Darmstädter Tagblatt 1913


05. Juli 1913

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176. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 40 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Bundesrat-hat den von dem Reichstag angenom=
menen
Wehr==und Deckungsvorlagen ſeine
Zuſtimmung erteill.
In Kiel fand am Donnerstag nachmittag eine Kon=
gerenz
zwiſchen dem Reichskanzler, Marguts or San
Giuktano Staatsſekretär v Jagow unv Botſchafrer
Voulart ſtatt. Das tralieniſche Königspaar
m abends kurz nach 11 Uhr an Bord der Trinacria von
Kiel nach Stockholm abgerein.
Der preußiſche Kriegsminiſter von Hee=
ringen
wurde zum General=Inſpekteur der
2. Arme=Inſpektion Berlin ernannt. Sein Nachfolger
iſt noch nicht beſtimmt.
In Dresden bewilligten die Stadtverordneten 17 Mil=
lionen
zur Bekämpfung der Kleinwoh=
nungsnot
.
Der Deutſche Aerztetag wurde am Donnerstag
nachmittag in Elberfeld eröffnet.
Das Militärluftſchiff .Z. 1 iſt geſtern früh 746
Uhr in Königsberg i. Pr. gelandet.
Der Mörder des Majors von Lewinski
wurde vom Münchener Schwurgericht zum Tode
verurteilt.
Das bulgariſche Kabinett Danew hat demiſ=
fiontert
.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 8.

Der zweite Balkankrieg.

Mars regiert die Stunde, erneut hallt der Bal=
kan
wider vom Dröhnen der Geſchütze und dem Knattern
des Gewehrfeuers, der Kampf auf der ganzen Linie iſt
ientbrannt. Eine formelle Kriegserklärung iſt bisher nicht
erfolgt, wie immer in ſolcher Situation, ſind die Flinten
von ſelbſt losgegangen. Es iſt kein Wunder, daß es ſo
gekommen iſt, wenn zwei kriegsbereite Heere einander
gegenüberſtehen, wächſt die Luſt, die Kräfte miteinander
zu meſſen, noch dazu, wo ſcharfe gegenſeitige Abneigung
vorhanden iſt. Dieſe iſt ja, im Grunde genommen, die
Triebfeder zu dem ſchweren Konflikte, der allem Anſcheine
nach jetzt zum Austrag kommen ſoll. Mit unabweisbarer
Notwendigkeit trieben die Dinge dahin, und der Ausbruch
des Kampfes bedeutet daher keinerlei Ueberraſchung.
Allerdings will niemand angefangen haben, einer ſchiebt
die Schuld auf den anderen, und wenigſtens nach außen
hin tat man ſo, als wenn man noch immer zu einer fried=
lichen
Einigung bereit ſei. Dieſes Verſteckſpielen iſt aber
völlig gleichgültig, man hat mit den Tatſachen zu rechnen,
jund dieſe bringen den Entſcheidungskampf um
die Vorherrſchaft auf dem Balkan. Nichts an=
deres
als das Ringen um dieſe hat dieſen Parteien das
Schwert in die Hand gedrückt, man wollte keinen über=
mäßigen
Machtzuwachs Bulgariens, die alten Gegenſätze,
die nur notdürftig während des Krieges ausgekleiſtert
ſwaren, platzten wieder auseinander, und man kam wohl
ſchließlich zu der Anſicht, daß eine Auseinanderſetzung
beſſer jetzt als ſpäter vorgenommen würde.
Rußland hat ſich vergebliche Mühe gegeben, eine Ver=
mittlung
zuſtande zu bringen, und dieſe war auch bereits
auf dem beſten Wege; ſelbſt Serbien hatte das Schieds=
gericht
angenommen und die Belgrader Skupſchtina dem
zugeſtimmt, als bereits am Wardarfluß die Armeen an=
einander
geraten waren. Allem Anſchein nach denn
die Meldungen ſind, wie im erſten Balkankriege, wider=
ſprechend
ſind in dieſem Stadium der Operationen die
Bulgaren minder glücklich geweſen, veilleicht weil die Ser=
ben
ſich auf das Kommende vorbereitet hatten und ſtark
befeſtigte Stellungen einnahmen, an denen ſich die Bul=
garen
die Köpfe einrennen mußten, und es iſt ſehr wohl
möglich, daß ſich über kurz oder lang das Blättlein wen=
den
wird. Wenn die Bulgaren ſich jetzt noch zurückhalten,
ſſo geſchieht dies wohl nicht zuletzt aus Rückſicht auf die
Stellungnahme Rumäniens, das ſich zu einer bewaffneten
Intervention anſchickt und erklärt, dem aggreſſiven Teil
in die Arme fallen zu wollen. Nun iſt es begreiflich, daß
Bulgarien Rumänien nicht gern gegen ſich haben möchte,
da eine derartige Wendung in Gemeinſchaft mit der Stel=
lungnahme
Serbiens und Griechenlands leicht Bulgarien
um einen großen Teil der Früchte des Balkankrieges brin=
gen
könnte. Jedenfalls iſt die Situation für die Bulgaren
ungemein ſchwierig, es ſieht ſich den anderen Balkanſtaaten
gegenüber, ohne auf irgendeinen Bundesgenoſſen rechnen
zu können. Bulgarien hat es gründlich mit allen ver=
dorben
, es iſt über Nacht zu ſchnell groß geworden, und
das wollen die übrigen nicht dulden.
Rumänien muß im Intereſſe der Selbſterhaltung
gegen Bulgaren vorgehen, da dieſes andernfalls die Vor=

macht auf dem Balkan würde, was Rumänien unter kei=
nen
Umſtänden dulden kann. Serbien ſeinerſeits erhebt
Anſprüche auf ein Gebiet, das auch die Bulgaren für ſich
haben möchten, und das gleiche iſt bei Griechenland der
Fall, das die Bulgaren in Saloniki unter keinen Um=
ſtände
dulden will. So kommt eins zum andern, um die
Lage zu verſchärfen, und es iſt zweifellos, daß man auf
dem Balkan vor einem Wendepunkte ſteht, der noch weit
ſchwerere Folgen nach ſich ziehen kann, als der Krieg mit
der Türkei.

Kulturarbeit der Marine.

C Man ſchreibt uns: Im Julihefte der Marine=
Rundſchau wird über ein Tätigkeitsgebiet der Marine be=
richtet
, auf dem zu arbeiten auch dem hitzigſten Antimili=
tariſten
als eine Förderung der Kultur erſcheinen wird.
Es handelt ſich dabei um die Vermeſſungstätig=
keit
und das deutſche Seekartenwerk. Was
erſtere anbelangt, ſo iſt die Vermeſſung der Küſte von
Deutſch=Südweſtafrika nunmehr fertiggeſtellt,
Sie wurde 1898 bis 1905 von dem Vermeſſungsſchiff
Wolf aufgenommen, das dafür jährlich 4 bis 6 Wochen
Zeit hatte, 1908 bis 1910 durch das Vermeſſungsdetache=
ment
des Panthers fortgeſetzt und ſeit 1911 vom Ver=
meſſungsſchiff
Möwe (Kommandant: Korvettenkapitän
Wodarz) beendet. Mit der dauernden Indienſthaltung
dieſes zweiten Vermeſſungsſchiffes im Auslande entſprach
das Reichsmarineamt den Wünſchen des Reichs=
kolonialamtes
, dem es wegen des Abbaues
der Diamanten auf die Erkundung von Lan=
dungsplätzen
in der Nähe der Diamantfelder an=
kam
. Das ſtete Zuſammenarbeiten des Schiffs=
kommandos
mit den Bezirksämtern von Swakop=
mund
und Lüderitzbucht hat viel dazu beigetragen, daß
die Vermeſſungen trotz der ſchwierigen Verhältniſſe unge=
hindert
fortſchreiten konnten. Bis auf drei Lücken, die
teils die Unbegehbarkeit gewiſſer Küſtenſtrecken, teils die
engliſche Gebietshoheit um Walfiſchbucht unvermeidlich
machten, iſt jetzt die geſamte Küſte Deutſch=Südweſtafrikas
vom Kreuzkap bis zum Oranje (430 Meter lang) ord=
nungsmäßig
(d. h. mit Landvermeſſung) vermeſſen, wäh=
rend
die Küſte vom Kreuzkap bis zum Kunene (550 Meter
lang) flüchtig (d. h. überwiegend von Bord aus), aber
erfreulich genau vermeſſen wurde. Wenn die Möwe‟
dieſe Arbeit binnen etwa zehn Monaten bewältigte, ſo
war das nur möglich, weil ſie auch die Nachtzeit zu Lotun=
gen
benützte. Für die Diamantfelder zwiſchen Jchabo
und Slyviahügel konnte einiges Vermeſſungsmaterial der
kaiſerlichen Bergbehörde benützt werden. Die Vermeſſun=
gen
der Möwe befinden ſich jetzt in Verarbeitung zu
neuen deutſchen Seekarten, deren Veröffentlichung Anfang
1914 erfolgen ſoll.
Sie bilden einen Teil des deutſchen Seekarten=
weſens
, deſſen Herausgabe Staatsſekretär v. Tirpitz
im Jahre 1900 angeregt hat, um Deutſchlands Kriegs= und
Handelsmarine von den ausländiſchen Seekarten unab=
hängig
zu machen. Die erfreuliche Entwickelung des deut=
ſchen
Seekartenwerkes ſeit 1902 veranſchaulicht folgende
Zahlen: In dem genannten Jahre waren 127 Seekarten
vorhanden, ihr Umſatz in der Marine, bei Behörden und
im Handel betrug 24000 Stück; im Jahre 1912 dagegen
waren 460 Seekarten vorhanden, ihr Umſatz bezifferte ſich
auf 84000 Stück. Seehandbücher gab es im Jahre 1902
erſt 20, ihr Umſatz erreichte 3350 Stück, während im Jahre
1912 bereits 42 Seehandbücher vorhanden waren, die
in einer Anzahl von 6600 Stück umgeſetzt wurden. Bei
ſeiner Vollendung wird das deutſche Seekartenwerk etwa
1800 verſchiedene Seekarten und etwa 65 Seehandbücher
umfaſſen.

Die Reiſe des Kaiſers nach
Gmunden.

* Aus Gmunden wird den Leipz. N. N. geſchrie=
ben
: Das Dementi der Nordd. Allg. Ztg., daß die Reiſe
des deutſchen Kaiſers nach Gmunden nicht im Auguſt
erfolgen würde, hat in Gmunden große Beſtürzung her=
vorgerufen
. Es galt als feſtſtehend, daß Kaiſer Wilhelm
zu dem aus Hofkreiſen bekannt gewordenen Termin ein=
treffen
werde. Die Kurkommiſſion hatte in ihrer letzten
Sitzung daher auch ſchon die Konſtituierung eines eigenen
Komitees ins Auge gefaßt, das ſich mit einer würdigen
Kaiſerfeier zu befaſſen gehabt hätte. Ferner hatte der
Salzburg=Oberöſterreichiſche Sängergau eine Huldigungs=
ſerenade
an den hohen Verbündeten des Kaiſers Franz
Joſef vor. Auf ihre Anfrage an das Gmundener Hof=

marſchallamt wurde den Sängern erwidert, ſie möchten
ſich zwecks Nennung des genauen Termins an das Hof=
marſchallamt
des deutſchen Kaiſers wenden, worauf nun=
mehr
von dort die Nachricht kam, daß der deutſche Kaiſer
nicht die Abſicht gehabt habe, im Auguſt nach Gmunden zu
kommen, und das Geſuch der Vorſtandſchaft ſomit gegen=
ſtandslos
ſei. Die Antwort des deutſchen Hofmarſchall=
amts
wird allgemein mit den letzten politiſchen Vor=
gängen
in Zuſammenhang gebracht. Daß der Herzog von
Cumberland im Gmundener Schloſſe die geſamten Mit=
glieder
des Direktoriums der deutſch=hannoverſchen Partei
empfangen hat, und daß Abgeordneter Alpers, von Gmun=
den
direkt kommend, in einer öffentlichen Parteiverſamm=
lung
die Worte ſprach, der Herzog habe geſagt: Meine
Herren, ich appelliere an Ihre Treue, iſt von der welfi=
ſchen
Preſſe ſelbſt verbreitet worden. Allerdings kann
der Appell des Herzogs auch in dem Sinne gedeutet wer=
den
, daß dem jungen Herzog, der bald den Braunſchwei=
ger
Thron beſteigen ſoll, keine Schwierigkeiten durch eine
zu hartnäckige Stellungnahme der Welfen in den Weg ge=
legt
und damit ſeine Poſition erſchwert werden ſollte.
Daß Kaiſer Wilhelm dem Cumberlandſchen Hofe
ſeinen Gegenbeſuch nicht vorenthalten wird, iſt wohl mir
Beſtimmtheit anzunehmen. Um ſo mehr muß die Gereizt=
heit
in der Antwort an den Oberöſterreichiſch= Salzburgi=
ſchen
Sängergau auffallen, der ja mit der Vertröſtung
auf einen ſpäteren Termin zufrieden zu ſtellen geweſen
wäre. Auffallend in der Angelegenheit der Gmundener
Reiſe des Kaiſers war auch vor kurzem bereits die Ver=
öffentlichung
des Reiſeprogramms des Kaiſers, das bis
in den September alle Fahrten des Monarchen anführte,
ohne Gmunden zu nennen. Die Erklärung der Nordd.
Allg. Ztg., daß es keine hannoverſche Frage gebe, und die
Anweſenheit ſämtlicher Welfenführer darauf beim Herzog
von Cumberland, ſtellen die ganze Reiſeangelegenheit in
ein eigenes Licht.

Leutſches Reich.

Annahme der Wehr= und Deckungs=
vorlagen
durch den Bundesrat. Der Bundes=
rat
ſtimmte dem Antrag Sachſens, betreffend die Aus=
prägung
einer weiteren Million Dreimarkſtücke als Denk=
münze
anläßlich der Einweihung des Völkerſchlachtdenk=
mals
in Leipzig zu. Zugeſtimmt wurde ferner dem vom
Reichstag angenommenen Geſetz zur Abänderung des Be=
ſoldungsgeſetzes
, dem Reichs= und Staatsangehörigkeits=
geſetz
, der Ergänzung des Geſetzes über die Friedens=
präſenzſtärke
des deutſchen Heeres und dem Beſoldungs=
geſetz
, ſowie zur Aenderung des Mannſchaftsverſorgungs=
geſetzes
, dem Geſetz über den einmaligen außerordent=
lichen
Wehrbeitrag, den Aenderungen im Finanzweſen,
dem Beſitzſteuergeſetz, der Aenderung des Reichsſtempel=
geſetzes
und dem vom Reichstag angenommenen Geſetz
über die Angeſtelltenverſicherung der Privatlehrer. Der
Entwurf zur Abänderung des Militärſtrafgeſetzbuches
wurde dem zuſtändigen Ausſchuß überwieſen.
Die Konferenz in Kiel. Der italieniſche
Botſchafter in Berlin teilte einem Korreſpondenten des
Berliner Tageblatts in Kiel mit, daß in der dreiſtündigen
Beratung am Donnerstag nachmittag zwiſchen dem
Reichskanzler, dem Staatsſekretär des Aeußern, dem Mar=
quis
di San Giuliano und dem italieniſchen Botſchafter
Bollati alle wichtigen politiſchen Fragen erörtert wurden.
Auf die Frage des Korreſpondenten, ob man das Ergeb=
nis
charakteriſieren könne, erwiderte der Botſchafter: Das
Beſtehen einer vollkommenen Uebereinſtimmung der Auf=
faſſung
über die politiſche Lage iſt bei den herzlichen Be=
ziehungen
der Verbündeten ſelbſtverſtändlich. Auch in
Fragen, wie der wegen der Aegäiſchen Inſeln, ſeien Miß=
verſtändniſſe
vollkommen ausgeſchloſſen. Nach dem Ber=
liner
Lokal=Anzeiger ſoll, wie Staatsſekretär von Jagow
einem ausländiſchen Befrager mitteilte, kein Bericht aus=
gegeben
werden. Man gehe aber nicht fehl in der An=
nahme
, daß der große Tag von Kiel die feſte Solidarität
beider Regierungen in allen wichtigen und beſonders in
den ſchwebenden politiſchen Fragen ergeben habe.
Der Hanſa=Bund und die neuen
Steuergeſetze. Eine Reihe konſervativer und kleri=
kaler
Blätter haben angeſichts der Beſchlüſſe des Reichs=
tages
über die Deckungsvorlagen von einem verlorenen
Standpunkt des Hanſa=Bundes geſprochen. Demgegen=
über
weiſt der Hanſa=Bund in einer umfangreichen Dar=
legung
darauf hin, daß er in wichtigen und grundlegenden
Fragen den von ihm zuerſt aufgeſtellten Einzelforderungen
zur Durchführung verholfen hat. So entſpricht die Feſt=
ſetzung
der Zahlung des Wehrbeitrages in drei Jahres=
raten
, ſeine Begrenzung auf den Betrag von 1 Millarde

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Mark, die Ablehnung der veredelten Matrikularbeiträge
und die Schaffung einer direkten Reichsbeſitzſteuer, ferner
die Erhöhung des Reichskriegsſchatzes durchaus den An=
regungen
, die der Hanſa=Bund in verſchiedenen Kund=
gebungen
gegeben hat. Der Hanſa=Bund iſt allerdings
von Anfang an dafür eingetreten, daß als Beſitzſteuer die
Erbſchaftsſteuer ausgeſtaltet würde, und er iſt auch jetzt
noch der Ueberzeugung, daß ſie bei der Unſicherheit der
Konjunktur der Vermögenszuwachsſteuer vorzuziehen ge=
weſen
wäre. Auf der anderen Seite erkennt er aber an,
daß für viele ſeiner Freunde große politiſche Geſichts=
punkte
und die ganze parlamentariſche Lage der Grund
geweſen ſind, daß ſie ſeinen Wünſchen nicht in allen Rich=
tungen
zum Siege verhelfen konnten. Im übrigen ſieht der
Hanſa=Bund aber vor allem in der Aufhebung des Scheck=
ſtempels
, der Reform der Grundwertzuwachsſteuer, der
Ablehnung der Beſteuerung fingierter Vermögen und der
Aufnahme einer Reichsſtatiſtik über die Erträgniſſe des
Wehrbeitrages nennenswerte Erfolge ſeiner Beſtrebungen.
Auszeichnung des Kriegsminiſters
von Heeringen. Der Kriegsminiſter von Heeringen
iſt in Anerkennung der großen Verdienſte, die er ſich in
vierjähriger aufreibender Tätigkeit um die Armee im all=
gemeinen
und insbeſondere durch die energiſche und er=
folgreiche
Verteidigung der Wehrvorlagen erworben hat,
zum General=Inſpekteur der II. Armee=Inſpektion Ber=
lin
ernannt worden. Als weiteres Zeichen dieſer Aner=
kennung
hat der Kaiſer dem General von Heeringen
außerdem ſein Bildnis in Oel verliehen. Der Nachfolger
des Kriegsminiſters iſt noch nicht ernannt.
Zum Ergebnis der Handwerkskon=
ferenz
im Reichsamt des Innern, über das wir geſtern
berichteten, verlautet, daß über die weſentlichſten Punkte,
die zur Verhandlung ſtanden, ein Einverſtändnis zwiſchen
den Kommiſſaren der Reichsregierung und den Vertretern
des deutſchen Handwerks zuſtande kam. An die Konferenz
ſoll ſich in abſehbarer Zeit eine Beſprechung mit den
Vertretern der Gewerbetreibenden knüpfen, und im An=
ſchluß
hieran iſt, nachdem bis jetzt nur ein kleiner Kreis
der Vertreter des Handwerks gehört worden iſt, die Ein=
berufung
einer großen Handwerkskonferenz in Ausſicht
genommen; doch ſteht der Termin hierfür noch nicht feſt.

Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.

Einſetzung eines Kommiſſariats in
Böhmen. Die Vollverſammlung der deutſch=böhmiſchen
Abgeordneten erklärt die von der Regierung beabſichtigten
Ausnahmemaßregeln (Einſetzung einer landesfürſtlichen
Verwaltungskommiſſion für Böhmen uſw.) für unan=
nehmbar
. Sie legt Verwahrung dagegen ein und erklärt,
daß kein deutſcher Abgeordneter in eine ſo geartete Kom=
miſſion
eintreten dürfe. Der früher gefaßte Beſchluß, daß
die deutſchen Landesausſchußbeiſitzer ihre Stellen nieder=
legen
ſollen, wird umgeſtoßen. Auch unter den tſchechiſchen
Abgeordneten herrſcht große Unzufriedenheit. Eine Ab=
ordnung
der tſchechiſchen radikalen Parteien erſchien beim
Grafen Stürgkh und bezeichnete die Einſetzung eines Kom=
miſſariats
in Böhmen als Verfaſſungsbruch. Sie erklärte,
es ſei ſehr fraglich, ob die Bevölkerung unter der Herr=
ſchaft
einer ſolchen Kommiſſion ihrer Steuerpflicht nach=
kommen
werde, und kündigte an, daß ſie gegen das Kom=
miſſariat
bei der Krone Beſchwerde erheben werde,

Frankreich.

Die Beratung der Heeresvorlage wurde
am Donnerstag in der Kammer fortgeſetzt.
Montebello, der Vizepräſident der Heereskommiſſion,
bekämpfte den Gegenantrag Meſſimy. Boncour ſagte,
Meſſimy könne, nachdem er die Bedeutung der deutſchen
Rüſtungen betont habe, logiſcherweiſe unmöglich zu dem
Gegenantrag kommen, wodurch das Heer während eines
Teils des Jahres zu ſchwach gelaſſen wäre. Meſſimy

meinte, ſein Gegenentwurf beſeitige alle Beſorgniſſe, auch
diejenigen vor zu einer geringen Truppenſtärke von Ok=
tober
bis März, und gewähre das ganze Jahr hindurch
Deckungstruppen, die einem plötzlichen Angriff gewachſen
ſeien. Ein ſolcher ſei übrigens nicht zu erwarten, denn
dazu müßten die Deutſchen ein Drittel ihrer Pferde mo=
biliſieren
, ſie könnten alſo erſt am dritten oder vierten
Mobilmachungstage vorgehen, ein wahrſcheinlicher Vor=
marſch
erſt nach zehn oder elf Tagen. 350000 Mann, da=
von
Dreiviertel aktive, genügten für die Sicherheit des
Landes während der erſten Kriegswoche. Meſſimy trat
dann dafür ein, daß die Kompagnien der Regimenter im
Innern aus 110 aktiven Mannſchaften und 140 Reſerviſten
zuſammengeſetzt ſeien. Der Redner ſprach dann ſein Be=
dauern
darüber aus, daß die Regierung beſchloſſen habe,
die Vertrauensfrage zu ſtellen. Miniſterpräſident Bar=
thou
erklärte, er werde nicht nur wegen des Gegenent=
wurfes
Meſſimy=Boncour die Vertrauensfrage ſtellen, ſon=
dern
wegen aller Abänderungsanträge, die über die von
der Kommiſſion und Regierung gemachten Vorſchläge,
eine Herabſetzung der Dienſtzeit betreffend, hinausgehen.
In bemerkenswerter Weiſe gaben zahlreiche Deputierte
während der Rede Meſſimys ihrer Anſicht über die Stel=
lung
Italiens Ausdruck, und als Meſſimy erklärte, daß
die gegenwärtige europäiſche Lage es Frankreich geſtatte,
einen Teil ſeiner Truppen von den alten Grenzen abzu=
berufen
, wurden von vielen Bänken, namentlich auf der
Rechten und im Zentrum, lebhafte Proteſtrufe laut. Meſ=
ſimy
bemerkte, daß die italieniſchen Alpentruppen gegen=
wärtig
in Tripolis ſeien, worauf ihm ein nationaliſtiſcher
Deputierter zurief: Wiſſen Sie denn, daß dieſe Truppen
immer dort bleiben werden?
Die Kammer lehnte mit 312 gegen 266 Stimmen den
Gegenentwurf Meſſimy=Boncour ab und vertagte ſich.
Von den 266 Deputierten, die für den Gegenentwurf
Meſſimy in der Kammer geſtimmt haben, ſind 144 Mit=
glieder
der radikalen und ſozialiſtiſch=radikalen Partei,
40 Mitglieder der Radikalen und 10 der demokratiſchen
Linken, 41 geeinigte Sozialiſten, 26 republikaniſche So=
zialiſten
, 1 gemäßigter Republikaner, 1 Mitglied der Ac=
tion
liberale und 3 Wilde. Das Abſtimmungsergebnis
wird in der Preſſe lebhaft erörtert. Allgemein wird er=
lärt
, daß jetzt das wichtigſte Hindernis, das ſich der Vor=
lage
über die dreijährige Dienſtzeit entgegenſtellte, beſei=
tigt
ſei.
Die Republique Francaiſe ſchreibt: Mit dem Gegen=
projekt
Meſſimy verſchwindet die letzte Hoffnung der Geg=
ner
des Geſetzes. Nunmehr würde die Obſtruktion um ſo
unerträglicher erſcheinen, als ſie offenkundig unnütz wäre.
Das Geſchäft kann als erledigt angeſehen werden. Auch
Jaurés gibt in der Humanité unumwunden zu, daß durch
die Ablehnung des Geſetzentwurfes das ernſte Hindernis,
das die Fortſchritte des Geſetzes über die dreijährige
Dienſtzeit hemmte, überwunden ſei. Der radikale Evené=
ment
ſchreibt: Man begreift, daß die Anhänger der drei=
jährigen
Dienſtzeit ſich dazu beglückwünſchen, daß der
ſtärkſte Anſturm, der die Regierungsvorlage bedrohte, zu=
rückgewieſen
iſt. Gleichwohl muß man es als eine ernſte
Sache anſehen, daß ſo viele republikaniſche Stimmen auf
den Gegenentwurf entfielen. Es wäre höchſt bedauerlich
wenn die Regierungsvorlage eine ſo ſtarke Oppoſition
fände. Die Regierung hat die Pflicht, alles aufzubieten,
um dieſe Oppoſition zu verhindern.

England.

Die Homerulebill. Premierminiſter Asquith
kündigte im Unterhauſe an, daß die dritte Leſung der
Homerulebill am 7. Juli ſtattfindet. Es beſteht kein
Zweifel, daß das Oberhaus das Geſetz auch das zweite
Mal glatt ablehnt.

Belgien.

Die Kongofrage. Nach einer Meldung des
Journal de Bruxelles hat die engliſche Regierung nun=
mehr
offiziell die Angliederung des Kongoſtaates an Bel=
gien
anerkannt.

Rußland.

Die günſtige Finanzlage. Der Reichsrat
nahm ein Geſetz über die Anweiſung von 58 780000 Ru=
el
für den Neubau von Kriegsſchiffen, ihre Ausrüſtung
und Anlegung in Staatswerften gemäß dem ſogenannten
kleinen Programm in der Dumafaſſung an. Darauf wurde
die Generaldebatte über das Etatsgeſetz von 1813 eröff=

net. Der Berichterſtatter Schipow ſtellte die günſtige Fi=
nanzlage
Rußlands feſt, indem er berichtet: Die Budget=
kommiſſion
erhöhte die Ziffern der Einnahmen und ſetzte=
ſie
auf 3250 Millionen Rubel feſt, die ordentlichen Aus=,
gaben auf 3015 und die außerordentlichen auf 235 Millio=,
nen. Er wies auf die geringe Höhe der Staatsſchulden
und den freien Barbeſtand des Staatsſchatzes als günſtige
Zeichen für den ruſſiſchen Budgetſtand hin und zeigte zum
Schluß, wie eng geordnete Finanzzuſtände mit der Ent=
wickelung
der produktiven Kräfte des Landes zuſammen=
hingen
. Die große Erfahrung des Finanzminiſters bürge
für den weiteren ökonomiſchen Fortſchritt Rußlands.

Vereinigte Staaten.

Die japaniſche Note wegen des Land=
ſtreits
in Kalifornien wurde von dem Botſchaf=
ter
Chinda dem Staatsſekretär Bryan überreicht. Sie
enthält lediglich in den vorhergehenden Noten enthaltene
Darlegungen.

Südafrika.

Der Ausſtand im Randgebiet. Der Sekretäk
des Bergarbeiterverbandes hat erklärt, daß in faſt allen
Gruben die Leute jetzt ſtreikten, und daß in den wenigen
übrigen Gruben die Leute zum Streik veranlaßt werden
würden. Die Gewerkſchaften der Maſchiniſten in Johan=
nesburg
haben in der Abſtimmung mit 9 gegen 1 Stimme,
ſich für den Streik entſchieden. Die Zimmerleute und
Tiſchler ſind einſtimmig für den Streik. Auch die Maurer
haben mit 81 gegen 13 Stimmen für den Streik geſtimmt.

* London, 3. Juli. Der Prinz von Wales=
wird
von München zunächſt nach Dresden reiſen und
ſpäter andere Plätze beſuchen, um ſchließlich einige Wochen=
beim
Großherzog in Neuſtrelitz zu verweilen. Die Dauer
des Beſuches iſt noch unbeſtimmt; der Prinz wird höchſt=
wahrſcheinlich
vor dem Herbſt nicht zurückkehren. In ſeis
ner Begleitung befinden ſich Major William Cadogan,
Profeſſor Fiedler, Herr Fehr und ein Geheimpoliziſt von=
Scotland Bard, der wegen ſeiner Kenntnis der deutſchen
Sprache für dieſen Poſten auserwählt wurde.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 5. Juli.
Der neue preußiſche Geſandte am
Großherzoglichen Hofe.

* Als Nachfolger des Freiherrn Rücker von Jeniſch
iſt, wie wir ſeinerzeit mitteilten, der erſte Sekretär der
deutſchen Botſchaft in Paris, Botſchaftsrat Freiherr
von der Lancken=Wakenitz, zum preußiſchen
Geſandten in Darmſtadt ernannt. Freiherr von der
Lancken ſtammt aus einer alten, auf Rügen begüterten
Adelsfamilie. Er iſt am 5. Oktober 1867 in Boldevitz
geboren. Im Jahre 1892 trat er in den diplomatiſchen
Dienſt ein; bis 1907 war er zweiter Sekretär bei der deut=
ſchen
Botſchaft in Rom, von 1907 ab erſter Sekretär und
Botſchaftsrat bei der deutſchen Botſchaft in Paris; dort
wurde ihm 1911 der Titel eines außerordentlichen Ge= und bevollmächtigten Miniſters verliehen. Als
im Sommer 1912 die Regelung einiger im deutſch= fran=
zöſiſchen
Kongoabkommen offen gelaſſener ſpezieller Ab=
grenzungsfragen
notwendig geworden war, wurde Frei=
herr
von der Lancken als Leiter der deutſchen Sektion zu
der in Bern am 15. Juni zuſammengetretenen deutſch=
franzöſiſchen
Konferenz entſandt; ſeine Perſönlichkeit trug
viel zum glatten Verlauf der Verhandlungen bei, die am 20.
Juli ihren Abſchluß fanden. Freiherr von der Lancken
gehört als Rittmeiſter der Reſerve dem Regiment der
Gardedukorps an und iſt ſeit 1894 mit Rena Frieden=
thal
, Herrin auf Günthersdorf, verheiratet. Er iſt Herr
auf Bußnitz, R.=Rr. des Johanniterordens und gilt als
einer der reichſten Männer in der deutſchen Diplomatie.
Herr von der Lancken=Wakenitz wird wie ſein Vor=
gänger
im Amt im Palais Roſenhöhe Wohnung nehmen.
Er iſt geſtern nachmittag 5.38 Uhr in Darmſtadt eingetrof=
fen
, hat vorerſt im Hotel Zur Traube Wohnung ge=
nommen
und wird heute mittag in üblicher Weiſe vom
Großherzog in Sonderaudienz zur Ueberreichung

Die Dame auf Reiſen.

** Die Reiſezeit iſt für die Menſchenbeobachter eine
Erntezeit; lange Eiſenbahnfahrten in die fremden Gegen=
den
, der Aufenthalt im Warteſaal, das Leben im Hotel,
führt jeden mit fremden Menſchen in einem Raume zu=
ſammen
, zwingt das Auge, ſich mit den Mitreiſenden zu
beſchäftigen, und gern verkürzt ſich mancher die unfrei=
willige
Muße einer langen Fahrt durch eine diskrete Be=
obachtung
der Mitreiſenden und durch allerlei Vermutun=
gen
über ihr Weſen, ihre Herkunft und ihr Ziel. Und
wie ſchnell lernt man aus tauſend kleinen belangloſen
Einzelheiten im unfreiwilligen Zuſammenſein mit frem=
den
Mitreiſenden die wirkliche Dame von der unterſchei=
den
, die wirkliche Dame ſein möchte.
Das beginnt ſchon beim Betreten des Kupees, zeigt
ſich in dem Blicke, mit dem der nun einmal ſtets unwill=
kommene
Neueinſteigende betrachtet wird, zeigt ſich in der
Verhandlung mit dem Gepäckträger, in der Art, wie dem
peuen Gaſte Platz gemacht wird und in der Miene, mit
der das geſchieht. Denn die abſolute Herrſchaft über die
eigenen Gefühle iſt das erſte Kennzeichen der wirklichen
Dame; die unwillkommene Störung wird ſich nicht in
ihrem Geſichte ſpiegeln, und alle die kleinen Unannehm=
lichkeiten
, die jeder Mitreiſende unwillkürlich dem anderen
verurſacht, werden nichts an der gelaſſenen Freundlichkeit
des Gegenüber ändern. Die vom Schickſal Zuſammen=
geführten
erleichtern ſich ihr Los, indem ſie ſich gegen=
ſeitig
jene unauffällige Rückſicht erweiſen, die alle Un=
annehmlichkeiten
mancher Fahrt erleichtern. Die reiſende
Dame iſt ſicherlich zurückhaltend aber nirgends wird der
Beobachter an ihr eine hochmütige abweiſende Kälte be=
merken
. Aber der einfachſte und untrüglichſte Maßſtab
für die Beurteilung wird dem zurückhaltenden Beobach=
ter
doch immer die Reiſekleidung der Dame ſein. Denn
die Eiſenbahnfahrt iſt die beſte Probe für den Geſchmack
und die Kultur der Kleidung, iſt der ſchwerſte und zu=
gleich
überzeugendſte Beweis für die Fähigkeit, Eleganz
und Verfeinerung mit ihrem höchſten Ideal, mit Einfach=
heit
zu verknüpfen. Nie wird die vornehme Dame in
einem auffallend teueren Koſtüme reiſen; wo du im
Kupee Juwelen, Spitzen oder gar rauſchenden Pleureu=
ſen
begegneſt, wird dein Urteil gefällt ſein, noch ehe die
Tür wieder ins Schloß gefallen iſt. Denn die wahre Ele=

ganz der Reiſe heißt Einfachheit und Zweckmäßigkeit. Im
ſchlichten Schneiderkoſtüm erſcheint die reiſende Dame.
Schon ein ausgeſchnittener Schuh iſt in der Eiſenbahn ein
Zeichen von fehlendem Feingefühl des Geſchmackes; und
wo auf längerer Fahrt durchbrochene Strümpfe getragen
werden, iſt die Erziehung zu einer angemeſſenen Kultur
der Kleidung noch unvollendet. In ſchlichten ſchwarzen
oder braunen Schnürſchuhen oder Stiefeletten tritt die
Dame ihre Reiſe an, zu den Strümpfen hat ſie ein ein=
faches
glattes Gewebe gewählt; ihre Hände ſind von
ſauberen neuen Handſchuhen gegen den Kohlenſtaub ge=
ſchützt
und nichts wird ſie bewegen, während der Fahrt
ihre Handſchuhe abzulegen. Ein Kleid oder ein Klei=
dungsſtück
, das in Abgenutztheit davon erzählt, daß es
ſchon manche Stürme durchlebte, und jetzt nur noch auf
Reiſen, fern von der Stadt, ſein Daſein weiter friſtet, iſt
ausgeſchloſſen. Die Friſche und Sauberkeit der Reiſe=
kleidung
verrät den ganzen Menſchen; die Kleidung, der
man anſieht, daß ſie für die Reiſe noch gut genug war,
erzählt von einem Mangel an Selbſtachtung und verrät
dir, daß dein Gegenüber ſich nur für ihre Nachbarn und
Bekannten gut kleiden möchte. Und noch eins beobachtet
der Mitreiſende an der eleganten Frau: ſie weiß, wo ſie
umſteigen muß und wann ſie ankommt; ſie hat ſich da=
heim
, im Hotel oder am Schalter informiert und braucht
keine Fragen an Mitreiſende zu ſtellen. Sie iſt nicht
nervös oder weiß ihre Angſt, den Anſchluß zu verpaſſen,
zu verbergen. Und wenn ſie das Kupee betritt, erſcheint
ſie nicht mit Schachteln, Taſchen und Paketen beladen,
ſondern nur mit einer einfachen, unauffälligen kleinen
ledernen Reiſetaſche, die nicht mehr enthält als die weni=
gen
kleinen Dinge, die man während des Aufenthalts im
Eiſenbahnwagen braucht.

