Abonnementspreis
Inſerate
176. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwird nichtübernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Aus allen Teilen des Königreichs Bayern treffen
beun=
ruhigende Nachrichten über Hochwaſſer ein, das
großen Schaden anrichtet.
Das Erdbeben vom Sonntag hatte nach den
Berech=
nungen ſeinen Ausgangspunkt etwa 10
Kilo=
meter weſtlich von der Stadt Ebingen in Hohenzollern.
In Breslau wurde am Samstag der 4.
Verbands=
tag des Verbandes Deutſcher
Hand=
lungsgehilfen in Leipzig eröffnet.
In Cervia wurde der frühere Sektionschef im italieniſchen
Kriegsminiſterium, Graf Morozzo della Rocca,
wegen Landesverrats verhaftet.
Am Sonntag abend ſind die bulgariſchen
Frie=
densdelegierten, die Generale Paprikow und
Iwantſchiew. in Niſch eingetroffen, um mit den
Dele=
gierten ſämtlicher Verbündeten in direkte
Friedens=
verhandlungen einzutreten. Es heißt, daß
Bulgarien die Friedensbedingungen
Rumä=
niens angenommen hat.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.
Die Annahme der franzöſiſchen
Heeresvorlage.
*⁎* Nachdem die grundlegenden Beſtimmungen ſchon
kürzlich gutgeheißen worden waren, hat die
franzö=
ſiſche Deputiertenkammer die geſamte
Heeresvorlage mit der Wiederherſtellung der
drei=
jährigen Militärdienſtzeit am Samstag angenommen.
Das Reſultat war vorauszuſehen, trotzdem ſich eine ſehr
heftige Oppoſition gegen die Heraufſetzung der Dienſtzeit
erhoben und ſich ſogar in der Armee ſelbſt geltend gemacht
hatte. Aber angeſichts der hohen nationalen Bedeutung
dieſes Geſetzes iſt die Minderheit, welche dagegen geſtimmt
hatte, doch ziemlich erheblich, und es fehlten nur 78
Stim=
men, um das Geſetz zu Fall zu bringen. Denn im ganzen
wurden 562 Stimmen abgegeben, die Mehrheit betrug alſo
282 Stimmen, für das Geſetz votierten aber 358 und
da=
gegen 204 Abgeordnete.
Der Regierungsentwurf hat in der
Deputiertenkam=
mer manche Aenderungen erfahren; es ſind namentlich
er=
leichternde Uebergangsbeſtimmungen geſchaffen worden,
aber in der Hauptſache wurden doch die Forderungen der
Heeresverwaltung erfüllt, und dieſe hat auch in
der heißumſtrittenen Frage der Einſtellung der
Zwanzigjährigen geſiegt. Noch iſt nun zwar das
Beſetz nicht unter Dach und Fach, da erſt der
Senat darüber beſchließen muß, aber wenngleich es hier
ebenfalls nicht an Kämpfen fehlen wird, ſo kann die
Re=
lierung ſich ſchon heute der Gewißheit des
endgülti=
zen Sieges hingeben, trotzdem der Gedanke der
Wiedereinführung der dreijährigen Dienſtzeit im Lande
nit ſehr wenig Befriedigung aufgenommen worden war.
Das iſt eben der Unterſchied zwiſchen der letzten
deut=
chen und dieſer franzöſiſchen Militärvorlage. Bei uns
anden die Vorſchläge der Reichsregierung bezüglich der
Verſtärkung unſerer Wehrmacht in allen bürgerlichen
Krei=
en einmütige Zuſtimmung, und die langen
parlamentari=
chen Debatten drehten ſich eigentlich mehr um
Neben=
dinge, die mit der Heeresvorlage verquickt wurden. Wie
ehr wir gegenüber Frankreich im Vorteil ſind, geht ja
daraus hervor, daß dieſes ſich nicht anders helfen zu
kön=
ien glaubte, als durch Wiederheraufſetzung der Dienſtzeit.
die erſt vor einigen Jahren herabgeſetzt worden war. Die
dauptkämpfe entbrannten bei uns bei der
Deckungs=
rage, wo die Gegenſätze in wirtſchaftlichen Dingen
not=
pendigerweiſe aufeinanderſtoßen mußten. In Frankreich
ber ſteht die Erledigung der Deckungsfrage erſt noch
be=
or, und daß es dabei zu ſehr heftigen Zuſammenſtößen
ommt, die an Schärfe den Debatten im Deutſchen
Reichs=
age nichts nachgeben werden, läßt ſich ſchon jetzt
voraus=
agen, denn einzelne der von der Regierung in Ausſicht
enommenen neuen Steuerquellen ſind im Publikum
höchſt=
nbeliebt und werden lebhaften Widerſtand finden. Das
icke Ende kommt alſo in Frankreich erſt noch nach,
wäh=
endrunſere Regierungsmänner ſchon darüber hinaus ſind
nd ſorgenfrei in die Sommerferien fahren konnten.
Die wirtſchaftlichen
Arbeits=
kämpfe im Jahre 1912.
* Im Jahre 1912 iſt die Zahl der Streiks
gegen=
über dem Vorjahre zwar um ein wenig — von 2566 auf
2510 — gefallen, die der Streikenden jedoch, und zwar
hauptſächlich wegen des Kohlenarbeiterſtreiks im
Ruhr=
revier, um 188505 gewachſen. Etwa 93 v. H. ſämtlicher
Streiks ſind als Angriffsſtreiks, nur 6 bis 7v. H. lals
Abwehrſtreiks zu bezeichnen. Von den 2510 Streiks des
Jahres 1912 war nur 415, d. h. 16,5 v. H., der gewünſchte
Erfolg beſchieden; 1001 Streiks hatten teilweiſen und 1094
Streiks keinen Erfolg aufzuweiſen. Nach der Zahl der
Streikenden bemeſſen, konnten ſich nur 4,8 v. H. eines
vollen, 26,9 v. H. eines teilweiſen Erfolges erfreuen,
wo=
gegen der großen Mehrzahl, nämlich 68,3 v. H., der
Er=
folg völlig verſagt blieb. Die Streik erfolge haben
ſich alſo durchweg zuungunſten der
Arbeitneh=
mer verſchoben, wofür der Grund vornehmlich in den
erfolgloſen Streiks im Bergbau zu ſuchen iſt.
Bemerkenswert erſcheint noch, daß die von einer
Be=
rufsvereinigung unterſtützten Streiks ſich ſeltener
eines vollen Erfolges zu erfreuen hatten, als die ohne
Mitwirkung einer ſolchen Berufsvereinigung verlaufenen
Streiks. Dagegen zeigt ſich, daß ein teilweiſer Erfolg
häufiger bei den Ausſtänden zu verzeichnen war, die von
einer Berufsvereinigung unterſtützt wurden.
Von den 2510 Streiks des letzten Jahres
beſchäftig=
ten 900 die Polizei und 561 die Staatsanwaltſchaft. Dieſe
Zahlen ſind in ſtarker Steigerung begriffen und beweiſen,
daß die Klagen der induſtriellen und gewerblichen
Unter=
nehmer über die Zunahmevon Ausſchreitungen
bei Streiks begründet ſind. Uebrigens wurden 1912
insgeſamt 324 Ausſperrungen beendet, die ſich auf 2554
Betriebe mit nahezu 75000 Arbeitern erſtreckten.
Von den größeren Ausſperrungen war beſonders die
im Schneidergewerbe bemerkenswert, die ſich faſt über alle
Gebiete des Deutſchen Reiches ausdehnte. Daneben waren
aber auch die Metall= und Maſchineninduſtrie, die
Por=
zellan= und namentlich die Textilinduſtrie in erheblichem
Umfange an Ausſperrungen beteiligt. Ein Vergleich der
letztjährigen Ziffern mit denen etwa um die Wende des
letzten Jahrhunderts zeigt, daß die Streiks ſich
ver=
doppelt, die Ausſperrungen verzehnfacht
und die Zahl der Streikenden vervierfacht haben. Alles
in allem iſt die Beunruhigung unſeres Wirtſchaftslebens
durch Streiks und Ausſperrungen nachgerade
außer=
ordentlich gewachſen, und man muß auch zugeſtehen, daß
der unſerem Wirtſchaftsleben dadurch zugefügte Schaden
mit den von den Arbeitern erzielten Erfolgen in keinem
rechten Verhältnis ſteht.
Petroleum als Brennnſtoff für
Kriegsſchiffe.
* Die Mitteilungen, die bei der Erörterung des
engli=
ſchen Flottenetats der Marineminiſter Winſton Churchill
dem Unterhauſe über die Einführung von
Petro=
leum als Brennſtoff auf den britiſchen
Kriegsſchiffen machte, haben berechtigtes Aufſehen
erregt. Vielleicht iſt die Zeit nahe, ſchreibt der
unioniſti=
ſche Standard unter Beifall für die ſachlichen
Ausführun=
gen des Miniſters, wo ſämtliche Schiffe unter der weißen
Flagge durch Oelmaſchinen getrieben werden; indes iſt
dieſe Zeit noch nicht völlig gekommen. Die Admiralität
will noch keineswegs auf den prächtigen Vorrat der beſten
Dampfköhle verzichten, die das natürliche Monopol des
Vereinigten Königreichs darſtellt. Allein der Gebrauch
von flüſſigem Brennſtoff nimmt zu und wird ſich weiter
ausdehnen. Binnen kurzem werden die ſämtlichen
Zer=
ſtörer und Unterſeeboote ſowie eine gute Anzahl der
leich=
ten Kreuzer in der britiſchen Flotte nur mehr für
flüſſi=
gen Brennſtoff eingerichtet ſein. Von den Linienſchiffen,
die neu auf Kiel gelegt werden, werden ebenfalls die fünf.
die das ſchnellſte Geſchwader bilden ſollen, in derſelben
Weiſe, die übrigen dagegen für Kohle und Petroleum
zu=
gleich eingerichtet werden, dergeſtalt, daß der alte Brand
unter gewöhnlichen Umſtänden, der flüſſige dagegen zur
Verwendung kommt, wenn eine beſonders große
Schnel=
ligkeit verlangt wird.
Die Vorteile der Oelfeuerung ſind folgende: Es wird
eine größere Schnelligkeit erzielt als mit Kohle; die
Hand=
habung iſt leichter; die Zahl des Feuerungsperſonals iſt
geringer; endlich fällt das umſtändliche und häufig ſehr
ſtörende Verfahren bei der Uebernahme von Kohlen in
die Bunker weg. Aus all dieſen Gründen erachtet die
bri=
tiſche Admiralität es für notwendig, daß ſie fortlaufend
einen ausreichenden Vorrat flüſſigen Brennſtoffes zur
Ver=
fügung hat. Der Miniſter glaubt, daß dies ohne
Unter=
brechung der Zufuhr möglich ſein wird, einmal wenn man
die Gewinnung von Petroleum innerhalb des britiſchen
Reiches vermehrt, ſodann, wenn man ſich den Rohſtoff
aus ſo viel Bezugsquellen verſchafft, wie nur möglich. Iſt
doch der Bezug nicht auf eine oder zwei Stellen beſchränkt,
da Petroleum in Rußland. in Birma, den Vereinigten
Staaten, Rumänien, Oeſterreich und Indien vorkommt,
und Entdeckungen in anderen Erdräumen gemacht worden
ſind, wenn auch nicht überall von abbauwürdigem
Vor=
kommen, wie in Kamerun zum Beiſpiel. Die Admiralität
will alſo aus all dieſen Quellen ſchöpfen, und ſie verläßt
ſich auf den Wettbewerb, der unter den einzelnen
Liefe=
ranten entſtehen wird, daß die Preiſe in Friedenszeiten
nicht in die Höhe getrieben werden. In Kriegszeiten aber
iſt die britiſche Flotte ſelbſt berufen, die Zufuhr von
flüſſi=
gem Brennſtoff für ihre Zwecke zu ſichern.
Deutſches Reich.
— In dem Etatsvoranſchlag der
Marine=
verwaltung für das neue Rechnungsjahr 1914, der
Anfang Auguſt dem Reichsſchatzamt zugehen ſoll, ſind an
großen Flottenneubauten nur zwei Schiffe, der, „Erſatz
Kaiſer Friedrich III.” und der Erſatz für einen großen
Kreuzer, vorgeſehen.
— Das Erfurter Urteil und das
Militär=
ſtrafgeſetz. Der Tägl. Rundſchau wird geſchrieben:
Die vom Reichstag unter dem Eindruck des Erfurter
Ur=
teils verabſchiedete Novelle zum Militärſtrafgeſetzbuch iſt,
wie wir hören, in der letzten Plenarſitzung des
Bundes=
rats, die vor den großen Ferien ſtattgefunden hat, an die
vereinigten Ausſchüſſe für Juſtiz und Landesverteidigung
gewieſen worden. Dieſe Ausſchüſſe treten Mitte
Septem=
ber wieder zuſammen und werden den Entwurf in
Be=
ratung ziehen. An ſeiner Annahme in den Ausſchüſſen
und im Plenum iſt nicht zu zweifeln, da die vier deutſchen
Kriegsverwaltungen Einwendungen gegen die
beſchloſſe=
nen Abänderungen nicht erhoben haben. Der
Geſetzent=
wurf dürfte zu Anfang Oktober an das Bundesratsplenum
gelangen und noch im Oktober endgültig Geſetz werden.
An maßgebender Stelle wird erwogen, den Erfurter
Ver=
urteilten die Wohltaten des gemilderten
Militärſtrafge=
ſetzes, trotzdem die Beſtimmungen erſt im Herbſt Geſetz
werden dürften, für alle Fälle ängedeihen zu laſſen. Die
Möglichkeit dazu iſt ohne weiteres gegeben, da es dem
Gerichtsherrn freiſteht, den Termin für die Verhandlung
vor dem Oberkriegsgericht, an das die Verurteilten
Be=
rufung eingelegt haben, ſo feſtzuſetzen, daß er auf einen
Zeitpunkt fällt, an dem die neuen geſetzlichen
Beſtimmun=
gen ſchon in Kraft getreten ſind. Im Zuſammenhang mit
dem Erfurter Urteil und der vom Reichstag
angenomme=
nen Novelle zum Militärſtrafgeſetz wird von der
links=
ſtehenden Preſſe gefordert, daß die Reſerviſten am Tage
der Kontrollverſammlungen nicht mehr der militäriſchen,
ſondern der bürgerlichen Gerichtsbarkeit unterſtellt
wer=
den ſollen. Es handelt ſich hier um eine Beſtimmung des
Reichsmilitärgeſetzes, die vom Reichsgericht und
Reichs=
militärgericht übereinſtimmend ausgelegt wurde. Wie wir
erfahren, ſteht die Mehrheit der verbündeten Regierungen
auf dem Standpunkt, daß im Intereſſe der militäriſchen
Diſziplin ein Abweichen von dieſen Beſtimmungen nicht
in Frage kommen kann.
— Die Regelung des
Submiſſions=
weſens. Der geſchäftsführende Ausſchuß des
Innungs=
verbandes deutſcher Baugewerksmeiſter hat eine Eingabe
an die Mitglieder der Reichstagskommiſſion zur
Vorbe=
reitung neuer Beſtimmungen über die Regelung des
Sub=
miſſionsweſens gerichtet. In dieſer ausführlich
begrün=
deten Eingabe heißt es u. a.:
Der Innungsverband Deutſcher Baugewerksmeiſter
begrüßt mit größter Genugtuung die in die Wege geleitete
reichsgeſetzliche Regelung des Submiſſionsweſens. In der
Tat iſt die Notwendigkeit einer ſolchen Regelung auch
im=
mer dringlicher geworden da ſelbſt alle Bemühungen der
Zentralbehörden, die Mißſtände im Verdingungsweſen
zu beſeitigen, nicht ausgereicht haben, dieſem Ziele
nen=
nenswert nahe zu kommen. Die nachgeordneten Behörden
haben ſich wenig oder gar nicht an dieſe von den beſten
Abſichten geleiteten Miniſterialerlaſſe gehalten, ſo daß in
der Praris keine erhebliche Beſſerung der Zuſtände
einge=
treten iſt. Das legt den Wunſch nahe, mehr als bisher
erfahrene Praktiker zur Aufſtellung von Koſtenanſchlägen
heranzuziehen. Von erheblicher Wichtigkeit iſt es auch,
dem Prinzip des angemeſſenen Preiſes mehr als visher
zum Durchbruch zu verhelfen. Gewiß haben in den letzten
Jahren ſchon einige Behörden mehr und mehr davon ab=
geſehen, die Zuſchlagserteilung lediglich auf den
Mindeſt=
fordernden zu beſchränken, aber von der allgemeinen
Ver=
urteilung der auch wirtſchaftlich zu verwerfenden
Bevor=
zugung des niedrigſten Preiſes ſind ſie noch immer weit
entfernt. Immer wieder muß daher gefordert werden, daß
bei der Vergebung von Arbeiten und Lieferungen durch
die Behörden das augenblickliche Intereſſe des Fiskus nicht
allein ausſchlaggebend ſein darf. Zwar erſcheint der
Standpunkt, daß man mit Rückſicht auf die Steuerzahler
auf möglichſt niedrige Preiſe für auszuführende Arbeiten
ſehen müſſe, zunächſt beſtechend, dennoch iſt er mit Rückſicht
auf eine geſunde Wirtſchaftspolitik nicht zu billigen.
— Die braunſſchweigiſche Frage. Die
Ber=
liner Morgenpoſt meldet aus Braunſchweig: An
zuſtän=
diger Stelle iſt von irgendwelchen beſtimmten
Forderun=
gen, die einzelne Bundesregierungen an den
Regierungs=
antritt des Prinzen Ernſt Auguſt geknüpft haben ſollen,
nichts bekannt. Der Regierungsantritt werde in kürzeſter
Zeit erfolgen. (?) Der neuliche Beſuch des Prinzen beim
Herzog Johann Albrecht habe nur die Feſtſetzung der
Modalitäten der Regierungsübernahme betroffen.
— Keine Handwerkerkonferenz. Eine
große Handwerkerkonferenz ſollte nach der Meldung eines
Berliner Lokalblattes im Anſchluß an die bereits
ſtattge=
habte Anhörung von Vertretern der geſetzlichen
Handwer=
ker=Organiſationen über Fragen der Handwerker=
Geſetz=
gebung von dem zuſtändigen Reichsreſſort in nicht ferner
Zeit einberufen werden. Wie man hört, trifft dieſe
Mel=
dung nicht zu. Die Abhaltung einer großen
Handwerker=
konferenz iſt nicht in Ausſicht genommen. Dagegen iſt
be=
abſichtigt, im Herbſt weiteren Vertretern von Kreiſen, die
an einer Abänderung und Ausgeſtaltung der in Frage
ſtehenden Vorſchriften der Handwerker=Geſetzgebung
inter=
eſſiert ſind, Gelegenheit zu geben, ihre Wünſche und
An=
ſichten auf Grund der Denkſchrift des Handwerks= und
Gewerbekammertags vor Vertretern der Reichsregierung
zu äußern. Es handelt ſich hierbei namentlich auch um
ſüddeutſche Intereſſenten.
— Um die Mehrheit im
württembergi=
ſchen Landtag. Wie gemeldet, iſt das Mitglied des
württembergiſchen Landtages, der Zentrumsabgeordnete
Mayer, bei einem Sturz vom Wagen tödlich verunglückt.
Es hat nun eine Erſatzwahl ſtattzufinden, die deshalb
be=
ſonders intereſſant iſt, weil der Wahlbezirk Rottweil, den
Mayer vertrat, zu den am meiſten gefährdeten
Zentrums=
bezirken des Landes gehört. Bei den letzten
Landtags=
wahlen hat das Zentrum gegen die Liberalen und
So=
zialdemokraten mit der knappen Mehrheit von 124
Stim=
men geſiegt. Eine Niederlage des Zentrums würde die
Folge haben, daß in der württembergiſchen
Abgeordneten=
kammer wieder die Linke die Mehrheit erlangt; denn
ge=
genwärtig haben die Rechtsparteien und die Linksparteien
die gleiche Anzahl von Mandaten inne,
Ausland.
Frankreich.
Die Flugzeugflotte. Einer offiziöſen
Mel=
dung zufolge beſchloß die Kriegsverwaltung, daß in
Zu=
kunft alle für den Kriegsdienſt verwendeten Flugzeuge
gepanzert ſein müſſen. Die nichtgepanzerten Flugzeuge
werden lediglich zur Ausbildung der Militärflieger
dienen. Gleichzeitig wurde beſchloſſen, die Verſuche mit
den neuen gepanzerten Kriegsflugzeugen geheim zu
hal=
ten. Der Matin glaubt, daß die künftige Flugzeugflotte
vier Typen umfaſſen werde, erſtens gepanzerte Einſitzer für
Aufklärungsflüge für Artillerie und Kavallerie mit einer
Mindeſtgeſchwindigkeit von 120 Kilometern in der
Stunde, zweitens gepanzerte Zweiſitzer für
Aufklärungs=
flüge im Dienſte des Generalſtabes mit einer
Mindeſtge=
ſchwindigkeit von 100 Kilometern, drittens gepanzerte,
mit Maſchinen= und automatiſchen Gewehren ausgerüſtete
Zweiſitzer mit einer Mindeſtgeſchwindigkeit von 120
Kilo=
metern, welche die Aufgabe haben werden, auf die
feind=
lichen Flugzeuge und Luftſchiffe Jagd zu machen, und
viertens Mehrſitzer für große Entfernungen mit einer
Mindeſtgeſchwindigkeit von 100 Kilometern, die für
be=
ſondere Aufgaben verwendet werden ſollen.
Belgien.
Erbſchaftsſteuer und Wahlreform. Der
Hauptausſchuß der Kammer hat die Erbſchaftsſteuer im
Sinne des vorgelegten Entwurfs angenommen. Jedoch
wurden die vorgeſchlagenen Zwangsmaßregeln abgelehnt,
die der Miniſter zur Verhütung von falſchen Angaben
für notwendig hielt. Es ſollen weder Banken noch
ſon=
ſtige Verwalter gezwungen werden können, Auskünfte
über bei ihnen hinterlegte Vermögen zu machen.
Außer=
dem wurde beſtimmt, daß niemand unter Eid Angaben
über die Höhe ſeines Vermögens zu machen hak. Ferner
wurde auch die Verpflichtung verworfen, über
Lebensver=
ſicherungen Auskunft zu geben. Durch die Ablehnung
wird natürlich der Ertrag der Erbſchaftsſteuer weſentlich
geringer ſein, als ihn der Finanzminiſter angeſetzt hatte.
— Der von der Regierung eingeſetzte Ausſchuß zur
Be=
ratung über das Wahlrecht hat eine Sitzung abgehalten.
Der Obmann, Baron t'Kind, erſtattete Bericht über die
Arbeiten eines Unterausſchuſſes, der von der Regierung
Auskünfte verlangte über die Wahlgeſetze der anderen
Länder. Nach eingehender Beratung wurde beſchloſſen,
zuerſt in eine allgemeine Beratung über das Wahlrecht
in der Gemeinde einzutreten. Ueber dieſes Wahlrecht
werden einzelne Mitglieder Berichte einreichen. Der
Aus=
ſchuß hat ſich bis zum 15. Oktober vertagt. Von da ab
ſoll alle vierzehn Tage Sitzung ſein.
Spanien.
Die Operationen in Marokko. Die
Ein=
drücke, die man in Madrid hat, lauten dahin, daß die
Unterredung des Miniſterpräſidenten mit dem König in
San Sebaſtian demnächſt eine Richtungsänderung, was
das Vorgehen in Marokko betrifft, zur Folge haben werde,
was Graf Romanones auf Anfragen hin nicht ausdrücklich
in Abrede ſtellte. Es verlautet, daß, nachdem die Razzias
gegenüber den Kabylen nicht den erhofften Erfolg
gezei=
tigt haben, ein Wechſel im Oberkommando bevorſtehe und
die Zurückberufung der Generale Alfau und Primo de
Ri=
vera erwartet werden müſſe. Es beſteht allerdings die
Schwierigkeit eines derartigen Umſchwungs darin, ihn
einzuleiten, ohne bei den Marokkanern den Eindruck der
Schwäche hervorzurufen.
Versinigte Stadten.
Die japaniſch=kaliforniſche Frage. Die
Antwort des Staatsſekretärs Bryan auf die japaniſchen
Beſchwerden ſtellt feſt, daß die Bundesregierung nicht
da=
ran denke, die kaliforniſche Frage dem Haager
Schieds=
gerichte zu unterbreiten. Nach der Darſtellung Bryans
könne auch eine Japan günſtige Entſcheidung nicht
durch=
führbar ſein, da die Bundesregierung keine Mittel habe,
die Einzelſtaaten zur Beobachtung des Vertrages
anzuhal=
ten. Bryan behält den Standpunkt bei, daß Japan ſich an
die Gerichte wenden müſſe, eine Auffaſſung, die Japan
konſequent zurückweiſt mit der Begründung, daß die
Re=
gierung die Macht haben müſſe, die einzelnen Staaten zur
Beobachtung der vertraglichen Abmachungen zu zwingen.
Die zwiſchen den beiden Staaten beſtehende Spannung
wird durch die Antwort des Staatsſekretärs verſchärft.
Braſilien.
Erfolge der deutſchen
Inſtruktions=
offiziere. Der Jahresbericht des Kriegsminiſters
er=
wähnt die erfreulichen Reſultate, die mit der Verwendung
der in Deutſchland ausgebildeten Offiziere erzielt worden
ſind. Die Offiziere betätigen in den Truppenteilen, denen
ſie zugeteilt worden ſind, den größten Eifer und erzielen
die trefflichſten Erfolge. Bedauert wird nur die
Knapp=
heit der Kredite, die für die im Auslande dienenden
Offi=
ziere beſtimmt ſind.
