Darmstädter Tagblatt 1913


21. Februar 1913

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176. Jahrgang
2
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Reichstag lehnte die von dem Abg. Baſſermann
beantragte Gewährung von Oſtmarkenzulagen
mit 213 gegen 142 Stimmen ab.

Die württembergiſche Regierung hat dem
Landtag den Entwurf eines Kinematographen=
geſetzes
vorgelegt.
*
Der bekannte frühere franzöſiſche Miniſter des Aeußern
Delcaſſé wurde zum franzöſiſchen Bot=
ſchafter
in Petersburg ernannt.

Das engliſche Oberhaus vertagte ſich bis
zum 6. März.
*
Spaniſche Truppen haben unter dem Kommando
des ſpaniſchen Gouverneurs von Marokko, Generals
Alfau, Tetuan beſetzt.
*
Der frühere Präſident von Mexiko, Madero, wurde
verbannt, ſein Bruder wurde erſchoſſen.

Im Zentralbezirk in Tokio iſt am Mittwoch früh
Feuer ausgebrochen. Tauſende von Häuſern
ſind niedergebrannt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Die Beratung des Jeſuiten=
antrages
im Reichstage

ſeat keinerlei Ueberraſchungen gezeitigt, und die An=
nrahme
des Antrages war ja auch als ſicher vorauszu=
ſiehen
, da Zentrum und Sozialdemokraten
kunn jetzigen Reichstage die Mehrheit haben und außer=
dem
natürlich auch die Polen für den Antrag ſtimmten.
Man glaubte erſt, daß der Zentrumsredner ſich in be=
iſoonders
ſcharfer Tonart gegen die Regierung wenden
und hinſichtlich des künftigen Verhaltens ſeiner Partei
chwas verraten würde, aberHerr Spahn beſchränkte ſich
in der Hauptſache darauf, den Jeſuiten ein Loblied zu
ſingen. Die Drohungen, wie ſie Herr Spahn am 4. De=
zember
v. J. nach der Auslegung des § 1 des Jeſuiten=
geſetzes
durch den Bundesrat namens der Zentrumspar=
tei
gegen den Reichskanzler ausſtieß, unterblieben dies=
mal
. Der Redner wußte wohl, daß ſie die Haltung der
Reichsregierung nicht beeinfluſſen würden, und wenn
nicht alles täuſcht, ſo vollzieht ſich innerhalb des Zen=
trums
überhaupt wieder eine Schwenkung in bezug auf
tie Stellung zur Regierung. Man fürchtet anſcheinend,
mit den kleinen Nadelſtichen zu weit gegangen zu ſein
rdder doch nichts damit zu erreichen, und iſt nun beſorgt,
deen Einfluß zu verlieren. Daß es bei der Oppoſition
gegen die Regierung Arm in Arm mit den Sozialdemo=
kraten
gehen muß, wie z. B. bei der Poleninterpellation
umd in der Frage der Oſtmarkenzulagen, dürfte dem Zen=
trum
doch etwas unheimlich ſein, und ſo hat es denn
ſchon in der Frage der Tafelgelder der Marineoffiziere
einen Rückzug angetreten, ſowie der Forderung für ein
neeues Kaiſerſchiff nicht widerſprochen. Auch die Rede
des elſaß=lothringiſchen Zentrumsführers auf dem par=
lrmentariſchen
Diner beim Statthalter Grafen Wedel
kann als Beweis dafür dienen, wie das Zentrum nach
den heftigſten Kämpfen gegen die Regierung mit dieſer
Frieden machen möchte.
Um nun wieder auf die Beratung des Jeſuiten=
arttrages
zurückzukommen, ſo ſtand die Stellung der
Parteien von vornherein feſt. Stolz konnte das Zen=
tnum
auf die Art der Unterſtützung durch die Sozialdemo=
kraaten
nicht ſein, denn die Rede, die deren Vertreter hielt,
war ein einziges Sündenregiſter des Zentrums, was
freeilich nicht hindern konnte, daß die Genoſſen einmütig
für den Antrag auf Aufhebung des Jeſuitengeſetzes ein=
ſtraten
und, ebenſo wie das Zentrum, den fortſchrittlichen
Zutſatzantrag zum § 2 des Geſetzes, wonach die landes=
racchtlichen
Vorſchriften über den Orden der Geſellſchaft
Jeſu unberührt bleiben ſollen, verwarfen.
Die Annahme des Zentrumsantrages wird auch fer=
ner
ohne jede Wirkung ſein, da der Bundesrat ſeine Zu=
ſtimmung
nicht geben wird.

Eine politiſche Rede
des Reichskanzlers auf dem
Deutſchen Handelstage.

* Bei dem Feſtmahl des Deutſchen Han=
delstages
im Berliner Zoologiſchen Garten brachte
Präſident Dr. Kaempf das Hoch auf den Kaiſer, die
deutſchen Bundesfürſten und die Freien Städte aus. Auf
die Begrüßung der Ehrengäſte durch den Vizepräſidenten,
Geheimen Kommerzienrat Vogel=Chemnitz, erwiderte
Reichskanzler v. Bethmann Hollweg mit folgen=
der
Rede:
Ihrer liebenswürdigen Einladung bin ich mit auf=
richtiger
Freude gefolgt. Ihren amtlichen Arbeiten, die
heute begonnen haben, beizuwohnen, iſt mir leider nicht
möglich, aber es iſt mir ein Bedürfnis, Ihnen zugleich
mit dem Dank der Gäſte auszuſprechen, mit welcher Teil=
nahme
ich Ihren Beratungen folge! Karl Lamprecht, der
Geſchichtsſchreiber, ſtellte wiederholt die Politiſie=
rung
des deeutſchen Volkes als die Forderung
der Gegenwart hin. Nun, wer das Glück hat, in dieſen
Berliner Wintermonaten aus Neigung oder Beruf nähere
Beziehungen zum Reichstag, Landtag, dem Deutſchen
Landwirtſchaftsrat oder dem Deutſchen Handelstag zu
unterhalten, wird geneigt ſein, dieſe Forderung als er=
füllt
anzuſehen, zumal wenn er neben ſeiner ſonſtigen
Beſchäftigung als Menſch und Staatsbürger noch ein
Verhältnis zum Hanſabund oder dem Bund der Land=
wirte
hat. Ein hervorragender liberaler Politiker hat
ſogar letzthin den vielleicht etwas ketzeriſchen Ausſpruch
getan, daß es an der Zeit ſei, daß Deutſchland ſich etwas
entpolitiſiere, vielleicht im Hinblick darauf, daß
man heutzutage ſo leicht die Politik mit dem Krieg aller
gegen alle verwechſelt. Da betrachte ich es als ein wirk=
liches
Glück, daß wir im Deutſchen Handelstag und im
Deutſchen Landwirtſchaftsrat ich nenne in dieſem
Augenblick nur dieſe beiden, weil ſie in dieſen Tagen be=
ſonders
hervorgetreten ſind , daß wir in dieſen Kör=
perſchaften
berufsſtändiſche Vertretungen haben, die kein
politiſches Agitationsbedürfnis kennen, ſondern Politik
treiben, indem ſie praktiſch für das Wohl der von ihnen
vertretenen Berufszweige arbeiten.
So haben ſie ſich ihren Platz neben den Parlamenten
erobert und behauptet und können gewiß ſein, daß wir
ihrer Arbeit vollſte Aufmerkſamkeit ſchenken. So dienen
ſie dem, allgemeinen und dem beſonderen, ſie haben die
Anwaltſchaft übernommen für die Sonderintereſſen
der von ihnen vertretenen Berufszweige, aber in;
dem ſie ſich über das ganze Deutſche Reich erſtrecken,
weiſen ſie die partikulare Engherzigkeit von
ſich und blicken weit hinaus über den Kirchturmshorizont.
Wir alle wiſſen, welche verhängnisvolle Bedeutung gerade
im wirtſchaftlichen Leben eine Weichbildspolitik
haben kann, nicht nur aus dem mittelalterlichen Zollkampf
von Stadt zu Stadt, ſondern bis weit hinein in das 19.
Jahrhundert und bis in die erſten Jahrzehnte des Deut=
ſchen
Zollvereins. Vor zwei Jahren in Heidelberg
konnte der Deutſche Handelstag mit Stolz darauf hin=
weiſen
, daß ſeine Gründung zum erſtenmal den deutſchen
Einheitsgedanken in den großen Berufen der wirtſchaft=
lichen
Arbeit verwirklichte. Im Rückblick auf die Zeit
vor, hundert Jahren hat Ihr verehrter Herr Präſident
und ihm folgend Herr Geheimrat Vogel mit warmen
Worten Zeugnis dafür abgelegt. daß Opfermut und Hin=
gabe
an das Vaterland heute die gleichen ſein ſollen, wie
damals. Als unſere Väter in den Freiheitskampf zogen.
da glichen im preußiſchen Staat Handel und Induſtrie
einer Treibhauspflanze, die künſtlich geſtützt und gehalten
werden mußte Waren doch die Hauptzentren des Ge=
werbefleißes
, die größeren Städte, für ihre Einwohner=
ſchaft
ſogar von der Waffenpflicht und der Kantonpflicht
befreit. Heute breiten der deutſche Handel und die
deutſche Induſtrie als mächtiger Baum ihre
Zweige weit hinaus.
Der deutſche Kaufmann. mag er in Erfüllung ſeiner
Wehrpflicht Degen und Flinte tragen, oder mag er in
Kontor. Werft oder Fabrik kalkulieren und disponieren,
immer ſteht er im Dienſt des Vaterlandes. Seine Arbeit
in und mit dem Auslande feſtigt nicht nur die eigene
Größe Deutſchlands, ſondern fördert zugleich das gegen=
ſeitige
Verſtändnis und die gegenſeitige Achtung der
Völker, überbrückt die Gegenſätze, ſchafft gemeinſame
Intereſſen und damit zugleich die Bürgſchaft für den
Weltfrieden. So dürfen wir hoffen, daß neben unſerer
ſtarken Wehr dieſe völkerverbindende Arbeit des deutſchen
Kaufmanns uns helfen wird, den Frieden, für den wir
unſererſeits immer eingetreten ſind, auch fernerhin zu er=
halten
. Freilich, deſſen müſſen wir uns bewußt bleiben:
Gute und ſchlechte Jahre, ruhige und unruhige Zeiten
wechſeln notwendia mit einander ab. Deshalb ſind ge=
rade
in kaufmänniſchen Betrieben Erfolge nicht dem un=
bedachten
Drauflosſtürmen, ſondern dem umſichtigen
Vorwärtsſchreiten, dem Feſthalten an den alten Vorzügen
deutſcher Art und Arbeit, an der Treue ich möchte ſa=
gen
, an ſoldatſcher Treue im großen und kleinen, an
der Gründlichkeit und Zuverläſigkeit in der Vorbereitung
und Ausführung, an dem Zuſammenwirken von Wiſſen=
ſchaft
und Praris beſchieden. Möge in ſolcher An der
deutſche Handel und die deutſche Induſtrie unter Führung
des Deutſchen Handelstages fortſchreiten von Erfolg zu
Erfolg, miterhaltend die beſte Friedensbürgſchaft und mit=
bauend
an der Größe und Stärke unſeres Vaterlandes.

Der Reichskanzler ſchloß mit einem Hoch auf Deutſchlands
Handel, Deutſchlands Induſtrie und Deutſchlands Schiff=
fahrt
.

Die Invalidenverſicherung 1911.

Im Bereiche der 31 Verſicherungsanſtal=
ten
wurden rund 734 Millionen Wochenmarken mit
einem Erlöſe von 192560610 Mark verwendet. Bei den
Kaſſeneinrichtungen betrug die Beitragseinnahme
17245 013 Mark. Die geſamte Beitragseinnahme ſtellte
ſich auf 209 305 623 Mark. Von Arbeitgebern, die während
des Berichtsjahres polniſche Arbeiter ruſſiſcher oder öſter=
reichiſcher
Staatsangehörigkeit beſchäftigten, wurden
748 708 Mark für nahezu 8,2 Millionen Wochenbeiträge
entrichtet. Bei der Abrechnung für das Jahr 1911 wur=
den
141532 Renten als im Jahre 1911 zugegangen
behandelt, und zwar 118158 Inpalidenrenten, 11789
Krankenrenten und 11585 Altersrenten. An reichsgeſetz=
lichen
Entſchädigungen Renten und Beitragserſtattun=
gen
wurden im ganzen 179 220174 Mark gezahlt; da=
von
entſielen auf das Reich 53 283 120 Mart. auf die
41 Verſicherungsträger 125937053. Mark, nämlich
115 690 801 Mark auf Renten und 10 246 252 Mark auf
Beitragserſtattungen.
Fün das Heilverfahren wurden insgeſamt
22075 317 Mark aufgewendet. In dieſer Summe ſind die
von Krankenkaſſen von Trägern der Unfallverſicherung
und von anderer Seite gezahlten Koſtenzuſchüfe im Ge=
ſamtbetrage
von 6 290650 Mark nicht enthalten. Die
Koſten der Invalidenhauspflege beliefen ſich auf 1 426 867
Mark Dieſer Betrag ermäßigte ſich durch Einbehaltung
von Renten der Pfleglinge um 420 682 Mark; durch Zu=
ſchüſſe
von anderer Seite wurden 86 355 Mark erſetzt. Den
Verſicherungsträgern erwuchs daher aus der Anwendung
des § 25 des Invalidenverſicherungsgeſetzes eine Rein=
ausgabe
von 910828 Mark.
Die Geſamtausgabe an Verwaltungs=
koſten
ſtellte ſich auf 21854 418 Mark. das ſind 104 M.
von 1000 Mark der Einnahme aus Beiträgen und 126 Mark
von 1000 Mark der geſamten Ausgaben. Von 1000 Mark=
der
überhaupt als Verwaltungskoſten aufzufaſſenden
Ausgaben entfielen auf die allgemeine Verwaltung 603
Mark. auf die Koſten für die Einziehung der Beiträge
132 Mark. auf die Koſten der Kontrolle 98 Mark und auf
die übrigen Koſten 167. Mark. Die Einnahmen
ſämtlicher Verſicherungsträger im Berichtsjahre betrugen
270 154727 Mark. ihre Ausgaben 172951 393 Mark, der
Vermögenszuwachs mithin 97 203334 Mark. Das Ver=
mögen
der Verſicherungsanſtalten und der für, die
reichsgeſetzliche Verſicherung beſtimmte Teil des Ver=
mögens
der Kaſſeneinrichtungen war am Schluſſe des
Jahres 1911 auf 1759362074 Mark angewachſen. Dazu
kommt noch der Buchwert der Inventarien mit 6 646 247
Mark. Von 100 Mark Vermögen waren wie im Vor=
jahre
17 Mark im Kaſſenbeſtande vorhanden: 845 Mark
waren in Wertpapieren, 587 Mark in Darlehen und 51 M.
in Grundſtücken angelegt. Die durchſchnittliche rechnungs=
mäßige
Verzinſung des am Schluſſe des Geſchäftsjahrs
1911 in Wertpapieren und Darlehen vorhanden geweſenen
Vermögens betrug 3,59 v. H. des Ankaufspreiſes.

Deutſches Reich.

-
Neuverteilung der Zollentſchädi=
gungen
an die Bundesſtaaten. Wie Berliner
Blätter melden, wird eine Neuverteilung der Zollent=
ſchädigungen
an die einzelnen Bundesſtaaten vorbereitet,
der ein von der zuſtändigen Behörde aufgeſtellter Ent=
wurf
zugrunde liegt. Der Entwurf, über den zurzeit mit
den Bundesregierungen verhandelt wird, hat eine Ab=
änderung
der Verfaſſung zur Vorausſetzung, da dieſe
teilweiſe die Höhe der Entſchädigung feſtſetzt.
Eine ungültige Wahl. Die Wahlprüfungs=
kommiſſion
des Reichstages beſchloß, wie gemeldet, ein=
ſtimmig
, die Wahl des Abg. v. Oertzen (Rpt.), Potsdam 9
(Jüterbog=Luckenwalde=Zauch=Belzig), für ungültig zu
erklären. Das Plenum wird ſich dieſem Beſchluß an=
ſchließen
. Bei der Hauptwahl hatten in dem Wahlkreiſe
von 39301 Wahlberechtigten 33703 gewählt, davon
13367 den Sozialdemokraten, 11044 den Reichsparteiler,
9226 den Freiſinnigen und 56 den Zentrumskandidaten.
Die Stichwahl iſt bezeichnend für die letzten Reichstags=
wahlen
. Obwohl 20000 bürgerliche Stimmen den 13000
ſozialdemgkratiſchen gegenüberſtanden, wurden bei der
Stichwahl für den Reichsparteiler v. Oertzen 16942, für
den Sozialdemokraten 16652 Stimmen abgegeben.

Kinematographengeſetz in Würt=
temberg
. Die württembergiſche Regierung hat dem
Landtage, zunächſt der Erſten Kammer, ein Kinemato=
graphengeſetz
vorgelegt. Der Entwurf führt eine ſtaat=
liche
Prüfungsſtelle für Films ein und ſchreibt vor, daß
zu öffentlichen Lichtſpielvorſtellungen nur ſolche Films
verwendet werden dürfen, die von dieſer mit der landes=
polizeilichen
Zentralſtelle verbundenen Prüfungsſtelle ge=
prüft
und zugelaſſen ſind, oder die ſchon von ähnlichen
auswärtigen Polizeibehörden zugelaſſen worden ſind.
Die Unternehmer haben alle zu öffentlichen Vorführun=

[ ][  ][ ]

gen deſimmten Flns der Oricpolzeibehörde rechtzeilige
anzuzeigen. Jugendliche Perſonen dürfen in Begleitung
nur zu ſolchen Vorſtellungen zugelaſſen werden, in denen
ausſchließlich Bilder vorgeführt werden, die von der
Landesſtelle als für Jugendvorſtellungen geeignet er=
klärt
worden ſind. Solche Jugendvorſtellungen dürfen
nicht länger als bis 8 Uhr abends dauern. Zu anderen
Vorſtellungen dürfen jugendliche Perſonen nur in Be=
gleitung
aufſichtsberechtigter Perſonen und nicht länger
als bis 8 Uhr abends zugelaſſen werden. Zur Deckung
des dem Staate und den Gemeinden durch die Prüfung
der Films entſtehenden Aufwandes werden Gebühren
von den Unternehmern erhoben. Zuwiderhandlungen
gegen die Beſtimmungen des Geſetzes werden mit Geld=
ſtrafen
bis zu 150 Mark und mit Haft beſtraft.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.

Die Regelung der Sprachenfrage in
Böhmen. Unter dem Vorſitz des öſterreichiſchen Mi=
niſters
des Innern und in Anweſenheit des Miniſter=
präſidenten
und des Statthalters von Böhmen fand in
Wien eine Beſprechung über die Regelung des Sprachen=
gebrauchs
in den ſtaatlichen Behörden in Böhmen ſtatt,
zu welcher Vertreter des verfaſſungstreuen Großgrundbe=
ſitzes
und der Vereinigung der deutſch=böhmiſchen Reichs=
ratsabgeordneten
erſchienen waren. Von der Regierung
wurden im allgemeinen die Geſichtspunkte zur Sprache
gebracht, auf die im ſtaatlichen Intereſſe bei der geſetz=
lichen
Regelung eines Gegenſtandes Rückſicht zu nehmen
wäre. Daran knüpfte ſich eine informative Diskuſſion.

Frankreich.

Der frühere
Die Heeresverſtärkung.
Kriegsminiſter Millerand erklärte einem Berichterſtatter
u. a., er billige die von der Regierung geplanten mili=
täriſchen
Maßnahmen um ſo mehr, als er die Kredite
für die in Rede ſtehenden materiellen Verbeſſerungen
ſelbſt verlangt und deren Verwendung im Einvernehmen
mit dem Generalſtab geregelt habe. Wenn die Zeitungs=
nachrichten
über die von der deutſchen Regierung be=
ſchloſſenen
Maßnahmen richtig ſeien, dann müßten die
Franzoſen handeln, ohne ihre Kaltblütigkeit, aber auch
ohne Zeit zu verlieren. Er zweifle nicht einen Augenblick
daran, daß das Parlament ſeine Pflicht erfüllen werde,
wie es dies ſtets in kritiſchen Zeiten getan habe. Die
geeinigten Sozialiſten ſchienen zwar entſchloſſen, die be=
abſichtigte
Heeresverſtärkung nachdrücklich zu bekämpfen,
aber ſie entbehrten ſtichhaltiger Argumente. Sie werden
auch nicht ſagen können, daß ſie die deutſchen Sozial=
demokraten
nachahmen; denn wenn ſie deren Beiſpiel
wirklich befolgen würden, dann würden ſie ſtillſchweigend
beobachten.

England.

Die Lage in Perſien. Im Oberhauſe fand
eine Beſprechung über die Lage in Perſien ſtatt. Der
Lordpräſident des Geheimen Rats Morley wiederholte
die Feſtſtellungen Greys und des Unterſtaatsſekretärs
Aclands, betreffend den bereits erwähnten Vorſchlag
eines engliſch=ruſſiſchen Vorſchuſſes an Perſien, der die
Höhe von 400000 Pfund Sterling haben ſoll. Ferner
würde Großbritannien allein einen Betrag von 100000
Pfund für beſondere Ausgaben der perſiſchen Regierung
beitragen. Für die Sicherſtellung dieſes Vorſchuſſes
würde in einer großen Anleihe von 4, 5 oder 6 Millionen
Pfund geſorgt werden. Dieſe Anleihe müſſe in Verbin=
dung
mit den Verhandlungen über die Finanzoperationen
behandelt werden, die jetzt zwiſchen der perſiſchen Regie=
rung
und der Studiengeſellſchaft im Gange ſeien, und die
hoffentlich zu einem erfolgreichen Abſchluß führen würden.
Nach dieſen Erklärungen Morleys vertagte ſich das Ober=
haus
bis zum 6. März.

Spanien.

Spaniſche Reſidentſchaft in Tetuan.
Wie gemeldet wird, hat die Regierung beſchloſſen, Te=
tuan
, das, nach einer Mitteilung des Miniſterpräſidenten,
ohne jeden Zwiſchenfall von dem General Alfau mit etwa
tauſend Mann beſetzt wurde, zum Sitz des Generalreſi=
denten
von Spaniſch=Marokko zu beſtimmen. Die Reſi=
dentſchaft
wird nach dem Muſter der franzöſiſchen Reſi=
dentſchaft
in Tunis geſtaltet werden. Der zum General=
reſidenten
auserſehene Befehlshaber der Beſatzung von
Ceuta, General Aldave, verbleibt daſelbſt bis auf weite=
res
und wird erſt ſpäter ſeinen Sitz in Tetuan nehmen.

Vereinigte Staaten.

Das Repräſentantenhaus lehnte auf
Tafts Veto hin die Bill ab, durch die Analphabeten von
der Einwanderung in die Vereinigten Staaten ausge=
ſchloſſen
werden ſollen.

Indien.

Der Balkankrieg und die mohamme=
daniſche
Bevölkerung. Aus Kalkutta wird ge=
meldet
: Die Gärung, die der Balkankrieg unter der mo=
hammedaniſchen
Bevölkerung verurſacht hat, dauert un=
vermindert
fort und die anglo=indiſche Preſſe weiſt auf
die Leidenſchaft der Reden hin, die hier gehalten werden
und auf die Tendenz, einen Boykott zu veranſtalten. Ein
gemäßigteres Bengalenblatt ſagt, die Lage fange an neralſtabe der Armee zum Militär=Attaché bei der Ge=
ernſt
zu werden, da die Hindus extremſter Richtung ſich
die Erregung der Mohammedaner zunutze machten, und
ermahnt die Regierung, die Verſammlungen zu verbieten,
in denen der Krieg erörtert werde. Andernfalls, ſagt das
Blatt, werde die Bewegung dieſelbe Entwickelung, wie
die Bewegung der Hindus nehmen. Ein kürzlicher Ver=
ſuch
Aga Khans, die Stimmung zu beruhigen, hat nur zu
einer Vermehrung der Volksverſammlungen geführt, in
denen der Aga Khan als ein ſchlechter Mohammedaner
gebrandmarkt wurde.

Japan.

Das neue Kabinett. Admiral Yamamoto er=
zielte
mit der Segukwai=Partei eine Verſtändigung, der
zufolge alle Miniſter mit Ausnahme des Miniſterpräſi=
denten
, des Miniſters des Aeußern, des Kriegsminiſters
und Marineminiſters den Segukwai angehören oder ſich
den Segukwais anſchließen müſſen. Das Kabinett wurde
folgendermaßen zuſammengeſetzt: Premierminiſter Ad=
miral
Yamamoto, Auswärtiges Baron Makino, Krieg
Generalleutnant Kikoſhi, Marine Vizeadmiral Baron
Saito, Finanzen Baron Korekiyo Tokahaſhi, Handel
Tatſuo Yamamoto, Juſtiz Matſuda, Inneres Vicomte
Kei Hara, Unterricht Motoda, Verkehr Okuda.
Abſchaffung der exterritorialen Ge=
richtsbarkeit
. Eine Verſammlung von Vertretern
der japaniſchen Behörden und fremden Konſuln in Soeul
beriet über die Abſchaffung der exterritorialen Gerichts=
barkeit
. Anweſend waren die Vertreter Deutſchlands,
Englands, Italiens, Rußlands, Belgiens, Frankreichs
und der Vereinigten Staaten von Amerika.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 21. Februar.

* Vom Hofe. Am Mittwoch reiſten der Fürſt zu
Solms=Lich, Prinz und Prinzeſſin Hermann zu Stol=
berg
=Wernigerode mit der Gräfin Jutta zu Stolberg=
Wernigerode, ſowie die Gräfin Kuno zu Stolberg=
Roßla vom Neuen Palais ab. (Darmſt. Ztg.)
Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzoa haben nachſtehenden Perſonen die
Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihnen
verliehenen Auszeichnungen erteilt: der von Sr. Königl.
Hoheit dem Großherzog von Sachſen=Weimar verliehenen
Goldenen Verdienſtmedaille dem Leibfahrer Georg
Laun, der Silbernen Verdienſtmedaille dem Hofkutſcher
Adam Amelung; des von Sr. Hoheit dem Herzog=
Regenten von Braunſchweig verliehenen Ehrenzeichens

1. Klaſſe den Hoftulſchern Andregs Effler undt
Peter Götz.
* Erledigte Stellen. Eine Oberlehrerſtelle an der
höheren Mädchenſchule und dem Lehrerinnenſeminar zus
Mainz. Oberlehrer oder Lehramtsaſſeſſoren mit Lehr=
befähigung
in Deutſch, Geſchichte und wenn möglich
Engliſch wollen ihre Meldung bis zum 28. Februar an
Die
die Abteilung für Schulangelegenheiten richten.
Stelle eines Reallehrers an der höheren Mädchenſchule
zu Offenbach vom 1. April d. Js. an. Meldungen
hierzu ſind bis zum 28. Ifd. Mts. einzureichen. D=
mit
einem evangeliſchen Lehrer zu beſetzende zweite
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Grüningen,
Kreis Gießen.
Militärdienſtnachrichten. Zum Generalleutnant
befördert: Hahn, Gen.=Major und Gen.=Adjutant Sra
Königl. Hoheit des Großherzogs von Heſſen und bei
Rhein. Mit der geſetzlichen Penſion zur Dispoſition ge=
ſtellt
und zur Dienſtleiſtung mit der Maßgabe komman=
diert
, daß das Kommando einer Verſetzung gleich iſte
v. Breitenbach, Major und Bataillons=Kommandeu
im Inf.=Regt. Herzog Karl von Mecklenburg=Strelitz
(6. Oſtpreußiſches) Nr. 43, als Bezirksoffizier beim Land=
wehr
=Bezirk Mainz. Als Bataillons=Kommandeur ver=
ſetzt
: Frhr. v. Lehmann, Major beim Stabe des Leib=
garde
=Inf.=Regts. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, in das 2
Lothring. Inf.=Regt. Nr. 131. Verſetzt: Frhr. Schäffer
v. Bernſtein, Major im Generalſtabe der Armee, unten
Enthebung von der Stellung als Militär=Attaché bei der
Geſandſchaft in München, in den Generalſtab des7
Armeekorps. v. Lewinski, Major im Generalſtabe
der Großh. Heſſ. (25.) Diviſion, unter Belaſſung im Ge=
ſandſchaft
in München ernannt. Ueberwieſen: der Königl
Württemb. Hauptmann Mayer, Oberquartiermeiſter=
Adjutant, dem Generalſtabe des 18. Armeekorps. In den
Generalſtab der Armee verſetzt: Keim, Hauptmann und
Komp.=Chef im 3. Ober=Elſäſſ. Inf.=Regt. Nr. 172, unter
Ueberweiſung zum Generalſtabe der Großh. Heſſ. (25.)
Diviſion. Hamſcher, Major, aggreg. dem Inf.=Leib=
Regt. Großherzogin (3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, zum Stabel
dieſes Regiments übergetreten. In Genehmigung ſeines
Abſchiedsgeſuchs mit der geſetzlichen Penſion zur Dispoſi=
tion
geſtellt und zur Dienſtleiſtung als Bezirksoffizier
mit der Maßgabe kommandiert, daß das Kommando einer
Verſetzung gleich iſt: Albrecht, Hauptmann und Komp
Chef im 6. Rhein. Inf.=Regt. Nr. 68, unter Verleihung
des Charakters als Major, zum Landwehrbezirk II
Darmſtadt. Er trägt die Uniform dieſes Bezirkskomman
dos. Unter Beförderung zum Hauptmann und Ueber=
weiſung
zum Stabe des betr. Truppenteiles verſetztt
v. Selaſinsky, Oberlt. im Inf.=Leib=Regt. Großher=
zogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, in das 7. Lothring. Inf.
Regt. Nr. 158. Zum überzähligen Hauptmann befördert:
Küntzel, Oberlt. im 1. Ober=Elſäſſ. Inf.=Regt. Nr. 167a
kommandiert zur Dienſtleiſtung bei der Arbeiterableilung
in Mainz. Zu Oberlts. befördert die Lts.: Heymann
im Inf.=Regt. Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116,
Hertmann gen. Schulte im Inf.=Leibregiment Groß=
herzogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117. Mit dem 1. April
1913 verſetzt von der Unteroffizierſchule in Treptow a.Ra
Summa, Oberlt., in das 5. Großh. Heſſ. Inf.=Regt,
Nr. 168; zur Militärknaben=Erziehungsanſtalt in Annas
burg: Klopp Lt. im 5. Großh. Heſſ. Inf.=Regt. Nr. 168,
v. Wilms, Major beim Stabe des Huſaren=Regiments
Graf Goetzen (2. Schleſ.) Nr. 6 (früher Drag.=Regt.
23), unter Verſetzung zum Jäger=Regt. zu Pferde
mit der Führung dieſes Regiments beauftragt. Ritten
und Edler von Rogiſter, Major a. D., zuletzte
Eskadronchef im Garde=Drag.=Regt. (1. Großh. Heſſ.) Nr.
23, mit ſeinem Patent vom 18. Auguſt 1908 A in der Armee
beim Stabe des Jäger=Regts. zu Pferde Nr. 2 wieder
angeſtellt. Thon, Rittm. im Jäger=Regt. zu Pferde
Nr. 6, als Eskadronchef in das Garde=Drag.=Regt.(1
Großh. Heſſ.) Nr. 23 verſetzt. Zum Oberlt. beförder
v. Roéll, Lt. im Leib=Drag.=Regt. (2. Großh. Heſſ.)
24. Als Abteilungs=Kommandeur verſetzt: v. Hahn
Major beim Stabe des Großh. Art.=Korvs, 1. Großh. Heſſa
Feldart.=Regts. Nr. 25, in das Kurmärk. Feldart.=Regi
Nr. 39. v. Gilſa, Hauptmann beim Stabe des Altmärk
Feldart.=Regts. Nr. 40 (früher Großh. Art.=Korps), zum
Stabe des Feldart.=Regts. Prinz=Regent Luitpold von
Bayern (Magdeburg.) Nr. 4 verſetzt. v. Klipſtein,
Hauptm. im 1. Poſ. Feldart.=Regt. Nr. 20 (früher Großhl
Art.=Korps) von der Stellung als Batteriechef enthoben
und zum Stabe des Regiments übergetreten. Verſetztz
Güttich, Hauptmann und Batteriechef im Neumärk=
Feldart.=Regt. Nr. 54, mit Patent vom 30. Januar 1904
zum Stabe des Großh. Art.=Korps, 1. Großh. Heſſ. Felde

Einiges über C. A. Mangold und
ſeinen Frithjof‟.

