Inſerate
Abonnementspreis
176. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadt,
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
wärts nehmen die Poſtämter u. die
Agen=
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
ſowie von unſeren Agenturen und
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
den Annoncen=Expeditionen. — Bes
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 12 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Kaiſer iſt geſtern vormittag in Swinemünde
eingetroffen.
Offiziös wird mitgeteilt, daß der Friede zwiſchen
Rumänien und Bulgarien endgültig
abge=
ſchloſſen ſei.
Nach einer Meldung der Agence roumaine wurde geſtern
der Friede zwiſchen den Kriegführenden
auf dem Balkan geſchloſſen.
Sechs von den ſieben im Krupp=Prozeß verurteilten
Angeklagten haben gegen das Urteil Berufung
ein=
gelegt.
Der franzöſiſche Senat hat den Artikel 18 des
Militärgeſetzes, der die Dauer des aktiven
Dienſtes auf drei Jahrefeſtſetzt, und mit 245 gegen 48
Stimmen den Artikel 6 des Dreijahrgeſetzes
angenom=
men, der die Einſtellung der
Zwanzigjähri=
gen geſtattet
Der bekannte franzöſiſche Flugzeugfabrikant
Deperduſ=
ſin iſt unter der Beſchuldigung, Betrügereien in Höhe
von vielen Millionen begangen zu haben, in Paris
ver=
haftet worden.
Die Sicherheit der Reiſenden.
* Es iſt beunruhigend: nach dem
Eiſenbahn=
morde bei Darmſtadt folgte in einem Abſtand von
einer Woche der Eiſenbahnraub bei Dortmund.
Die verbrecheriſchen Elemente ſind aufmerkſam gemacht,
die pſychiſche Anſteckung tritt in Wirkſamkeit. Die
Wahr=
ſcheinlichkeit der Gefährdung von Leben und Eigentum der
Reiſenden iſt von heute auf morgen weſentlich geſtiegen.
Grund genug, daß alles aufgewandt wird, um die Frage
der Sicherheit der Reiſenden ſo ſchnell und ſo
gut als möglich zu löſen.
Der wohlgemeinte Ratſchlag, in nur bereits beſetzten
Abteilen zu reiſen, löſt dieſe Frage nicht. Ueberarbeitete
oder Kranke oder auch nur etwas reizvolle Perſonen
wer=
den auf die Ruhe eines wenig oder gar nicht beſetzten
Ab=
tteils nur ſehr ungern verzichten wollen. Man wählt ja
leine höhere Wagenklaſſe in der Regel nur wegen der
höheren Ausſicht auf wohltuende Ungeſtörtheit.
Vielleicht werden folgende Vorſchläge der Sache
die=
inen. Zunächſt müßte in der erſten und zweiten
Wagen=
klaſſe auf Beſeitigung der Einzelabteile
hin=
gearbeitet werden. Sie ſind ohnedies häufig unhygieniſch,
ungepflegt und unvergleichlich ſchlechter ausgeſtattet, als
die entſprechenden Abteile in D=Zügen. Bei den
Einzel=
abteilen nach Art der Korridorwagen müßte ferner
all=
gemein die Möglichkeit geſchaffen werden, ſie von innen
zu verrjegeln; dies würde nachts zum Schutze des
Allein=
reiſenden genügen. Häufig aber iſt dieſe
Vorſichtsmaß=
regel nicht anwendbar, weil das Kupee noch anderweitig
beſetzt iſt. Deshalb wäre unter entſprechender
Ver=
mehrung desjetzt zu wenigen Zugperſonals
eine Art „Patrouillendienſt” einzuführen, der ſich
leicht ohne Beläſtigung des Publikums durchführen ließe.
Bei dem heutigen Syſtem fährt man auf weiten Strecken
oft ein bis zwei Stunden, ohne einen von den Beamten
zu Geſicht zu bekommen. Der Dienſt der
Eiſenbahnbeam=
ten iſt nach meinen Eindrücken von einem ausgedehnten
(Reiſeleben her eine der angenehmſten Berufsarten; man
vergleiche damit nur die angeſtrengte Tätigkeit der
Tram=
bahnſchaffner. Statt daß die Beamten oft ſtundenlang
in ihrem Dienſtabteil ſitzen und unſichtbar bleiben, könnte
der vorgeſchlagene ſtändige Kontrollgang mit
Leichtigkeit eingeführt werden..
Das heutige Syſtem iſt nur dazu angetan, den D=Zug=
Dieben das Handwerk zu erleichtern. Wohl kein Reiſender
begibt ſich mit abſoluter Ruhe für eine Stunde in den
Speiſewagen. Es iſt freilich den Beamten in den letzten
Jahren die ſtrengere Beaufſichtigung der Kupees während
der Eſſenszeit zur Pflicht gemacht worden, aber man
be=
obachtet zu häufig, daß ſie trotzdem viele
Unzukömmlich=
keiten ruhig paſſieren laſſen Ich ſelbſt habe in
Abend=
zügen viele Male wahrgenommen, daß eine und dieſelbe
verdächtige Perſon nacheinander in drei bis vier
verſchie=
denen Abteilen Platz nahm. Den Beamten war,
abge=
ſehen von nur einer Ausnahme, niemals etwas
aufge=
fallen, obwohl die Abſicht des Stehlens klar zutage lag.
Ein anderes Mal beobachtete ich zwei verdächtige
Indi=
viduen, die über eine Stunde lang abwechſelnd in mein
Kupee hineinſahen, dann in den Speiſewagen gingen, wo
ich ſie merkwürdigerweiſe trotz genügenden Platzes
an zwei verſchiedenen Tiſchen ſitzend wiederfand. Als der
eine während des Eſſens den Tiſch verließ, ging auch ich,
um meine Sachen beunruhigt, zu meinem Kupee und ſah
den Betreffenden in einem ganz anderen Abteil als zuvor
ſitzen. Ich weiß natürlich nicht ganz ſicher, ob dieſem
ganzen auffälligen Verhalten eine diebiſche Abſicht
zu=
grunde lag, aber ich denke, es war ſehr naheliegend, ſie
anzunehmen, ebenſo, daß bei lebhafter Kontrolle auch der
Beamte aufmerkſam geworden wäre, ganz abgeſehen von
der eminent vorbeugenden Bedeutung dieſer
Kon=
trolle: die Luſt zu einem Vergehen wird doch weſentlich
eingeſchränkt, wenn bekannt iſt, daß jederzeit Entdeckung
droht!
Fraglos hat die Eiſenbahnverwaltung in dieſem „
Pa=
trouillendienſt” ein wirkſames Mittel, die
Sicherheit der Reiſenden weſentlich zu
er=
höhen. Wendet ſie es nicht an, ſo macht ſie ſich für die
Gefährdung von Eigentum und Leben der Reiſenden
mit=
verantwortlich nach dem Grundſatz, daß auch durch
Unterlaſſungen eine Schuld begründet
wer=
den kann. Nachdem vor Jahren nicht zuletzt zur
Sicher=
heit der Schaffner die Korridorwagen eingeführt
wur=
den, ſollten dieſe nun ihrerſeits auch für beſſere
Sicherheit des Publikums Sorge tragen!
A. K
Die ſozialpolitiſche
Ueber=
ſannung.
* Unter dieſer Ueberſchrift wird im Berl.
Lokalanzei=
ger auf ein Buch von Dr. Georg Sonnenberg: „
Deutſch=
lands ſozialpolitiſche Einrichtungen im Budget des
Rei=
ches, dreier Einzelſtaaten: Preußen, Bayern, Baden, und
dreier großer Städte: Berlin, Breslau, Köln” aufmerkſam
gemacht, das im Verlage von Puttkammer u. Mühlbrecht
(Berlin W. 56) erſchienen iſt. Dieſe Arbeit erbringt den
Beweis, daß die ſozialpolitiſchen Laſten nicht bloß
ent=
ſprechend der Verteuerung der Lebenshaltung und der
da=
durch hervorgerufenen Erhöhung der Löhne geſtiegen ſind,
ſondern weit darüber hinaus. Sie erhärtet an den
amt=
lichen Budgets der Betriebe des Reiches, der genannten
Staaten und vor allem der Städte die ſchmerzliche
Er=
fahrung des Praktikers: Die Zunahme der
ſozial=
politiſchen Ausgaben iſt größer als die der
fortdauernden Geſamtausgaben, und zwar einſchließlich
derer für die Landesverteidigung.
Berechnen wir die Ausgaben auf den Kopf des
Groß=
ſtädters, und zwar die, welche vom Reich, von Preußen
und den Städten gemeinſam geleiſtet werden, ſo ergibt
ſich, daß ſich für den Berliner und den Breslauer ſeit 1879
die Geſamtausgaben mehr als verdoppelt, für den Kölner
mehr als verdreifacht haben; an Ausgaben für
Sozialpoli=
tik aber der Berliner und Kölner jetzt ungefähr viermal,
der Breslauer dreimal ſo viel wie 1879 zu entrichten hat;
für allgemeine Volkswohlfahrtspflege das Doppelte, d. h.
ungefähr ebenſoviel wie für die Wahrung der öffentlichen
Ordnung und für die allgemeine Verwaltung wie für die
Landesverteidigung. Dieſe Tatſachen geben einen
zuver=
läſſigen Anhalt für die Steigerung der Laſten der privaten
Arbeitgeber.
Und dieſe Abgaben werden durch die mittelbaren
ſo=
zialpolitiſchen Unkoſten noch ſehr merkbar aufgeſchwellt,
wie ſie die Verkürzung der Arbeitszeit und dadurch
be=
dingte Mehreinſtellung von Arbeitern, die ſchematiſch
durchgeführte Sonntagsruhe, die tauſenderlei
Unfallver=
hütungs= und ſonſtigen Arbeiterſchutzvorſchriften, die nötig
werdenden Auſſichtsperſonen uſw. nach ſich ziehen. Ein
weiteres Hemmnis für eine kräftige wirtſchaftliche
Entwick=
lung gibt die Erhöhung der ſonſtigen öffentlich=rechtlichen
Laſten ab. Noch nicht berückſichtigt konnten in der
genann=
ten Unterſuchung die Laſten der kürzlich in Kraft
getre=
tenen Angeſtelltenverſicherung werden.
Der Beweis dürfte durch dieſe Veröffentlichungen
er=
bracht ſein, daß die Rentabilität des Induſtriekapitals bei
uns ohne ſoziale Geſetzgebung höher ſein würde. Man
hat es einſt als die unvergängliche Idee der
ſozialpoliti=
ſchen Geſetzgebung unter Kaiſer Wilhelm I. hingeſtellt,
daß ſie dazu führte, „die Koſten wirtſchaftlicher
Notver=
ſicherung jeder Art von Arbeitsunfähigen zu einem
Fak=
tor des notwendigen Lohnes und zu einem Poſten der
Produktionskoſten zu machen”. Weil dem ſo iſt, weil dies
Ergebnis ſeit Jahren eingetreten iſt, ſo haben alle
Volks=
freunde und nicht zuletzt die Arbeiter ſelbſt ein ureigenes
Intereſſe daran, daß nicht die Henne, die dieſe goldenen
Eier legt, von dem Marder „Sozialpolitik” erwürgt wird.
Dieſe Gefahr iſt näher, als es der Allgemeinheit zum
Bewußtſein kommt: Die Zahl der Betriebe, die von dieſer
ſteigenden Bürde bisher erdrückt worden iſt, iſt erſchreckend
groß.
Von einem aus allgemeinen, gleichen, direkten und
ge=
heimen Wahlen hervorgehenden Parlament kann man bei
unſeren zerfahrenen Parteiverhältniſſen die Initiative zu
einem ſolchen nicht eben populären, aber dem
Staats=
ganzen nützlichen Tun nicht erwarten. Sache der leitenden
Männer im Reiche und Staate aber iſt es, die Mahnung
der ſozialpolitiſchen Erlaſſe des regierenden Kaiſers ſich
erneut ins Gedächtnis zurückzurufen, daß über der
Ar=
beiterfürſorge nicht die
Konkurrenzfähig=
keit unſerer Induſtrie mit der des Auslandes
vernichtet wird. Stark untergraben iſt ſie bereits. Man
gönne endlich einmal unſerem Erwerbsleben ein
Jahr=
zehnt der Ruhe. Der Beharrungszuſtand, der ſo oft
verſprochen worden iſt, muß jetzt zur Tat werden
Die Flottenpolitik Englands.
* Im engliſchen Oberhauſe lenkte Earl of Selborne
die Aufmerkſamkeit auf die Seepolitik der
Regie=
rung.
Er beklagte ſich darüber, daß die Ueberlegenheit von
60 Prozent nicht beibehalten worden ſei, da 1915
Deutſch=
land 26 Dreadnoughts haben würde, während England
einſchließlich der Schiffe der Dominions 39 haben würde.
Dieſe Ueberlegenheit um 50 Prozent wäre allein für die
heimiſche Verteidigung erforderlich und im Mittelmeer
müſſe man ſich daher mit einem oder zwei Schiffen der
Dominions des malayiſchen Archipels und Neuſeeland mit
möglichſter Ergänzung durch die Dreadnoughts „Lord
Nelſon” und Agamemnon” verlaſſen. Im Mittelmeer
ſtänden aber jedenfalls 13 öſterreichiſche und
ita=
lieniſche Schiffe gegen dieſe vier Schiffe. Es
be=
ſtünde aller Grund. zu alauben, daß Oeſterreich=Ungann
und Italien ihre Schiffsprogramme erweitern würden, ſo
daß 1916 ihre Seeſtreitkräfte noch bedeutender ſein würden.
Die Lage Englands, ſo gefährlich ſie ſchon 1915 wäre,
werde 1916 noch gefährlicher und kritiſcher ſein
Lordgroßkanzler Haldane erwiderte: Was das
re=
lative Verhältnis Englands zu Deutſchland anginge.
ſo würde Deutſchland erſt im zweiten Vierteljahr 1916 26
Dreadnoughts haben: England häte dann 43. In der
Zwiſchenzeit würde England die Ueberlegenheit um 50
Prozent in den heimiſchen Gewäſſern mit einem
Ueber=
ſchuß aufrecht erhalten. Eine wirkliche Schwierigkeit
er=
gebe ſich bei Betrachtung der Lage im Mittelmeer.
weil England mit der Möglichkeit zu rechnen hätte, daß
die Flottenbeſtände von Oeſterreich und Italien ſich
ver=
ſtärkten. Die gegenwärtigen Flotten der
Welt ſind verteilt Wir haben keine Bündniſſe, aber ich
gebe zu, daß ſie ſich bei Berechnung der Gruppierungen
nicht ausſchließen können, welche ſich in Zukunſt bilden
wer=
den. Unſere Beziehungen zu den Ländern, die der anderen
Gruppe angehören, ſind freundſchaftlichſter Art. Ich hoffe.
daß ſie freundſchaftlich bleiben werden und glaube, daß
bei einzelnen Gruppen die Neigung beſteht. ſich enger
zu=
ſammenzuſchließen. Wenn Sie auf Grund dieſer
Gruppie=
rungen Berechnungen anſtellen wollen, kann ich nicht
un=
erwähnt laſſen, daß Frankreich im Mittelmeer
eine Flotte hat, die beinahe ſo groß iſt als die der
ver=
einigten Flotten Oeſterreichs und Italiens. Wenn
Sie in die Berechnung die Tatſache einbeziehen, daß wir
in freundſchaftlichſten Beziehungen mit Frankreich ſtehen.
und daß Frankreich im Mittelmeer eine machtvolle Flotte
hat. ſo haben Sie eine Situation, die nicht als
un=
befriedigend bezeichnet werden kann Was die
Dreadnoughts im Mittelmeer betrifft. ſo iſt es
unmöglich die Situation vorauszuſehen, die entſtehen kann.
Es iſtmöglich, daß eine Vereinigung von Italien, Oeſterreich=
Ungarn und Deutſchland ſtattfindet. Aber wenn ſolche
Hinge an mich herantreten, ſo bin ich geneiat, ein Wort
Moltkes zu wiederholen, als jemand zu ihm ſagte er habe
das deutſche Heer organiſiert und eine Armee zuſtande
ge=
bracht, die Deutſchland gegen zwei Mächte verteidigen
könne: aber was geſchehen ſolle wenn eine dritte Macht
ſich mit dieſen verbinde da erwiderte Moltke: Ich werde
dies der Vorſehung überlaſſen. Es iſt unmöglich. für jede
Zufälligkeit im voraus Sorge zu tragen. Die größte Quelle
unſerer Stärke iſt unſere finanzielle Stellung.
Haldane kam dann auf die Koſten der
Ausbil=
dung zu ſprechen und ſagte dabei: Großbritannien
wurde im Laufe von 15 Jahren hinter andere Länder
zu=
rückgedrängt. Dieſe Gefahr war genau ebenſo groß, als
irgend eine, die mit der Flotte im Zuſammenhana ſteht.
Unſere induſtrielle Ueberlegenheit bleibt
un=
ſere Einnahmequelle und wenn dieſe Einnahmequelle nicht
geſichert wäre, ſo wäre die Suprematie unſerer Flotte
ge=
fährdet. Mit Bezua auf die kanadiſchen Schife lehnte
Haldane es ab, darüber nachzuſinnen, welchen Kurs
Ka=
nada einſchlagen möchte. Die Regierung hätte inzwiſchen
den einzia richtigen Kurs eingeſchlagen, indem ſie den Bau
der drei Schiffe in ihrem Programm in dem Maße
be=
ſchleuniate, daß dieſe Schiffe eher fertig würden, als es die
kanadiſchen Schiffe werden. Mit den malayiſchen Schiffen
würden daher alle vier Kriegsſchiffe für das Mittelmeer
verfügbar ſein, welche zuſammen mit den anderen
Hilfs=
quellen dazu dienen, die Mittelmeerflotte gleichwertig zu
machen.
In einer kurzen Rede, in der er die Ergebniſſe der
Diskuſſion zuſammenfaßte, ſagte Earl of Selborne:
Die Tatſachen, die er vorgebracht hätte, ſeien
unwider=
leat geblieben. 1915 werde England nur vier Schiffe im
Mittelmeer haben. Er würde niemals damit einverſtanden
ſein, daß Enaland im Kriege oder im Frieden allein von
der franzöſiſchen Flotte abhänge. England müſſe, um der
Ehre des Königreichs willen und zur Sicherung ſeiner
Intereſſen eine ſtarke Macht im Mittelmcer haben
Deutſches Reich.
— Der Alterspräſident des Deutſchen
Reichstages nach dem Ableben des
Zentrumsabgeord=
neten Dr. Lender iſt der polniſche Abgeordnete Fürſt
Radzi=
will, der Vorſitzende der polniſchen Reichstagsfraktion.
Er iſt geboren am 19. Oktober 1834 in Berlin, ſteht alſo
im 79. Lebensjahre. Der nächſtälteſte Abgeordnete iſt
übrigens ebenfalls ein Pole, Herr v. Czarlinski. Es iſt
alſo anzunehmen, daß das Alterspräſidium in dieſem
Reichstage, das ja bei Beginn einer neuen Seſſion in
Wir=
kung treten würde, vorläufig in polniſchen Händen bleibt.
Der drittälteſte Reichstagsabgeordnete iſt dann Bebel.
— Kein fliegendes Geſchwader. Man
ſchreibt uns: Die von einer Marinekorreſpondenz in die
Preſſe übergegangene Meldung von der bevorſtehenden
Bildung eines fliegenden Geſchwaders, das jederzeit zur
Verfügung ſtehe, um gefährdete deutſche Intereſſen im
Auslande zu ſchützen, iſt nichts als Kombination und
ent=
ſpricht in keiner Weiſe den Tatſachen. Im
Reichsmarine=
amt iſt von einem derartigen Plane nicht das geringſte
bekannt.
— Eine Bahn zum Viktoriaſee. Wie die
Deutſch=Oſtafrikaniſche Zeitung meldet, iſt auf Anordnung
des Gouverneurs im vorigen Monate eine techniſche
Ex=
pedition von Neu=Moſchi entſandt worden, die eine nähere
Erkundung einer Bahnlinie von Aruſcha nach dem
Vik=
toriaſee vornehmen ſoll. Der Leiter der Expedition iſt
der Eiſenbahnkommiſſar der Uſambarabahn, Dipl.=Ing.
Kroeber, welchem der Ingenieur Karl Friſch und der
Tech=
niker Riedel beigegeben ſind. Der entſandte Ausſchuß hat
den Auftrag, alle zur Aufſtellung eines Planes für die
Verlängerung der Uſambarabahn erforderlichen
Unter=
lagen zu beſchaffen. Ende November wird die Rückkehr
der Expedition in Aruſcha erwartet.
— Die Handwerkernovelle und das
Handwerk. In den Kreiſen der Gewerbevereine und
ſüddeutſchen Handwerkervereine ſcheint nach Aeußerungen
in der Fachpreſſe eine Beunruhigung vorhanden zu ſein,
weil zu der letzten Handwerkerkonferenz, die am 30. Juni
und 1. Juli im Reichsamt des Innern ſtattfand, nicht
Ver=
treter ſämtlicher Handwerkerorganiſationen eingeladen
waren. Man ſcheint zu befürchten, daß infolgedeſſen dem
Reichstag eine Novelle zum Handwerkergeſetz zugehen
wird, zu der weite Kreiſe des Handwerks noch nicht
ein=
mal Stellung genommen haben. Derartige
Beunruhigun=
gen ſind nach Meldungen Berliner Blätter in jeder
Be=
ziehung unbegründet. Es iſt zutreffend, daß an der letzten
Handwerkerkonferenz nur die beiden offiziellen
Vertretun=
gen, der Deutſche Handwerks= und Gewerbekammertag und
der Zentralausſchuß der Vereinigten Innungsverbände
Deutſchlands, teilgenommen haben, und zwar, weil den
Beratungen die Denkſchrift des Deutſchen Handwerks= und
Gewerbekammertages, die der Reichsregierung übermittelt
war, zugrunde lag. Es iſt aber dem Vorſitzenden des
Verbandes der Gewerbevereine auf eine Anfrage
aus=
drücklich mitgeteilt, daß die Reichsregierung bereit wäre,
auch mit Vertretern der Organiſation der Gewerbevereine
die Reſorm der Handwerkergeſetzgebung vor Aufſtellung
eines Entwurfes zu beſprechen. Mithin werden auch dieſe
Kreiſe, wenn ſie es wünſchen, Gelegenheit haben, ihren
Standpunkt zu allen einzelnen Fragen zum Ausdruck zu
bringen. Außerdem aber iſt bereits in offiziöſer Form
mitgeteilt, daß allen Kreiſen des Handwerks noch
Gelegen=
heit gegeben werden ſoll, zu den Abänderungsvorſchlägen
zum Handwerkergeſetz rechtzeitig Stellung zu nehmen, ehe
es an die geſetzgebenden Körperſchaften gelangt. Es liegt
mithin durchaus kein Anlaß vor zu der Annahme, daß eine
Reform unſerer Handwerkergeſetzgebung in Angriff
ge=
nommen werden ſoll, ohne daß das Handwerk in allen
Teilen Gelegenheit gehabt hat, ſeine Wünſche zu jeder
ein=
zelnen Frage den zuſtändigen Stellen zu unterbreiten.
— Bekämpfung der Arbeitsloſigkeit.
Die deutſche Geſellſchaft zur Bekämpfung der Arbeitsloſig=
keit hat an die größeren Bundesſtaaten und Gemeinden
ſolgendes Schreiben gerichtet:
Der Arbeitsmarkt ſteht zurzeit unter dem Zeichen einer
ſchweren Depreſſion; die Lage iſt bei weitem ungünſtiger
als in den Vorjahren, ſo daß nach Einſtellung der Bau
arbeiten im kommenden Winter eine Arbeitsloſigkeit zu
er=
warten iſt, wie ſie an Umfang und Schärfe ſeit langen
Jahren nicht vorhanden war. Bei den unerwünſchten
Folgeerſcheinungen, die ein ſolcher Notſtand zeitigt.
glau=
ben wir die Aufmerkſamkeit bereits jetzt auf dieſe
bedenk=
liche Entwicklung des Arbeitsmarktes lenken zu ſollen.
Bei früheren Kriſen hat ſich vielfach gezeigt, daß die
Not=
ſtandsaktionen nach Vorberatungen, welche längere Zeit in
Anſpruch nahmen, erſt eingeleitet wurden, nachdem die
De=
preſſion ihren Höhepunkt erreicht hatte. Es empfiehlt ſich
daher, rechtzeitig die erforderlichen Schritte einzuleiten,
da=
mit gegebenenfalls genügend Arbeiten zur Milderung der
Beſchäftigungsloſigkeit zur Verfügung ſtehen. Wir bitten
daher, eine möglichſt große Zahl geplanter Arbeiten und
Aufträge ſchon jetzt für den kommenden Winter bereit zu
ſtellen, damit der bevorſtehenden Arbeitsloſigkeit in
hin=
reichendem Umfange rechtzeitig begegnet werden kann.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die öſterreichiſche Heeresverſtärkung.
Der Militäriſchen Rundſchau zufolge dürfte ſich die von
der Kriegsverwaltung in Anſpruch zu nehmende Erhöhung
der Rekrutenkontingente innerhalb der Ziffer 36000 bis
40000 Mann bewegen, wovon etwa 20000 auf das Heer,
2000 auf die Kriegsmarine und je 8000 auf die beiden
Landwehren entfallen.
Die neuen Verhältniſſe in Böhmen und
die Deutſchen. In Prag fand eine Vollverſammlung
des ehemaligen Verbandes der deutſchen
Landtagsabge=
ordneten ſtatt, welche zu den neugeſchaffenen Verhältniſſen
in Böhmen Stellung nahm. Die Anſchauungen der
Ver=
ſammlung fanden ihren Ausdruck in einer Kundgebung
an das deutſche Volk. Es wurde beſchloſſen, den
Miniſter=
präſidenten über die Abſichten der Regierung hinſichtlich
der Landtagswahlreform in Böhmen durch eine
Deputa=
tion zu befragen und ſowohl der Regierung als auch dem
Präſidenten der Landeskommiſſion unzweideutig zu
er=
klären, daß die deutſchen Abgeordneten die Tätigkeit der
Landesverwaltungskommiſſion auf das ſchärfſte
über=
wachen und für deren Arbeitsführung die Regierung
ver=
antwortlich machen würden. In der Kundgebung an das
deutſche Volk wird auf die panſlawiſtiſche Arbeit der
Tſchechen in Paris, London, Petersburg und Belgrad
hin=
gewieſen, die für Oeſterreich tiefe und beſchämende
Er=
ſcheinungen hervorgerufen haben, und betont, daß die
Deutſchen Böhmens die Schöpfer der verläßlichſten Stützen
des Staates ſeien und auch in Zukunft ſein wollten. Das
deutſche Volk proteſtiere gegen die kurzſichtige, von
Tſche=
chenfurcht getragene Politik der Regierung, weil ſie
deutſch=
feindlich und auch ſtaatsfeindlich ſei. Kein deutſcher
Ver=
trauensmann Böhmens könne von den neuen
Ausgleichs=
verhandlungen etwas erhoffen, ſo lange in Wien und Prag
der gleiche Geiſt obwalte.
Frankreich.
Die Heeresvorlage im Senat. Der
Sozia=
liſtiſch=Radikale Herriot brachte einen Gegenvorſchlag
zu=
gunſten einer Dienſtzeit von 30 Monaten ein. Er ſtellte
die große Bedeutung der deutſchen Anſtrengungen feſt
und erkannte an, daß eine Antwort darauf nötig ſei. Aber
er glaubte, daß die als notwendig geforderten Ziffern
übertrieben ſeien. Er hält es für möglich, die Lage der
Truppen für die Grenzdeckung dadurch zu verbeſſern, daß
man am Tage der Mobilmachung in jede Truppe eine
größere Anzahl Reſerviſten aufnehme. General Pau
be=
merkte darauf, daß alle Reſerviſten in den Gegenden an
der Grenze ohne Unterſchied der Klaſſe in die
Deckungs=
truppen eingereiht würden, zu denen ſie noch rechtzeitig
ſtoßen könnten. Regierungskommiſſar Legrand bekämpfte
den Gegenvorſchlag, der ſchließlich mit 209 gegen 84
Stim=
men zurückgewieſen wurde. Auch der Gegenantrag De=
bierre zugunſten einer Dienſtzeit von 32 Monaten wurde
durch Handaufheben abgelehnt. Am Mittwoch wollte der
Senat die Diskuſſion der Artikel des Dreijahrgeſetzes
be=
ginnen.
England.
England und die Panamakanal=
Aus=
ſtellung. Im Unterhauſe antwortete Sir Grey auf
eine Anfrage, die engliſche Regierung ſei zu dem Entſchluß
gekommen, daß es ſich unter den jetzigen Umſtänden nicht
rechtfertigen laſſe, wenn man von dem Lande verlange, die
ſchwere Aufgabe zu übernehmen, die für die Teilnahme an
der Weltausſtellung in San Franzisko gefordert werde.
Dieſer Entſchluß gründe ſich zum Teil auf die Schätzung
der Koſten für eine repräſentable kommerzielle Ausſtellung.