* Die Deutlſche Turnerſchaft und das
Berliner Tageblatt. Der Ausſchuß der Deutſchen
Turnerſchaft in Leipzig hat an die Leitung des Berliner
Tageblattes folgendes Schreiben gerichtet: „Das
Ber=
liner Tageblatt hat in Nr. 354 unter der Aufſchrift „Das
Feſt der Hunderttauſend” und unter der Chiffre „K. P.,
Leipzig” über das in großartigſter und erhebend
vater=
ländiſcher Weiſe verlaufene, von einer rieſigen treuen
Ar=
beit getragene 12. Deutſche Turnfeſt einen geradezu
ſcham=
loſen Artikel aus der Feder eines gänzlich verſtändnisloſen
und treu vaterländiſcher Geſinnung baren Menſchen
ge=
bracht, der in allen Kreiſen die tiefſte Entrüſtung
hervor=
gerufen hat. — Wenn die Leitung des Berliner Tageblatts
fernerhin Anſpruch auf Raum im Kreiſe vaterländiſch
ge=
ſinnter und deutſches Streben und deutſche Arbeit achten=
der und fördernder Blätter machen will, ſo hat ſie die
Pflicht, jenen ſcharmloſen Berichterſtatter in öffentlicher
Erklärung von ſich abzuſchütteln! Wir fordern und
er=
warten, daß ſie es tun wird.‟ Der genannte
Berichter=
ſtatter hatte die Turner als „frechluſtige, kragenloſe,
unge=
bügelte Geſellen” bezeichnet, die „als Einzelweſen
unſym=
pathiſch ſeien und von denen „viele noch nie in ein
Tele=
phon geſprochen hätten und noch nie in einem Theater
ge=
weſen ſeien” auch der Feſtzug und der ſonſtige ganze
Ver=
lauf des Turnfeſtes war mit einer Geſte von oben herab
als etwas abgetan, das zu erwähnen im Grund kaum
nö=
tig erſcheine. — Das Berliner Tageblatt iſt alsbald der
Aufforderung der Deutſchen Turnerſchaft nachgekommen,
und zwar mit folgender Mitteilung: „Infolge eines
tech=
niſchen Verſehens wurde in der Abendausgabe des
15. Juli eine Korreſpondenz über das Leipziger Turnfeſt
in einer Form veröffentlicht, in der die Korrekturen und
Streichungen der Redaktion nicht berückſichtigt waren.
Auf=
dieſe Weiſe wurden die Gefühle der Turnerſchaft und aller
derjenigen, die zu dem ausgezeichneten Gelingen des
Feſtes beigetragen hatten, verletzt. Wir nehmen keinen
Anſtand, feſtzuſtellen, daß unſere Anſchauungen über die
Bedeutung dieſes Feſtes ſich keineswegs mit denen jener
Korreſpondenz decken und daß wir den berechtigten
An=
ſprüchen der Turnerſchaft auf rückhaltloſe Anerkennung
gern Rechnung getragen hätten.”
* Rom, 20. Juli. Die Blätter bringen
Aufſehen=
erregende Meldungen über die Verhaftung des
ehemaligen Beamten im Kriegsminiſterium
Morozzo=
della Rocca, der zugunſten Oeſterreichs Spionage
ge=
trieben haben ſoll. Die Tribuna beſtätigt die Verhaftung
mit dem Hinzufügen, daß der Feſtgenommene ein
außer=
ordentlich phantaſtiſcher Menſch ſei. Es ſeien zwar
ver=
dächtige Schriftſtücke beſchlagnahmt worden, doch ſcheine es
ſich um einen Spionagefall von ſehr untergeordneter Be= zu handeln.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 22. Juli.
* Ordensverleihungen. Wie der Preuß.
Staats=
anz.” meldet, hat der König von Preußen dem Großh.
Heſſiſchen Oberſtallmeiſter und Kammerherrn Riedeſel=
Freiherrn zu Eiſenbach zu Darmſtadt den Roten
Adler=Orden 1. Klaſſe, dem Oberhofmeiſter der
Groß=
herzogin von Heſſen, Kammerherrn Dr. Freiherrn von
Leonhardi den Roten Adler=Orden 2. Klaſſe verliehen.
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben zum
20. Juli d. J. den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr
zu Mühlheim Kaſpar Krebs I., Peter Anton FallerVl
und Philipp Engelhard zu Mühlheim das
Allge=
meine Ehrenzeichen mit der Inſchrift „Für Verdienſte‟
verliehen.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Valenti=
Löwenhaupt zu Petterweil, Kreis Friedberg, eine
Lehrerſtelle zu Jugenheim, Kreis Bensheim; dem
Schul=
amtsaſpiranten Wilhelm Gaul aus Büdingen dieer
ledigte zweite Lehrerſtelle zu Uſenborn, Kreis Büdingen=
* Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr.9
enthält: 1. Ueberſicht über die in der Stadt Gießen
zu erhebenden Gemeindeumlagen für das
Rechnungs=
jahr 1913. 2. Ueberſicht über die in den Gemeinden
der Finanzamtsbezirke Friedberg, Hungen und
Nidda=
des Kreiſes Büdingen zu erhebenden Gemeindeſteuern
für das Rechnungsjahr 1913. 3. Ueberſicht über die
in den Landgemeinden des Kreiſes Darmſtadt zu
er=
hebenden Gemeindeſteuern für das Rechnungsjahr
1913. 4. Ueberſicht der für das Rechnungsjahr 1913
zur Erhebung vorgeſehenen Umlagen zur Beſtreitung
der Kommunalbedürfniſſe in den zum
Finanzamts=
bezirk Ober=Ingelheim gehörigen Gemeinden des Kreiſes
Bingen. 5. Ueberſicht über die von Großh. Miniſterium.
des Innern genehmigten Umlagen zur Beſtreitung der
Bedürfniſſe der iſraelitiſchen Religionsgemeinden des
Kreiſes Erbach für 1913. 6. Ueberſicht über die in den
Gemeinden des Kreiſes Schotten zu erhebenden Gen
meindeſteuern für das Rechnungsjahr 1913. 7. Ueberſicht
über die in den iſraelitiſchen Religionsgemeinden
des Kreiſes Offenbach zu erhebenden Umlagen für
das Rechnungsjahr 1913. 8. Verſetzungen in den
Ruheſtand.
g. Provinzialausſchuß. Der 16jährige Dienſtknecht
Heinrich Walz von Gammelsbach ſucht um Erteilung
des Wandergewerbeſcheins nach. Er hat durch
einen Unfall an der Häckſelmaſchine eine ſolche
Verſtüm=
melung der rechten Hand davongetragen, daß er ſie zu
landwirtſchaftlichen Arbeiten nicht gebrauchen kann. Er
erhält eine Unfallrente von 25 Mark monatlich. Da das
zur Erhaltung ſeiner geiſteskranken Mutter und ſeiner
ſieben Geſchwiſter nicht ausreicht, will er einen kleinen
Hauſierhandel betreiben. Das Kreisamt Erbach hat den
verlangten Wandergewerbeſchein nicht erteilt, weil
Walz=
das nach § 57a der Gewerbeordnung erforderliche
Alter=
von 25 Jahren noch nicht erreicht hat. Der
Provinzial=
ausſchuß erteilte den Wandergewerbeſchein. Die Koſten
des Verfahrens einſchließlich der anwaltlichen Vertretung
William leben nur vier Angeſtellte unter den 45
Sträf=
lingen. Einer iſt Verwalter, der andere Oberaufſeher, der
dritte Wächter im Hauſe und der vierte Koch. Den
Nacht=
wachdienſt verrichten die Gefangenen ſelbſt. Auch hier
ka=
men in zwölf Monaten nur drei bis vier Ausbrüche vor.
Auf die Kulturarbeit, die dieſe in Freiheit gelaſſenen
Ge=
fangenen bereits vollbracht haben, iſt der Erfinder der
neuen Methode ſtolz. Die tauſend Aeres Landes um Fort
William, die von ihnen in fruchtbares Feld verwandelt
worden ſind, waren vorher 10 bis 15 Dollar pro Acre wert,
nach der Ausrodung 100 pro Acre.
Die Beſitzer der benachbarten Farmen, die zunächſt über
die neuen Ankömmlinge ſehr entſetzt waren, leben heute
mit ihnen im beſten Einvernehmen. Außer der Arbeit,
die durch das Hocken in den Gefängniſſen verloren ging,”
ſo faßt Hanna das Reſultat zuſammen, „haben wir für
die Provinz einen Nutzen von 50000 Dollar und mehr
durch die Gefangenen=Farmen gehabt. Das Land und die
ganze Wohlfahrt iſt dadurch gebeſſert, und vor allem ſind
die Menſchen ſelbſt dadurch gebeſſert worden‟ Die
Ge=
fangenen tragen auf den Farmen keine Sträflingskleidung;
der Kopf wird ihnen nicht kahl geſchoren; ſie ſchlafen und
eſſen gemeinſam in ſchönen lichten Räumen; ſie verwalten
und regieren die ganze Farm ſelbſt. Es ſcheint zunächſt
verwunderlich, wie dieſe Frevler gegen die
Geſellſchafts=
ordnung ſich mit Eifer und Pflichtgefühl ihren Arbeiten
hingeben, wie ſie an der Farm und an der Fortführung
und Vollendung der Unternehmungen hängen. Aber das
große Geheimnis, das ſie in dieſem Gefängnis ohne Schloß
und Riegel feſthält, das ſie glücklich und zufrieden macht,
iſt die Freude an nützlicher Arbeit, die ſie hier
vielfach zum erſten Male kennen lernen, der Segen
einer paſſenden Tätigkeit, den die Behörden von
Ontario als das beſte Mittel zur Beſſerung anſehen.
Ein Gefängnis ohne Schloß
und Riegel.
C) Eine Revolution im Gefängnisleben bedeutet der
kühne Plan, den die Behörden der Provinz Ontario in
Kanada zur Ausführung gebracht haben. Die Verbrecher
wurden nicht hinter dicken Mauern, feſten Gittern und
ſchweren Schlöſſern eingeſperrt, ſondern auf eine Farm
gebracht, wo ſie ihre Strafzeit nicht in dumpfer Luft und
dumpfem Brüten abſitzen, ſondern im Freien abarbeiten.
Sie müſſen geloben, nicht zu entfliehen, und nur eine
ver=
ſchwindend geringe Anzahl hat dies Wort gebrochen. Die
Seele dieſer Gefängnisreform in Kanada iſt der
Provinz=
ſekretär von Ontario, W. J. Hanna, der zunächſt
durch=
ſetzte daß 400 Verbrecher, die in dem Zentralgefängnis
von Toronto hinter Schloß und Riegel ſaßen, nach der
Guelph=Farm gebracht wurden, wo ſie ohne jede
Bewach=
ung an der Ausrodung und Fruchtbarmachung eines
gro=
ßen Stückes Landes tätig waren. Später iſt dann noch eine
ähnliche Farm in kleinerem Maßſtabe bei Fort William
errichtet worden. Wie Robſon Black in einem Aufſatz des
Wide World Magazine berichtet, wurden keine
Schwer=
verbrecher zu dieſem Verſuch ausgewählt, keine Mörder
und Bombenwerfer, ſondern Taſchendiebe, Betrüger,
Ein=
brecher, von denen ein großer Prozentſatz durch Alkohol
zum Verbrechen getrieben worden war. Von den 400
Ver=
brechern, die das ganze Jahr über ungehindert auf einem
Bebiet von 1200 Acres kanadiſcher Prärie arbeiteten, ſind
nur vier in drei Jahren ausgeriſſen. Auch die Wirkungen
dieſer eigenartigen neuen Strafmethode laſſen ſich bereits
erkennen, denn unter den aus der Gefangenen=Farm
Ent=
laſſenen befanden ſich bisher außerordentlich wenige, die
rückfällig wurden. In der Gefangenen=Farm von Fort
Feuilleton.
* Zehn Komponiſten und eine Operette. Die Leiter
eines Pariſer Varietés erlaſſen ſoeben die originelle
An=
kündigung, daß ſie im nächſten Winter eine Operette, die
von zehn lebenden Komponiſten verfaßt iſt, aufführen
wer=
den. Das Werk nennt ſich die „Operette der Zehn” ſie
iſt alſo eine Nachahmung der im letzten Winter in Paris
mit großem Erfolg gegebenen „Revue der Zehn” und des
vor einigen Jahren in Deutſchland erſchienenen „Romans
der Zwölf‟. Die zehn Komponiſten, die ſich an der
Ope=
rette beteiligen, ſind: Camille Saint=Saéns, Tavier Leroux,
André Meſſager, Camille Erlanger, Reynaldo Hahn,
Char=
les Lecog, Hirſchmann, Cuvillier, Rudolphe Berger, Willy
Redſtone. Jeder dieſer Komponiſten ſchreibt zwei
Num=
mern, ohne daß er ſich um die muſikaliſche Ausarbeitung
der anderen Komponiſten zu kümmern hat. Das Libretto
wird von Paul Perrier geliefert. Die Operette wird, wie
die Direktoren verkünden, ein richtiges muſikaliſches Rätſel
werden, indem das Publikum in den Zwiſchenpauſen die
Komponiſten der einzelnen muſikaliſchen Einlagen zu
er=
raten hat. Der Gewinner erhält einen Preis von 400 Mk.
— 100 Mark Strafe für einen ſichtbaren Strumpf. Die
Amerikaner verſtehen nicht in allen Dingen Spaß, die in
der jüngſten Frauenmode hervortretende Tendenz zur
Durchſichtigkeit erregt bei ihnen keinen Beifall und in
Rich=
mond in Virginien hat man jetzt den Anfang gemacht,
dieſen neuen Pariſer „K=Strahlen=Kleidern”
energiſch das Handwerk zu legen. Das erſte unglücklich=
Opfer war die arme Miß Bloſſom Browning, die am
Mittwoch, ſehr ſtolz auf ihr Gewand, mit einem neuen,
bis zum Knie geſchlitzten Roge, einen Spaziergang
unter=
nahm. Bei jedem Schritt kam das helle leuchtende Blau
des Geſuchſtellers fallen der Staatskaſſe zur Laſt. — Jakob
Schuchmann aus Reinheim ſucht um Erlaubnis
zum Betriebe einer Schankwirtſchaft im
Hauſe Große Kaplaneigaſſe Nr. 16 hier nach. Die
Bedürf=
nisfrage wurde von der Wirtſchafts=Deputation, dem
Gaſtwirte=Verein und dem Polizeiamt verneint. Der
Pro=
vinzialausſchuß lehnt das Geſuch ab. — Johannes
Keil VIII. zu Fürth will an der Kreisſtraße in der
Ge=
markung Brombach eine Gaſtwirtſchaft in einem noch zu
erbauenden Hauſe einrichten. Der Gemeinderat von
Brombach bejahte die Bedürfnisfrage, da in Brombach
keine Wirtſchaft ſei. Der Bürgermeiſter, der auch
gleich=
zeitig Oberhaupt von Crumbach iſt, verneinte die
Be=
dürfnisfrage, da die Brombacher ganz gut die
Wirtſchaf=
ten in Crumbach beſuchen könnten. Das Kreisamt hatte
dem Geſuch nicht ſtattgegeben, beſonders weil das zu
er=
bauende Haus den baupolizeilichen Beſtimmungen nicht
entſpricht. Der Provinzialausſchuß erklärt die Berufung
für begründet und gibt dem Geſuch ſtatt unter der
Be=
dingung, daß die Räume den Beſtimmungen der
Polizei=
ordnung entſprechen. — Der Metzgergehilfe Georg
Bayer wurde vom behandelnden Arzte dem
Kranken=
haus in Worms überwieſen. Da alle Plätze belegt waren
und die Erkrankung kein dringender Fall ſei, wurde er
angewieſen, nach acht Tagen wieder zu kommen. Bayer
hatte aber für ſich bereits einen Erſatzmann beſchafft und
ging deshalb nach Frankenthal, wo er heimatsberechtigt
iſt, und er fand auch am 24. Juli. 1912 in dem dortigen
Krankenhaus Aufnahme. Die Ortskrankenkaſſe Bürſtadt
verweigert nun die Zahlung der durch die bis zum 17.
Auguſt dauernde Behandlung entſtandenen Koſten von
73,60 Mark mit der Begründung, es läge kein dringender
Fall vor. Auf die Klage des Bürgermeiſteramts
Fran=
lenthal wird die Ortskrankenkaſſe Bürſtadt zur Zahlung
der 73,60 Mark verurteilt.
Rh. Von der Techniſchen Hochſchule. Die
Diplom=Hauptprüfung im
Bauingenieur=
ach, an der ſich 16 Kandidaten beteiligten, hat am
Freitag ihr Ende erreicht. Das Prädikat „mit
Aus=
zeichnung beſtanden” erlangte 1, „gut beſtanden” 3 und
„beſtanden” 10. — Zu der Diplom=Vorprüfung, die zu
Beginn des Winter=Semeſters abgehalten wird, haben
ſich 106 Kandidaten gemeldet; in Architektur 16, im
Bauingenieurfach 20, Maſchinenbaufach 42,
Papier=
fabrikation 6, Elektrotechnik 12, Chemie 6 und
Elektro=
hemie 4. — Das Sommer=Semeſter wird am Freitag,
den 25. Juli, geſchloſſen werden.
C. Zur heſſiſchen Bevölkerungsſtatiſtik. Im Jahre
1912 ſtarben im Großherzogtum 80 Perſonen im Alter von
90 Jahren und darüber. Hiervon waren 41 Männer und
39 Frauen. Unter den Landbewohnern, welche das hohe
Alter erreichten, überwogen die Männer mit 25 bedeutend
die Frauen, deren Zahl nur 13 betrug. Andererſeits waren
inter den 42 verſtorbenen Stadtbewohnern von 90
Jah=
en und höher 26 Frauen und nur 16 Männer. Dagegen
iberwog in den Altersklaſſen von 65 bis 90 Jahren
ſo=
vohl in den Städten wie auf dem Lande die Zahl der
ver=
torbenen Frauen durchweg die der Männer. Die Zahl
der Eheſchließungen iſt von 1910 auf 1911 um 57 gefallen,
vorauf im Jahre 1912 wieder ein Zuwachs von 282
er=
olgte. Unter den 9785 Eheſchließungen des letzten Jahres
varen 1619 (16,5 Prozent) Miſchehen deren Prozentſatz
von 16,6 im Jahre 1910 auf 17,0 im Jahre 1911 geſtiegen
var. Die Zahl der Eheſcheidungen betrug im Jahre 1910:
202, 1911: 221 und 1912: 210. Wie faſt in ganz
Deutſch=
and zeigt ſich auch in unſerem Großherzogtum in den
etzten Jahren eine Abnahme der Geburten deren Zahl
on 1910 auf 1911 um 1553 und im Jahre 1912 abermals
m 873 zurückging. Hinſichtlich der Todesfälle weiſt das
fahr 1911 offenbar infolge des heißen Sommers eine
Steigerung von 579 gegenüber 1910 auf, wovon 360 allein
uf die Säuglinge entfallen. Im Jahre 1912 iſt dagegen
ieder ein Rückgang der Todesfälle zu verzeichnen, der
be=
inders auffallend bei den Säuglingen (um 1033) in
Er=
heinung tritt.
Wahlkreisfeſt der Fortſchrittlichen Volkspartei.
kan ſchreibt uns: Am Sonntag, den 20. Juli,
veranſtal=
te die Fortſchrittliche Volkspartei des Wahlkreiſes
Darm=
adt-Groß=Gerau in Biſchofsheim ein
Wahl=
reisfeſt, das ſich eines ſehr ſtarken Beſuches auch von
rauen, erfreute. Der öffentlichen Verſammlung ging
ne Sitzung der Vertrauensmänner voraus, in der Herr
jarteiſekretär Kuhlmann=Darmſtadt einen klaren,
ſſelnden Bericht über die politiſche Lage des Wahlkreiſes
rb und Vorſchläge zur weiteren Arbeit machte. Wie der
edner, ſo beurteilten auch die in der Beſprechung
auf=
etenden Vertrauensmänner die Verhältniſſe als günſtig
r die Partei und aus allen Ausführungen klang der
freu=
ge und zuverſichtliche Wille zur weiteren Tätigkeit. In
r öffentlichen Verſammlung ſprach nach der Begrüßung
s Ortsvorſitzenden, Herrn Gemeinderat Engel und
s Herrn Sanitätsrats Dr. Kolb=Darmſtadt für die
indesparteileitung und den Wahlkreisvorſtand
zu=
ichſt Herr Rechtsanwalt Carnier=Darmſtadt in
ein=
ucksvoller Rede über die heſſiſche Politik, ſodann
behan=
indelte Herr Zöller=Rüſſelsheim das Verhältnis von
beralen und Arbeiterſchaft. Herr Feir Darmſtadt
betonte den Zuſammenhang von Stadt und Land und
ließ ſeine kurze Anſprache in ein Hoch auf die politiſch
mit=
feiernden und mitarbeitenden Frauen ausklingen. Die
Grüße der überrheiniſchen Fortſchrittler überbrachte Herr
Keil=Heidesheim, die von Jung=Frankfurt Herr
Re=
ferendar Mayer. An letzter Stelle hielt Herr Pfarrer
Korell=Ingelheim, der bekanntlich bis vor kurzem im
Wahlkreis anſäſſig war und innerhalb weniger Jahre die
liberale Bewegung mächtig hervorgehoben hat, über
Ver=
gangenheit, Gegenwart und Zukunft im Wahlkreis eine
Rede, die in ihrer Wucht und freudigem Schwung auf alle
Zuhörer die tiefſte Wirkung ausübte. An den
verhinder=
ten Kandidaten des Wahlkreiſes, Herrn Dr. Strecker=Bad
Nauheim, wurde ein Begrüßungstelegramm geſchickt.
* Der Obſt= und Gartenbauverband für den Kreis
Darmſtadt beſuchte am Sonntag die Großkulturen
von Kayſer und Seibert, Gartenarchitekten in
Roßdorf. Die zahlreich aus allen Teilen des Kreiſes
eingetroffenen Verbandsmitglieder wurden durch den
Vorſtand des Vereins Roßdorf begrüßt und um 4 Uhr
von den beiden Beſitzern der Großgärtnerei am Eingang
an der Ober=Ramſtädter Straße empfangen. Die
Füh=
rung durch den Betrieb erfolgte in zwei Gruppen und
trotz ungünſtiger Witterung wurden die Kulturen
ein=
gehend beſichtigt. Die Geſamtüberſicht, ſowie die
Eintei=
lung laſſen auf den erſten Blick das große Verſtändnis,
Wiſſen und Können und die Erfahrung im ſchönſten
Ein=
klang erkennen; es gab recht viel des Neuen und
Anregen=
den zu ſehen. Auf den den Hauptwegen entlang
ange=
legten breiten Rabatten ſtehen Koniferen (Nadelhölzer)
tſw. in wertvollſten und prächtigſten Arten und Formen,
wie Abies concolor, Abies Arizoni (Korktanne),
Picea pungens, Cupreſſineen uſw. in verſchiedenſten
Va=
riationen der Farben und Formen. Die Quartiere dienen
nach ihrer Bodenbeſchaffenheit (trockener, feuchter) und
Lage der Anzucht von Formobſtbäumen, Roſen (
hochſtäm=
mig. Wurzelhals), hauptſächlich Blüten, Stauden,
Heide=
gewächſen, Alpenpflanzen, Steppen= und
Strandgewäch=
ſen. Der geſunde, kräftige Wuchs und gleichzeitig der
ein=
ſchlägige Blütenflor zeigen, mit welchem Verſtändnis
je=
dem das paſſende Plätzchen zugewieſen iſt. Auch die
Neu=
heitenzüchtung wird in dem jungen Geſchäfte gepflegt: ein
prachtvoll blaues, großblumiges Delphinium, ein
Chry=
ſantemum maximum „Frau Geheimrat Kayſer”
groß=
blumig, gefranzt, ſich prächtig haltend uſw. Ueberhaupt
ſind nur ſeltene und neue Arten und Züchtungen zu ſehen.
Der alte, konſervative Geiſt iſt hier ganz ausgeſchaltet,
nur den Anforderungen unſerer modernen Zeit iſt
Rech=
nung getragen. Intereſſant iſt der Vorgarten, als
Bauerngarten gedacht. — Nach dem Rundgang dankte der
Geſchäftsführer des Verbandes, Kreisobſtbautechniker
Dorſch, im Namen des Verbandes für die Führung,
mit dem Wunſche, daß der Betrieb zu einem Weltgeſchäfte
erblühen möge zur Ehre des Heſſenlandes. — Im
Reſtau=
rant von Schuſter wurde noch ein friſcher Trunk
einge=
nommen, woran ſich auch die Herren Kayſer und Seibert
beteiligten. Um 7½ Uhr führte der Zug die Teilnehmer
zu den heimiſchen Penaten zurück.
* Die Singmannſchaft der Turngemeinde
Darm=
ſtadt errang am Sonntag bei dem
Geſangwett=
ſtreit in Wachenbuchen bei Hanau, in der Klaſſe
für noch nicht preisgekrönte Vereine den 1. Preis mit
223½ Punkten.
— Das Wilhelm Etzoldſche Quartett errang am
Sonntag auf dem Geſangswettſtreite in
Wachen=
buchen (Wilhelmsbad) in der III. Stadtklaſſe mit
237½ Punkten den 4. Klaſſenpreis, ſowie den
2. Ehrenpreis. Im höchſten Ehrenſingen um den
Kaiſerpreis erhielt es 120 Punkte (derſelbe ging mit
124 Punkten ab).
Männerquartett „Loreley‟ Der Ausflug
des Männerquartetts „Loreley” am Sonntag
verlief bei herrlichſtem Wetter programmgemäß. Nach
einem kleinen Imbiß in Wiesbaden ging es zur
Be=
ſichtigung der Stadt und um 1 Uhr zum Mittagstiſch
im Hotel zum Rheiniſchen Hof, wo Küche und Keller
des Hauſes Vorzügliches leiſteten. Am Nachmittag ging
es zur 30jährigen Jubelfeier des Bierſtädter
Männergeſangvereins auf den Wartturm, wo
das Quartett aufs herzlichſte empfangen wurde.
Beim 1. Chor überreichte der Vorſitzende des Quartetts
dem feſtgebenden Verein mit Dankesworten die
gut=
gelungene Aufnahme des Vereins nebſt Rahmen. Bei
Becherklang und Männergeſang verſtrichen nur
allzu=
ſchnell die fröhlichen Stunden, die allen noch lange in
Erinnerung bleiben dürften.
§ Unfall. Ein am Kapellplatz wohnhafter 84 Jahre
alter Mann wurde am Sonntag abend gegen 8 Uhr in
der Darmſtraße von einem Schlaganfall betroffen.
Er iſt zuerſt in das nächſte Haus und dann mittelſt
Krankenautomobil in das Städtiſche Krankenhaus
ver=
bracht worden.
§ Selbſtmordverſuch. Am Samstag abend kurz
nach 8 Uhr verſuchte ſich eine 44 Jahre alte Frau in
ſelbſtmörderiſcher Abſicht in den Woog zu ſtürzen.
