiedene
Waſſe=
rungen vorgeſehen. An Bord befindet ſich noch ein
Mon=
teur von dem Flugzeugbau Friedrichshafen. Bei
Schaff=
hauſen verlor Dahm die Orientierung infolge dichten
Nebels und landete. Er kehrte hierauf nach Manzell
zu=
rück und trat um ½11 Uhr erneut die Fahrt wieder an.
Er hat den Plan, die Fahrt nach Hamburg als Dauerflug
um die Nationalflugſpende aufgegeben und wird die Fahrt
rheinabwärts als Transportflug machen. Um 1.40 Uhr
iſt der Flieger in Kehl zum Einnehmen von Benzin und
Oel gelandet und hat um 3.30 Uhr Maxau paſſiert.
* Kehl a. Rh., 20. Sept. Der Ingenieur
Dahm von dem Flugzeugbau Friedrichshafen iſt mit
dem Waſſerflugzeug „F. F. 9‟ hier mittags ½2 Uhr im
Kehler Rheinhafen gelandet. Um 3 Uhr hat er die
Weiterfahrt nach Mainz angetreten.
* Köln. 20. Sept. Ingenieur Dahn, der heute früh
mit einem Waſſerflugzeua in Friedrichshafen aufgeſtiegen
war, iſt um 7 Uhr 30 Min. abends mit ſeinem Paſſagier
hier gelandet. Die Schwimmer des Apparats ſind
leicht beſchädigt. Er beabſichtigt, morgen Mittag nach
Kiel weiter zu fliegen.
Um die 100000 Mark Nationalſpende.
* Hannover, 19. Sept. Der Flieger Friedrich,
der um 5.36 Uhr morgens mit ſeinem Fluggaſt Etrich in
Calais aufgeſtiegen war, landete 5½ Uhr nachmittags
glatt auf der Vahrenwalder Heide. Er
beabſich=
tigt, morgen früh weiterzufliegen.
* Nimwegen, 19. Sept. Der Flieger Friedrich,
der um 5½ Uhr nachmittags bei Hannover landete, landete
vorher bei Nimwegen. Er erklärte, daß er beim
Ueberfliegen des Waſſers in Provinz Seeland durch den
dichten Nebel beinahe abgeſtürzt ſei.
* Hannover 20. Sept. Der Flieger Friedrich
iſt mit dem Konſtrukteur Etrich heute mittag 1.49 Uhr
zum Weiterfluge nach Berlin aufgeſtiegen.
* Johannisthal, 20. Sept. Der Flieger
Friedrich traf um 4.15 Uhr über dem Flugplatz ein
und landete 4.17 Uhr aus 500 Meter Höhe in ſteilem
Gleitflug.
* Frankfurt a. M., 20. Sept. Auf dem
Frankfur=
ter Flugplatz am Rebſtock wurde am Freitag der erſte Flug
um einen Preis aus der Nationalflugſpende
unternom=
men. Der Flieger Albrecht Schäfer ſtieg um 5 Uhr
nachmittags mit einem ſelbſtkonſtruierten Pfeil=Eindecker
zu einem Stundenflug auf und landete nach einer Stunde
und drei Minuten. Er gewann damit 1000 Mark aus der
Nationalflugſpende.
* Frankfurt a. M., 20. Sept. Das Luftſchiff
„Viktoria Luiſe” iſt heute morgen bei ſtarkem Nebel
um 8.10 Uhr zur Fahrt nach Crailsheim aufgeſtiegen, von
wo es nach einer Landung wieder die Rückfahrt nach
Frankfurt a. M. antreten wird. Gegen ½9 Uhr paſſierte
das Luftſchiff in flotter Fahrt in ziemlich geringer Höhe
Darmſtand.
* Frankfurt a. M., 20. Sept. Das Luftſchiff
„Viktoria Luiſe” das heute morgen zu einer Fahrt
nach Crailsheim aufgeſtiegen war, landete
dort=
ſelbſt gegen 11 Uhr und ſtieg nach einer Stunde zum
Rückflug nach Frankfurt a. M. auf, wo es um 3.35 Uhr
glatt vor der Halle landete.
* Frankfurt a. M., 20. Sept. Das Luftſchif
„Sachſen” iſt um 4 Uhr von Leipzig zur Fahrt nach
Potsdam aufgeſtiegen, um von dort morgen die
Fahrt nach Kopenhagen anzutreten.
* Baden=Oos, 19. Sept. Das
Militärluft=
ſchiff „Z. 1‟, welches das Kaiſermanöver mitgemacht
hatte und heute morgen um 6½ Uhr in Liegnitz
aufge=
ſtiegen war, iſt um 3.30 Uhr hier glatt gelandet.
* Mülhauſen i. Elſ., 20. Sept. Nach einem bei
den hieſigen Aviatic=Werken eingelaufenen Telegramm iſt
der Flieger Stoeffler, der am vergangenen
Diens=
tag vom Flugplatz Habsheim nach Warſchau geflogen
war, heute morgen halb 3 Uhr ruſſiſcher Zeit in
War=
ſchau wieder aufgeſtiegen. Er hat die Abſicht, nach
Paris zu fliegen.
* Mülhauſen i. Elſ., 20. Sept. Nach einem
heute mittag aus Warſchau bei der Aviatik=Geſellſchaft
eingegangenen Telegramm iſt der Flieger Stöffler,
der heute vormittag zu einem Fernflug nach Paris
aufge=
ſtiegen war, wieder nach Warſchau zurückgekehrt.
Weitere Einzelheiten fehlen.
* Warſchau, 20. Sept. Der Flieger Stöffler
geriet bald, nachdem er heute früh aufgeſtiegen war, in der
Nähe von Warſchau in ein heftiges Gewitter, das ihn
zwang, niederzugehen. Hierbei wurde der Apparat
be=
ſchädigt, ſo daß er nach Warſchau zurückkehren
mußte.
* Landau (Pfalz), 20. Sept. Einem der hier
ſtatio=
nierten Flugzeuge paſſierte geſtern nachmittag 6 Uhr
in der Nähe des Bahnhofes Mörlheim ein Unfall,
wodurch das Flugzeug, eine Rumpler=Taube, ſchwer
be=
ſchädigt wurde. Beim Rückflug aus dem Manövergelände
bei Weißenburg war Regenwaſſer in den Vergaſer
ge=
raten und der Motor ſetzte aus. Die Flieger mußten im
Gleitfluge niedergehen. Dabei geriet das Flugzeug beim
Ausrollen gegen den Bahndamm der Linie Landau=
Herx=
heim, den die Flieger vorher wegen des heftigen Regens
nicht geſehen hatten, und wurde ſchwer beſchädigt. Die
beiden Inſaſſen, deren Namen noch nicht bekannt ſind,
blieben unverletzt.
* Villacoublay, 19. Sept. Als der Flieger
Reichelt, der morgen früh zum Rückflug nach Berlin
aufſteigen wollte, heute nachmittag einen Probeflug
unter=
nahm, erlitt das Flugzeug eine erhebliche
Be=
ſchädigung. Der Flieger blieb unverletzt. Er
reiſt heute abend mit ſeinem Paſſagier Hähnel nach
Jo=
hannisthal ab.
* London, 20. Sept. An dem Rundflug um
London um den Becher der Daily Mail, dem
ſogenann=
ten Luftderby, das ſich über 153 Kilometer erſtreckt,
be=
teiligten ſich 13 Flieger. darunter zwei Franzoſen. Sieger
wurde der engliſche Flieger Hamel mit einer Flugzeit von
Stunde 15 Min. 49 Sek. Auch der zweite, dritte und
vierte Preis fielen an engliſche Flieger.
* Verſailles, 21. Sept. Der Flieger Pegoud
ſetzte ſeine Flugverſuche auf dem Flugplatz Buc fort und
warf bei einem Fluge den Apparat ſo herum, daß die
Flügel 40 Sekunden lang faſt ſenkrecht ſtanden.
* Sebaſtopol, 20. Sept. Der Militärflieger
Ar=
tillerieleutnant Fiſcher iſt aus 200 Meter Höhe
abge=
ſtürzt. Er war ſofort tot.
Landwirtſchaftliches.
Bezirkstierſchau in Gernsheim.
F.C. Gernsheim a. Rhein, 20. Sept. (
Bezirks=
tierſchau und landwirtſchaftliche
Aus=
ſtellung.) In Gernsheim a. Rh. veranſtaltete am
Samstag, Sonntag und Montag der
Landwirtſchafts=
kammer=Ausſchuß für die Provinz Starkenburg eine
Be=
zirkstierſchau des Zuchtbezirks I, der die Kreiſe
Darm=
ſtadt und Groß=Gerau ganz und vom Kreiſe Bensheim
und Heppenheim Teile umfaßt, die ganz außerordentlich
gut beſchickt war. Wurden doch nicht weniger als 86 Pferde
ſowohl vom Arbeits= als auch vom Wagenſchlag gezählt.
Die Gruppe Rindvieh — hier kamen reinraſſige
Simmen=
taler und Kreuzungstiere vom Simmentaler Schlagtyp
zur Ausſtellung — zeigte 154 Tiere. Die Gruppe Schweine
umfaßte 99 Nummern, während in Gruppe Ziegen 229
Tiere vorgeführt wurden. Gleichzeitig mit der
Bezirks=
tierſchau wurde eine
Ausſtellunglandwirtſchaft=
licher Maſchinen und Geräte veranſtaltet. Hier
waren es die Firmen Ludwig Stork=Pfungſtadt, Otto
Mayer=Arheilgen, Hermann Walb=Wolfskehlen als
Ver=
treter der Firmen Benz in Mannheim und Eckert A.=G. in
Berlin, Eduard Fiſchbach=Pfungſtadt, Jakob Darmſtadt=
Oſthofen und Ferdinand Weil=Gernsheim a. Rh., die durch
ihre Maſchinen und Gerätſchaften in allen Variationen und
neueſter Konſtruktion das Intereſſe der Landwirte, die ſich
zahlreich eingefunden hatten, weckten.