Dieſe würden auf eine Viertelmillion Pfund Sterling
ge=
ſchätzt. Schließlich entſpreche einer ſolchen Summe
keines=
wegs der kommerzielle Nutzen und das Ergebnis. Noch
viel weniger zeige die Umfrage in kaufmänniſchen
Zen=
tren einen wirklichen Wunſch, an der Ausſtellung
teilzu=
nehmen. Die von den Ausſtellungsbehörden aufgeſtellten
Bedingungen machten es unmöglich, eine wirklich nationale
Abteilung zu erlangen, wie in früheren Ausſtellungen.
Die Untertunnelung des Kanals.
Pre=
mierminiſter Asquith empfing eine Abordnung von
Par=
lamentariern aus allen im Unterhauſe vertretenen
Par=
teien, die ſich für den Plan einer Untertunnelung des
Kanals ausſprachen. Nachdem er auf den Widerſtand
hinwies, den bisher die Regierung dem Projekt
entgegen=
geſetzt habe, gab Asquith zu, daß jetzt neue Geſichtspunkte
vorlägen. Das Ausſichtsvollſte und in mancher Beziehung
Wichtigſte ſei die Errichtung einer feſten, unverrückbaren
Grundlage in den Beziehungen Englands zu Frankreich.
Die engliſche Regierung habe dem Gegenſtand ſtets
Be=
achtung geſchenkt, ſie würde auch jetzt mit
Unvoreingenom=
menheit an den Plan herantreten und ihn einer
eingehen=
den Prüfung unterziehen.
*
* Deutſch=franzöſiſche Höflichkeiten. Aus
Remiremont wird gemeldet: Das 15. Jägerbataillon
befand ſich auf einem Uebungsmarſche an der Grenze bei
Hoheneck plötzlich einem Bataillon des 171. Infanterie=
Regiments aus Kolmar gegenüber. Die beiden
Truppen=
abteilungen erwieſen einander die Ehrenbezeugungen.
worauf das franzöſiſche Bataillon defilierte, während das
deutſche Bataillon mit ſeinen Maſchinengewehren mehrere
Salven abgab. Auf die zahlreichen Touriſten machte die
Szene einen tiefen Eindruck.
* Zum Werftarbeiterſtreik. Zu dem
Diſ=
ziplinbruch der gewerkſchaftlich organiſierten Werftarbeiter
äußert ſich der Arbeitgeber, das Organ der „Vereinigung
der Deutſchen Arbeitgeberverbände” in ſeiner neueſten
Nummer folgendermaßen: „Die Tatſache, daß die
Werft=
arbeiter ohne Genehmigung der gewerkſchaftlichen
Zentral=
vorſtände in einen ſogenannten wilden Streik getreten ſind.
gibt außerordentlich zu denken. Was den Streik ſo
beſon=
ders belaſtet, iſt der Umſtand, daß die Werftarbeiter,
ob=
wohl ihre Organiſationen ihnen goldene Brücken bauten,
indem ſie den Ausbruch des wilden Streiks in Hamburg
mit unlauteren Machenſchaften vor der Oeffentlichkeit zu
erklären verſuchten, trotzdem in zahlreichen
Verfammlun=
gen den Beſchluß faßten, in dem einmal begonnenen Streik
zu verharren. Hieran konnte auch die Erklärung nichts
än=
dern, die die Hauptvorſtände der Werftverbände am 21. Juli
in dieſer Angelegenheit erließen, und in der es u. a. hieß
daß die gewerkſchaftlichen Zentralverbände ihren
Mitglie=
dern nach den ſtatutariſchen Vorſchriften die Unterſtützung
des Streiks verweigern müßten. Aus dieſer Erklärung der
gewerkſchaftlichen Zentralvorſtände iſt zu erſehen, daß in
den Reihen der Gewerkſchaftler allgemach eine erſtaunliche
Diſziplinloſigkeit eingeriſſen iſt. Auch durch die angedrohte
Verweigerung der Streikunterſtützung haben ſich die
Werft=
arbeiter nicht von ihrem Ungehorſam gegen ihre
Organi=
ſationsleitung abbringen laſſen. Der wilde Streik der
Werſtarbeiter bedeutet den vollſtändigen Bankerott des
ſo=
zialdemokratiſchen Organiſationsgedankens, und man kann
es den Unternehmern wirklich nicht verübeln, die das
Ver=
handeln mit ſozialdemokratiſchen Oraaniſationen als
voll=
ſtändia nutzlos erachten, da die Diſziplin, die in
ſozial=
demokratiſchen Gewerkſchaften herrſcht, keineswegs die
Bürgſchaft dafür bietet, daß die Maſſen den Anordnungen
ihrer Führer Folge leiſten.”
Der Frankfurter Fürſtentag.
(Ein Bild aus der Zeit vor 50 Jahren.)
*⁎** Am 2. Auguſt 1863 ſaß Bismarck in Gaſtein an
der tiefen Schlucht der Ache unter den Tannen. Unter ihm
befand ſich ein Meiſenneſt, und mit der Uhr in der Hand
beobachtete er, wie oft in der Minute der Vogel ſeinen
Jungen eine Raupe zutrug. Während deſſen bemerkte ex,
daß auf der anderen Seite der Schlucht, auf der
Schiller=
höhe, König Wilhelm allein auf einer Bank ſaß, und als
er endlich nach Hauſe ging, fand er dort ein Briefchen
Seiner Majeſtät, das ihn nach der Schillerhöhe beſtellte:
der König wollte ſich mit ihm über den Beſuch des Kaiſers
von Oeſterreich beſprechen, der ihm eben gemeldet war.
Als Bismarck nun in das Königliche Quartier eilte, hatte
die Unterredung der beiden hohen Herren bereits
ſtatt=
gefunden. „Wenn ich mich weniger lange bei der
Natur=
betrachtung aufgehalten und den König früher geſehen
hätte, ſo wäre der erſte Eindruck, den die Eröffnungen des
Kaiſers auf den König gemacht haben, vielleicht ein
an=
derer geweſen.” — Kaiſer Franz Joſef hatte dem
König ſeine Abſicht mitgeteilt, auf den 16. Auguſt alle
deut=
ſchen Fürſten nach Frankfurt zu laden zu perſönlicher
Be=
ratung und Entſcheidung über eine neue deutſche
Bundes=
verfaſſung. Es war der letzte Verſuch Oeſterreichs,
ent=
ſcheidend in die Geſtaltung der deutſchen Frage
einzu=
greifen und von ſich aus eine ihm günſtige Reform in
An=
regung zu bringen. Bismarck, ſeit kurzem
Miniſter=
präſident, hatte ſich in unendliche Schwierigkeiten geſtürzt,
und ſo ſchien denn den öſterreichiſchen Diplomaten bei der
Unpopularität der preußiſchen Regierung im eigenen
Lande, bei ihrem Hader mit den Mittelſtaaten und ihrem
geſpannten Verhältnis mit Frankreich und England, der
Augenblick gekommen, in dem der Kaiſer an die Spitze der
deutſchen Fürſten treten und ſie zu einheitlichem Handeln
fortreißen konnte. Lange war bereits der Gedanke eines
ſolchen Fürſtentages erwogen worden. Eine Denkſchrift
des nach der Wiener Oktober=Revolution zum Tode
ver=
urteilten, dann begnadigten und erſt kürzlich aus Amerika
Furückgekehrten Julius Frsbel von 1861 bot die Grund=
lage, auf der der einflußreiche Erbprinz von Thurn und
Taxis, der Schwager des Kaiſers, den Plan wieder
auf=
nahm. Franz Joſef war Feuer und Flamme für dieſe
Idee, als Nachfolger der römiſchen Kaiſer in Frankfurt
über die Zukunft Deutſchlands zu entſcheiden; ohne ſeine
Miniſter zu befragen, nahm er die Sache allein in die
Hand, und als er König Wilhelm in den erſten
Auguſt=
tagen für die Angelegenheit zu gewinnen ſuchte, waren die
Einladungen ſchon ergangen; am Abend des 3. Auguſt
überreichte ein kaiſerlicher Adjutant dem preußiſchen König
die amtliche, vom 31. Juli datierte, Einladung zu dem
Fürſtentag.
Die Schwierigkeiten die Franz Joſef mit jugendlichem
Eifer durch ſein perſönliches Geſpräch mit dem König zu
überwinden hoffte und die gewiegte‟ Diplomaten, wie
ſein Miniſter Rechberg, für höchſt bedenklich anſahen, lagen
hauptſächlich bei Preußen und waren da wieder in einem
einzigen Manne verkörpert: in Bismarck. Seit der neue
Miniſterpräſident nach ſeiner berühmten Unterredung mit
dem öſterreichiſchen Geſandten Karolyi dem Staate jenen
kühnen Rat gegeben hatte, „ſeinen Schwerpunkt nach Ofen
zu verlegen” hatte er bewieſen, daß er wohl als Einziger
den Gegenſatz zwiſchen Preußen und Oeſterreich in ſeiner
ganzen Bedeutung erkannt; ihn anders als durch den
Krieg zu löſen, ſchien ihm „eine mathematiſche
Unmöglich=
keit‟. Er wußte, daß Oeſterreich nie und nimmer ohne
Preußens Zuſtimmung einen Reformplan im Deutſchen
Reiche durchführen könne, und ſo ſetzte er denn alles
da=
ran, um den König zur Ablehnung der Einladung zu
ver=
anlaſſen. Das wurde ihm nicht leicht, denn das Herz des
Königs nahm Anteil an der großartigen Verſammlung,
von der er ſich ſelbſt zwar fernhielt, die ſich aber nun bald
in der alten Kaiſerſtadt entfaltete. — Glänzend empfangen,
hielt der Kaiſer am 16. Auguſt ſeinen Einzug. Von
Ge=
ſchützſalven und Glockengeläute begrüßt, ſcharten ſich um
ihn die deutſchen Fürſten, die alle kamen, mit Ausnahme
von Anhalt=Bernburg, Lippe und Holſtein. Durch die
ge=
ſchmückten Straßen ging die kaiſerliche Auffahrt, von
un=
endlichem Jubel umtoſt. Der alte Kaiſer Rotbart ſchien
aus der Gruft des Kyffhäuſers heraufgeſtiegen zu ſein.
Allgemein hoffte man, daß auch der König von
Preußen noch kommen werde. Vier Könige umſtanden
den Kaiſer, als er am 17. Auguſt mit ſchlicht=
wirkungs=
voller Anſprache den Fürſtentag eröffnete. Sein
ruhig=
feſtes Auftreten riß auch Widerſtrebende mit fort, und der
öſterreichiſche Reformentwurf wurde ſogleich angenommen.
Nur eines fehlte zu der allgemeinen Begeiſterung und
Freude: die Zuſtimmung Preußens. König Johann von
Sachſen wurde an König Wilhelm nach Baden abgeſchickt
um ihn zum Beitritt zu bewegen. König Wilhelm
ſchwankte. „Dreißig Fürſten als Einlader, ein König als
Kabinettskurier, wie kann man da ablehnen?” rief er
mehrmals aus. Aber Bismarck ſtemmte ſich mit der
gan=
zen Macht ſeiner Perſönlichkeit dagegen. Allein ſtand er
gegen alle die anderen Einflüſſe, die von dem König
ver=
langten, daß er durch ſeine Teilnahme ſeinen guten
Wil=
len zur deutſchen Einigung bekunde. Unbeugſam hielter
an dem Grundſatze feſt, den er dem König ſtets angeraten:
niemals dürfe ſich Preußen am Bundestage majoriſieren
laſſen. Was hatte es für einen Sinn, wenn ſich der
öſter=
reichiſche Kaiſer „von weißgekleideten Fürſten empfangen
ließ?” Was ſollten die ſchönen Reden und Entwürfe?
Nur Blut und Eiſen” konnten nach dem Glauben des
gewaltigen Mannes die deutſchen Stämme zur Einheit
zu=
ſammenſchweißen.
Eine furchtbare Spannung entlud ſich zwiſchen König
Wilhelm und ſeinem erſten Diener in jener Nacht des 19
Auguſt, als der Sachſenkönig auf Erhörung drängte. Erſt
um Mitternacht unterſchrieb der König die Abſage an
König Johann. „Als ich den König verließ” berichtet
Bismarck, „waren wir beide infolge der nervöſen
Spann=
ung der Situation krankhaft erſchöpft”. Die mühſam
zu=
rückgehaltene Leidenſchaft des Miniſters entlud ſich beim
Verlaſſen des Zimmers, indem er die Klinke von der Tür
abbrach, und als er dann die ablehnende Mitteilung
ge=
macht hatte, ſchuf er ſeiner Erregung dadurch Luft, daß
er ein Service mit Gläſern vom Tiſch ſtieß und in tauſend
Scherben zerſchmetterte. „Jetzt iſt mir wieder wohl!“
ſagte er dann aufatmend zu dem Adjutanten. Die
hoch=
aufjubelnde Begeiſterung des Fürſtentages aber zerrann
jäh vor dieſem eiſernen Willen in nichts. Oeſterreich mußte
ohne die Unterſtützung Preußens ſeine Reformpläne
auf=
geben.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 7. Auguſt.
* Vom Hofe. Die Großherzogin empfing
am Dienstag vormittag 10 Uhr 30 Minuten im
Reſidenz=
ſchloß den Geheimerat Beſt. (Darmſt. Ztg.)
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den Kreisaſſiſtenzarzt bei dem
Kreisgeſund=
heitsamt Darmſtadt Dr. Philipp Beſt zum Kreisarzt
bei dem Kreisgeſundheitsamt Schotten mit Wirkung vom
1. September 1913 an.
* Beſtätigt wurde der von der Gemeindevertretung
in Grüningen, Kreis Gießen, auf die erledigte erſte
Lehrer=
ſtelle daſelbſt präſentierte Schulamtsaſpirant Wilhelm
Buß aus Münzenberg für dieſe Stelle.
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem vortragenden Rat im
König=
lich Preußiſchen Miniſterium der öffentlichen Arbeiten
Großh. Geheimen Oberregierungsrat Welcker die
Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom
Fürſten zu Schaumburg=Lippe verliehenen Ehrenkreuzes
2. Klaſſe des Fürſtlich Schaumburg=Lippiſchen
Haus=
ordens und dem Bahnhofsaufſeher Niedernhöfer zu
Ortenberg die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen
des ihm von Sr. Hoheit dem Herzog Johann Albrecht zu
Mecklenburg als Regent von Braunſchweig verliehenen
Verdienſtkreuzes 2. Klaſſe des Ordens Heinrichs des
Löwen erteilt
* Steueramtsperſonalie. Der Militäranwärter
Vizefeldwebel Heinrich Magel aus Ilsdorf wurde zum
Steueraufſeher ernannt und ihm eine Steueraufſeherſtelle
bei Großh. Hauptſteueramt Bingen überwieſen.
* Oberſchiedsgericht für Angeſtelltenverſicherung.
Für die Angeſtelltenverſicherung iſt für das Reichsgebiet
ein Oberſchiedsgericht errichtet worden, das ſeinen
Sitz in Berlin hat. Zum Vorſitzenden des
Oberſchieds=
gerichts iſt der Geheime Regierungsrat und vortragende
Rat im Reichsamt des Innern Dr. Laß und zu deſſen
Stellvertreter der Geheime Regierungsrat und vortragende
Rat im Reichsamt des Innern Siefart beſtellt worden.
Die Geſchäftsräume des Oberſchiedsgerichts befinden ſich
in Berlin, Luiſenſtraße 33/34.
g. Kriegsgericht. Ein Wachtmeiſter vom 6.
Drago=
ner=Regiment in Mainz, das vor kurzem auf dem
Trup=
penübungsplatz Lager bezogen hatte, ſah eines
Nach=
mittags von ſeinem Zimmer aus, wie der ihm bis dahin
unbekannte Sergeant Becker vom Artillerie=Regiment
Nr. 84 (Straßburg) einen, Kanonier dreimal hin= und
her=
jagte. Schließlich ſchickte er ihn in den Stall, wobei ihn
der Sergeant mit der Fauſt zweimal geſchlagen haben
ſollte. Der Sergeant ging hinter dem Kanonier her in
den Stall und der Wachtmeiſter hörte Weinen und dann
den Sergeanten rufen: Willſt Du ſtill ſein. Hierauf will
der Wachtmeiſter ein Wimmern gehört haben. Er
er=
ſtattete im dienſtlichen Intereſſe Anzeige von dem
Vor=
fall; infolgedeſſen hatte ſich geſtern der Sergeant Becker
vor dem Kriegsgericht zu verantworten. Der angeblich
Mißhandelte gibt an, er ſei vom Angeklagten dreimal hin=
und hergeſchickt worden, weil er nicht ſchnell genug
ge=
laufen ſei. Eine Mißhandlung, die er erlitten haben
ſolle, ſtellt er entſchieden in Abrede. Erſt auf
wiederhol=
tes Befragen gibt er an, daß Becker zweimal nach ihm
geſtoßen, ihn aber nicht getroffen habe. Im Stall habe
der Sergeant ihm den Befehl, ruhig zu ſein, nur erteilt,
weil er vor ſich hinmurmelte. Von einem Weinen oder
Wimmern will er und ebenſo ein weiterer Zeuge nichts
gemerkt haben. Da der Wachtmeiſter bei ſeiner Ausſage
bleibt und der Kanonier auch von einer Mißhandlung
nichts wiſſen will, als man den Angeklagten abtreten läßt,
um eine unbeeinflußte Ausſage zu erhalten. beſchließt das
Gericht, die Verhandlung zur weiteren Aufklärung dieſes
Widerſpruches zu vertagen. Am Freitag ſoll ein
Augen=
ſcheinstermin vorgenommen und die Verhandlung
als=
dann beendet werden. — Wegen Betrugs und
Ur=
kundenfälſchung, ſtand der Dragoner Friedrich
Georg Zimmer von der 4. Eskadron des Garde=
Dra=
goner=Regiments Nr. 23 vor dem Kriegsgericht. Der
An=
geklagte erhielt am 25. Juni irrtümlich einen Paketabſchnitt
eines für den Dragoner Ziemli beſtimmten Paketes. Er
ließ ſich auch das Paket vom Eskadronſchreiber
aushändi=
gen und quittierte im Poſtbuch mit dem Namen Ziemli.
Die in dem Paket enthaltenen Wurſtwaren verzehrte er,
während er die anderen Sachen fein ſäuberlich in ſeinem
Spind verſtaute. Als der Dragoner Ziemli ſein
ausge=
bliebenes Geburtstagspaket reklamierte, kam die
Fälſch=
ung der Unterſchrift im Poſtbuch ans Tageslicht und die
ſofort vorgenommene Spindreviſion förderte auch die nicht
verzehrbaren Geburtstagsgeſchenke bei dem Angeklagten
zutage. Der Angeklagte gibt die Straftat unumwunden
zu, er wiſſe nicht, wie er dazu kam, und bedauert es auf=
richtig. Das Gericht erkennt auf 1 Woche
Ge=
fängnis.
Dem im letzten Jahre dienenden Kanonier Anton D.
aus Seligenſtadt von der 1. Batterie des Feldartillerie=
Regiments Nr. 25 wurde ſeine geringe
Widerſtandsfähig=
keit gegen Alhokol zum Verhängnis. Er wurde am 13.
Juli von einem Einjährigen gebeten, deſſen Eltern eine
Nachricht zu überbringen. D. ging mit zwei Kameraden
dorthin, auf dem Wege ſuchten ſie jedoch erſt noch eine
Wirt=
ſchaft auf. Die Eltern des Einjährigen ließen den drei
Kameraden ihres Sohnes ein Eſſen vorſetzen, dazu zwei
Flaſchen Wein. Dieſer ungewohnte Weingenuß verſetzte
D. in eine gehobene Stimmung. Auf dem Heimwege in
die Kaſerne verübte er deshalb mit einem Kameraden
allerlei Späße, wobei er auch einem ihnen begegnenden
Sergeanten vom Train=Bataillon ein Bein ſtellte.
In der erſten Entrüſtung ſtellte dieſer den D. mit den
Worten: Sind Sie verrückt geworden? zur Rede. In
übermütigem Tone antwortete ihm darauf D.: Nein, noch
lange nicht, Sie haben ja untergeſchnallt, ziehen Sie ſich
erſt mal ordentlich an, wenn Sie jemand auf der Straße
ſtellen wollen. Als nun der Sergeant nach ſeinem Namen
fragte, antwortete er: Ich heiße noch immer Schäfer. Er
hatte ſomit einen falſchen Namen angegeben. Der
Ser=
geant ließ nun den Betrunkenen gehen und ſagte ihm, er
ſolle ruhig in die Kaſerne gehen, das weitere finde ſich.
Daraufhin rief D. aus: „Was ſoll ſich finden, wir von der
Artillerie laſſen uns vom Train nichts ſagen. Auf
drei=
fachen Befehl des Sergeanten, ihm mit zur Wache zu
fol=
gen, antwortete der Angeklagte, das falle ihm gar nicht
ein. Er bereut jetzt ſeine im Alkoholrauſche begangene
Tat aufs tiefſte. Von ſeinen Vorgeſetzten wird ihm das
beſte Zeugnis ausgeſtellt. Das Gericht erkennt unter
Be=
rückſichtigung der guten Führung des Angeklagten auf
eine Arreſtſtrafe, und zwar auf die höchſte zuläſſige von
4 Wochen ſtrengem Arreſt.
Perſonalnachrichten der Kaiſerlichen Ober=
Poſt=
direktion in Darmſtadt. Verliehen wurde: aus Anlaß
des Scheidens aus dem Dienſte der Titel „Ober=
Brief=
träger” dem Landbriefträger Geiſt in Homberg. —
Ver=
ſetzt wurden: die Poſtſekretäre Sartiſon von
Sprendlin=
gen (Kr. Offenbach) nach Arheilgen und Thürauf von
Arheilgen nach Sprendlingen (Kr. Offenbach); die Ober=
Poſtaſſiſtenten Merz von Mainz nach Mainz=Kaſtel und
Weitz von Oberhauſen (Rhld.) nach Darmſtadt; die
Poſt=
aſſiſtenten Dietz von Trier nach Jugenheim (Bergſtr.)
Geiſt von Seligenſtadt nach Heppenheim, Melzer von
Oſt=
hofen nach Mainz, Scherff von Bingen nach
Carolinen=
ſiel und Schön von Carolinenſiel nach Bingen;
Telegra=
phenaſſiſtent Gaul von Saarbrücken nach Mainz; die
Tele=
graphengehilfinnen Herke von Mainz nach Frankfurt
(Main) und Jacobs von Magdeburg nach Darmſtadt.
Etatsmäßig angeſtellt ſind: die
Telegraphen=
gehilfinnen Dominick in Gießen. Gieſer, Haupt, Keilbach
und Phildius in Mainz und Wünnemann in Bingen. —
Beſtanden hat die Poſtſekretärprüfung: Ober=
Poſt=
aſſiſtent Werner in Offenbach. — Angenommen
wur=
den: zum Poſtanwärter: Vizefeldwebel Müller in Worms:
zum Poſtagenten: Landwirt Engel in Großen=Linden und
Wagner Kröll in Bönſtadt; zu Telegravhengehilfinnen
Bertha Feigk in Offenbach und Emilie Simon in
Darm=
ſtadt. — Freiwillig ausgeſchieden ſind:
Poſt=
agent Menges in Großen=Linden und
Telegraphengehil=
fin Fiege in Darmſtadt. — Geſtorben ſind: Ober=
Poſt=
aſſiſtent Quick in Darmſtadt und Poſtagent Strauch in
Bönſtadt
Nachtrag zur Tagesordnung für die Sitzung der
Stadtverordnetenverſammlung am 7. Auguſt 1913: 19.
Ge=
ſuch um Geſtattung einer Ausnahme von der Beſtimmung
in § 5 des Ortsbauſtatuts für die Errichtung einer
Flug=
zeughalle an der Kranichſteiner Straße. 20. Tagung der
deutſchen Zentrale für Jugendfürſorge am 29. und 30.
September in Darmſtadt.
Ueber die Tätigkeit der Arbeitsnachweisſtelle
im ſtädtiſchen Hauſe Grafenſtraße 30 (Telephon 371)
werden für den Monat Juli folgende Zahlen mitgeteilt: 615
offene Stellen, 830 Arbeitsſuchende, 260 Vermittelungen,
darunter 110 Dienſtboten.
* In der Wanderausſtellung „Das Kind”
Alexander=
ſtraße 20, ſind jetzt die auf vielſeitiges Verlangen
ange=
fertigten Schnitte für die Säuglinaswäſche
eingetroffen und werden zu ganz billigem Preis
abge=
geben, damit jede Mutter imſtande iſt, Kleider und Wäſche
nach den vorzüglich paſſenden Schnitten für ihr Kindchen
ſelbſt zu arbeiten. Da die Ausſtellung ſich fortgeſetzt eines
ſehr regen Beſuches erfreut, hat die Großh. Zentrale
be=
ſchloſſen, ſie bis auf weiteres in Darmſtadt zu belaſſen, um
namentlich den Müttern, die immer wieder kommen,
Ge=
legenheit zu geben, noch recht oft an den lehrreichen
Füh=
rungen teilnehmen zu können.
* Hauptverſammlung des Landesverbandes Heſſen
der Deutſchen Freien Architektenſchaft (D. F. A.)
Unter ſtarker Beteiligung fanden ſich in Worms die
Privatarchitekten aller Städte Heſſens zuſammen, um
in ernſter Beratung wichtige Tages= und Standesfragen
zu erledigen. Aus den Berichten des Vorſtandes und
der einzelnen Ortsgruppen ging hervor, daß nach wie
vor der feſte Wille herrſcht, die bewährten Richtlinien
der bisherigen Tätigkeit inne zu halten, um ſo immer
mehr und mehr die Allgemeinheit über Zweck und Ziel
des Architekten aufzuklären. Ein Hauptgegenſtand der
Tagesordnung bildete die Beratung über den Entwurf der
neuen Heſſiſchen Bauordnung, welcher vom Miniſterium
in entgegenkommendſter Weiſe zur Mitarbeit dem
Ver=
bande überlaſſen wurde. Eine Fülle von Anregungen
hierzu, die beſonders für Induſtrie, Handel,
Landwirt=
ſchaft und Gewerbe von weittragender Bedeutung ſind,
wurden von den einzelnen Ortsgruppen gegeben, und
der Vorſtand beauftragt, ſich demnächſt mit allen
maß=
gebenden Inſtanzen Heſſens in Verbindung zu ſetzen,
um endlich einmal eine Bauordnung zu erreichen, die
für alle Kreiſe einen Fortſchritt bedeutet und für die
Folge ein künſtleriſch freiheitlicheres und raſcheres Bauen
gewährleiſten ſoll. Als Ort zur nächſten
Hauptver=
ſammlung wurde Darmſtadt beſtimmt, womit auch
wieder eine Architektur=Ausſtellung verbunden
werden ſoll. An die Beratung ſchloß ſich ein
gemein=
ſchaftliches Eſſen im Feſthaus und ſodann eine
Beſich=
tigung der Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten an.
Die Kollegen ſchieden mit dem Bewußtſein, wiederum
ein bedeutſames Stück vorwärts gekommen zu ſein.
Von der Landes=Baugewerkſchule. Wie aus
dem Anzeigenteil erſichtlich, veranſtaltet die Großh.
Landes=Baugewerkſchule in dem Obergeſchoß ihres
Dienſt=
gebäudes, Neckarſtraße 3, zurzeit eine Ausſtellung von
Schülerarbeiten und ſolcher aus dem Gebiete der
Heimiſchen Bauweiſe, die ein Bild geben ſoll über die
Tätigkeit der Schule in dem jetzt zu Ende gehenden
Sommerſemeſter. Gleichzeitig iſt eine beſondere Abteilung
den ſelbſtändigen Arbeiten früherer Schüler gewidmet, die
zeigen ſoll, in welcher Weiſe dieſe das auf der Schule
Gelernte weiter ausgebaut haben.
* Die Ortsgruppe Darmſtadt des Deutſchnationalen
Handlungsgehilfen=Verbandes nahm, ſo ſchreibt man uns,
Stellung zu dem bekannten Rundſchreiben des
Kriegsmini=
ſteriums, betreffend tunlichſte Berückſichtigung
verabſchie=
deter Offiziere bei Vergebung geeigneter Stellen in
Han=
del und Induſtrie. Die Ortsgruppe bedauert das
Rund=
ſchreiben, weil es eine weitere Verſchlechterung des
kauf=
männiſchen Arbeitsmarktes herbeiführen wird. Bei den
verabſchiedeten Offizieren handelt es ſich um Männer, die
die beſte Zeit ihres Lebens dem Vaterlande geopfert
ha=
ben und deshalb nach Möglichkeit in den verſchiedenen
Verwaltungszweigen des Staatsdienſtes unterzubringen
ſind. Die Eiſenbahn= und Poſtverwaltung hat die Abſicht,
abermals Tauſende von Stellen mit weiblichen
Arbeits=
kräften zu beſetzen. Die Ortsaruppe verkennt nicht, daß
ſich viele dieſer Stellen für Offiziere nicht eignen, iſt aber
der Ueberzeugung, daß zahlreiche der dabei in Frage
kom=
menden Stellen ſo ausgeſtaltet und bezahlt werden können,
daß ſie auch für verabſchiedete Offiziere annehmbar ſind.