Schuhnummern einſt und jetzt.

C) Bei der jüngſten Verſammlung der italieniſchen
Schuhfabrikanten wurde lebhaft über eine Erſcheinung
Klage geführt, die ſich in den letzten Jahren in der inter=
nationalen
Schuhinduſtrie immer deutlicher fühlbar
macht. Es iſt die Tatſache, daß die Schuhnummern
der Frauenwelt ſich in den letzten Jahren immer
ſtärker verändern. Und leider hat ſie nicht die Tendenz,
kleiner zu werden, im Gegenteil, die Füße der Damen=

welt werden im Durchſchnitt immer größer und die
Schuhfabrikanten müſſen mit Sorge wahrnehmen, daß die
kleineren Damenſchuhnummern, die früher am meiſten=
verlangt
wurden, liegen bleiben und immer ſchwerer ver=
kauft
werden. Ein Mitarbeiter des Piccolo della Sera,
hat nun einen führenden italieniſchen Schuhinduſtriellen
über dieſe Erſcheinung befragt. Das Wachstum der=
Frauenfüße iſt eine unverkennbare Tatſache erklärte der=
Fachmann, aber man muß hinzufügen, daß ſich dieſes
Phänomen faſt ausſchließlich auf die höheren ſozialen
Schichten beſchränkt. Hier aber iſt ein ſtetes Wachſen der
am meiſten getragenen Schuhnummern zu beobachten.
Das gilt beſonders für das gute Luxus=Schuhzeug der=
Damen. Die Erſcheinung iſt offenbar in der zunehmenden
Verbreitung des Sportes in der Damenwelt der wohl=
habenderen
Bürgerſtände zu ſuchen. Das Golfſpiel, das
Tennis bringt naturgemäß eine Steigerung der Muskel=
tätigkeit
mit ſich, und die Folge iſt das Wachstum, das
Größerwerden der Füße. Daß der Sport die Urſache
dieſer Vergrößerung iſt, zeigt ſich auch darin, daß die Zu=
nahme
der Fußgröße der Damen in jenen Ländern am
größten iſt, in denen die Frauenwelt mit beſonderem
Eifer Sport treibt, z. B. in England.
In dieſem Zuſammenhange iſt es beſonders inter=
eſſant
, feſtzuſtellen, daß dieſer Tendenz der Vergrößerung=
des
Frauenfußes eine zunehmende Verkleinerung
des Männerfußes gegenüberſteht. Und hier er=
ſtreckt
ſich das Phänomen nicht etwa nur auf die höheren
Geſellſchaftsſchichten, ſondern ganz allgemein auf die ge=
ſamte
männliche Bevölkerung der Kulturſtaaten; die Füße=
der
Männer werden im Durchſchnitt kleiner. Man erklärt
das mit der geringeren Inanſpruchnahme der Fußmus=
keln
. Die wachſende Rolle der öffentlichen Verkehrsmit=
tel
im modernen Leben iſt dabei von entſcheidendem Ein=
fluß
. Beſonders in den großen Induſtrieſtaaten bedien
ſich die Bevölkerung immer häufiger der Verkehrsmittel
der Straßenbahnen, der Omnibuſſe, der Eiſenbahnen
Die Fußmuskeln werden ſeltener angeſtrengt, und die
Folge davon iſt, daß die Füße der Männer mit der Zei=
kleiner
werden. Das Größerwerden der Damenfüßenbe=
ſchränkt
ſich auf einen beſtimmten Zeitraum und auf ein
beſtimmte ſoziale Klaſſe. Die allgemeine Tendenz aber
die ſich auf alle Bevölkerungsſchichten und auf alle Völke
gemeinſam erſtreckt, geht auf eine Verminderung de
Fußgröße hin.

[ ][  ][ ]

ſeines Beglaubigungsſchreibens empfangen. Nach dem
Empfang findet Galatafel im Reſidenzſchloß ſtatt.
Gleichzeitig mit dem preußiſchen Geſandten wird auch
der Belgiſche Geſandte Baron Beyens Exz.
von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog zur Ueberreichung
ſeines Beglaubigungsſchreibens empfangen. Auch Exz.
Beyens nimmt an der Galatafel teil. Exzellenz Beyens
hat ebenfalls im Hotel Zur Traube Wohnung ge=
nommen
.
Geſtern abend folgten beide Herren einer Einladung
Sr. Exzellenz des Herrn Staatsminiſters Dr. von
Ewald zum Abendeſſen, an dem u. a. auch der ruſſiſche
und engliſche Geſandte teilnahmen.

Der Arbeitsplan des Großh. Hoftheaters
für die nächſte Spielzeit.

Die neue Spielzeit unſerer Hofbühne beginnt am
7. September mit einer Neuinſzenierung von Richard Wag=
ners
Tannhäuſer unter muſikaliſcher Leitung des neuen
Kapellmeiſters Paul Ottenheimer. Am 10. September
nimmt das Schauſpiel ſeine Tätigkeit mit einer Einſtu=
dierung
von Goethes Fauſt, die auf vier Abende verteilt
iſt und die in der neuen dekorativen Einrichtung unter
ſzeniſcher Leitung von Reaiſſeur Hans Baumeiſter ſteht,
wieder auf. Das Repertoire der kommenden Spielzeit
wird durch zahlreiche Erſtaufführungen und Neueinſtu=
dierungen
eine weitgehende Bereicherung erfahren. In
der Oper iſt vor allem die Premiere von Oberſt Chabert
von Waltershauſen und von Schleier der Pierrette von
Dohnanyi=Schnitzler vorgeſehen. Von Neueinſtudierungen
ſind für die erſten Monate in Ausſicht genommen: Die
weiße Dame von Boieldieu, Hoffmanns Erzählungen‟
von Offenbach, Der Zigeunerbaron von Johann Strauß
(in Opernbeſetzung), Die verkaufte Braut von Smetana
Der Wildſchütz von Lortzing, Der Toreador Der
Poſtillon von Lonjumeau und Die Nürnberger Puppe‟
von Adam, dem Komponiſten von Wenn ich König wär?
Im Rahmen zykliſcher Aufführungen werden ſämtliche
Wagneropern in der dekorativen Einrichtung der Früh=
lingsfeſtſpiele
in Szene gehen. Der zu veranſtaltende Mo=
zartzyklus
bringt die Opern des Meiſters in neuer In=
ſzenierung
, und aus Anlaß des vorgeſehenen Verdizyklus
wird das Publikum Gelegenheit haben, Maeſtro Arturo
Vigna von Monte Carlo am Dirigentenpult zu begrüßen.
Im weiteren Verlauf der Spielzeit gehen außer modernen
Novitäten auch noch Der Barbier von Bagdad von
Peter Cornelius, ſowie einige Opern von Marſchner,
Weber, Meyerbeer und Roſſini in Szene. Von den Wer=
ken
Puccinis ſind ebenfalls Repriſen in Ausſicht ge=
nommen
.
Auch das Schauſpiel wird vor eine Reihe inter=
eſſanter
Aufgaben geſtellt, von denen erwähnt werden
mögen: Hans Sonnenſtößers Höllenfahrt von Paul
Apel, Belinde von Herbert Eulenberg, Helden von
Bernard Shaw, Marionetten von Pierre Wolff. Von
Zyklen werden veranſtaltet ein Schiller=, Shakeſpeare=,
Kleiſt= und Ibſenzyklus. Der letzterwähnte Zyklus wird
Werke des Dichters bringen, die für hier Neuheiten ſind
Die moderne Literatur wird durch Artur Schnitzler, Ger=
hart
Hauptmann, Hugo von Hofmannsthal, Hermann
Bahr u. a. m. vertreten ſein. Eine größere Anzahl von
erfolgreichen Novitäten des heiteren Genres wurde er=
worben
, ſo Der Feldherrnhügel von Roda=Roda und
Karl Rößler, welch letzterer bekanntlich der Autor der
Fünf Frankfurter iſt, dann die erfolgreiche Berliner
Poſſe Filmzauber. Auf dem Gebiete der Operette ſtehen
ebenfalls zahlreiche Novitätenabende in Ausſicht. Im
Laufe der Spielzeit dürften die Erſtaufführungen der
neuen Werke von Lehär, Oskar Strauß, Fall und Eysler
ſtattfinden.
Ueber die Perſonalveränderungen wurde
bereits berichtet.
Wie im vergangenen Jahre, wird die Hoftheater=
leitung
auch im kommenden Frühling wieder Feſtſpiele
mit berühmten Gäſten veranſtalten. Auch im Laufe der
Spielzeit werden bedeutende Künſtler gaſtweiſe am Hof=
theater
auftreten. Kammerſänger Walter Soomer= Dres=
den
wird in dieſer Saiſon an beiläufig 15 Abenden in
ſämtlichen Partien ſeines Repertoires als Gaſt erſcheinen.
Gaſtſpiele von Cecilie Rüſche=Endorf, Eva Plaſchke von
der Oſten, Gertrude Hörſtel, Georg Baklanoff, Alfred Pic=
caver
, dem erſten lyriſchen Tenor der Wiener Hofoper,
John Forſell, dem ſchwediſchen Baritoniſten, Friedrich
Plaſchke, Rudolf Berger, Fritz Feinhals, Alfred von Bary
ſind in Ausſicht genommen. Zum Gaſtdirigieren wurden
eingeladen: Prof. Artur Nikiſch, die Generalmuſikdirek=
toren
Bruno Walter und Leo Blech, Maeſtro Arturo
Vigna. Im Schauſpiel dürften Tilla Durieur, das Ehe=
paar
Frank und Tilly Wedekind. Alexander Mois, Albert
Heine u. a. m. Gaſtſpiele abſolvieren.
Von dem neugeſchaffenen Abonnements=
ſyſtem
wurde bereits Kenntnis gegeben, wonach die ein=
zelnen
Buchſtaben auf beſtimmte Wochentage feſtaelegt
werden, während die Sonntage, wie bislang, abwechſelnd

den Serien vorbehalten bleiben. Die Abonnementsvor=
ſtellungen
für den Buchſtaben A finden nunmehr immer
am Dienstag, für B am Mittwoch, für C am Donnerstag
und für D am Freitag ſtatt.
Die Inſtitution der Volks= und Sondervor=
ſtellungen
bei ermäßigten Preiſen wird weiter aus=
gebaut
. Im Rahmen dieſer Veranſtaltungen dürften den
breiten Schichten auch die Neuinſzenierungen der Wagner=
ſchen
und Mozartſchen Opern neben den Klaſſikern der
Dichtkunſt und Werken des leichten Genres zugänglich ge=
macht
werden. Als Neueinführung iſt die Veranſtaltung
literariſcher Abende, beſtehend aus Vorträgen, Rezita=
tionen
, Geſangdarbietungen und Aufführungen einaktiger
Werke der klaſſiſchen und modernen Literatur, geplant.

* Vom Hofe. Graf und Gräfin von Francken=
Sierstorpff nahmen am Donnerstag an der Früh=
ſtückstafel
im Jaadſchloß Wolfsgarten teil. (Darmſt. Ztg.,
* Charakterverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben zum 4. Juli d. J. dem Rechner
der ſtädtiſchen Sparkaſſe zu Worms Jakob Schader
den Charakter als Rendant verliehen.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Max Gärtner aus Reichenbrand (Königreich Sachſen)
die erledigte Lehrerſtelle zu Breungeshain, Kreis Schotten.
* In den Ruheſtand verſetzt wurde der Lehrer
an der Gemeindeſchule zu Monsheim, im Kreiſe Worms,
Rudolf Lotz auf ſein Nachſuchen, unter Anerkennung
ſeiner mehr als fünfzigjährigen treuen Dienſte, vom
1. Auguſt 1913 an, ferner der Lehrer an der Gemeinde=
ſchule
zu Zwingenberg, im Kreiſe Bensheim, Friedrich
Gerold und der Lehrer an der Volksſchule zu Gießen
Karl Müller, beide auf ihr Nachſuchen, unter Aner=
kennung
ihrer langjährigen treuen Dienſte, ſowie der
Großh. Steueraufſeher Richard Hillert zu Mainz auf
ſein Nachſuchen, unter Anerkennung ſeiner langjährigen
treuen Dienſte, und ihm aus dieſem Anlaß das Allge=
meine
Ehrenzeichen mit der Inſchrift Für langjährige
treue Dienſte verliehen.
* Ausübung konſulariſcher Funktionen. Der zum
Generalkonſul der Republik El Salvador für das Deutſche
Reich mit dem Amtsſitz in Hamburg ernannte Dr. Rafael
Victor Caſtro dem das Reichsexequatur erteilt wurde
iſt zur Ausübung konſulariſcher Funktionen im Groß
herzogtum zugelaſſen worden.
D Perſonalnachrichten der Ober=Poſtdirektion in
Darmſtadt. Verliehen: Aus Anlaß des Scheidens aus
dem Dienſte das Preußiſche Allgemeine Ehrenzeichen in
Silber dem Poſtagenten a. D. Preß in Raunheim, das
Heſſiſche Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift Für
langjährige treue Dienſte dem Oberbriefträger Rettig
in Darmſtadt und dem Briefträger Emig in Bensheim;
ferner: der Charakter als Rechnungsrat dem Ober= Poſt=
ſekretär
Ochs in Darmſtadt, der Charakter als Poſtſekre=
tär
den Ober=Poſtaſſiſtenten Beck, Goernert und Spitzfa=
den
in Darmſtadt ſowie dem Poſtverwalter Zehfuß in
Niedergemünden; der Charakter als Telegraphenſekretär‟
den Ober=Telegraphenaſſiſtenten Georg in Mainz, Ham=
mann
in Worms und Zimmer in Gießen; der Titel Ober=
Poſtaſſiſtent den Poſtaſſiſtenten Becker in Darmſtadt,
Krauſe in Worms, Raab in Alzey, Rühl in Pfungſtadt
und Schäfer in Bingen. Ernannt: Zum Ober= Poſt=
ſekretär
der Poſtſekretär Traub in Worms. Ueber=
tragen
: Eine etatsmäßige Sekretärſtelle dem Poſtſekre=
tär
Schättler aus Mainz in Gießen. Verſetzt: Die
Poſtſekretäre Herke von Mainz nach Frankfurt (Main)=
Bockenheim unter Uebertragung einer Ober= Poſtſekretär=
ſtelle
, Keller von Mainz=Kaſtel nach Mainz und Scholz
von Mainz nach Gerolſtein; die Poſtaſſiſtenten Brückbauer
von Worms nach Mainz, Gebhard von Kaiſerswerth nach
Oſthofen, Raum von Oſthofen nach Kaiſerswerth und
Schwalm von Lauterbach nach Alsfeld; Telegraphengehil=
fin
Unger von Weimar nach Darmſtadt. Eratsmäßig
angeſtellt: Telegraphengehilfin Jacob in Darmſtadt.
Beſtanden: Die Poſtreferendarprüfung die Eleven
Tamm aus Büdingen und Spieler aus Friedberg; die
Poſtaſſiſtentenprüfung: Poſtgehilfe Höfler in Budenheim;
die Telegraphenaſſiſtentenprüfung: Telegraphenanwärter
Schlapp in Darmſtadt. Angenommen: Als Tele=
graphenanwärter
: Vizewachtmeiſter Lingler in Offenbach
und Vizefeldwebel Schuldt in Gießen; als Telegraphen=
gehilfin
: Blum, Enders und Merker in Offenbach, Cramer,
Monsheimer, Rühl, Schäfer, Schrauth Sommer und Wiß=
mann
in Darmſtadt, Hohmann in Friedberg und Kliff=
müller
in Gießen; als Poſtagentin: Philippine Müller in
Oberhilbersheim. Freiwillig ausgeſchieden:
Poſtgehilfe Heil und Telegraphengehilfin Vogel in Darm=
ſtadt
ſowie Poſtagent Müller in Oberhilbersheim.
Entlaſſen: Poſtaſſiſtent Georg Fiſcher in Langen.
Geſtorben: Poſtdirektor a. D. Walbaum in Darm=
ſtadt
.

nn. Strafkammer II. Eine für weitere Kreiſe bemer=
kenswerte
Berufungs=Entſcheidung fällte geſtern morgen
die Strafkammer II des Landgerichts Darmſtadt in einer
Abzahlungsgeſchäftsſache. Der Fabrikarbeiter Georg
Orth aus Offenbach, der vor ſeiner Verheiratung bei
ſeiner Mutter zu Logis wohnte, kaufte, nachdem er ſich
verheiraten wollte, bei dem Abzahlungsgeſchäft der Firma
Oswald u. Cie. zu Offenbach die Ausſtattungsmöbel unter
den üblichen Eigentumsbedingungen auf Abzahlung. Dieſe
Möbel ließ er in der Wohnung ſeiner Mutter unterſtellen.
Als ſich Orth ſpäter verheiratete, blieben trotzdem die
Möbel noch in der Wohnung der Mutter ſtehen und er
vereinbarte mit dieſer, daß ſie die fälligen Abzahlungs=
raten
pünktlich weiterzahlen ſolle. Als dieſes aber nicht
geſchah, erſtattete das Abzahlungsgeſchäft Anzeige und
forderte gerichtliche Entſcheidung auf Herausgabe der ge=
kauften
Möbel. Als dieſe abgeholt werden ſollten, wa=
ren
ſie nicht mehr vorhanden. Auf erhobene Anzeige ver=
urteilte
das Schöffengericht Offenbach den Orth wegen
Unterſchlagung zu 3 Monaten Gefängnis und den Koſten
des Verfahrens. Die Strafkammer Darmſtadt war jedoch
anderer Auffaſſung. Sie hob das Schöffengerichtsurteil
auf und erkannte auf Freiſprechung. Motiviert wurde
dieſes Urteil von dem Vorſitzenden, Geh. Juſtizrat Dr.
Sander, dahin, daß zu dem Begriff der Unterſchlagung
das Bewußtſein der Rechtswidrigkeit vorhanden ſein
müſſe. Da der Angeklagte annehmen konnte, daß ſeine
Mutter die Raten weiterzahle, habe ihm demgemäß das
Bewußtſein der Rechtswidrigkeit gefehlt. Wegen Ver=
letzung
des Urheberrechts ſtand der 21jährige Schloſſer=
meiſter
Heinrich Pfenning aus Offenbach a. M. vor
den Gerichtsſchranken. Der Angeklagte hatte Gefallen an
den Abbildungen der Preisverzeichniſſe der Firma Georg
Philipp Klein zu Offenbach gefunden. Er ließ die
beſten Abbildungen der Kleinſchen Preisliſten einfach ver=
vielfältigen
und prangte damit in ſeinem eigenen Offer=
tenkatalog
. Nach längerer Verhandlung erfolgte zwiſchen
den beiden Kontrahenten ein von dem Gericht vorgeſchla=
gener
Vergleich. Pfenning zahlt an Klein den Betrag von
100 Mark als Entſchädigung und übernimmt die ſämt=
lichen
Gerichts= und Anwaltskoſten einſchl. der Koſten des
juriſtiſchen Vertreters des Heren Klein. Unter der An=
klage
des ſchweren Diebſtahls ſtand heute der 37jährige
und in guten Verhältniſſen ſtehende Schloſſermei=
ſter
und Sparkaſſenrechner Leonhard We=
ber
aus Rimbach im Odenwald vor dem Strafrichter.
Der Angeklagte genoß in ſeinem Heimatsort das größte
Vertrauen, war über 10 Jahre lang Rechner der Rim=
bacher
Spar= und Darlehnskaſſe, und hatte einen flott
gehenden Schloſſereibetrieb. Im Februar d. J. ließ ihn
der Möbelhändler Moſes Weſtheimer rufen, damit er eine
Reparatur an dem Schloß ſeines Schreibpultes vorneh=
men
ſollte. Als Weber allein in dem Kontorzimmer war,
hob er mittels eines Sperchakens den Deckel zum Geld=
behälter
auf und ſah, daß Papiergeld und Gold darin ent=
halten
war. Er entnahm dieſem Beſtand den hohen Be=
trag
von ca. 700 Mark, und als er ſpäter noch einmal in
der Wohnung des Weſtheimer geſchäftlich zu tun hatte,
einen weiteren Betrag von 25 Mark in lauter 50 Pfennig=
ſtücken
. Als Weſtheimer ſpäter an ſein Geldſpind kam,
bemerkte er zu ſeinem Schrecken den Diebſtahl. Er ließ
ſich den Weber rufen und ſagte ihm den Diebſtahl auf
den Kopf zu. Nach anfänglichem Leugnen hatte er den
Diebſtahl eingeſtanden und bequemte ſich dann zur Zu=
rückgabe
des geſtohlenen Gutes, behauptete aber, daß es
nur 625 Mark und 25 Mark geweſen ſeien. Aus familiären
Gründen nahm Weſtheimer Abſtand von einer gerichtlichen
Anzeige, aber der Ortsgendarm hatte von dem Diebſtahl
Kenntnis erhalten und brachte ſeinerſeits die Sache zur
Anzeige. Heute entſchuldigte Weber ſeine Tat damit, daß
er das Gefühl in ſich gehabt habe, das Geld bei Weſthei=
mer
an ſich zu nehmen, um es auf dem Sparkaſſenkonto
desſelben gutzuſchreiben. Der Gerichtshof hatte aber für
dieſe auffallende Erklärung des Angeklagten kein Verſtänd=
nis
und verurteilte ihn wegen ſchweren und raffinierten
Diebſtahls und groben Vertrauensbruch zu 6 Monaten
Gefängnis und Tragung der Gerichtskoſten. Der Ange=
klagte
nahm die Strafe an. Auf ſtaatsanwaltliche Be=
rufung
ſtand heute als letzter Fall eine ſchwere Diebſtahls=
anklage
gegen den Fahrradmechaniker der Firma Adam
Opel zu Rüſſelsheim, Johann Dominik Wohn aus Gon=
ſenheim
, zur Verhandlung. Der Angeklagte hatte während
ſeiner Beſchäftigung bei der Firma Opel vom Auguſt
1912 bis Januar 1913 ca. 7 Zentner Bleiblöcke im Werte
von 120 Mark, drei neue Autowagen=Magnete im Werte
von 540 Mark, ein neues Autorad zu 175 Mark, einen Re=
paraturkaſten
zu 15 Mark, ſowie eine Anzahl von elektri=
ſchen
Lampen im Werte von 40 Mark und Autogummi=
mäntel
, Luftſchläuche im Werte von 260 Mk., insgeſamt
für über 1000 Mark Autogegenſtände nach und nach ent=
wendet
. Dieſe Diebſtähle gibt er auch heute zu und will

Feuilleton.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.

C. K. Die erſte deutſche evangeliſche
Kirche in Rom. Ueder die Pläne der erſten deutſchen
evangeliſchen Kirche, die für die deutſche evangeliſche Ge=
meinde
vom Kirchenausſchuß nach den Plänen und unter
der Oberleitung des Geheiman Baurats Prof. Franz
Schwechten errichtet wird, teilt die Bauwelt nähere
Einzelheiten mit. Dir Kirche, mit der ein Pfarc= und
Gemeindehaus im Zuſammenhang ſteht, liegt auf einem
Teil des Grundſtücks der früheren Villa Ludoviſi. Die
einzelnen Bauteile bilden zuſammen eine geſchloſſene
Baugruppe. Die Kirche wendet ſich mit ihrer Hauptfront
nach der Via Sicilia, während das Gemeindehaus und
das Pfarrhaus an den beiden anderen angrenzenden Stca=
ßen
liegt. Die Gebäude ſind im deutſchen und italieniſch
romaniſchen Stil entworfen. Als Hauſteinmaterial für
die Kirche iſt römiſcher Travertin gewählt, während die
übrigen Gebäude unter ſehr mäßiger Verwendung von
Travertin mit einem Edelputz verſehen ſind, der in der
Farbe dem Travertin ähnlich iſt. Der Innenraum der
Kirche, die bis 600 Beſucher faſſen wirs, erhält eine reiche
Ausſtattung von Marmor und Moſaiken, die Räume des
Pfarr= und Gemeindehauſes werden dagegen ſchlicht, aber
gediegen ausgebaut. Beſondere Schwierigkeiten und Ko=
ſten
verurſachte die Legung der Fundamente, da Reſte
alter römiſcher Bauten beſeitigt werden mußten und der
gute Baugrund zum Teil erſt in einer Tiefe von 10 Me=
tern
lag. Die Geſamtbaukoſten mit der Inneneinrichtung
der Kirche ſollen 900000 Mark betragen.
Eine intereſſante Promotion. Bei der
philoſophiſchen Fakultät der Univerſität Erlangen hat jetzt,
wohl zum erſtenmal, ein aktiver deutſcher Offizier ſich dem
Doktorexamen unterzogen. Oberleutnant Kes vom Kraft=
fahrbataillon
hatte eine Arbeit über die nationalökonomi=
ſche
Bedeutung interlokaler Automobilverkehrslinien ein=

gereicht, und auf Grund der Arbeit wurde ihm der Dok=
tortitel
mit dem Prädikat magna cum laude verliehen.
Die Unterſuchung von Dr. Kes behandelt zum erſten Male
die volkswirtſchaftliche Bedeutung des Automobillinien=
verkehrs
eingehend
* Eine Stiftung zur Förderung deut=
ſcher
Kunſt. Nach einer Mitteilung des Juſtizrates
Dr. Romeis in Wiesbaden in ſeiner Eigenſchaft als Te=
ſtamentsvollſtrecker
zum Nachlaß des im März zu Cannes
verſtorbenen Bildhauers Joſeph Kewarzik aus Frankfurt
a. M. hat derſelbe durch ein gemeinſchaftlich mit ſeiner
Frau errichtetes Teſtament die Verwendung ſeines Ver=
mögens
zu einer Stiftung angeordnet. Der Zweck der
Stiftung iſt die Förderung deutſcher Kunſt und insbeſon=
dere
der freien Künſte, der Plaſtik und Malerei einſchließ=
lich
der Medailleurkunſt. Sie ſoll Künſtlern deutſcher,
deutſch=öſterreichiſcher oder deutſch=ſchweizeriſcher Staats=
mgehörigkeit
zugute kommen. Dabei ſind vor allem
Künſtler zu berückſichtigen, deren Wirkungskreis oder Her=
kunft
in Südweſtdeutſchland im Umkreis der Städte
Frankfurt, Darmſtadt, Karlsruhe, Düſſeldorf, Stuttgart
und Straßburg belegen iſt. Das Vermögen umfaßt ge=
genwärtig
120000 Mack, hat aber nach dem Tode der
Witwe eine Steigerung auf 1 Million Mark zu gewärti=
gen
. Der Zinsertrag der Summe ſoll alle drei Jahre
ur Verteilung gelangen.

* Eheſcheidung im bayeriſchen Königshauſe. Zu der
von uns ſchon erwähnten Angelegenheit des Herzogs Lud=
wig
in Bayern wird der Tägl. Rundſchau mitgeteilt: Her=
zog
Ludwig in Bayern, der älteſte Wittelsbacher, der vor
einigen Tagen, am 21. Juni, 82 Jahre alt wurde, iſt der
einzige noch lebende Bruder der Kaiſerin Eliſabeth von
Oeſterreich. Schon vor einem Menſchenalter, 1859, ent=
ſagte
er ſeinem Erſtgeburtrecht zugunſten ſeines jüngeren
Bruders, des Herzogs Karl Theodor, um ſich morganatiſch
mit einer bürgerlichen Schauſpielerin, Henriette Men=
del
aus Darmſtadt, zu verheiraten, die dann zur Frei=
frau
v. Wallerſee erhoben wurde und mit der der Herzog

bis zu ihrem Tode im Jahre 1891 in glücklichſter Ehe lebte.
Eine einzige Tochter ſtammt aus dieſer Ehe, die geſchie=
dene
Gräfin Lariſch, geborene Freiin v. Wallerſee,
jetzige Gattin des Kammerſängers Brucks, die an den
Ereigniſſen, die zum Tode des öſterreichiſchen Kronprin=
zen
Rudolf führten, einen verhängnisvollen Anteil hatte
und kürzlich in London ſehr taktloſe Memoiren veröffent=
licht
hat.
Genau ein Jahr nach dem Tode der Freifrau v. Wal=
lerſee
überraſchte der bereits 61jährige Herzog ſeine Fa=
milie
, indem er ſich abermals vermählte. Diesmal war
die Erwählte ſeines Herzens ein 21jähriges, bild=
hübſches
Münchener Bürgermädchen ſehr be=
ſcheidener
Herkunft, Antonie Barth, die als kleine Fi=
gurantin
dem Ballett der Königlichen Oper angehörte.
Der gütige Prinz=Regent Luitpold machte aus der zwei=
ten
Gemahlin ſeines Vetters (des Herzogs Ludwig Mut=
ter
war eine Schweſter des Königs Ludwigs I. von
Bayern) eine Frau v. Bartolf Man ſah die an=
mutige
junge Frau regelmäßig im Theater an der Seite
ihres ſo viel älteren Gatten, aber es dauerte einige Jahre,
bis ſich ein leidliches Verhältnis zwiſchen den Verwandten
und ihr herausſtellte. Der Bann wurde gebrochen, als
der greiſe Regent eines Tages zum Beſuch bei dem Her=
zog
und Frau v. Bartolf erſchien und einen Blumenſtrauß
aus ihrer Hand entgegennahm. Sie verſtand es, in ihrem
Heim einen Kreis intereſſanter Menſchen zu verſammeln,
Künſtler namentlich. Man muſizierte bei ihr, und ſie ſchuf
dem Herzog eine Häuslichkeit, die ſeinen Wünſchen ent=
ſprach
und ſeinen Lebensabend verſchönte. Das alles hat
nun ein jähes Ende gefunden. Der Herzog hat ſich von
Frau v. Bartolf getrennt und die Entſcheidung gegen ſie
vor Gericht beantragt: for misconduet ſagen die Eng=
länder
in ſolchem Falle, Am 11. Juli wird die Schei=
dungsklage
in München zur Verhandlung gelangen. Zu
gleicher Zeit, als Frau v. Bartolf nach einem ehelichen Zu=
ſammenſein
von zwanzig Jahren das Palais des Herzogs
Ludwig in Bogenhauſen, einer Vorſtadt Münchens, ver=
ließ
, wurde in ſeiner unmittelbaren Umgebung ein Per=
ſonenwechſel
vorgenommen, und es beſtand ein Zuſam=
menhang
zwiſchen beiden Tatſachen. In München iſt

[ ][  ][ ]

Paris, 4. Juli. Der Polizeipräfekt hat an die
Kommiſſare ein Rundſchreiben gerichtet, in dem es heißt:
Meine Aufmerkſamkeit wurde auf die Unzuträglichkeiten
gelenkt, welche die Schauſtellung deutſcher Uni=
formen
auf Theaterbühnen, in Tingeltangel
oder in Kinos zur Folge haben könnten. Falls eine
derartige Schauſtellung irgendwelche öffentliche Kundge=
bungen
oder irgendwelche Zwiſchenfälle hervorrufen ſollte,
bitte ich Sie, mich ſofort zu verſtändigen.
London, 3. Juli. Zwei Anhängerinnen des
Frauenſtimmrechts, Klara Giveen und Kitty Ma=
rion
, wurden zu einer dreijährigen Freiheits=
ſtrafe
im Gefängnis Guildford verurteilt, weil ſie die
Tribüne auf der Rennbahn Hurſtpark anzündeten.

Parlamentariſches.

* Darmſtadt, 4. Juli. Der Finanzausſchuß
der Zweiten Kammer beendete geſtern ſeine mehr=
wöchigen
Beratungen der Beſoldungsvorlage.
Es wurden beſonders die Beſoldungsſätze der im Reſſort
des Finanzminiſteriums angeſtellten Beamten beſprochen.
Der Ausſchuß vertagte ſich alsdann bis Ausgang Sep=
tember
, worauf die Beratungen durch Abſtimmung zum
Abſchluß gebracht werden ſollen. Man hofft, die Erledig=
ung
der Beſoldungsvorlage dann ſo beſchleunigen zu
können, daß noch vor der Beratung des Staatsbudgets
die Zweite Kammer ſich mit den Geſetzentwürfen wird
hefaſſen können.

Gerichtszeitung.

