Darmstädter Tagblatt 1913


28. Februar 1913

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176. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Prof. Dr. Magnus Biermer in Gießen iſt geſtern
im Alter von 52 Jahren am Herzſchlag geſtorben,
*
Die deutſche Kaiſerin trifft am Samstag um 3 Uhr
30 Minuten nachmittags in Gmunden ein. Der
Aufenthalt dauert vorausſichtlich zwei bis drei Tage.
Am Donnerstag trifft das Großherzogspaar von Meck=
lenburg
=Schwerin und am Freitag das Prinzenpaar
Mar von Baden dort ein.
*
Der König und die Königin von Dänemark
ſind geſtern vormittag von Berlin wieder abgereiſt.

Die Ausgabe von 50 Millionen 4prozentiger Reichs=
und 100 Millionen 4prozentiger preußiſcher
Staatsanleihe, ſowie von 400 Millionen 4 pro=
zentiger
preußiſcher Schatzanweiſungen iſt beſchloſſen
worden.

Die ſozialdemokratiſche Mehrheit des Ru=
dolſtädter
Landtags hat ſich grundſätzlich für
die Annahme des Etats erklärt und auch die Do=
tation
des Fürſten bewilligt.

Der Tonkünſtler Geheimer Hofrat Felix Draeſecke iſt
in Dresden geſtorben.
2
Die Königin von Holland iſt mit der Prinzeſſin
Juliana geſtern in Hohemark bei Oberurſel ein=
getroffen
.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Poincaré und der Friede.

** Der Amtsantritt Poincarés hat zu dem üb=
lichen
Höflichkeitsaustauſch zwiſchen Paris und Pe=
tersburg
Anlaß gegeben, was bei dem Bündnisver=
hältnis
der beiden Staaten nicht weiter auffallen kann,
aber den Franzoſen doch immer ſehr wohltut. Nachdem
der Zar den neuen Präſidenten ſchon zum Einzuge ins
Elyſée beglückwünſcht hatte, ließ er ihm am Dienstag
gleichzeitig mit dem Andreas=Orden ein Handſchreiben
überreichen, welches in ſeiner Bezugnahme auf das franko=
ruſſiſche
Bündnis beſonders warm gehalten und deshalb
geeignet iſt, an der Seine den beſten Eindruck zu machen.
Wenn man dort jedoch glaubt, der Anregung des Zaren
zu einem beſtändigen Zuſammenarbeiten und zu einer
ſteten Fühlungnahme zwiſchen den beiderſeitigen Kabi=
inetten
habe ſich nur Frankreich zu erfreuen, ſo ſei dar=
rauf
hingewieſen, daß ſich etwa dieſelben Worte in der
offiziöſen Note finden, welche nach der Zuſammenkunft
des Zaren und Kaiſer Wilhelms in Baltiſchport heraus=
gegeben
ward. Wenn auch Zar Nikolaus in ſeinem Hand=
ſchreiben
an Poincaré betont, daß das Bündnis mit
Frankreich die Grundlage der ruſſiſchen auswärtigen Po=
litik
bilde, ſo ſteht es doch andererſeits feſt, daß unter der
Regierung Nikolaus II. Rußland ſich nicht ausſchließlich
auf jenes Bündnis ſtützte, vielmehr auch die guten tra=
ditionellen
Beziehungen zu Deutſchland pflegte, wofür
der Zar ſelbſt wiederholt Zeugnis ablegte. Seine freund=
ſchaftlichen
Verſicherungen für Frankreich brauchen bei uns
alſo durchaus nicht beſonders tragiſch genommen zu
werden.
Der Zar hat in ſeinem Handſchreiben nicht unter=
laſſen
, das franko=ruſſiſche Bündnis als einen wirk=
ſamen
Faktor für den Frieden Europas hinzu=
ſtellen
. Um ſo auffälliger muß es erſcheinen, daß Poin=
caré
auch in ſeinem Danktelegramm an den Zaren mit
keiner Silbe des Friedens gedenkt, wie er
dieſes Wort in ſeinen bisherigen Kundgebungen als Prä=
ſident
überhaupt noch nicht gebraucht hat. Beim Empfang
im Elyſée durch Falliéres, welcher betonte, Poincarés
Tätigkeit werde ihre Wirkung auf die Politik des Friedens
nicht verfehlen, umging der neue Präſident das Wort
Friede, ebenſo kurz darauf im Pariſer Rathauſe. Auch
in ſeiner Antrittsbotſchaft vermied er dieſes Wort ängſt=
lich
. Nun iſt ja nicht immer geſagt, daß alle diejenigen,
welche es oft gebrauchen, auch im Herzen friedliche Ge=
ſinnung
tragen, aber es fällt doch auf, daß Poincaré mit
der Gepflogenheit der Staatsoberhäupter, bei geeigneten
Anläſſen friedliche Verſicherungen zu geben, geradezu
oſtentativ gebrochen hat auch dem Zaren gegenüber,
dem Schöpfer der Friedenskonferenzen.

Die Luftſchiffpanik in England.

* Der Köln. Ztg. wird aus Berlin geſchrieben: Seit
kurzem haben die Meldungen, daß deutſche Luftſchiffe
heimlich nach England geflogen ſeien und dort nächt=
licherweile
Kreuz= und Querfahrten gemacht hätten, in
der engliſchen Preſſe einen derartigen Umfang angenom=
men
und beſchäftigen die öffentliche Meinung drüben ſo
ſtark, daß es an der Zeit iſt, von hier aus darüber ein
Wort zu ſagen. So wollen wir denn zunächſt auf Grund
unanfechtbarer Erkundigungen bei allen in Betracht kom=
menden
Stellen ausdrücklich feſtſtellen eine Feſtſtellung,
die für den Kenner unſeres Luftſchiffweſens überflüſſig
iſt. daß kein Luftſchiff oder Luftfahr=
zeug
der deutſchen Heeres= oder Ma=
rineverwaltung
bisher nach England
geflogen iſt, noch überhaupt nach allen bisher ausge=
führten
Fahrten irgendeinen Anlaß zu den in England
umlaufenden Gerüchten hat geben können. Eine vollſtän=
dige
Widerlegung der zurzeit die engliſche Preſſe erfüllen=
den
Phantaſien über die geheimnisvollen Fahrten deut=
ſcher
Luftſchiffe ergibt ſich ſchon aus der Verteilung
ſämtlicher deutſchen Luftſchiffe, die ja doch der breiteſten
Oeffentlichkeit bekannt iſt. Unſere ſämtlichen Luftſchiffe
werden täglich, mindeſtens aber, wenn ſie eine Fahrt un=
ternehmen
, von einer Unzahl von Perſonen geſehen. Ihr
Aufenthalt und ihr Weg in der Luft wird ſtändig von
einem großen Teil der Preſſe vermerkt. Man braucht kein
Fachmann zu ſein, um ſich ſagen zu können, daß es augen=
blicklich
nicht möglich iſt, mit einem Luftſchiff nach Eng=
land
zu fahren, ſich über England aufzuhalten und wieder
nach Deutſchland zurückzukehren, ohne daß irgendein
Menſch irgendwo dieſes rieſige Fahrzeug geſehen hätte.
Ganz zu ſchweigen davon, daß eine Fahrt, wie ſie den
jetzigen ſelbſt die ernſthaften Blätter in England erfüllen=
den
Gerüchten zugrunde gelegt wird, über die dichteſtbe=
völkerten
Teile Europas Weſtdeutſchland, Holland, Bel=
gien
und die Graftſchaft Yorkſhire führen müßte.
Selbſt im Winter reicht zu einer ſolchen Fahrt die dunkle
Nachtzeit nicht aus, wie man aus der Tatſache erſehen
kann, daß das ſchnellſte Luftſchiff, das Deutſchland beſitzt,
das Marineluftſchiff L. 1 auf ſeiner bisherigen einzigen
großen Reiſe volle zwölf Stunden gebraucht hat, um von
Friedrichshafen nach der Nordſeeküſte zu fliegen. Wollte
ein Luftſchiff wirklich in nächtlicher Stunde England einen
heimlichen Beſuch machen, ſo würde es ſich doch, wie auf
der Hand liegt, ſehr hüten, dabei irgendwelche Lichter zu
zeigen. Lichter, die nach außen ſichtbar ſind, ſind für
das Fahren nicht notwendig, und Poſitionslaternen, wie
ſie die Schiffe zum Ausweichen führen, werden vorläufig
im Luftmeer noch nicht gebraucht. Die im Publikum ver=
breitete
Anſicht, daß die modernen großen Luftſchiffe an=
ſtandslos
von Deutſchland nach England fahren könnten,
iſt an ſich richtig. Man vergißt aber, daß bei einer Fahrt,
wie ſie hier von engliſcher Seite angenommen wird, etwas
mehr dazu gehört als ein Vergleich zwiſchen der geogra=
phiſchen
Entfernung und der Tabelle des Aktionsradius,
nämlich der Aufenthalt über fremdem Gebiet, das keine
Relaisſtation bietet, und die Rückkehr gegen vielleicht
ſehr widrige Luftſtrömungen.
Wir behalten uns vor, auf dieſen neueſten engliſchen
Luftſchiffſchrecken noch einmal eingehender zurückzukom=
men
und dieſe Erſcheinung auch nach anderen Seiten hin
zu würdigen. Einſtweilen ſei nur das Bedauern ausge=
drückt
, daß in England nicht von ſachverſtändiger Seite
oder von einer Regierungsſtelle aus, die die Tatſachen
kennt, der Verſuch gemacht wird, dieſer übeln Maſſen=
ſuggeſtion
den Garaus zu machen.

Deutſches Reich.

Die Militärvorlage. Wie die Tägl.
Rundſchau erfährt, hat ſich das preußiſche Staatsmini=
ſterium
in ſeinen letzten Sitzungen wiederholt mit der
Militärvorlage und ihrer Deckung beſchäftigt, doch ſind
endgültige Beſchlüſſe über die Löſung der Beſitzſteuerfrage
noch nicht gefaßt worden. Wie weſentlich die Hinderniſſe
ſind, die die Faſſung ſolcher endgültigen Beſchlüſſe
noch verzögern, geht daraus hervor, daß auf Erſuchen
des Reichskanzlers Staatsſekretär Kühn ſich nach Süd=
deutſchland
begeben hat, um in München, Stuttgart und
Karlsruhe mit den leitenden Miniſtern einiger Bundes=
ſtaaten
zu verhandeln. Man wollte dadurch den großen
Aufwand einer nochmaligen Finanzminiſterkonferenz er=
ſparen
. Neueren Nachrichten zufolge werden dem Reichs=
tage
die Militärvorlage, der Nachtragsetat und die

Deckungsvorſchläge erſt nach den Oſterferien bei ſeinem
Wiederzuſammentritt zugehen. Während der Oſterferien
wird der Bundesrat über die Vorlagen Beſchluß faſſen.
Den Führern der bürgerlichen Parteien dürfte der Reichs=
kanzler
aber ſchon in nächſter Zeit Mitteilungen über den
Inhalt der Militärvorlage zugehen laſſen. Im Anſchluß
an dieſe Erörterungen werden vertrauliche Vorbeſprechun=
gen
ſtattfinden.
Neue Reichs= und preußiſche Staats=
anleihe
. Die unter Führung der Reichsbank und der
Kgl. Seehandlung (Preußiſche Staatsbank) gebildeten
Konſortien übernahmen von den Finanzverwaltungen
50 Millionen Mk. Reichsanleihe und 100 Millionen Mk.
preußiſche Staatsanleihe beide mit 4 Prozent verzinsbar
und bis 1925 unkündbar. Die öffentliche Zeichnung findet am
7. März zum Kurs von 98,60 ſtatt. Für Stücke, die unter
Sperrung bis zum 15. Januar 1914 in das Reichs= oder
Staatsſchuldbuch eingetragen werden, beträgt der Zeich=
nungspreis
20 Pfg. weniger. Ferner übernahm das unter
Führung der Seehandlung ſtehende ſogenannte Preußen=
Konſortium 400 Millionen 4prozentige preußiſche Schatz=
anweiſungen
, fällig 1917, die ebenfalls am 7. März zu 99
Prozent zur Zeichnung aufgelegt werden. Die Beſitzer
von am 1. April 1913 fälligen Schatzanweiſungen können
dieſe zu pari in Zahlung geben, ſo daß ſie 1 Mark Zu=
zahlung
auf 100 Mark erhalten.
In der Budgetkommiſſion des
Reichstages wandte ſich Staatsſekretär Dr. Solf bei
der Beratung des Etats für Deutſch=Oſtafrika gegen die
Behauptung eines Zentrumsabgeordneten, daß der Ar=
beitermangel
u. a. auch dadurch verurſacht wurde, daß
während der verſchiedenen Strafexpeditionen ca. 50000
Mann erſchoſſen worden ſeien. Die Zahl der ſeit 1903 an=
läßlich
der Expeditionen der Schutz= und Polizeitruppen
Umgekommenen betrage 10797.
Lohnbewegung im Baugewerbe. Die
Verhandlung zwiſchen den Arbeitgebern und Arbeitneh=
mern
im Baugewerbe hat zu keinem Reſultat geführt. Der
Vorſitzende des Schiedsgerichts vertagte ſchließlich die
Weiterberatung auf den 9. März.
Aus dem roten Landtage. Die ſozial=
demokratiſche
Mehrheit des Rudolſtädter Landtages er=
klärte
ſich grundſätzlich für die Annahme des Etats. Bei
der Einzelberatung wurden die Dotation des Fürſten in
Höhe von 300000 Mark und die Beamtengehälter bewil=
ligt
. Es wurde ein Antrag angenommen, bei der Ver=
leihung
von Orden beſondere Abgaben einzuführen.

Ausland.

Schweiz.
Die Kommiſſion des Nationalrates
für den Gotthardvertrag beſchloß mit 8 gegen
7 Stimmen, den Staatsvertrag nicht zu ratifizieren.
Frankreich.
Die dreijährige Dienſtzeit. Offiziös wird
gemeldet, daß der Miniſterrat ſich bereits mit dem An=
trage
des Kriegsminiſters Etienne auf Wiedereinführung
der dreijährigen Dienſtzeit befaßt hat. Mehreren Blättern
zufolge ſei Etienne entſchloſſen, in dieſer Angelegenheit
ſowohl im Miniſterrat wie im Parlament die Kabinetts=
frage
zu ſtellen.
Die Lage in Marokko. Aus Rabat wird ge=
meldet
, daß zwar die allgemeine Lage in Marokko günſtig
ſei, daß jedoch noch in drei Gegenden eine beträchtliche
Gärung herrſche, und zwar im Süden von Fez, im Tadla=
und Susgebiet. In der letzteren Gegend bemühen ſich
der Kaid der Anflus, der Bruder des gefangenen Kaids
Gelluli, und der Prätendent El Hiba, welche gemeinſame
Sache machen, Anhänger um ſich zu ſcharen.
Belgien.
Der Generalſtreik. Eine in Brüſſel tagende
Verſammlung von Induſtriellen erklärte es für unzweck=
mäßig
, in der Frage des Generalſtreiks, als einer politi=
ſchen
Frage, Stellung zu nehmen.
Spanien.
Kein Bündnis mit Italien. Der Miniſter
des Aeußern erklärte Journaliſten gegenüber, daß die Be=
ſprechungen
des ſpaniſchen Botſchafters am Quirinal mit
dem italieniſchen Miniſter des Aeußern ausſchließ=
lich
bezweckten, dem Botſchafter die Kenntnis über
Einzelheiten der Annektion der Cyrenaika durch
Italien zu verſchaffen und die ſpaniſche Aktion
in Marokko zu erörtern. Niemals ſei an ein
Bündnis gedacht worden. Das ſpaniſche Kabinett

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Nummer 50.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Februar 1913.

heit aus dem Leben des Vaters und des Sohnes wußte
Herr Brouard ſeine Zuhörer zu feſſeln, die ihm mit
freundlichem Beifall dankten.
* Vortrag des Oberleutnants Gractz. Im Städtiſchen
Saalbau hielt am Mittwoch abend vor einer nicht ſonder=
lich
zahlreichen Zuhörerſchaft der bekannte Afrikaforſcher
Oberleutnant Graetz einen Lichtbildervortrag über ſeine
Durchquerung Afrikas im Motorboot, die im weſentlichen
der Erforſchung des Kongoquellgebietes und der Haupt=
waſſerſtraßen
Neu=Kameruns galt. Der erſte Teil des
Vortrags war eine Rekapitulation des bereits vor Antritt
ſeiner Reiſe hier gehaltenen Vortrags über den Beginn
der Durchquerung bis Kolonga Nach längerem Aufent=
halt
in Europa wurde dann, nachdem ſein erſtes Motor=
boot
geſunken, die Erkundungsfahrt mit einem neuen Mo=
torbot
Hygiama zu Ende geführt. Die Erlebniſſe der
Hygiama auf dieſer Fahrt, die der Vortragende in zahl=
reichen
Lichtbildern vorführte, ſind unſeren Leſern aus
einen Reiſebriefen bereits bekannt. Der Vortrag ſchloß
mit einer Propaganda für eine neue Expedition, der
deutſch=engliſchen Luftſchiff=Expedition
zur Erforſchung von Neu=Guinea, die bereits feſte For=
men
angenommen hat. Der Vortragende erntete reichen
Beifall.
* Faſtenpredigten. Man ſchreibt uns: Die Faſten=
predigten
die der Mainzer Seminarprofeſſor
Schmidt Mittwochs um 6 Uhr in der hieſigen
Ludwigskirche hält, erfreuen ſich eines ſehr zahlreichen
Beſuches. In der Paſſionswoche wird die Faſtenpredigt
auf den Freitag verlegt und findet demgemäß am Feſte
der Schmerzen Mariä ſtatt. Am Dienstag, den 11. März,
wird der als Kanzelredner rühmlichſt bekannte Berliner
Dominikanerpater Bonaventura abends um 6 Uhr
über das Thema Frauenideale predigen.
* Orpheum. Exls Tiroler Bühne aus Inns=
bruck
, der ein ſehr gutes künſtleriſches Renommee voraus=
geht
, beginnt ab Samstag, 1. März, ein halbmona=
tiges
Gaſtſpiel. Wir leſen u. a. hierüber im Neuen
Wiener Tagblatt: Im Theater an der Wien begann Erls
vortreffliche Truppe ein längeres Gaſtſpiel mit Karl Schön=
herrs
Sonnwendtag
In der Darſtellung der Exl=
ſchen
Bühnenleute, die ſich Naturſchauſpieler nennen, in
dem echten Dialekt der Tiroler Landsmannſchaft, hört
man die Quellen, die Schönherr in ſeine Kunſt leitet, aus
der Tiefe des Urſprungs rauſchen. Wahrhaft erquickend
iſt dieſes Ausſtrömen ungekünſtelter, volkstümlicher
Mundart. Sinn und Leib und Tracht iſt den Menſchen
der Tiroler=Bühne dreieinig. Ihr Können iſt aber auch
ſtark wie ihre Natur und mit ihr ſo innig durchwachſen,
daß man der ſchulgemäßen Hilfen nur ſelten bewußt wird.
Eduard Köck, der eifernde, fanatiſche Jungreithmair, iſt
von verblüffender Natürlichkeit, ergreifend in ihrer
Schlichtheit Reſi Hagen als alte Rofnermutter. Ferdinand
und Anna Exl geben in ruhiger, gedrungener Haltung
ein rührendes Paar. Karl Karner nähert ſich glücklich
dem ſtädtiſchen Weſen. Zu einer ſteinharten Figur wird
der Gemeindevorſteher des Artur Ranzenhofer. Auch
die anderen Geſtalten ſind Leben und Wahrheit.
Heute, Freitag, bleibt das Orpheum geſchloſſen. (S. Anz.)
Offenbach, 27. Febr. Heute wurde in dritter Inſtanz
vor dem Oberlandesgericht in Darmſtadt die
Beleidigungsklage des Stadtverordneten Fritz Perre=
et
gegen den verantwortlichen Redakteur des Offen=
bacher
Abendblattes, Ignaz Klug, verhandelt. Der Ge=
richtshof
ſchloß ſich der Auffaſſung des Offenbacher Schöf=
fengerichts
und der Darmſtädter Strafkammer an und
verwarf die Reviſion des Beklagten Klug als
unbegründet. In der Begründung wurde hervorgehoben,
daß bereits durch die Strafkammer feſtgeſtellt worden
ſei, daß Wahrung berechtigter Intereſſen nicht in Frage
komme. Die Reviſion wurde demgemäß als ungerecht=
fertigt
erachtet und Klua zu den Koſten ſämtlicher In=
ſtanzen
verurteilt.
Offenbach, 27. Febr. Ein Schülerſelbſtmord
ereignete ſich geſtern nachmittag gegen 3 Uhr in einem
Schulzimmer des Gymnaſiums in Offenbach, wo die Abi=
turientenprüfung
abgehalten wurde. Der 18jährige Ober=
primaner
Philipp Deubler, der die Prüfung nicht
beſtand, nahm ſich den Vorfall aus gekränktem Ehrge=
fühl
dermaßen zu Herzen, daß er ſich in einem unbewach=

ten Augenblick mit einem Revolver eine Kugel in die
rechte Schläfe jagte. Er wurde ſchwer verletzt in das
Städtiſche Krankenhaus gebracht.
n Beedenkirchen, 27. Febr. Beim Holzaufladen im
Wald wurde der hieſige, ca. 22 Jahre alte Taglöhner
Jakob Motzler das Opfer eines ſchweren Unfalles. Er
war beſchäftigt, einen Stamm auf den Wagen zu heben,
als dieſer ins Rutſchen kam und den Unglücklichen unter
ſich begrub. Die verurſachten Verletzungen waren derart,
daß M. nach kurzer Zeit an der Unfallſtelle verſchied.
Mainz, 27. Febr. In der geſtrigen Sitzung der
Stadtverordneten wurde beſchloſſen, die wiſſen=
ſchaftlichen
Beamten auf der Stadtbibliothek um zwei zu
vermehren. Die Stellen, die vorläufig proviſoriſch blei=
ben
, werden ausgeſchrieben. Da ſich die Stadtverwaltung
im vorigen Jahre auch auf das Gebiet der Reklame
mit einem Betrage von 2000 Mark begeben hat, ſoll auch
jetzt wieder ein Kredit von 3000 Mark für Reklame=
zwecke
bereitgeſtellt werden. Stadtv. Feine und der
Oberbürgermeiſter gaben darüber Auskunft, wie dieſer
Betrag Verwendung finden ſoll. Es ſollen Veröffentlich=
ungen
ſtattfinden, wenn Bauplätze zu verkaufen ſind, es
iſt an die Beſchickung von Ausſtellungen gedacht, es ſollen
auch die alten Reklamebilder (die Moguntia mit
der Mauerkrone wird als ein veraltetes, entſetzliches
Reklamebild bezeichnet) durch neue erſetzt werden. Stadt=
verordneter
Feine ſtellt in Ausſicht, daß er in der Kom=
miſſion
eine beſondere Stelle für Reklame be=
fürworten
werde, die bereits andere Städte (Mannheim,
Frankfurt uſw) beſitzen. Zum Bauleiter der Wie=
derherſtellung
des Kurfürſtlichen, Schloſ=
es
wurde in der nichtöffentlichen Sitzung Herr Architekt
und Stadtverordneter Cl. Rühl einſtimmig gewählt.
Herr Rühl behält das Stadtverordnetenmandat bei, was
nach der Städteordnung zuläſſig iſt.
In verfloſſener
Nacht will ein Handlungsgehilfe an der Ecke der Dago=
bert
= und Kapuzinerſtraße von einem jungen Burſchen
mit den Worten Geld her oder das Leben! angehal=
ten
und bedroht worden ſein. Der Bedrohte will
darauf dem Täter ſeinen Geldbeutel mit 1,50 Mark, ſowie
ſeine ſilberne Zylinderuhr ausgehändigt haben, worauf
ſich der letztere entfernte. Der Täter wird als ein Burſche
von 1617 Jahren, bekleidet mit dunklem Anzug und heller
Tuchmütze, beſchrieben.
Worms, 27. Febr. In der Speyererſtraße, nächſt dem
Bahnübergang, wurde heute vormittag ein 12jähriger
Junge von einem Fuhrwerk überfahren, wobei er
einen doppelten Bruch an Unterſchenkel und Fuß erlitt.
Er wurde im Krankenwagen in die Wohnung ſeiner El=
tern
gebracht. Der Fuhrmann ſoll, ohne ſich um den Ver=
letzten
zu kümmern, weitergefahren ſein. Feſtgenom=
men
wurden drei Arbeiter, die am hellen Tage am
Handelshafen aus einem Lager altes Eiſen ſtehlen woll=
ten
. Der eine der Beteiligten war über die Einfriedigung
geſtiegen und hatte den anderen Eiſen zugeworfen. Als
dies bemerkt wurde, warfen ſie das Eiſen wieder auf den
Lagerplatz zurück.
Drais, 27. Febr. Einige Herren von der Militär=
behörde
aus Mainz weilten hier und wohnten einer Sitz=
ung
des Gemeinderats bei. Zweck der Verhandlungen
war, die geplante Anlegung eines Schießplatzes
in hieſiger Gemarkung. Die Mehrheit des Gemeinderats
iſt mit dem Plane grundſätzlich einverſtanden,
einzelne Bedenken, ſowie die Entſchädigungsfrage ſind
ſpäteren Verhandlungen vorbehalten. Das in Betracht
kommende Gelände iſt meiſtenteils Eigentum des Mainzer
Univerſitätsfonds, alſo ſtaatlich, jedoch ſind auch hieſige
Bürger, einige ſogar mit ſieben bis acht Morgen, daran
beteiligt. Die Zugangsſtraße zum Schießplatz iſt der
Ebersheimer Weg, der chauſſiert wird. Dicht am Walde
wird ein 17 Meter hoher Wall errichtet. Die im Sperr=
bezirk
liegenden Grundbeſitzer erhalten eine jährliche Ent=
ſchädigung
, deren Höhe noch feſtgeſetzt wird. Die Ab=
perrungen
finden ſelbſtverſtändlich nur während Schieß=
übungen
ſtatt, die an 92 Tagen im Jahre abgehalten wer=
den
. Der Schießplatz ſoll im Jahre 1915 in Gebrauch ge=
nommen
werden.
Büdingen, 27. Febr. Infolge der erneuten Schwie=
rigkeiten
, die der Ausführung des Kleinbahnpro=

jekts Hanau-Büdingen erwachſen ſind, wird von
der Unternehmerfirma, Aktiengeſellſchaft für Bahnbau und
betrieb in Frankfurt, vorläufig von der weiteren Projekt=
bearbeitung
abgeſehen. Das 400jährige Ju
biläum der Büdſinger Schützengeſellſchaf;
findet in der Woche vom 19. bis 26. Inli 1914 ſtatt. Den
Ehrenvorſitz hat Fürſt Wolfgang zu Yſenburg=Büdingen
übernommen. Ein hiſtoriſcher Feſtzug ſoll ſtatt=
finden
und ein beſonders gedichtetes Feſtſpiel zur Auf=
führung
gelangen.
(*) Hungen, 26. Febr. Das Fortbeſtehen der
höheren Bürgerſchule iſt vom Gemeinderat be=
ſchloſſen
worden; allerdings hat das Schulgeld um 15 Mk.
für das Schuljahr erhöht werden müſſen. Die Sexta fällt
weg, dafür iſt die Obertertia angefügt worden. Um den
Beſuch der Schule zu heben, will der Gemeinderat beſſere
Zugverbindungen beantragen. Im Herbſt kommt die
Schule in den Neubau, der jetzt im Rohbau vollendet iſt.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Crwährung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Oratorium Huß von C. Loewe. Aus dem
Lutherfeſtſpiel, das im vergangenen Herbſte eine ſo ſtarke
Anziehungskraft ausübte, iſt ein Lutherchor herausge=
wachſen
, der den Mönchs und Nonnenchor in ſich
vereinigt und von vielen ſonſtigen Sängern und Sänge=
rinnen
verſtärkt wird. Zweck ſeiner Bildung iſt die Auf=
führung
eines Muſikwerkes größeren Stils, das trotz der
reichen Fülle edler Schätze, die jahraus jahrein in unſerer
Stadt dargeboten werden, noch nie aufgeführt worden
iſt. Es iſt das Oratorium Huß von C. Loewe, dem be
kannten und in unſeren Tagen wieder beſonders geſchätz=
ten
Balladenkomponiſten. Mit der Wahl dieſes Werkes,
dem die Geſchichte des im Jahre 1415 zu Konſtanz ver=
brannten
böhmiſchen Reformators zugrunde liegt, hat
der Lutherchor einen überaus glücklichen Griff getan.
Dramatiſch aufgebaut und zugleich reich an tiefempfunde=
nen
lyriſchen Stellen und einſchmeichelnden Melodien,
friſch und lebendig in der Ausführung, offenbart das Ora=
torium
die Vorzüge Loeweſcher Muſik in eigenartiger
Schönheit. Freilich, ein Werk von dieſer Bedeutung gut
wiederzugeben, iſt für einen Chor von Freiwilligen eine
hohe und ſchwere Aufgabe; aber die begeiſterungsvolle
Hingebung, mit der er unter der Leitung des Stadt=
organiſten
Borngäſſer an dieſe Aufgabe herange=
treten
iſt, ſowie die Ausſicht auf die Gewinnung hervor=
ragender
Soliſten und eines tüchtigen Orcheſters verſpre=
chen
ſchon jetzt ein treffliches Gelingen. Der Reinertrag,
der durch die Aufführung erzielt wird, ſoll dem Bauverein
für die Reformationskirche zugewieſen werden. Aber auch
abgeſehen von dieſem praktiſchen Zweck, darf das Unter=
nehmen
um ſeiner ſelbſt willen auf das Intereſſe weiterer
Kreiſe rechnen. Als Zeitpunkt der im Saalbau ſtattfin=
denden
Aufführung iſt die Mitte des Monats April vor=
geſehen
.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 26. Febr. Den Abſchluß
der Feſtlichkeiten zu Ehren des Königspaares
von Dänemark bildete ein Hofkonzert bei dem Kai=
ſerpaar
im ſtrahlend erleuchteten Weißen Saale des
Königlichen Schloſſes. Das Podium für das Königliche
Orcheſter und den Opernchor erhob ſich hinter der Bar=
riere
inmitten von blühendem Flieder und Schneebällen.
Dem Podium gegenüber waren die Plätze der Fürſtlich=
keiten
. Mit großem Vortritt nahte der Hof. Der Kaiſer
in der Uniform der Leib=Gardehuſaren führte die Köni=
gin
, die ſchwarz gekleidet war und ein wundervolles
Brillantdiadem trug; der König in deutſcher Marineuni=
form
führte die Kaiſerin, die eine roſafarbene Robe ge=
wählt
hatte. Ein auserleſenes Konzert folgte. Während
der Pauſe hielten die Herrſchaften Cercle. An das Kon=
zert
ſchloß ſich ein Souper an einzelnen Tiſchen an. An
dem Tiſche des Kaiſers hatte die Königin, an dem Tiſche
der Kaiſerin der König Platz genommen. Das Feſt
endete gegen 12 Uhr. Nach Veruntreuungen
von 300000 Mark iſt der Direktor Paul Richard Lind=
ner
flüchtig gegangen. Lindner war zuletzt General=