Die Zahl der leitenden Stellen in Handel und Induſtrie
iſt ja ebenfalls nur beſchränkt. Die Ortsgruppe bittet das
Kriegsminiſterium, in eine ernſtliche Prüfung dieſer Frage
im Sinne der obigen Vorſchläge einzutreten.
* Das Luftſchiff „Viktoria Luiſe” iſt geſtern morgen
6 Uhr 10 Minuten in Frankfurt zur Fahrt nach Baden=Oos
aufgeſtiegen und überflog Darmſtadt in langſamer
Fahrt gegen ¾7 Uhr.
* Vorſicht beim Drachenſteigenlaſſen! Im letzten
Jahre ſind Telegraphen= und Fernſprechleitungen
mehr=
fach wieder dadurch geſtört worden, daß ſich
Drachen=
ſchwänze in den Drähten verwickelt hatten oder daß
Por=
zellan=Iſolatoren durch Steinwürfe zertrümmert worden
ſind. Nach den ſeither gemachten Erfahrungen ſteht zu
befürchten, daß die auf ſolche Weiſe verurſachten
Leitungs=
ſtörungen ſich in den bevorſtehenden Monaten vermehren
werden. Die Reichs=Telegraphenverwaltung nimmt
des=
halb Veranlaſſung, Eltern und Vormünder unter
Hin=
weis auf deren Erſatzpflicht und unter Bezugnahme auf
die Beſtimmungen in den §§ 317, 318 und 318a des
Reichs=Strafgeſetzbuchs zu erſuchen, den Kindern
einzu=
ſchärfen, daß ſie beim Steigenlaſſen von Papierdrachen
den Telegraphenleitungen fernbleiben und nicht mit
Steinen nach Iſolatoren und Drähten werfen.
§ Geſtohlene Gegenſtände. In den letzten Tagen
iſt hier ein Mann feſtgenommen worden, in deſſen
Beſitze ſich nachverzeichnete Gegenſtände, welche offenbar
geſtohlen ſind, vorfanden: 11 Portemonnaies, 4
Brief=
taſchen, 3 Zigaretten=Etuis, 5 Taſchenſpiegel, 2
Beiß=
zangen, 2 engliſche Schraubenzieher, 2 Zwicker, 1
Tabaks=
beutel, 1 neues Hundehalsband, 1 Lupe, 1 Taſchen=
Feuilleton.
CK. Eine Statiſtik der Frauenſchönheit. Das
Schrift=
ſtellerehepaar Anne=Marie und Charles Lalo haben es ſich
zur Aufgabe gemacht, in umfangreichen Studien den
Be=
griff der Frauenſchönheit zu ergründen, wie er ſich in der
Romanliteratur ſpiegelt. Sie ſehen in der Schönheit ein
„Vorurteil” von dem man ſich langſam zu emanzipieren
beginnt, indem man den Begriff der „Hübſchheit” einführt;
ja, ſie verkünden ſogar den „Bankerott der Schönheit” und
weiſen nach, daß die modernen Dichter auch die Reize der
Häßlichkeit bei der Frau entdeckt haben, daß man ſehr
genau zwiſchen dem Urteil der beiden Geſchlechter
unter=
ſcheiden müſſe und daß Frauen diejenigen
Geſchlechtsge=
noſſinnen, die die Männer für ſchön erklären, faſt durchweg
häßlich finden. Am intereſſanteſten aber iſt das Reſultat,
das ſie aus der Lektüre von 400—500 Romanen (!)
ge=
wonnen haben: eine Statiſtik der Frauenſchönheit, wie
ſie ſich ihnen nach der Formulierung der Dichter ergibt.
Bei dieſer Zuſammenſtellung ſtehen ſchöne Augen an der
Spitze; ſie werden in 100 Prozent von der ſchönen Frau
gefordert, und zwar entſcheiden ſich 60 Prozent der
Roman=
ſchilderungen für blaue und 40 Prozent für ſchwarze
Augen. 95 Prozent dieſer Romanheldinnen haben einen
ſchönen Teint; bei 70 Proz. iſt das Strahlen, bei 20 Proz.
blaß oder matt und bei 2 Proz. ſehr weiß mit
Sommer=
ſproſſen vorherrſchend. Feine und gepflegte Hände, ſelbſt
bei Arbeiterinnen und Bäuerinnen, ſind in 95 Proz. aller
Fälle für dieſen Schönheitskoder unerläßlich. Eine gute
Figur iſt mit 90 Prozent vertreten. In 80 Prozent
be=
geiſtern ſich die Dichter für purpurne Lippen, während
blaſſe Lippen nur in 20 Prozent geprieſen werden, und
zwar dann als Zeichen einer rührenden Schönheit,
beſon=
ders bei Kranken. Ein kleiner Mund erhält in 85 Prozent
den Preis; ein ſehr großer, der „einen Perlenſchrein ſehen
läßt”, gilt in einem Verhältnis von 15 Prozent als ſchön
Ein großer Mund ohne prächtige Zähne findet nirgends
Beifall. Kleine Füße ſind mit 90 Prozent in die Statiſtil
aufgenommen; große Füße werden in 10 Prozent der
Fälle als Schönheitsmerkmal angeſehen. Das Ausſehen
der Schwindſüchtigen erſcheint bei 20 Prozent als
Schön=
heitsideal; doch wird darauf hingewieſen, daß es ſich dabei
hauptſächlich um Romane aus den Jahren 1830—80
han=
delt, wo man für die Romantik hektiſcher Erſcheinungen
eine beſondere Vorliebe hatte. Eine mehr als normal
entwickelte Behaarung, die weiche Schatten über die Haut
wirft, wird in 5 Prozent der unterſuchten
Frauenſchilder=
ungen als ſchön empfunden; mit 0,5 Prozent iſt ein
Gefallen an Buckeligen und Hinkenden angeſetzt. Nur
„Spuren” finden ſich dafür, daß man Schminke und falſche
Haare als ſchön empfindet. Die Verfaſſer konſtatieren noch
in ihrer ſonderbaren Schönheitsſtatiſtik, daß die Vorliebe
für ſtark nervöſe Frauen im Roman ſehr im Zunehmen
begriffen iſt.
C) Der „Billion=Dollar=Ball” Auf Wochen hinaus
hat das geſellſchaftliche Amerika nun wieder einen
Geſprächsſtoff: der große Sommerball, den Mrs.
Stuyve=
ſant Fiſh am Sonntag in dem faſhionablen amerikaniſchen
Seebade Neuport veranſtaltete und dem die begeiſterten
Berichterſtatter den „Billion=Dollar=Ball” tauften, füllt die
Spalten aller Zeitungen, und einſtimmig wird erklärt, daß
Mrs. Fiſh durch dieſe Veranſtaltung ſich endgültig zur
ungekrönten Königin der oberſten Vierhundert
auf=
geſchwungen hat. Das Feſt hat der Veranſtalterin die
hübſche runde Summe von 400000 Mark gekoſtet, und der
Wert der Juwelenpracht, die dabei entfaltet wurde,
bezif=
fert ſich auf Millionen, nach der Schätzung eines
Zahlen=
freundes auf mehr als 40 Millionen. Die 500 Gäſte,
aus=
ſchließlich bekannte Perſönlichkeiten der reichen
amerikani=
ſchen Geſellſchaft, erſchienen kurz vor Mitternacht und
wur=
den von der Wirtin in dem Koſtüme einer Märchenkönigin
empfangen, um zunächſt durch die Gärten und Räume
ge=
leitet zu werden, in denen mit der Entfaltung von
dekora=
tivem und bisweilen groteskem Prunk nicht gegeizt
wor=
den war. Dann folgte ein Bankett, bei dem die Diener
in der Tracht Ludwigs XIV. die erleſenſten Leckerbiſſen
ſervierten, worauf der Tanz die Geſellſchaft bis zur
Mor=
gendämmerung zuſammenhielt; ja, einige der Damen ließen
es ſich ſogar nicht nehmen, vom Tanzſaal ſofort zu dem
Strande zu eilen; ſie kehrten erſt heim, nachdem ſie ein
Wettſchwimmen veranſtaltet hatten. Allein die Abweich=
ung von der üblichen Form amerikaniſcher Millionärbälle,
der Grund, warum die Oeffentlichkeit ſich jetzt ſo eifrig mit
dem Balle der Mrs. Fiſh beſchäftigt, beſteht darin, daß
das Feſt zu einer Kundgebung der Neu=Yorker „smart
set” gegen die Frauenrechtlerinnen gedacht war. Die
mei=
ſten Damen erſchienen in Märchenkoſtümen oder als
Gänſe=
hirtin, um damit gegen die lärmreich vertretenen
Forder=
ungen nach dem Frauenſtimmrecht zu proteſtieren. „Ich
bin alt genug geworden” erzählte die einflußreiche
Ver=
anſtalterin des Feſtes, „um zu erkennen, welchen Fehler
die Verteidiger des Frauenſtimmrechts begehen; und ihr
größter Fehler iſt ihre Abkehr von dem Ideal der
Mutter=
ſchaft. Die Frauen opfern ihre beſten Vorzüge, die
Un=
mittelbarkeit und Kindlichkeit ihres Weſens; wir hören
überall nur von dem Kampf der Geſchlechter und von dem
Wahlrecht reden, aber viel zu wenig vernehmen wir von
den Pflichten der Frau und von den Kindern. Der
heran=
wachſenden jungen Generation klingt das Wort Mutter
beinahe ſchon proſaiſch. So kam es, daß in mir kürzlich,
als ich ein altes Märchenbuch mit Kinderliedern wieder
vornahm, die Idee entſtand. ein Feſt zu geben, das der
altmodiſchen Frau, der Gattin und Mutter gewidmet ſein
ſollte. Denn in jenen Märchen und Liedern fühlte ich die
ganze Macht eines ſtarken, echten und unverbildeten
weib=
lichen Gefühls, und ich hoffe, daß ich meinen Gäſten
manche Erinnerungen an die ſchöneren Tage ihrer
Kind=
heit wachgerufen habe.‟
Geſchlitzte Herrenhoſen. Die amerikaniſchen
Her=
renſchneider, die in den letzten Jahren auf die Herrenmode
in Europa einen zuſehends wachſenden Einfluß errungen
haben, rüſten ſich, der Männerwelt mit der kommenden
Frühjahrsſaiſon eine neue Gabe darzubringen. Die
moder=
nen geſchlitzten Damenröcke haben die Schneider begeiſtert;
und im kommenden Jahre werden ſie eine willkommene
Ergänzung erfahren: durch geſchlitzte Herrenhoſen. Das
Beinkleid ſoll, ſo beſchloß der Schneiderkongreß, auf
bei=
den Seiten anſtelle der Naht geſchlitzt ſein, und zwar bis
zur Mitte zwiſchen Knöchel und Knie. Beſonders für helle
Sommerbeinkleider wird das vorgeſchrieben: zur Freude
der Strumpffabrikanten, die von dieſer Mode mit Recht
geſteigerte Einnahmen erwarten.
laterne, 9 Taſchenmeſſer, 1 Spazierſtockgriff, 1
Holz=
käſtchen mit Stahlfedern, 2 Schlüſſelringe mit 23 kleinen
Schlüſſeln, 1 ſilberne Remontoiruhr, 2 Herrenuhrketten,
2 Anſtecknadeln, mehrere Anhängſel, 1 Fächer aus
Elfen=
bein, 1 Damen=Sammettaſche, 15 Paar. Herren=
Hand=
ſchuhe. Die Gegenſtände können bei der Kriminalpolizei
Hügelſtraße 31/33, von den Eigentümern eingeſehen und
eventuell in Empfang genommen werden.
§ Hundefang. Während des Monats Juli ſind
durch den hieſigen Polizeihundeaufſeher 28 Hunde
ein=
gefangen worden. Hiervon wurden 11 Hunde von
ihren Eigentümern wieder ausgelöſt, 1 Hund iſt verkauft
worden und 16 Hunde mußten getötet werden.
Städtiſcher Saalbau. Mehrfachen Wünſchen
ent=
ſprechend iſt das heutige 8. Donnerstagskonzert der
Ka=
pelle des Leibgarde=Regiments, das bei großer
Illumina=
tion ſtattfindet, wieder ein Streichkonzert. Das Programm
iſt ſehr intereſſant gehalten und ſei die Muſik aus
Gold=
marks Oper „Das Heimchen am Herd” und A. Neffs „
Oden=
wald in Lied und Tanz” beſonders hervorgehoben.
Heſſiſcher Schutzverein für entlaſſene
Gefangene.
Der Rechenſchafts=Bericht des
Vorſtan=
des des Heſſiſchen Schutzvereins für entlaſſene Gefangene
für das Jahr 1912/13 iſt ſoeben im Druck erſchienen. Es heißt
darin u. a.: Von allen öffentlichen und privaten
Wohl=
tätigkeitsbeſtrebungen hat die Fürſorge für entlaſſene
Ge=
fangene wohl am meiſten mit Mißerfolgen und
Enttäuſch=
ungen zu rechnen. Sind doch die Objekte dieſer Fürſorge
willensſchwache Menſchen, deren Charakter nicht ſo viel
Feſtigkeit und Halt beſaß, um vor den Schranken des
Ge=
ſetzes Halt zu machen, deren gute Vorſätze, die ſie in der
Einſamkeit der Gefängniszelle, unter dem Drucke der
Strafe gefaßt haben, daher in der Freiheit gegenüber den
Verſuchungen und Lockungen des Lebens eine beſonders
ſchwere Probe beſtehen müſſen. Ihnen will der Verein
wie § 1 der Satzung beſagt, „beſſernd und helfend zur
Seite ſtehen, um ihnen die Rückkehr zu einem geordneten
Leben zu erleichtern.” Ob und in welchem Maße der
Ver=
ein dieſe Aufgabe erfüllt, zeigt das Ergebnis der in jedem
Jahre veranſtalteten Umfrage über die Führung der
Pfleglinge in den letzten 3 Jahren. Die Erfahrung der
letzten Jahre, wonach ſtets 75—80 Prozent aller
der=
jenigen Perſonen, denen wir unſere Fürſorge zuteil
wer=
den ließen, ſich nach ihrer Entlaſſung aus dem Strafhaus
gut geführt haben, widerlegt vor allem die gemeiniglich
verbreitete Anſchauung, als ob unſere Tätigkeit meiſt
Unwürdigen zuteil werde. Jene Erfahrung darf uns
aber auch mit Genugtuung über den Erfolg unſerer
Ar=
beit erfüllen und als eine Gewähr dafür gelten, daß wir
in der Ausübung unſerer Tätigkeit die richtigen Wege
eingeſchlagen haben.
Bevor wir uns im einzelnen Falle zur Fürſorge
ent=
ſchließen, ſind wir auf ſorgſamſte Prüfung der Verhäf” bedacht. Wer einmal als Pflegling des Vereins
deſſen Wohltaten genoſſen hat, der iſt bei Rückfall
regel=
mäßig von unſerer Hilfe ausgeſchloſſen. Sucht ein
be=
reits Vorbeſtrafter unſere Unterſtützung nach, ſo wird
da=
her zunächſt feſtgeſtellt, ob er nicht ſchon aus Anlaß einer
früheren Strafverbüßung unſerer Hilfe teilhaftig
gewor=
den war. Im übrigen leiſten uns den wertvollſten
Bei=
ſtand bei der Entſchließung über die Aufnahme als
Ver=
einspflegling die Beamtenkonferenzen der Strafanſtalten,
denen die Vorſteher, Geiſtlichen, Lehrer und Oberbeamten
der Anſtalt angehören. Durch den ſtändigen Verkehr mit
den Gefangenen gewinnen dieſe Beamten, denen jahraus,
jahrein die Beobachtung gerade dieſes Menſchenmaterials
berufsgemäß obliegt, namentlich bei längerer Strafzeit
über das Weſen des Gefangenen ein gutes Urteil, deſſen
Wert dadurch erhöht wird, daß der Vorſteher und die
Geiſtlichen auch den Briefwechſel des Gefangenen
ein=
ſehen und auf dieſe Weiſe zugleich einen Einblick in das
Milieu erhalten, aus dem er ſtammt. Die Beamten=
Kon=
ferenz iſt daher in erſter Linie zur Prüfung der Frage
be=
rufen, ob der Gefangene einer Fürſorge des Schutzvereins
würdig iſt oder nicht. Nebenher laufen unſere
Erkundig=
ungen bei der Heimatbehörde, bei der Geiſtlichkeit des
Wohnortes und die Durchſicht der Strafakten, die wir uns
regelmäßig erbitten. Stellt ſich, nachdem wir zunächſt
Auf=
nahme gewährt, in der Folge heraus, daß der Gefangene
unſere Hilfe nicht verdient, daß bei ihm eine Beſſerung
nicht zu erwarten iſt ſo wird er aus der Liſte der
Pfleg=
linge wieder geſtrichen. Daß trotz dieſer ſorgfältigen
Prüfung im Einzelfalle Mißerfolge nicht ausbleiben, darf
nach dem oben im Eingang Geſagten nicht Wunder
nehmen.
Schwieriger liegen die Verhältniſſe bei ſolchen
Per=
ſonen, die nicht als eigentliche Pfleglinge aufgenommen
werden, ſondern nur vorübergehend die Hilfe des Vereins
nachſuchen, ſo z. B. Haftſträflinge, über die in Anbetracht
der kurzen Strafen nicht einmal die
Strafvollſtreckungs=
behörde dem Schutzverein ein Urteil abgeben kann, oder
Perſonen, die in einer außerheſſiſchen Strafanſtalt ihre
Strafe verbüßt haben und auf Grund ihres
Entlaſſungs=
ſcheines ein Viatikum erbitten. Um auch für ſolche Fälle
gewappnet zu ſein, wurde dem Vereinsſchriftführer vor
mehreren Jahren ein Dispoſitionsfonds zur Verfügung
geſtellt. Auf Grund der gewonnenen Erfahrungen werden
Unterſtützungen aus dieſem Fonds nur in beſtimmt
be=
grenztem Umfang und nur dann gewährt, wenn der
Be=
treffende eine Arbeitsſtelle — ſei es am Platze, ſei es
aus=
wärts — nachweiſt. Auch wird ihm gegebenenfalles das
Reiſegeld nicht ausgehändigt. ſondern die Fahrkarte
ge=
löſt und darüber gewacht, daß er wirklich abreiſt.
Mehr=
fach ſind ſolche Leute auch ſchon der Arbeiterkolonie Neu=
Ulrichſtein zugewieſen worden. Durch dieſe Uebung
iver=
den Bummler und Heuchler ausgeſchaltet, andererſeits
aber iſt durch die getroffene Einrichtung die Möglichkeit
geſchaffen, Leuten, die infolge der Strafverbüßung in
eine augenblickliche Notlage geraten ſind. ſofort und
wirk=
am zu helfen, ohne daß der eigentliche Vereinsapparat in
Bewegung geſetzt zu werden braucht. Selbſtverſtändlich
werden auch in dieſen Fällen, wenn ohne Verzug möglich,
Erkundigungen eingezogen. Handelt es= ſich nur um die
Beſchaffung eines Nachtlagers, ſo wird ein Gutſchein für
die Herberge „zur Heimat” ausgehändigt. Im verfloſſenen
Jahr beläuft ſich der Aufwand an ſolchen Unterſtützungen
aus dem Dispoſitionsfonds des Schriftführers auf kaum
100 Mark.
Mit der genauen Prüfung der beſonderen Verhältniſſe
jedes einzelnen Falles hänat naturgemäß zuſammen die
Verſchiedenheit und Vielfältigkeit der Fürſorge. Die
Summe der Geldmittel, welche im Jahre 1912 die 388
Fälle unſerer Fürſorgetätigkeit erforderten, beziffert ſich
auf 9156,71 Mark. Darunter fallen auch einzelne
zins=
loſe Darlehen, die den entlaſſenen Gefangenen eine
Exiſtenzmöglichkeit ſchaffen ſollten. Daß dieſe Art der
Fürſorge unter beſonderen Vorausſetzungen den
Pfleg=
ling wieder in geordnete Verhältniſſe bringt, beweiſt die
Tatſache, daß drei Pfleglinge, denen vor vielen Jahren
mit zum Teil erheblichen Darlehen geholfen wurde, im
verfloſſenen Jahre mit ihren Rückzahlungen zu Ende
kamen.
Vor allem gilt es dem Gefangenen, der das
Straf=
haus verläßt, für eine geeignete Beſchäftigung, Stellung
oder Arbeit zu ſorgen. Dem Taglöhner und Handwerker
kann in der jetzigen Zeit meiſt eine Arbeitsſtelle beſchafft
werden; mehr oder weniger große Schwierigkeiten
be=
reitet dagegen ſtets die Unterbringung eines beſtraften
Kaufmannes. Staatsbeamten oder Bureauarbeiters, und
leider gelingt es manchmal trotz aller Bemühungen nicht,
ſolchen Leuten zu einem Fortkommen zu verhelfen
Der Bericht beleuchtet dann an Hand der Schilderung
zahlreicher Einzelfälle die ſegensreiche Tätigkeit des
Ver=
eins, die ſchon ſo manche bedrohte Exiſtenz vor dem
Scheitern bewahrte, gibt ſtatiſtiſche Darſtellungen und
ent=
hält endlich einen ausführlichen Bericht über die
Haupt=
verſammlung des Vereins, die am 8. Juli in Gießen
ſtattfand.
T. Dieburg, 5. Aug. Am 9. Auguſt findet hier die
Stadtratswahl im Rathaus ſtatt. Bei der am
Sonntag anberaumten außerordentlichen
Generalver=
ſammlung des Zentrumswahlvereins wurden folgende
Herren für die bevorſtehende Stadtratswahl nominiert:
die Stadträte Sebaſtian Schmitt, Franz Wolf und Martin
Deuter, Schneidermeiſter Cajetan Steinmetz und Kaufmann
Heinrich Joſeph Wick. Die Gegenpartei hat folgende
Kandidaten aufgeſtellt: Stadtrat Bernhard Blank, die
Maurer Michgel Fuchs, Nikolaus Deuter und Edmund
Winter, ſowie Kaufmann Louis Lehmann.
Auerbach a. d. B., 6. Aug. Zu dem Mitte Oktober
ſtattfindenden Wettbewerb von Photographien,
Schwarzweiß=Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden der
dem Verkehrs=Ausſchuß der Bergſtraße angehörenden Orte,
einſchließlich Lindenfels im Odenwald, werden jetzt die
Bedingungen verſandt. Dem Preisgericht ſtehen ca. 1500
Mark an Preiſen zur Verfügung. Da der Wettbewerb
mit einer Ausſtellung verbunden iſt, dürfte derſelbe eine
ehr günſtige Verkaufsgelegenheit bieten. Nähere
Aus=
kunft erteilt der Vorſitzende des Verkehrs=Ausſchuſſes der
Bergſtraße in Auerbach (Heſſen).
Bensheim, 5. Aug. Der Umbau des
Bahn=
hofs, einer der verkehrsreichſten Heſſens geht ſeiner
Vollendung entgegen. Das Empfangsgebäude iſt bereits
im vorigen Jahre in Benutzung genommen worden.
Fer=
ner ſind jetzt die Bahn= und Sicherungsanlagen, die neuen
Gleiſe, die Signale uſw. fertiggeſtellt. Noch im Bau
be=
griffen iſt die Verlängerung der Unterführung der
Worm=
ſer Straße, ein Außengleiſe, ebenſo werden noch
verſchie=
dene Pflaſterungen ausgeführt. Die Geſamtkoſten des
Um=
baues betragen rund 2 Millionen Mark.
Mainz, 6. Aug. Wie das M. J. mitteilt, fuhr eine
Dame in einem Schnellzug der Strecke Frankfurt-
Heidel=
berg. Kurz vor Abgbang des Zuges in Frankfurt ſtieg noch
ein Herr in ihr Abteil. Sie bekam unterwegs eine ſolche
Angſt vor ihrem Mitreiſenden, daß ſie kurzerhand die
totbremſe zog, ſo daß der Zug vor Iſenburg ſtehen
blieb. Das Perſonal unterſuchte ſofort die Urſache des
unfreiwilligen Haltens. Schon meldete ſich aber eine Dame
und erklärte, ſie habe den Zug geſtellt, weil ſie in dem
Herrn,’der mit in dem Abteil fuhr, einen Mörder
ver=
mute. Sofort legitimierte ſich der Herr als ein
Regie=
rungsbaumeiſter. Der Dame wurde ein anderes
Abteil angewieſen und der Zug konnte nach
viertelſtün=
diger Verſpätung ſeine Fahrt fortſetzen.
Mainz, 6. Aug. Ein Feſtungskrieg von
drei=
tägiger Dauer nahm heute abend bei Fort Blücher
ſeinen Anfang. Es handelt ſich hierbei um eine
regel=
rechte Belagerung und Erſtürmung des Forts durch
In=
fanterie und Pioniere. Die Pionierbataillone Nr. 21 und
25 rückten heute aus, um die erforderlichen Laufgräben
für die Infanterie herzuſtellen. Vom Infanterie=Regiment
Nr. 87 werden täglich einzelne Bataillone ihre
Belager=
ungsarbeiten ausführen, während am Freitag der
Gene=
ralſturm durch das ganze Regiment erfolgen ſoll.
Worms, 6. Aug. Prinzeſſin Eulalie,
In=
fantin von Spanien, die Tante des Königs von Spanien,
iſt mit Gefolge im Hotel „Europäiſcher Hof” abgeſtiegen.
Worms, 6. Aug. Eine in Darmſtadt von ihrem
Ehe=
mann, einem in Worms anſäſſigen Tünchermeiſter getrennt
lebende Frau, glaubte den Raubmord in dem
Eiſen=
bahnzug benutzen zu können um auf bequeme Art ihren
Mann los zu werden und richtete an die Staatsanwaltſchaft
in Darmſtadt ein anonymes Schreiben, worin ſie
ihren Mann der Tat beſchuldigte. Die ſofort angeſtellten
Unterſuchungen ergaben, daß der Tünchermeiſter an dem
betreffenden Tage am Pfeddersheimer Amtsgericht gear
beitet hatte; er konnte ſein Alibi einwandsfrei nachweiſen
Durch einen Schreibſachverſtändigen wurde die eigene Frau
des Beſchuldigten als die Schreiberin feſtgeſtellt. Bei ihrer
Vernehmung meinte die Frau ganz naiv, ſie habe
ge=
glaubt, auf dieſe Weiſe ihren Mann am ſchnellſten und
ſicherſten los zu werden. Die Angelegenheit wird ein
gerichtliches Nachſpiel haben.
Worms, 6. Aug. Die Zigeuner ſind nun
endgül=
tig über Frankfurt auf preußiſches Gebiet abgeſchoben
worden, da ſich herausſtellte, daß ſie preußiſche
Unter=
tanen ſind.
M. Nackenheim, 5. Aug. Um den gefräßigen Staren
beſſer entgegentreten zu können, ſollen im kommenden
Herbſt die Weinbergsſchützen mit Gewehren ausgerüſtet
werden. Der Jagdpächter hat bei der Auswahl der
Schützen das Mitbeſtimmungsrecht. — Die Wahl von
vier Gemeinderäten findet hier am 15.
Sep=
tember ſatt.
sd. Bürſtadt, 6. Aug. Geſtern nachmittag entſtand auf
bis jetzt noch unaufgeklärte Weiſe Feuer in der
gemein=
ſchaftlichen Scheuer des Feldſchützen Philipp Glück I. und
Anton Brückmann I. Das Feuer geiff mit einer raſenden
Geſchwindigkeit um ſich und noch ehe die Feuerwehr zur
Stelle war, ſtand die angrenzende Scheuer des Joſeph
Gebhardt I. ebenfalls in hellen Flammen. Trotz der
eif=
rigen Bemühungen unſerer Feuerwehr brannten beide
Scheuern bis auf die Umfaſſungsmauern nieder. Man
nimmt an, daß das Feuer in der Scheuer, die dicht mit
Heu und Stroh gefüllt war dadurch entſtanden iſt, daß
das Heu etwas feucht war. Trotzdem die Beſchädigten in
der Brandkaſſe ſind, iſt doch ein bedeutender Schaden
ent=
ſtanden.
Gonſenheim, 5. Aug. In der Generalverſammlung
der Turngemeinde wurde beſchloſſen, über die
Ueber=
nahme des Gauturnfeſtes 1915 erſt dann
end=
gültig zu entſcheiden, wenn die Gonſenheimer Vereine
ge=
hört und ihre Mitwirkung zugeſagt haben.
Vorausſicht=
lich wird es zur Uebernahme des Feſtes durch die beiden
hieſigen Vereine kommen; als Feſtplatz konnte aber nur
das über 10 Morgen große freie, von Wald umſäumte
Gelände, die Prattel, in Frage kommen.
Heidesheim, 6. Aug. Infolge des mangelhaften
Zu=
ſtandes des Bahnſteigs im hieſigen Staatsbahnhofe
ſtürzte vor einiger Zeit die Frau eines Handwerkers
beim Ausſteigen aus einem Perſonenzug meterhoch ab.