Von W. de Haan.

Aus berufener Feder iſt neulich in dieſen Blättern ein
ſo treffliches Lebensbild C. A. Mangolds erſchienen,
daß es die bevorſtehende Zentenarfeier entſchuldigen
möge, wenn auch ich noch einmal den Blick auf den Darm=
ſtädter
Altmeiſter lenke. Hatte ich doch den Vorzug, ihn
durch eine Reihe von Jahren perſönlich zu kennen, mit
ihm zu verkehren und von ihm lernen zu dürfen.
Unſere erſte Bekanntſchaft datiert vom Jahre 1873.
Ich ſchaue wie in einen Spiegel, wenn ich bedenke, daß
Mangokd damals ſo alt war, wie ich jetzt bin. Er war
alſo, trotz ſeines jugendlichen Feuers, trotz der ungewöhn=
lich
geiſtigen und körperlichen Friſche, die ihn bis zu ſei=
nem
Tode (1889) auszeichneten, auf dem Standpunkte an=
gelangt
, von wo aus es leichter iſt, rückwärts zu ſchauen,
als den Blick in die Zukunft zu richten, während ich noch
in dem Alter war, wo alles gärt, das Neue nicht neu
genug ſein kann, und eine unglaubliche Luſt uns beſeelt,
tätig eu ſein, zu geſtalten und umzugeſtalten und die größ=
ten
Schwierigkeiten zu überwinden, wäre es auch auf
die Gefahr hin, mit dem Kopf wider die Wand zu rennen.
Daß Mangold in ſeiner Jugend dieſe Zeiten auch gekannt
hat, davon hat er mir oft genug erzählt, und als er von
ſeinen Lehr= und Wanderjahren als junger, herangereif=
ter
Künſtler aus Paris in ſeine Vaterſtadt zurückkehrte
und er am Muſikverein den alten braven Chordirektor
Hähnle vorfand, und ihm im Theater ſein älterer Bru=
der
, der hochverdiente Hofkapellmeiſter W. Mangold, man=
ches
nicht feurig genug nahm, mag er auch wohl große
Luſt verſpürt haben, mit all dem altmodiſchen Kram auf=
zuräumen
, und hat er gewiß die Gelegenheit herbeige=
ehnt
, ſich ſelbſt durchzuſetzen. Vieles hat ſich in dieſer
Beziehuna günſtig für ihn geſtaltet. und ſo war er bald
am Hoftheater, erſt als Solo=Repetitor, dann als Hof=
vokalmuſikdirektor
tätig, und von 1839 an ſtand er an
der Spitze des Muſikvereins, deſſen Wirkung unter ſeiner
Leitung von ſo weittragender Bedeutung für das muſi=
kaliſche
Leben unſerer Reſidenz geworden iſt.

Durch ſeine Verdienſte lernten die Darmſtädter in
ausgezeichneten Aufführungen Beethovens Neunte und
die Meſſe, Brachs Matthäus= und Johannes=
Paſſionen, das deutſche Requiem von
Brahms, deſſen Schickſalslied und andere Meiſter=
werke
kennen. Und was das deutſche Requiem betrifft,
ſo war Mangold unter den deutſchen Dirigenten einer der
erſten, der die wahre Bedeutung dieſes herrlichen Werkes
ſofort begriff und es demgemäß ſehr bald nach der Ur=
aufführung
in Bremen hier in Darmſtadt aufführte. Für
ſolche Werke ſetzte er denn auch ſeine ganze Perſönlichkeit
ein und die Begeiſterung, die aus ſeinem Auge leuchtete,
wenn er ſie oder ihre Schöpfer erwähnte, wußte er auf
ſeine Mitwirkenden ſo faſzinierend zu übertragen, daß
ſie, hingeriſſen, ſeinen Andeutungen, Winken und Be=
lehrungen
willig folgten. Aber nicht ſeine Begeiſterung
allein half ihm das Schwere vollbringen, ihm kam für
die praktiſche Kapellmeiſterkunſt ſein urwüchſiger Humor
zu ſtatten, wodurch, wenn das heilige Feuer allein nicht
ausreichen wollte, an paſſender Stelle ein gelungenes
Scherzwort die richtige Wirkung tat und die Luſt bei
Singenden und Spielenden, wenn ſchon ermüdet, wieder
anregte. Er traf überhaupt mit ſeinen Bemerkungen
ſehr oft den Nagel auf den Kopf, und nicht allein in den
Proben, ſondern auch im gemütlichen Geſpräch über Kunſt
und Künſtler konnte man dieſe Gabe an ihm beobachten.
Wie intereſſant war es, ihn von ſeinen Pariſer Erleb=
niſſen
erzählen zu hören, von den erſten Aufführungen
von Meyerbeers Hugenotten, die damals die ganze muſi=
kaliſche
Welt, auch Mangold, entzückten, von Cherubini,
Halévy. Berlioz, Chopin, von den Aufführungen der
Beethovenſchen Sinfonien im Conſervatoire. Auch über
eigene Komponiſten=Freuden und=Leiden wußte er vieles
mitzuteilen. So erzählte er mir von ſeiner Oper Gu=
drun
, deren Klavierauszug er auf eigene Koſten verviel=
fältigen
ließ und an die verſchiedenen Theater zur An=
ſicht
einſandte. Natürlich ſo ſagte er hörte ich nie
etwas über dieſe Oper und die Klavierauszüge ſchienen
in den Theaterarchiven begraben. Aber ſo fügte er
hinzu das war noch nicht ſchlimm. Auf meine Anfrage
fingen einige Intendanzen und Direktionen an, die Kla=
vierauszüge
zurückzuſchicken, und nun begann erſt recht
das Elend, denn für jedes Poſtvaket mußte ich nach da=

maligem Gebrauche einen Taler Porto bezahlen,
daß ich den Himmel bat, die Theater möchten dochnü
die Klavierauszüge behalten und nicht mehr auf den Ge=
danken
kommen, ſie zurückzuſchicken. In den Tagen, alsl
dieſes vorkam, mag ihn die Angelegenheit wohl ſchmer
lich berührt haben, als er ſie mir aber erzählte, ſahel
das Geſchehene von der humoriſtiſchen Seite an. Irgend
etwas im Bilde zu erläutern, oder mit etwas anderem
zu vergleichen, machte ihm ſtets viel Vergnügen, und die
Proben lieferten oft Gelegenheit dazu. So ſagte er einſt
bei einer Orcheſterprobe zu Bruchs Glocke, wo der wildel
Revolutionsmarſch in Freiheit und Gleichheit nach und
nach abflaut und noch einmal gegen das Ende in einer
Reminiſzenz an das Hauptthema aufleuchtet: Das klingt
gerade ſo. als ob ein übriggebliebener Proletarier einſam
nach Hauſe humpelt. Ein anderes Bonmot, das man
von ihm erzählt, hat mir ſtets ſehr gefallen. Im Muſik=
verein
ſang ein emeritierter engliſcher Pfarrer mit, der
Mangold bat, ihm ja im Konzert doch einen Platz
anweiſen zu wollen ganz in der Nähe der Poſaunen,d
er ſich ſo ſehr für dieſes Inſtrument intereſſiere. Man
gold, dem die Bitte doch etwas kurios vorkommen mochte
ſah ſeinen Pfarrer groß an, ſchwieg einen Augenblick, und
ſagte dann, freundlich lachend: Ah, ich verſtehe, Sie wol=
len
gewiß beim jüngſten Gericht die Poſaune mitblaſen
Unter den noch zu ſeiner Zeit lebenden Meiſtern haben
Mendelsſohn und Schumann wohl den größten Einfluß
auf ihn ausgeübt. Er hat ſie ſowohl perſönlich gekann
als auch in ihren Werken aufs innigſte verehrt, währen
eine Erſcheinung wie Richard Wagner ihm ferne bliehn
Dennoch äußerte er mir gegenüber nach einer Aufführung
der Abendmahlſzene aus Parſifal, die er im Muſikverein
dirigiert hatte, daß es doch um dieſe Muſik mit ihren ge=
waltigen
Steigerungen eine eigene Sache ſei, und daß6
ihm große Freude gemacht hätte, ſie auch einmal dirigiert
zu haben.
Unter ſeinen eigenen Werken, die eine ſtattliche Opus=
zahl
auf allen Gebieten der Muſik repräſentieren, nimmt
ſein Frithiof eine erſte Stelle ein. Er hatte dieſes dra=
matiſche
Gericht für Soli. Chor und Orcheſter 185
angefangen und 1857 vollendet. Wie ernſt er es mit
dieſem Werk nahm, wie er die gründlichſten Studien
trieb, um in den Geiſt der nordiſchen Poeſie einzudringen

[ ][  ][ ]

Peinz Karl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118, in das Telegraphen=
Bart. Nr. 4: Meſſow Rittm. und Komp.=Chef im
Großh. Heſſ. Train=Bat. Nr. 18, zum Stabe des Branden=
durg
. Train=Bats. Nr. 3; Wronsky, Oberlt. im Bran=
mburg
. Train=Bat. Nr. 3, unter Beförderung zum Ritt=
neiſter
, vorläufig ohne Patent, als Komp.=Chef in das
Broßh. Heſſ. Train=Bat. Nr. 18. Zum Leutn. mit Patent
inn 22. Februar 1911 befördert: Fink, Fähnrich im
Goßh. Heſſ. Train=Bat. Nr. 18. In Genehmigung ſeines
ſüoſchiedsgeſuches mit der geſetzlichen Penſion zur Disp.
heſtellt: v. Hahn, Generalmajor, Kommandeur der 11.
Idart.=Brigade. Zum Regimentsarzt ernannt unter
förderung zum Oberſtabsarzt: Dr. Boßler Stabs
nnd Bats. Arzt des zweiten Bats. Königin Auguſta Garde=
pen
.=Regts. Nr. 4 bei dem dritten Garde=Regt. zu Fuß,
yrläufig ohne Patent. Zum Oberarzt befördert: Dr.
zoltz, Aſſiſtenzarzt der Reſ. (Darmſtadt).
g. Strafkammer. Wegen Untreue und Be=
ſrugs
bezw. Beihilfe dazu waren geſtern vor
hieſigen Strafkammer angeklagt der 45jährige Kauf=
ann
Karl Ernſt aus Düſſeldorf und der 37jährige
Bachhalter Wilhelm M. aus Ladenburg. Beide Ange=
ügten
ſind noch unbeſtraft. Der Angeklagte Ernſt war
eit 1908 Geſchäftsführer einer 1905 in Ladenburg gegrün=
even
und 1908 nach Bickenbach übergeſiedelten Firma,
ſoahrend M. die Buchführung ſeit der Gründung der
rma verſah. E. hatte ein Monatsgehalt von 250 Mark,
wie 1 Prozent Umſatzproviſion. Trotzdem kam der An=
clagte
hiermit nicht aus, da ihm aus einer früheren
orderung die Hälfte ſeines Gehaltes gepfändet war. Es
iad ihm nun von der Anklage zur Laſt gelegt, daß er
en Angeklagten M. dazu veranlaßte, ihm regelmäßig
Vorſchüſſe zu geben, ohne daß die Inhaberin von dieſen
vorſchüſſen Kenntnis hatte. Auf dieſe Weiſe ſoll ein
ſchlbetrag von 2460,25 Mark bis zu dem am 8. März 1910
rſolgten Uebergang der Fabrik an die neue Firma ent=
lartden
ſein. Der Angeklagte Ernſt übernahm an dieſem
ſage mit einem weiteren Teilhaber die Fabrik und ſoll
an in der folgenden Zeit als Teilhaber noch 5400 Marl
hrte Wiſſen des zweiten Teilhabers unberechtigt aus
em Geſchäft gezogen haben. Bezüglich des erſten Teils
ſer Anklage beſtreitet Ernſt, daß er noch mit 2400 Mark
F Vorſchuß geweſen ſei. Er habe ſich wohl ab und zu
lor M. Vorſchuß geben laſſen, doch ſei dies ſtets ſofort
Etrechnet worden. Es könne ſich höchſtens um einige
undert Mark handeln. Er habe den Fehlbetrag von
10 Mark auch nicht dem Teilhaber bei Bildung der
ema verſchwiegen, da er von dem Fehlbetrag nichts
Pßte. Was ſchließlich die Summe von 5400 Mark an=
ſungt
, die er unberechtigt als Teilhaber aus dem Geſchäft
logen haben ſoll, ſo wiſſe er nicht, wo das Geld hinge=
Damen ſei. Zu der Kaſſe hätten beide Teilhaber Zu=
ing
gehabt. Der Angeklagte M. gibt ſein ſtrafbares
ſerhalten im Sinne der Anklage zu. Er habe ſich durch
ſichere Auftreten des Geſchäftsführers bewegen laſſen,
ſe Vorſchüſſe ohne Wiſſen der Inhaberin zu geben. Er
i der Meinung geweſen, daß es Ernſt bald möglich ſein
ſerde, die Vorſchüſſe zurückzuerſtatten. Auch habe er die
che nicht ſo ſchwer genommen, da er wußte, daß Ernſt
d Teilhaber der Firma werden würde. Das Manko in
1 Kaſſe, ſei durch falſche Buchung der Kaſſeneingänge
ndeckt worden. M. belegt die Vorſchüſſe, die er an
raſt gegeben, in Höhe von 2000 Mark durch Quittungen,
r die übrigen 400 Mark iſt er ſelbſt eingetreten, da ihm
die Belege fehlen. Ernſt beſtreitet die Erheblichkeit
Belege, da er, ſie niemals zurückverlangt habe. M.
E auch zu, daß er, um bei der Aufſtellung der Eröff=
ungsbilanz
der neuen Firma das Manko zu beſeitigen,
ſeneingänge nicht buchte und er dieſe Eingänge noch
ter den Außenſtänden aufführte. Gegen die Angabe
Angeklagten Ernſt, er wiſſe nicht, wo die 5400 Mark
llieben ſind, ſpricht die Tatſache, daß er bei ſeinem im
rz 1911 erfolgten Austritt der Firma gegenüber ver=
ſaglich
anerkannt hat, daß er für die 5400 Mark perſön=
h
hafte. Er erklärt dieſe Anerkennung als eine Folge
iner damaligen großen Erregung. Die Verhandlung
ſich bis zum Abend hin, da die Art der Buchführung
dem Gericht unmöglich machte, Klarheit über die ge=
rten
Verhältniſſe zu erlangen. Es erfolgte abends
gen 7 Uhr Gerichtsurteil dahin, daß die Angeklagten
izuſprechen ſind.
Vom Großh. Hoftheater. Heute wird Artur Schnitz=
t
Szenenreihe Anatol als 125. Abonnementsvor=
Aung, Buchſtabe A, zum erſten Male wiederholt. Be=
nr
7½ Uhr. Die Samstagsvorſtellungen finden bei
fgehobenem Abonnement ſtatt und es werden ſowohl
der um 3 Uhr beginnenden Schülervorſtellung von

Schillers Wilhelm Tell, ſowie zu der um 8 Uhr be=
ginnenden
, als achten Sondervorſtellung angeſetzten erſten
Wiederholung der erfolgreichen Neſtroyſchen Poſſe Der
Zerriſſene keine Eintrittskarten abgegeben. Der Zyklus
der Volksvorſtellungen zu ermäßigten Preiſen erfährt
durch die Aufnahme eines muſikaliſchen Werkes eine wert=
volle
Bereicherung. Im Rahmen der beliebten Sonntags=
Nachmittagsvorſtellungen erſcheint am Sonntag unter der
muſikaliſchen Leitung von Richard Lert Humperdincks
Märchenoper Hänſel und Gretel‟ Der Kartenvorverkauf
im Verkehrsbureau beginnt heute. Die mit Intereſſe er=
wartete
Premiére der neueſten Lehär=Operette Eva fin=
det
unter der Direktion von Kapellmeiſter Kleiber und
ſzeniſcher Leitung von Oberregiſſeur Valdek am Sonntag
abend ſtatt. Die Titelpartie wird Frau Kallenſce zur Dar=
ſtellung
bringen.
Die Ueverwachung der Pflegekinder im Kreiſe
Darmſtadt. Die Pflegekinderaufſicht iſt ſo=
wohl
im Landkreis, als auch in der Stadt Darmſtadt
derart geregelt, daß jedes Pflegekind in der Stadt
Darmſtadt bis zu 1½ Jahren, auf dem Lande bis
zu 6 Jahren von eigens dazu angeſtellten Schweſtern
(ausgebildet in der Säuglingsfürſorge) der Großh.
Zentrale für Mutter= und Säuglingsfür=
ſorge
regelmäßig beſucht wird. Die Zuſammen
arbeit der Organe der Zentrale mit den Aufſichts=
behörden
iſt derart, daß jene als Hilfskräfte der Polizei=
behörden
angeſprochen werden können. Dadurch iſt der
erwünſchte Zuſtand geſchaffen, daß jedes Pflegekind bis
zu dem oben erwähnten Lebensjahr unter der perſön=
ichen
Aufſicht einer eigens dazu angeſtellten Schweſter
ſteht. Dieſe Einrichtung verlangt ſelbſtverſtändlich eine
Summe von Arbeit, was daraus hervorgeht, daß in
dieſem Jahr von den Schweſtern ca. 6000 Beſuche in
den Landgemeinden und ca. 8000 Beſuche in der Stadt
gemacht worden ſind. Dazu kommt noch die an die
Pflegekinderaufſicht der Zentrale in der Stadt für das
2. bis 6. Lebensjahr ſich anſchließende Aufſicht der
Damen des Alice=Frauenvereins. Die intenſioe Aufſicht
hat eine große Anzahl von ungeeigneten Pflegemüttern
ausgeſchaltet. Auch hat die maſſenweiſe Unterbringung
auswärtiger Kinder, z. B. aus Frankfurt a. M. in
Eberſtadt, ſtark abgenommen, dies umſomehr, weil die
Verbindung mit den Frankfurter Behörden und Für=
orgevereinigungen
es ermöglicht, die im Kreis Tarm=
ſtadt
einmal untergebrachten Kinder auch dann weiter
zu verfolgen, wenn ſie den Kreis verlaſſen haben. Der
Einfluß der Verſchärfung der Pflegekinderaufſicht zeigt
ſich in der verminderten Sterblichkeit: In
Jahre 1912 ſtarben nur 3,75 Proz. der im Kreis Darm=
ſtadt
in entgeltlicher Pflege befindlichen Kinder gegen
8,63 Proz. im Jahre 191). 8,44 Proz im Jahre 1910
17.
Li
und 10.?:
Lupusheim Gießen. In Heſſen und den benach=
barten
Gebieten mangelte es bisher für die nicht rein
ambulatoriſche Behandlung der an Lupus (Haut= Tuber=
kuloſe
) Erkrankten an einer geeigneten Anſtalt. Der Heil=
ſtättenverein
hat ſich daher entſchloſſen, am Sitze
der Landesuniverſität Gießen ein Lupusheim zur
Unterbringung und Behandlung Lupöſer Mitteldeutſch=
lands
zu erbauen. Welchem dringenden Bedürfnis dieſes
Heim entgegenkommt beweiſen die jetzt ſchon während des
Baues bei dem Vorſtand des Heilſtättenvereins und dem
Direktor des Lupusheims, Profeſſor Dr. Jeſionek, ein=
laufenden
Aufnahmegeſuche. Der Bau des Lupusheims
naht ſeiner Vollendung, ab 1. Mai dieſes Jahres ſoll es
mit Kranken belegt werden. Bei ſeinen geringen eigenen
Mitteln iſt nun der Verein ſehr auf mildtätige Spenden
angewieſen; manch hochherzige Gabe wurde dem Lupus=
heim
ſchon zugewendet, ſo in der letzten Zeit von der
Firma G. Leitz, Optiſche Anſtalt in Wetzlar die elektriſche
Deckenbeleuchtung des Operationszimmers von Herrn
Dr. Meirowsky in Köln eine Finſen=Rein=Lampe zur
Hautbehandlung geſtiftet. Zur Ausſtattung und zum Be=
trieb
ſind weitere Stiftungen und Geldſpenden dringend
nötig; warmherzige Geber finden hier Gelegenheit zu
helfen den Aermſten unter den armen Kranken, den an der
entſetzlichen, entſtellenden Haut=Tuberkuloſe Leidenden,
mit einer Gabe Heilung und Linderung zu bringen.
g. Unterhaltungsabend der evangel. Jugendvereinig=
ungen
Darmſtadts. Als Abſchluß des Erſten Heſſi=
chen
Jugendtages und gleichzeitig als eine Probe
des praktiſchen Wirkens des Jungdeutſchlandbundes im
Zuſammenfaſſen aller Jugendbeſtrebungen veranſtalteten
die evangel.=kirchlichen Jugendvereinig=
ungen
Darmſtadts am Mittwoch einen Unter=
haltungsabend
im großen Saale des ſtädtiſchen
Saalbaus, der einen außerordentlich ſtarken Beſuch auf=

weiſen konnte. Der große Saal und die Galerien waren
bis auf den letzten Platz beſetzt. Auch der Landesausſchuß
des Jungdeutſchlandbundes war faſt vollzählig erſchienen,
ferner hatten ſich Vertreter des Oberkonſiſtoriums, und
viele Geiſtliche und Lehrer eingefunden. Der Abend wurde
eingeleitet durch einen Orcheſtervortrag der Ouvertüre zu
Titus der vereinigten Orcheſter. Hierauf hielt Herr
Pfarrer Müller die Begrüßungsanſprache, in
der er darauf hinwies, daß der Abend keine künſtleriſchen
Genüſſe bieten ſolle, ſondern er ſolle zeigen, was die evan
geliſchen Vereinigungen in der Erziehung der Jugend, in
der Körperpflege, in der Fortbildung des Geiſtes, des
religiöſen und ſittlichen Lebens erreichen wollen. Es folgte
der Vortrag zweier Chöre Wer iſt ein Mann und
Veſperhymne und darauf Uebungen der Turnerriege am
Baxren, wobei ganz hervorragende Leiſtungen gezeigt
wurden. Nach dem Orcheſtervortrag der Ouvertüre zu
Figaros Hochzeit und dem Chor In einem kühlen
Grunde zeigten noch einmal die Turner Proben ihrer
Geſchicklichkeit beim Stellen von Pyramiden. Der Chor
mit Orcheſterbegleitung Ein Liedchen von der See fand
ebenſo wie die anderen Darbietungen lebhaften Berfall.
Als Hauptnummer des Programms wurde ſodann von
Mitgliedern der Vereinigungen ein vaterländiſches Feſt=
ſpiel
in zwei Bildern aus dem Jahre 1813 von Ludwig
Reinicke aufgeführt, das in den Herzen der Anweſen=
den
eine Ahnung der erhebenden patriotiſchen Geſinnung
und Begeiſterung jener Tage erſtehen ließ, und dies ließ
in Verbindung mit dem vortrefflichen Spiel faſt ganz
vergeſſen, daß die Mitwirkenden Dilettanten waren. An
der. Aufführung wirkten mit Wilhelm Paulmann,
Paul Breitbarth, Eliſabeth Kraft Karl Made,
Otto Wamboldt, Adolf Herbſt und Adolf Molter.
Als Leiter des Chors machte ſich Herr Pfarraſſiſtent Her=
pel
und als Leiter der Orcheſter= und gemeinſamen Auf=
führungen
Herr Pfarraſſiſtent Lautenſchläger, ferner
als Leiter der turneriſchen Vorführungen Herr Wam=
boldt
um das Gelingen des Abends verdient.
Sektion Darmſtadt, Deutſcher und Oeſterreichiſcher
Alpenverein. In der Monatsverſammlung berichtete Herr
Apotheker Dr. Th. Tenner über ſeinen Frühjahrs=
ausflug
in die Weſtſchweiz und ſeinen
Herbſtaufenthalt in Südtirol. Namentlich
die Frühlingstage in Vipstal boten Bilder von eigenem
Reiz: Zermatt und das Trift= und Zmuttal im Neuſchnee,
tiefverſchneit der Gorner Grat, und doch überall das
Frühlingserwachen der Natur. Bei dem klaren Himmel
und der reinen Luft genoß man angeſichts des Königs
der Berge, des Matterhorns und ſeiner gewaltigen Um=
gebung
, die ganze ſchimmernde Pracht der Hochgebirgs=
welt
. Den Schluß der Reiſe bildeten die ſchneebedeckte
Furka und der Gotthard. Reifende Trauben, herbſtlich
ſich färbendes Laub und Neuſchnee als Vorbote des
kommenden Winters, das waren dagegen die Eindrücke
auf der Herbſtfahrt nach dem ſonnigen Welſchland, Ster=
zing
mit ſeinen maleriſchen Häuſern bildete den Ausgang
für die Wanderung über den Jauſen ins Paſſeiertal. An
den Aufenthalt im rebenumkränzten Meran und den
Ausflug mit der Schwebebahn auf das Vigilioch mit
prächtiger Fernſicht reihten ſich köſtliche Tage in Bozen
und dem von der Dichtkunſt verklärten Runkelſtein.
Durchs reizvolle Grödener Tal und über die Seiſer Alp
und den Sellapaß gings faſt noch auf die Rodella. Auf
der Fahrt nach Predazza und Paneveggio auf den Rolle=
paß
, und mit dem Cimon della Pala im Hintergrund
zauberte in St. Martino di Caſtrozza und im Primörtal
die Natur die entzückendſten Herbſtbilder hervor. Und
welcher behagliche Genuß wartete noch des glücklichen
Wanderers auf dem Schloß Perſen, dem weitvorgeſcho=
benen
Bollwerk des Deutſchtums im Süden, ſowie an den
romantiſchen Geſtaden des blauen Gardaſees! In ſolche
Gefilde von Reiz und Schönheit verſetzten die zahlreiche
Verſammlung Wort und Bild des Redners, nicht zu ver=
geſſen
der farbigen Aufnahmen von Herrn Stud. Ten=
ner
aus Frankfurt. Der dankbaren Stimmung der
Verſammlung verlieh der Vorſitzende in Worten Aus=
druck
.
Die Stenographen=Vereinigung Gabels=
berger
hielt im Schlaraffiaſaal ihre Monats=
verſammlung
ab, die ſich eines überaus zahlreichen
Beſuches zu erfreuen hatte. Nachdem der I. Vorſitzende,
Herr Sekretär Kratzſch, die Anweſenden begrüßt hatte
und verſchiedene geſchäftliche Mitteilungen erledigt waren,
hielt Herr Finanzaſpirant Ed. Schneider einen ſehr
intereſſanten Vortrag über Graphologie ( Handſchriften=
deutung
), der durch Vorführungen an der Tafel noch
erläutert wurde. Für dieſen ſehr lehrreichen Vortrag,
dem die Anweſenden großes Intereſſe entgegenbrachten
erntete Herr Schneider reichen Beifall. Nach Schluß der

