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176. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadt,
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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wärts nehmen die Poſtämter u. die
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turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 12 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Kaufmann Eduard Brechner aus Darmſtadt wurde
am Samstag in einem Abteil II. Klaſſe des Zuges
Frankfurt-Darmſtadt erſchoſſen und
be=
raubt.
Das Luftſchiff „Viktoria Luiſe” iſt am Samstag
nach ſechsſtündiger Fahrt von Berlin nach
Frank=
furt zurückgekehrt.
Der Flieger Bider flog am Samstag von Mailand
bis Baſelüber die Alpen in vier Stunden.
Das ſpaniſche Königspaar iſt am Samstag mittag
von Paris über Calais nach England abgereiſt.
Der inernationale Kongreß für
Kinder=
ſchutz in Brüſſel nahm einen Antrag an, der die
belgiſche Regierung ermächtigt, die Gründung einer
in=
ternationalen Zentralſtelle für
Kinder=
ſchutz in Brüſſel in die Wege zu leiten.
Der Expreßzug Kopenhagen-Esbjerg
ent=
gleiſte am Samstag nachmittag bei Bramminge. Es
wurden 15—16 Tote und eine Anzahl Verwundeter
feſtgeſtellt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.
Die große Linke im Reichstage.
Unter dieſer Ueberſchrift veröffentlicht Dr. Hugo
Böttger, Mitglied des Reichstages, im „Tag”
nach=
ſtehenden Aufſatz:
Die letzten Nachwahlen zum Reichstage haben den
Konſervativen. Freikonſervativen und der Wirtſchaftlichen
Vereinigung Verluſte gebracht; drei Sitze ſind an die
Libe=
ralen, einer iſt an die Sozialdemokratie gefallen. Wenn
man die Nationalliberalen, Fortſchrittliche Volkspartei
und Sozialdemokratie als eine politiſche kompakte Maſſe
nimmt, kann man von einer Majorität der Linken im
Reichstage ſprechen, von einer großen Linken, die in einem
Lande mit parlamentariſchem Syſtem und unter der
Vor=
ausſetzung, daß alle Teile dieſer Linken regierungsfähig
wären das Miniſterium mit ihren Leuten beſetzen und die
Regierungsgeſchäfte führen würde. Davon kann zurzeit
in Deutſchland keine Rede ſein. Vom parlamentariſchen
Syſtem ſinſd wir weit entfernt, und die Linke iſt nicht
ein=
heitlich: vor allem iſt, das wird in den illuſionsreichen
Betrachtungen der linksliberalen Preſſe gefliſſentlich
über=
ſehen, dieſe ſogenannte große Linke im Grunde nichts
wei=
ter als eine mächtig aufgepumpte Sozialdemokratie, bei
der die beiden liberalen Gruppen nach Talent und
Nei=
gung auf dem Böck Platz nehmen dürfen. Wir haben 111
Sozialdemokraten, etwa 48 Nationalliberale und 45
Frei=
ſinnige. Aehnlich iſt das Verhältnis der hinter den
Man=
daten ſtehenden Stimmen: 4,25 Millionen
ſozialdemokra=
tiſch und 2,7 Milionen liberal. Es gehört für jeden
Liberalen ſchon eine ſtarke Portion Genügſamkeit oder
Einſichtsloſigkeit dazu, dieſem Zuſtande Jubellieder zu
weihen und an ihn die Hoffnung einer Renaiſſance des
deutſchen Liberalismus bei uns zu knüpfen.
Die Wahlen von 1912 ſind freilich nicht ohne
Einwir=
kung auf die Kräfte verteilung im Reichsparlament
ge=
blieben. Die linke Seite des Hauſes iſt etwas auf Koſten
der Rechten verſtärkt worden, was dann ein völlig
bür=
gerliches Präſidium zur Folge hatte und den an ſich nicht
ausſchlaggebenden Einfluß der Konſervativen noch etwas
verminderte. Es iſt auch weiter richtig, daß das Zentrum
damals ſeit Beſtehen der Partei die gerinaſte Zahl von
Mandaten erhielt, und daß ſich aus dieſen Verſchiebungen
andere Mehrheitsbildungen ergeben als im vorigen
Reichs=
tag, und daß die ſogenannte ſchwarz=blaue Mehrheit in
ihrer Reinheit der Vergangenheit angehört. Theoretiſch
könnte ſtatt deſſen der Großblock in Aktion treten;
voraus=
geſetzt, daß mit der Vermittelung vom Freiſinn
National=
liberale und Sozialdemokraten zum taktiſchen und
politi=
ſchen Zuſammenarbeiten ſich entſchlöſſen. Man will den
Anſatz hierzu bei den letzten Finanzgeſetzen und der
Heeresvorlage erkennen, wo die Sozialdemokratie an
Stelle der Konſervativen die erforderliche Mehrheit für
ein Hauptſtück, die Reichsvermögenszuwachsſteuer, lieferte
alſo in die Reihe der poſitiv ſchöpferiſchen
parlamentari=
ſchen Kräfte einrückte. Es wird für jeden
Nichtkonſerva=
tiven ein Rätſel bleiben, warum die Konſervativen in
die=
ſem Falle ihre eigene Entbebrlichkeit und die jedenfalls
verhältnismäßige Unentbehrlichkeit der Sozialdemokratie
nachgewieſen haben. Es geht indeſſen viel zu weit, aus
dieſem Einzelvorgange nun das tadelloſe Funktionieren
des Großblocks der großen Linken, bei anderen
Gelegen=
heiten in der Zukunft prophezeien zu wollen. An
poſi=
tiver parlamentariſcher Arbeit kann und ſoll niemand, auch
die Sozialdemokratie nicht, gehindert werden. Das war
auch im früheren Reichstage und vorher ſchon ſo. Die
abſolute Unfruchtbarkeit der Sozialdemokratie liegt ſchon
erheblich länger: Zeit hinter uns. Andererſeits haben
aber gerade die mühevollen und oft am Rande des
Ab=
grundes ſich bewegenden Arbeiten der Budgetkommiſſion
und des Plenums bei den Heeres= und Finanzvorlagen
erkennen laſſen, daß eine reine Linkenkombination
unpro=
duktiv ſein muß und bis auf weiteres jeden Geſetzgebungs=
wagen umwerfen wird. Schon der Freiſinn wird dann
jede Vorlage derat mit populären Forderungen belaſten,
daß der Verkehr ſtockt Die Sozialdemokratie muß, wenn
ſie nicht von den unbefriedigten Genoſſen im Lande
ge=
ſteinigt werden will, ſo viel demokratiſch=revolutionäre
Zu=
taten zu den Geſetzentwürfen geben, daß die Fracht
er=
barmungslos untergeht. Als Gegengewichte ſind das
Zentrum und mittelparteiliche Gruppen ſchlechthin
unent=
behrlich, damit die Hilfeleiſtung der Sozialdemokraten dem
Vaterlande nicht allzu teuer zu ſtehen kommt. Ich weiß,
man verſpricht ſich manchmal ſehr viel von der
Erzie=
bungsfähigkeit der Sozialdemokraten, die unter
re=
viſioniſtiſchem Einfluß demnächſt endgültig und
ohne Rückſicht den Großblocktraum realiſieren und ſich
all=
mählich in eine Regierungs= oder doch Arbeitspartei
um=
wandeln würden, nachdem allerdings der Staat die
nöti=
gen Zugeſtändniſſe gemacht hätte. z. B Abſchaffung des
ſtehenden Heeres, Entſcheidung über Krieg und Frieden
durch das Parlament und Regelung des Wirtſchaftslebens
durch die Gewerkſchaften. Da dieſe Zugeſtändniſſe nicht
möglich ſind, ſo ſind die Tage der ſozialdemokratiſchen
Mitarbeit nur als Kampfpauſen zu bewerten, zumal da
die Herrſchaft des Reviſionismus nicht unbedingt feſt
be=
gründet iſt.
Am meiſten intereſſiert an der Illuſionspolitik vom
Großblock iſt die Fortſchrittliche Volkspartei. Sie bildet
den Kern dieſer Gruppierung und ſtellt im parlamentariſch
regierten Staat, falls die Sozialdemokratie vorzieht.
Oppoſitionspartei zu bleiben, auf Verlangen die rötlich
ſtrahlenden Miniſter und Parlamentschefs. Aber auch
hier läuft viel Selbſttäuſchung unter. Der Freiſinn hat
aus eigener Kraft kein Mandat bei den Reichstagswahlen
errungen, ſondern ſich bald von Parteien der Rechten, bald
von der Sozialdemokratie in der Stichwahl heraushauen
laſſen. Glaubt man wirklich, daß die Sozialdemokratie
bei der Eroberung der Städte ſelbſt den ſchmiegſamſten
Freiſinn ſchonen wird oder daß die Bauern, Handwerker.
Kaufleute uſw. ſich auf die Dauer das fortſchrittliche
Dop=
pelſpiel gefallen laſſen, und glaubt man, daß ſolch ein
Liberalismus mit ſeiner ſchwierigen politiſchen Moral
lange ein Kernſtück irgendeiner politiſchen Gruppierung
bleiben kann daß die Sozialdemokratie dauernd die
Dienſte der Fortſchrittspartei honorieren wird? Gewiß,
zurzeit hat der Freiſinn als ſozuſagen linker Flügel der
Sozialdemokratie für dieſe einen bezahlbaren Wert, weil
er das Bürgertum, die Maſſen der Angeſtellten für den
Sozialismus vorbereitet. Je mehr das aber beſorat iſt,
deſto billiger ſtellt ſich die Rechnung der Sozialdemokratie
beim Freiſinn, deſto unbarmherziger wird er gedrückt
werden.
Den Nationalliberalismus werden hoffentlich ſein
Patriotismus, ſeine Klugheit und Weitſicht gleichermaßen
davor bewahren, ſich auf die Phantaſien von der großen
Linken mit Einſchluß der Sozialdemokratie einzulaſſen.
Denn dieſe Partei kann nicht wünſchen, daß die
Sozial=
demokratie dauernd ihre gegenwärtige Machtſtellung
be=
hält und womöglich noch auf Koſten der Rechten verſtärkt.
Das iſt aber eine unvermeidbare Vorbedingung des
Groß=
blocks, da der Freiſinn ſehr große Eroberungen nicht mehr
machen wird. Es iſt bislang immer ein Glaubensſatz der
Nationalliberalen geweſen daß ſie den Konſervativen
näher ſtehen als den Sozialdemokraten, daß ſie die erſteren
im deutſchen Parteileben für unentbehrlich, die letzteren für
verderblich erachten.
Beim näheren Zuſehen erweiſt ſich alſo die große
Linke von Baſſermann über Naumann bis Frank als eine
ziemlich wertloſe Zahlenſpielerei höchſtens geeignet, die
Politik der Fortſchrittlichen Volkspartei, die ſich in
Ab=
hängigkeit von der Sozialdemokratie begeben hat und
dem=
gemäß die Bündnisfähigleit dieſer Partei erhärten muß,
zu entſchuldigen Eine folgerichtiee ſelbſtändige überale
Politik läßt ſich jedenfalls mit der ſogenannten großen
Linken, die im Grunde nichts weiter als eine
Verherr=
lichung der Sozialdemokratie iſt, in Deutſchland nichſt
durchführen.
Deutſchland in China.
* Infolge der ſtändigen Ausdehnung der
revolutio=
nären Bewegungen in China iſt alles, was ſich zurzeit von
den deutſchen Seeſtreitkräften auf der
oſt=
aſiatiſchen Station befindet, zur Verſtärkung
des Schutzes der deutſchen Intereſſen jetzt
herangezogen worden. Das Kanonenboot „Iltis”, das
die letzten Wochen über auf einer Kreuzfahrt in den
japa=
niſchen Gewäſſern weilte, iſt vor allem von Kobe nach
Schanghai beordert worden, um dort mehrere Kriegsſchiffe
vereinigt zu haben; denn in Schanghai lagen bereits das
Kanonenboot „Luchs” und das Flußkanonenboot „
Vater=
land‟. Nach den letzten Meldungen aus Schanghai ſcheint
der „Iltis” gerade zur gegebenen Zeit in dem Hafen
ein=
getroffen zu ſein, da auch jetzt die in Schanghai ankernden
chineſiſchen Kriegsſchiffe in den Gang der Ereigniſſe
ein=
gegriffen haben. In Tſingtau hat man als Wachſchiff nur
das Kanonenboot „Jaquar” belaſſen, das zuletzt eine
Kreuzfahrt im Tſchili=Golf ausgeführt hat. Der Schutz im
Stromgebiet des Jangtſe, der letzter Tage auch eine
Ver=
ſtärkung erhalten hat, wird jetzt durch die beiden Kreuzer
„Leipzig” und „Nürnberg” vor Nanking und im
Mün=
dungsgebiet, durch das Kanonenboot „Tiger” bei Hankau
und durch zwei weitere Flußkanonenboote auf den
ver=
ſchiedenen Teilen des langen Stromlaufes ausgeübt. Von
der Hauptmacht des Kreuzergeſchwaders, den beiden
Pan=
zerkreuzern „Scharnhorſt” und „Gneiſenau” mit dem
Kreuzer „Emden”, die die letzten Wochen in der Südſee
weilten, fehlen neuerdings Nachrichten; die Schiffe waren
am 11. d. M. in Friedrich=Wilhelms=Hafen im Neu=
Gui=
nea=Schutzgebiet bezw. in Rabaut eingetroffen. Ob ihnen
inzwiſchen ein Befehl, jetzt die chineſiſche Küſte
anzu=
ſteuern, zugegangen iſt, muß ſich in den nächſten Tagen
er=
weiſen. Jedenfalls wäre ihre Anweſenheit in den
chine=
ſiſchen Gewäſſern gerade jetzt dringend erwünſcht, zumal
mit ihnen auch Graf Spee als Chef aller Seeſtreitkräfte
in Oſtaſien eintreffen würde
Deutſches Reich.
Die Kaiſermanöver. Wie nunmehr
be=
kannt wird, nimmt der Kaiſer während des diesjährigen
Kaiſermanövers in Bad Salzbrunn Quartier. Standort
der Manöverleitung iſt die Stadt Freiburg in Schleſien,
die deshalb von ſonſtiger Einquartierung und enger
Be=
legung durch die übenden Armeetruppen frei bleibt. Die
Manöverleitung trifft am 6. oder 7. September in
Frei=
burg ein, und ihre letzten Teile werden den Ort etwa am
13. wieder verlaſſen.
Wehrbeitrag und Schutzgebiete. Auf
die Mitteilung von der Ausdehnung des Wehrbeitrages
auf die Schutzgebiete, die vielfach in der Preſſe beſprochen
wurde, hat die Preſſe in den Kolonien zum Teil erregt
geantwortet und ſachlich eingewendet, daß eine Erhebung
der Steuer vielen Bedenken unterliege, zumal erſt die
Unterlagen für eine Beſteuerung geſchaffen werden
müß=
ten. Die Befürchtungen, daß die Einwohner der
Schutz=
gebiete den Wehrbeitrag zu entrichten haben, ſind aber
un=
begründet. Staatsrechtlich gelten unſere Schutzgebiete als
Ausland, woraus hervorgeht, daß diejenigen Einwohner
der Kolonien, die ſich länger als zwei Jahre dort
auf=
halten und aus Deutſchland ſtammen, einen Wehrbeitrag
nicht zu leiſten brauchen. Ebenſowenig kommt der
kolo=
niale Grundbeſitz im Inlande lebender Deutſcher bei der
Beſteuerung in Betracht. Die übrigen Beſtimmungen des
Paragraphen, der die Beitragspflicht regelt, kommen hier
nicht weiter zur Geltung.
Reform des Militär=
Intendantur=
weſens. Im Reichstage iſt wiederholt eine Reform des
Militär=Intendanturweſens angeregt worden und der
preußiſche Kriegsminiſter von Heeringen hat anerkannt,
daß auf dieſem Gebiete Verbeſſerungen getroffen werden
können. Im Verfolg dieſer Erörterungen hat das
Kriegs=
miniſterium eine Denkſchrift über die Reform des
Inten=
danturweſens bearbeitet, in der verſchiedene Vorſchläge
erörtert werden. Der Entwurf dieſer Denkſchrift iſt
be=
reits fertiggeſtellt und die Denkſchrift wird dem Reichstage
im Laufe der nächſten Tagung zugehen können. Die
Auf=
hebung der Diviſionsintendanturen ſteht ebenſowenig in
Ausſicht, wie die Beſetzung der Intendanturen mit
Gene=
ralſtabsoffizieren.
Ausland.
Frankreich.
Die neuen Steuern. Die Präſidenten von 20
der bedeutendſten Wirtſchaftsverbände Frankreichs haben
dem Miniſterpräſidenten und dem Finanzminiſter eine
ſchriftliche Kundgebung zu den Deckungsvorlagen
einge=
reicht, in der in Betreff der unvermeidlichen
Steuerer=
höhung die Aufrechterhaltung der Gleichheit aller Bürger
gegenüber den neuen Steuern gefordert wird. Es wäre
verhängnisvoll, nur einer beſtimmten Kategorie der
Bürgerſchaft ein finanzielles Opfer aufzuerlegen, unter
dem Vorwande, daß es ſich um nationale
Verteidigungs=
zwecke handle.
Das Geſamtbudget wurde mit dem vom
Fi=
nanzminiſter gebilligten ſozialiſtiſchen Zuſatzantrag
an=
genommen. Der Zuſatzantrag, dem die Kammer mit 245
gegen 231 Stimmen zuſtimmte, zielt darauf hin, daß von
dem Budget 1914 nur die von der Regierung
vorgeſchla=
genen Aenderungen, alſo etwa zwei Drittel des Budgets,
erörtert werden.
Aus Tanger wird gemeldet, Raiſuli, welcher ſich
an die Spitze der den Spaniern feindlichen Harka geſtellt
haben ſoll, befahl ſeinen Frauen und ſeinen Kindern,
Tanger zu verlaſſen, da er Zwangsmaßregeln gegen dieſe
befürchte. Die Familie Raiſulis reiſte unter dem Schutze
von 40 Kabilen nach Zinat ab. Raiſuli hatte außerdem an
500 Mann an der Grenze der Zone von Tanger
aufge=
ſtellt, welche ſeine Familie gegen etwaige Angriffe ſchützen
ſollten.
Seite 2
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Jnli 1913.
Nummer 174.
England.
Die Verfaſſungsänderung in
Aegyp=
ten, die in Kairo verkündet iſt, dürfte mit dem Plan,
die Kapitulationen loszuwerden, in Verbindung ſtehen.
Der miniſterielle Daily Chronicle erklärt ausdrücklich, daß
dieſe Aenderung nur ein Teil einer größeren Veränderung
iſt, die die Abſchaffung der Kapitulationen bringen wird.
Er bemerkt zugleich, daß das kommende engliſch=türkiſche
Uebereinkommen wohl die Erfüllung einer anderen
Vor=
bedingung der Abſchaffung der Kapitulationen, nämlich
der Aufhebung der türkiſchen Suzeränität bringen werde,
deren Frucht die Kapitulationen waren. Die
Verfaſſungs=
änderung gewährt der neuen Kammer, der aus 66
ge=
wählten und 17 ernannten Mitgliedern beſtehenden „
Ge=
ſetzgebenden Verſammlung”, das Recht legislativer
Initia=
tive (abgeſehen von konſtitutionellen Fragen) und ſie gibt
Aegypten zum erſten Male etwas wie ein Parlament.
Belgien.
Freilaſſung des Glücksſpiels. Die
zu=
ſtändige Parlamentskommiſſion hat ſich heute dafür
aus=
geſprochen, daß das Glücksſpiel in Belgien, allerdings
nur in der Sommerſaiſon, wieder freizulaſſen iſt. Die
Regierung ſteht dem Geſetzentwurf ſympathiſch gegenüber,
um die ungeheure Hypothekenverſchuldung von Oſtende und
Spaa zu ſanieren, wo der Fremdenbeſuch ſeit Aufhebung
der Spielbanken ſehr nachgelaſſen hat.
Spanien.
Aus Marokko. Villanueva, der von ſeiner
Be=
ſichtigungsreiſe aus Marokko zurückgekehrt iſt, äußert ſich
ſehr optimiſtiſch. Er glaubt, daß die Pazifizierung der
ſpaniſchen Zone raſch von ſtatten gehen werde.
Vereinigte Staaten.
Die Monroedoktrin. Im Repräſentantenhaus
iſt eine Reſolution eingebracht worden, die wiederum die
Monroedoktrin beſtätigt, indem ſie erklärt: Wir können
nicht eine weitere Ausdehnung irgendeines
Koloniſations=
ſyſtems der europäiſchen Nationen dieſer Halbkugel
geſtat=
ten, im beſonderen nicht eine Koloniſation von Völkern,
mit denen ſich der Kaukaſier nicht aſſimilieren will noch
kann. Die letztgenannte Klauſel bezieht ſich, wie
ange=
nommen wird, auf den Plan einer japaniſchen
Koloniſa=
tion in Mexiko.
Die Amerikaner in Mexiko. Der
amerika=
niſche Botſchafter in Mexiko, Wilſon, erklärte, daß dem
Eigentum der Amerikaner in Mexiko Gefahr durch
Auf=
ſtändiſche und Banditen drohe. Zwar habe die Regierung
gegenwärtig in allen, außer zwei Staaten, die Oberhand,
aber es ſei doch möglich, daß ſie verſage, und dann werde
das Chaos eintreten. Wenn er (der Botſchafter) zur Zeit
der Beſchießung der Stadt Mexiko nicht eingeſchritten
wäre, ſo würde die Stadt einen rieſigen Verluſt an
Men=
ſchen erlitten haben und in Flammen aufgegangen ſein.
Seine Vermittelung habe damals die Verſöhnung zwiſchen
Huerta und Diaz zur Folge gehabt.
Argentinien.
Erhebungen über das Gefrierfleiſch.