Sie erlitt eine ſo ſchwere Gehirnverletzung, daß dadurch
eine dauernde Schädigung der Geſundheit eingetreten iſt.
Die Familie der Verletzten hat, dem M. Journal zufolge,
den Eiſenbahnfiskus jetzt auf eine
Entſchädig=
ungsſumme von 40000 Mark oder eine
entſpre=
chende Dauerrente verklagt.
Dienheim, 6. Aug. Beim Hacken in einem Weinberg
fanden, gut verpackt, Winzer ein größeres Paket, dem
ein ſtarler Fleiſchgeruch entſtrömte, ſo daß ſie
an=
nahmen, es ſei eine Leiche. Als ſie aber das Paket
öff=
neten fanden ſie einen Schinken, der das Gewicht von
ungefähr 15 Pfund hatte. Wahrſcheinlich rührte er von
einem Diebſtahl her, bei dem der Dieb geſtört wurde.
Bad=Nauheim, 6. Aug. Wie ſchon mitgeteilt wurde
beſteht die Abſicht, hier eine Freilichtbühne ins
Le=
ben zu rufen. In der zweiten Hälfte dieſes Monats ſoll
im oberen Park hinter dem Kurhaus der „Zigeunerbaron”
in Szene gehen. In der nächſten Saiſon ſollen die
Auf=
führungen auf der Freilichtbühne regelmäßig ſtattfinden.
Der Maharadſcha von Pudukota iſt wieder hier zur Kur
eingetroffen. Außerdem ſind angekommen: Herr von
Feld=
heim=Schönfließ, langjähriger Kammerherr der Kaiſerin,
der Bad=Nauheim ſchon zum 15. Male als Kurgaſt beſucht,
Graf Merode und Gräfin Merode geb de la
Rochefou=
cauld und Exzellenz Miniſterpräſident Novakowitſch aus
Belgrad.
Ockſtadt, 6. Aug. Der Erwerb des Geländes
für den Uebungsplatz der Friedberger
Gar=
niſon ſtößt in unſerer Gemarkung auf Schwierigkeiten
da die Grundſtücksbeſitzer zu hohe Preiſe fordern. Um
dem Militärfiskus die Erwerbung eines Platzes nun nicht
zu erſchweren, hat jetzt Freiherr v. Ritter ſein weſtlich
von Friedberg belegenes Gutsland als Exerzierplatz zu
einem angemeſſenen Preiſe angeboten.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 5. Aug. Nachrichten über
den Rücktritt des Generalintendanten der
Königlichen Schauſpiele werden von dem von der
Nord=
landreiſe zurückkehrenden Intendanten als unzutreffend
er=
klärt. — Einen empfindlichen Verluſt erlitt eine
Dame aus Hannover, die ſich auf der Durchreiſe in Berlin
aufhielt. Als ſie an der Siegesſäule eine Autodroſchke
verließ, vergaß ſie ihre Handtaſche, die mit Inhalt einen
Wert von 6000 M. hat. Außer zwei Portemonnaies, von
denen das eine einen Tauſend= und einen
Einhundert=
markſchein, das zweite 30 Mark bares Geld enthielt, befand
ſich in der Taſche ein Brillantſchmuck, beſtehend aus zwei
goldenen Ohrgehängen mit Brillanten, zwei
Brillantrin=
gen, einer Platinkette mit Brillantgehänge, einem Kollier
mit Brillanten, zwei Armbändern mit Brillanten, einem
goldenen Kettenarmband und einer langen,
ſilbervergolde=
ten Kette mit goldenem Bleiſtift und einem Miniatur=
Re=
volver. — Als abends die Ehefrau des Pförtners Schubert
die Treppen des Hauſes Invalidenſtraße 137 beleuchten
wollte, ging ſie nach dem Keller, um den Haupthahn zu
öffnen und gab ihrer elfjährigen Tochter Hedwig den
brennenden Spiritusanzünder. Auf ſeine
Bitte übergab dann die Kleine dem neunjährigen Sohn
Kurt des Buchhalters Langner den Anzünder. Der Knabe
ſprang damit die Treppen empor und kam dabei ſeiner ihm
entgegenlaufenden elfjährigen Schweſter Katharina ſo
nahe, daß deren Kleider Feuer fingen. Auf das Geſchrei
der Kinder eilten Hausbewohner herbei, die die
Flam=
men nur mit Mühe zu erſticken vermochten. Ein Mann
brachte das über und über mit Brandwunden bedeckte Kind
nach der Hilfswache in der Eichendorffſtraße, von wo es
der Vater nach dem Virchow=Krankenhauſe ſchaffte: Dort
ſtarb das arme Mädchen noch in der Nacht.
Frankfurt, 6. Aug. Da ſich die Klagen des Publikums
mehren, daß die Stühle und Bänke in den Warteſälen
dritter und vierter Klaſſe des Hauptbahnhofs
vorwiegend von Arbeitsloſen beſetzt gehalten,
werden, beſchloſſen Eiſenbahnbehörde und Polizei ein ge
meinſames Vorgehen. Man kam überein, die Arbeitsloſen
zu ſiſtieren und ihnen zu eröffnen, daß gegen ſie Anzeige
wegen Hausfriedensbruchs erſtattete werde,
ſo=
bald ſie noch einmal im Warteſaal betroffen würden,
Vor=
ausſetzung für dieſes Vorgehen iſt natürlich, daß die Leute
ſich zwecklos und ohne Fahrkarte im Warteſaal aufhalten.
Die Polizei unternimmt ſeit dieſem Abkommen vielfach am
Tag Streifen durch die Warteſäle. Das
Schöffenge=
richt verurteilte in letzter Zeit wiederholt ſolche
Obdach=
loſe wegen Hausfriedensbruchs. So wurde heute ein
Knecht, der am 21. Juli im Warteſaal betroffen wurde,
we=
gen Hausfriedensbruchs zu einer Woche Gefängnis und
wegen Obdachloſigkeit zu zwei Wochen Haft verurteilt.
Kaſſel, 6. Aug. Der Schnellzug Kaſſel=Köln
fuhr geſtern abend hinter Kaſſel bei der Station
Mönche=
hof in eine durch ein Auto ſcheu gewordene
Schaf=
herde: 30 Schafe wurden zermalmt.
Heilbronn, 6. Aug. Hier ſind verſchiedene Typhus=
Erkrankungen vorgekommen. Sie betreffen
Per=
ſonen, die aus dem Jugendheim Speiſen bezogen hatten.
Bisher ſind 14 Patienten ins Krankenhaus zur
Unter=
ſuchung eingeliefert worden. Das Jugendheim iſt
vor=
übergehend geſchloſſen.
Ohrdruf (Thüringen), 6. Aug. Beim Scharfſchießen
der Artillerie auf dem Truppenübungsplatze des 11.
Ar=
meekorps bei Ohrdruf hat ſich ein ſchwerer Unfall
ereignet. Mehrere Geſpanne des Artillerie=Regiments
Nr. 55 gingen plötzlich durch und fünf Kanoniere, die ſich
den Pferden entgegenwarfen, erlitten ſchwere Verletzungen.
Ein Kanonier iſt lebensgefährlich verletzt:
Küpperſteg, 6. Aug. (Amtlich.) Geſtern abend 10.35
Uhr entgleiſte bei der Einfahrt im ſüdlichen
Bahnhofs=
ende der von Mülheim a. Rh. kommende
Perſonen=
zug 233. der aus neun Wagen beſtand, mit ſämtlichen
Achſen. Die Lokomotive fuhr in das in der Nähe an der
Düſſeldorfer Straße ſtehende Wärterhaus, wobei ſie
um=
fiel. Der Lokomotivführer des Zuges und zwei Inſaſſen
des Wärterhauſes wurden leicht verletzt. Beide
Haupt=
gleiſe ſind geſperrt. Das Gleis Düſſeldorf=Köln war um
1 Uhr wieder fahrbar. Die Züge wurden über Neuß
be=
ziehungsweiſe Opladen geleitet.
Birkenfeld, 6. Aug. Durch einen Polizeihund wurden
in einer Räuberhöhle in der Nähe der Stadt drei
Bur=
ſchen aufgeſtöbert, die ſeit Wochen die Umgegend durch
eine Anzahl Einbrüche und Diebſtähle unſicher gemacht
hatten
Danzig, 5. Aug. Der durch das Auto des Prinzen
Friedrich Karl ſchwerverletzte Stadtrat Otto Oeſtreich
iſt heute nachmittag, ohne das Bewußtſein wieder erlangt
zu haben, geſtorben.
Paris, 5. Aug. Der Ingenieur Armand
Deper=
duſſin, einer der bekannteſten Flugzeugerbauer
und Beſitzer einer der größten Flugzeugfabriken
Frank=
reichs, iſt heute infolge der Strafanzeige eines
Finanz=
inſtituts, welches ihm mehrere Millionen vorgeſtreckt hatte,
in Haft genommen worden. Deverduſſin behauptet,
der Bankerott ſeines Unternehmens ſei dadurch verurſacht
worden, daß er für das ihm geliehene Kapital 25 Prozent
habe zahlen müſſen. Die Verhaftung hängt allem Anſchein
nach nur indirekt mit ſeinen gegenwärtigen
Unternehm=
ungen zuſammen. Die Strafanzeige erfolgte durch den
Präſi=
denten der Bank Comptoir Induſtriel et Colonial, für deſſen
Rechnung Deperduſſin ſeit etwa 15 Jahren Seidenankäufe
und =verkäufe im Betrage von 7 Millionen Francs
vorge=
nommen hatte. Deperduſſin ſoll durch fiktive Käufe und
Verkäufe die genannte Bank um 32 Millionen
Francs geſchädigt haben. Es heißt, daß noch
meh=
rere andere Banken gegen Deperduſſin ſtrafrechtlich
vor=
gehen wollen, da er ſie auf ähnliche Weiſe wie die Bank
Comptoir Induſtriel et Colonial um 7 bis 8 Millionen
Francs geſchädigt habe. Deperduſſin hat das Geld
teil=
weiſe zur Errichtung von Flugzeugfabriken und
Flieger=
ſchulen, ſowie zum Ankauf von Flugplätzen verwendet.
Er lebte auf ſehr großem Fuße und genoß namentlich in
Sportkreiſen das beſte Anſehen. Erſt vor kurzem ſtiftete
er einen Preis von 100000 Francs für das Gordon=
Ben=
nett=Rennen. Der Aeroklub wird zweifellos die bei ihm
zu dieſem Zwecke hinterlegten Wertpapiere dem Gerichte
übergeben. Deperduſſin ſoll nach einem mehrſtündigen
Verhör ſeine Schuld geſtanden haben. Der
Unterſuch=
ungsrichter erklärte, daß er gegen ihn die Anklage des
Be=
truges, der Fälſchung und des Vertrauensbruches erheben
werde, worauf Deperduſſin nach dem
Unterſuchungsgefäng=
nis abgeführt wurde.
London, 5. Aug. Heute früh wurde von unbekannten
Tätern der Verſuch gemacht, ein Landhaus in
Woldingham (Surrey) durch eine Bombe zu
zer=
ſtören. Die Bombe, die in der Nähe einer Treppe
nie=
dergelegt worden war, zerſtörte die Treppe und
beſchä=
digte die Türen ſtark. Ein zweiter Anſchlag wurde geſtern
abend auf ein Haus in Lynton (Nord=Devon) gemacht,
das einen Wert von 12000 Pfund Sterling repräſentiert.
Von unbekannter Hand wurde es in Brand geſteckt.
Es brannte vollſtändig nieder. Beide Anſchläge werden
den Anhängerinnen des Frauenſtimmrechts
zugeſchrieben.
Simla, 5. Aug. Wie amtlich gemeldet wird, wurden
die Unruhen in Cawnpur durch Zeitungsartikel,
die gegen die Mohammedaner gerichtet waren,
hervorge=
rufen. Etwa 20000 Perſonen hielten eine
Proteſtver=
ſammlung ab, in der leidenſchaftliche Reden gehalten
wur=
den. Die Polizei wurde, als ſie eingreifen wollte, mit
Ziegelſteinen empfangen. Schließlich erhielt ſie den
Be=
fehl, zu feuern. Bei den Kämpfen wurden 18
Aufrüh=
rer getötet, 27 verletzt. Von den Polizeibeamten fiel
einer, 24 wurden ſchwer verletzt. 131 Perſonen wurden
verhaftet. In der Stadt herrſcht eine niedergedrückte
Stimmung, doch iſt die Stadt jetzt ruhig.
Winnipeg, 5. Aug. Nach einem Telegramm aus
Athabaſch in der Provinz Alberta iſt das ganze
Ge=
ſchäftsviertel geſtern abend durch eine
Feuers=
brunſt zerſtört worden.
Parlamentariſches.
* Der Abg. Köhler hat folgenden Antrag
betref=
fend Lieferung von elektriſchem Strom und
Bau von elektriſchen Bahnen im
Großher=
zogtum Heſſen der Zweiten Kammer zugehen laſſen:
Die Kammer wolle beſchließen, Großh. Regierung zu
er=
ſuchen, Geſuchen der Oberrheiniſchen Eiſenbahngeſellſchaft
in Mannheim um dauernde Verſorgung von Teilen des
Großherzogtums Heſſen mit elektriſchem Strom die
Geneh=
migung zu verſagen und der Oberrheiniſchen
Eiſenbahn=
geſellſchaft Konzeſſionen zum Bau von Bahnen oder von
Teilſtrecken ſolcher im Großherzogtum Heſſen nicht zu
er=
teilen.
Die Begründung führt aus: Vor einiger Zeit
hat ſich mit dem Sitz in Mannheim eine Geſellſchaft mit
der Bezeichnung „Oberrheiniſche Eiſenbahngeſellſchaft
gebildet, an der neben privatem Kapital die Stadt
Mann=
heim ſehr erheblich beteiligt iſt und die im weſentlichen
die Aufgabe haben ſoll, die Verkehrs= und wirtſchaftlichen
Intereſſen der Stadt Mannheim zu fördern. Dieſe
Geſell=
ſchaft hat nun auch Teile des Großherzogtums Heſſen in
ihr Verſorgungs= und Intereſſengebiet eingeſchloſſen,
ob=
wohl es ſich um eine badiſche Geſellſchaft handelt, und
in Heſſen ſich die Heſſiſche Eiſenbahngeſellſchaft in
Darm=
ſtadt und das Elektrizitätswerk Rheinheſſen in Worms
be=
finden, in deſſen Intereſſengebiet die Oberrheiniſche
Eiſen=
bahngeſellſchaft hier ſtörend eingreifen will. Dies muß in
Rückſicht auf unſere heſſiſchen Intereſſen vermieden werden.
Es verlautet, daß die Oberrheiniſche Eiſenbahngeſellſchaft
beabſichtigt, auch elektriſche Bahnen von einzelnen
heſſi=
ſchen Plätzen nach Mannheim zu bauen. Hierdurch
wür=
den die Fehler vergangener Jahre in unſerer
Eiſenbahn=
politik, die den Verkehr aus Heſſen nach den benachbarten
Großſtädten zum Nachteil der heſſiſchen Intereſſen und
der heſſiſchen Steuerkraft geleitet haben, nur noch
ver=
größert werden. Es dürfen Bahnen, die heſſiſche
Landes=
teile noch mehr, als ſchon geſchehen, an Mannheim feſſeln,
und heſſiſches Kapital außer Landes führen, nicht mehr
zugelaſſen werden.
Militäriſches.
* Ein Meteorologe für das
Kaiſermanö=
ver. Die ſtarke Verwendung von Luftſchiffen und
Flug=
zeugen im Kaiſermanöver hat, wie mitgeteilt wird,
eine neue Maßnahme notwendig gemacht, nämlich die
Verwendung eines Meteorologen. Es beſteht die
Abſicht, die Wetterkunde, die in der Kriegsführung eine
bedeutende Rolle ſpielt, ſchon im Kaiſermanöver in den
Dienſt des Heeres zu ſtellen. Im vorigen Jahre war auch
bereits ein Meteorologe bei den Kaiſermanövern tätig,
um bei der Verwendung der Luftſchiffer und Flieger der
Heeresleitung beratend zur Seite zu ſtehen. Er hatte die
Aufgabe, die Flieger zu warnen, wenn gefährliche Böen
in Ausſicht ſtanden, damit nicht die Fliegeroffiziere ihr
Leben in Gefahr bringen. Zwar läßt ſich dieſe Maßnahme
im Kriege nicht anwenden, da im Kriege Opfer gebracht
werden müſſen. Trotzdem iſt es aber im Kriege bisweilen
von Bedeutung, das Wetter vorher zu kennen, da bei
ſtar=
ken Stürmen nutzloſe Opfer, die keinen Erfolg verſprechen
können, auch im Kriege nicht gebracht zu werden brauchen.
Die erhöhte Bedeutung, die der Wetterkunde bei den
dies=
jährigen Kaiſermanövern beigemeſſen wird, geht daraus
hervor, daß ein beſonderes Laſtautomobil für den Dienſt
der Wetterbeobachtung beordert worden iſt. Auch die
drahtloſe Telegraphie wird der Meteorologie im
Kaiſer=
manöver nutzbar gemacht werden, damit die
Wettervorher=
ſagen ſo zuverläſſig als möglich ſind. Für die
Kaiſer=
manöver iſt der Wetterdienſt inſofern von Bedeutung, als
vorher feſtgeſtellt werden kann, ob Regen oder große
Hitze in den nächſten Tagen vorherrſchen wird. Es können
mit Hilfe der Wetterkunde genauere Berechnungen über
die Marſchzeiten der Truppen und die der Bagagen und
Verpflegungs=Kolonnen gemacht werden. Dieſe Uebungen
im Kaiſermanöver ſind natürlich nur eine Vorſtufe für
die Verwendung des Wetterdienſtes im Kriege.
* Das preußiſche Kriegsminiſterium
und das „Kupieren” der Pferde. Der Berliner
Tierſchutzverein hatte ſich an das Kriegsminiſterium mit
der Bitte gewandt, die Heeresverwaltung möge bei den
bevorſtehenden Ankäufen von Pferden kupierte Pferde vom
Verkauf ausſchließen oder doch nur weſentlich niedriger
bezahlen. Dieſe Eingabe war vom
Reichstagsabgeord=
neten Liz. Mumm und anderen Herren aus verſchiedenen
Parteien unterſtützt worden. Herr Liz. Mumm erhielt nun
olgende Antwort: Das Kriegsminiſterium erwidert
er=
gebenſt, daß im allgemeinen nur ſehr wenig kupierte
Pferde auf die Märkte der Remontierungskommiſſion
kommen, wenigſtens nur da, wo ſchwere warmblütige oder
kaltblütige Pferde gezogen werden. In dieſen
Zuchtgebie=
ten iſt aber das Kupieren für den Handel ſo ſehr im
Schwunge und ſo feſt eingewurzelt, daß die wiederholten
Bemühungen der Heeresverwaltung, die Züchter
da=
von abzubringen, bis jetzt ziemlich wirkungslos
geblieben ſind. Solche Pferde aber vom Ankauf
auszu=
ſchließen oder — was gleichbedeutend wäre — weſentlich
geringer zu bewerten, iſt nicht angängig, weil die
Heeres=
verwaltung die Pferde braucht, während die Züchter und
Händler keine Schwierigkeiten haben, ſie anderweit
abzu=
ſetzen. Gerade bei dem diesjährigen großen Bedarf an
Pferden wäre es bedenklich, in der dortſeits beantragten
Weiſe gegen das Kupieren vorgehen zu wollen, ſo ſehr
die Heeresverwaltung auch mit dem Wunſche der
Tier=
ſchutzvereine, dieſen Mißbrauch beſeitigt zu
ſehen, übereinſtimmt. Im übrigen wird noch bemerkt,
daß, die Heeresverwaltung bei allen Ankündigungen von
Pferdeankäufen ſtets die Verkäufer auffordert, die
Schwanzrübe der Pferde nicht zu verkürzen.
Der Krupp=Prozeß.
* Aus der Urteilsbegründung iſt folgendes
hervorzuheben: Es ſteht feſt, daß Brandt das Material
nicht zum Schaden der Heeresverwaltung und der
Staats=
ſicherheit verwendete. Brandt trieb bewußt keinen
Miß=
brauch mit dem Material und es befand ſich bei ihm in
durchaus ſicheren Händen. Das in ihn von Krupp geſetzte
Vertrauen enttäuſchte er zweifellos nicht. Dies alles aber
macht die Angeklagten nicht ſchuldlos. Die Angeklagten
gaben Material preis, das im Intereſſe der
Landesver=
teidigung geheim gehalten werden mußte. Es kommt nicht
in Frage, daß dieſes Material Krupp gegenüber nicht
ge=
heim gehalten werden mußte. Die Täter hatten in dem
Bewußtſein, etwas Unrechtes zu tun, Material
ausgelie=
fert, das in den Händen einer fremden Macht Unheil hätte
anrichten können. Sämtliche militäriſchen Beſchuldigten
ſind des Ungehorſams ſchuldig. Paragraph 92 des
Mili=
tärſtrafgeſetzbuches kommt bei Pfeiffer als Militärbeamten
nicht in Anwendung. Ein materieller Schaden entſtand
nicht, denn es iſt erwieſen daß eine Erhöhung der Preiſe
wegen des Inhalts der Kornwalzer nicht eingetreten iſt.
Die Angelegenheit iſt aber im Reichstage zur
Sprache gebracht worden. Daß Liebknecht die
Korn=
walzer im Herbſt ſchon dem Kriegsminiſter überreichte,
war zweifellos richtig, ob es aber richtig war, daß er im
Anſchluß daran von Panama ſprach, iſt eine andere
Frage. Hierin erblickt das Gericht einen erheblichen
Nachteil. Das deutſche Heer erfreut ſich im In=
und Auslande großen Anſehens. Die Achtung
be=
ruht einmal auf der Anerkennung, daß im deutſchen Heer
nit treueſter Pflichterfüllung und Hingebung gearbeitet
wird und dadurch das Schwert ſcharf und das Pulver
trocken gehalten wird für den Fall, daß der allerhöchſte
Kriegsherr dieſes Friedensinſtrumentes zur Verteidigung
vitaler Intereſſen des Reiches bedarf. Es iſt aber noch
anderes, was dem Heer die Achtung der ganzen Welt
verſchaffte. Es iſt, daß die Verwaltung des deutſchen
Heeres nicht zugängig iſt für gewiſſe Machenſchaften.
Dieſe Auffaſſung iſt nicht nur eingebürgert in der
deut=
ſchen Bevölkerung, ſondern auch im Ausland. Wir ſind
mit Recht ſtolz darauf, daß die Machenſchaften, wie ſie
anderen Ländern nachgeſagt werden, im preußiſchen
Be=
amtentum und dem deutſchen Heere nicht gang und gäbe
ſind. Dieſes Anſehen, das das deutſche Heer zu unſerer
Freude genießt, hat ſchwer gelitten durch das
Vorkomm=
nis. Unter Panama verſteht das Gericht Korruption
ſchlimmſter Sorte. Um ſolche handelt es ſich hier
aber nicht. Drei Unteroffiziere und ein mittlerer
Be=
amter ließen ſich für die Mitteilung gewiſſer Dinge kleine
Geldbeträge und Zechen geben; das iſt kein Panama. Wir
haben zehntauſende von Beamten und Unteroffizieren,
denen die ſchwerwiegendſten Sachen für die
Staatsſicher=
heit anvertraut werden und niemals iſt etwas
verlaut=
bart, was zum Nachteil der Staatsſicherheiten dienen
könnte. Das Wort iſt aber ausgeſprochen und
das Gericht mußte ihm folgen. Die
Heecesver=
waltung hatte ſelbſt Intereſſe, die Verhandlungen bei
möglichſter Oeffentlichkeit zu pflegen, um das Wort
Panama ausz umerzen. Daß es entſtand, haben
die Angeklagten mitverſchuldet. Dieſe Schädigung des
Anſehens des deutſchen Heeres iſt durch die öffentliche
Verhandlung leider nicht ganz verwiſcht. Es iſt aber auf
das richtige Maß zurückgeführt.
Ehren=
abſchneidungen gehen bekanntlich ſehr
ſchnell in das Land Der Widerruf bricht
ſich langſamer Bahn es bleibt immer
etwas hängen. Die Angeklagten müſſen ſich dieſen
erheblichen Nachteil zurechnen laſſen.
Sechs verurteilte Angeklagte haben ihren
Vertei=
digern ihre Entſchließung kundgegeben, gegen das Urteil
des Kriegsgerichts Berufung an das
Oberkriegs=
gericht einzulegen. Nur der Angeklagte Dröſe nimmt das
Urteil an. Hoge erhielt übrigens 43 Tage Feſtungshaft
(nicht Gefängnis).
Die Rückkehr des Kaiſers.
* Kopenhagen, 5. Aug. Die Kaiſerjacht
„Hohenzollern” mit dem Kaiſer an Bord, begleitet
von dem Depeſchenboot „Sleipner” und einem Kreuzer,
paſſierte heute abend gegen 6 Uhr Kopenhagen. Die
Forts von Kopenhagen feuerten Salut. Um halb 8 Uhr
paſſierte die Kaiſerjacht Dragör.
* Swinemünde, 5. Aug. Der Kaiſer arbeitete
am Vormittag allein und nahm den Vortrag des Geſandten
von Treutler entgegen. Die „Hohenzollern” hatte auf der
Rückreiſe von Bergen eine gute Fahrt und traf abends
gegen 11 Uhr in Saßnitz ein.
* Swinemünde 6. Aug. Um 9,15 Uhr iſt die
Kaiſerflotille, beſtehend aus der Jacht „
Hohen=
zollern” dem Kreuzer „Kolberg” und dem Depeſchenboot
„Sleipner”, in den hieſigen Hafen unter dem Salut der
Feſtungsgeſchütze eingelaufen. Beim Einlaufen der
Kai=
ſerflottille in den Hafen ſtand der Kaiſer auf der
Kom=
mandobrücke der „Hohenzollern” und dankte andauernd
für die ſtürmiſchen Kundgebungen des tauſendköpfigen
Publikums. Gegen 10 Uhr begab ſich der Kaiſer mit
Ge=
folge und den Gäſten der Nordlandfahrt mittels
Automo=
bilen nach Ahlbeck, um den Gäſten das Kinderheim zu
zeigen.
* Swinemünde 6. Aug. Der Kaiſer wurde
in Ahlbeck von der Oberin des Kinderheims
empfan=
gen; er beſichtigte die Anſtalt, nahm eine Koſtprobe des
Eſſens und beſuchte die Sandburgen der Kinder an dem
Strande. Am Nachmittag beſuchen die Inſaſſen des
Kin=
derheims auf Befehl des Kaiſers das Schiff „Kolberg”.
Zur Frühſtückstafel auf der „Hohenzollern” war der
Ma=
rinebaurat Dietrich geladen. Heute nachmittag verlaſſen
die Nordlandgäſte die Kaiſerjacht. Im Laufe des
Nach=
mittags treffen Generaloberſt von Pleſſen und
Kriegs=
miniſter von Falkenhayn hier ein. Heute vormittag iſt
Flügeladjutant Graf Moltke angekommen,
Luftfahrt.
Ein Parſeval in Konſtantinopel.
* Konſtantinopel, 6. Aug. Der in Deutſchland
gekaufte Parſevalballon führte geſtern nachmittag
eine erſte Fahrt über der Stadt aus, die bisher noch kein
Luftſchiff geſehen hatte.
* Frankfurt a. M., 6. Aug. Das Luftſchiff „
Vik=
toria Luiſe” iſt heute morgen 6 Uhr 10 Min. zur
Fahrt nach Baden=Oos aufgeſtiegen.
* Baden=Oos, 6. Aug. Das Luftſchiff
Vik=
toria Luiſe” iſt nach dreiſtündiger Fahrt von
Frank=
furt kommend um 9 Uhr vor der Luftſchiffhalle alatt
ge=
landet.
* Karlsruhe, 6. Aug. Das Luftſchiff „3 5‟,
das heute morgen 6 Uhr 20 Min. in Baden=Oos unter
Führung von Hauptmann Lang zur Fahrt nach
Frank=
furt a. M. aufgeſtiegen war, paſſierte Karlsruhe kurz vor
7 Uhr in flotter Fahrt.
Frankfurt a. M., 6. Aug. Das
Militär=
luftſchiff 3. 5‟ iſt heute früh gegen 6,30 Uhr in
Ba=
den=Oos aufgeſtiegen und um 11 Uhr vor der hieſigen
Luftſchiffhalle gelandet. Die Führung hatte Hauptmann
Lange.
Der neue Balkankrieg.
Zur Lage.