bisherige reformierte Gotteshaus. Freilich darf nicht
verſchwiegen werden, daß es damals nicht an Stimmen
fehlte, die die Aufteilung der Stadtgemeinde verlangten.
Gerade der erſte vierte Pfarrer war es, der entſchieden
darauf drang und, um ſeinem Wunſche die rechte Grund=
lage
zu ſchaffen, den Antrag ſtellte, man möge in Darm=
ſtadt
eine weitere Kirche bauen und dann die Gemeinde
aufteilen Köhler erreichte nicht, was er wollte. Sein
Projekt der Aufteilung der Stadtgemeinde verſchwand aber
von da an nicht mehr von der Bildfläche. Beſonders
entſchieden trat für es in den 40er Jahren der damalige
Erbgroßherzog, der ſpätere Großherzog Ludwig III., ein.
Er wünſchte dringend Einteilung der Stadt in Parochien
und Errichtung neuer Kirchen, da die Stadt einen Um=
fang
angenommen hatte, der ihre gottesdienſtliche Be=
dienung
von zwei im Zentrum der Stadt gelegenen Got=
teshäuſern
als unmöglich erſcheinen ließ. Ende der 50er
Jahre gelang es ſeinem warmen Eintreten für die Sache,
ſowie dem energiſchen Wirken von Prälat Zimmer=
mann
und den vier Stadtgeiſtlichen Ludwig, Rinck,
Ritſert und Ewald, daß allmählich an die Verwirk=
lichung
des Planes gedacht werden konnte. Die Seele
der ganzen Angelegenheit war nunmehr Prälat Zimmer=
mann
. Ueber die Schritte, die unternommen wurden
berichtet Ewald in der Kirchenchronik das Nachfolgende.
Er ſchreibt: Drei Seelſorger fungierten ſchon, als die
ganze Bevölkerung der Stadt durchſchnittlich auf 6000
Seelen ſich belief, und dazu kam ſpäter unter Landgraf
Ludwig IX. noch der vierte für die ehemals reformierte
Gemeinde. Iſt nun allgemach die Seelenzahl der Evan=
geliſchen
um das Vierfache herangewachſen und war ſeit
der Vereinigung im Jahre 1833 die Seelſorge wochen=
weiſe
nur einem der drei erſten Stadtpfarrer anvertraut,
von denen überdies der eine gegenwärtig das Nebenamt
eines Dekans und das eines Oberkonſiſtorialrats, der
andere das Nebenamt eines ſtädtiſchen Schulinſpektors
verſieht, ſo war es längſt ſchon ein Bedürfnis, zur
Beſeitigung dieſes Uebelſtandes die
Stadt in Parochien einzuteilen. Se. Kgl.
Hoheit der Großherzog haben auch ſchon als Erbgroßher=
zog
den Wunſch gehabt, daß dieſem Bedürfnis abgeholfen
werde, und haben erſt jüngſt wieder über dieſe Angelegen=
heit
Bericht eingefordert. Nachdem dieſen die drei erſten
Geiſtlichen erſtattet und darin als Haupthindernis
einer Parochialeinteilung den Mangel
weiterer Kirchen bezeichnet hatten, wurde gleich zu
Anfang des Monats Februar (1861) von Herrn Prälaten
Dr. Zimmermann eine Beſprechung veranſtaltet und da=
bei
von ſeiten der Geiſtlichen und Mitprediger der Vor=
chlag
, die Mittel zum Neubau einer Kirche durch eine fort=
geſetzte
Groſchenſammlung wöchentlich oder monatlich
zu heſchaffen, gutgeheißen. Dieſer Vorſchlag ſollte

heute, den 27. Februar, von einer größeren Verſammlung
beraten werden, und deshalb waren außer den Geiſtlichen
und Lehrern die Mitglieder des Gemeinderats, des Kir=
chen
= und Schulvorſtandes und andere Laien, bei denen
das Intereſſe für die Sache vorausgeſetzt werden konnte,
in den Feſtſaal der höheren Gewerbeſchule geladen wor=
den
. Von den Geladenen waren etwa 40 erſchienen, die
nach der Erklärung, es verſtehe ſich von ſelbſt, daß die
projektierte Kirche nur der Union gewidmet würde, ein=
ſtimmig
die von dem Herrn Prälaten im voraus ſchon
entworfenen und vorgeleſenen Statuten eines für den ge=
nannten
Zweck zu bildenden Groſchen=Kirchbau=
Vereins genehmigten und den Beſchluß faßten, ſobald
Se. Kgl. Hoheit der Großherzog das Protektorat des Ver=
eins
angenommen haben, eine Generalverſammlung zu
berufen, welche zunächſt die Leitung der Angelegenheit
einem erwählten Komitee und Ausſchuß übertragen ſoll.
Die Akten, die über die eben erwähnten Schritte er=
wuchſen
, ſind noch vorhanden. Sie zeigen uns, daß das
Zimmermänniſche Kirchbauprojekt von
manchen einflußreichen Leuten mit Freuden aufgegriffen
ward, obwohl man im einzelnen an der Art des Vor=
gehens
bei der Beſchaffung der Geldmittel mancherlei
auszuſetzen hatte. Genannt ſeien unter den Förderern
der Sache Advokat Vogel, Oberbürgermeiſter Kah=
lert
, Oberkonſiſtorialrat Melior Advokat Reh,
die Darmſtädter Pfarrer und Mitprediger. Leider ſollte ſich
auch dies gut angelegte Proiekt völlig zerſchlagen. Bereits
im Januar 1862 kann Ewald berichten, daß ſeiner Anſicht
nach die ganze Angelegenheit im Sande verlaufen werde.
Er ſchreibt: Das Kirchbauproject ſcheint vor der Hand
Project zu bleiben. Denn ſowohl die am 7. Dec. 1861
abgehaltene Verſammlung, in welcher der Statutenent=
wurf
einer Groſchen=Kirchbaugeſellſchaft verleſen wurde,
als auch die vom 3ten Januar d. J., in welcher die unter=
deß
veröffentlichten Statuten berathen und hin und wie=
der
abgeändert wurden, waren äußerſt ſpärlich beſucht.
Ewald hatte mit ſeinen Vermutungen das Rechte getrof=
fen
. Prälat Zimmermann mußte noch im Jahre 1862
von dem ganzen Plan abſtehen. Es war für dies Projekt
in der Bevölkerung nicht das nötige Verſtändnis vorhan=
den
. Daran änderte auch die Tatſache nichts, daß Groß=
herzog
Ludwig III. im Oktober 1863, alſo ein Jahr ſpäter,
einen Verſuch machte, die Sache neuzubeleben, indem er
beim Miniſterium des Innern anfragen ließ, was denn
aus dem geplanten Kirchbauverein geworden ſei. Zim=
mermann
konnte dem Oberkonſiſtorium auf deſſen Anfrage
nur antworten, daß die Verſammlung vom 3. Januar
1862 leider ein Reſultat geliefert habe, welches ihm und
ſeinen Freunden den Muth nahm, die Sache vorderhand
weiter zu verfolgen‟. Dennoch hätten ſie ſich entſchloſſen,

die für Darmſtadt ſo wichtige Angelegenheit zu geeigneter
Zeit wieder aufzugreifen. Bis jetzt ſei dieſe Zeit freilich
noch nicht erſchienen. Die gleiche Stellung nimmt Zim=
mermann
im Juli 1865 in einem Bericht an das Ober=
konſiſtorium
ein, der ebenfalls von Ludwig III. veranlaßt
geweſen zu ſein ſcheint. Dann brechen die Nachrichten ab.
Das Proejkt von 1861 war begraben.
Das Anwachſen der Darmſtädter Bevölkerung im
Jahrzehnt 18611870 war die Veranlaſſung, daß 1873 die
ſchon längſt nötig gewordene Errichtung einer fünften
Stadtpfarrſtelle erfolgte. Sie hatte den Charakter
eines Proviſoriums. Ihr erſter und einziger Inhaber
war Stadtpfarrer Sell. Als Sell im Jahre 1875 vierter
Stadtpfarrer ward, ließ man die fünfte Pfarr=
telle
wieder eingehen. Die Schuld trug der
Stadtrat, der ſich 1875 zur Erneuerung des 1873 für dieſe
Stelle bewilligten Zuſchuſſes von 800 fl. jährlich nicht
entſchließen konnte. Hatte das Jahr 1875 dadurch einen
höchſt bedauerlichen Rückſchritt im kirchlichen Leben ge=
bracht
, ſo brachte das Jahr 1877 wieder einen beachtens=
werten
Fortſchritt. Zum erſten Male ſeit 1632 wurden
wieder Seelſorgebezirke geſchaffen. Es wurde
ein Nordbezirk, ein Schloßbezirk, ein Stadt=
irchenbezirk
und ein Kapellenbezirk unter=
ſchieden
und je ein Bezirk einem Stadtpfarrer übertragen,
dem je zwei Kirchenvorſteher als Helfer beigeordnet wur=
den
. Als letztes Ziel ſchwebte bei dieſer Einteilung
denen, die ſie ſchufen, die Abſicht vor, die ſpätere ſchlech=
terdings
nothwendige Eintheilung der Stadtgemeinde in
Parochien einigermaßen anzubahnen Aenderungen in
dieſer Einteilung traten 1883 und 1886 ein. 1883 ward
die Gemeinde, nachdem eine fünfte Pfarrſtelle
endlich wieder errichtet worden war, in fünf; und 1886,
nach der 1885 erfolgten Beſetzung der Pfarrſtelle an der
neuen Martinskirche, in ſechs Seelſorge=
bezirke
zerlegt.
Mit der Erbauung der Martinskirche war erſtmalig
die Möglichkeit gegeben, die evangeliſche Gemeinde in
Parochien zu zerlegen. Es geſchah dies auch. Es ent=
ſtanden
aus der alten Gemeinde zwei Gemeinden: die
Stadtgemeinde mit fünf Seelſorgebezirken und die
Martinsgemeinde die einen Pfarrbezirk um=
faßte
.
Inzwiſchen war der Kirchbauverein von 1861 in ver=
jüngter
Geſtalt wieder erſtanden. Im Jahre 1879 war ein
evangeliſcher Kirchbauverein ins Leben ge=
treten
, der von da ab eifrig bemüht war, Gelder zuſam=
men
zu bringen und auch ſchöne Reſultate, namenklich
durch die von ihm veranſtalteten Vorträge, zu verzeichnen
hatte. Die Arbeit dieſes Vereins erreichte ihr Ende mit

[ ][  ][ ]

Seßte 2.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Februar 1913.

Nummer 50

hätte kein Bündnis mit Italien oder einer anderen Na=
tion
ins Auge gefaßt. Spanien unterhalte gute Freund=
ſchaft
mit allen Mächten.
Türkei.
Neue Geldquellen. Zuverläſſigen Meldungen
zufolge wird Italien in drei bis vier Tagen die im Ver=
trage
von Lauſanne als Kapital der Einkünfte der Dette
Publique aus Tripolis vereinbarte Summe von 50 Mil=
lionen
Francs an die Türkei abliefern. Gemäß einem
zwiſchen der Pforte und der Dette Publique abgeſchloſſe=
nen
Uebereinkommen fließt ein Drittel dieſer Summe dem
türkiſchen Staatsſchatz zu, welcher nach Abzug des bereits
empfangenen Vorſchuſſes von 300000 Pfund noch unge=
fähr
9800000 Francs zu erhalten hat. Das Finanz=
miniſterium
hat bei zwei Banken Vorſchüſſe zu je 500000
Pfund abgeſchloſſen. Die Unterzeichnung der Verträge
ſteht bevor.
Vereinigte Staaten.
Bau von Schlachtſchiffen. Das Repräſen=
tantenhaus
lehnte das Programm für den Bau von zwei
Schlachtſchiffen ab, deſſen Annahme ihm von dem Ma=
rinekomitee
empfohlen worden war. Der Abänderungs=
antrag
, der die Mittel für ein Schlachtſchiff bewilligt,
wurde mit nur 144 gegen 133 Stimmen angenommen. Die
Demokraten ſtimmten für den Abänderungsantrag, wäh=
rend
die Republikaner faſt geſchloſſen dagegen ſtimmten.
Vertrag mit Nicaragua. Das Senatskomitee
für Auswärtige Angelegenheiten hat die Beratung des
Vertrages, den der amerikaniſche Geſandte Weitzel und
die Regierung von Nicaragua kürzlich abgeſchloſſen haben,
begonnen. Der Vertrag beſtimmt, daß die Vereinigten
Staaten für das alleinige Recht, den interozeaniſchen Ka=
nal
durch den Iſthmus von Nicaragua zu führen, 3 Mil=
lionen
Dollar zu zahlen habe. Die Sentskommiſſion für
Auswärtige Angelegenheiten beſchloß, zu dem Vertrage
keine Stellung zu nehmen, bis die neue Regierung Ge=
legenheit
gehabt habe, ihn in Erwägung zu ziehen.

* Drückende Wehrlaſt. Die Nachrichten des
Deutſchen Wehrvereins ſchreiben: Die Ankündigung der
kommenden Heeresvorlage durch die Regierung hat, wie
nicht anders zu erwarten war, in allen Wehrmachts= Be=
ſtrebungen
feindlichen Kreiſen das Gezeter über die
drückende Wehrlaſt in verſtärktem Maße hervortreten
laſſen. Das deutſche Volk ſoll kein Geld haben, um
ſich zu ſchützen und ſeine Wehrmacht ſo ſtark auszubauen,
wie es ſeiner Machtſtellung in der Welt zukommt. Daß
dieſe Behauptung durchaus ungerechtfertigt iſt, iſt
oft nachgewieſen worden. Es verdient aber ſtets wieder
vorgebracht zu werden, weil das Gezeter unvaterländiſch
geſinnter Leute immer wieder zum Durchbruch kommt.
Nun hat die Dresdener Bank eine Jubiläumsſchrift her=
ausgegeben
, aus der recht beachtenswerte Daten über die
finanzielle Kraft des deutſchen Volkes entnommen werden
können. Wir wollen hier nur einige anführen. Im Jahre
1911 betrugen die Staatseinnahmen des Deutſchen Reiches
und der Bundesſtaaten zuſammen 8534 Millionen Mark,
während die Englands auf 4166 Millionen Mark, die
Frankreichs ſich auf 3555 Millionen Mark beliefen. In dem=
ſelben
Jahre betrugen die Staatsſchulden auf den Kopf
der Bevölkerung verrechnet in Frankreich 666, Mark, in
England 330. Mark und in Deutſchland 316.7 Mark. Die
Einlagen der Sparkaſſen betrugen in Frankreich 4514 Mil=
lionen
Mark, in England 4422 Millionen, in Deutſch=
land
aber 16 780 Millionen Mark. Die Höhe
der Spareinlagen auf den Kopf der Bevölkerung verrech=
net
betrugen in Frankreich 114, Mark, in England
98,25 Mark. in Deutſchland dagegen 258,50 Mark.
Dieſe Zahlen beweiſen ſchlagend, daß diejenigen, die
dem deutſchen Volke Armut andichten wollen, und die be=
haupten
, daß das Deutſche Reich kein Geld zu weiterer
Rüſtung habe, vollkommen auf falſchem Wege ſind,

was ja auch aus der Tatſache hervorgeht, daß das deutſche
Volk auf den Kopf ſeiner Bevölkerung verrechnet weniger
für Heer und Flotte ausgibt wie Frankreich und England
was auch durch den Hinweis auf die ſtärkere Kinderzahl
des deutſchen Volkes nicht abgeſtritten werden kann.
Berlin, 26. Febr. Wie verlautet, iſt an Stelle
des zum Geſandten in Brüſſel auserſehenen Geſandten
v. Below=Saleske der derzeitige Geſandte in Rio
de Janeiro, Wirkl. Geh. Rat Dr. Michahelles, für
den Geſandtenpoſten in Sofia in Ausſicht genommen.
* Haag, 26. Febr. Die Königin iſt heute abend
10 Uhr mit Prinzeſſin Juliana zu ihrem Gemahl
nach dem Taunus abgereiſt. Zur Verabſchiedung war der
deutſche Geſandte Müller mit anderen Herren der Ge=
ſandtſchaft
erſchienen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 28. Februar.

* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die Großher=
zogin
empfingen am Mittwoch vormittag 12 Uhr
30 Minuten im Neuen Palais den Pfarrer Schloſſer
aus Gießen. Se. Königl. Hoheit der Großherzog
mpfingen nachmittags 5 Uhr den Profeſſor Dr. Bier=
nann
. (Darmſt. Ztg.)
* In den Ruheſtand verſetzt haben Se. Königl.
Hoheit der Großherzog den Oberrechnungsreviſor
bei der II. Juſtifikaturabteilung der Oberrechnungskammer
Rechnungsrat Otto Zimmer zu Darmſtadt auf ſein
Nachſuchen unter Anerkennung ſeiner langjährigen, treu
geleiſteten Dienſte mit Wirkung vom 1. März 1913 ab
und ihm aus dieſem Anlaß die Krone zum Ritterkreuz
2. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen
verliehen.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den Oberrechnungsprobator Auguſt Störger
zu Darmſtadt zum Oberrechnungsreviſor bei der
II. Juſtifikaturabteilung der Oberrechnungskammer mit
Wirkung vom 1. März 1913 ab, ferner den Aſſiſtenten
bei der Gewerbeinſpektion Offenbach Karl Schweickert
mit Wirkung vom 1. März 1913 zum Gewerbeinſpektor
bei der Gewerbeinſpektion Mainz und den Aſſiſtenten
bei der Gewerbeinſpektion Gießen Dr. Wilh. Schneider
in gleicher Eigenſchaft mit Wirfung vom 1. April 1913
an die Gewerbeinſpektion Offenbach verſetzt.
* Verſetzt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den Oberförſter der Oberförſterei Ober=
Ramſtadt, Forſtmeiſter Hermann Daab zu Ober=
Ramſtadt in gleicher Dienſteigenſchaft in die Oberförſterei
Beſſungen.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Philipp Hahn aus Wendelsheim, Kreis Alzey, eine
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Oſthofen, Kreis
Worms.
* Erledigte Stellen. Eine mit einem evange=
liſchen
Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle zu Neu= Iſen=
burg
, Kreis Offenbach. Eine mit einem katho=
liſchen
Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle zu Jüges=
heim
, Kreis Offenbach, dem die Funktionen eines
Die Stelle
Hauptlehrers übertragen werden können.
des Oberförſters der Oberförſterei Ober=Ramſtadt
vom 1. April d. J. ab.
Militärdienſtnachricht. Nebgen, Proviant=
amtsinſpektor
in Darmſtadt, zum 1. Juni 1913 nach
Hanau verſetzt.
* Exzelleuz von Jeniſch. Der Reichsanzeiger
meldet: Dem bisherigen außerordentlichen Geſandten
und bevollmächtigten Miniſter am Großherzoglich Heſ=
iſchen
Hofe, Freiherrn von Jeniſch, wurde an=
läßlich
ſeines Uebertritts in den Ruheſtand der Charakter
als Kaiſerlicher Wirklicher Geheimerat mit dem
Prädikat Exzellenz verliehen.
* Der Nachfolger Geheimerats Haas. Der Verband
der heſſiſchen landwirtſchaftlichen Ge=
noſſenſchaften
hat in ſeiner letzten Ausſchußſitzung,
Blättermeldungen zufolge, beſchloſſen, für den verſtorbenen
Geheimerat Haas die Leitung des Verbndes vorläufig
dem Geheimerat Bichmann und dem Oekonomierat
Dr. Heidenreich, die beide ſchon über dreißig Jahre
Mitglieder des Verbandsausſchuſſes ſind, zu übertragen.

Die definitive Neuwahl eines Verbandsdirektors ſoll auf
dem nächſten Verbandstag erfolgen.
n. Vor der Strafkammer war geſtern als einziger Fall
eine große Verhandlung gegen die Steinmetzmeiſter
Titus Groh=Eheleute von Auerbach wegen Betrugs an=
beraumt
. Erſchienen waren nicht weniger als zwei
Dutzend Zeugen, die zum Teil weither kamen, und die
angeklagte Ehefrau, während den Mann laut ärztlichen
Zeugniſſes ein plötzliches Unwohlſein (nicht gefährlicher
Natur) zu Hauſe feſthielt. Es blieb nichts anderes übrig,
als die Sache auf unbeſtimmte Zeit zu vertagen, obwohl
dadurch ſehr beträchtliche doppelte Zeugenkoſten entſtehen.
Die Beſchuldigung lautet auf Gläubigerſchädigung durch
Kreditſchwindel, weil der nach außen hin als Inhaber
auftretende Groh mit ſeiner Frau, der das Geſchäft ge=
hört
, in Gütertrennung lebt und den Offenbarungseid
geleiſtet hat. Es ſoll dadurch eine Reihe von Lieferanten
das Nachſehen gehabt haben.
Vom Großh. Hoftheater. Heute Freitag geht
Der Troubadour als 130. Abonnementsvorſtellung
Buchſtabe C 33, in Szene. Den Luna ſingt Georg Weber
die Leonore zum erſten Male Olga Kallenſee, die Inez
Johanna Kaſten. Beginn 7½ Uhr. Samstag wird nach
längerer Pauſe Hugo von Hofmannsthals altes Spiel
Jedermann als 131. Abonnementsvorſtellung, Buchſtabe
A 33, wiederholt werden. Fräulein Pils ſpielt zum
erſten Male die Werke für Herrn Wagner ſpielt Herr
Knispel den armen Nachbar. Beginn 8 Uhr. Für Sonn=
tag
, abends, iſt die Erſtaufführung der Manon von
Jules Maſſenet unter der muſikaliſchen Leitung von
Richard Lert anberaumt. Die Spielleitung hat Herr
Riechmann. Die Titelrolle ſingt Gertrud Geyersbach, die
des Grieux Auguſt Globerger. Die Vorſtellung fällt im
Abonnement dem Buchſtaben D zu. Heute beginnt der
allgemeine Vorverkauf für den Feſtabend zum Beſten
des zu erbauenden Feſthauſes. Zu der Veranſtaltung
haben außer Wilhelm Backhaus, Frau Prof. Vicki Baum=
Wien (Harfenvirtuoſin), der Elizabeth Duncan=Schule,
Frau Joſephine Becker noch die Damen Geyersbach, Ja=
cobs
, Müller=Rudolph, Pils und Gothe, ſowie die Herren
Globerger. Baumeiſter. Jürgas, Jordan, Thomſen, Pe=
terſen
, Kräger ihre Mitwirkung zugeſagt. Der Feſt=
abend
wird zwei Abteilungen enthalten, deren erſte durch
eine Ouvertüre unter Leitung von Richard Lert eingeleite
wird. Zu Beginn der zweiten Abteilung, die den Humor
zur Geltung kommen läßt, dirigiert Erich Kleiber eine
Ouvertüre.
Die ſchriftliche Staatsprüfung für den höheren
Forſtdienſt beginnt am Mittwoch, den 26. März d. J.
vormittags 8½ Uhr, zu Darmſtadt im Prüfungsſaal II,
Paradeplatz 3. Geſuche um Zulaſſung zu dieſer Prü=
fung
ſind unter Verwendung des Eingabeſtempels von
1,50 Mk. ſpäteſtens bis zum 12. März bei der Miniſterial=
abteilung
für Forſt= und Kameralverwaltung einzu=
reichen
.
* Fahrpreisermäßigung. Die Darmſt. Ztg. teilt
mit: Vom 15. Januar 1913 ab werden auch Mit=
glieder
der Reichsverſicherungsanſtalt für
Angeſtellte bei Reiſen zur Aufnahme in Heilſtätten,
zur Beſuchsbehandlung in öffentlichen Krankenhäuſern
und Kliniken und zum Beſuch von Kur= und Er=
holungsorten
auf den deutſchen Staatseiſenbahnen in
der 3. Klaſſe zum halben Fahrpreis befördert,
Die Vergünſtigung wird bei Entſendung auf Koſten der
Anſtalt für alle Verſicherten gewährt, deren Geſamtein=
kommen
den Betrag von 2500 Mk. nicht überſteigt.
Als Ausweis dient für die Hin= und Rückreiſe eine Be=
ſcheinigung
des Vorſtands der Verſicherungsanſtalt.
Fremdſprachlicher Vortrag. L’Aiglon, das
war das Thema des 5. fremdſprachlichen Vor=
trags
, der am Mittwoch in der Liebigs=Oberrealſchule
ſtattfand. Herr Brouard erzählte von dem Leben des
Sohnes des großen Korſen. Napoleon II. heißt er in
der Geſchichte, zum König von Rom ernannte ihn ſein
Vater in abgöttiſcher Verehrung und Liebe um anzu=
deuten
, daß er einſt, wie Rom, die Welt beherrſchen
ſolle. Er wäre ein würdiger Nachfolger ſeines Vaters
geworden, doch deſſen Sturz beſiegelte auch ſein Schickſal.
In Wien, fern ſeiner Heimat, wurde er erzogen, zum
Herzog von Reichſtadt ernannte ihn die Gnade der
Habsburger. Schon mit 21 Jahren folgte er ſeinem
Vater im Tode nach. Durch manche intereſſante Einzel=

Die Aufteilung der
Stadtgemeinde zu Darmſtadt
in fünf Gemeinden.