Die Kommiſſion der Deputiertenkammer, die ſich mit den
Erhebungen über das Gefrierfleiſch beſchäftigt, beſchloß,
ein Schutzgeſetz gegen den Truſt vorzuſchlagen, ferner eine
Vorlage über die Schätzung des argentiniſchen Viehs und
eine ſolche, die eine amtliche Erhebung über den
Innen=
handel mit Fleiſch vorſieht, einzubringen.
Südafrika.
Verhandlungen der Regierung mit den
Arbeiterverbänden. Die Regierung übermittelte
den Arbeiterverbänden ihre Vorſchläge, ſie enthalten die
Ernennung einer Kommiſſion, die die Beſchwerden der
Bergarbeiter prüfen ſoll. Eine andere Kommiſſion ſoll
ſich mit den Forderungen der Eiſenbahner beſchäftigen.
Die Regierung lehnt es ab, die Maßnahme, durch welche
ein Aufruhr unterdrückt wird, aufzuheben. Die Arbeiter
beraten, ob ſie die Vorſchläge der Regierung annehmen
ſollen. Die Lage wird jetzt günſtiger beurteilt.
* Sozialiſtiſche und bürgerliche
Städte=
verwaltung. Der Offenbacher Verein zur Wahrung
ſtädtiſcher Intereſſen” gibt, wie wir dem Karlsruher
Tage=
blatt entnehmen, eine zahlenmäßige Feſtſtellung, wie ſich
die Verwaltungskoſten in Offenbach mit
ſozialdemokrati=
ſcher Verwaltung zu denen der größten heſſiſchen Stadt,
Mainz, verhalten. Dabei ergibt ſich die Tatſache, daß in
Offenbach ſich ſo ziemlich alle Poſitionen des Voranſchlags
— auf den Kopf der Bevölkerung umgerechnet — ganz
er=
heblich, zum Teil mehr als 100 Prozent, höher ſtellen als
in Mainz. So erfordern, um einige Beiſpiele
herauszu=
greifen, an Ausgaben auf den Kopf:
in Offenbach in Mainz
Bürgermeiſter und Beigeordnete 0,43 M. 0,37 M.
Sekretariat
0,72
1,88
Stadtkaſſe
1,22 „ 0,60
Tagegelder und Reiſekoſten
.0,04 „ 0,03
Friedhöfe (Verwaltung und
An=
lage)
.1.30
0,75
Bureaukoſten
0,60 „ 0,30 „
Die Aufſtellung läuft in demſelben Stil fort; das
Ge=
ſamtreſultat iſt, daß in Offenbach die Verwaltung jährlich
38,63 M. auf den Kopf, in Mainz 23,94 M. erfordert, das
iſt ein Unterſchied von 15,29 M. oder rund 70 Prozent
zu=
gunſten der bürgerlichen Kommunalverwaltung. Aus
Ba=
den wird hierzu mitgeteilt, daß in einer Reihe badiſcher
Orte mit ſozialdemokratiſcher Mehrheit in der
Gemeinde=
vertretung ähnliche Verhältniſſe wie in Offenbach herrſchen.
* Der Krupp=Prozeß. Unter den in Berlin
ſeinerzeit in der Kruppaffäre als verdächtig Ermittelten,
befanden ſich auch eine franzöſiſche Sprachlehrerin und
der Direktor eines Unternehmens des Hohenlohe=
Kon=
zerns. Die Anklageſchrift enthält einen Vermerk, der dem
Vernehmen nach den Wunſch des Kriegsminiſteriums
aus=
drückt, daß die Verhandlung im Intereſſe der
Landesver=
teidigung unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit geführt wird.
Die Unterſuchung iſt ſo geheim geführt worden, daß den
Verteidigern nur an Gerichtsſtelle in Gegenwart eines
Be=
amten Einſicht in die Akten geſtattet iſt. Mitglieder der
Kruppſchen Direktion werden in der am 31. Juli
ſtatt=
findenden Verhandlung als Zeugen vernommen werden.
* Bern, 25. Juli. Im Juni wieſen die
el=
ſäſſiſchen Behörden den ſchweizeriſchen
Staats=
angehörigen Brunner, Inhaber einer größeren
Buch=
handlung in Straßburg, aus, weil er trotz mehrfacher
Verwarnung das verbotene Buch „Lhiſtoire de IAlſace‟
von Hanſi weiter verkauft hatte. Brunner erſuchte den
ſchweizeriſchen Bundesrat, ſich zu ſeinen Gunſten in
Ber=
lin zu verwenden. Auch die Preſſe beſchäftigt ſich lebhaft
mit dieſer Angelegenheit. Nachdem der Bundesrat in
Ber=
lin durch die ſchweizeriſche Geſandtſchaft Informationen
eingezogen hatte, nahm er heute auf Grund der Akten
Kenntnis davon, daß die Ausweiſung Brunners
recht=
mäßig erfolgt war und nicht im Widerſpruch mit dem
deutſch=ſchweizeriſchen Niederlaſſungsvertrage ſtehe.
Da=
her iſt zu weiteren Schritten kein Anlaß vorhanden.
* Peterhof 25. Juli. Das Kaiſerpaar nebſt
Kindern trafen von der Standardreede in Kronſtadt ein,
gingen dort auf die Kaiſerjacht „Alexandria” über und
be=
gaben ſich nach Peterhof, wo ſie die Sommervilla
Alexan=
dria bezogen haben.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 28. Juli.
* Von der Landesuniverſität. Se. Königl. Hoheit
der Großherzog haben den außeretatsmäßigen
außer=
ordentlichen Profeſſor Dr. Hans Köppe in Gießen zum
etatsmäßigen außerordentlichen Profeſſor für
Kinderheil=
kunde bei der mediziniſchen Fakultät der Landesuniverſität
in Gießen ernannt.
* Ernannt wurde durch Entſchließung Großh.
Mi=
niſteriums des Innern der Referendar Dr. Auguſt
Röſener zu Mainz zum Regierungsaſſeſſor.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Johann Lamberth aus Ludwigshöhe, Kreis
Oppen=
heim, eine Lehrerſtelle zu Klein=Hauſen, Kreis Bensheim.
* Erledigte Stelle. Die erſte Schulſtelle zu
Wallernhauſen. Mit derſelben iſt Organiſten= und
Lektordienſt verbunden.
g. Ferienſtrafkammer. Der 31jährige Schreiner
Jakob Neff von Ober=Moſſau und die 35jährige
Dienſt=
magd Lydia Matt von Bruchſal, beide vorbeſtraft,
ſtan=
den am Samstag unter der Anklage der Landſtreicherei,
des Diebſtahls, Bettelns und Widerſtands vor der Fe=
rienſtrafkammer. Beide zogen vagabundierend durch die
Wälder des Odenwaldes und ſchlugen meiſt ihr
Nacht=
lager bei Mutter Grün auf. Am 17. Juni hatten ſie in
Fränkiſch=Crumbach Station gemacht, und während die
Matt ſich an einem kühlen Trunk labte, machte ſich ihr
ga=
lanter Begleiter auf, um den Betrag der Zeche zu
erbet=
teln oder zuſammenzuſtehlen. Eine Frau, bei der er
bettelte, vermißte ſofort aus ihrem Schrank ein
Zwei=
markſtück. Das veranlaßte ſie, die Sache anzuzeigen. Der
Angeklagte, der wohl ſonſt niemals im Beſitz von ſo
hohen Barbeträgen iſt, bezahlte denn auch ſofort nach
ſei=
ner Rückkehr die Zeche mit einem Zweimarkſtück. Als der
Polizeidiener Fornoff das Pärchen in der Wirtſchaft
feſt=
nehmen wollte, verſetzte ihm die ſchlagfertige Maid eine
Ohrfeige, auch der Angeklagte ſetzte ſeiner Verhaftung=
Widerſtand entgegen. Er zog einen Revolver, den er gegen
den Beamten richtete. Die beiden Landſtreicher ergriffen
ſodann die Flucht, und da ihnen der aſthmatiſche
Polizei=
beamte nicht folgen konnte, entkamen ſie. Die
ſo=
fort telephoniſch benachrichtigte Reichelsheimer
Gendar=
merie nahm unverzüglich die Verfolgung der Flüchtigen
auf. Ein geheimnisvoller, ungewohnter Duft führte die
findigen Jünger der Hermandad auf die richtige Spur.
In einem romantiſchen Winkel im Ebersberger Forſt
hatten die Angeklagten ihr Lager aufgeſchlagen.
Wäh=
rend ſich Neff dem Schlummer ergeben hatte, bereitete
die Matt auf einem Petroleumkocher, deſſen Duft ſie
ver=
raten hatte, ein Mittagsmahl. Jetzt gelang es ihnen nicht
wieder, zu entkommen. Bei ihren Wanderungen hatten
ſie einen wertvollen Jagdhund bei ſich, den ſie dem Wirt
auf dem Zipfen geſtohlen hatten. Der Angeklagte Neff
behauptet, den Hund gekauft zu haben, obwohl er kein
Geld beſaß. Die Landſtreicherei habe er nur
notgedrun=
gen ausgeübt, da er wegen Krankheit keine Arbeit
be=
kommen konnte. Er wurde zu 8 Monaten
Gefäng=
nis, 4 Wochen Haft und Ueberweiſung an die
Lan=
despolizeibehörde, die Matt zu 1 Woche Gefängnis
verurteilt. — Der 31jährige Drechſler Eduard Stürtz
aus Offenbach in der Pfalz wurde wegen eines in
Heu=
ſenſtamm verübten Verbrechens nach § 176,3 des
Straf=
geſetzbuches zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
g. Provinzialausſchuß. Am 14. Juni 1913 ſollte in
Rembrücken (Kreis Offenbach) Beigeordnetenwahl
ſtattfinden. Gegen die Wählerliſte wurden am 5. Juni
von dem Michael Hermann Sattler und zwei weiteren
Einwohnern von Rembrücken Einwendungen erhoben,
in=
dem behauptet wurde, ein Wähler ſei zu Unrecht in die
Wählerliſte eingetragen und ein weiterer zu Unrecht aus
derſelben geſtrichen worden. Es wurde behauptet, ein in
die Liſte Eingetragener habe längere Zeit in Heuſenſtamm
gewohnt, er habe alſo nicht während der letzten 3 Jahre
in Rembrücken gewohnt. Ein anderer ſei als Hausſohn
zu betrachten und in die Wählerliſte eingetragen. Die
Bürgermeiſterei beſchied die Einwendungen als
unbe=
gründet. Der Wähler habe bis zum Herbſt 1912 in
Darm=
ſtadt ſeiner Militärpflicht genügt, er habe alſo nicht, wie
es Artikel 38 der neuen Landgemeindeordnung vorſchreibt,
einen ununterbrochenen dreijährigen Wohnſitz in
Rem=
brücken gehabt, konnte alſo auch nicht in die Wählerliſte
eingetragen werden. Der andere eingetragene Bürger
habe nur kurze Zeit, immer nur einige Tage in der Woche,
in Heuſenſtamm gewohnt. Seine Eintragung ſei alſo zu
Recht erfolgt. Der Kreisausſchuß Offenbach verwarf die
Klage des Sattler als unbegründet. Dieſer verfolgt
Re=
kurs gegen das Urteil, der am Samstag vor dem
Pro=
vinzialausſchuß zur Verhandlung kam. Der Vertreter des
Klägers führte aus, daß es nicht im Sinne des Geſetzes
liegen könne, daß durch die Militärdienſtzeit die
Wahl=
berechtigung erſchwert werde. Wenn der durch die
Dienſt=
zeit unterbrochene Aufenthalt nicht als Ganzes betrachtet
werde, ſo bekämen ja dieſe Leute erſt mit dem 29.
Lebens=
jahr das Wahlrecht. Der Provinzialausſchuß erkannte
dahin der Berufung gegen das Urteil des
Kreisaus=
ausſchuſſes Offenbach wird inſoweit ſtattgegeben, als die
Aufnahme des Jakoby in die Wählerliſte nicht erfolgte.
Dieſer hätte in die Wählerliſte aufgenommen werden
müſſen. Die Koſten des Verfahrens einſchließlich der der
anwaltlichen Vertretung werden der Staatskaſſe auferlegt.
— Der Schuhmacher Wilhelm Schwarz in Darmſtadt
machte am 24. Juni dem Polizeiamt Anzeige von dem
Beginn eines Trödelhandels in dem Hauſe Kleine
Bach=
gaſſe 10. Das Kreisamt beantragt, die Konzeſſion wegen
Vorſtrafen des Geſuchſtellers zu verſagen. Der
Provin=
zialausſchuß tritt dieſem Antrage bei und verſagt die
Konzeſſion. — Die 43jährige taubſtumme Marie
Schei=
per von Darmſtadt ſuchte beim Polizeiamt die
Erteil=
ung eines Wandergewerbeſcheins nach. Ihr
Mann betreibt nach dem Entſcheid des Polizeiamts ein
anſcheinend gut gehendes Schuhmachergeſchäft. Sie will
mit Galanterie= und Kurzwaren handeln. Das Polizeiamt
lehnte deshalb den nachgeſuchten Schein ab. Auch das
Kunſt und Kunſtgenuß.
Von Robert Raffay.
Kunſt iſt heute — im Widerſpruch zur oberflächlichen
Erſcheinung — nicht mehr denn je Gemeingut der Menge.
Wenn eine einzige Ausſtellung in einer Anzahl von Sälen
deren bloßes Durchſchreiten ein ermüdender Spaziergang
iſt, Tauſende von Kunſtwerken dem Urteil, dem Lob und
dem Tadel der Menge preisgibt, und wenn täglich eine
Anzahl von Menſchen den Obolus ihres „Bildungsgangs”
entrichtet, ſo iſt dies kein Beweis dafür, daß die Kunſt zu
einer Angelegenheit für die Menge geworden iſt. Es iſt
nur die greifbare Materialiſierung der Wahrheit, daß der
Menge im Namen und unter der Firma Kunſt vieles als
echte Kunſt genannt wird, was nichts mit der ſtrengen,
reinen Kunſt gemein hat, und daß die Menge eben
blind=
lings traut und vertraut. Wie viele aus einer ſolch
über=
großen Zahl von Kunſtwerken können Früchte jener ſo
ſeltſam=wunderbaren Schöpfungstätigkeit weniger
erleſe=
ner und geweihter Menſchen ſein? Und wie viele ſind
Kunſt,werte”? Und wie viele der Beſchauer empfinden
Kunſt und empfinden den Unterſchied zwiſchen
künſtleri=
ſchem Schaffen und dem Gewerbe der Scheinkunſt? Wie
viele können Kunſt genießen, haben die Fähigkeit, im
Er=
ſchauen eines Kunſtwerkes ein Erlebnis zu fühlen? Denn
Kunſtgenuß iſt Kunſtgefühl; jedes Gefühl aber, jede
Empfindungsfähigkeit iſt eine Gabe des Urſprunges jedes
einzelnen Menſchen, die entweder von Anfang an im
Keime vorhanden iſt, wie der Duft im Samen der Blume,
oder aber nicht, und dann nie erworben werden kann.
Die Wahrheiten der Kunſt laſſen ſich nicht lehren, und
alle Kunſt iſt Offenbarung. Und der Genießende, ihm iſt
jedes Kunſtwerk eine neue Offenbarung, die
Wahrheits=
offenbarung einer neuen Schönheit, und er muß ein Weſen
ähnlicher, künſtleriſcher Veranlagung, wenn auch im
ge=
ringeren Maße ſein, als der Erzeuger jenes Kunſtwerkes.
deſſen Schönheit er im Grunde erlebt. Feinſinnig iſt alle
Kauſt, und alles Schönheitsgenießen iſt Feinſinnigkeit.
Doch wäre es zu erdenken, daß alle Glieder einer breiten
Menge und weniger als alle von der Natur mit
künſtleri=
ſchem Fühlen und Empfinden beſchenkt wären? Und mit
Sinnen, die bei der Empfängnis eines künſtleriſchen
Ein=
druckes zarter und feiner zu ſchwingen vermögen, als die
Staubblüten einer Wieſenblume erzittern, wenn die
Flucht eines Wildes die Luft ihrer Nähe ſtreift; mit
Sin=
nen, die jener Uebertragung fähig ſind, die Prämiſſe iſt
zu allem Kunſtgenuß: die Uebertragung vom dich
Er=
ſchauen oder Hören gewonnenen rein ſinnlichen Eindruck
zur Wiedergeburt, zur Wiederauferſtehung aus der
eige=
nen Phantaſie? Denn nur alſo Erworbenes, durch die
Wahrnehmung berauſchter Sinne und durch die Aufnahme
in den eigenen Phantaſiekreis Gewonnenes iſt Freude
und Beſitz. Ein Kunſtwerk genießen aber heißt, es in
Freude beſitzen, es ſeiner Seele erobert haben.
Und wäre es zu erdenken, daß alle Glieder einer
brei=
ten Menge fähig ſind jener Leidenſchaft und
Begeiſter=
ung, die den Kunſtgenuß zeugen und Urgrund ſind alles
(geiſtigen) Eroberns? Nur eine Seele voll reichſter
Phan=
taſie und ein Geiſt von ſolch außerordentlicher
Empfind=
ſamkeit und Freudenmöglichkeit kann Kunſt genießen, ein
Menſch mit ſolch ungewöhnlich empfänglichen Sinnen
und von hoher äſthetiſcher Kultur. Dieſe aber und
Fein=
ſinnigkeit, wie überhaupt alles Ungewöhnliche und
Außer=
ordentliche, kann nie Eigentum einer Menge ſein, die im
Kampf ums tägliche Leben ihr Denken, ihr Sinnen und
Trachten allzuſehr auf Irdiſches und Materielles
beſchrän=
ken muß, um irdiſche Güter zu ſchaffen, zum Nachteil
ſeeli=
ſcher Feinheit und Genußfähigkeit. Zur Menge zu
ſpre=
chen und ihr Genuß und Notwendigkeit zu werden,
ver=
mag nur die angewandte, die dekorative Kunſt, die nicht
entmaterialiſiert zum Symbol der Idee und alſo keine
Uebertragungsfähigkeit begehrt, die von der reinen
Phan=
taſiekunſt nur die Geſetze der Schönheit, des Rhythmus
und der Harmonie entleiht, um ſie dem Material zu
geben, nicht aber jene Selbſtentäußerung, jenes
Sichlos=
löſen von allem Irdiſchen fordert, wie die
Phantaſie=
kunſt. Wie viel die dekorative Kunſt einem Volke zu
geben vennag, fagt Plato im Hymnus eines Zukunfts=
traumes: „Die Kinder werden aufwachſen in der einfachen
Luft alles Schönen, wo die Schönheit über Auge und Ohr
kommen wird wie ein friſcher Windhauch, der aus
kla=
rem Bergland Geſundheit mitführt und unmerkbar und
mählich die Seele des Kindes in Einklang bringt mit
allem Wiſſen und aller Weisheit, ſo daß es das Schöne
und Gute lieben und das Böſe und Häßliche haſſen wird,
bevor es noch den Grund dafür erkannt und ihm, wenn
der Verſtand kommt, auf die Wange küſſen wird, wie ein
Freund.”
Die „reine” Kunſt iſt eine Tyrannin der Seele. Nicht
nur vom Künſtler, auch vom Genießendenverlangt ſie
reſt=
loſe Selbſtvergeſſenheit und tiefſte Paſſivität ſeiner Seele
im Augenblick der (Eindrucks=)Empfängnis. Vom Künſtler,
um in der Stunde der Schöpfung, der Fruchtbarkeit, aus
dem Born ſeiner Seele reich und unerſchöpflich füllen zu
können. Wie jedes tiefſte Erlebnis, jedes Zeugen, jede
letzte und höchſte Gabe der Seele durch Vermittelung eines
der Sinne Freude und Weh iſt, iſt auch jedwede
Schöpf=
ung dem Künſtler Qual des Kampfes und Luſt der Ruhe
zugleich. Und dieſes iſt das Gottesgnadentum des
Künſt=
lers, daß er, wie Eros, der Urgott der Hellenen, Mann
und Weib iſt in der Einheit ſeiner Perſon. Die Frucht
dieſer geheimnisvollen Verbindung aber iſt das
Kunſt=
werk; es iſt das ſinnfällig, „Leben” gewordene Bild der
Seele ſeines Erzeugers. Darum iſt Kunſt
Gottes=
dienſt und der Künſtler ein Prieſter, weil Kunſt die
Ver=
wandlung geheimnisvoller Kräfte zur Tat iſt und der
Künſtler ihr Mittler und Erfüller. Alle Kunſt iſt
Reli=
gion. Die chriſtliche Religion nahm ihre Grundidee aus
dem Empfinden, dem Gedankenreich und aus ſchon
irgendwie vorhandenen Vorſtellungen des Volkes und
ordnete ihre Geſetze dem Begehren des Volkes nach
Ver=
allgemeinerung, nach Pracht und nie ſich offenbarenden
Geheimniſſen unter; darin liegt die Kraft ihres Sieges
und daher iſt ſie eine Religion für das Volk. Kunſt aber
iſt die ariſtokratiſchſte, erkluſivſte Aeußerung eines
einzel=
nen Geiſtes, nie keimt eine Kunſtidee in der Menge
und nie kann alſo Kunſt zur Religion der Menge werden.
Nummer 174
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Juli 1913.
