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175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dieustags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Gordon=Bennett=Flug für Freiballons hat
geſtern in Stuttgart begonnen.
Der Bäckergeſelle Nettelſtroh, der am 17 Oktober
unter dem Verdacht verhaftet worden iſt, am 17. Auguſt
die drei Frauen in dem Nauener Vorortszug
durch Meſſerſtiche verletzt zu haben, hat ein
volles Geſtändnis abgelegt.
Miniſterpräſident Poincaré hielt in Nantes eine
be=
deutungsvolle Rede über die auswärtige
Poli=
tik Frankreichs.
In: Rumänien iſt ein neues Kabinett
Majorescu gebildet, das die Kammer demnächſt
auflöſen wird.
Die ſerbiſche dritte Armee hat Mitrowitza
und den Paß von Rochamk eingenommen und 15
tür=
kiſche Geſchütze erbeutet.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.
Der Balkankrieg und das deutſche Volk.
* Wenn auch dem deutſchen Volk aus vielerlei Gründen
eine lebhafte Parteinahme in dem Ringen der Völker
(und Nationalitäten, das gegenwärtig im Oſten Europas
ſich abſpielt, erſchwert iſt, ſo iſt doch die erfreuliche
Tat=
ſache zu konſtatieren, daß, im Gegenſatz zu früheren
Welt=
ereigniſſen, diesmal eine mehr realpolitiſche ſtatt einer
gefühlsmäßigen Beurteilung der Ereigniſſe auch in
ſol=
chen Kreiſen Platz gegriffen hat, die früher ſich nur von
Kdeologiſchen oder romantiſchen Geſichtspunkten leiten
1jeßen.
Kämpfte irgendwo auf Erden ein Volk um ſeine
riſtenz, mochten es nun Griechen, Polen, Buren oder
JJapaner ſein, ſo war es des Mitgefühls und der
be=
geiſterten Zuſtimmung des deutſchen Volkes gewiß. Man
ſchwärmte für die Griechen und dichtete Griechenlieder,
man begeiſterte ſich für die Polen und ſang Polenlieder.
1 Die Sympathien für die Buren ſchoſſen ebenfalls weit
übers Ziel hinaus, ebenſo wie die für die Japaner. Denn
was hat uns unſere Gefühlsverſchwendung eingetragen?
Die Japaner machen uns heftige Konkurrenz und die
Holländer widmen uns ein ſcheelblickendes Mißtrauen.
Glaubt jemand im Ernſt, ein Burenarm würde ſich
be=
ſwaffnen, um Deutſchland zu helfen, wenn es um ſeine
Exi=
tenz zu kämpfen hätte? Griechen und Polen haben uns
unſere Liebe auch nicht gedankt, die erſteren lieben uns
Hunicht, und die letzteren haſſen uns.
Es iſt ein gutes Zeichen für die wachſende politiſche
Reife des deutſchen Volkes, daß es bei der jetzigen
Völ=
ikerentſcheidung nicht alte Geſangbuchverſe von der
„Türkennot” hervorholt und in den Türken nur den
Chriſtenfeind ſieht. Ebenſowenig täuſcht es ſich über die
Natur der Expanſionsbeſtrebungen der Balkankönigreiche.
Es weiß genau, daß hier Kraft= und Machtproben
vor=
liegen, und weigert ſich, das ſchlau berechnete Losſchlagen
1 im romantiſchen Glanz nationaler Volkserhebungen zu
† erblicken. Wäre früher jeder dritte Deutſche bereit
ge=
weſen, um der ſchönen Augen der Polen oder Griechen
willen, ſein Vaterland, vorausgeſetzt, daß er die Macht
dazu beſeſſen hätte, in die abenteuerlichſten
Unterneh=
mungen zu ſtürzen, ſo haben die Deutſchen doch jetzt
ge=
lernt, nicht ihrem Gefühl, ſondern den Aeußerungen
ihres Gefühls in Rückſicht auf das eigene nationale Wohl
und Wehe Beſchränkungen aufzuerlegen. Unſere
menſch=
lichen Sympathien werden wir uns natürlich niemals
rauben oder fälſchen laſſen. Sie werden ſich von ſelbſt
überall dorthin wenden, wo Ketten geſprengt werden,
Völker um ihre Exiſtenz kämpfen und der Unterdrückt
ſein Recht nur mit dem Einſatz des eigenen Lebens
fin=
den zu können glaubt. Wir haben aber nicht die geringſte
Urſache, den Kleinen den Kampf um ihre Exiſtenz
leicht=
zu machen, als er den Großen geworden iſt. Gerade
die kleinen Nationalitäten müſſen die politiſchen
Regli=
täten in ihrer ganzen Härte fühlen lernen, damit ihnen
die Selbſterkenntnis erleichtert wird, und ſie nicht über
das ihnen innewohnende Kraft= und Wertmaß hinaus
einen Platz auf der Erde beanſpruchen, der dieſem Maß
nicht entſpricht. Alle jene politiſchen Gewalten, die nicht
der eigenen Kraft, ſondern der Uneinigkeit und Eiferſucht
Dritter ausſchließlich ihr Daſein verdanken, ſind
para=
ſitäre Gebilde, denen keine innere Daſeinsberechtigung
zukommt. Sie ſind nur ewige Herde der Unruhe und
Un=
ſicherheit. Daß durch den Krieg eine Klärung der realen
Machtverhältniſſe eintritt, iſt ein Reſultat, deſſen weitere
Konſequenzen wir Deutſche gewiß nicht mehr zu ſcheuen
haben, als irgend eine der anderen europäiſchen
Groß=
mächte.
Für die zunehmende politiſche Reife unſeres Volkes
ſpricht ferner noch die Beobachtung, daß es ſich diesmal
nicht von dem Wechſelfieber der politiſchen Stimmungen
hin= und herwerfen läßt, ſondern, im Gegenſatz zu den
Pariſern, die wieder ein ſo groteskes Beiſpiel des
poli=
tiſchen Auf und Ab bieten, ohne Angſt, aber auch ohne
Unterſchätzung des geſchichtlichen Moments der weiteren
Entwicklung gewärtig iſt. In den nächſten Tagen feiert
das deutſche Volk in Tübingen den fünfzigſten Todestag
eines ſeiner nationalſten Dichter: Ludwig Uhlands. Wie
gut er ſein Volk in wolkentrüber Zeit gekannt hat,
be=
weiſen ſeine Verſe:
Der König Karl am Steuer ſaß,
Er hat kein Wort geſprochen,
Er lenkt’ das Schiff mit feſtem Maß,
Bis ſich der Sturm gebrochen.
Miniſterpräſident Poincaré über die auswärtige
Politik Frankreichs.
* Miniſterpräſident Poincaré hielt auf dem
Bankett in Nantes, das ihm zu Ehren gegeben wurde,
eine Rede.
Poincaré ſprach von dem Sturm, der ſoeben auf
dem Balkan losgebrochen ſei und erinnerte daran,
daß die Regierung getreu der von den Kammern
über=
nommenen Verpflichtung, den franzöſiſchen
Finanzquel=
len die Unternehmungen vorzubehalten, welche der
franzöſiſchen Politik dienen, in kluger Weiſe,
trotz der friedlichen Verſicherungen Bulgariens, die
Er=
öffnung des franzöſiſchen Marktes für eine bulgariſche
Anleihe verhindert habe. Poincaré erinnerte daran, daß
Frankreich, um dem legitimen Teil der Forderungen der
Balkanvölker Rechnung zu tragen, ſich dem. Vorſchlag
Berchtolds angeſchloſſen und der Pforte die ſchleunige
Verwirklichung der verſprochenen Reformen empfohlen
habe. Frankreich bemühte ſich dann, den drohenden Krieg
zu erſticken und für den allzu wahrſcheinlichen Fall eines
Mißerfolges dieſer Bemühungen, die Feindſeligkeiten zu
lokaliſteren und zu verhindern, daß der beginnende Brand
auf die europäiſchen Großmächte übergreife Die
Viel=
fältigkeit der Probleme, welche die nächſte Zukunft bringen
kann, macht in der Tat eine allgemeine
Ueber=
einſtimmung notwendig, wenn man will, daß
der unvermeidliche Gegenſatz der Intereſſen nicht früher
oder ſpäter in einen Konflikt der
Meinungsverſchieden=
heiten ausartet. Wir haben die Genugtuung gehabt,
feſtzuſtellen, daß die friedliche Initiative, die
von Frankreich in Uebereinſtimmung mit ſeinen Freunden
und Verbündeten unternommen worden iſt, von allen
Regierungen aufgenommen und gebilligt wurde. Ihr erſtes
Reſultat war der Meinungsaustauſch, der täglich zwiſchen
den Mächten fortgeſetzt wird, und der ihnen erlaubt, den
Gang der Ereigniſſe gemeinſam zu überwachen, und
der=
wenn der Tag gekommen iſt, die Vermitlung, wie ich
hoffe, begünſtigen wird. Vielleicht iſt dieſer Tag ſchon
nahe. So nützlich und nnerläßlich dieſe allgemeinen
Be=
ſprechungen ſind, ſo dürfen ſie weder heute noch morgen
den Zweck oder das Ergebnis haben, die weſentlichen
Linien unſerer auswärtigen Politik zu verändern.
Frank=
reich iſt einer Unbeſtändigkeit oder Untreue nicht fähig,
wir ſuchen auch keine Freundſchaften zu wechſeln und
glauben, daß die große Nation es ſich ſelbſt ſchuldig iſt,
in der Leitung ihrer auswärtigen Politik Beſtändigkeit
ihrer Ideen und Feſtigkeit ihrer Abſichten zu zeigen. Wir
bleiben eng verbunden mit Rußland, unſerem
Verbündeten, und mit England, unſerem Freunde.
Wir bleiben verbunden mit ihnen durch die feſt verknüpften
und unzerreißbaren Bande des Gefühls, des Intereſſes=
und der politiſchen Redlichkeit. In ſchwierigen Fragen,
die der Kriea im Oſten aufrollt haben ſicherlich ſie wie
wir das Recht, beſondere Neigungen (preférences
respeetives) bezüglich der zu ſtudterenden Löſungen zu
haben. Aber da wir in dieſe Prüfung im Geiſte vollen
Vertrauens und unverbrüchlicher Freundſchaft eintreten
werden, wird nichts dies Einvernehmen durchbrechen
können, deſſen Feſtigkeit notwendig iſt und bleibt für das
euroväiſche Gleichgewicht.
In dieſer fortbeſtehenden Herzlichkeit zwiſchen den
drei Regierungen finden wir einen der beſten Gründe
für die Hoffnung, daß der Kriegauf den
Bal=
kan beſchränkt bleibt, und daß er im erſten
günſtigen Augenblick von Europa zum Stillſtand gebracht
werden kann. Die Unterzeichnung des italieniſch=
türki=
ſchen Friedensvertrages hat bereits die Möglichkeit
ae=
fährlicher Verwicklungen vermindert. Frankreich erkannte
die Sonveränität Italiens gern an. Poincaré ſprach
von dem Abſchluß der Beſprechungen mit Spanien und
ſaate: Der Vertrag geſtattet Frankreich, die Mächte um
offizielle Anerkennung des Protektorats zu erſuchen, er
wird Frankreich freie Hand in Marokto geben und zu
Spanien Beziehungen herzlicher Sympathie herbeiführen.
So haben wir überall. ohne etwas von unſeren Rechten
aufzugeben. unſere Klugheit, unſeren maßvollen
Charak=
ter und Lohalität und unſere frieblichen Abſichten deutlich
bewieſen. Die letzten Ereigniſſe ſtreifend, betonte
Poincaré die Notwendigkeit für die aufrichtig friedlichen
Völker, allen Möglichkeiten gegenüber bereit zu bleiben.
indem ſie ihre Armeen ſtark und ihre Flotten mächtig
er=
halten, aber auch dadurch, daß ſie voll und ganz ihre
vaterländiſche Pflicht erfüllen, Frankreich muß ſich ſeine
bewundernswerte Würde wahren, wie während der Kriſe
des letzten Jahres.
Die Rede Poincarés wird von den Pariſer
Blättern als eine überaus bedeutungsvolle Kundgebung
bezeichnet. Mit beſonderer Befriedigung wird die auf
die Tripleentente bezügliche Stellung hervorgehoben.
Das Journal des Debats erklärt, daß dieſe Worte
zur rechten Zeit geſprochen worden ſeien. Nichts wäre
für den allgemeinen Frieden unheilvoller, als wenn man
nur für einen Augenblick die Annahme zuließe, daß
Frankreich ſich durch eine angeblich örtliche
Intereſſenge=
meinſchaft mit dieſer oder jener Macht verlocken laſſen
wollte, mit derſelben eine orientaliſche Walzertour zu
tanzen. Die Tripleentente müſſe ſorgfältig jede
Initia=
tive vermeiden, welche ihre Solidarität gefährden
könnte. Wenn Rußland, England und Frankreich auch
be=
ſondere Intereſſen haben, die nicht in allen Teilen des
Orients genau übereinſtimmen, ſo ſeien alle darin einig,
zu verhindern, daß die Umgeſtaltung auf dem Balkan das
europäiſche Gleichgewicht zerſtöre. — Die radikale Lanterne
ſchreibt: Das ganze Land wird dem klarblickenden und
energiſchen Staatsmann Anerkennung zollen, der in
einer beſonders ſchwierigen Zeit mit einer Feſtigkeit und
Mäßigung die äußere Politik Frankreichs leitet. — Der
konſervative Gaulois ſagt: Die Rede des
Miniſterpräſi=
denten wird von allen guten Franzoſen gut geheißen
werden. Er hat von Frankreich und den franzöſiſchen
Intereſſen in einem anſchließlich patriotiſchen Geiſte
ge=
ſprochen. — Die gemäßigte Republique Francaiſe ſagt:
Man mag die äußere Politik Poincares wie immer,
be=
urteilen, eines kann man nicht verkennen, er hat eine
äußere Politik und er hat Kraft ſeines perſönlichen
An=
ſehens und der Klarheit ſeines Geiſtes die
Aufmerkſam=
keit Europas genügſam beſeſſen, daß ſeine Stimme, welche
die Stimme Frankreichs iſt, in den diplomatiſchen
Ver=
handlungen mit Achtung angehört wird. — Der
royaliſti=
ſche Soleil ſchreibt: Die Worte des Miniſters des Aeußern
ſind die eines guten Franzoſen und deshalb leiſten auch
alle dem Rufe Folge, den das Oberhaupt der Regierung
in der gegenwärtigen Kriſe der europäiſchen Politik an ganz
Frankreich richtet. — Figaro ſagt: Wir können auf einen
ſolchen Miniſterpräſidenten mit Recht ſtolz ſein. Wenn
der Friede wiederhergeſtellt ſein wird wird die Ehre
ſeiner hochherzigen Bemühungen auf Frankreich
zurück=
fallen. Hoffentlich wird das Land ihm dann ein wenig
Dankbarkeit bezeugen. Wir feiern eine nationale
Wieder=
geburt bei uns, und auch in Europa iſt Frankreich „
wie=
der da”, nachdem es ſo lange „abweſend” geweſen war.
Als beſonders bezeichnend für den durch die Rede
hervorgerufenen Eindruck wird mehrfach hervorgehoben,
daß der ſozialiſtiſch=radikale Deputierte Brard, der ein
entſchiedener Gegner des Verhältniswahlſyſtems iſt, in
ſeiner Antwort auf die Rede des Miniſterpräſidenten
er=
klärte, im gegenwärtigen Augenblick überwiege die
äußere Frage alle anderen. Niemand würde begreifen,
daß ein Mitglied des Parlaments die Frage des
Ver=
hältniswahlſyſtems gegen das Miniſterium ausbeuten
könnte.
Deutſches Reich.
— Dreibundpolitik. Die Norddeutſche
All=
gemeine Zeitung ſchreibt in ihrer Wochenrundſchau: Der
Beſuch, den der öſterreichiſche Miniſter des Aeußern bei
unſerem italieniſchen Verbündeten abſtattete, trug, wie
die aus Wien, Florenz und Rom vorliegenden
Kund=
gebungen erkennen laſſen, das Gepräge beſonderer
Herz=
lichkeit und verlief in voller Harmonie. Das Seitenſtück
ſollen die Beſprechungen von Piſa und San Roſſore durch
den für den Anfang der nächſten Monate in Ausſicht
ſtehenden Beſuch des ausgezeichneten Leiters der
italie=
niſchen Auslandspolitik di San Giuliano bei uns und bei
Oeſterreich=Ungarn erhalten. Dieſe wiederholten
Begeg=
nungen zwiſchen den Staatsmännern des Dreibundes
gelten keiner Sonderpolitik in der ernſten Frage, mit der
ſich zurzeit die europäiſche Diplomatie befaßt, ſie ſtellen
ſich vielmehr in den Dienſt derjenigen gemeinſamen
Be=
ſtrebungen, die von den Großmächten zur Einſchränkung
des Kriegsbrandes auf dem Balkan fortgeſetzt verfolgt
werden. Die Mächte ſtreben dahin, einmütig zu handeln,
ſobald die Entwicklung der Kriegslage dafür ereif ſein
wird.
Kiautſchou. Prinz Heinrich hat 25 Tage im
Schutzgebiet Kiautſchou geweilt, Tag für Tag die
Ein=
richtungen und Anlagen beſucht und ſich über die
geeig=
netſten Mittel und Wege zur kulturellen und
wirtſchaft=
lichen Förderung der Kolonien erkundigt. Er intereſſierte
ſich namentlich für die Entwicklung des Hafens, der
Werfte und der deutſch=chineſiſchen Hochſchule in Tſingtau
ſowie für die deutſchen Kohlenbergwerke im Hinterlande
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Oktober 1912.
Nummer 255.
und die Schaffung eines Stahl= und Eiſenwerks im
Schutzgebiet. Gleichzeitig inſpizierte er die in der
Kiaut=
ſchouer Bucht verſammelten Seeſtreitkräfte, die den
leiſtungsfähigſten Teil des Kreuzergeſchwaders
aus=
machten. Das Schutzgebiet und die deutſchen
Nieder=
laſſungen in ganz Oſtaſien dürfen darauf rechnen, daß
der Prinz von der Heimat aus manche Förderung und
Verbeſſerung anregen wird.
— Der Entwurf über das Petroleum=
Monopol wird in den Ausſchüſſen des Bundesrates
in den erſten Tagen des November beraten werden, da
der Referent, das ſächſiſche Bundesratsmitglied v. Sichart,
den Bericht in den nächſten Tagen fertiggeſtellt haben
wird. Die Bundesregierungen haben dem Entwurf in
ſeinen Grundzügen bereits zugeſtimmt und für die
end=
gültige Beratung im Bundesrat ihre Vertreter mit
ent=
ſprechenden Anweiſungen verſehen. Die Verabſchiedung
des Entwurfs im Plenum des Bundesrats ſoll möglichſt
noch im November erfolgen, damit der Entwurf dem
Reichstage bald nach ſeinem Wiederzuſammentritt
zu=
gehen kann.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Schickſalsfragen für Oeſterreich. Die
Wiener Reichspoſt, die bekanntlich Beziehungen zur
Ge=
neralſtabspartei und zum Erzherzog=Thronfolger haben
ſoll, bringt einen Leitartikel unter dem Titel: „Das
Ende des Statusquo” in dem ſie ausführt, daß die
Siege der Balkanſtaaten zu einer Reviſion der
Erklärun=
gen der Großmächte in bezug auf die unbedingte
Auf=
rechterhaltung des Statusquo führen müßte. Der
Ar=
tikel ſchließt mit den Worten: „Es bricht eine politiſche
Entwicklung an, die uns nicht vor neue, aber viel größere
Aufgaben der Staatspolitik Oeſterreich=Ungarns ſtellt und
klare Entſcheidungen von uns fordert. Es ſind
Schick=
ſalsfragen für Oeſterreich, ſo groß, wie ſie nach der
Nie=
derlegung der deutſchen Kaiſerwürde durch die
Habs=
burger nur einmal an die Monarchie herantraten zur Zeit
der Ausſcheidung aus dem deutſchen Bunde. Je weniger
Oeſterreich=Ungarn die Welt im Zweifel läßt, daß es
ſeinen zukünftigen Weg klar vor ſich ſieht und ihn
wohl=
wollend und ehrlich gegen ſeine Freunde, aber auch
energiſch zu verfolgen ſtrebt, deſto beſſer für uns.”
Rumänien.
Das neue Kabinett. Am Sonntag abend
nahm der König die Vereidigung des neuen Miniſteriums
vor, das folgende Zuſammenſetzung hat: Präſidium und
Miniſterium des Aeußern behält Majorescu; das
Mini=
ſterium des Innern übernimmt Take Jonescu, Ackerbau
und Domänen Filipescu, Finanzen Marghiloman,
öffent=
liche Arbeiten Badarau, Unterricht Diſſescu, Juſtiz Miſchu
Cantacuzene, Induſtrie und Handel Henopol, Krieg
Ge=
neral Harjeu. Vier Miniſter gehören der konſervativen
und vier der demokratiſchen Partei an. Einer der erſten
Akte des neuen Miniſteriums wird die Auflöſung der
Kammer und die Ausſchreibung der Neuwahlen ſein, die
beſchleunigt werden, damit die neue Kammer
verfaſ=
ſungsgemäß am 28. November zuſammentreten kann.
Perſien.
Die Türkei hat der perſiſchen Regierung
mitge=
teilt, ſie beabſichtige, das perſiſſche Gebiet im Weſten von
Aſerbeidſchan unter folgenden Bedingungen zu räumen:
1. müſſe der Bevölkerung dieſes Gebietes Amneſtie
ge=
ſwährt werden; 2. dürfen keine anderen fremden Truppen
anſtelle der türkiſchen treten, und 3. müſſe die perſiſche
Regierung Leben und Eigentum der türkiſchen
Unter=
tanen in dieſem Gebiet ſchützen.
Marokko.
Der jetzt abgeſchloſſene
franzöſiſch=
ſpaniſche Vertrag beſtimmt vor allem die
Tätig=
keit, die Spanien in ſeinem Einflußgebiet auszuüben hat.
Dieſe Tätigkeit ſoll darin beſtehen, daß Spanien die
marokkaniſchen Behörden bei der Durchführung der
Re=
formen in dem genannten Gebiet unterſtützt und dort für
Aufrechterhaltung der Ruhe ſorgt. Das Einflußgebier
im Norden hat auf der Seite von Urga die Verminderung
erfahren, von der vor einiger Zeit ſchon die Rede war.
Im Süden tritt Spanien an Frankreich einen Teil ſeines
Einflußgebietes ab, und zwar ungefähr das Gebiet
nörd=
lich bei Dra, ausgenommen die Enklave von Jfui. Das
ſind die Kompenſationen, die Spanien Frankreich
ge=
währt als Erſatz für die von Frankreich im Kongo
zu=
gunſten Deutſchlands gebrachten Opfer. Der Vertrag wird
auch eine Anzahl Beſtimmungen enthalten, um die
Auto=
nomie der franzöſiſchen und der ſpaniſchen Zone zu
ſi=
chern, ſowie die Rechte Dritter, wie zum Beiſpiel die der
Beſitzer der Anleihe von 1904 und 1910, der Staatsbank
und des Tabakmonopols. Die Zölle in der ſpaniſchen
Zone ſollen keinem Einſpruch Frankreichs unterliegen.
Die Rechte der Beſitzer der Anleihen werden ſo geſichert,
daß Spanien für die Zahlung der Zinſen und die
Amor=
tiſation den auf ſeine Zone entfallenden Teil der Zölle
bekommt. Die Eiſenbahn Tanger=Fez wird einer einzigen
Geſellſchaft übertragen; Frankreich wird 56 Prozent des
Kapitals übernehmen, Spanien 36 und 8 Prozent ſollen
dritten Mächten überlaſſen werden. Der Verwalter ſoll
ein Franzoſe ſein. Die Geſellſchaft wird zunächſt Studien
anſtellen. Die Ausführung des Baues wird in
Sub=
miſſion vergeben. Die Verwaltung der ſpaniſchen und der
franzöſiſchen Zone ſoll das Recht des Rückkaufs erhalten.
In Tanger wird eine beſondere Verwaltung eingerichtet.
Der Vertrag regelt ferner die Lage der Franziskaner=
Miſſionen und die eventuelle Einrichtung von
Gerichts=
höfen, ſowie die Schutzbefohlenenfrage. Es wird kein=
Zollſchranke für den Durchgangsverkehr für Waren
errich=
tet und die Einnahmen aus dem Durchgangsverkehr
wer=
den durch Schätzungen feſtgeſtellt. Es wird auch
feſt=
gelegt, daß die ſpaniſche Zone als die geographiſch beſſer
gelegene dem Maghzen jährlich 500000 Peſetas zu
über=
weiſen hat.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 29. Oktober.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die
Groß=
herzogin empfing am Samstag nachmittag 3 Uhr
15 Minuten im Reſidenzſchloß Frau Burmeſter und
hierauf den Geheimerat Beſt und Miniſterialrat Dr.
Kratz. (Darmſt. Ztg.)
* Aus dem Miniſterium des Innern. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben den Kreisamtmann
bei dem Kreisamt Dieburg Regierungsrat Dr. Hermann
Stammler zum vortragenden Rat im Miniſterium
des Innern mit dem Amtstitel „Oberregierungsrat” und
den juriſtiſchen Hilfsarbeiter im Miniſterium des Innern
Regierungsrat Hermann Pfeiffer zum
Kreisamt=
mann, beide mit Wirkung vom 15. November 1912 an,
ernannt.
A Vom Großh. Hoftheater. Heute Dienstag wird in
Anweſenheit Hermann Bahrs ſein erfolgreiches Luſtſpiel
„Das Prinzip” als 44. Abonnementsvorſtellung,
Buch=
ſtabe B 11, wiederholt werden. Der Anfang dieſer
Vor=
ſtellung iſt auf halb 8 Uhr angeſetzt. Am Mittwoch gelangt
Offenbachs burleske Operette „Die ſchöne Helena” zur
Wiederholung. Für Donnerstag iſt die Wiederaufnahme
von Wolf=Ferraris hier in dieſer Spielzeit noch nicht auf
geführten Oper „Der Schmuck der Madonna” unter
Leit=
ung von Kapellmeiſter Lert, angeſetzt. Am Samstag iſt
die Erſtaufführung von Ludwig Thomas „Magdalena”.
* Städtiſche Hypothekenanſtalten für zweite
Hypo=
theken. Man ſchreibt uns: Durch Verfügung haben die
Miniſter des Innern, für Landwirtſchaft und der
Finan=
zen in Preußen die Behörden dahingehend angewieſen,
daß die Gemeinden Anleihen zum Zwecke der
Hypotheken=
beleihung durch kommunale Hypothekenanſtalten
aufneh=
men dürfen. Der Zweck dieſer Anſtalten ſoll auf
Be=
ſchaffung wohlfeilen und die Schuldabbürdung (Ent=
ſchuldung) fördernden Kredit gerichtet ſein. Es ſei auch
gegen die Abſicht, die Beleihung bis zu 70 Prozent des
Beleihungswertes und auf zweitſtellige Hypotheken
aus=
zudehnen, da es einem dringenden Bedürfnis entſpreche,
das in den Städten für die Beſchaffung zweitſtelliger
Hypotheken beſtehe, nichts einzuwenden.
* Die landwirtſchaftliche
Genoſſenſchaftsbewegung=
zeigt auch im Monat September 1912 eine erhöhte
Zu=
nahme. Neu gegründet wurden 29 Spar= und
Darlehens=
kaſſen, 8 Konſumvereine, 8 Molkereien und 62 ſonſtige
Genoſſenſchaften. Am 1. Oktober 1912 beſtehen mit
die=
ſem Zugang im Deutſchen Reich 98
Zentralgenoſſenſchaf=
ten, 16856 Spar= und Darlehenskaſſen, 2392
Konſumver=
eine, 3310 Molkereien, 174 Milchverwertungs= und 3525
ſonſtige Genoſſenſchaften zuſammen 26 355 dem
Genoſſen=
ſchaftsgeſetz unterſtellte Genoſſenſchaften.
* Förſter Vöglin von Forſthaus Einſiedel tritt am
1. November nach 53jähriger Dienſtzeit in den Ruheſtand=
1842 zu Schaafheim geboren, diente er von 1859—1871 im
Infanterie=Regiment Nr. 117, dabei viele Jahre als
Fechtmeiſter für den Offiziers=Fechtunterricht, was wohl
manchem älteren heſſiſchen Offizier noch in gutem
Geden=
ken iſt, denn die Fechtkunſt ſtand damals im heſſiſchen
Dienſte in hoher Blüte. Noch bis in die letzte Zeit hinein
wurde er vielfach von hieſigen und auswärtigen
Fecht=
klubs als Obmann ihrer Preisgerichte erwählt. Vöglin
machte die Feldzüge 1866 und 1870/71 mit, war von 1871.
bis 1881 Forſtwart in Hirſchhorn und von da bis 1887.
in Baierseich. 1887 kam er auf den Einſiedel, wo ſeine
rührige, fleißige Frau, eine geb. Ludwig von hier, mit
ihren Töchtern bis zur Erbauung des jetzigen Gaſthauſes
die gemütliche, volkstümliche Wirtſchaft zu zivilen
Prei=
ſen führte, was vielen Darmſtädtern in freundlicher
Er=
innerung ſein wird. Vom Großherzog wurde ihm
an=
läßlich ſeines Abganges die Krone zum Kreuz des
Philippsordens verliehen, und außer verſchiedenen
an=
deren Auszeichnungen ſchmückten noch die ſchönſten
Ehren=
zeichen, die Kriegsdenkmünzen von 1866 und 1870/71, ſeine
Bruſt.