Sie wurde jedoch durch vorübergehende Paſſanten und
den am Woog kommandierten Schutzmann noch
recht=
zeitig an ihrem Vorhaben gehindert und durch den
Schutzmann ihrer Familie wieder zugeführt. — Eine
ältere Frau machte am Sonntag nachmittag gegen
1 Uhr einen Selbſtmordverſuch. Sie hatte ſich in ihrem
Keller gehängt. Dies wurde bemerkt und iſt ſie
von einem Hausbewohner noch rechtzeitig abgeſchnitten
worden.
§ Streit. Zwei Arbeiter gerieten in der Nacht von
Sonntag auf Montag gegen 1 Uhr in der Altſtadt in
Streit. Hierbei ſtieß der eine den anderen gegen
einen Laternenpfahl. Der eine Arbeiter trug hierdurch
eine Wunde am Kopfe davon, welche er ſich im
Städtiſchen Krankenhaus verbinden laſſen mußte.
* Konzerte. Konzertgarten Hugenſchütz”
Felſenkeller. Eine recht intereſſante und dabei
volkstümliche Vortragsfolge iſt für das heutige
Diens=
tagskonzert aufgeſtellt, welches das Muſikkorps des
Leibgarde=Infanterie=Regiments unter Leitung des Herrn
Hauske gibt. Hervorgehoben ſeien beſonders die ſelten
gehörte Ouvertüre im national=ungariſchen Charakter
„Hunyady=Laszlo” von Franz Erkel, ein Stück von
hin=
reißendem Feuer, Motive aus „Tannhäuſer” v. R.
Wag=
ner, eine neue originelle Serenade „Die Bettlerin” von
Becker uſw. (Siehe auch Anzeige.) — Ludwigshöbe.
Am Mittwoch, den 23. Juli, findet nachmittags das
re=
gelmäßige Kurkonzert ſtatt. Im Anſchluß daran
abends 8 Uhr großes Abendkonzert. Dieſem
Konzert ſoll die Jahrhundertfeier 1813—1913 zugrunde
liegen. und iſt dem Andenken des großen
Freiheits=
kämpfers Theodor Körner gewidmet. Stimmungsvoll
dürfte ſich hierbei die Trauermuſik hervorheben, welche
am 29. September 1814 bei der Einweihung des Theodor
Körner=Denkmals zu Wöbbelin geſpielt wurde. Die
Mu=
ſik wird ausgeführt von der Kapelle des Großh. Heſſ.
Art.=Regts. Nr. 61.
Auerbach, 21. Juli. Das wiederholt infolge des
Re=
genwetters verlegte Auerbacher Burgfeſt fand
geſtern endlich trotz des immer wieder zweifelhaften
Wet=
ters doch unter lebhafter Beteiligung aus nah und fern
ſtatt und nahm einen ſehr fidelen hübſchen Verlauf.
Be=
ſonders auch aus den Nachbarſtädten waren viele Gäſte
eingetroffen. Die Burg war hübſch geſchmückt und war
bei Muſik= und Geſangsvorträgen, Volksſpielen ufw. bald
ein fröhliches Treiben entſtanden. Nach Eintritt der
Dunkelheit fand die durch Herrn Beck=Auerbach inſtallierte
elektriſche und bengaliſche
Schloßbe=
leuchtung ſtatt, die von prachtvoller Wirkung war. Bei
einem fröhlichen Tänzchen wurde die Stimmung immer
fröhlicher, bis man um 11 Uhr in einem feſtlichen
Lam=
pionzuge wieder den herrlichen Schloßberg verließ.
-h- Hähnlein, 20. Juli. Das bekannte, ſehr alte,
frü=
her Kraußſche Gaſthaus, zuletzt dem Karl Schweickert
ge=
hörend, an der Hauptſtraße, ging bei der kürzlichen
Zwangsverſteigerung in den Beſitz des Handelsmanns
Louis Kiefer von hier über.
d. Klein=Gerau, 19. Juli. Bei der heute ſtattgehabten
Gemeinderatswahl wurden bei reger Beteiligung
die ſeitherigen Mitglieder Jakob Schuchmann, Joh.
Niko=
laus Reinheimer, Joh. Engel IV. wiedergewählt.
Neu=
gewählt wurde Adam Habig II.
Lindenfels, 21. Juli. Wegen ſchlechten Wetters wurde
das Lindenfelſer Schloßfeſt auf Sonntag, den
27. und Montag, den 28. Juli, verſchoben.
Beerfelden, 20. Juli. Schon einige Zeit beſchäftigt
die Lichtfrage die hieſige Bevölkerung. Die
Vor=
arbeiten ſind nun ſo weit gediehen, daß der
Stadtvor=
ſtand auf geſtern abend eine Bürgerverſammlung
einberufen konnte, um die allgemeine Anſicht über die bis
jetzt vorliegenden Projekte kennen zu lernen. Die
Räum=
lichkeiten der Krone waren dicht gefüllt. Den Vorſitz
führte Herr H. W. Breimer, der die Anweſenden über das
Wichtigſte orientierte. Dann wurden die Bedingungen
bekannt gegeben, unter denen ein Anſchluß an die „Heag”
bezw. an die Stadt Erbach möglich wäre. Von dritter
Seite wurde nun darauf aufmerkſam gemacht, daß am
Rhein eine Zentrale erſtehen ſoll, die bei einer Verſorgung
des hieſigen Platzes mit Elektrizität auch in Betracht käme.
Eingehend wurden ſämtliche Möglichkeiten erörtert.
Schließlich ließ der Vorſitzende ſchriftlich über drei Punkte
abſtimmen: Anſchluß an die Heag, an Erbach, oder
ab=
warten. Eine Mehrheitergabſichfür Anſchluß
an die Heag, eine beachtenswerteMinderheit will noch
abwarten, nur wenige Stimmen neigten Erbach zu. Die
Verhandlungen mit der Heag werden alſo fortgeführt.
— Nun gab Herr Breimer noch bekannt, welche
Möglich=
keiten in Betracht kommen bei einer in den nächſten
Jah=
ren nötigen Aenderung des Waſſerbezugs.
Seither lieferte die Kronenbrauerei das Waſſer. Von
dieſer Seite erfolgte die Kündigung und ſo kommen nun
zwei Projekte in Betracht. Einmal könnte ein
Pump=
werk am ſogenannten Kitzlochbrunnen hier errichtet
werden, dann aber wäre eine Zuleitung von Gammelsbach
her möglich, bei welcher die dauernden Koſten für die
Maſchinen geſpart werden können. Im Laufe dieſes und
vielleicht auch des nächſten Jahres ſoll die Waſſermenge
in G. beobachtet werden. Herr Breimer ſchloß die
Ver=
ſammlung, indem er der Befriedigung Ausdruck verlieh
über den zahlreichen Beſuch und das Reſultat der
Ver=
handlungen.
Bürſtadt, 21. Juli. Der Gemeinderat beſteht
darauf, hier eine Gemeindeapotheke zu
errich=
ten. Die Gemeinderäte Ofenloch und Keilmann wurden
dazu beſtimmt, in dieſer Angelegenheit als Deputierte bei
Großh. Miniſterium vorſtellig zu werden.
Mainz, 21. Juli. Ein bedeutender
Waren=
hausdiebſtahl wurde vor einigen Tagen in
einem hieſigen Warenhauſe entdeckt. Der
ver=
heiratete vierzigjährige Hausburſche war ſeit
eini=
gen Tagen nicht mehr in das Warenhaus
zurückge=
kehrt. Nachforſchungen ergaben, daß er mit einer erſt
vor kurzem aus dem Warenhaus ausgetretenen
Verkäufe=
rin von hier verſchwunden war. Die Polizei, der das
Verſchwinden der beiden gemeldet wurde, hielt vorgeſtern
in der Wohnung des Hausburſchen eine Hausſuchung
ab. Dabei wurde eine ganze Wagenladung in dem
Warenhaus geſtohlener Sachen vorgefunden im
unge=
fähren Wert von 2000 Mark. Unter den
ge=
fundenen Sachen befanden ſich Gegenſtände, die ſich an
dem Verkaufsſtande befanden, wo die Verkäuferin
be=
ſchäftigt war. Während der Hausſuchung wurde von den
Angehörigen des Hausburſchen verſucht, geſtohlene Sachen
beiſeite zu ſchaffen. Die Unterſuchung ergab ferner, daß
die Frau des Flüchtigen, eine Friſeuſe, eine Menge
ge=
ſtohlener Sachen, wie Hemden uſw an Privatleute, die
ſie in Kundſchaft hatte, zu billigen Preiſen verkauft hat.
Die Sachen wurden zu derart billigen Preiſen angekauft,
daß der Verdacht der Hehlerei beſteht. Unter den
Ab=
nehmern befinden ſich ſehr wohlhabende Leute. Gegen
den Hausburſchen und die Verkäuferin wurden
Steck=
briefe erlaſſen. — Der 6. Verbandstag des
Süd=
deutſchen Maler= und
Tünchermeiſterver=
bandes (Landesverband Heſſen) fand geſtern in der
Stadthalle unter dem Vorſitz des Herrn Nagel=
Offen=
bach ſtatt. Der Vorſitzende begrüßte die zahlreich
er=
ſchienenen Delegierten, ſowie den Vertreter der Stoht.
rer reizenden Seidenſtrümpfe ſo ſehr zur Geltung, daß
r bald eine große Menſchenmenge das Gefolge gab und
r Verkehr ſtockte. Ein entſetzter Schutzmann führte Miß
loſſom ſchließlich zum Polizeigericht: ſie konnte es erſt
rlaſſen, als ſie zu 100 Mark Strafe verurteilt war.
Um=
nſt machten die Verteidiger geltend daß der Kauf des
oſtüms bei einem der erſten Modefirmen ihr das Recht
be, das Kleid auch zu tragen. „Das Recht zum Kaufe
nes Revolvers berechtigt keinen Menſchen, einen Mord
begehen,” meinte trocken der Richter, und es blieb bei
m Urteil.
** Wie man unter Waſſer „kurbelt” „Als ich zuerſt
nabſtieg, war mir recht wenig wohl zu Mute, denn ich
n nervös, aber alles ging gut und die Aufnahme gelang
rzüglich.” So beginnt Erneſt Williamſon, der Sohn des
nerikaniſchen Erfinders eines Apparates für
Unterwaſſer=
nematographie, den Bericht von ſeinen Erfahrungen als
otographiſcher Taucher. In Hampton Roads machte er
ne erſten Unterwaſſer=Aufnahmen. Der Apparat, der
s einem langen Rohr beſteht, wurde von einem Boote
s ins Waſſer hinabgelaſſen. Er kann bis zu 150 Meter
die Fluten verſenkt werden. Am Boden des großen
hres iſt eine waſſerdichte Kammer, in der der
Photo=
aph mit einem gewöhnlichen Apparat ſitzt und durch ein
ei Meter langes Rohr die Meerwelt beobachtete.
Herab=
aſſene mächtige elektriſche Lichter und Reflektoren, die
nn plötzlich erleuchtet wurden, ermöglichten, die
ſub=
rinen Momentaufnahmen. Im Laufe der weiteren
rſuche wurde der Apparat 10 Meter tief verſenkt, und
r kurbelte nun der Photograph nach Herzensluſt. Es
angen ihm auch einige ſehr intereſſante Aufnahmen von
ſchen, die demnächſt den Kinematographentheatern zur
erführung zugänglich gemacht werden.
* Muß eine amtliche Unterſchrift leſerlich ſein? Die
rafkammer in M.=Gladbach hat eine polizeiliche Straf=
verfügung für rechtsungültig erklärt, weil die
Un=
terſchrift nicht leſerlich ſei. Hierzu wird dem Berl.
Lokal=
anzeiger von einem Leſer geſchrieben: „Gelegentlich dieſer
gerichtlichen Entſcheidung möchte ich der Oeffentlichkeit einen
mir auf eine Beſchwerde ſeitens des Reichs=
Verſicherungs=
amts, Abteilung für Invalidenverſicherung, erteilten
Be=
ſcheid nicht vorenthalten. Dieſer Beſcheid lautet: „Im
übrigen läßt die Ausfertigung des Schreibens vom 3.
No=
vember 1909 keinen Zweifel, daß der Beſcheid von dem
zuſtändigen Beamten erlaſſen iſt. Dabei iſt es belanglos,
ob die Unterſchrift für den Empfänger leſerlich iſt oder
nicht, da die Gültigkeit eines behördlichen Beſcheids nicht
von der Lesbarkeit der Unterſchrift abhängig iſt.” Wer
hat nun recht? Die Strafkammer in M.=Gladbach oder
das Reichs=Verſicherungsamt?” — Jedenfalls das letztere;
denn wenn alle amtlichen Verfügungen für rechtsungültig
erklärt werden würden, deren Unterſchriften unleſerlich
ſind, würden nicht viele rechtsgültige übrig bleiben.
* Ein intereſſanter Erlaß der Wiener Poſtdirektion. In
der letzten Zeit ſoll es vorgekommen ſein, daß männliche
und weibliche Telephonabonnenten die dienſthabenden
Be=
amtinnen erſucht haben, ſie zu einer beſtimmten frühen
Morgenſtunde durch ein ſtarkes Signal zu wecken. Es
handelte ſich wohl meiſt um Touriſten, welche ſich auf ihre
Weckuhr nicht verlaſſen wollten und an die
Liebenswür=
digkeit der Beamtinnen appellierten. Dieſer Vorgang einer
ungewöhnlichen amtlichen Courtoiſie ſcheint der
Poſtdirek=
tion zur Kenntnis gekommen zu ſein, denn dieſe hat einen
Erlaß an die Telephonämter gerichtet, in welchem den
Be=
amtinnen die originelle Form des Aufweckens der
Abon=
nenten unterſagt wird. Der Erlaß ſpricht von einer
„Dienſtleiſtung”, die nur „Lakaien” oder „Dienſttuenden
niederer Kategorie” zukomme.
Herrn Beigeordneten Kommerzienrat Mayer, den Vor
ſitzenden der Handwerkskammer, Herrn Gewerberat Falk,
und den Vertreter des Mainzer Gewerbevereins, Herrn
Grünwald. Herr Beigeordneter Mayer hieß namens der
Stadt die Verſammelten herzlich willkommen. Der
Vor=
ſitzende erſtattete den Jahresbericht; er wies auf
die abgelaufenen Tarifverhandlungen mit den Gehilfen
hin und den Schiedsſpruch, den ſchließlich die Meiſter
hätten annehmen müſſen. Den Kaſſenbericht
er=
ſtattete Herr Voltz; dem Vorſtand wurde Entlaſtung
er=
teilt. Herr Karl Lacroix=Karlsruhe, der Vorſitzende
des Badiſchen Maler= und Tünchermeiſter=Verbandes,
hielt ein Referat über den Tarifkampf vom Frühjahr
den größten, den das deutſche Malergewerbe jemals
ge=
habt. In der Diskuſſion ſprachen die Herren
Hill=
gärtner=Darmſtadt, der das ſtädtiſche Bauamt dort
als vorbildlich bezeichnete, Grasnick=Nauheim, Petry=
Gießen, König, Huy und Klingelſchmitt von Mainz. Die
abgeänderten Statuten wurden nach einem Referat des
HHerrn Klingelſchmitt ohne Diskuſſion angenommen.
Der Voranſchlag, der in Einnahme und Ausgabe 3760
Mark vorſieht, wurde gutgeheißen. Bei der Wahl des
Vorſtandes wurde derſelbe nach Mainz verlegt; als
Vor=
ſitzender wurde Herr Klingelſchmitt, zum Schriftführer
Herr Huy und zum Kaſſierer Herr Litzer, ſowie zu
Re=
vkſoren die Herren König und Moritz gewählt. Der
nächſte Verbandstag wird in Darmſtadt
abge=
halten.
M. Nackenheim, 21. Juli. Da die hieſige Spar=
und Darlehenskaſſe durch die Kriſis der
Ge=
noſſenſchaftsbank nur wenig in Mitleidenſchaft gezogen
iſt, blieb ihr auch das Vertrauen ihrer Mitglieder und
Svareinleger erhalten. Bei äußerſt regem Geſchäftsverkehr
iſt der Kaſſenumſatz gegenwärtig höher als zur ſelben
Zeit des Vorjahres.
* Gießen, 20. Juli. Der hieſige Forſtrat
Wimmen=
auer feierte heute ſein 25jähriges Jubiläum
als ordentlicher Profeſſor der Forſtwiſſenſchaft in Gießen.
Friedberg, 21. Juli. Eine ſtarkbeſuchte Verſammlung
rübenbauender Landwirte der Wetterau beſchloß geſtern
nach einem Vortrag des Gutsbeſitzers Ernſt Secretan aus
Hohenau ihre Beteiligung an der
Neugrün=
dung der Zuckerfabrik Rheingau. Für eine
große Anzahl naſſauiſcher Landwirte gab Gutsbeſitzer
Chriſtian aus Unterliederbach ebenfalls zuſagende
Er=
klärungen ab. Die auf genoſſenſchaftlicher Grundlage
aufgebaute Gründung iſt ſomit geſichert.
(*) Alsfeld, 20. Juli. Schlimme
Ausſchreit=
ungen begingen polniſche Erdarbeiter am Bahnbau
Alsfeld-Nieder=Aula gegen den Unternehmer Thiemann,
weil er ihnen die Steuer in Abzug gebracht haben ſollte.
Thiemann, der nichts ahnte, wurde plötzlich überfallen
und erheblich verletzt, beſonders am Kopf. Die Täter
wurden verhaftet.
(*) Hungen, 20. Juli. Die Bienenzüchter
Ober=
heſſens halten heute und morgen ihre 5 2.
Wander=
verſammlung und Imkerei=Ausſtellung in
unſerem Städtchen ab, und der hieſige Bienenzüchterverein
verbindet damit ſein 30jähriges Stiftungsfeſt.
Im Gaſthof „Zur Traube” war die Ausſtellung ſehr
ge=
ſchmackvoll eingerichtet; außer den lebenden Bienenvölkern
waren große Mengen des ſchönſten Honigs, ferner Wachs
und vor allem zahlreiche Geräte aus der Bienenzucht
auf=
eſtellt. Unter den geſtifteten Ehrenpreiſen befinden ſich
ſolche vom Fürſten zu Lich und der Stadt Hungen. Die
Eröffnung der Ausſtellung fand um 2 Uhr
durch den Vorſitzenden des Oberheſſiſchen
Bienenzuchtver=
eins, Lehrer Buß=Leihgeſtern, ſtatt.
Proteſtverſammlung gegen den Rheinſtau
bei Gernsheim.
* Wie wir ſeinerzeit mitteilten, ſchwebt ein Projekt
bei Gernsheim einen Rheinſtau zu errichten, um die
Gewalt der Rheinſtrömung zu einem Kraftwerk
aus=
zunützen. Hiergegen wandte ſich nun eine am Sonntag
in Worms zuſammengetretene Verſammlung im
klei=
nen Saale der „Zwölf Apoſtel” von 200 Vertretern der
Stadt Worms und der Rheingemeinden von Worms bis
Nierſtein und von Lampertheim bis Gernsheim. Der
Ver=
ſammlung, die von Freiherrn Heyl zu Herrnsheim
ein=
berufen war, wohnten, lt. Wormſ. Ztg., auch die
Land=
tagsabgeordneten Beſt und Boxheimer bei. Nachdem
Freiherr Heyl zu Herrnsheim die Verſammlung eröffnet
und über die Verhandlungen des Provinzialtags
Be=
richt erſtattet hatte, erteilte er das Wort Herrn
Kultur=
ingenieur Völzing, der in überzeugenden, ſachverſtändigen
Darlegungen die großen Gefahren eines ſolchen
Unter=
nehmens für die Landwirtſchaft klarlegte. Als erſter
Red=
ner ſprach in der Diskuſſion Herr Bürgermeiſter Schmitt
aus Oppenheim, der als Mitglied des
Provinzialaus=
ſchuſſes, wenn auch nicht das Projekt, ſo doch den
Be=
ſchluß des Provinzialtags auf Bewilligung der
Vorarbei=
ten zu rechtfertigen ſuchte. Und nun kamen die
Abge=
ordneten und Vertreter der am meiſten bedrohten
Gemein=
den — Eich, Ibersheim, Gimbsheim, Bürſtadt, Hofheim,
Biblis uſw. — zu Wort. Sie alle waren erfreut, daß ihnen
Gelegenheit geboten wurde, ſo frühzeitig zu einem Plan
Stellung zu nehmen, den ſie für gefahrbringend und
ſchäd=
lich nach jeder Richtung hin anſehen müſſen. Sämtlichen
Rednern, die ſich in ſchärfſter Weiſe gegen das Projekt
ausſprachen, wurde reicher Beifall zuteil und man
be=
ſchloß unter Bezugnahme darauf, daß das Gutachten der
Reichskommiſſion in einer heute noch gültigen,
ſachge=
mäßen Weiſe die zuläſſige Grenze für alle Einbauten im
Rhein feſtgelegt habe, mit lauter Zuſtimmung der
Ver=
ſammlung die nachfolgende Reſolution:
„Am 5. Juli hat der Provinzialtag Rheinheſſens 7500
Mark für Unterſuchungen zur Nutzbarmachung der
Waſ=
ſerkraft des Rheins bewilligt. Wie uns bekannt geworden
iſt, handelt es ſich um die Erbauung eines Stauwehres
bei Gernsheim zur Gewinnung elektriſcher Kraft. Wenn
auch zunächſt nur dieſer Betrag für Vorarbeiten bewilligt
worden iſt, ſo glauben wir doch ſchon jetzt erklären zu
ſollen, daß das Unternehmen im Hinblick auf ſeine
gefahr=
bringende Rückwirkung uns abſolut undurchführbar
er=
ſcheint. Der Gedanke aber, daß die Ausführung eines im
höchſten Grade für die am Rhein gelegenen Gemeinden
bedenklichen und ſchadenbringenden Werkes in Ausſicht
ge=
nommen werden ſoll, iſt geeignet, eine dauernde
Beun=
ruhigung der Bevölkerung herbeizuführen. Wir haben aus
langjähriger Erfahrung die Ueberzeugung gewonnen, daß
alle über eine gewiſſe Grenze hinausgehenden Einbauten
und Verlandungen bezw. Weidenpflanzungen im
Hoch=
flutprofil des Rheins von den größten Nachteilen für
unſere Gegend geweſen ſind, wenn auch anfänglich die
Geringfügigkeit der Veränderung betont wurde, und wir
ſtehen nach dieſer Erfahrung jedem Projekt, welches die
nun erreichte und vom Reich dauernd feſtgelegte
Freileg=
ung des Hochflutprofils wieder verändert, mit dem
größ=
ten Bedenken und aller Entſchiedenheit gegenüber. Der
Aufſtau des Rheins bei Gernsheim wird die
Verſumpf=
ungs= und Ueberſchwemmungsgefahr in unſerm Landſtrich
der kaum erſt wenige Jahre eine verhältnismäßige Ver=
beſſerung erfahren hat, wieder herbeiführen. Wir erheben
deshalb gegen die Vorarbeiten und ſelbſtverſtändlich gegen
das Projekt Proteſt und bitten die Großh. Regierung und
die Landſtände, die Genehmigung zu dem Werke zu
ver=
agen. An dieſem Proteſt nehmen auch Anteil die Schiffer
der Gemeinde Nierſtein.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 20. Juli. Gewaltige
Sum=
men werden alljährlich in Berlin für das öffentliche
Armenweſen (21½ Millionen Mark), für die
Kran=
ken= und Geſundheitspflege (21,6 Millionen Mark), für
den öffentlichen Unterricht (42¼ Millionen Mack) uſw
ausgegeben. Wie enorm die Ausgaben ſich geſteigert
haben, geht ſchon daraus hervor, daß z. B. 1907 für die
Schulſpeiſung bedürftiger Gemeindeſchulkinder aus
ſtädti=
ſchen Mitteln für etwa 4330 Kinder 3000 Mark bewilligt
wurden, jetzt ſind ſchon 130000 Mark für 1913 in den Etat
eingeſtellt. Dazu kommen noch private Aufwendungen
von Vereinen uſw. Insgeſamt werden jetzt jährlich nur
in Berlin für die Speiſung von Kindern mehr als 200000
Mark verausgabt. Die Kinder erhalten nicht nur Speiſe
und Trank (Frühſtück und Mittag), ſondern auch
Lehr=
bücher, Schreibbedarf, Zirkel Lineale, Zeichenbedarf in
großen Mengen. Der Bedarf ſteigt ins Ungeheure. Es
werden jetzt ſchon nur für dieſen Zweck allein jährlich
165000 Mark verbraucht. Dazu kommen 3000 Mark für
den Handarbeitsbedarf bedürftiger Kinder, ſowie Bäder,
freie Ferienſpiele, an denen jährlich über 200000 Kinder
teilnehmen, die natürlich auch beköſtigt werden müſſen,
was rund 100000 Mark Koſten verurſacht. Die
Schul=
bücher erheiſchen rund 20000 Mark, die Brauſebäder rund
40 000 Mark. — Im Walde bei Oberſchöneweide ſind
geſtern zwei Kaufleute aus Berlin überfallen worden.
Sie fuhren auf ihren Zweirädern ahnungslos die Chauſſee
entlang, als plötzlich zwei Strolche die ſich im
Chauſſeegraben verborgen gehalten hatten, auf ſie
zuſtürz=
ten und ſie von den Rädern herunterriſſen. Die
Wege=
lagerer verſuchten, den Radlern die Maſchinen zu
ent=
reißen. Es entſtand ein erbitterter Kampf, dem erſt die
Dazwiſchenkunft eines mit mehreren Perſonen beſetztes
Automobil ein Ende machte. Als der Chauffeur bremſte,
ergriffen die Strolche die Flucht und entkamen in dem
Walde. — Durch Ausſagen eines Mädchens ſoll jetzt als
feſtgeſtellt betrachtet werden, daß es ſich bei dem
Velte=
ner Knabenmord um ein vorbereitetes Verbrechen
gehandelt habe.
Frankfurt, 21. Juli. Nachdem die beiden Bahnſteige
und II an der ſüdlichen Außenſeite der großen
Ein=
fahrtshallen des Hauptbahnhofes ſeit dem 1. Juni
in Betrieb genommen ſind, wurden die Arbeiten für den
Ausbau von zwei Außengleiſen längs der
Gneiſenau=
ſtraße in Angriff genommen; ſie ſind ſo weit fertiggeſtellt,
daß ſie ihrer Beſtimmung als Ladegleiſe für die
Bahn=
poſtwagen übergeben werden konnten. Dieſe Bahnſteige
ind mit Poſtaufzügen, die in den Poſttunnel führen, und
mit überdachten Schutzperrons in 160 Meter Länge
aus=
geſtattet. Erſt nachdem die Erweiterungsbauten beendet
ſind, kann an die Ausführung der großen
Eiſenkonſtruk=
ion für die neue Einfahrtshalle gedacht werden. Der
Flügel, der ſpäter am ſüdlichen Bahnhofsplatz noch
an=
gebaut wird, erhält einen geräumigen Warteſaal für
Aus=
wanderer, für ſogenannte Sachſengänger uſw., die einige
Zeit hier zu verweilen gezwungen ſind, ehe ſie
weiter=
ahren können. An den Warteſaal ſchließen ſich Toilette=
und Waſchräume an. Ferner werden Krankenzimmer für
Männer und Frauen und eine Totenkammer eingerichtet.