Seite 3
Kreisamt ſah keine Veranlaſſung, der Klage der
Geſuch=
ſtellerin ſtattzugeben, da angenommen werden könne, ſie
würde ihr Gebrechen nur zur Ausbeutung des Mitleids
benutzen und die Einkommensverhältniſſe der Familie
anſcheinend keine ſchlechten ſeien. Der
Provinzialaus=
ſchuß weiſt die Klage ab. Der Streitwert wird auf 200
Mark feſtgeſetzt. — Die Wictſchaftsdeputation und das
Polizeiamt Darmſtadt hatten die Bedürfnisfrage für die
Weiterführung der Schankwirtſchaft im Hauſe
Schuchard=
ſtraße 10 in Darmſtadt bejaht, während das Kreisamt und
der Gaſtwirteverein das Bedürfnis verneinten. Fragliche
Wirtſchaft wird ſeit 1896 ohne weſentliche
Unterbrech=
ungen betrieben. Eine hierbei eingeholte Auskunft
der Großh. Zentralſtelle für
Landesſtati=
ſtik gibt intereſſante Zahlen an, als daraus hervorgeht,
daß ſich von 1882 bis 1907 die Wirtſchaften in der
Stadt Darmſtadt um 166,9 Prozent, die
Be=
völkerung dagegen nur um 108 Prozent
vermehrt habe. Im Kreis Darmſtadt vermehrten
ſich die Wirtſchaften in der gleichen Zeit um 94,6 Prozent,
die Bevölkerung um 65,9 Prozent. Der
Provinzialaus=
ſchuß erteilte die nachgeſuchte Konzeſſion.
* Einberufung der Reſerviſten. An das
General=
kommando des 18. Armeekorps hat ſich der
Landtagsabgeordnete Dr. Winkler mit folgender
Ein=
gabe gewandt: Eine größere Anzahl von Landwirten hat
Klage darüber geführt, daß ſie durch die vorzeitige
Ein=
berufung der Reſerviſten vor eine ſchwere Schädigung
ihrer landwirtſchaftlichen Intereſſen geſtellt ſind. Durch
die eigenartige Witterung ſind die ſämtlichen
Erntearbei=
ten auf einen Zeitpunkt zuſammengedrängt. Während in
ſonſtigen Jahren Korn, Gerſte, Hafer und Weizen zu
verſchiedenen Zeiten reifen, müſſen ſie in dieſem Jahre
ziemlich zu gleicher Zeit geſchnitten werden. Es findet
alſo eine ganz ungewöhnliche Häufung der
Erntearbei=
ten ſtatt. Die Körner fallen vom Halme, wenn die Frucht
überreif wird, und ſie ſchlagen aus, wenn die
geſchnit=
itene Frucht zu lange am Boden liegt. Der andauernde
Regen verſchlimmert dieſe Verhältniſſe. Die feuchte
Wit=
terung zwingt die landwirtſchaftliche Bevölkerung zudem
zu fortgeſetzter mühevoller Bekämpfung der
Rebſchäd=
linge. In dieſer Zeit erhalten die landwirtſchaftlichen
Arbeiter und Hausſöhne ihre Einberufung zu den
Reſer=
viſtenübungen. Viele Landwirte werden hierdurch jeder
Hilfskraft beraubt. Die dringendſten Arbeiten können
nicht verrichtet werden. Die Lage der Betroffenen wächſt
ſich zum Notſtand aus. Ich richte in meiner Eigenſchaft
als Mitglied des Heſſiſchen Landtages an das
General=
kommando die Bitte, vor dem 15. Auguſt keine
landwirt=
ſchaftlichen Hausſöhne und Arbeiter mehr einzuberufen,
auch die Einberufenen bis zu dieſem Zeitpunkt zu
ent=
laſſen. Ich vertraue dabei auf das Wohlwollen und das
Verſtändnis, welches das Generalkommando auch früher
ſchon den Bedürfniſſen der Landwirtſchaft
entgegenge=
bracht hat. — Herr Dr. Winkler hat ſich in dieſer Sache
auch an das Miniſterium des Innern gewandt.
— Vom Großh. Hoftheater. Die
Anmeldungs=
friſt für das neue Abonnement läuft am
17. Auguſt ab. Die Einführung des neuen
Abonne=
mentsſyſtems ſcheint, nach der großen Zahl der
bis=
lang eingelaufenen Anmeldungen zu urteilen, Beifall
ge=
funden zu haben. Die Hoftheaterleitung teilt auf
zahlreiche Anfragen mit, daß die Sonntage, wie im
vergangenen Jahr, den einzelnen Buchſtaben abwechſelnd
zugeteilt werden. Eine Veränderung betrifft nur die
Wochentage, indem die Buchſtaben auf beſtimmte Abende
feſtgelegt werden. In der neuen Spielzeit finden die
Abonnementsvorſtellungen für die Serie A ſtets am
Dienstag, B am Mittwoch, C am Donnerstag und D
am Freitag ſtatt. Die Hoftheaterleitung wird von
dieſer Einteilung nur in ganz beſonderen
Ausnahme=
fällen abweichen. Die ausgefallene Vorſtellung wird
in ſolchen Fällen den Abonnenten noch im Laufe
derſelben Woche beſetzt werden. Die meiſten der
an=
gekündigten Gaſtſpiele dürften im Rahmen der
Abonne=
mentsvorſtellungen veranſtaltet werden.
* Mayiſche Stiftung. Die ſeit 1809 verteilte
Unterſtützung aus der „Regierungsrat Mayiſchen
Schul=
unterſtützungsſtiftung” wurde am Samstag wiederum
an 106 Lehrer der ſieben alten Diözeſen gegeben. Es
entfielen von der jetzt 180900 Mk. betragenden Stiftung
auf jeden Lehrer 39 Mk., insgeſamt 4134 Mk.
* 2. Ziel Gemeindeſteuer. Wir machen unſere
Leſer darauf aufmerkſam, daß das 2. Ziel der
Ge=
meindeſteuern für 1913, wie im Vorjahre, bis
Ende laufenden Monats an die Stadtkaſſe zu
bezahlen iſt.
* Tourenklub „Die Wetterfeſten”. Am Sonntag, den
3. Auguſt, findet die 9. Wanderung in Geſtalt einer
Rheinfahrt ſtatt. Abfahrt 6.22 Hauptbahnhof (
Sonn=
tagskarte).
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Expe=
dition (Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende Bilder
neu ausgeſtellt: Der bei Schneidemühl zerſtörte
Luftkreu=
zer „Schütte=Lanz” der Flug des Leutnants Joly von
Köln nach Königsberg: zur Beſetzung von Adrianopel durch
türkiſche Truppen; bulgariſche Gefangene in Uesküb erhal=
ten ihr Eſſen; Ankunft verwundeter Serben auf dem
Bahnhof in Belgrad.
* Zuſammenſtoß. Am Samstag morgen ſind zwei
Züge vor dem Gelände des früheren Ludwigsbahnhofs
zuſammengeſtoßen, die den Schuit dort wegfahren.
Die Wagen ſprangen aus dem Gleis und ſind teilweiſe
beſchädigt. Mit den Aufräumungsarbeiten hat man
ſogleich begonnen.
Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am 26. Juli.
Butter, ½ kg . 1,30 M.
i. Part., ½ kg 1,25 M.
Eier, Stück
—10 Pf.
Schmierkäſe, ½ Liter 20 Pf.
Handkäſe, Stück . 4—10 Pf.
Kartoffeln, Ztr. 3—3,25 M
Kumpf (10 Liter) 55 Pf.
½ kg . . . . . 4 Pf.
Obſt u. dergl.:
Eierſchwämme½kg 15-18 Pf
Aprikoſen, ½ kg 70—80 Pf.
Reineklauden, ½ kg 40-50 Pf
Pfirſiche, ½ kg 60—80 Pf
Pflaumen, ½ kg 40 Pf.
Zwetſchen, ½ kg . 40 Pf.
Aepfel, ½ kg . 14—30 Pf
Birnen, ½ kg 30—50 Pf
Zitronen, Stück 7—8 Pf.
Stachelbeer., Schpp. 12-18 Pf.
Apfelſinen, Stück 8—10 Pf.
Johannisbeeren, ½kg30 Pf.
Wald=Erdbeeren,
Schoppen . . 40—50 Pf.
Himbeeren, ½ kg 40—50 Pf
Trauben, ½ kg 50—55 Pf.
Falläpfel, ½ kg . 6—7 Pf.
Kirſchen, ½ kg . . 40 Pf.
Sauerkirſchen, ½ kg 45 Pf.
Salat, Gemüſe uſw.
Kopfſalat, Stück . 4—8 Pf.
Kohlrabi, Stück . 3—6 Pf
20 Pf.
Erbſen, ½ kg
Radieschen, Bündel 2—3 Pf.
Rettiche, Stück 5—10 Pf.
Meerrettich, Stück 30 Pf
Roterüben, Bündel 5—6 Pf
7 Pf.
Zwiebeln, ½ kg
Tomaten, ½ kg . . 25 Pf.
Spinat, ½ kg . 20—25 Pf.
Weißkraut, Stück 25—40 Pf
Rotkraut, Stück . . 35 Pf.
Blumenkohl, Stück 10—50 Pf.
Wirſing, Stück . 5—20 Pf.
Zuckererbſen, ½ kg 30 Pf.
Saubohnen, ½ kg 25 Pf.
Gelberüben, Bündel 3—5 Pf
Rhabarber, ½ kg 15 Pf
Gurken, Stück 15—30 Pf.
Einleggurken, Stück 2—5 Pf
Römiſch=Kohl, Bündel 2 Pf.
Bohnen, ½ kg . . 18 Pf.
Geflügel, Wildbret:
Gänſe, ½ kg 1,10—1,20 M.
Enten, Stück 3,50—4,00 M.
Hahnen und Hühner,
3,00—3,50 M.
Stück
Tauben, Stück 65—70 Pf.
Lapins, Stück . . 1,10 M.
Fiſche:
.90 Pf.
Hecht, ½ kg
Aal, ½ kg 1,10—1,20 M.
Karpfen, ½ kg 70—80 Pf.
Andere Rheinfiſche,
½ kg . . . . 35—40 Pf.
Rotzungen, ½ kg 60 Pf.
60 Pf.
Schollen, ½ kg
Kabeljau, ½ kg 21—25 Pf.
Schellfiſche, ½ kg 30—35 Pf.
Bratſchellfiſche, ½kg 20.25 Pf
Barben, ½ kg . 60—70 Pf.
In den Fleiſchſtänden:
Rindfleiſch, ½ kg . 70 Pf.
Hackfleiſch, ½ kg . 76 Pf.
Rindsfett, ½ kg . 56 Pf.
Rindswürſtchen, Stück 15 Pf.
Schweinefleiſch, ½ kg 92 Pf.
Geſalzenes und Koteletts,
2 kg
. 1 M.
Schwartemagen u.
Fleiſch=
wurſt, ½ kg . . 90 Pf.
Leber= und Blutwurſt,
½ kg . . . . . 72 Pf.
Klein=Krotzenburg, 26. Juli. Des Amtes
ent=
hoben wurde der Rechner der hier vor einigen
Jahren gegründeten Kohlenkaſſe „Selbſthilfe‟
Auf Beſchwerden von verſchiedenen Mitgliedern, die trotz
erfolgter Einzahlung keine Kohlen erhielten, nahm der
Vorſtand eine plötzliche Reviſion vor, wobei
Verun=
treuungen in Höhe von einigen tauſend Mark
feſtge=
ſtellt wurden.
Mainz, 26. Juli. Im November und Dezember 1911
hatte der Zentralverband der Fleiſcher und
Berufsgenoſſen, Ortsverwaltung Mainz, wegen
Nichtannahme des Tarifvertrages vor dem Laden des
Metzgermeiſters Adam Heil in der Betzelsgaſſe
Flug=
blätter verteilen laſſen, worin die
Arbeiterkund=
ſchaft darauf aufmerkſam gemacht wurde, daß Heil den
Tarifvertrag nicht angenommen und die dem
Zentralverband angehörigen Gehilfen die Arbeit
ver=
laſſen hätten. Es wurde in den Flugblättern, unter
Auf=
zählung von Mißſtänden, die in dem genanten Betrieb
herrſchten, darum gebeten, den Laden des Heil zu meiden.
Heil hat nun gegen den Zentralverband beim
Land=
gericht Mainz eine Entſchädigungsklage
an=
geſtrengt. Nach längerer Beweisaufnahme und
Anhör=
ung von Sachverſtändigen wurde die Klage dem
Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. Der
Kläger hatte geltend gemacht, daß ihm durch das Vorgehen
mit den Flugblättern ein erheblicher Schaden erwachſen
ſei, indem während der Unruhen vor ſeinem Geſchäft, die
ſogar die Anrufung polizeilicher Hilfe notwendig gemacht
hätten, die Kunden abgehalten worden ſeien, bei dem
Kläger ihre Einkäufe zu machen. In den
Entſcheidungs=
gründen des Urteils wird angeführt, daß in dem
Be=
triebe des Heil erhebliche Mißſtände herrſchten, allein
da=
von ſei bei den Verhandlungen wegen Einführung des
Tarifvertrags keine Sprache geweſen. Erſt als die
Ver=
handlungen geſcheitert, habe man in den Flugblättern
die ſchlechten Arbeitsverhältniſſe ins Vordertreffen
ge=
ſtellt. Das Hauptziel des Boykotts ſei geweſen, dem
Klä=
ger den Arbeitsnachweis des Zentralverbandes
aufzu=
zwingen. Eine derartige willkürliche Maßregelung, durch
die dem Kläger die Herrſchaft in ſeinem Geſchäfte ent=
zogen und er der Macht des Zentralverbandes
beding=
ungslos unterworfen würde, verſtößt gegen die
guten Sitten. Dies hat nach § 826 B.=St.=G. zur
Folge, daß der Beklagte den dem Kläger entſtandenen
Schaden in vollem Umfange zu erſetzen hat.
Der Zentralverband will gegen das Urteil Berufung
ein=
legen. — Eine nächtliche Scheinwerfer=
Uebung an der Kaiſerbrücke und oberen
Eiſenbahn=
brücke, wozu auch zwei Militär=Zeppeline aus Metz und
Köln kommen ſollen, findet vom 2. bis 3. Auguſt ſtatt. In
einer amtlichen Bekanntmachung heißt es, daß in dieſer
Nacht von 1 bis 3 Uhr die Signallaternen an beiden
Brücken gelöſcht werden.
Monsheim, 26. Juli. Geſtern wurde die im Jahre
1872 gepflanzte Friedenslinde die nur noch einen
grünen Aſt hatte, ausgegraben; auch die
Umfaſſungs=
ſteine wurden entfernt. Das Gefäß, in der ſich die
da=
mals beigelegte Urkunde befand iſt noch ganz gut
erhal=
ten, es iſt bis jetzt noch nicht geöffnet worden; ſoviel man
durch das Glas ſehen kann, iſt die Urkunde ganz vergilbt.
Es ſoll nun eine Eiche, jedoch nicht an derſelben Stelle
bis zum Spätjahr angepflanzt werden. Sie ſoll
an die Wiedererhebung Deutſchlands vor 100 Jahren und
zugleich auch an den glorreichen Feldzug von 1870/71
erinnern. Der Tag der Anpflanzung dürfte
vorausſicht=
lich der 18. Oktober ſein der Tag der Schlacht bei Leipzig.
Zugleich ſoll eine allgemeine Gemeindefeier damit
ver=
bunden werden.
Wies=Oppenheim, 26. Juli. Die ſeit Dienstag in der
Barbaroſſamühle hauſende Zigeunertruppe hat ſich
nunmehr beim Amtsgericht Pfeddersheim noch
Gna=
denfriſt bis Montag erbeten, um ſich eine neue
Wohnung ſuchen zu können. Zur Verhütung von
Unzu=
träglichkeiten ſind ſtändig 2 Gendarmen in unſerem Orte.
Liebig=Muſeum in Gießen.
Die 3. Jahresverſammlung der
Geſell=
ſchaft Liebig=Muſeum fand am 24. ds. Mts. im Hörſaale
des Liebig=Laboratoriums in Gießen ſtatt. Eine ſtattliche
Anzahl Damen und Zuhörer hatte ſich eingefunden, ſo
daß kaum noch ein freier Platz zu haben war. Im
Mittel=
punkte des Abends ſtand der Vortrag von Geh.
Medizi=
nalrat Profeſſor Dr. Sommer=Gießen über Liebig
vom Standpunkt der Familienforſchung und
Vererbungs=
lehre. Der Vortragende verſtand es ausgezeichnet, ſeine
Zuhörer durch ſeine wohldurchdachten Ausführungen zu
feſſeln. Sommer gab zunächſt einen allgemeinen
Ueber=
blick über Familienforſchung an Hand von Studien über
die Familie Goethe und Schiller. Die Veranlagung kann
allgemein eine normale, pathologiſche, kriminelle und
ge=
niale ſein. Während man nun früher die Forſchung
ge=
nialer Menſchen ſtark vernachläſſigt oder, was noch
ſchlim=
mer war, eine durchaus falſche Anſicht über Genialität
hatte, iſt man in neuerer Zeit durch exakte Unterſuchungen,
beſonders Oſtwalds, zu einer Würdigung der Großen
Männer” gekommen. Aeußerſt intereſſant waren die
Schil=
derungen des Entwickelungsganges Liebigs, der durch
ſeine großartige Veranlagung, verbunden mit äußeren
günſtigen Verhältniſſen, ſeine Talente in fruchtbringender
Weiſe entfalten konnte. Nach dem mit großem Beifall
endigenden Vortrag erſtattete der Schriftführer der
Geſell=
ſchaft Liebig=Muſeum, Apotheker Werner=Gießen, den
Jahresbericht. Mit Freuden konnte er konſtatieren,
daß auch in dieſem Jahre eine Reihe wertvoller
Ge=
ſchenke dem Liebig=Muſeum zugegangen ſind.
Verlags=
buchhändler Töpelmann ſtiftete eine faſt lückenloſe Serie
des Liebig=Koppſchen Jahresberichtes; Frau Baronin Dr.
von Liebig wertvolle Urkunden, u. a. den Ehevertrag der
Eltern Liebigs. Medizinalrat Dr. Merck=Darmſtadt ließ
in überaus dankenswerter Weiſe auf ſeine Koſten den
Hörſaal und das analytiſche Laboratorium herſtellen;
Geh.=Rat Prof. Dr. Naumann förderte die gute Sache
durch Stiftung mehrerer Photographien alter Liebig=
Apparate. Kommerzienrat Heichelheim ſpendete die
Summe von 500 Mark. Der Vermögensſtand der
Geſellſchaft Liebig=Muſeum iſt als günſtig
zu bezeichnen. Nach zweijährigem Beſtehen und bei einer
Mitgliederzahl von 50 iſt ein Barvermögen von 1746,85
Mark vorhanden. Zum Schluſſe ſeiner Ausführungen
er=
wähnte Apotheker Werner noch die Abſchrift eines Liebig=
Manuſkriptes, die ihm ein ruſſiſcher Chemiker, Dr.
Shu=
koff=Petersburg, geſandt hat. Aus den eigenhändigen
Aufzeichnungen des 16jährigen Liebig geht hervor, daß
derſelbe ſchon in früheſter Jugend theoretiſch und
prak=
tiſch ausgezeichnete Kenntniſſe beſaß. Von ganz
beſonde=
rem Intereſſe war es, daß der 16jährige Liebig ſchon
theo=
retiſche Betrachtungen über die chemiſche
Zuſammenſetz=
ung des Queckſilberchlorids angeſtellt hat. Sehr viele
Keime ſpäterer Arbeiten ſind in dieſer Arbeit, die eine
Fundgrube für den Biographen darſtellt, enthalten. In
der Hoffnung, daß der geiſtvolle Gedanke, die Geſchichte
der Chemie in ihrer Entwickelung in den Räumen des
Liebig=Laboratoriums darzuſtellen, möglichſt bald
ver=
wirklicht werde, ſchloß Werner ſeinen Bericht. Nach der
Verſammlung fand eine harmoniſch verlaufene Feier
Feuilleton.
C) Der Sohn der Schwarzen Berge und die Diſziplin.
Daß die ſerbiſchen Offiziere, die den Befehl über das
montenegriniſche Hilfskorps im jetzigen Balkankrieg
über=
nahmen, am Anfang ihre liebe Not hatten, mit den an
ſelbſtändige Unabhängigkeit gewöhnten Söhnen der
Schwarzen Berge fertig zu werden, zeigt ein Geſpräch,
das in dieſen Tagen ein engliſcher Kriegskorreſpondent in
einem Belgrader Lazarett mit einem verwundeten
Monte=
negriner führen konnte. Als er gefragt wurde, wie ihm
ſeine ſerbiſchen Brüder gefielen, erzählte der wackere
Kämpe: „O, ſie ſterben ſchön”, und nickte billigend; „und
warum ſollten ſie auch nicht? Sie ſind Serben, genau wie
wir. Woher ſollten ſie Furcht kennen? Aber wiſſen Sie‟
und er wurde vertraulicher und ſenkte die Stimme, „es iſt
ſchon recht und gut in Serbien, aber es gibt hier doch
Dinge, die ein echter Tſchernagore niemals ertragen könnte.
Als wir hörten, daß die Bulgaren unſere ſerbiſchen
Brü=
der verraten hatten, zogen ſofort 12500 von unſeren
Hel=
den (der Montenegriner ſpricht von ſeinen Landsleuten
ſtets als „junatsi”, als Helden) zu ihrer Hilfe. Wir
woll=
ten nichts als kämpfen, aber da kamen ſerbiſche Offiziere
und wollten mit uns alle möglichen Geſchichten aufſtellen.
Wir ſollten ſie grüßen, ſtill ſtehen. Ehre und Achtung ſei
ihnen, aber ſolche Sachen ſind bei uns nicht Sitte.” „Was
wollten Sie denn tun?” „O. als wir kamen, ſagten die
Offiziere, wir müßten nun Diſziplin lernen. Wozu ſoll
ein echter Tſchernagore Diſziplin lernen? Haben wir nicht
Skutari erobert? Und wer kann uns nachſagen, wir
hät=
ten irgend etwas von jener gottverdammten Diſziplin?