(*) Vom Landeslehrerverein. Die Gründung einer
Schutz= und Hilfskaſſe für ſolche Lehrer, die im
Kampf um die Standes= und Berufsintereſſen der Lehrer
geſchadigt oder gemaßregelt werden, iſt im Gange. Die
ſtarken Bezirke Vilbel und Neu=Iſenburg beſchloſſen
be=
reits einſtimmig, der Kaſſe beizutreten. Der Beitrag wird
auf die Dauer von 3 Jahren auf monatlich eine Mark
feſt=
geſetzt. Sämtliche Lehrervereine Heſſens werden ſich im
Laufe des Winters mit der Frage beſchäftigen, die
ent=
gültige Beſchlußfaſſung über die Schutz= und Hilfskaſſe‟
erfolgt auf der Vertreter= und Hauptverſammlung 1913.
C Der Geſangverein Liederzweig hielt am
Sams=
tag abend im Feſtſaal der Turngemeinde ſein
Herbſt=
konzert, das bei ſchönen geſanglichen Chor= und
Solo=
darbietungen, ſowie Deklamationen recht animiert und
anregend verlief. Die packende Kompoſition „
Germanen=
zug” von Spangenberg, vom Chor unter Kammers
muſiker Brückmanns Leitung ganz vortrefflich
ge=
ſungen, leitete den Abend ein, der auch in den weiteren
Chorgeſängen den Beweis erbrachte, daß der „
Lieder=
zweig”Chor unter zielbewußter Leitung dauernd und
mit ſchönem Erfolg beſtrebt iſt, den Männergeſang ſo zu
pflegen, daß der Verein ſich in dem Rahmen der vielen!
Darmſtädter Männergeſangvereine, die durchweg ſehtr
gutes leiſten, beſtens zu behaupten vermag. Als Soll
kräfte hatte der Verein ſich Künſtler verſchrieben, die ſchozn
oft Proben guten bis hervorragenden Könnens im
Kaſi=
zertſal abgelegt haben. So vor allem Frl. Paulde
Manecke, die wieder mit mehreren Lieder zur Lauh
erfreute und wie immer ſtürmiſchen Beifall erntete. Ihl
Vater und Lehrer, Herr Hofmuſiker Wilhelm Manecke,
ſpielte mit gleich gutem Erfolge einige Waldhornſoli, die!
Frl. Manecke am Klavier begleitete. Herr Fredyt
Wiener, der, ſeit wir ihn zuletzt hörten, eifrig an ſeiner
Weiterbildung gearbeitet und inzwiſchen außerhalb
Darm=
ſtadts ſchöne Erfolge erzielte, hat ſich neuerdings dem
Melodram zugewandt. Er rezitierte frei Heines „Editht
Schwanenhals” und „Das Glück von Edenhall” und
errang ebenfalls rauſchenden Beifall. Im Verlauf des
Abends gedachte der Vereinspräſident Herr Adolff
Schneider des 25jährigen Mitgliedsjubiläums und
der 20jährigen Amtstätigkeit des Rechners der Chorkaſſe
Herrn Georg Emig, überreichte demſelben eine kunſt
voll ausgeführte Ehrenurkunde in Glas und Rahme
Serbiſcher Brief.
(Eigenbericht des Darmſtädter Tagblatts.)
Belgrad, 23. Oktober.
Wer ſonſt an einem ſchönen Herbſtabend um die
zehnte Stunde mit dem Dampfſchiff, das morgens ſechs
Uhr Orſova verläßt, hier ankommt, findet auf den
Stra=
ßen noch ein reges Leben vor. Vom Konak bis faſt zu
den Feſtungsanlagen ergehen ſich die Belgrader aller
Stände, und in den Kaffeehäuſern und den
unvermeid=
lichen Kientöppen vergnügen ſich die älteren Jahrgänge
beiderlei Geſchlechts. Die Jugend und die Offiziere
wei=
len in den Singſpielhallen, wo Künſtlerinnen vierten
Ranges Lieder mit wenig Witz und viel Paprika
herunter=
leiern oder Tänzerinnen die ſpärlichen Reſte geweſener
Reize zur Schau tragen.
Heute hat ſich das Nachtbild geändert: Auf der Straße
nur ein paar Leutchen, die eiligen Schrittes nach Hauſe
ziehen, die kleinen Kaffeehäuſer geſchloſſen, keine
Zigeu=
nermuſik weit und breit.
Ich btrat kurz vor elf Uhr das bekannte Speiſehaus
Zum Ruſſiſchen Kaiſer” um zu „nachtmahlen” wie man
hier ſagt. Ich hatte mir auf dem unſauberen ungariſchen
Dampfer das Abendeſſen verkniffen, freute mich auf die
gute Küche und ein Glas Bier und fand. — die Stühle
auf den Tiſchen und alles leer. „Wir haben Kriegszeit,
mein Herr, um elf Uhr müſſen alle Lichter gelöſcht ſein,”
das waren die Troſtesworte, die meinem knurrenden
Magen geſpendet wurden. Selbſt im Hotel Moskwa, wo
ich abgeſtiegen bin, erhielt ich nur mit Müh und Not eine
Kleinigkeit. Dieſes Wort iſt ganz bezeichnend, denn
in=
folge des Krieges ſind die Nahrungsmittel ungemein im
Preiſe geſtiegen. Der Gaſthof hat aber die Verpflichtung,
die Fremden von ſolchen Veränderungen ſofort zu
unter=
richten. Ich zahlte daher auch für ein Scheibchen Schinken
(hier im Schweineausfuhrland!) einen Dinar, gleich
achtzig Pfennige Reichswährung. Schade, daß man in
ſolchen Fällen vom Moratorium keinen Gebrauch machen
kann. In zweifelhafter Stimmung legte ich mich zu Bett.
Heute beſah ich mir nun das veränderte Belgrad
bei Tage.
Wenig junge Leute und nur zwei bis drei
Drill=
offiziere, dagegen viele ältere Herren vom zweiten
Auf=
gebot, das graue Reſervemützchen auf dem Kopfe, eine
Menge zerlumpter, Siegestelegramme ausbrüllender
Zei=
tungsjungen, viele Frauen und Kinder ſteigen behutſam
über Berg und Tal. Denn die Hauptitzaßen ürd immer
noch aufgeriſſen. Die neue Pflaſterung, die
unbedachter=
weiſe an allen Stellen zugleich begonnen wurde, ruht, da
ja die Arbeitskräfte bei den Waffen ſtehen. Es ſiehr
furchtbar aus. Der Schmutz iſt nicht zu beſchreiben und
dabei regnet es, nach den für dieſen Sommer
vorgeſchrie=
benen Niederſchlagsmengen, abwechſelnd einige Stunden
täglich. So mancher beweint einen irgendwo
ſtecken=
gebliebenen, nicht mehr aufzufindenden Gummiſchuh.
Die Stimmung der Belgrader iſt ſehr gehoben. Die
anfänglichen Siege machen die Leute ganz durcheinander.
„Wir haben jetzt den Sandſchak,” ſagte mir ein Serbe,
„nun machen wir’s wie die Engländer in Aegypten. Wer
uns vertreiben will, ſoll kommen.‟ Die ganz
Phantaſie=
vollen rechnen ſogar ſchon damit, daß der entthronte
Hamid wieder ans Ruder kommt, und die Türkei ſich dann
durch innere Kämpfe zu Grunde richtet. Geduld!
In den beiden großen Kaffeehäuſern Moskwa und
Grand Hotel ſtehen und ſitzen eifrig redende Gruppen.
Jeder weiß was zu erzählen; viel Tatſächliches, aber auch
Erdachtes und, was ungefähr auf dasſelbe hinausläuft,
ſerbiſche Zeitungsnachrichten. Daß die hier erſcheinenden
zehn Tageblätter jetzt hierin bisher Unerreichtes leiſten
liegt auf der Hand. Im Café Grand Hotel iſt an der
Stelle, wo ſonſt der Kientopp ſeine mehr oder weniger
ſchönen Bilder an die Wand warf, eine rieſige Landkarte
mit den Nadelfähnchen der Türken und Balkanbündler
an=
gebracht. Sie wird förmlich belagert von einer Menge
Männer, die mit begreiflichem Intereſſe jede
Veränder=
ung verfolgt. Es ſind meiſt ganz alte Herren,
abkömm=
liche Staatsbeamte und Nichtſerben. Auch einige
eng=
liſche Berichterſtatter weilen noch hier.
Eben kommen die erſten dreihundert Verwundeten an.
Die Elektriſche hat ihre Wagen zur Beförderung nach den
Unterkunftſtätten zur Verfügung geſtellt. Die
Lehranſtal=
ten, von den Volksſchulen bis zur Univerſität, ſind
ge=
ſchloſſen und werden in Spitäler umgewandelt, wo die
armen Zerſchoſſenen Pflege finden. Man ſieht lange
Bauernwagenzüge mit Vorrat für Mannſchaften und
Pferde nach den Kaſernen fahren, andere mit Feldbetten
zu den Stätten des Roten Kreuzes. Die Opferfreudigkeit
aller Kreiſe iſt rührend. Jeder, ſelbſt der Aermſte, gibt,
was er nur irgendwie entbehren kann, denn es iſt „ein
heiliger Krieg, die leidenden Brüder in Mazedonien
harren der Befreiung, die Abrechnung mit dem alten
Erb=
feind hat endlich begonnen”.
Da alle Soldaten im Felde ſtehen, hat man für den
Sicherheitsdienſt Bauern (als drittes Aufgebot)
heran=
gezogen. Die ſehen nun ganz wunderbar aus. Um ihre
rauhen, braunen Anzüge haben ſie das Seitengewehr gl
ſchnallt, vorn die Patronentaſche und auf dem Rücken
einen beliebigen Sack, aus dem ein mächtiger Brotleibt
herauslugt. Ein altes Gewehr mit einem unglaublich
langen Bajonett iſt die Hauptwaffe. Auf dem Kopfe ſitz
die unverwüſtliche ſchwarze Lammfellmütze, ein vom
ſer=
biſchen Bauern faſt untrennbares Stück. Er nimmt ſie
nur in drei Fällen ab: meiſtens beim Schlafen, immer in
der Kirche und in der — Apotheke, vor der er eine
ge=
waltige Ehrfurcht hat.
Die Kriegsbegeiſterung wird bei den Zurückgeblie
benen, beſonders den Frauen und der heranwachſenden
Jugend, durch das königlich ſerbiſche Nationaltheater
be=
ſonders warmgehalten. Man gibt Stücke aus der Zeitz
der Schlacht auf dem Amſelfelde und der
Befreiungs=
kämpfe, aber auch, zum 27. Mal — Schillers Tell. Als
ich dieſen Morgen den Theaterzettel (den ich Ihnen
bei=
lege) las, beſchloß ich, hinzugehen. Auf meine Rechnung)
kam ich ja nicht. Die Darſtellung des vom Ueberſetzer
Kotoranitſch arg zerſchnittenen Tell machte den Eindruck
von den Leiſtungen einer beſſeren Schmiere. Tell und der
alte Attinghauſen gingen noch, aber was ſonſt da oben
herumdämmerte, war einfach fürchterlich. Uebertroffen
wurde die Vorſtellung durch die unbeſchreiblichen
Deko=
rationen und Koſtüme, ganz vom Uebel war aber die
Be=
leuchtung. Man ſah alles doppelt, denn jeder Darſteller
warf auf den Hintergrund ſeinen Schatten.
Mehr Freude, ja wirkliches echtes Ergötzen in gutem
Sinne bereiteten die Zuſchauer, nebſt vielen Damen meiſt
Schuljugend. Jede Wendung von Freiheit und
Vater=
land wurde laut bejubelt und als gar der böſe Geßler
dalag und trotz aller Bemühungen das Tellsgeſchoß nicht
entfernt werden konnte, brach ein gewaltiger
Beifalls=
ſturm los. Billig war ja das Vergnügen; eine
Parkett=
loge mit drei Sitzen koſtete ſieben Dinar, macht nach
un=
ſerem Gelde 1,85 Mark auf den Kopf. Die Vorſtellung
dauerte von fünf bis acht Uhr.
Ich ging zu Tiſch und bald nach Hauſe, denn jetzt iſt
es abends auf den Straßen nicht recht geheuer. Nicht als
ob die perſönliche Sicherheit zu wünſchen übeig
ließe=
nein, was anderes: Wer nach ½12 Uhr nicht in
Eil=
ſchritten heimſtürzt, wird mitgenommen. Eingeſperrt
wird man nicht, aber ſchaffen muß man bis zum hellen
Morgen und zwar in der Militärbäckerei. Dann darf
man allerdings heim und ſchlafen. Ein ſolches Opfer iſt
aber die Kenntnis des Brotbackens nicht wert. W. K.
und brachte auf denſelben ein dreifaches Sänger=Hoch
aus. Ein glänzend verlaufener Feſtball bildete den
Schluß der vorzüglich verlaufenen Veranſtaltung.
B. Krieger=Verein Darmſtadt. Für Samstag abend
hatte der Verein ſeine Mitglieder zu einem
Familien=
abend mit Lichtbildervortrag nach der Turnhalle,
Diebur=
gerſtraße, eingeladen, und hatte eine größere Anzahl
Ka=
meraden mit ihren Familienangehörigen dieſem Rufe
Folge geleiſtet. Wie ſchon öfters bei derartigen
Veran=
ſtaltungen, war es auch diesmal wieder Kamerad L.
Geiſt, welcher ſich in liebenswürdiger Weiſe bereit
gefun=
den, den Abend durch Vorführung intereſſanter
Aufnah=
men, darſtellend eine Lichtbilder=Serie aus ſeiner
Schwei=
zer= und Riviera=Reiſe, welche durch belehrende
Erklä=
rungen noch verſtändlicher gemacht wurden, zu
verherr=
lichen. Nach Begrüßung durch den 1. Vorſitzenden, erhielt
Herr Kamerad Geiſt das Wort zu ſeinem Vortrag. Die
bildliche Vorführung ſeiner Reiſe beginnt in Bern, es
er=
folgt die Beſichtigung dieſer ſchönen Stadt und alsdann
die Weiterreiſe nach Genf. Wir ſehen hier die blauen
Fluten des Genfer Sees und im Hintergrund die
maleri=
ſchen Schneeberge des Mont Blanc und Mont Salve.
Nach=
dem wir in der Stadt tüchtig Umſchau gehalten, begeben
wir uns nach Frankreich, beſuchen die Stadte Lyon,
Mar=
ſeille, Toulon. Cannes, Nizza, ſtatten Monte Carlo und
Mentone einen Beſuch ab, beſichtigen Genua und beenden
die Reiſe über Chiaſſo, Como, Mailand und Lugano
dies=
mal in Airolo. Den Dank des Vereins, für den
hoch=
intereſſanten Reiſebericht, ſprach dem Vortragenden der
2. Vorſitzende, Herr Oberbürgermeiſter Schäfer, aus.
Die Zuhörer gaben ihre Zuſtimmung durch lebhafte
Bei=
fallsbezeugungen kund. Es erfolgte nun noch die
Ueber=
reichung der Schieß=Preiſe an die Preisträger von dem
am 20. Oktober abgehaltenen Vereins=Preisſchießen. Der
Vorſitzende ſprach hierbei den Wunſch aus, die Kameraden
möchten ſich in noch größerer Anzahl auch im kommenden
Jahre zu den Vereins=Schießen einfinden. Ein ſich
an=
ſchließender Tanz hielt die Teilnehmer noch einige
Stun=
den gemütlich beiſammen.
nn. Schauſchwimmen der Turngemeinde. Der
von der Schwimmabteilung der
Turn=
gemeinde Darmſtadt am vorgeſtrigen Sonntag
nachmittag im ſtädtiſchen Hallenſchwimmbad veranſtaltete
Schauſchwimmmen hatte ſich einer außerordentlichen
Teilnahme aus allen Kreiſen der Bevölkerung zu erfreuen
und verlief in geradezu glänzender Weiſe. Als
Ehren=
gäſte waren Herr Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing, Herr
Beigeordneter Ekert, ſowie viele Stadtverordnete und
zahlreiche auswärtige Vertreter des Schwimmſports
er=
ſchienen. Eingeleitet wurde das Schwimmfeſt durch einen
flotten Aufmarſch der ca. 60 Mann ſtarken
Schwimmab=
teilung, die in ihren ſchmucken Schwimmanzügen einen
portrefflichen und dezenten Eindruck machte. Hieran
ſchloß ſich ein allgemeines Auf= und Reihenſchwimmen
der geſamten Mannſchaft, das mit Eleganz und Schneid
durchgeführt wurde. Der 1. Turnwart und Leiter der
Schwimmabteilung, Herr Gg. Maurer, begrüßte hierauf
die Zuſchauer in herzlichen Worten und dankte für das
Intereſſe, das man der Veranſtaltung durch den
zahlrei=
chen Beſuch erweiſe Er wies ferner auf den hohen, die
Geſundheit fördernden Wert des Schwimmſports für die
Jugend hin und machte die erfreuliche Mitteilung, daß ſich
noch zwei weitere Schwimmriegen in Darmſtadt
gebil=
det haben. Dem weiteren Blühen und Gedeihen des
Schwimmſports und der deutſchen Schwimmvereine
wid=
fmete er zum Schluß ein dreifaches „Gut Naß”, das einen
Lauten und freudigen Widerhall fand. Ein vorzüglich
Fürchgeführtes Stafettenſchwimmen, bei dem die Kraft
Imd körperliche Gewandtheit der Schwimmer in
verſchiede=
uen Schwimmarten (Seiten=, Hecht= und
Rückenſchwim=
yren) zur Vorführung kamen, bildete den weiteren Teil der
Schwimmordnung, an die ſich Pyramiden, ein
Waſſerball=
ſpiel ſowie ein Hindernisſchwimmen der einzelnen
Mann=
ſchaften anſchloß. Ungeheure Heiterkeit erregte eine
Waſ=
ſerpantomime, bei der ein Stromer, verfolgt von einem
Badediener und einem Schutzmann, von der Galerie ins
Schwimmbaſſin ſprang, in das ihm ſeine Verfolger
nach=
ſprangen und ihn verhafteten. Dröhnender Beifall lohnte
für dieſes Bravourſtückchen die drei Schwimmer.
Hoch=
intereſſant war noch ferner das Strecken= und Tieftauchen,
bei welch letzterem nach Tellern und ſonſtigen
Gegenſtän=
den getaucht wurde, die von den Teilnehmern ſämtlich aus
der Tiefe geholt wurden. Den Schluß der Veranſtaltung
bildeten Waſſerſpiele, Reigen und ein Waſſer=Springen
vom Sprungbrett und der Galerie, bei dem ſich zahlreiche
Schwimmer mit ſehr elegantem und kühnem Sprung in
das Baſin beſonders hervortaten. Reicher, nichtendender
Beifall lohnte die vortrefflichen Leiſtungen der
Schwim=
mer, über die ſich auch Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſina
ſehr lobend ausſprach. Um ½7 Uhr war die prächtig und
ohne Unfall verlauſene Veranſtaltung beendiat, auf die die
Turngemeinde Darmſtadt mit Stolz zurückblicken kann.
* Der Verein der Württemberger hielt im „Perkeo”
ſein diesjähriges Herbſtfeſt ab. Das Feſt wurde durch
eine Begrüßungsanſprache des erſten Vorſitzenden Herrn
Günther eröffnet. Durch die vorzüglichen Vorträge
des Herrn Bingenheimer ſowie durch die beiden
Poſſen: „Der möblierte Herr” und „Die geborgte Frau”,
von den Damen G. und E. Lederer, E. Sauerborn,
K. und D. Wagner, ſowie den Herren Günther,
Witt=
mann, Franzmann und Stein aufgeführt, wurden die
An=
weſenden aufs beſte unterhalten. Nicht unerwähnt ſollen
die Vorträge in ſchwäbiſcher Mundart des kleinen Paul
Häcker ſein, unter denen beſonders „Das G’ſchmäckle am
Salot” und „Die Pferdekur” größte Heiterkeit erweckten.
Den Schluß bildete ein Tanz.
* Der Rauchklub des Katholiſchen Geſellenvereins
feierte am Sonntag das Feſt ſeines 25jährigen Beſtehens.
Zahlreich waren die Gäſte am Nachmittag im Saale des
Geſellenhauſes erſchienen. Der Ehrenpräſident, Herr
V. Frühwein, begrüßte die Anweſenden und gedachte
des leider abweſenden Herrn Fraas, des bisherigen
Vor=
ſitzenden des Klubs. Nach einem von zwei Mädchen
hübſch vorgetragenen Prolog hielt der Präſes des
Ge=
ſellenvereins, Herr Kaplan Moſer, die Feſtrede. In
humorvoller und ernſter Weiſe gedachte er der Tätigkeit
des Klubs, die nicht allein im Verdampfen des edlen
Krautes beſtand ſondern der auch beſonders in der
Pflege des Frohſinns und der edlen Freude Gutes leiſtete.
Muſik= und Geſangsvorträge, ausgeführt von einer
Ab=
teilung der Trainkapelle und der Geſangsabteilung des
Katholiſchen Männervereins, fanden reichen Applaus.
Ein flotter Ball bildete den Schluß des ſchön verlaufenen
Feſtes.
— Der Richard=Wagner=Verein feiert am Donnerstag,
7. November, das Jubiläum ſeines 200.
Vereins=
abends. Wie er zu ſeinem 100. Abend das Münchener
Kaim=Orcheſter eingeladen hatte, ſo wird diesmal zur
Feier des Jubiläums die Meininger Hofkapelle unter
Max Regers Leitung hierher kommen, die damit im
Wagner=Verein bereits zum viertenmal auftritt. Der
Vorverkauf der Eintrittskarten, die, um eine Ueberfüllung
des Saales wie im Februar dieſes Jahres zu vermeiden,
an Nichtmitglieder nur in beſchränkter Zahl zur
Aus=
gabe gelangen können, hat in Heinrich Arnolds
Hof=
muſikalienhandlung heute begonnen.
Vorträge über Fragen religiöſer
Weltan=
anſchanung, die dem religiöſen Suchen unſerer Zeit in
Geiſt und Sprache der Gegenwart gerecht zu werden
und mit ſtreng wiſſenſchaftlicher Haltung
Volkstümlich=
keit der Form zu vereinigen ſuchen, dürfen heute mit
der Teilnahme weiter Kreiſe rechnen. Die Darmſtädter
Ortsgruppe der Freien Landeskirchlichen Vereinigung
einſchließlich des ebemaligen Darmſtädter
Proteſtanten=
vereins wird vier Vorträge ſolcher Art im Kaiſerſaal
(Grafenſtraße 18) veranſtalten, die folgende Fragen
be=
handeln ſollen: 1. „Warum glauben wir an einen
per=
ſönlichen Gott?‟ (Pfarrer Freundlieb von Vilbel,
26. November). 2. „Gibt es ein ewiges Leben?” (Pfarrer
Fuchs von Rüſſelsheim, 4. Dezember). 3. „Wie verträgt
ſich die ewige Liebe und Gerechtigkeit mit dem Daſein
des Uebels?” (Pfarrer Heſſelbacher von Karlsruhe,
10. Dezember). 4. „Die Ethik Jeſu und das moderue
Berufsleben” (Pfarrer Philippi von Wiesbaden, 17.
De=
zember). Der Vorverkauf der Eintrittskarten hat in
A. Bergſträßers Hofbuchhandlung (Rheinſtraße 6)
be=
gonneu.
* Der Gau Darmſtadt der Gabelsberger
Steuo=
graphen hält nächſten Sonntag hier ſeinen 1. Gautag
ab, der neben einer Geſchäftsſtenographen=Prüfung aus
Vertreter=Verſammlung der angeſchloſſenen Vereine,
Wettſchreiben und Preisverteilung beſteht. Die
Gau=
leitung hofft, daß ſich die Mitglieder der angeſchloſſenen
Stenographen=Vereine zahlreich beteiligen werden,
be=
ſonders am Wettſchreiben. (Siehe Anzeige.)
Zum Feuer im Hauptpoſtamt teilt uns die
Städtiſche Gaswerksverwaltung mit: Am
Samstaa mittag gegen 12 Uhr ſollte ein nicht mehr in
Ord=
nung befindlicher 80=flammiger Meſſer gegen einen
gleich=
großen trockenen Gasmeſſer im Keller des Hauptpoſtamts
ausgewechſelt werden, wobei auch dieVerbindungsleitungen
mit der Zu= und Ableitung geändert werden mußten.
Aus nicht aufgeklärter Urſache entzündete ſich das aus
einer 50 mm ſtarken Ableitung ausſtrömende Gas und
ſetzte den Lattenverſchlag in Brand. Der in die 100 mm
ſtarke Zuleitung eingebaute Hauptabſperrſchieber konnte
der ſtarken Stichflamme und Hitze wegen nicht mehr
geſchloſſen werden. Die raſch herbeigerufene Feuerwehr
löſchte die brennenden Holzteile ab, konnte und durfte
aber die Gasflamme, die an ſich wenig Schaden
an=
richten konnte, durch den ſtarken Waſſerſtrahl nicht zum
Erlöſchen bringen, weil ſonſt Exploſionsgefahr durch das
ſich im Keller ausbreitende Gas vorgelegen hätte. Trotz
der ſeitens des Gaswerks ſofort in Angriff genommenen
zweckdienlichen Maßnahme, die Zuleitung auf der
Rhein=
ſtraße bloßzulegen und abzutrennen, ordnete das Großh.
Polizeiamt die Abſperrung der Hauptzuleitung zur
Stadt an. Die Wiederöffnung dieſer Leitung konnte
natürlich erſt dann erfolgen, als in allen Wohnungen
der Stadt die Schließung und Wiederöffnung derſelben
angeſagt war, damit etwa offen gebliebene Hähne
ge=
ſchloſſen werden konnten. Die Poſt kam uns darin
in=
ſofern entgegen, als die Briefträger bei ihrem
Beſtell=
gang von 1 Uhr ab damit beauftragt wurden.
Außer=
dem konnten die getroffenen Anordnungen ſchon von
2 Uhr ab durch Anſchläge an ſämtlichen Plakattafeln
der Stadt bekannt gegeben werden. Leider ſind große
Störungen in der Krankenhausküche, in Hotels,
Druckereien und wohl auch vielen Haushaltungen
ein=
getreten; hoffentlich ſind aber weitere Unfälle
aus=
geblieben.
m. Auf dem Phyſikgebände der Techniſchen
Hoch=
ſchule iſt der Dachſtuhl nach der Nordſeite hin
ab=
gehoben worden, um dort Räume für experimentelle
Photographie herzurichten. Die neuen Räume ſollen
bis Ende des Winterſemeſters dem Gebrauche
über=
geben werden können.
m. Die beiden Neubauten auf dem Diſchingerſchen
Gebiete am Hauptbahnhof ſind ſo weit gefördert werden,
daß ſie eben mit Ziegeln gedeckt werden. Dieſe Ziegeln
ſind von derſelben Färbung, wie ſie das
Empfangs=
gebäude beſitzt. Auch alle noch dort entſtehenden
Gebäuden ſollen ſich den Bahnhofsgebäuden
har=
moniſch anſchließen. Der größte Neubau vor dem
Hauptgebäude ſoll ſo raſch gefördert werden, daß
in den unteren Lokalitäten bis 1. Januar 1913 ein
Reſtaurationsbetrieb eröffnet werden kann. —
Gegen=
über dem Wohnhäuschen an der Bahnpoſt wird
ebenfalls ein Wohn= mit Hinterhaus errichtet, das ſchon
bis zur zweiten Stockhöhe gediehen iſt. — Das neue
Proviantmagazin im Hopfengarten, das mit ſeinen
vielen Stockwerken ſtattlich über die weiße
Dragoner=
kaſerne nach dem Bahnhofe herübergrüßt, erhält eben
auch ſeine Ziegelbedachung.
* Adreßbuch. Der Druckbogen Nr. 4 des Adreßbuches
für 1913, enthaltend Einwohnerregiſter — Eidam, Guſtav,
bis Frühwein, Valentin — liegt im Hauptmeldebureau,
Hügelſtraße Nr. 31/33, Zimmer Nr. 13, während der
Bureauſtunden (8—12 Uhr vormittags und 2—6 Uhr
nach=
mittags) bis zum 31. Oktober vormittags zur
Einſicht=
nahme offen.
* Im Singſpielhaus Metropole findet heute zu Ehren
des Herrn Mohrmann großer Benefiz=Abend ſtatt. Der
täglich äußerſt gute Beſuch des Lokals ſpricht von ſelbſt
für die ausgezeichneten Leiſtungen des Herrn Mohrmann
mit ſeinem Enſemble. (S. Anz.)
§ Sinnlos betrunken. In vorverfloſſener Nacht gegen
1 Uhr wurde in der Altſtadt ein Fuhrmann in ſinnlos
betrunkenem Zuſtande aufgefunden. Derſelbe iſt durch die
Rettungswache dem Städtiſchen Krankenhauſe zugeführt
worden.
§ Schlägerei. Zwiſchen zwei Handarbeitern fand in
vorverfloſſener Nacht in der Altſtadt eine Schlägerei ſtatt, in
deren Verlauf der eine Handarbeiter Kopfwunden
davon=
trug.
