Abonnementspreis
Inſerafe
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 28, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Großherzog hat dem Staatsminiſter Dr. Ewald
den erblichen Adelsſtand des Großherzogtums
perliehen.
Bei der Reichstagserſatzwahl in Stolp=
Lauenburg wurde v. Böhn (konſ.) mit großer
Mehrheit gewählt.
Serbien hat ſich Oeſterreich=Ungarn gegenüber bereit
erklärt, wegen der Prohaska=Angelegenheit
Genugtuung zu geben.
Der ſpaniſche Senat hat den
franzöſiſch=
ſpaniſchen Marokkovertrag angenommen.
Gegen den Fürſten Yamagata in Tokio wurde
ein Anſchlag verübt. Der Fürſt blieb unverletzt.
Der Täter verübte Selbſtmord.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 5 und 6.
Die bayeriſche Königsfrage und
das Miniſterium Hertling.
* Prinz=Regent Ludwig hat, wie mitgeteilt, in einem
Handſchreiben den „beſtimmten Wunſch” ausgeſprochen,
„daß zurzeit von irgend welchen Maßnahmen zur
Beendigung der Regentſchaft abgeſehen
werden ſolle‟. Ob dieſer vorläufige Abſchluß der
Regent=
ſchaftsfrage durch Rückſicht auf legitimiſtiſche Bedenken
oder wegen des Widerſpruchs erfolgte, der gegen ein
ge=
ſetzgeberiſches Vorgehen zur Beendigung der Regentſchaft
im Zentrum und in der Reichsratskammer hervortrat, muß
dahingeſtellt bleiben. Unleugbar iſt, daß die Uebertragung
der Königswürde auf den jetzigen Prinz=Regenten die
Stellung des bayeriſchen Königtums gegenüber der
Volks=
vertretung berührt haben würde: das Königtum von
Got=
tes Gnaden wäre mehr in dem Lichte eines von der
Volks=
vertretung eingeſetzten Königtums erſchienen. Bei dem
dynaſtiſchen Selbſtbewußtſein des Prinz=Regenten Ludwig
kann es daher nicht überraſchen, wenn er Bedenken trug,
ohne zwingende Gründe einem Vorgehen zuzuſtimmen,
das vom wittelsbachiſchen Standpunkt aus mit Nachteilen
für die Krone verbunden war. Merkwürdigerweiſe hat
das Miniſterium Hertling entweder den parlamentariſchen
Widerſpruch gegen ſein Vorhaben in der Regentſchafts=
Angelegenheit oder die Auffaſſung des Prinz=Regenten
nicht gekannt; denn anzunehmen, daß es beiden Momenten
nicht die gebührende Beachtung geſchenkt habe, fällt in einer
Frage, wie die vorliegende, doch gar zu ſchwer. So iſt
das Miniſterium Hertling ſehr bald nach der Niederlage
in der Jeſuitenangelegenheit von einem zweiten
hervor=
ſtechenden Mißerfolg ereilt worden.
Der Verzicht des Prinz=Regenten Ludwig auf die
bayeriſche Königswürde gibt der Berliner Preſſe
Veran=
laſſung, die Rolle, die das Miniſterium Hertling
in der Frage der Aufhebung der Regentſchaft geſpielt hat,
unter die kritiſche Lupe zu nehmen. Die Voſſiſche Zeitung
ſchreibt:
Hat alſo Herr v. Hertling bei den Fraktionen die
Stellungnahme zu einem Zuſatz, wonach die Regentſchaft
nach zehn Jahren beendet werden könne, angeregt, ſo iſt
nur zweierlei möglich: entweder hat er das ohne Vorwiſſen
und Zuſtimmung des neuen Regenten getan, und dann
müßte das Verfahren nicht nur als unvorſichtig, ſondern
als leichtfertig bezeichnet werden, und das Schreiben des
Prinzen Ludwig wäre eine vollkommene Desavouierung
dieſes Vorgehens, oder aber der Miniſterpräſident wäre
auf Widerſtand bei einzelnen Parteien geſtaßen, der die
Annahme des Geſetzes „zurzeit” mindeſtens ungewiß
macht, und dann wäre die Anregung ein politiſcher Fehler
erſten Ranges geweſen, da die Niederlage des
Miniſter=
präſidenten den Eindruck erwecken könnte, als habe der
Re=
gent ſelbſt einen Mißerfolg erlitten, und als ob der
Wunſch, es „zurzeit” bei der Regentſchaft zu belaſſen, nicht
ſeinem eigenen Trieb. ſondern der Not entſpringe ie
Aehnlich urteilt das Berliner Tageblatt: Was man aber
nicht recht verſteht, iſt die Rolle. die das Miniſterium dabei
geſvielt hat. Von dem diplomatiſchen Geſchick, das dem
Frhrn. v. Hertling von Freund und Feind ſonſt ſo eifrig
nachgerühmt wird, hat er in dieſer Frage des Takts und
der Delikateſſe blutwenig verſpüren laſſen. Sache des
Mi=
niſterpräſidenten wäre es doch geweſen, die Führung der
ganzen Angelegenheit zu übernehmen, und zwar hätte er
ſie wäre er Herr der Lage geweſen, natürlich ſo führen
müſſen, daß die Perſon des Regenten zum Eingreifen
nicht genötigt war. — Die Tägliche Rundſchau ſieht in dem
Verzicht des Prinz=Regenten eine ſchwere Erſchütterung
der Stellung des Miniſterpräſidenten, der eine Niederlage
durch die eigene Partei erlitten habe. Dieſe Niederlage
finde ihre Erklärung in der alten Gegnerſchaft der Heim
und Genoſſen gegen die Hertling und Soden.
Die München=Augsburger Abendzeitung erinnert in
einer Beſprechung des Handſchreibens des Prinz=Regenten
an die auffallende Zurückhaltung der
führen=
den Zentrumskreiſe und=Preſſe in der Frage
einer Aenderung des Regentſchaftsgeſetzes und fährt dann
fort: „Es läßt ſich wohl die Frage aufwerfen, ob es nicht
möglich geweſen wäre, ſich über die Haltung der
aus=
ſchlaggebenden Zentrumsfraktion, der Partei des
Miniſter=
präſidenten, Klarheit zu verſchaffen, ehe man Schritte
un=
ternahm, die in die Oeffentlichkeit dringen mußten. Unter
den verſchiedenen Mißerfolgen des Kabinetts Hertling
muß dieſer als der bedenklichſte bezeichnet werden. Die
Kundgebung des Regenten wünſcht, daß „zurzeit” von
irgend welchen Naßnahmen zur Beendigung der
Regent=
ſchaft abgeſehen werden ſolle. Auch der Regent iſt alſo
der Meinung, daß die wichtige Angelegenheit nur vertagt
ſei, und es iſt wohl die vorherrſchende Meinung im Lande,
daß die Notwendigkeiten des ſtaatlichen Lebens binnen
kurzem doch zu einer endgültigen Löſung der Frage
zwin=
gen werden.
Inzwiſchen hat die Zentrums=
Parlamentskorreſpon=
denz ein Kommuniqué über die Beratungen der
Zentrumsfraktion veröffentlicht. Die Veröffentlichung
beſtätigt, was bisher ſchon bekannt war. Es ergab ſich,
daß alle Mitglieder die Bedeutung der für eine Aenderung
des beſtehenden Zuſtandes geltend zu machenden
Geſichts=
punkte anerkennen, daß aber die überwiegende Mehrheit
der Fraktion die entgegenſtehenden
verfaſſungs=
rechtlichen Bedenken für zu gewichtig hält, als
daß eine Aenderung der ſeit dem Jahre 1886 maßgebenden
ſtaatsrechtlichen Verhältniſſe ratſam erſchiene.‟
Die Friedensverhandlungen
und die Türkei.
C Man ſchreibt uns: Die
Verzögerungs=
taktik, die die Türkei bei den Friedensverhandlungen
anwendet, wird in Berliner diplomatiſchen Kreiſen
augenblicklich noch nicht als das Anzeichen eines
unver=
meidbaren Abbruches der Verhandlungen beurteilt. Daß
dieſe Auffaſſung den Tatſachen entſpreche, darf nicht nur
unter dem Geſichtspunkt des allgemeinen
Friedensbedürf=
niſſes, ſondern auch im Intereſſe der Türkei ſelbſt
ge=
wünſcht werden. Denn eine Fortſetzung des Kampfes,
die in Konſtantinopel ſowohl in militäriſchen Kreiſen wie
bei den Jungtürken anſcheinend in immer ſtärkerem Grade
Anklang findet, kann für die Türkei die Erlangung des
jetzt noch möglichen ehrenvollen Friedens ſehr leicht
ge=
fährden. Man braucht darum keineswegs die Möglichkeit
zu leugnen, daß es der beſſer gerüſteten Türkei gelingen
mag, militäriſche Erfolge davonzutragen. Immerhin ſind
auch dieſe Erfolge keineswegs ſicher, weil nach dem
bis=
herigen Verlauf des Feldzuges anzunehmen iſt, daß die
neue Ausſicht auf Eroberung Konſtantinopels und völlige
Vertreibung der Osmanen aus Europa die Heere des
Balkanbundes mit friſcher Begeiſterung erfüllen würde,
zumal da ſeine materiellen Hilfsquellen, namentlich auf
dem Gebiete der Finanzen, keineswegs verſiegt ſind.
Allein ſelbſt angenommen, das türkiſche Heer zeige ſich
militäriſch dem Balkanbund überlegen, ſo würde dadurch
die diplomatiſche Lage der Türkei durchaus nicht ohne
wei=
teres gebeſſert. Man bedenke nur, daß es in der Hand
Rußlands liegt, jederzeit Verwickluncen in Armenien
herbeizuführen, und daß die Gefahr der
ausländi=
ſchen Einmiſchung in den Balkankrieg ſchon auf dieſe
Weiſe eintreten könnte. Der franzöſiſche Miniſterpräſident
hat am Schluß ſeiner letzten Kammerrede hierauf deutlich
genug angeſpielt. Jene Anſpielung iſt aber aus dem
Grunde nicht gleichgültig, weil es nicht ausgeſchloſſen
er=
ſcheint, daß Poincaré das Sprachrohr Sir E. Greys und
Sſaſonows geweſen iſt. Andererſeits hat der
bulgariſch=
offiziöſe „Mir” nicht Unrecht, wenn er die Einigung der
Mächte in der ſerbiſchen und in der albaniſchen Frage als
Beweis dafür anführt, daß die Hoffnung der Türkei, den
Balkanbund durch Ausnützung möglicher internationaler
Verwicklungen zu zertrümmern, vernichtet ſei. Bei
rich=
tiger Würdigung aller dieſer Umſtände ſollte die Türkei
ſich nicht beſtimmen laſſen, nochmals das Kriegsglück zu
verſuchen. So ſehr den türkiſchen Generalen nachgefühlt
werden kann, daß ſie eine günſtige Wendung mit den
Waffen herbeiführen wollen, ſo unſicher erſcheint dem
un=
befangenen Beurteiler die Wirkung, die die türkiſchen
Generale ſich von militäriſchen Erfolgen verſprechen.
Deutſches Reich.
Bei der Reichstagserſatzwahl im
Wahlkreiſe Stollp=Lauenburg wurden
ins=
geſamt 24453 giltige Stimmen abgegeben. Davon
ent=
fielen auf Rittergutsbeſitzer v. Böhn=Deutſch=Buchow
(konſ.) 15 241, Vereinsdirektor Schwuchow=Steglitz (
Fort=
ſchrittliche Vpt.) 6464, Parteiſekretär Sieckfeldt=Danzig
(Soz.) 2389, Buchdruckereibeſitzer Czyzewski=Danzig (Pole)
330 Stimmen. Zerſplittert waren 29 Stimmen. Vier
Wahlbezirke ſtehen noch aus. Die Wahl v. Böhns iſt
ge=
ſichert. Bei den letzten Reichstagswahlen haben die
Kon=
ſervativen ebenfalls im erſten Wahlgang den Wahlkreis
behauptet, und zwar mit 15 405 gegen 8707
volkspartei=
liche, 2781 ſozialdemokratiſche, 978 nationalliberale und 451
polniſche Stimmen.
— Die Konferenz der bundesſtaatlichen
Finanzminiſter, deren Zuſammentritt für Anfang
Januar ſchon vor Wochen angekündigt wurde, wird
nun=
mehr am 4. Januar in Berlin zuſammentreten, um über
die Geſtaltung der beabſichtigten Vorlage eines
Beſitz=
ſteuerentwurfs auf Grund der vorliegenden Denkſchrift zu
beraten. Dieſe iſt bekanntlich ſeit einiger Zeit zum
Gegen=
ſtand des Meinungsaustauſches zwiſchen den
Verbün=
deten Regierungen gemacht worden. Was die
Einbrin=
gung der Beſitzſteuervorlage anbetrifft, ſo iſt zu erwarten,
daß ſie vorerſt nicht dem Parlament zugehen wird, da der
Reichstag, der gegen Mitte März infolge des frühzeitigen
Oſterfeſtes bereits in die Ferien gehen dürfte, zunächſt
hin=
reichend mit dem Etat uſw. belaſtet iſt. Es erſcheint ſogar
wahrſcheinlich, daß der Etat nicht bis zum 1. April 1913
fertiggeſtellt wird. Aus dieſem Grunde dürfte eine
Ein=
bringung der Beſitzſteuervorlage, die bis zum 30. April
1913 beſtimmungsgemäß dem Parlament vorgelegt werden
muß, erſt im Laufe des April zu erwarten ſein.
— Der Nachtragsetat für die
Verſtär=
kung der Luftflotte, der vorausſichtlich dem
Bun=
desrat ſchon im Januar zugehen wird, dürfte, wie wir
hören, einmalige Ausgaben in der Höhe von rund 18
Mil=
lionen Mark anfordern. Es verlautet, daß von dieſer
Summe 10 Millionen Mark für den Ankauf von
Zeppelin=
kreuzern und der Reſt für Luftſchiffe anderer Syſteme
ver=
wendet werden ſoll. In der Begründung wird
hervor=
gehoben, daß neben der Verſtärkung unſerer nationalen
Wehrkraft die Beſchäftigungsnot unſerer großen
Luftſchiff=
werke dringend die Bereitſtellung größerer
außerordent=
licher Mittel für den Luftſchiffbau erforderte.
Ausland.
Frankreich.
Entvölkerung und Militär. Der von der
Regierung zur Bekämpfung der Entvölkerung eingeſetzte
Ausſchuß nahm einen Beſchlußantrag an, wonach die für
den Militärdienſt untauglich befundenen Leute von ihrem
22. bis 34. Lebensjahre alle zwei Jahre von einer
militär=
ärztlichen Kommiſſion unterſucht und im Eignungsfalle
als Reſerviſten eingeſtellt werden ſollen.
Die Parlamentsſeſſion iſt geſchloſſen
worden.
Schweden.
Die Neutralität der drei nordiſchen
Staaten. Der ſchwediſche Miniſter des Aeußern, der
däniſche und der norwegiſche Geſandte unterzeichneten am
21. Dezember folgende Deklaration: Nachdem die däniſche,
die norwegiſche und die ſchwediſche Regierung zu dem
Zwecke Verhandlungen einleiteten, einheitliche, mit den
im Haag unterzeichneten vertragsmäßigen Beſtimmungen
übereinſtimmende Neutralitätsmaßregeln feſtzuſetzen und
dieſe Verhandlungen in allen prinzipiellen Punkten zu
einer Einigkeit führten, ſind ſie in richtiger Einſchätzung
der Bedeutung der Tatſache, daß die ſo glücklich beſtehende
Einigkeit auch in Zukunft erhalten wird,
übereingekom=
men, daß keine der drei Regierungen an den von ihnen
gutgeheißenen Regeln eine Aenderung vornehme, ohne
vor=
her die beiden anderen zeitig genug davon zu
unterrich=
ten, ſo daß ein Meinungsaustauſch über die Angelegenheit
ſtattfinden kann.
Rußland.
Verbot der Verbreitung militäriſcher
Nachrichten. Am 23. d. M. iſt eine kaiſerliche
Anord=
nung veröffentlicht worden, nach der die Mitteilung
folgen=
der militäriſcher Nachrichten verboten iſt: über die
Kriegs=
bereitſchaft der Armee und der Flotte, über den Stand der
Reparaturarbeiten an Kriegsſchiffen, ſowie über die
Be=
waffnung und die ſonſtigen Eigenſchaften von im Bau
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. Dezember 1912.
Nummer 304.
befindlichen oder projektierten Kriegsſchiffen, über die
Menge des Kriegsmaterials bei den Truppenteilen und bei
den befeſtigten Punkten, ſowie in Häfen, auf
Kriegs=
ſchiffen, über den eiſernen Beſtand an Vorräten der Armee
und Flotte, über intenſivere Arbeiten in Fabriken, die
Be=
ſtellungen der Armee= und Marinereſſorts übernommen
haben, über den gegenwärtigen Stand bezw. die
Beſtim=
mungen von Feſtungen, Forts, Kriegshäfen und
Flotten=
baſen und die daſelbſt im Gange befindlichen Arbeiten,
über die Ausdehnung befeſtigter Punkte bezw. der
Baſen=
punkte und über die Abſicht zur Anlegung neuer bezw.
Beſeitigung beſtehender Feſtungen uſw., über die
Kriegs=
manöver und Schießübungen der Flotte, über Reviſionen
bezw. Probemobiliſationen von Armee= und Flottenteilen,
über Einſtellung beurlaubter und Zurückberufung von
be=
urlaubten Militärs und Reſerviſten zu ihren
Truppen=
teilen, über Truppenbewegungen zur Grenze, Manöver in
der Nähe der Grenzen, ſowie über Befrachtung und
Zu=
ſammenziehung von Schiffen in den Häfen, über Armee=
und Flottenmaßnahmen Rußlands im Auslande. Dieſe
Anordnung hat Wirkungskraft für Jahresfriſt vom Tage
der Veröffentlichung ab.
Schüler als Revolutionäre. Nach einer
Blättermeldung aus Petersburg hat eine in mehreren
Mittelſchulen vorgenommene Durchſuchung ergeben, daß
zahlreiche Schüler der revolutionären Arbeitergruppe als
Mitglieder angehören. Im zweiten Stock eines
Schul=
gebäudes, das angeblich mit der Wohnung des
Unterrichts=
miniſters in Verbindung ſteht, ſei eine geheime Druckerei
entdeckt worden. Die Polizei glaubt hierin einen Beweis
für ein weitverzweigtes Komplott gefunden zu haben.
Südafrika.
Bothas neues Miniſterium. Es iſt General
Botha unter großen Schwierigkeiten gelungen, ſein
Mi=
niſterium neu zu bilden, ohne mit den britiſchen
Imperia=
liſten eine Koalition einzugehen. Durch die Abſtoßung
Leuchars und Hertzogs, die den entſchiedenen
Imperialis=
mus und das radikale Afrikandertum vertreten, iſt das
Kabinett gleichartiger geworden; ſeine parlamentariſche
Stellung iſt aber recht ſchwierig. In einem Hauſe von 121
Mitgliedern kann es nur auf 48 Stimmen ſicher rechnen.
38 gehören der britiſchen Oppoſition, 6 der Arbeiterpartei
und über den Reſt oder etwa ein Viertel des Hauſes
dürf=
ten General Hertzog und Mr. Merriman, beide keine
Freunde Bothas, verfügen. Die beſte Hoffnung des neuen
Kabinetts liegt in der tiefen Kluft zwiſchen den
Imperia=
liſten und Hertzogs Leuten, die ein Zuſammenſtimmen
bei=
der unwahrſcheinlich macht. Wie die Dinge aber liegen, wird
ſich eine Berufung an die Wählerſchaft kaum lange
hinaus=
ſchieben laſſen. Daraus wird ſich dann ein wirkliches
Koa=
litionsminiſterium der beiden Nationalitäten oder
wahr=
ſcheinlicher ein echtes Afrikanderkabinett mit Sauer oder
Merriman als Premier ergeben.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 27. Dezember.
* Vom Hofe. Die Großherzoglichen
Herr=
ſchaften beſcherten am Montag nachmittag 3 Uhr im
Alten Palais 12 armen hieſigen Familien. Ihre Königl.
Hoheit die Großherzogin wohnte hierauf der
Weih=
nachtsbeſcherung im Alice=Hoſpital an. (Darmſt. Ztg.)
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog dem lebenslänglichen Mitglied der Erſten
Kammer der Stände des Großherzogtums, Geheimen
Kommerzienrat Wilhelm Cornelius Freiherrn Heyl
zu Herrnsheim in Worms den Charakter als
„Wirklicher Geheimerat” mit dem Prädikat „Exzellenz”
* Verleihung des erblichen Adelsſtandes. Se.
Königl. Hoheit der Großherzog haben durch
Ent=
ſchließung vom 23. Dezember d. J. dem Miniſter des
Großherzoglichen Hauſes, des Aeußern und der Juſtiz,
Staatsminiſter Dr. Karl Ewald den erblichen
Adels=
ſtand des Großberzogtums verliehen.
* Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Aushilfsbahnwärter in
der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft Gottfried
Glas zu Weinheim, Kreis Alzey, aus Anlaß ſeines
Ausſcheidens aus dem Staatseiſenbahndienſt das
Allge=
meine Ehrenzeichen mit der Inſchrift „Für treue Arbeit”
verliehen.
* Ernannt wurde der Gefangenaufſeher an dem
Haftlokal in Nieder=Olm Auguſtin Müller zum Amts=
gerichtsdiener bei dem Amtsgericht Lorſch mit Wirkung
vom 15. Januar 1913.
* Erledigte Stelle. Eine mit einem
evange=
liſchen Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle an der
Ge=
meindeſchule zu Lauterbach. Ihrem Inhaber können
die Geſchäfte eines Hauptlehrers an dieſer Schule
über=
tragen werden.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 39 vom
24. Dezember hat folgenden Inhalt: 1. Bekanntmachung
die Ausführung des Dritten Buches der
Reichsverſicher=
ungsordnung betreffend. 2. Verordnung, die ſtaatliche
Bau=Unfallverſicherung betreffend. 3. Bekanntmachung,
die ſtaatliche Bau=Unfallverſicherung betreffend. 4.
