Abonnementspreis
Inſerake.
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt.
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
tnren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. vierkeli. Verantworlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnichtübernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Kaiſer iſt geſtern von Kiel wieder in Potsdam
eingetroffen.
Im engliſchen Unterhauſe erhielt die
Re=
gierung bei der Abſtimmung über die neue
Finanz=
reſolution der Homerule=Bill eine Mehrheit von
112 (318 gegen 206) Stimmen.
„
Bei einer Meuterei der Gefangenen im
Gefäng=
nis zu Rochefort wurden fünf Perſonen getötet
und ein Offizier und zwei Unteroffiziere ſchwer verletzt.
Infolge der eingeleiteten
Waffenſtillſtandsver=
handlungen haben die bulgariſchen
Trup=
pen vor Tſchataldſcha Befehl erhalten, die
Feindſeligkeiten einzuſtellen.
Schrank, der das Attentat auf Rooſevelt
verübt hat, wurde für geiſteskrank erklärt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.
Kriegslehren.
K.-K. Vom Balkan her dringen mit Blut geſchriebene
Lehren zu uns, die kein Volk mißachten darf, wenn es
nicht verfallen will. Mängel und Fehler, die Niederlagen
ſund Untergang beſiegeln, offenbart der Balkankrieg.
Kriegsbereitſchaft iſt das Erſte, was Anwartſchaft auf
Sieg verleiht. Wer eher als ſein Gegner ſeine vollen
Wehrkräfte ſchlagfertig einzuſetzen vermag, ſichert ſich
einen Vorſprung, der faſt niemals wieder einzuholen iſt.
In den erſten Waffengängen pflegt zu ſiegen, wer vor
dem Feinde ſeine Rüſtung abgeſchloſſen hat; und die erſten
Siege mit ihren einerſeits ermutigenden, anderſeits
ent=
mutigenden Folgen entſcheiden meiſt über den Verlauf
und den Ausgang des ganzen Feldzuges. Die Türkei iſt
von ihren Feinden ringsum überraſcht und deshalb
über=
wältigt worden. Auf keinem der Kriegsſchauplätze
er=
wieſen ſich die Türken als kampfbereit. Furchtbar rächt
ſich die Sünde wider das Hauptgebot: Bereit ſein iſt
falles!
Die türkiſche Mobilmachung vollzog ſich allerwärts
ſchleppend, träge und langſam. Ueberall zeigte ſie
Un=
fertigkeit und Unzulänglichkeit. Die Verpflegung hat
an=
fangs faſt ganz verſagt. Der Hunger, bemerkt ein Bericht
vom Kriegsſchauplatze, wütete ärger als der Feind.
Viel=
fach iſt bezeugt, daß die hungernden türkiſchen Truppen
plünderten, ſogar ihr Lager und ihre Führer ausraubten.
Zum Hunger geſellte ſich der Mangel an Munition,
Bataillone, heißt es in einem Bericht, mußten ins
Ge=
fecht, die keine einzige Patrone mehr hatten. Geordnete,
ſtadellos arbeitende Verpflegung, die alles gewährt, was
ein kriegführendes Heer braucht, genügende Lebensmittel=
und Munitionszufuhr, ausreichender raſcher Nachſchub
be=
deutet die Hälfte des Erfolges. Als die verbündeten
Bal=
kanvölker die Mobilmachung beendet hatten, war in der
Türkei noch herzlich wenig geſchehen. Nichts klappte,
weder die Einſtellung der Reſerven noch die Fortſchaffung
der Truppen auf der Bahn, noch der rechtzeitige
Auf=
marſch. Das türkiſche Heer zeigte ſich in dem Maße
un=
gerüſtet, unvorbereitet, daß es nicht bloß angriffs= und
ſiegesunfähig, ſondern auch verteidigungsunfähig wurde
Nur wer ſchon beim Kriegsausbruch bereit iſt und
ſſo die Vorhand haben kann, vermag den Angriffsgeiſt,
das Geſetz der Offenſive, zu betätigen. Wer ſich auf die
Verteidigung beſchränken muß, kann niemals die
aus=
ſchlaggebenden Schläge führen und den Siegespreis
be=
anſpruchen. Der entſchloſſen und rückſichtslos angreifende
Kriegsgeiſt, in dem die Loſung: „Vorwärts!” lebt und
treibt, bereitet und feſtigt Selbſtvertrauen, ſteigert den
Mut, hebt die Zuverſicht auf den Erfolg, verbürgt den
Sieg. (Nur der Angreifende, den der ſtete Drang nach
Vorwärts erfüllt, gewinnt das Gefühl der Ueberlegenheit,
verſügt über die ſtarke bezwingende Tatkraft. Aber zum
raſtlos vorwärts drängenden Kriegsmut, zur
niederwer=
fenden Stoßkraft gehört Begeiſterung. Den Willen zum
Siege geben dem Heere die ſittlichen Kriegstugenden.
Der türkiſchen Armee, die früher oft genug
erſtaun=
liche Exweiſe der Heldenhaftigkeit geliefert hatte, ſind mit
der inneren Geſchloſſenheit und Einheit die kriegeriſchen
Kräfte der Sieghaftigkeit abhanden gekommen. Die
revolutionären Vorgänge des letzten Jahres ſind es, die
im Heere der Osmanen unheilbare Schäden angerichtet
haben. Die Offiziere waren in die Wirbel zerſetzender
Parteikämpfe hineingezogen worden. Treiben Offiziere
Politik, ſtatt ausſchließlich ihre ſoldatiſchen
Berufspflich=
ten zu üben, ſo geht die Einheitlichkeit des
Offizier=
korps und damit auch der ganzen Armee verloten. Die
Kameradſchaft und das wechſelſeitige Vertrauen werden
untergraben, wenn die Offiziere durch politiſche
In=
tereſſen und Leidenſchaften aufgewühlt und in Gegenſätze
zueinander gebracht werden.
Verhängnisvoll muß das auch auf die Manneszucht
wirken. Wenn die Führer der Armee Umſturzgedanken
vertreten, ſogar den oberſten Herrſcher des Staates
ſtür=
zen, ſo wanken die Heeresgrundlagen; mit dem militärsſchen
Gehorſam, der Treue zum Kriegsherrn ſchwindet der feſte
Halt. Lehnen ſich die Offiziere wider den Sultan auf,
dann kommt es leicht, daß die Untergebenen dieſen ihren
Vorbildern nachſtreben. Offiziere haben Gewalttaten
ver=
übt, haben den Kriegsminiſter weggejagt; da kann es
nicht ausbleiben, daß unter den Mannſchaften das
unbe=
dingte Pflichtbewußtſein und die unbeugſame
Unterord=
nung erſchüttert werden. Die ſittlichen Mächte ſtritten
nicht auf Seite der Türken, während deren Feinde der
Glaube an ihre gute Sache, ein flammender
Vaterlands=
wille beſeelte, der ſtürmiſche Unwiderſtehlichkeit entfeſſelte.
Die friſche, jugendſtarke, nie raſtende, unaufhaltſam
vor=
wärts ſtürmende Tatkraft der Bulgaren zwingt zur
An=
erkennung und Teilnahme. An leuchtenden Beiſpielen des
Heldenmutes fehlt es gewiß auch im türkiſchen Heere nicht.
Aber das Ganze iſt morſch, zerrüttet, haltlos geworden.
Unrettbares können einzelne, ſelbſt wenn ſie Wunder der
Tapferkeit verrichten, nicht mehr retten.
Bleiben wir Deutſchen den Lehren eingedenk, die der
Balkankrieg gibt! Halten wir uns vor allem
ſchlagfer=
tig! Das Recht auf Daſein, auf Macht und Größe,
ge=
währleiſtet nur ein allezeit ſcharfes Schwert. Bewahren
wir uns den kriegstüchtigen, kriegsmächtigen Geiſt, der
der Geiſt der Staatserhaltung, der Treue und des
Ge=
horchens iſt! Nur aus dieſem Geiſte kommt der eherne
Wille zum Siegen. Nur waffenfrohe, tatenfrohe Völker
haben eine Zukunft.
Deutſches Reich.
— Eine Vereinheitlichung der
Dienſt=
zeiten des Eiſenbahnperſonals aller
deutſchen Eiſenbahnen, die ſeitens des
Reichs=
eiſenbahnamtes angeregt worden war, wird zum Beginn
des nächſten Jahres Platz greifen. Durch die
Vereinheit=
lichung wird den Wünſchen des Eiſenbahnperſonals, wie
ſie in zahlreichen Eingaben an den Reichstag niedergelegt
worden waren, Rechnung getragen werden. So ſollen
vor allem die Ruhezeiten des Lokomotivperſonals
ver=
mehrt werden. Einheitliche feſte Arbeitszeiten, wie ſie
vom Perſonal gewünſcht worden waren, haben ſich wegen
der Eigenart des Dienſtbetriebes nicht feſtlegen laſſen.
Aus dem gleichen Grunde konnte auch an eine geſetzliche
Feſtlegung nicht gedacht werden. Durch die beabſichtigte
Vereinfachung wird der Dienſtbetrieb aber weſentlich
erleichtert werden und auch den Wünſchen des Publikums
bei der Benutzung von Zügen auf Strecken, die
verſchie=
denen Eiſenbahnverwaltungen angehören, Rechnung
ge=
tragen werden.
— Die Gewerkſchafts=Enzyklika. Der
Köln. Ztg. wird aus Berlin geſchrieben:
Zeitungsnach=
richten zufolge ſoll bei den Führern der chriſtlichen
Ge=
werkſchaften die Anſicht beſtehen, daß der Wortlaut der
Enzyklika über die Gewerkſchaften vor ihrer
Veröffent=
lichung durch den Kardinal von Kopp der preußiſchen
Re=
gierung unterbreitet worden ſei und deren Zuſtimmung
gefunden habe. Wie wir erfahren, iſt dieſe Annahme
irrig.
Die Betriebseinnahmen der
Preu=
ßiſch=Heſſiſchen Staatseiſenbahnen haben
im Monat Oktober gegenüber dem gleichen Monat des
Vorjahres im Perſonenverkehr 2 Millionen Mark, gleich
3,67 Prozent, im Güterverkehr 9,9 Millionen Mark, gleich
7,12 Prozent, insgeſamt mit Einſchluß der
Mehreinnah=
men aus ſonſtigen Quellen, 13,7 Millionen Mark, gleich
6,71 Prozent, mehr betragen.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die ungariſche Delegation nahm das
Budget des Miniſteriums des Aeußern unter Billigung
der Politik des Miniſters an und ſprach ihm das
Ver=
trauen aus. Im Laufe der Debatte erklärte Graf
Berch=
told, die Auffaſſung der Delegation über die auswärtige
Lage ſtimme mit der von ihm befolgten Politik überein,
die in der Stellungnahme und dem Vertrauen der
Dele=
gation wertvolle Unterſtützung finde.
Frankreich.
Die Präſidentenwahl. Der Miniſterrat
wird ſich mit dem von zahlreichen Falliéres befreundeten
Deputierten und Senatoren gutgeheißenen Plane
beſchäf=
tigen, die Präſidentenwahl ſchon im Dezember
vorneh=
men zu laſſen. Verfaſſungsmäßig kann die Wahl
wäh=
rend des ganzen Monats vor Ablauf des Septennats
vor=
genommen werden, alſo im vorliegenden Falle zwiſchen
dem 17. Dezember und 17. Januar. Bisher war es
Brauch, mit der Wahl bis zum allerletzten Tage zu
war=
ten. Wenn diesmal ein früheres Datum beabſichtigt iſt,
ſo liegt dies daran, daß die Neujahrsferien erſt am
15. Januar ihr Ende nehmen und die drei Tage bis zum
17. Januar zu kurz erſcheinen, um alle Nachzügler
herbei=
zurufen. Vor den Weihnachtsferien dagegen iſt
erfah=
rungsgemäß das ganze Parlament ziemlich komplett in
Paris.
Die Abſchaffung der Kriegsgerichte. Der.
Senat begann die erſte Beratung des Geſetzes zur
Ab=
ſchaffung der ſtändigen Kriegsgerichte im Heer und in der
Marine ſowie der Marinegerichte. Die
Finanzkommiſ=
ſion teilte mit, daß der Geſetzesvorſchlag eine jährliche
Mehrausgabe von 559000 Fr. zur Folge haben werde.
Flandin, der Berichterſtatter der Vorlage, ſetzte
aus=
einander, daß die Kommiſſion zwei grundſätzliche
Not=
wendigkeiten ins Auge gefaßt habe: 1. In keinerlei Weiſe
die Manneszucht zu gefährden, 2. den Uebergang vom
Friedens= zum Kriegszuſtande in bezug auf die
Beſtra=
ſung von Vergehen der Miktärperſonen ſchonend zu
ge=
ſtalten. Die Aufrechterhaltung der Militärgerichtsbarkeit
ſei notwendig, aber ſie erheiſche Reformen. Dieſe
Vor=
lage verwirkliche dieſe durch Beſchränkung der
Zuſtän=
digkeit der Militärrichter auf Vergehen militäriſcher Art,
durch Einführung bürgerlicher rechtsgelehrter Richter in
die Militärgerichte, durch Reorganiſation der
militäri=
ſchen Anklagebehörde, durch humane Umgeſtaltung des=
Militärſtrafgeſetzbuchs, endlich durch Einführung der
Militärberufungsinſtanz gegen die militärgerichtlichen
Urteile. So weit wie die Kammer ſei aber die
Senats=
kommiſſion nicht gegangen. Sie habe es abgelehnt,
ge=
meine Soldaten als Richter zuzulaſſen, in der Anſicht,
daß dieſe nicht genügend Erfahrung für die richterlichen
Befugniſſe hätten. Endlich vervollſtändige ſich die
Re=
form durch eine eingehende Nachprüfung der Strafmaße
hinſichtlich der Vergehen gegen die militäriſchen Pflichten
und die Manneszucht. Das Ergebnis dieſer Nachprüfung
ſei eine bemerkenswerte Milderung der Strafen.
Die Aufgaben in Marokko. Der auf der
Reiſe nach Paris in Tanger eingetroffene General
Liautey erklärte einem Berichterſtatter des Figaro u. a.:
Wir brauchen zwei Mittel, um Marokko feſtzuhalten, um
es zu pazifizieren und gewinnbringend zu geſtalten: Leute
und Geld! Kann man dies vernünftiger Weiſe unter den
gegenwärtigen Umſtänden in Marokko ſelbſt verlangen?
Kann man in den Gegenden, in denen noch die jüngſten
Aufſtände nachzittern, die Eingeborenen zu neuen
Feind=
ſeligkeiten aufreizen, indem man von ihnen Steuern
for=
dert, welche ſie ſchon ſeit langem dem Maghzen nicht
be=
zahlen? Marokko wird reichlich zurückerſtatten, was wir
heute vorſchießen. Die Lage läßt ſich dahin
zuſammen=
faſſen: Schonen wir unſere Bataillone, aber man gebe
mir als Erſatz dafür die Mittel, durch
Wohlfahrtsanſtal=
ten, durch Schulen und Krankenhäuſer auf die
Einge=
borenen politiſche Anziehungskraft auszuüben. Das
ent=
ſpricht dem Geiſte Frankreichs mehr und iſt im großen
und ganzen auch billiger. So wird, bemerkt der
Bericht=
erſtatter, General Liautey in Paris ſprechen.
Spanien.
Die Kammer wählte den früheren
Miniſterpräſi=
denten Moret einſtimmig zum Präſidenten. Im
weite=
ren Verlauf der Sitzung wurde ſodann der
Regierungs=
entwurf über die Ausgabe von 300 Millionen Peſetas
Schatzſcheinen zur Liquidation der Obligationen in dem
bereits abgeſchloſſenen Rechnungsjahre mit 229 gegen
20 Stimmen angenommen.
England.
Die neue Finanzreſolution zur
Home=
rule=Bill wurde am Dienstag vom Generalpoſtmeiſter
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. November 1912.
Herbert Samuel im Unterhauſe eingebracht. Wenn die
meue Reſolution, die genau dieſelbe Wirkung hat, wie
die vorherige Reſolution, angenommen wird, iſt die
Stel=
lung der Regierung, die ſie am 11. November verloren,
wieder gewonnen und die Diskuſſion der Bill wird
als=
dann in normaler Weiſe gemäß den Beſtimmungen der
Guillotine=Reſolution vor ſich gehen. Die Debatte war
ſaußerordentlich ruhig.
Belgien.
Die Kammer begann die Beratungen über das
Regierungsprogramm. Der Abg. Woeſte erklärte zu der
von der Regierung vorgeſchlagenen Heeresreform, daß er
zwar den Geſetzentwurf prüfen wolle, aber den Motiven
des Kriegsminiſters widerſprechen müſſe. Belgien könne
keine Offenſivpolitik treiben. Nichts rechtfertige die
An=
nahme, daß die Garanten die Neutralität Belgiens im
Stiche laſſen würden. Die internationale Lage ſei für
Belgien ebenfalls nicht bedrohlich. Er habe volles
Ver=
trauen zu den Garanten der belgiſchen Neutralität. Die
Begründung des Kriegsminiſters war eine kriegeriſche
(Fanfare.
Vereinigte Staaten.
Das deutſche Petroleum=Monopol
und die Bundesregierung. Die
Bundesregie=
rung ſcheint in der Standard Oil=Frage jetzt gelindere
Saiten aufzuziehen. Unterſtaatsſekretär Wilſon, der
bis=
her an der Formel feſtgehalten hatte, die Sache ſei noch
nicht ins diplomatiſche Stadium getreten, änderte die
Formel dahin, es ſei nicht zu erwarten, daß die Frage
je ins diplomatiſche Stadium treten werde. Der
Tarif=
krieg als Vergeltungsmaßregel iſt alſo nicht
wahrſchein=
lich, da man fürchtet, daß die Hilfeleiſtung für die
Standard Oil Company die amerikaniſche Regierung in
Ungelegenheiten mit anderen Monopolländern bringen
würde, beſonders mit Frankreich, Italien und Oeſterreich,
die ein Tabakmonopol haben.
* Kiel, 19. Nov. Heute abend ſpeiſte der Kaiſer
mit Gefolge im Königlichen Schloß bei dem Prinzen und
der Prinzeſſin Heinrich im kleineren Kreiſe. Um
10¾ Uhr reiſte der Kaiſer nach Station Wildpark ab. Zur
Verabſchiedung waren auf dem Bahnhof die Prinzen
Heinrich und Adalbert von Preußen erſchienen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 21. November.
Großherzogliu, Heſſiſche Vereinigung
für Luftfahrt.
Unter dieſem Namen haben ſich die in Heſſen
be=
ſtehenden Vereine für Luftfahrt uſw., darunter die
Heſſi=
ſche Flugſtudien=Geſellſchaft, und die Vereine von Mainz,
Darmſtadt, Gießen und Worms zu einem ganz Heſſen
um=
faſſenden Verband zuſammengeſchloſſen. Se. Königl. Hoheit
der Großherzog hat das Protektorat über die
Vereinigung übernommen und gleichzeitig geſtattet, daß
die Vereinigung in ihrem Vereinsabzeichen Wappen und
Krone des Großherzogs führen darf. Der Sitz der
„Großherzoglich Heſſiſchen Vereinigung für Luftfahrt”
iſt Darmſtadt, dem Vorſtand gehören die Vorſitzenden
der beſtehenden Vereine an. Die Geſchäftsführung im
Vorſitz wechſelt alljährlich und liegt für das erſte
Ge=
ſchäftsjahr in den Händen des Vorſtandes des
Main=
zer Vereins, der der größte der zurzeit beſtehenden
Vereine iſt. Für das nächſte Jahr kommt der Vorſitz
nach Darmſtadt. Geſtern wurden die Herren
Kammer=
herr Frhr. v. Oetinger=Darmſtadt,
Oberleutnant=
v. Selaſinsky und Fabrikant Dyckerhoff=Mainz,
Profeſſor König=Gießen und Oberſt v. Behr=
Worms vom Großherzog in Audienz empfangen, um für
die Uebernahme des Protektorats zu danken und dem
Großherzog das Verbandsabzeichen zu überreichen. Die
in dem Verband zuſammengeſchloſſenen Vereine werden
in nächſter Zeit ihre Namen einheitlich ändern.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog dem Haushofmeiſter im Dienſte Sr. Durchl.
des Prinzen Ludwig von Battenberg, Philipp Streb,
das Ritterkreuz 2. Klaſſe des Verdienſtordens Philipys
des Großmütigen, ferner dem Oberamtsrichter bei dem
Amtsgericht Bad Nauheim, Geheimen Juſtizrat Wilhelm
Süffert, die Krone zum Ritterkreuz 1. Klaſſe des
Verdienſtordens Philipps des Großmütigen. — Das
Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren
wurde verliehen durch Entſchließung Sr. Königl. Hoheit
des Großherzogs an Peter Ziſſel und Auguſt
Wolf zu Darmſtadt.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht
Ortenberg Dr. Karl Fuhr zum Oberamtsrichter bei
dem Amtsgericht Bad Nauheim mit Wirkung vom
10. Dezember 1912.
* In den Ruheſtand verſetzt haben Se. Königl.
Hoheit der Großherzog den Oberamtsrichter bei
dem Amtsgericht Bad Nauheim, Geheimen Juſtizrat
Wilhelm Süffert, auf ſein Nachſuchen unter
Aner=
kennung ſeiner langjährigen treuen Dienſte mit Wirkung
vom 10. Dezember 1912.
* Erledigte Stellen. Eine mit einem
evange=
liſchen Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle zu
Raun=
heim, Kreis Groß=Gerau. — Eine mit einer
katho=
liſchen Lehrerin zu beſetzende Schulſtelle zu
Mühl=
heim, Kreis Offenbach.
* Militärdienſtnachrichten. Dr. Fritſch, Militär=
Hilfsgeiſtlicher der 22. Div. in Kaſſel, in gleicher
Eigen=
ſchaft zur 21. Div. nach Mainz verſetzt. Garn.=Verwalt.=
Inſpektor auf Probe, Langen, auf dem Truppen=
Uebungsplatz Darmſtadt, zum Gaun.=Verwakt.=Inſpektor
ernannt.
Rbg. Reichsgerichtsentſcheidung. Der § 638 des
Bür=
gerlichen Geſetzbuchs behandelt die Verjährung bei
An=
ſprüchen des Beſtellers wegen des Mangels eines Werkes.
Die Anſprüche auf Wandlung, Minderung und
Schaden=
erſatz verjähren (vorausgeſetzt, daß der Unternehmer den
Mangel nicht argliſtig verſchwiegen hat) bei einem
ge=
wöhnlichen Werke in ſechs Monaten, bei Arbeiten an
einem Grundſtücke in einem Jahre und bei Bauwerken in
fünf Jahren. Der Begriff des Bauwerks iſt ſowohl auf
Hoch= als auch auf Tiefbauten auszudehnen.
Brunnen=
anlagen und mächtige techniſche Konſtruktionen, die auf
einem Grundſtücke errichtet werden, werden in der
Recht=
ſprechung nicht als Bauwerke anerkannt. Die
Rechtſprech=
ung des Reichsgerichts verlangt für den Begriff des
Bau=
werks, daß das Bauwerk mit einem Grundſtücke feſt
ver=
bunden iſt und mit ihm ein einheitliches Ganzes bildet.
Zu dieſen Ausführungen intereſſiert die nachſtehende
Wiedergabe eines Rechtsſtreits, der unlängſt das
Reichs=
gericht beſchäftigt hat. Eine Eiſengießerei in
Darmſtadt hatte im Jahre 1906 von der ſyndikatfreien
Kohlenvereinigung in Mannheim Auftrag zur Herſtellung
einer Verladebrücke im Preiſe von 57000 Mark erhalten.
Die Brücke ſollte aus einem Komplex mehrerer Bauwerke
beſtehen und auf einer Rollbahn verſchiebbar ſein. Am
21. Februar 1909 beauftragte die Beſtellerin eine
Beweis=
ſicherung darüber, daß die Eiſenkonſtruktionen zu ſchwach
und mangelhaft ſeien. Das Gutachten darüber lief am
10. März 1909 ein., Am 23. September 1909 erhob die
Kohlenvereinigung Klage auf Minderung des Werklohnes
und Schadenerſatz. Die beklagte Eiſengießerei hielt der
Klägerin unter anderem die Eincede der Verjährung
ent=
gegen. Während die Klägerin ausführt, daß es ſich um
ein Bauwerk handle, und deshalb die fünfjährige
Verjähr=
ungsfriſt Platz greife, behauptet die Beklagte, daß nur ein
gewöhnliches Werk ausgeführt worden ſei und deshalb
die ſechsmonatige Verjährung durchgreife. Landgericht
und Oberlandesgericht Darmſtadt haben den Einwand der
Verjährung als begründet anerkannt und die Klage
des=
halb abgewieſen. Das Oberlandesgericht ſpricht zur
Be=
gründung ſeiner Entſcheidung unter anderem aus daß
die Rechtſprechung mit Bauwerken ſtets die mit dem
Grundſtück feſt verbundenen Bauausführungen bezeichnet.