* Wien, 5. Aug. Die Wiener Allgemeine Zeitung
hält die Nachricht über die Bukareſter
Friedens=
verhandlungen für geeignet, gewiſſe
Beſorg=
niſſe in Oeſterreich=Ungarn hervorzurufen; die
durch die maßloſen Forderungen Serbiens und
Griechen=
lands geſchaffene Sachlage rücke mit Rückſicht auf
Rumä=
nien, ſowie aus ſonſtigen Gründen die in Oeſterreich=
Ungarn wenig erwünſchte Aufgabe einer Reviſion des
ge=
ſamten Friedenswerkes in unerfreuliche Nähe. Das Blatt
glaubt, Serbien und Griechenland ſchöpften eine
Ermun=
terung zu ihren hochgeſpannten Prätenſionen nicht zum
geringſten Teil aus der Ueberzeugung, daß Rußland das
von ihnen geforderte Exiſtenz=Minimum für Bulgarien
nicht in der Weiſe interpretieren würde, die einer
wirk=
ſamen Zurückweiſung der hochgehenden Wünſche
Ser=
biens und Griechenlands gleichkäme. Infolgedeſſen ſcheine
in Athen und Belgrad der Eindruck zu beſtehen, daß
Oeſtereich=Ungarn allein den Standpunkt vertrete, der
letzte Balkankrieg dürfe nicht in der Unterwerfung
kom=
pakter Maſſen der bulgariſchen Bevölkerung unter ffremde
Herrſchaft reſultieren. Auch die Zunahme des türkiſchen
Selbſtbewußtſeins, welches die gegenwärtige Lage noch
komplizierter mache, ſei ein ernſtes Zeichen dafür, welche
Folgen ein laues Auftreten einzelner Mächte in der
maze=
doniſchen Frage anderwärts ausgelöſt habe.
* Paris, 5. Aug. Mehrere Blätter berichten, daß
der Vorhalt der Großmächte bezüglich der Abtretung
Kawalas nur den Zweck habe, die öffentliche
Meinung Bulgariens zu beruhigen und dem
Miniſterium Radoslawow dem Verbleib im Amte zu
er=
möglichen. Das „Journal des Débats” bemerkt, es hoffe,
daß dieſes Auskunftsmittel keine weiteren Folgen haben
werde. Die franzöſiſche Regierung habe ſich
dieſem Schritt nicht angeſchloſſen, und auch die öffentliche
Meinung Frankreichs ſtehe jeder Reviſion des Bukareſter
Friedensvertrages freundlich gegenüber, denn weder
Eu=
ropa in ſeiner Geſamtheit, noch irgendeine einzelne Macht
beſitze das geringſte Recht, die Aenderung irgend eines
Artikels des Friedensvertrages zu verlangen. Es würde
eines neuen Krieges bedürfen, um eine
Aender=
ung des künftigen Vertrages durchzuſetzen. Unter den
gegenwärtigen Verhältniſſen ſehe man aber keine Macht,
welche ernſtlich geneigt wäre, von einem diplomatiſchen
Schritt zu einem militäriſchen Einſchreiten
überzugehen. Nach einer anderen Blättermeldung habe
ſich Frankreich ebenſo wie Rußland und England dem
Schritt der Großmächte in der Kawalafrage angeſchloſſen.
London, 5. Aug. Wie das Reuterſche Bureau
erfährt, herrſcht in Londoner Balkankreiſen allgemein die
Anſicht, daß Bulgarien in den Hauptpunkten den
Verbündeten eher nachgeben, als daß es ſich der
Wiederaufnahme der Feindſeligkeiten nach dem Aufhören
des Waffenſtillſtandes am nächſten Freitag ausſetzen
würde. Was die Haltung der Türkei anbetrifft,
ſo verſichern gewiſſe Kreiſe, daß die Pforte wiſſen ließ,
ſie würde nicht darauf beſtehen, Adrianopel trotz des
Widerſtandes der Großmächte zu behalten.
Man müſſe vielmehr in der Haltung der Türkei einen
Verſuch ſehen, das Preſtige der ottomaniſchen Armee
wieder herzuſtellen und ſich von Europa finanzielle
Kom=
venſationen gewähren zu laſſen. Die Türkei würde, wenn
ſie erſt einmal das erreicht hätte, wahrſcheinlich dem
diplomatiſchen Druck weichen und ſich hinter die Linie
Enos-Midia zurückziehen.
Die Friedensverhandlungen in Bukareſt.
* Bukareſt, 5. Aug. Die heutige Sitzung
begann um 4 Uhr. Nachdem das Protokoll der geſtrigen
Sitzung verleſen und gezeichnet war, nahm
Miniſterpräſi=
dent Venizelos das Wort, um der Konferenz eine
Depeſche König Konſtantins bekannt zu geben, in welcher
der König mitteilt, daß ein militäriſcher Parlamentär der
Bulgaren den griechiſchen Vorpoſten eine möglichſte
Wiederaufnahme der Feindſeligkeiten noch für heute
an=
gekündigt hat. Die bulgariſchen Delegierten Tontſchew
und Fitſchew erklärten, keine Kenntnis von dieſer
Tat=
ſache zu haben, die nur durch einen Irrtum oder eine
falſche Uebermittelung der Stunde, mit welcher der neue
Waffenſtillſtand begann, entſtanden ſein könne.
Miniſter=
präſident Majoreseu verlas eine Verbalnote
Vereinigten Staaten von
der Regierung der
Amerika, in welcher der Wunſch ausgedrückt
wird, man möge in den Bukareſter Vertrag
eine Beſtimmung aufnehmen über die volle Freiheit der
bürgerlichen und religiöſen Rechte bei dem Teile der
Be=
völkerung, der von einem Lande getrennt dem anderen
einverleibt würde. Der Präſident bemerkt, das ſei ſchon
ein öffentliches Recht in jedem der beteiligten Ländern. Die
Chefs aller Miſſionen ſtimmten zu, daß es überflüſſig iſt,
beſonders eine Klauſel darüber in dem zukünftigen Ver=
trag in Erwägung zu ziehen. Der Präſident der
Kon=
ferenz richtete ſodann an alle beteiligten Länder den
drin=
genden Appell, die gegenſeitigen Abmachungen ſchnell zu
beendigen, denn es ſei unerläßlich, daß die Konferenz ſich
ab morgen mit den konkreten Fragen beſchäftige, da der
vor Wiederaufnahme der Feindſeligkeiten noch zur
Ver=
fügung ſtehende Zeitraum eine weitere Vertagung der
Löſung nicht geſtatte. Die nächſte Sitzung der Konferenz
findet morgen nachmittag 4 Uhr ſtatt. Der heutige
Vor=
mittag wurde mit einzelnen Beſprechungen zwiſchen
Majo=
rescu und den Chefs der Miſſionen ausgefüllt.
Finanz=
miniſter Marghiloman gibt zu Ehren der Miſſionen
eine Reihe von Dejeuners. Das erſte Dejeuner fand heute
zu Ehren des Chefs der ſerbiſchen Miſſion ſtatt.
* Bukareſt, 5. Aug., 9,10 nachm. Die offiziöſe
Roumaine meldet, daß der Frieden zwiſchen
Ru=
mänien und Bulgarien definitiv
abge=
ſchloſſen worden iſt.
* Bukareſt, 5. Aug. Die geſtrigen und heutigen
mündlichen Beratungen der einzelnen
Dele=
gierten untereinander brachten keine ſolche
An=
näherung des Standpunktes der Verbündeten und der
Bul=
garen, daß eine Feſtſetzung der Grenze auch nur in den
Hauptzügen erfolgt wäre. Die Griechen ſind allerdings
in ihren Forderungen bis zum Meſtafluß und die
Ser=
ben bis zur Waſſerſcheide der Struma und Bregalnitza
zurückgegangen, doch genügte dies Bulgarien nicht. Man
nimmt an, daß die Bulgaren ihrerſeits ihre Forderung
inſofern einſchränken, daß ſie auf das Gebiet weſtlich des
Wardar und ſüdlich von Dorian verzichten, dagegen ihren
Anſpruch auf den Golf von Ohano und Kawala mit
Hinter=
land aufrechterhalten.
Die Londoner Botſchafterkonferenz.
* London, 5. Aug. Die Botſchafter
beſchäf=
tigten ſich in ihrer heutigen Sitzung ausſchließlich
mit der Frage der Aegäiſchen Inſeln und der
Südgrenze Albaniens, ohne jedoch zu einer
Ent=
ſcheidung zu kommen. Die Vereinigung prüfte den
Vor=
ſchlag des Staatsſekretärs Grey, eine internationale
Kom=
miſſion zur Feſtſetzung der Grenze von Epirus nach
Alba=
nien zu entſenden. Dieſer Vorſchlag hat bis zu einem
gewiſſen Grade die Zuſtimmung Griechenlands
gefun=
den, welches vorſchlägt, daß die Nationalität der in Frage
kommenden Gegenden durch eine Volksabſtimmung
ent=
ſchieden würde. Die Botſchafter gingen zu einer
allge=
meinen Diskuſſion über das Mandat und die Vollmachten
dieſer Kommiſſion über. Nach dreiſtündiger Sitzung
ver=
tagte ſich die Botſchaftervereinigung auf Freitag, wo
die Diskuſſion über dieſen letzten Punkt fortgeſetzt
wer=
den wird. Auch am nächſten Montag werden die
Botſchaf=
ter zuſammenkommen.
Die Adrianopeler Frage.
* Konſtantinopel, 5. Aug. (Wiener Korr.=
Bureau.) Die Inſtruktionen der Botſchafter
ſtimmen, wie es ſcheint, nicht überein, weshalb die
Kollek=
tivdemarche noch nicht erfolgt iſt. Einzelne Botſchafter
unternahmen jedoch einzeln eine Demarche, wobei ſie den
Rat gaben, Adrianopel für eine Berichtigung der
Grenze Enos-Midia und andere Kompenſationen zu
räu=
men. Der Großweſir erteilte eine negative Antwort. Der
Großweſir, der geſtern dem ruſſiſchen Botſchafter einen
Beſuch abſtattete, erklärte, wie es heißt, in formeller Weiſe,
daß die Räumung Adrianopels unmöglich ſei. Der
eng=
liſche Geſchäftsträger, der Inſtruktionen erwartet, hatte
heute vormittag eine längere Beſprechung mit dem
Groß=
weſir.
Die bulgariſchen Grauſamkeiten.
* Saloniki, 6. Aug. (Agence d’Athènes.) Die
parlamentariſche Kommiſſion, die mit der
Unterſuchung der bulgariſchen
Grauſam=
keiten beauftragt iſt, meldet aus Tanthi, daß der Abzug
der Bulgaren ohne Schaden für die Stadt ſich vollzog.
Indes wurden zahlreiche Notabeln entführt, ſechs wurden
hingemetzelt und ein iſraelitiſcher Tabakarbeiter wurde
auf der Präfektur zu Tode geprügelt. Ein Arzt wurde
gezwungen, als Todesurſache Selbſtmord zu beſcheinigen
In Fanthi und Umgebung wurden insgeſamt 219
Per=
ſonen getötet, 163 entführt, ohne Wiſſen, wohin.
Wäh=
rend die Stadt beſetzt wurde, vollführten die Bulgaren
alle möglichen Gewalttätigkeiten und
Räube=
reien. Zahlreiche Moſcheen wurden in Kirchen
umge=
wandelt. Edelſteine, ſowie Hab und Gut mehrerer reicher
Einwohner wurden konfisziert, wie man ſagte, zur
Unter=
ſtützung des Roten Kreuzes. Mohammedaniſche Notabeln
verſichern, König Ferdinand habe auf der Durchreiſe den
bulgariſchen Prieſter David aufgefordert, ihm nach Sofia
koſtbare Teppiche zu ſenden, die ſich in den beſetzten
Moſcheen befanden. Alle Teppiche, die an jenem Tage zur
Ausſchmückung des Bahnhofes dienten, wurden vom
Gou=
verneur fortgeſchafft. Zahlreiche Muſelmanen wurden
gewaltſam getauft. Der griechiſche
Platzkomman=
dant Loutras gab den Muſelmanen die Hauptmoſchee
zurück, die vorher von den Bulgaren in eine Kirche
um=
gewandelt worden war.
Letzte Nachrichten.
* Bukareſt, 6. Aug. Da auch die geſtrige
Kon=
ferenzſitzung, die bloß formellen Fragen gewidmet
war, keine Annäherung des Standpunktes der
Kriegfüh=
renden brachte, ſo ſind unterrichtete Kreiſe der Anſicht, daß
Bulgarien die von den Verbündeten zuletzt
vorge=
ſchlagenen Grenzen mit eventuell noch eintretenden
Aenderungen annimmt, gleichzeitig aber die
Gültig=
keit der Bukareſter Vereinbarungen von der Annahme
durch die Mächte abhängig macht. Es iſt noch unbeſtimmt,
in welcher Form der bulgariſche Vorbehalt abgefaßt wird.
Er kann entweder in dem Friedensvertrag oder in das
Sitzungsprotokoll aufgenommen werden. Man hegt die
Erwartung, daß der Widerſtand der Verbündeten gegen
den bulgariſchen Vorbehalt durch den Einfluß Rumäniens
behoben wird, deſſen wichtigſtes Ziel nach Erfüllung ſeiner
Sonderwünſche die Beendigung des Krieges iſt. Die
mili=
täriſche Lage, ſowie ſein moraliſches Gewicht laſſen nach
hieſiger Annahme vermuten, daß die Verbündeten dem
diesbezüglichen Wunſche Rumäniens entſprechen werden
* London, 6. Aug. Wie Reuter erfährt, erwartet
die rumäniſche Regierung, daß das
Uebereinkom=
men zwiſchen den Kriegführenden morgen zum
Ab=
ſchluſſe kommt, und zwar im Hinblick darauf, daß der
Waffenſtillſtand nicht über Freitag verlängert werde.
Rumänien wird darauf dringen, daß Griechenland ſeine
Anſprüche auf Kawala und einen Teil des Hinterlandes
aufgibt, ſowie daß Serbien auf Radowiſta, Strumitza
und Kotſchana verzichtet. Rumänien iſt der Anſicht, daß
jene Anſprüche Bulgarien in einer für Rumänien
uner=
träglichen Weiſe ſchwächen würden. Die rumäniſche
Re=
gierung glaubt, daß man morgen zu einem Einverſtändnis
in dieſem Sinne gelangen werde, wenn nicht, ſo wird
Rumänien ein für alle Teile annehmbares Protokoll
vor=
legen und deſſen Annahme von den Kriegführenden ver=
A.
Der Friede geſchloſſen.
* Bukareſt, 6. Aug. (Agence roumaine.) Der
Friede iſt heute geſchloſſen worden.
Vermiſchtes.
— Vom Frankfurter Palmengarten. Die
alten Gartenblumen ſind nicht immer die
ſchlechte=
ſten, das ſieht man an ſo vielen Pflanzen, die ſich durch
Jahrtauſende in den Gärten erhalten haben und heute
noch unter den Florblumen eine Rolle ſpielen. Und zu
ihnen gehört auch die Levkoye. Schon im Altertum war
ſie bei den Kulturvölkern bekannt und beliebt; bei den
Griechen wurde der Weinkrug mit einem weißen
Veilchen=
kranz umſchlungen, der aus den in Griechenland wild
wachſenden, einfachen weißblühenden, würzig nach
Veil=
chen duftenden Levkoyen gewunden wurde. Auch im
Mit=
telalter war ſie ſehr beliebt; die Burgfrauen ließen ſie in
großer Fülle in den Schloßgärten ziehen, ſie galt als
Re=
präſentantin dauernder Schönheit, und man hat wohl
da=
mals ſchon gefüllte Levkoyen gehabt. In dem
Aberglau=
ben der Alten wurde die Levkoye bei Vollmond geſät,
da=
mit ſie gefüllte Blumen trage. Heute weiß man, daß eine
ſorgfältige Auswahl der Samenträger einen großen
Pro=
zentſatz gefüllter Blumen garantiert. Die Zucht der
heuti=
gen hervorragend ſchönen Levkoyen iſt eine Spezialität der
Erfurter Samenzüchter, und auf mächtigen, einſeitigen,
überdeckten Stellagen ſtehen Tauſende und Abentauſende
Töpfe mit Levkoyen zur Samengewinnung. Jetzt ſieht
man in dem Anzuchtgarten des Palmengartens zu
Frank=
furt a. M. große Beete dieſer Levkoyen in Blüte und
beſter Entwickelung. Wie bei allen Florblumen hat man
auch hier verſchiedene Raſſen, die ſich durch den Bau der
Pflanzen, die Größe der Blumen und die Anordnung der
Blütenſtände unterſcheiden. Neben dem außerordentlich
reichen Farbenſpiel, das alle möglichen Tönungen
auf=
weiſt, iſt es die Haltbarkeit der Blumen und der ſüße Duft,
der uns dieſe Gartenpflanzen immer wieder nahe bringt.
Es iſt wirklich ein Vergnügen, dieſe wunderſchönen
Blü=
tenbüſche zu ſehen, die zurzeit die Beete ſchmücken. Wir
finden in dem Anzuchtgarten noch einen reichen Flor auf
der Staudenrabatte, wo vor allem die rieſenblumigen
Marqueriten das Auge erfreuen. Man ſollte auch der
„weißen Ecke” auf dem kleinen Raſen bei dem
Kaſſenhäus=
chen am Haupteingang Beachtung ſchenken, wo die
herr=
lichen Blumen der Goldbandlilie mit der weißgefüllten
Marguerite „Frau F. Sander” weißen Zinnien und
weißen Knollenbegonien ein fein abgeſtimmtes Enſemble
bilden.
— Der Heſſiſche Vogelſchutzverein hat
beſchloſſen, ſeine diesjährige Jahresverſammlung
Mitt=
woch, den 20. Auguſt, nachmittags 2 Uhr, in Offenbach
abzuhalten. Neben dem geſchäftlichen Teil und Bericht
des Herrn Geheimen Forſtrats Kullmann=Darmſtadt über
den dritten deutſchen Vogelſchutztag in Hamburg ſteht ein
intereſſanter Vortrag des Herrn Pfarrers Kleinſchmidt
aus Duderſtedt bei Halle („Seltene und wertvolle Arten
im Beſtande der heſſiſchen Vogelwelt und ihr Schutz”) in
Ausſicht.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korceſp.=Bureau.)
* Mainz, 6. Aug. Im benachbarten Oberolm war
geſtern der 78 Jahre alte Landwirt Nikolaus
Waſſer=
mann mit Fruchtaufladen beſchäftigt, als ſein Pferd
ſcheute. Waſſermann geriet unter das Gefährt und
wurde tot gefahren.
* Bad=Homburg, 6. Aug. Geſtern abend wurden in der
Villa Hauffe von einem ſeit dem 4. Auguſt dort
logieren=
den jungen Mann, der ſich Karl Richter aus Cochem an
der Moſel nannte, während der Abweſenheit einer eng=
liſchen Familie Schmuckſachen im Werte von 1600
Mark geſtohlen.
* Röderau 6. Aug. Der um 8 Uhr 40 Min. morgens
fällige, aus Jüterbog kommende Perſonenzug iſt
urz vor dem Hauptbahnhof Röderau mit der Maſchine
und dem Gepäckwagen entgleiſt. Der Verkehr zwiſchen
Berlin und Dresden erlitt dadurch erhebliche
Ver=
ſpätungen. Perſonen ſind nicht zu Schaden gekommen.
Der Materialſchaden iſt vermutlich erheblich.
* Liſſabon, 6. Aug. Mitteilungen aus dem Palaſte
Belem verſichern, daß die Todesgerüchte des
Präſi=
denten Arriaga vollſtändig erfunden ſind, daß
viel=
mehr eine Beſſerung im Befinden des Präſidenten zu
ver=
zeichnen iſt.
* Chriſtiania, 6. Aug. Die Tilenſtegen erhielt
folgen=
des Telegramm: Spitzbergen, 5. Auguſt. Lerner
traf heute morgen hier ein. An Bord der „Loewenſkjold”
erreichte er am 5. Mai auf dem Nordoſtland das Nordkap.
Er blieb hier ſechs Wochen im Eiſe eingeſperrt und
be=
nutzte die Zeit zu Schlittenreiſen. Von Schröder=
Strantz wurde keine Spur gefunden. Die
„Loewenſkjold” ging zu Grunde und Lerner bildete mit
der abgemuſterten Mannſchaft eine neue Erpedition. Er
hatte reichlich Proviant, drei Schiffsboote und neun
Hunde. Es wurde eine Bootsfahrt von Nordkap nach
Treurenberg beſchloſſen. In vierzigſtündiger ſchwerer
Arbeit wurde die Ausrüſtung der Expedition von den acht
Teilnehmern auf drei Schlitten über das Eis gebracht.
Eine Fahrt von 22 Stunden mit einigen Stunden Ruhe
brachte Lerner nach Treurenberg, von wo aus
Stax=
rud ſeit dem 17. Juni vergebens verſucht hatte, das
Nordkap zu erreichen. Als Lerner ankam, war es
Stax=
rud faſt gelungen, den „Herzog Ernſt” wieder flott zu
machen. Lerner ſchickte ſeine Mannſchaft an Bord, aber
beide Expeditionen verſuchten vergebens, durch die
Hin=
lopenſtraße Green Harbour zu erreichen. Staxrud hielt
weitere Nachforſchungen auf dem Nordoſtlande für
über=
flüſſig. Man hielt es für das ſicherſte den Landweg zu
wählen, um die Bismarckſtraße zu erreichen, wo man am
1. Auguſt ankam. Da es unmöglich war, ein Schiff durch
die Südpaſſage nach Green Harbour zu bringen, wurde
der Weg über die Nordküſte eingeſchlagen und Green
Harbour in vier Tagen erreicht.
* London, 6. Aug. Der XVII. Internationale
Mediziniſche Kongreß, zu dem ſich 7000 Aerzte
eingefunden haben, wurde heute vormittag in der
Albert=
hall durch den Prinzen Arthur von Connaught mit einer
Rede eröffnet.
H.B. Heidelberg, 6. Aug. Der 50 Jahre alte
verhei=
ratete Küfer Friedrich Beiſel in dem benachbarten
Kirchhein warf heute morgen in den Hof ſeines Nachbarn,
Zimmermeiſter Georg Becker X., mit dem er in
Streitig=
keiten lebte, Steine. Der Schwager Beckers, Michael
Kocher, ein 25jähriger unverheirateter Zimmermeiſter,
ſtieg auf ein Dach, um nach dem Steinwerfer zu ſehen,
kaum war er oben angelangt, als Beiſel mit ſeinem
Jagdgewehr ihn durch einen Schuß in die Bruſt
tötete. Bei der Abführung Beiſels durch die
Gen=
darmerie verſuchten die erregten Bewohner Beiſel zu
lynchen.
H. B. Boppard a. Rhein, 6. Aug. In einem Dorfe bei
Keſtert am Rhein wurde Montag nacht im Streit der
Ar=
beiter Molſchauer von zwei anderen Arbeitern auf der
Straße mit Bierflaſchen totgeſchlagen.
— Bartfeld (Ungarn), 6. Aug. Den hier zur
Kur=
weilenden Damen wurde auf Veranlaſſung ihrer
Ehe=
männer verboten, das Spielkaſino zu beſuchen.
Als geſtern das Verbot in Kraft treten ſollte, ſtürmte eine
große Anzahl Frauen unter ohrenbetäubendem Geſchrei
in das Kaſino, aus dem ſie durch die Polizei verdrängt
wurden.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Im Haushalt unentbehrlich!
Mein Arzt verordnete mir Ihr Bioſon zur Stärkung bei
hochgradiger Nervoſität u. Schwächezuſtänden und habe ich
damit die denkbar beſten Erfolge erzielt. Die Kräfte hoben
ſich raſch, das Ausſehen beſſerte ſich weſentlich. Bioſondürfte
igentlich in keinem Haushalt fehlen. Frau Fabrikant
arl Reinhard, Flacht bei Diez a. d. Lahn. Unterſchrift
Leglaubigt: 10. 3. 1913. Thielmann, Bürgermeiſter. Bioſon,
Broßee Pakei (ca. ½ kg) 3 Mk., in Apoth., Drog. (III.16537
lausendfach bewährte
Nahrung bei:
Brechdurchfell,
PKindermehl. Diarrhöe
-Krankenkost. Darmkatarrh, etc.
Trauer-Kleider, TrauerTostüme
Trauer-Blousen,Trauer-Röcke
Trauer-Mäntel, Trauer-Stoffe
In reicher Ausmahl!
Anderungen sofort!
2
Gebr. Höslein.
Ludwigsplatz. „. .
4464a
Ein guter Wink iſt Goldes wert, das gilt namentlich
für die Behandlung der Wäſche. Alle Mühe, Arbeit
und Zeitverſäumnis, die das Waſchen mit Seife,
Seifen=
pulver, mit der Bürſte oder auf dem Waſchbrett macht,
erſpart das ſelbſttätige Waſchmittel „Perſil”
Weiß=
wäſche wird durch ein einmaliges etwa ¼ bis ½ ſtündiges
Kochen ſchneeweiß wie auf dem Raſen gebleicht.
Woll=
wäſche darf bekanntlich nicht gekocht werden; hier
ge=
nügt einfaches Hin= und Herſchwenken der Stücke in
ſtark handwarmer Perſillauge, um gründlichſte Reinigung
zu erzielen. Dabei ſei ausdrücklich erwähnt, daß „Perſil”
keine ſcharfen oder ätzenden Stoffe, wie Chlor ꝛc.
ent=
hält, ſondern garantiert unſchädlich iſt. Wer alſo Wert
auf ſtets tadelloſe Wäſche legt, brauche zukünftig nur
noch dieſes wirklich hervarragende millionenfach
be=
währte Waſchmittel
(6
Ich fühle freudig
meinen Mut wachſen und meine Kräfte machtvoll
heraus=
quellen. Allen körperlichen und geiſtigen Strapazen gehe
ch fröhlich entgegen, und ich überwinde ſie mit Hilfe der
echten Kola=Paſtillen „Dallkolat”. 1 Schachtel Dallkolat
Mk. 1.— in Apotheken u. Drogenhandlungen. Jedenfalls
in der Adler=Apotheke, Beſſunger und Engel=Apotheke.
Ferner Hof=Drogerie Chr. Schwinn, Central=, Bavaria=,
Hubertus=, Germania=Drogerie, Medizinal=Drogerie zum
roten Kreuz, desgl. Georg Liebig & Co. Nachf. und
Carl Watzinger.
I. 16635
Wonhungs Einrichtungen.
500.− Mk. bis 3000.− Mk.
sind unsere Spezial-Preislagen für gediegen gearbeitete,
formvollendete, komplette Ausstattungen. Wir bieten
darin eine großartige Auswahl bei billigsten Preisen und
bitten Interessenten, sich durch einen unverbindlichen
Besuch unserer Ausstellungsräume davon zu überzeugen.
Gebrüder Fischer
Alexanderstraße 10.
(16260a
Dr. Kuhns Créme, Vional,
Schönheit. 2.50, 1.50, Vional=Seife 80,
50, vorz. Franz Kuhn, Kronen=Parf.,
Nürn=
berg. Hier: F. B. Grodhaus, Seifenfabr. am
weißen Turm, ſowie in Apoth., Drog. u. Parf. (V,5661
Familiennachrichten.
Sür die vielen Glückwünſche und Blumenſpenden,
C die uns anläßlich unſerer
(*5040
Hilbernen Hochzeit
zuteil wurden, ſagen herzlichſten Dank
Julius Zeißler
und Frau Marie, geb. Biermann.
Todes=Anzeige.
Allen Verwandten, Freunden und Bekannten
hiermit die ſchmerzliche Mitteilung, daß es
Gott gefallen hat, meinen lieben, guten Mann,
unſeren lieben Vater, Großvater,
Schwieger=
vater und Onkel
(B16646
Im
Horth Christian Bost
Landwirt
heute nachmittag nach längerem, mit Geduld
getragenem Leiden zu ſich zu rufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Sophie Beſt Wwe., geb. Götz.
Darmſtadt, den 5. Auguſt 1913.
Die Beerdigung findet Freitag, den 8. Auguſt,
nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehauſe
Ludwigs=
höhſtraße 22 aus, auf dem Beſſunger Friedhof
ſtatt.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das weſtliche Hochdruckgebiet iſt weiter
zurück=
gewichen; die nordöſtliche Depreſſion hat ſich verſtärkt
und einen Ausläufer nach Jütland entſandt. Infolge
nördlicher Winde ſind die Temperaturen etwas geſunken.
Wir haben morgen an der Grenze zwiſchen hohem und
tiefem Druck keine weſentliche Aenderung des Wetters zu
erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den
7. Auguſt: Wolkig, mäßig warm, höchſtens leichte
Nieder=
ſchläge.
Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Heute entſchlief ſanft nach ſchwerem Leiden
unſere liebe Schweſter, Schwägerin und Tante
Fräulein
Helena Jung
im 57. Lebensjahre.
(16638
Darmſtadt, den 5. Auguſt 1913.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet am 7. Auguſt,
nachmit=
tags 2 Uhr, vom Portale des Friedhofes aus,
ſtatt.
Tageskalender.
Konzerte: Städt. Saalbau um 8 Uhr. — Bürgerkeller um
8 Uhr. — „Krokodil” von 4 bis 11 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage in unſerer Expedition,
Rheinſtraße 23): Berlin aus der Vogelſchau, das
Reichs=
tagsgebäude und der Königsplatz mit der Siegesſäule,
Blick auf die Straße Unter den Linden (aufgenommen
aus dem Zeppelinluftſchiff „Hanſa”); zu den
Friedens=
verhandlungen der Balkanſtaaten in Bukareſt; Feier
des Reichsfeuerwehrverbandes am Völkerſchlachtdenkmal
in Leipzig; von der Eiſenbahnkataſtrophe auf Jütland.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meiner teuren Gattin, unſerer
lieben Mutter, Tochter, Schwiegertochter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
(16672
Frau
Elisabeth Schenkelberg
geb. Hechler
ſagen wir Allen herzlichen Dank.
