Darmstädter Tagblatt 1913


13. Januar 1913

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Abonnementspreis
Inſerake
176. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
wärts
nehmen die Poſtämter u. die Agen=
werden
angenommen in Darmſtadt,
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. Ber
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
gerichtlicher
Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Reingewinn der Ausſtellung Der
Menſch in Darmſtadt beläuft ſich auf 75900 Mk.,
von dem die Großherzogin je die Hälfte an die
Fonds für tuberkuloſe Kranke und für Säuglingspflege
überweiſen ließ.
*
Die Unterſuchung hat ergeben, daß der Ortwiger
Raubmörder der ſeit mehreren Jahren geſuchte
Raubmörder Sternickel iſt.
*2:
Der franzöſiſche Kriegsminiſter Millerand iſt wegen
der Angelegenheit du Paty de Elam zurückge=
treten
.
*
Der Ausſchuß der belgiſchen Kammer hat das
neue Heeresgeſetz mit ſechs Stimmen gegen eine
Stimme angenommen.
*
Die Botſchafter in Konſtantinopel redigierten bei
ihrer letzten Zuſammenkunft den Entwurf der Kollek=
tivnote
, die der Pforte überreicht werden ſoll
und ihr zum Abſchluß des Friedens rät.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.

Neue Militärvorlagen!

Vor einigen Tagen wußte die Poſt zu melden,
daß eine neue Militärvorlage noch in dieſem Monat dem
Reichstage zugehen werde, die weit umfangreicher ſein
werde, als urſprünglich gemeldet worden war, nachdem
es zuerſt hieß, daß man in der Hauptſache mit Forderun=
gen
für den Ausbau unſerer Luftflotte und einigen an=
deren
techniſchen Verbeſſerungen in Geſamthöhe von un=
gefähr
18 Millionen Mark kommen werde. Der Poſt
aufolge ſollte dieſe umfangreiche Vorlage beſtimmt ſein,
alle Lücken auszufüllen, die die letzte Militärvorlage noch
hat beſtehen laſſen. Vor allen Dingen wird die Stärke
der Kompagnien ſo bedeutend erhöht werden, daß ſie allen
Anforderungen gewachſen iſt und eine vorzügliche Aus=
bildung
der Leute gewährleiſtet wird. Außerdem werden
die fehlenden dritten Bataillone nachgefordert, die Ka=
valleriediviſionen
ſchon im Frieden aufgeſtellt und die
Erſatzreſerve, wie früher, zu einer Ausbildung mit der
Waffe einberufen. Die bereits bei einigen Armeekorps be=
ſtehenden
, über die normale Zahl hinausgehenden Bri=
gaden
und Regimenter ſollen zu einem neuen Armeekorps
zuſammengefaßt werden. Auch den Wünſchen der Ar=
tillerie
nach höherer Beſpannung uſw. wird durchaus
Rechnung getragen werden.
Dieſe Nachricht hat allgemein großes Aufſehen er=
regt
, da man kaum irgendwo mit ſo ausgedehnten Nach=
kragsforderungen
gerechnet hatte. Anfänglich erfolgte ein
rundes Dementi, nachher aber wurde doch von zuſtän=
diger
Seite zugegeben, daß man im Kriegsminiſterium an
ähnliche Pläne herangetreten ſei, wie ſie in dem erwähn=
ren
Blatt ſkizziert wären, nur daß an eine Vorlage bereits
im Januar nicht zu denken ſei. Es wurde alſo im Grunde
genommen ein mehr nebenſächlicher Punkt dementiert, im
übrigen aber die ſenſationelle Nachricht im großen und
ganzen beſtätigt. Man wird alſo noch in dieſer Tagung
rit einer neuen großen Militärvorlage zu rechnen haben,
wenn ſchließlich auch nicht in dem geſamten Umfange, wie
es von der Poſt angegeben iſt. Der Stand für die Mi=
litärverwaltung
dürfte kein ganz leichter ſein, nachdem die
Heeresverwaltung im vorigen Jahre ausdrücklich erklärt
hatte, von weiteren Forderungen, mit Ausnahme für die
Verſtärkung der Luftflotte, abſehen zu können, da ſonſt
alles Erforderliche vorhanden ſei. Gerüchtweiſe heißt es
daher, daß unter dieſen Umſtänden der Kriegsminiſter von
Heeringen zurücktreten werde, da er den Entwurf nicht
mit vollem Herzen verteidigen könne, andererſeits wird
aber geltend gemacht, daß er die Vorſchläge damit recht=
fertigen
könne, daß im Laufe des letzten Jahres ſich die
nicht vorauszuſehende Notwendigkeit herausgeſtellt habe,
im den Heeresforderungen weiter zu gehen, als man ur=
ſprünglich
im Auge hatte.
Jedenfalls ſteht es außer Frage, daß der Reichstag bei
eller Bereitwilligkeit, das unbedingt Notwendige ohne
weiteres zu bewilligen, eine neue unerwartet umfangreiche
Vorlage einer eingehenden Prüfung unterziehen und ſie
nicht unbeſehen hinnehmen wird. Gewiß wäre es wün=
ſchenswert
, wenn einige Lücken unſerer Ausrüſtung bal=

digſt ausgefüllt würden, wie die Schaffung von dritten
Bataillonen für diejenigen Regimenter, die über ſolche
noch nicht verfügen, auch die Aufſtellung von Kavallerie=
diviſionen
im Frieden iſt eine Forderung, die ſeit langem
von Fachleuten, und zwar keineswegs Fanatikern, geſtellt
wird. Ob es richtig iſt, daß noch ein weiteres Armee=
korps
gebildet werden ſoll, ſteht dahin.
Man darf annehmen, daß, wenn die Vorlage in eini=
ger
Zeit eingegangen ſein wird, ſie frei von allen Partei=
vorurteilen
vom Standpunkte der Notwendigkeit geprüft
wird unter Berückſichtigung unſerer finanziellen Ver=
hältniſſe
.

Deutſches Reich.

Die Wahl in Bingen=Alzey. Wie die
Wormſer Zeitung meldet, ſei der Reichstagsabgeordnete
Becker=Bingen=Alzey (natl.), einer Aufforderung des
Wahlkreisausſchuſſes entſprechend, entſchloſſen, ſein Man=
dat
nicht niederzulegen, ſondern dies der Entſcheidung
des Plenums zu überlaſſen.
Kleine Anfragen im Reichstage. Dem
Reichstage ſind wieder eine Reihe kleiner Anfragen zu=
gegangen
.
Der Abg. Dr. Thoma (natlib.) fragt: Iſt dem Herrn
Reichskanzler bekannt: 1 ob, wie verlautet, die bayeriſche
Regierung ihre Geſandtſchaften im Auslande zur Mit=
arbeit
an der neuen Baheriſchen Staatszeitung heranzu=
ziehen
beabſichtigt, und 2. ob Vorſorge getroffen iſt, daß
die Behandlung von Fragen der Reichspolitik, insbeſon=
dere
der auswärtigen Politik. in jenem offiziöſen Preß=
unternehmen
der bayeriſchen Staatsregierung nur im Ein=
vernehmen
mit dem verantwortlichen Leiter der Reichs=
politik
erfolgen kann ?½ Der Abg. Erzberger (Ztr.) fragt:
Iſt dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß bei den krie=
geriſchen
Overationen auf dem Balkan Ausſchreitungen
gegen die Bewohner der bisherigen türkiſchen europäiſchen
Gebiete vorgekommen ſind, und was iſt hierauf von ihm
veranlaßt worden? Der Abg. Weinhauſen (Fortſchr.
Volkspt.) fragt: Iſt der Herr Reichskanzler in der Lage,
Auskunft darüber zu erteilen: a) Welches Ergebnis die
Wahlen zur Angeſtelltenverſicherung gehabt haben, und
zwar: 1 in wieviel Wahlkreiſen die Vertrauens= und
Erſatzmänner von der Behörde ernannt werden mußten;
2. in wieviel Kreiſen nur eine Liſte eingereicht und dieſe
infolgedeſſen als gewählt erklärt wurde; 3. in wieviel
Kreiſen Wahlen zuſtande gekommen ſind; 4. wieviel Stim=
men
insgeſamt abgegeben worden ſind: b) ob und wann
eine amtliche Bekanntgabe des Ergebniſſes in Form eines
vollſtändigen Adreſſenverzeichniſſes der gewählten Ver=
trauens
= und Erſatzmänner zu erwarten iſt.
Finanzlage und Militärforderun=
gen
. Ueber die zur Deckung neuer militäriſcher Aus=
gaben
zur Verfügung ſtehenden Mittel ſchreibt eine mit
amtlichen Stellen in Fühlung ſtehende Berliner Korre=
ſpondenz
:
An verfügbaren Mitteln kommen zunächſt nur die
ſieben Millionen in Betracht, die über die geſetzliche
Schuldentilgung hinaus für außerordentliche Schulden=
tilgung
in Ausſicht genommen waren. Wie der Staats=
ſekretär
des Reichsſchatzamts bereits im Reichstag ange=
deutet
hat, dürſten dieſe ſieben Milionen für Zwecke des
militäriſchen Luftfahrweſens Verwendung finden So=
weit
iſt alſo für einen Nachtragsetat auch die Deckung
vorhanden. Für weitergehende Forderungen müßten
aber Mittel aus neuen Steuerquellen bereitgeſtellt wer=
den
. Als ſolche könnte man an die kommende Beſitzſteuer
denken. Es iſt aber vom etatsrechtlichen Standpunkt aus
im höchſten Grade bedenklich, über Einnahmen zu ver=
fügen
, für die zunächſt noch jede geſetzliche Grundlage fehlt.
Dabei iſt auch folgendes zu berückſichtigen: Wenn auch das
Reichsſchatzamt nach den letzten Beratungen der Finanz=
miniſter
mit der Aufſtellung einer Geſetzesvorlage beſchäf=
tigt
iſt, ſo unterliegt der Entwurſ nach ſeiner Fertiaſtel=
ſung
bekanntlich noch der Beſchlußfaſſung des preußiſchen
Staatsminiſteriums und des Bundesrats. Es iſt daher
ſehr unwahrſcheinlich, daß die Vorlage zu einem weſent=
lich
früheren Termin an den Reichstag gelangen wird,
als er geſetzlich feſtgelegt iſt, dem 30. April dieſes Jahres.
Wenn nun auch wirklich der Reichstag im Mai oder An=
fang
Juni die Vorlage verabſchieden würde ſo iſt mit
Einnahmen aus dieſer neuen Steuerquelle im Etatsjahr
1913 doch nicht mehr zu rechnen. Denn gerade Beſitzſteuern
erfordern eine beſonders zeitraubende Vorbereitung durch
Veranlagung uſw. Eine Wehrvorlage, deren Finanzie=
rung
ſich alſo auf die Einnahmen aus der Beſitzſtener
ſtützt, würde im Etatsjahr 1913 auf Deckungsmittel nicht
zu rechnen haben. Und daß der Reichstag ſich entſchlie=
ßen
ſollte für die einmaligen Ausgaben nachträglich an
der geſetzlich feſtgelegten Verwendung der Ueberſchüſſe zur
Schuldentilaung etwas zu ändern. iſt höchſt unwahrſchein=
lich
. Denn der Reichstag ſelbſt hat dieſes Maß von Schul=
dentilgung
als das zuläſſige Mindeſtmaß bezeichnet.
Der Goldbeſtand der Reichsbank. In
der Budgetkommiſſion des Reichstages erklärte Reichs=
bankpräſident
Havenſtein: Die Beſtimmung, kleine Noten
nur bis zu 300 Millionen Mark auszugeben, habe ſich als
Feſſel erwieſen, die ſobald wie möglich beſeitigt werden

ſoll, damit den Bedürfniſſen des Handels und Verkehrs,
der zunehmenden Bevölkerung uſw. Rechnung getragen
werden könne. In den letzten elf Jahren habe die Reichs=
bank
2½ Milliarden Mark, davon die Hälfte Gold, in Ver=
kehr
bringen müſſen. Es ſei nötig, den Goldbeſtand der
Bank weiter zu vermehren, ſo lange nicht der ewige Friede
geſichert ſei. Deshalb ſollen die Geldnoten vermehrt wer=
den
, auch im Hinblick auf eine ſtetige Diskontpolitik. Durch
die Ausgabe weiterer kleiner Noten ſei eine Vermehrung
von faſt 400 Millionen Mark an Gold erzielt und der
Goldbeſtand der Bank in hohem Maße erhöht worden.
Das habe auch im Auslande Eindruck gemacht. Im
Intereſſe der Sicherheit des Deutſchen Reiches müſſe aber
der Goldbeſtand auf mindeſtens 1200, beſſer noch auf 1500
Millionen Mark gebracht werden. Die Wirren am Balkan
hätten hohe Anforderungen an die Bank geſtellt. Manche
Kreiſe ſeien, als lebten wir noch in alten Väterszeiten,
von einer Panik ergriffen worden, ſo daß von September
bis Dezember die Bank 507 Millionen Mark Gold, Mün=
zen
und Noten gegen 55 Millionen Mark in früheren Jah=
ren
habe zur Verfügung ſtellen müſſen. Durch größere
Verwendung von Noten und Silber in Induſtrie und
Landwirtſchaft könne der Goldſchatz geſchont werden. Die
Bedenken, daß bei Vermehrung der Noten die Gold=
reſerve
des Landes aufgeſogen oder verringert werde, ſei
nicht ſtichhaltig.
Ein Präſident durchs Los. Die Vize=
präſidentenwahl
der Zweiten württembergiſchen Kammer
geſtaltete ſich zu einer intereſſanten Kraftprobe zwiſchen
der Linken und der Rechten, die im Landtage gleich ſtark
ſind. Da in drei Wahlgängen eine Entſcheidung nicht
herbeigeführt werden konnte und jedesmal 44 Stimmen
auf Kiene (Ztr.) und 44 auf Lieſching (Fortſchr. Volkspt.)
fielen, ſo mußte ſchließlich das Los entſcheiden, das auf
Kiene fiel, der auch im vorigen Landtage Vizepräſident
war.

Ausland.

Frankreich.
Eine neue Affäre. In parlamentariſchen Krei=
ſen
hält man es für wahrſcheinlich, daß die Angelegenheit
der Wiedereinſtellung des durch ſeine Rolle in der Drey=
fus
=Affäre bekannten Oberſtleutnants Paty de Clam in
der Kammer in Form einer Interpellation zur Sprache
gebracht werden wird. Die radikalen Deputierten äußern
ſich über die zugunſten Paty de Clams getroffene Ver=
fügung
ſehr entrüſtet und drücken ihr Befremden darüber
aus, daß dieſe gerade jetzt kurz vor der Präſidentenwahl
bekannt gegeben worden ſei. Mehrfach wurde dabei ſogar
die Vermutung ausgeſprochen, daß es ſich um einen gegen
die Kandidatur Poincarés geführten Streich handle. Der
frühere Kriegsminiſter Meſſimy läßt durch eine Havas=
note
erklären, er habe dem Oberſtleutnant Paty de Clam
an dem Tage nach dem Coup von Agadir die Zuſage er=
teilen
laſſen, ihn im Kriegsfalle zur Dienſtleiſtung zu be=
rufen
, doch habe er nach Beendigung der internationalen
Spannung es weder für politiſch noch für paſſend gehalten,
dem Anſuchen Paty de Clams Folge zu leiſten. Die radi=
kalen
Blätter erklären, wenn der Kriegsminiſter Millerand
die Abſicht gehabt habe, den Miniſterpräſidenten bei den
Republikanern zu ſchädigen, ſo hätte er nicht anders han=
deln
können, und fordern die Demiſſion Millerands.
England.
Reform des Unterrichtsweſens. Lord
Haldane machte in einer Rede in Mancheſter die Mittei=
lung
, daß die nächſten Reformpläne der Regierung eine
umfaſſende und ſyſtematiſche Reform des geſamten Unter=
richtsweſens
zum Ziele haben würden.
Belgien.
Annahme des Heeresgeſetzes. Der Aus=
ſchuß
der Kammer hat das neue Heeresgeſetz mit ſechs
Stimmen gegen eine Stimme angenommen.
Sponien.
Mauras Verſöhnung. Auf Erſuchen der
Konſervativen entſchloß ſich Maura, den Verzicht auf
ſein Deputiertenmandat und die Führung der Konſerva=
tiven
zurückzuziehen.
Portugal.
Das Programm des neuen Kabinetts.
In der im Parlament verleſenen Erklärung des neuen
Kabinetts heißt es: Die Regierung wird das Vertrauen
des Landes zu gewinnen ſuchen, indem ſie die Mitarbeit
aller auten Bürger annimmt. Sie wird den öffentlichen

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Dienſt ſanieren und die ſchwebenden Prozeſſe abſchließen.
In der äußeren Politik wird ſie der Tradition folgen, den
Richtlinien, wie ſie durch das Bündnis mit England ge=
geben
ſind, und wird die Bande der Freundſchaft zwiſchen
Portugal und Braſilien enger knüpfen. Sie wird die ſtaat=
liche
Rechnungslegung reformieren und das Gleichgewicht
des Budgets mittels neuer gerechter Steuern herſtellen.
Die Erklärung betont weiter die Notwendigkeit der Schaf=
fung
eines Unterrichtsminiſteriums, eines Wahlgeſetzes
und einer Reform der Liſſaboner Polizei. Die Regierung
werde das Sanitätsweſen verbeſſern, dem Geſetz über die
miniſterielle Verantwortlichkeit zuſtimmen, die Landes=
verteidigungspläne
vervollſtändigen und die Unter=
ſuchungshaft
bei den Militärgerichten abkürzen, das Geſetz
betr. die Kulte ſtrengſtens durchführen, jedoch in der näch=
ſten
Zeit im Parlament eine Beſprechung über die Inter=
pretation
dieſes Geſetzes herbeiführen.
Norwegen.
Der Voranſchlag des Staatsbudgets
1913/14 balanziert mit 149676300 Kronen. Das ordent=
liche
Budget, das mit 139 450000 Kronen ausgeglichen iſt,
weiſt, ohne daß neue Steuern eingeführt worden ſind.
gegen das gegenwärtige Finanzjahr eine Steigerung von
5 Millionen auf. Das Budget 1911/12 ſchloß mit einem
Ueberſchuß von 6 Millionen ab; das Budget 1912/13 wird
nach der gegenwärtigen Ueberſicht einen größeren Ueber=
ſchuß
ergeben, Das Budget 1913/14 weiſt unter den Aus=
gaben
7 Millionen für Eiſenbahnbauten und 2 Millionen
für die drahtloſe telegraphiſche Verbindung mit Amerika
auf.
China.
Ein Uebereinkommen mit England in
der Tibet=Frage. Das Reuterſche Bureau erfährt
aus Peking, es habe ganz den Anſchein, daß China ein
Uebereinkommen mit England wünſche, welches die in
bezug auf Tibet noch beſtehenden Differenzen ausgleichen
ſoll. Die Chineſen ſeien nicht der Meinung, daß die Frage
auf einem toten Punkt angelangt ſei, obwohl England
ſeine Anſicht betr. Tibets in ſeinem Memorandum vom
17. Auguſt v. J. klar abgefaßt und China in ſeiner Auttwort
der Meinung Ausdruck gegeben hat, daß ein neues Abkom=
men
nicht nötig ſei, vertreten die chineſiſchen Behörden nun
den Standpunkt, daß hierdurch die Möglichkeit nicht aus=
geſchloſſen
werde, zu England in freundſchaftliche Be=
ziehungen
zu treten, um alle früheren Mißverſtändniſſe zu
beſeitigen.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 13. Januar.
* Ordensverleihungen. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben verliehen: dem ordentlichen
Profeſſor an der Univerſität Erlangen Dr. Adolf
Schulten das Ritterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſt=
ordens
Philipps des Großmütigen, dem Lehrer Georg
Reeg zu Neu=Iſenburg, Kreis Offenbach, aus Anlaß
ſeines 50 jährigen Dienſtjubiläums das Ritterkreuz 2. Klaſſe
des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen, dem
Landwirt Samuel Bauer zu Brandau das Allgemeine
Ehrenzeichen mit der Inſchrift Für treue Dienſte und
das Ehrenzeichen für Mitglieder Freiwilliger Feuerwehren
an Johann Schader, Carl Völker, Leonhard Merk,
Sebaſtian Danz und Philipp Wolf, ſämtlich zu
Bensheim; ferner haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
dem Fabrikanten Auguſt Petri zu Offen=
bach
a. M. die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen
der ihm von Sr. Maj. dem König von Schweden ver=
liehenen
Erinnerungsmedaille an die fünfte Olympiade
zu Stockholm erteilt.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Mainz
Amtsgerichtsrat Friedrich Dähn zum Landgerichtsrat
bei dem Landgericht der Provinz Rheinheſſen; ferner
wurde ernannt der Amtsgerichtsdiener bei dem Amts=
gericht
Wöllſtein Johann Georg Kautz zum Amtsgerichts=
diener
bei dem Amtsgericht Bensheim mit Wirkung vom
Dienſtantritt ſeines Nachfolgers an.
* Konſulatsdienſt. Der zum Königlich Italieniſchen
Generalkonſul mit dem Amtsſitze in Frankfurt a. M.
ernannte Herr Luigi Teſta, dem das Reichsexequatur
erteilt wurde, iſt zur Ausübung konſulariſcher Ver=
richtungen
im Großherzogtum Heſſen zugelaſſen worden.
* Zu beſetzen iſt eine Oberlehrerſtelle an der Ober=
realſchule
am Stadthaus in Offenbach. Gefordert
wird: Lehrbefähigung und Lehrerfahrung im chemiſchen
Unterricht in den oberen Klaſſen. Meldungen ſind bei

dem Präſentator, dem Herrn Fürſten zu Iſenburg und
Büdingen in Birſtein, einzureichen.
* Der Reingewinn der Ausſtellung Der Menſch
Das Hofmarſchallamt teilt folgendes mit: Der aus der
Ausſtellung Der Menſch erzielte Reingewinn be=
läuft
ſich auf 75900 Mark nach Abzug aller Unkoſten. Die
letzteren umfaſſen außer den Koſten für Transport, Ein=
richtung
, Reinhaltung der Räume uſw., Vergütungen für
Kaſſierer, Aufſichtsperſonal, Mannſchaften der Rettungs=
wache
und Polizei. Die genannte Summe wurde am
5. ds. Mts, durch Seine Exzellenz den Wicklichen Geheime=
rat
Dr. med. Lingner Ihrer Kgl. Hoheit der Großher=
zogin
überreicht, die je die Hälfte an die Fonds für
uberkuloſe Kranke und für Sauglings=
pflege
überweiſen ließ.
Geſuche um Verleihung des Goldenen Kreuzes
zum 11. März 1913, welchen eie Beſcheinigung der zu=
tändigen
Bürgermeiſterei oder Polizeibe örde beigefügt
ſein muß, aus der hervorgeht, daß die Bedingungen für
ie Verleihung des Goldenen Kreuzes erfüllt ſind,
müſſen bis zum 15. Februar l. Js. bei dem Groß=
herzoglichen
Ober=Kammerherrn Riedeſel Freiherrn
zu Eiſenbach Exzellenz in Darmſtadt eingereicht ſein.
g. Strafkammer. Der 21jährige Schreiner Heinrich
Gebauer, der bei einer hieſigen Speditionsfirma als
Transportarbeiter tätig war, hat das in ihn geſetzte Ver=
trauen
durch einen umſangreichen Wäſchedieb=
ſtahl
aufs gröblichſte getäuſcht. Der ſchon mehrfach
wegen Diebſtahls vorbeſtrafte Angeklagte hatte den Auf=
trag
erhalten, das Lager aufzuräumen. Hierbei erbrach
Gebauer einen dort lagernden Wäſchekorb einer Char=
lottenburger
Dame und eignete ſich die darin enthaltene
Wäſche im Werte von über 1000 Mark an. Die Wäſche
ließ er dann von verſchiedenen Dienſtmännern verſetzen,
um nicht Verdacht zu erregen. Der Angeklagte gibt an,
er habe nur einen Teil der Wäſche dem Korbe entnom=
men
, auch ſei er zu dem Diebſtahl durch einen 16jährigen
Lehrling verführt worden. Dieſer beſtätigt aber ledig=
lich
, daß er von dem Diebſtahl Kenntnis hatte, aber in
keiner Weiſe dabei mitgewirkt habe oder gar den Gebauer
dazu angeſtiftet habe. Das Gericht verurteilt den An=
geklagten
unter Einbeziehung einer zurzeit von G. zu
verbüßenden Gefängnisſtrafe von 1 Jahr 6 Monaten zu
2 Jahren 6 Monaten Gefängnis. Der bei
einer hieſigen großen Kolonialwarenfirma beſchäftigte
Hausburſche Heinrich Moſel aus Schönberg hat ſeine
Firma durch fortgeſetzte Diebſtähle von Nahrungsmitteln
um mehr als 1000 Mark geſchädiat. Der Angeklagte war
gegen 24 Mark Wochenlohn beſchäftigt, außerdem wur=
den
ihm 5 Prozent für die aus dem Geſchäft entnomme=
nen
Waren für den Haushalt bewilligt. Bei vorgenom=
menen
Inventuren wurden größere Fehlbeträge entdeckt.
Da Moſel ſchon längere Zeit auffallend wenig Waren
gekauft hatte, wurden bei ihm größere Warenmengen
vorgefunden. Er wurde vom Schöffengericht zu 2 Mo=
naten
Gefängnis verurteilt. Die eingelegte Be=
rufung
wurde von ihm zurückgenommen, nach=
dem
er erkannt hatte, daß ein Erfolg nicht zu erwar=
ten
war.
Wegen einer Uebertretung nach § 6 Abſ. 1 des
Preßgeſetzes waren zwei Leiter einer hieſigen
G. m. b. H. (Kunſtanſtalt) vom Schöffengericht zu je
20 Mark Geldſtrafe verurteilt worden. Gegen dieſe
Verurteilung verfolgten die Verurteilten Berufung,
die am Samstag vor der Strafkammer zur Verhandlung
kam. Die Firma gab im Juni oder Juli 1912 anläßlich
des Schützenfeſtes in Frankfurt a. M. eine Witzpoſt=
karte
heraus, die, wie es § 6 Abſ. 1 vorſchreibt, einen
Vermerk über Drucker und Verleger nicht
enthielt. Die erſte Inſtanz war übereinſtimmend
mit Erkenntniſſen des höchſten Gerichts der Anſicht, daß
es ſich bei dieſer Karte nicht lediglich um eine Druckſache
handelt, die zum Zwecke des Verkehrs, des häuslichen
oder geſelligen Lebens dient. wie es im Abſatz 2 des §
heißt. nach dem die Druckſachen in dieſem Falle von der
Vorſchrift der Angabe des Druckers und Verlegers aus=
genommen
ſind, ſondern um eine Druckſache die zweifel=
los
einen gedanklichen Inhalt hat. Als unſittlich ſei der
Inhalt nicht angeſehen worden, wohl aber könne er als
unanſtändig bezeichnet werden. Deshalb werden die Kar=
ten
auch nicht ausſchließlich zum Zwecke des Verkehrs
gekauft worden ſein. Der Vertreter der beiden Verur=
eilten
beſtritt, daß in dieſem Falle der Abſatz 1 des § 6
in Anwendung zu bringen ſei. Weiter ſei auch der kauf=
männiſche
Leiter, der ſich nicht um die Drucklequna küm=
mert
, freizuſprechen. Die Strafkammer ſchloß ſich dem
Urteil der erſten Inſtanz vollſtändig an und verwarf
die Berufung.
H. K. Steuer=Erklärungen und=Reklamationen. In
den Landtagsverhandlungen des letzten Frühjahrs war
die Frage aufgeworfen worden, ob es nicht möglich ſei
bei den Großh. Finanzämtern geeignete Perſonen zu be=
ſtimmen
, die den Intereſſenten Steuererklärungen
anfertigen könnten. Die Handwerkskammer zu
Darmſtadt hat dieſe Angelegenheit aufgegriffen und
wird den Handwerk= und Gewerbetreibenden im Bedarfs=
falle
bei Aufſtellung von Steuererklärungen, ſowie bei
Fertigung von Steuerreklamationen behilflich ſein. Be=