Alſo wir kamen in Serbien an, und der Offizier
nahm mich und meine Brüder und ſtellte uns in die Sonne
und ließ uns ihn anſehen. Und dann kam er und deutete
auf jeden von uns: „Du biſt der erſte” ſagte er, und zu
mir ſagte er: „Du biſt der zweite” Aber das war mir
denn doch ein wenig zu bunt. „Hör’ mal, Bruder Serbe‟
ſagte ich zu ihm, „alle Achtung vor Dir, aber ich bin nie
der zweite geweſen und habe auch jetzt nicht Luſt dazu.
Ich will für Dich kämpfen, aber beſchimpfen laſſe ich mich
nicht.” „Und was ſagte er dann?” „O, da alle unſere
Helden ebenſo ſprachen, ſah er, daß er nichts machen
konnte und hörte auf, uns zu zählen und nach unſerer
Tapferkeit zu ordnen. Ein Tſchernagore läßt ſich nicht
beſchimpfen.” Und nach einer Weile fuhr er nachdenklich
fort: „Ich verſtehe die Leute hier in Serbien nicht. Bei
uns kommt die Frau mit in den Krieg und kocht für ihn,
während er mit dem Feinde kämpft. Aber als wir
hier=
her kamen, erſchien der Offizier und brachte uns Bohnen
und Kartoffeln und Fleiſch. „Das iſt Euer Eſſen,” ſagte
er; „einer von Euch muß kochen”. Ha, kochen! Was ſagen
Sie dazu? Ein Tſchernagore kochen! Wir ſagten ihm:
„Wir ſind gekommen, um zu kämpfen, nicht aber um zu
kochen. Und wenn der Heilige Nikolaus ſelbſt käme, wir
würden für ihn nicht kochen. Du kannſt kochen, aber wir
kochen nicht.” Und das Gemüſe warfen wir fort, und das
Fleiſch röſteten wir am Feuer. Als er dann ſpäter ſah,
daß er mit uns nichts anfangen konnte, ließ er uns in
Ruhe und alles war in ſchönſter Ordnung. Zuerſt meinte
er noch, wir ſollten beim Schießen liegen, aber das tut
kein Tſchernagore. Wir ſind doch keine Arnauten. Wir
ſtehen beim Schießen, um beſſer zu ſehen. Sie könnten mir
Gott weiß wieviel Schafe geben, ich würde mich nicht
legen; ich bin doch kein Arnaute
ml. Auf der Jagd nach Schwarzfüchſen. Wer ſich nach
einem Pelze für den kommenden Winter ſehnt, wird
dies=
mal tiefer als ſonſt in den Beutel greifen müſſen. Denn
den Nachrichten zufolge werden die Pelze, insbeſondere
die Luxuspelze, in dieſem Winter geradezu unerſchwing=
liche Preiſe erreichen. Der Schwarz= oder Silberfuchs, der
ja bekanntlich zu den koſtbarſten Pelzarten zählt, die es
überhaupt gibt, wird nur in ganz verſchwindend geringen
Mengen auf den Markt gebracht werden können, trotz des
rieſigen Sturmes, den die Polarjäger gerade in jüngſter
Zeit in die nordamerikaniſchen Eisregionen unternommen
haben. Man iſt auch auf den Gedanken gekommen,
Schwarzfuchsfarmen anzulegen, von denen man ſich ſehr
viel verſpricht. Allerdings ſind die Zuchttiere äußerſt
teuer; ſo wurden kürzlich für 5 junge weibliche
Schwarz=
füchſe 30000 Mark gezahlt. Die Gefangennahme war aber
auch mit nicht geringen Schwierigkeiten verbunden. Denn
der Jäger hatte wochenlang auf der Lauer gelegen, um die
Mutter der fünf Jungen zu beſchleichen und ihr Heim
aus=
findig zu machen. Erſt, nachdem er ſie angeſchoſſen, konnte
er mit Hilfe der Blutſpuren die Wohnung der Jungen
fin=
den und dieſe in ſeinen Beſitz bringen.
* Eine Enkelin von Goethes Lotte geſtorben. Eine
Enkelin von Goethes Freundin Charlotte Buff iſt in
hohem Alter in Paris geſtorben. Die Witwe des früheren
Kammerpräſidenten und Miniſterpräſidenten Floquet war
eine geborene Scheurer=Keſtner und als ſolche die Enkelin
jener Charlotte Buff, die Goethe während ſeines
Aufent=
halts in Wetzlar verehrte, obgleich ſie bereits mit ſeinem
Freunde Keſtner verlobt war. Eine Enkelin der
verſtor=
benen Frau Floquet iſt die Gemahlin des
Miniſterpräſi=
denten Jules Ferry. Einer ihrer Enkel iſt Bürgermeiſter
eines Pariſer Arrondiſſements.
* Der Delphin im Oſtſeebade. Bei Carlshagen auf
Uſedom fing der Fiſcher Mehl einen Delphin, der als
ver=
meintlicher Walfiſch die Badegeſellſchaft mehrere Tage
beunruhigt hatte. Der Fiſch iſt 3,5 Meter lang, hat zwei
Meter Umfang und eine dreiviertel Meter lange
Schwanz=
floſſe.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Juli 1913
Nummer 174.
im Garten des Liebig=Muſeums ſtatt, bei der Frau Geh.
Medizinalrat Profeſſor Dr. Sommer die
Liebenswürdig=
keit hatte, die Geſellſchaft mit einigen ſchönen Liedern zu
erfreuen.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 26. Juli. Das
Reichs=
gericht verwarf die Reviſion des Rentiers Bruno
Cramer, der im Spielerprozeß Stallmann und
Genoſſen vom Landgericht Berlin I am 14. April wegen
verſuchter Erppreſſung zu dreijährigem Gefängnis
ver=
urteilt worden war. Die übrigen ſeinerzeit Verurteilten
legten keine Reviſion ein. — Zum Empfange der
amerikaniſchen Aerzte auf dem Anhalter
Bahn=
hof geſtern abend waren die Vertreter der Berliner
Aerzte=
ſchaft erſchienen. Heute werden die Aerzte die Kaiſer
Wilhelm=Akademie, das Kaiſer=Friedrichhaus für
ärzt=
liches Fortbildungsweſen und die Charité beſuchen. Von
Berlin wollen die amerikaniſchen Aerzte nach Frankfurt
a. M., Nauheim. Homburg v. d. H., Wiesbaden, Köln,
Düſſeldorf Brüſſel, Amſterdam und über Hoek van Holland
zu dem Mediziniſchen Kongreß nach London reiſen.
In dem Hauſe Reichenbergerſtraße 74, im Südoſten
Ber=
lins, erkrankte eine Frau Friedmann an den ſchwarzen
Pocken. Die Frau wurde in die Charité gebracht, ihr
Zuſtand iſt nicht unbedenklich. Sämtliche Bewohner des
Hauſes, ſowie alle Perſonen, die mit der Kranken in
Be=
rührung gekommen ſind wurden ſofort einer
Schutz=
impfung unterzogen. — Im Hedwigs=Krankenhaus zu
Berlin iſt Frau Veronika Groſſer geborene von
der Lippe nach achtwöchigem Krankenlager, trotz
mehr=
maliger Operationen, im Alter von 53 Jahren geſtorben.
Der Tod dieſer Frau ruft die Erinnerung wach an das
Revolver=Attentat im Reichsgericht zu Leipzig, das ihr
Ehemann, der Kaufmann Oswald Groſſer, am 16.
No=
vember 1908 verübte. Groſſer ſchoß auf den
Reichsgerichts=
rat Männer, den er ſchwer verwundete, und den
Gerichts=
ſchreiber Oberſekretär Straßburg, der infolge der
Verletz=
ung ſtarb. Wegen dieſer Tat wurde Groſſer am 11.
De=
zember 1909 vom Leipziger Schwurgericht zu zehn Jahren
Gefängnis verurteilt, die er in der Strafanſtalt zu Hoheneck
in Sachſen verbüßt. Die Frau war die Tochter des
Leut=
nants a. D. Oskar v. d. Lippe. Als ſie den Sohn des
Millionärs Groſſer heiratete, glaubte ſie, aller Not
ent=
ronnen zu ſein. Doch es kam anders. Infolge der
un=
glücklichen Veranlagung ihres Mannes und infolge der
verlorenen Prozeſſe wollte ſie ſchon einmal im D=Zug
Berlin-Leipzig ſich und ihren Mann vergiften. Nach der
Verurteilung Oswald Groſſers führte die Unglückliche in
Steglitz ein beſcheidenes zurückgezogenes Leben, von allen
Verwandten verlaſſen. Kinder beſaß ſie nicht. Seit über
einem Jahr war ſie die Miete ſchuldig geblieben, die der
Wirt, ein menſchenfreundlicher Baumeiſter, ihr ſtundete.
Teilweiſe bezog Frau Groſſer auch Armenunterſtützung.
Vor mehreren Wochen erkrankte ſie, wahrſcheinlich infolge
der unzureichenden Ernährung und der großen
Entbehr=
ungen, und nun hat der Tod das Leben einer Frau
be=
endet, die einſt in der Berliner Geſellſchaft eine Rolle
ſpielte.
Homburg v. d. H., 26. Juli. Nach den neueſten
Dispoſitionen wird der Kaiſer am 6. oder 7. Auguſt in
Homburg eintreffen und etwa bis zum 26. Auguſt im
Schloß Wohnung nehmen.
Ludwigshafen, 26. Juli. Drei Individnen
drangen gegen 11 Uhr vormittags in den Kaſſenraum
der Badiſchen Anilin= und Sodafabrik ein. Zwei Beamte
die den Verbrechern entgegentraten, wurden von den
Räu=
bern mit vorgehaltenem Revolver bedroht und einer
der Beamten durch einen Schuß in den Arm verletzt. Die
Räuber nahmen einen größeren Geldbetrag mit ſich fort
und verſuchten zu fliehen. Bei der Verfolgung wurde
einer derſelben ergriffen, wobei er ſich durch einen Schuß
entleibte.
Oberurſel, 26. Juli. In der Fabrik von Jgnatz
Berger an der Hohemark=Chauſſee brach geſtern
nach=
mittag gegen 5 Uhr aus bis jetzt nicht bekannter Urſache
Feuer aus das mit raſender Schnelliakeit um ſich griff
und an den Lagerbeſtänden, die aus Abfällen der Lumpen,
Knochen. alter, mit Oel getränkter Putzwolle uſw. beſtehen,
reiche Nahrung fand. Die Oberurſeler Feuerwehr war
bald zur Stelle, konnte jedoch dem Feuer keinen Einhalt
tun, ſo daß die Homburger Feuerwehr zu Hilfe eilte.
Kurz nach 8 Uhr rief man auch die Frankfurter Feuerwehr
von der die Wache Burgſtraße mit vier Autofahrzeugen
ab=
rückte und gegen 9 Uhr an der Brandſtätte eintraf. Durch
das Feuer wurden ſechs Gebäude zerſtört. Die
angrenzen=
den Fachbauten konnten durch die Feuerwehren gerettet
werden. Die beiden von Frankfurt durch die
Bürger=
meiſterei requirierten Automobillöſchzüge waren von
9 Uhr abends bis 3 Uhr morgens in Tätigkeit.
Konſtanz. 25. Juli. Durch die Aufmerkſamkeit des
Bahnperſonals wurde heute nachmittag bei Reichenau
ein Eiſenbahnunglück verhütet. Dort blieb
um 3½ Uhr beim Paſſieren des Bahnüberganges ein
ſchweres, mit vier Pferden beſpanntes Langholzfuhrwerk
mitten auf dem Gleis ſtehen und kam nicht mehr vom
Platz. In dem Augenblick kam von Konſtanz ein
Per=
ſonenzug und aus der Gegenrichtung ein Güterzug
heran=
gebrauſt. Der erſtere wurde auf eine Entfernung von
10 Metern zum Stehen gebracht, der Güterzug direkt vor
dem Hindernis. Unter Zuhilfenahme des Bahnperſonals
konnte das Hindernis von den Schienen entfernt werden.
Köln, 25. Juli. Vor mehreren Wochen erhielt eine
Anzahl rheiniſcher Großinduſtrieller von Berlin aus
Zu=
ſchriften, in denen ihnen das Angebot gemacht wurde, auf
nicht allzu ſchwere Weiſe den Titel eines
Hofliefe=
ranten zu erwerben. Die Betreffenden ſollten zunächſt
eine Anzahl Lieferungen für Höfe machen, dann wollte der
Berliner es übernehmen, gegen eine entſprechende
finan=
zielle Entſchädigung für die Verleihung des Titels zu
ſorgen. Die Rheinländer ließen ſich auch in eine
Korre=
ſpondenz ein, um Material für die Staatsanwaltſchaft zu
bekommen. Heute erhielten ſie nun von dem
Oberſtaats=
anwalt in Köln den unerwarteten Beſcheid daß man
gegen den Briefſchreiber auf dem Wege der öffentlichen
Anklage nicht vorgehen könne, da der Beſchuldigte
hin=
reichend Beweiſe vorbringen konnte, daß er tatſächlich zur
Beſchaffung der angekündigten Titel in der Lage ſei. Wie
es heißt, ſoll für die Beſchaffung eines
Hoflieferanken=
titels von dem Berliner ein genauer Tarif aufgeſtellt
wor=
den ſein, nach dem Summen von 4000 bis 20000 Mark
gefordert werden, die ſich je nach der Bedeutung des
Staa=
tes, von dem der Titel verliehen werden ſoll, richten.
Geilenkirchen, 26. Juli. Bis 3 Uhr nachts waren
ſämtliche 13 Leichen der beim Einſturz des
Schach=
tes „Carolus Magnus” verunglückten Bergleute
geborgen, die alle unverletzt waren. Es iſt
anzuneh=
men, daß der Tod durch Erſticken eingetreten iſt.
Oldenburg. 26. Juli. In der vorigen Nacht fuhr ein
von Oldenburg kommender Zug bei Hickendorf auf der
Strecke Oldenburg-Waener in die Ems hinein. da
der Zugführer das Halteſignal überſehen hatte und die
Brücke offen war. Im Augenblick höchſter Gefahr, als die
Lokomotive mit drei Achſen bereits im Waſſer war,
ge=
lang es dem Führer, den Zug zum Stehen zu bringen.
Schandau, 26. Juli. In der Nähe von Rauſchenſtein
ſtürzte bei einer Kletterpartie der 20 Jahre alte
Me=
chaniker W. Gefekus aus Berlin, der mit mehreren
jungen Leuten in Schmilka weilte, ab und verletzte ſich ſo
ſchwer, daß er auf dem Transport nach dem Krankenhauſe
ſtarb. Seine Leiche wurde nach Schandau gebracht.
Kiel, 25. Juli. Der Prinz von Wales
beſich=
tigte unter Führung des Prinzen Heinrich die
Reichswerft und eine Stunde lang den neueſten
Linien=
ſchiffskreuzer Seydlitz” Auch beſuchten ſie die neuen
Seeſchleuſen an der Kanalmündung, wobei auch das
Großherzogspaar von Heſſen zugegen war.
Paris, 26. Juli. Die in der Angelegenheit
des geſtohlenen Perlenhalsbandes von der
hieſigen Polizei eingelleitete Unterſuchung ſoll
er=
geben haben, daß der Diebſtahl verübt worden ſei, als das
Paket ſich nicht mehr unter der Ueberwachung der
fran=
zöſiſchen Poſtbeamten befunden habe. Die Polizei
be=
ſchloß, eine chemiſche Unterſuchung des für die gefälſchten
Siegel benutzten Siegellacks vornehmen zu laſſen, da dieſe
vielleicht einen Anhaltspunkt zur Ermittelung des Diebes
bieten könnte.
London, 26. Juli. Die Sufragettenführerin Frau
Pankhurſt mußte wieder aus dem Gefängnis entlaſſen
werden. Sie befindet ſich in Behandlung von vier Aerzten
in ihrer Wohnung. Nach einer Mitteilung in einer
Sufragettenverſammlung iſt ſie vollſtändig
zuſammenge=
brochen und dem Tode mahe. Von ihrer dreijährigen
Zuchthausſtrafe hat ſie bisher in 16 Wochen drei Wochen
verbüßt.
London, 26. Juli. Im Hyde=Park findet heute die
angekündigte Rieſenverſammlung der
Suf=
fragetten ſtatt, die aus allen Teilen des Reiches auf
die Hauptſtadt losmarſchieren. Jede Teilnehmerin hat
an ihrem Fuße eine Muſchel befeſtigt, wie ſie im
Mittel=
alter die Jeruſalem=Pilger trugen. Im Hyde=Park
wer=
den heute 80 Rednerinnen von 20 Tribünen ſprechen.
Der Zuſtand der Frau Pankhurſt, die am Montag
ver=
aftet, aber am Mittwoch wieder freigelaſſen worden war,
gibt zu Beſorgniſſen Anlaß.
Kriſtiania, 26. Juli. Der Korreſpondent des
Aften=
poſtens in Tromſö meldet: Zwei Paſſagiere des Dampfers
„Großer Kurfürſt” hatten in der Croßbay ein Geſpräch
mit Wegener, der erklärte es könne keine Rede davon
ſein, daß die vermißten Mitglieder der
Schrö=
der=Strantz=Expedition noch lebten. Dies
telegraphierten die Paſſaaiere. Das Telegramm erſchien
jedoch, ſei es durch die Schuld der Paſſagiere oder der
drahtloſen Telegraphie, vollſtändig verändert und erweckte
den Anſchein, als ob Strantz Hilfe erhielt.
Raubmord im Eiſenbahnzuge.
§ Darmſtadt, 26. Juli In einem
Ab=
teil 2. Klaſſe des heute nachmittag um 4 Uhr
34 Minuten hier ankommenden Zuges 978
Frankfurt -Darmſtadt wurde ein
Mann ermordet und beraubt
auf=
gefunden.
Ueber die Mordtat ſind wir in der Lage, weiter
fol=
gendes mitzuteilen:
Als die Wagenputzer heute nachmittag das Abteil
2. Klaſſe in einem Perſonenzugswagen öffneten, um es zu
reinigen, fanden ſie in dem Abort einen Mann liegen,
deſſen Leben anſcheinend gewaltſam geendet hatte; neben
dem Toten lag ſein Portemonnaie, das nur noch 1 Pfg.
ent=
hielt. Der Wagen wurde ſofort wieder verſchloſſen und
die Staatsanwaltſchaft benachrichtigt, die auch nach kurzer
Zeit eintraf. Deren Ermittelungen ſtellten zunächſt feſt,
daß der Tote der verheiratete Kaufmann Eduard
Brech=
ner von hier iſt. Er ſoll mittags 12 Uhr 11 Minuten
in Langen in den Zug geſtiegen ſein, um zum
Mittag=
eſſen nach Hauſe zu fahren. Wenn ſich dieſe Feſtſtellung
bewahrheitet, was durchaus wahrſcheinlich iſt, ſo iſt der
Bedauernswerte auf der Fahrt von Langen nach
Darm=
ſtadt zu Tode gekommen. Der Zug fährt dann nochmals
nach Frankfurt und verläßt Frankfurt abermals um 3 Uhr
55 Minuten. Die Ankunft in Darmſtadt erfolgt 4 Uhr
34 Minuten. Nach dieſer Fahrt wird der Wagen
aus=
rangiert und gereinigt. Jetzt erſt entdeckten die
Wagen=
putzer die Leiche.
Der Wagen, in dem die Leiche gefunden wurde, iſt ein
Perſonenzugswagen, der gleich hinter dem Packwagen
lief, und Brechner fuhr in dem Durchgangsabteil
zwei=
ter Klaſſe. Der Abort enthält einen Vorraum, der
mit dem Abort durch eine Tür verbunden iſt. Der Tote
lag auf dem Rücken, die Füße in der rechten Ecke des
Abortraumes und der Kopf in der linken des Vorraumes.
Auffallend war nur der Umſtand, daß die vorderen
Glieder der Finger der rechten Hand
voll=
ſtändig blutunterlaufen waren, wie von einer
außerordentlich ſtarken Quetſchung. Die Tür des
Vor=
raumes nach dem Innern des Abteils war geſchloſſen
Es iſt alſo als Kombination anzunehmen, wenn ein Mord
vorliegt, daß der Täter die Tür mit Gewalt zugedrückt
hat, wobei die auf dem Fußboden liegende Hand zwiſchen
die Tür gequetſcht wurde.
Ueber die Todesurſache konnte heute etwas Beſtimmtes
noch nicht in Erfahrung gebracht werden. Nicht
ausge=
ſchloſſen ſchien, daß ein Unfall die Urſache des Todes iſt,
indem der Verſtorbene von einem Schlaganfall in dem
Augenblick ereilt wurde, als er den Abortraum betrat.
Eine Wunde, die die Leiche am Hinterkopf aufweiſen ſoll,
könnte für dieſe Annahme ſprechen. Unerklärlich ſind
dann aber die Quetſchungen an der rechten Hand und der
Umſtand, daß das leere Portemonnaie neben dem Toten
lag. Auch ſoll die rechte Hoſentaſche, in dem anſcheinend
das Portemonnaie ſich befand, aufgeriſſen oder
aufge=
ſchnitten ſein. Einige Spuren ſind ſorgfältig geſchützt
worden, um dem Gerichtschemiker Dr. Popp=Frankfurt,
der am Sonntag morgen die genaue Unterſuchung mit
allen Mitteln der modernen Gerichtschemie vornehmen
wird, die Arbeit ſicherzuſtellen.
Der Verſtorbene, der in dem Deitershauſe,
Alexandra=
weg, wohnte, war Vater von zwei Kindern und ſtammte
aus Oeſterreich. Er betrieb ein Holzgeſchäft en gros und
hatte die Vertretung von Weltfirmen im Holzhandel.