Die Klägerin meint, daß durch dieſe Begriffsbezeichnung
die neuzeitigen Schöpfungen der Ingenieurkunſt von den
Bauwerken ausgeſchloſſen ſeien, obwohl ſie in Wirklichkeit
den Titel Bauwerk verdienen. Demgegenüber erklärt das
Oberlandesgericht, daß auf Grund des jetzt beſtehenden
Geſetzes daran nichts zu ändern ſei; ob ſpäter einmal
kunſtvolle bewegliche Konſtruktionen unter den Begriff
Bauwerk zu ſtellen ſein werden, hängt von der künftigen
Geſetzgebung ab. Da im vorliegenden Falle die
Verlade=
brücke nur auf der Rollbahn aufmontiert ſei, komme ſie
nicht als eigentliches Bauwerk in Betracht, ſondern nur
als gewöhnliches Werk. Alsdann lehnt das
Oberlandes=
gericht das weitere Vorbringen der Klägerin ab, daß den
Mangel argliſtig verſchwiegen worden ſei, und kommt ſo
zur Anerkennung der ſechsmonatigen Verjährungsfriſt.
Kommt dieſe Friſt zur Anwendung, ſo muß die Klage als
zu ſpät erhoben abgewieſen werden. Das
Reichs=
gericht hat jetzt das Urteil des
Oberlandes=
gerichts Darmſtadt beſtätigt und die Reviſion
der Klägerin zurückgewieſen. (Aktenzeichen: III. 504/11-
Urteil vom 19. November 1912.)
g. Der Provinzialausſchuß verhandelte in
ſeiner=
geſtrigen Sitzung die Klage des
Ortsarmenver=
bandes Darmſtadt gegen den Ortsarmenverband=
Groß=Zimmern, auf Erſatz von 41,85 Mark, die durch die=
Krankenhausbehandlung des Schweizers Peter Gunſtt
aus Griesheim entſtanden ſind. Gunſt ſuchte am 1.
März=
um Aufnahme in das hieſige ſtädtiſche Krankenhaus
nach=
was ihm auch gewährt wurde. Er wurde am 28.
März=
als geheilt entlaſſen. Von den Koſten in Höhe von 70
Mark hat die Ortskrankenkaſſe Groß=Zimmern, deſſen=
Mitglied Gunſt war, 28,15 Mark erſtattet. Nach
Anſicht=
des Ortsarmenverbandes Darmſtadt hat Groß=
Zimmern=
den Reſtbetrag von 41,85 Mark auf Grund des § 29 des=
Unterſtützungswohnſitzgeſetzes zu zahlen, was Groß=
Zimmern beſtreitet, da die Krankenkaſſe die geſamten=
Krankenhauspflegekoſten zu zahlen habe. Da von dieſer.
der Betrag nicht angefordert ſei, ſei auch Groß=
Zimmern=
nach dem Unterſtützungswohnſitzgeſetz nicht heranzuziehen.
Der Provinzialausſchuß verurteilte den)
Ortsarmenver=
band Groß=Zimmern zur Zahlung von 39,20 Mark aus
Darmſtadt und zur Tragung der Koſten des Rechtsſtreits.
— Die Fabrikkrankenkaſſe der
Kunſtſeidenfabriken=
in Kelſterbach ließ ein Mitglied der Kaſſe im Frank= Krankenhaus behandeln, das dieſes aber nach
kur=
zer Zeit verließ, um bald danach in Worms ins
Kranken=
haus zu gehen. Der Ortsarmenverband bezahlte die
hierdurch in Worms entſtandenen Koſten von 30,80 Mark=
und klagte nun gegen die Fabrikkrankenkaſſe auf Erſatz
Dieſe weigert ſich, die Koſten zurückzuerſtatten, da das
Mitglied das Frankfurter Krankenhaus eigenmächtig
ver=
laſſen habe und Dringlichkeit im Sinne des Geſetzes=bei
dem Erkrankten nicht beſtand. Der Provinzialausſchuß
verurteilte die Fabrikkrankenkaſſe, an den Ortsarmenvers
band Kelſterbach 30,80 Mark zu zahlen und die Koſtenedes=
Verfahrens zu tragen.
Gegen einen Beſchluß der
Stadtverordnetenverſamm=
lung von Darmſtadt vom 23. Mai 1912 verfolgt eine
Anzahl Hauseigentümer der Beſſunger Straße Beſchwerden
Es wurden ihnen Koſten angefordert für den
Wieder=
anſchluß ihrer Grundſtücke an den neu erbauten Kanal in
der Beſſunger Straße. Zur Begründung dieſer Beſchwerde
wird ausgeführt, daß der alte Kanal für die Abführung
der Abwäſſer noch genügt hätte, wenn nicht auch die
Ab=
wäſſer des Gebietes zwiſchen Herdweg und
Schießhaus=
ſtraße durch den Kanal der Beſſunger Straße hätten
ge=
leitet werden ſollen. Die Entwäſſerung jenes Gebietes
wäre vorteilhafter durch Erbauung eines Kanals durch
die Niederſtraße nach der Heidelberger Straße geſchehen,
Von der ſtädtiſchen Tiefbauverwaltung wurde angegeben,
daß die Führung eines großen Sammelkanals durch die
Niederſtraße ſchon zur Zeit der Ausführung des alten
Kanals in der Beſſunger Straße in Ausſicht genommen
war. Er ſollte ausgeführt werden, ſobald mit der
zu=
nehmenden Bebauung eine zu ſtarke Belaſtung des Kanals
in der Beſſunger Straße erfolgen würde. Infolge den
ſtarken Bebauung jenes Stadtteiles trat nun ſehr balde
eine Ueberlaſtung dieſes Kanals ein, und man ſei den
Führung eines großen Sammelkanals durch die Nieden
ſtraße näher getreten. Es hätten ſich aber techniſche
Schwierigkeiten herausgeſtellt, die es ratſam erſcheinen
ließen, von dem Projekt Abſtand zu nehmen und beſſer
den Kanal in der Beſſunger Straße im Profil zu
ver=
größern. — Der Provinzialausſchuß gab der Klage der
Beſchwerdeführer ſtatt und hob den Beſchluß der
Stadt=
verordnetenverſammlung auf. Die Koſten des
Rechts=
ſtreites hat die Stadt Darmſtadt zu tragen, ausſchließlich
der anwaltlichen Vertretung der Beſchwerdeführer.
g. Strafkammer. Der 17jährige Schleiferlehrling
Rudolf Otto Jaukl aus Offenbach hatte am 11. und 12a
März 1912 gemeinſam mit dem Portefeuiller Richard
Stenger aus den Schießſtänden der Offenbacher
Schützen=
geſellſchaft verſchoſſene Bleikugeln entwendet. Die Kugeln
gehörten vertragsgemäß dem Wirte, der durch die
Dieb=
ſtähle geſchädiat wurde. Stenger war bereits abgeurteilt
während Jaukl damals zur Verhandlung nicht erſchienen war,
er wurde jetzt zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt.
Der 17jährige Kaufmannslehrling Alois Sch. aus
Offen=
bach wurde wegen Verbrechens nach §§ 1732 und 176,3
des Strafgeſetzbuchs zu 1 Monat Gefängnis
verur=
teilt, welche Strafe durch die Unterſuchungshaft verbüßt
er=
achtet wurde. — Der 15jährige Portefeuiller Peter M. aus
Aus neuen Briefen Kaiſer Friedrichs.
C) Ernſt Curtius, der berühmte Verfaſſer der
griechi=
ſchen Geſchichte, iſt als ſein Erzieher zu dem Prinzen
Friedrich Wilhelm, den ſpäteren Kaiſer Friedrich, in ein
menſchlich ſchönes, freundſchaftlich inniges Verhältnis
ge=
treten, das ſich in dem Briefwechſel des Fürſten und des
Gelehrten klar widerſpiegelt. In den nächſten Tagen
er=
ſcheint im Verlage von Karl Curtius eine neue Ausgabe
des „Lebensbildes in Briefen: Ernſt Curtius”, das ſein
Sohn Friedrich Curtius vor einigen Jahren erſcheinen
ließ und nun, um reiches neues Material vermehrt,
der Leſewelt wieder darbietet.
Von beſonderer Wichtigkeit ſind unter dieſem
Zu=
wachs bedeutſame, bisher unveröffentlichte Briefe Kaiſer
Friedrichs, in denen ſich der Prinz, Kronprinz und Kaiſec
in herzlich freimütiger Weiſe ſeinem Lehrer und Freunde
gegenüber ausſpricht. So erzählt er manches von ſeinem
Sohne, unſerem jetzigen Kaiſer; voll Vaterſtolz
unter=
richtet er Curtius von dem freudigen Ereignis, das ihm
bevorſteht: „Ich muß Ihnen eigentlich unglaublich
vor=
kommen,” ſchreibt er am 8. Januar 1859, „als angehender
Vater. Uebrigens bitte ich eines feſtzuhalten, daß ich
Gott von Grund des Herzens danke, daß er Kinderſegen
in Ausſicht ſtellt, und mir ein Sohn oder eine Tochter
gleich lieb ſind. Seine Sache iſt es, zu entſcheiden, ob
ein kleiner Stammhalter einſt dem Lande nötig iſt oder
nicht.‟ Das Jahr darauf berichtet er freudig von den
prächtigen Fortſchritten, die der kleine Erdenbürger macht:
„Meine Frau würde Ihnen in ihrem Ausſehen gefallen
und ebenſo mein herziger Junge, der als Einjähriger mit
jedem Tage neue Beweiſe der Intwickelung ſeines kleinen
Verſtandes gibt. Gar oft muß ich der Schilderungen
ge=
denken, die Sie mir machten, als Ihr Kleiner ſich zu
entwickeln begann. Gottes Segen ruht auf meinem Hauſe
und ſehen wir unter ſeinem Beiſtande im Sommer neuem
Glück entgegen.” Hocherfreut
Kronprinz über das
Abiturienteneramen
Sohnes und ſchreibt
am 21. Februar 1877 an Curt u: „Lange hat mich nichts
ſo glücklich gemacht als die Naurct, daß mein Sohn ſich
das Zeugnis der Reife als Gymnaſioſt erworben und nun
gleich allen Söhnen von Gebildeten befähig erſcheint,
ſeinen ſelbſtändigen Gang durchs Leben zu unternehmen.
Möchte dieſe erſte Leiſtung des Jünglings, der fortan
mehr und mehr der väterlichen Gewalt entwächſt, die erſte
Stufe zu einem würdigen Leben werden, das durch
Pflicht=
treue und echte hingebende Vaterlandsliebe ſich
auszeich=
net und ihn als ſittlich bewährten Mann eckennen läßt.
Ich muß dabei an die Worte denken, welche Sie einſt für
die Ueberſendung eines meiner letzten ſchriftlichen
Auf=
ſätze an meine Mutter aufſetzten, ehe ich der Schule im
Hauſe entwuchs, und welche „wenn ſich die erſten Blüten
zeigen am Baume, den wir treu gepflegt” anfingen weil
ich nun in der Lage bin, ein gleiches an meiner eigenen
Pflanze wahrzunehmen, obgleich Wilhelm leichter als ich
lernte und es mit achtzehn Jahren viel weiter brachte, als
ich in jenem Alter vermochte. Heinrich erlangte die Reife
zur Oberſekunda und ſomit die Eintrittsbefähigung für
die Marine, deren Mitalied er Ende April wird, ſo daß
ich auf einmal zwei Söhne aus dem Hauſe gebe und faſt
gleichzeitig zwei Kinder, Charlotte und. Heinrich, einſegnen
laſſe.” Häufig erinnert ſich der Kronprinz an die Jahre,
da er durch Curtius in das weite Reich des Wiſſens und
der Bildung eingeführt wurde. Beſcheiden bekennt er
nach Ueberſendung, der „Griechiſchen Erſchichte”: „Was
im beſonderen nun die griechiſche Geſchichte betrifft, ſo
will ich Ihnen berichten, daß ich bei Nennung derſelben
niemals das Gefühl böſen Gewiſſens Ihnen gegenüber
ganz verwinden kann. Grund dazu iſt die Empfindung,
daß ich während meiner Knabenjahre, gerade als Sie mich
mit jenem Thema vertraut zu machen beſtrebt waren
Ihnen beſonders ſchwere Stunden bereitete! Ein anderes
iſt es freilich, wenn Sie von dem klaſſiſch Schönen und
Erhabenen ſprechen wollen, auf welches Sie und zwar
Sie ganz allein, mich während meiner Jugendzeit
auf=
merkſam zu machen verſtanden.”
Viel erzählt er von ſeiner Lektüre, von ſeiner Liebe zu
Kunſt und Dichtung, und ſeine Verehrung Geibels klingt
warm durch eine Würdigung beim Tode des teuren
Mannes. Von beſonderem Intereſſe iſt ein Brief, in dem
der Kronprinz über die Verleihung des Ordens
Pour ie mérite an Guſtav Freytag ſpricht.
„Meines Erachtens gehört derſelbe zu den
hervorragend=
ſten Größen innerhalb unſerer Literatur” — ſo begründet
er die Ehrung am 26. Juni 1886 — „welcher ebenſo für die
nationale Richtung wie auch für die gute und geſunde
Strömung von der nur edle und hohe Gedanken
aus=
gehen, erfolgreich gewirkt hat. Wie er für den
Verfaſſen=
des beſten modernen Luſtſpiels gilt, ſo darf man ſeiner
Bilder aus der deutſchen Vergangenheit nebſt den „Ahnen”
ſicherlich als eine nationale Richtung erſten Ranges
an=
ſehen, wie wir wohl keine zweite beſitzen, und welche
ihm=
einen höchſt ehrenvollen Namen für alle Zeiten in unſerer
Literaturgeſchichte ſichern.” Ueber die letzten Briefe ſenken
ſich bereits die ſchweren Schatten der
Todeskrank=
heit des Fürſten, von der er freilich nichts ahnte. Am
13. Juli 1887 dankt er Curtius für ſeine Teilnahme zan
meiner recht lange dauernden Heiſerkeit, deren
Beſeitig=
ung indeſſen De. Morell Mackenzie in Ausſicht ſtellt.
Zu=
dieſem Unternehmen begebe ich mich am heutigen
Abend=
nach England, wo ich Landeinſamkeit in der Nähe
Lon=
dons auf der Inſel Wight aufſuche und meinen Arzt mitt
Leichtigkeit erreichen kann.‟ Der alte Lehrer hatte daran
erinnert, wie wohltönend und kräftig die Stimme des
Prinzen unter der Leitung des Muſikdirektors Reichardt ſich
entwickelt habe; darauf erwidert er: „Ob meine Stimmel
wieder dasjenige leiſten wird, was, wie Sie es ſo hübſch
erzählen, einſtmals Reichardt zuſtande brachte, iſt wohl
nicht ſo bald zu entſcheiden. Möchte dieſes Organ aber
in Verbindung mit denjenigen, die Sie bei mir zu wecken
vermochten, mir noch Anlaß geben, Gutes und
Nutz=
bringendes in Frieden zu vollführen!” Und am 17.
No=
vember rühmt er aus San Remo, „wie heroiſch und mit
welchem Sachverſtändnis meine Frau mich pflegt.
unter=
ſtützt von Sir Morell Mackenzie nebſt ſeinem Aſſiſtenten
Dr. Hovell, welche beide ſich unſer volles Vertrauen
er=
worben haben.” Hoffnungsvoll ſchreibt er: „Wenn der
liebe Gott ſo will, kann ja trotz mannigfacher
Schwank=
ungen meine Geſundheit ſich allmählich wieder befeſtigen,
alſo daß ich mit der Zeit hoffen darf. meine Kräfte wieder
den mir obliegenden Pflichten zu widmen. Mir hat ſeine
hilfreiche Hand ſchon ſo oft beigeſtanden, daß auch jetzt
mein Vertrauen zu ſeiner Hilfe nicht erſchüttert iſt.”
Nummer 275.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. November 1912.
Seite 3.
Offenbach wurde wegen Verbrechens nach § 176,3 des
Strafgeſetzbuches zu 14 Tagen Gefängnis
ver=
urteilt.
g. Kriegsgericht. Der Dragoner Otto Hermann
Bätzler aus Mainz, vom Leib=Dragoner=Regiment
Nr. 24, kam am 3. Oktober zum Regiment, mußte jedoch
bald danach das Lazarett aufſuchen. Hier benützte er nun
die Nächte dazu, Spinde und Schubladen zu durchſtöbern.
In der Nacht zum 6. November fand er in der offenen
Schublade eines Krankenwärters ein Zwanzigmarkſtück,
das er ſich aneignete und zur Verdeckung des Diebſtahls
mnter das Futter ſeiner Mütze ſteckte. Der Angeklagte, der
ſich deshalb geſtern wegen Kameradendiebſtahls vor dem
Kriegsgericht der 25. Diviſion zu verantworten hatte,
wwurde zu vier Wochenſtrengen Arreſt und
Ver=
ſſetzung in die zweite Klaſſe des Soldatenſtandes
ver=
mrteilt. — Der aus Alzey ſtammende Dragoner Johann
Jakob Holzenthal vom Leib=Dragoner=Regiment
Nr. 24 hatte ſich wegen Beharrens im Ungehorſam und
Achtungsverletzung zu verantworten. Der nicht ſehr
ſattel=
ffeſte Angeklagte hatte ſehr unter den Anſtrengungen des
Reitens zu leiden und deshalb kam er auch am 14. Nov.
leinem Befehl des Sergeanten, ein Hindernis zu nehmen,
micht nach, auch dem Leutnant gelang es nicht, den
ängſt=
llichen Reiter dazu zu bewegen. Das Gericht
er=
kkennt auf drei Wochen ſtrengen Arreſt. — Der
in Witten a. d. Ruhr wohnhaft geweſene Ignaz
Maz=
komiak war zum Infanterie=Regiment Nr. 118
aus=
gehoben worden. Auf dem Bezirkskommando in Witten
wurden ihm 5 Mk. 30 Pfg. zur Fahrt nach Worms
aus=
gehändigt. Bei der Abſchiedsfeier verſäumte der
An=
geklagte aber den Zug und auch das Reiſegeld ging völlig
drauf. M. fuhr nun wieder nach Hauſe und erzählte, er
ſei auf ein Jahr zurückgeſtellt. Er fuhr dann ſpäter nach
Dortmund und Münſter, um dort Arbeit zu ſuchen, wo
er jedoch verhaftet wurde. Wegen Unterſchlagung und
unerlaubter Entfernung wird der Angeklagte zu 18
Tagen Mittelarreſt verurteilt, wovon 14 Tage als
verbüßt auf die Unterſuchungshaft angerechnet werden.
Der aus Malſtedt gebürtige Johann Amor, der beim
Garde=Drag.=Regt. Nr. 23 gedient hatte und als
Arbeits=
ſoldat der Landwehr erſten Aufgebots entlaſſen wurde,
hatte ſich geſtern wegen Fahnenflucht zu verantworten.
Amor erhielt im Oktober in Offenbach einen
Geſtellungs=
befehl zu einer 14tägigen Uebung auf dem
Truppen=
übungsplatz Munſter. Er ſtellte ſich jedoch nicht, wie er
dies ſchon wiederholt getan hatte. Er gibt zur
Entſchul=
digung an, er ſei des Glaubens geweſen, er brauche nicht
zur Uebung anzutreten, da er bruchleidend ſei. Dies iſt
auch der Fall, doch hatte er keine Schritte zur Befreiung
ngetan. Er wurde wegen unerlaubter Entfernung zu ſechs
Monaten Gefängnis und erneuter Verſetzung in
die zweite Klaſſe des Soldatenſtandes verurteilt.
Die Reviſion der Handwerksbetriebe. Aus den
Feſtſtellungen ergibt ſich, daß die beſtehenden
Beſtimm=
ungen über die Anmeldung der Lehrlinge zur
Handwerkskammer nicht immer beachtet werden.
Nach den Vorſchriften der Reichsgewerbeordnung und
den hierzu von der Handwerkskammer erlaſſenen
Beſtim=
fmungen iſt mit jedem neu eintretenden Lehrling (
Lehr=
ling oder Lehrmädchen) innerhalb 4 Wochen ein
Lehrvertrag ſchriftlich abzuſchließen und der Lehrling
Zunter Beiſchluß eines Exemplars des Vertrags bei der
Handwerkskammer anzumelden. Innungsmitglieder
haben die Lehrlinge bei ihrer Innung anzumelden,
wes=
halb den Innungen empfohlen wird, für ihren Bedarf
ſich ein 4. Ezemplar des Lehrvertrags aushändigen zu
laſſen. Das der Kammer eingeſandte Exemplar des
Lehrvertrags bleibt in ihrem Verwahr. Bei
Lehrver=
hältniſſen zwiſchen Vater und Sohn und in den Fällen
in denen der Lehrherr gleichzeitig Vormund des
Lehr=
lings iſt, iſt der Abſchluß eines Lehrvertrags nicht erfor=
Iderlich, jedoch muß in derlei Fällen die Anmeldung auf
einer von der Handwerkskammer herausgegebenen
Be=
ſcheinigung in doppelter Ausfertigung bewirkt werden.
Ein Exemplar dieſer Beſcheinigung erhält der Lehrherr
mit Eintragsvermerk verſehen, zurück. Die
Handwerks=
kammer Darmſtadt ſieht ſich genötigt, die Beachtung der
Beſtimmungen ſtrenger wie ſeither zu
über=
wachen, weshalb die Intereſſenten darauf hingewieſen
werden, daß Zuwiderhandlungen gegen die beſtehenden
Vorſchriften gemäß § 103n Abſatz 2
Reichsgewerbeord=
nung mit Strafen bis zu 20 Mark belegt werden.
Erſatzleiſtungen für Nachnahmeſendungen.
Iſt eine Nachnahmeſendung ohne ordnungsmäßige
Ein=
ziehung des Nachnahmebetrages ausgehändigt worden,
ſo leiſtet die Poſtverwaltung dem Abſender fortan bei
Einſchreib= und Wertſendungen, ſowie bei gewöhnlichen
Pateten mit Nachnahme für den entſtandenen
unmittel=
baren Schaden bis zum Betrage der Nachnahme Erſatz.
Dieſe Beſtimmung, durch die die Poſtordnung jetzt
ergänzt worden iſt, trägt den Wünſchen weiter Kreiſe
Rechnung.
* Anerkennung einer edlen Tat. Am 10. Juni
d. Js. rettete der Unterprimaner des hieſigen
Real=
gymnaſiums Eduard Klein vom Tode des Ertrinkens
den 13 jährigen Volksſchüler Karl Frickel, der, obwohl er
im Schwimmen noch nicht hinreichend ſicher war, an
einer nur für Freiſchwimmer beſtimmten Stelle im
Woog badete. Als Anerkennung für dieſe mit Mut
und Entſchloſſenheit ausgeführte Tat iſt ihm vom Großh.
Miniſterium des Innern eine ſilberne Uhr mit
ent=
ſprechender Widmung zugeſprochen worden. Die
Ueber=
reichung der Auszeichnung wird, wie wir hören, vor den
zu einer entſprechenden Feier verſammelten Schülern der
Oberklaſſen des Realgymnaſiums ſtattfinden.
— Sonderzug für die Ausſtellung „Der Menſch”
mit doppelter Ermäßigung. Am Sonntag, den 24.
No=
vember, fährt ein Sonderzug 3. Klaſſe mit Fahrpreis=
und Eintritts=Ermäßigung für jedermann von Gießen
ab 8¼ Uhr vorm. nach Darmſtadt. Fahrpreis 3. Klaſſe
von Gießen und zurück einſchließlich Eintrittsbillett für
die Ausſtellung 4,10 Mk. Andere Stationen entſprechend
weniger.
Rh. Studentiſche Exkurſionen. Vorbehaltlich der
Ge=
nehmigung der Königl. Eiſenbahn=Direktion beabſichtigt
Herr Geh. Baurat Profeſſor Wegele am Samstag, den
23. dieſes Monats, einen Studienausflug nach
Frankfurt am Main zur Beſichtigung des Süd= und
Oſt=
bahnhofneubaus zu unternehmen. — Herr Profeſſor Dr.=
Ing. Köhler unternimmt am Freitag, den 29.
Novem=
ber, ebenfalls eine Exkurſion nach Frankfurt (Main). Der
Vormittag ſoll der Beſichtigung der
Müllverbrennungs=
anlagen in Niederrad gewidmet werden, während am
Nachmittag die Maſchinenfabrik von J. S. Fries Sohn
in Sachſenhauſen beſucht werden ſoll.