— Auerbach, 28. Okt. Der
Kammermuſikver=
ein Auerbach ſchreibt uns: Unter den günſtigſten
Auſpizien hat der Kammermuſikverein geſtern den Cyklus
ſeiner Vortragsabende ſeröffnet. Ausverkaufter
Saal, ein feſtlich und erwartungsvoll geſtimmtes
Audi=
torium und glanzvolle hervorragende Darbietungen, das
war die Signatur des Abends! Es hieße Eulen nach
Athen tragen, über Herrn Havemanns Können ſich an
dieſer Stelle zu äußern, denn wir kennen ja ſeine
glän=
zenden Eigenſchaften als feinſinniger Künſtler: Wie
im=
mer entzückte er durch ſeine glanzvollen Darbietungen,
durch ſeine ſo oft bewunderte charakteriſtiſche, künſtleriſche
Auffaſſung der zu Gehör gebrachten Tonſchöpfungen und
durch ſeine ſaubere fein herausgearbeitete Technik.
Be=
dauerlich war nur, daß Violine und Flügel nicht gaſtz
rein zuſammenſtimmten. Frau Anna Kämpfert iſt
den Auerbachern keine Fremde. Schon vor 3 Jahren
er=
freute ſie das muſikliebende Publikum Auerbachs durch
ihre hervorragenden Darbietungen. Sie verbindet mit
einem umfangreichen, ausgiebigen, beſonders in der
Mit=
tellage in prächtiger Fülle glänzenden Organ große
tech=
niſche Sicherheit, die namentlich in den zarten
Piano=
ſtellen ganz beſonders ſchön zum Ausdruck kommt. Unter
den Darbietungen der geſchätzten Künſtlerin möchte ich
ganz beſonders die Straußſche „Freundliche Viſiohi”
her=
vorheben, welche in fein abgetönter Weiſe mit ſchön
herrſchtem Piano vorgetragen wurde. In Herrn Otto
Weinreich aus Leipzig lernten wir einen
tempera=
mentvollen Künſtler kennen, deſſen Leiſtungen ſich weit
über die mittlere Linie erheben. Ich ſaß leider etwas!
zu nahe am Flügel, um die fein herausgearbeiteten
Vor=
träge des Herrn Weinreich voll und ganz würdigen zu
können. Beſonders rühmlich zu nennen iſt die brillante
Technik und der temperamentvolle Vortrag, der in dem
„Impromptu” von G. Sgambati ſehr ſchön zum Ausdruck
Feuilleton.
* Anzeigeſucht. Oberlandesgerichtsrat Wilhelm
Mayer in München, der ſich als Verhandlungsleiter
hauptſächlich von politiſchen Prozeſſen her eines beſonders
guten Namens weit über Bayern hinaus erfreut, ſendet
dem Kunſtwart (Verlag G. Callwey) folgende Anregung:
Man beklagt als „Strafſucht”, daß in Deutſchland
viel zu viel geſtraft und geahndet werde. Ob mit Recht,
iſt eine Frage für ſich. Ich möchte heute nur darauf
hin=
weiſen, daß die Münze auch eine Kehrſeite hat: Die
Anzeigeſucht Zweifellos würde viel weniger geſtraft
werden können, wenn nicht ſo viel angezeigt würde. Das
peinliche Gerechtigkeitsgefühl, das in unſerem deutſchen
Blute ſchläft und das wohl ſo ziemlich jeden von uns
be=
ſeelt, läßt uns doch vielfach weit ſchneller und weit lauter
nach dem ſtrafenden Arme rufen, als dies vielleicht nach
der Art des verübten „Frevels” bei mehr ruhiger
Ueber=
legung geſchehen würde. Die ſetzt aber leider meiſt erſt
dann ein, wenn das Rad ins Rollen gekommen und nicht
mehr aufzuhalten iſt.
Man kann die Richtigkeit dieſer Beobachtung bei
kleinen, eher komiſchen als ernſten Vorfällen an ſich ſelbſt
und andern erproben. Nehmen wir an, wir ſitzen in
einem Wagenabteil eines Eiſenbahnzuges, in dem das
Rauchen unterſagt iſt. Nun ſoll ja durchaus nicht etwa
dem Rauchen an verbotenem Orte das Wort geredet ſein.
Iſt es aber nicht doch beinahe erheiternd, zu ſehen, daß im
ſelben Augenblick, in dem irgendein des Verbotes
Unbe=
wußter ſeine Zigarre anſteckt, mit faſt unfehlbarer
Sicher=
heit die Augen ſämtlicher anderer Wagengenoſſen zwiſchen
dem Schwerverbrecher und der Verbotstafel unruhig und
rachelüſtern hin und her zu wandern beginnen? Und nicht
eher ſchwindet häufig die Unrühe als bis irgend wer und
oft gerade einer, der ſich vielleicht am liebſten ſelbſt eine
Zigarre anzünden möchte, das Zugperſonal aufmerkſam
gemacht und den Sünder ſo wenigſtens durch eine Rüge
durch den Beamten einer gewiſſen Ahndung ausgeliefert
hat. In wieviel tauſend Fällen, wo man mit einem
freundlichen Wort eine geringfügige Uebertretung
ab=
ſtellen könnte, verleiten Uebereifer, Geſchäftigkeit,
Wichtig=
tuerei oder auch nachbarliche Gereiztheit, verſteckter Neid,
verhohlene Schadenfreude, verleitet das Behagen an der
kleinen Unannehmlichkeit eines Dritten Leute, die gar nicht
dienſtlich dazu genötigt und die nicht geſchädigt ſind, zum
Anzeigen von Dingen, die ſich auf anderem Wege viel
raſcher, einfacher und ohne Bloßſtellung des lieben
Näch=
ſten abſtellen ließen! Die Behörde, die einmal verſtändigt
iſt, kann zumeiſt gar nicht vermitteln. Sie muß
eingrei=
fen — ſie muß ſtrafen. Aber wir ſelbſt haben andere,
ſanftere Mittel in Händen. Wie oft ſind es nicht reine
Formalvorſchriften, die ohne jede böſe Abſicht übertreten
werden — Kleinigkeiten, die den großen Apparat gar
nicht verdienen, der ihrethalben in Bewegung geſetzt
wer=
den muß! Und wie häufig überführt ſich einer der
vor=
ſchnellen Anzeiger ſpäter ſelbſt der eigenen Uebereilung
durch das Geſtändnis: „Ja, wenn ich gewußt hätte, daß
das ſolche Scherereien macht, hätte ich lieber keine Anzeige
erſtattet!‟ Die „Strafſucht” wird nachlaſſen, wenn die
„Anzeigeſucht” ſich mindert.
C.K. Rekords, die noch zu brechen ſind, ſtellt eine
eng=
liſche Wochenſchrift zuſammen: Die größten Bäume der
Welt ſind unzweifelhaft die Rieſen=Sequoien von
Kali=
fornien. Einer von ihnen im Tulare=Gebiet hat an der
Baſis ſeines Stammes einen Umfang von 102 Fuß und
12 Fuß über dem Boden noch einen Umfang von 76 Fuß.
Die größte Höhle der Welt iſt die Mammut=Höhle von
Kentucky; ſie beſteht aus einer Reihe von unregelmäßigen
Sälen, von denen einige von dem Echo River durchſtrömt
werden. Der höchſte noch tätige Vulkan iſt der
Popo=
catepetl in der Nähe von Pueblo in Mexiko; er erhebt ſich
4200 Meter hoch frei aus dem Tiefland von Morelos zu
einer Geſamthöhe von 5452 Meter; ſein Krater iſt 2000
Fuß breit. Die größte Mauer der Erde iſt die chineſiſche
Mauer, die freilich mehr und mehr in Verfall gerät; ſie
ſoll im 3. Jahrhundert v. Chr. vollendet worden ſein und
erſtreckt ſich über Berge, durch Täler und über Flüſſe hin;
ſie war urſprünglich gegen 2500 Kilometer lang, 20 Fuß
hoch, 25 Fuß dick an der Baſis und 15 an der Spitze. Die
größte Pyramide iſt die des Cheops; ſie enthält 89
Mil=
lionen Kubikfuß Mauerweck, iſt 451 Fuß hoch und das
Geſamtgewicht ihrer Steine wird auf über 6 Millionen
Tonnen geſchätzt. Der höchſte Leuchtturm iſt die Statue
der Freiheit im New=Yorker Hafen, die ſich 151 Fuß hoch
auf einem Piedeſtal von 155 Fuß erhebt, die nächſt
höch=
ſten Leuchttürme ſind bei Genua, 210 Fuß hoch, und auf
Kap Hatteras, 189 Fuß. Die größte Glocke der Welt iſt
die Rieſenglocke zu Moskau, die niemals aufgehängt
wor=
den iſt. Ihr Gewicht wird auf 217 Tonnen geſchätzt, ſie
iſt über 21 Fuß hoch, an der Spitze 23 Zoll dick und hat
einen größten Umfang von 86 Fuß.
ml. Die Stadt der „Vierzig Kirchen.‟ Der heute
vielgenannte Name Kirk=Kiliſſe das ſo ziemlich in
der Mitte zwiſchen Adrianopel und der bulgariſchen
Grenze liegt, bezeichnet in deutſcher Ueberſetzung „
Vier=
zig Kirchen” Unter dieſen befinden ſich unter anderen
ſechs Moſcheen und mehrere griechiſche Kirchen. Die Stadt
bildet eine der Hauptbezugsquellen für Butter und Käſe
für Konſtantinopel und iſt daneben durch die fabrikmäßige
Herſtellung von Konfitüren berühmt. Sie hat über
16000 Einwohner, die in der Mehrzahl Chriſten ſind.
* Durchſchaut. Der Schulinſpektor, der durch ein
Kreuzfeuer von Fragen die Klaſſe in Schrecken verſetzt
hat, ſchließt mit der Aufgabe: „Und nun ſagt mir noch:
„Wer hat Hamlet geſchrieben?“ — „Entſchuldigen Sie,
Herr Inſpektor,” antwortet ein zitternder Junge, „ich
war’s nicht.” Am Abend erzählt der Inſpektor den
Vor=
fall dem Bürgermeiſter, der intereſſiert zuhört und in ein
langes Gelächter ausbricht. „Das iſt gut,” meint er
ſchließlich, „und dabei bin ich feſt überzeugt, der
ver=
dammte Bengel hat es doch getan!“
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Oktober 1912.
Nummer 255,
kkam. Auch als Begleiter zeigte ſich Herr Weinreich durch
ſſein diskretes, nicht hervordrängendes Anſchmiegen und
ſſein verſtändnisvolles Eingehen auf die geſanglichen
Dar=
bietungen, als vornehmer Künſtler. Alles in allem ein
genußreicher, gelungener Abend.
Bensheim, 28. Okt. Eine Liebestragödie bildet
gegenwärtig das Tagesgeſpräch in unſerer Stadt. Die
Tochter eines Metzgermeiſters von hier unterhielt ſeit
kurzem ein Liebesverhältnis mit einem 19jährigen
Schornſteinfegergehilfen, das dahin führte, daß der junge
MMenſch, jedenfalls auf Veranlaſſung ſeiner Geliebten,
ſſeinen Beruf aufgab und wunſchgemäß bei deren Eltern
das Metzgerhandwerk erlernen wollte. Am letzten
Sonn=
ſtag gab es zwiſchen den beiden Liebenden anläßlich eines
Ausfluges nach Auerbach Auseinanderſetzungen, die ſich
in Bensheim fortſetzten mit dem Ergebnis, daß der junge
Mann ſich entfernte mit dem Bemerken, er werde ſich
er=
ſchießen. Alle ſofort angeſtellten Nachforſchungen
waren erfolglos, bis er einem Freunde von Würzburg aus
brieflich Nachricht gab, daß er nicht mehr unter den
Leben=
den weile, wenn dieſe Zeilen ihn anträfen. Der junge
Mann fuhr ſofort nach Würzburg in das angegebene
Hotel und ließ, nachdem die Anweſenheit ſeines
Freun=
des im Fremdenbuch feſtgeſtellt war, die Tür des
Zim=
mers polizeilich öffnen. Der Geſuchte lag in einer
gro=
ßen Blutlache und war tot. Ein herbeigerufener Arzt
konſtatierte, daß die beigebrachte Schußwunde am Herz
nicht lebensgefährlich geweſen und der Tod erſt zwei
Stunden zuvor eingetreten ſei. Mithin muß der
Be=
dauernswerte mindeſtens 8—10 Stunden mit dem Tode.
der durch Verblutung eintrat, gerungen haben. (W. Ztg.)
r. Reinheim, 27. Okt. Der
Heimatpflegever=
ein des Kreiſes Dieburg hält nächſten Mittwoch nachm.
2 Uhr ſeine zweite diesjährige Mitgliederverſammlung ab.
Eine Beſichtigung des hieſigen Heimatmuſeums und der
hiſtoriſch denkwürdigen Gebäude und Oertlichkeiten wird
unter ſachgemäßer Führung zunächſt ſtattfinden. Pfr. D.
Dr. Diehl, der als Forſcher heſſiſcher Heimatgeſchichte
be=
kannt iſt, wird einen Vortrag halten über „Der
dreißig=
jährige Krieg und der Odenwald” Unſer Ortspfarrer
wird wertvolle Ereigniſſe aus den hieſigen Kirchenbüchern
mitteilen. Endlich wird Apotheker Scriba von hier die
Mitglieder mit einem Lichtbildervortrag auf heimatlichem
Gebiete erfreuen.
sd. Beerfelden, 28. Okt. Von der
Brandverſicherungs=
kammer in Darmſtadt wurde Herr Chriſtian Engelter
von hier zum ſtellvertretenden Bauſchätzer für den erſten
Bezirk des Kreiſes Erbach ernannt. Sobald die
Verpflich=
tung von Großh. Kreisamt vorgenommen iſt, erfolgt die
Dienſteinführung. — Herr Wachtmeiſter Dietz, der
ſeit ſechs Jahren hier ſtationiert war, iſt vom 1. Nov. ab
nach Bürſtadt verſetzt, und Gendarm Aßmus von Alzey iſt
vom gleichen Tage ab als Wachtmeiſter hierher verſetzt.
C Groß=Gerau, 28. Okt. Geſtern wurde hier das
Bonifatiusfeſt für das Dekanat Darmſtadt
abge=
halten. Domkapitular May hielt die Feſtpredigt. Bei der
weltlichen Feier in der „Goldenen Krone” machte
Pfarr=
kurat Hillenbrand von hier intereſſante Mitteilungen über
das Anwachſen der katholiſchen Bevölkerung und die
Er=
richtung neuer Pfarreien im Dekanat während der ſechs
letzten Jahre. In ſeiner Feſtrede gab Profeſſor Dr.
Schmidt eine feſſelnde Schilderung ſeiner Eindrücke beim
letzten Euchariſtiſchen Kongreß. Pfarrer Michel=Aſtheim
empfahl den Bonifatius=Sammelverein, während
Pfarr=
kurat Hillenbrand Herrn Domkapitular Dr. Elz für ſeine
rührige Tätigkeit als Dekan ſeinen Dank ausſprach. Die
zugunſten einer Kapelle in Walldorf veranſtaltete
Samm=
lung lieferte einen namhaften Betrag.
Offenbach, 28. Okt. Von einem tragiſchen Geſchick
wurde die Familie des Portefeuillers Karl Friedrich
Weber, Mittelſeeſtraße 32, betroffen. Der Vater Webers
ſtarb geſtern nachmittag im 84. Lebensjahre. Weber
wurde daraufhin telephoniſch im Geſchäft abgerufen, ohne
daß ihm jedoch eine Mitteilung von dem Tode des Vaters
gemacht wurde. Als er durch die Kaiſerſtraße ging,
wurde er plötzlich von Schwindelanfällen befallen. Ein
Bekannter begleitete ihn nach Hauſe, wo er ſich ſofort aufs
Sofa niederfallen ließ und innerhalb weniger Sekunden
und kurze Zeit nach dem Tode ſeines Vaters einem
Herz=
ſchlag erlag.
M Mainz, 26. Okt. In vielen mitunter ſogar
bedeu=
tenden Weinorten unſerer Provinz iſt man wegen des
flauen Traubenverkaufsgeſchäfts des
heu=
rigen Herbſtes im Begriff, Winzergenoſſenſchaften zu
gründen. Bei dieſer Gelegenheit ſei darauf hingewieſen,
daß im Jahre 1910 dem Reichsverband der deutſchen
land=
wirtſchaftlichen Genoſſenſchaften 21 rheinheſſiſche
Winzer=
vereinigungen angegliedert waren, welche in dieſem
Jahre einen Geſamtreingewinn von 66 989 Mark erzielten.
Gonſenheim, 28. Okt. Der von der
Staatsanwalt=
ſchaft zu Mainz gegen den flüchtigen Kaſſierer
Döl=
fel erlaſſene Steckbrief iſt nicht wegen Unterſchlagung,
ſondern wegen ſchwerer Urkundenfälſchung
er=
laſſen, da die unterſchlagene Summe noch nicht feſtſteht.
Nach der Perſonalbeſchreibung iſt der Flüchtige am 20.
Januar 1869 in Hadamar geboren; er hat einen gebückten
Gang, dunkelblondes Haar, kurzen, engliſch geſchnittenen
Schnurrbart, trägt Kneifer oder Brille. Der Flüchtige iſt
in dem Beſitz eines von der Deutſchen Bank, Filiale
Wies=
baden, ausgeſtellten Kreditbriefes und eines Paſſes fürs
Ausland.
* Worms, 28. Okt. Der Verkaufstag der
Großherzogin iſt für Worms ein Ereignis von
be=
ſonderer Bedeutung. Unſere Landesfürſtin ſelbſt hat ſich mit
ihrem Gemahl, dem Großherzog, an die Spitze der
Ver=
anſtaltung geſtellt, deren Erträgnis dazu dienen ſoll, Not
und Leid unter den armen Lungenkranken unſeres Landes
zu lindern und zu heben. Die Großherzogin ſelbſt
unter=
zieht ſich mit ihren Hofdamen der mühevollen Arbeit in
Anfertigung von Handarbeiten, Einkäufen aller Art. Ein
freundliches Opfer an Mühe und Zeit, das unſere
Lan=
desfürſtin darbringt, nicht zu einem Freudenfeſt, ſondern
zu einem guten Werk, der einzige Lohn — ein in der Sorge
für unglückliche und notleidende Nächſte zufriedenes
Ge=
wiſſen. Auch hier regen ſich ſeit Wochen hunderte von
fleißigen Händen, um die Vorbereitungen zu dem
Ver=
kaufstag zu treffen. Die Käufer werden viel Intereſſantes
und manche ſchöne Ueberraſchung finden. In den
Ver=
kaufsſtänden werden Gegenſtände aller Art zum Verkauf
angeboten werden, neben geſchmackvollen Handarbeiten
Erzeugniſſe der Keramik, der Textilbranche, der Kunſt und
des geſamten Kunſtgewerbes. Die falſchen Gerüchte, es
könnte nur jemand mit goldgefüllten Taſchen ſich auf dem
Verkaufstag ſehen laſſen, ſind nicht berechtigt. Es wird
Jeder nach ſeinem Wollen und Können kaufen können,
wenn er nur den guten Zweck der Sache im Auge hat
und bereit iſt, ein paar Nickel für arme Kranke zu opfern.
Es beſteht kein Toilettenzwang, es kann Jeder in
belie=
ligem Anzug kommen. Mit dem Vorverkauf der
Eintritts=
karten wird ſchon in den nächſten Tagen begonnen. Die
Vorverkaufsſtellen ſind auf den Plakaten, welche öffentlich
angeſchlagen werden, zu erſehen: wir wollen ſie hier
noch=
mals beſonders anführen: Worms: J. Stern, Buchhand=
lung, Neumarkt 23; A. Dinkelmann, Zigarrenhandlung,
Marktplatz 4; R. Heimann u. Co., Kunſt= und
Handels=
gärtnerei, Kaiſer Wilhelmſtraße 11; Otto Hörmann, Buch=
und Schreibwarenhandlung, am Bahnhof; Alzey: J.
Schmitz, Kaufmann, St. Georgenſtraße 1; Bensheim: J
Beſaga, Zigarrenhandlung, Bahnhofſtr. 1; Frankenthal:
Gg. Haferkorn, Zigarrenhandlung, Marktplatz 15;
Grün=
ſtadt: J. Rauſchkolb, Kaufmann, Hauptſtraße 46;
Ludwigs=
hafen: Wilhelm Müller, Zigarrenhandlung,
Ludwigs=
ſtr. 50; Mannheim: Oeffentliches Verkehrsbureau,
Rat=
hausbogen 47—48; Oppenheim: Wilhelm Traumüller,
Buchhandlung, Marktplatz 1. Es iſt erwünſcht, daß von
dem Vorverkauf recht umfangreicher Gebrauch gemacht
wird, damit am Verkaufstag ſelbſt der Andrang zu den
Kaſſen nicht zu groß und ſtörend wird.
Worms, 28. Okt. Mit großer Dreiſtigkeit wurde hier,
wie jetzt bekannt wird, vor einigen Tagen ein
Stra=
ßenraub ausgeführt, deſſen Opfer eine hieſige Dame
wurde. Letztere iſt Näherin und war an dem betreffenden
Abend, von ihrer Arbeit kommend, auf dem Wege nach
ihrer Wohnung, als plötzlich in der Berggartenſtraße aus
dem Dunkel ein Mann mit tief in den Kopf gezogenem
Hut auf ſie zuſprang und ihr mit Gewalt die Handtaſche
entriß, um damit davon zu eilen. Da ſich in letzterer u. a.
auch die Wohnungsſchlüſſel der Beraubten befanden, rief
dieſe, noch in Schreck und Beſtürzung, dem Dahineilenden
bittend nach, ihr doch wenigſtens die Schlüſſel
zurückzu=
geben, um in ihre Wohnung zu können. Der Räuber
er=
wies der Geängſtigten die unerwartete Gefälligkeit,
durchwühlte, noch immer laufend, die Handtaſche, entnahm
derſelben eine Portemonnaie mit 5 Mk. Inhalt und warf
die Taſche hinter ſich, um dann im Dunkel der Nacht
un=
erkannt zu verſchwinden.
* Nieder=Ingelheim, 26. Okt. Bei der heutigen
Bür=
germeiſterwahl erhielten Paul Chriſtian
Saalwäch=
ter 250 Stimmen, Leonhard Muntermann 526
Stim=
men. Mithin iſt Muntermann gewählt. Bei der letzten
Wahl am 23. März 1912 erhielten Saalwächter 311 und
Muntermann 374 Stimmen.
Gießen, 27. Okt. Der in weiteren Kreiſen bekannte
Lehrer und Organiſt Peter Trautmann hier iſt am
Donnerstag abend nach langem, ſchwerem Leiden
geſtor=
ben. Der Verſtorbene war 1851 in Ober=
Schömatten=
wag im Odenwald als Sohn eines Lehrers geboren. Er
beſuchte das Seminar in Friedberg und war dann von
1870 an als Schulverwalter und Lehrer in Wimpfen. 1887
bis 1888 beſuchte Trautmann zu ſeiner weiteren
muſikali=
ſchen Ausbildung das Konſervatorium für Muſik in
Stuttgart, nachdem er ſchon 1872 eine beſondere
Muſil=
prüfung in Darmſtadt beſtanden hatte. Ende 1890 kam
er als Volksſchullehrer nach Gießen und hat namentlich
als Geſangslehrer der Stadtmädchenſchule und Organiſ
der Johanneskirche Vorzügliches geleiſtet.
(*) Gießen, 27. Okt. Das große Flugfeſt in
unſe=
rer Provinzialhauptſtadt ſtand unter einem guten Stern;
das ſeither ſo ungünſtige Wetter wich ſogar klarem
Son=
nenſchein. Der Exerzierplatz Trieb war ſchon von 1 Uhr
ab von einer rieſigen Menſchenmenge umſtellt, die bis
2 Uhr fortgeſetzt wuchs es waren ſchätzungsweiſe zirka
20000 Menſchen. Alle Eiſenbahnzüge waren überfüllt und
hatten Verſpätung, die Elektriſche war kaum imſtande, den
Verkehr zu bewältigen. Punkt 2 Uhr traf die „Viktoria
Luiſe” ein, ſie landete unter dem Jubel der Zuſchauer.
Paſſagiere ſtiegen aus, andere ein. Um ½3 Uhr ſtieg
der Rieſe der Luft majeſtätiſch empor, um ſeine Rückfahrt
nach Frankfurt anzutreten. Dann ſtieg der Gradeflieger
Stoephaſius hoch, er machte mehrere wohlgelungene Flüge,
dabei auch Gleitflüge aus etwa 200 Meter Höhe.
Beſon=
ders ſchön ſahen die Gleitflüge mit Kurven aus.
Fräu=
lein Möhring verſuchte ſich ebenfalls als Fliegerin, ſie
überfuhr in mehreren Sprüngen das Fluggelände.
Wäh=
rend der ganzen Veranſtaltung konzertierte die hieſige
Re=
gimentskapelle.
(*) Butzbach, 26. Okt. In der geſtrigen
Stadtvor=
ſtandsſitzung ſtellte Stadtrat Oppenheimer den Antrag:
Die Schulkinder, deren Ernährer 1200 Mark und weniger
Einkommen haben und von denen gleichzeitig zwei oder
mehr Kinder die Schule beſuchen, erhalten ſämtliche
Lehr=
mittel von der Stadt koſtenlos geliefert.
Der Antrag wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt,
doch wurde angeregt, noch weitgehender als bisher bei
Ge=
währung freier Lehrmittel zu verfahren.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 27 Okt. Oberbürgermeiſter
Wermuth begibt ſich nach Warſchau zum Zwecke des
Fleiſcheinkaufs. — In der Kuppelhalle des
Reichstags=
gebäudes fand heute mittag eine Gedächtnisfeier
für den verſtorbenen Erbauer des Reichstagsgebäudes,
den Architekten Paul Wallot ſtatt. Außer dem
Staats=
ſekretär Dr. Solf befanden ſich unter den Anweſenden:
Erzellenz v. Eucken=Addenhauſen, v. Wedell=Pießdorf und
der zweite Vizepräſident des Reichstags Geheimer
Juſtizrat Dove mit mehreren Reichstagsabgeordneten
und Vertretern der Architekten=Vereinigungen. In der
Kuppelhalle erhob ſich auf violettem Hintergrunde die von
Profeſſor Dietz=Dresden geſchaffene Büſte Wallots, von
einem ſchönen Arrangement von Blumen= und
Blatt=
pflanzen umgeben. Als die Witwe des Verſtorbenen mit
den Familienmitgliedern den Raum betraten, ſang der
Berliner Lehrergeſangverein das Mendelsſohnſche
„Beati mortui” worauf Miniſterialdirektor Wirklicher
Geheimer Rat Dr.=Ing. Hinckeldey eine kurze
Begrüß=
ungsanſprache an die Verſammlung richtete und auf die
im nördlichen Umgang des Reichstagsgebäudes
unter=
gebrachte Ausſtellung von Entwürfen Wallots hinwies.
Die Gedächtnisrede hielt Architekt Profeſſor Dr. Friedrich
v Thierſch=München. — Profeſſor Bier, der langjährige
Leibarzt des früheren Sultans Abdul Hamid, hat geſtern
abend Berlin verlaſſen, um ſich nach dem türkiſchen
Kriegsſchauplatz zu begeben. Er wurde dazu berufen,
die Führung der Kranken= und Verwundetenpflege des
Roten Halbmondes zu übernehmen. — Der kürzlich
ver=
haftete Bäckergeſelle Nettelſtroh hat heute vor dem
Unterſuchungsrichter das Geſtänd nis abgelegt,
daß er der Meſſerſtecher im Nauener Vorortzug geweſen
ſei. Auf die Frage, was ihn zu der Tat veranlaßt habe,
erklärte er, es komme ab und zu über ihn, dann müſſe er
zum Meſſer greifen. — Die Entführung eines
7 Jahre alten Mädchens, macht der Berliner
Kri=
minalpolizei zu ſchaffen. Es handelt ſich um die Tochter
des Kellners Jaeniſch. Die Mutter erkrankte nach der
Ge=
burt des Kindes ſo ſchwer, daß ſich der Gatte genötigt
ſah. die Kleine in Pflege zu geben. Die Pflegefrau behielt
das Mädchen bis im Auguſt dieſes Jahres. Sie wollte
lange von der Rückgabe des Kindes nichts wiſſen.
Letzte=
res wurde in die Schule gebracht und wahrſcheinlich iſt
es auf dem Weg von oder aus der Schule von ſeiner
Pflegemutter entführt worſſen. — In einem Café wurde
ein Techniker unter dem dringenden Verdacht, an
mehre=
ren Juwelendiebſtählen beteiligt geweſen zu ſein,
verhaftet. Unter andekem ſoll er an dem Einbruchs=
diebſtahl bei einer Sängerin in der Kantſtraße und an
dem Diebſtahl bei dem Grafen Eulenburg in Potsdam
teilgenommen haben Der Dieb iſt teilweiſe geſtändig. —
In der Nacht zum Sonntag wurde in einer
Zweignieder=
laſſung der Allgemeinen Elektrizitäts=Geſellſchaft ein
Einbruch verübt. In einem Lagerraume für
Edel=
metalle öffneten Einbrecher die Eiſentür eines ſtark
ver=
riegelten Faches und nahmen als Beute etwa zwei
Zent=
ner Rohſilber in Stangen und Drähten mit ſich. Der
dienſttuende Wächter hatte von den Einbrechern nichts
be=
merkt.