Die Annahme eines Raubmordes beſtätigt.
g. Darmſtadt, 27. Juli. Die Kunde von einem
Raubmord im Eiſenbahnzuge, die ſich am Samstag
abend mit Windeseile durch die Stadt verbreitete, erhielt
durch die heute vormittag vorgenommene
Tatbeſtands=
aufnahme der Staatsanwaltſchaft ihre endgültige
Be=
ſtätigung. Nach dem Ergebnis dieſer Unterſuchung
kann geſagt werden, daß die Möglichkeit eines=
Unfalls ausgeſchloſſen iſt. Der Wagen, in dem
ſich der Ermordete befand, war geſtern abend wieder
ver=
ſchloſſen worden. Um den Einwirkungen der Hitze zu
be=
gegnen, wurde der Raum durch Eis gekühlt. Ein
Schutz=
mannspoſten bewachte während der Nacht den Wagen.
Um 10 Uhr vormittags fanden ſich wiederum die Beamten
der Staatsanwaltſchaft din. Die erſten Ermittelungen
geſtern und auch heute ſtellte Herr Kriminalkommiſſär
Repp an.
Die Familie hatten den Ermordeten zum Mittageſſen
erwartet und war dann beunruhigt, als er zur
ange=
gebenen Zeit nicht eintraf. Die Rekognoszierung
der Leiche erfolgte durch die Monatskarte, die in der
Weſtentaſche aufgefunden wurde.
Zu der heutigen Tatbeſtandsaufnahme
waren noch erſchienen der bekannte Gerichtschemiker Dr.
Popp=Frankfurt, Polizeirat Krämer und Mitglieder
der hieſigen und Frankfurter Kriminalbehörden. Zunächſt
wurde die Lage des Toten und die Oertlichkeit genau
feſt=
gelegt, dann der Tote von allen Seiten in ſeiner
urſprüng=
lichen Lage photographiert und ſchließlich der ganze
Wagen. Hierauf wurde der Leichnam aus dem Abort
gebracht und in einen proviſoriſchen Sarg gelegt, in demer
zum Krankenhauſe, wo die Sektion vorgenommen wird,
gebracht wurde. Hierbei war zu erkennen, daß am
Hinter=
kopf in der Nähe des Haarwirbels eine Wunde iſt, deren
Form und Größe aber noch nicht zu erkennen war, da die
kurz gehaltenen Haare vollſtändig mit geronnenem Blut
verklebt waren. Es iſt nicht die rechte ſondern die linke
Hoſentaſche von außen aufgeſchnitten und die Taſche dann,
in der ſich wahrſcheinlich Kleingeld befand, von außen
abgeſchnitten oder abgeriſſen worden.
Die hierauf vorgenommene eingehende
Unterſuch=
ung ergab nichts für die Annahme, daß der Leichnam
womöglich an dem Ort wo er gefunden wurde, geſchleift
wurde. Im Gegenteil ſteht wohl feſt, daß Brechner nach
hintenüber gefallen oder geriſſen worden iſt. Die
Unter=
ſuchung des Kloſettinnern ergab ganzüberraſchende
Details. In der Kloſettſchüſſel lag der Hut und
ein Taſchentuch des Ermordeten, ferner als
wichtiges corpus delicti die herausgeriſſene
Taſche. Dieſe zeigte, daß der Täter ſich anſcheinend
die Hände bei ſeiner Tat mit Blut beſudelte, dieſe
Blut=
ſpuren hat er anſcheinend mit dieſem
Zeugſtück=
chen abgewaſchen. Auch das Taſchentuch trägt
Spuren, als ob ſich jemand damit die Finger abgewiſcht
habe. Der Hut iſt dunkelgrün und weich und zeigte bei
oberflächlicher Betrachtung keine Spuren eines Schlages
oder Stiches. Vor der Kloſettſchüſſel lag die Aktentaſche
des Brechner, die der Mörder wahrſcheinlich auch
durch=
ſucht hat. Dieſe Mappe ſowie das Portemonnaie wird
von Dr. Popp genaueſtens auf etwaige Fingerabdrücke
eines fremden Menſchen unterſucht werden. Ferner
machte er ſich Aufnahmen von Fingerabdrücken, die ſich an
der Waſchſchüſſel und an der Kloſettür vorfanden. Beſſere
Anhaltspunkte für den mutmaßlichen Täter hat man
bis=
her noch nicht.
Als ausgeſchloſſen erſcheint, daß der Täter von dem
auf der anderen Seite des Aborts liegenden Abteils
1. Klaſſe gekommen iſt. Der Schaffner des Zuges, in den
Brechner einſtieg, kann ſich nicht erinnern, ob jemand noch
mit in dem Wagen fuhr. Feſtgeſtellt wurde in Frankfurt,
daß der fragliche Wagen, nachdem er 1 Uhr 52 Min. von
Darmſtadt wieder in Frankfurt ankam, dort auf dem
Außenbahnhof rangiert wurde und der Abort nicht
nach=
geſehen wurde. Der Zug fuhr dann wieder 3 Uhr 55 Min.
nach Darmſtadt, wo er 4 Uhr 34 Min. ankam. Erſt gegen
5 Uhr machten ſich die Wagenputzer an die Reinigung des
Wagens, wobei die Tat entdeckt wurde.
Genaues über die Art der Todesurſache wird wohl die
heute nachmittag um 2 Uhr im Krankenhauſe ſtattfindende
Sektion ergeben. Man nimmt an, daß der Täter gleich
wieder nach Frankfurt zurückgefahren iſt, da ihm in
Frank=
furt ein Entkommen leichter fallen dürfte. Es wird aber
noch genau feſtzuſtellen ſein, ob er nicht auf einer
Zwi=
ſchenſtation ausgeſtiegen iſt.
Die Sektion.
Die Sektion nahm um 2 Uhr Herr Kreisarzt Dr.
Gros vor, die die überraſchende Tatſache ergab, daß
Brechner durch einen Schuß mit dem Revolver
getötet worden iſt. Der Tod iſt auf der Stelle eingetreten.
Die Staatsanwaltſchaft erließ ſofort folgendes
Ausſchreiben.
Am Samstag, den 26. Juli d. J., nachmittags gegen
5 Uhr, wurde beim Reinigen eines Perſonenzuges im
Bahnhof Darmſtadt in einem Kloſett eines Wagens
zwei=
ter Klaſſe der Kaufmann (Reiſende) Eduard
Brech=
ner, wohnhaft in Darmſtadt, ermordet und
be=
raubt aufgefunden. Der Tod iſt herbeigeführt
durch einen Schuß in den Hinterkopf mittels einer
klein=
kalibrigen Repetierpiſtole (Vollmantelgeſchoß mit
Blei=
boden).
Als geraubt ſtehen bis jetzt feſt:
1. Etwa 30—35 Mark in Gold, Silber uſw.
2. Eine ſilberne Remontoiruhr (Marke Omega) mit
Nummer 174.
Darmſtadter Tagblatt, Montag, den 28. Inli 1913.
Seite 5.
buntem Zifferblatt. Auf der Rückſeite des Deckels befindet
ſich eine Frauensperſon mit Lyra, und im Innern des
Deckels der Name Edi 1902 eingraviert.
3. Eine echt goldene Kette, beſtehend aus runden
Gliedern, als Anhängſel an der Kette ein kleines goldenes
Herzchen mit innerer Glasſcheibe und Gravierung 22. 8.
1902.
4. Eine kleinere ſchwarze ältere Brieftaſche mit
gol=
dener Deckelverzierung; möglicherweiſe ſteht im Innern
der Aufdruck eines Wiener Caféhauſes.
Soweit feſtſteht, hat Brechner in Sprendlingen, Kreis
Offenbach, Geſchäfte erledigt und iſt in den um 11 Uhr
43 Minuten in Frankfurt a. M. und um 12 Uhr 5 Minuten
in Sprendlingen=Buchſchlag in der Richtung Darmſtadt
abgehenden Perſonenzug geſtiegen. Dieſer Zug hält an
den Stationen Langen, Egelsbach, Erzhauſen, Wixhauſen,
Arheilgen und trifft um 12 Uhr 39 Minuten nachmittags
in Darmſtadt ein. Anſcheinend iſt in dieſem Zuge auf der
Strecke Sprendlingen-Darmſtadt der Mord begangen
worden. Die Leiche wurde in dem Zug, der Frankfurt
3 Uhr 55 Min. verläßt und in Darmſtadt 4 Uhr 34 Min.
eintrifft, gefunden. Dieſer Zug beſteht aus denſelben
Wagen, wie der obengenannte Perſonenzug. Es iſt die
Möglichkeit nicht ausgeſchloſſen, daß Brechner den Zug
3 Uhr 55 Minuten ab Frankfurt benutzt hat.
Wir erſuchen dringend um eifrige Nachforſchungen
nach ſolchen Perſonen, welche etwa an den betreffenden
Stationen jenen Zug verlaſſen haben, oder ſich ſonſtwie
durch Geldausgaben verdächtigt gemacht haben. Ferner
erſuchen wir um Durchſuchung ſolcher Perſonen nach den
als geraubt bezeichneten Gegenſtänden, Nachfrage in
Pfandhäuſern, bei Trödlern, Althändlern uſw. und bitten,
alle Mitteilungen an Großh. Staatsanwaltſchaft
Darm=
ſtadt gelangen zu laſſen.
Darmſtadt, den 27. Juli 1913.
Großherzogliche Staatsanwaltſchaft.
Dr. Langenbach.
Die Staatsanwaltſchaft richtet an alle die Perſonen,
welche die fraglichen Züge benutzt haben, oder ſonſtige
Wahrnehmungen machten, die Bitte, unverzüglich beim
nächſten Polizeiamt oder der Staatsanwaltſchaft
Mittei=
lung davon zu machen. — Nachdem die Todesurſache
feſtgeſtellt worden iſt, beſteht die Hoffnung, des oder der
Täter habhaft zu werden, wenn alle zweckdienlichen
Mit=
teilungen an die Behörden unverzüglich gegeben werden.
Luftfahrt.
Fahrt der „Viktoria Luiſe” von Berlin nach Frankfurt a. M.
* Potsdam. 26. Juli. Das Luftſchiff „
Vik=
toria Luiſe” iſt heute früh 3 Uhr 40 Minuten von
dem hieſigen Luftſchiffhafen nach Frankfurt a. M.
zurückgefahren.
* Frankfurt a. M., 26. Juli. Das Luftſchiff
Viktoria Luiſe” iſt bereits um 9,50 Uhr
gelan=
det und war um 10,10 Uhr in der Halle geborgen. Das
Luftſchiff, deſſen Führer Kapitän Blew war, hat in der
ſechsſtündigen Fahrt rund 75 Kilometer die Stunde
zu=
rückgelegt.
* Mainz, 26. Juli. Heute morgen 5.12 Uhr ſtieg
der Fluglehrer Schroeder vom Flugplatz Goedecker auf
einem 100 Ps. Mercedes=Gocdecker=Eindecker zu einem
Vierſtundenflug auf mit einem Paſſagier. Der
Flug erreichte in 12 Minuten eine Höhe von 606 Metern.
6,05 Uhr wurde Worms überflogen und Poſt abgeworfen,
7,20 Uhr Mannheim und um 8,30 Uhr glatt in
Darm=
ſtadt gelandet, von wo der Flug jedenfalls nach
Straßburg weiter gehen wird. — In den frühen
Vor=
mittagsſtunden führten die Herren Heß, Weiß, Anslinger,
Erlewein, Kullmann, Weingärtner und Offergelb
ſelbſtän=
dige Schülerflüge aus, die gut verliefen.
* Bad Nauheim, 26. Juli. Am Sonntag wird
der Pilot der Kaſſeler Fliegerſchule Abelmann,
nach=
mittags 5 Uhr, ein Schaufliegen abhalten, bei dem
unter anderem Höhen=, Spiral=, Kurven= und Gleitflüge
vorgeführt werden.
* Köln 26. Juli. Das Militärluftſchiff
„Z. 2” hatte in der letzten Nacht eine Fahrt nach
Mainz angetreten, wo es gegen 1 Uhr eingetroffen war.
Nach einer längeren Kreuzfahrt dortſelbſt wurde die
Rück=
fahrt nach Köln angetreten. Auf ihr verlor das
Schiff in dichtem Nebel die Orientierung,
Es traf heute früh hier wieder ein und iſt um 10 Uhr glatt
gelandet.
* Köln 26. Juli. Der Flieger Letort iſt mit
ſeiner Begleiterin heute um 11 Uhr 5 Min. zum Fluge
nach Paris wieder aufgeſtiegen.
— Arendſee, 26. Juli. Leutnant zur See von
Gorriſſen iſt heute morgen auf einem Ago=
Doppel=
decker nach faſt dreiſtündigem Ueberſeefluge
bei dem Oſtſeebade Arendſee unweit von Heiligendamm
auf dem Spiegel der Oſtſee niedergegangen. Er
war in Kiel aufgeſtiegen und gedenkt heute oder morgen
nach Putzig weiter zu fliegen.
Ein kühner Flug über die Alpen.
* Baſel, 26. Juli. Der Flieger Bider, der heute
früh 4½ Uhr in Mailand den Rückflug über die
Alpen nach der Schweiz angetreten hat, hat um 6,15 Uhr
Paſſodi Cenaria, 2542 Meter hoch im
Gotthard=
maſſiv gelegen, paſſiert, um 7 Uhr Luzern überflogen und
iſt nach einer Zwiſchenlandung in Lieſtal um 8.15 Uhr in
Baſel eingetroffen.
* Bern 26. Juli. Dem ſchweizeriſchen Aviatiker
Oskar Bider aus Bern, der kürzlich von Bern über
die Berner= und Walliſer=Alpen ohne Zwiſchenlandung
nach Italien flog, verabfolgte der Bundesrat für ſeine
hervorragenden Leiſtungen auf dem Gebiete der
Flug=
technik ein Ehrengeſchenk in Form eines goldenen
Chronometers. Die ſchweizeriſche Regierung, der keine
Orden zur Verfügung ſtehen, erteilt nur ſelten
Ehrenge=
ſchenke. Die Stadt Bern veranſtaltet eine Sammlung
für eine Ehrengabe der Bevölkerung.
* Bern 27. Juli. Geſtern nachmittag 5 Uhr ſetzte
ider ſeinen Flug von Baſel über den Jura nach
Bern mit ſeinem Bruder als Paſſagier fort. Um 6 Uhr
Minuten landeten ſie glatt in Bern. Die Spitzen der
vil= und Militärbehörden und eine ungeheure
Menſchen=
nenge begrüßten jubelnd den Alpenbezwinger. Abends
fand zu Ehren Biders ein von den Behörden gegebenes
Bankett ſtatt, wo der Flieger als Antwort auf den Brief
des Berner Senatspraſidenten, welchen er nach ſeinem
Flug über die Jungfrau dem Mailänder Stadtpräſidenten
überreichte, die Grüße Mailands überbrachte.
sr. Die Ueberquerung des Atlantiſchen
Oceans im Flugzeug, für die die Daily Mail einen
Preis von 200000 Mark ausgeſetzt hat, beſchäftigte die
engliſchen, amerikaniſchen und franzöſiſchen Aviatiker
fort=
geſetzt. Der Königlich engliſche Aero=Klub macht darauf
aufmerkſam, daß die Anmeldungen 14 Tage vor dem
erſten Verſuch erfolgen müſſen. Die Meldegebühr beträgt
2000 Mark. Für jeden Verſuch wird nur ein einziger
Apparat zugelaſſen. Zwiſchenlandungen ſind nur auf dem
Waſſer geſtattet. Der Flug kann nach beiden Richtungen
hin ausgeführt werden. Als Maximalzeit ſind zwei Tage
72 Stunden feſtgeſetzt.
Eiſenbahn=Unfälle.
* Thale im Harz, 26. Juli. Heute nachmittag 4 Uhr
fuhr der Eilzug 377 beim Rangieren mit derartiger
Gewalt auf einen ſtehenden Perſonenzug, daß ſämtliche
Eilzugswagen beſchädigt wurden. Der Packwagen wurde
kerzengerade hochgedrückt. Ein Rangierer wurde ſchwer
verletzt.
* Köln, 27. Juli. (Amtlich.) Auf der in Köln=
Nippes in der Nähe der Strecke Köln-Neuß auf einem
Damm gelegenen Bodentransportbahn der Firma Grün
u. Vilfinger=Mannheim ſtießen heute vormittag zwiſchen
6 und 7 im dichten Nebel zwei Züge zuſammen,
wodurch die Lokomotive der Förderbahn gegen einen im
nebenliegenden Stagtsbahngleiſe in langſamer Fahrt
be=
griffenen Güterzug fiel. Zwei Wagen des Güterzuges
entgleiſten und ſperrten die beiden Hauptgleiſe. Die Zuge
der Strecke Köln-Neuß wurden umgelenkt und erlitten
geringe Verſpätung. Ein Heizer der Firma Grün u.
Bilfinger wurde an beiden Beinen erheblich gequetſcht.
* Kopenhagen, 26. Juli. Der Expreßzug
Kopenhagen-Esbjerg entgleiſte heute
nach=
mittag bei Bramminge. Die erſte Lokomotive ſtürzte um,
die zweite entgleiſte. Sämtliche Wagen, mit Ausnahme
des letzten, ſind umgeſtürzt. Bis jetzt ſind 15 bis 16
Tote und eine Anzahl Schwerverwundeter feſtgeſtellt
worden. Unter den Toten befinden ſich der
ſozialdemokra=
tiſche Folketing=Abgeordnete Sabroe und Frau Profeſſor
Paulli aus Kopenhagen. Man befürchtet, daß ſich unter
den Trümmern weitere Tote befinden. Der
Lokomotivfüh=
rer und der Heizer konnten ſich durch Abſpringen von der
Lokomotive retten. Die Verwundeten werden nach Esbjerg
übergeführt, die Toten nach Bramminge gebracht.
* Kopenhagen, 26. Juli. Bei dem
Eiſenbahn=
unglück bei Esbjerg ſind folgende Deutſche ums
Leben gekommen: Richard Wellner (Dresden),
Opernſänger Borre (Düſſeldorf) und Arthur Wellner
(Berlin). Unter den Toten befindet ſich ferner ein Knabe
namens Oertheiner und ein Knabe, deſſen Taſchentuch mit
den Buchſtaben R. F. gezeichnet iſt. Bei dem letzteren iſt
es zweifelhaft, ob er ein Deutſcher oder ein Engländer iſt.
Unter den Schwerverwundeten befinden ſich folgende
Deutſche: Frau Opernſänger Borre, Frau Eliſabeth
Wellner (Dresden); unter den Leichtverletzten Frau
Mar=
garethe Krauſe und Sohn Arno Krauſe (Berlin,
Wieland=
ſtraße) und Frau Frieda Kohl (Berlin).
Der neue Balkankrieg.
Die Mächte und die Türkei.
* London, 25. Juli. Die Botſchafter ſchlagen
ihren Regierungen eine neue Note an die Türkei
vor; ob Kollektivnote oder nicht, iſt noch nicht entſchieden.
Die Note wird von neuem die Aufmerkſamkeit der Pforte
auf den Beſchluß der Mächte lenken der Grenze Enos=
Midia Achtung zu verſchaffen. Obgleich man unbeſtimmt
von Flottendemonſtration und anderen Mitteln, „ einen.
Druck auf die Türkei auszuüben, geſprochen hat, iſt in der
geſtrigen Konferenz kein derartiger Vorſchlag gemacht
wor=
den. Einzelne Diplomaten glauben, daß ein Druck
finan=
ziellen Charakters genüge. Der Standpunkt Rußlands
unterſcheidet ſich von dem der anderen Mächte infolge der
Sonderinterſſen dieſes Staates. Rußland erklärt, daß es
unter keinen Umſtänden die Wiederherſtellung der
otto=
maniſchen Herrſchaft in dem Gebiete zulaſſen könne, aus
dem die Türken ſchon vertrieben worden ſeien. Rußland
ſei alſo gezwungen, eine Aktion zu unternehmen, die den
Zweck verfolge, den Rückzug der türkiſchen Truppen
ſicher=
zuſtellen. Man glaubt, daß dieſe Aktion gemeinſam mit
den anderen Mächten unternommen werden wird.
Jeden=
falls iſt aber Rußland der Anſicht, daß nichts geſchehen
ſoll, was Uneinigkeit unter den Mächten hervorrufen
könnte.
Bulgarien proteſtiert.
* Sofia 25. Juli. Die Agence Bulgare teilt mit:
Angeſichts des ſyſtematiſchen
Verleumdungsfeld=
zuges, der gegen Bulgarien und ſeine Armee
mit Erbitterung geführt wird und der nach der
Unter=
brechung der Verbindungen mit Europa einen
ungeheuer=
lichen Umfang angenommen hat, beauftragte die
Regie=
rung die Vertreter Bulgariens im Auslande, die Bitte
nach Einſetzung einer internationalen
Unter=
ſuchung auszuſprechen, die von offiziellen Vertretern
der Mächte geführt werden und ſich über den ganzen
Kriegsſchauplatz erſtrecken ſoll.
Die Rechtfertigung der Türkei.
* Konſtantinopel, 25. Juli. Ein offizielles
Communiqué erinnert an die Erklärung Europas bei
Beginn des Krieges der Türkei mit den Balkanſtaaten, in
welcher das Prinzip der allgemeinen Integrität der
Türkei proklamiert worden ſei. Man könne nicht
glau=
ben, daß Europa, das es ablehnte, in dem Konflikt
zwi=
ſchen den früheren Verbündeten zu intervenieren, die
Tür=
kei ſollte zwingen wollen, zu vergeſſen, daß Thrazien
mu=
ſelmaniſches Gebiet und Adrianopel ſeine ehemalige
Hauptſtadt ſei. Die muſelmaniſche Welt hätte es niemals
begriffen, daß die Pforte inmitten aller Maſſakers ihre
muſelmaniſchen Brüder in Thrazien nicht rette Die
jetzi=
gen Ereigniſſe hätten bereits eine zu große Rückwirkung
auf die aſiatiſche Türkei ausgeübt, als daß man glauben
könnte, Europa wollte die Kluft zwiſchen der
muſelmani=
chen und der chriſtlichen Welt vergrößern.
