Darmstädter Tagblatt 1913


30. Juli 1913

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Inſerate
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176. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadt,
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
Rheinſtraße 23 Beſſungerſtraße 47,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
turen
Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. Bei
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Die Großherzoglichen Herrſchaften ſind geſtern
vormittag von Hemmelmark nach Jagdſchloß Wolfs=
garten
zurückgekehrt.
In der Raubmordaffäre Brechner erließ die
Staatsanwaltſchaft ein zweites Ausſchreiben
mit dem Signalement des mutmaßlichen Raubmörders.
Der Senior der Reichstagsabgeordneten, Prälat D. Len=
der
, iſt geſtern im 83. Lebensjahre geſtorben.
Bei einer Bootfahrt auf dem Main in Frankfurt
ſchlug das mit fünf jungen Leuten aus Oberrad beſetzte
Boot um und die Inſaſſen fielen ins Waſſer. Ein In=
ſaſſe
, ein 19 Jahre alter Fuhrmann aus Oberrad er=
trank
.
Zwei Krankenpflegerinnen des Küſtenſana=
toriums
Appelviken Schweden) und zwei Knaben
ſind am Montag beim Schwimmunterricht ertrunken.
Der Matin und die Nordd. Allg. Ztg. veröffentlichen den
Notenaustauſch zwiſchen dem deutſchen Aus=
wärtigen
Amte und dem franzöſiſchen Botſchafter Cam=
von
über die Regelung des Luftverkehrs
zwiſchen Deutſchland und Frankreich.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Die wirtſchaftliche Lage der
denſchten ähmenangelörigen.

RA Im Jahre 1907/1908 veranſtaltete die Ge=
noſſenſchaft
Deutſcher Bühnenangehöri=
ger
bei den Mitgliedern der deutſchen, deutſch=
öſterreichiſchen
und deutſch=ſchweizeriſchen Theater eine
Umfrage über, die wirtſchaftlichen Verhältniſſe der
Theater ſelbſt, ſowie in der Hauptſache über die=
jenigen
der Bühnenangehörigen. Der Erhebung
lag ein umfangreicher Bogen mit 140 Fragen zugrunde.
Die Fragen auf den erſten drei Seiten dieſes Bogens
richteten ſich auf allgemeine Zuſtände: die Verhältniſſe der
betreffenden Städte wieviel Theater vorhanden, ob
reger Theaterbeſuch, die Steuern hoch und dergleichen
die baulichen Verhältniſſe des Theaters, Zuſchüſſe, Ein=
nahmen
des Pächters, Dauer der Spielzeit uſw. Darauf
folgte eine Gruppe von Fragen, betreffend die Gehälter
(Gagen), eine ſolche, betreffend Arbeitsverhältniſſe Pro=
ben
, Häufigkeit der Vorſtellungen u. a. . Zum Schluß
kamen Erkundigungen nach Strafen und etwaigen Pen=
ſſionskaſſen
, auf der letzten Seite folgten 34 perſönliche
Fragen.
Die Umfrage wurde von Bühnenangehörigen von
237 Theatern aus 182 Städten und von 13 Wandertheatern
beantwortet. Sie ſollte in der Hauptſache eine brauchbare
Unterlage für die bevorſtehende Veratung über ein
Reichstheatergeſetz liefern. Ihre eingehende Bearbeitung
fand ſie durch Dr Charlotte Engel Reimers in dem
umfangreichen Werke: Die deutſchen Bühnen
und ihre Angehörigen. Für den nachſtehenden
Aufſatz wird aus dem Inhalt der Erhebung in kurzen
Umriſſen auf die wirtſchaftliche Lage der Theaterange=
hörigen
eingegangen.
Die Arbeitszeit der Bühnenangehörigen umfaßt
das Auftreten auf der Bühne, die Proben zu den Stücken
und wohl auch noch die Zeit des Lernens der Rollen. Was
die Häufigkeit des monatlichen Auftretens anlangt, ſo
wurde die Frage danach von 1584 Bühnenangehörigen
beantwortet. Von dieſen waren durchſchnittlich im Mo=
nat
beſchäftigt:
4 bis 10 mal
245
11 15
.. 291
16
. 225
20
11
. 294
21 25 .
26 30
. . 327
.
mehr als 30 . .
98
Ferner wurde auch in der Erhebung nach der Häufig=
keit
des Auftretens im Monat Dezember beſonders ge=
fragt
. 385 Bogen gaben auch hierfür eine Zahl an, die
in 124 Fällen höher war als 30.
Von den 261 Bühnenmitgliedern, die im Monat De=
zember
weniger als 30 mal auftraten, waren im Dezem=
der
beſchäftigt:
49
bis 15 mal
66
20
21
25
76 . . . . . 26 30
Es waren alſo nach den zuerſt genannten Zahlen von
1584 Bühnenangehörigen 719 mehr als 20 mal im Monat
beſchäftigt, 425 mehr als 25 mal.
Unter den weniger Beſchäftigten ſind natürlich die
erſten Fächer ſtärker vertreten als die zweiten Fächer:
Zahlenmäßig ließ ſich dies nicht feſtſtellen, da die zwei=
ten
Fächer nicht immer ſich als ſolche bezeichnet haben.
Von den Theatern ſind unter den niedrigen Zahlen in
erſter Linie dieienigen vertreten, die Opern, Schauſpiele
und Luſtſpiele abwechſelnd geben. Hier pflegen die erſten
Sänger etwa 6 bis 8 mal, auch 10 mal, die erſten Schau=
pielfächer
12 bis 15 mal aufzutreten. Wo Over und

Schauſpiel getrennt ſind werden die Mitglieder, nament=
lich
der Chor, mehr in Anſpruch genommen. Dieſe Zah=
len
ſtellen aber nur einen Teil, und zwar einen geringeren
deſſen dar, was der Schauſpieler zu leiſten hat; der
Menge nach den größten machen die Proben aus, deren
Zahl außerordentlich verſchieden iſt.
Die Proben finden vormittags nachmittags bis zur
Vorſtellung und oft auch nach der Vorſtellung ſtatt. Bei
den letzteren Proben ſind nicht diejenigen Proben gemeint,
welche an ſpielfreien Tagen am Abend begonnen werden,
ſondern Proben nach der Vorſtellung. Erſt wenn Proben
und Aufführungen zuſammengerechnet werden, ergibt ſich
ungefähr die Arbeitszeit, welche die Bühnenangehörigen
zu keiſten haben, und felbſt dann ſehlen noch zwei wichtige
Poſten, die Nachmittags=Vorſtellungen und
die Zeit, die auf das Lernen der Rollen
verwendet werden muß. Nachmittags=Vorſtellungen
finden ganz allgemein ſtatt an den kleinen wie an
den größeren Theatern. Weiter kommen zu dieſen
Arbeitsleiſtungen der Schauſpieler noch die ſoge=
nannte
Statiſterie und die ſogenannten Abſtecher. Dieſe
beſtehen darin, daß die Theaterleiter namentlich in klei=
neren
Städten, wo der beſchränkte Zuſchauerkreis ein täg=
liches
Spiel verbietet, auch andere Orte aufſuchen, um ihr
Perſonal beſſer auszunutzen; ähnlich verpflichten oft klei=
nere
Städte einen Bühnenleiter benachbarter Hof= und
Stadttheater, monatlich oder wöchentlich bei ihnen eine
beſtimmte Anzahl von Vorſtellungen zu geben. Handelt
es ſich dabei um benachbarte, gut erreichbare Orte, ſo
werden dieſe Abſtecher gern ausgeführt; ſind dagegen die
Orte ſchwer zu erreichen, ſo verurſachen dieſe Abſtecher
eine ganz erhebliche Mehranſtrenaung, die auch dadurch
keinen Ausgleich findet, daß für ſie gute Diäten bezahlt
werden, was oft ſogar nicht einmal der Fall iſt.
Ueber ihr Einkommen haben 2112 Bühnenange=
hörige
Angaben gemacht. Von dieſen haben:
ein Saiſon=
ein
Saiſon=
einkommen
von
einkommen von
3000 bis 4000
56 . .
unter 400 111 .
394 .
4000 5000
400 bis 750 55 .
6000
376 .
750 1000 45 .
5000
6000
348 .
7000
1000 1250 22 .
700
220 .
8000
1250 1500 13
1500 1750 14 .
8000
9000
121 .
93 .
9000 10000
1750 2000
8
122. .
2000 2500 16 . . . mehr als 10000
93 . . . 2500 3000
Danach haben von 2112 Bühnenangehörigen 826 oder
mehr als ein Drittel ein Einkommen bis zu 1000 M. in
der Spielzeit, 1608 oder mehr als zwei Drittel ein ſolches
bis zu 2000 M. unter der 3000 M.=Grenze bleibt das
Saiſoneinkommen von 2654. Dieſe Zahlen geben zunächſt
nur ein Bild von der Zuſammenſetzung der Erhebung:
die Angaben gelten nur von den Schauſpielern, die zu=
fällig
geantwortet haben.
Nach dem Monatseinkommen ſtellt ſich das Bild für
diejenigen, die über das Monatseinkommen Auskunft
gegeben haben, folgendermaßen:
Es erhielten
Bühnen=
Es erhielten
Bühnen=
monatlich

monatlich
angehörige
angehörige
bis zu 50 . . 107
von 301 bis 350 .
94
97
von 51 bis 75 .
351
68
400 .
76 100 .
315
401 500 . . 103
101 125 . . 301
501 600 .
44
126 150 . . 300
601 700 .
28
151 200 . . 317
22
701 800 .
201 250 . . 186
801 900 .
11
251 300 . . 108
901 1000 .
Von 2112 Bühnenangehörigen hatten 200 M oder
weniger etwa zwei Drittel, 200 bis 300 M. etwa ein Sie=
bentel
300 M. und mehr ebenfalls etwa ein Siebentel.
Werden die Einkommensangaben nach den Städten
gegliedert, ſo treten mit Einkommen von über 6600 M.
faſt nur die großen Theater auf, die mittleren Theater
nur bei ihren höchſtbezahlten Kräften, in den mittleren
Einkommensklaſſen von 3000 bis 4000 M herrſchen die
mittleren Theater vor; kleinere Theater erſcheinen erſt in
der Gruppe unter 1750 M. und beherrſchen dann faſt voll=
ſtändig
die Gruppe von 100 bis 1250 M.
Die Saiſongehälter an den mittleren Theatern bleiben
durchſchnittlich zwiſchen 2000 bis 4000 M., an den kleine=
ren
unter 2000 M. Da zu den Mitgliedern der letzteren
Einkommensſtufe noch die Chorſänger, Ballettmitglieder
und Vertreter der kleinen Fächer kommen, ſo ergibt ſich,
daß der größte Teil der Schauſpieler ein
Saiſoneinkommen von weniger als 2000
Mark hat.
Sänger bekommen durchſchnittlich bedeutend höhere
Gehälter als Schauſpieler, Männer wie Frauen. An
großen Hof= und Stadttheatern liegen die Gehälter der
erſten Fächer im Gefang über 6000 M. und ſteigen zum.
Teil zu außerordentlicher Höhe. Das erſte Fach im
Schauſpiel muß ſich mit weniger begnügen, wenn auch hier
beliebte Kräfte ganz bedeutende Gehälter erhalten. Die
großen Ausgaben für die Gehälter der erſten Fächer be=
laſten
natürlich die großen Theater in hohem Maße, ſo
daß an den Gehältern der übrigen Fächer geſpart wird,
wo es nur möglich iſt Im Schauſpiel gehen ſelbſt an
großen Theatern die Gehälter der zweiten Fächer nicht
über 2000 M. hinaus, in der Oper nicht über 3000 M.
Die Chorſänger, deren durchſchnittliche tägliche Beſchäf=
tigung
vom Deutſchen Bühnenverein auf 8 bis 9 Stunden
an einer Reihe von großen Opern berechnet worden iſt,
bekommen ſelbſt an den beſten Hoſtheatern nicht mehr als
1800 M. jährlich, vielfach aber ganz erheblich weniger; da=
zu
kommen vielerorts noch ungarantierte Spielgelder für
jedes Auftreten. Im günſtigſten Falle verfügt der an
einem großen Hoftheater angeſtellte Chorſänger über 150
bis 200 M. monatlich. Der Hofopernchorfänger iſt das

ganze Jahr verſorgt; dies fällt bei den Chorſängern der
meiſten Stadttheater fort, weshalb im Sommer eine ganze
Anzahl von ihnen brotlos iſt. Jedoch iſt bereits eine
Reihe von Stadttheatern dazu übergegangen, ihren Chor=
ſängern
Sommerunterhaltungsgagen zu gewähren. Noch
ſchlechter als der Chor werden die Ballettmitglieder be=
zahlt
. Hier beziehen die höchſten Gehälter die Ballett=
meiſter
und =meiſterinnen; Solotänzerinnen und Solo=
tänzer
erhalten an großen Theatern etwa 2000 bis 3000
Mark. Das Gehalt der ausgebildeten Korpstänzerinnen
kommt dem der Ehorfſängerinnen faſt gleich und beläuſt
ſich auf etwa 1000 bis 1500 M., dazu kommt ein Spiel=
honorar
von 1 bis 2 M. für jedes Auftreten. In erheb=
lichem
Maße wird die Lage der Chor= wie der Ballettmit=
glieder
durch die Einſtellung ſchlecht vorgebildeter, aber
billigerer Kräfte zu denen die in den Chor= bezw. Ballett=
ſchulen
ausgebildeten Schüler und Schülerinnen gehören.
verſchlechtert. Auch die Gehälter der künſtleriſchen Hilfs=
kräfte
ſind beſcheiden.
Noch geringer als an den großen Theatern ſind die
Gehälter der Bühnenmitglieder an den mittleren und klei=
nen
Theatern; an den letzteren bringen es die beſten
Kräfte auf 150 M. monatlich, während ſich die übrigen
mit 120, 100, 90, auch 60. und 50 M. begnügen, dabei müſ=
ſen
ſie 30 mal im Monat, wenn nicht mehr, auftreten.
Das Einkommen der Bühnenangehörigen wird in er=
heblichem
Maße durch die beruflichen Ausgaben des
Schauſpielers geſchmälert, unter denen die Ausgaben für
die Bühnengarderobe obenan ſtehen. Dieſe Ausgaben
ſind natürlich für die einzelnen Fächer verſchieden großt.
Im allgemeinen werden die Ausgaben beſtimmt durch
das Fach, die Art des Theaters und die Anſprüche des
Publikums.
Neben den Ausgaben für die Bühnengarderobe ſind
es die Reiſen von einer Anſtellung zur anderen, die einen
weſentlichen Teil der Berufsausgaben ausmachen. Die
kleinen Theater mit ſechs= und ſiebenmonatlicher Spielzeit
wechſeln jedes Jahr mit ihrem Perſonal. Zwiſchen dem
Verlaſſen der alten und dem Antreiten der neuen Winter=
anſtellung
liegt eine Sommeranſtellung, welche die Büh=
nenangehörigen
oft zu weiten Reiſen zwingt. Als weitere
Ausgaben kommen noch in Betracht die ſogenannten
Theaterſtrafen, die Ausgaben für unentgeltliche Vorprobe=
tage
und die Ausgaben für die Theateragenten zur Ver=
mittelung
von Stellen.
Die Möglichkeit das geringe Einkommen durch Ne=
benerwerb
zu erhöhen iſt bei den Bühnenangehörigen
nur in geringem Umfang vorhanden und wird hier mei=
ſtens
durch Erteilen von dramatiſchem oder muſikaliſchem
Unterrichte betätigt. Viele Bühnenmitglieder ſind auf
dauernde Unterſtützung ihrer Angehörigen angewieſen.

Vermögenserklärung und erſte
Einziehung des Wehrbeitrages.

* Aus den vorliegenden geſetzlichen Beſtimmungen
über die Veranlagung und Vermögenserklärung für die
Entrichtung des einmaligen Wehrbei=
trages
iſt zunächſt nicht zu entnehmen, in welcher Weiſe
die Behörden dieſe beſonderen Steuerangelegenheiten
handhaben werden. Wenn auch die entſprechenden Aus=
führungsbeſtimmungen
des Bundesrats, durch die die er=
wünſchte
Aufklärung gegeben wird, noch nicht erſchienen
ſind, da ſie erſt in dem zuſtändigen Reichsreſſort vorberei=
tet
werden und dem Bundesrat im Herbſt gleich nach ſei=
nem
Zuſammentritt zur Beſchlußfaſſung vorgelegt wer=
den
, ſo kann doch, wie Berliner Blätter ſchreiben, ange=
nommen
werden, daß die Steuererklärungen bis zu
einem beſtimmten Termin im Januar ab=
gegeben
werden müſſen. Erwägt man dann, daß
in einzelnen beſonderen Fällen Nachfriſten gewährt wer=
den
, die ſich bis auf den Februar 1914 erſtrecken, ſo
dürfte der Veranlagungsbeſcheid der Steuerbehörden zu
dem einmaligen Wehrbeitrag dem Steuerzahler voraus=
ſichtlich
im März zugeſtellt werden. Die Zahlung muß
dann im zweiten Quartal 1914 erfolgen. Die
Friſten zur Abgabe der Vermögenserklärung werden
nach den geſetzlichen Beſtimmungen vom Bundesrat feſt=
geſetzt
, und es kann erwartet werden, daß ſie ſich mit de=
nen
decken werden, die gegenwärtig allgemein bei der Ver=
anlagung
zur Einkommenſteuer uſw. geſetzt ſind. Man
wird demgemäß nicht fehlgehen in der Annahme, daß die
Zuſtellung des Veranlagungsbeſcheides und die Erhebung
des erſten Drittels des Wehrbeitrages gleichzeitig mit der
üblichen Veranlagung und Steuererhebung für das Jahr
1914 durch die Behörden erfolgen wird, da hierdurch be=
ſondere
Aufwendungen an Zeit durch die zuſtändigen Be=
hörden
erſpart werden.
Dieſe ſind nach dem Geſetz durch die Landesre=
gierungen
zu beſtimmen, die gleichfalls darüber zu
befinden haben, ob und in welcher Weiſe Gemeinden und
Gemeindeverbände bei der Veranlagung und Erhebung
des Wehrbeitrages mitzuwirken haben. Das zweite
und letzte Drittel des Wehrbeitrages
ſind erſt am 15. Februar 1915 und 1916 fällig. Ueber die
Stundungsbedingungen gibt § 51 des Geſetzes Aufſchluß.

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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 30. Juli 1913.

Nummer 176.

Es iſt beſtimmt, daß, wenn die Einziehung des Wehrbei=
ſtrages
zu den geſetzlichen Zahlungsfriſten mit einer er=
heblichen
Härte für den Beitragspflichtigen verbunden iſt
der Betrag auf drei Jahre geſtundet und die Entrichtung
von Teilbeträgen geſtattet werden kann. Die Stundung
kann von einer angemeſſenen Sicherheitsleiſtung abhängig
gemacht werden.

Das deutſch=franzöſiſche
Luftrecht.

* Der Matin veröffentlicht Einzelheiten aus dem Ab=
kommen
über die Regelung des Luftverkehrs
zwiſchen Deutſchland und Frankreich,
worüber die amtlichen Noten zwiſchen dem Staatsſekretär
v. Jagow und dem franzöſiſchen Botſchafter Cambon aus=
getauſcht
wurden. Die Vereinbarung bezweckt, Vorfälle,
wie den von Lunéville zu vermeiden und die Aufgaben
der Behörden näher zu präziſieren. Alle Flugapparate ha=
ben
das Recht über die Territorien beider
Länder zu fliegen, die Paſſagiere müſſen jedoch
(im Beſitze von Papieren ſein, die ihre Identität und Na=
tionalität
ausweiſen. Die Piloten müſſen außerdem im=
ſtande
ſein, ihre Eigenſchaft als Piloten zu be=
weiſen
. Beide Regierungen haben das Recht, dem Luft=
verkehr
über ihren Territorien Beſchränkungen auf=
zuerlegen
und insbeſondere das Ueberfliegen gewiſſer Ge=
genden
im Intereſſe der Sicherheit des Staates zu unter=
ſagen
. Doch müſſen dieſe Beſchränkungen gegenſeitig mit=
geteilt
werden. Den Militär=Luftſchiffern iſt es
unterſagt, die Grenzen ohne Erlaubnis ihrer Regierungen
zu überfliegen. Wird aber ein Luftſchiff durch höhere Ge=
ſwalt
über die Grenze getrieben, ſo muß es ſofort landen
und der Aufenthalt darf ihm nicht verweigert werden.
Die Militärbehörden der nächſten Garniſon müſſen unter=
ſuchen
, ob der Pilot eines Militär=Luftſchiffes die Er=
laubnis
ſeines Landes beſitzt, oder ob er infolge höherer
Gewalt auf fremdes Territorium getrieben iſt. In dieſem
Falle müſſen die Luftſchiffe ſofort freigelaſſen werden.
Dieſe Konvention ſoll zwiſchen den beiden Ländern
in Kraft bleiben, bis eine internationale Re=
gelung
des Luftverkehrs eingetreten iſt.

Deutſches Reich

Statiſtiſche Beiträge zur Lage des
Angeſtelltenſtandes bringt ein Aufſatz im Juli=
heft
des Reichs=Arbeitsblattes. Es handelt ſich zunächſt
um eine Erhebung des Verbandes Deutſcher Handlungs=
gehilfen
in Leipzig über Einkommen und Lebenshaltung
verheirateter Handlungsgehilfen. Von 1352 ſolchen ent=
fallen
auf die Gehaltsſtufe unter 1500 Mark: 27, 1500 bis
1800 Mark: 127, 1800 bis 2100 Mark: 213, 2100 bis 2400
Mark: 290, 2400 bis 3000 Mark: 369, 3000 bis 3600 Mark:
189, über 3600 Mark: 137. Die Höhe des Gehalts wird
mit der Größe des Wohnorts und der Dauer der kauf=
männiſchen
Tätigkeit in Verbindung gebracht. Ungefähre
Angaben betreffen auch die Jahresausgaben für Nahrung,
Wohnung, Steuern und ähnliches. Ermittelungen des glei=
chen
Verbandes über die zuletzt bezogenen Gehälter der die
Stellenvermittelung in Anſpruch nehmenden Bewerber
ſind wertvoll, weil ſie die Entwickelung von 1896 bis 1911
zeigen. Die beſſeren Gehälter, von 2100 Mark an auf=
wärts
, haben von 4,2 v. H. im Jahre 1896 auf 10,2 v. H.
im Jahre 1911, alſo beträchtlich, zugenommen, die niedri=
gen
Gehälter haben ſich ſtark vermindert, die Mittelgrup=
pen
weiſen mäßige Steigerungen auf. Ermittelungen
ähnlicher Art liegen vom Deutſchen Technikerverband vor,
nur daß hier das geforderte Gehalt zugrunde liegt und
lediglich die Jahre 1909 bis 1912 gegenübergeſtellt werden.
Aber auch in dieſem kurzen Zeitraum zeigt ſich ein er=
hebliches
Wachſen der Anſprüche der Techniker.