nd welche hohen Ziele er ſich für die muſikaliſche Kom=
bſiction
ſteckte, zeigt uns ein Aufſatz, den er für die erſte
ufführung ſchrieb, in dem es u. a. heißt: In der Hoff=
bin
g. ein Werk zu ſchaffen, das durch ſeinen poetiſch= muſi=
kliſchen
Inhalt in allen Teilen wie als Ganzes den Ge
deten anzöge, feſſelte und befriedigte, habe ich ver=
mäht
, nach äußeren Wirkungen zu ſpekulieren. Das
erk ſollte frei ſein von modernen Operneffekten, Tira=
m
und Gemeinplätzen; es ſollte mit lebendigen, friſchen
ſiben die ganze Situation, ſowie die tief=innerſte
eellenſtimmung des einzelnen zum deutlichen Bewußt=
ſin
des Zuhörers bringen und dadurch ſchlagend wirken.
Riter heißt es, das Ganze ſollte ein dramatiſches Werl
ſn, das ſich der großen Oper, wie ſie Gluck im
lge hatte, näherte, in neuer Anwendung des dort vor=
faluenden
Prinzips, dem poetiſchen Gedanken möglichſt
ſracht zu werden Während er mit der Kompoſition be=
ſſäftigt
war, zeigen die Auszüge aus ſeinem Tagebuch
helche die Familig. M. mir bereitwilligſt zur Einſicht
hergab), wie er alle Leiden und Freuden des ſchaffenden
ün ſtlers kennen lernte. Da heißt es zum Beiſpiel:
izze zur erſten Szene. Bis in Dezember fleißig ge=
be
itet. Oder: Text, ohne vorwärts zu kommen oder:
früthiof ſchritt, wenn auch langſam, doch ſicher voran
d brachte mir viele begeiſterte, erhebende Augenblicke‟.
fand die erſte Aufführung ſtatt und rief große
geiſterung hervor. Viele Zeitungsberichte erwähnen
große Wirkung des Werkes, namentlich in ſeinen
ſiren, und rühmen den Adel des Ganzen, das durch=
ngia
den tüchtigen, feinen und ſinnigen Künſtler verrät
r Darmſtädter Aufführung folgten mehrere, auch, aus=
firtige
, u. a. in Frankfurt, Mainz, Augsburg, Peters=
1 und Kaſſel.
Der ſchöne Stoff iſt dem Epos von Tegnér entnom
hn. So viel mir bekannt iſt, war Mangold der erſte
das Gedicht zur muſikaliſchen Kompoſition ver
ſndte, denn Mar Bruchs Frithjof entſtand ſpäter, und
ſar angeregt durch eine Aufführung des Mangoldſchen
ſithiof, der Bruch beiwohnte. Die vielen Verſuche, das
Edicht für die Bühne zu bearbeiten, fallen alle in eine
ſitere Zeit.
Der Muſilverein hat den Frithjof ausgewählt, um
t ihm das 100. Geburtsjahr des Komponiſten zu feiern.
Lchtige ſoliſtiſche Kräfte haben ihre Mitwirkung zuge=
t
, die Hofkapelle iſt mit der orcheſtralen Aufgabe be=

traut, und daß die aktiven Mitglieder des Muſikvereins
alles aufwenden werden, durch eine begeiſterte Wiedergabe
der dankbaren und wirkungsvollen Chöre dem Namen
des früheren Leiters des Muſikvereins, des Altmeiſters
Mangold. Ehre zu machen, das verſteht ſich von ſelbſt.
Nicht alle können wir Beethovens oder Bachs ſein,
und außer dieſen gewaltigen Heroen, die gewiſſermaßen
die Meilenzeiger verſinnbildlichen, die den Weg zum hei=
ligen
Tempel der Kunſt bezeichnen, bedarf es ſogar vieler
Kräfte, die, je nach ihrer Art, das Material liefern, eben
dieſen Weg zu bilden zu unterhalten. Was für eine
Menge von Arbeit, Können, Liebe, Begeiſterung, Kampf
und Streit dazu gehört, das wird uns nicht immer klar
Nur, wenn ſich wieder einmal das Leben eines Meiſters
vor unſerem geiſtigen Auge entrollt. Und da iſt denn das
Wort wohl am Platze, was Wagner durch den Mund
ſeines Hans Sachs am Schluß der Meiſterſinger ſo ſchön
ausſpricht: Daß unſere Meiſter ſie (die Kunſt) gepflegt
grad recht nach ihrer Art, nach ihrem Sinne treu gehegt,
das hat ſie echt bewahrt! ... Drum ſag ich euch: Ehret eure
deutſchen Meiſter!
Und ſo wollen wir unſeren Mangold feiern und ehren
als einen Künſtler, der ſeine Kunſt wahrhaftig liebte, der
ihr mit ganzer Hingabe und Treue diente, und deſſen
Namen in der Kunſtgeſchichte unſerer Vaterſtadt bis in
die fernſten Zeiten glänzen wird.

dem guten Onkel und dem ſchüchternen Liebespärchen.
Die Muſik iſt konſtruiert und geſucht und entbehrt der
ausgeprägten Charakteriſtik und eines eigentlichen Stils.
Daß ſie im einzelnen gut gemacht iſt, möge nicht be=
ſtritten
werden. Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen
ſchaffen, wenn es euch nicht von Herzen geht. Die Par=
tien
ſind alle drei unſanglich und undankbar. Herr We=
her
als Onkel Dazumal, Fräulein Jüttner als
Jacqueline und Herr Globerger als Oktave gaben
ſich redliche Mühe mit ihnen und ſicherten durch ihre lo=
benswerten
geſanglichen Leiſtungen dem Werke noch
einen Achtungserfolg.
Das Zimmer des Onkels Hageſtolz war von ent
zückender Stimmungsfeinheit und eigentlich das einzige
an der Oper, das den Puls des Lebens und poetiſches
Empfinden verſpüren ließ.
Der zweite Einakter war die komiſch=mythologiſche‟
Oper von Suppé Die ſchöne Galathee, die ein
Gemiſch von hohem pathetiſchen und niedrigen Couplet=
ſtil
iſt und in ihrem parodiſtiſchen Charakter ſich den
Offenbachiaden am meiſten nähert, jedenfalls aber Hu=
mor
und muſikaliſchen Eſprit verrät. Für die Verkörpe
rung der marmornen Galathee fehlen Frau Kallen=
ſee
die klaſſiſchen Formen, den nicht geringen geſang=
lichen
Anforderungen der Partie wurde ſie aber mit ge=
wohnter
Sicherheit und Zuverläſſigkeit gerecht, obaleich
ſie ſtimmlich noch indisponiert zu ſein ſchien.
Die hübſche und dankbare Rolle des Ganymed hatte in
Fräulein Schaub eine anmutige, ſtimmlich bevorzugte
Vertreterin gefunden, die mit ihrem klaſſiſchen Couplet
reichen Beifall erntete. Herr Globerger fand ſich mit
der Rolle des Pygmalion gut ab Heiterkeitsſtürme ent=
feſſelte
Herr Jürgas als Kunſtmäcen Mydas, als wel=
cher
er unerſchöpflich war in parodiſtiſchen Witzen und
Couplets.
Beide Aufführungen leitete Herr Kapellmeiſter
Kleiber mit friſchem Temperament. Die Regie führte
Herr Valdek.
Zum Schluß gelangte das Originalballett von Frau
Thiele=Leonhardt Champagner=Viſionen wie=
der
zur Aufführung, in dem ſich Herr Jürgas als
Baron Freihen, Fräulein Huber als Prima ballerina,
Fräulein Croneberg als Japanerin und Fräulein
Lederer als Jongleuſe beſonders hervortaten.

W-l. Die komiſche Oper Onkel Dazumal nach
einem franzöſiſchen Text von Jaques Dalcroze
gelangte heute zum erſten Male zur Aufführung. Jeden=
falls
hatte man ſich einen größeren Erfolg von ihr ver=
ſprochen
. Die Handlung eine harmloſe Geſchichte von
einem alten Onkel, der ein Liebespaar protegiert könnte
man allenfalls noch als komiſch bezeichnen, die ſchwere
und ſpröde Muſik iſt aber alles andere eher, als komiſch
Ihr großer inſtrumentaler und tonlicher Aufwand ſteht
überdies in keinem Verbältnis zu dem Geſchichtchen von

Großherzogliches Hoftheater.

Mittwoch, den 19. Febr uar.

Onkel Dazumal. Die ſchöne Galathee.
Champagner=Viſionen.

[ ][  ][ ]

* Verſammlung blieben die Erſchienenen noch recht lange
* in gemütlicher Stimmung beiſammen.
Der Katholikenverein hält am Sonntag nach=
* mittag 5 Uhr Generalverſammlung ab. (S. Anz.)
* Verein für Verbreitung von Volksbildung. Gegen
Vorzeigung der Mitgliedskarte werden zu ermäßigten
Preiſen Eintrittskarten verabfolgt: für die Haupt=
probe
zu A. Mangolds Frithjof am Sonntag, den 23
Februar zu 75 Pfg. (ſtatt 1,50 Mk.) im Verkehrsbureau
zum Lichtbildervortrag Graetz: Durch Neu=
Kamerun am 26. Februar und zum Vortrag von Bin=
der
=Kriglſtein: Zwiſchen Kreuz und Halbmond‟
zu halben Preiſen bei Schutter, Eliſabethenſtraße; zur
Februar=Ausſtellung: Stätten der Arbeit in
der Kunſthalle zu 25 Pfg. (ſtatt 50 Pfg.). Zu letzterer
Ausſtellung Gruppenbeſuche nächſten Sonntag und Mitt=
woch
, nachmittags 3 Uhr, die Perſon 10 Pfg.; hierzu Kar=
ten
in der Kunſthalle.
* Vortrag. Zu dem wiſſenſchaftlichen Vor=
trag
: Kirche und Selbſtbeſtimmung des Einzelnen der
am 24. Februar, 8 Uhr abends, in der St: Eliſabeth Kirche
ſtattfindet, ſind alle Darmſtädter Katholiken freundlichſ
eingeladen. (Siehe Anz.)
Sterbekaſſenverein Darmſtadt. Man ſchreibt uns:
Die Mitglieder des Sterbekaſſenvereins Darm=
ſtadt
werden auf die heutige Anzeige über die am Sams=
tag
im Saale der Stadt Koburg (Waldſtraße 2) ſtatt=
findende
Hauptverſammlung aufmerkſam gemacht.
Dem Jahresbericht dieſes gemeinnützigen, jetzt ſei
25 Jahren beſtehenden Vereins entnehmen wir folgende
Angaben: Das Vermögen beträgt 15513,54 Mark; es
iſt im letzten Jahre um 627,58 Mark gewachſen. Die Zahl
der Mitglieder beläuft ſich auf 664. Seit der Gründung
des Vereins ſind bei 301 Sterbefällen 87749,87 Mark an
Sterberenten verausgabt worden. Hiervon wurden im
Jahre 1912 bei 18 Fällen 5335 Mark oder durchſchnittlich
rund 300 Mark bezahlt. Aus der Tatſache, daß Mitglieder,
die dem Verein ſchon ſeit ſeiner Gründung angehören,
bis jetzt kaum mehr als 150 Mark einbezahlt haben, geht
hervor, daß der Verein eine ſehr gute Kapitalanlage bietet.
as Eintrittsgeld iſt gering, der Beitrag beträgt für den
Sterbefall 50 Pfg. Bei der Aufnahme bedarf es in der
Regel keines ärztlichen Atteſtes. Anmeldungen nehmen
der Vorſitzende, Herr Lehrer Köhres, Pallaswieſenſtr. 50,
und die ſämtlichen Vereinsmitglieder gern entgegen.
Der Darmſtädter Hausbeſitzer=Verein, e. V., hält,
ſo ſchreibt man uns, am Montag, den 24. Februar, im
gelben Saale der Reſtauration Sitte, Karlſtraße, eine
außerordentliche Mitglieder=Verſamm
lung ab, zu der auch alle nicht angeſchloſſenen Hausbe=
ſitzer
eingeladen ſind. Der neue Vorſitzende, Herr Rentner
A. v. Heſſert, wird die Verſammlung leiten und einige
ſehr wichtige Angelegenheiten erörtern. Ferner wird Herr
Architekt Schembs zu der von ſeiten der ſtädtiſchen Ver=
waltung
geplanten Neugeſtaltung des Tarifs der Ka=
naleinlaufgebühren
ſprechen. Dieſer Tarif ſoll
bekanntlich dem ſtädtiſchen Grundbeſitz keine Ent laſtung
ſondern eine Mehrbelaſtung von etwa 80000 Mk. brin=
gen
. Da die ſtädtiſche Waſſerwerkskaſſe ihren Ueberſchuß
von nahezu 300000 Mark bereits aus den Taſchen der
Hausbeſitzer holt, da die Kanaleinlaufgebühr auch ſeither
ſchon eine erhebliche Einnahmequelle bildete, ſo wird jetzt
die halbe Million voll werden, welche die Hausbeſitzer
ineben den hohen Grundſteuern an die Stadtkaſſe abführen.
Mag ſich jeder Hausbeſitzer darüber klar werden, ob dieſer
Zuſtand auf die Dauer zu ertragen iſt. Ueber die Be=
ſtrebungen
in den verſchiedenſten Städten zur Gründung
und Erweiterung von Hausbeſitzer=Hilfskaſſen
in der Form von genoſſenſchaftlichen Spar= und Darlehns=
kaſſen
wird Herr Speckhardt referieren und auch über
den Stand der Angelegenheit am hieſigen Platze berichten.
Unter Hinweis auf die Wichtigkeit der Tagesordnung
ergeht auch an dieſer Stelle an alle Intereſſenten die drin=
gende
Bitte, bei dieſer Verſammlung nicht zu fehlen. Be
denke jeder, daß ein Stand, der ſich ſelbſt aufgibt, un=
rettbar
verloren iſt, daß aber Zuſammenſchluß und Selbſt=
hilfe
zum Ziele führen werden.

* Orpheum. Das erfolgreiche Gaſtſpiel des Dres=
dener
Belvedere=Enſembles geht in einigen
Tagen ſeinem Ende entgegen und ſchließt mit dem 27. Fe=
bruar
ab. Für dieſe Zeit erſcheint ab heute, Freitag, der
amüſante Wiener Operetten=Einakter Komm Mädel und
tanz wieder auf dem Spielplan, womit zahlreiche dies=
bezügliche
Wünſche Entgegenkommen und Erledigung
finden. (S. Anz.)
* Olympia=Theater. Ein Meiſterwerk der Filmindu
ſtrie bringt das Olympia=Theater mit dem Film
Der Graf von Monte Chriſto‟ Dieſer weltbekannte Ro=
man
Alexander Dumas iſt von der Filmfabrik Selig u.
Cie, in einer hervorragenden Ausſtattung herausgegeber
worden. Die Rolle des Grafen von Monte Chriſto wirt
von dem bekannten Schauſpieler Hobart Boworth dar=
geſtellt
. Die geradezu glänzend gelungenen Situationen,
die pompöſe Ausſtattung, die bis ins Detail hinein ge=
wahrte
Wirklichkeit geben dem Film einen großen Vorzug
vor anderen. (Siehe Anzeige.)

* Weiterſtadt, 20. Febr. Am Sonntag veranſtalte
der hieſige Eiſenbahnerverein einen Lichtbil=
dervortrag
mit einer großen Anzahl von Bildern
über das Leben und Treiben in der Fremdenlegion.
Da dieſer Vortrag ſehr lehrreich ſein dürfte, iſt ein Beſuch
ſehr zu empfehlen.
Hahn b. Pfungſtadt, 20. Febr. Bei der letzten Ge=
neralverſammlung
des Athletenklubs Deutſche Eiche
wurden die erſten Vorbereitungen zu dem in dieſem Som=
mer
ſtattfindenden erſten Gaufeſt der Heſſiſchen
Athletenvereinigung Gau Starkenburg
getroffen. Als Feſttage wurden der 28., 29. und 30. Jun
beſtimmt. Für das Feſt wird von den Mitgliedern alles
aufgeboten, um es zu einem ſchönen und glanzvollen zu
geſtalten. Beſonders die beiden Meiſterſchaften im Stem=
men
ſowie im Ringen werden die Veranſtaltung intereſ=
ſant
machen.
g. Bensheim, 20. Febr. In der Gemarkung Zelk
wurde der Landwirt Jean Weigel von ſeinem eigenen
Fuhrwerküberfahren. Er war ſofort tot. Offen=
bar
liegt ein Unglücksfall vor. Das Gericht wird morger
früh zur Leichenſchau hier eintreffen
Offenbach, 20. Febr. In der Schuhfabrik von
Liebmann (Haſſia) ſind heute 280 Schuhmacher in
den Ausſtand getreten, nachdem die Verhand=
lungen
wegen Lohnſtreitigkeiten zu keinem Ergebnis ge=
führt
haben. Hier wurde eine Kleinwohnungs=
geſellſchaft
m. b. H., mit dem Sitz in Offenbach ge=
gründet
, die den Zweck hat, auch Minderbemittelten
ein eigenes Heim zu verſchaffen. Die neugegründete Ge=
ſellſchaft
beabſichtigt die Errichtung von kleinen
Wohnhäuſern, die einſchließlich eines zirka 600
Quadratmeter großen Gartengeländes einen Wert von
8000 Mark repräſentieren. Die Kapitalsgeberin zur
Deckung der Baukoſten iſt die Landesrentenanſtalt ir
Darmſtadt, die die erſten Hypotheken zu 3½ Prozent über=
nehmen
will. Außerdem haben ſich auch einige hieſige
Finanzleute zur Uebernahme der notwendigen zweiten
Hypotheken zu 4 Prozent bereit erklärt. Für die Erwerb=
ung
eines ſolchen Einfamilienhauſes iſt eine Anzahlung
von 1000 Mark erforderlich, während nach 30 Jahren das
Grundſtück in den Beſitz des Inhabers übergehen ſoll. Die
monatlichen Unkoſten werden auf rund 40 Mark geſchätzt,
ſo daß der Jahresbetrag mit 500 Mark Ausgaben einer
Dreizimmerwohnunges gleichkommt. Mit der Errichtung
ſolcher Einfamilienhäuſer ſoll demnächſt auf dem Rum=
penheimer
Gelände begonnen werden. Die Auf=
hebung
des Brückengeldes auf der Fechenheimer
Brücke beſchäftigte den Verfaſſungsausſchuß. Man einigte
ſich dahin, zunächſt feſtzuſtellen, ob auf preußiſcher Seite,
insbeſondere bei der Gemeinde Fechenheim und dem
Landkreis Hanau, Geneigtheit zu einem gemeinſamen
Vorgehen beſteht.
n. Dreieichenhain, 20. Febr. Das kürzlich gemeldete
Verſchwinden des hieſigen verheirateten Gärtners
Müller, der nunmehr ſeit 18 Tagen vermißt wird, iſt

noch immer völlig unaufgeklärt. In Ermangelung
jeder ſonſtigen Vermutung bleibt nur diejenige eines Un=
falls
oder Verbrechens. Obwohl M. zuletzt in Sachſen=
hauſen
geſehen worden war, und damals ſich zum Frank=
furter
Hauptbahnhof (zwecks Heimfahrt hierher) begeben
wollte, konnten die dortigen polizeilichen Nachforſchungen
keine weitere Spur feſtſtellen. Auch die Darmſtädter
Staatsanwaltſchaft vermochte nichts zu ermitteln.
Mainz, 20. Febr. Der Gewerbeverein und der Ver=
kehrsverein
hatten geſtern abend eine Verſammlung ein=
berufen
, um über eine wahrſcheinlich im Jahre 1916 ſtatt
findende Ausſtellung zu beraten. Es waren er
chienen von der ſtädtiſchen Verwaltung Oberbürger
meiſter Dr. Göttelmann und Bürgermeiſter Baurg
Kuhn, von der Zentralſtelle Geh. Regierungsrat Noad
ferner der Vorſitzende der Handwerkskammer Gewerbera=
Falk, mehrere Herren von den Vorſtänden der einladen
den Vereine und eine Reihe hervorragender Induſtriellen
und Gewerbetreibender. Geheimrat Noack erklärte, da
außer einer für 1914 geplanten Ausſtellung der Künſtler
kolonie kein weiterer Plan für Darmſtadt beſtände. Aud
er halte eine Ausſtellung von Kunſtgegenſtänden au
Privatbeſitz für einen guten Plan. Oberbürgermeiſter D
Göttelmann befürwortete dieſen Gedanken und hofft, daf
etwas Derartiges zuſtande kommen werde, vielleicht ein
Ausſtellung aus dem Mainz der Kurfürſtenzeit mit ang
gliederter Gegenüberſtellung guter Erzeugniſſe der Jetz
zeit. Dieſer Gedanke fand viel Beifall. Auch der Gedank
des Herrn G. Böhmer, eine Sportausſtellung anzu
gliedern, fand Anklang. Beſchlüſſe wurden nicht gefaf
Gonſenheim 20. Febr. Die Unterſchlag
ungen des früheren Kaſſierers Dölſel des Kranken
und Sterbevereins betragen 6300,82 Mark. Doch iſt a
zunehmen, daß der Verein keinen größeren Verluſt er
leidet, da durch Beſchlagnahme des Hauſes ſowie Kau
tion und Bankdepot Deckung dafür vorhanden iſt.
Nierſtein, 20. Febr. Ein Winzerſtreik droht in
hieſiger Gemeinde. Die zu einem Verein zuſammen
geſchloſſenen Weinbergsarbeiter haben ſich in einer Eit
gabe an die Weinbergsbeſitzer um Erhöhung ihrer A
beitslöhne gewandt. Die Arbeitgeber ſind ebenfalls
einem Verband zuſammengeſchloſſen. Im Falle kein
Einigung erzielt wird, iſt ein allgemeiner Streik unver
meidlich.
Hirzenhain, 19. Febr. Geſtern nacht wurden hier
zwei Einbrüche verübt. Bei Gaſtwirt Landmanm
und Gaſtwirt Becker drangen die Einbrecher durch ein
Fenſter, das ſie eingedrückt hatten, ein und ſtahlen zwel
Ueberzieher. Ob noch weitere Beute gemacht wurde
konnte noch nicht feſtgeſtellt werden. Man ſtellte feſt, daf
zwei Leute zu Fuß über Gedern nach Hartmannshail
gingen, dort um 10 Uhr den Zug beſtiegen und auf der
kleinen Station Bermuthshain wieder ausſtiegen. Sichen
vermuteten ſie, daß im Zuge nach ihnen gefahndet wurde
Mit dem Nachmittagszug fuhren ſie weiter, wurden abei
ſchon auf der Station Herbſtein verhaftet. Ob ma
die wirklichen Täter gefaßt hat, ſteht noch nicht feſt.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 19. Febr. In der Chal
lottenburger Stadtverordneten=Ver
ammlung ſprachen ſich ſämtliche Vertreter der bürger
lichen Parteien energiſch gegen die Erhöhung des Kom=
munalſteuerzuſchlages
auf 110 Prozent aus. Das
finden des Oberbürgermeiſters Schuſtehrls
Charlottenburg war bis 1 Uhr nachts unverändert. Sein
Zuſtand iſt nach wie vor äußerſt bedenklich. In den
Prozeß gegen den ſogenannten Spielerkönig Rudol
Stallmann alias Baron Korff=König iſt Termin zur
Hauptverhandlung auf den 26. März angeſetzt. Man rech
net damit, daß die Verhandlung 14 Tage dauern wird.
Dem Berliner Tageblatt zufolge unternahm heute aben
in der Strafgefangenen=Anſtalt Plötzenſee der 24jährig
Artiſt Schlick einen Selbſtmordverſuch, indem

Feuilleton.

C.K. Wie Pierpont Morgans Kunſtſchätze nach Ame=
rika
geſchafft werden. Es gibt nur noch eins was Mor=
gan
intereſſiert, ſagte jüngſt ein Freund des Dollar=
königs
, und das iſt, wenn man ihm von irgend einem
neuen Kunſtſchatz erzählt. Dieſes Wort kennzeichnet die
große Leidenſchaft, die den Multimillionär, deſſen ſchwer=
Erkrankung das Schlimmſte befürchten läßt, 40 Jahre
ſeines Lebens beherrſcht hat. Neben dem Geldmachen
und im letzten Jahrzehnt vor dieſem war das Kunſtſam=
meln
ſein Steckenpferd, ja ſeine Manie, und Millionen
über Millionen hat er mit leichter Hand ausgegeben, um
ſich die ſchönſten, ſeltenſten und älteſten Gemälde, Mar
morwerke, Bronzen, Tapeten, Silber= und Goldarbeiten
uſw., die auf dem Kunſtmarkt erſchienen, zu ſichern. Es
iſt ſchwer, zu ſagen, wie viel Pierpont Morgan dieſe ſeine
Hauptpaſſion gekoſtet hat: aber nach einer neueren Schätz=
ung
iſt der Geſamtwert all ſeiner Sammlungen mit 40C
Millionen Mark angegeben worden, und mag dies
auch übertrieben ſein, ſo iſt doch jedenfalls ſein Kunſt=
ſchatz
die wertvollſte Privatſammlung der
Welt. Bis vor einigen Jahren bewahrte Morgan dieſe
Herrlichkeiten der Kunſt hauptſächlich auf ſeinen beiden
engliſchen Wohnſitzen von Princes Gate und Dover
Houſe; einen Teil der Sammlung hatte er leihweiſe im
Londoner South Kenſington=Muſeum ausgeſtellt. Dann
aber machte ihm die ungeheuere Summe Bedenken, die
er im Falle ſeines Todes nach engliſchem Geſetz als Erb=
ſchaftsſteuer
zahlen müßte, wenn ſich ſeine Samm=
lungen
noch in England befänden. Mit der Erbſchafts=
ſteuer
, die in Amerika dazu kam, hätte ſich die Summe
auf 20 Millionen Mark belaufen. Eine mindeſtens gleick
große Summe aber hätte er opfern müſſen, wenn er ſeine
Sammlung nach Amerika überführte und hier die gewal=
tigen
Zölle tragen mußte. In dieſer ſchwierigen Lage
ſchien es Morgan das Leichtere, auf eine Abänderung des
amerikaniſchen Zolltarifs hinzuarbeiten, und wirklich
wurde auch, hauptſächlich durch ſeine Initiative, ein
neues Zollgeſetz angenommen, demzufolge Ge=
mälde
die älter als 20 Jahre ſind und andere Kunſt=
werke
, die über 100 Jahre alt ſind, keinen Zoll erfordern,
ſeine ganze Sammlung alſo zollfrei wurde.
So konnte Morgan der engliſchen Erbſchaftsſteuer ent=
gehen
, indem er ſeine Kunſtſchätze nach Amerikc
ſchickte, ohne daß ihm dadurch andere Koſten erwuchſen
als die allerdings nicht unbeträchtlichen des Umzuges.
Der große Kunſtſammler unternahm denn auch ſogleich
Schritte, um ſeine ganze Sammlung nach dem Metro=
politan
=Muſeum für Kunſt in New=York zu überführen
zu deſſen Direktoren er gehört, und das dieſe Schönheits
wunder von nun an beherbergen ſoll. Das große Pro
blem beſtand nun noch in der beſten Art der Fortſchaffung
denn mit Kunſtwerken, von denen manche mehrere bun=

derttauſend Mark wert ſind, muß man ſehr vorſichtig ſein
Eigentlich hätten all die zahlloſen Gegenſtände der Samm
lungen, nachdem ſie in England ſorgfältig verpackt waren,
auf dem Zollamt in New=York wieder ausgepackt werden
müſſen. Aber Morgan ſetzte es durch, daß die Zollbeſich=
tigung
ſchon in England ſtattfand. Zum erſten Male be=
quemte
ſich die amerikaniſche Zollverwaltung dazu ihre
Beamten über den Ozean zu ſchicken, die Sachen in Augen=
chein
zu nehmen, bevor ſie verpackt waren, ſie dann zu
verſiegeln und ſo ihre direkte Ueberführung in das Metro=
politan
=Muſeum zu ermöglichen. Morgan ſicherte ſich
dann eine Schar von 50 der beſten Packer in der
Welt wahren Meiſtern der Packkunſt, die die dünnſter
und zerbrechlichſten Dinge gegen alle Fährlichkeiten einer
langen Reiſe vollkommen ſichern können. Solche Vorſich
war unbedingt geboten, wenn man bedenkt, daß manche
kleineren Stücke, ſo z. B. eine nur 26 Zoll hohe griechiſche
Bronze=Statuette des Eros oder eine antike Silberarbeit,
die auf einem Hirſch reitende Diana mit ihren Hunden
darſtellend, je 200000 Mark wert ſind. Beſondere
Packwagen mit extra elaſtiſchen Federn und Gummi=
reifen
wurden für den Transport erbaut, um jeden Stoß
zu vermeiden. Die größten Vorſichtsmaßregeln mußten
bei den alten Tapiſſerien getroffen werden, von denen
viele zum Teil ſo dünn und murbe geworden ſind, daß
ſie durchſichtiger als Spinnweben erſcheinen. Die beſchä
digten Stücke wurden zunächſt durch mit höchſter Sorgfal
ausgeführte Kunſtſtopf=Arbeit feſter und widerſtands=
fähiger
gemacht. An einer berühmten Tapiſſerie, dem St.
Veronica Gobelin, für den Morgan 2 Millionen Mark be=
zahlt
hat, arbeiteten ſieben ausgezeichnete Kunſtſtopfer
neun Tage lang, um jeden Zoll für die Reiſe widerſtands=
fähig
zu machen. Dann wurden die Gobelins in Alu=
miniumgehäuſe
gelegt und dieſe wieder in beſonders an=
gefertigten
Stahlbehältern untergebracht. So iſt begrün
dete Ausſicht vorhanden, daß der Umzug ſeiner Kunſt=
ſchätze
, der den Millionär 2 Millionen Mark koſtet,
glücklich von ſtatten geht und keines ſeiner Wunderwerke
beſchädigt wird.
* Wie weit Schwalben fliegen. Der Herausgeber der
engliſchen Zeitſchrift Britiſh Birds hat im vergangenen
Jahre beinahe 12000 Schwalben auf die gleiche Weiſe be=
ringt
, wie es unſere wiſſenſchaftlichen Vogelwarten tun.
Er hat nun aus den verſchiedenſten Gegenden Nachrichten
über den Verbleib der gekennzeichneten Schwalben erhal=
ten
, und dabei hat ſich ergeben, daß die engliſchen Schwal=
ben
bis tief nach Südafrika fliegen und den Winter dort
zubringen. Eine der gekennzeichneten Schwalben iſt bei
ſpielsweiſe in Durban (in Natal) gefangen worden. Der
engliſche Vogelforſcher hat ſeinen Verſuch übrigens haupt=
ſächlich
deswegen unternommen um feſtzuſtellen, wie weit
die Schwalben ihre alten Niſtplätze wieder aufſuchen
* Die aufrechten Welfen. In einem Dorfe Hannovers
(der Name tut nichts zur Sache) ſollte, wie der Täglichen