Bisher war nur ein Krankenzimmer vorhanden.
München, 21. Juli. Troſtlos lauten die Nachrichten,
die aus allen Teilen Bayerns über das Hochwaſſer
kommen. Das faſt einen Monat hindurch anhaltende
Regenwetter hat den Flüſſen rieſige Waſſermengen
zuge=
führt. Dieſe ſind vielfach über die Ufer getreten und haben
weite Strecken Landes überſchwemmt. Im Inngebiet iſt
das Waſſer bis 2½ Meter geſtiegen. Auch hier ſind weite
Strecken überſchwemmt. Falls nicht bald trockenes Wetter
eintritt, iſt die geſamte Getreideernte, die ſchon um eine
Woche hinausgeſchoben wurde, vernichtet.
Leipzig, 19. Juli. Die Ausſchreitungen
aus=
ländiſcher Studierender in dem Kabarett
Blu=
menſäle in Leipzig in der Nacht zum 15. Juni
beſchäftig=
ten jetzt das Leipziger Schöffengericht in der Anklageſache
gegen den ehemaligen Handelshochſchüler Stephan
Ptaſch=
kowsky, der des gemeinſchaftlichen Hausfriedensbruchs, der
Körperverletzung und der Beleidigung angeklagt war. In
der betreffenden Nacht kamen drei Serben, ein Armenier,
zwei Polen und zwei Ruſſen, darunter Ptaſchkowsky, in
die Blumenſäle. Sie begannen heimatliche Nationallieder
zu ſingen und nahmen auch gar keinen Anſtand, ein Hoch
auf Frankreich auszubringen. Dieſes provozierende und
unangemeſſene Benehmen erregte die berechtigte
Entrüſt=
ung der anderen Gäſte, die dagegen Widerſpruch erhoben.
Vom Geſchäftsführer wie auch von dem Direktor Zeißler
vurden die Ausländer ferner aufgefordert, Ruhe zu halten
oder das Lokal zu verlaſſen. Dieſe Aufforderung
beant=
worteten die Ausländer damit, daß einer von ihnen einen
Stuhl in den Saal warf und daß ſie die deutſchen Gäſte
„Deutſche Schweine” „Bande” und „Deutſche Hunde‟
ſchimpften. Es entſpann ſich nun eine Prügelei, bei der
Direktor Zeißler von Ptaſchkowsky einen Fauſtſchlag in
das Geſicht erhielt; dann wurden die Ausländer
hinaus=
gedrängt und Ptaſchkowsky, ſowie zwei andere
Haupt=
ſchreier im Auto zur Polizeiwache geſchafft. Ptaſchkowsky
hat draußen auf der Straße noch mit der Fauſt aus dem
Wagen gedroht und „deutſche Schweine” gebrüllt. Er
wurde, wie ſchon kurz mitgeteilt, vom Schöffengericht zu
einer Gefängnisſtrafe von drei Monaten
und einer Woche verurteilt. Die beiden anderen
Ver=
hafteten ſind flüchtig geworden. Es iſt Haftbefehl gegen
ſie erlaſſen und ſie werden ſteckbrieflich verfolgt.
Leipzig, 21. Juli. Geſtern nachmittag ſtieß am
Wind=
mühlenweg ein Omnibus mit einem
Straßen=
bahnwagen zuſammen. Hierbei wurden drei
Perſo=
nen ſchwer, ſieben leichter verletzt.
Freiburg a. d. Elbe, 21. Juli. Geſtern kenterte
auf der Oſte ein mit drei Perſonen beſetztes Segelboot.
Zwei Perſonen ertranken, die dritte Perſon wurde
ge=
rettet.
Neuruppin, 21. Juli. Major von Blankenſee traf in
ſeinem Jagdrevier mit zwei Wilderern zuſammen.
Der eine der Wilderer hielt das Gewehr des Jagdpächters
feſt und holte zum Schlage mit einem Teſchin aus. Der
Angegriffene drückte ſein Gewehr ab und der Wilderer,
ein Arbeiter Krieſemark, fiel, ins Herz getroffen, tot zu
Boden. Der andere Wilderer wurde als der Sohn des
Getöteten feſtgeſtellt.
Helgoland, 21. Juli. Infolge des ſtürmiſchen Wetters
geriet ein Motorboot unter den Radkaſten des
Dampfers „Cobra‟. Eine Frau Marie Haffner aus
Ludwigshafen, die ſich mit ihrem Mann und ihren beiden
Töchtern an Land begeben wollte, wurde tödlich
ver=
letzt. Die Leiche wurde geländet.
Paris, 21. Juli. Zwei Studenten fanden geſtern
abend im Boulogner Wäldchen ein Perlenhalsband,
das angeblich dem aus dem Poſtpaket entwendeten
täu=
ſchend ähnlich ſein ſoll, jedoch von dem hieſigen Vertreter
des beſtohlenen Londoner Juweliers als für eine wertloſe
Nachahmung erklärt wurde.
London, 21. Juli. Carnegie hat weitere 40
Mil=
lionen für den Bau von Bibliotheken, Kirchenorgeln
tſw. ausgeſetzt, lediglich für die Gemeinden Englands.
Außer dieſer Stiftung ſetzt der Milliardär zurzeit einen
nternationalen Geſundheitsfeldzug in Szene, wofür er
100 Millionen ausgeben will. Ihr Zweck ſoll ſein, bei den
Eingeborenen Afrikas und Aſiens die Krankheiten zu be=.
Das Erdbeben am 20. Juli
hat ſich über die Schweiz, Elſaß, Baden, Württemberg,
Bayern, Heſſen und Heſſen=Naſſau erſtreckt. Der ſüdlichſte
Ort, von dem Meldungen über das Beben vorliegen, iſt
St. Gallen, der nördlichſte Kaſſel.
Die Erdbebenwarte Jugenheim teilt über
das Erdbeben noch mit: Das Erdbeben am 20. Juli war
durch einige ſchwächere Erdbeben gleichſam vorbereitet,
Am 1. Juli, früh 6 Uhr, wurde in Jugenheim und in
den umliegenden Ortſchaften Alsbach, Bickenbach
Pfung=
ſtadt Seeheim, auch in Darmſtadt (wie ſchon gemeldet)
ein ſchwacher Erdſtoß verſpürt und in der Nacht vom 13.
zum 14. Juli erſchreckte ein leichtes Erdbeben die
Ein=
wohner der württembergiſchen Städte Ehingen, Balingen
und andere Orte. Ein Vergleich der Diagramme des
großen ſüddeutſchen Erdbebens vom 16. November 1911
und des heutigen Bebens, zeigt trotz einiger
Aehnlichkei=
ten, kleine Unterſchiede. Diesmal begann das Beben, ehe
die Schaukelwellen einſetzten, die ohne Apparate ſehr ſtark
wahrzunehmen waren, mit zahlreichen raſchen
aufeinan=
derfolgenden Wellen kurzer Periode; das läßt auf geringe
Herdentfernung ſchließen. Im ganzen ſcheint das Beben
etwas ſchwächer geweſen zu ſein, als am 16.
Novem=
ber 1911. Das Epizentrum des Bebens vom
16. November 1911 lag in der Rauhen Alb, nahe der
württembergiſch=hohenzollernſchen Grenze. 48' 14 Minuten
nördlich, 9% 6 Minuten weſtlich. Diesmal liegt höchſt
wahr=
ſcheinlich, wie aus den Diagrammen zu entnehmen iſt, der
Herd nordweſtlich davon, am Nordoſtausläufer der
Rau=
hen Alb.
Es iſt eine bekannte Erſcheinung, daß Erdbeben von
kleineren Nachbeben gefolgt werden. So wurden auch
nach dem heutigen Hauptſtoß zwei ſchwächere Folgebeben
beobachtet; das erſte 1 Uhr 29½ Min., das zweite 2 Uhr
58 Min., beide außerordentlich ſchwach gegenüber dem
Hauptbeben, bei dem die Schreibfedern des Apparates
über die ganze Breite des Regiſtrierpapiers mit großer
Geſchwindigkeit hin und her geworfen wurden. Die
Erd=
bebenwarte der Landwirtſchaftlichen Hochſchule Hofhein
bei Stuttgart beobachtete den Anfang des Bebens um
1 Uhr 6 Minuten 31 Sekunden.
Vom Feldberg=Obſervatorium im Ta
nus wird berichtet: „Das Sonntag mittag
nach 1 Uhr in allen Teilen Süddeutſchlands
mehl=
oder weniger heftig verſpürte Erdbeben wurde von
ſämtlichen Inſtrumenten der von Reinachſchen
Erd=
bebenwarte des Frankfurter Phyſikag
liſchen Vereins aufgezeichnet. Die Bewegung
ſetzte um 1 Uhr 6 Minuten 58 Sekunden ein. Es iſt
mög=
lich, daß bei der genauen Ausrechnung die Zeit noch ſich
um einige wenige Sekunden ändert. Dieſes Nahbeben
zeigte auf der Nordſüd=Komponente eine ziemlich heftige
Bewegung, während die Oſtweſt=Komponente eine
ſchwä=
chere Aufzeichnung aufwies. Auch die Regiſtrierung der
vertikalen Bodenbewegung läßt die einzelnen Phaſen des
Bebens deutlich erkennen. Nach den Beobachtungen
be=
findet ſich das Hauptſchüttergebiet in einer Entfernung
von ungefähr 170 Kilometern in ſüdſüdöſtlicher Richtung,
Demnach würde der Herd dieſes Bebens etwas nördlichen
liegen als das Epizentrum vom 16. November 191
Eine telephoniſche Rückſprache mit dem Leiter der
bebenwarte Jugenheim, Herrn Profeſſor Dr. Zeiſſig,
gab, daß die Aufzeichnungen der beiden benachbarten
bebenwarten weſentliche Verſchiedenheiten zeigen,
die=
wohl allein auf den verſchiedenen geologiſchen Untergrund
zurückzuführen ſind. Ein näherer Vergleich derartiger Auf
zeichnungen dürfte intereſſante geologiſche und
geophyſi=
kaliſche Fragen beantworten.”
In der Straßburger Hauptſtation für
Erdbebenforſchung verzeichneten die Inſtrumente
heftiges Erdbeben, das um 1 Uhr 7½ Minuten begann.
Nach 15 bis 20 Sekunden ſetzte das Hauptbeben ein und nach
5 Minuten zeigten die Inſtrumente wieder Ruhe an. Das
Beben war ſo ſtark, daß die empfindlicheren Inſtrumenke
demontiert wurden. Der Herd des Bebens liegt von
Straßburg ziemlich genau 80 Kilometer entfernt. In
dieſem Abſtand liegen zwei bekannte
Erſchütterungs=
gebiete, Balingen in der Rauhen Alb, von dem das
Erd=
beben vom 16. November 1911 ausging, und das
Wieſe=
tal im ſüdlichen Schwarzwald.
Weitere Meldungen über das Erdbeben beſtätigen
lediglich die ſchon mitgeteilten Beobachtungen. Schaden
iſt durch das Beben nirgends angerichtet worden.
z Erdbebenwarte Darmſtadt=
Jugen=
heim, 21. Juli. 7 Uhr nachm. Es läßt ſich jetzt mit
eini=
ger Sicherheit die Mitte des Schüttergebietes
des geſtrigen Erdbebens angeben, nachdem die
Beobachtungen der nächſtgelegenen Erdbebenwarten
be=
kanntgegeben ſind. Danach liegt das Epizentrum
faſt genau an der gleichen Stelle, wo es nach den
Berech=
nungen für das ſüddeutſche Erdbeben vom 16. November
1911 war, nämlich 48 Grad 14 Min. nördlich und 9 Grad
6 Min. öſtlich, etwa 10 Kilometer weſtlich von der Stadt
Ebingen, und ſo hat das kleine Land
Hohenzol=
lern den Vorzug, die Ausgangsſtelle des Erdbebens
innerhalb ſeiner Grenzen zu haben.
Luftfahrt.
sr. Die Preisverteilung für die Kieler=
Flugwoche wurde jetzt vom Preisgericht feſtgeſetzt.
Im Dauer=Wettbewerb gewann Stiploſchek (Jeannin=
Stahltaube) den Höchſtbetrag von 3188 Mark. Er ſiegte
auch im Erkundigungs=Wettbewerb und erhielt hierfür 3500
Mark. Im Höhen=Wettbewerb ſiegte an den beiden erſten
Tagen Sedlmayr (Wright=Doppeldecker), an den drei
an=
deren Tagen Caſpar (Gotha=Taube). Im Wurf=
Wett=
bewerb ſchnitt Schlegel (Aviatik=Eindecker) am beſten ab.
Ihm fielen 750 Mark zu. Leutnant Canter beteiligte ſich
außer Konkurrenz und erhielt einen Ehrenpreis im Werte
von 600 Mark. Im Belaſtungs=Wettbewerb erzielte an
den beiden erſten Tagen Schüler (Ago=Doppeldecker) dier
beſte Leiſtung. Am dritten und fünften Tage ſiegte
Stip=
loſchek (Jeannin=Stahltaube) und am vierten Tage
Stoeff=
ler (Aviatik=Eindecker). Im Start= und Landungs=Wett=
bewerb erhielt in der Klaſſe der Eindecker Schwandt
(Grade=Eindecker) den erſten und Schall (Grade=Eindecker)
den zweiten Preis. In der Klaſſe der Doppeldecker fiel
der Preis an Stoeffler (Aviatik=Eindecker). Die
Heraus=
forderungs=Preiſe teilten ſich Kanitz, Schüler, Eaſpar,
Stiploſchek, Schlegel und Stoeffler. Dazu kommen noch
einige Sonderpreiſe. Das Geſamt=Klaſſement
nach den erzielten Gewinnſummen ſtellt ſich wie folgt:
1. Stiploſchek (Jeannin=Stahltaube) 8738 Mark, 2. Caſpar
(Gotha=Taube) 5895 Mark, 3. Stoeffler (Aviatik=
Doppel=
decker) 5317 Mark, 4. Schlegel (Aviatik=Eindecker) 4405
Mark, 5. Friedrich (Etrich=Taube) 3990 Mark, 6. Schüler
(Ago=Doppeldecker) 3256 Mark, 7. Seldmayr (Wright=
Doppeldecker) 3151 Mark, 8. Schall (Grade=Eindecker) 2089
Mark, 9. Reichelt (Harlan=Eindecker) 1953 Mark,
10. Schwandt (Grade=Eindecker) 1890 Mark, 11. Kanitz
(Grade=Eindecker) 866 Mark, 12. Heller (Heller) 374 Mark,
13. Roeßler (Grade=Eindecker) 245 Mark, 14. Roth (
Har=
lan=Eindecker) 110 Mark, 15. Stüber (Wright=
Doppel=
decker) 13 Mark, 16. Stagge (Wright=Doppeldecker) 10
Mark.
Landwirtſchaftliches.
— Schlachtviehmarkt Darmſtadt.
Schweine=
markt am 21. Juli. Auftrieb durch Händler 117 Stück,
durch die Bezugsvereinigung 86 Stück. Preiſe für 50
Kilo=
gramm Schlachtgewicht: 1. Qualität ausgeſuchte Ware
85 Mark, 2. Qualität 84 Mark, 3. Qualität 83 Mark.
Marktverlauf mäßig. Ueberſtand.
— Frankfurt a. M., 21. Juli.
Schlachtvieh=
markt. (Amtlicher Bericht.) Preiſe für 50 Kilogramm
Lebendgewicht: Ochſen, vollfleiſchige, ausgemäſtete,
höch=
ſten Schlachtgewichts im Alter von 4 bis 7 Jahren 51—58
Mark (Schlachtgewicht 93—98 Mk.); junge fleiſchige, nicht
ausgemäſtete und ältere ausgemäſtete 47—50 Mk. (85—91
Mark); mäßig genährte junge, gut genährte ältere 40—44
Mark (74—81 Mark). Bullen: vollfleiſchige,
ausge=
wachſene höchſten Schlachtwertes 51—54 Mk. (85—90 Mk.);
vollfleiſchige jüngere 46—49 Mk. (80—84 Mk.). Färſen
und Kühe: vollfleiſchige, ausgemäſtete Färſen höchſten
Schlachtwertes 50—52 Mk. (89—93 Mk.); vollfleiſchige,
ausgemäſtete Kühe höchſten Schlachtwertes bis zu ſieben
Jahren 47—50 Mk. (87—89 Mk.); wenig gut entwickelte
Färſen 41—45 Mk. (79—87 Mk.); ältere ausgemäſtete Kühe
und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 42—46 Mk. (778—86
Mark); mäßig genährte Kühe und Färſen 32—37 Mk. (64
bis 74 Mk.) gering genährte Kühe und Färſen 27—32 Mk.
(61—73 Mk.). — Kälber: mittlere Maſt= und beſte
Saug=
kälber 57—61 Mk. (97—103 Mk.); geringere Maſt= und
gute Saugkälber 52—56 Mk. (88—95 Mk.) —
Weide=
maſtſchafe: Maſtlämmer und Maſthammel 44 Mark
(98 Mark). — Schweine: vollfleiſchige Schweine von
80—100 Kilogramm Lebendgewicht 63—66 Mk. (81—83
Mark); vollfleiſchige Schweine unter 80 Kilogramm 62—64
Mark (80—82 Mk.)” vollfleiſchige von 100—120
Kilo=
gramm Lebendgewicht 63—66 Mk. (81—83 Mk.);
voll=
fleiſchige von 120—150 Kilogramm Lebendgewicht 63—66
Mark (80—82 Mk.). — Auftrieb: 1410 Stück Rinder,
darunter 559 Ochſen, 88 Bullen, 763 Färſen und Kühe;
308 Kälber, 170 Schafe, 2615 Schweine. Marktverlauf:
Rinder ſchleppend, Schweine gedrückt; bei beidenUeberſtand;
Kälber und Schafe: ruhig und ausverkauft.
Der neue Balkankrieg.
Die Friedensvermittelungen.
* Athen, 20. Juli. Die Agence d’Athènes meldet:
Die Verhandlungen zwiſchen Griechenland
und der Türkei wegen Wiederaufnahme der
diplo=
matiſchen Beziehungen zwiſchen beiden Ländern ſind zum
Abſchluß gekommen. Der Entwurf wird heute oder
morgen dem Miniſterrat zur Genehmigung unterbreitet
werden. Die Frage der Kriegsgefangenen ſcheint geregelt
zu ſein; ſie werden ſofort in Freiheit geſetzt werden. Eine
Entſchädigung für ihre Unterhaltung iſt grundſätzlich
an=
erkannt worden und wird durch die internationale
Finanz=
kommiſſion in Paris oder den Haager Schiedsgerichtshof
endgültig geregelt werden. Der Sultan verpflichtet ſich,
die Privilegien des ökumeniſchen Patriarchates zu
gewähr=
leiſten, während Griechenland verſpricht, die
Mohamme=
daner in Griechenland und ihre Religion zu ſchützen. Die
Frage der Kapitulationen, der kommerziellen und anderen
Konventionen wird ſpäter geregelt werden. Der Status
quo vor dem Kriege ſoll vorläufig wieder in Kraft treten.
Die Frage einer Entſchädigung für die Beſchlagnahme
griechiſcher Dampfer durch die Pforte vor dem Kriege wird
durch die internationale Finanzkommiſſion in Paris
ge=
regelt werden. Die Unterzeichnung des Abkommens ſoll
in Athen ſtattfinden.
* Athen 20. Juli. (Agence d’Athènes.) Die
Ant=
wort Griechenlands, Serbiens und
Monte=
negros auf den Vorſchlag Rußlands betreffend
Einſtellung der Feindſeligkeiten wird, wenn nicht ſchon
heute, ſo morgen übermittelt werden. Die drei
verbün=
deten Regierungen nehmen darin freudig den Vorſchlag
an, mit Bulgarien in direkte Verhandlungen zum
Ab=
ſchluß des Friedens zu treten. Bulgarien möge einen
Delegierten entſenden. In demſelben Augenblick, in dem
der Präliminarfriede unterzeichnet werde, werde ein
Waf=
fenſtillſtand abgeſchloſſen werden. Die verbündeten
Re=
zierungen könnten jedoch keinen Waffenſtillſtand ſchließen,
bevor Bulgarien die Bedingungen des
Präliminarfrie=
dens angenommen habe.
— Belgrad, 20. Juli. Seit geſtern mittag bis heute
früh wütet bei Küſtendil ein ſehr heftiger Kampf,
wobei das bulgariſche Heer eine ungewöhnlich ſchwere
Niederlage erlitt. Infolgedeſſen ſah ſich die bulgariſche
Regierung genötigt, den Kriegsminiſter Paprikow
und den Miniſter Iwanotſchew als
Friedensdele=
gierte nach Niſch abzuſchicken. Auch der ruſſiſche
Mili=
kärattaché iſt über Pirot dorthin abgereiſt. Heute nacht
folgt ihm Paſitſch, und für morgen wird die Ankunft des
rumäniſchen Delegierten Majorescu erwartet.
* Bukareſt 21. Juli. Es wird beſtätigt, daß
Bulgarien durch Vermittelung des italieniſchen
Ge=
andten bei der rumäniſchen Regierung um Frieden
ebeten und um Bekanntgabe des Ortes erſucht habe,
vo die Delegierten zuſammen kommen ſollen.
Bulgariſche Meldungen.
* Berlin, 20. Juli. Die bulgariſche
Ge=
andtſchaft in Berlin bekam folgende amtliche
Depeſche aus Sofia: Alle bulgariſchen Dörfer in der
Imgebung von Tikwiſch, jenſeits des Wardar, ſind am
1. Juli von den Serben, Baſchibozuks und Pomcken
ver=
drannt, die Mädchen von den Serben entführt und viele
getötet worden. Die übrige Bevölkerung iſt geflohen.
Die Städtchen Kawadartzi und Negotin wurden am 7.,
ind 8. Juli niedergebrannt; ein Teil der Bevölkerung
vurde getöet, der andere iſt nach Bulgarien geflohen.
Der Kommandant von Dodeagatſch meldet, daß die bul=
gariſchen Dörfer in der Umgebung von Ipaſala von den
Türken verbrannt worden ſeien. Nach Berichten iſt die
bulgariſche Bevölkerung des Dorfes Bourgarkoe bei
Ko=
ſchan getötet worden. — Der Kommandant der
bulgari=
ſchen Truppen an der türkiſchen Grenze berichtet, daß
viele türkiſche Banden, welche der türkiſchen Armee
vor=
ausgehen, in die türkiſchen Dörfer eindringen und alles,
was irgend zu erreichen iſt, plündern. Unter den Banden
befinden ſich auch türkiſche Soldaten, welche die Bulaaren
in dem Kriege gefangen genommen haben und vor einiger
Zeit zur Feldbeſtellung von den Bulgaren freigelaſſen
worden waren. Die ganze bulgariſche Bevölkerung flieht
vor der türkiſchen Armee. Die Wege ſind von
Flücht=
lingen überfüllt.
* Sofia, 21. Juli. Der Kommandeur der
Zwei=
ten Armee meldet: Die Serben ſteckten die Stadt
Radowiſchta in Brand und metzelten die Bevölkerung
nieder. Die bulgariſchen Dörfer Brehovo, Banitza,
Sar=
kow, Gornobrodi, Dolnobrodi, Kruchewo, Frachina und
andere in der Umgebung von Seres, die von den
Bul=
garen geräumt waren, wurden von den Griechen zerſtört.
Ein Teil der Bevölkerung zog ſich mit den Bulgaren
zu=
rück; alle diejenigen, die nicht rechtzeitig flohen, ſind
ver=
brannt oder von den Griechen niedergemacht worden.
Der Kommandeur der Vierten Armee telegraphiert, die
bulgariſchen Städte Kavadarzi und Negotin ſeien von
den Serben angezündet worden.
* Sofia, 21. Juli. (Agence Bulgare.) Die Brücke
Dolni-Dybnik bei Milenleatnec, an der Eiſenbahnlinie
Sofia-Warna, wurde von den Rumänen zerſtört.
Die Telegraphenanlagen Dolni=Dybnik ſind beſchädigt.
Die Brücke bei Plewna, Kilometerſtein 183, iſt zerſtört,
ebenſo die andere bei der Zementfabrik in der Nähe von
Plewna. Die Telegraphenlinie längs der Eiſenbahn nach
Plewna iſt unterbrochen. Gerüchtweiſe verlautet, die
Brücken bei Kreta und über den Vidfluß ſeien
abge=
brochen. Die Rumänen requirieren Lebensmittel und
Futtervorräte.
Der Vormarſch der Rumänen.
* Bukareſt. 20. Juli. (Agence Telegraphique
Rou=
maine.) Das Kriegsminiſterium veröffentlicht mit
Rück=
ſicht auf die Blättermeldungen über die Beſetzung von
Ruſtſchuk und Varna ein Communiqué, worin erklärt
wird, es ſei möglich, daß im Intereſſe der Durchführung
der Miſſion der rumäniſchen Armee die Truppen
Re=
kognoſzierungen nach verſchiedenen Richtungen
unter=
nommen haben, indeſſen bedeute das nicht die Beſetzung
der genannten Oertlichkeiten. Vom Schauplatz der
mili=
täriſchen Operationen wird nichts neues gemeldet.
Der Vormarſch der Türken.
* Konſtantinopel, 20. Juli. Die Pforte hat
an ihre Vertreter im Auslande ein Zirkulartelearamm
gerichtet, durch das ſie beauftragt werden, den Mächten
mitzuteilen, die Pforte ſehe ſich infolge der gegenwärtigen
Lage genötigt, die Linie Maritza-Adrianopel
zu beſetzen, welche Maßnahme für die Sicherheit
Kon=
ſtantinopels notwendig ſei. Nach authentiſchen
Informa=
tionen handelt es ſich nicht um eine Kriegserklärung an
Bulgarien.
