Abonnementspreis
Inſerate
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. vierkelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bes
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Die Taufe des Erbgroßherzogs Karl Auguſt
von Weimar fand am Freitag in Anweſenheit des
Kaiſerpaares unter großen Feierlichkeiten ſtatt. Das
Kaiſerpaar iſt am Samstag vormittag nach Berlin
zurückgereiſt.
Am Samstag iſt in Berlin das internationale
Uebereinkommen zur Regelung des
Aus=
ſtellungsweſens unterzeichnet worden.
Der franzöſiſch=ſpaniſche Marokkovertrag
iſt jetzt abgeſchloſſen.
Der frühere griechiſche Miniſterpräſident Dragumis iſt
von Griechenland zum Gouverneur von Kreta
ernannt worden und dort eingetroffen.
Amtlich wird gemeldet, daß Uesküb am Samstag
nach=
mittag van den ſerbiſchen Truppen
einge=
nommen worden iſt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.
Aerzte und Krankenkaſſen.
* Die Korreſpondenz des Verbandes der Aerzte
Deutſchlands zur Wahrung ihrer wirtſchaftlichen Intereſſen
ſchreibt: Die Verſtaatlichung des Arztweſens
in der Krankenverſicherung fordert neuerdings
der Betriebskrankenkaſſenverband in einer Schrift „Ueber
den augenblicklichen Stand der Arztfrage”, die in erſter
Linie zur Aufklärung der ſtaatlichen
Verſicherungs=
ſehörden dienen ſoll. Er hält dieſe Maßnahme für
unvermeidlich im Intereſſe der öffentlichen Wohlfahrt,
da die Beſchlüſſe der organiſierten Aerzteſchaft in hohem
Maße die Entwicklung und den Ausbau der Deutſchen
Krankenverſicherung hemmten; zum Beweis richtet er
heftige Angriffe gegen den Leipziger Aerzteverband. Zur
Abwehr hat deshalb dieſer Verband im eigenen Verlage
ſoeben eine Schrift „Ueber die Arztfrage in der
Krankenverſicherung” erſcheinen laſſen. Zunächſt
wird an der Hand der Reichsſtatiſtik der zahlenmäßige,
durch jedermann kontrollierbare Nachweis erbracht, daß
ſeit Beſtehen des Leipziger Aerzteverbandes die
finanzielle Lage der Krankenkaſſen ſich
ganz erheblich gebeſſert hat: ſo ſteigerte ſich zum
Beiſpiel das Vermögen derſelben von 1902—1910 von
173 Millionen auf 296 Millionen Mark, alſo um 71 pCt
in 8 Jahren, während die Mitgliederzahl der Kaſſen im
gleichen Zeitraum nur um 32 pCt. zunahm. Die
Reſerve=
ſonds erhöhten ſich in der gleichen Zeit von 158 Millionen
auf 268 Millionen Mark. Ferner wird nachgewieſen,
daß die freiwilligen Leiſtungen der Kaſſen, wie
Aus=
dehnung der Familienverſicherung, Gründung von
koſt=
ſpieligen Geneſungsheimen und Heilſtätten uſw.
neuer=
dings einen derartigen Umfang angenommen hat,
daß das Wachſen der Aufwendungen hierfür ſogar
in maßgeblichen Krankenkaſſenkreiſen mit ernſtlichen
Bedenken beobachtet wird. Schließlich werden an der
Hand von Jahresberichten und Dankſchreiben von
Kranken=
kaſſen zahlreiche Zeugniſſe veröffentlicht, die die
Durch=
führbarkeit der ärztlichen Forderungen rückhaltlos
an=
erkennen.
So wird der einwandfreie Beweis geliefert, daß
unter der Tätigkeit des Aerzteverbandes die Entwicklung
der Krankenkaſſen nicht nur nicht beeinträchtigt wurde,
vielmehr einen hohen Aufſchwung genommen hat
und daß die ärztlichen Forderungen ſich überall da als
durchführbar und ſegensreich für alle Beteiligte bewieſen
haben, wo die Kaſſen auf der Grundlage der
Gleich=
berechtigung Hand in Hand mit der ärztlichen
Organi=
ſation arbeiteten. Dieſes aber lehnt der
Betriebs=
krankenkaſſenverband ausdrücklich ab, wie aus
ſeinen Angriffen gegen den Aerzteverband und aus einem
Abkommen hervorgeht, nach dem ſich die großen
Kaſſen=
verbände im Herbſt 1911 geeinigt haben, allen
Forde=
rungen des deutſchen Aerztetages zur Regel der
Arzt=
frage einen einheitlichen Widerſtand entgegen zu ſetzen.
Daß es auf dieſem Wege zu einem endgültigen Frieden
zwiſchen Aerzten und Kaſſen niemals kommen wird,
liegt auf der Hand; umſomehr iſt es zu begrüßen, daß
nunmehr der Aerzteverband durch Veröffentlichung
zahl=
reicher wichtiger Dokumente der Oeffentlichkeit und den
Behörden Handhaben zur ſachgemäßen Beurteilung der
Arztfrage gibt. Seine Veröffentlichung würde ihren
Zweckterfüllen, wenn ſie der von Regierungsſeite in
Aus=
ſicht genommen Verſtändigung zwiſchen Kaſſen
und Aerzten förderlich wäre.
Invalidenverſicherung und
Angeſtellten=
verſicherung.
* Ein behördliches Communiqué führt aus: In den
Kreiſen der Privatangeſtellten (Werkmeiſter,
Betriebsbe=
amten, Bureauangeſtellten, Handlungs= und
Apothekerge=
hilfen, Lehrer und Erzieher, Bühnen= und
Orcheſtermitglie=
dern uſw.) herrſcht, wie zahlreiche Anfragen an die
beteilig=
ten Behörden u. Berufsfachvereine beweiſen, viel Unklarheit
darüber, ob nach Inkrafttreten des Verſicherungsgeſetzes
für Angeſtellte nebenher auch noch zwangsweiſe Beiträge
zur Invaliden= und Hinterbliebenenverſicherung zu leiſten
ſeien oder die Fortſetzung einer freiwilligen
Weiterverfi=
cherung praktiſchen Wert habe.
Dem gegenüber ſei darauf hingewieſen, daß alle bisher
zur „Invaliden= und
Hinterbliebenenver=
ſicherung” verpflichtet geweſenen Privatangeſtellten
ausnahmslos auch nach Beginn der „Angeſtellten=
Verſiche=
rung” ſolange verſicherungspflichtig bleiben, als ihr
regel=
mäßiger Arbeitsverdienſt 2000 Mark nicht überſteigt und
ferner, daß es nach wie vor für die zur freiwilligen
Wei=
terverſicherung Berechtigten vorteilhaft iſt, von dieſem
Rechte Gebrauch zu machen. Die weitverbreitete
Anſchau=
ung, daß im Rentenfalle (Invalidität, Alter uſw.)
entwe=
der nur die Invalidenverſicherungs= oder die
Angeſtellten=
verſicherungs=Renten, niemals aber beide nebeneinander.
gezahlt würden, iſt unrichtig. Denn das Ruhegeld auf
Grund des Verſicherungsgeſetzes für Angeſtellte ruht neben
Renten der Invaliden= und Hinterbliebenenverſicherung
nur inſoweit, als die Bezüge aus beiden Verſicherungen
einſchließlich etwaiger Nebeneinnahmen an Lohn oder
Ge=
halt aus irgend welcher gewinnbringender Beſchäftigung
den Jahresarbeitsverdienſt überſteigen der dem
Durch=
ſchnitt der 60 höchſten monatlichen Beiträge entſpricht.
Dieſe Höchſtbeträge, die nicht überſchritten werden dürfen,
belaufen ſich in den neun Gehaltsklaſſen der
Angeſtellten=
verſicherung auf 450, 700, 1000, 1325, 1750, 2250, 2750,
3500 und 4500 Mark. Die auf Grund des Angeſtellten=
Verſicherungsgeſetzes gewährten Renten für
Hinterblie=
bene ruhen neben Renten aus der reichsgeſetzlichen
Inva=
liden= und Hinterbliebenenverſicherung, ſoweit beide
zu=
ſammen drei Fünftel der vorbezeichneten Höchſtbeträge
überſteigen, ohne Rückſicht auf Einnahmen aus
gewinnbrin=
gender Tätigkeit.
Aus dem Geſagten geht zur Genüge hervor, daß das
Nebeneinanderlaufen beider
Verſicherun=
gen für die davon betroffenen Angeſtellten von
Vor=
teil iſt, und daß insbeſondere auch die Aufrechterhaltung
einer bereits beſtehenden freiwilligen Weiterverſicherung
in der Invaliden= und Hinterbliebenenverſicherung auch
für ſolche Angeſtellte, die von dem Verſicherungsgeſetz für
Angeſtellte betroffen werden, von erheblichem Wert iſt.
Auch für ſolche, die in früheren Jahren Marken geklebt
haben und deren Verſicherung wegen Unterlaſſung des
Weiterklebens nach Ueberſchreiten der Verdienſtgrenze von
2000 Mark bereits verfallen iſt, empfiehlt es ſich, die
ſei=
nerzeit aus der Verſicherung erworbenen und bis auf
wei=
teres ungültig gewordenen Rechte wieder zur
Anerken=
nung zu bringen. Das iſt bis zum 31. Dezember 1912 noch
ausnahmsweiſe ohne irgend welche Einſchränkung dadurch
möglich, daß der Verſicherungsberechtigte ſeine verfallene=
Karte oder die letzte Aufrechnungsbeſcheinigung bei der
Quittungskartenausgabeſtelle ſeines Wohnortes vorlegt, die
Ausſtellung einer neuen Karte mit folgender Nummer
be=
antraat und dann mit der Markenverwendung beginnt.
Die Wahl der Lohnklaſſe iſt dem Verſicherer freigeſtellt.
Sobald von neuem wieder 200 Wochenbeiträge geleiſtet
ſind, lebt die Anwartſchaft aus der früheren Verſicherung
auf.
Nach den Beſtimmungen der
Reichsverſicherungsord=
nung iſt vom 1. Januar 1913 ab die Erneuerung
erloſche=
ner Verſicherungen durch freiwillige Markenverwendung
nur in beſchränktem Umfange und unter Erſchwerung der
Bedingungen für die Wiedererlangung der Wartezeit
möglich. Beiſpielsweiſe kann vom genannten Tage ab
ein über 40 Jahre alter Angeſtellter eine erloſchene
Verſiche=
rung nur unter der Vorausſetzung wieder aufleben laſſen,
daß er früher ſchon mindeſtens 500 Marken verwendet hat,
und außerdem bedarf es zur Wiedererlangung der
An=
wartſchaft alsdann nicht wie jetzt 200. ſondern 500 neuer
Wochenbeiträge. Die bis zum 31. Dezember 1912 noch
vorhandene günſtige Gelegenheit zur Erneuerung einer
verfallenen Verſicherung ſollte jeder davon betroffene
An=
geſtellte ausnützen.
Deutſches Reich.
— Beſuch Giulianos in Berlin. Der
italieniſche Miniſter des Aeußern, di San Giuliano, wird
nach einer Information einer Korreſpondenz aus
diplo=
matiſchen Kreiſen am 4. November in Berlin eintreffen.
— Bundesrat und Fleiſcheinfuhr. Wie die
Berliner Neueſten Nachrichten erfahren, ſind die
Bera=
tungen im Bundesrat über die Maßnahmen zur
Milde=
rung der Fleiſchnot noch nicht abgeſchloſſen. Außer dem
württembergiſchen iſt auch ein hamburgiſcher Antrag zur
Erleichterung der Fleiſcheinfuhr eingegangen.
— Die Gebührenordnung der
Rechts=
anwälte. In der am 19. ds. Mts. ſtattgehabten
Kon=
ferenz im Reichsjuſtizamt, zu der zahlreiche Vertreter des
Deutſchen Anwaltsvereins erſchienen waren, um die Frage
der Beibringung von Material zur Prüfung einer
Abän=
derung der Gebührenordnung zu erörtern, erklärte, wie
wir hören, Staatsſekretär Dr. Lisco, daß die
Reichsregie=
rung in der Angelegenheit ſich abwartend verhalten werde,
bis die Rechtsanwälte ihrerſeits Vorſchläge über die
Bei=
bringung ſtatiſtiſchen Materials machen würden. Der
Deutſche Anwaltsverein dürfte zu dieſer Frage in der
dem=
nächſt ſtattfindenden Sitzung in Leipzig Stellung nehmen
und weiteres darüber beſchließen. Es wird demnach
ab=
zuwarten ſein, ob die Rechtsanwälte ihre bisherige
ab=
lehnende Haltung, die ſie gegenüber der Beantwortung
der ſeinerzeit von der Reichsregierung ihnen zugeſandten
Fragebogen eingenommen haben, aufgeben werden. Sollte
dies nicht geſchehen, ſo dürfte nach den Erklärungen der
Regierungsvertreter auch eine Abänderung der
Gebühren=
ordnung zunächſt nicht zur Prüfung gelangen.
Aus der ſächſiſchen Kammer. In der
Sitzung der 2. Deputation der Zweiten ſächſiſchen Kammer
für das Warenhausſteuergeſetz wurde die Warenhaus=
Umſatzſteuer mit 11 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Es
han=
delt ſich dabei um den § 59 der Regierungsvorlage, die
eine Umſatzſteuer bis zur Höhe von 2 Prozent des
Um=
ſatzes zulaſſen will.
Ausland.
Italien.
Die Miniſterbegegnung in Piſa. Tribuna
betont, daß die öſterreichiſchen Blätter die Rückkehr
des Grafen Berchtold mit Kundgebungen der Sympathie
für Italien und mit lebhafter Genugtuung über das
Er=
gebnis der freundſchaftlichen und herzlichen
Beſprechun=
gen mit dem Marquis di San Giuliano begrüßen. Das
Blatt erklärt, glücklich zu ſein, daß die Reiſe des Grafen
Berchtold nach Italien das Gefühl der Kameradſchaft und
des gegenſeitigen Vertrauens in den beiden Ländern
ge=
ſtärkt habe. Die Reiſe des Grafen Berchtold, die im
gegenwärtigen Augenblick höchſt bedeutſam ſei, würde
umſo höher von Italien eingeſchätzt, als ſie ſich nach zwei
wichtigen Ereigniſſen vollzog, die den Beweis der
auf=
richtigen Freundſchaft zwiſchen Oeſterreich und Italien
erbracht hätten. Das erſte Ereignis ſei die Anerkennung
der Oberhoheit Italiens über Libyen geweſen, die
Oeſter=
reich=Ungarn bereits vor der Notifizierung des
Friedensver=
trages ausgeſprochen hatte. Das zweite, Oeſterreich=
Un=
garns Haltung der Solidarität in den letzten Tagen des
italieniſch=türkiſchen Konflikts, als es auf die Pforte einen
ſtarken Druck ausübte, damit dieſe die
Friedensbedingun=
gen annehme.
England.
Die Hetzrede Lord Roberts. Der liberale Abge
ordnete Whitehouſe wird an den Kriegsminiſter eine
Anfrage richten, ob der Miniſter auf die Rede geachtet
habe, in der Lord Roberts verſicherte, die gegenwärtige
Politik Deutſchlands beſtehe darin, in dem Augenblicke
England anzugreifen, in dem die deutſchen Rüſtungen
fertig wären, und ob der Miniſter des Krieges
ange=
ſichts der Erregung, die eine ſolche Sprache zwiſchen
England und Deutſchland erzeugen müſſe, Schritte tun
werde, um einen Vertreter der britiſchen Armee zu
hin=
dern, einer befreundeten Macht gegenüber eine ſolche
Sprache zu führen. Oberſt Seely ſoll auch noch gefragt
werden, ob im Namen Deutſchlands aus Anlaß dieſer
Rede Vorſtellungen im Londoner Auswärtigen Amt
er=
hoben worden ſeien.
Spanien.
Anleihe. Die von der Kammer eingeſetzte
Sonder=
kommiſſion beſchloß, den Finanzminiſter zu erſuchen, daß
mit Rückſicht auf die gegenwärtige Lage der Märkte und
um im übrigen den Schuldendienſt nicht zu ſtören, eine
Anleihe von 300 Millionen Peſetas anſtelle einer inneren
Anleihe in Schatzſcheinen oder in amortiſierbarer Rente
ausgegeben werde.
Amerika.
Vereinigte Staaten. Der Unterſtaatsſekretär
Wilſon ſagte Freitag in einer Bankettrede in Huntington
ohne Erwähnung der Standard Oil Co. oder
Deutſch=
lands, daß, gleichviel, was eine amerikaniſche Geſellſchaft
ſich zu Hauſe zuſchulden kommen laſſe, die amerikaniſche
Regierung nicht zugeben werde, daß eine derartige Ge=
Nde 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Oktober 1912.
Nummer 254.
ſellſchaft von der Regierung eines fremden Landes
gemaß=
regelt werde.
Mexiko. Nachrichten aus Mexiko zufolge war der
Aufruhr der Anhänger des Diaz eine von Madero geſtellte
Falle. Diaz galt ſchon längſt als verdächtig, und man
hatte in ihm den Glauben erzeugt, daß ein größerer Teil
der Armee ſeiner Fahne folgen werde. Erſt als ſeine
Truppen ſich weigerten, zu ſchießen, ſah er, freilich zu ſpät,
die Falle.
Japan.
Erkrankung des Kaiſers. Nach einer
Mel=
dung aus Tokio kränkelt ſeit dem Tode Mutſuhitos der
neue Kaiſer Joſhihito ſehr viel. Er wird zeitweilig von
großer Schwäche befallen und man iſt um ſein Leben
ernſt=
lich beſorgt. Acht Staatsmänner ſind von dem neuen
Kai=
ſer ausgewählt worden, um die Funktionen eines
Vor=
mundes zu verſehen. Unter ihnen befinden ſich der Prin=
Fuſhimi, der Admiral Togo, der Prinz Janagata und der
Prinz Katſura. Letzterer iſt der einflußreichſte von allen.
Der Kaiſer hat ihn zu gleicher Zeit zum Miniſter des
königlichen Hauſes und zum Genraladjutanten ernannk.
Die Preſſe und die öffentliche Meinung ſind mit dieſen
Aenderungen nicht zufrieden. Die Preſſe erklärt, daß
man eine Politik der oberen Zehntauſend fürchten müſſe.
Eine Zeitung in Oaſaka, die heftig dieſe Neuerungen
an=
gegriffen hatte, iſt beſchlagnahmt worden.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 28. Oktober.
* Pfarr= und Schulperſonalien. Se. Königl. Hoheit
der Großherzog haben dem Pfarrer Otto Schäfer
zu Hartershauſen die evangeliſche Pfarrſtelle zu
König=
ſtädten, Dekanat Groß=Gerau, übertragen und dem Lehrer
Karl Blank zu Gonterskirchen, Kreis Schotten, aus
Anlaß ſeiner Verſetzung in den Ruheſtand die Krone zum
Ritterkreuz 2. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des
Großmütigen verliehen. — In den Ruheſtand verſetzt
wurde der Lehrer an der katholiſchen Schule zu
Bens=
heim Viktor Kempf auf ſein Nachſuchen, unter
Aner=
kennung ſeiner mehr als 50jährigen treuen Dienſte, vom
1. November 1912 an und ihm aus dieſem Anlaß die
Krone zum Ritterkreuz 2. Klaſſe des Verdienſtordens
Philipps des Großmütigen verliehen; ferner der Lehrer
Karl Blank an der Gemeindeſchule zu Gonterskirchen,
Kreis Schotten, auf ſein Nachſuchen, unter Anerkennung
ſeiner mehr als 50jährigen treuen Dienſte, vom 1.
No=
vember 1912 an.
s. Die Strafkammer verurteilte in der
Samstagsſitz=
ung den 26jährigen Reiſenden Paul Martin Bäder von
Erdmannsdorf wegen Rückfalldiebſtahls mit mildernden
Umſtänden zu fünf Monaten Gefängnis, obwohl
er bis zuletzt hartnäckig leugnete. Schon mehrmals hat B.
lange Finger gemacht, und ſeine letzte Strafe war kaum
ſeit einigen Tagen verbüßt, als er abermals, einer
aller=
dings günſtigen Gelegenheit unterlag. Er war als
Abon=
nentenſammler für die Frankfurter Neueſten Nachrichten
in ein Haus der Heinrichſtraße, zwiſchen Wieners= und
Gervinusſtraße, gekommen und ein Dienſtmädchen hatte,
während es innen das Anliegen ausrichtete,
unvorſichti=
gerweiſe die Flurtüre offen gelaſſen. Nach den
Feſtſtel=
lungen des Urteils benutzte B. dies, um ein nahe der Tür
auf dem Vorplatz hängendes Täſchchen wegzunehmen.
Er eilte, wohl um jeden Verdacht zu vermeiden, nicht
ſofort davon, ſondern wartete die Rückkehr des Mädchens
dreiſt ab und entfernte ſich alsdann. Die Dame des
Hau=
ſes ſah ihn gerade noch weggehen; es fiel ihr auf, daß er
ſeinen Rock an ſich zu drücken ſchien, und gleich darauf
ent=
deckte ſie auch das Verſchwinden des Täſchchens. Es war
kurz vorher noch bemerkt worden, und inzwiſchen niemand
außer B. dageweſen. B. hatte, wie man erfuhr, den
Weg oſtwärts ins Feld, ſowie dann am Friedhof vorüber
zur Nieder=Ramſtädter Straße eingeſchlagen, und man
fand beim Nachſuchen längs dieſes Weges in einem Garten
das leere Täſchchen und zwei darin geweſene, jetzt ihres
Inhalts von 10 Mark beraubte Portemonnaies. Weiter
wurde nach der alsbaldigen Verhaftung B.s ermittelt,
daß er damals in einem dortigen Geſchäft ſich für
Silber=
geld (wie es das Täſchchen enthielt), einen Zehnmarkſchein
einzuwechſeln verſucht hatte. Er hatte vorher auch einen
Brief geſchrieben, ſo daß die Annahme nahe liegt, daß er
ſich mittels dieſes abgeſandten Briefes ſchleunigſt jenes
geſtohlenen und bei ihm nicht mehr vorgefundenen Geldes
vorläufig zu entledigen wußte. In Anbetracht aller dieſer
Indizien erachtete ihn das Gericht für völlig überführt.
— Eine ſchwere Urkundenfälſchung nebſt
Be=
trug brachte den bisher unbeſtraften 39jährigen
Reiſen=
den Simon Schwarz von hier ſechs Wochen
Ge=
fängnis ein. Nur ſein ſchwer leidender Zuſtand
be=
wahrte ihn vor einer ſtrengeren Ahndung der recht
drei=
ſten Tat. Er hatte gegen einen Schuldner Klage erhoben
und als Beweismittel im Urkundenprozeß einen von 50
Mark auf 150 Mark verfälſchten Schuldſchein vorgelegt.