Rundſchau erzählt wird ein neuer Kirchhof angelegt wer
den, wozu ein künſtleriſcher Beirat aus der Stadt herbei
gerufen wurde. Bei der Auswahl des Platzes erinnerte
ſich die Bauern, daß an einer Stelle, die der neue Kirck
hof umſchloß, der damalige König Georg und ſein Sohn
der jetzige Herzog von Cumberland, geſtanden hatten, al
ſie hilfsbereit herbeigeeilt waren bei einem furchtbaren
Brand, der damals faſt das ganze Dorf in Aſche legte
Gerade 50 Jahre waren ſeit jenem Tage verfloſſen, was
Wunder, daß der treue, welfiſche Sinn beſchloß, dort einen
Gedenkſtein zu errichten. Der künſtleriſche Beirat ſchlug
einen gewaltigen Findling mit Bronzeinſchrift vor; dar
ſolche Steine in der Gegend nicht zu haben waren
fuhr eine Abordnung nach Hannover. Dort wurd
der Findling ausgeſucht, die Inſchrift beſtellt. Alles
war in beſter Ordnung und die Abordnung be
gab ſich wohlgemut in ein Lokal, um die gelungen
Sache etwas zu begießen. Kaum ſaßen ſie dor
ſo wurde das Extrablatt ausgerufen, das die Veg
lobung der kaiſerlichen Prinzeſſin mit dem Welfenprinzen
verkündete. Unſere Bäuerlein holten ſich eins an ihren
Tiſch und fingen an zu leſen. Erſt begriffen ſie es gal
nicht, dann ſahen ſie ſich in ſprachloſem Staunen an, bi
plötzlich der Schulze einen gewaltigen Schlag auf den Tiſch
tat und mit zornerſtickter Stimme rief: Nu laten wil
et aber bliewen!
* Der Rieſenſatz und die Rieſin. Folgende Bekann=
machung
veröffentlicht der Gerichtsſchreiber des königl
Amtsgerichts Berlin=Mitte, Abt. 25, im Reichsanzeigen
Oeffentliche Zuſtellung. Der Kaufmann Otto Heineman
in Charlottenburg, Schlüterſtraße 12 Prozeßbevollmäch
tigter: Rechtsanwalt Treitel in Berlin, Unter den Lin
den 53, klagt gegen die Rieſin Dora Herms, früher zu Ber
lin=Steglitz, Holſteiniſche Straße 45, jetzt unbekannten
Aufenthalts, unter der Behauptung, daß die Beklagte voſ
ihm als Rieſin durch ſchriftlichen Vertrag vom 4. Jum
1912 für die Zeit vom 1. Auguſt 1912 bis 31. Juli 191
gegen eine Monatsgage von 400 Mark als Schauobjell
engagiert worden ſei, die Beklagte aber den Vertrag unter
dem Vorwande unpünktlicher Gagenzahlung gebrochen
habe daß eine Konventionalſtrafe von 5000 Mark und die
Zuſtändigkeit des Amtsgerichts Berlin=Mitte vereinbaf
ſei, eine Konventionalſtrafe von 2500 Mark verlang
werde, mit dem Antrage: die Beklagte koſtenpflichtig
verurteilen an den Kläger 2500 Mark nebſt 4 v. H. Zinſen
ſeit dem Tage der Klagezuſtellung zu zahlen, und das
Urteil gegen Sicherheitsleiſtung für vorläufig vollſtreck=
bar
zu erklären. An bandwurmähnliche Sätze iſt mänl
ja ſchon gewöhnt worden, aber der vorſtehende dürfte
doch wohl ſeinesgleichen noch nicht gehabt haben. Ob dier
Rieſin Dora Herms ſich darum kümmern wird? Schwieri
wird es für die Beklagte freilich ſein, das Inkognito alll
die Dauer zu wahren. Ein jeder wird ihren Stand el
raten.

[ ][  ][ ]

als er mit Näharbeiten beſchäftigt war, mehrere Nadeln
verſchluckte. Er brach bewußtlos zuſammen. Da ſich ſein
Zuſtand verſchlimmerte, wurde er in die Charité über=
geführt
.
Frankfurt, 20. Febr. In maßgebenden Kreiſen rech=
net
man, wie die Kleine Preſſe hört, daß die Univer=
ſität
Frankfurt etwas ſpäter als vorgeſehen, und
zwar am 1. Oktober 1914, eröffnet werden kann.
Bierſtadt, 20. Febr. Das 17jährige Nähmädchen
Lina Pfeifferhatte eine Stecknadel verſchluckt
die auf operativem Wege entfernt werden mußte. Nach
rder Operation verſtarb das Mädchen.
Kolmar, 19. Febr. Vor der Strafkammer des hieſi=
gen
Landgerichts kam heute als Offizialklage die Beleidi=
gungsklage
des Unterſtaatsſekretärs Mandel gegen den
Nouvelliſte, das bekannte Wetterléſche Blatt, zur
Werhandlung. Nach zweieinhalbſtündiger Verhandlung
wurde der angeklagte Redakleur Sidel vom Nouvelliſte
Freigeſprochen. Das Gericht nahm auf Grund der Be=
rveisaufnahme
an, daß in dem unter Anklage geſtellten
Artikel der Unterſtaatsſekretär Mandel nicht gemeint ge=
veſen
ſei. Bekanntlich war nach Auffaſſung der Anklage
in den Ausführungen des Nouvelliſte Unterſtaatsſekretär
Mandel als Mitarbeiter der Rheiniſch=Weſtfäliſchen Ztg.
gekennzeichnet worden. Der Staatsanwalt hatte für den
Angeklagten einen Monat Gefängnis beantragt.
Dortmund, 19. Febr. Bei dem großen Grubenun=
glück
auf Zeche Miniſter Achenbach konnten da=
mals
von 48 Toten zwei nicht geborgen werden, da ein
Brubenbrand ausgebrochen war und man infolgedeſſen zu
den Leichen nicht gelangen konnte. Dieſe ſind nunmehr
eute, nachdem der Brand erloſchen war, geborgen
worden.
Hamburg, 19. Febr. Einen Warenſchwindel in
Höhe von 100.0.00 Mark begingen drei Leute, indem
ſe Bahnladungen verſchiedener Waren nach größeren
Städten beſtellten und ſie dort verſchleuderten. Einer, der
Schulze zu heißen angibt, wurde geſtern in Frankfurt am
Main, die beiden anderen heute hier verhaftet. Bei ihnen
ſurden Pfandſcheine über in London verſetzte Waren ge=
funden
.
Hamburg, 20. Febr. In der Ringſtraße ſtießen
wei Straßenbahnwagen zuſammen. Vier
erſonen wurden ſchwer verletzt; ſie ſind ins Krankenhaus
i bergeführt worden.
Hamburg, 19. Febr. Heute vormittag explodierte
uf dem Lagerboden einer hieſigen Firma ein Salpe=
terballon
. Die ätzende Flüſſigkeit durchdrang den
Fußboden und floß in einen darunter liegenden Raum
hänab. Acht Hemdennäherinnen, die dort arbeiteten, wur=
den
durch die ätzende Flüſſigkeit mehr oder weniger ſchwer
veerletzt; drei ſo ſchwer, daß ſie ins Krankenhaus überge=
fährt
werden mußten. Es iſt zweifelhaft, ob ſie am Leben
ehalten werden können.
Kiel, 19. Febr. In einem Hauſe der Muhliusſtraße
ſimd heute vormittag drei Kinder im Alter von 1½
häs 6 Jahren in Abweſenheit ihrer Eltern verbrannt
urch den überheizten Ofen geriet zum Trocknen aufge=
häingte
Wäſche in Brand. Die durch die Rauchentwick=
lung
bewußtlos gewordenen Kinder wurden von den
Fllammen ergriffen.
Memel, 19. Febr. Wie das Memeler Dampfboot aus
Nidden erfährt, ſind heute nachmittag zirka hundert
z iſcher, die mit ihren Gezeugen, Schlitten und Pfer=
den
auf das Eis des Kuriſchen Haffs zum Fiſchen gegan=
gen
waren, von dem herrſchenden ſtarken Weſtwind auf
eimer Eisſcholle nach der littauiſchen Seite des Haffs drei
Kälometer weit abgetrieben worden. Nach einer um
Uhr eingetroffenen Meldung iſt es gelungen, ſämtliche
Fſcher mit 16 Pferden und allem Gezeug zu retten. Der
iſchermeiſter war mit einem Boot an die Scholle heran=
fahren
und es wurde durch eine Eisſcholle die Verbin=
ung
mit dem feſten Eiſe wiederhergeſtellt.
Paris, 19. Febr. Nach einer offiziöſen Meldung
wurrde das Unglück auf dem Danton keineswegs
duerch eine vorzeitige Entzündung des Pulvers hervorge=
iffen
. Es heißt mehrfach, daß das Geſchütz infolge eines
kionſtruktionsfehlers bei dem erſten Schuß, der
us ihm abgegeben wurde, in Stücke geſprungen ſei. Wie
na=chträglich vom Marineminiſterium mitgeteilt wird, ge=
erte
einer der durch die Exploſion getöteten Artilleriſten
r Bedienungsmannſchaft des benachbarten Geſchützes.
Paris, 20. Febr. Das Zuchtpolizeigericht verurteilte
et Schuhmacher und verantwortlichen Redakteur des
attes Anarchie Fourcade wegen eines die Geſchworenen
Autobanditen=Prozeß mit dem Tode bedrohenden Ar=
kels
zu 5 Jahren Gefängnis.
Paris, 20. Febr. Der Gemeinderat von St. Brieux
epartement Cote du Nord) beſchloß, alle ſchulpf lich=
gen
Kinder unter 13 Jahren, die während der Un=
rrichtszeit
in den Straßen angetroffen würden, durch
ſtädtiſche Polizei verhaften zu laſſen. Außerdem
jedem Bedürftigen, der ohne wichtigen Grund ſeine
imder nicht in die Schule ſchickt, jegliche Unterſtützung
§ Gemeindemitteln entzogen werden.
Paris, 20. Febr. Nach Blättermeldungen hat der Di=
onsgeneral
a. D. Alexander Dumas ſein Haus ver=
ſſen
und iſt ſeither verſchollen. Die Polizei hat auf
iſſuchen der Familie Nachforſchungen angeſtellt, die je=
och
vergeblich blieben. Der letzte Aufenthaltsort, der mit
ſiger Sicherheit feſtgeſtellt werden konnte, war Aachen.
Nizza, 20. Febr. In der Villa des Oberhofmeiſters
öſterreichiſchen Kaiſers, Baron Ottenfels, brachen
eſttern abend Diebe ein und entwendeten eine Kaſſette
nie Juwelen im Werte von über 100000 Francs. Der
herhofmeiſter und ſeine Gattin die im Nebenzimmer
iefen, hatten von den Einbrechern nichts gehört.
London, 19. Febr. Die beiden Bomben die in
neuerbauten Hauſe des Schatzkanzlers Lloy d
orge in Walton niedergelegt worden ſind bzw. explo=
ſierrt
waren, beſtanden aus Weißblechbüchſen, die ſchwar=
Vulver im Gewicht von ſieben Pfund enthielten. In
er Nähe der Bomben wurden zerbrochene Hutnadeln
efunden. Zu dem Attentate erklärte Frau Drummond
Hauptquartier der Suffragetten, es ſei eine
ine Sache geweſen und erfolgreich durchgeführt. Man
he da die Entſchloſſenheit der Frauen. Lloyd George
erde auch merken, daß die Dinge jetzt ernſt würden. Da=
geen
bemerkt die Sekretärin der Suffragettenvereiniaung.
grum es denngeine Suffragette geweſen ſein müſſe?
fram Blankhorſt erklärte in einer Rede in Cardiff, ſie
berrnehme die volle Verantwortung für das
tttentat. Man ſolle ſie dafür ins Zuchthaus ſetzen;
werde dann ſofort in den Hungerſtreik eintreten.
ſem ſieht, wohin die Nachſicht mit dieſer verabſcheuungs=
fürdigen
Weiberrotte führt!

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 20. Febr. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung um 1 Uhr 20 Minuten. Die Pariſer
Konvention zum Schutze des gewerblichen Eigentums
wird mit dem Geſetzentwurf zur Ausführung der genann=
ten
Konvention in dritter Leſung ohne weſentliche Debatte
angenommen. Eine Rechnungsſache wird der Rechnungs=
kommiſſion
überwieſen. Es folgt die erſte Leſung eines
Geſetzentwurfs betr. die Verlegung der deutſch= öſterreichi=
ſchen
Grenze bei Hammerunterwieſenthal=Weipert. Es han=
delt
ſich um eine geringfügige Aenderung der Grenze auf
einem Grundſtück in dem Orte Niederſchlag in Sachſen
zur Gewinnung eines Hofraumes gegen eine Vertau=
ſchung
eines entſprechenden Wieſenſtückes. Die Vorlage
wird in erſter und zweiter Leſung ohne Debatte ange
nommen. Alsdann wird die
Beratung des Poſtetats
fortgeſetzt, und zwar wird zunächſt über ſämtliche zur Oſt=
markenvorlage
vorliegenden Anträge namentlich abge=
ſtimmt
. Der Antrag Baſſermann, der unwider=
rufliche
Zulagen für die in gemiſchtſprachigen Teilen des
Reichspoſtgebietes angeſtellten mittleren, Kanzlei= und
Unterbeamten in Höhe von zuſammen 2 100000 Mark (für
die Oſtmarlenzulage allein waren 1100000 Mark in den
Poſtetat eingeſtellt) wünſcht, wird mit 213 gegen 142 Stim=
men
bei einer Stimmenthaltung abgelehnt. So=
dann
wird über den Antrag der Reichspartei,
der Konſervativen, und der Wirtſchaftlichen Ver=
einigung
, der die gleichen Zulagen auch den Poſtbeamten
in Elſaß=Lothringen gewähren will. abgeſtimmt. Abg.
Seyda (Pole) zieht hinſichtlich dieſes Antrages ſeinen
Antrag auf namentliche Abſtimmung zurück. Abg. Graf
Weſtarp (konſ.) beantragt hierauf ſeinerſeits nament=
liche
Abſtimmung. Dieſer Antrag wird mit 209
gegen 148 Stimmen bei zwei Enthaltungen eben=
falls
abgelehnt.
Sodann wird über den Antrag der Fortſchrittlichen
Volkspartei auf Wiederherſtellung der in der Kommiſſion
geſtrichenen Oſtmarkenzulage nach der urſprüng=
lichen
Faſſung des Entatsentwurfs abgeſtimmt. Der An=
trag
wird mit 211 gegen 141 Stimmen bei zwei
Enthaltungen abgelehnt. Die Oſtmarkenzulage iſt
damit gefallen. Sodann wird die
Beratung des Etats
fortgeſetzt bei Titel Beiträge an die Betriebskrankenkaſſen
für die bei der Poſt beſchäftigten krankenverſicherungs=
pflichtigen
Perſonen. Abg. Heckmann (natlib.) bitt’t
um möglichſt liberale Handhabung des Geſchäftsbetriebes
in dieſen Krankenkaſſen. Der Titel wird bewilligt.
Zu dem Titel Beihilfe an bedürftige Penſionäre, ſo=
wie
an deren Hinterbliebene liegt eine Reſolution vor
die Vorausſetzungen und die Bemeſſung der aus den
Fonds für Altpenſionäre zu gewährenden Unterſtützungen,
ſowie das Verfahren zur Feſtſtellung der perſönlichen Ver=
hältniſſe
durch allgemeine Grundſätze zu regeln und dieſe
Grundſätze dem Reichstage noch im Laufe der gegenwär=
tigen
Tagung mitzuteilen, ſowie im Laufe des Jahres die
erforderlichen Ueberſchreitungen der betreffenden Fonds
eintreten zu laſſen und im nächſten Jahre die Fonds an=
gemeſſen
zu erhöhen. Abg. Graf v. Weſtarp (konſ.)
beantragt, die Reſolution an die Budgetkommiſſion zu
verweiſen. Nachdem die Abgg. Erzberger (Ztr.),
Beck=Heidelberg (natlib.) und Kopſch (Fortſchr. Vpt.)
dem zugeſtimmt haben, wird die Reſolution an die Kom=
miſſion
verwieſen und der Titel bewilligt.
Es folgt der Titel Anſchaffung und Unterhaltung der
Apparate und techniſchen Betriebseinrichtungen uſw. . Der
Titel wird bewilligt
Bei Titel Arbeiterunterſtützungen führt Abg. Heck=
mann
(natlib.) aus: Für die definitive Anſtellung ſollte
eine ärztliche Unterſuchung maßgebend ſein, die zu Be=
ginn
der Beſchäftigung an der Poſt überhaupt vorzuneh=
men
iſt. Desgleichen ſollte ein Reichsarbeiterausſchuß den
Wünſchen der Arbeiter entſprechend eingerichtet werden.
Das verlangt die ſoziale Gerechtigkeit. Abg. Hubrich
(Fortſchr. Vpt.): Den Wünſchen der Telegraphenarbeiter,
die ſich wiederholt an den Reichstag gewandt haben, muß
unbedingt Rechnung getragen werden. Eine bei dem Ein=
tritt
in den Poſtdienſt vorgenommene ärztliche Unter=
ſuchung
auch auf die definitive Anſtellung gelten zu laſſen
entſpricht nicht unſeren Wünſchen.
Inzwiſchen iſt eine Reſolution Heckmann (natlib.)
eingelaufen auf Erhöhung der Löhne und Zulagen der
Telegraphenarbeiter, Fortfall der Sonntage als Urlaubs=
tage
und Schaffung einer Kleiderkaſſe. Abg. Behrens
(Wirtſch. Vag.) Unſere Reſolutionen entſprechen den Wün=
chen
der Telegraphenarbeiter, insbeſondere hinſichtlich der
Uebernahme der ärztlichen Unterſuchung auf die Poſtkaſſe
und Anrechnung der Arbeiterdienſtjahre bei etatsmäßiger
Anſtellung. Wir bitten deshalb, über letztere Frage dem
Reichstage rechtzeitig eine Denkſchrift vom Bundesrat vor
zulegen.
Staatsſekretär Krätke: Soweit es in unſeren
Kräften ſteht ſind wir dem Wunſche auf Anrechnung der
Arbeiterdienſtjahre entgegengekommen. Eine entſprechende
Denkſchrift iſt in Bearbeitung. In ihrem anerkennens=
werten
Eintreten für die Arbeiter gehen doch einige Her=
ren
zu weit. Wenn wir alle Wünſche, die hier für die
Arbeiter zum Ausdruck gebracht worden ſind, berückſichtigen
wollten, dann hätten wir nicht Arbeiter, ſondern Beamte
Wer die Lage der Arbeiter verfolgt, der muß ſehen, daß
dauernd Beſſerungen eingetreten ſind. 96 Prozent aller
Arbeiter ſind während des ganzen Jahres bei uns be=
ſchäftigt
. und wenn Arbeiter im Poſt= und Telegraphen=
dienſt
nicht genügend beſchäftigt werden können, ſo ſorgen
wir dafür, daß ſie bei den Fabriken unterkommen können.
Auch die Höhe der Löhne hat ſich dauernd gebeſſert. Vor
der definitiven Anſtellung muß eine ärztliche Unterſuchung
ſtattfinden. Eine frühere Unterſuchung hat deshalb keinen
Wert. Die Uebernahme der ärztlichen Unterſuchungskoſten
auf die Poſtkaſſe iſt, ſoweit es ſich um nicht feſtangeſtellte
Perſonen handelt, gänzlich ausgeſchloſſen. An die Frak=
tionen
möchte ich die Bitte richten, bevor ſie die an ſie er=
gangenen
Arbeiterwünſche in Form von Reſolutionen
niederlegen, den Arbeitern anheim zu geben zunächſt die
Entſcheidung der Verwaltung anzuhören. Man muß auch
den anderen Teil hören. Damit leiſtet man den Arbeitern
den beſten Dienſt. Abg. Ickler (natlib.): Es iſt nicht
richtig, daß wir alle Arbeiter zu Beamten machen wollen.
Wir wollen nur den beſcheidenen Wünſchen der Arbeiter
nachkommen. Abg. Zubeil (Soz.): Der Staatsſekretär
hat wieder einmal bewieſen, daß ihm für die Bedürfniſſe
ſeiner Beamten und Arbeiter jedes Verſtändnis abgeht.
Eine Beſſerung iſt von ihm nicht zu erwarten. Mit den
jetzt geſtellten Löhnen kann man eine Familie nur ganz
lümmerlich ernähren. Beamte wollen die Arbeiter nicht
werden. Sie haben aber das berechtigte Intereſſe, in ein
feſtes Verhältnis zu kommen. Der Reſolution Heckmann
ſtimmen wir zu. Ich habe keine Hoffnung für die Reichs=
poſtverwaltung
mehr. Die Oeffentlichkeit muß den alten
Junageſellen zur Vernunft bringen.
Vizepräſident Dove bittet, derartige Bemerkungen
zu unterlaſſen.

Staatsſekretär Krätke: Die Löhne ſind ſtändig
beſſer geworden, das ergibt die Statiſtik. Alljährlich er=
folgt
eine Aufbeſſerung. Nur ein ganz geringer Prozent=
ſatz
der geringbeſoldeten Arbeiter gehört zu der Klaſſe der
Telegraphenarbeiter. Auch in den ſozialdemokratiſchen
Betrieben klagen die Arbeiter über geringe Löhne. ( Un=
ruhe
bei den Sozialdemokraten.) Abg. Chryſant
(Ztr.) ſpricht den Wunſch auf Berückſichtigung der kleinen
Handwerker bei der Deckung des Kleiderbedarfs aus.
Abg. Marquart (Fortſchr. Vpt.): Das Handwerk ſollte
bei den Arbeitsvergebungen mehr berückſichtigt werden.
Die Ausſchreibungen ſollten in kleinen Loſen vorgenom=
men
werden. Der Titel wird bewilligt. Eine Re=
ſolution
, die auch die Heimarbeiter berückſichtigen will,
wird angenommen. Hierauf wird der Reſt der
außerordentlichen dauernden Ausgaben bewilligt.
Es folgen die einmaligen Ausgaben. Beim
Titel Herſtellung größerer unterirdiſcher Fernſprech= An=
lagen
(Fernkabellinien nach dem Weſten) wünſcht Abg.
Haberland (Soz.) eine beſſere Verbindung mit Weſt=
deutſchland
. Eine Verbindung zwiſchen Berlin und Düſ=
ſeldorf
dauere oft mehrere Stunden, und dringende Ver=
bindungen
ſeien zu teuer. um allgemein benutzt zu werden.
Der Titel (6 Millionen Mark) wird bewilligt. Eine Re=
ſolution
auf Verbeſſerung der Beförderungsverhältniſſe
der Aſſiſtenten und Unterbeamten wird angenommen.
Hiermit iſt der Poſtetat erledigt. Der

Etat der Reichsdruckerei
wird ohne Debatte bewilligt. Es folgt ſofort der
Etat des Reichseiſenbahnamts.
Abg. Haſenzahl (Soz.): Das Reichseiſenbahnamt
müßte mehr Initiative entwickeln, zumal in der Jetztzeit
der Ruf nach Vereinheitlichung der Eiſenbahnen mehr
denn je erſchallt. In den Schnellzügen Süddeutſchlands
ſollte mehr als bisher die dritte Klaſſe eingerichtet wer=
den
, namentlich auf der Main=Neckar=Bahn. Durch die
preußiſch=heſſiſche Eiſenbahngemeinſchaft wird Heſſen
mehr und mehr benachteiligt, und infolgedeſſen wächſt die
Unzufriedenheit in Heſſen. Wir wollen die Eiſenbahn=
arbeiter
organiſieren, nicht um die Diſziplin zu lockern,
ſondern um die Arbeits= und Lohnverhältniſſe zu beſſern.
Die lange Arbeitszeit im Dienſtbetriebe muß unbedingt
Störungen in bezug auf Sicherheit ergeben.
Hierauf wird die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr
vertagt. Vorher kurze Anfragen.
Schluß 6 Uhr 15
Minuten.

* Berlin, 20. Febr. Die Wahlprüfungskom=
miſſion
des Reichstages beanſtandete in ihrer
heutigen Sitzung die Wahl des Abg. Vietmeyer
(Wirtſch. Vgg.), Wahlkreis Waldeck=Pyrmont, und be=
ſchloß
Beweiserhebung.

Die Deutſche Kolonial=
Geſellſchaft

läßt uns in bezug auf die an dem Bericht über den Bier=
abend
in der Vereinigten Geſellſchaft am 17. ds. Mts.,
geknüpfte Beſchwerde ein Schreiben zugehen, aus dem
wir folgendes Tatſächliche wiedergeben:
Es waren für die Herren Vertreter der Preſſe vier
gute Plätze geſichert worden, von denen ſie alles überſehen
und deutlich hören konnten, und von welchen wir nach
der großen Anzahl Anmeldungen erwarten mußten, daß
ſie da mitten unter den Anweſenden ſitzen würden. Es
blieb aber eine Anzahl angemeldeter Herren leider aus,
ſo daß die hinterſten Plätze frei blieben und die der
Herren Preſſevertreter die letzten wurden (was übrigens
auch bei einer größeren Zahl zuletzt gekommener Teil=
nehmer
am Nachbartiſch in gleicher Weiſe der Fall war).
Nur jenes unerwartete Wegbleiben war alſo hiervon die
Urſache, nicht aber hatte der Vorſtand beabſichtigt, der
Preſſe hinterſte Plätze zuzuweiſen. Es kann daher nicht
von unangemeſſener Aufnahme und nicht gebührender
Berückſichtigung geſprochen werden, und es liegt kein An=
laß
vor, den Landesverein anzurufen. Hätten die Herren
Berichterſtatter ſich noch am Abend beim Vorſtand beklagt,
ſo hätte er ihnen ſofort jene Aufklärung geben können.
Wir nehmen davon Notiz, daß dem Vorſtand eine
abſichtliche Zurückſetzung der Preſſe ferngelegen hat.
Tatſächlich waren den Preſſevertretern zunächſt die
hinterſten Plätze im Vorſaal, in der Ecke bei der Müſik, zu=
gewieſen
, von wo aus nur ein Teil der Vorgänge im
Hauptſaal zu überſehen war. Auf erhobene Vorſtellung
beim Vorſitzenden durch einen Vertreter der Preſſe wur=
den
für dieſe dann am gleichen Tiſch etwas näher vor
der Tür zum Hauptſaal Plätze angewieſen, aber
auch von dieſen iſt nur feſtzuſtellen, daß bei ihrer An=
weiſung
die Preſſe nicht die entſprechende Berückſichtig=
ung
fand, die ſie für ihre Vertreter, die auf beſondere
Einladung durch den Vorſtand hin erſchienen waren,
wohl erwarten durfte. Tatſächlich iſt alſo Beſchwerde
ſofort erhoben worden, doch nur mit dem Erfolg, daß der
Herr Vorſitzende auf die Frage, ob die Preſſevertreter nicht
im Hauptſaal Platz nehmen ſollten, antwortete: Sc.
Hoheit ſpreche ſo laut, daß man es auch hier höre. Tat=
ächlich
blieben auch die neuangewieſenen Plätze die
äußerſten und ſie wären die einzigen im Vorſaal
geblieben, wenn nicht 5 Herren, die erſt nach 9 Uhr
amen, ebenfalls noch in dem Vorſaal Platz genommen
hätten. Wir mußten daher unſere Erklärung aufrecht er=
halten
, betrachten jedoch, da der Vorſtand verſichert, daß
eine abſichtliche Zurückſetzung nicht beabſichtigt war
die Angelegenheit als erledigt. D. Ref.

