Darmstädter Tagblatt 1913


06. Februar 1913

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176. Jahrgang

monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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ſowie von unſeren Agenkuren und
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

In Königsberg fand geſtern eine allgemein große
Erinnerungsfeier an 1813 ſtatt, zu der auch der
Kaiſer gekommen war, der eine feierliche Anſprache
hielt.
Der Schnellzug, in dem Prinz Eitel Fried=
rich
von Preußen von Bukareſt nach Berlin
zurückkehrte ſtieß bei Mediaſch mit einem Laſtzug zu=
ſammen
. Der Heizer und ein Paſagter wurden getötet
und mehrere Paſſagiere verletzt. Der Salonwagen des
Prinzen blieb unbeſchädigt.
Gegen den Abſchluß der chineſiſchen Sechsmächte=
Anleihe wurde in letzter Stunde Eiuſpruch durch
den franzöſiſchen Geſandten erhoben.
In Futſchou wurde auf den neuen Zivilgouverneur
Tſchang eine Bombe geworfen. Dreißig
Perſonen wurden dadurch getötet oder verwun=
det
. Der Gouverneur blieb unverletzt.
Der geſtern wieder zuſammengetretene japaniſche
Mißtrauensvotum
Reichstag nahm ein
gegen die Regierung an. Darauf wurde das
Haus auf fünf Tage vertagt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Erneuter Kriegsbeginn.

Wieder hallt der Donner der Geſchütze, vor Adria=
nopel
iſt noch am Montag abend ſofort nach Ablauf des
Waffenſtillſtandes das Bombardement wieder eröffnet
worden und von neuem heißt es: Mars regiert die
Stunde. Die Entſcheidung liegt jetzt alſo bei den Waf=
fen
, nachdem die wochenlangen Verhandlungen in Lon=
don
fruchtlos ausgegangen ſind. Bereits Anfang Dezem=
ber
war man in der Themſeſtadt zuſammengekommen,
man hatte geglaubt, daß es höchſtens drei Wochen dauern
würde, bis die Friedenspräliminarien unterzeichnet wer=
den
könnten, auch von der gleichzeitig tagenden Botſchaf=
terkonferenz
verſprach man ſich hinſichtlich der Förderung
des Friedens gar viel. Die Hoffnungen ſind zu Waſſer
geworden, und die Verhandlungen mußten ſcheitern an=
geſichts
der hochgeſchraubten Forderungen der Balkan=
ſtaaten
.
Man muß billigerweiſe anerkennen, daß die Türkei
von vornherein recht weite Zugeſtändniſſe machte, und
man wird es ihr nicht verdenken können, wenn ſie auf
dem Beſitze von Adrianopel beharrte, das noch gar nicht
in die Hände der Verbündeten gefallen iſt; hat doch 1871
Deutſchland auch auf den Beſitz von Belfort verzichten
müſſen, weil es nicht gelungen war, bis zum Friedens=
ſchluß
die Feſtung zu erobern, ſo gern wir ſie als wich=
tigen
Verteidigungspunkt haben wollten. Vielfach iſt die
Meinung verbreitet, daß die jetzt wieder beginnenden
Kämpfe nicht von langer Dauer ſein würden, da die Tür=
kei
nicht mehr in der Lage ſei, auf die Dauer einen ener=
giſchen
Widerſtand zu leiſten, Adrianopel müſſe binnen
ikurzer Friſt fallen, und dann würden die türkiſchen Macht=
haber
ſchon einlenken, für die die Wiederaufnahme der
Feindſeligkeiten eigentlich der beſte Ausweg ſei, um neue
ſchwere innere Wirren zu verhüten. In der Tat gehörte
unter den troſtloſen Zuſtänden, in denen ſich die Türkei
befand, viel Mut dazu, das Erbe Kiamil Paſchas anzu=
rtreten
, es war eine höchſt undankbgre Aufgabe, und das
meue jungtürkiſche Regime kann jétzt wenigſtens ſagen,
daß man verſucht habe, zu retten, was zu retten war:
ſwenn es trotzdem unterliegt, ſo kann die Schuld nach dem
VVorausgegangenen der jetzigen Regierung kaum gemacht
terden.
Wie die Dinge in Wirklichkeit ſich in der nächſten Zeit
entwickeln werden, vermag niemand vorauszuſehen, im=
nnerhin
aber iſt es bezeichnend, daß die türkiſchen Friedens=
delegierten
vorläufig noch in London verbleiben. Man
ſſcheint demnach am Goldenen Horn mit einer baldigen
Wiederaufnahme der Verhandlungen zu rechnen, und das
wäre durchaus zu wünſchen. Der Krieg verſchlingt Mil=
llionen
über Millionen, und allgemein beſteht die Befürch=
tung
, daß nach Beendigung des Krieges eine ſchwere
twirtſchaftliche Kriſis ausbrechen werde, und zwar nicht
mur in der Türkei allein, ſondern auch bei den Balkan=
ſſtaaten
. Bei den großen Werten, die namentlich auch
Deutſcherſeits dort angelegt ſind, kann ein möglichſt ſchnel=
Cer Friedensſchluß nur wünſchenswert erſcheinen.

Keine Erhöhung der Beihilfen
für die Veteranen.

* Im Reichstag und in der Preſſe iſt vielfach der
Wunſch hervorgetreten, für eine weitere Erhöhung der
Beihilfen für Veteranen Sorge zu tragen, ſo daß dieſe
von 120 M. monatlich auf 150 M. herauf geſetzt wer=
den
können. Seitens der Reichsregierung iſt im Etat für
1913 zunächſt eine Erweiterung des Veteranenfonds um
zwei Millionen vorgeſehen, ſo daß im ganzen 31 Millio=
nen
für Beihilfen an die Kriegsteilnehmer zur Ver=
fügung
ſtehen würden. Um die gewünſchte Erhöhung
durchführen zu können, war ſeitens der Reichsregierung
vorgeſchlagen worden, aus den dem Reich zufließenden
Einnahmen aus dem Leuchtölgeſetz acht Millionen
für die Aufbeſſerung der Veteranenbezüge zu verwenden.
Nach dem Gang der Verhandlungen über das Leuchtöl=
geſetz
iſt aber mit ziemlicher Beſtimmtheit zu erwarten,
daß der Reichstag der vorgeſchlagenen Regelung nicht zu=
ſtimmen
wird. Da andererſeits dauernde Ausgaben ohne
entſprechende Deckung nicht gemacht werden, ſo dürfte lei=
der
eine Erhöhung des Veteranenfonds zunächſt nicht in
Ausſicht ſtehen. Wenn man dann die Abſicht hatte, bei
der Regelung der Beſitzſteuer der Frage
näherzutreten, ſo erſcheint dies nach dem Stande der
Dinge jedenfalls nicht angängig, da wiederum neue fi=
nanzielle
Anforderungen an das Reich herantreten wer=
den
. Im ganzen erhalten alle Kriegsteilnehmer, wenn
man die vorgeſehene Erhöhung um zwei Millionen
Mark mitrechnet, 71 Millionen Mark, von welcher Summe
40 Millionen auf die Kriegsinvaliden und diejenigen
Veteranen entfallen, die im Feldzug entweder Schaden
erlitten haben, oder bei denen mit beſonderem Wohlwol=
len
verfahren wird, wenn ſieSchädigungen aus dem
Kriege nicht mit Beſtimmtheit nachweiſen können. Außer
dieſen beiden Kategorien ſind dann die übrigen Kriegs=
teilnehmer
vorhanden, denen man aus Billigkeitsgründen
Beihilfen gewährt, die nach dem Wunſche des Reichs=
tages
von 120 auf 150 Mark gebracht werden ſollen.

Franzöſiſche Quertreibereien
in China.

* Aus Peking, 4. Febr., wird gemeldet: Als heute
der Anleihevertrag unterzeichnet werden ſollte,
teilte der franzöſiſche Geſandte den Chineſen
mit, daß er ſeine Zuſtimmung zu der Anleihe nicht geben
könnte, wenn nicht alle fremden Ratgeber der chineſiſchen
Regierung neutrale Länder vertreten würden oder Unter=
tanen
der einen oder anderen ſechs Mächte wären. In
dieſem Falle müßte ein Franzoſe einen der drei Poſten er=
halten
. Der völlig unerwartete Schritt erregt in Regie=
rungskreiſen
die größte Beſtürzung. Die Chineſen ſehen
dieſen neuen Einwand im letzten Augenblick im denkbar
ungünſtigen Lichte an. Der Einwand des franzöſiſchen
Geſandten iſt ganz ſpeziell gegen Herrn Rump gerich=
tet
, einen Deutſchen, der zum Berater der Rechnungs=
kammer
ernannt worden war, wofür er nach allgemeinem
Urteil ungewöhnlich geeignet iſt. Nach dem Ausbruch des
Boxeraufſtandes war Rump Schatzmeiſter der proviſori=
ſchen
Regierung in Tientſin und darauf Chef der Regie=
rungs
=Zollverwaltung in Tientſin. Als ſolcher führte
er ſo überaus befriedigende Reformen ein, daß die Chine=
ſen
ſie en bloe annahmen. Danach war Rump Rech=
nungsreviſor
der Tſintu=Eiſenbahn und im letzten Jahr
war er Rechnungsreviſor der Sechsmächte=Gruppe bezüg=
lich
der Vorſchüſſe, die dieſe gemacht hatten. Er war auch
der Kandidat der Gruppe als Reviſor der geplanten An=
leihe
von 1912. Rump hat dieſe drei Poſten zur allge=
meinen
größten Zufriedenheit ausgeführt und China hat
ſeine jetzige Ernennung aus eigenem Antrieb vorgeſchla=
gen
. Seine=Ernennung war ſeit Wochen öffentlich be=
kannt
und war überall im fernen Oſten in allen Sprachen
veröffentlicht und war auch bei den Verhandlungen der
Bankengruppe zur Sprache gebracht und genehmigt wor=
den
. Man hält es daher für unmöglich, daß der franzö=
ſiſche
Geſandte davon nicht ſchon ſeit Wochen gewußt
habe.
Die chineſiſche Regierung iſt bereit, an ſeine Stelle
einen Holländer namens Ferguſon von der Seezollver=
waltung
einzuſetzen, hat ſich aber vor dieſem Vorſchlag
geſcheut, weil die Beiſeiteſetzung des Herrn Rump eine
unbegründete Herabſetzung des deutſchen
Preſtiges in Aſien bedeuten würde. Zum dritten Rat=
geber
ernannte China den Italiener Ronſi. Die Geſand=

ten der Sechsmächte=Gruppe traten heute abend zuſammen
und verſuchten vergeblich ſich zu einigen. Die chineſiſche
Regierung hat ſich darauf verlaſſen, vor dem neuen Jahr
alten Stils, das die Bevölkerung noch immer am 6. Ja=
nuar
feiert, einen Vorſchuß zu erhalten. Es herrſcht da=
her
die Befürchtung vor möglichen Unruhen der unbe=
zahlten
Soldaten, von denen 40 geſtern zu plündern be=
gannen
. Die Mehrzahl wurde jedoch ſofort verhaftet und
hingerichtet.

Deutſches Reich.

Das Reichs= und Staatsangehörts=
keitsgeſetz
, das dem Reichstage im Frühjahr 1912
vorgelegt worden war, befindet ſich gegenwärtig noch in
der Beratung der Kommiſſion. Dieſe hat die erſte Leſung
des Entwurfs bereits ſeit langer Zeit beendet, bis jetzt
ſind aber keine Schritte getan worden, um die Weiter=
beratung
zu fördern. Unter dieſen Umſtänden dürfte der
Geſetzentwurf vorläufig im Reichstage nicht zur Verab=
ſchiedung
kommen und vielleicht auch ganz ſcheitern. Ueber
die Gründe der Verzögerung iſt bisher nichts bekannt ge=
worden
. In nationalen Kreiſen iſt man jedenfalls von
dieſer neuen Stockung wenig erbaut.
Die Reichstagspetition für den Par=
ſifal
=Schutz wird am Donnerstag zur Beratung
kommen. Die Regierung wird, wie verlautet, durch den
Staatsſekretär Dr. Lisco erklären laſſen, daß bis jetzt
eine Verlängerung der Schutzfriſt nicht beabſichtigt ge=
weſen
iſt, daß der Bundesrat zu dieſer Frage ebenfalls
noch keine Stellung genommen habe, daß man dieſer
Frage aber nähertreten wolle, wenn der Reichstag einen
dahingehenden Wunſch äußern würde.
Die Städte und die Heeresverſtär=
kung
. In der Vorſtandsſitzung des Reichsverbandes
deutſcher Städte, die in Berlin ſtattfand, wurde, wie
ſchon kurz gemeldet, eine Reſolution zugunſten der Heeres=
verſtärkung
einſtimmig angenommen. Die Reſolution hat
folgenden Wortlaut: Der Vorſtand des Reichsverbandes
deutſcher Städte (Vertretung der Städte unter 25000 Ein=
wohner
) blickt mit ernſter Beſorgnis auf die Stellung, die
das Deutſche Reich in den gegenwärtigen Zeiten der
Kriegsgefahr einnimmt. Der Vorſtand hält es für ſeine
Pflicht, ſeiner Ueberzeugung Ausdruck zu geben, daß das
deutſche Volk ſich ſeiner Vorfahren gerade in dieſer er=
innerungsreichen
Zeit würdig erweiſen wird, und zu ver=
ſichern
, daß auch die ſchon ſchwer belaſteten kleinen und
mittleren Städte ſelbſt große finanzielle Opfer zu bringen
bereit ſind, damit unſer Vaterland infolge ſeiner auch
den Gegnern unangreifbar erſcheinenden Kriegsbereit=!
ſchaft ſein Schwert zugunſten des europäiſchen Friedens
in die Wagſchale zu werfen vermag. Der Vorſtand kann
die zögernde Haltung der Heeresverwaltung bei der Ein=
bringung
der Heeresvorlage nicht billigen, da die allge=
meine
Wehrpflicht infolge der großen Zahl der vom Hee=
resdienſt
befreiten waffenfähigen Söhne unſeres Volkes
lediglich auf dem Papier ſteht, und da das Volk in
Waffen ohne Zweifel die beſte Volksverſicherung iſt. Der
Vorſtand erhofft von der Heeresverwaltung, daß ſie die=
ſen
Geſichtspunkten in weitgehendſter Weiſe Rechnung
tragen und eine großzügige, dem Ernſt der Gegenwart
entſprechende Heeresvorlage einbringen wird.
Die neuen Friedensverhandlungen
in der Holzinduſtrie haben am Dienstag unter
dem Vorſitz des früheren Miniſters v. Berlepſch begonnen.
Aenderung des Urheberrechts. Im
Reichstage iſt ein von Mitgliedern der beiden konſerva=
tiven
Parteien und der Wirtſchaftlichen Vereinigung
unterzeichneter Initiativantrag auf Erlaß eines Geſetzes
eingegangen, in deſſen einzigem Paragraphen eine Aen=
derung
des Urheberrechts an Werken der Literatur und
Bühnenkunſt vorgeſehen iſt, wonach u. a. das Urheber=
recht
erſt zehn Jahre nach der erſten vom Urheber inner=
halb
des Beſtimmungsortes geſtatteten bühnenmäßigen
Aufführung erliſcht. Dadurch würde Wagners Parſifal
erhöhten Schutz erhalten.
Zentrum und Sozialde mokratie. Die
Germania bezeichnet die Meldung der Frankfurter Zei=
tung
, daß bereits ein Zentrumsführer mit einer führen=
den
Perſönlichkeit der Sozialdemokratie wegen eines ge=
meinſamen
Vorgehens bei den als nahe bevorſtehend be=
zeichneten
Reichstagswahlen verhandelt habe, als
ſchlechten Faſtnachtsſcherz, dicken Schwindel und
fauſtdicke Lügen‟. Das genügt!
Die Landtagswahlen in Sachſen=
Altenburg finden heute, Donnerstag, ſtatt. Im gan=
zen
ſind 32 Abgeordnete, und zwar 9 von den Höchſt=

[ ][  ][ ]

Trais a. d. Lda., 5. Febr. Vor einiger Zeit wurden
im hieſigen ſtaatlichen Quarzitſteinbruch verſchie=
dene
Knochenfunde gemacht, die nach dem Urteil des
Bezirksdenkmalpflegers für den Kreis Gießen, des Herrn
Dr. Kramer, vorſintflutlichen Tieren angehören ſollen.
Neuerdings mehren ſich die Funde, jedoch ſcheinen die neu
zutage gekommenen Knochen menſchliche Ueber=
reſte
von ſehr hohem Alter zu ſein. Da die Denkmal=
pflege
die Angelegenheit in die Hand genommen hat, wer=
den
ja wohl genauere Unterſuchungen ſtattfinden.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 4. Febr. Heute abend fand
im Königlichen Schloß der erſte große Hofball ſtatt.
Wegen des frühen Oſterfeſtes war es zugleich der letzte
und der Faſtnachtsball. Der Kaiſer war in der Uniform
der Leibgardehuſaren erſchienen. Die Kaiſerin trug eine
blaßfliederfarbene Sammetrobe mit viereckiger Schleppe.
Der Kronprinz führte die Prinzeſſin Eitel Friedrich, Prinz
Auguſt Wilhelm die Kronprinzeſſin, Prinz Oskar von
Preußen die Prinzeſſin Friedrich Leopold. Um 10¾ Uhe
wurde der Tanz durch das Souper unterbrochen. Danach
begann der Tanz von neuem. Schließlich wurden Pfann=
kuchen
und der berühmte Punſch gereicht. Die Kur=
fürſtenoper
am Kurfürſtendamm, die der Direktor
Palfi, früher am Neuen Operettentheater, beim Beginn
dieſer Saiſon übernommen hatte, war bald in finanziellen
Schwierigkeiten. Jetzt hat, wie die Blätter berichten
Direktor Palfi die Direktion niedergelegt. Geſtern nacht
fand eine Verſammlung der Schauſpieler ſtatt, die bis
zum frühen Morgen über die veränderte Situation berat=
ſchlagten
. Es wurde, um die Möglichkeit zu haben, bis
zum Schluß der Saiſon weiterzuſpielen, die Gründung
einer Betriebsgeſellſchaft mit Palfi als künſtleriſchem Lei=
ter
gegen Honorar in Vorſchlag gebracht. Dieſer Vor=
ſchlag
wurde denn auch, allerdings gegen den Willen ein=
zelner
Mitglieder, angenommen. Ein Poſträuber
wurde heute abend in der Perſon des 21jährigen Han=
delsgehilfen
Albert Schade auf friſcher Tat ertappt.
Eine Dame wollte auf Poſtamt 113 eine Poſtanweiſung
über hundert Mark einzahlen. Plötzlich entriß ihr ein
junger Mann den Betrag und ſuchte zu entkommen. Die
Beraubte ſchrie laut auf und machte dadurch andere An
weſende aufmerkſam. Der Fliehende wurde verfolgt, ein=
geholt
und der Polizei übergeben. Ueber 215000
Fernſprechſtellen hat jetzt Groß=Berlin. Nach einer
neuen Zuſammenſtellung der Kaiſerlichen Ober= Poſtdirek=
tion
vom Ende des Jahres 1911 hatte die Zahl der An=
ſchlüſſe
194 582 betragen, der Zuwachs des letzten Jahres
allein 20 447 Anſchlüſſe. Am 30. Juni 1912 betrug die
Zahl der Anſchlüſſe 204638. Der Zuwachs verteilt ſich
alſo ziemlich gleichmäßig auf die beiden Halbjahre.
Hanau, 5. Febr. Bei der Typhusepidemie des
.Bataillons des Eiſenbahnregiments Nr. 3 hält der ſeit
Wochen zu beobachtende günſtige Verlauf an. Heute ſind
noch 70 Kranke vorhanden, darunter 8 Mann mit hohem
Fieber.
Straßburg i. E., 4. Febr. Gegen den Wetterlsſchen
Nouvelliſt in Kolmar hat, wie der Elſäſſer Kurier
mitteilt, Staatsſekretär Zorn v. Bulach Strafantrag
erhoben, und zwar wegen eines Artikels in der Nummer
vom 13. vorigen Monas, in welchem mit Bezug auf den
in der Täglichen Rundſchau dem Abgeordneten Wetterlé
gegebenen Rat, er möge lieber in Frankreich bleiben.
der Nouvelliſt antwortete, man könne gerade ſo gut ge=
wiſſen
anderen Leuten ſagen, ſie möchten in Deutſchland
bleiben und hinzufügte: Sie kehren dorthin zurück,
aber erſt dann kehren ſie zurück, die Schlaumeier, wenn ſie
mit einer guten, fetten Penſion ausgerüſtet ſind, die ihnen
der elſaß=lothringiſche Steuerzahler berappt, dieſer gute
Kerl. (Da der Reichstag zu der Strafverfolgung eines
Abgeordneten ſeine Genehmigung nicht zu erteilen
pflegt, ſo hat es mit dem Strafantrag gute Wege)
München, 4. Febr. Das Jagdgewand des
Prinz=Regenten Luitpold iſt als Vermächtnis
an ſeinen Leibreitknecht Max Henkler übergegangen. Es
beſteht aus den kurzen ledernen Kniehoſen, ſchön geſtickten
Trägern dazu, Weſte. Wams und grünem Hut mit Gems=
bart
, der allein 300 Mark wert iſt und vom ſchönſten Bock
ſtammt, den der Regent je geſchoſſen hat; die Bartfaſſung
allein hat 100 Mark gekoſtet. Zum Gewand gehören
noch die Wadenſtrümpfe und Nagelſchuhe. Alles paßt
dem Erben vorzüglich, der die gleiche Figur hat wie
Bayerns verſtorbener königlicher Jaadherr.
München, 5. Febr. Heute früh ſtürzten ſich der Fähn=
rich
Kornhammer vom 9. Infanterie=Regiment in
Würzburg und ſeine Geliebte, vermutlich die Tochter
eines Münchener Fabrikanten, zuſammen von der Groß=
heſſeloher
Iſarbrücke. Kornhammer war ſofort tot, das
Mädchen iſt lebensgefährlich verletzt worden.
Leipzig, 4. Febr. Das Reichsgericht verwarf
die Reviſion des Koksmeiſters Podkowa, der vom Schwur=
gericht
Beuthen am 6. Dezember wegen Mordes zum
Tode verurteilt worden war. Podkowa hatte einem Ar=
beiter
Geld unterſchlagen, ihn getötet und die Leiche im
Koksofen verbrannt.
Mediaſch (Siebenbürgen), 5. Febr. Der Schnell=
zug
, mit welchem Prinz Eitel Friedrich aus