* Frankfurt, 28. Okt. Im Frankfurter Opernhauſe
wird das Kaiſerlich Ruſſiſche Ballett (
General=
direktor Serge von Diaghilew), welches mit
außerge=
wöhnlich großem Erfolge in Berlin, Paris, London und
Wien gaſtierte, ein dreimaliges Gaſtſpiel am Montag,
den 4., Dienstag, den 5. und Mittwoch, den 6. November,
abſolvieren. Das Ballett zählt 60 Perſonen.
Eppſtein, 27. Okt. Im Garten des Frankfurter
Krie=
gerheims fand heute die Enthüllung eines Denkmals
für den verſtorbenen Gründer des Heims,
Generalleut=
nant v. Chapuis, ſtatt. Die Weiherede hielt Bankier
Karl de Neufville. Ferner ſprachen Kammerherr v.
Bod=
man, Rittmeiſter v. Beer und der kommandierende
Gene=
ral des 18. Armeekorps General v. Schenk. Das Denkmal
iſt eine Schöpfung der Frankfurter Bildhauerin Fräulein
Schmidt. An der Enthüllung nahmen zahlreiche
Vertre=
ter der Garniſon des 18. Armeekorps teil.
Metz, 27. Okt. In Anweſenheit von Vertretern der
Zivil= und Militärbehörden, zahlreichen Veteranen,
Offizieren, Kriegervereinen und Pfadfindervereinen,
ſo=
wie Abordnungen ſämtlicher Metzer Regimenter und eines
trotz des regneriſchen Wetters und der weiten Entfernung
zahlreich erſchienenen Publikums erfolgte heute mittag
die Einweihung des an der Landſtraße Rézonville-
Vionville errichteten Denkmals zum Gedächtnis der
in dem blutigen Ringen nach heldenmütigem Kampfe am
16. Auguſt 1870 gefallenen Offiziere und Mannſchaften des
Infanterie=Regiments v. Alvensleben, 6.
Branden=
burgiſches Nr. 52. Das Denkmal iſt errichtet an jener
Stelle, bis zu der das Regiment trotz des mörderiſchen
Feuers der Gegner vorzudringen vermochte und durch
ſeinen Vorſtoß den Feind zum Halten zwang. Bereits
am Samstag waren etwa 50 Veteranen aus
Branden=
burg, namentlich Teilnehmer an jenem denkwürdigen
Kampf, hier eingetroffen, ebenſo eine Abordnung des 6.
Brandenburgiſchen Infanterie=Regiments Nr. 52, das zur
Zeit in Kottbus und Croſſen garniſoniert. Heute
früh=
brachte ein ſtattlicher Zug von Wagen und Automobilen
die Teilnehmer nach dem mehr als drei Stunden von Metz
entfernten ehemaligen Kampffelde, wo um 11 Uhr dier
Feier der Enthüllung ſtattfand. Der Vorſitzende des
Denkmalkomitees, General der Kavallerie z. D. v. Kleiſt
aus Wuſſeken in Pommern, hielt die Feſtrede. Als die
Hülle fiel, brachte Exzellenz v. Oven das Hoch auf den
Kaiſer und König aus. Superintendent Kuhnert,
Garni=
ſonspfarrer von Kottbus, hielt die Weiherede. Der
Be=
zirkspräſident von Lothringen, Frhr. von Gemmingeng
übernahm das Denkmal im Namen der Landesregierung
und verſprach ſorgſamen Schutz. Eine Beſichtigung des
Denkmals und eine photographiſche Aufnahme beſchloſſen
die Feier, der am Nachmittag im Gewerbehauſe in Metz
ein Feſteſſen folgte. Das Denkmal iſt eine Schöpfung desk
Berliner Bildhauers Profeſſor Arthur Schulz. Es ſtell
auf granitenem Poſtament eine überlebensgroße
Soldai=
tengruppe, ein Momentbild aus der Schlacht vom 16. Aug
1870, dar. Der Kaiſer hatte die Bronze aus alten G
ſchützen für den Guß der Gruppe geſtiftet.
Reichenbach (Schleſien), 28. Okt. Das Bankhaus H
Einem gibt durch Anſchlag bekannt, daß es die Zal
ungen einſtellen muß.
Soeſt, 27. Okt. In einem Waffen= und Munition
geſchäft entſtand durch Entzündung einer Patrone eins
ſchwere Exzploſion, durch die die ganze
Ladenein=
richtung zerſtört und auf die Straße geſchleudert worder
iſt. Der Ladeninhaber und ſeine Frau wurden lebens
gefährlich verletzt. Die Feuerwehr konnte de
Brand lokaliſieren.
Wickede, 27. Okt. In der Nähe der hieſigen Statio
fuhr ein Güterzug in eine Hammelherde, von der
63 Tiere zermalmt wurden. Man glaubt, daß es
ſich um einen Racheakt handelt, da die Tiere nachts aus
ihrer Hürde getrieben worden ſind.
Sorrent, 27. Okt. Aus Anlaß der Ueberführung
der Leiche der Prinzeſſin Rupprecht von
Bayern fand eine Trauerfeier ſtatt. Der Herzog von
Aoſta und Prinz Udine drückten dem Prinzen Rupprechtſ
ihr tiefes Mitgefühl aus. Der Bürgermeiſter bezeugtel
im Namen der Stadt ſein Beileid. Der Erzbiſchof von
Sorrent überbrachte das Beileid des Papſtes. Sämtliche
Läden waren anläßlich der Trauerfeier geſchloſſen. Nach
der Totenmeſſe wurde der Sarg auf einen mit vier
Pfer=
den beſpannten Leichenwagen geſetzt, der, ebenſo wie die
nachfolgenden drei Wagen, mit Kränzen geſchmückt war
darunter mehrere von Staatsoberhäuptern. Im Gefolge
befand ſich auch der bayeriſche Geſandte. Der Sarg wird
nach Caſtellamare gebracht, von wo die Ueberführung
nach Bayern erfolgt.
Petersburg, 27. Okt. In Sosnowice trat ein und
gewöhnlich ſtarker Schneefall ein. Infolge des
ſtarken Schneegeſtöbers verſpäteten ſich die Züge der
Süd=
weſtbahnen auf der Hauptlinie und der Linie
Jeliſawet=
grad. Aus Nikolajew wird gemeldet, daß der Schnee=k
ſturm die Telegraphenlinien beſchädigte, ausgenommen
die Odeſſaer Linie.
Petersburg, 27. Okt. Die Beſtattung des ruſſiſchen
Admirals Tſchagin, über deſſen unter romantiſchen
Umſtänden erfolgten Selbſtmord wiederholt berichtet,
wurde, fand geſtern im Alexander=Newski=Kloſter unter
außerordentlich großer Beteiligung ſtatt. Das Zarenpaar
hatte einen wundervollen Kranz geſandt. Wie jetzt
be=
kannt wird erhielt Tſchagin in den letzten Tagen
Droh=
briefe, worin ein anonymer Denunziant dem Admiral
er=
klärte, er werde ihn am Hofe bloßſtellen. Tſchagin geriet
dadurch in jene furchtbare Gemütserregung, die die
Ur=
ſache ſeines Verzweiflungsſchrittes wurde.
Handel und Verkehr.
— Vereinfachung im Poſtzeitungsweſen,
Vom 1. Januar 1913 ab wird beim Poſtvertriebe der im
Reichs=Poſtgebiet, in Bayern und Württemberg
er=
ſcheinenden Zeitungen und Zeitſchriften mit
vierteljähr=
licher Bezugszeit, deren Verleger ein= und zweimonatige
Beſtellungen zulaſſen, als Bezugspreis für zwei Monate
allgemein das Doppelte des Einmonatspreiſes erhoben,
während bisher beſondere Bezugspreiſe hierfür beſtanden,
Sport.
* Fußball. Am Sonntag ſpielte die erſte Mannſchaft
des Fußballklubs „Olympia”=Ober=Ramſtadt gegen die
gleiche Mannſchaft des Fußballklubs „Phönix‟=Darmſtadt=
Beſſungen. Das Spiel endete zugunſten des Fußballklubs
„Phönix” mit 8:2 Toren.
Nummer 255.
Seite 5.
25. Jahresfeſt des Evangeliſchen Bundes.
II.
St. Darmſtadt, 28. Oktober.
Sonntag abend 8 Uhr fand in der Turnhalle am
Woogsplatz unter Mitwirkung der Kirchengeſangvereine
der Stadtgemeinde und der Paulusgemeinde
die
evangeliſche Feſtverſammlung
ſtatt, der u a. auch die Herren Geheimerat Süffert
und Provinzialdirektor Fey beiwohnten. Der Saal war
überfüllt. Der Chor „Wir treten zum Beten”, geſungen
von den Kirchengeſangvereinen der Stadtgemeinde und
der Paulusgemeinde, leitete den Abend ein. Die
Er=
öffnungsanſprache hielt Landgerichtspräſident
Theobald.
Nach herzlicher Begrüßung aller Anweſenden,
inſon=
derheit der behördlichen Vertreter uſw., führte Redner
etwa aus: Bei dieſer Jubelfeier lenkt man den Blick
unwillkürlich in die Vergangenheit zurück. Da ſteigt vor
unſerem geiſtigen Auge die Zeit herauf, da treue Glieder
unſerer Kirche, zugleich geiſtige Führer unſeres Volkes,
zu der betrübenden Erkenntnis gelangten, daß der
Pro=
teſtantismus durch ſeine Zerriſſenheit und Zerſplitterung
ſeine beſte Kraft lähme und ihm erfolgreichen Kampf
ge=
gen die ihm feindlich geſinnten Mächte erſchwere. Dieſe
Erkenntnis und der aus banger Sorge geborene Wille,
mitzuhelfen, unſerem Volk die Segensgüter der
Refor=
mation zu erhalten, führten zur Gründung des
Evange=
liſchen Bundes. Die Aufgaben und Ziele, die er ſich
ge=
ſetzt, ſind bekannt. Es hat ſich bald gezeigt, daß über
theologiſche und politiſche Meinungsverſchiedenheiten
hinweg Vertreter aller kirchlichen und politiſchen
Richtun=
gen ſich die Hand reichen können, um auf einem, allen
gemeinſamen Gebiet, dem Volk zu dienen. Und ſo iſt es
geſchehen. Unvergängliches Verdienſt hat ſich der
Evan=
geliſche Bund allein dadurch erworben, daß er uns wieder
den Gottesmann Luther gezeigt hat in ſeiner
Bedeu=
tung für Volk und Vaterland, daß er ihn herausgeſtellt
hat als den Helden, der durch ſeine leidenſchaftliche Liebe
zur Wahrheit, ſeinen unbeugſamen Mut, ſie zu vertreten
und ſein unerſchütterliches Gottvertrauen, ein Befreier der
Menſchheit geworden iſt. Ihn uns gezeigt hat als den
Mann, dem wir die Freiheit der ſittlichen Perſönlichkeit
verdanken, die nur Gott und dem eigenen Gewiſſen
ver=
antwortlich iſt, der die neue Kirche eingerichtet, die
Volks=
bildung durch Schulen gefördert, die Bibel verdeutſcht
und damit uns die Schriftſprache in ihrer heutigen Geſtalt
geſchenkt, der das Kirchenlied geſchaffen und durch dieſe
Großtaten eine reiche Quelle geiſtiger Erholung und
reli=
giöſer Erbauung eröffnet hat. Da werden nun die Ziele
des Bundes ſo vielfach verkannt und in ihr Gegenteil
verkehrt. Da wird von Gegnern und Feinden des
Bun=
des verbreitet, ſein wahres Ziel ſei Kampf gegen die
ka=
tholiſche Kirche und Verletzung der religiöſen
Ueberzeu=
gung ihrer Anhänger. Nein, wir alle wiſſen das koſtbare
Gut des religiöſen Friedens zu ſchätzen und ſchon unſer
Proteſtantismus ſchützt uns davor, etwas zu unternehmen,
was ihn untergraben oder nur gefährden könnte.
Mit Befriedigung und dankbaren Sinnes dürfen wir
auf 25 Jahre treuer und ſegensreicher Arbeit des
Jubel=
vereins zurückblicken. Wenn aber eine Feier, wie ſie uns
heute vereint, Berechtigung und wahre Weihe erſt dann
erhält, wenn ſie dazu dient, Vorſätze und Entſchlüſſe für
die Zukunft reifen zu laſſen, ſo wollen wir mit unſeren
WWünſchen verbinden das Gelöbnis, Treue zu halten unſe=
Urer evangeliſchen Kirche, und evangeliſche Ehre zu wahren
wie unſere eigene Ehre, treu zu ſein auch unſerem Volk
und zu arbeiten für ſeine Wohlfahrt und für die Größe
und Herrlichkeit unſeres Vaterlandes. Dann leben und
arbeiten wir im Sinn und Geiſt des Evangeliſchen
Bun=
des und unſeres Jubelvereins, der blühen und wachſen
möge bis in die ferne Zukunft!
Pfarrer D. Waitz erbat und erhielt danach die
Ge=
nehmigung, folgendes
Huldigungstelegramm
an Se. Kgl. Hoheit den Großherzog abzuſenden:
„Ew. Kgl. Hoheit ſendet der Heſſiſche Hauptverein des
Evangeliſchen Bundes aus Anlaß ſeiner 25.
Jahresver=
ſammlung ehrerbietigſten und untertänigſten Gruß. Bei
ſeinem Jubiläum gedenkt er mit beſonderem Dank der
Huld, die Ew Kgl. Hoheit ihm haben zuteil werden laſſen
und erneuert das Gelöbnis unwandelbarer Treue.”
Im Anſchluß daran teilte Redner mit, daß das
Groß=
herzogspaar nicht nur der erſten Aufführung des
Luther=
feſtſpiels beiwohnte, ſondern auch an dem Feſtgottesdienſt,
der geſtern aus Anlaß des Jubiläums in der Hofkirche
ſtattfand, teilnahm. (Lebh. Bravo.) Der Dank und die
Freude über die Beweiſe huldvoller Geſinnung fanden
Ausdruck in einem ſtürmiſch aufgenommenen dreifachen
Hoch auf den Großherzog.
Begrüßungsanſprachen.
Als erſte Behörde begrüßte das
Oberkonſiſto=
rium die Feſtverſammlung durch den Mund ſeines
Prä=
ſidenten D. Nebel der etwa folgendes ſprach:
Wenn ich die Ehre habe, dem Evangeliſchen Bund
unſeres Großherzogtums heute im Namen des
Oberkon=
ſiſtoriums einige Worte der Begrüßung zu widmen, ſo
ſei es mir zunächſt geſtattet, die Beziehungen zwiſchen
meiner Behörde und dem Bund in den abgelaufenen
25 Jahren ſeit ſeinem Beſtehen einem kurzen Rückblick
zu unterziehen. Ich möchte dieſe Beziehungen für die
erſte Zeit als „korrekte” bezeichnen, es waltete noch eine
gewiſſe Reſerve. Das Konſiſtorium, berufen zur
Wahr=
ung des Geſamtwohls der evangeliſchen Kirche, mußte ſich
den neu entſtandenen Verein mit ſeiner ausgeſprochenen
Tendenz erſt einmal näher anſehen. Ich möchte den
Evangeliſchen Bund mit einem Manne vergleichen, der
feinhöriger und empfindſamer iſt als der
Durchſchnitts=
menſch. Wenn ein ſolcher Mann ſich neben mich ſtellt,
wenn ich ſehe, wie er ſeiner Meinung kräftig Ausdruck
gibt, wie er dem deutſchen Michel, der ſonſt vielleicht
„nichts gemerkt” hätte, bei Gelegenheit einen aufrüttelnden
Stoß verſetzt, ſo habe ich zuerſt das Urteil: Dieſer Mann
iſt etwas ſchwierig, der kann dir unbequem werden. Als
das Konſiſtorium indes den neben ihm ſtehenden Mann
eine Zeitlang beobachtet hatte, mußte ich es ſagen: Der
Mann iſt gar kein ſolcher Krakehler, wie man zuerſt von
ihm behauptet hatte, er hat eigentlich ganz recht, wenn er
manchmal den Mund auftut, der Mann verſteht auch
etwas, er hat ſich vortrefflich in die Geſchichte und
Lite=
ratur eingearbeitet, der Mann kann dir ſogar an der
Er=
füllung deiner eigenen Aufgaben helfen. Nachdem das
Oberkonſiſtocium dies erkannt hatte, wurde ſeine
Wert=
ſchätzung für den Bund eine ganz andere, aus der
Korrekt=
heit der Beziehungen entwickelte ſich bald eine entente
cordiale, und es gereicht mir zur beſondoren Freude,
feſtſtellen zu können, daß die Beziehungen in keinem
Mo=
ment eine Trübung erfahren haben.
Verehrte Feſtgenoſſen, wäre im Evangeliſchen Bund
eine Angriffsorganiſation gegenüber der katholiſchen
Kirche zu erblicken, ſo hätte er nie die Bedeutung erlangt, die
er jetzt beſitzt. Denn es hätte unſerem chriſtlichen Empfinden
widerſprochen, den Kampf zum Selbſtzweck zu machen;
es hätte ſich aber auch in keiner Weiſe mit den
Bedürf=
niſſen unſeres Vaterlandes vertragen. Wir Deutſche wiſſen
aus einer Erfahrung von Jahrhunderten, wohin religiöſe
Unterſchiede führen, welche Not und welches Elend ſie
bringen können. Wir werden uns deshalb nicht ins
eigene Fleiſch ſchneiden, indem wir die religiöſen
Gegen=
ſätze verſchärfen, wir wollen vielmehr ſchon im Intereſſe
unſeres Vaterlandes, das ſonſt Sorgen genug hat, ſuchen,
die beſtehenden Gegenſätze zu mildern. Wir achten jede
anders geartete ernſte Glaubensüberzeugung und reichen
den deutſchen Katholiken gerne brüderlich die Hand, aber
wir müſſen beanſpruchen, daß man auch unſeren
Glau=
ben, unſere Art, unſere großen Männer der Reformation
achtet. Doch daran hat es auf der anderen Seite leider
oft gefehlt. Und ſo wurde der Evangeliſche Bund zur
Notwendigkeit, er entſprang nicht dem Bedürfnis nach
Angriff, ſondern nach Abwehr.
Fragen wir uns: Hat der Evangeliſche Bund die bei
ſeiner Gründung auf ihn geſetzten Erwartungen erfüllt?,
ſo können wir dieſe Frage mit gutem Gewiſſen bejahen.
Er iſt kein Friedensſtörer geworden, wohl aber ein
Er=
wecker des evangeliſchen Empfindens, ein Sammlerdes
evan=
geliſchen Volkes. Wir ſehen in ihm einen großenFeil der
deutſchen evangeliſchen Chriſtenheit vereinigt, die hier eine
Stärkung ihres evangeliſchen Bewußtſeins ſucht und
fin=
det. Und ſo begrüßt denn das Heſſiſche Oberkonſiſtorium
den Heſſiſchen Evangeliſchen Bund bei ſeinem 25.
Jahres=
feſt mit dem Gefühl herzlichen Dankes für alles für die
evangeliſche Sache Geleiſtete. Offizielle Kirche und
Evan=
geliſcher Bund gehen verſchiedene Wege, aber ſie
verfol=
gen ein Ziel: Die Hinleitung unſeres evangeliſchen
Vol=
kes zu religiöſem Leben im Geiſte Chriſti und der großen
Männer unſerer Reformation. Möge der Evangeliſche
Bund dieſes hohe Werk auch weiterhin fördern. Das
walte Gott! (Lebh. Bravo.)
Die Grüße der ſtädtiſchen Verwaltung und der
Stadt=
verordneten=Verſammlung überbrachte in herzlichen
Wor=
ten Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing, die der
theologi=
ſchen Fakultät der Landesuniverſität deren Dekan
Ge=
heimerat Profeſſor Dr. Krueger=Gießen, deſſen
Aus=
führungen ſtürmiſchen Beifall auslöſten. Direktor D.
Eger ſprach namens des evangeliſchen Predigerſeminars
Friedberg, der ſich ganz und ungeteilt dem
Evange=
liſchen Bund zugeſchworen habe, herzlichſte Glückwünſche
aus. Das Dekanat Darmſtadt die Kirchengemeinde und
der Kirchenvorſtand der Feſtſtadt ließ durch Pfarrer
Velte herzlichſte Glückwünſche ausſprechen, der Guſtav=
Adolf=Verein durch Geh. Oberrechnungsrat Wagner,
der Naſſauiſche Hauptverein des Evangeliſchen Bundes
durch Exzellenz von Henning=Wiesbaden.
Eine Abwehr.
Generalleutnant v. Leßel Exz. begrüßte und
beglück=
wünſchte den Hauptverein Heſſen zu ſeinem 25.
Jahres=
feſt namens des Zentralvorſtandes des Geſamtbundes,
warf einen kurzen Rückblick auf die bisherige Tätigkeit des
jubilierenden Hauptvereins und betonte, daß dieſer mit
vollem Vertrauen der Zukunft entgegenſehen könne. Er
erklärte ſodann:
„Die Gegenwart iſt nicht von Sorgen frei; es drohen
uns neue, ſchwere Kämpfe. Die Gefahr droht weniger
an der Front, von unſern alten Gegnern her; — ſie kommt
aus den Reihen unſerer eigenen Glaubensgenoſſen, die
uns in den Rücken fallen und beſtrebt ſind, Zank und
Stank in unſere Mitte zu bringen. Eine häßliche
Ver=
quickung von religiöſen und wirtſchaftlichen Motiven
lie=
fert ihnen die Waffen. Als Erſter Vorſitzender des
Bun=
des, als alter Soldat, als ſtreng konſervativ gerichteter,
politiſch wie kirchlich rechts ſtehender Mann erhebe ich
Einſpruch gegen die Unterſtellungen, daß
der Bund den Boden der Heilswahrheiten
des Evangeliums verlaſſen, und daß er in
innerpolitiſcher Beziehung die Neutralität verletzt habe,
und weiſe dieſe Behauptungen als unwahr,
die Anzettelungen, die unſere Mitglieder zum Abfall und
zur Fahnenflucht verleiten ſollen, als unfair und als für
den geſamten deutſchen Proteſtantismus verderblich
hier=
mit entſchieden z urück. Wir aber wollen
gegen=
über dieſen Beſtrebungen erſt recht zuſammenhalten, und
es wird uns auch gelingen, wenn wir allezeit deſſen
ein=
gedenk bleiben, was uns eint, und wenn wir die
Unter=
ſchiede, die ſich in jeder großen Organiſation bemerkbar
machen, zurückzuſtellen wiſſen.”
Redner ſchloß mit warmen Wünſchen für die fernere
Arbeit des altbewährten und gutbewahrten Hauptvereins
Heſſen. (Lebhaftes Bravo!)
Weiter ließen Glückwünſche ausſprechen der badiſche
Evangeliſche Bund durch Profeſſor Niebergall=
Heidrlberg, der heſſiſche Pfarrerverein durch Kirchenrat
Schrimpf, die Pflegegemeinden in Oeſterreich durch
Pfarrer Knab, der Wartburgbund durch stud. Berger.
Ein eindrucksvolles Schlußwort des Vorſitzenden,
Pfarrer D. Waitz, beſchloß gegen Mitternacht die
im=
poſant verlaufene Feſtverſammlung.
Um den muſikaliſchen und geſanglichen Teil des
Pro=
gramms hatten ſich Frau Lina Koch geb. Klein (
So=
pran) aus Düſſeldorf, Fräulein Lili Krömmelbein
(Klavier), Frau M. Sturmfels (Klavier), Fräulein
Lili Waitz (Violine), ein Streichquartett der Herren
A. Frey, H. Lieſenbein, H. Falkenſtein, W.
Pfaff und die Kirchengeſangvereine der Stadtgemeinde
(Leiter: Herr Stadtorganiſt Borngäſſer) und der
Paulusgemeinde (Leiter: Herr Prof. Weimar)
beſon=
ders verdient gemacht. Zu den Saaldekorationen hatte
Herr Bildhauer Schwarz je eine von ihm gefertigte
Lutherbüſte zur Verfügung geſtellt.
Der zweite Tag
begann Montag vormittag 9 Uhr mit einer geſchloſſenen
Abgeordneten= und Mitgliederverſammlung
des Hauptvereins,
der auch Oberkonſiſtorialpräſident D. Nebel und die
Geheimen Oberkonſiſtorialräte Merck und Peterſen
beiwohnten. Der Vorſitzende Pfarrer D. Waitz eröffnete
die Verſammlung mit herzlicher Begrüßung und erſtattete
alsbald den
Jahresbericht,
dem wir folgendes entnehmen:
Die kirchenpolitiſchen und innerkirchlichen Ereigniſſe,
welche das öffentliche Leben in dem Berichtsjahr beweg=
ten, haben ihre Wellen auch in dem evangeliſchen
Volks=
teile Heſſens geſchlagen, ſind aber gottlob ohne
Schädig=
ung der deutſch=proteſtantiſchen Intereſſen
vorübergegan=
gen. Das päpſtliche Motuproprio, den Gerichtsſtand der
katholiſchen Prieſter betreffend, fand ſowohl bei der
Staatsregierung, wie bei den verſchiedenen
nichtultra=
montanen nationalen Parteien im Landtage eine
entſchie=
dene Zurückweiſung. Daß das Zentrum ſeine Wünſche
gel=
tend zu machen verſteht, zeigt ſein Angriff während
der=
ſelben Kammerverhandlungen gegen die in Heſſen
einge=
führten Lehrbücher und Bücher der Lehrer= und Schüler=
Bibliotheken. Jedenfalls haben dieſe Vorkommniſſe
ge=
zeigt, daß der Ultramontanismus auch in Heſſen auf ſeine
Anſprüche auf ſtaatlichem und kulturellem Gebiete noch
nicht Verzicht geleiſtet hat und daß eine zielbewußte
pro=
teſtantiſche Abwehr, wie ſie der Evangeliſche Bund treibt,
notwendig iſt. Wie derſelbe bei den erwähnten
Ereigniſ=
ſen nicht untätig geweſen iſt, ſo hat er auch ſonſt
Gelegen=
heit gehabt, von ſich aus direkt in Aktion zu treten.
Als der Fürſt Alois von Löwenſtein und Wertheim
auf dem vorjährigen Katholikentage, auf dem er die
Bor=
romäus=Enzyklika „einen Akt zielbewußten Wollens eines
providentiellen Mannes” feierte und über die „
ſogenann=
ten Reformatoren des 16. Jahrhunderts” ſpöttelte, als
Patron heſſiſcher evangeliſcher Pfarreien mit einem
evan=
geliſchen Pfarrer verhandelte, ſah ſich der
Hauptvereins=
vorſtand genötigt, auf das Widerſpruchsvolle in dem
katholiſchen Patronatsrecht über evangeliſche Pfarreien
hinzuweiſen. Als im Reichstag und Bundestag die
An=
träge auf Wiederzulaſſung der Jeſuiten zu einer völlig
bezw. faſt uneingeſchränkten Ordenstätigkeit geſtellt
wur=
den, wurden wir bei Großh. Heſſiſcher Staatsregierung
in einer eingehenden Eingabe vorſtellig.
Wie zur Abwehr gegen die Bedrohung und
Beein=
trächtigung evangeliſcher Intereſſen von außen, war der
Evangeliſche Bund auch zum Schutze gegen die Gefahren
tätig, die ihnen durch die innerkirchlichen Verhältniſſe
dro=
hen. Zu dieſem Zwecke wurde der Vortrag, den Herr Geh.
Kirchenrat D. Eger uns auf der Butzbacher
Mitglieder=
verſammlung über „Die kirchlichen
Selbſtändigkeitsbeſtreb=
ungen in ihrer Bedeutung für den deutſchen
Proteſtantis=
mus” gehalten hatte, gedruckt und ſämtlichen Pfarrern
un=
entgeltlich zugeſtellt. Von den innerkirchlichen Stürmen,
die der Fall Jatho auch in Heſſen erregt hatte, blieben wir
erfreulicherweiſe verſchont, trotz eines Verſuchs der Neuen
Tageszeitung, uns damit zu verquicken und zu behelligen.
So bewährte ſich der Evangeliſche Bund als der neutrale
Boden, auf dem die verſchiedenen kirchlichen und
theologi=
ſchen Richtungen ſich brüderlich die Hand reichen zur
ge=
meinſamen Abwehr der gemeinſamen Feinde, wie zur
gemeinſamen Arbeit am Aufbau evangeliſchen Lebens in
unſerem Volk.