Von Stadtpfarrer D. Dr. Diehl in Darmſtadt.
Geſtern hat die evangeliſche Landesſynode
einen für das kirchliche Leben der evangeliſchen Stadtge=
meinde
Darmſtadt bedeutſamen Beſchluß gefaßt. Sie hat
ihre Genehmigung dazu gegeben, daß die fünf Bezirke, aus
denen die evangeliſche Stadtgemeinde bisher beſtand
(Südweſt=, Oſt=, Südoſt=, Schloß= und Kaplaneibezirk),
in Gemeinden verwandelt werden, von denen jede
einen eigenen Kirchenvorſtand und eine eigene Gemeinde,
vertretung haben und
wenn auch in gewiſſen Be=
ziehungen
beſchränkt ſelbſtändig ſein ſoll. Das Orts=
ſtatut
, das dieſe Aufteilung der Stadtgemeinde in fünf
Gemeinden, die die Namen: Reformations=
gemeinde
, Markusgemeinde. Lukasge=
meinde
, Schloßgemeinde und Kaplanei=
gemeinde
tragen ſollen, verfügt, wird im Druck be=
kannt
gegeben werden. Es iſt deshalb nicht nötig, hier
im einzelnen darauf einzugeben. Bemerkt ſei nur, daß
man ſich von dieſer Maßnahme mit Recht einen geſeg=
neten
Fortſchritt des evangeliſchen Gemeindelebens in
unſerer Stadt verſpricht.
Zur Einführung in den Grundgedanken dieſer Neu=
ordnung
ſoll hier in einer geſchichtlichen Arbeit darge=
legt
werden, wieviel Mühe man ſich in der Vorzeit ge=
geben
hat um das zu erreichen, was jetzt endlich Tat=
ſache
geworden iſt.
Die evangeliſche Pfarrei Darmſtadt beſteht ſeit dem
Jahre 1526. Sie wuchs im Verlaufe des 16. Jahrhun=
derts
derart, daß man im Jahre 1585 ſich veranlaßt ſah,
dem Superintendenten der Obergrafſchaft und
dem Darmſtädter Pfarrer, dem Kaplan, die den Pfarr=
dienſt
in Darmſtadt an der Stadtkirche verſahen, einen
dritten Geiſtlichen, den Unterkaplan, beizugeben, ſo
daß alſo von dieſem Jahre an neben dem Superintenden=
ten
zwei Stadtprediger in Darmſtadt wirkten.
Der Gedanke, die Darmſtädter evangeliſche Gemeinde
in kleinere Bezirke zu zerlegen, taucht zum erſtenmal in
der Zeit des dreißigjährigen Krieges auf. Die Veran=
laſſung
dazu gab wohl die Tatſache, daß im Jahre 1632
erſtmalig ſeit der Reformation eine dritte Stadt
predigerſtelle in Darmſtadt gegründet worden war
ſo daß nunmehr an der Stadtkirche, einſchließlich des in
Darmſtadt wohnenden Superintendenten der Obergraf=
ſchaft
, vier Geiſtliche wirkten: der Superintendent, der
erſte Stadtprediger (bisher Kaplan oder auch Archidia

konus genannt), der zweite Stadtprediger (auch Unter=
kaplan
oder Subdiakonus genannt) und der dritte Stadt=
prediger
. Es lag nahe, jedem der drei Stadtgeiſtlichen
einen beſonderen Bezirk zuzuweiſen. Tatſächlich iſt das
geſchehen. Es entſtanden zwar keine drei Parochien,
wohl aber drei Seelſorgebezirke, die allerdings
für die Ausübung der Kaſualien (Trauungen, Taufen
und Beerdigungen) nicht maßgebend waren, ſondern
nur für die ſogenannte ſpezielle Seelſorge und Kirchen=
zucht
beſtanden. Es wurde nämlich im Jahre 1632 die
Einteilung der Stadt für die ſpezielle Seelſorge und
Kirchenzucht geſchaffen, wie ſie nachher im Jahre 1634 in
der Ordnung von fleißiger Uebung des Catechismi, der
Kinderlehr, mehrer Kirchen=Diſziplin und anderer zu Er=
bawung
des wahren Chriſtentums nöthiger Stücke für
alle Städte des Landes zur Einführung empfohlen
ward, in welcher Ordnung wir leſen: daß in großen Ge=
meinden
, wo mehrere Prediger angeſtellt ſind, nicht etwa
jeder Prediger gehalten ſein ſolle, alle und jede Gemeinde=
glieder
zu beſuchen, ſondern es ſollten ſich die Prediger
brüderlich vergleichen und die Gaſſen der Stadt
unter ſich alſo austheilen, daß ſie zwar insge=
ſamt
auf die ganze ihnen anvertraute Gemeinde eine
leißige, aber doch einer auf dieſe, der andere auf eine
andere Gaſſe eine ſonderliche Aufſicht habe jedoch ſo, daß
da ein Zuhörer zu einem anderen Prediger eine ſon=
derliche
Zuneigung hätte und von ihm Troſt und Unter=
richt
, auch etwa die Abſolution, das hochwürdige Nacht=
mahl
und die Leichpredigt begehren würde ihm ſolches
hierdurch ohnbenommen bleiben ſolle‟
Die Schaffung von Seelſorgebezirken iſt eine Vor=
ſtufe
für die Zerteilung einer Gemeinde in Parochien.
Bis in die Gegenwart benutzt man ſie auch als ſolche.
Man ſchafft Bezirke und hofft, daß einmal eine Zeit
kommt, wo ſie alle oder weniaſtens einige von ihnen
Parochien werden. Das Mittel, das einen ſolchen
Uebergang am eheſten ermöglicht, iſt die Erbauung einer
neuen Kirche. Daß man ſchon 1632 daran dachte, wenig=
ſtens
einen der drei Seelſorgebezirke in Darmſtadt zu
einer Parochie auszubauen, beweiſt die Tatſache, daß
gleichzeitig in Darmſtadt der Plan auftaucht, in der von
den Landgrafen Georg I. und Ludwig V. angelegten neuen
Vorſtadt (obere Alexanderſtraße, Ballonplatz und Magda=
lenenſtraße
) eine Kirche zu erbauen, wozu der Apo=
theker
Hans Peter Renner am 20. Mai 1635 eine Stiftung
machte. Wäre dieſe Kirche gebaut worden, ſo wäre ſicher
die evangeliſche Gemeinde Darmſtadt damals in zwei
Pfarreien zerſchlagen worden, die Gemeinde der Altſtadt
und die Gemeinde der Neuſtadt, erſtere mit zwei, letztere
mit einem Stadtprediger.
Der furchtbare Rückgang der Bevölkerungsziffer im
Peſtjahre 1635 ließ aus dem Kirchbauplan nichts werden.

Er ward bis in die Zeit nach dem großen Kriege feſtge=
halten
der Hiſtoriograph Winckelmann tut um 1655
dieſes Planes noch Erwähnung , aber niemals ausge=
führt
. Eine andere Folge des Peſtjahres
war, daß die 1632 gegründete dritte Stadt=
pfarrſtelleeingin
g. Von 1636 an gibt’s in Darm=
ſtadt
neben dem Superintendenten nur einen älteren und
einen jüngeren Stadtprediger
Das Projekt, die Gemeinde Darmſtadt kirchlich in
Parochien zu zerlegen, ſchlummerte von 1635 an, in wel=
chem
Jahre auch die Seelſorgebezirke zugrunde gegangen
waren, etwa 80 Jahre. Dann ward es wieder aufge=
griffen
, und zwar nicht von den Geiſtlichen, ſondern vom
Darmſtädter Stadtrat. Als es ſich im Jahre 1716
darum handelte, daß auf dem Ballonplatz alſo wie=
derum
wie 1632 in der Vorſtadt eine Kirche gebaut
würde, erklärte der Stadtrat ſein volles Einverſtändnis
mit dem Plane, meinte aber, daß man dem an dieſer
Kirche anzuſtellenden neuen (dritten) Pfarrer eine be=
ſondere
Pfarrei ſchaffen ſolle. Er ſchlug vor, das ſoge=
nannte
Arheilger Viertel nebſt dem Birngarten und der
anderen neuen Vorſtadt (der oberen Rheinſtraße) von
der Stadtgemeinde loszutrennen und zur neuen Ballon=
kirche
einzupfarren. Die beiden bisher in Darmſtadt wir=
kenden
Geiſtlichen (der ältere und der jüngere) ſollten
dann den Dienſt nur noch in der um dieſe Straßenteile
verkürzten Gemeinde tun. Leider ward aus dem Bau=
projekt
wieder nichts, und was ſchlimmer war der
ausgezeichnete Vorſchlag des Stadtrats blieb unbeachtet.
Als im Jahre 1726 nach neunzigjähriger Pauſe wieder
eine dritte Stadtpfarrerſtelle errichtet ward,
wurde der neuangenommene Pfarrer Johann Lud=
wig
Niclaſſi, ein zur evangeliſchen Kirche überge=
tretener
früherer Abt, dritter Pfarrer an der großen
Stadtgemeinde. Ihm einen beſonderen Bezirk zu geben,
daran dachte niemand mehr. Wir wiſſen auch den Grund:
weil keine beſondere Kirche für ihn da war.
Bei der Dreizahl der Stadtgeiſtlichen neben dem
Superintendenten blieb es von 1726 an, obwohl die
Bevölkerung allmählich bedeutend anwuchs, über hundert
Jahre lang. Als im Jahre 1833 an Weihnachten die Ver=
einigung
der alten lutheriſchen und der 1770 gegründeten
reformierten Gemeinde (Union) vollzogen worden war,
ward 1834 eine vierte Pfarrſtelle geſchaffen, oder
richtiger geſagt: die bisherige reformierte Pfarrſtelle in
eine Pfarrſtelle an der nunmehr unierten Gemeinde ver=
wandelt
. Erſter Inhaber dieſer vierten Pfarrſtelle war
18341837 Karl Wilhelm Köhler, der ſpätere Prä=
lat
. Auch dieſe Gelegenheit zur Schaffung von Bezirken
oder auch Parochien wurde verſäumt, obwohl die unierte
Gemeinde nunmehr zwei Kirchen hatte: neben der alten
lutheriſchen Stadtkirche, die allerdings kleine Kapelle, das

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Februar 1913.

Nummer 50.

direktor der früheren Landverwertungs=Geſellſchaft, jetzi=
gen
Land=Induſtrie=Bank in Berlin. Durch falſche Buch=
ungen
ſetzte er ſich im Laufe der ZZeit in den Beſitz der ge=
nannten
Summe. Lindner war als leidenſchaftlicher
Spieler bekannt und hauptſächlich Beſucher von Lokalen,
die von der Lebewelt bevorzugt werden. Der Defrau=
dant
ſoll die Flucht nach Amerika am 14. Februar ange=
treten
haben. Die Staatsanwaltſchaft des Landgerichts
hat einen Steckbrief gegen ihn erlaſſen, und zwar nich
nur wegen Veruntreuungen, ſondern auch wegen ande=
rer
Verfehlungen. Der dreifach zum Tode verurteilte
Mörder Trenkler, der den Juwelier Schultz, deſſen
Frau und Tochter in der Kommandantenſtraße ermordet
hat, iſt heute an einem Blutſturz geſtorben.
Frankfurt, 27. Febr. Die Kriminalpolizei verhaftete
in der letzten Nacht einen Werber für die franzö=
fiſche
Fremdenlegion. Der Verhaftete, ein 20 jäh=
riger
Handlungsgehilfe namens Karl Theodor Martel,
gibt zu, drei junge Deutſche an franzöſiſche Agenten nach
Paris geſchickt zu haben.
Saarbrücken, 27. Febr. In dem Walddörfchen Karls=
brunn
bei Forbach ſind geſtern zwei Schüler im Alter
von 13 und 16 Jahren beim Eislaufen auf einem Weiher
eingebrochen und ertrunken; der letztere Knabe
bei dem Verſuch, ſeinen Spielkameraden zu retten.
Lörrach i. Baden, 27. Febr. Ein bedauerns=
werter
Unfall ereignete ſich geſtern nachmittag bei
der probeweiſen Inbetriebſetzung der Gasleitung in dem
Ort Tumringen, indem trotz ſorgfältiger Reviſion die Zu=
leitung
zu einem Haus offen blieb. Das Gas drang bis
in das dritte Stockwerk, woſelbſt eine dort wohnende
Frau und ihre vier Kinder betäubt wurden. Der ärzt=
lichen
Hilfe gelang es, die vier Kinder ins Leben zurück=
zurufen
, während die Wiederbelebungsverſuche bei der
Frau ohne Erfolg blieben.
Eiſenach, 26. Febr. Heute vormittag ereignete ſich in
der Frankfurterſtraße ein ſchweres Automobil=
unglück
. Beim Nehmen einer Kurve überſchlug ſich der
Wagen einer hieſigen Fahrzeugfabrik und begrub die In=
ſaſſen
unter ſich. Während der Chauffeur leicht verletzt
wurde, wurde dem 35jährigen Betriebsingenieur Wall=
grün
der Bruſtkorb eingedrückt, ſo daß der Tod ſofort
eintrat. Das Automobil wurde vollſtändig zer=
trümmert
.
Breslau, 26. Febr. Der zuletzt in Neu=Mittelwalde
beſchäftigt geweſene 22jährige Poſtaſſiſtent Otto Thomas
beging Fälſchungen im Poſtſcheck= und Poſtanwei=
ſungsverkehr
. Die unterſchlagenen Beträge belaufen ſich
auf über 60000 Mark. Thomas, der am 15. Februar einen
Urlaub angetreten hatte, iſt ſeitdem flüchtig. Er reiſt
in Begleitung einer 22jährigen Kontoriſtin Käte Werner,
ſowie des 22jährigen Handlungsgehilfen Georg Büttner.
Die drei Genannten ſind zuletzt am 17. Februar in Leipzig
geſehen worden. Von dort ſind ſie nach Frankfur:
a. M. weitergereiſt, Dort und in Leipzig hob die Weener für
Thomas je 7500 Mark bei den Banken ab. Auf die Er=
greifung
des Thomas ſetzte die Behörde eine Belohnung
von 1000 Mark aus.
Winterberg (Sauerland), 27. Febr. Geſtern rannte
ein mit vier Damen beſetzter Bob gegen einen Baum.
Die Inſaſſen wurden herausgeſchleudert; drei wurden
ſchwer, eine leicht verletzt.
Kufſtein, 27. Febr. In dem Dorfe Kiefersfel=
den
bei Roſenheim wurde der Gaſtwirt Kloo von einem
unbekannten Manne, der ſich in ſeine Wohnung einſchlich
durch Meſſerſtiche getötet und beraubt. Der Täter
flüchtete. Als ihn drei Gendarmen zur Vorzeigung ſeiner
Papiere anhielten, ſchoß er auf ſie ohne ſie zu treffen
Bei der Verfolgung verſchwand der Mörder am Ufer des
Inns. Man nimmt an, daß er im Inn ertrunken iſt.
Sankt Johann (Tirol), 27. Febr. Geſtern nachmittag
Uhr wurde der Mörder des Bahnhofreſtaurateurs
Kloo in Kiefersfelden am hieſigen Bahnhof von 2 Gen=
darmen
verhaftet. Der Verhaftete iſt von Beruf ein
Hausdiener namens Michael Danzer und geboren in Eich=
berg
in Bayern. Es wurden bei ihm noch zwei geladene
Revolver gefunden, ebenſo das geraubte Sparkaſſenbuch
und die Uhr des Ermordeten. Noch im Laufe des Abends

wurde Danzer bei den Gerichtsbehörden in Kitzbühel ein=
geliefert
.
Rom, 26. Febr. Das Giornale d’Italia meldet: Bei
Wiederherſtellungsarbeiten der Kapelle Nikolaus V. im
Vatikan entdeckte man ein Gemälde von hohem
Werte. Es dürfte nach Urteilen von Kennern von Fra
Angelico herrühren.
London, 26. Febr. Frau Pankhurſt iſt von dem
Polizeigericht in Epſom dem Schwurgericht über=
wieſen
worden. Der öffentliche Ankläger betonte
die Ungeheuerlichkeit des gegen das Haus Lloyd George
gerichteten Anſchlags, der der Anklage nach von unbekann=
ten
Perſonen verübt worden iſt, die Frau Pankhurſt dazu
angeſtiftet habe. Frau Pankhurſt weigerte ſich, bis für
den im Mai angeſetzten Prozeß die Verpflichtung des
Wohlverhaltens auf ſich zu nehmen. Sie wurde daher ins
Gefängnis abgeführt.
Havanna, 26. Febr. Caſtro, der frühere Präſident
von Venezuela, iſt heute hier eingetroffen.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 27. Febr. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung um 1 Uhr 20 Minuten. Es ſteht als
erſter Punkt der Tagesordnung zur Beratung die zweite
Leſung des
Etats der Reichseiſenbahnen.
Abg. Fuchs (Soz.) Der Etat der Reichseiſenbahnen
zeigt in den letzten Jahren einen erfreulichen Aufſchwung.
Der Wagenmangel hat ſich in Elſaß=Lothringen in dem
gleichen Maße gezeigt, wie im übrigen Deutſchen Reiche.
Den Wünſchen der Arbeiterſchaft auf beſſere Ausſtattung
der vierten Wagenklaſſe mit Sttzgelegenheiten und Ein=
führen
der vierten Wagenklaſſe in Eil= und Schnellzügen
ſollte möglichſt bald entſprochen werden. Die Löhne der
Eiſenbahnarbeiter und die Gehälter der Beamten ſind
in Elſaß=Lothringen, dem teuerſten Teile Deutſchlands,
vollſtändig unzulänglich. Die Lohnverhältniſſe der
Schrankenwärterinnen ſind geradezu miſerabel. Bei der
Gewährung von Unfallrenten geht man in höchſt unſach=
licher
Weiſe vor. Wenigſtens zu dem Syſtem der be=
ſchränkten
freien Arztwahl ſollte die Verwaltung ſich ver=
ſtehen
. Das Koalitionsrecht der Arbeiter iſt immer noch
Beſchränkungen unterworfen. Nur Organiſationen, die
die Verdummungspolitik der Arbeiterſchaft gegenüber
betreiben, werden von der Regierung zugelaſſen. Mit
dieſem Syſtem macht man die Arbeiter nicht zufrieden,
ſondern man erfüllt ſie mit glühendem Haß gegen die Ver=
waltung
. In einem Grenzlande wie Elſaß=Lothringen
iſt das doppelt gefährlich. Abg. Schiffer=Borken
(Ztr.): Der Geſchäftsgang der Eiſenbahnen in Elſaß=
Lothringen iſt außerordentlich erfreulich. Die Wartezeit
der Aſſiſtenten bis zur Anſtellung iſt zu lang, eine Ver=
beſſerung
iſt dringend erforderlich. Der Kompromißreſo=
lution
auf Berückſichtigung der Heimarbeiter bei Vergeb=
ung
von Lieferungen ſtimmen wir zu. Abg. Schwa=
bach
(natlb.): Die Reichseiſenbahnverwaltung muß dazu
übergehen, wie Preußen, ſobald wie möglich Ausgleichs=
fonds
zu ſchaffen. Daß die Einnahmen der Reichseiſen=
bahnen
fortgeſetzt ſteigen, begrüßen wir ebenfalls ſehr.
Eine Reform der Fahrkartenſteuer müßte ſchleunigſt vor=
genommen
werden. Die Betriebsmittelgemeinſchaft müßte
weiter ausgebaut werden. Eine größere Tarifeinheit im
Güterverkehr iſt eine dringende Notwendigkeit. Für die
Sicherung gegen Eiſenbahnzuſammenſtöße ſollte alles ge=
tan
werden, was nützlich iſt. Zu bedauern iſt, daß den
Arbeiterausſchüſſen von der Eiſenbahnverwaltung ſo
wenig Entgegenkommen gezeigt wird.
Eiſenbahnminiſter v. Breitenbach: Bei dem Ver=
halten
der Eiſenbahnverwaltung ſtehen immer nationale
Geſichtspunkte obenan. Ein Mangel an Tarifeinheit kann
nicht anerkannt werden. Wir haben ſowohl beim Per=
ſonen
= als auch beim Güterverkehr die Tarifgemeinſchaft
Was die automatiſche Sicherung der Eiſenbahnzüge be=
trifft
, ſo iſt durch die Unfallſtatiſtik feſtgeſtellt, daß die
Darſtellungen über Entſtehung und Entwickelung der Un=
fälle
ein außerordentlich günſtiges Bild geben. Die auto=
matiſchen
Signale können zu leicht verſagen, ſo daß bei

ihrer Anwendung eine viel größere Gefahr als bisher
beſteht. Die bisherigen Verſuche haben noch nicht ein ein=
wandfreies
Funktionieren ergeben. Der Vermehrung der
etatsmäßigen Stellen ſtehe ich ſehr ſympathiſch gegenüber.
Es wurde aber bei der letzten Beſoldungsordnung der
Wunſch ausgeſprochen, bei der weiteren Vermehrung der
Stellen vorſichtig zu ſein. Die Arbeiterſchaft der Eiſen=
bahnverwaltung
iſt geſichert gegen Konjunkturen, wäh=
rend
in Privatbetrieben bei darniederliegender Konjunk=
tur
Arbeiterentlaſſungen eintreten. Ein Arbeiter, der 10
Jahre bei uns tätig iſt, kann nur noch durch Beſchluß der
Generaldirektion entlaſſen werden. Die Arbeiter haben
alſo viele Vorteile. Das Streikrecht kann ihnen auf kei=
nen
Fall eingeräumt werden. Auch dürfen ſie ſich nicht
ſozialdemokratiſch betätigen; im übrigen ſind ſie frei, wie
jeder andere Arbeiter. Davon kann keine Rede ſein, daß
unſere Arbeiter Hunger leiden. Der Abg. Fuchs hat auf
den Grafenſtadener Fall zurückgegriffen und das Verhal=
ten
der Verwaltung als unberechtigten Terrorismus be=
zeichnet
. Demgegenüber kann ich konſtatieren, daß die
Vertretung des nationalen Standpunktes in dieſer An=
gelegenheit
kein unberechtigtes Vorgehen war. Unſere
Löhne in den Werkſtattbetrieben erweiſen ſich als völlig
ausreichend. Sie ſind denen entſprechend, die in der übri=
gen
Induſtrie auch gezahlt werden. Daß die Arbeiter=
ſchaft
die Beſeitigung der Akkordarbeit wünſcht, trifft
nicht zu. Mir liegen Kundgebungen vor, aus denen das
Gegenteil hervorgeht, aus denen hervorgeht, daß der
Verwaltung der verbindlichſte Dank für die Lohnauf=
beſſerung
ausgeſprochen wird. (Zuruf: Hört, hört! rechts
und: Beſtellt! bei den Sozialdemokraten.) Der Zuruf
trifft nicht zu. Bei Feſtſetzung der Ruhezeit und Ur=
laubserteilung
wird der Arbeiterſchaft gegenüber das
weiteſte Entgegenkommen gezeigt. Unſeren Wohlfahrts=
einrichtungen
wird von der Arbeiterſchaft großer Wert
beigemeſſen und ſie können nicht auf dieſe Weiſe herunter=
geſetzt
werden. (Zuruf: Sehr gut!) Das Streikrecht kann
nun einmal in Eiſenbahnbetrieben nicht eingeräumt wer=
den
, auch nicht den techniſchen Beamten. Ein Vergleich
mit dem Vorgehen des Leipziger Aerztevereins iſt nicht
möglich. (Lebh. Beifall.)
Abg. Röſer (Hoſpitant der Fortſchr. Vpt.): Wir
ſtimmen der Kommiſſions=Reſolution auf Einſtellung von
neuen Aſſiſtentenſtellen in den Etat zu. Verſchiedene
Beamtenkategorien verlangen beſſere Arbeitsbedingun=
gen
. Der Herr Miniſter findet mit ſeinen Aufklärungen
und ſeinem wohlmeinenden Gefühl für die Arbeiter und
Beamten in Elſaß=Lothringen ein dankbares Feld der
Betätigung. Abg. Windeck (Lothr.): Die Bahnhofs=
einrichtungen
in Elſaß=Lothringen laſſen vielfach noch zu
wünſchen übrig. Abg. Werner=Gießen (Wirtſch.
Vgg.): Die Wünſche nach zahlreicheren Beamtenſtellen,
anderweitiger Berückſichtigung der Militäranwärter ſchei=
nen
ſchon nach Möglichkeit berückſichtigt zu werden. Fer=
ner
wünſchen wir beſondere Anrechnung der Nachtdienſt=
zeit
und Abſchaffung der Geheimakten. Die Reſolution
auf neue Regelung der Arbeits= und Dienſtverhältniſſe
der Arbeiter und Beamten und Neuſchaffung vön Aſſi=
ſtentenſtellen
, um beſſere Beförderungsmöglichkeiten an=
zuſtreben
, unterſtützen wir. Als nötig hat ſich auch eine
reichsgeſetzliche Regelung der Dienſt= und Ruhezeiten der
Beamten herausgeſtellt. Wünſchenswert iſt ferner, daß
die bei den Reichseiſenbahnen beſchäftigten Arbeiter nach
Ereichung des 25. Lebensjahres in die Arbeiterausſchüſſe
als Mitglied wählbar ſind. Wir bitten, unſere dahin=
Abg. Delſor
gehende Reſolution anzunehmen.
(Elſ.=Lothr.): Die Anlegung zweiter Gleiſe nach den Vo=
geſen
muß ſchleunigſt vorgenommen werden, denn der
Verkehr kann nur auf dieſe Weiſe gefördert werden.
Eiſenbahnminiſter v. Breitenbach: Der Ausbau den
geplanten Linie bereitet noch Schwierigkeiten, insbeſon=
dere
ſpielen da noch Sonderintereſſen mit. Die Verwalt=
ung
iſt gegenwärtig damit beſchäftigt, größere Projekte
auszuarbeiten. Abg. Werner=Hersfeld (Reformpt.)?
Die Gehaltswünſche der Lokomotivführer und die der an=
deren
Beamten müſſen berückſichtigt werden.
Hierauf wird die Weiterberatung auf Freitag
1 Uhr vertagt. Außerdem: Marine=Etat. Schluß=
6 Uhr 15 Minuten.

der Erbauung der Johanneskirche, die am 31.
Oktober 1894 eingeweiht ward, freilich nur in ganz be=
ſchränktem
Maße mit Geldern dieſes Kirchbauvereins
erbaut worden iſt. Die wichtigſte Folge der Erbauung der
Johanneskirche war eine weitere Zerteilung der Stadt=
gemeinde
. Vom 1. April 1895 an gab es in der Stadt=
gemeinde
nur noch vier Seelſorgebezirke, und neben dieſer
Gemeinde beſtand der bisherige fünfte Bezirk als beſon=
dere
Gemeinde, die Johannesgemeinde. Es gab
alſo von da an in Darmſtadt drei Gemeinden (Stadt=,
Martins=, Johannesgemeinde) und dabei blieb es bis
1913.
Wenn man die Straßen, die zu den beiden von der
alten Stadtgemeinde losgelöſten Parochien der Martins=
und Johannesgemeinde gehören, nach ihrer Entſtehungs=
zeit
betrachtet, kommt man zu der Erkenntnis, daß der
Segen der parochialen Gliederung bisher nur den neuen
Stadtteilen zuteil geworden iſt. Die Anfänge des Mar=
tinsviertels
ragen in die Zeit des Landgrafen Lud
wig IX. (17681790) zurück; das Johannesviertel iſt ein
Produkt des 19. Jahrhunderts. Bei den alten Stadt=
teilen
iſt in kirchlicher Beziehung, wenn man von der Ein=
richtung
von Seelſorgebezirken abſieht, leider bisher alles
beim alten geblieben. Noch Anfang 1913 ſtanden wir hier
immer noch auf einem Standpunkte, der ſich an den
Grundſätzen des parochialen Syſtems gemeſſen nicht
allzu ſehr von den Beſtrebungen unterſcheidet, die im
30jährigen Kriege bereits lebendig waren und ſchon da=
mals
teilweiſe verwirklicht wurden. Nur daß die von
6000 auf 24000 Seelen angewachſene Stadtgemeinde heute
(ſeit 1907) nicht mehr, wie 1632, von einem Superinten=
denten
und drei Stadtpredigern, ſondern von fünf Stadt=
vfarrern
, die in fünf geſonderten Bezirken arbeiten, ſeel=
forgeriſch
bedient wird.
Jetzt erſt wird dies anders werden. Daß es anders
wird, iſt nur mit Freuden zu begrüßen, denn die Auf=
teilung
der Stadtgemeinde ſtellt ſich nicht bloß als ver=
nünftiges
Werk, ſondern auch als Akt einer, leider
etwas gar ſpät einſetzenden Gerechtigkeit dar.

Feuilleton.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.

Die Klaſſiker im Spieljahr 1911/12
Die intereſſante Frage, ob Schiller und die anderen Dich=
terheroen
unter der Ueberfülle des Spieljahres 1911/12
an Operetten, Schwänken und Poſſen in ihrer Auffüh=
rungszahl
beeinträchtigt wurden, beantwortet die Sta=
tiſtik
des deutſchen Bühnenſpielplan=Regiſters, das kürz=
lich
bei Oeſterheld u. Co, Berlin W. 15, erſchien.

Anzengruber ſtieg im allgemeinen. Bei Hebbel
iſt es ähnlich. Maria Magdalena fiel von 76 auf 64,
Die Nibelungen halten ſich die Wage, während ſich
Gyges und ſein Ring von 42 auf 70 und Judith von
78 auf 96 erheben. Von Grillparzers Argonauten=
Trilogie kommt wieder nur Medea mit 50 gegen 61 Auf=
führungen
des Vorjahres in Betracht. Unverhältnismäßig
iſt Kleiſt in ſeinem hundertjährigen Todesjahr ge=
wachſen
. Da iſt kein Werk, das nicht gewonnen hätte.
Der Amphytrion ſteigt von 19 auf 25, Die Hermanns=
ſchlacht
von 26 auf 44, Robert Guiscard von 4 auf 59,
Die Pentheſilea gar mit einem Sprung von 1 auf 140,
Das Käthchen von Heilbronn von 105 auf 174, Der
Prinz von Homburg von 106 auf 215 und Der zer=
brochene
Krug, als das beliebteſte endlich von 61 auf
302. Bei Goethe zeigt ſich die merkwürdige Erſchein=
ung
, daß die großen Werke, wie Fauſt und Iphigenie‟,
nachließen, kleinere und unbekanntere hingegen an Boden
gewannen. Die Mitſchuldigen ſtiegen von 10 auf 32,
Die Laune des Verliebten von 7 auf 64. Daneben er=
ſcheinen
zum erſten Male Jery und Bätely und der
Urfauſt. Bei Leſſing das gleiche Hervorziehen des
Vergeſſenen: Der junge Gelehrte und Miß Sara
Sampſon fanden wieder Intereſſe. Emilia Galotti be=
hauptete
ſich auf der Höhe von 60, während Nathan von
127 auf 165 anſtieg. Shakeſpeare blieb ſich gleich.
Seinen 1042 Aufführungen des Vorjahres ſind 2 hinzu=
zufügen
, während Heinrich VI., Der Sturm und
Timon von Athen diesmal ganz verſchwanden. Die
höchſte Zahl erreichte der Kaufmann von Venedig näm=
lich
147, nach ihm Othello mit 142. Schiller endlich
iſt auch diesmal der Herrſcher, obwohl er zurückgegangen
iſt. Hatte er im Vorjahr 1584 Aufführungen, ſo mußte er
ſich im Kleiſtjahr mit 1420 begnügen. Von den großen
Dramen erreichte Fiesco wieder die kleinſte Zahl, Tell
die höchſte mit 329. Was der eine verliert, gewinnt der
andere. Die Klaſſiker haben nichts eingebüßt, im Gegen=
teil
an Aufführungen gewonnen.
* Profeſſor Biermer .
Der ordentliche
Profeſſor der Staatswiſſenſchaften an der Univerſität
Gießen Dr. iur. et phil. Magnus Biermer iſt
geſtern an einem Herzſchlag im Alter von 52 Jahren ge=
ſtorben
. Biermer war am 22. November 1861 zu Bern
geboren. Er ſtudierte in München, Berlin, Breslau. Göt=
tingen
Rechts= und Staatswiſſenſchaften und habilitierte
ſich 1891 an der Techniſchen Hochſchule zu Aachen. Nach=
dem
er ein paar Jahre als Syndikus der Handelskammer
in Münſter i. W. tätig geweſen war, wurde er 1894 zum
außerordentlichen Profeſſor an der Akademie in Münſter
ernannt. 1898 aing er als Ordinarius nach Greifswald.