ſonders für das kommende Steuerjahr, für welches das
neue Gemeindeumlagegeſetz mit der komplizierten Ge=
werbeſteuer
erſtmalig zur Anwendung kommt, darf die=
neue
Einrichtung fur Handwerker größte Beachtung be=
anſpruchen
und ſind alle Intereſſenten eingeladen, die
Dienſte der Kammer in dieſer Beziehung in Anſpruch zu
nehmen. Bei Auftragserteilung müſſen Steuerdekla=
rationsformulare
, ſowie die nötigen Unterlagen
auf dem Bureau der Kammer vorgelegt werden, und er=
folgt
an Hand der letzteren Ausfüllung der Formulare
von ſachverſtändiger Seite oder die Anfertigung der Re=
klamationsſchreiben
. Dieſe Schriftſtücke hat der Auftrag=
geber
zu unterzeichnen und übernimmt hierdurch die Ver=
antwortung
für die Richtigkeit der gemachten Angaben
und vorgelegten Unterlagen, welche die Kammer ſelbſt=
redend
nicht nachprüfen kann. Die Kammer verpflichtet
ſich nur, die erhaltenen Angaben und Unterlagen durch
ordnungsmäßigen Eintrag in die Formulare unter Be=
achtung
der ſteuergeſetzlichen Beſtimmungen zu verwerten,
ſowie die Reklamationsſchreiben zweckentſprechend abzu=
faſſen
. Die bei Bearbeitung der Anträge zur Kenntnis
der Kammer kommenden Verhältniſſe der Auftraggeber
werden ſtreng geheim gehalten. Für die Bemühungen der
Kammer wird eine mäßige Gebühr von dem Auftraggeber
erhoben.
* Praktiſche Meiſterkurſe Der dreiwöchige Meiſter=
kurſus
im Holz= und Marmormalen unter An=
leitung
des Hofzimmermalers Otto Stier hat am
6. Januar mit 11 Teilnehmern ſeinen An=
Der dreiwöchige Meiſter=
ang
genommen.
kurſus für Schneider im Grundmodellzeichnen und
Zuſchneiden in Darmſtadt, in dem Herr Obermeiſter
Siemenſen unterrichtet, beginnt ebenſo wie der
zweiwöchige Meiſterkurſus für Sattler in der
Herſtellung von Kummeten in Groß=Felda unter
Leitung des Sattlermeiſters Völzing am 20. ds.
Mts. Ein Dekorationsmalerkurſus in
moderner Handwerkskunſt in Darmſtadt unter Leitung des
Malermeiſters Nover wird vom 3. bis 22. Februar ab=
zuhalten
beabſichtigt. Kurſe im Auffärben von Hölzern
und im Beizen von Furnieren in Darmſtadt, an denen
ebenſowohl Schreiner und Glaſer. als auch
Lackierer und Weißbinder teilnehmen können,
werden von Großh. chemiſcher Prüfungsſtation für die
Gewerbe für erſtere in der Zeit vom 10. bis 22. Februar,
für letztere vom 10. bis 19. Februar I. J. abgehalten.
Schließlich iſt auch noch ein Kurkus in ſtatiſchen Be=
rechnungen
von Baukonſtruktionen für Bauhandwer=
ker
und Techniker zu nennen, der unter Leitung des
Herrn Ingenieurs Ackermann im Monat Februar in
Ausſicht genommen iſt. Anmeldungen zu dieſen
demnächſt beginnenden Kurſen ſind an Großh. Zentral=
telle
für die Gewerbe in Darmſtadt zu richten, welche zu
näherer Auskunft gerne bereit iſt.
* Verhand evangeliſch=kirchlicher Frauenvereine
im Großherzogtum Heſſen. Die zweite Fr uen=
konferenz
des Verbandes in dieſem Winter findet am
Donnerstag, den 16. Januar, im Gemeindehauſe der
Martinsgemeinde ſtatt. In ihr wird Frl. W. Schubert,
Hilfsarbeiterin bei der Großh. Zentrale für Mutter= und
Säuglingsfürſorge in Heſſen, über: Die Mitarbeit der
Frau in der Säuglingsfürſorge ſprechen. Ihr ſteht eine
große Erfahrung auf dieſem Gebiete zur Seite. Sie hat
bei uns in Heſſen die meiſten Stationen eingerichtet.
Wie wichtig dieſer Gegenſtand iſt, darüber bedarf es
keiner weiteren Ausführungen. In der Sache ſelbſt iſt
es zugleich begründet, daß alle ſtaatliche und kommunale
Fürſorgearbeit auf dieſem Gebiet nur dann erfolgreich
ſein kann, wenn die Frauen ſich an ihr beteiligen. Auf
der Konferenz iſt Gelegenheit zu einer eingehenden Aus=
ſprache
geboten.
Verein für Verbreitung von Volksbildung.
Der zweite kulturgeſchichtliche Vortrag von Profeſſor
Dr. A. E. Berger findet am Montag, den 13 Januar,
abends 8¼ Uhr, ſtatt. Die verehrlichen Teilnehmer
werden um pünktliches Erſcheinen gebeten.
Das Kinderleſezimmer der Jugendgruppe des
Allgemeinen Deutſchen Frauenvereins (Ortsgruppe Darm=
adt
), das ſeit ſeiner Eröffnung im Oktober v. Js.
außerordentlich ſtark beſucht wurde (durchſchnittlich
120 Kinder und mehr an einem Nachmittag), iſt vom
Schulbaus hinter der Stadtkirche in das Schulhaus auf
dem Ballonplatz verlegt worden. Geöffnet iſt das
Kinderleſezimmer jeden Mittwoch und Samstag= Nach=
mittag
von 36 Uhr. Es ſei wiederholt darauf hinge=
wieſen
, daß Bücher= und Geldſpenden für das wohl=
tätige
Unternehmen mit großem Dank entgegengenommen
werden.
* Aufführung: Vor hundert Jahren. Zu der
zweiten Aufführung, die am Donnerstag, den
16. Januar, abends 8 Uhr, im Mathildenhöhſaal ſtatt=
findet
, werden auch Karten zu 50 Pfg. ausgegeben. Sie
ſind zu haben bei Kaufmann Warnecke (Rheinſtraße 1).
Da zu erwarten iſt, daß von dieſen Karten, namentlich
auch von Schülern, ausgiebig Gebrauch gemacht wird,
in es ratſam, bei Zeit für eine Karte zu ſorgen.
* Fremdſprachliche Vorträge. Die franzöſiſche
Malerei ſeit 1789 wird das Thema des Licht=
bildervortrags
bilden, den Herr Thuillier aus

Aus den Erinnerungen einer
Hofdame der Kaiſerin Friedrich.

* Die greiſe Lady Paget geborene Komteſſe
Walburga Hohenthal, die bei der Verlobung des Prinzen
Friedrich Wilhelm von Preußen, des ſpäteren Kaiſer
Friedrich, zur Hofdame der Prinzeſſin Viktoria ernannt
wurde, veröffentlicht jetzt in London einen intereſſanten
Band Lebenserinnerungen, die einen feſſelnden Einblick in
das höfiſche Leben des Deutſchlands der 50er und 60er
Jahre gewähren.
Die früheſten Mädchenjahre der Komteſſe Hohenthal
führen uns an den Weimariſchen Hof der 50er Jahre. Im
Schloſſe Wilhelmsthal, der Sommerreſidenz des Groß=
herzoglichen
Paares, tritt die Welt zuerſt in das Daſein
des jungen Mädchens. Großherzogin Sophie überträgt
ihre Freundſchaft für die Mutter auf die Tochter, und hier
am Weimariſchen Hofe lernt die Komteſſe im täglichen
zwangloſen Beiſammenſein die Künſtler und Gelehrten
des großherzoglichen Kreiſes kennen. Regelmäßig kommt
Liſzt nach Wilhelmsthal; aber keine Macht der Welt kann
ihn in dieſen Feiertagen bewegen, eine Taſte anzurühren.
Er war damals noch nicht Abbé, doch ſchon der faszinie=
rende
Geſellſchafter und der geiſtreiche Plauderer. Statt
zu ſpielen, pflegte er der Großherzogin, wenn ich mit ihr
abends im Zimmer ſaß, vorzuleſen, wobei er in einem
wahnſinnigen Tempo über die Zeilen hingaloppierte.
Mit Vorliebe las Liſzt Stellen aus Saint Beuves Cau=
ſeries
du Lundi Dieſe Stunden waren bezaubernd
denn die Großherzogin und Liſzt disputierten dann leb=
he
über alle in den Vorleſungen auftauchenden Pro=

bleme‟ Liſzt erſchien unweigerlich mit zitronengelben
Glacéhandſchuhen, einem Gehrock und einem hohen Hute
Aber die merkwürdigſte Figur des Kreiſes war doch An=
derſen
, der Märchendichter. Er amüſierte uns köſtlich
durch ſein komiſches Deutſch und ſeine grenzenloſe Eitel=
keit
. Er war ſehr groß, lang, aber ſozuſagen ſchlecht zu=
ſammengeſetzt
. Sein Körper ſchien faſt wie eine Folge
von Seilen und Knoten aber er war voll Geiſt und
Feuer und die kleinſten Anläſſe boten ihm Stoff zu einem
Märchen. Auch Schwind, der damals an den Wartburg=
resken
arbeitete, war häufiger Gaſt. Die Großherzogin
iſt der geiſtige Mittelpunkt dieſes Kreiſes; und doch zu=
gleich
eine höchſt praktiſche Natur, was damals am Wei=
mariſchen
Hofe not tat. Sie erzählte mir, daß bei dem
Regierungsantritt ihres Gatten die verſchiedenen Schlöſ=
ſer
in ihrem Möblement die einfachſten Notwendigkeiten
vermiſſen ließen, wiewohl die Wände mit den koſtbarſten
Seidentapeten und Sammetſtoffen bekleidet waren. So
kamen denn Großherzog und Großherzogin überein, ein=
nder
gegenſeitig nur praktiſche Dinge zu ſchenken. Und
ſtreng wird dieſer Vertrag innegehalten: Jahrelang
ſtifteten ſie ſich gegenſeitig zu Weihnachten und zu den Ge=
burtstagen
ganze Dutzende von Betten und anderen
Möbelgegenſtänden.
Die große Zeit der Komteſſe beginnt freilich erſt,
als ſie zur preußiſchen Hofdame ernannt wird und mit
der Gräfin Perponcher nach England reiſt, um der Trau=
ung
im Windforſchloſſe beizuwohnen und die junge Prin=
zeſſin
in ihre neue Heimat zu geleiten. Die Vermählungs=
eier
zieht in einem Rauſche höfiſcher Feſte vorüber; aber
die Reiſe nach Deutſchland bringt dann allerhand kleine
Abenteuer. In Hannover kommt es bei einem großen
Hofbankett ſogar zu einem kleinen Mißklange. Der

Empfang war prächtig, aber die lange Tafel ächzte unter
dem Gewicht jenes berühmten großen goldenen Ser=
vices
das ſo lange der Gegenſtand eines hitzigen Rechts=
ſtreites
zwiſchen der Königin Viktoria und dem König
von Hannover geweſen war. Die engliſchen Gerichte hat=
ten
das Goldſervice dem hannoverſchen Könige zugeſpro=
chen
; und das Streitobjekt iſt das erſte, was die Tochter zu
ſehen bekommt. Die Prinzeſſin erkennt es ſofort und
war ſehr verletzt, aber ſie blieb wie auf der ganzen Reiſe
freundlich, lieb und gütig. Moltke, der im Gefolge des=
Bräutigams an der Reiſe teilnahm, muß eine erfolgreiche
Belagerung durch die Damen erdulden. Die fröhliche
kleine Komteſſe. Enkelin Gneiſenaus, überfällt den Schlach=
tenlenker
mit luſtigen Fragen und übermütigen Neckereien
denn damals ahnte man noch nicht, welch große Gedan=
ken
den ſchweigſamen Mann erfüllten. So läßt ſie nicht
locker. Er mochte daran nicht gewöhnt ſein; aber viel=
eicht
gerade darum wurden ſie ſchließlich die beſten
Freunde. Die Krieger haben überhaupt auf dieſer Hoch=
zeitsreiſe
manches zu erdulden. Der alte Wrangel muß
durch die Bosheit des Schickſals ſogar die Rolle eines
unfreiwilligen Komikers übernehmen. Kurz vor der An=
kunft
in Potsdam beſtieg der alte Feldmarſchall den Zug,
um das hohe Paar zu begrüßen. Nachdem er das getan
hatte, wurde er aufgefordert, Platz zu nehmen; und mit
einem energiſchen Plumps ſetzte er ſich mitten in eine
eckere Apfeltorte, die man der Prinzeſſin in Wittenberg
überreicht, und die die Prinzeſſin neben ſich auf den Sitz=
gelegt
hatte. Nun hing die leckere Torte hartnäckig an
ihrem neuen Platze, und vor Lachen faſt ſchreiend mühte
ſich die Prinzeſſin ab, mit Hilfe von Taſchentüchern und
Servietten den alten Helden zu befreien.

[ ][  ][ ]

Paris am Mittwoch in der Liebigs=Oberrealſchule halten
wird. Auf Boucher und Watteau mit ihren tändelnden
Schäferſzenen folgt als Begründer der neueren franzöſi=
ſchen
Malerſchule David, deſſen bedeutendere Schüler
Gerard und Gros ſind. Das romantiſche Element führen
in die Malerei Géricault und Delacroir ein. Einen Höhe=
punkt
erreicht die franzöſiſche Malerei mit Millet, Corot
und Courbet. Neben Meiſſonnier u. a. wird der Redner
raauch die Karikaturiſten Daumier und Gavarni den Hörern
nahebringen. Da die 60 ausgewählten Lichtbilder einen
guten Ueberblick über die franzöſiſche Malerei im 19.
JJahrhundert gewähren, und in den Vorträgen des Herrn
Thuillier große Klarheit mit zierlicher Eleganz ſich paart,
können wir den Beſuch nur warm empfehlen. (S. Anz.)
Lichtbilderabend des Jungliberalen Vereins. Der
Lichtbildervortrag, den der Jungliberale Verein am kom=
menden
Dienstag im Fürſtenſaal Grafenſtraße, ver=
anſtaltet
, führt zunächſt nach der mächtigen Handelsſtadt
Hamburg. Während dort die Zuhörer von Deutſchlands
blühendem Handel zur See einen Begriff bekommen, ler=
nen
ſie hierauf in der Kieler Bucht unſere Kriegsflotte
kennen, die unſeren Handel ſchützt. Vertreter aller Schiffs=
typen
, vom ſtolzen Linienſchiff bis zum kleinen Torpedo=
und Unterſeeboot, werden an ihrem Auge vorüberziehen
Den intereſſanteſten Teil des Vortrags bildet aber un=
ſtreitig
eine Fahrt in die grüne Nordſee nach dem meer=
umbrauſten
Felſeneiland Helgoland. Da ungefähr 100
Lichtbilder in großem Format die Ausführungen des
Redners unterſtützen, ſteht den Beſuchern dieſes Vortrags
ein äußerſt genußreicher Abend bevor. Es ſei ſchließlich
noch beſonders betont, daß jedermann zu dem Vor=
trage
vollſtändig freien Zutritt hat. Auch Damen ſind
herzlich willkommen.
Das 1. Weſtfäliſche Pionier=Bataillon Nr. 7 in
Köln=Riehl, früher in Deutz, begeht im Monat März des
Jahres 1916 das Feſt ſeines 100jährigen Beſtehens. Vie=
len
Angehörigen dieſes Bataillons, die im Jahre 1887 die
75jährige Feier mitbegangen haben, diene zur Aufklärung,
daß das Jahr 1916 durch Kaiſerliche Kabinettsorder feſt=
geſetzt
worden iſt, ſonſt hätte ja die hundertjährige Feier
bereits in dieſem Jahre ſtattfinden müſſen. Um die Be=
anntgabe
dieſes Feſtes in möglichſt weite Kreiſe zu brin
gen, hat ſich ein Arbeitsausſchuß gebildet, der die nötigen
Vorarbeiten hierzu in die Hände genommen hat. Zu die=
em
Zwecke hat bereits am 3. November 1912 in Duisburg
ine Delegiertenverſammlung getagt. zu der etwa 30 Dele=
tierte
von den Pionier=Vereinen Rheinlands und Weſt=
alens
erſchienen waren. In dieſer Verſammlung wurde
beſchloſſen, daß außer einer zahlreichen Beteiligung an
dem Feſte ein Fonds angeſammelt und dem Bataillon am
Feſttage übergeben werden ſoll, deſſen Zinſen zur Bei=
hilfe
für bedürftige Mannſchaften und Unteroffiziere Ver=
wendung
finden ſollen. Zur Sammlung dieſes Fonds
oll von jedem Kameraden in den nächſten vier Jahren ein
Betrag von 1 Mark im Jahr erhoben werden. Es wird
erner gebeten, daß ſich an allen Orten die ehemaligen
7. Pioniere zur Erreichung dieſes Zieles zuſammentun
und in eine eifrige Agitation eintreten. Die erſte Abliefe=
rung
von Beiträgen würde zum 1. Juli 1913 zu erfolgen
haben. Die eingegſngenen Beiträge werden auf ein
geſperrtes Sparkaſſenbuch der Sparkaſſe der Stadt Köln
verzinslich angelegt. Alle näheren Anfragen beliebe man
in den ehemaligen Feldwebel des Bataillons, Werft=
meiſter
A. Meinecke in Köln, Holzmarkt 37, zu richten.
* Züchtererfolge. Herr Peter Dietz II. zu Wix=
hauſen
, Mitglied des Vereins für Geflügel= und Vogel=
zucht
Ornis‟ Darmſtadt, erhielt auf der Allgemeinen
Süddeutſchen Ausſtellung zu Heilbronn auf ſeine dort
ausgeſtellten Tiere die Silberne Medaille des Deutſchen
Raſſegeflügelzüchter=Klubs, einen Ehrenpreis, zwei 1.,
einen 2. und zwei 3. Preiſe. Ein ganz bedeutender Zucht=
erfolg
.
A Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Butter ½ Ka. 1,50 M., in Par=
tien
1.40 M., Eier 910 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 22 bis
25 Pf., Handkäſe 410 Pf., Kartoffeln Zentner 2.25
bis 2.50 M., Kumpf (10 Liter) 3040 Pf ½ Kg. 34 Pf.,
Mäuschen Kumpf 1 M., ½ Kg. 89 Pf.; Obſt u. dgl.:
Aepfel, Birnen ½ Kg. 515 Pf., Kaſtanien ½ Kg. 16
bis 18 Pf., Zitronen 56 Pf., Apfelſinen 410 Pf.;
Salat, Gemüſe: Kopfſalat 15 Pf. Endivien 610 Pf.,
Körbchen Feldſalat 1015 Pf., Rettiche 510 Pf., Meer=

rettich 1030 Pf., Roterüben ½ Kg. 810 Pf., Zwiebeln
½ Kg. 58 Pf., Tomaten ½ Kg. 60 Pf., Spinat ½ Kg.
25 Pf., Weißkraut 520 Pf., Rotkraut 1030 Pf., Blu=
menkohl
2550 Pf., Wirſing 510 Pf., Grünkohl 3 bis
6 Pf., Roſenkohl ½ Kg. 25 Pf., Gelberüben ½ Kg. 56 Pf.,
Schwarzwurz ½ Kg. 2530 Pf.; Geflügel, Wild:
Gänſe ½ Kg. 90 Pf., Enten 34 M., Hahnen und Hühner
1,502,00 M., Tauben 6070 Pf., Haſen 3,804,50 M.,
Lapins 1,20 M.; Fiſche ½ Kg.: Hecht, Karpfen 90 Pf.,
Aal 1 M., andere Rheinfiſche 3550 Pf., Rotzungen 60 Pf.,
Schollen 40 Pf., Kabeljau 29 Pf., Schellfiſche 28 Pf., See=
lachs
26 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch,
70 82 Pf., Hackfleiſch 7682 Pf., Rindsfett 70 Pf., Rinds=
würſtchen
(Stück) 15 Pf., Schweinefleiſch 96 Pf., geſa zenes
und Koteletts 1,06 M., Schwartenmagen u. Fleiſchwurſt
90 Pf., Leber= und Blutwurſt 76 Pf.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer Expe=
dition
(Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende Bil=
der
neu ausgeſtellt: Gottlieb v. Jagow, der neue Staats=
ſekretär
des Auswärtigen Amts; zur Heimkehr der Filch=
nerſchen
Südpolar=Expedition; die Teilnehmer der ge
fährdeten deutſchen Spitzbergen=Expedition Schröder=
Stranz; Leiden der ſerbiſchen Okkupationstruppen in
Albanien.
Unfall. Samstag vormittag zwiſchen 9 und
10 Uhr iſt ein Soldat des Infanterie=Regiments Nr. 115
in der Luiſenſtraße in der Nähe des Luiſenplatzes an
einem Fuhrwerk vorbeigegangen. Hierbei kam er zu
Fall und iſt ihm das Hinterrad des Wagens über den
einen Fuß gegangen. Der Soldat wurde mittelſt einer
Autodroſchke in das Garniſonlazarett verbracht, woſelbſt
er Aufnahme fand.
§ Feſtgenommen wurden: ein Zigarrenhändler von
hier wegen Kuppelei und Zuhälterei und ein 19 Jahre
alter Taglöhner aus Soſſenheim, welcher von Soſſen=
heim
aus wegen Diebſtahl ſteckbrieflich verfolgt wird.
Brand. Samstag nacht kurz nach 4 Uhr iſt im
Hauſe Ludwigshöhſtraße 10 ein Zimmerbrand ent=
ſtanden
, wobei eine Bettmatratze, ſowie ein Schrank an=
gebrannt
ſind. Durch die herbeigerufene Feuerwehr=
wache
wurde der Brand alsbald gelöſcht.

* Nieder=Ramſtadt=Traiſa, 11. Jan. An Stelle des
ſeitherigen, verdienſtvollen erſten Vorſitzenden des Ver=
eins
Gartenſtadt Nieder=Ramſtadt=Traiſa, Herrn H. Schä=
fer
, der aus Geſundheitsrückſichten von der Leitung zurück=
tritt
, wurde Herr Dr! Ganß, Nieder=Ramſtadt, als erſter
Vorſitzender des genannten Vereins gewählt.
Jugenheim, 11. Jan. Der Gemeinderat be=
chloß
in einer Sitzung, der auch Direktor Möller= Darm=
ſtadt
beiwohnte, einſtimmig, den gemäß der Vertreter=
Verſammlung vom 8. Oktober v. J. in Darmſtadt abgeän=
derten
Vorſchlägen der Heag, betreffend elek=
triſche
Bahn, mit geringen Aenderungen zuzuſtim=
men
. Die Linienführung der Bahn, ſoweit die Gemark=
ung
in Frage kommt, wird in einer ſpäteren Sitzung feſt=
geſetzt
werden.
Bensheim, 11. Jan. Die Einführung und
Verpflichtung unſeres neugewählten Bürger=
meiſters
, Regierungsrat Dr. Löslein, wird in der
am 15. Januar, nachmittags um 5 Uhr, ſtattfindenden
öffentlichen Sitzung der Stadtverordneten=Verſammlung
durch Kreisrat Eckſtein erfolgen.
Brensbach, 11. Jan. Der Steinhauer Martin
Schnellbächer wurde verſchüttet und iſt nachmittags
infolge der erhaltenen Verletzungen geſtorben.
Heuſenſtamm, 11. Jan. Auf der Kreisſtraße Offenbach
hierher befindet ſich in der Nähe des ſogen. Altfrankfurter
Wegs eine S=Kurve, die dem dort herrſchenden ſtar=
ken
Verkehr der Fuhrwerke, Autos uſw. ſehr hinderlich
iſt. Dieſe Kurve wird demnächſt in Wegfall
kommen und eine gradlinige Strecke hergerichtet wer=
den
durch Abholzung einer größeren Fläche Waldgebie=
Die
tes, das Eigentum des Gräflichen Rentamtes iſt.
Straße wird ſodann in der Nähe des ſogen. alten Linden=
baums
enden.
Worms, 11. Jan. Heute nacht um 2 Uhr wurde im
hieſigen Bahnhof der 20jährige Rangierer Adam
Müller aus Alsheim von einem Zuge über=
fahren
. Es wurden ihm beide Beine abgefahren. Auf

dem Transport nach dem Krankenhauſe erlag der be=
dauernswerte
junge Mann ſeinen ſchweren Verletzungen.
Nieder=Saulheim, 11. Jan. Ein ſchwerer Un=
glücksfall
ereignete ſich geſtern nachmittag in der
Dorfmühle. Der neue Beſitzer der Mühle, Schreiner
Gabriel Schuhmacher, hatte ſich nebſt vielen anderen
baulichen Veränderungen an dem Mühlenrad eine Vor=
richtung
verfertigen laſſen, die zugleich mit dem Werk der
Mühle auch einen mächtigen Schleifſtein in Bewegung
ſetzte, den Schuhmacher zum Schleifen von Arbeitsgeſchirr
benutzte. Sein 14jähriger Sohn Karl wollte heute einen
Hobel ſchleifen; dabei erfaßte ihn das Schwungrad der
Mühle an den Kleidern und ſchleuderte ihn in
das Werk. Auf den entſetzlichen Schmerzensſchrei des
Knaben brachte man die Mühle ſofort zum Stillſtand. Die
vorläufige ärztliche Unterſuchung ſtellte feſt, daß beide
Arme und Beine gebrochen ſind. Gegen die
zum zweiten Male mit demſelben Ergebnis vorgenom=
mene
Bürgermeiſter wahl iſt wieder Einſpruch
erhoben worden, deren Folge eine durch das Kreisamt
Oppenheim geſtern abgehaltene Wahlprüfung war.
Flomborn, 11. Jan. Als Urheber des Bran=
des
der Scheune von Landwirt Baier, von dem wir
berichtet, wurde der Dienſtknecht Johannes Merkel aus
Pfungſtadt, der hier in Dienſt ſtand, ermittelt
und in Haft genommen. Er hat die Straftat bei ſeiner
Vernehmung ſofort eingeſtanden ohne jedoch über
die Veranlaſſung zur Tat weitere Angaben zu machen.
Gießen, 11. Jan. Die 50jährige Wieder=
kehr
ſeines Eintritts in die Armee
feierte heute Generalleutnant v. Madai. Bis zum
Jahre 1867 ſtand er beim 3. Poſenſchen Infanterie= Regi=
ment
Nr. 58. Am 25. September 1867 wurde er zum
Anhaltiſchen Infanterie=Regiment Nr. 93 verſetzt, machte
in ihm den Feldzug 1870/1871 mit und erwarb ſich das
Eiſerne Kreuz. Am 19. Auguſt 1871 wurde Herr v. Madai
zum Premierleutnant befördert; bis 1876 verſah er die
Stellung als Adjutant der 8. Infanterie=Brigade. Dem
Grenadier=Regiment Nr. 4 gehörte er als überzähliger
Hauptmann bis zum 30. April 1877 an und wurde als
Kompagniechef in das Infanterie=Regiment Graf Tauen=
zien
Nr. 20 verſetzt. Als Bataillonskommandeur ſtand
er von 1889 bis 1898 bei dem Gr. Mecklenb. Grenadier=
Regiment Nr. 89 und wurde dann unter Beförderung zum
Oberſtleutnant wiederum in das Anh. Infanterie= Regi=
dent
Nr. 93 verſetzt. Am 19. April 1896 wurde er unter
Beförderung zum Oberſten zum Kommandeur des Infan=
terie
=Regiments Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116
ernannt. Vom 18. April 1899 bis 15. November 1901
war er Kommandeur der 79. Infanterie=Brigade und
wurde an dieſem Tage unter Verleihung des Charakters
als Generalleutnant zur Dispoſition geſtellt. Als geſtern
abend am Schalter der Stadtpoſt ein zwölfjähriger
Junge Geld zum Einzahlen aufgezählt hatte, trat ein
Unbekannter an ihn heran und fraate, ob er ihm nicht
einen Fünfzigmarkſchein gegen eine Fünfzigmarkrolle um=
kauſchen
wolle, er benötige den Schein zur Verſendung in
einem Briefe. Der Junge überließ ihm den Fünfzigmark=
ſchein
, und der Fremde verſchwand. Der Schal=
terbeamte
entdeckte, daß die dem Jungen übergebene Rolle
nicht echt war, und ein zufällig auf dem Poſtamt an=
weſender
Gendarm zerſchnitt ſie. Die Rolle enthielt ein
Stearinlicht mit einigen Eiſenringen, die der Rolle die
nötige Schwere gegeben. Dem Gendarmen, dem der Täter
dem Ausſehen nach bekannt war und dem deſſen plötzliches
Verſchwinden auffiel, gelang es, den Täter in der Perſon
des ſtellenloſen Kaufmanns Heinrich Reinhardt zu er=
mitteln
. Der Mann hatte den Schein gewechſelt und
0 Mk. davon verausgabt.
Schlitz, 11. Jan. Einen dreiſten Diebſtahl ließ
ſich dieſer Tage hier ein Italiener zuſchulden kommen.
Er betrat mit Frau und einem Kind den Laden des
Bäckers Kalmbach, um einen Laib Brot zu kaufen. Zu=
fällig
war nur das Dienſtmädchen des Bäckers anweſend.
Es verließ nur auf einen Augenblick den Laden, um ein
größeres Geldſtück zu wechſeln, womit der Käufer bezah=
len
wollte. Ihre kurze Abweſenheit genügte aber dem
Italiener, um die Tageskaſſe des Bäckers völlig
auszuplündern. Es gelang dem raſch herbeigeru=
fenen
Bäcker zuſammen mit dem Wachtmeiſter Hauſt, den

Feuilleton.