Die Waffenſtillſtands= und Friedensverhandlungen.
* Wien, 25. Juli. Nach einer der Politiſchen
Kor=
reſpondenz aus Bukareſt zugegangenen Mitteilung iſt
Bukareſt über das ablehnende Verhalten
Ser=
biens und Griechenlands gegen das Verlangen
nach Einſtellung der Feindſeligkeiten von Unmut erfüllt.
Es wird hervorgehoben, daß der zweite Balkankrieg ſowie
die rumäniſche Aktion hauptſächlich den Zweck verfolgten,
das Gleichgewicht auf dem Balkan gegen die übertriebenen
Anſprüche Bulgariens zu ſchützen. Dieſer Zweck ſei
gegen=
wärtig im weſentlichen als erreicht zu betrachten, und es
gewinne faſt den Anſchein, als ob man nunmehr vor die
Aufgabe geſtellt werden dürfte, das Balkangleichgewicht
gegenüber den etwaigen maßloſen Forderungen
Griechen=
lands und Serbiens zu ſchützen. Rumänien werde
aber durchaus nicht zu einer Niederzwingung
Bulgariens unter allzu drückenden Bedingungen ſich
gewillt zeigen. Es ſtelle ſich auch auf den Standpunkt,
daß die unverzügliche Einſtellung der
Feind=
ſeligkeiten geboten iſt, da ſie die Entwirrung der
Kriſe fördern würde, ohne die berechtigten Intereſſen
Griechenlands und Serbiens einer Schädigung
auszu=
ſetzen.
* Athen, 25. Juli. (Meldung der Agence d’Athènes.)
Maßgebende Kreiſe behaupten, daß in Athen und
Bel=
grad der Druck von ruſſiſcher und öſterreichiſcher Seite
andauere. Griechenland wie Serbien hätten ſchon
wieder=
holt, ſobald der erſte freundſchaftliche
Vermittelungsver=
ſuch ſeitens Rußlands erfolgte, erklärt, daß ſie die
Ver=
mittelung dankbar annähmen. Sie ernannten gleichzeitig
ihre Delegierten, welche die
Friedensprälimina=
rien erörtern ſollten. Griechenland und Serbien
wei=
gerten ſich keineswegs, ſondern Bulgarien weiſe
den Frieden zurück, nicht die Verbündeten.
Wäh=
rend die Verbündeten vom Frieden ſprächen, ſpreche
Bul=
garien vom Waffenſtillſtand. Waffenſtillſtand bedeute
nicht Frieden. Wenn Bulgarien aufrichtig Frieden
ſchlie=
ßen wolle, warum weigere es ſich, die aufgeſtellten
Be=
dingungen zu erörtern, und warum wolle es vor den
Be=
ſprechungen einen Waffenſtillſtand? Warum weigere ſich
Bulgarien ſogar, die Bedingungen der Verbündeten
anzu=
hören? Man ſage, durch den Vormarſch der Truppen der
Verbündeten ſei die Ordnung in Sofia und der Thron
Ferdinands bedroht. Aber die Bulgaren könnten den
Thron und die Ordnung retten, wenn ſie erklärten, daß ſie
die Bedingungen der Sieger annehmen. Folglich müßten
ſich die Mächte vielmehr an Sofia, nicht an Athen und
Belgrad wenden. Sobald man in Sofia erkläre, daß die
Bedingungen der Verbündeten angenommen würden, wie
ſchon die Bedingungen Rumäniens angenommen ſeien,
werde der Waffenſtillſtand abgeſchloſſen. Sonſt ſei nichts
zu hoffen.
* Bukareſt, 26. Juli. Die
Bevollmächtig=
ten Serbiens, Griechenlands und
Monte=
negros haben heute früh Belgrad mit einem Dampfer
verlaſſen und ſich nach Bukareſt begeben, wo ſie am
Mon=
tag eintreffen. Der griechiſche Miniſterpräſident Venizelos
wurde perſönlich eingeladen, er hat jedoch den Tag ſeiner
Ankunft noch nicht beſtimmt.
Griechiſche Meldungen.
* Athen, 26. Juli. Freitag früh wurde
Dedea=
gatſch von den Landungstruppen des griechiſchen
Ge=
ſchwaders beſetzt. Admiral Coundouriotis erklärte den
in Dedeagatſch befindlichen Konſuln der Mächte,
Dedea=
gatſch werde beſetzt aus militäriſchen Gründen und um
einen Schutz für die griechiſche Bevölkerung in Thrazien
gegen die bulgariſchen Ausſchreitungen zu ſchaffen.
* Saloniki, 26. Juli. (Agence d’Athènes.) Ein
auswärtiges Blatt brachte kürzlich die Meldung, daß der
Bürgermeiſter von Drama mitgeteilt hätte, die
grie=
chiſchen Truppen hätten bei der Beſetzung des Ortes
Prawiſchta die muſelmaniſche und bulgariſche
Be=
völkerung niedergemetzelt. 15000 Flüchtlinge ſeien
in Gorna angekommen und 50000 Leute irrten ohne
Ob=
dach und Nahrung umher. Der Bürgermeiſter und der
Mufti von Drama ſandten jetzt, nachdem ſie davon
Kennt=
nis erhielten, an den Generalgouverneur von Mazedonien
ein Telegramm, in welchem ſie die vorgenannte Meldung
auf das entſchiedenſte dementieren. In dem Telegramm
des Bürgermeiſters wird geſagt, daß an keinem Orte, den
die griechiſchen Truppen paſſiert hätten, eine Untat
be=
merkt worden ſei. Gleichwohl habe er erfahren, daß der
bulaariſche Bürgermeiſter Drama mit den Zivilbeamten
verlaſſen habe. Sie ſeien einige Tage in dem Dorf Bouſſia
geblieben, von wo gewiß die tendenziöſe Nachricht
her=
rühre. Das Telegramm des Mufti iſt in gleichem Sinne
gehalten.
Serbiſche Meldungen.
* Belgrad. 26. Juli. Die ſerbiſchen
Trup=
pen haben die Einſchließung Widins
durchge=
führt. In dem Kamvf am 22. Juli bei Govedarnik wurde
Oberſt Arandjelowitſch an der Hüfte verwundet und konnte
nicht ſofort von der Ambulanz fortgebracht werden. Als
die Krankenträger zurück kamen und ihn ſuchten, fanden
ſie ihn tot auf. Die Bulgaren hatten ihn durch einen
Ba=
jonettſtich ins Herz getötet. Arandjelowitſch
komman=
dierte ſeinerzeit vor Adrianopel das Regiment, das
Schulter an Schulter mit der 8. bulgariſchen Diviſion vor
Tundja focht, derſelben Diviſion, die jetzt das barbariſche
Verbrechen beging.
Bulgariſche Meldungen.
* Sofia, 26. Juli. (Agence Bulgare.) Der geſtrige
Tag zeichnete ſich durch Ruhe auf der ganzen Linie aus.
Ernſthafte Operationen fanden nicht ſtatt. Bei Wlaſſina
verſuchten die Serben die Offenſive zu ergreifen in
der Abſicht, erneut die Grenze zu überſchreiten, wurden
jedoch ddurch das bulaariſche Artilleriefeuer
zurückgetrieben. Nach ergänzenden Nachrichten des
Erkundungsdetachements ſind die den ſerbiſch=
montenegri=
niſchen Truppen bei ihrem Angriff auf Kotſchana
zugefüg=
ten Verluſte ungeheuer. Auf einer Strecke von 800
Schrit=
ten wurden 1760 Leichen geſammelt, darunter von acht
Offizieren. Das ganze Feld hinter dieſem Streifen bis
an die feindlichen Linien war mit Leichen überſät. Wenn
man normalerweiſe von der Zahl der Toten auf die Zahl
der Verwundeten ſchließt. überſteigt deren Zahl ſicher
mehrere tauſend. Dies beweiſt, daß die Verbündeten bei
Kotſchana eine ſchwere blutige Niederlage erlitten. Bei
Petſchewo verſuchten die Griechen zum Angriff
überzu=
gehen. Durch heftiges Feuer wurden ſie jedoch
zurück=
geworfen und gezwungen, zum Rückmarſch zu blaſen.
Letzte Nachrichten.
* Rom, 26. Juli. In einer Beſprechung der
politiſchen Lage ſchreibt die Tribuna: Die Lage hat
ſich in den letzten Stunden in ziemlich befriedigender Weiſe
aufgeklärt. Folgende neue Tatſachen liegen heute vor,
außer wichtigen Erklärungen des ruſſiſchen
Miniſterpräſi=
denten Kokowzow gegenüber dem Petersburger
Korre=
ſpondenten der Tribuna: Dieſe Erklärungen verſichern, daß
die Schwarze=Meer=Flotte keine Sonderkundgebung vor
Konſtantinopel unternehmen wird, und daß Rußland
keineswegs geſonnen ſei, in Armenien einzurücken; ferner,
daß die ruſſiſche Regierung an dem Gedanken feſthalte, daß
eine eventuelle Aktion gegen die Türkei von allen
Mäch=
ten gemeinſam beſchloſſen und ausgeführt werden müſſe.
Das Ende dieſer wichtigen Tatſache iſt der beſtimmte Be=
Seite 6
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Juli 1913.
Nummer 174.
fehl der Regierung in Bukareſt an die Armee, den
Vor=
marſch einzuſtellen. Außerdem wird am Montag in
Bu=
kareſt die Konferenz zuſammentreten. Wenn der Druck,
den Italien und Oeſterreich=Ungarn auf die Regierungen
in Belgrad und Athen ausüben, zum Ziele führt, und
wenn Serbien ſich entſchließt, ſeine Vertreter zu der
Kon=
ferenz zu ſenden, ſo kann man hoffen, daß dieſer Krieg
unter den Balkanſtaaten endgültig beſchloſſen werden wird
zur allgemeinen Befriedigung und Erleichterung für
Eur
* Belgrad. 26. Juli. Zu
Friedensdelegier=
ſen für Bukareſt ſind ernannt worden:
Miniſterpräſi=
dent Paſitſch, der frühere ſerbiſche Geſandte in Sofia
Spa=
laikowitſch, der ſerbiſche Geſandte in Bukareſt Michailo
Riſtitſch, als militäriſche Delegierte und Sachverſtändige
die Generalſtabsoberſten Smiljanitſch und Kalafatowitſch,
ſowie zwei Miniſterialſekretäre. Paſitſch ſowie die
übri=
gen Mitglieder der Delegation reiſen morgen, Sonntag,
früh 6 Uhr, mit einem Extradampfer der ſerbiſchen
Dampf=
ſchiffahrtsgeſellſchaft bis Turn=Severin, worauf die Reiſe
mittels Sonderzuges der rumäniſchen Staatsbahn
fort=
geſetzt wird. Venizelos dürfte heute abend ankommen und
die Reiſe mit Paſitſch fortſetzen.
* Sofia, 26. Juli. (Agence Bulgare.) Die
bul=
gariſchen Friedensdelegierten.
Finanzmini=
ſter Tontſchew, der Chef des Generalſtabs General
Fitſchew, der frühere Vizepräſident der Sobranje
Iwan=
tſchew. der Publiziſt Radew, Oberſtleutnant Stanſchew
und zwei Sekretäre, ſind heute früh nach Bukareſt
ab=
gereiſt.
Die Unruhen in China.
* Berlin, 26. Juli. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt in ihrer Wochenrundſchau zu dem
Auf=
ſtand in China: Nach dem Ausbruch der
gegen=
wärtigen Unruhen ließ Juanſchikai am 21. Juli einen
Er=
laß ergehen, wonach die chineſiſche Regierung alles
auf=
bieten wird, um Leben und Gut der in China anſäſſigen
Ausländer zu ſchützen. Sollte trotzdem jemand bei der
Unterdrückung der Unruhen unmittelbaren Schaden
er=
leiden, iſt die chineſiſche Regierung bereit für den
Scha=
den aufzukommen. Dies wurde den Geſandten der
Mächte in Peking und durch chineſiſche Geſandte den
Re=
gierungen, bei denen ſie beglaubigt ſind, zue Kenntnis
ge=
bracht.
* Schanghai, 25. Juli. Trotz großer
Verſtärk=
ungen ſind die üblichen Angriffe auf das Arſenal
ſo=
wohl in der vergangenen Nacht wie heute vollſtändig
geſcheitert, trotzdem mit großem) Mute angegriffen
wurde. Die Sache der Rebellen ſcheint in Schanghai
ver=
loren zu ſein. Hervorragende Männer, die der Sache der
Aufſtändiſchen naheſtehen, berieten ſich zuſammen und
ſandten dann ein Telegramm an Juanſchikai, in dem ſie
die Grundlage für Friedensunterhandlungen vorſchlugen.
Es iſt jetzt feſtgeſtellt, daß Hſue=chow=fu im Beſitze der
Nordtruppen iſt. Der Tutu von Hunan und die offiziellen
Vertreter proklamierten die Neutralität der Provinz. Der
Tutu von Chekiany unterdrückt jede gegen Juanſchikai
gerichtete Propaganda.
* Schanghai, 26. Juli. Die Einnahme von
Hſü=Chowfu durch die Nordtruppen wird amtlich
beſtätigt. Auf das Ergreifen des Generals Huanghing,
ſei es tot oder lebendig, ſollen 2000 Taels ausgeſetzt
wor=
den ſein. Die Beſatzung der Fuſungforts hat ſich den
Nordtruppen angeſchloſſen.
* Schanghai, 26. Juli. Mit Rückſicht auf die
auf dem Lande und in den Vorſtädten von Schanghai
umherziehenden Streitkräfte der Aufrührer
wurde heute früh in einer Verſammlung des
Konſular=
korps und der ſtädtiſchen Behörden beſchloſſen, Matroſen
zu landen und eine Poſtenkette um die
Fremdennieder=
laſſung einzurichten. Auch an den beiden Enden der
Suchow=Bucht und an den Grenzen der Niederlaſſung
ſind Poſten aufgeſtellt worden, die den Befehl erhielten,
den Durchzug der Aufrührer zu verhindern. Die Stadt
veröffentlicht eine Bekanntmachung, die den
Krieg=
führenden und allen aktiv am Aufruhr Beteiligten
an=
zeigt, daß die Niederlaſſung für ſie geſchloſſen iſt.
Schanghai, 27. Juli. Die Wooſung=Forts
wurden geſtern abend von den Regierungstruppen
er=
obert, aber am gleichen abend von den Rebellen
wieder beſetzt. Der Kommandeur der Rebellen entfloh.
Die Rebellen, etwa 3000, wählten einen neuen Führer,
der die Erklärung abgegeben hat, er werde nur dann
kämpfen, wenn er angegriffen werde. Es ſteht ein
Son=
derzug bereit, der dazu beſtimmt iſt, im Falle der Not die
Fremden von Wooſung fortzubringen.
* Mukden, 25. Juli. Der Tutu von Mukden hat
von Peking aus den Befehl erhalten, Maßnahmen zu
treffen, um die Truppen der Mandſchurei der
Regierung treu zu erhalten und einer Gärung in der
Mandſchurei vorzubeugen. Der Tutu hat einen
entſpre=
chenden Truppenbefehl erlaſſen. Die Soldaten ſind in den
Kaſernen konſigniert. Die Hotels und die ankommenden
Reiſenden werden ſtreng überwacht. Den Zeitungen iſt
verboten worden, etwas über die Meutereien zu ſchreiben.
* Hankau 26. Juli. Nach Meldungen aus
Hiu=
kiang begannen die Nordtruppen geſtern allgemein
den Vormarſch. Die Aufſtändiſchen haben ſich in
Unord=
nung zurückgezogen. Die Nordtruppen überſchritten den
Fluß und beſetzten die Elefanten=Inſel, von wo ſie die
Hukauforts beſchießen. Heute erbaten über tauſend
Aus=
länder, meiſt Frauen und Kinder, in Kuling Schiffe zum
Schutz.
— Neu=York 26. Juli. Das Waſhingtoner
Ma=
rinedepartement beauftragte Admiral Richolſon, den
Kom=
mandanten der aſiatiſchen Flotte, zum Schutze der
Amerikaner und Ausländer Marinetruppen nach
der chineſiſchen Provinz Kiangſi zu entſenden.
Literariſches.
Heſſes Volksbücherei. Nr. 761—764, 790
bis 792. Preis jeder Nummer 20 Pfg. Leipzig, Heſſe u.
Becker, Verlag. Luſtige und traurige Geſchichten, alte und
neue Zeit, leichtes Gewicht und ſchweres Kaliber finden ſich
in glücklicher Miſchung in der neuen Folge von Heſſes
Volks=
bücherei. Rudolf Greinz eröffnet den Reigen mit ſeinen
luſtigen Geſchichten auf der „Tiroler Bergluft” (Nr. 761),
die überall Liebhaber finden. Tragiſch verläuft die
ſtim=
mungsreiche Erzählung Joſephine Siebes „Das
Ruhmes=
büchlein” die vor 100 Jahren ſpielt (Nr. 762). Voll
rea=
liſtiſcher Kraft — eine echte Dorfgeſchichte — iſt die
No=
velle L. Schulze=Brücks „Die Himmelsſchuhe‟ (Nr. 763/64).
Eine Ausgrabung, und ſicher eine glückliche, iſt Gottfried
Kinkels weitberühmtes romantiſches Gedicht „Otto der
Schütz” (Nr. 790). Die übliche und wohlangebrachte
Schlußverbeugung vor den Klaſſikern erfolgt durch die
Ausgabe von Uhlands ſchönen vaterländiſchen Dramen
„Herzog Ernſt” (Nr. 791) und „Ludwig der Bayer”
(Nr. 792).
Darmſtadt, 28. Juli.
* Hohe Auszeichnung. Von Sr. Majeſtät dem
König von Sachſen wurde Herrn Hofrat Alexander
Koch=Darmſtadt das Ritterkreuz I. Kl. des Albrechts=
Ordens verliehen.
* Friedberg, 26. Juli. Im Laufe des geſtrigen und
heutigen Tages fand im Beiſein des Bürgermeiſters
Stahl eine Beſichtigung des für die Schießſtände
und des als Exerzierplatz vorgeſehenen Geländes
durch höhere Offiziere ſtatt.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Marburg, 27. Juli. Geſtern nachmittag ereignete
ſich auf der Lahn zwiſchen Marburg und Wehrde ein
Bootsunglück. Ein Schüler einer höheren
Lehran=
ſtalt fuhr mit zwei jungen Damen Kahn. Dieſer ſchlug
um und alle drei Inſaſſen fielen in den dort ſehr tiefen
Fluß. Der Schüler konnte die eine Dame und ſich retten,
die andere Dame, die aus Bochum hier zu Beſuch weilte,
ertrank.
* Ludwigshafen, 26. Juli. Zu dem Raub in der
Badiſchen Anilin= und Sodafabrik wird
weiter gemeldet, daß die Räuber, drei polniſche
Fabrik=
arbeiter, mit den Lokalverhältniſſen vertraut waren und
den Raub von langer Hand vorbereitet hatten. Der Raum,
in den die Verbrecher eindrangen, enthielt die
Fabrikſpar=
kaſſe. Geraubt wurden etwa 1800 Mark. Die Täter
flüchteten, nachdem ſie einen Beamten, der ſich gemeinſam
mit einigen anderen ihnen entgegenſtellte, verwundet
hat=
ten, durch das Fabriktor, indem ſie die ihnen in den Weg
tretenden Perſonen mit der Waffe bedrohten. Von
Arbei=
tern des Betriebes verfolgt, ſprang einer der Täter in eine
Wirtſchaft, wo er die Waffe gegen ſich ſelbſt richtete und
ſich eine ſchwere Schußwunde beibrachte. Der Tod iſt noch
nicht eingetreten, doch dürfte der Selbſtmörder kaum mit
dem Leben davonkommen.
* Stuttgart, 26. Juli. Ueber den Ausfall der
Weinernte in Württemberg geben die Berichte
der Weinbauſachverſtändigen ein betrübendes Bild. In
einem Berichte aus Schorndorf heißt es nach dem
Schwä=
biſchen Merkur u. a.: Der heutige Stand der Weinernte iſt
traurig. Von einem Herbſt wird bei uns keine Rede ſein.
Froſt und Hagel, Hitze und Platzregen, Näſſe und Kälte
zur Blütezeit, alles das hat die Herbſtausſichten zerſtört.
Keine Kirſchen, kein Obſt, kein Wein. Das bedeutet für die
Remstaler Weingärtner=Bevölkerung nahezu eine
Kata=
ſtrophe mit ſchweren, nachhaltigen Folgen.
Schweinfurt, 26. Juli. Ein Hamburger
Automobil wurde auf der Straße Werneck-
Schnecken=
werth infolge Platzens des Pneumatiks gegen einen
Baum geſchleudert und vollſtändig zertrümmert.
Von den Inſaſſen wurde der Redakteur Johann Bader
aus Hamburg getötet, drei andere Hamburger Herren
wurden ſchwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt.
* Goetyn, 27. Juli. Geſtern abend überſchlug
ſich in der Nähe von Jerka im Kreiſe Koſten an einer
abſchüſſigen Stelle anſcheinend infolge ſtarken Bremſens
ein Automobil, in welchem die Gattin des
Ritter=
gutsbeſitzers Potworowsky von Gola und ihre Tochter
ſich befanden. Frau Potworowsky wurde getölet, die
Tochter, die am Steuer ſaß, ſchwer verletzt. Der Chauffeur
ſchwang ſich im Augenblick des Unglücks auf einen Baum
und blieb unverletzt.
* Baleſtrand, 26. Juli. Der Kaiſer arbeitete
heute morgen allein und nahm dann den Vortrag des
Vertreters des Auswärtigen Amtes, Geſandten von
Treutler, entgegen, und begab ſich ſpäter nach
Wangs=
naes zur Frithjofſtatue. Mittags trafen mehrere
Kriegsſchiffe der Hochſeeflotte ein. Nachmittags
unter=
nahm der Kaiſer einen Spaziergang an Land. Wetter
ſehr warm.