* Berlin 19. Febr. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt: Ueber angebliche Mißhandlungen
türkiſcher Kriegsgefangener in der Feſtung
Belgrad veröffentlichten mehrere deutſche Blätter An=
gaben
, denen in Serbien ſofort und mit Entrüſtung
widerſprochen wurde. Ein deutſcher Gewährsmann, der
als Arzt in der Feſtung tätig iſt, beſtätigt, daß jenen für
Deutſchlands Intereſſen in Serbien ſchädlich wirkenden
Preſſemeldungen nichts Tatſächliches zugrunde lag. Die
türkiſchen Gefangenen in der Belgrader Feſtung werden
menſchlich behandelt. Sie erhalten die gleiche Koſt wie
die verwundeten Serben. Beſondere Streitigkeiten mit
den ſerbiſchen Wachen ſind noch nicht vorgefallen. Vor
mehreren, Wochen gab es einmal eine größere Prügelei
wobei auf der einen Seite gefangene Türken, auf der an=
deren
Gefangene eines nichttürkiſchen Stammes beteiligt
waren. Dabei wurde ein ſerbiſcher Wachtpoſten, als er
die Streitenden trennen wollte, an der Hand verletzt. Der
Geſundheitszuſtand der türkiſchen Gefangenen in der Feſt=
ung
Belgrad iſt als günſtig zu bezeichnen.
* London, 19. Febr. Oberhaus. In der heu=
tigen
Sitzung befragte Lord Lamington die Regierung

Der Balkankrieg.

Grauſamkeiten im Kriege.

[ ][  ][ ]

über die angeblichen Grauſamkeiten in Maze=
donien
und Thrazien und verlangte zu wiſſen,
welche Antworten auf die den Balkanſtaaten etwa gemach=
ten
Vorſtellungen gegeben worden wären. Redner gab
ſeinem Bedauern Ausdruck, daß kein politiſcher Führer
Englands irgend eine Teilnahme für die Türkei in ihrer
Bedrängnis geäußert habe und daß kein bewunderndes
Wort für den Mut und die Tapferkeit der Türken in Sku=
tari
und Adrianopel gefallen ſei. Der Lordpräſident des
Geheimen Rats Morley erinnerte den Frageſteller
daran, daß England zur Neutralität verpflichtet ſei und
frage, wie die Mitglieder der Regierung es mit den
Grundſätzen der Neutralität vereinbaren ſollten, Beifall
oder Mißfallen zu äußern. Morley fuhr fort: Es war
nicht leicht, ein Urteil zu gewinnen, inwiefern die Gerüchte
von Grauſamkeiten begründet waren. Keine Regierung
konnte die Wahrheit der Gerüchte nachforſchen, da es für
eine fremde Regierung unmöglich iſt, in das Gebiet, das
den Schauplatz des Krieges bildet, zu gelangen und Nach=
forſchungen
anzuſtellen. Das Aeußerſte, was man tun
konnte, war, bei den Regierungen energiſche, wenn auch
höfliche, Vorſtellungen zu erheben. Solche Vorſtellungen
in nichtoffizieller Form ſind in Serbien und Bulgarien
erhoben worden. Die ſerbiſche Regierung antwortete
wenn in vereinzelten Fällen Soldaten in der Hitze des
Kampfes ein Verbrechen begangen hätten, ſo wären die
Uebeltäter ſtets mit der vollen Strenge des Kriegsgeſetzes
beſtraft worden. So oft ein Verbrechen von verſprengter
Mitaliedern freiwilliger Banden, die nicht durch die Mili=
tärbehörden
kontrolliert werden konnten, begangen wurde,
hätten die ſerbiſchen Behörden auch alle Verſuche perſön=
licher
Rache ſtreng beſtraft. Ferner las Morley die Ant=
wort
der bulgariſchen Regierung vor, welche Grey bereits
bekannt gemacht hatte.

Türkiſche Kriegsmeldungen.

* Konſtantinopel 19. Febr. Die tendenziöſen
Meldungen über die Ereigniſſe bei der Landung von
Scharköj werden durch Meldungen nichttürkiſcher
Augenzeugen der Kämpfe vom 8., 9. und 10. Februar
widerlegt. Nach dieſen Berichten iſt die Landung der Tür
ken vollkommen geglückt. Die Bulaaren wurden unter
beträchtlichen Verluſten zurückgeſchlagen, während die
Verluſte der Türken an allen drei Kampftagen nur 17 Tote
und 53 Verwundete betrugen und kein Türke als Gefan=
gener
in die Hände der Bulgaren geriet. Die Wiederein=
ſchiffung
der Truppen am 10. Februar verlief ohne Beläſti=
gungen
ſeitens der Bulgaren und erfolgte auf Befehl aus
Konſtantinopel. Auch die bulgariſchen Meldungen über
die Kämpfe bei Bulair erweiſen ſich nach Mitteilungen
aus derſelben Quelle als ſehr übertrieben. Auch bei Bu=
lair
, wo die Türken am 8. Februar nicht unbedeutende
Verluſte hatten, haben die Bulgaren nirgends an Terrain
gewonnen.

Wiedereröffnung der Friedensverhandlungen.

* Konſtantinopel, 19. Febr. Heute wurde kein
Kriegsbulletin veröffentlicht. Es verlautet, Hakki Pa=
ſcha
habe der Pforte telegraphiſch mitgeteilt, ſeine erſte
Unterredung mit dem Staatsſekretär Grey laſſe durch=
blicken
, daß die Wiedereröffnung der Frie=
densverhandlungen
auf der Grundlare der tür=
kiſchen
Antwortnote unmöglich ſei. Die Pforte werde
Hakki Paſcha neue Weiſungen übermitteln. Generaliſ=
ſimus
Izzet Paſcha und ſein Generalſtabschef trafen
geſtern abend aus dem Hauvtquartier hier ein und konfe=
rierten
mit dem Großweſir Mahmud Schefket Paſcha, der
abends nach Bulair abgereiſt iſt. Das Gerücht über die
Einnahme zweier Forts vor Bulair beſtätigt ſich nicht.

Die rumäniſch=bulgariſche Frage.

* Wien 20. Febr. Einer Mitteilung zufolge, die
die Politiſche Korreſpondenz von unterrichteter Seite aus
Sofia erhält, hat der bulgariſch=rumäniſche
Gegenſatz nunmehr durch das vermittelnde Eingreifer
der Mächte an Schärfe abgenommen. Man glaubt ſogar
ſchon ankündigen zu können, daß die Beſprechungen von
dem Erfolge, zwiſchen dem beiderſeitigen Standpunkte
eine mittlere Linie zu finden, nicht mehr ſehr entfernt
ſeien. Es iſt die Annahme geſtattet, daß die bulgariſche
Regierung die Abtretung der Stadt Siliſtria, die ſie bis
zum Eingreifen der Mächte durchaus verweigert hat, nun=
mehr
unter gewiſſen Vorausſetzungen nicht mehr als ein
unmögliches Zugeſtändnis betrachten werde.

Die Revolution in Mexiko.

* Mexiko, 19. Febr. Der ehemalige Präſiden
Madero und ſein Bruder Guſtavo Madero wur
den heute in früher Morgenſtunde unter ſtarker Bedeckun
aus dem Nationalpalaſt in das Arſenal übergeführt
Guſtavo wurde kurz nach 9 Uhr morgens aus dem Ar=
ſenal
geholt und erſchoſſen. Guſtavo Madero wurde
allgemein als mächtiger gehalten, als der ehemalige Prä
ſident ſelbſt. Sein willkürliches Verhalten ſcheint de
eigentliche Anſtoß zu der revolutionären Bewegung ge
weſen zu ſein. Während er durch die Straßen geführ
wurde, bemächtigte ſich der Menge eine wilde Erregung
die Wache hatte Mühe ihn zu ſchützen. Die Truppen un
Revolutionäre ſollen nicht vor Ablauf von zwei bis dre
Tagen aus ihren Stellungen zurückgezogen werden, da
man neuerliche Ruheſtörungen befürchtet
Mexiko 20. Febr. Die Vorbereitungen zu
Ueberführung des Expräſidenten Maderr
und des bisherigen Unterrichtsminiſters Suarez, di
mit ihren Familien nach Europa gehen ſollen, waren
um Mitternacht beendet. Faſt zur gleichen Zeit, da ihre
Abdankungen im Kongreß verleſen wurden, kamen ſie au
der Eiſenbahnſtation an, wo ein Zug unter Dampf ſtand
Beide waren begleitet von Verwandten und vertrauter
Freunden, unter denen ſich der chileniſche Geſandte un
der japaniſche Geſchäftsträger befanden.
* New=York 20. Febr. Eine Meldung aus
Mexiko beſagt: Der Kongreß erwählte in eine=
beſonderen
Sitzung General Huerta zum proviſoriſcher
Präſide nten der neuen Regierung. Auch Huert
ſteht bereits Anſchlägen gegenüber. Er ließ den Genera
Francisco Romero verhaften, der beſchuldigt wird, an de
Verſchwörung beteiligt geweſen zu ſein. Geſtern gab e
drei mexikaniſche Präſidenten: Madero, Lascurain un
Huerta. Bis der Kongreß geſtern Maderos Demiſſio
annahm, blieb Madero rechtsmäßig Präſident. Dan
trat Lascurain proviſoriſch an ſeine Stelle, da das Geſe=
fordert
, daß der neue Präſident ein Kabinettsmitglied ſei
muß. Lascurain ernannte dann General Huerta zun
Miniſter des Innern. 26 Minuten ſpäter trat Lascurat
zurück und der Kongreß ernannte Huerta zum Präſider
ten. Ob die Verbannung Maderos durchgeführ
wird, ſteht noch nicht feſt. Die Regierung wird ihn al
verantwortlich für den Tod des Oberſten Riverole ar

ſehen, der im Augenblick der Verhaftung Maderos getöte
wurde. Huerta veröffentlicht eine Erklärung, daß vor
dem Staatsſtreich zwei Attentate auf ihn verübt worden
ſeien, die er Madero zuſchreibt. Im erſten Falle ver=
ſuchte
einer der Demonſtranten, ihn im Palaſt zu töten,
der zweite Fall war bei einem Bankett, wobei Guſtavo
Madero verhaftet wurde. Man bat Huerta unaufhörlich,
Wein zu trinken, den er zurückwies. Die chemiſche Unter=
ſuchung
des Weins ergab, daß er mit Cyankali vergiftet
war.
* Waſhington 19. Febr. Die Regierung
der Vereinigten Staaten wird die neue mexi=
kaniſche
Regierung nicht eher formell anerkennen,
als bis dieſe tatſächlich erwieſen hat, daß ſie fähig iſt, aus
dem augenblicklichen Chaos den Frieden herzuſtellen. Die
Regierung der Vereinigten Staaten wird ungefähr die=
ſelbe
Haltung beobachten, wie ſie es in China getan hat,
wo das Staatsdepartement mit ſeiner Anerkennung zu=
rückgehalten
hat, bis die proviſoriſche Regierung durch
eine bleibende konſtitutionelle Regierung erſetzt war. In=
zwiſchen
wird in der Politik Amerikas, um für alle Even
tualitäten in Mexiko bereit zu ſein, keine Aenderung ein=
treten
. Kriegsſchiffe und Marinetruppen werden nach
wie vor in Guantanamo zuſammengezogen werden.
* Mexiko 20. Febr. Der Befehl Huertas,
durch den Madero verhindert wurde, ſich ſeiner mit
einem Zuge nach Veracruz abreiſenden Familie anzu=
ſchließen
, erfolgte in der letzten Minute. Die Botſchaft
Huertas überreichte Lascurain, der keine Erklärungen
geben konnte. Frau Madero brach in Tränen aus. Sie
reiſte mit den übrigen Familienmitgliedern ab, da ſie die
Pläne Huertas fürchtet.

Großfeuer in Tokio.

* Tokio, 20. Febr. Die Stadt wurde durch einen
furchtbaren Brand heimgeſucht. Das Feuer, das
in der Halle der Heilsarmee in Kanda ausgebrochen iſt,
wurde durch ſtarken Sturm angefacht und verbreitete ſich
mit großer Schnelligkeit, ſo daß es ſich auf das ganze
Stadtviertel ausdehnte. Die Garniſon rückte aus
und unterſtützte die Feuerwehren, doch waren alle Be=
mühungen
vergeblich. Kanda iſt der Mittelpunkt des
ſtudentiſchen Lebens. Viele Schulen und Erziehungs=
inſtitute
ſind niedergebrannt. Wie amtlich feſtge=
ſtellt
wurde, ſind 3300 Gebäude zerſtört worden.
Die Zahl der Obdachloſen, die im Kudanpark Un=
terkunft
ſuchen, wird auf 15000 geſchätzt; der Schaden
wird auf Millionen beziffert.

Stimmen aus dem Publikum.

übernimmt die Redaktion
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſch
hri
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt
und d
nat bſ. 2 des
ch.
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender ne

Die Invalidenrente der Gemeindebeamten.

Nach Blättermeldungen ſind in der letzten Zeit wie=
derholt
Beamtenkategorien von vorgeſetzten Stellen dar=
auf
aufmerkſam gemacht worden, daß nach der neuen
Reichsverſicherungsordnung an Beamte außer der Pen=
ſion
auch die Invalidenrente bezahlt werden kann, und es
wurde deshalb für den Fall des Ausſcheidens aus der
Zwangsverſicherung (etwa durch Anſtellung) die freiwil=
lige
Fortſetzung der Invalidenverſicherung zur Sicherung
der ſpäteren Rente empfohlen. Auch die Privatangeſtellten
können nach dem jetzt ins Leben getretenen Geſetz grund=
ſätzlich
neben der Penſion noch Invalidenrente erhalten.
Bei den Gemeindebeamten und =bedienſteten, für die vor
einigen Jahren die Heſſiſche Fürſorgekaſſe für Kommunal=
beamte
ins Leben getreten iſt, trifft das nicht zu, da nach
den für dieſe Kaſſe gültigen geſetzlichen Beſtimmunger
eine zuerkannte Invalidenrente auf den etwaigen Ruhe=
gehalt
aus dieſer Kaſſe zur Zeit noch aufgerechnet werden
muß. Die Fürſorgekaſſe ihrerſeits zahlt an Stelle der
Mitglieder die Beiträge zur Invalidenverſicherung ſelbſt
Eine Aenderung des einſchlägigen Geſetzes, durch die die
Gemeindebamten gleich den oben erwähnten anderen Be=
amtengruppen
die Möglichkeit erhalten, ſich die Invaliden=
rente
ſelbſt zu erwerben, erſcheint wünſchenswert.

Maſſenmord von Fledermäuſen.

Vor einigen Tagen erzählte mir ein im Beſſunger
Gemeindewald beſchäftigter glaubwürdiger Holzmacher,
daß beim Fällen einer hohlen Tanne mehr denn eine
Waſchmahne voll Fledermäuſe vernichtet worden ſeien.
In unſerer aufgeklärten Zeit, wo man zur Vernichtung
der Schädlinge der Inſektenwelt überall im Walde Niſt=
käſten
aufhängt für die nützlichen, inſektenvertilgenden
Tiere, ſollte man doch glauben, die Forſtbehörde müßte
doch derartige Niſtaelegenheiten für Fledermäuſe er=
halten
, zumal die Behörden ziemlich Geld ausgeben müſſen
für Anlegung von Klebgürtel bei Inſektenfraß (Nonne)
während die Fledermäuſe bei genügender Anzahl die Ver=
nichtung
der Schädlinge umſonſt beſorgt hätte. Meine
Bitte geht nun dahin, für dieſe ſo nützlichen und verkann=
ten
Tiere eine Lanze zu brechen und die landwirtſchaft=
lichen
und Forſtbehörden, ſowie den Vogelſchutzverein
und Naturfreunde zu erſuchen, die Niſtaelegenheiten der
Fledermäuſe mehr zu unterſtützen durch Zugänglichmachen
geeianeter dunkler Orte in Gebäuden, Türmen und durch
Herſtellung von Holztürmen, wie dies in Nr. 41 des
Tagblattes beſchrieben. Der Erfolg bleibt nicht aus.
Ein Naturfreund.

Landwirtſchaftliches.

Groß=Gerau 20. Febr. Wie bei dem vor
hergehenden Markt herrſchte auch bei dem letzten Fer=
kelmarkt
ein ſehr lebhafter Geſchäftsgang, denn in kur=
zer
Zeit waren die aufgetriebenen 504 Tiere bis auf das
letzte Stück verkauft. Die Preiſe bewegten ſich in ihrer
ſeitherigen Höhe und betrugen für Ferkel 1825 Mark
für Springer 2735 Mark und für Einleger 3850 Mark
pro Stück. Der nächſte Ferkelmarkt wird am
Montag, den 24. Febr., abgehalten.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 20. Febr. Die Norddeutſche Allgemeine Zig
ſchreibt: Die Kaiſerin wird mit der Prinzeſſin Vik=
toria
Luiſe demnächſt zu einem Beſuche bei dem Herzog
und der Herzogin von Cumberland in Gmun=
den
eintreffen. Der Herzog und die Herzogin
von Cumberland werden im Laufe des Monats Mär
dem Kaiſerpaar einen Beſuch in Potsdam abſtatten
* Berlin, 20. Febr. Das für den als erſtes Opfer der
Freiheitskriege gefallenen Freiherrn v. Blomberg er=
richtete
Denkmal vor der Bartolomäuskirche am =
nigstor
iſt heute mittag feierlich enthüllt worden. An der
Feier nahm der Fürſt zu Lippe als der Landesherr Blom=

bergs teil. Die ſtädliſchen Behörden und die Garmiſom
waren durch Deputationen vertreten.
* Paris, 20. Febr. Im Elyſée fand heute unter dem
Vorſitze des Präſidenten Poincaré ein Miniſterrat=
ſtatt
, in welchem der Miniſter des Auswärtigen Jonnark
die Mitteilung machte, daß der Kaiſer von Rußland ſeine
Zuſtimmung zur Ernennung Delcaſſés als Botſchafter
in Petersburg gegeben habe.
* Liſſabon, 20. Febr. In der Kammer iſt eine Inter
pellation eingebracht worden über die Unterhandlungen
betreffend den Handels= und Schiffahrtsver=
trag
zwiſchen Portugal und England und
über die tendenziöſen Gerüchte in auswärtigen Zeitungen
von angeblichen Verhandlungen zwiſchen England und
Deutſchland betreffend die portugieſiſchen Intereſſen.

HB. Poſen, 20. Febr. Die Provinzialbank
in Kolmar in Poſen, Kommanditgeſellſchaft auf Aktien
mit einem Kapital von 500000 Mark, die vor fünf Jah=
ren
ins Leben gerufen worden iſt, hat ihre Zahluns
gen eingeſtellt. Der Antrag auf Eröffnung des
Konkurſes wird im Laufe des heutigen Tages von der
Reichsbank=Hauptſtelle Poſen geſtellt werden. Ueber die
Ausſichten und den Status der Bank läßt ſich zurzeit noch
nichts ſagen, doch ſind die Paſſiven jedenfalls ſehr hoch=
Die Aufregung in Kolmar über den Zuſammenbruch der
Firma iſt ſehr groß und man befürchtet, daſ
auch verſchiedene andere dortige Geſchäfte durch den Aus=
bruch
des Konkurſes der Bank in Zahlungsſchwierigkeiten
geraten werden. Auch weitere Kreiſe der Bürgerſchaft und
ländliche Beſitzer im Kreiſe Kolmar erleiden empfindlich
Verluſte.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Das kontinentale Hoch beginnt zu zerfallen, beherrſcht
aber noch unſere Witterung. Bei kalten öſtlichen Winden
haben wir heiteres, trockenes Froſtwetter. Die Tempera=
turen
liegen heute morgen in Deutſchland zwiſchen 4 unſ
9 Grad. Niederſchläge fielen in Deutſchland keine. Wir
kommen allmählich unter Tiefdruckeinfluß, ſo daß ein Wet
terumſchlag in Ausſicht ſteht.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, 21. Februarz
Bewölkung zunehmend, noch meiſt trocken, milder; ſüd=
liche
Winde.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Trauer-Kostüme Anfertigung nach Mass . :: .
Trauer-Kleider: . :: :: innerhalb 24 Stunden.

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Unterrichtsweſen.
Hochſchule für kommunale und ſozialt
Verwaltung Köln. Das Vorleſungs=Verzeichnis
der Hochſchule für kommunale und ſoziale Verwaltung
iſt ſoeben erſchienen. Die Vorleſungen ſind wiederun
vermehrt und beginnen am 21. April. Das Vorleſungsg
Verzeichnis iſt vom Sekretariate der Hochſchule
beziehen.
Gottesdienſtliche Anzeige.
Stadtkapelle. Freitag, 21. Februar, abends
8 Uhr: Paſſionsandacht. Pfarrer D. Diehl.
Gottesdienſt der ioraelitiſchen Religiousgemeinse.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 21. Februar:
Vorabendgottesdienſt 6 Uhr
Samstag, den 22. Februar:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Min. Sabbatausgang
6 Uhr 40 Min.

Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions
geſellſchaft.
Samstag, den 22. Februar:
Vorabend 5 Uhr 20 Min. Morgens 8 Uhr. Nachmittags
4 Uhr. Sabbatausgang 6 Uhr 40 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 23. Februar, an
Morgens 6 Uhr 30 Min. Nachmittags 5 Uhr 30 Min
Familiennachrichten.
Dankſagung.
Für die herzliche Teilnahme bei dem Hin=
ſcheiden
unſerer treubeſorgten Mutter
(*4725
Frau
Marte Stroh Witwe
insbeſondere für die liebevolle Pflege im Kranken=
hauſe
, Herrn Pfarrer Kleberger für ſeine troſtreiche
Grabrede, ſowie für die zahlreichen Blumenſpen=
den
ſagen wir Allen unſeren herzlichen Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 20. Februar 1913.

Dankſagung.
Für die uns aus Anlaß des Ab=
lebens
unſerer lieben Mutter erwieſenen
Aufmerkſamkeiten ſagen herzlichen Dank
die tieftrauernden Hinterbliebenen.
J. d. N.:
Heinrich Strauß. (4522
Darmſtadt, den 19. Febr. 1913.

[ ][  ][ ]

ing
Sber

bant
4 def
t noc
hr hoc
luch
den Aug

findlu

herrſch
Winde
Tempera=
hen
4 un
ein Weig
Febtum=
er
; fül

en.

1C0.
2850

zial
zeichns
iltun,

bends

Keligie

Anſtatt beſonderer Anzeige.

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, geſtern abend unſern lieben, guten Vater, Schwieger=
vater
, Großvater, Schwager und Onkel
(4536
2
Kafr Cerlaut Major u. L.
verſehen mit den heiligen Sterbeſakramenten, im Alter von 83 Jahren aus dieſem Leben abzuberufen=
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen:

Darmſtadt, 20. Februar 1913.

Eugen Gerlach, Amtsgerichtsrat,
Guſtav Gerlach,
Marie Gerlach, geb. Tappen,
und 3 Enkel.

Die Beiſetzung findet Samstag, den 22. Februar, nachmittags 3 Uhr, von der Friedhofskapelle aus,
das feierliche Seelenamt Dienstag, den 25. Februar, vormittags 9 Uhr, in der Pfarrkirche St. Ludwig ſtatt.

Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. A). Anfang 7½ Uhr,
Ende 10 Uhr: Anatol.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vortrag von Paul Schirrmeiſter um 8¼ Uhr im
Kaiſerſaal (Naturheilverein).
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Die
Verlobung im Kaiſerhauſe: Das Brautpaar auf einem
Spaziergang in Karlsruhe die Eltern und Schweſtern
des Bräutigams; zum Untergang der Südpolexpedition
des Kapitäns Scott, der verunglückte Kapitän hält eine
Anſprache an ſeine Mannſchaft: Ueberſichtskarte über
den Weg zur Expedition; das Ringen um Adrianopel.
Verſteigerungskalender.
Samstag, 22. Februar.
Stamm= und Brennholz=Verſteigerung um
9½ Uhr im Ober=Ramſtädter Gemeindewald ( Zu=
ſammenkunft
auf der Straße Nieder=Modau- Franken=
hauſen
am Eingang des Waldes).
Nutz= und Brennholz=Verſteigerung um
9 Uhr im Büttelborner Gemeindewald ( Zuſammen=
kunft
auf der Darmſtädter Chauſſee am Eingang des
Waldes).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbei agen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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V
ranken=
eich

Kurſe vom 20. Februar 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
InProz.
Zi.

F.
Staatspapiere.
Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,60
½ Deutſche Reichsanl. . 88, 20
77,30
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,90
2½½ do. Conſols . . . 88,40
77,30
do.
do.
99,40
Bad. Staatsanleihe .
92,80
do.
3½½
83,50
do.
41 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,05
86,60
do.
3½½
do.
4 Hamburger Staatsanl. 98,50
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 93,90
14 do. do. (unk. 1918) 98,80
86,40
do.
3½
75,80
do.
a Sächſiſche Rente . . . . 78.80
4 Württemberger v. 1907 93,95
do. v. 1875 93,90
3½
Bulgaren=Tabak=Anl.
V. Griechen v. 1887 . . 54,06
3V. Italiener Rente . . 97,
4½ Oeſterr. Silberrent: 86,25
do. Goldrente . . . 90,30
4 do. einheitl. Rente 82,90
3 Portug. unif. Serie I 63,40
do. unif. Ser. III
6
do. Spezial . . . 9,75
5 1Rumänier v. 1903 . . 99,40
do. v. 1890. . . 93,00.
do. v. 1905 . . 85,80
4 RRuſſen v. 1880 . . . . 88,80
t, do. p. 1902 . . . . 89,50
u do. v. 1905 . . . . 99,60
Schweden . . . .
3 Serhier amort. v. 1895 89,60
4 Türk. Admin. v. 1903 77,75
14
Türk. unifiz. v. 1903 86,49
4 UUngar. Goldrente . . . 86,60
do. Staatsrente. . . 82,85

5 Argentinier . . . . . .
do.
4½ Chile Gold=Anleihe.
5 Chineſ. Staatsanleihe:
do.
4½
4½ Japaner . .
,
5 Innere Merikaner. .
do.
4 Gold=Merikanerv. 1991
5. Gold=Merikaner . . . .
3 Buenos Aires Provinz
Aktien inländiſher
Transvortanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Pakel=
fahrt
. . . . . .
5 Nordd. Lloyd . . . . .
6½ Südd. Eiſenb.=Beſ..
Aktienausländiſcher
Transvortanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 403 . .
6 Baltimore und Ohio.
6 Schantungbahn . . . .
64 Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.)
6 Pennſylvania R. R. .

Divid.

Letzte Induſtrie=
Aktien.
3 Brauerei Werger
25 Bad. Anilin= u. Sodx=
Fabrik . . . . . .
14 Chem. Fabrik Gries=
heim
. . . . . . .
30 Farbwerke Höchſt . .
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . .
10 Cement Heidelberg . .
30 Chem. Werke Albert 436,50
14 Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . .
5 Lahmeyer . . . . . . .

In Proz=
100,60
86,50
91,50
93,75
91,00
91,25
-
84,00
98,00
63,00

149,25
116,25

113,25
103,25
128,00
23½
119,20

629,50
239,75
619,00
350,20
145,00
326,00
122,00

InPror
Letzte
Tivid
7½ Schuchert, Nürnberg 143,10
12 Siemens & Halske
119,50
5 Beramann Electr.
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 161½
25 Gummi Peter . . . . 75,10
0 Kunſtſeide Frankfurt 69,75
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 591,50
10 Maſchinenf. Badenia 178,00
16 Wittener Stahlröhren
8 Steana Romana Petr. 149,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 236,00
12½ Bad. Zucker=Wag=
I
häuſel. . . . . . . 197,75
10 Neue Boden=A. A.=Beſ. 88,50
3 Südd. Immobilien . 59,50
Bergwerks=Aktien,
2 Aumetz=Friede . . . . 173,00
12½ Bochumer Bergb. u. ,
Gußſt. . . . . . . 212,75
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 159,90
10 Gelſenkirchener . . . . 193,50
9 Harpener . . . . . . . 190,50
18 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 255,75
O Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 83,00
6 Laurahütie . . . . . . 175½
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 205,60
South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 83,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 99,30
4 Eliſabethbahn, freie . . 92,40
4 Franz=Jofefs=Bahn . . ..
3 Prag=Durer . . . . . . 73,70
5 Oeſterr. Staatsbahn .
4 Oeſterr. Staatsbahn . 92,70
do.
3
76,10
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 98,80
do.
4

Inden.
Bf.
2¾ Oeſt. Südb. (Lomb.) 52,75
3 Raab=Oedenburz . . 77,00
4 Kronprinz Rudolfbahn 92,50
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 87,50
4½ Moskau=Kaſan . . .
.
4 Wladichawchas . . . . 86.70
4 Riäſan Koslow . . . 86,30
3 Portugieſ. Eiſenb. .. 75,00
do.
68,50
24) Livorneſer .
3 Salonique=Monaſtir 62,2
80,60
4 Baadadbahn . . . .
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 94,00
4 Miſſouri=Paciſic. . . . 70,50
4 Northern=Paciſic . . . 98,00
4 Southern=Pacific . . . 93,90
5 St. Louis und San
Francisco. . . . . 82,00
5 Tehuantepec . . . . . .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 187,00
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 118,50
9½ Berlin. Handelsgeſ. .166,00
6½ Darmſtädter Bank . 123,60
12½ Deutſche Bank . . . 255,10
6 Deutſche Vereinsbank . 123,20
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,30
10 Diskonto=Kommandit 189½
8½ Dresdener Bank . . 155,40
9½ Frankf. Hypoth=B. 215,50
6½ Mitteld. Kreditbank 120,50
Nationalb. für Deutſchl. 122,00
7 Pfälziſche Bank . . . . 130,00
5.86 Reichsbank . . . . 138,00
7 Rhein. Kreditbank. . . 136,25
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 114,90
7½ Wiener Bankverein . 132,50
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 98,00

Zf.
Zupren
3½ Frankf. Hypoth.=Ban
86,8)
S. 19 . . . .
4 Frankf. Hyp.=Kredikv.
S. 52 . . . . . . . 97,80
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 97,50
3½
do.
87,25
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,30
3½
do.
87,30
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16 .
98,60
S. 14, 15, 17, 24/26
1823 . . . . . . .
98,90
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Banl
S. 1 u. 2, 68 . . . 87,30
S. 35 . . . . . . . . 87,10
S. 911 . . . . .
87,20
4 Meininger Hyp.=Bank 97,60
3½
do.
86,50
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 97,60.
3½ do. (unk. 1914) . . 86,70
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,00
do.
87,80
2 Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . .
97,50
3½ do.
Frankfurt. . . . . . . 98,80
3½
do.
96,00
4 Gießen . . . . . . . .
-
3½ do.
4 Heidelberg . . . . . . 96,70
3½
do.
87,70
4. Karlsruhe . . . . . . 96,70
3½
do.
88,10
4 Magdeburg. . . . . .
-
3½
do.
4 Mainz . . . . . . . .
34
89,00
do.
Mannheim . . .
96,30
31
do.
90,00
99,30
München . . . .
Nauheim . . . . . .
Nürnberg. . . . . . . 98,50
do.
87,00
4 Offenbach .