* London. 21. Juli. Die Times meldet aus
So=
fia vom 20. Juli: Die Türken ſind nach einem kurzen
Kampfe gegen eine kleine bulgariſche
Verteidigungsabtei=
lung in Adrianopel eingerückt. Irreguläre Truppen
brennen, plündern und begehen allerhand Grauſamkeiten.
Andere türkiſche Truppen rücken in öſtlicher Richtung vor.
Griechiſche Meldungen.
* Athen 21. Juli. (Meldung der Agence
d’Athè=
nes.) Die Kämpfe wurden heute auf der ganzen
Linie mit einem allgemeinen Vormarſch der
grie=
chiſchen Truppen fortgeſetzt. Der äußerſte rechte
Flügel ſtand im Tale von Neſtos. Die Verfolgung des
Feindes erfolgte in der Richtung auf Mahomia. Nach
den neueſten Meldungen beträgt die Zahl der erbeuteten
feindlichen Kanonen 22.= Außerdem eroberten die
grie=
chiſchen Truppen vier Krupp=Geſchütze. Nach heftigem
Widerſtand des Feindes drängte das Zentrum geſtern und
heute den Feind aus ſeinen geſamten Stellungen in der
Richtung der Päſſe von Cresna heraus. Auf dem linken
Flügel warfen die griechiſchen Diviſionen den Feind nach
und nach aus allen befeſtigten Stellungen und beſetzten
Pehtſchewo und die Berghöhen im Norden von
Peht=
ſchewo.
Die Zirkularnote der Türkei.
— Konſtantinopel, 21. Juli. Die Pforte
hat an die Botſchaften folgende Zirkularnote
gerichtet: Trotz des von den Bulgaren an den Taa
ge=
legten Eifers, den Präliminarfrieden zu unterzeichnen,
hat ſich Bulgarien geweigert. diejenigen Gebiete zu
räu=
men, die an die Türkei zurückgelangen müſſen. Bulaarien
handelte zweifellos in der Abſicht, ſich eine ſolche
Grenze=
zu ſichern, welche der irrigen Interpretation entſprechen
ſollte, welche Bulgarien der Beſtimmung der Linie
Enos-Midia geben wollte. Erſt als die türkiſche
Re=
gierung, des Wartens müde, die Armee beauftraate, dieſe
Gebiete wieder zu beſetzen, beſchloß die bulgariſche
Re=
gierung, ihre Truppen zurückzuziehen. Andererſeits
be=
ſtand die Pforte, um die Möglichkeit zu haben, die
Haupt=
ſtadt und die Dardanellen zu verteidigen, darauf. jeden
Beweis zu erbringen, daß nur durch eine nach Norden
längs der Maritza gehende Linie, die Enos zum
Aus=
gangspunkt nimmt, die Grenze gebildet werden könne.
Die Tatſache, daß dieſe Linie nicht ſo, wie ſie ſein müßte,
im Friedensvertraa feſtaeſtellt wurde, erklärt ſich aus dem
Wunſche der Mächte, die damals von den Bulgaren
er=
hobenen Schwierigkeiten zu beſeitigen und baldmöglichſt
die Zuſammenkunft der Delegierten in London ſicher zu
ſtellen. Demgemäß und in dem hauptſächlichen Zwecke
alle Komplikationen zu vermeiden, wandte ſich die Pforte
direkt an Bulgarien, um ihm die Gründe mitzuteilen,
weshalb ſie gezwungen ſſei, darauf zu beſtehen, daß die
Grenzſtraße dem Laufe der Maritza bis Adrianopel
folge. Die Türkei hätte es gewiß vorgezogen, dieſe
Fra=
gen mit Bulgarien auf diplomatiſchem Wege zu regeln;
leider hindern die von den Bulgaren in den beſetzten
Ge=
bieten mit unbeſchreiblicher Barbarei und Vandalismus
verübten Greuel, welche ihre Verbündeten mit derſelben
Empörung feſtſtellen konnten, wie die türkiſchen Truvpen,
die Türkei an einer diplomatiſchen Löſung. Die
Erfah=
rung hat bewieſen, daß alle mit Bulgarien begonnenen
Verhandlungen dazu verurteilt waren, endlos in die
Länge gezogen zu werden. Unter dieſen Umſtänden ſieht
ſich die Pforte gezwungen, die fragliche Grenze ſchon jetzt
zu beſetzen, indem ſie ſich verpflichtet, im Einvernehmen
mit den Mächten das künftige Geſchick Thraziens
feſtzu=
ſtellen. Die Pforte fügt hinzu, daß ſie in dem Wunſche,
die Entſcheidung der Mächte zu achten und mit
Bulga=
rien normale Beziehungen herzuſtellen, die genannte
Trace als endgültige Grenze anſieht, indem ſie ſich
ver=
pflichtet, ſie unter keinem Vorwande zu überſchreiten. Die
Pforte hofft. die Mächte würden erkennen, daß der
gegen=
wärtige Kriea zwiſchen den Balkanſtaaten und die mit
Bezua auf Thrazien vertretenen Kombinationen die
Pforte doppelt zwingen, die Grenze baldmöglichſt ſicher=
zuſtellen, um die Sicherheit der Hauptſtadt zu verbürgen,
und daß die Mächte, der beſonderen Lage Thraziens
Rechnung tragend, Bulgarien die notwendigen Ratſchläge
erteilen werden, um eine raſche und friedliche Löſung in
dargelegtem Sinne zu ſichern. Die Pforte glaubt ſchon
jetzt die Verantwortung für eine eventuelle
Wiederauf=
nahme der Feindſeligkeiten auf Bulgarien ſchieben zu
müſſen.
Proteſt gegen die bulgariſchen Greuel.
* Saloniki 20. Juli. (Agence d’Athènes). Geſtern
fand in der von den Bulgaren zerſtörten Stadt Seres
eine Kundgebung der Bevölkerung gegen die
bul=
gariſchen Grauſamkeiten ſtatt. Nachdem
grie=
chiſche, muſelmaniſche und iſraelitiſche Redner geſprochen
hatten, gelangte eine Reſolution zur Annahme, in der im
Namen von 20000 Menſchen, die ohne Obdach, Nahrung
und Kleidung zurückgeblieben ſind angeſichts der noch
rauchenden Trümmer der Stadt der tiefen Entrüſtung über
den Vandalismus der bulgariſchen Armee Ausdruck
ge=
geben wird, auf den die Aufmerkſamkeit der geſitteten Welt
gelenkt werden müſſe. Es möge eine internationale
Kom=
niſſion gebildet werden, die die Ausdehnung der Untaten
an Ort und Stelle konſtatieren könne.
Letzte Nachrichten.
— Bukareſt 21. Juli. Heute früh 7 Uhr erhielt
Miniſterpräſident Majorescu die amtliche Beſtätigung,
daß Bulgarien die ihm von Rumänien geſtellten
Be=
dingungen annimmt.
* Bukareſt, 21. Juli. (Agence Roumaine.)
Mit=
teilungen aus offiziöſen Kreiſen zufolge enthält die
Ant=
wort der rumäniſchen Regierung auf die bulgariſche Note
folgende. Friedensbedingungen: 1. Die Grenze
Turtugen-Dobritſch-Bautſchik; 2. Verbleiben der
rumä=
niſchen Armee bis zum Friedensſchluſſe auf dem beſetzten
bulgariſchen Gebiet.
* Sofia 21. Juli. (Wiener Korc.=Bureau.) Geſtern
bend ſandte die Regierung ein direktes Telegramm
an den rumäniſchen Miniſterpräſidenten Majorescu, in
dem der Zuziehung von rumäniſchen Delegierten zu den
Friedensverhandlungen zugeſtimmt wird.
Da ſomit alle rumäniſchen Forderungen erfüllt erſcheinen,
erwartet man die ſofortige Einſtellung des Vorrückens der
Rumänen.
* Sofia, 21. Juli. (Agence Bulgare.) Geſtern
be=
ſetzten unbehelligt zwei türkiſche Kavallerie=Eskadronen
ſſunkoenprue. Von den Bulgaren freigelaſſene
Kriegs=
gefangene bildeten Baſchibozubanden, die Thrazien
über=
ſchwemmen und die bulgariſchen Dörfer überfallen und
niederbrennen. Die Bewohner ergriffen die Flucht. Die
Flüchtlinge überſchwemmen alle Wege. Die erforderlichen
Maßnahmen ſind ergriffen, um Ruhe und Ordnung zu
ſchaffen.
* Sofia, 21. Juli. (Agence Bulgare.) Ein
rumä=
niſches Kavallerie=Detachement, das den Bahnhof und das
Telegraphenamt beſetzt hielt, verließ die Stadt. Die
Kabelverbindung mit Sebaſtopol iſt wieder hergeſtellt.
H. B. Athen, 21. Juli. Die Heſtia teilt mit, daß die
Antwort der Verbündeten Rußland überreicht
worden iſt. Das Blatt fügt hinzu, daß trotz dieſer
diplo=
matiſchen Schritte die militäriſchen Operationen
fortgeſetzt werden, ohne Waffenſtillſtand nachdem
Bulgarien die Bedingungen für den Präliminarfrieden
annimmt. Die ſerbiſchen Truppen gehen von Oſten nach
Küſtendiel vor in einer Linie nördlich von Waſſilograd
mit einem Zentrum Egri=Palanka über die Bregalnitza bis
Petzowa. Ein linker griechiſcher Flügel, dem der Feind
ausweicht, marſchiert ebenfalls vor Es iſt wahrſcheinlich,
daß die Bulgaren es ſüdlich der Alpengrenze zur Schlacht
kommen laſſen oder vielleicht den letzten Widerſtand vor
Sofia leiſten werden. Die rumäniſche Armee marſchiert
vom Norden her auf Sofia. Die Mächte erwarten das
Reſultat des ruſſiſchen Schrittes bei den Balkanſtaaten.
Die Unruhen in China.
* London, 21. Juli. Die Morning Poſt meldet
aus Schanghai vom 19. d. M.: Heftige Regenfälle
hin=
dern in gleicher Weiſe die Bewegungen der Revolutionäre
und der nordchineſiſchen Truppen. Schanghai iſt in der
Gewalt der Revolutionäre, deren Vertreter meiſt kürzlich
entlaſſene Beamte ſind. Das Arſenal hat ſich noch nicht
ergeben und ſeine Verteidiger ſind verſtärkt worden. Es
heißt, daß die Offiziere der Flotte, die vor dem Arſenal
vor Anker liegt, und bei der ſich die Kreuzer „Tſchaoho”
und „Yiagowei” befinden, entſchloſſen haben, neutral zu
bleiben. Mehrere Provinzen haben ſich neutral erklärt.
Die offizielle Bezeichnung der Revolutionäre iſt „Two
Juan Tſchun”, das iſt: Die Armee zur Beſtrafung Juans.
* Peking, 20. Juli. Die ſüdchineſiſchen
ſuchen die nordchineſiſchen Truppen und ebenſo
die handeltreibenden Klaſſen, die durchaus gegen die
Er=
hebung ſind, für ſich zu gewinnen. Die Pekinger
Regie=
rung fährt fort, auf den Bahnlinien Tientſin-Pukau und
Peking-Hankau Truppen nachzuſchicken, die aus der
Mongolei zurückgezogen worden ſind, wo 25000 Mann
die mongoliſchen Banden zu unterdrücken ſuchen. Die
Mehrzahl der Provinzen ſieht dem Kampf zu, ohne Partei
zu ergreifen und verſichert der Partei ihre Sympathien,
deren Truppen am nächſten ſtehen. Juanſchikai will ſelbſt
nach dem Süden gehen, um das Oberkommando zu
über=
nehmen; aber die Umgebung rät ihm, in Peking zu
blei=
ben, da er in ſtändiger Gefahr ſein werde, ermordet zu
werden.
* London, 21. Juli. Die Times meldet aus Peking
vom 20. d. M.: Die ſüdchineſiſchen Politiker
verlaſſen einer nach dem anderen Peking. Das
Parla=
ment wird wahrſcheinlich vertagt werden. In
ſüdchineſi=
ſchen Kreiſen iſt die Rede davon, die Abgeordneten etwa
in Nanking zuſammenzuberufen. Der Sprecher des Senats
iſt aktiv an der ſüdchineſiſchen Bewegung beteiligt.
Vermiſchtes.
— Eine Vereinbarung zwiſchen
Deutſch=
land und Oeſterreichüber die
Angeſtellten=
verſicherung fordert die Freie Vereinigung für die
ſoziale Verſicherung der Privatangeſtellten in einer
Peti=
tion an den Reichskanzler, die auch dem Reichstage mit
der Bitte um Befürwortung zugeſandt wurde. Der
Reichskanzler wird darin erſucht, entſprechend dem § 362
des Verſicherungsgeſetzes für Angeſtellte mit Oeſterreich,
das bekanntlich ein ähnliches Geſetz hat, einen
Gegenſeitig=
keitsvertrag zu ſchließen auf folgender Grundlage: 1.
An=
rechnung der Beiträge, die zu der Verſicherung des anderen
Staates gezahlt ſind bei Berechnung der Leiſtungen der
Verſicherung des Staates, für die der Verſicherte die
höheren Anſprüche erworben hat. Dies ſoll für den Fall
gelten, daß die Wartezeit bei Eintritt des
Verſicherungs=
falles noch nicht erfüllt iſt. 2. Falls die Wartezeit erfüllt
iſt, Gewährung der Leiſtungen aus beiden Geſetzen. Da
der § 362 des Verſicherungsgeſetzes für Angeſtellte ſolche
Vereinbarungen vorſieht, wird dieſe Anregung bei den
Reichsbehörden hoffentlich günſtig aufgenommen werden.
Literariſches.
Heft 7 des Pariſer Chie iſt wirklich „auf der
Höh!‟ — Das alſo iſt die letzte Mode — die Herrſcherin
für Juli und Auguſt — Roſenmuſter klein und groß in
ſeidenen Geweben — Seide für Nachmittagstoiletten
neben Voiles und Wollbatiſt — reizende Boleros — das
„Genre lingerie” für Gartenfeſte, Kurpromenade, praktiſch,
feſch und chic zugleich — für den Abend phantaſtiſchen
Kopfſchmuck, als ſeien Märchengeſtalten lebendig
gewor=
den — und der Schnitt der Roben weichſchließend und die
Schönheit der Geſtalt wunderſam hebend, leicht gerafft,
ans griechiſche gelehnt — wirklich, alles von einem
Reich=
tum, einer Mannigfaltigkeit. Ein hübſcher Schulterkragen,
eine pliſſierte Kollerette oder ein Spitzenvolant umgeben
den mehr oder weniger tief gehaltenen Ausſchnitt. Dabei
war die Mode imſtande, ſelbſt in Hutformen ganz neue,
noch nie geſehene, entzückend kleidſame — ja man kann
ſagen „dichteriſche” Modelle zu erſinnen! Abonnements
nimmt jede Buchhandlung, Poſtamt oder direkt der Verlag
Guſtav Lyon, Berlin SW. 68. Schützenſtraße 8, entgegen.
Preis 40 Pfg. pro Heft, 1,20 Mk. vierteljährlich und 4,50
Mk. pro Jahr.
Das neue Kochbuch für Zuckerkranke.
Von Dr. med. et chem. Hans Lungwitz, Spezialarzt
für Zuckerkranke, Berlin und Oberin Freiin von
Münch=
hauſen, Berlin. 1913. Adler=Verlag. 357 Seiten. Preis
broſch. 4 Mk., in abwaſchbaren Deckel gebunden 5 Mk.
Es iſt feſtgeſtellt, daß die Zuckerkrankheit in ſteter Zunahme
begriffen iſt, und hieraus erklärt es ſich, daß ſich die
Auf=
merkſamkeit der Aerzte und des Publikums immer mehr
dieſer Stoffwechſelſtörung zuwendet und daß ſich die
Literatur über dieſe merkwürdige Krankheit in den letzten
Jahren beſonders gehäuft hat. Das Neue Kochbuch für
Zuckerkranke dürfte zu dem Beſten gehören, was über dies
Thema je geſchrieben worden iſt.
Darmſtadt, 22. Juli.
g. Eröffnungs=Vorſtellung des Zirkus Corty Althoff.
Der Zirkus Corty Althoff eröffnete geſtern abend mit
einer glänzend verlaufenen Gala=Vorſtellung ſein
hieſiges 8tägiges Gaſtſpiel. Die Vorſtellung war
ausver=
kauft. Aus dem reichhaltigen Programm ſei folgendes
erwähnt: Monſ. und Mad. Mirow mit ihren dreſſierten
Kamelen und Mauleſel. Auguſt Polly Daſſy mit ſeinem
dreſſierten Pony. Miſter Hubert, komiſcher Reitakt.
Auf=
treten der ſpaniſchen Schulreiterin Baronin Sadaja.
Springpferd Muſchi, geritten von Frau Baronin Sadaja.
Fräulein Hedwig, Reitkünſtlerin. Herr und Frau Direktor
Althoff mit ihren Original=Freiheits=Dreſſuren. Komiſches
Entree, ausgeführt von Auguſt Polly Daſſy. Miſter John
Becker, Looping the Loop am Trapez. Roſſis vier
muſi=
kaliſche Wunderelefanten. Konſul Patſy, der beſtdreſſierte
Schimpanſe der Welt. „Goliath”, über 1000 Kilogramm
ſchwer, das ſchönſte und ſchwerſte belgiſche Zugpferd als
Schulpferd, dreſſiert und geritten von Herrn Schulreiter
Willy Manns. Miß Lola Carr, Voltigeuſe. Ethor
Rein=
bards ikariſche Spiele. Familie Cooke, engliſche
Reiter=
familie. Komiſches Entree, ausgeführt von dem Clown
Spichalsky und Auguſt Franzini. Großes Tableau von
80 Pferden und Hunden, vorgeführt von Herrn Willy
Manns. — Wir kommen auf die geſtrige Vorſtellung noch
zurück.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Bremen, 21. Juli. Die Werften an der
Weſer haben die Arbeit überall in vollem Umfange
wieder aufgenommen. Nur auf den Atlaswerken
legten die Leute einiger mechaniſcher Werkſtellen die Arbeit
nieder, ebenſo der Weſerzeitung zufolge auf der Werft des
Bremer Vulkan in Vegeſack. Nach einer geſtrigen
Ver=
ſammlung kamen die Arbeiter heute morgen auf die Werft,
um ihre Werkzeuge abzuliefern und traten in den Aus=
ſtand. Es handelt ſich um rund 3000 Arbeiter. Die Werft
in Geeſtemünde hat die Arbeit heute morgen in vollem
Umfange wieder aufgenommen.
* Pfullendorf, 21. Juli. Seit Samstag abend werden
hier die an der hieſigen Volksſchule angeſtellte
Unter=
lehrerin Fräulein Stöcker und der Unterlehrer Schlegel
vermißt. Letzterer hat einen Brief hinterlaſſen worin
er und Fräulein Stöcker am Bodenſee ein ſtilles Plätzchen
aufſuchen wollen, um gemeinſam zu ſterben. Bis jetzt iſt
s trotz aller Nachforſchungen nicht gelungen, die beiden
aufzufinden.
* Paris, 21. Juli. Die hieſige Polizei verhaftete
einen bei der Oſtbahn bedienſteten Bremſer namens
Lacaiſſe, der aus Deutſch=Avricourt Selbſtzünder
einge=
ſchmuggelt hatte, die mit einem gefälſchten franzöſiſchen
Steuerſtempel verſehen waren. Zwei Helfershelfer des
Bremſers, ein Friſeurgehilfe und ein Gaſtwirt, welche die
Selbſtzünder verkauften, wurden gleichfalls in Haft
ge=
nommen.
* Liſſabon. 20. Juli. Die Regierung war
benachrich=
tigt worden, daß die Syndikaliſten die Abſicht hätten,
Unruhen zu erregen, um die Befreiung ihrer
Kame=
raden zu erwirken, die in das Attentat bei den
Feſtlich=
keiten vom 10. Juli verwickelt waren. Die Polizei hatte
ſich daher entſchloſſen, die zum Zwecke der Verſchwörung
Zuſammengekommenen feſtzunehmen. Dabei wurden von
den Syndikaliſten zwei Bomben geſchleudert, durch
die zwei Polizeibeamte getötet worden ſind.
Mehrere Perſonen ſind feſtgenommen und eine Anzahl
Bomben beſchlagnahmt worden. Die Ruhe der Stadt iſt
ungeſtört.
* Neu=York, 21. Juli. Nach einer Meldung aus
Mexiko hat ein Ausſchuß von Japanern ſich an die
mexikaniſche Regierung um die Erlaubnis
ge=
wandt, im ganzen Staate Morelos Japaner anzuſiedeln.
Verhandlungen ſollen im Gange ſein.
H. B. Wiesbaden, 21. Juli. In einem Hotel hat ein
etwa 40 Jahre alter, elegant auftretender Herr, der ſich
Louis Doven nannte, einer Engländerin, die er tags zuvor
hier kennen lernte, bei einem Beſuche während einer
kur=
zen Abweſenheit der Dame aus einer verſchloſſenen
Handtaſche Schmuckſachen im Werte von 14000 Mark
geſtohlen. Der Dieb hat ſich als Mitarbeiter des
Figaro ausgegeben. Er ſprach fließend engliſch und
fran=
zöſiſch.
— München, 21. Juli. Der Dauerregen läßt die
Flüſſe anſchwellen. Weite Strecken ſind überſchwemmt.
Falls nicht bald trockenes Wetter eintritt, iſt die geſamte
Getreideernte bedroht.
— Hamburg, 21. Juli. In der letzten Nacht hat der
Arbeiter Morulon nach einem heftigen Familienſtreit
ſeinen dreijährigen Sohn und dann ſich
ſelbſt erſchoſſen.
Dresden, 21. Juli. Geſtern wurden die Luiſe
Willimen und ihre Gefährtin, als ſie von der Kirche
in Radeberg zurückkehrten, in der Nähe von Lotzdorf
von zwei Automobiliſten überfallen und
entführt.
— Dresden, 21. Juli. Der Drogiſtenlehrling
Her=
mann Grenzhäuſer aus Köln und ſeine Geliebte, die
Arbeiterin Vogt, haben ſich mittels Cyankali
ver=
giftet.
— Rathenow, 21. Juli. Heute mittag werden Prinz
Ernſt Auguſt und Prinzeſſin Viktoria Luiſe
in ihrer Villa die Mitglieder der ſtädtiſchen Kollegien
emp=
fangen, die ihnen die von der Stadt geſtifteten
Hochzeits=
geſchenke, Erzeugniſſe der Rathenower optiſchen Induſtrie,
überbringen.
— Inſterburg, 21. Juli. Auf Veranlaſſung der
Staatsanwaltſchaft wurde in Hamburg eine Frau
ver=
haftet und nach hier gebracht. Sie wird beſchuldigt, vor
Jahren ihren Vater und im Auguſt vorigen Jahres
auch ihren Stiefvlater vergiftet zu haben.
Auch die Mutter wurde unter dem gleichen Verdacht
ver=
aftet. Die beiden Frauen beſchuldigen ſich gegenſeitig.
— Rom, 21. Juli. Wegen Diebſtahls von zwei
wertvollen Terrakotten von Luca della Robbia
vurden in Piſtoja ein Einpacker und eine Einpackerin
verhaftet.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Aus dem Geſchäftsleben.
Man ſchreibt uns: Locken wie ein Engel! ſo
wunder=
bar wirkt Dr. Kuhns Sadulin Lockenerzeuger.
Weder bei feuchter Luft noch bei ſtarker Tranſpiration
gehen die damit erzielten Locken auf. Achten Sie aber
auf den Namen Dr. Kuhn, Kronenparfümeriefabrik
Nürn=
berg, und nehmen Sie nichts anderes. Zu haben in
Apo=
theken, Drogerien und Parfümerien.
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Mitteilung.)
Geſtern abend 8 Uhr verſchied infolge eines
Herzſchlages mein guter Sohn, unſer lieber
Bruder, Schwager und Onkel
(15785
Herr Ferdinand Gusck
Postsekretär i. P.
im 43. Lebensjahre.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
L. Quick, Stationsvorſteher i. P.
Darmſtadt, den 21. Juli 1913.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 23. d. M.,
nachmittags 3½ Uhr, vom Portal des
Fried=
hofes aus, ſtatt.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Am Rande des nordöſtlichen Tiefdruckgebietes hatten
wir geſtern meiſt trübes, veränderliches Wetter mit
ver=
breiteten Niederſchlägen; die Temperaturen ſind ſtark
geſunken. Das Tiefdruckgebiet hat ſich mit ſeinem Kern
nach Jütland verlagert, während ſich das Hochdruckgebiet
oſtwärts ausgebreitet hat. Wir werden morgen an der
Grenze zwiſchen hohem und tiefem Druck mit
veränder=
lichem Wetter zu rechnen haben.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 22. Julig
Veränderlich, zeitweiſe Niederſchläge, Temperatur wenig
geändert.
Tageskalender.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Zirkus Corty Althoff.
Konzerte: Hugenſchütz” Felſenkeller um 8 Uhr.
Bürgerkeller um 8 Uhr.
Wander=Ausſtellung „Das Kind”. Alexander
ſtraße 20 (geöffnet von 2—9 Uhr).
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 23. Juli.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhr
Rundeturmſtraße 16.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 3 Uhr in
der „Ludwigshalle‟.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den
übrigen=
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: J. V.: Kurt
Mitſching; für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und
Mitteilungen aus dem Geſchäftsleben: J. V.: Adam=
Fleiſchmann, ſämtlich in Darmſtadt. — Für den redaktig
ellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an die „Redaktioh
des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige Honorarforden
ungen ſind beizufügen; nachträgliche werden nicht
be=
rückſichttgt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zu=
rückgeſandt.
Vorrelst D1s 12. Augube.
Vertretung haben gütigſt
über=
nommen die Herren:
San.-Rat Dr. Barthel,
Frankfurter=
ſtraße 16,
Dr. Vidal, Stiftſtraße 11,
Dr. Schneider, Wenckſtraße 10,
Dr. Koepke, Kiesſtraße 90,
Dr. Sior, Hochſtraße 60,
Dr. Göring. Mühlſtraße 64, nach
ſeiner Rückkehr.
Dr. ScHIFFER,
15703oi) Hoftheaterplatz
ihrend meiner Abweſenheit
bis 18. Aug. d. J. werden
die Herren:
Dr. Bönning, Mühlſtraße 12
(auch Merck Kr.=K.),
Dr. Draudt, Heinrichſtr. 17
(auch Merck Kr.=K.)