* Telephoniſche Zeitung in Berlin. Berlin ſoll dem=
nächſt
eine telephoniſche Zeitung erhalten. Der Berliner
Magiſtrat ſtimmte in ſeiner Sitzung am Freitag dem ihm
unterbreiteten Vertrag in bezug auf Ueberſpannung der
Straßen zum Zwecke ſeparater Telephonleitungen für da=
Unternehmen im Prinzip zu. Es handelt ſich um einen
telephoniſchen Nachrichtendienſt in Verbindung mit der
direkten Uebermittelung von Opern= und Theater= Auf=
führungen
, Konzerten und Vorträgen. Das Reichspoſt=
amt
hat als Inhaber des Telephonmonopols bereits im
Mai vorigen Jahres ſeine Zuſtimmung zu dem Projekt
gegeben. Gleich dem Magiſtrat wird ſich auch die Stadt=
verordneten
=Verſammlung mit der Angelegenheit zu be=
ſchäftigen
haben. In New=York ſollte nach einer frü=
heren
Meldung eine derartige Einrichtung bereits ins
Leben gerufen ſein. Man wird alſo in Zukunft etwa die
Tannhäuſer=Aufführung im Opernhauſe im
eigenen Heim, im Klubſeſſel liegend. anhören können.
Fallieres Abſchiedsgeſchenk. Mit leiſer Melan=
cholie
mag Präſident Fallieres der nahen Zeit gedenken,
da er, ſeiner Präſidentenwürde entkleidet, wieder in das
Meer der ſchlichten Bürgerlichkeit zurückſinkt. Schon be=
ſchäftigt
ſich ſein Sinn mit dem Abſchiedsgeſchenk, das er
altem Brauche getreu, beim Ablauf ſeiner Amts=
zeit
ſeinen Miniſtern zum Andenken überreichen
muß. Frühere Präſidenten, machten ſich das
leicht und begnügten ſich damit, allen Mit=
gliedern
des amtierenden Kabinetts ihr Konterfei in Form
einer Photographie zu übergeben. Falliéres aber will
ſich damit nicht begnügen, er will ein dauerhafteres An=
denken
hinterlaſſen. Von einem Landsmann dem Bild=
hauer
Carrés, hat er jetzt ſeine Büſte modellieren laſſen,
und in den nächſten Tagen wird das fertige Kunſtwerk in
die ſtaatliche Porzellanmanufaktur von Sévres gehen, um
hier als Modell zu einer Reihe von Porzellanbüſten zu
dienen. Jeder Miniſter wird dann bei dem Rücktritt
Falliéres von dem ſcheidenden Präſidenten eine dieſer
Porzellanbüſten zum bleibenden, wenn auch gebrechlichen
Angedenken erhalten. Der Bildhauer verrät, daß Fal=
liéres
ein ideales Modell ſei und die Anſtrengung der
Sitzungen mit einer wahrhaft engelsgleichen Geduld auf
ich genommen habe.
* Die Freigebigkeit einer Königin. Was muß eine
Lönigin tun, wenn ſie das Mißgeſchick hat, bei einem
düplometiſchen Empfang ihre Perlenkette zu verlieren?

Für dieſen im höfiſchen Zeremoniell nicht vorgeſehenen
Fall hat die Königin=Mutter Margherita von Ita=
lien
jüngſt eine artige Löſung gefunden. Bei der Vor=
ſtellung
eines Mitgliedes der hohen Diplomatie zerriß der
koſtbare Perlenſchmuck der Königin und die einzelnen Per=
len
rollten klingend in den Saal. Sogleich machten ſich
alle Anweſenden, der Etikette zum Trotz, auf die Jagd
nach den Perlen, und die meiſten waren ſo glücklich, eine
oder zwei aufzuheben, um ſie der Königin zu überreichen.
O, meine Herren, ſoll da die Königin mit ihrem ge=
winnendſten
Lächeln erklärt haben, bemühen Sie ſich
nicht, es iſt nicht der Mühe wert! Betrachten Sie die
Dinger als Andenken! Und ſo kommt es, daß die Ge=
mahlin
des Botſchaftsrates K. ein Paar neuer Perlen=
ohrringe
erhielt und der Legationsſekretär Y. jetzt mit
einer rieſigen Perle in der Krawatte erſcheint. Die
Codices der Erziehung an Fürſtenhöfen aber müſſen ſich
einen neuen Paragraphen zulegen: Es ſchickt ſich nicht,
die Perlen aufzuheben, die eine Königin fallen läßt!
Honny soit, qui mal y pense!
** Ein Haus aus 11 Millionen Auſternſchalen. Aus
New=York wird berichtet: In Galveſton im Staate Texas
iſt ſoeben ein Neubau vollendet worden, der in der ameri=
kaniſchen
Bauwelt lebhaftes Aufſehen erregt, weil bei der
Herſtellung dieſes fünfſtöckigen Gebäudes ein neues Bau=
material
verwendet wurde: Beton von Auſtern=
chalen
. Um die für den Bau notwendigen 26423 Ku=
bikfuß
Beton herzuſtellen, verwendete man nicht weniger
als 11 Millionen Auſternſchalen. Die Miſchung des
neuen Baumaterials enthält 4 Teile Auſternſchalen, 2 Teile
ſcharfen Sand und 1 Teil Zement. Das neue Baumate=
rial
ſoll ſich erheblich billiger ſtellen als gewöhnlicher Be=
ton
und 25 Prozent billiger als Backſtein. Es eignet ſich
zur Verwendung in allen Zonen, ganz beſonders aber in
Ländern mit feuchtem Klima, da die Maſſe anſcheinend
gegen Feuchtigkeit ganz unempfindlich iſt. Die Verwendung
der Auſternſchalen zu Bauzwecken iſt die Folge einer neuen
Induſtrie, die ſich in den letzten Jahren bei Galv ſton ent=
wickelt
hat und ſich ausſchließlich mit der nutzbringenden
Verwendung von Auſternſchalen beſchäftigt. In der Ge=
gend
von Galveſton gibt es, in unmittelbarer Nähe be=
quemer
Transportmöglichkeiten zu Waſſer und zu Lande,
rieſige Bänke dieſer Muſcheln, die unter der ſteten Ein=
wirkung
der Wellen zu ſo gewaltiger Höhe aufgetürmt
worden ſind, daß einzelne dieſer natürlichen Depoſite un=
gezählte
Tauſende von Tons bergen. Dabei ſind die
Auſternſchalen von Sand und fremden Beſtandteilen faſt
vollſtändig frei. Die Induſtrie der Auſternſchalen iſt ſo
gewachſen, daß heute ollein die Boot= und ihne Ausrüſtung,

die im Dienſte dieſes Handels ſtehen, ein Kapital von
weit über 6 Millionen Mark repräſentieren. Viele Mei=
len
von Landſtraßen ſind in jener Gegend bereits mit ge=
mahlenen
Auſternſchalen gepflaſtert.

Hodie Chriſtus natus est.)
Von Jan Pieters Sweelinck.

J. P. Sweelinck iſt eine der letzten weithin leuchtenden
Geſtalten der niederländiſchen Muſik, deren Herrſchaft die
Jahre 1400 und 1600 umgrenzen. Er wurde zu Deventer
geboren beſuchte ſpäter Italien, wohin die Kunſt ſeines
Heimatlandes verpflanzt worden war, ſtudierte bei Zar=
lino
und A. Gabrieli und wirkte bis zu ſeinem Tode als
Organiſt in Amſterdam. Hier wird er der Förderer der
Orgelkunſt für ganz Norddeutſchland, und durch ſeine
Orgelkompoſition iſt auch ſein Name lebendig geblieben.
Die Chorwerke des Meiſters hat man beinahe ganz ver=
geſſen
. Und doch enthalten die Pſalme und die Cantiones
sacrae Chöre, die mit zu dem Bedeutendſten gehören,
was aus dieſer Zeit uns in der a capella=Literatur über=
liefert
worden iſt. Das für das Konzert gewählte Hodie
Chriſtus gibt den beſten Beweis dafür.
Das Tonbild als Ganzes genommen, verſetzt in Weih=
nachtsſtimmung
und ſchildert die Verkündigung der Ge
burt Chriſti durch die Scharen der Engel. Mit einem
pſalmodiſchen Anruf beginnend, ſteigert ſich, durch den
Text bedingt, von Vers zu Vers die Freude bis zum höch=
ſten
Jubel im Gloria in excelsis und dem Weihnachts=
rufe
Noé Beim aufmerkſamen Zuhören entdecken wir
eine Fülle muſikaliſchen Kleinlebens, wie ſie uns nur dieſe
Periode der Muſik offenbart. Es ſcheint faſt unmöglich,
daß nur fünf ſelbſtändige Stimmen dieſe Leiſtung bewäl=
tigen
, und oft glaubt man, ein zweiter Chor trete hinzu,
der die Alleluja= und Noérufe wiederholt. Man er=
kennt
auch hier wieder, wieviel muſikaliſche Tüchtigkeit und
Eifer in dieſer Zeit und bei dieſen Meiſtern herrſchte, und
es iſt wohl angebracht, Gelegenheit zu nehmen, ſie von
dem Vorwurf lebloſer, kontrapunktiſcher Künſtelei zu be=
freien
. Vielleicht trägt dieſe Aufführung dazu bei, daß
Sweelincks Werke wieder Eingang finden in unſere Kir=
chen
und Konzertſäle.
*) Da dies Werk am nächſten Dienstag durch den
Deſſoffſchen Frauenchor hier zur Aufführung
kommt, dürfte obige Einführung unſeren Leſern will=
kommen
ſein.

[ ][  ][ ]

Italiener auf dem Wege nach Grebenau einzuholen und
ihm den Raub wieder abzunehmen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 11. Jan. Heute vormittag
kurz nach 10 Uhr brach im Adjutanten=Flügel im Neuen
Palais in Potsdam Feuer aus. Die Potsdamer
Berufsfeuerwehr rückte ſofort mit allen verfügbaren Kräf=
ten
an. Vom Lehr=Infanterie=Bataillon wurde ein Deta=
chement
beordert, um beim Herausſchaffen der Möbel be=
hilflich
zu ſein. Die ſtarke Rauchentwickelung ließ das
Feuer ſchlimmer erſcheinen, als es wirtlich war. Beim
Herausſchaffen wurden Teppiche und Möbelſtücke von
teilweiſe hohem Wert beſchädigt. Kurz nach dem Ein=
treffen
der Feuerwehr erſchien auch der Kaiſer, der die
Rettungsarbeiten der Feuerwehr mit großem Intereſſe
verfolgte. Bald legte ſich auch die Aufregung. Nach drei=
Die
viertel Stunden war jede Gefahr beſeitigt.
Treptower Gemeindevertretung hat ſich
geſtern für die Eingemeindung in Berlin entſchie=
den
vorbehaltlich der zu vereinbarenden Bedingungen.
Geſtern nachmittag erſchien bei einem Poſtbeamten in
der Grenadierſtraße ein Bücherkolporteur und
überreichte der allein anweſenden zwanzigjährigen Toch=
ter
eine Rechnung. Nachdem er auf die Aufforderung
des Mädchens die Wohnung betreten hatte, gab er die=
ſem
einen Rückenſtoß, würgte es, bis es bewußtlos
zuſammenbrach, und flüchtete mit hundert Mark. Wahr=
ſcheinlich
handelt es ſich um einen ehemaligen Kolporteur
einer Buchhandlung, mit der der Poſtbeamte in Verbind=
ung
ſtand.
Hanau, 11. Jan. Heute vormittag weilte der Ge=
neral
=Inſpekteur der Verkehrstruppen, Exzellenz Freiherr
v. Lyncker, in der Kaſerne des hieſigen Eiſenbahn=
Regiments zwecks Informationen über die
Typhuserkrankungen. Die Zahl der Toten be=
trägt
13 (nicht 16).
Mannheim, 11. Jan. Geſtern nachmittag 4 Uhr fuhr
ein Probeautomobil der Firma Benz u. Ko.
auf der Landſtraße Schwetzingen=Rheinau in der Nähe
der Station Rheinau beim Ausweichen vor einem Bier=
fuhrwerk
den elfjährigen Schüler Karl Götel aus Brühl
um und tötete ihn auf der Stelle. Das Automobil
ſtieß dann gegen eine Telegraphenſtange, welche abbrach.
Das Automobil wurde zertrümmert und die beiden
Chauffeure ſo erheblich verletzt, daß ihre Aufnahme ins
Allgemeine Krankenhaus erforderlich wurde. Unterſuch=
ung
iſt eingeleitet.
Bonn, 11. Jan. In Oberkaſſel bei Bonn iſt geſtern
abend die 20jährige Anna Held aus Dransdorf von dem
23jährigen Matroſen Adam Lenz aus Caub erſtochen
worden. Der Täter flüchtete, wurde aber in der Nacht bei
Kodinghofen verhaftet. Er ſoll die Tat wegen angeblicher
Untreue der Held begangen haben.
München, 11. Jan. Heute morgen 4½ Uhr brach im
Wittelsbacher Palais, in dem gegenwärtig Prinz=
Regent Ludwig reſidiert, in der Garderobe ein Kamin=
brand
aus, dem einige Stellagen zum Opfer fielen.
Die Feuerwehr löſchte den Brand in kurzer Zeit.
München, 11. Jan. Nach neuntägiger Dauer wurde
die Milchſperre wieder aufgehoben. Sie endete
mit einer Niederlage der Milchproduzenten.
Augsburg, 11. Jan. Der vor einiger Zeit aus Min=
delheim
in Bayern verſchwundene Bankier Schell=
horn
, der wegen Depotunterſchlagungen von 300000
Mark ſteckbrieflich verfolgt wurde, ſtellte ſich der
Staatsanwaltſchaft in Memmingen. Er hat die Unter=
ſchlagungen
eingeſtanden.
Ahlen (Weſtf.), 10. Jan. Heute abend um halb 7 Uhr
fuhr ein ſchweres Laſtautomobil auf der Bahnſtrecke
Hamm-Ahlen durch die geſchloſſene Schranke direkt auf
den durchfahrenden Berlin-Kölner D=Zug auf.
Die zwei Inſaſſen des Automobils ſprangen noch recht=
zeitig
ab und blieben unverletzt; der Chauffeur erlitt einen
Beinbruch. Das Automobil wurde vollſtändig zer=
trümmert
. Die Maſchine des D=Zuges entgleiſte. Der
Zug, deſſen Perſonal und Paſſagiere unverſehrt geblieben
waren, wurde zunächſt nach Ahlen zurückgeholt.
Kuxhaven, 11. Jan. Der Hamburger Schleppdampfer
Roland kollidierte heute früh beim zweiten Elb=
feuerſchiff
mit dem däniſchen Dampfer Axel‟. Der Ro=
land
iſt geſunken. Der Kapitän und vier Mann
wurden gerettet, fünf Mann ertranken. Der Dampfer
Arel wurde am Bug beſchädigt.
Inſterburg, 11. Jan. Die Unterſchleife der
ſtädtiſchen Beamten fordern immer weitere
Opfer. So wurde geſtern der Maurermeiſter Kalereit,
ein angeſehener Bürger, wegen Beihilfe an den Unter=
ſchlagungen
verhaftet. Er iſt das ſechſte Opfer der Affäre.
Gleichzeitig wurde der Techniker Boßmann vom Stadt=
bauamt
auf Veranlaſſung des Unterſuchungsrichters ver=
haftet
. Er iſt verdächtig, bei den Machinationen des
Stadtbaumeiſters Friedel mitgewirkt zu haben.
Brüſſel, 10. Jan. Nach Meldungen der Abendblätter
ſollen die Advokaten der Prinzeſſinnen Stefanie
und Luiſe den Vergleichsvorſchlag im Prozeß um den
Nachlaß ihres Vaters abgelehnt haben.
New=York, 10. Jan. Das hieſige Bundesgericht
hat den Habeas=corpus=Befehl, den es dem von der Ein=
wanderungsbehörde
feſtgehaltenen früheren Präſidenten
von Venezuela, Caſtro, bewilligt hatte, wieder aufge=
hoben
. Das Gericht führt zur Begründung an, daß es
nicht eingreifen könne, ehe die Unterſuchung darüber
beendet ſei, ob Caſtro die Bedingung des Einwander=
ungsgeſetzes
erfüllt habe.
Schanghai, 10. Jan. Ein Brief der katholiſchen Miſ=
ſion
aus Haining (Provinz Kwangſi), datiert vom 14. De=
zember
, ſchildert die grauſame Tötung von 39
Ausſätzigen auf den Befehl der Provinzialbehörden.
Die Ausſätzigen lebten jahrelang im Walde, wenige
Meilen vom Weichbilde der Stadt. Angeſichts ihrer er=
barmungswürdigen
Verlaſſenheit ſuchten die katholiſchen
Patres um die Erlaubnis nach, auf eigene Koſten eine Zu=
fluchtsſtätte
für ſie zu errichten. Die Behörden ſchlugen
dies zunächſt ab, ſpäter erteilten ſie ſcheinbar die Geneh=
migung
, ließen aber auf dem Paradefeld vor der Stadt
eine Grube graben, ihren Boden mit Petroleum getränk=
tem
Holz bedecken und, nachdem ſie das Holz angezündet
hatten, die ahnungsloſen Ausſätzigen mit dem Bajonett
in die Grube hineintreiben, wo ſie in Gegenwart einer
großen Menge in den Flammen umkamen. Außerdem
wurden Belohnungen für die Entdeckung noch anderer
Ausſätziger ausgeſetzt. Seitdem wurde wieder ein Kran=
ker
ergriffen, den man erſchoß. Der Tutu erließ eine Be=
kanntmachung
, in der den Ausſätzigen Verbrechen vorge=
worſen
wird, ohne daß der geringſte Beweis für dieſe
Verbrechen vorliegt. Die Behörden gehen ſoweit, ſich
ihrer Taten noch zu rühmen.

Der Heſſiſche Landesverein
vom Roten Kreuz

hielt am Samstag nachmittag im Saale der Vereinigten
Geſellſchaft ſeine ordentliche Hauptverſammlung ( Mit=
zliederverſammlung
) ab, gleichzeitig mit einer
Sitzung des Verwaltungsrats des Ver=
eins
, um auf Vortrag der Reviſions=Kommiſſion den Be
richt des Verwaltungsrats an die Hauptverſammlung
über die Prüfung der Vereinsrechnung für 1910 und 1911
ebenſo wie den Voranſchlag über Einnahme und Ausgabe
des Vereins für das Jahr 1913 feſtzuſtellen, ferner Erſatz=
wahlen
für die vom Verwaltungsrat gewählten Vor=
ſtandsmitglieder
, welche ausgeſchieden ſind, oder jetzt aus=
zuſcheiden
haben, vorzunehmen und die ſonſt gemäß § 16
der Statuten erforderlichen Beſchlüſſe zu faſſen.
Der Vorſitzende, Generalleutnant z. D. Korwan
Exz., eröffnete die Verſammlung mit herzlicher Begrüß=
ung
der zahlreich Erſchienenen und widmet den durch Tod
ausgeſchiedenm Vorſtands= bezw. Verwaltungsrats=
mitgliedern
, Geh. Obermedizinalrat Dr. Neidhart und
Exz. Frhrn. v. Weſterweller einen warmen Nachruf.
Die Verſammlung ehrt das Andenken an die Verſtorbenen
durch Erheben von den Sitzen.
Es werden dann zunächſt die Wahlenvorgenommen.
Anſtelle des Fehrn. v. Weſterweller wird Herr Baron von
Oetinger, anſtelle des Heern Kommerzienrat Hickler
Herr Miniſterialrat Dr. Weber in den Vorſtand gewählt
und für Herrn Geheimerat Neidhart tritt Herr Major
Maaß in den Verwaltungsrat. Im übrigen erfolgt
durchweg Wiederwahl der ſtatutengemäß ausſcheidenden
Herren. Ueber Rechnung und Voranſchlag referiert kurz
der Schatzmeiſter, Herr Direktor Dexheimer, der be=
ſonders
darum erſucht, die Beiträge der Zweigvereine
möglichſt rechtzeitig zur Ablieferung zu bringen. Der
Voranſchlag balanziert mit 27100 Mark in Einnahme
und Ausgabe. Die Berichte werden genehmigt und dem
Schatzmeiſter und Vorſtand auf Antrag des Vorſitzenden
Entlaſtung erteilt.
Aus dem Bericht des Vorſitzenden über die Ver=
einstätigkeit
in den Jahren 1911/12 geben
wir folgendes wieder: Der Landesverein befand ſich an=
fangs
der Geſchäftsjahre zweifellos im Rückgange in
bezug auf die Zahl ſeiner Mitglieder, der Beiträge und
auch in bezug auf das Intereſſe, das draußen im Lande
der Vereinstätigkeit entgegengebracht wurde. Dieſem
Rückgang mußte Einhalt geboten werden, wenn nicht zur
Tatſache werden ſollte, daß wir im Falle eines Krieges
weit zurückſtehen würden hinter anderen Staaten Deutſch=
lands
. Dem Vorſtand ſchien der beſte Weg, dieſen Rück
gang zu dämmen, nach dem Beiſpiel Preußens, unſere
Kreisräte um Unterſtützung zu bitten. Bei dem
Herrn Miniſter des Innern fand der Vorſtand tatkräftigſte
Unterſtützung dieſes Gedankens, und es iſt uns ange=
nehme
Pflicht dafür herzlichſt Dank zu ſagen. Dieſer
Dank gebührt auch den Herren der Schulabteilung des
Großh. Miniſteriums, dem Oberkonſiſtorium, dem biſchöf=
lichen
Ordinariat, dem ärztlichen Landesverein und der
Haſſia‟. Vor allem aber den Herren Kreisräten ſelbſt
und zwar um ſo mehr, als wir volle Würdigung dafür
haben, wie ſehr die Herren Kreisräte ohnehin ſchon in
Anſpruch genommen ſind. Die Tätigkeit der Kreisräte
hat ſchon jetzt gute Erfolge aufzuweiſen, beſonders in der
Kreiſen Büdingen, Friedberg, Groß=Gerau, Lauterbach,
uch noch Worms. In verſchiedenen Orten wurden neue
Zweiavereine gegründet, ſo in Mühlheim a. M., Klein=
Steinheim, Echzell. Nidda, Lampertheim uſw. Damit iſt
die Zahl der Zweigvereine auf 59 geſtiegen. Verſchiedene
andere ſtehen noch in Ausſicht. Geſcheitert ſind die Ver=
ſuche
leider in Auerbach und Vilbel; in Jugenheim hin=
gegen
liegt die Aufgabe in beſten Händen. Was die
internationalen Beziehungen anbelangt, ſo
beſchränken ſich dieſe meiſt auf den Austauſch der Druck=
ſachen
. Zu lernen iſt daraus ſehr wenig. Für uns Deut=
ſche
aber iſt recht bemerkenswert, daß unſere Nachbarn im
Weſten, die Franzoſen, auch auf dieſem Gebiete andauernd
gegen uns hetzen, indem ſie fortgeſetzt Geſchichten von
Greueltaten der deutſchen Truppen verbreiten, wie ſie ſich
1870/71 ereignet haben ſollen. Gelegentlich der Inter=
nationalen
Hygieneausſtellung in Dresden, war man auch
an den Landesverein mit dem Wunſch herangetreten, ſich
an der Ausſtellung zu beteiligen. Da aber für einen be=
deutend
kleineren Raum, wie er notwendig geweſen wäre,
eine Miete von 10000 Mark verlangt wurde, und man der
Anſicht war, daß die Gelder des Vereins denn doch zu
anderen Zwecken da ſeien, verzichtete man auf eine Be=
teiligung
und beſchränkte ſich auf beſonderen Wunſch des
Zentralkomitees, bezw. des kaiſerlichen Kommiſſars auf
bildliche Darſtellungen, an denen ſich die Kreisvereine
Mainz, Offenbach und Gießen beteiligten. Bei einem
Kriege, an dem Deutſchland nicht beteiligt iſt, ſteht es dem
Zentralkomitee frei, ſich zu beteiligen oder nicht. Im
italieniſch=türkiſchen Kriege wurde bei den Kriegsmächten
Unterſtützung angeboten. Italien lehnte ſtolz ab, die
Türkei nahm dankbar an. Es wurde eine Abordnung von
12 Mann nach Tripolitanien entſandt, darunter auch ein
Darmſtädter, der wohlbehalten wieder zurückkehrte.
1 Arzt und 2 Mann erlagen dem Klima und den Anſtreng=
ungen
. Die Koſten der Expedition betrugen
152 750 Mark. Auch an dem Balkankriege iſt das
Zentralkomitee mit mehreren Abordnungen beteiligt, in
denen auf jeden Arzt ein Pfleger kommt.
Im Auguſt 1911 ſtarb der Vorſitzende des deutſchen
Zentralkomitees, Kammerherr v. d. Kneſebeck. Sein Nach=
olger
wurde General der Kavallerie v. Pfuhl. Die Lei=
tung
der Kaiſer Wilhelm=Stiftung ging in die Hände des
Generals v. Falkenhayn über. Frhr. v. Biege=
leben
hat die Vertretung des Landesvereins beim Zen=
tralkomitee
in Berlin übernommen und tritt auch in den
Verwaltungsausſchuß der Kaiſer Wilhelm=Stiftung ein.
Unbedingt notwendig iſt die vermehrte Ausbildung
von männlichem Pflegeperſonal, die auch mit verſtärktem
Nachdruck vom Kriegsminiſterium gefordert wird. Unſer
Perſonal iſt gerade ſo ſtark, daß wir den Anforderungen
des Kriegsminiſteriums genügen können, aber wir be=
halten
dann keine Reſerven zurück. Auch die Ausbildung
der Berufsſchweſtern bedarf dringend der Ver=
mehrung
, obwohl hier gegen früher ſchon eine erfreuliche
Zunahme konſtatiert werden kann. Von 19111912 hat
ſich erhöht der Beſtand an Berufsſchweſtern für das
Etappen= und Heimatgebiet um das Vierfache, der Be=
ſtand
der Berufsſchweſtern für das Etappengebiet allein
um das Fünffache, der Beſtand der Hilfsſchweſtern um das
Fünffache, der der Helferinnen um das Sechsfache. Die
Zahl der Helferinnen überhaupt betrug Anfang 1911 vier,
heute 163 im ganzen Lande. Die Berufsſchweſtern wer=
den
im Kriege nur zum kleineren Teil im Etappengebiet
verwendet, der kaiſerliche Kommiſſar hat diesmal als vor=
läufigen
Bedarf 15 Schweſtern angefordert. Der Alice=
Frauenverein legt Wert darauf, daß ſeine Schweſtern in