In gest.
Zf.
3½ Offenbach . . . . . . .
Wiesbaden . . . . . . 98,40

96,20
do.
Worms . . . . . . . . 97,30
3½
88,50
do.
4 Liſſaboner v. 1888 . 76,50
Verzinsliche
Anlehensloſe.
Badiſche . . . Tlr. 100 174,40
3½ Cöln=Mindner 100 141,50
3 Holl. Komm. . fl. 100 113,00
3 Madrider . . Fs. 100. 74,90
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 138,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 178,00
3 Oldenburger . . . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . ſl. 7 35,80
Braunſchweiger Tlr. 20 197,00
Freiburger . . . . Fs. 15 94,00
Mailänder . . . . Fs. 45
do. . . . . Fs. 10 34,90
Meininger . . . . . fl. 7 34,30
Oeſterreicherv. 1864fl. 100
do. v. 1858fl. 100 470,00
Ungar. Staats . . fl. 100 380,00
Venediger . . . . Fs. 30 53,50
Türkiſche . . . . Fs. 400 156,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,45
20 Franks=Stücke . . . . 16,27
Amerikaniſche Noten . . . 4, 18½
Engliſche Noten . . . . . 20,43
Franzöſiſche Noten. . . . 81,25
Holländiſche Noten. . . . 168,95
Italieniſche Noten . . . . 79,90
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,50
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,85

Reichsbank=Diskonto,
Reichsbank=Lombard Zsf. 7

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den z21. Februar 1913.

Nummer 44.

debr. Rolisen

gelangen die sich während der Weissen Woche‟
angesammelten

2 Markt 2

Heute Freitag

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wigſtraße
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[ ][  ][ ]

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Wir haben für Samstag, Sonntag und Montag das großartige Werk:
91


nach dem Roman von ALEXANDER DUMAS erworben.
4537
Der Film ist Mitte dieses Monats erschienen und beherrscht gegenwärtig den Spielplan der Kammerlichtspiele Berlin, ist aber ganz neu und in
2.
anderen Städten noch nicht vorgeführt worden. Wir haben weder Mühe noch Kosten gescheut, um dieses Prachtwerk, kaum der Fabrik
entnommen, dem geehrten Darmstädter Publikum vorzuführen. In Anbetracht dessen, daß wir keine Preiserhöhung an diesen Tagen eintreten
lassen, wie dies bei anderen Theatern in vielen Städten bei Sondervorstellungen der Fall ist, sehen wir uns genötigt, darauf hinzuweisen,
daß an diesen Tagen Freikarten, Preisermäßigungen und halbe Preise keine Gültigkeit haben und die regulären Eintrittspreise zu zahlen sind.
Nur für Erwachsene! Das Theater ist an diesen Tagen von nachm. 2 Uhr ab geöffnet. Nur für Erwachsene!
Musik: Klavier und Harmonium.

Darmstädter Bezitnsveren
Mächlidenhoh-viertel.
Ordentliche Haupt=Verſammlung
Donnerstag, den 27. Februar, abends 8½ Uhr,
im Saale des Perkeo.
Tagesordnung:
1. Bericht des Vereinsrechners.
2. Jahresbericht des 1 Vorſitzenden.
3. Beſprechung ſtädtiſcher Angelegenheiten, auch der Waſſer=
und Kanalabgaben, etwaiger Anträge ꝛe.
(4514
4. Neuwahl des Vorſtandes.
Wir laden unſere Mitglieder zu zahlreichem Beſuche ergebenſt ein.
Der Vorſtand. J. A.: Schupp.

2
Sterveraſſe=Berein Darmſtadt.
Hierdurch machen wir unſere Mitglieder
mochmals auf die am Samstag, den 22. d. Mts.,
e,
abends 8½ Uhr im Saale der Stadt Coburg‟
Waldſtraße 2, ſtattfindende Hauptverſammlung
aufmerkſam.
Darmſtadt, den 21. Februar 1913.
Der Vorstand.
(549)
Wbarmstädter Vortragsverband.
Dienstag, den 11. März 1913, abends 8¼ Uhr,
im grossen Saale des Kaisersaals:
Haß Lustiger Vortragsabend A9t
1
Konlad Brener
Kgl. Bayerischer Hofschauspieler
Einziges Auftreten in dieser Saison.
PROGRAMM: Bauernhumor‟ (Bauernhochzeiten, Haberfeld-
treiben
, Bauerntheater) -Münchner Humoristen‟ (Heiteres
von Thoma, Ettlinger, Hartl-Mitius etc) Meine Bismarck-
(4541
und Kalserabende‟ (Vorträge und Erinnerungen).
Eintrittskarten: Sperrsitz zu 3 Mk., Saal zu 2 Mk.,
Vorsaal zu 1.50 Mk., Galerie zu 1 Mk., Studentenkarten
zu 75 Pfg. u. Schülerkarteu zu 50 Pfg. im Verkehrsbureau
Der Vorstand.
und abends an der Kasse.
Tee-Abend
des
Katholiſchen Frauenbundes.
Sonntag, den 23. Februar, nachmittags 5 Uhr,

im Gesellenhause

Vortrag

von Herrn Professor Laufer über
Elternhaus und Schule.
Da das Thema ein ſehr wichtiges iſt, wird um zahlreiches Er=
(*B4548
ſcheinen, beſonders der Eltern, gebeten.

Der Vorſtand
des Vereins für Verbreitung von Volksbildung
macht ſeine Mitglieder und angeſchloſſene Vereine
aufmerkſam auf die für folgende Veranſtaltungen
gewährten Preisermäßigungen: Hauptprobe zu Frithjof,
Lichtbilder=Vortrag Graetz, Lichtbilder=Vortrag Binder=
Kriegstein und Stätten der Arbeit, Kunſthalle. (4566

Verein für naturgemäße Lebens= u. Heilweiſe e. V.
(Naturheilverein) Darmſtadt.
Freitag, den 21. Februar, abends 8½ Uhr, wird Herr
Paul Schirrmeister aus Berlin im Kaiſerſaal (Grafenſtr.) einen
öffentlichen Vortrag für Damen und Herren halten über das Thema:
Lebenskunſt, eine Quell innerer Freiheit und
neuer Volkskraft.
(4104sf
Der Redner iſt aus ſeinen früheren Vorträgen hier vorteilhaft
bekannt. Wir laden zu recht zahlreichem Beſuche ein. Mitglieder und
neubeitretende Mitglieder haben freien Eintritt, von Nichtmitgliedern
wird 30 Pfg. Eintrittsgeld erhoben.
Der Vorstand.

Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch und Samstag
Kur-Konzert.

Eintritt 25 Pfg. 10 Abonnementskarten zu Mk. 1.50
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Freitag, den 21. Februar 1913.
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Zum erſten Male wiederholt:
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von Arthur Schnitzler.
I. Weihnachtseinkäufe.
Perſonen:
Anatol
. . Kurt Ehrle
Charlotte Pils
Gabriele
II. Epiſode.
Perſonen:
. . Kurt Ehrle
Anatol
Max . . . . Kurt Weſtermann
Ilſe Verka
Bianca
III. Abſchiedsſouper.
Perſonen:
Anatol . . . Kurt Ehrle
Max . . . . Kurt Weſtermann
Annie . . . . Käthe Gothe
Ein Kellner. . Paul Peterſen
IV. Die Frage a. d. Schickſal.
Perſonen=
Anatol . . . Kurt Ehrle
Mar .
. Kurt Weſtermann
Cora
Hel. v. Sonnenthal
V. Anatols Hochzeitsmorgen.
Perſonen:
Anatol . . . Kurt Ehrle
Max
. . . Kurt Weſtermann
Ilona . . . . Herta Alſen
Franz
Franz Herrmann
Nach Abſchiedsſouper läng. Pauſe.
Beurlaubt. K. Meißner, B. Uttmann.
Gewöhnliche Preiſe:
Proſzeniumsloge 6.10 M., Mittel=
loge
6.10 M., Balkonloge 5.10 M.,
I. Rang 4.60 M., II. Rang: 1.6
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 4.10 M.,
14.20. Reihe 3.30 M., Parterre:
1.5. Reihe 2.80 M., 6.8. Reihe
2.25 M., I. Galerie 1.25 M.,
II. Galerie 0.65 M.
Anf. 7½ Uhr. Ende 10 Uhr.
Kartenpk. v. 9½ 1½ u. v. 6½ U. an.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Samstag, 22. Febr. Nachmitt.
3 Uhr. Außer Abonnem. Sechſte
Kindervorſtellung. Wilhelm
Tell. Zu dieſer Vorſtell. findet
ein Kartenverkauf nicht ſtatt.
Abends 8 Uhr. Außer Abonnem.
VIII. Sonder=Vorſtellung. Der
Zerriſſene. Zu dieſer Vorſt.
findet ein Kartenverk. nicht ſtatt.
Sonntag, 23. Febr. Nachmitt.
3 Uhr. 21. Volksvorſtell. zu er=
mäßigten
Preiſen. Hänſel u.
Gretel. Vorverkauf bis ein=
ſchließlich
Samstag, 22. Februar,
nur im Verkehrsbüro (Ernſt= Lud=
wigsplatz
). Verkauf der noch vor=
handenen
Karten an der Tages=
kaſſe
im Hoftheater am Tage der
Vorſtellung, vorm. von 11 Uhr
ab. Abends 7½ Uhr. 126. Ab=
Vorſt. C 32. Zum erſten Male:
Eva. Opereite in 3 Akten von
Lehär. Gewöhnliche Preiſe.
Montag, 24. Febr. Keine Vorſt.

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 21. Februar 1913.

Nummer 44.

. . 0

a

über

34,00o ähnlich lamende ſchriftliche Anerkennungen!

Sport, Spiel und Turnen.

* Fußballklub Olympia‟=Darmſtadt 1898. Man ſchreibt
uns: Am nächſten Sonntag fällt das bereits angekün=
digte
Spiel des F.=Kl. Olympia‟=Darmſtadt gegen den
Darmſtädter Sportklub 1905 aus, da am gleichen Tage
die Darmſtädter Hochſchule eine Repräſentativmannſchaft
hieſiger immatrikulierter Studenten nach Gießen entſen=
det
, um dortſelbſt gegen eine Univerſitätsmannſchaft ein
von den beiden Lehrkörpern vereinbartes Fußballwett=
ſſpiel
zum Austrag zu bringen. Der F.=Kl. Olympia
Darmſtadt hält es für ſeine Pflicht, die an den Deutſchen
Hochſchulen in letzter Zeit beſonders ſtark auftretenden
Sportbeſtrebungen beſtens zu unterſtützen und hat aus
ieſem Grunde, um die Darmſtädter Studentenmannſchaft
ſäußerſt ſpielſtark zu geſtalten, am nächſten Sonntag allen
Mannſchaften ſpielfrei gegeben, damit an dieſem Tage
falle in Betracht kommenden Akademiker des F.=Kl. Olym=
wia‟
=Darmſtadt der Hochſchule zur Verfügung ſtehen. Die
terſte Mannſchaft ſtellt vier ihrer beſten Leute für die
Darmſtädter und zwei für die Gießener Mannſchaft. Daß
junter dieſen Umſtänden ein Wettſpiel mit dem Darm=
ſtädter
Sportklub am nächſten Sonntag nicht möglich iſt,

leat klar auf der Hand und hat auch, da Ohmpiat mit
ſechs Mann Erſatz antreten müßte, für die Oeffentlichkeit
kein Intereſſe. Das Spiel wird nunmehr anfangs Mai
zum Austrag gebracht werden.
* Fußballſport. Man ſchreibt uns: Hundert Jahre
ſind nunmehr verfloſſen, ſeitdem deutſche Heldenſöhne zu
den Fahnen eilten, um die Ehre und die Freiheit des
Vaterlandes wiederzugewinnen. Allenthalben werden
aus dieſem Anlaß vaterländiſche Kundgebungen veran=
ſtaltet
und die Erinnerung an die ruhmreichen Taten unſe=
rer
Väter in unſeren Gedanken neu belebt. So hat denn
auch der Deutſche Fußballbund auf dem Bun=
destag
in Kaſſel den Beſchluß gefaßt, zur Erinnerung an
die vaterländiſche Hundertjahrſeier alle Fußballſpiele, die
am 16. März im ganzen Reiche ſtattfinden, in den
Dienſt vaterländiſchen Gedenkens zu ſtel=
len
. Vor allem gedachte der Deutſche Fußballbund bei
jener Tagung auch der Helden unſerer jüngſten Kriege, der
Veteranen von 1870/71 und der ſchlechten Lage, in der ſich
viele der jetzt altersſchwachen Leute befinden, die einſt, im
Vollbeſitze ihrer Jugendkraft, hinauszogen und ihr Leben
für das Wohl des Vaterlandes aufs Spiel ſetzten. Im
Hinblick darauf hat nun der Deutſche Fußballbund die
Verfügung getroffen, daß mindeſtens die Hälfte
aller Wettſpieleinnahmen, die am 16. März in
Deutſchland erzielt werden, dem Veteranenfonds
zuzuführen iſt. Der Fußballklub Olympia
wird es als Bundesverein für ſeine Ehrenpflicht halten,
an dieſem Tage ein erſtklaſſiges Wettſpiel vorzuführen
und auch ſicherlich keine Mühe ſcheuen, dem Darmſtädter
Publikum einen wirklich guten Sport darzubieten, wie dies
ja von jeher ſein Hauptbeſtreben war.
Die Militär=Fußballſpiele um die Meiſter=
ſchaft
der Garde=Regimenter nahmen am Mittwoch ihren
Anfang und brachten folgende Reſultate: Die Fußball=
Mannſchaft des Eiſenbahn=Regiments gewann mit 3:0
(2:0) gegen die Mannſchaft der Kraftwagen=Abteilung.
Nach einem guten Spiel ſiegte die Mannſchaft des Tele=
graphen
=Bataillons Nr. 1 mit 8:3 (3:2) gegen die Mann=
ſchaft
des Garde=Pionier=Bataillons. Einen recht hohen
Sieg errang die Mannſchaft des erſten Garde= Feldartil=
lerie
=Regiments durch das hervorragende Spiel von von
Reichenau mit 1211 (5.1) gegen die Mannſchaft des Garde=
Train=Bataillons.
* Pferdeſport. Unionklubpreiſe 1913. Der
Unionklub ſtellt für dieſes Jahr insgeſamt 1655000 Mk.
an Rennpreiſen zur Verfügung. Vereine, welche Union=
klubpreiſe
empfangen, verpflichten ſich, auf den ihnen

untertellen Reunbdahnen von allen Preiſen in Flachren=
nen
wenigſtens 75 Prozent nur für inländiſche oder für
inländiſche, öſterreichiſch=ungariſche und däniſche Pferde,
von allen Preiſen in Hindernisrennen wenigſtens 50 Pro=
zent
nur für inländiſche, oder für inländiſche, öſterreichiſch=
ungariſche
und däniſche Pferde auszuſetzen. Die Vereine
dürfen ferner vor dem 1. Juni keine Rennen laufen laſſen,
an denen zweijährige Pferde teilnehmen können, und vor
dem zweiten Sonntag im Auguſt keine Handikaps aus=
ſchreiben
, in denen zweijährige Pferde laufen dürfen. Die
Hauptſumme der Unionklubpreiſe, nämlich 994610 Mark,
erhält Hoppegarten. Auf Karlshorſt entfallen 134000 Mk.,
Hamburg=Horn 76000 Mk.. Verband Rheiniſch= Weſtfäli=
ſcher
Reitervereine 67900 Mk., Verband Deutſcher Reiter=
und Pferdezucht=Vereine 47500 Mk., Baden=Baden 40000
Mark, Köln a. Rh. 38000 Mk., Frankfurt a. M. 37500 Mk.,
Neuß 36000 Mk., Horſt=Emſcher 25000 Mk., Hamburg=
Groß=Borſtel 21000 Mk., Breslau und Düſſeldorf je 20000
Mark, Magdeburg 18000 Mk., Leivzia 17000 Mk., Han=
nover
und Stuttgart je 9000 Mk., Gotha 8000 Mk., Dobe=
ran
, Königsberg und Travemünde je 4000 Mk., Kreuznach
3000 Mark, und auf fünf weitere Vereine geringere Sum=
men
.
* Radſport. Der Radfahrerverein Wanderfalke=
Ludwigshafen a. Rh.=Mundenheim veranſtaltet am
Sonntag, den 9. März, ſeine erſte Fernfahrt, den
Frühlingspreis auf der Strecke Mundenheim-
Speyer-Germersheim und zurück (70 Kilometer).
Dem Sieger wird ein Lorbeerkranz mit Schleife zuteil.
Ferner gelangen noch ſechs wertvolle Ehrenpreiſe zur Ver=
teilung
. Die Rennen ſind offen für alle Fahrer. Einſatz
iſt zu richten an Johannes Lehr, Georaſtraße Nr. 14.
Start und Ziel: Reſtaurant Tivoli, Maudacher=
ſtraße
in Mundenheim morgens 8 Uhr, und bei jedem
Wetter.
§r Die Riviera=Lawn=Tennis=Saiſon wurde mit einer
intereſſanten Veranſtaltung des Lawn=Tennis=Klubs von
Cannes fortgeſetzt. Den Hauptpreis, den Meiſterſchafts=
pokal
der Cote d’Azur, gewann der Deutſche F. W. Rahe,
der in der Schlußrunde ſeinen Landsmann R. Kleinſchroth
63 64 62 abfertigte, nachdem er in der Vorſchluß=
runde
Mr. A. C. Hunter 61 61 geſchlagen hatte. R.
Kleinſchroth war durch ſeinen Sieg über Wallis Myers
64 62 in die Schlußrunde gekommen.
sr. Die Meiſterſchaft von Rußland im Eiskunſtlaufen
wurde in Petersburg zum Austrag gebracht. Der Mos=
kauer
Malinin gewann mit 259½ Punkten vor Kre=
wing
=Petersburg.

Weltausstellung Turin 1911 Grand Prix‟

(4465a

von höchster künstlerischer Vollendung bezüg.
lich Gesang, Stimmhaltung u. Konstruktion.
D. R.-P. Nr. 154 612, Nr. 159 581, Nr. 214. 611.
Lang jähriger, alleiniger hiesiger Vertreter:
A. W. Zimmermann
Hoflieferant
Darmstadt Rheinstr. 14.

Großh. Realgymnaſtium zu Darmſtadt.
Die Anmeldungen neuer Schüler für das Schuljahr 1913/14
werden im Realgymnaſialgebäude (Eingang durch das Portal am
Kapellplatz) auf dem Direktorzimmer
Dienstag, den 25. Februar ds. Js.,
von 912 Uhr vormittags
entgegengenommen.
Geburts= und Impfſchein ſind dabei vorzulegen.
(4027a
Großh. Direktion des Realgymnaſiums.
Münch.

Darmstädter Padagogium (H. Elias)
einzige staatlich konzess. Privat-Knabenschule am Platze.
Wissenschaftl. Institut mit Internat und Halbinternat.
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Frauenschule. Wahlfreie Kurſe: Deutſch, Literatur, Eng=
liſch
, Franzöſiſch, Italieniſch, Latein, Kunſtgeſchichte, Bürgerkunde,
Haushaltungskunde, Schneidern, Geſundheitslehre und Kinderpflege,
Kindergartenlehre. Im Penſionat finden ſchulpflichtige Kinder
jeden Alters Aufnahme.
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täglich
W. Blume vormittags Sandstrasse 12 entgegen.

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der im Laufe dieſes Monats beginnt, können noch Damen und Herren
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Beratung in Beteiligungs-Angelegenheiten.
Unbedingte Verschwiegenheit.
(Iſ.2245

Coiner Hochschate Tar Kohmahate und Schlate Verwaltung.
Das Vorlesungsverzeichnis für das Sommer-Semester 1913 ist erschienen und durch das Sekre-
tariat
der Hochschule zu beziehen. Beginn der Vorlesungen und Uebungen des Sommer-Semesters
am 21. April. Nähere Auskunft erteilt der mitunterzeichnete Abteilungsdirektor.
(II,4519
Der Studiendirektor der
Der Abteilungsdirektor der Hochschule
Cölner Hochschulen
für kommunale und soziale Verwaltung
Professor Dr. Chr. Eckert.
Professor Dr. Adolf Weber.

(IV,4531,27)

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(*4701
St.

[ ][  ][ ]

drummer 44.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 21. Februar 1913.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großh. Poltzeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Spitzhund. 1 Dobermann (zugelaufen), Die Hund
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dort=
ſelbſt
jeden Werktag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt.
(452.

Bekanntmachung.
Nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut zur Kenntnis
der Beteiligten.
Darmſtadt, den 18. Februar 1913.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Polizeiverordnung
betreffend die Ausführung der Kaiſerlichen Verordnung vom 9. Juli
1900, hier Anzeigepflicht der Motore.
Auf Grund des Artikels 78 der Kreis= und Provinzialordnung
vom 12. Juni 1874 wird mit Zuſtimmung des Kreisausſchuſſes und
mit Genehmigung Großh. Miniſteriums des Innern vom 29. Oktober
1901 zu Nr. M. d. J. III. 5947 für den Kreis Darmſtadt verordnet,
was folgt:
§ 1. Jeder Gewerbetreibende in deſſen Werkſtätte ein durch
elementare Kraft (Dampf, Wind, Waſſer, Gas, Luft, Elektrizität uſw.)
bewegtes Triebwerk in gleichviel welchem Umfange zur Verwendung
kommt, hat die erfolgte Aufſtellung und Inbetriebnahme innerhalb
8 Tagen nach Beginn der letzteren der Ortspolizeibehörde anzuzeigen
§ 2. Jeder Gewerbetreibende, der zur Zeit des Inkrafttretens
dieſer Polizeiverordnung in ſeiner Werkſtätte einen Motor der in
§ 1 bezeichneten Art benutzt, hat dies bis zum 15. Januar 1902 der
Ortspolizeibehörde anzuzeigen.
§ 3. Zuwiderhandlungen gegen die Vorſchriften in den §§ 1
und 2 werden mit Geldſtrafen bis 30 Mark beſtraft.
§ 4. Dieſe Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung
im Kreisblatte in Kraft.
Darmſtadt, den 10. Dezember 1901.
(4526fs
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.

Bekanntmachung.
Die nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut mit
dem Anfügen zur allgemeinen Kenninis, daß die Schutzmannſchaft
angewieſen iſt, auf den Befolg dieſer Vorſchrift beſonders zu achten.
Die Verkäufer der in § 1 bezeichneten Gegenſtände werden hier=
mit
erſucht, nicht nur ihre Angeſtellten, ſondern auch die nicht in
ihren Dienſten ſtehenden Fuhrleute und Arbeiter, ſowie die Käufer
derartiger Gegenſtände entſprechend zu verſtändigen.
Darmſtadt, den 18. Februar 1913.
(4500df
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Polizeiverordnung,
betr. das Auf= und Abladen, ſowie den Transport von
Metallgegenſtänden.
Auf Grund des § 366 Ziff. 10 St.=G.=B. und des Art. 56
Ziffer 1 der Städte=Ordnung wird nach Anhörung der Stadtverord=
neten
=Verſammlung mit Genehmigung Großherzoglichen Miniſteriums
des Innern und der Juſtiz vom 22. September 1893, zu Nr. M. J.
26979, für den Bezirk der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt ver=
ordnet
, was folgt:
§ 1. Bei dem Auf= und Abladen und bei dem Transport
von Gegenſtänden, welche bei dem Herabwerfen oder bei dem Trans=
port
auf Wagen ein ſtarkes Geräuſch verurſachen, wie eiſerne Trag=
balten
, Schtenen, Metallröhren und Stangen, Bleche, Ketten
und dergleichen, ſind ſolche Einrichtungen zu treffen, daß beläſtigendes
Geräuſch vermieden wird. Namentlich müſſen derartige Metallgegen=
ſtände
, welche bei dem Transport durch Aneinanderſchlagen ein ſtarkes
Geräuſch verurſachen, in zweckentſprechender Weiſe mit Stroh oder
anderem geeigneten Material unterlegt oder ſo feſt mit einander
verbunden werden, daß der Lärm vermieden wird. Solche Gegen=
ſtände
dürfen beim Abladen nicht vom Wagen herabgeworfen,
ſondern müſſen, gegebenen Falles unter Anwendung geeigneter Vor=
richtungen
, langſam herabgelaſſen werden.
2 Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Beſtimmung wer=
den
in Gemäßheit des § 366 Ziff. 10 des R.=Str.=B. mit Geldſtrafe
bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft.
§ 3. Dieſe Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver=
kündigung
in Kraft.
Darmſtadt, den 9. Oktober 1893.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.

Bekanntmachung
über die Dauer des Geſindedienſtverhältniſſes.
Nach den Beſtimmungen der Artikel 6 und 7 des Geſetzes, die
Geſindeordnung betreffend, vom 28. April 1877 in der Faſſung vom
3. Auguſt 1899 und des Ortsſtatuts für die Stadt Darmſtadt vom
12. Februar 1905 gelten ſämtliche Dienſtbotenverträge, für welche
nicht ausdrücklich eine beſtimmte Dienſtdauer vereinbart oder aus
den Umſtänden zweifellos zu entnehmen iſt, als auf die Dauer
eines Kalendervierteljahres abgeſchloſſen.
Wird ein ſolcher Dienſtvertrag nicht vier Wochen vor dem
Ablauf des Kalendervierteljahres aufgekündigt, ſo iſt er ſtill=
ſchweigend
auf ein weiteres Kalendervierteljahr als erneut
anzuſehen.
Es ergibt ſich hieraus, daß in der Stadt Darmſtadt Dienſt=
botenverträge
nur auf den 1. Januar, 1. April, 1. Juli und
1. Oktober aufgekündigt werden können, und daß die Kündigung
ſpäteſtens vier Wochen vor dem jeweiligen Termin erfolgt ſein
muß, es ſei denn, daß ausdrücklich etwas anderes zwiſchen den
Parteien vereinbart oder mit Sicherheit aus den obwaltenden Um=
ſtänden
zu entnehmen iſt.
Dies gilt auch dann, wenn der Lohn nach Monaten be=
meſſen
iſt, da der von monatlicher Lohnzahlung handelnde Abſ. 4
des Art. 6 der Geſindeordnung mit den übrigen Beſtimmungen des
Art. 6 durch das erwähnte Ortsſtatut außer Kraft geſetzt iſt.
Ebenſo macht es keinen Unterſchied, ob ein Dienſtverhältnis
am Anfang oder erſt im Laufe eines Kalendervierteljahres ein=
gegangen
worden iſt, da ein im Laufe des Kalendervierteljahres
eingegangenes Dienſtverhältnis zunächſt bis zum Ende des Kalender=
vierteljahres
und dann in der oben bezeichneten Weiſe von Viertel=
jahr
zu Vierteljahr weiterläuft.
Das Kalendervierteljahr beginnt mit dem erſten Werktag eines
Vierteljahres und endigt mit dem Beginn des folgenden Kalender=
vierteljahres
(Ortsſtatut vom 12. Februar 1900, Abſatz 2).
(4499df
Darmſtadt, den 18. Februar 913.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Brennholz=Verſteigerung.

Montag, den 24. Februar I. Js.
ſollen im Eberſtädter Gemeindewald, Diſtrikt Klingsackertanne (in der
Nähe der Eſchollbrückerſtraße) nachverzeichnete Holzſortimente öffent=
lich
meiſtbietend an Ort und Stelle verſteigert werden:
1,8 rm Buchen=Scheiter
98 rm Kiefern=Scheiter
Knüppel
Knüppel
20
510 Stück Wellen.
70 Stück Wellen
Stöcke.
167 rm
Zuſammenkunft der Steigerer findet vormittags 9½ Uhr am
Bäckerweg am Eingang des Waldes ſtatt.
(4529fs
Eberſtadt, den 17. Februar 1913.
Großh. Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Schäfer.

HERMANN WERTTIEIM, Dankgeschatt

TELEPHON Nr. 2495.

RHEINSTRASSE 33.