1900 in gleicher Eigenſchaft nach Gießen. Die Zahl ſei=
ner
wiſſenſchaftlichen Schriften iſt ſehr groß. Als Natio=
nalökonom
beſchäftigte ſich Biermer vornehmlich mit Ge=
werbe
= und Finanzpolitik, daneben aber begegnete man
dem vielſeitigen Gelehrten und Publiziſten auf allen an=
deren
Gebieten der Volkswirtſchaft, ſo zum Beiſpiel hat
er ſich in den letzten Jahren viel mit dem preußiſch= heſſi=
ſchen
Eiſenbahnweſen beſchäftigt, wobei er in Wort und
Schrift den gegenwärtigen Eiſenbahnvertrag gegen die
Angriffe im heſſiſchen Landtag und in der Preſſe mit
guten Gründen verteidigte. Als liberaler Politiker ſtand
er urſprünglich dem Freiſinn und ſpäter den National=
liberalen
nahe. In weiten Kreiſen wurde ſein Name ge=
nannt
vor einer Reihe von Jahren aus Anlaß des Be=
leidigungsprozeſſes
, den der agrariſche Profeſſor Ruh=
land
gegen Biermer angeſtrengt hatte, und der nach lan=
gen
Verhandlungen und gutachtlichen Aeußerungen der
bekannteſten Volkswirtſchaftler Deutſchlands mit einem
Vergleich endete.
* Felix Draeſeke . Am Mittwoch morgen
ſtarb in Dresden der bekannte Tondichter Geh. Hofrati
Profeſſor Dr. Felix Draeſeke nach kurzer Krankheit=
Er war am 7. Oktober 1835 in Koburg als Sohn eines
Hofpredigers geboren, ſtudierte bei Rietz in Leipzig Muſik
und war einſt in Weimar ein begeiſterter Anhänger Wag=
ners
, Liſzts und Bülows, deren Ideen er auch ſchriftſtelle=
riſch
eifrig vertrat. Er lebte ſeit 1876 in Dresden. Hier
war er auch Lehrer am Kgl. Konſervatorium. 1892 wurde
er zum Profeſſor und 1906 zum Geheimen Hofrat ernannt,
Nach der Aufführung ſeines Chriſtusmyſteriums erhielt
er von der Berliner Univerſität den Ehrendoktortitel=
Demnächſt ſollte in Gotha die Uraufführung ſeiner Oper
Merlin ſtattfinden.
** Der neue Kampf um Troja. Eine Anzahl von
Nachrichten weiſen mehr oder minder unzweideutig
darauf hin, daß die Griechen ſich mit dem Plane beſchäf=
tigen
, Truppenlandungen an der kleinaſiatiſchen Küſte zu
verſuchen, um die vorwiegend nur nach der Seeſeite zu
ſtark armierten Dardanellenforts von der Landſeite her
anzugreifen. Mit der Ausführung dieſes Planes würde
der ſagenumwobene Boden Trojas zum Schauplatz
eines griechiſchen Eroberungszuges. Die jüngſten Trup=
penbewegungen
der Türken zeigen, daß man mit der Mög=
lichkeit
größerer Kämpfe in der Umgebung der Ruinen des
alten Ilion rechnet. Der bekannte engliſche Kriegs=
korreſpondent
Allan Oſtler weilt zurzeit in der Stadt
Dardanellen und entwirft ein intereſſantes Bild der eif=
rigen
militäriſchen Vorbereitungen in jener Gegend
Kleinaſiens In der Stadt ſelbſt ſind die Verhältniſſe frei=
lich
einſtweilen traurig, infolge des Mangels an Nah=

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Februar 1913.

Seite 5

Kongreſſe und Verbandstage.

* Karlsruhe, 26. Febr. Auf dem Kongreß
ruſſiſcher Studenten, der hier ſeit Sonntag tagt
und der die Bildung von vier Sektionen für organiſatori=
ſche
, kulturelle, wiſſenſchaftliche und akademiſche Fragen
beſchloſſen hatte, erſtattete heute die Sektion für wiſſen=
ſchaftliche
Fragen Bericht, auf Grund deſſen beſchloſſen
wurde, Unterſtützungskaſſen auf einer Grundlage zu grün=
den
, die allen Strömungen der ruſſiſchen Studentenſchaft
Rechnung tragen. Beſondere Abteilungen ſollen denjenigen
Hilfe leiſten, die ihr Prüfungshonorar nicht bezahlen
können. Auch ſoll eine Zentralkaſſe gegründet werden,
die auf Vermittelung der lokalen Kaſſen Unterſtützungen
gewährt. Die Hilfe wird in der Form von lanofriſtigen
Darlehen geleiſtet. Beſondere Stiftungen für wiſſenſchaft=
liche
Zwecke können bei der Zentralkaſſe gemacht werden.
In Städten, wo die Notwendigkeit dazu ſich ergibt. ſollen
Arbeitsvermittlungsſtellen nach dem Muſter des Berliner
Bureaus errichtet werden. Dem Antrage des kulturellen
Ausſchuſſes gemäß wurde die Schaffung eines Bureaus
beſchloſſen, das über die Lage der Studierenden Auskunft
erteilen ſoll. Der Kongreß wird morgen eine weitere
Sitzung abhalten. Heute abend fand zu Ehren der aus=
wärtigen
Delegierten ein Bankett ſtatt.

Luftfahrt.

* Hannoverſch=Münden, 26. Febr. Der
Straßburger Offiziersflieger Oberleutnant Donnevert
als Führer und ſein Begleiter Leutnant Warſow ſind
heute nachmittag 3 Uhr 20 Minuten von der Vahrenwal=
der
Heide bei Hannover aufgeſtiegen und ſchlugen
die Richtung nach Kaſſel ein. Unweit Hannoverſch= Mün=
den
nahmen ſie auf einer Wieſe eine Notlandung
vor. Der Apparat iſt unverſehrt. Die Flieger gedenken
morgen die Luftreiſe nach Kaſſel und Friedberg fort=
zuſetzen
.
Darmſtadt 27. Febr. Der Straßburger
Militärflieger Oberleutnant Donnevert und
ſein Begleiter, Leutnant Warſow, ſind auf dem Rück=
weg
von ihrem Flug nach Bremen heute
nachmittag 3 Uhr mit ihrer Rumplertaube auf dem
hieſigen Truppenübungsplatz glatt gelandet. Die
Flieger gedenken, bis morgen hier Station zu machen.
Auch ſonſt herrſchte auf dem hieſigen Flugplatz reges
Leben. Am Nachmittag wurden verſchie dene
Platzflüge, ausgeführt.
* Straßburg i. E., 27. Febr. Der Oberrhei=
niſche
Verein für Luftfahrt hat heute vormittag
ſſeine Freiballonfahrten wieder aufgenommen. Um 9.20
Uhr ſtieg der Ballon Graf v. Wedel unter Führung C.
H. Vogels zu einer Fernfahrt auf und verſchwand in
mördlicher Richtung. Fahrtteilnehmer ſind Carl Neven
Dumont, Freiherr v. Brackel und Architekt Alb. Tobias
von hier.
* Johannisthal, 26. Febr. Das Marine=
luftſchiff
L. 1 erlitt heute mittag beim Einbringen
in die Halle eine Beſchädigung am rechten vorde=
ren
Propeller. Auf telephoniſche Beſtellung ſandte
die
erft in Friedrichshafen ſofort ein Erſatzſtück ab, das
morgen eintreffen und montiert werden wird. Das Luft=
ſchiff
iſt übrigens auch mit drei Propellern durchaus ver=
wendungsfähig
.
* Bitterfeld, 27. Febr. Das für Rußland
gebaute 9800 Kubikmeter faſſende Luftſchaff P.
14 unternahm heute vormittag ſeine erſte Werkſtät=
tenfahrt
, die zufriedenſtellend verlief.
Rom, 26. Febr. Der ruſſiſche Flieger Slavo=
roſoff
iſt heute früh 7 Uhr 10 Minuten in Mailand zur
Fahrt nach Rom aufgeſtiegen. Er landete
unterwegs um 10 Uhr in Piſa, um Benzin aufzunehmen
* Rom, 26. Febr. Der ruſſiſche Flieger Slavo=
roſoff
. der heute morgen in Mailand zu einem Fluge
nach Rom aufgeſtiegen war, iſt in der Nähe von Prom=
bino
gelandet. Die Maſchine iſt bei der Landung
leicht beſchädigt worden.

Sporf, Spiel und Turnen.

* Automobilſport. In den großen inter=
nationalen
Rennen Stockholm= Gothen=
burg
=Stockhol m über 1200 Kilometer um den Win=

terpokal und den Gothenburgpreis, an denen
ſich insgeſamt ſechzig der bedeutendſten Fahrer beteilig=
ten
, kam Karl Iverns, der Sieger im Eisrennen, auf
einem 18/40 Ps. Opel=Tourenwagen ohne jeden Straf=
punkt
und ohne Verſpätung am Ziele an. Iverns war
trotz der enormen Kälte, trotz der teils vereiſten, teils un=
ter
rieſigen Schneemaſſen begrabenen Straßen auf der Hin=
fahrt
27 Stunden 8 Minuten und auf der Rückfahrt 20
Stunden 7 Minuten ununterbrochen Tag und Nacht am
Steuer.

Erdbeben.

* Müllheim i. Baden, 27. Febr. Im ganzen
Markgräfler Land wurde heute morgen um 4 Uhr 20 Min.
ein heftiger Erdſtoß verſpürt, der im Gebirge noch
ſtärker zu ſein ſchien. Gleichzeitig iſt ein plötzlicher Witte=
rungsumſchlag
eingetreten. Auf dem Blauen (ſüdlicher
Schwarzwald) ſchneit es heftig bei gleichzeitigem Eintritt
großer Kälte. In der Ebene herrſcht dagegen wärmere
Witterung.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberf
hrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verant
rtlich.

Eine umgekehrte Examensprämie.

Nach dem heſſiſchen Beamtenbeſoldungsgeſetz kann
einem Juſtizbeamten bei ſeiner definitiven Anſtellung
eein Teil ſeiner Vordienſtzeit, d. h. der Zeit ſeiner Ver=
wendung
als Gerichtsaſſeſſor, auf ſein Beſoldungsdienſt=
alter
angerechnet werden. Er kommt dann bei ſeiner An=
ſtellung
nicht in die erſte Gehaltsklaſſe, ſondern ſofort in
eine höhere. Nach dem Geſetz kann die Vordienſtzeit bis
zum Belaufe von 6 Jahren angerechnet werden. Von
dieſer Beſtimmung macht die heſſiſche Regierung nur dann
Gebrauch, wenn der Beamte bei ſeiner Anſtellung über
84 Jahre alt iſt. (Es ſoll dadurch ermöglicht werden, daß
er im 55. Lebensjahre in den Genuß des Höchſtgehaltes
kommt.) Die Zeit über 34 Jahre wird ihm bis zum Be=
laufe
von 6 Jahren angerechnet. Nehmen wir z. B. an:
2 Gerichtsaſſeſſoren ſind in dem gleichen Zeitpunkt zur
Verwendung gekommen, ſind etwa zehn Jahre als Hilfs=
richter
verwendet worden und werden gleichzeitig als
Amtsrichter angeſtellt. Der eine iſt im Zeitpunkt der An=
ſtellung
38, der andere erſt 34 Jahre alt. Man ſollte mei=
nen
, beide Beamten erhielten, da ſie gleichlange dem
Staate gedient haben, auch den gleichen Gehalt. Dem iſt
aber nicht ſo. Dem erſten werden 4 Jahre von ſeiner
Vordienſtzeit die Zeit vom 34.38. Lebensjahre
dem anderen nichts angerechnet. Der eine kommt daher
ſofort in die zweite Gehaltsklaſſe, der andere bleibt in
der erſten, und zwar noch drei Jahre. Wenn der erſte be=
reits
4000 Mark Gehalt erhält, bezieht der zweite immer
noch 3000 Mark. Dieſe Bevorzugung verdankt der 38 jäh=
rige
dem Umſtand, daß er auf der Schule oder Univerſität
4 Jahre länger ſtudiert hat als der andere. Derjenige
alſo, der nicht rechtzeitig ſeine Examina gemacht hat,
wird im Gehalt bevorzugt vor dem, der ſie rechtzeitig be=
ſtanden
hat. Die Examensprämie wird hier umgekehrt
verteilt.
Nicht nur, daß Richter von gleichem Dienſtalter
ungleich beſoldet wurden, es kam ſogar vor, daß Richter,
die ſpäter angeſtellt worden ſind, mehr Gehalt erhielten,
als früher angeſtellte. Dies alles, weil ſie im Zeitpunkt
ihrer Anſtellung in verſchiedenem Lebensalter ſtanden, ob=
wohl
doch die Höhe der Beſoldung ſich nicht nach dem
Lebensalter, ſondern nach dem Dienſtalter richten ſollte.
Die geſchilderte Art der Anrechnung von Vordienſtzeit
hat zu den größten Unbilligkeiten und Härten in der Ver=
gangenheit
geführt. Hoffen wir, daß die Juſtizverwalt=
ung
und die Ständekammern baldmöglichſt ſie zu beſei=
tigen
verſuchen werden.

Vermiſchtes.

C. K. Abnahme der Kinderſterblichkeit
in Frankreich. Die neueſten Statiſtiken, die von dem
franzöſiſchen Bureau für öffentliche Hilfe und Hygiene ver=
öffentlicht
werden, zeigen einen ſehr beträchtlichen Rück=

gang der Kinderſterblichkeit. In den Jahren von 1906
bis 1910 betrug die Zahl der innerhalb des erſten Jahres
geſtorbenen Kinder pro 1000: im Jahre 1906 135,5, 1907
118,7, 1908 116,3. 1909 105,3, 1910 100,1. Es iſt alſo in=
nerhalb
von fünf Jahren eine Verminderung von 25 Pro=
zent
feſtzuſtellen. Dieſe Reſultate, die ſich auf ganz Frank
reich beziehen, haben ihre Urſache in den außerordentlichen
Vorkehrungen, die man in Frankreich für die Pflege und
Hygiene der Säuglinge in letzter Zeit getroffen hat.
Bad Wildungen. In der diesjährigen or=
dentlichen
Generalverſammlung der Bad Wildunger Heil=
quellen
A.=G. Königsquelle wurde die Bilanz einſtimmig
genehmigt und dem Vorſtand und Aufſichtsrat Entlaſtung
erteilt. Das Unternehmen nahm im vergangenen Jahre
einen ganz außergewöhnlichen Aufſchwung. Der Verſand
erhöhte ſich von 290000 Fl. in 1911 auf 720000 Flaſchen
in 1912, alſo um 430 000 Flaſchen. Der Abſatz im Ja
nuar dieſes Jahres ging über den Verſand des gleichen
Monats des Vorjahres wiederum um weit über das
Doppelte hinaus.

Literariſches.

Die ſchöne Sitte, das Feſt Oſtaras, des Frühlings,
zum Anlaß für ein frohes Schenken zu nehmen, greift
immer weiter um ſich. Gerade zur rechten Zeit gibt da
der um ſeiner vorbildlichen Kinderbücher längſt berühmte
Mainzer Verlag Joſ. Scholz ein Oſterbüchlein heraus.
Es heißt Der Frühling kommt! koſtet nach lo=
benswertem
Muſter wieder nur eine Mark und iſt ein
prächtiges Bilderbuch für Kinder von allen Größen und
Altern. Eugen Oßwald hat’s gemalt, er hat für Scholz
ſchon vieles beigeſteuert, das Buch hier aber iſt ſein Mei=
ſterwerk
. Das iſt eine quellende Luſt am Frühling, eine
von Einfällen überſtrömende Phantaſie und ein echter kin
dertümlicher Humor, an dem auch die Alten ihre Freude
haben müſſen. Ein anderes ſtammt von dem gemütvollen
und luſtigen Apard Schmidhammer. Es iſt ein Poſt
kartenmalbuch mit hübſchen Oſterkarten für Kinder,
acht in Farben und acht in ſchwarzen Umriſſen zum Aus=
pinſeln
nach den Vorlagen, und koſtet nur 50 Pfennig
Arena. Das 7. Heft dieſer Oktav=Ausgabe von
Ueber Land und Meer (Verlag der Deutſchen Verlags=
Anſtalt in Stuttgart) bringt in ſeinem ausgedehnten und
wechſelvollen Inhalt wieder manches, was jedem Leſer
zur Freude dienen muß. Da plaudert, um einiges zu er=
wähnen
, Oskar Bie ſehr unterhaltſam über Librettiſten
und Komponiſten Ueber das engliſch=deutſche Problem
verbreitet ſich in ſehr beachtenswerter Weiſe Max W
Karſtenſen. Ein Bild vom Werdegang des Walzers gibt
Ernſt Eduard Taubert. Die Flugtechnik im Jahre 1912"
behandelt in einem ſehr ſachlichen Rückblick Otto Romberg,
während weiterhin Hans Oſtwald der Satire vor hun=
dert
Jahren einen hübſchen Aufſatz widmet. Dem öſter=
reichiſchen
Menzel, Rudolf von Alt, widmet Karl Fr. No=
wak
ein reichilluſtriertes Erinnerungsblatt. Von ſeiner
Norwegiſchen Schneeſchuhwanderung erzählt J. Kehling
unter Vorzeigung einiger hübſcher Bilder. Georg Brandt
zeichnet unter Anfügung von acht Abbildungen die Stadt
Poſen von einſt und jetzt, und Wilhelm Bölſche beſchäf=
tigt
ſich in ſeiner bekannten feſſelnden Art ſogar mit der
Frage: Trocknet unſere Erde aus? Daß neben all dem
auch dem rein literariſchen Stoff, Roman und Novellen,
Gedichten uſw., noch ein breiter Raum gelaſſen iſt, bedarf
nicht mehr beſonders hervorgehoben zu werden.

Der Balkankrieg.

Rußland und Oeſterreich.

* Paris, 27. Febr. Dem Matin wird von ſeinem
Sonderberichterſtatter aus Petersburg gemeldet, er
habe aus guter Quelle erfahren, daß die ruſſiſche
und die öſterreichiſche Regierung be=
ſchloſſen
haben, unverzüglich, wenn nicht gleichzeitig, die
Demobiliſierung vorzunehmen. Ruſſiſcherſeits
ſei dieſer Beſchluß in einer unter dem Vorſitz des Zaren
ſtattgehabten Konferenz gefaßt worden, der der Miniſter=
präſident
, die Miniſter des Krieges und der Marine, des
Aeußern, ſowie der Generalſtabschef beigewohnt hätten
Es ſei ſicher, daß die von Rußland und Oeſterreich ge=

rungsmitteln und der ſchlechten Verpflegung beginnen die
Truppen zu meutern und drohen die Stadt zu plündern.
Alle griechiſchen Untertanen ſind aus der Gegend ver=
bannt
. Oſtler unternahm einen Ritt nach den Ruin en
Trojas. Es mutet wunderlich an, wenn man daran
denkt, daß griechiſche Schiffe irgendwo bereitliegen, um
griechiſche Kämpfer hier ans Land zu ſetzen, beinahe an
derſelben Stelle, wo einſt vor drei Jahrtauſenden die
ſchwarzen Schiffe der Achäer ans Land ſtießen. Und viel=
leicht
nur noch wenige Tage: und irgend ein Agamemnon
des 20. Jahrhunderts wird noch einmal ſeine Scharen zur
Stätte Ilions führen, wo einſt Hektor vor dem ſchnell=
füßigen
göttergleichen Achill floh. Die Erdwälle und
Gräben an der Stätte des alten Troja ſind jetzt von tür=
kiſchen
Truppen beſetzt! Die Ausgrabungen
Schliemanns dienen ihnen als Verſchanz=
ungen
. Ich verlor faſt mein Pferd in dem teuflichen
Skamander. Haſtig führte man mich von der Stätte hin=
weg
. Denn es iſt nicht mehr erlaubt, die militäriſch be=
ſetzten
Ruinen zu betreten, und man darf eigentlich nur
bis auf einen Umkreis von 5 engliſchen Meilen an dieſe
Poſition heran.
Die Farbenorgel. Der engliſche Profeſſor A. W.
Rimington hat eine eigenartige Orgel konſtruiert, auf der
er, anſtatt Töne zu erwecken, beſtimmte Farbenfolgen her=
vorrufen
will. Das Inſtrument iſt, wie die gewöhnliche
Orgel, mit einer Art Klavier verbunden, deſſen Taſten
beim Anſchlagen bewirken, daß farbige Lichtſtrahlen auf
einen Schirm geworfen werden. Rimington führt auf
dieſe Weiſe ganze Farbenſinfonien, aus, von denen Per=
ſonen
, die ſie geſehen haben, erklären, daß ſie ähnliche
Empfindungen auslöſen, wie ſie beim Anhören wirklicher
Orgelmuſik erweckt werden. Rimington ſelbſt verfolgt
übrigens mit ſeiner Farbenorgel in erſter Linie die
Abſicht, die Feinheit der Farbenempfindungen unſeres
Auges zu erhöhen, die nach ſeiner Meinung in den
modernen Zeiten eine erhebliche Verminderung erfah=
iren
hat.
* Der Einbrecher als Menſchenfreund. Durch ein
Zeichen impulſiver Menſchengüte hat ſich in dieſen Tagen
in Los Angeles ein Einbrecher eine dankbare Vertei=
digerin
gewonnen. Der Mann brach nachts in das Haus
ſeiner Frau Morris ein und begegnete der Hausfrau plötz=
lich
auf der Treppe. Er richtete ſeinen Revolver auf ſie:
Hände hoch! Aber Frau Morris ſchien ihn kaum zu
ſehen, ſie ſtieß ihn beiſeite und jammerte: Mein Kind
ſſtirbt, holen Sie einen Arzt‟ Der Einbrecher packte ſie
am Handgelenk: Was fehlt ihm? Bräune. Der Mann

ſteckte ſeinen Revolver in die Taſche: Ich habe ſelbſt 5
Kinder, heute nacht zog ich aus, damit ſie nicht ver=
hungern‟
. Eine Kanne heißes Waſſer! Die Frau ge=
horchte
mechaniſch, der Einbrecher miſchte ein Brechmittel
und die ganze Nacht über rieb er die Bruſt des Kindes
mit Oel ein. Am Morgen verſchwand er plötzlich ſpurlos.
Als die Polizei ſpäter ſein Signalement verlangte, ver=
weigerte
die dankbare Mutter jede Angabe über der
Menſchenfreund.

* Eine neue Beſchäftigung für Stadtverordnete. Ein
Mainzer Blatt ſchreibt: Zur Förderung der neuen Lieb=
haberei
unſerer Schuljugend wird auch die Kommiſſion
unſerer Stadtverordneten=Verſammlung für Handel und
Induſtrie beitragen. Sie wird ſich am Samstag mit de
Herſtellung von Reklamemarken beſchäftigen und damit
den Buben und Mädchen ein vielbegehrtes Objekt zum
Einkleben in die Schulhefte ſchaffen.

Hanns Pellar in Dresden.

* Ueber eine Ausſtellung von Werken Hanns Pellars
in Dresden ſchreibt Profeſſor H. A. Lier in den
Dresdener Nachrichten: Das Märchen, das lange Zeit
totgeglaubte, aber niemals wirklich tote, iſt wiederum
modern geworden und erfreut ſich wieder bei alt und
jung allgemeiner Beliebtheit. Aber es iſt nicht mehr
wie einſt das zarte Kind heimlicher Romantik, ſondern
der mehr oder minder mühſam aufgepäppelte Sprößling
von Raffinement und Phantaſterei, der in möglichſt präch=
tiger
Kleidung einherſtolziert und ſeine Gefallſucht gar
nicht erſt zu verbergen ſich bemüht. Auf dem Gebiete der
Malerei, um das es ſich hier allein handelt, iſt der im
Jahre 1886 in Wien geborene und zurzeit in Darmſtadt
tätige Stuckſchüler Hanns Pellar der begabteſte
fruchtbarſte und geſchmackvollſte Vertreter dieſer Märchen=
welt
. Die Dresdener Kunſtfreunde kennen ihn ſeit etwa
zwei Jahren aus einer Ausſtellung in Richters Kunſt=
ſalon
und haben ihn in ſo gutem Andenken behalten, daß
ſie ſich jetzt, da er mit einer zweiten Sonderausſtellung
an gleicher Stelle erſchienen iſt, in hellen Haufen einfan=
den
, um ihren Liebling freudig wieder zu begrüßen. Die=
ſer
Beifall iſt nicht unverdient, denn Pellar iſt in der Zwi=
ſchenzeit
ein ziemliches Stück weiter gekommen: er wirkt
noch um ein gutes Teil geſchloſſener als früher und hat
ſeine zierliche, auf die feinſten koloriſtiſchen Reize aus=
gehende
Technik ſo ſehr bis zur Virtuoſität entwickelt, daß
er die erſtaunlichſten Dinge in bezug auf farbige Effekte

zu ſagen vermag, und auch die zeichneriſche Form, die bei
ihm immer auf den Stil ausgeht, glänzend beherrſcht.
Bild und Rahmen ergeben bei ihm ſtets eine Einheit,
und die Sorgfalt und der Geſchmack, mit dem er den letz=
teren
behandelt, iſt geradezu erſtaunlich. Doch bewegt ſich
ſein Können immer noch innerhalb beſtimmter Grenzen.
Sobald er zu größeren Formaten greift, iſt er ſeiner
Sache leicht nicht mehr ſicher. Die kleineren quadratiſchen
Gemälde gelingen ihm am beſten, und Stücke, wie der
überhöhte Spaziergang mit der wundervollen Früh=
lingslandſchaft
oder Idyll mit dem Faun, der den au
der Wieſe tanzenden Paaren zuſchaut, bilden eine Aus=
nahme
.
In ſtofflicher Hinſicht iſt Pellar noch ungefähr der
ſelbe wie zur Zeit ſeines erſten hieſigen Auftretens. Sein
Humor neigt zur Groteske. Die Zuſammenſtellung von
geputzten Dämchen in weiten Rokokoröcken mit allerhand
bockfüßigen Geſellen aus der antiken Mythologie, wirkt
auch heute noch ein wenig geſucht, und die Ausflüge in
die Welt des Orients, die er jetzt häufig unternimmt, ge=
reichen
ihm manchmal nicht zum Vorteil. Er bleibt in
ſolchen Fällen gar zu leicht im Reinartiſtiſchen ſtecken, und
das Bewußtſein, alles zu können, verführt ihn leicht zu
Spielereien, die, wie der weibliche Buddha auf einem
goldtapetenartigen Hintergrund unglaubhaft erſcheinen.
Manchmal lächelt man über ſeine ſcherzhaften Einfälle,
z. B. bei ſeinem Weißen Mohr im orientaliſchen Auf=
putz
, dann findet man wieder, daß er die Grenze der
Schönheit überſchreitet und ſich in Bizarrerien gefällt. ſo
wenn er eine Indiſche Tänzerin in gewagteſter Stel=
lung
und mit oſt unheimlich verzerrten Mienen auftreten
läßt oder in Tortola Valeneia ſeiner Schönen goldene
Armſpangen und goldenen Kovfſchmuck anlegt.
Geblieben iſt Pellars Arbeiten auch der erotiſche
Einſchlag, der in Bildern, wie den beiden als Sinnliche
Nacht bezeichneten oder in dem viel zu großen Gang
zum Liebestemvel, wenig angenehm berüihrt. Er aibt
dann nur Dämchen, nicht Damen, wie die beiden entzückend
koſtümierten Nachtfalter die ihre Kokottenangen lüſtern
umberſchweifen laſſen. Auch der Paſtellkopf der als
einziger Verſuch im Bildnis bemerkenswert iſt, zeigt die=
ſen
unangenehmen Augenaufſchlag, den der noch jugend=
liche
Künſtler hoffentlich nicht zur Spezialität ausbilden
wird. Er liefe ſonſt Gefahr, ſein eigener Nachahmer zu
werden, der er leicht entgehen kann, wenn er ſich im ſtren
gen Anſchluß an die Natur, von dem er uns in ſeinen
beiden vortrefflichen männlichen Aktzeichnungen eine
Probe gibt, weiter entwickelt.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Februar 1913.