Wohl das meiſte Intereſſe und den ſtärkſten Beſuch
hatte die landwirtſchaftliche
Produktenaus=
ſtellung aufzuweiſen, die in der großen Turnhalle der
Realſchule untergebracht war und durch Oekonomierat
Fritſch=Dilshofen eröffnet wurde. Sie legte beredtes
Zeug=
nis ab von der Fruchtbarkeit der heſſiſchen Gefilde in den
Kreiſen Darmſtadt, Groß=Gerau. Bensheim und
Heppen=
heim. In allen Abteilungen des Acker= Obſt= und
Gemüſe=
baues wurden Elitepflanzen gezeigt. Ganz beſonders
fielen die Stände der Ausſteller durch die koloſſale Größe
der ausgeſtellten Objekte auf. Weißkrautköpfe, Futterrüben,
Kartoffeln uſw. nahmen bei ihren rieſigen Dimenſionen
viel Platz weg. Daß der Obſtbau in Heſſen auf der Höhe
ſteht — im Kreiſe Groß=Gerau wurden allein 80000
Obſt=
bäume gezählt — zeigte mit Evidenz die Obſtausſtellung.
Eine prächtige Sammlung von im Haushalt hergeſtellten
Obſt= und Gemüſekonſerven beweiſt, daß die Frau des
Landwirts bei Verwertung des Obſtes und Gemüſes durch
Einkochen und Konſerven der Frau des Stadtbewohners
gleichkommt, wenn nicht gar übertrifft.
Das Reſultat der in der Ausſtellung vorgenommenen
Prämiierung war in der Hauptſache folgendes: Es
erhiel=
ten: 1. Preiſe in Klaſſe: Erzeugniſſe des Ackerbaues und
Gruppe Getreide: Gebrüder Kraft=Hof Waſſerbiblos und
Hof Gräbenbruch; Gruppe Knollen= und Wurzelgewächſe,
Hülſenfrüchte ſowie Futterpflanzen: Ad. Gengnagel III.=
Crumſtadt; in Klaſſe: Erzeugniſſe des Gemüſebaues,
Gruppe Feldgemüſe: Philippshoſpital=Goddelau; Gruppe
Gartengemüſe: Gebrüder Kraft=Hof Waſſerbiblos und Hof
Gräbenbruch; in Klaſſe: Erzeugniſſe des Obſtbaues
wur=
den in Gruppe Hochſtammobſt erſte Preiſe zuerkannt:
Bei=
geordneter Einſiedel=Nauheim, Johann Günther III.=
Gernsheim, Heinrich Hammann I.=Wolfskehlen, P. Thiele=
Groß=Rohrheim, Zuckerfabrik Frankenthal in Gernsheim;
Ehrenpreiſe: E. Sünner I.=Nauheim, Johannes
Schön=
bein=Gernsheim, Paul Thiele=Groß=Rohrheim, Ph.
Me=
dieus=Gernsheim, K. Stork=Stockſtadt; in Gruppe
Obſt=
verpackung trugen erſte Preiſe davon: M. Stock II. in
Nauheim, Albert Jockel=Stockſtadt, Philipp Medieus==
Gernsheim, Johann Philipp Wetzel=Gernsheim, Paul
Thiele=Groß=Rohrheim, 2. K. Stork=Stockſtadt;
Ehren=
preiſe: Joh. Ph. Wetzel=Gernsheim, J. Bicht III.=
Gerns=
heim; in Gruppe Obſt= und Gemüſeverwertung wurden 1.
Preiſe verteilt an: Johann Mergler=Gernsheim, Sophie
Reinhard=Gernsheim, Eliſabethe Pfaff=Gernsheim;
2. Preiſe: Anna Müller=Erfelden; außerdem fiel an dieſe
je ein Ehrenpreis, ebenſo an Joſeph Felde=Gernsheim. —
In der Sammelausſtellung der Erzeugniſſe des Acker=,
Gemüſe= und Obſtbaues wurde für die zweckentſprechende
Auswahl und die gefällige Gruppierung dem
Philipps=
hoſpital in Goddelau der erſte Preis zuteil.
Die Enthüllung des Stolypin=Denkmals.
* Kiew 19. Sept. Vor dem Rathauſe wurde das
Stolypin=Denkmal feierlich enthüllt.
Zu=
gegen waren alle Miniſter mit Kokowzow an der Spitze,
die Familie Stolypin, zahlreiche Mitglieder der beiden
Kammern, die höheren Staatswürdenträger und Abge= der monarchiſchen und nationaliſtiſchen Parteien.
Nach dem Gottesdienſt, den der Metropolit von
Kiew=
zelebrierte, legte Fürſt Kotſchubey im Namen des
Kaiſers einen ſilbernen Kranz am Denkmal nieder.
Ko=
kowzow überbrachte ebenfalls einen ſilbernen Kranz
na=
mens des Kabinetts und hielt eine kurze Rede, die dem
Andenken Stolypins gewidmet war. Namens der Duma
legte der Präſident Rodsjanko einen Kranz nieder. Eine
Abordnung galiziſcher Bauern legte eine Dornenkrone
nieder, mit der Inſchrift: „Dem großen ruſſiſchen
Pa=
trioten das unterjochte Rußland”. — Das Denkmal zeigt
auf einem Sockel von grauem Granit die bronzene Statue
Stolypins in langem Ueberrock mit unbedecktem Haupte.
Um den Sockel herum befinden ſich allegoriſche Gruppen,
darinter ein ruſſiſcher Paladin als Sinnbild der Macht
und eine weibliche Figur ais Sinnbild des Schmerzes.
Den Sockel ſchmücken Inſchriften, welche verſchiedene
Stellen aus den Reden Stolypins enthalten.
Der Neu=Vorker Mord.
* Hamburg. 20. Sept. Der im Zuſammenhange
mit der Mordtat des Kaplans Schmidt in Neu=York
verhaftete Zahnarzt Muret hat ſich nach
Ermitte=
lungen der hieſigen Polizei von 1904 bis 1909 in Hamburg
unter dem Namen Arthur Heibing, geboren am 7. Februar
1887 zu Nakel, aufgehalten. Er hat ſich als Kaufmann
oder Verſicherungsagent, und verſchiedentlich auch als Arzt
ausgegeben. Im genannten Zeitraum wechſelte Heibing
vielleicht 20mal die Wohnung. Ende 1909 war er plötzlich
aus Hamburg verſchwunden. Heibing iſt wiederholt in
Konflikt mit den Gerichten geraten und wird noch jetzt
von den Gerichten in Hamburg und Berlin wegen
Be=
trügereien ſteckbrieflich verfolgt. Unter dem Namen
Mu=
ret war er ſeinerzeit auch Mitglied des Vereins chriſtlicher
junger Männer in Hamburg. Der hier wohnende
Zahn=
arzt Held, der wiederholt im Zuſammenhange mit der
Mordaffäre genannt wurde, hat mit der Angelegenheit
nichts zu tun.
Vom Balkan.
Die türkiſch=bulgariſchen Verhandlungen.
* Konſtantinöpel, 19. Sept. Das auf Grund
der türkiſch=bulgariſchen Verhandlungen
abgefaßte Protokoll ſetzt bezüglich des Indigenats,
worüber endgültig ein Uebereinkommen getroffen iſt, eine
Optionsfriſt von vier Jahren für jene Muſelmanen feſt,
die in den an Bulgarien abgetretenen Gebieten wohnen.
Während dieſer Friſt werden die Muſelmanen berechtigt
ſein, auszuwandern und ihre Güter zu verkaufen. Sie
bleiben während dieſer Zeit ottmaniſche Untertanen. Wie
verſichert wird, nahmen die bulgariſchen Delegierten den
Punkt an, welcher auf Anerkennung der Rechte der
muſel=
maniſchen Bewohner und Gemeinden ſich bezieht. Auch in
der Vakuffrage ſei im Prinzip ein Einvernehmen erzielt
worden. Die Details dieſer Fragen würden durch eine
Unterkommiſſion geregelt werden. Taswiri Eskiar ſchreibt,
man kann annehmen, daß im Hinblick auf die
Unbeſtän=
digkeit des gegenwärtigen Gleichgewichtszuſtandes auf
dem Balkan die künftigen Beziehungen zwiſchen der
Tür=
kei und Bulgarien notwendig eine andere Wendung
neh=
men, die ermöglichen werde, die Vergangenheit zu
ver=
geſſen. Auch dies hänge von der Art ab, wie die
Bul=
garen die Vertragsbeſtimmungen über die Rechte der
Mu=
ſelmanen erfüllen.
Der Friedensvertrag.
* Konſtantinopel, 21. Sept. Die techniſchen
Be=
rater der türkiſch=bulgariſchen Delegierten
arbeiteten den ganzen Tag an der Prüfung der weniger
wichtigen Fragen und an der endgültigen Redaktion des
Textes des Vertrages, der 13 oder 14 Artikel umfaſſen
wird. Ueber mehrere Artikel wurde ein Einvernehmen
erzielt. Der türkiſch=bulaariſche Friedensvertrag beginnt
mit den Worten: „Beide Souveräne, in dem Wunſche, auf
feſten, dauernden Unterlagen den Frieden herzuſtellen” uſw.