Die erſte ſtaatliche Junggeſellen=
ſteuer
in Deutſchland. Die Junggeſellenſteuer,
die der Landtag von Reuß ä. L. in ſeiner vorletzten Seſſion
zugleich mit dem neuen Einkommenſteuergeſetz angenom=
men
hat, gelangt ſeit April dieſes Jahres zum erſten
Male zur Erhebung. Dieſe Steuer, die erſte ihrer Art
im Deutſchen Reiche, hat unter den Junggeſellen von
Reuß ä. L. arge Mißſtimmung hervorgerufen. In einem
beſonderen Fall iſt dieſe Mißſtimmung inſofern zum Aus=
druck
gekommen, als ein vermögender Greizer Junggeſelle
den Betrag von 50000 M., den er letztwillig für das Grei=
zer
Stadtbad beſtimmt hatte, wieder zurückgezogen haben
ſoll. Auch ſonſt hört man, daß vermögende Junggeſellen
lieber das Land verlaſſen, als ihr wohlgehütetes Jung=
geſellentum
verſteuern wollen.
Die elſaß=lothringiſchen Soldaten.
Die amtliche Straßburger Korreſpondenz ſchreibt: Vor
einigen Tagen hat der Meſſin die Nachricht gebracht, der
kommandierende General des 16. Armeekorps habe für ſei=
nen
Dienſtbereich einen Befehl erlaſſen, wonach kein
elſäſſiſch=lothringiſcher Soldat in Zukunft mehr in den
Bureaus, beim Telegraphen= oder Telephondienſt oder bei
der Eiſenbahn verwendet werden darf. Die Tagespreſſe
hat dieſe Behauptung aufgegriffen und daran eine Reihe
von Kommentaren geknüpft. Dadurch iſt eine wohlbe=
greifliche
Beunruhigung in allen Kreiſen der Bevölkerung
des Landes, insbeſondere auch bei der großen Maſſe loyal
geſinnter Bürger eingetreten. Dieſe Beunruhigung iſt
noch erhöht worden durch die Kritik, die ein Teil der
Preſſe ohne weiteres gegen die Regierung und die Mili=
tärverwaltung
üben zu ſollen geglaubt hat, ohne abzu=
warten
, ob dieſe Gerüchte auf Wahrheit beruhen. Alle
Behauptungen, wonach der kommandierende General des
16. Armeekorps den Befehl erteilt haben ſoll, künftighin
keine elſäſſiſchen Soldaten mehr ihrer Abſtammung wegen
in Vertrauensſtellungen zu verwenden, ſind in jeder Hin=
ſicht
unzutreffend. Das gleiche gilt hinſichtlich des 15. Ar=
meekorps
. Auch für dieſes iſt kein Befehl der fraglichen
Art ergangen.
Die Arbeitsloſigkeit in Bayern.
Der Prinz=Regent hat an den Miniſter des Innern. Frei=
herrn
von Soden, folgendes Handſchreiben geſandt: Mit
lebhaftem Bedauern habe ich Ihrem Bericht entnommen,
daß die mir von verſchiedenen Seiten zugegangenen Mit=
teilungen
über die herrſchende Arbeitsloſigkeit leider zu=
treffend
ſind. Ich habe aus dem Bericht aber auch mit
Befriedigung erſehen, daß bereits Anordnungen zur Schaf=
fung
von Arbeitsgelegenheit getroffen ſind, und daß ſon=
ſtige
Maßnahmen, darunter die vielerörterte Frage der
Arbeitsloſenverſicherung, in den Kreis der Erwägungen
gezogen wurden. Durchdrungen von der Wichtigkeit der
Sache und von dem Wunſche nach tunlichſter Abhilfe, be=
auftrage
ich Sie, der Arbeitsloſenfrage auch ferner volle
Aufmerkſamkeit zuzuwenden, alle geeigneten Maßnahmen
im Benehmen mit den übrigen beteiligten Staatsminiſte=
rien
einzuleiten und mir von Zeit zu Zeit weiteren Be=
richt
zu erſtatten.

Ausland.

Italien.
Rücktritt des Marineminiſters. Wie die
Tribuna und andere Blätter melden, teilte Miniſterpräſi=
dent
Giolitti dem Miniſterrat mit, daß der Marineminiſter
Leonardi Cattolico unwiderruflich entſchloſſen ſei, zurück=
zutreten
, da er den Wunſch habe, ſich nach der langen
ſchweren Arbeit während und nach dem Kriege in das
Privatleben zurückzuziehen. Der Miniſterrat nahm von der
Demiſſion Kenntnis. In der nächſten Sitzung wird über
den Nachfolger Beſchluß gefaßt werden.
Frankreich.
Die Budgetberatung im Senat. Der Senat
beriet das von der Kammer zurückgekommene Budget.

Ribot erklärte, die finanzielle Lage geſtalte ſich ſchwierig,
auch ohne die militäriſchen Laſten, die ſich aus der Not=
wendigkeit
ergäben, den Anſtrengungen Deutſchlands zu
begegnen. Ribot drückte die Anſicht aus, Deutſchland denke
zwar nicht an einen Angriff, denke aber vielleicht, daß ſeine
Lage weniger gut geſichert ſei infolge der letzten Ereig=
niſſe
. Ribot ſagte, alle müßten die Laſten des Militär=
geſetzes
auf ſich nehmen ohne Unterſchied unter den
Steuerpflichtigen. Das Land werde in männlicher Weiſe
die Opfer auf ſich nehmen, die gefordert würden. Mi=
niſterpräſident
Barthou verſprach, daß das Budget für
1914 klar und aufrichtig ſein werde. Mit Anſpielung auf
die gegenwärtige Lage ſagt er ſodann: Die Ereigniſſe ver=
ſtimmen
uns auch jetzt noch, die Regierung iſt aber zu
jeder erforderlichen Initiative bereit, um den Frieden der
Welt zu ſichern. In Erwiderung auf die durch Ribot
ausgeſprochene Befürchtung erklärte der Miniſterpräſident,
daß beſtimmte Ausgaben durch beſtimmte Steuerzahler ge=
deckt
werden müßten. Wenn aber beſtimmte Ausgaben das
Defizit vermehren würden, würden die dadurch erforder=
llich
werdenden Steuern auf denjenigen laſten, die imſtande
ſeien, ſie zu tragen. Darauf wurde die Generaldebatte ge=
ſchloſſen
.
Der Senat hat den Zuſatzantrag Malvy, den die Kam=
mer
angenommen hatte, wonach vom 1. Januar 1915 ab
gewiſſe jetzt beſtehende Steuern durch eine Einkommen=
ſteuer
erſetzt werden ſollen, abgelehnt.
Das Dreijahrgeſetz im Senat. Die Finanz=
kommiſſion
des Senats befaßte ſich mit der finan=
ziellen
Seite des Dreijahrgeſetzes und beſchloß, nur den
Familien der Eingezogenen Unterſtützungsgelder zu be=
willigen
, während die Kammer auch den freiwilligen Ka=
pitulanten
dieſe Wohltat zuteil werden laſſen wollte. Die
Kommiſſion beſchränkte die Unterſtützungen auf 15 Pro=
zent
der Mannſchaft und ſetzte die tägliche Entſchädigungs=
ſumme
auf 1 Francs für die Frau und 25 Centimes für
jedes Kind feſt. Die dadurch erzielte Erſparnis beläuft
ſich auf 69 Millionen Francs.
Die neue Kamerungrenze. Nach einer offi=
ziöſen
Meldung ſind die Arbeiten der franzöſiſchen und
der deutſchen Kommiſſion für die Feſtſtellung der Grenzen
zwiſchen Neu=Kamerun und Franzöſiſch=Kongo trotz der
zahlreichen Schwierigkeiten, mit denen die beiden Kom=
miſſionen
zu kämpfen hatten, nahezu beendet. Nunmehr
werden die Beſprechungen zwiſchen den Mitgliedern der
beiden Kommiſſionen über gewiſſe ſtrittige Punkte der
neuen Grenzen beginnen. Der Kolonial=Adminiſtrator
Periquet, der Leiter der franzöſiſchen Kommiſſion, wird
ſich nach Fort Lamy begeben, um mit dem Leiter der deut=
ſchen
Kommiſſion über den Beſitz der Longone=Inſeln zu
verhandeln.
England.
Die Lage in Perſien und Tibet. Lord Cur=
zon
lenkte im Oberhauſe die Aufmerkſamkeit des Hauſes
auf die Lage in Perſien.
Lord Morley erklärte, eine ſorgfältige Prüfung der
Lage in Perſien vor dem Abſchluß des engliſch=ruſſiſchen
Abkommens werde zeigen, daß die gegenwärtige Lage
nicht weſentlich ſchlimmer ſei. Morley definierte alsdann
die Politik der Reaierung gegenüber Perſien wie folgt:
Aufrechterhaltung des engliſch=ruſſiſchen Abkommens nach
Geiſt und Buchſtaben, Aufrechterhaltung der Unabhängig=
keit
Perſiens und Vermeidung ſeiner wirtſchaftlichen, ad=
miniſtrativen
oder politiſchen Teilung. Während wir treu
zu unſerer gegenwärtigen Allianz und zu unferen Ver=
pflichtungen
ſtehen, ſind wir heute treu bedacht auf das
Wohl von Perſien und wünſchen, eine gewiſſe Form von
konſtitutioneller Regierung daſelbſt aufrecht zu erhalten.
Wir werden keine Gelegenheit verſäumen, die zerrüttete
Lage, in der die perſiſche Reaierung ſich jetzt befindet,
beſſer zu geſtalten durch Ratſchläge und durch eine Unter=
ſtützung
, was wir zu leiſten für angemeſſen halten, um die
perſiſche Regierung in den Stand zu ſetzen, die Ordnung
auf den ſüdlichen Straßen wiederherzuſtellen. Wir wün=
ſchen
ferner, zu vermeiden daß wir ſelbſt in eine Politik
der Abenteuer im ſüdlichen Perſien verwickelt werden, und
wir müſſen uns ferner davor hüten, in eine Lage gebracht

Vom Alm=Peterl, das ein Dichter
werden wollte.

C) Mein erſtes Kinderſtammeln ſagt die alte
Baſe ſei eine Geſchichte in ſteiriſcher Mundart geweſen,
erzählt Peter Roſegger, deſſen 70. Geburtstag
Deutſchland morgen mit dem großen Volksdichter feiert,
und mein Leben ſagen ſchöngeiſtige Zeitungsberichte
ein Roman. In dieſem Roman iſt aber wohl doch das
wunderſamſte Kapitel die Kindheit, da das Alm=Peterl
ein kleiner Bauernbub war und doch ſchon den dunklen
Drang in ſich fühlte etwas anderes zu werden und zu
ſein, als die Geſpielen und Geſchwiſter. Daß der Peter
wunderſchöne Geſchichten erzählen konnte, das hatten die
anderen bald heraus. Die Kinder des unteren Klup=
penegger
wie Roſeggers Vater genannt wurde, ſchliefen
in den Futterbarren bei ihren vier Ziegen, die auf die
prächtigen Namen Zitzerl, Zutzerl, Zeitzerl und Heitzerl
hörten. Eines Tages gabs des kleinen Peter Leibgericht,
Eierkuchen, aber da der Geier die beſte Leghenne geholt
hatte, ſo fiel der Kuchen diesmal ſehr klein aus und es
blieb nicht viel für jeden. Da rief plötzlich das fünfjäh=
rige
Schweſterchen: Du Peterl, Du! wenn Du uns ein
ganzes Jahr in jeder Nacht eine Geſchichte erzählen magſt,
ſo ſchenk ich Dir meinen Teil von dem Kuchen! Die
anderen drei Geſchwiſter ſtimmten ein und engagierten ſo
regelrecht das Brüderchen, das nun jeden Abend vor dem
Einſchlafen eine neue Geſchichte erzählen mußte. Manch=
mal
war’s nicht leicht, immer etwas Unbekanntes aufzu=
treiben
, aber es glückte ihm doch jedesmal, die durchaus
nicht geringen Anſprüche der Geſchwiſter zu befriedigen.
Der verträumte Hirtenjunge ſtarrte ſtundenlang in
die Wolken und phantaſierte ſich krauſe Geſchichten zuſam=
men
; er belauſchte die Tiere in ihren dem Bauern ſo nahen
Leben, und da er ſpäter als Ochſenbube ſein Bett im Stall
über der Krippe der Wiederkäuer hängen hatte, war ihm
ihr gegenſeitiges Lecken, ihr Reiben an der Krippenecke das
Traulichſte was er außer dem Eſſensruf zu hören bekam.
So lebte er als ein kleiner König in der Welt ſeiner
Träume; in der irdiſchen freilich war er ein höchſt unſchein=
bares
Bürſchchen: Ich trug eine ungebleichte Leinwand=

hoſe eine Jacke aus grauem Wilfling und eine buntge=
ſtreifte
Zipfelmütze. War barfuß und ungeſchickt im Gehen
und Laufen, jeden Tag trug ich eine andere Zehe in der
Binde. Die Haare hatte ich mit den fünf Fingern vorn
herabgekämmt, mit den Zähnen kaute ich an einem Stroh=
halm
. Der Blick wurde aus dem inneren Sinnen und
Schauen mehr nach außen gekehrt, als er in die erſte Be=
rührung
mit dem Weltleben kam, als er allmählich ge=
wahr
wurde, daß es noch etwas anderes gab als ſeine
Waldheimat. In den Erinnerungen aus der Wald=
heimat
hat er ſo von ſeiner erſten Eiſenbahn=
fahrt
erzählt. Sein Pate, der Knierutſcher Jochem,
nahm ihn mit; aber auch dem war die Sache gar nicht
geheuer, denn er hielt die Bahn für arges Teufelswerk
und trat erſt die Reiſe an, nachdem er zuvor kommuniziert
und gebeichtet hatte. Mit dem Bahnbeamten handelte er
um den billigſten Preis weil ſie doch beide nicht ſchwer
wären, und als er ins Kupee ſtolperte, murmelte er ängſt=
lich
: Das iſt meine Totenglocke bei dem Abfahrtszeichen
erſchreckt zuſammenfahrend. Als es nun durch einen Tun=
nel
ging, ſchrie der Pate entſetzt: Jeſſas und Maron, da
draußen fliegt ja eine Mauer vorbei! Als es aber dann
hell wurde und ſie im grünen Tal dahinſauſten, da gefiel’s
ihm deſto beſſer; er blieb ſogar mit dem Peterl länger im
Zug ſitzen, als er eigentlich durfte, und hatte nun viel
Scherereien, die wieder den Eindruck in ihm verſtärkten,
der Teufel ſei doch im Spiele.
Den kleinen Mann litts nach dieſer erſten Fahrt in
die Welt nicht zu Hauſe: er wollte nach Wien, den guten
Kaiſer Joſef beſuchen, von dem er ſo viel gehört und
geleſen. Schließlich bekommt er die Erlaubnis, und zu
Fuß macht er ſich nun auf den Weg: Ein dunkelgraues
Lodenhöſel hatte ich an und Kuhlederſchuhe, hübſch mit
eiſernen Nägeln beſchlagen, daß die Sohle geſchützt war,
und trug eine braune, grün ausgeſchlagene Lodenjacke.
Der Bruſtfleck war aus rotgefärbter Leinwand das Hemd
aus grauer Auf dem Kopfe ſaß meines Vaters Hut,
der ging mir bis über die Augen herein und tanzte ſtets
ein weniges, ſo oft ich mich raſch wendete. Wie ſauer
ward ihm der lange Weg! Er hatte ſich Wien viel näher
vorgeſtellt; aber ſchließlich war er doch, wund und müd
gelaufen, bei ſeinem Kaiſer Joſef angelangt; der lag frei=
lich
im Sarg in der Kapuzinergruft und war ſchon 60

Jahre tot. Da hat das Peterl bitterlich geſchluchzt, ſich
aber doch unter den Wundern Wiens umgeſehen und zum
erſtenmal ein Theater beſucht. Vom hohen
Olymp herab, wo er für 30 Kreuzer Platz nahm, ſchien
ihm das Haus wie ein gähnender Abgrund von Gold und
Silber. Die Männer waren kohlſchwarz bis auf die
weißen Geſichter. An dieſe Geſichter ſetzten ſie Dinge, in
der Art wie kleine Doppelpiſtolen und zielten damit nach
allen Richtungen herum. Die Weiber hatten an den Hän=
den
breite Flügel, mit denen ſie in einem fort flatterten,
wie unſere Hühner daheim wenn ſie Eier legen wollen.
Und dann die Vorſtellung! Weiße Jungfrauen kamen
daher, ſie waren fromm und ſchön, wie daheim die Mägd=
lein
am Kranzeltag; ſie haben ein Lied geſungen, und ich
meine ſchier, es iſt ein heiliges geweſen. Aber die Brav=
heit
hat nicht lange gedauert jählings ſind die langen
Kleider weg und zu hüpfen und zu ſpringen heben die
Dirndeln an, gar wie beſeſſen. Auch 5 Gulden hat ſich
der Peter aus Alpl damals in Wien verdient; der Wiener
Aquarellmaler Alois Schön nahm ihn von der Straße ins
Atelier weil ihm der putzige Wandergeſell auffiel. 40
Jahre ſpäter kam dann Roſegger in den Beſitz des Bildes,
zu dem er als Knabe Modell geſeſſen.
Als er glücklich wieder heimgekehrt war, hatte er nun
freilich reicheren Stoff für ſeine Geſchichten. Damals be=
gann
er ſeine erſten ſchriftſtelleriſchen Ver=
ſuche
. Er verfaßte mit 12 Jahren eine Lebensbeſchreib=
ung
des heiligen Joachim frei aus dem Kopf und ſchrieb
eine ganze Reihe von Kalendern für Zeit und Ewigkeit
die er mit hübſchen Zeichnungen verſah. Die Bilder wur=
den
oft mit Naturfarben, Ziegelmehl, Ruß, Erdgrün uſw.
bunt ausgemalt. Was er ſo beim trüben Kienſpanſchein
abends zuſammengedichtet, das legte er dann in der
großen Stube beim Gemeindevorſtand Haſelgraber auf
Tiſch und Fenſterbretter, wo es alle leſen konnten. Eins
dieſer Geiſtesprodukte, das er in Als ich noch jung war
mitteilt, iſt eine zoologiſche Studie vom Menſchen und be=
ginnt
mit den Worten: Der Menſch gehört zur Gattung
der Säugetiere erlangt ausgewachſen die Höhe von 6
Schuh und ein Alter von 80 Jahren. Er kommt in allen
Ländern vor und ernährt ſich von Fleiſch, wie auch von
Pflanzen. Sein Fell iſt glatt .

[ ][  ][ ]

Nummer 176

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 30. Juli 1913.

Seite 3.

ſzu werden, welche die mohammedaniſchen Empfindungen
in Indien verletzen würde. Bezüglich der neutralen Zone
verklärte Morley, daß Großbritannien und Rußland in
woller Eintracht arbeiteten und daß im Zuſtand der neu=
tralen
Zone keinerlei Aenderung eingetreten ſei, noch er=
fforderlich
werde. Wegen Tibets würde unter den Auſpi=
zien
Englands eine Konferenz ſtattfinden. Rußland habe
dem Prinzip zugeſtimmt, daß es kein Recht zu einer Inter=
vention
in der inneren Verwaltung Tibets habe. Das
letzte, was die britiſche Regierung wünſchen würde, wäre,
ſſich in die inneren Angelegenheiten Tibets zu miſchen.
Englands politiſches Intereſſe in jener Gegend beſchränke
ſich auf die Aufrechterhaltung freundſchaftlicher Beziehun=
gen
und von Frieden und Sicherheit längs der indiſchen
Grenze. Die ruſſiſche Regierung ſei von dem Vorgehen
und von allen Abſichten Englands in dieſer Frage unter=
richtet
worden und habe alles vollſtändig gebilligt. Die
Konferenz würde in ungefähr drei Wochen in Simla zu=
ſammentreten
. Im ſpäteren Verlaufe der Beratung er=
klärte
der Lord=Geheimſiegelbewahrer Marquis of Crewe,
es ſſei nicht genau, wenn man ſage, daß bezüglich einer
transperſiſchen Eiſenbahn irgendein Anerbieten gemacht
worden wäre. England wäre keinerlei Verpflichtung ein=
gegangen
über das hinaus, was vor einigen Monaten von
Lord Morley mitgeteilt worden ſei. England ſtehe immer
noch auf dem Standpunkt, daß die Linienführung einer
ſolchen Bahn, wenn immer und wo immer ſie gebaut wer=
den
würde, Englands Genehmigung haben müßte. Alles,
was ſich ereignet habe, ſei, daß ein Vorſchlag vorliege zum
Bau einer Linie nach Teheran innerhalb der ruſſiſchen
Zone, und der Bau einer ſolchen Linie ſei daher Sache
der ruſſiſchen Regierung.
Portugal.
Dementi. Das Gerücht, daß in Liſſabon die Re=
volution
ausgebrochen ſei, iſt völlig unbegründet. Es
herrſcht vollkommene Ruhe. Auch ſind die Gerüchte ganz
unbegründet, daß gegen den Miniſterpräſidenten ein
Attentat verübt worden ſei. Wahr iſt lediglich, daß auf
dem Bahnhof von Santarem ein verdächtiges Individuum
verhaftet worden iſt, bevor der Zug einlief, in welchem
ſich der Miniſterpräſident befand.
Südafrika.
Die Kriſſis im Randgebiet. Der Gewerk=
ſchaftsverband
macht bekannt, daß er ſich weigere, die
Kommiſſion, welche die Vorgänge während des Streiks
vom 4. und 5. Juli unterſuchen ſoll, anzuerkennen, und
fordert alle Arbeiter auf, ihr Zeugnis zu verweigern. Der
Eindruck verſtärkt ſich, daß der Streikausſchuß ein defini=
tives
Vorgehen bis Montag, den 4. Auguſt, der ein Feier=
tag
iſt, verſchieben werde, da die Lohnauszahlung meiſt
monatlich geſchieht, und zwar vom 31. Juli bis 3. Auguſt.
Beſorgnis erregt der Umſtand, daß die Polizei unter den
Eingeborenen aufrühreriſche Literatur in der Sprache der
Eingeborenen gefunden hat, in der auf die Unruhen Be=
zug
genommen wird, die unter den weißen Stämmen
ausbrechen werden. Es herrſcht große Nachfrage nach
Nahrungsmitteln. Man legt in Privathäuſern Lager von
Vorräten an, da man fürchtet, daß alle Verbindungen ab=
geſchnitten
würden. Sonſt liegt das Geſchäft ſtill. Die
Kaufleute teilen mit, daß alle Schiffsladungen aufge=
halten
werden ſollen.

* Die Beſchäftigung weiblicher Per=
ſonen
im Eiſenbahndienſt in erweitertem Um=
fange
durch die beteiligten Dienſtſtellen hat zur Folge ge=
habt
, daß auch vielfach ſchwächliche weibliche Arbeitskräfte
angenommen wurden, die den an ſie zu ſtellenden Anforde=
rungen
ſich nicht gewachſen fühlten. Der preußiſche Mi=
niſter
der öffentlichen Arbeiten hat daher in einem jetzt
ergangenen Erlaß darauf hingewieſen, daß bei der An=
nahme
weiblicher Hilfskräfte nur geſunde und durchaus
kräftige Perſonen zu berückſichtigen ſind, die den Anforde=
rungen
auch in körperlicher Hinſicht in vollem Umfange ge=
nügen
. Blutarme, bleichſüchtige oder nervös veranlagte
Bewerberinnen, ſowie ſolche mit ſchwächlichem Körperbau
ſollen daher grundſätzlich ausgeſchloſſen werden. Im
übrigen hat ſich die Beſchäftigung weiblicher Perſonen bei
der Eiſenbahnverwaltung mit einfachen zeichneriſchen Ar=
beiten
nach den kürzlich erſtatteten Berichten gut bewährt,
ſo daß in mehreren Direktionsbezirken eine Erhöhung der
Zahl dieſer Arbeitskräfte in Ausſicht genommen iſt. Bei

einer königlichen Eiſenbahndirektion ſind ſie auch im Be=
triebsbureau
mit gutem Erfolge beſchäftigt worden.
Im Hinblick auf die geſammelten günſtigen Erfahrungen
empfiehlt der Eiſenbahnminiſter den königlichen Eiſen=
bahndirektionen
, auf eine weitere Heranziehung weib=
licher
Perſonen zum Zeichnerdienſt auch im Betriebs=
bureau
Bedacht zu nehmen. Bei der bayeriſchen Staats=
eiſenbahnverwaltung
hat man gleichfalls gute Erfahrungen
mit weiblichen Beamten bisher gemacht, ſo daß demnächſt
die Kanzliſtenſtellen bei den Eiſenbahndirektionen mit
weiblichen Beamten beſetzt werden ſollen. Dieſe Be=
amtinnen
werden als Bureaugehilfinnen aufgenommen
und erhalten ein Tagegeld von 2.20 Mark, das ſich nach
Zurücklegung einer anrechnungsfähigen Dienſtzeit von 18
Monaten auf 2.70 Mark erhöht. Nach mindeſtens 4jähriger
anrechnungsfähiger Dienſtzeit können die Bureauge=
hilfinnen
zur Anſtellungsprüfung einberufen werden. Die
etatsmäßige Anſtellung kann dann als Bureauaſſiſtentin=
nen
mit einem Gehalt von 1200 bis 1800 Mark erfolgen.
* Nürnberg, 28. Juli. Heute vormittag traf der
Prinz=Regent mit Gemahlin und Töchtern
hier ein. Sie wurden am Bahnhofe vom Oberbürger=
meiſter
, den Spitzen der Behörden, der Generalität uſw.
empfangen. Die Fahrt ging durch die feſtlich geſchmückte
Stadt unter dem Geläute der Glocken und den Hochrufen
der Menge nach dem Rathaus, wo der Regent verſchiedene
Auszeichnungen verlieh, u. a. wurde dem Oberbürger=
meiſter
Wirklichen Geheimen Rat von Schuh der erbliche
Adel verliehen. Vom Rathauſe ging die Fahkt zur Burg.
wo der Regent Wohnung nahm und wo eine Hoftafel
ſtattfand, zu der zahlreiche Einladungen ergangen waren.
Nachmittags fand eine Beſichtigung des Städtiſchen Volks=
bades
und des neuen Tiergartens ſtatt. Abends fand
Feſtvorſtellung im Stadttheater ſtatt.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 30. Juli.