erſter Linie in die Etappen geſchickt werden, welchem be=
rechtigten
Wunſche entſprochen wird. Die Zahl der Be=
rufsſchweſtern
muß mindeſtens noch verfünffacht werden.
Es darf gehofft werden, daß das Jahr 1913 einen Zu=
wachs
an Helferinnen bringt, der den von 1912 weit
übertrifft.
Eingehender verbreitet ſich Redner über die Art der
Ausbildung der Schweſtern und Helferinnen, über die Or=
ganiſation
ihres Dienſtes und die finanziellen Verhältniſſe
des Roten Kreuzes in den verſchiedenen Bundesſtaaten,
Dieſe ſind faſt überall bedeutend beſſer wie in Heſſen, da=
für
müſſen wir ſtreben, in perſoneller Hinſicht zu über=
ragen
. Weiter verbreitet der Redner ſich über die Vor=
bereitung
zum Kriege, die Einrichtung von Kriegslaza=
retten
, von Verbands= und Erfriſchungsſtellen (über die
neuerdings eine ſehr wertvolle Anleitung herausgegeben
wurde) u. dgl. m.
Herr Generalarzt Dr. Lindemann referierte über
die Zahl und Tätigkeit der Sanitätskolonnen, die im
vorigen Jahre um vier vermehrt werden konnten, nämlich=
in
Ober=Ingelheim, Mühlheim, Eberſtadt und Wir=
hauſen
. Zurzeit ſind insgeſamt 1500 Sanitätsmannſchaf=
ten
vorhanden. Bei der Auswahl der auszubildenden
Sanitätsmannſchaften iſt beſonderer Wert darauf zu legen,
daß dieſe militärfrei ſind, d. h. nicht dem Beurlaubten=
ſtande
angehören, denn dieſe Mannſchaften werden im
Kriege zu den Waffen eingezogen. Die Zahl der aus=
gebildeten
Krankenpfleger muß unbedingt erhöht werden.
Die praktiſche Betätigung der Kolonnen iſt in erfreulicher
Ausdehnung begriffen. Sie verſehen in Heſſen den ſtän=
digen
Rettungsdienſt in 10 Städten und 28 ländlichen
Gemeinden, vier ſtändige Sanitätswachen und 59 Unfall=
ſtationen
, ſowie 183 Unfallmeldeſtellen ſind vorhanden.
Insgeſamt wurden im Berichtsjahre 8500 Fälle erledigt.
Redner verbreitet ſich dann noch eingehender über die Or=
ganiſation
der Kolonnen und deren Dienſt.
In einem Schlußwort erwähnte Exz. Korwan
u. a., daß die Sanitätsmannſchaften nunmehr faſt durch=
weg
in Ausübung ihrer Friedenstätigkeit gegen Beſchä=
digungen
irgendwelcher Art verſichert ſind. Mit
einem drinalichen Appell, in der emſigen Werbe= und Or
ganiſationstätigkeit nicht zu erlahmen, ſchloß der Vor=
St.
ſitzende gegen 5½ Uhr die Verſammlung.

Zum Fall Winkler Grünewald.

Die immer noch andauernden Ausfälle ſozialiſtiſcher
und freiſinniger Zeitungen, die aus Anlaß meines Zu=
ſammenſtoßes
miſt dem freiſinnigen Landtagsabgeord=
neten
Dr. Grünewald aus Gießen gegen mich erfolgen,
geben mir Grund zu folgenden Feſtſtellungen:
Meine Rede in Sachen der angefochtenen Wahl des
Abg. Kredel, die ich im Auftrag meiner Fraktion hielt,
iſt frei von jeder Beleidigung des Abg. Grünewald. It
dieſer Rede findet ſich auch der Satz, der Freiſinn leiſte
der Sozialdemokratie Vorſpanndienſte. Eine rein poli=
tiſche
Bemerkung. Der Abgeordnete Grünewald ſtellte in
ſeiner Erwiderung auf meine Rede die Kopfſchütteln er=
regende
Behauptung auf, ich hätte ihn und ſeine Parte
mit dieſem Satze ſchwer beleidigt und leiſtete ſich zugleich
die beiden Bemerkungen, daß er mich nicht ernſt nehme
und daß er nicht als Kabarettkünſtler ausgebildet ſei. Der
dritte Präſident hat die beiden Beleidigungen paſſieren
laſſen, ohne dem Abgeordneten Grünewald einen Ord=
nungsruf
zu erteilen. Ich griff daher zur Selbſthilfe. In
meiner zweiten Rede erwiderte ich dem Abgeordneten
Grünewald: Ich muß in voller Kenntnis der Trag=
weite
meiner Worte ſagen, daß ich es für eine Feigheit
halte, wenn jemand unter dem Schutze der Immunität in
dieſem Hauſe einen anderen beleidigt. Ich bin bereit, dies
dem Herrn Abgeordneten Grünewald auch außerhalb die=
ſes
Hauſes zu wiederholen. Ich erhielt ſelbſtverſtändlich
einen Ordnungsruf.
Der Abgeordnete Grünewald hatte hier den Zwiſchen=
ruf
gemacht, er werde mir dann hinter die Ohren ſchlagen,
Der Zwiſchenruf wurde erſt am nächſten Tage aus der
Preſſe bekannt. Jetzt erhielt auch der Abgeordnete Grüne
wald einen Ordnungsruf. Am übernächſten Tage wurde
er auf meine Beſchwerde, die ich an das Geſamtpräſidium
richtete, auch wegen der erſten Beleidigung meiner Perſon
noch nachträglich zur Ordnung gerufen.
Ich nahm an, daß Herr Abgeordneter Grünewald an=
geſichts
meines Vorwurfes der Feigheit das dringende
Bedürfnis haben müſſe, ſich von mir Genugtuung zu ver=
ſchaffen
. Ich täuſchte mich. Jetzt ſchickte ich dem Herrn
Grünewald einen Beauftragten mit der Aufforderung, ſich
wegen der mir zugefügten Beleidigung zu entſchuldigen.
Da ſich Herr Grünewald hierauf nicht einließ und be=
merkte
, er werde lieber die Folgen tragen, ließ ich ihn
eine ſchwere Forderung überbringen
Herr Grünewald lehnte die Annahme der Forderung ab.
Herr Grünewald hat damit bewieſen, wie billig es
iſt, andere unter dem Schutze der Immunität zu beleidigen,
wenn man, wie er, dazu entſchloſſen iſt, für ſeine Hand=
lungen
nicht einzuſtehen. Er hat damit aber auch weiter
hin bewieſen, wie recht ich hatte, wenn ich ein ſolches
Verhalten als einen Akt der Feigheit bezeichnete.
Dr. Winkler, Landtagsabgeordneter,

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 11. Jan. Präſident Dr. Kaempf er
öffnet die Sitzung um 12 Uhr 2 Minuten. Die erſter
Leſung der
Novelle zum Handelsgeſetzbuch
(Konkurrenzklauſel) wird fortgeſetzt. Abg. Giebell
(Soz.): Es gehört ein großer Mut dazu, mit dieſer kläg=
lichen
Vorkage vor die deutſchen Angeſtellten und die Oef=
fentlichkeit
überhaupt zu treten. Die bisherigen Geſetzes=
beſtimmungen
haben ein klägliches Fiasko gemacht und
das gleiche wird mit dieſer Novelle der Fall ſein. Vor
allen Dingen iſt zu beklagen, daß die Konventionalſtrafen
für die Angeſtellten nach wie vor beſtehen bleiben ſollen=
Mit dieſen ſchwächlichen Mittelchen, wie ſie die Vorlage
enthält, kommt man den Mißſtänden nicht bei; beſonders
iſt das hinſichtlich der Wahrung des Geſchäftsgeheimniſſes
der Fall. Das Anrecht des Unternehmers auf die Ar=
beitsleiſtung
oder die Kenntniſſe des Angeſtellten ſollte
nicht über die Zeit der Gehaltszahlung hinausgehen. Eine
Notwendigkeit für die Beibehaltung der Konkurrenzklau=
ſel
beſteht überhaupt nicht. Sie ſoll nur dazu dienen, den
Kampf der Unternehmer untereinander auf dem Rücken
der Angeſtellten ausfechten zu können und den Angeſtell=
ten
die Möglichkeit zu nehmen, ſelbſtändig zu werden.
Zum wenigſten hätte man, wie in Oeſterreich, die Konkur=
renzklauſel
von einem Minimalgehalt abhängig machen
ſollen. (Sehr gut!) Es iſt eine Barbarei ſchlimmſter
Art einer angeblich modernen Regierung, durch die Kon=
ventionalſtrafe
die Angeſtellten in der Hörigkeit der Un=
ternehmer
halten zu wollen. (Glocke. Präſident Kaemp=
ruft
den Redner wegen dieſer Aeußerung zur Ordnung.
Bravo!) Giebel fortfahrend: Dieſe Vorlage ändert nichts

[ ][  ][ ]

an den bisherigen Zuſtänden. Sie iſt nichts als weiße
Salbe, die jetzt bei jeder Gelegenheit fuderweiſe ange=
wendet
wird. Die Konkurrenzklauſel ſollte glattweg ver=
boten
werden. Gegen die Nichtanhorung der Angeſtellten
bei Aufſtellung dieſes Entwurfes muß auf das ſchärfſte
proteſtiert werden. Ich beantrage Ueberweiſung der Vor=
lage
an eine Kommiſſion von 21 Mitgliedern, von der wir
hoffen, daß ſie doch noch etwas Brauchbares aus der
Vorlage machen wird. (Beifall.)
Abg. Trimborn (Zentr.): Weshalb ſind nicht auch
die Techniker in dieſe Vorlage einbezogen worden? Das
wäre um ſo notwendiger geweſen, als ſeit Jahren eine
Bewegung nach Vereinheitlichung des Angeſtelltenrechtes
im Gange iſt. Durch die Vorlage wird das Vorhanden=
ſein
eines Notſtandes von den Regierungen anerkannt,
und das iſt ſehr wichtig. Dieſer Notſtand ſchreit geradezu
nach Abhilfe. Wir haben alle das eifrige Streben, die
berechtigten Intereſſen der Unternehmer zu ſchützen; aber
wir müſſen den Beweis erwarten, daß und in welchem
Umfange die Klauſel notwendig iſt. Die badiſche Kam=
mer
hat ſich für völlige Beſeitigung der Konkurrenzklauſel
ausgeſprochen. Die Kommiſſion wird daneben die Ur=
teile
des Kammergerichts zu prüfen haben. Tatſache iſt,
daß weite Handelskreiſe, insbeſondere die großen Detail=
geſchäfte
, und auch Warenhäuſer auf die Konkurrenzklau=
ſel
verzichten und gut dabei fahren. Bei der Induſtrie
dürfte das in ebenſo großem Maße der Fall ſein. Die
Kommiſſion wird ſich doch ernſtlich zu fragen haben, ob
nicht die ganze Klauſel zu beſeitigen iſt. Berechtigt wäre
ſie nur, wenn ſie ſich auf den Schutz von Betriebsgeheim=
niſſen
beſchränken würde. Außerdem wäre es nötig, die
Klauſel auf höchſtens ein Jahr zu beſchränken. Die Lehr=
linge
ſollten prinzipiell von der Vorlage herausgelaſſen
werden. Beſſer wäre es, das Geſetz zur Bekämpfung des
unlauteren Wettbewrbes auszubauen. Jedenfalls hat
ſich das Geſetz auf die äußerſten Fälle zu beſchränken.
Abg. Dr. Thomas (natl.): Wir begrüßen die Vor=
lage
als geeignete Grundlage für ein Weiterarbeiten zur
Beſeitigung grober Mißſtände. Neben materiellen Vor=
teilen
hat die Novelle eine ethiſche Bedeutung für viele
Angeſtellte, deren Abhängigkeit von den Unternehmern
größtenteils beſeitigt wird. Die Vorlage ſtellt eine ſtück=
weiſe
Beſſerung des Angeſtelltenrechts dar und ſomit iſt
ſie ein Schritt auf dem Wege der organiſchen Fortent=
wickelung
des Rechtslebens. Wir wünſchen eine Verein=
heitlichung
des Angeſtelltenrechts. Wir müſſen ſcharf um=
grenzte
Beſtimmungen ſchaffen, die dem richterlichen Er=
meſſen
keinen allzu großen Spielraum laſſen. Eine dau=
ernde
Belaſtung des Angeſtellten wegen Vertragsbruchs
halte ich für unſittlich. Eine einmalige Konventional=
ſtrafe
iſt durchaus ausreichend. Wenn es gelingt, dieſes
Geſetz aus dem Juriſtendeutſch in eine allgemein verſtänd=
liche
Sprache zu überſetzen (Sehr gut!), ſo ſchaffen wir
einen erheblichen ſozialpolitiſchen Fortſchritt.
Abg. Veit (konſ.): Im Intereſſe gewiſſer Branchen
wäre ein völliges Verbot der Konkurrenzklauſel bedenklich.
Wenn für den Prinzipal die Verpflichtung beſteht, den
Angeſtellten bei Anwendung der Konkurrenzklauſel zu ent=
ſchädigen
, ſo wird er dieſe Klauſel nur anwenden, wenn
er wirklich ein weittragendes Intereſſe daran hat. Miß=
ſtände
liegen zweifellos vor. Der Kommiſſion harrt eine
große Aufgabe. Als Mittelſtandsfreunde werden wir
verſuchen, ein Geſetz zuſtande zu bringen, das die Miß=
ſtände
beſeitigt und dabei auch die berechtigten Intereſſen
der Prinzipale ſchützt. Abg. Weinhauſen (Fortſchr
Vpt.): Wir müſſen uns bemühen, den widerſtrebenden
Intereſſen der Arbeitgeber und Angeſtellten zu entſprechen
Die kleineren Unternehmer glauben, die Konkurrenzklauſel
nicht entbehren zu können, die Angeſtellten dagegen glau=
ben
, daß ſie ſie in der Möglichkeit der Selbſtändigmachung
beſchränkt. Die Mehrheit meiner Freunde will ſich nicht
für ein glattes Verbot der Klauſel entſcheiden, weil ſie
nicht politiſch erreichbar iſt. Die Gehaltsgrenze muß in
das Geſetz hineingearbeitet werden. Dadurch wäre die
Anwendung der Klauſel außerordentlich erſchwert. Die
Entſchädigungsfriſt bearüßen wir, ſie iſt eine alte liberale
Forderung. Eine Gültigkeitsdauer der Klauſel von drei
Jahren halten wir für zu lang. Die Vorlage bietet uns
eine brauchbare Grundlage für eine ſchließliche völlige
Beſeitigung der Konkurrenzklauſel. Bedauerlich iſt, daß
die techniſchen Beamten (Angeſtellten) von dem Entwurf
ausgeſchloſſen ſind. Abg. Dombek (Pole): Wir ſtre=
ben
der vollſtändigen Ausſcheidung der Konkurrenzklauſel
zu. Abg. Warmuth (Wild=Reichsp.): Der Entwur
entſpricht nicht ganz den Intereſſen der Handlungsgehil=
fen
. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird abge=
lehnt
. Abg. Dr. Quarck=Frankfurt (Soz.): Not=
wendia
iſt ein gänzliches Verbot der Konkurrenzklauſel.
Abg. Marquardt (natl.): Da die Klauſel ein Miß=
trauensvotum
für die Angeſtellten iſt, ſollte ſie ſchleunigſt
beſeitigt werden. Abg. Waldſtein (Fortſchr. Vpt.)
Es iſt anzuerkennen, daß die Angeſtellten=Organiſationen
von ihrem früheren Grundſatz der gänzlichen Ablehnung
der Konkurrenzklauſel abgekommen ſind. Mehr Entgegen=
kommen
kann man aber nun nicht mehr verlangen. Die
Vorlage geht an eine Kommiſſion von 21
Mitaliedern. Darauf wird vertagt.
Nächſte Sitzung Montaa, 1 Uhr: Jugendgerichts=
höfe
, Etat des Reichsamts des Innern. Schluß ¾6 Uhr
* Berlin, 11. Jan. Die Neunte Kommiſ=
ſion
des Reichstags beendete heute die Beratung
des Entwurfs betr. Zollerleichterung bei der Fleiſchein=
fuhr
. Bei der Abſtimmung wurden ſämtliche von ſozial=
demokratiſcher
und fortſchrittlicher Seite eingebrachten
Anträge abgelehnt und die Regierungsvorlage mit
24 gegen 4 konſervative Stimmen angenommen.

Der Balkankrieg.
Der Stand der Friedensverhandlungen.

* Konſtantinopel, 10. Jan. Die Botſchaf=
ter
redigierten bei der geſtrigen Zuſammenkunft den
Entwurf der Kollektivnote, die der Pforte
überreicht werden ſoll und ihr zum Abſchluß des Frie=
dens
rät. Der feſtgeſtellte Text wird noch nicht als defi=
nitiv
betrachtet. Man weiß auch noch nicht, wann die Note
überreicht wird.
London, 10. Jan. Wie das Reuter=Bureau er=
fährt
, wird eine weitere Zuſammenkunft der
Botſchafter am 31. Januar ſtattfinden. Als nächſter
Schritt iſt die Vorlegung der von den Mächten beſchloſſe=
nen
Kollektivnote in Konſtantinopel geplant, die noch vor
dem 31. Januar erfolgen dürfte. Ueber die nächſte Zu=
ſammenkunft
der Friedenskonferenz läßt
ſich mit Beſtimmtheit nur ſoviel ſagen, daß eine weitere
Zuſammenkunft nicht unmöglich iſt. Nach der Haltung
der verſchiedenen Parteien zu urteilen, würde der Aus=
druck
wahrſcheinlich zu weitgehend ſein. Inzwiſchen
pollten die verſchiedenen Berichte über die Vorſchläge der
Mächte mit Skepſis betrachtet werden, da die Botſchafter
der Verpflichtung zum Schweigen treu bleiben. Die De=

legierten der verbündeten Balkanſtaaten ſind, wie das
Reuter=Bureau erfährt, bis heute abend ohne Informa=
tionen
darüber, daß die türkiſchen Delegierten abberufen
werden ſollen. Alles was bekannt iſt, iſt das, daß die
Mächte ſich noch bemühen, der Türkei einen guten Rat zu
geben. Wenn indeſſen die türkiſche Miſſion abberufen
wird, ſo kann das nur den Bruch bedeuten.
London, 11. Jan. Das Reuterſche Bureau er=
fährt
aus diplomatiſchen Kreiſen, daß über die Lage eine
Mißſtimmung von wachſendem Unbehagen herrſcht. Es
wird betont, daß dies nicht einer beſtimmten Entwicklung
zuzuſchreiben iſt, ſondern zunächſt der andauernden Un=
nachgiebigkeit
der Haltung der Türkei, und ferner den
Nachrichten aus Bukareſt, die zu Beſorgniſſen über die
Gefahr von Verwickelungen Anlaß geben, die aus
der rumäniſch=bulgariſchen Situation ent=
pringen
könnten. Die Zuſammenkunft der Botſchafter,
die geſtern hauptſächlich mit den in Konſtantinopel zu er=
greifenden
Mitteln befaßt war, zeugte fortdauernd von
Uebereinſtimmung. Alle Mächte ſind von der Notwendig=
keit
durchdrungen, daß die Türkei Adrianopel aufgeben
müſſe. Es iſt beſchloſſen worden, daß auf die Note
die von den Botſchaftern in Konſtantinopel
vorbereitet worden iſt, bald ſtärkere und entſchiedenere
Vorſtellungen bei der Pforte folgen ſollen.
London, 11. Ja Die Note der Mächte
an die Pforte wird nach Konſtantinopeler Meldungen
farblos ſein und zwar zur Preisgabe Adrianopels raten,
aber keinerlei Druck in dieſer Richtung ausüben. Allem
Anſchein nach wird die Pauſe in den Friedensverhand=
lungen
ziemlich lange dauern. Dr. Danew bezeichnete
die Meldung über das Angebot franzöſiſchen Kapitals für
Neu=Bulgarien als verfrüht und erklärte, Bulgarien werde
hoffentlich auch in Deutſchland Geld finden.
Rumänien und Bulgarien.
* Konſtantinopel, 11. Jan. Der rumäniſche
Miniſter Fil ipescu erklärte, er ſei nur wegen
ſeiner Paſſion für orientaliſche Teppiche hierher gekom=
men
. (!) Rumänien und die Türkei ſeien ſeit langem
einig, daß die Türkei in einem bulgariſch= rumäni=
ſchen
Konflikt Rumänien unterſtützen werde. Die
bulgariſch=rumäniſchen Beziehungen ſeien geſpannt, aber
es beſtehe noch Hoffnung auf eine friedliche Löſung.
Belgrad, 11. Jan. Das Regierungsblatt Sa=
mouprawa
bezeichnet Rumäniens Vorgehen gegen
Bulgarien als Erpreſſung und ſieht ſchlimme Folgen
für die Zukunft voraus, ſelbſt wenn ein augenblicklicher
Erfolg erzielt würde.
Bukareſt, 11. Jan. Nach dem rumäniſchen
Neujahr (14. Jan.) ſoll die Entſcheidung fallen.
Falls es zum Kriege mit Bulgarien kommen
ſollte, ſoll auf Wunſch des Königs ein Miniſterium aus
allen Parteien gebildet werden.
Bukareſt, 11. Jan. In hieſigen informierten
Kreiſen iſt man geneigt, in der amtlichen Mitteilung
der bulgariſchen Regierung an Rumänien, daß Dr. Da=
new
beauftragt ſei, die unterbrochenen Verhandlun=
gen
mit dem Geſandten Miſchu wieder aufzuneh=
men
, das Zeichen einer gewiſſen Entſpannung zu er=
blicken
.
Letzte Nachrichten.
* London, 11. Jan. Das Reuterſche Bureau erfährt
als Ergebnis der Unterredungen mit den Mitgliedern
der türkiſchen Friedenskommiſſon, daß dieſe
entſchloſſen ſeien, London zu verlaſſen, wenn
nicht innerhalb der beiden nächſten Tage ein Kompromiß
eitens der Mächte oder der Verbündeten zuſtande
gebracht werde. Osman=Nizami=Paſcha liege viel daran,
nach Berlin zurückzukehren; er ſei der Ueberzeugung, daß
ſeine Anweſenheit in Berlin nützlicher ſein könnte, als
ein Bleiben in London. Wenn die Verbündeten die
Anſprüche auf Adrianopel aufgäben, würde ſich alles
regeln laſſen.
London, 11. Jan. Das Reuterſche Bureau er=
fährt
aus bulgariſcher Quelle, daß die Stimmung in
Sofia, für eine Rückberufung der Friedens=
miſſion
ſei, da die Verhandlungen auf einem toten
Punkt angelangt ſeien, daß aber die Delegierten ſelbſt
dazu geneigt ſeien, noch einige Tage zu bleiben, um das
Ergebnis der von den Mächten in Erwägung gezogenen
Schritte abzuwarten. Bulgarien wünſche den Mächten
Zeit zu geben, die Pforte zur Aenderung ihrer Haltung
betreffs Adrianopels zu überreden. Wenn dieſe Be=
mühungen
fehl ſchlagen, werde der Abbruch der Konferenz
und die Wiederaufnahme der Feindſeligkeiten erfolgen.

Kriſis im franzöſiſchen
Kabinett.

Paris 11. Jan. Wir glauben zu wiſſen, daß
geſtern nachmittag und abend Konferenzen zwiſchen
Mitgliedern des Parlaments und den Miniſtern des
Aeußern und des Krieges ſtattfanden. Im Verlaufe der
Beſprechungen erneuerte der Kriegsminiſter Millerand
ein Rücktrittsangebot. Der Miniſterrat wird
wahrſcheinlich heute zuſammentreten.
Paris, 12. Jan. Miniſterpräſident Poincaré
und verſchiedene Miniſter beratſchlagten geſtern abend
über die durch die Wiedereinſtellung des Oberſten du
Paty de Clam geſchaffene Lage. Man neigt ſtark
zu der Anſicht, der Kriegsminiſter werde ſein Rücktritts=
geſuch
aufrechterhalten, das ſchließlich angenommen wird.
Als ſein Nachfolger wird Kolonialminiſter Lebrun
genannt.
Paris 12. Jan. Trotz der bereits geſtern in
Umlauf geſetzten Gerichte über die Demiſſionsabſicht
des Kriegsminiſters Millerand und trotz der über=
aus
ſcharfen Verurteilung, welche ſein Vorgehen in der
Angelegenheit du Paty de Clams bei den Radikalen
gefunden hatte, hat der Rücktritt Millerands große
Ueberraſchung hervorgerufen. Wie verlautet, hatten
ſchon in dem geſtern vormittag abgehaltenen Mi=
niſterrat
einige Miniſter, darunter der Ackerbauminiſter
Pams, welcher einer der Präſidentſchaftskandidaten iſt,
unverhohlen ihre Mißbilligung zu der Verfügung Mille=
rands
ausgeſprochen und die Möglichkeit einer Kabinetts=
kriſe
ins Auge gefaßt. Juſtizminiſter Briand betonte
edoch, daß es unter den gegenwärtigen Verhältniſſen,
namentlich wegen der äußeren Lage, die Pflicht der
Miniſter und beſonders des Kriegsminiſters ſei, auf
ihren Poſten zu verbleiben. Der Miniſterrat beſchloß
ſodann, jene Note auszugeben, mit welcher erklär
wird,g daß Millerand die ganze Verantwortung
für die von ihm getroffene adminiſtrative Entſcheidung
übernehme. Dieſe Note beſchwichtigte jedoch keineswegs
die Erregung der Radikalen. Der Präſident der demo=
kratiſchen
Linken, Senator Combes, berief für Montag eine
Verſammlung ein, in welcher der Beſchluß gefaßt werden
ſollte, noch vor dem Verſailler Kongreß eine Debatte über
die Angelegenheit du Paty de Clams herbeizuführen

Die Regierung war ſich darüber klar, daß Millerand=
in
dieſer Frage auf eine rein republikaniſche Mehrheit
nicht zählen könne und daß die Lage des Kabinetts
eine ſehr ſchwierige werden könne. Ueberdies erklärten
mehrere einflußreiche radikale Parlamentarier dem Mi=
niſterpräſidenten
, daß ſie, falls er ſich mit Millerand
ſolidaliſiere, nicht in der Lage wären, zu Gunſten ſeiner
Kandidatur für die Präſidentſchaft der Republik einzu=
treten
. Poincaré berief infolgedeſſen eine Miniſter=
konferenz
ein, in welcher Millerand ſeine Ent=
laſſung
gab.
Neben dem Kolonialminiſter Lebrun werden auch
noch General d’Amade und General Joffre als eventuelle
Nachfolger Millerands genannt.