Be=
kanntmachung, die Organiſation der Unfallverſicherung
betreffend. 5. Bekanntmachung, die Bau=
Unfallverſicher=
ung der Kreiſe betreffend. 6. Bekanntmachung, die
Un=
fallverſicherung in der Stadt Offenbach betreffend. 7.
Be=
kanntmachung, die Unfallverſicherung in der Stadt
Mainz betreffend.
* Militärdienſtnachrichten. Befördert: zum Leutnant
der Reſerve: Vizefeldwebel Schilling (VI Berlin),
des Großh. Heſſ. Art.=Korps 1. Großh. Heſſ. Feldart.=
Regiments Nr. 25; zum Oberleutnant: Leutnant der
Re=
ſerve Kirmſe (Naumburg a. S.), des 2. Großh. Heſſ.
Feldart.=Regiments Nr. 61; zum Leutnant der Reſerve:
Vizewachtmeiſter Pape (Duſſeldorf), des Großh. Art.=
Korps, 1. Großh. Heſſ. Feldart.=Regiments Nr. 25:
Vize=
wachtmeiſter Kreusler (II Eſſen), des 2. Großh. Heſſ.
Feldart.=Regiments Nr. 61; zu Oberleutnants: die
Leut=
nants der Reſerve: Strauch (Koblenz), des Inf.=
Regi=
ments Prinz Karl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118, Guſtine
(Bonn), des Großh. Heſſiſchen Train=Bataillons Nr. 18;
zum Leutnant der Reſerve: Vizefeldwebel Wild
(Jülich), des Inf.=Regiments Kaiſer Wilhelm (2. Großh.
Heſſ.) Nr. 116; zu Oberleutnants die Leutnants der
Reſerve: Frank (Lübeck), des Infanterie=Regiments
Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116,Hartenſtein
(Gera), des Inf.=Leib=Regiments Großherzogin (3. Großh.
Heſſ.) Nr. 117, Klein Malzan (Gießen), Blad
(Frankfurt a. M.), Rauſch (Gießen), des Inf.=Regiments
Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116, Knewitz,
Thylmann (Mainz), Schweitzer (Frankfurt a. M.),
des Inf.=Leib=Regiments Großherzogin (3. Großh. Heſſ.)
Nr. 117, Neumetzger (Hanau), des 2. Großh. Heſſ.
Feldart.=Regiments Nr. 61. Der Abſchied bewilligt:
Twele (I Darmſtadt), Leutnant der Reſerve des Königin
Eliſabeth=Garde=Grenadier=Regiments Nr. 3, dieſem
be=
hufs weiterer Verwendung im Beurlaubtenſtande für
Zwecke der Militärſeelſorge, Andreae (V Berlin),
Rittmeiſter der Reſerve des Garde=Drag.=Regiments (1.
Großh. Heſſ.) Nr. 23, Weber (Gießen), Hauptmann
der Reſerve des Inf.=Regts. Kaiſer Wilhelm (2. Großh.
Heſſ.) Nr. 116, beiden mit der Erlaubnis zum Tragen der
Landwehr Armee=Uniform, Klump (II Darmſtadt),
Lt. der Landw.=Inf. 2. Aufg. Durch Verfügung des Evg.
Feldpropſtes: Twele, Militär=Hilfsgeiſtlicher der Großh.
Heſſ. (25.) Diviſion in Darmſtadt, zur 20. Diviſion nach
Braunſchweig verſetzt.
Perſonalnachrichten der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſenbahngemeinſchaft. Dem techn. Bureauaſſiſtenten
Lütcke in Mainz iſt der Titel „Techn.
Oberbahn=
aſſiſtent” beigelegt worden. Verſetzt: bad.
Eiſen=
bahnſekretär Haaf von Mainz nach Friedrichsfeld als
Stationskontrolleur; Eiſenbahn=Unteraſſiſtent Eberts vou
Bürſtadt nach Mainz; Lokomotivheizer Knobloch von
Hanau nach Kranichſtein; die Eiſenbahngehilfen Lennert
von Auerbach nach Heppenheim (Bergſtr.), Arras von
Darmſtadt nach Dreieichenhain, Müller II. von
Gries=
heim nach Bürſtadt; Bahnſteigſchaffner Hofmeiſter von
Darmſtadt nach Niederlahnſtein; Bahnwärter Kraus
von Guntersblum nach Nierſtein. Geſtorben
Weichenſteller 1. Klaſſe Landau in Mainz.
Poſtperſonalien. Se. Maj. der Kaiſer und König
haben den Poſträten Kuhlmann und Stamm in
Darmſtadt den Charakter als Geheimer Poſtrat, den
Poſtdirektoren Flaſchenträger in Bad Nauheim
und Geyer in Mainz den Rang der Räte 4. Klaſſe,
ſowie dem Ober=Poſtſekretär Colin in Darmſtadt
den Charakter als Rechnungsrat verliehen.
— Die Großh. Zentralſtelle für die Gewerbe zu
Darmſtadt läßt im Monat Januar kommenden Jahres
praktiſche Meiſterkurſe für
Handwerks=
meiſter für folgende Berufe abhalten: für
Schuh=
macher im Schnittmuſterzeichnen und Herrichten von
Leiſten, für Schneider im Grundmodellzeichnen und
im Zuſchneiden, für Sattler in der Herſtellung der
verſchiedenen Kummeten, für Schreiner und Glaſer
im Holzfärben und Holzbeizen. Ferner wird für
Lackierer, Maler und Weißbinder ein
Holz=
färbekurſus, ein Holz= und Marmormalkurſus, ſowie ein
Schriftenmalkurſus abgehalten. — Eine Reihe von
An=
meldungen zu dieſen Kurſen liegt bereits vor. Da die
Kurſe teilweiſe ſchon am 6. Januar beginnen, ſind
weitere Anmeldungen ſofort an Großh. Zentralſtelle
für die Gewerbe Darmſtadt, Neckarſtraße 3, zu richten.
Bemerkt ſei noch, daß weniger bemittelten oder
unbe=
mittelten Kurſusteilnehmern nach Bedürftigkeit auf Grund
amtlicher Beſcheinigungen eine Beihilfe bis zu 2 Mk.
täglich gewährt werden kann.
* Goldene Hochzeit. Herr Rentner Karl Daudt
(Wienersſtraße Nr. 56) und deſſen Ehefrau geborene
Helfrich begehen am Samstag das ſeltene Feſt der
Goldenen Hochzeit.
* Kunſtverein. Die Ausſtellung Darmſtädter
Künſtler dauert noch bis einſchließlich den 1. Januar=
Sie zeigt auch die vom Kunſtverein für ſeine
dies=
jährige Verloſung erworbenen Kunſtwerke. Die Vers
loſung ſelbſt findet morgen, Samstag, den 27.
Dezem=
berr, nachmittags 5 Uhr, in der Kunſthalle ſtatt.
* Darmſtädter Fecht=Klub und Bürgerverein
ver=
anſtalten am Samstag ihre Weihnachtsfeier im
Vereinshaus, Saalbauſtraße 67. Bewährte Kräfte haben
ſich bereit erklärt, mitzuwirken, ſodaß ein gediegenes und
reichhaltiges Programm zuſammengeſtellt werden konnte.
Ernſte und heitere Vorträge, deklamatoriſcher und
geſang=
licher Art, werden dazu beitragen, um den Abend zu einem
recht genußreichen zu geſtalten. Auch eine kleine
Ver=
loſung wird nicht fehlen.
* Literariſcher Verein. Auf die heutige Anzeige
dieſes Vereins, der ſeine einzige Aufgabe darin ſieht,
ſeine Mitglieder das ganze Jahr über ſowohl mit
unter=
haltender, wie belehrender Lektüre zu verſehen, ſei
hier=
mit nochmals hingewieſen.
* Martinsgemeinde. Die Männervereinigung
wird am 10. Januar den erſten dieswinterlichen
Vor=
tragsabend veranſtalten, beſtehend aus einem
Miſ=
ſionsvortrag mit Lichtbildern. Während in früheren
Vorträgen von dem Leben und den Erfolgen unſerer
Miſſionsſtationen in China, Indien und der Goldküſte
ein eindrucksvolles Bild geboten wurde, werden diesmal
von einem Mitglied der Baſeler Miſſion die Erfahrungen
in unſeren Kolonien Kamerun und Togo eingehend
ge=
ſchildert werden. Das Nähere wird noch an dieſer
Stelle bekanntgegeben.
* Schützenhof. Wie in Anzeigenteil erſichtlich,
fin=
det am 3. Weihnachtsfeiertage in den Kellerlokalitäten ein
Bockbierkonzert ſtatt. Eintritt frei.
Eberſtadt, 24. Dez. Der Umbau der evanges
liſchen Kirche iſt fertig geſtellt. Die Pläne waren
von dem Kicchenbaumeiſter Profeſſor Pützer=
Darm=
ſtadt entworfen. Der nunmehr ebenfalls fertig geſtellte
Jubiläumsbrunnen, der zur Erinnerung an die 250
jäh=
rige Zugehörigkeit Eberſtadts zur Krone Heſſens errichtet,
wurde am Sonntag vormittag eingeweiht.
— Egelsbach (Kr. Offenbach), 24. Dez. Der
Ge=
ſangverein „Sängerluſt” begeht im nächſten
Jahre die Feier ſeines 25jährigen Beſtehens. Mit
der aus dieſem Anlaß geplanten feſtlichen Veranſtaltung
wird ein nationaler Geſangswettſtreit verbunden. Der
Wettſtreit findet an den Tagen des 28., 29. und 30. Juni
1913 ſtatt. Dem Verein ſind hierzu bereits jetzt ſchon
wert=
volle Preiſe, ſowie für ein höchſtes Ehrenſingen ein
Großherzogspreis in Ausſicht geſtellt.
Rh. Gonſenheim, 24. Dez. Nach 35jähriger Dienſtzeit
wird mit Beginn des nächſten Jahres der im 78.
Lebens=
jahr ſtehende Feldſchütz Peter Kreppel in den
wohl=
verdienten Ruheſtand treten.
Mainz, 24. Dez. Die Ausſtellung für Kunſt,
Kunſtgewerbe, Induſtrie und Handel im
Jahre 1915 ſoll ſich in folgende Abteilungen gliedern:
1. Einzelwohnhäuſer mit Raumkunſt, 2. Hallen für
Städ=
tiſche Ausſtellung, 3. Ladenkunſt, 4. Wechſelnde Kunſt,
wobei jungen Künſtlern und Künſtlerinnen durch
Aus=
ſtellung von Malereien Stickereien uſw. Gelegenheit
ge=
geben ſein ſoll, ihr Können zu zeigen, 5. Freie Kunſt,
6. Kirchliche Kunſt, 7. Friedhofskunſt, 8. Gewerbekunſt,
9. Luſtpark mit wiſſenſchaftlichen Betrieben und 10.
Ehren=
halle. — Mainz iſt ſchon lange auf der Suche nach einer
ausreichenden Quelle für ſein
Waſſer=
werk. Intereſſant iſt zweifellos eine
Zuſammen=
ſtellung der zu dieſem Zwecke ſchon verausgabten Gelder.
Die Pumpverſuche bei Rüſſelsheim 31580 Mk., Verſuche
im Neutorgraben und im Stadtpack 15824 Mk., die
Ge=
ländeunterſuchungen, Bohrungen und Pumpverſuche bei
Laubenheim 85389 Mk., Bohrungen und Pumpverſuche
im Mönchwald und bei dem Hofgut Schönau bisher
67216 Mk. Der Geſamtbetrag der bisher für dieſen
Zweck ausgeworfenen Gelder beträgt demnach 200041
Mark.
Sprendlingen, 24. Dez. Am Montag erfolgte die
feierliche Eröffnung der elektriſchen
Fern=
bahn Kreuznach-Sprendlingen-St. Johann im
Bei=
ſein der Vertreter der Stadt Kreuznach, der ſämtlichen an
der Bahnſtrecke gelegenen Gemeinden und der Vertretung
der Heſſiſchen Regierung, die Herrn Kreisrat Freiherrn
Schenck zu Schweinsberg aus Alzey entſandt hatte. In
feſtlich bekränzten Wagen ging die Fahrt nach
Sprend=
lingen, wo zunächſt ein von Herrn Hotelier Weidmann
geſtiftetes Frühſtück in deſſen Lokal (Hotel Demmer)
ein=
genommen wurde, worauf die Weiterfahrt nach St.
Jo=
hann erfolgte. Außer dem Gemeinderat hatten ſich die
ſämtlichen Ortsvereine mit ihren Fahnen und die
Schul=
klaſſen zum Empfang eingefunden. Die neue elektriſche
Bahn bedeutet für das weſtliche Rheinheſſen eine hoch=
Taubſtummenerziehung durch
den Kino.
** In London haben in der letzten Zeit intereſſante
pädagogiſche Experimente ſtattgefunden, die darauf
ab=
zielen, den Kinematographen in den Dienſt der
Taub=
ſtummenerziehung zu ſtellen. Die Verſuche wurden von
der Leiterin eines großen Taubſtummen=Inſtitutes
ver=
anſtaltet und galten in erſter Linie dem Ziele, die Schüler
durch häufige Vorführungen kinematographiſcher
Auf=
nahmen dazu zu erziehen, nach Möglichkeit aus den
Mund=
bewegungen der Schauſpieler die Sprache und die Worte
abzuleſen. Die Schüler erhielten Hefte und Bleiſtifte und
wurden beauftragt, alle Sätze, die ſie auf Grund der
Films zu verſtehen glaubten, aufzuzeichnen. Die Verſuche
gaben bereits nach kurzer Zeit überraſchende Reſultate;
es zeigte ſich, daß die Fähigkeit, aus den
Lippenbeweg=
ungen Worte abzuleſen in verhältnismäßig kurzer Zeit
ganz erſtaunlich entwickelt und verfeinert werden kann.
Für die Schüler der Taubſtummenanſtalt wird die
kine=
matographiſche Vorführung dadurch nicht nur zu einem
Erlebnis der Augen, ſondern faſt zu einem indirekten
Gehörserlebnis, denn nach kurzer Schulung verſtehen ſie
faſt alle Worte und Sätze und glauben ſie, unter der
Sug=
geſtion des Bewegungseindruckes, ſogar zu hören.
Im übrigen aber waren dieſe günſtigen pädagogiſchen
Erfolge bisweilen von ſehr amüſanten Beobachtungen
begleitet, denn es kamen Einzelheiten ans Licht, von deren
Bekanntwerden ſowohl die Kinoſchauſpieler wie die
Filmfabrikanten wohl kaum etwas ahnten. Es zeigte ſich,
daz die Darſteller der kinengsographiſchen Szenen üch
keineswegs damit begnügen, die zu den dargeſtellten
Vor=
gängen paſſenden Worte zu ſprechen: Auch das Kino hat
ſeine mündlichen Extempores und die ſind bisweilen ſehr
draſtiſch, glauben doch die Schauſpieler, daß dieſe im
Uebermut des Augenblickes improviſierten Worte von
dem ſtummen Film auf ewig verſchwiegen werden. Auch
gewiſſe „optiſche Täuſchungen” der
Kinematographen=
fabriken werden von den Taubſtummen mit unheimlicher
Sicherheit enthüllt. Ein Beiſpiel: man führte den
Schülern einen Film vor der mit großer Deutlichkeit die
Abenteuer eines franzöſiſchen Soldaten in Algier
ſchil=
dern ſollte; man ſah maleriſche algeriſche Straßen= und
Landſchaftsbilder, der wackere piou=piou wird dann unter
wilde Araberſtämme verſchlagen uſw. Die taubſtummen
Beobachter ſtellten nun feſt, daß dieſer franzöſiſche Soldat
während der Aufführung nur Engliſch ſprach und
daß auch die angeblichen Araber waſchechte Briten waren,
die auch unter den ſchönſten arabiſchen Masken ihre
Heimatſprache nicht verleugneten und im Geſpräch wie im
Zorne ſich ihrer engliſchen Mutterſprache recht draſtiſch zu
bedienen wußten. Zwei der Taubſtummen haben alle
Sätze, die bei dieſer angeblich arabiſchen Aufnahme
ge=
ſprochen wurden, auf Grund der Mundbewegungen der
Mitwirkenden ſtenographiſch aufgezeichnet und die beiden
unabhängig voneinander gemachten Stenogramme
ſtimm=
ten vollkommen überein.
Die günſtigen Ergebniſſe dieſer Londoner Verſuche
haben nun den Plan erſtehen laſſen, den Kino ſyſtematiſch
in den Dienſt der Taubſtummenerziehung zu ſtellen, da
ſich gezeigt hat, daß dieſe „Lektüre des geſprochenen
Wor=
tes” leicht und ohne techniſche Schwierigkeiten
vervoll=
kommnet werden kann.
Feuilleton.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
P. „Die Sklavin von Rhodus” Luſtſpiel von
Roda Roda und Guſtav Meyrink, wurde bei der
Urauf=
führung im Münchner Schauſpielhaus am 21.
ds. Mts., abgelehnt. Es iſt dies die zweite Abfuhr, die den
beiden Autoren in dieſem Jahre in München zuteil wurde.
Als ſie vor einigen Monaten mit ihrem „Bubi” auf die.
nie verſagende Wirkung des Simpliziſſimuswitzes bauten
und dem Publikum deutſche Diplomaten und Generäle als
vollendete Trottel vorführten, fand dieſe Spekulation auf
die verdorbenen Inſtinkte eines allzeit lachbereiten
Groß=
ſtadtpublikums nicht ihre Rechnung. Sie begaben ſich nun
auf das in dieſen Zeiten der europäiſchen Kriſe weniger
gefährliche neutrale Gebiet der Hetärenkomödie. Sie
nahmen den „Eunuch” des alten Terenz vor und hofften
ihn durch die Zutaten mundgerecht zu machen. Zu der
alten Geſchichte von dem Liebhaber, der mit dem Eunuchen
das Gewand tauſcht, ſich ins Frauengemach ſchleicht und
die ahnungsloſe Geliebte verführt, mußte Olaf
Gulbranſ=
ſon, der Karikaturiſt des Simpliziſſimus, einen ſzeniſchen
Rahmen entwerfen. Die paar Flötentakte, die zum
Feſt=
mahl der Hetäre ertönten, mußte d’Albert ſchreiben.
Direktor Stollberg gab noch einige Max Reinhardtiaden,
die ſtark an die „Schöne Helena” erinnerten. Aber es
nutzte alles nichts. Ohne Geiſt geht es aber doch nicht
auf der Bühne, das Publikum fordert zum mindeſten den
Geiſt des Theaters.
F. M. Die intendantenloſe Saiſon des
Mann=
heimer Hoftheaters hat ſich bis jetzt recht wenig
vorteilhaft angelaſſen, ſo daß beinahe eine leiſe Sehnſucht
Nummer 304.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. Dezember 1912.
Seite 3.
erfreuliche Errungenſchaft. Sie berührt die Orte
Kreuz=
nach, Boſenheim, Pfaffen=Schwabenheim, Badenheim,
Sprendlingen und St. Johann.
Rh. Grünberg, 24. Dez. Der Vollziehungsbeamte
des Kreiſes Gießen, Heinrich Eifert hat aus
Geſund=
heitsrückſichten ſeinen Dienſt aufgegeben und beabſichtigt
nunmehr in den Ruheſtand zu treten. 17 Jahre lang war
er hier als Vollziehungsbeamter tätig.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 24. Dez. Dem Berliner
Tageblatt zufolge wird Prinz Waldemar von
Preußen der älteſte Sohn des Prinzen Heinrich, der
jetzt am Ende ſeiner erſten Ausbildung als Referendar
ſteht, im neuen Jahre nach Hannover überſiedeln, um bei
der Regierung zu arbeiten. — Nach dem Voranſchlag des
Stadtkämmerers ſollen die neuen Steuern (Bier=
und Kinoſteuer) etwa 1½ Millionen Mark ergeben.
Das wäre genau ſo viel, was der Berliner Magiſtrat an
Beiträgen für gemeinnnützige Verhältniſſe zahlt. — Die
tollkühne Flucht eines
Unterſuchungsge=
fangenen rief heute vormittag unter den Paſſanten
der Rathenower Straße große Aufregung hervor. Der
vor einigen Tagen von der Kriminalpolizei verhaftete
Artiſt Bruno Boehnicke, dem mehrere Einbruchsdiebſtähle
zur Laſt gelegt werden, ſollte dem Unterſuchungsrichter
zur Vernehmung vorgeführt werden. Als er an einem im
zweiten Stockwerk befindlichen Fenſter vorbeikam, nahm er
einen kurzen Anlauf und ſprang durch die beiden
dicken Scheiben hindurch auf die Straße hinunter.
Er „landete” hier in dem Vorgarten, wobei ſeine Füße,
wie die Spuren zeigten, über einen vilrtel Meter tief in
dem Erdreich einſanken. Im nächſten Augenblick ſtand
der Flüchtling jedoch wieder auf den Beinen, kletterte
über das eiſerne Gitter und lief nach dem Exerzierplatz
in der Seydlitzſtraße zu, wo er über die hohe Mauer ſtieg
und ſpurlos verſchwand.
Hanau, 24. Dez. In vergangener Nacht ſind im
hie=
ſigen Lazarett dem Typhus erlegen der Pionier
Buſch und der Pionier Färber. Neuerkrankungen ſind
nicht zu verzeichnen.
München, 24. Dez. In der Schwabinger Koch=
und Haushaltungsſchule ſind etwa 30
Schülerin=
nen und drei Lehrerinnen nach dem Genuß von
Vanille=
ſauce, die in einem kupfernen Geſchirr aufbewahrt worden
war, ſchwererkrankt. Die Mehrzahl der Erkrankten
mußte in dem Schwabinger Krankenhaus Aufnahme
ſuchen. Montag morgen war unter den Patienten eine
leichte Beſſerung eingetreten, doch müſſen ſie alle noch das
Bett hüten.