* Das Konkursverfahren wurde über die Firma
Ver=
einigte Kunſtdruckereien, G. m. b. H.,
Darm=
ſtadt welche mit einem Geſellſchaftskapital von 250000
Mark arbeitete, eröffnet. Die Firma hatte ſchon ſeit einer
Reihe von Jahren mit größeren Schwierigkeiten zu
kämp=
fen, ſo daß ſelbſt der kleine Aufſchwung ſeit Anfang 1911
und die damals verſuchte Sanierung die Situation nicht
mehr retten konnten. Buchmäßig ſind ausgewieſen:
Grund=
ſtücke und Gebäude 195000 Mark, Maſchinen und
Ein=
richtung 105000 Mark, Beſtände 20000 Mark, Debitoren
zirka 60000 Mark, zuſammen 380000 Mark; gegen
Hypo=
theken 181000 Mark, Kreditoren inkl. Bank 80000 Mark,
zuſammen 261000 Mark, ſo daß bei einer nur
einiger=
maßen normalen Abwicklung die Gläubiger ihre Rechnung
finden werden, während die Geſellſchafter leer ausgehen.
* Der Feſthaus=Verein Darmſtadt fordert ſeine
Mit=
glieder in einem Zirkular zu zahlreichem Beſuch des am
nächſten Samstag ſtattfindenden Burmeſter=
Kon=
zertes auf; eine Bitte, die ſich an ſämtliche Freunde
der Feſthausidee überhaupt richtet. Da die Nachfrage
be=
ſonders nach beſſeren Plätzen eine ſehr rege iſt, empfehlen
wir, ſich Karten bei Heinrich Arnold baldigſt zu ſichern.
Vielfachen Wünſchen entſprechend, wurden auch noch
numerierte Balkonſitze eingerichtet. In dem geſtern bekannt
gegebenen Programm iſt inſofern eine Aenderung
ein=
getreten, als Burmeſter ſtatt der Beethovenſchen Es=dur-
Sonate, Opus 12, Nr. 3, die Sonate in C-moll, Opus 30,
Nr. 2, von Beethoven ſpielen wird.
* Vorträge. Am Freitag, den 29. d. M., wird Herr
Realſchuldirektor Schnell zu Butzbach in einer Reihe
völkiſcher Vereine einen Vortrag über: „Die
deut=
ſchen Sprachinſeln in Europa” halten. Der
Vortragende darf wohl auf eine beſondere Teilnahme
für den gewählten Stoff hoffen, da in der letzten Zeit
immer mehr die Bedeutung der Sprache als Bahnbrecherin
für die wirtſchaftlichen Beziehungen anerkannt wird.
Zu=
dem führen dieſe verſprengten Reſte unſeres Volkstums
heute einen ſchweren Kampf um ihre völkiſche Eigenart.
Der Redner, der ſich ſchon ſeit längerer Zeit mit dieſem
Stoffe beſchäftigt, wird ſeine Ausführungen durch zwei
große, nach ſeinen eigenen Angaben angefertigte
Wand=
karten erläutern. Die Veranſtaltung findet im
Fürſten=
ſaale ſtatt und iſt für jedermann zugänglich. Auch Damen
ſind willkommen. (Siehe auch die beſondere Anzeige in
der heutigen Nummer dieſes Blattes.)
Im Frauenverein der
Johannes=
gemeinde wird am Freitag abend Herr Pfarrer
Rübel aus Frankfurt über die Frage: „Bekümmert
ſich Gott um den Einzelnen?” ſprechen, ein
Thema, das, zumal um dieſe Zeit vor dem Totenfeſt, wo
die Fragen nach den letzten Gedanken der Vorſehung für
den Einzelnen beſonders nahe liegen, beſonderer
Beacht=
ung wert ſein wird. Der Vortrag beginnt pünktlich um
8 Uhr im Gemeindehaus der Johannesgemeinde und iſt
für jedermann zugänglich. (Näheres in den Anzeigen.)
Ueber die Reichsverſicherungsordnung
(Kranken=, Unfall=, Invaliden= und
Hinterbliebenenverſi=
cherung) wird Freitag abend im
Ortsgewerbever=
ein Herr Kreisamtmann Dr. jur. von Koebke einen
Vortrag halten. Der Gewerbeverein will damit den an
der ſozialen Geſetzgebung beteiligten Perſonen,
insbeſon=
dere den Handwerk= und Gewerbetreibenden, die für ſie
erforderliche Kenntnis des neuen Geſetzgebungswerkes
vermitteln und ihnen die Nutzbarmachung der geſetzlichen
Vorſchriften erleichtern helfen. Wer ſich daher mit den
Beſtimmungen des Verſicherungsweſens vertraut machen
will, wer die verſchiedenen Vorteile, die die
Reichsver=
ſicherungsordnung den Verſicherten bietet und die Wege,
die eingeſchlagen werden müſſen, um in den Genuß von
Vorteilen zu gelangen, kennen lernen will, dem iſt hierzu
in dem genannten Vortragsabend beſtens Gelegenheit
ge=
boten. (Siehe Anzeige.)
Auf den Lichtbildervortrag zum Beſten der
Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz „
Darm=
ſtadt” am 23. November, 8 Uhr, im „Konkordiaſaal”,
Wald=
ſtraße 33, über das deutſche Rote Kreuz, ſein Werden,
Wachſen und Wirken, ſowie Rezitationen des Herrn Fredy
Wiener=Darmſtadt ſei nochmals aufmerkſam gemacht.
* Der Hilfsverein für die Baſler Frauenmiſſion in
den Heidenländern ſieht auf einen ſehr erfreulichen
Er=
trag ſeines Miſſionsverkaufes vom 13. Nov. zurück. Es
konnten 1023 Mark Reingewinn nach Baſel abgeliefert
werden. Allen denjenigen, welche mit Gaben, Arbeiten
von Hilfeleiſtungen zu dieſem ſchönen Erfolge beigetragen
haben, ſei der wärmſte Dank ausgeſprochen. Wir bitten,
auch fernerhin die heimiſche Miſſionshilfsarbeit im
Ge=
dächtnis zu behalten.
Der Heſſiſche Landesverein für
Franenſtimm=
recht hält am 24. November im Hotel Heß ſeine
Generalverſammlung ab. (Näheres ſiehe Anzeige.) Zu
der Sitzung um 3 Uhr hat jedermann Zutritt: um
5 Uhr hält Frau Bückſath=Mainz einen öffentlichen
Vortrag über: Was uns Frauen not tut.
— Der erſte Diskuſſions=Abend des Jungliberalen
Vereins findet heute Donnerstag ſtatt. Herr Max
Fleiſcher, Redakteur der Köln. Ztg., ſpricht über: Nationale
Fragen der Gegenwart. Der Redner wird eine Anzahl
innerpolitiſcher Fragen, wie Fleiſchteuerung, Schutzzoll,
Grenzmarkenpolitik, ſowie Heeres=, Marine= und
Luft=
flottenfragen möglichlt eingehend behandeln.
Der Verein für Geflügel= und Vogelzucht „Ornis”
hielt am Montag eine zahlreich beſuchte
Monatsver=
ſammlung ab. Der 1. Vorſitzende, Herr Schömer,
dankte zunächſt allen denjenigen Mitgliedern die zum
Ge=
lingen der Ausſtellung beigetragen hätten. Nach
Be=
kanntgabe der neuen Einläufe fand eine eingehende
Be=
ſprechung der Ausſtellung ſtatt. Mit Genugtuung iſt
feſt=
zuſtellen, daß der Rechner bereits ſämtliche verliehenen
Geldpreiſe im Geſamtbetrage von 396 Mark an die
Empfangsberechtigten ausgezahlt hat. Außer dem
ein=
gegangenen Standgeld wurde noch ein namhafter Betrag
der Vereinskaſſe zu Prämiierungszwecken entnommen.
Ehrenpreiſe erhielten u. a. die Herren Gg. Schulz und
Gg. Biermann für die beſte Leiſtung in Hühnern bezw.
Tauben einer Raſſe. Ueber die am 16. und 17. d. Mts.
in Arheilgen ſtattgefundene allgemeine Ausſtellung
berichtete der 2. Vorſitzende. Erwähnt ſei, daß dort die
ausſtellenden Mitglieder des Vereins 1 Siegerpreis,
16 Ehrenpreiſe, 15 1., 14 2., 24 3., und 26 4. Preiſe
er=
hielten. Dies Ergebnis iſt ein erneuter Beweis von dem
bei den Mitgliedern für die Geflügelzucht vorhandenen
großen Intereſſe. Nach Verloſung von 2 Stämmen
Zwerghühnern und 25 Tauben ſchloß der 1. Vorſitzende
um ½12 Uhr die Verſammlung.
* Der Kavallerie=Verein Darmſtadt feiert Samstag
abend, den 23. November, in ſeinem Vereinslokal,
Mühl=
ſtraße Nr. 5, den Geburtstag Sr. Königl. Hoheit des
Großherzogs. Alle Kameraden, Freunde und Gönner
des Vereins, ſowie die im Herbſt entlaſſenen Kavalleriſten
ſind eingeladen.
Aus der Beſſunger Bücherhalle (
Beſſunger=
ſtraße 48) wurden im Monat Oktober 948 Bücher
ent=
liehen; eingeſchriebene Leſer ſeit 1. April 359. Geſchenke
gingen ein: Von Ungenannt 2 Jahrg. Zeitſchriften.
Dem gütigen Geber herzlichen Dank. Anmeldungen
Feuilleton.
-P- Ernſt Vollbehrs Kolonial=Ausſtellung in München.
Wenn die Münchener nicht ſchon begeiſterte Flotten= und
Kolonialenthuſiaſten wären, ſie wären es jetzt geworden
durch die prächtigen Bilder und Skizzen, die ein in Kiel
geborener, zurzeit in München lebender Künſtler in
unſe=
ren Kolonien direkt vor der Natur gemalt hat und
gegen=
wärtig in den Räumen des alten Margymnaſiums in der
Ludwigſtraße zur Ausſtellung bringt. Gebildete und Volk,
Künſtler, Offiziere, Kaufleute, ganze Scharen von
Ar=
beitern und Schulkindern drängen ſich zu der ſtummen,
aber eindringlichen Lektion in den alten Schulſälen. Der
Staat ſollte dieſe 200 Bilder ankaufen und in allen
Städ=
ten Deutſchlands zur Ausſtellung bringen. Wie ſteht jetzt
beiſpielsweiſe Südweſt leibhaftig vor unſeren Augen,
wenn wir die grandioſe Viſion „Sandſturm auf den
Dia=
mantfeldern bei untergehender Sonne” betrachten, mit
den durch Durſt verendeten Zugochſen im Vordergrund
ind der umgefallenen Burenkarre. Der „Sand” bisher
in leeres Wort, wird zu einer dämoniſchen Macht, die
neben Tier und Menſch unſere Landsleute zu heroiſchem
Kampfe herausfordert. Wie ſchlägt das Herz höher, wenn
wir ſehen, wie dem unheimlichen Sphinxantlitz Afrikas
ſchon ſo vielfache Züge anheimelnden deutſchen Lebens
ingegraben ſind. Blitzblanke Häuſer, ſaubere Straßen,
imponierende Hafenanlagen. Ueberall Bewegung,
Tätig=
keit von Menſch, Tier und Maſchine und das alles in
den friſchen Farben des Lebens. Der Optimismus der
Tat ſpricht aus dieſen Bildern von Windhuk,
Keetmanns=
hoop, Okahandja, Lüderitzbucht. Auch der Widerſtrebende
fühlt ſich von dem neuartigen Rhythmus dieſes Lebens
gepackt, alle grämlichen Bedenken verſchwinden. Luſtig
flattert die deutſche Flagge in der eigentümlich klaren Luft
Afrikas. Die „Reede von Swakopmund in
Morgen=
ſtimmung” rechts mit dem Kriegsſchiff S M. S. „
Pan=
ther” wird zu einer Art Symbol dieſer ganzen Schau.
Die Bilder aus Togo Kamerun, Oſtafrika ſtehen hinter
enen aus Südweſt nicht zurück. Der Künſtler zeigt uns
die ganze Pracht und Glut der Farben tropiſcher Natur,
ihre phantaſtiſch ſchönen Pflanzenformen. Aber immer
wieder verweilt man vor den Bildern, die uns die Spuren
eutſchen Lebens zeigen und betrachtet ſie glaubend,
lie=
bend, hoffend. Auch eine umfangreiche ethnographiſche
Sammlung hat der Maler bei ſeinen Streifzügen
zu=
ſammengebracht: Holzfiguren, Gewänder, Waffen,
Ge=
fäße, Masken, Kopfbedeckungen. Darunter auch ein
Uni=
kum, das bisher in Europa noch unbekannt war, ein „
zu=
ſammenklappbarer Federhut” der Graslandhäuptlinge.
Da dieſe Sehenswürdigkeit fortwährend von Damen
um=
lagert war, will es mich faſt bedünken, wenn ich an das
lebhafte Intereſſe und die lebhaften Debatten denke, als
ob ich da, ohne es zu wiſſen, einem welthiſtoriſchen
Mo=
ment beigewohnt und den premier eri eines neuen
Mo=
denkindleins vernommen hätte, eines chapeau elaque für
Damen.
* Die neueſte Modezigarette für Damen. Die
vor=
nehme Dame aus London W. iſt auf einen neuen
Zigaret=
tengeſchmack gekommen. Zum Deckblatt der Zigarette iſt
nämlich jetzt ein — Roſenblatt, ein wirkliches und
wahrhaftiges Roſenblütenblatt erkoren worden, das noch
dazu, um die Pikanterie zu erhöhen, mit einem leichten
Goldrand umſäumt iſt. Zweifellos eignen ſich
Roſenblatt=
zigaretten für die ſüßen, weichen Lippen einer Schönen
weit beſſer als das doch immerhin etwas rauhere Papier=
Material. Außerdem ſpricht der zarte Farbenton der Roſe
den äſthetiſchen Geiſt der Schönen weit mehr an, als
vielleicht das Weiß, Grau oder Graugelb des Papiers.
Aber wer Epikur nachfolgen will, muß ebenſo wie zum
Kriege Geld, Geld und abermals Geld haben. Hundert
dieſer reizenden, ſüßen, allerliebſten — und welche ſchönen
Epitheta man ſonſt noch dieſen Kunſtwerken beilegen will
— Zigaretten muß die Schöne ungefähr mit 25 Mark
be=
zahlen. Selbſtverſtändlich iſt es, daß die wirklich ſmarte
Dame nur Zigaretten raucht, die ihr Wappen tragen.
* Ein witziger Gaunerſtreich. Hin und wieder geſchieht
es wohl, daß ſelbſt den im amtlichen Verkehr mit
Gau=
nern recht gewitzten Herren vom Gericht von dieſen ein
Schnippchen geſchlagen wird. Von einem ſolchen Fal”
der ſich dieſer Tage in einem Vorort von Kopenhagen
er=
eignete, berichtet die Kieler Zeitung: Im Vorzimmer
eines Amtsrichters erſchien ein Mann mit einem Brief,
den er dem Gerichtsdiener übergab, mit der Bitte, das
außerordentlich wichtige und eilige Schriftſtück dem Herrn
Amtsrichter ſofort zu übergeben. Der Gerichtsdiener
kommt der Aufforderung nach. Der Amtsrichter öffnet den
Brief. Er enthält nur die Worte: „Sollte es wohl gehen?“
Der Artsrichter dreht und wendet das Schreiben, aber
weiter iſt nichts zu entdecken. Er ſchüttelt den Kopf.
Dann ſagt er zu dem Gerichtsdiener: „Rufen Sie doch den
Mann herein!” Als der Gerichtsdiener im Vorzimmer
erſcheint, iſt aber der Mann verſchwunden und mit ihm
auch der koſtbare Pelz des Amtsrichters. An dem Haken,
wo der Pelz gehangen, hing nur ein Zettel mit der
Auf=
ſchrift: „Ja, es ging doch!” Man hat bisher vergeblich
verſucht, den raffinierten Gauner ausfindig zu machen.
* Gepuderte Schulmädchen. Die amerikaniſchen
Lehre=
rinnen führten ſeit einiger Zeit einen ſcharfen Kampf
gegen den übertriebenen Gebrauch — nur gegen den
über=
triebenen —, den die Schulmädchen von
Schönheits=
mitteln, als da ſind Schminke und Puder, und von
Kleidungsſtücken, die ſich dem Ernſt und der Würde der
Schule nur wenig anpaſſen, machen. In Philadelphia
ſcheinen es die jungen Dämchen beſonders arg zu treiben:
dort hat nämlich, wie der Progreſſo italo=americano
be=
richtet, die oberſte Schulbehörde die Lehrerinnen der
öffent=
lichen Schulen ausdrücklich ermächtigt, allen Mädchen, die
ſich geſchminkt und gepudert in der Schule einfinden, in
den Schulräumen das Geſicht zu waſchen. Die
Schulbehörde fordert keinen amtlichen Bericht über die
täglichen Waſchungen; das will heißen, daß ſie den
Lehre=
rinnen vollſtändig freie Hand läßt. Die Lehrerinnen
wie=
der haben erklärt, daß ſie zunächſt mit einfachen
Waſch=
becken auszukommen hoffen; ſollten ſich dieſe
Waſchgelegen=
heiten aber als unzulänglich erweiſen, ſo würde ſpäter
in jeder Schule ein beſonderer Waſchraum eingerichtet
wverden müſſen!
* Der verhängnisvolle Punkt. In der Kritik eines
Berliner Blattes über die Aufführung von Hauptmanns
„Gabriels Flucht” iſt folgendes zu leſen: „Die beſte
Lei=
ſtung bot noch Herr Lützenkirchen als Gabriel, Frau von
Hagen als Hanna. Elias war nicht gerade ſchlecht, aber
ungeeignet für die Tiefen dieſer Rolle.”
* Novität. „Was war denn geſtern im Theater?”
„Gabriel Schillings Flucht.” „Wie finden Sie’s denn?“
„Ich finde, von dem Stück geht eine ſuggeſtive Wirkung
aus. Ich habe gleich mitgeflucht.” „Ach laſſen Sie doch
dieſe Wortſpiele! Der Gabriel Schilling fluchte doch
nicht, ſondern er ergriff die Flucht.” „Na, ich doch auch!”
(Luſtige Blätter.)
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. November
Seite 4.
1912.
Nummer 275.
weiterer Spenden von Büchern und guten Zeitſchriften,
ſowie Beitrittserklärungen zum „Verein für Verbreitung
von Volksbildung” (Mindeſtbeitrag 2 Mk.) werden vom
Vorſtand des Vereins gerne entgegengenommen.
Un=
entgeltliche Bücherausgabe: Dienstag, Donnerstag und
Samstag von abends 7½ bis 9 Uhr. Dort auch
Bücher=
verzeichniſſe zu 20 Pfg.
Abreßbuch. Der Druckbogen Nr. 20 des
Adreß=
buches für 1913, enthaltend Hausregiſter —
Arheilger=
ſtraße bis Bleichſtraße Nr. 54 — liegt im
Hauptmelde=
bureau, Hügelſtraße 31/33, Zimmer Nr. 13, während der
Bureauſtunden (8—12 Uhr vormittags und 2—6 Uhr
nachmittags) bis zum 23. November vormittags zur
Einſichtnahme offen.
— Im Konzertſaale Perkeo finden am Sonntag,
den 24. November, zwei große Humoriſtiſche
Gaſt=
ſpiel=Konzerte ſtatt, worauf wir hiermit hinweiſen.
(Siehe Anzeige.)
§ Zuſammenſtoß. Am Dienstag nachmittag gegen
6 Uhr iſt in der Liebigſtraße ein Motorwagen der
elektriſchen Straßenbahn auf eine vor dem Hauſe
Liebigſtraße Nr. 13½ ſtehende mit zwei Pferden
be=
fpannt geweſene Rolle eines Güterbeſtätters geſtoßen.
Das Handpferd erlitt hierbei ſtarke Verletzungen im
Rücken. Die Rolle und der Motorwagen wurden leicht
beſchädigt. Perſonen ſind nicht verletzt worden.
— Arheilgen, 20. Nov. Der hieſige
Volksbildungs=
verein veranſtaltete einen Lichtbildervortrag über
„Die Volkskrankheit Tuberkuloſe und ihre Bekämpfung”
Der Redner, Herr De. Sell von der Lungenheilanſtalt
Winterkaſten, konnte vor einem dichtbeſetzten Hauſe
ſpre=
chen. In meiſterhafter Weiſe verſtand er es, Urſache und
Weſen der Tuberkuloſe den Anweſenden klar und deutlich
zu beleuchten. — Die nächſte Veranſtaltung des
Volks=
bildungsvereins iſt für den 15. Dezember in Ausſicht
ge=
nommen. Es ſoll ein Wagnerabend ſein. Der
Mei=
ſter der Muſik, Richard Wagner, ſoll immer mehr der
Lieb=
ling des Volkes werden. Herr Hauptlehrer Haſſenzahl
wird zunächſt in einem Vortrage Richard Wagners Leben
und Wirken behandeln. Hierauf werden eine größere Zahl
muſikaliſcher und geſanglicher Darbietungen aus den
Hauptopern Wagners folgen. Tüchtige Kräfte haben ſich
hierzu zur Verfügung geſtellt.
Lampertheim, 20. Nov. Auf Veranlaſſung der
Staats=
anwaltſchaft zu Mannheim wurden der Geflügelſchlächter
Andreas Moos und der Händler Friedrich Köcher,
beide hier wohnhaft, in das Unterſuchungsgefängnis nach
Mannheim übergeführt, nachdem ſie geſtern abend einem
Verhör durch einen Kriminalbeamten aus Mannheim
unterzogen und in das Haftlokal hier eingeliefert worden
waren. Die beiden Genannten werden beſchuldigt, in
der Nacht auf Samstag vergangener Woche aus dem
ge=
meinſchaftlichen Hühnerpark in Waldhof Hühner und
Kaninchen im Werte von etwa 200 Mark geſtohlen
und im Wald in der Nähe von Waldhof abgeſchlachtet zu
haben. Die Verhafteten leugnen bis jetzt, die Tat
be=
gangen zu haben; es ſoll ihnen indeſſen bis jetzt noch nicht
gelungen ſein, ihr Alibi für die fragliche Nacht
nachzu=
weiſen. Die bei ihnen vorgenommenen Hausſuchungen
waren ergebnislos.
Guſtavsburg, 20. Nov. Hier wurde geſtern bei
zahlreicher Beteiligung eine gemeinnützige
Bau=
genoſſenſchaft gegründet. Es traten ihr
Ange=
hörige aller Schichten der Bevölkerung bei. Die
Brücken=
bauanſtalt hat ihre Unterſtützung des Unternehmens
zuge=
ſagt, ſie hat eine namhafte Summe an Geſchäftsanteilen
gezeichnet und wird auch gutbelegene Grundſtücke zu
mä=
ßigen Preiſen zur Verfügung ſtellen. Man hofft auch,
die Gemeinde für die Förderung der Sache zu gewinnen,
um ſo mehr, als am Orte Wohnungsmangel herrſcht. Die
Anregung zur Gründung der Genoſſenſchaft hat Herr
Pfarrer Haus gegeben, der auch die umfangreichen und
ſchwierigen Vorverhandlungen leitete. Das erforderliche
Material wurde von dem heſſiſchen Zentralverein für
Er=
richtung billiger Wohnungen in Darmſtadt bereitgeſtellt.
Vorſitzender des Aufſichtsrats iſt Herr Baurat Hering,
Vorſitzender des Vorſtandes Herr Bautechniker Volz.
Mainz, 20. Nov Zu dem Projekt der Rheinbrücke
Rüdesheim=Bingen macht das M. Tagbll.
fol=
gende Ausführung: In Rüdesheim macht man ſcharf
gegen die oberhalb Rüdesheim geplante Rheinbrücke
Front und die geſtrige Stadtverordnetenſitzung hatte ſich
ſogar mit der Bewilligung von Mitteln zur Abänderung
des Planes einer Brücke bei Rüdesheim zu befaſſen. Als
bekannt wurde, daß die Brücke wegen des ſchlechten
Unter=
grundes nicht, wie das urſprünglich geplant war, bei
Geiſenheim, ſondern oberhalb Rüdesheim gebaut
wer=
den ſollte, wurde von der Stadtverordnetenſitzung eine
Kommiſſion gewählt, die mit den maßgebenden
Behör=
den verhandeln und alle Schritte tun ſolle, die geeignet
erſchienen, dieſen, nicht nur die weſentlichſten Intereſſen
der Stadt ſchädigenden, ſondern auch die Schönheit des
Landſchaftsbildes beeinträchtigenden Plan zu vereiteln.