Beiſetzung
des Geh. Juſtizrats Schmeel.

Geſtern nachmittag wurde unter außerordentlich zahl=
reicher
Teilnahme der Geheime Juſtizrat Ernſt
Schmeel zu Grabe getragen. Nach erfolgter Einſeg=
nung
der Leiche im Sterbehauſe bewegte ſich gegen ½4
Uhr der impoſante Trauerkondukt zum Friedhof. Faſt
ſämtliche Berufskollegen des Verſtorbenen, Herr Ober=
bürgermeiſter
Dr. Gläſſing, die Bürgermeiſter und Bei=
geordneten
der Stadt, viele ſtädtiſche Beamte, Stadtver=
ordnete
uſw. gaben dem Heimgegangenen das letzte Geleit
An der Gruft ſprach Herr Pfarrer Velte eine tief=
empfundene
und eindrucksvolle Trauerrede, die auf das
Wort des alten Teſtaments ſich gründete: Ein treuer
Mann wird viel geſegnet. Der Geiſtliche entwarf in
trefflichen Worten ein Bild von dem Entſchlafenen, der
auch als Menſch vermöge ſeiner überragenden Eigen=
ſchaften
in allen, die ihn kannten, fortleben wird, nicht
nur in den Früchten ſeiner Arbeit. Er war ein treuer
Mann und iſt viel geſegnet worden. Auf ihn angewandt,
drückt das ſchlichte Bibelwort das Höchſte aus, was wir
für ihn empfinden. Er war der Mann der mit der
hoheitsvollen Schlichtheit, die das Wort Treue in ſich
ſchließt. einen heiligen Ernſt machte. Seine unbedingte
Zuverläſſigkeit, die Lauterkeit und Reinheit des Charak=
ters
, die Klarheit und Schärfe ſeines Verſtandes, ſeine
unermüdliche Arbeitsfreudigkeit und große Begeiſterungs=
fähigkeit
für alles Hohe, Edle und Schöne, zeichneten ihn
vor allen aus. Wie ſeine Treue geſegnet war, wird das
Gedächtnis an ihn wie ein Segen in uns bleiben und
leben.
Eine lange Reihe von Kranzniederlegungen und Nach=
rufen
ſchloß ſich an. Herr Juſtizrat Hallwachs wid=
mete
dem Verſchiedenen namens des Vorſtandes der An=
waltskammer
einen warmherzigen Nachruf und rühmte
beſonders neben ſeinen hervorragenden menſchlichen und
beruflichen Charaktereigenſchaften, die ihn zu einem wah=
ren
Anwalt des Rechts und von ſelbſt zum Führer werden
ließen, ſein Streben, Kollegialität und Freundſchaft unter
ſeinen Kollegen zu pflegen. Die Anwaltſchaft Heſſens
werde dem Entſchlafenen allezeit ein treues, dankbares und
ehrendes Andenken bewahren.
Herr Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing bealeitete
ſeine Kranzniederlegung mit etwa folgenden Worten:
Im Namen der Stadt lege ich dieſen Kranz an der Bahre
eines lieben Freundes und treuen Beraters der Verwal=
tung
nieder. Mit ihm iſt ein Mann dahingegangen, der
in den Zügen ſeines Herzens und ſeines Geiſtes unver=
geßlich
bleiben wird. Treu und zuverläſſig. hervorragend
gewiſſenhaft in ſeiner ganzen beruflichen Auffaſſung, ein
Charakter und ein Menſch von herzensguter Geſinnung
vorbildlich im Hauſe und in der Familie, ſo ſteht er vor
uns. Seine geiſtige Größe, ſein durchdringender ſcharfer
Verſtand, ein Mann dem der Gedanke von Kant, von den
beſtirnten Himmel über uns und dem Geſetze in uns eine
ſelbſtändige, unverrückbare Stellung gab, und doch ein
Mann von der wohlwollenden Herzlichkeit einer abge=
klärten
Lebensauffaſſung, hat uns die Ergebniſſe eines
überaus arbeitsreichen Lebens hinterlaſſen. Die Ver=
waltung
der Stadt iſt ihm zum herzlichſten Danke verg
pflichtet für die große, erfolgreiche, verdienſtvolle und lang=
jährige
Mitarbeit in der Verwaltung. Die Verwaltung
fühlt ſich geeint mit der Familie in den Gefühlen herz=
lichſter
und innigſter Anteilnahme. Er ruhe in Frieden.
Der Finanzausſchuß der Stadtverordneten= Ver=
ſammlung
ließ durch Herrn Juſtizrat Dr. Bender
einen Kranz niederlegen dem vortrefflichen Manne als
letzten Dank und letzten Gruß. Gerade in dem kleinen
Kreiſe des Finanzausſchuſſes habe man oft Gelegenheit
gehabt, die edlen Charaktereigenſchaften des Verſtorbenen,
ſeine bis ins kleinſte gehende Gewiſſenhaftigkeit, ſein um=
faſſendes
Wiſſen und Können kennen zu lernen. Der Tod
hat hier eine ſchwer auszufüllende Lücke gexiſſen. Der
Finanzausſchuß wird dem Entſchlafenen ein dankbares
Andenken bewahren.
Für die nationalliberale Vartei Heſſens
ſprach Herr Landtagsabgeordneter Dr. Oſann: Die
nationalliberale Partei Heſſens, ſo etwa waren ſeine
Worte, gibt heute einem Manne das letzte Geleit, der für
ſie über ein Menſchenalter einer der treueſten Anhänger
und Bekenner war. Aus ſeiner Jugend und dann aus
ſeiner Burſchenſchaftszeit war ihm der nationale Sinn zu
eigen geworden, und er gehörte zu den ſehnſüchtigen
Kämpfern nach der Einheit Deutſchlands aus der klein=
ſtaatlichen
Zerſplitterung heraus. Ihm ward die Er=
reichung
dieſes Zieles höchſte politiſche Befriedigung und
Genugtuung und den Schöpfern der deutſchen Einheit.
voran dem eiſernen Kanzler, brachte er tiefſte Dankbarkeit
und Verehrung dar. In ſchweren Zeiten wuchs Schmeel
zum Manne heran, und in den Zeiten des politiſchen
Glanzes in Deutſchlands wurde er Anhänger der natio.
nalliberalen Partei. Aber aus dem Anhänger wurde
mehr, er ſtieg zum Vertreter in Landtag und Stadtparla=
ment
und zum Führer emvor, nachdem er den Vorſitz der
heſſiſchen Landespartei übernommen hatte. Sein jahr=
zehntelanges
Wirken in dieſen Stellungen war ein vor=
bildliches
für jeden, der in der Partei ſteht. Scharfſinnig
gerade auch in der Politik., deren Gänge und Phaſen ver=
folgend
und kombinierend. zwangen ſeine Ausführungen
ſie zu beachten, ihnen zu folgen. Dabei war er, auch das
darf geſagt ſein, kein Redner, der durch blendende Art des
Sprechens die Hörer mitriß. Durch klugen, durchdachten
Aufbau durch die Kraft der Gründe zwang er den Härer
in ſeinen Bann, und wenn er einen Gedanken und Plan
ernſtlich erwogen hatte, ſtand er feſt und unerſchütterlich.
Solch hervorragende Eigenſchaften, gepaart mit einer un=
erſchütterlichen
Arbeitskraft, hoben ihn hoch hinaus im
öffentlichen Leben, in den Parlamenten. Aber er war
auch ein Führer der Partei zu einer Zeit, als die Ver=
hältniſſe
in ihr ſchon nicht leicht waren. Er verfolgte die
mittlere Linie und ſuchte auf dieſer die politiſchen und ver=
ſönlichen
Gegenſätze zu verköhnen. Gerade in ſolchen Din=
gen
war ſein Tun und Wirken vorbildlich und dieſe Bahn
hat die Leitung der Partei nicht verlaſſen. Aber neben
dem Volitiker ein Wort über den Menſchen Schmeel. Es

[ ][  ][ ]

war nicht leicht, an das Herz des Mannes heran zu kom=
men
. Nicht Verſchloſſenheit, ſondern eine edle Zurück=
haltung
war es, die manchen das ganze Fühlen und Sin=
nen
nicht enthüllte. Wer aber ihm näher ſtand, mußte ſich
freuen an dem warmen Herzen, an dem ſonnigen Denken
und den idealiſierten Auffaſſungen des ſeltenen Mannes.
Zu ſolchen Eigenſchaften trat eine unerſchütterliche Treue
für die erworbenen Freunde, die ſich in dem Leben der
Partei am ſchönſten zeigte. So verliert die nationallibe=
rale
Partei in ihm einen ihrer Edelſten und Beſten. Am
Grabe ſei gedankt für ſein Wirken durch die langen Jahre
hindurch und die Verſicherung gegeben, daß ſein Andenken
bei uns fortleben wird in dankbarſtem Gedenken.
Auch die Gießener Burſchenſchaft Ger=
mania
die durch eine Abordnung vertreten war, ließ
eine prächtige Kranzſpende niederlegen am Grabe ihres
alten Herrn, der noch vor kurzem die Feier ſeines 50. Se=
meſters
beging. Zahllos war die Reihe der Freunde,
die dem Verſtorbenen als letzten Gruß die drei Schaufeln
Erde auf den Sarg warfen.
St.

Ueberreichung der Meiſters
briefe.

g. In Fürſtenſaale erfolgte geſtern vormittag die
feierliche Ueberreichung der Meiſterbriefe
an die aus den letzten Prüfungen hervorgegangenen
Jung=Meiſter der Provinz Starkenburg,
durch die Meiſterprüfungskommiſion. Der Vorſitzende der
Prüfungskommiſſion, Herr Markwort, begrußte die
Erſchienenen, insbeſondere die Vertreter der Behörden,
als Vertreter des Miniſteriums, Abteilung 3, für Landwirt=
ſchaft
, Handel und Gewerbe, Herrn Oberregierungsrat
Gräf, für die Bauabteilung Herrn Baurat Wagner, von
der Provinzialverwaltung Herrn Regierungsrat von Wer=
ner
, von der Zentralſtelle für die Gewerbe Herrn Regie=
rungsrat
Reuter, von der Handwerkskammer Herrn
Rockel, und Syndikus Engelbach, als Vertreter der
Stadt Herrn Beig. Jäger und den Vorſitzenden des Ge=
werbevereins
, Herrn Jacobi. Er ſchloß mit einem drei=
fachen
Hoch auf den Großherzog. Herr Oberregie=
rungsrat
Gräf überbrachte den Jung=Meiſtern die Glück=
wünſche
der Regierung. Er mahnte ſie weiter zu arbei=
ten
an ihrer Ausbildung, und durch gewiſſenhafte Aus=
bildung
der Lehrlinge für die Zukunft des Handwerks be=
ſorgt
zu ſein. Mit Bedauern habe die Regierung davon
Kenntnis genommen, daß der Vorſitzende der Prüfungs=
kommiſſion
, Herr Markwort der ſein Amt 12 Jahre
lang zu allſeitiger Zufriedenheit ausgeübt habe, ſein Amt
niederlegen will. Er entledige ſich gern der Aufgabe,
Herrn Markwort für die Arbeit, die er im Intereſſe des
Handwerks geleiſtet habe, den herzlichſten Dank der Re=
gierung
auszuſprechen. Herr Markwort gab ſo=
dann
Kenntnis von den Prüfungsreſultaten, die wir ſchon
früher berichtet hatten. Als beſonders erwähnenswert iſt,
daß auch 10 Damen die Meiſterprüfung als Da=
menſchneiderin
beſtanden haben, davon 6 mit gut
und 4 mit Im ganzen gut‟ Er ſtattet dann den Dank
ab für alle, die ſich in den Dienſt des Handwerks geſtellt
haben, durch uneigennützige Mitwirkung bei den Meiſter=
prüfungen
, insbeſondere Herrn Hauptlehrer Backhaus
und den Meiſtern. Als ſein Nachfolger habe ſich Herr
Stadtbaurat Steinberger bereit erklärt, das Amt
eines Vorſitzenden der Prüfungskommiſſion zu überneh=
men
. In Behinderung des erſten Vorſitzenden der Hand=
werkskammer
überbrachte Herr Nockel die Glückwünſche
der Kammer an die Jung=Meiſter mit der Mahnung, an
der weiteren Ausbildung unermüdlich zu arbeiten und ſich
zu dieſem Zweck der Organiſation anzuſchließen, dem Ge=
werbeverein
, den Innungen oder ſonſtigen fachlichen Ver=
einigungen
. An der tatkräftigen Hilfe der Regierung hat
es noch niemals in Heſſen gefehlt und wird es auch in
Zukunft nicht fehlen. Er begrüßte zum Schluß noch beſon=
dern
das ſchöne Geſchlecht und gab dem Dank der Hand=
werkskammer
für die bisherige 12jährige Tätigkeit des
Herrn Markwort und dem Bedauern über ſein Scheiden
Ausdruck unter gleichzeitiger Begrüßung ſeines Nachfol=
gers
. Herr Regierungsrat von Werner überbrachte
die Glückwünſche der Provinzialverwaltung zum beſtande=
nen
Examen und legte den Innungsmeiſtern ebenfalls die
Pflege des jungen Nachwuchſes und ihre weitere Ausbil=
dung
warm ans Herz. Herr Baurat Wagner betonte,
daß die Miniſterialabteilung für Bauweſen das größte
Intereſſe an der Ausbildung der Handwerker habe und
deshalb alle diesbezüglichen Beſtrebungen aufs lebhafteſte
unterſtütze. Namens der Prüfungskommiſſion dankt Herr
Weber Herrn Markwort für ſeine Tätigkeit, während
Herr Stadtbaurat Steinberger verſichert, daß er ſtets
beſtrebt ſein werde, ſich des ihm erwieſenen Vertrauens
würdig zu erweiſen. Den Dank der Jung=Meiſter brachte
mit herzlichen Worten Herr Portefeuille=Meiſter Abs=
meier
zum Ausdruck, worauf Herr Markwort mit
einer nochmaligen Ermahnung zur Strebſamkeit, Nüch=

ternheit u. Ordnungsliebe die harmoniſch verlaufene Feier
ſchloß. Ein gemeinſames Mittageſſen ſchloß
ſich der Feier an.

Lieder=Abend der Darmſtädter
Männer=Geſangvereine.

g Wie ſeit einer Reihe von Jahren vereinigten ſich
auch am Samstag abend wieder die Darmſtädter
Männergeſangvereine in der Turnhalle am
Woogsplatz zum Lieder=Abend 1913, um in fried=
lichem
Wettſtreite Zeugnis abzulegen von den Fortſchrit=
ten
des Männergeſanges im vergangenen Jahre und von
neuem den Zuſammenhalt der Darmſtädter Geſangvereine
zu betonen in dem Beſtreben, den deutſchen Männergeſang
zu pflegen und zu heben. Als Vertreter der Stadt waren
der Einladung gefolgt: Herr Bürgermeiſter Mueller
und Herr Beigeordneter Ekert. Herr Benthaus
begrüßte im Namen des Ausſchuſſes die Erſchienenen und
dann zeigten die verſchiedenen Vereine durch je einen
Chor, daß im abgelaufenen Jahre fleißig und erfolgreich
in den Vereinen weiter gearbeitet wurde an der Pflege
des Geſanges und daß durch energiſchen Willen der Mit=
glieder
und unermüdliches WWirken der Dirigenten eine
hohe Stufe der Vollkommenheit erreicht wurde. Zur Aus=
führung
kam nachſtehende reichhaltige und abwechſelungs=
volle
Vortragsfolge:
1. Singmannſchaft der Turngemeinde Darmſtadt
(Dirigent W. Etzold): Luſtige Geſellen von Ernſt
Schmidt. 2. Geſangverein Olympia (Dir. R. Handke):
Seemannstreue von J. Wengert. 3. Geſangverein
Einigkeit (Dir. O. Schrader): Der Fähnrich von Neff.
4. Geſangverein Germania (Dir. K. Heil): Nun ade von
Ph. Orth. 5. Geſangsabteilung der Militäranwärterver=
einigung
(Dir. R. Etzold): Die Treue von J. Wengert.
6. Geſangverein Teutonia (Dir. H. Becker): Der Frem=
denlegionär
von J. Wengert. 7. Singmannſchaft der
Turngemeinde Beſſungen (Dir. R. Etzold): Die Mühle
im Tale von Weſſeler. 8. Doppel=Quartett Rhein=
gold
(Dir. Franz Damm): Heimweh von Sonnet.
9. Männergeſangverein Concordia (Dirigent R. Etzold):
Matroſengrab von Sonnet. 10. Geſangverein Lieder=
zweig
(Dirigent Fr. Brückmann): Wickingsfahrt von
Sonnet. 11. Geſangverein Liederkranz (Dirigent M. Ste=
tefeld
): Die Abreiſe von K. Schaus. 12. Orthſches Män=
ner
=Quartett (Dirigent K. Grim): Sternennacht von
fen 13. Geſangverein Frohſinn (Dirigent Gg.
Gims): Die Toten der Heide von M. Neumann. 14.
Geſangverein Freundſchaft (Dirigent O. Schrader): Un=
term
Lindenbaum von W. Sturm.
Während der Pauſe nahm Herr Bürgermeiſter
Mueller Gelegenheit, für die freundliche Einladung zu
danken. Wenn er auch zum erſten Male einem Lieder=
abend
anwohne, habe er es doch immer mit Freude und
großem Intereſſe wahrgenommen, daß ſich die Vereine
alljährlich vereinigt haben, um dem Publikum durch ein
gemeinſames Konzert Zeugnis zu geben von dem Wirken
der Vereine. Dies müſſe um ſo mehr erfreuen, als es kein
Wettſingen um Preiſe ſei, ſondern ein friedliches Neben=
einanderwirken
, in dem gemeinſamen Beſtreben, das deut=
ſche
Lied zu pflegen. Er möchte den Leitern und Mit=
gliedern
der Geſangvereine das Geleitwort geben:
Pflegen Sie weiter den ſchönen deutſchen Männergeſang,
damit unſere ſchöne Stadt auch weiterhin eine Pflege=
ſtätte
des ſchönen deutſchen Männergeſanges ſein möge.
Herr Benthaus dankte für die freundlichen Worte.
Die Singmannſchaft der Turngeſellſchaft Darmſtadt
war leider verhindert, durch Abhaltung ihres Dirigenten,
am Lieder=Abend mitzuwirken. Die Chorballade Der
Fähnrich, die vom Geſangverein Einigkeit zum Vortrag
gelangte, war von dem anweſenden Komponiſten A.
Neff=Pfungſtadt komponiert und wurde durch lebhaften
Beifall ausgezeichnet. Mit einigen Dankesworten an
die Mitglieder ſchloß Herr Benthaus den wohlgelun=
genen
Abend.

Darmſtadt, 13. Januar.
Ernennung. Herr Polizeiamtmann Laute=
chläger
in Darmſtadt wurde zum Kreisamtmann bei
dem Kreisamt Bensheim ernannt.
* Vereinigte Kriegervereine Darmſtadt. Am Frei=
tag
abend hatten ſich die Kameraden mit ihren An=
gehörigen
recht zahlreich zu einem Vortrag des Herrn
Wohlgemuth in der Turnhalle am Woogsplatz ein=
gefunden
. Herr Hauptmann a. D. Wldecker begrüßte
die Anweſenden und brachte ein Hoch auf Se. Majeſtät
dn Kaiſer und Se. Königl. Hoheit den Großherzog aus.
Die Ausführungen des Herrn Wohlgemuth, über die wir
früher bereits berichtet, fanden wohlverdienten Beifall.
Der Vorſitzende dankte ſodann im Namen aller Er=
ſchienenen
dem Redner für ſeinen belehrenden Vortrag.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

Berlin, 11. Jan. Der Reichsanzeiger meldet:
Verliehen wurde der Stern zum Königlichen Kronen=
orden
zweiter Kaſſe dem Geſandien in Darmſtadt,
Wirklichen Geheimen Rat Frhr. v. Jeniſch.
* Berlin, 12. Jan. Das volkstümlichſte der Hof=
feſte
, das Krönungsordensfeſt, wurde heute auf
allerhöchſten Befehl im Königlichen Schloß gefeiert. Um
9 Uhr begann die Anfahrt der neu zu dekorierenden
Herren und Damen, der geladenen Generale, Miniſter,
Diplomaten und Fürſtlichkeiten. Der Kaiſer, welcher
Henera suniform trug, und die Kaiſerin begaben
ſich nach 11½ Uhr im feierlichen Zuge mit großem
Vortritt in den Rtterſaal. Prinz Eitel Friedrich führte
die Kronprinzeſſin, Prinz Friedrich Leopold d e Prinzeſſin
Eitel Friedrich, Prinz Auguſt Wilheim die Prinzeſſin
Friedrich Leopold, Prinz Oskar die Prinzeſſin Viktoria
Margarete und Prinz Friedrich Sigismund die Prin eſſin
Viktoria Luiſe. Im Ritterſaal waren bereits die Ritter
des Schwarzen Adlerordens und die aktiven Staats=
miniſter
verſammelt. Der Kaiſer und die Kai erin traten
vor den Thronboldachin, die neuen R tter und Inhaber des
Roten A lerordens, des Kronenordens und des Haus=
ordens
von Hohenzollern nahmen nalp abethiſcher Reihen=
folge
Aufſtellung und defilierten nunmehr Hiernach
ſchritt der Hof in feierlich m Zuge zur zweiten Parade=
Vorkammer, wo die Dame des Wilhelms=Ordens,
des Luiſen=Ordens, des Frauenverdienſtkreuzes, des
Verdienſtkreuzes und der Roten Kreuz=Medaille den
Zug erwarteten; auch hier wurden die neu dekorierten
vorgeſtellt Dann fand in der Schloßkapelle ein feier=
licher
Gottesdienſt ſtatt. Hof= und Domprediger Vits
predigte über 2. Timotheus 3,14: Du aber bleibe in
dem, was du gelernet haſt und dir vertrauet iſt. Das
niederländiſche Dankgebet, von der Gemeinde und dem
Chor geſungen und von einem Bläſerchor begleitet,
choß die kirchliche Fe er. Sodann begann die Tafel.
Gegen 1000 Perſonen ſpeiſten an des Königs Tiſch.
Berlin, 11. Jan. Den Abendblättern zufolge ſoll
über die Luftfahrbetriebsgeſellſchaft der
Konkurs verhängt worden ſein. Das Unternehmen
florierte anfangs gut. Der Lenkballon Stollwerk und
der ei ema ige P L. 6 konnten kaum die Zahl der
meldenden Paſſagiere zu Spazierfahrten aufnehmen.
Während der Wintermonate und während des ſchlechten
Wetters, wobet nicht geflogen werden konnte, überſtiegen
die Unterhaltungskoſten bei weitem den Gewinn. Auch
die Scheinwerferreklame erfüllte nicht die auf ſie geſetzten
Hoffnungen. Die Verpflchtungen der Luftfahrbetriebs=
eſellſchaft
werden auf 400000 bis 450000 Mark geſchätzt.
Die Ballons dürften von der Bitterfelder Luftfahrzeug=
Geſellſchaft angekauft werden. Der Betrieb ſoll im
allgemeinen auf der bisherigen Baſis weitergeführt werden.
* Potsdam, 11. Jan. Der Brand im Adjutan=
tenflügel
des Neuen Palais iſt durch eine Dampf=
entſtrömung
im Korridor des zweiten Stocks des Ad=
jutantenflügels
entſtanden. Das Feuer wurde innerhalb
¾ Stunden auf ſeinen Herd beſchränkt. Der Schaden iſt
unbedeutend. Nach Beendigung der Arbeiten ließ der
Kaiſer den Feuerwehrleuten einen Trunk reichen.
* Neuſtadt a. d. Haardt, 11. Jan. Heute vormittag
and in Anweſenheit des Eiſenbahnpräſidenten Gayer=
Ludwigshafen, Reichsrat v. Lavale, den Bezirksamt=
männern
von Neuſtadt und Landau, ſowie von Vertretern
von Handel, Induſtrie und Landwirtſchaft die feierliche
Eröffnung der elektriſch betriebenen
pfälziſchen Oberlandbahn Neuſtadt-Landau
in der Pfalz ſtatt.
* Bremen, 12. Jan. Der Bruch der Kurbel=
welle
auf dem Dampfer Großer Kurfürſt fand
in 46 Grad 40 Minuten nördl Breite und 39 Grad weſtl.
Länge ſtatt. Da das Schiff mit halber Kr ft fährt, trifft
es vorausſichtlich am 17. Januar in New York ein. Eine
Reſervewelle iſt an Bord. Die Reparatur wird in Nem=
York vorgenommen. Paſſagiere und Mannſchaft ſind
wohl.
Stettin, 11. Jan. Der Poſtſchaffner Gruel= aus
Bergen auf Rügen iſt ſeit geſtern ſpurlos ver=
ſchwunden
. Eine Reviſion ergab das Fehlen von
16000 Mark Poſtkaſſengelder. Die Oberpoſtdirektion
Stettin ſetzte auf die Ergreifung des Flüchtigen eine
Belohnung von 509 Mark aus.
* Poſen, 11. Jan. Wie das Poſener Tageblatt mel=
det
, hat der Landwirtſchaftsminiſter die Beſchwerden
gegen die Enteignung der Rittergüter
Zlotnik, Dobſka und Koldroma zurückgewieſen. Be=
züglich
der Enteignung von Lipinken iſt ein Beſcheid auf
die eingelegte Beſchwerde noch nicht ergangen.

Großherzogliches Hoftheater.
Samstag, 11. Januar.
Robert und Bertram‟.