Sein eigener Anwalt und das Gericht wurden ſo getäuſcht,
daß trotz der Einwendungen des Beklagten (allerdings
unter Vorbehalt ſonſtiger Geltendmachung)
Zahlungs=
urteil auf den betrügeriſch vorgeſpiegelten höheren Betrag
erging. Zur Zwangsvollſtreckung kam es jedoch nicht,
denn Sch. legte auf Strafantrag ein Geſtändnis ab, und
er hat auch den Schaden des Beklagten erſetzt. — Nach
nichtöffentlicher Verhandlung wurde der 59jährige
Mau=
rer A. Michel III. von Unter=Hambach wegen
Ver=
brechens gegen Paragraph 176 Poſition 3 des
Strafgeſetz=
buches in die zuläſſige Mindeſtſtrafe von ſechs
Mo=
naten Gefängnis, abzüglich zwei Monaten
Unter=
ſuchungshaft, verurteilt.
s. Provinzialausſchuß. In der am Samstag
abge=
haltenen öffentlichen Sitzung wurde die Klage der
Witwe des Franz Joſeph Braun zu Dieburg
gegen die Fürſorgekaſſe für Beamte und
Bedienſtete der Landgemeinden in Darmſtadt
verhandelt. Der Fall iſt in ſozialer Hinſicht von Intereſſe
und hat Anſprüche auf Witwen= und Waiſengeld zum
Gegenſtand. Der Ehemann der für ſich und ihre Kinder
klagenden Br., war ſeit einigen Monaten als
Hilfs=
arbeiter bei der Kreisabdeckerei beſchäftigt, als er an
Lungen=
entzündung erkrankte und nach kurzer Zeit ſtarb. Die
Be=
ſtimmungen der Kaſſe ſchreiben als Bedingung der
er=
wähnten Hinterbliebenenanſprüche eine zehnjährige
Mit=
gliedſchaft vor, falls nicht die Krankheit ohne Verſchulden
des Betreffenden im Beruf entſtanden iſt. Letztere
Vor=
ausſetzung wird von dem Verwaltungsrat der Kaſſe
be=
ſtritten, weil die Kranheitsurſache nicht mit voller
Be=
ſtimmtheit feſtſtehe. Es liegen jedoch zwei Gutachten des
behandelnden Arztes Dr. Schmidt und des Kreisarztes
Dr. Schwan vor, wonach mit ſehr hoher
Wahrſcheinlich=
keit eine im Keſſelheizbetrieb der Abdeckerei entſtandene
Erkältung jene Erkrankung veranlaßt hat. Trotzdem hielt
die Kaſſe noch Feſtſtellungen für erforderlich und
bean=
tragte, ein weiteres ärztliches Gutachten zu erheben. Der
Provinzialausſchuß war anderer Anſicht und entſchied
unter Verfällung der Kaſſe in die Koſten, daß die
er=
hobenen Anſprüche begründet und nach decen einſchlägigen
Satzungen zu befriedigen ſeien. — Es gelangte alsdann
das aus Anlaß verſchiedener Einwände bereits früher
verhandelte Entwäſſerungsprojekt für das
Ried zum Austrag. Es wurde ſchon berichtet, daß
zwecks Beſeitigung des bei Rheinhochwaſſer entſtehenden
Rückſtaus des Schwarzbachs und Grundwaſſers eine
Schleuſenanlage nebſt Pumpvorrichtung vorgeſehen und
die Ausſchlagung der Koſten auf die beteiligten
Gemein=
den erfolgt iſt. Dieſer Koſtenverteilung ſind die
Gelände=
komplexe der Gemeinden nach ihrer örtlichen
Beſchaffen=
heit und eventuellen Gefährdung zu Grunde gelegt, und
hiernach wurde prozentual die Heranziehung bemeſſen.
Mehrere Gemeinden beanſtandeten dieſen Ausſchlag,
zogen jedoch teilweiſe ihren Einſpruch zurück. Derjenige
Dornheims erwies ſich inſofern gerechtfertigt, als in dem
bezeichneten Gelände eine der Gemeinde Berkach gehörige
Enklave von etwa 50 Hektar nicht abgezogen war. Der
Anteil Dornheims ermäßigt ſich demgemäß von 2 auf
1,3 Prozent. Derjenige der Gemeinde Leeheim von 2
Pro=
zent wurde als richtig feſtgeſtellt. Deshalb verwarf der
Provinzialausſchuß den Rekurs Leeheims ganz,
denjeni=
gen Dornsheims im übrigen und legte beiden die
er=
wachſenen Koſten nebſt 30 Mark bezw. 20 Mack
Averſional=
betrag auf. — Die weiter auf der Tagesordnung
ſtehen=
den Fälle „Konzeſſionsgeſuch des Franz Geulen für ein
neues Automatenreſtaurant im Hauſe Eliſabethenſtraße
Nr. 2” und Geſuch des Kaufmanns Nikolaus Lerch, betr.
Ausdehnung des Automatenreſtaurants Ernſt=Ludwigſtraße
Nr. 1 auf die vorderen Räume des Hinterbaues, wurden
nicht verhandelt.
E Zur 13. Sitzung der Stadtverordneten=
Verſemm=
lung am Donnerstag, den 31. Oktober, nachmittags 3½
Uhr, iſt folgende Tagesordnung feſtgeſetzt: 1.
Mitteilun=
gen. 2. Gehalts= und Lohnverhältniſſe des ſtädtiſchen
Be=
amten=, Gehilfen= und Arbeiterperſonals, ſowie des
Lehr=
perſonals. Sofern die Zeit ausreicht, werden
vorſorglich auf die Tagesordnung geſetzt:
3. Feſtſetzung der Fluchtlinien für den Landwehrweg:
a) für den Teil von der Weiterſtädter Straße bis zum
Eingang des Güterbahnhofs; b) für den weiteren Teil bis
zum Ende. 4. Vermietung des Oktroiaufſichtshäuschens
an der Bleichſtraße. 5. Krediterweiterung für den
Zu=
ſchuß zur Kaſſe des Realgymnaſiums aus Anlaß des
Ge=
ſetzes, die Dienſtbezüge der Staatsbeamten betr. 6.
Be=
ſchaffung einer Laufgewichts=Brückenwage für die
öffent=
liche Zollniederlage.
D. Diplomprüfung. Am Freitag erreichte die
Diplomvorprüfung ihr Ende; es nahmen an ihr
135 Studierende aller Abteilungen teil: 21 in
Archi=
tektur, 33 im Bauingenieurfach, 1 im Kulturingenieurfach,
41 im Maſchinenbaufach, 5 in Papierfabrikation, 27 in
Elektrotechnik und 7 im Chemiſchen Fach. Von dieſen
haben die Prüfung beſtanden mit dem Prädikat „mit
Auszeichnung beſtanden” 6, „gut beſtanden” 10, „
be=
ſtanden” 60: insgeſamt haben alſo 76 Kandidaten die
Prüfung mit Erfolg abgelegt. Auf die einzelnen
Fach=
abteilungen verteilen ſich dieſe wie folgt: Architektur
„mit Auszeichnung beſtanden” 1, „gut beſtanden” 3,
„beſtanden‟ 11; Bauingenieurweſen: „mit Auszeichnung
beſtanden” 1, „gut beſtanden” 2, „beſtanden” 12;
Kultur=
ingenieurfach: „beſtanden” 1; Maſchinenbaufach: „gut
beſtanden” 3, „beſtanden” 16: Papierfabrikation: „
be=
ſtanden‟5: Elektrotechnik „mit Auszeichnung beſtanden”
4, „gut beſtanden” 2, „beſtanden” 11; Chemiſches Fach:
„beſtanden” 4.
Akademiſche Volksunterrichtskurſe. Eine ſtetig!
wachſende Teilnehmerzahl in den ſeitherigen ſechs
Lehr=
gängen beweiſt die Notwendigkeit und gleichzeitig den
Erfolg dieſer von uns oft ſchon beſprochenen ſozialen!
Einrichtung unſerer Darmſtädter Studentenſchaft. Es
erſcheint uns daher angebracht, auf die am 5. November
beginnenden Winterkurſe in Rechnen, Deutſch, Erdkunde
und Stenographie aufmerkſam zu machen; der Unterricht
iſt faſt unentgeltlich und wlll hauptſächlich Arbeitern,
Unterbeamten und Bureauangeſtellten dienen.
Be=
ſonderes Intereſſe dürfte wohl der angekündigte
Licht=
bilderkurſus erfordern, der durch gute Aufnahmen aus
In= und Ausland anzuregen und zu belehren ſucht.
Um immer weitere Kreiſe über die Ziele dieſer
Ein=
richtung aufzuklären, lädt der Vorſtand zu zahlreichem
Beſuch des Eröffnungsabends am 31. Oktober im
Fürſtenſaal ein; Herr Profeſſor Dr. J. Goldſtel
wird dort über: „Der Kampf ums Daſein” und ſein!
ethiſche Bedeutung” ſprechen. Näheres iſt aus der
Straßenplakaten erſichtlich.
D. Der „Ausſchuß der Freien Studentenſchaft
ſetzt ſich für das Winterſemeſter 1912—13 aus folgenden
Herren zuſammen: 1. Vorſitzender Hans Göecke,
2. Vorſitzender Wilhelm Berger, Kaſſenwart Hans
Mangold, 1. Schriftführer Ernſt Riedel, 2. Schriftführer
Alfred Seidel, Beiſitzer Rudolf Hebert und Ernſt
Flechſel. — Zum Vorſitzenden des Vorſtandes der
Krankenkaſſe der Studierenden und Hörer wurde Herr
Profeſſor Kayſer gewählt; Delegierte des „Großen
Senats ſind die Herren Profeſſoren Geh. Baurat
Berndt und Geh. Hofrat De. Müller.
Gewerbebibliothek (Bibliothek und
Vorbilder=
ſammlung), Neckarſtraße 3. Auch an dieſer Stelle lenken
Was die türkiſchen Gefangenen
erzählen.
** Während das heiße Ringen um Adrianopel bisher
unter völligem Ausſchluß der Kriegsberichterſtatter vor ſich
gegangen iſt, werden die erſten Gefangenen in die
bulga=
riſche Hauptſtadt gebracht, und ſo bietet ſich den
Korreſpon=
denten wenigſtens eine Gelegenheit, unmittelbare Zeugen
der Vorgänge zu befragen. Freilich bekommen ſie auch
ſo nicht viel Aufſchlüſſe, denn die Gefangenen wiſſen
natürlich ſelbſt nichts weſentliches. Und doch ſind ihre
Ausſagen von Intereſſe, da ſie enthüllen, in welchem
überraſchenden Maße die Türken, oder wenigſtens Teile
ihres Heeres unvorbereitet geweſen ſind. Luigi Barzini,
der bekannte italieniſche Kriegskorreſpondent, läßt in ſeinem
Bericht über die Geſpräche mit Kriegsgefangenen dieſen
Zuſtand von Unordnung, ja von Demoraliſierung, in den
Reihen des türkiſchen Heeres deutlich erkennen. Die
Ge=
fangenen ſind, ſo erzählt er, unbeholfene Männer; die
einen aus Kurdiſtan gebürtig, andere aus Mazedonien,
aber alle Mohammedaner. Sie wiſſen nichts. Ihre
Un=
wiſſenheit iſt unergründlich. Sie haben einen düſteren
Ausdruck und zeigen ſich mißtrauiſch wie gefangene Tiere.
Einige, die bei Djumaja gefangen wurden, erklaren: „Wir
waren ſeit drei oder vier Monaten nahe der Grenze.
Wir wußten nichts von dem Kriege. Niemand hatte uns
geſagt, daß wir uns ſchlagen ſollten. Eines Tages iſt
unſer Kommandant geflohen, weil die Bulgaren ankamen,
die uns umzingelten. Wir konnten nichts tun. Wie
konn=
ten wir kämpfen, ohne daß uns jemand führt? Und ſo
haben wir uns ergeben.” Sie ſind nicht imſtande, irgend
etwas über die Ereigniſſe um ſie herum auszuſagen. Sie
erklärten vielmehr, daß ſie zufrieden wären, gefangen zu
ſein, da ſie nun nicht mehr zu frieren brauchen, nicht mehr
Hunger leiden und rauchen können. In den letzten
Zei=
ten war in ihrem Lager Mangel an Lebensmitteln, was
zu der Annahme führte, daß die Verproviantierung der
türkiſchen Heerreskörper bereits ſehr ſchwierig iſt. Andere
Gefangene bildeten die Beſatzung eines Grenzblockhauſes.
Von dieſen erzählte einer: Wir waren zu fünf ſeit
verſchiedenen Wochen in einem Blockhaus. Vor
etwa zwei Wochen kam ein Offizier vorüber, der uns
ſagte, daß noch fünf andere Soldaten kommen würden,
unſeren Poſten zu verſtärken. Aber es iſt nie jemand
ge=
kommen. Eines Morgens früh hörten wir
Kanonen=
donner, gegen Weſten war ein Kampf im Gange. Das
dauerte ſechs Stunden lang. Dann ſahen wir Soldaten
zu dem Blockhaus hinaufkommen. Wir glaubten, es
ſeien Türken; aber es waren Bulgaren, die uns zuriefen,
wir ſollten uns ergeben. Zwei von uns verſuchten zu
fliehen und wurden getötet.
Feuilleton.
Prinzeſſin Rupprecht. Nach dem Tode ihres
jüng=
ſten Kindes, des Prinzen Rudolf, das infolge
ſchwäch=
licher Konſtitution zuckerkrank wurde, hatte ſich die
Prin=
zeſſin Gabriele, die Gemahlin des Prinzen Rupprecht von
Bayern, nicht mehr erholt. In ihrer Sommer=Reſidenz
in Schloß Nymphenburg hatte ſie das Spielzeug
ihres Kindes, das im Frühjahr d. J. im vierten
Lebens=
jahre ſtarb, in ihrem Zimmer aufgebaut, um ſich immer
den kleinen geliebten Jungen zu vergegenwärtigen. Der
Bann des Schmerzes, der ſie umfing, konnte nach vielen
Verſuchen endlich durch Muſik gebrochen werden.
Künſt=
ler, die nach Nymphenburg beſtellt wurden, ſpielten der
Prinzeſſin hinter einer ſpaniſchen Gardine ihre
Lieb=
lingsſtücke, darunter die Kreuzerſonate, und brachten die
unglückliche Mutter ſo zum erlöſenden Weinen. Wie
be=
liebt die ſchöne Prinzeſſin war, konnte man ſo recht
er=
kennen, als ſie vor einem Jahr mit dem Tode rang.
Vor dem Palais ſtand damals die Menge Tag und
Nacht in angſtvoller Teilnahme, bis die Wendung zum
Beſſern eintrat.
— Die Weltzeit. Die internationale Zeitkonferenz,
die ſoeben im Pariſer Obſervatorium tagte, hat beſchloſſen,
daß alle Beobachtungen über die Beſtimmung und die
Uebermittlung der Zeit, die in den Obſervatorien der
ganzen Welt gemacht werden, in Paris zentraliſiert
werden ſollten. Die franzöſiſche Hauptſtadt beſitzt in dem
Eiffelturm, wie der Pariſer Aſtronom Charles Nordman
im Matin ausführt, ein unvergleichliches Hilfsmittel für
die Ausſendung der Stundenſignale mit Hilfe der
draht=
loſen Telegraphie; die Errichtung dieſes Meiſterwerks der
Technik hat ſo einen praktiſchen Nutzen gehabt, an den
bei ſeiner Erbauung niemand denken konnte. Obwohl
die Stundenſignale des Eiffelturms bereits 6000 km weit
ausgeſandt werden, reichen ſie doch für die entfernteren
Orte noch nicht aus, und man hat eine Anzahl anderer
Stationen gewählt, die über die ganze Erde verteilt ſind
und die die franzöſiſchen Signale ergänzen ſollen, indem
ſie in anderen Zeiten Stundenſignale ausſchicken. Es
wird alſo auf der Erde keinen Ort geben, an dem nicht
wenigſtens zweimal am Tage die Seeleute, die
Forſchungs=
reiſenden, die Erdmeſſer, die Eiſenbahnbehörden und die
Uhrmacher die Zeit mit größter Genauigkeit feſtſtellen
können. Die ausgeſandte Zeitangabe wird immer die
des Anfangsmeridians von Greenwich ſein. Als Stationen
für die Ausſendung von Zeitſignalen wurden von der
Konferenz gewählt: Paris, San Fernando (Braſilien),
Arlington (Vereinigte Staaten), Mogadiscio (
Somali=
küſte), Manila (Philippinen), Timbuktu, Norddeich,
Maſ=
ſauah (Erythräa) und San Franzisko. Die von der
Konferenz getroffenen Beſtimmungen bedürfen natürlich
noch der Zuſtimmung der verſchiedenen Regierungen.
C.K. Die Urſache der Beriberi=Krankheit. Unſere
Kenntnis der rätſelhaften, unter dem Namen Beriberi
bekannten Nervenkrankheit, iſt durch die bemerkenswerte
Entdeckung, die man im fernen Oſten machte, gefördert
worden, daß der häufigſte Grund für ihr Auftreten in
einer Ernährung mit geſchältem Reis beſteht.
Man fand, daß die Schalen imſtande ſind, die durch das
Eſſen des geſchälten Korns verurſachte Krankheit zu
hei=
len. Nach Mitteilungen von E. Hope in der
Internatio=
nalen Monatsſchrift hat nun Funk bei genauer Prüfung
der Reisſchalen kürzlich eine ganz geringfügige Menge
ines neuen Körpers gefunden, von dem etwa
0,1 Gramm in einem Kilogramm enthalten ſind. Die
Subſtanz iſt noch nicht rein dargeſtellt worden, aber ihre
Erforſchung beanſprucht das größte Intereſſe, denn man
hat feſtgeſtellt, daß ganz kleine Mengen eine unmittelbare
Heilwirkung auf Vögel ausüben, die durch Fütterung
mit geſchältem Reis von der Nervenkrankheit befallen ſind.
Die Unterſuchung des Gehirns von auf dieſe Weiſe
er=
krankten Vögeln ergab einen deutlichen Verluſt an
Stick=
ſtoff und Phosphor. Funk kam alſo zu dem Schluß, daß
die Wirkung der Ernährung mit geſchältem Reis die
Fett=
ſubſtanzen des Gehirns zum Zerfall bringt. Die
Entdeck=
ung einer ſolchen Subſtanz läßt die Frage auftreten, ob
nicht ähnliche Subſtanzen in den Getreidearten vorhanden
ſein könnten, die in europäiſchen Ländern allgemein
ge=
braucht werden.
* Bureaukratismus einer Reichsbehörde. Dem
in Berlin erſcheinenden Zigarettenhändler=Fachblatt
„Zigarren= und Zigaretten=Spezialiſt” wird ein drolliger
Fall aus ſeinem Leſerkreiſe mitgeteilt, nach welchem eine
bedeutende Münchener Firma, die an einen Kunden in
Plauen i. V. eine Sendung richtete, dieſe zurückerhalten
hat, weil die Aufſchrift „Zigarettenfabrikant”
lautete, während der Mann nach Anſicht der Plauener Poſt
„Zigarettenmacher” iſt. Die mit „
Fa=
brikant” adreſſierte Sendung wurde, obwohl Vorname,
Zuname, Straße und Hausnummer genau ſtimmten, dem
Abſender wieder zurückgeſtellt, mit dem Bemerken, daß
in genanntem Hauſe allerdings der auf dem
Briefum=
ſchlag bezeichnete Mann wohne, dieſer ſei aber „
Ziga=
rettenmacher”!! Aus dem Falle ließen ſich köſtliche
Konſequenzen ziehen.
* Segen der Gaſtfreundſchaft. Eine Londoner
Geſellſchaft beſuchte einen Bekannten in ſeiner Villa auf
dem Lande; ſie finden alles ſehr bübſch, aber ſchließlich
ſagt ein Beſucher zu dem gaſtfreundlichen Wirt: „Sag
mal, mein Lieber, was iſt eigentlich mit der Haustür
los? Man muß ja alle ſeine Kräfte anwenden, um ſie
aufzumachen. Die mußt Du ſchmieren oder reparieren
laſſen.” „Aber nicht doch! da iſt ja alles in ſchönſter
Ord=
nung. Jeder von Euch, der die Türe aufmacht, pumpt,
mir ja zwei Eimer Waſſer in mein=Reſervoir da oben.”
Nummer 254.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Oktober 1912.
Seite 3.
wir die Aufmerkſamkeit auf die bei der Bibliothek der
Großh. Zentralſtelle für die Gerwebe beſtehende Einrichtung
der Bibliothek=Abende während der
Wintermo=
nate.. Der Leſeſaal iſt nämlich außer den allgemeinen
Bibliothekſtunden von 8½—12½ Uhr vorm. und 3—5½
Uhr nachm. (an den Samstagen nur vormittags) in der
Zeit vom 1. November d. J. bis 1. Mai k. J. auch
Montags und Freitags abends von 8—10 Uhr
geöffnet. Es wird durch dieſe Beſuchszeiten namentlich
ſolchen Perſonen, welche tagsüber im Berufe ſtehen,
eben=
falls Gelegenheit gegeben, ſich die genannten Einrichtungen
zunutze zu machen. Der Beſuch iſt jedermann geſtattet; er
iſt zunächſt den Gewerbe= und Kunſtgewerbetreibenden,
den Lehrlingen und Schülern gewerblicher
Unterrichtsan=
ſtalten und den Studierenden der Großh. Techn. Hochſchule
zu empfehlen, für welche in reichem Maße gute Vorbilder
und praktiſche Textwerke vorliegen. Sodann wollen aber
Bibliothek und Vorbilderſammlung auch dem allgemeinen
Publikum dienen, das ſich für künſtleriſche Dinge immer
mehr intereſſiert. Auch ihm ſoll in allen Fragen des
Ge=
ſchmacks Anregung geboten werden. So iſt z. B. auf die
Vervollſtändigung der Bibliothek und der
Vorbilderſamm=
lung auf dem Gebiete des Buchgewerbes, der Fayence
und des Porzellans, der orientaliſchen Kunſt, ferner auf
dem der weiblichen Handarbeiten (Spitzen, Stickereien
uſw.) in letzter Zeit mehr Gewicht gelegt worden. Auch
die Patentſchriftenſammlung wird außer den allgemeinen
Beſuchsſtunden an den Bibliotheksabenden zur
Einſicht=
nahme bereitgehalten für Vorprüfungen auf Neuheit von
Erfindungen und ſchutzrechtlichen Nachforſchungen.
* Ortsgewerbeverein Darmſtadt. Freitag abend fand
im Reſtaurant Sitte die erſte Winterverſammlung ſtatt.
Herr Diplomingenieur Dr. A. Kleinlogel ſprach über
das moderne Eiſenbetonbauweſen. Der
Vor=
tragende ſchildert zunächſt kurz die geſchichtliche
Entwick=
lung der Eiſenbeton=Bauweiſe, ausgehend von den
eiſen=
bewehrten Betonkübeln des franzöſiſchen Gärtners Joſeph
Monier, der in den 60er Jahren des vorigen
Jahrhun=
derts ſeine Patente erwarb. Die Feuerſicherheit des
Eiſenbetons empfehlen ihn für Induſtriebauten,
Ver=
ſammlungsräume, Warenhäuſer und Theater; die
gerin=
gen Unterhaltungskoſten des Eiſenbetonbauwerks, ſeine
Unempfindlichkeit gegen Einflüſſe der Temperatur und des
Wetters machen ihn für Bauwerke im Freien
außer=
ordentlich geeignet. Die Eiſenbeton=Hohlſteindecken bieten
die Vorzüge der Schallſicherheit, der Schwammſicherheit
und der Wärmeiſolierung. Zahlreiche Lichtbilder
er=
läuterten den Vortrag. Schöne Kirchen, ſo die
Garni=
ſonskirche zu Ulm, hübſche Faſſaden von Wohn= und
Ge=
ſchäftshäuſern, ganz aus Eiſenbeton, wurden im
Licht=
bilde vorgeführt. Beſondere Bedeutung hat der
Eiſen=
betonbau auch für die Silobauten der Induſtrie — man
denke an den Hartſtein=Silo der Odenwälder
Hartſtein=
induſtrie in Ober=Ramſtadt — und für die
Eiſenbahnver=
waltungen für Bahnhofsgebäude (Leipzig, Karlsruhe),
Lokomotivſchuppen, Stellwerksbauten, Bahnſteig=
Ueber=
dachungen, Unterführungen, Brückenbauten,
Eiſenbahn=
ſchwellen u. a. m. Leichte Fußgängerſteige ſowohl, wie
kühn geſchwungene Brücken für ſchwere Laſten bis zu
Spannweiten von 90 Meter, künden die hohe Bedeutung
Ades Eiſenbetons im Brückenbau. Auf allen Gebieten des
Bauweſens hat ſich der Eiſenbeton zur Geltung gebracht,
ſeine Eigenſchaften und Verwendungsmöglichkeiten wer=
Den ihm dauernd einen Platz im Bauweſen ſichern.