Kaſſel, 23. Dez. Wegen fahrläſſiger Tötung
verurteilte das hieſige Landgericht den 13jährigen
Obertertianer Frank aus Göttingen zu einer Woche, deſſen
Vater, den 46jährigen Apotheker Frank, zu zwei Wochen
Gefängnis. Der Obertertianer ſpielte am 13. Oktober mit
dem geladenen Revolver ſeines Vaters und erſchoß dabei
das 20jährige Dienſtmädchen Marie Fürchtenicht. Weil der
Vater in ſeinem Zimmer die Waffe unverſchloſſen
aufbe=
wahrte, nahm das Gericht auch bei ihm Fahrläſſigkeit an,
obwohl der Staatsanwalt Freiſprechung beantragte.
Hamburg, 23. Dez. In der Eichenallee in
Wilhelms=
burg iſt ein Straßenbahnzug mit der
Indu=
ſtriebahn zuſammengeſtoßen, die den Bahnhof
Wilhelmsburg mit den in der Nähe liegenden gewerblichen
Etabliſſements verbindet. Der umſtürzende Straßenbahn=
Motorwagen fiel gegen einen Starkſtromleitungsmaſt.
Dem Straßenbahnführer wurden beide Beine abgequetſcht.
Eine Frau wurde erheblich, drei andere Perſonen wurden
leichter verletzt. Ein mitfahrender Arzt leiſtete die erſte
Hilfe.
Chemnitz, 23. Dez. Auf der Eiſengießerei von
Hermann und Alfred Eſcher brach heute nachmittag eine
gußeiſerne Galerie zuſammen und begrub eine
Anzahl Arbeiter. Zwei Kernmacher erlitten Arm= und
Beinbrüche, eine Anzahl anderer Arbeiter kam mit leich=
teren Verletzungen davon. Drei Hilfsarbeiter befinden
ſich noch unter den Trümmern; ſie ſind wahrſcheinlich tot.
Zürich, 24. Dez. Im Tunnel des Mont d’or
an der waadtländiſch=franzöſiſchen Grenze erfolgte geſtern,
4274 Meter von der Tunnelmündung entfernt, ein
gewal=
tiger Waſſereinbruch. Die im Tunnel beſchäftigten
Arbeiter konnten ſich noch rechtzeitig retten. Ein 4 Meter
breiter Strom von 40000 Sekundenlitern floß aus dem
Tunnel heraus. Das Waſſer zerſtörte den Damm und
machte die Straßen unpaſſierbar.
Mobile, 23. Dez. Die britiſchen Schoner
„Cartagena” und „Georgiana” ſind im Golf von
Mexiko während des letzten Sturmes geſcheitert. Alle
Perſonen an Bord der beiden Schiffe, 22 an der Zahl,
er=
tranken, darunter auch die Familie des Kapitäns der
„Georgiana”.
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 23. Dez. Der Finanzausſchuß
der Zweiten Kammer wird ſeine Tätigkeit im neuen
Jahre bereits am 7. Januar aufnehmen und ſich zunächſt
natürlich ausſchließlich mit der Vorberatung des neuen
Staatsvoranſchlages für 1913 beſchäftigen. Die
verſchiede=
nen Hauptabteilungen des Budgets ſind bereits zur
Be=
richterſtattung unter den Ausſchußmitgliedern verteilt
wor=
den, und zwar ganz ähnlich wie im vorigen Jahre. Den
Hauptanteil hat wieder, wie ſeit mehreren Jahren, der
Vorſitzende des Finanzausſchuſſes, Abg. Dr. Oſann,
übernommen. Er hat, dem Vernehmen nach, an ſämtliche
Ausſchußmitglieder die dringende Bitte gerichtet, die
jetzigen Weihnachtsferien zu einem recht eifrigen Studium
des Staatsvoranſchlages zu benutzen und namentlich die
von ihnen zu bearbeitenden Spezialetats möglichſt
vorzu=
bereiten, ſo daß alsbald nach dem Zuſammentritt des
Ausſchuſſes in die entſcheidende Beratung und
Abſtim=
mung eingetreten werden kann. Die ſchleunigſte
Erledi=
ung des Etats in Finanzausſchuß und Kammerplenum iſt
diesmal um ſo notwendiger, als das Oſterfeſt ſchon auf
den 23. März fällt und bis dahin womöglich auch die Erſte
Kammer das neue Budget ſchon verabſchiedet haben ſoll,
die ſchon häufig wegen der ſpäten Ablieferung des Etats
vom anderen Hauſe lebhafte Klage geführt hat.
Der Balkankrieg.
Die Forderungen des Balkanbundes.
* London, 23. Dez. Wie das Reuterſche Bureau
erfährt, umfaſſen die Forderungen der Verbündeten
fol=
gende Punkte: 1. Abtreten des geſamten Gebietes weſtlich
der Linie, die von dem Punkte öſtlich Rodoſto am
Mar=
marameer bis zur Bai von Malatra im Schwarzen Meer
ſich erſtreckt, mit Ausſchluß der Halbinſel Gakipoli; 2.
Ab=
tretung der Inſeln des Aegäiſchen Meeres: 3. Verzicht
der Türken auf alle Rechte auf die Inſel Kreta. — Die
Albanien betreffende Frage will man der Entſcheidung
der Mächte überlaſſen.
Die Forderungen der Verbündeten machten einen
peinlichen Eindruck auf die türkiſchen Delegierten,
gleich=
wohl aber hofft man, zu einer befriedigenden Löſung zu
kommen. Die Mehrzahl der Delegierten begibt ſich
wäh=
rend der Vertagung der Friedenskonferenz aufs Land.
Dr. Danew ſoll nach dem Kontinent reiſen.
Die Beilegung der Prohaska=Affäre.
* Belgrad, 23. Dez. (Amtlich.) Da nach dem
Standpunkte der öſterreichiſch=ungariſchen Regierung, wie
er in dem offiziellen Kommuniqué zum Ausdruck kam, die
Frage bezüglich der Angelegenheit der Konſuln
als eine leichte Verletzung der Prinzipien
des Völkerrechts betrachtet wurde, drückte der
Mi=
niſterpräſident zugleich als Miniſter des Aeußeren, um
dazu beizutragen, daß die Angelegenheit endgültig
ge=
regelt werde, dem öſterreichiſch=ungariſchen Geſandten in
Belgrad namens der Regierung das Bedauern über
die Geſetzesverletzungen ſubalterner Militärbehörden den
Konſuln gegenüber aus. Er erklärte ſich zu einer
Ge=
nugtuung in folgender Weiſe bereit: Sobald die
öſterreichiſch=ungariſchen Konſuln nach Prizrend und
Mi=
trowitza zurückgekehrt ſind, wird die öſterreichiſch=
unga=
riſche Fahne gehißt. Den beiden Konſuln werden die
üblichen Ehren erwieſen werden.
Die türkiſch=griechiſchen Kämpfe.
* Konſtantinopel, 23. Dez. Ein offizielles
Telegramm des Flottenkommandanten von geſtern
be=
ſagt: Die ottomaniſche Flotte hat, um ſichere
In=
formationen über die feindliche Flotte zu erhalten,
Re=
kognoszierungen unternnommen. Sie traf zwiſchen
Te=
nedos und Imbros auf eine Diviſion von ſechs
feind=
lichen Torpedobootszerſtörern, gegen welche ſie das Feuer
eröffnete. Die Torpedobootszerſtörer wurden in die
Flucht geſchlagen, ebenſo ein feindliches Unterſeeboot.
So=
dann näherte ſich die ottomaniſche Flotte Tenedos
und richtete ihr Feuer gegen die griechiſchen Poſitionen.
Auch mit der zweiten feindlichen Flotte entſpann ſich auf
eine Entfernung von 14000 Yards ein Feuergefecht.
Unſere Flotte verhinderte die Annäherung der feindlichen
Flotte. Da es bereits zu ſpät war, kehrte ſie ohne irgend
einen Schaden um. Wegen der großen Entfernung war
der dem Feinde zugefügte Schaden nicht feſtzuſtellen. Der
Zweck der Rekognoszierung iſt vollkommen erreicht
worden.
* Athen, 24. Dez. Die Agence d’Athenes meldet
aus Kaſtoria: Die Türken haben Koritza geräumt und
ſich im Défilé verſchanzt. Nach längerem Kampf wurden
die Türken gezwungen, ſich in der Richtung auf Liaskoveki
zurückzuziehen. Die Griechen ſetzen die Verfolgung fort.
Die bulgariſche Sobranje und die Friedensverhandlungen.
* Sofia, 24. Dez. In der Sobranje führte
Mi=
niſterpräſident Geſchow aus, der Regierung werde die
Verantwortung durch die rührende Einmütigkeit und
pa=
triotiſche Begeiſterung des Volkes erleichtert. Leider
hät=
ten die Friedensdelegierten die eigentlichen
Ar=
beiten nochnicht begonnen. Es ſei unzuläſſig, jetzt
die Verproviantierung der belagerten Plätze
vorzuſchla=
gen. Da Bulgarien Grund zu der Annahme habe, daß
der Friede von den Großmächten aufrichtig gewünſcht
werde, könne es, wenn der Feind den Frieden unmöglich
mache, ebenſo ſehr auf friſche Kräfte der Verbündeten wie
auf die Sympathie mächtiger internationaler Faktoren
rechnen. Die Ereigniſſe bewieſen die Nichtigkeit der
Ge=
rüchte, daß der Balkanbund erſchüttert ſei. Der Friede
werde Bulgarien zum einzigen Nachbarn der Türkei
machen. Es liege im Intereſſe der Türkei, den unnützen
Krieg mit dem künftigen Nachbar einzuſtellen und ſo raſch
als möglich den dauernden Frieden abzuſchließen. Die
Sobranje möge überzeugt ſein, daß die Regierung alles
tun werde um den Frieden abzuſchließen, der unter
un=
geheuren Opfern Bulgariens erwirkt werde.
Nach dem Miniſterpräſidenten ergriffen nacheinander
die Führer aller Parteien das Wort und
billig=
ten rückhaltlos die Politik der Regierung. Die Redner
drückten die Hoffnung aus, daß die
Friedensver=
handlungen in London zum Abſchluß eines der
großen Opfer des Landes würdigen Friedens führen
wer=
den, wobei ſie ihren Optimismus auf die Unmöglichkeit
der türkiſchen Offenſive und die unausbleibliche
Kapitula=
tion der belagerten Plätze und auf die Ratſchläge ſtützten,
welche die Mächte nicht ermangeln würden, der Türkei zu
erteilen. Wenn jedoch der Friede nicht abgeſchloſſen
wer=
den ſollte, würden die politiſchen Parteien, wie die
Red=
ner weiter ausführten, auch weiterhin die Regierung bei
der Fortführung des Krieges unterſtützen.
Die Redner verlangten, daß der Beſitz alles deſſen,
was die Waffen der Bulgaren eroberten, von der
Diplo=
matie des Landes geſchützt werde, und daß, wenn die
Re=
gierung Konzeſſionen mache, dieſe gering ſeien. Die
Di=
plomatie Bulgariens werde, wenn ſie ſo handle, Europa
den Dienſt erweiſen, daß dann keine Komplikationen auf
dem Balkan zu fürchten ſein werden. Die Redner
er=
klärten dann, ſie müßten empfehlen, ohne die
Beſtimmun=
gen des Abkommens zu kennen, welches die Mitglieder des
nach dem entſchwundenen Ferdinand Gregori ſich regte.
Die Oper brachte eine Neueinrichtung des
Tann=
häuſer. Ottomar Starke, der erſt durch einen
eigen=
artigen, aber nicht ganz mozartgemäßen Entwurf für
Figarros Hochzeit überraſchte, ſetzte durch ganz
unher=
kömmliche, kühne und ſagen wir es gleich: grandioſe und
ſtimmungsvolle Dekorationen und Koſtüme in Erſtaunen.
Eine rotglühende Phantaſie der Hölle ſchien der
Venus=
berg mit ſeinen ſchattentanzenden Sirenen; dann ein
kahler Hügel unter einem rieſigen Horizont, in den ein
paar Sträucher und ein einfacher Bildſtock ragen, im
Hintergrunde nur angedeutet die Wartburg. Einen noch
ungewohnteren Anblick bot die Halle: ein mittelalterlicher
viereckiger Saal mit ſchwerlaſtender Decke; durch
Seiten=
eingänge kommen die Gäſte, regellos in Gruppen
mit=
einander plaudernd und ſetzen ſich auf Bänke im
Hinter=
grunde, das Geſicht dem Beſchauer zugekehrt. Auch die
muſikaliſche Darſtellung bot eine ungewöhnliche
Vollen=
dung. Es ſei auch der Theaterleitung, die dieſe von
mo=
dernem Künſtlergeiſt getragene Inſzenierung ermöglichte,
angerechnet, daß wir dieſen ungewöhnlichen Abend
er=
lebten.
* Reinhardts „Julius Cäſar” im
Thea=
ter der Fünftauſend. Profeſſor Max Reinhardt
wird, einer Einladung von Direktor Stoſch=Sarraſani
folgend, in dem Dresdener Theater der Fünftauſend, das
am Sonntag, den 22. Dezember, eröffnet wurde, im
Mo=
nar März 1913 Shakeſpeares „Julius Cäſar” inſzenieren.
Bei dieſer Gelegenheit wird das Dresdner Unternehmen,
das vorläufig mit einem Zirkusprogramm eröffnet wird,
zum erſten Male einem literariſchen Zwecke dienen;
wei=
tere Klaſſikeraufführungen werden folgen. Außerdem
ver=
handelt Direktor Stoſch=Sarraſani mit Frank Wedekind
zwecks Ueberlaſſung einer mit beſonderer Berückſichtigung
des neuen Hauſes zu ſchreibenden dramatiſchen Arbeit.
C2) Der Vizekönig von Indien. Der dekorativſte Poſten,
der irgend einem Privatmanne auf der Welt zugänglich
iſt, iſt ohne Zweifel die Stellung des Vizekönigs von
Indien. In dem Prunke des Auftretens und dem Glanz
des Hofſtaates, der ihn umgibt, übertrifft dieſer engliſche
Bürger die Präſidenten von Frankreich und Amerika bei
weitem, und in ſeiner überreichen Amtstracht erſcheint er
wie ein Fürſt aus Tauſendundeinenacht. In der Tat iſt
der „Generalgouverneur von Indien” der Herrſcher über
300 Millionen Untertanen, die er faſt mit der Gewalt
eines abſoluten Monarchen regiert. Er hat ſelbſtändige
Entſcheidung über Krieg und Frieden und iſt nur
ver=
pflichtet, eine von ihm ausgehende Kriegserklärung in
einer beſtimmten Friſt dem engliſchen Parlament
mitzu=
teilen. Auch auf dem Gebiete der Geſetzgebung hat der
Vizekönia von Indien eine monarchiſche Gewalt; er kann
gegen jedes indiſche Geſetz, das ihm nicht behagt, ſein
Veto einlegen. Trotzdem iſt es wohl noch nie zu einem
prinzipiellen Konflikt zwiſchen der engliſchen Regierung
und dem Vizekönig gekommen. In der Praxis weiß der
Generalgouverneur ſehr gut, daß er nur ein Beamter des
Mutterlandes und kein ſelbſtändiger Herrſcher iſt.
Er=
nannt wird er vom König von England, das heißt
tat=
ſächlich von dem gerade regierenden Miniſterium, und die
auswärtige Politik Indiens wird in London gemacht,
und nicht in Bombay oder jetzt in Delhi. Auch in den
Fragen der Eingeborenen=Politik iſt letzten Grundes das
Urteil des Staatsſekretärs maßgebend. Immerhin iſt der
Vizekönig von Indien mit ungewöhnlichem Glanze
um=
geben; ſchon mit Rückſicht auf die einheimiſchen Fürſten,
von denen ſich der Vertreter Englands nicht in den
Schat=
ten ſtellen laſſen darf. Die Reiſen des Vizekönigs ſind
geradezu Triumphzüge, und ſeine großen Feſte, zu denen
ſich alle Würdenträger des Reiches mit ihren unzähligen
Dienern und ihren Luxuselefanten einfinden, bieten ein
prachtvolles Bild.
Solch’ ein Schauſtück orientaliſchen Herrſcherprunkes
ſollte auch der Einzug des Vizekönigs in ſeine neue
Haupt=
ſtadt Delhi werden. Hoch zu Elefant ritt Lord Hardinges
mit ſeinem endloſen Gefolge in die künftige Reſidenz ein.
Aber die Bombe des indiſchen Nationaliſten bereitete dem
Schauſpiel ein ſehr ſchnelles Ende. Es iſt heute kein
gro=
ßer Genuß, Vizekönig von Indien zu ſein. Das uralte
Kulturvolk der 300 Millionen iſt erwacht, und gegen den
ſichtbaren Vertreter der Fremdherrſchaft richtet ſich ſein
Haß am ſtärkſten. Ein Lord Hardinge iſt ſchon einmal
Vizekönig von Indien in den Jahren 1844 bis 1848
ge=
weſen. Reun Jahre nach ſeiner Rückkehr brach der
ge=
waltige Aufſtand aus, der das Ende des britiſchen
Regi=
mes zu bringen ſchien. Der jetzige Generalgouverneur iſt
ein gewandter Diplomat; als er noch Sir Charles
Har=
dinge hieß, war er Unterſtaatsſekretär im Miniſterium
des Auswärtigen und der ſtändige Begleiter des Königs
Eduard auf ſeinen vielbeſprochenen Reiſen durch die
Hauptſtädte Europas. Seine Anweſenheit war
gewiſſer=
maßen die konſtitutionelle Deckung der perſönlichen
Po=
litik dieſes Monarchen. Nach dem Tode ſeines königlichen
Freundes iſt er zum Vizekönig von Indien avanciert.
C.K. Das erſte Hotel mit Flugmaſchinenſtation. Schon
mehrfach haben phantaſtiſche Träumer Bilder von der
Stadt der Zukunft entworfen, in der alle Dächer darauf
eingerichtet ſein werden, Flugmaſchinen einen
Landungs=
platz zu bieten, aber trotz aller Fortſchritte der Flugtechnik
iſt ein derartiges Gebäude bisher noch nicht erſtanden.
Den Amerikanern iſt es vorbehalten geblieben, dieſen
Traum zum erſten Mal zur Wirklichkeit zu machen, und
zwar kann die Stadt Philadelphia ſich rühmen, das erſte
wirkliche Fliegerhotel mit einem großen Landungsdach für
Flugmaſchinen zu erbauen. Ueber die Pläne dieſes
intereſſanten neuen Gebäudes, mit deſſen Errichtung
vor=
ausſichtlich bereits in Kürze begonnen werden wird, macht
das Technical World Magazine einige intereſſante
An=
gaben. Es handelt ſich um ein rieſiges Hotel, deſſen
mitt=
lere Dachflächen die Landungsſtation für Flugmaſchinen
tragen werden. Der Bau wird ſo angelegt, daß er höher
wird, wie alle benachbarten Häuſen, ſo daß die Flieger
dieſe Landungsfläche ohne Schwierigkeiten erreichen
kön=
nen und nicht von benachbarten Dächern genötigt werden,
komplizierte Manöver auszuführen. Die Landungsfläche
iſt nach den Plänen groß genug, um Luftfahrzeugen
aller Art Gelegenheit zum Landen zu geben. Nach den
Plänen wird die Plattform 150 Fuß lang und 50 Fuß
breit ſein; am einen Ende iſt eine Vorrichtung angebracht,
durch die es mit Hilfe von Maſchinenkraft möglich iſt, das
Dach zu verlängern. Dieſer bewegliche Teil der
Platt=
form iſt 80 Fuß lang, ſo daß man imſtande iſt, die
Land=
ungsfläche auf insgeſamt 230 Fuß zu verlängern. Die
Plattform iſt von einem Syſtem von Puffern umgeben,
die aus Tauen und Sandſäcken beſtehen, ſo daß ſie im
Notfalle, wenn der Flieger ſeinen Apparat nicht ſofort
zum Halten bringen kann, dem Anprall der Maſchinen
ſtandhält und zugleich ſchwere Beſchädigungen ausſchließt.
Eine weitere Neuheit dieſes originellen Baues ſind zwei
mächtige Lifts, die ſowohl imſtande ſind, zerlegte
Flug=
maſchinen von der Plattform zur Erde hinabzubringen,
wie auch Automobile aufs Dach zu befördern. So werden
denn die Flieger in dieſem neuen Hotel der Quäckerſtadt
die Annehmlichkeit genießen, direkt von ihrem Flugzeug in
ihr Automobil zu ſteigen, ohne dabei ihr Hotel verlaſſen
zu müſſen.
* Der Doppelgänger. In der Reichenbachſtraße in
München wohnte ein Mann, der dem Prinz=Regenten
Luitpold auf ein Haar ähnlich ſah. Geſichtszüge, Bart,
Haltung, alles ſtimmte; Verwechslungen konnten nicht
aus=
bleiben. Mit Behagen ließ ſich der Doppelgänger auf den
Münchener Straßen für den Regenten anſehen, nahm
huldvoll ehrfürchtige Grüße entgegen, lächelte leutſelig —
kurzum, tat nicht das geringſte, auch nicht in der Kleidung,
um das Mißverſtändnis unmöglich zu machen. Aber eines
Tages riß die Geduld des Hofmarſchallamtes. Ein
Be=
amter ſtellte ſich bei dem Doppelgänger ein, und es
ent=
wickelte ſich folgendes Geſpräch: „Es iſt uns im höchſten
Grade unangenehm, daß man Sie auf den Straßen für
den Regenten anſieht, mein Herr.” — „Mag ſein, aber ich
kann doch nichts für meine Aehnlichkeit, ich bin nun einmal
wie ich bin.” — „Hm, können Sie ſich nicht Ihren Bart
abnehmen laſſen?” — „Meinen Vollbart? Fällt mir gar
nicht ein. Ueber meinen Vollbart hat kein Menſch zu
ver=
fügen außer mir.‟ — „Hm, jawohl, jawohl,” und prüfend
ging der Blick des Beamten über den eben zum Ausgehen
gerüſteten Doppelgänger, „wiſſen Sie was? Dann kaufen
Sie ſich weniaſtens einen neuen Ueberzieher.”