Rumänien nach Berlin zurückkehrte, ſtieß geſtern nachmit=
tag
mit einem Laſtzug zuſammen. Der Heizer
und ein Paſſagier des Schnellzuges ſind tot, mehrere
Paſſagiere verletzt. Mehrere Waggons des Schnellzuges
ſind ſtark beſchädigt. Der Salonwagen des Prinzen Eitel
Friedrich iſt unverſehrt. Der Prinz und das Gefolge nah=
men
rüſtig an der Hilfeleiſtung für die Verwundeten teil.
Die Fahrt wurde durch Ankoppeln des Salonwagens des
Prinzen an einen anderen Zug fortgeſetzt. Die übrigen
Paſſagiere ſind gleichfalls in einen anderen Zug umge=
ſtiegen
.
Eger, 4. Febr. Während des Faſchingsvergnügens
entſtand in einem hieſigen Gaſthauſe zwiſchen Zivil=
und Militärperſonen Streit, in deſſen Verlauf der
Bahnarbeiter Dörfler von dem Landwehrinfanteriſten
Lippert erſtochen wurde. Auch andere Perſonen ſind ver=
letzt
worden.
Neapel, 4. Febr. Der Demonſtrations= Ge=
neralſtreik
wegen Ausdehnung der Verzeh=
rungsſteuer
iſt trotz der leidenſchaftlichen Agitation
von vornherein nur Teilſtreik geblieben. Die Hafenarbei=
ter
taten überhaupt nicht mit, die Straßenbahner nur
teilweiſe; die Zeitungen erſchienen weiter, wenn auch
in verringertem Umfange. Gegen ½12 Uhr fand in der
Arbeiterbörſe die große Proteſtverſammlung ſtatt, wo
Profeſſor Labriola und andere aufreizende Reden gegen
die Kommunalverwaltung hielten. Dann ſormierte ſich
ein Zug in der Richtung auf die Präfektur, wurde aber
von der Polizei ſogleich auseinander getrieben und löſte
ſich in kleine Trupps auf. Die Menge drängte ſich nun
in die Via Duomo (Domſtraße), die von Garden und
Carabinieri abgeſperrt wurde. Die Gemüter begannen
ſich nun zu erhitzen; die Demonſtranten ſtießen laute Schreie
aus und begannen Steine zu ſchleudern; Läden und
Häuſer wurden ſo raſch wie möglich geſchloſſen. Ver=
geblich
verſuchte die Polizei, die ſich der ſchwierigen Si=
tuation
gegenüber muſterhaft verhielt, durch vernünftiges
Zureden und Scherzworte die Menge zu zerſtreuen. Im=
mer
ſtärker wurde der Steinhagel, von dem mehrere
Beamte getroffen wurden. Dadurch wurde die Polizei zu
ſchärferem Vorgehen gezwungen. Da und dort kam es
u heftigen Zuſammenſtößen. Aus der Menge
heraus wurden Revolverſchüſſe abgefeuert.
Schließlich durchbrachen die Demonſtranten den Polizei=
kordon
und warfen ſich auf den Börſenplatz. Hier wurde
die Verwirrung allgemein. Schließlich konnte der Platz
geräumt und die Ruhe wiederhergeſtellt werden. Im
ganzen wurden gegen hundert Verhaftungen
vorgenommen. Eine Abordnung der Streikenden und
der ſozialiſtiſchen Parteigänger begab ſich auf die Prä=
fektur
, um dort die von der Demonſtrationsverſammlung
angenommene Tagesordnung mitzuteilen. Dieſe war
jedoch ſo ſchroff gefaßt, daß der Präfekt den Empfang
der Abordnung ablehnte. Darauf erklärten die Abge=
ſandten
, daß die Agitation gegen die Kommunalverwal=
tung
fortgeſetzt werden würde Ruhige Beurteiler der
verworrenen Situation ſind einig in der Anerkennung der
korrekten Haltung der Behörden.
Paris, 5. Febr. Den Blättern zufolge dürfte die
gegen die Verwaltungsräte der Südſpaniſchen
Landwirtſchaftlichen Hypotheken=Bank einge=
leitete
Unterſuchung nunmehr auch auf den früheren ſpani=
ſchen
Botſchafter in Paris, Perez Caballero, aus=
gedehnt
werden, der eine Zeitlang Präſident des Ver=
waltungsrates
dieſer Bank geweſen war, doch wird dies
erſt geſchehen können, ſobald ſein Rücktritt hier amtlich be=
kannt
gegeben wird.
Kopenhagen, 5. Febr. Geſtern früh ſtrandete bei
der Inſel Bornholm der ruſſiſche Auswandererdampfer
Odeſſa‟ Die Lage des Schiffes, das etwa 150 Meter
vom Land feſtſitzt, iſt gefährlich. Der däniſche Schoner
Chriſtine, der mit Zement von Schweden nach Born=
holm
unterwegs war, iſt vermutlich im Sturm unter=
gegangen
.
New=York, 4. Febr. Zu einer ſenſationellen
Enthüllung führte die Unterſuchung über die geſtrige
Bombenexploſion im Hauſe des Zigarcenhändlers
Herredo. Als der Täter wurde der Pförtner Farrell
rgriffen, der die Tat eingeſtand und zugab, er ſei auch
der Abſender der Bombe, mit der Helen Taylor, die ſeine
Tochter geweſen ſei, im Vorjahr getötet wurde. Er hätte
ſie getötet, weil ſie auf ſchlechte Wege geraten ſei. Farrell
gab über das Bombenatentat, das er im Jahre 1912 auf
den Richter Roſalsky gemacht hatte, und über die Ermor=
dung
eines gewiſſen Kid Walker Aufklärung. Walker
ließ er durch einen Mann namens Leſtrange ermorden,
weil jener die Schuld an dem Fall ſeiner Tochter gehabt
habe. Der Anſchlag auf Roſalsky ſei gemacht worden,
weil dieſer einen Verbrecher zu zwanzig Jahren Gefäng=
nis
verurteilt hatte. Der Mann jedoch, der die Bombe
auf den Richter ſandte, ſei ihm nur mit dem Vornamen
Tony bekannt geweſen. Herredo trachtete er nach dem
Leben, weil ihm dieſer drohte, ihn um ſeine Stellung als
Pförtner zu bringen.
New=York, 4. Febr. Man hatte erwartet, daß die
Public Service Commiſſion heute die Kontrakte für wei=
tere
Untergrundbahnen mit einem Koſtenaufwand
von 300 Millionen Dollars unterzeichnen werde. Kurz
vor Zuſammentreten der Kommiſſion las der Vorſitzende
einen Einhaltsbefehl vor, durch welchen der Kommiſſion

das geplante Unterzeichnen der Kontrakte unterſagt
wurde. Der Einhaltsbefehl wurde zugunſten der Kreiſe
erwirkt, welche den Betrieb der Untergrundbahnen durch
die Gemeindebehörden befürworteten.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

C) Vortrag über den Balkankrieg. Ein
intereſſanter Vortragsabend ſteht uns für Freitag, den
4. ds. Mts., bevor. Der bekannte Kriegsberichterſtatten
Reichsfreiherr von Binder=Krieglſtein wird
einen Lichtbildervortrag über den Balkan
krieg halten, den er bis zur Einleitung der Friedens=
aktion
als Vertreter einer Reihe deutſcher Zeitungen mit=
gemacht
hat. Die außerordentlich vorteilhaft bekannte
Perſönlichkeit des Vortragenden bietet Gewähr für einen
feſſelnden intereſſanten Abend. Ueber den vor kurzem in
Berlin gehaltenen Vortrag ſchrieb die Voſſ. Ztg. u. a.:
Zwiſchen Kreuz und Halbmond das war der bezeich=
nende
Artikel der temperamentvollen Schilderungen, die
Mittwoch Reichsfreiherr von Binder=Krieglſtein, deſſen
lebendige Berichte vom Kriegsſchauplatz unſeren Leſern
noch in Erinnerung ſind, im Wiſſenſchaftlichen Theater
der Urania zum erſten Male vortrug. In lebhafter Weiſe
trat er bei Beginn ſeiner Ausführungen, deren Wirkung
durch zahlreiche Lichtbilder unterſtützt wurde, für einen
Zuſammenſchluß der Völker germaniſcher Raſſen ein. Sie
müſſen zuſammenſtehen, um die andrängende Flut aus
dem Orient zurückzuhalten und die Weltmachtſtellung der
weißen Raſſe für alle Zeiten zu ſichern. Das Photo=
graphieren
war hier übrigens keine leichte Sache. Die
packenden Szenen aus den Schlachten von Kirk=Kiliſſe,
Lüle=Burgas und der Tſchataldſchalinie ſind unmittelbar
in der Feuerlinie aufgenommen worden. Eine wohl=
tuende
Abwechslung in dieſen Bildern von den Schrecken
und Scheußlichkeiten des Krieges gewähren die Auf=
nahmen
von der Tätigkeit des deutſchen Roten Kreuzes
deſſen muſterhafte Organiſation bei allen kriegführenden
Parteien rückhaltloſe Anerkennung fand Die unterhal=
tende
zweiſtündige Plauderei erntete reichſten Beifall.
C Télémaque Lambrino, der muſikaliſch eben=
ſo
eigenartige wie künſtleriſch geniale Klaviervirtuoſe
vird wiederum in Darmſtadt einen ſeiner Klavierabende
veranſtalten, die ihm bei ſeinen Beſuchen im vergangenen
Jahre ſo außergewöhnliche künſtleriſche Erfolge gebracht
haben. Wie in vielen anderen großen Städten, wird derl
einzigartige ſympathiſche junge Künſtler nun auch in
Darmſtadt bald eine Gemeinde treuer Verehrer ſeinen
Kunſt beſitzen. Einer Kunſt, die ſo viel Eigenes und Na=
türliches
, dabei ſo viel Genialität offenbart, wie nur
Wenige ſie zu entwickeln vermochten. Noch iſt in Erinner=
ung
, welch einmütiges uneingeſchränktes Lob auch die
Darmſtädter Kritik dem Künſtler gelegentlich ſeines letzten
Klavierabends im Oktober vorigen Jahres ſpendete
Bleich begeiſtert ſchreibt die geſamte Kritik der Großſtädte
von ſeinem Können, von ſeiner künſtleriſchen Offen=
barung
. Lambrino iſt ein echter tiefer Künſtler, deſſen
Spiel der Ausdruck und die Sprache des Gemütes be=
deutet
und der über ein fabelhaftes techniſches Können
verfügt. Télémaque Lambrino gehört zu den Pianiſten,
die uns immer von neuem anziehen, und die dem Hörel
auch dann Intereſſe abzugewinnen wiſſen, wenn ſie beim
Nachſchaffen einmal andere Wege, als die gewöhnlich aus
Gründen der Tradition oder der Gewohnheit begangenen,
einſchlagen. Glänzend, ſowohl im berückenden Anſchlag,
wie in der blendenden Virtuoſität, bot Herr Lambrind
drei wirkungsvoll gearbeitete und doch nach Inhalt und
Form prächtig muſikaliſche Werke von Scriäbine und zwei
Liſzt=Kompoſitionen: Gnomenreigen und La Cam=
panella
denen er als Zugaben drei Chopin=Stücke folgen
ließ. Der Beifall war denn am Schluſſe des Abends auch
demonſtrativ. So und ähnlich ſprechen ſich faſt ſämt=
liche
Blätter aus. Man darf dem dritten Lambrino=
Abend, der am 13. ds. Mts., im Saale der Traube ſtatt=
finden
wird, mit größtem Intereſſe entgegenſehen. Den
Kartenvorverkauf beſorgt die Hofmuſikalienhandlung
Gg. Thies Nachf. (Leop. Schutter), Eliſabethenſtraße.

Parlamentariſches.

*X* Die nationalliberale Fraktion der
Zweiten Kammer hielt unter Vorſitz des Abg. D
Oſann eine längere Beratung ab. Es fand hauptſächlich
ein allgemeiner Gedankenaustauſch über den Staatsvor=
anſchlag
für 1913 ſtatt, wobei namentlich auch das vom
Finanzausſchuß Erſter Kammer in der jüngſten gemein=
ſamen
Ausſchußſitzung vorgetragene Finanzexpoſé ein=
gehend
erörtert wurde. Ferner wurde auch die Frage
einer anderweiten Regelung des Domänen=Akquiſitions=
Fonds diskutiert. Man hielt es allgemein für richtig, zu=
nächſt
einmal die Regierung um Vorlage einer Denkſchrift
über die ſeitherige Entwickelung und die Leiſtungen dieſes
Fonds zu erſuchen, damit beſtimmte, ſichere Unterlagen
für eine beſſere Beurteilung des bekannten diesbezüglichen
vom Finanzausſchuß Zweiter Kammer beſchloſſenen Ans
trages gewonnen werden.

Zentrum und Sozialdemokrätie.

* Köln, 5. Febr. Zu der Meldung der Frankf. Ztg.,
daß das Zentrum für den Fall einer Reichstags=
apflöſung
mit der Sozialdemokratie Fühlung
genommen habe (S. Deutſches Reich) nimmt jetzt Dr. Jul.
Bachem=Köln das Wort, um den Gerüchten von
einer durch die Haltung des Zentrums drohenden Reichs=
tagsauflöſung
, von Zentrumsplänen und anderen Gerüch=
ten
entgegenzutreten. Unter der Spitzmarke Ruhig Blut
nimmt Bachem Anlaß zu folgenden nüchternen Bemerk=
ungen
: Wenn es einen Abgeordneten im deutſcher
Reichstag gibt, der politiſch fieberfrei iſt, ſo iſt es Dr.
Spahn. Er iſt die Nüchternheit ſelber und ein wahrer
Segen in unſeren Zeitläuften, wo ſo viele aufgeregtel
Menſchen in der Politik ihr Weſen treiben. Wenn er
wirklich, worüber ich nichts weiß, bei irgend einer Ge=
legenheit
irgend eine die Kompetenz des Reichstages in
der Polenfrage wahrende Erklärung abgeben ſollte, ſo
wäre das kein welterſchütternder Vorgang, hat aber jeden=
falls
mit ſchwarzen Zentrumsplänen nichts zu tun.
Ueber dieſe ſtaatsrechtliche Frage wird man ſich wohl noch
auseinanderſetzen können, ohne in den Verdacht zu ge=
raten
, daß man das Deutſche Reich aus den Angeln heben
wolle. Warum ſollte das Zentrum für eine Reichstags=
auflöſung
ſein? Seine Poſition iſt doch auch im gegen=
wärtigen
Reichstage nicht ſchlecht, wenn es ſie zu wahren
verſteht. Poſitive Arbeit kann dort ohne und gegen das
Zentrum nicht geleiſtet werden. Und warum ſollte gerade
wegen der Militärvorlage eine Reichstagsauflöſung kom=
men
? Ein Zentrumsmitglied, das wegen dieſer Even=

lebendig eingemauert worden ſei. Es war der Fahnen=
träger
der türkiſchen Beſatzung, die beim Herannahen der
feindlichen Truppen ſofort gewußt hatte, daß jeder Wider=
ſtand
vergeblich ſei. Die Befehle aus Konſtantinopel lau=
teten
aber, daß ſich die Beſatzung zu halten habe, da in
einigen Tagen beneutende Verſtärkungen eintreffen wür=
den
. So war unter den Soldaten neues Vertrauen wach=
gerufen
worden. Damit aber die Fahne in keinem Falle
in die Hände des Feindes falle, riet man dem Fahnen=
träger
, ſich einmauern zu laſſen, und verſah ihn auf einige
Tage mit Mundvorrat. Aber drei Tage waren vergangen
und die erhofften Hilfstruppen blieben aus. Anſtatt ihrer
waren die Serben in Durazzo eingedrungen, während die
Türken merkwürdigerweiſe den Tapferen in der Mauer
ganz vergeſſen hatten. Der Hunger preßte ihm jene Rufe
ab, die von der Schildwache glücklicherweiſe gehört wor=
den
waren und zu ſeiner Befreiung geführt hatten.
* Das Spukhaus von Marcinelle. Aus Brüſſel wird
berichtet: Eine Anzahl von Bewohnern von Marcinelle,
einem Vororte von Charleroi, ſtehen im Begriff, aus ihrer
Heimat zu flüchten, weil die Gemeinde nach ihrem Glau=
ben
von böſen Geiſtern heimgeſucht iſt. Seit dem letzten
Mittwoch iſt das Haus der Familie van Zanten die Ziel=
ſcheibe
dieſes böſen Spuks; alle Fenſter ſind zerbrochen,
täglich geht ein rätſelhafter Steinregen über das Haus
nieder, aber es iſt vollkommen unmöglich, zu erkennen,
woher dieſe Steine kommen und wer ſie ſchleudert. Am
Samstag wandte ſich die Familie an die Polizei, und
der Gendarmeriekapitän Vandermerſch beſetzte mit ſechs
Leuten das Spukhaus, um mit den böſen Geiſtern ein
Wörtlein zu reden. Aber wie immer in den letzten Tagen:
unmittelbar nach dem Mittageſſen ſetzte der geheimnis=
volle
, gefährliche Steinregen wieder ein, die Fenſterſchei=

ben zerbrachen, überall drangen Steine und Wurfgeſchoſſe
ein, und die Gendarmen wurden von einem Zimmer ins
andere getrieben. Aber es blieb unmöglich, den Urheber
dieſes geſpenſtiſchen Bombardements zu ſehen, in der
Umgegend war kein Menſch zu erblicken, obgleich die
Gendarmen ſogar aufs Dach geklettert waren. Noch heute
iſt die Angelegenheit ein Geheimnis. Die Familie van
Zanten iſt am Sonntag ausgezogen, ihr Haus iſt eine
Ruine: nur die Gendarmen ſind geblieben, um den wei=
teren
Verlauf der Dinge zu beobachten; denn die Männer
der öſſentlichen Ordnung wollen nichts von böſen Gei=
ſtern
glauben, obgleich ſie ſelbſt zwei Tage lang das
Opfer dieſer geheimnisvollen Angriffe geworden ſind,
ohne das Rätſel erklären zu können.
* Der Ring des Polykrates. Auf welch wunderbare
Weiſe zuweilen die Vogelwarte Roſſitten ihre Fußringe
zurückerhält, mit denen die Zugvögel aus wiſſenſchaft=
lichem
Intereſſe markiert werden, zeigt folgender von der
Tilſiter Allgemeinen Zeitung mitgeteilter Fall. Ein Herr
A. Voigt ließ ſich Fußringe von der Vogelwarte kommen
und markierte damit im Sommer 1912 u. a. einen jungen
Eichelhäher mit Ring 9358 bei Kemberg, Bezirk Halle
a. S., im Neſte. Am 23. November 1912 ſchoß der Forſt=
aufſeher
Neubauer im fürſtlich Schwarzburgiſchen Harz=
forſt
Breitungen eine Wildkatze, in deren Magen ſich bei
näherer Unterſuchung der betreffende Eichelhäherfuß mit
anhaftendem Ringe vorfand. Der Ring, der ſich jetzt in
der Sammlung der Vogelwarte befindet, zeigt tiefe Zahn=
eindrücke
des Raubtieres, das tüchtig zugebiſſen hat, um
das Metall zu zerkauen, und dann nach vergeblichem Be=
mühen
Ring und Fuß ganz verſchlungen hat. Es iſt be=
kannt
, daß Wildkatzen ganz beſonders Baumvögeln, wie
Wildtauben. Eichelhähern u. a. nachſtellen=

[ ][  ][ ]

tualität mit einer führenden Perſönlichkeit der Sozial=
demokratie
Fühlung nahm, würde ſich, von allem anderen
abgeſehen, dem Vorwurf der Voreiligkeit ausſetzen. Einſt=
weilen
möge die Frankfurter Zeitung den Namen dieſes
voreiligen Politikers nennen, wenn er exiſtiert. Man
kann ſich dann weiter darüber unterhalten. Die Militär=
vorlage
iſt noch nicht da. Man weiß nicht, welche For=
derungen
ſie ſtellt und wie ſie eventuell finanziell gedeckt
werden ſoll. Warte man alſo die Vorlage ab und unter=
ziehe
ſie einer gewiſſenhaften Prüfung. Einer ſolchen
wird ſich das Zentrum ebenſo wenig entziehen wie irgend
eine andere der nationalen Parteien des Reichstages.
Das Zentrum hat Grund, ausgiebigen Grund, zur Un=
zufriedenheit
mit der Regierung, aber es wird das Reich
und das Land das nicht entgelten laſſen. Das verlangt
das allgemeine Wohl und auch das eigene Intereſſe des
Zentrums verlangt es. Von einem Führer des Zen=
trums
iſt zudem ausdrücklich erklärt worden, daß die
Fraktion ſich zweifellos Staatsnotwendigkeiten unter kei=
nen
Umſtänden widerſetzen wird. Laſſe man alſo die
Dinge an ſich herankommen und bewahre ſich kühlen Kopf
und ruhiges Blut. Die internationale Situation iſt wahr=
lich
nicht danach angetan, den Schein zu erwecken, als gehe
im Deutſchen Reich alles drnuter und drüber. Es wäre
das ja auch ein falſcher Schein.
Die Frankf. Ztg. ſagt, daß die Leipziger Volksztg.
und die Mannheimer Volksſtimme auf Grund eigener
Informationen ihre Angaben beſtätigt haben; das letztere
Blatt unter Hinweiſen, die eine ſtarke Aehnlichkeit mit
den Vorgängen vom Jahre 1907 erkennen laſſen. Es
liege die Sondierung eines der einflußreichſten Zen=
trumsmitglieder
bei der Sozialdemokratie vor, die auch
durch nachträgliche Abſchüttelung nicht aus der Welt ge=
ſchafft
werden lönne.