Leb=
jafter Beifall wurde dem Vortragenden zuteil, dem ſich
r Vorſitzende, Herr J. Jakobi, mit herzlichen
Jankesworten anſchloß. Herr Geheimrat Noack wies
hdch darauf hin, daß im Januar 1913 vorausſichtlich ein
Meiſterkurſus für Eiſenbeton ſtattfinde, den er jetzt ſchon
zur Empfehlung bringe.
— Der Heimverband Darmſtadt hatte für Samstag
nachmittag alle ſeine beſonderen Freunde und Gönner zur
Beſichtigung ſeines erſten Heimes, das ſeit dem 1.
Okto=
ber in der Annaſtraße 53 eröffnet iſt, eingeladen. Daß
faſt alle dieſem Rufe gefolgt waren, iſt gewiß ein
erfreu=
licher Beweis für das große Intereſſe, das weite Kreiſe
dem Unternehmen entgegenbringen. Auch Ihre
König=
liche Hoheit die Großherzogin ließ durch Frau
Staats=
miniſter Ewald Exz. dem Verein ihre wärmſte
Anteil=
nahme ausdrücken. Die hohe Frau gedenkt das Heim
ebenfalls einmal in Augenſchein zu nehmen. Das Haus
iſt ſchon jetzt beinahe vollſtändig vermietet und bewohnt.
Alle Einwohnerinnen hatten ihre feſtlich erleuchteten und
insgeſamt überaus behaglichen und traulichen Räume
gaſtlich geöffnet und längere Zeit war im ganzen Hauſe,
in den Zimmern wie auf Gängen und Treppen ein
be=
wegtes Auf und Nieder. Zentralheizung und elektriſches
Licht machen das ſchmucke Haus beſonders anheimelnd.
Nachdem dann im Veſtibül und in dem großen Eßzimmer
ſich alle Geladenen mit den Hausbewohnern verſammelt
hatten, hielt die erſte Vorſitzende des Heimverbandes,
ſeine Gründerin und unermüdliche Leiterin, Frau
Sani=
tätsrat Dr. Hüffell, eine ſtimmungsvolle Anſprache, in
der ſie auch des leider auf Reiſen von Darmſtadt
ab=
weſenden Freundes und eifrigen Förderers der Sache,
Herrn Bürgermeiſter Mueller, dankbar
ge=
dachte. Der erſte Anfang war, wie jeder Anfang, ſchwer.
Es waren wohl ihrer Viele, die ſich nach einem ſolchen
Heim ſehnten, um der freiwilligen oder durch die
Verhält=
niſſe bedingten Einſamkeit zu entgehen; aber das Neue,
noch nicht durch Erfahrungen Gefeſtigte, ließ die meiſten
noch zögernd abſeits ſtehen, nur wenige hatten den Muk
zu dem Wagnis. In kleinem Rahmen nur wurde
des=
halb der erſte Anfang gemacht; nun aber der erſte Schritt
gewagt iſt, hoffen alle Beteiligten, mit der tapferen erſten
Vorßtzenden an der Spitze, daß es in abſehbarer Zeit
möglich ſein wird, das Unternehmen weiter auszubauen,
damit nach und nach noch für viele Einſame der Gedanke
an dieſe Einſamkeit ſeine Schrecken verliert, weil ſie
wiſſen, wie ſie dieſem durch Angliederung an ein ſolches
Heim zu entgehen vermögen. Freilich muß ſich dieſes
erſte Haus ja aus ſich ſelbſt heraus erhalten und iſt
des=
halb darin zu wohnen nur für eine beſtimmte
Geſell=
ſchaftsſchicht ein erreichbares Ziel. Das Streben des
Heimverbandes aber bleibt es jetzt, wie von Beginn an,
ſich nach und nach auszubauen, zu wachſen und zu
erſtar=
ken, damit ſeine Segnungen in Bälde auch den
wirtſchaft=
lich Schwächeren aus gebildeten Kreiſen zugute kommen
können. Hoffentlich hat die kleine Feier — man blieb noch
ein Stündchen gemütlich beim Tee verſammelt — dazu
beigetragen, der guten Sache zu den alten Freunden
neue zu werben, und die ſchon bewährten Gönner und
Freunde laſſen es ſich hoffentlich recht angelegen ſein, noch
ſtändig neue dazu zu werben, damit der Heimverband,
der jetzt noch ein ſehr beſcheidenes Pflänzlein iſt im Kreiſe
der neuzeitlichen humanitären Beſtrebungen, ſich zu einem
ſtattlichen Baum auswachſe, in deſſen Schatten recht
kvielenausruhen können, um nach einem tätig verbrachten
Leben hier einen friedlichen und freundlichen Hafen zu
ffinden.
V. V. Volksvorſtellung im Hoftheater. Am Sonntag,
en 3. Novemher, nachmittags 2½ Uhr, gelangen im Hei=
theater als Volksvorſtellung „Die Räuber” zur
Auf=
führung.
*Der 1. Kammermuſikabend der Herren Mehmel,
Diedrich, Brückmann und Weyns (Darmſtädter
Streich=
quartett) findet heute abend 8 Uhr in der Traube ſtatt.
Außer der hieſigen Erſtaufführung eines Streichquartetts
von Gliére, einem in der Form überaus klaren und
inhaltlich intereſſanten Werke, gelangen zur Wiedergabe
Beethovens Streichquartett op. 18. Nr. 6 in B-dur
und Schuberts Klaviertrio in B=dur, in welchem
der hier wohlbekannte und geſchätzte Pianiſt Herr
Chr. G. Eckel aus Frankfurt den Klavierpart
inter=
pretieren wird.
* Im Silberkranz. Mittwoch, den 30. d. M., begehen
die Eheleute Heinrich Becker, Spengler und
Inſtalla=
tionsmeiſter, Holzſtraße, das Feſt der ſilbernen Hochzeit,
verbunden mit Geſchäftsjubiläum.
* Das Luftſchiff „Viktoria Luiſe” das Samstag
morgen gegen 9 Uhr mit zwei Paſſagieren von
Friedrichs=
hafen zur Fahrt nach Frankfurt a. M. aufgeſtiegen war,
paſſierte nach 2 Uhr in prachtvoller Fahrt unſere Stadt.
Nachmittags gegen 4 Uhr überflog ein Flieger auf einem
Doppeldecker in ſehr großer Höhe ebenfalls Darmſtadt.
* Die Stenographen=Vereinigung „Gabelsberger”
ver=
weiſt auch an dieſer Stelle noch einmal auf den am
kom=
menden Sonntag in ſämtlichen Räumen des
Kaiſer=
ſaales (Grafenſtraße) ſtattfindenden Gautag und bittet
ihre Mitglieder, ſich recht zahlreich zu beteiligen. — (Siehe
Anzeige.)
C Feuer im Hauptpoſtamt. Aus bisher noch nicht
aufgeklärter Urfache entſtand im Kellergewölbe der
Haupt=
poſt am Samstag vormittag nach 11¼ Uhr eine
Gas=
exploſion, reſpektive Entzündung von ausſtrömendem
Gas, das in fünf großen Flammen brannte und eine
koloſſale Hitze und Rauchentwickelung verurſachte. Von
der ſofort alarmierten Feuerwache, die zum erſten
Male die neue Automobilſpritze in Benutzung nahm,
wurde der Brand mit drei Schlauchleitungen
angegrif=
fen, doch war das Feuer unmöglich durch Waſſer
zu löſchen, da die ungeheure Hitze auch ein Abſtellen
der Hähne unmöglich machte. Es mußte darum die
Hauptleitung des Städtiſchen
Gas=
werkes abgeſtellt werden, was nach
Verhandlun=
gen mit dem Großh. Oberbürgermeiſter und dem
Poli=
zeiamt auch angeordnet wurde, wonach der Brand erloſch.
Die Feuerwehrleute waren bemüht, eine
Aus=
dehnung des Feuers zu verhindern, was auch unter
ſchwe=
ren Anſtrengungen gelang, doch llagen ſämtliche im
Keller=
raum tätig geweſenen Leute über ſehr heftige Kopf=
und Geſichtsſchmerzen. Gebäudeſchaden iſt nicht
entſtanden; es ſind nur einige Formulare uſw. verbrannt.
Die Feuerwache war zurück um 12 Uhr 32 Minuten. Die
Abſtellung der Gasleitung für die ganze Stadt hatte
naturgemäß erhebliche Nachteile und Unzuträglichkeiten
im Gefolge. Abgeſehen von den Haushaltungen, wo die
Gasherde plötzlich erloſchen, wurden viele Fabrik= und
ſon=
ſtige Induſtriebetriebe, auch die Zeitungsdruckereien, in
Mitleidenſchaft gezogen, was zu vielfachen Beſchwerden
beſonders darüber Anlaß gab, daß man die
Geſamt=
leit ungen abſtellte und nicht nur das einzelne
Straßenquartier. Wie wir auf unſere Informationen
er=
fahren, erfolgte die Schließung der Geſamtleitung auf
Anordnung der Polizei aus Sicherheitsgründen, da
bei der Stärke der Flammen ein Zurückſchlagen in
die Hauptleitungsrohre und eventuell weitere
Ex=
ploſionen, die unberechenbaren Schaden hätten
an=
richten können, nicht ausgeſchloſſen ſchienen. Es wurden
ſofort ſämtliche Maßnahmen ergriffen, um weitere
Un=
zuträglichkeiten zu vermeiden. Sämtliche Poſtboten
wur=
den angewieſen, auf ihren erſten Beſtellgängen den
Gas=
konſumenten von der erfolgten Schließung der
Gas=
leitungen und deren Wiedereröffnung um ½3 Uhr
Kennt=
nis zu geben. Den gleichen Auftrag erhielten die
ſämt=
lichen Polizeireviere. Es konnte ſomit dem Ausſtrömen
von Gas= und Stichflammen uſw. vorgebeugt werden.
Immerhin bleibt es ein Mißſtand, der von den auf Gas
als Kraftſpender angewieſenen Betrieben ſchwer
empfun=
den wurde, daß man wegen eines verhältnismäßig
un=
bedeutenden, wenigſtens doch lokal eng
umgrenz=
ten Vorkommniſſes, die ſämtlichen Gasleitungen der
Stadt abſtellte. Es müßte doch unbedingt die
Möglich=
keit gegeben ſein, einzelne Rohrſtränge
abzu=
ſtellen, wie dies auch bei der Waſſerleitung der Fall iſt.
* Bilder vom Tage. In der Bilderauslage unſerer
Expedition ſind neu ausgeſtellt eine Anzahl Bilder vom
Kriegsſchauplatz auf dem Balkan.
A Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Butter ½ Ka. 1,40 M., in Partien
1,30 M., Eier 7—9 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 20—22 Pf.,
Handkäſe 4—10 Pf., Kartoffeln Zentner 2.25—2.75 M.,
Kumpf (10 Liter) 30—40 Pf., ½ Kg. 3—4 Pf., Mäuschen
Kumpf 1 M., ½ Kg. 8—9 Pf.; Obſt u. dgl.: Aepfel,
Birnen Zentner 8—15 M., ½ Kg. 8—15 Pf., Zwetſchen
Zentner 6—7 M., 100 Stück 25 Pf., ½ Kg. 10 Pf.,
Trau=
ben ½ Kg. ausländiſche 30—35 Pf., einheimiſche 25 Pf.,
Zitronen 7 Pf., Nüſſe 100 Stück 50 Pf.; Salat,
Ge=
müſe: Kopfſalat 10 Pf., Endivien 5—8 Pf., Bündel
Radieschen 2—3 Pf., Rettiche 3—5 Pf., Roterüben ½ Kg.
8—10 Pf., Bündel Römiſch=Kohl 2 Pf., Spinat ½ Kg.
16—20 Pf., Meerrettich 12—30 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 8 bis
10 Pf., Tomaten ½ Kg. 15—20 Pf., Wirſing 3—10 Pf.,
Blumenkohl 5—30 Pf., Rotkraut 10—30 Pf., Zentner 3,00
bis 3,50 M., Roſenkohl ½ Kg. 25 Pf., Sellerie 8—10 Pf.,
Weißkraut 5—9 Pf., Zentner 2 M., Schälgurken 5—10 Pf.,
Gelberüben ½ Kg. 5—10 Pf., Kohlrabi 2—3 Pf.,
Erdkohl=
rabi 5—10 Pf., Hagebutten ½ Kg. 10—20 Pf.: Geflügel,
Wild: Gänſe ½ Kg. 1 M., Enten 3,00—3,50 M., Hahnen
und Hühner 1,00—2,50 M., Tauben 60—70 Pf., Haſen 3,50
bis 4,00 M., Lapins 0,90—1,00 M.; Fiſche ½ Kg.:
Rheinfiſche 40—50 Pf., Rotzungen 50 Pf., Schollen 22 Pf.,
Kabeljau 23—27 Pf., Schellfiſche 26 Pf., Seelachs 24 Pf.
in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch 70—76 Pf.,
Hackfleiſch 76 Pf., Rindsfett 60 Pf., Rindswürſtchen
(Stück) 15 Pf., Schweinefleiſch 96 Pf., geſalzenes und
Koteletts 1 M., Schwartenmagen, Fleiſchwurſt 90 Pf.,
Leber= und Blutwurſt 76 Pf.
— Pfungſtadt, 26. Okt. Einen reichlichen Ertrag
lie=
fern heuer die Gelbrübenfelder in hieſiger
Gemar=
lung. Man ſchätzt die Ernte der Gelbrüben auf ca. 80000
Zentner, da in dieſem Jahre 288 Morgen mit dieſer
Hack=
frucht beſtellt waren und ein Morgen durchſchnittlich 280
Zentner liefert. Das Proviantamt in Darmſtadt iſt
Hauptabnehmer der hier gepflanzten gelben Rüben. Der
Preis beträgt pro Zentner 1,20 Mark. Weniger gut iſt die
Zuckerrübenernte ausgefallen. Von dieſer Rübenart kann
man den Ertrag für den Morgen nur auf 200 Zentner
anſchlagen. Der Erlös für die Gelb= und Zuckerrüben
bildet eine Haupteinnahmequelle für die hieſigen
Land=
wirte. — Der ſeit längerer Zeit beurlaubte Lehrer Heyl,
der 26 Jahre ſegensreich hier wirkte, verſtarb vergangene
Nacht.
Nieder=Modau, 26. Okt. Das Verhalten des Rechners
Ph. Adam in Nieder=Modau, das den Zuſammenbruch
der Sparkaſſe in erſter Linie verſchuldet hat, beſchäftigt
nicht nur die Staatsanwaltſchaft, ſondern auch das
Zi=
vilgericht. Als ſich im vorigen Sommer herausſtellte,
daß die Kaſſe durch die Unterſchlagungen Adams um
Hunderttauſende geſchädigt war, drängte der Vorſtand
der Sparkaſſe darauf, daß Adam ſo gut wie möglich
Er=
ſatz leiſte. Adam überſchrieb dann gemeinſam mit ſeinem
Sohn Wilhelm Adam ſein geſamtes Mobiliar dem
Kredit=
verein. Als nach der Konkurseröffnung der
Konkursver=
walter das Mobiliar zur Maſſe zog, behauptete der Sohn
Wilhelm Adam, daß die Ueberſchreibung nur zum
Schein erfolgt ſei. Er erhob am Landgericht eine
Zi=
vilklage gegen den Kreditverein und den
Konkurs=
verwalter, Rechtsanwalt Dr. Hoffmann II., und verlangte
einen großen Teil des Mobiliars für ſich heraus. Nach
umfangreicher Zeugenvernehmung hat das Landgericht
die Klage des Sohnes Wilhelm Adam jetzt koſtenfällig
abgewieſen und feſtgeſtellt, daß kein Scheinvertrag
vorliegt, ſo daß das ſtreitige Mobiliar von der
Konkurs=
verwaltung im Intereſſe der Spareinleger verwertet
wer=
den kann.
fr. Groß=Zimmern, 25. Okt. Der vom hieſigen
Ge=
meinderate zum Rechner der hieſigen Gemeindekaſſe
ge=
wählte Polizeidiener Friedrich Kopp wurde vom
Kreisamte Dieburg beſtätigt.
tt. Dieburg, 25. Okt. Die Gebrüder Otto, die
ſich bei den Rekordverſuchen in Fechenheim in
hervor=
ragender Weiſe beteiligten, wurden für ihre
Höchſt=
leiſtungen, die ſie in dieſem Jahre in Deutſchland
er=
zielten, von der Sportgerätefabrik Kaſpar Berg von
Nürnberg mit verſchiedenen Ehrenpreiſen bedacht. Joſeph
Otto erhielt vier 1. Preiſe von je 50 Mk. und Edmund
Otto einen 2. Preis im Werte von 25 Mk.
Trebur (Ried), 26. Okt. Eine reiche Erbſchaft
iſt jetzt zur Auszahlung gekommen. Die beiden
Dienſt=
mädchen des auf der Hohenau verſtorbenen Barons de
Gingins, die mehrere Jahre bei ihm in Dienſten ſtanden,
erhielten je 50000 Mk. ausbezahlt, ein früherer Chauffeur
erhielt 10000 Mk. Gingins hat noch weitere
Vermächt=
niſſe gemacht, die ſein früheres Perſonal betreffen.
Worms, 26. Okt. Der Großherzog kam im
Sonderzug, von Darmſtadt kommend, heute früh um
9 Uhr auf dem hieſigen Bahnhof an und ſetzte um 9 Uhr
5 Minuten die Fahrt nach Herrnsheim fort, wo er als Gaſt
des Freiherrn Heyl zu Herrnsheim an der
heu=
tigen großen Haſenjagd im dortigen Revier
teil=
nimmt. Im Gefolge des Großherzogs befinden ſich
Hof=
marſchall v. Ungern=Sternberg, Hofjägermeiſter van der
Hoop und General Hahn. Die Rückkehr nach Darmſtadt
erfolgt abends, ebenfalls im Sonderzug.
Oppenheim, 26. Okt. Der vor kurzem verſtorbene
Ehrenbürger von Oppenheim, Hr. Aug. v. Frowein,
hat unſerer Stadt 2000 Mark mit der Beſtimmung
vermacht, daß die Zinſen dieſer Summe alljährlich
auf Weihnachten zum Beſten der hieſigen Armen
verwen=
det werden.
M. Aus Rheinheſſen, 26. Okt. Während im Jahre
1712 ſehr viel und guter Wein wuchs, ähnelt der
heu=
rige Jahrgang hinſichtlich ſeiner Qualität dem 1812er
Jahr, das nach einer Statiſtik als Fehljahr bezeichnet
wird und nur einen mittelmäßigen Wein hervorbrachte.
Nach dieſem von 1626 bis nahezu 1900 reichenden
Wein=
buch gab es in 272 Jahren für den rheinheſſiſchen
Win=
zer 152 Fehljahre, 83 gute Jahre und nur 37 Hauptjahre.
Durchſchnittlich iſt alſo ein edler, koſtbarer Wein nur alle
8 Jahre zu erwarten, während jedes zweite als Fehljahr
und jedes vierte als gutes Jahr zu bezeichnen iſt. Zwei
aufeinanderfolgende Hauptjahre kamen in dem oben
ge=
nannten Zeitraum nur 5 Mal vor; Gruppen von fünf
und mehr Fehljahren hingegen ſind keine Seltenheit.
Lauterbach, 26. Okt. Im Vogelsberg fiel
Schnee. Die Poſt kündete durch ihre Schneedecke auf
dem Verdeck den Talorten, daß oben der Winter ſich
an=
gemeldet hat. Der Winter käme jetzt unſeren Landwirten
viel zu früh. Noch iſt nicht einmal die Kornſaat beendigt,
noch weniger die Weizenbeſtellung. Auch ſind die
Hack=
gewächſe noch nicht alle heimgebracht. Dann warten noch
die Stoppelfelder auf das Umſtürzen.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 26. Okt. Prinz
Joachim von Preußen wird am Montag vormittag in
Straßburg eintreffen, um an der dortigen Hochſchule ſeine
juriſtiſchen Studien fortzuſetzen. Der kkaiſerliche Prinz
bewohnt auch diesmal wieder den linken Flügel des
Kaiſerpalaſtes. — Der Magiſtrat beſchloß in der heutigen
Sitzung auf Antrag des Bürgermeiſters Dr. Reicke, den
Exerzierplatz Schönhauſer Allee für 6½
Mil=
lionen Mark anzukaufen und ihn unter Ausſchluß aller
Bebauung zur Anlage von Packs zu verwenden. — Auf
dem alten Friedhofe in Potsdam wurde geſtern der auf
einer Ballonfahrt, auf der er den Höhenrekord drückte,
verunglückte Ingenieur Hans Gerike beſtattet. Ein
großes Trauergefolge geleitete den verunglückten
Er=
oberer der Lüfte zu letzten Ruheſtätte. — Es ſcheint
nun=
mehr gelungen zu ſein, ſo ſchreibt das Oſthavel. Kreisbl.,
den als Meſſerſtecher in Betracht kommenden
Bäcker=
geſellen Nettelſtroh zu überführen, daß er vor der
Tat in Nauen geweſen iſt. Zwei Tage vor dem
Ueberfall auf die drei Damen, alſo am 14. Auguſt, hatte
ſich ein junger Menſch in die oberen Räumlichkeiten des
Hotels „Schweizerhaus” eingeſchlichen, wurde aber von
der Wirtin abgefaßt. Der Eindringling entfernte ſich, und
Frau Hansmann, die Wirtin des Schweizerhauſes, ſah
ſich den Fremden näher an. Als der Bäckergeſelle
Nettel=
ſtroh der Bluttat beſchuldigt ward, erkannte Frau
Hans=
mann in einer ihr vorgelegten Photographie den
Ein=
dringling wieder. Dann wurde im Berliner
Unterſuch=
ungsgefängnis der Vechaftete mit noch mehreren andern
Perſonen der Frau Hansmann gegenübergeſtellt.
Nettel=
ſtroh wurde von der Frau Hansmann ſofort erkannt und
als der Eindringling bezeichnet.
Zweibrücken, 26. Okt. Nach zweitägiger
Verhand=
lung wurden wegen Mordes an dem Feldhüter Beckey in
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Oktober 1912.
Nummer 254.
Speyer die Angeklagten Peter Dörr ſen. und Peter
Dörr jun., Vater und Sohn, vom pfälziſchen
Schwur=
gericht zum Tode verurteilt. Die Verhandlung
fand unter großem Andrange des Publikums ſtatt.
Paris, 26. Okt. In der Nähe des Bahnhofs von
Lompret ſprang eine geiſtesgeſtörte Frau, die von
einer Nonne nach dem Irrenhaus gebracht werden ſollte,
während der Fahrt aus dem Zuge. Die Nonne, die ſie
zurückhalten wollte, ſtürzte dabei auf das Gleis und blieb
mit zerſchmettertem Schädel liegen. Die Geiſtesgeſtörte
erlitt nur leichte Verletzungen.
Riga, 26. Okt. Bei der Beförderung von 15 Pud
Pulver vom Bahnhofe nach einer Patronenfabrik erfolgte
aus unbekannter Urſache eine Exploſion, bei welcher
ein Arbeiter getötet, ein zweiter und zwei Frauen
ver=
letzt wurden.