Dr. Hof, Roßdörferſtr. 19,
Dr. Loeb, Ernſt=Ludwigſtr. 19,
S.-R. Dr. Noellner,
Hölges=
ſtraße 12,
S.-R. Dr. Guetsch,
Bleich=
ſtraße 7,
Dr. Sior. Hochſtr. 60,
die Güte haben, mich in der
Praxis zu vertreten (15717oim
Dr. Kayser.
Moterrad
Adler, faſt neu, preiswert zu verk.
Anzuſehen von 8—2 und 6—9 Uhr
abends. Ph. Rudi, Dieburger=
(*3661
ſtraße 18, Seitenbau.
kann ſich mit 5—10000 Mk. zwecks Grün=
Strebſamer Herl dung einer G. m. b. H. an der Fabrikation
und Verwertung eines wirklichen Millionen=Maſſenartikels
be=
teiligen, den faſt jede größere Stadtverwaltung in tauſenden von
Apparaten kaufen muß, da hierin ein großes Bedürfnis vorhanden
iſt. Die Apparate ſollen in kurzer Zeit in allen Städten rationell
eingeführt werden, wodurch ein rieſiger Reingewinn in ganz
kurzer Zeit erzielt wird. Nur ſchnell entſchloſſene Herren mit
welt=
männiſcher Anſchauung wollen ſofort Offerten einreichen unter:
„S. W. 33 hauptpoſtl. hier‟
(*3721
Von der Reise zurück
Sanitätsrat (15764
Dr. Markel.
Kinder-Sportwagen
eleg. Gloriawagen, billig abzug.
Heinheimerſtr. 77, III. (*371.
Biergläser
werden auf das geſetzl.
Schaum=
maß umgeeicht: ins Haus gebracht
per Glas 1½ Pfg., im Lokal
ge=
eicht (Stadtbez.) 2½ Pfg. (*3710
Gg. Schweiger, Magdalenenſtr. 19.
Seleuchtungskörper,
Erker=
geſtelle uſw., Um= u.
Auf=
arbeiten derſelben. G. Starck,
Gürtlerei u. feinmechaniche Werkst.,
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Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
3 St.
Dienstag, 22. Juli.
1913.
Bekanntmachung.
Die nachſtehende Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem
Truppenübungs=
platz bringen wir hierdurch zur allgemeinen Kenntnis.
(14797a
Darmſtadt, den 5. Juli 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 21. bis 26. Juli 1913.
Die
Dauer der
Tag
Truppenteil Abſperrung Abſperrung Bemerkungen
Datum
erſtreckt ſich
von bis
8eV. 10 N.
21. Juli Montag
80 Abbs. 120 Nachts
21. Juli 1 Montag
Nachtſchießen
80 V. 10 N. 1 Ueber das
22. Juli 1 Dienstag
8'Abds. (120 Nachts
22. Juli 1 Dienstag
ganze Nachtſchießen
7 Feldartillerie
23. Juli 1 Mittwoch
10 N. Abſperr=
80V.
24. Juli Donnerstag
10 N.
80 V.
Gelände
25. Juli Freitag
10 N.
80V.
26. Juli Samstag
8'V. 10 N.
Der Verein für Bogel= und Geſligelgucht Offenbach a. M. beabſichtigt, mit
der vom 1. bis 3. November 1913 zu Offenbach ſtattfindenden VI. Heſſiſchen Landes=
Geflügelausſtellung eine Verloſung von lebendem Geflügel und Gegenſtänden, die
der Geflügelzucht dienen, zu verbinden; die Ziehung ſoll am 4. November
ſtatt=
finden. Das Großh. Miniſterium des Innern hat die nachgeſuchte Erlaubnis zur
Veranſtaltung dieſer Verloſung unter der Bedingung erteilt, daß bis zu 20 000 Loſe
zu 0.30 Mark das Stück ausgegeben werden dürfen und mindeſtens 60 Prozent des
Bruttoerlöſes aus dem Verkaufe der Loſe zum Ankauf von Gewinngegenſtänden zu
verwenden ſind. Der Vertrieb der Loſe im Großherzogtum Heſſen iſt geſtattet. (15777
Der Ziegenzuchtverein Hähnlein beabſichtigt mit dem am 26. Auguſt d. Js. zu
Hähnlein abzuhaltenden Prämiierungs=Ziegenmarkte eine Verloſung von Ziegen,
Ziegenlämmern und Haushaltungsgegenſtänden zu verbinden.
Das Großh. Miniſterium des Innern hat die nachgeſuchte Erlaubnis zur
Ver=
anſtaltung dieſer Verloſung unter der Bedingung erteilt, daß bis zu 4000 Loſe zu
0,50 Mk. das Stück ausgegeben werden dürfen und mindeſtens 60% des nach Abzug
der Reichsſtempelabgabe verbleibenden Bruttoerlöſes aus dem Verkaufe der Loſe zum
Ankauf von Gewinngegenſtänden zu verwenden ſind.
Der Vertrieb der Loſe in der Provinz Starkenburg iſt geſtattet.
(15737
Orts=Satzung
für die Quartierleiſtungen und Naturalleiſtungen an die bewaffnete Macht im Frieden
in der Gemeinde Roßdorf.
Auf Grund des § 7 des Reichsgeſetzes vom 25. Juni 1868, die Quartierleiſtungen
für die bewaffnete Macht während des Friedensſtandes betreffend, und § 9 der
Inſtruk=
tion zur Ausführung dieſes Geſetzes vom 31. Dezember 1868 und auf Grund der Geſetze
vom 13. Februar 1875 über die Naturalleiſtungen für die bewaffnete Macht im Frieden
wird hiermit für die Gemeinde Roßdorf auf Beſchluß des Gemeinderats und
mit Genehmigung Großh. Miniſteriums des Innern vom 19. Juni 1913 zu
Nr. M. d. J. 10947 folgendes beſtimmt:
§ 1.
Die Verwaltung der Einquartierungsangelegenheiten wird der von dem
Gemeinderat zu wählenden Einquartierungskommiſſion unter dem Vorſitz des
Bürger=
meiſters oder bei Verhinderung des Bürgermeiſters unter dem Vorſitz des
Beigeord=
neten übertragen.
Die Dienſtzeit der unſtändigen Mitglieder der Kommiſſion endet mit dem
Kalenderjahr, für welches dieſelben gewählt worden ſind.
Die Zahl der unſtändigen Mitglieder der Kommiſſion wird von dem
Gemeinde=
rat jedes Jahr neu beſtimmt.
§ 2.
Die ganze Gemeinde, einſchließlich aller zur Gemarkung gehörigen Gehöfte uſw.,
bildet einen Quartierbezirk.
53.
Die Einquartierungspflicht liegt allen denen ob, die in der Gemeinde eine
Wohnung haben und zur Gemeindeſteuer herangezogen werden, ebenſo Juriſtiſchen
Per=
ſonen, Geſellſchaften und ſolchen Perſonen, die, ohne in der Gemeinde zu wohnen, in
der Gemeinde Häuſer, Grundſtücke oder Geſchäftslokale haben und für dieſe zur
Gemeindeſtener herangezogen werden.
Befreit von der Benutzung zur Einquartierung ſind die in § 4 Abſ. 2 des
Reichs=
geſetzes vom 25. Juni 1868 aufgeführten Gebäude und Gebäudeteile.
Gebäude, in denen ſich mit gefährlichen oder anſteckenden Krankheiten Behaftete
oder Wichnerinnen oder Leichen befinden, ſollen zur Einquartierung nicht benutzt werden.
§ 4.
Bei Verteilung der Einquartierung ſoll auf die Wohnungs=, Wirtſchafts= und
Gewerbebetriebsbedürfniſſe des Quartierpflichtigen Rückſicht genommen werden. Neben
dieſen Grundlagen ſoll bei der Verteilung beachtet werden, daß auf etwa je 30 Mark
Gemeindeſteuer je ein Mann zu übernehmen iſt.
§ 5.
Den Quartierpflichtigen iſt geſtattet, die ihnen obliegende Verbindlichkeit durch
Stellung anderweiter Quartiere (z. B. in Wirtshäuſern uſw.) zu erfüllen, jedoch iſt
dies vorher der Einquartierungskommiſſion anzuzeigen. Das zu ſtellende Quartier
muß den Anforderungen entſprechen, welche an den Quartierpflichtigen ſelbſt geſtellt
werden können.
Für richtige Leiſtung iſt nur der Quartierpflichtige haftbar, wie auch die durch
die Ausquartierung dem Quartierpflichtigen etwa entſtehenden Mehrkoſten von dieſem
zu tragen ſind.
§ 6.
Weigert ſich der Quartierpflichtige, die ihm zugedachte Einquartierung zu
über=
nehmen, oder iſt der Quartierpflichtige zeitweilig abweſend, ſo hat die Einquartierung
auf deſſen Koſten anderweit zu erfolgen.
Dieſe Koſten ſind nötigenfalls auf dem für die Gemeindeeinkünfte vorgeſchriebenen
Wege von den Pflichtigen beizutreiben.
§ 7.
Bei der Zuteilung der Einquartierung werden gerechnet:
1 General und die ihm gleichgeſtellten Chargen einſchließlich Bedienung — 30 Gemeine,
1 Stabsoffizier
— 20
1 Hauptmann oder Leutnant
10
1 Feldwebel ꝛc.
1 Fähnrich oder Vizefeldwebel
1 ünteroffizier
. — 1Gemeiner
1 Pferd ohne Fourage
§ 8.
Werden Truppen mit Verpflegung einquartiert, ſo wird den mit Einquartierung
bedachten Einwohnern ein von dem Gemeinderat in dem betreffenden Jahre
feſtzuſetzen=
der Zuſchuß zu der von dem Reiche gewährten Entſchädigung bewilligt. Dieſer Zuſchuß
ſoll mit Rückſicht auf die jeweiligen Lebensmittelpreiſe bemeſſen werden und ſoll mit
Einſchluß der von dem Reiche gewährten Entſchädigung für Mundverpflegung und
Servis pro Tag für jeden einquartierten und verpflegten Soldaten einſchließlich
Unter=
offizier, Sergeanten und ähnliche Eharge den Betrag von 2 Mark nicht überſteigen.
Für die einquartierten Offiziere wird den Quartiergebern nur die
Reichsent=
ſchädigung gewährt.
§ 9.
Wird der Gemeinde die Stellung von Fourage oder Vorſpann angeſonnen, ſo
beſchafft die Einquartierungskommiſſion den Bedarf auf die ihr am zweckmäßigſten
erſcheinende Weiſe, möglichſt unter öffentlicher Aufforderung, aus Mitteln der
Gemeinde=
laſſe, in welche die vom Reiche zu gewährende Vergütung fließt. Nur wenn auf dieſem
Wege dem Anſinnen nicht rechtzeitig entſprochen werden kann oder die Fourage oder
der Vorſpann gegen die von dem Gemeinderat hierfür zuläſſig erachtete Vergütung
nicht zu erlangen iſt, wird die Kommiſſion zu der in Anſpruch genommenen Leiſtung
die Beſitzer von Fouragebeſtänden, Zugtieren und Wagen unmittelbar heranziehen, und
der Gemeinderat ſodann darüber beſchließen ob und welcher Zuſchuß aus
Gemeinde=
mitteln zu der von dem Reiche zu gewährenden Vergütung zu leiſten iſt.
§ 10.
Die Einquartierungskommiſſion iſt bezüglich der in den §§ 8 und 9 von ihr zu
Laſten der Gemeindekaſſe zuzugeſtehenden Vergütungen an die Weiſungen des
Gemeinde=
rats gebunden.
§ 11.
Dieſe Satzung tritt mit dem 1. Auguſt 1913 in Kraft.
Roßdorf, am 5. Juli 1913.
(15589
Großherzogliche Bürgermeiſterei Roßdorf.
Lorenz.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Spitzhund. Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags
um 10 Uhr, ſtatt.
(15754
Die nachſtehende Bekannimachung bringe ich hiermit zur
öfent=
lichen Kenntnis.
Darmſtadt, den 14. Juli 1913.
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Jäger.
Betr.: Antrag der Stadt Darmſtadt auf Einleitung des
Enteig=
nungsverkahrens wegen des zur Anlage der
Heidelberger=
ſtraße erforderlichen Geländes der Grundſtücke Fl. KXI
Nr. 1, 1%10, 2, 2¾10 Gemarkung Darmſtadt.
Bekanntmachung.
Darmſtadt hat namens der Stadt Darmſtadt auf Grund des Art. 11
der allgemeinen Bauordnung und der Art. 1 und 2 des Geſetzes vom
26. Juli 1884,
17. Juli 1899 die Enteignung von Grundeigentum betreffend, zur
Anlage der Heidelbergerſtraße Antrag auf Einleitung des
Enteig=
nungsverfahrens wegen der nachbezeichneten, in der Gemarkung
Darmſtadt gelegenen Grundſtücke geſtellt:
Inhalt
der der
Flur Nr.
EigentümerWohnort! Ge= zu
ent=
ſamt=eign.
fläche Fläche
qm qm
KTI
Röder, Friedrich,
Heinz, Konrad, und Darmſtadt 918 918
Henkel, Heinrich Dritter
KKI
105 105
dieſelben
Käl
1538 769
4XXII 29/10
578
596
Dies wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht mit dem
An=
fügen, daß der Antrag nebſt Plänen vom 14. bis 27. Juli d. Js.
einſchl. auf dem Stadthauſe dahier — Zimmer Nr. 67 — während
der üblichen Dienſtſtunden zu jedermanns Einſicht offen liegt.
Zur Verhandlung über den Plan und die zu leiſtende
Ent=
chädigung, ſowie zur Entgegennahme etwaiger Einwendungen und
Anträge wird Tagfahrt vor der Lokalkommiſſion anberaumt auf:
Mittwoch, den 30. Juli 1913,
nachmittags 3 Uhr
(Sitzungsſaal des Kreisausſchuſſes, Darmſtadt, Neckarſtraße 3).
Die Eigentümer, Lächter
tretenden Grundſtücken perſönlich Berechtigte, ſowie alle übrigen bei
der Enteignung Beteiligten werden aufgefordert:
1. Einwendungen gegen den Plan bei Meidung des Ausſchluſſes
und Annahme der Einwillgung in die beanſpruchte Abtretung
oder Beſchränkung,
2. Erklärung auf die angebotene Entſchädigungsſumme bei
Mei=
dung der Unterſtellung der Annahme des Angebots,
3. Anträge auf Ausdehnung der Enteignung bei Meidung des
Ausſchluſſes mit ſolchen,
4. Anträge auf Aufrechterhaltung beſtehender Laſten (Art. 19
des Geſ.) bei Meidung des Ausſchluſſes mit ſolchen,
5. Anträge auf Einrichtung und Unterhaltung von Anlagen,
welche für die benachbarten Grundſtücke oder im öffentlichen
Intereſſe zur Sicherung gegen Gefahren und Nachteile
not=
wendig ſind oder notwendig werden bei Meidung des
Aus=
ſchluſſes mit ſolchen,
6. etwaige noch unbekannte Anſprüche und Rechte an die zu
enteignenden Grundſtücke bei Meidung des Ausſchluſſes mit
ſolchen,
Der Großh. Oberbürgermeiſter der Haupt= und Reſidenzſtadt in dem oben erwähnten Termin mündlich vorzubringen. Wer am
perſönlichen Erſcheinen verhindert iſt, hat ſich zur Vermeidung
der vorgenannten Rechtsnachteile durch einen mit ſchriftlicher
Vollmacht verſehenen Bevollmächtigten vertreten zu laſſen.
Zugleich werden die Eigentümer auf folgende Beſtimmungen
der Art. 27 u. 9 des Enteignungsgeſetzes beſonders verwieſen:
1. Artikel 27: Wenn dritte Perſonen als dinglich Berechtigte oder
wegen ſonſtiger Rechtsverhältniſſe bei der Enteignung beteiligt
ſind, ſo muß ſie der Eigentümer ſofort nach Zuſtellung der
Bekanntmachung der unterzeichneten Behörde bezeichnen, welche
ſie ſodann unter Androhung des geeigneten Rechtsnachteils zu
der Tagfahrt vorzuladen hat.
Unterläßt der Eigentümer dieſe Bezeichnung, ſo bleibt
er für dieſe Anſprüche verantwortlich.
2. Artikel 9: Der Eigentümer des abzutretenden Grundſtücks muß
von Zuſtellung der Bekanntmachung an zu neuen Anlagen 24. Auguſt 1891 zu Berlin, Kreis
oder zu einer von der bisherigen, beziehungsweiſe der
gewöhn=
lichen abweichenden Art der Bewirtſchaftung die Genehmigung Urlaub bis 14. ds. Mts, bis jetzt
des Großh. Oberbürgermeiſters der Stadt Darmſtadt ein=noch nicht zurückgekehrt.
holen, widrigenfalls dafür eine Entſchädigung demnächſt nur
inſoweit verlangt werden kann, als durch die Veränderung auch
für den öffentlichen Zweck, für welchen die Enteignung geſchieht,
t,
der Wert des Geländes erhöht worden iſt.
Näumt der Eigentümer von dem obigen Zeitpunkt an
einem anderen ein dingliches Recht an dem zu enteignenden
Grundſtück oder ein perſönliches Recht auf deſſen Benutzung
ohne Genehmigung des Großh. Oberbürgermeiſters von
Darm=
ſtadt ein, ſo ſteht jenem anderen an die Stadt ein Anſpruch
auf eine beſondere Entſchädigung nicht zu.
Die Unternehmerin wird zu dem Termin unter dem
Rechts=
nachteile geladen, daß im Falle ihres Ausbleibens Verzichtleiſtung
auf Fortſetzung des Enteignungsverfahrens unterſtellt und ſie mit ter Arm, Kinn und Naſe.
den bis dahin entſtandenen Koſten belaſtet werden wird. (15239ism
Darmſtadt, den 9. Juli 1913.
Der Vorſitzende der Lokalkommiſſion:
Piſtor, Großh. Regierungsrat.
Steuer=Erhebung.
Das 2. Ziel der
Gemeinde=
ſteuer für das Rechnungsjahr
1913 iſt, bei Vermeidung der
Mah=
nung, bis Ende dieſes Monats
an den Werktagen, vormittags von
8 bis 12½ Uhr, hierher zu
ent=
richten.
Im Intereſſe raſcheſter
Ab=
fertigung an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder
abge=
zählt bereit zu halten.
*Darmſtadt, den 15. Juli 1913.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (15463a
Bekanntmachung.
Dienstag, 26. Auguſt I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
ſoll die der Firma Bruſt & Poſt,
vormals P. Graef, Geſellſchaft
mit beſchränkter Haftung, zu
Darm=
ſtadt zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur S. qm
XVI 175 3382 Hofreite im
Bach=
gang 20,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K52/13
Darmſtadt, 16. Juli 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,15746
Der Dragoner Hugo Baumann
2 der 3. Eskadron Garde=
Dra=
goner=Regiments Nr. 23, geb. am
Berlin, Preußen, iſt von ſeinem
Derſelbe war bekleidet mit
eige=
nem Waffenrock, langer Tuchhoſe,
eigenen Stiefeln, eigenem Degen
mit Koppel und eigener Mütze.
Kennzeichen:
Größe: 170 cm,
Geſtalt: ſchlank,
Kinn: gewöhnlich,
Raſe:
Mund: klein,
Haare blond.
Beſondere Kennzeichen:
Narbe rechter Oberſchenkel, rech=
Um Verhaftung wird erſucht.
Darmſtadt, 19. Juli 1913.
Garde=Dragoner=Regiment
Nr. 23. (15749
Evangel. Martinsgemeinde Darmſtadt.
Bei der am 18. Juli vorgenommenen Ergänzungswahl für die
Gemeindevertretung ſind nachbenannte Herren gewählt worden:
I. Auf 10 Jahre:
1. Breitbarth, Georg,
Poli=
zeikommiſſär
2. Dauber, Ferdinand,
Rech=
nungsrat
3. Hoffmann, Karl,
Haupt=
lehrer
4. Huff, Georg, Hauptlehrer
5. Junack, Guſtav, Werkmſtr.
6. Neiter, Friedrich, Großh.
Silberverwalter
7. Rittershofer, Karl,
Kanz=
leiinſpektor
8. Roth, Georg, Kaufmann
9. Sachs, Georg, Kaufmann
10. Seibel, Karl, Landwirt
11. Beck, Georg Adam, Ober=
Poſt=
aſſiſtent
12. Deſor, Ludwig, Schloſſer
13. Daubert, Heinrich,
Oberrech=
nungsreviſor
14. Eſcher, Georg, Lehrer
15. Fey, Chriſtoph, Landwirt
16. Hannes, Otto, Fabrikant
17. Himmler, Wilh., Zimmermann
18. Hof, Karl, Lehrer
19. Hofferbert, Adam, Kanzliſt
20. Hundsdorf, Peter, Monteur
21. Klockow, Friedrich, Kaufmann
22. Kraft, Friedrich, Kanzleirat
23. Mathay, Anton, Lehrer
24. Möſer, Ludwig, Landwirt
25. von Oetinger, Auguſt, Baron
26. Pfeiffer, Chriſtian. Kaufmann
27. Roſignol, Philipp, Oberrech
nungsreviſor
28. Sauer, Philipp, Formſtecher
29. Scheidler, Georg,
Schneider=
meiſter
30. Spuck, Jakob, Fleiſchbeſchauer
31. Stumpf, Georg, Wagnermſtr.
32. Weber, Friedrich,
Hoftheater=
feuerwächter
3. Würthele, Georg, Schriftſetzer
34. Zeißler, Julius, Kaufmann
35. Windiſch, Friedrich,
Polizei=
wachtmeiſter.
II. Auf 5 Jahre:
1. Gründler, Adam,
Landwirt
Geſamt=
2. Rüdiger, Friedrich, , gemeinde=
Eiſenbahn=Ob.= vertretung
ſekretär
3. Brencher, Karl, Eiſenbahn=
Oberſekretär
4. Freidel, Georg, Handarbeiter
5. Grohé, Georg, Vergolder
6. Knell, Ludwig, Ober=
Poſt=
aſſiſtent
7. Sang, Philipp, Techniker
8. Schminke, Heinrich,
Miniſterial=
kanzliſt
9. Specht, Karl, Ober=Poſtaſſiſtent
O. Vogt, Jakob, Bäckermeiſter
1. Wolf, Ludwig,
Oberlandes=
gerichts=Kanzliſt.
Es wird dies mit dem Bemerken bekannt gemacht, daß die
Wahlurkunden — jedoch ohne Stimmzettel — an drei Tagen, nämlich
am 22., 23. und 24. Juli, von vormittags 8 Uhr bis nachmittags
5 Uhr, im Pfarrhaus, Heinheimerſtr. 41, zur Einſicht offen liegen.
Beanſtandungen des Wahlverfahrens oder der geſetzlichen Befähigung
eines Gewählten können nur binnen 8 Tagen, vom 22. Juni an
ge=
rechnet, bei dem Dekanats=Ausſchuß geltend gemacht werden.
Darmſtadt, am 21. Juli 1913.
Der Kirchenvorſtand der evangel. Martinsgemeinde.
Widmann, Pfarrer.
(15760
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 23. Juli 1913, vormittags 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 (Reſtauration „zur
Roſenhöhe‟) dahier
verſchiedene Möbel, als Kleiderſchränke, Vertikos, Diwans,
Nachtſchränkchen, Trumeauſpiegel, Tiſche, Stühle,
Blu=
mentiſche, Notenſtänder, 1 Klavierſtuhl, Pianinos,
1 Regulator, Spiegelſchränke, Sofas, 1 vollſt. Bett,
1 Ruhebett, Schreibtiſche, Seſſel, Kommoden, 1 Büfett,
Oel=
gemälde, ferner 1 Fußteppich, Hirſchgeweihe,
Schreib=
maſchinen, 1 Nähmaſchine, 1 Eisſchrank, 1 Fleiſchmühle,
Ladenregale, Ladentheken, eiſ. Behälter, 2 Grammophone,
1 Pult, 1 Büroſchrank, Brockhaus Lexikon, Bohrmaſchinen,
Schraubſtöcke, 1 Eiſenſcheere, Amboſſe und 1 Landauer
durch den Unterzeichneten zwangsweiſe verſteigert.
(15768
Die Verſteigerung der fettgedruckten Sachen findet ſicher ſtatt.
Berbert, Gerichtsvollzieher.
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 23. Juli 1913, nachm. 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokale „Zur Ludwigshalle” (
Ober=
gaſſe) zwangsweiſe gegen Barzahlung:
1 Spieldoſe. 1 Schreibmaſchine, 1 Dampfmaſchine,
1 Pferd (Fuchswallach mit Bläſſe), 1 Sprechapparat,
diverſe Uniformſtücke, 1 Glas=Aufſatz zu einer
Laden=
theke, ſowie Hausmobilien durch alle Rubriken.
Darmſtadt, 21. Juli 1913.
(15779
Beyer,
Stellvertreter des Gerichtsvollziehers Kapp.
Oeffentliche Impfung.
Unentgeltliche Impf= und Nachſchautermine finden, ſolange
Be=
dürfnis, jeden Mittwoch, nachmittags von 5—6 Uhr, im
Schul=
haus in der Rundeturmſtraße für im Vorjahr geborene, ſowie für
iltere mit der Impfung im Rückſtande verbliebenen Kinder ſtatt.
Darmſtadt, den 24. Juni 1913.
(14133a
Der Oberbürgermeiſter
I. V.: Jgeger.
Platzergebung für die Rirchweihe 1913
in der Gemeinde Eberſtadt (Kreis Darmſtadt).
Montag, den 28. Juli 1913, nachmitttags 3 Uhr,
ſollen auf dem Büro der Großh. Bürgermeiſterei Eberſtadt die Plätze
zur Aufſtellung einer größeren Schaubude, wie z. B.
Kinemato=
graph uſw., einer Schießbude, verſchiedener Galanterie= und
Zuckerwarenſtände, anläßlich der am 10. und 11. Augnſt d. Js.
ſtattfindenden Kirchweihe öffentlich meiſtbietend verſteigert werden.
Die Bedingungen ſind vorher bei uns einzuſehen. Bemerkt wird, daß
die Hälfte des Steigbetrags ſogleich bei der Verſteigerung entrichtet
werden muß.
Eberſtadt, den 18. Juli 1913.
(15748
Großh. Bürgermeiſterei Eberſtadt.
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Strickmaſchinen werb. Anzahl.
30—50 Mk. Proſpekte gratis.
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3½ Deutſche Reichsanl. . 84,50
74,40
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg. 98,60
84,30
3½ do. Conſols .
74,40
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 97,70
90,60
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 98,70
82,75
do.