Erinnerungsfeier in
Königsberg.

* Königsberg i. Pr., 4. Febr. Die hundertſte
Wiederkehr der denkwürdigen Zeit, in der in der
Provinz Oſtpreußen die glorreiche Erhebung gegen die
Fremdherrſchaft ins Werk geſetzt wurde, wird in dieſen
Tagen in der ganzen Provinz in freudiger Erinnerung
feßtlich begangen. Und wie vor einem Säkulum den
Hauptpunkt jener an Vaterlandsliebe und Opfermut ſo
unvergleichlichen Zeit der von einmütiger Begeiſterung
getragene Februarbeſchluß der Oſtpreußiſchen Stände bil=
dete
, ſo iſt auch in den Mittelpunkt der jetzigen Er=
innerungsfeier
der 5. Februar geſetzt worden
an dem der oſtpreußiſche Provinziallandtag im Landes=
hauſe
nach vorausgegangenem Gottesdienſt im Dom zu
einer feierlichen Sitzung zuſammentritt, um eine
Anſprache des Kaiſers und Königs entgegen=
zunehmen
.
Die Vorbereitungen die Magiſtrat und Bür=
gerſchaft
der alten Krönungsſtadt zum Empfange des Mo=
narchen
getroffen haben, ſind nahezu beendet. Auf den
Straßen, die der Kaiſer während ſeiner Anweſenheit
berührt, ſind ſchlanke Maſten errichtet und durch Tannen=
girlanden
miteinander verbunden. Die öffentlichen Ge=
Häude und viele Privathäuſer, namentlich in der Nähe des
Bahnhofes und des Schloſſes, das Rathaus, die Börſc
ſind gleichfalls mit friſchem Tannengrün geſchmückt
Ueberall wehen Fahnen und Banner und im Hafen haben
die Schiffe über die Toppen geflaggt. Ein Kunſtwerk bil=
det
das große Säulenportal, das ſich am Ausgange des
Bahnhofsplatzes nach der Kaiſerſtraße zu erhebt und durch
einen von Pylonen flankierten breiten Gang mit dem
Fürſtenzimmer des Bahnhofsgebäudes in Verbindung
ſteht. Außerordentlich wirkungsvoll iſt auch die Aus=
ſchmückung
des Landeshauſes in der Königſtraße. Vor
dem Haupteingang iſt ein großer Baldachin errichtet,
unter dem der Kaiſer beim Betreten des Landeshauſes
vom Oberpräſidenten von Windheim, dem Vorſitzenden
bes Provinziallandtages, Fürſten Dohna=Schlobitten,
dem Vorſitzenden des Provinzialausſchuſſes und dem
Landeshauptmann der Provinz Oſtpreußen empfangen
wird. An der Front der Kunſtakademie, in deren Vor=
garten
ſich das Denkmal für Theodor von Schön erhebt
iſt ein von dem Direktor der Kunſtakademie Profeſſor
Ludwig Dettmann geſchaffenes dreiteiliges Koloſſal=
gemälde
mit Motiven aus der großen Zeit angebracht
worden, das der Kaiſer auf der Fahrt zum Lundeshauſe
zu beſichtigen gedenkt. In vielen Schaufenſtern ſieht man
Büſten und Bilder des Kaiſers und der Kaiſerin, an den
Häuſerfronten Vorbereitungen zur Illumination, die ein
glänzendes Bild geben dürfte. In den Kirchen ſind für
den Morgen des denkwürdigen 5. Februar Feſtgottes=
dienſte
vorgeſehen und ebenſo werden in allen Schulen
der Provinz Gedenkfeiern veranſtaltet. Die öffentlichen
Bureaus wie auch die Börſe bleiben geſchloſſen.
H.B. Königsberg, 5. Febr. Die offizielle
Hundertjahrfe ier der Befreiungskriege ſetzte heute
hier in Königsberg ein mit der Enthüllung des
Denkmals für General Yorck. Die ſtädtiſchen
Körperſchaften hielten ſchon um 9 Uhr eine feierliche Sitz=
ung
in dem hiſtoriſchen Stadthausſitzungsſaal ab. Im
Beiſein des Kronprinzen wurde um 10 Uhr auf dem
Walter Simon=Platz das Denkmal des Generals York
enthüllt. Der Kronprinz fuhr hierauf mit der Kronprin=
zeſſin
zum Empfang des Kaiſers nach dem Bahn
Hof. Die Ankunft des Kaiſers erfolgte um 12 Uhr. An=
äßlich
der Gedenkfeier haben eine Anzahl hervorragender
Perſönlichkeiten Oſtpreußens Orden erhalten. Dem
Fürſten zu Dohna=Schlobitten wurde der Schwarze Adler=
orden
verliehen.
* Königsberg, 5. Febr. In der Sitzung der
tädtiſchen Korporationen hielt Oberbürger=
meiſter
Koerte, mit der goldenen Amtskette geſchmückt,
eine Begrüßungsanſprache, die von der Ver=
ſammlung
ſtehend angehört wurde. Er führte u. a. aus:
Es ſind keine lauten, keine lediglich auf Freude abge=
ſtimmte
Feſttage, die unſer preußiſches Vaterland ſich zu
eiern anſchickt; es ſind vorwiegend ernſte Gedenktage, die
den Preußen und den Deutſchen recht eindringlich ver=
ſenken
in die große Zeit vor hundert Jahre, die ihm vor
Augen führen ſollen, was ein treues Zuſammenhalten
zwiſchen Volk und König vermag, wenn es gilt, großes zu
vollbringen. In Königsberg beainnt eine Reihe Feſttage;
ſeine Stadt hätte auch mehr Veranlaſſung, die heutige
Feier ernſt und ſchlicht zu beginnen. Beſondere Freude
gewährt es mir, die Nachkommen der Familie des Ober=
bürgermeiſters
Heidemann an dieſem bedeutungsvollen
Feſttage an dieſer Stelle auf das herzlichſte begeüßen zu
können.
Gottesdienſt im Dom.
* Königsberg, 5. Febr. Der Kaiſer traf um
2.20 Uhr mit der Kronprinzeſſin und dem beider=
eitigen
Gefolge hier ein. Die Herrſchaften begaben ſich
im Automobil nach dem Dom zum Feſtgottes=
dienſt
. Kurz vor 12 Uhr traf die vom 3. Grenadier=

Regiment geſtellte Ehrenkompagnie mit Fahne und Muſik
vor dem Dome ein. Auf dem rechten Flügel hatten ſich
die direkten Vorgeſetzten mit dem kommandierenden Ge=
neral
des erſten Armeekorps v. Kluck, der das Band des
Schwarzen Adlerordens über dem Mantel trug, Auf=
ſtellung
genommen. Die Straßen am Domplatz und die=
er
ſelbſt waren mit einer dichten Menſchenmenge beſetzt;
überall ſah man die hiſtoriſchen Vivatbänder von Jung
und Alt getragen. Hohe Offiziere ſelbſt Schutzleute
tragen die buntfarbigen Erinnerungsbänder. Dicht an
dem Dome hatte auch eine Abteilung Jungdeutſchland
Aufſtellung genommen. Bald nach 12 Uhr begannen die
Glocken des Doms zu läuten. Hurrarufe kündigten die
Ankunft des Kronprinzen an, der ſich in das
Domportal begab. Darauf erſchollen von neuem ſtürmiſche
Hurrarufe und der Kaiſer mit der Kronprin=
zeſſin
traf im offenen Automobil vor dem Gotteshauſe
ein, mit ihm der Fürſt zu Dohna=Schlobitten, der das
Band des heute verliehenen Schwarzen Adlerordens ange=
legt
hatte. Der Kaiſer, der über dem Mantel gleichfalls
das Band des Schwarzen Adkerordens trug, begrüßte,
nachdem der Präſentiermarſch verklungen war, den Gene=
ral
Kluck und ſchritt dann die Front der Ehrenkompagnie
ab. Sodann begab ſich der Kaiſer zum Domportal, in
dem der Kronprinz und der Oberpräſident den Monarchen
empfingen.
Um 12 Uhr begann ein feierlicher Gottes=
dienſt
im Dom. Ueber 1000 Perſonen waren in dem
altehrwürdigen Gotteshauſe anweſend. Durch die ſchönen
Glasmalereien der Fenſter fiel von Zeit zu Zeit das
Sonnenlicht, miſchte ſich mit dem Licht der Kerzen und er=
hellte
ſo den wundervollen Hochaltar mit den vielen alten
Denkmälern und Bildern. In dem Dome waren ver=
ſammelt
die Spitzen der militäriſchen, Zivil= und ſtädti=
ſchen
Behörden, daruner der kommandierende General
des 20. Armeekorps v. Scholtz, Oberbürgermeiſter Koerte,
ferner die Mitglieder des Provinzial=Landtages und des
Provinzial=Ausſchuſſes, die Geiſtlichkeit, . Vertreter der
Univerſität und der Kunſtakademie und der Adel der Pro=
vinz
mit den Damen. Unter den anweſenden Mitgliedern
des Adels waren viele alte ſtolze Namen vertreten, ſo
v. Below Rogalla von Bieberſtein, v. Dohna, v. Doenhoff,
v. Eulenburg, v. Finckenſtein, von der Goltz, Gottberg von
der Groeben, v. Kalckſtein, v. Kallnein, v. Kanitz, von
Keyſerlingk, v. Lehndorff. v. Podewills und Saucken, von
Schenck, von der Trenck und von Yorck. Der Kaiſer
hielt beim Orgelklang unter Vorantritt der Geiſt=
lichkeit
ſeinen Einzug in den Dom. Links neben ihm
ging die Kronprinzeſſin, dahinter der Kronprinz in der
Uniform ſeines Huſaren=Regiments und die Damen und
die Herren der Umgebung, Oberpräſident v. Windheim
der kommandierende General v. Kluck, der Vorſitzende des
Provinzial=Landtags Fürſt zu Dohna, letzterer mit dem
Schwarzen Adlerorden. Der Vorſitzende des Provinzial=
Ausſchuſſes Jungſchulz von Roebern, Landeshauptmann
von Berg u. a. Der Chor, gebildet von der muſikaliſchen
Akademie, trug den 100. Pſalm: Jauchzet dem Herrn
alle Welt in der Kompoſition Mendelsſohn=Bartoldys
vor, während der Hof in den Logen rechts vor dem Altar
Platz nahm. Die Kronprinzeſſin ſaß zwiſchen dem
Kaiſer und dem Kronprinzen. Die Liturgie hielt Super=
intendent
Quandt, die Feſtpredigt Generalſuperin=
tendent
Schoettler, der ſeine von warmem Patrio=
tismus
getragenen Gedanken mit von Herzen kommender
Beredſamkeit vortrug. Die Feſtpredigt hinterließ einen
tiefen Eindruck. Der Vortrag des Niederländiſchen Dank=
gebets
, zuletzt von Orgel und Poſaunen begleitet, ſchloß
die Feier. Beim Ausgang ſpielte die Orgel die National=
hymne
.
Gegen 1¼ Uhr war der Gottesdienſt beendet. Der
Kaiſer verließ mit dem Kronprinzenpaar die Kirche
und nahm mit den Herren des Gefolges, dem Fürſten zu
Dohna und dem Oberpräſidenten v. Windheim vor dem
Portal Aufſtellung. Mit klingendem Spiel rückte die
Ehrenkompagnie an und defilierte vor dem Monarchen.
Dann beſtieg der Kaiſer mit dem Kronprinzen das Auto=
mobil
und fuhr unter ſtürmiſchen Huldigungen der Menge,
die die Häuſer bis auf die Dächer beſetzt hielt, ins
Schloß, wo Frühſtückstafel ſtattfand. Im zwei=
ten
Automobil folgte der Kronprinz. Das Wetter hatte
ſich im Laufe des Vormittags aufgeklärt und die Sonne
durchbrach die Wolken.
Anſprache des Kaiſers.
* Königsberg, 5. Febr. Der Kaiſer eröffnete
den Landtag der Provinz mit einer Anſprache,
in welcher es heißt: Es iſt mir eine beſondere Freude,
Ihrem Wunſch zu entſprechen und den Landtag meiner
getreuen Provinz Oſtpreußen hiermit in Perſon zu er=
öffnen
. Bevor Sie Ihre geſchäftlichen Arbeiten und Be=
ratungen
für das Wohl der Provinz beginnen, laſſen Sie
uns der Tat gedenken, welche von der heute vor hundert
Jahren hier in Königsberg zuſammengetretenen Ver=
ſammlung
der Deputierten der Provinz ausging und den
erſten Schritt zur Wiederaufrichtung und Befreiung des
darniederliegenden Vaterlandes bildete. Schwer iſt es,
das volle Maß des Unglücks und der Wirrniſſe jener Zeit
uns vor Augen zu führen. Da ſetzte die göttliche Vor=
ſehung
dem Siegeslauf des kühnen Korſen ein jähes Ziel.
Die ſchwer auf Europa laſtende Heimſuchung ſchien ihrem
Ende entgegenzugehen. Jetzt oder nie konnte das Sehnen
jedes Preußenherzens in Erfüllung gehen, konnten die
Feſſeln der langjährigen Knechtſchaft abgeworfen werden.
So dachte Yorck, als er ſich unter dem gewaltigen Zwang
der Verhältniſſe zu dem Entſchluß durchrang, das ihm
anvertraute Korps von dem Schickſal des Reſtes der gro=
ßen
Armee zu trennen und wieder unter den Oberbefehl
des Königs zu ſtellen. So dachten auch jene wackeren
Männer, die als Vertreter des Adels, der Stadt und der
Bauernſchaft Ihrer Provinz hier zuſammentraten. Sig
waren die erſten im Lande, die dem Gedanken die Tat
olgen ließen, indem ſie einmütig beſchloſſen, auf eigene
Koſten eine Bewaffnung des Volkes vorzunehmen und
dem geliebten König zur Verſtärkung ſeiner aktiven Trup=
pen
eine Landwehr darzubringen. Und als bald darauf
der König den langerſehnten Augenblick für den ſo vor=
bereiteten
Schritt zur Rettung des Vaterlandes für ge=
kommen
hielt und ſein Volk zum Kampf für Ehre und
Freiheit aufrief, da ſcharte ſich um ihn Alt und Jung, Hoch
und Niedrig mit zielbewußter Entſchloſſenheit, das letzte
an Gut und Blut freudig auf dem Altar des Vaterlandes
zu opfern. Heute ſchreiben wir wieder die Jahreszahl 13.
Wie glücklich hat ſich das Zeitbild gewendet! Vor uns
ſteht der feſtgefügte Bau des Deutſchen Reiches, geachte:
im Rat der Völker und wohl gerüſtet gegen jeglichen An
griff. An die Stelle der kriegeriſchen Taten ſind ſegens=
reiche
Friedenswerke getreten. Handel und Wandel
blühen und Wiſſenſchaft und Technik ſchreiten fort. Stadt
und Land erfreuen ſich des Wohlſtandes. Aber die Er=
eigniſſe
vor 100 Jahren mahnen uns eindringlich daran,
daß nicht kriegeriſche Lorbeeren Wohlſtand, Macht und
Anſehen am letzten Ende das Schickſal und die Zukunft
eines Volkes ſichern, ſondern allein die ſittliche Kraft, die

ihm innewohnt. Die Wurzel dieſer Kraft ruht in der
Gottesfurcht, der Pflichttreue und der Liebe zu König
und Vaterland. Das gemeinſame Unglück hatte um Fürſt
und Volk ein ſtarkes Band opferwilliger Treue und
gegenſeitigen Vertrauens geſchmiedet. Gerade die Be=
wohner
Oſtpreußens hatten in den voraufgegangenen
Jahren tiefſter Erniedrigung das große Leid des Königs
und der Seinen mit angeſehen. Das Herz der geliebten
Königin war über den Schmerz des Vaterlandes gebro=
chen
. Sie aber lebt als guter Genius Preußens in ihrem
Volke fort
Wir können den heutigen Gedenktag nicht ſchöner be=
gehen
, als durch das erneute Gelübde, uns unſerer Ver=
gangenheit
und unſerer Väter allezeit würdig zu erweiſen
und die uns als koſtbarſtes Erbe überkommenen Ideale
und religiöſen Güter zu pflegen und zu mehren für den
opferfreudigen Dienſt am teuren Vaterland. Das ſei der
heutige Beſchluß Ihres Landtages! Dann wird die Pro=
vinz
Oſtpreußen wie vor 100 Jahren auch in Zukunft ein
Vorbild für ihre Schweſtern im Lande ſein und Männer
der Tat ſtellen, wenn, was Gott verhüten wolle, der
König wieder einmal gezwungen ſein ſollte, zum Kampf
für Ehre und Vaterland aufzurufen!