Die Mitgliederzahl in 178 Zweigvereinen beträgt:
1. in Starkenburg 7726 gegen 7564 im Vorjahre, alſo
— 161, 2. in Oberheſſen 5334 gegen 5377 im Vorjahre,
alſo — 43, 3. in Rheinheſſen 5282 gegen 5382 im
Vor=
jahre, alſo — 100, zuſammen 18 342 gegen 18323 im
Vor=
jahre, alſo — 19; die Mitgliederzahl in 32
angeſchloſſe=
nen Vereinen beträgt: 1. in Starkenburg 3263 gegen 2945
im Vorjahre, alſo — 318, 2. in Oberheſſen 135 gegen 135
im Vorjahre, alſo —0, 3. in Rheinheſſen 3467 gegen
3387 im Vorjahre, alſo *80, zuſammen 6865 gegen 6467
im Vorjahre, alſo —398, insgeſamt 25 207 gegen 24791
im Vorjahre, alſo — 417. So iſt der Landesverein
in ſein 25. Vereinsjahr mit mehr als 25000
Mit=
gliedern eingetreten. Die Landesverſammlung fand
am 10./11. September in Butzbach ſtatt und nahm einen
äußerlich glänzenden und innerlich harmoniſchen
Ver=
lauf. Der Nachrichtenverband für Heſſen (Großh. Rat
Sonne) verſandte 60 kleinere und größere Artikel an die
Tagespreſſe. Der Heſſiſche Hilfsausſchuß (Vorſtſher
Kap.=Leutnant Grill) ſorgt nach wie vor für die dem
evangeliſchen Heſſenlande anbefohlenen Pflege=Gemeinden
Leoben, Knittelfeld=Zellweg und Judenburg. Er
ver=
einnahmte und verausgabte 10971 bezw. 10692 Mark.
Der Heſſiſche Bundesbote erſchien in 21500 Exemplaren
(Schatzmeiſter Pfarrer Bickelhaupt) (gegen 20500 im
Vorjahre); das Monatsblatt nebſt literariſcher Beilage
wurde in 23800, das Vorſtandsblatt in 163, die
Flug=
ſchriften in 133 Exemplaren, der Bundeskalender in 4453
Exemplaren (gegen 3714 im Vorjahre), dazu 44 200
Flug=
blätter, insgeſamt 338000 Bundesblätter (gegen 284000
im Vorjahre) verbreitet. Vortrags= und Familienabende
wurden insgeſamt 275 (gegen 252 im Vorjahre)
veran=
ſtaltet und fanden in 130 Zweigvereinen ſtatt (gegen 140
im Vorjahre). Männerverſammlungen und
Diskuſſions=
abende, Feſtſpiele und größere Aufführungen (ſo von
Schillers „Glaube und Heimat”), Waldfeſte und Fahrten
zu hiſtoriſchen Stätten, wie Worms, Speyer, wurden in
einer Anzahl von Zweigvereinen mit Erfolg
durchge=
führt. Bundesbüchereien gab es 24 mit 3552 Bänden.
Die Geſchäftsſtelle leitete den gefamten Vertrieb der
Bundesblätter. Insgeſamt betrachtet, war das
Berichts=
jahr ein Arbeitsjahr in beſonderem Maße. Möchte das
Mißtrauen, das da und dort noch, und zwar in den
ver=
ſchiedenen politiſchen Lagern, gegen den Evangeliſchen
Bund beſteht, ſchwinden, dann wird er um ſo nachhaltiger
ſeine große nationale Aufgabe erfüllen, der Erzieher des
deutſch=proteſtantiſchen Volkes zur Verwirklichung ſeiner
großen religiös=ſittlichen und geiſtig kulturellen Ideale
zu ſein. Seiner kirchlichen Aufgabe hat er bereits in
wei=
tem Umfange Genüge getan, indem er evangeliſches
Ge=
meindeleben gepflegt, proteſtantiſches Bewußtſein geſtärkt
und die innere Einigung der verſchiedenen theologiſchen
und kirchlichen Richtungen in ſeinem Gebiet praktiſch
betätigt hat.
Rechnungsrat Rothermel referierte über das
Rechnungsergebnis für 1911
(Kalenderjahr)
Einnahme. I. Ordentliche: 1. Beitragsanteile:
a) für die Zentrale 4504,50 Mk., b) für den Hauptverein
5954,97 Mark, zuſammen 10 459,47 Mark. 2.
Bezugsge=
bühren für die von der Zentrale herausgegebenen
Zeit=
ſchriften uſw. 3985,75 Mark. 3. Bezugsgebühren des
Heſ=
ſiſchen Bundesboten 2974,50 Mark. 4. Kapitalzinſen 251,10
Mark. 5. Porto=Erſatz 1,30 Mark. 6 Sonſtige Einnahmen
16 Mk. Summe der ordentlichen Einnahmen 17688 Mk.
II. Außerordentliche: 7. Kaſſevorrat aus voriger
Rech=
nung 22,83 Mark. 8. Zurückempfangene Kapitalien 8200
Mark. 9. Schenkungen und Kollekten für den
Evangeli=
ſchen Bund 28,62 Mark. 10. Schenkungen und Gaben für
die evangeliſche Bewegung Oeſterreichs 205.51 Mark. 11.
Sonſtige Schenkungen
Summe der außerordentlichen Einnahmen 8456,96 M.;
dazu die ordentlichen Einnahmen 17688,12 M.
Geſamt=
ſumme der Einnahme 26 145,08 M.
Die Ausgaben betragen — ordentliche —
ins=
geſamt 17629 M., die außerordentlichen 8495 M.,
ins=
geſamt 26035 M., veralichen bleibt ein Kaſſenvorrat
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Oktober 1912.
Nummer 255.
von 109,97 M. Die Rechnung wurde genehmigt und dem
Rechner, Herrn Rechnungsrat Rothermel, herzlichſter
Dank und Anerkennung für ſeine große Arbeit
ausge=
ſprochen. Im Anſchluß daran erſtatteten zahlreiche
Ver=
treter der Zweigvereine Berichte über die Tätigkeit in
dieſen, und der Vorſitzende machte dann die Mitteilung,
daß aus Anlaß des Jubiläums eine
Feſtſchrift
erſchienen iſt, die folgenden Inhalt hat:
I. Teil: Der Heſſiſche Hauptverein.
1. Geſchichte des Heſſiſchen Hauptvereins 2. Der
Vor=
ſtand von 1887 bis 1912. 3. Chronik der
Landesverſamm=
lungen. 4. Chronik der veröffentlichten Kundgebungen
und Entſchließungen. 5. Statiſtik des Zweigvereins= und
Mitgliederſtandes. 6. Vortrags= und Rednerliſte 1900
bis 1912. 7. Der heſſiſche Bundesbote, ſeine Entſtehung
und Entwicklung. 8. Ueberſicht über die Zweig= und
eng=
geſchloſſenen Vereine. 9. Rechnungsergebnis für das
Jahr 1911. 10. Verzeichnis der Vorſtandsmitglieder und
Vertrauensmänner. 11. Beſtimmungen über den
Ge=
ſchäftsverkehr der Zweigvereine mit dem Hauptverein.
II. Teil: Der Heſſiſche Hilfsausſchuß
für die evangeliſche Kirche in
Oeſter=
reich. 12. Bericht über den Hilfsausſchuß und die
Pflegegemeinden 1900 bis 1912. 13. Rechnungsergebnis
für das Jahr 1911/12. 14. Vergleichende
Zuſammenſtel=
lung der Gaben. 15. Verzeichnis der Vorſtandsmitglieder
und Vertrauensmänner.
Die Jeſuitenfrage
behandelte in einem eingehenden Referat Herr
Land=
gerichtsdirektor Schmeckenbecher=Gießen,
Der Redner führte aus, im letzten Frühjahr habe
neben den Kriegswirren im Orient die Gemüter nichts
mehr beſchäftigt und bewegt als die Jeſuitenfrage. Dieſe
fBewegung ſei veranlaßt worden durch einen Erlaß der
bbayeriſchen Staatsregierung und einen Antrag beim
Bun=
desrat auf Auslegung des Begriffs „Ordenstätigkeit”. Um
ſich über die Bedeutung dieſer Schritte klar zu werden,
ſei es geboten, ſich den Zweck der Gründung des
Jeſuiten=
ordens, ihren Charakter und ihre Einrichtungen klar zu
machen. Zweck des Ordens ſei, „ein beſtändiger und
hef=
tiger Krieg für die katholiſche Religion wider die Ketzer”
ſſein Charakter der einer militia ecelesiae, einer
bewaffne=
ten Kriegsmacht der Kirche, ſein Grundſatz der ſtrengſte
Kadavergehorſam im Gegenſatz gegen die von der
Refor=
mation proklamierte evangeliſche Freiheit. Die
Ordens=
tätigkeit umfaſſe alle menſchlichen Lebensgebiete, religiöſe
und weltliche, geiſtige und materielle. Sein Arbeitsfeld
er=
ſtrecke ſich auf die äußere Miſſion, beſonders aber auch
auf die innere Miſſion oder Volksmiſſion. Dabei
ſei die ganze Tätigkeit von einem Geiſte geleitet als
das mächtigſte, beweglichſte, allen Zeiten und Verhältniſſen,
lallen Nationalitäten, Staatsorganiſationen und
Indivi=
dualitäten elaſtiſch ſich anpaſſende Werkzeug der
päpſt=
lichen Weltbeherrſchung. Dieſe in alle menſchlichen
Ver=
ſhältniſſe ein= und übergreifende Tätigkeit habe es wohl
mit ſich gebracht, daß der Orden für ganze Völker, aber
auch für die katholiſche Kirche ſelbſt unerträglich wurde.
Aufgehoben, ſei er indeſſen am 7. Auguſt 1814 durch Papſt
Pius XII. wieder reſtituiert worden. Redner kommt
hier=
nach auf die Verhältniſſe in den europäiſchen Staaten,
insheſondere in der Schweiz, zu ſprechen und erörtert
ſo=
dann die Beſtimmungen des Reichsgeſetzes vom 4. Juli
1872 und der Anordnung des Bundesrats vom 5. Juli 1872,
rund die Wandlungen, die es ſeitdem erlebt hat. Die
baye=
riſche Staatsregierung habe nunmehr in ihrem Erlaſſe
vom 11. März 1912 die Jeſuiten zu ſogenannten
Konferenz=
vorträgen in Kirchen und zur Spendung der Sakramente,
ſowie zu prieſterlichen Handlungen zum Zweck
vorüber=
gehender Seelſorge in Abhängigkeit vom Pfarramt
zu=
gelaſſen und eine Auslegung des Bundesrats über den
Begriff „Ordenstätigkeit” beantragt. Sie erſtrebe dabei
offenbar eine Auslegung im Sinne ihres Erlaſſes, daß
falſo jene Handlungen nicht als Ordenstätigkeit
aufzufaſ=
iſen ſeien. Gegen eine derartige Geſetzesauslegung müſſe
aber mit aller Entſchiedenheit Front gemacht werden,
denn ſie widerſpreche dem ganzen Willen und dem Zweck
des Geſetzes. Es könne keinem Zweifel unterliegen, daß
die jetzt gewollte Tätigkeit eine Ordenstätigkeit ſei,
denn mit ihr ſei der Betätigung des jeſuitiſchen Strebens
Tür und Tor geöffnet. Die Jeſuiten hätten jetzt 40 Jahre
lang das Geſetz und ſeine Ausführungsbeſtimmungen
ſelbſt nicht anders ausgelegt. Hoffentlich gebe der
Bun=
desrat dem Drängen ultramontaner Gelüſte nicht nach
und lehne Aufhebung, jede weitere Abſchwächung und
jede ſophiſtiſche Auslegung ab.
Nicht Furcht aber, wie das Mainzer Journal einmal
gemeint habe, ſei es, was uns zum Widerſtand gegen die
Jeſuiten treibe, ſondern die Liebe zu unſerem Vaterland,
zu unſerer Kultur und zu unſerem modernen Staatsleben.
Unter dem Joch der Jeſuiten würde ſich im Staate ein
Staatsweſen ausbilden, das jenen zu unterwerfen und zu
regieren erſtrebe. Aufgabe der Mitglieder des
Evangeli=
ſchen Bundes ſei es, feſt in dem uns vielleicht
bevorſtehen=
den Kampfe zuſammenzuhalten, von allen inneren
Kämp=
fen uns fernzuhalten, ein feſtes Rückgrat, Mut und
Gott=
vertrauen zu zeigen. Dann könne der Erfolg nicht
aus=
bleiben.
Im Anſchluß an das Referat wurde folgende
Reſolution
vorgeſchlagen: „Wir haben wiederholt auf die Gefahr
hingewieſen, daß der Orden, der unſerer
evange=
liſchen Kirche in der Gegenreformation tiefe
Wun=
den geſchlagen und über viele Bekenner des
evange=
liſchen Glaubens unvergeſſenes Weh gebracht hat, in
Deutſchland wieder zugelaſſen werde.
Wir halten es darum für unſere Pflicht, nicht etwa
aus Furcht, ſondern aus Liebe zu unſerem deutſchen
Volke, das den konfeſſionellen Frieden braucht,
ein=
mütigen Proteſt zu erheben, ſowohl gegen die Aufhebung,
als auch gegen jede Abſchwächung, Durchlöcherung oder
gekünſtelte Auslegung der noch beſtehenden §§ 1 und 3
des Jeſuitengeſetzes.
An alle unſere evangeliſchen Glaubensgenoſſen im
Lande aber richten wir die Aufforderung, angeſichts der
ultramontanen Gefahr einig zuſammenzuſtehen und im
Evangeliſchen Bund, dem Wahrer der deutſch=
proteſtan=
tiſchen Intereſſen, ſich feſt zuſammen zu ſchließen.”
Die Reſolution wird einſtimmig
angenom=
men. Mit Dankesworten des Vorſitzenden ſchließt die
Verſammlung. Es folgt um 11¼ Uhr im Kaiſerſaal die
öffentliche Hauptverſammlung.
Der Saal war wiederum überfüllt. Außer den bereits
Genannten erſchienen noch Prälat D. Dr. Flöring,
Oberhofprediger Ehrhardt, Geheimerat R ömheld,
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing u. a.
Der Vorſitzende, Pfarrer D. Waitz, hieß die
zahl=
reich Erſchienenen herzlichſt willkommen und begrüßte
beſonders die anweſenden Vertreter der oberſten
Kirchen=
behörde, der theologiſchen Fakultät, des
Predigerſemi=
nars, der Stadt Darmſtadt, der Preſſe uſw. Er verlas
dann folgendes Danktelegramm des
Groß=
herzogs:
„Bitte, übermitteln Sie meinen alleraufrichtigſten
Dank für die an mich gerichteten Worte treuen Gedenkens.
Ernſt Ludwig.”
Weiter gab Redner Glückwunſch= reſp.
Entſchuldi=
gungsſchreiben bekannt vom Miniſterium des Innern,
Provinzialdirektor Fey, vom Rheiniſchen Hauptverein,
vom Vorſtand der Arbeitsſchule des Bundes, von den
Herren Prälat D. Walz, Landtagsabgeordneter Dr.
Oſann, Bürgermeiſter Mueller, Baron v.
Oetin=
ger u. v. a. Redner verlas dann nochmals Abſchnitte
aus dem bereits erwähnten Jahresbericht und macht im
Anſchluß daran folgende Mitteilung:
Die Mitbegründer des Bundes, die Herren Direktor
Philipp Brand in Mainz und Geh. Hofrat Dr. Wilhelm
Städel in Darmſtadt wurden zu
Ehrenmitglie=
dern des Hauptvereins, der langjährige frühere
Vor=
ſitzende des Darmſtädt. Zweigvereins, Pfr. D. Hans Waitz
zu deſſen Ehrenvorſitzen dem ernannt. Die
Ehren=
urkunden ſind von Rechnungsrat Rothermel in
kalli=
graphiſch kunſtvoller Weiſe ausgeführt worden.
Mit lebhaftem Beifall begrüßt, beſtieg dann der
Rektor der Landesuniverſität, Profeſſor D. Eck, die
Rednertribüne. Er ſprach über
den Proteſtantismus — ein Erzieher des
deutſchen Volkes zur Kraft.
Der Vortragende geht von der Frage aus, wie ſich
das nationale Bewußtſein des Einzelvolkes zu dem
ge=
ſchichtlichen Tatbeſtande ſtändiger Beeinfluſſung der
Völ=
ker durcheinander verhalte. Er zeichnet kurz die Epochen
des Altertums als eine Reihe von ſynkretiſchen
Bildun=
gen, in denen in ſtetem Austauſch die Völker ihre Gaben
und Kräfte zu immer neuen Einheiten zuſammenwachſen.
laſſen. Nicht anders ſteht es um deutſche Geſchichte; auch
ſie, durch das Mittelalter hindurch, ſtets unter der
fort=
gehenden Einwirkung allgemeingeſchichtlicher Faktoren,
die — Papſttum und Kaiſertum — uns aus der Fremde
zuſtrömen. Als der ſtärkere Erziehungsfaktor erwies ſich
in dieſem Werdeprozeß des deutſchen Volkes das
Chri=
ſtentum. In Luther ſcheint die Erziehung ihr Ziel
er=
reicht zu haben, Deutſchtum und Chriſtentum zur Einheit
zuſammengewachſen zu ſein. Aber die neue Einheit hat
ſich auf einem neuen Kulturboden, dem der modernen
Welt, zu bewähren. Das deutſche Volk ſteht der Kultur
der Neuzeit, ihrer Wiſſenſchaft, dem Weltverkehr durch
2 Jahrhunderte nach Luther fremd gegenüber. Sie bricht
erſt ſeit dem 18. Jahrhundert als Fremdgewächs in die
deutſche Geſchichte ein. Es bleibt der Ruhm der alten
Orthodoxie, lutheriſchen Gepräges, daß ſie ſich mit
ſchrof=
fer Einſeitigkeit allein um Gottes Wort gekümmert hat.
Aber verſtändlich doch, daß eben unter dieſer
geſchicht=
lichen Vorausſetzung die Not der hereinbrechenden
Kul=
turgedanken nur um ſo härter empfunden wird.
Indeſ=
ſen, wenn Luthers Chriſtentum und neuzeitliche Kultur
nicht Aeſte eines Baumes, ſo ſind ſie doch Pflanzen eines
Bodens, die, gleichzeitig aufgeſchoſſen, nicht außer
Be=
ziehung zueinander ſtehen können: ſie werden aufeinander
angewieſen ſein. Das deutſche Volk in aller Not, die
moderne Kultur ihm ſchafft, wird in Luthers Glauben in
dem ſich Weltfreiheit und Liebesdienſt zur Einheit
verbin=
den, die Kraft finden, ſich zu behaupten.
Langanhaltender brauſender Beifall dankte dem
Redner. Der Vorſitzende verlieh dieſem Dank in
herz=
lichſter Weiſe Worte.
Profeſſor Knoll ſprach darauf Herrn Pfarrer
D. Waitz für ſeine großen Verdienſte um die
Organi=
ſation des Evangeliſchen Bundes in Heſſen Dank und
Anerkennung aus und überreichte ihm als Zeichen der
Dankbarkeit die Urkunde, die ihn zum
Ehrenvor=
ſitzenden ernennt. (Lebhaftes Bravo.) Mit
herz=
lichen Dankesworten des Gefeierten ſchließt dann die
Verſammlung um 1 Uhr.
Ein Feſteſſen
im Hotel Heß, an dem 130 Perſonen, Herren und Damen,
teilnahmen, beſchloß am Nachmittag die
Jubiläums=
feier. Unter den Anweſenden waren Finanzminiſter
Braun Exz., Oberkonſiſtorialpräſident D. Nebel,
Prä=
lat D. Dr. Flöring, Geheimerat Römheld, Rektor
der Landesuniverſität Gießen Profeſſor D. Eck der
Se=
natspräſident Dr. Keller und viele andere hohe Beamte
zu bemerken. Den erſten Toaſt brachte der Vorſitzende
Pfarrer D. Waitz auf Se. Kgl. Hoheit den Großherzog
aus; das auf den Landesherrn ausgebrachte Hoch fand
begeiſterte Aufnahme. Profeſſor D. Dr. Schoell=
Fried=
berg ließ die bürgerliche und kirchliche Gemeinde Darm
ſtadt und den hochverdienten Feſtausſchuß, Landgerichtsg
direktor Schmeckenbecher=Gießen den anweſenderſ
Vertreter der Staatsregierung und das geſamte Obere
konſiſtorium hochleben, wofür Baurat Jäger mit eine
Hoch auf den Evangeliſchen Bund und Oberkonſiſtoriag
präſident D. Nebel mit einem Toaſte auf den Vorſtan
des Heſſiſchen Hauptvereins und insbeſondere ſeinese
erſten Vorſitzenden dankten. Die letzten Tiſchreden nnzu
den von Pfarrer Fritſch=Ruppertsburg auf die evangelel
ſchen Frauen und von Pfarrer Velte auf die Feſtpredis
ger und die Feſtredner gehalten. So verlief das Mahl in
animierteſter Weiſe, und die Freude über den glänzenden,
durch keinen Mißton getrübten Verlauf der
Jubiläums=
tagung war eine ebenſo herzliche wie allgemeine.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.)
Zum Ernſt Zahn=Abend. Zum
zwei=
ten Male kehrt Ernſt Zahn am nächſten
Mitt=
woch in Darmſtadt ein, um ſeine große
Leſergemeinde mit dem Vortrage eigener
Dich=
tungen zu erfreuen. Herzliches Willkommen wird ihm
geboten werden, als ſprechendſtes Zeugnis der großen
ihm als Dichter und Menſchen entgegengebrachten
Sympa=
thien. Der Dichter pflegt ſeiner Vorleſung einleitende
Worte vorauszuſenden, die in ihrer Schlichtheit und
In=
migkeit ſofort den Kontakt zwiſchen ihm und dem
Publi=
kum herſtellen. Dieſe kurze Einführung bezwingt den
Hörer, verſetzt ihn gleichſam in eine andere Welt, in die
des Dichters, ſo daß der Boden für die nun folgende
ldichteriſche Darbietung vorbereitet iſt, und alles andächtig
lauſcht, was des Poeten Mund Neues und Herrlichds
ſkündet. Ernſt Zahn wurzelt in ſeinem Schweizerlande.
Er betreibt heute noch die ſchon von ſeinem Vater
ge=
leitete Bahnhofswirtſchaft in Göſchenen. Das Vertrauen
ſeiner Landsleute hat ihn auf den höchſten Beamtenpoſten
ſeines Kantons berufen. Er lebt inmitten ſeines Volkes.
Ihm entnimmt er die Vorbilder zu den echten
Kraft=
naturen, die er ſchafft, Menſchen, deren Größe nicht in
ihren Worten, ſondern in ihren Taten liegt. Wir
be=
gegnen im Leben nicht ſelten ſolchen Leuten, aber wir
gehen achtlos an ihnen vorüber, ſie ſind uns nichts, dieſe
verſchloſſenen Charaktere, deren Aeußeres ſo wenig
an=
ſprechend, deren Inneres uns verhüllt iſt. Die Kunſt
eines Ernſt Zahn verſteht es, in die Tiefe zu dringen,
und das Seelenleben, das Denken und Fühlen
auser=
leſener Menſchen vor Augen zu führen. Wer einmal von
einer „Clari=Marie” geleſen, vergißt dieſe in all ihrer
Derbheit ſo ſeltene Frauengeſtalt nie mehr. Es ſind
Menſchen von rechtem Schrot und Korn, die wir der
Schöpferkraft Ernſt Zahns verdanken. Jedes neue Werk
ſchafft ihm neue Freunde. Mit unendlicher Feinheit,
zeichnet der Autor ſeine Geſtalten, jede Kleinigkeit in der
Charakteriſierung iſt von Bedeutung und in wunderbaren
Farben malt er — ein gottbegnadeter Schilderer ſeines
Heimatlandes — das Milien, in dem ſich die
durchweg=
dramatiſch belebten Geſchehniſſe abſvielen. — Da der
„Kaiſerſaal” vorausſichtlich ausverkauft ſein wird,
empfiehlt ſich dringend frühzeitiges Erſcheinen.
— Robert Kothe=Abend. Der Meiſterſänger
des deutſchen Volksliedes ſingt in ſeinem diesjährigen
Abend am 2. November im Hotel zur Traube ein
völlig neues Programm und zwar die in Darmſtadt noch
nicht gehörte 7. Folge. Dieſelbe enthält u. a. zwei
außer=
ordentlich liebliche Marienlieder, einen alten ſchwäbiſchen
Totentanz und eine Fülle köſtlicher Proben des alten
deut=
ſchen Humors, darunter ein altes Berliner Guckkaſtenlied
und das überall ſtürmiſche Heiterkeit erzielende
nieder=
deutſche Lied „Der Burlala” Karten bei Georg Thies
Nachf. Leopold Schutter, Hofmuſikalien= und
Pianohand=
lung, Eliſabethenſtraße 12.
Luftfahrt.
* Stuttgart, 27. Okt. Die Gordon=Bennett=
Wettfahrt nahm heute nachmittag auf den
Cann=
ſtätter Wieſen ihren Ausgang. Am Startplatz war das
Königspaar mit den Mitgliedern der königlichen Familie
erſchienen. Der amerikaniſche Ballon „Kanſas City II‟.
platzte, als er beinahe gefüllt war. Die
Bedienungsmann=
ſchaft kam mit dem Schrecken davon. Die Startleitung
entſchloß ſich aber, dem amerikaniſchen Führer Watts den
deutſchen Ballon „Düſſeldorf II” zur Verfügung zu ſtellen,
ſo daß von nachmittags 4 Uhr ab im ganzen 20 Ballons
unter den Klängen der Nationalhymnen der betreffenden
Länder den Startplatz verließen. Als letzter Ballon ſtieg
um halb 7 Uhr bei völliger Dunkelheit „Düſſeldorf II‟
mit dem Sternenbanner in die Höhe. Dank der
muſter=
haften Organiſation ereignete ſich kein weiterer Unfall.
* Stuttgart, 28. Okt. Bei dem hieſigen Bureau
für die Gordon=Bennett=Fahrt ſind heute
fol=
gende Telegramme eingelaufen: Ballon „Mill”=
Popu=
larklub (Amerika): All right, Fahrt langſam. Bory.
Das Telegramm wurde über Ströbeck in der Provinz
Sachſen ausgeworfen. Ballon Zürich”: 7 Uhr 45 Min.
morgens über Aken an der Elbe (Kreis Magdeburg):
Sehr ſchöne Nachtfahrt zwiſchen 1000 und 1200 Meter
Höhe; Gleichgewichtslage erſt morgens erreicht. Jetzige
Richtung Spandau mit 40 Kilometer=Geſchwindigkeit.
Beauclair. Ballon „Frankfurt” (Oeſterreich): Ueber
Siegersdorf öſtlich von Görlitz: Ballaſtverbrauch groß.
Fahrtrichtung Breslau. Lehnert.
* Stuttgart, 28. Okt. Der Führer des Ballons
„Clouth IV‟, Kapitän Seidelin, meldet: Glatte
Land=
ung 8 Uhr vormittags bei der Gemeinde Hoſtin bei Prag.
Der Balkankrieg.
Die Lage der Türlei.
* Konſtantinopel, 27. Okt. (9 Uhr vormittags).
Geſtern nachmittag fand im Palais ein großer
Mi=
niſterrat ſtatt. Außer den Miniſtern nahmen zahl=
reiche militäriſche, zivile und geiſtliche Würdenträger,
ſo=
wie einige hervorragende Senatoren an der ſehr
wich=
tigen Beratung teil, die bis Mitternacht währte. Man
be=
riet über die Lage auf dem Kriegsſchauplatze.
Gleich=
zeitig fand ein lebhafter Depeſchenwechſel mit dem
Kriegs=
miniſter ſtatt. Es wurde beſchloſſen, alle Maßnahmen zu
treffen, um die militäriſche Ehre des Landes zu
ver=
teidigen. Nach den letzten vom Kriegsminiſter
ſtammen=
den Nachrichten hält ſich die türkiſche Armee in der
Defen=
ſive. Die allgemeine Situation ſei gut. Der
Sultan wurde von den Beratungen des Miniſterrats auf
dem laufenden gehalten. Er empfing nachher den
Groß=
weſir, der ihn von den gefaßten Beſchlüſſen unterrichtete.
Wie es heißt hat ſich im Palais eine hohe
außerordent=
liche Kommiſſion gebildet, um über die gegenwärtige
Lage zu beraten. Die Preſſe rät zur Feſtigkeit und
Ge=
duld und weiſt jeden Gedanken einer Vermittlung der
Mächte zurück, die nur möglich ſei, wenn die Türkei einen
großen Sieg errungen oder eine vollſtändige Niederlage
erlitten habe.
Vom öſtlichen Kriegsſchauplatze.
* Konſtantinopel 27. Okt. Ueber die
Nie=
derlage der Türken bei Kirk=Kiliſſe
verlau=
tet aus ſicherer Quelle: Die aus dem 3. und 16., ſowie
einem unabhängigen Korps, im ganzen aus acht
Diviſio=
nen beſtehenden türkiſchen Truppen waren im Norden
und Nordoſten von Kirk=Kiliſſe bei Petra aufgeſtellt. Der
Angriff der Bulgaren erfolgte am 22. Oktober und dauerte
unter heftigem Artilleriefeuer bis zum 22. Oktober. Gegen
4 Uhr begann der fluchtartige Rückzug der ganzen
türki=
ſchen Armee, welche die frühere Eiſenbahnſtation Alupi
auf der Flucht erreichte. Nur die Diviſion unter dem
Oberſten Hilmi, bewies eine heldenmütige Haltung, indem
ſie den Rückzug deckte. Ein Teil der Armee ſoll ſich nach
Bunar=Hiſſar zurückgezogen haben Später trafen an der
Küſte des Schwarzen Meeres bei Intada die unter dem
General Tergut Schefket gelandeten Teuppen ein, welche
die Armee bedeutend verſtärkten.