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. Dezember 1912.
Nummer 304.
Balkanbundes verbindet, daß eine Teilung des eroberten
Gebietes auf der Baſis des Nationalitätsprinzips geſchehe
im Verhältnis zur Zahl der Truppen und zu den
Ver=
luſten, die jeder einzelne der Verbündeten erlitten habe.
Die bulgariſche Nation verlange für ſich, daß
Mazedo=
nien innerhalb ſeiner Grenzen ohne Ausſchluß
Salo=
nikis ungeteilt bleibe. Unter dieſen Bedingungen allein
würden die Alliierten den Bund aufrechterhalten,, feſtigen
und von jeder ausländiſchen Bevormundung freihalten
können. Sämtliche Reden wurden ſehr beifällig
aufge=
nommen.
Letzte Nachrichten.
* Wien, 24. Dez. Das Fremdenblatt ſchreibt: Mit
Bezug auf die in den letzten Tagen veröffentlichten
Bel=
grader Meldungen über die von Serbien in der
Ange=
legenheit der öſterreichiſch=ungariſchen Konſuln in
Prizrend und Mitrowitza zu leiſtende Genngtuung
geht uns folgende authentiſche Darſtellung zu: Am 21.
d. M. erſchien der ſerbiſche Miniſterpräſident und Miniſter
des Aeußern, Herr Paſitſch, bei dem öſterreichiſch=
un=
gariſchen Geſandten in Belgrad, Herrn v. Ugron. Er kam
ſofort und ſpontan auf die Angelegenheit des Konſuls in
Prizrend und Mitrowitza zu ſprechen und drückte das
auf=
richtigſte Bedauern der ſerbiſchen Regierung über die
ſeitens der ſerbiſchen Militärbehörden begangenen
Miß=
griffe aus. Gleichzeitig bat Herr Paſitſch um
Aufklär=
ung darüber, welche weitere Genugtuung die
öſter=
reichiſch=ungariſche Regierung in dieſer Angelegenheit
for=
dere. Herr v. Ugron ſprach ſeine Freude darüber aus,
daß Herr Paſitſch unſeren Wünſchen in dieſen Fragen
durch ſeinen Schritt zuvorgekommen ſei, und teilte ihm
zugleich mit, daß die öſterreichiſch=ungariſche Regierung
außer dem Ausdruck des Bedauerns der ſerbiſchen
Regie=
rung eine militäriſche Ehrenbezeugung durch
ein von einem Offizier kommandiertes entſprechendes
Detachement anläßlich des Hiſſens unſerer Flagge an den
Konſulatsgebäuden in Prizrend und Mitrowitza am Tag
des Wiedereintreffens der Konſuln an ihrem Amtsſitz
ver=
lange. Die beiden letztgenannten Funktionäre hätten bei
dieſer Zeremonie in Uniform zu erſcheinen.
Dieſe Form der Genugtuung müßte behufs
Herſtell=
ung des Anſehens unſerer Konſularvertretung gewährt
werden, weil alle im Namen der ſerbiſchen Regierung
durch den ſerbiſchen Geſandten in Wien gegen den Konſul
Prohaska erhobenen Beſchuldigungen, auf Grund welcher
das offizielle Begehren um deſſen Abberufung geſtellt
wurde, ſich als vollkommen haltlos erwieſen haben,
wäh=
rend andererſeits die ſerbiſchen Militärbehörden in
Priz=
rend und Mitrowitza ſich mehrere grobe Verſtöße gegen
unbeſtrittene Satzungen des internationalen Rechts haben
zuſchulden kommen laſſen.
Die öſterreichiſch=ungariſche Regierung hat ſich
nie=
mals einer Würdigung der Schwierigkeiten verſchloſſen,
mit denen die ſerbiſche Regierung angeſichts der
Kriegs=
lage, ſowie der Intranſigenz der ſerbiſchen Militärkreiſe
zu kämpfen hatte. Sie hat darum die Angelegenheit mit
ſo viel Ruhe und Langmut behandelt, und erſt nach
ge=
nauer Durchführung der Unterſuchung und vollſtändiger
Klarſtellung des Sachverhalts die oben angegebene
Ge=
nugtuungsforderung geſtellt.
* Paris, 26. Dez. Zur Frage von Adrianopel
mel=
det der Londoner Berichterſtatter des Temps, daß in
ge=
wiſſen Finanzkreiſen folgende Löſung anglregt werde:
Adrianopel und die Umgebung würden der Türkei
verbleiben, aber, da dieſe außer Stande ſei, die von
Bulgarien geforderte große Kriegsentſchädigung zu
be=
zahlen, würden die Bulgaren das Recht erhalten,
Adria=
nopel ſamt Umgebung ſolange zu beſetzen, bis die
Kriegs=
entſchädigung bezahlt ſei. Dieſer Ausweg würde der
Türkei geſtatten, wenigſtens den Anſchein zu wahren, daß
ſie ihren Standpunkt behauptet habe.
* Berlin, 26. Dez. Die türkiſche Botſchaft
hat vom Miniſter des Aeußern folgendes Telegramm
er=
halten: Der Kommandant der Oſtarmee telegraphiert, daß
griechiſche Banden, welche in das in der Nähe von
Ja=
nina gelegene muſelmaniſche Dorf Kolonjati einrückten,
trotz der guten Aufnahme die Einwohner ohne Unterſchied
des Alters und Geſchlechts unerbittlich niedermetzelten,
die Männer verſtümmelten und verbrannten.
Der Anſchlag auf den Vizekönig
von Indien.
* London, 24. Dez. Ein Telegramm aus Delhi
berichtet: Die Feſtlichkeiten wurden ſofort
abgebro=
chen. Der ſoeben verübte Anſchlag ſcheint zu beweiſen,
daß die Gegner der engliſchen Herrſchaft
nicht abgerüſtet haben, da ſie einen Mann, wie Lord
Hardinge, angreifen, der, im Einvernehmen mit Lord
Morley, die liberalſte Politik ausübte. Obgleich die
Depeſche nicht den Stadtteil bezeichnet, in dem der
Mord=
anſchlag verübt wurde, iſt es ziemlich wahrſcheinlich, daß
der Feſtzug des Vizekönigs, um ſich nach der außerhalb
der eigentlichen Stadt Delhi belegenen neuen
Verwalt=
ungsſtadt zu begeben, durch ziemlich enge Straßen ziehen
mußte, hinter der großen Moſchee, die auf den Bahnhof
in der ſüdlichen Vorſtadt zu liegt, wo König Georg und
Kö=
nigin Mary anläßlich der Krönung ankamen. Dieſer
Stadtteil war damals, da man ein Attentat befürchtete,
ſtrengſtens bewacht worden. Es iſt anzunehmen, daß
der=
artige Vorſichtsmaßregeln nicht getroffen wurden, weil
ſie infolge der beſſeren politiſchen Lage unnötig zu ſein
ſchienen.
Der Anſchlag wurde begangen in dem
Augen=
blick, als der Feſtzug des Vizekönigs den Bahnhof verlaſſen
hatte und Schandni Schowk durchſchritt. Die Bombe
zer=
brach den Howdah (den Sitz auf dem Rücken des
Elefan=
ten) und verwundete Lord Hardinge an der Schulter. Der
Vizekönig wurde ſehr bleich und ſofort auf eine
ſchnell hergerichtete Tragbahre gelegt und im Automobil
nach dem Krankenhaus befördert. Lady Hardinge begab
ſich nach ihrer Wohnung zurück. Alsdann ſetzte ſich der
Zug wieder in Bewegung. Die Polizei umſtellte zunächſt
das Haus, aus welchem die Bombe geworfen worden
war, und nahm mehrere Verhaftungen vor. Alle Wege,
die aus Delhi hinausführen, werden ſtrengſtens überwacht.
Die Verletzung, die der Vizekönig erlitt,
beſteht aus einer tiefen, vier Zoll langen Wunde die das
Schulterblatt blosgelegt hat. Außerdem hat Sir
Har=
dinge einige Hautwunden an der rechten Hüfte und im
Nacken davongetragen. Wie durch ein Wunder, iſt er
dem Tode entronnen. Es heißt, durch einen
Bomben=
ſplitter ſei ein Knabe in der Menge getötet worden.
Der Attentäter iſt noch nicht ergriffen. Er warf
die Bombe vom Dach eines Bankgebäudes herunter. Eine
Belohnung von 10000 Rupien iſt auf ſeine Ergreifung
ausgeſetzt. Ueber die Motive der Tat laſſen ſich bisher
nur Vermutungen aufſtellen.
HB. London, 24. Dez. Entgegen der Anſicht der
regierungsfreundlichen liberalen Preſſe, die geneigt iſt,
den Anſchlag auf den Vizekönig von Indien als
die Tat eines Geiſteskranken oder Fanatikers anzuſehen,
iſt die konſervative Preſſe der Meinung, daß es ſich um
eine Verſchwörung handelt, die rieſigen Umfang
angenommen habe. Der Times zufolge wurde feſtgeſtellt,
daß auf dem Dache des Hauſes, ſvon dem aus die Bombe
geworfen wurde, ein Trupp von Männern ſtand, der nach
dem Attentat ihrer Freude Ausdruck gab und in der
fol=
genden Verwirrung zum größten Teile entkam. Nur ein
ein Teil der Leute konnte verhaftet werden.
* London 24. Dez. Obſchon von mehreren
Ver=
haftungen in und bei dem Hauſe gemeldet wurde, von
deſſen Dach aus die Bombe gegen Lord Hardinge
ge=
ſchleudert wurde, beweiſt doch der ausgeſetzte Preis von
10000 Rupien für die Ermittlung des Täters, daß man
ihn einſtweilen noch nicht gefaßt zu haben glaubt. Das
fragliche Haus war dreiſtöckig; über 150 Zuſchauer,
Männer, Weiber und Kinder waren darin
zuſammenge=
drängt, deren Aufmerkſamkeit auf die Straße gerichtet
war. Nun entſtand nach dem plötzlichen Knall der
Ent=
ladung innerhalb wie außerhalb des Hauſes ein
begreif=
licher Wirrwarr, und es dauerte eine Weile, bis die
Po=
lizei das Haus beſetzte, ſo daß es unmöglich iſt, zu ſagen,
ob nicht von einer Gruppe Perſonen, die an einer Ecke
des Daches geſtanden und nach der Tat ſich zerſtreut
ha=
ben ſoll, einzelne entkommen ſind. Die Bombe war
ziemlich groß und in Form wie Inhalt denen ähnlich, die
ſchon früher hier und da, beſonders gegen Eiſenbahnzüge,
zur Verwendung kamen. Sie war mit Nägeln und
Schrau=
ben gefüllt, und es ſoll ein großes Taſchentuch voll
Split=
ter und Nägel am Ort aufgeleſen worden ſein. Die Nägel
haben auch Hardinge verwundet und ſind ſpäter im
Ope=
rationswege entfernt worden. Allgemein wird anerkannt,
daß der Vizekönig ſich ſehr gut gehalten habe. Er befahl,
der Zug ſolle weiterrücken, und erteilte, ehe er das
Be=
wußtſein verlor, die Weiſung, in ſeiner Abweſenheit durch
das älteſte Mitglied der Regierung den Durbar abhalten
zu laſſen. Hier wie in Indien iſt die Teilnahme lebhaft
und allgemein.
Ueber die Urſache des Verbrechens gehen die
An=
ſichten auseinander. Vor 14 Tagen hieß es hier, die
Ver=
legung des Sitzung der Verwaltung in die alte
mohamme=
daniſche Hauptſtadt Indiens habe bei einem Teil der
mohammedaniſchen Bevölkerung Anſtoß erregt, weil man
darin etwas wie den Schlußſtein der Verdrängung des
Mohammedanertums aus Europa zu ſehen glaube. Es
ſoll ſogar eine ausdrückliche Warnung nach Europa gelangt
ſein, man möge ſich auf gewalttätige Kundgebungen
da=
gegen aus Anlaß der Feſtlichkeit in Delhi gefaßt halten.
* Delhi, 24. Dez. Ueber das Befinden des
Vizekönigs wird folgendes Bulletin veröffentlicht=
Lord Hardinge verbrachte eine unruhige Nacht. Es mußte
Morphium angewendet werden, um die Schmerzen zu
mildern.
* Delhi, 24. Dez. Insgeſamt ſind dreizehn
Perſonen durch die geſtern auf den Vizekönig
gewor=
fene Bombe verletzt worden, darunter eine Frau, die ſich
in dem Hauſe befand, aus dem die Bombe geworfen
wurde. Das Abendbulletin über den
Geſundheits=
zuſtand Lord Hardinges ſtellt einen
befriedi=
genden Fortſchritt zum Beſſern feſt. In den Wunden
wurden metalliſche Fremdkörper gefunden, die von dem
Rückenſitz des Elefanten herrühren.
Der Ausſtand der Bergleute
im Saarrevier.
* Neunkirchen (Saar), 26. Dez. Wie ſeitens
des Verbandes der Berliner Arbeitervereine mitgeteilt
wird hatte der Generalſekretär Dr. Fleiſcher am
24. Dezember eine Audienz beim
Handels=
miniſter Dr. Sydow. Dieſer erklärte: zum Beweiſe
dafür, daß es ihm ernſt ſei, die neue Arbeitsordnung in
milden Sinne zu handhaben, habe er eine Erläuterung
der neuen Arbeitsordnung veranlaßt. Dieſe werde in
der am nächſten Samstag erſcheinenden Nummer des
„Bergmannsfreund” veröffentlicht. Die Erläuterung ſei
authentiſch und die Grubenverwaltungen hätten ſich
des=
halb danach zu richten. Weiter wiederholte der Miniſter
ſeine Zuſage, daß die Löhne bei ſteigender Konjunktur
weiter ſteigen ſollen, immer aber vorausgeſetzt, daß am
2. Januar der Streik auf den Saargruben nicht ausbricht,
Er wies darauf hin, daß auch im November und Dezember
die Löhne bereits wieder geſtiegen ſeien. Wenn die
Bergleute am 2. Januar die Arbeit fortſetzten, ſollten auch
die in der Leidenſchaft gefallenen Aeußerungen und
Ent=
gleiſungen vergeſſen ſein. Falls aber die Saarbergleute
trotz aller dieſer Zugeſtändniſſe den Streik beginnen
ſollten, dann ſei allerdings der Bergfiskus gewillt, den
aufgedrungenen Kampf unter allen Umſtänden
durch=
zuhalten.
* Saarbrücken 26. Dez. Bei der Beſprechung,
die der Reichstagsabgeordnete Coßmann am 25.
De=
zember mit der Bergwerksdirektion hatte, erklärte die
Direktion, ſie könne auf Grund der nunmehr vorliegenden
Abſchlüſſe eine Steigerung der Löhne beſtimmt zuſagen;
Vorausſetzung ſei nur, daß die Leiſtungen der Bergleute
auf der Höhe blieben und nicht Störungen im Betriebe
einträten.
Sport, Spiel und Turnen.
* Hockey. Am 1. Weihnachtsfeiertag konnte die Elf
des F.=K. „Olympia” hier über die Mannſchaft des
„Frankfurter Fußballverein” mit 2:0 ſiegen. Allerdings
ſpielte Frankfurt nur mit 9 Mann. Trotz Regen hatte
ſich eine recht ſtattliche Zuſchauermenge eingefunden, und
ſcheint erfreulicherweiſe nun auch hier der ſchöne
Hockey=
ſport Intereſſe hervorzurufen.
Luftfahrt.
Das Flugweſen in den deutſchen Kolonien.
* Berlin 24. Dez. Der Staatsſekretär des
Reichs=
kolonialamtes, Dr. Solf, der jüngſt zuſammen mit ſeiner
Gemahlin auf einem von dem Flugzeugführer v.
Gor=
riſſen dem Vorſitzenden des Bundes deutſcher
Flug=
zeugfahrer und Mitglied des Kuratoriums der
National=
flugſpende, geſteuerten Ago=Doppeldecker einen längeren
Paſſagierflug unternommen hat, äußert ſich nach dieſem
Fluge ausführlich über ſeine Auffaſſung von der
Bedeu=
tung des Flugweſens für die Kolonien und über Pläne
der Kolonialverwaltung hinſichtlich der
Einfüh=
rung eines nationalen Flugdienſtes. Dr. Solf iſt
über=
zeugt, daß den Flugzeugen in den Kolonien eine
bedeu=
tende Rolle zufallen wird. Aus dieſem Grunde verfolgt
die Kolonialverwaltung ſeit längerer Zeit die Vorgänge
auf dem Gebiete des Flugſoeſens mit großem Intereſſe
und wartet den geeigneten Augenblick ab, um ſich des
Flugzeuges in den Kolonien zu bedienen. Dieſer
Augen=
blick wird in Kürze eintreten. Es liegen bereits
be=
ſtimmte Pläne für die Verwendung von Flugzeugen
in den deutſchen Kolonien vor, für die Mittel im
Etat=
vorgeſehen ſind. Es handelt ſich dabei um verſchiedene
Zwecke, denen die deutſchen Kolonialflieger dienen ſollen.
In erſter Linie iſt eine Verwendung zur
Befehlsübermitt=
lung vorgeſehen, die bei der Schnelligkeit der Flugzeuge
25 Jahre Kunſtkultur.
Zum Zubiläum
der Verlagsanſtalt Alexander Koch.
Kunſt und Kunſtgewerbe ſind in unſerer Zeit mehr
wie zu irgend einer anderen und faſt wie im klaſſiſchen
Altertum bei den geiſtig herrſchenden Völkern zum
be=
ſtimmenden Faktor geworden in der kulturellen
Entwickel=
ung. Mehr wie in anderen Ländern, oder doch mindeſtens
gleich wie auch in ſolchen, die auf eine unendlich
frucht=
barere und bedeutendere künſtleriſche Vergangenheit
zurückblicken können, als wir, pflegt man in deutſchen
Landen heute die Kunſt. Das ihr nahe verwandte
Kunſt=
gewerbe iſt in Deutſchland auf einer Stufe der
Ent=
wickelung angelangt, die die Weltherrſchaft zu
begrün=
den beginnt, ja die es in manchen Zweigen bereits
un=
ſtreitbar beſitzt. Und wenn je die Tatſache Berechtigung
hat, daß die Kunſt und das Kunſtgewerbe die ganze
Kul=
tur eines Volkes, einer Raſſe widerſpiegeln in ihren
beſten und überzeugendſten Ausdrucksmitteln, ſo muß,
wenn unſere Gegenwart und nächſte Zukunft
Vergangen=
heit geworden, der Geſchichtsſchreiber uns das Zeugnis
eines kulturell hochſtehenden Geſchlechts teſtieren. Und
wenn wir zurückſchlagen die Blätter der Geſchichte
unſe=
rer Zeit, in der wir ſelbſt noch wirken und ſchaffen,
vielleicht auch noch bis in unſerer Väter Tage hinein, ſo
ſtehen wir vor der ſtaunenswerten Tatſache, daß die
ganze unendlich große, faſt ungeheure Entwickelung
un=
ſerer modernen Kunſt — „modern” hier in möglichſt
um=
faſſendem Sinne zu definieren — ſich zuſammenballt auf
wenige Jahrzehnte, auf wenig mehr als ein
Menſchen=
leben! Wir leben ſchnell, unendlich ſchneller als unſere
Vordern. Wozu Geſchlechter der Vergangenheit
Jahrhun=
derte brauchten, wo in Jahrhunderten Bauſtein für
Bau=
ſtein zuſammengefügt wurden, um eine eigene Kultur
zu ſchaffen, das erreichte unſere kraftvolle, ſchnell lebende
Gegenwart in Jahrzehnten beiſpielloſen Arbeitens und
Ringens, ungeahnt ſchnellen Fortſchritts und Aufſtiegs.
Das war natürlich auf allen Gebieten geiſtigen Schaffens
ſo, Kunſt und Kunſtgewerbe aber, die hier allein uns
be=
ſchäftigen, blieben herrſchend.
Als das neugeeinte junge Deutſche Reich ſeine
grund=
legenden wirtſchaftlichen Arbeiten vollendet oder doch
ziel=
bewußt in ſichere unentwegte Bahnen geleitet und man dem
ſchöngeiſtigen Leben, der Kunſt, ſich zuwenden konnte; als
warme Südwinde befruchtend das ja nur ſchlummernde
Samenkörnlein unſerer Kunſt zum Sprießen brachten
und dann die reinigenden Frühjahrsſtürme durch die
Kunſtſtätten der deutſchen Lande brauſten, alles
Lebens=
unwerte hinwegreißend und Platz ſchaffend für alles
Kraftvolle, Kernfeſte, kurz, als eben unſere junge deutſche
Kunſt, auf eigenes Können ſich beſinnend, zu neuem Leben
erwachte, da erſtanden ihr zum Glück Männer in vielen
deutſchen Gauen, die ſich berufen fühlten zu hehrem
Mittleramt; der Kunſt zu dienen und dienend ihr zur
Herrſchaft zu helfen. — Berufen fühlten ſich viele, nicht
alle waren auserwählt. Es erſtand ihnen eine Aufgabe
gleich hoch und ſchön, wie ſchwer. — Und der Wenigen
einer, gleich aber der Beſten, entſtand unſerer jungen
Kunſt in Darmſtadt in Alexander Koch.
Hofrat Alexander Koch kannte die Kunſtſtätten der
deutſchen Lande, erlebte ihr Neuerwachen und ſein
weit=
ſchauender Blick, gegründet auf feines Kunſtverſtehen,
dem genial praktiſcher Geiſt zu ſeltener Vollendung ſich
geeint, erkannte ſofort, daß dieſem Neuerwachen
ſo=
bald kein neuer Schlaf, ſondern erſt ein langes Leben und
blühendes Schaffen folgen muß, wenn der Kunſt die
Wege geebnet werden in die ganzen großen, von
Lebens=
drang und Lebenskraft gleichermaßen erfüllten Maſſen.