New=York, 25. Okt. Die Anwälte Beckers
er=
klären, gegen den Spruch der Geſchworenen Berufung
einlegen zu wollen, ſobald die notwendigen Dokumente
fertiggeſtellt ſein würden. Sie begründen die Berufung
damit, daß die Rechtsbelehrung des Richters in einer
Art gehalten wurde, daß ſie die Abſichten des Angeklagten
ſchädigen mußte, und daß ferner der Richter gewiſſe
Zeugen nicht zuließ. Viele Anwälte ſind der Anſicht, daß,
falls dem Berufungseinſpruch entſprochen werde, der neue
Beckerprozeß kaum innerhalb Jahresfriſt ſtattfinden werde.
Landwirtſchaftliche Beſichtigungsreiſe.
C Der Landwirtſchaftskammer=
Aus=
ſchuß für Starkenburg veranſtaltete am 23 und
24. Okotober I. Js. eine Beſichtigungsreiſe nach Reutti
und Weißenhorn bei Neu=Ulm (Bayern), um hier die von
der Genoſſenſchaft für rationelle Schweinezucht des
Be=
zirks Neu=Ulm in Verbindung mit der Stadt Ulm in den
letzten Jahren im Intereſſe der Schweinefleiſchproduktion
und ſtädtiſchen Fleiſchverſorgung geſchaffenen
Unterneh=
mungen (Schweinezüchterei und Schweinemaſtanſtalt)
ken=
nen zu lernen. An dem unter Führung des ſtellvertr.
Vor=
ſitzenden, Herrn Oekonomierat Frit ſch=Dilshofen,
ſo=
wie des Sekretärs, Herrn Oekonomierat Lang=
Darm=
ſtadt, ſtattgehabten Ausflug nahmen etwa 20 Landwirte
(Schweinezüchter und Mäſter) aus der Provinz
Starken=
burg teil. Außerdem hatten ſich auf Einladung angeſchlon
ſen als Vertreter der Stadt Darmſtadt Herr Bürgermeiſter
Dr. Mueller und Schlachthofdirektor Veterinärrat Dr.
Garth. Die Exkurſion nach Neu=Ulm war in jeder
Be=
ziehung intereſſant und lehrreich und kehrten die
Reiſe=
teilnehmer hochbefriedigt über das Geſehene und Gehörte
in ihre Heimat zurück.
Es dürfte auch weitere Kreiſe intereſſieren, in welcher
Weiſe man in Ulm und dem bayeriſchen Bezirk Neu=Ulm
durch gemeinſame Unternehmungen der Landwirte und
der Stadt eine gewiſſe Gleichmäßigkeit in der
Schweine=
fleiſchproduktion und damit eine Verbilligung des
Flei=
ſches in Ulm zu erreichen ſtrebt. Die in Reutti bei Neu=
Ulm befindliche Schweinemaſtanſtalt, welche mit Ablauf
dieſes Jahres aus fünf Schweinemaſtſtällen — zur Zeit
ſind drei vorhanden — beſtehen wird, hat den Zweck, die
in der Schweinezüchterei Weißenhorn aufgezogenen
Fer=
kel zu mäſten und der Stadt Ulm zu einem vertraglich
be=
ſtimmten Preis auf längere Zeit (5 Jahre) für
Schlacht=
zwecke zur Verfügung zu ſtellen. Jeder der um eine
Fut=
terzentrale liegenden Schweinemaſtſtälle iſt 36 Meter lang
und 12 Meter breit, aus Holz erbaut und mit Strohdach
verſehen. Jeder Stall iſt mit etwa 260 Schweinen beſetzt,
welche in Gruppen von 17 bis 20 Stück in beſonderen
Buchten aus Holzkrippen ihr Futter, beſtehend aus
ge=
ſchrotener Gerſte, Mais, Fiſch= und Fleiſchmehl,
aufneh=
men. Die Pflege und Fütterung der Schweine in einem
Maſtſtall unterſtehen einem Schweinefütterer und deſſen
Frau, welche in einem neben dem Schweineſtall
befind=
lichen Häuschen wohnen. Nach Fertigſtellung des vierten
und fünften Schweinemaſtſtalles iſt die ganze Maſtanſtalt
mit etwa 1300 Maſtſchweinen im Alter von 6—8 Wochen
(Läufer) bis zum ſchlachtreifen Maſtſchwein beſetzt.
Maſtdauer beträgt etwa 22 Wochen und erreicht das
Maſt=
ſchwein am Ende derſelben ein durchſchnittliches
Lebend=
gewicht von 220 Pfund. Da im Jahre ein zweimaliger
Umſatz des ganzen Beſtandes ſtattfindet, können aus der
Maſtanſtalt an die Statd Ulm jährlich etwa 2500
Maſt=
ſchweine geliefert werden. Die einzelnen
Schweinemaſt=
ſtälle, welche im Kreis um die Futterzentrale liegen, ſind
der Seuchegefahr wegen etwa 500 Meter voneinander
ent=
fernt und mit Schmalſpurbahngeleiſen untereinander
ver=
bunden. Auch ſteht dieſes Geleiſe mit der benachbarten
Eiſenbahnſtation Reutti in Verbindung, ſodaß der
An=
transport der Futtermittel ſowie der Forttransport der
gemäſteten Schweine in leichteſter Art geſchieht. Sobald
eine Gruppe Maſtſchweine ſchlachtreif iſt, wird ſie nach
Feſtſtellung des Lebendgewichts an die Stadt Ulm
abge=
geben zu einem vertraglich beſtimmten Preiſe von 63 Pfg.
das Pfund Schlachtgewicht. Die Stadt Ulm gibt die
Schweine wieder an beſtimmte Metzger unter der
Bedin=
gung eines beſtimmten Verkaufspreiſes für Schweinefleiſch
(zurzeit 80 Pfg. pro Pfund) ab. Das von der Maſtanſtalt
jährlich gelieferte Schweinematerial macht ungefähr den
achten Teil des geſamten Schweinefleiſchbedarfs der Stadt
Ulm aus und läßt ſich denken, daß durch vorſtehende
Ein=
richtungen die Stadt einen gewiſſen Einfluß auf die
Bil=
dung der Fleiſchpreiſe auszuüber vermag. Der
Schweine=
zuchtbetrieb in Weißenhorn iſt zurzeit noch nicht in
vol=
lem Gange — es werden gegenwärtig ca. 50
Zuchtſau=
gehalten, welche Zahl nach Vergrößerung des
Weideter=
rains auf etwa 100 Zuchtſauen erhöht werden ſoll — ſo
daß es zur Zeit noch notwendig iſt, Maſtferkel und
Läu=
fer für die Maſtanſtalt in Reutti von auswärts (
Han=
nover) zu beziehen. Der Schweinezuchtbetrieb und der
Maſtbetrieb liegt in den Händen der Schweinezucht
noſſenſchaft für rationelle Viehverwertung in Neu=Ulm,
an deren Spitze Herr Regierungsrat Riſch ſteht. Der
bayeriſche Staat und die Stadt Ulm haben der
Genoſſen=
ſchaft erhebliche Zuſchüſſe zu ihren erſten Einrichtungen
gewährt. Die Stadt Ulm leiſtet ferner zu den Futterkoſten
Vorſchüſſe (pro Maſtſchwein Mk. 60) und iſt außerdem
noch an der Verzinſung und Amortiſation des
Anlage=
kapitals (Schweinemaſtſtälle) beteiligt.
Ueber das finanzielle Ergebnis des ganzen
Unter=
nehmens kann natürlich jetzt noch nichts geſagt werden,
der Erfolg wird ganz davon abhängen, wie und zu
wel=
chen Preiſen die Futtermittel eingekauft werden, ob es
ge=
lingt, den Schweinemaſtbetrieb ungeſtört bezw.
unbeein=
flußt durch Seuchen uſw auszuführen. Auf jeden Fall
haben wir aber in dem Ulmer Unternehmen ein
intereſ=
fantes Problem zur Löſung der Frage, wie und durch
welche Mittel kann die Ernährung des deutſchen Volkes
ſichergeſtellt werden, ſowie auf welche Weiſe können
even=
tuell ſtädtiſche Kreiſe und die Landwirtſchaft auf dieſem
wichtigen Gebiet zuſammenarbeiten. Ob das Ulmer
Bei=
ſpiel auch anderwärts nachzuahmen iſt (wünſchenswert
wäre es ja wohl), wird in jedem einzelnen Fall von den
gegebenen ſtädtiſchen Verhältniſſen und des benachbarten
Landes abhängig ſein.
Internationales Uebereinkommen zur Regelung
des Ausſtellungsweſens.
* Berlin, 26. Okt. Heute wurde hier, wie bereits
kurz gemeldet, das internationale
Ueberein=
kommen zur Regelung des
Ausſtellungs=
weſens unterzeichnet. Damit fanden die Arbeiten der
ſeit Anfang Oktober tagenden erſten diplomatiſchen
Aus=
ſtellungskonferenz ihren Abſchluß, an der amtliche
Ver=
treter Deutſchlands, Oeſterreich=Ungarns, Belgiens,
Däne=
marks, Spaniens, Frankreichs, Englands, Italiens, Japans,
Norwegens, der Niederlande, Portugals, Rußlands,
Schwe=
dens, der Schweiz und den Vereinigten Staaten
teilnah=
men. Die Konferenz legte den Grundſtein für die
inter=
nationale Ordnung des Ausſtellungsweſens und führte
dadurch zum erſten Male zu einer Verſtändigung der
be=
teiligten Staaten über Fragen, die, dem Charakter großer
Ausſtellungen entſprechend, das Gebiet allgemeiner
wirt=
ſchaftlicher Betätigung der Nationen engſtens berühren.
Eine der wichtigſten Beſtimmungen des
Uebereinkom=
mens beſchränkt die Zahl der großen allgemeinen
Aus=
ſtellungen, die von den Vertragsſtaaten nur noch beſchickt
werden dürfen, wenn ſie nicht häufiger als alle drei Jahre
und innerhalb desſelben Landes nicht häufiger als alle
zehn Jahre veranſtaltet werden und außerdem durch eine
genaue Klaſſifikation feſtgelegt iſt, welche internationalen
Ausſtellungen als amtliche oder amtlich anerkannte
gel=
ten. Für die Art der Einladung zu ſolchen Ausſtellungen,
für die Organiſation. Dauer und die Einrichtung der
fremdländiſchen Abteilungen, beſonders für die
Zuſam=
menſetzung, das Verfahren des Preisgerichts und die
Ver=
teilung der Auszeichnungen ſind gewiſſe Grundſätze
ver=
einbart. Das Uebereinkommen erſtreckt ſich nicht
unmittel=
bar auf private Ausſtellungen; es läßt aber vorausſehen,
daß ſeine Grundſätze auch auf dieſem Gebiete in den
Ver=
tragsſtaaten an Bedeutung gewinnen werden. Wenn auf
dieſem Wege die Zahl der Ausſtellungen und der
Preis=
verteilungen ſich verringern läßt und wenn gerade in
die=
ſer Beziehung die im Inlande beobachteten Auswüchſe
beſeitigt werden könnten, würde ein weſentlicher Schritt
zur Geſundung des Ausſtellungsweſens getan ſein.
Ueb=
rigens enthält die Konvention ausdrückliche Abreden zur
Belämpfung der Schwindelausſtellungen und des
Me=
daillenhandels. Bei dieſer erſten Verſtändigung kann es
ſich nicht um eine erſchöpfende Regelung, ſondern nur um
eine Einigung in den grundlegenden Fragen von
un=
mittelbarer praktiſcher Bedeutung handeln. Der Ausbau
der Konvention darf ſpäteren Konferenzen vorbehalten
bleiben; das ſchon jetzt Erreichte wird man als einen
Merkſtein in der Entwickelung des Ausſtellungsweſens
be=
trachten können.
Kongreſſe und Verbandstage.
* Stuttgart, 25. Okt. Der 1. deutſche
Luft=
fahrertag, auf dem 306 Stimmen vertreten ſind, wurde
heute vormittag durch den Verbandsvorſitzenden
General=
leutnant z. D. von Nieber mit einer
Begrüßungsan=
ſprache eröffnet, in der der Redner in ehrenden Worten
Hans Gerickes gedachte. Unter den Teilnehmern
be=
finden ſich Prinz Wilhelm von Sachſen=Weimar und
Pro=
feſſor Dr. Major von Parſeval. Den wichtigſten Punkt
der Beratung bildete das neue Grundgeſetz des Verbandes.
* Stuttgart, 26. Okt. Der Deutſche
Luft=
fahrer=Tag wählte anſtelle von Generalleutnant
Nieber, der auf Wiederwahl verzichtete, Generalleutnant
Frhrn, v. d. Goltz zum Vorſitzenden des Deutſchen
Luft=
fahrer=Verbandes. Nieber wurde zum Ehrenpräſidenten
ernannt.
Luftfahrt.
* Friedrichshafen, 26. Okt. Das Luftſchiff
„Viktoria Luiſe” paſſierte auf ſeiner Fahrt nach
Frankfurt a. M. um 10,50 Uhr Laichingen und wandte
ſich dann dem Neckartal zu. Um 11,25 Uhr erſchien das
Luftſchiff über Eßlingen, um 11,40 Uhr über
Stutt=
gart, wo es einige Schleifenfahrten ausführte. Dann
fuhr das Luftſchiff in der Richtung nach Frankfurt a. M.
weiter.
* Frankfurt a. M., 26. Okt. Das Luftſchiff „
Vik=
toria Luiſe” iſt um ½3 Uhr über Frankfurt
erſchie=
nen und um ¾3 Uhr auf dem Flugplatze glatt gelandet.
* Putzig, 25. Okt. Heute fand hier ein
Waſſer=
flugzeugwettbewerb, ſtatt, zu dem Vizeadmiral
Dick und andere Herren vom Reichmarineamt
eingetrof=
fen waren. An dem Wettbewerb beteiligten ſich drei
Apparate, und zwar ein Aviatik=Doppeldecker (Führer
Fiſcher), ein Ago=Doppeldecker (Führer Gorriſſen),
ein Albatros=Dopeldecker (Führer Thelen). Alle
Appa=
rate waren mit 100 PS.=Argus=Motoren ausgerüſtet. Die
Prüfung umfaßte drei Bedingungen. Erſtens: Kürzeſten
Anlauf vom Flugplatz aus aufzuſteigen; zweitens: eine
Höhe von 500 Metern zu erreichen; drittens eine Strecke
von 15 Km. in kürzeſter Friſt zu durchfliegen. Sämtliche
Flüge wurden mit einem Paſſagier ausgeführt. Den
kür=
zeſten Anlauf zum Aufflug erzielte Gorriſſen mit 72
Meter, die größte Höhe Thelen mit ungefähr 450 Meter.
An dem Schnelligkeitsfliegen beteiligte ſich nur Thelen,
der die 15 Kilometer lange Strecke mit einer
Stunden=
geſchwindigkeit von etwa 75 KilometerVzurücklegte, Thelen
gelang es, vom Waſſer hoch zu kommen.
Die Tauffeierlichkeiten in Weimar.
* Weimar 25. Okt. Die Taufe des
Erb=
großherzogs begann um 6 Uhr mit der Verſammlung
der Gäſte in den Dichterzimmern des Schloſſes, während
die Fürſtlichkeiten im Salon der Großherzogin
zu=
ſammentrafen. Um 6½ Uhr begab ſich der Hof unter
großem Vortritt in die Schloßkapelle, der Kaiſer führte
die Großherzogin, der Großherzog die
Kai=
ſerin der König von Sachſen die Großherzogin
von Mecklenburg=Schwerin, Prinz Friedrich von Sachſen=
Meiningen die Prinzeſſin Friedrich von Sachſen=
Mei=
ningen. Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg die
Prinzeſſin Heinrich VIII. Reuß; die zahlreichen anderen
Fürſtlichkeiten folgten. Die Oberhofmeiſterin erſchien mit
dem Täufling auf dem Arm, deſſen Schleppe Hofdamen
trugen. Oberhofprediger D. Spinner taufte den
Erb=
großherzog auf die Namen: Wilhelm, Ernſt, Karl, Auguſt,
Friedrich, Georg, Johann, Albrecht mit dem Rufnamen
Karl Auguſt und predigte über Galater 6, V. 7: Was
der Menſch ſät, das wird er ernten! Nach der Taufe war
Gratulations=Defiliercour. An der Spitze der
Defilieren=
den befanden ſich das diplomatiſche Korps. Um 8 Uhr
war Galatafel, zu der auch die Spitzen der
Behör=
den und das Präſidium des Landtags geladen waren.
Die Muſik ſtellte das Infanterie=Regiment Großherzog
von Sachſen. Der Kaiſer ſaß zwiſchen dem Großherzog
und der Großherzogin, neben dieſer der König von
Sach=
ſen. Bei der Tafel hielten der Großherzog und der
Kai=
ſer Trinkſprüche. Am ſpäten Abend brachten die
Studie=
renden von Jena einen Fackelzug dar. Die Stadt iſt
glän=
zend illuminiert.
Die Rede des Großherzogs bei der Galatafel
lautete: Meiner Gemahlin und mir iſt es
Herzensbedürf=
nis, einem jeden, der an dem heutigen Ereignis Anteil
ge=
nommen, unſeren innigſten Dank auszuſprechen. Eure
Kaiſerlichen und Königlichen Majeſtäten haben geruht,
bei unſerem erſtgeborenen Sohn Patenſtelle anzunehmen
und damit der ſchon oft gezeigten freundlichen Geſinnung
unſerm Haus gegenüber von neuem Ausdruck zu gebeng
Möge die Anweſenheit des deutſchen Kaiſerpaares für
unſeren Sohn ſpäterhin ein Anſporn ſein, ſtets ſich ſeiner
Pflicht als deutſcher Fürſt bewußt zu ſein. Wir Eltern
aber werden ihn dazu erziehen, daß er ſtets ſeine
Pflicht=
dem großen Vaterland gegenüber erfüllt. Seine Majeſtätz
der König von Sachſen hat ebenfalls geruht, hier zu
er=
ſcheinen. Wir danken Eurer Majeſtät auf das herzlichſte
dafür und werden uns ſtets bemühen, die
freundſchaft=
lichen Beziehungen zwiſchen dem Königshauſe Sachſen
aufrecht zu erhalten. Wir danken allen lieben
Verwand=
ten, die ſo weit hergekommen ſind, um dieſes Feſt mit uns
zu feiern. Wir gedenken Ihrer Majeſtät der Königin der
Niederlande, die auch die Güte gehabt hat, bei unſerem
Erben Patenſtille zu übernehmen, ebenſo wie Seiner
Hoheit des Herzogs von Meiningen, der durch ſein hohes
Alter leider verhindert iſt, hier zu erſcheinen, und bitten
Seine Hoheit den Erbprinzen, ihm unſern herzlichſten
Dank zu übermitteln für die bewieſene Teilnahme an
unſerm Geſchick. Wir begrüßen die Vertreter unſeres
Lan=
des und freuen uns, daß ſie Zeugen unſeres Glückes ſind
Wir erheben unſere Gläſer und trinken auf das Wohl
un=
ſerer Gäſte: Ihre Kaiſerlichen und Königlichen Majeſtäten;
der deutſche Kaiſer, die Kaiſerin, der König von Sachſen,
alle unſere lieben Verwandten und die fürſtlichen Gäſte
leben hoch.
Der Trinkſpruch des Kaiſers iſt bereits
mit=
geteilt worden.
Die Erkrankung des ruſſiſchen Thronfolgers.
* Die Darmſt. Zeitung teilt mit: Bei Seiner
Kaiſer=
lichen Hoheit dem Ruſſiſchen Großfürſten=
Thronfolger hat ſich vor einigen Tagen infolge eines
zufälligen Stoßes ein innerer Bluterguß eingeſtellt, durch
den eine bis jetzt noch andauernde Temperaturerhöhung
hervorgerufen wurde. Ueber den gegenwärtigen Zuſtand
läßt ſich glücklicherweiſe ſagen, daß jetzt eine merkliche
Wendung zur Beſſerung eingetreten iſt.
* Petersburg, 25. Okt. Nach dem heute abend
erſchienenen Bulletin verbrachte der Großfürſt=
Thronfolger den Tag gut. Er ſchlief drei Stunden
und zeigte beſſeren Appetit. Die Temperatur betrug am
Tage 38,3 Grad, abends 27,9 Grad. Puls am Tage 128)
abends 122.
H. B. Petersburg, 26. Okt. Die offiziellen
Mel=
dungen über das Befinden des Thronfolgers
lauten andauernd befriedigend. Es ſoll tatſächlich eing
entſchiedene Beſſerung eingetreten und von den Aerzter
eine volle Geneſung durch die bevorſtehende Operationi
Ausſicht geſtellt worden ſein.
* Petersburg, 26. Okt. Morgenbulletir
Der Thronfolger ſchlief ſehr gut. Er hatte keine Schmer”
zen. Die Geſchwulſt iſt etwas kleiner. Die
Temperatli=
betrug heute morgen 37,9 Grad, der Puls war gut
Handel und Verkehr.
* Wie verlautet, ſchweben zurzeit Erwägungen über eine
Aenderung der ſeit einigen Jahren bei einer Reihe größerer
Bahnhöfe der preußiſch=heſſiſchen Staatsf
eiſenbahnen beſtehenden Einrichtung der Verleihung)
von Kiſſen und Reiſedecken auf den Bahng
ſteigen. Bekanntlich kann man auf dieſen Bahnhöfent
am Zuge gegen Zahlung von 75 Pfg. ein größeres
Kiſſen oder eine wollene Decke, die in verſchloſſenen
Papierhüllen bereit gehalten werden, für eine beſtimmtel
Eiſenbahnfahrt mieten, mit der Verpflichtung, Kiſſen
oder Decke am Ziel der Fahrt einfach im Zuge zu
be=
laſſen. Dieſe Einrichtung ſoll vom Publikum nicht in
dem erwarteten Umfang in Anſpruch genommen worden
ſein und ſich auch wegen der häufigen Verſchleppungen
der Kiſſen als ſchwer durchführbar erwieſen haben. Wie
verlautet, ſoll deshalb die Bereithaltung von
Papierluft=
kiſſen zum Verkauf auf den Bahnhöfen an Stelle der
bisherigen Einrichtung ins Auge gefaßt ſein.
Der Balkankrieg.
Ueber die Erſtürmung von Kirk=Kiliſſe
meldet der Kriegsberichterſtatter der Wiener Reichspoſt,
deſſen Berichten in militäriſchen Kreiſen erhebliche
Bedeu=
tung beigemeſſen wird, folgendes: Der Fall von Kirk=
Kiliſſe wurde durch einen Nachtangriff vorbereitet, der
die Bulgaren zu Herren der Stellungen nördlich und
nordöſtlich der Stadt machte. Die Bulgaren brachten auf
den Höhen ſofort Artillerie in Stellung und beim
Mor=
gengrauen begann das Bombardement der Stadt,
die in kurzer Zeit in Brand geſchoſſen wurde.
Gleich=
zeitig ſetzte ſich die bulgariſche Infanterie auf der ganzen=
Front von Demirdſcha auf der Straße Mali=Tirnovo=
Kirk=Kiliſſe über Karakotſch und Raklica öſtlich von Petra
zum Angriff auf Kirk=Kiliſſe in Bewegung, während eine
weitere Kolonne öſtlich über die Höhen von Jundala
gegen die Straße nach Bunar=Hiſar vorſtieß. In den
Weinbergen im Norden von Kirk=Kiliſſe entſpannen ſich
zwiſchen den angreifenden Bulgaren und den Türken
furchtbare Nahkämpfe. Die Bulgaren wurden
wiederholt zurückgeworfen, ſetzten aber immer wieder zum
Sturm an. Das Gros der Türken trat bereits im Laufe
der Nacht den Rückzug auf Bunar Hiſar, ſowie in
ſüdlicher Richtung an. Um 10 Uhr vormittag drangen die
erſten bulgariſchen Truppen durch die Weingärten
nord=
weſtlich von Kirk=Kiliſſe in die Stadt, wo ſich ein
furcht=
barer Straßenkampf entſpann. Schon nach einer
Stunde war der Kampf entſchieden und die Bulgacen
waren Herren der Stadt. Trotz allgemeiner Erſchöpfung
der Truppen wurde ſofort die Verfolgung der Türken
auf=
genommen, während ſtarke Kolonnen einen Vorſtoß über
Uesküb auf Bunar=Hiſar unternahmen, um den
Rückzug der Türken abzuſchneiden. Von großer
Bedeu=
tung wird das Vorgehen der durch die Waldzone an der
Küſte au Viza vorrückenden bulgariſchen Streitkräfte ſein,
da durch dieſe den Türken der Weg nach Konſtantinopel
vollſtändig verlegt werden kann. Die türkiſche
Haupt=
kraft, welche bei Kirk=Kiliſſe im Kampf ſtand, trat den
Rückzug auf die zweite Verteidigungsſtellung am
Evgene=
fluß an.