In der Einleitung wird nicht, wie im Londoner Vertrage,
von ewiger Freundſchaft geſprochen. Artikel 1 ſetzt die
bekannten Grenzen feſt. Artikel 2 erörtert die
Nationali=
tätenfrage. Hiernach wird den Bewohnern der den
Bul=
garen verbleibenden Gebiete eine Friſt von vier Jahren
gewährt, nach deren Ablauf ſie entweder auswandern oder
die bulgariſche Nationalität annehmen können. Während
dieſer Jahre werden die Muſelmanen nicht zum
Militär=
dienſt herangezogen werden. Artikel 3 behandelt die Rechte
der Muſelmanen und ihrer Gemeinden. Die Muſelmanen
ſollen dieſelben politiſchen Rechte genießen wie die
chriſt=
lichen Bulgaren. Nach Artikel 4 werden die Kaufgüter von
den muſelmaniſchen Gemeinden verwaltet. In Artikel 5
wird der allgemeine Waffenſtillſtand feſtgeſtellt. Nach
Ar=
tikel 6 findet die Räumung der den Bulgaren
verbleiben=
den Gebiete in zwei Monaten ſtatt. Artikel 7 enthält die
Beſtimmungen über den Austauſch der Gefangenen. Ein
anderer Artikel ſpricht aus, daß der Friede von London
in Kraft bleibt, ſoweit er nicht durch den gegenwärtigen
Vertrag abgeändert erſcheint. Der Vertrag tritt vom
Da=
tum der Unterzeichnung in Kraft. Die Forderungen der
Bulgaren, einen beſonderen Artikel über die Errichtung und
Inſtandhaltung von Denkmälern auf den Schlachtfeldern
in den Vertrag aufzunehmen, wurde fallen gelaſſen. Dem
Vertrage ſind mehrere Zuſatzprotokolle angefügt, in denen
die einzelnen Artikel erläutert oder ſekundäre
Angelegen=
heiten geregelt werden. Ein Protokoll betrifft die Be= für Requiſitionen ſeitens Bulgariens während
der Okkupation.
Der Austauſch der Gefangenen.
* Sofia, 19. Sept. Die Agence Bulgare berichtets
Gemäß den internationalen Regeln ließ die bulgaris
ſche Regierung der helleniſchen eine Liſte der
griechiſchen Kriegsgefangenen übermitteln. Die während
des Krieges vorſichtshalber verhafteten Griechen ſetzte ſie
Nummer 222.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. September 1913.
Seite 7.
in Freiheit. Die griechiſche Regierung lehnte es aber ab,
eine Liſte der bulgariſchen Kriegsgefangenen zu ſenden.
Sie wollte noch nicht einmal Auskunft betreffs einzelner
Fälle erteilen und ſprach den Wunſch aus, den Austauſch
der Gefangenen ohne Ueberreichung von Liſten
durchzu=
führen. Unter den in Griechenland zurückbehaltenen
Bul=
garen befinden ſich Verwaltungs=, Bank=, Poſt= und
an=
dere Beamte, die keinesfalls als Gefangene gehalten
wer=
den dürften. Ueberdies wird eine Anzahl durchaus
ehrenwerter Bulgaren gefangen gehalten, bloß weil ſie
unter türkiſcher Herrſchaft an der bulgariſchen Propaganda
mitgearbeitet haben. Die griechiſche Regierung läßt ſie
nicht nur nicht frei, ſondern verhängt über ſie alle Arten
von Martern (?), ſo daß ſchon einige infolge der
ſchlech=
ten Behandlung geſtorben ſind. Dies alles gibt zu ernſten
Befürchtungen über das Schickſal der bulgariſchen
Kriegs=
gefangenen Anlaß.
Proteſt der epirotiſchen Bevölkerung.
* Janina, 20. Sept. Wie der Agence d’Athènes
ge=
meldet wird, verurſacht die Ernennung des früheren
öſter=
reichiſchen Generalkonſuls in Janina, Bilinski, zum
Mit=
glied der Abgrenzungskommiſſion unter der
epirotiſchen Bevölkerung große Erregung,
da Bilinski wegen ſeiner antihelleniſchen Geſinnung
be=
kannt iſt. Die Bevölkerung ohne Unterſchied der Raſſe und
Religion iſt gereizt und erwartet ungeduldig die Ankunft
der Kommiſſion, um energiſch zu proteſtieren. Ein hier
erſcheinendes Blatt veröffentlich dazu einen Artikel, in
dem es erklärt, daß 150000 Chriſten, die eben erſt von der
türkiſchen Tyrannei befreit worden ſeien, infolge der
alba=
neſiſchen Politik Oeſterreichs und Italiens Gefahr laufen,
wieder in die Sklaverei zurückgeworfen zu werden. Die
Bevölkerung des Epirus fordere eine unparteiiſche
Kom=
miſſion. Die griechiſche Regierung werde die epirotiſche
Bevölkerung nicht zwingen können, einen Beſchluß
anzu=
nehmen der gegen die politiſchen Anſchauungen der
Lan=
desbewohner verſtoße. Sie ſeien entſchloſſen, bis zum
äußerſten zu kämpfen, wenn ihnen zugemutet werden ſollte,
ſich den türkiſch=albaneſiſchen Banden zu unterwerfen.
Der Beſuch des Königs Konſtantin
in Paris.
London, 19. Sept. Der König der
Hel=
lenen reiſte heute nach Paris ab und wird morgen beim
Prſidenten Poincaré frühſtücken. Am Mittwoch wird der
König nach Eaſtbourne zurückkehren.
* Calais, 19. Sept. Der König von
Grie=
chenland traf kurz nach 2 Uhr im ſtrengſten Inkognito
hier ein und reiſte um 2.46 Uhr nach Paris weiter.
* Paris, 19. Sept. Der König der Hellenen iſt im
ſtrengſten Inkognito hier eingetroffen. Der
Kö=
nig, der um 6.30 Uhr eintraf, wurde auf dem
Nordbahn=
hofe von einem Ordonnanzoffizier des Präſidenten der
Republik und dem Geſandten Romanos begrüßt. Er
be=
gab ſich in Begleitung des Geſandten und des Adjutanten
in ſein Hotel.
* Paris, 19. Sept. Paris war ſehr überraſcht,
als es heute abend erfuhr daß König Konſtantin von
Griechenland heute vormittag auf der Londoner Viktoria=
Station den Zug nach Paris genommen hat und im
hie=
ſigen Hauptbahnhof eingetroffen iſt. Seine Ankunft blieb
vollſtändig unbemerkt und konnte deshalb auch zu
keinerlei Kundgebungen Anlaß bieten.
* Paris, 21. Sept. Der König von
Griechen=
land empfing heute vormittag den Miniſter des Aeußern
Pichon. Die Unterredung dauerte etwa 40 Minuten.
Hierauf frühſtückte der König im Elyſſée, wo ihm
militä=
riſche Ehren erwieſen und die Königshymne geſpielt
wurde. Der König überreichte dem Präſidenten Poincaré
das Großkreuz des Erlöſerordens. An dem Frühſtück
nah=
men der Miniſterpräſident, der Miniſter des Aeußern, der
Kriegsminiſter und General Eydoux teil.
Darmſtadt, 22. September.
Fliegers Morgenviſite. Heute früh kurz nach
6 Uhr überflog, ein Doppeldecker in der Richtung nach
Nordoſten in flotter Fahrt unſere Stadt.
Dienſtjubiläum. Herr Kammermuſiker Paul
Uhlmann blickt am heutigen Tage auf eine 25jährige
Dienſtzeit als Mitglied der Großh. Hofkapelle zurück. In
Zeulenroda in Reuß ä. L. geboren, kam der kaum den
Knabenjahren Entwachſene nach Darmſtadt, um am
Wallenſteinſchen Konſervatorium für Muſik ſich das
Rüſtzeug eines tüchtigen Muſikers zu erwerben. In
einem Hauptfache, dem Studium der Violine, vollzog
ſich unter Konzertmeiſter Hohlfelds Anleitung ſeine
Entwickelung ſo außerordentlich raſch, daß er ſchon als
Siebzehnjähriger als 2. Geiger in die Hofkapelle
ein=
gereiht werden konnte. Wenige Jahre ſpäter rückte
er an die erſte Stimme ſeines Inſtrumentes vor. Als
hervorragend tüchtige Kraft hat ſich Herr Uhlmann auf
ſeinem Poſten ſtets bewährt und wird es hoffentlich noch
auf viele Jahre hinaus tun. Auch als Soliſt trat der
Künſtler früher oft und erfolgreich an die Oeffentlichkeit
und faſt alljährlich erſcheint er als mitwirkender Gaſt bei
den Kammermuſik=Abenden des „Darmſtädter
Streich=
quartetts” Mit dem bedeutenden Können Paul
Uhl=
manns vereinigt ſich auf das glücklichſte ein liebenswürdig
anſpruchsloſes Weſen, das ihm die Wertſchätzung ſeinee
Vorgeſetzten, wie die Zuneigung ſeiner Kollegen geſichert
und ihm außerhalb ſeiner Berufsſphäre viele Freunde
zugeführt hat. Mögen ihm die vielen
Sympathiebezeug=
ungen an ſeinem Jubiläumstage ein Anſporn zu frohem
Weiterwirken in ſeinem ſchönen Berufe ſein.
Gießen, 20. Sept. Die Großherzogliche
Handelskammer für Gießen, Alsfeld und
Lauter=
bach beging heute in Gegenwart zahlreicher Vertreter
ſtaatlicher und ſtädtiſcher Behörden, ſowie der heſſiſchen
und benachbarten preußiſchen Handelskammer die feierliche
Einweihung ihres mit einem Koſtenaufwand von
rund 100000 Mark erbauten Hauſes. Als Vertreter der
Regierung war Miniſter des Innern von Hombergk
ziu Vach und Miniſterialrat Hölzinger anweſend.