So ward er der Kunſt ein Mittler und dem
Kunſtge=
werbe ein mächtiger Förderer. Schon lange ehe in
Darm=
ſtadt ſelbſt der Kunſt eine Pflegeſtätte geſchaffen wurde
durch Heſſens Fürſten, hatte Alerander Koch die
Grund=
lagen gefügt zu ſeinen Kunſt=Zeitſchriften, die
heute Weltruf erreicht haben. Sie wurden zum Zentrum,
das ganze umfaſſende Gebiete künſtleriſchen und
kunſtge=
werblichen Schaffens eint, und von dem aus es tauſendfach
zerlegt und doch wieder in künſtleriſcher Einheit
hinaus=
geht in die Maſſen, den Boden beſtellend und befruchtend
in ſteter Wechſel= und Rückwirkung auf Künſtler und
Kunſtgenießer, auf Schöpfer und Geber und auf
Empfän=
ger; wurden ſo zu Pflegeſtätten geiſtiger und künſtleriſche
Kultur. Ueber Art und Umfang der Kochſchen
Zeitſchrif=
ten iſt vor kurzem an dieſer Stelle bereits geſchrieben
worden. Wir nehmen ſie heute als Einheit, wie denn
ihr Wirken ſich letzten Endes ja auch eint in dem einen
großen Ziel: Kunſt und Kultur!
Es war naheliegend, daß, als Heſſens Großherzog
die Künſtlerkolonie ins Leben rief, Alexander Koch ſich
mit ganzer Kraft auch der Förderung dieſes
Unterneh=
mens widmete, und wenn es ſo bald gelang, der
Künſt=
lerkolonie und der Darmſtädter Kunſt geachteten Ruf
und Namen in der Welt zu ſchaffen, iſt dies ſein Werk
mit in erſter Linie, wenn auch ſeines Wirkens Ziel weit,
weit höher ging und geht: auf das Umfaſſen der geſamten
Kunſt und des geſamten Kunſtgewerbes.
Heute ſteht Herr Hofrat Alexander Koch am
Schluſſe des ein Vierteljahrhundert umfaſſenden erſten
Abſchnittes ſeines Lebenswerkes. Es iſt ungeahnt groß
und ſchön erblüht. Viel dankt ihm die deutſche
Kunſt, viel mehr die Heſſens und unendlich viel
mehr dankt ihm Darmſtadt. Sein Name iſt mit dem
unſerer Stadt eng verknüpft und wo man im Reiche der
Kunſt den Namen Darmſtadt nennt, kann man den
Alerander Kochs nicht verſchweigen, ja oft wird dieſer der
erſtgenannte ſein. Wenn je Heſſen, wenn Darmſtadt
eine Ehrentafel ſeiner verdienten Männer prägt oder das
goldene Buch ſeiner Vergangenheit ſchreibt, wird der
Name Alexander Koch nicht an letzter Stelle ſtehen.
Darum geht die heutige Jubelfeier der
Verlags=
anſtalt Alexander Koch weit über den Rahmen einer
pri=
vaten Feier hinaus, und Pflichtverletzuna für die Preſſe
wäre es, an einer ſolchen Feier mit Stillſchweigen
vor=
überzugehen. Und wenn je ein Wunſch auf ein weiteres
Wachſen, Blühen von Herzen kam und leicht aus der Feder
floß, ſo iſt es heute der Fall.
Ad multos annos!
Darmſtadt, 27. Dezember 1912.
M. St.
Nummer 304.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. Dezember 1912.
Seite 5.
im Verhältnis zu anderen Verkehrsmitteln von großer
Bedeutung werden kann. Vor allem bei Aufſtänden wird
der Kolonialflieger von erheblichem Werte ſein. Ferner
wird an die Errichtung eines Flugzeugpoſtverkehrs über
unwegſame Gebiete hinweg gedacht. Endlich iſt
beabſich=
tigt, das Flugzeug in den Dienſt der kolonialen
Landes=
vermeſſung zu ſtellen.
Landwirtſchaftliches.
* Groß=Gerau, 24. Dez. Der Geſchäftsgang bei
unſerem Ferkelmarkte zeigte den gleichen flotten
Verlauf wie die vorhergehenden Märkte. Die
aufgetrie=
benen 471 Tiere waren alsbald glatt verkauft und die
Preiſe daher ebenfalls feſt. Es koſteten Ferkel 15—20 Mk.,
Springer 22—28 Mk., Einleger 32—35 Mk. pro Stück. —
Mit dem nächſten Ferkelmarkt, der am Donnerstag,
den 2. Januar 1913 ſtattfindet, iſt eine Prämiierung
verbunden und wird an dieſem Tage gleichzeitig ein
Krämermarkt — Neujahrsmarkt — abgehalten.
Handel und Verkehr.
H Frankfurt a. M., 24. Dez. (
Fruchtmarkt=
bericht.) Der Wochenmarkt war infolge der
bevorſtehen=
den Feiertage nur ſchwach beſucht und die Umſätze ſowie
Veränderungen dementſprechend ohne Belang.
Land=
weizen iſt reichlich angeboten; die ſeitherige Nachfrage nach
Landroggen hat nachgelaſſen. Hafer, Mais und Gerſte
ebenfalls ſehr ſtill. Futtermittel preishaltend. Die
For=
derungen für Mehl ſind williger, dabei aber ohne
größe=
ren Begehr.
Der Mannheimer Getreidemarkt iſt ſtetig
bei kleinen Umſätzen. Die ſüddeutſchen Handelsmühlen
haben die Mehlpreiſe um 1½ Mk. per 100 Kilo erhöht. —
An der Berliner Produktenbörſe herrſchte für
Getreide mattere Stimmung auf Glattſtellungen vor den
Feiertagen für Dezember und auf die um etwa 1 Mk.
er=
mäßigten amerikaniſchen Offerten. Das ruſſiſche Angebot
hält zurück. Laplataweizen war wohl offeriert, aber
vor=
läufig für Berlin noch zu teuer. Hafer für Dezember
et=
was feſter, für Mai angeboten und ſchwach. — Nach den
letzten Kabelnachrichten von den amerikaniſchen
Getreidemärkten (New=York und Chicago) war
Weizen nach zeitweiſer Abſchwächung auf günſtiges
Wet=
ſter in Argentinien ſchließlich mäßig beſeſtigt infolge
gro=
ßer Nachfrage der Mühlen in Minneapolis. Mais,
eben=
falls ſchwach einſetzend, war ſpäter etwas beſſer auf
An=
kündigung weniger günſtigen Wetters. Die ſichtbaren
Weizenvorräte ſind dort in dieſer Woche von 67.52 Mill.
Buſhels auf 67.93 Mill. Buſhels und die Maisvorräte von
2.44 Mill. Buſhels auf 3.79 Mill. Buſhels geſtiegen. Auch
in Kanada erhöhten ſich die Weizenvorräte in dieſer Woche
von 12.50 Mill. Buſhels auf 17.39 Mill. Buſhels.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilogramm wie
folgt: Weizen. hieſiger und Wetterauer 21,
Norddeut=
ſcher 21, Kurheſſiſcher 21, Ruſſiſcher 23.50—24. Redwinter
22.50—23.50, Rumäniſcher 23.25—23.75, Laplata 22—23,
Manitoba 22.50—23.50, Kanſas 23.50—23.75. Walla=Walla
22.75—23.50; Roggen, hieſiger 18—18.10, Bayeriſcher
(Pfälzer) 18—18.20, Ruſſiſcher 19—20, Amerikaniſcher
Rumäniſcher 19—20: Gerſte. Pfälzer 21.50—22, hieſige
und Wetterauer 20.75—21.25, Riedgerſte 21—22, Fränkiſche
21.25—21.75, Ungariſche —: Hafer, hieſiger 19—20,
Bayeriſcher 19—19.75, Ruſſiſcher 20—21, Rumäniſcher
20—20.75, Amerikaniſcher 19.50—20: Mais mired 15.25 bis
15.40, Ruſſiſcher 15.30—15.60. Donaumais 15.30—15.50.
Ru=
mäniſcher 15.40—15.60, Laplata 15.20—15.40, Weißer Mais
15.40—15.50, Weizenſchalen 10.50—10.75, Weizenkleie
10.50—10.75, Roggenkleie 10.50—10.75. Futtermehl 14—16,
Biertreber getrocknet 13.75—14.50, Futtergerſte 16—16.50;
Weizenmehl, hieſiges (Baſis ab Mannheim) Nr. 0
31—31.25, feinere Marken 31.50—31.75. Nr. 1 30—30.25,
feinere Marken 30.50—30.75, Nr. 2 28.50—28.75. feinere
Marken 29—29,25, Nr. 3 27—27.25, feinere Marken 27.50
bis 27.75, Nr. 4 24—24.25, feinere Marken 24.50—24.75;
Roggenmehl, hieſiges Nr. 0 27—27.25. Nr. 1 24.75
bis 25. Nr. 2 22—22.25.
Vermiſchtes.
* „Ein Muſeum des Weins”. Aus unſerem
Leſerkreiſe wird uns geſchrieben: Bezugnehmend auf
Ihren Artikel „Ein Muſeum des Weins”, in der
Mon=
tags=Nummer des Darmſtädter Tagblattes möchte ich
be=
merken, daß wir bereits ſeit längerer Zeit in Deutſchland
ein derartiges Muſeum beſitzen. In den unteren Räumen
des hiſtoriſchen Muſeums für die Pfalz in Speyer iſt
ein Weinmuſeum angelegt, deſſen Reichhaltigkeit und
geſchickte Anordnung weit über Fachkreiſe hinaus bekannt
iſt. Faſt alle Weinbauſchulen der Umgegend haben ſchon
dem Muſeum in Speyer einen Beſuch abgeſtattet. Als
ganz beſondere Sehenswürdigkeit wird u. a. vielem
Intereſſanten auch ein Wein gezeigt, der, wie der
Kata=
log beſagt, aus dem Jahre 300 n. Chr. ſtammen ſoll. Er
iſt deshalb ſo gut erhalten, weil er vollkommen
ver=
harzt iſt.
Die Stadt Speyer verdient übrigens ihrer
Schön=
heiten, ihrer hiſtoriſchen Ueberreſte (Dom, Kaiſergräber,
Oelberg, Heidenturm, Retſcher, Altpförtel, Judenbad ꝛc.)
und ihrer neuen impoſanten Proteſtationskirche wegen
mehr beſucht zu werden. Auch darf bei der Aufzählung
der Sehenswürdigkeiten von Speyer das ſchon
oben=
genannte Hiſtoriſche Muſeum der Pfalz nicht vergeſſen
werden, deſſen Räume die wertvollſte Sammlung von
Frankenthaler Porzellan bergen, die allein auf 2
Millio=
nen Mark von Kennern geſchätzt wird.
Literariſches.
Lodernde Lohe. Oſtafrikaniſcher Roman.
Von F. Weſtphal. Berlin 1912. „Kolonie und Heimat‟
Verlagsgeſellſchaft m. b. H. Broſchiert 3.— Mk.,
gebun=
den 4.— Mk. Der Roman, der erſtmals in der Zeitſchrift
„Kolonie und Heimat” erſchienen iſt, behandelt hiſtoriſche
Stoffe, ohne ſich jedoch ſtreng an die geſchichtlichen
Be=
gebniſſe zu halten. Er ſchildert mit plaſtiſcher
Anſchaulich=
keit das Leben auf einer noch im Werden begriffenen
Militärſtation Deutſch=Oſtafrikas. Die Handlung dreht
ſich im weſentlichen um die Niederzwingung eines
arau=
ſamen Negerfürſten, der ſich nicht unter die deutſche
Herr=
ſchaft beugen will. Sie iſt den langwierigen ſchweren
Kämpfen mit dem Wahehevolk entlehnt, ſpielt aber am
Kilimandſcharo. Wilde Kampfesſzenen wechſeln mit
Bil=
dern des Friedens und prächtigen Naturſchilderungen.
Auf alle Fälle lieſt ſich der Roman, der auch der reiferen
Jugend in die Hand gegeben werden kann, ſpannend von
Anfang bis zu Ende.
— Ein Führer durch die volkstümliche
Koloniallitera=
tur iſt im Verlage der beliebten Zeitſchrift „Kolonie und
Heimat” unter dem Titel „Der Kolonialfreund”
erſchienen. Er füllt entſchieden eine Lücke aus. Auf dem
Gebiete der volkstümlichen Kolonialliteratur gibt es noch
wenig bekannte Namen, und ſelten verfügt der
Biblio=
thekar, Lehrer und Buchhändler über ſo viel Kenntnis der
kolonialen Verhältniſſe, daß er beurteilen kann, ob ein
Buch ſachlich einwandfrei iſt oder nicht. Jeder iſt in der
Lage, in wenigen Minuten herauszufinden, was er
ſucht, und erwirbt ſich dabei für den geringen Preis von
2 Mk. im „Kolonialfreund” ein wirklich praktiſches
Handbuch.
— Beatrice Grimſhaw, Wenn die Roten
Götter rufen. Autoriſierte Ueberſetzung aus dem
Engliſchen von Stella Bloch. Poll u. Pickardt,
Ver=
lagsbuchhandlung, Berlin, Preis 4.— Mk. Ein engliſcher
Kolonialroman, der, ohne tendenziös zu ſein, die jetzt
ſo brennende Frage der Miſchehen mit Eingeborenen
be=
handelt. Die Streitfragen ſind in ſpannende, raſch
fort=
ſchreitende Handlung umgeſetzt. Eingeſtreut finden ſich
treffliche Schilderungen von Land und Leuten, die, ohne
den Leſer zu ermüden oder die Haupthandlung
aufzu=
halten, ein anſchauliches Bild von der wunderbar
üppi=
gen Tropennarur Neu=Guineas geben. Die freizenden
Naturſchilderungen ſind mit den Augen eines intimen
Kolonialkenners geſehen und legen Zeugnis für die gute
Darſtellungsgabe der Verfaſſerin ab. Die Verfaſſerin
iſt eine gute Erzählerin und die Lektüre des Buches ein
literariſcher Genuß.
Weihnachtsfeiern.
D. Am erſten Weihnachtsfeiertag kam in der
Mar=
tinskirche die „Weihnachtskantate” von Karl
Hirſch, op. 188, für gemiſchten Chor, Soli, Orgel und
zwei Solo=Violinen durch den Kirchengeſangverein der
Martinsgemeinde zur Aufführung. Daß Karl Hirſch,
der gegenwärtig in Nürnberg lebt, ein bedeutender
Kom=
poniſt auf dem Gebiete der Kirchenmuſik iſt, braucht nicht
beſonders hervorgehoben zu werden, denn ſein Name
begegnet jedem, der geiſtliche Muſik treibt oder hört. Für
ſeinen außerordentlichen Fleiß ſpricht die Opuszahl des
aufgeführten Werkes. Dieſes beginnt ohne Einleitung
durch die Orgel ſofort mit den Verheißungen des alten
Teſtamentes als Rezitativ, bald vom Männerchor, bald
vom Frauenchor, bald vom ganzen Chor geſungen, ſich
immer ſteigernd bis zu dem vierſtimmigen Satz: „Hier
leiden wir die größte Not”. Sodann vernehmen wir die
Geſchichte der Geburt Chriſti, wobei die Verkündigung
durch den Engel (Mezzo=Sopran) und der Engelchor
durch die Solo=Violinen begleitet wird. Unterbrochen
wird dieſer Teil durch den Chor: „Es iſt ein Roſ”
ent=
ſprungen” (Satz von Prätorius). Es folgt alsdann ein
Paſtorale für zwei Solo=Violinen mit Orgelbegleitung
über das Weihnachtslied „Stille Nacht”, das danach vom
vierſtimmigen Männerchor im zarteſten Pianiſſimo
ge=
ſungen wird nach dem Satz von J. Ganber, dem ſich das
Wiegenlied „Joſeph, lieber Joſeph mein” für Sopran=
Solo, Chor, Violinen und Orgel anſchließt. Die
Weih=
nachtsgeſchichte hören wir dann weiter bis zur Anbetung
der Weiſen. Den Schluß bildet der Choral „Wie ſchön
leuchtet der Morgenſtern” deſſen erſter Vers vom
Männer=
chor, deſſen zweiter Vers vom Frauenchor allein
geſun=
gen wird, während in der dritten Strophe ſich beide mit
Violinen und Orgel vereinigen zum Lobe und Preiſe
Gottes, des Königs der Ehren. Wie ſchon bemerkt, hat
der Komponiſt für die Chöre Sätze anderer
Kompo=
niſten benutzt. Auch im übrigen finden wir viel
An=
klänge, beſonders an Bach; hauptſächlich die Behandlung
des Kontrapunktes in der Paſtorale erinnert ſehr an
die=
ſen Meiſter. Das Werk, das Herr Oberpoſtſekretär Collin
leitete, erfuhr eine ſehr zufriedenſtellende Aufführung,
namentlich die Chöre waren ſehr ſein durchgearbeitet und
ſehr rein intoniert, was oft nicht ganz leicht war. Die
Partie des Erzählers (Bariton) ſang Herr Dipl.=Ing.
Dern mit der Einfachheit, die dieſe erfordert. Die Maria
ſang Frl. Eck (Sopran), während die Mezzo=
Sopran=
partie des Engels Frl. Krömmelbein übernommen hatte,
die unbeſtritten die beſte Soloſtin dieſes Abends genannt
zu werden verdient. In ſchönem Gelingen brachten
Frl. Waitz und Frl. Seip die Violin=Soli zu Gehör,
in=
des Herr Hauptlehrer Ritz ſich um die Orgelbegleitung
verdient machte.
Die Weihnachtsfeier der durchreiſenden
Hand=
werksburſchen in Darmſtadt.
C) Dank von reichlichen Geldſpenden einer Anzahl
edler Menſchenfreunde konnte auch in dieſem Jahr am
heiligen Chriſtabend für die hier auf der Durchreiſe
be=
findlichen Handwerksburſchen eine ſchöne und erhebende
Weihnachtsfeier veranſtaltet werden. Ueber 200
Hand=
werksgeſellen aus allen Gauen des Deutſchen Reichs
hatten ſich zu dieſer Feier in dem großen Saal zur
Ludwigshalle eingefunden, von denen leider nur 130
mit Gaben bedacht werden konnten. Unter einem großen,
im hellſten Lichterglanz ſtrahlenden Weihnachtsbaum
nahmen die Wandergeſellen an 4 langen gedeckten Tafeln
Platz, begrüßt mit einem Grammophon=Chor „Süßer
die Glocken nie klingen‟. Eröffnet wurde die Feier mit
einem gemeinſamen Chor der Handwerksburſchen „Stille
Nacht, heilige Nacht” worauf ein Quartettgeſang „Gott
grüße Euch” zum Weihnachtseſſen überleitete. In
vortreff=
lichſter Zubereitung beſtand dasſelbe aus 200 Liter
Franzöſiſcher Suppe mit Ochſenfleiſch, Kartoffelſalat und
Würſtchen und Brot, und mundete den Gäſten vorzüglich.
Während des Weihnachtsmahls begrüßte Herr Pfarrer
Vogel dieWanderburſchen in einer tiefergreifenden Anſprache
und hob hervor, hinter dem hier Gebotenen ſtehe kein
Geſetz und kein Verein, ſondern ſei entſprungen aus dem
heißen Wunſch der Betätigung nach Menſchenliebe und
Barmherzigkeit. Er führte die Wanderer im Geiſt zu
ihrer Kindheit und Heimat, zum Elternhaus und zu den
Lebensſchickſalen des Menſchen und zu deſſen
Schiff=
bruch auf den Wellen des Lebens, ſowie zu der
Ent=
fremdung vom Gottvertrauen und der Liebe zu Gott und
den Menſchen. Auch der ruheloſe Wanderburſche könne
bei ehrlicher Arbeit auf die Liebe und Barmherzigkeit der
Menſchheit rechnen. Mit echtem Gottvertrauen werde er
niemals untergehen. Vielen der wetterharten Männer
ſtanden bei dieſen Worten die Tränen in den Augen.
Nach einem Geſangsvortrag Gegrüßt ſei mir die heilige
Stätte” fand ſodann die Verteilung der
Weihnachts=
geſchenke ſtatt, beſtehend aus je 1 Hemd, 1 Paar guter
wollener Socken und ½ Pfund Gebäck, die von den
Beſchenkten mit dankbarer Freude entgegengenommen
wurden. Damit war die ſchlichte aber erhebende Feier
beendet. Die noch draußen harrenden Ueberzähligen
konnten ebenfalls noch hinreichend geſpeiſt werden,
mußten aber leider auf eine Weihnachtsgabe verzichten.
Mit Dank aber muß hier gedacht werden des Herrn
Kauf=
mann F.Weller und Frau, die die franzöſiſche Suppe mit
mit Ochſenfleiſch unentgeltlich lieferten und ſie in ihren
Armeekochkeſſel herſtellen ließen, ſowie des Herrn
Reſtau=
rateurs Klenk, der den Saal und Küche und die
Be=
dienung für die Gäſte unentgeltlich zur Verfügung ſtellte.
Beſonders verdient gemacht um die gute Sache haben
ſich ferner die Helferinnen und Helfer, beſonders Herr
Pfarrer Vogel und Frau, Herr und Frau Rechnungsrat
Scharmann und Herr und Frau Prokuriſt Fiſcher, ſowie
in aufopfender Tätigkeit Herr Revierkommiſſär
Berg=
mann und Frau, deren Initiative das ganze Liebeswerk
zu verdanken iſt. Auch für die unentgeltliche Lieferung
von Gebäck und Würſtchen ſei den Spendern hiermit
öffentlich Dank ausgeſprochen. Viele der ſo reichlich
be=
ſchenkten Handwerksburſchen werden ſich noch oft und
gerne in ihrem Leben der ſchönen Weihnachtsfeier in
Darmſtadt 1912 mit Dank erinnern.
Darmſtadt, 27. Dezember.
* Ehrung. Ihre Königl. Hoheit Frau Prinzeſſin
Heinrich von Preußen hat die Güte gehabt, Frl.