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 5. Febr. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
um 1 Uhr 17 Minuten die Sitzung. Vor Eintritt
in die Tagesordnung erklärt Miniſterialdirektor von
Jonquiéres: In meiner Rede am 25. Januar be=
züglich
der Sicherheitsvorſchriften für den überſeeiſchen
Paſſagierverkehr iſt mir inſofern ein Irrtum unterlaufen,
als ich geſagt habe, daß ſeitens der ſeemänniſchen Ar=
beiterorganiſation
ein Herr Paul Müller zugegen und
ſich mit den Verhandlungen einverſtanden erklärt habe.
Es hat ſich aber herausgeſtellt, daß ein Herr Hoffmann
anweſend war. In der letzten Nummer des Organs des
Herrn Paul Müller wird mir nun der Vorwurf eines
Tricks gemacht. Ich nehme heute Anlaß, die in gutem
Glauben abgegebene irrtümliche Erklärung in geſchehener
Weiſe richtig zu ſtellen.
Die zweite
Beratung des Etats des Innern
wird ſodann fortgeſetzt beim Kapitel Reichsverſicherungs=
amt
. Abg. Körſten (Soz.): Es fehlt immer noch
eine Statiſtik über Berufskrankheiten. Beſonders
ſchlimme Verhältniſſe beſtehen im Malergewerbe wegen
der vielen Bleierkrankungen. Auch die Ziffer der Bruſt=
kranken
im Gießerei= und Steinhauergewerbe iſt ſehr
groß. Die Unfallverhütungsvorſchriften ſind ganz un=
zulänglich
. Der Redner erklärt dann weiter, daß die Ge=
werbekrankheiten
der Unfallverſicherung unterſtellt werden
müßten. Im allgemeinen ſind die Renten im Laufe der
Zeit weſentlich gekürzt worden. Die entſcheidenden Se=
nate
ſchabloniſieren in der ſchlimmſten Weiſe. Unſere
Verſicherungsordnung iſt ein ſchönes Moſaikbild, man
darf aber nicht zu nahe herantreten. Die Witwenverſor=
gung
iſt weiter nichts als eine zentraliſierte Armenpflege.
(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Becker=
Arnsberg (Ztr.): Ich kann mich trotz vieler tatſächlich be=
ſtehender
Mißſtände dem durchaus abſprechenden Urteil
des Vorredners über unſere Verſicherungsgeſetze nicht
anſchließen. Wir ſordern in unſerer Reſolution, daß=
ſämtliche
Berufskrankheiten der Unfallverſicherung unter=
ſtellt
werden. Beſonders ausgedehnt hat in der letzten!
Zeit das Augenzittern der Bergleute zugenommen. Im
Ruhrrevier allein ſind mehr als 11000 Arbeiter von dieſer
Berufskrankheit betroffen. In den Erzbergwerken des
Kreiſes Meſchede beſtehen geradezu ſchauerliche Zuſtände.
Die Mortalität iſt übergroß. Aehnliche Verhältniſſe be=
ſtehen
im Steinhauergewerbe. Abg. Hepp (natlib.):
Viele Unfallverhütungsvorſchriften in landwirtſchaftlichen
Betrieben ſind geradezu unverſtändlich. Sie hindern
mehr den Betrieb, als daß ſie der Unfallverhütung nütz=
lich
wären. Bei der Entſchädigung für Kopfverletzungen
in den Bergwerken, deren ſchlimme Folgen immer noch
zu wenig Beachtung ſinden, ſollte man ſich nicht lediglich
auf das Urteil der Aerzte verlaſſen, ſondern Perſonen hin=
zuziehen
, die auf Grund langer Beobachtungen ein ge=
naues
Urteil abgeben können. Abg. Behrens ( Wirt=
ſchaftliche
Vgg.): Nach dem Beiſpiel Bayerns ſollten in
ſämtlichen wirtſchaftlichen Berufsgenoſſenſchaften Arbeiter
in den Vorſtand gewählt werden. Die ſogenannten Un=
fälle
des täglichen Lebens, die zwar nicht aus dem Beruf
als ſolchem hervorgehen, aber während der Ausübung
des Berufes erfolgen, ſollten durchweg als Betriebs=
unfälle
im Sinne des Geſetzes und daher als entſchädi=
gungspflichtig
betrachtet werden. Abg. Taubadel
(Soz.): Hoffentlich gehen dem Reichstage bald die Unter=
lagen
zu. um die Herabſetzung der Altersgrenze von 70
auf 65 Jahre zu bewirken. Abg. Koßmann (Ztr.):
Die trüben Zuſtände, wie ſie im Geſündheitszuſtand der
Bergleute im Ruhrrevier beſtehen, ſind auch in Ober=
ſchleſien
und im Saarrevier zu ſinden. Die Unzufrieden=
heit
der Verſicherten richtet ſich weniger gegen die ſoziale
Verſicherung, als vielmehr gegen die Art ihrer Hand=
habung
. Es müßte mehr Objektivität und Gerechtigkeit
den Rentenberechtigten gegenüber obwalten. Ueber=
laſtete
Aerzte ſollten nicht zu Vertrauensärzten ausge=
wählt
werden, dadurch werden die Rentenempfänger ge=
ſchädigt
. Die landwirtſchaftlichen Unfallverhütungsvor=
chriften
ſind nicht bekannt genug. Man ſollte durch Vor=
träge
aufklärend wirken. Es iſt nicht angebracht, mit
ſcharfen Polizeiſtrafen vorzugehen. Die große Anzahl
von Unfällen in der Großeiſeninduſtrie iſt auf die lange
Arbeitszeit und beſonders auf das Akkordlohnſyſtem zu=
rückzuführen
. Die Arbeiter müſſen in die Lage verſetzt
werden, ihre Arbeit mit Bedacht und Aufmerkſamkeit aus=
zuüben
.
Miniſterialdirektor Dr. Caſpar: Ueber die Einbe=
ziehung
der gewerblichen Krankheiten in die Unfallver=
ſicherung
haben bereits eingehende Erwägungen ſtattge=
funden
. Bezüglich der Steinarbeiter, bei denen die be=
klagenswerte
Erſcheinung beſteht, daß eine große Zahl
von ihnen lungenleidend iſt, hat man noch keinen Abſchluß
erzielen können, da große materielle Schwierigkeiten zu
überwinden ſind. Die Zahl der Renten hat im Laufe der
Zeit eine derartige Höhe erreicht, daß es auch dem Reichs=
tage
notwendig erſchien, eine Nachprüfung ſtattfinden zu
laſſen, ob die Grenzen des Geſetzes bei Gewährung der
Renten innegehalten worden ſind. Daraufhin iſt eine
Einſchränkung eingetreten. Die von dem Abgeordneten
Körſten vorgetragenen Fälle, in denen die Unfallentſchä=
digungen
verringert worden ſeien, ſind weit übertrieben.
In einzelnen Fällen, ſo beim Verluſt einer Hand, ſind
die Entſchädigungen in der letzten Zeit erhöht worden.
Auch die Geſamtzahl der bewilligten Renten iſt dauernd
geſtiegen. Aba. Silberſchmidt (Soz.): Die Revi=
ionen
auf den Bauten ſind noch völlig ungenügend. Die
Folge davon iſt, daß die Bauunfälle namentlich auch im
Tiefbaugewerbe ſich wieder erheblich vermehrt haben. Zur
Nachprüfung der Unfallverhütungsvorſchriften ſollten die
Vertreter aller gewerkſchaftlichen Organiſationen hinzu=
gezogen
werden, um eine Imparität auf dieſem Gebiete

[ ][  ][ ]

zu vermeiden. Abg. Giesberts (Ztr.): Die Schaf=
ſung
von Landkrankenkaſſen erfolgt vielfach nach voll=
ſtändig
falſchen Geſichtspunkten. In der Stadt Eſſen z. B.
iſt eine ſolche Krankenkaſſe gegründet worden. Das führt
natürlich dazu, daß die Betriebskaſſen der induſtriellen
Werke eine überwiegende Macht erlangen und auch die
Landkrankenkaſſen vollſtändig einſeitig mit ihren Ten=
denzen
beherrſchen. Eine Reviſion in dieſer Hinſicht iſt
notwendig. Abg. Hägy (Elſäſſer): Auch in unſerem
Reichslande klagen die landwirtſchaftlichen Betriebe über
Abg.
die rigoroſen Unfallverhütungsvorſchriften.
Aſtor (Ztr.): Die Gründung der Detailliſten= Berufsge=
noſſenſchaft
iſt eine erfreuliche Erſcheinung; ſie wird eine
Abg. Sachſe
ſegensreiche Tätigkeit entwickeln.
(Soz.): Bei der Schaffung von Landkrankenkaſſen in den
Induſtriebezirken zeigt ſich die falſche Politik des Zen=
trums
. Miniſterialdirektor Dr. Caſpar: Die Ent=
ſcheidung
darüber, wo Landkrankenkaſſen errichtet werden
können, iſt dem Reichsverſicherungsamt entzogen und den
Landesbehörden übertragen worden. Das Kapitel wird
bewilligt. Die Reſolution des Zentrums auf Ein=
beziehung
der gewerblichen Berufskrankheiten in die Un=
fallverſicherung
wird angenommen.
Das Kapitel Phyſikaliſch=techniſche
Reichsanſtalt wird ohne Debatte genehmigt.
Es folgt das Kapitel Aufſichtsamt für Pri=
vatverſicherung‟
Abg. Taubadel (Soz.):
Wir ſtehen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die
Abonnentenverſicherung generell verboten werden müßte.
Der Inhalt der vorgelegten Denkſchrift über die Abon=
nentenverſicherung
iſt von weittragender Bedeutung. Die
Denkſchrift iſt dankbar zu begrüßen, weil ſie uns zum
erſtenmal ein klares Bild über die tatſächlichen Verhält=
niſſe
, Weſen, Art und Umfang dieſes Verſicherungszwei=
ges
darbietet. Nicht einverſtanden ſind wir damit, daß
die Denkſchrift von beſonderen Vorteilen für den Hand=
werker
= und Gewerbeſtand ſpricht. Die Summen, die in
der Denkſchrift angegeben werden, ſind zunächſt beſtechend.
aber nicht nachgewieſen iſt der tatſächliche Nutzen für die
beteiligten Kreiſe. Meine Partei ſteht auf dem Boden
der vorjährigen Reſolution, die Abonnentenverſicherung
zu verbieten. Die Preſſe hat hohe ideale Intereſſen zu
vertreten, die nicht vereinbar ſind mit derartigen Neben=
aufgaben
. Abg. Junck (natlib.): Ich nehme der Abon=
nentenverſicherung
gegenüber einen freundlicheren Stand=
punkt
ein als mein Vorredner. Ein abſolutes Verbot
würde ein Ausnahmegeſetz darſtellen. Gerechtfertigt wäre
in dieſer Frage das Kompromiß, daß die Abonnenten=
verſicherung
dem Aufſichtsamt für Privatverſicherung
unterſtellt würde. Von einem Unfug und von einem Un=
weſen
kann nicht geſprochen werden, zumal die Abon=
nentenverſicherung
den weiten Zwiſchenraum zwiſchen den
großen und den Zwangs=Verſicherungen ausfüllt, und
damit dem großen Publikum eine große Wohltat er=
wieſen
wird. Miniſterialdirektor Dr. Caſpar: Die
Denkſchrift ſoll nur den Zweck haben, Material zu bieten.
Das Reichsaufſichtsamt würde der Abonnentenverſiche=
rung
gegenüber die größte Zurückhaltung üben.
Hierauf wird vertagt. Nächſte Sitzung: Don=
nerstag
1 Uhr. Fortſetzung der heutigen Debatte.
Schluß 7 Uhr.
* Berlin, 5. Febr. In der Budgetkommiſ=
ſion
des Reichstags beſprach Miniſter v. Breiten=
bach
die Verhältniſſe des Eiſenbahnper=
ſonals
. Seit 1908 ſeien die Löhne der Arbeiter um
20 Prozent geſtiegen. Die Meldungen zum Eiſenbahn=
dienſt
überſtiegen den Bedarf. Die Lage der Stations=
diätare
ſei nicht als ungünſtig anzuſehen. Akademiſch
gebildete Beamte kämen erſt viel ſpäter in feſte Stellun=
gen
. Dem Antrag, neue Aſſiſtentenſtellen zu ſchaffen,
könne er nicht beipflichten, da kein Bedürfnis dafür beſtehe.
Aus den Erklärungen der Arbeiterausſchüſſe gehe hervor,
daß das neue Akkordſyſtem die Zuſtimmung der Arbeiter=
ſchaft
finde.

Gerichtszeitung.

Ein politiſcher Preßprozeß.
* Berlin, 4. Febr. Der Chefredakteur der Nord=
deutſchen
Allgemeinen Zeitung, Runge, wurde, wie ſchon
kurz gemeldet, heute vom Schöffengericht des Amtsgerichts
Berlin=Mitte wegen formaler Beleidigung des Heraus=
gebers
der Neuen Geſellſchaftlichen Korreſpondenz, von
Wilke, zu 50 Mark Geldſtrafe und Publikationsbefug=
nis
des Urteils in der Norddeutſchen Allgemeinen Ztg.
verurteilt. Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung hatte in
ihrer Nummer vom 25. November vorigen Jahres die
angeblich von beſonders vorzüglich unterrichteter Seite‟
ſtammenden drei Behauptungen der Korreſpondenz: 1.,
der ruſſiſche Miniſter Saſonow habe vor vier Tagen ſei=
nen
Standpunkt in der ſerbiſchen Hafenfrage geändert;
2., Oeſterreich=Ungarn habe fünf Armeekorps mobil ge=
macht
, und 3., Oeſterreich=Ungarn beabſichtige, in wenigen
Tagen ein Ultimatum in Belgrad zu überreichen, als un=
richtig
und unwahr bezeichnet und hinzugefügt, es ſei im
Hinblick auf die ungünſtige Beeinfluſſung der Börſe un=
verantwortlich
, durch derartige unlautere Nachrich=
ten
die öffentliche Meinung in einem Augenblick zu be=
unruhigen
, in dem die Regierungen der Großmächte
ernſtlich bemüht ſind, für immerhin ſchwierige Fragen eine
friedliche Löſung zu finden. Der entſchiedene Ton dieſes
Dementis hatte damals angenehm berührt; denn man
mußte ſich bei ruhiger Ueberlegung ſagen, daß jene Nach=
richten
Senſationsmeldungen waren.
Der Kläger erblickte hierin den Vorwurf der unlau=
teren
Verbindung mit der Börſe und ſtrengte deshalb die
Beleidigungsklage an. Der Vorſitzende regte im Ter=
min
zunächſt einen Vergleich an, da unter den Par=
teien
Uebereinſtimmung darüber herrſche, daß der Artikel
der Nordd. Allg. Ztg. aus dem Auswärtigen Amt ſtamme.
Rechtsanwalt Krieger betonte, daß allſeitig in der Preſſe
aus der Auslaſſung der Nordd. Allg. Ztg. der Vorwurf
herausgeleſen worden ſei, daß unlautere Börſeneinflüſſe
ſich geltend gemacht hätten. Der Privatkläger habe durch
den Artikel der Nordd. Allg. Ztg. ſehr zu leiden gehabt,
ſowohl in moraliſcher, wie in pekuniärer Beziehung. Der
Angeklagte erklärte, daß er mit dem Worte unlauter
nur unrichtig gemeint habe.
Rechtsanwalt Dr. v. Simſon erklärte: Der Artikel
der Nordd. Allg Ztg. ſtamme aus der Feder des
verſtorbenen Staats ſekretärs v. Kider=
len
=Wächter der, nachdem ihm der Wirkl. Geh.
Legationsrat Hammann den Artikel der Neuen Geſ.=Kor.
vorgelegt, ſofort erklärt habe, daß ſolchen unrichtigen
Nachrichten, die in aufgeregter Zeit beſonders ge=
fährlich
ſeien, mit Entſchiedenheit entgegen=
getreten
werden müſſe.
Der Angeklagte bemerkte ſeinerſeits u. a.: Die
in den Schriftſätzen der Gegenſeite aufgeſtellte Behaupt=
ung
, daß er verpflichtet ſei, ſchematiſch alles ſo aufzuneh=
men
, wie es ihm aus dem Auswärtigen Amt zugeſtellt
werde, ſei falſch. Im übrigen habe er eine Ehrenkränkung
in dem Artikel nicht erblickt, zumal dieſer von Herrn von

Kiderlen=Wächter herrührte. Letzterer habe ſich ſeinerzeit
bereit erklärt, als Zeuge an Gerichtsſtelle zu erſcheinen;
ſein Tod habe dies leider vereitelt.
Die Vergleichsverhandlungen ſcheiter=
ten
ſchließlich an dem Verlangen des klägeriſchen Ver=
treters
, daß der Angeklagte den Ausdruck unlauter mit
Bedauern zurücknehmen ſolle. Chefredakteur Runge hatte
hiergegen Bedenken aus dem politiſchen Geſichtspunkt, daß
er damit eine Kritik über einen Ausdruck ausſprechen
würde, den der Staatsſekretär mit gutem Bedacht damals
als treffend bezeichnet und angewandt hatte. Er habe,
um ſich darüber zu vergewiſſern, ſich vor dem Abdruck
des Artikels noch einmal mit dem Auswär=
tigen
Amt in Verbindung geſetzt
Das Gericht kam ſchließlich zu folgendem Urteil:
Da unbeſtritten der verſtorbene Staatsſekretär v. Kider=
len
=Wächter der Verfaſſer des Artikels iſt, kommt § 20
des Preßgeſetzes nicht mehr in Frage und der Angeklagte
kann nur nach dem allgemeinen Strafgeſetz als Mittäter
haften, wenn er den Artikel vor ſeiner Veröffentlichung
gekannt hat und dieſer beleidigend iſt. Beides iſt hier der
Fall. Dem Privatkläger wird der Vorwurf gemacht, daß
er durch unlautere Nachrichten die öffentliche Meinung
beunruhigt habe. Es mag dahingeſtellt bleiben, ob die
Nachrichten tatſächlich unrichtige waren oder bloß poli=
tiſch
für inopportun gehalten wurden. Keineswegs liegt
ein Anhalt dafür vor, daß ſie unlauter waren und einem
unſittlichen Zweck dienten. Das Gericht hat den Ange=
klagten
zu 50 Mark Geldſtrafe oder fünf Tagen Haft ver=
urteilt
, dem Privatkläger die Publikationsbeſugnis in
der Nordd. Allg. Ztg. zugeſprochen und auf Unbrauchbar=
machung
aller Exemplare der Nr. 277 der Nordd. Allg.
Ztg., ſowie der Platten und Formen erkannt.
Es iſt wohl anzunehmen, daß gegen das Urteil Be=
rufung
eingelegt werden wird.

Luftfahrt.

* Baden=Oos, 5. Febr. Das Luftſchiff
Erſatz L. Z. 1 iſt um 2 Uhr 30 Minuten glücklich in
die Halle gebracht worden. Das Luftſchiff war heute vor=
mittag
um 9 Uhr über Straßburg geſichtet worden.

Der Balkankrieg.

Der Wiederbeginn der Feindſeligkeiten.
* Konſſtantinopel, 4. Febr. Ein vom Mini=
ſterium
des Innern ausgegebenes Kommuniqué beſtätigt,
daß die Bulgaren geſtern um 7½ Uhr abends auf der
Oſt= und Südſeite der Feſtung von Adrianopel mit Ar=
tillerie
= und Infanteriefeuer das Bombardement
auf die Stadt eröffnet haben. Die türkiſchen
Truppen erwiderten das Feuer. In der Stadt herrſcht
Ruhe. Die Feindſeligkeiten begannen auch auf der Halb=
inſel
Gallipoli. Bulgariſche Kavallerie griff die türkiſchen
Vorpoſten an. Es geht das Gerücht, daß am Nachmittag
die Feindſeligkeiten an der Tſchataldſchalinie begonnen
haben.
Konſtantinopel, 5. Febr. Die Bulga=
ran
ſteckten das Darf Tſchataldſcha in Brand und
zogen ſich in nordweſtlicher Richtung zurück, um die Tür=
ken
aus ihren Poſitionen in eine offene Schlacht heraus=
zulocken
. Das Ergebnis des Kampfes bei Gallipoli,
der um 2 Uhr nachmitags begann, iſt unbekannt, da die
Telegraphendrähte durchſchnitten ſind. Auch öſtlich von
Dedeagatſch fand ein Zuſammenſtoß ſtatt. Wie verlautet,
bombardierten die Griechen Saros.
Weitere Verhandlungen.
London, 5. Febr. Die Times teilt aus Sofia
das Gerücht mit, die Pforte habe neue telegraphiſche
Anerbietungen an Bulgarien gemacht und
ſei bereit, Adrianopel zu den von den Bulgaren als an=
nehmbar
bezeichneten Bedingungen zu übergeben.
Konſtantinopel, 5. Febr. Angeblich hat
geſtern in Sofia ein geheimer Schritt der Mächte
ſtattgefunden, damit der Balkanbund die türkiſchen Be=
dingungen
annehme.
* Konſtantinopel, 4. Febr. Einem bisher
anderweitig nicht beſtätigten Gerücht zufolge ſollen dem=
nächſt
halbamtliche bulgariſche Delegierte in Konſtan=
tinopel
eintreffen, um über die Löſung der Adria=
nopeler
Frage zu verhandeln.
Die Rückkehr der Delegierten.
* Wiem, 4. Febr. Der griechiſche Miniſterpräſident
Venizelos ſtattete heute mittag dem Miniſter des
Aeußern Grafen Berchtold einen Beſuch ab und beſuchte
in Begleitung des griechiſchen Geſandten in Wien auch
den Miniſterpräſidenten Stürgkh. Abends reiſte er nach
Belgrad ab.
London. 4. Febr. Diejenigen Delegierten
der Friedenskonferenz, die noch hier ſind, wohn=
ten
heute dem Empfang im Buckinghampalaſt bei.
* Konſtantinopel, 5. Febr. Die Pforte wies
die ottomaniſchen Bevollmächtigten in Lon=
don
an, London zu verlaſſen.
Letzte Nachrichten.
HB. Sofia, 5. Febr. Der Geſchützkampf von
Adrianopel namentlich auf der ſüdöſtlichen Front,
dauert an. Ein unbeſtätigtes Gerücht will wiſſen, daß
ich geſtern 1000 Mann türkiſcher Inſanterie ergeben hät=
ten
. Auf Gallipoli gehen die Bulgaren ebenfalls erfolg=
reich
vor. Sie ſollen die nur ſchwachen Widerſtand leiſten=
den
türkiſchen Truppen 10 Kilometer weit verdrängt
haben. Ueber die Kämpfe an der Tſchataldſchalinie ſind
bisher keine Meldungen eingetroffen. Dagegen wird hier
behauptet, daß unter den dortigen türkiſchen Truppen
Meuterei herrſcht und daß bereits 500 Mann in den
gegenſeitigen Kämpfen gefallen ſeien.
Bukareſt, 5. Febr. Das Protokoll über die
rumäniſch=bulgariſchen Verhandlungen iſt
hier eingegangen. Das Angebot Bulgariens ſoll zwar,
wie an unterrichteter Stelle verlautet, die rumäniſche Re=
gierung
nicht befriedigen, jedoch die Grundlage zur Fort=
führung
der Verhandlungen bieten. Gegenwärtig finden
Beſprechungen ſtatt, die bezwecken, eine Einigung über
die Modalitäten für die weiteren Verhandlungen zu er=
zielen
, ſowie darüber, ob die Verhandlungen in Sofia
oder in Bukareſt fortgeſetzt werden ſollen.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
München, 5. Febr. Die Bayeriſche Staatszeitung
ſchreibt in hochoffiziöſer Form über den angekündigten
Beſuch des Prinz=Regenten in Berlin: Es
entſpricht den herzlichen freundſchaftlichen Beziehungen,
die die Häuſer Hohenzollern und Wittelsbach verbinden,
wenn der Prinz=Regent, gleichwie dies ſein höchſtſeliger