Das Münchener Anarchiſtenattentat vor
Gericht.
München, 3. Juli.
Unter großem Andrang des Publikums begann heute
früh ½9 Uhr vor dem hieſigen Schwurgericht die Ver=
handlung
gegen den 34 Jahre alten Zinngießer Johann
Straſſer aus Nieder=Altaich, Bez.=Amt Deggendorf,
der der Ermordung des preußiſchen Militärattachés
in München, Majors von Lewinski, beſchul=
digt
iſt. Wie noch erinnerlich ſein dürfte, hat Straſſer
am 13. Mai dieſes Jahres mittags kurz nach 1 Uhr in
der Nähe des preußiſchen Geſandtſchaftsgebäudes auf
offener Straße den Major von Lewinski durch Revol=
verſchüſſe
getötet und einen zu Hilfe eilenden Polizei=
oberwachtmeiſter
durch Schüſſe in den Unterleib und in
den Kopf derart ſchwer verletzt, daß der Getroffene nach
wenigen Augenblicken an Ort und Stelle verſchied. Die
Tatſachen ſind bekannt. Der Täter hat in der Unter=
ſuchungshaft
keine beſondere Reue an den Tag gelegt.
Die Unterſuchung durch mediziniſche Sachverſtändige hat
keinerlei Anlaß dafür ergeben, daß er etwa als geiſtes=
krank
anzuſprechen iſt. Schon um 5 Uhr morgens (!)
hatte ſich eine große Anzahl Neugieriger am Eingange
zu den nichtreſervierten Plätzen des Zuſchauerraumes des
Juſtizpalaſtes in der Eliſenſtraße poſtiert. Auf den reſer=
vierten
Plätzen nahm ein Publikum, beſtehend aus den
beſten Münchener Geſellſchaftskreiſen, Platz. Auch der
Polizeipräſident von Heydte war anweſend. Während
der Verhandlung erſchienen der Juſtizminiſter von Thele=
mann
und Landgerichtspräſident Braun. Die Bildung
der Geſchworenenbank nahm nur kurze Zeit in Anſpruch.
Nach Verleſung des Eröffnungsbeſchluſſes begann
das Verhör des Angeklagten. Er gab an, daß
er ſchon ſeit langem einen Leiſtenbruch habe, der ihn
an ſchwerer Arbeit hindere. Auf der Wanderſchaft iſt er
nach Schweinfurt, Bamberg, Berlin, Breslau und Leip=
zig
gekommen, wo er als Zinngießer arbeitete. Dann
kehrte er in die Heimat zurück und erhob ſeine Erbſchaft,
eine Hypothek von 4000 Mark, weil er ins Ausland gehen
wollte. Straſſer war damals gerade großjährig ge=
worden
. Wegen der Zahlung von Zinſen geriet er mit
ſeinem Stiefvater in Streit. Schließlich ließ ihm dieſer
600 Mark durch einen Mittelsmann in kleineren Beträgen
auszahlen. Mit den 4000 Mark machte Straſſer dann
eine Grundſtücksſpekulation, die aber fehlſchlug. Als er
ſchließlich kein Geld mehr hatte, habe er von der Polizei
einen Arbeitsauftrag erhalten. Dann ging er auf die
Walze, bettelte und ſtahl auch bei guter Gelegenheit. Eine
Zeitlang reiſte er als angeblicher Schauſpieler in Oeſter=
reich
, wo er auch wiederholt eingeſperrt wurde. Von
Zeit zu Zeit kam er wieder nach München und fragte
nach, ob das Grundſtück noch nicht verkauft ſei. Dann
ging er wieder nach Oeſterreich, wo er ſich Jahre lang
umhertrieb. Im Februar dieſes Jahres kam er nach
Freiſing, wo er noch einmal eingeſperrt wurde. Dann
fuhr er nach München, wo er endlich ſein Grundſtück zu
Geld machen wollte. Durch ſein unſtetes Leben und ſeine
Mißerfolge war Straſſer inzwiſchen immer verbitterter
geworden. Allmählich befiel ihn ein Haß auf die ganze
Menſchheit, der er die Schuld an allen Mißhelligkeiten
ſeines Lebens beimaß. Als er ſein Grundſtück mit gro=
ßem
Verluſt verkaufen mußte, wuchs ſein Groll ins Un=
gemeſſene
. Wenn ich lebenslänglich ins Zuchthaus
komme, brauche ich nichts mehr, ſagte er einmal bei
einer Gelegenheit. Im weiteren Verlaufe des Verhörs
erklärte Straſſer, daß er kein Anarchiſt ſei. Den Major
habe er erſchoſſen, weil dieſer ein Preuße geweſen ſei,
und die Preußen könne er nicht leiden.
Der Mörder zeigte bei ſeinen Ausſagen keine Spur
von Reue über ſeine Tat. Er erklärte, er hätte jeden
Schutzmann erſchoſſen, der verſucht haben würde, ihn
feſtzunehmen. Einige Tage habe er auf den Major ge=
wartet
und ihn am Tage der Tat getroffen. Als der
Major erſchien, ging ihm Straſſer über die Treppe zum
Friedensdenkmal nach und ſchoß, oben angekommen, den
Revolver auf ihn ab. Das geſchah, als der Major auf
der rechten Seite des Rondells angekommen war. Straſſer
ſchoß von hinten. Die Ereigniſſe ſpielten ſich ſehr ſchnell
in der bereits geſchilderten Weiſe ab. In Bayern habe
er ſich nicht einſperren laſſen wollen; er ſei daher nach
Oeſterreich gegangen. Dort hätten ſie ihn erſt recht ein=
geſperrt
. Es ſei dort fa beſſer wie in Bayern, aber dieſe
elende Freſſerei! In Bayern ſei das Arbeitshaus ſchlim=
mer
als anderswo das Zuchthaus. In dieſer Tonart
und in abſtoßender Weiſe räſonnierte Straſſer weiter.
Es wird darauf in die Beweisaufnahme ein=
getreten
. Erſte Zeugin iſt Frau Rhein, bei der der Ange=
klagte
gewohnt hat. Sie hat an dem Angeklagten nichts
Auffälliges bemerkt. Magiſtratsfunktionär Wittmann
ging am 13. Mai am Friedensdenkmal vorüber und
hörte einen Schuß. Als er herbeieilte, ſah er, wie Straſſer
wieder auf den Offizier ſchoß und dann auch auf den mit
einem Stock in der Hand herbeieilenden Oberwachtmeiſter
Bolländer, der dann zuſammenbrach. Aehnlich lauten
die Ausſagen des Kaufmanns Kämpf und des Technikers
Helfer. Zeuge Peter Mohr begleitete damals den
Oberwachtmeiſter. Auf ſeine Aufforderung ließ dieſer
den Hund von der Leine, der aber davonlief. Der Zeuge
gab dann Bolländer ſeinen Stock, der damit auf Straſſer
losging. Es fielen dann mehrere Schüſſe und der Ober=
wachtmeiſter
ſank zu Boden. Auf die Frage des Vor=

ſitzenden, was er dazu ſage, erwiderte der Angeklagte, er
ſage jetzt überhaupt nichts mehr. Bei Verleſung ſeiner
Strafliſte, die u. a. Betteln, Landſtreicherei, Widerſtand
gegen die Staatsgewalt, Diebſtahl umfaßt, fletſcht Straſſer
die Zähne wie ein wildes Tier.
Es begann hierauf die Vernehmung der ärztlichen
Sachverſtändigen. Landgerichtsarzt Dr. Herrmann
berichtete über die Sektion der Leiche des Oberwacht=
meiſters
. Der Erſchoſſene wies vier Wunden auf. Zwei
Schüſſe waren in die linke Bruſt gedrungen, hatten die
rechte Herzkammer zerriſſen und waren durch die Lunge
an der rechten Rückenſeite wieder herausgetreten. Der
dritte Schuß war in den Unterleib gedrungen und hatte
mehrfach Darmſchlingen zerriſſen. Der vierte Schuß war
beim Nabel eingedrungen und, ohne die Bauchhöhle zu
öffnen, wieder ausgetreten. Zwei Schüſſe waren abſolut
tödlich. Der Tod trat ein durch innere Verblutung.
Ueber die Todesurſache bei Major von Lewinski berich=
tete
Bezirksarzt Dr. Biechler: Die Leiche wies zwei Schüſſe
im Rücken auf, die vorn am Leibe wieder heraustraten,
ferner an der linken Seite eine dritte Wunde, wozu das
Projektil im Oberſchenkel gefunden wurde. Durch die
Schüſſe war die linke Niere mit ihren Blutgefäßen und
der Darm an zehn Stellen durchbohrt worden. Auch
dieſe Verletzungen waren abſolut tödlich.
In der Nachmittagsſitzung, der auch der preußiſche
Geſandte von Treutler beiwohnte, äußerten ſich die ärzt=
lichen
Sachverſtändigen über den Geiſteszuſtand des
Angeklagten. Landgerichtsarzt Dr. Herrmann
betonte, daß bei Straſſer keine Anzeichen von erblicher Be=
laſtung
und eines pſychiſchen Schwächezuſtandes vorhan=
den
ſeien, wenngleich die rheumatiſche Erkrankung ſei=
nes
rechten Fußes, die in ſeinem 18. Lebensjahre in die
Erſcheinung getreten ſei, und die ſich anſchließende Mus=
kelatropie
nicht ohne Einfluß auf ſeine Pſyche geblieben
ſeien. Ernſtlich ſei Straſſer nie erkrankt geweſen. Es
ſeien keine Anhaltspunkte für eine zeitweiſe Geiſtesſtör=
ung
durch Alkoholmißbrauch, für eine begonnene Paralyſe
vorhanden. Von einer geiſtigen Erkrankung des Ange=
klagten
könne alſo keine Rede ſein. Bemerkenswert ſei
ſein Haß gegen alle beſſerbemittelten
und höherſtehenden Menſchen, der ſich dann
durch die Tat Luft machte. Straſſer wußte genau, was er
getan hat. Er ſagte, wenn er noch Zeit gehabt hätte,
würde er nochmals geſchoſſen haben. Bei der Tat befand
er ſich nicht in einem Zuſtand krankhafter Geiſtesſtörung,
er iſt daher für ſein Tun voll verantwortlich zu machen.
Bezirks= und Gefängnisarzt Dr. Biechler ſchildert
die Verfaſſung, in der Straſſer in das Gefängnis ein=
geliefert
wurde. Der Angeklagte wies zahlreiche blaue
Flecken und Verletzungen von den erhalten Schlägen auf
Reue zeigte er abſolut nicht. Geiſtig erkrankt war und
iſt Straſſer nicht und daher für ſeine Tat verantwortlich
zu machen. Straſſer iſt das Prototyp eines mit
der Welt zerfallenen Stromers, der ſich
nicht in unſere Weltordnung fügen kann
und will. Aſſiſtenzarzt Dr. Weiler von der Mün=
chener
Pſychiatriſchen Klinik ſchloß ſich den Ausführungen
dieſer beiden Sachverſtändigen an. Einmal habe ihm
Straſſer geſagt, durch die Tat habe er ſeine Seelenruhe
wieder gewonnen.
Den Geſchworenen wurden nun zwei auf Mord lau=
tende
Schuldfragen vorgelegt. Der Verteidiger ſtellte den
Antrag auf Aufnahme zweier weiterer Fragen auf Töt=
ung
und auf Tötung, um ſich in Sicherheit zu bringen.
Hierauf ergriff Erſter Staatsanwalt Burkhardt das Wort
zu ſeinem Plädoyer. Er führte einleitend aus daß
ſeit Jahren kein Verbrechen in München ſolches Aufſehen
erregt und ſo ſehr die allgemeine Entrüſtung hervorge=
rufen
habe, wie die Tat des Straſſer. Zwei Familien=
väter
, ein beliebter und pflichtgetreuer Beamter und ein
tüchtiger Offizier, ſeien durch die Hand eines ruchloſen
Menſchen mitten aus dem Leben geriſſen worden. Der
Täter ſei ein für die Allgemeinheit wertloſer Menſch, das
Vorbild des arbeitsſcheuen Landſtreichers und Stromers.
Der Vertreter der Anklage plädierte auf Bejahung der
Fragen nach Mord. Nach dem Plädoyer des Verteidi=
gers
, der ſich bemühte, ſtrafmildernde Momente hervor=
zuheben
, zogen ſich die Geſchworenen zur Beratung
zurück.
Nach kurzer Beratung bejahten die Geſchworenen die
Frage auf Mord in beiden Fällen, worauf als Urteil
zweimal die Todesſtrafe ausgeſprochen wurde.

* Leipzig, 3. Juli. Vor dem vereinigten zweiten
und dritten Strafſenat des Reichsgerichtes begann
heute vormittag unter dem Senatspräſidenten Menge der
Spionageprozeß gegen den 50 Jahre alten Schuh=
machermeiſter
Lesniewski aus Markowicz (Kreis
Hohenſalza), der zuletzt in Thorn wohnhaft war. Der An=
geklagte
, der wegen Konkursvergehens vorbeſtraft iſt, gibt
zu, ein leidenſchaftlicher Spieler zu ſein. Nach dem Er=
öffnungsbeſchluß
iſt er verdächtig, 1912 im Auslande Ge=
genſtände
, die geheim zu halten waren, namentlich Mobil=
machungsbeſtimmungen
, zur Kenntnis eines Unterhänd=
lers
der ruſſiſchen Regierung in Warſchau gebracht zu ha=
ben
. Außerdem ſoll er verſucht haben, weitere Gegen=
ſtände
dieſer Art, insbeſondere die Ausrüſtung des Vor=
werks
der Feſtung Thorn betreffende, zur Kenntnis der=
ſelben
Perſönlichkeit zu bringen. Die Verteidigung führt
Rechtsanwalt Dannhof=Thorn. Es erſchienen 11 Zeugen,
darunter zwei Soldaten der Feſtung Thorn. Sachver=
ſtändiger
war Major von Gall. Nach der Verleſung des
Eröffnungsbeſchluſſes wurde auf Antrag des Reichsan=
waltes
Liebenow die Oeffentlichkeit während der Dauer
der Verhandlung ausgeſchloſſen.

Die Monarchenbegegnung in Kiel.

* Kiel, 3. Juli. Um 3½ Uhr verließen die ita=
lieniſchen
Herrſchaften unter den Klängen der
Marcia Reale die Hohenzollern vom Kaiſer zum Fall=
reep
geleitet und kehrten zur Trinacria zurück. Nach=
mittags
fand an Bord der Hohenzollern eine Konfe=
renz
der leitenden Staatsmänner ſtatt. Das italieniſche
Königspaar beſuchte die kronprinzlichen Herrſchaften und
den Prinzen Adalbert in der Villa Adalbert.
Die Konferenz an Bord der Hohenzollern dauerte
dreiviertel Stunde. An ihr nahmen außer dem Kaiſer und
dem Reichskanzler der Staatsſekretär von Jagow, der ita=
lieniſche
Miniſter des Aeußern Marquis di San Giuliano
und der italieniſche Botſchafter in Berlin Bollati teil. Viel
bemerkt wird, daß der Kaiſer ſelbſt dieſer Konferenz prä=
ſidierte
.
Gegen 8 Uhr begab ſich das Kaiſerpaar mit Ge=
folge
auf die Trinacria‟ Es wurde dort von dem
italieniſchen Königspaar empfangen. An Bord der ita=
lieniſchen
Königsjacht fand ſodann Abendtafel ſtatt,
an der auch die hier anweſenden Prinzen mit ihrem Ge=
folge
teilnahmen, ebenſo der Reichskanzler, die anweſen=
den
Staatsmänner und die Spitzen der Behörden. Die
Kaiſerin ſaß neben der Königin, links von der Königin
folgten der Kaiſer, die Prinzeſſin Heinrich und der Kron=
prinz
, rechts von der Kaiſerin der König, die Kronprinzeſ=

ſin und Prinz Heinrich. Unter den Geladenen, deren Zahl
etwa 50 betrug, war auch der Fürſt von Monaco. Nach
der Tafel verweilten die fürſtlichen Damen im Damenſalon
der Jacht, während der Kaiſer und der König längere
ZZeit an Deck verweilten. Um 10½ Uhr kehrten der Kaiſen=
und die Kaiſerin auf die Hohenzollern zurück, wo der
Kaiſer ſich auf das Promenadendeck begab, um die Ab=
fahrt
der Trinacria zu ſehen. Um 11 Uhr ging
die Trinacria, gefolgt vom Kreuzer Amalfi, in See.
Die Kapelle der Hohenzollern ſpielte die italieniſche
Königsfanfare. An Deck der Kriegsſchiffe, welche die
Trinacria paſſierte, hatten die Wachen Aufſtellung ge=
nommen
, und Hornſignale ertönten. Auf den Flaggſchiffen
ſpielte die Muſik. Die ſeewärts liegenden Schiffe feuerten
den Königsſalut.
* Kiel 4. Juli. Der Reichskanzler, welchen
beabſichtigt hatte, heute morgen nach Berlin zurückzukeh=
ren
, iſt nun einer Einladung des Kaiſers gefolgt, auf dem
Meteor nach Travemünde mitzuſegeln, um an Bord dem
Kaiſer Vortrag zu halten.

Von der Kieler Woche.
(Von unſerem Spezialberichterſtatter.)

Der Regatta=Zyklus, der in der Kieler Woche zuſam=
mengeſchloſſenen
internationalen Veranſtaltungen ſteht
vor einem Abſchnitt. Die ſich auf den Kieler Gewäſſern
abſpielenden Kämpfe ſind beendet, die Jachtflotte ſiedelt
nunmehr nach Travemünde über, wo die Woche noch
fortgeſetzt wird, Die bisherigen Reſultate geſtatten bereits
einen ziemlich klaren Ueberblick über die in Konkurrenz
getretenen Fahrzeuge und über die Fortſchritte reſp. Fehl=
ſchläge
im Jachtbau des In= und Auslandes. Konnten
wir in der Sonderklaſſe einen erſchreckenden Miß= der Neubauten konſtatieren, ſo geſtaltet ſich das
Reſultat für dieſe in den kleineren internatio=
nalen
R=Klaſſen bedeutend günſtiger. Hier iſt
aber auch das Ausland beteiligt und partizipiert ſehr ſtark
an den Erfolgen. In der 8 Meter=Klaſſe, die eine Zwit=
terſtellung
einnimmt und das Privileg hat, ſowohl bei
den Regatten der Kleinen wie auch bei den Seeregatten
mit zu ſtarten, tritt das Ausland allerdings weniger her=
vor
. Die einzige im Auslande gebaute und vom Ausland
gemeldete Jacht iſt hier die Antwerpia des Royal Jacht=
Klub de Belgique, die im Vorjahre von Liton Hope her=
ausgebracht
wurde. Rechnet man die Vorregatten ab, ſo
dominiert ſie über die deutſchen Bauten, unter denen die
neue von Rasmuſſen gebaute Toni X nur einige Schein=
erfolge
erringen konnte. Antwerpia konnte bei 7 Starts
4 erſte Preiſe erringen, davon 3 bei Seeregatten. Auch auf
der Unterelbe ſicherte ſie ſich den Klaſſenpreis Annähernd
gleich kam ihr nur die vorjährige Mariechen eine
Oertzſche Konſtruktion, die 3 erſte und 3 zweite Preiſe mit
nach Hauſe brachte und unter allen Verhältniſſen ſehr
ehrenvoll abſchnitt. Toni holte ſich zwar bei den Vor=
regatten
trotz der Konkurrenz von Mariechen 3 erſten
Preiſe, brachte es aber in Kiel nur zu einem erſten und
einem zweiten und verſagte teilweiſe vollſtändig. Friſchere
Briſe behagt ihr wenig. Die übrigen Achter ſtarteten nur
gelegentlich.
Eine intereſſantere Klaſſe iſt die der Siebener in
der zwei ausländiſche Boote gegen vier deutſche in Wett=
bewerb
getreten ſind. Beide Ausländer Veb und Star
ſind aus Kopenhagen gemeldet, aber nur Veb iſt dänie
ſchen Urſprungs und neu von Hanſen herausgebracht.
Star wurde bereits im Vorjahre in England nach Riſſen
von Mylne gebaut. Es iſt bezeichnet, daß die beiden die
wertvollſten Preiſe einheimſten. Veb einſchließlich der
Vorregatten, die er mit Star und der neuen Grünau be=
ſtritt
. 4 erſte und je einen zweiten und dritten Preis, Star
2 erſte und einen dritten. Von den deutſchen Jachten,
unter denen neben Grünau noch die gleichfalls von von
Hacht gebaute Panne und die von Rasmuſſen gezeichnete
Primula als Neubauten debutierten, ragt nur Panne=
hervor
, die es bisher auf 3 zweite und einen dritten Preis
brachte. Primula war gelegentlich im Rennen, Grünau
verſagte dagegen vollſtändig. Der alte Bargſche Dad=
konnte
bei vereinzelten Starts nicht mitſprechen. Das
ſtattlichſte Feld findet ſich in der 6 Meter=Klaſſe,
14 Boote waren gemeldet. Die beiden Ankerſchen Neu=
bauten
Sirocco und Mosquito ſind ausgeblieben. Der
aus dem Jahrgang 1911 ſtammende Min Jung ſtartete
nur in Flensburg. Von der ausländiſchen Konkurrenz
blieben noch die beiden Neubauten Schelm (Mylne) und
Wawi (Anker) übrig, von denen letztere nur die beiden
erſten Regatten beſtritt. Ein dritter Preis und eine Ha=
varie
war das Reſultat. Schelm ſchlägt ſich vorzüglich
und brachte es bisher auf zwei erſte und je einen dritten
und fünften Preis. Sein gefährlichſter Gegner iſt der von
Hachtſche Neubau Windſpiel XVIII., der urſprünglich
die deutſchen Farben bei den Regatten um den Eins
tonner=Pokal in England vertreten ſollte: Da dieſe
in die Zeit der Kieler Woche verlegt wurden, verzichtete
Herr Fr. Kirſten auf die Expedition. Die Jacht hätter
ſicherlich Chancen bei den Pokal=Regatten gehabt. In Kiel
war ſie ſtets im vorderſten Treffen zu finden und gewann
je 2 erſte und 2 zweite Preiſe. Der Oertzſche Neubau
Orchis iſt dagegen ein abſoluter Fehlſchlag, der dem älte=
ren
Material ſtets unterliegt. Die von Stein gezeichnete
Margarete hat als Neubau auch einen ſchweren Stand.
In der kleinſten 5 Meter=Klaſſe bekämpfen ſich der auch
von Stein gezeichnete Neubau Achmed und der vorjährige
aus England importierte Scherz. Im allgemeinen hät
aber der Neubau das Nachſehen. Nur einmal konnte er
einen Sieg im toten Rennen landen.

* Kiel 3. Juli. Die Wettfahrten der Achte
und Fünfmeter=Klaſſen auf der Kieler Förden
Die heutige Wettfahrt wurde bei nördlichem Winde aus=
geſegelt
. In der Achtmeterklaſſe erhielt: Toni zehnte‟
den erſten Preis, in der Siebenmeterklaſſe erhielt Panne
den erſten Preis, Veb den zweiten, Grünau ſechs den=
dritten
, Primula zweite‟ Dad ſowie Paul gaben aufz
in der Sechsmeterklaſſe erhielt Windſpiel 18 den erſten
und einen Ehrenpreis, Ilſe den zweiten, Schelm den
dritten, Herald 5 den vierten, Margarethe den fünften
Preis. Siroceo ſowie Mosquito waren nicht geſtars=
tet
. Orchie 3 nicht gezeitet, Feinliebchen 9 gab auf.
In der Fünfmeterklaſſe erhielt Achmed den erſten Preis
und den Ermunterungspreis des Kaiſers.
* Kiel 3. Juli. Das Reſultat der heutigen letze=
ten
Wettfahrt der Sonderklaſſe iſt folgendes:
Wind Nordoſt zu Oſt bei 3 Meter Geſchwindigkeit in der
Sekunde: Eliſabeth erhielt den erſten Preis, Sonn=
tagskind
II den zweiten. Palmſtroem, den dritten,
Seehund aus Grünau den vierten, Serum den fünften:
Nicht geſtartet ſind: Reſi V‟ Wittelsbach IX‟, Lu=
nula
; aufgegeben hatten Lucifer und Molch.

[ ][  ][ ]

Luftfahrt.

* Potsdam, 3. Juni. Das Militärluft=
ſchifr
Z. 1 überflog um 5 Uhr 15 Minuten Potsdam
in der Richtung nach Königsberg.
* Stettin, 4. Juli. Der neue Militärkreu=
zer
Erſatz Z. 1 wurde geſtern abend 8 Uhr in Stettin
geſichtet. Der Ballon kreuzte über dem Haff und flog über
das Haff hinaus, wo er bald in dem über den Waſſern
liegenden Nebel verſchwand. Die Seeſtrecke Stettin-
Königsberg beträgt ungefähr 400 Kilometer. Die Lan=
dung
in Königsberg wurde für heute früh 3 Uhr erwartet.
Das dort ſtationierte Parſeval=Luftſchiff ſollte dem ſtarren
Kollegen eine Strecke weit entgegenfahren.
* Königsberg i. Pr., 4. Juli. Das Militär=
luftſchiff
Z. 1 iſt heute früh 4 Uhr 50 Minuten von
der Luftſchiffhalle aus geſichtet worden und erſchien 5 Uhr
20 Minuten über dem Luftſchiffhafen. Es landete glatt
nach kurzer Schleifenfahrt um 5 Uhr 45 Minuten. Es hat
die Strecke Frankfurt a. M.-Königsberg ohne Zwiſchen=
landung
zurückgelegt und den Weg Stettin-Danzig der
Küſte entlang eingeſchlagen.

Der neue Balkankrieg.
Vom Kriegsſchauplatze.

Die Kämpfezwiſchen Serben und Bulgaren.
* Belgrad, 3. Juli. Das Regierungsorgan Sa=
mouprava
gibt die ſerbiſchen Verluſte in der drit=
ten
Armee mit über 1000 Toten und 3500 Verwundeten
an, während die bulgariſchen Verluſte unver=
hältnismäßig
größer und furchtbarer ſeien. Das Blatt
wiederholt die Beſchuldigungen, daß die bulgariſchen Sol=
daten
verwundete ſerbiſche Soldaten und Offiziere nieder=
gemacht
hätten. Das Vorgehen der Bulgaren, ſchreibt das
Blatt, iſt eine Negierung jeder Ziviliſation. Die Bul=
garen
vergeſſen ganz die Rückſichten auf die Menſchlichkeit
und berechtigten die Kulturwelt zu der Frage, warum
denn die Türken aus Europa vertrieben worden ſind?
Das bulgariſche Volk beweiſt nur, daß ſeine Seele noch
nicht von der Kultur berührt worden iſt. Die Welt=
geſchichte
zeigt aber, daß die wilden Völker, trotzdem ſie
für kurze Zeit Schrecken verbreiteten, ſchließlich unterge=
gangen
ſind, weil ſie unfähig waren, dauernde Staaten
zu gründen. Im gegenwärtigen Zeitalter iſt mehr als
Tapferkeit erforderlich. Das ſcheinen die Bulgaren nicht
zu wiſſen und ſie werden ihre Unwiſſenheit teuer bezahlen
müſſen.
* Sofia, 4. Juli. Da die ſerbiſchen Trup=
pen
, nachdem ſie ihre Operationen zum Schein eingeſtellt
hatten, eine bulgariſche Abteilung bei Kotſchana in dem
Augenblick angriffen, wo bulgariſche Truppen, obwohl
provoziert, die Operationen eingeſtellt hatten, hat die bul=
gariſche
Regierung ihren Geſandten in Belgrad beauf=
tragt
, gegen das hinterliſtige Vorgehen zu proteſtieren,
welches neuerlich die vorbedachten aggreſſiven Abſichten
Serbiens beweiſe, wofür die bulgariſche Regierung die
volle Verantwortung der ſerbiſchen Regierung zuſchiebe.
* Wien, 4. Juli. Die Reichspoſt meldet aus So=
fia
: Die ſerbiſche Armee hat auf dem Ovcepolje
eine vernichtende Niederlage erlitten. Die Bul=
garen
ſollen bereits den Vormarſch gegen Kumanowo,
ſowie die ſerbiſche Grenze angetreten haben.
Die Kämpfe zwiſchen Griechen und
Bulgaren.
Athen 3. Juli. Oberſt Dusmanis der Chef
des Generalſtabes berichtet über die geſtrigen Er=
eigniſſe
, daß die Truppen den Vormarſch auf der gan=
zen
Front bis morgens mit außerordentlichem Schwung
begannen. Der Feind, in der gleichen Stärke, wie die
Griechen, wenn nicht überlegen, ſtand im allgemeinen in
gut befeſtigten Stellungen. In mehreren Gefechten wurde
er erſtens aus ſeinen Stellungen bei Sulowo und von der
500=Meter=Höhe des Berges Vertisco nach erbittertem
Widerſtande vertrieben und auf ſeinem Rückzug in der
Richtung auf Nigrita verfolgt. Zweitens aus Viſoka,
ferner aus Zarowo und Berowo nach lebhaftem Wider=
ſtand
gegen Lahana zurückgeworfen. Er war hier mehr
als acht Bataillone nebſt Artillerie ſtark. Drittens nahmen
wir mit dem Bajonett die Höhen, 544 und 605 Meter im
Norden von Guevesne. Auch hier hatte der Feind mehr
als acht Regimenter und Artillerie beiſammen. Unſere
Truppen konnten die Artillerie ſehr wenig verwenden, da
ie keine Gebirgsgeſchütze hatten und die Feldgeſchütze
wegen des Terrains nicht in Tätigkeit treten konnten.
Trotzdem rückte unſere Infanterie lebhaft vor. Der Feind
nahm ſeinen Rückzug nach Ligowani. Viertens warfen
unſere Diviſionen von Kilkitſch den Feind nach erbitterten
Kämpfen nach und nach aus verſchiedenen verſchanzten
Stellungen, die ſie mit meiſt aufgepflanztem Bajonett ein=
nahmen
, und verfolgten ihn bis Kilkitſch. Fünftens ent=
ſpann
ſich ein heftiger Kampf auf unſerem vorgeſchobenen
linken Flügel. Der Feind wurde geworfen und nahm
einen Rückzug nördlich des Ardſchan=Sees. Er ſcheint
große Verluſte erlitten zu haben. Auch unſere Verluſte
ind beträchtlich, aber nicht übermäßig. Soweit es die
vorläufigen Angaben überſehen laſſen, wurden vier
Schnellfeuergeſchütze dem Feinde weggenommen. Der
König hat heute telegraphiert, daß die während der geſt=
igen
Schlacht gefangen genommenen Bulgaren ausgeſagt
ſaben, die bulgariſchen Truppen hätten einen plötzlichen
Ungriff auf Saloniki vorbereitet. Dies wird dadurch be=
tätigt
, daß die Truppen unſeres linken Flügels beim
Vorgehen ſtarke bulgariſche Kräfte vor ihren bisherigen
Vorpoſtenlinien angetroffen haben.
* Sofia, 3. Juli. Die Blätter melden auf Grund
flaubwürdiger Berichte, daß ungefähr 1500 ſerbiſche Sol=
aten
und 20 ſerbiſche Offiziere gefangen ſeien. Ueber die
Nachrichten aus Saloniki von den dortigen Kämpfen
ind die Entwaffnung eines bulgariſchen Bataillons
ſerrſcht die größte Erbitterung unter der Bevölkerung.
der offiziöſe Mir ſagt, dieſe Bartholomäusnacht müſſe
ille Welt empören. Die Griechen müßten alle Kon=
equenzen
dieſer heimtückiſchen und brutalen Kriegserklär=
ing
tragen. Danews Organ, Bulgaria, fordert die Oeffent=
ichkeit
angeſichts dieſer Nachrichten auf, kaltes Blut zu
ewahren, da die Regierung ihre Pflicht erfüllen werde.
Von 8 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags berieten die Mi=
tiſter
unter Zuziehung des Generals Sawow, der ſodann
vom König in Audienz empfangen wurde.
* Saloniki, 3. Juli. Nach Einnahme von
Zewgeli durch griechiſche Evzonen=Regimenter wurden
ie Bulgaren von den ſiegreichen Griechen hart verfolgt.
Eiele Bulgaren ertranken auf der Flucht in den Wellen
es Wardarfluſſes. In Saloniki herrſcht unbeſchreiblicher
Subel über das ſiegreiche Vordringen der Griechen.
* Sofia, 4. Juli. Die Regierung ließ in Athen in
nergiſcher Weiſe gegen das in der Welt noch nicht dage=
reſene
Vorgehen gegen die bulgariſche Gar=

niſon in Saloniki proteſtieren, welche in brutaler
Weiſe durch die Griechen entwaffnet wurde, ohne daß der
bulgariſche Kommandant vorher benachrichtigt und ohne
daß den Truppen die Möglichkeit gegeben worden wäre,
Inſtruktionen zu erbitten. Es ſei eine allgemein be=
kannte
Tatſache, daß die bulgariſchen Truppen, welche
tach dem Fall der Stadt in Saloniki einzogen, ſich dort
auf Befehl des Generalſtabes aufgehalten haben, und daß
zwiſchen den beiden Verbündeten volle Eintracht beſtanden
hat. Nach der Entwaffnung ſei eine große Zahl bulgari=
ſcher
Soldaten nach Griechenland deportiert worden. Für
hieſes perfide, unerhörte Attentat verlangt Bulgarien fol=
gende
Genugtuung: 1. Sofortige Freilaſſung der nach
Griechenland deportierten bulgariſchen Soldaten und Wie=
vereinhändigung
ihrer Waffen. 2. Wiederherſtellung der
Situation, wie ſie vorher war, und die Einquartierung
bulgariſcher Detachements in Uebereinſtimmung mit dem
beſtehenden Abkommen. 3. Wiederherſtellung der Gebäude,
welche ſich in den Händen der bulgariſchen Truppen in
Saloniki befanden. 4. Schadenerſatz. 5. Das Hiſſen der
hulgariſchen Flagge in Saloniki unter den üblichen Ehren=
bezeugungen
.
* Athen, 3. Juli. Die griechiſchen Truppen
bemächtigten ſich heute nach einem Kampfe Gewgelis
und Kilkiſchs, die Bulgaren zogen ſich zurück. Morgen
erſcheint eine Botſchaft des Königs über die gegenwär=
tige
Lage.
* Athen, 4. Juli. Der Kriegsminiſter erhielt fol=
gendes
Telegramm aus dem Hauptquartier:
Unſere Truppen ſind in Nigrita eingedrungen und fan=
den
es von den Bulgaren in Brand geſteckt. Die Bul=
garen
maſſakrierten die fliehenden Einwohner von
Nigrita, ebenſo die Einwohner von Bogdanza.
Ein bulgariſches Dementi.
* Sofia, 3. Juli. Die Agence Bulgare iſt ermäch=
tigt
, alle Belgrader Meldungen von Siegen
über die bulgariſche Armee auf das entſchiedenſte zu
dementieren. Nach den erſten ſerbiſchen Heraus=
forderungen
griffen die bulgariſchen Truppen, nachdem
ſie die ſerbiſchen Angriffe zurückgewieſen hatten, offenſiv
an und beſetzten bei der Verfolgung der Serben einige
Ortſchaften auf dem rechten Ufer der Slatanowska. Die
Bulgaren ſtellten hierauf gemäß der vorgeſtern vormittag
erteilten Befehle das Feuer ein und zogen ſich in ihre
früheren Stellungen auf dem linken Ufer der Slata=
nowska
zurück. Zu den Serben wurden Parlamentäre
geſandt, um die Einſtellung des Feuers zu fordern. Die
Serben hielten die Parlamentäre zurück und ergriffen
die allgemeine Offenſive mit allen Truppen. Das iſt jene
Offenſive, die in den Meldungen von der Verfolgung der
Bulgaren bezeichnet wird. Geſtern nachmittag griff das
ganze ſerbiſche Heer wieder an, wurde jedoch unter gro=
ßen
Verluſten zurückgeſchlagen. Auch die Meldung, den
bulgariſchen Truppen ſei eine Kriegsproklamation ver=
leſen
worden, iſt reine Erfindung.
Die Mobiliſierung Rumäniens.
* Bukareſt, 3. Juli. Am heutigen Kronrat
nahmen der Chef des Generalſtabes und der Prinz von
Rumänien teil. Vor dem Palais war eine große Men=
ſchenmenge
verſammelt, die den Prinzen und die Mi=
niſter
beim Verlaſſen desſelben mit Beifall begrüßte.
Heute abend findet ein Miniſterrat ſtatt, der die Einzel=
heiten
der bevorſtehenden Aktion beſtimmt. Die Auf=
rahme
der Mobiliſation iſt bei der Bevölkerung
der Hauptſtadt ſehr günſtig, die Kriegsbegeiſterung iſt
groß, vornehmlich, da die lange zuwartende Haltung Ru=
mäniens
in der Balkankriſe die Gemüter immer ſtärker
erregte. Insbeſondere wirkte hierbei die konſequent ab=
lehnende
Haltung Bulgariens Rumänien gegenüber mit,
die auch während der Verhandlungen in Siliſtria keine
Abſchwächung erfuhr. Die maßgebenden Kreiſe lehnen
die Verantwortung für den unvermeidlich gewordenen
Entſchluß ab und ſchieben ihn der unnachgiebigen Halt=
ung
Bulgariens zu.
* Bukareſt, 3. Juli. Um 12 Uhr mittags war die
ganze Stadt wegen der Mobiliſierung geflaggt.
Mit großem Haß wird von Oeſterreich geſprochen, das
die rumäniſchen Intereſſen verraten habe. Vor dem Denk=
mal
Michael des Helden fand eine nationaliſtiſche Kund=
gebung
für den Krieg mit Bulgarien ſtatt. Beim Wei=
terziehen
der Menge wurden Plakate vor dem Zug ge=
tragen
mit den Inſchriften: Nieder mit Oeſterreich! Nie=
der
mit dem perfiden Oeſterreich! Wir ſind dieſes Oeſter=
reich
ſchon lange ſatt! Es lebe Groß=Rumänien! Wir
wollen Krieg mit Bulgarien! Ein großes Polizeiauf=
gebot
vor der öſterreichiſchen Geſandtſchaft verhinderte
dort Demonſtrationen. Um ½7 Uhr wurde das Volk
durch einen Anſchlag des Polizeipräſidenten aufgefordert,
angeſichts der angeordneten Mobiliſierung die öffentliche
Ruhe und Ordnung nicht zu ſtören. Um 8 Uhr abends
fand vor dem Königlichen Schloß eine große Kundgeb=
ung
des Volkes zugunſten des Krieges ſtatt.
* Bukareſt, 4. Juli. Der Thronfolger wird
zum Generaliſſimus der Armee ernannt. Vor=
läufig
iſt die Aufſtellung von 450000 Mann binnen einer
Woche geplant. Die Verhängung des Ausnahmezuſtan=
des
iſt vorläufig nicht beabſichtigt.
* Bukareſt. 4. Juli. Bei voller Aufrechterhaltung
des heutigen Tages als erſten Mobiliſierungstages be=
ginnen
die Truppentransporte mit Rückſicht auf
die notwendigen Vorbereitungen erſt in ein bis zwei
Tagen.
Die Demiſſion des bulgariſchen Kabinetts.
* Sofia, 4. Juli. Der König hat geſtern abend
alle Parteiführer. Miniſterpräſident Dr. Danew und
Finanzminiſter Theodorow in längerer gemeinſamer
Audienz empfangen.
* Wien, 4. Juli. Die Reichspoſt meldet aus
Sofia: Das Kabinett Dr. Danew hat demiſſio=
niert
. Es ſoll durch ein Konzentrationskabinett mit
General Petrow an der Spitze und dem Generaliſſimus
Sawow als Kriegsminiſter abgelöſt werden. Katko
Dimitriew ſoll den Oberbefehl über die Armee über=
nehmen
.
Der Krieg und die Mächte.
* London, 4. Juli. Daily Chronicle ſchreibt:
Frankreich iſt ſeit Beginn der Balkankriſis
durchweg und beinahe unterwürfig mit Rußland gegan=
gen
, und nicht zum wenigſten in den verſchiedenen Punk=
ten
, wo die britiſche und die ruſſiſche Politik
divergierten, oder vielleicht wäre es richtiger, zu
ſagen, daß in den beiden konkurrierenden Strömungen
in der ruſſiſchen Politik die ſtetige und nüchterne Ström=
ung
, die durch Herrn Saſonow vertreten iſt, die ſolide
Unterſtützung Englands erhalten hat, während die pan=
ſlawiſche
und abenteuerliche Strömung, die der ruſſiſche
Miniſter des Auswärtigen nicht völlig eindämmen und
ignorieren konnte, regelmäßig in Paris ermutigt wurde.