An- und Verkauf von Wertpapieren zur Anlage und
zur Spekulation an allen in- und ausländischen Börsen.
Ständiger Vorrat solider Anlagewerte.
Verzinsung von Depositengeldern
auf Contobücher täglich kündbar . . . 40
auf feste Termine nach Vereinbarung.
in allen die Belegung von Kapitalien
Seriöse Raterteilung betreffenden Fragen.
(1294a

Bekanntmachung.
Freitag, 28. Februar I. Js.,
vormittags 11 Uhr.
ſoll die dem Georg Philipp VolzII.
zu Groß=Bieberau im Grundbuch
hieſiger Gemarkung zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 481 260 Hofreite Eckhardt=
ſtraße
,
III 481¾/10 151 Grasgarten, Vor=
garten
, da=
ſelbſt
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K111/12
Darmſtadt, 23. Januar 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
(V2483
Müller.

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Karlstrasse30. Telephon 651.
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Büro
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Vendelstadtstr. 26
Telephon 1679.
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Arbei ten
Diktate
in separatem Raum
Vervielfältigungen
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25 Pf., 10 Pfd. M. 2.25,
erbsen, grün, p. Pfd.
*36 Pf., 10 Pfd. M. 3.40,
Bohnen, weiß, per Pfd. 25 Pf.,
10 Pfd. M. 2,25.
Hoflieferaut

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Telephon Nr. 76.
NB. Versand aller Delikatessen
und Kolonialwaren nach allen
Stadtteilen u. auswärts.
Auf Wunsch lasse täglich
nachfragen. (2454a

Vergebung von Abdeckerei=Anfällen
und Fabrikaten.
Die vom 1. April 1913 bis 31. März 1914 zu erwartenden
Anfälle und Fabrikate (Häute, Hufeiſen, Fett, Kadavermehl, Klauen,
Leim und Roßhaare) der Kreisabdeckerei des Kreiſes Darmſtadt ſollen
an den Meiſtbietenden vergeben werden.
Angebote ſind bis zum 18. März 1913, nachmittags
6 Uhr, in doppeltem Briefumſchlag verſchloſſen, mit entſprechender
Aufſchrift verſehen und verſiegelt bei der unterzeichneten Stelle ein=
zureichen
.
Reflektanten werden die Bedingungen auf Wunſch koſtenfrei
zugeſandt.
(IV,4523,1
Darmſtadt, den 13. Februar 1913.
Der Kreisausſchuß des Kreiſes Darmſtadt.
ie Erd., Beton= und Manetarbeiten zꝛe. mit Material=
T 4 lieferung zur Herſtellung einer Fußwegunterführung und
eines Durchlaſſes im Bahnhof Babenhauſen ſind zu ver=
geben
. Angebotsunterlagen können auf dem Bureau der
unterzeichneten Dienſtſtelle, früheres Empfangsgebäude der
Main=Neckar=Bahn, nordöſtlicher Flügel, eingeſehen oder ſoweit der
Vorrat reicht, ausſchließlich der Zeichnungen, gegen porto= und be=
ſtellgeldfreie
Einſendung von Mk. 1.8) (in bar) bezogen werden.
Angebote ſind verſchloſſen und mit entſprechender Aufſchrift
zum Eröffnungstermin, 5. März ds. Js., vormittags 11 Uhr,
hierher einzuſenden. Zuſchlagsfriſt 2 Wochen.
(IV.4517,63
Großh. Heſſiſche Eiſenbahnbauabteilung Darmſtadt.

Bekanntmachung.
Vergebung von Bürſtenwaren und Dienſtwäſche.

2500 Stück Vorſtenbeſen, 400 , Borſtenſchrubbern, 600 , Wurzelſchrubbern, 300 , Wagenwaſchbürſten, viereckige, 200 runde, 1500 Scheuerbürſten, 300 , Wurzelbürſten, 120 , Ofenbürſten, 2500 , Handfegern,

ferner:
900 Stück weißleinen Handtüchern,
3500 grauleinen
150 Bettüberzügen
blau und weiß
100
Kopfkiſſenbezügen gekäſtelt,
ſoll öffentlich vergeben werden.
Die Lieferungen haben im Laufe des Etatsjahres 1913 (1. 4. 14
bis 31. 3. 14) je nach Bedarf, innerhalb 4 Wochen nach jedesmaliger
Beſtellung, zu erfolgen.
Lieferungsbedingungen nebſt Angebotsbogen ſind getrennt
für die Bürſten= und Webwaren für je 50 Pfg. bei unſerem Zentral=
bureau
zu haben. Beim Bezug durch die Poſt ſind die Beträge in
nicht in Briefmarken portofrei einzuſenden.
bar
Die Angebote ſind uns bis zum 5. Marz, 10 Uhr vormit=
tags
, zu überſenden.
(IV,4563,63
Zuſchlagsfriſt 14 Tage.
Mainz, den 13. Februar 1913.
Königl. Preuß. und Großh. Heſſ. Eiſenbahndirektion.

Holz-Verſteigerung.
Samstag, den 1. März, vormittags 9 Uhr,
werden in der Turnhalle dahier (Woogsplatz 5) als letzte Brenn=
holzverſteigerung
in Forſtwartei Böllenfalltor aus Diſtrikt Graben=
ſtück
, Spitze, Moosberg und verſchiedene verſteigert:
Scheiter, rm: 413 Buchen, 73 Eichen, 6 Kiefern 2 Fichten;
Knüppel, rm: 272 Buchen, 44 Eichen, 31 Kiefern, 1 Wey=
mouthskiefer
; Reiſig, Wellen: 8465 Buchen, 890 Eichen,
830 Kiefern; Stöcke, rm (grob): 131 Buchen, 36 Eichen,
22 Fichten.
Es werden verſteigert die Brennholz=Nummern 1011 bis 1700.
Die blau unterſtrichenen Nummern kommen nicht zum Ausgebot.
Sämtliches Holz ſitzt an gut fahrbaren Wegen zum größten
Teil an der Nieder=Ramſtädterſtraße. Kaufliebhaber werden erſucht,
das Holz vor der Verſteigerung einzuſehen. Nähere Auskunft erteilt
der Großh. Förſter Klipſtein zu Böllenfalltor.
Darmſtadt, den 20. Februar 1913.
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
I. V.: Kindhäuſer, Großh. Forſtaſſeſſor.
(4540

Stamm= und Brennholz=Verſteigerung.
Samstag, den 22. Februar 1913,
vormittags 9½ Uhr,
werden in dem Ober=Ramſtädter Gemeinde=
wald
, Diſtrikt Hainböhl, nachſtehende Sortimente
Holz an Ort und Stelle verſteigert:
89 Fichten=Stämme von 1434 cm Durchm. u. 1018 m Länge.
Ferner: 2 rm Buchen=Scheiter
Knüppel
104
Eichen=
142 Fichten=
10 Buchen=Stöcke
43 Fichten=
Bemerkt wird, daß das Stammholz zuerſt zur Verſteigerung
kommt. Zuſammenkunft iſt auf der Kreisſtraße Nieder=Modau-
Frankenhauſen am Eingang des Waldes.
(4367mf
Ober=Ramſtadt, 16. Februar 1913.
Großh. Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.

[ ][  ][ ]

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Zweite Kammer der Stände.

51. Sitzung.
St. Darmſtadt, 20. Februar.
Am Regierungstiſche: Staatsminiſter von Ewald
Exz., Finanzminiſter Braun Exz., Geheimerat Dr.
Becker, Geh. Oberfinanzrat Dr. Rohde, Geh. Ober=
baurat
Kilian.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um 9 Uhr
20 Min. Das Haus tritt alsbald in die Tagesordnung ein
und ſetzt die Spezialberatung zu Kapitel 10 des Haupt=
voranſchlages
:
Staatseiſenbahn,
fort.
Abg. Hauck bringt eine Reihe Wünſche betreffend
die Verkehrsverhältniſſe in dem Babenhäuſer und Groß=
Umſtädter Bezirk vor und führt Klage über die Nichtbe=
achtung
des Verbotes des Betretens der Plattform in
Arbeiterzügen, als Folge der ſteten Ueberfüllung. Hinſicht=
lich
des Baues von Nebenbahnen bleibt Starkenburg hin=
ſter
den anderen Provinzen ſtets zurück. (Widerſpruch.)
Er halte es nicht für richtig, daß den Unternehmern für
genehmigte Bahnen 30 Prozent zugeſchoſſen werden. Den
von einigen Rednern geforderten Bau von Schutzhütten
hält er nicht für notwendig, da die Arbeiter Zelthütten
haben. Abg. Korell=Angenrod gibt ſeiner Freude
darüber Ausdruck, daß im allgemeinen Geneigtheit beſteht,
den verkehrsarmen Gegenden durch neue Verkehrsmittel zu
helfen. Beſonders dankenswert waren in dieſer Bezieh=
ung
die Anregungen des Abg. Köhler. Oberheſſen beſitzt
fübrigens bereits drei Automobillinien, von denen zwei
privaten Unternehmern gehören. Die Vollbahnen können
dadurch auf die Dauer allerdings nicht erſetzt werden. Den
Standpunkt, den der Finanzminiſter geſtern zu dem Pro=
jekt
Reichelsheim-Fürth eingenommen, bedauere er und
halte es nicht für gerechtfertigt, daß die Intereſſen der
Städte gegenüber denen des Landes zu ſtark vertreten
würden. Der Bau der Linie Alsfeld-Nieder=Aula gehe
bedauerlich langſam. Die verſchiedenartige Behandlung
der Arbeiter in den verſchiedenen Bahnmeiſterein ſei zu
beanſtanden. Hunger= oder Jammerlöhne, wie der Abg.
Raab ſie genannt hat, werden allerdings noch nicht ge=
zahlt
, ſonſt wäre der Andrang zum Bahndienſt nicht ſo
groß. Ueberhaupt hat der Abg. Raab durch ſeine geſtri=
gen
Ausführungen den Arbeitern einen ſchlechten Dienſt
erwieſen. Es wird doch eine große Anzahl Arbeiter geben,
die ſich nicht ohne weiteres zum Heuchler ſtempeln laſſen.
Finanzminiſter Braun Exz.: Ich muß wiederholt
Beſchwerde darüber führen, daß man in der Debatte im=
mer
wieder mit Dingen, beſonders mit Zahlen kommt, die
ich im Augenblick nicht nachprüfen kann, weil man unter=
laſſen
hat, mir den Gegenſtand vorher anzukündigen. Be=
ſonders
war dies auch bezüglich der geſtrigen Ausführun=
gen
des Abg. Raab der Fall über die Arbeiterlöhne. Ich
habe mir nun aber trotz der Kürze der Zeit Material ver=
ſchafft
, das abſolut einwandfrei iſt:
Die im Eiſenbahndirektionsbezirk Mainz durchſchnitt=
lich
gezahlten Tagelohnſätze betrugen im Jahre 1912 bei
den Betriebsarbeitern 3,53 Mark (das bedeutet gegen die
Löhne vor 10 Jahren eine Steigerung von 27 Prozent),
bei den Bahnunterhaltungsarbeitern 3,14 Mark (24 Pro=
zent
), bei den Werkſtättenarbeitern 4,70 Mark (18 Pro=
zent
), Zu dieſem Verdienſt der Werkſtättenarbeiter kom=
men
dann noch die Akkordzuſchläge. In dieſem Jahre
beträgt der durchſchnittliche Tagesverdienſt der Arbeiter
der Hauptwagenwerkſtätte zu Darmſtadt 4,96 Mark. Der
ortsübliche Tagelohn iſt in den rund 180 heſſiſchen Orten
des Direktionsbezirks Mainz nicht höher wie 3,10 Mark.
In 139 Orten iſt der von der Eiſenbahn gezahlte Tage=
lohn
bis zu 70 und 80 Pfg. höher als der ortsübliche
Tagelohn, nur in 24 Orten iſt der ortsübliche Tagelohn,
und zwar 1020 Pfg., in Gonſenheim 30 Pfg., höher,
als der von der Eiſenbahnverwaltung gezahlte Lohn.
Hierbei handelt es ſich jedoch um den Anfangs lohn
für Neueintretende, der ſich zwiſchen 2,50 und 3,20 Mark
bewegt und bereits nach einem Jahre ſteigt. Dieſe Löhne
der Eiſenbahnverwaltung ſind nur die Grundlöhne,
wozu noch bei der weitaus größten Anzahl der Betriebs=
arbeiter
und einen großen Teil der Bahnunterhaltungs=
arbeiter
Stellenzulagen in Höhe von 10 Pfg. bis 1,20 Mk.
für den Tag treten, ſo daß tatſächlich auch bei dieſen Orten
der ortsübliche Tagelohn ſchon beim Anfangslohn der
Eiſenbahnverwaltung in den meiſten Fällen überholt iſt.
Bei nur 18 heſſiſchen Orten iſt der Grundlohn der Eiſen=
bahnverwaltung
dem ortsüblichen Tagelohn gleich. Es
iſt weiter zu berückſichtigen, daß die im Betriebsdienſt be=
ſchäftigten
ſtändigen Arbeiter auch für diejenigen Sonn=
rund
Feiertage, an denen ſie nicht zum Dienſt herangezo=
gen
werden, ſowie für die ihnen gewährten Ruhetage und
Ruhezeiten den Lohn weiter erhalten, ſo daß ſich ihr Jah=
resarbeitsverdienſt
auf das 365fache des Tagesverdienſtes
ſtellt Auch ein Teil der Bahnunterhaltungs= und Werk=
ſtättenarbeiter
, die insbeſondere zum Ablöſedienſt im
Betriebe herangezogen werden, erhalten für alle Tage des
Jahres oder, wenn ſie nur an einzelnen Sonntagen
herangezogen werden, auch für dieſe Tage den vollen
Lohn. Im Direktionsbezirk Mainz erhalten ungefähr 75
Prozent der vorhandenen Bahnunterhaltungsarbeiter,
insbeſondere alle älteren, für alle Tage des Jahres durch=
gehende
Löhnung. Es ſei ferner erwähnt, daß allgemein
Arbeitern nach 7jähriger Beſchäftigung 6 Tage Urlaub
unter Fortzahlung des Lohnes und freie Eiſenbahnfahrt
für die der Erholung dienenden Reiſen gewährt werden.
Zuletzt iſt auch bemerkenswert, daß 45 Prozent der
Eiſenbahnarbeiter mit der Anſtellung als Beamte und im
übrigen mit ſteigenden Löhnen und dauernder Beſchäf=
tigung
rechnen können. In den Eiſenbahn= Hauptwerk=
ſtätten
wird der größte Teil der Arbeiter im Akkordver=
fahren
beſchäftigt. Im Laufe der letzten Monate
wurde nun entſprechend einem Wunſche der Arbeiter ein
neues Syſtem der Berechnung der Akkordlöhne, das ſogen.
Stück zeit verfahren, eingeführt. Hierdurch iſt es ermög=
licht
, den Grundſatz, wonach die Bedienſteten allmählich
im Lohn aufſteigen. auch beim Stücklohnverfahren der
zeitverſahrens war der Grundſatz maßgebend, daß den müſſe doch erſt geprüft und nach den allgemeinen prakti=
Arbeitern hierdurch keinerlei Schädiaung erwuchs. Selbſt=
verſtändlich
entſtanden bei der Ueberleitung des alten den Verſammlung wurden dieſe Fragen wohl ſehr ſcharf,
zum neuen Syſtem einzelne Unſtimmigkeiten, die jedoch f aber durchaus ſachlich behandelt. Dieſe lobenswert ſach=
tzwiſchenzeitlich
ſämtlich beſeitigt worden ſind. Durch die
Einführung des neuen Verfahrens ſind durchweg Lohn=

bis jetzt etwa 230 Pfg. ausmachen. Für die Arbeiter der
Hauptwerkſtätten des Bezirks Mainz iſt durch dieſe Lohn=
erhöhungen
ein jährlicher Mehraufwand von rund 150000
Mark erforderlich. Die Regelung iſt erfolgt im Einver=
nehmen
mit Vertretern der Arbeiterſchaft für den Geſamt=
bereich
der Eiſenbahngemeinſchaft und ſelbſt in der ſozial=
demokratiſchen
Preſſe wird anerkannt, daß die Neuregel=
ung
einen großen Fortſchritt bedeute.
Nicht nachprüfen konnte ich aus den oben angeführten
Gründen das von dem Abg. Urſtadt angeführte Zahlen=
material
. Soviel ſei auch zur Beantwortung der Anfragen
der Abgg. Oſann und Genoſſen, betr. die Teuerungsver=
hältniſſe
bei den Eiſenbahnarbeitern und die Dienſtzeit
der Lokomotivführer, feſtgeſtellt: Gegen 1911 beträgt nach
dem Gemeinſchaftsetat für 1913 der Mehraufwand
für die durchſchnittliche Steigerung des Lohneinkommens
der unteren Hilfsbedienſteten und Arbeiter 23,3 Millio=
nen
Mark. In den Gemeinſchaftsetat für 1913 ſind
gegen 1911 mehr eingeſtellt rund 35500 Köpfe mit einem
Koſtenaufwand von 36½ Millionen. Die Erleichterungen
bei den Lokomotiv= und Zugbeamten, die Erhöhung der
Zahl der Ruhetage beim Betriebsperſonal und die Aus=
dehnung
des Urlaubs bei den Hilfsbedienſteten und Ar=
beitern
erfordern allein ein Mehr von 8300 Köpfen.
Ich möchte bei dieſer Gelegenheit noch eines bemerken.
Ohne den Herren auch nur irgendwie einen Rat erteilen
zu wollen, muß ich doch fragen, ob es wirklich nötig iſt,
alle die Einzelheiten hier im Landtag bei der ohnehin
knappen Zeit der Etatsberatungen vorzubringen. Es
empfiehlt ſich doch dringend, dieſe Dinge in beſonderen
Eingaben oder dergleichen zu behandeln, auf die die Re=
gierung
gern jede Auskunft gibt. Der Abg. Hauck hat
Auskunft über die Dichtigkeit der Bevölkerung
und des Bahnnetzes in den drei Provinzen gewünſcht.
Es kommen in Starkenburg 199 Kilometer, in Oberheſſen
163 Kilometer und in Rheinheſſen 335 Kilometer Eiſen=
bahn
auf je 1000 Quadratkilometer. Dem Abg. Korell
möchte ich kurz erwidern, daß die Errichtung einer Halte=
ſtelle
und Güterladeſtelle in Altenburg allerdings wenig
ausſichtsreich iſt.
Abg. Brauer (ſchwer verſtändlich) erkennt an, daß
die Gemeinſchaftsverwaltung doch beſtrebt iſt, den berech=
tigten
Arbeiterwünſchen nachzukommen. Er befürwortet
wiederholt ſein altes Projekt Mücke=Ulrichſtein. Beim
Automobilverkehr ſei doch ſehr zu beachten, daß die Stra=
ßen
ſtark abgenützt werden, was den Kreiſen erhebliche
Koſten verurſacht. Er denke dabei beſonders an die
Linien Alsfeld-Neuſtadt und Ehringshauſen-Kirtorf.
Allerdings ſtecke die ganze Einrichtung der Automobil=
linien
noch zu ſehr in den Kinderſchuhen. Was die Revi=
ſion
des Vertrages betrifft, ſo beſtehen Bedenken z. B.
hinſichtlich der Frage, ob die Objektivität der von Preu=
ßen
gelieferten Zahlen für die Verteilung des Verkehrs
auf den beiderſeitigen Strecken, die eine Aenderung der
Teilungsziffer bewirken könnten, von uns anerkannt
wird, und auch wer die Koſten der Denkſchrift trägt, ob
die auch von Preußen zu 98 und von uns zu 2 Prozent
getragen werden. Zu der Frage bitte er nicht eine Denk=
ſchrift
, ſondern gleich eine Vorlage einzubringen. Zur
Unterſtützung der Automobillinie Ehringshauſen- Kir=
torf
-Kirchhain ſollte die Regierung einen Staatszuſchuß
bewilligen, eventl. aus dem Fonds für gemeinnützige und
öffentliche Zwecke.
Finanzminiſter Dr. Braun: Der Fonds für öffent=
liche
und gemeinnützige Zwecke iſt allein Sache des Herrn
Miniſters des Innern. Doch kann ich wohl ſagen, daß
kaum Ausſicht beſteht, dieſen ohnehin ſtark in Anſpruch
genommenen Fonds auch für dieſe Zwecke mobil zu
machen. Auf die Anfragen des Abg. Brauer bezüglich
der Koſten für die Denkſchrift hat die Heiterkeit des Hau=
ſes
ja bereits die richtige Antwort gegeben.
Abg. Reh möchte bezüglich der Arbeiterfragen alles
unterſtreichen, was von den Abgg. Urſtadt, Henrich und
auch Molthan geſagt wurde. Wenn der Herr Finanz=
miniſter
geſagt hat, die alljährlichen Reden zu dieſem Ka=
pitel
ſeien Monologe, ſo iſt das nicht unrichtig, doch haben
dieſe Monologe vielfach ſehr wohl Beachtung gefunden
und Abhilfe gebracht. Die Frage der Automobillinien
bedarf noch ſehr der Prüfung nach der techniſchen Seite
hin. Ein Verkehr im Winter ſcheine doch ſehr zweifelhaft,
wenn auch nicht ganz ausgeſchloſſen. Redner tritt dann
für die Beſchleunigung der Bahn Alsfeld-Nieder=Aula
und für ein zweites Gleis auf der Strecke Gießen-Fulda
ein. Dem Abg. Raab möchte ich doch erwidern, daß
Koalitions= und Streikrecht keineswegs dasſelbe ſind, und
ich glaube, die Eiſenbahnarbeiter, die er ganz offen zu
Heuchlern geſtempelt hat, werden ihm die rechte Antwort
darauf nicht ſchuldig bleiben. Abg. Finger tritt, wie
ſeit Jahren ſchon, für die Verſtaatlichung der Linie
Worms-Offſtein und für deren Weiterführung in die
Pfalz ein. Weiter wünſcht er die Errichtung einer Halte=
ſtelle
in der Nähe der Fabrik Enßlinger in Pfedders=
heim
. Abg. Soherr bringt ſeinen Antrag betr. der
Rauchplage und des Wagenmangels in Erinnerung. Die
Stadt Bingen würde durch das Aufhören des Umſchlags
großer Kohlenmengen, die nunmehr per Bahn die Sta=
tion
paſſieren, ſehr geſchädigt. Die Wiederherſtellung des
früheren Zuſtandes liege auch im Intereſſe von Mainz
und Guſtavsburg. Abg. Beſt kritiſiert Mißſtände auf
dem Bahnhof Oſthofen.
Nach der Pauſe teilt Vizepräſident Korell mit, daß
der Kammervorſtand ſich in der Pauſe nochmals mit der
Geſchäftslage befaßt hat und daß er unter allen Umſtän=
den
daran feſthalten muß, in der nächſten Woche Nach=
mittagsſitzungen
zu halten. Man wird ſonſt
nicht fertig mit dem Budget.
Abg. Dr. Oſann: Es wäre doch ſehr wünſchens=
wert
, wenn die fortgeſetzten Klagen über die Ueberfüllung
der Arbeiterzüge, deren Abfertigung uſw. von ſeiten der
Eiſenbahndirektion mehr Berückſichtigung finden. Ich
ſelbſt habe ſchon Ende 1911 eine diesbezügliche Inter=
pellation
eingebracht, die bis heute noch nicht zur Ver=
handlung
gekommen iſt. Das läßt doch den Wunſch auf=
kommen
, daß die Behandlung der Interpellationen anders
geregelt werde. Redner beſpricht dann eingehend die
Frage der Arbeiterlöhne und das vom Abg. Raab gerügte
Akkordſyſtem auf Grund der Mitteilungen, die ihm und
dem Kollegen Henrich in der Eiſenbahnerverſammlung vor
einigen Wochen wurden. Das neueingeführte Lohnſyſtem
ſollte den Arbeitern Vorteile bringen, daran iſt nicht zu
zweiſeln. Wenn ſich wirklich das ergeben hat, was der
Abg. Raab rügte, iſt das eine Erfahrung, die ſicher nicht
Werkſtätten durchzuführen. Bei Einführung des Stück=allgemein gültig iſt. Das ſehr komplizierte neue Syſtem
ſchen Erfahrungen behandelt werden. In der betreffen=
liche
Behandlung iſt der Organiſation im Verbande zu
danken. Und es muß anerkannt werden, daß die Leute
erhöhungen eingetreten, welche auf Kopf und Tagewerk wiederholt erklärten, daß ihnen das allgemeine Wohl ſo

hoch ſiehe, daß ſie auf ein Streiſtrecht der Arbeiter gern
verzichten. Es muß dankbar begrüßt werden, daß der
Abg. Reh in dieſer Beziehung heute dem Abg. Raab ſo
treffend entgegentrat. (Zwiſchenrufe, Beifall.) Daß wir
alle für Berückſichtigung der Arbeiterwünſche ſind, braucht
nicht nochmals wiederholt werden, ich kann mich da vollauf
dem anſchließen, was die Herren Abgeordneten bisher
ausgeführt haben. Unſere Sympathien für die Arbeiter
äußern ſich aber manchmal auch darin, daß wir prüfen
und anerkennen, welche ſegensreichen Einrichtungen die
Eiſenbahnbehörde im Intereſſe der Arbeiter geſchaffen
hat. Wir haben ſeinerzeit dieſe Einrichtungen der Werk=
ſtättenarbeit
beſichtigt und waren alle, auch die Herren
von da drüben, voller Anerkennung. In den bürgerlichen
Blättern wurde dieſer Anerkennung auch Ausdruck gege=
ben
, in den ſozialdemokratiſchen Blättern las man kein
Wort. (Unruhe. Beifall.) Sie (zu den Soz.) haben doch
eine ganze Reihe ſchreibgewandter Herren, warum ſchrie=
ben
Sie das nicht in Ihren Blättern? Doch nur, weil es
Ihnen nicht paßt in Ihre Politik, weil Sie Ihre größte
Aufgabe immer noch im Schüren der Unzufriedenheit er=
blicken
. (Widerſpruch, Lachen links. Sehr richtig) Redner
beſpricht dann des längeren die Frage vermehrter Schul=
dentilgung
, die Politik des früheren Finanzminiſters
u. a. m. Zur Frage der Reviſion des Gemeinſchaftsver=
trages
iſt es richtig, doch auch einmal nach außen zu doku=
mentieren
, daß dieſe Frage jetzt viel ruhiger und ſachlicher
behandelt wird, wie früher. Die Ausführungen der Abgg.
Dr. Schmitt und Reh ſind durchaus zu unterſtreichen.
Beide Herren haben kritiſiert, ſie haben aber auch aner=
kannt
, daß die Gemeinſchaft viel Gutes gebracht hat. Das
wird und muß natürlich im preußiſchen Abgeordneten=
hauſe
einen ganz anderen Eindruck machen, als es die
früheren Aeußerungen der Linken machen konnten. ( Zu=
ſtimmung
.) Der Abg. Molthan hat ſchon darauf hinge=
wieſen
, daß der einſtimmig angenommene Antrag, Ma=
terial
zu ſammeln, das eine Unterlage zur Reviſion des
Vertrages liefern kann, ganz verſchiedene Tendenzen ge=
habt
hat. Für uns handelt es ſich im weſentlichen um
die unanfechtbare Feſtſtellung, ob und wieweit der Wert
der heſſiſchen Bahnen geſtiegen iſt, und die Prüfung der
Richtigkeit der Grooßſchen Broſchüre. Man dürfe doch
bei Behandlung der Frage nicht fortgeſetzt außer Acht
laſſen, welche ungeheuren Laſten uns erwachſen wären,
wenn wir den Gemeinſchaftsvertrag nicht abgeſchloſſen
hätten. Der Reviſionsgedanke erſtand erſt, als im Jahre
1908 die Eiſenbahnerträgniſſe ſo niedrig waren, daß ein
Fortdauern des Niedergangs den finanziellen Ruin
Heſſens bedeuten mußte. Es iſt nicht ſo gekommen, wir
haben vielmehr erheblich hohe Ueberſchüſſe erzielt. Man
muß ſich doch auch darüber klar ſein, daß wir dieſe hohen
Ueberſchüſſe nicht erzielt hätten, wenn wir nicht in der Ge=
meinſchaft
wären. (Bravo!)
Abg. Buſold: Die Automobilverbindung zwiſchen
Friedberg und Ranſtadt, die einzige ſtaatliche, die wir
haben, hat praktiſch erwieſen, daß eine Ausdehnung der
Automobilverbindungen nicht wünſchenswert erſcheint,
daß ſie niemals einen Erſatz für Eiſenbahnverbindung
bietet. Der Verkehr ſei mangelhaft und unpünktlich, meiſt
die Wagen überfüllt und der Fahrpreis viel zu hoch. Die
Straßen werden ſehr ruiniert. Für Güterbeförderung
kommt der Wagen faſt gar nicht in Betracht. Vielleicht
ergibt ein Verſuch mit größeren Wagen beſſere Reſultate.
Jedenfalls müſſe dem Publikum Gewähr geboten wer=
den
, daß es ſicher auf Beförderung rechnen kann. Redner
wünſcht ſchließlich beſſere Brückſichtigung der Gemeinde
Langenbergheim.
Abg. v. Brentano beſpricht ebenfalls eingehend
die Reviſionsfrage. Der Abg. Oſann habe dem Vertrag
ein ſehr großes Lob geſungen. Das iſt wohl ſein Recht,
aber ich meine, daß ein allzu großes Lob unſeren Inter=
eſſen
in der Reviſionsfrage in Berlin ſicher nicht dienlich
ſei. (Abg. Ulrich: Sehr richtig!) Ein preußiſcher Mini=
ſter
hätte ſich nicht anerkennender über den Vertrag aus=
ſprechen
können. Durchaus unterſtreichen möchte ich die
Ausführungen des Abg. Oſann über die Arbeiterfrage.
Daß der Abg. Oſann ſo gerecht und offen die Ausführ=
ungen
meiner Parteifreunde anerkennt, iſt ſehr erfreulich.
Im allſeitigen Intereſſe, auch im politiſchen, wäre es
wünſchenswert, wenn dieſes Verhältnis ſo bliebe auch in
anderen Fragen. Redner beſpricht ſchließlich die Verhält=
niſſe
in Offenbach und bittet wiederholt die Regierung.
doch ja die beabſichtigte Schädigung durch die Umleitung
der Schnellzüge von Offenbach fernzuhalten. Uebrigens
ſollten die maßgebenden Herren in Aſchaffenburg dieſe
Angelegenheit auch zu der ihrigen machen, denn Aſchaffen=
burg
werde eventl. die gleichen Nachteile haben.
Abg. Bähr erkennt an, daß von ſeiten Preußens
jetzt doch etwas mehr Entgegenkommen gegenüber den
Wünſchen Heſſens zutage tritt. Es bleibe aber noch viel
zu wünſchen übrig. Die Behandlung ſeiner Fahrkarten=
angelegenheit
habe gezeigt, daß Preußen auch kleinlich
ſein kann. Redner bringt dann eine ganze Reihe von
Spezialwünſchen vor. U. a. rügt er auch, daß in den
Triebwagen nicht geraucht werden darf. Dadurch würde
der Staat geſchädigt, denn er kommt um die Tabakſteuer.
Er wünſcht weiter Ueberholungsgleiſe an den kleinen Sta=
tionen
der Linie Gießen-Gelnhauſen, tritt für Hanau-
Büdingen ein und für eine Bahn durch das Seemental.
Als 41. Redner erhält das Wort der Abg. Molthan.
Er betont in längeren Ausführungen die unbedingte
Notwendigkeit, als Grundlagen für die geforderte Ver=
tragsreviſion
das Material zu erhalten. An der Objekti=
vität
des Materials, das eventl. die preußiſche Regierung
gibt, dürfe man nicht zweifeln, und die Koſten, die natür=
lich
Heſſen allein tragen muß, kommen nicht in Betracht
gegenüber der Bedeutſamkeit der Frage. Der Abg. Dr.
Oſann habe heute für den Vertrag geſprochen, wie es der
preußiſche Miniſterialdirektor Offenburg nicht beſſer hätte
tun können. Das kann natürlich dem Reviſionsgedanken
nicht förderlich ſein. Die ideellen und wirtſchaftlichen Vor=
teile
des Vertrages erkennen wir natürlich auch an und
haben das auch ſtets im Landtag getan. Redner verlieſt
zum Beweiſe deſſen Teile einer früheren Rede. Uebel=
nehmen
muß ich dem Aba. Oſann, daß er heute ſeinen
eigenen Antraa quaſi bekämpft. (Sehr richtig! links.)
Eine maßloſe Kritik verurteilen auch wir. Wir haben den
Boden ſachlicher Kritik nie verlaſſen. Die Teilungsziffer
iſt zu niedrig berechnet, weil der Verkehr damals durch
Umleitungen künſtlich unrentabel geſtaltet wurde. Die
geſteigerten Ueberſchüſſe ſind keine Veranlaſſung, den Re=
viſionsgedanken
zu verſchieben. Die große Mehrheit des
Hauſes ſteht ſicher nicht auf dem Standpunkt der Abgg.
Oſann und Brauer. Die ablehnende Haltung des Mini=
ſters
iſt zu bedauern, ſie werde aber, falls das Material
der Enquete den Reviſionsgedanken rechtfertigt, die Re=
viſion
nicht aufhalten, und wenn es nicht die gegen=
wärtige
Regierung tue, die nachfolgende tuts ganz
gewiß.
Darauf wird die Weiterberatung auf Freitag
9 Uhr vertagt. Schluß nach 1½ Uhr,

[ ][  ][ ]

Nummer 44.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 21. Februar 1913.