Herr Vater, weiland Prinz=Regent Luitpold tat, ſeinen
erſten Beſuch nach der Uebernahme der Regentſchaft am
Hofe des deutſchen Kaiſers und Königs von Preußen,
eines erhabenen Verbündeten, abſtattet, in deſſen Perſon
ſich die Einheit des deutſchen Reichs verkörpert. Die auf=
richtigſten
Wünſche des bayeriſchen Volkes werden die
Berliner Tage geleiten, die ein erneutes Zeugnis für die
Innigkeit des Verhältniſſes ablegen werden, das die im
deutſchen Reich verbündeten Fürſten und Stämme um=
ſchließt
.
* Mannheim, 5. Febr. Heute mittag wurde auf freiem
Felde bei dem Vorort Freudenheim die Leiche
eines jungen Mädchens im Alter von etwa 18 Jahren
und die eines jungen Mannes aufgefunden. Das Mäd=
chen
hatte eine Schußwunde in der Bruſt, der junge Mann
eine ſolche im Kopf. Das Mädchen trug noch die Fa=
ſchingskleider
. Jedenfalls geſchah die Tat heute früh
nach dem Verlaſſen eines Maskenballes. Das Mädchen
heißt Mayer und iſt aus Freudenheim; der junge Mann
oll aus Wallſtadt ſtammen. Einzelheiten über die Be=
gleitumſtände
der Tat ſind noch nicht bekannt.
Wilhelmshaven, 5. Febr. Auf dem Panzerkreuzer
Moltke hantierte ein Unteroffizier mit einem Revolver.
In der Annahme, die Waffe ſei nicht geladen, zielte er
cherzweiſe auf einen Matroſen. Der Revol=
ver
war jedoch geladen und die Kugel durchbohrte die
Bruſt des Matroſen, der zuſammenbrach und ſchwer ver=
letzt
ins Marinelazarett gebracht wurde, wo er alsbald
ſtarb.
* Dresden, 5. Febr. Erzherzog Franz Fer=
dinand
und Gemahlin ſind inkognito hier einge=
troffen
und haben im Hotel Bellevue Wohnung ge=
nommen
.
* Schemacha, 5. Febr. Heute morgen um 9 Uhr 15
Minuten wurde die Stadt von einem ſtarken Erd=
beben
und heftigen Erdſtößen heimgeſucht. Die Be=
völkerung
kampiert in den Straßen. Die Erdſtöße dauern
weiter an.
* Prag, 5. Febr. Auf der Station Mauth ſtreifte
geſtern der letzten Waggon eines Güterzuges bei der
Ausfahrt vier Waggons eines Perſonenzugs. Drei
dieſer Wagen ſtürzten um. Zwölf Paſſagiere wurden
leicht verletzt. Der Verkehr konnte nach einer Stunde wie=
der
aufgenommen werden.
London, 5. Febr. Marineminiſter Churchill und
andere Lords der Admiralität begaben ſich mit dem Ober=
kommiſſär
von Neuſeeland nach Portsmouth, um den
neuen Dreadnoughtkreuzer Neuſeeland‟
zu beſichtigen, bevor er ſeine Weltfahrt antritt. Der
Kreuzer iſt ein Geſchenk Neuſeelands an Großbritannien.
* Rom, 5. Febr. Der König unterzeichnete einen
Erlaß, durch den beim Miniſterium für Ackerbau In=
duſtrie
und Handel eine Kommiſſion eingeſetzt wird zur
Prüfung einer Reviſion des gegenwärtigen
italieniſchen Zollweſens und zur Feſtſetzung
der Hauptpunkte bei der Abfaſſung der’neuen Han=
delsverträge
. Dem Erlaß ging ein Erlaß des Acker=
bauminiſters
Nitti voraus der darauf hinweiſt, daß Ende
1917 die wichtiaſten Handelsverträge ablaufen. In des
letzten zehn Jahren ſei überall das Verhältnis der be=
ſtehenden
Zolltarife zu den einheimiſchen Produktions=
bedingungen
und der Austauſch mit anderen Ländern
eifrig ſtudiert worden. In Italien ſei immer noch, wenn
auch öfters modifiziert, der Tarif von 1887 in Kraft. Die
letzten 25 Jahre veränderten die Produtionsbeding=
ungen
von Grund aus. Es ſeien zwar ſchon ſeit 1870
viele Unterſuchungen angeſtellt worden; aber in dem
jetzigen Falle müßten die Nachforſchungen einer breiteren
Grundlage gemacht und mit ausreichenden Vorberei=
tungen
für den Abſchluß, neuer Handels= und Schiff=
fahrtsverträge
verbunden werden. Die Kommiſſion beſ
ſteht aus Regierungsbeamten der einſchlägigen Reſſorts,
Abgeordneten,
Vertretern verſchiedener
Senatoren,
Zweige des Handels und der Induſtrie und Profeſſoren.
Präſident iſt der Ackerbauminiſter. Die Kommiſſion hat
bis zum 31. Dezember 1914 die Ergebniſſe der Arbeiten
vorzulegen.
* Petersburg, 4. Febr. Der Kaiſer empfing heute
nachmittag den Ueberbringer des Handſchreibens des
Kaiſers Franz Joſef, den Oberſtleutnant Prinzen zu
Hohenlohe in Zarſkoje=Selo.
HB. Marburg, 5. Febr. Eine neue Polizeiverordnung
hat eine Beſchränkung der Feierabendſtunde für Wirtſchaf=
ten
und Cafés gebracht. Hiergegen veranſtalteten ver=
gangene
Nacht Hunderte von Studenten eine mäch=
tige
Demonſtration auf dem Marktplatze. Die
Polizei, welche einſchritt, war gegen die Menge machtlos.
Einige der Demonſtranten, die verhaftet worden waren,
vurden von den Studenten wieder befreit und das
Marktplatz=Wachtlokal demoliert. Die Studenten beſchloſ=
ſen
die Demonſtration mit einem Umzug durch die Straßen
der Stadt.
HB. Paris, 5. Febr. Einer Meldung des New= Yor=
ker
Herald zufolge ereigneten ſich am 16. Januar und in
der Nacht zum 19. große Erdrutſche am Panama=
Kanal, die beide Ufer in ernſte Gefahr bringen. Man
befürchtet neue Rutſche, die etwa 125000 Kubikmeter Erde
ins Gleiten bringen und den Kanal ganz verſchütten
würden. Bisher waren keine Verluſte an Menſchenleben
zu beklagen.
HB. Tours, 5. Febr. Das Automobil des
Schriftſtellers Capus ſtieß geſtern abend mit
einem Straßenbahnwagen zuſammen und wurde voll=
ſtändig
zertrümmert. Herr und Frau Capus und die
Dienſtboten erlitten durch herumfliegende Glasſplitter der
zerbrochenen Fenſterſcheiben Verletzungen, die jedoch
glücklicherweiſe nicht bedeutend ſind.

S

V
Mect
Auf


O
führk viele Menſchen die tägliche Berufs=
arbeif
. Von der Straße bringen Sie die 2a
D
Erkältung heim, die Ihnen ſo läſtig iſt,e
Die Berufsarbeik auf der Straße erfordert 65

ein Vorbeugungs= und Linderungsmittel
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(125m
-
Da es wohl für jeden Leſer von Vorteil ſein
dürfte, ſeine Einkäufe in Herrentuchen und
Damenkleiderſtoffen bei ſolchen Geſchäften zu machen,
Die beſtrebt ſind, ihre Kundſchaft mit guter Ware bei
äußerſt billigen Preiſen zu bedienen, ſo wird auch an
Dieſer Stelle ſeitens der Firma Schwetasch & Seidel,
Tuchfabrik in Spremberg, Nieder=Lauſitz, auf den
Der heutigen Nummer beigelegten Proſpekt aufmerkſam
gemacht.
(I,3342

Familiennachrichten.

Die glückliche Geburt eines kräftigen
Sohnes
zeigen hocherfreut an
(3359
Gottfried Deutsch u. Frau.
Darmstadt, den 5. Februar 1913.

Todes=Anzeige.
Heute abend um ½7 Uhr entſchlief ſanft
nach kurzem Leiden im 82. Lebensjahre meine
liebe treue Mutter
(3355
Caroline Becker
geb. Maurer
Witwe des Grossh. Amtsrichters Philipp Becker.
Darmſtadt, den 4. Februar 1913.
Kiesſtraße 63.
In tiefer Trauer:
Caroline Becker.
Die Einſegnung findet Freitag nachmittag
2½ Uhr im Trauerhauſe, daran anſchließend
die Beerdigung ſtatt.

Danksagung.
Für die uns ſo reichlich erwieſene Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres lieben Gatten, Vaters,
Bruders, Onkels und Schwagers
(3405
Herrn
Otto Friedrich Pabst
Hofkutscher i. P.
ſagen wir Allen, insbeſondere dem Herrn Pfarr=
aſſiſtenten
Herpel, ſowie dem Perſonal des Hof=
marſtalles
, herzlichen Dank.
Frau Margarethe Pabst u. Sohn.
Darmſtadt, den 5. Februar 1913.

Danksagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
anläßlich des Ablebens unſeres lieben, unver=
geßlichen

(3404
Herrn
Leopold Sender
ſagen wir unſeren tiefgefühlten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Frankfurt a. M., Hamburg,
den 5. Februar 1913.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das Tiefdruckgebiet im Norden iſt etwas weiter oſt=
wärts
gewandert. Das Hoch hat ſich wieder verflacht.
Geſtern hatten wir unter der Herrſchaft des hohen
Drucks meiſt trockenes Wetter bei wechſelnder Bewöl=
kung
. Die Temperaturen liegen zwiſchen 50 und 70 (in
Deutſchland). Auch morgen iſt noch mit der Herrſchaft
des Hochdruckgebiets zu rechnen.
Ausſichten für Donnerstag, den 6. Februar:
Wolkig, meiſt trocken, noch etwas kälter, in höheren
Lagen Nachtfroſt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer guten Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter, Schweſter, Schwäge=
rin
und Tante
(3364
Frau Henriette Wiesenäcke
Wartfrau
ſagen wir Allen unſeren herzlichſten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Schwab.
Darmſtadt, den 5. Februar 1913.

Kirchliche Anzeige.

Stadtkapelle. Freitag, 7. Februar, abends
8 Uhr: Paſſionsandacht. Pfarrer D. Diehl.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater (Ab. B. Anfang 7½ Uhr, Ende
vor 10 Uhr: Mein Freund Teddy.
Vorſtellung um 8½ Uhr im Orpheum.
Vortrag von Natan Birnbaum um 8¾ Uhr im Hotel
Heß (Akademiſcher Verein Makkabaea).
Monatsverſammlung des Gartenbauvereins um
8 Uhr im Fürſtenſaal
Konzert um 8 Uhr im Rummelbräu
Bilder vom Tage (Auslage: Rheinſtraße 23): Mah=
mud
Schefket verkündet ſelbſt ſeine Ernennung zum
Großweſir; ein Demonſtrationszug der Jungtürken in
Konſtantinopel; Bilder zu den politiſchen Ereigniſſen
in der Türkei; das Wrack des Poſtdampfers Veroneſe‟.
Bilder von der Ankunft des Großherzogspaares in
Schwerin.

Verſteigerungskalender.

Freitag, 7. Februar.
Hofreite=Verſteigerung des Gg. Martin Jung=
hans
(Sandſtraße 42) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 9 Uhr Rhein=
ſtraße
32
Nutzholz=Verſteigerung um 9 Uhr im Darm=
ſtädter
Hof zu Griesheim.
Holzverſteigerung um 9 Uhr im Domanialwald
Frankenſtein (Zuſammenkunft auf der Nieder= Beer=
bacher
Straße gegenüber Haus Burgwald).

Druk und Berlage z. 6. Pilichſche Soſtuchtunckercl.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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Heute Donnerstag Künstler-Konzert!

Gentg deren feutenſt.
Unser
MMaskenball!

findet am 8. Februar im Perkeo‟, Alexanderstrasse
statt. Hierzu ladet höflichst ein
Ber Vorstand.
*2838sd)
Mier iechehten erier ent ene etchen etet es eretertege.
Unstrumenral=verein
Mittwoch, den 12. Februar 1913, abends 8¼ Uhr,
im grossen Saale des Saalbaues:
u4
(C
Linies Konzert
Solistin: Fräulein Johanna M. E. Schot aus Berlin (Gesang).
Leitung: Wilhelm Schmitt, Direktor der Akademie für Tonkunst.
Programm: 1. Bizet: L'Arlésienne, erste Orchester-
Suite. 2. Vaccaj: Arie mit Orchesterbegleitung. 3. Grieg: Zwei
elegische Melodien für Streichorchester. 4. Fünf Lieder mit
Klavier von Brahms u. Schumann. 5. Tschaikowsky: Capriccio
Italien für grosses Orchester.
Karten: Sperrsitz Mk. 3., Saal Mk. 2., Studenten- und
Schülerkarten Mk. 1. in der Hofmusikalienhandlung von Heinrich
(3363dsi
Arnold, Wilhelminenstrasse 9.

Nichard Wägner-verem-barmstadt.
Montag, den 10. Februar 1913, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde:
Populäres Konzert

Heininger

unter Leitung von Dr. Max Reger.
Programm: 1. Ouvertüre zur Oper Die Hochzeit des Figaro‟
von Mozart. 2. Zwischenakts- und Ballettmusik zu dem Drama
Rosamunde von Cypern von Schubert. 3. Zwei Ungarische Tänze
(Nr. 5 und 6) von Brahms. 4. Aufforderung zum Tanz von Weber.
5. Ouvertüre zur Oper Die lustigen Weiber von Windsor von
Nicolai. 6. An der schönen blauen Donau, Walzer von Johann Strauss.
7. Künstlerleben, Walzer von Johann Strauss. 8. Römischer Karneval,
Ouvertüre für grosses Orchester von Berlioz.
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz im Saal zu
5 Mk., numerierter Balkon zu 3.50 Mk. und Galerie zu 2 Mk. bei
Heinrich Arnold, im Verkehrsbüro und abends an der
Kasse. Beitrittserklärungen für das am 1. Januar 1913
begonnene neue Vereinsjahr, die noch vor dem obigen Konzerte
erfolgen, berechtigen zu dessen freiem Besuche. Der Jahres-
beitrag
beträgt 12 Mk., für einen Sperrsitzplatz 20 Mk.
3340)
Der Vorstand.

engerie genle Sere Zhte Sacht. 1. anbehld hrutere armnetacht
Sanl Tur Vranbe=
Donnerstag, 13. Februar 1913, pünktlich 8 Uhr,
Télémaque
Zweiter
Klavier-
Abendv. Kaitbrin0

Programm: Beethoven, Sonate Es-dur op. 31, Nr. 3.
Schumann, Carnaval op. 9. Chopin, Sonate H-moll op. 58;
Btuden Gismoll (Terzen); Ges=dur (Sexten); Bereeuse
op. 57. Liszt, Rhapsodie Nr. 6.
Konzert-Flügel: Julius Blüthner aus dem Piano-
lager
A. W. Zimmermann (L. Schweissgut, Hofl.), Rheinstr. 15.
Karten à Mk. 3.50, 2.50, 1.50 u. 80 Pfg., bei Georg
Thies Nachf. (Leopold Schutter), Elisabethenstr. 12; an der
Abendkasse Mk. 4., 3., 2. und 1.
Ausnahmslos keine Freikarten. (*2235dsm

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in der Exp. ds. Bl. abzug. (*3208

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verloren. Bitte abgeben Polizei=
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findet alter Sitte und Herkommen gemäß in München im März ſtatt.
Der Verſand hat bereits begonnen.
Um ſicher zu ſein, auch wirklich Salvator und nicht etwa eine der
vielfachen Imitationen desſelben zu erhalten, wolle man auch auf die nach=
ſtehend
abgebildete, auf jedem Gebinde und jeder Plaſche ange=
brachte
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uns patentamtlich geſchützt iſt.
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Pierrette), zu verleihen.
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Liebigſtr. 18, part. (Zigeunerin) bill
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Domino bill. zu verl. (*3241ds
Mauerſtr. 8, 2. St., Rieſinger. Eleg. Spanierin u. S.=Soubrette z.
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Fur kurze Zeit!

Orpheum

Gastspiel des Ensemble
vom Königl. Belvedere.
Dresden. (3402

Heute

Donnerstag,
6. Februar

und die folgenden Tage!


V. I. C.


Zweigverein
Darmstadt.
Sonntag, 9. Februar:
11. Wanderung
Nieder-Ramstadt-Neutsch-
Felsberg-Auerbach.
6 Stunden.
Abfahrt vorm. 819 Uhr vom Ost-
bahnh
., Rückkunft abds. 736 Uhr.
Die letzte Wanderung findet
nicht, wie im Wanderplan ange-
geben
am 9. März, sondern bereits
am 2. März statt. (3339
Wir machen nochmals auf die
regelmäßig am Freitag abend
vor jeder Wanderung in der
Brauerei Fay, Alexanderstrasse
CLaubfrosch), stattfindenden Bier-
abende
aufmerksam und bitten
um zahlreiche Beteiligung.

Im Verkehrsbureau ſind
zwei Balkon=Logen= Vorder=
plätze
A Nr. 9 bis Ende der
Spielzeit abzugeben. (*3167md

für den Reſt
abzugeben.
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Näheres Verkehrsbüro.

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Donnerstag, den 6. Februar 1913
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Perſonen:
Didier=Morel . . Richard Jürgas
Madeleine, ſ. Frau Ilſe Berka
Francine, ſeine Hel. v. Sonnen=
Schweſter .
thal
Verdier, Made=
leines
Vater . . Johs. Heinz
Francois D’Al=
lonne
, Kunſtmaler,
Madeleines Vetter FranzSchneider
Teddy Kimberley
Jacques Bertin,
Geſandtſchafts=
Guſtav Semler
ſekretär
Madame Théodule
Minna Müller=
Roucher . .
Rudolph
Mathilde, geſchied.
Frau Dancenay Käthe Gothe
Juliette Dornoy . Hede Schaub
Yvonne Plantin. Tilli Art’l
Corbett, Haus=
meiſter
b. Teddy Frz. Herrmann
Billy, Diener bei
Teddy . . . . Emil Kroczak
Dominique, Dien.
bei Verdier . . Paul Peterſen,
Ein Diener bei
Didier=Morel . Ad. Jungmann
.Em. Mühlpfort
Aline
Teddy Kimberley . . Brung
Harprecht vom Berliner Theater
als Gaſt.
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loge 6.10 M., Balkonloge 5.10 M.a
I. Rang 4.60 M., II. Rang: 1.6.
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 4.10 Mg
14.20. Reihe 3.30 M., Parterrei
1.5. Reihe 2.80 M., 6.8. Reihe
2.25 M., I. Galerie 1.25 Ma
II. Galerie 0.65 M.
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wöhnl. Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Samstag, 8. Febr. 116. Ab.=Bſt
D 28. Zum erſten Male: Anal
tol von Arthur Schnitzler. Gell
wöhnl. Preiſe. Anfang 7½ Uhr
Sonntag, 9. Febr. Nachmittags
2½ Uhr. (Neunzehnte Volksvon
ſtellung zu ermäßigten Preiſen)
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den 8. Februar, nur im Verkehrs
büro (Ernſt=Ludwigsplatz). Ver=
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der noch vorhandenen Karten
an der Tageskaſſe im Hoftheater
am Tage der Vorſtellung, von
mittags von 11 Uhr ab. Abends
7 Uhr: 117. Ab.=Vſt. B 30. ILa
Traviata.: Hierauf: Auff
forderung zum Tanze ( Bal=
lett
=Divertiſſement). Gew. Preiſe
Aus dem Svielplan.
Montag, 10. Febr. Außer Ab==
VII. Sonder=Vorſtellung. Zau
und Zimmermann. Anfang
8 Uhr. Zu dieſer Vorſtellung fing
det ein Kartenverkauf nicht ſtatt

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Das Vorlesungs-Verzeichnis für das Sommer-Semester
1913 ist erschienen und kann vom Sekretariat unentgeltlich bezogen
werden.
Nähere Auskunft auf Anfrage.
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Vorſchule des Großh. Realgymuaſtums und der
beiden Großh. Oberrealſchulen zu Darmſtadt.
Die Anmeldung neuer Schüler für alle Klaſſen der Vorſchule
für das Oſtern 1913 beginnende Schuljahr findet ſtatt am Freitag,
den 7. Februar, vorm. von 101 Uhr und nachm. von 35 Uhr
und Samstag, den 8. Februar, vorm. von 101 Uhr im Direktor=
zimmer
des Realgymnaſiums (Eingang durch das Portal am Kapell=
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platz). Geburts= und Impfſchein iſt vorzulegen.
Die Großherzogliche Direktion.
Münch, Geh. Schulrat.