3½
73,40
do.
3
4 Hamburger Staatsanl. 98,00
4 Heſſ. Staatsanleihe . 98,20
3 do. do. (unk. 1918) 96,80
82,70
do.
3½
72,50
do.
75,50
4 Sächſiſche Rente.
4 Württemberg unk. 1921 97,10
do. v. 1900 94,10
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 93,40
1¾ Griechen v. 1887 55,75
4 Italiener Rente . . 100,00
4½ Oeſterr. Silberrente
4 do. Goldrente . . . 89,90
4 do. einheitl. Rente 81,20
3 Portug. unif. Serie I 62,00
3 do. unif. Ser. III 64,90
3 do. Spezial . . . . 9,90
5 Rumänier v. 1903 .
4 do. v. 1890 . . 92,30
4 do. v. 1905 . . 86,00
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 88,20
89,50
4 do. v. 1902 .
99,50
4½ do. v. 1905 .
85,80
3½ Schweden . .
4 Serbier amort. v. 1895 78,30
4 Türk. Admin. v. 1903 78,00
4 Türk. unifiz. v. 1903
4 Ungar. Goldrente . . . 83,40
4 do. Staatsrente. . . 80,60
Z.
In Brot.
5 Argentinier
. 99,00
81,50
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 88,40
5 Chineſ. Staatsanleihe. 97,40
4½
89,40
do.
4½ Japaner . . . . .
90,20
76,50
5 Innere Mexikaner.
3
50,00
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 73,50
5 Gold=Merikaner . .
3 Buenos Aires Provinz 65,30
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika=
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7 Nordd. Lloyd . . . . . 119,00
6½ Südd. Eiſenb.=Bef. . 125,50
Aktienausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 403 . . 111,75
6 Baltimore und Ohio . 96,20
6 Schantungbahn . . . . 1191,
8 Luxemb. Prince Henri 158,25
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 257
6 Pennſylvania R. R. . 110,00
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger
62,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik
.544,50
14 Chem. Fabrik Gries=
.233,50
heim
30 Farbwerke Höhſt . . 598.50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 328,00
10 Cement Heidelberg . . 138,60
30 Chem. Werke Albert 439,75
14 Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 312,00
—5 Lahmeyer. . . . . . . 122,50
In Proz.
Letzte
Divid
8 Schuchert, Nürnberg 147,50
12 Siemens & Halske 215,00
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30 Adler=Fahrradwerke
411,00
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9 Maſchinenf. Badenia 140,00
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9 Steana Romana Petr. 151,00
15 Zellſtoff Waldbof . . 219,00
12,83 Bad. Zucker=Wag=
. 203,00
häuſel.
0 Neue Boden=A. A.=Beſ. 73,30
0 Südd. Immobilien . 48,50
Bergwerks=Aktien.
167,25
10 Aumetz=Friede .
14 Bochumer Bergb. u.
.. . . 218,00
Gußſt.
11 Deutſch=Luxemburg.=
.145,40
Bergb.
.179,80
10 Gelſenkirchener .
186,00
9 Harpener
18 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 248,75
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
76,30
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6 Laurahütte . . . . . . 164,75
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 178,00
13
7½ South Weſt Africa 112,50
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Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 88,50
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . .
4 Franz=Jofefs=Bahn .
3 Prag=Durer . . . . . . 71,10
5 Oeſterr. Staatsbahn . 100,90
4 Oeſterr. Staatsbahn . 86,90
74,90
do.
5 Oeſterr.=Südb. (Lomb.) 95,30
20g
4.
In Proz.
Zf.
2¾/10 Oeſt. Sädb. (Lomb.) 51,90
74,50
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn
84,80
4 Ruſſ. Südweſt. .
4½ Moskau=Kaſan . . . 92,60
84,50
do.
4 Wladichawchas . . . . 85,50
85,00
4 Rjäfan Koslow . .
3 Portugieſ. Eiſenb. .. 70,00
do.
67,20
2¾/10 Livorneſer
3 Salonique=Monaſtir . 60,00
78,80
4 Baadadbahn .
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 92,10
4 Miſſouri=Paciſic. . .
4 Northern=Paciſie . . . 94,20
4 Southern=Pacifie
88,50
5 St. Louis und San
Franeisco. . . . .
5 Tehnanteper . . . . .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zſtrich . . 192,20
7½ Bergiſch=Märkiſche
142,20
Bahn .
9½ Berlin. Handelsgef. .159,25
6½ Darmſtädter Bank 113,75
12½ Deutſche Bank . . . 248,90
6 Deutſche Vereinsbank . 114,75
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 112,40
10 Diskonto=Kommandit 181,00
8½ Dresdener Bank 148,75
10 Frankf. Hypoth.=B. 206,00
6½ Mitteld. Kreditbank 113,90
7 Nationalb. für Deutſchl. 114,00
7 Pfälziſche Bank. . . . 122,90
.133,00
6,95 Reichsbank
7 Rhein. Kreditbank. . .127,25
5 A. Schaaffhauſen.
.108,00
Bankverein .
7½ Wiener Bankverein . 128,50
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. .16.005 . . 94.90
InProz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
85,40
S. 19. .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
94,00
S.52 . .
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 95,00
84,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 97,40
3½
84,40
do.
4 Heff. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
96,80
S. 14, 15, 17, 24/26
96,80
18—23. . . . . . .
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8 .
84,40
S. 3—5
83,90
S. 9—11
84,30
4 Meininger Hyp.=Bank 95,50
3½
84,40
do.
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 94,80
3½ do. (unk. 1914) . . 83,40
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 97,80
3½
84,80
do.
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt .
86,20
3½ do.
96,30
4 Frankfurt.
96,00
3½ do.
4 Gießen
85,00
3½ do.
93,80
4 Heidelberg
84,00
do.
4 Karlsruhe
do.
4 Magdeburg.
31
do.
4 Mainz
95,10
do.
84,50
94,80
4 Mannheim
89,00
do.
94,70
München
z Nauheim
97,00
4 Nürnberg.
3½ do.
83,50
4 Offenbach.
In Proz.
3½ Offenbach
4 Wiesbaden .
86,00
3½ do.
94,00
4 Worms.
85,00
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100
3 Holl. Komm. . fl. 100 108,90
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . . . 136,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe 176,60
3 Oldenburger . . . . 125,00
2½ Raab=Grazer fl. 150 111,50
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger. . . . fl. 7 35,00
Braunſchweiger Tlr. 20 199,80
Freiburger . . . . Fs.15
Mailänder . . . . Fs. 45 169,50
do. . . . . Fs.10
Meininger . . . . . fl. 7
Oeſterreicherv. 1864fl. 100 560,00
do. v. 1858fl. 100 496,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . Fs. 400 157,60
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Engl. Sovereigns . . . . 26,40
16,25
20 Franks=Stücke .
Amerikaniſche Noten . . . 4,18½
Engliſche Noten . . . . . 20,42
Franzöſiſche Noten. . . . 81,10
Holländiſche Noten. . . . 168,60
78,75
Italieniſche Noten . .
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,60
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heiten” betreffend, nichts anderes als Scheinangebote ſind, deren
Zweck darin beſteht, unerfahrene Erfinder zunächſt zur Nachſuchung
hochzubezahlender Schutzrechte von ſehr zweifelhaftem Werte zu
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anlaſſen, während ſpäter die Verwertungsübernahme entweder direkt
abgelehnt oder eine faſt ſtets unfruchtbare Scheinverwertung
einge=
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Wie wir vergeben unſern
Schuldigern
Roman von E. Krickeberg.
(Nachdruck verboten.)
1. Kapitel.
Anita von Drewensberg hatte am Flügel geſeſſen und
geſungen. Nun erhob ſie ſich mit einer Gebärde der
Un=
geduld und ſchritt ruhelos im Zimmer auf und ab. Sie
hatte gehofft, die Muſik, die ſonſt ihr Troſt in den
Stun=
den zehrenden Herzwehs war, würde ihr inneres
Gleich=
gewicht wiederherſtellen. Diesmal aber hatte ihre Kraft
verſagt.
Die junge Frau war eine blendende Schönheit trotz
des Ausdrucks ſtillen Grams, der ihren Zügen einen
Hauch von Schwermut gab, eine Heroinengeſtalt von
majeſtätiſchem Wuchs. Das glänzende, rötlich ſchimmernde
Braun ihres Haares vereinte ſich mit dem matten, weichen
Weiß ihrer Haut zu ſchönſter Harmonie, und das tiefe
Schwarz ihrer Trauerkleidung gab ihrer diſtinguierten
Erſcheinung ein eigenartiges Relief. Eine vornehme,
ſtolze Frau, die hineingehörte in die feudale Umgebung
dieſes Zimmers, — ein Herrenzimmer mit altdeutſchen,
maſſiven, reich geſchnitzten Eichenmöbeln, auf denen das
Drewensbergſche Wappen prangte; ſchwere Vorhänge von
ſattem Rot vor den Türen und als Abſchluß des mit
Butzenſcheiben geſchmückten Erkers mit ſeinem lauſchigen
Plaudereckchen ein koſtbarer Gobelin hinter dem Diwan;
nachgedunkelte Gemälde an den Wänden, und auf
Bor=
den und Schränken zinnerne Krüge und Humpen. Eine
etwas altmodiſche Pracht, die ſicher ſchon von Generation
auf Generation des altadligen Geſchlechts vererbt worden
war. Der Flügel mit ſeiner modernen Außenſeite wollte
nicht recht hineinpaſſen in dieſe Umgebung, und
ebenſo=
wenig das in flotter neumodiſcher Manier gemalte,
lebensgroße Porträt des ſchneidigen, jungen Offiziers mit
dem ſprechend lebensluſtigen Ausdruck im raſſigen Geſicht.
Als mit dem Tode ihres heißgeliebten Gatten vor
mehr als einem Jahre die Herrlichkeit ihrer jungen Ehe
zuſammenbrach, hatte Anita von Drewensberg willig, mit
einem ſtolzen Lächeln, der Not des Lebens die eigenen
Beſitztümer zum Opfer gebracht, um ſich dies Tuskulum
ihres Gatten retten zu können.
Langſam wanderte ſie auf und nieder. Im
Neben=
zimmer ſang ein ſüßes Kinderſtimmchen: O Tannenbaum,
o Tannenbaum, haſt Du mal ſchöne Blätter! Sie blieb
lauſchend ſtehen und ein glückſeliges Lächeln huſchte für
einen Augenblick wie ein Sonnenſtrahl über ihr blaſſes
Geſicht. Dann nahm ſie ihren ruheloſen Spaziergang
wieder auf.
Allmählich wurde ſie ungeduldig. Ihr Blick ſuchte
prüfend die Uhr.
Bald ſechs, murmelte ſie. In wenigen Minuten muß
er da ſein. Nach Heinz’ Schilderung iſt ſein Bruder ein
Pedant, und Pedanten ſind pünktlich.
Sie preßte die Hände zuſammen und blieb vor dem
Bilde ihres Gatten ſtehen. Heinz, Heinz, gib mir Kraft!
— Es iſt ſo widerwärtig — ſo niedrig — aber ich muß
es ja doch durchfechten — ich muß!
Jetzt holte die Uhr zum Slage aus. In demſelben
Augenblick wurde die Korridorglocke gezogen.
Eie ſchat niemen, Andintrich ſchr ihre Hand
nach dem Herzen. Dieſe Pünktlichkeit hatte etwas
Erbar=
mungsloſes. Einen Augenblick ſchien die Kraft ſie
ver=
laſſen zu wollen. Sie rang die Hände ineinander und
ſchickte einen Blick der Qual zu dem Bilde hinauf. Das
Läuten wiederholte ſich lauter, energiſcher. Da raffte ſie
ſich zuſammen und ging öffnen. Das eiſerne „Muß” ſtand
hinter ihr.
Ein Herr begrüßte ſie mit einem höflich kühlen Guten
Tag! — Mein Name iſt Eberhard von Drewensberg.
Habe ich die Ehre, die Frau meines Bruders zu ſprechen?
Bitte, ſagte ſie, kaum die Lippen öffnend. Wollen Sie
gefälligſt eintreten? Und ſie ſchritt ihm voraus in das
Zimmer zurück.
Er hatte den Mantel im Korridor abgelegt und folgte
langſam. Ueberhaupt waren ſeine Bewegungen gemeſſen,
ließen ihn älter erſcheinen, als er mit ſeinen
zweiund=
dreißig Jahren war. Sein ſchmales, hageres Geſicht mit
dem ſpitzen Vollbart hatte nicht eigentlich ſchöne, aber
ausdrucksvolle Linien. Ueber der weißen Stirn war das
Haar ſchlicht geſcheitelt, die braunen Augen blickten klug
und kühl.
Der klare, kalte Apriltag neigte ſich ſeinem Ende
ent=
gegen. Die brennend roten Strahlen der untergehenden
Sonne fielen gedämpft durch die Butzenſcheiben, gerade
auf das Bild des jungen Offiziers, und verliehen ihm
mit ihrem warmen Licht einen Ausdruck frappierender
Lebendigkeit.
Das Bild traf der Blick des eintretenden Mannes
zuerſt. Er erſchrak, und ein peinliches Empfinden
ſpie=
gelte ſich auf ſeinem Geſicht — — und doch wandte ei
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die Augen nicht zur Seite. Wie er ſo ſtand und miti
großen, fragenden Blicken zu dem Verſtorbenen aufſah,
war die Aehnlichkeit zwiſchen den beiden Männern
un=
verkennbar,nur erſchien das, was bei jenem ſich als
hei=
tere Genußfreudigkeit offenbarte, bei dieſem als
gehalte=
ner Ernſt. In dieſem Ausdruck war auch der Grund zu
ſuchen, daß das Geſicht auf dem Bilde ſo viel ſchöner
er=
erſchien, als das des Mannes vor ihm, denn die Formen
Beider glichen einander auffallend.
Unwillkürlich drängte ſich der jungen Frau dieſe
Be=
merkung auf, und ſie mußte ſich geſtehen, daß auch ihr
Mann manchmal — ja in der letzten ſorgenvollen Zeit
recht häufig — dieſen ernſten, grübleriſchen Ausdruck in
den Augen gehabt hatte, der den Bruder charakteriſierte.
Es war erſtaunlich, wie ſehr die beiden Brüder einander
ähnlich ſahen.
Sie ſtand zum erſtenmal einem Mitglied der Familie
ihres verſtorbenen Gatten gegenüber, und daß ihr da
ſo=
gleich das Ebenbild ihres Mannes entgegentrat, trug nicht
dazu bei, ihre erkünſtelte Faſſung zu erhöhen. Ihr Herz
klopfte ſtürmiſch, und ſie mußte ſich zwingen, die
einfach=
ſten Formen der Höflichkeit zu wahren.
Wollen Sie gefälligſt Platz nehmen, mein Herr?
Langſam wandte er ſich ihr zu: Wollen wir . . . hier
. . die geſchäftliche Angelegenheit beſprechen?
Gewiß, mein Herr!
Er hüſtelte leicht. Hm — deucht es Ihnen nicht
peinlich, gnädige Frau, hier — unter dieſen Augen . . .
Keineswegs, Herr von Drewensberg, unterbrach ſie
ihn mit feſtem Ton. Jetzt hatte ſie ſich vollkommen
wie=
der in der Gewalt. Dieſe Augen werden mir Kraft
geben, auf dem Standpunkt auszuharren, den ich als
Mutter meines Kindes annehmen muß.
Nun, wie Sie wollen! ſagte er kalt.
Er ſchob den angebotenen Seſſel ein wenig zurück
aus dem Bereich der toten Augen, die mit unheimlicher
Beharrlichkeit auf ihn herniederblickten, und ließ ſich in
ſeiner gemeſſenen Weiſe darauf nieder.
Mein Mann hat während ſeiner kurzen Krankheit
nicht Zeit gehabt, Beſtimmungen für den Fall ſeines
Todes zu treffen. Er war überhaupt ſehr unerfahren in
geſchäftlichen Dingen.
Das kann man von Ihnen nicht ſagen, konnte er ſich
nicht enthalten einzuwerfen.
Sie hob den Kopf und ſah ihn groß und ruhig an
Der Zwang iſt ein guter Lehrmeiſter, Herr von
Dre=
wensberg! Zum erſtenmal ruhten ihre Blicke voll
in=
einander, und es mußte etwas in dem der jungen Frau
liegen, das ihn peinlich berührte. Langſam wandte er
ſeine Augen zur Seite.
Wie ſeltſam ſie klang, dieſe förmliche Anrede mit dem
Namen, den doch auch ſie trug.
In dieſem Augenblick ſetzte nebenan wieder der
Kin=
dergeſang mit erhöhter Stimme ein: O Tannenbaum,
o Tannenbaum, haſt Du mal ſchöne Blätter.
Die junge Frau erhob ſich haſtig und zog die Tür
zum Nebenzimmer feſt ins Schloß. Als ſie ſich ihrem
Be=
ſucher wieder zuwandte, ſaß er lauſchend vorgebeugt, ſein
Geſicht war gerötet, doch wie er ihrem fragenden Blick
begegnete, nahm er ſich zuſammen. Und er begann auch
ſogleich wieder in dem alten geſchäftsmäßigen Ton: wenn
auch etwas haſtiger wie vordem:
Es ſcheint alſo, daß wir auch mündlich nicht weiten
kommen werden, wie mit all den endloſen ſchriftlichen
Verhandlungen. Sie wollen auf keinen Vergleich
ein=
gehen?
Nein, mein Herr, ich beſtehe auf dem Buchſtaben des
Geſetzes.
Sie hatte noch nicht wieder Platz genommen. Zu
ihrer vollen imponierenden Höhe aufgerichtet, ſtand ſie
vor ihm, Würde und Unnahbarkeit in der Haltung und
den Ausdruck eines eiſernen Entſchluſſes im Auge. Und
doch hatte ihr Geſicht etwas Zartes, Weiches, und ein
ſchmerzliches Zucken ging um ihren Mund.
Sie war eine von jenen Frauen, die klar und ruhig
urteilen und zur Nachgiebigkeit und Verſöhnlichkeit neis
gen, ſo lange nur der Verſtand beteiligt iſt, die aber
ſtreng, ja ſtarrköpfig auf den Forderungen des Herzens
beſtehen — eine von den Frauen, die nur mit dem
Her=
zen leben.
Eberhardt ſah mit dem Ausdruck unverhohlener
Be=
wunderung zu ihr auf. Er hatte gewußt, daß ſeine
Schwägerin ſehr ſchön ſei, denn ſein ſtolzer, verwöhnter,
anſpruchsvoller Bruder hatte ſie, die arme, bürgerliche,
unbedeutende Schauſpielerin, allen Schönheiten ſeiner
eigenen Kreiſe vorgezogen — und doch war er auf dieſen
blendenden Eindruck nicht vorbereitet geweſen. Aber er
durfte ſich von ihrem Aeußern nicht berücken laſſen. Ex
war nicht hierher gekommen aus eigenem Antrieb oder
im eigenen Intereſſe, ſondern als Vertreter der Rechte ſeis
ner Familie, und da mußte ſein Kopf klar und ſein Wille
feſt bleiben.
Sie nehmen alſo, um die fragliche Sache abſolut klar
zu ſtellen, das Fideikommißgeſetz des Geſchlechtes
Dre=
wensberg, das dem älteſten Sohne der Familie und
ſei=
nen Nachkommen die Nachfolge im Majorat zuſchreibt,
für Ihren Sohn in Anſpruch? ſagte er vollkommen
ge=
laſſen. Sie vergeſſen aber, daß dieſer Sohn aus einer
Mesalliance hervorgegangen und alſo nicht
erbfolgebe=
rechtigt iſt.
Von meinem Manne weiß ich, daß kein
diesbezüg=
licher Paragraph im Familiengeſetz exiſtiert.
(Fortſetzung folgt.)
Sport, Spiel und Turnen.
* Pferdeſport. Rennen zu Grunewald. Preis
von Oelber; 5000 Mark, Diſtanz 2000 Meter: 1. Herrn von
Weinbergs Nikias, 2. Saul. Tot. 30:10. — Graditz=
Rennen; 13000 Mark, Diſtanz 1800 Meter: 1. Herrn R.
Haniels Tampa, 2. Poltergeiſt, 3. Lockruf. Tot. 36:10.—
Steinach=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1.
Ge=
ſtüt Mydlinghovens Prinz von Sagan, 2. Kronjuwel,
3. Silex. Tot. 111:10. — Kincſem=Rennen; 25000 Mark,
Diſtanz 2400 Meter: 1. Frhrn. S. A. von Oppenheims
Dolomit, 2. Pelleas, 3. Kairo. Tot. 14:10. — Puchhof=
Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Herrn von
Schmieders Droſſelbart, 2. Miſchief, 3. Jota. Tot. 38:10.
— Flieger=Handikap; 7200 Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1.
Herrn R. Haniels Orinoco, 2. Orlov, 3. Dichtung. Tot.
37110. — Wald=Jagdrennen; 6000 Mark, Diſtanz 4000
Meter: 1. Herrn Solloways Pfeffermünz, 2. South, 3.
Senſible Symons. Tot. 114:10.
sr. Das dreitägige Meeting in Doberan
brachte am Samstag, dem Eröffnungstage, dem Königl.
Hauptgeſtüt Graditz einen Doppelerfolg. Im Paul
Fried=
rich=Rennen führte Haparanda vom Start bis ins Ziel
und gewann ſicher um einen Hals gegen Mac Intyre. Auch
im Erinnerungsrennen für Zweijährige beherrſchte die
Graditzerin Acropolis vom Start bis ins Ziel überlegen
die Situation. Paul Friedrich=Rennen; Goldene Peitſche
und 5500 Mark, Diſtanz 2000 Meter: 1. Königl.
Haupt=
geſtüt Graditz’ Haparanda, 2. Mac Intyre, 3. Madge
Whinſtone. Tot. 22110. — Alexandrinen=Rennen;
Ehren=
preis und 2000 Mark, Diſtanz 2000 Meter: 1. Graf A.
Henckels Matador, 2. Bob, 3. Counterſhaft. Tot. 32110.
Erinnerungs=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 950 Meter:
1. Geſtüt Graditz’ Acropolis, 2. Rabenſteiner, 3. Freund
Fritz. Tot. 21:10. — Graf Pleſſen=Rennen; 6500 Mark,
Diſtanz 2200 Meter: 1. Graf A. Henckels Rancho, 2. Rex II,
3. Thereſe. Tot. 21:10. — Mecklenburger Jagd=Rennen;
Ehrenpreis und 3000 Mark, Diſtanz 4000 Meter: 1. Herrn
M. Lückes Samum, 2. Rothaut, 3. Palin. Tot. 29110.
— Offizier=Jagdrennen; Ehrenpreis und 1500 Mark, Diſt.
4000 Meter: 1. Prinz Friedrich Sigismunds Colclough II,
2. Lynch=Law, 3. Wood. Tot. 16:10.
sr. Der Große Preis von Dortmund, ein
mit 20000 Mark ausgeſtattetes Jagdrennen, ging am
Sonntag bei ſtarkem Beſuch vor ſich. Das über 4500 Meter
führende Rennen ſah zehn Pferde am Start und endete
mit einer Ueberraſchung. Die Favoriten Perdita und
Herodes führten vor Aegir, Doppelgänger und dem Rudel,
an deſſen Ende Niſſa galoppierte. Auf der den Tribünen
gegenüberliegenden Seite kam Doppelgänger zu Fall
und=
im Bogen ſtürzte Singberg. Herodes und Perdita
ſonder=
ten ſich dann von dem Felde ab und fochten einen ſcharfen
Kampf aus, in dem der von Jockei Weishaupt geſteuerte
Herodes nur um einen Kopf Sieger blieb. Fünf Längen
zurück wurde Oberbayer Dritter vor Niſſa. Tot. 84:10.
sr. Rennen zu Kreuznach. Erſtes Rennen: 1.
Zobten (Leutn. von Moßner), 2. Madelaine, 3. Wolfram.
Lot. 21:10. — Zweites Rennen: 1.— Korfu (Lt. Zeltmann),
1.— Soupeur (Graf Holck), 3. Lady Scholar. Tot. 7110.
Drittes Rennen: 1. Marder (Leutn. Graf Holck), 2. Vor,
z. Succurs. Tot. 47110. — Viertes Rennen: 1. David II
Leutn. v. Moßner), 2. Bretty Swift, 3. Recluſe. Tot.
15:10. — Fünftes Rennen: 1. Athonis (Lt. Graf Holck),
2. I hope ſo, 3. Hallack. Tot. 22:10. — Sechſtes Rennen:
Suhogo (Lt. Graf Holck), 2. Hilda, 3. Girlamund.
Jot. 27110.
sr. Der Preis von Schönau, ein mit 30000
dronen ausgeſtattetes Hürdenrennen für Dreijährige, kam
m Sonntag, dem Eröffnungstage der Rennen zu
Kot=
ingbrunn als Hauptnummer zur Entſcheidung. Das
400 Meter=Rennen wurde von 6 Pferden beſtritten und
ndete mit dem Siege des Favoriten Andulko des Herrn
on Szemere, der leicht mit anderthalb Längen gegen Dal=
’s gewann. Erſt ſechs Längen zurück folgte Biro II als
pritter. Tot. 24110.
r. Rennen zu Saint=Cloud. Prix Trocadero;
0000 Francs, Diſtanz 1600 Meter: 1. Monſ. M. de
Roth=
hilds Beaute du Diable, 2. Maboul III, 3. Blarney.
ot. 68:10. — Handikap d’Ete; 10000 Francs, Diſtanz
300 Meter: 1. Monſ. L. Prates Genille, 2. Antonine,
Champoreau. Tot. 58:10.
* Radſport. Der Große Preis von Eſſen,
n Dauerrennen über 100 Kilometer in zwei Läufen zu
50 Kilometern, war am Sonntag nur ſchwach beſucht.
m erſten Lauf nahm Saldow die Spitze vor Janke,
Ryſer und Ebert und behielt dieſe auch bis zum Schluß.
Der Berliner ſiegte mit 370 Meter Vorſprung vor Janke.
Der zweite Lauf über ebenfalls 50 Kilometer ſah dann
durchweg Janke in Front vor Saldow: Da Saldow hier
390 Meter zurückblieb, ſo ſiegte im Geſamtklaſſement
Janke mit 99,630 Kilometer nur 20 Meter vor Saldow.
mit 99,610 Kilometer, Ryſer 90,920 Kilometer und Ebert,
der in beiden Läufen unter Motordefekten zu leiden hatte.