Hauptſteueramts=Rendant Schenkelberg
und Familie,
Familie Hechler.
Bingen und Darmſtadt, den 6. Auguſt 1913.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 8. Auguſt.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung vormittags 9 und
nachmit=
tags 3 Uhr, Ernſt=Ludwig=Straße 1.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für des Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftoleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Sa
Dunger Berkauf.
Samstag, den 9. Auguſt,
von 950 Uhr vormittags ab,
wird auf dem vorderen Hofe der
alten Kavalleriekaſerne in
Darm=
ſtadt die Matratzenſtreu von einer
Eskadron öffentlich meiſtbietend
verſteigert.
(16631df
Garde=Dragoner=Regiment
Nr. 23.
Die Lieferung
von 100 Blöcken doppelt
raffi=
niertem Weichblei im
Geſamt=
gewicht von etwa 5000 Kilo ſoll
vergeben werden.
Angebote ſind, mit
entſprechen=
der Aufſchrift verſehen, bis zum
15. I. Mts., vormittags 10 Uhr,
bei der unterzeichneten
Verwal=
tung einzureichen.
Die Lieferungsbedingungen kön
nen dortſelbſt eingeſehen werden,
auch ſind dieſelben gegen
Erſtat=
tung des Betrags von 50 Pfg.
er=
hältlich.
(16632
Darmſtadt, 4. Auguſt 1913.
Städt. Gaswerksverwaltung.
J. V.: Kalbfuß.
Sehr ſchönes Plano billig z. verk.
Soderſtr. 7, 2. St. (*5015df
Woiblich
Junge Kontoriſtin, der einfachen
Buchführ., Stenogr. u. Schreibmaſch.
mächtig, ſucht per 1. Oktober event.
früher Engagement. Off. unter
G 4 an die Exped. erbeten. (*5007
Fräulein
m. flotter Handſchrift und g. Um
gangsform., ſ. z. Arzt od. ſonſt i.g
Hauſe paſſ. Stellg. Karolina Beck,
gewerbsmäßige Stellenvermittlerin
Eliſabethenſtr. 22, 2. Stock. (*5046
Einf., ord. Perſon, tücht. in all
Hausarb., ſ. Stelle zur Führ. des
Haushalts. Offert. unter F 95
an die Expedition.
(*4951md
Jung. Mädchen ſucht für ſofort
Laufſtelle Schützenſtr. 6. (*4980
Jg. ſaub. Frau ſucht Lauſtelle,
2 St. morg. u. 2 St. nachm. (*4978
Alexanderſtr. 15, Mittelb., part. r.
Efas a
orlfieg Wesdur
Elliie Zuverlass. Fraulein
21 J., ſucht Stellung z. Kindern
o. als Stütze. Näh. Exped. (*502
Ein anſtänd. ſaub. Mädchen
ſucht Stelle für Hausarbeit.
Zu erfr. Lindenhofſtr. 1, I. (*5025
Tücht. ält. Mädchen ſucht Laufd.
d. g. T. Kranichſteinerſtr. 15, II. (*5030
Stell. ſuchen: Mehr. 16 b. 22 jähr.
Landmädchen m. g. Zeugn., ſofort
u. ſpäter. Johannette Weissmantel,
gewerbsmäßige Stellenvermittlerin
Karlſtraße 30.
(*5043
Beſſ. tücht. Hausmädch. im Nähen,
Büg. u. Serv. gewandt, ſuch. paſſ.
Stell. Gerirude Hartmann,
gewerbs-
mäsige Stellenvermittlerin, Nieder=
Ram=
ſtädterſtraße 31.
*5058
Ein kräftiges 17jähr. Mädchen
ſucht Stellung in bürgerl.
Haus=
halt. Näh. Kahlertſtr. 36, pt. (*5060
Fräul., w. ſich ſehr gut f. Geſch.
eign. würde, ſucht Stelle tagsüber,
ev. auch zur Mith. i. Haush. Off.
mnt. F 94 a. d. Exp. (*4952md
perf. im Flicken u. Weiß=
Frau, nähen, hat noch Tage frei
Karlſtr. 26, I., rechts. (*4992
Reinliche Frau geht halbe Tage
Waschen. Gr. Kaplaneig. 29, II. (*5028
Flickfrau empf. ſich im Ausbeſſ
v. Kleidern, Weißzeug und
Herren=
kleidern Gardiſtenſtr. 9, I. (*5037
mich 1. Ausbefſ.,
Empfehle umändern, ſow.
Neuanfertigen v. Wäſche u. Kleid.
Grafenſtraße 29, 3. Stock. (*5051
Männlich
Expedient,
Jg. Kaufmann, Lageriſt,
Fakturiſt, in Stenographie uvd
Maſchinenſchreiben bewandert, m.
Kenntniſſen in der franz. Sprache,
wünſcht ſich p. 1. Sept. o. 1. Okt. zu
veränd. Off. u. F65 Exp. (*4846id
Ein Mann, 30 Jahre alt, ſucht
dauernde Beſchäftigung, kann auch
Kaution ſtellen. Gefl. Offerten u.
F80 an die Expedition. (*4892md
Drogiſt, 23 Jahre alt, ſucht
ſofort Stellung als Verkäufer
oder Lageriſt, oder ſonſtigen
Ver=
trauenspoſten. Off. u. G 6 an
die Expedition erbeten. (*5003ds
Junger Mann
mehrere Jahre auf einem Büro
tätig, ſucht Stell. als Schreibgehilfe.
Off. u. G 14 an die Exped. (*5047
Ein Junge von 16 Jahren ſucht
Arbeit. Saalbauſtr. 37.
(*5026df
Sh
Weiblich
RMihe
Comptelristin
mit allen Bureauarbeiten vertraut,
firm in Stenographie u.
Schreib=
maſchine, per ſofort geſucht. Offerten
unter F 41 an die Exp. (16512ids
1
Tuchtige Rontoriſtin
flotte Rechnerin, wird per ſofort
geſucht. Vorzuſtellen zwiſchen1
und 3 Uhr.
(16670
Eiergroßhandel
Ludwigſtraße 18.
Tüchtige branchekundige
Verkäuferinnen
für die Haushaltungsbrauche
geſucht. Offerten unter F 29
(16496id
an die Exped.
A
den aus achlbar. Fam=
Lehrmädchen f. Konfektion geſ.
Eliſabethenſtr. 56, II.
(15918a
ahnmö dahan zum 1. September
Dehrmädcholl bei ſofortiger
Ver=
gütung geſ. Vorzuſt. zwiſch. 12 u. 1Uhr
mitt. Arnold Obersky, Korſettfabrik,
Ernſt=Ludwigſtraße 8.
(*5005
Mädchen
finden dauernde und
loh=
nende Beſchäftigung (16130a
25 Liebigſtraße 25
Hinterbau.
2
Ordentliches, braves Mädchen,
welches kochen kann, geſ. A. Braun,
(*4968md
Alexanderſtr. 18.
Geſucht auf 1. Okt. in kl.
Haus=
halt (2. Perſonen) ein tüchtiges,
geſundes Alleinmädchen, welches
auf dauernde Stellung rechnet, gute
Zeugniſſe beſitzt und ſelbſtändig
kochen kann, gegen guten Lohn
Off. u. F40 a. d. Expedition. (16521a
Tücht., fleißig. Dienſtmädchen
geſucht. Lohn 25—30 Mk. Off.
unter F 97 an die Expedition
(16630a
ds. Bl. erbeten.
Geſucht bis zum 25. Auguſt ein
zuverläſſiges ſaub. Dienſtmädchen.
Heinrichſtr. 144, parterre. (*4875md
Saub. durchaus zuverl. Lauffrau
od. Mädch. vorm. 3, nachm. 2 Stund.
geſucht. Taunusſtr. 1, I. (*4877md
Suche für 15. Auguſt.
NAn
bess
res Alleinmädchen
in Offiziershaushalt nach Mainz,
kinderlieb. Offerten nach hier,
Hoffmannſtraße 45.
(*4976
Junges Mädchen tagsüber zu
einjährigem Kinde geſucht
*4981)
Neckarſtr. 10, 2. St.
4 zum 1. Oktober tücht.
Geſuchl Alleinmädchen s
welches ſelbſtänd. gut bürgerl. kocht
u. ſchon länger in beſſ. Häuſern
gedient hat Martinſtr. 2½, II. (*501s
Tüchtiges, älteres Mädchen
zum 15. Aug. geſ. Frau Apotheker
Scheer, Auerbach, Heidelbergerſtr. 14
Vorzuſt. Sonntag, 10. Aug. (*4995
F
Einfaches,
kräftiges Madchen
welches ſchon gedient hat, per bald
geſucht. Näh. Rheinſtr. 37, I. (*4993
Madahma
ge=
Putz- u. Waschlf ad ſucht.
Rheinſtraße 8, 1. Stock. (*5004
Sauberes, zuverläſſig., gedieg.
Mädchen, nicht unter 20. Jahren,
zu 2 Leuten in Einfamilienhaus
per 15. September od. 1. Oktober
geſucht. — Zu erfragen in der
Expedition ds. Blattes. (*5041df
Suche ält. Mädch.o. Wwezu einz.
Dame, a. and. Mädch. m. gut. Zeugn.
zu jg. Ehepaar. Johannette Weißmantel
gewerbsmäßige Stellenvermittlerin
Karlſtraße 30.
(*5044
Stellen finden: beſſ. Stütze, w.
koch. k., Köch., Alleinm., w. koch. k.,
zu einz. Dame u. 2 Leuten, Mädch.
in Geſchäftsh., Servierfrl., Zim.. Küchenm. ſof. u. ſp. für hier u.
ausw. Frau Minna Dingeldein,
ge=
werbsmäßige Stellenvermittlerin
Eliſabethenſtr. 5, Tel. 531. (*5042
Suche in gut. herrſchaftl. Häuſer
feine bürgerl. Köchinnen u. mehr.
Alleinmädch., welche koch. können,
in beſſ. Häuſ. hier u. ausw. Gertrude
Hartmann, gewerbsmäßige
Stellenvermitt-
lerin, Nieder-Ramstädterstr. 31. (*5059
Mädchen für tagsüber geſucht.
Frankfurterſtr. 21, part. (16624mdf
Papierarbeiterin
(16627
geſucht
L. C.Wittichsche Hofbuchdruckerei
Darmſtadt, Rheinſtraße 23.
1. tägl. z. verdienen. Proſp.
2—10Mk. frei. Adressen-Verlag
Joh. H. Schultz, Cöln 146. (I,16002
Männlich
Ein Schuhmacher auf Sohlen
und Fleck ſofort geſucht
*4880mdf) Heinrichſtraße 66.
Agenten für D. R. G. M. geſ
P. O. Sahröder, Barmen-B. (I,16644
Reklame=Kalender und
Wandtaſchen= Zugabeartikel
Leiſtungsfähige Fabrik ſucht
für den hieſigen Platz oder größ. Bezirk (I,16643
eingeführten Vertreter
zut
gegen hohe Provision
Ausführliche Offerten unter N D 1850 an
Rudolf Moſſe, Nürnberg, erbeten.
(*5000
Filialleiter gesucht.
Tüchtiger, ſolider Herr, einerlei welchen Berufs, findet ſichere
Exiſtenz bei etwa 4—5000 Mk. Einkommen durch Uebernahme unſeres
geſ. geſch. Artikels der Nahrungsmittelbranche im Alleinvertrieb.
Nachweislich bisher über zwei Millionen Packungen verkauft.
Erforderlich ſind Mk. 500.— in bar. Näh. durch Herrn Lamprecht,
am Donnerstag, d. 7. er. von 10—1 Uhr in Darmstadt, Hotel Britannia.
Bekanntmachung.
Für das Elektrizitätswerk Ober=Ramſtadt wird zum ſofortigen
Eintritt ein Hilfsarbeiter geſucht. Kenntniſſe im
Sauggasmotoren=
betriebe erwünſcht. Meldungen bis ſpäteſtens Samstag, den
9. Auguſt 1913, an Großh. Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Ober=Ramſtadt, den 6. Auguſt 1913.
(16665
Großh. Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.
Selten günstige Gelevenheit
iſt einem fleißigen Herrn ohne
Branchekenntniſſe durch die
Ueber=
nahme der Alleinvertretung für
hieſ. Bezirk mit dauernd hohem
Einkommen von eingeführter
Firma geboten. Eignet ſich auch
als Nebeneinkommen. Zur
Ueber=
nahme ſof. 400 Mk. bar nötig.
Offerten mit Angabe der näh.
Verhältniſſe unter Alleinvertretung
an die Annoncen-Expedition Frei-
(*4998
burg-Zähringen i. B. 331.
r
Zur Einführung
unſeres Spezial=Artikels ſuchen wir
per ſofort einen tücht. repräſentablen
Herrn
als Stadtreiſenden zum Beſuche
der Ladeninhaber ſowie beſten
Privatpublikums gegen feſtes
Ge=
halt und Proviſion. Schriftliche
Angebote ſind an Weber & Preuß,
Darmstadt, Schulſtr. 10 einzureich. (16653
Für jeden ehrlichen, fleißigen
Herrn bietet die Uebernahme
meiner Generalvertretung einen
bleibenden hohen, ſtets
wieder=
kehrenden Verdienſt, ca. 4000 Mar
pro Jahr. Erforderl. 3—400 Mk.
Keine Verſicherung, kein
Hauſier=
handel. Offerten vorerſt unter
W. R. 11 hauptpoſtlagernd
(*4999
Frankfurt am Main.
Wir ſuchen per ſofort einen bei
Drogiſten u. Lebensmittelhändlern
eingeführten
O
larzvertreien
gegen hohe Proviſion, event. Fixum.
Gefl. Off. u. G 3 an die Exp. (16652a
waahin
Maschmentabrin
ſucht zum 1. Oktober für
Einkaufs=
büro und Führung des
Beſtell=
buches jüngeren, militärfreien
Kaufmann mit ſchöner Handſchr.
aus der Eiſenbranche.
(16674
Bewerber, die flott ſtenograph.
und Maſchine ſchreiben, woll.
An=
gebote mit Zeugnisabſchriften unt.
15 an die Exp. einſenden.
Tücht. Mechaniker, z. Bedienung
v. Maſchinen geeignet, f. dauernd.
Stellung geſ. Off. m. Lohnanſpr.
u. F 96 a. d. Exped. (*4961mdf
Tüchtige
ſelbſtändige Modellſchreiner
für dauernde Beſchäftig. geſucht.
Carl Schenck (16582md
Eisengiosserei u. Maschinenfabrik Darmstadt
Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
op geſucht. Heidelberger=
Buiſcher ſtraße 25. (*5029df
Ein zuverläſſiger oge
60
Füheinecht ua
wird geſucht Wendelſtadtſtr. 45½.
ſofort
Laufjunge geſucht.
Näheres Expedition. (*5009
Saub. jg. Hausburſche
geſucht Jul. Strauß, Ochſen=
(16671
metzger, Holzſtraße 10.
Hieſiges Kolonialwaren=Engros=
Geſchäft ſucht zum baldigen
Ein=
tritt einen
(16622a
Lehrling
gegen ſteigende Vergütung. Off.
unt. F 88 an die Expd. d. Bl.
erbeten.
An die Schulvorſtände der Landgemeinden des Kreiſes.
Trotz mehrfacher Warnungen durch die Behörden iſt der grobe und gefährliche
Unfug, nach vorüberfahrenden Fuhrwerken und Fahrzeugen, insbeſondere
Auto=
mobilen, mit Steinen zu werfen, noch nicht beſeitigt. Beſonders ſind die geſchloſſenen
Automobile dieſer Beläſtigung ausgeſetzz, und häufig dann, wenn die Inſaſſen mit
Rückſicht auf den Straßenverkehr durch die Ortſchaften langſam fahren.
Ebenſo ſind ſonſtige Beläſtigungen des Fuhrverkehrs, insbeſondere das
ſabſichtliche Stehenbleiben auf der Fahrbahn bei herannahenden Fahrzeugen,
das Anſchreien vorüberfahrender Fuhrwerke und Fahrzeuge, das Nachlaufen
und Anhängen an die Fuhrwerke ungehörig und oft ſehr gefährlich.
Dieſem Unweſen kann nur dann wirkſam geſteuert werden wenn ihm neben
den polizeilichen Behörden auch die Schulverwaltungsſtellen mit allem Nachdruck
ent=
gegentreten.
Wenn Schulkindern die Obhut kleiner Kinder anvertraut iſt, wie dies auf dem
Lande häufig vorkommt, ſo haben dieſelben ihr beſonderes Augenmerk darauf zu
richten, daß die Kinder von der Fahrbahn wegbleiben und daß ſie die Fahrbahn nur
dann überſchreiten, wenn keine Fuhrwerke, insbeſondere keine Kraftfahrzeuge, in der
Nähe ſind.
Wir empfehlen Ihnen daher wiederholt, mit allen Mitteln der Belehrung, der
Verwarnung und, ſofern erforderlich, der Beſtrafung auf die Schuliugend entſprechend
ſeinzuwirken und dabei namentlich auch daran zu erinnern, daß für etwa angerichteten
Schaden die Eltern im vollen Umfange aufzukommen haben würden, ebenſo wie die
Eltern auch, wie aus der nachſtehend abgedruckten Vorſchrift des Heſſiſchen
Polizei=
ſtrafgeſetzes hervorgeht, in Strafe genommen werden können.
Darmſtadt, den 1. Auguſt 1913.
Großherzogliche Kreisſchulkommiſſion Darmſtadt.
Fey.
Auszug aus Artikel 44 des Heſſiſchen Polizeiſtrafgeſetzes.
Wenn Eltern, Vormünder oder andere Perſonen, deren Obhut Kinder unter
12 Jahren oder ſonſtige unzurechnungsfähige Perſonen (§§ 51 und 55 des Deutſchen
Strafgeſetzbuchs) anvertraut ſind, es an der erforderlichen Aufſicht über dieſelben haben
fehlen laſſen und dieſe während der Zeit, wo ſie ohne ſolche Aufſicht waren, eine mit
Polizeiſtrafe bedrohte Handlung begangen haben, ſo werden die zur Beaufſichtigung
verpflichteten Perſonen beim erſten Fall polizeilich verwarnt, im Wiederholungsfalle
aber bis zu einem Dritteile der auf die Uebertretung ſelbſt geſetzten Strafe belegt.
An die Ortspolizeibehörden der Landgemeinden und die Gendarmerie
des Kreiſes.
Sie wollen nachdrücklich darauf achten, daß von den durch die Ortſchaften
fahrenden Kraftfahrzeugen die vorgeſchriebene Fahrgeſchwindigkeit (15 Kilometer
in der Stunde) nicht überſchritten wird. Bei Zuwiderhandlungen iſt das Kennzeichen
zu notieren und Anzeige zu erheben. Auch Pferdefuhrwerke dürfen durch die
Ort=
ſchaften nicht übermäßig ſchnell fahren.
In engen Ortsſtraßen, desgleichen beim Bergabfahren auf ſteilen Ortsſtraßen,
ſowie beim Ein= und Ausfahren in oder aus Höfen oder Häuſern und an Orten,
wo die Paſſage durch den Zuſammenfluß von Menſchen verengt wird, darf niemand
anders als im Schritt fahren oder reiten.
Darmſtadt, den 1. Auguſt 1913.
(16387sid
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Die nachſtehende Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppenübungs
platz bringen wir hierdurch zur allgemeinen Kenntnis.
(14797a
Darmſtadt, den 29. Juli 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Aebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 2. bis 16. Auguſt 1913.
Die
Dauer der
Abſperrung Bemerkungen
Truppenteil
* Datum
Tag
Abſperrung
erſtreckt ſich
von bis
70 9
von
2. Aug. Samstag
g. 2
1 N.
5. Aug. Dienstag
Bis zum
Infanterie
7
5
10 N.
6. Aug. Mittwoch
-
Land=
und
80
9. Aug. Samstag
Kavallerie
graben
100T
11. Aug. Montag
100 V.
40 N.
46. Aug. Samstag
Bekanntmachung.
Nachſtehende Polizeiverordnung vom 26. Auguſt 1910 wird wiederholt
veröffent=
licht. Genaue Beachtung derſelben wird dringend empfohlen.
Darmſtadt, den 5. Auguſt 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Polizei=Verordnung
vom 26. Auguſt 1910.
Auf Grund des Art. 78 der Kreis= und Provinzialordnung wird unter
Zu=
ſtimmung des Kreisausſchuſſes und mit Genehmigung des Großherzoglichen
Mini=
ſteriums des Innern vom 23. Auguſt 1910 zu Nr. M. d. J. II 3715 für den Kreis
Darmſtadt folgendes verordnet:
§ 1. Der Zuzug fremdländiſcher Arbeiter, ihrer Frauen, Kinder und etwaigen
ſonſtigen Begleiter iſt vor der Ankunft unter Angabe ihrer Zahl der
Ortspolizei=
behörde des Beſchäftigungsortes von dem Arbeitgeber oder ſeinem Stellpertreter ſchriftlich
anzuzeigen. War die Anzeige vor der Ankunft nicht möglich, ſo iſt ſie ſofort bei dem
Eintreffen der obengenannten Perſonen an ihrem Beſtimmungsort, ſpäteſtens aber
binnen 24 Stunden darnach, der Ortspolizeibehörde zu erſtatten. Die Anzeige ſoll
Namen und Heimatſtaat der Zugezogenen enthalten.
Die Ortspolizeibehörde iſt zur ſofortigen Mitteilung an das Großh.
Kreis=
geſundheitsamt verpflichtet. Bei Krankheitsverdacht hat die Mitteilung telephoniſch
oder telegraphiſch zu geſchehen.
§ 2. Die Zugezogenen ſind verpflichtet, auf Ladung der Ortspolizeibehörde zur
Unterſuchung durch den Großh. Kreisarzt zu erſcheinen. Säumige werden polizeilich
vorgeführt. Der Arbeitgeber oder ſein Stellvertreter hat die für das Erſcheinen im
Unterſuchungstermin erforderliche Zeit zu gewähren.
Dieienigen Perſonen, die ſich über eine in den letzten zehn Jahren
vorausge=
gangene erfolgreiche Impfung oder über eine überſtandene Blatternerkrankung nicht
ausweiſen können, werden im Unterſuchungstermin geimpft. Der Unterſuchungstermin
ſoll in der Regel am Beſchäftigungsorte ſtattfinden, wenn nicht unverhätnismäßige
Koſten hierdurch entſtehen. Wer ſich der Impfung entzieht, oder ſich weigert, die
Impfung vornehmen zu laſſen, hat die ſofortige Ausweiſung aus dem Großherzogtum
zu gewärtigen.
In dem Termin werden die Zugezogenen gleichzeitig auf das Vorhandenſein der
ägyptiſchen Augenkrankheit hin unterſucht und die notwendigen Maßnahmen getroffen.
§ 3. Jeder Geimpfte muß in einem zweiten Termin dem Großh. Kreisarzt zur
Nachſchau vorgeſtellt werden, falls ein ſolcher beſtimmt wird. Die Vorſchrift des § 2
Abſ. 1. Satz 3 findet entſprechende Anwendung.
§ 4. In dem in § 2 erwähnten Unterſuchungstermin ſoll eine Namensliſte unter
Angabe der Geburtstage oder wenigſtens des ungefähren Alters der vorgeführten
Perſonen von dem Arbeitgeber oder deſſen Stellvertreter dem Großh. Kreisarzt
vor=
gelegt werden.
§ 5. Die Koſten der Unterſuchung und Impfung werden auf die Polizeikaſſe
übernommen.
§ 6. Die nach Art 89 des Polizeiſtrafgeſetzes vorgeſchriebenen Anmeldungen,
ſowie die nach anderen Beſtimmungen beſtehenden Verpflichtungen zur Anzeige des
Arbeitsantritts bleiben unberührt.
§ 7. Arbeitgeber oder deren Stellvertreter, welche die in §§ 1—3 dieſer
Ver=
ordnung angeordneten Aufſichtsmaßregeln verletzen, werden, ſofern nicht eine
Be=
ſtrafung aus § 327 des Reichsſtrafgeſetzbuches zu erfolgen hat, mit Geldſtrafe von
1—30 Mark beſtraft.
§ 8. Die vorſtehenden Vorſchriften treten mit dem Tag ihrer Veröffentlichung
im Amtsverkündigungsblatt in Kraft. Mit dem gleichen Tage iſt die Polizeiverordnung
vom 9. Juni 1908, betreffend das Auftreten von Blatternerkrankungen unter
fremd=
ländiſchen Arbeitern, aufgehoben.
(16640ds
Bekanntmachung.
Die Kreisſtraße von Darmſtadt nach Griesheim vom Abzweige des Weas nach
dem Truppenübungsplatze bis vor Griesheim (km 4,5 bis 5,5) iſt wegen Ausführung
von Kleinpflaſter von Mittwoch, den 6. Auguſt d. Js. ab auf ca. 3 Wochen
für ſämtliches Fuhrwerk (Geſpanne, Automobile, Motorräder uſw.) geſperrt.
Der Durchgangsverkehr hat während der Dauer der Kleinpflaſterherſtellung den
aufgeſtellten Tafeln entſprechend zu erfolgen.
Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Anordnungen ſind nach § 2 der
Polizei=
verordnung vom 12. Februar 1908 ſtrafbar.
Darmſtadt, den 28. Juli 1913.
(16261a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Spitzhund (ugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Ver=
ſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag,
(16642
vormittags 10 Uhr, ſtatt.
Bekanntmachung.
Betreffend: Wochenmarkt.
Der Wochenmarkt iſt auf den alten Schlachthofplatz
ausge=
dehnt worden.
Die Anfahrt der Marktfuhrwerke zum Schiller= und alten
Schlachthofplatz hat von der Alexanderſtraße und dem Schloßgraben
her zu geſchehen.
Darmſtadt, den 4. Auguſt 1913.
(16641
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
*11
Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, den 7. Auguſt 1913, nachm. 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtraße 16
öffentlich zwangsweiſe gegen Barzahlung
a) beſtimmt: 2 Deckbetten und 3 Kiſſen, 2 perſ. Decken,
2 Bettſchoner, 8 Bilder, 2 Steppdecken, 1 Teppich,
Tiſchdecke, 1 ſeidenen Vorhang, 1 Läufer, 1 perf.
Vorlage, 1 Pelzvorlage, 1 Blumenſtänder, 1 Partie
Vorhängeringe (Meſſing) pp.;
b) vorausſichtlich: 2 Pianinos, 4 Diwans, 3 Sofas,
1 Büfett, 5 Vertikos, 4 Kommoden, 2 Waſchtiſche, 3
Schreib=
tiſche, 3 Kleider= und 2 Kaſſenſchränke, 4 Ladentheken,
1 Partie Kokos= und Ledermatten, 1 Partie Teppiche und
Läufer, 4 Fahrräder, 1 Landauer, 1 Viktoriawagen uſw.
Darmſtadt. den 6. Auguſt 1913.
(16649
Thüre, Großh. Gerichtsvollzieher,
Bleichſtraße 9.
Korn
kann jederzeit bei uns angefahren
werden. Raph. Störger Söhne,
Bismarckſtraße 68.
(16321a
wenig
ge=
helles Emp.=Kleid, tragen,
Größe 44, zu verk., 12 Mk. (*4839id
Wenckſtraße 12, I., Vorderhaus.
Pehpinſcher, reiz. Damen= und
N Kinderhündchen, ſpottbillig in
gute Hände zu verkaufen. Künstler,
(*4935mdf
Gutenbergſtraße 10.
2 Müdchen,
Deutſche Roxer: 10 Wochen
alt, billig zu verkaufen. (*4894mds
Karg, Woogſtraße 3.
Schulgeld=Erhebung.
Das Schulgeld für das Großh.
Realgymnaſium, die Großh.
Liebigs=und die Großh. Ludwigs=
Oberrealſchule, die Vorſchule der
Großh. Gymnaſien, die
Vik=
toriaſchule und das
Lehrerinnen=
ſeminar, die Eleonoren= und
Frauenſchule, ſowie die
Mittel=
ſchulen für das III.
Kalender=
vierteljahr 1913 iſt — bei
Mei=
dung des Beitreibungsverfahrens
— bis Ende lfd. Mts. an den
Werktagen, vormittags von 8 bis
12½ Uhr, hierher zu entrichten.
Darmſtadt, 4. Auguſt 1913.
Die Stadtkaſſe.
Koch.
(16661a
Bekanntmachung.
Donnerstag, 18. Sept. 1913,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den:
1. Wilhelm Klein zu
Darm=
ſtadt,
2. Wilhelm Lohfink, Sohn des
Jakob Lohfink zu Bad
Nau=
heim, gehörigen
Liegen=
ſchaften:
Flur Nr. qm
VI 183 20/10 Grabgarten
Hei=
delbergerſtr.,
VI 184 33 Grasgarten
Hei=
delbergerſtraße,
VI 185 163 Hofreite
Heidel=
bergerſtr. Nr. 100,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, zwangsweiſe
ver=
ſteigert werden.