Wir wiſſen nicht, ob die kleinen Divergenzen innerhalb
der Tripel=Entente während des letzten Londoner
Beſuches der Herren Poincaré und Pichon wirklich auf=
geklärt
worden ſind, aber es würde jedenfalls nicht die
Harmonie des Konzerts oder des europäiſchen Friedens
fördern, wenn das vollſtändige Uebereinkom=
men
, das damals erreicht wurde, bedeutete, daß Sir Ed=
ward
Grey ſeine eigene Stellung gegen die des Auswär=
tigen
Amtes austauſchen ſollte.
Die Haltung der Türkei.
* Konſtantinopel, 4. Juli. Wie ein hieſiges
Blatt meldet, hat die Pforte ihren Auslandsvertretern
ein Telegramm übermittelt, in welchem aufgefordert
wird, die Kabinette zu verſtändigen, daß die Pforte im
Falle einer offiziellen Kriegserklärung Bulgariens an
Serbien und Griechenland ſich ihre Aktionsfreiheit
vorbehalte. In den offiziellen Pfortekreiſen erfährt
die Meldung keine Beſtätigung.
Ausgleichsverhandlungen zwiſchen Bulgarien und
Rumänien.
* Wien 4. Juli. Die Neue Freie Preſſe meldet:
Zwiſchen Bulgarien und Rumänien haben unter
Vermittelung der öſterreichiſch=ungariſchen Monarchie ein=
gehende
Verhandlungen über einen Ausgleich
bezüglich der abzutretenden Gebiete ſtattgefunden. Es
heißt, daß die Verhandlungen zu einer Einigung
geführt haben.
* London, 4. Juli. Die rumäniſche Re=
gierung
teilte den Mächten mit, daß in Anbetracht der
Tatſachen, daß Griechenland, Serbien und Bulgarien
ſich im Kriegszuſtande befinden, in Uebereinſtimmung mit
der am 15. Juni an die Mächte gerichteten Note die Mobi=
liſierung
ihrer Streitkräfte angeordnet wurde. Bisher
habe die rumäniſche Politik eine Richtung verfolgt, die all=
gemein
die Billigung der Großmächte gefunden habe.
Aber Rumänien könne nicht gleichgültig bleiben bei der
neuen Entwickelung der Dinge, insbeſondere in Verfolg
der Wahrſcheinlichkeit einer vollſtändigen Niederlage von
Griechenland und Serbien, durch die das Gleichgewicht
auf dem Balkan verſchoben würde. Rumänien glaubt aber,
daß die Mobiliſierung ſeiner Streitkräfte dazu beitragen
werde, daß das Gleichgewicht friedlich wieder hergeſtellt
werde.
Letzte Nachrichten.
Die Kämpfe zwiſchen Griechen und
Bulgaren.
* Athen, 4. Juli. Ein Communigué des Kriegs=
miniſteriums
eilt mit: Heute wurde der Kampf bei
Kilkis in ſehr heftigem Maße wieder aufgenommen.
Die griechiſchen Diviſionen erſtürmten nacheinander die
befeſtigten Stellungen des Feindes, der ſich in ſeine be=
feſtigte
Stellung 67 Kilometer vor Kilkitſch zurückzog.
Der Angriff der feindlichen Artillerie, die ſich in gedeckten
Stellungen befand, war ſehr heftig. Auf dem äußerſten
linken Flügel eroberte eine griechiſche gemiſchte Abteilung
nach ſchwerem Kampfe Gewgeli, der Feind floh in Un=
ordnung
gegen das öſtliche Wardarufer. Während des
Uebergangs beſchoß die griechiſche Gebirgsartillerie die
Bulgaren. Auch zwiſchen Metzokova und Arda wurde der
Kampf fortgeſetzt. Auf dem rechten Flügel beſetzten die
griechiſchen Truppen Lygovani. Bei Lahano wurde
eine bulgariſche Kompagnie in Stärke von 200 Mann mit
Offizieren von den griechiſchen Truppen eingeſchloſſen.
Während des Vorgehens bei Lygovani und Lahano er=
erbeuteten
die Griechen drei Schnellfeuergeſchütze und drei
Kruppkanonen. Auf dem äußerſten rechten Flügel wurde
Nigrita beſetzt. Die griechiſchen Truppen rückten nach
Norden vor und verfolgten den Feind, der ſich in paniſcher
Flucht zurückzog und 15 Gefangene, eine große Anzahl
Waffen und Kriegsmaterial in die Hände der Griechen
geraten ließ. Die Zahl der Getöteten bei dem Feinde iſt
ſehr groß. Auf der Flucht verwandelten die Bulgaren
Nigrita und die ganze Umgebung in rauchende Trümmer=
haufen
und ermordeten Greiſe, Frauen und Kinder.
Die ſiebente Diviſion meldet, daß ſie ein ganzes Bataillon,
das während des geſtrigen Kampfes iſoliert wurde, zu
Gefangenen gemacht hat; es habe ſich bedingungslos
ergeben.
* Athen, 4. Juli. Das Hauptquartier meldet: In
der Schlacht bei Matſoukovon ſiegten die
Griechen. Die griechiſchen Truppen griffen die be=
trächtlichen
feindlichen Streitkräfte an und ſchlugen ſie in
die Flucht. Der Feind ließ eine große Zahl Toter zu=
rück
, darunter einen Major und viele Offiziere. Die
griechiſchen Verluſte ſind unbedeutend. Die Bulgaren
nehmen faſt alle griechiſchen Notabeln von Kavalla feſt
und drohen, die Stadt zu zerſtören, falls die griechiſchen
Truppen gegen ſie vorrücken würden.
Die Kämpfe zwiſchen Serben und Bulgaren.
* Belgrad, 4. Juli. Serbiſche Infanterie
und Artillerie operierten, obwohl ſie bei Kara Hodzai
in der Nähe des Dorfes Patrik ſehr exponierte Stellungen
eingenommen hatten, mit Erfolg gegen drei bulgariſche
Regimenter. Am 18. Juni (1. Juli), nachmittags, er=
griffen
die ſerbiſchen Truppen die Offenſive. Gegen
2 Uhr erſchienen zwei bulgariſche Offiziere als Parlamen=
täre
, der ſerbiſche Kommandant erklärte, er werde das
Feuer einſtellen laſſen, wenn die Bulgaren ſich von dem
ſerbiſchen Territorium zurückziehen würden. Zwei Stun=
den
vergingen ohne eine Antwort. Plötzlich begannen die
Bulgaren von beherrſchenden Stellungen aus zu feuern.
Dieſe Stellungen hatten ſie nur durch die hinterliſtige Be=
nutzung
des Zeitraumes einnehmen können, in welchem
die Serben auf eine Antwort warteten. In der Nacht
warfen die Serben die Bulgaren aus ihren Stellungen bei
Patrik hinaus, wo ſie ſich unter Mißbrauch des ſerbiſchen
Vertrauens verſchanzt hatten.
* Sofia, 4. Juli. Die Nachricht von dem Ein=
fall
ſerbiſcher Truppen in bulgariſches Territo=
rium
im Departement Küſtendiel beſtätigt ſich.
* Belgrad, 4. Juli. Die Stellung der Bulgaren
bei Rajoevobrda nördlich von Kotſchana, die mit
hundert Geſchützen beſetzt iſt, iſt von den ſerbiſchen
Truppen eingenommen und dadurch die
Schlacht gewonnen worden. Die Bulgaren fliehen
in der Richtung nach Kotſchana.
Die Vorbereitung des bulgariſchen An=
griffs
.
* Belgrad, 4. Juli. Dem Serbiſchen Preſſebureau
zufolge befindet ſich unter den von den ſerbiſchen Trup=
pen
beſchlagnahmten bulgariſchen Schrift=
ſtücken
das Original einer Order des Kommandeurs
der vierten Diviſion (Preslaw) unter dem 16.
Juni (29. Juni), worin es heißt: Morgen be=
ginnen
die militäriſchen Operationen
gegen die Serben und Griechen. Gegen=
über
der Front der bulgariſchen Brigabe halten die
Serben die Ufer des Zlatowofluſſes feſt. Die Armee wird
ie kriegeriſchen Operationen morgen früh 3 Uhr begin=
men
und den Feind angreifen. Die Brigade, in zwei Ab=
leilungen
geteilt, ſoll um 3 Uhr früh an den Zlatowofluß

[ ][  ][ ]

kommen und ſich geräuſchlos nähern, die feindlichen Vor=
poſten
überwältigen und dann die ihnen zugewieſene Stel=
lung
einnehmen. Der Feind muß überraſcht wer=
hen
. Wenn man dem Umſtand Rechnung trägt, wieviel
Zeit dazu gehört, einen derartigen Angriffsplan aufzu=
ſtellen
, vorher die Truppen dementſprechend zu gruppieren,
die notwendigen Anordnungen auszuarbeiten, ſie im ein=
gelnen
zzu erklären und ſelbſt die kleinſten Einheiten mitzu=
teilen
, muß man leicht zu dem Schluß kommen, daß die
Worbereitungen dieſes Angriffes mindeſtens vor dem
15. Juni (29 Juni) gemacht worden ſind, das heißt in
dem Augenblick, in dem die Bulgaren angeblich bereit
waren, die friedliche Löſung des Konfliktes anzunehmen.

Literariſches.

Ueber das neue ſtädtiſche Kaiſer Friedrich=
Badhaus, mit dem das Wiesbadener Kurviertel ſeinen
erſten von wirklichem modernen Geiſt durchdrungenen Mo=
numentalbau
erhalten hat, bringt das Juli=Heft der auf
dem Gebiet der Raumkunſt führenden, von Hofrat Alexan=
der
Koch herausgegebenen Innen=Dekoration
eine prachtvoll illuſtrierte Veröffentlichung, die in weiten
Kreiſen Intereſſe erregen dürfte, da ſich in dieſem Hauſe
neuzeitliche Raumkunſt mit neuzeitlicher
Hygiene und Technik aufs glücklichſte vereinigt hat.
Der mit anſprechenden Plaſtiken verzierte, wohl provor=
tionierte
Bau, in der Hauptſache eine Schöpfung von
Architekt A. O. Pauly und Maler Hans Völcker=
Wiesbaden, birgt in ſeinem Innern ein großzügiges Mar=
morveſtibül
mit figürlichem Friesgemälde, in den Veſti=
bülen
der Obergeſchoſſe, dem Erfriſchungsraum uſw. iſt
mit ſchönen Holzvertäfelungen, Malerei und Schnitzereien
eine vornehm behagliche Stimmung erreicht, ganz beſon=
deres
Intereſſe erheiſcht die künſtleriſche Verwendung von
Darmſtädter, Karlsruher, Cadiner u. a. Keramik in dem
Schwimmbad, dem Fürſtenbad und den ca. 600 Räumen
für römiſch=iriſche, Kaltwaſſer= uſw Behandlung, für
Thermal= und Warmbäder. Für die kulturelle Entwicke=
lung
Wiesbadens und die Entwickelung des Gewerbes
und Kunſthandwerks dieſer Stadt iſt dieſe neuzeitliche
Schöpfung jedenfalls von erheblicher Bedeutung. Außer
einer Anzahl weiterer moderner Raumkunſt=Schöpfungen
in Wiesbaden werden in dem Hefte der Innen= Dekora=
tion
noch die ſchönſten Räume auf dem Imperator vor=
geführt
, die einen Begriff geben von der Größe und
Wohnlichkeit dieſes ſchwimmenden Hotelpalaſtes‟. Ein=
zelhefte
ſind in den beſſeren Buchhandlungen für 2.50 M.
erhältlich.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korceſp.=Bureau.)

* Berlin, 4. Juli. Heute vormittag gegen 9½ Uhr
entdeckte ein Bahnwärter beim Streckengang zwiſchen den
Bahnhöfen Neubabelsberg und Zehlendorf, daß am
Gleiſe Magdeburg=Berlin durch das Löſen einzel=
ner
Schienenbefeſtigungen ein Anſchlag
verübt worden war. Die Kriminalpolizei hat mit Poli=
zeihunden
ſofort Nachforſchungen angeſtellt. Die Eiſen=
bahndirektion
Berlin hat 500 Mark Belohnung auf die Er=
mittelung
des Täters ausgeſetzt.
* München, 4. Juli. Die Bayeriſche Staatszeitung
bringt folgende halbamtliche Notiz: In den letzten Tagen
ging die Nachricht durch die Preſſe, der Prinz=
Regent habe einen Briefwechſel angeregt, in welchem
ſich mehrere deutſche Bundesfürſten gegen die Reichs=
vermögens
= und Zuwachsſteuer ausgeſprochen
hätten. Demgegenüber iſt feſtzuſtellen, daß der Prinz=
Regent eine derartige Anregung niemals gegeben hat.
Stuttgart, 4. Juli. Wie der Staatsanzeiger er=
fährt
, hat zwiſchen dem König und dem Reichs=
kanzler
anläßlich der Zuſtimmung des Reichstages
zur Wehrvorlage ein Telegrammwechſel ſtattgefun=
den
. Der König hat dem Reichskanzler die wärmſten
Glückwünſche ausgeſprochen.
* Dresden, 4. Juli. Amtlich. Heute nacht gegen 2
Uhr iſt auf dem Bahnhof Prieſtewitz der Leipzig-
Dresdener Eilgüterzug 6021 auf Gleis 1 auf
einen Schneepflug aufgefahren. Hierdurch kamen
die Maſchine, der Packmeiſterwagen und ſieben andere
Wagen zur Entgleiſung. Das eine Hauptgleis iſt ge=
ſperrt
. Ein Hilfsbahnſchaffner erlitt einen Unterſchenkel=
bruch
, zwei andere Bedienſtete wurden leicht verletzt. Der
Unfall iſt durch die verſehentliche Einſtellung eines unrich=
tigen
Ausfuhrkontaktes verſchuldet worden. Der Verkehr
wurde während der etwa zweiſtündigen Betriebsſtörung
aufrecht erhalten.
* Paris, 4. Juli. In der Morgenſitzung der Kam=
mer
iſt der Gegenentwurf Treignier ( Radi=
kal
), der den ſiebenjährigen Dienſt in der aktiven Armee
mit einer effektiven Dienſtleiſtung von 28 Monaten vor=
ſieht
, mit 325 gegen 238 Stimmen abgelehnt
worden. Die Regierung hat die Vertrauensfrage
geſtellt. André Heſſe, der Verfaſſer eines Gegenentwur=
fes
, welcher demjenigen Meſſimys ähnelt, erklärte, er ziehe
ſeinen Antrag zurück. Die Kammer beſchloß, ab näch=
ſter
Woche die Sitzungen am Montag. Dienstag,
Mittwoch und Donnerstag vormittag der Beratung des
Militärgeſetzes zu widmen. Die Diskuſſion über deſſen
Abſchnitt, der die dreijährige Dienſtzeit betrifft, findet am
Montag ſtatt.
* Montpellier, 4. Juli. Das Kriegsgericht ver=
urteilte
2 Korporale der Garniſon Narbonne wegen
Kundgebungen gegen die dreijährige Dienſt=
zeit
zu je 2 Jahren Gefängnis.
Lahr i. B., 4. Juli. Die ſtädtiſchen Körperſchaften
haben die Annahme einer Erbſchaft des in
Paris verſtorbenen Kaufmanns Caroli abgelehnt, da
die Stadt für die ihr teſtamentariſch ausgeſetzte Summe
von 237000 Francs eine Erbſchaftsſteuer von 35000 Mark
zahlen ſollte, und daher noch nicht ſicher war, daß ſie das
Erbe überhaupt antreten konnte, da die Witwe die Nutz=
nießung
des Vermögens hatte.
Landsberg (Warthe), 4. Juli. Geſtern nachmittag
begab ſich der Rittmeiſter a. D. Eſchner aus Wepritz zur
Jagd und kehrte nicht mehr zurück. Heute früh wurde
er mit einer Schußwunde in der Schläfe tot aufgefunden.
Es wird ein Jagdunfall angenommen. Wenige Schritte
von der Leiche lag das Gewehr.
Norderney, 4. Juli. Fürſt und Fürſtinvon
Bülow ſind hier eingetroffen und haben für die Dauer
der Saiſon ihre Villa bezogen.

Handſchreiben des Kaiſers an den Kriegsminiſter.
* Berlin, 4. Juli. Der Reichsanzeiger meldet die
Enthebung des Kriegsminiſters v. Heerin=
gen
von ſeinem Amte behufs anderweitiger dienſtlicher
Verwendung.
Der Kaiſer hat an Herrn v. Heeringen folgen=
des
Handſchreiben gerichtet: Nachdem Ich Sie
durch Kabinettsorder vom heutigen Tage von Ihrem
Amte als Staats= und Kriegsminiſter enthoben habe, er=
nenne
Ich Sie hiermit unter Belaſſung à la suite des
Füſilier=Regiments von Gersdorff (1. Kurheſſiſches)
Nr. 80 zum General=Inſpekteur der II. Armee=Inſpektion
(Standort Berlin). Sie haben in dieſer Beförderung er=
neut
einen Beweis Meines Vertrauens und ein Zeichen
Meiner hohen Anerkennung Ihrer ausgezeichneten Dienſte
zu erblicken, welche Sie in den verſchiedenen Stellungen,
insbeſondere in der bisherigen ſchweren und verantwort=
ungsvollen
Stellung als Kriegsminiſter, Mir und der
Armee geleiſtet haben. Ich hoffe, daß Ihre reichen
dienſtlichen Erfahrungen, die Sie in Krieg und Frieden
geſammelt haben, auf dem wichtigen Poſten eines Armee=
Inſpekteurs noch lange der Armee zugute kommen. Kiel,
4. Juli 1913. Wilhelm, I. R.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

underte von blühenden Kindern ſterben in jedem
Sommer an Brechdurchfällen. Hiergegen bietet die
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den beſten Schutz. Kufeke erhöht die Verdaulichkeit
der Milch, verhütet die Darmgärungen und macht durch
ſeinen reichen Gehalt an Nährſtoffen den geſamten Or=
ganismus
, beſonders auch den Magen und den Darm,
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Wolkig, leichte. Niederſchläge, mäßig warm, weſtliche
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Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für des Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Samstag, 5. Juli.
Sommernachtfeſt der Kaufm. Stenographen= Geſell=
ſchaft
Gabelsberger um 8 Uhr im Rummelbräu.
Ausflug des Gartenbauvereins nach Jugenheim (Ab= 2.46 Uhr).
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Heſſiſcher Hof.
um 8 Uhr. Bürgerkeller um 8 Uhr. Konzerthaus
Metropol um 8 Uhr.
Sonntag, 6. Juli.
Stiftungsfeſt des Krieger= und Militärvereins Blü=
cher
um 4 Uhr im Kaiſerſaal
Sommerfeſt des, Geſangvereins Sängerluſt um
4 Uhr im Schützenhof.
Führung durch den Botaniſchen Garten um 9½ Uhr
(Volksbildungsverein).
Wanderung des Odenwaldklubs nach der Pfalz ( Ab=
fahrt
4.15 Uhr).
Priv. Schützengeſellſchaft: Abfahrt nach Mainz
8.11 Uhr.
Turngeſellſchaft: Abfahrt nach Sprendlingen um
11.18 Uhr der nicht am Wetturnen beteiligten Mitglieder,
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Bürgerkeller
um 4 Uhr. Reſtaurant Stengel=Schmitt um 4 Uhr.
Konzerthaus Metropol um 4 und 8 Uhr. Reſtaurant
Neu=Schießhaus.
Tanzkränzchen um 4 Uhr in der Stadt Pfungſtadt‟
Wohltätigkeitsfeſt im Gaſthaus Zum Schwanen
zu Eberſtadt.
Verſteigerungskalender.
Montag, 7. Juli.
Hofreite=Verſteigerung des Heinrich Schäfer
(Heidelbergerſtr. 130 und Moosbergſtr. 94) um 10 Uhr
auf dem Ortsgericht II.
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Für die vom 21. bis 30. September 1913 dauernde Herbſt=
meſſe
und die am 21., 22. und 28. September ds. Js. ſtattfindende
Beſſunger Kirch= und Nachkirchweihe werden auf Grund eines
neuen Belegungsplans die folgenden Plätze auf dem Wege des
ſchriftlichen Angebots vergeben.
a. Herbſtmeſſe:
1. für ein Dampfkaruſſell bis 18 m Durchmeſſer,
2. für ein Karuſſell oder eine Schaukel (ohne Dampfbetrieb)
bis 15 m Durchmeſſer,
3. für ein Karuſſell (ohne Dampfbetrieb) bis 12m Durchmeſſer,
4. für ein Hippodrom oder großes Schaugeſchäft bis 22 m
Durchmeſſer.
5. für ein großes Schaugeſchäft bis 22 m Front und 10 m
Tiefe (einſchl. Stützen),
6. für mehrere Schaubuden in verſchiedenen Größen,
7. für mehrere Schießbuden und
8. für eine Photographiebnde.
b. Beſſunger Kirch= und Nachkirchweihe.
1. ein Platz von 11 m Durchmeſſer für Karuſſell oder Schaukel
ohne Dampfbetrieb,
2. ein Schau= oder Schießbudenplatz bis 8 m Front und
6 m Tiefe.
Die Bedingungen mit Angebotsſchein und Plan ſind gegen
Einſendung von 50 Pfg. von dem Unterzeichneten zu bezihen. Sie
liegen nebſt dem Plan auch bei dem ſtädtiſchen Marktmeiſter ( Rat=
haus
am Marktplatz) zur Einſicht offen.
Allen Angeboten ſind genaue Angaben über die Größe und
die einzelnen Abmeſſungen der Geſchäfte beizufügen. Angebote auf
Schaubudenplätze müſſen außerdem eingehende Angaben über die
Art des Unternehmens enthalten.
Angebote ſind, unter Verwendung der vorgeſchriebenen An=
gebotsſcheine
und mit der Aufſchrift Angebot auf Meßplätze ver=
ſehen
, bis ſpäteſtens
Donnerstag, den 24. Juli
bei dem Unterzeichneten einzureichen.
Die ſämtlichen übrigen Plätze werden öffentlich verſteigert
und zwar:
1. mehrere Plätze für große Zuckerbuden mit 8, 9 und 10 m
Front und 2½ m Tiefe,
2. ein oder zwei Plätze für Waffelbuden von 8 m Front und
2½3½ m Tiefe,
3. die ſämtlichen Plätze für Verkaufsbuden und
4. die Plätze für Geſchirr, Glas und Porzellan.
Bemerkt wird, daß die am Hallenſchwimmbad gelegenen, bis=
her
aus freier Hand abgegebenen Plätze von 3: 2,20 m und 2: 2,20 m
bei der Verſteigerung zum Ausgebot gelangen.
Die Verſteigerung findet ſtatt am Dienstag, den 2. Sep=
tember
, vormittags 9½ Uhr, im oberen Lokale der Turngemeinde
am Woogsplatz.
(14588a
Der Meßplan und die Verſteigerungsbedingungen liegen
bei dem ſtädtiſchen Marktmeiſter zur Einſicht offen.
Darmſtadt, den 28. Juni 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.

Schlachtviehmärkte Darmſtadt

im Schlachtviehhof neben dem ſtädtiſchen Schlachthof. Schweine=
märkte
: Montags, Mittwochs und Donnerstags. Kälbermärkte:
Montags und Donnerstags. Bei Kälbermärkten iſt der Verkauf
von Großvieh geſtattet. Bahnanſchluß. Modernſte, ſeit 3. Februar
ds. Js. geöffnete Neuanlagen.
(4329a
Nähere Auskunft erteilt die
Schlacht= und Viehhofdirektion.

Verſteigerungs-Anzeige.

Montag, den 7. Juli I. Js., vormittags 9 und
nachmittags 3 Uhr
verſteigere ich auf freiwilligen Antrag in meinem Verſteigerungslokal
Ernſt-Lndwigſtraße Nr. 1
am weißen Turm, nachſtehende Gegenſtände:
1 Sofa mit 6 Stühlen, 2 Diwans, 1 Säule, 1 Salontiſch,
1 Büfett, 2 Sekretäre, 3 Kommoden, 1 runden Tiſch mit
Marmorplatte und verſchiedene kleine Tiſche, Stühle und
5 einzelne Betten, Waſchtiſche u. Nachttiſche, Bilder, Spiegel=
Vorhänge, Kleiderſchränke, 1 Kinderbettſtelle und ſonſtige
kleine Gebrauchs= und Haushaltungsgegenſtände, 1 Gas=
lüſter
(dreiarmig), Bücher (Schiller, Goethe, Hauff und
Zſchokkes Werke), 4 Hirſchgeweihe, ſchädelecht, 1 Vogel=
hecke
in Draht u. a. m.
(14525
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung ſtatt.

Darmſtadt, den 5. Juli 1913.
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

Zahnärztliche Praxis
Zam Mze Molters
17 Rheinstrasse 17, Ecke Grafenstrasse
den ganzen Tag geöffnet.
Behandlung aller Mitglieder von Kassen, die
dem Krankenkassenverband angehören.

14137a

Gothaer Lebensversicherungsbank auf Gegenseitigkeit.
Verſicherungsbeſtand Anfang Juni 1913:
1 Milliarde 145 Millionen Mark
Bisher gewährte Dividenden:
301 Millionen Mark.
Alle Ueberſchüſſe kommen den Verſicherungsnehmern zugute=
Vertreter und Beamter der Bank in Darmſtadt: (885a
Sebastian Eckler, Rheinſtraße 9, Telephon 243.

Bekanntmachung.

Montag, 21. Juli 1913,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem 1. Heinrich Schäfer,
Privatier in Darmſtadt, 2. deſſen
Ehefrau Karoline, geb. Geiger, da=
ſelbſt
, zugeſchriebenen Liegen=
ſchaften
:
Flur Nr. qm
123 Grasgarten (Vor=
VI 488
garten) Heidel=
bergerſtraße
,
VI 488¾/10 285 Hofreite Heidel=
bergerſtr
. 130,
VI 489 103 Grabgarten da=
ſelbſt
,
VI 487 77 Grasgarten
Moosbergſtr.,
VI 487¾/10, 193 Hofreite Moos=
bergſtr
. Nr. 94,
VI 4877/10 95 Grasgarten ( Vor=
garten
) daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, wiederholt zwangs=
weiſe
verſteigert werden.
Dieſe Verſteigerung iſt mit un=
bedingtem
Zuſchlag angeordnet.
Darmſtadt, 26. Juni 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (VI,14586

Bekanntmachung.

Montag, 11. Auguſt I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Mathias Schieß=
linger
dahier zugeſchriebene Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
IV 242 534 Hofreite Land=
graf
Philipps=
anlage
Nr. 24,
in unſerem Büro zwangsweiſe ver=
(K89/12
ſteigert werden.
Darmſtadt, 2. Juli 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,14585

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Zweiter Jahrgang:: Heft 7, Juli 1913
Inhalt: Erich O. Moeller: Aus der Geſchichte der Familie Moeller.
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[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

39 77.

Samstag, 5. Zut.

1913.

Bekanntmachung.

Wir verweiſen auf den § 3 der unten abgedruckten Bekanntmachung Großh.
Miniſteriums des Innern vom 30. Mai 1913, wonach Anträge auf Befreiung von der
Beitragspflicht zur land= uid forſtwirtſchaftlichen Berufsgenoſſenſchaft bis ſpäteſtens
15. Juli ds. Js. bei der Gemeindebehörde (Großh. Bürgermeiſterei) einzureichen ſind.
Die Großh. Bürgermeiſtereien machen wir beſonders auf ihre Verpflichtungen
gemäß §§ 3, 5, 7, 9, 1013 der Bekanntmachung aufmerkſam. In § 7 iſt neu vorgeſehen
(gemäß Artikel 16 des Ausführungsgeſetzes), daß, wenn Ausmärker vorhanden ſind
der Beginn der Offenlegungsfriſt im Amtsverkündigungsblatt des Kreisamts bekannt
zu machen oder den Ausmärkern ſchriftlich mitzuteilen iſt. Der Beitrag zur Berufs=
genoſſenſchaft
wird nicht mehr wie ſeither, in der Gemeinde erhoben, in deren Ge=
markung
der umlagepflichtig: Grundbeſitz liegt, ſondern in der Gemeinde, in welcher der
Beitragspflichtige ſeinen Wohnſitz oder Sitz hat (§ 9 der Bekanntmachung). Nach § 10
iſt (abweichend von der ſeitherigen Vorſchrift in § 14) die Hälfte der Beiträge inner=
halb
4 Wochen, der Reſt ſpäteſtens 6 Monate nach Eingang der Heberolle oder des
Auszuas an den Genoſſenſchaftsvorſtand einzuſenden.
Darmſtadt. den 1. Juli 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Michel.

Bekanntmachung
die Ausführung der landwirtſchaftlichen Unfallverſicherung betreffend.

Vom 30. Mai 1913.
Auf Grund des § 1020 der Reichsverſicherungsordnung, des Geſetzes, die Aus=
führung
der landwirtſchaftlichen Unfallverſicherung betreffend, vom 21. Dezember 1912
(Reg.=Bl. S. 535) und des § 2 der Verordnung, die Ausführung der Reichsverſiche=
rungsordnung
betreffend, vom 16. Dezember 1911 (Reg.=Bl. S. 587) wird hiermit folgen=
des
beſtimmt:
§ 1.
Als Grundlage für die Umlegung der Beiträge zur land= und forſtwirtſchaftlichen
Berufsgenoſſenſchaft für das Großherzogtum Heſſen dient das nach beſonderem Muſter
gemarkungsweiſe aufzuſtellende Verzeichnis (Umlagekataſter) aller Grundſteuerpflichtigen
der betreifenden Gemarkung, ſoweit ſie beitragspflichtig ſind (Abf. 2).
Richt aufzunehmen ſind diejenigen Grundſteuerpflichtigen, die
1. nur ſolche Grundſtücke beſitzen, auf denen ein landwirtſchaftlicher Betrieb
nicht ſtattfindet,
2. nur Gebäude nebſt zugehörigen Hofräumen, ſowie nur kleine Haus= und
Ziergärten beſitzen, wenn letztere nicht regelmäßig und in erheblichem Um=
fang
mit beſonderen Arbeitskräften bewirtſchaftet werden und deren Erzeug=
niſſe
hauptſächlich dem eigenen Haushalt dienen,
3. lediglich ſolchen Grundbeſitz in der Gemarkung haben, der zu einem land=
wirtſchaftlichen
Betrieb gehört, deſſen Sitz außerhalb des Großherzogtums
gelegen iſt (Artikel 14 des Ausf.=Geſ.).
Gemarkungsſelbſtändiger Grundbeſitz, einerlei, ob für ihn ein eigenes Grundbuch
aufgeſtellt iſt oder nicht, iſt im Anſchluß an das Verzeichnis der Gemarkung derjenigen
Gemeinde aufzuführen, der jener polizeilich zugeteilt iſt.
§ 2.
Das Umlagekataſter wird nach dem Muſter in der Anlage unter Mitwirkung der
Finanzämter aufgeſtellt. Das erſte Umlagekataſter iſt bis zum 1. Oktober 1913 auf=
zuſtellen
. Inſoweit die Finanzämter die Umlagekataſter nicht fertigſtellen, hat dies
durch die land= und forſtwirtſchaftliche Berufsgenoſſenſchaft zu geſchehen.
Die Beitragspflichtigen ſind in alphabetiſcher Reihenfolge aufzuführen.
Solcher Grundbeſitz, für den keine Beiträge zur Berufsgenoſſenſchaft zu entrichten
ſind (Artikek 14 des Ausf=Geſc) iſt in das Umlagskataſter nicht aufzunehmen. Ebenſo
iſt derjenige Grundbeſitz nicht aufzunehmen, der zu einem landwirtſchaftlichen Betrieb
gehört, aber gemäß § 922 der Reichsverſicherungsordnung einer gewerblichen Berufs=
genoſſenſchaft
zugeteilt iſt.
In der Spalte 2a iſt der beitragspflichtige Grundbeſitz der Gemarkung, für die
das Kataſter beſtimmt iſt (Kataſtergemarkung), einzutragen. Der Grundbeſitz von
ſolchen Ausmärkern, diesim Großherzogtum Heſſen wohnen, iſt in Spalte 2b des
Kataſters der Wohnſitzgemarkung zu übertragen. Bei den übertragenen Grundſtücken
iſt in dem Umlagekataſter der Gemarkung, in der ſie liegen, der erfolgte Uebertrag zu
vermerken. Das nähere wird durch Dienſtanweiſung geregelt, die, inſoweit die Finanz=
ämter
in Betracht kommen, durch das Miniſterlum der Finanzen im Einvernehmen mit
dem Miniſterium des Innern erlaſſen wird.
Das Formular für das Umlagekataſter hat die Berufsgenoſſenſchaft auf ihre
Koſten zu ſtellen.
§ 3.
Soweit das die Befreiung rechtfertigende Verhältnis nicht ſchon von Amtswegen
berückſichtigt iſt, bleibt es dem Beitragspflichtigen überlaſſen die Befreiung bei der
Gemeindebehörde derjenigen Gemarkung, in der das Grundſtück gelegen oder der es
polizeilich zugeteilt ſt, längſtens bis zum 1. Juni im Jahre 1913 längſtens bis
zum 15. Juli zu beantragen. Die Kreisämter erlaſſen alljährlich vor Aufſtellung
der Umlagekataſter eine öffentliche Aufforderung zur Anmeldung etwaiger Befreiungs=
gründe
. Die Anträge ſind bei der Gemeindebehörde einzureichen, von dieſer zu prüſen
und unter Mitteilung des Ergebniſſes der Prüfung an den Vorſtand der Berufs=
genoſſenſchaft
einzuſenden, der die von ihm für berechtigt anerkannten Anträge an das
zuſtändige Finanzamt zur Wahrung im Umlagekataſter abgibt.
§ 4.
In Spalte 6 des Umlagekataſters iſt erſichtlich zu machen, welchen Gefahrklaſſen
die einzelnen Betriebe oder Betriebsteile zugeteilt ſind. Ebenſo iſt ein Vermerk über
etwaige Zuſchläge oder Nachläſſe gemäß den §§ 979, 712 der Reichsverſicherungs=
ordnung
einzutragen.
§ 5.
Behufs Einſchätzung der Nebenbetriebe (§§ 918 bis 920 R.V.O.), der ſonſtigen
Tätigkeiten (§ 921 R. V.O.), der grundſteuerfreien, ſowie der außerhalb des Großherzog=
tums
gelegenen, zu einem inländiſchen Betrieb gehörigen Grundſtücke (Artikel 15,
Abſ. 1, 2 des Ausf.=Geſ.) und der Betriebe ohne Bodenwirtſchaft haben die Gemeinde=
behörden
die erforderliche Auskunft bis längſtens 1. Juni jeden Jahres im Jahre
1913 längſtens bis zum 15. Juli dem Genoſſenſchaftsvorſtand zu geben. Die Unter=
nehmer
können durch Geldſtrafen bis zu 300 Mark durch ortsübliche Bekanntmachung
oder beſondere Aufforderung angehalten werden, die erforderlichen Aeußerungen ab=
zugeben
(§ 1044 R. V. O.).
Der Genoſſenſchaftsvorſtand hat das Ergebnis in das Umlagekataſter einzutragen.
§ 6.
Der Genoſſenſchaftsvorſtand hat alljährlich vor dem 1. Juli die Umlagekataſter
an die Finanzämter einzuſenden, die unter Berückſichtigung der gemäß § 3 eingegan=
genen
Anträge die inzwiſchen eingetretenen Aenderungen zu vollziehen haben.
Die abgeänderten Umlagekataſter ſind längſtens bis Ende September unter An=
ſchluß
der erwähnten Anträge an den Genoſſenſchaftsvorſtand zurückzuſenden.
§ 7.
Das Umlagekataſter iſt nach vollzogenem Abſchluß von dem Genoſſenſchafts=
vorſtand
an die zuſtändige Gemeindebehörde zur Offenlegung während zweier Wochen
zu ſenden. Den Beginn der Offenlegungsfriſt hat die Gemeindebehörde ortsüblich
bekannt zu machen. Sind Ausmärker vorhanden, ſo iſt der Beginn der Friſt außerdem
im Amtsverkündigungsblatt des Kreisamts bekannt zu machen oder den Ausmärkern
ſchriftlich mitzuteilen (Art. 16 des Ausf.=Geſ.).
Auf Antrag Beteiligter iſt dieſen von der Gemeindebehörde ein Auszug aus dem
Umlagekataſter gegen eine von dem Miniſterium des Innern feſtzuſetzende Gebühr
zuzuſtellen.
§ 8.
Innerhalb eines Monats nach Ablauf der Friſt können die Beteiligten bei dem
Genoſſenſchaftsvorſtand Widerſpruch dagegen erheben, daß der Betrieb in das Umlage=
kataſter
aufgenommen oder nicht aufgenommen, ſowie dagegen, wie er veranlagt iſt.
Der Beſcheid des Genoſſenſchaftsvorſtandes iſt mit Rechtsmittelbelehrung zu verſehen
(Artikel 17 des Ausf.=Geſ.).
§ 9.
Der Genoſſenſchaftsvorſtand berechnet den Beitrag, der auf jeden Beitrags=
pflichtigen
zur Deckung des Geſamtbedarfes entfällt, und ſtellt die Heberolle auf (§ 1019
R. V.O.). Hierbei iſt zu berückſichtigen, daß der Jahresbeitrag in der Gemeinde erhoben
wird, in der der Beitragspflichtige ſeinen Wohnſitz oder Sitz hat. Iſt der Wohnſitz
oder Sitz jedoch außerhalb des Großherzogtums, ſo wird der Beitrag in der Gemeinde
erhoben, in welcher der Grundbeſitz gelegen iſt (Artikel 19 des Ausf.=Geſ.)
§ 10.
Der Genoſſenſchaftsvorſtand überſendet die Heberolle oder einen Auszug hieraus
der zuſtändigen Gemeindebehörde mit der Aufforderung, die Beiträge durch den