Kommerzienrat Heichelheim, der langjährige Vorſitzende
der Handelskammer, hat die Errichtung des Gebäudes
durch eine Stiftung von 60000 Mark ermöglicht und ſich
außerdem bereit erklärt, die Mehrkoſten leihweiſe zur
Verfügung zu ſtellen. Der Miniſter des Innern
über=
reichte im Auftrage des Großherzogs dem Stifter das
Ehrenkreuz des Ordens Philipps des Großmütigen.
Letzte Nachrichten,
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
Berlin, 20. Sept. Die Betriebseinnahmen
der preußiſch=heſſiſchen Staatseiſenbahnen
haben im Monat Auguſt gegen den gleichen Monat des
Vorjahres im Perſonenverkehr 5,7 Mill. Mark. gleich
8,26 Prozent, im Güterverkehr 1,1 Mill. Mark, gleich
0,78 Prozent, insgeſamt mit Einſchluß der
Mehrein=
nahmen aus ſonſtigen Quellen 7 Millionen Mark, gleich
3,20 Prozent mehr betragen. Auch die Betriebsausgaben
hatten eine ſehr erhebliche Steigerung.
* Ludwigshafen a. Rh., 20. Sept. Der ſechſte heute
vormittag hier tagende Bayeriſche
Handelskam=
mertag nahm nach einem Referat des Syndikus Dr.
Gunz von der Handelskammer in Nürnberg über die
Be=
ſeitigung der Doppelbeſteuerung bei der
Kommu=
nalſteuer einen Antrag der Handelskammer Nürnberg an,
der beſagt, es ſolle an die Königliche Staatsregierung die
Bitte gerichtet werden, daß ſie erneut mit der Königlich
preußiſchen Staatsregierung und mit denjenigen der
deut=
ſchen Bundesſtaaten behufs Beſeitigung der Fälle
ge=
meindlicher Doppelbeſteuerung im Wege eines
Staatsver=
trages in Verhandlung trete. Miniſterialdirektor Merkel
bemerkte, daß generelle Verträge mit den anderen
Bundes=
ſtaaten nicht beſchloſſen werden könnten und daß ſolche
Vorlagen ſtets glatt abgelehnt würden. Die Frage
gene=
reller Verträge ſei auch lediglich eine
Zweckmäßigkeits=
frage. Die nächſte Sitzung des Bayeriſchen
Handelskam=
mertages ſoll in Bayreuth und die übernächſte in Paſſau
abgehalten werden.
Heidelberg, 20. Sept. Heute nachmittag 3 Uhr
fand im Palais Weimar im engſten Familienkreiſe eine
Trauerfeier für die verſtorbene
Prinzeſ=
in Sofie ſtatt. Die Trauerrede hielt Staltpfarrer
Götz=Heidelberg. An der Trauerfeier nahmen außer dem
Prinzenpaar teil die beiden Brüder der Verſtorbenen,
Hermann Graf von Oſtheim und Prinz Albert von
Sachſen=Weimar, die Familie Iſenburg, der Vertreter
des weimariſchen Hofes Exzellenz Fritſch, als Vertreter
des badiſchen Hofes Oberſtallmeiſter von Göler, in
Ver=
tretung der Großherzogin Luiſe von Baden Freiherr
von Chelius, ſowie Vertreter ſtaatlicher, ſtädtiſcher,
aka=
demiſcher und militäriſcher Behörden, ferner
Deputatio=
nen des 21. und 23. Dragoner=Regiments und der Korps
Saxo=Boruſſia und Rhenania. Nach der Feier fand die
Ueberführung der Leiche nach dem Krematorium ſtatt.
Karlsruhe, 20. Sept. Die „Karlsruher Zeitung”
ſchreibt: Aus der in Hechingen erſcheinenden Zeitung
„Der Zoller” iſt in mehrere Blätter die Nachricht
über=
gegangen, daß in badiſchen Hofkreiſen die Abſicht
be=
ſtehe, vom Landtag eine „Erhöhung der
Zivil=
liſte zu verlangen. Von zuſtändiger Seite erfahren
wir, daß eine derartige Forderung an den Landtag in
keiner Weiſe beabſichtigt iſt.
Metz, 21. Sept. Wie heute die Direktion des
Stahlwerks Thyſſen in Hagendingen mitteilt, iſt die
Darſtellung der Arbeiter über den geſtern gemeldeten
Zuſammenſtoß von Wagen der elektriſchen
An=
ſchlußbahn des Werkes in Hagendingen ſehr
über=
trieben. Es ſind nur vier Perſonen leicht verletzt
worden; der Materialſchaden ſei geringfügig. Die uns
am Samstag morgen gewordene Beſtätigung der erſten
Darſtellung ſei zu unrecht und von einer Stelle erfolgt,
die dazu nicht befugt geweſen ſei.
* München, 21. Sept. Von drei Touriſten,
welche die Zugſpitze beſteigen wollten, ſind, den Münchner
Neueſten Nachrichten zufolge, zwei am Höllental
abge=
ſtürzt. Sie ſind wahrſcheinlich tot. Eine Expedition
von acht Führern iſt nach der Unfallſtelle unterwegs.
Die Namen der Touriſten ſind unbekannt.
* Caub, 21. Sept. Auf dem Feſtplatz in der Umgebung
des Blücherdenkmals fand heute die 100jährige
Ge=
denkfeier für den Rheinübergang Blüchers
in der Neujahrsnacht 1813/14 ſtatt. Zu der Feier waren
erſchienen der kommandierende General des 18.
Armee=
korps v. Schenck und der Oberpräſident der Provinz
Heſſen=Naſſau Exzellenz Hengſtenberg=Kaſſel. Längs des
Rheinufers hatten die Kriegervereine aus dem ganzen
Re=
gierungsbezirk mit ihren Fahnen Aufſtellung genommen.
Allgemein fiel eine Deputation des Deutſch=
Amerikani=
ſchen Patriotenbundes auf. Kurz vor 12 Uhr ſchritt der
kommandierende General die Front der Kriegervereine ab
und unterhielt ſich längere Zeit mit der amerikaniſchen
De=
putation und den Kriegern, die das Eiſerne Kreuz trugen.
Vor dem Blücherdenkmal begrüßte Bürgermeiſter Schmidt=
Caub die Feſtgäſte. Die Feſtrede ſelbſt hielt
Kommerzien=
rat H. Schröder aus =Nievern. Er ſchloß mit einem Hoch
auf den deutſchen Kaiſer. Landrat Berg=St. Goarshauſen
ſprach auf das deutſche Vaterland und überreichte dem
Blüchermuſeum in Caub eine Abſchrift der Aufzeichnungen
des jüngſten Stabsoffiziers aus dem Stabe des
Feldmar=
ſchalls Blücher. Muſikvorträge und Chöre umrahmten die
Feier. Ein Frühſtück auf der Pfalz im Rhein und ein
Feſtſpiel von Hofrat Spielmann=Wiesbaden ſchloſſen
ſich an.
* Herne, 22. Sept. Auf der Zeche „Teutoburgia”
wurden 3 Arbeiter durch Sturz in einen Schacht
ge=
tötet.
* Bremerhaven, 21. Sept. Das umfangreiche
Holz=
lager der Firma Suhr iſt heute früh durch eine zwei
Stunden währende Feuersbrunſt eingeäſchert
wor=
den. Für mehr als 200000 Mark Nutz= und Edelhölzer
ſind verbrannt.
* Paris, 20. Sept. Präſident Poincaré iſt um
halb 11 Uhr abends hier eingetroffen.
Grifolles, 20. Sept. Oberſt v. Winterfeld,
der Bruder des Verletzten, iſt heute nachmittag hier
ein=
getroffen. Der Befehlshaber des XVII. Korps kam heute
nachmittag, um ſich zu erkundigen. Nach dem
Abend=
berichte iſt das Befinden das Gleiche. Der Beſuch des
Bruders verurſachte eine leichte Erhöhung der Temperatur
auf 37,4. Der Puls war 112. Später ging die
Tempe=
ratur auf 37,3 und der Puls auf 104 zurück. Der
Ver=
letzte ſchläft.
Griſolles, 21. Sevt. Der Bericht der Aerzte über
das Befinden des Oberſtleutnants v. Winterfeld von
heute vormittag beſagt, daß der Heilungsprozeß ohne
Störung verläuft. Temperatur 33,8, Puls 100, Atmung 20.
Im ganzen iſt eine leichte Beſſerung zu verzeichnen.
* Rom, 20. Sept. Der rumäniſche Miniſter
des Innern Take Jonescu iſt hier eingetroffen
und am Bahnhof von dem italieniſchen Geſandten in
Bu=
kareſt und dem Privatſekretär des Miniſters des
Auswär=
tigen di San Giuliano empfangen worden.
Rom, 20. Sept. Der Jahrestag der Breſche
an der Pforte Pia iſt in ganz Italien feierlich
begangen worden. Nachmittags begab ſich ein Zug
von liberalen Vereinigungen zu Porta Pia, der auf
ſeinem Weg von der Bevölkerung lebhaft begrüßt wurde.
Bürgermeiſter Nathan hielt eine Anſprache und teilte
mit, daß er eine Begrüßungsdepeſche an den König
ab=
geſandt habe. Er verlaß ſodann die Antwort des Königs,
in welcher hervorgehoben wird, daß durch die Tapferkeit
des Volkes und des Heeres Libyen jetzt italieniſch ſei
und daß Italien die Geſamtheit ſeiner Söhne zum
poli=
tiſchen Leben herangezogen habe, damit ſie tätigen Anteil
an ſeinem Geſchicke nehmen und in der dem Wunſche
Ausdruck gegeben wird, daß die Wohltat des Friedens
der Arbeit und der Eintracht der Natien zugute kommen
möge. Die Rede des Bürgermeiſters wurde mit großem
Beifall aufgenommen.