Anna Ethel in Anerkennung für das Buch „Vierzig
Jahre im Dienſt der Kunſt”, ihr Bild mit eigenhändiger
Unterſchrift zu überſenden.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 24. Dez. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt: Das Erſuchen des
Reichsſchatz=
amtes vom 7. Oktober 1912 an die Bundesregierungen
und die einzelnen Zweige der Reichsverwaltung, bei
Gehalts= und Lohnzahlungen neben den
Reichsbanknoten und Reichskaſſenſcheinen in weiterem
Umfange als bisher Silbermünzen zu verwenden,
begegnet in der Preſſe nach wie vor einer völlig
unrich=
tigen Auffaſſung. Man bringt dies Erſuchen mit einer
finanziellen Mobilmachungsbereitſchaft in
Zuſammen=
hang und ſpricht ſogar von Meinungsverſchiedenheiten,
welche zwiſchen dem Reichsſchatzamt und der
Militärver=
waltung hinſichtlich des Maßes der Silberprägung
be=
ſtanden. Tatſächlich handelt es ſich bei der getroffenen
Maßnahme, wie der Reichsſchatzſekretär in ſeiner
Etats=
rede vom 4. Dezember ausführte, nur darum, einerſeits
das Silbergeld der ihm im Zahlungsverkehr
zukommen=
den Zweckbeſtimmung voll und ganz zu erhalten,
anderer=
ſeits aber auch tunlichſt genau das Bedürfnis nach
Sil=
bermünzen feſtzuſtellen, zumal dieſe Feſtſtellung für die
künftige Bemeſſung der Silberprägung nicht entbehrt
werden kann. Dabei iſt die Heeresverwaltung nur
inſo=
weit beteiligt, als auch die ihr unterſtehenden Kaſſen zu
einer ſtärkeren Verwendung von Silbermünzen bei
Ge=
halts= und Lohnzahlungen mit herangezogen werden
müſſen. Die Wirkungen der Maßnahme ſind übrigens
bereits inſofern bemerkbar, als es zum Teil hierauf
zurückzuführen iſt, daß die Beſtände der
Reichs=
bank neuerdings eine fortſchreitende Verminderung
auf=
weiſen. Sollte die Verminderung andauern, ſo werden
die Silberprägungen dem anzupaſſen ſein.
* Berlin, 24. Dez. Der General der Infanterie=
Wolf v. Stülpnagel, ehemaliger Kommandeur des
5. Armeekorps, iſt geſtorben.
Berlin, 25. Dez. Die „Norddeutſche Allgemeine
Zeitung” veröffentlicht die Vorbemerkungen des
Ent=
wurfs des Staatshaushaltsetats für 1913:
Der Etat ſchließt in Einnahme und Ausgabe mit
4595 933827 Mk. ab. Von den Ausgaben entfallen
245 245956 Mk. gleich 5,3 Prozent auf das Extraordinarium
gegen 228 007 350 Mk. gleich 5,3 Prozent für 1912. Die
Ein=
nahmen und Ausgaben halten ſich ohne Anleihe im
Gleichgewicht, während der Etat für 1912 zur
Her=
ſtellung des Gleichgewichts die aus einer Anleihe zu
beſchaffenden 19000000 Mk. vorſah. Die erſtmalig 1910
getroffene Regelung, wonach die Reinüberſchüſſe der
Eiſenbahnverwaltung nur bis zur Höhe von 2,10 Prozent
des ſtatiſtiſchen Anlagekapitals der Eiſenbahnen zur
Deckung allgemeiner Staatsausgaben herangezogen
werden dürfen, hatte ſich 1913 zur Folge, daß 93482835
Mark zur Verſtärkung des Ausgleichsfonds etatiſiert
wurden, gegen 57 425609 Mk. des Voretats. Das
Etats=
geſetz enthält wie im Vorjahre die Ermächtigung,
Schatz=
anweiſungen bis zu 100000000 Mk. auszugeben.
* Berlin, 26. Dez. Prinzeſſin Auguſt
Wil=
helm iſt heute nachmittag 5 Uhr 15 Minuten von einem
Prinzen glücklich entbunden worden. Das Befinden
der hohen Frau iſt gut.
Hanau, 24. Dez. Von den an Typhus
er=
krankten Soldaten des 1. Bataillons des Eiſenbahn=
Regiments Nr. 3 iſt heute Mittag ein weiterer
Mann geſtorben.
* Hanau, 26. Dez. Am heutigen Tage ſind 229
Ty=
phuskranke des 1. Bataillons des
Eiſenbahnregi=
ments Nr. 3 in Lazarett=Behandlung, darunter befinden
ſich 12 Schwerkranke. Die Zahl der Todesfälle
hat ſich ſeit der letzten Meldung nicht vermehrt. Es
ſind bis jetzt vier Mann geſtorben.
* Hannover, 26. Dez. Im Kaliwerk „Adolfglück”
bei Schwarmſtedt wurden am Heiligenabend gegen
5 Uhr infolge der Entzündung brennbarer Gaſe
ein Steiger, ein Drittelführer und drei Bergleute getötet.
* Rom, 26. Dez. Der ehemalige Staatsminiſter
Pietro Lacava, das älteſte Kammermitglied, iſt heute
morgen geſtorben.
* Paris, 27. Dez. Der Miniſterprädent ließ der
republikaniſchen Partei mitteilen, daß er die Kandidatur
für den Präſidentſchaftspoſten annehme.
* London, 26. Dez. Die Morgenblätter machen darauf
aufmerkſam, daß in dem Hofbericht über die Vorkommniſſe
des geſtrigen Tages der Name des Königs nicht
genannt wird. Amtlich wird jetzt mitgeteilt, daß der König
geſtern an einer leichten Erkältung litt, ſein
Zu=
ſtand ſei aber heute wieder beſſer. Es wird beigefügt, daß
der König am Abend vor Weihnachten an der jährlichen
Beſcherung der Angeſtellten ſeines Beſitztums in
San=
dringham teilgenommen, ſich aber nicht wohl genug
ge=
fühlt hat, dem Gottesdienſt am Weihnachtstage
beizuwoh=
nen, wie die anderen Mitglieder der Königsfamilie. Auch
an dem von der Königin Alexandra geſtern abend
ge=
gebenen Diner hat der König nicht teilgenommen.
Sturm und Unwetter.
* Hamburg, 26. Dez. Durch einen ſtarken Sturm
wurde in der vergangenen Nacht zum Teil erheblicher
Schaden angerichtet. Die Feuerwehr wurde fortgeſetzt
um Hilfeleiſtung herbeigerufen. Das Dach der
Luftſchiff=
halle in Fuhlsbüttel wurde teilweiſe abgedeckt. Die
Feuerwehr war annähernd ſieben Stunden in Tätigkeit,
um den Schaden notdürftig auszubeſſern. Die in der Halle
untergebrachten Flugzeuge ſind unbeſchädigt.
* Hamburg, 26. Dez. Der Sturm in der
vergan=
genen Nacht, der insbeſondere zwiſchen 12 und 1 Uhr
außerordentlich ſtark war, hat am Hafen auf der Unterelbe
bedeutenden Schaden angerichtet. Eine Anzahl
kleinerer Fahrzeuge ſind geſunken oder geſtrandet. Die
Beſatzungen wurden in allen Fällen gerettet. Ein Dock der
Firma Blohm und Voß wurde mit den Ankern vertrieben.
Bei Brunshauſen iſt eine deutſche Jacht geſtrandet.
* Greifswald, 26. Dez. Auch in Vorpommern hat ein
Orkan in der veraangenen Nacht großen Schaden
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. Dezemper 1912.
Nummer 304.
angerichtet. Fernſprechleitungen wurden zerſtört,
Licht=
maſten umgeworfen und Dächer beſchädigt. Die alte
Greifswalder Marienkirche hat ſtark gelitten.
* London, 27. Dez. Der außerordentlich heftige
Sturm hat an allen Küſten und im Innern des Landes
großen Schaden verurſacht. Viele Schiffe und Dampfer
ſcheiterten und vielfach trat Ueberſchwemmung ein. — In
Southampton entſtand eine Flut, die die größte ſeit 50
Jahren war.
Nach fieberhaften Krankheiten
EFEUEN24K
Masern, Lungenentzündung. Scharlach,
Typhus, Bronchial-Katarrh, Diphtheritis,
ſowie nach Blutverluſten und überall da, wo nach
ſchwerer Krankheit dem Blute die Kraft fehlt, den
ge=
ſchwächten Organismus zu ſtärken, leiſtet anerkanntermaßen
Bosol:
die vorzüglichſte, kräftigende und belebende Wirkung, wie
der Hausarzt beſtätigen wird. Schon nach einigen Taſſen
macht ſich der kräftigende, wohltuende und erfriſchende
Einfluß des Bioſon im Allgemeinbefinden bemerkbar und
nach einiger Zeit bei täglich 50—70 Gramm wird in den
meiſten Fällen das Bioſon überflüſſig. Bioſon iſt einzig
in ſeiner Art, kein Zuſatzmittel, ſondern eine fertige
Nahrung, unübertroffen in ſeiner Bekömmlichkeit,
Wirkung und Billigkeit, auch für Kinder beſonders
geeignet. Die Taſſe koſtet nur wenige Pfennige. Wie
Profeſſor v. Noorden feſtſtellte, wird Bioſon ſelbſt in
großen Quantitäten (120 g) ebenſo gut wie Fleiſch
aus=
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treter Anton Fiſcher in Darmſtadt, Frankfurterſtr. 12/14.
„Kronprinzeſſin Cecilie” 20. Dez. 10 Uhr vorm. von
Plymouth nach Dresden abgegangen. „König Albert”
18. Dez. 7 Uhr vorm. von Gibraltar abgegangen. „
Fried=
rich der Große” 19. Dez. 12 Uhr mittags von New=
York. „Brandenburg” 19. Dez. 3 Uhr vorm. in
Balti=
more angekommen. „Prinz Eitel Friedrich” 19. Dez.
9 Uhr vorm. in Antwerpen. „York” 19. Dez. 4 Uhr
vorm. von Port Said abgegangen. „Lützow” 20. Dez.
8 Uhr vorm. in Shanghai angekommen. „Goeben”
18. Dez. 10 Uhr vorm. in Suez angekommen. „Gneiſenau”
20. Dez. 7 Uhr vorm. in Colombo angekommen.
„Scharnhorſt” 19. Dez: 10 Uhr vorm. in Antwerpen
an=
gekommen. „Greifswald” 20. Dez. 1 Uhr nachm. in
Bremen angekommen. „Elſaß” 19. Dez. 3 Uhr nachm.
von Port Said abgegangen. „Heſſen” 19. Dez. 7 Uhr
vorm. von Melbourne abgegangen. „Tübingen” 20. Dez.
5 Uhr nachm. von Brisbane nach Bremen. „Gießen”
18. Dez. von Vigo nach Madaira abgegangen. „
Han=
nover” 18. Dez. in Montevideo angekommen. „Borkum”
20. Dez. in Antwerpen angekommen. „Schleswig”
19. Dez. 7 Uhr vorm. in Alexandrien. „Prinz Waldemar”
19. Dez. 4 Uhr nachm. in Yokohama angekommen.
„Herzogin Cecilie” 14. Dez. in Chanaral angekommen.
Statt Karten!
Kätchen Conrad
Adam Wolf
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Weihnachten 1912
Trebur
Hauptstrasse 71
(*14877)
Darmstadt
Waldstrasse 23
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Am erſten Weihnachtsfeiertag früh 1 Uhr
verſchied ſanft nach kurzem Krankenlager meine
innigſtgeliebte, herzensgute Frau, unſere
treu=
beſorgte Mutter, Großmutter, Schweſter,
(26351
Schwägerin und Tante
Louise Hallwachs
geb. Kuhlmann
im nahezu vollendeten 56. Lebensjahre.
Darmſtadt, den 25. Dezember 1912.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Juſtizrat Otto Hallwachs,
Rechtsan=
walt und Gr. Notar,
Eliſabeth Pöllot, geb. Hallwachs,
Louiſe Walz, geb. Hallwachs,
Otto Hallwachs, Referendar,
Annie Hallwachs,
Ilſe Hallwachs,
Alfred Hallwachs,
Dr. med. Willy Pöllot, Augenarzt,
D. jur. Karl Walz, Rechtsanwalt,
Hans Müller, Regierungsbauführer,
und drei Enkel.
Die Beerdigung findet Freitag, den 27.
De=
zember, nachmittags 3 Uhr, auf dem ſtädtiſchen
Friedhof, vom Trauerhauſe Hügelſtraße 47 aus,
ſtatt; Einſegnung daſelbſt eine Viertelſtunde
vorher.
Statt beſonderer Anzeige.
Heute morgen entſchlief ſanft mein guter
Mann, unſer treubeſorgter Vater,
Schwieger=
vater, Großvater und Bruder
(20352
Geheimer Medizinalrat
Dr. Ludwig Lehr
Großh. Kreisarzt.
Darmſtadt, 26. Dezember 1912.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Helene Lehr, geb. Guerdan.
Dr. Ludwig Lehr, Rechtsanwalt,
Bingen a. Rh.
Helene Schmid, geb. Lehr.
Boby Lehr.
Lina Lehr.
Hilde Lehr, geb. Schultze.
Bernhard Schmid,
Regierungsbau=
meiſter, Darmſtadt,
und drei Enkel.
Die Beerdigung findet Samstag, den 28. Dez.,
nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhauſe,
Mathilden=
ſtraße 36 aus, ſtatt.
Von Kondolenzbeſuchen bittet man abzuſehen.
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute Nacht verſchied ſanft nach kurzem
Leiden infolge einer Lungenentzündung unſere
liebe Tante und Großtante
Frau Dr. Constanze Luise Gerling
geb. Weber
im 77. Lebensjahr.
(26350
Darmſtadt, den 24. Dezember 1912.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 26. Dez.,
vormittags 12 Uhr, von der Friedhofskapelle
aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres lieben Vaters,
Groß=
vaters, Schwiegervaters, Bruders, Onkels und
Schwagers
(26340
Herrn Franz Jordan
Privatier
ſagen innigſten Dank
Familie J. Ruoff,
Dora Jordan.
Darmſtadt, den 24. Dezember 1912.
Gottesdienſt der israelitiſchen Religiousgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 27. Dezember:
Vorabendgottesdienſt 4 Uhr 30 Min.
Samstag, den 28. Dezember
Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Min. Sabbatausgang
5 Uhr 25 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 28. Dezember:
Vorabend 4 Uhr 05 Min. Morgens 8 Uhr.
Nach=
mittags 3 Uhr 30 Min. Sabbatausgang 5 Uhr 25 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 29. Dezember, an:
Morgens 7 Uhr Nachmittags 4 Uhr.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. C), Anfang 7½ Uhr: „Die
fünf Frankfurter”.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Ball der Vereinigten Geſellſchaft um 8 Uhr.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. — Bürgerkeller
um 8 Uhr. — Schützenhof um 5½ Uhr.
Verſteigerungskalender.
Samstag, 28. Dezember.
Hofreite=Verſteigerung des Georg Dert (
Beſ=
ſungerſtraße 14) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht II.
Kunſthalle am Rheintor, geöffnet Werktags von
11—4 und Sonntags von 10—4 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Mar Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
[ ← ][ ][ → ]Nummer 304.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. Dezember 1912.
Seite 7.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Gefunden: 1 gelbes Kordelhandtäſchchen mit Inhalt. 2 braune
Portemonnaies. 1 Raſiermeſſer. 1 alte Arbeitshoſe. 1 blauer
Knaben=
umhang. 1 farbiger Beutel mit Taſchentuch und Portemonnaie nebſt
1 Geldſtück. 1 Türdrücker. 1 grauer Kinderhandſchuh. 2 Päckchen
ſchwarze Schnur. 1 kleiner kathol. Katechismus. 1 ſchwarzes
Zeichen=
mäppchen. 1 kleines ſeidenes Halstuch. 1 ſilbernes Kollier mit
blauen Steinen. 1 faſt neues Portemonnaie mit einigen Pfennigen.
3 Schlüſſel an einem Ring.
(26334
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Kriegshund. 1 Pinſcher (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(26332
Angeſtelltenverſicherung.
Die nach dem am 1. Januar 1913 in Kraft tretenden
Verſiche=
rungsgefetz für Angeſtellte verſicherungspflichtigen Perſonen, die ſich
ihre Verſicherungskarten noch nicht haben ausſtellen laſſen, werden
aufgefordert, dies ſpäteſtens bis zum Ende dieſes Jahres nachzuholen.
Wer die Ausſtellung der Karte nicht bis zu dieſem Zeitpunkt bei der
Ausgabeſtelle beantragt hat, kann in eine Geldſtrafe bis zu 10 Mk.
genommen werden. Ausgabeſtellen ſind
a) für Verſicherte, die nach dem vierten Buch der
Reichsverſiche=
rungsordnung verſichert ſind, diejenigen Stellen, die für die
Ausſtellung der Quittungskarten zuſtändig ſind (
Gemeinde=
krankenverſicherung, Orts=, Betriebs= und Innungskrankenkaſſen),
b) für alle übrigen Verſicherten die Großh. Bürgermeiſterei (
Wald=
ſtraße 6, Zimmer Nr. 1).
Darmſtadt, den 23. Dezember 1912.
(26278ifo
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Mueller.
Die ſtädtiſchen Fleiſchverkaufsſtellen
im Schlachthof (Markthalle) und Kiesſtraße 21 ſind wieder eröffnet.
Es gelangt zum Verkauf beſtes holländiſches Rindfleiſch, alle
Stücke
zu 82 Pfg. das Prund.
Weitere Verkaufsſtellen befinden ſich bei Herrn Karl Bauer
Lauteſchlägerſtr. 13 und Beſſungerſtraße 92. Hier gelten die gleichen Preiſe.
Zungen, Nieren, Leber, Hirn und Fett werden zu beſonderen
Preiſen verkauft.
(25470a
Der Oberbürgermeiſter.
Bekanntnachung.
Der Voranſchlag der Gemeinde Meſſel für 1913 Rj. liegt
vom 28. Dezember I. Js. ab eine Woche lang auf dem Bürgers
meiſtereibüro zur Einſicht der Beteiligten offen.
Die Beteiligten können innerhalb der Offenlegungsfriſt den
Voranſchlag einſehen und bei dem Bürgermeiſter ſchriftlich oder zu
Protokoll Einwendungen erheben.
Bemerkt wird noch, daß in dem Voranſchlag die Erhebung
einer Umlage beſchloſſen worden iſt, zu der auch die Ausmärker
her=
angezogen werden.
Meſſel, den 24. Dezember 1912.
(26331
Großh. Bürgermeiſterei Meſſel.
Hickler.
Fichtenſtammholz- und
Stangen-Verſteigerung.
Samstag, den 4. Januar 1913, vormittags 9 Uhr,
werden in der Brücher’ſchen Wirtſchaft zu Arheilgen aus den
Diſtrikten Faulbruch 20 und 22, Wildgraben 12, Birken 11,
Tann=
acker 10 und Diebsfang 1 der Forſtwartei Bayerseich verſteigert:
Stämme, Fichte: III. Kl. 13 Stück = 17,47 fm, IV. Kl. 45 Stück
- 39,47 fm, Va. Kl. 55 Stück = 30,44 fm,
Vb. Kl. 109 Stück — 24,24 fm;
Derbſtangen, Fichte: I. Kl. 198 Stück = 11,74 fm, II. Kl.
222 Stück — 4,95 fm;
Reisſtangen, Fichte: I. Kl. 206 Stück = 1,78 fm.
Das Holz lagert größtenteils direkt an der Frankfurterſtraße
oder in nächſter Nähe derſelben. Nummer=Verzeichniſſe werden nicht
ausgegeben. Auskunft erteilt Forſtwart Klipſtein zu Bayerseich
Poſt Egelsbach.
Darmſtadt, den 24. Dezember 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
26333
van der Hoop.
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Dür die Chriſtbeſcherungen der Frauenvereine der Petrus= und
Paulusgemeinden, insbeſondere die der Beſſunger Kleinkinder=
ſchule, gingen noch Gaben ein von: Fr. John, Fr. L. Nebling, Frl.
A. u. H. Streb, Freifrau v. Schenk, Fr. Generalmajor Otto, Fr.
Oberſt=
leutnant Mertens, Frau Schloſſermeiſter H. Pauli, Fr. Geh.=Rat
Kraus, Hr. Lehrer Lanz, Fr. v. Heſſert, Frl. Haspelmath, Fr.
Calm=
berg, Fr. G. Speyer, Fr. Geh.=Rat Wiener, Hr. F. Mai, Hr. A. Mai,
Fr. Eliſe Bühler, Fr. v. Stein, Frl. v. Stark, Fr. v. Röder, Frl. Rayß,
Fr. Prof. Marg. Heil, Fr. Dr. Bauſch, Fr. Prof. Weller, Fr. Prof.
Eſſelborn, Fr. v. Hahn, Frl. Schwab, Frl. M. Fehr, Fr. Brill, Fr.
Prof. Knoll, Frl. J. Pfeil, Konditorei Baur, Fr. Rittmeiſter Mootz,
Fr. Heime, Fr. Geh.=Rat Michell, Firma J. C. Schmidt, Frl.
Wein=
mann, Fr. Habicht, Fr. Hauptmann Schünemann, Jr. v. Stößer,
Fr. General Deinhardt, Fr. A. Geiger, Fr. u. Frl. Walz, Fr.
Prä=
ſident Theobald, Fr. Frank, Fr. Schenk, Fr. Kolb, Frl. Kumbruch,
H. Nau u. Sohn, Geſchw. Maurer, Frl. Fabricius, Fr. Stein. Fr.
L. Schmidt, Fr. Heinmüller, Frl. Heumann, Fr. Prof. Müller,
Firma Heckmann=Schmidt, Fr. Heil, Fr. Ph. Sachs, Fr. Jöckel, Fr
J. Wittmann, Fr. Rentner Sieben, Fr. Geiger, Fr. Becker, Frl.
Eigen=
brodt, Fr. Pfr. Fuchs, Penſionat Dupré, Hr. Pfr. Möller, Fr. Wolf,
Fr. Wittmann, Fr. Rechnungsr. Spamer, Firma Secker Nachfgr.,
Firma Leichtweiß, Fr. Lehrer Braun, Fr. Rumpe, Fr. Haak, H. G.