Gemeinderechner einzuziehen und die Hälfte nach 4 Wochen, den Reſt ſpäteſtens
6 Monate nach Eingang der Heberolle oder des Auszugs an den Genoſſenſchafts=
vorſtand
einzuſenden (Artikel 20 des Ausf.=Geſ.).
Die Heberolle oder der Auszug muß die Angaben enthalten, die den Zahlungs=
pflichtigen
inſtand ſetzen, die Beitragsberechnung zu prüfen (§ 1021 Abſ. 1. R.V.S.).
§ 11.
Die Gemeindebehörde legt die Heberolle (den Auszug) zwei Wochen lana zur
Einſicht der Beteiligten aus und macht den Beginn dieſer Friſt auf ortsübliche Weiſe
bekannt. An Stelle der Auslegung kann die Zuſtellung an die Beteiligten treten.
Innerhalb zwei Wochen nach Ablauf der Offenlegungsfriſt oder nach Zuſtellung
(Abſ. 1. Satz 2) kann der als beitragspflichtig in Anſpruch Genommene, unbeſchadet der
Verpflichtung zur vorläufigen Zahlung, gegen die Beitragsberechnung bei dem Genoſſen=
ſchaftsvorſtand
Widerſpruch erheben. Die Veranlagung (Inhalt des Umlagekataſters)
kann dadurch nicht angefochten werden (Artikel 18 Ausf.=Geſ., § 1023 R.V.O.).
Gegen den Beſcheid des Genoſſenſchaftsvorſtandes iſt innerhalb eines Monats
Beſchwerde an das Oberverſicherungsamt zuläſſig, das endgültig entſcheidet (Artikel 17,
Abſ. 2, Artikel 18 Ausf.=Geſ.).
§ 12.
Hat die Gemeinde Beiträge vorſchußweiſe eingeſendet, bei denen ſie den wirk=
lichen
Ausfall oder die fruchtloſe Zwangsvollſtreckung nachweiſt, ſo ſind ihr dieſe Bei=
träge
zurückzuerſtatten (§ 1026 R. V. O.).
§ 13.
Für die Erhebung der Beiträge hat der Gemeinderechner eine Veraütung von
27, der eingezogenen Beiträge zu erhalten. Er kann bei Einſendung der Beiträge an
den Genoſſenſchaftsvorſtand die Vergütung abziehen (§ 1020 Abſ. 2 R. V.O.).
§ 14.
Wenn der Beitrag von einer Perſon erhoben iſt, die nicht Betriebsunternehmer
iſt, ſo hat letzterer dem Grundeigentümer den bezahlten Beitrag zurückzuerſtatten. Das
Finanzamt hat auf Verlangen des in das Umlagekataſter eingetragenen Beitrags=
pflichtigen
eine Berechnung der auf den Betriebsunternehmer entfallenden Beiträge
aufzuſtellen. Bei Streit über die Erſtattung findet § 1000 Abſ 3 der Reichsverſiche=
rungsordnung
Anwendung (Artikel 13 Abſ. 1 Satz 24 Ausf.=Geſ., § 1000 R. V.O.).
§ 15.
Die Beitreibung rückſtändiger Beiträge zur Berufsgenoſſenſchaft, der im Fall von
Betriebseinſtellung zu leiſtenden Sicherheit, ſowie der Strafen, mit Ausnahme der
gerichtlich erkannten, erfolgt nach den jeweils geltenden Vorſchriſten über die Zwangs=
volſtreckung
im Verwaltungsweg (§§ 28. 146, 972 Ziffer 11 R.V.=O.).
§ 16.
Die Gebühren für Aufſtellung (§ 2), Fortführung und Richtigſtellung der Um=
lagekataſter
(§ 6), ſowie für die auf Antrag von Grundeigentümern vorzunehmenden
Berechnungen (§ 14) werden vom Miniſterium des Innern im Einvernehmen mit dem
Miniſterium der Finanzen feſtgeſetzt und fließen in die Staatskaſſe. Die Gebühren für
die auf Antrag von Grundeigentümern aufzuſtellenden Berechnungen fallen den
Antragſtellern, die übrigen Gebühren der Berufsgenoſſenſchaft zur Laſt.
§ 17.
Dieſe Bekanntmachung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung im Regierungs=
blatt
in Kraft. Gleichzeitig wird die Verordnung, die Unfall= und Krankenverſicherung
der in land= und forſtwirtſchaftlichen Betrieben beſchäftigten Perſonen betreffend, vom
31. Mai 1902 (Reg.=Bl. S. 203) aufgehoben.
Darmſtadt, den 30. Mai 1913.
Großherzogliches Miniſterium des Innern.
Ruppel.
von Hombergk.

(Anlage zu § 2.)
Gemarkung:
Finanzamt:
Kreis:
(14712

Umlagekataſter
der land= und forſtwirtſchaftlichen Berufsgenoſſenſchaft
für das Großherzogtum Heſfen.

Grundlagen für den Ausſchlag auf den grundſteuer= Schätzungsweiſer
Steuerwert
Name
pflichtigen Grundbeſitz
der
derBeitragspflichtigen a. Kataſter=
b
. außerhalb der Wohnſitz=grundſteuerfreien
gemarlung
Grundſtücke
gemarkung
(bei Ausmärkern
(Steuerwerl (Art. 15 Abſ. 1
Steuerwert Gemark=
auch
Wohnort)
1des Geſetzes)
ungKulturart
Kulturart

5
Beſondere Beiträge I Bar=
1 Schätzungs=
Summe
weiſer
(Zuſchläge für Nebenbetriebel zuſchläge
Steuerwert des
und ſonſtige Tätigkeiten) 1 für
der außer=
Betriebs=
Steuer=
halb
Heſſens
1 Bemerkungen
beamte
gelegenen 1 werts
Zahl
Gegen= der 1 Ge= Bei=
uſw
.
Grundſtücke Spalte 2,
Ar=fahre ſtrag
(Art. 15 Abſ. 21 3, 4
(lt. Anlage)
ſtand beits= klaſſe
des Geſetzes)
3
tage

(t. Anl.)

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppenübungs=
(13989a
platz bringen wir hierdurch zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 25. Juni 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Michel.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 7. bis 10. Juli 1913.

Die
Dauer der
Truppenteil Abſperrung Abſperrung Bemerkungen
Tag
Datum
erſtreckt ſich
von bis
uaberdas
20 N
80V.
gange
7. Juli 1 Montag
Feldartillerie 9=V. 120 M. Abſperr=
8. Zuli 1Dienstag
8=V.10N. 1 Gelände
10. Juli Donnerstag

Bekanntmachung.

Am 7., 8., 10. und 11. Juli 1913 von 7 Uhr vormittags bis zum Einbruch der
Dunkelheit wird Schießen mit ſcharfer Munition von Truppenteilen des XVIII., Armee=
korps
auf dem Schießplatz bei Meſſel abgehalten werden.

[ ][  ][ ]

Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches=
wieſe
-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich

wird während des Schießens durch Poſten, Wegſchranken und Warnungstafeln abgeſperrt
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten (Polizei=
Verordnung Kreisamt Darmſtadt, 25. September 1909.)
Darmſtadt, den 25. Juni 1913.
(13973a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Michel.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 Paar lange gelbe Damenhandſchuhe. 1 braunes
Portemonnaie mit etwa 2 Mk. Inhalt. 2 Kinderſchirme. 1 kleiner
goldener Ring mit hellem Stein. 1 Rohrzange. 1 Taſchenmeſſer mit
braunem Stiel. 1 Broſche mit Frauenphotographie. 3 Stück Haar=
bänder
. 1 ſchwarze Handtaſche. 1 goldener Kinderring mit ver=
ſchlungenem
M. 2 Zwanzigmarkſcheine. 1 goldener Ring mit rotem
Stein. 1 ſchwarze Handtaſche mit lila Perlen beſetzt. 1 vergoldetes
Kollier mit 9 Moſaikanhängern. 1 weißer Herrenſtrohhut. Zuge=
flogen
: 1 Kanarienvogel.
(14603
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Wolfshund. Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vorm. um
10 Uhr, ſtatt.
(14658
Straßenſperre. Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten
wird die Feldbergſtraße zwiſchen dem Dornheimer= und Gries=
heimer
Weg vom 7. bis zum 30. Juli lfd. Js. für den Fuhrwerks=
und Radfahrverkehr geſperrt.
(14654
Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den 6. Juli,
ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends folgende
Apotheken geöffnet: Hof=Apotheke, Ballonplatz, und Adler=Apotheke,
Wilhelminenplatz. Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr ab
geſchloſſen.
Straßenſperre. Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten
wird die Beſſungerſtraße zwiſchen dem Forſtmeiſterplatz und der
Ludwigshöhſtraße vom 7. bis zum 25. Juli lfd. Js. für den Fuhr=
werks
= und Radfahrverkehr geſperrt.
(14727

Bekanntmachung
über die Durchführung des Reichsgeſetzes, betreffend die Be=
zeichnung
des Raumgehaltes der Schankgefäße, vom 20. Juli
1881, in der Faſſung der Novelle vom 24. Juli 1909.

Da nach § 2 Abſatz 4 des genannten Geſetzes, welches am
1. Auguſt 1909 in Kraft getreten iſt, nach dem 1. Oktober 1913 auch
der Gebrauch von Schankgefäßen für Bier mit dem früher zuläſſigen
geringeren Abſtand des Füllſtrichs vom oberen Rande des Gefäßes
nicht mehr geſtattet iſt, müſſen von dieſem Tage an alle zur Ver=
abreichung
von Wein, Obſtwein, Moſt oder Bier dienenden Schank=
gefäße
in Gaſt= und Schankwirtſchaften den neuen Vorſchriften,
namentlich hinſichtlich des Abſtandes des Füllſtrichs vom
oberen Rande des Gefäßes entſprechen. Wir werden daher nach
dem 1. Oktober ds. Js. gemäß § 6 der heſſiſchen Ausführungsver=
ordnung
vom 19. März 1913 zu obengenanntem Reichsgeſetz eine
Nachprüfung der Schankgefäße in den Gaſt= und Schankwirtſchaften
vornehmen laſſen und fordern deshalb alle Inhaber von Wirt=
ſchaften
hiermit auf, bis ſpäteſtens zum 1. Oktober diejenigen
Maßnahmen zu treffen, welche erforderlich ſind, damit ihre Schank=
gefäße
vom genannten Tage ab allen Vorſchriften des erwähnten
Geſetzes entſprechen.
Ein Auszug aus dem Geſetze veröffentlichen wir nachſtehend
mit dem Anfügen, daß unter den im § 4 genannten gehörig ge=
ſtempelten
Flüſſigkeitsmaßen geeichte Flüſſigkeitsmaße zu verſtehen
ſind. Mit Hilfe dieſer geeichten Flüſſigkeitsmaße haben ſich die
Wirte ſelbſt von der Richtigkeit ihrer Schankgefäße vor der Inge=
brauchnahme
zu überzeugen, auch haben ſie auf Verlangen ihren
Gäſten und Kunden die verabreichten Getränke vorzumeſſen.
Wir bemerken ferner noch, daß nach § 5 der heſſiſchen Aus=
fführungsverordnung
zu dem Reichsgeſetz die Schankgefäße nur einen
Füllſtrich und eine Bezeichnung des Sollinhalts haben dürfen;
jjedoch ſind alte Füllſtriche und Bezeichnungen, die in haltbarer und
ſjeden Zweifel ausſchließender Weiſe durchſtrichen oder vernichtet ſind,
insbeſondere dann nicht zu beanſtanden, wenn der maßgebende neue
Füllſtrich nebſt zugehöriger Bezeichnung auf der entgegengeſetzten
Seite des Gefäßes liegt.
Darmſtadt, den 23. Juni 1913.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Auszug

aus dem Geſetz, betreffend die Bezeichnung des Raumgehaltes
der Schankgefäße, vom 20. Juli 1881 (Reichsgeſetzblatt S. 249)
in der Faſſung der Novelle vom 24. Juli 1909 ( Reichsgeſetz=
blatt
S. 891).
Schankgefäße (Gläſer, Krüge, Flaſchen nſw.), welche zur
Verabreichung von Wein, Obſtwein, Moſt oder Bier in Gaſt=
und Schankwirtſchaften dienen, müſſen mit einem bei der Auf=
ſtellung
des Gefäßes auf einer horizontalen Ebene den Sollinhalt
begrenzenden Strich (Füllſtrich) und in der Nähe des Strichs
mit der Bezeichnung des Sollinhalts nach Litermaß verſehen
ſein. Der Bezeichnung des Sollinhalts bedarf es nicht, wenn
derſelbe ein Liter oder ein halbes Liter beträgt.
Der Strich und die Bezeichnung müſſen durch Schnitt, Schliff,
Brand oder Aetzung äußerlich und in leicht erkennbarer Weiſe an=
gebracht
ſein.
Zugelaſſen ſind nur Schankgefäße, deren Sollinhalt einem
Liter oder einer Maßgröße entſpricht, welche vom Liter auf=
wärts
durch Stufen von einem halben Liter, vom Liter abwärts
durch Stufen von Zehnteilen und vom halben Liter abwärts
durch Stufen von Zwanzigteilen des Liters gebildet wird.
§ 2.
Der Abſtand des Füllſtrichs von dem oberen Rande der Schank=
gefäße
muß
a) bei Gefäßen mit verengtem Halſe, auf dem letzteren ange=
bracht
, zwiſchen 2 und 6 Zentimeter,
b) bei Schankgefäßen für Bier zwiſchen 2 und 4 Zentimeter,
c) bei anderen Gefäßen zwiſchen 1 und 3 Zentimeter
betragen.
Der Maximalbetrag dieſes Abſtandes kann durch die zuſtändige
höhere Verwaltungsbehörde hinſichtlich ſolcher Schankgefäße, in welchen
eine ihrer Natur nach ſtark ſchäumende Flüſſigkeit verabreicht wird,
über die vorſtehend bezeichneten Grenzen hinaus feſtgeſtellt werden.
Die höhere Verwaltungsbehörde iſt ferner befugt, den in Abſatz
1 zu b bezeichneten Mindeſtbetrag des Abſtandes für Gefäße von
einem halben Liter Inhalt und darüber bis auf 3 Zentimeter zu erhöhen.
Bis zum 1. Oktober 1913 iſt der Gebrauch von Schankgefäßen
für Bier mit einem Mindeſtabſtande von 1 Zentimeter geſtattet.
§ 3
Der durch den Füllſtrich begrenzte Raumgehalt eines Schank=
gefäßes
darf
a) bei Gefäßen mit verengtem Halſe höchſtens ½o,
b) bei anderen Gefäßen höchſtens ½o geringer ſein als der
* Sollinhalt.
8
Gaſt= und Schankwirte haben gehörig geſtempelte Flüſſigkeits=
maße
von einem zur Prüfung ihrer Schankgefäße geeigneten Einzel=
oder
Geſamtinhalt bereit zu halten.
8
Gaſt= und Schankwirte, welche den vorſtehenden Vorſchriften
zuwiderhandeln, werden mit Geldſtrafe bis zu einhundert Mark oder

mit Haft bis zu 4 Wochen beſtraft. Gleichzeitig iſt auf Einziehung
der vorſchriftswidrig befundenen Schankgefäße zu erkennen, auch kann
die Vernichtung derſelben ausgeſprochen werden.
§ 6
Die vorſtehenden Beſtimmungen finden auf feſtverſchloſſene ( ver=
ſiegelte
, verkapſelte, feſtverkorkte uſw.) Flaſchen und Krüge, ſowie auf
Schankgefäße von ½ Liter oder weniger nicht Anwendung. (14054oms
Artikel II
Dieſes Geſetz tritt am 1. Auguſt 1909 in Kraft.

Bekanntmachung.

Da in letzter Zeit wiederholt über Beläſtigungen des Publi=
kums
durch Ball= und andere Spiele auf der Straße Beſchwerde
geführt worden iſt, ſehen wir uns veranlaßt, darauf hinzuweiſen, daß
nach Art. 292 des Polizeiſtrafgeſetzbuches und § 366,7 des
Reichsſtrafgeſetzbuches derjenige mit Geldſtrafe bis zu 60 Mk.
oder mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft wird, der auf Straßen
oder öffentlichen Plätzen mit Steinen oder anderen Gegenſtänden
wirft, wodurch Menſchen beſchädigt oder verunreinigt werden
können. Unter dieſen Tatbeſtand fallen insbeſondere auch Spiele
mit Hartgummibällen.
Iſt die mit Strafe bedrohte Handlung von Kindern begangen
worden, ſo werden nach Art. 44 des Polizeiſtrafgeſetzbuches die
Eltern oder andere aufſichtspflichtige Perſonen, die es an der er=
forderlichen
Aufſicht haben fehlen laſſen, beim erſten Fall poli=
zeilich
verwarnt, im Wiederholungsfalle mit Geldſtrafe bis zu
einem Drittel der auf die Uebertretung ſelbſt angedrohten
Strafe belegt.
Bei eintretenden Körperverletzungen können außerdem nach
§§ 823 ff., 832 des Bürgerlichen Geſetzbuches für den Täter und auf=
ſichtspflichtige
dritte Perſonen (Eltern uſw.) weitgehende zivilrecht=
liche
Schadenerſatzverpflichtungen entſtehen.
Darmſtadt, den 1. Juli 1913.
(14657
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Bekanntmachung
das Aufſtellen der Kehrichtgefäße betreffend.

Das Aufſtellen der Kehrichtgefäße vor den Hofreiten auf
der Straße iſt verboten. Offene Kehrichtgefäße dürfen innerhalb
der Hofreiten an den Eingängen nicht ſo aufgeſtellt werden, daß ihr
oft widerwärtiger oder Ekel erregender Inhalt von der Straße
aus geſehen werden kann. Zum Aufbewahren des Hauskehrichts
eignen ſich am beſten die mit Deckel verſehenen Kehrichtgefäße, wie
ſie von hieſigen Firmen in den Handel gebracht werden. Dieſe
runden Kehrichteimer mit Tragbügel und daran befeſtigtem
Deckel verhindern das Herausſcharren und Verſchleppen des Kehrichts
durch Hunde, erleichtern das Entleeren der Behälter bei der Abfuhr
und ſind, wenn ſie, wie vorgeſchrieben, innerhalb der Hofreiten an
den Eingängen aufgeſtellt werden, für das Straßenbild nicht mißſtändig.
Darmſtadt, den 1. Juli 1913.
(14655
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Bekanntmachung.

Im Intereſſe des ungehinderten Fußgängerverkehrs auf den
Fußſteigen iſt das Befahren der Fußſteige mit Fuhrwerken jeder
Art (auch Handwagen) bei Strafe verboten. Ausgenommen von
dieſem Verbote iſt, ſoweit hierdurch der Fußgängerverkehr nicht ge=
hindert
wird, die Beförderung von Kindern in Kinderwagen und
von Kranken in Krankenwagen (Fahrſtühlen); es dürfen jedoch
niemals 2 Kinder= oder Krankenwagen gleichzeitig nebeneinander
auf dem Fußſteig aufgeſtellt oder fortbewegt werden.
Die Schutzmannſchaft iſt zur Ueberwachung angewieſen und
wird namentlich gegen das die Fußgänger in hohem Grade gefähr=
dende
Abwärtsfahren der Kinder mit Sportwagen u. dergl. auf
den Fußſteigen ſteiler Straßen einſchreiten.
Darmſtadt, den 1. Juli 1913.
(14656
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Verkaufspreiſe der Kleiſch= u. Wurſtwarent. d. Hanpt= u. Reſidenzſtadt Darmſtadt
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.)

per ½ kg
Ochſenfleiſch
96 Pfg
90
Rindfleiſch
70
Fett, roh
80
Fett, ausgelaſſen
80
Leber
100
Kalbfleiſch
. 100
Hammelfleiſch
70
Bruſt .
Schweinefleiſch
90
Rippchen, Kammſtück, ge=
ſalz
. Fleiſch u. Kottelets 100

per½ kg
Speck, geräuchert .
.120 Pfg.
Dörrfleiſch
110
Schinken m. Bein . . . 120
Rollſchinken
. 140
Schweineſchmalz, roh
u. ausgelaſſen
90
Schwartenmagen,
Fleiſch= u. Bratwurſt . 92
Leber= u. Blutwurſt .
76
(6926

Stipendium.

Aus der von den Baurat Klunk Eheleuten zum Andenken
an ihren am 6. Oktober 1870 verſtorbenen Sohn, den Dr. med. Klunk,
gegründeten Stipendienſtiftung für Studierende der Medizin ſoll
ein Stipendium von jährlich 257 Mk. 14 Pfg. vergeben werden.
Vorausſetzungen zum Bezuge des Stipendiums ſind:
1. Heimatberechtigung in Darmſtadt. Wenn geeignete Bewerber
aus Darmſtadt nicht auftreten, ſo kann das Stipendium auch
an einen Bewerber aus einem anderen Orte der Provinz
Starkenburg vergeben werden:
2. gute Zeugniſſe über ſittliches Verhalten und fleißige Benutzung
der Studienzeit:
3. mindeſtens einjähriges Studium auf einer deutſchen Hochſchule;
4. daß die Bewerber nicht bereits ein Stipendium haben, das
ihnen ausreichende Mittel zum Unterhalt und zur Pflege ihrer
Studien gewährt, ſo daß der Beſitz eines geringeren anderweiten
Stipendiums den Bezug des gegenwärtigen nicht unbedingt
ausſchließt.
Da das Stipendium bis nach Ablauf des vierten Studienjahres
bezogen werden kann, ſo kann ſich die Bewilligung, je nach bereits
zurückgelegter Studienzeit, auf 1 bis 3 Jahre erſtrecken.
Die Vergebung erfolgt durch die hieſige Stadtverordneten=
Verſammlung.
Bewerbungen um das Stipendium ſind unter Vorlage ent=
ſprechender
Zeugniſſe bis längſtens den 8. September d. Js. hier
einzureichen.
(14587a
Darmſtadt, 26. Juni 1913.
Der Oberbürgermeiſter
Dr. Gläſſing.

Maurerarbeiten.

Die bei der Errichtung einer
Eintrittshalle für das Stadtkran=
kenhaus
an der Grafenſtraße vor=
kommenden
Maurerarbeiten ſollen
vergeben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Samstag, 12. Juli 1913,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(14371ms
Darmſtadt, 2. Juli 1913.
Stadtbauamt.
Buxbaum.

Bauarbeiten.

Die Weißbinderarbeiten bei Her=
ſtellung
in dem Gebäude Lager=
hausſtraße
Nr. 15 und bei dem
Neuanſtrich der Anlagegeländer
auf dem Luiſen= und Wilhelms=
platz
, ſowie die Dachdecker= und
Spenglerarbeiten bei der teilwei=
ſen
Umdeckung des Daches der
K.=M.=Sch. I ſollen vergeben wer=
den
.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Donnerstag, 10. Juli 1913,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(14512fs
Darmſtadt, 2. Juli 1913.
Stadtbauamt.
Buxbaum.

Bekanntmachung.

Montag, 7. Juli 1913,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem:
1. Heinrich Schäfer zu Darm=
ſtadt
,
2. deſſen Ehefrau Karoline, geb.
Geiger, daſelbſt
zugeſchriebenen Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
VI 487
77 Grasgarten
Moosbergſtr.,
VI 4877/10 193 Hofreite Moos=
bergſtraße
94,
VI 4877/10 95 Grasgarten
(Vorgarten)
daſelbſt,
VI 488 123 Grasgarten
(Vorgarten)
Heidelberger
ſtraße,
VI 488¾/10 285 Hofreite Heidel=
bergerſtr
. 130,
VI 489 103 Grabgarten
daſelbſt
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe verſtei=
gert
werden.
(K44/13
Darmſtadt, 3. Juni 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (VI,12586

Bekanntmachung.

Mittwoch, 16. Juli I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
ſollen die dem Philipp Adam und
dem Philipp Wilhelm Adam zu
Nieder=Modau, im Grundbuch hie=
ſiger
Gemarkung zugeſchriebenen
Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
34 264 1225) Acker über der
37 27 1542/ Pallaswieſe,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K104/12
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das einge=
legte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, 24. Juni 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V.13951

Bekanntmachung.

Freitag, 18. Jnli I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
ſoll die der Sängerſchaft Ascania,
e. V., dahier zugeſchriebene Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
I 1665 372 Grab=
garten

I 1666 174 Gras=
garten
Hg
I 1668 311 Hofreite
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K23/13
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das einge=
legte
Meiſtgebot die Schätzung
nicht erreicht.
Darmſtadt, 26. Juni 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,13950

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Bokel, ſtraße 17½ Hth., III. (*2432

Keiterſicht

der Durchſchnittspreiſe von folgen=
den
Früchten und Verbrauchsgegen=
ſtänden
in der Zeit
vom 15. bis 30. Juni 1913:
per Sack à 100 Kilo
Weizen von Mk. 21.50 bis 24.25
Korn
19.
18.
Gerſte
17.50 20.
Hafer
.
21.
Butter ½ Kilo Mk. 1.40
Butter in Partien Mk. 1.30
Eier per Stück 8½, Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 2.
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 7.
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 1.75
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 3.
Heu per 50 Kilo Mk. 4.
Darmſtadt, 4. Juli 1913.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.

Schweizer Ziege
(Saanen=Ziege) weiß, ohne Hörner,
m. ſehr reich. Milchertrag (nußſüß)
billigſt zu verkaufen.
(*2365
Traiſa, Bernhardſtr. Nr. 8.

Trunge Ziege und Ziegenbock,
reine Raſſe, zu verk. (*2189fs
Soderſtraße 110 part.

Masen!

Belgier Riesen,
D. R. Schecken,
Silber-Kaninchen
zu verkaufen. Näheres Lieb=
frauenſtr
. 58, zwiſchen 121 Uhr
und abends nach 7 Uhr. (*2373

Kurſe vom 4. Juli 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Staatspapiere.
4 Diſche. Reichsſchatzanw. 98,50
3½ Deutſche Reichsanl. . 84,40
73,75
3
bo.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 98,50
84,30
3½ do. Conſols
74,00
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 97,80
90,90
3½
do.
do.
3.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 98,70
82,80
do.
3½
3
do.
4 Hamburger Staatsanl. 97,50
4 Heſ. Staatsanleihe 96,30
4 do. do. (unk. 1918) 96,69
3½
bo.
82,90
3
do.
72,50
3 Sächſiſche Rente.
75,50
4 Württemberg unk. 1921 93,20
3½
do. v. 1900 94,10
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 95,50
1½ Griechen v. 1887 . 53,00
Italiener Rente . . 100,00
4½ Oeſterr. Silberrente
4 do. Goldrente . . . 86,50
4 do. einheitl. Rente . 81,25
3 Portug. unif. Serie I 62,50
3 do. unif. Ser. III 64,90
3 do. Spezial . . . .
5 Rumänier v. 1903 . . 98,00
4 do. v. 1890 . . 92,20
4 do. v. 1905 . . 86,00
4 Ruſſen v. 1880 . . .
4 do. v. 1902 ..
. 88,40
4½ do. v. 1905 .
. 99,30
3½ Schweden
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 73,10
4 Türk. unifiz. v. 1903 84,80
4 Ungar. Goldrente . .
82,70
4 do. Staatsrente. . . 80.70

Zf.
In Proz.
5 Argentinier
. 98,00
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 88,00
5 Chinef. Staatsanleiße. 97,30
4½,
39,60
do.
4½ Japaner . . . . .
89,90
5 Innere Mexikaner:
76,20
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 73,00
5 Gold=Merikaner . .
3 Buenos Aires Provinz 64,80
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 134,20
7 Nordd. Blogd
.114,60
6½ Südd. Eiſenb.=Beſ..
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſerh. 60½,
Einz. Mk. 403 . . 111,30
6 Baltimore und Ohio . 92,50
6 Schantungbahn . . . . 118,75
8 Luremb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 24,10
6 Pennſylvania R. R. . 110,00
getzte Induſtrie=
Diotd. Aktien.
4 Brauerei Werger
61,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrit .
. . 536,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

.230,10
30 Farbwerke Höhſt . . 590,50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 327,00
10 Cement Heidelberg . . 137,00
30 Chem. Werke Albert 420,00
14 Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 325,50
5 Lahmener. .

Eite
Iuprot
Tivid
8 Schuchert, Nürnberg 139,25
12 Siemens E Haleke 202,75
5 Veramann Eleetr. . . 121,00
10 Deutſch.Ueberſee Electr. 157,75
0 Gummi Peter . . . . 57,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 60,50
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . .
.405,25
9 Maſchinenf Badenia 133,50
0 Wittener Stahlröhren
9 Steana Romana Petr. 145,00
15 Zellſtoff Waldbof . . 217,00
12,83 Bad. Zucker=Waz=
204,00
häuſel.
0 Neue Boden=A. A.=Beſ. 74,00
0 Südd. Immobilien 50,50
Bergwerks=Aktien.
10 Aumetz=Friede . . . . 159,60
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt.
. 210,50
11 Deutſch=Luxemburg.=
Verab.
. 142,75
10 Gelſenkirchener .
.173,30
9 Harpener .
180,80
18. Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 240,10
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Garo..
69,90
6 Laurahütte
.159,75
10 Kaliwerke Aſcherslehen 140,00
3
Weſteregeln 173,25
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 88,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 87,40
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 84,00
3 Prag=Durer . .
71,20
5 Oeſterr. Staatsbahn . 100,70
4 Oeſterr. Staatsbahn . 86,50
do.
73,40
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 95,90
ds.

18t
Inwe,
2 Oeſt. Südb. (Lomb.) 50,70
3 Raab=Oedenburg
74,25
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 84,30
4½ Moskau=Kaſan . . . 92,70
84,00
de.
4 Wladichawchas .
84,50
4 Rjäſan Koslow . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . 70,00
54,50
do.
66,70
2 Livorneſer .
3 Saloniaue=Monaſtir . 61,20
4 Baadadbahn.
78,30
4½ Anatoliſche Eiſenb. 92,40
4 Miſſouri=Paeiſte.
4 Northern=Paciſie
93,40
4 Southern=Paciſie
88,20
5 St. Louis und San
Franeisco. .
. Tehuantepee . . ..
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich 187,00
7½ Bergiſch=Märkiſche
Bahn .
9½ Berlin. Handelsgef. .154,00
6½ Darmſtädter Bank . 113,50
12½ Deutſche Bank . . . 237,50
6 Deutſche Vereinsbank . 115,00
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 112,40
10 Diskonto=Kommandit 176,50
8½ Dresdener Bank 144,10
10 Frankf. Hnpoth.=B. 206,00
6½ Mitteld. Kreditbank 113,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 112,00
7 Pfölziſche Bank.
. 122,90
6,95 Reichebank
.133,50
7 Rhein. Kreditbank. . .127,25
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 108,70
7½ Wiener Bankverein . 128,00
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
G. 21. .. . . . . 95,40

(3.
Zubrn
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19.
85,50
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
94,00
S. 52.
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 95,00
3½
84,00
do.
4 Hefſ. Land.=Hyp.=Bank 97,40
3½
85,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
96,80
S. 14, 15, 17, 24/26
1823. . . . . . .
96,80
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
85,00
S. 1 u. 2, 68 .
S. 35 .
84,80
S. 911
. 84,90
4 Meininger Hyp.=Bank 95,50
3½
84,50
do.
4 Rhein. Hyvothek.=Bank
(unk. 1917) . . 94,80
3½ do. (unk. 1914) . . 83,30
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 97,80
3½
do.
85,00
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt .
3½ do.
87,00
4. Frankfurt.
96,80
8½, do.
9670
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. 94,00
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do.
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. . . . . . . 135,25
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Braunſchweiger Tlr. 20 191,50
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Freiburger .
Mailänder .
. Fs.45
.Fs. 10 37,90
do.
Meininger .
.. fl. 7 34,10
Oeſterreicherv. 1864fl. 100 559,00
do. u.1855f.100 49520
Ungar. Staats . fl. 100 380,00
Benediger . . . . Fs. 30 58,00
Türkiſche . . . . Fs. 400 153,80
Gold, Silber und
Banknoten.
20,38
Engl. Sovereigns .
1625
20 Franks=Stücke .
415
Amerikaniſche Noten.
20,42
Engliſche Noten .
81,10
Franzöſiſche Noten. .
.168,80
Holländiſche Noten.
78,75
Italieniſche Noten.
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,70
Auſiſche Nolen .
Schweizer Noten . . . . . 81,00
Reichsbank=Diskonto. . . 6%
Reichshank=Lombard Zsf. 7½

[ ][  ][ ]

Sandel und Verkehr.