* Sofia, 25. Okt. Miniſterpräſident Geſchow hat
den Vertretern des Mir gegenüber folgende Aeußerungen
gemacht: Die Bedeutung des Falles von Kirk=
Kiliſſe liegt in der Tatſache, daß die Türken dort ihre
Nummer 254.
Darmſtadter Tagblatt, Montag, den 28. Oktober 1912.
Seite 5.
beſten Truppen und die fähigſten Generale verſammelt
hatten. Wenn ſie ſich in dieſer ſtarken Feſtung nicht
hal=
ten konnten, ſo werden ſie auch weiter ſüdlich ſchwerlich
Widerſtand leiſten können. Darum wären heute die beſten
Freunde der Türkei diejenigen, welche ihr raten, den
hoff=
nungsloſen Kampf nicht fortzuſetzen, je früher, deſto beſſer.
Alle Menſchenfreunde müßten jene ſtrenge Meinung
ver=
urteilen, daß dieſer Krieg ein Vernichtungskrieg ſei. Die
vier chriſtlichen Balkanſtaaten beabſichtigen nicht, die
tür=
kiſche Bevölkerung dieſer europäiſchen Gebiete zu
vernich=
ten. Wenn die Großmächte die Pazifizierung der
Bal=
kanhalbinſel aufrichtig wünſchen, kann der Friede ſehr
bald geſchloſſen ſein.
Die Schlacht von Kumanowo.
* Belgrad, 25. Okt. Nach einem offiziellen
Be=
richt begann die Schlacht von Kumanowo in der
Nacht vom 23. zum 24. Oktober und dauerte geſtern den
ganzen Tag bis abends an. Die Stärke der türkiſchen
Truppen wird auf 25000 Mann geſchätzt. Trotz des
völlig beſtrichenen Gefechtsfeldes gingen die ſerbiſchen
Infanteriſten gegen die türkiſchen Schanzen mit
einem Bajonettangriff vor. Es kam wiederholt zu einem
Handgemenge. Beſonders erfolgreich war das Eingreifen
der ſerbiſchen Artillerie in den Kampf, die drei zu einer
Attacke ausholende türkiſche Schwadronen vernichtete. Die
beiderſeitigen Verluſte ſind groß. Die Türken ſollen 5000
Mann verloren haben. Der Kronprinz leitete den Kampf
mit ſeinem Stabe in unmittelbarer Nähe des
Gefechts=
feldes. Auch der König erſchien mit ſeinem
Generalſtabs=
chef auf dem Gefechtsfelde. Der Geiſt der Truppen iſt
vorzüglich. Unter anderer Kriegsbeute eroberten Fe
Serben 12 türkiſche Geſchütze. Die Bedeutung der Schlacht
von Kumanowo liegt darin, daß Uesküb von der
türki=
ſchen Armee nur von einer einzigen Poſition verteidigt
werden kann.
* Belgrad, 26. Okt. Amtlich werden folgende
Einzelheiten über die Schlacht bei Kumanowo
gemeldet: Die ſerbiſchen Truppen, die an dem Kampf
be=
teiligt waren, waren 35000 Mann ſtark. Der Vörmarſch,
beſonders für die Artillerie, war infolge des heftigen
Regens ſehr ſchwierig. Das 18. und das 7. Infanterie=
Regiment traten zuerſt in den Kampf ein und zwangen
500 Albaneſen, ſich zu ergeben. Trotzdem die Albaneſen
Zeichen zur Uebergabe gegeben hatten, eröffneten ſie doch
aus einer Entfernung von 15 Metern ein Feuer auf die
ſerbiſchen Truppen. Ein furchtbares Blutbad folgte, bei
dem die Serben große Verluſte erlitten und ſämtliche
Albaneſen getötet wurden. Serbiſche Freiwillige trieben
die türkiſche Kavallerie zurück. Der Kampf dauerte zwei
Tage. Endlich wurden die Türken in die Flucht
geſchla=
igen. Die ſerbiſchen Truppen erbeuteten 30 Kanonen.
Unter den bei Kumanowo Gefallenen befinden ſich
zahl=
reiche Offiziere und Soldaten aus Belgrad.
* Belgrad, 26. Okt. Geſtern ſind 324
Verwun=
dete aus den Kämpfen auf dem weſtlichen Kriegsſchau=
Splatz und 578 Verwundete aus der Schlacht bei
Ku=
manowo eingetroffen. Die Geſamtverluſte der
Iſerbiſchen Truppen ſollen ſich auf 2000 Tote und
3900 Verwundete beziffern; die Türken hatten 8000
DTote. (?) Die Zahl der Verwundeten iſt unbekannt. Nach
Erzählungen von ſerbiſchen Verwundeten haben die
ſer=
biſchen Truppen die größten Verluſte bei der Erſtürmung
der von der türkiſchen Artillerie beſetzten Anhöhen
er=
litten, die infolge der vortrefflichen militäriſchen Stellun=
Agen durch Bajonettangriff genommen werden mußten.
Erſt nach Eroberung dieſer Stellungen konnte die
ſer=
biſche Artillerie in Wirkſamkeit treten und richtete unter
den türkiſchen Truppen ein förmliches Blutbad an.
Un=
beſtätigten Nachrichten zufolge ſoll der Albanierführer
Iſſa Boljetinatz, der ſich anfangs den ſerbiſchen Truppen
angeſchloſſen hatte, mit ſeinem beträchtlichen Anhang an
der ſerbiſchen Armee Verrat geübt haben und mit einer
großen Anzahl von Albaniern getötet worden ſein.
Be=
glaubigte Nachrichten fehlen.
Vom öſtlichen Kriegsſchauplatze.
* Paris, 26. Okt. Mehreren Blättern zufolge ſei
geſtern abend hier aus Konſtantinopel und aus Sofia die
Nachricht von einem neuen Sieg der Bulgaren
eingetroffen. Die Bulgaren hätten geſtern früh die bei
Karakli, etwa 20 Kilometer ſüdlich von Kirk=Kiliſſe,
an=
geſammelten türkiſchen Streitkräfte in die Flucht
geſchla=
gen. Auf türkiſcher Seite ſeien 1300 Mann gefallen. Der
rechte Flügel der Armee Nizam Paſchas ſcheine in voller
Auflöſung begriffen. Adrianopel werde kaum noch lange
Widerſtand leiſten können. Die Hauptmacht der
Bul=
garen rücke gegen Luleburgas vor und werde verſuchen,
die Bahnverbindung nach Konſtantinopel abzuſchneiden.
* Konſtantinopel, 26. Okt. Der
Komman=
dant von Adrianopel veröffentlichte eine ſtrenge
Verordnung über den Belagerungszuſtand der
Stadt. Den Einwohnern iſt verboten, große Mengen
von Lebensmitteln zu kaufen. Greiſe, Kranke und
die=
jenigen, die kein Geld oder Lebensmittel für zwei
Mo=
nate beſitzen, ſowie verdächtige Perſonen werden entfernt.
Die kriegstüchtige Bevölkerung wird, wenn es erforderlich
ſei, gezwungen, die Truppen zu unterſtützen. Perſonen,
die beuncuhigende Gerüchte verbreiten, ſollen erſchoſſen
werden.
* Konſtantinopel, 26. Okt. Türkiſchen Blättern
zufolge ſoll in der Umgegend von Adrianopel ein
ganzes bulgariſches Artillerie=Regiment
vernichtet worden ſein.
* Konſtantinopel, 26. Okt. Die Abendblätter
bringen Privattelegramme über neue heftige
Kämpfe der Türken mit den Bulgaren vor
Adria=
nopel. Die Bulgaren drangen danach von den Höhen
von Maraſch bis auf tauſend Meter an die Befeſtigung
heran, erlitten aber unter dem Feuer der Artillerie und der
Infanterie große Verluſte. Der Kommandant von
Adrianopel erließ eine Bekanntmachung, daß die Kämpfe
fortdauern, und zwar mit Erfolgen für die türkiſche
Ar=
mee, die ihre Pflicht tue. Nach den Blättern ſollen die
Bulgaren in den Kämpfen im Tale der Tundja 7000
Mann kampfunfähig gehabt haben. 20 weitere
Komi=
tatſchis ſind heute in Adrianopel feſtgenommen worden.
* Konſtantinopel, 26. Okt. Laut zuverläſſigen
Nachrichten gelang es Mahmud Mukhtar Paſcha,
ſeine Streitkräfte zu ſammeln. Er nahm die
Offen=
ſive in der Richtung auf Kirk=Kiliſſe wieder auf.
Seine Lage iſt befriedigend.
Vom weſtlichen und ſüdlichen Kriegsſchauplatz
* Konſtantinopel, 26. Okt. Amtlich wird beſtätigt,
daß die Serben Priſchtina beſetzt haben. Die
Ver=
bindung zwiſchen Uesküb und Mitrowitza iſt
unter=
brochen.
* Belgrad, 26. Okt. Amtlich wird aus Vranja
gemeldet: Woucitrou und Ghilan ſind von den
Ser=
ben eingenommen. Geſtern nachmittag iſt hier der dritte
Verwundetentransport eingetroffen
* Belgrad, 25. Okt. Die Serben, die jetzt im
Sandſchak ſind, haben dort bereits ihre Verwaltung
mit Novibazar als Hauptort eines gleichnamigen neuen
ſerbiſchen Kreiſes eingeleitet.
* Konſtantinopel, 25. Okt. Jeunn Turcque
meldet, daß laut einem Manifeſt der Militärbehörde die
Bulgaren bei Kadiköi und Ahurköi 16000 Tote und
Ver=
wundete hatten.
* Rjeka, 26. Okt. Von militäriſcher Seite wird
über die Kämpfe bei Skutari gemeldet: Die
montene=
griniſche rechte Flügelkolonne unter
Gene=
ral Martinowitſch iſt bereits im Beſitze der Höhen,
weſtlich von Taraboſch, und dominiert ſo die türkiſche
Hauptſtellung, die auch aus ſüdlicher Richtung von
Oblika bedroht wird. Sobald die aus 15=Zentimeter=
Mörſern beſtehende Angriffsartillerie in wirkſame
Ent=
fernung herangebracht iſt, dürften die türkiſchen
Befeſti=
gungen ſich trotz tapferer Gegenwehr kaum länger halten
können. Nordöſtlich vom Skutariſee iſt die Kolonne des
Kronprinzen Danilo bis in die Gegend von Vraks
vorgedrungen und ſteht nur noch vier bis fünf Kilometer
von den türkiſchen Verſchanzungen bei Schtoj nördlich
von Skutari und wird im Laufe des Tages noch näher
heranrücken. Die ſchweren Geſchütze richteten ihr Feuer
ſchon geſtern gegen die türkiſchen Verſchanzungen und
dem Lagerplatze auf der öſtlichen Seite. Nur ein zu
weit=
gehendes Geſchoß fiel innerhalb des Stadtgebietes nieder.
* Rjeka, 26. Okt. Am geſtrigen ſpäten Nachmittag
begannen die Montenegriner mit der Beſchießung
von Skutari. Die türkiſche Infanterie hatte ſich
draußen vor der Stadt verſchanzt und leiſtete
helden=
mütigen Widerſtand. Ihre Artillerie ſchoß vortrefflich.
Infolge des ſtarken türkiſchen Geſchützfeuers ſchlug der
Verſuch der montenegriniſchen Infanterie, ihre Geſchütze
zu nehmen, fehl, doch blieb geſtern der Kampf reſultatlos.
* Athen, 25. Okt. Der frühere Miniſterpräſident
Dragumis iſt zum Gouverneur von Kreta
er=
nannt worden. Er iſt dort unter dem Jubel einer
zahl=
reichen Menſchenmenge offiziell empfangen worden.
So=
bald der Gouverneur ans Land gegangen war,
über=
reichte ihm das kretiſche Exekutivkomitee ſeine Demiſſion.
Dragumis iſt beauftragt, die Regierung auf Kreta in die
Hände zu nehmen und eine Verwaltung einzurichten, die
Ordnung und Sicherheit des Eigentums ohne Rückſicht
auf das religiöſe Bekenntnis ſichern ſoll. Die Beſtallung
des früheren Miniſterpräſidenten Dragumis zum
Gou=
verneur von Kreta iſt ohne Genehmigung der
Groß=
mächte erfolgt und anſcheinend ſoll eine Notifikation an
die Mächte auch nicht erfolgen!
Die Haltung der Mächte.
* Berlin, 26. Okt. Die Voſſiſche Zeitung meldet
aus Wien: Die Großmächte halten daran feſt, daß
eine Teilung der europäiſchen Türkei von den
Großmäch=
ten nicht geduldet werden wird. Die mazedoniſche Frage
wird ſeinerzeit durch die Großmächte, und nur allein
durch ſie, geregelt werden. In hieſigen diplomatiſchen
Kreiſen wird erklärt, daß angeſichts der durch die Siege
der Balkanſtaaten geſchaffenen ſchweren europäiſchen
Situation die Kabinette der Dreibundſtaaten entſchloſſen
ſind, zuſammenzugehen und gemeinſam diplomatiſch zu
handeln, um jeder Komplikation in Europa den Boden
zu entziehen.
Der Berliner Lokalanzeiger meldet aus
Konſtan=
tinopel: Als Beſtätigung einer bevorſtehenden
In=
tervention wird hier angeſehen, daß keine Macht
außer England eine Neutralitätserklärung abgab. In
hieſigen diplomatiſchen Kreiſen wird angenommen, daß
eine Intervention ſchon in allernächſter Zeit erfolgen
werde.
Der Berliner Lokalanzeiger meldet aus Paris: Es
heißt, daß die Miniſter Saſonow und Graf
Berch=
told den kriegführenden Parteien die Verſicherung
zu=
gehen ließen, daß ohne abſolut zwingende Urſachen
weder Rußland noch Oeſterreich=Ungarn von den
allge=
meinen Richtlinien der Neutralität ſich entfernen wollen.
* Sofia, 26. Okt. Der halbamtliche Mir, der die
Frage einer europäiſchen Intervention
be=
ſpricht, gibt folgende bündige Erklärung ab: Alle
Be=
mühungen einer europäiſchen Intervention kommen zu
ſpät und ſind überflüſſig. Wenn ſie ehedem notwendig
erſchienen, ſind ſie heute völlig unzuläſſig. Die Völker
des Balkans, ſtark genug, für ſich ſelbſt zu ſorgen, führen
das Werk der Befreiung bis zum Ende durch. Die
öffent=
liche Meinung zeigt ſich noch unverſöhnlicher, beſonders
nach dem Sieg bei Kirk=Kiliſſe, der das Selbſtgefühl der
Bulgaren außerordentlich ſteigerte. Man darf ſich
ver=
ſichert halten, daß jeder Verſuch der europäiſchen
Diplo=
matie, das ſiegreiche Vordringen der bulgariſchen
Trup=
pen nach Konſtantinopel aufzuhalten, durch die bulgariſche
Regierung zurückgewieſen werden wird, die ganz allein
die Friedensbedingungen unter den Mauern der Hagia
Sophia diktieren will.
Die Einnahme von Uesküb.
* Belgrad, 26. Okt. Amtlich wird gemeldet, daß
Uesküb um zwei Uhr nachmittags von den
ſerbi=
ſchen Truppen eingenommen worden iſt.
* Belgrad, 26. Okt. Um 7,20 Uhr iſt die amtliche
Beſtätigung von der Einnahme Ueskübs
einge=
troffen. Die fremden Konſuln gingen dem ſerbiſchen
Kronprinzen entgegen und erbaten ſeinen Schutz für die
Bevölkerung der Stadt Uesküb.
Letzte Nachrichten.
* Konſtantinopel, 26. Okt. Das
Kriegsmini=
ſterium veröffentlichte weder geſtern noch heute Mitteil
ungen über die kriegeriſchen Operationen. Nach
Privat=
depeſchen türkiſcher Blätter fanden geſtern keine
Kämpfe um Adrianopel ſtatt. Dies beweiſt, daß die
bulgariſchen Truppen ſehr ermüdet ſind. In militäriſchen
Kreiſen iſt man der Anſicht, daß die Bulgaren Adrianopel
belagern wollen, da ſie öſtlich und weſtlich der Stadt
Be=
feſtigungen errichten. Wegen der Möglichkeit der
Belagerung ziehen ſich immer mehr Einwohner nach
Dede Agatſch und Konſtantinopel zurück. Die
Adria=
nopeler Armee zog geſtern abend, vaterländiſche Lieder
abſingend, in die Feſtung ein; der Kommandant
veröffent=
lichte eine Proklamation, in der es heißt, die Oſtarmee
beendete ihre Rallierung und benötige keiner
Verſtärk=
ungen mehr. Die Beſatzung Adrianopels machte vor
wenigen Tagen einen Ausfall und griff den Feind an
Nachdem der Feind zurückgeworfen, kehrten ſie in die
Feſtung zurück. Adrianopel wird nach dem Muſter von
Plewna verteidigt. Die türkiſchen Truppen eroberten
zehn bulgariſche Kanonen und machten meyrere
Ge=
fangene.
* Sofia, 26. Okt. In der Oeffentlichkeit befeſtigt
ſich die Annahme, daß Adrianopel nicht planmäßig
belagert, ſondern, wie Kirk=Kiliſſe durch ungeſtümes
Draufgehen erſtürmt werden ſoll, umſomehr, als aus
verſchiedenen Meldungen hervorgeht, daß die Verbindung
der Adrianopeler Armee mit der aus Kirk=Kiliſſe zurück=
gezogenen Armee wie auch mit den gegen Diotika
konzen=
trierten Truppen vollkommen abgeſchnitten und daher
Adrianopel vollſtändig iſoliert iſt. Die Entſcheidung wird
für die nächſten Tage erwartet.
* Sofia, 26. Okt. Die Bulgaren haben bei
Kirk=Kiliſſe 7 Schnellfeuerbatterien ſamt
Munitions=
wagen und viel Munition, 18 gewöhnliche Feldgeſchütze
und 12 Belagerungsgeſchütze, im ganzen 58 Geſchutze,
er=
beutet. Ferner fielen ihnen mehrere Lebensmittel und
Equipierungsdepots in die Hände.
* Konſtantinopel, 26. Okt. Autentiſche
Nach=
richten beſtätigen, daß die griechiſche Armee, die auf
dem Vormarſch nordweſtlich von Arta begriffen war,
gänz=
lich zurückgeſchlagen worden iſt. Die Griechen mußten
Striwina aufgeben und auch die Höhen von Grimbowo
räumen. Die ganze griechiſche Armee geht in der
Rich=
tung auf den Arte=Fluß zurück. Die Türken erbeuteten
eine Menge Lebensmittel.
* Konſtantinopel 27. Okt. Das
Kriegsmini=
ſterium veröffentlicht folgende amtliche Meldung aus
Janina: Um den Feind ins Innere zu locken
und ihn dann zu vernichten, ließ die Militärverwaltung
Kaſa Luros abſichtlich ohne Truppe. Die Türken
unter=
nahmen am 23. Oktober einen Angriff auf Kumuzade
und die Höhen von Cribowo. Die Höhen wurden
ſämtlich wiedergenommen. Der Feind, der bedeutende
Verluſte erlitten hat, wird eifrig verfolgt.
* Konſtantinopel, 27. Okt. Wie aus ſicherer
Quelle verlautet, entſtand die gemeldete Verwirrung
der Oſtarmee in Kirk=Kiliſſe durch den fluchtartigen
ückzug eines Redifbataillons, das ſich gewaltſam eines
Eiſenbahnzuges bemächtigte, um nach Baba=Eski
zurück=
zufahren. — Nachrichten zufolge formieren die Kurden
Freiwilligenbataillone.
* Konſtantinopel, 26. Okt. 5 Uhr nachmittags.
Ein türkiſches Abendblatt meldet: Nach den bei dem
Kriegsminiſterium heute morgen eingetroffenen
Nachrich=
ten nahm die türkiſche Armee im Norden und Nordweſten
von Kirk=Kiliſſe die Offenſive wieder auf.
* Konſtantinopel 26. Okt. 8 Uhr abends.
Das Miniſterium des Aeußern erhält ſoeben von dem
Kriegsminiſterium die Meldung, daß Kirk=Kiliſſe
wieder genommen worden ſei. Man iſt hier über
das „wieder genommen” erſtaunt, da man allgemein
ge=
glaubt hatte, daß die Bulgaren in Kirk=Kiliſſe überhaupt
nicht eingezogen ſeien.
25. Jahresfeſt des Evangeliſchen Bundes.
St. Darmſtadt, 27. Oktober.
Die Feier des 25. Jahresfeſtes des Evangeliſchen
Bundes wurde heute früh mit Choralblaſen vom Turm
der Stadtkirche eingeleitet. Vormittags fanden
Feſt=
gottesdienſte ſtatt in ſämtlichen evangeliſchen
Kir=
chen der Reſidenz. Die Gotteshäuſer waren überfüllt.
In der Stadtkirche predigte Univerſitätsprofeſſor D. Dr.
Schian aus Gießen.
Um 11½ Uhr fand im Gemeindehaus, Kiesſtr. 17,
ein geſchloſſene
Mitglieder= und Abgeordnetenverſammlung
des heſſiſchen Hilfsausſchuſſes zur Förderung der
evan=
geliſchen Kirche in Oeſterreich ſtatt, der auch die Herren
Oberkonſiſtorialpräſident D. Nebel und Geh.
Ober=
konſiſtorialrat Merck beiwohnten. Die Verſammlung
wurde durch Kapitänleutnant a. D. Grill=Bensheim
eröffnet mit herzlicher Begrüßung der Erſchienenen.
Red=
ner verlas dann folgende
Begrüßungs= und
Glückwſunſchtele=
gramme.
Judenburg. Dem Hilfsausſchuß und dem
Evan=
geliſchen Bunde Heſſens ſenden zum Jubiläumsfeſte
auf=
richtigſte Begrüßung, die dankbare evangeliſche Gemeinde
Judenburg. Storck.
Knittelfeld. In aufrichtiger und herzlicher
Dankbarkeit innigen Segenswunſch mit der Bitte um
fernere Pflege. Evangeliſche Predigtſtation Knittelfeld.
Zeltweg. Dem heſſiſchen evangeliſchen
Hilfsaus=
ſchuß zur Jubelfeier herzliche Grüße in Dankbarkeit für
die Zeltweger Gemeinde. Fürſt Korb.