Nummer 50.

troffene Entſcheidung die Folge des Briefwechſels des
Kaiſers Franz Joſef und des Zaren ſei. Dieſe Entſchei=
dung
wäre ſchon früher getroffen worden, wenn Prinz
Hohenlohe auf ſeiner Rückkehr nach Wien nicht erkrankt
wäre. Kaiſer Franz Joſef habe erſt den mündlichen Be=
richt
des Prinzen Hohenlohe abwarten wollen. Der Zar
ſhabe gewünſcht, daß die öſterreichiſch=ruſſiſche
Entſpannung noch vor der auf den 6. März fallen=
den
Dreihundertjahrfeier der Romanows eine vollendete
Tatſache ſei. Er wolle dieſen Tag durch eine Freuden=
und Glücksbotſchaft an ſein Volk und durch Verkündung
einer umfaſſenden Amneſtie kennzeichnen.
Friedensverhandlungen.
* Paris, 27. Febr. Mehrere Blätter veröffentlichen
ſeine anſcheinend aus offiziöſer Quelle ſtammende Mit=
teilung
, wonach gegenwärtig in Petersburg zwiſchen dem
dortigen bulgariſchen Geſandten und halbamt=
lichen
Vertretern der türkiſchen Regierung ge=
heime
Verhandlungen behufs Abſchluß des Frie=
dens
zwiſchen der Türkei und den Balkanſtaaten geführt
werden. Die ruſſiſche Regierung nimmt an dieſen Ver=
handlungen
nicht teil. Die Türkei habe Petersburg als
Verhandlungsort gewählt, weil ſie hoffe, daß die Unter=
händler
ſich dort von gefährlichen Beeinfluſſungen frei=
halten
können, und daß die ruſſiſche Regierung gegebenen=
falls
den Bulgaren Ratſchläge zur Mäßigung erteilen
werde.
* Wien, 26. Febr. Die Politiſche Korreſpondenz
meldet aus London: Der Verlauf des Meinungsaustau=
ſches
mit den führenden türkiſchen Perſönlichkeiten, die zu=
nehmende
Erſtarkung des Wunſches nach Frieden
in Konſtantinopel und der Stand der Dinge auf dem
Kriegsſchauplatze rufen in diplomatiſchen Kreiſen den be=
ſtimmten
Eindruck hervor, daß das Ende des Bal
kankrieges nahe gerückt ſei. Die Bereitwilligkeit
zu einer Verſtändigung der kriegführenden Parteien iſt zu
einer ſolchen Reife gelangt, daß die Zuſtimmung der
Pforte zu den Ratſchlägen der Mächte und die Eröffnung
der Friedensverhandlungen in aller Form bald zu er=
warten
iſt.

Die Revolution in Mexiko.

* Mexiko, 26. Febr. Weitere Truppen ſind
nach dem Süden gegen die Zapatiſten geſandt worden.
Eufemio Zapata, ein Bruder Emilio Zapatas, ließ ſich
zum Gouverneur des Staates Morelos ausrufen.
* Mexiko=City, 27. Febr. Der Rebellen=
führer
General Orozco hat ſich telegraphiſch für
Huerta erklärt. Ferner hat der Kongreß des Staates
Sonora beſchloſſen, Huerta anzuerkennen. Der Finanz=
miniſter
wird wahrſcheinlich heute von dem Kongreß die
Ermächtigung zu einer Anleihe von 200 Millionen Peſe=
tas
fordern, wovon ein Teil zur Bezahlung von Ent=
ſchädigungen
verwandt werden ſoll.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 27. Febr. Der König und die Köni=
gin
von Dänemark ſind heute morgen 8.10 Uhr vom
Stettiner Bahnhof abgereiſt. Der Kaiſer geleitete den
König, die Prinzeſſin Eitel Friedrich in Vertretung der
Kaiſerin die Königin in Automobilen zur Bahn. Mit
dem Gefolge war der Ehrendienſt zur Verabſchiedung er=
ſchienen
; ebenſo waren auf dem Bahnhof der Geſandte
Graf v. Moltke, die Damen und Herren der däniſchen Ge=
ſandtſchaft
und Vertreter der däniſchen Kolonie erſchienen.
Die Verabſchiedung war ſehr herzlich.
* Berlin, 27. Febr. Der neue Entwurf eines Geſetzes
über Schaffung eines Kolonialgerichts=
hofes
iſt, wie wir hören, dem Bundesrat zuge=
gangen
.
Charlottenburg, 27. Febr. Oberbürgermeiſter
Schuſtehrus iſt heute morgen geſtorben.
Bad Homburg, 27. Febr. Die Königin Wil=
helmine
von Holland und Prinzeſſin Ju=
liana
trafen heute früh um 8 Uhr 10 Minuten mit gro=
ßem
Gefolge im Sonderzug über Köln, Wiesbaden auf
dem hieſigen Bahnhof ein, wo ſie vom Prinz=Gemahl
Heinrich empfangen wurden Die Herrſchaften begaben
ſich ſofort in fünf Automobilen nach dem Sanatorium
Hohemark bei Oberurſel, wo ſie um 9 Uhr 20 Minuten
eintrafen.
Straßburg i. Elſ.. 27. Febr. Prinz Joachim
von Preußen hat heute vormittag um 9 Uhr ſeine
Mittelmeerreiſe angetreten. Die Fahrt geht
zunächſt über München nach Trieſt. In der Begleitung
des Prinzen befindet ſich Oberleutnant Freiherr von
Maltzahn vom 2. Garde=Dragoner=Regiment Kaiſerin
Alexandra von Rußland.
Straßburg i. Elſ., 27. Febr. Ein ſchwerer Un=
fall
hat ſich geſtern im Gelände nahe bei Geispols=
heim
bei einer Uebung mit gemiſchten Waffen ereignet.
Als die Artillerie vorging, ſtürzte beim Nehmen eines
Quergrabens ein Geſchütz der 2. Batterie des Straßbur=
ger
Feldartillerie=Regiments Nr. 84 um. Dabei wurde
der Kanonier Friedrich getötet, dem Kanonier Nagel
wurden beide Beine gebrochen und der Kanonier Schwartz
trug Verletzungen am Hinterkopf davon.
München, 27. Febr. Auf der Bahnlinie München=
Ingolſtadt wurde die völlig verſtümmelte Leiche des Säge=
werksbeſitzers
Major der Reſerve Grenz aus Bamberg
aufgefunden. Grenz iſt anſcheinend aus unbekannter Ur=
ſache
aus dem Zuge gefallen und überfahren worden.
* Rio de Janeiro, 27. Febr. Auf der Fahrt von Cam=
pinas
nach Pecos des Caldas entgleiſte ein Extra=
zug
; vier Perſonen wurden getötet, dreißig ſchwer
verletzt
* Tokio, 27. Febr. Der Reichstag iſt heute wieder
eröffnet worden. Miniſterpräſident Yamamoto
betonte in ſeiner Rede die Feſtigkeit des engliſch= japa=
niſchen
Bündniſſes und die freundſchaftlichen Beziehun=
gen
zu den Mächten. Er ſchlug vor, die Reformvorſchläge
Marquis Saitonjis auszuführen, und erklärte gleich=
zeitig
, das Budget des Kabinetts Katſura würde wieder
eingebracht. Es fehle an Zeit, ein neues Budget auszu=
arbeiten
. Die Reform des Steuerſyſtems im Sinne eine‟
Entlaſtung der Steuerzahler ſei eine dringende Notwen=
digkeit
. Die nötigen Maßregeln werden im Laufe der
Seſſion vorgelegt.
Frankfurt a. M., 27. Febr. Zu der Verhaftung des
Werbers für die Fremdenlegion wird noch
mitgeteilt: Als der junge Mann geſtern auf der Zeil
verhaftet werden ſollte, ergriff er die Flucht. Er wurde
verfolgt und feſtgenommen. Mertel gab an, daß er im
vorigen Sommer wegen einer in ſeiner Stellung began=
genen
Unterſchlagung nach Paris geflüchtet ſei. Er ar
beitete dort mit Agenten der Fremdenlegion, denen er ſich
als Dolmetſcher behilflich zeigte. M. iſt dann wiede
nach Frankfurt zurückgekommen und war hier für di

Fremdenlegion tätig. Es iſt ihm bereits gelungen, drei
junge Leute zu überreden, mit anderen ſtand er noch in
Unterhandlung.
H. B. Paris, 27. Febr. Nach 14ſtündiger Beratung
haben die Geſchworenen in dem Prozeß gegen die
Auto=Apachen heute morgen ½5 Uhr ihren Wahr=
ſpruch
gefällt. Die ſechs Hauptangeklagten wurden des
Mordes für ſchuldig erklärt, während die drei angeklagten
Frauen, ſowie ein weiterer Angeklagter freigeſprochen
wurden. Bei der Verkündung des Wahrſpruches gab es
einen großen Tumult. Einer der Angeklagten ſprang
auf und rief: Dieudonné iſt unſchuldig, die Schüſſe auf
Caby hat Garnier abgefeuert. Im Publikum rief der
Zwiſchenfall große Aufregung hervor. Das Gericht fällte
folgendes Urteil: Dieudonné und drei andere Haupt=
angeklagte
wurden zum Tode verurteilt, zwei wei=
tere
zu lebenslänglicher Zwangsarbeit. Die
übrigen erhielten Gefängnis= oder Zuchthaus=
ſtrafen
von 1 bis 6 Jahren. Die freigeſprochenen Frauen
wurden ſofort aus der Haft entlaſſen.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Grade als er ſich erklären wollie
es war beim Dollarprinzeſſinnen=Walzer -überkam
(
mich ein Huſtenanfall; wir mußten ausſetzen und
der günſtige Augenblick war verpaßt. Wer weiß
Das kommt
wann er nun ſprechen wird!
davon! Du weißt, daß du erkältet biſt, und doch
haſt du deine Sodener nicht mitgenommen. Wie
oft muß ich dir ſagen, daß man eine Sodener
Paſtille wenigſtens auf dem Weg zur Geſellſchaft
im Munde zergehen laſſen ſoll, und auch in der
Unterhaltung kann man einr Sodener unauffällig
lutſchen. Das erhält die Kehle geſchmeidig und iſt
ein ausgezeichneter Schutz gegen Erkältungen. Aber
man muß Fays ächte Sodener fordern, weil ſie aus
den zum Kurgebrauch benutzten Gemeindeheilquellen
gewonnen ſind. Die Schachtel koſtet 85 Pfa, (I,3986

Für Erholungsbedürftige und leichtere
Sommer, und
G
Kranke. Winter besucht.
A

Kuranstalt Hofheim i. T.
Gelvan ½ Stunde von Frankfurt a. M.
Prospekte durch Dr. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt.

eMarke, Zapatero‟
Mehenlonis rel. .
aggl Schulstr.
o garantiert rein o 71. II. W.rrusser 10.

(125m

lückskinder können für nur 1 Mark 20 100 bare Mark
gewinnnen. Dieſe Gelegenheit bietet ſich in einigen
Tagen, wenn man 1 Los der 2. Alsfelder Geldlotterie
kauft, deren Ziehung garantiert am 6. und 7. März
ſtattfindet. Außer dem Haupttreffer von 20000 Mark
kommen noch 3332 Geldgewinne, zuſammen 45000 Mark,
zur Ausſpielung. Loſe à 1 Mark ſind zu haben in allen
durch Plakate kenntlichen Verkaufsſtellen, ſowie beim
General=Debit: Lotteriebank G. m. b. H., Eiſenach.


Der Stadtauflage heutiger Ausgabe unſeres
Blattes liegt ein Proſpekt bei von dem
Konfektionshaus Philipp Heß, Schillerplatz 5, über
Herren= und Knabenbekleidung, Sportaus=
rüſtungen
ꝛc., worauf hiermit hingewieſen wird. (5032

Familiennachrichten.

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die
ſchmerzliche Nachricht, daß es Gott dem All=
mächtigen
gefallen hat, unſere treuſorgende
Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwä=
gerin
und Tante

Kacharma napp -Wei
geb. Wörner
nach längerem, mit Geduld ertragenem Leiden,
nach kurz vollendetem 67. Lebensjahre, zu ſich
zu rufen.
Darmſtadt, 27. Februar 1913.
Um ſtille Teilnahme bitten

Zie trauernden Hinterbliebenen:
Ad. Hahn und Frau geb. Rapp
Hch. Hahn,
Dora Hahn, Enkel.

(5132

Die Beerdigung findet Samstag, den 1. März,
nachm. 4 Uhr, vom Sterbehauſe Mathilden=
platz
11 aus, ſtatt. Einſegnung ¼ Stunde früher.

Todes=Anzeige.
Allen Verwandten, Freunden und Bekannten
die ſchmerzliche Mitteilung, daß es Gott dem
Allmächtigen gefallen hat, meinen guten, teueren
Gatten, unſeren Vater, Bruder, Schwager und
Onkel
(5024
Herrn Carl Mensens
Dienstag abend im 56. Lebensjahre nach langem,
ſchwerem Leiden durch einen ſanften Tod zu
ſich zu rufen.
Frankfurt a. M., den 25. Febr. 1913.
Brüder=Grimmſtr. 42,
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Carl Mensens, Bankbeamter.
Die Beerdigung findet Freitag vormittag um
11½ Uhr, vom Portale des Frankfurter Fried=
hofes
aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die
ſchmerzliche Nachricht, daß unſer lieber Vater,
Sohn, Bruder, Schwager, Schwiegerſohn und
(5080
Onkel.
Jakob Katzenmeier
infolge eines vorhergegangenen Unglücksfalles
am Dienstag abend ſanft entſchlafen iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 25. Februar 1913.
Die Beerdigung findet am Samstag nachmit=
tag
um 2 Uhr, vom Darmſtädter Friedhof
aus, ſtatt.

Danksagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter, Schweſter u. Tante
Frau
Mardarethe Krumb
geb. Albrecht
ſagen wir Allen unſeren innigſten Dank.
Familie Gg. Zimmerschitt.
Darmſtadt, den 27. Februar 1913. (5070

Dankſagung.
Für die uns beim Heimgange unſeres lieben
Vaters, Schwiegervaters und Großvaters (5029
Ludwig Harres
erwieſene herzliche Teilnahme ſagen wir innigſten
Dank.
Die Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Konſtantinopel, Bensheim,
den 27. Februar 1913.

Gottesdienſtliche Anzeige.

Stadtkapelle. Freitag, 28. Februar, abends
8 Uhr: Paſſionsandacht. Pfarrer D. Diehl.
Gotlesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 28. Februar
Vorabendgottesdienſt 6 Uhr
Samstag, den 1. März:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Schrifterklärung.
Sabbatausgang 6 Uhr 55 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religian=.
Samstag, den 1. März:
Vorabend 5 Uhr 35 Min. Morgens 8 Uhr. Nachmittags
4 Uhr. Sabbatausgang 6 Uhr 55 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 2. März, an;
Morgens 6 Uhr 30 Min. Nachmittags 5 Uhr 45 Min.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Das Hochdruckgebiet, das geſtern über Süd=Oſteuropa
lag, hat ſich weſentlich verflacht. Die atlantiſche Depreſ=
ſion
iſt weiter oſtwärts fortgeſchritten; das Hochdruck=
gebiet
, das geſtern über Island lag, hat ſich weiter nach
Süden ausgedehnt. Regen fiel geſtern an der Nordſee=
küſte
. Die Temperaturen auf dem Feſtlande lagen tags=
über
ziemlich hoch, nachts zum Teil erheblich unter dem
Gefrierpunkt. Wir werden unter dem Einfluß des Tief=
druckgebietes
ſtehen und mit mildem Wetter zu rechnen
haben.
Ausſichten für Freitag, 28. Februar: Wechſelnd be=
wölkt
, mild, ſtrichweiſe Niederſchläge, nordweſtliche Winde,

Tageskalender.

Großh. Hoftheater (Ab. C), Anfang 7½ Uhr, Ende
gegen 10½ Uhr: Der Troubadour.
Vortrag von Waldemar Richter um 8½ Uhr im Für=
ſtenſaal
(Mazdaznan=Vereinigung).
Bierabend des Vogelsberger Höhenklubs in der
Brauerei Fay.

Verſteigerungskalender.
Samstag, 1. März.

Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der
Turnhalle am Woogsplatz.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Nummer 50.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Februar 1913.

Seite 7.

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Am goldenen Horn v. Léon
Jessel
Mondscheinzauber, Walzer
von Léon Jessel
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von Léon Jessel
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hinaus! v. Alex. Hornig
Vom Sonnabend zum Sonn-
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von Paul Lincke
Die kleine Barmaid, dto.
Vive Tamur! (Wenn im
Lenz die Knospen spries-
sen
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Pauline geht tanzen, Walz.
aus Grosse Rosinen v.
Walter Kollo
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Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Februar 199.

Nummer 50.

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Jung., Saub. Hausmädchen
geſucht. Eintritt ſofort. Näheres
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Nieder=Ramſtädterſtraße 30.
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Geſucht früher ein beſſ.
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kann u. die Hausarbeit verrichtet.
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Eichbergſtraße 12.
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von Beamtenfam. mit Kind. geſ.
Unged. Mädch. nicht ausgeſchloſſ.
Gutenbergſtraße 68, part. (5066a Mädch., d. koch. k., zu ein. Frl.
geſ., hoh. Lohn. Susanna Röse, ge=
werbsmäßige
Stellenvermittlerin
Kiesſtraße 35, 1. Stock.
(*5408 Für 1. April tüchtiges, zuver=
läſſiges
Alleiumädchen, ſelbſtän=
dig
in Küche u. Hausarb., das ſchon
in beſſ. Häuſ. ged. hat, geſ. Gute
Zeugn. Zu erfr. i. d. Exp. (*5422fso Ein jüngeres Mädchen
für häusl. Arbeiten ſofort geſucht
Wieners
5415) Frau Weicker, ſtraße 66. geſucht. (*5429
Laufmädchen Gartenſtr. 17, II. Unabhängige, reinliche Frau
oder Mädchen für einige Stunden
tagsüber geſucht. Schmidt
Taunusſtraße 10.
(*5410 Jungt, ſaubere Frau zum
Brotchentragen geſucht. Zu er
fragen in der Expedition. (*5432
Ordentliches Mädchen
von morgens 8 Uhr bis nach dem
Spülen geſ. Zu erfr. Exp. (*5449fs Saubere Frau zum Brötchen=
tragen
für ſofort geſucht Stift=
ſtraße
31, im Laden.
(*5451 Einf. Mädchen, weich. roch u. Haus=
arb
. verſt., tagsüber alsbald geſucht.
*5455) Nieder=Ramſtädterſtr. 59.

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[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Februar 1913.

Nummer 50.

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Nummer 50.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Februar 1913.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=

licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Foxterrier. 1 Hofhund (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt.
(5044

Holzverſteigerung.
Samstag, den 8. März, vormittags 9½ Uhr,

werden in der Turnhalle dahier (Woogsplatz Nr. 5) als letzte Brenn=
holzverſteigerung
in Forſtwartei Beſſunger Forſthaus aus den Di=
ſtrikten
Salmenſeekopf, Stockſchlag und Kellerwieſenſchlag, Abzähl.=
Nr. 1222 bis 1493 verſteigert:
Scheiter rm: 172 Buchen, 25 Hainbuchen, 30 Eichen, 2 Linden;
Knüppel rm: 86 Buchen, 33 Hainbuchen, 1 Birke, 26 Eichen,
2 Linden, 4 Fichten; Reiſig Wellen: 2910 Buchen, 120 Eichen;
Stöcke rm: (grob) 5 Buchen, 16 Hainbuchen, 26 Eichen, 3 Linden.
Kaufliebhaber werden erſucht, das Holz vor der Verſteigerung
einzuſehen. Nähere Auskunft erteilt der Großh. Forſtwart Kolb zu
Beſſunger Forſthaus. Die blau unterſtrichenen Nummern kommen
nicht zum Ausgebot.
Darmſtadt, 27. Februar 1913.
(5048
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
I. V.: Kindhäuſer, Großh. Forſtaſſeſſor.

Holzverſteigerung.

Dienstag, 4. März I. J., werden verſteigert aus Diſtrikt
Eichen, Wurzelſchlag 35: Scheiter, rm: 151 Buchen, 5 Hainbuchen,
65 Eichen dabei Werkholz , 8 Erlen (6 rm rund: Knüppel,
rm: 176 Buchen, 77 Hainbuchen, 73 Eichen, 15 Erlen; Knüppelreiſig,
rm: 73 Hainbuchen, 46 Eichen; Reiſig=Wellen: 2510 Buchen:
Stöcke, rm: 57 Buchen, 9 Hainbuchen, 46 Eichen. Zuſammenkunft
morgens 9 Uhr auf der Thomashüttenſchneiſe bei Brennholz Nr. 708.
Meſſeler Forſthaus, 26. Februar 1913.
(5089
Großherzogliche Oberförſterei Meſſel.
Schlag.

Kompoſt.
Mittwoch, den 5. März 1913,
vormittags 10½ Uhr,

ſoll der auf dem ſtädtiſchen Ge=
lände
an der Pallaswieſenſtraße,
nächſt des früheren Schachtgrabens,
lagernde Kompoſt zuſammen
zirka 540 cbm losweiſe an Ort
und Stelle verſteigert werden.
Zuſammenkunft in der Pallas=
wieſenſtraße
, jenſeits des alten
Bahnübergangs.
(5068fs
Darmſtadt, 26. Februar 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Jaeger.

Bekanntmachung.

Am Freitag, den 28. Februar
1913, nachmittags 4 Uhr, ſollen
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heimer
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15 Sack Saatkartoffeln
(Mäuschen) 750 Kilo
öffentlich an den Meiſtbietenden
gegen ſofortige Barzahlung ver=
kauft
werden.
(5074
Darmſtadt, 27. Februar 1913.
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tinſtraße
),
in unſerem Geſchäftszimmer,
Wittmannſtraße 1, zwangsweiſe
verſteigert werden.
Die Genehmigung der Verſteige=
rung
kann auch dann erfolgen,
falls kein der Schätzung entſprechen=
des
Gebot eingelegt wird und
andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen.
Darmſtadt, 28. Januar 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen).
(VI2969
Frantz.

Bekanntmachung.
Freitag, den 14. März I. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die den Johann Georg Jacob
Eheleuten dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
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162 201 Hofreite Große
Ochſengaſſe
Nr. 1,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K8/13
verſteigert werden.
Darmſtadt, 30. Januar 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V2999

Bekanntmachung.
Freitag, den 11. April I. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die den Schreinermeiſter Wil=
helm
Hermann Eheleuten dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 1405 888 Hofreite Wendel=
ſtadtſtraße
13,
III 1406 150 Grasgarten ( Vor=
garten
) daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K19/13
Darmſtadt, 27. Februar 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,5038

An unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
A, wurden folgende
Einträge vollzogen:
Am 17. Februar 1913.
Hinſichtlich der Firma:
Richard Buſch, Darmſtadt.
Geſchäft und Firma ſind auf
Carl Staudinger, Kaufmann in
Darmſtadt, übergegangen.
Der Uebergang der in dem Be=
triebe
des Geſchäfts begründeten
Verbindlichkeiten und Forderungen
iſt bei dem Erwerbe des Geſchäfts
durch Carl Staudinger ausge=
ſchloſſen
.
Am 18. Februar 1913.
Hinſichtlich der Firma:
Carl Till, Nachfolger,
Darmſtadt.
Geſchäft und Firma iſt auf
Kaufmann Carl Schmitt in Darm=
ſtadt
übergegangen.
Der Uebergang der in dem Be=
triebe
des Geſchäfts begründeten
Verbindlichkeiten und Forderungen
iſt bei dem Erwerbe des Geſchäfts
durch Carl Schmitt ausgeſchloſſen.
Am 19 Februar 1913.
Hinſichtlich der Firma:,
Guggenheim & Marx,
Darmſtadt.
Die Zweigniederlaſſung iſt zur
Hauptniederlaſſung erhoben.
Geſchäft ſamt Firma ſind auf
Julius Friedrich Marx, Kaufmann
in Darmſtadt, übergegangen.
Iſidor Marx, Kaufmann in
Mainz, iſt zum Prokuriſten be=
ſtellt
.
(5028
Darmſtadt, 26. Februar 1913.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

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Seite 12.

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(Nachdruck verbotn.)
22)

Morgen verlaſſe ich Heidegg, und dann ſoll Warinka
Dich zu uns einladen, Iſa. Dann zeige ich Dir Peters=
burg
, Du ſollſt ſehen, wie ſchön es dort im Winter iſt.
Onkel Regi, zeige mir doch, bitte, noch einmal Bubis
Bild.
Bubi war Reginalds Sohn, ein entzückendes Bengel=
chen
, um deſſentwillen er Warinka ihre raffinierten Lau=
nen
und Herzloſigkeiten, mit denen ſie ihm das Daſein
verbitterte, immer wieder verzieh.
Es reizte die verwöhnte, oberflächliche Frau, ſich da=
von
zu überzeugen, wie weit ſie ſeine Geduld auf die
Probe ſtellen durfte.
Nein, wie der Bubi ſüß iſt, ſagte Iſa faſt andächtig
und betrachtete unverwandt das reizende Kindergeſicht=
chen
. Ganz Deine Geſichtszüge, Onkel Regi.
Reginald ſprang auf. Iſas kindliche Weichheit brachte
ihn noch um ſeinen Verſtand. Was war das nur? Iſa
durfte ja gar nicht nach Petersburg, nicht in ſeine Nähe.
Es war voreilig, mehr noch, es war leichtfertig von ihm
ſeinem Hauſe einzureden. Vor allen Dingen würde ja

Berit, die ſch geindſtlich un hren beien zu e=
letzen
, ſeinen Verwandten durchaus feindlich gegenüber=
ſtellte
, Iſa auf keinen Fall einladen. Dieſer Gedanke war
Reginald eben geradezu ein Troſt.
Erika ging durch das Zimmer und ſah Iſa mit dem
Kinderbildchen in der Hand daſitzen. Reginald ſtand un=
weit
am Fenſter, ſtrich ſich nervös den kleinen Schnurrbart
und ahnte nicht, daß alles, was in dieſen Augenblicken
durch ſeine Seele wogte, deutlich in dem Geſichtsausdruck,
mit welchem er Iſa anſchaute, zu leſen ſtand. Er achtete
gar nicht auf die ſchwarze, ſchmale Geſtalt, die zwiſchen
ihm und dem jungen Menſchenkinde da in der Sofaecke
über den Teppich faſt lautlos vorüberſtrich.
Alſo das iſt’s! ſagte ſich Erika und warf noch einen
rauhen Blick auf die Beiden. Chriſta in ihrem Grabe
wird es mir danken. Es war aber doch nur Rachegelüſt in
Erika und nicht Edelſinn.
Am ſelben Abend noch nahm ſie ſich Iſa vor. Ganz
unvermittelt hart und ſchroff, wie es ihre Art war:
Höre, Iſa, was ſind das für Torheiten? Du willſt zu
Deinem Onkel Steenhuſen nach Petersburg? Ich werde
Fabian, der jetzt über Dich zu beſtimmen hat, veranlaſſen,
Dir dieſe Reiſe zu verbieten.
Aber, ſtammelte Iſa erſchrocken, warum ſoll ich denn
geweſen, dem Kinde die Hoffnung auf dieſen Beſuch in plötzlich nicht hin? Wenn Tante Warinka mich nun ein=
lädt
!

Taite Werit vich Dih gen groiß rich eineden,
darauf kannſt Du Dich verlaſſen. Deine Schwärmerei für
Onkel Regi iſt geradezu lächerlich. Reginald Steenhuſen
kann keine junge Mädchen ſehen, ohne die Macht ſeiner
ſchönen Augen zu erproben, dieſer Don Juan!
Das glaube ich nicht! Das iſt nicht wahr! Das denkſt
Du Dir nur aus, Erika, weil Du Onkel Regi nicht leiden
kannſt. Ich habe es wohl gemerkt, daß Du etwas gegen
ihn haſt. Es iſt ſchändlich von Dir, ihn zu verdammen!
rief Iſa außer ſich, faſt weinend vor Empörung.
Es iſt die Wahrheit, widerſprach Erika ruhig. Deine
Heftigkeit ändert an der Tatſache nichts. Frage Deinen
Bruder Klaus, ob Reginald mit meiner Schweſter Editha
verlobt war oder nicht! Einer wie der andere ſind ſie, ob
ſie nun Steenhuſen oder Helmering heißen. Ich gönne
dieſem Reginald ſeine unglückliche Ehe. Um des Geldes
willen hat er geheiratet. Nun mag er für ſeine an Editha
begangene Treuloſigkeit büßen. Du wirſt es mir noch
einmal danken, Iſa, daß ich Dich von der Verhimmelung
Deines Helden geheilt habe; denn hoffentlich tragen meine
Worte dazu bei, Dich zur Vernunft zu bringen.
So viel hatte die wortkarge Erika niemals in einem
Hin mit der kleinen Schweſter geredet. Iſa fand keine
Entgegnung mehr. Sie fühlte, daß Erika nicht die Un=
wahrheit
lagte. Verzweifelt weinte ſie ſich in den Schlaf.
Frühmorgens hörte ſie, wie der Wagen vorfuhr, der

[ ][  ][ ]

Nummer 50.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Februar 1913.