Darmſtadt, 5. Auguſt 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen).
Frantz. (VI,16633
Damen-
Sport- u. Reisehüte
große Auswahl, billige Preiſe,
eigenes Fabrikat
16552a) Schulſtraße 9, II
Verſteigerungs=Aneige.
Freitag, den 8. Auguſt l. Js., vormittags 9 und
nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich auf freiwilligen Antrag wegen Auflöſung des
Haus=
haltes in meinem Verſteigerungslokal
Ernſt=Ludwigſtraße Nr. 1
am weißen Turm, folgende Gegenſtände:
3 Diwans, 2 Sofas, verſchiedene Seſſel 6 Polſterſtühle,
1 Rohrſtuhl, 1 Klavierſtuhl und andere Stühle, 1
Bücher=
ſchrank, 1 Herrenſchreibtiſch, 2 Damenſchreibtiſche, 1
Kom=
mode, 1 Flurgarderobe, verſchiedene Tiſche, 1 Gartenbank,
2 Stühle dazu, ein= und zweitürige Kleiderſchränke, 4 Betten
und 1 Kinderbett, 1 Feldbett, 1 Nähmaſchine, 1 Nähtiſch,
1 Meſſingſäule mit Kaiſer=Büſte, 1 Meſſingſtänder, Etagere,
2 antike Standleuchter, Teppiche, Vorhänge, Spiegel und
Bilder, eine ganze Kücheneinrichtung, 1 Küchenherd, 1 Gas=
und 1 Petroleumofen, 1 Eisſchrank, verſchiedenes
Kinder=
ſpielzeug, Puppenküche mit Herd ꝛc., Waſchbütten,
Waſch=
böcke und eine große Anzahl kleine Gebrauchsgegenſtände,
1 Handdruckpreſſe, verſch. Fl. Gärtnertinktur, ferner 2eiſerne
Betſtellen ſchwarz lackiert) mit Meſſingbeſchlag nebſt
Ma=
tratzen, 2 aroße Spiegel, 1 Paravent, 3 St. Läuferſtoff,
1 Damen=Fahrrad (Opel) mit Freilauf ꝛc.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung ſtatt.
(16497id
Darmſtadt, den 5. Auguſt 1913.
Ernst Wolff. Amtsgerichtstaxator
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.
Der Aukauf vor Komenſtrsß ſt auſtenen
men, Heuankauf wird fortgeſetzt.
(IV, 16549,86
Proviantamt Darmſtadt.
UNEAEE
VVerſicherungs-Aktiengeſellſchaft
Winterthur
Saiamalder
die populärste Marke der Welt
Extreme Modeformen sind nicht jedermanns
Ge-
schmack, weshalb wir neben diesen auch andere
Formen führen, sodaß für jeden Geschmack
gesorgt ist.
(13407a
Allein-
Darmstadt
Verkauf auf Hathas) Ludwigstrasse15.
Empfehlung.
Empfehle mich im Schleifen von
Raſiermeſſern, Scheren, Haar= und Pferdemaſchinen,
Wolf=, Blitz= u. Schinkenmeſſern, Buchbinder=, Tiſch=,
Taſchen= und Häckſelmeſſern, ſowie in allen in mein Fach
— einſchlagenden Reparaturen.
Für ſanften, lang anhaltenden Schnitt wird volle Garantie geleiſtet.
Spezialgeschäft für Friseure.
(*4769id
Hochachtungsvoll
M. Bernhardt, 8 Mathildenplatz 8.
3
Anioh=Briken
s
in plombierten Säcken à 50 Kilo netto
(4218a
liefert prompt nach jedem Stadtteil
Max Ranis, Kohlenhandlung,
Telephon 395.
Victoriastrasse 53.
N. B. Kohlen werden auf Wunſch ebenfalls plombiert geliefert.
Den Reſtbeſtand meines Lagers in
Gold= u. Silberwaren
gebe zu jed. annehmbaren Preiſe
ab. Auch daſelbſt ein faſt neuer
Silberſchrank, für jedes Geſchäft
geeignet, und ein dreiſitziges
Werkbrett ſpottbillig. (15035a
Chr. Lenz, Hofjuwelier
Luisenstrassé 8, II.
„Mein Kind hatte eine (IV,10996
Flechte,
die allen Mitteln trotzte, wohl auch
verſchwand, aber immer wieder
auf=
trat. Zuletzt verſuchte ich „
Salu=
derma” und binerſtaunt, wie ſchnell
u. gründl. das Uebel dadurch beſeitigt
wurde. C. Jeſen.‟ Doſe50 Pf. u. 1 M.
(ſtärkſte Form) bei Frdr. Schaefer,
Ludwigspl. 7, Chr. Schwinn, Hofl.,
Rheinſtr. 8, Georg Liebig Nachf.,
Hoflieferanten, „A. Logel,
Eliſa=
bethenſtr., Gg. Frz. Frank, Parfüm.
Fahrrad
mit Freil., wie neu hergerichtet,
(16275a
ehr billig abzugeben.
Hofl. Ober, Karlſtr. 30.
1 Jahr
Garantie!
Viktoria-Schutzmarke!
Per Stück
1.00 Mk.
1.25 Mk.
1.50 Mk.
(16634a
on
Carande MKterla Fristerkamime
stellen das technisch Vollendetste dar, was zur
Zeit in der Kammfabrikation geschaffen werden kann.
Die Viktoria-Kämme haben sich ihre
ausser-
ordentliche Beliebtheit in allen Ländern nicht
nur durch ihre Eleganz und feinste
Aus-
führung erworben, sondern sind auch infolge
ihrer Herstellung aus bestem, reinem Ia
Roh-
material die besten und haltbarsten Kämme
::
der Welt.
*
*:
::
Elisabethen-
Telephon
886
Gg. Frz. Frank strasse 9.
Hoffärberei
S. Coh Reien
chem. Waschanstalt
für Herrenkleider
Damengarderobe
Teppiche
Gardinen
Spitzen
Federn
Panamahüte
Felle etc.
in unübertroffener fachmännischer
und schneller Ausführung.
Eigene Läden:
Rheinstr. 12½, Tel. 1472
Karlstrasse 115
Nieder-Ramstädterstr. 15
Riegerplatz 8
chillerstrasse 50,
Mainz: Telephon 1317.
Fabrik:
Pallaswiesen-
strasse 146, Tel. 1501.
Mässige Preise.
(16089a
Für (12037a
Vergtouren
und die
Erholungsreise
Gute Feldstecher
Prismen-Binocles
in großer Auswahl
von 8—160 mk.
.1
Hoflieferant
Ludwigstraße 20.
Wir haben ſtets einige gebrauchte
bill. zu verk.
Kassenschränke Verkaufsſt.
der Ostertag-Werke, Frankfurt a. M.,
Alte Mainzergaſſe 90, H. (II,11009
I. Hess. Versich. geg. Ungezief.
Ibel & Lotz, G. m. b. H.
Eliſabethenſtr. 31. Telephon 461.
Vertilgung von Ungeziefer jeder
Art, wie Wanzen, Kafer, Ratten,
Mäuſe, Motten uſw. billigſt unt.
Garantie und ſtrengſter Diskretion.
Zahlung
nach
Erfolg!
Für Hausbeſ., Hotels, Bäckereien,
Reſtaur. uſw. Verſicherung gegen
Ungeziefer beſonders zu empfehlen.
Aeußerſt geringe Jahresprämie.
Koſtenloſe Ausſprache an Ort und
Stelle. Poſtkarte genügt. (11272a
Wie wir vergeben unſern
Schuldigern
Roman von E. Krickeberg.
(Nachdruck verboten.)
14
Was wollen Sie, meinte Brigitte harmlos, es gibt
viele Geſanglehrerinnen, die keine Stunde unter 20 Mark
geben. Ich fühle mich ordentlich bedrückt, Ihnen nur ſo
wenig bieten zu können.
Ich bin auch keine Berühmtheit wie jene, ſondern nur
eine ganz beſcheidene kleine Geſanglehrerin, und ich
würde mir wie eine Betrügerin vorkommen, wenn ich Sie
für die Ausbildung einer mittelmäßigen Stimme, die —
verzeihen Sie mir die Aufrichtigkeit, einen ſolchen
Auf=
wand nicht lohnt, ſo viel Geld bezahlen laſſen wollte.
Ich bitte Sie, machen Sie ſich darüber keine
Gedan=
ken. Ich nehme auf den ausdrücklichen Wunſch eines
rei=
chen Verwandten und auf ſeine Koſten Geſangſtunden,
und wenn ich mich nicht ſcheue, ihn für mich bezahlen zu
laſſen, wie dürften Sie ſich da ſträuben, ein redlich
ver=
dientes Honorar anzunehmen? Im übrigen ſind wir durch
Freundſchaft verbunden.
Doch Freundſchaft bezahlt man nicht!
Aber man wägt ſie auch nicht ab. Sie nehmen alles
viel zu ernſt, Frau von Drewensberg.
Sie nahm wirklich alles ernſt; und als Hartkopf am
Abend erſchien, konnte ſie ſich nicht enthalten, ihrem
Her=
zen Luft zu machen.
Wie faſſen Sie die Sache auf? fragte ſie ihn, mir
er=
ſcheint ſie etwas rätſelhaft und ſie iſt mir fatal.
Wie ich ſie auffaſſe? Lediglich vom praktiſchen
Stand=
punkt. Brauchen Sie das Honorar?
Das wiſſen Sie ſo gut wie ich. — Die Sommermonate
fallen ja leider faſt ganz aus, da verreiſt alles und denkt
nicht an Stundennehmen — und ſeitdem mir der Verdienſt
vom Kartenmalen fehlt . .. ſie hielt erſchrocken inne. Das
ſollte Hartkopf ja nicht erfahren, aber er ſchien nicht
ſon=
derlich erſtaunt und ſagte leichthin:
Sie malen nicht mehr? Gott ſei dank, daß dieſe
Tier=
quälerei aufgehört hat!
Das ſagen Sie .
Ja, das ſage ich! Wenn Sie abends müde und
abge=
rackert genug waren, um der Wohltat des Schlummers
dringend zu bedürfen, ſaßen Sie noch ſtundenlang auf,
pinſelten und ſtrichelten und verdarben ſich Bruſt und
Augen. So nehmen Sie alſo die neue Einnahme als
Er=
ſatz für den Ausfall der alten dankbar an.
Aber Leiſtung und Gegenleiſtung ſtehen in keinem
Ver=
hältnis zueinander.
Pah! Wie können Sie wiſſen, welchen Wert die
Stun=
den für die Dame haben.
Sie iſt ja ganz talentlos.
Was geht das Sie an? — Uebrigens pflegt man
allenfalls hervorragend talentierten Schülern ein billigeres
Honorar abzuverlangen, nicht aber Unbegabten, mit denen
man doppelte Mühe hat.
Das kann mir alles nicht das Unbehagen des
Gedan=
kens hinwegdiſputieren, daß ich das junge Mädchen
über=
vorteile.
Das können Sie am beſten loswerden, wenn Sie an
Ihre berühmten Kolleginnen denken, die ohne Skrupel
einen Doppelgoldfuchs für die Stunde nehmen. Sie haben
eine beſſere Stimme und eine ebenſo gute Schule wie die,
warum alſo ſein Licht unter den Scheffel ſtellen?
Wie war das doch, meinte Anita lächelnd — wem
verdanke ich doch gleich dieſe gute Schule? Er hat gewiß
eine Stange Gold geerntet, als er ſie mir beibrachte?
Nonſens, brummte der Alte, einem Abſterbenden neues
Leben, einem nutzloſen Daſein Zweck und Ziel geben kann
allerdings nicht durch ein paar Geſangſtunden wett
ge=
macht werden. Aber vorläufig bin ich ja noch da, und
am Ende trage ich meine Schuld an Sie doch noch
ein=
mal ab.
Väterchen, Sie ſind der größte Sophiſt, den ich kenne!
Sie drehen einem das Wort im Munde um. Wenn ich
nicht ſo genau Beſcheid mit Ihnen wüßte, müßte ich jetzt
ernſtlich böſe ſein.
Laſſen Sie lieber Ihren Zorn über das famoſe
Gold=
fiſchchen ausſtrömen! Schaffen Sie ſich den Qußlgeiſt vom
Halſe, Sie können jetzt die Stunden entbehren.
Ich werde doch nicht ſo leichtſinnig ſein! Brigitte
von Steltz wird nicht ewig Stunden nehmen.
Der immer Zögernde kommt nie zum Ziel, replizierte
der Alte. Ich werde mir das Fiſchchen angeln.
Er kannte die junge Dame, und als ſie das nächſtemal
zur Stunde kam, fand ſich richtig auch Hartkopf ein. Er
wußte es diplomatiſch durch teilnahmsvolles Fragen nach
dem Befinden der Stimme des gnädigen Fräuleins, die
kürzlich etwas heiſer geklungen habe, und allerhand
haar=
ſträubende Erzählungen von den Folgen der
Ueberan=
ſtrengung der Stimmbänder dahin zu bringen, daß das
Goldprinzeßchen ſelber fand, eine Schonung tue ihrem
koſtbaren Organ dringend not, und die Stunde abſagte.
„Das iſt gut, triumphierte Harto, jetzt ſind Sie die
Zwickmühle Ihres Lebens los und können endlich befreit
aufatmen, notabene, wenn Sie den guten Willen dazu
haben.
Anita ſeufzte tief auf, und ihr Blick flog trübe zu dem
Bilde des Gatten hinüber.
„Was kann mir das Leben noch ſein, Vater Harto?
Ein bißchen ſchwerer, ein bißchen leichter zu tragen
ein bißchen enger, ein bißchen weiter der Raum — es
iſt alles eins!
Wus wir feier Hoch
Vortunig Haben
in DAMEN-STROH-HUTEN kostet
die Hälfte des seitherigen Preises!
Günstigste Einkaufsgelegenheit!
SEIDENNAUS EDeRRSVoLz
13 Ludwigstrasse 13.
mit Gas=
Bade=Einrichtung hängeofen
Junkers), einzeln oder zuſammen
(*5053
billig zu verkaufen
Annaſtraße 6, 1. Stock.
Granden
beſte Qualität
per 1 Pfund
(16669
0Pfg.
nur
Nieder=Ramſtädterſtraße 53
neu eröffnete Verkaufsſtelle vom
Darmſtädter Eiergroßhandel.
Tüchtige Damenſchneiderin
nimmt noch Kunden an, erteilt
auch gründlichen Unterricht. (*4994
Wienersſtraße 73, II.
Gelegenheitskauf!
L.
C0r Scmarae
werden billigſt abgegeben. (16658dfs
Näheres Ecke Wald= u.
Grafen=
ſtraße, bei Lehner (Laden).
la Fahrrad
mit Freilauf zu verkaufen (16647a
Ag. Hahn, Gutenbergſtr. 58.
Anrichte mit Aufſatz, Ablaufbr.,
1 Bilder u. Verſch. ſehr bill. zu verk.
*5052) Erbacherſtr. 7, 2. St.
Eine Schüler-Violine
u. „Die Kunſt‟ 1906/07 u. 1907/08
in Originalband, billig zu verk.
Kiesſtraße 42, 2. Stock. (*5031ds
Kelee=Aepfel, Pfund 6 Pfg., zu
verk. Riegerplatz 8, Lad. (*5036
Opelwagen
4 Zyl., Doppelzündung, vorzügl.
laufend, auch als Geſchäftswagen
zu verwenden, billig zu verkaufen
Magdalenenſtr. 3.
*5012)
Handkarren, für
Kolonialwaren=
hdlg. od. Metzger geeignet, zu
ver=
kaufen. Frankfurterſtr. 21. (16639ds
Eine Kaute Miſt
zu verk. Weinbergſtr. 24. (*5008
Schraufhs
Gemahlene
Salmiak-Terpentin-Seife
reinigt und schont die
Wäsche;
pro Paket 15 Pfg.
Bestes und billigstes
Seifenpulver.
Reitpferd
6jähr., iriſche braune Stute,
lang=
ſchweif., 172 groß, ſchönes
Exte=
rieur, geſund, leicht zu reiten,
wegen I. Auslandreiſe billig zu
verkaufen. Offert. unt. F 12 an
die Expedition.
(16455a
5 junge Dobermänner (4 Ritd.,
1 H.) w. Platzm. bill. abzug.
Gutenbergſtr. 15, part. (16533a
Schöne deutſche Dogge wegen
Platzmangel abzugeben. Off.
u. G 8 an die Expedition. (*5022
Schöngezeichn. junger
Zwergreh=
pinſcher zu verkaufen (*5001
Feldbergſtr. 91, part.
Maschinenschreiben
nach eigenem „Tafel-
Darmstädter Sprach- u. Handelsschule
System‟ der
ermöglicht den Schülern neben sorgfältiger Ausbildung in allen kaufmännischen
Fächern in einem ½ Jahreskurse die gründliche Erlernung des Schreibens auf
verschiedenen besteingeführten Maschinen.
Zeitersparnis zirka 50 %
gegenüber der systemlosen Einübung. — Anmeldungnn zu den Tages- u.
Abend-
kursen, auch für Gabelsberger Stenographie, werden entgegengenommen
Luisenstrasse 10, II.
2
(16327fod
Senhen
Maschmen
Ia Fabrikat
innen und außen
emailliert
9 Messer
5
1.40 1.70 1.90 2.85 3.25 (16659
G. m.
Ieisenmann b.h.
Kleider-
Bügel, Aermelbügelbretter, Ausklopfer
Fensterleder, Futztücher, Besen und
Bürsten in großer Ausw. empfiehlt
E. Crämer, Ludwigstr. 7. (*5034
1
Dinl. Sebr. Hobel.
Ein= u. zweitür. Kleiderſchränke,
Waſch= und Nachtſchränke,
Waſch=
kommoden, Schreibtiſch, nußb. pol.
2türig. Spiegelſchr. (neu) 65 Mk.,
Diwans, Flurgarderoben,
Auszieh=
tiſche, pol. Vertikos mit Spiegel
und Kunſtverglaſung, Pfeilerſchr.,
Ladentheke (3 m lang),
Kleider=
ſtänder, Regulator, Tiſche, Stühle,
Spiegel, Bilder, Betten u. Betteile
u. Verſchied. billig abzugeben
Alexanderſtr. 3, part.
*5002)
Ein faſt neuer Kinderwag. bill. zu
Everk. Bleichſtr. 24, part. (*5011so
Einrichtg. f. Kolonialwarengeſch.
zu verk. Näh. in der Exp. (*4982
Du verke Tepp., wie neu, 300 2200,
gek. 80 M., jetzt 35 M.,
Zimmer=
kloſett (Pat.), neu, 18 M., Pfeilerſchr.,
Gasampel 4 M., Gaslampe 15 M.,
Waſchtiſchchen 4 M., Waſchgeſtell
3 M., eiſerne Bettſtelle 3 M.,
Vor=
hänge, Havelock, ſchwarzer Anzug,
Herrenhemden. Anzuſ.
Donners=
tag bis 4 Uhr und Samstag von
2 Uhr ab Annaſtr. 6, 1. St. (*4986
Zu verkaufen:
1 antiker Sekretär
1 alte Wiener Uhr
2 Oelgemälde
(Porträts)
1 Sofa
1 Zimmerdouche
1 Gaslüſter
verſchiedene Bücher
Mandoline.
(B16500
Näheres in der Exp. ds. Bl.
Saubere Poſtverſand=Kartons
bill. abzug. Elisabethonstr. 6. (*5019
Kleiner Küchenſchrauk
mit Anrichte und Tiſch, eine
Gas=
ampel, Sofa, Zeichentiſch und vier
Reißbretter wegen Umzug billig zu
verk. Schlossgartenstr. 1, II. (*4987
(hell eichen) mit
Schlafzimmer Marmor und
Spiegelſchrank M. 360.—, desgl.
mit groß. 3tür. Schrk. M. 450.−
z. v. Uhland, Hügelſtr. 29. (*4990ds
gut erh. Bettſtellen m. Sprung=
2 federmatratzen à 5 Mk. abzug.
Zu erfragen i. d. Exped. (*5021
etr. weiß. Leinen=Koſtüm, für
Mädch. v. 14—16 Jahr., f. 5 M.
abzugeb. Grafenſtr. 35, I., r. (*4989
2
Man verlange in
allen einschlägig.
Geschäften nur
Cis ½ Pfd.-Pak.
30, ¼ Pfd.-Pak.
55 Pfg.
Wichtig
für
(117a
Magenleidende
Reformkorsetten
z. Knöpfen mit Gummi an
den Seiten Mk. 2.75.
L. & M. Fuld,
Kirchstrasse 12,
gegenüb. der Stadtkirche.
Schwarz-weisse Rabattmarken.
6. Kapitel.
Heini und Fräulein Brigitte von „Steltzchen” waren
ſchnell die beſten Freunde geworden. Nachdem ſich die
beiden Frauen etwas nähergetreten waren, fragte
Bri=
gitte eines Tages, auf Heinis Photographie zeigend: Wer
iſt der ſüße Bub dort?
Mein Söhnchen, erwiderte Anita voll Mutterſtolz.
O, den jungen Herrn möchte ich kennen lernen. Er
ſieht aus wie ein richtiger kleiner Strolch. Und ſie
brauchte nicht auf die Bekanntſchaft zu warten. Noch am
ſelben Tage öffnete ſich während der Stunde die Tür zum
Nebenzimmer ganz ſacht, und Heinis Krauskopf ſchob ſich
vorſichtig durch den Spalt. Wenn ſich ſeine Mama nach
ſeiner Meinung gar zu lange nicht um ihn kümmerte, ſo
pflegte er ihr ſeine Anweſenheit auf dieſe beſcheidene Art
kundzutun.
Nun, komm nur herein, Du Spitzbube! ermunterte
ihn heute gegen ihre Gewohnheit die Mutter; ſonſt pflegte
ſie ihm nur verſtohlen zuzunicken. Fräulein von Steltz
wünſcht Deine werte Bekanntſchaft zu machen.
Heini kam, machte ſeine vorſchriftsmäßige
Verbeu=
gung, ließ ſich gnädig bewundern und ſtreicheln und
meinte dann mit einem Ton der größten
Selbſtverſtänd=
lichkeit: Nun könnt Ihr weiter ſingen, Heini wird ein
bißchen Bilder anſehen. Und ohne Umſtände erkletterte
er einen Seſſel am Tiſch, zog ſich ein Album heran und
hatte ſich gleich darauf höchſt verſtändig in das Betrachten
der Photographien vertieft.
Er wird von allen verwöhnt, das iſt nicht gut,
meinte Anita mit einem Seufzer, und ich ſelber bin nicht
ſtreng genug mit ihm, er iſt ja mein alles.
Manches Kind läßt ſich beſſer durch Güte als durch
Strenge erziehen, und der kleine Strolch mit ſeinem
ſon=
nigen Geſichtchen ſieht mir ganz danach aus, als ob er
viel Liebe brauchen könnte.
Anita ſchüttelte den Kopf. Es iſt nicht gut, wenn
ein Knabe zu ſehr vor den Rauheiten des Lebens behütet
wird . . . und beſonders Heini. Seine Zukunft iſt nicht
ſonnig, er wird ſich ſeine Stellung erkämpfen müſſen.
Dazu gehören Feſtigkeit und Kraft.
Vielleicht erſchmeichelt er ſie ſich auch. Ob wohl
irgendjemand dieſem kleinen Schelm etwas abſchlagen
kann?
Er wird hoffentlich niemals dieſe Methode erproben
ſie iſt ſo niedrig! ſagte Anita ablenkend. Das Geſpräch
hatte eine Wendung genommen, die ihr nicht behagte.
Singe doch, rief Heini vom Tiſch her, aber nicht
Ton=
leiter, weißt du!
Du ſcheinſt ja ein perfekter Geſangsverſtändiger zu
ſein, kleiner Mann! Was ſoll ich denn ſingen?
Mein Schatz iſt ein Reiter, ein Reiter muß er ſein,
oder: Wenn die Schwalben wiederkommen.
Heini, rief die Mutter erſtaunt. Woher haſt Du denn
dieſe Lieder?
Die Mutter Müllern ſingt ſie mir immer vor.
Brigitte ſchien die Sache großen Spaß zu machen.
Weißt Du kein anderes Lied? Die gewünſchten kenne ich
leider nicht.
Heini war indigniert. So ſinge: O Tannebaum, o
Tannebaum, haſt Du mal ſchöne Blätter.
Und Fräulein von Steltz ſang den Tannenbaum.
Das war nicht richtig, erklärte Heini, Du haſt den
Rupprecht vergeſſen! Mutti, ſag doch der Tante, wie es
heißt.
Das mußt Du tun, ich kenne Deinen Text auch nicht.
Andermal, meinte Heini. Hab jetzt keine Zeit! Und
er blätterte weiter in ſeinem Album. Auf einmal rief er:
Mutti, Mutti, hier iſt Onkelchen Eberhardt — ſieh
doch, Onkel Eberhardtchen!
Aus Anitas Geſicht wich alle Farbe. Dummes Kind!
brachte ſie mühſam hervor, das iſt ja Dein Papa!
Darf ich das Bild anſehen? fragte Fräulein von
Steltz. Und dann ſtand ſie neben Heini. Ihre Backe an
ſeinen Krauskopf lehnend, beugte ſie ſich über das Bild
und vertiefte ſich in die Betrachtung. Als ſie ſich
auf=
richtete, war ſie ganz heiß vom Bücken.
Der Ausdruck iſt ganz anders als auf dem Gemälde,
ſagte ſie. Ihr Gatte ſcheint hier noch jünger geweſen zu
ſein als dort.
Die Aufnahme ſtammt aus ſeiner Adjutantenzeit am
erbprinzlichen Hofe. Das war vor etwa zehn Jahren.
Damals kannten Sie ſich ſchon? Waren auch ſchon
verlobt?
Das iſt erſt einige Jahre darauf geſchehen. Es
klang=
einſilbig, ablehnend.
Brigitte ſtrich ſich langſam mit der Hand über Stirn
und Augen. Die natürliche Farbe kehrte in ihr Geſicht
zurück, und der Ton kam ihr freier aus der Bruſt, als
ſie ablenkend fragte: Und wer iſt denn der Onkel
Eber=
hardt?
Der Bruder meines Mannes. Er ſieht ihm ſehr
ähn=
lich, und ich fürchte, Heini verwechſelt den eigenen Vater
bereits mit dem Onkel. Es iſt zu ſchmerzlich, daß Kinder
ſo leicht vergeſſen.
Es iſt ein Glück, ſagte Brigitte. Wenn man ſchon in
ſo jungen Jahren anfangen wollte, ſeine Erinnerung mit
unvergeßlichen Schmerzen zu belaſten, würde man ja
ſchließlich der Bürde erliegen müſſen. Im ſpäteren
Le=
ben iſt das Vergeſſen ohnehin ſo unendlich ſchwer.
Warum quält man ſich, dann damit, vergeſſen zu
wollen? Die Erinnerungen feſthalten, iſt das Kennzeichen
eines Menſchen von Charakter.
Da zeigt ſich wieder die Verſchiedenheit unſerer
Na=
turen. Ich meine gerade, es iſt das Zeichen eines
charak=
tervollen Menſchen, vergeſſen zu können, wo es ſein muß.
(Fortſetzung folgt.)
Man tut gut, ſich von
Zeit zu Zeit daran zu
erinnern, daß von all den
Maßnahmen, die der
mo=
derne Menſch zur
Ge=
ſunderhaltung ſeines
Kör=
pers vornehmen muß, die
richtige Pflege der Zähne beinahe die wichtigſte iſt. Wenige
ahnen, daß ſchadhafte Zähne nicht nur unſer
Wohlbefin=
den erheblich beeinträchtigen, ſondern — neue
Unter=
ſuchungen haben das in überraſchender Weiſe bewieſen —
häufig den Ausgangspunkt mannigfachſter Krankheiten
bilden können, deren Urſache oft rätſelhaft blieb. Als
richtig kann eine Zahnpflege nur dann bezeichnet werden,
wenn die zahnzerſtörenden Gärungs= und Fäulniserreger,
die ſich im Munde täglich neu bilden, auch täglich
un=
ſchädlich gemacht werden. Das iſt nur zu erreichen
durch den täglichen Gebrauch eines antiſeptiſchen
Zahn=
pflegemittels.
Die Wirkungsweiſe des Odols iſt eine ganz
eigen=
artige. Während andere Mund= und
Zahnreinigungs=
mittel, ſoweit ſie für die tägliche Zahnpflege überhaupt
in Betracht kommen, lediglich während der wenigen
Se=
kunden der Mundreinigung ihre Wirkung ausüben, wirkt
das Odol noch ſtundenlang, nachdem man ſich die Zähne
geputzt hat, nach. Dieſe einzigartige Dauerwirkung iſt
aller Wahrſcheinlichkeit nach darauf zurückzuführen, daß
ſich das Odol beim Mundſpülen förmlich in die Zähne
und die Mundſchleimhäute einſaugt, dieſe gewiſſermaßen
imprägniert und ſo gleichſam einen antiſeptiſchen Vorrat
hinterläßt, der noch ſtundenlang den zahnzerſtörenden
Fäulnis= und Gärungsprozeſſen entgegenwirkt. (I,15950
Sport, Spiel und Turnen.