Darauf erſtattet der Schriftführer Pfarrer Loos=
Groß=Umſtadt den
Jahresbericht,
dem wir folgendes entnehmen:
Ein lichtvolles Kapitel in der Entwicklung des
deutſch=
evangeliſchen Bundes im erſten Vierteljahrhundert ſeines
Beſtehens iſt die Geſchichte von der Wirkſamkeit des
deut=
ſchen Hilfsausſchuſſes zur Förderung der evangeliſchen
Kirche in Oeſterreich. Seit Beginn der Bewegung bis
Ende 1911 ſind im ganzen 65635 Katholiken evangeliſch
geworden, davon 1911: 4891. Zur altkatholiſchen Kirche
Oeſterreichs ſind in der gleichen Zeit 17594, im Jahre
1911: 1097 Römiſch=Katholiſche übergetreten. Seit 1898
ſind 178 gottesdienſtliche Stätten: Kirchen, Kapellen und
Betſäle durch die evangeliſche Bewegung in Gebrauch
ge=
nommen worden. 51 deutſch=evangeliſche Pfarrgemeinden
wurden ins Leben gerufen. Daneben wird an zahlreichen
Unterrichtsſtellen an der religiöſen Erziehung der Jugend
treulich gearbeitet.
Ein lebendiges und lebenwirkendes Glied im
deut=
ſchen Hilfsausſchuß iſt ſeit 12 Jahren der Heſſiſche
Hilfs=
ausſchuß. Auf Anregung des Heſſiſchen Hauptvereins
des Evangeliſchen Bundes trat derſelbe am 28. Juni 1900
in der heutigen Feſtſtadt ins Leben. Dank dem ſofortigen
und ſtetigen wohlwollenden Entgegenkommen unſerer
hohen Kirchenbehörde, dank dem lebendigen Intereſſe, das
Kirchenvorſtände und Kirchengemeindevertretungen, das
Geiſtliche und Laien, das Männer und Frauen den Zielen
und Aufgaben des Heſſiſchen Hilfsausſchuſſes bisher
ent=
gegengebracht haben, und dank der treuen Bruderhilfe des
Heſſiſchen Hauptvereins der Guſtav=Adolf=Stiftung, der
Zweigvereine und Frauenvereine dieſer Stiftung, iſt
es dem Heſſiſchen Hilfsverein möglich geweſen, eine
An=
zahl öſterreichiſcher Pflegegemeinden in äußere und innere
Fürſorge zu nehmen.
In Steiermark, das im ganzen 22350 Evangeliſche,
darunter rund 9000 durch die evangeliſche Bewegung von
der katholiſchen zur evangeliſchen Kirche Uebergetretene,
zählt, liegt das Arbeitsfeld des Heſſiſchen Hilfsausſchuſſes.
Mit der Beſetzung Judenburgs durch den heſſiſchen Vikar
Pfarraſſiſtent Göttert=Darmſtadt, Herbſt 1901, begann der
Ausſchuß ſeine Tätigkeit in der evangeliſchen Kirche
Oeſterreichs. An Götterts Stelle trat nach deſſen Rückkehr
in heſſiſche Dienſte, Herbſt 1907, der heſſiſche Vikar
Pfarr=
aſſiſtent Knab. Zur Zeit ſtehen unter heſſiſcher Aufſicht
die Pfarrgemeinde Leoben mit Pfarrer Spanuth aus
Schleswig=Holſtein, die Vikariate Leoben mit Vikar
Kapp=
ler aus Sachſen, Knittelfeld, ſeither mit Vikar Knab und
Judenburg mit Vikar Storck, beide aus Heſſen. Bis
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Oktober 1912.
Nummer 254.
Herbſt 1911 war Vikar Römheld aus Heſſen, der in die
Heimat zurückgekehrt iſt, in Judenburg tätig.
Das Gebiet der Pfarrgemeinde Leoben umfaßt 3653
Quadratkilometer. Zur Pfarrei Leoben gehören außer
den drei Vikariaten Leoben, Knittelfeld=Zeltweg,
Juden=
burg=Murau noch 8 Predigt= und 23 Unterrichtsſtationen.
Die Geſamtgemeinde Leoben hat 1950 Seelen; die drei
Vikariassbezirke haben: Leoben 200, Knittelfeld 540,
Ju=
denburg 280 Seelen. Uebertritte nach den vier
Seelſorge=
bezirken der Pfarrgemeinde Leoben:
S 2 5 5 5 5 S 5 5 5 2
Leoben
. 35 16 32 16 56 45 60 62 77 50 56 29 534
Eiſenerz
7 26 3 1 19 9 1 — 11 16 3 — 96
Knittelfeld . 20 15 14 16 31 61 21 44 47 44 25 9 347
Judenburg . 6 3 — 1 4 8 — 3 1 5 6 13 50
Dazu kommen 107 Uebertritte aus den Jahren 1899/1900,
insgeſamt 1134. Von 1903 an ſind aus der evangeliſchen
zur katholiſchen Kirche übergetreten 72. Zahl der
jähr=
lichen Gottesdienſte: Leoben 70, Trofaiach 10,
Vorden=
berg 8, Eiſenerz 12, Hieflau 8, Knittelfeld 30, Zeltweg 25,
Judenburg 25, Murau 9. Leoben hat eine Ortsgruppe
des Evangeliſchen Bundes für die Oſtmart mit 87
Mit=
gliedern, ferner einen Guſtav=Adolf=Verein, einen
Kir=
chenchor, einen Kirchbauverein und einen Frauenverein.
In Knittelfeld beſteht ein Poſaunenchor. Leoben hat ſeit
Ende 1909 eine Guſtav=Adolf=Kirche mit 600 Sitzplatzen.
Mit der Kirche iſt das Pfarrhaus vervunden. Knittelfeld
hat ein Gemeindehaus, worin ein Betſaal mit 110
Sitz=
ſplätzen, ſowie eine Wohnung für den Pfarrer ſich befindet.
Zeltweg hat durch die Hilfe unſeres Ausſchuſſes eine
eigene Kirche. Es iſt eine Freude, mit am Werke zu ſtehen.
Der Bericht wurde unter Beifall zur Kenntnis
ge=
nommen. Pfarrer D. Waitz verlas dann ein Schreiben
der Kirchendeputation der Gemeinde Leoben in
Steier=
mark, die über ihr kirchliches Leben berichtet und unter
Dank für die ihr gewordene Unterſtützung herzlichſte
Glückwünſche ausſpricht.
Oberkonſiſtorialpräſident D. Nebel gibt ſeiner
Freude über die gehörten Ziffern und die Nachrichten von
den Fortſchritten der evangeliſchen Bewegung in
Oeſter=
reich Ausdruck, wodurch die hin und wieder in Heſſen
ver=
tretene Auffaſſung, als ob die Bewegung im Rückgang
be=
griffen ſei, am beſten widerlegt würde. Man dürfe der
Zukunft der Sache des Evangeliums in
Oeſterreich mit vollem Vertrauen
ent=
gegenſehen. — Pfarrer D. Waitz dankt herzlich für
dieſe Worte und gibt bekannt, daß die heſſiſche
Jubi=
läumsſtiftung des Bundes für Oeſterreich den
Be=
trag von 10000 Mark erreichen werde. (Bravo.)
Durch Kaufmann Kämmerer=Bensheim
er=
folgte die
Rechnungsablage des Hilfsausſchuſſes
für Oeſterreich.
Wir geben aus ſeinem Bericht folgendes wieder:
1. Einnahme, ordentliche: Kaſſenbeſtand 137,47 Mk.,
Landeskirchenbaukollekte 4316,77 Mk., Beiträge aus
Kir=
chenkaſſen 2872,46 Mk., freiwillige Gaben 1993 Mk., Gaben
mit beſonderer Beſtimmung 98,14 Mk., Zinſen 101,73 Mk.;
außerordentliche: Rückzahlungen von Vorlagen 150 Mk.,
zweites Quartal erhobene Zinſen 671,80 Mk., vom
Rhei=
niſchen Hauptverein des Evangeliſchen Bundes 625 Mk.,
von Reichenbach i. O. 5 Mk., Geſamt=Einnahme
10 971,37 Mk.
2. Ausgabe, ordentliche: An die Zentrale
Jah=
resbeitrag 240 Mk., Gehälter 5287,50 Mk., Mieten 2591,61
Mark, Dienſtreiſen der Vikare 514,60 Mk., Dienſtreiſen
des Vorſtandes 114,40 Mk., Verwaltungskoſten und
Rech=
nergehalt 317,63 Mk., Druckſachen und Porto 205,11 Mk.,
Rückvergütung der Zinſen 671,80 Mk., Zinſen bei der
Sparkaſſe Zwingenberg zugeſchrieben 61,23 Mk.;
außer=
ordentliche: Unterſtützung 50 Mk., Gaben mit beſonderer
Beſtimmung 8 — 5 Mk. — 13 Mk., Geſamt=Ausgabe
110 066,88 Mk., Kaſſevorrat 904,45 Mk. Die Rechnung
wird genehmigt. — Die Neuwahl des
Vorſtan=
des ergibt einſtimmige Wiederwahl. Damit iſt die
Tagesordnung erledigt. Die Verſammlung wird mit
Dankesworten des Vorſitzenden geſchloſſen.
Nachmittags von 3 Uhr ab fanden in dem großen
Saale der Turngemeinde und im Kaiſerſaal
Evangeliſche Volksverſammlungen
ſtatt, an denen Tauſende evangeliſcher Glaubensgenoſſen
teilnahmen. Die Verſammlung in der Turnhalle,
in der die Kirchengeſangvereine der Johannes= und
Petrusgemeinde mitwirkten, leitete
Haupt=
lehrer Löſch=Darmſtadt.
Der Leiter der Verſammlung, Hauptlehrer Löſch,
be=
grüßt die Anweſenden im Namen des Feſtausſchuſſes.
Er weiſt auf den freudigen Anlaß zur Verſammlung, auf
die 25jährige Jubelfeier des Heſſiſchen Hauptvereins des
Evangeliſchen Bundes, hin und wirft dann einen kurzen
Rückblick auf die Gründungszeit des Evangeliſchen
Bun=
des. Er führt aus, wie in der Mitte der 80er Jahre
des vorigen Jahrhunderts die Uebergriffe und
Machtan=
ſprüche des römiſchen Papſttums und im Zuſammenhang
damit der Ultramontanismus Anſehen und Macht des
noch jungen proteſtantiſchen deutſchen Kaiſertums
ſchädig=
ten, und den konfeſſionellen Frieden bedrohten; wie
durch das Ueberhandnehmen des religiöſen
Materialis=
mus und des Indifferentismus, die Zerſplitterung und
die Parteigegenſätze innerhalb der evangeliſchen Kirche
die Kraftentfaltung des deutſchen Proteſtantismus in
bedauerlichem Grade beeinträchtigt wurde und wie ſo,
aus der Not der Zeit heraus, der Evangeliſche Bund
ge=
gründet wurde, der ſich die Aufgabe geſtellt hat, gegenüber
den äußeren und inneren Feinden, die den deutſchen
Pro=
teſtantismus bedrohen, daran mitzuwirken, daß dem
deutſchen Volke die Segnungen der Reformation erhalten
und immer weiter erſchloſſen werden. Nicht
Herausfor=
derung und Angriff, ſondern Abwehr und Verteidigung,
nicht Haß und Zwietracht, ſondern Liebe und Eintracht
habe der Evangeliſche Bund auf ſeine Fahne geſchrieben,
und auch mit unſeren katholiſchen Mitbürgern wolle er in
Frieden zuſammenleben, in echtchriſtlicher Duldung und
Nächſtenliebe. Dann gedenkt der Redner in warmen
Wor=
ten des großen Anteils, den der Heſſiſche Hauptverein an
der Arbeit und den Erfolgen des Evangeliſchen Bundes
hat, und wünſcht auch ſeinem ferneren Wirken reichſten
Segen. Die Frage, ob der Evangeliſche Bund und ſeine
Arbeit auch heute und auch in Zukunft noch nötig ſeien,
beantwortet er mit dem Hinweis auf die Ereigniſſe der
letzten Jahre, die Enzykliken des Papſtes und die
For=
derungen der Katholikentage mit „Ja”. Zum Schluſſe
mahnt er zur Einigkeit innerhalb des deutſchen
Proteſtan=
tismus und zur entſchiedenen Abwehr aller Verſuche,
dieſen zu zerſplittern, und gibt dem Wunſche und der
Hoffnung Ausdruck, daß auch die heutige Verſammlung
und die ganze Feſtveranſtaltungen dazu beitragen
möch=
ten, das Gefühl der Zuſammengehörigkeit immer mehr zu
ſtärken, und das Bewußtſein, daß alle Evangeliſchen zu
Hütern des deutſchen Proteſtantismus berufen ſind, immer
klarer und mächtiger werden zu laſſen.
Die Begrüßungsanſprache
hielt der Bundesvorſitzende, Exz. v. Leßel.
Generalleutnant z. D. von Leßel Exz. grüßte
zu=
nächſt im Namen des Zentralvorſtandes des Evangeliſchen
Bundes und wendete ſich=dann der Jeſuitenfrage zu. Er
führte aus, daß wir uns als evangeliſche Chriſten und als
evangeliſche Bundesleute der Ruckkehr des Ordens der
Geſellſchaft Jeſu nicht zu widerſetzen brauchten, da echte
im Evangelium wurzelnde Religion römiſchem
Fanatis=
mus allemal überlegen ſei, und da die Jeſuitenfrage dem
Bunde nur Vorteile gebracht habe, indem ſie ſeine
Exiſtenz=
berechtigung ſchlagend nachgewieſen und den
Zuſammen=
ſchluß der Proteſtanten veranlaßt habe. Aber als
deut=
ſche Staatsbürger müßten wir des vaterländiſchen
Friedens und Wohles, der Religion, Sittlichkeit und
Bil=
dung wegen den uns zugedachten Beſuch entſchieden
ab=
lehnen.
Der Jeſuitismus ſei der Todfeind des
Proteſtantis=
mus einer ſtaatlich änerkannten und
gewähr=
leiſteten Religionsgemeinſchaft, er ſei
kul=
turfeindlich und der entſchiedenſte Gegner des
modernen Staates dieſes Produktes des
Prote=
ſtantismus. Redner führte dies näher aus, ſtreifte das
Verhältnis König Friedrichs des Großen zum Orden Jeſu,
berührte den Einfluß der Jeſuiten auf die katholiſche
Kirche und ſchloß mit einem warmen Appell an die
deut=
ſchen Staatsbürger beider Konfeſſionen, ſich zu
gemein=
ſamer Arbeit für das Heil und die Größe unſeres
deut=
ſchen Vaterlandes zuſammenzuſchließen.
Es folgten Vorträge über das Thema „Unſer
evan=
geliſcher Glaube und unſere heſſiſche Heimat” die in
bei=
den Verſammlungen von den Rednern abwechſelnd im
gleichen Wortlaut gehalten wurden. Herr Stadtpfarrer
D. Dr. Diehl ſprach über
„Die Reformation und das Heſſenland”.
Ueber den Segen, den das Heſſenland und die
Refor=
mation einander verdanken, in einer Verſammlung
evan=
geliſcher Männer und Frauen aus Heſſenland zu reden.
ſcheint eine höchſt überflüſſige Sache zu ſein. Sie iſt es
aber keineswegs. Wenn wir auch mit Freuden
konſta=
tieren können, daß über die Beziehungen der beiden
Größen ſchon in der Volksſchule jedem evangeliſchen
Kinde unſeres Landes mancherlei mitgeteilt wird, ſo iſt
dies „Mancherlei” mitunter doch ſehr gering und — was
ſchlimmer iſt — es erfährt ſehr oft im weiteren Leben
nicht die Vertiefung, die wünſchenswert erſcheint. Darum
iſt die Behandlung des vorliegenden Themas bei dieſer
Feſttagung von der allergrößten Bedeutung. Was die
Reformation dem Heſſenland geſchenkt hat,
kann man, wenn man die gewöhnliche
Betrachtungs=
weiſg, die mitunter etwas flach iſt, verläßt, wohl in die
drei Gedanken zuſammenfaſſen: Auf religiöſem und
ſittlichem Gebiete an Stelle der von einem vielfach
unwürdigen und verachteten Klerus geleiteten Papſtkirche
die Kirche des „Wortes” deren Diener alles daran ſetzen,
nicht „Herren zu ſein über den Glauben” ſondern der
Gemeinde immer mehr durch Lehre und Leben „Gehilfen
der Freude” zu werden. Auf nationalem Boden an
Stelle eines zwieſpältigen Gehorſams der bald dem
Landesfürſten bald dem Papſt und ſeinen Biſchöfen zu
willen iſt, die Eingliederung in ein gleichſam neu
ge=
ſchaffenes heſſiſches Vaterland, in dem der Fürſt jetzt erſt
wirklich Herr iſt, und — eines Sinnes mit ſeinem Volk
— jetzt erſt mit dieſem zuſammen durchgreifend ſchaffen
und wirken kann. Auf kulturellem Boden an Stelle
eines in Unmündigkeit gelaſſenen, lediglich auf
prieſter=
liche Leitung angewieſenen Volkes ein Volk von Männern
und Frauen, dem in der Bibel der Sinn für das
Gottes=
gnadentum der Einzelperſönlichkeit erſchloſſen iſt und
immer aufs neue erſchloſſen wird, und das dadurch erſt
brauchbar ward für die großen Kulturaufgaben der neuen
Zeit, die mit Renaiſſance und Reformation anbrach.
Für dieſe Segensgaben hat ſich das Heſſenland
dank=
bar erwieſen. Nicht bloß dadurch, daß es aus dem
Gottesſegen etwas in ſeiner Geſchichte ſchuf, worauf wir
ſtolz ſein können. Sondern auch dadurch, daß es in die
Reformationsbewegung neue Gedanken und
Kräfte brachte, die urſprünglich ſpezifiſch heſſiſches Gut
waren, nach und nach aber, zum Segen des ganzen
evan=
geliſchen Deutſchland, Allgemeingut geworden ſind. Die
Reformation verdankt Heſſenland, vor allem deſſen
Für=
ſten Philipp dem Großmütigen, die Anfänge einer
großzügigen evangeliſchen Politik und in
ihr die Rettung vor großen Gefahren. Sie verdankt ihm
ferner die Anfänge eines geſunden evangeliſchen
Sozialismus der in dem Satze gipfelt, daß die
höchſte ſoziale Wohltat nicht Hilfe ſondern Erziehung
iſt. Sind die Grundgedanken dieſes heſſiſchen
Sozialis=
mus, der am Ende bereits des 16. Jahrhunderts unter
dem Druck der heſſiſchen Konfirmation ein ordentliches
Volksſchulweſen ſchuf, auch erſt im 18. Jahrhundert
Allgemeingut aller deutſchen Gaue geworden, ſo ſteht doch
außer Zweifel, daß dadurch der deutſchen evangeliſchen
Kirche ein unſchätzbarer Dienſt geleiſtet ward. In dem
neuen deutſchen Reich des 19. Jahrhunderts ſind Landgraf
Philipps politiſche Ideale zu einem guten Teil in
Er=
füllung gegangen. Der Weg zu dieſer Erfüllung wurde
weſentlich dadurch gebahnt, daß Preußen im Zeitalter
des Pietismus das ſoziale Erbe der heſſiſchen
Refor=
mation in ſich aufnahm.
Pfarrer D. Waitz ſprach über
Der Evangeliſche Bund und das heſſiſche
Volk — was haben beide einander gegeben
und was haben beide voneinander zu
er=
warten?
Redner führte aus: 25 Jahre ſind nun bald verfloſſen,
da kamen in Frankfurt a. M. etwa 50 evangeliſche
Män=
ner zuſammen: hervorragende Vertreter der theologiſchen
Wiſſenſchaft, der Kirche und des Staats, eine Anzahl
Pfar=
rer und Laien und mit ihnen einige Kandidaten. Mit
tiefem Schmerz um die Not und mit banger Sorge um
die Zukunft des deutſchen Proteſtantismus erfüllt,
grün=
deten dieſe 50 Männer den Heſſiſchen Hauptverein des
Evangeliſchen Bundes. Was damals Gott zuſammenge;
fügt hat, ſoll der Menſch nicht ſcheiden. Evangeliſches,
Heſſenvolk und Evangeliſcher Bund gehören zuſammen
auf ewig ungeteilt. Allerdings iſt bei beiden ſeitdem
man=
ches anders geworden. Beide ſind gewachſen in die Weite
und in die Höhe. Aber heute drängt es ſie, über allet=
Aeußere hinwegzublicken. Wie ſie gemeinſam in den Gog
tesdienſten zu ihrem Gott aufgeſchaut haben, der ihnen
bis hierher ſo wunderbar geholfen hat, ſo wollen beide
ſich jetzt gegenſeitig die Hände reichen und dankbar daran
denken, was einer dem andern gegeben hat. Du,
evangeli=
ſches Heſſenland, haſt dem Evangeliſchen Bund ein
Für=
ſtenhaus geſchenkt, das ſtets für die Sache des
Evange=
liums eingetreten iſt, dazu eine evangeliſche
Kirchenbe=
hörde, die dem Evangeliſchen Bunde immer treu zur Seite
geſtanden, wenn es galt, die höchſten Güter zu verteidigen.
Profeſſoren hat der Evangeliſche Bund dem Heſſenlande
zu verdanken, die in Gießen wie in Friedberg dem
Wit=
tenberger Prof. D. Martin Luther im Kampf gegen das
Papſttum nicht nachſtehen wollten, die tapfer und treu
zur Fahne des Evangeliums ſtanden. Beſonders ſtolz
aber iſt der Evangeliſche Bund noch auf die evangeliſchen
Männer und Frauen im Heſſenland, die in Stadt und
Land aus allen Schichten der Bevölkerung ihm treue
Freunde und Mitglieder waren. Was aber hat der
Epan=
geliſche Bund dem Heſſenland gegeben? Vor allem: einen
ſtarken Schild zum Schutz gegen ſeine Feinde im
römi=
ſchen Lager und ein ſcharfes Schwert zum Angriff wider
die Feinde im eigenen Lager, wider die, die am
Götzen=
altar des materialiſtiſchen Unglaubens ihre Opfer
dar=
bringen und wider die Gleichgültigen, die nicht nach
Wit=
tenberg und Rom fragen. Sie aus dem Schlafe
ausrüt=
teln, ſie vor die Entſcheidung — für oder wider ——
ſtel=
len, das wollte der Evangeliſche Bund. Wohl haben ſie
ſich, wie einſt bei Luther, an dem Friedensſtörer geärgert,
aber wir wiſſen, was wir wollen und was wir zu tun
haben. Zu Schild und Schwert hat der Evangeliſche Bund
dem evangeliſchen Heſſenland noch eine Kelle zum Aufbau
evangeliſchen Lebens in Gemeinde und Kirche gegeben.
Wie manche Kinderſchule, Gemeinde= und
Diakoniſſen=
ſtation und dergleichen hat der Evangeliſche Bund
errich=
ten und unterhalten dürfen, und vor allem, wieviel hat
er durch die Pflege zum Aufbau der Landeskirche
bei=
getragen!
Doch einen Zauberſtab hat der Evangeliſche Bund
dem Heſſenland in die Hand gedrückt, mit dem er die
gro=
ßen Männer der evangeliſchen Vorzeit zu neuem Leben
erweckt und damit unſerer Zeit von neuem geſchenkt hat:
wie einen Luther, einen Philipp den Großmütigen. Auch
die Germania auf dem Niederwald iſt, von dem
Zauber=
ſtab berührt, mit ihren großen Söhnen Bismarck, Moltke,
Kaiſer Wilhelm herabgeſtiegen, um das deutſche Volk zur
Wacht am Rhein wider alles undeutſche Weſen
aufzu=
rufen. Was könnte der Evangeliſche Bund dem
Heſſen=
land beſſeres wiedergeben, als ſeine Glaubens= und
Na=
tionalhelden zu neuem Leben zu erwecken!
Was hat das Heſſenland von dem Evangeliſchen
Bund zu erwarten? Wohl einen Krieg, aber einen
hei=
ligen Krieg, und mit dem Krieg den Frieden, der allein
für einen deutſch=evangeliſchen Chriſten möglich iſt.