* Schnellpreſſenfabrik Frankenthal,
Albert u. Cie., A.=G. in Frankenthal. In der Ge=
neralverſammlung
wurden die Vorſchläge der Verwalt=
ung
einſtimmig genehmigt und demgemäß die Auszahl=
ung
einer Dividende von wiederum 16 Prozent be=
ſchloſſen
. Die Direktion teilte auf Anfrage eines Aktio=
närs
mit, daß die lebhafte Nachfrage fortbeſteht.
H. Frankfurt a. M., 4. Juli. ( Börſenwochen=
bericht
.) Die neuerdings ausgebrochenen Feindſelig=
keiten
auf dem Balkan haben an den Börſen wieder einen
ſehr verſtimmenden Einfluß ausgeübt und man iſt dop=
pelt
deprimiert, weil ſelbſt das Machtwort des Zaren bei
dieſen raufluſtigen Völkern keinen Eindruck gemacht hat.
Jedenfalls wird die weitere Opferung des ohnehin ge=
lichteten
Menſchenmaterials für die Zukunft friedlichere
Zeiten bringen. Einigermaßen erfreulich iſt die günſti=
gere
Geſtaltung des Geldmarktes und damit die Er=
mäßigung
des Privatdiskonts auf 4¾ Prozent. Die ein=
getretene
Geldkonſtellation und die zweifellos verlang=
ſamte
wirtſchaftliche Entwickelung läßt die Anſicht zu, daß
die Geldkalamität, was Deutſchland anbetrifft, ihren
Höhepunkt erreicht hat und daß für den vielfach gefürch=
teten
Herbſttermin keineswegs Zinsſätze und Geldan=
ſprüche
zu erwarten ſtehen, die über die jetzigen weit hin=
ausgehen
. Iſt es doch auch der Reichsbank gelungen
begünſtigt durch niedrige Wechſelkurſe , ihren Gold=
beſtand
auf eine Höhe wie nie zuvor (1,115 Milliarden
Mark) zu bringen. In den letzten fünf Monaten ſind
170 Millionen Mark Gold nach Deutſchland gefloſſen, da=
von
allein in den letzten drei Monaten 125 Millionen Mk.
Glücklicherweiſe iſt auch die Handelsbilanz zu unſeren
Gunſten, ſo daß die Erhaltung dieſer Goldbeſtände auch
fernerhin gewährleiſtet erſcheint. Es wäre aber falſch,
anzunehmen, daß nunmehr die Frage einer Diskont=
ermäßigung
in die Nähe gerückt ſei; vielmehr iſt die Er=
höhung
des Goldbeſtandes in weiſer Vorausſicht zu dem
Endzweck erfolgt, um im Herbſt für alle eventuellen An=
ſprüche
gut gerüſtet dazuſtehen. Die geführten Verhand=
lungen
wegen Bildung eines Stabeiſen= Syndi=
kats
haben leider keine Fortſchritte gemacht, da über
die von Thyſſen für deſſen neues Werk in Hagendingen
beanſpruchte Beteiligung von 250000 Tonnen keine Ver=
ſtändigung
erzielt werden konnte. Man glaubt, daß die
Verbandsbeſtrebungen erfolglos bleiben wenn Thyſſen
an dieſer Forderung feſthalten ſollte. Die nächſte Voll=
verſammlung
der Werksbeſitzer findet dieſen Samstag
ſtatt. Vom belgiſchen Eiſenmarkt hört man, daß die be=
ginnende
Betriebseinſchränkung bei einzelnen Werken
ein weiteres Nachgeben der Preiſe im Inlandsmarkte ver=
anlaſſen
. Der Verband deutſcher Zinkblechwalz=
werke
ermäßigte infolge der Herabſetzung der Roh=
zinkpreiſe
die Preiſe für Zinkbleche um 3 Mark für den
Doppelzentner, ſo daß ſie ſich jetzt auf 52 Mark für Oſt=
deutſchland
und 51,5 Mark für Weſtdeutſchland, Fracht=
grundlage
Morgenrot bezw. Oberhauſen, ſtellen. Unter
ſolchen Meldungen verkehrten die Börſen in ſchwacher
und recht luſtloſer Haltung; es wären ſtärkere Rückgänge
bei den Kurſen erfolgt, wenn nicht der beſſere Geldſtand
eine weſentliche Stütze geboten hätte. Zu den Einzel=
heiten
des Geſchäfts übergehend, ſind die deutſchen Ren=
ten
im allgemeinen gut behauptet. In 3prozentigen
Reichs und preußiſchen Konſols kam einiges Material
an den Markt, wodurch die Preiſe um Zehntel=Prozente
gedrückt wurden.

Von den ausländiſchen Staatsſonds waren Griechen,
Serben, Bulgaren und beſonders Rumänen ſchwächer;
letztere auf die Nachricht, daß auch Rumänien durch Mo=
biliſierung
ſeiner Armee ſich durch Machtentfaltung ſeine
Anſprüche bei der Teilung der Beute ſichern will. Türken
haben ebenfalls nachgeben müſſen, während öſterreichiſch=
ungariſche
Renten, ſowie Ruſſen um Bruchteile einbüß=
ten
. Argentinier, Japaner und Chineſen liegen ſehr feſt
und Mexikaner haben ſich etwas erholt.
Am Markt für die Transportwerte haben Hamburger
Paketfahrt, Norddeutſcher Lloyd, die öſterreichiſchen Bah=
nen
, ſowie Schantung im Kurs verloren. Orientbahnen
gingen auf 173 zurück. In Angelegenheit der Südbahn
(Lombarden) reiſen die Vertreter der Südbahnverwalt=
ung
, nach neuerlicher Rückſprache mit den Regierungsver=
tretern
, zur Fortſetzung der Sanierungsverhandlungen
nach Paris. Bankaktien hatten unter der allgemeinen
Tendenz zu leiden und gaben Deutſche Bank etwa 4½
Prozent, Diskonto=Kommandit etwa 3½ Prozent, Oeſter=
reichiſche
Kreditaktien zirka 4 Prozent und Bremer Han=
delsgeſellſchaft
zirka 2 Prozent nach. Darmſtädter blieben
relativ gut behauptet, ebenſo Deutſche Effekten= und Wech=
ſelbank
, ſowie Dresdener. Am Montanmarkt vollzogen
ſich zeitweiſe größere Umſätze bei ſchließlich nachgebenden
Kurſen. Für Bochumer beſtand dieſe Woche ein größeres
Intereſſe ſeitens der Spekulation, anſcheinend auf befrie=
digende
Erträgniſſe. Das Kaſſainduſtriegebiet blieb von
der Mattigkeit nicht verſchont und es ſind hier faſt durch=
weg
Einbußen zu verzeichnen; namentlich waren bei
Wochenſchluß die Elektriſchen Aktien offeriert. In dieſen
Werten hat ſich in der letzten Zeit ein reges Ultimogeſchäft
entwickelt, wovon jetzt jedenfalls Poſitionslöſungen ſtatt=
fanden
. Benz waren bis 220 nachgebend und verlautete,
daß die Hoffnungen wegen einer Dividendenerhöhung
um 2 Prozent auf 12 Prozent nicht in Erfüllung gehen,
vielmehr werde der Satz auf 10 Prozent belaſſen werden,
deshalb, weil die mit bedeutenden Krediten belaſtete Ge=
ſellſchaft
unaufſchiebbaren Geldbedarf habe, der noch in
dieſem Jahre zu befriedigen ſei. An ſich iſt das Ergebnis
des Geſchäftsjahres 1912/13 recht erfreulich; die Ueber=
ſchüſſe
ſind höher wie im Vorjahre. Fahrzeug Eiſenach
gingen auf 94 zurück.
Am Kolonialmarkte notieren Pomona 715 und Kolo=
nialwerte
585, Otavi wurden höher bezahlt auf den gün=
ſtigen
Abſchluß, der die Verteilung von 8 Mark für An=
teile
und 7 Mark auf die Genußſcheine zuläßt. Die Frei=
tagsbörſe
zeigte weiter eine matte Stimmung und brachte
erneute Kursrückgänge, da dem Angebot nur mäßige Kauf=
luſt
gegenüberſtand. Die unklare Haltung Rumäniens
trug vorwiegend zur Verſtimmung bei Kleyer ſchloſſen
zuletzt 405¼, Deutſche Gold= und Silber=Scheideanſtalt
617, Höchſter 590½, Badiſche Anilin 536, Holzverkohlung
325½,. Naphtha 345. Die Reiniger, Gebbert und Schall=
(Aktiengeſellſchaft) beſchloß die Erhöhung des Aktienkapi=
tals
auf 3500000 Mark. Die jungen Aktien wurden von
einem Konſortium unter Führung der Darmſtädter Bank
übernommen.
Von Loſen notieren: Augsburger 34.80, Braunſchwei=
ger
191.50, Meininger 34.10, Genua 207, Türkiſche 153.80,
Freiburger 112, Ungariſche 380, Mailänder 45=Fr.=L. 133,
Mailänder 10=Fr.=Loſe 37.50, Venedigen 56, Raab=
Grazer Anrechts=Scheine 39.40 in Reichsmark;
Gothaer Prämie II 115.25, Madrider 72.25 Donau=
Regulierung 150 P., in Prozent; ferner ſchließen: 4proz.
Reichs von 1903 98.50 G., 4proz. Reichs (rückzahlb. 1918)
97.70 P., 3½proz. Reichs 84.40, 3proz. Reichs 73.75, 4proz.

Heſen von 190 0h0, (prog, Heſen von 190 90b0, Groz.
Heſſen von 1908/09 96.30, 4proz. Heſſen (rückzahlb. 1921)
98.50, 3½proz. Heſſen 83, Zproz. Heſſen 72.50, 4proz.
Darmſtädter 95.25, 3½proz. Darmſtädter 86.15, 4proz.
Heſſiſche Land.=Hyp=Pfdbr. (S. 1823) 97.10 G., 4proz.
Heſſiſche Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 2426) 97.60, 3½proz=
Heſſiſche Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 35) 84.80 G., G½proz.
Heſſiſche Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 911) 84.90 G., 4proz.
Heſſiſche Kommunal=Pfdbr. (S. 1012) 97.10 G., 4proz.
Heſſiſche Kommunal=Pfdbr. (S. 1316) 97.60, 3½proz.
Heſſiſche Kommunal=Pfdbr. (S. 13) 85 G., 3½proz.
Heſſiſche Kommunal=Pfdbr. (S. 4) 84.90, Darmſtädter
Bank 113.50, Süddeutſche Eiſenbahn=Geſellſchaft 125.50,
Süddeutſche Immobilien=Geſellſchaft (Mainz) 50.50 G.,
Lederwerke vorm. Spicharz (Offenbach a. M.) 65 B., Lack=
und Farbenfabr. vorm. Schramm (Offenbach a. M.)
272 B., Faber u. Schleicher, A.=G. (Offenbach a. M.),
127 B., Chemiſche Mühlheim a. M. 62.50, Schantung
117½, South=Weſtafrika 109¾4, Otavi=Anteile 112½,
Otavi=Genußſcheine 81, 4½proz. Ruſſen 99.60, 4proz. 1880er
Ruſſen 86.70 G., 4proz. 1902er Ruſſen 88.75, 3¼oproz.
Ruſſen 84.25, 3½proz. Ruſſen 78, 3proz. Ruſſen 71.75,
4proz. unifiz. Türken 84.80 B., 4proz. Adminiſtr.=Türken
78.50 G., 4proz. Bagdad=Türken 78.90 G., 4proz. konvert.
Türken von 1905/11 73.75, 5proz. Bulgaren 966 4 ½=
prozentige
Serben 86 B., 4proz. Serben 75,10, Griechen
von 1890 58.30 B., Griechen von 1887 55¾4 B 5proz. Chi=
neſen
97, 4½proz. Chineſen 90, 5proz. Chineſen (Tientſin=
Pukow) 91.50 G., 4½proz. Japaner 89.85, 4proz. Japaner
81.75.

Landwirtſchaftliches.

D Verſteigerung importierter belgi=
ſcher
Fohlen. Am 14. Juli, vormittags 10 Uhr,
verſteigert die Landwirtſchaftskammer auf dem Pferde=
marktplatz
in Darmſtadt unter die Beſteller 8 importierte
belgiſche Stutfohlen. Die Landwirte ſind zum Beſuch
dieſer Veranſtaltung eingeladen.

Literariſches.

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geſchrei
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das Werk heraus aus den Erſcheinungen ähnlicher Art:
Nicht der Kampf bis aufs Meſſer, die Vernichtung des
Schwächeren ſoll das Endziel dieſes gewaltigen Ringens
ſein, ſondern das friedliche Zuſammengehen der fünf gro=
ßen
Mächte zu einem weſteuropäiſchen Intereſſenverband.
Der deutſche Kaiſer iſt es, der dieſen ſchönen und großen
Gedanken zur Tat werden läßt.
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, 5 Horch. 3 Maf, 3 Apollo, 3 Sperber, 3 Wanderer,
3 Bergmann=Metallurgique, 2 Eneſumobil, 2 Premier,
2 R. A. W., 2 Protos, 2 Preſto, 2 Deſſauer, 2 Hupmobil,
2 Loreley, 1 Torpedo, 1 Rex=Simplex, 1 Berliet, 1 F. N.,
1 Darracg, 1 Dürkopp, 1 Dixi, 1 Gaggenau, 1 Windhoff,
1 Opel. Die Fahrt führt durch die ſchönſten Gebirge
des Bayeriſchen Waldes, ſowie Salzkammergut und
Tirol, und endet am 19. Juli in München. Für die Fahrt
ſind für 6000 Mark Ehrenpreiſe und Sonderpreiſe aus=
geſetzt
. Von den letzteren erwähnen wir den D. A. P. G.=
Preis in Höhe von 500 Mark, den Benzol=Preis in Höhe
von 300 Mark, Sperber=Preiſe, Kronprinz=Preiſe, A. R. F.=
Preiſe und andere. Der zweite Meldeſchluß zum ein=
fachen
Einſatz iſt am 7. Juli 1913. Meldeſtelle: Allge=
meiner
Deutſcher Automobil=Klub, München, Neuturm=
ſtraße
5/I.
Jubiläums -A. D. A. C.=Tag in München.
Die anläßlich dieſer Tagung vom Allgemeinen Deutſchen
Automobil=Klub veranſtaltete Sportwoche (17. bis 23.
Juli 1913) iſt vom Klub mit Preiſen von insgeſamt 18000
Mark ausgeſtattet worden. Als Feſtplatz für dieſe größte
deutſche Automobilveranſtaltung iſt der prächtige ſtädtiſche
Ausſtellungspark gewonnen worden. Der Klub hat Vor=
kehrungen
zur Unterbringung von 1000 Automobilen
und 3000 Feſtgäſten getroffen. Das Feſtprogramm iſt
von der Zentralgeſchäftsſtelle des Klubs, München, Neu=
turmſtraße
5/1, zu beziehen.
Motorboot=Regatta auf dem Chiem=
ſee
. Anläßlich des Jubiläums=A. D. A. C.=Tages in
München findet am Montag, den 21. Juli cr., auf dem
Chiemſee bei Prien eine große Motorboot=Regatta ſtatt.
Zur Teilnahme ſind 5 Klaſſen vorgeſehen: 1 offene Tou=
renboote
, 2. Binnenkreuzer mit Kajüte, 3. Tauſend= und
4. Zweitauſend=Mark=Motorboote, 5. Rennboote. Das
Nenngeld beträgt für Klaſſe 3 5 Mark, Klaſſe 4 10 Mark
und für die übrigen Klaſſen 20 Mark. Meldeſchluß iſt
am 12. Juni er. Meldebogen ſind in der Zentral=
geſchäftsſtelle
des A. D. A. C. München, Neuturmſtraße 5,
erhältlich. Die Regatta, die ſchon im vorigen Jahre ſehr
ſtark beſchickt war, verſpricht dieſes Jahr beſonders inter=
eſſant
zu werden, da eine größere Reihe von Tauſend=
und Zweitauſend=Mark=Motorbooten daran teilnehmen
werden. Der A. D. A. C. wird die Feſtteilnehmer in
Extrazügen nach Prien befördern laſſen, außerdem ſindet
eine Gefellſchaftsfahrt für Automobile nach Prien ſtatt.

* Fußballklub Olpmpia‟=Darmſtadt. Man ſchreibt
uns: Zum dritten Male ergeht von der heſſiſchen Reſi=
denz
aus der Ruf an die deutſchen Sportvereine, die
ort am 13. Juli 1913 ſtattfindenden nationalen olympi=

ſchen Wettkämpfe zu beſchicken. Der rührige Fußbalklub
Olympia‟=Darmſtadt, der vor wenigen Wochen in feſt=
licher
Weiſe ſein 15. Vereinsjubiläum beging, hat, um
dieſe Feſttage zu einem würdigen Abſchluß zu bringen
und um insbeſondere auch dem Sportbetrieb gebührend
Rechnung zu tragen, dieſe Konkurrenzen ausgeſchrieben.
Mit unermüdlichem Eifer hat die Vereinsleitung die Vor=
bereitungen
zu dem Sportfeſte getroffen, ſodaß ſchon im
votaus eine muſtergültige Abwickelung des umfangreichen
Programms gewährleiſtet iſt. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog, der hohe Protektor des vorjährigen,
glanzvoll verlaufenen Sportfeſtes, hat auch in dieſem
Jahre das Protektorat wieder übernommen, und zahl=
reiche
Herren der Darmſtädter Geſellſchaft ſind dem
Ehrenausſchuß beigetreten. Koſtbare Wanderpreiſe, dar=
unter
der wunderbare Goldpokal Sr. Königl. Hoheit des
Großherzogs, winken den Siegern in den Mannſchafts=
kämpfen
, während nicht minder wertvolle Ehrenpreiſe
für die Einzelkonkurrenzen zur Verfügung ſtehen. So
wird denn der 13. Juli er. ein Glanztag in der Sport=
geſchichte
Darmſtadts ſein, gilt es doch, dem nunmehr 15
Jahre lang für die deutſche Sportſache mit großem Er=
folg
arbeitenden Fußballklub Olympia‟=Darmſtadt durch
ein großzügig angelegtes Sportfeſt ein würdiges Geleit
in das neue Vereinsjahr zu geben. Bei der großen Be=
liebtheit
, der ſich der feſtgebende Verein bei den deut=
ſchen
Sportvereinen erfreut, iſt zu erwarten, daß das
diesjährige Sportfeſt noch zahlreicher von auswärts he=
ſchickt
wird, als in den Vorjahren.
* Amateurphotographie. Das erſte Juliheft der be=
kannten
Amateurphotographenzeitſchrift Photographie für
Alle (Berlin S. 61) bringt u. a. einen Artikel über
Pilzaufnahmen, in dem es u. a. heißt: Notwen=
dig
iſt ein Objektiv von nicht zu kurzer Brennweite und
eine Kamera mit langem Auszug, ſowie farbenempfind=
liche
, möglichſt auch rotempfindliche Platten, wünſchens=
wert
iſt ein feſtes Stativ mit Kugelgelenk zum Neigen
der Kamera, aber im Notfalle teils auch ein gewöhn=
liches
Stativ, das weit genug zuſammengeſchoben wer=
den
kann und damit ein möglichſt niedriges Aufſtellen
der Kamera geſtattet. Im allgemeinen iſt möglichſt
wenig abzublenden, ſo daß die meiſt recht unruhige Um=
gebung
des Pilzes, Moos Nadeln und Kräutergeſtrüpp,
unſcharf erſcheint. Die Belichtungszeit kann ſehr ver=
ſchieden
ſein und über ſie laſſen ſich keine Normen auf=
ſtellen
. Meiſt iſt man geneigt. zu kurz zu belichten, und
den Umſtand zu wenig zu berückſichtigen, daß die Kronen
der Bäume nur einen kleinen Teil des Tageslichtes hin=
durchlaſſen
.
Automobilſport. Oſtende, 4. Juli. In der
internationalen Zuverläſſigkeits=Sternfahrt über 260
Kilometer ſiegten im Geſamtklaſſement unter 40 Konkur=
renten
Greiner auf 8/20 Ps=Opel= Touren=
wagen
und Paul d’Aouſt auf 6/16 Ps=Opel= Touren=
wagen
, welcher den zweiten Platz belegte. Auch in dem
Rennen über 20 Kilometer und den beiden Kilometer=
Rennen mit ſtehendem und fliegendem Start belegten
Greiner und Paul d’Aouſt auf Opel=Tourenwagen die
beiden erſten Plätze ihrer Kategorien. Sieger der Auto=

maſteSchönheſtlonhurting wunde 8öbet uf Spelt.
Torpedo.
Hannover, 4. Juli. Opelwagen gewannen
bei der Sternfahrt des Allgemeinen Deutſchen Automobil=
Klubs ſieben erſte Preiſe.
sr. Lawn=Tennis. Kreuzer in der Vorſchluß=
runde
der engliſchen Lawn=Tennis= Mei=
ſterſchaften
geſchlagen. Die noch ausſtehende
Begegnung in der Vorſchlußrunde zwiſchen dem Frank=
furter
O. Kreuzer und dem Auſtralier S. N. Douſt hat
mit einem leichten Sieg des Auſtraliers geendet. Vor
zirka 5000 Zuſchauern ſtanden ſich die beiden Spieler
gegenüber. Douſt brauchte ſich nicht beſonders anzuſtren=
gen
, um ſich ſeines Gegners zu entledigen, denn Kreuzer
ſpielte mit einer Nervoſität, die man an ihm nicht ge=
wöhnt
iſt, und verlor ſchließlich mit 3:6, 2:6, 3:6. Douſt
trat darauf in der Schlußrunde gegen Mac Loughlin an,
unterlag aber mit 3:6, 4:6, 5.7. Mac Loughlin ſpielt
nun mit dem Verteidiger A. F. Wilding um die Ent=
ſcheidung
. Neben den Meiſterſchaften finden noch die
Spiele um die All=England=Plate ſtatt, an denen ſich auch
Prinz Friedrich Karl unter dem Pſeudonym F. Karl
beteiligt. Der Prinz wurde aber in der dritten Runde
von dem Südafrikaner Kidſon, einem der olympiſchen
Lawn=Tennis=Sieger in Stockholm, mit 611, 633 leicht
geſchlagen.

Literariſches.

Zu Wislicenus’ neuem Buch über Shake=
ſpeares
Totenmaske, über das wir berichteten,
iſt ſoeben ein Nachtrag erſchienen, der die Abmeißelung
der Grabesbüſte des Dichters im Jahre 1748 und ihre ur=
ſprüngliche
Uebereinſtimmung mit der Totenmaske auf
das klarſte erweiſt; ihm ſind vier weitere Tafeln mit vor=
trefflichen
Illuſtration beigegelgn. Die Nachweiſe ſind
vollſtändig und unwiderleglich, die Maske hat zur Her=
ſtellung
der Grabesbüſte gedient, und ſie iſt vom Geſicht
desſelben Mannes genommen worden, nach dem das ſog.
Chandosbild, in ſeiner urſprünglichſten Form, gemalt
worden iſt. Wislicenus hatte, um dieſen Nachweis dem
Buche beifügen zu können, das Erſcheinen des letzteren
noch zurückgehalten ; es iſt nunmehr ſeitens der Ver=
lagshandlung
Diederichs in Jena der Oeffentlichkeit über=
geben
und ſeitens hervorragender Gelehrter der geſchicht=
lichen
und naturwiſſenſchaftlichen Fächer, ſowie bild=
haueriſcher
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Ich liebe Dich!
Roman von Guido Kreutzer.
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Und keiner von ihnen hatte draußen im Korridor das
Klingeln und Stimmengemurmel gehört!
Die Kommerzienrätin Renzow war gekommen, um
nit ihrer lieben Freundin Tilly ein wenig über den
klänzenden Verlauf des geſtrigen Renntages zu plaudern.
Als ſie auf der Diele ſtand und noch mit dem netten
leinen Stubenmädel parlamentierte, ſah ſie den Offi=
zierspaletot
am Riegel hängen.
Es iſt Beſuch da, Paula?
Der Herr Baron Oſtheeren macht dem gnädigen Fräu=
ein
ſeine Aufwartung. Soll ich Frau Kommerzienrat
nelden?
Nein danke, laſſen Sie nur! . . . die Ablehnung klang
ehr kühl . . . Der Herr Baron iſt wahrſcheinlich eben ge=
ommen
; und da möchte ich die Herrſchaften nicht ſtören.
Beſtellen Sie nur der gnädigen Frau viele Grüße; und
ch würde in den nächſten Tagen wieder mal mit heran=
ommen
.
Mit impertinentem Lächeln ließ die kleine Krabbe ſie
vieder hinaus.
Sehr wohl, Frau Kommerzienrat . . . aber der Herr
Zaron iſt ſchon faſt eine halbe Stunde hier!
Die Beſucherin antwortete nicht mehr. Wortlos trat
ie an den Lift, um ſich hinunterfahren zu laſſen.
Nach Hauſe! herrſchte ſie unten den Chauffeur an.
lnd es klang ſehr energiſch, wie ſie den Schlag ihres
lutos hinter ſich zuzog.
Sie fand Herta in ihrem Boudoir. Trotzdem draußen

noch Tageslicht herrſchte, waren hier drinnen die gelb=
ſeidenen
Vorhänge ſchon zugezogen. Am Plafond däm=
merte
eine kleine Ampel.
Das junge Mädchen lag in einer etwas übertrieben
reichen Matinee auf der Chaiſelongue. Als die Mutter
eintrat, machte ſie keine Bewegung, aufzuſtehen; wandte
nur den Kopf herum.
Du, Mama? ſchon zurück? Verzeih’, wenn ich liegen
bleibe; aber ich habe raſende Kopfſchmerzen!
Die Kommerzienrätin ließ ſich behutſam auf ein win=
ziges
Lackſtühlchen nieder.
Du ſollteſt Dich nicht ſo verweichlichen, Kind! Zieh
Dich an und fahre eine Stunde ſpazieren; das würde Dir
wirklich beſſer tun, als andauernd in dieſer ſchweren Par=
fümluft
zu liegen!!
Ach, bitte, laß doch das, Mama. Sag’ mir lieber
.. Du warſt bei Frau von Berns?
Ja, Hertachen; eben komme ich von ihr.
Du biſt ja aber ſo ſchnell zurückgekommen, daß Du
kaum fünf Minuten dort geweſen ſein kannſt! Und was
machſt Du denn überhaupt für ein merkwürdiges Geſicht,
Mama?
Die zog ſeufzend die langen ſchwediſchen Handſchuhe
ab.
Tilly habe ich gar nicht angetroffen; aber es war
ſchon ſeit einer halben Stunde Beſuch da . . ."
Sie ſtockte. In der Tochter brandete plötzlich die Er=
regung
auf; vielleicht war es auch dunkler Argwohn.
Was für Beſuch, Mama? . . . Bitte, quäl’ mich doch
nicht mit unklaren Andeutungen, ſondern ſag’ mir, was
Du weißt!
Wenn es Dich nur nicht zu ſehr angreift!
Da richtete ſich das junge Mädchen hoch und ſtützte

ſich auf den Ellenbogen. Ein finſterer Blick flog zu der
Kommerzienrätin hinüber.
Meinſt Du, ich bin ein Kind?
Alſo Oſtheeren war da; und Giſa hat ihn allein
mpfangen!
Und weiter?
Das ratloſe Achſelzucken war eigentlich ſchon Ant=
wort
genug.
Genügt das noch nicht, Herta?! Du hätteſt nur hören
ſollen, mit welcher Impertinenz die Paula ſagte: aber
der Herr Baron iſt ſchon faſt eine halbe Stunde hier! . . .
Die Verlobungsanzeigen werden wir wohl bald in
Händen haben!
Einen Augenblick noch ſah Herta Renzow ihre Mutter
ſtarr an. Etwas wie eine Erſchütterung durchlief ihren
Körper. Dann warf ſie ſich auf die Chaiſelongue zurück.
Jetzt kommt ein Weinkrampf! dachte die Kommer=
zienrätin
angſtvoll.
Aber es kam kein Weinkrampf. Das junge Mädchen
lag ganz ruhig. Einmal zweimal atmete ſie tief auf.
Dann wandte ſie langſam den Kopf wieder herum.
Alſo ich danke Dir, Mama. Jetzt iſt es ja erledigt.
Und die Mutter hätte nicht zu ſagen gewußt, weshalb
dieſe wenigen gelaſſenen Worte ſie plötzlich ſo erſchüt=
terte
.n.
Sie faßte ſich ein Herz; kam heran und ſetzte ſich auf
den Rand der Chaiſelongue.
Hertachen Liebling Du mußt das nicht ſo
ſchwer nehmen! Im erſten Augenblick gewiß . . . ich
ann mir ja denken, wie demütigend es für Dich iſt, daß
. . . daß : . .

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und Braut=Iriſuren.
Liſa Pey, Barlſtraße 106.

B14350)

dash er nir eine übde bergehegen ha, mehlt
Du, Mama?1
Um ihre Lippen irrte es wie aufkommende Verzweif=
lung
; aber das war nur eine flüchtige Sekunde.
Sie erhob ſich und tat ein paar Schritte in das Zim=
mer
. Da blieb ſie ſtehen; mitten unter der ſtill dämmern=
den
Ampel; wandte den Kopf zu ihrer Mutter zurück.
Ich verſtehe wirklich nicht, Mama, weshalb Du ſo
niedergedrückt biſt. Was kann es Dir ſchon ausmachen,
daß aus der Verbindung mit Oſtheeren nichts wird
Graf Frixen iſt doch der neue Ritter unſeres Hauſes.
Geſtern auf der Rennbahn hab ich mich zum erſtenmal mit
ihm in längere Konverſation eingelaſſen heut mittag
macht er ſchon bei uns Beſuch; nimmt ſogar eine Ein=
ladung
zu Tiſch an, was nach geſellſchaftlicher Uſance
eigentlich nur den vertrauten Freunden des Hauſes
freiſteht!
Alſo anſtelle eines Barons ein Graf; und anſtelle
eines preußiſchen Artillerieleutnants ein ſchwediſcher
Attaché! Die Tendenz iſt unleugbar ſteigend; die Inter=
nationalität
gibt eine intereſſante Nüance; und der Kos=
mopolitismus
überſtrahlt ſiegreich das bißchen bunte Tuch!
Was verlangſt Du mehr?!
Noch biſt Du nicht Frixens Verlobte! wandte die
Kommerziencätin warnend ein.
Da zitterte ein Hohn über das Geſicht der Tochter.
O, er wartet nur auf eine Gelegenheit, ſeine Erklär=
ung
anzubringen . . . und ich gebe Dir die beruhigende
Verſicherung, daß ich ſeine Ungeduld auf keine allzu lange
Probe ſtellen werde!

üder Du boſ öſheren glicdt, Aindt
Herta Renzow trat zum Fenſter und ſchob den ſchwe=
ren
Store beiſeite. Der zerflatternde Dämmer des Herbſt=
nachmittags
überfiel ſie; jählings hatte ſich der alte müde
Zug wieder um ihre Lippen eingegraben.
Still ſah ſie auf die einſame Villenſtraße hinunter;
es dauerte eine Weile, bis ſie die Antwort fand.
Vielleicht, Mama . . . vielleicht hab ich ihn wirklich
geliebt, weil er mir Achtung abgezwungen hat und weil
er zu den wenigen Männern gehört, die ſich nicht vom
Gelde blenden laſſen . . . Oſtheeren, Wanneslohe, Lanzoff
ſie ſind ſo vereinzelt, vor denen man Reſpekt haben
ann!
Ihre Stimme wurde plötzlich ſchneidend.
Siehſt Du, liebe Mama, da haſt Du mich nun ſo
mondain erzogen und haſt nicht aufgehört, mie zu predi=
gen
, daß Frauen, die in der großen Welt eine Rolle
ſpielen wollen, niemals einer ſchwächlichen Neigung nach=
geben
dürfen . . . und trotzdem dieſe lächerlichen Jung=
mädchenideale
, um meiner ſelbſt willen geliebt zu
werden!
Alſo ich bin bisher eine ſchlechte Schülerin geweſen
in Zukunft aber werde ich eine beſſere ſein. Hab keine
Sorge! . . . Und ich denke mir, vielleicht muß jede von
uns mondainen Frauen erſt einmal ſolche ſentimentale
Herzenseskapade durchmachen, ehe ſie für Eure praktiſchen
Theorien reif iſt!
Die Kommerzienrätin war ganz Würde und Hoheit.
Ich bezweifle, mein Kind, daß der Ton, den Du mir
gegenüber für paſſend hälſt, angebracht iſt!

Die Sleres ſien niſanmnen, Herit Razen hant
ſich wieder dem Zimmer zu. Sie war bleich bis in die=
Schläfen; nur in den Augen ein überreiztes fieberiſchen
Gleißen.
Stört er Dich, Mama? Siehſt Du, das iſt derſelb
Ton, der bisher ſolch grellen Mißklang in mein Leben
brachte. Von jetzt an wird er im übrigen ja endgültig
daraus verſchwinden und nur noch Harmonie herrſchen=
Denn jetzt habe ich wirklich eingeſehen, daß Deine Theori
doch die einzig richtige iſt!
Und als Beweis meiner völligen Bekehrung bin
nen eines halben Jahres wirſt Du eine Gräfin Frixer
zur Tochter haben!
Die Kommerzienrätin erhob ſich ſichtlich erleichter=
Wollte Gott, Herta, daß Du endlich zur Ruhe komm
und Dein Vorhaben glücklich ausführſt!
Die Tochter lächelte.
Was das letztere anbelangt, liebe Mama der Rit=
meiſter
Sierndorff ſagte kürzlich zu mir, ich ſei eine Se=
lomenatur
! Vielleicht hat er wirklich recht . . . Leut
ſeines Schlages beſitzen ja meiſt ein gewiſſes Spürtalen
Nur ſollte es mir leid tun, wenn er ſchließlich noch ei
Opfer ſeiner eigenen Theorie würde!
Ich verſtehe Dich nicht, Kind!
Aber Herta Renzow antwortete nicht mehr. Nur ein
mal ſchüttelte ſie abwehrend den Kopf. Sie ſtand ſchwe
gend und wartete, bis die Mutter das Zimmer verlaſſe
hatte.
Da legte ſie müde das Geſicht in die Hände.
(Fortſetzung fölat.)

[ ][  ][ ]

Darmstädter Eenrerverei.
Montag, den 7. Juli, nachm. 5¼ Uhr,
im Hörſaal 138 der Großh. Techn. Hochſchule
Oeffentlicher Vortrag
des Leiters der obligatoriſchen Fortbildungsſchule
zu Darmſtadt, Herrn Hauptlehrers Löſch über:
Allgemeinbildung und Berufsbildung in der
Pflichtforlbildungsſchule und die Organiſation
des Darmſtädter Fortbildungsſchulweſens
Jedermann, der ſich für den behandelten Gegenſtand intereſſiert,
Der Vorstand.
iſt herzlich willkommen.

Vereinfür Verbreitung von Volksbildung.
Am Sonntag vormittag 9¼ Uhr: (14616
Führung durch den Botanischen Garten.
Zugänge: ſüdlich an der Roßdörferſtraße, nördlich am Bahnhäuschen.

Krieger- u. Militärverein, Blücher
Sonntag, den 6. Juli
im Kaiſerſaal-Fürſtenſaal=Garten
Feier des Regierungs=Jubiläums Sr. Maj. des Kaiſers
verbunden mit unſerem
(
*888 II. Stiftungsfest. (888
Nachmittags von 4 Uhr ab
Konzert Ansprachen Tombola etc.
Von abends 8 Uhr ab BAEL
(VII,14138
wozu ergebenſt einladet
Der Vorstand.
Reſtauration nach Belieben.

Gesungverei San

Iuhaber der Medaille für Kunſt und Wiſſenſchaft
Dirigent: Karl Grim
Gegründet 1849
Sonntag, 6. Juli, nachmittags 4 Uhr


Sommerzrest

5

im Garten und in ſämtlichen Räumen des Schützenhofs
(Hügelstrasse 24)
Tanz im Saaie
Konzert im Garfen
von 4 bis 11 Uhr
von 4 bis 11 Uhr
Eintritt 19 Pfg.
NB. Bei ungünſtiger Witterung findet das Feſt nur in den
(14524
Sälen ſtatt.
Der Vorstand.