* Paris, 27. Juli. Der Bericht, welchen Doumer
im Namen des Heeresausſchuſſes des Senates
über das Dreijahresgeſetz erſtattete, beſchäftigt ſich
eingehend mit den deutſchen Heeresverſtärkungen und
ſchließt mit Erörterungen über die gegenwärtige Lage
Europas, welche mehr denn je verlange, daß
Frank=
reich ſtark ſei und daß es, ohne jemanden
anzu=
greifen oder herauszufordern, niemanden zu fürchten
habe. Derartige Kriege, heißt es weiter, haben
in dem politiſchen und militäriſchen Gleichgewicht des
Kontinents eine Störung hervorgerufen, zu weſſen Nutzen
oder zu weſſen Schaden kann niemand ſagen. Jedenfalls
haben die Konfliktsurſachen zwiſchen den
Groß=
mächten ſich nicht verringert. Wir können nur
wünſchen, daß ſie ſich nicht vermehren. Die jenſeits des
Rheins zunehmenden Rüſtungen, auf die man erwidern
muß, beweiſen gerade nicht, daß die Feſtigkeit des
Friedens gewachſen iſt. Gleicherweiſe hat die
Mächtegrup=
pierung, welcher Frankreich angehört, keine Erſchütterungen
erfahren. Frankreich, das ſeinen Bündniſſen und
Freundſchaften entſchloſſen treu iſt, kann auf ſeine
Ver=
bündeten und Freunde zählen. Im Laufe einer ſchweren
entſcheidenden Kriſe ſind Frankreich, England und
Ruß=
land nicht einen Augenblick uneinig geworden. Sie
werden ſich in Zukunft auch nicht uneinig werden.
Um nur von militäriſchen Dingen zu ſprechen,
ſo beweiſen Frankreich und Rußland, daß ſie im
Falle einer Koalition oder einer drohenden
Kontrak=
tion aufeinander zählen können. Frankreich, wie die
anderen Mächte, will ſich nur ſelbſt ſeine eigene
Sicher=
heit zu danken haben und in der Lage ſein, ſeine
Un=
verſehrtheit durch eigene Kraft zu ſichern, das iſt die
Be=
dingung für die Wirkſamkeit des Bündniſſes. Frankreich
und Rußland ſtehen den drei verbündeten Nationen Mittel=
Europas gegenüber. Zwei derſelben ſind unſere
Nach=
barn, aber nur eine, Deutſchland, hat eine bedauerliche,
beunruhigende Politik, die für uns zu gewiſſen Stunden
einer allerjüngſten Vergangenheit aggreſſiv waren.
Deutſchland war einſt eine unbarmherzige Gegnerin, ſie
iſt auch die bei weitem am mächtigſte. Wir haben alſo
allen Grund, unſere Armee auf dem Niveau der
deutſchen zu erhalten. Wenn wir mit ihr kämpfen
müßten, dann würde dies nur mit gleichen Waffen
ge=
ſchehen. Uebrigens iſt eine mächtige Armee eine
Frie=
densaſſekuranz. Selbſt kriegeriſchen Völkern dient
eine Armee ſehr ſelten im Kriege, aber ſie dient dauernd
dazu, Achtung einzuflößen. Frankreich muß ſtark ſein
unter den ſtarken Nationen, weil es immer in erſter
Reihe ſtand und in erſter Reihe bleiben muß. Das
fran=
zöſiſche Volk will in Zukunft ruhmreich bleiben, wie es
in der Vergangenheit ruhmreich war. Der Inſtinkt an
ſeine Größe iſt der Gedanke der Selbſterhaltung, es will,
daß es ein großes Volk ſei oder untergehen muß.
* Neu=York, 26. Juli. Die Oſtbahnen zogen ihre
Forderung zurück, daß das Schiedsgericht auch ihre
Beſchwerden erwäge, damit der Ausſtand der
Bahnangeſtellten, wie es ſcheint, endgültig
ver=
hütet wird. Die Oſtbahnen ſetzten durch, daß die
Entſcheidung des Schiedsgerichtes am 1. Oktober wirkſam
wird und kein rückwirkende Kraft erhält.
— Berlin, 26. Juli. Die Söhne Quanſchikais
verließen nach der Beſichtigung der Sehenswürdigkeiten
Berlins und ſeiner Umgegend heute Vormittag Berlin
und begaben ſich nach Brüſſel.
— Hamburg, 27. Juli. Zu den nötigſten Arbeiten
auf den Werften wurde eine große Anzahl auswärtiger
Arbeitswilliger herangezogen, für die, wie es nach dem
Berliner Tagblatt heißt, in dem neuerbauten
Wohn=
viertel, Quartiere hergeſtellt werden ſollen.
HB. Danzig, 26. Juli. Im Städtiſchen Krankenhauſe
erkrankten nach dem Genuß von Fiſchſpeiſe ſechzig
Schweſtern unter Vergiftungserſcheinungen. Es liegt
jedoch in keinem Falle Lebensgefahr vor.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
SaienAeikaftt
Saleiseld
Goldmundshick
Cigaretfen
1mas Law. Ne
. . Jünge Tetz.
Oien Jächaku.
N KoflieſenS.Ma.
GgareenZuhr
Carien.
ZeldxeDnesd.
VI., 15876
Familiennachrichten.
Statt beſonderer Anzeige.
Plötzlich und unerwartet verſchied am
26. Juli mein heißgeliebter Mann, unſer
innigſt=
geliebter Vater, Sohn, Bruder und
Schwieger=
ſohn
Dr. phil. Eduard Brechner
Leutnant der Reserve im K. K. Inf.-Reg. Nr. 13-in Krakau
im 39. Lebensjahre.
In tiefer Trauer:
Marta Brechner, geb. Schütz
und Kinder.
Darmſtadt, Wien, Bielitz, Prag, 26. Juli 1913.
Die Beiſetzung findet in aller Stille ſtatt.
Kondolenzbeſuche dankend verbeten! (16105
Danksagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte ſagen
wir unſeren innigſten Dank.
(*4127
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Karl Baas-
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem uns betroffenen ſchmerzlichen Verluſte
unſeres lieben, unvergeßlichen Vaters
(16091
Wilender enz
ſagen wir hiermit Allen unſeren innigſten Dank,
insbeſondere dem Herrn Pfarrer Vogel für ſeine
erhebende, troſtreiche Grabrede, den früheren
vor=
geſetzten Herren Beamten und ſeinen Herren
Kollegen der Stadtkaſſe, ſowie dem Werkmeiſter=
Bezirksverein Darmſtadt.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, 25. Juli 1913.
Nummer 174.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Juli 1913.
Seite 7.
Kriegerverein
(16103
Die Beerdigung unſeres
Mit=
glieds und Feldzugskameraden
Herrn Karl Brand, Großh. Oberhoflakai
findet am Dienstag, den 29. d. Mts.,
vormit=
tags 11 Uhr, vom Sterbehauſe Beſſungerſtr. 38
aus, ſtatt.
Wir erſuchen die Kameraden von Lahr
bis Probſt, ſowie des 5. Bezirks, ſich dort
Der Vorſtand.
zu verſammeln.
Kriegerverein
Darmſtadt.
Die Beerdigung unſeres
Mit=
glieds und Feldzugskameraden
Herrn Georg Heyer, Schreiner
findet am Dienstag, den 29. d. Mts.,
nachmit=
tags 3 Uhr, vom Sterbehaus
Blumenthal=
ſtraße 103 aus, ſtatt.
Wir erſuchen die Kameraden von
Ram=
dohr bis Schulz, ſowie des 3. Bezirks, ſich
dort zu verſammeln.
Der Vorſtand.
Verbunden mit des
modernstan groffschen
Tierschau auf Reisen!
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 deutſche Dogge, 1 Dachshund. 1 Pinſcher, 1
Kriegs=
hund (zugelaufen). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem
5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht
aus=
gelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um
10 Uhr, ſtatt.
(16078
Verſteigerung im ſtädtiſchen Leihamt.
Die Inhaber der Pfandſcheine Nr. 2642 bis einſchl. Nr. 37918
werden aufgefordert, die Verſatzzeit der Pfänder verlängern zu laſſen
Bis Ende Auguſt d. J. iſt die einfache, vom 1. bis 10. September
1913 die doppelte Verlängerungsgebühr zu entrichten.
Alle Pfänder, deren Verſatzzeit bis 10. September d. Js. nicht
verlängert wurde, ſind bis ſpäteſtens Samstag, den 25. Oktober
d. Js., vormittags 11 Uhr, auszulöſen. Von Montag, den 27.
Ok=
tober d. J. ab werden die verfallenen Pfänder verſteigert.
Darmſtadt, den 1. Juli 1913.
(14134a
Städtiſche Leihamts=Verwaltung.
Paul.
Verſteigerungs=Anzeige.
Montag, 28. Juli l. Js., nachm. 2½ Uhr, verſteigere ich
im ſtädt. Pfandlokale im alten Hoftheater), Eingang Hochſchulſtraße,
zwangsweiſe gegen Barzahlung:
2 Schreibtiſche, 2 moderne Bücherſchränke, 1 Klavier, 1
Schreib=
maſchine, 3 Vertikos, 3 Diwans, 1 Ladentheke, 2
Laden=
tiſche, 3 Warenregale, 1 Warenſchrank, 1 Fahrrad, 2
Regu=
lators, 1 modernes Blumengeſtell, ſowie 1 ſilb. Damenuhr
mit Kette.
Darmſtadt, 25. Juli 1913.
(15929fo
Dörr, ſtädt. Pfandmeiſter.
Faſeleber=Verkauf.
Ein der Gemeinde Hahn gehöriger gut genährter Faſeleber
ſoll im Submiſſionswege verkauft werden. Angebote ſind bis
Frei=
tag, den 1. Auguſt 1913, vormittags 11 Uhr, bei der Bürger
meiſterei daſelbſt einzureichen, wo auch die Bedingungen vorher
ein=
geholt werden können.
Hahn bei Pfungſtadt, den 25. Juli 1913.
(16076
Großh. Bürgermeiſterei Hahn.
Geibel.
die grosse Landgräfin.
ihr Aufenthalt in Prenzlau 1750 bis 1756.
(16735
Von E. Mentzel.
Mit mehreren Illustrationen. Preis Mk. 2.50.
Zu beziehen in der Expedition des Tagblatts u. durch
alle Buchhandlungen.
Erdarbeiten.
Die Ausſchachtung und Abfuhr
von etwa 8500 cbm Erdmaſſen
zur Verbreiterung der Heidelberger
Straße, ſüdlich der
Landskron=
ſtraße, ſoll verdungen werden.
Arbeitsbeſchreibungen und
Be=
dingungen liegen bei dem
unter=
zeichneten Amte, Zimmer Nr. 4,
während der Dienſtſtunden zur
Einſicht offen. Auch werden dort
die Angebotſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis
Freitag, den 1. Anguſt I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle
einzu=
reichen.
(16077oi
Darmſtadt, 25. Juli 1913.
Tiefbauamt.
Keller.
Der Dragoner Hugo Baumann,
der von ſeinem Urlaub bis
zum 14. ds. Mts. nicht
zurückge=
kehrt war, iſt aufgegriffen und
hierher zurückgebracht worden.
Die gegen denſelben erlaſſenen
Steckbriefe werden
zurückgenom=
men.
(16076
Darmſtadt, 25. Juli 1913.
Garde=Dragoner=Regiment
Nr. 23.
Pferde=Verkauf.
Dienstag, den 29. Juli 1913,
vormittags 11 Uhr,
wird auf dem Hofe der
Train=
kaſerne in Darmſtadt,
Eſcholl=
brückerſtraße 24, ein überzähliges
Dienſtpferd öffentlich
meiſtbie=
tend gegen Barzahlung ver=
(16096
ſteigert.
Train=Bataillon Nr. 18.
nimmt Monats=
Damenfriseul kunden z. Pr.
v. 7 Mk. mit Ond. an, ſowie
An=
fertigen aller moderner Haarbeiten
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Sonntag, den 3. Auguſt 1913
9. Wanderung
Rheinfahrt.
Abfahrt 62 Hauptbahnhof (Sonntagskarte) Mainz=
Süd. Abfahrt Mainz per Schiff 8½ (Köln=Düſſeldorfer
Geſellſch.) nach Rüdesheim, von da Wanderung nach dem
Niederwalddenkmal, Jägerhaus, Aßmannshauſen, per
Schiff nach Bingen, Rüdesheim.
Führer: Koch und Zessler.
Gäſte ſtets willkommen.
Die Teilnehmer werden gebeten, ſich bei K. Zeßler
(16093
Marktſtraße, bis zum 29. Juli einzuzeichnen.
Der Vorstand.
Donnerstag, den 31. Juli, im
Biertiſch Reſtaurant Fuchs, Landgraf Georgſtr.
M
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
meinen innigſtgeliebten, unvergeßlichen Gatten,
unſeren lieben Schwager und Onkel (16106
Herrn Georg Heyer
Schreiner
heute abend ½10 Uhr plötzlich und unerwartet
im Alter von 67 Jahren zu ſich zu nehmen.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Frau Elisabeth Hever, geb. Arnold.
Darmſtadt, den 26. Juli 1913.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 29. Juli,
nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehauſe
Blumen=
thalſtraße 103 aus, ſtatt.
Einſegnung ½ Stunde vorher.
Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die
traurige Nachricht, daß es Gott dem
All=
mächtigen gefallen hat, heute früh meinen
lieben Gatten, unſeren treubeſorgten Vater,
Bruder, Onkel, Schwager, Schwiegervater und
(B16082
Großvater
Herrn Karl Brand
Großherzogl. Oberhoflakai
im Alter von 64 Jahren zu ſich in die
Ewig=
eit abzurufen.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 26. Juli 1913.
Beſſungerſtraße 38.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 29. Juli,
vormittags 11 Uhr, von der Wohnung aus,
ſtatt.
Kunſthalle am Rheintor, geöffnet Werktags
11—4 und Sonntags von 10—4 Uhr.
Todes=Anzeige.
Heute nacht verſchied plötzlich und
uner=
wartet an den Folgen eines Herzſchlages unſer
lieber Vater
Herr
Lüdwis Martin Schwarz
im Alter von 63 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Nieder=Ramſtadt, Ludwigſtr. 13, Darmſtadt,
den 26. Juli 1913.
Die Beerdigung findet Montag, den 28. Juli,
nachmittags 4 Uhr, auf dem Darmſtädter Fried=
16102
hofe ſtatt.
Tageskalender.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Zirkus Corty Althoff.
Bilder vom Tage (Auslage: Expedition,
Rhein=
ſtraße 23): Der bei Schneidemühl zerſtörte Luftkreuzer
„Schütte=Lanz”; der Flug des Leutnants Joly von Köln
nach Königsberg; zur Beſetzung von Adrianopel durch
türkiſche Truppen; bulgariſche Gefangene in Uesküb
er=
halten ihr Eſſen; Ankunft verwundeter Serben auf dem
Bahnhof in Belgrad.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil. für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: J. V.: Kurt
Mitſching; für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und
Mitteilungen aus dem Geſchäftsleben: J. V.: Adam
Sleiſchmann, ſämtlich in Darmſtadt. — Für den
redaktio=
nellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an die „Redaktion
des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforder=
ungen ſind beizufügen; nachträgliche werden nicht
be=
rückſichttgt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zu=
rückgeſandt.
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Seite
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Juli 1913.
Nummer 174.
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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Juli 1913.
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Wie wir vergeben unſern
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Anita war machtlos den Fragen Heinis gegenüber.
Wenn ſie ihm klar machen wollte, daß es unſchicklich ſei,
von fremden Leuten Geſchenke anzunehmen, dann ſah er
ſie mit den großen unſchuldigen Kinderaugen verwundert
an und es war ſo logiſch, wenn er meinte: Iſt doch kein
fremdes Leut, Mama, iſt doch Onkel Eberhardt. Was
konnte ſie darauf erwidern?
Sie hatte zwar dem Vater Harto mit voller
Ueber=
zeugung geſagt: Es iſt doch meine Pflicht, Heini von den
Drewensbergs fernzuhalten aber in ſtillen Stunden
tauchte doch immer wieder der Zweifel in ihr auf: durfte
ſie es wirklich auf ihr Gewiſſen nehmen, das Kind den
Angehörigen ſeines Vaters mit Vorbedacht zu
entfrem=
den? — Durfte ſie ſich in den Weg ſtellen, wenn jene es
als Familienglied aufnehmen wollten, ſelbſt um den
Preis, daß es die Mutter aufgäbe? Ihr Herz ſchrie: Ja,
und der kalte, erbarmungsloſe Verſtand ſagte Nein! Sie
hatte kein Recht, dem Glück ihres Kindes hinderlich zu
ſein. Ja, wenn ſie gewiſſenhaft ihre Pflicht dem toten
Gatten gegenüber erfüllen wollte, mußte ſie dazu helfen,
daß der Friede in der Familie wieder hergeſtellt werde,
den ihre Eheſchließung dereinſt geſtört.
Mein Bruder hat die Seinen ſehr lieb gehabt und
niemals die Hoffnung aufgegeben, daß einſtmals ein
friedlicher Ausgleich ſtattfinde, hatte ihr der Schwager zu=
grnſen unßd eiwoſtſich ür die nſce Anweit Riht
ich — Ihr ſeid es, die den Frieden ſtören! auf die Lippen
gedrängt hatte, war ſie unausgeſprochen geblieben. Wenn
ſie ſich auch keiner Schuld an dem Zerwürfnis bewußt
war, mußte ſie ſich doch eingeſtehen, daß ſie auch nie
ernſt=
lich den Wunſch gehabt habe, es friedlich gelöſt zu ſehen.
Sie hatte der Familie nicht den Teil am Gefühlsleben
ihres Mannes gegönnt, der ihr dann notgedrungen
zuge=
fallen wäre, und die Eiferſucht, ihr ſchöner, geweckter
Knabe könne die Liebe des Onkels gewinnen und ſie ihm
zurückgeben, war der erſte und zwingendſte Beweggrund
geweſen, das Kind den Augen des fremden Onkels
ver=
borgen zu halten. Sie wollte und konnte ihres Kindes
Herz nicht mit anderen teilen.
Nach einigen Tagen begann die Erinnerung an den
Onkel in Heini zu verblaſſen. Er fragte nur noch, wenn
eine beſondere Veranlaſſung die Erinnerung an ihn und
die verſprochenen Trauben weckte. Am meiſten Kummer
verurſachte ihm der Gedanke, ob der Onkel auch eine Leiter
finden würde, die hoch genug wäre, ſie herunter zu holen.
Die Mutter atmet auf. So war alſo ihre
Befürch=
tung übertrieben geweſen, die Drewensbergs dachten nicht
daran, dem Kinde der Komödiantin noch weiter
nach=
zufragen. Ihr Heini war ihr wiedergeſchenkt, und ſie
ſchloß das Kind mit umſo größerer Inbrunſt ans Herz.
Wir beide, wir ſind unzertrennlich, nicht wahr, mein
Heini? Und der Kleine lachte und ſtrampelte: Au, Mutti,
du drückſt mich ja ganz derzwei!
Aber etwas anderes peinigte ſie deſto mehr: ſie konnte
nicht mehr mit denſelben Gefühlen zu ihres Mannes Bild
emporſehen, und es blickte auch anders auf ſie herab als
eicdent dan nich ein Boedunf fir ſie in der boien
Augen? —
Die Tage der Witwe lenkten allmählich wieder in das
alte Geleiſe. Um ihren Unterhalt zu verdienen, hatte ſie
nach ihres Mannes Tode begonnen, Klavier= und
Geſang=
ſtunden zu erteilen, denn die Penſion als Witwe eines ſo
jungen Offiziers war gering. Es war ihr geglückt, eine
ganze Anzahl Schülerinnen im Laufe des Jahres zu
er=
halten, aber ſie hatte noch keinen Ruf als Lehrerin, ſo
mußte ſie ſich einſtweilen mit einem recht beſcheidenen
Ho=
norar begnügen, das ihre und ihres Sohnes
Lebensbe=
dürfniſſe nur notdürftig beſtritt.
Um ihre Lage durch Hinzufügung eines, wenn auch
nur kleinen Zuſchuſſes aufzubeſſern, malte die junge Frau
des Abends, wenn ihr Kind die hellen Aeuglein längſt
zum Schlummer geſchloſſen hatte, noch Poſtkarten und
Photographien aus, eine Arbeit, die ihr Vater Hartkopf
auf ihr dringendes und unabläſſiges Bitten beſorgt hatte.
Es war ein ſtumpfſinniges, mühevolles Werk und nur
da=
durch des Abends bei Lampenlicht auszuführen, daß
Dutzende der gleichen Karten in genau derſelben Weiſe
ausgeſpielt werden mußten, aber es verdarb die
Augen und es dauerte eine ganze Weile, ehe auch nuc
eine Mark verdient war. Aber ſelbſt dieſe Mark konnte
Anita nicht entbehren. Ihr Heini mußte als zukünftiger
Majoratsherr eine ſtandesgemäße Erziehung erhalten, und
er ſollte auch nichts entbehren, was anderen Kindern das
Leben ſonnig geſtaltet. So rieb ſie ſich faſt auf im
täg=
lichen Frondienſt.
Es war acht Tage nach dem Beſuch von Eberhardt
von Drewensberg. Der Abend des trüben Maitages war
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Juli 1913.
Nummer 174.
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hereingebrochen. Anita hatte ſoeben die letzte Schülerin
entlaſſen. Jetzt ſaß ſie im traulichen Erker, um die
glück=
lichſte Stunde ihres ganzen Tages zu feiern, die Stunde.
diesſie ganz und ungeſtört ihrem Heini angehören durfte.