* Konſtantinopel, 28. Okt. Der ägyptiſche
Prinz General Aziz Paſcha, der bei dem Rückzug von
Kirk=Kiliſſe die Kavallerie kommandierte, ſowie der
Gouverneur von Kirk=Kiliſſe und einige Offiziere ſind
hierher gebracht worden und unter Anklage geſtellt, die
Flucht der Armee verſchuldet zu haben. Auf
An=
ordnung des Kriegsminiſters ſind 200 Soldaten aus
demſelben Grunde erſchoſſen worden.
* Konſtantinopel, 27. Okt. Der Wali von
Adrianopel telegraphiert: Die Stadt iſt ruhig, ſeit
48 Stunden hat kein Kampf ſtattgefunden.
Nummer 255.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Oktober 1912.
Seite 7.
* Sofia, 27. Okt. Das Hauptquartier ſoll
demnächſt von Start Zagora nach Muſtafa Paſcha
verlegt werden.
Vom weſtlichen und ſüdlichen Kriegsſchauplatz.
* Sofia, 27. Okt. Die Agence Bulgare meldet: Die
Operationen im Tal des Bregalniza werden fortgeſetzt.
Die Straße zwiſchen Kotſchana und Iſchtip iſt
be=
ſät mit Ausrüſtungs= und Betleidungsſtücken, welche der
Feind zurückgelaſſen hat. Infolge der woltenbruchartigen
Regengüſſe der letzten Tage ſind die Straßen aufgeweicht.
Der Verkehr geht ſchwierig vor ſich. An einigen Stellen
verlangſamte ſich der Vorwärtsmarſch. Die Türken
be=
gingen große Ausſchreitungen gegen bulgariſche
Solda=
ten, deren ſie ſich bemächtigten. Man fand verſtümmelte
Leichen bulgariſcher Soldaten ohne Naſen und Ohren und
von Meſſerſtichen durchbohrt. Die Türken laſſen Tote und
VVerwundete auf dem Gelände liegen. Die bulgariſchen
Hoſpitäler ſind mit verwundeten türkiſchen Offizieren und
Soldaten überfüllt, die eine ſorgfältige Pflege erfahren.
H. B. Sofia, 28. Okt. Es beſtätigt ſich, daß die
nordöſtlich von Uesküb gelegene Ortſchaft Kotſchana
von den Bulgaren nach heftigem Widerſtande
eben=
falls beſetzt worden iſt. Die bisherigen Verluſte an
Toten und Verwundeten auf beiden Seiten konnten
bis=
her noch nicht feſtgeſtellt werden, doch ſcheint nach den
hierin übereinſtimmenden Gerüchten überall mit der
größ=
ten Erbitterung gekämpft worden zu ſein. Die Beſetzung
von Kotſchana beweiſt, daß die Bulgaren nunmehr auf
dem Vormarſch ſüdwärts in das eigentliche Mazedonien
begriffen ſind und daß ſie ſich vermutlich bald mit den
ſerbiſchen Truppen vereinigen werden.
* Belgrad, 28. Okt. In den letzten beiden Tagen
ſind über 1000 Verwundete hier eingetroffen. Nach dem
amtlichen Bericht rief die Heftigkeit der Angriffe der
ſerbiſchen Truppen unter den Türken bei Kumanowo
eine derartige Verwirrung hervor, daß die türkiſchen
Führer jede Gewalt über die Truppen verloren und der
Rückzug in wilde Flucht ausartete. Prinz Arſen nahm
die Verfolgung mit der ſerbiſchen Kavallerie auf. Die
Türken ließen die Geſchütze zurück und retteten ſich durch
Zerſchneiden der Stränge der Beſpannung.
* Rjeka, 28. Okt. Kronprinz Danilo
diri=
gierte 11 Bataillone und mehrere Gebirgbatterien von
Golemi über den Drinfluß zur Umgehung der Höhen
zwiſchen Bardanjold und der Stadt Skutari,
gleich=
zeitig überſchritt die rechte Kolonne unter General
Mar=
tinowitſch bei Samrie den Bojanafluß um Skutari von
der Südſeite her anzugreifen. Ein heftiges Artilleriefeuer
unterſtützte die Infanterie. Der Kampf dauerte um drei
Uhr nachmittags noch an.
H. B. Cetinje 28. Okt. Obgleich die
ungünſti=
gen Witterungsverhältniſſe die Operationen ſtark
hem=
men, haben doch der Kronprinz und General
Martino=
witſch die Einſchließung Skutaris nahezu
ver=
vollſtändigt. Die Beſatzung von Skutari hat bis jetzt
alle Sturmangriffe zurückgeſchlagen, doch ſteht der Fall
der Feſtung bevor, da die ſchweren Belagerungsgeſchütze
die Befeſtigungs=Anlagen ſtark mitgenommen haben.
* Rjeka, 26 Okt. Es verlautet, der König von
Montenegro ließ durch einen Parlamentär dem
Oberbe=
fehlshaber in Skutari Vorſtellungen machen, daß ein
dweiterer Widerſtand nutzlos ſei und, um ein unnötiges
Blutvergießen zu vermeiden, die Uebergabe vollzogen
werden möge. Skutari, das von der Außenwelt
vollſtän=
dig abgeſchnitten iſt, ließ bisher die Aufforderung
unbe=
jantwortet.
* Rjeka, 26. Okt. Die montenegriniſchen
Und ſerbiſchen Truppen vereinigten ſich
geſtern in Sienitza, wo eine freudige Begrüßung
er=
folgte. In Cetinje und Rjeka erweckte dieſe Meldung
große Begeiſterung. Der Kronprinz Danilo begab ſich
geſtern früh zu dem Berge Taraboſch. Die Operationen
ruhten geſtern wegen des Regens. Heute früh verſuchten
die Türken einen Gegenangriff. Es entwickelte ſich ein
Kampf, deſſen Ausgang unbekannt iſt. Der König begab
ſich heute morgen in Begleitung des öſterreichiſch=
ungari=
ſchen und des italieniſchen Militärattachés, des ſerbiſchen
Generals Alanskowitſch und der diplomatiſchen Vertreter
der Balkanſtaaten auf das Schlachtfeld.
* Belgrad, 27. Okt. Der Einzug des
Kron=
prinzen in Uesküb vollzog ſich feierlich. Die
Konſuln wohnten demſelben in Uniform bei. Am
Nach=
mittag nahm der Kronprinz an dem Gottesdienſte in der
ſerbiſchen Kirche in Uesküb teil. Der offizielle Text über
die Einnahme von Uesküb ſpricht davon, daß die Türken
aus Uesküb geflohen ſeien.
Letzte Nachrichten.
* Bukareſt 28. Okt. Nach der Eidesleiſtung
der Miniſter hielt König Carol folgende
An=
ſprache: Ich begrüßte die Bildung des neuen Kabinetts
mit lebhafter Genugtuung, beſonders unter den
gegen=
wärtigen ernſten Umſtänden. Dieſe Umſtände erlegen uns
die Pflicht auf, wichtige Entſchlüſſe zu faſſen. Nur eine
ſtarke Regierung, die ſich auch auf das Vertrauen des
Landes ſtützt, kann den gegenwärtigen Erforderniſſen
ge=
recht werden. Glücklicherweiſe hat ſich eine ſolche
Regier=
ung gebildet. Seit dem Beginn des Krieges ſind alle
Blicke auf uns gerichtet, und Rumänien gewinnt noch viel
mehr an Anſehen angeſichts der wichtigen Rolle, die ihm
zufallen wird. Laſſen wir alle Auseinanderſetzungen
über andere Angelegenheiten beiſeite, beſchäftigen wir
uns mit der politiſchen Lage des Landes, die zwar
ſchwie=
rig iſt. der wir aber kraft unſerer militäriſchen Stärke und
der Würde unſeres Staates die Stirne zu bieten wiſſen
werden.
* Konſtantinopel, 28. Okt. Sabah meldet: Die
ägyptiſche Regierung brach die
Beziehun=
gen zu den Balkanſtaaten ab und ließ deren
Konſuln die Päſſe zuſtellen. Sobald die Möglichkeit eines
Angriffes durch die griechiſche Flotte beſeitigt iſt, wird
Aegypten, falls die Pforte es als notwendig bezeichnet,
18000 Mann auf den Kriegsſchauplatz entſenden.
* Belgrad 29. Okt. Nach Privatmeldungen
nahmen die ſerbiſchen Truppen Köprülü und Iſtip.
* Sofia, 29. Okt. Die Bulgaren beſetzten den
Kresnapaß im Strumatal. — Der türkiſche Kreuzer
„Haie Eddin” (Barbaroſſa) iſt geſtern wieder vor Warna
erſchienen, ohne einen Angriff zu unternehmen. —
Bu=
nar Hiſſar wohin ſich die Garniſon von Kirk=Kiliſſe
zurückgezogen hatte, iſt von den Bulgaren genommen
wor=
den. Ein aus 10 Wagen beſtehender Zug, der von den
Bulgaren erbeutet wurde, wird nach Kirk=Kiliſſe gebracht.
HB. Paris, 28. Okt. Der Korreſpondent des Petit
Pariſien in Belgrad glaubt zu wiſſen, daß die Vertreter
der Balkanſtaaten beauftragt ſind, den Mächten eine
vertrauliche Mitteilung zu machen,
dahin=
gehend, daß ihre Regierungen gewillt ſind, die Waffen
un=
verzüglich niederzulegen, wenn die Türkei ihr Reform=
Programm in Mazedonien annehme und ihnen unter der
Bezeichnung „Grenzberichtigung” einen Teil des
erober=
en Gehietes abtritt. Man behauvtet in ſerbiſchen Re=
ierungskreiſen, daß Rußland dieſem Vorſchlag nicht
ab=
geneigt ſei und daß der kürzliche Aufenthalt des Herrn
von Hartwig in Wien den Zweck verfolgte, mit dem
Ball=
platz über die Möglichkeit eines ſofortigen Einſchreitens
zu beraten.
Vermiſchtes.
C. K. Die Theater Europas. Eine
in=
tereſſante Statiſtik über die Zahl der in Europa
in Betrieb ſtehenden Theaterunternehmungen ſtellt
der Gaulois zuſammen und es zeigt ſich
da=
bei, daß die romaniſchen Länder im
Verhält=
nis zu ihrer Einwohnerzahl und ihrer Größe im
Durchſchnitt viel mehr Theater betreiben, als die anderen
Nationen. Die meiſten Bühnenhäuſer zählt man in
Frankreich, nicht weniger als 596 Theater, an zweiter
Stelle ſteht Italien mit 544. Dann folgen England mit
372 und Deutſchland mit 364 Bühnenhäuſern, denen ſich
Spanien mit 228 anſchließt. Oeſterreich ſteht mit 216
Bühnenhäuſern hinter Spanien zurück. Die Reihenfolge
der übrigen Länder iſt dann: Rußland 149, Belgien 94,
Holland 41, Schweiz 39, Schweden 37 und Norwegen 29. In
Serbien zählte man 18 Theaterunternehmungen. Dieſe
Angaben erſtrecken ſich nur auf die ſtändigen
Theater=
unternehmungen unter Ausſchluß von Konzertſälen und
Kinematographentheatern.
C. K. Von Moskau nnach Peking in
vier Tagen. Der Plan Moskau durch eine
Eiſenbahnlinie direkt mit Peking zu verbinden,
iſt bereits vor vierzig Jahren aufgetaucht, wurde
dann aber aus politiſchen Gründen fallen gelaſſen.
Nach Mitteilungen des Japan Harald beſchäftigt ſich nun
die ruſſiſche Regierung von neuem mit dieſer Frage und
hat bereits Verhandlungen mit der chineſiſchen Regierung
eingeleitet. Der von den ruſſiſchen Ingenieuren in
Aus=
ſicht genommene Schienenweg verläuft folgendermaßen:
Die Linie wird ſich von Moskau zunächſt nach Oſtſüdoſt
wenden, die Wolga bei der Stadt Simbirsk überſchreiten
und dann ſich durch die baſchkiriſchen Steppen nach dem
Ural wenden. Von dort wird der Schienenſtrang durch
die kirgiſiſchen Steppen direkt nach Semipalatinsk
gelei=
tet, wo er ſich mit der neuen bald vollendeten Linie der
transſibiriſchen Eiſenbahn verbindet. Der Weg wird von
Moskau bis Semipalatinsk eine Länge von 3450
Kilo=
meter haben. Dieſer Teil der Bahn läßt ſich leicht und
mit verhältnismäßig geringen Koſten bauen, da er ſich
über ebene Gegenden erſtreckt. Von Semipaldtinsk aus
hat die Bahn jedoch die ſehr gebirgigen Gebiete des
nörd=
lichen China zu überwinden und muß bis Peking noch
eine Strecke von etwa 3500 Kilometer zurücklegen. Iſt
die Bahn fertig, dann können die Reiſenden in vier Tagen
von Moskau nach Peking gelangen. Die Bahn wird
große wirtſchaftliche Vorteile haben, denn ſie erſchließt
dem Weltverkehr weite Gebiete, die ausgezeichnet für den
Getreidebau geeignet ſind, und begünſtigt die
Koloniſie=
rung von Südſibirien und des Nordoſtens von China.
Literariſches.
Schuſter Adolf N.: Argentinien. Land,
Volk, Wirtſchaftsleben und Koloniſation. Mit über 400
Illuſtrationen, Farbenbildern und Karten.
Verlagsan=
ſtalt Joſ. C. Huber, Dieſſen vor München. Zu den
Län=
dern, die heute in den Vordergrund des Intereſſes gerückt
ſind, weil ſie mit der Größe des Umfangs noch reiche
Entwickelungsmöglichkeiten verbinden, gehört Argentinien,
der ſüdamerikaniſche Staat, der nicht bloß Europas Korn=
und Fleiſchkammer geworden, ſondern auch geeignet iſt,
einen anſehnlichen Teil der überſchüſſigen Bevölkerung
der Kulturländer aufzunehmen. Das oben angeführte
Werk beſitzt den Vorzug, daß es auf den Beobachtungen und
Studien beruht, die der Verfaſſer während eines
zwei=
maligen, im ganzen über 6 Jahre dauernden argeutiniſchen
Aufenthaltes in verſchiedenen Stellungen, zuletzt als
Guts=
beſitzer, zu machen Gelegenheit hatte. Während die
Dar=
ſtellung, beſonders in den Kapiteln „die Seereiſe” und
„Mit 400 Ochſen über die höchſten Kordilleren”
feuille=
toniſtiſch flüſſig ghalten iſt und eine genußreiche Lektüre
bilden, iſt ſie im übrigen von wiſſenſchaftlicher Objektivität,
deren Anerkennung wohl ſchon darin liegt, daß Prof. Dr.
Keller, der bekannte Zoologo an der Eidgenöſſiſchen
Tech=
niſchen Hochſchule, das Vorwort zu dem Buche ſchrieb und
Prof. Dr. Schlaginhaufen, Direktor des Anthropologiſchen
Inſtitutes an der Univerſität Zürich, einen Beitrag dazu
beigeſteuert hat. So bietet das Werk, deſſen Text durch
über 400 Illuſtrationen und Karten eine wertvolle
Ergän=
zung erhält, ein ebenſo belehrendes als unterhaltendes
Bild des Zukunftslandes Argentinien und dürfte daher in
weiten Kreiſen, nicht zum mindeſten bei den Landsleuten
in Argentinien ſelbſt, großen Anklang finden. Das Werk.
das zwei Bände umfaſſen will, erſcheink auch in zirka 18
Lieferungen zu 1.— — 1.25 Fr., von denen die erſte
vorliegt und einen vielverſprechenden Eindruck macht.
— Das Strafgeſetzbuch für das Deutſche
Reich, herausgegeben von dem Geh. Juſtizcat Dr. Karl
Gareis, o. 5 Profeſſor der Rechte an der Univerſität
München, iſt ſoeben in dem Verlage Emil Roth=Gießen
vollſtändig neubearbeitet in 4. Auflage erſchienen. (Preis
broſch. 80 Pfg., in Leinenband gebunden 1,20 Mk.) In
dem Geſetzestext ſind ſämtliche Aenderungen, welche das
Strafgeſetzbuch im Laufe der Jahre erfahren hat,
ſorg=
fältigſt berückſichtigt — einſchließlich der letzten Novelle
vom 19. Juni 1912 — welche mit dem 5. Juli 1912 in
Kraft getreten iſt. Das Strafgeſetzbuch von Gareis iſt
eine zuverläſſige, äußerſt praktiſche und daher ſehr
emp=
fehlenswerte Textausgabe.
Darmſtadt, 29. Oktober.
C) Konzert Télémaque Lambrino. Es ſei nochmals
empfehlend auf das heute, Dienstag, abend 8 Uhr, im
Saale der „Traube” ſtattfindende Konzert des
Klavier=
virtuoſen Télémaque Lambrino hingewieſen, der
in der vorigen Saiſon mit ſo beiſpielloſem Erfolge hier
konzertiert hat. Wenn Lambrino ſpielt, wird man ſo
recht über den Unterſchied klar zwiſchen Muſiker, Virtuoſe
und Künſtler. Vom bloßen Muſiker trennt ihn ſeine
ge=
diegene Bildung, die über das, wenn auch noch ſo edle
Handwerk, hinausſchaut. Und doch iſt er ein
Vollblut=
muſiker, der zum Beiſpiel auch à perfeetion
Kammer=
muſik ſpielt (er zeigte es im Verein mit den „Böhmen”
dem Gewandhaus=, Prill= Roſé=Quartett uſw.). Vom
Virtuoſen hat er alles, beſitzt eine fabelhafte Technik, doch
benutzt er ſie nie zum bloßen Schein, als Blendwerk; der
Künſtler in ihm beherrſcht das Ganze. Neben den
erfreu=
lichen Spezialiſten, die mit ein paar Beſonderheiten
bril=
lieren, ſteht der eigentliche Künſtler, der alles kann. Der
Künſtler wird heute abend u. a. ſpielen: Schumann,
Toe-
cata op. 7; Fantaſie C=dur op. 17. Seriäbine, Sonate
Fis-moll op. 23 (zum 1. Male!). Debuſſy, Réfléts dans
leau. Albeniz, Triana (zum 1. Male!). Liſzt, Au bord
d’une source; Irrlichter; Mephiſto=Walzer. Den
Karten=
verkauf beſorgt die Fixma Gg. Thies Nachfolgex,
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 28. Okt. Heute konnte der Verkauf des
ruſſiſchen Fleiſches an 112 Ständen der
Markt=
hallen aufgenommen werden. Der Verkauf hat ſich
über=
all mit großer Ruhe abgewickelt.
* München, 28. Okt. In, der Kammer der
Reichsräte gedachte vor Eintritt in die
Tagesord=
nung der erſte Präſident Fürſt Fugger des plötzlichen
Hin=
ſcheidens der Prinzeſſin Rupprecht von Bayern, deren
vorbildliche Eigenſchaften als Gattin und Mutter er
her=
vorhob, mit einem tief empfundenen Nachruf, den das
Haus ſtehend entgegennahm. — Hierauf beſchäftigte ſich
das Haus mit einer Nachtragsforderung der Regierung
zur Kanaliſierung des Mains von Hanau
bis Aſchaffenburg und der Errichtung einer
Um=
ſchlageanlage bei Leider. Insgeſamt ſind dazu nötig 23,5
Millionen Mark. Als erſte Rate ſind erforderlich 3
Mil=
lionen Mark. Prinz Ludwig berichtete als Referent
über die Ausſchußverhandlungen. Er ſprach dabei ſeine
Freude aus, daß die Kammer der Abgeordneten das
Nach=
tragspoſtulat bereits einſtimmig genehmigt habe. Er
erblicke darin einen Beweis dafür, daß die Ideen, für
deren Durchführung er ſeit Jahrzehnten arbeite, ſich
nun=
mehr durchgeſetzt hätten. Auch begrüße er lebhäft den
Beſchluß der Abgeordnetenkammer, die Regierung zu
er=
ſuchen, die Frage der Mainkanaliſierung über
Aſchaffen=
burg hinaus auf das energiſchſte zu fördern. Seiner
An=
ſicht nach ſollte ſich dieſe weitere Kanaliſation bis nach
Bamberg erſtrecken. Die Frage der Mainkanaliſierung
hänge aber ſchließlich mit einer weiteren wichtigen Frage,
der Einführung von Schiffahrtsabgaben auf dem Rhein,
zuſammen. Würde der Main bis Bamberg kanaliſiert und
der Rhein bis in den Bodenſee hinein ſchiffbar gemacht
werden, ſo würde das den Niederlanden zum größten
Vorteil gereichen und ſie würden, wenn bis zum Beginn
dieſer Arbeiten die Einführung der Schiffahrtsabgaben
noch nicht erfolgt ſei, noch weniger als jetzt geneigt ſein,
der Einführung von Schiffahrtsabgaben zuzuſtimmen. Er
ſelbſt wünſche nicht nur die Kanaliſierung bis Bamberg,
ſondern auch die Erweiterung des Main-Werra=Kanals,
der bei Bamberg dem Main angeſchloſſen werden ſoll. Er
würde es bedauern, wenn man in Franken den
Beſtreb=
ungen Südbayerns, insbeſondere Münchens und
Augs=
burgs, unfreundlich gegenüberſtehen würde. Schließlich
bat der Prinz um einſtimmige Annahme des Poſtulats.
Das Haus ſtimmte dem Nachtragspoſtulat zu.
* Trier, 28. Okt. Die Strafkammer verurteilte
den Apotheker Piecha in Hillesheim, der einer Frau
ohne ärztliche Anordnung Chlorzink gab, ſodaß die
Ver=
giftung erfolgte, wegen fahrläſſiger Tötung zu 6 Monate
Gefängnis.
* Eſſen (Ruhr), 28 Okt. In Dahlhauſen ſchoß
geſtern ein 13jähriger Knabe einem Spielkameraden ein
Auge aus Unvorſichtigkeit aus. Aus Verzweiflung
da=
rüber erhängte ſich der Täter.
* Danzig, 28. Okt. Heute morgen brach in
Neu=
fahrwaſſer ein Dachſtuhlbrand aus, bei welchem der
Schiffskapitän Meb und ſeine Frau erſtickten.
* Oſtrowo, 28. Okt. Bei dem Neubau des ſtädtiſchen
Theaterkonzerthauſes ſtürzte eine Maner ein und
tötete drei Arbeiter; ein weiterer wurde ſchwer verletzt.
* Petersburg, 28. Okt. Ein Morgenbulletin
be=
ſagt: Der Thronfolger verbrachte die Nacht gut.
Heute morgen betrug die Temperatur 37, Puls 120. Das
Geſchwulſt nimmt ſehr langſam ab.
Berlin, 28. Okt. Der Schuhmachermeiſter Benz
in der Fehrbelliner Straße hat ſich und ſeinen kleinen
Sohn mit Leuchtgas vergiftet. Beide wurden heute
morgen tot im Bett liegend aufgefunden. Die beiden
an=
deren Söhne lagen im Nebenzimmer und waren
bewußt=
los, doch konnten ſie bald ins Leben zurückgerufen werden.
Benz war bereits zweimal verheiratet und wollte ſich
demnächſt zum dritten Male verheiraten, war aber ſchon
lange hochgradig nervös und äußerte wiederholt
Selbſt=
mordgedanken.
— Gladbach, 28. Okt. Der zum Tode verurteilte
Mör=
der Heinrichs der ſeinen 80jährigen Onkel im Bette
erwürgte und beraubte, wurde zu lebenslänglichem
Zuchthaus begnadigt.
H. B. Rom, 28. Okt. Kabinettschef Giolitti hat
den Antrag, ihm den Adelsſtand zu verleihen, eine
Auszeichnung, die ihm aus Anlaß des Friedensſchluſſes
mit der Türkei zuteil werden ſollte, mit Dank
abge=
lehnt. Giolitti erklärte, er ſei als Bürger geboren und
wolle auch als ſolcher ſterben. Die Blätter widmen der
Haltung des Kabinettschefs längere Lobartikel.
H. B. London, 28 Okt. Die Times ſchreibt zu der
geſtrigen Rede Poincarés: Welches auch der
Ausgang des Balkankonfliktes ſein dürfte, die mutige
Haltung der Verbündeten verdient Europas volle
Be=
wunderung. Man will ihr Vorgehen vielfach als eine
Folge des Terrorismus, der dieſe Völker beſeelt, anſehen.
Die maßvolle Rede Poincarés bekundet neuerdings die
hohen ſtaatsmänniſchen Eigenſchaften des franzöſiſchen
Kabinettschefs und wir finden darin die beſten Beweiſe,
daß die Mächte gewillt ſind, gemeinſam an der Löſung
des Balkanproblems zu beraten, wie dies dem Wunſche
der Balkanvölker und Europas entſpricht.
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kräftigt, wirkt nachhaltig sättigend und läßf
während des Unterrichts kein nervöses Hunger
gefühl aufkommen. Erwird deshalb als
Kinderfrühstück.
tausendfach ärztlich empfohlen. — Nur echttn
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Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Oktober 1912.
Nummer 255.
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ſind klein und präſentieren ſich beſcheiden, aber
es ruhen die wirkſamſten Kräfte der Sodener
Heilquellen in ihnen. Sie ſind bequem
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wenden und verſagen nie, wenn man mit ihrer
Hilfe Katarrhe der Luftwege, Verſchleimungen,
Huſten und Heiſerkeit bekämpfen will. Dann
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Frank=
ffurt a. M. Am 2. April n. J. beginnt ein neuer
Lehr=
kurſus an der dem Miniſter für Handel und Gewerbe
unterſtellten Königlichen Maſchinenbauſchule in
Frank=
furt a. M. Dieſelbe beſteht aus 4 aufſteigenden Klaſſen
mit je halbjähriger Unterrichtsdauer. Jedes Schuljahr
uufaßt 40 Unterrichtswochen mit je 42 Stunden. Der
Unterricht erſtreckt ſich auf Deutſch, Rechnen,
Mathe=
matik, Naturwiſſenſchaften und Mechanik als
vor=
bereitende Fächer. Der Fachunterricht umfaßt die
wich=
tigſten Gebiete des allgemeinen Maſchinenbaues und
der Elektrotechnik. Ueber die Aufnahmebedingungen und
alles Weitere gibt das Programm der Schule
Aus=
kunft, das von der Direktion jederzeit koſtenfrei zu
beziehen iſt.
Geſchäftliches.
Man ſchreibt uns: Die Kalaſiris=Geſellſchaft
hat es ſich zur Aufgabe gemacht, auf ihre beſondere
Weiſe die Frage der Kleiderreform zu löſen, und zwar
von dem Geſichtspunkte ausgehend, daß zunächſt eine
hygieniſch einwandfreie und zugleich elegante
Unter=
kleidung geſchaffen werden muß, auf der jedes beliebige
moderne Kleid getragen werden kann. Die mit Kalaſiris=
Korſetterſatz erzielten Erfolge haben die Kalaſiris=
Geſell=
ſchaft dazu geführt, auch die geſamte Wäſche und
Unter=
kleidung in entſprechender Weiſe im Schnitt zu
reformieren.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das weſtliche Tief zieht langſam nordoſtwärts ab,
während ſich das Hoch über dem öſtlichen Kontinent
verſtärkt und ausdehnt. Infolge warmer ſüdlicher
Winde ſind die Temperaturen etwas geſtiegen und
liegen heute morgen zwiſchen 5 und 10 C.
Nieder=
ſchläge fielen verbreitet an der Küſte, vereinzelt in
unſerem Bezirk. Wir werden morgen unter dem Einfluß
des hohen Druckes ſtehen.
Ausſichten für Dienstag, den 29. Oktober:
Vor=
wiegend heiter und trocken; tags mild, nachts kühl,
Morgennebel.
Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute morgen 6½ Uhr verſchied nach
kurzem, ſchwerem Leiden mein lieber Mann,
unſer lieber Vater, Schwiegervater, Großvater,
(22455
Schwager und Onkel
Herr
Valentin Weidner
Schuhmachermeiſter
im 77. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Lina Weidner, geb. Linn,
Familie Ph. Riebel.
Darmſtadt, den 28. Oktober 1912.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 30. Okt.,
nachmittags 1¾ Uhr, von der Friedhofskapelle
aus, ſtatt.
Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute nachmittag entſchlief ſanft nach kurzem
Leiden mein treubeſorgter Gatte, unſer lieber
Vater, Bruder, Schwager und Onkel (22490
Herr
Louis Rosenham
im 73. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 28. Oktober 1912.
(Ernſt=Ludwigſtr. 5)
Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag
um 4 Uhr, vom Portale des iſrael. Friedhofes
aus, ſtatt.
Man bittet von Kondolenzbeſuchen und
Blumen=
ſpenden Abſtand zu nehmen.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines unvergeßlichen Gatten,
unſeres lieben Vaters, Sohnes, Bruders,
Schwa=
gers, Onkels und Schwiegervaters
(22484
Herrn Gg. Schäfer
ſagen wir Allen, insbeſondere den Schweſtern der
Martinsgemeinde für ihre liebevolle Pflege
während dem Krankſein, dem Pfarrer
Lauten=
ſchläger für ſeine troſtreiche Grabrede, für die
zahlreichen Blumenſpenden, ſowie allen
Leidtragen=
den unſeren tiefgefühlteſten Dank.
Frau Pauline Schäfer Wwe.
und Kinder.
Darmſtadt, den 26. Oktober 1912.
Dankſagung.
Für die herzliche Teilnahme, die uns von
allen Seiten beim Tode meines lieben Mannes,
unſeres guten Vaters, des Herrn
(22486
Lehrers Wilhelm Heyl
entgegengebracht worden iſt, danken herzlichſt
die trauernde Gattin und Kinder:
Anna Heyl, geb. Geißler,
Dr. Wilhelm Heyl, Marie Wetzel,
Johannes Wetzel.