* Vom Hofe. Die Großherzoglichen Herr=
ſchaften
ſind geſtern vormittaa von ihrem Beſuch beim
Prinzenpaar Heinrich von Preußen in Hemmelmark nach
Jagdſchloß Wolfsgarten zurückgekehrt.
* Andienzen. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
werden am Samstag, den 2. Auguſt, Audienzen
erteilen, ſowie Meldungen und Vorträge entgegennehmen.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den Kreisarzt bei dem Kreisgeſundheitsamte
Schotten Medizinalrat Dr. Karl Königer in Schotten
zum Kreisarzt bei dem Kreisgeſundheitsamte Offenbach
mit Wirkuna vom 1. September 1913; ferner wurden
ernannt der Gerichtsvollzieher mit dem Amtsſitze in Nidda
Richard Loth zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtsſitze
in Hirſchhorn, der Gerichtsvollzieher mit dem Amtsſitze
in Michelſtadt Martin Litters zum Gerichtsvollzieher
mit dem Amtsſitze in Gernsheim, der Gerichtsvollzieher
mit dem Amtsſitze in Hirſchhorn Ludwig Dicke zum
Gerichtsvollzieher mit dem Amtsſitze in Michelſtadt,
ſämtlich mit Wirkung vom Tage des Dienſtantritts ihrer
Nachfolger an.
* Juſtizperſonalien. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben den Oberamtsrichter bei dem
Amtsgericht Hirſchhorn Franz Hoſſinger zum Ober=
amtsrichter
bei dem Amtsgericht Groß=Umſtadt, den
Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmſtadt II Amts=
gerichtsrat
Eduard Weidig zum Oberamtsrichter bei
dem Amtsgericht Hirſchhorn, beide mit Wirkung vom
1. Oktober 1913 ernannt.
* Entlaſſen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den Kreisgeometer Georg Habermehl zu
Offenbach auf ſein Nachſuchen mit Wirkung vom 1. Sep=
tember
1913 ab aus dem Staatsdienſt.
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben der Oberſchweſter in der Frauen=
klinik
zu Gießen Margarethe Haſter und der Schweſter
in der mediziniſchen Klinik zu Gießen Anna Knaf das
Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift Für Tapfer=
keit
am Kriegsbande verliehen.
* Beſtätigt wurde der auf die erledigte erſte Lehrer=
ſtelle
an der katholiſchen Knabenſchule zu Bensheim
präſentierte Schulamtsaſpirant Gottfried Wölfel=
ſchneider
aus Darmſtadt.
* In den Ruheſtand verſetzt wurde der Ober=
aufſeher
am Landeszuchthauſe Marienſchloß Adam Philipp
Koburger auf ſein Nachſuchen, unter Anerkennung
ſeiner langjährigen treuen Dienſte, mit Wirkung vom
15. Auguſt 1913; der Schaffner in der Heſſiſch=Preußiſchen

Eiſenbahnaemeinſchaft Rudolf Kohlmeier zu Fried=
berg
mit Wirkung vom 1. Septemberr d. J. an.
* Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 14,
enthält: 1. Ueberſicht über die in den Gemeinden des
Kreiſes Dieburg zu erhebenden Gemeindeſteuern für
das Rechnungsjahr 1913. 2. Ueberſicht über die zur Be=
ſtreitung
der Kommunalbedürfniſſe in den Landgemein=
den
des Kreiſes Bensheim zu erhebenden Gemeinde=
ſteuern
für das Rechnungsjahr 1913. 3. Ueberſicht der
in den Gemeinden des Kreiſes Alsfeld zu erhebenden
Gemeindeſteuern für das Rechnungsjahr 1913. 4. Sterbe=
fälle
. 5. Berichtigung.
g. Ferienſtrafkammer. Unter der Anklage des Be=
trugs
hatte ſich geſtern der bisher unbeſtrafte 36jährige
Buchhändler Friedrich Gotthold Wilhelm Heberlein,
von Wolgaſt gebürtig, jetzt in Niederſchönhauſen bei Ber=
lin
wohnhaft, vor der Ferienſtrafkammer zu verantworten.
Der Beſchuldigte hatte im Herbſt 1911 die von ihm hier be=
triebene
Köhlerſche Buchhandlung und Verlag an den
Buchhändler Otto Carius verkauft. Durch Vertrag vom
13. September 1911 ging das Geſchäft ohne Paſſiven, aber
mit ſämtlichen Außenſtänden, an C. über. Dem Ange=
ſchuldigten
wird nun zur Laſt gelegt, daß der von ihm
angegebene Wert des Geſchäfts und der ideelle Wert der
Firma keineswegs dem entſpreche, was Carius dafür zu
zahlen hatte. In dem Briefwechſel, der dem Kaufabſchluß
voranging, gab H. den Geſamtumſatz auf 24000 Mark
und den Reingewinn auf 34000 Mark an. Tatſächlich
betrug der Umſatz nur 16000 Mark und der Reingewinn
war dementſprechend auch bedeutend geringer. Am mei=
ſten
bewegte C. zur Uebernahme des Geſchäfts der Um=
ſtand
, daß damit der Verlag des gutgehenden Kochbuches
Supp‟ Gemüſ’ und Fleiſch verbunden war. Wie er
nachträglich erſt erfuhr, hatte H. dieſen Verlag doppelt
verpfändet, was ihm abſichtlich verſchwiegen ſein ſoll. Der
geſamte Kaufpreis betrug 10000 Mark; dieſem Kaufpreis
lag eine Taxation des ſogen. feſten Lagers und des In=
ventars
zugrunde. Erſteres war mit 5000 Mark. letzteres
mit 2000 Mark eingeſetzt. H. verſchwieg aber dabei aber=
mals
, daß das Inventar mehrfach verpfändet war. Die
Pfandſiegel waren verſchwunden. Wer dieſe Siegel gelöſt
hat, konnte nicht feſtgeſtellt werden. C. wurde hierdurch
bedeutend geſchädigt, da er dieſe Pfändungen ablöſen
mußte wollte er nicht das Geſchäft einſtellen. Mit den
6000 Mark, die zunächſt gezahlt wurden, bezahlte H. die
dringendſten Schulden; vertraglich ſollten die reſtlichen
4000 Mark bei der Bank deponiert werden, um damit die
anderen Schulden begleichen zu können. H. veranlaßte
aber Carius, ihm 2000 Mark davon zu zahlen, und zwar
durch die Angabe, es ſeien nur noch etwa 1700 Mk. Schul=
den
da. H. ſoll dann noch, bevor er von Darmſtadt weg=
ging
, in rigoroſer Weiſe die Außenſtände des Geſchäftes
eingezogen und das Geld mitgenommen haben. Es wurden
ihm ferner verſchiedene Fälle zur Laſt gelegt, daß er dem C.
falſche Angaben machte, daß er Poſten in die Bücher als
bezahlt eintrug, die noch nicht bezahlt waren. Der An=
geklagte
beſtreitet die betrügeriſche Abſicht. Im großen
und ganzen ſchützt er Vergeßlichkeit vor. Einzelne Hand=
lungen
beſtreitet er ganz. Zur Verhandlung waren zwei
Sachverſtändige geladen. Der Staatsanwalt beantragte
vier Monate Gefängnis gegen den Angeklagten wegen
Betrug. Das Gerichte erkannte auf drei Monate Ge=
fängnis
.
g. Zum Nieder=Modauer Prozeß. Der am 14. Juni
von der Strafkammer zu 1 Jahr 9 Monaten Zucht=
haus
verurteilte frühere Bankier Iſagk iſt geſtern
abend aus der Haft entlaſſen worden nachdem
vor einigen Tagen das Oberlandesgericht deſſen Frei=
laſſung
gegen eine Sicherheitsleiſtung von 30000 Mark
beſchloſſen hatte. Die Verwändten konnten die verlangte
Summe nicht ſofort beſchaffen, ſo daß ſich die Freilaſſung
noch um einige Tage verzögerte.
Landesverſicherungsanſtalt. Die Amtsdauer der
gegenwärtigen Mitglieder der Ausſchüſſe der Verſiche=
rungsanſtalten
, ſowie der gegenwärtigen Vertreter der
Arbeitgeber und der Verſicherten in den Vorſtänden der
Verſicherungsanſtalten iſt durch Bundesratsbeſtimmung
vom 12. Juli 1913 bis zum 31. Dezember 1914 verlängert
worden.
Witwen= und Waiſenfonds der Großh. Hof=
muſik
. Die dieswinterlichen Konzerte werden durch
Hinzuziehung zweier berühmter Gaſtdirigenten eine
wertvolle Neuerung erfahren. So wird am 10. No=
vember
Herr Sigmund von Hausegger, am 23. März
Herr Generalmuſikdirektor Fritz Steinbach=Köln dirigieren
und werden in dieſen beiden Konzerten ausſchließlich
Orcheſterwerke bei erheblich verſtärktem Orcheſter zur
Aufführung gelangen. Von den übrigen Konzerten, die
für 13. Oktober, 1. Dezember, 5. Januar und 16. Februar

Feuilleton.

R. Ohne Hut. Man ſchreibt uns: Vor einigen Tagen
ſah ich einen Jüngling, der keinen Hut trug. Einige Kna=
ben
machten ſich darüber luſtig; einer rief ihm nach: Sie,
Sie howe jo Ihrn Hut vageſſe! Ein anderer bemerkte
aber altklug: Der hott ehn nett vageſſe, deß aaner, der
die neuſcht Mod mitmacht und wieder einer ſagte: Er
werd kaa Geld howe, um ſich aan Hut ze kafe‟. Solche hut=
loſen
Jünglinge kann man ſchon viele ſehen. Dieſe Mode,
da ſie einfach, geſund und billig iſt, könnte der Anfang
werden zu einer Rückkehr zu den vorzüglichen Erziehungs=
maximen
einer alten guten Zeit. Ich ſtamme aus einer
Bauernfamilie und meine Jugendzeit fällt in die Mitte
des neunzehnten Jahrhunderts. Wir waren weder reich,
noch arm, hatten aber ſatt zu eſſen, nur das bare Geld
war in der Haushaltung rar. Da war alles einfach. Ich
trug das ganze Jahr hindurch ein leinenes Hemd, eine
baumwollene Hoſe, eine leinene Jacke und ein Paar
Schuhe. Das war alles, und beim An= und Auskleiden
war ich bald fertig. Im kalten Winter kamen vielleicht noch
dazu ein Paar Strümpfe und eine Weſte. Unterkleider
kannte ich nicht. Dabei lief ich ſtets ohne Hut oder Kappe,
und ſo alle Buben, ſelbſt die reichſten. Bei der Konfir=
mation
erhielt man die erſte Kopfbedeckung als Zeichen,
daß man in die Reihe der Jünglinge eingerückt ſei. Dieſe
Art war ſehr praktiſch; man ſparte viel Geld, in der Schule
die Haken, um die Hüte und Kappen daran zu hängen,
und es wurde auch kein Hut vergeſſen. Dabei war es ge=
ſund
und die liebe Sonne ſchien uns auf den Kopf, ohne
daß ſie uns das Hirn eintrocknete, und in der Winterkälte
iſt es auch nicht erfrocen. Noch anderes muß ich erwäh=
nen
: Die meiſten Kinder ſchliefen auf dem Boden unter
dem Dach in leichten Betten. Auch im Winter, wenn Stein
und Bein zuſammengefroren waren, wußten ſie es nicht
anders. Man zitterte und ſchnatterte wohl wenn man am
Morgen das Waſchwaſſer in der Schüſſel eingefroren fand,
wagte aber nicht. bei den Eltern eine Klage laut werden
zu laſſen, denn ſie hatten es in ihrer Jugend auch nicht
beſſer. Im Sommer liefen wir aus Vergnügen barfuß
und badeten im Weiher oder Bach in recht kaltem Quell=

waſſer. Dabei blieb man geſund und wurde kräftig und
vor vielen Kinderkrankheiten behütet. Frieſel, Maſern.
Huſten, Schnupfen oder gar Scharlach und Diphtheritis
waren unbekannte Dinge. Man brauchte ſich nicht durch
dieſe Kinderkrankheiten durchzuarbeiten um ein geſunder
Menſch zu werden, wie wir es an unſerer modernen Ju=
gend
erleben. Darum zurück zu den einfachen Erziehungs=
regeln
einer im beſten Sinne guten alten Zeit, ſei es auch
nur, daß wir im Anfange unſere Kinder ohne Kopfbedeck=
ung
laufen laſſen, das andere folgt wohl dann nach. Die
Frucht dieſer Erziehung wird ein geſundes, ſtarkes Ge=
ſchlecht
ſein, das imſtande ſein wird, zur Zeit der Not eine
kräftige, widerſtandsfähige Wehr zu ſein.
** Ein neuer John Bull geſucht. Der gute alte John
Bull, jener wohlbeleibte unterſetzte Herr mit den Bart=
koteletten
, der gemuſterten Weſte und dem breitgerandeten
niedrigen Zylindechut, den die Welt aus den Witzblättern
als das Symbol des britiſchen Volkes kennt, iſt unpopulär
geworden. Die Engländer von heute wollen von ihm
nichts mehr wiſſen, ſie ſchämen ſich ſeiner ein wenig, ſie
haben eine andere und ſchönere Vorſtellung von dem
nationalen Typus des Engländers, man verlangt nach
einem neuen, nach einem eleganteren, ſchlankeren, moder=
neren
John Bull. Und die britiſche Medical Aſſociation
macht ſich nun zum Sprachrohr dieſes neuen Ehrgeizes;
voll patriotiſcher Entrüſtung warf in der letzten Sitzung
Dr. Scharlieb die Frage auf: Iſt dieſe Geſtalt des John
Bull der höchſte Typus engliſcher Mannheit? Behäbigkeit
und Bequemlichkeit mögen ganz ſchön ſein, aber es iſt ein
Unrecht, ſie der Jugend in dieſer Form als nationale
Eigentümlichkeit unſeres Volkes einzuprägen. Nun herrſcht
im Lager der Zeichner und Karikaturiſten ein hitziger Mei=
nungsſtreit
. Partridge, der bekannte Zeichner des Punch,
der im Laufe ſeiner Tätigkeit wohl ein paar Hunderte des
heute ſo bitter angefeindeten alten John Bull zeichnete,
will von einer plötzlichen Umwandlung des Typus nichts
wiſſen, er wird bei ſeinem alten John Bull bleiben und
es der Zeit überlaſſen, einen neuen Typus allmählich her=
auszubilden
; andere Künſtler aber plädieren für einen
Künſtlerkongreß, der einen neuen modernen John Bull
aufſtellen ſoll, und eine große Londoner Zeitung hat be=
reits
einen Preis ausgeſetzt: für die beſte und ſchönſte Ver=

körperung eines idealen und zugleich zeitgemäßen neuen
John Bull
Ein franzöſiſcher Kreuzzug gegen die Fliegen. Aus
Paris wird berichtet: Das Beiſpiel amerikaniſcher Vor=
kämpfer
der Volkshygiene, die vor zwei Jahren in einigen
Teilen der Union eine Bewegung zur Ausrottung der
Fliegen ins Leben riefen, hat in Frankreich ſein Echo ge=
funden
und die Staatsbehörden veranlaßt das Volk zu
einem Feldzug gegen die Fliegen aufzurufen. Das Ge=
ſundheitsbureau
der Polizeiverwaltung hat in einer Auf=
lage
von einer halben Million Exemplare ein Flugblatt
ausgegeben, durch das die Bevölkerung auf die Gefähr=
lichkeit
der Fliegen als Träger von Krankheitskeimen hin=
gewieſen
und aufgefordert wird, mit allen Kräften an der
Ausrottung dieſer ebenſo läſtigen wie ſchädlichen Inſekten
mitzuarbeiten. Die Schulen und die Bürgermeiſterämter
ſind angewieſen worden, die Bevölkerung nach Kräften
über den Zweck dieſes Ausrottungskrieges und über die
Mittel zur Beſeitigung der Fliegen zu unterrichten.
C.K. Reſultate des Frauenſtimmrechts in Illinois.
Die Behörden und das Parlament von Illinois hat den
Wünſchen der Frauen nach Gewährung des Wahlrechtes
entſprochen; nun haben die erſten ſtädtiſchen Wahlen ſtatt=
gefunden
und es zeigt ſich, daß überhaupt nur 10 Prozent
der nach dem neuen Geſetze wahlberechtigten Frauen ſich
der Mühe unterzogen haben, ihr Wahlrecht auszuüben.
Die Führerinnen der Frauenbewegung ſind von dieſem
Ergebnis ſehr betroffen; ſie hoffen aber, daß künftige Zei=
ten
vielleicht eine Wandlung darin herbeiführen werden.
In der jüngſten Wahl in Geneva, wo die Frauen für die
Errichtung eines freien ſtädtiſchen Kindergartens einge=
treten
waren, erſchienen ſelbſt von den 600 Mitgliedern
der Frauenvereine nur 180 vor der Wahlurne. Vor allem
überraſcht die Tatſache, daß gerade jene Frauen ausblei=
ben
, die früher am lauteſten das Wahlrecht forderten. Alle
Verſuche, die Damen zur Ausübung ihrer Wahlpflicht zu
veranlaſſen, wurden mit Ausflüchten beantwortet. Manche
glaubten, man dürfe nur im eleganten Nachmittagskleid
zur Wahl gehen, und andere ließen ſich ſelbſt durch die
Automobile der Wahlorganiſationen nicht dazu bringen,
ihre häusliche Beſchäftigung auf eine halbe Stunde ruhen.
zu laſſen und zu wählen.

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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 30. Juli 1913.

Nummer 176.

feſtgeſetzt ſind, werden je zwei die Herren Hofrat
de Haan und Kapellmeiſter Paul Ottenheimer leiten.
Athletik. Einen großen Erfolg errang das Mit=
glied
Joſeph Otto vom Athleten=Verein Darm=
ſtadt
, der ſich an den anläßlich der Jahrhundertfeier
in Breslau ſtattgefundenen athletiſchen Weltmeiſter=
ſchaften
beteiligte. Es gelang ihm unter großer inter=
nationaler
Konkurrenz im Steinſtoßen und Gewicht=
werfen
die Weltmeiſterſchaften zu erringen.
. Der Ortsgewerbeverein Darmſtadt hat für Sonn=
tag
, den 3. Auguſt, zu einem Familienausflug nach
Weinheim eingeladen, um der ſtolzen, eine Zierde für
die ganze dortige Umgebung bildenden Wachenburg,
unter liebenswürdiger Führung des Erbauers Herrn
Profeſſor Wienkoop einen Beſuch abzuſtatten.
Nach dem Programm iſt gemeinſame Abfahrt 6 Uhr 13
Min. bis Heppenheim geplant. Von da Wanderung teils
durch das Erbachertal und teils auf ſchönen Waldwegen
an teilweiſe geöffneten Hünengräbern und den prähiſto=
riſchen
Wohnſtätten der Lee vorbei auf die Juhöhe
(Frühſtücksraſt). Alsdann geht es weiter zum größten
Teil wieder durch Wald und am Waldrande her mit
ſchönen Ausblicken auf das Weſchnitztal zur Rothhütte
und ſchließlich auf guten Wegen abwärts zur Fuchs=
Mühle, woſelbſt ſich die Teilnehmer zu einer gemütlichen
Kaffeeraſt mit denjenigen die den Zug 11 Uhr 58 Min.
direkt nach Weinheim benützen wollen, vereinigen werden.
Nach erfolgter Stärkung wird von hier aus der Aufſtieg
zur Wachenburg, auf bequemem Wege unternommen. In
ragender Höhe erſcheint alsbald die von der Alten Herren=
Vereinigung des Weinheimer S.C. errichtete Wachen=
burg
. Entzückende Ausblicke auf die Höhen des lieb=
lichen
Odenwaldes und die Rheinebene bieten ſich hier.
Zu den Füßen prangt zunächſt auf einem Vorſprung die
altehrwürdige Ruine Windeck und in wunderbarer
Mannigfaltigkeit breitet ſich die weit ausgedehnte Stadt
Weinheim mit ihren altehrwürdigen Feſtungsmauern und
Türmen und ihren ſonſtigen Sehenswürdigkeiten aus.
Ein genußreicher Tag ſteht allen Teilnehmern in Ausſicht
und da auch zum Schluß für einige gemütliche Stunden
in dem prachtvoll angelegten Garten (mit freiem Blick auf
die beiden Burgen) des Hotel=Reſtaurants Vier Jahres=
zeiten
geſorgt iſt, ſo bedarf es wohl keiner weiteren
Empfehlung zur Beteiligung an dieſer vielverſprechenden
Veranſtaltung.
§ Verhaftete Erpreſſer. Drei Zahntechniker, ein 26 Jahre
alter aus Breslau, ein 18 Jahre alter aus Siegen
und ein 19 Jahre akter aus Leipzig, ſämtlich hier aufhält=
lich
, ſind wegen Erpreſſung feſtgenommen. Dieſelben hat=
ten
an eine hieſige Frau einen Drohbrief geſchrieben und
die Summe von 3000 Mark poſtlagernd verlangt. Es=
wurde
daraufhin die Poſt überwacht und am Montag ge=
lang
es, die Erpreſſer beim Abholen des Briefes abzu=
faſſen
. Das Trio hatte vor einigen Tagen an eine hieſige
Dame folgenden Brief geſchrieben: Internationale Bando
für Perboker, Sitz Paris. Werte Madam! Durch das Los
wurden Sie in unſerer Verſammlung beſtimmt, uns ein
Opfer zu bringen. Wir fordern von Ihnen 3000 Mark,
und iſt dieſe Summe nach Ihrem Vermögen bemeſſen.
Das Geld iſt in deutſchem Papiergeld zu zalen. Reichs=
banknoten
. Sie müſſen gegen jeden Menſchen ſchweigen.
Bewahren Sie keine Discretion, ſo werden Sie in kurzer
Zeit ihren Sohn auf den Friedhof tragen. Benachrichti=
gen
Sie die Polizei, ſo iſt Ihr Leben unſer Eigentum.
Furchtbar werden wir uns rächen, wenn Sie den Brief
nicht reſpectieren. Zalen Sie die Dreitauſend Mark, ſo
hören Sie auf Ehrenwort von uns Nichts mehr. Das Geld
muß unbedingt Freitag 6 Uhr auf der Poſt ſein. Adreſſe:
Hauptpoſtlagernd: Indigo 457. 1. Führer Hammid Tor=
nai
, Bando Chef Drago Lexavre. Die ſofort benachrich=
tigte
Kriminalpolizei ſtellte den Erpreſſern eine Falle, in=
dem
ein Brief mit Papierſchnitzeln hinterlegt wurde. Als
der 18jährige Ruppert aus Siegen den Brief abholte,
wurde er ſofort feſtgenommen. Er gab nach anfänglichem
Leugnen an, daß der Zahntechniker Fiedler aus Bres=
lau
den Brief geſchrieben habe. Als dritter Komplize
wurde der 19jährige Zahntechniker Rolle aus Leipzig
verhaftet. Die beiden jungen Leute geben an, daß ſie
nicht wußten, daß der Brief eine Erpreſſung bezweckte.
* Feſtgenommener Entführer. Ein aus Hannover
ſtammendes Pärchen wurde am Montag hier feſtge=
nommen
als es wiederholt auf dem Poſtamt nach poſt=
lagernden
Sendungen fragte. Das noch nicht 16jährige
Mädchen wurde hier von dem ſofort telegraphiſch benach=
richtigten
Vater in Empfang genommen.
-g. Erhängt hat ſich geſtern in der Mühlſtraße ein
älterer Mann.