Hickler, Fr. Schorn, Fr. Geh.=R. Klingelhoeffer. — Allen Gebern ſei
(26335
herzlichſt gedankt!
Die Kleinkinderſchule zu Darmſtadt
wird wie ſeither Entſchuldigungskarten bezüglich der konventionellen
Neujahrsgratulationen ausgeben und hofft auf eine recht zahlreiche
Beteiligung zu Gunſten der ſegensreichen Anſtalt.
Nachſtehende Herren werden die Güte haben, die Ausgabe der
Karten zu übernehmen: Geheimerat W. Beſt, Rechnungsrat Daub,
Miniſterialreviſor Frank, Regierungsrat Gennes, General von
Hart=
mann, Sanitätsrat Dr. med. A. Hoffmann, Rechtsanwalt Dr.
E. E. Hoffmann, Profeſſor Dr. Ihle, Juſtizrat Dr. Oſann,
Pro=
feſſor Dr. Röll, Rechnungsrat Schilling, Hofrat Winter,
Kom=
merzienrat C. Wittich, ſowie die Expedition des Darmſtädter
(26036if
Tagblatts.
770 Rohmmandl-Ubtigartolen der
Rheinischen Hypothekenbank namnfein
unkündbar bis 1923, mündelsicher.
(26330a
Auf Grund des bei mir aufliegenden Prospekts nehme ich Zeichnungen von
heute bis zum 8 Jnnner 10‟5 mkse von 97.80 spesenfrei entgegen.
Hermann Wertheim, Bankgeschäft, Rheinstr. 33.
Bekanntmachung.
Die Zahlung der rückſtändigen
Beträge für erſteigertes Heugras,
Korn, Grünfutter,
Grummet=
gras und Runkelrüben von der
ſtädt. Pallaswieſe, der
Fürſten=
wieſe, den ehemals Beſſunger „ und
Kaus’ſchen Wieſen und von
ver=
ſchiedenen anderen ſtädt.
Grund=
ſtücken, ſowie der Obſternte von
den Bäumen der ſtädt.
Pallas=
wieſe (aus den Verſteigerungen
Großh. Bürgermeiſterei vom 3. u.
17. Juli, 23., 29. u. 30. Auguſt u.
24. September lfd. Js.) hat bei
Vermeidung des Mahn= und
Pfändungsverfahrens bis
läng=
ſtens Ende Dezember 1912 an
den Werktagen, vormittags von
8½ bis 12½ Uhr, hierher zu
(25504a
erfolgen.
Darmſtadt, 9. Dezember 1912.
Die Stadtkaſſe.
Koch.
Bekanntmachung.
Freitag, 10. Januar 1913,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Heinrich Philipp
Jacoby dahier zuſtehenden
Liegen=
ſchaften:
Flur Nr. qm
19 265 2199 Acker, oberſte
Golläcker,
19 316 2634 Acker, am
Pfung=
ſtädter Weg,
67 18 962 Wieſe, die
Ru=
dolphswieſe,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße Nr. 1, wiederholt
zwangsweiſe verſteigert werden.
Die Genehmigung der
Verſteige=
rung kann auch dann erfolgen, falls
ein der Schätzung entſprechendes
Gebot nicht eingelegt wird und
andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen.
Darmſtadt, 17. Dezember 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
Frantz. (VI26029
Bekanntmachung.
Freitag, 7. Februar 1913,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Wilhelm Menges
teilweiſe gemeinſchaftlich mit ſeiner
Ehefrau zugeſchriebenen
Liegen=
ſchaften
Flur Nr. qm
VI 703 206 Hofreite
Moos=
bergſtr. Nr. 28,
V 336 523 Hofreite
Martin=
ſtraße Nr. 39,
V 337 49 Grasgarten (
Vor=
garten) daſelbſt,
VI 600 78 Grabgarten
Kies=
bergſtraße,
VI 601 124 Hofreite Nr. 52
daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, zwangsweiſe
verſtei=
gert werden.
Darmſtadt, 24. Dezember 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen.)
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A. Zell, Karlſtr. 14, p.
Gretchens Roman.
Von Fr. Lehne.
(Nachdruck verboten.)
16)
Der Major runzelte die Brauen. Er ſprach mit
Brand, ihm waren aber doch Claudias Worte nicht
ent=
gangen, die ihn unangenehm berührten, umſomehr, da
ſie im Beiſein eines Fremden geſprochen waren.
Die Majorin preßte die Hand gegen die Stirn. Ich
habe heftiges Kopfweh, Eberhard, es tut mir ja leid,
Euch zum Aufbruch zu veranlaſſen — ich kann aber nicht
mehr. So verlöſchte ſie bei ihrem Gatten den ſchlechten
Eindruck ihrer letzten Bemerkung. Mit einem Ausdruck
ehrlicher Beſorgnis im Geſicht wandte er ſich ihr zu —
ſie war nervös, unpäßlich, da wägt man ſeine Worte
wohl nicht ſo.
Aber warum haſt Du das nicht früher geſagt? Da
hätten wir längſt ſchon zu Haus ſein können.
Ich wollte Euch in Eurem Vergnügen, ſo lange es
ging, nicht ſtören — doch jetzt bin ich am Ende. Wie in
tiefſter Erſchöpfung ſchloß ſie die Augen und atmete
ſchwer. Dann reichte ſie dem Künſtler die Hand: Gute
Nacht, Herr Brand, noch viel Amüſement —
Er neigte ſich über ihre Rechte, aber ſeine Lippen
be=
rührten dieſelben kaum, und nur ganz loſe hielt er ſie in
der ſeinen. Sie fühlte wohl das unausgeſprochene ſeiner
Handlung und ein tiefes Rot flammte über ihr Geſicht.
Fürwahr er verſtand es, ihr zu zeigen, daß ſie ihm nichts
mehr galt!
Mit ſcharfem Blick beobachtete ſie ihn, wie er ſich von
Gretchen verabſchiedete. Wie es da in ſeinen Augen
aufleuchtete, wie feſt ſein Mund auf deren Hand ruhte —
eine grenzenloſe Erbitterung erfüllte ſie auf das junge,
unſchuldige Mädchen — nicht einen Augenblick ſollte ſie
noch bleiben; ſie mußte ſie aus ſeiner Nähe reißen, und
wenn ſie dadurch ſelbſt ſeinen Anblick entbehrte — was
tat das! — Er ſchaffte ihr doch nur Qual! —
Als ſie ſchon in der Garderobe angekommen waren,
ſagte Gretchen:
Verzeiht einen Augenblick, ich bin ſofort wieder bei
Euch — ich muß doch meine Violine holen —
Kann das nicht die Garderobiere tun? fragte Claudia
ſcharf.
Nein, denn erſtens hat ſie zu tun und zweitens weiß
ſie gar nicht, wo ich mein Inſtrument habe — und ſchon
war ſie leichfüßig davongeeilt.
Als ſie das halbdunkle Zimmer betrat, in dem ſich die
Mitwirkenden aufgehalten hatten, ſchreckte ſie zuſammen,
denn niemand anders als Ernſt Brand war darin, damit
beſchäftigt, ſeine Noten einzuwickeln.
Da bin ich noch mal, Herr Brand, ſagte ſie, und ihre
Stimme bebte etwas bei dieſen Worten, beinahe hätte ich
nämlich mein koſtbares Gut vergeſſen — meine Violine
möcht ich doch mitnehmen —
Und ich bin ebenfalls im Begriff zu gehen; für mich
hat jetzt der Aufenthalt hier jeden Reiz verloren.
Er trat einen Schritt näher zu ihr und faßte ihre
herabhängende Hand — wie gern hätte ich noch einmal
darf ich es Ihnen ſagen, wie
mit Ihnen getanzt
unendlich glücklich mich der heutige Abend gemacht hat?
Mich auch — ſagte ſie leiſe, kaum, daß man es
verneh=
men konnte.
Er hatte es aber doch gehört.
Gretchen — kam es leiſe fragend von ſeinen Lippen,
und er blickte tief in ihre leuchtenden, zu ihm
aufge=
ſchlagenen Augen.
Siter deger ſälden iſig ſe ſand we
ngehur=
zelt am Boden — und da konnte er ſich nicht länger
be=
herrſchen — er las ja in ihrem Geſicht, daß ſie ihm gut
war — — er faßte ihren Kopf mit unendlich zärtlicher
Be=
wegung und küßte ſie erſt auf die Augen und dann auf
den Mund, und mit Wonne fühlte er den leiſen
Gegen=
druck der jungen, roſigen Lippen.
Angebetetes, ſüßeſtes Mädchen — ſeine Stimme bebte
vor innerer Erregung — er war faſt trunken vor
Glück=
ſeligkeit.
Ein Geräuſch ſtörte ſie aus ihrer Verſunkenheit.
Schnell griff ſie nach dem Violinkaſten; aber ſie
wehrte ſeiner Bitte, ihn zu tragen — nein, laſſen Sie mich
allein gehen — — und er verſtand ſie.
Draußen lehnte ſie einen Augenblick wie betäubt am
Geländer der engen Treppe, die von dieſer Seite nach der
Garderobe führte.
Es war ihr unmöglich geweſen, durch das Gewühl
der lachenden Menge zu gehen — ſie meinte faſt, man
hätte es ihr anſehen müſſen, daß ſie, Margareta von
Löwen, ſich hatte küſſen laſſen von einem ihr ſo wenig
be=
kannten Manne, den ſie ſogar wieder geküßt! Aber ſie
empfand keine Scham, keine Reue darüber — ein ſelig
Ge=
fühl nur erfüllte ſie! Sie hätte die Wekt umarmen
können — nein, ſie hatte ſicherlich nichts Unrechtes getan,
wenn ihr ſo ſtrahlend zu Mute war!
Du glühſt ja förmlich, Kind — meinte der Major, als
ſie wieder in der Garderobe angekommen war, indem er
über ihr Geſicht ſtrich.
Claudia warf einen mißtrauiſchen Blick auf die
Stief=
tochter, deren ganzes Weſen von Glückſeligkeit
durchleuch=
tet ſchien. Hatte ſie gar Brand noch einmal getroffen?
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. Dezember 1912.
Nummer 304.
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äerſe wont das iht und ut ſahgen, ühglich ihr
eine darauf zielende Bemerkung ſchon auf der Zunge lag.
Mißmutig und aufgeregt von den Ereigniſſen des
Abends lehnte ſie in den Kiſſen des Wagens, der ſie mit
dem Gatten und der Stieftochter nach Hauſe führte.
chen, Claudia noch gute Beſſerung für ihr Kopfweh wün=
Mit herzlichem Gutenachtgruß verabſchiedete ſich
Gret=
ſchend — dann war ſie allein in ihrem Zimmer.
Sie ſtand da, beide Hände auf ihr klopfendes Herz
ge=
drückt, die Augen halb geſchloſſen, und dachte an ihn!
Sie durchlebte die letzten Minuten des
Zuſammen=
ſeins mit ihm: ſie fühlte den innigen Druck ſeiner Lippen
auf ihrem Munde, und ein unbeſchreibliches Glücksgefühl
erfüllte ſie. Ob ihm nun auch ſo ſelig zu Mute war? O
wie ſie ihn liebte, ſo über alle Begriffe — — leiſe flüſterte
ſie ſeinen Namen und breitete die Arme weit aus.
Dann begann ſie ſich langſam zu entkleiden, und leiſe
ſang ſie dabei Gretchens Lied Meine Ruh iſt hin, mein
Herz iſt ſchwer —. Es war ihr ſo in den Sinn gekommen
und ſo recht der Ausfluß ihrer Stimmung.
Und küſſen ihn, ſo wie ich wollt' — an ſeinen Küſſen
vergehen ſollt’ — wie ein Hauch verhallten die letzten
Töne — und wieder ſtand ſie da, vor ſich hinträumend.
Wenn ſie ſich jetzt ihre Seligkeit vom Herzen hätte
ſpielen können! Zu ſchlafen vermochte ſie doch noch nicht.
Ein unbezwingliches Verlangen erfüllte ſie nach ihrer
Violine, der Vertrauten ihres Glückes, ihrer Schmerzen.
Behutſam öffnete ſie den Kaſten, in welchem das
koſt=
bare Inſtrument wohl verwahrt ruhte — — was war
das aber? Süßer Veilchenduft quoll ihr entgegen, ſie ſah,
daß der Behälter mit den lieblichen Blumen angefüllt
war — das konnte nur Ernſt geweſen ſein — — wie
ſinnig und rührend von ihm!
Ganz, ganz leiſe erklang es da — Ach wie iſt’s mög=
ſich dam, deß ch bich iſe ſan, had dich von erzen
lieb, das glaube mir — Gretchen hatte nicht widerſtehen
können — es hörte ſie ja doch niemand —
Gott, wie war das Leben doch ſo ſchön!
Und mit dem Namen des Geliebten auf den Lippen,
mit dem Gedanken an ihn ſchlief ſie endlich ein.
10. Kapitel.
Friſch und roſig erſchien Margareta am anderen
morgen am Kaffeetiſch. Ihr ſah man es nicht an, daß ſie
erſt ſpät zu Bett gegangen war, während ſich in Claudias
Geſicht eine tiefe Abgeſpanntheit zeigte — die Augen
waren dunkel umſchattet und um den Mund lag ein
ſchlaffer, verdrießlicher Zug.
Mit Neid ſtellte ſie das blühende Ausſehen der
Stief=
tochter bei ſich feſt, und ihre Laune wurde nicht dadurch
verbeſſert. Auch der Major ſah bedrückt und verſtimmt
aus, was Gretchen nicht entging. Es ſchien, als ob beide
durch den Einteitt des jungen Mädchens in einer
keines=
wegs angenehmen Unterhaltung unterbrochen waren.
Fröhlich hatte dasſelbe die Eltern begrüßt, bemerkte
aber ſofort das Gezwungene in beider Weſen. Fragend
blickte ſie von einem zum andern.
Dir iſt nicht wohl, Papa? meinte ſie dann.
Doch er wehrte müde ab mit einem ſchwachen
Ver=
ſuch zu ſcherzen. Er wollte ſie nicht unnütz ängſtigen
und ſie konnte ihm doch keinen Rat geben in jener
ſchwie=
rigen Angelegenheit, von der ihm der geöffnet neben ihm
liegende Brief berichtete — — der gänzliche,
unabwend=
bare Verluſt ſeines Vermögens drohte, wenn nicht ein
günſtiges Moment ihm zu Hilfe kam! Ach, nur ein
ein=
ziger, glücklicher Schlag, dann hatte er mehr, als er
je=
mals beſeſſen, und Gretchens Kapital konnte ihm dazu
verhelfen, was er, wie er meinte, in einem äußerſt ſicheren
überſeeiſchen Unternehmen angelegt hatte.
Aber die Sorgen und das Grübeln darüber machten
doch, daß ihm das Herz ſchwer, die Gedanken trübe waren.
Und dazu kam noch die ſeltſam gereizte Stimmung ſeiner
Frau, die wider ſeinen Willen jenen verhängnisvollen
Brief geleſen. Er hatte erwartet, daß ſie danach
beruh=
igend ſeine Hand nehmen und ihm gut zuſprechen würde
— ſtatt deſſen aber hatte nur ein kaltes Achſelzucken für
ihn und die Bemerkung — Du hätteſt klüger, überlegter
vorgehen müſſen — — nun ſind wir wohl alle gezwungen,
uns einzuſchränken? — Gottlob iſt ja Margaretas
Ver=
mögen da —
Der Tochter Eintritt hatte ihn da einer Antwork
überhoben. Bekümmert aber ruhten ſeine Blicke auf
Clau=
dia, auf deren edle große Geſinnung er trotz ihrer
Lau=
nen noch immer gebaut hatte, und zum erſten Male kam
dieſer Glaube bei ihrem faſt brutalen Egotsmus ins
Wanken — — und er hatte doch nur für ſie gewagt — um
ihre immer größer werdenden Wünſche zu befriedigen!
Nachdem er ſich vergebens gequält, ſein Frühſtück zu
beenden, ſtand er mit einer Entſchuldigung auf.
Verzeiht, doch ich habe einige wichtige Briefe zu
ſchreiben, ſagte er, indem er der Tür zuſcheitt. Claudia
ſagte nichts weiter darauf, ſondern gähnte etwas hinter
der vorgehaltenen Hand, während Gretchen mit
Beſorg=
nis dem Vater nachſchaute, deſſen Haltung ihr heute
ſelt=
ſam müde und gebeugt vorkam.
Was hat Papa nur? fragte ſie ängſtlich, als er das
Zimmer verlaſſen.
Die Majorin zuckte die Achſeln.
Was weiß ich —! vielleicht iſt ihm der geſtrige Abend
nicht gut bekommen, ſuchte ſie den geliebten Vater in
ſeinem Arbeitszimmer auf.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 304.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. Dezember 1912.
Seite 11.
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Luftfahrt.
sr. Der Mittelmeer=Flieger Garros
der auf ſeinem Fluge von Afrika nach Europa zunächſt bis
Trapani gekommen war und dort infolge Beſchädigung
ſeiner Maſchine unfreiwilligen Aufenthalt hatte nehmen
müſſen, hat jetzt ſeinen Flug glücklich bis Rom
durch=
geführt. Er flog am Samstag früh um 7.45 Uhr von
Trapani ab und wurde um halb 9 Uhr in Palermo
ge=
ſichtet. Da das Wetter dann regneriſch wurde, mußte er
ſeinen Flug abermals unterbrechen. Nach Eintritt beſſerer
Witterung flog er am gleichen Tage nach San Euſemia
Marina, wo er übernachtete. Sonntag früh 8.45 Uhr
ſtartete er zum Weiterfluge nach Rom. Um 11 Uhr
paſ=
ſierte er den Veſuv, und nachdem er eine große Schleife
um Neapel beſchrieben hatte, landete er auf dem
Mars=
felde. Erſt gegen halb 2 Uhr trat er dann den Weiterflug
an und legte die Strecke Neapel-Rom in 1 Stunde 24
Minuten zurück. Auf dem großen Exerzierplatz bei Rom
war eine enorme Menſchenmenge zuſammengeſtrömt und
bereitete Garros bei ſeiner Landung einen begeiſterten
Empfang.
sr. Den Michelin=Preis für fliegende
Fahrräder in Höhe von 2000 Francs, der für
den=
jenigen Bewerber beſtimmt war, der über eine Strecke von
5 Metern zu fliegen vermochte, hat jetzt der franzöſiſche
Rennfahrer Paul Didier gewonnen. Er hatte
ſein Fahrrad mit kleinen Flügeln ausgeſtattet und es
ge=
lang ihm, in 25 Zentimeter Höhe etwas mehr als 5 Meter
in der Luft zu durchfliegen. Bei dem zweiten Verſuch in
entgegengeſetzter Richtung konnte er ſogar 5,5 Meter
flie=
gen. Er hat damit die Bedingungen erfüllt, die an die
Erlangung des 2000 Fres.=Preiſes geknüpft waren.
Sport, Spiel und Turnen.
* Radſport. Stol durch
Schlüſſelbein=
bruch aus dem Brüſſeler Sechstagerennen
ausgeſchieden. Das Brüſſeler Sechstagerennen hat
viel von ſeinem Intereſſe verloren, da einer der
ausſichts=
reichſten Kandidaten für den Sieg, der kleine Holländer
Stol, durch einen ſchweren Sturz ſchon in der 12. Stunde
außer Gefecht geſetzt wurde. Bei einem Vorſtoß rutſchte
er aus der Kurve ab, brach das Schlüſſelbein und mußte
infolgedeſſen aufgeben. Sein Partner Vanhouwaert
bil=
det mit Vandenberghe mit einer Verluſtrunde eine neue
Mannſchaft. Nach Ablauf des erſten Tages waren von
der unveränderten Spitzengruppe 839,125 Kilometer
zu=
rückgelegt. Die Nachtſtunden brachten heftige Vorſtöße,
bei denen die Gebrüder Vanderſtuyft, ſowie Goupy—
d’Awans, Lamon-Verlinden, Sales-Verſtraeten eine
Runde und die Gebrüder Eſſer zwei Runden verloren.
Nach 41 Stunden hatten Comés-Petit Breton, Lapize-
Dupré, Perſyn-Vandervelde, Charron-Debaets und
Goullet-Lawſon 1360,350 Kilometer zurückgelegt. Bald
darauf ſchied überraſchenderweiſe der ehemalige
Welt=
meiſter Dupré wegen Ermüdung aus und ſein Partner
Lapize bildet mit Vandenberghe mit einer Verluſtrunde
eine neue Mannſchaft. Infolgedeſſen waren nach 48
Stun=
den nur noch vier Paare mit 1606,975 Kilometer an der
Spitze. Nach 56 Stunden waren 1850 Kilometer
zurück=
gelegt.
* Fußballſport. Ein Fußballänderkampf
Oeſterreich-Italien wurde in Turin ausgetragen
und brachte den Oeſterreichern einen leichten Sieg von 311.
Handel und Verkehr.
* Patent=Anmeldungen. (Mitgeteilt von
Diplom=Ingenieur Klemens Herszberg u. Ko., Patent=
und Ingenieur=Bureau, Darmſtadt, Rheinſtraße 19.)
37d. G 34 621. Rolladen mit Schraubenfedern, an die
die loſe durch die Ladenſtäbe gehenden Zugmittel
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ſchloſſen ſind. Heinrich Gehbauer u. Fritz Gehbauer,
Darmſtadt, Nieder=Ramſtädterſtraße 69. 29. 6. 11. — 23 f.
J. 14820. Einrichtung zur Ergänzung des Schwundes
bei Kühlvorrichtungen für Seife und ähnliche Maſſen.
Fa. Auguſt Jacobi, Darmſtadt. 5. 7. 12. —
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ver=
teilten Haltevorrichtungen. Fa. S. Kiefer, Worms.
25. 11. 12. K. 55 749. — 20 j. 533 092. Vorrichtung zur
Verhütung des Ueberfahrens von Eiſenbahnſignalen.