Seite 13.

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Es war eine böſe Zeit für die junge Frau. Sie kam
ſich ganz als Märtyrerin vor. Nicht einmal auf ihr Kind
konnte ſie ſich freuen; die körperlichen Leiden, die ihr Zu=
ſtand
mit ſich brachte, dünkten ihr eine himmelſchreiende
Ungerechtigkeit, die ihr vom Schickſal aufgebürdet wurde.
Die Mahlzeiten ſchmeckten ihr nicht mehr, wenn ſie ſie
allein einnehmen mußte. Auch heute ließ ſie wieder den
Kaffee kalt werden.
Der Herr Baron ſind vorhin in großer Eile direkt
vom Felde fortgeritten, meldete der Diener.
Irma ſeufzte: wahrſcheinlich war Fabi in Vahlen=
hof
, wo irgend eine Kleinigkeit paſſiert ſein mußte, aber
er nahm dergleichen immer ſo übertrieben ernſt. Irma
trank nun doch ihren kalten Kaffee, dann ſetzte ſie ſich in
den Salon und verſuchte zu leſen. Aber ſie war nicht bei
der Sache und ließ das Buch in ihren Schoß ſinken. Ihre
Einrichtung, auf welche ſie ſo ſtolz geweſen, freute ſie
mun gar nicht mehr. Fabi hatte ja auch kein Intereſſe da=
für
. Wenn er abends in Reitſtiefeln vom Felde kam, war
er gewöhnlich totmüde, gähnte, las nicht einmal ſeine
Zeitung und ſchlief ſchon beinahe, während er ſich aus=
kleidete
, um zu Bett zu gehen. Mit Sonnenaufgang ging
er wieder hinaus, ließ ſein Pferd ſatteln und ritt ab.
Irma vernahm im Halbſchlafe den Hufſchlag ſeines Pfer=
des
. Dann weinte ſie in ihr Kopfkiſſen. Die Flitter=
wochen
waren ihr ſo ſchnell verſtrichen, eigentlich hatte
ſie gar keine gehabt . .

Sie hüllte ſich in einen Mantel und ging durch das
Hoftor auf die Landſtraße. Ein ſcharfer Wind kam über
die Felder. Irma mußte gegen ſein Ungetüm ankämpfen.
Sie fühlte, wie das Regenwaſſer, das in Lachen auf der
Straße ſtand, in ihre dünnen Schuhe drang. Ihr Mantel
blähte ſich wie ein Segel, ſie keuchte bei jedem Schritt,
aber ſie ſtrebte vorwärts. Nun gerade! Mochte Fabi
ſie hier antreffen ſeine Schuld war es, daß ſie der
Einſamkeit ihres Heims entlief.
Die Dunkelheit wuchs Lichter blitzten vor Irma
auf, ein paar Hunde ſchlugen an bis zum Dorf Borg=
heide
waren nur noch ein paar hundert Schritte. Ein
Wagen ratterte von der Dorfſchenke daher, ſeine Inſaſſen,
die mit bezechten Stimmen Lieder kröhlten, peitſchten den
Gaul, der ſich in Galopp ſetzte. Irma erſchrak. Sie
hatte eine entſetzliche Angſt vor Betrunkenen. Schwer
atmend, in wahnwitziger Haſt, begann ſie auf das erſte
Gehöft des Dorfes zuzulaufen. Ein paar Schritte noch
dann war ſie geborgen. Ein Köter ſtürzte ihr mit
wütendem Gebell enitgegen, ſie wich zur Seite, ſtolperte
und ſchlug vor dem Bauernhauſe hart zu Boden . . . . .
Als ihr das Bewußtſein wiederkehrte, lag ſie in einer
überheizten kleinen Stube. Der Wagen vom Gut muß
gleich da ſein, ſagte die Bäuerin. Herrgott, welch ein
Schreck haben die gnädige Frau uns gemacht.
Irma konnte vor Schwäche keine Silbe ſprechen.
Erſt als ſie in ihrem eigenen Zimmer gebettet war, fragte
ſie matt nach Fabi.
Der Herr Baron ſind noch nicht zurück, erwiderte das
Stubenmädchen, das ziemlich ratlos um ſie bemüht war.
Lauter Zwangsvorſtellungen gaukelten in Irmas
Phantaſie . . War Fabian mit dem Pferde geſtürzt?

Erit hutr ſo iotlih. Saßt gat ſchie ſe auft und
dann kamen unerträgliche Schmerzen, die ihr das Be=
wußtſein
faſt raubten . . . .
Faſt zur ſelben Stunde, wo der Freihere Matthias
ſeine Augen zur ewigen Ruhe ſchloß, wurde die Hoff=
nung
auf ein neues Reis am alten Stamme der Heidegg
zerſtört: Irmas Sohn kam zu früh zur Welt. Ein kur=
zes
Aufflackern nur, dann erloſch das ſchwache Lebens=
licht
.
Sehr ſchlank, mittelgroß, mit raſchen, anmutigen Be=
wegungen
, die Augen halb ernſt, halb ſchalkhaft blickend,
ein lebhaftes Mienenſpiel, kurzes, leicht gewelltes, blon=
des
Haar, das war Baronin Nika Lansky in ihrer
äußeren Erſcheinung.
Sie ſtand in einem mehr praktiſchen, als eleganten
Reiſekleid aus ſchwarzem Tuch, die Reiſetaſche aus brau=
nem
Leder umgehängt, auf dem Bahnſteig der kleinen
Halteſtelle, dem Endziel ibrer Eiſenbahnfahrt, und ſtreckte
Klaus Heidegg ihre Hand entgegen: Nein daß ich
Dich nicht gleich erkannt habe, Klaus! Wir bleiben doch
beim altgewohnten Du nicht wahr? Und wahrſcheinlich
ſind wir von Petersburg aus zehn Stunden lang in ein
und demſelben Zuge gefahren.
Klaus neigte ſich über die Hand der jungen Frau:
Ich erkannte Dich auch nicht ſogleich, Nika, Du haſt Dich
ſehr verändert.
Ja, ich bin auch ſo lange fortgeweſen. Mein Mankk
vertrug das neblige Wetter in Petersburg ſchlecht. Da=
her
hielten wir uns meiſt auf unſerem Gute in der Krim
auf oder reiſten im Auslande. Und als wir uns endlich

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 21. Februar 1913.

Nummer 44.

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Telephon 104. (4424a

dazu anſchickten, einmal in Eldenau nach dem Rechten zu
ſehen, da ſie ſtockte und ſchloß dann raſch, da
mußte ich allein kommen. Doch nun wollen wir auf=
brechen
, Klaus. Da iſt ja bereits mein Gepäck. Darf ich
Dir einen Platz in meinem Wagen anbieten? Ich mache
gern den kleinen Umweg über Heidegg. Du glaubſt nicht,
wie ſehr ich mich auf Euch Heidegger freue.
Klaus ſagte ihr, wie es zu Hauſe ſtand. Es war
ihm lieb, nicht allein in dieſer Ungewißheit und Sorge
den Weg nach Heidegg zu machen. Die hereinbrechende
Dunkelheit breitete ſich auf die im Frühlingsnebel damp=
ſenden
Felder und das düſtere Moor. Nika war ja faſt
wie ein Heidegger Kind. Mit den Söhnen dort war ſie
auf ihrem Ponny um die Wette geritten.
Heidegg kam in Sicht. Von ſeinem Turme wehte
heute keine Fahne als Willkommensgruß. Die Umriſſe
des Hauſes hoben ſich düſter vom Abendhimmel ab. Vor
der Zugbrücke wollte Klaus die Equipage verlaſſen, aber
Nika bat: Ich komme mit Dir, Klaus. Darf ich? Ich
bin ſo ſehr in Unruhe ich möchte gleich heute erfahren,
wie es bei Euch ſteht.
Er drückte Nika dankbar die Hand und hob ſie aus
dem Wagen. Stumm ſchritten ſie über die Zugbrücke,
dann über den menſchenleeren Hof, in dem der Ordens=
brunnen
unter den kahlen Linden geſpenſtiſch auftauchte.
In jener Nacht, da man den Freiherrn Matthias
von Heidegg unter Blumen aufbahrte, war Monika
Lansky wie eine Schweſter und Tochter in Heidegg
erſt am nächſten Morgen fuhr ſie nach Eldenau.

Editha wandelte wie ein ruheloſer Geiſt aus einem
Zimmer ins andere ſie dachte nicht an den Toten, es
war für ſie eine Genugtuung, daß Gaſton und die Seinen
vergeblich auf Monika gewartet hatten.
Paſtor Pohl hielt ſeinem alten Freunde und Gönner,
dem Freiherrn Matthias, die Grabrede. Es war ſeine
letzte Amtshandlung. Seine Stimme zitterte, ſein graues
Haar flatterte im Winde, als er ſein Käppchen vor der
offenen Gruft abnahm und das Vaterunſer über dem
Sarge betete.
Wieviel Liebe der Freiherr trotz ſeines etwas pol=
ternden
Weſens unter ſeinen Bauern beſeſſen, das zeigte
ſich erſt jetzt, nach ſeinem Tode. Zum Begräbnis der
Gräfin Suhr hhatten die Dörfler herangezogen werden
müſſen, hier kam ein jeder von ſelbſt.
In einer kleinen Filialkirche, wo ſelten gepredigt
wurde, hatten die Heidegger ihr Erbbegräbnis. Fabi
führte ſeine Mutter. Er ſah vergrämt aus. Alles, was
an Schwerem über Haus Heidegg hereingebrochen war,
laſtete am meiſten auf ſeinen Schultern. Daß die Zu=
kunft
von Mutter und Geſchwiſtern durchaus unſicher
war, davon hatte er ſich nach einem flüchtigen Blick in
die Hinterlaſſenſchaft bereits überzeugt.
Der Vater hatte ſein Heidegg ſo ſehr geliebt. Sollten
nun ſeine Söhne den Beſitz in fremde Hände übergehen
laſſen? Editha würde bei ihrer Verheiratung auch das
Letzte noch, was von ihrem Mütterlichen auf Heidegg
eingetragen war, verlangen das heißt, Helmering

Wo war Helmering nur heute? Da ſtand Editha
mit blaſſem, verzerrtem Geſicht neben Klaus und Monika.
Warum war ihr Verlobter nicht hier? Auch Frau von
Helmering und ihre Tochter fehlten. Das ſah nach Ab=
ſicht
aus. Eine Kaleſche fuhr langſam durch die Menge
hinter dem Gittertor. Editha atmete wie erlöſt auf: End=
lich
kam Gaſton, aber er näherte ſich nicht den Leidtragen=
den
, ſondern blieb draußen unter der Menge ſtehen, bis
die Trauerfeier vorüber war. Dann trat er mit abge=
zogenem
Hut auf Nika zu: Darf ich Sie zu Ihrem
Wagen geleiten, gnädige Frau?
Nika blickte ihn mit hochmütigem Erſtaunen an und
erwiderte dann leiſe, mit ſcharfer Betonung: Herr von
Helmering, Ihre Braut erwartet Sie.
Er kniff die Lippen zuſammen und verneigte ſich
ſchweigend mit nochmaligem, ehrerbietigem Gruß.
Editha war es endlich gelungen, ihn im Gedränge zu
erſpähen, ſie eilte auf ihn zu und hing ſich an ſeinen
Arm: So ſpät kommſt Du, Gaſton? Ich fürchtete bereits,
daß Du überhaupt nicht kommen würdeſt.
Er erwiderte nichts, ſondern führte ſie ſtumm an den
Wagen, in dem Erika bereits Platz genommen hatte.
Du kommſt doch mit uns nach Heidegg? bat Editha
flehentlich.
Bedauere, meine Zeit iſt knapp. Auch fürchte ich, die
Deinigen zu ſtören. Er grüßte kalt und trat zurück.
Fahr zu, rief Erika, jedes weitere Wort der Schweſter
abſchneidend, den Kutſcher an. Editha ſank ſchluchzend in
die Wagenecke.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 44.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 21. Februar 1913.

beweist die hervorragende
Jualicht der
SULIAA-CIGARETTE
Ge
Oa

Deutſcher Handelstag.

* Berlin, 19. Febr. Im weiteren Verlauf der
Verhandlungen des Deutſchen Handels=
tages
fand ſehr eingehend eine Erörterung über die
Konkurrenzklauſel ſtatt. Vom Ausſchuß des
Deutſchen Handelstages lag ein längerer Antrag vor,
welcher beſagt: Die gegenwärtigen geſetzlichen Beſtim=
mungen
über die Konkurrenzklauſel im Handelsgewerbe
reichen nicht allein aus, ſondern tragen auch den Inter=
eſſen
aller Beteiligten am beſten Rechnung. Die Ver=
ſchiedenartigkeit
der geſchäftlichen Verhältniſſe in einzel=
nen
Zweigen und Betrieben von Handel und Induſtrie
läßt es unmöglich erſcheinen, Normen aufzuſtellen,
die erhebliche berechtigte Intereſſen nicht verletzen. Daher
ſollte es nach wie vor dem richterlichen Urteil überlaſſen
bleiben, die Konkurrenzklauſeln in ſo weit für unver=
bindlich
zu erklären, als ſie nach Zeit, Ort und Gegenſtand
eine unbillige Erſchwerung des Fortkommens der Hand=
lungsgehilfen
enthalten. Gegen den Antrag wandten ſich
ganz beſonders die Mitglieder der Berliner Handelskam=
mer
, Geh. Kommerzienrat Kopetzky, Stadtälteſter Dr.
Max Weigert u. a., die die Anſicht ausdrückten, daß die
Konkurrentzklauſel möglichſt mild gefaßt werden müſſe
damit den Handlungsgehilfen das Fortkommen nicht er=
ſchwert
werde. Der Antrag des Ausſchuſſes wurde ſchließ=
lich
mit großer Mehrheit angenommen.
Dr. Human=Darmſtadt begründete die Re=
ſolution
des Ausſchuſſes zur Leuchtölfrage, die
trotz grundſätzlicher Ablehnung von Staatsmonopolen die
Monopoliſierung des Leuchtölvertriebes gemäß dem Ge=
ſetzentwurf
zulaſſen will, wenn genug Leuchtöl in ge=
nügender
Qualität beſchaffbar iſt, die ausgeſchalteten
Zwiſchenhändler und Angeſtellten angemeſſen entſchädigt
der Kleinhandel berückſichtigt und der Raffineriebetrieb
im Inlande möglichſt erhalten werden. Regierungsrat
Keſtner im Reichsſchatzamt dankte dem Handelstag für
die Zuſtimmung. Dem Leuchtölbedarf von höchſtens
800000 Tonnen ſtände das Angebot von einer Million
gegenüber. Selbſt bei ausreichendem Detailliſtenzuſchlag
würde der Liter nur 20 Pfennige koſten. Nach eingehen=
der
Diskuſſion wurde die Reſolution mit 320. gegen 79
Stimmen angenommen.
Am Schluß beſchäftigte ſich der Handelstag mit dem
Verkehr von Nahrungs= und Genuß=
mitteln
. Der Präſident des Reichsgeſundheitsamts,
Geheimer Oberregierungscat Bumm, führte in längerer
Rede aus, daß die Nahrungsmittelgeſetzgebung äußerſt
ſchwierig, es aber doch durchaus notwendig ſei, Normen
für die geſetzliche Regelung zu ſchaffen. Geheimer Ober=
regierungsrat
Dr. Kerp vom Reichsgeſundheitsamt be=
merkte
, es ſei ſehr erfreulich, wenn aus Kreiſen der Sach=
verſtändigen
Vorſchläge über die Aenderung der Nah=

Seite 15.

rungsmittelgeſetzgebung, einlieſen. Sie würden auf alle
Fälle eingehendſt geprüft und berückſichtigt werden. Es
gelangte alsdann eine längere Erklärung zur An=
nähme
in der es heißt: Der deutſche Handelstag iſt mit
dem Erlaß von Verordnungen über die Beurteilung und
Unterſuchung von Nahrungs= und Genußmitteln grund=
ſätzlich
einverſtanden und wünſcht, daß zur Vorbereitung
von Verordnungen Sachverſtändige aus den Kreiſen von
Handel, und Induſtrie gehört, ferner Verordnungen im
Entwurfe auch dem Deutſchen Handelstage vorgelegt
werden, und daß bei dem Erlaß einer Verordnung au=
die
fortſchrittliche Entwicklung und den geſamten Cha=
rakter
von Handel und Induſtrie Rückſicht genommen
werde. Weiter ſprach ſich der Deutſche Handelstag dahin
aus, daß bei der Verfolgung von Uebertretungen der Be=
ſtimmungen
über den Verkehr von Nahrungs= und Genuß=
mitteln
grundſätzlich die Polizei verpflichtet werde, vor
Abgabe der Akten an die Staatsanwaltſchaft die gericht=
lichen
Körperſchaften zu hören, und wo letztere nicht be=
ſtehen
, Sachverſtändige zu ernennen; endlich, daß in
Fällen fahrläſſiger Uebertretungen die Polizei verpflichtet
iſt, Verwarnungen zu erlaſſen.
* Berlin, 19. Febr. Vom Kaiſer iſt dem
Deutſchen Handelstag folgende Antwort auf das
Huldigungstelegramm zugegangen: Mit freundlichen
Worten gedachte der Deutſche Handelstag meines in die=
ſem
Sommer bevorſtehenden 25jährigen Regierungs=
jubiläums
und der kräftigen Entwicklung, welche Handel
und Induſtrie in dieſem Zeitraum unter den Segnungen
des Friedens erfahren haben. Ich ſpreche den Vertretern
von Deutſchlands Handel und Induſtrie für die Glück=
wünſche
und das erneute Gelöbnis treuer Ergebenheit
meinen herzlichen Dank aus. Mögen Handel und In=
duſtrie
mit der Landwirtſchaft und den übrigen Berufs=
ſtänden
in der Betätigung opferwilliger Treue gegen
Kaiſer und Vaterland wetteifern, damit der nationalen
Arbeit auch in Zukunft der erforderliche Schutz zuteil
werden kann.

Vorträge.

Im Kaiſerſaale hielt Herr Dr. med. P. Hoyle aus
London, Sekretär des International homoeopathie
Couneil‟ (Internationaler Rat der homöopathiſchen
Aerztevereine) einen Vortrag über die Bedeutung
und Ausbreitung der Homöopathie in den
Kulturländern der alten und neuen Welt.
Redner wies darauf hin, daß die Homöopathie ſeit ihrer
Begründung durch den genialen deutſchen Arzt Samuel
Hahnemann vor 117 Jahren in allen Weltteilen durch
tauſende von Aerzten und eine nach Millionen zählende
Schar von Anhängern vertreten ſei, ja daß ſie insbeſon
dere in Nordamerika ſich eine geradezu dominierende
Stellung erobert habe. Er zeigte an der Hand einer
großen Reihe von einwandfreien vergleichenden Sta=
tiſtiken
, daß die Homöopathie der älteren Schweſterſchule,
der Allopathie, vollſtändig ebenbürtig ſei, ja ſich vielfach
erheblich überlegen gezeigt habe z. B. in der Behandlung
der Lungenentzundung, in den Choleraepidemien uſw.
Dr. Hoyle ſchilderte in kurzen Zügen die Entwickelungs=
geſchichte
der Homöopathie, die Verfolgungen, die ſie in
den verſchiedenen Ländern von der herrſchenden Schule
zu erleiden hatte, unter denen ſie aber nicht nur nicht ge=
litten
, ſondern im Gegenteil nur noch mehr erſtarkt und
gewachſen ſei. Redner nannte aus der Geſchichte der Me=
dizin
und Naturwiſſenſchaften eine ganze Anzahl von
großen hervorragenden Forſchern, die ebenſo wie einſt
Hahnemann, verkannt, geſchmäht und verfolgt wurden,
aber ſpäter, oft erſt nach ihrem Tode, die ihnen gebührende
Anerkennung gefunden haben, ſo u. a. Harvey, Auen=
brugger
, Lavoiſier, Semmelweis Paſteur, Ohm.
In unſeren Tagen erſt, nach einer ſo langen Zeit der
Verkennung, Mißachtung und bitterſten Verfolgung,
bahne ſich jetzt erfreulicherweiſe mehr und mehr
eine Verſtändigung an zwiſchen der homöopathiſchen und
allopathiſchen Schule, was wohl mit Recht auf die Tat=

ſache zurückzuführen ſei, daß die moderne Schulmedizin
gerade in ihren neueſten Forſchungsergebniſſen immer
mehr in das Fahrwaſſer der Homöopathie ſteuere. Als
Beweiſe für dieſe gegenſeitige Annäherung zwiſchen den
ſich bisher ſo feindlich gegenüberſtehenden Brüdern und
für die wachſende Erkenntnis auf Seiten der Allopathen
zitierte Herr Dr. Hoyle eine Menge von allerdings ſchla=
genden
Ausführungen in den Werken bedeutender Uni=
verſitätsprofeſſoren
der Medizin, ſo von Geheimrat von
Behring=Marburg, Hugo Schulz=Greifswald, den welt=
bekannten
Profeſſoren Osler in Orford, Huchard in Paris
und vielen anderen. Die vielfach von den Gegnern aus=
geſtreute
Behauptung, die Homöopathie nehme nicht pro=
duktiv
an den Fortſchritten der Wiſſenſchaft teil, wies Red=
ner
energiſch zurück und verwies auf die zahlreichen Jahr
für Jahr erſcheinenden wiſſenſchaftlichen Arbeiten der
europäiſchen und amerikaniſchen Aerzte und Inſtitute, die
in den Fachzeitſchriften und größeren Werken niedergelegt
ſeien. Es entſpringe einem bedauerlichen Mangel an
Erkenntnis oder gar wiſſenſchaftlicher Wahrheitsliebe
wenn dies geleugnet werde. In der Homöopathie werde
genau ſo gut wie in der Allopathie auf den verſchiedenen
Gebieten der wiſſenſchaftlichen Medizin gearbeitet.
Zur Illuſtration zeigte Dr. Hoyle im Lichtbilde das
glänzend ausgeſtattete mikroſkopiſche Laboratorium des
großen Homoeopathie Medical College zu New=York. Die
anderen wiſſenſchaftlichen Inſtitute der homöopathiſchen
Hoſpitäler haben überall ähnliche, den modernen Anfor=
derungen
entſprechende Laboratorien, ſo beiſpielsweiſe
auch die homöopathiſchen Krankenhäuſer in London und
Berlin. Man könne wahrlich nicht von einer wiſſen=
ſchaftlichen
Sterilität (Profeſſor Harnack) in der homöo=
pathiſchen
Schule ſprechen. Es genüge, wiederum darauf
hinzuweiſen, daß ſchon 16 Jahre vor Robert Koch die
Homöopathen das Tuberkulin angewandt hätten (Dr.
Swan in New=York und kurz darauf Dr. Compton Bur=
nett
in London), ferner, daß der bekannte engliſche homöo=
pathiſche
Arzt Dr. Dudgeon der Erfinder des in der wiſ=
ſenſchaftlichen
Medizin viel angewendeten Sphygmogra=
phen
geweſen ſei, uſw. Mit ſcharfen Worten wandte ſich
Herr Dr. Hoyle aber auch gegen die allerorten, vornehm=
lich
jedoch in Deutſchland, ſehr zum Schaden des Anſehens
und des allgemeinen Fortſchrittes der wiſſenſchaftlichen
Homöopathie zahlreiche vertretene Sippe der homöo=
pathiſchen
Kurpfuſcher, der ſog. Laienpraktiker.
Am Schluß des mit lebhaftem Beifall aufgenommenen
Vortrages, der von einem deutſchen Mitglied des inter=
nationalen
homöopathiſchen Aerzterates überſetzt und durch
einige Details erläutert und ergänzt wurde, führte der
Redner zur Veranſchaulichung des Geſagten eine große
Anzahl ausgezeichneter ſehr inſtruktiver Lichtbilder vor,
ſtatiſtiſche Tabellen, Anſichten der großen homöopathiſchen

Krankenhäuſer und akademiſchen Inſtitute in Amerika,
England, Deutſchland uſw. mit ihren prachtvollen moder=
nen
Einrichtungen und herrlichen Parks. Die großartigen
amerikaniſchen homöopathiſchen Krankenhäuſer werden dort
vom Staat unter Aufwendung oft ungeheuerer Summen
rbaut und unterhalten. Mit Recht betonte der Redner
noch, daß dieſe gewaltigen Anſtalten mit ihren muſtergül=
tigen
und ſogar für uns Deutſche in mancher Hinſicht noch
vorbildlichen Einrichtungen längſt in allopathiſche Hände
übergegangen ſein würden, wenn ſich die homöopathiſche
Methode nicht tatſächlich ſo glänzend bewährt hätte. Sie
werden im Gegenteil von Jahr zu Jahr nicht nur ver=
größert
, ſondern noch mit fortlaufend ſteigenden, in die
Millionen Dollars gehenden Mitteln bedacht.
Herr Dr. Hoyle ſprach zum Schluß den Wunſch aus,
daß auch in Deutſchland, dieſem immer wohlhabender
und mächtiger werdenden Heimatlande des Stifters, der
Homöopathie, der gerechten Sache wie drüben im freien
Amerika die ihrer wiſſenſchaftlichen, praktiſchen und hu=
manen
Bedeutung entſprechende Würdigung zuteil wer=
den
möge und zwar ſowohl von Seiten der Wiſſenſchaft
wie des Staates.
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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 21. Februar 1913.

Nummer 44.

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