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Onkel Regi zur Bahn bringen ſollte. Sie lag unbeweg=
lich
wie Blei waren ihre Glieder ſie hätte aufſprin=
gen
mögen, dem Wagen nachlaufen, deſſen Rollen nun auf
der Zugbrücke vernehmlich wurde, aber ſie konnte keinen
Finger rühren.
Wie gelähmt war ſie in ihrem Schmerz, der ſo ganz
anders war, wie das Weh um den Tod der Mutter. Klaus
überbrachte ihr nachher Abſchiedsgrüße von Reginald.
Klaus, begann Iſa, ſich mühſam zu einer ſcheinbaren
Gleichgültigkeit zwingend, ſage mir doch, iſt Onkel Regi
früher mit Editha verlobt geweſen?
Ja aber es war eine peinliche Geſchichte. Wollen
wir lieber nicht davon reden. Wie kommſt Du nur plötz=
lich
darauf, Kind?
Sie wurde brennend rot, ihr Herz klopfte zum Zer=
ſpringen
. Alſo doch, Erika hat die Wahrheit berichtet.
Ach, ich dachte nur ſo ſtammelte ſie, und dann ent=
ſchlüpfte
es ihr doch: Erika!
Erika hätte beſſer getan, davon zu ſchweigen, er=
widerte
Klaus verſtimmt. Das ſind begrabene Dinge.
Unſerer Mutter haben ſie einſtmals viel Herzeleid bereitet.
Denke doch nicht weiter darüber nach.
Aber Iſa grübelte und weinte in Mutters Wohnzim=
mer
, wo ſie ſich in der Fenſterniſche auf einen alten,
weichen Lehnſeſſel hingekauert hatte. Eine Erinnerung
aus ihrer frühen Kinderzeit dämmerte in ihr auf: Es war
Jagdtag auf Heidegg, und Onkel Regi hatte ſie vor dem
Sturz vom Treppengeländer bewahrt, hatte ſie in ſeinen
Armen gehalten.
Dann war Editha dazugekommen und hatte ſo böſe
ausgeſehen. Und nun ſtand ſie wieder trennend und zür=
nend
zwiſchen den Beiden obgleich ſie doch in ihrem
Grabe ichlief Onkel Regi war Iſa bisher als der Inbe=

griff alles Schönen und Guten erſchienen. Ihrer Mutter
Bruder den durfte ſie doch wohl lieb haben, ſo viel ſie
nur ſelber wollte.
Kein anderer Mann auf der ganzen Welt würde ihr
jemals ſo gut gefallen, wie Onkel Regi. Um ſeinen ſüßen,
kleinen Jungen beneidete ſie ihn faſt. Wie konnte dieſer
Mann, deſſen ganzes Weſen von Zärtlichkeit durchleuchtet
war, ſobald er von ſeinem Sohne ſprach, ſo ſchlecht ſein,
wie Erika ihn ſchilderte? Nein, nein, das war ja un=
möglich
. So quälte ſich Iſa im Für und Wider.
Ein paar Wochen nach Reginalds Abreiſe erhielt ſie
einen Brief von ihm. Er fragte, wie es ihr ginge, ſchrieb,
daß der Dienſt ihn mehr denn je in Anſpruch nähme
er gſei mit der Kontrolle der Verwundetentransporte, die
vom Kriegsſchauplatz in der Reſidenz eintreffen, betraut
worden, und teilte dann auch ganz beiläufig mit, daß Wa=
rinka
nach Cannes gereiſt ſei.
Das erklärte ja allerdings die unterbliebene Ein=
ladung
, welche Iſa nun auch nicht angenommen hätte.
Sie verträumte ihre Zeit, ſie hatte auch immer allerhand
pflegebedürftige Tiere, mit denen ſie ſich abgab, oder ſie
ſtreifte im Park umher. Fabian hatte ihr die Spazier=
gänge
auf der Landſtraße, an den Feldrändern und im
Walde verboten. Die Gegend war durchaus nicht mehr
ſicher. Paſtor Tammer war kürzlich, als er aus einem
entfernten Dorfe, wo er eine Amtshandlung vorgenommen
hatte, heimkehrte, beinahe das Opfer eines Anſchlages ge=
worden
. Aus dem Dickicht des Haſelgeſträuchs am Wege
war eine Kugel dicht am Mützenrand des Paſtors vorüber=
geſauſt
.
Der Sommer neunzehnhundertfünf brachte in den
baltiſchen Landen lauter Vorzeichen von etwas unabwend=
bar
Nahendem etwas Furchtbarem

Eines Tages ſchlug Fabian vor, daß Nika, Irma und
Iſa in die Stadt überſiedeln ſollten. Wir ſtehen vor
ſchlimmen Ereigniſſen, ſprach er; ich gehöre nicht zu jenen
Sorgloſen, welche meinen, daß uns von den Bauern kei=
nerlei
Gefahr drohe.
Ich bleibe hier, verſetzte Irma, weder habe ich Furcht,
noch bin ich der Anſicht, daß etwas Ernſtliches geſchehen
könnte.
Fabian zuckte mit den Achſeln: Beſſer, Du gingeſt.
Irma ſchwieg trotzig. Die Zeit war vorüber, wo dee
Wille ihres Mannes ihr Geſetz geweſen. Fabi gab ſich
weiter auch keine Mühe, ſie zu überzeugen. Doch bei
Nika hatte er mit ſeinem verſtändigen Vorſchlag auch
keinen beſſeren Erfolg. Die lachte ihn einfach aus.
Du ſiehſt Geſpenſter, Fabi, rief ſie entſchloſſen, ich
werde mir aber doch für alle Fälle einen Browning an=
ſchaffen
und fleißig im Park ins Ziel ſchießen, Dir zur
Beruhigung, Fabi. Aber Iſa, das Küken, beingen wir fort.
Und ich weiß auch ſchon, wohin: nach Perersburg zu
meiner Schwägerin Stephanie, der Admiralin. Ihr iſt
Logierbeſuch immer recht, und ich will gern ſelber Iſa hin=
geleiten
. Ich habe ſowieſo in Petersburg geſchäftlich zu
tun. Eben aber bin ich hier, um Dich trotz des Sonntags
zu entführen: ich möchte Dir gern die letzten Ergebniſſe
in meinen Kontobüchern zeigen. Auf Wiederſehen, Frau
Irma! Warum kommen Sie niemals zu mir herüber?
Eigentlich hätte ich allen Grund, dadurch gekränkt zu ſein.
Irma erwiderte keine Silbe, ſie erhob ſich ſteif von
ihrem Seſſel und berührte kaum Nikas voller Herzlichkeit
ihr entgegengeſtreckte Hand.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Februar 1913.

Nummer 50.

Zweite Kammer der Stände.

57. Sitzung.
St. Darmſtadt, 27. Februar.
Am Regierungstiſch: Staatsminiſter Dr. v. Ewald
Exz., Finanzminiſter Dr. Braun Exz., Miniſter des
Innern v. Hombergk zu Vach Exz., Geheimeräte
Dr. Becker, Süffert, Beſt, Miniſterialräte Höl=
zinger
, Dr. Weber, Dr. Kratz.
Vizepräſident Korell eröffnet die Sitzung um
9¼ Uhr. Das Haus tritt alsbald in die Tagesordnung
ein. Die Beſprechung des Kap. 23 des Hauptvoran=
ſchlags
,
Miniſterium des Innern,
wird fortgeſetzt.
Abg. Dr. Winkler: Ich habe geſtern in der Hitze
des Gefechts die Redewendung gebraucht von ſozialiſti=
ſchen
Ideen angefreſſen. Ich wollte damit nicht die
ſozialiſtiſchen Mitglieder dieſes Hauſes beleidigen und
nehme den Ausdruck zurück. (Abg. Raab: Das wäre
nicht nötig geweſen!)
Abg. Finger beſpricht die Obſtmärkte in Alsheim
und Worms und meint, Konkurrenz könnten ſich die bei=
den
Städte kaum machen, da auf den Märkten ganz ver=
ſchiedene
Obſtſorten feilgeboten werden. Der Obſtmarkt
in Alzey wird ſich nicht zu einem Großmarkt entwickeln.
Redner kommt dann auf die Lichtbildervorträge zu ſpre=
chen
, die vom Kreisamt Worms eingerichtet wurden, und
empfiehlt, dieſe Einrichtung auch in anderen Kreiſen zu
treffen. Die anzuſchaffenden Apparate machen ſich bald
bezahlt. An dem Geburtenrückgang, der ſich auch in mei=
ner
Gemeinde bemerkbar macht, iſt nicht die Armut, ſon=
dern
der zunehmende Wohlſtand ſchuld. Die Beſitzloſen,
die den Gemeinden oder der Wohltätigkeit zur Laſt fallen,
fragen nicht danach, wieviel Kinder ſie kriegen. Kinder=
reiche
Familien müßten aber unterſtützt werden, beſonders
hinſichtlich der Wohnverhältniſſe. In dieſer Hinſicht iſt
man ebenfalls in Worms vorbildlich vorgegangen mit
der Gründung eines Kreiswohnungsvereins, der es auch
armen Familien mit viel Kindern, die ſchwer eine Wohn=
ung
bekommen können, ermöglicht, ein eigenes Häuschen
mit Garten uſw. zu erwerben. Der Verein hat ſchon über
20 Häuschen erſtellt und ſehr ſegensreich gewirkt.
Abg. Lutz polemiſiert zunächſt perſönlich gegen den
Abg. Korell und meint, wenn nach deſſen Anſicht eine An=
zahl
Eiertänzer hier im Hauſe ſind, ſo gebe es darunter
doch einen, der beſonders aus der Reihe tanzt, und das
ſei Herr Korell ſelbſt. Redner verbreitet ſich dann über
die Zölle auf Futtermittel und bekämpft auch hierin die
Ausführungen des Abg. Korell=Ingelheim. Der Zoll,
den die Linke beſeitigen will, ſei nicht hoch: übrigens ſei
hauptſächlich der Zwiſchenhandel an den Preisſteigerun=
gen
ſchuld. Uebrigens ſind nicht die trockenen, ſondern
die naſſen Jahre das Unglück für die Landwirte. In den
naſſen Jahren verdirbt das Futter und die Tiere gehen
ein an Darmkrankheiten. Wenn der Landwirt einmal
ein ſchlechtes Jahr hat, dann iſt er wohl zu Hauſe traurig,
aber er ſchreibt keine ſpaltenlangen Artikel in die Zeitun=
gen
, weil er weiß, daß auf ſchlechte Jahre auch wieder
gute kommen. So ſollten es andere Stände auch machen.
Man muß ſich eben auch mal behelfen können. Ich bin
der Meinung, daß auch die jetzige Teuerung vorüber iſt.
Die Beſtrebungen zur Entſchuldung des ländlichen Be=
ſitzes
ſind gewiß dankenswert, aber ſie können doch nur
helfen, wenn ſie nicht nur theoretiſch bleiben, wenn man
die Bauern nicht einmal entlaſten will und ihnen daneben
gleich wieder Belaſtungen auferlegt, die neues Schulden=
machen
nötig werden laſſen. Schade iſt es, daß der Abg.
Korell=Ingelheim nicht in den Reichstag gekommen iſt,
er hätte dann wohl eine ganz neue und eigenartige Par=
ei
gebildet. Wenn er es fertig brächte, ſeine ganze Par=
tei
zu ſeinen Anſichten zu bekehren, dann könnten wir uns
ja darüber freuen, aber das wird er wohl nicht ſchaffen.
In England, dem Lande des Freihandels, iſt die Teuer=
ung
zuerſt ausgebrochen. England hat ſeine Landwirt=
ſchaft
kaput gehen laſſen. Das darf Deutſchland nicht nach=
machen
. Es gibt noch viele brach liegende Länderſtrecken,
die noch bebaut werden können. Deutſchland kann alſo
noch viel mehr Getreide bauen, aber es muß ſich auch
lohnen, wenn die Leute mit ſchweren Mühen dem Boden
das letzte abringen ſollen. An dem Geburtenrückgang iſt
nach den Erhebungen des Reichsſchatzſekretärs der Wohl=
ſtand
ſchuld, denn er hat nachgewieſen, daß die wohl=
habendſten
Familien die wenigſten Kinder bekommen.
Ich glaube aber, daß in den Städten das Luderleben der
Jugend viel ſchuld iſt. (Zwiſchenruf: Auf dem Lande
auch!) Jawohl, unſere Jungen und Mädchen haben zu
viel Gelegenheit, in die Städte zu kommen, und ſie ler=
nen
dort das Luderleben. Redner kommt dann über die
Erbanfallſteuer wieder auf die Teuerung zurück. Das
Hauptnahrungsmittel des Volkes iſt nicht das Fleiſch,
ſondern das Brot und die Kartoffeln. Das Brot brauchte
aber auch in den Jahren der Teuerung nicht teurer zu
werden, dazu war kein Anlaß. Auch die Kartoffeln brauch=
ten
ſo teuer nicht zu werden. Die Städter ſchimpfen
immer auf die Bauern, anſtatt daß ſie ſich mit dieſen zu
eigenem Vorteil zuſammenſchließen würden. Würde man
ſich in den Städten organiſieren und von den Bauern
direkt kaufen und dadurch den allein verteuernden Zwi=
chenhandel
ausſchließen, wäre alles viel billiger. Für
die Milch, die in der Stadt bis zu 28 Pfg. koſtet, be=
kommen
wir 1014 Pfg. Für Magermilch, die in der
Stadt 1520 Pfg. koſtet, bekommen wir 46½ Pfg. Eine
Portion Dickmilch * Liter, die nichts als Magermilch
iſt. koſtet 30 Pfg. An dem Rückgang und der Verteuerung
der Viehzucht iſt auch die Zuſammenpferchung in den
Ställen ſchuld. Es fehlt an Weideplätzen, und wo ſie vor=
handen
ſind, wird deren Benutzung erſchwert. Ich bin

zum Beiſpiel beſtraft worden wegen Störung der Sonn=
tagsruhe
, weil ich mein Vieh Sonntags zum Freſſen auf
die Weide treiben ließ. Mit der Angelegenheit wird ſich
ja noch das Oberlandesgericht beſchäftigen müſſen. (Da
die Privatunterhaltung im Hauſe wieder, trotz der Mah=
nung
des Präſidenten, zunimmt, bleibt der Redner in der
Folge meiſt unverſtändlich. Er führt Beſchwerde über
die Kreisämter und Baubehörden, die in Kleinigkeiten
viel zu bureaukratiſch arbeiten. Er führt dafür Fälle an.
Vizepräſident Korell: Ich muß wiederholt erſuchen,
daß die Redner ſich kürzer faſſen. Die Hoffnung,
den Etat in dieſer Woche zu erledigen, haben wir ſchon
begraben müſſen und rechnen bereits damit, daß wir die
nächſte Woche noch hinzunehmen müſſen. Ich bitte aber
dringend, ſich auf das Notwendigſte zu beſchränken.
Miniſterialrat Dr. Kratz: Der Abg. Lutz hat zuletzt
zwei Einzelfälle zur Sprache gebracht, die ich gleich er=
ledigen
möchte. Zunächſt ein Fall in dem Kreiſe Alsfeld,
in dem bei einer geringfügigen Bauarbeit, der Errichtung
einer kleinen Mauer, die Brüh teurer gekommen ſei, wie
die Brocken. Daß das der Fall iſt, bedauern wir ſelbſt
am meiſten; aber es konnte nach den beſtehenden Beſtim=
mungen
nicht anders verfahren werden. Da dieſe Beſtim=
mungen
dem Miniſterium ſelbſt als zu ſcharf erſcheinen,
iſt ja bereits ein Ausſchreiben an die Kreisämter erlaſſen,
in dem dieſe aufgefordert werden, die Beſtimmungen nach
Möglichkeit zu mildern. In dem fraglichen Geſetz iſt die
Pflicht der Anmeldung reſpektive Genehmigung auch aus=
gedehnt
worden auf Einfriedigungen. Und daß das Kreis=
amt
von der Beſtimmung Gebrauch gemacht, war nur
ſeine Pflicht und einen Vorwurf kann man daraus nicht
erheben; denn die Beſtimmung beſteht nun einmal, wenn
ie auch als zu weitgehend empfunden wird. Auch daß
eine Anzeige erhoben wurde, bedauern wir; aber es iſt
für den Kreisrat ſehr ſchwierig, wenn einmal eine An=
zeige
erhoben, dieſe niederzuſchlagen. Es konnte kaum
anders verfahren werden. Was die Anlage und den
zuſtand der Kreisſtraßen in den Kreiſen Gießen und
Friedberg betrifft, und die Beſchwerde über die den Ge=
meinden
vom KKreisausſchuß gemachten Auflagen, ſo kann
da die Regierung nichts anderes tun, als den Gemeinden
zu raten, auf dem vorgeſchriebenen Inſtanzenweg die Zu=
rücknahme
der Auflage zu erſtreben. Zur Begründung
des Vorgehens des Kreisausſchuſſes verlieſt Redner Be=
richte
der Kreisämter Gießen und Friedberg über Ein=
gaben
, in denen dringend Beſſerung der Straßen uſw.
gefordert wird.
Miniſterialrat Hölzinger: Der Abg. Lutz hat
auch Klage darüber geführt, daß das Kreisamt Alsfeld auf
das Erſuchen, eine neue Rindviehraſſe zu züchten, zuerſt
die Gründung eines Zuchtvereins empfohlen hat. Ich bin
der Meinung, daß das Kreisamt recht daran getan hat.
Wir haben als die beſtgeeignetſten Rindviehraſſen das
Vogelsberger und Simmentaler Vieh eingeführt und ich
halte es für ſehr bedenklich, nun noch zur Zucht einer drit=
ten
Raſſe zu ſchreiten. (Sehr richtig!)
Abg. Bach: Ich muß trotz der Mahnung des Präſi=
denten
nochmals auf die Frage des Vortragsverbots des
Lehrers Kaiſer eingehen. Wenn es ſich um die Teilnahme
an einer ſozialdemokratiſchen Verſammlung handelt, hin
ch mit dem Verbot einverſtanden, obgleich ich auch der
Anſicht bin, daß die Teilnahme eines Lehrers an einer
ſolchen Verſammlung unter Umſtänden notwendig ſein
ann, wenn es ſich um Schulangelegenheiten handelt, be=
ſonders
in Orten, wo faſt nur Sozialdemokraten ſind.
Ich weiß mich auch eines Falles zu erinnern, wo die Re=
gierung
es gerügt hat, daß der Lehrer ſolcher Verſamm=
lung
fernblieb. Ich bin der Meinung, der Lehrer als
Bildner des Volkes habe die Pflicht, den Bildungshunger
des Volkes zu befriedigen, wo immer er Gelegenheit dazu
indet, und wenn es ſich in dem vorliegenden Falle um
einen bildenden Vortrag handelt, halte ich das Verbot
nicht für gerechtfertigt. Einen ſolchen Vortrag zu halten,
iſt der Lehrer berufener als etwa ein ſozialdemokratiſcher
Agitator. Die Einrichtung von Lichtbildern iſt durchaus
zu begrüßen. Der Volksſchullehrer muß in enger Ver=
bindung
mit dem Volke bleiben, auch wenn die Eltern der
Schüler Sozialdemokraten ſind. Die Fortbildungskurſe
ind ſehr zu empfehlen, auch in Fabrikdörfern mit ſozial=
demokratiſcher
Bevölkerung. Ich muß dann noch auf die
Lehrerverſammlung zurückkommen. Wir glaubten aus
Höflichkeit mit den Abgeordneten auch die ſozialdemokra=
tiſchen
einladen zu müſſen. Damit iſt keine ſozialdemo=
kratiſche
Geſinnung dokumentiert. Am Vorſtandstiſch hat
man auch nicht den Eindruck gehabt, daß die Rede des
Abgeordneten Buſold mit ſtärkſtem Beifall aufgenommen
wurde, ſondern, daß vielmehr die Rede des Abgeordneten
Oſann am beifallsreichſten aufgenommen wurde. Ich
muß es alſo entſchieden zurückweiſen, daß man der
Lehrerſchaft den Vorwurf macht, ſie ſei zum großen Teil
ſozialdemokratiſch geſinnt. Man muß ſich aber damit ab=
finden
, daß der Lehrer von heute nicht mehr der hungernde
Schulmeiſter von dazumal iſt und daß er ſich ebenfalls
berechtigt glaubt, ſich öffentlich zu betätigen.
Geheimerat Süffert: Die geſtrigen Ausführungen
des Abg. Korell zwingen mich, nochmals auf die Ange=
legenheit
des Vortragsverbots einzugehen. Zunächſt hat
Herr Korell die Tatſache, daß er mich fortgeſetzt mit Herr
Süffert angeredet hat, damit entſchuldigt, daß er meinen
Titel nicht gekannt. Ich finde es bei dem großen Regie=
rungskörper
, den wir in Heſſen haben, allerdings begreif=
lich
(Heiterkeit), daß er meinen Titel nicht weiß, aber
dann wäre es doch richtiger geweſen, wenn Herr Korell
von dem Regierungsvertreter geſprochen hätte. So mußte
es den Anſchein erwecken, und es ſollte auch wohl ſo ſein,
als ob ich allein getroffen werden ſollte. Ich muß dazu
ber feſtſtellen, daß die fragliche Verfügung mitunterzeich=
net
wurde von ſämtlichen Herren des Schulminiſteriums,
darunter ſind Herren, die ſchon ſeit 40 Jahren im Schul=
dienſt
tätig ſind und deren Wirken allſeitig unumſchränkt
anerkannt wird. Ich betone das, weil die Abteilung in
inen Gegenſatz geſtellt wurde zu den Geiſtesheroen des
Herrn Korell. Ich gebe zu, daß die Herren es, was Dia=
lektik
anbetrifft, vielleicht nicht mit Herrn Korell aufneh=
men
können, wohl aber in bezug auf Bildung des Geiſtes
und des Gemüts. (Lebhaftes Bravo! und Sehr richtig!)
Der Abg. Korell hat mir auch Schärfe vorgeworfen. Ich
bin aber keineswegs ſcharf, ſondern nur kurz und präg=
rant
geweſen, was übrigens manchem zur Nachahmung
empfohlen werden könnte. (Sehr wahr!) Herr Korell hat
auch kritiſiert, daß ich in der Sache überhaupt geſprochen
habe, während ich doch ſonſt in Schulfragen nicht ſo raſch
oder gar nicht geantwortet habe. Mir iſt in dieſer Hin=
icht
keine Unterlaſſungsſünde bewußt. Wir ſind noch nie
die Antwort auf eine Frage ſchuldig geblieben. Die Re=
gierung
hat aber doch das Recht, ihre Antwort erteilen zu
laſſen, von wem ſie will. Ich habe übrigens ausdrücklich
erklärt, warum ich in dieſem Falle ſofort Antwort erteilt
habe; nämlich, weil ich es für nötig hielt, die gegen uns
erhobenen ſchweren Vorwürfe alsbald zurückzuweiſen.
Herr Korell hat uns vorgeworfen, wir hätten angeordnet,
die Sache totzuſchweigen. Allerdings hat er den Vor=

wurf nicht direkt gemacht, ſondern nur geſagt, es werde
davon geſprochen. Er weiß aber, daß da immer etwas
hängen bleibt, und ſo mußte er es erwähnen, obwohl
er es ſelbſt nicht glaubte. Er hat weiter der Regierung
den Vorwurf gemacht, daß ſie nicht die nötige Achtung
vor der Arbeiterſchaft und ihren Bedürfniſſen habe. Da=
gegen
müſſen wir uns verwahren. (Sehr richtig!) Zur
Sache ſelbſt bin ich der Anſicht, daß es eine reine Anſchau=
ungsſache
iſt und daß, wer eben anderer Anſicht iſt, auch
nicht zu bekehren ſein wird. Wenn Herr Korell es aber
verſucht hat, die Sache ſo darzuſtellen, als ob wir vielleicht
ängſtlich geworden ſind und uns fürchten, daß unſere Leh=
rer
etwa könnten infiziert werden, iſt das lächerlich. Ich
habe klar geſagt, daß das Verbot darum ergangen iſt,
weil der Vortrag erſtens einer Unterſtützung der ſozial=
demokratiſchen
Beſtrebungen gleichkommt, und zweitens,
weil es den Anſchein erwecken konnte, als huldige der
Lehrer ſozialdemokratiſchen Tendenzen. Dieſer Schein
aber muß vermieden werden. Ich möchte mit Herrn Bach
agen, unſere Lehrer ſind keine Sozialdemo=
kraten
. Wenn wirklich einer oder der andere ſich zu
dieſer Partei hingezogen fühlt, ſo darf das nicht verall=
gemeinert
werden. Die deutſche Lehrerſchaft ſelbſt hat
erſt kürzlich bei einer Gelegenheit die Verſicherung ab=
gegeben
, daß ſie ein Geſchlecht heranziehen will, das treu
zu Thron und Altar. zu Kaiſer und Reich ſteht. Aber
den Schein müſſen wir vermeiden. Das gilt
auch für die Lehrerverſammlung. Ich ſtehe auf dem
Standvunkt, dieſe Verſammlung wäre beſſer nicht abge=
halten
worden, dann wäre der Schein vermieden wor=
den
. Ich drehe den Lehrern keinen Strick daraus, daß
ſie die Herren (zu den Soz, deutend) einluden, um ſich
ſüße Worte vormachen zu laſſen. Sie mußten ſich aber
doch fragen, ob die Herren die Verſprechen auch halten
können. (Sehr wahr! Unruhe.) Es iſt tatſächlich ſo, wie
geſtern einer der Herren ausgeführt hat, daß die Lehrer
es denen, die ihnen wirklich wohlwollen, erſchwert haben,
für ſie zu arbeiten. Wenn nun, um wieder auf das Vor=
tragsverbot
zu kommen, geſagt wird, es ſei keine ſozial=
demokratiſche
Verſammlung, ſondern eine gewerkſchaft=
liche
geweſen, ſo muß ich doch ſagen, die Gewerkſchaften
ſind nichts anderes als Sozialdemokraten. (Widerſpruch.
Unruhe.) Sie ſind ein Glied in der ſozial=
demokratiſchen
Organiſation. (Sehr richtig!
Erreate Widerſprüche bei den Soz. Unruhe.) Ebenſo
die Jugendorganiſationen, die auf ihrem Programm
ſtehen, haben die Stärkung der Jugendkräfte zur Verwirk=
ichung
des revolutionären Gedankens. (Unruhe. Sehr
gut!) Meine Herren! Das Diſzivlinargericht in Bremen
hat kürzlich einen Lehrer des Dienſtes entlaſſen, weil er
in der ſozialdemokratiſchen Jugendarbeit tätig war.
(Hört, hört!) Die Regierung will keineswegs das Bild=
ungsbedürfnis
der Arbeiter hindern, ſie will aber dafür
ſorgen, daß keine Begriffsverwirrung erſteht. (Beifall=
Unruhe.) Wie man behaupten kann, daß das Mißachtung
der Aufgaben der Volkserziehung ſei, das kann ich nicht
verſtehen. Es handelt ſich hier übrigens nicht um eine
Frage der Wiſſenſchaft, ſondern um Fragen der
Staatsraiſon, und wenn wir in unſerem Vorgehen
en Beifall der Mehrheit dieſes Hauſes haben, wiſſen
wir, daß wir auf dem rechten Wege ſind. (Lebh. Bravo=
Ziſchen bei den Soz.)
Abg. Singer fragt, ob das Gebührenverzeichnis
für Landbürgermeiſter, das ſo notwendig gebraucht
werde, noch nicht ſertiggeſtellt ſei.
Abg. Reh polemiſiert gegen den Aba. Brauer in
bezug auf deſſen Behauptung, daß der Abg. Gutfleiſch
früher einmal erklärt habe, die Erhöhung des Urkunden=
ſtempels
käme einer Erdroſſelung gleich; das habe der
Abg. Gutfleiſch niemals geſagt. Der Abg. Korell habe
geſtern nicht von Eiertänzern, ſondern nur von Tänzern
geſprochen, die an unangenehmen Dingen vorbeitänzeln.
Den Standpunkt der Regierung in dem Vortragsverbot
des Lehrers Kaiſer verurteile er, weil er eine Einſchränk=
ung
der Bewegungsfreiheit der Beamten bedeutet.
Abg. Adelung: Wenn der Abg. Lutz recht hat mit
ſeinen Ausführungen, dann ſollte doch die Landwirtſchaft
ſich organiſieren, um ſich beſſere Abſatzmöglichkeiten zu
ſchaffen. Die Abgeordneten Schmitt und v. Brentano
haben trotz ihres Aufwandes an Stimmitteln und trotz
der Schärfe ihrer Reden an der Sache ſelbſt, die ſie behan=
delt
haben, nichts geändert. Richtig iſt, daß der Mann, der
von Jugend auf Sozialdemokrat war und ſich vor ſeinem
Tode ſogar über die Beerdigung mit den Genoſſen be=
ſprochen
hat; daß dieſer Mann nun gewünſcht haben
ſoll, die Sozialdemokraten ſollten fernbleiben, das
klang uns wenig glaubhaft. Der Geiſtliche blieb auch nur
darum weg, weil die Familie ſich weigerte, ſeiner An=
ordnung
zu entſprechen, die Beerdigung, um die Teil=
nahme
der Sozialdemokraten zu verhindern, eine Stunde
früher vorzunehmen. Alles, was ſonſt uns noch für Vor=
würfe
gemacht wurden, daß wir religionsfeindlich ſeien,
muß ich ebenſo zurückweiſen. Eine ganze Anzahl von
Schriften aus Ihren Reihen (zum Zentrum) beweiſt, daß
Männer, die tiefer in die Politik eingedrungen ſind als
Sie, ganz anderer Anſicht ſind. Es iſt auch falſch, wenn
der Abg. Dr. Schmitt ſagte, wir unterminieren die
beſtehende Staats= und Geſellſchaftsordnung, um ſelbſt
zur Macht zu kommen. Ich möchte doch daran erinnern,
daß Bismarck die gleichen Vorwürfe gegen Sie, das Zen=
trum
, erhoben hat, daß er Ihnen das Nationale abſprach,
daß er Ihnen vorwarf, Sie arbeiteten gegen die eigene
Nation. (Hört, hört! Unruhe. Redner verlieſt hierzu
eine ganze Reihe von Aeußerungen Bismarcks gegen das
Zentrum.) Die Ausführungen der beiden Redner und=
des
Abg. Uebel ſollten eben nur den Zweck haben, die
atholiſche Volksſeele zum Kochen zu bringen, weil es
ſonſt ja an Agitationsſtoff fehlen würde. Den Abg.
Brauer möchte ich doch fragen, ob er es für beſſer halten
würde, wenn unſere Kirche ſo ſtreng organiſiert wäre, wie
die katholiſche. Der Meinung ſind wir nicht. Der Geiſt=
liche
ſoll ſchon das Recht haben, ſich zu betätigen, wie er
will, aber wir wollen dann auch das Recht, ihn ſo zu be=
kämpfen
, wie wir es für notwendig halten. Verſchiedene
Redner haben auch behauptet, wir ſind Feinde der Land=
wirtſchaft
, ja Feinde der Arbeiter. Es wäre mir ein Leich=
tes
, das Lächerliche dieſer Behauptung darzutun. Das
beweiſen ja doch ſchon die Millionen der Arbeiter unſerer
Partei. Den nationalen Sinn und die Vaterlandsliebe
laſſen wir nus nicht abſprechen. Wir ſind der Meinung,
daß dem Vaterland mit dem Frieden am beſten gedient
iſt, darum treten wir für den Frieden ein und bekämpfen
die ihn gefährdenden Hetzereien. Den Standvunkt der
Regierung zum Fall Kaiſer bekämpfen wir. Der Herr
Geheimerat Süffert ſcheint ſeine Auffaſſung aus der
Eiſenbahnabteilung mit in die Schulabteilung hinüber=
genommen
zu haben und das Selbſtbeſtimmungsrecht der
Beamten zu bekämpfen. Der Abg. Bach war heute in
einer bemitleidenswerten Lage: er hat gegen ſeine ganze
Partei ſprechen müſſen. Der Herr Geheimerat Süffert iſt
über das Weſen der Gewerkſchaften überhaupt nicht unter=
richtet
. Er glaubt uns bekämpfen zu können, wenn er

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Februar 1913.