Maria Heyl,
Pfungſtadt u. Bensheim, den 28. Okt. 1912.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. B), Anfang 7½ Uhr: „Das
Prinzip”.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Lutherfeſtſpiel um 7 Uhr im Saalbau.
Klavierabend von Telémaqué Lambrino um 8 Uhr
im Hotel „Zur Traube‟
Konzert um 8 Uhr im Singſpielhaus „Metrovole”.
Zuſammenkunft des Engliſchen Klubs um 8½ Uhr
im „Darmſtädter Hof”
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 30. Oktober.
Hofreite=Verſteigerung des Wilh. Val. Neu
bauer (Ochſengaſſe 16) um 10 Uhr auf dem Orts
gericht I.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhh
Rundeturmſtraße 16.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 3 Uhr In
der „Ludwigshalle‟
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Mar Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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Rheinstraße 17, Eingang Grafenstr.
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Kurſe vom 28. Oktober 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
InProt.
Zf.
5 Argentinier .
. 100,30
do.
84,50
4½ Chile Gold=Anleihe. 90,50
5 Chineſ. Staatsanleihe: 99,20
do.
4½
4½ Japaner . . . . . . . 93,00
5 Innere Mexikaner. . . 90,80
3
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 87,75
5 Gold=Mexikaner . . . . 98,75
3 Buenos Aires Provinz 67,90
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 148,00
5 Nordd. Lloyd . . . . . 116,00
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 125,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 107,30
8 Baltimore und Ohio . 104,80
16½ Schantungbahn . . . 122,25
64 Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 19,00
6 Pennſylvania R. R. . 121,50
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 65,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
. . 511,50
Fabrik
14 Chem. Fabrik Gries=
.. 246,25
heim
30 Farbwerke Höchſt . . 613,50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim .
10 Cement Heidelberg . . 147,00
30 Chem. Werke Albert 452,00
12½ Holzverkohlung Kon=
. . 316,00
ſtanz .
4 Lahmeyer . . . . . . . 118,50
ZuPro.
Diöß.
7½ Schuchert, Nürnberg 145,20
12 Siemens & Halske .222,25
5 Bergmann Electr. . . 124,00
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 157,50
0 Gummi Peter . . . . 101,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 103,75
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 587,90
10 Maſchinenf. Badenia 174,50
6 Wittener Stahlröhren 200,00
8 Steana Romana Petr. 141,50
15 Zellſtoff Waldhof . . 233,00
12½ Bad. Zucker=
Wag=
häuſel. . . . . . . 200,00
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 102,90
3 Südd. Immobilien.
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede .
.180,30
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 228,25
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb.
.. . . . 169,00
10 Gelſenkirchener .
189,00
8 Harpener
186,25
15 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 269,70
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . 82,00
4 Laurahütte . . . . . . 166,50
10 Kaliwerke Aſchersleben
11 „ Weſteregeln 211,00
7½ South Weſt Africa 129,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,00
4 Eliſabethbahn, freie . . 92.90
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 88,00
3 Prag=Duxer .
. . 74,60
5 Oeſterr. Staatsbahn . —
4 Oeſterr. Staatsbahn . 92,40
do.
76,70
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.), 97,70
doe
4
—
InProt
8.
2‟) Oeſt. Südb. (Lomb.) 51,60
3 Raab=Oedenburg . . . 75,90
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 85,00
4½ Moskau=Kaſan . . . 94,90
87,10
do.
4 Wladichawchas . . . . 86,00
4 Rjäſan Koslow . . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 74,10
½
do.
2¼/ Livorneſer
69,40
3 Salonique=Monaſtir . 60,30
4 Bagbadbahn:
80,00
4½ Anatoliſche Eiſenb. 94,80
4 Miſſouri=Paciſic. . . . 72,80
4 Northern=Paeiſie .
4 Southern=Pacific
94,00
5 St. Louis und San
Franeisco. . . . . 84,90
5 Tehuantepec . . . .
96,20
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 181,50
7 Bergiſch=Märkiſche
.. . 147,00
Bahn :.
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 162½
6½ Darmſtädter Bank . 119,75
12½ Deutſche Bank . . . 246,10
6 Deutſche Vereinsbank . 121,80
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 114,50
10 Diskonto=Kommandit 181,75
8½ Dresdener Bank 151,50
9½ Frankf. Hypoth.=B. 211,00
6½ Mitteld. Kreditbank 116,50
7 Nationalb. für Deutſchl. 120,50
7 Pfälziſche Bank . . . . 126,50
5.86 Reichsbank . . . 132,25
7 Rhein. Kreditbank. . . 133,40
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 117½
7½ Wiener Bankverein . 126,00
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank.
S. 21. . . . . . . 99,00
InProz.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,90
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,50
3
78,25
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
3½ do. Conſols . . . 88,30
78,30
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,50
92,40
do.
3½
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 98,80
86,90
do.
8½
77,10
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,20
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,60
4 do. do. (unk. 1918) 99,60
do.
87,20
3½
76,20
3
do.
78,90
3 Sächſiſche Rente..
4 Württemberger v. 1907 99,25
do. v. 1875 95,00
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1½ Griechen v. 1887.
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 88,20
4 do. Goldrente . . . 92,10
4 do. einheitl. Rente 84,70
3 Portug. unif. Serie I 61,50
3 do. unif. Ser. III 65,20
3 do. Spezial .
10,00
5 Rumänier v. 1903 . . 98,40
4 do. v. 1890 . . 92,00
4 do. v. 1905 . . 88,00
.88,00
4 Ruſſen v. 1880 .
4 do. v. 1902 .
. 87,60
4½ do. v. 1905 .
.100,20
3½ Schweden .
. 80,20
4 Serbier amort. v. 1895 74,00
4 Türk. Admin. v. 1903 77,00
4 Türk. unifiz. v. 1903 82,75
4 Ungar. Goldrente . . . 87,70
4 do. Staatsrente. . . 85,40
13
Iupra.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19.
88,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 52 . ..
98,80
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 98,50
3½
do.
87,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,70
do.
87,80
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
99,40
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23.
. 99,50
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8 . . . 87,80
S. 3—5
. 87,60
S. 9—11
87,70
4 Meininger Hyp.=Bank 98,50
3½
do.
87,30
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 98,60
do. (unk. 1914) . . 87,30
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,50
3½
87,30
do.
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . . 98,00
3½ do.
88,50
4 Frankfurt..
99,80
3½ do.
94,50
4 Gießen .
88,00
do.
4 Heidelberg
. 97,80
do.
88,00
4 Karlsruhe
. . 97,90
do.
88,30
4 Magdeburg:
3½ do.
4 Mainz
98,00
31
do.
89,00
4 Mannheim
. 98,00
do.
München
.100,20
½ Nauheim
Nürnberg. .
. 99,80
do.
87,60
4 Offenbach.
8½ Offenbach . . .7 . ₰ 87,20
4 Wiesbaden . 7.7. 4 99,80
3½ do.
89,20
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tr. 108 170,00
3½ Cöln=Mindner , 100 133,70
3 Holl. Komm. . fl. 100 109,00
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . . . 137,10
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 173,00
3 Oldenburger . . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 204,00
Freiburger .
Fs. 15
Fs. 45 —
Mailänder
do.
Fs. 10
Meininger . .
fl. 7 34,00
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 517,00
do. v. 1858 fl. 100 438,00
Ungar. Staats . . fl.100
Benebiger . . . . Fs. 30
Tärkiſche . . . . Fs. 400 152,80
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Banknoten.
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20,50
20 Franks=Stücke .
16,22
Amerikaniſche Noten.
4,20
Engliſche Noten .
20,50
Franzöſiſche Noten.
81,30
Holländiſche Noten.
169,55
Italieniſche Noten .
80,50
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,70
Ruſſiſche Noten
„ „
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Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
3 127.
Dienstag. 20. Ottober.
1912.
Bekanntmachung.
Auf Grund der §§ 39 und 40 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 hat der
Be=
zirksausſchuß zu Wiesbaden in ſeiner Sitzung vom 16. Oktober 1912 beſchloſſen, die
Schonzeit für Rehkälber für den Umfang des Regierungsbezirks Wiesbaden auf das
ganze Jahr auszudehnen. Beriglich der Rebhühne, Wachtein und ſcholichen
Moor=
hühner ſoll es bei dem geſetzlichen Beginn der Schonzeit — 1. Dezember — verbleiben.
Darmſtadt, den 23. Oktober 1913.
(22421
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
In Vertr.: v. Werner.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Bernhardiner, 1 Spitzhund. 1 Pinſcher, 1 Dachshund
(zugelaufen). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem
5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht
ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um
10 Uhr, ſtatt.
(22442
Städtiſcher Fiſchmarkt.
Beginn: 1. Oktober 1912.
Verkaufstage:
a) auf dem Marktplatz: Dienstag bis einſchl. Samstag jeder
Woche,
b) auf dem Riegerplatz: nach Bedarf, jedenfalls aber
Don=
nerstag und Freitag jeder Woche.
Die äußerſt billig geſtellten Wochenpreiſe, die unter Kontrolle
des Oberbürgermeiſters feſtgeſetzt werden, ſind an den
Verkaufs=
ſtänden angeſchrieben.
Darmſtadt, den 28. September 1912.
(20343a
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Mueller.
Städt. Fleiſch=Verkauf
Aeue Markthalle im Schlachthof
und im Hauſe Kiesſtraße 21 (zwiſchen
Hoch= und Karlſtraße)
alle Wochentage von vormittags 7 Uhr an
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Schweinefleiſch per Pfund 88 Pfg.
Kotelettſtücke. . per Pfund 90 Pfg.
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Mittwoch, den 30. Oktober 1912, nachm. 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokal „Zur Ludwigshalle” (
Ober=
gaſſe) zwangsweiſe, meiſtbietend gegen Barzahlung:
1 Schreibtiſch, 1 Schreibmaſchine, 1 Vertiko, 1 Schränkchen
mit Spiegel, 1 Schreibtiſch mit Aufſatz, 1 Spiegelſchrank,
1 Diwan, 1 Sofatiſch, 1 Trumeau mit Spiegel, 1 Vertiko,
25 Kanarienvögel, 1 Sprechapparat mit Platten, 1 zweitür.
Kleiderſchrank, 1 Papagei, 1 Kommode, ca. 200 Zentner
Pappe, 2 Büfetts, 1 Partie Schuhwaren, 1
Herrenſchreib=
tiſch, 1 Diwan, verſchiedene Silberſachen u. a. m.
Darmſtadt, den 28. Oktober 1912.
(22475
Stellvertreter des Großh. Gerichts=
Bauer, vollziehers Kapp in Darmſtadt
Friedrichſtraße 24, I.
Verſteigerungs=Anzeige.
Mittwoch, 30. Oktober 1912, vorm. 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 („Zur Roſenhöhe‟)
verſchiedene Möbel, darunter:
Trumeauſpiegel, Vertikos, Sofas Schreibtiſche,
Kleider=
ſchränke, Diwans, 1 Pianino, 1 Stutzflügel, Kommoden,
Sekretäre, ferner Ladenſchränke, Theken, 7 eiſerne
Samen=
behälter, 1 Halbverdeck, 1 Nähmaſchine, 1 Durchnähmaſchine,
1 Sohlenſtanze und 4 Mille Zigarren
zwangsweiſe verſteigert.
(22477
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher.
Georgenſtraße 11, I.
DDie bei Errichtung eines
An=
baues an das Keſſelhaus des
Gaswerks vorkommenden Maurer=
und Zimmerarbeiten ſollen
ver=
geben werden. Bedingungen liegen
bei dem unterzeichneten Amte
Grafenſtraße No. 30, Zimmer No. 9,
offen. Angebote ſind bis Dienstag,
den 5. November 1912, vormittags
10 Uhr, einzureichen. (*2374si
Darmſtadt, am 25. Okt. 1912
Stadtbauamt.
Buxbaum.
Die Ausführung der
Schreinerarbeiten
ſowie der elektriſchen Licht= und
Klingelanlage für die Häuſer
Bis=
marckſtraße Nr. 38 und 40 durch
hieſige Uebernehmer ſoll vergeben
werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Mittwoch, 6. November 1912,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(22389oi
Darmſtadt, 26. Oktober 1912.
Stadtbauamt.
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Gebäude und Grundſtücke.
Im Anſchluß an unſere
Be=
kanntmachung vom 9. Oktober 1. J.
teilen wir mit, daß noch der
In=
ſtallationsmeiſter Joh. Büttner,
in Firma Ludwig Kling & Co.,
Rheinſtraße 17, vom Hern
Ober=
bürgermeiſter die Erlaubnis zur
Einrichtung von Gasbeleuchtungs=,
Heiz=und Kraſtanlagen im Innern
der Gebäude und Grundſtücke,
welche an das Rohrnetz des
ſtädti=
ſchen Gaswerks angeſchloſſen
wer=
den ſollen, erhalten hat, nachdem
er ſich bei der unterzeichneten
Ver=
waltung verpflichtet hat, alle dieſe
Einrichtungen unter
Zugrunde=
legung und gewiſſenhafter
Beobach=
tung der hierfür erlaſſenen
Be=
ſtimmungen und Vorſchriften aus=
(22420id
zuführen.
Darmſtadt. 26. Oktober 1912.
Städtiſche Gaswerksverwaltung.
Friedrich.
Dünger=Verſteigerung.
Am Samstag, denl2.
Novem=
ber ds. Js., um 9 Uhr
vormit=
tags, wird im Hofe der Artillerie=
Kaſerne am Beſſunger Weg die
Matratzenſtreuaus dem
Remonte=
ſtall öffentlich und meiſtbietend
verſteigert. (22459im
Darmſtadt, im Oktober 1912.
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Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Oktober 1912.
Nummer 255.
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Oeffnungszeiten des Lesesaals vom
1. November bis 1. Mai
Vormittags 8½—12½ Uhr täglich außer Sonntag,
Nachmittags 3—5½ Uhr täglich außer Samstag und
Sonntag,
Abends 8—10 Uhr am Montag und Freitag.
Die Abendſtunden der Bibliothek ſollen vor allem denjenigen
Intereſſenten, die tagsüber im Beruf ſtehen, Gelegenheit zur
Be=
nützung unſerer Sammlungen geben. Neben Bibliothek und
Vor=
bilderſammlung iſt auch die Patentſchriftenſammlung während der
Abendſtunden zu benützen.
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Sonntag, den 3. November
in sämtlichen Räumen des Kaisersaals, Grafenstrasse
Vorm. 10 Uhr: Geschäfts-Stenogr.-Prüfung.
„ 10½ „: Vertreter-Versammlung.
Nachm. 2½ „: Wettschreiben (60, 80, 100 usw.
Silben) für Mitglieder.
„ von 5 Uhr an: Abendunterhaltung mit
Preis-
verteilung.
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Bezirk Darmstadt des Hessisch-Nassauischen Stenographen-
Verbandes
Paul Kratzsch, Wittmannstrasse 31.
Badener Verem Darmstaut.
Mittwoch, den 30. Oktober 1912, 8½ Uhr abends,
im Mathildenhöhſaal, Dieburgerſtr. 26
Reiſe=Lichtbilder=Vorführung
durch Herrn Louis Geist
Südfrankreich, Riviera, Dolomiten etc.
Gäſte ſind willkommen.
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Der Vorstand.
eneringenhure. Sete. Me. ate. eneht Schter. Drntut.
Saal „Zur Traube‟
Dienstag, den 29. Oktober 1912, pünktlich 8 Uhr
Einmaliger Klavier-Abend
von
reiemäqde Lambrinie
Programm: Schumann, Toccata op. 7; Fantasie C-dur op. 17.
Scriäbine, Sonate Fis-moll op. 23 (zum 1. Male!). Debussy, Réflets
dans Teau. Albeniz, Triana (zum 1. Male!). Liszt, Au bord d’une
source; Irrlichter; Mephisto-Walzer.
Konzert-Flügel: Julius Blüthner aus dem Pianolager
A. W. Zimmermann (L. Schweissgut), Hoflieferant, Rheinstr. 15.
— u. 1.— bei Georg Thies
Karten à Mk. 4.—, 3.—
Nachfolger (Leopold Schutter), Hofmusikalien- und
Piano-
handlung, Elisabethenstr. 12, sowie an der Abendkasse.
Ausnahmslos keine Freikarten.
(22142dsi
Konzertagentur: Georg Thies Nachf., Leopold Schutter.
Samstag, 2. November 1912, abends 8 Uhr:
Saal „Zur Traube
Bobert Aoche
Zur Laute:
Alte deutsche Volkslieder und Balladen aus
4 Jahrhunderten mit ihren alten Singweisen.
Karten à Mk. 4.—, 3.—, 2.— und 1.— in der
Hof-
musikalien- u. Pianohandl. G. Thies Nachf., L. Schutter,
Elisabethenstr. 12, sowie an der Abendkasse. (22485ids
Marfurt
Der Krieg zwiſchen den Balkanſtaaten und der Türkei bewegt in den letzten Tagen die
Gemüter von ganz Europa.
Mit beſonderer Heftigkeit wird dieſer Krieg geführt und täglich leſen wir von einer großen
Zahl der auf dem Feld der Ehre Gefallenen und Verwundeten. Von allen nicht direkt an dem
Krieg beteiligten Nationen eilen den Verwundeten Abteilungen des Roten Kreuzes und
Hilfs=
expeditionen zu, die aber zum größten Teil den Gegnern zu Gute kommen. Während die türkiſchen
Soldaten nach vier Fronten zu kämpfen haben, treten ſomit unerwartet große Anforderungen an
die Geſellſchaft des Türkiſchen Roten Halbmondes heran. Der Rote Halbmond, eine nach den
Grundſätzen der Genfer Konvention zu wirken entſchloſſene Geſellſchaft, befindet ſich noch im erſten
Stadium ſeiner Entwicklung und hat ſein beſtes Material im Frühjahr dieſes Jahres nach Tripolis
geſandt, während ihm dadurch jetzt auf dem europäiſchen Kriegsſchauplatz das Notwendigſte zur
Verpflegung der Verwundeten fehlt. Einrichtungen zur Behandlung von Verwundeten und Kranken
nach den Vorſchriften unſerer jetzigen Wiſſenſchaft ſind nur in ganz ſpärlichem Umfange vorhanden.
Es fehlt vielfach an Inſtrumenten, Arzneien und Verbandsmitteln, ebenſo an geeignetem Perſonal,
welches dieſe Hilfsmittel ſachgemäß verwenden kann. Die Geſellſchaft des Roten Halbmondes iſt
deshalb auf die Unterſtützung aller mildtätigen Mitmenſchen angewieſen, um wenigſtens die
aller=
notwendigſte Hilfe den Verwundeten angedeihen laſſen zu können.
Aus dieſem Grunde habe ich auf meiner Kanzlei eine Kollekte eröffnet, deren Erträgniſſe
ſofort an die Adminiſtration des Roten Halbmondes abgeführt werden ſollen. Ich bitte ergebenſt,
mir Spenden jeder Art, vor allem aber Geldmittel zur Beſchaffung wirklich geeigneter Mittel
zur Krankenpflege zukommen zu laſſen. Jeder auch noch ſo kleine Betrag wird um ſo willkommener
ſein, je raſcher er dargeboten wird, denn doppelt gibt, wer raſch gibt.
Ueber die eingegangenen Beträge werde ich nach Schluß der Kollekte öffentlich an gleicher
Stelle quittieren.
(22425
Im Namen der
Assochation Ottomane du Croissant Rouge:
Georg Krebs
Kanzleiſtunden:
1 Uhr, 4—7 Uhr.
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Donnerstag, 31. Okt. 46. Ab.=
Vorſtell. B 12. „Der Schmuck
der Madonna.” Gewöhnliche
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Freitag, 1. Nov. 47. Ab.=Vorſt.
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von Windſor.” Kleine Preiſe.
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Nummer 255.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Oktober 1912.
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58)
Ich habe ſchöne, wunderſchöne Träume gehabt. Die
Stimme, die es ſprach, zitterte, und unter den geſenkten
Augenlidern rannen heiße Tropfen hernieder.
Aber liebe, liebe gnädige Frau, nicht aufregen, bitte
bitte! Jetzt wollen wir einmal die Augen ſchließen und
ein wenig ruhen!
Ach ja! Gehorſam wie ein Kind, legte Frau von
Leer=
ſen den Kopf zurück. Vielleicht — träume ich wieder!
Aber ſchon nach ein paar Minuten richtete ſie ſich
wieder in die Höhe. Es ſchien ihr etwas eingefallen
zu ſein.
Liebe Schweſter, bitte, geben Sie mir doch noch
ein=
mal die Schale her mit den Karten, die man während
meiner Krankheit für mich abgegeben hat! Einen Beſuch
hatte ſie ja wegen der Anſteckungsgefahrt nicht empfangen
dürfen.
Schweſter Gertrud reichte ihr das Gewünſchte.
Langſam ſah Frau von Leerſen ſie alle durch und las
die Worte, die darauf ſtanden. Es war eine große Zahl
von Karten mit konventionellen Verſicherungen der
Teil=
nahme von den erſten Familien der Stadt. Auch
Durch=
laucht hatte ſich mehrfach nach ihrem Befinden durch ſeinen
Kammerherrn erkundigen laſſen, wie aus deſſen
gleich=
falls abgegebenen Karten hervorging. Und doch ſchien es,
als ſuchte die Kranke nach etwas, was ſie nicht fand. Mit
einem Seufzer reichte ſie endlich der Schweſter die Schale
zurück.
Und hiergeweſen iſt ſonſt niemand? fragte ſie ſinnend.
Nein — oder doch! Beinahe hätte ich das ja ganz
vergeſſen! Täglich, ſeit Exzellenz hier ſind, kommt ein alter
weißhaariger Herr zur Oberſchweſter Marie und erkundigt
ſich nach Ihnen. Ja, oft bin ich ſogar hinuntergerufen
worden zur Oberſchweſter und mußte ſelbſt berichten, wie
es gehe. Es muß wohl ein naher Verwandter von
Ex=
zellenz ſein, denn er nahm großen Anteil an allem, was er
erfuhr und war ſehr aufgeregt.
Wie ſagten Sie, liebe Schweſter? Ein alter,
weiß=
haariger Herr? Beſchreiben Sie mir ihn doch näher, bitte
Und Schweſter Gertrud beſchrieb Zug um Zug Herrn
Jerling, ſein Ausſehen, ſeinen Gang, ſeine Stimme, ſeinen
Anzug ſogar, ohne daß Frau von Leerſen trotz allem
Nach=
ſinnen erraten hätte, wer es war. Ich ſpring raſch mal
zur Oberſchweſter, gnädige Frau, und frag nach dem
Namen. Dann ſind wir aus allem Zweifel heraus.
Nach ein paar Minuten ſchon war ſie wieder da.
Jerlich heißt er! Nein, Jerling.
Jerling? Ganz, ganz langſam ſprach Frau von
Leer=
ſen den Namen nach, und eine Blutwelle überzog ihre
bleichen Wangen. Jerling — ja, — nun, nun weiß ich es,
wer es iſt, liebe Schweſter! Ich danke Ihnen.
Jerling! Das alſo war offenbar der einzige Menſch,
der aus wirklicher perſönlicher Teilnahme den Weg in ihre
ſchmerzvolle Einſamkeit geſucht hatte!
Sie ſchloß die Augen und ſann nach. War ſie nicht
ganz allein ſelbſt ſchuld daran, daß ſie ſo verlaſſen, arm
und entkleidet aller Liebe in tiefſter Seele frierend
allein ſaß!
Karl Auguſts Benehmen in dieſen Tagen ihrer
ſchwe=
ren Krankheit hatte ihr die Augen geöffnet, und ſeit der
Tod drohend an ihrem Bett geſtanden hatte, war mit ihr
eine Wandlung vorgegangen. Sie war ſehend geworden,
aber was ſie ſah, erfüllte ſie mit nagender Reue. Ja,es
gab eine Vergeltung ſchon hier auf Erden! Und dieſe
rächende Vergeltung mußte ſie jetzt in ihrer ganzen
Bitter=
keit auskoſten! Es war ihr, wenn ſie auf ihr ganzes
Leben zurückblickte, als hätte eine böſe Macht ihr die
Augen verhüllt. Joachim und Chriſta hatte ſie in
frevel=
hafter Verblendung um Nichtigkeiten willen, die ihr einſt
als welterſchütternde Ereigniſſe gegolten hatten, von ſich
geſtoßen und all ihre Liebe verſchwenderiſch, dem einen
zugewandt, der dieſer Liebe unwürdig war. Aber wenn
ſie auch die liebloſe Handlungsweiſe ihres älteſten, von ihrt
vergötterten Sohnes bis ins innerſte Herz
verwundet=
hatte, ſie zürnte ihm nicht. Nein, ſie war nur traurig,
tieftraurig darüber und klagte ſich ſelbſt an, daß ſie wohl
die Urheberin des egoiſtiſchen Tuns und Handelns des
eigenen Sohnes war, wie oft hatte ſie betont, daß Karl
Auguſt der unter ihren Kindern ſei, der ihr in ſeinem
Weſen und Fühlen am ähnlichſten war. Sie hatte keine
Liebe geſät, wie wollte ſie nun ſolche ernten? Aber
gut=
zumachen hatte ſie dieſes! Der Himmel hatte ihr drei
Kinder gegeben. Wo waren die beiden anderen? Und
demütig faltete die alte Frau die Hände, während es ſich
aus ihrem Herzen gleich einem ſtummen Gebet emporrang:
Gib mir noch eine Gnade für den Reſt meiner Tage, Herr!
Seite 14,
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Oktober 1912.
Nummer 255.
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Laß mich gutmachen und ſühnen, was ich an ihnen
ge=
ſündigt habe!
Mit gefalteten Händen ſaß ſie ſo, lange, lange.
Als gegen Abend der leitende Arzt des Hoſpitals zur
Viſite vorſprach, fragte ihn Frau von Leerſen, ob ſie ſchon
Beſuche empfangen dürfe.
Ei freilich, Exzellenz, wenn es ein willkommener iſt,
und er Ihnen Freude macht, erlaub’ ich es ſehr gerne!
Dann führen Sie morgen Herrn Jerling, wenn er
kommt, zu mir, liebe Schweſter. Ich möchte ihm perſönlich
für ſeine Nachfrage danken!
Zu ſeinem größten Erſtaunen erfuhr am nächſten
Tage Herr Jerling, als er kam, daß Frau von Leerſen ihn
zu ſich bitten laſſe. Im erſten Augenblick war er
er=
ſchrocken und ſann einen Augenblick nach, was dieſe
un=
erhoffte Aufforderung wohl bedeuten möchte. Dann nickte
er zuſtimmend und folgte der vorausſchreitenden
Schwe=
ſter mit feſten Schritten.
Auge in Auge ſollte er jetzt der Frau gegenüberſtehen,
die einſt ſein Kleinod, ſein Kind in ſo herzloſer Weiſe
be=
ſchimpft und gekränkt hatte! Einen Augenblick ſtieg es in
ihm auf wie Haß und Trotz. Warum folgte er ihren
Rufen? Er brauchte ſie nicht! Was wollte ſie von ihm?
Aber kaum, daß der Gedanke ausgedacht war, ſchämte er
ſich ſeiner. Nein, in dieſem Augenblick durfte er nicht
klein ſein! Er durfte nichts Perſönliches, ihn allein
An=
gehendes hemmend zwiſchen das ſtellen, was wohl in
wei=
ſer Vorſehung das Geſchick ſandte.
Und dann, als er Frau von Leerſen ſah, wie ſie
zu=
ſammengeſunken, traurig und ernſt in den weißen Kiſſen
lehnte, wußte er es mit einem Male, daß dieſe Frau eine
andere war als jene, die ſo oft, hochmütig über ihn
hin=
wegſehend, als wüßte ſie nicht, wer er ſei, an ihm
vorüber=
gerauſcht war.
Eine von ſchwerer Krankheit Gebeugte, eine, die das
Unglück klein gemacht hatte, und der man Mitleid zollen
nußte, ſaß vor ihm und er fühlte, wie aller Groll aus
einem Herzen ſchwand.
Exzellenz haben gewünſcht.
Unſicher ſtreckte ſich ihm eine Hand entgegen, und eine
leiſe Stimme, der man die Verlegenheit anhörte, ſagte:
Ich wollte Ihnen danken — herzlich danken, Herr
Jer=
ling, für Ihre Anteilnahme. Schweſter Gertrud hat mir
geſagt, daß Sie ſich ſo oft nach mir erkundigt haben!
Herr Jerling ergriff die ſchmale Hand, die ſich ihm
entgegenſtreckte, und gab ſie nach kurzem Druck wieder
frei. Auch ſeine Stimme war nicht frei von
Befangen=
heit, als er ſagte:
Ich freue mich ſehr, daß es Exzellenz wieder beſſer
geht. Es war eine ſchwere Zeit, die Erzellenz
durchge=
macht haben.
Vielleicht hat ſie aber auch ihr Gutes gehabt, Herr
Jerling! Die Wege, die der Herr ſeine Kinder führt, ſind
oft wunderſam. Aber wollen Sie nicht Platz nehmen?
Schweſter Gertrud ſchob Herrn Jerling behend einen
Stuhl hin, nahm dem alten Herrn Stock und Hut aus
den Händen und entfernte ſich leiſe.