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Kurſe vom 5. Februar 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

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InProz.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,40
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,60
77,80
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,90
3½ do. Conſols . . . 88,75
77,80
do.
do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,50
93,10
3½
do.
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 99,70
do.
3½
87,10
do.
77,70
4 Hamburger Staatsanl. 98,70
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,60
4 do. do. (unk. 1918) 99,50
do.
87,00
½
76,00
5
do.
3 Sächſiſche Rente.
78,80
4 Württemberger v. 1907 99,75
do. v. 1875 93,70
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 . . 54,00
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 87,50
4 do. Goldrente . . . 91,30
4 do. einheitl. Rente . 84,70
3 Portug. unif. Serie I 63,00
do. unif. Ser. III 66,10
3 do. Spezial . . . . 9,60
5 Rumänier v. 1903 . . 100,00
do. v. 1890 . . 93,00
do. v. 1905 . . 88,00
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 89,70
do. v. 1902 . . . . 90,30
4½ do. v. 1905 . . . .
3½ Schweden . . . .
4 Serbier amort. v. 1895 81,50
4 Türk. Admin. v. 1903 78,30
4 Türk. unifiz. v. 1903 86,00
4 Ungar. Goldrente . . . 87,90
4 do. Staatsrente. . . 84,80

Zf.
In Proz.
5 Argentinier . . . . . . 101,00
do
4½ Chile Gold=Anleihe. 91,30
5 Chineſ. Staatsanleih:: 99,69
92,30
do.
4½ Japaner . . . . .
91,50
5 Innere Mexikaner . . . 93,30
58,60
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 85,40
5 Gold=Mexikaner . . . . 100,00
3 Buenos Aires Provinz 68,80
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 153,90
5 Nordd. Lloyd . . . . . 118.60
6½ Südd. Eiſenb.=Bef. . 128,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 113,25
6 Baltimore und Ohio . 105,50
6 Schantungbahn . . . . 131,75
6½ Luxemb. Prince Henri 113,80
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 23,00
6 Pennſylvania R. R. . 124,00
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3 Brauerei Werger
63,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . .
543,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim
. . . . . . . 246,00
30 Farbwerke Höchſt . . 637,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 348,20
10 Cement Heidelberg . . 144,60
30 Chem. Werke Albert 445,0)
14 Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 331,50
5 Lahmeyer . . . . . . . 120.50

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Divid.
7½ Schuchert, Nürnberg 146,70
12 Siemens & Halske .219,50
5 Bergmann Electr.
120,50
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 163,00
80,75
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0 Kunſtſeide Frankfurt 70,50
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 616,80
10 Maſchinenf. Badenia 180,00
16 Wittener Stahlröhren
8 Steana Romana Petr. 149,50
15 Zellſtoff Waldhof . . 235,00
12¼ Bad. Zucker=Wag=
199,50
häuſel. . . . . .
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 94,50
3 Südd. Immobilien 61,50
Bergwerks=Aktien.
2 Aumeß=Friede . . . . 178,50
Bochumer Bergb. u.
.217,50
Gußſt. . . . .
11 Deutſch=Luxemburz.=
Bergb. . . . . . . 166,20
10 Gelſenkirchener . . . . 198,50
9 Harpener . . . . . . . 196,50
18 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 264,25
O Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 84,00
6 Laurahütte . . . . . . 176,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
11
Weſteregeln 205,00
7½ South Weſt Africa 129,50
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ.
4½
Nordd. Lloyd=Obl. 99,30
4 Eliſabethbahn, freie . . 93,10
Franz=Jofefs=Bahn . . 85,50
3 Prag=Duxer . . . .
75,30
5 Oeſterr. Staatsbahn
Oeſterr. Staatsbahn . 93,25
do.
76,50
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,10
do.

In Proz.

2¾/1 Oeſt. Südb. (Lomb.) 52,50
3 Raab=Oedenburg
76,10
4 Kronprinz Rudolfbahn 87,00
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 87,50
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,00
88,00
do.
4 Wladichawchas . . . . 87,75
4 Rjäſan Koslow . . . .
an
3, Portugieſ. Eiſenb. . . 73,50
do.
2½, Livorneſer
69,40
3 Salonique=Monaſtir . 62,80
4 Bagdadbahn . . . . . . 80,90
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 94,50
4 Miſſouri=Paciſic. . ..
4 Northern=Paciſic . . . 99,10
1 Southern=Paciſic . . . 93,90
5 St. Louis und San
Franeisco. . . . . 82,90
5 Tehuantepec . . . . . . 98,30
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . 188,00
7 Bergiſch=Märkiſche
149,70
Bahn . . .
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 168,50
6½ Darmſtädter Bank . 124,25
12½ Deutſche Bank . . . 256,75
6 Deutſche Vereinsbank 124,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 120,25
10 Diskonto=Kommandit 190,00
8½ Dresdener Bank . . 157,80
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,50
6½ Mitteld. Kreditbank 120,
7 Nationalb. für Deutſchl. 123,25
7 Pfälziſche Bank. . .
130,00
5.86 Reichsbank . . .138,00
7 Rhein. Kreditbank. . . 136,70
½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 117,25
7½ Wiener Bankverein . 132,80
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 98,20

Inpeon.
3.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
87,00
S. 19. .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
98,00
S. 52 . . . . .
4 Hahb. Hypoth.=Bank . 97,50
3½
87,25
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,30
3½
do.
88,30
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16 . .
98,60
S. 14, 15, 17, 24/26
1823. . . . . . . . . 98,90
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 87,30
S. 35 . . . . . . . . 87,10
S. 911 .
87,20
4 Meininger Hyp.=Bank 98,00
86,50
3½
do.
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 98,00
31 do. (unk. 1914) . . 87,50
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,00
87,80
do.
3½
Städte=
Obligationen.
-
Darmſtadt . . . .
3
do.
Frankfurt. . . . . . . 99,00
3½
do.
96,50
Gießen . . . . . . . . 97,50
do.
3½
88,00
4 Heidelberg . . . . . . 97,00
do.
3½
87,80
4 Karlsruhe . . . . . .
3½
do.
91,50
Magdeburg . . . . . .
3½
do.
Mainz . . . . . . . . 97,50
do.
88,40
4 Mannheim . . . . . . 97,50
3½
do.
90,00
München . . . . .
99,30
3½ Nauheim . . . . . .
4,, Nürnberg . . . . . . . 99,00
do.
87,60
4 Offenbach . . .4. . . 97,60

St.
ZuPro=
3½ Offenbach . . . . . .
Wiesbaden . . . . . . 99,00
95,30
do.
3½
4 Worms . . . . . . . . 97,40
88,00
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 . 76,70
Verzinsliche
Anlehensloſe.
Badiſche . . . Tlr. 100 169,75
3½ Cöln=Mindner 100 138,25
3 Holl. Komm. . fl. 100
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 137,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 179,50
3 Oldenburger . . . . . . 130,90
2½ Raab=Grazer fl. 150 113,50
Unverzinsliche
Anlehensloſc.
Augsburger . . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 201,00
Freiburgere. . . . Fs. 15
Mailänder . . . . Fs. 45
do. . . . . Fs. 10
Meininger . . . . . fl. 7 35,90
Oeſterreicherv. 1864fl. 100 549,00
do. v. 1858fl. 100 470,00
Ungar. Staats . . fl. 100 381,00
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 158,60
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,44
20 Franks=Stücke . . . . 16,29
Amerikaniſche Noten . . . 4,18½
Engliſche Noten . . . . . 20,46
Franzöſiſche Noten. . . . 81,30
Holländiſche Noten. . . . 169,20
Italieniſche Noten . . . . 80,10
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,70
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,75.
Reichsbank=Diskonto. . .
Reichsbank=Lomhard Zsf. 7

[ ][  ][ ]

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Foxterrier. 1 deutſcher Schäferhund, 1 Foxterrier ( zu=
gelaufen
). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=
Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten
Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt. (3356

Bekanntmachung,

betr. die Beleuchtung von Einfahrten, Höfen, Treppen, Fluren uſw.
Wir weiſen wiederholt auf die den Eigentümern von Grund=
ſtücken
obliegende Verpflichtung hin, die Toreinfahrten, Höfe,
Hausflure, Gänge und Treppen, ſofern und ſolange ſie jeder=
mann
zugänglich ſind, während der Dunkelheit ſo ausreichend
zu beleuchten, daß für die daſelbſt verkehrenden Perſonen keine
Gefahr beſteht.
Dieſe Verpflichtung liegt namentlich auch den Inhabern von
Fabriken, gewerblichen Anſtalten und Arbeitsſtätten, von Ver=
gnügungs
=, Verſammlungs= und Schankſtätten (den letzteren ins=
beſondere
auch hinſichtlich der Bedürfnisanſtalten) ob.
Pflichtwidrige Unterlaſſung der Beleuchtung begründet, falls
hierdurch jemand zu Schaden kommt, die Entſchädigungspflicht, ſo=
wie
die ſtrafrechtliche Verantwortlichkeit.
Die Verpflichtung kann durch Vertrag auf Hausverwalter,
Mieter uſw. übertragen werden. Dies ſetzt jedoch die überein=
ſtimmende
Willenserklärung beider Parteien, des Vermieters und
des Mieters, voraus. Eine einſeitige Erklärung des Vermieters (als
ſolche iſt auch der ohne vorherige Verſtändigung mit dem Mieter er=
folgende
Aushang einer Hausordnung zu zählen) kann die oben=
genannte
Verpflichtung für die Mieter nicht begründen.
Darmſtadt, den 3. Februar 1913.
(3357ds
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Die Lieferung der Brennmaterialien für die ſämtlichen ſtaat=
ichen
Anſtalten und Behörden im Großherzogtum Heſſen auf die
Zeit vom 1. April 1913 bis 31. März 1914 ſoll nach Maßgabe des
Erlaſſes Großh. Miniſteriums vom 16. Juni 1893, das Verdingungs=
weſen
betr., vergeben werden. Die Lieferung umfaßt etwa:
Steinkohlen (verſchiedene Sorten) . 17260 t
Anthrazit
. . 1241 t
Anthrazit=Eiformbriketts
222 t.
Zechenkoks (verſchiedene Sorten) . 6290 t
Gaskoks (verſchiedene Sorten) . . 1665 t
Steinkohlenbriketts .
56 t
Braunkohlenbriketts
307 t.
Verſiegelte, mit der Aufſchrift Kohleneinkauf verſehene An=
gebote
ſind portofrei bis ſpäteſtens 3. März 1913, vormittags
0 Uhr, an unterzeichnete Bergwerksdirektion einzureichen, zu welchem
Zeitpunkte Eröffnung der eingelaufenen Angebote ſtattfindet.
Die für die Lieferung geltenden Beſtimmungen ſamt Vertei=
lungsplan
uſw. liegen auf unſerem Amtszimmer, Gutenbergſtr. 1,
zur Einſicht offen. Sie können auch, ſolange Vorrat reicht, gegen
portofreie Einſendung von 3,50 Mk. in bar bezogen werden.
Friedberg, den 3. Februar 1913.
(3351df
Großh. Bergwerksdirektion.
Schulz, Großh. Bergrat.

p
Verſteigerungs=Azeige.

Freitag, den 7. Februar l. J. vormittags 9 Uhr,
verſteigere ich aus einem Nachlaß im Hauſe
Rheinſtraße 32, erſte Etage
nachſtehend verzeichnete Gegenſtände:
Eine Salon=Einrichtung
beſtehend aus: 1 Sofa, 2 Seſſeln, 4 Stühlen, 1 Salontiſch,
Silberſchrank, 1 Trumeau mit großem Spiegel, 1 Staffelei,
1 fünfarmiger Gaslüſter und dazu paſſende Vorhänge,
ferner: 1 Spiegelſchrank, nußbaum poliert, 1 kleines
Büfett, nußbaum poliert, 1 Pfeilerſchränkchen, 2 zweitürige
Kleiderſchränke, 3 eintürige Kleiderſchränke, 1 Weißzeug=
ſchrank
, 1 Beſenſchrank, 2 Küchenſchränke, Tiſche und Stühle,
Seſſel uſw., 2 Toilettentiſche, 1 Waſchkommode mit Mar=
morplatte
, Nachttiſche, 1 Serviertiſch, 1 Nähtiſch,
1 Blumentiſch mit Springbrnnnen, 2 Gartenmöbel=
Garnituren, 1 Waſchmangel, 1 Gasherd, 1 Gasbade=
ofen
und Wanne, 1 Kaſſenſchrank mit Sekretäraufſatz,
1 Spinnrad, 1 Haſpel, 1 nur einmal gebrauchter Rohr=
platten
=Reiſekoffer mit Ueberzug (von Moritz Mädler)
und 1 großer Hutkoffer, ferner
Glas=, Porzellan=, Nipp= und Ziergegenſtände
darunter 1 neues =Service für 12 Perſonen, beſtehend
aus 84 Stücken, weiter noch Lüſter, Spiegel, Bilder,
darunter ſehr gutes Oelgemälde (Landſchaft), Vorhänge
uſw., ſodann noch 2 vollſtändige Kachelöfen, in Teile zer=
legt
und in Kiſten verpackt.
(3234id
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
hlung ſtatt.
Darmſtadt, den 4. Februar 1913.
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

Bekanntmachung.

Die Krankenkaſſe Eintracht eingeſchriebene Hilfskaſſe Nr. 5
briesheim b. D., hat ſich am 16. November 1912 aufgelöſt, beſtätigt
ſuch Senatsbeſchluß des Kaiſerlichen Aufſichtsamt für Privatverſiche
ung in Berlin vom 18. Januar 1913. Dieſelbe iſt in Liquidation
treten und iſt der ſeitherige Vorſtand zu Liquidatoren beſtellt wor=
. Es werden nun alle Gläubiger, welche noch Forderungen an
ſe Krankenkaſſe Eintracht zu machen haben, aufgefordert, ihre For=
rungen
bis längſtens zum 1. April 1913 bei dem Unterzeichneten
nz ureichen.
(3360
Griesheim, am 5. Februar 1913.
Der Vorſtand der Krankenkaſſe Eintracht.
J. A.: Müller, I. Vorſitzender.

Jagd-Verpachtung!

Nontag, 10. Februar 1913, nachmittags 2½ Uhr,
in dem Rathauſe zu Waſchenbach die Feld= und Waldjagd der
Rmeinde Waſchenbach, beſtehend aus ca. 216 Hektar, in einer Ab=
lung
auf neun Jahre verpachtet werden.
Bemerkt wird, daß die Jagd durch günſtige Lage einen ſehr
ten Wildſtand hat. Das Jagdgebiet iſt in einer halben Stunde
n Bahnſtation Nieder=Ramſtadt zu erreichen.
(II,2543
Nieder=Ramſtadt, den 22. Januar 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Nieder=Ramſtadt
mit Waſchenbach.
Appel.

Cn unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
A, wurden folgende
Einträge vollzogen:
Am 17. Januar 1913.
Hinſichtlich der Firma:
Aug. Cellarius, Darmſtadt.
Philipp Auguſt Cellarius, Kauf=
mann
, Ehefrau Emmy, geborene
Schmidt, in Darmſtadt, in zur
Prokuriſtin beſtellt.
Am 21. Januar 1913.
Gelöſcht die Firma:
M. Schweickert, Darmſtadt.
Am 22. Januar 1913.
Hinſichtlich der Firma:
Gebrüder Wiener, Darm=
ſtadt
.
Hermann Wiener und Carl
Müller, beide Betriebsleiter in
Darmſtadt, ſind zu Geſamtpro=
kuriſten
beſtellt.
Am 23. Januar 1913.
Gelöſcht die Firma:
Hotel=Reſtaurant Prinz
Karl Hans Chriſt, Darm=
ſtadt
.
Am 29. Januar 1913.
Gelöſcht die Firma von Amts=
wegen
:
K. Lang, Darmſtadt.
Am 31. Januar 1913.
Hinſichtlich der Firma:
Seb. Schmitt, Darmſtadt.
Die offene Handelsgeſellſchaft
iſt mit Wirkung vom 1. Januar
1913 aufgelöſt. Geſchäft u. Firma
ſind auf den ſeitherigen Geſell=
ſchafter
Albert Schmitt als Ein=
zelkaufmann
übergegangen. (3386
Darmſtadt, 3. Februar 1913.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Bekanntmachung.

Die am 1. ds. Mts. abgehaltene
Holzverſteigerung iſt genehmigt.
Vom 7. ds. Mts. an können die
Abfuhrſcheine bei den betreffenden
Kaſſenſtellen in Empfang genom=
men
werden.
Die Ueberweiſung erfolgt am
8. Februar.
(3367
Darmſtadt, 5. Februar 1913.
Großh. Oberförſterei Beſſungen.
. V.: Kindhäuſer,
Großherzogl. Forſtaſſeſſor.

Verſteigerungen
und
Tarationen

aller Art übernimmt unter billig=
ſter
Berechnung
(3378a
F. Kurtz, Auktionator u. Taxator,
Pädagogſtraße 2. Teleph. 1202.

Krankheitshalber
iſt Anteil einer kleinen Wald= u.
Feldjagd in der Nähe von Darm=
ſtadt
abzugeben. Off. unt. E 26
an die Exp. ds. Bl.
(*3251

Frisch
Lebend
Rheinſalm
Forellen
Weſerſalm
Hechte
Silberſalm
Karpfen
Lachsforellen Schleien
Auſtern
Seezungen
Steinbutt
Rotzungen
Zunder
Heilbutt
a Nordsee-Cabliau
IaNordsee-Schellfisch
Back-Schellfisch
Merlan
Slocktiseh
Frische Hummerkrabben
Räucherwaren
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und eiſerne Betten, polierte und lackierte Waſchkommoden, Ver=
tikos
, Diwans und Umbauten, Chaiſelongues, Sofa, Klubſeſſel,
Salon=Garnitur mit 2 Seſſeln, Kleider=, Spiegel= und Bücher=
ſchränke
, Schreibtiſche, Sekretäre, Büfett, Kredenzen, Trgneaux=
ſpiegel
, Auszug=, Salon= und viereckige Tiſche, Stühle, Pfeiler=
ſchrankchen
, Teppiche, Lüſter, Zuglampen, Aufſtellſachen, beſſere
Bilder, Oelgemälde, 1 großer Kaſſenſchrank.
(3369
ſchwarz, beſtehend aus Sofa, 4 Stühlen mit Tiſch,
1 Salon,
Schreibtiſch, Vertiko und Trumeauſpiegel.
Ferner: 2 Biedermeier=Kommoden, Tiſch, Standuhr, alles
kirſchbaum, antike Schränke, Truhen, Pulte uſw., 2 goldene
Herrenuhren, 2 ſilberne Fiſchbeſtecke, Ringe uſw.
Johannes Krummeck, Auftionator u. Taxator.
Verkauf täglich, ununterbrochen geöffnet. Annahme von
Verſteigerungen und Verkäufen. Beſte Referenzen.

Holz-Verſteigerung.

Mittwoch, 12. Februar I. J., vormittags ½9 Uhr,
wird in der Brücher’ſchen Wirtſchaft zu Arheilgen ſämtliches
in der Faſanerie und Sorgenlos ſitzende Brennholz verſteigert,
ſowie Lärchen= und Fichten=Derbſtangen aus der Forſtwartei Faſanerie:
Derbſtangen: Lärchen I. Kl. 21 Stück 2,11 fm, Fichten
I. Kl. 124 Stück 10,49 fm, Fichten II. Kl. 4 Stück
0,18 fm; Scheiter, rm: 42 Buchen I. Kl., 99 Buchen II. Kl.,
8. Hainbuchen, 162 Eichen, 5 Linden; Knüppel, rm=
160 Buchen, 45 Hainbuchen, 182 Eichen (hiervon 24 rm
Pfoſten 2,5 m lang), 2 Birken, 1 Linde, 1 Kirſchbaum,
11 Kiefern, 21 Fichten; Reiſig, Wellen: 2690 Buchen,
110 Hainbuchen, 2970 Eichen (hierunter 2500 Wellen
Stammreiſig), 40 Kiefern, 10 Weymouthskiefern; Stöcke,
rm: 48 Buchen, 2 Hainbuchen, 119 Eichen, 1 Linde,
2 Fichten.
Die Stangen werden zuerſt verſteigert und lagern an den
Hirſchköpfen und im Tiergarten 18 außerhalb des Parkes, direkt an
der Dieburger Straße. Blau unterſtrichene Nummern kommen nicht
zum Ausgebot. Auskunft erteilt Forſtwart Schmidt zu Faſanerie
Poſt Darmſtadt.
Darmſtadt, den 4. Februar 1913.
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoop.
(3334

Slamm= u. Mangenholz=Verſteigerung.

Montag, den 10. Februar I. J.,
vormittags 9½ Uhr anfangend, werden im Roßdörfer Gemeinde=
wald
, Diſtrikt Mark (im Eſchhof lagernd), an Ort und Stelle
Stämme Eiche II. Kl. 1 St. 0,95 Feſtmeter
0,89
III.

, 0,25
Ahorn VI.

0,17
Lärche V. .
,,
6 10,30
Fichte III.
IV. 23 24,02

,
V. 424 151,64

799 = 53,99
Derb=Stangen .
Reis=
176 1,48
verſteigert. Zuſammenkunft auf der Kubig.
(3262md
Roßdorf, den 1. Februar 1913.
Großh. Bürgermeiſterei Roßdorf.
Lorenz.

Holz-Verſteigerung

Montag, den 10. Februar,
vormittags von 9 Uhr an, ſollen in der Schneider’ſchen Gaſtwirt=
ſchaft
in Waſchenbach aus den Diſtrikten Billerſtein, Birkenwald
und Hainberg verſteigert werden:
Stämme, Eichen: 19 Stück von 2040 cm Durchmeſſer und
510 m Länge 8,68 cbm; Buchen: 12 Stück
von 3746 cm Durchmeſſer und 710 m Länge
15,15 cbm. Ferner
Scheiter rm: 177 Buchen, 8 Eichen;
Knuppel rm: 139 Buchen, 32 Eichen
Reiſig Hdt. Wellen: 46 Buchen, 3 Eichen;
Stöcke rm: 68 Buchen, 15 Eichen.
Unter den Wellen befinden ſich 18 Hundert Stammwellen im
Diſtrikt Hainberg.
Nähere Auskunft erteilt Herr Forſtwart Roß in Nieder=Ramſtadt.
Ober=Ramſtadt, 1. Februar 1913.
(3395
Großh. Oberförſterei Ober=Ramſtadt.
Daab.