Juſtizrat von der Heyde erſtattete in der
Stadtverord=
netenſitzung Bericht über die bisherige Tätigkeit der
Kommiſſion, die u. a. auch mit dem Verkehrsminiſter von
Breitenbach und dem Miniſter der öffentlichen Arbeiten
verhandelt habe. Auf den Vorſchlag der Kommiſſion, die
Brücke entweder oberhalb des Binger Lochs neben dem
Mäuſeturm auszuführen, wo ſie ſich zweifellos bedeutend
beſſer dem Landſchaftsbild anpaſſen könne, oder direkt
durch den Rochusberg von Bingen aus in gerader Linie
die Brücke zu erbauen bezw. als Fortſetzung der Brücke
den Rochusberg mit einem Tunnel zu durchbohren, ſei
die Antwort erteilt worden, daß bei einer derartigen
Ueberbrückung des Rheinſtroms verſchiedene Kehrtunnels
vorgeſehen werden müßten. Da die Brücke aber
anderer=
ſeits nur ſtrategiſchen Zwecken dienen ſolle und aus
ſtrategiſchen Gründen bei dem Bahnbau jegliche Tunnels
wegen der Sprengungsmöglichkeiten vermieden werden
müßten, die Untertunnelung des ſogenannten
Rüdes=
heimer „Bergs” ſich zudem als ſehr koſtſpielig erweiſen
würde, müßte die Eiſenbahnverwaltung von der
Aus=
führung von Plänen, die nahezu undurchführbar wären,
abſehen. Um nun der Erklärung, daß die von
Rüdes=
heim aus vorgeſchlagenen Projekte techniſch
undurchführ=
bar ſeien, wirkſam zu begegnen, habe die Kommiſſion
den Beſchluß gefaßt, ein Gutachten zu erwirken, das die
Durchführbarkeit der Rüdesheimer Vorſchläge beweiſe.
Der vom Verkehrsminiſter jetzt ausgearbeitete Plan
be=
deute für Rüdesheim die Untergrabung wichtiger
Inter=
eſſen, er zerſtöre den ſorgfältig ausgearbeiteten
Be=
bauungsplan der Stadt und verſchandele Rüdesheim
vollſtändig. In der ſich anſchließenden Ausſprache waren
alle Redner darin einia, daß die geplante Linienführung
für Rüdesheim große Nachteile bringe und für die Stadt
und geſamte Umgebung eine Verſchandelung im ärgſten
Sinne bedeute. Andererſeits erkannten ſie die techniſchen
Schwierigkeiten an, nicht aber tachniſche Unmöglichkeiten.
Ihrer Meinung nach wäre der ietzige Plan der Ausfluß
eines falſchen Sparſyſtems. Schließlich wurde
einſtim=
mig beſchloſſen, die Kommiſſion zu beauftragen, mit ihrer
Arbeit an der Aufhebung des geplanten Projektes
fort=
zufahren. Für die entſtehenden Koſten wurden vorläufig
tauſend Mark bewilligt.
Gimbsheim, 19. Nov. Verunglückt iſt geſtern
nach=
mittag der Dreſchmaſchinenbeſitzer Wetzel hier. Er
wollte in ſeiner Scheune Stroh holen, trat auf dem
Ge=
bälk fehl und ſtürzte aus der beträchtlichen Höhe auf die
Tenne herab. Er erlitt mehrere Rippenbrüchſe
und einen Schulterknochenbruch.
Nierſtein, 19. Nov. Die Gemeinde Nierſtein hat ſich
bereit erklärt, den dem Großherzogtum=Landeseigentum
gehörigen und in der Gemarkung Nierſtein befindlichen
Wartturm als Ausſichtspunkt auszubauen,
wenn er ihr unentgeltlich in Eigentum überlaſſen wird.
Da hierdurch das allgemeine öffentliche Intereſſe an dem
Turm gewahrt bleibt und der Staat von der
Unterhal=
tungspflicht des Turmes entbunden wird, dürfte dieſem
Anerbieten durch die Landſtände ſtattgegeben werden.
Marienborn, 20. Nov Bei den in den Gemarkungen
Marienborn und Klein=Winternheim abgehaltenen
Treib=
jagden wurde der Treiber Reichert von hier durch
den unglücklichen Schuß eines Jägers mit voller
Ladung getroffen und ſo ſchwer verletzt, daß er
ſofort nach dem Rochushoſpital zu Mainz verbracht
wer=
den mußte.
Zotzenheim, 20. Nov. Geſtern abend 11 Uhr wurde
die Privatin Katharine Foos in ihrer Wohnung tot
aufgefunden. Die Leiche lag auf dem Rücken und
hatte eine größere Wunde am Kopfe aufzuweiſen. Mit
Rückſicht darauf ſchließt man, daß entweder infolge
plötz=
lichen Unwohlſeins die Foos ſtürzte und ſich dadurch die
tödliche Verletzung zuzog, oder eine Verbrecherhand dabei
mitſpielte. Das Gericht Wöllſtein ſtellte den
Tat=
beſtand feſt.
Nieder=Saulheim, 19. Nov. Der vor kurzem
neu=
gewählte Bürgermeiſter Jean Oehler II. hat
wegen ſchwerer Krankheitsfälle in ſeiner Familie ſein
Amt niedergelegt. Man bedauert din Entſchluß
in hieſiger Gemeinde ſehr, da Herr Oehler die beſten
Eigenſchaften beſitzt, die Geſchäfte einer ſo großen
Ge=
meinde zu leiten. Die Neuwahl findet am Mittwoch, 27.
November, ſtatt.
Gießen, 20. Nov. Der Großh.
Verwaltungs=
gerichtshof hat in ſeiner letzten Sitzung in letzter
In=
ſtanz über das Geſuch des Kath. Kirchenvorſtandes zu
Gießen um Verleihung der
Wirtſchaftskon=
zeſſion für das kath. Vereinshaus zu Gießen
entſchieden. Die Entſcheidung hat eine intereſſante
Vor=
geſchichte. Das Konzeſſionsgeſuch war, wie wir dem
G. A. entnehmen, von der Stadtverordneten=
Verſamm=
lung zu Gießen nicht befürwortet worden. Sowohl die
Bedürfnisfrage wurde verneint, als auch die Verleihung
der Konzeſſion an die katholiſche Kirchengemeinde als an
eine juriſtiſche Perſon für unzuläſſig erklärt. Die Anſicht,
daß die Konzeſſionierung einer juriſtiſchen Perſon
un=
möglich ſei, kam auch in einem der „Eingeſandts” die im
Anſchluß an die fragliche Sitzung der Stadtverordneten=
Verſammlung im Gießener Anzeiger erſchienen, zum
Ausdruck. Der Provinzialausſchuß der Provinz
Ober=
heſſen zu Gießen, dem die Entſcheidung über das Geſuch
um Verleihung der Konzeſſion zuſtand, hatte in ſeinem
Urteil die Bedürfnisfrage bejaht und die Konzeſſion
er=
teilt. Die beantragte Konzeſſionierung der
Kirchen=
gemeinde als ſolcher erfolgte auch hier nicht, ſondern es
wurde dem Eventualantrag, einem Mitglied des
Kirchen=
vorſtandes die Wirtſchaftskonzeſſion zu erteilen,
ſtatt=
gegeben. Gegen dieſes Erkenntnis des
Provinzialaus=
ſchuſſes hat der Vertreter des Kirchenvorſtandes
Beruf=
ung an den Verwaltungsgerichtshof zu Darmſtadt
ver=
folgt, worauf das Urteil aufgehoben und in Stattgebung
der Berufung — der Kirchengemeinde zu Gießen als
ſol=
cher, vertreten durch den Kirchenvorſtand die
Konzeſ=
ſion erteilt wurde. Dieſer Entſcheidung kommt
eine über den vorliegenden Fall hinausgehende
prinzi=
pielle Bedeutung zu. In Heſſen war die
Konzeſſionier=
ung eines rechtsfähigen Vereins, einer Gemeinde oder
überhaupt einer juriſtiſchen Perſon von dem Großh.
Mi=
niſterium, dem ſeither die Entſcheidung in letzter
In=
ſtanz zuſtand, bislang abgelehnt worden. In allen
an=
deren Bundesſtaaten hat man dagegen ſchon ſeit lange
ſei es in ſtändiger Rechtſprechung, ſei es in Aenderung
des früheren Standpunktes (Bayern, Preußen), die Frage
der Konzeſſionierung der juriſtiſchen Perſon bejaht. Der
Heſſiſche Verwaltungsgerichtshof hat durch das oben
an=
geführte Erkenntnis in dem erſten ihm zur Entſcheidung
vorgelegten Falle ſich der von den anderen Bundesſtaaten
vertretenen Auffaſſung in dieſer Frage angeſchloſſen. Das
Erkenntnis des höchſten Verwaltungsgerichts wird
natur=
gemäß in Zukunft auch von den heſſiſchen
Verwaltungs=
gerichten überhaupt bei ihren Entſcheidungen zugrunde
gelegt werden, ſo daß alſo künftig auch in Heſſen die
Wirtſchaftskonzeſſion einer juriſtiſchen Perſon allgemein
erteilt werden wird. Die Entſcheidung des
Verwalt=
ungsgerichtshofs iſt nicht bloß von prinzipieller, ſondern
auch praktiſcher Bedeutung, da hierdurch die
Stempel=
frage weſentlich berührt wird.
(*) Gießen, 20. Nov. Der heſſiſche
Gauver=
band gegen den Alkoholismus blickt bereits auf
mehrere wohlgelungene Veranſtaltungen zurück. Der
Volksabend in der Aula brachte ein vollbeſetztes
Haus und war ein großer Erfolg. Dr. Strecker=Bad=
Nauheim hielt einen Vortrag: „Deutſchland am
Wende=
punkt‟. Er ſchilderte den Alkohol als einen großen
Volks=
feind, der die Volkskraft ſchwer ſchädigt. Die Ausführ
ungen wurden durch Lichtbilder veranſchaulicht.
Muſika=
liſche und rezitatoriſche Darbietungen wechſelten
mit=
einander ab. Auch eine Sitzung der Junglehrer und
Turnlehrer fand unter Leitung des Lehrers Deggau=
Ober=Breidenbach ſtatt. Im großen Hörſaal der
Uni=
verſität hielt Kapitänleutnant Paaſche=Hamburg einen
Vortrag über „Die Pflicht des deutſchen Studenten gegen
das Volk‟ Der Vortrag war beſonders von
Studieren=
den der Univerſität gut beſucht.
(*) Butzbach, 20. Nov. Die Frage der Sanierung
der Butzbach-Licher Eiſenbahn beſchäftigte
geſtern eine Sitzung der Bürgermeiſter aus den
beteilig=
ten Gemeinden. Infolge des fortgeſetzten Defizits will
die Bahngeſellſchaft die Obligationen der Gemeinden
nicht mehr wie bisher mit 3¼ Prozent verzinſen, ſondern
nur noch mit 2 Prozent. Manche Gemeinden, die bis zu
200000 Mark Obligationen haben, werden davon ſchwer
betroffen. Die Vertreter der Gemeinden erklärten ſich
unter der Bedingung einverſtanden, daß ihr Guthaben
hypothekariſch feſtgelegt wird. Stadtrat Dr. Vogt=
Butz=
bach wurde beauftragt, noch einmal perſönlich in Berlin
mit der Firma Lenz u. Co. zu verhandeln.
(*) Großen=Linden, 19. Nov. Ein
oberheſſi=
ſches Bauernfeſt ſoll im Juni 1913 hier abgehalten
werden, damit wird der hieſige Bauernverein ſeine
Fahnenweihe verbinden.
Steinfurth, 20. Nov. Wiederum iſt hier durch die
Nauheimer Gendarmerie ein Diebeslager
ausge=
hoben worden. Die Witwe Walter, eine unbeſcholtene
Frau, hatte einen Mitbewohner ihres Hauſes wegen
rück=
ſtändiger Miete und Alimentation verklagt. Aus Rache
darüber erſtattete der Beklagte Anzeige bei der
Gendar=
merie, daß die Frau ein großes Lager aller möglichen
Gegenſtände beſitze, die ſie nicht auf rechtmäßigem Wege
erworben haben könne. Die Gendarmerie nahm
Haus=
ſuchung vor und fand tatſächlich ein ganzes
Weißzeug=
lager, Tiſch=, Tafeldecken, Servietten, Kiſten Zigarren
uſw., die in einem Wagen nach Nauheim befördert
wur=
den. Die Frau gibt an, die Sachen ſeien ihr geſchenkt.
worden. Ob das Gericht ihr das glaubt und ob
ſie den Nachweis darüber erbringen kann, iſt ſehr
fraglich. (Gieß. Anz.)
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 19. Nov. Die Akademie
des Bauweſens hat die Begutachtung der ihr durch den
Miniſter der öffentlichen Arbeiten zugesrrigten
Entwurfs=
ſkizzen zum Neubau des Königlichen
Opern=
hauſes in Berlin abgeſchloſſen und von 68
eingegan=
genen Arbeiten 5 als in erſter Linie beachtenswert
be=
zeichnet. Es ſind dies in alphabetiſcher Reihenfolge die
Entwurfsſtizzen der Herren Martin Dülfer in Dresden,
Jürgenſen und Bachmann in Charlottenburg, Otto March
in Charlottenburg, Karl Moritz in Köln und Richard
Seel in Berlin. — Der Zuſammenbruch des
Ra=
battſparvereins Nordend, bei dem ungezählte
kleine Leute ihre ſauer erſparten Groſchen verloren, hat
nach eingehender Prüfung zur Verhaftung der
Vorſitzen=
den, der Kaufleute Albert Metcke und Albert Heiſe,
ge=
führt, während auf den dritten, Max Stiebitz, gefahndet
wird. Sie ſtehen im Verdacht, durch Täuſchungen den
wahren Stand der Dinge ſeinerzeit verſchleiert zu haben.
— Die ſiebentägige Verſteigerung des Nachlaſſes
von Johann Orth erreichte geſtern abend ihr Ende,
Der Erlös beläuft ſich auf etwa 640000 Mark. — Unter
den „zugempfindlichen Reiſenden” hat die Abſicht der
Staatsbahnverwaltung, in jedem Wagen der Stadt=,
Ring= und Vorortzüge „zugfreie” Abteile zu
ſchaffen, große Anerkennung gefunden. Die Einrichtung
iſt ſchon vor zwei Wochen in die Wege geleitet worden,
doch ſteht die Lieferung der Schilder, die an den neuen
„Schutzabteilen” angebracht werden ſollen, noch aus. Da
es ſich um etwa 15000 Schilder handelt, ſo dürften noch
einige Wochen vergehen, bis die Stadt= und Vorortzüge
damit ausgerüſtet ſind.
Koblenz, 19. Nov. Der Fuhrmann Peter Dreſer aus
Mayen erſchoß nach voraufgegangenen Streitigkeiten
auf offener Straße ſeinen Schwager mit einem
Jagd=
gewehr. Der Mörder iſt entflohen.
Köln, 20. Nov. Heute nacht 1 Uhr brach im
Modell=
ſchuppen der Maſchinenbauanſtalt Humboldt in Kalſ
Feuer aus, das alsbald einen gewaltigen Umfang
an=
nahm. Außer der Deutzer Wehr war auch der Hauptteil
der Kölner Wehr mit Löſchen beſchäftigt, doch gelang es
erſt gegen 5 Uhr 15 Min., den Brand zu überwältigen. Ein)
Viertel des Modellſchuppens, der etwa einen Komplex
von 4000 Quadratmeter bedeckt, iſt dem Brande zum
Opfer gefallen. Der Schaden wird auf 300—400000 Mk
geſchätzt.
Leipzig, 19. Nov. Hier iſt eine Geſellſchaft m. b. H
zur Erwerbung des Leipziger Tageblattes
gegründet worden, die das Blatt vom 1. Januar 1913
von dem Verlage Fiſcher u. Kürſten übernimmt. An derf
Geſellſchaft ſind Herren aus den Kreiſen der
national=
liberalen Partei und der ſächſiſchen Induſtrie= und
Han=
delswelt namhaft beteiligt.
Rochefort, 19. Nov. Heute abend kam es im hieſigen
Gefängnis zu einer ſchweren Meuterei der
Ge=
fangenen. Die Meuterer töteten einen Oberwächterg
durch Revolverſchüſſe und ſchnitten ſeiner Frau mit einem,
Raſiermeſſer den Kopf ab. Ein Offizier wurde ſchwer
und ein Matroſe tödlich verwundet. Die Gefangenen
haben ſich verbarrikadiert. Behörden und Truppen haben
ſich an die Stätte des Verbrechens begeben.
Eine ſpätere Meldung beſagt: Die Meuterei im
hieſigen Gefängnis hat außer den bereits gemeldeten
noch weitere Opfer gefordert. Es wurden noch ein
Wäch=
ter und zwei Gefangene erſchoſſen, ein Offizier und zwei
Unteroffiziere ſchwer verwundet.
Nantes, 19. Nov. Geſtern ereignete ſich hier ein
eigenartiger Automobilunfall. Ein junger
Mann fuhr mit ſeinem Automobil in der Dunkelheit
gegen eine Barriere der Eiſenbahnlinie, als gerade der
Schnellzug der Bretagne heranbrauſte. Das Automobil
wurde vollſtändig zertrümmert, der junge Mann
klam=
merte ſich an der Lokomotive feſt und iſt ohne erhebliche
Verletzungen davongekommen.
Koslow, 19. Nov. Aus unaufgeklärter Urſache iſt
heute in einer Kühlhalle Feuer ausgebrochen. In
dem Brand ſind mehrere Perſonen umgekommen.
Eier und Geflügel im Werte von vier Millionen Rubel
ſind verbrannt.
New=York, 20. Nov. Von einer blutigen
Revolver=
ſchießerei zwiſchen Poliziſten und einem
Die=
bespaar wird berichtet: Drei Geheimpoliziſten hatten
einen Mann und eine Frau aufgeſpürt, die verdächtig
waren, in den letzten Wochen eine Privatwohnung im
Weſten der Stadt ausgeraubt und dabei Juwelen in dem
Werte von 200000 Mk. erbeutet zu haben. Die Detektivs
folgten dem Paar unbemerkt in das Hotel. Als nach
einiger Zeit die drei Poliziſten in Begleitung des Wirts
und eines Kellners in das Zimmer eindrangen, wurden
ſie von dem Diebespaar mit einem wahren Kugelregen
empfangen und ſchwer verletzt. Die Geheimpoliziſten
konnten noch, als ſie ſchon am Boden lagen, den Revolver
ziehen und auf das Diebespaar feuern. Beide wurden
getötet, die Geheimpoliziſten und der Kellner wurden
verletzt.
New=York. 20. Nov. In dem Prozeß gegen die
Mörder des Spielhöllenbeſitzers Roſenthal hat die
Jury nach einſtündiger Beratung die vier Angeklagten
des Mordes im erſten Grade für ſchuldig befunden.
New=York, 20. Nov. Geſtern früh wurde in der=
Stadt Mexiko ein ſtarkes Erdbeben verſpürt,
das um 7 Uhr 17 Min. begann und 55 Sekunden dauerte.
Es entſtand allenthalben großer Gebäudeſchaden,
Waſſer=
rohrbrüche uſw. Das Pflaſter in der ganzen Stadt wurde
beſchädiat.
Chicago, 19. Nov. Zwei Räuber haben geſtern
um Mitternacht die Reiſenden des Schnellzuges der
Chicago=Milwaukee and Saint Paul=Eiſenbahn im
Süden Jowas ausgeplündert. Die Räuber
ent=
kamen, fünf Verdächtige wurden verhaftet.
Milwaukee, 19. Nov. Eine Kommiſſion von fünf
Sachverſtändigen, die Schrank, der das
Attentat=
auf Rooſevelt verübte, auf ſeinen Geiſteszuſtand
unterſuchte, erklärte Schrank für geiſteskrank.
wird wahrſcheinlich morgen vor Gericht geſtellt und dan
einem Krankenhauſe überwieſen werden,
Nummer 275.
Darmſtädter Tagblatt, Donuerstag, den 21. November 1912.
Seite 5.
Mooſe Jan (Aſſinboja), 19. Nov. Ein nach Oſten
gehender Expreßzug der Kanada=Pazifik=Bahn ſtieß
bei Cule Lake mit einem Güterzug zuſammen. 18
Perſonen ſollen get ötet ſein.
Kingston (Jamaika), 19. Nov. Ein Orkan
zer=
ſtörte 60 Prozent der Bananenernte. Der
Material=
ſchaden iſt beträchtlich. Der Dampfer „Sigismund” der
Hamburg=Amerika=Linie meldet, daß der Orkan ſo ſtark
geweſen ſei, daß ſeine Rettungsboote weggeriſſen wurden.
Atlanta (Georgia), 19. Nov. Ein
Eiſenbahn=
zuſammenſtoß, bei dem eine Anzahl Perſonen
ge=
tötet wurden, ereignete ſich auf der Seaboard=
Eiſenbahn=
linie dicht an der Grenze von Virginia und
Nordkaro=
lina. Die Telegraphenverbindung iſt unterbrochen. Ein
Hilfszug mit Aerzten wurde zur Unfallſtelle geſchickt.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
uehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.)
* Richard Wagner=Verein. Ueber die franzöſiſche
Geigerin Frau René Chemet die ſich dem
Darm=
ſtädter Publikum heute zum erſten Male vorſtellen wird,
leſen wir in Berliner Blättern: „Frau Chemet iſt eines
der beachtenswerteſten Talente unter den heutigen
Geige=
rinnen. Beſonders in virtuoſen Aufgaben überraſcht ſie
durch Eleganz und durch auffallende Energie des
Aus=
drucks. Die Art, in der die Dame ſo manche Stelle mit
ſcheinbar ſouveräner Verachtung der Schwierigkeiten
und ſtets mit Glück bringt, hat etwas Uebermütiges und
Kerngeſundes. Ein Geigentalent erſten Ranges!” (
Voſ=
ſiſche Zeitung.) „Frau Chemet verbindet eine weit
ent=
wickelte Technik mit einem überraſchend großen und doch
immer angenehmen weichen Ton; dazu ſind ihre Vorträge
klug durchdacht und von warm beſeeltem Temperament
ge=
tragen Auch das Auge konnte ſich erfreuen, denn Frau
Ch. führte den Bogen mit beſonderer Eleganz.” (
Kreuz=
zeitung.) „Eine ausgezeichnete Spielerin iſt die Pariſerin
René Chemet. Sie gibt nicht nur die Noten, die ihr der
Komponiſt vorgeſchrieben, in ſchlackenloſer Sauberkeit in
muſtergültiger Präziſion wieder, ſondern weiß den Tönen
auch eigene, perſönliche Ausdruckskraft zu verleihen, weiß
ihnen Puls, Atem und Leben zu geben. So ſtellte ſich
raſch ein Kontakt mit dem Publikum her, das ſie
tempe=
ramentvoll im Bann hält.” (Allgemeine Muſikzeitung.) —
Uebrigens hat Frau Chemet ihr urſprüngliches Programm
in letzter Stunde geändert, ſodaß zwiſchen ihr und der für
das Konzert angekündigten Begleiterin, Fräulein Marie
Schwan von hier, keine Verſtändigung mehr möglich war.
Frl. Schwan hat deshalb auf die Mitwirkung verzichtet
und Frau Chemet wird daher ihren ſtändigen
Akkompag=
neur, Herrn Muſikdirektor Stahl aus Mannheim,
mit=
bringen.
Kongreſſe und Verbandstage.
— Unter überaus ſtarker Beteiligung ſeitens der
Feſt=
gemeinde fand, wie uns verſpätet mitgeteilt wird, am
letzten Sonntag in Offenbach a. M. das 1.
Jahres=
feſt des Heſſiſchen Landesverbandes des
Allgemeinen Evangeliſch=proteſtantiſchen
Miſſionsvereins ſtatt; auch von auswärts war
trotz der ungünſtigen Zeit eine größere Anzahl Mitglieder
erſchienen. Es ſollte der Tag zugleich auch das
Miſſions=
feſt des evangeliſchen Dekanats Offenbach darſtellen. Im
Morgengottesdienſt in dem die Mitwirkung des
tüchtigen, gut geſchulten Kirchengeſangvereins (Pſalm 118
von Reinthaler und Pſalm 100 von F. Mendelsſohn),
ſo=
wie ein Wechſelgeſang zwiſchen der Chorſchule mit ihren
lieblichen, hellen Stimmen und der Gemeinde beſonders
beſonders angenehm und erfreulich waren, predigte Pfr.
Becker aus Neunkirchen bei Trier in feinſinniger Weiſe
über Matth. 5, 5: „Selig ſind die Sanftmütigen, denn ſie
werden das Erdreich beſitzen” Im Anſchluß an den
Feſt=
gottesdienſt fand ein Kindergottesdienſt in der
Schloßkirche ſtatt, in dem Frau Johanna Zipfer=
Kirchardt in Baden prächtig den über 1000 Kindern
Selbſterfahrenes vom Oſten erzählte, während in einer
Jugendverſammlung für Konfirmanden und für
Schüler höherer Lehranſtalten im Evangeliſchen
Vereins=
haus Miſſionsinſpektor Lic. Witte vom Leben der
Ja=
paner im Hauſe und in der Oeffentlichkeit anſchaulich und
begeiſternd berichtete.