Die Geſellſchaft beteiligt ſich mor=
gen
Sonntag, den 6. Juli an dem
Feſtzug in Mainz.
(14592
Anzug: Schützenfeſtanzug.
Abfahrt: 811 mit Eilzug.
Um recht zahlreiche Beteiligung
erſucht
Der Vorstand.

Städticher Saaibau.
Dienstag, den 8. Juli 1913:
Grosses Mmntur Hassen Ronzert
ausgeführt von ſämtlichen Militär=Muſikkorps der
Garniſon Darmſtadt zum Beſten des Invalidendank‟
1. Teil des Programms: Einzel=Konzert der Muſikkorps.
2. Teil des Programms: Maſſen=Konzert ſämtlicher Muſik=
korps
unter Mitwirkung der Spielleute des Leibgarde=
Infanterie=Regiments Nr. 115
6 bei prächtiger Illumination des Gartens.
Anfang 8 Uhr abends.
Eintritt 1 Mk.
Im Vorverkauf 75 Pfg.
Verkaufsſtelle bei dem Verkehrsbureau, Ernſt=Ludwigsplatz.
Der Vorverkauf wird am 8. Juli 1913, 550 Uhr nachm. geſchloſſen.
Bei Regenwetter findet das Konzert am Dienstag, den
15. Juli ſtatt.
(14580si

Hessischer Hof.
Heute Samstag, den 5. Juli, abends 8 Uhr
rosses Mliltar-EKird-Ronlzert
Kapelle des Strassburger Feldart.-Regts. Nr. 84
aus Strassburg. Leitung: Herr Musikmeister
(14638
Robert Winter.
Besonders gewähltes Programm. U. A. Parademarsch
von R. Winter. Eintritt mit Programm 15 Pfg.

Ab 5. Juli unser neues
Schlager-Programm
in einer Länge von 3500 m

Ein Drama aus der Finanz-
welt
in 2 Akten.
Flüssige und natürliche Spiel-
weise
erster Kräfte stempeln
dieses Drama zueinem Meister-
werk
mod. Lichtspielkunst.

z. Waldstimmungen
Ein herrliches Bild aus der
Natur.
z. Baby in sich. Hut
Hum. Schlager I. Ranges.
5. Der Wochenbericht
des I. Kinos
Optische Berichterstattung aus
aller Welt.
6. Der Farmer u. der
hungrige Vogel
Aeusserst spannendes Drama
aus dem Wilden Westen.
Einlagen:
Ein Ausflug nach Clissa
Herrliche Naturaufnahme.
8. Ein gastronomischer
Zweikampf
Minuten köstlichen Humors
verlebt man.

Drama in 3 Akten mit
Henny Porten in der 6
Hauptrolle. Niemand
sollte versäumen, dieses m
Drama, das Einblick in
die Zustände einer durch E
Krankheit heimgesuch-
ten
Familie gibt, an-
(*2279
zusehen.

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Feinſte
Obſtſchaumweine
per Flaſche mit
Voller=Hilber Steuer 1.90

per Flaſche mit
Steuer 2.50

empfiehlt

Philipp Barth

Feſt=Programm.
Sonntag, den 6. Juli:

Weckruf.

roßer
Heeeuchen

Aufſtellung auf der Kaiſerſtraße.
11 Uhr: Abmarſch des Feſtzuges nach dem Feſtplatz,
Nachm. 2 Uhr: Große Feſttafel in der Feſthalle (Tafelmuſik),
Nachm. 5 Uhr: Beginn des Konkurrenzſchießens,
Nachm. 6½ Uhr: Verteilen der erſten 10 Becher an die Sieger
im Konkurrenzſchießen.
Nachm. 4 Uhr und abends 8 Uhr: Große Militärkonzerte.
Täglich, nachmittags von 4 Uhr und von 8 Uhr ab: Große
Militär=Konzerte, Geſangs=Vorträge, Turner=Vorführungen,
Schaufechten, Ballett ꝛc.
Freitag, den 11. Juli, abends 6 Uhr:
Feſtfahrt auf dem Rhein bis Bingen,
feſtliche Uferbeleuchtung bei der Rückfahrt.
Fahrpreis Mk. 2. pro Perſon.
Karten im Feſtbureau auf dem Feſtplatz und Gutenbergplatz.
Samstag, den 12. Juli:
Nachm. 4 und abends 8 Uhr: Konzert auf dem Feſtplatze und in der
Feſthalle. Im Abendkonzert Liedervorträge von 6 Geſangvereinen.
Großes Kunſtfeuerwerk u. feenhafte Beleuchtung des Leſtplatzes
ausgeführt von Hofkunſtfeuerwerker A. Clausz, Wiesbaden.
Sonntag, den 13. Juli:
nachm. 5 Uhr: Feierliche Preisverteilung.

Auf dem Feſtplatze:
Tanzbeluſtigung. Fidele Konzerte in den
allch Bier= und Weinhallen. Großer Juxplatz.
Tageskarten: 50 Pfg. für die Perſon.
Sonntag, den 6. Juli und Samstag, den 12. Juli: 1 Mark.
Kinder zahlen jeweils die Hälfte.
(IV,14401,45

Sonntag, den 6. Juli 1913, vormittags 11 Uhr:
Grosser Misterischer Pestzug
Für die auf dem Theaterplatz errichtete gedeckte
offizielle Feſttribüne
mit Reſtaurationsbetrieb
ſind Karten im Vorverkauf: Reſervierter Platz Mk. 5., I. Platz,
numeriert, Mk. 3., II. Platz Mk. 2. zu haben: in Mainz bei
D. Frenz, Schillerplatz 2.
(IV,14492,45

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Bürger=Keller

Ab 1. Juli konzertiert
Salon-Damen-Orchester
Dir.: Rich. Nobitschek.
Stets freier Eintritt.

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Telephon 1646.

Kircnstr.
Blinger verkauf
von Zigarren
und Zigaretten
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früh. Ludwigstr. 6. (17

Oale-Restaurant Konzertnaus Metropol.
Täglich Künstler-Konzert
der berühmten humoristischen Damen-Kapelle
Rheinnixe‟, Dir. Paul Schlessinger.
Sonntag, den 6. Juli
extra grosses Programm.
Anfang 4 Uhr nachmittags. (*2423
Programm 10 Pfg.
Eintritt frei.
Vorzügliche Küche, ff. Bier (Gl. 15 Pfg.)
Eberstads
Eberstadt.
Gasthaus zum Schwanen.
Sonntag, den 6. Juli ds. Js. von nachmittags
(14686
4 Uhr ab
Grosse Tanzmusik.
Abends:
Wohltätigkeits-Fest
der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz.
Konzert, Gesangsvorträge, Lebende Bilder, humor. Vorträge, Tanz
Die Kolonnenführung.
Hierzu ladet freundlichst ein

[ ][  ][ ]

der Kinematographie ist
Ein wa

Dramatisches Bild aus dem Leben eines berühmten Komponisten
in 2 Akten. Von hervorragenden Künstlern wird hier ein Lebens-
drama
von hinreissender Kraft und packender Lebendigkeit
dargestellt, das bis in die kleinsten Einzelheiten von realistischer
Wirkung ist. Ein Bild von höchster Vollendung.
Weitere Dramen:

ndianische Rivalin

Wunderbares Wild-West-Drama. Ueberaus spannend!

Kunstlichtspiele

Nur 4 Tage!
Man versäume nicht, sich dieses
hervorragende Programm
anzusehen.

Der Bloger-A Renkon!
Ein Rennen auf Leben und Tod.
Aufsehen erregendes Drama aus dem amerikanischen Sportsleben.
Prachtvoll koloriert.
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Komödie.
Hummer und achtarmige
Tintenschnecke.
Interessante wissenschaftl. Wasseraufnahme.
Schiefer-Industrie in Wales.
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Telephon 173
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Jedes Komentar überflüssig.
Moritz Prince hat die Hauptrolle.

Sonntags Anfang 3 Uhr.

Künstler-Konzert.

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14725

Eifersucht des Scherifs.
Drama.
Schwur der Lätitia.
Drama.
U.-T.-Wochenbericht.

gegenüber dem alten Bahnhof.
Jeden
Sonntag: Grosses Garten-Konzert.
Prachtvoller Platanengarten.
Anfang 4 Uhr. Eintritt frei. Bier 12 2.
C. Neumann, Restaurateur.
2425)
NB. Bei ungünſtiger Witterung Streich=Konzert im großen Dichterſaale.
Ludwigshöhe.
Morgen Sonntag, den 6. Juli, nachm. 4 Uhr
Grosses Exira-Militär-Konzert
Kapelle des Straßburger Feldart.=Regts. Nr. 84
aus Straßburg. Leitung Herr Muſikmeiſter
R. Winter.
Im Programm heitere und ernſte Stücke. Bei ungünſtiger
Witterung Streichkonzert im Saal.
(B14649
Eintritt 30 Pfg.
Eintritt 30 Pfg.
Der hintere (ſüdliche) Garten iſt immer für Nichtkonzertbeſucher
reſerviert.

Hed Sentebhaus Restadraht
Sonntag, 6. Juli
HoEnF
anlässlich des Preisschiessens des Schiessvereins
Deutscher Jäger
Kein Bieraufschlag
(*2453)
Eintritt frei.
Eintritt frei.

Kegler!

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gebackene Kalbsleber, Kalbsbraten, Schweinebraten, Schweine=
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Dienstbach.

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ub Dl

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Geschichte eines Doppel-
Testaments in 3 Akten.
DerTheater-
brand

Ein spannender Bühnen-
Roman in 2 Akten.
Niemals
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Die Weihe des

in der Wochen-Chronik
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Programm
zu dem am Samstag, den
5. Juli, von 12 Uhr mittags ab
vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle
d. Großh. Heſſ. Train=Bat. Nr. 18.
1. Defilier=Marſch des Regts
Nr. 108 von Fleſchner. 2. Ouver=
ture
zur Oper König Midas von
Eilenberg. 3. Zwei Stücke aus der
Operette Grigri a) Die kleine
Barmaid; b) Vive Tamour‟
von Lincke. 4. Verſuch’s doch
mal, Walzer nach Motiven der
Operette Autoliebchen von Gil=
bert
. 5. Weidmanns= Lieblings=
lieder
große Fantaſie von Reck=
ling
. 6. Treu bis in den Tod‟,
Marſch von Jeſſel.

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[ ][  ][ ]

IIIIEIIIIISEGEIEIIIIEIITEEEIIEHIEATEEHHEIIIE!

ERBIEEEEHEEIIISSEIIEETITIIETIREHEBREHEHEHHHEEMHEnSAEEHunnnSHIII!

Bad Homburg v. d. H., 26. Juni. Unſere reizende
Bäderſtadt, deren heilkräftige Quellen ſeit Jahrhunderten
bekannt ſind, iſt nicht nur ein Aufenthaltsort für Kranke,
ſondern auch für Geſunde, die einmal ausſpannen wollen.
Das raſtloſe Treiben unſerer Zeit, die hohen Anforderun=
gen
, die in allen Berufsarten geſtellt werden, nehmen den
einzelnen derart in Anſpruch, daß er wenigſtens einmal
im Jahre ſich eine Raſt gönnen, aus der gewohnten Umge=
bung
und Arbeit herauskommen muß, wenn er in der
übrigen Zeit des Jahres auf der Höhe ſeiner Leiſtungsfä=
higkeit
bleiben will. Um ſich zu erholen, hat man nicht
nötig, weite und koſtſpielige Reiſen ins Ausland zu ma=
chen
, unſer Vaterland hat ſo viele hübſche Punkte und de=
ren
ſchönſten und reizvollſten gelegenen kann man mit
Recht Homburg zuzählen.
Bad Salzhauſen. Bis Ende Juni 1913 ſind 411 Kur=
gäſte
(1912: 362) angekommen, darunter 128 Paſſanten
(1912: 129). Zurzeit anweſend ſind 208 Kurfcemde Im
ganzen wurden bis dahin 2340 Bäder (1912: 2098), darun=
ter
123 Freibäder (1912: 157) verabreicht. Der neu ein=
gerichtete
Inhalationsraum wird ſehr gut beſucht, es fan=
den
bis jetzt 335 Inhalationen ſtatt (1912 nur 64).
Engelberg, Schweiz (1019 Meter ü. M.), die Perle
von Unterwalden, wird ſeit Jahrzehnten von allen
Luftkurhaus vrautheim
Neu eröffnet.
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Fremdenzimmer.
Gut gepflegte Biere.
Kaffee! Täglich frische Kuchen. Kaffee!
Um gütigen Zuspruch bittet
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C. Böcke
(früher Restaurant 12 Apostel‟, Worms).

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Woelfing-Roth
Deeee Truppenübungsplatz Seeec.
Haltestelle der Strassenbahn: Brauerei‟
hält den geehrten Herrschaften seine renovierten
Lokalitäten, sowie anerkannt vorzüglichen Spelsen
und Getränke bestens empfohlen.
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Hochachtungsvoll
H. Woelfing, Besitzer.

Schloss Liehtenberg
auf einer 300 Meter hohen Bergkuppe prächtig gelegen,
mit 30 hohen luftigen, neuhergerichteten Fremdenzimmern,
mit herrlichem Rundblick, ist in meinen Besitz übergegangen.
Dadurch bin ich in der Lage, Erholungsbedürftigen etwas
zu bieten, was weit über den Odenwald hinaus seines Gleichen
aucht. Verlangen Sie Prospekt bei Georg Schellhaas,
Besitzer des Gasthauses Zur schönen Aussicht‟, Lichtenbers.
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lusführl. Proſp. fr. i. d. Exp. u. v. Beſ. Heinrich Böhm. (19112a

Nationen als Luftkurort hochgeſchätzt. Seine Höhenlage.
ſeine klimatiſchen Vorzüge, die vollſtändig geſchützte Lage
gegen den Nordwind, die geringen Temperaturſchwank=
ungen
haben Engelbergs Weltruf als Luftkurort begrün=
det
. Eine große Auswahl von gut unterhaltenen Spa=
zierwegen
führen den Wanderer durch die prächtigen Wie=
ſen
der Talebene, den Waldabhängen entlang bis hinauf
zu den üppigen Alpentriften. Dem Bergfexen winkt eine
große Zahl kohnender, hochalpiner Touren. Unter den
vielen Hotels iſt man in der altrenommierten Hotel=
Penſion Müller & Hoheneck zu mäßigen Preiſen
ſehr gut aufgehoben. Ein verwandtes Haus iſt das
Hotel und Penſion Bellevue in Seelis=
berg
ob dem Vierwaldſtätterſee. Zweifellos eine der
ſchönſten Sommerfriſchen der ganzen Schweiz.
Ausgabe von feſten (ermäßigten) Rundreiſekarten
nach der Schweiz in Norddeutſchland. Die feſten er=
mäßigten
Rundreiſekarten ab Heidelberg und Karlsruhe
nach der Schweiz erfreuen ſich andauernd großer Beliebt=
heit
, da ſie auf deutſchem Gebiet die ſchönſten Teile des
Schwarzwaldes, ſowie die intereſſante Schwarzwaldbahn
bezw. den Bodenſee einſchließen, in der Schweiz aber zu
dem billigen Rundreiſetarif nach den ſehenswerteſten
und am meiſten beſuchteſten Gegenden führen. Die Kar=
Beliebt ist
ein Ausflug in das
reizend gelegene
Rheinhotel Hierstein.
Bekannt durch seine Küche und Weine.
Schattige Rheinterrassen, großer Saal,
Autogarage, Stallung Fernspr. 31.

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ten gelten 2 Monate und berechtigen zu allen Zügen und
zu beliebigen Fahrtunterbrechungen. Infolge der Erhsb=
ung
des Preiſes der ſchweizeriſchen Generalabonnements
iſt das Intereſſe für dieſe Rundreiſekarten beſonders rege
geworden, ſo daß ſich der Verein der Schwarzwaldfreunde
zu Berlin entſchloſſen hat, in Ausführung ſeiner gemein=
nützigen
Beſtrebungen zur Erleichterung des Verkehrs Be=
ſtellungen
auf Rundreiſekarten zu Originalpreiſen zu ver=
miteln
. Ein Verzeichnis der verſchiedenen Rundtouren
nebſt näheren Angaben iſt gegen Portverſatz durch die Ge=
ſchäftsſtelle
des Vereins, Rechtsanwalt Walther Braun,
Berlin, Potsdamerſtraße 41a, zu beziehen.
Nordſeebad Büſum. Man ſchreibt uns: Das Watten=
boßelfeſt
war ein großer Feſtag für Büſum. Troßz des
ſchlechten Wetters hatte ſich eine große Menſchenmenge ein=
gefunden
. Die 26 in den Watten, auf Meresboden, kämpfen=
den
Vereine boten ein buntes, lebendiges Bild. Den mei=
ſten
der Badegäſte war der Boßelſport (werfen mit einer
500 Gramm ſchweren Kugel) etwas ganz neues. Der Sie=
ger
Hanſen, aus Uloisbüll, Eiderſtedt, ſtellte einen neuen
Rekord mit 242 Meter in drei Würfen auf. Der Büſumer
Verein unterlag leider im Herausforderungskampf dem
Kieler Klub.

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Foaße der hiſtor. berühmten
Anlwenel Reichsfeſte Trifels mit vor=
zügl
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[ ][  ][ ]

Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg.
Nachdruck verboten.

Ferien. Der große Auszug. Unterwegs. Schluß
des Reichstages. Die neuen Strecken der Untergrund=
bahn
. Ingenieur und Kunſt. Erinnerungen an die
erſte Norwegenfahrt des Kaiſers. 18891913. Pro=
feſſor
Karl Saltzmann. Onkel Hermann Die Fol=
gen
eines Scherznamens. Schwierige Fragen. Unſere
Eispaläſte. Begründung der Geſellſchaft zur Pflege der
Tonkunſt.
Ferien das Wort hat guten Klang! Mit dieſem
willkommenen Namen iſt der gewaltige Auszug der
Berliner verknüpft, der ſtets zu Beginn der großen
Sommerferien ſtattfindet. Etwa eine Viertelmillion Men=
ſchen
, Jung und Alt Reich und Arm, Geſund und Krank
kehrt um dieſe Zeit der Reichshauptſtadt den Rücken, um
ſich außerhalb des berühmten ſteinernen Häuſermeeres zu
erfriſchen. Na, während der Fahrt in den überfüllten,
dunſtigen, heißen Waggons mag es mit der erſehnten Er=
friſchung
häufig recht hapern, und jede Halteſtelle mit
ſchäumendem Bier und ſonſtigen kühlen Getränken wird
jubelnd begrüßt; gleich Heuſchreckenſcharen ſchwärmt alles
dann in wirrem Durcheinander aus, um ſich auf die langen
Tiſche mit den mehr oder weniger lockenden Vorräten zu
ſtürzen. Wer von geſichertem Platze dies beobachten kann,
erfreut ſich eines immer von neuem unterhaltenden Schau=
ſpiels
. Alles einſteigen! Schnell! Schnell! Wie es da
durcheinander kribbelt und wibbelt, Schiller redivivus von
neuem: Kinder jammern, Mütter irren, Tiere wimmern,
Alles rennet, rettet, flüchtet und wild hallt das Ge=

ſchrei in allgemeiner Erregung: Wo iſt denn unſer Wag=
gon
? Hier iſt er! Nein, das iſt er nicht!
Weiter hinten ſtand er! Vater, es kuckte ne olle Frau
fraus mit ner jrienen Schleife auf’m Kopp! Guſtav,
Du Quadrat=Schafskopf, hätteſt Dir lieber die Nummer
merken ſollen! Ja, Vater, ſie war bloß zu groß!
Und nun wieder die energiſchen Rufe der Schaffner:
Schnell, ſchnell! Es iſt die höchſte Zeit, der Zug geht
ab! Eine Frau ſtürmt ſchreckensrot einher: Emil!
Emil! Wo iſt denn mein Emil? Emil, Emil! Und ein
liebevolles Gemüt tröſtet ſie: Er iſt vielleicht inn Brief=
kaſten
gefallen, meine Inädigſte! Immer ängſtlicher
erſchallt der Ruf nach Emil. Ja, dann müſſen Sie hier
bleiben, ſchreit der Schaffner, Ihr Emil wird ſich ja
ſchon finden, auf der nächſten Station. Warum merken
Sie ſich denn auch nicht die Nummer?! Fertig! Ein
ſchriller Pfiff, die Lokomotive zieht an, der Stationsvor=
ſteher
wiſcht ſich den Schweiß von der Stirn: Gottſei=
dank
, das wär’ mal wieder erledigt! In den Waggons
aber wird Schiller Lügen geſtraft, denn ſieh’, es fehlt
manch’ teures Haupt, das im Trubel der drängenden Haſt
in irgend einem anderen Abteil Unterkunft gefunden.
Ferien haben ja nun auch unſere verehrten Reichs=
tagsboten
, die mit erſtaunlicher Schnelligkeit die Wehr=
vorlage
und deren finanzielle Deckung unter Dach und Fach
gebracht. Einer der denkwürdigſten Abſchnitte in der Ge=
ſchichte
des Reichstags hat ſeinen Abſchluß gefunden,
und die Mehrzahl unſerer Volksvertreter dürfte ſich mit
Befriedigung der jetzigen Muße erfreuen. Desgleichen
verſchiedene der leitenden Männer unſerer Hochbahn=
geſellſchaft
, nachdem dieſer Tage das bedeutſame
Werk der Fortſetzung der Untergrundbahn vom Spittel=
markt
bis zum Alexanderplatz durch die Eröffnung be=
endigt
wurde und ſehr bald von dort bis zur Schönhauſer
Allee ſeinen vorläufigen Schluß erhalten wird. In mehr=
jähriger
angeſtrengter Arbeit ſind ſehr erhebliche techniſche
Schwierigkeiten glücklich überwunden worden, u. a. die
Untertunnelung der Spree, ferner, daß am Alexanderplatz
zwei unterirdiſche Stationen übereinander liegen, die ſpä=
ter
durch eine Treppenanlage verbunden werden ſollen.
Bei dieſer neuen Strecke war die Hochbahngeſellſchaft be=

ſtrebt, ein näheres Verhältnis des Ingenieurs mit der
Kunſt anzuſtreben, denn zu einer Ehe und damit zu einer
dauernden Vereinigung, wie man es gehofft, iſt man noch
nicht gelangt. Denn es ereigneten ſich, was man ſonſt
glücklicherweiſe von der Bahn nicht ſagen kann, einige Ent=
gleiſungen
, wie bei der Ausſchmückung des Bahnhofes
Kloſterſtraße mit reklameartig gemalten ſteifen Bildern
einzelner Teile Groß=Berlins und wie bei der Wahl grell=
farbiger
aſſyriſcher Motive in der mit Cadiner Kacheln
bekleideten Vorhalle der gleichen Station. Sonſt wirken
die Halteſtellen ſehr gefällig in ihrer ſauberen Gewandung
und in der geſchickten Vereinigung von Stein und Eiſen,
wobei jegliche Unruhe vermieden wurde.
Tiefe Ruhe iſt in die noch vor kurzem von ſo rauſchen=
dem
Leben erfüllt geweſenen Räume des maſſigen Königs=
ſchloſſes
eingezogen, durch deſſen ſtolze Säle jetzt nur die=
Fremden lautlos auf Filzſocken ziehen, andächtig den Er=
klärungen
ihres Führers lauſchend. Auf dem Dache ſind
die Fahnen eingezogen, der Kaiſer weilt fern und wird in
dieſen Tagen von Kiel aus ſeine Nordlandsfahrt
antreten auch eine Jubiläumsreiſe, denn es iſt die=
25. ſeit ſeinem Regierungsbeginn. An die erſte gemahnt
den Schreiber dieſes eine große Mappe mit dem vergilbten
Goldaufdruck des Deckels: Erinnerungen an Nor=
wegen
im Juli 1889 Sie ſtammt aus dem Beſitz=
des
Staatsſekretärs von Kiderlen=Wächter und enthält=
mehr
denn hundert photographiſche Aufnahmen, die da=
mals
für den Kaiſer und ſeine Reiſebegleiter gemacht wur=
den
, mit vielen feſſelnden Szenen des Lebens an Bord
und der Ausflüge zu Waſſer und zu Land. Beim Be=
trachten
der Bilder ſteigen mancherlei Erinnerungen auf
an allerhand Menſchen und deren Schickſale, an jenen
erſten Freundſchaftskreis des Kaiſers, in den der Tod und
andere Ereigniſſe ſeitdem manche Lücke geriſſen. Die Zahl=
der
Jubiläumsfahrer iſt recht klein geworden, zu ihnen
gehört neben dem Generalintendanten der Königlichen
Schauſpiele Grafen von Hülſen=Häſeler und dem Geheimen=
Regierungsrat Profeſſor Dr. Güßfeldt auch Profeſſon
Karl Saltzmann, der während der letzten Jahre we=
gen
Kränklichkeit nicht mehr an dieſen Fahrten teilgenom=
men
, von deſſen künſtleriſcher Schaffensluſt und Schaffens=

die neue

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kraft uns aber mehrere eindrucksvolle Gemälde auf der
großen Kunſtausſtellung glänzendes Zeugnis ablegen. Der
Künſtler, der zuerſt die Goldſchmiedekunſt erlernt und ſich
dann mit freudiger Hingebung der Malerei gewidmet, hat
ſich ſeinen echten und rechten Berliner Humor zu bewahren
gewußt, den auch der Kaiſer an ihm neben ſeinen ſonſtigen
trefflichen menſchlichen und künſtleriſchen Eigenſchaften zu
ſchätzen weiß.
Als bei einer der erſten Hohenzollern=Fahrten gen
Norden Karl Saltzmann einigen Herren gerade einen ſei=
ner
kernigen Berliner Witze auf Deck verſetzt und die be=
kannte
ſtürmiſche Heiterkeit erweckt hatte, kam der Kai=
ſer
hinzu: Na, hier iſt man ja hölliſch luſtig, was gibt’s
denn? Majeſtät, Saltzmann hat eben einen famoſen
Witz erzählt. Den will ich auch hören, los, Saltz=
mann
! Nein, Majeſtät, es geht nicht Der Maler
wendet ſich hin und her, bis ihn der Kaiſer an einem
Knopf des Jacketts in eine Ecke zieht: Jetzt befehle ich
Ihnen als Ihr Landesherr erzählen! Ja, Maje=
ſtät
, in dem Falle, und Saltzmann erzählte, und der
Kaiſer lachte und da in dem Witz auch ein Onkel Her=
mann
eine Rolle ſpielte, bekam der Künſtler wie jeder
der Teilnehmer an den Fahrten einen Spitznamen
Onkel Hermann Als ſolcher mußte er auch alle Ein=
gaben
, Briefe, Telegramme uſw. an den Kaiſer unterſchrei=
ben
. Als er einſt zu dem in den Reichslanden weilenden
Kaiſer behufs Erteilung eines eiligen Auftrages gerufen
wurde und unterwegs einen Zuganſchluß verpaßte, wollte
er auf der kleinen Station ein Telegramm an des Kaiſers
Majeſtät abſenden, das die etwas ſpäter erfolgende An=
kunft
aufklärte und mit Onkel Hermann unterzeichnet
war. Der Telegraphenbeamte ſah ſich verwundert den
nicht mal das Militärmaß beſitzenden, in Havelock und
Schlapphut gekleideten Reiſenden an: Hören Sie, mein
Lieber, wir machen hier keine Scherze mit Seiner Majeſtät
dem Kaiſer, es könnte mir und Ihnen ſchlecht bekommen!
Ich mache ja auch keine Scherze, ich gebe ein Tele=
gramm
auf und erſuche Sie, es ſchleunigſt zu befördern.
Das Telegramm iſt an Seine Majeſtät gerichtet und
mit Onkel Hermann unterzeichnet; ſind Sie ein Onkel

Seiner Majeſtät, Das geht Sie gar nichts an! Und
nun erſuche ich Sie nochmals, ſofort das Telegramm abzu=
ſenden
! Das ſollte mir paſſen, erſt legitimieren Sie
ſich! Der Maler hatte ſchon einen roten Kopf, der Be=
amte
bekam ihn auch, bis endlich vermittelnd der Bahn=
hofschef
eingriff, und die Aufklärung erfolgte. Aber noch
einem ganz anderen, wie jenem mitteldeutſchen Telegra=
phiſten
, ſollte der Onkel Hermann ein Rätſel aufgeben.
Im Berliner Schloß iſt’s. Der Kaiſer teilt ſeinem Ober=
hofmarſchall
die Namen jener mit, die zur nächſten Nord=
landsfahrt
eingeladen werden ſollen, und bemerkt dabei:
Natürlich auch Onkel Hermann. Das wird mit dem
übrigen hochachtungsvoll und ergebenſt notiert; aber als
dann im Oberhofmarſchallamt die Einladungen ausge=
ſchrieben
werden, weiß man nicht, wer mit Onkel Her=
mann
gemeint iſt. Der Gothaſche Almanach wird immer
wieder zu Rate gezogen, man findet einen Prinzen Her=
mann
von Sachſen=Weimar, der auf ſeine fürſtliche Würde
verzichtet hat und auch in keinem nahen verwandtſchaft=
lichen
Verhältnis zum Kaiſer ſteht, und man muß ſchließ=
lich
Seine Exzellenz befragen. Aber auch die, die ſonſt
alles weiß, kann nicht den myſtiſchen Kaiſer=Onkel ergrün=
den
und muß ſich, wenn auch nicht gern, zu einer Erkun=
digung
bei Seiner Majeſtät bequemen. Der Kaiſer gab
lachend die Auskunft: Was, Sie kennen nicht Onkel Her=
mann
das iſt doch Saltzmann!
Andere Fragen ſind ſchwieriger zu beantworten, zum
Beiſpiel: warum ſich im Gegenſatz zu Paris hier keiner
der. Eispaläſte halten konnte. Wir wurden ja nun
ſogleich mit dreien dieſer Schöpfungen beglückt, und das
war etwas viel auf einmal. Den Anfang machte der Ber=
liner
Eispalaſt in der Lutherſtraße der zunächſt glänzend
ging und deſſen Aktien ſteigend in die Höhe kletterten,
dann folgte der gewaltige Sportpalaſt in der Potsdamer=
ſtraße
, der für . . . zig tauſend Perſonen berechnet war und
am ſchnellſten zuſammenkrachte, darauf der Admiralspalaſt
in der Friedrichſtraße nahe dem Zentralbahnhof, dem man
eine blühende Zukunft vorausſagte. Das iſt aber nicht
eingetroffen, denn man beſchäftigt ſich ſchon ſeit längerem,
genau nach dem Muſter des erſten Eispalaſtes, mit ſeiner

Sanierung während man aus jenem erſten Eispalaſt
jetzt eine Arena für allerhand gewollte und ungewollte
Reiterkunſtſtücklein machte. Sobald in Berlin irgend et=
was
Erfolg hat oder auch nur einen ſolchen verſpricht,
entſteht ſofort ein ungeſunder Wettkampf und wird eine
an ſich vielleicht recht gute Idee durch den Maſſenbetrieb
heruntergedrückt, verflacht und bald aus der Welt geſchafft.
Mit den ſogenannten Freilicht=Theatern iſt’s die=
ſelbe
Sache; jenem in Potsdam ſchloſſen ſich alsbald ſolche
in Tegel und am Kleinen Wannſee an, und die Folge iſt,
daß keins davon Geſchäfte macht.
Auch in unſerem muſikaliſchen Leben iſt das Gleiche zu
beobachten; ein Zuviel wirkt meiſt zerſplitternd und ſchä=
digend
. Bei dem nun beendeten Muſikfeſt mit ſeinen
Maſſenkonzerten trat dieſelbe Erſcheinung auf weniger
wäre mehr geweſen! Es kam leider mehr auf die Quan=
tität
als die Qualität an, man mußte ſehr gute Ohren
haben, um dieſem ungeheuren Anſturm von Inſtrumenten
aller Art ſtandhalten zu können. Trotz der muſikaliſchen
Sündflut, unter der wir hier allwinterlich zu leiden haben,
darf man ſympathiſch die ſoeben auf Charlottenburger
Boden, im dortigen Landwehrkaſino, erfolgte Begründung
einer neuen Geſellſchaft zur Pflege der Ton=
kunſt
begrüßen. Eine Reihe kunſtliebender Damen und
Herren, unter denen Träger und Trägerinnen der klang=
vollſten
Namen zu finden ſind, hat ſich zuſammengefunden,
um durch dieſen Verein den Sinn und das Verſtändnis
für die deutſche Tonkunſt zu wecken und zu fördern, von
der Anſicht durchdrungen, daß gerade die deutſche Muſik
als ein wichtiger Beſtandteil unſerer Kultur zu betrachten
iſt. Der Verein will es ſich in erſter Linie angelegen ſein
laſſen, die melodiſchen muſikaliſchen Schätze früherer Zei=
ten
weiteſten Kreiſen zugängig zu machen, und zwar durch
Aufführungen der von Profeſſor Dr. Oskar Fleiſcher zu
friſchem Leben erweckten Muſikaliſchen Bilder aus Deutſch=
lands
Vergangenheit‟ Der große und verdiente Erfolg,
den dieſe vor Jahresfriſt gelegentlich einer Wohltätig=
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erzielt, läßt ein gutes Gelingen des
Programms beſtimmt erwarten.

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[ ][  ][ ]

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
85 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 26. Juni: dem Poſtſchaffner Louis
Schmidt, Lichtenbergſtraße 74, eine T. Herta Marga=
rete
Eliſe Friederike. Am 30.: dem Hausburſchen Karl
Seippel, Sackgaſſe 7, ein S. Hans Ludwig. Dem
Bureaudiätar Friedrich Joſeph Hellmann, Arheilger=
ſtraße
58, eine T. Frieda. Am 29.: dem Schloſſer Chri=
ſtian
Jungblut, Kranichſteinerſtraße 11, ein S. Hans
Günter. Am 25.: dem Bureauaſſiſtenten Georg Lump,
Pallaswieſenſtraße 3, eine T. Am 28.: dem Güterboden=
arbeiter
Wilhelm Jugenheimer, Wienersſtraße 31, eine
T. Dorothea Luiſe. Am 30.: dem Zimmermann Hein=
rich
Lorenz, Große Kaplaneigaſſe 5, eine T. Auguſte.
Dem Wirt Matthäus Hauck, Schloßgaſſe 27, eine T.
Martha Katharina. Dem Fuhrmann Ernſt Dornau,
Feldbergſtraße 28, eine T. Philippine Wilhelmine. Am
29.: dem Gärtner Oskar Werling, Langegaſſe 31, ein S.
Friedrich Hans. Am 30.: dem Gasarbeiter Wilhelm
Wacker, Schloßgartenplatz 6, eine T. Helene Mathilde.
Aufgebotene. Am 1. Juli: Zivil=Ingenieur Nikolaus
Max Hau, hier, mit Frieda Julie Prümm, Werden.
Hilfsarbeiter Georg Jakob Lücker, Arheilgen, mit
Papierarbeiterin Eliſabetha Maurer, Mühlſtraße 9.
Zimmermann Georg Heinrich Amann mit Dienſtmäd=
chen
Margareta Spalt, beide in Roßdorf. Medizinal=
drogiſt
Hugo Alexander Arno Gruſchwitz, Berlin=
Niederſchönhauſen, mit Dorothea Raubenheimer, Rhein=
ſtraße
9. Schloſſer Georg Joſt, Eliſabethenſtraße 22,
mit Wilhelmine Kilian, Holzſtraße 26. Handlungs=
gehilfe
Karl Löhr, Dieburgerſtraße 72, mit Johanna
Koch, Pankratiusſtraße 37. Am 2.: Fabrikant Ludwig
Böhringer, Lindenfels, mit Maria Lina Petry, Roß=
dörferſtraße
11. Weißbinder Konrad Heinrich Preher,
Niederſtraße 15, mit Maria Ersfeld, Birnbach. Städt.
Leihamtsgehilfe Friedrich Paul Oswald Konrad Wal=
ter
, Kiesſtraße 131, mit Anna Maria Horn, Kirch=
ſtraße
14. Sergeant im Garde=Dragoner=Regiment Nr. 23
Ludwig Spahr, Marienplatz 1, mit Margaretha Gött=
mann
, Rhönring 27. Königl. Leutnant im Thüring.
Ulanen=Regiment Nr. 6 von Doleya=Kozierowski,
Hanau, mit Elſa Maria Sophie Volk, Emilſtraße 21.
Am 3.: Tapezier Chriſtof (gerufen Karl) Trautmann,
Heinheimerſtraße 22, mit Laufmädchen Anna Katharina
Steinhauer, Schloßgaſſe 33.
Geſtorbene. Am 2. Juli: Privatier Georg Frank,
71 J., ev., Landwehrſtraße 24. Marie Magſam, geb.
Beshold, 47 J. ev., Witwe des Steinhauers in Heubach,
hier Dieburgerſtraße 21. Barbara Böhm, geb. Gras=
mück
, 63 J., ev. Ehefrau des Schuhmachers, Neue Irene=
ſtraße
23. Karl Heiligenthal, 7 Mte., ev., Sohn des
Taglöhners, Lauteſchlägerſtraße 12.

Gottesdienſtliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden.
7. Sonntag nach Trinitatis, den 6. Juli 1913,
Hofkirche: Kein Gottesdienſt. Mittwoch, den 9. Juli,
abends um 6 Uhr: Andacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Velte.
Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Velte.
Stadtäapelle: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Beringer.
Feier des heil. Abendmahls mit Vorbereitung. Vor=
mittags
um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Vogel. Abends um 6 Uhr: Pfarrverwalter Klingel=
höffer
.
Gemeindehaus Kiesſtraße 17: Samstag, den
5. Juli, abends um 8 Uhr: Jugendbund der Markus=
gemeinde
. Sonntag, den 6. Juli, vorm. um 11 Uhr:
Chriſtenlehre der Lukasgemeinde Pfarrer Kleberger.
Vorm. um 11½ Uhr: Chriſtenlehre für die Kaplanei=
gemeinde
. Pfarrer Beringer
Feierabend (Stiftſtr. 51): Vorm. um 9 Uhr:
Chriſtenlehre für die Markus gemeinde Pfarrer Vogel.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vorm. um 8 Uhr.
Vormittags um 10½ Uhr: Kindergottesdienſt ( Stein=
ſtraße
24, Muſikſaal
Johanneskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Marx.
Vormittags um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Vor=
mittags
um 9 Uhr: Chriſtenlehre für den Nord bezirk
im Gemeindehaus. Pfarrer Marx.
Martinskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
Widmann. Feier des heil. Abendmahls mit Vorbe=
reitung
. Anmeldung von ½10 Uhr ab in der Sakriſtei.
Kollekte für die evangeliſche Kirche in Budenheim.
Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt für den Weſt=

besſtrl. Pfarer D. Waitz. Nachmitags un 4 Uhr:
Bibelſtunde im Martinsſtift. Pfarrer Veller.
Pfründnerhaus: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer D. Waitz.
Eliſabethenſtiſt: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Hickel. Vorm. um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
.
Beſſunger Kirche (Betrusgemeinde): Vorm. um 8½ Uhr:
Chriſtenlehre (Knaben). Pfarraſſiſtent Lic. Adolph.
Vormittags um 10 Uhr: Feier des heil. Abendmahls.
Anmeldung von ½10 Uhr ab in der Sakriſtei. Kollekte
für Budenheim. Pfarraſſiſtent Lie. Adolph.
Paukuskirche: Chriſtenlehre fällt aus. Vormittags
um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Prof. Pfannmüller.
Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Profeſſor
Pfannmüller.
Lutheriſcher Gottesdienſt. (Selbſtändige evang.=lutheriſche
Kirche.) Am 7. Sonntag nach Trinitatis, den 6. Juli,
jachmittags um 5 Uhr, im Feierabend, Stiftſtr. 51:
Pfarrer Anthes.

Siadmniſen Mähſtraße 29): Sonntag, den 6. Jul,
vormittags um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Nach=
mittags
um 4 Uhr: Bibelſtunde. Reiſeprediger Schmid.
Dienstag, den 8. Juli, abends um 8½ Uhr: Blau=
kreuz
=Bibelſtunde. Donnerstag, den 10. Juli, abends
um. 8½ Uhr: Bibelſtunde. Samstag, den 12. Juli,
abends um 9 Uhr: Bibelſtunde für Beamte. Zweig
der Stadtmiſſion (Beſſungerſtr. 88, Hth.). Sonn=
tag
, den 6. Juli, vormittags um 11¼ Uhr‟ Kinder=
gottesdienſt
. Nachmittags um 3 Uhr: Bibelſtunde
für Jünglinge. Um 4 Uhr: Bibelſtunde für Jung=
frauen
. Freitag, den 11. Juli, abends um 9 Uhr:
Bibelſtunde.

Epangeliſche Gemeinſchaſt (Kiesſtr. 43): Sonntag,
den 6. Juli, nachm. um 2½ Uhr: Sonntagsſchule.
Abends um 8½ Uhr: Predigt. Dienstag, den 8. Juli,
abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde. Prediger Berner aus
Frankfurt a. M.

Hottesdienſt der Renapoſtoliſchen Gemeinde ( Lagerhaus=
ſtraße
4): Sonntag, nachmittags um 4 Uhr. Mitt=
woch
, abends um 8½ Uhr.

Gemeinde gländig getauſter Ehriſten (Waptiſten), Mauer=
ſtraße
17: Sonntag, den 6. Juli, vorm. um ½ 10 Uhr
und nachmittags um 4 Uhr: Predigt. Kandidat Sult
aus Hamburg. Vorm. um ½11 Uhr: Sonntaas=
ſchule
. Abends um 6 Uhr: Jugendverein. Mitt=
woch
, den 9. Juli, abends um 8½ Uhr: Gebetverſamm=
lung
. Kandidat Sult.

Reſadiſenzemeinde (Taunnsſtraße 53): Sonntag,
den 6. Juli, nachm. um ¾3 Uhr: Sonntagsſchule. Um
4 Uhr: Predigt. Prediger Eckert aus Offenbach. Frei=
tag
, den 11. Juli, abends um ½9 Uhr: Bibel= und
Gebetſtunde.

Katholiſche Gemeinden
8. Sonntag nach Pfingſten, den 6. Juli 1913
St. Ludwigskirche: Samstag, den 5. Juni, nachmit=
tags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von ½ 6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um 6 Uhr: erſte heil. Meſſe. Um
7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Um 8 Uhr:
Militärgottesdienſt mit Predigt. Um ½10 Uhr: Hoch=
amt
mit Predigt. Um 11 Uhr: Akademiſcher Gottes=
dienſt
. Nachmittags um 3 Uhr: Roſenkranz= Bruder=
ſchaftsandacht
mit Predigt und Prozeſſion.
Kapelle der Barmherzigen Hchweſtern: Sonntag, vorm.
um ½ 7 Uhr: heil. Meſſe. Abends um 6 Uhr: Aloy=
ſianiſche
Andacht.
Kapelle der Eugliſchen Ffräulein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: heil. Meſſe.
Kapelle zu Nieder=Ramſtadt: Sonntag, vormittags
um 9 Uhr: Singmeſſe mit Predigt.
St. Eliſabelhenkirche: Samstag, den 5. Juli, nach=
mittags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um ½ 7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr:
hl. Meſſe mit Predigt. Um ½10 Uhr: Hochamt mit
Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Andacht und Segen.
Kapelle in Arheilgen: Sonntag, vorm. um ½10 Uhr:
Amt mit Predigt.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
5. Juli, nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonntag, vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um ½ 7 Uhr: hl. Meſſe. Um ½ 9 Uhr:

Amt mit Bredigt. Nachmitags um ¾3 Uhr: Herz=
Jeſu=Andacht.
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, den 5. Juli, nachm.
um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Beichtgelegenheit.
Sonntag, vormittags um ½ 6 Uhr: Beichte. Um
½7 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. Um ½10 Uhr:
Hochamt und Predigt. Um ½ 2 Uhr: Chriſtenlehre.
Um 2 Uhr: Andacht. Werktags um ¾7 Uhr: Singmeſſe.
Kapelle zu Pſungſtadt: Sonntag, den 6. Juli, vorm.
um 7 Uhr: Beichte. Um ½ 8 Uhr: Amt und Predigt.
Nachmittags um ½ 2 Uhr: Andacht.

The Church of England Service
7th Sunday after Trinity, 6th July 1913.
Divine Service will be held in the Hofkirche
at 3,15 p. m.
The Rev. H. M. de Ste Croix, British Chaplain at Heidel-
berg
, will officiate.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 29. Juni: Dem Glaſermeiſter
Ludwig Franz Johann Felmer T. Dora Amalie, geb.
7. Juni.
Johannesgemeinde: 29. Juni: Dem Buchdrucker
Heinrich Auer S. Ludwig Heinrich Philipp, geb. 22. Mai.
1. Juli: Dem Keſſelſchmied Adam Wagner T. Babette
Katharine Eliſabeth, geb. 17. Juni.
Martinsgemeinde: 27. Juni: Dem Büro=
gehilfen
Konrad Heinrich Spalt S. Karl Heinz Georg,
geb. 15. Mai. 29. Juni: Dem Schuhmacher Georg Held=
mann
T. Eliſabeth, geb. 6. Juni. 25. Juni: Dem Heizer
am Städt. Gaswerk Philipp Weſp S. Friedrich, geb.
5 Mai. Dem Fuhrmann Peter Weber T. Emilie, geb.
9. Juni. 26. Juni: Dem Handarbeiter Franz Heppen=
heimer
T. Wilhelmine, geb. 7. Juni. 1. Juli: Dem Ofen=
ſetzer
Heinrich Reibold S. Hermann Heinrich, geb. 2. Juni.
Petrusgemeinde: 29. Juni: Dem Hausdiener
Karl Weinehl S. Heinrich, geb. 2. April. Dem Ingenieur
Erwin Theodor Marx T. Lieſelotte Mimi Helene, geb.
21. November.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 28. Juni: Amtstierarzt Peter
Anton Ludwig Ehrensberger in Augsburg und Freiin
Eva Marie Charlotte von Wedekind. 29. Juni: Großh.
Hofmuſiker Guſtav Julius Auguſt Theodor Wendorf
und Katharina Margareta Sulzmann.
Johannesgemeinde: 28. Juni: Lehrer Karl
Darmſtädter in Heubach und Marie Greim von hier.
Bauunternehmer Karl Roſſel in Laufenfelden und Wil=
helmine
Schlegelmilch von hier. Poſtſchaffner Jakoh
Lerch von hier und Clara Obmann von Eberſtadt.
Martinsgemeinde: 28. Juni: Kaufmann Lud=
wig
Finger in Frankfurt a. M. und Eliſe Rebel hier.
Kaufmann Philipp Jung, Witwer in Arheilgen, u. Wil=
helmine
Wurm, geb. Böttinger, Witwe, hier. Fabrik=
arbeiter
Georg Harbach hier und Suſanne Klara Luiſe
Wagner in Griesheim. 29. Juni: Handlungsgehilfe Karl
Schäfer und Marie Chriſten, beide hier.
Petrusgemeinde: 19. Juni: Apothekenbeſitzer
Erich Viktor Auguſt Ernſt Erdtmann zu Crefeld u. Eliſa=
beth
Luiſe Blumenthal hier. 26. Juni: Gärtner Joh.
Sieck zu Vilbel und Anna Bürſtlein hier. Bäckermeiſter
Leonhard Glenz und Katharina Loos, beide hier.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 28. Juni: Tapeziermeiſter Joh.
Fries, 64 J., ſtarb 25. Juni. 1. Juli: Eiſenbahn= Ober=
ſekretär
Auguſt Stolle aus Mainz, 51 J., ſtarb 28. Juni.
2. Juli: Albrecht Friedrich Heinrich Walter Philipp Karl
Herm. Fritz Hoos, Sohn des Großh. Landgerichtsrats,
3 J. 10 M., ſtarb 29. Juni.
Johannesgemeinde: 4. Juli: Rentner Georg
Frank, 71 J., ſtarb 1. Juli.
Martinsgemeinde: 26. Juni: Oktroiaufſeher
i. P. Adam Flachsland, 63 J., ſtarb 23. Juni. 28. Juni:
Kellner Georg Huppert, 31 J., ſtarb 25. Juni. 30. Juni:
Ottilie Stumpf, geb. Herche, Ehefrau des Wagnermeiſters,
63 J., ſtarb 27. Juni.
Petrusgemeinde: 1. Juli: Adolf Beck, S. des
Geometers, 10 J., ſtarb 29. Juni.

Trauungen auswärtiger Paare: Pfarrer Velte.
Beerdigungen auswärts Verſtorbener: Pfarrer
Kleberger.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wieviel
Mühe, Arbeit und Zeitverlust Ihnen die bisherige Art des
Waschens verursacht? Wie
und schädlich für das Gewebe, das starke
unpraktisch
Reiben und Bürsten des Stoffes ist? Wie
anstrengend, kräfteraubend die alte Wasch-
mühsam
,
methode vor sich geht und nicht zuletzt, wie
W sie ist, durch erhöhten Waschlohn, Material-
kostspielig

verbrauch u. schnelleren Wäscheverschleiss?
Mles Nachteile
die von Ihnen nicht länger unbeachtet gelassen werden sollten!

Um wieviel vorteilhaſter ist dagegen das Waschen mit
dem millionenſach erprobten selbsttätigen Waschmittel Persil!
Wie einfach und
gestaltet sich damit das Waschen. Nur
raktisch zinmaliges etwa halbstündiges Kochen und
die Wäsche ist im Au
vollkommen rein, blendend weiss wie auf dem
mühelos Rasen gebleicht. Dabei ist Persil sehr
im Gebrauch, denn es erfordert keine weiteren
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Waschzutaten, wie Seife, Seifenpulver etc. Alle diese
Vorteile
denen Sie sich nicht verschllessen dürfen, bietet Iimnen in
reichem Masse

Gibt Ihnen die millionenfache Verwendung dieses weit und breit beliebten Produktes nicht zu denken, dass das
Waschen damit doch besser sein muss, wie Ihre bisherige Waschmethode. Denn die Millionen Hausfrauen, die Persil
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Heidelberger
Hiſtoriſche Schloßfeſte‟.

Von Dr. Jakob Friedrich Meißner.
Rohrbach b. Heidelberg, 4. Juli.
Papa, ein ganzer Haufe voll echte Ritter ſind auf
ſchöne Gäul den Schloßberg naufgeritten! Dieſe ge=
wiß
nicht alltägliche Neuigkeit, mit der in letzter Woche
unſere Kinder glückſtrahlend von der Schule zu ſpät zum
Mittageſſen nach Hauſe kamen, ließ mit einiger Vorſicht
darauf ſchließen, daß die nach langer kunſtverſtändiger und
pfälziſch liebevoller und ausdauernder, aber auch fabelhaft
mühſamer und koſtſpieliger Vorbereitung langſam gereif=
ten
und uns ſchon Monate zuvor durch Reklame=Marken,
Plakate, Proſpekte Aushang=Schilder in Eiſenbahn=
wagen
, Zeitungsinſerate und andere Reklamemittel vir=
tuos
angekündigten, vom geſchäftsklugen rührigen Heidel=
berger
Verkehrsverein in findigſter Weiſe erſonnenen und
in erſter Linie der Hebung des Heidelberger Fremdenver=
kehrs
dienenden Hiſtoriſchen Schloßfeſte nun endlich zur
Tatſache werden. Mit banger Erwartung zitterten die
zahlreichen mitwirkenden opferwilligen Schönen und
Reiſigen nebſt Troß und Bürgersleuten der phantaſie=
reichen
Neckarſtadt in der fünften Nachmittagsſtunde des
Montags am 30. Juni anno Domini 1913 wohlvorbereitet
entgegen, ſintemalen und alldieweil ſogar der Badiſche
Landesherr mit Gemahlin die geſchichtliche Bedeutung
einer Dreihundertjahrfeier zur Erinnerung an die
Vermählung der Prinzeſſin Eliſabeth Stuart von Groß=
britannien
mit dem Kurfürſten Friedrich V. von der Pfalz
ſo hoch würdigte, daß er der Heidelberger Veranſtaltung
durch ſeine höchſteigene Beteiligung die begeiſternde Weihe
und damit der großen Werbetrommel des auf den Pro=
ſpekten
und Reklame=Marken abgebildeteen Landsknechten
die unbedingt nötige Verſtärkung ihres weitwirkenden
Klangs verlieh. Ein hiſtoriſches Koſtümfeſt, Huldigungs=
feſtzug
, Kinder=, Winzer= und Landsknechtsreigen und ſo=
gar
ein Turnierreiten, ſowie Ritterſpiele im vielgeprieſenen
und bewundernswürdigen alten Heidelberger Schloßhofe
ſtehen für die Aufführungstage 30. Juni und 1., 2., 3., und
5. Juli, nachmittags von 5 bis 7 Uhr, auf dem Programm,
und jeden Abend von 8 bis 12 Uhr ſollen ſtimmungsreiche
große Schloß= und Kellerfeſte mit Illumination der
Schloßbauten und des Schloßgartens jeden dieſer feſtlichen
Tage des Jubiläumsjahres 1913 würdig beſchließen. Auf
Freitag, den 4. Juli, war ein Blumenbootkorſo auf dem
Neckar angeſagt, auf den inzwiſchen mangels genügender
Beteiligung von prunkvollen und originellen Blumen=
booten
verzichtet werden mußte, und am 6. Juli wartet
der Feſtgäſte nach dem Feſtſpiel eine jener phänomenalen
Schloßbeleuchtungen mit Feuerwerk auf dem Neckar, die ſeit
Jahr und Tag jedesmal und immer wieder und wieder mit
nagiſcher Kraft Tauſende von Fremden anziehen. Und wer
inſer Alt=Heidelberg bei einer Schloßbeleuchtung ſo von
außen in ſeinen unwiderſtehlichen Reizen in märchen=
haften
Sommernächten ſchaut, der ſummt noch nach Jahren
die dieſer meiſtbeſungenen Stadt gewidmeten Scheffel=
verſe
, die ein Studiker dem andern, eine minnige Maid
der andern von Kahn zu Kahn auf des Neckars Fluten,
n denen ſich beim Scheine des Monds und hunderter
duntfarbiger Lampions Blauäuglein und bunte Mützen
ſpiegeln, zuraunt: Alt=Heidelberg, du Feine 1 kein
and’re kommt dir gleich! Mit dieſer wonneſeligen
Scheffelpoeſie, das ewig junge Herz frei von allem atem=
beſchwerenden
Philiſtertum und hemmenden Pferdefuß=
gebilden
, ſo ſind die Maſſen von fern und nah

zu den hiſtoriſchen Trachtenfeſten eingezogen in die
immer feſtbereite und =geſchmückte Kongreßſtadt am
Neckar und am Rheine, und ſelbſt die höchſten feſtlichen Er=
wartungen
und künſtleriſchen Anforderungen aller ſind
trotz einiger hochſommerlichen Landregentage befriedigt
und erfüllt worden. Heidelberg hat einen neuen Stein in
feine draußen in der Welt vielgerühmten Prunkkette ein=
gefügt
, es hat abermals gute Fortſchritte als gelehrige
Schülerin in der Reklamekunſt vorbildlicher Verkehrs=
vereine
und kunſtmagnetiſcher Fremdenſtätte gezeigt, aber
Heidelberg hat diesmal wahre Kunſt in der Reklame in
reichem, wohl kaum übertroffenem, ja ſeltenem Maße und
feinſinnigſter Weiſe angewandt!
Im Schloßhof des einſtigen ſtarren trutzigen Felſen=
neſtes
da klirrts und dröhnts wie ſchwerer Reitertroß;
grimmige Rittergeſtalten und liebreizende Burgfrauen
mittelalterlicher Zeiten ſind erwacht von dreihundert=
jährigem
Schlafe und ſteigen herauf gefolgt von vielen
Bürgern mit Kind und Kegel aus den weinfrohen
Kellern und unterirdiſchen Gängen zu neuen Taten und
zu ritterlichem Turneien; es kniſtert wie von Seide und
Brokat, gilt es doch heute, den feſtlichen Einzug des ſchön=
äugigen
und langlockigen ſtutzerhaften 16jährigen Fried=
rich
V. und der vielgeprieſenen reichen und energiſchen
Eliſabeth Stuart nach den vorangegangenen mit ausge=
ſuchteſter
Prachtentfaltung franzöſiſcher Höfe in London
am 14. Februar 1613 gefeierten Hochzeit als Triumph
feuriger pfälziſcher Liebeswerbungen zu begehen, nachdem
das Vorſpiel, der Empfang in Frankenthal am 14. Juni
1913, auf das Pompöſeſte verlaufen war hatten doch
damals ſchon die Frankenthaler viele Wochen zuvor
Schieß= und Exerzierübungen abgehalten und ſich phan=
taſtiſche
Theaterkoſtüme anfertigen laſſen! So berichtet
der Chroniſt vom Feſt von anno 1613! Und heute nach
300 Jahren! ? Das Pfälzer Volk und insbeſondere die
Heidelberger waren damals begierig, das Engliſche
Kleinod und Perlein, ihres Landesfürſten Freud, Zier
und Schmuck zu ſehen. Alle Vorgänge der Einzugs= und
Empfangsfeierlichkeiten, die Wolfram Waldſchmidt in
Alt=Heidelberg und ſein Schloß (Jena 1909), beſchreibt,
ſcheinen dem gefälligen Feſtſpiel als eherne Unterlage ge=
dient
zu haben; denn das heutige Feſtprogramm gibt ſie
in der Kurzen Ueberſicht des Feſtſpiels getreulich wie=
der
. Selbſt die das Programm einleitenden derben Er=
zählungen
des Schloßkaſtellans über den großartigen Ver=
lauf
des Hochzeitsfeſtes in London ſind ohne die einge=
flochtenen
Pfälzer Witze meiſt Waldſchmidtſche Worte.
Dagegen dürften die Berichte des Geſchichtsſchreibers, daß=
die
Frankenthaler Bürger Wald und Feld plünderten, um
ihre Straßen und Häuſer mit jungen Maien, ganzen
Bäumen, Roſen und Girlanden in unheimlicher Zahl be=
grünen
zu können, wenigſtens nicht ganz auf die Aus=
ſchmückung
des Heidelberger Schauplatzes von anno 1913
anzuwenden ſein! 300 Jahre ſind für Kulturfortſchritte
und Verfeinerung der Gefühle gewiß eine lange Spanne
Zeit!
Eine mittelalterliche Welt taucht im Schloßhofe leben=
digſt
vor uns auf! Unter Fanfarengeſchmetter der Herolde,
feierlichen Orgeltönen aus der Schloßkirche, ſtimmungs=
vollem
Glocken=Geläute und weihevollen Kirchenchor=
Klängen naht der prunkhafte und groß angelegte Huldig=
ungszug
aus der Stadt heran, das fürſtliche Paar mit
engliſchen und kurpfälziſchen Adeligen, Seide= und gold=
ſtrotzendem
Hofſtaat und gleißendem Gefolge zieht auf,
um die Huldigung der Landſtände gnädig entgegenzu=
nehmen
. Würdige Vertreter des kurpfälziſchen Adels, der
Univerſität und Scholaren, des Magiſtrats, der Zünfte,
wie Schwertfeger, Gold= und Silberſchmiede, Gewand=

ſchneider, Gerber und Schuſter, Küfer, Bau= und Buch=
gewerbe
, Schmiede und Schloſſer, Glockengießer, Bäcker,
Metzger, Winzer, Jäger und Fiſcher, Schiffer und Bauern
unter Vorantritt von Stadtpfeifern und Dorf= und Stadt=
muſikanten
und gefolgt von vielköpfigen Scharen von
Landvolk, Knaben, Mädchen und Arkebuſiern marſchieren
auf, und der redegewandte Sprecher, jeder mit ihren
Zunft=Zeichen und Bannern anrückenden Gruppe entbietet
dem gefeierten Fürſtenpaar ſeinen ſchlichten, poetiſchen
Willkomm und Treuſchwur. Eine Reihe der anmutigſten
fein einſtudierten Reigen der Bürger= und Bauernkinder,
Kranzjungfrauen und Winzer und Winzerinnen ſchließt
den großartigen Huldigungsfeſtakt, an den ſich bis über
die Ohren ſchwergerüſteter adeliger Herren ſtaunenswert
kühne Ritterturniere auf edlen Roſſen angliedern,
deren Ausſtattung in punkto Heraldik durchaus künſtleriſch
korrekt und konſequent durchgeführt erſcheint und wobei
natürlich grobſchäftigſter Lanzen Splitter den blutdurch=
tränkteſten
Kampfplatz bedecken!
Die ſteinerne Einfriedigung des Schloßhofes läßt uns
eine in der Geſchichte begründete Berechtigung der Wahl
des Schauplatzes erkennen; denn unter des verſchwende=
riſchen
Winterkönigs Regierung (1610 1632) entſtanden
der Engliſche Bau, die Eliſabethpforte, der Theaterſaal in
dem dicken Turme und andere prunkhafe Bauten des
Heidelberger Schloſſes; ja kein Schauplatz der Welt iſt für
ſolch gediegenes mittelalterliches Ausſtattungsſtück geeig=
neter
, denn dieſer Heidelberger Schloßhof mit den herr=
lichen
Ruinen des Otto=Heinrichsbaues und den Arkaden
des gläſernen Saalbaus als Hintergrund der Szenerie!
Keine nicht die geſchickteſte Künſtlerhand, nicht die
kühnſte Phantaſie des gottbegnadetſten Meiſters könnte
einen wirkungs= und ſtimmungsvolleren Hintergrund
ſchaffen. So iſt denn der Geſamteindruck dieſer einzigartigen
Szenerie, dieſer blendenden Koſtüme, dieſes gewaltigen
Menſchen=Apparates, dieſes koloſſalen Aufwandes an
Kraft, Zeit und Mammon von überraſchender, ja über=
wältigender
Wirkung! Und welch unbeſchreiblich ſchöne
Bilder zaubern die durch die öden Fenſterhöhlen herein=
leuchtenden
güldenen Abendſonnenſtrahlen und die
märchenhaften Reflexe! Dieſes Abendſonnengold, das
alle die ungezählten den Schloßhof belebenden jungen und
alten Geſtalten des Feſtſpiels verklärt, läßt farbenfrohe
pinſelfertige Bilder in kunſtgerechtem Rahmen mit feen=
hafter
Grazie entſtehen! Welch üppigſte Farbenpracht
ſeltenſter Art enthalten die zum Ganzen künſtleriſch abge=
ſtimmten
koſtbaren Koſtüme und Dekorationen! Sie paſſen
ebenſo harmoniſch zu der überall herrſchenden Jugend=Luſt
und=Freude des hiſtoriſchen Huldigungsfeſtes, wie zu der
Szenerie des ganzen berückenden mittelalterlichen Schloß=
hofes
. Der Heidelberger Kunſtmaler Heinrich Hoffmann,
aus deſſen echter Künſtlerhand die meiſten Entwürfe der
zahlreichen eigenen Koſtüme und neuen Dekorationen
ſtammen, hat hier ein ruhmvolles Werk harmoniſcher Ge=
ſamtwirkung
geſchaffen, deſſen künſtleriſche Bedeutung nicht
hoch genug veranſchlagt werden kann. Feſtordnern und
Mitwirkenden muß uneingeſchränkte Anerkennung gezollt
werden; denn es iſt ihrem gemeinſamen Wirken und
Streben gelungen, gleißendes Leben im Schloßhofe zur
Ehre und zum Ruhme der mit ſchönen Reden geprieſenen
gar feinen Perle Alt=Heidelberg hervorzuzaubern. Mögen
die erzielbarſten wirſchaftlichen Erfolge in Hebung des
Fremdenverkehrs in das richtige Verhältnis zu dieſem
enormen Aufwand an Kunſt, Arbeit und Heimatliebe
treten! Das iſt der aufrichtige Wunſch aller feinſinnigen
Kenner der intimen Reize der von der Natur überreich be=
dachten
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[ ][  ][ ]

Kongreſſe und Verbandstage.
Deutſcher Aerztetag.
Elberfeld, 3. Juli. Die Beratungen des
diesjährigen Deutſchen Aerztetages begannen
heute nachmittag im Kaiſerſaale der Stadt Elberfeld
mit einer Tagung des Leipziger Verbandes für
die wirtſchaftlichen Intereſſen der Aerzte, zu der zahl=
reiche
Vertreter aus allen Teilen des Reiches erſchienen
waren. Der Vorſitzende des Leipziger Verbandes, Dr.
Hartmann (Leipzig=Connewitz), leitete die Verſammlung
mit einer Rede ein, in der er einen Rückblick auf das letzte
Jahrzehnt der Entwickelung des Verbandes warf. Er
führte u. a. aus: Früher haben ſich der Leipziger Ver=
band
und der Aerztevereinsbund nicht gerade freundlich
gegenübergeſtanden, ſie haben ſich aber dann in beider=
ſeitigem
Intereſſe geeinigt. Was das Verhältnis
der Aerzteſchaft zu den Krankenkaſſen an=
langt
, ſo iſt es richtig, daß in den letzten Jahren die Re=
gierung
hier und da gezwungen war, in die Differenzen
zwiſchen Krankenkaſſen und Aerzten einzugreifen. Es iſt
aber eine Irreführung der öffentlichen Meinung, wenn
die Krankenkaſſen behaupten, daß die Regierung immer
nur auf Seiten der Aerzte geſtanden habe. Im Gegen=
teil
, die Intereſſen der Aerzte waren der Regierung oft
vollkommen gleichgültig, und wenn die Regierung einge=
griffen
hat, ſo tat ſie das nur, um ihrer Pflicht gegen=
über
den Aerzten zu genügen, oder weil die Kaſſen un=
fähig
waren. In vielen Beziehungen hat ſich die Regier=
ung
den Beſtrebungen der Aerzte geradezu unfreundlich
gegenübergeſtellt. Redner beſpricht mehrere Fälle. Die
Aerzte werden ſich niemals von der Verfolgung ihrer
Ziele abbringen laſſen, weil ſie damit dem Volkswohle
dienen. Der Redner kommt dann auf die letzte Tagung
der Krankenkaſſen in Eſſen zu ſprechen. Auf dieſer habe
Juſtizrat Fuld (Mainz) die Verdächtigung ausgeſprochen,
daß der Leipziger Verband Nichtmitglieder an den ab=
geſchloſſenen
Tarifverträgen nicht teilnehmen ließe. Dieſe

Behauptung ſei grundſalſch. Der Vorſthende des Be=
triebskrankenkaſſenverbandes
Juſtizrat Wandel hat ſich
gegen die Erfüllung der ärztlichen Forderungen ausge=
ſprochen
, weil dann die Krankenkaſſen ihren ſozialen
Pflichten nicht mehr nachkommen könnten. Dieſe Behaup=
tung
ſei nicht richtig. Das beweiſe ſchon die Tatſache,
daß in hunderten von Orten die Forderungen der Aerzte
längſt erfüllt ſind, nicht nur zum Wohle des Aerzteſtandes,
denn gerade dadurch ſei es ermöglicht worden, daß unſere
Krankenkaſſen den Aufſchwung nehmen konnten, um den
uns die ganze Welt beneidet. Nun hat man die Anſtel=
lung
beamteter Aerzte vorgeſchlagen. Dagegen hat ſich
die Regierung ſchon vielfach ausgeſprochen. Es iſt nicht
anzunehmen, daß die Regierung in einer ſo wichtigen
Frage plötzlich ihre Meinung wechſelt. Redner beſpricht
den neuerlichen Erlaß des Staatsſekretärs des Innern zum
§ 370 der Reichsverſicherungsordnung. Die Aerzte hätten
von dem Inkrafttreten des genannten Paragraphen nichts
zu befürchten. Wenn die Kaſſen von dieſem Paragraphen
einen unbilligen Gebrauch machten, ſo würden ſie das
am eigenen Leibe verſpüren. Wenn die Krankenkaſſen
mit uns verhandeln wollen, ſo ſollen ſie es mit dem
Leipziger Verbande ohne jeden Vermittler tun. Wir
Aerzte wehren uns aber dagegen, daß zu den Verhand=
lungen
eine kleine Gruppe von Aerzten hinzugezogen
werden ſoll, die man nicht einen Verband nennen kann.
Wenn es den Kaſſen wirklich um den Frieden zu tun iſt,
ſo können ſie mit dem Leipziger Verbande auch ohne Ver=
mittler
verhandeln, freilich nicht unter der Vorausſetzung,
daß ſie die alten Forderungen der Aerzte einfach weg=
diſputieren
. Die Kaſſen brauchen nicht zu fürchten, daß
die freie Arztwahl ihnen wahllos aufgezwungen wird.
Der Verband will lediglich verhindern, daß ſie dort, wo
ſie beſteht, abgeſchafft wird und iſt darauf bedacht, daß ſie
dort eingeführt wird, wo die Aerzteſchaft ſie wünſcht und
die Lage der Kaſſe ſie ermöglicht. Für das Weiterbeſtehen
will der Verband in eine Prüfung eintreten und ſich
gegebenenfalls auch einem unparteiiſchen Schiedsgericht
unterwerfen. Jahrelang ging die Tätigkeit des Ver=

bandes darauf aus, den Frieden vorzubereiten. Ales
dings ſcheut er den Kampf nicht, wennngleich er in ihmi
allein ſteht; aber er wird in ihn eintreten mit um ſo
größerer Beruhigung, als er weiß, daß die Vertretung
der Intereſſena der Aezteſchaft auch Vertretung der In=
tereſſen
des Allgemeinwohls bedeutet. Redner hebt zum
Schluß hervor, daß der Leipziger Verband eine Vertret=
ung
des Standes für die ärztliche Allgemeinheit ſei, da=
her
könne es nicht ausbleiben, daß, wenn er mit einer
größeren Organiſation Tarife abſchließe, dieſe auch:
den Nichtmitgliedern zugute komme. Es könne aber auch
Fälle geben, in denen je nach den örtlichen Verhältniſſen!
einzelne Aerzte davon ausgeſchloſſen würden.
Hierauf erſtattete Generalſekretär Cuhns (Leipzig)
den Geſchäftsbericht. Aus dieſem geht hervor, daß:
der Verband zurzeit 25 184 Mitglieder umſaßt. Die Ab=
teilung
für Stellenvermittelung hat 3409 Aerzteſtellen
jeder Art vermittelt. Bedauerlich ſei eine Zerſplitterung
der Stellenvermittelung in konfeſſioneller Beziehung. Der
Redner geht dann auf die Angeſtelltenverſicherung ein,
die einſeitig die beamteten Aerzte als Vertrauensärzte
heranziehe. Eine Bitte des Verbandes, hierin Wandel
zu ſchaffen, iſt abſchlägig beſchieden worden; die Praxis
hat aber gezeigt, daß dieſes Syſtem nicht durchführbar iſt.
Es wurde ſchließlich ein Antrag angenommen, der den
zurzeit angeſtellten Vertrauensärzten empfiehlt, ihre Stel=
len
zu kündigen und der ausſpricht, daß in Zukunft der=
artige
Stellen nur noch mit Zuſtimmung der Lokalorga=
niſationen
angenommen werden dürfen.
In der Verſammlung kam noch zum Ausdruck, daß,
wenn auch der Kampf mit den Krankenkaſſen im Vorder=
grund
ſtehe, der Verband ſich doch allmählich immer mehr
von einer Kampforganiſation zu einer Wohlfahrtszentrale
umgeſtaltete, und zwar durch ſeine Stellenvermittelung,
Darlehens= und Sterbekaſſe, Witwenhilfe, Auskunftser=
teilung
uſw. Mit der Wiederwahl des alten Vorſtan=
des
hatte die Verſammlung ihr Ende erreicht. Morgen
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