Der Kleine ſaß auf ihrem Schoß. Das Köpfchen an der
Mutter Schulter gelehnt, lauſchte er andächtig und mit
glänzenden Augen den ſchönen Märchen, die ſie ihm
er=
zählte.
Es war kalt draußen. Der Wind heulte um die
Haus=
ecken und klatſchend ſchlug der Regen an die Fenſter. Die
beiden ſaßen ein Weilchen ſtill und lauſchten auf das
To=
ſen des Unwetters, und dann wanderten die Augen Anitas
durch das behagliche Zimmer, das im Schein der roſa
verhängten Lampe ſo traut und wohlig warm — und ihr
doch ſo leer und öde erſchien, ſeitdem der eine darin
ffehlte, der ſeine Seele geweſen war. Ein Schauer ging
durch ihre Glieder.
Oh, Heini, wenn wir nur nicht ſo verlaſſen wären.
Da ſchrillte die Korridorglocke, Barmherziger Gott!
Anita fuhr empor, daß Heini von ihren Knien glitt.
Das war nicht Vater Harto, der pflegte anders zu läuten.
War es eine Ahnung von dem, was in der Seele der
Mutter vorging, oder hatte dieſe energiſche Art, die
Klin=
gel zu ziehen, eine Erinnerung in Heini geweckt? Er
klatſchte plötzlich jubelnd in die Hände:
Das iſt der Onkel mit den Weintrauben, paß auf,
Mutti, das iſt Onkel Eberhardtchen! Und da war er auch
ſchon draußen und hatte die Korridortür weit aufgeriſſen
zum Empfang des Erſehnten,
Onkel — Onkel, haſt Du auch eine weiße und eine
blaue mitgebracht? Und auch eine für Mama und
Väter=
chen Harto?
Nicht einen Schritt vermochte Anita dem
Ankömm=
ling entgegenzugehen.
Sie ſtand da, die Lehne eines Seſſels krampfhaft mit
den Händen umklammernd, weiß wie die marmorne
Pal=
las Athene auf der Säule neben ihr.
Die Tür des Zimmers hatte Heini offen gelaſſen und
in ihr erſchien jetzt Eberhardt von Drewensberg mit dem
kleinen Neffen an der Hand.
Darf ich eintreten, gnädige Frau? ſiedend heiß ſtieg
es in Anita empor. Sie mußte alle ihre Kraft
zuſammen=
nehmen, um das ſchroffe Nein zu unterdrücken.
Darf ich den Bruder meines Mannes von meiner
Schwelle weiſen, ehe ich weiß, in welcher Eigenſchaft er
kommt?
Das heißt mit anderen Worten, wenn Sie es könnten,
würden Sie es tun, und Sie erwarten unzweifelhaft von
meinem Taktgefühl, daß ich wieder gehe! — Ich kann aber
nicht gehen, ebenſowenig wie Sie mich abweiſen können,
und ſo bitte ich Sie, mich für kurze Zeit zu ertragen.
Sie kommen zu einer — etwas ungewöhnlichen Zeit,
Herr von Drewensberg.
Ich weiß, daß Sie tagsüber beſchäftigt ſind, und
glaubte, jetzt am wenigſten zu ſtören. — Ich bitte
tauſend=
mal um Verzeihung.
Mutti — Mutti, ſieh doch, ſo viele Trauben hat Onkel
mitgebracht. — Eine ganze Kiſte voll, blaue und weiße!
Da, Mutti, die große iſt für Dich,
Heini, quäle mich nicht! Anita ſchob die ſpendende
Hand mit unverhohlenem Widerwillen von ſich.
Mit welchem Recht tun Sie das, Herr von
Drewens=
berg?
Fragen Sie den auf dem Bilde, gnädige Frau.
Glau=
ben Sie, daß Heinz es mir wehren würde, ſeinem Sohn
ein gegebenes Verſprechen zu erfüllen?
Sicher, mehr als das! — Er würde Ihnen verbieten,
wiederzukommen.
Gnädige Frau!
Bitte, mein Herr — wir müſſen uns voch klar
wer=
den über unſere Beziehungen zueinander. Sie haben
un=
geſcheut die Ehre der Frau Ihres Bruders angegriffen
und bilden ſich ein, er würde Ihnen die Gaſtfreundſchaft
ſeines Hauſes gewähren? — Bitte — laſſen Sie mich
aus=
ſprechen! — Ich habe es verſtehen und ſogar bis zu einem
gewiſſen Grade Ihren ariſtokratiſchen Vorurteilen
ver=
zeihen können, daß Sie und Ihre Angehörigen verſuchten,
Ihren Stammbaum von der Veemiſchung mit dem
bürger=
lichen Blut einer einfachen Schauſpielerin rein zu halten
— ja, wenn meinem Sohn ſein Recht geworden wäre,
hätte ich Sie bedauern können, daß wir Ihnen ſo bittere
Enttäuſchungen bereiten mußten. Seitdem Sie aber
ge=
ſagt haben, nicht das bürgerliche Blut und die
Schauſpie=
lerin an ſich, ſondern meine vermeintliche „dunkle
Ver=
gangenheit” ſei der eigentliche Grund zu Ihrem
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Landwirtſchaftliches.
— Zwetſchenernte im Jahre 1913. Die
Landwirtſchaftkammer ſchreibt: Die Steinobſt= und
ins=
beſondere auch die Zwetſchenernte fällt dieſes Jahr in
Deutſchland recht verſchieden aus. Strichweiſe iſt voller
Behang, anderwärts in ganzen Landſtrichen eine
Fehl=
ernte. Es ſteht zu befürchten, daß die Landwirte und
Obſt=
züchter in Gegenden mit reicher Zwetſchenernte, in
Un=
kenntnis der Marktlage, eventuell zu den bekannten
Schleu=
derpreiſen abſetzen zu müſſen glauben, während nach Lage
der Sache immerhin aute Zwetſchenpreiſe erwartet werden
dürfen. Es empfiehlt ſich deshalb für Intereſſenten, ſich
für den Verkauf zuſammenzuſchließen und Offerten an
Obſtverkaufsſtellen, wie z. B Zentralſtelle für
Obſtver=
wertung in Frankfurt a. M. Fichardſtraße 58p. oder die
Geſchäftsleitung der Groß=Obſtmärkte, z. B. Worms uſw.,
einzureichen. Aus den Marktberichten dieſer
Verkaufs=
ſtellen, auch z. B. der Groß=Obſtmärkte zu Ingelheim,
Zwingenberg, Nauheim bei Groß=Gerau ufw., iſt jederzeit
die Marktlage und der Tagespreis zu erſehen.
* Berlin, 26. Juli. Wöchentlicher
Saaten=
ſtandsbericht der Preisberichtſtelle des Deutſchen
Landwirtſchaftsrats. Während noch zu Anfang Juli der
Saatenſtand im Oſten und Norden als ungünſtig, dagegen
im Weſten und Süden als überaus günſtig angeſehen
wurde, hat ſich allmählich ein Wechſel vollzogen. Die nun
ſchon ſeit vier bis fünf Wochen anhaltende regneriſche und
kühle Witterung im Weſten und Süden hat vielfach die
großen Hoffnungen auf eine gute Ernte herabgemindert,
während die Niederſchläge der letzten Zeit die früher
ge=
ringen Ernteausſichten im Oſten und Norden von Woche
zu Woche gebeſſert haben. Die gegenwärtige Lage iſt ſo,
daß Deutſchland in ſeiner Geſamtheit, abgeſehen vom
Hafer, vorausſichtlich eine mittlere Ernte von Weizen,
Roggen und Gerſte haben wird. Zweifelhaft bleibt noch
die Qualität derſelben, die hauptſächlich von der
Witter=
ung der nächſten Tage und Wochen abhängig iſt. Eine
direkte Gefahr in dieſer Hinſicht iſt zwar noch nicht
vor=
handen, wenn auch die Berichte aus dem Süden und
Weſten, wie insbeſondere aus Weſtfalen, der
Rheinpro=
vinz und aus verſchiedenen Bezirken von Bayern und
Württemberg zum Teil troſtlos lauten. Auch die letzte
Woche hat reichliche Niederſchläge gebracht und endlich
auch die Gegenden bedacht, die bisher immer noch über
Trockenheit geklagt haben, wie insbeſondere Teile von
Brandenburg, Vorpommern und Mecklenburg. In
ver=
ſchiedenen Gebieten ſind in der Woche vom 18. bis 24. Juli
25 bis 50 Millimeter Regen gefallen und nur in der
Pro=
vinz Sachſen und den Regierungsbezirken Liegnitz, Poſen
und Königsberg weniger als 10 Millimeter. Am 21. Juli
ſank das Thermometer nachts in vielen Orten bis 8 oder
9 Grad herab. Allgemein wird die Fortentwicklung
ſämt=
licher Feldfrüchte hervorgehoben, wenn auch wiederholt
geklagt wird, daß die Niederſchläge für Hafer zu ſpät
ge=
kommen und die Kartoffeln auf den ſchweren und
nied=
rigen Böden gefährdet ſind. Die gleichzeitige kühle und
windige Witterung hat das Wachstum mehrfach
aufge=
halten und vor allem das Reifen des Getreides ſo
ver=
langſamt, daß nach wie vor mit einer ſtarken Verzögerung
der Ernte gerechnet werden muß. Dies wird zur Folge
haben, daß die Ernte der Getreidefrüchte vielfach faſt
gleichzeitig ſtattfinden wird. Warmes und trockenes
Wet=
ter mit Sonnenſchein iſt dringend erwünſcht.
Sport, Spiel und Turnen.
* Radſport. Einen neuen Weltrekord über
10 Kilometer ohne Schrittmacher ſtellte
Mar=
cell Berthet auf der Pariſer Buffalobahn auf. Der
Franzoſe legte die Strecke, durch windſtilles Wetter
be=
günſtigt, in 13 Min. 51,4 Sek. zurück und ſchlug damit den
von ihm mit 13 Min. 54,2 Sek. gehaltenen Weltrekord um
2½ Sekunden. Das Match zwiſchen Seres und Didier
endete überraſchenderweiſe mit der Niederlage von Seres.
Didier gewann den 15 Kilometer=Lauf in 12 Min. 17,4
Sek. mit 225 Metern, und den 30 Kilometer=Lauf in24:31
mit 120 Metern Vorſprung.
* Lawn=Tennis=Sport. Offizier=Lawn=
Ten=
nis=Turnier zu Homburg. In der Schlußrunde
des Herren=Einzelſpiels um den Kaiſerpreis ſiegte Lt.
Daub gegen Oblt. Leſſer mit 6:2, 622, 6:4 nach ſehr
inter=
eſſantem und hartnäckigem Kampf. Den zweiten Preis
erhielt Oblt. Leſſer, ferner Lt. v. Gersdorff und Lt. von
Wilm je einen dritten Preis. Das Doppel ohne Vorgabe
ergab: 1. Lt. Bartels=Lt. v. Wilm, 2. Lt. Spielberg=Lt.
Daub; das Einzel mit Vorgabe: 1. Lt. Wolff, 2. Lt. F.
Bering, 3. Oblt. Krengel und Rittm. v d. Kneſebeck; das
Doppel mit Vorgabe: 1. Oblt. Nonn=Oblt. Krengel, 2. Lt.
F. Bering=Lt. Daub. 3. Lt. Wolff=Lt. v. Wilm und Rittm.
v. d. Kneſebeck=Lt. H. Bering. Das Troſtſpiel mit
Vor=
gabe wurde in der Schlußrunde von Prinz zu
Schaum=
burg=Lippe gegen Oblt. v. Haugk gewonnen. Die
Schluß=
runden des Davis=Pokals nahmen am Freitag
in Wimbledon ihren Anfang. England und die
Ver=
einigten Staaten ſtehen ſich gegenüber.
Ueberraſchender=
weiſe hielt das erſte Einzel zugunſten von England aus,
da Parke nach intereſſantem Spiel Mc. Laughlin 8:10, 715,
6:4, 1:6, 7.5 ſchlug, dagegen gewann Williams, der andere
Amerikaner, 8:6, 3:6, 6:2, 1:6, 7:5 gegen Dixon. Die
Ent=
ſcheidung wird nunmehr von dem Doppel gebracht.
Literariſches.
Jeſus Chriſtus und ſein Stern. Eine
chronologiſche Unterſuchung von Artur Stentzel. 15½
Bogen, mit 16 Tafeln, einer Geſchichtstabelle und
aus=
führlichem Namen= und Sachregiſter. Verlag der
Aſtro=
nomiſchen Korreſpondenz, Hamburg 1913. Preis 6 M.
Der Verfaſſer gibt in ſeiner kritiſch=apologetiſchen Schrift
die erſte tatſächliche Chronologie des Lebens Jeſu auf
wiſ=
ſenſchaftlicher Grundlage. Er hält ſich überall ſtreng an
die Ueberlieferungen der Bibel und beweiſt die Richtigkeit
ihrer Angaben an der Hand einer umfangreichen
Litera=
tur. Unbekümmert um die verſchierene Auffaſſung der
po=
ſitiven und liberalen Richtung geht er ſeinen eigenen
ge=
raden Weg zum Ziele. Die beigegebenen Kunſtdrucktafeln
ſind nach den neueſten Original=Aufnahmen der altheiligen
Stätten in Paläſtina und Aegypten angefertigt worden.
— Vom köſtlichen Humor Bd. III (Heſſes
Volksbücherei Nr. 793—796. Preis jeder Nummer 20 Pf.),
Hübſch gebunden jeder Band von 4 Nummern 1,20 M.
Leipzig, Heſſe u. Becker, Verlag. Große Dichter,
Anzen=
gruber und Raabe, bieten ausgiebige Proben von „
aller=
hand Humor” der durch Leid und Weltſchmerz
hindurch=
gegangen und nun „frei durchs Leben” geht. Ein
glänzen=
der Außenſeiter, der große Chirurg Leander=Volkmann
überraſcht durch feinen Ton und ſtarke Phantaſie. Der
romantiſche Humor iſt durch Steub glücklich vertreten. Ertl
gräbt in einem ſeiner Beiträge tiefer, im andern und noch
mehr in Krobaths Humoreske herrſcht das luſtige Lachen
des übermütigen Humors.
— Geiſter. Novellen von Grete Meißel=Heß.
Broſch. 2,50 Mk., gebd. 3,50 Mk. Verlag von Sally
Rabinowitz in Leipzig. Mit dem erfolgreichen Roman
„Die Intellektuellen” iſt Grete Meißel=Heß in die vorderſte
Reihe unſerer bekannten Erzählerinnen gerückt. Alle
Vor=
züge, die die Kritik an dem genannten Werk einſtimmig
rühmte, finden wir in dieſem Bande wieder. Gleich
„Bilderbögen des Lebens” gleiten die Geſchehniſſe an uns
vorüber, alltäglich und ſeltſam, grotesk=komiſch und
un=
erbittlich, ewig gleich und ewig neu wie das Leben und
die Menſchen, ihre Seelen und ihre Geſchicke.
Profeſſor Dr. Schmeils Naturwiſſenſchaftliche
At=
lanten: Pflanzen der Heimat. Von Profeſſor
Dr. O. Schmeil und J. Fitſchen. 80 farbige Tafeln
mit Text. In Originalleinenband oder Mappe 5,40 M.
Reptilien und Amphibien Mitteleuropas.
Von Dr. R. Sternfeld. 30 farbige Tafeln mit 80 S.
Text. In Originalleinenband oder Mappe 540 M. Schon
die vorliegenden erſten beiden Bände dieſes neuen groß
angelegten Werkes zeigen uns deſſen einzigartige
Bedeu=
tung. Nur in jahrelanger Arbeit und mit einem Stabe
von beſten Naturforſchern und Künſtlern konnten dieſe
naturwiſſenſchaftlichen Atlanten geſchaffen werden, die zu
dem vollkommenſten gehören dürften, was die heutige
Reproduktionstechnik zu bieten vermag. Dieſe Atlanten
ſind ein Spiegel der Natur und ein Wegweiſer durch das
Wunderland der Schöpfung. Sie treiben an zu frohen
Entdeckungsfahrten in die Wieſen und Felder, die Heide
und Moore, an die Teiche und Bäche. Sie ſtellen die
Sinne ein, ſchulen das Auge zum bewußten Sehen, regen
zu ſinnigem Denken an, machen das Herz empfänglich für
die tauſend Eindrücke des wunderſamen Naturgeſchehens.
Jetzt, wo alles hinauszieht in die ſich erſchließende Natur,
werden dieſe Volksbücher im beſten Sinne des Wortes
bald jedem Naturfreund unentbehrlich ſein. Der
außer=
ordentlich niedrige Preis von 5,40 M. pro Band
erleich=
tert die Anſchaffung.
Einige Bemerkungen
zu dem bekannten großen, am 1. Auguſt beginnenden
Saiſon=Ausverkauf der Firma „Carſch”.
Dieſer Saiſon=Ausverkauf ſpielt ſeit Jahren eine bedeutende Rolle
im Frankfurter Handelsverkehr. — In großer Zahl finden ſich zu
ihm die Bewohner der Mainſtadt und die ſeiner weiteſten Umgebung
ein. — Von den eminenten, ſeitens der Firma gebotenen Vorteilen
vermag ſich nur derjenige einen Begriff zu machen, der von ſolchen
Ausverkaufs=Angeboten je Gebrauch machte. Zwei Hauptgründe ſind
für dieſe 2mal im Jahre ſtattfindenden Veranſtaltungen maßgebend:
Die großen Lagerbeſtände ſollen geräumt werden, um für die
ge=
waltigen Waren=Eingänge der kommenden Saiſon Platz zu ſchaffen
und damit die Lager zu Beginn jeder Saiſon vollkommen mit neuen,
der letzten Mode entſprechenden Waren angefüllt werden können. —
Sodann ſoll den langjährigen Kunden der Firma eine außergewöhnlich
Zum Abonnement empfohlen:
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gern intereſſanter Lektüre widmet und Freude hat an eht
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richten; wo der Bezua auf Hinderniſſe ſtößt, wolle man ſich dire
an unterzeichnete Verlagsbuchhandlung in Stuttaart wenden.
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Stiftſtr. 19, 3. St., bei Hofmann.
günſtige Gelegenheit zum Einkauf und demjenigen Teil des
Publi=
kums, welcher die Fabrikate der Firma bisher nicht kennen lernte,
ine beſondere Veranlaſſung hierzu geboten werden.
Der Ausverkauf beginnt in dieſem Jahr am Freitag, den
1. Auguſt, vormittags 8 Uhr. Faſt die geſamten Lager=Vorräte
ſind dieſes Mal zum Verkauf geſtellt und in Poſten eingeteilt worden.
Jedes einzelne Kleidungsſtück trägt ſeinen Original=Preiszettel. Die
Ausverkaufs=Serien=Nummern bez. Preiſe ſind auf der Rückſeite
deutlich vermerkt. — Die großen Erfolge, von welchen die Ausverkäufe
bisher begleitet wurden, dürfen wohl der Tatſache zugeſchrieben werden,
daß dieſe Veranſtaltungen ſehr großzügig und ſtreng reell
durchge=
führt werden, und daß die unter ſo außerordentlich günſtigen
Be=
dingungen gemachten Anſchaffungen für den Einkäufer wirklich eine
enorme Erſparnis bedeuten. — Näheres beſagt der Freitag, den 1. Auguſt
einem Teil unſerer Stadtauflage beiliegende Proſpekt. (IV,16085,94
Gallensteine.
Gätte ich) doch früher gewußt, daß die Dun=Präparate ein ſo mild
wirkendes und doch ſo vorzügliches Mittel gegen Gallenſteine
ſind. Ich litt ſo unausſprechlich an Gallenſteinkoliken, daß ſchließlich
nichts anderes übrig blieb, als die Gallenblaſe herausnehmen zu
laſſen. Leider war die Folge davon eine ſchreckliche. Nachdem die
Wunde vernarbt war, kamen die Koliken wie zuvor, ja noch
furcht=
barer. Nach jeder Mahlzeit bekam ich Magenkrämpfe und Erbrechen,
ſo daß ich bis faſt zum Skelett abmagerte. Mein Zuſtand war ein
hoffnungsloſer und qualvoller, und als ich wieder operiert werden
ſollte, ließ ich es nicht zu und griff zu den Dunpillen.
Gleich=
zeitig legte ich mir ein etwa 20 cm breites Dunpflaſter wie einen
Gürtel um den Leib. Wie ein Wunder verſpürte ich faſt
augen=
blicklich Linderung, die Krämpfe und das Erbrechen ließen nach
und ich konnte wieder beſſer eſſen. Nach 3—4 Wochen hatte ich
bereits 10 Pfund zugenommen. Nach einigen Wochen bekam ich
noch einmal 2 Tage lang heftige Kolik, wobei der zurückgebliebene
Gallenſtein, der bei der Operation nicht gefunden worden war,
abaing. Von dieſem Tage an, während ich Pillen und Salbe weiter
nehme, habe ich bereits 1 Jahr lang weder Koliken, noch Krämpfe,
noch Erbrechen uſw. gehabt und außerdem weitere 25 Pfund
zu=
genommen, ſo daß ich mein altes Gewicht wieder habe und alle
ſchweren Hausarbeiten wie früher verrichten kann, ja daß ich mich
noch lebensfroher und geſünder fühle. — Im vergangenen Sommer
aben die Dunpillen und=Salbe meinen Jungen Max, als er an
Maſern erkrankte, innerhalb 3 Tagen wiederhergeſtellt, desgl. ſpäter
bei einem Anfall an Diphtherie und Halsentzündung. D. S. (1.30),
D. P. (1.30), D. Z. (2.00).
Darmſtadt, 22. 9. 1912.
Frau L. M. (Unterſchrift ortsgerichtlich beglaubigt.
Zu haben in Apotheken oder durch Vermittlung der Fabrik
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