Hatten hier wieder die Chorſsule und das Wartburg=
Streichorcheſter treu mitgearbeitet, ſo ſtellte ſich nach der um
halb 3 Uhr ſtattgefundenen Vorſtands= und
Vertrauens=
männerſitzung in der auf halb 4 Uhr berufenen
öffent=
lichen Hauptverſammlung der Gemiſchte Chor des
Evangeliſchen Männervereins in den Dienſt der Sache.
Hier begrüßte Pfr. Lehn=Offenbach als Vorſitzender des
Landesverbandes die erſchienenen Feſtgäſte, insbeſondere
auch den Superintendenten der Provinz, Prälat D. Dr.
Flöring, und ſchilderte kurz Aufgabe und Methode des
Miſſions=Vereins. Nach einer Begrüßung durch Prälat
D. Dr. Flöring, der die Arbeit des Vereins neben
anderen Miſſionen willkommen hieß, und durch Pfr.
Ditt=
mar namens der evangeliſchen Gemeinde, die gern auch
am Allgemeinen Evangeliſch=proteſtantiſchen
Miſſionsver=
ein mitarbeitet, und einem kurzen Jahresbericht von Pfr.
Hanack, der eine ganz erfreuliche Entwickelung des
Heſſiſchen Landesverbandes feſtſtellte, ſowie der
Rech=
nungsablage ſeitens des Fabrikanten Stöhr=Offenbach
als Rechner, ſprach Miſſionsinſpektor Lic. Witte über
das Thema: „Was fordert die jetzige Entſcheidungszeit
in China von uns Deutſchen?‟ Der Zerfall Chinas datiert
nach ihm hauptſächlich von der Zeit her, da die Europäer
ſich den Zugang zum Reich der Mitte erzwangen. Neben
vielfacher Armut des Volkes hat ihn dann das Eindringen
des amerikaniſchen Chriſtentums mit ſeiner
republikani=
ſchen Politik beſchleunigt. Die chineſiſche Welt, die auf
Konfuzius, dem jetzt verbotenen monarchiſtiſchen
Reli=
gionsſtifter aufgebaut war, erlebte eine gänzliche
Um=
wälzung. Was ſie wieder aufbauen kann, iſt ein ernſtes,
klares Chriſtentum. Indem wir Deutſchen ihnen das zu
bringen ſuchen, dienen wir zugleich religiös, wirtſchaftlich
und politiſch unſerem Vaterlande. Deutſchlands Handel
nach China iſt außerordentlich zurückgeblieben, ſelbſt z. B.
hinter Belgien, weil man uns, unſere Sprache und Kultur
nicht kennt. Man wird ſie aber kennen lernen, wenn wir
unſere Miſſionen ſo ausgeſtalten können, wie es die
Amerikaner, die Engländer tun. Um unſeres Glaubens,
um unſeres wirtſchaftlichen Lebens willen, um für unſer
Volk Arbeit und Verdienſt zu erwirken, treiben wir
Miſſion.
Mit herzlichem Dank an alle Mitwirkenden,
insbeſon=
dere auch an die Offenbacher Zeitung, deren Verleger
durch außerordentliches Entgegenkommen viel zum
Ge=
lingen des Feſtes beigetragen, ſeitens Pfr. Lehn und
einem Schlußlied der Verſammlung ſchloß das
ſegens=
reiche Feſt, das der Arbeit des Miſſionsvereins neue
Freunde erwarb.
Luftfahrt.
Die Fahrt der „Hanſa” nach Potsdam.
* Am Dienstag vormittag hat das Zeppelin=
Luft=
ſchiff „Hanſa” von Gotha aus die Fahrt nach dem
Potsdamer Luftſchiffhafen angetreten, wo ſie bekanntlich
Winterquartier beziehen ſoll. Das Paſſagierluſtſchiff
er=
ſchien kurz vor 12 Uhr, von Gotha kommend, über der
Stadt Potsdam, zog mehrere Kreiſe über der Stadt
und fuhr dann in der Richtung auf Berlin wieder
davon. Hier wurde das Luftſchiff kurz vor ½1 Uhr
ge=
ſichtet. Vom Brandenburger Tor her kommend, überflog
das Zeppelin=Luftſchiff die Linden, umkreiſte das Schloß
und beſchrieb über Berlin mehrere Schleifen. Trotz des
Nebels, der über dem Häuſermeer lag, war der Lenkballon,
der in etwa 250 Meter Höhe ſchwebte, in allen
Einzel=
heiten deutlich zu erkennen. Die „Hanſa” unterſcheidet ſich
in ihrem Aeußeren weſentlich von dem
Reichsmarineluft=
ſchiff, namentlich an der langgeſtreckten, mit großen
Fenſtern verſehenen Paſſagierkabine iſt der Kreuzer von
dem Militärluftſchiff deutlich zu unterſcheiden. Nach
längerem Kreuzen über der Reichshauptſtadt landete die
„Hanſa” um ¾1 Uhr in Potsdam. — Die Fahrt ſelbſt, die
Oberingenieur Dörr leitete und an der zehn
Paſſagiere teilnahmen, war nicht ungefährlich, da das
überaus nebelige Wetter die Orientierung ungemein
er=
ſchwerte. Trotzdem hat die „Hanſa” mit der faſt
ſelbſt=
verſtändlichen Sicherheit aller Zeppelinſchiffe geraden Kurs
eingehalten und ihr Ziel, dem Potsdamer Luftſchiffhafen,
ohne Zwiſchenfälle erreicht Ueber die Fahrt ſelbſt
erhal=
ten wir folgenden Bericht: Die „Hanſa” verließ
morgens um 8 Uhr 34 Min. unter Führung des
Ober=
ingenieurs Dörr den Gothaer Luftſchiffhafen. Das
Wet=
ter war klar, mur über dem Boden lag ein leichter Nebel,
der jedoch die Ausſicht nicht allzuſehr behinderte. In
flot=
ter Fahrt überfuhr das Schiff Erfurt, Halle, Wittenberg
und Luckenwalde und wurde nach 3½ſtündiger Fahrt über
Potsdam geſichtet. Es hat die 250 Kilometer lange
Strecke in etwa 3 Stunden 20 Min. zurückgelegt
und ſo eine Geſchwindigkeit von 75 Kilometern
in der Stunde entwickelt. Rechnet man die
Schleifen=
fahrten über den einzelnen Städten ab, ſo dürfte die
„Hanſa” kaum drei Stunden für die Fahrt gebraucht
haben. — Die „Hanſa”, die im Juli ds. Js. die Werft
in Friedrichshafen verlaſſen hat, beſitzt eine Länge von
148 Meter, einen Durchmeſſer von 15 Meter und einen
Rauminhalt von 18700 Raummeter. Drei Maybach=
Motoren von je 170 Pferdeſtärken, die vier Propeller
an=
treiben, verleihen dem Luftſchiff eine Eigengeſchwindigkeit
von 21 Sekundenmeter und machen es damit zum ſchnellſten
Lenkballon der Welt. Die „Hanſa” kann insgeſamt 20 bis
30 Perſonen befördern. Der Luftkreuzer hat von dem
erſten Tage ſeiner Indienſtſtellung Erfolge auf Erfolge
ge=
häuft. Seine erſte Fahrt ging von Friedrichshafen nach
Hamburg, das er in 13 Stunden, alſo bedeutend ſchneller
als der ſchnellſte D=Zug erreichte. Bald darauf machte er
Fahrten nach Helgoland, Rügen, ſowie am 19. September
die berühmte Fahrt nach Kopenhagen, bei welcher zum
erſtenmal ein Zeppelinluftſchiff die Grenzen Deutſchlands
im Norden verließ. Die „Hanſa” ſoll während des
gan=
zen Winters in der rieſigen Potsdamer Halle verbleiben,
jedoch täglich Paſſagierfahrten über Berlin und in die
weitere Umgebung ausführen
* Berlin, 19 Nov. Einen ſchweren
Ueber=
landflug legten heute die beiden Militärflieger zurück.
Leutnant Jollv und Leutnant Heinz, die vorgeſtern
nach Stettin geflogen waren. Sie verließen geſtern
nach=
mittag 3½ Uhr den Stettiner Ererzierplatz und
entſchwan=
den bei günſtigem Wetter in großer Höhe ſchnell in
ſüd=
licher Richtung. Unterwegs gerieten ſie in ſehr ſchweres
Wetter. Dichte Nebelmaſſen entzogen ihnen jeden freien
Ausblick. Ein plötzlich einſetzender Hagelſturm machte
eine Orientierung faſt unmöglich. Trotzdem wurde der
Flug fortgeſetzt und man kam bis Zerpenſchleuſe, wo
je=
doch abermals ſo ſtarke Nebelwände auftraten, daß die
Landung erfolgen mußte. Hinter dem Orte ging der
Ein=
decker zu Boden und wurde von Einwohnern in
Sicher=
heit gebracht.
Handel und Verkehr.
* Berlin 18. Nov. In der
Aufſichtsrats=
ſitzung der Telephon=Fabrik, A.=G., vormals
J. Berliner, wurde beſchloſſen, der am 16. Dezember in
Dresden ſtattfindenden Generalverſammlung die
Verteil=
ung einer Dividende von 8 Prozent vorzuſchlagen und zu
beantragen, eine Kapitalserhöhung bis zu einer Million
Mark zur Stärkung der Betriebsmittel vorzunehmen. Der
Geſchäftsgang wird als günſtig bezeichnet.
* Bochum, 18. Nov. Die Verhandlungen
im Rheiniſch=Weſtfäliſchen Zement=
Syn=
dikat, das heute eine Geſellſchafterverſammlung abhielt
zur Gründung eines neuen Syndikats für die geſamte
rheiniſch=weſtfäliſche Zement= und Kalk=Induſtrie, ſind
ergebnislos verlaufen. Da am 5. Dezember das
Reichsgericht in dem bekannten Prozeß wegen der
Kün=
digung mehrerer Syndikatsverträge entſcheidet, dürften
die Verhandlungen nach dieſem Termin einſetzen.
* Plauen, 18. Nov. In der heutigen
Aufſichts=
ratsſitzung der Vogtländiſchen Maſchinenfabrik,
A.=G wurde beſchloſſen, der zum 16. Dezember
einzube=
rufenden außerordentlichen Generalverſammlung die
Er=
höhung des Aktienkapitals um 1750000 Mark
vorzuſchla=
gen. Die neuen Aktien ſollen da den alten Aktionären in
der Weiſe zum Beſuch angeboten werden, daß auf zwei
alte Aktien eine neue zum Kurſe von 225 Prozent entfällt.
Die neuen Aktien ſollen ab 1. Januar 1913
dividenden=
berechtigt ſein.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Wie verlautet, iſt die Verwirklichung des Projekts
der Heſſiſchen Eiſenbahn=Aktien=Geſellſchaft, die
Vorort=
bahnen nach Eberſtadt und Arheilgen uſw. elektriſch zu
betreiben, durch Schwierigkeiten mit den Gemeinden auf
Jahre hinausgeſchoben worden. Wenn nun
die Zweigleisanlage wegen Geländeverweigerung im
Bezirk der in Betracht kommenden Vororte unmöglich
ge=
worden iſt, ſo wäre es der Direktion doch wohl möglich,
die elektriſche Strecke wenigſtens von der Rheinſtraße
bis zur Merckſchen Fabrik reſp. Stadtgrenze auszubauen.
Es könnte ja dann auf dieſer Strecke für Arheilgen ſelbſt
der Dampfbetrieb beibehalten werden. Es unterliegt
kei=
nem Zweifel, daß durch den Umbau dieſer Strecke für
elektriſchen Betrieb einem dringenden Bedürfnis
abge=
holfen wäre und daß ein weit größerer Prozentſatz der
zahlreichen Angeſtellten der Firma E. Merck, die jetzt aufden
engbegrenzten Fahrplan der Dampfbahn angewieſen ſind,
von der Fahrgelegenheit Gebrauch machen würde.
Rhenus.
Der Balkankrieg.
Zur Lage.
Der ſerbiſche Miniſterpräſident Paſitſch hat,
anſcheinend in recht ſelbſtbewußter Form, den
diplomati=
ſchen Vertretern des Dreibundes erklärt, daß die
Erörter=
ung über den türkiſchen Küſtenſtrich an der Adria auf den
Zeitpunkt vertagt werden müſſe, in dem die endgültigen
Er=
gebniſſe des jetzigen Krieges erſichtlich ſein, würden. Dieſe
Haltung Serbiens macht die Frage begreiflich, wen
Ser=
bien in der Adria=Angelegenheit hinter ſich habe. Bei der
Beantwortung dieſer Frage aber muß man ſich vor
Fehl=
ſchlüſſen hüten, die durch gewiſſe, von beteiligter Seite
verbreitete Meldungen leicht hervorgerufen werden können.
Jene Meldungen laufen auf die Erweckung des Anſcheins
hinaus, daß Rußland in der Adria=Angelegenheit den
ſerbiſchen Standpunkt auch auf die Gefahr kriegeriſcher
Verwickelung vertrete. Von diplomatiſcher Seite wird
im Gegenſatz hierzu die einmütige Entſchloſſenheit aller
Mächte des Dreibundes und der Tripel=Entente betont,
einer Aufteilung Albaniens nicht zuſtimmen zu wollen.
Wenn trotzdem der ſerbiſche Miniſterpräſident ſich in
einer Haltung gefällt, die die weiteſtgehende Unterſtützung
der ſerbiſchen Anſprüche durch Rußland vermuten läßt, ſo
bleibt zu beachten, daß Herr Paſitſch ſeine Hoffnungen
wohl auf unverantwortliche ruſſiſche Nebenſtrömungen,
nicht aber auf die Politik der maßgebenden Petersburger
Kreiſe ſetzen kann. Wer geneigt iſt, betreffs Albaniens
die Aufrichtigkeit der von der Tripel=Entente befolgten
Politik anzuzweifeln, findet in den führenden Blättern
von London und Paris keinen Anhalt für die
Be=
rechtigung ſolcher Anzweifelungen. Sind aber Frankreich
und Großbritannien Gegner einer Aufteilung Albaniens,
dann ergeben ſich hieraus für die albaniſche Politik
Ruß=
lands die entſprechenden Folgerungen. Es kann daher
auch nicht überraſchen, wenn der viel genannte ruſſiſche
Geſandte am Belgrader Hofe im Geſpräch mit dem
Kor=
reſpondenten des Temps hervorhob, daß Serbien und
Griechenland urſprünglich die Abſicht gehabt hätten, ſich
in Albanien zu teilen, daß aber die Griechen bisher es
vermieden hätten, dieſes Gebiet zu berühren.
Unter ſolchen Umſtänden erklärt ſich die Ruhe, mit
der Graf Berchtold in der öſterrreichiſchen
Dele=
gation den öſterreichiſch=ſerbiſchen Gegenſatz erörtert hat.
Sein Hinweis auf die Uebereinſtimmung der albaniſchen
Politik Italiens und der Donau=Monarchie macht den
irreführenden Behauptungen ein Ende, die über
abwei=
chende Auffaſſungen beider Staaten jüngſt verbreitet
waren. Die Anerkennung der maßvollen Politik
Bul=
gariens durch Graf Berchtold ſollte in Belgrad um ſo
nachdenklicher ſtimmen, als ſie auf Graf Berchtolds
Aus=
ſprache mit dem bulgariſchen Kammerpräſidenten Danew
beruht. Anſtatt ſich die Mäßigung Bulgariens zum
Vor=
bild zu nehmen, benützt Serbien auch den in tatſächlicher
Beziehung noch ungeklärten Fall Prohaska als
Gelegen=
heit, ſich Oeſterreich=Ungarn von der übelwollenden Seite
zu zeigen. Daß Graf Berchtold auch dieſer
Unfreundlich=
keit gegenüber völlig kühl bleibt, ſpricht für die
Entſchloſ=
ſenheit Oeſterreich=Ungarns, jeden Schritt zu vermeiden,
der mit der friedlichen, durch die wiederholte Ablehnung
territorialer Expanſion bekräftigten öſterreichiſch=
ungari=
ſchen Politik nicht übereinſtimmte.
*
* London, 19. Nov. In Beantwortung einer
An=
frage Bonar Laws, der um Mitteilungen über die Lage
im nahen Oſten erſuchte, ſagte Premierminiſter
Asquith im Unterhauſe, die einzige Erklärung, die er
ab=
geben könne, ſei folgende: Der britiſche Botſchafter in
Konſtantinopel berichtete, daß angeſichts der Gefahr eines
Rückzuges einer wahrſcheinlich großen Truppenmenge auf
Konſtantinopel die Vertreter der fremden Mächte
be=
ſchloſſen hätten, von den ausländiſchen Kriegsſchiffen
Abteilungen in Pera zu landen. Gemäß einem vorher
aufgeſtellten Plan wurden dieſe Mannſchaften in den
Botſchaften und anderen Gebäuden verteilt; ſie dürfen
andere Quartiere der Stadt nicht durchziehen,
ausge=
nommen im Falle dringender Notwendigkeit. Dreitauſend
Mann wurden gelandet, von denen 500 Engländer ſind.
Die türkiſchen Behörden, die von der Maßnahme in aller
Form in Kenntnis geſetzt worden ſind, verſprachen ihre
Mitwirkung.
* Petersburg, 19. Nov. Das
Informations=
bureau ſtellt entſchieden in Abrede, daß die
Mobili=
ſierung einiger Militärbezirke beſchloſſen worden ſei,
ſowie die Mitteilung, daß der Zeitpunkt der
Mobiliſier=
ung auf den 21. November feſtgeſetzt wurde. Die
Ge=
rüchte ſind völlig unbegründet und werden lediglich
zum Zweck der Börſenſpekulation verbreitet.
Die Friedensverhandlungen.
* Daß die bulgariſche Regierung, wie die
offiziöſe Agence Bulgare vom Dienstag nachmittag
mel=
det, Bevollmächtigte zur Feſtſetzung der Bedingungen
des Waffenſtillſtandes ernannt hat, bezeichnet den
erſten Schritt zu ernſtlichen Verhandlungen über den
Waffenſtillſtand, und es iſt bemerkenswert, daß die
offi=
ziöſe bulgariſche Meldung auch bereits vom Abſchluſſe des
Friedens ſpricht. Entſcheidend für dieſes Vorgehen
Bul=
gariens dürfte wohl der Umſtand ſein, daß es der
türki=
ſchen Armee gelungen iſt, in den letzten Tagen den
Bul=
garen beſonders durch gut geleitetes Artilleriefeuer
ſchwere Verluſte beizubringen, ſowie die Tatſache, daß
die Cholera auch in den Reihen der Bulgaren große
Opfer gefordert hat. Im Zuſammenhang mit dieſer erſten
ernſthaften Meldung, die auf den herannahenden Frieden
deutet, erſcheint die Aeußerung des engliſchen
Regier=
ungsblattes Weſtminſter Gazette bemerkenswert, in der
ſich dieſes Blatt gegen den Gedanken einer zeitweiligen
Beſetzung Konſtantinopels durch die Bulgaren wendet.
* Sofia, 19. Nov. Die Bedingungen für
den Waffenſtillſtand ſind heute früh zugleich mit
den Hauptfriedensbedingungen nach Konſtantinopel
über=
mittelt worden. In den Friedensbedingungen wird der
Türkei die Stadt Konſtantinopel, ſowie ein europäiſcher
Küſtenſtreifen belaſſen.
Wien, 20. Nov. Laut Meldungen aus Sofia
gab Bulgarien im Namen des Balkanbundes der Türkei
als Bedingungen für den Friedensſchluß
die Räumung Adrianopels, Janinas und Skutaris,
ſo=
wie der Tſchataldſchalinie binnen 24 Stunden, das heißt
bis Mittwoch mittag, bekannt, widrigenfalls die
bulgari=
ſchen Operationen fortgeſetzt werden und der Einmarſch
in Konſtantinopel erfolgt.
* Sofia, 19. Nov. Nach Mitteilungen von
kompe=
tenter Seite dürfte der Waffenſtillſtand, falls die
Türken die Bedinaungen des Balkanbundes annehmen,
demnächſt unterzeichnet werden, und zwar von den
Dele=
gierten der Balkanſtaaten einerſeits und dem
türkiſchen Generaliſſimus andererſeits. Im bulgariſchen
Hauptquartier befinden ſich höhere ſerbiſche und
grie=
chiſche Offiziere, welche dazu bevollmächtigt werden ſollen
Falls die Türken die Bedingungen annebmen. mürd
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. November 1912.
Nummer 275.
tauch die Operationen ſofort eingeſtellt und die frühere
Aoſicht des Einzuges in Konſtantinopel aufgegeben
werden.
Oeſterreich=Ungarn und Serbien.
* Wien, 20. Nov. Die Reichspoſt meldet: Trotzdem
die maßgebenden Kreiſe für eine friedliche Löſung
des Faues Prohaska ſind, würde doch alles zum
Kriege vorbereitet, um nach Abbruch der
diplo=
matiſchen Beziehungen zu einem entſcheidenden Schlage
gegen Serbien vorzugehen. Für Donnerstag wird die
Entſcheidung erwartet.
* Wien, 20. Nov. Die Reichspoſt, das Organ des
Thronfolgers, erklärt in einem ſcharfen, „Wie lange
noch?” überſchriebenen Artikel, der zügelloſe Geiſt der
Belgrader Königsmörder ſcheine jetzt die ſerbiſche Politik
zu unerhörten Exzeſſen zu verleiten, über deren
Unerträg=
lichkeit kein ziviliſiertes Volk der Welt im Unklaren ſein
könnc.
* Wien, 19. Nov. Die Wiener Allgemeine Zeitung
erklärt, zwiſchen der Angelegenheit betreffend den
Konſul Prohaska und der Frage der Adriahäfen
müßte ſcharf unterſchieden werden. Die erſte Frage
er=
fordert eine raſche und unaufſchiebbare Löſung,
wäh=
rend hinſichtlich der anderen mit Serbien zu regelnden
Fragen die öſterreichiſch=ungariſche Regierung ſeit dem
Kriegsausbruch den Standpunkt einnimmt, daß ſie nichts
unternehme, was wie eine Behinderung der militäriſchen
Operationen ausgelegt werden könnte. Allerdings iſt
kein Zweifel gelaſſen worden, nicht bloß von Oeſterreich=
Ungarn, ſondern auch von den anderen Mächten, daß das
Prinzip „uti possidetis” beim Friedensſchluß mit der
Türkei nicht unbeſchränkt zur Geltung kommen müſſe.
Alle Mächte behielten ſich vor, die Friedensbeſtimmungen
zwiſchen der Türkei und den Balkanſtaaten vom
Stand=
punkt ihrer eigenen Intereſſen einer Prüfung zu
unter=
ziehen.
— Wien, 20. Nov. Von unterrichteter engliſcher
Seite wird mitgeteilt, daß geſtern der engliſche und
der franzöſiſche Geſandte in Belgrad wegen
des ſerbiſchen Vorgehens gegen engliſche und
ffranzöſiſche Beamte in Uesküb Einſpruch eingelegt und
dieſes Vorgehen als völkerrechtswidrig bezeichnet haben.
* London, 20. Nov. Die Times ſchreibt: Serbien
löſcht ſchnell den Glanz ſeiner Erfolge durch ſeine
törichte und provozierende Haltung gegen
Oeſterreich=Ungarn aus. Ganz Europa war
be=
reit, die beginnende Renaiſſande des alten Königreichs
Serbien beifällig zu begrüßen; aber die Serben ſelbſt
tun anſcheinend das beſte, die gute Meinung, die ſie
ſoeben wiedergewonnen haben, zu verhöhnen. Auch
nicht etwaige Indiskretion des betreffenden Beamten
kann die Weigerung der ſerbiſchen Regierung
rechtfer=
tigen, Oeſterreich den Verkehr mit ſeinem Konſul in
Priz=
rend zu verwehren. Es kann nicht überraſchen, wenn
eine ſolche Verletzung des völkerrechtlichen Herkommens
Oeſterreich=Ungarn veranlaßt hat, Serbien eine Note zu
fenden, die als ein Ultimatum aufgefaßt werden kann.
Sollte Serbien in dieſer Haltung verharren, ſo wird es
ſich allein zu tadeln haben, wenn man ihm den Wunſch
zuſchreibt, Europa leidtfertig in Verwirrung zu ſetzen.
Die ſerbiſche Regierung kann verſichert ſein, daß der
Common Wealth in Europa entſchloſſen iſt, eine ſolche
Verwirrung zu vermeiden.