* Kinotheater. Das Reſidenztheater vereint
in dem Wochenrepertoire das Neueſte, was die Lichtbild=
kunſt
hervorbringt. Nach der intereſſanten Wochenchronik,
worin der Weltmeiſter Rütt, bei ſeinem Sieg im Grand
Prix=Paris, zu bewundern iſt, kommt die pikante
Komödie Ueberraſchender Beſuch bei Paſtors zur
Vorführung. Dieſer Film ſorgt durch ſeinen feinen
Humor aufs beſte für Heiterkeit und luſtige Stimmung.
Der große Zweiakter Mitgiftjäger beſtreitet das ernſte
Genre des Programmes. Die Handlung dieſes Sujets
iſt vollſtändig logiſch aufgebaut und ſind die einzelnen

Szenen mit verblüffender Wirklichkeit meiſterhaft dar=
geſtellt
. Die Filmfirma Gaumont präſentiert ſich dieſesmal
mit der hochintereſſanten Naturaufnahme Von Tim=
bucktu
nach Calikoro‟. Einige hochintereſſante Einlagen,
Dramen und Humoresken, beſchließen das wahrhaft erſt=
klaſſige
Programm. (Siehe Anzeige.) Union=
Theater (Kunſtlichtſpiele Rheinſtraße 6). Zu dem
von heute ab gegebenen hervorragenden Drama Im
Kampf ums Glück nahm der Verfaſſer die Anregung
aus der bekannten Novelle, in der ein Lokomotivführer
und ein Heizer wegen eines Mädchens, das ſie lieben,
von treuen Freunden zu ſchlimmſten Feinden werden.
In ihrem Haß kommen ſie während der Fahrt des Ex=
preßzuges
in Streit und führen dadurch eine Kataſtrophe
herbei. Nicht minder hervorragend iſt das weitere
Drama Der gute Chineſe während die Humoreske
Lehmann erntet Undank eines jener zwerchfell=
erſchütternden
Werkchen iſt, die nur im Kino ſo ſtark zu
wirken vermögen. Ebenfalls humoriſtiſch iſt der Film
Es riecht nach Zwiebeln, der neben dem bekannten
Drama Das Perlenkollier als Einlage gegeben wird.
Ins Varieté führt die Truppe Manoll, und nach dem
herrlichen Aegypten die prächtig kolorierte Naturauf=
nahme
Das kosmopolitiſche Leben in Kairo‟ Eine
Fahrt durch alle Welt machen wir mit dem Journal
und die Einlagen bringen Ernſtes und Heiteres in
reicher Abwechslung.
* Konzerte. Ludwigshöhe. Heute Mittwoch
wird das Nachmittags=Konzert vom Muſikkorps
des Leibgarde=Regiments ausgeführt, anſchließend findet
um 8 Uhr Abendkonzert (Streichmuſik) nach einem
heiteren Operetten= und Walzerprogramm ſtatt, ver=
bunden
mit Reunion in den Sälen. Bei dem gegen=
wärtig
ſchönen Wetter iſt ein genußreicher Abend zu er=
warten
. (Siehe Anzeige.) Heſſiſcher Hof. Auch
an dieſer Stelle ſei auf das Militärkonzert hin=
gewieſen
, welches heute Mittwoch abend durch die
Kapelle des Leibgarde=Regiments unter Leitung des
Obermuſikmeiſters H. Hauske ausgeführt und von
einem ſchönen, viele gute volkstümliche Muſik bringen=
den
Programm getragen wird. Aufmerkfam gemacht
ſei auf die Hochalmer Diandeln von Th. Koſchat und
die Ouvertüre zu Wilhelm Tell von G. Roſſini. (Siehe
Anzeige.)

Gernsheim, 29. Juli. Ein hieſiger Beamter ſchoß
ſich in Gegenwart ſeiner Braut eine Kugel in den
Kopf. Der Schwerverletzte wurde nach Darmſtadt ver=
bracht
. Von einem traurigen Unglücksfall wurde
die Familie des Gaſtwirtes Häfz hier betroffen. Deren
ſechsjähriger Knabe Karl ſpielte mit noch anderen Kame=
raden
und ſtürzte in den zurzeit ſehr tiefen Winkelbach
und ertrank. Die Leiche des Kindes konnte inzwiſchen
geländet werden.
Leeheim, 29. Juli. Ein 20jähriges Mädchen aus
Leeheim, das am Sonntag abend gegen 7 Uhr auf der
Straße Leeheim-Dornheim auf dem Nachhauſeweg be=
griffen
war, wurde plötzlich von einem fremden Rad=
fahrer
eingeholt, der abſtieg und neben ihm herging,
ohne ein Wort zu reden und ohne etwas gegen es zu
unternehmen. Durch das ſonderbare Verhalten des Frem=
den
bekam das Mädchen Angſt, ergriff die Flucht
und rief um Hilfe, und nun eilten alsbald Leute herbei,
die den Kerl verfolgten. Dieſer flüchtete auf ſeinem Rad=
nach
Dornheim, trat in eine Hofreite ein, ſchloß die Türe
hinter ſich zu und ſo gelang es ihm, durch mehrere Gär=
ten
und über verſchiedene Mauern, über die er ſein Rad
warf, in den Dornheimer Wald zu entkommen, woſelbſt
er von ſeinen energiſchen Verfolgern, auf die er vier
Schüſſe abgab, beinahe eingeholt worden wäre. Bis 1
Uhr ſuchte man mit den inzwiſchen herbeigekommenen
Gendarmeriemannſchaften von Goddelau und Groß=Gerau
den Wald ab, leider ohne Erfolg.
Offenbach, 29. Juli. Aufſehen erregt hier die am
Sonntag erfolgte Verhaftung des Inhabers der hie=
ſigen
Kohlengroßhandlung K. Hiller, des Kaufmanns A.
Ph. Hiller. Es wird ihm zur Laſt gelegt, große Betrüge=
reien
zum Schaden ſeiner Zeche begangen zu haben. Es
ſoll ſich um beträchtliche Summen handeln. Eine un=
redliche
Filialleiterin hatte ſich die Hut= und
Schirmhandlung von Raimund Hübinger in Frankfurt am
Main für ihre hieſige Filiale auserkoren. Dieſe unter=
ſchlug
ihrer Firma von Oktober vorigen Jahres an bis
jetzt über 1200 Mark. Sie wurde verhaftet.
Langen, 29. Juli. Der 13jährige Sohn eines Bahn=
beamten
blieb vorgeſtern, als er beim Baden einen Kopf=
ſprung
machte, im Schlamm ſtecken und ertrank,
ehe ihm jemand zu Hilfe kommen konnte.
t. Reinheim, 28. Juli. Geſtern feierte der hieſige
Turnverein ſein 25jähriges Stiftungsfeſt,
verbunden mit Vereinswetturnen, welches
vom ſchönſten Wetter begünſtigt war. Morgens 6 Uhr
war Weckruf, um 8 Uhr begann des Vereinswetturnen.
Nachmittags 2 Uhr bewegte ſich der Feſtzug, voran
die Radfahrer, Turner zu Pferde, Feſtwagen mit den drei
Gründern, Ehrendamen und eine große Anzahl Vereine
nach dem Feſtplatz. Dort angekommen, begrüßte der erſte
Sprecher, Herr F. Vonderſchmidt, die Anweſenden, dankte
für ihr zahlreiches Erſcheinen und hieß ſie herzlich will=
kommen
. Sodann erteilte er Herrn Oberlehrer Fuhr das

Wort zur Feſtrede, die von turneriſchem Geiſte getragen
war. Sein Gruß galt der Deutſchen Turnerſchaft. Den
drei Gründern, die dem Verein noch angehören, wurden
Ehrendiplome überreicht. Die Ehrenjungfrauen
überreichten dem Turnverein eine prachtvolle Fahnen=
ſchleife
. Um 6½ Uhr erfolgte die Preisverteilung.
Abends fand Feſtball im Gaſthaus Zum Schwanen.
ſtatt. Montag nachmittag 2 Uhr Feſtzug nach dem Feſt=
platze
, Vorführung turneriſcher Uebungen, Schülerwett=
turnen
, Konzert und Tanz.
g. Viernheim, 29. Juli. Hier wurde ein Dienſtknecht
verhaftet, der ſich an einem zehnjährigen Mädchen
vergangen hatte.
Wies=Oppenheim, 29. Juli. Die Zigeuner haben
nunmehr ihren Aufenthalt in der Barbaroſſamühle bei
Wies=Oppenheim verlaſſen müſſen und die ganze
Gemeinde atmet wieder erleichtert auf, daß ſie von den un=
gebetenen
braunen Gäſten befreit iſt. Geſtern abend gegen
7 Uhr ſah man ſie nun durch die Straßen von
Worms ziehen, begleitet von Wormſer Schutzleuten, und
man nahm an, daß ſie über den Wormſer Bezirk abgeſcho=
ben
werden ſollten. Da die Eigenſchaft als Zigeuner nicht
nachgewieſen iſt, die Leute ſich als Schirm= und Keſſel=
fflicker
ausgeben, behandelte ſie die Polizei als obdach=
los
und räumte ihnen das alte Stationsgebäude
am Rhein für ein bis zwei Tage als Wohnſtätte ein,
da die braunen Leute auch noch einen Rechtsſtreit mit dem
Beſitzer der Mühle auszufechten haben. Die Männer ha=
ben
ſich bereits auf die Suche nach einer anderweitigen
Wohnſtätte begeben.
Bechtheim, 28. Juli. Ein frecher Streich wurde
heute nacht in dem Neubau der Villa des Inſpektors
Heinr. Breckheimer, hier, verübt. Von unbekannter Hand
wurde die Waſſerleitung aufgedreht und der ganze Kel=
ler
unter Waſſer geſetzt. Der Geſchädigte hat auf
die Namhaftmachung des oder der Täter, ſo daß dieſelben
gerichtlich belangt werden können, eine Belohnung von
100 Mark ausgeſetzt.

Kammerſänger Wilhelm Riechmann F.

* Laut telegraphiſcher Meldung iſt Herr Kammer=
ſänger
Wilhelm Riechmann am Montag in Bad
Kolberg a. d. Oſtſee, wo er ſich alljährlich zur Erholung
aufhielt, plötzlich geſtorben.
Riechmann, der bekanntlich im Dezember v. J. ſein
25jähriges Jubiläum als Mitglied unſerer Hofbühne
feierte, wäre mit Beginn der neuen Saiſon in den Ruhe=
ſtand
getreten, deſſen ſich zu erfreuen ihm ſomit nicht mehr
beſchieden geweſen iſt.
Wilhelm Riechmann war als der Sohn eines Kal.
Hannoverſchen Rittmeiſters und Steuerinſpektors in
Bunde in Oſtfriesland am 29. März 1854 geboren. Er
beſuchte in Lüneburg und Naumburg die Gymnaſien und
ergriff dann den Kaufmannsberuf. Nachdem der Drang
zur Kunſt in ihm erwacht war, begann er nach einer Vorbe=
reitung
in Direktor Deutſchingers Theaterſchule zu Leip=
zig
mit 20 Jahren am dortigen Karl=Theater ſeine thea=
traliſche
Laufbahn, und zwar zunächſt als Schauſpieler.
In den folgenden Jahren finden wir ihn in Poſen. Neu=
ſtrelitz
, Danzig, Freiburg im Breisgau, Magdeburg und
1881 in Köln engagiert. Hier wirkte er noch ein Jahr als
Schauſpieler, um alsdann zur Oper überzugehen. Um=
faſſende
Geſangsſtudien hatte er in der Zwiſchenzeit be=
reits
gemacht. Sein erſtes Engagement als Sänger führte
ihn 1882 nach Bremen zu Direktor Pohl. 1882 bis 1885
war er wiederholt in Poſen, 1885/86 in Stettin und
1886/87 in Breslau. Von Breslau kam Riechmann zu
uns nach Darmſtadt an Stelle Karl Gillmeiſters. Als
Kardinal in der Jüdin debütierte er am 1. September
4887. Das Probegaſtſpiel lag ſchon ein volles Jahr zu=
rück
, denn wir begegnen Riechmanns Namen auf dem hie=

ſigen Theaterzettel zum erſtenmal am 5. und 9. September
1886 als Marcel (Hugenotten) und Plumkett (Martha).
Viele Jahre vertrat Riechmann an der Großherzog=
lichen
Hofbühne das erſte Baßfach. Er gehörte zu den
feſteſten und bewährteſten Stützen unſerer Oper. Die Gaſt=
ſpiele
in allen Nachbarſtädten, aber auch in den Kunſt=
zentren
Berlin und München, fferner in Amſterdam, Chri=
ſtiania
, Stockholm, Gent, im Haag, in London gaben ſei=
nem
Namen außerhalb Anſehen und Geltung. In London
ſang er im Rahmen des Richard=Wagner=Theaters, das
Angelo Neumann durch halb Europa führte, den Fafner
im Rheingold‟. In Berlin war er jahrelana während
der Darmſtädter Theaterferien an der Krollſchen Oper
als Gaſt für die Saiſon engagiert. Zu ſeinen beſten Par=
tien
zählten: Kardinal. Hagen. Landgraf, Saraſtro,
Waſſerträger, Baculus, Bartolo, van Bett, Falſtaff. Bar=
bier
von Bagdad, Cornelius (Nürnberger Puppe) uſw.
Auch im Konzertſaal und namentlich als Oratorien=
ſänger
war Riechmann lange Zeit eine geſuchte und ge=
ſchätzte
Kraft.
In Anerkennung ſeiner Verdienſte verlieh ihm Groß=
herzog
Ernſt Ludwig ſchon vor 17 Jahren den Titel
Kammerſänger. Am 23. Mai 1910 erhielt er das Ritter=
kreuz
1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Groß=
mütigen
und anläßlich ſeines 25jährigen Jubiläums die
Krone zu dieſem Orden.
Noch in friſcher Erinnerung ſind die Ehrungen, die ihm
anläßlich ſeines 25jährigen Jubiläums am 14. Dezember
vorigen Jahres von allen Seiten zuteil wurden. Er ver=
abſchiedete
ſich in Lortzings Waffenſchmied als Ritter
Adelhof vom hieſigen Publikum. Es war ein Abſchied
für immer.
Wilhelm Riechmanns Name wird mit der Geſchichte
unſeres Hoftheaters dauernd verknüpft bleiben.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 28. Juli. In einer von der
Intereſſengemeinſchaft märkiſcher Milchproduzen=
ten
einberufenen Verſammlung kamen geſtern die Diffe=
renzen
zwiſchen Milchproduzenten und Milchhändlern zur
Sprache. Der Vorwurf, die Milchproduzenten erſtrebten
die Ausſchaltung der Händler, wurde zurückgewieſen und
der Wunſch als allgemein bezeichnet, mit den Händlern ſich
zu vertragen. Vertreter der Milchhändler ſprachen ſich für
Gründung einer Milchhändlerorganiſation aus, die mit
den Produzenten ſich leichter verſtändigen könne. In der
Karlſtraße ſchlich ſich geſtern ein 14jähriger Knabe an eine
Dame heran und raubte ihr die Handtaſche. Er
wurde von Paſſanten verfolgt, von einem Radfahrer feſt=
genommen
und der Polizei übergeben. Letztere ſtellte feſt,
daß er aus Duisburg ſtamme und ſeinen Angehörigen
ein Sparkaſſenbuch entwendete, um darauf 36 Mark abzu=
heben
und ſich nach Berlin zu begeben. Er hatte das Geld
verbraucht und verſuchte ſich durch Handtaſchenraub neues
zu verſchaffen. Beim Ueberſchreiten des Straßendammes
nach Charlottenburg wurde heute mittag der 83 Jahre alte
Major a. D. Freiherr v. Zedlitz und Neukirch von
dem Vorderperron eines Straßenbahnwagens erfaßt und
niedergeworfen. Der Führer des Wagens ſetzte rechtzeitig
die Fangvorrichtung in Tätigkeit. Der Verunglückte er=
litt
Kopfverletzungen und Abſchürfungen an beiden
Händen.
Frankfurt, 29. Juli. Geſtern abend gegen halb 6 Uhr
ereignete ſich auf dem Main in der Nähe des Schlacht= und
Viehhofes ein ſchwerer Bootsunfall. Fünf junge
Leute aus Oberrad, die leicht gekleidet waren, fingen bei
einer Gondelfahrt an zu ſchaukeln (!), ſo daß das
Boot umſchlug und alle ins Waſſer fielen. Einer
von ihnen, ein 19jähriger Fuhrmann namens Boß, er=
trank
. Seine Leiche konnte alsbald von Schiffern ge=
ländet
werden und wurde dem Sachſenhäuſer Friedhof
zugeführt. Ein zweiter, der etwa 25 Jahre alte Gärtner
Spille, wurde bewußtlos den Fluten entriſſen. Kaum
jedoch konnte der Gerettete wieder atmen, als er von ſtarken
epileptiſchen Anfällen betroffen wurde. Man mußte ihn
der Irren=Abteilung des Heiliggeiſt=Hoſpitals zuführen,
wo er am ſpäten Abend noch nicht zum vollen Bewußtſein
gelangt iſt. Der Tod des jungen Mannes iſt durch den
Leichtſinn der Inſaſſen herbeigeführt worden.
Franlfurt, 29. Juli. Heute morgen trafen, von Berlin
kommend, etwa 50 amerikaniſche Aerzte und
einige Aerztinnen hier ein. Sie wurden vom Aerztlichen
Verein in ſeinem Sitzungsſaal empfangen und mit einer
kurzen engliſchen Anſprache von dem Vorſitzenden Prof.
Fleſch begrüßt. Die hieſige Aerztin Gräfin Geldern wid=
mete
, gleichfalls in engliſcher Sprache den Kolleginnen
einen ſpeziellen Willkomm. Es folgten einige Demon=
ſtrationen
aus den verſchiedenſten Gebieten der Medizin.
Die Verſammlung begab ſich dann in das Goethehaus, wo
Prof. Heuer die Führung übernahm. Von dort ging es in
das Städtiſche Krankenhaus, wo Stadtrat Dr. Wöll in
einer engliſchen Anſprache die Gäſte begrüßte, in kurzen
Worten die künftige Univerſität und die hieſigen Forſch=
ungsinſtitute
ſtreifend. Nach Beſichtigung der Klinik von
Prof. Spieß wurde das Neurologiſche Inſtitut von Prof.
Edinger beſucht, der einen kurzen Vortrag, auch in eng=
liſch
, über ſeine Forſchungen hielt. Zum Schluß verſam=
melten
ſich die Teilnehmer im Georg=Speyer=Haus, wo ſie
von Geheimrat Prof. Ehrlich empfangen und durch die
Arbeitsräume geleitet wurden. Zahlreiche Demon=
ſtrationen
aus dem Gebiet der Tropenkrankheiten uſw. er=
weckten
das lebhafteſte Intereſſe der Aerzte, die ſich wieder=
holt
ſehr befriedigt über ihren kurzen Aufenthalt in Frank=
furt
ausſprachen Heute nachmittag geht die Reiſe weiter
nach Bad Nauheim.
Schlangenbad, 29. Juli. Die Bäderbetriebsgeſell=
ſchaft
hat nunmehr die beim Bau des neuen Kur=
hauſes
ausgegrabenen Münzen im Veſtibül
daſelbſt ausgeſtellt. Dieſelben ſind teils franzöſiſchen Ur=
ſprungs
und gehören der Zeit Ludwigs XV. und XVI.
an, Ueber den Fund gibt uns die Chronik einen mut=
maßlichen
Anhalt: Hiernach läßt im Jahre 1765 ein öſter=
reichiſcher
Offizier und leidenſchaftlicher Spieler ſeinen
Diener mit Stockſchlägen durch die Fleiſchmänner
ſchrecken da er ihm einen Beutel mit Geld entwendet zu
haben im Verdacht ſteht. Die Münzen wurden unter dem
Fenſter in der Mauer des alten Fürſtenbades ( Marmor=
bad
mit oben umlaufenden Galerie) am 1. Oktober 1912
gefunden, als dieſes dem Neubau des nunmehrigen Kur=
hotels
weichen mußte.
Marburg, 29. Juli. Bei Schwarzenborn wurde der
Landwirt Schreiner aus Wohra von einem
Automobil überfahren und getötet.
Erlau, 28. Juli. Als Major Feyer mit ſeiner Gattin
und einem Huſaren=Oberleutnant am Sonntag früh von
einer Zuſammenkunft des Offizierkorps kam und ſich am
Haustor verabſchiedete, ſchoß der des Weges kommende
Oberleutnant Blaha auf den Huſarenoffizier, verletzte

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Nummer 176.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 30. Juli 1913.