Seite 15.

unſere Bildungseinrichtungen bekämpft. Das wird ihm
aber nie gelingen. Wenn die Regierung die Sozialdemo=
kratie
ſtärten will, dann möge ſie ſo fortfahren, wie es
das Schulminiſterium begonnen hat. Wir werden den
Vorteil davon haben. (Beifall bei den Soz.)
Abg Dr. Winkler (die ganze Linke: Sozialdemo=
kraten
und Fortſchrittliche Vorkspartei, iſt abweſend):
Der Abg. Korell hat geſtern geſagt, daß ihn meine Aus=
führungen
nicht veranraßt hatten, auf den Obſtmarkt in
Alsheim einzugehen. Ich ſehe, daß darin ein Syſtem des
Boytotts gegen meine Perſon liegt. Das erinnert mich
an das Kaiſerhoch, das erſt ausgebracht werden darf,
wenn der letzte Rockſchoß der Linlen verſchwunden iſt. Das
ſoll mich aber nicht abhalten, auf die Ausführungen Ko=
rells
einzugehen. Er apoſtropyiert dann in längeren
ſatiriſch=ironiſchen Ausführungen die kopfloſe Flucht
der Herren von der Linken und kommt zu dem Schluß,
daß die Herren, wenn ſie konſequent ſein wollen, doch nun
ſchon die Flucht ergreifen müſſen, wenn er nur im Saalc
erſcheint. Damit wären die Herren ja dann aus dem
Parlamentarismus ausgeſchaltet, die ſonſt ja immer den
Parlamentarismus betonen. Die geſtrige Rede des
Abgeordneten Korell, ſo lang ſie war, beſtand nur aus
Worten. Nirgends ein Haken, wa jie etwa zu faſſen wäre.
Ueber Korells Eintreten für den Schutzzoll freuen wir uns
ſelbſtverſtändlich. Aber Herr Korell hat doch kein Recht,
ſich über den HHohn zu beklagen, mit dem ſeine Stellung
in den verſchiedenen Parteien in parlamentariſch erlaubter
Form behandelt wurde. Und wenn man in der Frage der
Schutzzölle in verhältnismäßig kurzer Zeit eine Wand=
lung
durchgemacht hat, wie Herr Korell, dann darf er ſich
auch über das Mißtrauen nicht beklagen. Nun hat Herr
Korell auch gefordert, ſeine wiſſenſchaftlichen Studien und
ſeine Ueberzeugung, die ſich darauf gründet, zu achten.
Am 7. Juli 1908 hat Herr Korell geſagt, Schutzzölle wir=
ken
wie Opium, und am 19. Januar (1909 hat er geſagt
er wäre, wenn’s notwendig ſein ſollte, auch für noch
höhere Zölle zu haben. Herrn Korells wiſſenſchaftliche
Studien haben alſo in der kurzen Zeit einen Geſchwind=
marſch
durchgemacht, der uns allerdings heute die geiſtigen
Fähigkeiten Korells als ungeheuer bedeutend erſcheinen
läßt. Die heutigen Ausführungen des Abg. Bach zu dem
Vortragsverbot ſtanden in wohltuendem Gegenſatz zu
den geſtrigen des Herrn Korell. Ich bin allerdings nicht
der Anſicht, daß die Einladung der ſozialdemokratiſchen
Abgeordneten durch die Höflichkeit geboten war. Manch=
mal
gebietet es die Klugheit, nicht allzu höflich zu ſein,
ſondern das, was man denkt, gerade heraus zu ſagen.
Zur Sache ſelbſt wiederhole ich, daß es mit den Pflichten
eines Staatsbeamten nicht vereinbar iſt, in ſozialdemo=
kratiſchen
Verſammlungen Vorträge zu halten. Die poli=
tiſche
Betätigung des Beamten muß eine gewiſſe Ein=
ſchränkung
erfahren in der Frage des Taktes und der
Rückſicht auf ſeine ſtaatliche Stellung. (Beifall.)
Abg. Senßfelder bringt ebenfalls Fälle vor, die
egen die Handhabung der ſcharfen Baupolizeibeſtimmun=
gen
ſprechen. Er bittet weiter, den Gendarmen die Be=
nutzung
von Fahrrädern in weitergehendem (Maße als
bisher zu geſtatten.
Abg. Brauer gibt die Erklärung ab, daß ſeine
Darſtellung über die Aeußerungen des Abg. Dr. Gut=
fleiſch
zum Urkundenſtempel durchaus richtig war und
von verſchiedenen Seiten beſtätigt wird, der Abg. Reh
ſich alſo im Unrecht befindet.
Damit ſchließt die Generaldebatte zur
VIII. Hauptabteilung. (Lebh. Bravo!)
In der Spezialberatung werden die Kapitel 23 bis
29 debattelos angenommen nach den jeweiligen
Ausſchußanträgen.
Zu Kap. 30:
Provinzialdirektionen und Kreisämter,
führt Abg. Buſold aus: Da es den Lehrern verboten
iſt, in unſerer Bildungsarbeit mitzuhelfen und wir ge=
zwungen
ſind, zu unſeren Bildungsvorträgen andere
Kräfte zu ſuchen, die uns zu höheren Ausgaben zwingen,
müſſen wir erſuchen, dieſe Vorträge für ſtempelfrei zu
erklären. Wenn das nicht geſchieht, wären wir allerdings
gezwungen, in den Vorträgen aus der reinen Sachlich=
keit
herauszutreten und unſere Hörer darüber aufzuklä=
ren
, wie man unſere Bildungsarbeit behandelt und för=
dert
. Daß für die Beſcheinigung zur Erlangung von
Arbeiterfahrkarten in manchen Bürgermeiſtereien Stempel=
koſten
erhoben werden, halten wir für ungeſetzlich. Ich
habe weiter Beſchwerde zu führen darüber, daß in einer
Reihe von Fällen die Geſuche von Veteranen uſw. um
Beihilfe zu langſam behandelt oder verſchleppt werden
daß Armenunterſtützungsgeſuche zu wenig Berückſichtig=
ung
finden bei den Kreisämtern und ähnliches. Weiter
möchte Redner wiſſen, wie es die Regierung mit den
(Säuglingen der Sozialdemokraten halte, ob ſie dieſe von
der Säuglingspflege ausſchließen wolle. Angeſichts der
Haltung der Regierung zu dem Vortragsverbot iſt auch
dieſe Frage berechtigt. (Heiterkeit.)
Abg. Damm bittet ebenfalls, die Veranſtaltung der
Lichtbildervorträge ſtempelfrei zu laſſen. Die vom Abg.
Buſold vorgebrachten Beſchwerden über die ſchlechten
Raumverhältniſſe im Kreisamt Friedberg ſind berechtigt.
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach
Exz.: Der Abg. Buſold hat ſich darauf beſchränkt, eine
Reihe von Klagen und Beſchwerden über die ſchlechte Be=
handlung
von Armen und Unterſtützungſuchenden vorzu=
bringen
. In dieſer Verallgemeinerung iſt es mir natür=
ich
nicht möglich, nachzuprüfen, wo etwa Mißſtände vor=
handen
ſind. Im allgemeinen aber muß ich aus meiner
Erfahrungen heraus ſagen, daß die auf den Kreisämtern
vorſtellig werdenden Perſonen ganz gleichmäßig behan=
delt
werden, welchem Stande ſie auch angehören. Das
iſt ja auch ſelbſtverſtändlich. Aber eine Anregung hat
Herr Buſold gegeben, das betrifft die Armenhäuſer und
die Unterbringung von armen Familien in Gemeinde=
häuſern
uſw. auf allgemeine Koſten. Es mag da wohl
manches im argen liegen. Es wird durch die Wohn=
ungsinſpektion
ja viel getan, ich werde aber Veranlaſſung
nehmen, durch die Kreisämter eine Reviſion der Armen=
häuſer
vornehmen zu laſſen. Die Raumverhältniſſe im
Kreisamt Friedberg, die ebenfalls beanſtandet wurden,
waren derart, daß noch eine Wohnung, die dicht beim
Kreisamt liegt, dazu genommen werden mußte. Das
war für uns der billigſte Ausweg, denn wenn wir hätten
für den Kreisrat eine neue Wohnuna bauen müſſen wäre
das bedeutend teurer geworden. Was die Beſchwerden
über das umſtändliche Verfahren in Bauſachen betrifft
ſſo möchte ich darauf verweiſen, daß wir ja noch mit der
Reorganiſation der Baubehörden beſchäftigt ſind und daß
nach deren Durchführung die vielen Beſchwerden wohl
ſchwinden werden. Wenn auf Beſcheinigungen zwecks
Erlangung von Arbeiterfahrkarten Stempel zu Unrecht
erhoben wurden, ſo kann ich nur den Weg der Beſchwerde
empfehlen. Der Abg. Buſold hat ja keinen Fall mit
Namen bezeichnet.
Miniſterialrat Dr. Weber: Zu der mehrfach ange=
zogenen
Stempelabgabe für die Veranſtaltung von Licht=

bildervorträgen möchte ich feſtſtellen, daß kein Zweifel
darüber herrſchen kann, daß dieſe Veranſtaltungen ſtempel=
pflichtig
ſind. Sie fallen zweifellos unter Ziffer 7 des
Stempeltarifs. Es exiſtiert aber ein Ausſchreiben des Mi=
niſteriums
des Innern an die Kreisämter, das nähero
Beſtimmungen betrifft über die Mindeſtſätze, die bemeſſen
werden je nach der Einwohnerzahl der Ortſchaften. An
dieſe Beſtimmungen ſind die Kreisämter gebunden. Ueber
eine Eingabe des Kreiſes Worms, die Lichtbildervor=
träge
ſtempelfrei zu laſſen, iſt noch keine Entſcheidung er=
gangen
.
Abg. Senßfelder: Der Abg. Buſold hat von
Uebergriffen der Bürgermeiſter geſprochen in bezug auf
die Arbeiterfahrkartenbeſcheinigung. Ich habe früher für
dieſe Beſcheinigung nie etwas erhoben, nach dem neuen
Stempelgeſetz vom 1. April 1912 muß aber der Betrag
von, 40 Pfg. erhoben werden (Hört, hört!), die in die
Gemeindekaſſe fließen. Wenn das falſch iſt, möchte ich
die Bitte des Abg. Singer unterſtützen um einen Ge=
bührentarif
. Was die Unterſtützungen betrifft, ſo kommt
es auch oft vor, daß ſolche Geſuche ganz unberechtigt und
ungerechtfertigt ſind. Oft kommt es auch darauf an, wie
ſolche Geſuche vorgebracht werden.
Geheimerat Beſt: In bezug auf den Gebührentarif
möchte ich feſtſtellen, daß ein neuer Tarif in Arbeit iſt
deſſen Erlaß demnächſt in Ausſicht ſteht. (Bravo!)
Abg. Buſold bringt noch eine Reihe weiterer Be=
ſchwerden
örtlichen Intereſſes vor. Abg. Urſtadt be=
ſpricht
die Gehaltsverhältniſſe der Kreisamtsgehilfen und
bittet die Regierung, einmal eine Zuſammenſtellung der
Bezahlung an den verſchiedenen Kreisämtern zu machen.
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach
Exz.: Soviel ich weiß, hat der Abg. Urſtadt einen dies=
bezüglichen
Antrag eingebracht. Ich möchte darauf hin
weiſen, daß ſchon damals darauf geantwortet worden
iſt, daß die Regierung nur für eine Kategorie von Kreis=
beamten
geſetzliche Vorſchriften erlaſſen hat, nämlich für
die Kreisſtraßenmeiſter. Bezüglich der anderen Kreis=
amtsbeamten
hat die Regierung keinen Einfluß, weil
dieſe der Selbſtverwaltung der Kreisämter unterſtehen.
Im allgemeinen werden aber die Kreisbeamten beſſer be=
zahlt
, als die Staatsbeamten dieſer Kategorie. Zu des
Einzelfällen, die der Abg. Buſold vorgebracht hat, bitte
ich wiederholt, davon der Regierung nähere Kenntnis zu
geben.
Aba. Reh: Ich möchte hier eine Erklärung abgeben
Ich habe vor einiger Zeit dem Kreisamt Alsfeld auf
Grund eines Auszuges aus einem Bericht desſelben den
Vorwurf gemacht, es habe mich bei meiner vorgeſetzten
Behörde denunziert. Aus dem mir ſpäter vorgelegten
ausführlichen Bericht habe ich mich überzeugt, daß die
Abſicht des Kreisamts, zu denunzieren, nicht vorliegt. Ich
nehme darum den Vorwurf zurück.
Abg. Korell=Angenrod: Ich erblicke das Grund=
übel
der gerüaten Verhältniſſe der Kreisbeamten darin,
daß man im Jahre 1896 die Straßen den Kreiſen über=
laſſen
hat, anſtatt ſie auf den Staat zu übernehmen.
Das Kavitel wird dann genehmigt.
Zu Kapitel 31:
Gendarmerie,
bemerkt Abg. Korell=Angenrod, daß es Bezirke gebe,
deren Beſetzung mit einem Gendarmen genüge. Er bittet
ſein diesbezügliches Erſuchen im Ausſchuß mit dem Aus=
ſchußantrag
anzunehmen. Abg. Buſold: In den
letzten Jahren ſind wiederholt Selbſtmorde von Gendar=
men
vorgekommen, die ſich erſchoſſen haben weil ihre Be=
ſchwerden
gegen Reformen ꝛc. nicht genügende Berück=
ſichtigung
fanden. Dieſe Selbſtmorde (über die ſich der
Redner eingehender verbreitet) ſcheinen zurückzuführer
zu ſein auf das militäriſche Syſtem der Gendarmerie. Die
Gendarmerie ſcheint daran zu kranken, daß ein höherer
Offizier an der Spitze ſteht, der nichts zu tun hat. Die
Regierung möge einmal nach dem Rechten ſehen. Abg.
Adelung wünſcht generelle Anweiſung an die Gen=
darmen
wegen eines einheitlichen Vorgehens in Sachen
der Polizeiſtunde. Abg. Molthan bittet, an dem mili=
täriſchen
Charakter der Gendarmerie feſtzuhalten, wenn
man auch über die Charge der oberſten Stelle verſchiedener
Anſicht ſein könnte. Den Wunſch Korells zu berückſich=
tigen
, halte er für bedenklich, wenngleich anzuerkennen ſei
daß er Erſparniſſe im Gefolge haben könnte. Die Gen=
darmerie
ſei doch für uns ſo wichtig, daß man in dieſer
Beziehung lieber nicht ſparen ſollte.
Geheimerat Beſt: Wir haben das Syſtem der Dop=
pelbeſetzung
der Stationen ſeit langer Zeit und das
Syſtem hat ſich ſehr bewährt. Wir haben damit die Kon=
trolle
der Beamten, ferner die Tatſache, daß Nachtpatrouil=
len
von 2 Beamten vorgenommen werden, daß, wenn ein
Gendarm beurlaubt iſt, der andere ihn vertreten kann ꝛc.
Ein weiterer Vorzug beſteht darin, daß Fälle von Wider
ſtand viel weniger vorkommen, wenn 2 Gendarmen da
ſind. Auch bei Nachforſchungen, wenn der Delinquent
feſtgehalten werden muß, iſt die Doppelbeſetzung von
Wichtigkeit. Hätten wir die Doppelbeſetzung nicht, könn=
ten
wir auch den Gendarmen den allmonatlichen Urlaub
von 4 Tagen nicht gewähren. Schließlich iſt die Doppel=
beſetzung
vorteilhaft für Unterweiſung neuer Gendarmen.
Wir werden alſo an der Doppelbeſetzung feſthalten. Zu
dem vom Abg. Buſold vorgebrachten Selbſtmord eines
Gendarmen bedauere ich, ſachliche Ausführungen nicht
machen zu können, weil ich vorher davon keine Kenntnis
hatte. Wenn der Abg. Buſold es gerügt hat, daß ein
höherer Offizier an der Spitze des Gendarmeriekorps ſteht
ſo halten wir es für einen großen Vorzug. Der betreffende
Offizier hat der Gendarmerie ſehr große und gute Dienſte
geleiſtet. Wenn er auch militäriſch ſtreng iſt, ſo hat er
doch ein warmes Herz für ſeine Untergebenen. Auf die
übrigen vom Abg. Buſold angezogenen Fälle kann ich
erſt eingehen, wenn ich das Material nachgeprüft habe.
Abg. Schott wünſcht beſſere und modernere Be=
waffnung
der Gendarmen und anderweite Anrechnung der
Dienſtzeit. Abg. Breidenbach wünſcht Telephon=
verbindung
ſämtlicher Gendarmerieſtationen.
Geheimerat Beſt: Es kann in ſämtlichen Poſtämtern
an das Kreisamt und von dieſem an den Oberwachtmeiſter
telephoniert werden. Wollte man ſämtliche 105 Stationen
anſchließen, ſo würde das große Koſten verurſachen, die viel=
leicht
nicht im Verhältnis zum Nutzen ſtehen. Die ge=
wünſchte
Neubewaffnung der Gendarmen mit Browning=
piſtolen
iſt bereits in Angriff genommen und wird bald
durchgeführt ſein.
Abg. Ulrich: Ich bin der Meinung, daß die Tele=
phonverbindungen
nicht ſo viel Geld koſten würden, als
die Offizierſpielerei im Gendarmeriekorps. Die mili=
täriſche
Organiſation der Gendarmerie iſt durchaus nicht
von Vorteil für den Sicherheitsdienſt, viel eher aber von
Nachteil, weil der Gendarm garnicht mehr weiß, wem er
gehorchen ſoll, dem Oberſten oder dem Kreisamt oder der
Staatsanwaltſchaft. An dem Selbſtmord, den Abg. Bu=
ſold
erwähnte, iſt allein die militäriſche Organiſation

Schuld. Der Gendarm kann in dieſer wegen eines kleinen
Verſehens ins Gefängnis kommen, während auf dem
Disziplinarwege höchſtens ein Verweis erteilt würde.
Die Beſeitigung des militäriſchen Charakters würde eine
Erſparnis von 15000 Mark jährlich bringen. Die tele=
phoniſche
Verbindung für die Gendarmerieſtationen halte
ich für ſehr empfehlenswert. Abg. Korell= Angen=
rod
dankt dem Geheimerat Beſt für die Zuſage, das
Syſtem der Doppelbeſetzung nochmals in einzelnen Be=
zirken
nachzuprüfen. Es gibt ſicher Stationen, bei denen
einfache Beſetzung genügt. Den Wunſch des Abg. Brei=
denbach
nach telephoniſcher Verbindung mächte ich unter=
tützen
und bitte weiter, die Verwendung von Polizei=
hunden
mehr anzuwenden
Geheimerat Beſt: Ueber die militäriſche Organi=
ſation
der Gendarmerie hat man ſich eingehend im Ver=
einfachungsausſchuß
unterhalten, beſonders darüber, ob
etwa eine Offizierſtelle erſpart werden könnte. Seine
Ausführungen waren wohl nicht dazu angetan, die Mehr=
heit
des Hauſes von der Notwendigkeit der militäriſchen
Organiſation abzubringen. Wir werden jedenfalls daran
feſthalten. Um ſo mehr als es eine ganze Menge Unteroffi=
ziere
gibt, die ins Gendarmeriekorps übergehen, um ihren
Zivilverſorgungsſchein zu verdienen, und die dann in
andere Berufe übergehen. Eine Truppe, die ſich ganz aus
Unteroffizieren der Armee zuſammenſetzt, kann nur mili=
täriſch
, von Offizieren, geleitet und beaufſichtigt werden.
In die Anordnungen des Kreisamtes und der Staats=
anwaltſchaft
reden dieſe Vorgeſetzten nicht hinein. Die
Frage, ob ein Offizier etwa erſpart werden könnte, muß
nach eingehenden Erwägungen verneint werden. Unſer
Budget iſt in bezug auf andere Staaten in dieſem Kapitel
ſehr niedrig. In allen Staaten übrigens hält man an
dieſer Organiſation feſt, die einzige Ausnahme iſt Sachſen.
Ich wiederhole alſo, daß es gut iſt, an dieſer Einrichtung,
die ſich ſeit Jahren durchaus bewährt hat, nicht zu rütteln.
(Zuſtimmung.
Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Finger,
Buſold, Bähr, Wolf=Stadecken, Molthan, die
aber neue Momente nicht mehr erbrachten, weiſt Geheime
rat Beſt noch darauf hin, daß der Zahlmeiſter der Gen=
darmerie
nicht nur Zahlungen zu leiſten, ſondern auch ſämt=
liche
Rechnungen und Kaſſen zu führen hat, die Verträge
mit den Lieferanten und mit den Aerzten abzuſchließen
uſw. Der Beamte iſt jedenfalls vollauf beſchäftigt, und
wenn der Poſten geſtrichen wird, müßte ein anderer Be=
amter
dafür angeſtellt werden. Das Kapitel wird nach
dem Ausſchußantrage angenommen. Der Antrag
Korell, die Regierung zu erſuchen, das Syſtem der Doppel=
beſetzung
nachzuprüfen und evtl. Vereinfachung zu treffen,
wird angenommen.
Darauf tritt Vertagung ein. Nächſte Sitzung Frei=
tag
9 Uhr. Schluß 4 Uhr.

Vorträge.

nn. Auf Veranlaſſung der Ortsgruppe Darmſtadt des
Heſſiſchen Landesvereins für das Frauenſtimmrecht hielt
am Mittwoch abend im Kaiſerſaal der Friedensmiſſio=
nar
Herr Richard Feldhaus einen hochintereſſan=
ten
Vortrag über den Balkankrieg und die Frie=
densbewegung
, zu dem ſich ein zahlreiches Andi=
torium
von Damen und Herren eingefunden hatte. In
glänzender Rede und tiefempfundenen Worten ſchilderte
der Vortragende zunächſt die Kriegsgreuel der früheren
Jahrhunderte, in denen Millionen von Menſchen den
Furie des Krieges um eines Phantoms willen zum Opfer
fielen, und ſchloß an an die Worte des franzöſiſchen Frie=
densapoſtels
und Gelehrten Maupaſſant, welcher
ſagte: Der Krieg! Wenn ich nur an das Wort denke, ſo
überkommt mich ein Grauen, als ſpräche man von Haß
und Ironie! Dieſe Worte hat ſich auch die Friedensliga
zu eigen gemacht, um den Kriegszuſtand zwiſchen den
Völkern Europas zu beſeitigen. Man ſage: Der Krieg
iſt ein notwendiges Uebel; der Völkerfriede iſt aber eine
viel größere Notwendigkeit. Leider beſitzen die Friedens=
freunde
noch nicht die Macht, um beſtimmend in die
Kriegsgefahren einzugreifen! Aber der Wandel der Zeit
und die Einſicht der Menſchheit wird dieſes doch noch
möglich machen. Redner wendet ſich in ſcharfen Worten
gegen das dem Friedenswerk entgegengebrachte Mißver=
ſtändnis
im Volke. Die ſchlimmſten Gegner ſind die
Leute, die behaupten, der Krieg hat ſchon Jahrhunderte
gewährt und iſt nicht aus der Welt zu ſchaffen! Das Werk
der Friedensliga gipfele in einem Satz: Das Geſetz an
die Stelle der Gewalt zu ſetzen! Redner wendet ſich ſo=
dann
zur Aufrollung der Balkanfrage und die verſchieden=
artige
Haltung der Großmächte. Er ſchildert in eingehen=
der
Weiſe die fortgeſetzten Kämpfe der Balkanvölker mit
der Türkei, die ungeheueren Greueltaten der Sieger und
Beſiegten, die an Scheußlichkeit ihresgleichen ſuchen. Das
Schauderhafteſte ſei, daß man es hier mit uniformierten
Beſtien zu tun habe. Seit Napoleon I. ſind ſolche Greuel=
taten
nicht mehr vorgekommen. Und da wolle man noch
von einem geſitteten Europa ſprechen! Das Schickſal der
Verwundeten in dieſem Kriege ſpottet jeder Beſchreibung.
Ein deutſcher Arzt rief: Ein einziger Torpedoſchuß we=
niger
, und dafür Chloroform um die Leiden der Ver=
wundeten
zu lindern. Und wofür dies alles? Um ein
leeres Phantom, um religiöſen Fanatismus! Kreuz
gegen Halbmond. In dringenden Worten mahnt der
Vortragende, für die Friedensideen zu wirken, und um
den Krieg zu verhindern. Dann habe die Welt ein großes
Werk getan. Unter allen Kulturvölkern brechen ſich die
Friedensfreunde Bahn und wirken im Sinne des Völker=
friedens
. Er ſchloß mit den Worten Paſteurs: Wir
haben den unerſchütterlichen Glauben, daß die Wiſſenſchaft
und der Friede über die Unwiſſenheit und den Krieg
triumphieren werden. Reicher Beifall wurde dem Red=
ner
zuteil, dem auch die Vorſitzende, Fräulein Walz, mit
Dankesworten Ausdruck gab. Eine Vorführung zahlrei=
cher
Lichtbilder aus dem Balkankrieg uſw. beſchloß den
hochintereſſanten Vortrag.

Handel und Verkehr.