W-l. Die heutige zweite Vorſtellung des Poſſenzyklus
fand vor ausverkauftem Hauſe ſtatt. Zur Aufführung ge=
langte
die Poſſe Robert und Bertram die das Publi=
kum
in eine höchſt animierte Stimmung verſetzte. Das
luſtige Vagabundenpaar wurde von den Herren Peter=
ſen
und Jordan dargeſtellt, die ihrer Aufgabe in
allen Situationen mit ſchauſpieleriſcher Gewandtheit und
köſtlichem Humor gerecht wurden und Beifallsſtürme
ernteten. Die Coupleteinlage in der letzten Szene, früher
eine Hauptzugnummer, fiel diesmal fort. Den Stram=
bach
ſpielte zum erſten Male Herr Herrmann der ſich
mit Glück an bekannte Vorbilder anlehnte. Das Enſemble
des erſten Teiles wurde weiter durch Herrn Bern=
hardt
als Michel, Fräulein Gothe als Röſel, Herrn
Semler als Mehlmeyer und die Herren Klotz und
Jungmann als Landgensdarmen vervollſtändigt. Das
amüſante, an Charakterköpfen reiche Ipelmeyer=Enſemble
ſetzte ſich aus dem Herrn Wagner als Familienober=
haupt
, Fräulein Uttmann als deſſen Tochter Iſidora,
Herrn Weſtermann als Hausfreund Dr. Corduan,
Frau Müller=Rudolph als Kommerzienrätin, dem
Bandheim des Herrn Schneider und, nicht zu vergeſſen,
dem Jack des Herrn Knispel zuſammen, die ein ſtil=
volles
Ganzes bildeten. Sehr hübſch war die eingelegte
von den Damen Huber und Croneberg graziös
getanzte Stephanie=Gavotte und der Grotesk=Walzer der
acht Damen des Ballettkorps. So gelang alles ſehr gut
bis auf den Sing=Sang, der zum größten Teile mangel=
haft
war.
Die Regie führte, wie am erſten Abend, Herr Hacker,
der ſich hier wie dort als tüchtiger und umſichtiger Arrau=

geur und Regiſſeur bewährte. Die muſikaliſche Leitung
hatte Herr Kapellmeiſter Wach.
Sonntag, 12. Januar.
Lohe grin‟.
Wl. Auch die heutige Vorſtellung fand vor ausver=
kauftem
Hauſe ſtatt. Sowohl die Beliebtheit der Oper
ſelbſt, als auch ihre Neuinſzenierung hatte dies bewirkt,
Letztere erſtreckte ſich auf alle Szenen. Die des erſten Aktes
wird beherrſcht durch einen zur Linken der Bühne den Ge=
richtsplatz
bezeichnenden rieſigen Eichenſtamm, deſſen
Spitze niedergebrochen iſt. Durch das Fortfallen der
Seitenkuliſſen erhält man einen großen, freien Blick auf
die Landſchaft mit der Schelde im Hintergrund. Dieſe
neue Szene iſt ſchön und wirkungsvoll. Die zweite Szene,
die Burg zu Antwerpen, zeigt rechts den Eingang zum
Münſter, wie früher. In der Mitte führt eine Treppe
rechts zum Königsbau, über deſſen Altan die Mannen auf
die Treppe gelangen, und links über einen großen vorge=
bauten
Balkon zur Frauenwohnung, die aber nur auf der
rechten Seite des Hauſes ſichtbar iſt. Die Szene iſt architek=
toniſch
ſtil= und wirkungsvoll, aber in ihrem Grau
in Grau wohl etwas zu düſter gehalten, namentlich gilt
dies von dem grauen Himmel. Das Brautgemach im
3. Akte iſt in einfachem Stil gehalten. In der Mitte iſt
ein großes Fenſter, durch das das Mondlicht ſtimmungs=
voll
hineinfällt und Zweige eines blühenden Baumes
freundlich hineingrüßen. Vor dem Fenſter befindet ſich
ein Ruheſitz. Die maleriſche Ausſchmückung der Fenſter=
niſche
blieb leider ein Geheimnis, da das Zimmer durch
eine Ampel nur ſpärlich beleuchtet wird. Die neuen
zeniſchen Bilder, die von den Herren Kempin dem be=
währten
Meiſter, und Schwerdtfeger geſchaffen wor=
den
ſind, tragen auch einer wirkungsvolleren Verteilung
und Gruppierung der Perſonen auf der Bühne verſtänd=
nisvoll
Rehnung.

Einzelnes iſt noch einer Reviſion bedürftig, wie zum
Beiſpiel das Schwanengefährt und der Schwan ſelbſt,
deſſen ſtoffliche Zuſtutzung illuſionsſtörend wirkte.
Die muſikaliſche Leitung der Aufführung unterſtand=
Herrn Hofkapellmeiſter de Haan. Die Regie führte in
Vertretung des Herrn Valdek Herr Lert. Einige Ver=
beſſerungen
der Regie ſind zu begrüßen, mit anderen Aen=
derungen
aber ſind wir nicht einverſtanden, beſonders nicht
mit dem gänzlichen Verzicht des Chors auf das die Vor=
gänge
auf der Bühne begleitende ſog. ſtumme Spiel, wo=
mit
ein künſtleriſch nicht nur erlaubtes, ſondern gebote=
nes
Mittel zur Belebung der Handlung und Erhöhung
der dramatiſchen Wirkung preisgegeben wird. Daß man
früher hierin zu weit gegangen iſt, kann es nicht rechtferti=
gen
, daß man gänzlich damit aufräumt.
Ueber der Aufführung ſelbſt waltete leider kein gün=
ſtiger
Stern. Schon die Abſage des Frl. Geyersbach=
hatte
das Publikum verſtimmt, und die Aufführung ſelbſt
und die viel beklagten langen Pauſen die Pauſe nach
dem 2. Akte dauerte 35 Minuten trugen nicht dazu bei,
die Stimmung zu heben. Frau Lorentz=Hölliſcher,
vom Hoftheater in Karlsruhe, welche die Partie der Elſa=
ſang
, eignet ſich für dieſe nicht, da Erſcheinung und Stime
me zu heroinenhaft ſind und ſie durch ihren Vortrag nicht
imſtande war, zu erwärmen. Die übrige Beſetzung war
die frühere: im erſten Akt, deſſen Gebet mißglückte, ſchienen
die Sänger ermüdet zu ſein. Herr Becker war, wie im=
mer
, geſanglich korrekt und zuverläſſig, konnte ſich aber,
wie es ſchien, heute abend an ſeiner Aufgabe nicht recht
begeiſtern; am beſten war er in der Schlußſzene. Das
ſchöne Liebesduett des 3. Aktes blieb ohne tiefere Wir=
kung
, wie die ganze Aufführung.
Die Vorſtellung endete infolge der langen Pauſen
um ¼12 Uhr ſtatt um ½11 Uhr.

[ ][  ][ ]

2 Paris, 1. Jan. Der Kriegsminſter ſetzte in dem
Miniſterrat auseinander, aus welchen Gründen er
ſich genötigt geſehen habe, Oberſtleutnant Paty de
Clam wieder in die Landwehr aufzunehmen. Er nehme
jede Verantwortung für den Beſchluß, den er als eine
innere Verwaltungsmaßregel betrachte, auf ſich.
* Orenſe 11. Jan. Infolge der durch die Trockenheit
verurſachten Teuerung brach in Carballino ein Auf=
ſtand
aus. Die Einwohner bewarfen das Rathaus mit
Steinen, drangen in die Weinkeller ein, plünderten die Ge=
treidelager
und zogen dann in die benachbarten Ortſchaf=
ten
. Bei ihrem Durchzug verwüſteten ſie alles. Mili=
täriſche
Verſtärkungen ſind erbeten worden.
Jekaterinoslaw, 11. Jan. Auf den Gruben von
Gorski=Iwanowsky wurden bei der Einfahrt durch
den Abſturz eines Förderkorbs ſieben Perſonen ge=
tötet
und fünf verwundet.
* Winnipeg, 11. Jan. Der Verband der weſt=
lichen
Farmer, dem 10000 Farmer angehören, nahm
auf ſeiner Tagung einer Reſolution an, in der die Politik
der Regierung, zur Verſtärkung der britiſchen Reichs=
marine
beizutragen, ohne die Frage den Wählern vorzu=
legen
, verurteilt wird. Die Reſolution tritt ferner für den
Weltfrieden ein und bedauert den beabſichtigten Flotten=
beitrag
Kanadas, von dem ſie ſagt, er würde der Frie=
densidee
Abbruch tun.
* Peking, 11. Jan. Die ruſſiſche Regierung
teilte China mit, ſie ſehe keine Notwendigkeit, die aus
dem Boxeraufſtand an Rußland zu leiſtenden
Entſchädigungen noch länger zu ſtunden, da
China, trotz ſeiner Verſicherung, über keine Mittel zu
verfügen, gegenwärtig bekanntlich große Summen für
den Ankauf von Waffen, die Aufſtellung und Bewegung
der Truppen verwende.
Straßburg i. E., 11. Jan. Am nächſten Donners=
tag
wird im großen Sängerſaal eine öffentliche Proieſt=
Verſammlung gegen das vaterlandsverräteriſche
Treiben des Reichs= und Landtagsabgeordneten Abbé
Wetterlé ſtattfinden Referenten ſind Profeſſor Dr.
Chrismann (Straßburg) und Juſtizrat Jerſchke ( Straß=
burg
). Veranlaßt und einberufen wurde die Verſamm=
lung
von der hieſigen, aus Mitgliedern aller Partei=
richtungen
ſich zuſammenſetzenden elſäſiſch=lothringiſchen
Vereinigung.
München, 12. Jan. In der Nähe von Parten=
kirchen
geriet in der vergangenen Nacht ein Miets=
automobil
infolge Schneefalles ins Rutſchen und
ſtürzte die Böſchung hinunter. Von den Inſaſſen wurde
einer getötet, die anderen erlitten leichte Verletzungen.

Der Raubmord in Ortwig.
* Berlin, 11. Jan. Der dreifache Raubmord
an dem Ehepaar Callies und dem Dienſtmädchen
Anna Philipp in Ortwig iſt jetzt vollſtändig aufge=
klärt
. Der 40 Jahre alte Knecht Otto Schöne iſt der
Mörder. Er hat drei Komplizen gehabt. Einer
von ihnen, der 16jährige Arbeiter Willi Kerſten aus
Adlershof, iſt geſtern in einem Berliner Reſtaurant ver=
haftet
worden. Nach ſeinem Geſtändnis hat Schöne die
drei Mordtaten allein begangen, nachdem er zuvor mit
Hilfe der drei Komplizen das Ehepaar Callies und das
Dienſtmädchen gefeſſelt und aus dem Geldſchrank 480 Mk.
geraubt hatte. Die Verhaftung des einen Komplizen ge=
lang
dadurch, daß es dem Wirt eines Reſtaurants am Grü=
nen
Weg, in dem geſtern nachmittag drei Burſchen im
Alter von 16 bis 18 Jahren in einfacher Kleidung, jeder
mit einem Bündel in der Hand, erſchienen, auffiel, daß
die drei nacheinander ſich in einem Nebenraum vollſtändig
umkleideten. Als der herbeigerufene Polizeibeamte er=
ſchien
, fand er nur noch einen der Burſchen vor.
* Berlin, 10. Jan. Der verhaftete Kerſten leugnete
anfänglich. Nach längerem Verhör gab er aber an, mit
wei weiteren Berlinern dem Knecht bei der Ausführung
des Verbrechens behilflich geweſen zu ſein Seiner Schil.
derung nach ſeien er und ſeine Kameraden von dem Knecht
in einer Herberge in Müncheberg angeſprochen worden.
Der Knecht habe ihnen ein Nachtlager auf dem Gutshofe
ſeines Herrn angeboten, was ſie annahmen. Am Morgen
habe er ihnen erzählt, er beabſichtige, den Gutsbeſitzer un=
ſchädlich
zu machen und ſich 5000 Mk. aus dem Geldſchrank
anzueignen. Der Knecht habe dann nacheinander den
Gutsbeſitzer, deſſen Frau und das Dienſtmädchen nieder=
geſchlagen
, gefeſſelt und geknebelt und den Geldſchrank er=
brochen
. Jedem der Berliner habe er 120 Mk. gegeben.
Der Verhaftete will ſich dann mit ſeinen Kameraden ent=
fernt
haben. Nach ſeiner Darſtellung müßte der Knecht
ſpäter allein die Mordtaten begangen haben.
* Berlin, 11. Jan. Die beiden letzten an der Mord=
tat
in Ortwig beteiligten Burſchen wurden heute
morgen in dem Bezirk des 35 Polizeireviers feſtge=
nommen
Die 19= bezw. 18jährigen Arbeiter Geora
Kerſten und Franz Schliewent wurden dem Polizipräſi=
dium
zugeführt.
* Berlin, 11. Jan. B. Z. meldet zu dem Morde
aus Ortwig: Georg Kerſten räumte ein, daß er bei
dem Morde der drei Perſonen zugegen geweſen iſt. Die
Tat ſelbſt habe Schöne allein ausgeführt. Sehr ſtark ver=
wickelt
waren die Widerſprüche der Verhafteten in bezug
auf ihr Verhalten gegenüber den beiden Töchtern des Ehe=
paares
Collies. Während Schöne behauptet hatte, daß er
ſeine Komplizen von der Ermordung der Mädchen zurück=
gehalten
hätte, behaupten Georg Kerſten und Schliewent,
ſie hätten die Kinder vom Tode gerettet. Den Wechſel der
Anzüge haben die Verhafteten in einem Neſtaurant am
Grünen Weg vorgenommen. Dies fiel im Wirtshauſe auf,
zumal auch einer der Burſchen einen Zettel verlor, welcher
den Namen Ortwig trug. Daraufhin erſtattete der Gaſt=
wirt
Anzeige. Im Beſitze der Verhafteten fand man nur
noch wenige Mark.
* Berlin, 11. Jan. Die Mutmaßungen der hieſigen
Kriminalpolizei, daß der Raubmörder Heinrich
in Ortwig mit dem ſeit nunmehr acht Jahren geſuch=
ten
Auguſt Sternickel identiſch iſt, erwieſen ſich
als richtig. Heute nachmittag fuhr der Kriminalwacht=
meiſter
Waterkamp mit einer Meßkarte des hieſigen Er=
kennungsdienſtes
nach Ortwig. Hier ergab ſich eine voll=
ſtändige
Uebereinſtimmung zwiſchen den Fingerabdrücken
mit denjenigen Sternickels.
Sternickel ermordete am 10. Juni 1905 in der hiſtori=
ſchen
Mühle bei Plagwitz in Schleſien den Mühlenbeſitzer
Knappe, einen alten Mann, mit Helfershelfern und ſteckte
dann die Mühle in Brand. Es gelang damals nicht, ihn
zu ergreifen. Im Laufe der nächſten Jahre verübte er
noch mehrere ſchwere Raubanfälle und bildete für die Be=
völkerung
einen dauernden Schrecken. Im Januar 1908
gelang es den Gendarmen, ihn feſtzunehmen; doch iſt er
wohl infolge mangelhafter Bewachung wieder entkommen.
Auf ſeine Ergreifung war damals eine Belohnung von
10 000 Mark ausgeſetzt.

* Berlin, 11. Jan. Als der Raubmörder Schöne
heute unter dem Wutgeheul einer vielhundertköpfigen
Menge durch Ortwig transportiert wurde, fiel es auf,
daß an Schönes linker Hand ein Finger verkrüppelt war.
Da dieſes das bekannte Merkmal des Raubmörders
Sternickel iſt, verbreitete ſich das Gerücht, Schöne ſei
der Sternickel. Die Identität wurde dann durch den Er=
kennungsdienſt
der Kriminalpolizei zur Gewißheit. Da
das Amtsgerichtsgefängnis in Wriezen für einen ſolch
ſchweren Verbrecher keine genügende Sicherheit bietet,
wurde der Mörder heute abend in das Landgerichtsge=
fängnis
nach Frankfurt a. Oder übergeführt. Den
Kopf trägt er vorläufig verbunden, da ihm bei der Ueber=
führung
von Ortwig nach Wriezen von der wütenden
Menge eine klaffende Kopfwunde beigebracht
worden iſt. Er bleibt noch immer dabei, nichts mit Ster=
nickel
zu tun zu haben. Als ihn ein Polizeikommiſſar
heute früh, während er noch im Bett lag, unvermutet mit
dem Namen Sternickel anredete, erwiderte er: Ich nannte
Ihnen meinen Namen, was wollen Sie von mir?
Seine drei Komplizen will er durchaus nicht kennen. Er
behauptet nach wie vor, ſie ſeien plötzlich auf einem Mo=
torrade
angekommen und hätten ihn unter den ſchwerſten
Drohungen gezwungen, mit ihnen gemeinſam den Raub
auszuführen.
Schiffsunfälle.
* Kiel, 11. Jan. Eine Jolle vom Torpedoboot
S. 70 iſt beim Verſuch, ein bei Schleimünde angetriebe=
nes
Torpedo zu bergen, mit drei Mann, dem Torpedo=
oberbootsmannsmaaten
Großmann und den Matroſen
Rademacher und Schipper, auf noch unaufgeklärte Weiſe
geſunken. Die Nachforſchungen nach dem Boot und
den Leuten blieben bisher ergebnislos.
* London, 11. Jan. Der deutſche Dampfer
Heptomas wurde, als er in Barry Roads ankerte,
heute vormittag im Nebel von einem Handelsſchiff aus
dem Briſtol=Kanal angerannt. Heptomas ſank.
Alle Leute wurden gerettet. Als die Mannſchaft das ſin=
kende
Schiff im Boot verließ, ertönte der Ruf, daß der
Schifshund im Waſſer ſei, man ruderte zurück und rettete
auch den Hund.

Landon, 11. Zan. Der holindiſche Schoner
Aafiena
von Bremen kommend, ſcheiterte
geſtern abend während eines Orkans bei Carnouſtie in der
Nähe von Dundee. Von den an Bord befindlichen vier
Mann wurden nur der Kapitän gerettet.
* London, 11. Jan. Durch den ſtarken Sturm und
Schnee iſt der Schiffs= und Güterverkehr, beſonders im
Norden von England ſtark behindert. Auch an zahlreichen
Orten des Inlands iſt viel Schaden angerichtet worden.
Eine Anzahl von Kohlendampfern iſt außerſtande, mit
Ladung Shields zu verlaſſen.
8
New=York, 11. Jan. Die hieſige Agentur des
Norddeu tſchen Lloyd erhielt ein drahtloſes Tele=
gramm
von dem Dampfer Großer Kurfürſt, das
beſagt, daß 560 Meilen öſtlich von Kap Race die Backbord=
kurbelwelle
zerbrach und der Dampfer mit halber Ge=
ſchwindigkeit
weiter fahre.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

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ſtopfung
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ſchmack
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Heute nachmittag um 1½ Uhr entschlief sanft nach schweren Leiden
unsere geliebte Mutter, Schwiegermutter und Grossmutter
Frau Gch. Regierungsrat Marie Schumann
geb. Fast
(1616
im 77. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Anna Wickop, geb. Schumann,
Amtsgerichtsrat Ernst Schumann,
Darmstadt, Sulzbach-Saar Helene Horn, geb. Schumann,
und Wiesbaden,
Geh. Baurat Professor Georg Wickop,
Margarete Schumann, geb. Fast,
den 11. Januar 1913.
Kaiserlicher Bankrat Carl Horn
und 9 Enkel.
Die Trauerfeier findet am Dienstag, den 14. Januar, nachm. 2¼ Uhr, im Sterbehaus Martins-
strasse
70 statt, die Beerdigung im Anschluss daran auf dem Darmstädter Friedhof.

Todes=Anzeige.
Geſtern Samstag abend 7 Uhr entſchlief
ſanft im 25. Lebensjahre nach kurzem Kranken=
lager
unſer innigſtgeliebter Sohn, Bruder und
(1619
Bräutigam
Friedrich Krüger
Schreibgehilfe bei Gr. Amtsgericht I.
Darmſtadt, den 12. Januar 1913.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Gottfried Krüger,
Gr. Hochbauamtsdiener,
Familie Johann Krauss,
Schneidermeiſter.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 14. Jan.,
nachmittags 3 Uhr, vom Portale des Darm=
ſtädter
Friedhofes aus, ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
anläzlich des Hinſcheidens meines lieben, unver=
geßlichen
Gatten, unſeres Vaters u. Großvaters
Herrn Gustav Block
Schutzmann
ſagen wir Allen, insbeſondere Herrn Pfarrer
Rückert für ſeine troſtreiche Grabrede, dem Herrn
Regierungsrat Gennes für ſeine herzlichen Worte,
den Herren Vorgeſetzten des Dahingeſchiedenen,
der Darmſtädter Schutzmannſchaft, denjenigen,
welche bei dem Unglücksfall die erſte Hilfe ge=
leiſtet
haben, ſowie für die zahlreichen Blumen=
ſpenden
auf dieſem Wege unſeren herzlichſten Dank.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Eliſe Block Witwe,
Berta Amberg, geb. Block,
Karl Amberg u. 2 Enkel.
1553)

Im Namen der Hinterbliebenen
herzlichen Dank für die wohltuende
Teilnahme an dem unerſetzlichen Ver=
luſte
, der uns betroffen hat.
Ph. Günther.
Darmſtadt, den 11. Jan. 1913.
(*1039

Tageskalender.

Großh. Hoftheater (Ab. C). Anfang 7 Uhr: Fauſt.
Vorſtellung um 8½ Uhr im Orpheum.
Kammermuſik=Abend des Darmſtädter Streich=
quartetts
um 8 Uhr im Hotel Zur Traube‟
Vortrag von Profeſſor Dr. Berger um 8¼ Uhr im Saal
330 der Techniſchen Hochſchule (Volksbildungsverein).
Lichtbilder=Vortrag von Pfarrer Deggau zum
Beſten des Eliſabethenſtifts um 8¼ Uhr im Kaiſer=
ſaal
.
Vortrag von Pfarrer Bickelhaupt um 8 Uhr Moller=
ſtraße
23 (Frauenverein der Martinsgemeinde).
Generalverſammlung des Bezirksvereins Alt=
ſtadt
um 9 Uhr in der Krone.

Verſteigerungskalender.

Dienstag, 14. Januar.
Hofreite=Verſteigerung des Julius Nau (Nieder=
Ramſtädterſtraße) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Kaſtanien= und Lindenbäume= Verſteiger=
ung
um 10 Uhr, beginnend vor dem Bureaugebäude an
dem proviſoriſchen Weg zwiſchen dem alten Bahnhofs=
platz
und Feldbergſtraße.
Stammholz=Verſteigerung um 9½ Uhr im
Pfungſtädter Gemeindewald (Zuſammenkunft an der
Sandſchollſchneiſe am Eingang des Waldes).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Oito Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

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V 35 an die Expedition. (*1037

Feisse Woche

verbunden mit

Inventur-Ausverk
Vom S. bis 22. Januar 1913
stelle ich nachstehend verzeichnete aussergewöhnliche
Geiegeinens-kaufe
in Baumwoll- und Leinenwaren
weit unter Wert, solange der Vorrat reicht, zum Verkauf:

Div. Posten Renforce, Cretonne, Madapolame, Macco, Louisianatuch
per Meter 55, 65, 70, 75, 80 Pfennig und besser. Verschedene Posten 150 u. 100 cm breit Gretonne u. Dowias für Beticher
von Mark 1.10, 1.25 etc. per Meter an. Einige Posten 80 cm breit Halbleinen und Reinleinen
per Meter von 80, 90 Pfennig, Mark 1.10, 1.20 anfangend.
Reinleinen Mark 1.50, 1.70, 1.90 etc. per Meter. Mrere Posten 150 u. 180 om breit Halbleinen für beticher
Rasenbleiche
per Meter Mark 1.20, 1.60, 1.80, 2.10, 2,40 etc. etc. Einige Posten 130 u. 160 cm breite weisse Bettdamaste
von 65, 95 Pfg., 1.10, 1.15, 1.35 etc. an per Meter. Verschiedene Posten 80 cm breit weiss gerauhte Croise für Leibwäsche
in guten Qualitäten und richtiger Breite
von 55, 65, 75, 80 Pfennig per Meter an. Diverse Posten 80 cm breit Flockpiqué
per Meter von 70, 75, 80 Pfennig, Mark 1., 1.20 etc. Enorme Auswahl in Küchen-Handtüchern, am Stück von 55, 60, 65 Pfg.
per Meter an, abgepasst per ½ Dutzend Mark 1.95, 3.20 etc.
Wischtücher, abgepasst, ½ Dutzend Mark 1.60, 1.75, 2.25 etc. Diverse Posten abgepasster weisser Handtücher, fertig, gesäumt u. gebändert
das Dutzend Mark 7.50. Prima Gerstenkorn Dutzend Mark 8.50, 9.50, 12.
am Stück per Meter 50, 55, 60, 70 Pfg. etc. Verschiedene Posten fertige Kiosenberüge in Gretonne, Halblehnen und leinen
in jeder Preislage. 4 Partien Tischzeug
110X150 cm Tischtuch (Jacquard), per Stück Mark 1.60
Servietten 60X60 cm, das Dutzend Mark 4.25
130X160 cm Tischtuch (Halbleinen), per Stück Mark 2.80
Servietten 60X60 cm, das Dutzend Mark 5.80
130X160 cm Tischtuch (Halbleinen), prima Qualität, per Stück Mark 3.25
Servietten 60X60 cm, das Dutzend Mark 6.25
Reinleinen:
130X160 cm Tischtuch, Mark 4. das Stück
Servietten 60X60 cm, das Dutzend Mark 8.50 Mehrere Posten Damenhemden. Verschiedene Posten Taschentücher in allen Preislagen.

Ich mache ausdrücklich darauf aufmerksam, dass es sich bei obiger Offerte
nur um reelle, fehlerfreie Qualitäten handelt, die besonders billig zum Verkauf
gelangen.
Auswahlsendungen oder Muster können nicht abgegeben werden.
Günstigste Gelegenheit zur Beschaffung von Ausstattungen.

Gleichzeitig mache ich auf meinen nach beendeter Inventur während dieser
Zeit stattfindenden
Inventur-Ausverkauf
höflichst aufmerksam, worin aus sämtlichen Abteilungen meines Lagers
grössere Posten wie Damenkleiderstoffe aller Art, fertige Damenwäsche,
abgepasste Vorhänge, Garnituren usw. bis zu 50 Prozent Preis-
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zum Verkauf gelangen.
Sheoderiseu
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Telephon 1208. :: Marktplatz. Ludwigstrasse 1 Telephon 1208.

Mitglied des Rabatt-Spar-Vereins.

(1244do

[ ][  ][ ]

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
cher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
nden
ſich: 3 Pinſcher. 1 Pinſcher, 1 Foxterrier, 1 Boxer (zugelaufen).
e Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier aus=
öſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
Vortſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(1561

Spulung des Waſſerrohrnetzes.