Die Fliegerrennen gewann der Berliner Lorenz auf
Polck=Reifen in überlegenem Stil vor Ritzenthaler.
sr. Die Radfernfahrt Rund durch Sachſen,
die am Sonntag auf der 300 Kilometer langen Rundſtrecke
von Dresden über ChemnitzZwickau-Leipzig-Meißen
nach Dresden zum Austrag kam, verlief ohne beſondere
Zwiſchenfälle. Es ſtarteten 35 Berufsfahrer und 43
Ama=
teure. Aberger gewann im Endſpurt mit einer Länge
in 10 Stunden 8 Minuten 37,4 Sekunden; einer Zeit, die
gegen des vorjährigen Siegers Fritz Schallwig um eine
volle Stunde beſſer iſt. Die nächſten Plätze beſetzten Bauer=
Charlottenburg 10.08:55, Walloſchek 10117147, Hübner=
Dresden 10:21147, Rieder=München, vier Längen zurück,
Schulze=Trebbin 10:27:51, Dottſchadis=Berlin 10:28:15,
Fahle=Trebbin, vier Längen zurück. In der Klaſſe der
Amateure ſiegte Peukert= Dresden in 10148:28 vor
Schnelle=Dresden, 1 Minute zurück, und Fiſcher=Dresden.
* Fußballſport. Darmſtädter
Fußballver=
ein. Am Sonntag konnte der Darmſtädter
Fußballver=
ein auf dem Sportfeſte des F.=C. Olympia=
Weiter=
ſtadt folgende Preiſe erringen: Im 10 Kilometer=
Wett=
gehen den 1. Preis; im 100 Meter=Laufen den 1. Preis;
im 400 Meter=Laufen den 1 Preis; im Fußballweitſtoß
den 2. Preis im Pokal=Sechſerſpiel der Klaſſe A den
2. Preis.
Bei dem am Sonntag von dem F.=C. Olympia=
Weiterſtadt 1910 veranſtalteten Pokal=Spiel mit
olympiſchen Spielen konnte der F.=C. Teutonia=
Weiterſtadt 1911 folgende Preiſe erringen: 1. Preis,
Klaſſe A, 2. Preis in Klaſſe C. Die Mitglieder K. Petri
im Fußballweitſtoß 1. Preis, L. Beſt im 1000 Meter=
Laufen 1. Preis, W. Wesp im 400 Meter=Laufen den
2. Preis, A. Royer im 100 Meter=Laufen den 2. Preis,
und E. Schmitt (der ſich das erſtemal beteiligte) im 200
Meter=Laufen den 4. Preis.
* Leichtathletik. Internationale
Leichtath=
letiſche Wettkämpfe in Straßburg i. Elſ.
Von den ausländiſchen Leichtathleten hatte der Pariſer
Heuet einen Doppelerfolg zu verzeichnen. Er gewann das
1500=Meter=Rennen in 4 Minuten 18,8 Sekunden vor
Dangel=Straßburg und Caro=Paris, ſowie das 5000=
Meter=Laufen in 16 Minuten 6,8 Sekunden vor ſeinem
Landsmann Fremont und Walz=Stuttgart. In der 3000=
Meter=Stafette wurde der Pariſer Metropolitainklub nur
Zweiter hinter dem Sportverein Straßburg nach 8:33,3,
und in der 1600=Meter=Stafette nur Dritter hinter dem
Sieger, Sportverein=Straßburg, nach 3143,2 und Verein
für Raſenſport=Mannheim. In den kurzen Strecken über
50, 100 und 200 Meter fand der Münchener Kern keinen
Gegner; er ſiegte jedesmal leicht, und zwar in 6,6 Sek.
gegen Heßler=Frankfurt und Lehmann=München, ferner in
11,2 Sek. gegen Lehmann=München und Bader=Frankfurt,
ſowie in 23,2 Sek. gegen Flory=Straßburg. Die anderen
Reſultate waren: 400=Meter=Laufen: 1. Perſon in 54,4 vor
Jacop=Paris und Pelliny=Paris. 300=Meter=Laufen: 1.
Amberger=Straßburg 2101,2, 2. Haas=Mannheim 2102,3,
3. Larſen=Kopenhagen. 110 Meter=Hürden=Rennen: 1.
Strick=Mannheim 16,4 Sek., 2. Halt=München, 3. Millot=
Paris. 1000 Meter Vorgabe: 1.=Engel=Straßburg, 2.
Kaſt=
ler=Mülhauſen, 3. Graf=Straßburg. Hochſprung: 1. Halt=
München 1,65 Meter, 2. Haaſe=Freiburg 1,60 Meter, 3.
Millot=Paris 1,55 Meter. Stabhochſprung: 1. Oberndorfer=
Frankfurt 2,90 Meter, 2. Maurer=Saarbrücken 2,80 Meter,
3. Haaſe=Freiburg 2,60 Meter. 400=Meter=Stafette: 1.
Turnverein München 44,8 Sek., 2. Fußballklub=Frankfurt,
3. Fußballklub Freiburg.
sr. Der Berufsgeher=Wettmarſch über 50
Kilometer um den Homburger Goldpokal wurde
am Sonntag von 21 Gehern, darunter vier Soldaten,
be=
ſtritten. R. Heiduck=Berlin, der Sieger des Jahres 1911,
zeigte ſich ſeinen Gegnern bei weitem überlegen und
be=
endete den von Homburg v. d. Höhe über Kirdorf,
Roß=
bach nach Nauheim und zurück führenden Marſch mit einer
halben Stunde Vorſprung in 4 Stunden 45 Minuten 27
Sekunden (Rekord) als Erſter. Als Zweiter paſſierte der
Unteroffizier Moll in 5117:38 das Ziel vor Charlis=
Hom=
burg in 5:26:00.
sr. Die Wagenfahrt des Allgemeinen Deutſchen
Auto=
mobilklubs (A. D. A.=K.) war auf der zweiten Etappe, die
Z te e n e eee ee
von Regensburg nach Salzburg führte, vom Wetter ſehr
wenig begünſtigt. In den Bergen ſtellten die ſchlüpfrigen
Straßen an die Fahrer erhebliche Anforderungen. Die
Bergprüfung auf dem Ruſelberg bei Deggendorf brachte
wieder einer Reihe von Teilnehmern Strafpunkte. In
Paſſau war Mittagsraſt. Nachmittags klarte das Wetter
auf. Die Fahrzeiten wurden aber erheblich überſchritten
und erſt in den ſpäten Abendſtunden erreichten die
Teil=
nehmer Salzburg. Die letzte Etappe führt nun von
Salz=
burg nach München über 288 Kilometer.
sr. Ein Internationales Automobil=
Meeting, an dem eine Reihe deutſcher Wagen
betei=
ligt iſt, veranſtaltet zurzeit der Automobil=Klub von
Turin anläßlich der in Turin ſtattfindenden
Internatio=
nalen Sportausſtellung. Das Meeting ſetzt ſich zuſammen
aus einer zweitägigen Zuverläſſigkeitsfahrt über 800
Kilometer und einer Schnelligkeitsprüfung über einen
Kilometer mit fliegendem Start. An der
Zuverläſſigkeits=
fahrt beteiligten ſich von 25 gemeldeten Wagen 17. Von
deutſchen Wagen ſtarteten 2 Benz, je ein Matthis,
Stoe=
wer, Sperber, Loreley und Oryx. Die Tagesetappe führte
über 440 Kilometer mit Start und Ziel in Vercelli. Zwei
Bewerber ſchieden aus, und zwar der deutſche Sperber=
Wagen und ein Aquila=Wagen. Die übrigen deutſchen
Bewerber beendeten die Fahrt in guter Zeit. Für das
Kilometer=Rennen ſind einige ſtarke Renn=Wagen
ge=
meldet, u. a. der 200=PS.=Benz=Wagen der den
Welt=
rekord hält, weiter ein 20=PS.=Fiat, ein 125=PS.=Opel
und ein 100=Ps.=Franco.
— Gauturnfeſt des Odenwald=Jahngaues. Der
Odenwald=Jahngau, der 29 Vereine mit 1500
Mitgliedern zählt, hielt am Sonntag in dem idylliſchen
Odenwaldort Mörlenbach ſein viertes
Gauturn=
feſt ab. Am Samstag abend war anſchließend an
Zapfenſtreich und Fackelzug ein Feſtbankett mit
turneri=
ſchen und humoriſtiſchen Aufführungen, ſowie
geſang=
lichen Darbietungen im Gaſthaus Zur Krone”
abgehal=
ten worden. Den Vormittag des Feſttages füllte das
Einzelwetturnen in Ober= und Unterſtufe, ſowie das
Ver=
einswetturnen in zwei Gruppen aus. Nachmittags fand
ein Feſtzug und daran anſchließend eine Feier auf dem
Feſtplatz ſtatt. Der Geſangverein „Cäcilia‟=Mörlenbach
unter Dirigent Schuhmacher ſang ein Begrüßungslied.
Vorſtand Stäckler hielt die Willkommensanſprache und
brachte das Kaiſerhoch aus. Frl. Eliſe Weber überreichte
mit einer Anſprache ein Fahnenband an den Turnverein
Mörlenbach. Fahnenträger Gg. Schmidt=Mörlenbach
wid=
mete eine Schleife und brachte ein Hoch auf die
Ehrenjung=
frauen aus. Erſter Feſtleiter Lehrer Knapp hielt die
Feſtrede. Dann fanden allgemeine Keulenübungen,
Turnen der Gaumuſterriege an 8 Barren, ſowie unter
Leitung von Gauturnwart Flößer aus Frankfurt a. M.
ein Schauturnen ſtatt. Viel Intereſſe erweckte auch ein
Keulenſchwingen der Damenriege. Kreisrat v. Hahn=
Heppenheim wohnte dem Feſtakt bei. Trotz der Ungunſt
des Wetters war die ganze heſſiſche und badiſche
Berg=
ſtraße ſehr ſtark vertreten. Den Schluß des Tages bildete
die Preisverteilung und Feſtball. Am Montag fand ein
Volksfeſt ſtatt.
* Berlin gewinnt den Städtekampf im Schwimmen
ge=
gen Budapeſt. Die aus Luber (Bruſt), Rauſch (Seite),
Leo (Rücken) und E. Otto (Hand über Hand) beſtehende
Berliner Mannſchaft hatte am Sonntag in der ungariſchen
Hauptſtadt einen vollen Erfolg zu verzeichnen.
Der in Geſtalt einer Lagenſtafette ausgetragene
Städte=
kampf wurde von Berlin nach heißem Kampf ſicher
ge=
wonnen. Auch die übrigen Hauptkonkurrenzen ſahen faſt
durchweg die Berliner Schwimmer in Front. Nur im
Rückenſchwimmen über 150 Yards um die Meiſterſchaft
von Budapeſt ſſiegte F. Kellner=Wien in 2 Minuten 1 Sek.
gegen Leo (Poſeidon=Berlin). Die weiteren Reſultate:
Bruſtſchwimmen: 1. Leo=Berlin; 400 Meter=Schwimmen:
1. Otto (Frieſen=Berlin) 5 Min. 50 Sek. Meiſterſchaft
von Budapeſt im Springen: 1. Luber (Poſeidon=Berlin).
Kürſpringen: 1. Luber=Berlin. Waſſerballſpiel Oeſterreich
gegen Ungarn. Oeſterreich gibt auf
sr. Um den Davis=Cup. Die Schlußrunde um den
Davis=Cup nahm am Samstag mit dem Herren=
Doppel=
ſpiel zwiſchen Amerika und Kanada ihren Fortgang. Die
Amerikaner Mac Loughlin und Hackett, die ſchon tags
zuvor die Einzelſpiele gewonnen hatten, bewieſen
wiederum ihre Ueberlegenheit und fertigten die
Kana=
dier Powell=Schwengers glatt 6—3, 6—3, 12—10 ab. Nach
dieſem Sieg von Amerika ſtehen ſich nunmehr in der
tächſten Woche Amerika und der Verteidiger des Pokals,
England, in Wimbledon gegenüber.
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den Kampf des Weltdedektivs Braun gegen
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Das Vollendetste das bis heute gezeigt wurde.
Die größte Sensation der Gegenwart.
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Eine glückliche Hunde-Familie
Ein trolliges Bild aus dem Leben einer Hundemutter.
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Der Schlangenmensch.
Aufsehenerregender Varietéakt.
Lillys Ziege.
Eine reizende Komödie.
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Auf vielseitigen Wunsch.
Großes Sensationsdrama in 3 Akten. — Wir
haben uns nicht gescheut, unserm Publikum mit
diesem Film eine erstklassige Einlage zu zeigen,
die einzig in ihrer Art dasteht. Ein Drama von
hinreißender Wirkung, aus dem Leben gegriffen,
zieht an unseren Augen vorüber. Die ersten
Künstler haben es meisterhaft verstanden, ihre
ganze Kunst, sei es im Spiel wie in der Mimik,
vollauf zur Geltung zu bringen u. wird dieses
Drama von Autoritäten mit Recht als ein
vollendetes Meisterwerk bezeichnet.
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unter Leitung des Obermusikmeisters H. Hauske.
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Wagner. „Die Bettlerin‟ Serenade von Becker.
„Das Heidegrab” von W. Heiser. „Wiener Blut‟,
Walzer von Strauß usw.
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Kinos unterrichtet Sie über alle Ereignisse der
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13 Einlage:
Der Panther Riri als Polizist.
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Kongreſſe und Verbandstage.
Verbandstag Deutſcher
Handlungs=
gehilfen.
— Breslau, 20. Juli. Unter Beteiligung von
Ver=
kretern der Regierung, für die u. a. Oberregierungsrat
Angerer=Breslau erſchienen war, des Magiſtrats der Stadt
Breslau, des Profeſſors Dr. Wenckſtern, als Vertreter der
Univerſität Breslau und der Handelskammern Breslau
und Oppeln begann geſtern im großen Saale der
Bres=
lauer Börſe der Vierte Verbandstag des
Ver=
bandes Deutſcher Handlungsgehilfen zu
Leipzig. Ferner waren anweſend die
Reichstagsabgeord=
neten Bergrat Gothein, Amtsrichter Warmuth und
Ver=
bandsſekretär Marquart, weiter Dr. v. Mangold=
Frank=
furt a. M., als Vertreter des Vereins für
Wohnungs=
reform, ſowie Abgeſandte der Reichsbank,
Oberpoſtdirek=
tion, des Breslauer Stadtverordnetenkollegiums, der
Ge=
ſellſchaft für ſoziale Reform und einiger Fortbildungs=
und Handelsſchulen.
In der Eröffnungsanſprache begründete der
Vor=
ſitzende Reif=Leipzig eine in das Programm des
Ver=
bandstages eingefügte Entſchließung zur
Wohnungs=
frage und zum Preußiſchen Wohnungsgeſetze. Die
Woh=
nungsverhältniſſe der minderbemittelten Kreiſe, zu denen
auch die Handlungsgehilfen gehören, ſeien nicht
befrie=
digend. Die Handlungsgehilfen haben an dieſer Frage
nicht nur das allgemeine Intereſſe als Wohnungsmieter,
ſondern auch noch das beſondere Intereſſe an einer
Ver=
beſſerung der Zuſtände in der ſogenannten freien Station,
die oft geradezu bedenklich ſeien. — Die im Sinne der
Ausführungen liegende Entſchließung wurde
ange=
nommen.
Beckmann=Leipzig erſtattete darauf den
allge=
meinen ſozialpolitiſchen Bericht. Sodann
referierte Mantel=Leipzig über die Sonntagsruhe
im Handelsgewerbe. Eine Entſchließung in
der bedauert wurde daß die Vertretungen der
Handlungs=
gehilfen und die Kaufmannsgerichte bei den Vorarbeiten
über den Geſetzentwurf nicht gehört wurden, und in der
völlige Sonntagsruhe gefordert wurde fand einſtimmige
Annahme Das nächſte Referat, das
Reichstagsabgeord=
neter Marquart erſtattete, betraf die
Konkurrenz=
klauſel die, wie der Redner hervorhob, ſchwer auf der
Erwerbstätigkeit der Handlungsgehilfen laſte. Es werden
durch ſie aber nicht nur der einzelne Angeſtellte, ſondern
auch die geſamte Volkswirtſchaft ſchwer geſchädigt, ſo daß
die Forderung nach einer gänzlichen Aufhebung dieſer
ver=
werflichen Vereinbarung durchaus gerechtfertigt ſei. Daß
Mißſtände auf dieſem Gebiete beſtehen, hat die
Reichs=
regierung durch Einbringung des bekannten Geſetzentwur=
fes ja ſelbſt zugeſtanden. Der Redner geht ſodann des
längeren auf die Kommiſſionsverhandlungen des
Reichs=
tages über den Entwurf ein und bedauerte, daß ſich die
Forderung nach einer völligen Aufhebung der
Konkurrenz=
klauſel nicht habe durchführen laſſen. Es ſei indes
haupt=
ſächlich den Bemühungen des Verbandes gelungen, daß
ſich ſämtliche Parteien des Reichstages auf folgende vier
Mindeſtforderungen einigten: 1. Gehaltsgrenze von
min=
deſtens 2000 Mark; 2. Karenzentſchädigung in Höhe der
Hälfte des Einkommens mit Anrechnung des anderweitig
Verdienten im Sinne des zweiten Regierungsentwurfs:
3. Nichtigkeitserklärung der geheimen Konkurrenzklauſel
und Verpflichtung der beteiligten Prinzipale zum
Schaden=
erſatze; 4. Vertragserfüllung nach dem geltenden Rechte des
§ 75 Abſatz 2 des Handelsgeſetzbuches. — Eine
entſpre=
chende Entſchließung wurde angenommen und
aus=
geſprochen, daß es der Verbandstag für beſſer hält, wenn
das Geſetz jetzt nicht zuſtande käme, wenn eine
Verſtändig=
ung mit der Regierung nicht einmal auf dieſer
beſcheide=
nen Grundlage zu erzielen ſei.
Thal=Leipzig ſprach dann über die Regelung
der Kontorarbeitszeit in längeren Ausführungen,
die in einer Reſolution gipfelten, in der der
Ver=
bandstag ſein Bedauern darüber ausdrückt, daß die
reichs=
geſetzliche Regelung der Kontorarbeitszeit noch immer nicht
erfolgt ſei. Er bittet die geſetzgebenden Körperſchaften des
Reiches nunmehr endlich an die durch amtliche Erhebungen
gut vorbereitete Frage heranzugehen. In dem folgenden
Referat über die Organiſation fachwiſſenſchaftlicher
und=
ſtaatsbürgerlicher Fortbildungskurſe durch die
Handlungsgehilfenverbände betonte Buſchmann=
Leipzig, daß für Handelshochſchulen und niedere
Handels=
ſchulen genügend geſorgt ſei. Es beſtände aber ein
allge=
meines Bedürfnis nach einer mittleren Stufe des
kauf=
männiſchen Bildungsweſens, die durch die höheren
Han=
delsſchulen repräſentiert würden, doch ſeien dieſe leider
nur in einer ganz geringen Anzahl vorhanden. Die
ſo=
ziale Arbeitsgemeinſchaft der kaufmänniſchen Verbände
will nun dieſem Mangel abhelfen und im kommenden
Win=
ter zum erſtenmal in einer Reihe von Orten gemeinſame
Fortbildungskurſe in der angegebenen Richtung
veran=
ſtalten. — An letzter Stelle ſprach der Geſchäftsführer
Breitkopf=Berlin über das neuerdings viel erörterte
Thema „Der alternde Angeſtellte‟. Seine mit
Beifall aufgenommenen Ausführungen wurden in
Leit=
ſätzen niedergelegt, in denen es u. a. heißt, daß der
Ver=
bandstag in der immer mehr überhand nehmenden
Neig=
ung, ältere Angeſtellte nicht mehr einzuſtellen oder gar
zu entlaſſen, eine Gefahr für die Volkswirtſchaft erblickt.
Der Vorwurf der verminderten Anpaſſung von
Leiſtungs=
fähigkeit ſei nicht gerechtfertigt, andererſeits aber beſitzen
gerade die älteren Angeſtellten die reifere Erfahrung und
die jahrelange Uebung. — Die Verſammlung ſtimmte
dieſen Leitſätzen zu.
In der heutigen zweiten Hauptverſammlung referierte
zunächſt das Vorſtandsmitglied Beckmann=Leipzig über
die Frage der Gewinnbeteiligung der
Ange=
ſtellten. Der Verbandstag nahm nach eingehender
Aus=
ſprache Leitſätze an, die zum Ausdruck bringen, daß die
bis=
herigen günſtigen Erfahrungen auf dem Gebiete der
Ge=
winnbeteiligung einer erfreuliche Verbeſſerung der
Be=
ziehungen zwiſchen Arbeitgebern und Arbeitnehmern,
Er=
höhung des Geſchäftsintereſſes, ſowie eine Vermehrung des
Geſchäftsertrages durch Steigerung des Umſatzes oder
Er=
ſparung von Aufſichtskoſten oder Material erkennen laſſen.
Der Verbandstag empfiehlt daher den Prinzipalen und
Angeſtellten die Gewinnbeteiligung als Mittel zur
Ver=
beſſerung der Einkommensverhältniſſe der Angeſtellten und
des ſozialen Ausgleichs. Es wird jedoch nicht verkannt,
daß die Gewinnbeteiligung allerdings kein Allheilmittel
iſt, doch könnten damit viele Mängel der gegenwärtigen
Entlohnungsform beſeitigt werden. Die Einführung der
Gewinnbeteiligung darf nicht ohne Zuſtimmung der
An=
geſtellten erfolgen, in größeren Betrieben iſt die
Zuſtim=
mung einer Vertretung der Angeſtellten notwendig. Das
feſte Gehalt muß den örtlichen und allgemeinen Verhält=
niſſen des Geſchäftszweiges entſprechen und den
Ange=
ſtellten eine auskömmliche Lebenshaltung gewährleiſten
und die Gehaltsentwickelung des Einzelnen ſoll durch die
Gewinnbeteiligung nicht beeinträchtigt werden. —
Ver=
bandsvorſitzender Reif=Leipzig ſprach ſodann über die
„Soziale Arbeitsgemeinſchaft und die
Stel=
lung des Verbandes in der Standesbewegung‟. Er führte
u. a. aus, daß die Standesbewegung bekanntlich ſtark
zer=
rüttet iſt und die beſtehenden Verbände miteinander und
durcheinander arg verfeindet ſind. Viele wenden ſich ab
von dieſer Art Standesbewegung. Der Leipziger Verband
hat daher mit Erfolg verſucht, einige andere Verbände für
gemeinſames Vorgehen in einzelnen ſozialpolitiſchen
Fra=
gen zu gewinnen. So wurde im September 1912 die
So=
ziale Arbeitsgemeinſchaft der kaufmänniſchen Verbände
geſchaffen, die auch bereits auf dem Gebiete der
Stellen=
ermittlung und der Bildungsbeſtrebungen gute Arbeit
geleiſtet hat. Der Zuſammenſchluß der Verbände iſt unter
voller Wahrung der eigenen Selbſtändigkeit erfolgt. Nur
uf dieſe Weiſe können die radikalen Beſtrebungen in der
Handlungsgehilfenſchaft, die in letzter Zeit an Stärke
ge=
wonnen haben, überwunden werden.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— In der letzten Sitzung der Stadtverordneten wurde
von dem Vertreter der Stadtverwaltung erklärt, der
Ausbau der neuen Linien der elektriſchen
Straßenbahn ſei von der Lieferung der neuen
Stra=
ßenbahnwagen abhängig, die am 15. Auguſt d. J. hier
einträfen. Ob das ſtimmt, wird ſich bald zeigen. Dieſe
neuen Wagen ſollten nach Erklärung der Stadtverwaltung
vom vorigen Jahre bereits im Frühjahr d. J. geliefert
werden, nach der kürzlich erfolgten Erklärung der „Heag”
im Juli und Auguſt; jetzt heißt es: „nicht vor dem 15.
Auguſt‟ Die neue elektriſche Bahn durch Neckar= und
Hei=
delberger Straße ſollte bereits im Herbſt 1912 bezw. Ende
1912 fertig ſein, am 16. Mai 1913 wurde ſie dem
Betrieb=
übergeben. Seit letzterem Zeitpunkt wurde bis jetzt an
dem weiteren Ausbau der elektriſchen Straßenbahn keine=
Hand gerührt. Auch fehlen immer noch die neuen
Num=
mernſcheiben für die Wagen. Das Martinsviertel wird
nach dieſen Erfahrungen mit der „Heag” gut tun,
nicht=
daran zu denken, daß es noch im Jahre 1913 elektriſche
Bahnverbindung erhält, auch wenn ſich die bereits ſeit
einem halben Jahre in der Frankfurter Straße lagernden
Schienen für das Martinsviertel verwenden ließen. Z
wi=
ſchen Bismarckſtraße und Dornheimer
Weg=
iſt übrigens der Dampfbagger mit dem Abräumen der=
Erdmaſſen nahezu fertig. Weshalb läßt die Herſtellung
der Straßen= und Straßenbahnverbindung auch da auf ſich
warten? — Man ſieht hierfür nicht die geringſten
Vor=
bereitungen und doch könnte bei entſprechender
Beſchleu=
nigung der neue Verkehrsweg in 2 bis 3 Wochen
hergeſtellt=
ſein. Daß dem ſo iſt, hat leider nicht den Anſchein.
— Ein leicht zu beſeitigender Mißſtand. Der Wagen
der Elektriſchen, 12,19 Uhr abends ab Landskronſtraße,
er fahrplanmäßig 12,39 Minuten am Hauptbahnhof
ein=
treffen ſoll, muß an der Heinrichſtraße ſo lange warten
mitunter 8 bis 10 Minuten —, bis der 12,14
Uhr am Hauptbahnhof abgehende Wagen mit ihm
gekreuzt hat. Für die vom Bahnhof Kommenden kann
es meines Erachtens nun völlig gleichgültig, ſein, ob ſie
einige Minuten früher oder ſpäter an der Landskronſtraße
ankommen. Anders jedoch für die Fahrgäſte nach dem
Bahnhof. Durch das Warten an der Heinrichſtraße
kann=
ſehr leicht eine derartige Verſpätung eintreten, daß der
Zua 12,48 Uhr nach Frankfurt nicht mehr erreicht wird.
Dieſem Uebelſtande wäre doch nun in einfacher Weiſe
da=
durch abzuhelfen, daß der Wagen vom Bahnhof in den
Karlſtraße (bei der Hölgesſtraße) die Kreuzung mit dem
von Beſſungen kommenden Wagen abwartet und
nicht=
umgekehrt, wie bisher.
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