Seite 5.

ihn ſchwer und verletzte dann die das Fenſter öffnende
Gattin des Majors gleichfalls ſchwer, feuerte mehrfach auf
die herbeieilenden Diener und erſchoß ſich ſelbſt, als
der Major aus dem Zimmer ſtürzte. Blaha ſcheint die
Tat in einem Anfalle von Irrſinn begangen zu
haben.
Dresden, 29. Juli. Die Millionenhinter=
laſſenſchaft
des Gutsbeſitzers Hermann Knorr aus
Tauſchwitz bei Plauen i. V., über die wir bereits be=
richteten
, gilt weniger dem Kaiſer perſönlich, als viel=
mehr
allen Repräſentanten des Deutſchen Reiches. Das
Teſtament, ſoweit es ſich auf den Kaiſer bezieht, lautet:
Ich ernenne den jeweiligen deutſchen Kaiſer als meinen
alleinigen Erben. Derſelbe ſoll das Vermächtnis zur
Stärkung von Heer und Marine verwenden. In dem
Schriftſtück, das erſt vor einigen Monaten aufgeſetzt wor=
den
iſt, offenbar unter dem Eindruck der Wehrvorlage,
gibt Knorr ſein Vermögen auf 800000 Mark an. Es be=
trägt
jedoch nach Miteilungen aus eingeweihten Kreiſen
über eine Million Mark. Die Frau des Verſtorbenen, die
nahezu vollkommen übergangen worden iſt, und zahl=
reiche
Verwandte Knorrs von väterlicher und mütter=
licher
Seite wollen das Teſtament anfechten.
Flensburg, 28. Juli. In der Nähe von Schafhaus
(Nordſchleswig) wurden heute früh in einem Kornfelde
ein polniſcher Arbeiter ermordet und ein
anderer ſchwer verletzt aufgefunden. Es liegt anſcheinend
ein Raubmord vor. Von den Tätern fehlt jede Spur.
Peſt, 29. Juli. Wahrſcheinlich infolge der Abgrabun=
gen
, die für einen Neubau vorgenommen wurden, ſtürzte
geſtern das Warenhaus Senaſſy plötzlich ein.
Der leitende Architekt des Neubaues war durch einen Riß
in der Mauer aufmerkſam geworden und das Perſonal
hatte auf die Warnung des Architekten das Warenhaus
beizeiten verlaſſen können.
Temesvar, 29. Juli. In der ſiebenbürgiſchen Ge=
meinde
Lovoete hat ſich, wahrſcheinlich infolge der langen
Regengüſſe, ein Bergin Bewegung geſetzt, an deſſen
Fuße Lovoete liegt. Mehr als 60 Häuſer ſind eingeſtürzt,
25 Häuſer ſind vollſtändig in der Erde verſchwunden, etwa
150 drohen einzuſtürzen. Da ſich viele Perſonen, nament=
lich
Greiſe und Kinder, in den verſunkenen Häuſern auf=
hielten
und die Häuſer ſehr ſchnell verſchwanden, ſo glaubt
man, daß die meiſten von dieſen Bewohnern ſich nicht
mehr retten konnten und umgekommen ſind.
Mailand, 28. Juli. Die Polizei hat eine inter=
nationale
Bande verhaftet die ſich mit dem
Vertrieb gefälſchter Aktienemiſſionen einer großen Pariſer
Elektrizitätsgeſellſchaft befaßte. Zwei: Mitglieder der
Bande waren bereits in Paris, zwei andere in Amſterdam
dingfeſt gemacht worden. Die Aktien wurden an der
Börſe zu 800 Francs gehandelt. 800 gefälſchte Aktien
wurden in Brüſſel in der Wohnung der Verhafteten be=
ſchlagnahmt
. Man glaubt, daß ebenſoviele gefälſchte
Stücke ſich bereits im Umlauf befinden.
Nizza, 29. Juli. In der vergangenen Nacht drangen
ſieben Individuen in einen an ein Juwelengeſchäft
grenzenden Spitzenladen, durchbrachen die Mauer und
raubten aus einem eiſernen Schranke Schmuckſachen
im Werte von 250000 Francs.
Brüſſel, 28. Juli. In der belgiſchen Kolonialabtei=
lung
der Weltausſtellung in Gent iſt in der letzten Nacht
ein goldhaltiger Barren im Werte von 100000
Francs verſchwunden. Von dem Dieb fehlt jede
Spur.
Warberg (Schweden), 28. Juli. Zwei Kranken=
pflegerinnen
des Küſtenſanatoriums Appelviken
und zwei Knaben ſind heute mittag beim Schwimm=
unterricht
ertrunken. Die Knaben wagten ſich zu
weit hinaus und wurden von der ſtarken Strömung hin=
weggeführt
. Bei dem Verſuch, die Knaben zu retten,
kamen die Pflegerinnen um. Eine dritte Pflegerin wurde
im letzten Augenblick gerettet.
London, 28. Juli. Lloyds Agentur meldet aus Liver=
pool
: Der engliſche Dampfer Winneba iſt auf
der Fahrt von Weſtafrika nach Hambura bei Baſſa auf
einem Felsriff geſtrandet. Drei waſſerdichte Räume
ſind voll Waſſer gelaufen. Die Lage des Schiffes iſt
kritiſch. Man fürchtet, daß es gänzlich verloren iſt.
Konſtantinopel, 28. Juli. Vor der franzöſiſchen Bot=
ſchaft
in Therapia ſcheuten heute nachmittag die
Pferde vor dem Wagen des öſterreichiſch=ungariſchen
Botſchafters Markgrafen von Pallavicini ſtürzten
mit dem Wagen in den Bosporus und ertranken. Der
Botſchafter konnte im letzten Augenblick abſpringen.
Galveſtone (Texas), 28. Juli. Unmittelbar beim Be=
ginne
eines Autorennens ſtürzte die große Tri=
büne
, auf der 5000 Perſonen ſich befanden, ein. Meh=
rere
erlitten Verletzungen. Bisher glaubt man, daß nie=
mand
ums Leben gekommen iſt.

Der Raubmord im Eiſen=
bahnzuge
.

* Darmſtadt, 29. Juli. Von dem Mörder des
Kaufmanns Brechner iſt eine Spur gefunden
worden, die von den Unterſuchungsbehörden abſichtlich
vorerſt geheim gehalten werden ſollte, um den Mörder
nicht aufmerkſam zu machen, da man auf dieſe Weiſe ſei=
ner
leichter habhaft zu werden hoffte. In Frankfurt
wurden die ſilberne Uhrund die goldene Kette
des Ermordeten bei einem Pfandleiher entdeckt und
beſchlagnahmt. Der Mann hat die Uhr und die Kette be=
reits
am Samstag, alſo ſofort nach der Mordtat, bei einer
Nebenſtelle des Frankfurter Pfandhauſes gegen 30
Mark verſetzt. Der Staatsanwalt wollte die Sache des=
halb
vorläufig geheim halten, weil man annahm, der
Täter würde den Hauptſchein von der Zentralſtelle des
Leihamtes holen.
Das von der Staatsanwaltſchaft heute
abend herausgegebene
zweite Ausſchreiben
hat folgenden Wortlaut:
Am Samstag, den 26. Juli 1913, nachmittags gegen
5 Uhr, wurde im Bahnhof Darmſtadt beim Reinigen eines
Perſonenzuges der Kaufmann Eduard Brechner aus
Darmſtadt ermordet und beraubt aufgefunden. Der Tod
iſt herbeigeführt durch einen Schuß in den Hinterkopf aus
einer kleinkalibrigen Repetierpiſtole (Vollmantelgeſchoß
mit Bleiboden).
Geraubt ſind:
1. 3035 Mark in Gold, Silber ꝛc.
2. Eine ſilberne Remontoiruhr (Marke Omega) mit
verziertem Rand und eigenartigem ſilbernen Zifferblatt.

Auf der Rückſeite der Uhr befindet ſich eine erhaben model=
lierte
Frauensperſon mit Lyra und der Aufſchrift L. A.
MUsIKA.
3. Eine rotgoldene enggliedrige Uhrkette, als Anhäng=
ſel
an der Kette ein kleines goldenes Herzchen mit Glas=
ſcheibe
innen und der Gravierung 22. 8. 1902
4. Eine kleine ſchwarze ältere Brieftaſche mit goldener
Deckelverzierung, möglicherweiſe ſteht im Innern der Auf=
druck
eines Wiener Kaffeehauſes.
Brechner iſt nach Erledigung von Geſchäften in Sprend=
lingen
in den in Frankfurt a. M. um 11 Uhr 43 Minuten
und in Sprendlingen=Buchſchlag um 12 Uhr 05 Minuten
nachmittags nach Darmſtadt abgehenden Perſonenzug ge=
ſtiegen
. In dieſem Zuge auf der Strecke Sprendlingen=
Darmſtadt iſt der Raubmord begangen worden. Der Zug
hält an den Stationen Langen, Egelsbach, Erzhauſen, Wix=
hauſen
, Arheilgen und trifft um 12 Uhr 39 Minuten in
Darmſtadt ein.
Es beſteht die begründete Vermutung, daß der Täter
mit dem Eilzug 11 Uhr 17 Min. vormittags in einem Abteil
2. Klaſſe von Frankfurt abgefahren und in Sprendlingen=
Buchſchlag um 11 Uhr 30 Minuten ausgeſtiegen iſt, und
daß er ſich am Bahnhof Sprendlingen=Buchſchlag bis zum
Abgang des obengenannten Perſonenzuges 12 Uhr 05 Min.
aufgehalten hat.
Die geraubte Uhr ſamt Kette, aber ohne das Anhäng=
ſel
(Herzchen), wurden am Samstag nachmittag zwiſchen
6 und 7 Uhr in Frankfurt a. M. bei der Pfandhausneben=
ſtelle
von Ambroſius, Holzgraben 11, für 30 Mark auf
Nr. 115983 verſetzt.
Die Perſon, die die Gegenſtände verſetzte, alſo vermut=
lich
der Mörder, nannte ſich Wilhelm Koch, Mainzer Land=
ſtraße
116, Frankfurt wohnhaft, und wird wie folgt be=
ſchrieben
: etwa 2830 Jahre alt, 1,60 bis 1,62 Meter groß,
blaſſes, ſchmales Geſicht, wahrſcheinlich kleiner, dunkler
Schnurrbart, dunkler Anzug, mittelmäßig gut gekleidet,
möglicherweiſe ſchwarzer, weicher Filzhut, wahrſcheinlich
blondes Kopfhaar, unordentlich geſcheitelt.
Ein Wilhelm Koch wohnte vor etwa zwei Jahren in
Frankfurt, Mainzer Landſtraße 116, bei einem angeblichen
Bauunternehmer Kraft.
(Wir erſuchen dringend um eifrige Nachforſchung nach
dem Täter und um Durchſuchung verdächtiger Perſonen
nach den geraubten, noch nicht verpfändeten Gegenſtänden,
Nachfrage in Pfandhäuſern, bei Trödlern, Althändlern
uſw. Beſonders erwünſcht ſind Mitteilungen über die
Perſonen des Wilhelm Koch und Kraft.
An alle Perſonen, welche die obengenannten Züge
benutzt haben, richten wir die dringende Bitte, irgend=
welche
ſachdienliche Wahrnehmungen der nächſten Polizei=
behörde
oder der unterzeichneten Behörde alsbald mit=
teilen
zu wollen.
Eintauſend Mark Belohnung ſind von uns
demjenigen gewährt, der den oder die Täter ermittelt
oder Mitteilungen macht, die zur Ergreifung des oder der
Täter führen.
Gleichfalls hat die Eiſenbahndirektion
Mainz hierfür Eintauſend Mark Belohnung
ausgeſetzt.
Darmſtadt, den 29. Juli 1913.
Großherzoglich Heſſiſche Staatsanwaltſchaft.
Dr. Langenbach.

Der Frankfurter Polizei machte ein Ingenieur Mit=
teilungen
, die jedenfalls von erheblicher Bedeutung ſein
dürften. Dieſer fuhr am Samstag mit dem Perſonenzug
11 Uhr 17 Minuten von Frankfurt ab. Ihm war auf=
fällig
, daß ein Mann, der bis kurz vor Abfahrt des Zuges
auf dem Bahnſteig unſtet auf und ab ging, ſich erſt im
letzten Moment in das Abteil zweiter Klaſſe begab, in dem
ſich dieſer Ingenieur befand. Die Frankfurter Kriminal=
volizei
gibt nach deſſen Angaben folgende Beſchreib=
ung
des Täters:
22 bis 23 Jahre alt, 1,63 Meter groß, mittlere Figur,
blondes und geſcheiteltes Kopfhaar, keinen oder nur An=
lug
von Schnurrbart, dunklen Anzug, weißen Deckelſtroh=
hut
, ſchmutzige Manſchetten. Der Unbekannte trug einen
in Zeitungspapier gewickelten Gegenſtand,
anſcheinend ein Beil. Das Paket war etwa 40 Zentimeter
lang, 6 Zentimeter dick, an einem Ende 20 Zentimeter,
am anderen 10 Zentimeter breit.
Der verdächtige Reiſende hat ebenſo wie der In=
genieur
, auf den er wahrſcheinlich ebenfalls ein Attentat
beabſichtigt hatte, in Sprendlingen den Wagen verlaſſen.
Nach den Ermittelungen bei den Bahnbeamten hat dieſer
Mann ſich einige Zeit unſchlüſſig auf dem Bahnſteig auf=
gehalten
und iſt dann eine halbe Stunde ſpäter mit dem
Zuge 12 Uhr 05 Minuten in der Richtung nach Darm=
ſtadt
weitergefahren. Die Frankfurter und die Offen=
bacher
Kriminalbeamten ſind eifrig bemüht, den Spuren
des Verbrechers zu folgen.
Geſtern vormittag fand in aller Stille das Begräb=
nis
des in ſo tragiſcher Weiſe aus dem Leben geſchie=
denen
Herrn Dr. Eduard Brechner ſtatt. Nur die aller=
nächſten
Verwandten und Freunde hatten ſich auf dem
Friedhof eingefunden, wo Herr Dr. Italiener in über=
aus
warmen Worten den Empfindungen der Leidtragen=
den
Ausdruck gab. Das der kurzen Predigt zugrunde ge=
legte
Wort: Glücklich war ich, und man hat mich hinweg=
geriſſen
ließ ſo recht die Tragik des Falles vor dem
geiſtigen Auge erſtehen, und wohl kein Mitbürger unſerer
Stadt wird den trauernden Hinterbliebenen innigſte An=
teilnahme
vorenthalten.

Luftfahrt.

Von der Darmſtädter Fliegerſtation.
* Darmſtadt 29. Juli. Bei der Fliegerſtation
herrſchte heute morgen ein reges Treiben. Es ſtieg eine
ganze Anzahl von Flugzeugen auf, von denen zwei ihren
Weg nach Mainz nahmen. Ein Aviatikdoppeldecker
machte ſich kurz nach 6,30 Uhr über Mainz bemerkbar,
nahm aber, ohne zu landen, wieder ſeinen Flug nach
Darmſtadt. Kurz nach 7 Uhr erſchien ein zweiter Doppel=
decker
, der nach einem Flug über der Stadt in bedeutender
Höhe um 7,20 Uhr auf dem Großen Sande lan=
dete
. Es waren der Unteroffizier Stephan mit Ober=
leutnant
Dyckhoff als Paſſagier, die gegen 6,30 Uhr in
Darmſtadt aufgeſtiegen waren. Sie werden den Rückflug
morgen früh antreten.
Berlin, 29. Juli. Nach Mitteilungen aus Luft=
ſchifferkreiſen
wird in wenigen Tagen ein neuer
Rieſenzeppelin für die deutſche Marine fertig=
geſtellt
ſein. Das neue Schiff wird 150 Meter lang ſein
und einen Durchmeſſer von 11 Meter und 4 Motoren zu je
200 PS. haben. Es wird ſich 72 Stunden ohne Gasnach=
füllung
in der Luft halten und jeder auf dem Meere
herrſchenden Windſtärke trotzen können.

Der Kaiſer in Norwegen.

* Vangsnes, 28. Juli. Heute vormittag ½12 Uhr
fand bei der Frithjofſtatue eine Feier ſtatt. Der
Kaiſer verteilte perſönlich Auszeichnungen an Profeſſor
Unger, Direktor Gerſtinger und deutſche Offiziere, ſowie
Medaillen an diejenigen Marinemannſchaften, die an der
Aufſtellung des Denkmals mitgearbeitet haben. Nach der
Verteilung der Auszeichnungen hielt der Kaiſer eine An=
ſprache
. Um das Denkmal herum waren 500 Marine=
mannſchaften
aufgeſtellt. Die Kapelle der Hohenzollern
konzertierte unter der Leitung des norwegiſchen Kompo=
niſten
Ole Olſen.
* Baleſtrand, 29. Juli. Geſtern morgen nach an=
fänglich
regneriſchem Wetter klärte es ſich auf, ſo daß der
Kaiſer nachmittags einen längeren Spaziergang unter=
nehmen
konnte. Der Feldjäger vom 26. ds. traf abends
ein. Heute iſt klares Wetter. An Bord iſt alles wohl.

Der neue Balkankrieg.

Zur Lage.
* London, 28. Juli. Die Botſchafter treten
morgen zuſammen. Damit iſt nicht geſagt, daß man die
Entſcheidung über die neue Note an die Türkei getroffen
hat, vielmehr haben die Botſchafter Inſtruktionen bezüg=
lich
des albaniſchen Statuts erhalten, das man in ein oder
zwei Sitzungen zu regeln hofft. Die diplomatiſchen Kreiſe
ſind zufrieden, daß die Türken nicht weiter vorrücken. Be=
züglich
der Kollektivaktion der Mächte iſt die Lage unver=
ändert
. Maßgebende Kreiſe drücken ihre Genugtuung über
die Ankunft der Balkandelegierten in Bukareſt aus. Man
erklärt, die Mächte wollten ſich nicht in dieſe Verhandlun=
gen
miſchen, vorausgeſetzt, daß die Löſung, die daraus
hervorgeht, nicht zum Schaden der Mächte iſt; andernfalls
habe Europa das letzte Wort.
Die Friedensverhandlungen.
* Bukareſt 28. Juli. Die Agence Roumaine mel=
det
: Die Bevollmächtigten Serbiens, Rumäniens
und Montenegros für die Friedensverhandlungen ſind
heute vormittag hier eingetroffen. Die Ankunft des grie=
chiſchen
Miniſterpräſidenten Venizelos wird für heute
abend erwartet. Die offizielle Vorſtellung findet morgen
Dienstag, die erſte Konferenz, die im Miniſterium des
Aeußern abgehalten wird, übermorgen, Mittwoch, ſtatt.
Der Chef der bulgariſchen Miſſion Tontſchew ſtattete heute
den rumäniſchen Bevollmächtigten Beſuche ab. In den
Beſprechungen zeigen ſich die Bulgaren beſorgt, den
Eindruck, welchen die Haltung Bulgariens in dem rumä=
niſchen
Kriege zurückgelaſſen hat, vergeſſen zu machen.
Ebenſo trat dabei der Wunſch der bulgariſchen Regierung
zutage, eine neue Aera der bulgariſch=rumäniſchen Be=
ziehungen
herbeizuführen.
* Bukareſt 28. Juli. Die Preſſe begrüßt die hier
eingetroffenen bulgariſchen Delegierten. Be=
ſonders
die den Demokraten naheſtehende Preſa findet
warme Worte der Bewillkommnung. Mit dem Verlaufe
der geſtrigen erſten Begrüßung des bulgariſchen Delegier=
ten
Tontſchew mit dem rumäniſchen Miniſter des Aeußern
Majorescu und dem Miniſter des Innern Take Jonescu
ſind die bulgariſchen Vertreter in hohem Maße zufrieden.
ſo daß ſchon heute Hoffnung beſteht, daß Bulgarien auf
der Konferenz bei Rumänien Unterſtützung findet.
* Bukareſt, 28. Juli. Mit Rückſicht auf die Be=
ſtimmung
des Petersburger Protokolls, wonach Bulgarien
verpflichtet iſt, eine näher zu beſtimmende Grenzzone nicht
zu befeſtigen, verlangt Rumänien die Schleifung
der Befeſtigungen von Ruſtſchuk und Schumla.
* Bukareſt 29. Juli. Miniſterpräſident Veni=
zelos
und die helleniſche Miſſion trafen geſtern abend
um 10 Uhr hier ein.
HB. Petersburg: 29. Juli. Auch in ruſſiſchen
diplomatiſchen Kreiſen erklärt man, daß die Friedens=
konferenz
in Bukareſt nicht unter der Kontrolle
der Geſandten der Großmächte ſtattfinden wird Die Groß=
mächte
haben beſchloſſen, den kriegführenden Mächten volle
Verhandlungsfreiheit zu gewähren und nur in dem Falle
hervorzutreten, wenn die Beſchlüſſe der Konferenz das
Gleichgewicht am Balkan ſtören ſollten. Auch die Beſetzung
von Dedeagatſch durch die griechiſche Flotte wird von den
Großmächten nicht beanſtandet. Von Seiten der Balkan=
Diplomaten wird gleichfalls die Hoffnung geäußert, daß
die Bukareſter Verhandlungen zum Frieden führen wer=
den
, zumal die ſerbiſchen Forderungen den Bulgaren an=
nehmbar
erſcheinen werden, und auch Griechenland ſeine
Forderung etwas herabſetzen wird, ſowie es von Bul=
garien
feſte Garantien über die Sicherheit der Griechen
in Thrazien erhalten habe.

Die Unruhen in China.

* Hongkong, 28. Juli. Die engliſchen
Flußdampfer in Kanton erhielten auf Anweiſung
des Konſuls den Befehl, Dampf aufzumachen, um im Not=
falle
Frauen und Kinder in der Vorſtadt, dem Wohnort
der meiſten Engländer, aufzunehmen. Die beſſeren Klaſſen
der chineſiſchen Bevölkerung wandern nach Hongkong ab.
* Peking, 28. Juli. Die Inſurgenten haben
die Expedition nach Norden aufgegeben, aber
Truppen ausgeſchickt, um die Bewohner des Yangtſetales
zu bedrohen. Inzwiſchen konzentrieren ſich die Regier=
ungstruppen
auf Nanking.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 30. Juli 1913.

Nummer 176.