Odenwälder Hartſtein=Induſtrie,
A.=G., Darmſtadt. In der Aufſichtsratsſitzung legte
die Direktion den Abſchluß für das Jahr 1912 vor. Nach
Abſchreibungen in Höhe von 148349,06 Mark (i. Vorj.
145 945,89 Mark) verbleibt ein Reingewinn von 140114,70
Mark (i. Vorj. 138 112,81 Mark) und ſchlägt die Direktion
die Verteilung von wiederum 7½ Prozent Dividende vor
(i. V. 7½ Proz.)
Die Rheiniſche Hypothekenbank in
Mannheim gibt zurzeit eine neue Serie ihrer 4prozentigen
Obligationen heraus, welche bis zum Jahre 1923 unkünd=
bar
ſind und am hieſigen Platze zum offiziellen Zeich=
nungskurs
von 97½ Prozent ſpeſenfrei bezogen werden
können. (S. Inſerat.)

[ ][  ][ ]

Vom 28. Febr.
bis 6. März

48
1 Wichskasten mit deck. Einlage
1 Schrubber, 1 Scheuerbürste und
48
zusammen
1 Scheuertuch
1 Kokosbesen und 1 Wichsbürste zusammen 48
1 Pfl. Kermselfe, 6 Pack. Seilenpulrer
18
zusammen
und 1 Pack Seifensand
48
1 Aermelbrett, gross .
1 Wichsbürste, 1 Schmutzbürste und
48
zusammen
1 Auftragbürste .
48
1 grosse Fleischplatte
48
runde Gemüseschüssel
zusammen 48
10 Speiseteller, tief
48
1 Wachstuchmarkttasche
1 Petroleumkanne, 1½ Liter
48
Tovales Waschbecken, Emaille .
48
1 Kleiderbürste und 1 Haarbürste zusammen 48

75
1 Stahlblechpfanne mit Stiel
1 Kaffeekanne u. 1 Milchkanne, Emaille, zusammen 75
75
1 Fenstereimer, Emaille, mit Aufschrift

1 grosser Posten Aluminium-Kochtöpfe. et 285.0 1 Topflappenbehälter, fein dekoriert 75 1 grosser Briefkasten 75 1 Wasserkanne, Steingut 75 1 Spirituskocher und 1 Teekessel zusammen 75 1 Fruchtaufsatz, echt Porzellan . 75 1 Waschbrett, mit Zinkeinlage . 75 1 Kaffee- und 1 Zuckerdose zusammen 75

Maritnetz iner u. 120 . . .
n 48

75
10 Rollen Klosettpapier
75
4 Pack Butterbrotpapier
75
3 Pack Zündhölzer

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Zeichnung, so-
lides
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stell
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rädern
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44 cm
Runde Wannen . . . . .
95 1.30 1.60 1.95
42 cm
Waschtöpfe mit Deckel 1.75 2.10 2.40 2.70 3.15 3.45 3.75
cm
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je.

Fontert

Ludwigstrasse 12
Ludlwigstrase 12)
Nachf.

[ ][  ][ ]

N 50.

Freitag, 28. Februar.

1913.

:: Sonntag, den 2. März 1913 ::
Der Verband der Kunstgewerbezeichner
beehrt sich zu einer am Sonntag, den 2. März,
im Palais-Restaurant‟, Hügelstrasse 35, statt-
findenden
Versammlung mit Vortrag des Verbands-
vorsitzenden
Herrn Herm. Weiß-Berlin und einer
IN4
n
Ausstellung von Wettbewerbsarbeiten
ergebenst einzuladen. z Ausgestellt sind die Arbeiten
des Wettbewerbes, der unter den Mitgliedern des
Verbandes der Kunstgewerbezeichner zur Er-
langung
einer Umschlagzeichnung und eines
Innentitelblattes für die Verbandsblätter des V. d. K.
veranstaltet, wurde. :: Herr Weiß spricht über Die
Kunstgewerbezeichner und das Problem der Quali-
tätsarbeit‟
. : Eröffnung der Ausstellung 10 Uhr
vormittags. :: Beginn des Vortrags II Uhr.
:: Nach dem Vortrage: Freie Diskussion. ::
Der Vorstand des Verbandes der
Kunstgewerbezeichner, Sitz Berlin.

& Jugend-Vorstellung. 48
Wir bringen am Samstag, den 1. März, in der Zeit von 1 bis
6 Uhr ein grossartig zusammengestelltes
(5069
Kinder-Programm.
Preise: III. Platz 10 Pfg., alle anderen Plätze 15 Pfg.
Von 6 Uhr ab das Grosstadt-Programm mit dem Hauptschlager
Im Glückstaumel, 3-Akter.

Chaussehaus
89 Heidelbergerstrasse 89.
Vom 1. bis einſchließlich 9. März
Grosses Doppelbockbier-Fest
Prima Qualität.

Olvmpia-Theater
Secheim, Gasthaus zum Löwen
Samstag.
ed
den 1. Marz: Metzelsuppe

Rheinstr.
2.

Ae Wellfleisch mit Kraut
frische Wurst mit Schweine-
r

pfeffer Reine selbstgekelterte 1911er Weine. (5049
Es ladet ſteundlichſt ein
Gg. Heldmann Wwe.

esldenz
Theater

:: Täglich Konzert ::
einer gewählten Abteilung der Kapelle des Gr. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61
Bedienung nach bayriſcher Art
(B5037fs
Echte Wiener Würstchen mit Kraut.
Anfang wochentags 6 Uhr
Sonntags 4 Uhr
Sonntag, den 2. März, von abends ½8 Uhr ab
Grosses Wiener Prater-Fest
Konzert der Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61
perſönliche Leitung
Herr Obermuſikmeiſter Weber.
Eintritt wochentags u. Sonntag nachm. frei, Sonntag abend 20 Pfg.
Se
Stenographen-Vereinigung.
Sonntag, den 2. März, abends 7½ Uhr im
Kaisersaal
Gabeleberger- Feler
mit Tanz
wozu wir unsere werten Mitglieder
nebst Angehörigen und Gäste höfl.
einladen.
Der Vorstand.
Eintritt für Mitglieder frei. Nicht-
mitgl
. erh. Vorverk.-Kart. à 25 i. Ver-
kehrs
-Büro, sowie in der Handels-
schule
, Luisenstr. 10, II. (5004dfs

Saalbau-
Theater s.
(Direktion: Willy Roemheld.)

Nur 2 Gastspiele
Agnes

Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch und Samstag
Kur-Konzert.
Eintritt 25 Pfg. 10 Abonnementskarten zu Mk. 1.50
(B3305
ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſ.

Brauerei-Restaurant
(Heſſiſcher Hob=
Morgen Samstag, den 1. März 1913 (5051


A
i
Oes Metzelſuppr
ee
Heute Abend Bratwurſt mit Kraut, wozu
freundlichſt einladet
Jacob Keller.

Restadranr farmane

(Wooasplatz).

5077)

Heute Freitag, 28. Februar:
Gu

Schädhf-Fen
ere e,
Geen
Zum
Frühſtück: Wellfleiſch mit Kraut, Bratwurſt ꝛc.
M. Schnellbacher.
Es ladet hierzu freundlichſt ein

Mittwoch, 5. März, 8 Uhr:

Schauspiel in 4 Akten von
H. Sudermann.

Marikke‟. . Agnes Sorma.
ententer 6. r lire
Gespenster
Drama in 3 Akten von
H. Ibsen. 4607a

Frau Alving‟. Agnes Sorma.

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Vorverkauf:Verkehrsbüro.

Zur Reichspost
Grafenſtraße 8
Samstag, den 1. März:
Metzel=
ſuppe

wozu freundlichſt einladet
Karl Wagner.
*5395)

Morgen Samstag:
E Schlacht=
Mntzeitz
reeterr
feſt
wozu freundlichſt einladet (*5397
Joh. Schäfer
Reſtauration Zur Windmühle‟.

am weissen Turm.

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III 380 Freite ſun mUr tag, 28. Tebr.: Geschlossen.

Morgen

Samstag
1. März

I. Gastspiel:
Exl’s
Tiroler Bühne
Dir.: Ferd. Exl, Innsbruck.

Zum I. Male:
Pater Jakob
Volksstück mit Gesang u. Tanz
in 4 Aufzügen von C. Morré.

Ermässigter Vorverkauf wie bekannt.
Num. Park. à 3 M. b. Hugo de Waal,
Rheinstrasse 14. (5081

Gienee Sie ren.

unng‟
Cte
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Telephon 699
Waldſtr. 2
Samstag, 1. März 1913
Metzelsuppe
mit Konzert
wozu höflichſt einladet (5078fs
Chr. Fink.

Resiauraten M. 7del
Ecke Parcus= und Pallaswieſenſtr.
Samstag, den 1. März:
Metzel-

zuppe
wozu freundl. einladet D. O.

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zu verk. Hof Parcusſtr. 5 II. (*5428

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Glasſchr., Aufſ. u. P attof. b. z. v
Hölgesſtr. 10, Hth. Werkſitt. (*5411

Heute letzter
Tag von
I
Verklungene Lieder
Das poesievolle Liebes-
poem
mit der Künstlerin
Mlle. Grandais.

m
Die Kunstschützin
Drama in 3 Akten.
(5075

Großherzogl. Hoftheater
Freitag, den 28. Februar 1913.
130. Abonnem.=Vorſt. C 33.
Der Troubadour.
Oper in 4 Akten von G. Verdi.
Perſonen:
Graf Luna . . . Georg Weber
Leonore .
Olga Kallenſee
Azucena, eine Zi=
geunerin
. . . Anna Jacobs
Manrico.
Karl Jahn
Ferrando, Ver=
trauter
d. Grafen L. Schützendorf
Inez, Freundin
Leonorens.
Johanna Kaſten
Ruiz, Waffen=
freund
Manricos Karl Bernhardt
Jean Sautier
Ein Bote,
Ein alt. Zigeuner Adolf Kloßz
Zigeuner=Divertiſſement,
arrangiert von Helene Thiele= Leon=
hardt
. Im 3. Akte: 1) Zigeuner=
tanz
, ausgef. von Sybilla Huber,
Luiſe Rehr und dem Corps de
Ballet. 2) Sevilliana, aus=
geführt
von Luiſe Rehr u. Kath.
Röder. 3) Spaniſcher Tanz
ausgef. von Luiſe Müller, Luiſe
Röhr, Frieda Lederer und Marie
Baranoff. 4) Finale, ausgef.
von Sybille Huber u. dem Corps
de Ballet.
Nach dem 2. Akte längere Pauſe.
Kleine Preiſe:
Proſzeniumsloge 5.10 M., Mittel=
loge
5.10 M., Balkonloge 4.60 M.,
I. Rang 4.10 M., II. Rang: 1.6.
Reihe 2.05 M., 7. u. 8. Reihe 1.65 M.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 3.60 M.,
14.20. Reihe 3.10 Mk., Parterre:
1.5. Reihe 2.25 M., 6.8. Reihe
1.85 M., Erſte Galerie 1.05 M.,
Zweite Galerie 0.55 M.
Anf. 7½ U. Ende gegen 10½ U.
Kartenvk. v. 9½1½ u. v. 6½ U. an.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Samstag, 1. März. 131. Ab.=Vſt.
33. Jedermann. Gew.
Preiſe. Anfang 8 Uhr.
Sonntag, 2. März. Nachmitt.
2½ Uhr. 22. Bolksvorſtellung zu
ermäßigten Preiſen. Taifun.
Vorverkauf bis einſchl. Samstag,
1. März, nur im Verkehrsbüro
(Ernſt=Ludwigsplatz). Verkauf der
noch vorhandenen Karten an der
Tageskaſſe m Hoftheater am Tage
der Vorſtellung, vorm. v. 11 Uhr
Abends 7 Uhr. 132. Ab..
Vorſt. D 33. Zum erſten Male:
Manon. Oper in 4 Akten v.
Maſſenet. Gewöhnliche Preiſe.
Montag, 3. März. Außer Ab.
Zum Beſten des Feſthauſes:
Feſtabend. Gewöhnl. Preiſe.
Anfang 7½ Uhr.

[ ][  ][ ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Februar 1913.

Nummer 50.

e Olag
M

Uber 34,000 ähnlich lautende ſchriftliche Anerkennungen!

Vill. ordentliche Landesſynode.
21. Sitzung.

g. Darmſtadt, 27. Februar.
Präſident D. Stamm eröffnet um 9 Uhr 25 Min. die
Sitzung. Syn. Wahl=Beienheim ſpricht das Gebet.
Der Bericht des Synodal=Ausſchuſſes über die Verwal=
tung
der Fonds wurde dem 1. Ausſchuß übergeben, der ſich
mit Ausnahme eines Punktes mit dem Bericht einver=
ſtanden
erklärt. Oberkonſiſtorialpräſident D. Nebel klärt
dieſen Punkt als eine formelle Sache auf.
Sodann wird die Beratung über die neue bibliſche
Geſchichte fortgeſetzt. Oberkonſiſtorialrat D. Peter=
ſen
möchte als Vorſitzender der 1. Kommiſſion und be=
ratender
Beiſitzer des Sonderausſchuſſes die Beſchlüſſe
der Kommiſſion begründen. Wie ſchon geſagt, konnte der
Entwurf lediglich eine Kompromißarbeit ſein. Beſtim=
mend
für die Arbeit war der Grundſatz, der Jugend das
Beſte aus dem Alten Teſtament zu bieten. Darum mußte
die Arbeit beſchränkt werden, da die bibliſche Geſchichte
doch für die erſten Klaſſen beſtimmt ſei. Die Kommiſſion
habe die köſtliche Jeremiasgeſchichte wertvoller gehalten
als die Simſonerzählung. Die Pſalmen könne man ſo=
lange
nicht entbehren, als noch keine Schulbibel vorhanden
ſei. Verſchiedene Weglaſſungen ſeien aus dem Grunde
erfolgt, um den Kindern die vielen Namen zu erſparen.
Die Joſefsgeſchichte ſei in wohlmeinender Abſicht gekürzt,
weil ſie in der Wertſchätzung eine viel zu hohe Stellung
einnimmt. Weſentliches ſei dabei nicht gekürzt worden.
Bei der Pfingſtgeſchichte ſei die Kompromißarbeit beſon=
ders
zu erkennen. Es ſei ferner angeregt worden, die Be=
zeichnung
katholiſche Briefe in allgemeine Briefe zu än=
dern
. Syn. D. Dr. Diehl möchte davor warnen, das
Wort katholiſche in allgemeine zu ändern, dann könne er
eher vorſchlagen, die Bezeichnung überhaupt fortzulaſſen.
Syn. Kolb habe bedauert, daß der Ausſchuß an der Röm=
heldſchen
Geſchichte vorübergegangen, ſei. Die Römheld=
ſche
Arbeit ſei ſeinpr Zeit ein ausgezeichnetes Werl geweſen.
und habe auch heute noch den Anſpruch darauf. Wenn
nun Syn. Kolb meinte, der Ausſchuß habe bei der Ab=
faſſung
des Entwurfs dieſes Werk nicht benutzt, ſo müſſe
er dem widerſprechen. Er habe den Eindruck, daß in dem
Entwurf die alten, auch die Römheldſche bibliſche Ge=
ſchichte
, benutzt wurden. Beſonders freue er ſich des
ſprachlichen guten Tons, in dem der bibliſche Ton ſehr
zur Geltung gekommen ſei. Römheld habe bei der Schaff=
ung
ſeiner bibliſchen Geſchichte den Grundſatz verfolgt,
daß nicht alle Geſchichten durchgenommen werden ſollten
ſondern nach freier Wahl des Lehrers. Bei den früheren
bibliſchen Geſchichten ſeien durch einſeitiges Verſtändnis
der Geſchichten die Perſönlichkeiten der prophetiſchen Ge=
ſtalten
zu kurz gekommen. Da von vornherein zu der
neuen bibliſchen Geſchichte, der Bedeutung der Propheten
entſprechend, Stoff hinzugetan werden mußte, anderer=
ſeits
der Stoff nicht allzu umfangreich ſein ſollte, folgt,
daß auf anderer Seite gekürzt werden mußte. Es fragt
ſich nun, ob man das Recht hat, ſoweit zu kürzen, wie es
in dem vorliegenden Entwurf geſchehen iſt. Auch Römheld
habe das Recht, zu kürzen, vertreten und von dieſem Recht
ausgiebig Gebrauch gemacht. Es ſind nun auch in der
Kommiſſion Forderungen zum Ausdruck gebracht worden,
wir ſollten mehr die deutſche Sprache gebrauchen, die
lutheriſche Ueberſetzung mehr der heutigen Sprache an=
paſſen
und den Kindern leichter verſtändlich machen. In
dieſem Falle konnte ebenfalls nur ein Kompromiß herbei=
geführt
werden, und er habe den Eindruck, als ob der
Entwurf ein ſehr gutes Kompromiß darſtelle, auch vom
Standpunkt derjenigen, die die lutheriſche Sprache lieben
Redner hofft, daß man über die Kleinigkeiten, die an dem
Entwurf auszuſetzen ſeien, hinwegkommen werde.
Syn. Dr. Bachfeld=Offenbach kann vom Stand=
punkt
der Laien feſtſtellen, daß der Entwurf ganz außer=
ordentliche
Vorzüge hat und die Einwände, die von

ſachkundiger Seite hervorgehoben wurden, fallen bei den
Syn. Wid=
nicht
ſo bibelkundigen Laien hinweg.
mann=Darmſtadt kann die Ausführungen des Präſiden=
ten
unterſchreiben. Er ſei über den Entwurf im allge=
meinen
ſehr befriedigt, beſonders habe er ſich gefreut, daß
die Wunder zu ihrem Recht gekommen ſind. Bedauern
müſſe er das Verſchwinden verſchiedener Geſtalten, wie
die des Hauptmann Cornelius u. a. m. Syn
Dieckmann kommt auf ſeine geſtrigen Ausführ=
ungen
zurück und wendet ſich nochmals gegen die
Aenderung von Chriſtusworten. Syn. Sachs bittet
um Weglaſſung des Bildes vom Joſefstraum.
Syn. Wahl=Schlitz ſtellt den Antrag, die Sache noch
einmal an den Sonderausſchuß zurückzuverweiſen, um ſich
ſchlüſſig zu machen, ob die bis jetzt geäußerten oder noch
ſchriftlich einzureichenden Abänderungswünſche noch be=
rückſichtigt
werden können, und der Synode noch in dieſer
Tagung Bericht hierüber zu erſtatten. Nach weiteren
Bemerkungen der Synodalen Fritſch, Hainer, D
Eger=Friedberg, Strack, Lahr, Diehl und Ober=
konſiſtorialrat
Peterſen wird die Debatte geſchloſ
ſen. Der Antrag des Syn. Wahl=Schlitz wird ein=
ſtimmig
angenommen.
Es folgt die Beratung der Vorlage Großh. Ober=
konſiſtoriums
:
Auflöſung der evangeliſchen Landpfarrei
Offenbach und Bildung je einer Pfarrſtelle
zu Bieber und Mühlheim a. M.
betreffend. Zur Zeit gehören zur Landpfarrei Offenbach
die evangeliſche Pfarrei Bürgel und die Orte Mühlheim
a. M. und Bieber, an denen Pfarraſſiſtentenſtellen beſtehen.
Zu Mühlheim gehören noch die Epangeliſchen in Dietes=
heim
und Lämmerſpiel, zu Bieber die Evangeliſchen in
Heuſenſtamm, Obertshauſen und Hauſen. Bürgel hat zur=
zeit
rund 2600 Evangeliſche gegenüber rund 4400 Anders=
gläubigen
, Mühlheim (mit den genannten Orten) 1460
Evangeliſche gegenüber etwa 7400 Andersgläubigen, Bie
ber (mit den genannten Orten) 1483 Evangeliſche gegen=
über
etwa 9000 Andersgläubigen. Bei der in dieſer
Seelenzahl ausgedrückten Vergrößerung, die noch fort=
dauert
, bei der Wichtigkeit evangeliſch=kirchlicher Arbeit
gerade in der induſtriellen Bevölkerung der Umgebung
Offenbachs iſt eine ſtetige, planmäßige kirchliche Verſorg=
ung
durch definitive Geiſtliche ein dringendes Be=
dürfnis
. Es iſt zu dieſem Behuf die ſeitherige, nur noch
dem Namen nach beſtehende Landpfarrei Offenbach aufzu=
löſen
und neben der bereits beſtehenden Pfarrei Bürgel
eine Pfarrei Mühlheim a. M. und eine Pfarrei Bieber zu
bilden.
Die dahingehenden Anträge der Kirchenvorſtände und
Gemeindevertretungen ſowie des Dekanatsausſchuſſes,
gegen die Großh. Kreisamt Offenbach keine Einwen=
dungen
zu erheben erklärt hat, können bei der geringen
Stärke des Steuerkapitals der fraglichen Gemeinden keine
völlig genügenden Zuſchüſſe zur Pfarrbeſoldung zurzeit
zuſagen, während in Mühlheim ein Pfarrhaus vorhan=
den
iſt und in Bieber ein ſolches gegenwärtig gebaut
wird. Großh. Oberkonſiſtorium erſucht, evangeliſche
Landesſynode wolle dem zuſtimmen, daß: 1. die evange=
liſche
Landpfarrei Offenbach aufgelöſt und 2.
neben der beſtehenden Pfarrei Bürgel, die den Namen
Offenbach=Bürgel erhält, eine evangeliſche Pfarrei
Mühlheim a. M. mit den Evangeliſchen in Lämmer=
piel
und Dietesheim und eine evangeliſche Pfarrei Bie=
ber
mit den Evangeliſchen in Heuſenſtamm, Oberts=
hauſen
, Hauſen, Gravenbruch und Patershäuſer Hof ge=
bildet
werde.
Der Ausſchuß bittet, dem Antrag zuzuſtimmen. Das
geſchieht einſtimmig.
Es folgte eine weitere Vorlage des Großh. Ober=
konſiſtoriums

Lostrennung der Gemeinde Helpershain
vom Kirchſpiel Stumpertenrod und Zu=
teilung
zur Pfarrei Meiches
betr. Die Gemeinde Meiches mit nur 460 Einwohnern
bildet von altersher eine ſelbſtändige Pfarrei. Die Nach=
barpfarrei
iſt Stumpertenrod, welche die Gemeinden
Stumpertenrod, Köddingen und Helpershain mit rund
1600 Einwohnern umfaßt. Jede dieſer 3 Gemeinden hat
eine beſondere Kirche. Die Verſehung des Pfarrdienſtes
iſt zumal wegen der vorhandenen Terrainſchwierigkeiten
beſchwerlich. Ein Blick auf die Karte zeigt daß hier durch
Zuteilung der Gemeinde Helpershain zu Meiches der rich=
tige
Ausgleich geſchaffen werden kann. Seit zwei Jahren
iſt im Einvernehmen mit den örtlichen Gemeindeorganen
Helpershain der Pfarrei Meiches proviſoriſch überwieſen.
Nunmehr ſoll die ſo bereits durchgeführte tatſächliche Los=
trennung
der Gemeinde Helpershain vom Kirchſpiel
Stumpertenrod und ihre Zuteilung als Filial zur Pfarrei
Meiches auch rechtlich erfolgen. Großh. Kreisamt Schot=
ten
hat die vermögensrechtliche Auseinanderſetzung in
zwei Verträgen vom 16. Oktober und 27. November 1912
geordnet. Es wird beantragt: Hohe Synode wolle zur
Lostrennung der Gemeinde Helpershain vom Kirchſpiel

Stumpertenrod und Zuteilung als Filial zur Pfarrei
Meiches die Zuſtimmung erteilen
Der dritte Ausſchuß tritt dem Antrag bei und die
Synode genehmigt die Vorlage einſtimmig.
Hierauf wird in die Beratung der Vorlage Großh.
Oberkonſiſtoriums:
Satzung über die Aufteilung der evangeli=
chen
Stadtgemeinde Darmſtadt in fünf
Einzelgemeinden
betr., eingetreten. Zur Begründung nimmt Ober=
Konſiſtorialrat Dr. Bernbeck das Wort:
In der Stadt Darmſtadt abgeſehen von dem Stadt=
teil
Beſſungen beſtehen zurzeit drei evangeliſche Kir=
chengemeinden
, die Stadt=, Martins= und Johannesge=
meinde
. Dieſe drei Gemeinden ſind durch ein Ortsſtatut
vom 8. Januar 1895 organiſiert worden. Die Stadtge=
meinde
mit etwa 26000 Seelen iſt wiederum in fünf Pfarr=
bezirke
geteilt. Entſprechend dieſen 5 Pfarr=
bezirken
ſoll nunmehr die Stadtgemeinde
in 5 Einzelgemeinden aufgeteilt werden. Zu
dieſem Zweck iſt die Satzung vom Kirchenvorſtand vorgelegt
und bereits vom Dekanatsausſchuß und Großh Kreisamt
Darmſtadt befürwortend begutachtet worden. In finan=
zieller
Beziehung bleiben die fünf Einzelgemeinden nach
wie vor in der evangeliſchen Stadtgemeinde mit gemein=
ſamen
Organen vereinigt, und auch die Finanzgemein=
ſchaft
der evangeliſchen Stadtgemeinde mit Johannes=
und Martinsgemeinde bleibt beſtehen. Den kirchlichen
Organen der fünf Einzelgemeinden werden alſo mehr
die den inneren Ausbau des Gemeindelebens berühren=
den
Aufgaben zufallen. Ein eigentliches Voranſchlags=
und Rechnungsweſen wird von ihnen nicht geführt. Die
Satzung widerſpricht in einigen Punkten den Beſtimmun=
gen
der Kirchenverfaſſung. Man wird darüber nach Wah=
rung
der Vorſchriften in § 102 der Kirchenverfaſſung eben=
ſo
hinwegſehen können, wie man dies ſeiner Zeit
bei Genehmigung des Statuts, betreffend die Teilung der
vereinigten evangeliſchen Zivilgemeinde Darmſtadt in
drei Kirchengemeinden, vom 8. Januar 1895, und der
Satzung über die Teilung der evangeliſchen Gemeinde
Gießen in vier Kirchengemeinden getan hat. Die Kirchen=
verfaſſung
hat die Notwendigkeit der Aufteilung größerer
Stadtgemeinden in ihren Folgen noch nicht ſo klar über=
blickt
und deshalb auch hierfür die notwendigen Beſtim=
mungen
noch nicht vorgeſehen. Man wird für ſolche Fälle
bei einer Reform der Verfaſſung Vorkehrung treffen
müſſen.
Insbeſondere ſtimmt es mit der Verfaſſung nie=, daß nach § 3 die Kirchengemeindevertretung
Einzelgemeinde nur aus 30 Mitgliedern beſtehen ſoll. A.
die Bildung des Kirchenvorſtandes und der Gemein
vertretung der künftigen evangeliſchen Stadtgemein
§§ 5 und 8, entſpricht nicht der Verfaſſung. Man hat ävr. bei den früheren Satzungen ebenfalls überſehe.
Großh. Miniſterium des Innern hat auf Anfrage erklärt,
daß im ſtaatlichen Intereſſe gegen die Satzung nichts zu
erinnern ſei. Großh. Oberkonſiſtorium ſtellt daher mit
Genehmigung Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs
an die Landesſynode den Antrag: Synode wolle geneh=
migen
, daß auf Grund der vorliegenden Satzung die
evangeliſche Stadtgemeinde Darmſtadt in fünf Einzelge=
meinden
aufgeteilt werde.
Der Ausſchuß beantragt in Uebereinſtimmung
mit den Darlegungen der Kirchenbehörde die Geneh=
migung
der Aufteilung der evangeliſchen Stadtz=
gemeinde
Darmſtadt in fünf Einzelgemeinden auf Grund
der vorgelegten Satzung.
Syn. D. Schloſſer=Gießen möchte aus den
Erfahrungen, die in Gießen und Worms gemacht
worden ſind, warnen, die Vorſteher nicht in die Geſamt=
gemeindevertretung
zu entſenden. Er ſtellt formell den
Antrag, dem Oberkonſiſtorium die Ermächtigung zu er=
teilen
, auf Antrag der Gemeinden bei der Herausſtellung
von Mißhelligkeiten die Beſtimmung in den Satzungen
über die Zuſammenſetzung des Kirchenvorſtandes
und der Geſamtgemeindevertretung abzuändern.
Syn. Wagner und Syn. D. Eger=Friedberg
haben die Bedenken, daß die Geſamtgemeinde=
vertretung
dem Geſetz zuwider nicht aus direkten
Wahlen hervorgeht. Sie ſtellen den Antrag, den
Ausſchußantrag mit der Beſchränkung anzunehmen.
daß die Satzung dahin abgeändert wird, daß die Wahlen
zur Geſamtgemeindevertretung durch direkte Wahl der
Gemeinden erfolgen. Zu den Anträgen ſprechen zum Teil
wiederholt die Synodalen Dr. Bachfeld, D. Eger,
D. Dr. Diehl, Oberkonſiſtorialpräſident D. Nebel,
Oberkonſiſtorialrat Bernbeck und die Synodalen Wal=
ter
, Wahl=Schlitz und D. Schloſſer. Es wird
ſodann zur Abſtimmung über die Anträge geſcheitten.
Der Antrag der Kommiſſion mit dem Antrag Wagner=
Eger wird mit großer Mehrheit angenom=
men
. Der Antrag Schloſſer wied nach einer kurzen
Beſprechung, an der ſich die Syn. Schloſſer, Wahl=
Schlitz und Präſident D. Nebel beteiligen, vom
Antragſteller zurückgezogen.
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