* London, 19. Nov. Die Weſtminſter Gazette
wendet ſich gegen die Idee der zeitweiligen Okkupation
Konſtantinopels durch die Bulgaren und verurteilt das
Verhalten der Serben gegenüber dem
öſterrei=
chiſch=ungariſchen Konſul in Prizrend. Das
Blatt betont den verſöhnlichen Geiſt, mit welchem Graf
Berchtold den Zwiſchenfall behandelte, daß Deſterreich=
Ungarn an dem allgemeinen Plane feſthalten werde, den
endgültigen Ausgleich mit dem Balkanbund
aufzuſchie=
ben, bis der Krieg vorüber ſei. Das Blatt hebt weiter
hervor, daß die Serben Albanien nicht eroberten, und
fährt fort: Wir ſind entſchieden der Meinung, daß die
Anſicht des Grafen Berchtold zugunſten eines autonomen
Albaniens ſowohl ſachlicherweiſe als ſchließlich im
Inter=
eſſe der Verbündeten iſt. Serbien würde gut
abſchnei=
den, wenn es eine Eiſenbahn oder das Recht der
Benutz=
ung einer Bahn nach der Adria mit neutralen Freihäfen
erhalten könnte. Danach mag Serbien in legitimer Weiſe
ſtreben, aber man ſollte ihm deutlich zu verſtehen geben,
daß die Mächte ſich nicht in feindlichen Lagern aufſtellen
und einander anfallen werden, weil Serbien etwas
an=
deres oder mehr haben will.
Vom öſtlichen Kriegsſchauplatze.
* Konſtantinopel, 19. Nov. Ein im
Groß=
weſirat eingetroffenes Telegramm meldet: Die achte
Diviſion ſchlug geſtern früh die Bulgaren zurück,
als dieſe mit der Front einer Diviſion vorrückten. Die
Bulgaren erlitten große Verluſte. Der Artilleriekampf
dauert heute auf der ganzen Front fort.
* Konſtantinopel, 19. Nov. Das
Kriegsmini=
ſterium teilt ein Telegramm des Generaliſſimus von
heute mit, das folgendes beſagt: Die feindlichen
Streitkräfte, die das türkiſche Zentrum angriffen,
ziehen ſich zurück. Eine türkiſche Diviſion iſt bis
zu den von dem Feinde verlaſſenen Schanzen
vorgedrun=
gen und hat dort eine Menge Manlichergewehre,
Muni=
tion und Helme mit der Inſchrift „35 Regiment Vranja”
gefunden. Die Bulgaren griffen auch den rechten
Flü=
gel der Türken an, wurden aber unter Verluſten von
etwa 400 Toten, darunter 20 Offiziere, zurückgetrieben.
Die Türken nahmen ihnen zwei Mitrailleuſen fort. Faſt
die ganze Front der feindlichen Batterien iſt zum
Schwei=
gen gebracht worden.
— Konſtantinopel, 20. Nov. Bei einem
miß=
glückten bulgariſchen Vorſtoß auf das türkiſche
Zentrum bei Tſchataldſcha wurden mehrere bulgariſche
Batterien zum Schweigen gebracht. Die Türken drangen
in die vorderen bulgariſchen Schanzen ein. Das 25.
ſer=
biſche Regiment wurde aus ſeiner Stellung verdrängt.
Bei dem Angriff auf den türkiſchen rechten Flügel
ver=
loren die Bulgaren 20 Offiziere und 400 Mann.
Vom weſtlichen und ſüdlichen Kriegsſchauplatze.
* Belgrad, 19. Nov. Das Preßbureau des
Aus=
wärtigen Amtes verbreitet folgende Meldung: Die
Be=
richte über angebliche Grauſamkeiten der
Serben gegen die Albaneſen ſind tendenziös
und in der offenkundigen Abſicht verbreitet, die
Beſtreb=
ungen der Albaneſen zu unterſtützen. Die böswilligen
Gerüchte entbehren jeder Begründung. Während der
Kämpfe ſind allerdings ſtrenge Maßregeln angewandt
wegen der treuloſen Haltung der kämpfenden Albaneſen,
die in zahlreichen Fällen mit weißen Fahnen Zeichen der
Unterwerfung gaben und dann in verräteriſcher Weiſe
die ſerbiſchen Offiziere töteten, die ſich ihnen näherten.
Die Albaneſen terroriſierten die Bevölkerung, Frauen
und Kinder zündeten Häuſer an. Wir meldeten die
Un=
taten nicht, weil die Aufmerkſamkeit Europas auf die
Er=
eigniſſe des Krieges gerichtet iſt. Faſt in allen Gegenden
kam die Bevölkerung den ſerbiſchen Behörden entgegen,
um ſich zu unterwerfen, da ſie an vielen Beiſpielen
er=
kannte, daß die ſerbiſchen Behörden gerecht vorgingen
und Leben und Eigentum ſchützen. Die Militärbehörden
in Uesküb, Priſchtina und Prizrend beſtraften mehrfach
Soldaten und chriſtliche Marodeure, die ſich Untaten
zu=
ſchulden kommen ließen, ſowie Ruheſtörer, die die
öffent=
liche Sicherheit gefährdeten, was guten Eindruck bei den
Albaneſen hervorrief. Man darf alſo nicht von
Verfolg=
ungen ſprechen, ſondern muß die tendenziöſen
Meldun=
gen auffaſſen als in der Abſicht verbreitet, den guten Ruf
der ſerbiſchen Armee und Verwaltung zu beflecken.
* Belgrad, 19. Nov. Ueber den Kampf
vor der Einnahme von Monaſtir wird amtlich
gemeldet: Am zweiten Kampftage wurde auf der ganzen
Front entlang ein äußerſt heftiges Feuer unterhalten.
Die ſerbiſche Kavallerie bemächtigte ſich der Brücke über
die Cerna und nahm ſüdlich der Stadt Stellung. Die
Morawa=Diviſion brachte inzwiſchen die türkiſche
Ar=
tillerie auf dem Weſtflügel zum Schweigen und erbeutete
vier Belagerungsgeſchütze. Die Türken verſuchten gegen
Ochrida durchzubrechen, wurden jedoch durch die Serben
nach äußerſt heftigem Kampfe gegen die Stadt
zurück=
geworfen. Am Abend nahmen die Serben ſämtliche
Stellungen.
* Rjeka, 19. Nov. Die Einnahme von
Aleſ=
ſio erfolgte geſtern durch die Truppen des Generals
Martinowitſch und ſerbiſcher Abteilungen und General
Jankowitſch. Nach geringem Widerſtand hißten die
Tür=
ken angeſichts der herannahenden Uebermacht auf dem
Kaſtell die weiße Fahne. Bald darauf erfolgte die
Uebergabe. Beim Zuſammentreffen begrüßten ſich
die Truppen der verbündeten Staaten freudig und
brach=
ten Hoch= und Ziviorufe auf die Könige Nikolaus und
Peter aus. Die Nacht verlief ruhig.
* Saloniki, 19. Nov. Die Lage iſt weiter
be=
ruhigt, aber unter den Flüchtigen herrſcht großes Elend.
Die öffentliche Mildtätigkeit bemüht ſich wohl, doch iſt die
Anzahl der Geflüchteten zu groß. Ueberdies laſſen die
ſanitären Zuſtände zu wünſchen übrig. Man trachtet,
die Flüchtlinge eheſtens in ihre Heimat zurückzubefördern,
doch wollen die meiſten nach Anatolien, wozu jetzt keine
Möglichkeit beſteht. Der Abtransport der gefangenen
türkiſchen Soldaten hat geſtern begonnen. Sie wurden
auf einer großen Anzahl griechiſcher Schiffe foktgeſchafft.
* Athen, 20. Nov. Der Miniſterpräſident empfing
folgendes Telegramm des Thronfolgers: Die
unter meinem Befehl ſtehende Armee begann am 15.
November gleichzeitig von Vodena, Gramatikovs und
Koshani aus unter Regengüſſen, die bis heute anhielten,
den Vormarſch. Sie brach am 16. und 17. November bei
Kumanowo, Katranitza und Oſtrovo und heute bei
Soro=
witz und in den Engpäſſen zwiſchen Garnitzſchovo und
Oſtrovo den Widerſtand des Feindes und ſetzt morgen
den Marſch auf Florina fort, wo der Feind trotz der
Ka=
pitulation der Garniſon Monaſtir noch Widerſtand leiſtet.
Letzte Nachrichten.
* Sofia, 20. Nov. Infolge Einleitung der
Ver=
handlungen zum Abſchluß des von der Türkei erbetenen
Waffenſtillſtandes haben die vor Tſchataldſcha
befindlichen bulgariſchen Truppen den Befehl erhalten,
die Feindſeligkeiten einzuſtellen und
innerhalb der eingenommenen Stellungen zu bleiben.
Sofia, 20. Nov. In der Antwort
Ser=
biens an die Großmächte wird dieſen für den
Vermittlungsſchritt gedankt; da aber der
Groß=
weſir ſich direkt an Bulgarien gewandt habe, könnten nun
die Verhandlungen direkt mit der Türkei geführt werden.
Die Antwort wurde durch den Miniſterpräſidenten
Ge=
ſchow zuerſt den Vertretern Rußlands und Frankreichs,
dann denen der anderen Mächte gegeben.
* Konſtantinopel, 20. Nov. Ein engliſcher
Kreuzer iſt in Alexandrette eingetroffen. — Ein
Telegramm des türkiſchen Flottenkommandanten von
Bujuk=Tſchekmedje vom 17. November beſagt:
Die Stille, die bis Mitternacht dauerte, wurde geſtern
um 3,50 Uhr durch ein Mitrailleuſenfeuer der Poſten auf
den Höhen von Kalikraſia unterbrochen. Das Feuer
dauerte bis 4,15 Uhr morgens und begann auf der ganzen
Linie wieder um 6,40 Uhr. Nachdem wir die Poſition
des Feindes feſtgeſtellt hatten, eröffneten wir das Feuer
von den Kriegsſchiffen aus, durch welches dem Feinde
große Verluſte zugefügt wurden. Nach den Signalen
un=
ſerer auf dem Lande befindlichen Leute wurde eine
feind=
liche Batterie zerſtört. Das Telegramm gibt Details
über die Signale der auf dem Lande befindlichen
tür=
kiſchen Matroſen, über die Entwickelung des Kampfes zu
Lande und über die Weiſungen der Flottte. Die Kanonen
der Panzerſchiffe brachten bald eine zweite bulgariſche
Batterie zum Schweigen. Die Granaten von den
Pan=
zerſchiffen ſetzten verſchiedene Dörfer in Brand. Papas=
Burgas wurde teilweiſe zerſtört. Der Feind, der ſich
bemühte, bei Taſchtepe am See und bei Bujuk=
Tſchel=
medje Artillerie in Stellung zu bringen und
Verſchan=
zungen zu errichten, wurde vernichtet und die
Verſchan=
zungen zerſtört.
* Konſtantinopel, 20. Nov. Das Blatt
Efham, das einen offiziöſen Charakter annimmt,
de=
mentiert die Gerüchte über militäriſche
Kon=
zentrationen Rußlands an der türkiſchen
Grenze und die Meldung, daß Rußland eine Note,
betref=
fend die Lage in den Provinzen von Oſt=Anatolien
über=
reicht habe. Saſonow habe bei ſeiner Unterredung mit
dem Botſchafter Turkan=Paſcha einfach die
Aufmerkſam=
keit auf die Lage in den genannten Provinzen gelenkt.
Rußland habe ſo der Pforte zu verſtehen gegeben, daß
ſie während der gegenwärtigen Komplikationen vermeiden
müſſe, daß auch noch eine anatoliſche Frage entſtehe.
Efham hebt hervor, daß Rußland ein großes Intereſſe
daran habe, Bulgarien an dem Vormarſche nach
Konſtan=
tinopel zu hindern und der Schaffung eines zweiten
Zarenreiches an den Dardanellen vorzubeugen. Die Lage
habe eine politiſche Annäherung zwiſchen Rußland und
der Türkei geſchaffen, welche letztere auf jeden Fall die
Grenze Kirk=Kiliſſe-Adrianopel-Dedelagatſch zu
erhal=
ten wünſche. Infolgedeſſen habe die Pforte es für
vor=
teilhaft befunden, die Vermittlung des ruſſiſchen
Bot=
ſchafters v. Giers für die Friedensverhandlungen, welche
beginnen werden, nachzuſuchen.
* Belgrad, 20. Nov. Heute wurde folgendes
offiziöſes Communigué veröffentlicht: Auf das
Mediationsanerbieten der Großmächte für den Abſchluß
des Friedens zwiſchen Serbien und der Türkei erwiderte
die ſerbiſche Regierung, daß keine Notwendigkeit
für eine Mediation mehr beſteht, da ſich die Türkei ſelbſt
an die verbündeten Balkanſtaaten mit der Abſicht wandte,
mit ihnen über den Frieden direkt zu verhandeln.
Ser=
bien ſprach die Hoffnung aus, daß es in Zukunft, wenn
es notwendig ſei, auf die Unterſtützung der Großmächte
rechne. Ugron machte geſtern bei dem Miniſterpräſidenten
im ernſteſten Tone nachdrücklichſte Vorſtellungen wegen
des ſeitens der ſerbiſchen Militärbehörden gegenüber dem
in dem beſetzten Gebiet befindlichen öſterreichiſch=
ungari=
ſchen Konſul beobachteten Vorgehens. Miniſterpräſident
Paſitſch teilte mit, daß die ſerbiſchen Militärbehörden
keine Hinderniſſe mehr der Entſendung von Abgeſandten
des öſterreichiſch=ungariſchen Miniſteriums zur Aufklärung
der Affäre des Konſuls Prohaska nach Prizrend in den
Weg legen werde.
* Wien, 20. Nov. Gegenüber den Peſter
Blättermeldungen, wonach der öſterreichiſch=ungariſche
Geſandte in Belgrad ein Ultimatum
über=
reicht habe, ſtellt die Mehrzahl der Wiener Blätter
auf Grund der von kompetenter Seite eingeholten
Nach=
richten feſt, daß dies nicht den Tatſachen
ent=
ſpricht. Die Blätter konſtatieren, daß Ugron den
Standpunkt der Monarchie gewiß mit entſprechender
Feſtigkeit und Entſchiedenheit, aber auch mit jeder
Cour=
toiſie zur Geltung gebracht habe, die dazu beſtimmt ſei,
der ſerbiſchen Regierung das Einlenken zu erleichtern.
* Waſhington 20. Nov. Die Regierung
der Vereinigten Staaten hat bei der Türkei
und den verbündeten Balkanſtaaten um die Erlaubnis
nachgeſucht, amerikaniſche Offiziere zum
Studium auf die Schlachtfelder der letzten Kämpfe
zu entſenden. Wenn dieſe Erlaubnis gegeben wird,
ſoll=
ſich die zurzeit in Europa befindliche Kommiſſion
ameri=
kaniſcher Kavallerieoffiziere, ſowie die Militärattachés
in London und Paris ſofort zum Kriegsſchauplatz
be=
geben. Das Kriegsdepartement wünſcht, daß ſich dieſe
Offiziere über die Behandlung der Verwundeten, die
Or=
ganiſation der Armeen, ſowie über die Feuerwirkung der
Artillerie auf Feſtungswerke und Schützengräben
infor=
mieren.
Literariſches.
— Leitfaden durch die Invaliden= und
Hinterbliebenenverſicherung nach den
Be=
ſtimmungen der Reichsverſicherungsordnung, bearbeitet
von einem Fachmann, dem Kontrollinſpektor der Heſſiſchen
Landesverſicherungsanſtalt H. Simon, im Verlag der
G. Ottoſchen Hofbuchdruckerei in Darmſtadt erſchienen,
Das Schriftchen iſt gemeinverſtändlich, überſichtlich, kurz,
knapp und klar, und behandelt doch ſo eingehend die
ſchwierige Materie des populärſten unſerer
ſozialpoli=
tiſchen Geſetze. Preis 25 Pfg.
— Deutſchlands Befreiung. Erzählung von
Profeſſor Dr. J. W. Otto Richter. Mit zahlreichen
Abbildungen. Geh. 3.80 Mk., gebd. 4.50 Mk. Stephan
Geibel Verlag, Altenburg (S.=A.). Auch über das neue
Buch des weitbekannten und beliebten Schriftſtellers
J. W. Otto Richter „Deutſchlands Beſreiung” kann man
das Urteil fällen, das über ſein letztes Werk „Wider die
Fremdherrſchaft”, geſagt wurde: „Unſeren Knaben kann
man wohl kaum ein ſchöneres Geſchenk überreichen!”
Dieſes Buch iſt durch die Lebendigkeit ſeiner Darſtellung
wie kaum ein anderes geeignet, uns ein Bild von jener
Zeit zu geben und ſollte in jedem deutſchen Hauſe zu
finden ſein.
— Entwicklungsgeſchichte der Stilarten,
Ein Handbuch von B. Haendcke. (Mit 12 farbigen
Ein=
ſchaltbildern, ſowie 348 Abbildungen im Text. Verlag
von Velhagen u. Klaſing in Bielefeld und Leipzig. Preis
geheftet 12.50 Mark, gebunden 15 Mark.) Ein Buch wie
dieſes hat uns bisher gefehlt. Wir hatten Kunſtgeſchichten
für alle Anſprüche und Monographien aller Art, auch
ſolche, die eine oder andere Stilepoche von hiſtoriſchen
oder formalen Geſichtspunkten aus darſtellte, nicht aben
ein Werk, das die Stilgeſchichte der geſamten
abendländi=
ſchen Kunſt von der Antike bis auf unſere Tage behandelt
hätte. In den Vordergrund ſchiebt Haendcke mit
Fug=
die Architektur. Wie es bei der Darſtellung eines ſo
um=
fangreichen Gebietes nicht anders ſein kann, zieht der
Verfaſſer in ausgedehntem Maße die Fachliteratur heran,
ſo daß ſich der Leſer in der Lage ſieht, an jeder einzelnen
Stelle unter kundigem Geleit weiter zu arbeiten, ſofern ihn
in dieſem oder jenem ſpeziellen Falle noch nach
eingehen=
dem Unterricht gelüſtet, als ihn dieſes 600ſeitige Buch zu
leiſten vermag. Ein Regiſter erhöht die praktiſche
Brauch=
barkeit des Werkes, und daß es illuſtrativ glänzend und
kundig ausgeſtattet iſt, bedarf für den, der den Verlag
kennt, nicht ausdrücklicher Erwähnung.
Darmſtadt, 21. November.
* Prinz Heinrich von Preußen iſt geſtern früh im
Automobil von Kiel abgereiſt und wurde geſtern abend
in ſpäter Stunde zum Beſuch am Großh. Hofe hier
er=
wartet. Die Prinzeſſin Heinrich trifft heute
hier ein.
— Allgemeine Studentenverſammlung. Geſtern
nachmittag fand eine große Studentenverſammlung im
Kaiſerſaal ſtatt. Der Vorſitzende des Ausſchuſſes der
Studierenden ſtellte den Antrag, den Feſtkommers
anläß=
lich des Geburtstages Sr. Königl. Hoheit des
Groß=
herzogs ausfallen zu laſſen zum Zeichen der Trauer und
tiefen Entrüſtung der Studentenſchaft über den Tod des
Studierenden Alfred Weiſer. Der Antrag wurde ohne
Debatte angenommen. Sodann faßte die Verſammlung
folgende Entſchließungen: „Die Darmſtädter
Studenten=
ſchaft gibt einmütig ihrer tiefen Entrüſtung über die
Vorgänge Ausdruck, die zum Tode des Studierenden
Alfred Weiſer geführt haben. Sie erklärt auf das
Ent=
ſchiedenſte, daß ein Menſch, der auf unſtudentiſche Weiſe
zur Waffe greift, den Namen Student nicht mehr
ver=
dient. Sie iſt der Anſicht, daß das Verhalten aller an
dem Vorfall Schuldigen als durchaus unſtudentiſch auf
das Schärfſte zu verurteilen iſt. Sie beauftragt den
Aus=
ſchuß der Studierenden, dieſe Entſchließungen durch die
Tagespreſſe der Oeffentlichkeit bekannt zu geben.”
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Rochefort, 20. Nov. Die Revolte im
Zivil=
gefängnis brach aus, als der Oberaufſeher den
Ge=
fangenen Eſſen brachte. Die Gefangenen durchſchnitten
dem Oberaufſeher die Kehle und entriſſen ihm ſeinen
Revolver. Seiner Frau, die herbeieilte, erging es ebenſo,
Ein Matroſe, der den Oberaufſeher verteidigen wollte,
wurde durch zwölf Meſſerſtiche ſchwer verwundet. Beamte
und Truppen, die herbeieilten, fanden den zweiten
Auf=
ſeher in einer Zelle ermordet mit abgeſchnittenem Kopfe
vor. Gendarmen verfolgten die Meuterer in das zweits
Stockwerk. Dabei erhielt ein Unteroffizier einen Axthieb;
dem Kommiſſar wurden die Kleider zerfetzt. Zwei
ge=
fangene Matroſen verbarrikadierten ſich in ihrer Zelle.
Gendarmen ſchlugen die Tür ein, feuerten und töteten die
beiden. Im ganzen wurden fünf Perſonen getötet und
drei verwundet.
* Los Angelos, 20. Nov. Karl Warr, ein Deutſcher,
verurſachte geſtern im Polizeihauptquartier
eine eineinhalbſtündige Panik. Er betrat das Gebäude
Nummer 275.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. November 1912.
Seite 7.
mit einer Kite auf dem Ricken, die mit Dynamit
ge=
füllt und mit einem komplizierten
Entzündungsmechants=
mus ausgeſtattet war, und erſuchte die Polizei, einen
hohen Eiſenbahnbeamten herbeizurufen, den er in die
Luft ſprengen wolle. Mehrere Polizeibeamte
be=
ſchäftigten Warr durch ein Geſpräch, während andere die
Arreſtanten aus dem Gefängnis holten und ſie in
Sicher=
heit brachten. Die im Gebäude tagenden Gerichtshöfe
ſchloſſen eilig die Sitzung und die Richter, Geſchworene
und Zuhörer ſtürzten auf die Straße. Nach geraumer
Zeit gelang es den Polizeibeamten, ſich hinter Warr zu
ſchleichen und ihn mit einem Knüppel niederzuſchlagen,
ſo daß er beſinnungslos wurde. Die Kiſte enthielt 60
Stangen Dynamit von einer hohen Sprengkraft. Warr
iſt vermutlich geiſtesgeſtört.
* London, 19. Nov. (Unterhaus.) Der von dem
Schatzkanzler Lloyd George beantragte Schluß der
De=
batte wurde mit 322 gegen 206 Stimmen angenommen.
Die neue Finanzreſolution der Homerule=
Bill wurde ſodann unter dem Beifall der Miniſteriellen
mit 318 gegen 206 Stimmen angenommen.
HB. Wien, 20. Nov. Heute früh iſt die Erzherzogin
Zita, die Gemahlin des Erzherzogs Karl Franz Joſef,
von einem Prinzen entbunden worden. Das freudige
Er=
eignis iſt ſofort telegraphiſch nach Peſt dem Kaiſer
ge=
meldet worden. Mit dieſer Geburt hat Oeſterreich einen
zukünftigen Thronfolger erhalten.
H. B. Petersburg, 20. Nov. Hier ſind Nachrichten
ein=
lgetroffen, nach denen an der Dorpater Univerſität
ſchwere Ausſchreitungen ſtattgefunden haben. Es
kam dabei zu Schießereien. Eine Kugel ſchlug in die
Wohnung eines Militärarztes ein und verletzte dort den
Burſchen des Arztes bedenklich.
Wichtiges Dokument
vom 1. Juli 1912. Infolge langer Krankheit war ich ſehr
ſchwach, hatte keinen Appetit und ſtets ein ſchlechtes
Aus=
ſehen. Ich nahm daher zur Stärkung 2 Doſen Bioſon u.
kann Ihnen ruhig ſagen, daß ich Ihrem Präparat die
Wiedererlangung meiner früheren Kräfte verdanke. Mein
Körpergewicht erhöhte ſich, ich bekam eine friſche, geſunde
Geſichtsfarbe u. einen normalen Appetit. Ich fühle mich
jetzt wohler u. geſünder als je vor meiner Krankheit und
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Wagenführer Ernſt Büchler, Nieder=Ramſtädterſtr. 51,
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Nordamerika: „Eincinnati” von New=York nach Genua,
14. Nov. 11 Uhr morgens in Neapel. „Kaiſerin Auguſte
Victoria”, von New=York kommend, 14 Nov. 3 Uhr
30 Min. nachm. von Cherbourg nach Hamburg., Savoia‟
13. Nov. 11 Uhr 30 Min. morgens in Boſton.
Amerika” 16. Nov. 1 Uhr 30 Min nachm. in New=
York. „Savoia” 16. Nov. 4 Uhr nachm. von Boſton
nach New=York. „Saxonia, 16. Nov. 5 Uhr nachm. von
Galveſton nach Hamburg. — Weſtindien, Mexiko,
Süd=
amerika: „Etruria” nach Braſilien, 14. Nov. 10 Uhr
morgens in Havre. „Granada”, von Bahia Blanca
kommend, 14. Nov. 3 Uhr nachm. von Montevideo über
Madeira nach Hamburg. „Illyria” ausgehend, 13. Nov.
in Corral. „König Wtlhelm II.”, heimkehrend, 14. Nov.