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rial
der Blutkörperchen, Eiweiß
und organiſches Eiſen, fertig ent=
hält
. Dieſe beiden Bauſteine=
des
Blutes werden in hohem
Prozentſatz dargeboten in den
C
Genebett
8
=Hämoglobin=Kakao und Schoko=
laden
=Präparaten. Die Anre=
gung
des Stoffwechſels, die Zu=
nahme
der perſönlichen Energie,
und Elaſtizität erreicht ſchon
nach mehrwöchentlichem Genuß,
von Reichardt=Hämoglobin-
Kakao einen ungeahnten Grad.
Durch dies Anfachen aller la=
tenten
oder ſcheinbar verbrauch=
ten
Kräfte wird man befähigte
in Leben und Beruf ſein Beſtes
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Haus Heidegg.
Von Hedda v. Schmid.
(Nachdruck verboten.)
31

Frau Chriſtas Elternhaus war ſeit ein paar Jahren
ſicht mehr. Die beiden Alten waren tot, die Schweſtern
hatten geheiratet, zwei Brüder waren nach Deutſchland
übergeſiedelt, nur der jüngſte, Reginald, ſtand als Ein=
fähriger
in einem Kavallerieregiment an der oſtpreußi=
ſchen
Grenze in einem elenden ruſſiſch=polniſchen Neſt.
Der wurde nun zur Feſtzeit in Heidegg erwartet.
Der Freiherr ſelber hatte ihn in einem lakoniſchen
Schreiben eingeladen. Es ſollte anfangs eine Ueberraſch=
ſung
für Frau Chriſta ſein, aber dann gönnte er ihr doch
die Vorfreude. Sechs Jahre hatte ſie ihren Bruder Regi
nicht geſehen, der Kleine war immer ihr Liebling ge=
eſen
.
Man ſaß gerade in der Halle bei den behaglichen Weih=
ſtachtsvorbereitungen
, als Onkel Regi, der von den Hei=
ſegaſchen
Kindern mit fieberhafter Ungeduld und Neu=
zierde
erwartet wurde, eintraf. Es war ein ſtarker Schnee=
fall
, und als der ſchlanke Reitersmann eintrat, mußte er
ich erſt die dicke, weiße Schneekruſte von ſeinem grauen
Soldatenmantel klopfen laſſen.
Reginald Steenhuſen hatte dieſelben braunen Augen
vie ſeine Schweſter Chriſta aber in ihnen lag eine ge=
viſſe
Träumerei, welche trotz aufblitzenden Uebermutes
den Idealiſten verriet.
Alſo ſo ſiehſt Du aus ſagte der Freiherr, hob Iſa
hon ſeinem Knie auf den Arm, ging dem jungen Schwager
ntgegen und küßte ihn. Klein=Iſa wurde mit in die Um=
umung
gezogen.

Des Reſchilden, ricf Regt frandich ans. Ich vm
auch eins, und nun wo ſeid Ihr anderen?
Er kannte die älteren Jahrgänge auf Haus Heidegg
nur flüchtig. Aber nun kam Frau Chriſta herbei, in einer
großen Wirtſchaftsſchürze und da gehörte der Bruder
für eine Zeitlang nur ihr. Dann rief ſie ihre Kinder her=
bei
, ſtellte jedes einzeln vor, und Regit gab ſich gleich wie
der älteſte Bruder.
Könnteſt auch beinahe mein Sohn ſein, lachte Frau
Chriſta und umhalſte ihren Matthias.
In dieſes Familienbild hinein platzten die beiden
Baroneſſen. Diez ſtellte flüſternd feſt, daß ſie ſich extra=
fein
aufgetakelt hätten. Sofort wurde der Ton in der
Halle um eine Note kühler die langen, blonden Schwe=
tern
in ihrer ſelbſtzufriedenen Unnahbarkeit wirkten immer
froſtig. Natürlich hatten ſie Toilette gemacht. Endlich
einmal für jemand. Und dieſer Jemand ſchien wirklich
der Mühe wert zu ſein.
Editha hatte Farbe heute, das ſtand ihr gut. Wenn
ſie wollte, ſo konnte ſie liebenswürdig ſein. Heute wollte
ſie, obgleich ſie ſich ärgerte, daß Regi von ſeiner Schwe=
ſter
in Beſchlag genommen war; Frau Chriſta griff nach
des Bruders Hand und hielt ſie feſt. Und der Einjährige
in ſeiner ſchmucken Dragoneruniform zog die Finger der
blonden, mütterlichen Frau an ſeine Lippen. Er war
Neſtkücken, vermißte, trotz Schnurrbärtchen und Seiten=
gewehr
, noch immer das ſanfte Streicheln der Mutter=
hand
. Wie wohl das nun tat, hier bei Mutter Chriſtel zu
ſein. Und all dieſe hohen, kecken Knabengeſichter, und die
ſüßen, kleinen Mädelchen mit den großen Schleifen auf
den blonden Scheiteln und den Fingerchen, die mit Rauſch=
gold
bekleckſt waren,

Das war doch ein anderes Leben hier, als das, wel=
ches
er in der Garniſon kannte. Fremde ſaßen auf dem
väterlichen Gut, er hatte kein Heim mehr. Er wollte bei
der Waffe bleiben, ein Ohm würde für die Zulage auf=
kommen
.
Wir Steenhuſens ſind arme Teufel, hatte Regis Vater
ſtets geſagt und einen gewiſſen Stolz in ſeine betonte Ar=
mut
gelegt. Regi fand, daß Mittelloſigkeit ein übles
Ding iſt, wenn man ſich viel darum grämt.
Nach dem Abendeſſen trat Regi an Editha heran. Er
hatte ſie ſich weit älter und häßlicher vorgeſtellt, und war
nun angenehm überraſcht.
Editha war es, als ob das alte Teezimmer auf Hei=
degg
mit ſeinen ſchweren, ſteifen Möbeln, in dem man
am Abend immer ſaß, freundlich verwandelt ſei. Und
doch ſah ſie nur den ſchmalen Blondkopf Regis, ſeine halb
lachenden, halb träumenden Augen, den noch knabenhaften
Mund des Zwanzigjährigen unter einem kleinen, dunkel=
blonden
Schnurrbärtchen, die Schlankheit ſeiner Glieder,
die ſo unendlich viel Raſſiges hatten. Ob er ſie wohl über=
ragte
an Wuchs? Sie maßen lachend ihre beiden Geſtal=
ten
. Doch um einen halben Kopf war er höher ge=
wachſen
, als Editha.
Du biſt ein langer Schlingel geworden, Regi, ſagte
Frau Chriſta ſchweſterlich ſtolz, aber Du wirſt noch
wachſen.
Reginald rief lachend: Will ich auch, wir Steenhuſens
ind alle lange Leute, aber Du biſt nun aus der Art ge=
ſtölagen
, Chriſta, ganz behäbig biſt Du geworden. Ich=
will
Dich Mutter Chriſtel nennen, wie Deine Kinder
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Es freute Frau Chriſta, daß Editha und Erika ſich
nicht wie ſonſt nach dem Abendbrot in ihre Zimmer zu=
rückzogen
. Wenn es nach ihrem Sinne gegangen wäre,
ſo hätten die beiden viel mehr Geſelligkeit haben müſſen.
Um elf Uhr ging der Freiherr zur Ruhe dann
wurden im Teezimmer die Lampen gelöſcht. Beim letzten
ſchnarrenden Glockenſchlage der alten engliſchen Uhr er=
hoben
ſich alle von ihren Sitzen und ſagten einander Gute
Nacht Reginald war es recht
er hatte eine lange
Eiſenbahn= und Schlittenfahrt hinter ſich und ahnte
nicht, daß ſeine Anweſenheit jemand anderem den Schlaf
verſcheuchte
Auf Edithas Bettrand ſaß, fröſtelnd in ein Plaid ge=
hüllt
, Erika und blickte mit einer Art ehrfurchtsvoller Be=
wunderung
auf die Schweſter, welche mit halbaufgelöſtem
Haar in den Kiſſen lag und in der matten Beleuchtung
einer Nachtlampe faſt hübſch, jedenfalls um Jahre ver=
jüngt
, ausſah.
Tante Lisbeth behauptete immer, daß es keine Liebe
auf den erſten Blick gibt, meinte Erika philoſophiſch.
Tante Lisbeth iſt eine alte Jungfer, die nur an ihr
Magenleiden denkt und für nichts anderes Intereſſe hat,
antwortete Editha. Es gibt eine Liebe auf den erſten
Blick, und er muß es fühlen, wie es in mir ausſieht. Ich
könnte ſogar Chriſta um ſeinetwillen verzeihen, daß ſie
uns Papa genommen und Haus Heidegg zur großen Kin=
derſtube
gemacht hat.
Die Schweſtern hatten ſich nie dazu verſtauden, ihre
Stiefmutter anders als Chriſta anzureden. Dieſe ſelber
hatte den Vorſchlag gemacht.
Er wird mich lieben, ſprach Editha ſiegesgewiß.
Erika ſtimmte natürlich bei aber die Ausſicht, Ziegi=

nald Steenhuſens Schwägerin zu werden, hinderte ſie nicht,
eine Viertelſtunde ſpäter feſt zu ſchlafen. Editha dagegen
lag die halbe Nacht hindurch wach. Noch nie zuvor hatte
ein Mann ſolch tiefen Eindruck auf ſie gemacht, wie dieſer
ſchlanke, knabenhafte Einjährige.
Reginald freute ſich darauf, in ſeiner kurzen Urlaubs=
zeit
mit ſeinen jungen Neffen gründlich umherzutollen,
Haus Heidegg ein bißchen mehr, als die Kinder es ohne=
hin
taten, auf den Kopf zu ſtellen. Er dachte nicht daran,
der Stieftochter ſeiner Schweſter den Hof zu machen.
*
*
Die alte Gräfin Suhr auf Eldenau pflegte von ihrem
Nachbar, dem Freiherrn Matthias Heidegg, zu ſagen:
Er meint es immer gut, aber er fängt das Meiſte vom
verkehrten Ende an. Und alles bis auf eine zweite
Ehe iſt bei ihm ſchief gegangen, ſeien es nun Frieſen
import, Karpfenteiche oder eine neug landwirtſchaftliche
Maſchine. Am ſchiefſten jedoch wird es ihm mit ſeinen
beiden älteſten Töchtern gehen. Heiratsfähige Ju=
gend
nach Haus Heidegg meinetwegen ein Vorwerk
verkauft wenns ſonſt zu Feten und Ausſteuer nicht
reichen ſollte aber unter die Haube mit den beiden
Mädchen. Ich wundere mich ſchon lange darüber, daß die
Editha nicht mit einem Hauslehrer ihrer Brüder auf und
davon gegangen iſt. Dieſe blaſſe Blonde hat mehr
Temperament, als man bei ihr vorausſetzt
Die alte Gräfin Suhr pflegte ihre Anſichten immer
unumwunden zu äußern, unbekümmert darum, daß man
ihr die rückſichtsloſe Offenheit ſehr oft übel nahm. Sie
war zweimal beide Male außerordentlich glücklich
verheiratet geweſen. Aus dieſem Grunde eiferte ſie ſtets

eufeſch gegen Gheloſgſeit. Iinr einige Taher ans
erſter Ehe war im Kindbett geſtorben. Wie die Aerzte
ſagten, aus übergroßer Zartheit.
Unſinn, meinte die Gräfin, Monika Loen, ihre Enkelin,
welche ſie nach dem Tode ihres Schwiegerſohnes zu ſich
nach Eldenau genommen hatte, war doch ſolch ſtrammes,
geſundes Mädel.
Die Gräfin Suhr ging von dem Grundſatz aus, einem
Kinde möglichſt viel Freiheit zu laſſen. Wenn Monika
oder Nika, wie ſie gewöhnlich genannt wurde, ihre Unter=
richtsſtunden
bei der Erzieherin abgeſeſſen hatte, ſo durfte
ſie tun und laſſen, was ihr behagte. Sie hatte ihr Reit=
pony
und eine Vogelflinte.
Daß die Großmutter ſie ſo früh wie möglich verhei=
raten
würde, daran war kein Zweifel. Nachher konnte der
Gemahl ihre weitere Erziehung übernehmen.
Man erzählte ſich, daß die Gräfin Suhr als junge
Gattin des Kammerherrn Lansky, ihres erſten Gemahls,
eine nicht unbedeutende Rolle in den ruſſiſchen Hofkreiſen
geſpielt hatte. Man hatte ihr eifrig gehuldigt. Sie
ſchwelgte gern in Erinnerungen an alte Hofgeſchichten.
Es iſt beſſer, als junge Frau Verſuchungen ausgeſetzt
zu ſein, denn als junges Mädchen, behauptete ſie. Die
jungen Mädchen aus unſeren Kreiſen werden viel zu ab=
geſchloſſen
erzogen daher die vielen unglücklichen Ehen
und Mesalliancen.
Monika ſollte niemals in ähnliche Gefahren geraten,
Fürs erſte war ſie ja noch ein halbes Kind, fünfzehn erſt,
ſehr ſchlank und geſchmeidig, kaum hübſch zu nennen.
Allein die Gräfin als Kennerin war davon überzeugt,
daß ihre Enkelin dereinſt eine Schönheit werden würde.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Luftfahrt.

* Flieger=Abſturz auf dem Sand in
Mainz. Bei einem Probeſtug auf dem Großen Sand
geriet der Goedeckerflieger Trautwein am Dienstag
nachmittag nach 3 Uhr in eine heftige , die den einen
Flügel ſeines Aparates derart beſchadigte, daß ein Ab=
ſturz
unvermeidlich war. Trautwein hatte während des
Sturzes noch die Geiſtesgegenwart, die Beine aus dem
Apparat zu ziehen. Er fiel auf einen Kiefernbaum, deſſen
Aeſte den Sturz ſchwächten, und von dem Baum auf den
Boden. Ein Mann, der ihn ſah, ergriff erſchreckt die
Flucht, weil er ihn für tot hielt. Der Unfall war jedoch
von Herrn Goedecker ſelbſt beobachtet worden, der ſofort
einen Gonſenheimer Arzt holen ließ. Die Unterſuchung
ergab, daß Trautwein zwar den Unterſchenkel ge=
brochen
, jedoch keine inneren Verletzungen erlitten
hat. Er wurde in das Rochusſpital in Mainz gebracht.
Obwohl auf dem Großen Sand in der letzten Zeit faſt
jeden Tag und bei jeder Witterung geflogen wurde, iſt
der Abſturz Trautweins der erſte Unfall, der ſich
dort ereignet hat. Die beiden Flügel des Flugzeuges
ſind ſtark beſchädigt; die Maſchine wurde abmontiert und
in die Halle gebracht.
* Baden=Oos, 5. Febr. Das Luftſchiff Erſatz Z. 1"
ſtieg heute früh um 5 Uhr 45 Minuten unter Führung
des Kapitäns Lau aus Friedrichshafen zu einer minde=
ſtens
achtſtündigen Höhendauerfahrt im Rheintal auf. An
Bord befindet ſich eine militäriſche Abnahmekommiſſion.
Geſtern nachmittag zwiſchen 4 und 5 Uhr unternahm das=
ſelbe
Luftſchiff eine einſtündige Fahrt mit drei öſterrei=
chiſchen
Offizieren.
Baden=Oos, 5. Febr. Das Luftſchiff Erſatz Z. 1
wandte ſeinen Kurs bei der heutigen achtſtündigen
Höhenfahrt zunächſt nach dem Elſaß und erſchien dann
um 11 Uhr in beträchtlicher Höhe über Karlsruhe, von
wo es die Richtung auf Baden=Oos nahm. Die mili=
täriſche
Abnahmekommiſſion beſteht aus Major Neumann
und den Hauptleuten Horn und George.
Roſtock, 4. Febr. Graf Zeppeelin ſchenkte der
Roſtocker Luftwarte, die Hauptmann Dr. Hildebrandt
gründete, mit Aufgabe, ſpeziell die Luftelektriztät mittels
Ballonen und Drachen zu erforſchen, in Würdigung der
Wichtigkeit dieſer Unterſuchungen zwei wertvolle Inſtru=
mente
, die zur Beſtimmung der Bahn von Ballonen die=
nen
ſollen.

Sport, Spiel und Turnen.

sr. Pferderennen. St. Moritz. Das internationale
Meeting zu St. Moritz hat ſeinen Anfang genommen. Die
Hauptnummer des Tages, der mit 10000 Francs ausge=
ſtattete
Große Preis von St. Moritz, ein Trabfahren in
drei Stechen, brachte den deutſchen Farben einen ſchönen
Erfolg, da Herrn Hubers Schimmelwallach Cato das erſte
Stechen leicht mit zwei Längen vor dem nicht ausgefah=
renen
Prinz gewann. Der von Ch. Mills geſteuerte Chel=
ſea
lag bis zum erſten Bogen in Front, machte dann aber
verſchiedene Fehler und mußte ſich mit dem dritten Platz
begnügen. Der Sieg von Cato bedeutete eine große
Ueberraſchung, denn der Totaliſator bezahlte 130:10, Platz
44, 20, 10:10. Im zweiten Stechen blieb Island am
Start ſtehen, Chelſea machte verſchiedene Fehler und ver=
mochte
ſich nicht zu plazieren. Das Rennen war ein
Spaziergang für Herrn Kasbauers Prinz. Das dritte
Stechen brachte einen hübſchen Kampf zwiſchen Prinz und
IIsland. Im Einlauf fertigte aber Prinz ſeinen Gegner
tüberlegen ab. Im Geſamtklaſſement fiel der Sieg an
Prinz, der zwei Stechen gewonnen hatte. Zweiter wurde
Cato vor Island. Im Preis vom Roſatſch, einem Ski=
Höring=Rennen, blieb der bekannte engliſche Jockei Griggs
rmit Dana ſiegreich. Er ſchlug die von Henry Taylor ge=
ſſteuerte
Middinette nach ſchönem Kampf um einen Hals.