* Treviſo 21. Sept. General Salza, der ſich in dem
italieniſchtürkiſchn Kriege ausgezeichnet hat, iſt heute
nacht plötzlich geſtorben.
* Breſt, 20. Sept. Das ruſſiſche Baltiſche
Geſchwader unter dem Befehl des Admirals Eſſen iſt.
hier eingetroffen und in der Nähe des franzöſiſchen
Ge=
ſchwaders vor Anker gegangen.
* Petersburg, 20. Sept. Saſonow hat geſtern ſeine
Auslandsreiſe angetreten und die Leitung des
Mi=
niſteriums ſeinem Gehilfen Neratow übergeben.
* Petersburg, 21. Sept. Miniſterpräſident
Kokow=
zow iſt hierher zurückgekehrt.
* Frosnyi (Terekgebiet), 21. Sept. Der Streik in
den Naphthawerken iſt beendet.
Bilbao, 20. Sept. Wie aus Galdacano gemeldet
wird, ſind bei einer Exploſion in einer Fabrik für
Exploſivſtoffe fünf Arbeiterinnen getötet worden.
HB. Madrid, 21. Sept. Das Urteil gegen den
Haupk=
mann Sanchez wurde jetzt, nachdem es von dem
ober=
ſten Kriegsgericht beſtätigt worden iſt, auch öffentlich
be=
kannt gegeben. Sanchez wurde zum Tode verurteilt. Seine
Tochter erhielt 20 Jahre Zuchthaus.
Bankſchwindel.
HB. Berlin, 20. Sept. Ein mißglückter
Bank=
ſchwindel beſchäftigt augenblicklich die hieſige
Krimi=
nalpolizei. Von der Filiale der Elſäſſiſchen Bank in
Frankfurt a. M. lief bei einem Berliner Bankhauſe die
Mitteilung ein, daß einem gewiſſen Herrn Meyer in
Ber=
lin durch Vermittelung der Deutſchen Bank 150000 Mark
ausgezahlt werden ſollen. Die Bank gab die
Zahlungs=
anweiſung an die Deutſche Bank weiter. Das Geld wäre
auch zur Auszahlung gelangt, wenn nicht kurz vor der
Auszahlung die telephoniſche Mitteilung bei der Bank
eingelaufen wäre, das Geld ſollte zu Herrn Meyer nach
der Königgrätzer Straße Nr. 47 in Berlin geſchickt
wer=
den. Dadurch ſchöpfte man Verdacht und fragte
telepho=
niſch bei der Filiale der Elſäſſiſchen Bank in Frankfurt
an. Dort erhielt man die Auskunft, es müſſe ein Betrug
vorliegen, da in Frankfurt von einer ſolchen
Zahlungs=
anweiſung nichts bekannt ſei. In dem Hauſe Königgrätzer
Straße 47 wohnt zurzeit kein Mann namens Meyer. Auch
in der dort befindlichen Penſion iſt kein Herr Meyer
ab=
geſtiegen.
Ein neuer Seeweg nach Sibirien.
* Berlin, 20. Sept. Das Wolffſche Bureau empfängt
aus Ingö (Amt Hammerfeſt) durch Funkſpruch folgendes
Telegramm: Der neue Seeweg nach Sibirien! Nach einer
drahtloſen Meldung nähert ſich der Dampfer „Correct"
der einer norwegiſchen Geſellſchaft gehört, Norwegen mit
einer wertvollen Ladung ſibiriſcher Produkten
vom Fluſſe Jeniſſei. Frithjof Nanſen hat das
Schiff herausgeſteuert, und der Leiter des Unternehmens,
Dr. Lied begleitet es zurück nach Norwegen.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Wie man matten, ſchmerzenden Füßen
Linderung verſchaffz.
Zarte Füße, Füße, welche ſchmerzen und brennen, ſchnell
ermatten und einem das Marſchieren zur Qual ſtatt zu
einem Vergnügen machen, werden in erſter Linie durch
ſäurehaltigen Schweiß verurſacht, der die äußere
Haut=
ſchicht auflöſt und die zarte Haut darunter unbeſchützt läßt.
Dieſer ſaure Schweiß frißt ſich ſozuſagen durch die
Ober=
haut und zerſetzt ſie, genau ſo wie er Strümpfe und
Schuh=
werk ruiniert. Faſt alle Unbilden der Füße ſind auf die
zer=
ſetzende, reizende Wirkung dieſer ſauren Ausſcheidungen
zurückzuführen, und durchweg alle Fußleiden werden
da=
durch verſchlimmert. Baden der Füße, der Gebrauch von
Einreibemitteln, gewöhnlichem Talk oder Fußpulver
kön=
nen nicht viel helfen, da ſie die Säure nicht neutraliſieren,
noch deren Bildung verhüten. Die Säure aber muß
neu=
traliſiert und die ermatteten Poren geſtärkt werden, um
der übermäßigen Schweißabſonderung vorzubeugen.
Zwei=
fellos das beſte neutraliſierende Mittel, das man hierfür
kennt, iſt wohl ſinethiert. Talc, wie man ihn in jeder
Apo=
theke oder Drogerie bekommt. Davon ſtreue man jeden
Morgen ein wenig in die Strümpfe, man wird über die
erzielte ſofortige und andauernde Linderung erſtaunt
(VIII, 19602
ſein.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben Schweſter,
Schwägerin und Tante, ſowie Herrn Pfarrer
Beringer für die troſtreichen Worte am Grabe
ſprechen unſeren herzlichen Dank.
19624
Die trauernden Hinterbliebenen.
J. d. N.:
Wilhelm Büchler.
Darmſtadt, den 21. September 1913.
Tageskalender.
Chopin=Abend von Raoul v. Koczalski um 8 Uhr
im Hotel „Zur Trauhe‟
Bilder vom Tage (Auslage Expedition Rheinſtr. 23):
Zur Tauſendjahrfeier der Stadt Kaſſel: Blick aus einem
Zeppelin=Luftſchiff auf den Kaſſeler Juſtizpalaſt. — Ein
deutſcher Bahnhof in der Schweiz: der neue badiſche
Bahnhof in Baſel, Ueberſicht der Gleisanlagen für den
Perſonenverkehr, Mittelbau und Haupteingang. — Die
folgenſchwere Exploſionskataſtrophe in Koburg: die
Trümmer des eingeſtürzten Hauſes.
Eine große
Probemobilmachung in Dänemark.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 22. September.
Hofreite=Verſteigerung des Jakob Gebhardt
(Neue Ireneſtraße 3) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für des Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige.
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht.
zurückgeſandt.
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. September 1913.
Nummer 222.
Das bDarmſtädter Taablatte
erſcheint vom 1. Oktober an
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Men
Nummer 222.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. September 1913.
Seite 11.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 deutſcher Schäferhund (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dort=
ſelbſt jeden Werktag, vorm. 10 Uhr, ſtatt.
(19576
Straßenſperre. Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten wird
der weſtliche Teil des Marktplatzes vom 22. bis zum 24. Sept.
ds. Js. für den Fuhrwerks= und Radfahrverkehr geſperrt.
(19610
Aenderung des § 9 des Ortsbauſtatuts für die Stadt Darmſtadt.
Die Stadtverordneten=Verſammlung hat am 11. d. Mts. die
nachſtehend im Entwurf abgedruckte Aenderung des § 9 Ord.=Nr. 1
des Ortsbauſtatuts beſchloſſen.
Einwendungen gegen dieſe Statutänderung ſind bei Meidung
des Ausſchluſſes während der Zeit vom 22. September bis
ein=
ſchließlich 7. Oktober d. Js. bei dem Stadtbauamt (Grafenſtr. 30)
vorzubringen.
(19598os
Darmſtadt, am 19. September 1913.
Der Oberbürgermeiſter
J. V.: Ekert.
Entwurk.
Aenderung
des § 9 des Ortsbauſtatuts für die Stadt Darmſtadt.
Auf Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung vom 11.
Sep=
tember 1913 wird, nach Begutachtung durch den Kreisausſchuß, mit
Genehmigung Großh. Miniſteriums des Innern vom . . . . . . . .
zu Nr. M. d. J. . . . . . . . die unter Ordnungs=Nummer 1
ver=
zeichnete Beſtimmung des am 29. Oktober 1910 erlaſſenen
§ 9 des Ortsbauſtatuts für die Stadt Darmſtadt hiermit
aufge=
hoben und auf Grund des Art. 197 der Städteordnung durch
fol=
gende Beſtimmung erſetzt, die ſofort in Kraft tritt:
§ 9.
Die Anlieger haben nach Maßgabe der Vorſchriften des Artikels 21
der Allgemeinen Bauordnung und des Artikels 197 der
Städteord=
nung zu tragen:
1. Den Aufwand für den Erwerb des für die Straßen, einſchl.
der Straßenkreuzungen, erforderlichen Geländes, und zwar in
zweiſeitig bebaubaren Straßen je die Hälfte bis zu einer Breite
von je 10 m, in einſeitig bebaubaren Straßen und in Straßen
an Plätzen bis zu einer Breite von 12 m.
(.
Eiſch=Kochkurſe.
Die Fiſch=Kochkurſe, die im Vorjahr für Frauen und Mädchen
auf Koſten der Teilnehmerinnen ſtattfanden, erfreuten ſich eines
großen Zuſpruchs. Verſchiedene Nachmeldungen konnten nicht mehr
berückſichtigt werden. Es ſollen deshalb auch in dieſem Herbſt wieder
derartige Kurſe eingerichtet werden.