10 Uhr morgens von Buenos Aiers. „Fürſt Bismarck”
nach Havana und Mexiko, 17. Nov. 4 Uhr morgens von
Havre. „Kronprinzeſſin Cecilie” heimkehrend, 16. Nov.
von Vera Cruz. „Sachſenwald” von Weſtindien
kom=
mend, 16. Nov. 2 Uhr morgens in Havre. —
Ver=
ſchiedene Fahrten: „Swakopmund” von Weſtafrika
kommend, 13. Nov. von Las Palmas. „Cleveland‟,
erſte Weltreiſe, 17. Nov. in Bombay.
Holland=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Aug. Cellarius in Darmſtadt, Bleichſtr. 53.
„Nieuw. Amſterdam” 14. Nvv. 10 Uhr 15 Min. vorm.
von Boulogne abgegangen. „Noordam” 12. Nov. vorm.
von New=York abgegangen. „Ryndam” 14. Nov.
nachm. in New=York eingetroffen. „Potsdam” 9, Nov.
vorm. in Rotterdam eingetroffen.
Todes=Anzeige.
(Statt jeder besonderen Anzeige.)
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen innigſtgeliebten Gatten
Herrn Hermann Wilbrand
Großh. Forſtaſſeſſor, Leutnant d. L.
heute vormittag 7½ Uhr nach kurzem Leiden zu ſich zu rufen.
Darmſtadt, 20. November 1912.
(24026
Else Wilbrand, geb. Schnittspahn,
zugleich im Namen der Familien Wilbrand, Schnittspahn u. Rohde.
Die Beerdigung findet Samstag, den 23. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, auf dem Darmſtädter
Friedhofe=
die Einſegnung ¼ Stunde vorher im Trauerhauſe Heinrichſtraße 110 ſtatt.
Es wird gebeten, von Kondolenzbeſuchen abſehen zu wollen.
Aiten haben Ihn Windmond Zenannt,
den November, und ſie haben gewußt, warum.
Iſt doch kein Monat ſo ſehr durch Wind und
1 Nebel ausgezeichnet, als der vorletzte Monat des
Jahres — keiner aber natürlich auch gefährlicher
für empfindliche Menſchen, als wieder dieſer
Monat. Um dieſe Zeit dürfen Fays ächte
Sodener Mineral=Paſtillen in keinem Haushalt
fehlen, damit ſie bei plötzlich auftretenden
Er=
kältungen, Katarrhen ꝛc. ſofort zur Hand ſind
und ernſteren Erkrankungen vorbeugen. Die
Schachtel koſtet nur 85 Pfg. und iſt in allen
Apotheken und Drogerien zu haben. Man hüte
ſich aber vor Nachahmungen.
(22827M
Todes=Anzeige.
Heute morgen entſchlief ſanft, verſehen mit
den heiligen Sterbeſakramenten, unſere liebe,
gute Schweſter, Schwägerin und Tante
Frau
Kunigunde Filsinger
geb. Buchert
was wir tiefbetrübt allen Verwandten und
Bekannten ſtatt jeder beſonderen Anzeige zur
Kenntnis bringen.
Um ſtille Teilnahme bitten
im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Geſchwiſter Buchert.
Darmſtadt, den 20. November 1912.
Die Beerdigung findet Freitag, den 22. d. M.,
nachm. 3 Uhr, vom Trauerhauſe
Schwanen=
ſtraße 41 aus, ſtatt.
(24037
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Geſtern abend entſchlief zu Bocholt in
Weſtfalen nach längerem Leiden mein lieber
Bruder, der Prokuriſt
(B24036
Herr
Julius Lichtenberg.
In tiefer Trauer:
Emilie Lichtenberg.
Darmſtadt, den 20. November 1912.
Auf Wunſch des Verſtorbenen findet die
Be=
erdigung zu Bocholt ſtatt.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die Depreſſion, die geſtern über Island lag, liegt
heute weſtlich Skandinaviens und ſendet Randwirbel
nach der Oſtſee. Hoher Druck liegt über der Biskaya
und eine Brücke liegt über den Alpen. Wir haben daher
friſche weſtliche Winde; die Temperaturen liegen in
Deutſchland bei 5 Niederſchläge fielen verbreitet, jedoch
in unerheblicher Menge. In Heſſen erreicht der
Nieder=
ſchlag etwas höhere Werte. Die Depreſſion dürfte jetzt
etwas langſamer unter Verflachung ſüdoſtwärts ziehen,
ſo daß wir auf ihrer Rückſeite kühleres Wetter mit
Regenſchauer zu erwarten hätten.
Ausſichten für Donnerstag, den 21. November:
Wechſelnd bewölkt, Regenſchauer (im Gebirge Schnee),
kälter.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. B), Anfang 7½ Uhr: „Das
Prinzip”
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Konzert der Violinvirtuoſin René Chemet und der
Klaviervirtuoſin Germaine Schnitzer um 8 Uhr in der
Turnhalle am Woogsplatz (Richard Wagner=Verein).
Tee mit muſikaliſcher Unterhaltung des
Frauenvereins der Südoſtpfarrei um 4½ Uhr im
Ge=
meindehaus (Kiesſtraße).
Konzerte: Hotel Heß um 3 Uhr. — Rummelbräu um
8 Uhr. — Bürgeckeller um 8 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſez
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. November 1912.
Nummer 275.
A
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Die Mitgliederverſammlung
findet Donnerstag, den 5. Dezember 1. Js., 7 Uhr
abends, in den oberen Geſellſchaftsräumen ſtatt.
— Tages=Ordnung:
a) Vorlage der Rechnungen der Geſellſchaftskaſſe
und der Weinkaſſe für 1911,
b) Vorlage des Voranſchlags für 1913
c) Aufnahme eines weiteren Geſellſchaftsdarlehens.
(24008
Darmſtadt, den 48. November 1912.
Der Ausschuss.
Zur General=Verſammlung
des Heſſiſchen Fröbel=Vereins zu Darmſtadt
im Fröbel=Institut, Saalbaustrasse 8, parterre,
Mittwoch, den 27. November, 5½ Uhr abends
werden alle Mitglieder und Freunde des Vereins freundlichſt ein=
(23985
geladen.
Tagesordnung: 1. Erſtattung des Geſchäftsberichtes.
2. Prüfung der Jahresrechnung.
3. Feſtſtellung des Jahres=Voranſchlages.
Die Vorſitzende: Th. Schultz=Gora.
Einladung zur Haupiberſamnlung
des Heſſiſchen Landesvereins für Frauenſtimmrecht
in Darmſtadt, 24. November 1912
im „Hotel Hess‟.
Vormittags ½11—1 Uhr geſchloſſene Sitzung.
Nachmittags 3 Uhr öffentliche Sitzung.
Ca. 5 Uhr:
Referat: „Was uns Frauen not tut”.
Ref.: Frau Buckſath
Freie Ausſprache.
Daran anſchließend gemütliches Zuſammenſein.
Gemeinſchaftliches Mittageſſen im „Hotel Heß”. Anmeldungen
(23991
baldigſt an Fräulein Walz, Karlſtraße 43.
Zur geſchloſſenen Sitzung haben alle Mitglieder der heſſiſchen
Stimmrechtsvereine Zutritt, auch können ſie ſich an allen Ausſprachen
geteiligen.
Vortragsabend
zum Besten der Freiwilligen
Sanitäts-
kolonne vom Roten Kreuz „Darmstadt‟
am 23. November 1912, 8 Uhr, im Concordiasaal, Waldstr. 33
Lichtbilder-Vortrag
über das deutsche Rote Kreuz, sein Werden, Wachsen
und Wirken
Rezitationen des Herrn Fredy Wiener, Darmstadt
Eintrittspreise: Num. Platz Mk. 2.—. Saal Mk. 1.—, Vorsaal
oder Galerie Mk. —.50.
Ständige Rettungswache, Bismarckstr. 28,
Verkaufsstellen. Geschäftszimmer der Sanitätskolonne im
alten Theater (Hochschulstr.), Verkehrsbüro, Käthe Remlinger.
Wilhelminenstr. 6, Baussmann. Schwanenstr. 20.
759sd
Langerlagentur: Geora Thies Mnont. 1. opol Sonuier Darmsiadt.
Donnerstag, 28. November 1912, 8 Uhr,
Musikvereinssaal
Einmaliger Liederabend
von Aenni Wiedand
aus Frankfurt a. M.
(24032di
Am Flügel: Paul Meyer aus Frankfurt a. M.
Der Seiler-Konzertflügel ist aus dem Lager von G. Thies
Nachf., Leopold Schutter. Hoflieferant, Elisabethenstr. 12.
Karten zu Mk. 4.—, 3.-, 2.— u. 1.— in der Hot.
musikalien- u. Pianohandlg. G. Thies Nachf., Leop.
Schutter. Elisnhathenett
r Abor
24027
Frauenverein der Johannesgemeinde.
Freitag, den 22. November, abends 8 Uhr,
im Gemeindehaus
Vortrag des Herrn Pfarrer Rübel von Frankfurt a. M.
über die Frage:
„Bekümmert ſich Gott um den Einzelnen”
Der Eintritt iſt für die Mitglieder und deren Angehörige frei.
(23987
Nichtmitglieder zahlen 50 Pfg.
Der Vorstand.
Konzert-u. Varisté-SaalPerkeo
Alexanderstrasse 14
Sonntag, den 24. November (*12318dfs
Anfang nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr
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NB. Sämtliche Mitwirkende sind erstklassige Künstler u. dürften
den vorchrlichen Besuchern einige genußreiche Stunden
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Kartenverkauf nicht ſtalt.
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Nummer 275.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. November 1912.
Seite 9.
Ven Brot
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Schwarzbrot 40
Weſtfäliſches
Bauernbrot 60
Steinmetzbrot 35
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Schürzensatin
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Hemden-
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130 cm breit
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Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. November 1912.
Nummer 275.
Zahn-Créme
Luftfahrt.
sr. Die Einweihung des neuen
Pots=
damer Luftſchiffhafens der von der
Luftſchiff=
bau=Zeppelin=Geſellſchaft eingerichtet worden iſt, erfolgte
durch den Zeppelin=Luftkreuzer „Hanſa” der Dienstag
morgens halb 9 Uhr unter Führung von Dr. Eckner und
Oberingenieur Dörr von Gotha abgefahren war und
mit=
tags 1.15 Uhr vor der neuen Luftſchiffhalle landete. Der
Potsdamer Luftſchiffhafen iſt die großzügigſte Anlage
dieſer Art, die es in Deutſchland und wohl auch auf der
ganzen Welt gibt. Die Halle iſt zur Aufnahme zweier
Zeppelin=Luftkreuzer eingerichtet; ſie hat eine Länge von
170 Meter und eine Breite von 55 Meter, ſo daß auch noch
größere Zeppelinkreuzer, deren Bau vielleicht in kürzerer
Zeit zu erwarten iſt, dort Unterkunft finden können. Um
das Bergen der Luftſchiffe zu vereinfachen, führen von
dem Ankerplatz im Freien beſondere
Einfahrtsvorrichtun=
gen zu der 300 Meter entfernten Halle. Dieſe beſtehen aus
einer Schienenbahn, auf der ſich Laufkätzchen bewegen,
auf denen wiederum die Luftkreuzer feſtgemacht werden.
Auf dieſe Weiſe iſt es möglich, ſelbſt bei ſtarkem Winde,
ein gefahrloſes Einbringen zu ermöglichen. An die große
Halle, die ſich 35 Meter hoch erhebt, reihen ſich
Betriebs=
räume, ferner beſondere Umkleideräume für die Paſſagiere
reſpektive für die Preſſe, Poſt uſw. Die Arbeiten wurden
unter der Oberleitung des Regierungsbaumeiſters Milatz,
der im Bau von Luftſchiffhallen in Köln und
Königs=
berg Erfahrungen geſammelt hat, ausgeführt.
Vermiſchtes.
CK. Das „Vaterlund” des Türken. Für ſeinen
Padi=
ſchah, den Sultan, wird der Osmane im Kriege freudig
ſein Leben laſſen; für ſeinen Glauben, für die Heiligkeit
des Islam und die Lehre des Propheten kämpft er
löwen=
mutig; ſcheut den Tod nicht, wenn es gilt, Familie und
heimiſchen Herd zu verteidigen. Aber haben die türkiſchen
Soldaten, die jetzt auf der Balkanhalbinſel ihr Blut
hin=
geben, den Begriff, daß ſie dort ihr Vaterland
verteidi=
gen? Dem frommen Mohammedaner, der in
Konſtantino=
pel oder ſonſt im türkiſchen Europa ſein Haus hat, gilt ja
eigentlich nicht Europa als Vaterland, ſondern Aſien;
wenn er ſtirbt, läßt er ſich am liebſten in der „heiligen
Erde” begraben, und viele Einwohner von Konſtantinopel
beſtimmen in ihrem letzten Willen, drüben in Skutari
be=
erdigt zu werden. Der Begriff des Vaterlandes im
euro=
päiſchen Sinne iſt, wie Profeſſor Paul Horn in ſeiner
Geſchichte der modernen türkiſchen Literatur ausführt, erſt
in jüngſter Zeit dem osmaniſchen Volke nahe gebracht
worden. Zuerſt war es der Dichter Schems Samy, der
darauf hinwies. Aber den Vaterlandsgedanken heimiſch
gemacht hat bei den Türken erſt Namyk Kemal in
ſeinem Aufſehen erregenden Bühnenwerk „Vaterland
oder Siliſtria”, das 1875 erſchien. Den Inhalt des
Dra=
mas bildet die heldenmütige Verteidigung der kleinen
Feſtung Siliſtria im Jahre 1854 gegen die Ruſſen. Ein
glühender Patriotismus lebt in den Szenen und die
ein=
gelegten vaterländiſchen Lieder in ihrer begeiſterten
Sprache haben ein wuchtiges, fortreißendes Pathos.
Viele Sätze aus Kemals Stück, ſo zum Beiſpiel „Das
Vaterland iſt heilig”, „Sein Brot eſſen wir, in ſeinem
Schatten leben wir” befremdeten die Landsleute des
Dichters, waren ihnen unverſtändlich, denn der Türke ißt
das Brot des Sultans und lebt im Schatten des
Padi=
ſchah. Aber die begeiſterte Aufnahme, die das Drama
fand, die vielen Auflagen, in denen es gedruckt wurde, die
Wirkung, die dieſe Dichtung noch heute ausübt, beweiſen,
daß die Osmanen den Begriff des Vaterlandes, wie ihn
Kemal darſtellte, in ihre Herzen aufgenommen haben. Das
Werk konnte zwar nur einmal aufgeführt werden, denn
die zweite Vorſtellung wurde bereits verhindert, weil die
Sprache Kemals der Regierung zu offen und freimütig
war; weil er zu deutlich ſagte, was faul ſei im Staate. Aber
die Nachahmungen, die es gefunden, die Spuren, die es
in der ganzen modernen türkiſchen Literatur hinterlaſſen,
deuten darauf hin, daß die Türken heute den europäiſchen
Balkan auch als ihr Vaterland betrachten und verteidigen
werden.
Literariſches.
— Im Verlag von Stephan Geibel in Altenburg
er=
ſchienen: „Sechs Mädels‟ Eine Erzählung für
Back=
fiſche von Paul Schettler. Mit ſieben bunten und
ſchwarzen Vollbildern von Rudolf Braun. Preis elegant
gebunden 3.80 Mk. Jedes junge Mädel wird mit
glühen=
den Wangen die Schickſale dieſer 6 Schweſtern verfolgen,
wie ſie uns Schettler in ſeinen „Sechs Mädels” ſchildert,
dieſen ſechs Schweſtern, die bei all ihrer Liebe zueinander
doch ſo grundverſchieden ſind; jede wird unter ihnen einen
Liebling finden, der ihre beſondere Anteilnahme hat, ſei
es die fidele abenteuerluſtige Edith, die ernſte, fleißige
Charlotte, oder die arme kleine Eva. Die reizenden Bilder
von Rudolf Braun machen die Erzählung zu einem Buch,
nach dem jedes junge Mädel — und auch jede die es einſt
war — mit Freuden greifen und das es nicht aus der
Hand legen wird, bis — es die letzte Seite verſchlungen
hat. — Flennkränzchen. Eine Erzählung für junge
Mädchen von Emmy Lehr. Mit fünf bunten und
ſcharzen Vollbildern von Rud. Braun. Aus
Großmutter=
tagen, das iſt es, was unſere Backfiſche mit Begeiſterung
erfüllen wird, zumal, wenn es eine ſo anmutige,
lebens=
warme Schilderung erfährt, wie in dem vorliegenden
Büchlein von Emmy Lehr. Das Kränzchenleben unſerer
Großmutter! Wer hätte von dem jungen Volk nicht
In=
tereſſe dafür? „Großmutter, erzählen” ſo klingt es bis
auf den heutigen Tag durch jedes Haus. Eine geſunde
und herzerfriſchende Lektüre iſt das „Flennkränzchen”, kein
überſpanntes Buch, das die jungen Köpfe verwirrt,
ſon=
dern ein Buch, das die lenzfriſche Jugend bald lieben und
lieb behalten wird.
— Severin Lieblein: Der Letzte ſeines
Geſchlechts. Die Geſchichte einer Jugend. Leipzig,
Verlag der Nordiſchen Bücherei von Georg Merſeburger.
Preis broſch. 2.50 Mk., gebd. 3.50 Mk. (Aus der
Samm=
lung Bücher für die ganze Familie.) Severin Lieblein
iſt ein Sohn des bekannten orientaliſchen Sprachforſchers.
Mit ſeinem Vater unternahm er ſchon frühzeitig große
Reiſen durch die ganze Welt. Und es liegt jetzt hinter ihm
ein langes Leben voller Erlebniſſe und Abenteuer. Nun
ſitzt er auf ſeinem Hof in Eidsvold oben in Norwegen
und ſchreibt gute Bücher. Hier iſt eins davon, das ſich
„Der Letzte ſeines Geſchlechts” nennt. Es iſt die Geſchichte
eines reinen, friſchen Jungen, der unter der Obhut einer
wunderlichen, aber auch wundervollen alten Großmutter
auf einem Landgute aufwächſt. „Der Letzte ſeines
Ge=
ſchlechts” iſt ein Buch von ganz außerordentlicher Reinheit
und Schönheit. Es iſt ein Buch für die reifere Jugend
wie für jedermann.
Das Buch für meine Kinder. Märchen
und Lieder von Jlulius Sturm. Mit Holzſchnitten
nach Originalzeichnungen von Fedor Flinzer, Joſ. Ritter
von Führich, Oskar Pletſch, Ludwig Richter, Paul
Thu=
mann u. a. Neue 3. Auflage. Preis gebunden 3 Mark.
Julius Sturm iſt als Jugendſchriftſteller zu bekannt, um
über das Buch viel ſagen zu müſſen. Die Tatſache, daß
die erſten 2 Auflagen in kürzeſter Zeit vergriffen waren,
ſpricht am beſten für deſſen Beliebtheit, umſomehr, als der
Preis des Buches bisher 6 Mark betrug. Nachdem dieſer
bei gleich vorzüglicher Ausſtattung der neuen Auflage auf
nur 3 Mark feſtgeſetzt iſt, dürfte ſeinem Buche die ihm
gebührende Volkstümlichkeit verſchafft werden. Sturm
ſagt ſelbſt in ſeinem Vorwort zur zweiten Auflage: Daß
das Buch im Laufe von nur drei Jahren in ſo zahlreichen
Familien Eingang gefunden hat, verdanke ich, wie ich mir
nicht verhehle, dem größten Teile nach den köſtlichen
Bil=
dern, mit denen viele unſerer beſten Künſtler meine
Mär=
chen und Lieder gütigſt geſchmückt haben. Verlag von
Hegel u. Schade, Leipzig.
Gewinnauszug
der
1. Drenſiſch-Küddentſchen
(227. Königlich Preußiſchen) Klaſſenlatterie
6. Klaſſe 10. Ziehungstag 19. November 1912
Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II.
(Nachdruck verboten)
(Oin Gwhr u. Stcl. ſ. 3)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 10000 Mk. 58318
8 Gewinne zu 5000 Mk. 44190 123354 189891
199589
82 Gewinne zu 3000 Mk. 3181 10796 12151 25763
29797 30597 31638 42019 63243 53557 59300 65637
69366 75287 87344 89606 90369 90823 94797. 106017
115436 120593 121420 123217 133446 143473 148261
149264 153702 154522 158239 160000 163666 163961
170018 180719 184810 185698 197233 207221 207776
112 Gewinne zu 1000 Mk. 4610 12624 17216 17466
18617 22725 25883 27685 41139 47247 147622 63166
68024 68124 64703 67416 72997 76084 81736 85264
87231 87822 88000 88809 95961 98111 100836 104272
107365 109890 111117 116947 122454 131210 140186
140869 141419 156222 163254 164043 166812 171908
173293 175332. 176738 182938 187021 187551 188190
186895 190064 190215 194227 197454 199855 207650
212 Gewinne zu 500 Mk. 1813 3986 8984 9720
9973 10349 19423 20279 22607 24348 24841 26857
26602 31261 33315 39122 42135 46242 47524 47660
49151 51191 53468 56487 57373 62882 63129 64032
65962 69168 69639 70063 70339 71282 75704 76427.
80832 81689 82259 82595 82969 83851 84291 87347
88888 88922 95860 96040 97586 106907 106178 107950
108484 108507 109987 111753 113863 114574 116586
119524 126907 127349 127660 132979 133399 134324.
134454 136534 142083 144959 145174 145616 146234.
149096 152440 152679 160584 161014 162964 163423
165130 167546 167578 167585 174027 176667 177744
178564 179627 181070 181111 181501 183075 183199
184360 186414 187234 189427 189782 194593 195483
195863 198118 198413 198767 200875
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
14 Gewinne zu 5000 Mk. 16928 23997 41775 99638
106378 108244 190949
80 Gewinne zu 3000 Mk. 5163 6421 17622 18600
23168 26094 28624 30425 34095 42493 43063 48422
50988 52394 53224 63423 70402 71417 79025 19700
97698 99814 105612 110026 112150 113456 115027
120175 120550 124218 135165 138906 141030 142011.
148084 160063 161732 171436 190771. 199575
144 Gewinne zu 1000 Mk. 3636 3730 5967 111154
13690 15954s 16042 22278 29057 33075 37640 37891.
42035 44453 48440 50474 51024 59825 59868 170922
71831 73057 77697 178887 82179 83302 92486 93110
94286 96788 98951 107623 106509 111366 113258. 114946
118453 118684 121425 122620 123535 1123581 128337
134770 138912 139853 140386 143589 143966 146633
146978 149414 150880 152154 156128 162615 165196
166033 170476 172412 174686 175738 176615 177816
178013 183356 185313 165795 188503 188910 198383
207053
238 Gewinne zu 500 Mk. 1090 1294 1731 2891.
3335 3821 9355 10731 11467 12486 15320 16354.
16411 17438 19183 19429 22586 23166 24586 24936
28755 29356 30429 32560 34784 39912 41493 47080
47615 47623 49681 50217 51200 51753 54158 55644
56115 57703 58526 59026 60546 63293 64635 66390
67624 68344 69008 70387 71061 72704 76277 77002
77200 77433 78137 78448 80982 81410 82889 84827
84957 86104 86863 87519 38436 90610 97239 97823
98532 100575 100708 102016 102137 104029 105029
107686 108189 109746 111275 112108 113454 115353
116823 118795 125086 125129 126368 129116 132741
133835 134765 135161 137270 141020 146734 150485
152734 153931 159642 159987 160080 165753 166982
168524 171252 171638 172487 173058 178968 179227
181899 183969 186011 191280 192760 197535 197689
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Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
1912.
§ 154.
Donnerbiag. 21. Robenber.
Ze nmunemaen
in Mainz ſtattfindenden Pferde= und Fohlenmärkten je eine Verloſung von Wagen,
Pferden, Pferdegeſchirren, landwirtſchaftlichen Maſchinen, Silbergegenſtänden, ſowie
ſonſtigen Gebrauchsgegenſtänden zu verbinden.
Großh. Miniſterlum hat die nachgeſuchte Erlaubnis zur Veranſtaltung dieſer
Verloſungen unter der Bedingung erteilt, daß für jede Verloſung bis zu 25 000 Loſe
zu 1 Mk. das Stück ausgegeben werden dürfen und mindeſtens 50% des
Brutto=
erlöſes aus dem Verkaufe der Loſe zum Ankauf von Gewinngegenſtänden zu
ver=
wenden ſind.