2 Schanghat, 2. Zut. Geſtem abend 9 Uhr
begann das Bombardement. Man nimmt an,
daß morgen Wuſung beſchoſſen wird.
* Urga 29. Juli. Die Mongolen eroberten
Batſchalga und Darchanula zurück und erbeuteten ein
Geſchütz, 200 Gewehre, 300 Zelte und große Vorräte. Die
Chineſen verloren 500 Tote und Verwundete, die ſie in den
Schanzen zurückließen. Die Mongolen hatten fünf Tote
und zehn Verwundete.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 29. Juli. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung veröffentlicht die Beſtimmungen als Ergebnis
des am 26. Juli zwiſchen dem deutſchen Auswärti=
gen
Amt und dem franzöſiſchen Botſchafter
Cambon ſtattgefundenen Notenaustauſches über die
Regelung des Luftfahrtweſens. In der
Folge dürfen Luftfahrzeuge der Militärverwaltung oder
Privat=Luftfahrzeuge mit Militärperſonen in Uniform nur
mit Einverſtändnis der franzöſiſchen Regierung franzöſi=
ſches
Gebiet überfliegen oder auf franzöſiſchem Gebiet
landen. Im Notfall iſt ein Aufenthalt nicht unterſagt.
Sollten Militär=Luftfahrzeuge verſchlagen werden, ſo
müſſen ſie unverzüglich ein Notſignal geben und ſobald als
möglich landen, ferner die nächſte franzöſiſche Zivil=
oder
Militärbehörde benachrichtigen. Gegebenenfalls hat
die Zivilbehörde die Unterſuchung vorzunehmen, die ledig=
lich
dazu beſtimmt iſt, zu prüfen, ob eine Gefährdung
nationaler Intereſſen/zu befürchten iſt oder nicht. Der
Unterſuchung dürfen ſich die Inſaſſen nicht widerſetzen.
Wird auf Grund der Unterſuchung anerkannt, daß ein
Notfall vorliegt, ſo hat die Militärbehörde einem mitfah=
renden
Offizier ſein Ehrenwort abzunehmen, daß weder
er ſelber noch ſeine anderen Mitfahrer Handlungen auf
franzöſiſchem Gebiet begangen haben, die Frankreichs In=
tereſſen
gefährden. Hierauf ſind die Inſaſſen nicht mehr
zurückzuhalten. Wenn ein Notfall nicht feſtgeſtellt werden
kann, ſo iſt die Sache der Gerichtsbehörde zu überweiſen.
Artikel 2 ſetzt die Bedingungen feſt, unter denen gewiſſe
Zonen von Privat=Luftfahrzeugen überflogen werden
können und darauf gelandet werden kann. Artikel 3 be=
ſtimmt
, daß die zum Landen gezwungenen Luftfahrzeuge
und die Inſaſſen möglichſt zu ſchützen ſind. Dieſe Be=
ſtimmungen
treten außer Kraft, wenn die eine Regierung
der anderen davon Mitteilung macht. Die Beſtimmun=
gen
gelten ebenfalls für die aus Frankreich nach Deutſch=
land
verſchlagenen Luftfahrzeuge. Die Beſtimmungen
treten am 15. Auguſt in Kraft.
* München, 29. Juli. Die Blätter melden: Zur För=
derung
der Einfuhr von Petroleum und Bodenerzeug=
niſſen
des Balkans, ſowie zur Belebung der deutſchen
induſtriellen Ausfuhr hat ſich in Regensburg eine
unter deutſcher Kontrolle ſtehende Schiffahrtsgeſellſchaft
unter dem Namen Bayeriſcher Lloyd, m. b. H. dem Sitze in Regensburg gebildet. Dem Unternéh=
men
gehören an neben den verſchiedenen Petroleum=
geſellſchaften
die Stadt Regensburg, die Bayeriſche Ver=
einsbank
, die Deutſche Bank, die Vereinigte Maſchinen=
fabrik
Augsburg und Maſchinenbauanſtalt Nürnberg, ſo=
wie
die Firma Gebrüder Röchling. Der bayeriſche Staat
iſt im Aufſichtsrat vertreten. Wie die Münchener Neueſten
Nachrichten erfahren, ſollen auf das Gründungskapital
von 4 Millionen Mark zunächſt 25 Prozent eingezahlt
werden.
* Ludwigshafen, 29. Juli. Der Kaſſenräuber
Szeponiak, der gemeinſam mit zwei Komplizen den
Raub in der Fabrikſparkaſſe der Badiſchen Anilin= und
Sodafabrik ausführte und bei der Verfolgung ſich eine
ſchwere Schußverletzung beibrachte, iſt in der vergangenen
Nacht im ſtädtiſchen Krankenhauſe geſtorben.
* Koblenz, 29. Juli. Im Walde bei Waldeſch wurde
heute nacht die Leiche eines Mannes mit einer
Schußwunde in der Schläfe aufgefunden. Da Wertſachen
fehlen, ſo nimmt die Polizei Raubmord an. In der
Taſche des Mannes befand ſich eine Eiſenbahnabonne=
mentskarte
mit der Bezeichnung Student Walter=Berlin.
* Rom, 29. Juli. Der König nahm die Demiſ=
ſion
des Marineminiſters Leonardi Catto=
lico
entgegen und ernannte an ſeine Stelle den Konter=
admiral
Henri Millo zum Marineminiſter.
* Kopenhagen, 29. Juli. Heute morgen wurde in
ganz Jütland eine Erderſchütterung verſpürt,
welche zwei Sekunden andauerte. Schaden wurde nir=
gends
angerichtet. Die Richtung der Bewegung erfolgte
von Süden nach Norden.
* Neu=York, 29. Juli. Nach einer aus Nogales in
Arizona eingetroffenen amtlichen Depeſche der Aufſtän=
diſchen
warf der Flieger Maſſon über dem Hafen von
Guaymas eine Bombe hinab, die auf das mexikaniſche
Kanonenboot Tampico ſiel und es zerſtörte. Aus der
Stadt Mexiko wird gemeldet: Huerta hat den For=
derungen
der Vereinigten Staaten zugeſtimmt und ver=
ſprochen
, die geforderten Maßnahmen, betreffend die Ver=
haftung
der für die Angriffe gegen fremde Untertanen
verantwortlichen Perſonen, zu ergreifen.
* Buenos=Aires, 29. Juli. Die Regierung brachte
im Kongreß eine dem Shermangeſetz nachgebildete
Geſetzesvorlage gegen die Truſts ein, fer=
ner
einen Geſetzentwurf über die Ausgabe von 15 Millio=
nen
Peſetas zur Deckung der vom Staate vorzunehmen=
den
Ausbeutung der Petroleumquellen Gomodors und
Rivadavias.
IB. Achern, 29. Juli. Prälat Franz Taver Len=
der
iſt heute nachmittag ¾3 Uhr geſtorben. Geboren
am 20. November 1830 zu Konſtanz, wurde Prälat Len=
der
am 10. Auguſt 1853 zum Prieſter geweiht und hätte
in den nächſten Tagen ſein 60jähriges Prieſterjubiläum
feiern können. Im Jahre 1872 kam er nach Sasbach, wo
er die weithin bekannte Lehranſtalt gründete. Im Jahre
1869 trat er als Abgeordneter in die badiſche Kammer
und wurde 1871 Mitglied des deutſchen Reichstages, dem
er ſeit ſeiner Gründung bis zu dieſem Tage angehörte.
Im Jahre 1884 erfolgte ſeine Ernennung zum geiſtlichen
Rat und 1901 wurde ihm die Würde eines Prälaten ver=
liehen
. Er war Ehrendoktor der theologiſchen Fakultät

der Univerſität Freiburg und Inhaber verſchiedener hoher
Orden.
Altona, 29. Juli. Der Irrenarzt Cimbral
wurde zum dritten Male von einem Geiſtesgeſtör=
ten
in ſeiner Prioatwohnung überfallen. Er ſuchte
den Arzt zu erwürgen. Dem Arzt gelang es aber, den Tob=
ſüchtigen
zu überwältigen und ihn ins Krankenhaus brin=
gen
zu laſſen.
Swinemünde, 29. Juli. Kapitän Krüber und Ma=
ſchiniſt
Kerſten vom Schleppdampfer Otto retteten
um 4 Uhr morgens drei Fiſcher, deren Boot geken=
tert
war. Einer der Fiſcher, Köhn, erlag an Land einem
Schlaganfall.
Zürich, 29. Juli. Nach vielen Regenfällen herrſcht
jetzt in der ganzen Schweiz prächtiges warmes
Wetter. Auch Tirol meldet ſchöne Witterung.

Die Kopenhagener Eiſenbahn=Kataſtrophe.
HB. Kopenhagen, 29. Juli. Heute vormittag hat ſich
der letzte Akt des Dramas von Brammingen abgeſpielt.
Die Leichen der Opfer wurden vom Joſephs=Spital nach
dem Bahnhof getragen, von wo ſie in ihre Heimat über=
geführt
werden. Der König hatte auf jedem Sarge einen
Kranz mit einer mächtigen Schleife, die die königlichen
Initialien und die Landesfarbe trug, niederlegen laſſen.
Der deutſche Pfarrer von Esbjerg und der Regierungs=
präſident
hielten Trauerreden. Die Polizei von Esbjerg
hat bei den Toten etwa 10000 Kronen in bar, ſowie Ju=
welen
und Schmuckſachen im Werte von 20000 Kronen
gefunden, die den Hinterbliebenen ausgehändigt werden.
Der Fabrikant Ertheimer aus Nürnberg, der bei der
Kataſtrophe ſeine Frau und ſeine beiden Kinder verlor,
hat neben dem Bahndamm an der Unglücksſtelle ein
Grundſtück angekauft, auf dem er ein Denkmal errichten
laſſen will. In dem Befinden der ſchwer verletzten
Frau Barrée iſt noch immer keine Beſſerung eingetreten,
ſo daß das Schlimmſte zu befürchten iſt. Die Beſſerung
in dem Befinden der Frau Wellner hält an. Auch Frau
Krauſe und ihr Sohn gehen der Geneſung entgegen, da=
gegen
konnte Fräulein Kohl, der beide Beine zermalmt
wurden, noch nicht operiert werden, da ſie zu ſchwach iſt.
Ihr Zuſtand iſt ſehr bedenklich. Von der Kataſtrophe
wird nachträglich noch eine ergreifende Szene bekannt:
Als man den ſchwer verletzten Kaufmann Krauſe aus
den Trümmern hervorzog, bat er die Bahnbeamten um
einen Revolver, um ſeinen unerträglichen Schmerzen ein
Ende machen zu können. Eine Viertelſtunde ſpäter hatte
er ausgelitten.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Der Kinder beſter Schutz gegen Krankheit iſt außer
Sauberkeit und Abhärtung eine einfache, regel=
mäßige
Ernährung. Zu letzterer wählt eine kluge Mutter
das Neſtle’ſche Kindermehl, eine naturgemäße, leicht
verdauliche und gern genommene Nahrung, welche die
Kleinen vor Magen= und Darmkatarrhen ſchützt und das
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Newport News nach Galveſton. Pennſylvania 23. Juli
6 Uhr 15. Min. abends in Neu=York. Preſident Lin=
coln
24. Juli 2 Uhr nachm. von Neu=York über
Plymouth und Cherbourg nach Hamburg. Schwarz=
burg
von Weſtindien, 24. Juli 9 Uhr morgens in
Galveſton. Belgia 25. Juli 5 Uhr nachm. von Norfolk
nach Hamburg. Bosnia nach Baltimore, 25. Juli
1 Uhr nachm. in Newport News. Imperator von
Neu=York kommend, 26. Juli 4 Uhr morgens Dover
paſſiert. Preſident Grant von Neu=York kommend,
25. Juli 11 Uhr abends von Cherbourg. Pretoria von
Neu=York kommend, 25. Juli 9 Uhr 30 Min. abends in
Hamburg. Prinz Oskar von Philadelphia kommend,
25. Juli 6 Uhr 30 Min. abends in Hamburg. Sala=
manca
, von Neu=York kommend, 26. Juli 8 Uhr 30 Min.
morgens in Hamburg. Weſtindien, Mexiko: Antonina
25. Juli in Pto. Mexico, ausgehend. Cheruskia‟
24. Juli in Havana. Mecklenburg von Weſtindien
kommend, 25. Juli 11 Uhr abends in Hamburg. Vir=
ginia
24. Juli von St. Thomas über Hapre nach Ham=
burg
. Wasgenwald nach Havana und Mexiko, 25. Juli
7 Uhr abends von Bilbao. Weſterwald von Mexiko
kommend, 24. Juli nachm. von Havana über Teneriffa,
Las Palmas, Vigo und Antwerpen nach Hamburg.
Verſchiedene Fahrten: Fürſt Bismarck fünfte Nord=
landfahrt
, 24. Juli morgens in Hammerfeſt. Ver=
gnügungsdampfer
Meteor ſechſte Nordlandfahrt,
24. Juli 9 Uhr morgens in Drontheim, 25. Juli 11 Uhr
morgens in Merok.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Unter dem Einfluß des weſtlichen Hochdruckgebietes
hatte unſer Bezirk geſtern bei wechſelnder Bewölkung
vorwiegend trockenes, warmes Wetter, Niederſchläge fielen
vereinzelt als Gewitterregen. Ueber der Oſtſee lagert ein
Tiefdruckkern, unter deſſen zunehmendem Einfluß wir
trübes, wolkiges Wetter mit Niederſchlägen zu erwarten
haben.
Ausſichten in Heſſen für Mittwoch 30. Juli:
Meiſt trüb und wolkig, zeitweiſe Niederſchläge, etwas
kühler.

Tageskalender.

Konzerte: Ludwigshöhe um 4 und 8 Uhr. Heſſiſcher
Hof um 8 Uhr. Bürgerkeller um 8 Uhr.
Wander=Ausſtellung Das Kind, Alexander=
ſtraße
20 (geöffnet von 29 Uhr).
Bilder vom Tage (Auslage: Expedition, Rhein=
ſtraße
23): Der bei Schneidemühl zerſtörte Luftkreuzer
Schütte=Lanz; der Flug des Leutnants Joly von Köln
nach Königsberg; zur Beſetzung von Adrianopel durch
türkiſche Truppen; bulgariſche Gefangene in Uesküb er=
halten
ihr Eſſen; Ankunft verwundeter Serben auf dem
Bahnhof in Belgrad.

Verſteigerungskalender.
Donnerstag, 31. Juli.

Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 4 Uhr in der
Ludwigshalle‟

Beſichtigung des Großh. Reſidenzſchlof=
ſes
: An jedem Wochentage von 34 Uhr; Sonntags
von 111 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: i. V. Kurt
Mitſching; für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und
Mitteilungen aus der Geſchäftswelt: Hans Heitz, ſämtlich
in Darmſtadt. Für den redaktionellen Teil beſtimmte
Mitteilungen ſind an die Redaktion des Tagblatts zu
adreſſieren. Etwaige Honorarforderungen ſind beizu=
fügen
; nachträgliche werden nicht berückſichtigt. Un=
verlangte
Manuſkripte werden nicht zurückgeſandt.

nach Ausner AF E
nach Münchner Art
Hell Export Gaue
feinste Tafelbiere
in Flaschen und Syphons.
226a

[ ][  ][ ]

Nummer 176.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 30. Inli 1913.

Seite 7.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 kleines ſilbernes Kettenportemonnaie mit einigen
Pfennigen Inhalt. 1 weißer Henkelkorb. 1 kleiner Kaſſettenſchlüſſel.
2 mittelgroße Schlüſſel an einem Ring. 1 Gummireif von einem
Kinderwagen. 1 graues Samthandtäſchchen mit Portemonnaie,
Taſchentuch und 1 Paar Handſchuhe. 1 ſchwere ſilberne Uhrkette.
1 kleine Milchkanne. 1 gelblich=braunes Portemonnaie mit einigem
Inhalt. 1 braunes Portemonnaie mit über 1 Mk. Inhalt. 1 Bund
(16198
Schlüſſel. 1 Doppelſchlüſſel.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 deutſche Dogge, 1 Spitzhund. Die Hunde können von
den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(16192

Darmſtädter Wochenmarkt.

Die nachſtehende Bekanntmachung Großh. Polizeiamts Darm=
ſtadt
bringe ich mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis, daß die
Marktwagen am Schloßgraben und erforderlichen Falles auf dem
Platz weſtlich des Hallenſchwimmbades nächſt der alten Stadtmauer
aufzuſtellen ſind.
Darmſtadt, den 25. Juli 1913.
(16234mss
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Schmitt.

Bekanntmachung.

Betreffend: Wochenmarkt.
Der Wochenmarkt iſt auf den alten Schlachthofplatz ausge=
dehnt
worden.
Die Anfahrt der Marktfuhrwerke zum Schiller= und alten
Schlachthofplatz hat von der Alexanderſtraße und dem Schloßgraben
her zu geſchehen.
Darmſtadt, den 18. Juli 1913.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
J. V.: Stumpf.

Haferernte=, Holz= u. Kleeverſleigerung.

Samstag, 2. Auguſt l. J., vormittags 8 Uhr,
werden in Gemarkung Eberſtadt mit Zuſammenkunft auf dem Küh=
ruhweg
an der Einfriedigung (Kühruhſtirn) verſteigert:
1. 50 Buchen=Wellen aus dem Domanialwald Frankenſtein
(wiederholt),
2. die Haferernte (mit Klee) von 1,3 ha in 4 Loſen,
3. die II. Schur Klee von 7200 qm in 3 Loſen.
Auskunft erteilt Forſtwartaſpirant Kirſchner, Eberſtadt,
Neue Schwanenſtraße 24.
Eberſtadt, den 29. Juli 1913.
(16242
Großh. Oberförſterei Eberſtadt.
Joſeph.

Verſteigerungs-Anzeige.

Donnerstag, den 31. Juli 1913, nachm. 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale der Ludwigshalle, Obergaſſe dahier, öffent=
lich
meiſtbietend folgende Pfänder:
1. beſtimmt: 1 Schreibmaſchine (Lloyd), 1 Schreib=
maſchine
(Kontinental), 1 Schreibtiſch, 1 großer und
1 kleiner Bücherſchrank, 4 Aquariums, 1 Notenſtänder,
1 Stuhl, 2 Tiſche und 1 Fahrrad:
2. vorausſichtlich: Hausmobilien aller Art.
(16201
Wedel, Großh. Gerichtsvollzieher,
Darmſtadt, Bleichſtraße 28.

Freiwiniger Mober Verkauf
im Auktions= und Möbelhaus
Telephon 1774
Bleichstrasse 1 Telephon 1774.
Im gefl. Auftrage der Erben aus einem Nachlaſſe zu Ver=
ſteigerungspreiſen
:
1 Pianino, 1 kl. Kaſſenſchrank, 1 Spiegel u. 1 pol. Schrank,
1 pol. Bett mit Roßhaarmatratze, einf. Betten, 1= u. 2tür.
Kleiderſchränke, Waſchkommode mit u. ohne Marmor, Nacht=
tiſche
, 1 Diwan m. 2 Seſſel, Waſchkommode und 2 Nachttiſche,
weiß lack., 1 Diwan, 1 Sofa, 1 Chaiſelongue, 1 Klubſeſſel,
Kommode, Sekretär, verſch. Stühle, Trumeaux, Bücherſtänder,
Herren= und Damenſchreibtiſch, Diplomat, nußb., Tiſche und
Stühle, 3 Vertikos, Bücherſchrank, Küchenſchrank, verſch. Bilder,
Hausapotheke, Kredenz, Schließkorb, Marmoruhr;
ferner: Kirſchbaum=Möbel, antike Schränke u. Kommoden,
Oelgemälde, Zinnteller, Porzellan und Waffen ꝛc.
Auktionator und
Johannes Krummeck,
Taxator.
Verkauf täglich, ununterbrochen geöffnet.
Annahme von Verſteigerungen, Verkäufen u. Taxationen.
Ia Referenzen.
(16212

Stener=Erhebung.

Das erſte Ziel der Gemeinde=
ſteuern
für 1913 kann bis ein=
ſchließlich
1. Auguſt ds. Js. ohne
Pfandkoſten hierher bezahlt wer=
den
.
(16137a
Darmſtadt, 28. Juli 1913.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Steuer=Erhebung.

Das 2. Ziel der Gemeinde=
ſteuer
für das Rechnungsjahr
1913 iſt, bei Vermeidung der Mah=
mung
, bis Ende dieſes Monats
an den Werktagen, vormittags von
8 bis 12½ Uhr, hierher zu ent=
richten
.
Im Intereſſe raſcheſter Ab=
fertigung
an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder abge=
zählt
bereit zu halten.
Darmſtadt, den 15. Juli 1913.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (15463a

HerrArnenarztDr. Schifer

iſt bis 12. Auguſt ds. Js. ver=
reiſt
und wird in der Armenpraxis
von Herrn Dr. Bönning, Mühl
ſtraße 12, vertreten. (16225
Sprechſtunde 8 bis 9 Uhr vor=
mittags
.
Darmſtadt, 24. Juli 1913.
Städtiſches Armen= und Für=
ſorgeamt
.
J. V.: Hopp.

Das Güter= Abfertigungsge=
bäude
mit den anſtoßenden

Güterſchuppen auf dem ehema=
ligen
Gelände des Main=Neckar=
Bahnhofs in Darmſtadt ſoll auf
Abbruch verkauft werden. Ange=
botsunterlagen
können gegenporto=
und beſtellgeldfreie Einſendung von
50 Pfg., ſoweit der Vorrat reicht,
25 72
von hier bezogen werden. (IV16120.
Oeffnungstermin der Angebote
Samstag, den 16. Auguſt 1913,
vormittags 10 Uhr,
im Bureau der Bauabteilung
(früheres Main=Neckar= Bahnge=
bäude
, nordöſtlicher Flügel).
Großh. Heſſ. Eiſenbahn= Bau=
abteilung
Darmſtadt.

Der Plan über die Herſtellung
einer unterirdiſchen Tele=

graphenlinie in der Landgraf
Georgſtraße, zwiſchen Schillerplatz
und Beckſtraße, liegt bei dem Kai=
ſerlichen
Telegraphenamt hier von
heute ab 4 Wochen aus. (16171
Darmſtadt, 28. Juli 1913.
Kaiſerliche Ober=Poſtdirektion.

Nur noch einige Tage
dauert mein SAlsoN-
AoSVERKUF
Sämtliche Herren-Anzüge, Paletots, Bozener Mäntel,
Regen-Ulster, Gummi-Mäntel, Sommer-Loden, Lüster-
und Wasch-Joppen, Fantasie- und Wasch-Westen,
Sport- und Einsatz-Hemden, Sport- u. Westengürtel,
Knaben-Stoff- u. Wasch-Anzüge, Blusen und Hosen
werden, um gänzlich damit zu räumen;
weit unter Preis
teils zu und unter Selbstkostenpreis ausverkauft!
Niemand versäume diese seltene Kaufgelegenheit!
Sonkei Heufer
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Markt 11½, Ecke Marktstrasse.

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ſehr elegant, rot, modern, ganz
billig abzugeben. Heinheimer=
ſtraße
42, 1. Stock.
(*4361

gute
Zwei duntle Kostüme
ſowie diverſe ſeidene Blouſen
ſpottbillig abzugeben.
(*4339
Feldbergſtraße 26.

Bekanntmachung.

Mittwoch, 24. September I. J.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Bäckermeiſter Adam
Ihrig dahier zugeſchriebene Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
III 1024 252 Hofreite Kahlert=
ſtraße
Nr. 49,
nebſt Geſchäftsinventar und La=
deneinrichtung
in unſerem Bureau
zwangsweiſe verſteigert werden.
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das einge=
legte
Meiſtgebot die Schätzung
nicht erreicht.
Darmſtadt, 26. Juli 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
(K30/13 Müller. (V,16186

Bekanntmachung.

Mittwoch, 10. September I. J.,
vormittags 9 Uhr,
ſoll die dem Kaufmann Heinrich=
Philipp Jacoby dahier zugeſchrie=
bene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 957 161 Hofreite Parcus=
ſtraße
Nr. 5,
III 958 73 Grabgarten da=
ſelbſt
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K32/13
verſteigert werden.
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das einge=
legte
Meiſtgebot die Schätzung
nicht erreicht.
Darmſtadt, 26. Juli 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,16184

Bekanntmachung.

Donnerstag, 4. September I. J.
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Julius Triebert Ehe=
leuten
dahier zugeſchriebene Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
III 867 143/10 Hofreite Vik=
toriaſtraße

Nr. 63,
III 8679/10 21%10 Grasgarten
(Vorgarten)
daſelbſt,

III 866 86 Grasgarten da=
ſelbſt
,
III 866¾/10 12 Waſchküche da=
ſelbſt
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K54/13
verſteigert werden.
Darmſtadt, 26. Juli 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V16185

Ein Viertel Morgen Korn auf
dem Halm zu verkaufen. Wedel,
(*4378
Moosbergſtr. 69.

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(16236a
Herderſtraße 11.
EinWurfDeutscheschäferhunde
zu verkaufen. W. Gebhardt, am
Schießhaus, Heſſenwerke. (*4374ms

können unsere Schüler schreiben
wenn sie es nach dem
Tast-System
auf 21 neuen Schreibmaschinen
gelernt haben. (15834a
Näheres durch Prospekte in der


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2
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beeidigter Bücherrevisor.
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Karlſtr. 73, Gartenhaus. (15835a
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höchſten Wert
(16107a
Kurtz, Juwelenhandlung
Pädagogſtr. 2.
Telephon 1202.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Abschluge
Süße Algier=
Teaaden

Schaus &
Füllgrabe.

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ſchrift
u. höh. Schulbildung wünſcht
Beſchäftig. b. Arzt od. in Apotheke,
war bereits i. ähnl. Stellung; gutes
Zeugn. Off. u. D 98 Exp. (*4298

Perfekte, durchaus erfahrene
Schneiderin, welche ſchick arbeitet,
nimmt noch Kunden an in u. außer
d. Hauſe. Referenz. z. Dienſten.
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in u. außer d. Hauſe Karlſtr. 115,
Hth., r. Poſtkarte gen. (*4144oim

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Näh. Blumentalſtr. 109. (*4184im

Jg. Frau ſucht Laufſtelle, morg.
1 Std. Griesheimerweg 9, I. (*4276

Frau ſucht Waſchen u. Putzen.
*4280) Grafenſtr. 4, Stb. 4, pt. I.

Junge Frau ſucht Laufolenſt v.
morgens bis nach dem Spülen.
Z. erfr. Beſſungerſtr. 70, pt. (*4283

Junge Frau ſucht Lauſſtelle
*4285) Wendelſtadtſtr. 44, Hth.

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v. 8 Uhr an Aliceſtr. 43, II. (*4343

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z. reinig. Näh. Wienersſtr. 66, III.(*

Reinl. ſaub. Mädch. ſ. Laufdienſt
von 810 u. 24 nachm. Näheres
Wienersſtr. 66, 3. Stock. (*4321

Ja. g. bürg. Köchin ſ. aufſoſ. Stell
Karolina Beck, gwerbsmäßige Stellen-
vermittlsrin
, Elisabethenstr. 22, II. (*4324

Junge Frau geht Waſchen.
4387)
Mauerſtraße 24, part.

Fräulein aus gutem Hauſe
ſucht Stellung als Stütze, bei
Kindern oder dergl. Es wird
weniger auf Gehalt wie auf an=
genehme
Stellung und Familien=
anſchluß
geſehen.
(*4389
Offerten unter E 22 an die
Exped. ds. Bl. erbeten.