Heinrich Groh, Offenbach a. M., Bernardſtraße 35.
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Schleſinger, Offenbach a. M. 16. 8. 12. Sch. 45 107. —
52 a. 533 643. Garnrollenhalter. Walter Dreiheller,
Darm=
ſtadt, Stiftſtraße 31. 21. 11 12. D. 23 855. — 63 b. 533 638.
Abſtreichvorrichtung für Wagenfenſter. Heinrich Lotz III.,
Erzhauſen bei Darmſtadt. 19. 11. 12. L. 30 596. 64 b.
533 671. Vorrichtung zum Reinigen und Steriliſieren
von Bierleitungen. Hermann Jacoby, Eberſtadt bei
Darmſtadt, 2. 12. 10. J. 10 991.
Landwirtſchaftliches.
Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 17.—23. Dezember.
Trotz der großen amerikaniſchen Erntezahlen, mit
denen der Getreidehandel allerdings ſchon längſt gerechnet
hatte, machte ſich auf dem Weltmarkte für Weizen in der
Berichtswoche eine feſtere Stimmung geltend.
Veranlaſ=
ſung dazu gab der Umſtand, daß die weſteuropäiſchen
Be=
darfsgebiete, die ſich bisher auf die notwendigſten
An=
ſchaffungen beſchränkt hatten, mit etwas ſtärkeren
Anſprü=
chen hervortraten. Da nun Rußland infolge ſpärlicher
Zufuhren nur wenig, und überdies nur geringe
Qualitä=
ten offeriert, Argentinien aber trotz ſeiner günſtigen
Ernteausſichten mit Offerten zurückhält, ſo benutzten die
Amerikaner die durch die gebeſſerte Nachfrage geſchaffene
Lage, um ihre Forderungen in die Höhe zu ſchrauben.
Für Deutſchland ſprach außerdem noch der Umſtand mit,
daß die im Dezember erwartete ſtärkere Zufuhr vom
In=
lande bisher ausgeblieben iſt, während die Mühlen und
die Händler bei den gedrückten Preiſen mehr Neigung zu
Anſchaffungen bekundeten und die bisher ſehr mäßigen
Dezember=Andienungen im Lieferungsgeſchäft Deckungen
veranlaßten. Bei dem Mangel an gutem Weizen hat
das angediente Material zum Verſand nach Hamburg
Aufnahme gefunden, und es beſteht weiter Intereſſe für
ſolche, allerdings nur ſpärlich vorhandene Ware. Auch
Roggen hatte während des größeren Teiles der
Berichts=
woche feſte Tendenz, da das Angebot ſich in mäßigen
Grenzen hielt, während die ſchwach verſorgten Mühlen
etwas ſtärker zugriffen und auch zur Erfüllung früherer
Exportabſchlüſſe Ware nach der Küſte abgelenkt wurde.
Hinzu kam, daß Andienungen bei den Mühlen Aufnahme
fanden und im Zuſammenhange damit Deckungen
vorge=
nommen wurden. Die dadurch hervorgerufene
Preis=
beſſerung lockte indes zum Schluß wieder mehr Angebot
hervor, und die Folge davon war, daß die zeitweiſe 2,25
Mark betragende Beſſerung für Dezember wieder
ver=
loren ging, während Mais ſogar noch um 1 Mark
niedri=
ger ſchließt, als vor acht Tagen. Auf dem Hafermarkte
hat ſich die Situation nur inſofern gebeſſert, als das
An=
gebot etwas kleiner geworden iſt, aber die
Abſatzverhält=
niſſe laſſen nach wie vor viel zu wünſchen übrig, zumal
die Händler ihre Beſtände zum Jahresſchluß nicht gerne
vergrößern. Ruſſiſche Gerſte war wieder ſehr feſt. Man
hat ſeit längerer Zeit viel vorverkauft, und da die
Ab=
ladungen von Rußland fortgeſetzt mäßigen Umfang
be=
hielten, ſo machte ſich lebhaftes Deckungsbedürfnis geltend
und die Preiſe zogen um 2—3 Mark an. Mais behielt
bei um 1 Mark geſteigerten Forderungen ruhigen
Ver=
kehr. Es ſtellten ſich die Preiſe für inländiſches Getreide
am letzten Marktage wie folgt:
Weizen Roggen Hafer
Königsberg.
165
168
Danzig
167½
190
Stettin
164
162
t.
Poſen
193
2 ) 162 (*2 ) 160
Breslau
193
161
162
Berlin
199. (*2 ) 171½ (*2½) 198
Magdeburg . 195
167
185
Halle
197 (44 ) 174 (43 ) 188
Leipzig
190
169 (*1 ) 190
Dresden.
196 (*1 ) 171
185
Roſtock
163 (*
200
Hamburg
177 (*2 ) 190
Hannover
176
188
185
207
Düſſeldorf
185
185 (*1 )
Frankfurt a. M. 210
181
195
Mannheim . . 2121
1821
190
Straßburg . . 215
195
187½
München . . 218
184 (*
178
Weltmarktpreiſe: Weizen: Berlin Dez. 206,75 (- 1,50)
Mai 209,25 (— 0,25), Peſt April 196,70 (—2,70),
Live=
rpool März 164,45 (*0,70), Chicago Dez. 133,05 (—3),
Roggen: Berlin Dez. 174 (—), Mai 174 (— 1), Hafer:
Berlin Dez. 171,75 (—2), Mai 173,25 (*-0,75),
Futter=
gerſte Südruſſ. frei Hamburg unverzollt ſchwim. 139
(*3,50), Dez. 136,25 (* 1,75), Mais: La Plata ſchwim.
109 (*1), Mixed Dez.=März 108,50 (-1) Mark.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— Soeben mit der Lektüre des Eingeſandts betr.
Ver=
kürzung der Feierabendſtunde beſchäftigt, kann ich nicht
umhin, dem Einſender in allen Stücken zuzuſtimmen! —
Als Darmſtädter komme ich öfter, meiſt in größerer
Ge=
ſellſchaft, von Heidelberg nach Darmſtadt zu Theater,
Bällen, Ausſtellungen uſw. Nun iſt es Sache der titl.
Behörde, doch auch den Fremden, ſowie Paſſanten den
Aufenthalt nicht zu erſchweren, denn wo bleiben dieſelben,
wenn zum Beiſpiel der letzte Zug 12.15 Uhr und der erſte
4.15 Uhr in der Richtung Heidelberg abgeht? Denn wegen
vier Stunden geht man nicht ins Hotel. Sollen wegen
einiger Rowdies ſämtliche Fremde, ſowie Einheimiſche
darunter leiden? Wenn der Einheimiſche zufrieden iſt
und man keinen Fremdenverkehr nötig hat, was ich nicht
glaube, dann kann man es ſo laſſen! Andere Städte, wie
Mannheim, Heidelberg, Frankfurt a. M., geben mehr für
Reklame zwecks Fremdenverkehr aus, trotzdem dieſelben
weit mehr Anziehungskraft haben wie Darmſtadt. Ebenſo
bei dem Darmſtädter Hoftheater, denn in Heidelberg z. B.
hängen am Bahnhof Theaterzettel von Mannheim,
Karls=
ruhe, ſogar Frankfurt iſt vertreten, weshalb Darmſtadt
nicht? Auf meine ſchriftliche Anfrage bekam ich überhaupt
keine Antwort, ſo daß ich mich telephoniſch mit Darmſtadt
verbinden ließ und den Beſcheid erhielt vom
Telegra=
phenamt: „Das Hoftheater hat Anſchluß, darf aber
nicht angerufen werden!” Hoffentlich trägt man den ſehr
berechtigten Wünſchen Rechnung, und der Fremde, ſowie
der Einheimiſche kann wieder im Café oder Hotel Heß
ſitzen, wie er will, und nicht nach der Uhr ſehen und ſagen
müſſen: „Sonſt kommt der Schutzmann!”
Literariſches.
— Kalenderliteratur. Ein deutſcher
Juriſtenkalender, als juriſtiſcher Abreißkalender
mit Raum für Notizen für jeden Tag des Jahres
einge=
richtet, iſt im Verlage von Otto Liebmann, Berlin,
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lag der Deutſchen Juriſten=Zeitung, erſchienen. Der von
Rechtsanwalt Dr. Arthur Kallmann bearbeitete Kalender
iſt für Juriſten beſtimmt. Der Kalender deſſen Rückwand
nach einer mehrfarbigen Originalzeichnung von Prof.
Doepler d. J. ausgeführt iſt, iſt auch äußerlich
elegant ausgeſtattet. (3,20 Mark, für Abonnenten der
Deutſchen Juriſten=Zeitung 2,80 Mank). Er iſt allen
Juriſten, beſonders den Bureaus der Gerichte und An=
wälte, aber auch für die Studierzimmer der Richter und
jüngeren Juriſten zu empfehlen. — Deutſcher
Fiſcherei=Kalender für 1913. Herausgegeben
vom Verlag der Allgemeinen Fiſcherei=Zeitung.
Bearbei=
tet von Dr. Karl Mulſow und Dr. Hans Reuß. In
Taſchenformat, mit zahlreichen Abbildungen. Preis
ge=
bunden 1,80 Mark. Der im 4. Jahrgang erſchienene
Deutſche Fiſcherei=Kalender enthält außer dem für tägliche
Notizen geeigneten Kalendarium wichtige Artikel über
alles, was die Fiſchzucht betrifft, außerdem Verzeichniſſe
der fiſchereiwiſſenſchaftlichen Inſtitute, der Fiſcherei=
Ver=
eine und=Behörden, ſowie die üblichen Tabellen der
Münzen, Maße, Gewichte und Poſtgebühren. — Bayern=
Kalender 1913. Der dritte Jahrgang dieſes
vortreff=
lichen Wand= und Abreißkalenders iſt erſchienen. Was
ſchon die früheren Jahrgänge vor ähnlichen Erzeugniſſen
vorteilhaft ausgezeichnet hat: die geſchmackvolle
künſt=
leriſche Ausſtattung und die Reichhaltigkeit des
Anſchau=
ungsmaterials, das bietet der neue Jahrgang in erhöhtem
Maße. Die Bilderfolge iſt von einer erſtaunlichen
Viel=
ſeitigkeit. Der billige Preis des Kalenders — 1,50 Mk. —
kommt der weiteſten Verbreitung des Kalenders gewiß zu
ſtatten. Verlag von Carl Gerber in München. —
Wappenkalendier, Kunſtkallender welcher
Künſtler, Heraldiker, Maler uſw. könnte ihn entbehren
den bekannten Münchener Kalender für 1913.
(Neunundzwanzigſter Jahrgang. 36 Seiten ſtark, Größe
16/32 Zentimeter, Büttenpapier, in reichem Farbendruck
ausgeführt. Regensburg, Verlagsanſtalt vorm. G. J.
Manz. Preis 1 Mark, inkl. Porto 1,10 Mark), der in
allen Weltteilen ſeine Freunde hat. Der neue 29.
Jahr=
gang ſchließt ſich ſeinen beliebten Vorgängern ebenbürtig
an. Kein Geringerer als Profeſſor O. Hupp hat
den=
ſelben wieder mit Zeichnungen von hohem künſtleriſchen
Werte geſchmückt. Mit ſeinem größeren Bruder hat die
Verlagsanſtalt auch wieder den Kleinen Münchener
Kalender (im Taſchenformat, 6/11 Zentimeter, 32 Seiten
ſtark, Preis 50 Pfg.) ausgegeben. Die beiden vornehmen
und billigen Kalender ſind in allen Buchhandlungen zu
haben. — Der Volksbote 1913, 76. Jahrgang.
(Preis 50 Pfg.), iſt im Verlage der Schulzeſchen Hof=
Buchhandlung in Oldenburg erſchienen. Er iſt vielen
Deutſchen ein lieber vertrauter Freund. Seine Tendenz
iſt durch und durch patriotiſch und chriſtlich, doch fern von
aller Frömmelei. Sein Bilderſchmuck iſt mit großer
Sorgfalt ausgewählt und ſauber ausgeführt. Papier und
Druck ſind beſſer, als man es in vielen koſtſpieligen
Büchern findet.
— Kainz und Matkowsky von Julius Bab.
Mit 4 Porträts. Oeſterheld u. Co. Verlag, Berlin W. 15.
Preis gebunden 3 Mk. Julius Bab, der bekannte
Ber=
liner Dramaturg, ſtellt hier Perſönliches und allgemein
Intereſſantes von den beiden großen Künſtlern
zuſam=
men, an denen ſich ſein Erlebnis des Theaters einſt
ent=
zündet hat. Die Wärme perſönlichſter Dankbarkeit gibt
ſo dieſen beiden Denkſäulen der Schauſpielkunſt hellſtes
Licht. Das Buch iſt in der Tiemann=Antiqua gedruckt
und ſehr hübſch ausgeſtattet.
Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.
Geöffnet an Wochentagen von 9— 12 Uhr vorm. und
3 — 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 16. Dez.: Dem Maſchinentechniker
Johann Anton Heinrich Schuchmann, Gräfenhäuſer Weg
Nr. 53, ein S. Heinrich Friedrich Emil. Am 17.: dem
Kaufmann Peter Caſtritius, Stiftſtraße 67, ein S. Karl
Anton. Dem Maler und Lackierer Johann Heip,
Kra=
nichſteiner Straße 51, ein S. Hans Erwin Helmut. Am
16.: dem Kutſcher Hermann Karl Louis Schmidt,
Hügel=
ſtraße 63, ein S. Wilhelm Hermann. Am 20.: dem
Schloſ=
ſer Adam Delp, Landwehrſtraße 68, eine T. Katharina.
Am 18.: dem Lokomotivheizer bei der Staatsbahn Peter
Ries, Kaſinoſtraße 11, eine T. Irmgard Margareta.
Am 20.: dem Maſchinenſchloſſer Peter Bernhardt,
Lau=
teſchlägerſtraße 17, eine T. Eliſab. Magdalena Henriette.
Am 19.: dem Fabrikarbeiter Philipp Kehr, Parcusſtr. 3,
ein S. Peter. Am 23.: dem Gärtner Adam Mark,
Pan=
kratiusſtraße 58, eine T. Marie. Am 22.: dem Schloſſer
Karl Gottfried Wilhelm Würtenberger,
Eliſabethen=
ſtraße 46, ein S. Friedrich Wilhelm. Am 19.: dem
Unter=
zahlmeiſter Heinrich Diehl, Nieder=Ramſtädter Straße
Nr. 43, eine T. Frieda. Am 22.: dem Schloſſer Wilhelm
Emrich, Pallaswieſenſtraße 40, ein S. Karl. Am 23.:
dem Schmied Wilhelm Grimm, Ballonplatz 6, eine T.
Maria Katharina.
Aufgebotene. Am 21. Dez.: Arbeiter Franz
Wa=
chowski in Friedrichshöhe mit Wladislawa Wenk in
Schönſeedorf. Am 23.: Kellner Georg Weidner mit
Helene Meckel, beide in Berlin. Lackierer Joh. Franz
Lambert in Rüſſelsheim mit Dienſtmädchen Margareta
Rindfuß in Darmſtadt. Kutſcher Johannes Liſtmann
mit Eliſe Nicklas, beide Eliſabethenſtraße 46.
Lokomo=
tivheizer Phil. Grünewald, Kiesſtraße 49, mit Anna
Maria Jungbecker, Landwehrſtraße 15.
Eheſchließungen. Am 18. Dez.: Sattler Ludwig
Mayer in Wachenheim mit Maria Schmitt in
Zwin=
genberg a. d. B. Am 21.: Terrazzoarbeiter Iſidoro
Bo=
nazza mit Marſilia Bonenti, beide hier. Glaſer
Her=
mann Weber mit Kinderwärterin Maria Ihrig, beide
hier. Fabrikaufſeher Georg Klein in Höchſt a. M. mit
Margaretha Heltzel in Hergershauſen.
Militärbauregi=
ſtrator Wilhelm Zoerb mit Emilie Schmid, beide
hier. Am 23.: Möbeltransporteur Philipp Kling mit
Eliſab. Kreger geb. Burkhardt, beide hier.
Buchhändler=
gehilfe Bruno Lange mit Klara Herdlitſchke, beide
hier.
Geſtorbene. Am 19. Dez.: Sophie Marx geb.
Bal=
ſer, Witwe des Kirchenrats, 79 J., ev., Erbacher Straße
Nr. 25. Modiſtin Marie Magdalene Veith, 41 J., ev.,
Müllerſtraße 5. Am 20.: Diakoniſſin Marg. Kraft 60
Jahre, ev., Erbacher Straße 25. Am 20.: Diakoniſſin Eva
Kathar. Dreißigacker, 34 J., ev., Erbacher Straße 25.
Am 21.: Karoline Weber geb. Breivogel, Ehefrau des
Bureaudieners, 73 J., kath., Riedeſelſtraße 48. Privatier
Franz Joſeph Jordan, 77 Jahre, ev., Eliſabethenſtr. 47.
Am 20.: Peter Kehr, S. des Fabrikarbeiters, 1 Tag,
Parcusſtraße 3. Am 22.: Privatier Karl Krämer, 77 J.,
ev., Dieburger Straße 28. Am 23.: Privatin Anna Marg.
Sauerbeck, 52 J., ev., Kaupſtraße 44. Am 22.: Privatier
Abraham Holzer, 85 J., iſr., Sackgaſſe 12.
Zahn-Crême
Mundwasser
[ ← ][ ]eite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 27. Dezember 1912.
Nummer 304.
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Gegr. 1861 Schirmherr:Se. Kgl. Hoh. der Großherzog Gegr. 1861
Damen-Stenographenverein, Gabelsberger‟
Gegr. 1898
Gegr. 1898
DD0n
Weihnachtsfeier
am Sonntag, den 29. Dezember 1912, abends 6½ Uhr, im
„Kaisersaal‟, unt. güt. Mitwirkung des Orchesterklubs Darmstadt.
für Mitglieder frei: für Angehörige der Mitglieder Karten
Eintrilf zu 30 Pfg. (für 3 Personen gültig), nur im Verkehrsbüro.
Für Fremde à Person 40 Pfg., nur an der Abendkasse. (26229if
Bürger-Verein, Darmstädter Fecht-Kluh.
Samstag, den 28. Dez., abends 8¾ Uhr
Wemmachtsteler
im Vereinshaus Saalbaustrasse 67.
(26058ffs
Eiterdrischer Veren
(26338
Vereinslokal: Wilhelminenstrasse 9
Bicherauspabe: Montags von 10—12 Uhr
Lesezirkel mit 14tägigem Wechsel
— Jährlicher Beitrag 10 Mk.
Anmeldung schriftlich an den Vorstand oder
Montags zwischen 10 bis 12 Uhr im Vereinslokal.
Großherzogl. Hoftheater
Freitag, den 27. Dezember 1912.
84. Abonnem.=Vorſt. C 21.
Die fünf Frankfurter.
Luſtſpiel in 3 Akten v. Carl Rößler.
Perſonen:
Die alte Frau
. Minna Müller=
Gudula
Rudolph
. Adolf Jordan
. Guſtav Semler
.Richard Jürgas
.Kt. Weſtermann
. Franz Schneider
Kunstierein I. u. Grossherzegtam Hessen.
Die diesjährige Verlosung findet Samstag, den 28.
De-
zember, nachmittags 5 Uhr, in der Kunsthalle am
Rhein-
tor statt.
(26320
Unsere Mitglieder sind hierzu höflichst eingeladen.
Der Ausschuß des Kunstvereins.
Jad Hermsdorf
a. d. Katzbach, Schles. — Stahlbäder, Wasserheilverfahren
moor-
(Fallsucht, hysterische
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1Jahr bei 2—3 Mt. Anstalts-Aufonthalt. Stotige
indivi=
duslle ärztliche Behandlung. — Sommen und Mürek Gkoßfrnkr.
Anfragen an die kurdircktion Hermsderf an der Katsbach eder an die
Zweigstelle Magdeburg, Johannisberg 2.
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Freitag, 27. Dezember 1912
Samstag, 28.
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Sonntag, 29.
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Morgen, Samstag, 28. Dezember:
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Fürſt von
Klaus=
thal=Agordo . . Heinrich Hacker
Die Fürſtin . . Hanna Raffay
Graf Fehrenberg,
Hofmarſchall . . W. Riechmann
Frau v. St.
Ge=
orges
. Käthe Meißner
Baron Seulberg: Emil Kroczak
Der Domherr . . Paul Eisner
KabinettsratYſſel Paul Peterſen
Erſter (Kammerd. K. Enzbrenner
Zweiter/d. Herzogs Frz. Herrmann
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Lies= der Frau
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Gewöhnliche Preiſe:
Proſzeniumsloge 6.10 M.,
Mittel=
loge 6.10 M., Balkonloge 5.10 M.,
I. Rang 4.60 M., II. Rang: 1.—6.
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
Sperrſitz: 1.—13. Reihe 4.10 M.,
14.—20. Reihe 3.30 M., Parterre:
1.—5. Reihe 2.80 M., 6.—8. Reihe
2.25 M., I. Gal. 1.25 M., II. Gal.
0.65 M.
Anfang 7½ Uhr. — Ende 10 Uhr.
Kartenvk. p. 9½—1½ u. v. 6½ U. an.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Samstag, 28. Dez. 85. Ab.=Vſt.
B 22. „Die ſchöne Helena.”
Kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Sonntag, 29. Dez. Nachmittags
2½ Uhr: 13. Volksvorſtellung zu
ermäß. Preiſen. „Der
Hoch=
touriſt.” Vor verkauf bis
ein=
ſchließlich Samstag, 28. Dez., nur
im Verkehrsbüro, Ernſt=
Ludwigs=
platz. Verkauf der noch
vorhan=
denen Karten an der Tageskaſſe
im Hoftheater am Tage der
Vor=
ſtellung, vormittags von 11 Uhr
ab. — Abends 7 Uhr: 86. Ab.=Vſt.
D 21. „Rienzi.” Gew. Preiſe.
Montag, 30. Dez. 87. Ab.=Vſt.
C 22. „Undine.” Kleine Pr.
Anfang 7 Uhr.