Die Kurſe werden nach Bedarf in den Küchen der
haus=
wirtſchaftlichen Fortbildungsſchule in der Rundeturm=,
Lager=
haus= und Hermannſtraße abgehalten. Jeder Kurſus wird
4 Uebungstage zu je 3 Stunden umfaſſen, die nach Wahl in die Zeit
von 3—6 Uhr nachmittags oder 7—10 Uhr abends verlegt werden
können. — Die hergeſtellten Gerichte werden jedesmal am Schluſſe
des Unterrichts in gemeinſamer Mahlzeit von den Teilnehmerinnen
verzehrt. — Von den Küchenreinigungsarbeiten ſind die
Teilnehme=
rinnen dieſer Kurſe befreit.
Alle, die ſich an dieſen Kurſen beteiligen wollen, werden erſucht,
ich am Dienstag, 23. ds. Mts., zwiſchen 4—5 Uhr, in der
Schulküche der Abteilung I der hauswirtſchaftlichen
Fortbildungs=
ſchule, Rundeturmſtraße 11, bei dem Leiter der Anſtalt zu melden.
Die Koſten betragen für jede Teilnehmerin 3 Mk.; ſie ſind
bei der Anmeldung zu entrichten. Weitere Koſten entſtehen nicht
Darmſtadt, den 17. September 1913.
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Darmſtadt, 19. September 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
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Mittwoch, den 1. Oktober d. J., nachmittags 3 Uhr, wird
im Rathausſaal hier der Platz zur Aufſtellung eines Karuſſells für
die am 2. und 3. November d. J. ſtattfindende Kirchweihe und
die=
am 9. November folgende Nachkirchweihe öffentlich verſteigert.
Arheilgen, den 18. September 1913.
(19572oa
Großh. Bürgermeiſterei daſelbſt.
Benz.
Steckbrief=Erledigung.
Der gegen den zur Dispoſition
der Erſatz=Behörden entlaſſenen
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Darmſtadt erlaſſene Steckbrief iſt
erledigt.
(19620
Darmſtadt, 18. Sept. 1913.
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Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. September 1913.
Nummer 222.
Vorſicht!
Es ſind uns in der letzten Zeit mehrfach
Beſchwerden darüber zugegangen, daß in
öffentlichen Lokalen ſtatt des geforderten
coffelnfreien Kaffee Hag, gewöhnlicher
coffelnhaltiger Kaffee ſerviert worden ſei.
In einem Falle erfolgte ſogar eine
ge=
fährliche Erkrankung des betreffenden Gaſtes,
dem coffelnhaltiger Kaffee wegen eines
Leidens vom Arzte verboten war. (
Be=
kanntlich dürfen ſich Herz=, Magen=,
Nerven=
leidende und andere Kranke den
Coffeln=
wirkungen des gewöhnlichen Kaffees nicht
ausſetzen.)
Eine chemiſche Unterſuchung des in den
betreffenden Lokalen ſervierten angeblich
coffelnfreien Kaffees hat leider die Richtigkeit
aller Beſchwerden ergeben.
Wenn nun auch in einem gut geführten
Lokale derartiges nicht vorkommen darf, ſo
haben wir doch im Intereſſe der Geſundheit
unſerer Konſumenten die Anordnung treffen
müſſen, daß der als „Coffelnfrei” ſervierte
Kaffee ab und zu auf ſeinen Coffelngehalt
unterſucht wird. Wir bitten auch die
Kon=
ſumenten, in allen zweifelhaften Fällen uns
Proben des betreffenden Getränkes etwa
in Menge einer halben Taſſe zur chemiſchen
Prüfung einzuſenden.
In den meiſten Fällen dürfte eine
Ver=
fehlung des Küchenperſonals vorliegen, dem
die geſonderte Zubereitung einer Taſſe
coffelnfreien Kaffees zu unbequem iſt. Die
Angeſtellten beachten dabei nicht, daß ſie ſich
durch ihr Verhalten nicht nur ſelbſt, ſondern
auch dem Lokalinhaber unliebſame geſetzliche
Folgen zuziehen.
Abgeſehen davon, daß die
Nahrungsmittel=
polizei in allen ſolchen Fällen ohne weiteres
einſchreitet, kann auch, wenn ein Gaſt, der
Coffeln nicht vertragen kann, an ſeiner
Ge=
ſundheit geſchädigt wird, ein Verfahren wegen
Körperverletzung und ein
Entſchädigungs=
prozeß die weitere Folge ſein.
Bei dieſer Gelegenheit bemerken wir,
in Erledigung zahlreicher, an uns ergangener
Anfragen, daß es heute in jedem beſſeren
Lokale Deutſchlands, Oeſterreichs, der Schweiz
und Hollands ohne Schwierigkeiten möglich
iſt, dem Wunſche der Gäſte nach
coffeln=
freiem Kaffee Hag zu entſprechen, da er
mindeſtens in jedem größeren Geſchäft
vor=
rätig iſt.
(III,19597
Kaffee-Handels-Mktiengesellschaft
Bremen.
Weiblich
ſucht Filiale zu über=
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Branche. Off. u. T 9 Exp. (*9343oi
Jüngeres Fräulein aus beſſerer
Familie, welches längere Zeit im
Büro tätig war, ſucht ſich zu
ver=
beſſern. Off. u. T 8 Exp. (*9338
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d. Hauſe. Off. u. § 74 Exp. (*9191so
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Ich werde dafür ſorgen — verlaſſen Sie ſich darauf!
ſagte der Kriminalpoliziſt mit einem merklichen Klang von
Sarkasmus in der Stimme. Wollen Sie uns, bitte, den
Gang freigeben, meine Herrſchaften!
Gemeinſam mit Werner trug er die Bewußtloſe zur
Ausgangstür, während ſich der Gendarm mit Magdas
Koffer und mit den beiden Gepäckſtücken des Doktors
be=
lud.
Dort hinein — in das Stationsgebäude! befahl er
kurz. Und ſchon öffnete ihnen einer der
Eiſenbahnbedien=
ſteten bereitwillig die Tür eines bureaumäßig
ausgeſtatte=
ten Raumes, über deſſen Eingang die Aufſchrift „
Bahn=
polizei” zu leſen war.
Wir bringen Ihre Frau dort in das Nebengemach,
ordnete der Beamte an. So — hier auf der Bank liegt
ſſie einſtweilen bequem genug. — Gendarm —
telephonie=
ren Sie nach dem Arzt, und ſorgen Sie für irgendeine
weibliche Perſon, die der Arreſtantin beiſtehen kann.
Zu=
nächſt aber benachrichtigen Sie den Stationsvorſteher, daß
der Abfahrt des Zuges unſererſeits kein Hindernis mehr
entgegenſteht.
Zu Befehl, Herr Kommiſſar! erwiderte der
Baum=
lange in dienſtlicher Haltung und ſtapfte hinaus. Der
Kriminalbeamte aber wandte ſich wieder gegen Werner,
der ziemlich ratlos um die mit geſchloſſenen Augen
Da=
liegende bemüht war.
Laſſen Sie das jetzt, Leißner! Und folgen Sie mir
in das Dienſtzimmer! — Ich denke, wir haben ein paar
Worte miteinander zu reden.
e
der Heftigkeit auf.
Das denke ich allerdings auch. — Was, zum Henker,
fällt Ihnen denn eigentlich ein? — Wie können Sie ſich
unterſtehen, ſo mit mir zu ſprechen? Und wie kommen
Sie dazu, mich Leißner zu nennen? Ich bin der
Privat=
dozent Dr. Werner Marold. Und die Dame iſt nicht
meine Frau, ſondern ein Fräulein Magda Seyfried, für
die ich im übrigen jede Bürgſchaft übernehme.
Ohne ſich durch die zornige Redeweiſe des Empörten
irgendwie gekränkt oder eingeſchüchtert zu zeigen, deutete
der Kommiſſär abermals auf die in den Nebenraum
füh=
rende Tür.
Darf ich alſo bitten, Herr Doktor? — Vorderhand
werden Sie ſich eben wohl oder übel bequemen müſſen,
meinen Anordnungen Folge zu leiſten.
Da in dieſem Augenblick ein älteres weibliches Weſen
von recht vertrauenerweckendem Ausſehen erſchien, um der
Ohnmächtigen bis zum Eintreffen des requirierten Arztes
Samariterdienſte zu leiſten, verzichtete Werner auf einen
weiteren Widerſpruch und trat mit dem Beamten, der die
Verbindungstür hinter ſich zuzog, in das Dienſtzimmer
ein. Hier aber erſuchte er deſto energiſcher und
nachdrück=
licher um eine Erklärung für das unerhörte und durch
nichts motivierte Attentat auf ſeine perſönliche Freiheit.
Der Kommiſſar fixierte ihn ein paar Sekunden lang mit
durchbohrendem Blick, bevor er erwiderte:
Sie bleiben alſo bei der Behauptung, ein Doktor
Ma=
rold und von Beruf Privatdozent zu ſein? — Sind Sie
in der Lage, ſich über Ihre Perſon auszuweiſen?
Gewiß! — Ich reiſe niemals ohne ausreichende
Legi=
timation. Hier iſt mein Paß, und hier ein von der
Poſt=
behörde meines Wohnortes gefertigter Ausweis, dem, wie
Sie ſchen foger mene Peinechſie auſeicht ſ. Diek=
Dokumente müſſen Ihnen unbedingt genügen.