Frau Leerſens Blicke und die von Herrn Jerling
trafen ſich, hafteten ineinander und wichen ſich aus. Aber
keiner der beiden Menſchen fand den Mut, das zu ſagen,
was er dachte, und was ſein Herz in dieſem Augenblick
empfand.
Das feine, durchgeiſtigte Geſicht des alten Herrn, ſein
ganzes, ſich taktvoll in den Grenzen wohlerzogener
Höf=
lichkeit bewegendes Verlehmen wirkte ſympathiſch auf
Frau von Leerſen ein. Je mehr ſie mit ihm ſprach, wenn
auch nur von Dingen, die über die Alltäglichkeit nicht
hinausgingen, verriet er ſeine innere und äußere
Bil=
dung. Das alſo war der Vater des Mädchens, das
Joachims Weib geworden war! Frau von Leerſen fühlte,
daß ſie auch ihm viel abzubitten hatte!
Aber nichts Perſönliches war in dieſem Geſpräch
be=
rührt, und noch war es von beiden Seiten ein
vorſich=
tiges Sondieren, ein leiſes, kaum merkliches Vorrücken
nach ein und demſelben Ziel.
Als nach einer kleinen halben Stunde ſich Herr
Jer=
ling erhob und ſich von Frau von Leerſen verabſchiedete,
war es beiden zumute, als ſeien es nur flüchtige
Minu=
ten geweſen, die ſie zuſammen verplaudert hatten. Und
Frau von Leerſen ſelbſt bat den alten Herrn, bald
wie=
derzukommen.
Er tat es auch, und bald ſtellte er ſich täglich ein.
Un=
merklich wurde die Zeit ſeines Aufenthaltes an der
Seite der einſamen Frau immer länger, und in den Ton
höflicher Freundlichkeit miſchte ſich allmählich ein Klang
warmer Herzlichkeit.
Kein Wort aber ſchrieb von all dem, was er jetzt
er=
lebte, Papa Jerling nach Berlin. Nur daß Frau von
Leerſen ſich wieder auf dem Wege zur Geneſung befände,
hatte er ſofort gemeldet. Er wollte das Köſtliche, was
er kommen ſah, die Verſöhnung zwiſchen Mutter und
Kindern, erſt langſam ausreifen laſſen. Er war es, der
immer wieder von neuem ihre taſtenden Schritte auf
die=
ſem Wege Stufe für Stufe emporführte, und immer feſter
faßte Frau von Leerſen die Hand des treuen Führers, der
ſie geleitete.
Sie lernte ſein ganzes Leben, ſein Denken, ſein
Füh=
len aus ihren Unterhaltungen mit ihm kennen und damitz
etwas, wovor ſie ſtaunend und bewundernd haltmachte
den Adel der Geſinnung eines wahrhaft guten Menſchenn
Immer kleiner ward ihr Selbſtbewußtſein, und immer
mehr ſanken auch von ihrem Innern die Hüllen herahg
die falſcher Stolz und Menſchenverachtung um ſie gewos
ben hatten.
(Schluß folgt.)
Mit dem Einkellern der
Winter-Kartoffeln
tritt an jede Haushaltung die
Frage heran, ob die
erforder-
lichen Behälter vorhanden und
zur guten Erhaltung und
Auf-
bewahrung praktisch sind.
Eine epochemachende
Erfin-
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auseinandernehm-
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Kartoffelkiste
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Diese patentamtlich gesch. Kartoffelkiste bedeutet eine
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tat für jede Haushaltung.
Bei Einkellern von Kartoffeln muss von nun an die
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einandernehmbare Kartoffelkiste „Fortuna” in Anwendung
kommen.
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In der auseinandernehmbaren Kartoffelkiste „Fortuna” bleiben
die Kartoffeln stets trocken und faulen nicht.
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Frühjahr das Auskeimen der Kartoffeln.
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die Kartoffeln nie ihren guten Geschmack und behalten
immer ein gutes Aussehen.
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ihrer Einfachheit und praktischen Vorzüge so billig, dass
dieselbe auch von der allerärmsten Familie angeschafft
werden kann.
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Seite 16
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Oktober 1912.
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Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. Oktober 1912.
Nummer 255₰
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fanden am Sonntag nachminttag auf dem Griesheimer
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Frau Sonne einſtellte, bot der Rennplatz mit ſeinem
male=
riſchen Treiben ein feſtliches Bild. Wie üblich, waren
beſonders die Offizierskreiſe ſtark vertreten. Die elegante
Damenwelt war ebenfalls recht zahlreich erſchienen und
zeigte die neue Herbſt= und Wintermode. Die Rennen
verliefen ohne jeden Unfall im abwechslungsreicher und
intereſſanter Weiſe; ſie hatten jolgende Reſultate:
1. Griesheimer Jagdrennen; Diſtanz 3500
Meter, drei Ehrenpreiſe. Es ſtauteten fünf Pferde. Erſter
Rittmeiſter v. Schmelzing und Wernſtein auf
Midgham (Beſitzer), 2. Rittmreiſter v. Platen auf Janker
(Beſitzer Leutn, Freiherr v. Waldenfels), 3. Leutnant
v. Moßner auf Madame Foutſi (Beſitzer Reſerveleutnant
Wegener).
2. Reitpferd=Jagdrennen; Diſtanz 3000
Meter, drei Ehrenpreiſe. Es ſtarteten ſechs Pferde.
Erſter Oberleutnant v. Werneburg auf Daiſy (
Be=
ſitzer Freiherr Weſterweller v. Anthony), 2. Herr Paul
Heil auf King (Beſitzer O. Koch=Frankfurt a. M.),
3. Leutnant v. Willich auf Sonngnſchein (Beſitzer Freiherr
v. Waldenfels).
3. Jagdſpring=Konkurrenz; vier
Ehren=
preiſe. Dieſer Teil des Programms verlief ſehr intereſſant.
Es waren zu ſpringen: Ein weißes Koppelrick 1,10 Meter,
eine rote Mauer 1,10 Meter, ein Doppelſprung, zwei
weiße Gitter, je 1 Meter hoch, mit 8 Meter Abſtand ein
Graben von 2,50 Meter, mit kleiner Hürde davor, ein
Gittertor 1 Meter hoch, rechts und links Draht, zwei weiße
Koppelricks 1,20 Meter auseinander, je 1 Meter hoch. Für
frühere Sieger wurden die Hinderniſſe noch erſchwert.
Als Beſtqualifizierte gingen hervor: 1. Oberleutnant
v. Werneburg auf Royal Flutſh (Beſitzer), 2.
Ritt=
meiſter v. Ramdohr auf Z. II (Beſitzer), 3. Rittmeiſter
Wätjen auf Horridoh (Beſitzer), 4. Major Freiherr
v. Brandenſtein auf 7jähr. Fuchsſtute (Beſitzer).
4. Weiterſtädter Jagdrennen; Diſtanz
2500 Meter, um die Ehrenpraiſe, geſtiftet von den
Freunden des Sports aus Frankfurt a. M. Baan Pferde
ſtarteten. Erſter Leutnant Mertens auf Wotan
(Beſitzer), 2. Leutnant v. Oppem auf Zoé (Beſitzer),
3. Leutnant v. Schubeck auf Zola (Beſitzer).
5. Jagd mit Auslauf; Diſtanz 4000 Meter, drei
Ehrenpreiſe. Z= Pferde ſtarteten. Beim letzten
Hinder=
nis wird freigegeben und es entſpann ſich ein ſehr
ſpannen=
der Endkampf, aus dem als Erſter Graf v. Bredow
auf dem 7jährigen Wallach des Majors Freiherrn v.
Bran=
denſtein, 2. Leutnant v. Willich genannt v. Pöllnitz auf
Edelſtein (Beſitzer) und 3. Oberleutnant Freiherr v.
Bie=
geleben auf Verveine (Beſitzer) hervorgingen.
* Pferde=Rennen. Grunewald. Preis von
Ra=
benſteinfeld; 6200 Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Herrn
Thiels Gröfentonna (Shurgold), 2. Hexe (Archibald),
3. Delila (H. Teichmann). Tot. 45:10, Pl. 14, 12, 23:10.
Unpl.: Donners Bruder (4), Wahrheit, Goldamſel,
Maxi=
milian. Sicher, ½—¾ Lg. — Preis vom Lieſer; 13000
Mark, Diſtanz 2200 Meter: 1. Hertn E. Grunows
Hu=
bertus (Archibald), 2. Eiſenmenger (Jentzſch), 3.
Okto=
phus (Shurgold). Tot. 54:10, Pl. 18, 26, 23:10. Unpl.:
Eau de Cologne (4), Perilla, Miölnir, Flamingo,
Feſt=
tarok, Siam, Mansfeld, Morena (erkl.), Bürgermeiſter.
Sehr ſicher, ¾—1½—2½ Lg. — Preis von Dallmin; 5000
Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Herrn A. v. Kaullas
L’Amour (Shurgold), 2. Reichsanwalt (Spear), 3. Rama
(W. Bullock). Tot. 44:10, Pl. 19, 54, 97110. Unpl.: Planet
(4), Fagott, Ger, Dryde, Katarakt, Blücher, Grünrock,
Diamant, Thermometer. Kanter, 2—1½ Lg. — Feſta=
Rennen; 13000 Mark, Diſtanz 1800 Meter: 1. Herrn
v. Weinbergs Orkade (Archibald), 2. Induſtrie (W.
Bul=
lock), 3. Margarethe (Shurgold). Tot. 18:10, Pl. 14, 14,
15:10. Unpl.: Maruſchka (4), Siskin, Heloiſe, Roſella,
Harzroſe. Sehr leicht, 2—1½— Lg. — For Ever=Rennen;
7200 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Herrn A. v. Kaullas
Rowdy (Shurgold), 2. Pirol (Fox), 3. Majeſtic (
Archi=
bald). Tot. 61:10, Pl. 28, 27110. Unpl.: Blumenſegen
(4), Saul. Leicht, ¾—/ Lg. — Preis von Langenbielau;
5000 Mark, Diſtanz 1800 Meter: 1. Herren E. und G.
Bug=
genhagens Joſeph I (Schläfke), 2. Labrador (Lane), 3.
Pazifik (Gagelmann). Tot. 76110. Pl. 24, 16, 29110.
Un=
plaziert: Teſta, Spotleß, Pikkolo, Gardeſtern, Haſcham (4).
Ueberlegen, 3—2½—1½ Lg. — Abſchieds=Handikap; 5000
Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Frhrn. S. A. v. Oppenheims
Rien ne va plus (Archibald), 2. Monolog (Davies), 3.
Baſalt II (H. Teichmann). Tot. 32110, Pl. 19, 78, 35:10.
Unpl.: Rouſſeau (4), Leiſetreter, Quodlibet, Fröhliche
Zeit, Imperator, Kaliban, Ortrecht, Kaſa, Erle, Wad,
Bora, Methuſalem. Ueberlegen, 2—¾ Lg.
München. Preis von Ulm; Ehrenpreis und 1500
Mark, Diſtanz 3600 Meter: 1. Leutn. Hermanns Giborg
(Leutn. Graf v. Crailsheim), 2. Ray o’Liaht (Leutn.
Zelt=
mann), 3. Wetterfeſt (Lt. v. Bonnet). Tot. 39110. Drei
liefen. 3 Lg.-Weile. — Preis von Erding; 1500 Mark,
Diſtanz 2200 Meter: 1. Graf Arco Zinnebergs In Dubio
(Jeſſop), 2. Geraldine (Wedgewood). Tot. 13110. Zwei
liefen. 8 Lg. — Preis von Oberföhring; Ehrenpreis
und 1500 Mark, Diſtanz 3200 Meter: 1. Herrn Blatts
Eil=
bote (Lt. v. Bonntet), 2. Girlamund (Herr v.
Weſtern=
hagen), 3. Vor (Lt. Krieger). Tot. 14110, Pl. 11, 13110.
Unpl.: La Tour. 12—10 Lg. — Verloſungs=Handicap:
4000 Mark, Diſtanz 4000 Meter: 1. Herrn Noethers Druid
Hill (Unterholzner), 2. Quids (Fiſcher), 3. Rockledge
(Matz). Tot. 17.10, Pl. 12, 15:10. Unpl.: Fifth Ace. 5 bis
2½ Lg. — Hubertus=Jagd=Rennen; Ehrenpreis und 2000
Mark: 1. Herrn v. Teuffels Saint Croß (Beſ.), 2. Sea
Gul (Beſ.), 3. Muſinam (Lt. v. Crailsheim). Tot. 21:10,
Pl. 14, 17, 29110. Unpl.: Bogar, Rallywood, Fizzi,
Garibaldi, Knörzer, Sumblima, Lacrima, Hubertus (4),
Gretl, Iriſh Tom, Dal. 3 Lg.-Weile. — Abſchieds=
Flachrennen; 2500 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Stall
Hollands Sharper (Jeſſop), 2. Kronſtadt CCannon),
3. Samiel (Matz). Tot. 37110, Pl. 22, 21, 19110. Unpl.:
Leſter Jim, Ukas, Glücksritter, Nikolaus X.,
Dürk=
heim (4), Donna Mobile. 5—2½ Lg.
München. 1. Rennen: 1. Cerelo (Beſ.), 2. Donna
Mobile (Lt. v. Crailsheim), 3. Girlamund (Beſ.). Tot.
12110, Pl. 12, 23:10. Unpl.: On Guard (4), La Tour.
2½—5 Lg. — 2. Rennen: 1. Sonnenblick (Matz), 2. Spezi
(Schuller), 3. Macka (Miſchon). Tot. 56110, Pl. 14, 14,
13:10. Unpl.: Mattiacum (4), Kneißel, Veit, Vor. 2 bis
2½ Lg. — 3. Rennen: 1. Alexandrowna (Lt. v. Bonnet),
2. Bauernfänger (Lt. v. Egan=Krieger), 3. Mon Cheri
(Lt. Hutſchenreuther). Tot. 119110, Pl. 23, 19, 20110.
Unpl.: Leb fidel, Lyre d’Airain, Cape Floreizel,
Ahala=
tive, Veracruz. 6—2 Lg. — 4. Rennen: 1. Scotsgap
(Kühl), 2. Cabin (Matz), 3. Avoncroft (Mew).‟ Tot.
16110, Pl. 13, 20110. Unpl.: Iturbide, Grande Ourſe,
Mercury. 6—8 Lg. — 5. Rennen: 1. David II (Lt.
Meyer=
hofer), 2. Wetterfeſt (Lt. v. Bonnet), 3. Princeß Cliff
(Beſ.). Tot. 16:10, Pl. 15, 16:10. Unpl.: Tutbury (gef.).
Kopf-Weile. — 6. Rennen: 1. Les Graviers (
Wedge=
wood), 2. Partiſan (J. Schuller), 3. Ukas (Brumm). Tot.
23:10, Pl. 14, 23:10. Unpl.: Ludwigsfeld, Fakir,
Niko=
laus F. 3—3 Lg.
Dortmund. Hagen=Jagd=Rennen; 2000 Mark,
Diſtanz 3000 Meter: 1. Lt. Winterers Kale (Kühl), 2.
Mo=
bile (Weishaupt), 3. Pomerol (H. Brown). Tot. 26:10,
Pl. 12, 19, 13:10. Unpl.: La Sylvie, Binty, Sternbild
(angeh.), Wild Nut, Malotru, Engadi (4), Rowdy,
Ty=
nie Bay (gef.). Sicher ¾—5—4 Lg. — Frondeur=Jagd=
Rennen; Ehrenpreis und 2500 Mark, Diſtanz 4000 Meter:
1. Herrn A. Schürmanns Saint Rules (Lt. Knel), 2. Gay
Paris (Beſ.), 3. Ballette (Beſ.). Tot. 16110, Pl. 13,
22110. Unpl.: Little Ben (4), Kingsway. Leicht 1½—3—6
Längen. — Wallrabe=Jagd=Rennen; 2100 Mark, Diſtanz
3400 Meter: 1. Herrn R. Then=Berghs Iriſh Lad (Dyhr),
2. Chicard (H. Brown), 3. Saint Diſtaff (Hammer). Tot.
8:10, Pl. 23, 18, 44:10. Unpl.: Marder (4), Roſy,
Blu=
menhanne „Faultleß, Viel Vergnügen, Oblat, Leoville,
Mourlan. Sehr leicht 2—¾ Lg. — Herbſt=Preis; 10000
Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Herrn E. Bödeckers Rekrut
(Hammer), 2. Bilbao (Weishaupt), 3. Niſſa (Kühl). Tot.
88:10, Pl. 23, 22, 22:10. Unpl.: Fliege, Earl (gef.),
Grune=
wald, Kommandant, Jap, Zero I, Lichtenſtein (4),
Schuh=
plattler. Ueberlegen 4—3—1½ Lg. — Hubertus=Jagd=
Rennen; Ehrenpreis und 2000 Mark, Diſtanz 3500 Meter:
1. Rittmeiſter v. Maſſows Delthorpe (Lt. Freyer),
2. Dublin Fuſilier (Lt. v. Schönborn), 3. Cipris II (Beſ.)
Tot. 51:10, Pl. 24, 20110. Unpl.: Hold Up II, Bracke (4),
Bodger II. Leicht 2—6 Lg. — Hunters=Flachrennen;
Ehrenpreis und 2000 Mark, Diſtanz 3200 Meter: 1. Herrn
L. Daenſels Erſtling (Lt. Knel), 2. Lynch Law (Lt.
v. Schönborn), 3. Florimond Robertet (Lt. Brühl). Tot.
76110, Pl. 29, 21110. Unpl.: Kings Bye (4), Gargamelle,
Tenedos. Sicher 3—5 Lg.
Dresden. Verkaufs=Hürden=Handikap; 2500 Mark.
Diſtanz 3000 Meter: 1. Herrn H. Weſtens Dakota
(Fritſche), 2. Adelsberg (Prater), 3. Nihiliſt (Newey).
Tot. 14:10, Pl. 19, 23, 15:10. Unpl.: Alante (4), Südpol,
Clara (erkl.), Douceur, Omega II. 3—5—3 Lg. — Preis
von Rödern; Ehrenpreis und 2000 Mark, Diſtanz 2000
Meter: 1. Prinz A. Taxis’ Aladin (Lt. Streſemann),
2. Marius (Herr Purgold), 3. Phönix (Lt. v. Zangen).
Tot. 35:10, Pl. 16, 18, 38:10. Unpl.: Petrucchio (4),
Sigis=
mund, Lerobi, Orſini, Daſh, Preisfrage. Sehr ſicher
1½ Lg.-Hals. Preis von Frankenthal: 3000 Mark,
Diſtanz 3500 Meter: 1. Herrn G. Nettes Miasma (
Prin=
ten), 2. Eo ipſo (Prater), 3. Beſſy (Laſſe). Tot. 19110
Pl. 13, 18, 28:10. Unpl.: Douceur (4), Sprühfeuer,
Liver=
pool, Rothaut. Kampf, Kopf-1½ Lg. — Hubertus=Jagd=
Rennen; Ehrenpreis und 3500 Mark, Diſtanz 4000
Me=
ter: 1. Lt. Martins Haſchiſch (Beſ.), 2. Nowron (Lt. Graf
Strachwitz), 3. Yamethen (Herr Purgold). Tot. 111110,
Pl. 27, 18, 38110. Unpl.: Kebty, Chauri, The Sinner,
Alice, Jiu=Jitſu, Lola Beeth. Sehr ſicher 2—¾—1 Lg.
— Preis von Blaſewitz; 2500 Mark, Diſtanz 1200 Meter:
1. Major Graf Wuthenaus Gaboriau (Brederecke),
2. Naſeweis (Yeomans), 3. Ruſtic (Drechsler). Tot.
37110, Pl. 28, 16, 32110. Unpl.: Scharnhorſt (4),
Prinz=
gemahl, Flower ſeller, Sodom, Silvia. Sehr ſicher ¾ Lg.
bis Kopf-Hals. — Preis von Struppen; 4000 Mark
Diſtanz 1500 Meter: 1. Herrn F. Caßlers Mars (Naſh),
2. Stradella (Smith), 3. Carino (Martin). Tot. 97110,
Pl. 37, 50, 55:10. Unpl.: Quirl (4), Kakadu I, Gernot,
Vilja, Barbaroſſa, Ria, Königsleutnant, Peking, Julius
Cäſar, Feſtivia. Leicht ¾ Lg.-Kopf-Hals.
Rathenow. 1. Rennen: 1. Scherz (Beſ.), 2. Gefa
(Beſ.), 3. Udo (Lt. v. Falkenhauſen), Tot. 18:10. Drei
liefen. 12 Lg. — 2. Rennen: 1. Vorwärts (Beſ.), 2.
Cha=
ris (Beſ.), 3. Arabyos III (Lt. v. Uskar). Tot. 14:10,
Pl. 16, 40:10. Unpl.: Ingo, Gratz. 6—4 Lg. — 3.
Ren=
nen: 1. Mark Gamp (Beſ.), 2. Brookdale (Beſ.), 3.
Poſ=
ſible (Lt. v. Falkenhauſen). Tot. 14:10, Pl. 18, 22:10.
Unpl.: Ugolino (gef.), Ellanette. 5—3 Lg. — 4. Rennen:
1. Pickey (Beſ.), 2. Snowdons Knight (Lt. Graf Hohenau),
3. Vox (Lt. v. Hohberg). Tot. 16110, Pl. 12, 14:10. Unpl.:
Judelle II, Fakſimilie (gef.). 1—10 Lg. — 5. Rennen:
1. Ella (Beſ.), 2. Wolfsburg (Beſ.), 3. Zum Geier (Beſ.):
Tot. 12110, Pl. 18, 34:10. Unpl.: Ilka, Loki, 1—1 Lg.
Das Graf Hugo Henckel=Memorial, die
letzte große Zweijährigen=Prüfung Oeſterreich=Ungarns,
bildete am Sonntag die Hauptnummer der Rennen zu
Wien. Die mit 23000 Kronen ausgeſtattete, über 1600
Meter führende Prüfung wurde von zehn Pferden
be=
ſtritten und nahm einen unerwarteten Ausgang. Die
vielgewetteten Blondel, Motual und Salvator vermochten
keine Rolle zu ſpielen und endeten im geſchlagenen Felde.
Fürſt L. Lubomirskis Mosci Kſiaze (Winkfield) gewann
ſicher mit anderthalb Längen gegen Fürſt Hohenlohe=
Oehringens Rock Cryſtall (Marſh), fünf Viertellängen
zurück folgte deſſen Stallgefährtin Mauli II (Shaw) als
Dritte. Tot. 59110, Pl. 44, 170, 95.20. Mosci Kſiaze
beſitzt im nächſten Jahre zwei deutſche Engagements, und
zwar in Baden=Baden im Fürſtenberg=Memorial und im
Großen Preis.
* Radrennen. Bei den Abſchiedsrennen in Zürich
hatten die deutſchen Rennfahrer Stellbrink und
Günther ſchöne Erfolge zu verzeichnen. Arthur
Stell=
bring ſiegte auf Continental=Pneumatik im 10 Kilometer=
Rennen in 7 Minuten 59 Sekunden mit 190 Meter
Vor=
ſprung vor Miquel und 280 Meter Vorſprung vor
Günther. Auch das erſte Halbſtunden=Rennen gewann
der Berliner und ſtellte dabei mit 38,800 Kilometer einen
neuen Bahnrekord auf. Günther brachte es auf 38,630
Kilometer, der Franzoſe Miquel auf 38,250 Kilometer.
Im zweiten Halbſtunden=Rennen kam Stellbrink durch
einen Defekt um einen Sieg. Günther beendete die
Kon=
kurrenz mit 38,660 Kilometer als Erſter vor Miquel mit
38,200 Kilometer und Stellbrink mit 35,660 Kilometer.
Die Rad=Rundfahrt Rund um die
Lom=
bardei ging am Sonntag bei prächtigem Wetter zum
achten Male vor ſich. Die 235 Kilometer lange Strecke
führt von Mailand über Legnano, Pareſe, Brinzio, Como,
Lecco, Bergamo, Gorgonzola nach Mailand zurück. An
dem Rennen nahmen auch zwei deutſche Fahrer, die
bei=
den Berliner Aberger und Schallwig, teil. Während
Schallwig im Verlauf des Rennens zu Fall kam, endete
Aberger als Zweiunddreißigſter, und zwar 78 Minuten
nach Ankunft des Siegers, Die Gebrüder Suter, die
ebenfalls gemeldet hatten, nahmen am Rennen nicht teil.
Sieger blieb Oriani in 7 Stunden 30 Minuten im
End=
ſpurt vor Verde, dem bekannten franzöſiſchen
Sechstage=
fahrer Brocco Toricelli und Agoſtoni.
Waſſerball. Das Donnerstag im Schwimmbad zwiſchen
dem Schwimmklub Jung=Deutſchland und der Schwimm=
Abteilung des Fußballklubs Olympia ausgetragene
Wett=
ſpiel endete mit 5:3 für die Fußballer. Bei Halbzeit ſtand
das Spiel, das unter der Leitung des Herrn Rechtsanwalt
Dr. jur A. Bopp vor ſich ging, 2:2. Die größere Ausdauer
und der beſſere Schuß der Fußballer ergaben einen
ein=
wandfreien Sieg für Olympia.
* Fußball. Bei den am Sonntag zum Austrag
ge=
kommenen Verbandsſpielen der Klaſſe A mußte ſich der
Darmſtädter Sportklub 1905 in Frankenthal eine
Nieder=
lage mit 3:0 Toren gefallen laſſen. Die 2. und 3.
Mann=
ſchaften des Sportklubs konnten die gleichen des hieſigen
Fußballklubs „Olympia” mit 4:2 und 1:0 Toren
abferti=
gen. Die 4. Team gewann ebenfalls mit 211 Toren gegen
die dritte des Fußballklubs Bensheim 1907.
* Hockey. Hockey=Wettſpiele Leipzig=Berlin.
Der Berliner Hockey=Klub hatte am Sonntag auf ſeinem
Sportplatz in Dahlem den Leipziger Sport=Klub mit drei
Mannſchaften zu Gaſte. Wider Erwaxten verſagten die
Mannſchaften des Berliner Meiſters auf der ganzen
Linie. Das Eröffnungsſpiel der zweiten Mannſchaft
er=
gab einen leichten Sieg von Leipzig mit 733. Die
Ber=
liner Mannſchaft ſchoß zwar in der erſten Spielhälfte
drei Tore, denen der Gegner nichts entgegenſtellen konnte:
Nach der Pauſe war aber Leipzig glatt überlegen und
errang durch ſieben Tore einen leichten Sieg. Mit
gro=
ßem Intereſſe ſah man der Begegnung der
Damenmann=
ſchaften entgegen, die in ihren ſchmucken Koſtümen ſich
recht vorteilhaft präſentierten. Es war überraſchend, mit
velchem Eifer auf beiden Seiten geſpielt wurde, wenn
auch die Leipziger Damen ihren Gegnerinnen an Technik
und Schuß=Sicherheit weit überlegen waren. In der
Berliner Mannſchaft zeichnete ſich die Torhüterin Frau
Funk aus, trotzdem ſie den Ball neunmal paſſieren laſſen
mußte. Das einzige Tor für Berlin kam durch einen
Durchbruch zuſtande. — In dem Spiel der erſten
Mann=
ſchaft enttäuſchten die Berliner Spieler ſtark.
Aller=
dings war ihre Mannſchaft durch Erſatz geſchwächt. Bis
zur Pauſe fielen in gleichmäßigen Zwiſchenräumen fünf
Tore. Nach Halbzeit zeigte der Berliner Meiſter ein
heſſeres Können und vermochte zwei Tore aufzuholen,
denen Leipzig noch eins entgegenſtellte. Leipzig ſiegte
ſomit 6.2.
Die Berliner Hockey=Spiele um die
Ver=
bandsmeiſterſchaft brachten am Sonntag zwei Treffen.
Wider Erwarten konnte S. C. Charlottenburg nur ein
unentſchiedenes Reſultat von 3:3 (0:3) gegen den
Wil=
mersdorfer Sport=Klub erzielen. Die Charlottenburger
Mannſchaft enttäuſchte in jeder Beziehung. — Der
Ber=
liner Sport=Klub beſiegte nach einem überaus
überlege=
ten Spiele den Tennis= und Hockey=Klub Friedenau mit
670 (3:0). — Im Geſellſchaftsſpiel ſiegte Teutonia mit
3:1 (4:1) über Tennis=Boruſſia.
Bei Madenverstimmungen
und jedem unbehaglichen Befinden, verursacht durch Genuß
zu fetter Speisen oder Ueberladung des Magens usw., wie
überhaupt nach jeder Mahlzeit trinkt man gern einen guten
kräftigen Magenbittern, Branntwein usw. Wer sich nun
seinen Bedarf hierin mit den berühmten Original-Reichel-
Essenzen „Marke Lichtherz” selbst bereitet, kann diese
Ge-
tränke stets in bester Qualität im Hause haben, und spart
enorm gegenüber den im Handel befindlichen Getränken,
deren Preise häufig unverhältnismäßig hoch und die Qualitäten
bei weitem nicht von gleicher Güte sind,
Man lasse sich nicht durch Nachahmungen täuschen u. achte streng
auf Originalfl. mit „Marke Lichtherz” als Kennzeichen der Echtheit. Wo
nicht erhältlich, Versand ab Fabrik Oito Reichel, Berfin s0. —
Auf-
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