Im Laufe der nächſten Woche wird eine Spülung des Waſſer=
rohrnetzes
in den unten bezeichneten Stadtteilen vorgenommen, welche
in der Zeit von 10 Uhr avends bis 5 Uhr morgens eine zeitweiſe
Unterbrechung der Waſſerabgabe, ſowie eine Trübung des Waſſers
mit ſich bringt; die Waſſerabnehmer werden deshalb gebeten, ſich
vorher mit Waſſer zu verſorgen.
Spülplan.
1.
In der Nacht von Montag, den 13. zu Dienstag, den
14. ds. Mts. werden geſpült:
die Spülbezirke 1 und II.
In dieſe Bezirke fallen alle Straßenzüge ſüdlich der Bismarck=
ſtraße
, weſtlich vom Paradeplatz, nördlich des Teiles der Rheinſtraße
zwiſchen Ernſt=Ludwigs=Platz und Wilhelminenſtraße, weſtlich des
Teiles der Wilhelminenſtraße, zwiſchen Rheinſtraße und Heinrichs=
ſtraße
, weſtlich vom Wilhelminenplatz, nördlich des Teiles der Heinrichs=
ſtraße
von der Wilhelminenſtraße bis zur Heidelberger=Straße, öſtlich
des Teiles der Heidelberger=Straße, zwiſchen Heinrichsſtraße und
Eſchollbrücker=Straße, nördlich der Eſchollbrücker=Straße, zwiſchen Heidel=
berger
=Straße und Stadtallee, nördlich der Stadtallee von der Eſcholl=
brücker
=Straße bis zur Main=Neckar=Bahn und öſtlich der Main=Neckar=
Bahn zwiſchen Stadt=Allee und Bismarckſtraße.
Von den dieſe Spülbezirke umgrenzenden Straßen und Plätzen
werden mitgeſpült die Bismarckſtraße, die oben angegebenen Teilſtrecken
der Wilhelminenſtraße und der Heinrichsſtraße und die Nordſeite der
Rheinſtraße, zwiſchen Ernſt=Ludwigsplatz und Wilhelminenſtraße.
Ferner wird noch mitgeſpült die Frankfurter=Straße, zwiſchen Bis=
marck
= und Kahlertſtraße.
2. In der Nacht von Mittwoch, den 15. zu Donnerstag,
den 16. ds. Mts. werden geſpült:
die Spülbezirke III und IV.
In den Spülbezirk III fallen ſämtliche Straßenzüge nördlich
der Bismarckſtraße und weſtlich der Frankfurter=Straße, ſowie die
Straßenzüge nördlich der Holzhofallee und weſtlich der Main=Neckar=
Bahn.
Von den dieſen Bezirk umſchließenden Straßen werden mitge=
ſpült
die Frankfurter=Straße von der Kahlertſtraße aus in der Richtung
nach Arheilgen und die Holzhofallee.
In den Spülbezirk IV fallen die Straßenzüge öſtlich des Teiles
der Wilhelminenſtraße, zwiſchen Heinrichs= und Rheinſtraße, ſüdlich
des Teiles der Rheinſtraße, zwiſchen Wilhelminenſtraße und Ernſt=
Ludwigs=Platz, ſüdweſtlich vom Ernſt=Ludwigs=Platz und Marktplatz,
ſüdweſtlich und weſtlich der Kirchſtraße, weſtlich des Teiles der
Karlsſtraße, zwiſchen Kirchſtraße und Heinricheſtraße und nördlich des
Teiles der Heinrichsſtraße, zwiſchen Karle= und Wilhelminenſtraße.
Von den dieſen Spülbezirk eingrenzenden Straßen und Plätzen
werden mitgeſpült die Kirchſtraße, die oben angegebenen Strecken der
Karls= und Heinrichsſtraße, ſowie die Südweſtſeite des Ernſt=Ludwigs=
und des Marktplatzes und die Oſtſeite des Wilhelminenplatzes, ferner
wird mit dieſem Bezirk geſpült die Kapellſtraße.
3. In der Nacht von Samstag, den 18. zu Sonntag, den
19. ds. Mts. werden geſpült:
die Spülbezirke VI und VII.
Dieſe Bezirke liegen einmal zwiſchen Dieburger= bezw. Alexander=
ſtraße
und Heinrichsſtraße und erſtrecken ſich ferner vom Parade=,
Ernſt=Ludwigs= und Marktplatz, ſowie der Kirch= und Karlsſtraße bis
zum Woog und der Odenwaldbahn; ausgeſchloſſen iſt die Mathilden=
höhe
, ſowie die Alexander= und Dieburger=Straße ſelbſt.
Darmſtadt, den 7. Januar 1913.
(1362so
Städtiſche Waſſerwerks=Verwaltung.
Rudolph.

Bekanntmachung.

In Gemäßheit des § 3 Abſatz 2 des Reichsgeſetzes vom 28. Mai
1894, betreffend den Schutz der Brieftauben und den Brieftauben=
verkehr
im Kriege, veröffentlichen wir die Namen derjenigen hieſigen
Brieftaubenzüchter, welche Mitglieder des Brieftauben=Klub Heim=
kehr
ſind, mit dem Anfügen, daß dieſer Klub dem Verband deut=
ſcher
Brieftaubenliebhaber=Vereine angehört und ſtatutengemäß
ſeine Brieftauben der Militär=(Marine=)Verwaltung zur Verfügung
geſtellt hat.
(1558

1. Weber, Heinrich.
2. Nikolay, Ernſt.
3. Schulz, Jakob.
4. Schanz, Adam.
5. Müller, Ernſt.
6. Emich, Wilhelm.

7. Matthes, Georg.
8. Blum, Franz.
9. Heinz, Georg.
10. Neubert, Wilhelm.
11. Wedel, Wilhelm.
12. Schaffnit, Karl.

Ober=Ramſtadt, 7. Januar 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.

Bekanntmachung.

In Gemäßheit des § 3 Abſatz 2 des Reichsgeſetzes vom 28. Mai
1894, betreffend den Schutz der Brieftauben und den Brieftauben=
verkehr
im Kriege, veröffentlichen wir die Namen derjenigen hieſigen
Brieftaubenzüchter, welche Mitglieder des Brieftauben=Klub Ober=
Ramſtadt ſind, mit dem Anfügen, daß dieſer Klub dem Verband
deutſcher Brieftaubenliebhaber=Vereine angehört und ſtatutenge=
mäß
ſeine Brieftauben der Militär=(Marine=/Verwaltung zur Ver=
fügung
geſtellt hat.
(1559

1. Franz Dickeſcheid.
2. Fried. Heim.
3. Georg Rodenhäuſer.
4. Georg Ritſcher.
5. Philipp Vetter.

6. Rudolf Jakoby.
7. Franz Becht.
8. Friedrich Rodenhäuſer.
9. Konrad Fiſcher.
10. Auguſt Hofmann.

Ober=Ramſtadt, 7. Januar 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.

Stamm= und Brennholz=Verſteigerung.

Donnerstag, den 16. Januar d. J.,
von vormittags 9 Uhr anfangend, werden in dem Nieder= Ram=
ſtädter
Gemeindewald, Diſtrikt Bonstal=Kuhtränkrech, nachſtehende
Holzſorten verſteigert:
17 Eichenſtämme von 1737 cm Durchmeſſer und 513 Meter Länge,
9 Buchenſtämme von 1730 cm Durchm. und 918 Meter Länge,
226 rm Buchen=Scheiter,
6 rm Eichen=Scheiter,
Knüppel,
Knüppel,
118
Stöcke,
60
½ Stöcke.
1600 Buchen Aſtwellen,
Die Zuſammenkunft iſt am Bonstal am Eingang des Waldes.
Nieder=Ramſtadt. den 10. Januar 1913.
(II1568
Großh. Bürgermeiſterei Nieder=Ramſtadt.
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Die am 9. ds. Mts. in Roß=
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iſt genehmigt. Vom 17. ds.
Mts. ab können die Abfuhrſcheine
bei den Kaſſeſtellen in Empfang
genommen werden.
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Die Ueberweiſung erfolgt am
18. ds. Mts.
Darmſtadt, 11. Januar 1913.
Groß. Oberförſterei Beſſungen.
J. V.: Kindhäuſer.

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Die Brennholz=Verſteigerung
Nr. 4 vom 10. Januar lfd. Js.
iſt genehmigt. Ausgabe der Ab=
fuhrſcheine
am 17. ds. Mts., Tag
der Ueberweiſung und erſter Ab=
fuhrtag
um 18. Januar.
Darmſtadt, 10. Januar 1913.
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Weinheim, 10. Januar 1913.
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aus, können auch gegen Erſtattung der Schreibgebühren bezogen
werden.
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Sonntag, den 9. Februar, nachmittags 4 Uhr
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General=Versammlung
der Waſſergenoſſenſchaften I und II ſtatt, wozu alle Genoſſen hier=
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chaft
liegen von heute ab 4 Wochen lang in der Wohnung des Vor=
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zur Einſicht offen und müſſen Einwendungen hiergegen inner=
halb
dieſer Friſt vorgebracht werden.
(1596
Griesheim, am 10. Januar 1913.
Konrad Funk VI.,
Vorſteher der Waſſergenoſſenſchaft l und II Griesheim.

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[ ][  ][ ]

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27 Maße ſchädlich. Darum neigen ſo viele
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Rachens von der Verſchleimung ſchon bekannt. Bitten Sie Ihren Kol=
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Prinz Emils Errettung
im Jahre 1812.

Von Stadtpfarrer D. Dr. Diehl.
Mancher Geſchichtsfreund wird beim Durchleſen des
Programms, das für die Aufführung Vor hundert
Jahren im Druck erſchienen iſt, ſich darüber gewun=
dert
haben, daß da neben lauter aus der Geſchichte
genommenen lebenden Bildern auch eines ſteht, deſſen
Stoff gemeiniglich ins Reich der Sage gewieſen zu wer=
den
pflegt. Ich meine das Bild: Prinz Emils Er=
rettung
. Es ſei mir deshalb geſtattet, mit ein paar
Worten die Gründe anzugeben, die mich zur Aufnahme
gerade dieſes Bildes in die Reihe der lebenden Bilder be=
wogen
haben.
Was das Bild darſtellen ſoll, iſt jedem, der ſich auch
nur flüchtig mit heſſiſcher Geſchichte beſchäftigt hat, be=
kannt
. Prinz Emil ſoll auf dem ſchauerlichen Rückzug aus
Rußland nur dadurch vom Tod gerettet worden ſein, daß
einige Leibgardiſten mit Einſetzung ihres eigenen Lebens
ihn vorm Erfrieren bewahrten. Wie das geſchah, darüber
gehen die Anſichten auseinander. Künzel ſchildert den
Vorgang in einem Gedicht, das an unſerem Abend vor=
getragen
wird, anders wie Friedrich Rückert der
denſelben Stoff auch poetiſch behandelt hat; und eine
dritte Auffaſſung, die im Volksmunde lebt, weiß wieder=

um Einzelzüge darzubieten, die mit denen der beiden Ge=
dichte
nicht ganz ſtimmen. Dieſe Unſtimmigkeiten in der
Erzählung des angeblichen Geſchehniſſes haben viele ver=
anlaßt
zu glauben, daß an der Sache nichts ſei: es ſei eben
Sage; eine ſchöne Sage, aber immerhin Sage. Ich
kann dies faſt allgemein verbreitete Urteil aber nicht
teilen. Und zwar aus folgendem Grunde. In ſeinem
Buche über Abt Vogler, den berühmten Darmſtädter
Muſiker, erzählt uns deſſen Biograph Schafhäutl, daß Abt
Vogler am 22. Januar 1814 ſein letztes Werk komponiert
habe, das überſchrieben ward: Heſſiſche Kriegertreue,
Romanze für ſeine Hoheit den Prinzen Emil von Heſſen=
Darmſtadt von Helmina von Chezy, geborene von Klenk,
und in Muſik geſetzt von Herrn geheimen Rath Abt Vog=
ler‟
Dies Werk behandelt die Geſchichte von
Prinz Emils Errettung. Schafhäutl ſchreibt:
Der rührende Inhalt dieſer Romanze bezieht ſich auf
fünf heſſiſche Soldaten, die freiwillig für ihren Prinzen in
den Tod gingen. Prinz Emil, geboren 3. September
1790, hatte in dem grimmigen ruſſiſchen Winter 1812 in
Napoleons verhängnißvollem Feldzug gegen Rußland
alle ſeine heſſiſchen Soldaten bis auf 5 verlocen, die ſeine
unzertrennlichen Begleiter blieben. Der Prinz wurde in
dem ſtürmenden Schneegeſtöber von jenem verhängniß=
vollen
Schlafe überwältigt, aus dem es kein Erwachen
mehr gibt. Seine treuen Heſſen waren in Verzweiflung.
Mit jenem wundervollen Muthe, den nur die Liebe gibt,
zog der erſte Heſſe ſeine Kleider aus und bedeckte den
Prinzen damit; dann folgte der zweite, dritte, vierte,
fünkte. Der erſte Heſſe ſank eben dem Tode in die Arme,
als er den Körper des Prinzen warm fühlte, und als der
Prinz erwachte, lagen ſeine treuen Heſſen todt zu ſeinen
Füßen. Die rührende Compoſition in A=moll iſt bei Sid=
ler
in München gedruckt.
Aus den Angaben geht als Tatſache folgendes her=
vor
Noch nicht ein Jahr nach der Rückkehr des Prinzen
Emil aus Rußland behandelt ein dem Prinzen nahe=
ſtehender
in Darmſtadt wohnender Komponiſt die Er=
rettung
des Prinzen und widmet das Werk dem Mann,
auf den ſich die Rettung bezieht. Ich kann mir nicht den=
ken
, daß Frgu von Chezy die ganze Geſchichte aus den
Fingern geſogen, und daß Vogler den Mut gehabt hätte,

dieſe ,gemachte Geſchichte zu konponieren und dem
Fürſten, von dem ſie handelt, vor der Oeffentlich=
keit
zu dedizieren wenn nicht etwas dran war. Ich
glaube, daß der Stoff ſagenhaft zugeſchnitten iſt, aber
daß ein geſchichtliches Ereignis hinter ihm
ſteht. Deshalb habe ich das Bild aufgenommen.
Bei dieſer Gelegenheit mögen noch ein paar Notizen
über die Geſchichtlichkeit der anderen lebenden Bilder hier
dargeboten werden. Ueber das Siegesfeſt vom 4. Oktober
1812 (Bild 1) habe ich vor einem Vierteljahr in einem
beſonderen Artikel in dieſem Blatt geſchrieben. Bild 3
(die Barmherziakeit) iſt in ſeinen Grundzügen dem be=
kannten
Werk Pepplers entnommen, vgl. Heſſiſche Volks=
bücher
Band 1, Seite 50, wo Peppler ſeine Begegnung mit
der barmherzigen Frau in Minsk folgendermaßen ſchil=
dert
: Man denke ſich einen 21jährigen Menſchen, 7 Fuß
1 Zoll groß, mit tief eingefallenen Backen, hohlen Augen,
ohne alles Haupthaar, bekleidet mit einer alten Pferde=
decke
, ein paar groben leinenen Hoſen und einer alten
franzöſiſchen Feldkappe, am ganzen Körper mit Unge=
ziefer
wie überſäet. Wer hätte es dem Manne (der Frau)
verargen hönnen, wenn er dieſe Abſcheu und Ekel er=
regende
Geſtalt aus ſeinem Gebiete gewieſen, ihr höch=
ſtens
eine Unterſtützung gereicht hätte? Doch Gott lenkte
es anders. Ich wankte in Minsk in einer Art von
dumpfer Fühlloſigkeit umher und kam erſt nach zwei Stun=
den
in mein Quartier zurück. Hier empfing mich meine
gütige Wirtin mit den unverkennbarſten Zeichen der
innigſten Teilnahme und eröffnete mir, ihr Mann habe in
meine Aufnahme gewilligt und mich ganz ihrer Pflege
übertragen. Dieſe unerwartete Aufnahme wirkte in
dem Grade auf meine Nerven, daß ich entkräftet zu Boden
geſunken wäre, wenn nicht ein Gehilfe aus der Konditorei,
die mit jener Kaffeewirtſchaft verbunden war, mich auf=
rechterhalten
und auf einen Sitz geführt hätte. Auf die
herrliche Frau machte dieſer Anblick einen ſolchen Eindruck,
daß ſie in lautes Weinen ausbrach und mich aufforderte,
ihr in ihr Zimmer zu folgen. Dieſem Anſinnen wider=
ſetzte
ich mich mit aller möglichen Kraft, ich bat ſie zu be=
denken
, daß ich in meiner elenden Lage ja doch hoffnungs=
los
verloren ſei, und bloß für die kommende Nacht ein
kleines ruhiges Plätzchen zum Sterben bedürfe, ſie möge

An die
Damen-Schneiderinnen Darnstadls und Uinochang.
Am 1. Oktober dieses Jahres läuft die Uebergangs-Bestimmung, nach der Schneiderinnen
die das 21. Lebensjahr überschritten haben, ohne Nachweis einer 3jährigen Lehrzeit und einer
abgelegten Gesellenprüfung, sich der Meisterinnenprüfung für das Schneiderinnen-Gewerbe unter-
werfen
können.
Wer sich nun vor Schaden schützen will, der melde sich sofort zur Meisterinnen-Prüfung
bei der Handwerkskammer Darmstadt an, denn wer diese Uebergangs-Bestimmungen ver-
säumt
, muss nach dem 1. Oktober 1913 den Nachweiss einer 3jährigen Lehrzeit sowie den
Nachweiss der abgelegten Gesellen-Prüfung erbringen, sonst kann er zur Meisterinnen-Prüfung
nicht zugelassen werden.
Der Meistertitel ist ein Ehrentitel, nur darf ihn der führen, der wirklich Meister
in seinem Fache ist.
Der Meistertitel ist auch unter gesetzlichen Schutz gestellt und wer ihn seit dem 1. Ok-
tober
1901 ohne Berechtigung führt, kann mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. oder mit Haft bis
zu vier Wochen bestraft werden.
Der Meistertitel hat nicht nur einen moralischen Wert, sondern auch einen wirtschaft-
lichen
Wert, er verbessert die Arbeitspreise und läutert die Konkurrenz. Jede Schneiderin
soll danach streben, Meisterin zu werden und die Uebergangs-Bestimmungen machen es heute
noch sehr leicht, dieses Ziel zu erreichen.
9 aktuelle Fragen:
1. Wer darf seit 1. Oktober 1901 den Meistertitel führen?
Derjenige, der die Meisterprüfung nach dem 1. Oktober 1901 bestanden hat.
2. Wer kann seit dem 1. Oktober 1901 den Meistertitel führen ohne die Meisterprüfung
gemacht zu haben?
Derjenige, der am 1. Oktober 1901 schon 5 Jahre selbständiger Handwerker war
und die Befugnis zum Halten von Lehrlingen nach den damaligen Vorschriften
besass,
Erleichterte Meisterprüfung.
3. Wer kann nun nach dem 1. Oktober 1908 noch die Meisterinnenprüfung machen ohne
vorherige Gesellenprüfung?
Wer einen dahingehenden Antrag bei der zuständigen Meisterprüfungskommission
schleunigst stellt, sodass die Prüfung noch vor Ablauf der Begünstigungsfrist erledigt ist.
4. Wann läuft diese Begünstigungsfrist ab?
Am 1. Oktoser 1913, denn nach diesem Zeitpunkt wird die vorherige Gehilfinnen-
prüfung
verlangt.
5. Stellt die Meisterprüfung hohe Aufgaben?
Nein, niemand braucht sich davor zu scheuen.
6. Worin besteht die Meisterinnenprüfung?
In einem theoretischen und einem praktischen Teil.
7. Worin besteht der theoretische Teil?
Kenntnis der Stoffarten, deren Verwendung und Verarbeitung, Einfache Buch-
führung
, Kenntnisse der Gewerbeordnung.
8. Wie kann man sich diese theoretischen Kenntnisse erwerben?
Durch ein Buch, das von der Handwerkskammer zu beziehen ist; ausserdem
kann sich jeder an den Meisterkursen des Ortsgewerbe-Vereins hier beteiligen.
9. Worin besteht der praktische Teil der Meisterinnenprüfung?
Im Massnehmen, Zuschneiden, Anprobieren und Fertigmachen eines angegebenen
Garderobestückes unter Beaufsichtigung der Prüfungskommission.
In meiner seit 1911 bestehenden Lehranstalt:
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der Prüfung abzulegenden theoretischen und praktischen Kenntnisse vorbereitet werden, damit
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Nähere Erläuterungen über meine allseits bewährte Unterrichtstheorie ersehen Sie aus
den Ihnen auf Wunsch kostenlos und ohne Verbindlichkeit zugehenden Prospekten.
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schneidermeisterin
geben.
Eine Garantie, dass Sie wirklich brauchbares lernen, dürfte die sein, dass ich im Herbste
1912 selbst die Meisterinnenprüfung bestanden habe.
(B1606
Hochachtungsvoll
Elisabethe Bert
Inhaberin der Hessischen Damenbekleidungs-Akademie.
Akademisch gebildete Lehrerin. Geprüfte Damenschneidermeisterin.

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[ ][  ][ ]

mir doch dieſes in ingend eimem Stalle anweiſen. Alein
vergebens waren dieſe Vorſtellungen, ſie befahl, ich mußte
folgen.
Bild 4 (der Glaube) bietet ebenfalls Geſchichte Zu
Bild 5 (Traurige Weihnachten 1812) habe ich heute in
dem Tagebuch des Geheimen Rates Nebel in Gießen
(vgl. Heſſiſche Chronik, Januar 1913) eine intereſſante
Notiz geſunden. Nebel ſchreibt: 24. Dezember
1812, die traurige Nachricht von dem totalen Ruin der
franzöſiſchen und alliirten Armee bei dem Rückzug von
Moskau und den erſtaunlichen Verluſten unſerer Leute an
Erfrorenen, Toten und Verwundeten lam hier an.
Das Bild: Traurige Weihnachten 1812 iſt nach die=
ſem
Eintrag gerechtfertigt. Bild 6: Die Heimkehr
ſtimmt ebenfalls mit einem Eintrag Nebels. Er lautet:
22. März 1813 der armſelige Reſt unſeres ſchönen
Leibregiments, welches 2000 Mann ſtack ausmarſchirt
war, kam an. Die meiſten ſind zwiſchen Smolensk und
Wilna erfroren oder in Gefechten geblieben, nur wenige
gefangen worden. Es kamen 7 Mann! Bild 7
endlich (Ludewig I. ſagt ſich von Napoleon los) ſchildert
uns einen geſchichtlichen Vorgang, der ſich am 4. Novem=
ber
1813 in Mannheim, wohin der Großherzog geflüchtet
war, abſpielte. Ludewig I. eröffnete dem franzöſiſchen
Geſandten Vendeuil, daß er ſich vom Rheinbund los=
geſagt
und mit den Verbündeten vereinigt habe. Wohl=
an
entgegnete ihm hierauf der Franzoſe, der Kaiſer
läßt Ew. Kgl. Hoheit ſagen, daß er nach wenig Monaten
nach Deutſchland zurückkehren und dann Ihr Land derart
verwüſten werde, daß kein Stein auf dem andern bleibe,
daß er gegen Sie und die Ihrigen alles thun werde, was
die Entrüſtung über Verrat und gebrochene Treue ihm
eingibt. Wenn der Kaiſer antwortete der Großher=
zog
mit feſter Stimme, mit ſeinem Gewiſſen vereinigen
kann, ſo zu handeln, wie Sie ſagen, ſo werde ich mit
meinen Unterthanen zuſammen untergehen, ich mit ihnen,
ſie gewiß nicht ohne mich! Wie es kommen ſoll, überlaſſe
ich der Vorſehung Gottes.
Ich ſchließe mit dem Wunſch, daß recht viele Be=
wohner
unſerer Stadt ſich die Aufführung am Mittwoch
und Donnerstag (8 Uhr abends, Mathildenhöhſaal) an=
ſehen
möchten: Sie werden neben allem anderen auch
Geſchichtsbilder bekommen und eine Zeit verſtehen
lernen, die nicht allzuviele wirklich kennen.

Vorträge.

bvs. Vortrag Parthey. Daß es ein zeit=
gemäßes
Thema iſt, über Nervoſität zu ſprechen,
das zeigte der überfüllte Saal viele nahmen ihren
Sperrſitz ſtehend ein am letzten Freitag im Hotel
Heß. Herr Rudolf Parthey aus Ettingen (Schweiz) zer=
gliederte
etwas den Sammelbegriff Nervoſität und
ſprach über deren Heilung durch Behandlung des Seelen=
lebens
. So allgemein üblich der Ausſpruch vom Nerrös=
ſo ver=
ſein
iſt wer glaubt ſich noch davon befreit?
ſchiedenartig ſind die Anſchauungen über deſſen Urſache,
Exiſtenz, Wirkung und erſt recht Heilmethoden. Meer=
und Landaufenthalt, Diät, Waſſerkuren und vieles mehr
wird dagegen angewandt. Herr Parthey als Pfhchologe
geht von einem anderen Standpunkt aus, der ſich kurz
ſo zuſammenfaſſen läßt: Die Neroſität iſt kein organi=
ſches
Leiden, ſondern iſt in falſcher Willensbetätigung
zu ſuchen. Die Exiſtenz einer Seele (Wille) iſt, nach dem
Referenten, vorauszuſetzen, ihre Tätigkeit beſteht im
Willen und Fühlen (erſterer iſt eine aktive und letzteres
eine paſſive Betätigung). Die Betätigung des Geiſtes
hingegen beſteht im Denken, Bilden von Anſchauungen,
Urteilen. Um ſich ein rechtes Bild von der Ergänzung
von Geiſt und Seele zu machen, führte Redner Platos
Beiſpiel an: Der Wagen, der den Körper darſtellt, deſſen
treibende Kraft (Pferd) iſt die Seele und der Lenker iſt
der Geiſt. Die Nerpoſität ſei nichts als die naturwidrige
Tätigkeit des Lenkers (Geiſt), durch die der Wille und das
Nervenſyſtem falſch bewegt werden. Es kommt nun das
Geſetz des Gegenwillens in Frage. das ebenſo
ſehr verkannt als wichtig ſei. Zum Beiſpiel will man eine
beſtimmte Störung (Stottern, Erröten, Schlafloſigkeit uſw.)
unterdrücken, ſo ruft man ſie, eben durch dieſen Gegen=
willen
, erſt recht hervor. Ein Menſch, der an Schlafloſig=
keit
leidet und ſich ſchon während des Tages mit dem
Uebel beſchäftigt, legt ſich abends mit dem beſten Willen,
zu ſchlafen, ins Bett, und wird es nicht können, denn es
fehlt etwas: der Glaube, daß er ſchlafen
würde! So eigenartig es klingt, der Glaube iſt ſtär=
ker
, als das Wollen. Dafür einige Beiſpiele: Hundert
Perſonen bekamen ein Glas reines Waſſer zu trinken,
als man ihnen ſagte, es hätte ein Brechmittel enthalten,
erbrachen ſich 37 davon im Glauben daran, ohne zu
wollen. Ein Dienſtmädchen, das aus einer Likörflaſche
naſchte, fiel in Krämpfe und ſtarb, als es die Aufſchrift
Karbolſäure eines Tages entdeckte, trotzdem es ſein
Lieblingslikör geweſen. Was hierbei noch mitwirkte, ſei
die Wucht der Konzentration der Seelenbetätigung, ge=
leitet
vom Geiſt. Alſo je nach dem, mit was ſich der Geiſt
beſchäftigt, mit freudigen oder traurigen Dingen, von dem
er wirklich überzeugt iſt, alſo feſt daran glaubt, danach
richtet ſich die Willensbetätigung. Wird nun die Konzen=
tration
ſchlecht angewandt, z. B. eine Perſon glaubt hef=
tiges
Herzklopfen zu ſpüren, verbindet damit gleich den
Gedanken, daß ein Herzfehler vorliegen könne, daß eine