Etwas erwartet auch der Evangeliſche Bund vom
Heſſenland: einen Platz in ſeinem Hauſe und in ſeinem
Herzen für ihn, als den treuen Eckart, der alle freien,
guten Geiſter pflegt.
Die Verſammlung im Kaiſerſaal, in der der
Kirchengeſangverein der Martinsgemeinde und der
Gemeindegeſangverein der Stadtgemeinde
mit=
wirkten, leitete Profeſſor Knoll=Darmſtadt, der ſie mit
folgender Anſprache eröffnete:
Fünfundzwanzig Jahre eifriger und geſegneter
Evan=
geliſcher Bundes=Arbeit liegen hinter uns. Ein
mühe=
voller und oft auch recht dornenvoller Weg, auf dem wenig
äußere Ehre; vor der Welt, aber oft recht viel Anfeindung
Großherzogliches Hoftheater.
Sonntag, den 27. Oktober
Zum erſten Male:
„Der liebe Auguſtin‟
Operette in 3 Akten von Rudolf Bernauer u. Ernſt Weliſch.
Muſik von Leo Fall.
W—l. Unſere rührige Theaterdirektion hat heute
ſchon wieder eine Neuheit herausgebracht, und das
Publikum gab ſeiner Befriedigung darüber durch ſehr
zahlreichen Beſuch Ausdruck — und dazu gab es noch
etwas Köſtliches; denn was kann es Schöneres geben
als eine neue Operette von Leo Fall? Der
durch=
ſchlagende äußere Erfolg, den die Neuheit erzielte,
bewies, daß der Geſchmack des Sonntagspublikums —
und dieſes will doch auch etwas fürs Herz haben —
damit getroffen war. Außer ulkigen Szenen, Tanzliedern
und Enſembles, die man gerne einmal
wieder=
hört, enthält die Operette auch gefühlvolle Szenen,
und dann iſt der Komponiſt einfach
unwiderſteh=
lich — und der Beifall kommt von oben, und wie
kam er! Da aber die Kritik meiſtens unten zu
ſitzen pflegt, ſo wird ſie ſich der
Stimmungsverſchieden=
heit zwiſchen oben und unten bewußt und hat, da die
Vorgänge auf der Bühne eine geiſtige Anſtrengung
weiter nicht erfordern, Zeit genug, darüber nachzudenken,
ob es wohl anders ſein könne. Man ſoll indeſſen
nüchtern genug ſein, um einzuſehen, daß man trotz des
Hochhaltens des künſtleriſchen Ideals Sr. Majeſtät dem
Publikum hin und wider Konzeſſionen machen muß, nur
ſoll man es nicht in dem Glauben laſſen, daß ſolche leichte
Talmiware Gold ſei. Die Operette ſollte eigentlich
„Die beiden Prinzeſſinnen” betitelt ſein, aber dann würden
die Reminiſzenzen noch zu deutlich um eine vermehrt
werden: denn die Verwechſelung der beiden Mädchen
nach ibrer Geburt ſoll auch ſchon da geweſen
ſein, wie der Fürſt ohne Geld, der durch
eine reiche Heirat ſein Wappen vergolden will.
Die Text=„Dichter” haben offenbar ein ebenſo gutes
Gedächtnis für Operettenlibrettos, wie der Componiſt
für Operettenmelodien, und das ſoll lobend anerkannt
werden. Originalitätsjäger, die das Gebiet dieſer Operette
abſtreifen, werden beutelos heimkehren — aber halt: Der
Radetzkymarſch als theſſaliſche Nationalhymne war noch
nicht da, und über dieſe Idee ſoll auch die ernſte Muſe,
die in der Ecke kauerte, einmal lächelnd ihr Geſicht
ver=
zogen haben.
Für die äußere Aufmachung der theſſaliſchen Operette
war alles Mögliche getan, und Herr Kapellmeiſter
Kleiber dirigierte mit Temperament. Gute Leiſtungen
boten Herr Jordan als Bogumil, der viel Humor
entfaltete, Herr Schützendorf als Kammerdiener, der
ſich als trefflicher Darſteller bewährte, Frl. Schaub,
die die kloine und foine Anna ſehr hübſch
und dezent verkörperte und durch ihre
Perſön=
lichkeit die Rolle auf ein höheres Niveau hob und der
vielſeitige Herr Jürgas als Fürſt Nicola. Herr
Thomſen als Auguſtin entbehrte des impulſiven
Temperaments und des friſchen Humors, Eigenſchaften,
die Frl. von Blank, die die Rolle der Prinzeſſin
ſpielte und ſang, zwar beſitzt, während ihr zu einer
ent=
ſprechenden Verkörperung der Rolle manches fehlt. Ihr
Geſangsvortrag eignet ſich nur für Operetten ſolchen
Stiles.. Die übrigen Rollen hatten eine ent ſprechende
Beſetzung erhalten.
Die Regie führte Herr Oberregiſſeur Valdek mit
gewohnter Umſicht. Auf Wunſch der durch
hand=
kräftigeren Beifall in der Mehrheit ſich befindenden
oberen Hundert wurden faſt ſämtliche Geſangsnummern
wiederholt, infolgedeſſen die Vorſtellung ſich bis 11 Uhr
hinzog. Da wir hier keinen ſo ſtrengen Polizeipräſidenten
haben wie in Berlin, ſo wird wohl niemand dagegen
proteſtieren.
Nummer 254.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Oktober 1912.
Seite 7.
zu holen war. Wir gedenken aber heute zunächſt nicht der
Mühe und des Schweißes, der Selbſtverleugnung und
der Opferfreudigkeit, die das Werk gekoſtet hat, ſondern
wir heben vor allem unſere Augen auf zu den Bergen,
von denen auch uns in unſerem Tun die treue Gotteshilfe
kam; wir errichten, wie einſt Samuel, ein Denkmal
herz=
lichen Dankes, ein neues Ebenezer, und ſprechen mit
dank=
erfülltem Herzen als erſtes Wort: „Bis hierher hat uns
der Herr geholfen”, und ſind der frohen Zuverſicht: er wird
auch weiter helfen. — So haben wir denn auch über dieſe
unſere Volksverſammlung das Motto geſchrieben:
„Glaube und Heimat”; unſer evangeliſcher Glaube und
unſer Heſſenland. Dankbar wollen wir als deutſche
Pro=
teſtanten der reichen Segnungen gedenken, die auch unſer
engeres Heimatland der Reformation und auch der Arbeit
des Evangeliſchen Bundes verdankt. Wir tun das aber
nicht in ſtolzer Ueberſchätzung der eigenen Kraft, ſondern
indem wir unſer Volk immer wieder hinführen auf die
Wurzeln ſeiner proteſtantiſchen Kraft. Unſer Feſt liegt
darum an der Schwelle des Reformationsfeſtes, in der
Zeit, da die Luthergedenktage nahe rücken. Das iſt ein
deutlicher Wegweiſer für die Marſchrichtung auf unſerem
Feſt. Wir wollen unſer evangeliſches Volk immer wieder
hinführen zu jener großen Zeit, wo unter gewaltigem
Ringen die Kirche des Evangeliums geboren wurde, wo
Männer vor unſerem Geiſte aufſteigen, die Heldengeſtalten
eines Luther, Zwingli und Calvin, die imſtande waren,
einer Welt zum Trutz, die Fahne der Wahrheit
aufzu=
pflanzen und hochzuhalten. Von neuem wollen wir uns
im Evangeliſchen Bunde, dem neutralen Boden, auf dem
ſich alle Proteſtanten in verſtändnisvollem
Zuſammen=
wirken die Hand reichen können, zu dem heiligen Dienſt
ſtärken, den wir im Geiſte unſerer Väter, treu dem eigenen
Bekenntnis und duldſam gegen fremde Ueberzeugung,
unſerem Volke und Vaterlande ſchuldig ſind. Möge auch
dieſe unſere Feſtfeier dazu dienen, in dieſem Sinne unſer
evangeliſches Bewußtſein und damit unſere proteſtantiſche
Kraft zu ſtärken und ſo uns allen zum Segen gereichen.
Das iſt der Wunſch, mit dem ich Sie alle im Sinne des
Vorſtandes des Darmſtädter Zweigvereins hier zur
Feſt=
verſammlung willkommen heiße.
Es folgten die gleiche Begrüßungsanſprache durch
Exz. von Leßel und die gleichen Vorträge der Pfarrer
D. Dr. Diehl und D. Waitz, nur in umgekehrter Folge.
Die Vorträge wurden mit rauſchendem Beifall
aufgenom=
men. Die Verſammlungen nahmen einen erhebenden und
impoſaxten Verlauf.
Um 7 Uhr abends fand im Städtiſchen Saalbau die
Feſtaufführung des Devrientſchen Lutherfeſtſpiels
für auswärtige Feſtgäſte ſtatt. Die Aufführung verlief
gleich der erſten begeiſtert und begeiſternd. Es wurde
wieder mit voller Hingabe und mit gleich gutem Gelingen
geſpielt. In den doppelt beſetzten Rollen ſvielte die
Be=
ſetzung B, nämlich: „Magdalena von Bora” Frau Käthe
Enders=Kyhllmann, „Ave von Schönfeld” Frl.
Maria Merck, „Metze von Schönfeld” Frl. Maria
Lage=
mann, „Magdalena Staupitzin” Frl. Berta Pizzala,
„Eliſabeth Kanitzin” Frl. Anna Maria Dingeldey,
„Veronika Zſeſchau” Frl. Thea Reuter, „Margareta
Zſeſchau” Frl. Maria Cramolini, „Lameta von
Go=
lis” Frl. Suſi Haspelmath, „Ave Groſſe” Frl. Marie
Balſer, „Pförtnerin” Frl. Luitgard Kuhlmann,
Baſi lius” Herr Bernhard Morneweg, „Eva
Baſi=
lius” Frl. Maria Merck, „Muhme Lene” Frau Käthe
EEnders=Kuhlmann, ſowie die Abteilung B der
hſingenden Nonnen”. Das Publikum ſpendete wieder
frauſchenden Beifall und rief Darſteller und Regiſſeur mehr=
Fach heraus.
Darmſtadt, 28. Oktober.
* Infolge von Störungen in unſerem techniſchen
Betriebe mußte eine ganze Anzahl Berichte über lokale
Veranſtaltungen und letzte Nachrichten auf morgen
zurückgeſtellt werden.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 26. Okt. Aus Anlaß des Abſchuſſes der
Verhandlungen der Internationalen
Ausſtel=
lungskonferenz hatte die deutſche Delegation für
heute abend Einladungen zu einem Abſchiedseſſen
in den Feſträumen des Zoologiſchen Gartens ergehen
laſſen. Die Teilnehmer entſprachen der Einladung
voll=
zählig. Von den beim Reich und bei Preußen
beglaubig=
ten Vertretern bemerkte man u. a. den franzöſiſchen
Bot=
ſchafter Jules Cambon, den amerikaniſchen Botſchafter
Leiſhman und den niederländiſchen Geſandten Baron
Gevers. Erſchienen waren ferner der Bizepräſident
des Reichstags Dr. Dove und der preußiſche
Handels=
miniſter Dr. Sydow; die Reichsämter und
Reichs=
kanzleien waren gleichfalls vertreten. Beim Eintritt
wurden die Gäſte vom Präſidenten der deutſchen
Dele=
gation Dr. Richter im Verein mit den übrigen
deut=
ſchen Delegierten begrüßt. Während des Feſtmahls
er=
hob ſich Dr. Richter zu einer Anſprache. Er warf einen
kurzen Rückblick auf die Verhandlungen der Konferenz
und drückte ſeine Freude darüber aus, daß die
gemein=
ſſame Arbeit der letzten drei Wochen auch erfolgreich
ge=
weſen ſei. Der ungariſche Delegierte Levs von
Sze=
pesbela erwiderte und brachte den Dank der fremden
Delegierten für die gaſtfreundliche Aufnahme zum
Aus=
druck. Handelsminiſter Sydow toaſtete auf die
Sou=
veräne der bei der Konferenz vertretenen Länder. Der
franzöſiſche Botſchafter Cambon brachte ein Hoch auf
den deutſchen Kaiſer aus. Der Feſtabend endete in
zwangloſem, gemütlichem Zuſammenſein.
* Stuttgart, 26. Okt. Der König hat, wie der
Staats=
anzeiger meldet, dem Kgl. preußiſchen
Generalmuſikdirek=
tor an der Berliner Hofoper, Dr. Richard Strauß,
die Große Goldene Medaille für Kunſt und Wiſſenſchaft
am Bande des Ordens der württembergiſchen Krone, dem
Direktor des Deutſchen Theaters in Berlin, Profeſſor
Max Reinhardt, ſowie dem Schriftſteller Hugo
von Hofmannsthal in Wien dieſelbe Medaille am
Bande des Friedrichsordens, dem Direktor Edmund
Reinhardt am Deutſchen Theater in Wien das
Rit=
terkreuz 2. Klaſſe des Friedrichsordens verliehen.
* Weimar, 26. Okt. Der Kaiſer und die Kaiſerin
wurden vom Großherzogspaare unter lebhaften
Kund=
gebungen des Publikums zur Bahn geleitet. Das
Kaiſer=
paar fuhr um 10 Uhr nach Station Wildpark ab, wo
die Ankunft um 2.50 Uhr erfolgt. Der König von Sachſen
war bereits vorher abgereiſt
* Prenzlau, 26. Okt. Der täglich von Prenzlau nach
Fürſtenwerder verkehrende Staatsbahn=Schotterzug, der
fahrplanmäßig um 5 Uhr 38 Minuten in Fürſtenwerder
eintrifft, iſt heute morgen am Ende des Bahnhofes mit
der Lokomotive und ſechs Wagen über den Prellbock
hinausgefahren. Der Lokomotivführer und der Bremſer
wurden getötet, ein Heizer ſchwer, und ein Heizer leicht
verletzt. Die Schuldfrage iſt noch nicht gekläct,
Mitchen, 27. Okt. Die Leiche der
Prin=
zeſſin Rupprech t trifft vorausſichtlich am Mittwoch
vormittag in München ein. Die feierliche Beiſetzung
er=
folgt am Donnerstag, vormittags 10½ Uhr, in der
St. Katejans=Hofkirche.
* München, 27. Okt. Wie die „Korreſpondenz
Hoffmann” mitteilt, traf Profeſſor Angerer am
Samstag in Berchtesgaden ein und hat heute das
Hof=
lager wieder verlaſſen. Von den beiden Leibärzten
Angerer und Dr. v. Kaſtner wird bekannt gegeben:
Der Geſundheitszuſtand des Prinzregenten
iſt zufriedenſtellend. Der jüngſte Todesfall in
der königlichen Familie, an dem der Regent den
ſchmerz=
lichſten Anteil nimmt, hat das Befinden des Regenten
nicht weſentlich beeinflußt.
* Rom, 26. Okt. Die Agenzia Stefani gibt bekannt:
Der Miniſter des Aeußern di San Guilane reiſt in
Begleitung des Kabinettchefs Grafen Martino am
2. November nach Berlin ab, um den Beſuch des
Staatsſekretärs v. Kiderlen=Wächter zu erwidern. Guiliane
tritt die Rückreiſe am 7. November nach einem Feſtmahl
an, das die italieniſche Kolonie gibt.
* Paris, 27. Okt. Der Profeſſor der Chirurgie
Segon iſt im Alter von 61 Jahren geſtorben.
* London, 26. Okt. Der Präſident des
Ackerbau=
amtes, Runcimann, nahm geſtern in einer Rede in
Yorkſhyre Bezug auf eine kürzlich von Lord Roberts
gehaltene Rede, in welcher dieſer einen Krieg zwiſchen
England und Deutſchland für unvermeidlich erklärte.
Runcimann führte aus, es gebe nichts für England, um
deſſentwillen es in den Krieg ziehen müßte. Da es von
der allergrößten Bedeutung ſei, niemals die öffentliche
Meinung aufzureizen und niemals Mißſtimmung zu
er=
regen, bedauere er die Rede Lord Roberts tief. Lord
Roberts habe ſich um ſein Vaterland große Verdienſte
erworben, aber damit leiſte er dem Lande keinen Dienſt,
wenn er in einer öffentlichen Verſammlung etwas ſage,
was tatſächlich auf die Erklärung hinauslaufe, daß ein
Krieg zwiſchen England und Deutſchland unvermeidlich
ſei. Runcimann ſchloß: Ich glaube nicht, daß dieſer Krieg
unvermeidlich iſt und meine, eine Aeußerung wie
die=
jenige Lord Roberts’ iſt nicht nur beklagenswert und
ſchädlich, ſondern auch gefährlich, wenn ſie in Deutſchland
Widerhall findet. Ich wünſchte, daß man auch in
Deutſch=
land erfahre, daß dieſe Aeußerung auch in England
keinen Widerhall gefunden hat.
* Spala, 26. Okt. Prinzeſſin Heinrich von
Preußen reiſte nach Moskau ab.
— Potsdam, 26. Okt. Vor dem hieſigen
Schöffen=
gericht hatte ſich heute der Chauffeur des Prinzen
Friedrich Karl, namens Grenzhauſer, zu verantworten.
Am 24. Mai war ein Kriminalbeamter von dem
Auto=
mobil, das Grenzhäuſer führte und in dem Prinz
Friedrich Karl ſaß, überfahren worden. Das Urteil
lautete auf Freiſprechung. Der Angeklagte hatte das
Automobil ſofort anhalten können. Hierin erblickte das
Gericht den Beweis, daß Grenzhäuſer nicht
vorſchrifts=
widrig raſch gefahren war.
— Innsbruck, 26. Okt. Heute wurde die
Eröff=
nung der Geſamtſtrecken der Karwendel=Bahn,
der über Scharnitz=Mittenwald führenden neuen
Verbin=
dung zwiſchen Innsbruck und München, unter
Beteiligung von Vertretern des öſterreichiſchen und des
bayeriſchen Eiſenbahnminiſteriums, ſowie anderer
offi=
zieller Perſönlichkeiten vollzogen. Alle an den Strecken
liegenden Orte waren geſchmückt und überall wurde der
Zug mit Muſik begrüßt. In Mittenwald hielt
Bürger=
meiſter Neuner eine Anſprache, auf die dann der Statt=
halter von Trol erwiderte. Beidem Feſtmahlbrachte der
Präſident der Bahn=Aktiengeſellſchaft, Direktor
Hammer=
ſchlag (Wien), einen Trinkſpruch auf Kaiſer Franz Joſef
und den Prinzregenten Luitpolo aus. An beideFürſten
wurden auch Huldigungsdepeſchen geſandt.
— Athen, 26. Okt. Das Mitglied der griechiſchen
Ariſtokratie, Madame Blanches, erſchoß ſich geſtern
auf die Nachricht hin, daß ihr Gatte in der Schlacht bei
Elaſſona gefallen ſei. Es ſtellte ſich jedoch heraus, daß
derſelbe nur verwundet wurde.
Hendes Luch
fürs ganze leben:
Die wohlschmeckendsten
Haferspeisen bereitefmanaus
Hohenlohe Hafer-Hocken
in Fakefen, mit derSchnitterin.
Todes=Anzeige.
Heute morgen 9 Uhr entſchlief nach langem,
mit Geduld ertragenem Leiden, unſere liebe
Mut=
ter, Großmutter, Schwiegermutter, Schweſter
und Tante
(22413
Frau
Helene Sturm Wwe.
geb. Hackenspiel
im 70. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Frankfurt a. M.,
den 27. Oktober 1912.
Die Beerdigung findet am Dienstag,
nachmit=
tags 2 Uhr, vom Portale des Friedhofes aus,
ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meiner geliebten,
unvergeß=
lichen Frau, unſerer lieben Tochter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
Frau Margarete Klenk
geb. Frank
ſagen wir Allen, insbeſondere den Barmherzigen
Schweſtern für ihre liebevolle, aufopfernde Pflege
während dem langen Krankſein, den teilnehmenden
Vereinen für ihre ſchönen Kranzſpenden, dem
Geſangverein „Liederhort” für ſeinen erhebenden
Grabgeſang, für die zahlreichen Blumenſpenden,
ſowie allen Leidtragenden unſeren tiefgefühlteſten
Dank.
(22416
Darmſtadt, den 26. Okt. 1912.
Leonhard Klenk,
Frau Marie Frank Witwe.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlichſter Teilnahme
und die vielen Blumenſpenden, insbeſondere aber
für die troſtreichen Worte des Herrn Pfarrers
Lautenſchläger, ſagen wir auf dieſem Wege
un=
ſeren aufrichtigſten Dank.
(22412
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Heudorf.
Darmſtadt, den 26. Oktober 1912.
Todes-Anzeige.
In der Nacht vom Samstag zum Sonntag entschlief nach kurzem,
schwerem Leiden im Alter von 31 Jahren meine liebe Frau, unsere Tochter,
Schwester, Schwiegertochter, Schwägerin und Tante
(22415
Fadelrischhe Melenlon
geb. Will.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Julius Hohenhoff, Konditor.
Friedrich Kring, Ober-Postpraktikaht.
Darmstadt und Coblenz, den 27. Oktober 1912.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 29. Oktober, nachmittags 2½ Uhr, von der
Fried-
hofskapelle in Darmstadt aus, statt.
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Oktober 1912.
Nummer 254.
Heute früh entschlief infolge eines Unfalles, in treuer Erfüllung seines
Berufes, unser langjähriger Kutscher
(22394
Herr Johannes Seipp.
Seit Jahrzehnten hat er stets getreulich seine Pflicht getan und die
Interessen unseres Hauses bis zum letzten Augenblick in hohem Masse geehrt,
sodass wir dessen Verlust schmerzlich empfinden und aufrichtig bedauern.
Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren!
Darmstadt, den 26. Oktober 1912.
Die Inhaberin und die Geschäftsleitung
der Firma A. Le Cog & Co.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. D), Anfang 7 Uhr: „
Ham=
let, Prinz von Dänemark”
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Kammermuſik=Abend des Darmſtädter
Streich=
quartetts um 8 Uhr im Hotel „Zur Traube‟.
Evangeliſcher Bund: Hauptverſammlung um 11½
Uhr im „Kaiſerſaal”. — Feſteſſen um 1½ Uhr im
Hotel Heß.
Ausſtellung „Der Menſch” im Großh. Reſidenzſchloß
(geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends).
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 29. Oktober.
Laubſtreu=Verſteigerung um 10 Uhr bei Wirt
Heberer zu Meſſel.
Kunſthalle am Rheintor, geöffnet Werktags von
11—4 und Sonntags von 10—4 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Todes=Anzeige.
Sonntag früh 4 Uhr verſchied nach langem,
ſchwerem, mit großer Geduld ertragenem
Lei=
den, unſer liebes
(22414
Friedeichen
im zarten Alter von 5 Jahren, was wir
tief=
betrübt mitteilen.
In tiefer Trauer:
Familie Martin Hoffmann,
Tapeziermeiſter.
Darmſtadt, 27. Oktober 1912.,
Kiesſtraße 40.
Die Beerdigung findet ſtatt: Dienstag, den
29. Oktober, nachmittags 2½ Uhr, von der
Friedhofskapelle aus.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 254.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Oktober 1912.
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teueren Fleiſchpreiſen regelmäßig Knorr=Suppenwürfel verwenden,
aber noch mehr Hausfrauen gibt es, die dieſe, für jeden Haushalt
nützlichen und praktiſchen Suppen noch gar nicht kennen. Warum?
Weil viele glauben, der Fabrikant könne unmöglich für 10 Pfg.
3 Teller gute Suppe liefern. Und doch iſt es ſo. Warum kann
Knorr für wenige Pfennige ſo viel bieten? Weil in dem großen
Fabrikbetrieb alle Vorteile des Einkaufes, der Herſtellungsweiſe und
des Vertriebes ſich vereinigen, ſodaß jeder, der für 10 Pf. einen
Knorr==Suppenwürfel kauft, aus allen dieſen Vorteilen Nutzen zieht.