Gut empf. Waſchfr. n. n. Kund. an.
*4380) Stiftſtr. 41, Hth. r., 1. St.

Jg. Frau ſucht Laufdienſt 2 Std.,
*4382) Neue Ireneſtr. 15, 3. St.

Alleinſteh. ält. Frau ſ. Stelle zur
Führung des Haushaltes. Offert.
u. D 90 an die Expedition. (*4266

Jg. Frau ſ. Laufſtelle, geht auch
halbe Tage fort. Beſſungerſtr. 41,
Hinterhaus, 1. Stock. (*4269

Aushilfsköchin ſucht Stellung
*4370) Liebigſtraße 9, Manſ.

Junge Frau ſucht Lauftelle.
Rhönring 35, 3. St., links. (*4352

Geprüfte Rotekreuz=Schweſter
empf. ſich in Kranken=, Wochen= u.
Kinderpflege für hier u. auswärts.
Dieſelbe iſt bis Mitte Auguſt wieder
frei. Gefl. Offerten unter C 31
an die Expedition ds. Bl. (*4260

Zwei Mädchen, 23 Jahre, mit
guten Zeugn., welche kochen und
alle Arbeiten verſtehen, eine 17jähr.
Waiſe, ſowie mehr. junge Mädch.,
welche ſchon in Stellen und nicht in
Stell. waren, ſuch. Stell. Katharina
Jäger, gewerbsmäßige Stellenvermittlerin,
Luiſenſtraße 34.
(*4376

Männlich

mit guter Hand=
unger
Münll ſchrift, im Steno=
graphieren
u. Maſchinenſchreiben
ewand., ſucht Anfangsſtell., gleich
elcher Art, bei geringen Anſpr.
befl. Off. u. E 17 Exped. (*4364
16jähr. Jg. Radf.) ſ.mitt. Beſchäft.
bandbergſtr. 46, 1. St. (B16227

Weiblich

Jg. Mädchen tagsüber geſucht
Rheinſtr. 37, Friſeurgeſchäft. (*4307

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 30. Juli 1913.

Nummer 176.

Suche Fräulein
für leichte Büroarbeiten. Beding=
ung
: Beteiligung mit 5000 Mark,
welche ſichergeſtellt werden. Off.
unt. E 16 an die Exp. (*4372mf
Tüchtige Einlegerin
bei hohem Lohn ſofort geſucht
H. Uhde, Buchdruckerei
Schulſtraße 9. (16191

Friſeuſe geſucht. Of. m. äuß.
Monatspreis u. D 95 Exp. (*4278

Lehrmadehen
für Haus= u. Küchengeräte bei
ſofortiger Vergütung geſucht.
Off. u. B88 a. d. Exp. (15669a

Suche bürgerliche Köchinnen in
Offiziersfamilien, Herrſchaft ſucht
wegen Verheiratung des Mädchens
Mädchen, welches bürgerlich kocht,
eine Dame ſucht Mädchen, welches
etwas kochen, nähen, bügeln kann.
Frau Berta Nessling, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin, Ludwigſtr. 8. (*4195im

Geſucht w. ein ehrl. tücht. Mädch.
Saalbauſtr. 16, parterre. (16035sm

Junges Mädchen
nicht über 19 Jahre, für leichte
Arbeiten geſ. Zu melden zwiſchen
10 u. 12 Uhr bei Weber & Preuß,
(*4366
Schulſtraße 10.

Stelle finden: Köchinnen, bess
Haus- u. Alleinmädch, in bess. Häus.
Sidonie Frank, Schulſtr. 9, gewerbs=
mäßige
Stellenvermittlerin. (*4337

Lauffrau für1 Std.
Kaſinoſtraße 18.

vm. geſucht.
(16173

Zuverl, reinliche Lauffrau ode
Mädchen vorm. 3, nachm. 2 St. geſ.
Näh. Taunusſtr. 1, I. (*4338md

bis nachmittag
Laufmädchen nach dem Spülen
geſucht Bismarckſtr. 46, pt. (*4334

Zuverläſſiges Mädchen, i. Alt. v.
1213 Jahr., z. Austr. v. Waren ꝛc.
geſucht. Ludwigſtr. 17, II. (*4327

Ehrliche, junge,
Lauffrau
ſaubere
geſ. Saalbauſtr. 60, III. (*4365

Tücht., geſ. Mädch. f. a. Arbeit
bis nachmitt. geſ., evtl. unabh., jge.,
ſaub. Frau. Luiſenplatz 1, II. (*4362

für kleinen
Gesucht
Haushalt
ein anſtändiges, zuverl. Dienſtm.
zum 15 Auguſt, bezw. 1. September.
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ſtraße
46, II., b. Fr. Anna Schad. (16170md

Für Offiziershaushalt
zum 15. Auguſt
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geſucht, die auch etwas Hausarbeit
übernimmt. Offerten unt. E 21
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Verdaulichkeit und seines großen Nährwertes das
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Nummer 176.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 30. Juli 1913.

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Die Reſidenz lag eine Stunde vom Badeort entfernt
und Erbprinz Auguſt war häufig im Theater. Wenn
Anita auf der Bühne war, ſah ſie ſein blaſſes, ſchmales,
blaſiertes Geſicht mit dem engliſchen Backenbart und dem
Monokel im Auge immer vor ſich, und wenn ſeine hageren
weißen Hände mit Befliſſenheit das Zeichen zum Beifall
gaben, folgte ihm das Auditorium willig. Die Novize
hatte mehr Erfolg als ihre routinierten Kolleginnen.
Ihr Vater, der zum Beſuch bei ihr weilte, war be=
rauſcht
. Er hatte alſo doch recht gehabt, als er ſeiner
Tochter eine große Zukunft prophezeite. Der Erbprinz
ſchickte ihr Blumen und Süßigkeiten, und der ſonſt ſo
rückſichtslos ſtolze Dr. Schmidt riet ſelber der Tochter, ſie
anzunehmen. Dieſe Protektion dürfe ſie ſich nimmermehr
verſcherzen! Aber er gab ſeine Poſition auf und blieb
bei ihr .. damit ihre Stellung der Welt gegenüber ge=
feſtigt
ſei.
Bald ſuchte der Prinz die ſchöne Schauſpielerin auch
außerhalb des Theaters zu ſprechen, und weil das in dem
kleinen Ort nicht ohne Aufſehen zu erregen möglich ge=
weſen
wäre, lud er von Zeit zu Zeit das ganze Theater=
enſemble
zu einem Souper nach der Vorſtellung. Damit
ſtopfte er zugleich den Neidern Anitas unter den Kollegin=
nen
den Mund. Daß die Huldigungen des Erbprinzen
ihr galten, war natürlich allgemein bekannt, und ſie waren
ſo offenſichtlich, daß Anita damals ſchon, noch ehe ſie bei
der ſteten Gegenwart des Vaters Gelegenheit zu einem

Keienieie mnt den Erhinzer gcheht höle is ſüne
Geliebte galt.
Sie ſtieß es mit bitter verächtlichem Ton heraus.
Eberhardt zuckte empor, ſein Auge bohrte ſich förmlich in
ihr Geſicht es blieb kalt und ruhig.
Hätte ich es geahnt, fuhr ſie fort, ich würde etwas
Verzweifeltes unternommen haben. Der Prinz war mir
nie ſympathiſch. Sein verlebtes Weſen ſtieß mich in mei=
ner
friſchen, geſunden Jugendlichkeit ab, aber ich ertrug
ſeine Aufmerkſamkeit aus Geſchäftsklugheit, wie Vater
es von mir verlangte, denn natürlich hatte ich auch den
Ehrgeiz, möglichſt hoch emporzuſteigen. Und . . . ſie =
gerte
, weiter zu ſprechen, und ein feines Rot breitete ſich
über ihr Geſicht, aber dann hob ſie mit einer ſtolzen
Gebärde den Kopf und fuhr energiſch fort: Der Prinz
war ſtets begleitet von einem jungen Offizier den ſah
ich gern! Und nun erzählte ſie wieder in ruhigem Ton.
Ihr Vater war viel zu ſehr von ſeinen Plänen ein=
genommen
, zu deren Verwirklichung er auf des Prinzen
Hilfe baute, als daß er die Gefahr gemerkt hätte, in der
die Ehre ſeiner Tochter vor der Welt ſchwebte. Erbprinz
Auguſt war ſehr gnädig, ja liebenswürdig zu ihm, da ſah
er ſich ſchon nahe am Ziel.
Bis dahin hatte ſich der Erbprinz ſtets einer takt=
vollen
Zurückhaltung Anita gegenüber befleißigt. Nun
aber ſchien ſeine Geduld erſchöpft. Eines Tages wurde
das Theaterenſemble zur Feier ſeines Geburtstages zu
einer Extravorſtellung auf ſein Schloß befohlen. Dahin
konnte der Vater Anita natürlich nicht begleiten. Die
Vorſtellung fiel gut aus, und nach ihr erſchien der Prinz
hinter den Kuliſſen, um dem Direktor ſeine volle Aner=
kennung
auszuſprechen. Er war ſehr leutſelig und offen=
bar
in beſonders gehobener Laune, Aber ſein verlebtes

Srich un den iſenen ichit ſies Anitr ad nd in
ſeinen ſie unausgeſetzt verfolgenden Blicken ſtand etwas
erwartungsvoll Lauerndes, das ihr unheimlich war. So
zog ſie ſich, während er mit dem Direktor ſprach, verſtoh=
len
in ein an die Bühne grenzendes Kabinett zurück. Aber
es dauerte nicht lange, da trgt er bei ihr ein. Sie waren
das erſtemal allein miteinander. Er überreichte ihr eine
wunderſchöne Brillantbroſche und verlangte dafür
einen Kuß: als köſtlichſtes Geburtstagspräſent. Sie war
erſtarrt vor Ueberraſchung und Schrecken, hatte aber doch
ſo viel Geiſtesgegenwart, die Bemerkung als Scherz aufzu=
faſſen
und ſcherzhaft, aber entſchieden ablehnend darauf
zu antworten. Das reizte den Prinzen nur noch mehr
Als er ging, hatte er zwar nicht gewagt, ſie anzurühren,
aber ſie wußte nun, daß er alles daranſetzen würde, ſie
in ſeine Gewalt zu bekommen. Sie flüchtete aus dem
Zimmer. Im Korridor traf ſie ſeinen Adjutanten, den
jungen Offizier, der wohl dahin poſtiert war, um Stö=
rungen
fernzuhalten. Er warf ihr einen finſter vorwurfs=
vollen
Blick zu und ließ ſie, ohne ein Wort zu ſprechen,
vorüber, obwohl ſie gut miteinander bekannt waren.
Ich mußte merken, er mißtraute mir, ſagte Anita mit
bitter verzogenem Munde, und verachtete mich, und mein
aufgeregtes Weſen mußte ihn ja auch in ſeinem Arawohn
beſtärken. Ganz ſinnlos vor Schmerz und Gram ſtürzte
ich von dannen.
Der Direktor kam ihr ſchon entgegen. Trotzdem die
fürſtliche Sonne ihm ſo hell geſtrahlt hatte, ſchien er un=
ruhig
und ſorgenvoll. Wo ſtecken Sie denn? fuhr er
ſie an, warum blieben Sie nicht bei mir? Ihr Vater und
Bernhard Hartkopf werden mich totſchlagen, daß ich nicht
beſſer auf Sie acht gegeben habe.
Ihr Vater! Sie zitterte bei dem bloßen Gedanken

[ ][  ][ ]

Nummer 176.

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Me

an ihn. Wenn er von des Prinzen Anträgen erfuhr, war
bei ſeinem ſtolzen, aufbrauſenden, rückſichtsloſen Tempera=
ment
irgend ein ſchrecklicher Eklat zu erwarten, der nicht
allein ſie, ſondern auch den Direktor in ſchlimme Unan=
nehmlichkeiten
ſtürzen würde, und das hatte der Direktor
wahrlich nicht um ſie verdient. So ſchleppte ſie ihre mar=
ternde
Angſt ſchweigend mit ſich herum.
Der Prinz erſchien nach wie vor im Theater, doch ſie
ſah ihn kaum. Ihre Augen waren immer auf der Suche
nach einem Blick von dem jungen Offizier für den aber
war ſie nicht mehr vorhanden.
Vierzehn Tage nach der Vorſtellung beim Prinzen
wräde im Schloßpark ein Gartenfeſt gefeiert, bei dem
einige Mitglieder der Schauſpielergeſellſchaft lebende Bil=
der
zur Darſtellung bringen ſollten. Anita war auch dazu
befohlen. Der Direktor meinte, ſie habe über Neuralgie
geklagt, da ſei es beſſer, ſie mute ſich nicht die Anſtrengung
der Fahrt nach dem Schloſſe zu. Anita verſtand ihn ſo=
fort
, und war ihm von ganzer Seele dankbar. Aber ihr
ganz ahnungsloſer Vater lachte ſie aus. Neuralgie? Mein
ikerngeſundes Mädel! Herr Direktor, Sie träumen!
Oder gönnen Sie meiner Tochter vielleicht nicht die Ehre?
Wenn Sie es als Ehre auffaſſen, Herr Doktor dann
habe ich allerdings nichts weiter zu ſagen.
Wenn ſie damals geſprochen hätte, vielleicht wäre das
ſchlimmſte Unheil abgewendet worden, aber ſie wagte es
nicht. Sie fürchtete ihren Vater, und er dauerte ſie auch,
daß er ſo grauſam aus dem Himmel ſeiner Illuſion ge=
riſſen
werden ſollte. Und in ihrem jugendlich ſelbſtbewuß=
ten
Kraftgefühl meinte ſie auch, ſie würde ſich ſchon allein
ſchützen können.
Es waren nur zwei Herren und zwei Damen von der
Geſellſchaft für die Bilder nötig. Der Direktor ſelber hatte
zu ſpielen und konnte ſie nicht begleiten; ſo fuhren die
vier allein nach dem Schloß. Die Bilder wurden auf einer
improviſierten Bühne mitten im Park geſtellt. Zur
Garderobe für die Künſtler war ein im Gebüſch verſtecktes
Gartenhäuschen eingerichtet worden.

Es ging alles gut. Und Anitas Beklommenheit wich,
als ſie den Prinzen nicht einmal unter den Zuſchauern
ſah, während ſie ſich auf der Bühne befand. Sie hatte
zuletzt noch allein in einem Bilde geſtanden und beeilte
ſich nun mit dem Umkleiden, um zu den Kollegen ins
Schloß zu kommen, wo ſie ſpeiſten. Doch als ſie die Tür
ihrer Garderobe öffnen wollte, fand ſie ſie von außen
verſchloſſen. Sie war entſetzt und ratlos. Was beginnen?
Zu klopfen und rufen würde ihr nichts genützt haben,
da das Häuschen ganz einſam lag. Aber wahrſcheinlich
hatte aus Verſehen einer der Kollegen den Schlüſſel um=
gedreht
, und ſo war anzunehmen, daß er ſich daran er=
innern
und ſie holen würde, wenn man ſie vermißte. So
zwang ſie ſich zur Geduld und wartete klopfenden Her=
zens
. Die Minuten wurde ihr zur Ewigkeit. Endlich ein
raſcher Schritt draußen auf dem Kies, die Tür öffnet ſich
und der Adjutant ſteht von ihr.
Seine Königliche Hoheit ließen das gnädige Fräulein
bitten, ihm zu folgen. Königliche Hoheit wünſchten drin=
gend
das gnädige Fräulein zu ſprechen, meldete er vor=
ſchriftsmäßig
, kalt und ſcharf, daß ihr jedes Wort in die
Seele ſchnitt.
Und da wußte ich ganz genau, was mir bevorſtand,
fuhr ſie fort, und daß ich mich mit aller Kraft wehren
müßte, wenn ich ein anſtändiger Menſch bleiben wollte.
Mein ganzer Stolz bäumte ſich auf. Und Sie, Sie geben
ſich dazu her, mir dieſe Botſchaft zu bringen? rief ich.
Gnädiges Fräulein, ich befinde mich im Dienſt . . .
Ich fiel ihm ins Wort: Sie wiſſen ganz genau, was
dieſe Meldung bedeutet! Sie wiſſen, daß hier heute die
Ehre eines jungen Mädchens verkauft werden ſoll, und
reichen Ihre Hand dazu? Ein Ehrenmann müßte eine
ſolche, dienſtliche Obliegenheit mit Entrüſtung von ſich
weiſen!
Er fuhr auf: Gnädiges Fräulein . . . kann das Ihr
Ernſt ſein?
Da brach die Verzweiflung bei mir aus. Ich flehe Sie

an, helfen Sie mir . . . bringen Sie mich fort von hier.
Tun Sie es nicht, ſo verlaſſe ich nicht lebend dieſen Ort,
ich ſchwöre es Ihnen. Er ſah meine Angſt und zweifelte
nicht länger. Kommen Sie, ſagte er ungeſtüm, mag dar=
aus
entſtehen, was will ich kann nicht anders.
Ihre Kollegen waren bereits abgefahren auf die be=
ſtimmte
Weiſung hin, nicht auf ſie zu warten. So mußte
der Offizier ſeinen eigenen Wagen für ſie anſpannen laſ=
ſen
, damit ſie ſo raſch wie möglich flüchten konnte. Sie
hielt inne und atmete tief und ſchwer. Ihre Stimme hatte
einen gebrochenen Klang, als ſie fortfuhr:
Der Schluß iſt raſch erzählt. Mein Vater war außer
ſich, als er die Kollegen ohne mich ankommen ſah, und
zum Unglück ließ ſich die neidiſche Kollegin hinreißen, ihm
auf ſeine aufgeregten Fragen und Vorwürfe achſelzuckend
zu antworten, das ſei doch eine alte Sache, und er als Va=
ter
habe ja redlich dazu geholfen, mich dem Prinzen in die
Arme zu führen er mache ſich mit ſeiner zur Schau ge=
tragenen
Harmloſigkeit ja nur lächerlich. Da iſt’s ihm
denn wie Schuppen von den Augen gefallen, und in ſei=
nem
gewöhnlichen Ungeſtüm hat er alles weit ſchlimmer
geſehen, als es war. Er hat gemeint, meine Ehre ſei ver=
loren
und ihn träfe die Hauptſchuld dabei. Seine Tochter
die Geliebte des Prinzen das ertrug der ſtolze Mann
nicht. Als ich daheim eintraf, fand ich meinen Vater tot.
Er hatte ſich erſchoſſen.
In aller Stille brachte man ihn und mich fort. Vater
liegt neben der Mutter in meiner Heimatſtadt begraben.
Ich flüchtete todkrank zu meinem guten, alten Hartkopf,
und er nahm mich wie ſein Kind auf. Als ich wieder ge=
ſund
war, litt er nicht, daß ich noch einmal die Bühne be=
trat
. Unter ſeiner Leitung habe ich mich zur Konzertſänge=
rin
ausgebildet, und er hat mich ſeitdem nie mehr ver=
laſſen
.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 176.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 30. Jnli 1913.

Seite 11.

Sie Entwöhnung der Kinder im Sommer iſtſchwieriger
als in anderer Jahreszeit, weil durch den Uebergang
zur Kuhmilch dann unter Einwirkung der Hitze ſehr oft
Magen= und Darmſtörungen verurſacht werden. Man
gibt die Kuhmilch deshalb am beſten zuerſt mit einer
dünnen Suppe von Kufeke vermiſcht, wodurch ſie
leichter verdaulich gemacht und ihr Nährwert erhöht
wird. Durch die Ernährung mit Kufeke erzielt man
eine geregelte Verdauung, den beſten Schutz gegen die
ſogenannten Sommererkrankungen.
(IV, 16182,73

Handel und Verkehr.

2 Schiffsliſte für billige Briefe nach
den Vereinigten Staaten von Amerika
(10 Pfg. für je 20 Gramm). Die Portoermäßigung er=
ſtreckt
ſich nur auf Briefe, nicht auch auf Poſtkarten, Druck=
ſachen
uſw., und gilt nur für Briefe nach den Vereinig=
ten
Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Gebie=
ten
Amerikas z. B. Kanada: Kaiſer Wilhelm der Große‟
ab Bremen 29. Juli, Imperator ab Hamburg 30. Juli,
Main, ab Bremen 2. Auguſt, Friedrich der Große ab
Bremen 5. Auguſt, Amerika, ab Hamburg 7. Auguſt,
Kaiſer Wilhelm II. ab Bremen 12. Auguſt, Kaiſerin
Auguſte Viktoria ab Hamburg 16. Auguſt, Kronprinz
Wilhelm, ab Bremen 19. Auguſt Imperator ab Ham=
burg
20. Auguſt, George Waſhington, ab Bremen 23.
Auguſt, Kronprinzeſſin Cecilie, ab Bremen 26. Auguſt,
Großer Kurfürſt ab Bremen 8. Auguſt. Poſtſchluß nach
Ankunft der Frühzüge. Alle dieſe Schiffe, außer Main
Friedrich der Große und Großer Kurfürſt, ſind Schnell=
dampfer
oder ſolche, die für eine beſtimmte Zeit vor dem
Abgange die ſchnellſte Beförderungsgelegenheit bieten. Es
empfiehlt ſich, die Briefe mit einem Leitvermerke wie
direkter Weg oder über Bremen oder Hamburg zu
verſehen.

Landwirtſchaftliches.

Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 22. bis 28. Juli.
In der erſten Hälfte der Berichtswoche ſtand der Ge=
treidemarkt
unter dem Einfluß des ungünſtigen Wetters.
das ſowohl eine weitere Verzögerung der Ernte herbei=
führte
, als auch bei längerer Dauer eine Verſchlechterung
der Qualität bewirken konnte. Die Folge war eine ſtarke
Nachfrage der Inlandsmühlen, welche bereits mehrfach
ihren Betrieb aus Mangel an Getreidearten hatten ein=
ſtellen
müſſen, ſowie die Beſorgnis vor einer ſchwierigen
Abwickelung des Julitermins. Infolgedeſſen ſtieg ſowohl
der Preis für greifbaren Roggen als auch für ſpätere
Termine um einige Mark. Beſonders feſt lag der Rog=
genmarkt
am Rhein, wo für nordruſſiſchen Roggen hohe
Preiſe gezahlt wurden. Auch Weizen und Hafer folgten,
wenn auch nicht in demſelben Grade, dem Roggen. Einen
Umſchwung brachte dagegen die zweite Hälfte der Berichts=
woche
, in welcher faſt für ganz Deutſchland günſtiges
Erntewetter eintrat und die Provinz, wie insbeſondere
Schleſien, mit ſtärkeren Roggenverkäufen herauskam.
Auch der Weizenmarkt flaute am Schluſſe etwas ab, da
die Ernteausſichten im allgemeinen günſtig ſind und die
Vereinigten Staaten mit einem ſtarken Angebot des neuen
Winterweizens den Weltmarkt drückten. Ob der ameri=
kaniſche
Weizen den Ruf der vorzüglichen Qualität, der
ihm vorausgeht, verdient, bleibt abzuwarten. Doch iſt

aufällig, daß Amerila ſelbſt Kanſas=Weizen Nr. 1 ange=
boten
hat, der ſonſt wenig zur Ausfuhr gelangt. Der
Hafermarkt lag im allgemeinen feſt, da die Ernteausſich=
ten
noch keineswegs geklärt ſind und man im Inlande
wohl nur mit einer mäßigen Ernte rechnen darf. Zu An=
fang
der Woche wurden für die Qualität der Braugerſte,
beſonders in der Provinz Sachſen, Beſorgniſſe gehegt.
Futtergerſte flaute etwas ab, als von amtlicher Seite in
Rußland eine Rekordernte gemeldet wurde. Dasſelbe
war auch der Fall bei Mais angeſichts der enormen Aus=
fuhr
Argentiniens. Es ſtellten ſich die Preiſe für in=
ländiſches
Getreide am letzten Marktage gegenüber der
Vorwoche wie folgt:

Weizen Roggen Hafer
169
Königsberg
170
165 (*1
Danzig
168
215
Stettin
166
198
165
Poſen
159
164
198
Breslau
159 (*1
201
171 (*1
Berlin
207 (*2 ) 171
185
Magdeburg . 199
173 (*1
170 (*3
Halle .
203 (*3 ) 174 (*
188 (*2
169 (*
199 (
178 (1
Leipzig
206 (*1
Dresden .
174 (*3 ) 173 (
192 (42 ) 167 (*1 ) 160
Roſtock
Hamburg
210
-
178
195
225
195
Köln
185
Frankfurt a. M. 215
2½) 185 (*10) 190
180
230
180
Straßburg
170
. 228 (-
München
170 (*3

Weltmarktpreiſe:Weizen: Berlin Sept. 203,25 ( 1,25),
Peſt Ot. 192,40 (1,55), Paris Juli 244,05 (7,30),
Liverpool Okt. 162,60 (1,60), Chikago Juli 132,05
0,60), Roggen: Berlin Juli 173,50 (3,50), Sept. 169
(3,50), Hafer: Berlin Sept. 165,25 (3,50), Futter=
gerſte
: Südruſſ. fr. Hamburg unverzollt ſchwim. 122,50
( 1,50), Juli 121 (), Herbſt 118 ( 1), Mais: La Plata
ſchwim. 109 ( 0,50), Juli/Aug. 109 (*0,50) Mark.