Schonung beſonders bein Beigſeigen ratſam ſei, und
richtig, beim Bergſteigen wird durch die Kraft der Kon=
zentration
das Herzklopfen hervorgerufen, ſie geht zum
Arzt, der ſtellt das Gegenteil feſt, und die Konzentration
(geſund zu ſein) ſetzt in günſtigem Sinne ein. So ver=
mag
das Urteil eines anderen (Arzt, Vorgeſetzter uſw.)
die Konzentration der Willensbetätigung günſtig und
ungünſtig zu beeinfluſſen.
Das Rezept gegen die Nervoſität wäre alſo: Den
Gegenwillen beſeitigen (was natürlich oft nicht leicht)
durch eine zufriedene, etwas gleichmütige Denkweiſe, be=
freit
von Aengſtlichkeit, übertriebener Pünktlichkeit und
dergleichen mehr.
Das Publikum folgte mit größter Aufmerkſamkeit den
wirklich intereſſanten Ausführungen des Vortragenden
und . . . den neueſten Walzertönen der Tanzſtunde aus
dem Nebenſaale. Die Entſchuldigungen des Redners
waren eigentlich überflüſſig es iſt ja nach ſeiner Theorie
nicht das Geräuſch (hier Muſik), das uns ſtört, ſondern
vielmehr unſere verkehrte Konzentration der Willens=
betätigung
. Die begleitenden Walzer konnten alſo als
eine Art Demonſtrationsprobe benützt werden. Das Pu=
blikum
zollte reichen Beifall und bewies öfters ſeine Zu=
ſtimmung
, ja manch Lächeln verriet das Erſtaunen über
die Harmloſigkeit des eigenen unheilbaren Dauer=
leidens
.
* Ortsgewerbeverein Darmſtadt. Am
Freitag abend fand im Gelben Saale der Reſtauration
Sitte die vierte Winterverſammlung ſtatt.
Der erſte Vorſitzende, Herr Schloſſermeiſter Jakobi,
begrüßte die Erſchienenen und erteilte dem Redner des
Abends, Herrn Reallehrer Kahl, das Wort zu ſeinem
Vortrag über: Bedeutung und Aufgaben der
Gewerbevereine in der Gegenwart‟. Der
Redner führte aus: Als nach dem glorreichen Kriege von
1870 Deutſchland in der Umwandlung vom Agrarſtagt
zum Induſtrieſtaat mit raſchen Schritten vorwärts ging,
wurde das beſcheidene Pflänzchen Handwerk neben dem
neugepflanzten Baum der Großinduſtrie vernachläſſigt.
Viele hielten das Handwerk für verloren und deſſen Erſatz
durch die Großinduſtrie für einen natürlichen wirtſchaft=
lichen
Vorgang. In der Erkenntnis, daß der Rückgang
des Handwerks neben anderem durch Mangel an zeitge=
mäßer
Organiſation verſchuldet ſei, hatten ſchon lange vor=
her
, namentlich in Süddeutſchland, einſichtige Männer Ge=
werbevereine
ins Leben gerufen, in denen ſich Vertreter
der verſchiedenen Berufsarten zur Förderung des Ge=
werbeſtandes
zuſammenſchloſſen. Die Erkenntnis, daß die
freien Organiſationen nicht genügten, einen engeren Zu=
ſammenſchluß
der Handwerker zu gemeinſamer Vertretung
ihrer Intereſſen herbeizuführen und dem Handwerk einen
Einfluß an die gewerbliche Geſetzgebung zu ſichern, gab
Veranlaſſung zu dem Handwerkergeſetz vom Jahre 1897.
Auch der Verband deutſcher Gewerbevereine hatte bald
nach ſeiner Gründung im Jahre 1892 dem Reichskanzler
eine Denkſchrift mit dem Antrag auf Schaffung fakulta=
tiver
Gewerbekammern überreicht. Als aber der erſte amt=
liche
Entwurf des Geſetzes für Errichtung von Handwerks=
kammern
bekannt wurde, in dem die Streitfrage, ob reine
Handwerkskammern oder Gewerbekammern einzurichten
ſeien, zugunſten der Innungsanhänger entſchieden war,
da hat damals der Heſſiſche Landesgewerbeverein das Be=
dürfnis
einer Handwerkskammer für Heſſen entſchieden
verneint.
Den Unterbau für die im Handwerkergeſetz als Ge=
ſchäftsſtelle
für das Handwerk geſchaffenen Handwerks=
kammern
bilden Iunungen, Gewerbevereine und ſonſtige
gewerbliche Vereinigungen. Dieſe Verſchiedenheit der Or=
ganiſation
iſt an und für ſich kein Mangel, aber es fehlen
vielfach zu erſprießlicher Tätigkeit das nötige Einverneh=
men
und engere Beziehungen zwiſchen Innungen und Ge=
werblichen
Vereinigungen. Die Innungen ſollten nicht
außerhalb des Gewerbevereins, ſondern als Fachverbände
im Gewerbeverein entſtehen. Von den Zwangsinnungen
iſt nicht viel zur Förderung des Handwerks zu erhoffen,
denn die gegen ihren Willen in die Innung hineingepreß=
ten
Mitglieder fördern das Innungsleben nicht, ſondern
hindern und hemmen es. Die Agitation für Aufhebung
des § 100g der Gewerbeordnung, der den Zwangsinnun=
gen
verbietet, ihren Mitgliedern Mindeſtpreiſe für deren
Arbeitsleiſtungen und Produkte vorzuſchreiben, wurzelt
mehr in politiſchen Motiven, als in wirklicher Handwer=
kerfürſorge
. Wenngleich es eine müßige Frage iſt, ob
Innungen oder Gewerbevereine die beſte Organiſation
für das Handwerk ſeien, ſo iſt vor allem die Anſicht zu be=
kämpfen
, daß die Gewerbevereine minderwertigere Or=
ganiſationen
ſeien, weil auch Nichthandwerker ihnen als
Mitglieder angehören, die doch für ihren Eintritt in die
Gewerbevereine keinen anderen Grund haben, als ge=
meinſchaftlich
mit den Gewerbetreibenden die Intereſſen
des Handwerks zu fördern. Während die Gewerbever=
eine
auf dem Gebiete der allgemeinen Gewerbeförderung
einen Vergleich mit den Innungen nicht zu ſcheuen brau=
chen
, gehen ihre Leiſtungen auf dem Gebiete des gewerb=
lichen
Schulweſens über die der Innungen weit hinaus.
Auf Grund ihrer Leiſtungen fordern die Gewerbevereine
mit Recht, daß allen Handwerkern, die Mitglieder von
Gewerbevereinen ſind, das Wahlrecht zur Handwerks=
kammer
zuſtehen ſoll. Wird das Handwerkergeſetz nicht in
dieſem Sinne geändert, dann werden die von der jetzigen
Beſchränkung betroffenen Vereine lieber auf das Wahl=
recht
und eine Vertretung in der Handwerkskammer ver=

ncte, 1 us e ie Slchimnereier unr uner en
einen hinausdrängen. Bei Skizzierung der Aufgaben der
Gewerbevereine treten dieſe auf vier Gebieten zutage:
1. auf dem Gebiete des gewerblichen Schulweſens, 2. der
allgemeinen Gewerbeförderung, 3. der Pflege des Vereins=
lebens
, 4, der wirtſchaftlichen Förderung des Gewerbe=
ſtandes
. Die vom Redner vorgeführten Daten und Zah=
len
über die Tätigkeit der Gewerbevereine auf dieſen Ge=
bieten
beweiſen, daß die Gewerbevereine die Aufgaben,
die heute das Handwerkergeſetz den Organiſationen zu=
weiſt
, bereits lange vorher als notwendig erkannt haben
und in Erfüllung dieſer Aufgaben tätig geweſen ſind.
Hiernach ſind die Gewerbevereine nicht nur geſetzliche, ſon=
dern
abſolut notwendige Grundlagen der Handwerker=
organiſation
, die kräftig mitarbeiten an der Förderung
des Handwerks und in erſter Reihe ſtehen in dem Be=
mühen
der Förderung des wirtſchaftlichen Wohles von
tauſenden in harter und ehrlicher Arbeit ringender deut=
ſcher
Männer.
Mit herzlichen Worten des Dankes ſchloß ſich der
Vorſitzende, Herr Jakobi dem reichen Beifall für die in=
tereſſanten
und kehrreichen Ausführungem des Redners
an. An der ſich daranſchließenden Diskuſſion beteiligten
ſich außer dem Vortragenden die Herren Finger, Karn,
Geh. Regierungsrat Noack, Hillgärtner, Heinzerling, Syn=
dikus
Engelbach, Proeſer, Hietſch, Bang u. a. m.
* Vortragskurſus der Landwirtſchafts=
kammer
in Mainz. Der letzte Tag des Vor=
tragskurſus
, der 10. Januar, hatte noch einmal etwa 150
Teilnehmer nach Mainz geführt. Als erſter Referent ſprach
Dr. Müller=Darmſtadt über die modernen Vererb=
ungs
=, insbeſondere anch Stammbaumforſch=
ungen
und deren Bedeutung für die prak=
tiſche
Tierzucht. Zunächſt berührte der Vortragende
die Studien über die Vererbung der erworbenen Eigen=
ſchaften
und die Ergebniſſe der ſogenannten Mendelforſch=
ungen
. Der Hauptteil des Vortrages erläuterte die Lei=
ſtungen
der Verwandſchaftszucht auf den verſchiedenſten
Zuchtgebieten und gipfelte darin, daß durch die Inzucht die
Vererbungskraft geſteigert werde, daß ſowohl Vorzüge,
wie unerwünſchte Eigenſchaften ſicherer bei ihrer Anwen=
dung
vererben. In verſchiedenen Leitſätzen über die
Anwendung dieſer Zuchtmethode klang der durch Lichtbil=
der
wirkungsvoll unterſtützte Vortrag aus, der mit gro=
ßem
Beifall aufgenommen wurde.
Als zweiter Redner ſprach Herr Geh. Landes= Oekono=
mierat
Müller=Darmſtadt über: Die Anwendung
der Glashäuſer zur Erzeugung von Tafele
trauben, Obſt und Gemüſe in England, Belgien und
Holland und Lehren hieraus für uns. Eine nach Anreg=
ung
des Großherzogs unternommene Studienreiſe im
Juli=Auguſt 1912 gab dem Referenten Gelegenheit, die
Einrichtungen des Auslandes auf dieſen Gebieten kennen
zu lernen. Er ſchilderte an Hand reichen Zahlenmaterials,
erläutert durch ſehr intereſſante zahlreiche Lichtbilder, den
Bau und die Einteilung der verſchiedenen Syſteme von
Glashäuſern, die wichtigſten und beſonderen Teile ihrer
Konſtruktion, ihre Bau=, Unterhaltungs= und Kulturkoſten
und die möglichen Erträge. Für unſere Verhältniſſe
glaubte der Redner ein verſuchsweiſes Vorgehen im
Kleinen wohl empfehlen zu können, ſofern die privaten
Unternehmer techniſch und finanziell als geeignet anzu=
ſehen
ſind. In techniſcher Hinſicht wird das Inſtitut der
Großh. Regierung, die Großh. Wein= und Obſtbauſchule=
Oppenheim Vorſorge treffen, daß Leute ausgebildet wer=
den
und Rebmaterial zur Verfügung ſtehen wird. Auch
dieſer Vortrag fand großen Anklang. Nach den an=
regenden
Diskuſſionen ſchloß der Vorſitzende der=
Landwirtſchaftskammer, Herr Geheimerat Haas, den
diesjährigen Vortragskurſus mit einem Hoch auf die
heſſiſche Landwirtſchaft.

Sport, Spiel und Turnen.

* Radrennen. Berliner Sechstagerennen.
Der Stand der 30. Stunde, 6 Uhr morgens war: Lorenz=
Saldow, Grenda=Pye, Clark=Hill, Stol=Miquel, Stabe=
Pawke, Zander=Ehlert, Stellbrink=Roſellen, Aberger=
Peter, Huybrechts=Vandevelde, Nettelbeck= Rudel 935,550
Kilometer, eine Runde zurück: Demke=Janke, Schrage=
Althoff. Erſatz: Arend. Die Tagesſtunden des zweiten
Tages (Freitag) verliefen in gewohnter Weiſe recht ruhig
und änderten nichts an dem Klaſſement. Nach der 43.
Stunde (7 Uhr abends) waren 1301,400 Kilometer zurück=
gelegt
.

Luftfahrt.

* London, 10. Jan. Wie die Abendblätter melden,
berichtet der Kapitän des Dampfers Eider, der heute
von Neweaſtle auf der Themſe eingetroffen iſt, daß er
einen großen Ballon, welcher anſcheinend in
Deutſchland hergeſtellt iſt, vier Meilen von Aldenburgh=
(Suffolk) entfernt aufgefunden habe. Auf der Ballonhülle
ſtand in deutſcher Sprache Drachenſtation Fried=
richshafen
=Bodenſee.
* Verſailles, 10. Jan. Der Flieger Chevil=
lard
hat mit drei Paſſagieren an Bord auf einem Mili=
tär
=Zweidecker den bisherigen deutſchen Weltrekord von
1120 Meter überboten.

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29

Im Hauſe des Majors war alles vorbereitet zum
Empfang. Claudia hatte ſich als tätige, umſichtige Haus=
frau
gezeigt.
Leichenblaß das liebliche Geſicht, empfing Margareta
ihren zukünftigen Gatten aus der Hand des Vaters, der
ein paar innige, vor Rührung erſtickte Worte ſprach.
Lionel neigte ſich tief über ihre Hand. Er hatte ſie
gleich auf die Lippen küſſen wollen, aber ſie war ihm mit
einer deutlichen Bewegung ausgewichen, daß ſein Mund
nur ihre Wange ſtreifte.
Mrs. Catlin ſchloß das junge Mädchen in ihre Arme.
Machen Sie ihn recht, recht glücklich, mein Kind! Er ver=
dient
es; er iſt ja mein alles auf der Welt!
Mit ſpöttiſchem Lächeln beobachtete Claudia, die ſehr
impoſant in ihrer ſchwarzen Samttoilette ausſah, die
rührende Familienſzene‟. Dann aber öffneten ſich ihre
Augen weit vor Staunen; Bewunderung, Begehren, Neid
blitzten darin auf, als Lionel ſeiner Braut das Ver=
lobungsgeſchenk
um den Hals legte eine lange, wun=
dervolle
, doppelte Perlenkette, eine fürſtliche Gabe!
Leiſe ſchauerte Margareta zuſammen, als ſie die
kühlen Perlen auf dem zarten, weißen Halſe fühlte, und
ſie neigte den blonden Kopf, als ob der Schmuck ſie
niederziehe. Perlen bedeuten Tränen, fuhr es ihr durch
den Sinn. O, wie recht hatte diesmal der Spruch! Wie=
viel
heiße Tränen hatte ſie in letzter Nacht geweint, mit
welchem Bangen dem heutigen Tage entgegengeſehen,
der ſe einem anderen Manne, als dem geliebten, anver=
lober
nde. Sie hätte die Stunde hinausſchielen

mögen aber unerbittlich rückte der Zeiger vor und
nun war es ſo weit nun ſteckte der Verlobungsring
an ihrem Finger, und der wunderbar reine, köſtliche
Brillant darin funkelte ihr wie eine große leuchtende
Träne entgegen: mit unbeſchreiblichen Gefühlen be=
trachtete
ſie ihn.
Als man das Brautpaar für eine kleine Weile allein
ließ, zog Lionel das geliebte Mädchen ungeſtüm in ſeine
Arme und bedeckte ihr ſüßes Geſicht, ihren Mund, ihre
Augen, ihr Haar mit heißen durſtigen Küſſen, zwiſchen=
durch
abgebrochene Liebesworte in ihr Ohr flüſternd.
Sie verſuchte, ſich ſeinen ſtürmiſchen Liebkoſungen zu
entziehen, die ſie förmlich verwirrten, ja verletzten! Ja,
wäre es der andere geweſen! Immer ſchob ſich deſſen
Bild in ihre Gedanken, und die einzige Stunde, in der er
ihr ſeine Liebe geſtanden und ſie geküßt hatte.
Da klangen mitten in dieſe Erinnerung hinein Lio=
nels
Worte: Darling, liebſt Du mich auch ſo heiß, wie ich
Dich liebe? und forſchend ſenkten ſich ſeine dunklen Augen
in die ihren.
Erſchreckt fuhr ſie zuſammen. Was ſollte ſie ſagen?
Der Mann wäre ihr ja lieb und ſympathiſch geweſen,
hätte er ſie nicht zum Weibe begehrt! So war er ihr
beinahe verhaßt! Alles in ihr ſträubte ſich, ſich einem
Manne zu eigen zu geben, von dem ihr Herz nichts
wußte aber es geſchah ja, um dem geliebten Vater die
Ruhe und Sorgloſigkeit wiederzugeben und weil doch
nun alles, was ſie von heimlichem Glück und Seligkeit
geträumt hatte, vorbei war!
Ach, Lionel, es iſt mir alles ſo überraſchend gekom=
men
, entgegnete ſie, gönne mir Zeit, mich hineinzufinden.
Ja, ja, rief er leidenſchaftlich, alles, was Du willſt!
Margy, Du ahnſt ja nicht, wie ich Dich liebe, unausſprech=
lich
Du biſt der Stern, die Wonne meines Lebens

und wieder küßte er ſie. Er lag vor ihr auf den Knien
und hielt ſie feſt umſchlungen.
Mit erleichtertem Aufatmen, aber doch etwas ver=
wirrt
, begrüßte Margareta das Eintreten der Stiefmutter,
das dieſer für ſie ſo peinlichen Situation ein Ende machte.
Haſtig befreite ſie ſich von Lionels Umſchlingung. Clau=
dia
lächelte ſpöttiſch.
I beg vour pardon, ſtörte ich ein Schäferſtündchen?
fragte ſie mit ihrer etwas harten Stimme, ich wollte Dir,
liebe Grete nur die Liſte zeigen, ob wir niemanden beim
Abſenden der Verlobungsanzeigen vergeſſen haben ich
bin gerade mit dem Schreiben der Adreſſen beſchäftigt.
Gretchen überflog die Liſte, und ſie errötete, als ihr
Blick auf den Namen Ernſt Brand fiel ja, er freilich
durfte nicht übergangen werden!
Ich denke, daß es ſo gut iſt wir hatten überdies
ſchon darüber geſprochen. Wir wollen Dir helfen, nicht
wahr, Lionel? UUnd am Arme des Verlobten folgte ſie
der Majorin.
-
Die Gratulationscour war vorüber, das Mahl über=
ſtanden
, und tief erſchöpft lag die junge Braut in ihrem
Zimmer auf dem Diwan, froh, einige Minuten der Ruh=
für
ſich zu haben
Das Wiederſehen mit Ernſt Brand hatte ſie doch
mächtig erregt ſie hatte geglaubt, daß alles für ihn er=
ſtorben
war und bei den erſten Worten aus ſeinem
Munde wäre ſie beinahe in Tränen ausgebrochen! Und
wie er ſie anſah, ſo ruhig und durchdringend, ſo vorwurfs=
voll
, als ob ſie ihm ein Unrecht zugefügt habe! Könnte
ſie ihm nur ſeine Untreue vorhalten! Und dabei war er
gegen Claudia ſo fremd und kühl geweſen nicht einen
Blick des Einverſtändniſſes hatte ſie zwiſchen den beiden
gemerkt. Aber freilich er war ja ein Künſtler, ein Schau=

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ſpieler da war es ihm ein leichtes, ſich zu verſtellen!
Ein bitteres Lächeln irrte um ihren Mund.
(Wäre nur erſt der Abend überſtanden!
Mit Bangen ſah ſie ihm entgegen, und klopfenden
Herzens machte ſie Toilette.
Bildſchön, aber ſehr blaß ſah ſie in dem zartgrünen
Seidenkleide aus. Um den ſchlanken, weißen Hals, den
ſie ſtets etwas entblößt trug, hatte ſie die Perlenſchnur
gelegt, die ein Gegenſtand von Claudias heimlichem Ent=
zücken
und Neid war. Solchen Schmuck hatte ſie ſich ſchon
immer gewünſcht was war die glitzernde Pracht ihrer
Steine gegen den matten, unaufdringlichen Glanz der
Perlen, die aber ſo wunderbar vornehm und gediegen
wirkten.
Margareta wußte das Glück gar nicht zu würdigen,
ſolchen Kröſus als Gatten zu bekommen. Mit einer wah=
ren
Leichenbittermiene, wie ein Opferlamm ſaß ſie da
mit dem Verlobten in der Loge die heute beſonders den
Mittelpunkt aller Operngläſer bildete, was dem jungen
Mädchen ſehr unangenehm war.
Unzählige Male mußte ſie ſich verneigen und Grüße
austauſchen. Sie nickte auch freundlich in das Orcheſter,
als Meiſter Böttge einen ehrerbietigen Gruß zu ihr ſandte.
Trotz Widerrede Claudias, die es abſurd fand, ſolchen
inferioren Menſchen in ſeine Privatangelegenheiten einzu=
weihen
, hatte ſie ihm ebenfalls eine Anzeige ihrer Ver=
lobung
geſandt ihr Lehrer verdiente es nicht, vernach=
läſſigt
zu werden!
Endlich wurde das Theater verdunkelt und die Ouver=
türe
mit gewohnter Meiſterſchaft zu Gehör gebracht. Aber
nicht wie ſonſt konnte ſich Margareta in die herrliche Muſik

verſenken; ſie war zu unruhig, zu zerſtreut und aufgeregt.
Claudia ſaß neben ihr, und ſie fühlte deren Blick auf ſich
ruhen, als der Vorhang ſich hob als der jugendſchöne
Tannhäuſer ſeinen Zwiegeſang mit der Göttin hielt.
Ernſt Brands Stimme ſtrahlte in dem gewohnten
Klangzauber, und von neuem wurde Gretchen gegen ihren
Willen davon gefangen genommen. Sie ſchloß die Augen,
um ihn nicht zu ſehen, der ſo ſtolz und ſchön daſtand;
aber ihre Ohren konnte ſie ſeiner Stimme nicht verſchließen,
die ſo machtvoll und zwingend in ihr Herz drang, alle
Empſindungen in ihr wachrufend.
Aber der Zauber ſeines Weſens ging doch nicht allein
von ſeiner Stimme aus, nein, auch wie er die Rollen auf=
faßte
, die er zu ſingen hatte, ſein kraftvolles, geniales,
mit ſich fortreißendes Temperament ſtempelten ihn zu einer
Perſönlichkeit, deren ſtrahlender Sieghaftigkeit ſich nie=
mand
zu entziehen vermochte.
Nur einmal hatte er einen kurzen Blick in die Loge des
Majors geworfen, und nur einmal hatte Gretchen bemerkt,
wie er in ihr auf ihn gerichtetes Glas blickte dann
nicht mehr. Und es war wohl auch gut ſo.
Die Muſik wühlte alles in ihr auf; wäre ſie doch lieber
zu Hauſe geblieben! Sie fühlte, wie Tränen in ihr auf=
ſtiegen
, und als Eliſabeth mit erſchütterndem Ausdruck
ſang: Heinrich, was tatet Ihr mir an löſten ſich zu
ihrem Schrecken wirklich große Tropfen aus ihren Augen,
die langſam die Wangen herunterrollten, und nur mit
verzweifelter Anſtrengung hielt ſie wenigſtens das Schluch=
zen
zurück, das in ihrem Halſe würgte.
Scharf beobachtete Claudia, und mit Befriedigung
ſtellte ſie feſt, daß kein Blick von Ernſt mehr zu Gretchen

flog, was ſie früher ſo oft mit verzehrender Eiferſucht er=
füllt
hatte.
Sie wußte genau, daß beide litten; ihre Rache war
gelungen, da ihr die Umſtände ſo günſtig geweſen waren,
und mit grauſamer Freude erfüllte es ſie, daß ſie nun
für immer getrennt waren!
Am liebſten wäre das junge Mädchen jetzt aufge=
ſprungen
und hinausgeeilt. Das war aber unmöglich.
Zärtlich hielt überdies ihr Verlobter ihre Hand feſt,
und ſeine Blicke ruhten mehr auf der Braut, als daß er
den Vorgängen auf der Bühne Aufmerkſamkeit ſchenkte.
Infolgedeſſen entging ihm ihre Erregtheit nicht; aber
flüſternd bedeutete ihm der Major, daß die Muſik ſtets
auf ſeine Tochter einen großen Einfluß ausübe. und Liovel
war beruhigt.
Er wußte ja außerdem, was für eine durch und durch
muſikaliſche Natur ſeine Braut war hatte doch ihr Vio=
linſpiel
damals einen ſo tiefen Eindruck gemacht!
Endlich war die Oper zu Ende.
Dankend für den toſenden Beifall, der ihn immer
wieder hervorrief, verneigte ſich Ernſt Brand. Aber kein
Blick fiel in die Loge, an deren Brüſtung Claudia ſtand,
während Lionel ſeiner Braut den pelzgefütterten Mantel
um die Schultern legte und ſeine Befriedigung über die
Vorſtellung äußerte.
Dann fuhr man nach Hauſe. Lionel Catlin ſtieg aus,
als man an dem Hotel angekommen war, wo er wohnte.
Mit einem feurigen Handkuß und einem zärtlichen Auf
morgen, Darling! verabſchiedete er ſich von ſeiner Braut.
(Fortſetzung folgt.)

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Freie Aussprache
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der Abendkaſſe 20 Pfg. Zuſchlag.


Fremasprachliche vortrage.
3. Vortrag, Mittwoch den 15. Januar, 5½ Uhr,
in der Turnhalle der Liebigs-Oberrealschule
M. Thuillier: La peinture frangaise de 1789
à la pöriode contemporaine
(avec projections).
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Karten sind in der Hofbuchhandlung von H. Schlapp,
Schulstrasse, zu haben.

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von den Damen des Corps de
Ballet. Akt 5: Bacchanale aus=
geführt
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Sperrſitz: 1.13. Reihe 3.60 M.,
14.20. Reihe 3.10 Mk., Parterre:
1.5. Reihe 2.25 M., 6.8. Reihe
1.85 M., Erſte Galerie 1.05 M.,
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Dienstag, 14. Jan. Keine Vorſt.
Mittwoch, 15. Jan. 97. Ab.=Vſt.
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(mit Konzert=Einlagen).
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abends 7 Uhr:
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Proſzeniumsloge 6.10 M., Mittel=
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6.10 M., Balkonloge 5.10 M.,
Rang 4.60 M., II. Rang: 1.6.
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 4.10 M.,
14.20. Reihe 3.30 M., Parterre:
1.5. Reihe 2.80 M., 6.8. Reihe
2.25 M., Erſte Galerie 1.25 M.,
Zweite Galerie 0.65 M.
Die verehrl. Abonnenten haben
ein Vorkaufsrecht in der Art, daß
ſie ſich am Donnerstag, 16. Jan.,
von 3½ 5 Uhr, gegen Vorzeigung
ihrer Abonnementskarten entſpr.
Plätze an der Tageskaſſe ſichern
können. (Die Plätze der Ganz=
abonnenten
bleiben am 16. Jan.
bis nachm. 5 Uhr aufbewahrt.)
Der allgemeine Kartenverkauf
findet Freitag, 17. Jan., ſowie an
den darauffolgenden Tagen vor=
mittags
von 9½1½ Uhr an der
Tageskaſſe ſtatt. Auch im Ver=
kehrsbüro
werden an den gleichen
Tagen Karten ausgegeben und
zwar von 81 Uhr vormittags
und von 2½ 8 Uhr nachmittags.
Für jede im Vorverkauf abge=
gebene
Karte wird eine Gebühr
von 20 Pfg. erhoben.

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