* Kegeln. Man ſchreibt uns: Noch wenige Tage
trennen uns von einem großen ſportlichen Feſt, das in
Frankfurts Mauern abgehalten wird. Die Kegler
werden ſich in ſtolzer Zahl, aus faſt allen Gauen
Deutſch=
lands in den Tagen vom 9. bis 13. ds. Mts., auf dem
Feſthallengelände ein Rendezvous geben. Dem feſtlichen
Eröffnungskommers am 9. ds. Mts. abends, folgt am
Sonntag die prächtige Bannerwagenfahrt, die folgende
Straßen paſſiert: Gartenſtraße, Schifferſtraße,
Dreieich=
ſtraße. Langeſtraße, Zeil. Große Bockenheimerſtraße,
Goetheſtraße, Kaiſerſtraße, nach dem Feſtplatz. Der
Ab=
marſch des Zuges iſt auf 12 Uhr in Sachſenhauſen
feſtge=
ſetzt. Das Preiskegeln iſt an allen Feſttagen. Nahezu 100
Ehrenpreiſe ſtehen zur Verfügung. Auf dem Feſtplatz
ſelbſt wird ſich ein rechtes fröhliches Leben und Treiben
entwickeln, da für Volksbeluſtigungen aller Art geſorgt iſt.
Die Teilnahme am Feſt wird aus allen Kreiſen der
Bür=
gerſchaft eine außerordentlich rege ſein
* Automobilrennen. Der Grand Prix von Frankreich
und der Pokal der Sarthe kam heute bei trübem Wetter
zum Austrag. Achtzehn Wagen nahmen daran teil.
Sie=
ger iſt Bablot auf Delage, der 540 Kilometer in 4
Stun=
den, 21 Minuten und 50 Sekunden durchlief, womit er
die Weltmeiſterſchaft errang. Zweiter war Guyot auf
Delage in 44 Stunden, 26 Minuten und 30 Sekunden,
Drit=
ter Salzer auf Mercedes in 4 Stunden, 34 Minuten
und 52 Sekunden.
sr. Leichtathletik. Deutſche Siege bei den
Oeſtſerreichiſchen Leichtathlleitik=
Meiſter=
ſchaften. Die deutſche Leichtathletik hat bei den
öſter=
reichiſchen Landesmeiſterſchaften einen großen Erfolg zu
verzeichnen, da es den deutſchen Teilnehmern gelang, von
den zehn zum Austrag gebrachten Meiſterſchaften die
Hälfte auf ihr Konto zu bringen. Rau gewann die 200
Meter= und Skowronnek die 400 Meter=Meiſterſchaft. Den
Hochſprung belegte der Hochſpringer Paſemann=Berlin
und Halt=München ſiegte in der Fünf= und Zehnkampf=
Meiſterſchaft.
Luftfahrt.
Der deutſche Aviatiker Schüler der mit
Reg.=Baumeiſter Auſt als Paſſagier auf einem Ago=
Dop=
peldecker von Berlin aus über Chemnitz nach Wien
ge=
flogen war und die Abſicht hatte von dort aus nach der
Marine=Fliegerſtation Putzig zurückzufliegen, ſtartete am
Dienstag früh 10 Min. nach 6 Uhr auf dem Wiener
Flug=
felde Aſpern. Aber bereits nach einem Fluge von 40
Mi=
nuten ſah ſich Schüler infolge dichten Nebels gezwungen,
niederzugehen. Er landete bei Straßhof. Da das
Wet=
ter ſich ſehr ungünſtig geſtaltete, gab Schüler den
Weiter=
flug auf. Er läßt ſeinen Apparat nach Berlin verladen.
sr. Im Wettbewerb um den Michelin=
Pokal hat der franzöſiſche Aviatiker Cavelier ſeinen
Flug weiter fortgeſetzt und ſeine Geſamt=Kilometerleiſtung
nunmehr auf 5969,920 Kilometer erhöht.
Handel und Verkehr.
* Das Reichspoſtamt und die
Barfran=
kierung. Verſchiedene Kreiſe des Handels und der
In=
duſtrie und beſonders die Organiſationen des Hanſa=
Bundes in den Hanſa=Städten hatten ſich an den Hanſa=
Bund mit dem Erſuchen gewandt, ihre Wünſche auf
Ein=
führung der Barfrankierung von Maſſenſendungen an
maßgeblicher Stelle geltend zu machen. Das
Reichspoſt=
amt hatte darauf mitgeteilt daß zunächſt fünf Maſchinen
aufgeſtellt ſeien und daß weitere Verſuche gemacht würden
Nunmehr teilt das Reichspoſtamt mit, daß die bis jetzt
aufgeſtellten Maſchinen ſich gut bewährt hätten, ſo daß ſich
die Poſtverwaltung veranlaßt geſehen habe, neue
Liefe=
rungsverträge, auch andern Syſtems, abzuſchließen
Wenn die Verſuche ebenſo zufriedenſtellend wie die
bis=
herigen ausfallen, dürfte die Barfrankierung von
Maſſen=
ſendungen bald überall zugelaſſen werden.
* Die Telephon=Verbindung England=
Deutſchland. Die ſeit langem in Ausſicht geſtellte
telephoniſche Verbindung zwiſchen England und
Deutſch=
land dürfte in allernächſter Zeit eingerichtet werden. Das
Poſtminiſterium hat nach langen Verſuchen den Auftrag
zur Herſtellung des Kabels gegeben, das in dieſem Falle
von einer ganz beſonderen Beſchaffenheit in techniſcher
Be=
ziehung ſein ſoll. Der erſte Plan, nur bis Holland das
Kabel zu legen, um von dort umzuſchalten, falls nach
Deutſchland geſprochen werden ſollte, iſt aufgegeben
wor=
den. Das Kabel ſoll direkt nach der deutſchen Küſte,
wahrſcheinlich nach Emden oder nach Hamburg gelegt
werden. Sämtliche bisher errungenen techniſchen
Fort=
ſchritte ſollen auf dieſer Verbindung, der man in der
engliſchen Preſſe mit Recht eine große Zukunft
voraus=
ſagt, zur Anwendung kommen. Der deutſche Endpunkt der
Verbindung ſoll Berlin ſein, von wo aus die weiteren
An=
ſchlüſſe hergeſtellt werden ſollen. Das erſte Geſpräch
zwi=
ſchen Deutſchland und England fand bekanntlich im März
vorigen Jahres ſtatt, wobei allerdings nicht weniger als
fünf verſchiedene Verbindungen hergeſtellt werden mußten.
Die Pläne für das neue Kabel ſind nach verſchiedenen
Beſprechungen mit Vertretern der deutſchen
Poſtverwal=
tung fertiggeſtellt worden; mit ihrer Ausführung ſoll in
dieſen Tagen begonnen werden.
Für dieſe Woche empfehle:
Allerfeinſte Nordſee=
Schellſiſche
Ja Kabeliau
im Ausſchnitt.
Ia Rotzungen, Merlans,
Goldbarsch,
Seehecht p. Pfd. 30 pf.
Seelachs per Pfund 40 Pf.
Neue Holländer
Vollheringe
Fſt. marinierte Heringe,
Rieſen=Rollmöpſe,
Bismarckheringe,
Sardinen,
Scharfe holl. Bücklinge,
Geräucherte Makrelen.
Nürnbg. Ochſenmaulſalat
per Pfund 60 Pfg.
Hochfeine neue
Matjes=Heringe
(VII, 16664
M
Vert
Karlstrasse 47
Telephon 641.
Zu verkaufen: Bettſt. m. Matr.,
1 Kopierpr. Pallaswiesenstr. 15, II.(*
8
3
Kleines Einfamilienhaus
mit ſehr großem Garten (mindeſt.
1200 am) in Darmſtadt od. nächſt.
Nähe zu mieten od. gegen bar zu
kaufen geſ. Genaue Beſchreibung,
Lageplan, Preis uſw. einzureichen
unter G 12 an die Exp. (*5038
9 anſt. Wohn., à 2 u. 3 Z., womögl.
i. ein. Hauſe, v. ruh. Leut. geſ. Off.
unter F 99 an die Exp. (*4985dfs
g erh. alleinſt. Priv. (verm.) bald
ruh. behagl. Dauerheim mit
Verpfl.? Off.u. 616 a. d. Exp. (*5063
für jede Hausfrau ist sicherlich ein Glühkörper, der wie
Dr. WU. Schmids Reicis-Blühstrumgf
brennt. Billigkeit mit Leuchtkraft und Haltbarkeit vereint.
Nur ächt in schwarz-weiss-roten Hülsen mit Nämen
Dr. W. Schmld.
(II16636
2 Bettstellen
nußbaum pol., ſchwere Ausführ.
faſt neu, mit neuen Stahl= und
Aufliegmatratzen, nur 190 Mark,
ferner
(*5050
mehrere ältere Bilder
Stahlſtiche
billig abzugeben
Mathildenplatz 8, Werkſtatt.
Ag. Dobermann umſtändeh, billig
zu verk. Schützenſtr. 6, II. (*4979
Zutgeh. Obſt=u. Gemüſegeſchäft
in gut. Lage, umſtändeh. ſof. bill.
z. vk. Off. u. 6 11 a. d. Exp. (*5032
Nähe Heidelbergerſtr.,
Garten, zu pachten geſucht.
Off. u. E 78 a. d. Exp. (*4594sid
Mmere
Schönes
6 Zimmer=Haus
in feinſter, freier Lage, mit Gas,
Bad, Balkons, ſchönem Garten
mit Obſtbäumen wegzugshalber
zu verkaufen. Offerten unt. F 36
(B16499
an die Exped. ds. Bl.
Haus
zu kaufen gesucht.
Kaufe in Darmſtadt od. Beſſungen
ein Haus im Preiſe von 18000 bis
20000 Mk., wenn ein kleineres
Landhaus mit großem Garten im
Werte von 9600 Mk. in Zahlung
genommen wird. Offerten erbeten
unter C 79 an die Exp. (15891a
Kaufgeſuch.
Kaufe in Darmſtadt ein
Haus, Lage einerlei. Off. erb.
u. E7 Exp. Agent. verb. (16230a
chönes Baugelände, ca. 10
Bau=
plätze, prachtvolles Baumſtück
in ſchöner Lage, billig zu verkauf.,
event. Tauſch auf gut. Haus. Off.
unter F 35 a. d. Exped. (*5014
Schön gelegenes wenig belaſtetes
Bangelände zu verk. Haus
wird in Zahlung genommen. Off
unter B 16 an die Exp. (B15467
Günstiges Angebot.
Villenkolonie Bberstadt b. Darmst
Hochf. Villa, frei in groß. Garten
gelegen u. von Wald umgeben, m.
Zentralheizung, Gas, Waſſer, Bad
Pergola und all. Bequemlichkeiten
unt. den denkbar günſtigſt.
Beding=
ungen ſof. preiswert zu verk. Off
unt. G 7 an die Exp. (*5010ds
II. Hypothek
von 15000 Mark aufzunehmen
geſucht. Gefl. Offert. unt. D 61
an die Exp. ds. Bl. erb. 16086a
Geldgeſchäfte jeder Art, insbeſ.
Darlehen auf Ratenzahlungen,
ſchnell, reell u. diskret.
General=
vertreter H. Beck, Darmſtadt,
Georgenſtr. 1, 2. Stock. Büro 10
16073a
bis 12, 3 bis 5 Uhr.
auf ſichere zweite
14000 Mk. Hypothek, event.
auch geteilt, zu vergeben. Angeb.
unter F 98 an die Exp. (*4975
Selbstgeber!
Handelsgerichtl. eingetr. Firma gibt
Tung
Darlehen, z., pothekengelder
(keine Vorauszahlungen) ſchnellſt
(*5048df
und diskret durch
H. König, Arheilgen.
aineg
Mollersu asse 9
1. Stock eine 5 Zimmer=Wohnung,
Fremdenzimmer, Mädchenkammer,
Gas u. Veranda, nebſt Zubeh. per
(15498t
ſofort zu vermieten.
C
Ernst-Ludwigstr. 18, II.,
5 Zim.=Wohnung, neuhergerichtet,
alsbald oder ſpät. zu verm. Näh.
1. Stock, von 10—3 Uhr. (14815ids
Mathildenſtraße 9 Parterre=
Wohn., 5 Zim. mit all. Zub., ſof
billig. Zu erfragen daſ. (15641a
Ee
brungerte Anlee
I. Stock, ſchöne 5=Zimmerwohng.
mit all. Zubehör, Balkon, Badez
m. kompl. Einrichtung, Pr. 700 M.,
auf 1. Okt. od. früher. (B16657ids
Heidelbergerſtr. 74 5 Zimmer=
(*5018dsi
wohnung zu verm.
Ernſt=Ludwigſtr. 9, III. St.,
freundl. 4 Zimmerwohnung mit
Gas, Bad u. Zubehör per ſof. zu
verm. Näh. daſ., II. Et. (B15837t
Eliſabethenſtr. 23, Manſ.=W.
4 Z. u. Nebenr. a. ruh. Leute. (15992t
Mühlſtraße 1, 2. Stock, ſchöne
Vierzimmerwohnung m. Gas, Bad
(einger.), Veranda, 2 Bodenräume
uſw. per 1. Oktober a. c. Zu er=
(16520t
fragen daſelbſt.
Liebigſtr. 65, 2. St., 4 Zimmer
mit Zubehör per 1. Oktober.
Be=
ſichtigung 11—12 und 2—4 Uhr
Näheres parterre.
(13976mds
Schulstrasse 6, II.,
ſchöne 3 Zimmer=Wohnung mit
Küche u. ſonſtigem Zubehör ſofort
zu vermieten. Näh. im Laden bei
(15363t
L. Lange.
Mathildenplatz 11, Manſarde,
3 Zimmerwohnung zu vermiet. Zu
erfragen daſ. 1. Stock. (14456ids
AC
Gr. Cchsengaste 10, I.
3 Zimmerwohn. mit Küche,
Man=
ſarde, Keller, Gas ꝛc. per ſofort
zu vermieten. Näheres Schulſtr. 8,
bei Strauss & Mayer.
(*4983dsm
Aene Ireneſtraße 59
Schöne 3 Zimmerwohnung per
1. September zu verm. Näh. be
Vogt, Ireneſtr. 59.
(16668a
Tannenſtr. 12 eine ſchömeDrei
Zimmerwohn. p. 1. Sept. (B16662
e
ZZimmer
Ecke Grafen= u. Hofſtallſtr.
Manſ., 2 Zim., Küche u. Zub. an
ruh. Leute. Näh. im Hinterb. (16292t
Magdalenenſtr. 23, 2 Z.=W. m.
Glasabſchluß und Zubehör an
einzelne Dame oder kinderloſe
Fa=
milie per ſofort zu verm. (16487t
Kleine 2 Zim.=Wohn. f. einzelne
Leute in der Altſtadt zu vermiet.
Näh. Kahlertſtr. 1, Bertsch. (15897oidf
Kiesſtr. 21 im Hinterhaus eine
kl. 2 Zim.=W. zu verm. (15772ids
Magdalenenſtraße 6, parterre
Seitenbau, 2 Zimmerwohnung,
welche renoviert wird, zu verm.
Näh. Saalbauſtr. 38, II. (15831ids
ämmer
Ae
Leeres Zimmer ſof. zu vm. Neue
Ireneſtr. 7, part., Laden. (*4710oim
e
Me
u.
aumer
Bleichſtr. 13 hübſche Manſ. an
einzelne Frau od. Ehepaar zu vm.
Hübſche Gartenausſicht.
(*4977
Große Kaplaneigaſſe 37 eine
Wohn., per Mon. 9,50 Mk. (16654m
Der Laden, gegenub. d.
Georgen=
ſtraße, Bleichſtr. 17, iſt bis 15. Nov.
od. auf Wunſch auch früh. zu verm.
Zur Zeit wird ein Zigarren=
Ge=
ſchäft darin betrieben. (16498ids
Gr. Ochsengasse 16
Laden nebſt 3 Zimmerwohn. im
1. Stock, mit Gas u. elektr. Anſchl.,
ſow. Manſ., Keller u. Küche per ſof.
zu vermieten. Näheres Schulſtr. 8,
Strauss & Mayer.
*4984dsm
bei
Wagen=Remiſe zu vermieten
*5017dsi
Heidelbergerſtraße 74.
Schützenſtr. 20, part., ſch. nette
ſepar. Zimmer per ſofort. (16124ids
Schulſtr. 3 II., g. möbl. Z. z.
vm. Anz. 8—10 Uhr vorm. (15591ids
Sandbergſtr. 27, I. r., möbl.
Zimmer mit oder ohne Penſion
ſofort zu vermieten. (B15598ids
Grafenſtr. 39, 2. St., ſch. möbl.
Wohn= u. Schlafz. z. verm. (15954a
Mühlſtr. 68, I. (am Kapellpl.),
hübſch möbl. Z. m. Gas, Schreibt.
an beſſ. Herrn (Beamt.) (16030ids
Schützenſtraße 18, Stb., ein
möbl. Zimmer zu verm. (13043ids
Eliſabethenſtr. 42, II., möbl.
Zimmer mit oder ohne Penſion
zu vermieten.
(15336ids
Karlsſtr. 28½, 3. St., Schlaft.
nur 3 Mk. mit Kaffee. (*4800ids
Hochſtr. 42, g. ſch. möbl. Z. mit
Schreibtiſch ſof. zu verm. (*4787id
Viktoriaplatz 9 möbl. Zimmer
zu vermieten.
(16099t
Ecke Grafen= u. Wieſenſtr. 1
ſch. möbl. Zimm. ſof. zu vm. (15335t
Hüigelſtr. 19, III, per ſof. fr.
möbl. Zim. zu verm.
(16210t
Eliſabethenſtr. 44, Vdh., II.,
einf. möbl. Zim. ſof. bill. z. vm. (16274t
Waldſtr. 17, I., möbl.
Zim=
mer ſofort zu vermieten. (16491t
Bleichſtr. 51, III., 1 gut möbl.,
Zimmer zu vermiet.
(15858t
Grafenſtr. 13, I., ſchön möbl.
Zimmer zu vermieten. (14142omd
Frankfurterſtr. 53, 3. St., ſchön
möbl. Zim. an beſſ. Arb. (*4996ds
Marienplatz 32, part., g. möbl.
Wohn=u. Schlafz. zu verm. (16648ds
Schuchardſtr. 10, I., ſehr ſchön.,
einf. möbl. Zim. u. 1 Zim m. 2 Bett.
(16650a
ſof. billig zu verm.
N.=Ramſtädterſtr. 51, II., ſch. mbl.
Wohn= u. Schlafz. m. Schreibt. u.
Gas an beſſ. Herrn p. ſof. o. ſp. (*5035ds
Ludwigsplatz 4, 2. Etage, gut
(*5039ds
möbliertes Zimmer.
Nieder=Ramſtädterſtr. 31, I., I.,
ſchön möbl. Zim. m. Penſion z. verm.,
daſ.g. bürgerl. Priv.-Mittagstisch. (*5054dfs
Waldſtr. 32, Seitenb. r., ſchön,
möbl. Zimmer ſof. zu verm. (16673a.
Markt 7
Guggenheim & Marx
Markt 7
Großherzogl. Landes=Bangewerkſchule
Darmſtadt.
Ausſtellung von Schülerarbeiten
im Obergeſchoß des Schulgebäudes, Neckarſtraße 3.
Geöffnet von
(16631ds
Donnerstag, den 7. bis einſchl. Sonntag, den
10. ds. Mts., vormittags von 11—1 Uhr.
Der Großh. Direktor:
Prof. A. Wienkoop.
Städtischer Saalbau
Heute, den 7. August, abends 8 Uhr
6. Deinerstugs Ronzert
Streich-Orchestermusik
der vollständigen Kapelle des Leibgarde-Regts.
Dirigent: Obermusikmeister H. Hauske-
Aus der Vortragsordnung: Goldmark: Fragmente a. Das Heimchen
am Herd. Schubert: Balletmusik aus Rosamunde. R. Wagner:
Ouvertüre z. Rienzi. Neff: Der Odenwald in Lied und Tanz usw.
Grosse Jllumination!
Eintritt 55 Pfg. Datzentkarten 5 Mark. Studierende und Militär 35 Pfg.
Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert
(16663
nach besonderem Programm im Saal statt.
Bürger=Keller
Ab 1. August
täglich Konzert
Salon-Damen-Orchester „Seewald‟.
Stets freier Eintritt.
(16516imd
Elisabethen-
strasse 44.
Krokoan
Elisabethen-
strasse 44.
Heute Donnerstag, den 7. bis Donnerstag, den 14. Aug.
täglich von 4 bis 11 Uhr
Grosses Bockbier-Fest
nach Münchener Art
Münchener Bedienung.
ff. Fay-Bock.
Heinrich Diehl, Restaurateur.
16666)
1
Schuchardstr. 18
Ecke Luisenstr.
Vornehmstes Lokal der Residenz.
Geſchäftsübernahme.
Hierdurch einem werten Publikum, Freunden und werter
Nach=
barſchaft die ergebenſte Mitteilung, daß ich die ſeither von Herrn
Ad. Hahn geführte
(
Wirischart „Zum Mamtor
Mathildenplatz 11, Tel. 1173, gegenüber dem Gerichtsgebäude,
heute übernommen habe, und bitte, das Herrn Ad. Hahn hier ge
ſchenkte Vertrauen auch mir entgegenbringen zu wollen. Es wird
mein ernſtes Beſtreben ſein, meinen werten Gäſten mit ff. Bieren
aus der Brauerei Oſtertag, ſowie reichhaltigen Speiſen (
Wurſt=
waren eigener Schlächterei) aufzuwarten.
Um geneigtes Wohlwollen bittet
Hochachtungsvoll
Peter Josef Enders, Gastwirt
(16675
früher „Heſſ. Haus” Dieburg.
Habe meine Tätigkeit
wieder aufgenommen.
Dentist
Alb. Faber
Ludwigsplatz 1, I. (*5057dos
Von der Reise zurück!
Dr. med.
Johanna Schmidt
Saalbaustraße 60, II
Kuten Mittagstiſch z. 50 Pfg
bei Arheilger, „Zum
Gam=
brinus”, Schuchardſtr. 10. (16540a
Ein ſehr ſchöner,
Achtung: junger Hofhund,
treuer Beſchützer u. Wächter ſeines
(*4997df
Herrn, zu verkaufen.
Mohr. Viktoriaplatz 4.
Donnerstag
Freitag Samstag
Besonders billige Extra-Angebote!
Ein Posten
weiße Daifell-Blusen
Batist, Stickereistoffe
oder Voile mit 20—25 Extra-näbatt:
Ein Posten
Wäsche-Stickereien, zirka 4½ Meter,
regulärer Wert bis 1.40
jetzt jedes Stück
Ein Posten
Blusen-Schürzen, neueste Muster, garantiert
waschechte Qualitäten, mit Volant u. Tasche . Stück
Ein Posten
Damen-Direktoire-Beinkleider
in versch. Größen u. Farben, als sehr billig . Stück 66
Ein Posten
23
weiße Stickerei-Stoffe, 120 cm breit,
Meter
hübsche neue Muster
16656
Einkoch-
Apparate, Gläſer, Saftpreſſen,
Saftbeutel, Haarſiebe,
Meſſing=
keſſel empf. in gr. Auswahl (*5033
Ernst Crämer, Ludwigſtr. 7.
Günſtig für Brautpaare!
Hochf., mod. Speiſezimmer
dunkel eiche, prima Ausführung,
(*5061
billig.
Kücheneinrichtung
lackiert und in Natur=pitch-pine,
Diwan, Chaiſelongue,
Waſch=
kommode, Trumeauſpiegel, alles
ganz billig abzugeben
Mathil=
denplatz 8, Möbelwerkſtatt.
Klavierstimmer
Emil Schultze,
Herderſtraße 11.
Kammermuſiker,
(16236a
Stolze-
85
Schrey’scher
Stenograph.=
Verein
Unterricht,
Z
Forthild. De-
970
battenschr.
Uebung Freitags, abends 8½ Uhr
Hessischer Hof, Wilhelminenstr. 1, I.
wünſcht engliſch.
Engländerin Unterricht zu
er=
teilen Wilhelminenplatz 10, I. (10998a
Nehrere ſehr gut erhalt. Schreib=
M maſchinen, wie Adler, Ideal
u. verſch. and. Syſteme, billig
ab=
zugeben Friedr. Rühl, Kranich=
(16667a
ſteinerſtraße 59//10=
Analyt. Geometrie
für Abitur.=Examen) geſucht.
Offerten m. Preis u. 6 10 an
die Expedition ds. Blattes. (*5023
erteilt Student in
Nachhilfe
allen Fächern.
Näheres Expedition. (*5024
erteilt
Damen=Zuſchneider gründl.
theoretiſchen u. praktiſchen
Unter=
richt. Dauer d. Kurſus 6 Wochen.
Beginn 1. u. 15. j. Monats. Auch
Abendkurſe. A. Knieriemen, Pan=
16148a
kratiusſtr. 41, I., Mart.=Drog.
eit. Sofa für Mk. 6.— zu verk.
(*4888md
Hügelſtraße 89.
Ernstgemeint.
Witwer, Landwirt, 45 J. alt, mit
ein. erwachſenen Mädchen, möchte
ich mit einem Fräulein od.
kinder=
loſer Witwe mit entſprechendem
Alter u. etwas Vermögen, am
lieb=
ſten vom Lande, verheiraten. Off.
(*4988dfs
u. G 2 a. d. Exp.
Damen und Herren
aller Stände iſt ſtets Gelegenheit
geboten ſich zu verheiraten durch
erſtes Heiratsvermittlungsbüro in
Darmſtadt. Offerten unter E 43
an die Expedition ds. Bl. (*5016
Für ein 1½ jähriges Mädchen
wird gute Pflegeſtelle geſucht.
Offerten unter G 5 an die
Expe=
dition dieſes Blattes.
(*5006
B
Damen deutſcher Heb=
finden ſtreng
diskr. liebevolle
Aufnahme bei
amme a. D.;
kein Heimbericht, kein Vormund
erforderlich, was überall unum=
(VII, 16524
gänglich iſt.
Witwe L. Baer, Nancy
(Frankreich), Rue Paſteur 36.
ſibng‟
Theater-Automal, mihte
und
(II,16645
Af
Larlun-Automat.
Der Vertreter derſelben wird
wegen erhobener Klage dringend um
Angabe ſeiner Adreſſe unter Z 874.
an Haasenstein & Vogler,
A.-G.. Mannheim, gebeten.
Abonnementskarte, Parterre, für
1. Quartal abzugeben. Offert.
unt. P 69 an die Exp. (*4860md
Woog, am 6. Auguſt 1913.
Waſſerhöhe am Pegel 3,80 m.
Luftwärme 14‟ C.
Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 200 C.
Woog=Polizei=Wache.
r. Jackenkl., Gr. 48, ovaler Tiſch
*5045)Alexanderſtr. 17½, Hth. III.
Heyl & John, Manufakturwaren. (10416a
Wer dort? (16523a
hier V. Schatz, Schloßgaſſe 23.
Ich komme ſof. u. zahle Ihnen für
getrag. Kleid., Schuhe, Wäſche,
Zahn=
gebiſſe, alte Federbett.ſtets diehöchſt.
Preiſe. Tel. Nr. 1924. Poſtk. genügt.
Achtung!
ſſe getr. Herren= u. Damen=
Käuſe kleider, Schuhe, Stiefel,
Zahngeb. Zahle d. beſt. Pr. (*4821ids
Obergaſſe 15.
M. Lemler, Poſtk. genügt.
Jut erhaltenes Sofa zu kaufen
geſucht. Offerten mit Preis
unter F 75 a. d. Exp. (*4887md
Violine zukauf. geſ. Angeb. m. Pr.
u. F47 an die Exp. (*4784ids
Gebr. Flaſchen kaufe fortwähr.
zu den höchſt. Preiſ. Poſtk. w.
verg. Rubin, Kaupſtr. 46, II(15726a
Haare
ausgekämmte und abgeſchnittene
kauft fortwährend zu den höchſten
Preiſen
(7846a
Friedrich Tillmann,
Eliſabethenſtraße 21.
Ich kaufe Möbel
Betten, ganze Wohn.=Einricht. u.
Nachläſſe gegen ſof. Kaſſe (16655a
J. Lich, Alexanderſtr. 3.
zu kaufen geſucht.
Schraubſtock Offerten bitte u.
G 9 an die Expedition. (*5020
Guterh. Werkbank m.
Schraub=
ſtock, ſowie 1 Hebelſcheere zu
kaufen geſucht. Off. m. näh. Angabe
u. Preis u. G 1 a. d. Exp. (*4991
Gebraucht. Schraubſtock, Ambos
u. Drehbank zu kaufen geſucht
Off. m. Preis u. G 13 Exp. (*5062