Der Beamte, deſſen bisherige Sicherheit nun doch ins
Wanken zu kommen ſchien, nahm die Papiere in Empfang
und begann ſie unter beſtändiger Vergleichung der
Per=
ſonalbeſchreibung mit dem Aeußeren des vor ihm
ſtehen=
den „Arreſtanten” ſehr aufmerkſam zu ſtudieren. Es
währte lange, bis er mit ſich ſelber über das Reſultat der
Prüfung ins reine zu kommen ſchien; dann aber zeigte er
plötzlich ein völlig verändertes Benehmen.
Dieſe Legitimationspapiere ſind ohne Zweifel
ord=
nungsgemäß ausgeſtellt, ſagte er ſehr höflich. Und wenng
wie es danach den Anſchein gewinnt, Ihre Siſtierung in
der Tat auf Grund eines höchſt bedauerlichen Irrtums
erfolgte, ſo kann ich Ihre Erregung durchaus begreifen,
Ich werde Ihnen ſelbſtverſtändlich erklären, wie ich das.
zu gekommen bin. Aber ich erbitte von Ihnen zuvor —
als eine beſondere Freundlichkeit, wie ich ausdrücklich
be=
merken will — noch irgendeine weitere Beſtätigung Ihrer
Identität mit dem in den Dokumenten genannten Dr
Werner Marold. Sie führen ja vielleicht einige an Sie
gerichtete Briefe bei ſich — einige Viſitenkarten oder etwas
dergleichen.
Ohne Beſinnen nahm Werner den Schlüſſel ſeiner
Reiſetaſche aus dem Portemonnaie, öffnete ſie und legte
eine Anzahl noch in ihren Umſchlägen ſteckender Briefe
vor den Kommiſſär auf den Tiſch. Diesmal war der
Be=
amte mit der Durchmuſterung ſehr ſchnell fertig geworden,
und mit einer ſehr artigen Verbeugung gab er die Briefe
ihrem Eigentümer zuück.
Es bleibt mir alſo nur, Sie wegen des begangenen
Mißgriffs herzlich um Entſchuldigung zu bitten, Herr
Dok=
tor! — und Ihnen mitzuteilen, wie er ſich ereignen konntel
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. September 1913.
Nummer 222.
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Vor wenig mehr als zwanzig Minuten empfing ich ein
dringendes dienſtliches Telegramm der Münchener Polizei
mit dem Auftrage, den Expreßzug Innsbruck=Verona nach
einem ſteckbrieflich verfolgten Verbrecherpaar zu
durch=
ſuchen. Es handelt ſich um einen gewiſſen Robert Leißner
und ſeine Frau, deren Signalement ſich ſchon ſeit
vor=
geſtern in meinen Händen befindet. Vielleicht ſind Sie
durch die Zeitungen über den Fall unterrichtet?
Werner, deſſen Aufmerkſamkeit viel mehr auf jedes
leiſe Geräuſch im Nebenzimmer als auf die Erklärungen
des Beamten gerichtet war, ſchüttelte verneinend den Kopf,
und der Kommiſſär fuhr fort:
Ein großes Berliner Bankinſtitut iſt vor vier oder
fünf Tagen mittels eines raffiniert gefälſchten
Kredit=
briefes um die hübſche Summe von
achtundzwanzigtau=
ſend Mark geſchädigt worden, und mit Hilfe des
Ver=
brecheralbums, das man dem düpierten Kaſſenbeamten
vorlegte, ließ ſich feſtſtellen, daß der Urheber des Betruges
identiſch iſt mit einem gewiſſen, wegen Hochſtapelei ſchon
wiederholt beſtraften Robert Leißner aus Wien.
Be=
ſtimmte Anzeichen ließen darauf ſchließen, daß der
Be=
trüger in Gemeinſchaft ſeiner Frau, die als eine auffallend
ſchöne Erſcheinung bezeichnet wird, in das Ausland zu
entkommen ſuchen würde. Und ich habe ſchon ſeit
vor=
geſtern alle hier in der Richtung nach Oeſterreich
durchpaſ=
ſierenden Züge unauffällig nach den beiden revidiert. Das
vorhin aufgegebene Telegramme aber muß auf Grund des
ſſehr beſtimmten Verdachts erlaſſen worden ſein, daß ſich
Leißner und Frau gerade in dieſem Expreßzug befänden,
und ich habe mir deshalb zur Erleichterung der etwa
not=
wendig werdenden Verhaftung den Gendarmen gleich
mit=
genommen.
Und wie, um des Himels willen, verfielen Sie in
Ihrem kriminaliſtiſchen Eifer gerade auf mich?
Das offenkundige Entſetzen, in das mein Anblick oder
e e e e e e
verſetzte, mußte notwendig meinen Verdacht erregen. Und
als ich Sie dann näher ins Auge faßte — bitte, da iſt der
Steckbrief gegen Leißner. Urteilen Sie ſelbſt, ob mein
Mißgriff ein ganz unentſchuldbarer geweſen iſt.
Werner überflog die Perſonalbeſchreibung des
Ver=
folgten.
Groß — blond — blaue Augen — Spitzbart — aber
zurzeit wahrſcheinlich glattraſiert. Elegante Erſcheinung
ſicheres, ſelbſtbewußtes Auftreten. Es ſcheint in der
Tat, daß das eine oder das andere Kennzeichen auch auf
mich zutrifft. — Aber es iſt doch wohl kaum anzunehmen,
daß auch die Dame, die Sie für meine Frau hielten, der
geſuchten Frau Leißner ſo überraſchend ähnlich ſein ſollte.
In bezug auf ſie ließ mich die Perſonalbeſchreibung
des Steckbriefs leider faſt ganz im Stich. — Ungefähr drei=
und zwanzig Jahre alt — von mehr als mittelgroßer,
auf=
fallend ſchöner Erſcheinung — und — bezüglich dieſes
Punktes muß ich mich allerdings eines Verſehens ſchuldig
bekennen: — üppiges, rotblondes Haar. — Sie können ſich
denken, mein Herr, in wie hohem Maße peinlich mir der
bedauerliche Irrtum iſt. Aber, ich glaube kaum, daß er
ſich hätte ereignen können, wenn nicht das ſonderbare
Be=
nehmen der jungen Dame — — aber da iſt ſie ja ſelbſt!
Die Tür des Nebengemaches hatte ſich geöffnet, und
Magda ſtand auf der Schwelle, noch etwas bleich, aber
aufrecht und ſtolz, und mit einem kleinen, faſt ſchelmiſchen
Lächeln auf dem ſchönen Geſicht.
Ich habe den Herren, wie es ſcheint, ſehr große
Un=
gelegenheiten verurſacht, ſagte ſie liebenswürdig. Darf ich
auf Ihre freundliche Nachſicht hoffen?
Mit einigen raſchen Schritten war Werner Marold an
ihrer Seite.
Wie fühlen Sie ſich? frage er. Haben Sie den
An=
fall auch wirklich ganz überwundens
Baiſndig, der Deiert =So rchelſc ich meine
Nerven zuweilen anſtellen, ſo ſchnell laſſen ſie ſich doch in
der Regel wieder zur Ordnung rufen.
Und wollen Sie mir nicht ſagen, wodurch Sie vorhin
ſo ſehr erſchreckt wurden? — Kann der bloße Anblich
einer Poliziſtenuniform Ihre Nerven ſo alterieren?
Sie ſchüttelte den Kopf.
Ich ſelbſt habe ja kaum eine Erklärung dafür, wie
es geſchehen konnte. Es muß eine Art von Halluzination
geweſen ſein, der ich zum Opfer fiel — die Wirkung einer
gräßlichen Erinnerung, die noch ſo friſch in meinem
Ge=
dächtnis haftet, daß mich ihr Wiederaufleben völlig
über=
wältigte. Vor zwei Tagen, als ich in Begleitung einer
be=
freundeten Familie zu ſpäter Nachtſtunde aus einem
Münchener Reſtaurant auf die Straße hinaustrat, war ich
zur Augenzeugin eines ſchrecklichen Vorganges geworden.
Eine Rotte roher, betrunkener Burſchen, die einander in
blinder Wut mit Knütteln und Meſſern bearbeiteten,
ver=
ſperrte uns den Weg. Plötzlich rief einer von ihnen: Sie
kommen! — Sie kommen! und wir ſahen auch ſchon die
Helme einiger im Geſchwindſchritt herzueilender
Schutz=
leute. Ich kann Ihnen die Einzelheiten nicht erzählen,
denn ich war vor Schrecken halb ohnmächtig und unfähig,
einen Schritt zu tun. Ich weiß nur, daß einer der
Poli=
ziſten, vermutlich weil er angegriffen worden war, mit
ſeinem Säbel auf einen wie unſinnig brüllenden Burſchen
einſchlug und daß der Menſch mit blutüberſtrömtem Kopfe
unmittelbar vor meinen Füßen niederſtürzte. Dann
ver=
lor ich das Bewußtſein und kam erſt wieder zu mir, als
meine Freunde mich in einer Droſchke nach Hauſe gebracht
hatten. — Es muß, wie geſagt, die Erinnerung an dieſe
ſchauerliche Szene geweſen ſein, die mich vorhin beim An4
blick des Poliziſten um alle Beſinnung brachte,
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 922.
Darmſtädter Tagblatt, MMontag, den 22. September 1915.
Seite 15.
die
nichtfettende
Hautcréme
Kongreſſe und Verbandstage.
Sozialdemokratiſcher Parteitag.
— Jena, 19. Sept. Am heutigen fünften
Sitzungs=
tage wurde die Beſprechung der Steuerfrage zu
Ende geführt. Der zweite Referent, Abgeordneter Dr.