Der Preis von Roſeg, ein Herren=Flachrennen über 1400
Meter, brachte dem deutſchen Herrenreiter W. Dodel einen
ſchönen Erfolg. Der von Herrn Dodel gerittene Roi René
des Dr. Jeannerets führte durchweg und gewann in über=
legener
Manier gegen den von Monſ. Sulli Levi geſteuer=
ten
Saltarelle II. Eine Länge zurück beſetzte Ericuſa den
dritten Platz. Die von dem deutſchen Herrenreiter W.
Leibbrand geſteuerte Grande Curſe endete unplaziert.
Das Renn=Komitee beabſichtigt, das Meeting im nächſten
Jahre bedeutend zu erweitern und höhere Preiſe auszu=
ſetzen
. Die Propoſitionen ſollen früh genug im Herbſt
erſcheinen, damit die Pferde im Training bleiben können.
sr. Lawn=Tennis. Um den Davis=Pokal. Der
Engliſchen Lawn=Tennis=Aſſociation iſt von der Lawn=
Tennis=Aſſociation of Kanada eine Herausforderung um
die Internationale Lawn=Tennis=Trophäe zugegangen.
Es iſt dies das erſtemal ſeit Beſtehen des Pokals, daß
ſich Kanada an den Kämpfen beteiligen will. Bekanntlich
gelang es den Vertretern Englands im Vorjahre, den
Wanderpreis von Auſtralien nach England zu entführen,
nachdem die Auſtralier fünf Jahre hintereinander in den
Davis=Pokal=Spielen geſiegt hatten. Der Davis=Cup, im
Jahre 1900 geſtiftet, war urſprünglich als Match zwiſchen
Amerika und England im Einzel= und Doppelſpiel ge=
dacht
. Einige Jahre ſpäter wurde der Cup international
ausgeſchrieben. Durch den Sieg Englands wird auch die
Frage einer Bewerbung Deutſchlands um den Pokal er=
örtert
. Es wäre nur zu wünſchen, daß ſich Deutſchland
dem Vorgehen Kanadas anſchlöſſe und ebenfalls eine Her=
ausforderung
erließe.
Vom Schweizer Winterſport. Durch den ſeit Mitte
Januar andauernden Schneefall bewegt ſich die Schwei=
zer
Winterſport=Saiſon immer noch auf ihrem Höhepunkt.
Alle Orte ſind angefüllt und überall werden intereſſante,
mit wertvollen Ehrenpreiſen ausgeſtattete Konkurrenzen
entſchieden. Die Wanderpreiſe im Bobfahren, die Diplome
im Skilaufen, die Ehrenpreiſe im Rodeln, die Eisbecher
jagen ſich; leider iſt durch die Eigenart dieſes Winters
vielfach ein zeitliches Zuſammenfallen verſchiedener Wett=
bewerbe
bedingt. In Andermatt wurde kürzlich das
Hauptrennen für Bobs aller Syſteme veranſtaltet. Die
beſte Leiſtung erzielte Herr E. Meyer. Das Skirennen um
den Sullivan=Cup gewann zum zweiten Male der Eng=
länder
Thicke, der acht Kilometer in 24 Minuten 15 Sek.
bewältigte. An der Sprungſchanze erzielte Gamma einen
geſtandenen Sprung von 25 Meter und blieb damit Sieger
dieſer Konkurrenz. Andermatt iſt ausgezeichnet beſucht
und hat als Winterkurort gegen früher einen weiteren
Aufſchwung zu verzeichnen. In Grindelwald war
das Ereignis der Vorwoche die Entſcheidung im Curling=
match
um den Jackſon=Becher. Dieſe ſchon ſeit 16 Jahren
ausgeſpielte wertvolle Trophäe wurde dies Jahr wieder
von der St. Moritzer Mannſchaft gewonnen, die durch den
Amerikaner Martin aus Davos erheblich verſtärkt war.
Grindelwald, deſſen Mannſchaft den Pokal zu verteidigen
hatte, ſchied in der Zwiſchenrunde aus. Adelboden und
St. Moritz, die Sieger der Zwiſchenrunde, lieferten ſich
einen ſpannenden Kampf, deſſen Entſcheidung bis zum
letzten Moment ungewiß blieb, als St. Moritz kurz vor
dem Abbruch einen Vorſprung erlangte und mit 17114
Punkten Sieger blieb. Das Simmentaliſche Skifeſt in
Zweiſimmen konnte kürzlich programmäßig ſtatt=
finden
. Die Hauptanziehung bildete das große Abfahrts=
rennen
vom Rinderberg, in dem bei ſieben Kilometer
Länge 1000 Meter Höhenunterſchiede zu bewältigen ſind.
Die Wettläufe, die das Lokalkolorit wahren, fanden bei
dem internationalen Zuſchauerpublikum regſtes Intereſſe.
Die Kurgaſtgemeinde von Lenk im Berner Oberland
hatte kürzlich ihre Freude an prächtig gelungenen wohl=
organiſierten
Jugend=Skirennen. Die Skijünger boten
ſportlich vorzügliche Leiſtungen, ſowohl im Dauerlauf,
wie im Sprung= und Slalom=Lauf. Rigi= Kalt=
bad
hat ſich als Winterkurort bereits ſehr eingebürgert.
Dies bewies die rege Teilnahme der Kurgäſte an den
ſchweizeriſchen Skirennen, die vor kurzem ſtattfanden, und
die ſportlich ſehr gute Leiſtungen brachten. Das prächtige
Hochplateau des gewaltigen Maſſivs iſt ſtark verſchneit
und bietet Skiläufern und anderen Winterſportlern ideale
Gelegenheit zur Ausübung ihrer Tätigkeit. Die ſchwei=
zeriſchen
Skirennen in La Chaux= de=Fonds hatten
leider ſehr unter der Ungunſt der Witterung zu leiden.
Eingetretenes Tauwetter hatte die bis dahin gute Ski=
före
faſt ganz vernichtet; in den höheren Lagen gab es
gerade noch ſo viel Schnee, daß das Meeting nicht völlig
abgeſagt zu werden brauchte. Unter dieſen Umſtänden

kamen die ſpärlich erſchienenen Zuſchauer nicht auf ihre
Koſten. Aus den Reſultaten ſei hervorgehoben, daß
Capaul=St. Moritz den Slalomlauf gewann, daß Fort=
Andermatt im Militärpatrouillenlauf Sieger blieb, daß
Simonſen=St. Moritz die ſchweizeriſche Meiſterſchaft er=
rang
und daß Leisner=Kriſtiania mit 30 Meter den beſten
Sprung erzielte.
.1227

Landwirtſchaftliches.

Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 28. Januar bis 3. Februar.
Der Getreidehandel nahm in der Berichtswoche im
allgemeinen eine abwartende Haltung ein. Die amerika=
niſchen
Termin=Notierungenn zeigen eine leichte Befeſtig=
ung
. Von Argentinien wurden diesmal große Weizen=
Verſchiffungen gemeldet, aber die Forderungen waren bei
weiter erhöhten Frachten kaum verändert. Rußland zeigte
ſich für Roggen und Gerſte etwas nachgiebiger, hat aber
im übrigen ſein Verhalten nicht geändert, trotzdem die
Wege im Inneren jetzt ſtärkere Zufuhr geſtatten würden.
Nicht unbeachtet, namentlich an den engliſchen Märkten,
blieb der Umſtand, daß andauernder Regenmangel die
indiſche Weizenernte bedroht. Die Nachfrage für greif=
baren
Weizen in den weſteuropäiſchen Verbrauchsgebieten
bleibt beſtehen, da die überall erzielten ſchlechten Quali=
täten
einen erheblichen Zuſchuß an trockenen Auslands=
weizen
erforderlich erſcheinen laſſen. Es gilt dies auch
für Deutſchland, wenn man hier vorläufig auch ſo gut
wie es geht, mit dem heimiſchen Erzeugnis auszukommen
ſucht, da dieſes, ſelbſt in beſſerer Qualität, weſentlich billi=
ger
als fremder Weizen zu beſchaffen iſt. Von dem Froſt=
wetter
zu Anfang der Berichtswoche ging nur vorüber=
gehend
eine befeſtigende Anregung aus; auch der Abbruch
der Friedensverhandlungen und die Ausſicht auf einen
Wiederbeginn des Krieges blieben ohne ſonderliche Wirk=
ung
, zumal umfangreiche Weltverſchiffungen die Unter=
nehmungsluſt
einſchränkten. Auf dem Berliner Liefer=
ungsmarkte
ſchließt Weizen nach unerheblichen Schwank=
ungen
mit einem Verluſt von nur 0,5 Mark. Roggen war
vom Inlande wieder ſtärker angeboten, und wenn ſich für
das Material auch fortgeſetzt zum Export und bei den
Mühlen Verwendung bietet, ſo mußten ſich die Preiſe
trotzdem etwas niedriger ſtellen. Ruſſiſcher Roggen, der
zu Preiſen von 134137 Mark vermehrt am Markte war,
wurde in ſtärkerem Maß nach dem Rhein gehandelt. Aller=
dings
ſollen die Qualitäten viel zu wünſchen übrig laſſen,
und der gegenüber deutſchem Material geforderte Preis=
aufſchlag
erſcheint demnach kaum gerechtfertigt. Lieferung
war bei ſtillem Verkehr zeitweiſe leicht befeſtigt, zum
Schluß durch Abgaben gedrückt und zirka 1 Mk. niedriger
als vor acht Tagen. Der Abſatz von Hafer geſtaltete ſich
bei reichlichem Angebot ſchleppend; Lieferung konnte ſich
im Einklang mit feſteren La Plata=Forderungen behaup=
ten
. Futtergerſte ſtellte ſich ſowohl in ruſſiſcher als auch
in amerikaniſcher Ware um 2 Mark, für entferntere Sich=
ten
um 45 Mark billiger. Mais vom La Plata feſt, nord=
amerikaniſcher
dagegen etwas billiger. Es ſtellten ſich die
Preiſe für Inlandsgetreide wie folgt:
Weizen
Hafer
Roggen
(1
168
Königsberg.
(
207½ (T ½) 166½ (1
Danzig .
75 (41
160
1
(*1
Stettin . . . 193
=
3 (*1
16
162
19.
Poſen
163 (
163 (*1
Breslau . . . 192 (*1
(1½) 200 (
16
.199 (*1
Berlin
(
170 (*1
18
Magdeburg
198
-
171 (*1
. 195 (*2
18
Leipzig .
(3
Dresden . . . 198 (1 ) 167 (1
181
165

166 (*1
Roſtock
(
178
Hamburg . . 207 (
190
(2 ) 18

210 (1 ) 18
Köln
195 (
Frankfurt a. M. 210 (2 ) 1
180
( )
2½) 190 (
Mannheim . . 2
921.
2 (
185 (2½) 195 (
Straßburg . . 2
(2
(-
. 219
182
178
München
Weltmarktpreiſe: Weizen: Berlin Mai 209,50 (0,50),
(0,35), Liverpool März 167,45
Peſt April 198,10
0,70), Chicago Mai 144,40 ( 1,90), Roggen: Berlin
Mai 174,75 ( 1), Hafer: Berlin Mai 173,50 (*0,25),
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Die Arbeit der Polizeihunde.

In Nr. 29 des Darmſtädter Tagblatts vom 4. ds. Mts.
befindet ſich unter Gerichtszeitung ein Artikel, der ſich im
Weſentlichen mit dem Wert der Polizeihundarbeiten bei
Erforſchung von Straftaten befaßt. Es wird in dem Ar=
tikel
behauptet, daß ein ziemlich vernichtendes Urteil über
die Arbeit der Polizeihunde von Sachverſtändigen in
einem Prozeſſe gegen den Arbeiter Leutz gefällt worden
ſſei. Die Sachverſtändigen, die dieſes vernichtende Urteil
vor dem Schwurgericht in Ulm abgegeben haben ſollen,
ſeien Polizeileutnant Moſt=Berlin und Polizeiwacht=
meiſter
Vogt=Stuttgart geweſen. Da der Artikel geeig=
net
iſt, die Intereſſen des Heſſiſchen Polizei= und Schutz=
hunde
=Vereins, Sitz Darmſtadt, zu ſchädigen, aber auch
den wahren Wert der Arbeiten eines gut dreſſierten und

unter geſchulter Führung ſtehenden Polizeihundes herab=
zuſetzen
, ſehe ich mich zu folgender Erklärung veranlaßt:
Der Arbeiter Leutz ſollte im Mai 1911 von dem Schwur=
gericht
zu Ulm und in der Hauptſache auf Grund der Ar=
beiten
des Stuttgarter Polizeihundes Sherlock wegen
Ermordung und Beraubung des Holzhändlers Knaup
zum Tode verurteilt, aber zu lebenslänglichen Zucht=
hausſtrafe
begnadigt worden ſein. In dem von ſeinem
Verteidiger nunmehr durchgeſetzten Wiederaufnahmever=
fahren
ſoll er von dem Schwurgericht Ulm nur wegen
Körperverletzung mit Todeserfolg mit 10 Jahren Zucht=
haus
beſtraft worden ſein, nachdem die Geſchworenen auf
Grund der Gutachten der genannten Sachverſtändigen
nur dieſe mildere Schuldfrage bejaht hätten. Dieſer
zweite hohe Gerichtshof hat aber genau ſo wie der erſte
den Leutz für überführt gehalten, die Tat an Knaup ver=
übt
zu haben. Der Stuttgarter Polizeihund Sherlock
hat aber nun gerade dieſen Leutz ſelbit nach drei Tage
alter Spur in ſeinem Bette verbellt. Wie ſteht es denn
doch mit dem vernichtenden Urteil über die Arbeiten die=
ſes
Hundes? Iſt denn nicht das Gegenteil der Fall? Hat
ſich nicht dieſe Hundearbeit als Tatſache erwieſen und war
ſie nicht ein wirkſames Hilfsmittel bei der Erforſchung
dieſer Straftat? Oder ſollte der Hund auch noch die Tat
charakteriſieren, ob Mord oder Körperverletzung mit
Todesfolge? Dies wäre ſelbſt für einen Hund nach dem
Wunſche der genannten Herren Sachverſtändigen zu viel
verlangt.
Der Stuttgarter Polizeihund Sherlock hat in dieſem
Falle eine gute Arbeit geleiſtet, die um ſo höher einzu=
ſchätzen
wäre, wenn er tatſächlich von ungeſchulten Beam=
ten
geführt worden ſein ſollte. Der Heſſiſche Polizei= und
Schutzhunde=Verein, Sitz Darmſtadt, ſteht aber auf dem
Standpunkte, daß bei ſchweren Verbrechen uſw. nur gut
dreſſierte Hunde und dieſe durch durchaus geſchulte Füh=
rer
Verwendung finden ſollen und dürfen. Autch er mißt
den Hundearbeiten keine größere Bedeutung beſ, als ihnen
in Wirklichkeit zukommt. Keineswegs würde er die
Hundearbeiten allein als genügenden Schuldbeeweis be=
trachten
. Dennoch ſchätzt er dieſe Arbeiten höher ein, als
die erwähnten Sachverſtändigen=Gutachten. Unſer Verein
hat ſich die Aufgabe geſtellt, den fähigen Hunden einen
hohen Grad von Dreſſur beizubringen, die Hundeführer
durch Belehrungen aller Art auf eine geiſtig höhere Stufe
zu ſtellen und ſo die Garantie zu bekommen, daß der
Hundeführer mit ſeinem Hunde ein Ganzes darſtellt. Des=
halb
verlangen wir auch von unſeren Führern, daß ſie
beurteilen können, ob ihr Hund eine aufgenommene Spur
auch weiter verfolgt, oder ob er durch hineingetragene
Hinderniſſe, wie andere, dieſe Spur kreuzende Stiuren
uſw., von ihr abgekommen iſt. Bei einem Studium bis
herunter in die kleinſten Details iſt dies wohl mögllich.

Ein ſo geſchulter Hundeführer kann von ſeinem Hunde
wohl behaupten, daß er eine einwandfreie Arbeit gelie=
fert
hat, wenn er zu dieſer Ueberzeugung gekommen iſt:
Im anderen Falle hat er ohne Zögern die Unſicherheit
der Arbſiten ſofort bekannt zu geben, damit keine ſchäd=
lichen
Folgen aus ihr entſtehen. Unſer Verein behauptet
deshalb, daß bei richtiger Verwendung der Polizeihunde
die Hundearbeiten ein wirkſames Hilfsmittel bei Er=
forſchung
von Verbrechen uſw. ſind, und bleiben werden
für alle Zeiten. Nur in einem Punkte ſtimmen wir mit
den Ausführungen der Herren Sachverſtändigen überein,
und der iſt, daß etwaigen Uebertreibungen in der Ver=
wendung
von Polizeihunden entgegengetreten werden
muß. Diess haben wir aber ſchon ſeit Gründung unſe=
res
Vereins dadurch betätigt, daß wir eine reine Scheid=
ung
von Polizei= und Schutzhunden getroffen haben.
Wir ſind davon überzeugt, daß wir die richtigen An=
ſchauungen
über Dreſſur und Verwendung von Hunden
für den Kriminal= und ſonſtigen Polizeidienſt, ſowie für
die Sicherheiit der Perſon und des Eigentums Privater
haben, und daß wir mit Recht den Polizeihundarbeiten
einen ihnen tatſächlich zukommenden höheren Wert bei=
meſſen
können und dürfen.
Heſſiſcher Polizei= und Schutzhunde=Verein,
Sitz Darmſtadt.
Lindemann, 1. Vorſitzender,

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtker und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Inſtrumental=Verein. Das dritte
Konzert in dieſem Winter veranſtaltet der Inſtrumen=
tal
=Verein am Mittwoch, den 12. Februar, abends 8.15
Uhr im großen Saale des Saalbaues. Das Programm
verzeichnet auch dieſes Mal wieder viele intereſſante und
zum Teil hier ing Konzertſaal noch nicht gehörte Werke.
Eingeleitet wird das Konzert mit Bizets reizender
Orcheſterſuite L’Arléſienne dem die beiden ſtimmungs=
vollen
Elegiſchem Malodien für Streichorcheſter von
Grieg folgen. Dem Schluß bildet das echt national emp=
fundene
Capriccio Italien von Tſchaikowski. Als
Soliſtin des Abends iſt die Konzertſängerin Fräulein
Johanna M E. Schot aus Berlin gewonnen worden, die
ſich in dieſem Konzert dem Darmſtädter Publikum erſt=
malig
vorſtellen wird. Die junge Sängerin, eine über=
aus
ſympathiſche Erſcheinung, ſteht zwar noch am Anfang
ihrer Laufbahn, hat aber bei jedem Auftreten große Er=
folge
zu verzeichnen, ſo daß ein großer Kunſtgenuß zu er=
warten
iſt. Der Kartenverkauf hat in der Hofmuſikalien=
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EtenDank abstattenwegen der letzten
Oadlung. Der Stoff hat sich wunder-
Kün bewährt und da ich schon jahre-
Ig meinen Hauptteil von hhnen be-
ſe
möchte ich einem jeden den Rat
Ren bei Schwetasch & Seidel, Sprem-
Ey zu kaufen und ein jeder kann auch
MMadlich u. schriftlich bei mir anfragen.
IVersode (Bez. Bremen), 26. 4. 12.
Diedr. Haas, Mühle.

Der mir gelieferte Stoff ist sehr zu
Miner Zufriedenheit ausgefallen, mein
Sneider hat den Stoff 10 Mk. mehr
Schätzt, als er gekostet hat, ich werde
w-Firma deshalb weiter empfehlen.
hofsheim b. Mainz, 11. 5. 12.
Johann Sieben.

Mhhabe vor mehreren Jahren Anzug-
Ktie von Ihnen bezogen, habe in-
Wchen auch anderweitig bekommen,
ſach waren Ihre Stoffe die besten.
Met urr.
Chr. Jochimsen.

a wir jetzt 7 Jahre von Ihnen Stoff
Ieten, bitte ich, nuich in Ihre An-
ainn
ungsschreiben einzurücken.
Hrswalde, 9. 11. 11. Herm. Masch.

er Stoff zu meinem Kleide ist ganz
ntüner Zufriedenheit ausgefallen.
Auerhain, 16. 11. 12. Minna Hänsch.

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Bei Angabe der:
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des Absenders
3 Pfg.-Marke,
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schriftlichen
Mitteilungen
5 Pfg.-Marke.

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Spremberg

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O. B. S. 13

Bin mit dem mir gelieferten Stoff zum Gehrock-
anzug
usw. sehr zufrieden und werde hhre Fabrikate
in meinem Bekanntenkreise sehr empfehlen. Nur
gute Ware ist beste Empfehlung.
Paul Hoffmann, Gauturnwart.
Bida, 4.8. 12.

Mit dem im September 1909 bezogenen blauen
Cheviot bin ich sehr zufrieden. Das Kostüm

hat schon mehrere Modernisierungen mit erleben
müssen, aber Stoff und Farbe bewähren
sich gut. Das Kostüm gefällt überall.
Danzig, 21. 2. 12. Gertr. Schimanski, Buchhalterin.

Der Anzug hätte mich, wenn von anders be-
zogen
, mindestens 80 Mk. gekostet, so habe ich
Emil Reinhard,
15 Mk. sparen können.
Maschinenmstr.
Pforzheim, 19.6, 12.

Der Stoff ist bedeutend besser ausgefallen, wie
ich gedacht habe und teile Ihnen mit, daß ich sehr
zufrieden bin. Häte hhre Fira schon cher
kennen sollen, hätte ich viel Geld gespart.
Fr. Müller.
Bielefeld, 22. 6. 12.

Die seit 8 Jahren von mir bei Ihnen bestellten
Stoffe sind bis heute noch immer über Erwarten

gut ausgefallen.
Mertert I. Lux., 3. 2. 12.

Pierre Steil.

Bin mit Ihrem Stoff, welchen Sie mir am 26.
2. 12 sandten, sehr zufrieden. beziehe meine Bedürf-
nisse
schon seit 15 Jahren von Ihrer Firma.
Frau Wwe. Maier.
Oberbronn.

[ ][  ]

Korververieſung mit Todeserfolg mit 10 Jahren Zucht=
haus
beſtraft worden ſein, nachdem die Geſchworenen auf
Grund der Gutachten der genannten Sachverſtändigen

E eeermmen m
den Ausführungen der Herren Sachverſtändigen überein,
und der iſt, daß etwaigen Uebertreibungen in der Ver=
mendung
won Polizeihunden entgegengetroten merhatt

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lch habe vor ca. 10 Jahren Stoffe von Ihnen
bezogen, die ich heute noch trage.
Straßburg i. E., 24. 11. 12. Emil Gr . . . ., Zivil-Ing.
Beide Sendungen sind zu meiner größten Zu-
friedenheit
ausgefallen, sogar noch schöner als
ich sie mir vorgestellt hatte und auf den Mustern
verzeichnet sind.
Wilh. Klick.
Lauenburg, 29. 11. 12.
Bin mit der bis jetzt bezogenen Ware sehr zu-
frieden
, konnte nirgends billiger und besser
kaufen.
S. Balszum,
Besitzer.
Tublanken, 20. 11. 12.
Da Ihre Muster bei meiner Wahl zwischen
den Kollektionen von fünf verschiedenen Fabriken
den Sieg davontrugen.
Dr. I. . ..
prakt. Arzt.
Bi. . . . . . . ., 16. 11.12.
Erlaube mir Ihnen mitzuteilen, daß ich vor 4
Jahren einen Kammgarnanzug von der weltbe-
kannten
Firma Schwelasch & Seidel bezogen habe,
welcher zu meiner Zufriedenheit ausgefällen ist,
denn dieser Anzug trägt sich heute noch wie vor
4 Jahren.
Wilhelm Roller,
Bäcker.
Sprendlingen, 16. 10. 12.
Stoffe sind famos, bedienen Sie mich weiter so.
H. Burmeister, Ingenieur.
Hamburg, 2.9. 12.

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farbig, Paletotstoffen, Loden, glatt und bedruckt Manchester, Wasch- und Jagdleinen,
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Unsere Kollektion für Damenkleider enthält Muster von schwarzen und farbigen,
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Unser Musterbuch für Aussteuer=Artikel enthält Muster von weißen Barchenten, Hem= 75
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