H. Frankfurt a. M., 29. Juli. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Das Geſchäft am Wochenmarkt blieb wieder
ſehr ruhig, indeß war älter Landweizen noch reichlich an=
geboten
, während nur geringe Kaufluſt beſtand. Alter
Landröggen wurde hingegen bei guter Nachfrage weſent=
lich
beſſer bezahlt. Neuer Roggen in mahlbarer Ware iſt
noch nicht offeriert. Hafer und Gerſte blieben unverändert
gegen die Vorwoche, ebenſo Mais ohne Preisänderung.
Futtermittel waren ſtärker begehrt und anziehend ebenſo
Roggenmehl in prompter Ware, während für Weizen=
mehl
die Forderungen nicht erhöht waren.
Der Mannheimer Getreidemarkt iſt ruhig
bei kleinem Verkehr. An der Berliner Produk=
tenbörſe
war Getreide matter auf das anhaltend ſchöne
Wetter für die Ernte und das zunehmende Angebot aus
der Provinz; Hafer ebenfalls niedriger auf beſſere Ernte=
berichte
und bedeutende Händlerabgaben. Nach den
letzten Kabelnachrichten von den amerikaniſchen
Getreidemärkten (Neu=York und Chicago) waren
Weizen und Mais nach ſchwacher Eröffnung ſchließlich in=
feſter
Stimmung auf beſſere Nachfrage nach Lokoware,
niedrigere Ernteſchätzungen aus Kanſas und auf das trok=
kene
Wetter. Die ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort in
dieſer Woche von 30,83 Millionen Buſhels auf 34,51 Mill.
Buſh. geſtiegen, während die Maisvorräte von 9,67 Mill.
Buſh. auf 7,82 Mill. Buſh. zurückgingen. In Kanada
reduzierten ſich die Weizenvorräte in dieſer Woche von
8,05 Mill. Buſh. auf 6,87 Mill. Buſh.

Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilogramm wie
folgt: Weizen, hieſiger und Wetterauer 2121.50, Nord=
deutſcher
2121.50. Kurheſſiſcher 2121.50, Ruſſiſcher 23
bis 24, Laplata 22.5023.50, Rumäniſcher 2323.50, Red=
winter
22.5023.75, Manitoba 2223.75, Kanſas 23.25
bis 23.75, Walla=Walla 22.5023.50; Roggen, hieſiger
18.2518.50, Bayeriſcher 18.3018.50, Ruſſiſcher 1818.50,
Amerikaniſcher 17.5017.75, Rumäniſcher . Gerſte,
Pfälzer 17.2518, hieſige und Wetterauer 1718, Ried=
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Seite 188,

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 30. Juli 1913.

Nummer 176.

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[ ][  ][ ]

Nummer 176.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 30. Juli 1913.

Seite 19.

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16.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 30. Juli 1913.

Nummer 176.

[ ][  ][ ]

176.
Mittwoch, 30. Juli.
1913.

Preis: ¼ Flaſche (Monate ausreichend) M. 1.50,
(I,15965
½ Flaſche M. .85.

ee
ten. Die Aufgaben der wirtſchaftlich=friedlichen Arbeiter=
bewegung
ſeien Vaterlands= und Wirtſchaftsliebe und Er=
ziehung
zur Perſönlichkeit. (Stürmiſcher Beifall.)
Nachdem die Vorſitzenden der verſchiedenen dem
Hauptausſchuß angegliederten Verbände über die Tätig=
keit
der einzelnen Verbände während des ab=
gelaufenen
Jahres geſprochen hatten, referierte der Füh=
rer
des Bundes Deutſcher Werkvereine, Rupp=Eſſen,
über die Tätigkeit des Bundes, wobei er aus=
führte
, daß der Bund am Ende des Berichtsjahres in
307 Vereinen 110 931 Mitglieder zählte, die Bewegung
ſich innerhalb zweier Jahre alſo verdoppelt habe. Ebenſo
erfreulich ſei der Ausbau nach innen. Der Jugendfrage
wird beſondere Aufmerkſamkeit zugewendet, weil die
nationalen Arbeiter der zukünftigen deutſchen Arbeiter=
ſchaft
den dornenreichen Umweg über die Sozialdemo=
kratie
erſparen wollen. Das Verhältnis zu den übrigen
Organiſationen geſtaltete ſich infolge der zunehmenden Be=
deutung
der wirtſchaftlich=friedlichen Arbeiterbewezung
immer ungünſtiger, am gehäſſigſten aber iſt der Kampf
der chriſtlichen Gewerkſchaften; auch das Verhältnis zu
den konfeſſionellen Arbeitervereinen hat ſich verſchlechtert,
trotzdem beide infolge ihrer verſchiedenen Aufgaben ganz
gut nebeneinander arbeiten könnten. Für das letztere ſei
aber die erſte Bedingung, daß in gewerkſchaftlicher Hin=
ſicht
in den konfeſſionellen Vereinen unbedingte Neutrali=
tät
geübt werde. Für den Bund Deutſcher Werkvereine ſei
es eine Anerkennung, daß ſein Organiſationsprinzip von
den Sozialdemokraten ſelbſt nachgeahmt werde; ſei es
doch erſt vor wenigen Wochen in der Generalverſammlung
des ſozialdemokratiſchen Metallarbeiterverbandes zum
Ausdruck gekommen, daß man die Berufsorganiſation
aufgeben und dafür die Maſſen nach der Werk= und In=
duſtriezuſammengehörigkeit
organiſieren ſolle. Die heu=
tige
Gewerkſchaftsbewegung entſpricht nicht mehr den Be=
dürfniſſen
der Zeit. Jeder national geſinnte Arbeiter
ſollte ſich auf die Seite der nationalen Arbeiterverbände
ſtellen und mit ihnen zuſammenſtehen in der Abwehr und
Bekämpfung der Sozialdemokratie. Nach einem Bericht
des Vorſitzenden des Bundes vaterländiſcher Arbeiterver=
eine
, Müller=Berlin, über die Entwickelung des Bundes
im letzten Jahre wurde die Feſtverſammlung vom Vor=
ſitzenden
geſchloſſen.

Kongreſſe und Verbandstage.

3. Nationaler Arbeiterverbandstag.
Hamburg, 28. Juli. In Anweſenheit zahlrei=
cher
Ehrengäſte, darunter von Vertretern des Hamburger
Senats und der Bürgerſchaft, fand heute im Neuſtädter
Geſellſchaftshauſe eine Feſtſitzung des Haupt=
ausſchuſſes
nationaler Arbeiterverbände
ſtatt, die in Vertretung des erſten Vorſitzenden der ſtell=
vertretende
Vorſitzende Heuer=Berlin leitete. Nach
der Begrüßung der Verſammlung durch den Vorſitzenden
erſtattete dieſer ein Referat über Die Berechtigung und
Notwendigkeit einer wirtſchaftlich=friedlichen Arbeiter=
bewegung‟
. Er wies auf den Gegenſatz hin zwiſchen
dieſer Bewegung und den älteren gewerkſchaftlichen Richt=
ungen
und betonte, daß die nationalen Arbeiterverbände
nichts weiter erreichen wollten, als den ſozialen Frieden,
wenn auch auf anderem Wege als andere Richtungen.
Der Fehler der alten Richtungen habe zur Gründung
der nationalen Arbeiterverbände geführt und ihre Be=
wegung
veranlaßt. Die Waffen der Gewerkſchaften ſind
im Laufe der Zeit ſtumpf geworden, während ſich jene
der Unternehmerverbände ſich immer mehr geſchärft haben.
In den modernen, alle möglichen Erwerbszweige umfaſ=
ſenden
Betrieben, hat nur eine Organiſation Platz, die
alle Arbeiter ohne Anſehen der Berufe umfaßt. Dem
Grundſatz der älteren Gewerkſchaften, wer die Macht habe,
habe auch das Recht, ſtellen die nationalen Arbeiter den
Satz Leben und leben laſſen gegenüber. Ihr Kampf
gilt der unſittlichen und verwerflichen Lehre, daß der
Klaſſenkampf die Arbeiterſchaft vorwärts bringen könne.
Unternehmer und Arbeiter müßten ſich als gleichberech=
tigte
Vertragsſchließer betrachten; das ſei jedoch für die
Unternehmer ſolange unmöglich, als die Hirſch=Dunckerſchen
und die chriſtlichen Gewerkſchaften die Schleppenträger
der ſozialdemokratiſchen Gewerkſchaften und der politiſchen
Sozialdemokratie, die mit jenen gleichbedeutend ſei, bil=
den
. Das allgemeine Wohl müſſe unter allen Umſtänden
dem Wohle des Einzelnen vorangeſtellt werden. Auch
hinſichtlich der Auffaſſung und Betätigung der nationalen
Pflichten trennten ſich die Wege der nationalen Arbeiter

Sport, Spiel und Turnen.

sr. Pferdeſport. Rennen zu Hoppegarten,
28. Juli. Aſpirant=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1000
Meter: 1. Herrn E. von Bennigſens Eichenblatt, 2. Vera,
3. Tanagra. Tot. 63:10. Zierow=Handikap; 5000 Mark,
Diſtanz 2400 Meter: 1. Geſtüt Mytlinahovens Cola Rienzi,
2. Eimon, 3. Wolga. Tot. 31:10. Sport=Rennen; 16 000
Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Königl. Haupt=Geſtüt Gra=
ditz
Chanit, 2. Droſſelbart, 3. Miſchief. Tot. 59110.
Maiden=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Herrn
von Weinbergs Ortler, 2. Malve, 3. Scipio Africanus.
Tot. 19110. Müggel=Rennen; 3800 Mark, Diſtanz 1200
Meter: 1. Geſtüt Bärfeldens Caſa, 2. Villa, 3. Schikane.
Tot. 74:10. Maria=Rennen: 10 000 Mark, Diſtanz 1800
Meter: 1. Herrn Balduins Nabob, 2. Sara, 3.- Polter=
geiſt
. Tot. 41:10. Preis von Friedrichshagen: 3000
Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Graf Arnims Meſſalina,
2. Santa Patricia, 3. Wintermärchen. Tot. 195:10.
sr. Amerika gewinnt den Davis=Pokal. Am Mon=
tag
, dem dritten Spieltage in der Schlußrunde um den
Davis=Cup, ſtanden ſich zunächſt Mac Loughlin=Amerika
und C. P. Dixon=England in Wimbledon gegenüber. Der
Beſuch war wiederum ein glänzender, da nunmehr die
Entſcheidung in dem 2:1 für Amerika ſtehenden Kampf
fallen mußte. Der Engländer Diron vermochte nur dem


beiden nächſten Mac Loughlin leicht zu ſeinen Gunſten
entſchied und ſomit das Spiel 6:8, 6:3, 6:2 gewann. Da=
mit
war der Kampf zugunſten von Amerika beendet.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
8 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 24. Juli: dem Militär= Intendantur=
ſekretär
Karl Gutſche, Neckarſtraße 15, eine T. Pauline
Emmi Annelieſe. Dem Taglöhner Adam Allendorf,
Heinheimerſtraße 20, eine T. Chriſtine Marie. Dem Ober=
kellner
Konrad Hörl, Rundeturmſtraße 15, eine T. Wil=
helmine
Friederike Margarete. Am 23.: dem Großh. Geo=
meter
erſter Klaſſe Georg Heyl, Emilſtraße 30, eine T.
Erna Lina Margarete Maris
Aufgebotene. Am 25.: Juli: Bahnarbeiter Heinrich
Schäfer, Zwingenberg, mit Wilhelmine Clara Rieder,
Elmshauſen. Chemiker Dr. der Phil. Max Richard Vik=
tor
Silberbach, Viktoriaſtraße, mit Maria Olga von
Grambuſch, Eſſen=Rüttenſcheid. Bäcker Karl Arthur
Schindler, hier, mit Katharina Arnold, Elmshauſen.
Bureauvorſteher Friedrich Karl Heinrich Hanſtein, hier,
mit Marie Emilie Gümperlein, Langen. Am 28.: Kan=
didat
des Bauingenieurfaches Maximilian Franz Johann
Rayner, Danzig=Langfuhr, mit Dorthee Marg. Louiſe
Eliſab. Rudolphine Leopoldi, Grabow i. M. Chauffeur
Wilhelm Hake, genannt Schulte, Eſchollbrückerſtraße 12,
mit Ida Hedwig Anng Schäfer, Reichenbach i. Schl.
Friſeur Auguſt Schäfer, Alexanderſtraße 16, mit Ver=
käuſerin
Dorotheg Göbel, Heinheimerſtraße 8. Werk=
meiſter
Wilhelm Heinrich Auguſt Jordan, Blumenthal=
ſtraße
45, mit Emma Eliſabetha Beck, Blumenthal=
ſtraße
45. Bureaugehilfe Friedrich Wilhelm Ludwig
Reckow, Ballonplatz 7, mit Anna Margareta Zang,
Ballonplatz 7.
Eheſchließungen. Am 22. Juli: Ziegler Leonhard
Fornoff I. mit Margareta Daab. beide in Brensbach.
Handarbeiter Auguſt Protzmann mit Anna Mayer,
beide in Hering. Am 26.: Hilfsratsdiener Karl Schä=
fer
mit Eliſabetha Eidmann, beide hier. Handlungs=
gehilfe
Adolf Müller mit Margarete Hummel, geb.
Rudolph, beide in Rüſſelsheim. Schreiner Alb. Pfeffer,
mit Marie Lämmerhirt, beide hier. Lehrer Wilhelm
Buß mit Auguſte Hefermehl, beide in Dornheim. Hof=
ſchauſpieler
Franz Schneider mit Hofſchauſpielerin
Käthchen Gothe, beide hier. Bankbeamter Fritz Sehl
mit Paula Baumbach, beide hier. Sergeant Heinrich
Gaul hier mit Dorothea Born in Fränkiſch=Crumpach,
Poſtbote Johannes Kaffenberger mit Margareta
Brückmann, beide hier. Ingenieur Otto Mayer, hier,
mit Emma Wagner in Arheilgen. Forſtgehilfe Otto
Graf mit Margareta Koch, beide in Ruppertsburg.
Am 28.: Tapezier Chriſtof Trautmann mit Katharina
Steinhauer, beide hier.
Geſtorbene. Am 24. Juli: Katharina Böhm, Fa=
brikarbeiterin
, 43 J., ev. in Eberſtadt. Kutſcher Peter
Waas. 63 J., ev., Heinheimerſtraße 31½. Am 25.:
Maria Margaretha Frühwein, geb. Fink, 54 J., kath.,
Ehefrau des Zugführers, Aliceſtraße 28. Landwirt Hein=
rich
Grimm, 54 J., kath., in Groß=Zimmern, hier Er=
bacherſtraße
25. Schmied Georg Kramer, 53 J., ev.,
Klein=Rohrheim, Kr. Groß=Gerau, hier Grafenſtraße 9.
Hausmädchen Betty Sittinger, 18 J., kath., in Wies=
baden
, hier Erbacherſtraße 25. Am 26.: Schreinergehilfe
Georg Heyer, 66 J., ev., Blumenthalſtraße 106. Am 27.:
Hans Kyriſch, 12 Stunden, Grafenſtraße 9. Apotheker
Otto Seibert. 26 J., ev., in Friedrichsthal an der Saar,
hier Grafenſtraße 9.

Iniim für eanzkunst.

Bringe dem geehrten Publikum zur gefl. Kenntnis, daß ich noch
Anmeldungen für die im Hotel Prinz Carl’ ſtattfindenden Herbſt=
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[ ][  ]

Seite 18.

Darmſtadter Tagblatt, Mittwoch, den 30. Jult 1913.

Nummer 170.

h
1. D.
Eler Uneh einWarmsladl.

Sonntag, den 3. Auguſt 1913

zur Besichtigung

der Wachenbure
unter Führung des Erbauers
Herrn Professor Wienkoop
Direktor der Großherzoglichen Landesbaugewerkſchule.
Abfahrt 6½ Uhr ab Hauptbahnhof nach Heppenheim (IV. Kl.
55 Pfg.) Von da Wanderung über Juhöhe (Frühſtücksraſt)- Wald=
nerturm
-Rothhütte-Fuchsmühle (gemeinſchaftl. Kaffee)- Wachen=
burg
(Beſichtigung um 3 Uhr)-Ruine Windeck-Weinheim (gemütl.
Zuſammenſein im Hotel=Reſtaurant Vier Jahreszeiten).
Gem. Mittageſſen findet nicht ſtatt, Ruckſackverpflegung daher
notwendig.
(16213mfs
Für diejenigen, die ſich an der Wanderung (bis Fuchsmühle
4 Stunden) nicht beteiligen wollen, empfiehlt ſich gemeinſame Ab=
fahrt
: Hauptbahnhof 1158 Uhr nach Weinheim (Sonntagsfahrkarte
für Hin= und Rückfahrt 1 M. 55 Pfg.) und Gang nach der Fuchs=
mühle
, woſelbſt Zuſammentreffen mit den übrigen Teilnehmern.

Hessischer Hof.
Mittwoch, den 30. Juli 1913

Militar-Konzert
der Kapelle des Leibgarde Regiments (größerer Teil)
Leitung Obermuſikmeiſter H. Hauske.
Aus der Vortragsordnung: Ouvertüre zu Wilhelm Tell
von G. Roſſini. Sang und Klang ausf Steiermark von E. Wagner.
Fantaſie aus Der Troubadour von G. Verdi. Hochalmer Diandln
von Th. Koſchat uſw.
(16159
Anfang 8 Uhr. Eintritt mit Programm 15 Pfg.

Ludwigshöhe.
Mittwoch, den 30. Juli 1913, nachm. 4 Uhr
Kur=konzert

ausgeführt von der Kapelle des Leibgarde=Regiments.
Leitung: Obermuſikmeiſter H. Hauske.
Anſchließend:
Abenanonzerr Grreienmusin
in den Sälen Réunion.
Anfang 8 Uhr.
Eintritt 30 Pfg.
Abonnementskarten 2 Mk. (B16193

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liebſten Einheirat in Geſchäft, wo
er ſich nützlich machen kann. Off.
unt. D 71 an die Exp. erb. (*4179im

Aleinſt. Witwe, evang.
Heiral. mit etwas Vermög., von
angen. Aeuß., 49 J., wünſcht Heirat
mit Herrn in ſicherer Poſition. Off.
unter E 5 a. d. Exped. (*4359

Kinderloſes Ehepaar wünſcht
Kind (Mädch.) geg. einmalige
Vergüt. als Erb u. Eigen od. dauernd
in gute Pflege zu nehmen. Off.
unt. D 92 an die Exp. (*4271mf

Rheinstr. 6, Telephon 173

Programm für
Mittwoch, Vonnerstag

ein ergreifends Drama
in 2 Akten
neuartige und von kühnen
Bildern durchzogene Hand=
lung
mit den Hauptſzenen
Der Todeskampf auf
der Lokomotive
Zusammenstoss
zweier Lokomotiven
eine der größten Senſationen,
die je gebracht wurden
Der gute chinese
Drama
Irrfahrten zweier
Verlobten
gut geſpielte Komödie
Lehmann erntet
Undank
geſpielt von dem bekannten
Andre Deed
Truppe Manoll
Varieté=Akt
Das (16160
kosmopolfische
Leden in Kalro
Reichhaltige Einlagen
IV. Platz 19 Pfg.
Künstler-Konzert.

Tagien frisch.
Dickmilch
Heidelbeeren in Milch
Rote Grütze
Flammeris
Kaltschalen
(16199md

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Woogstr. 5, ständiger Verkauf
von Möbel: Diwan, Waſchkom=
mode
, Nachtſchrank, Schränke, Bet=
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legenheitskauf
ein kompl. hell nuß=
baum
pol. Schlafzimmer. (*4313ms

Motorrad
(Wanderer)
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Woog, am 29. Jult 1913.
Waſſerhöhe am Pegel 3,85 m.
Luftwärme 180 C.
Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 20% C.
Wooa=Polizei=Wache.

L

Heder brillanter Spleiplan
Nur bis Freitag!
Iergarten der Liebe
Nach dem Meiſterwerk Georges Ohnets Serge Panine.
Großes Drama in 2 Akten.
Ein Frauenschicksal
Echtes Milieu. Lebenswahres Spiel der Darſteller.
In dieſem realiſtiſchen, der Tragik nicht entbehrenden Lebens=
bilde
kommt die wunderbar gezeichnete Charakteriſtik der
Leidenſchaft und der endliche Sieg der wahren Liebe ſo recht
zum Ausdruck.
Ferner:
Die verschollene Tochter
Ein Roman aus dem Leben in 3 Akten.
Das eigenartige Problem, welches der zweite große Schlager
behandelt, wird durch die vollendete Wiedergabe der dar=
ſtellenden
Künſtler zu einem wirklichen Meiſterwerk.
Vornehmer Inhalt.
Glänzende Regie.
Feinſinniges Spiel.
Kunſtvolle Photographie.
Opfer des Spiels
Sehr ſpannender Detektiv=Roman.
Geld iſt der treibende Faktor, die Mittel ſind wahllos,
ohne Rückſicht auf Schwierigkeiten.
Ein kurzer aber feſſelnder Einakter.
Freiheitsliebe u. Dankbarkeit
Wunderbares Drama aus dem Amerikaniſchen.
Auf dieſes techniſch hervorragende und künſtleriſch hoch=
vollendete
Drama aus dem wilden Weſten wird beſonders
hingewieſen.
(16239
brillante Humoresken
Wunderbare Naturaufnahmen,
* Illustrierte Wochenschau
der neueſten Zeitereigniſſe ergänzen den hervorragenden
Spielplan. Erſtklaſſ. Extra=Einlagen.
Sinngemässe künstlerische Musikbegleitung.
Kaſſenöffnung täglich 3 Uhr.

Ein gut erhaltener
Landauer
mit ſilberplattiertem Pferde=
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billig abzugeben.
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Tier, mit Stammb. bill. zu verk.
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Wolfſpitz zogen, groß. prächt.
Tier, nach ausw. zu verk. (*4326ms
Näh. Schloßgartenſtraße 45, III.

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Ruſſen, Hermelin, alte und
junge, Waldſtr. 20, part. (*4345

Daute Miſt bill. zu verk. (*4259md
Heidelbergerſtr. 26, 2. St.

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1913er Frühbrut, ausgewachſen,
federvoll, unt. Garantie lebender
Ankunft: 10 ſchöne Gänſe 32 Mk.,
12 ſchöne Enten 21 Mk. liefert
F. Streusand, Myslowitz, O./S. 80.

Duchthühner, Ital., 1913er Früh=
brut
, in gr. Ausw. u. all. Farb.,
in 4-6 W. legend, empf. fortw. billigſt