Zugleich iſt der Vertrieb der Loſe im Großherzogtum geſtattet worden. (24025
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Nachſuchung der Berechtigung zum einjährig=freiwilligen Dienſt auf
Grund von Schulzeugniſſen.
Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugniſſe die
Berech=
tigung zum einjährig=freiwilligen Dienſt nachſuchen wollen, werden hierdurch auf die
nachfolgenden, bei Anbringung der Geſuche zu beachtenden Vorſchriften mit dem
An=
fügen aufmerkſam gemacht, daß hiernach unvollſtändige Geſuche ohne weiteres
zurück=
gegeben werden.
1. Das Geſuch iſt bei der unterzeichneten Prüfungs=Kommiſſion nur dann
einzureichen, wenn der ſich Meldende im Großherzogtum geſtellungspflichtig iſt,
d. h. ſeinen dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Berechtigung zum einjährig=freiwilligen Dienſt kann nicht vor vollendetem
17. Lebensjahr und muß ſpäteſtens bis zum 1. Februar des Jahres nachgeſucht
werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird.
Sollten einzelne der nachſtehend unter a—d aufgeführten Papiere und insbeſondere
das Schulzeugnis wegen noch nicht vollendetem Schulbeſuch bis zu vorangeführtem
Termin nicht vorgelegt werden können, ſo iſt gleichwohl das Geſuch bis zu dieſem
Zeit=
punkt einzureichen und in demſelben anzugeben, daß die etwa noch fehlenden Papiere
nachfolgen würden. Die Einreichung dieſer Papiere muß bei Verluſt des Anrechts
der Berechtigung ſpäteſtens bis 1. April desſelben Jahres erfolgen.
3. Das Geſuch muß von dem Betreffenden ſelbſt geſchrieben ſein und iſt hierzu
ein Bogen im Aktenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch iſt die nähere
Adreſſe anzugeben. Das Geſuch iſt an die unterzeichnete Behörde, ohne perſönliche
Adreſſe zu richten.
4. Dem Geſuche ſind folgende Papiere beizufügen:
a) Geburtszeugnis (Auszug aus dem Zivilſtandsregiſter, nicht Taufſchein).
b) Die Einwilligung des geſetzlichen Vertreters mit der Erklärung, daß für
die Dauer des einjährigen Dienſtes die Koſten des Unterhalts, mit Einſchluß
der Koſten der Ausrüſtung, Bekleidung und Wohnung, von dem Bewerber
ge=
tragen werden ſollen; ſtatt dieſer Erklärung genügt die Erklärung des
geſetz=
lichen Vertreters oder eines Dritten, daß er ſich dem Bewerber gegenüber zur
Tragung der bezeichneten Koſten verpflichte und daß, ſoweit die Koſten von
der Militärverwaltung beſtritten werden, er ſich dieſer gegenüber für die
Er=
ſatzpflicht des Bewerbers als Selbſtſchuldner verbürge,
Die Unterſchrift des geſetzlichen Vertreters und des Dritten, ſowie die
Fähigkeit des Bewerbers, des geſetzlichen Vertreters oder des Dritten, zur
Be=
ſtreitung der Koſten iſt obrigkeitlich zu beſcheinigen. Uebernimmt der geſetzliche
Vertreter oder der Dritte die in vorſtehendem Abſatze bezeichneten
Verbindlich=
keiten, ſo bedarf ſeine Erklärung, ſofern er nicht ſchon kraft des Geſetzes zur
Gewährung des Unterhalts verpflichtet iſt, der gerichtlichen oder notariellen
Beurkundung.
Der Regel nach iſt dem Schuzengnis ein enſprechendes Formilar beis
gefügt auf welches ausdrücklich Bezug genommen wird.
c) Ein Unbeſcholtenheitszeugnis, welches für Zöglinge von höheren Schulen
(Gymnaſien, Realgymnaſien, Ober=Realſchulen, Progymnaſien, Realſchulen,
Realprogymnaſien, höheren Bürgerſchulen und ſonſtigen miltärberechtigten
Anſtalten) durch den Direktor der Anſtalt, für alle übrigen jungen Leute durch
die Polizei=Obrigkeit oder ihre vorgeſetzte Dienſtbehörde auszuſtellen iſt.
d) Das Schulzeugnis.
Sodann wird noch beſonders bemerkt:
zu pos. d) daß die Schulzeugniſſe, mit Ausnahme der Reifezeugniſſe, für die
Uni=
verſität und die derſelben gleichgeſtellten Hochſchulen und Reifezeugniſſe
für die Prima der Gymnaſien, Realgymnaſien und Ober=Realſchulen,
ſowie Reifezeugniſſe (Zeugniſſe über die beſtandene Schlußprüfung) der
Prognmnaſten, Realprogymnaſien und Realſchulen, ſämtlich nach Muſter 18
zur Wehr=Ordnung vom 22. November 1888 — Neuabdruck Reg.=Bl.
Nr. 68 von 1901 — ausgeſtellt ſein müſſen.
Im übrigen wird auf die Beſtimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der
an=
geführten Wehrordnung verwieſen.
Großherzogliche Prüfungs=Kommiſſion für Einjährig=Freiwillige zu Darmſtadt.
Der Vorſitzende:
von Werner, Regierungsrat.
(24005a
Bekanntmachung.
Einſtellung von Dreijährig=Freiwilligen.
Die Minenabteilung in Cuxhaven ſtellt im Frühjahr 1913 dreijährig=freiwillige
Minenmatroſen und Minenheizer ein und zwar
a) als Minenmatroſen
Seeleute, See= und Flußſchiffer, Fiſcher, Handwerker und andere Berufe,
b) als Minenheizer
Maſchiniſten und Heizer, Maſchinenbauer, Keſſelſchmiede, Kupferſchmiede,
Elektro=
techniker, Mechaniker und ähnliche Berufe. Dreijährige Zivillehrzeit und Beſteben
einer Prüfung (Deutſch, Rechnen, Zeichnen) gibt die Möglichkeit zur Kapitulation für
die Minenmaſchiniſtenlaufbahn.
Junge Leute, die beabſichtigen, als Freiwillige einzutreten, müſſen ein Geſuch
mit einem ſelbſtgeſchriebenen Lebenslauf, ihren Zeugniſſen und einen vom
unter=
zeichneten Zivilvorſitzenden der Erſatzkommiſion zu erbittenden Meldeſchein zum
frei=
willigen Eintritt baldigſt an das Kommando der Minenabteilung in Cuxhaven
ein=
ſenden. Die ärztliche Unterſuchung wird dann durch das Bezirkskommando veranlaßt=
Darmſtadt, den 18. November 1912.
Der Zivil=Vorſtitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
Dr. Reinhart.
An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Ich empfehle Ihnen, die vorſtehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weiſe
(24004a
zur allgemeinen Kenntnis zu bringen.
Darmſtadt, den 18. November 1912.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt.
Dr. Reinhart.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 5o
be=
finden ſich: 1 Spitzhund, 2 Pinſcher, 1 Dobermann. 1 Pinſcher (
zu=
gelaufen). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem
5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht
ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um
(24002
10 Uhr, ſtatt.
Bekanntmachung
über die Dauer des Geſindedienſtverhältniſſes.
Nach den Beſtimmungen der Artikel 6 und 7 des Geſetzes, die
Geſindeordnung betreffend, vom 28. April 1877 in der Faſſung vom
3. Auguſt 1899 und des Ortsſtatuts für die Stadt Darmſtadt, vom
12. Februar 1900, gelten ſämtliche Dienſtbotenverträge, für welche
nicht ausdrücklich eine beſtimmte Dienſtdauer vereinbart oder aus
den Umſtänden zweifellos zu entnehmen iſt, als auf die Dauer
eines Kalendervierteljahres abgeſchloſſen.
Wird ein ſolcher Dienſtvertrag nicht vier Wochen vor dem
Ablauf des Kalendervierteljahres aufgekündigt, ſo iſt er
ſtill=
ſchweigend auf ein weiteres Kalendervierteljahr als ernent
anzuſehen.
Es ergibt ſich hieraus, daß in der Stadt Darmſtadt
Dienſt=
botenverträge nur auf den 1. Januar, 1. April, 1. Juli und
1. Oktober aufgekündigt werden können, und daß die Kündigung
ſpäteſtens vier Wochen vor dem jeweiligen Termin erfolgt ſein
muß, es ſei denn, daß ausdrücklich etwas anderes zwiſchen den
Parteien vereinbart oder mit Sicherheit aus den obwaltenden
Um=
ſtänden zu entnehmen iſt.
Dies gilt auch dann, wenn der Lohn nach Monaten
be=
meſſen iſt, da der von monatlicher Lohnzahlung handelnde Abſ. 4.
des Art. 6 der Geſindeordnung mit den übrigen Beſtimmungen des
Art. 6 durch das erwähnte Ortsſtatut außer Kraft geſetzt iſt.
Ebenſo macht es keinen Unterſchied, ob ein Dienſtverhältnis
am Anfang oder erſt im Laufe eines Kalendervierteljahres
ein=
gegangen worden iſt, da ein im Laufe des Kalendervierteljahres
eingegangenes Dienſtverhältnis zunächſt bis zum Ende des
Kalender=
vierteljahres und dann in der oben bezeichneten Weiſe von
Viertel=
jahr zu Vierteljahr weiterläuft.
Das Kalendervierteljahr beginnt mit dem erſten Werktag eines
Vierteljahres und endigt mit dem Beginn des folgenden
Kalender=
vierteljahres (Ortsſtatut vom 12. Februar 1900, Abſatz 2).
(23965ms
Darmſtadt, den 18. November 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Verſteigerungs-Anzeige.
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b) vorausſichtlich: 8 Diwans, 2 Trumeaux, 6 Sofas,
10 Vertikos, 3 Büfetts, 1 Pianino, 3 Kommoden, 4
Waſch=
tiſche, 3 Spiegel=, 2 Glas=, 6 Kleider= und 2 Kaſſenſchränke,
1 Schreibſekretär, 1 Landauer, 1 Viktoriawagen, 1
Schreib=
maſchine, 1 Uhr, 1 Nähmaſchine, 1 Klavier, 1 Wagen pp.;
e) auf freiwilligen Antrag, gegen
Barzah=
lung: 2 vollſt. Betten, 1 Vertiko, 1 Kleiderſchrank,
1 Küchenſchrank, 4 Bockſtühle, 2 Küchenſtühle, 2 Tiſche,
1 Nachtſchrank, 1 Tiſchdecke pp.
(23986
Darmſtadt, den 20. November 1912.
Thüre, Großh. Gerichtsvollzieher,
Bleichſtraße 9.
Steuer=Erhebung.
Das 4. Ziel der
Gemeinde=
ſteuer für das Rechnungsjahr
1912 iſt, bei Vermeidung der
Mah=
nung, bis längſtens Ende dieſes
Monats an den Werktagen,
vor=
mittags von 8½ bis 12½ Uhr,
hierher zu entrichten.
Im Intereſſe raſcheſter
Ab=
fertigung an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder
abge=
zählt bereit zu halten.
Darmſtadt, 2. November 1912.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (23069a
Schulgeld=Erhebung.
Das Schulgeld für das Großh.
Realgymnaſium und deſſen
Vor=
ſchule, die Großh. Liebigs= und
die Großh. Ludwigs=
Oberreal=
ſchule, die Vorſchule der Großh.
Gymnaſien, die Viktoriaſchule
und das Lehrerinnenſeminar, die
Eleonoren= und Frauenſchule,
ſowie die Mittelſchulen für das
IV. Kalendervierteljahr 1912
iſt — bei Meidung des
Beitrei=
bungsverfahrens — bis Ende Ifd.
Mts. an den Werktagen,
vormit=
tags von 8½ bis 12½ Uhr, hierher
zu entrichten.
Darmſtadt, 2. November 1912.
Die Stadtkaſſe.
(23068a
Koch.
hoſe mit Weſte, Capes,
Aſtra=
chanjacke und anderes zu
ver=
auf. Landgraf Philipp=Anlage60½,
(*12286
arterre.
Aen gonarmt mit reiht. Zub,
P (3218 zu verk., desgl. Turn=
(*12285
apparat. Näh. Exp.
Grundſtucks=
Verpachtung.
Verſchiedene kleinere Aecker u.
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gelände ſind zu verpachten. Zu
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wichſt zu ſoliden Preiſen (24007a
Eckhardtſtraße 2, 1. Stock.
Bekanntmachung.
Aus der am 19. Februar 1827 zur Feier der goldenen Hochzeit
Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs Ludewig I. und der
Großherzogin Luiſe von der Vereinigten Geſellſchaft gegründeten
Stiftung ſoll am 19. Februar 1913 einem durch Sittlichkeit
ausge=
zeichneten unhemittelten Brautpaare, welches ſich bleibend in
Darm=
ſtadt niederläßt, die ſtiftungsmäßige Ansſtattung zuerkannt werden.
Diejenigen Brautpaare, welche auf dieſe Ausſtattung Anſpruch
machen zu können glauben, haben ihre Anmeldungen — nebſt den
erforderlichen Beſcheinigungen über ihre Sittlichkeit ſowohl als
darüber, daß ſie ſich bleibend dahier niederlaſſen wollen und, im
Falle ſie Dienſtboten ſind, über ihre Dienſtzeit — längſtens bis
zum 10. Januar 1913 bei dem Ausſchuß der Geſellſchaft (
Rhein=
ſtraße 36) einzureichen.
Darmſtadt, den 18. November 1912.
(24013
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Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. November 1912.
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Mannchen.
Roman aus Maſuren von Horſt Bodemer.
(Nachdruck verboten.)
18)
Es war ein vergnügliches Jagen durch den
knie=
tiefen Schnee, über Felder und Eis, durch Geſtrüpp und
Hochwald. Und dazu kamen die großen Flocken vom
Himmel.
Die Strecke konnte ſich ſehen laſſen: ſiebzehn Stück
Schwarzwild und ſechs Geweihte, ſowie drei Füchſe.
Jagdkönig war der alte Sollenſtern geworden. Er ſtöhnte
und krächzte zwar und ſchimpfte über ſeine maroden
Pe=
dale, wenn er aber die Flinte an die Backe riß, dann bliel
das Wild im Feuer.
Mannchen nahm ſeinen Onkel beiſeite. Setze
Roß=
dorff bei Tiſch neben Agathe Dittmark!
Hätt’ ich ſo wie ſo getan, alter Schlauberger. Drei
Groſchen ſetz ich gegen meinen Weinkeller, wenn der
Prachtkerl nicht Feuer gefangen hat. Ja dochchen, meine
Lichter ſind noch ganz gut
Die Wette wird Deinen Weinkeller nicht in Gefahr
bringen, Onkelchen!
Der rieb ſich vergnügt die Hände. Würde mich, weiß
Gott, freuen für die Tampiſchkehner!
War das ein Abend bei Sollenſtern! Der beſte
Wein war gerade gut genug. Onkelchen begoß ſich ein
wenig die Naſe, da floß ihm der Mund über.
Agathchen, wie gefällt Dir Mannchens Freund?
Fa=
mos — nicht wahr? Wär’ ine Partie für Dich! Er
ſchüt=
telte ſich vor Lachen. Ja dochchen, werde nicht gleich rot,
ich bin in der letzten Zeit n komiſcher Kauz geworden
will die Jugend egal weg unter die Haube bringen.
Manchmal glückt’s ja nicht, aber ’s wär höchſte Zeit, daß
ich auch in dieſer Beziehung Erfolg zu verzeichnen hätte.
Mannchen begehrte auf. Onkelchen, ſpiel’ hier nicht
Moſes und die Propheten! rief er verweiſend.
Nu, nee, mein Jungchen, aber freuen ſollte mich’s
doch — na, proſt, ihr beiden!
Eine Verlegenheitspauſe trat ein. Roßdorff brachte
das Geſpräch auf das Kaiſermanöver, das nächſtes Jahr
in Oſtpreußen abgehalten werden ſollte. Doch ſeine
Ge=
danken waren bald bei anderen Dingen. In zwei Tagen
mußte er nach Petersburg fahren. Ohne ſich mit Agathe
ausgeſprochen zu haben, wollte er aber Maſuren nicht
ver=
laſſen.
Er fand auch eine Gelegenheit, als die Herren mit
den Damen die Strecke beſichtigten, die vorm Schloſſe
ge=
legt worden war.
Sollenſtern kritiſierte die Schüſſe.
Schießt Mannchen dem ſtarken Keiler da die
Hinter=
läufe auf fünfundzwanzig Schritte kaput, mußte mit der
Saufeder abgefangen werden — ſo ne Pudelei!
Der Kerl ging ſchräg nach vorwärts flüchtig, ich konnte
ihm den Schuß nicht aufs Blatt antragen.
Was? — Albrecht, Du haſt’s doch auch geſehen:
Spa=
zierte der dumme Teufel ſo bequem vor Mannchens Flinte
herum, daß er bloß loszudrücken brauchte!
Und während man ſich hin und her ſtritt, ſtanden
Roß=
dorff und Agathe Dittmark am äußerſten Flügel bei
einem kapitalen Vierzehnender, maßen die Auslage und
prüften die Roſen.
Gnädiges Fräulein, fragte der Zietenhuſar leiſe,
ha=
ben Sie vorhin Sollenſterns Worte übelgenommen?
Das junge Mädchen wurde verlegen, die Röte ſchoß
ihr ins Geſicht. Nein, ſagte ſie zögernd.
Und wenn ich recht bald wieder nach Plattangen
komme, würden Sie ſich freuen, mich wiederzuſehen?
Ja!
Alſo im Sommer — und dann, Agathe?
Sie konnte ihm nur mit einem Blicke antworten.
Ihr beiden da, reißt doch dem Hirſch nicht das
Ge=
weih vom Schädel! rief Sollenſtern ſchmunzelnd. —
Seht bloß, Herrſchaften, jeder hat ne Stange angefaßt
und ſchüttelt dran! — Das tote Bieſt kann doch nicht mehr
„ja” für Dich ſagen, Agathchen! Das mußt Du ſchon
hübſch alleine tun!
Mannchen gab ſeinem Onkel einen gelinden
Rippen=
ſtoß. Frau von Dittmark fing plötzlich an zu frieren. Man
kehrte ins Schloß zurück. Sollenſtern wurde ſeine Rederei
nicht weiter übel genommen, man wußte ja, daß der alte
Schwerenöter die Jugend gern einmal in Verlegenheit
brachte.
Alte Jagdgeſchichten wurden aufgewärmt, Witze
ge=
riſſen, die jungen Offiziere ſprachen von gemeinſamen
Bekannten, den dienſtlichen Verhältniſſen, und dann kam
der Sport an die Reihe.
Ja, ich verkaufe meinen Rennſtall, für jeden
annehm=
baren Preis ſchlage ich die Schinder los, ſagte Plattangen.
Man ſtritt hinüber und herüber. Wenn erſt die
Rennſaiſon wieder eröffnet ſei, würden höhere Summen
zu erzielen ſein, meinte der ältere Dittmark, der Küraſſier.
Nein, ich ſtelle die Vollblüter zur Auktion, wenn ich
im Januar nach Berlin komme. Natürlich mache ich mir
einen Preis, unter dem ich ſie nicht aus dem Stall laſſe.
Roßdorff klärte Fräulein von Dittmark ſehr
ein=
gehend über den Wert der Plattangenſchen Pferde auf.
Es war ſpät geworden, bis man die Schlitten zur
Heimfahrt beſtellte.
Onkelchen wickelte ſeine Gäſte ſelbſt mit in die Decken
und blies zum Abſchied auf einem Waldhorn „Hirſch
tot” und „Halali”.
Man lachte und
ſich noch einmal die Hände.
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Kaum war der Plattanger Schlitten zum Hoftor
hin=
aus, floß Roßdorf der Mund über.
Mannchen, ſterblich verliebt bin ich!
Das haben wir alle ſehen können.
Iſt mir ganz einerlei, denn — wir ſind ſo gut wie
einig!
Dann gratuliere ich allerhöchſtens, Roßdorff. Du
wirſt eine gute Frau bekommen.
Das hoffe ich. Im Sommer mußt Du mich ſchon
wieder mal nach Plattangen einladen, damit wir in
Tampiſchkehnen Verlobung feiern können.
Du wirſt mir jederzeit herzlich willkommen ſein.
Es klang etwas froſtig.
Freuſt Du Dich denn nicht mit mir, Mannchen?
Selbſtverſtändlich, mein Lieber! Plattangen reichte
ihm die Hand hin. Du mußt mir geplagtem
Menſchen=
kinde nicht übelnehmen, wenn ich noch nicht wieder ganz
der alte bin.
Mitfühlend drückte Roßdorff Mannchens Hand.
Plattangen benützte die ſtille Zeit, um ſeine
land=
wirtſchaftlichen Kenntniſſe zu vervollkommnen. Onkelchen
Hielt ihm ſtundenlang Vorträge über Forſtwirtſchaft,
Fiſchzucht und Fruchtfolge auf den Feldern.
So gingen die Tage dahin. Aber die einſamen Nächte
hlieb Mannchen ſich allein überlaſſen. Einladungen von
den Nachbarn ſchlug er nach Möglichkeit ab, und wenn
Sollenſtern ihn aufforderte, doch länger bei ihm zu
ver=
weilen, hatte er faſt immer eine Ausrede bei der Hand.
Sehr freundlich, liebes Onkelchen, aber ich habe noch
dies und jenes Buch durchzuſtudieren, aus Plattangen
ſel ein Mierbeied welden, und ich bi verlbrſc nach
ein kraſſer Stümper.
Da hatte ihm Sollenſtern nie zugeredet zu bleiben. —
Mitte Januar fuhr Mannchen nach Rathenow, um
Abſchiedsbeſuche zu machen und ſeinen Haushalt nach
Plattangen überführen zu laſſen.
Feierlich wurde er abgegeſſen, man drückte ihm die
Hand und verſicherte ihm, daß man ſich freuen werde,
wenn er bald wieder zu einer Uebung bei ſeinem alten
Regimente zurückkehrte.
Beſonders herzlich waren die Damen zu ihm. Sie
hatten ihn beſonders gern gehabt, den kleinen, luſtigen
Plattangen, dem eine unglückliche Liebe jetzt einen ſo
ſcharfen Zug um den Mund geprägt hatte.
Die dienſtfreien Kameraden hatten ſich auf dem
Bahnhofe eingefunden, um ihm vor der Abfahrt noch
einmal die Hand zu ſchütteln.
Und nun ſtieg er für lange Zeit zum letzten Male
wieder auf dem Lehrter Bahnhof aus.
Er bummelte durch den Tiergarten den Linden zu.
Die Alſenſtraße mied er. Bei Dreſſel hatte er ſich mit
einem Potsdamer Leibhuſaren verabredet, der ihm ſeinen
Rennſtall abkaufen wollte. Er bot nicht allzuviel; für das
laufende Jahr ſollte Plattangen aber mit zehn Prozent
der Renngewinne noch beteiligt bleiben, und Graf
Kleukow ſtand über dem Durchſchnitt der Rennreiter. Ein
paar tauſend Mark würden ſicher noch herausſpringen.
Unerwartet traf er ſpäter vor dem Demuthſchen
Ge=
ſchäft mit Herrn von Dittmark zuſammen.
Sie hier, Herr von Plattangen? Das nenne ich eine
Ueberraſchung!
Mannchen wollte ſich raſch empfehlen. Ich habe eine
geſchäftliche Beſprechung drüben bei Dreſſel, komme direkt
von Rathenow, mit dem Nachtzuge will ich nach Maſuren
zurück.
So ſchnell ließ ihn aber Dittmark nicht weitergehen.
Er fragte nach ſeinen Verwandten in Tampiſchkehnen
und nach Chriſtoph Sollenſtern.
Danke, alles wohl und munter.
Da kam Gunild aus dem Geſchäfte. Einen
Augen=
blick ſtockte ihr Schritt.
Mein Gott, wie blaß ſieht ſie aus! fuhr es
Plattan=
gen durch den Kopf. Er mußte ſie begrüßen.
Und zum Eſſen wollen Sie nicht zu uns kommen?
Leider ganz unmöglich, Herr v. Dittmark. Ich ſagte
ſchon, meine Zeit iſt ſehr gemeſſen. — Bitte mich der
gnä=
digen Frau zu empfehlen.
Mit großen Schritten eilte Donatus von Plattangen
über den Fahrdamm.
Eine Zeitlang gingen Vater und Tochter ſtumm
nebeneinander her.
Da blieb der Wirkliche Geheime Oberregierungsrat
ſtehen und ſah Gunild prüfend ins Geſicht. Es war ein
Zufall, daß wir ihn trafen, mein Kind, aber er tnt gar
oft Wunder!
Krampfhaft ſchloß ſie die Lippen. Der Weg
heim=
wärts wurde fortgeſetzt. Aber Dittmark glaubte doch
große Anteilnahme in Gunilds Geſicht geleſen zu haben.
Noch iſt es nicht zu ſpät! ſagte er.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 275.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 21. November 1912.
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