Südekum, führte aus, daß man ſich, um die Haltung
der Fraktion richtig zu beurteilen, die Entwickelung des
Reichsfinanzweſens und die politiſche Lage vor Augen
halten müſſe. Wenn die Sozialdemokratie jetzt an der
Schaffung der Beſitzſteuern mitgearbeitet hat, ſo hat ſie
damit lediglich die Maſſenintereſſen verteidigt. Die
Par=
tei hat in den Steuerfragen immer dieſelbe Stellung
ein=
genommen, aber wenn das nicht wäre ſo wäre das auch
noch kein Unglück, denn die Partei ſei keine Partei von
Antiquaren. In dem Wehrbeitrag ſei ein gut Teil von
Programmforderungen erfüllt. Man habe von zwei
Uebeln das kleinere gewählt und es wäre gut, wenn man
immer nur ein ſolches Uebel zu wählen hätte, wie das hier
der Fall war. — In der Diskuſſion greift
Abgeord=
neter Geyer=Leipzig die geſtrige Rede Wurms an. Die
theoretiſchen Ausführungen waren falſch. Wenn man die
Arbeiter vor neuen Laſten bewahren will, ſo tut man das
nicht, indem man eine Milliarde bewilligt. Wurm habe
erſt auch einen anderen Standpunkt vertreten. —
Win=
ning=Hamburg verteidigt die Fraktion. —
Abgeord=
neter Hoch: Beide Referenten haben den ſchmählichen
Umfall der Nationalliberalen und Fortſchrittler in der
Deckungsvorlage, durch die wir vollkommen ausgeſchaltet
ſind, nicht erwähnt. Durch die Reſolution Wurms
wer=
den die Gegenſätze nur verkleiſtert. — Roſa
Lurem=
burg greift mit großer Schärfe und beißender Ironie
das Referat Wurms an. Wurm habe es fertiggebracht,
innerhalb zwölf Wochen einen radikalen
Geſinnungs=
wechſel vorzunehmen, er ſolle ſich nur das ſchöne Lied das
er ſich ſeinerzeit in der Fraktion ſelbſt gewünſcht hatte,
nämlich „Heil dir im Siegerkranz” aufſpielen laſſen.
(Große Unruhe.) Die Stellungnahme der Fraktion ſei
geradezu eine Ohnmachtserklärung. Man weiß nicht, ob
man es vom Standpunkt des „kleineren Uebels”
rechtfer=
tigen kann, die Poſition aufzugeben und die grundſätzliche
Stellung zu verlieren. — Abgeordneter David: Die
tiefere Weisheit der Reſolution der Radikalen iſt nichts
weiter als der höhere Blödſinn. (Unruhe.) Roſa
Luxem=
burg will nur unſere ganze parlamentariſche Arbeit
dis=
kreditieren. (Widerſpruch, große Unruhe.) Der Erfolg
der Ablehnung der Steuern wäre die Auflöſung des
Reichstages geweſen, und das wollten die Konſervativen
gerade; denn in dem dann folgenden Wahlkampf wären
wir in die denkbar ſchlimmſte Lage geraten. —
Abgeord=
neter Richard Fiſcher=Berlin: Die Regierung hätte
gar keine Beſitzſteuervorlage eingebracht, wenn wir nicht
110 Abgeordnete und viereinhalb Millionen Wähler
hätten. Die Macht der Sozialdemokratie war alſo
aus=
ſchlaggebend. Es wäre ein verkrechkriſcher Leichtſinn
wenn man von dieſer Regierung auch in Zukunft beſſere
Steuern auf beſſerer Grundlage erwarten wollte. —
Ab=
geordneter Stadthagen: Die Poſition der Gegner
muß doch recht ſchwach ſein, wenn ſie im ganzen
vierein=
halb Stunden gebrauchten, um ſich zu rechtfertigen. Wir
hätten auf eine Auflöſung des Reichstages hinarbeiten
müſſen, man hatte aber Angſt vor dem patriotiſchen
Rum=
mel. — Abgeordneter Em mel=Straßburg tritt dem bei.
Die Kraft der Sozialdemokratie braucht man nicht nach
der Zahl der Mandate einzuſchätzen.
Abgeordneter
Molkenbuhr bringt einen Brief Bebels zur
Ver=
leſung, der augenſcheinlich deſſen letzter war. Bebel ſpricht
ſein Einverſtändnis mit der Haltung der Partei aus,
in=
dem er ſchreibt, daß man der Debatte über die Fraktion
den Hals umdrehen müſſe. — Da ſich zu dieſer Debatte
52 Redner zum Wort gemeldet hatten, ſo mußte, um das
Thema heute zu beenden, nach einigen weiteren Rednern
die Guillotine des Schlußantrages Platz greifen. Es
wird darauf die Reſolution des Parteivorſtandes
ange=
nommen und die radikalen Reſolutionen werden
abge=
lehnt. — Darauf Vertagung auf morgen.
Stimmen aus dem Publikum.
Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
feinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— Wie ich vor kurzem las, ſollen die ſtädtiſchen
Straßenlaternen um einige vermehrt werden, und möchte
ich daher die löbl. Stadtverwaltung auf einen Uebelſtand
aufmerkſam machen, der ſich bei dieſer Gelegenheit leicht
beſeitigen ließe. In dem Teil der Mühlſtraße zwiſchen
Woogsplatz und Schwimmbadecke (Riedlingerſtraße)
herrſcht nachts, wenn nur noch die Signallaternen
bren=
nen, eine ägyptiſche Finſternis, daß man tatſächlich die
Hand nicht vor den Augen erkennen kann. Die einzige
Laterne, die der Straße etwas Licht geben könnte, wird
durch Laub völlig abgeblendet, und die beiden anderen,
die am Rand des Schwimmbadplatzes ſtehen, haben ihren
Zweck inſofern verfehlt, als kein Strahl in die
Finſter=
nis fällt. Es wäre nun ein Leichtes, eine der beiden
Laternen am Schwimmbadplatz ſoweit herunter oder
hinauf zu rücken, daß ſie die Strecke der Mühlſtraße
wenigſtens etwas beleuchtet, wodurch vielen Paſſanten
des betreffenden Teiles der Mühlſtraße eine große
Ge=
fälligkeit erwieſen würde.
Civis.
Handel und Verkehr.
— Patentanmeldungen. (Mitgeteilt von
Dipl.=Ing. Klemens Herszberg und Co., Patent= und
Ingenieur=Bureau, Darmſtadt, Rheinſtraße 19). 45a.
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R. 35491. Raumbewegliche Förderkette. Paul Reitz=
1. 5.
Offenbach a. M., Sprendlingerſtraße. 25.
12. — Patenterteilungen. 8d. 265583. Tiſch mit
unter die Tiſchplatte herunterklappbarem Wäſchekalander;
Zuſatz zu Patent 260 799. R. Willy Beckert=Alsfeld,
Oberheſſen. 1. 1. 13. B. 70074. 12p. 265 726. Verfahren
zur Darſtellung von N.=Halogenalkyl=C. C.=
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biturſäuren. Fa. E. Meock=Darmſtadt. 10. 1. 12. M. 46 677.
72d. 265 501. Schlagbolzenſicherung für Brandgeſchoſſe.
Karl Kniekamp=Bingen a. Rh., Maria=Hilfſtr. 1. 16. 7. 12.
K. 53 403. — Gebrauchsmuſter=Erteilungen.
12d. 566 571. Wein=Filter. Karl Seipp=Darmſtadt,
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ſtraße 32. 15. 7. 13. S. 30 884. 28 a. 566 817.
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M. 47395. 30 g. 567 155. Vorrichtung zum Feſthalten des
Saugers an Milchflaſchen. Wilhelm Loch=Offenbach am
Main, Goetheſtr. 31. 13. 5. 13. L. 31952. 33 b. 567 530.
Geldtaſche. Willy Benſch=Weinheim, Bergſtraße. 18. 7. 13.
B. 64679. 42 a. 566 996. Zirkel zum Ziehen verſchiedener
aneinanderſchließender Kurven. Franz Abplanalp,
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Halbertsma=Darmſtadt, Riedlingerſtr. 20. 8. 8. 13. H. 62 249.
42m. 567500. Immerwährender Kalender mit auf hinter
Schauöffnungen vorüberbeweglichen Bändern
aufgedruck=
ten, zum Einſtellen des Datums dienenden Zahlen. Huppg
u. Bender=Offenbach a. M. 25. 8. 13. H. 62503. 42n.
567 107. Vorrichtung zur Vergleichung der Inhalte
geo=
metriſcher Flächen und Körper. Guſtav Grimm=
Offen=
bach a. M., Speyerſtraße 21. 4. 8. 13. G. 34040. 45e.
567 774. Ausleſeband für Trieure. Karl Friedrich
Hilles=
heimer=Offenbach a. M., Röderſtr. 10. 19. 8. 13. H. 62395.
47f. 567378. Schlauchanſchluß für Gasleitungen,
Waſſer=
leitungen u. dgl. Gasmeſſerfabrik Mainz, Elſter u. Co.,
Mainz. 6. 6. 13. G. 33 472. 49 f. 567761. Mechaniſche
Rohrbiegevorrichtung ohne Formſtücke. Karl Hipp=
Offen=
bach a. M., Senefelderſtr. 64. 12. 8. 13. H. 62313. 63 b.
566 825. Zweirädriges Tropenfahrzeug (ſogenannte=
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566 628. Gummihut als Blattwender. Heinrich Schäfer=
Darmſtadt, Taunusſtr. 17. 19. 8. 13. Sch. 49 430. 71a.
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den betreffenden Vereinsſtellen und dem Verkehrsbüro bis ſpäteſtens
Mittwoch, den 24. ds. Mts., abends 6 Uhr gemacht werden. Die
Preiſe für ſämtliche Plätze ſind um 10 Pfg. erhöht worden, welche
dem Penſiansfond zugeführt werden.
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