Intereſſantes über Knorr’s Fabrikbetrieb.
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würfel ſind getrocknete Gemüſe aller Art. Viele
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Blumenkohl, Lauch, Zwiebeln uſw. werden in der
Knorr=Gemüſefabrik getrocknet, um dann für die
Knorr=Suppenwürfel Verwendung zu finden.
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beſitzt Knorr eine ſehr große Eier=Nudelfabrik, in der
Giernudel-Jahpik all die Eierfadennudeln, Eierriebele, Eierſternchen uſw.,
hergeſtellt werden, die man für die Suppenwürfel=
Fabrikation braucht.
Um den Suppen einen würzigen Fleiſchbrühe=
Knopp Kat eigene Geſchmack zu geben, werden den Suppenwürfeln
Würze-Kabpik verſchiedene Arten von Würze beigeſetzt, die nach
eigenem Verfahren in der Knorr=Würzefabrik erzeugt
werden.
Einen Begriff von der Größe der Fabrikeinrichtung
Kraff-Sentrale bekommt man, wenn man hört, daß in der Fabrik
von Knorr, Heilbronn, 2 Dampfmaſchinen und
1 Dampfturbine mit zuſammen über 2800
Pferde=
kräften arbeiten, um die vielen Maſchinen in Betrieb
zu ſetzen, die in dem weit verzweigten Betrieb
not=
wendig ſind.
Knorr macht 45 verſchiedene Sorten Suppenwürfel.
45 Sorten
Jede Sorte hat ihren Eigengeſchmack, jede Suppe iſt
Knorr-Suppenwürfel wohlſchmeckend, kräftig und nahrhaft.
39 Sorten Suppenwürfel werden à 10 Pf.
à 15 Pf.
6 „ pikante „
verkauft und ſind in jedem beſſeren Geſchäft erhält=,
lich. Jeder Suppenwürfel genügt für 3 Teller Suppe.
Die in den Suppenwürfeln enthaltene Maſſe wird
Kochanweisung
zerbröckelt, mit etwas kaltem Waſſer angerührt und
dann mit ¾ Liter Waſſer 15 bis 20 Minuten lang=
Knorr-Suppenwürfel ſam gekocht; weder Gewürz noch Fleiſchbrühe noch
ſonſt etwas ſoll zugegeben werden, die Suppe enthält
alles, was zu einer kräftigen Fleiſchbrühſuppe
nötig iſt.
Bitte, machen Sie einen Verſuch und verlangen Sie bei Ihrem Kaufmann ausdrücklich einen
er iſt der
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(VII22398
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Oktober 1912.
Nummer 254.
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ahmungen in täuſchend ähnlicher Verpackung
Man verlange ausdrücklich Forman!
(22404M
Die Zentralanſtalt für Arbeits= und
Wohnungsnachweis in Darmſtadt.
Ihre Organiſation und Entwicklung.
Bearbeitet vom Sekretär des Ausſchuſſes L. Schrauth.
(Schluß.)
III. Vermittlungstätigkeit nach auswärts.
Zentraliſierung des Arbeitsmarktes
in der Provinz Starkenburg.
Die Anſtalt erblickte von vornherein eine ihrer
wich=
tigſten Aufgaben in der Ausdehnung ihres Arbeitsgebiets
über die Grenzen Darmſtadts hinaus. Schon 1894 wirkte
ſſie auf die Errichtung von Filialen an auswärtigen Orten
hin. Es fand ſich damals aber noch kein rechter Boden
für ihre Beſtrebungen. Im Frühjahr 1895 wandte man
ſich erneut der Arbeitsvermittlung auf dem Lande zu.
Bei dem geringen Intereſſe, das ſich in den Kreiſen der
lländlichen Bevölkerung für dieſe Anſtalt bemerkbar
machte, erſchien es ratſam, den Gedanken der Gründung
beſonderer Filialen noch nicht zur Ausführung zu brin=
Een, zumal die Anſtalt hierzu auch bedautende
Zu=
ſchüſſe hätte leiſten müſſen. Dazu war ſie aber nicht
im=
ſtande. Man glaubte zunächſt größeres Intereſſe für die
Anſtalt erwecken zu ſollen durch Aushang von Liſten über
den hieſigen Arbeitsmarkt in einer Anzahl von Orten der
Provinz Starkenburg. Auf dieſer Grundlage konnte
weiter gebaut werden. Sie war geeignet, das Feld für
die Gründung von Nebenſtellen an auswärtigen Plätzen
in der Provinz Starkenburg vorbereiten zu helfen. 1896
könnte eine weſentliche Steigerung des auswärtigen
Verkehrs vermerkt werden. 1898 faßte die am 26.
Ja=
nuar in Frankfurt a. M. tagende Konferenz der
Arbeits=
nachweisſtellen der Rhein= und Maingegend, an der auch
die hieſige Anſtalt teilnahm, in bezug auf die interlokale
Arbeitsvermittlung bedeutſame Beſchlüſſe. Sie
bezweck=
ten eine Erweiterung des Arbeitsmarktes und eine
Er=
ſtreckung der Tätigkeit der damals im weſentlichen nur
lokal arbeitenden Vermittlungsanſtalten auf die
kleine=
ren Städte und auf das Land. Damit ſollte nicht
beab=
ſichtigt ſein, die Arbeiter von den kleineren Städten und
von den Landorten in die größeren Städte zu ziehen,
man verfolgte vielmehr, im Gegenteil, den Zweck, die in
kleineren Städten und auf dem Lande vorhandenen
Stel=
len in den größeren Städten bekannt zu geben und die
beſchäftigungsloſen Arbeiter dieſer Städte nach den
klei=
neren Städten und auf das Land zu leiten. Weiter ſollte
erreicht werden, daß die Arbeiter in den kleineren
Städ=
ten und in den Landorten, ſo weit ſie überſchüſſig werden,
Kenntnis erhalten von den in anderen kleineren
Städ=
ten und in Landorten vorhandenen Arbeitsgelegenheiten.
Dieſe Beſchlüſſe deckten ſich mit den Beſtrebungen der
Anſtalt. Sie wandte ſich nunmehr an die Großherzogliche
Provinzialdirektion der Provinz Starkenburg mit der
Bitte um Unterſtützung bei dem Ausbau ihrer
auswär=
tigen Tätigkeit. Die Großherzogliche
Provinzialdirek=
tion erklärte ſich darauf, mit Genehmigung
Großherzog=
lichen Miniſteriums des Innern, in entgegenkommender
Weiſe mit den Vorſchlägen der Anſtalt einverſtanden.
Sie förderte die Angelegenheit ſo, daß ſchon nach kurzer
Zeit, zunächſt in acht größeren Gemeinden des Kreiſes
Darmſtadt, Vermittelungsſtellen errichtet und mit der
Anſtalt in Beziehung gebracht wurden.
Man war der Zuverſicht, daß die Sache von allen
Be=
teiligten nach Kräften gefördert werden würde, war doch
der Geſchäftsgang ſehr einfach gedacht und ſomit die
Mühe, der ſich die Bürgermeiſter oder ihr Perſonal zu
unterziehen hatten, nicht allzu groß. Namentlich aber
glaubte man an die Lebenskraft und an die
Entwicke=
lungsfähigkeit der Einrichtung, weil es ſich um eine
Maß=
nahme von volkswirtſchaftlicher Bedeutung hauptſächlich
für das flache Land handelte. Trotzdem ſind günſtige
Reſultate nicht erzielt worden. Die Einrichtung
funk=
tionierte immer ſchlechter. Sie mußte 1902 als
aufge=
hoben betrachtet werden. Erſt im Jahre 1910 nahm man
die Sache wieder auf. Provinzialdirektor Fey berief
auf den 16. Dezember in das Rathaus zu Darmſtadt eine
aus der ganzen Provinz beſchickte Verſammlung, die u. a.
die Frage der Zentraliſierung des Arbeitsnachweiſes
in der Provinz Starkenburg zum Gegenſtand ihrer
Be=
ratungen hatte. Die Anſtalt wurde erneut als Grundlage
für die Schaffung einer Zentrale der Provinz auserſehen.
Am 26. Oktober 1911 traten auf Veranlaſſung der
Groß=
herzoglichen Provinzial=Direktion zur weiteren
Behand=
lung der Angelegenheit die Vertreter der öffentlichen
Ar=
beitsnachweiſe in der Provinz in Darmſtadt zuſammen.
In der Erkenntnis, daß die Ausgeſtaltung des
öffent=
lichen Arbeitsnachweiſes in der Provinz notwendig ſei,
um der Provinz ihre wirtſchaftliche Selbſtändigkeit auf
dem Gebiete des Arbeitsnachweiſes zu erhalten, daß ſie
ſich auch empfehle, zur Vermeidung vieler Koſten, die den
Einwohnern der Provinz jetzt erwüchſen, und ebenſo im
Intereſſe einer geſunden Heimatpolitik, trafen die
Er=
ſchienenen folgende Verabredungen:
„Als oberſter Grundſatz der öffentlichen
Arbeitsver=
mittlung ſoll feſtgehalten werden, daß die im Bezirke
eines Arbeitsnachweiſes anſäſſigen Arbeiter für freie
Stellen in demſelben in erſter Linie in Betracht kommen,
und daß dieſen Arbeitern in erſter Linie freie Stellen
vermittelt werden ſollen, um dem anſonſt eintretenden
häufigen Ab= und Zuwandern von Arbeitskräften
ent=
gegenzuwirken. Sind keine geeigneten einheimiſchen
Ar=
beitskräfte vorhanden, dann erſt ſollen auswärtige
Ar=
beiter vermittelt werden.
Für Kreiſe, in denen noch kein Arbeitsnachweis
vor=
handen iſt, wird die Zentralanſtalt für Arbeits und
Woh=
nungsnachweis zu Darmſtadt bis auf weiteres die
Ge=
ſchäfte übernehmen.
Die Zentralanſtalt für Arbeitsnachweis zu
Darm=
ſtadt ſoll in der Regel außerdem dann zunächſt um
Ver=
mittelung angegangen werden, wenn freie Stellen von
einem Bezirks=Arbeitsnachweis der Provinz nicht beſetzt
werden können. Erſt wenn dieſe Anſtalt dazu nicht in der
Lage iſt, ſoll von dem Bezirks=Arbeitsnachweis ein
aus=
wärtiger Arbeitsnachweis, beſonders das Arbeitsamt in
Frankfurt a. M., um Vermittelung erſucht werden.
Aus=
nahmen können eintreten und werden im beſonderen dem
nördlichen Teil der Provinz (Kreisarbeitsnachweis
Offenbach) vorbehalten.)
Zur finanziellen Kräftigung der Anſtalt hat die
Pro=
vinz im Jahre 1911 ihren Zuſchuß von 300 Mk. auf 1000
Mark erhöht. Dieſe dankenswerte Unterſtützung trägt
da=
zu bei, daß die Anſtalt im Sinne der vorſtehend
erwähn=
ten Verabredungen mit Erfolg tätig ſein kann. Der wei=
tere Ausbau des Arbeitsnachweiſes in der Provinz macht
jetzt gute Fortſchritte. Von den lokalen
Vermittelungs=
ſtellen unterhält zur Zeit der Kreisarbeitsnachweis in
Dieburg die regſten Wechſelbeziehungen mit der Anſtalt.
Nur wenn ſich alle Beteiligten mit großem Eifer der
Sache widmen, wird man endlich der Zuſammenfaſſung
der Arbeitsnachweiſe im Wirtſchaftsgebiete der Provinz,
zum Wohle der Heimat, näher kommen.
IV. Beziehungen zu anderen Arbeitsnachweisanſtalten.
Verbandszugehörigkeit.
Die Anſtalt unterhielt von allem Anfang an zu den
benachbarten Arbeitsnachweisanſtalten gute Beziehungen.
Sie iſt Mitglied des Mitteldeutſchen
Arbeitsnachweisver=
bandes und des Verbandes Deutſcher Arbeitsnachweiſe.
Sie beſchickt regelmäßig die Verwalter=Konferenzen, die
Verbandsverſammlungen und auch die Tagungen des
Verbandes Deutſcher Arbeitsnachweiſe, um ihre
Erfahr=
ungen dem Dienſte des Ganzen zur Verfügung zu ſtellen,
neue Anregungen zu empfangen und in Fühlung zu
blei=
ben mit den Bedürfniſſen der wirtſchaftlichen
Entwick=
lung auf dem Gebiete der Arbeitsvermittelung.
V Schluß.
Der erſte Geſchäftsbericht über die Jahre 1893 bis
1895 ſchließt mit dem Wunſche des Gründers und
damali=
gen erſten Vorſitzenden der Anſtalt, Regierungsrat Fey:
„Möge auf dieſem Gebiete die unſeren
deutſchen Einrichtungen ſooft verderblich
gewordene Zerſplitterung fernbleiben
und mögen einheitliche und darum ſtarke
Organiſationen ihre Aufgaben zu
erfül=
len ſuchen in Förderung des allgemeinen
Wohles und des ſozialen Friedens dem
gerade durch richtig organiſierte
Arbeits=
nachweisanſtalten in hervorragender
Weiſe genützt werden kann.”
Leider ging dieſe von großen Geſichtspunkten
getra=
gene Erwartung nicht in Erfüllung. Zu den vorhandenen
Facharbeitsnachweiſen der Innung kamen neue
Vermitt=
lungsſtellen. Die Lehrſtellenvermittlung betreiben, wie
im Abſchnitt II unter d feſtgeſtellt iſt, mehrere
Körper=
ſchaßten nebeneinandeß. Auch die 21 gewerbsmäßigen
Verdinger und Verdingerinnen ſind zu erwähnen. Die
Zerſplitterung der Vermittlungstätigkeit in Darmſtadt
hat zurzeit fortſchreitende Tendenz. Angeſichs der
Nach=
teile, die daraus dem heimiſchen Arbeitsmarkte erwachſen
müſſen, hat es die Anſtalt für ihre Pflicht gehalten, in
Erwägungen darüber einzutreten, wie hier Abhilfe
ge=
ſchaffen werden könne. Die Generalverſammlung vom
21. Juni 1912 hat beſchloſſen, die Verfaſſung der Anſtalt,
die ſich zwar bis heute durchaus bewährt hat, aber nicht mit dem
heutigen Anſchauungen über die gleichmäßige Beteiligung
von Arbeitgebern und =nehmern an der Verwaltung des
Arbeitsnachweiſes in Einklang ſteht, nach Wiesbadener
Muſter umzugeſtalten. Die Anſtalt ſoll, unter
Zuſam=
menfaſſung aller intereſſierten Korporationen, mit
Unter=
ſtützung des Staates der Provinz und der Stadt und
unter amtlicher, ſtädtiſcher Führung auf eine paritätiſche
Grundlage geſtellt werden. Die beſtehenden
Facharbeits=
nachweiſe ſollen ihr ſo angegliedert werden, daß der
Vor=
ſitzende der Zentralanſtalt auch ihr Vorſitzender wird, daßt?
ſie aber im übrigen, ſoweit es die Geſchäftsführung nach
einheitlichen Geſichtspunkten zuläßt, ihre Selbſtändigkeit
behalten. Wenn alle Beteiligten nur das Beſte
des Ganzen wollen und ſich bereitfinden laſſen, ſofern es
nötig iſt, Sonderintereſſen den Intereſſen der Allgemein)
heit unterzuordnen, wenn auch die ſtaats= und kommunal“
ſtändiſchen Behörden ihre Hilfe leihen, dann wird es
ge=
lingen, eine kraftvolle Organiſation zu ſchaffen, die
wür=
dig iſt, die Aufgaben der Zentralanſtalt für Arbeits= und
Wohnungsnachweis in Darmſtadt fortzuführen, im Sinne
der Abſichten ihres Gründers und Förderers, nach dem
Grundſatz: „Der Zweck der Arbeit iſt das
Ge=
meinwohl!“
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Nummer 254.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Oktober 1912.
Seite 11.
Städtiſcher Fiſchmarkt.
Beginn: 1. Oktober 1912.
Verkaufstage:
a) auf dem Marktplatz: Dienstag bis einſchl. Samstag jeder
Woche,
b) auf dem Riegerplatz: nach Bedarf, jedenfalls aber
Don=
nerstag und Freitag jeder Woche.
Die äußerſt billig geſtellten Wochenpreiſe, die unter Kontrolle
des Oberbürgermeiſters feſtgeſetzt werden, ſind an den
Verkaufs=
ſtänden angeſchrieben.
Darmſtadt, den 28. September 1912.
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Der Oberbürgermeiſter:
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Poſtdirektionsbezirk Darmſtadt ſoll im Wege des öffentlichen
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können daſelbſt mit Ausnahme der Zeichnungen und Beſchreibungen
nebſt Maßüberſichten zum Preiſe von 30 Pfg. bezogen werden.
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wärtige Unternehmer können von den Zeichnungen und
Beſchrei=
bungen nebſt Maßüberſichten auf Antrag bei dem Kaiſerlichen
Poſt=
amt ihres Wohnorts Einſicht nehmen.
Die Angebote ſind unterſchrieben und verſchloſſen mit der
Aufſchrift:
Angebot auf: Erbauung und Lieferung von
Poſtwagen für den Ober=Poſtdirektionsbezirk
Darmſtadt
an die Kaiſerliche Ober=Poſtdirektion in Darmſtadt frankiert
einzu=
ſenden. Die Angebote werden in Gegenwart der etwa erſchienenen
Bieter den 26. November 1912, vormittags 11 Uhr, im
Zim=
mer 108 der vorbezeichneten Ober=Poſtdirektion geöffnet.
Zuſchlagsfriſt: 4 Wochen vom Tage der Eröffnung der
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bote ab gerechnet.
Falls keines der Angebote für annehmbar befunden wird, bleibt
ie Ablehnung ſämtlicher Angebote vorbehalten.
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Mittwoch, 6. November 1912,
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Grabgarten daſelbſt,
Donnerstag, 31. Oktober I. Js.,
vormittags 9 Uhr,
in unſerem Bureau —
Grafen=
ſtraße 30 — öffentlich verſteigert
werden.
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Darmſtadt, 25. Oktober 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
Bekanntmachung.
Montag, 11. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Schuhmachermeiſter
Wilhelm Deichert Eheleuten dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
II 9971/100 138¼10 Hofreite
Wieners=
ſtraße 40,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K45/12
Wenn andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, wird
Genehmigung der Verſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
ein=
gelegte Meiſtgebot die Schätzung
nicht erreicht.
Darmſtadt, 27. September 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V20320
Bekanntmachung.
Auf Antrag der Erben der
Martin Darmſtädter Eheleute
da=
hier ſollen die denſelben im
Grund=
buch der Gemarkung Beſſungen
zugeſchriebenen Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
I 395/10 274 Hofreite, das
Win=
gertsfeld im
Gäßchen (
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bergſtraße Nr. 9),
I 3737/10 86 Grabgarten
Sand=
ſtraße (
Kies=
bergſtraße),
Montag, 4. November 1912,
vormittags 10 Uhr,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, wiederholt freiwillig
verſteigert werden.
Darmſtadt, 21. Oktober 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
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57)
In ſtummer Qual ſaß Peter Geißler da. Er ſprach
nicht und fragte auch nicht.
Aber Chriſta ſchien auch auf keine Frage, keine
Ant=
wort zu warten.
Ein Engagement auf Lebenszeit iſt es, ſetzte ſie ernſt
hinzu. Ich will der Bühne ganz entſagen, will eines
glücklichen Mannes glückſeliges Weib werden und keinen
anderen Ruhm, keine anderen Lorbeeren verlangen, als
die, die mir ſein Name bringt.
Peter Geißler war aufgeſprungen, aber auch Joachim
hatte ſich, ſichtlich erſchrocken, erhoben. Chriſta, Kind,
bedenke, was Du tun willſt, entfuhr es ihm, und wie
beſchwörend ergriff er der Schweſter Hand. Dann wandte
er ſich zu Peter Geißler: Peter, ein ſolches Opfer kannſt
Du doch nicht verlangen. Das iſt doch unmöglich!
Peter Geißler ſtand da, und wortlos ſchüttelte er
end=
lich den Kopf. Nein, er konnte und durfte ein ſolches
Opfer nicht verlangen!
Da legte Chriſta die Arme um ſeinen Hals. Feſt
ſchmiegte ſie ſich an ihn. Er hat es auch nicht getan! ſagte
ſie mit Nachdruck. Mein eigener, freier Wille iſt es! Ich
bin lange mit mir zu Rate gegangen. Es iſt alſo nicht
der Entſchluß eines Augenblickes, ſondern eine
wohlüber=
legte Tat. Ich habe nur den einen Wunſch und Willen,
dem Manne, den ich liebe, ganz und ungeteilt
anzuge=
hören.
Du, o Du! Mehr brachte Peter Geißler nicht über die
erte e eeren er ner en en
digkeit, die er in ſeine Arme ſchließen durfte.
20. Kapitel.
In der Wohnſtube der Oberſchweſter des Bellburger
Krankenhauſes ſaß der alte Herr Jerling. Den weißen
Kopf in die etwas zitternde Hand geſtützt, ſaß er an dem
runden Mahagonitiſch auf dem breiten, etwas
altertüm=
lichen Lederſofa, und lauſchte dem Bericht, den ihm
Schweſter Marie über das Befinden der Mutter Joachims
gab. Tagaus, tagein kam er ſeit Wochen ſchon täglich, um
ſich nach ihr zu erkundigen. Es hatte eine Zeit gegeben,
in der er nur mit Beben die große Eingangspforte des
Hoſpitals geöffnet hatte, in banger Furcht, daß, wenn er
ſie wieder ſchließen würde, er eine Nachricht mit
hinaus=
nähme, von der er wußte, ſie würde ſeine Lieben in der
Ferne, trotz allem, was geſchehen war, ins Hecz treffen.
Als er von ſchwerer Erkrankung Frau von Leerſens
gehört hatte, und wie ſie ſo allein und verlaſſen im Hoſpital
läge, während ihr Sohn Karl Auguſt mit ſeiner Frau auf
einer Vergnügungsreiſe im Süden weilte, da hatte er
vergeſſen, daß er eigentlich alle Urſache hatte, dieſer
kran=
ken Frau zu zürnen, die einſt ſeiner Ada ſo herbes Weh
zufügte. Mit vor Mitleid überwallendem Herzen hatte er
nach Berlin geſchrieben und Joachim und Chriſta in
Kenntnis von der ſchweren Erkrankung der Mutter geſetzt.
Auf das junge bräutliche Glück Chriſtas fiel durch die
plötzliche Krankheit ihrer Mutter ein ſchwerer und trüber
Schatten. Es war ihr, als ob ſie dieſe Krankheit
voraus=
geahnt hätte, damals, als ſie mit Joachim und Ada zum
Schlaraffenfeſt gefahren war. Alle Bitternis und all das
Schwere, was ſie erfahren hatte, war mit einemmal wie
ausgelöſcht, ſeit ſie erfahren hatte, daß die Mutter in
Lebensgeſahr ſchwebte, alein und verlaſſe — belaſen
ſogar von dem Sohne, für den ihr kein Opfer zu groß
ge=
weſen war. Am liebſten wäre ſie ſofort nach Bellburg
ge=
fahren, und Joachim erging es ebenſo. Aus Rückſicht auf
den Zuſtand der Kranken durfte das jedoch nicht geſchehen!
Aber täglich mußte ihnen Papa Jerling Bericht erſtatten,
und mit Rührung las dieſer die Briefe der beiden
Ge=
ſchwiſter, die nichts als Liebe und zärtliche Beſorgnis für
die ferne Mutter verrieten. —
Ja, wie geſagt, mein lieber Herr Jerling, fuhr
Schwe=
ſter Marie in ihrem Bericht fort, heute iſt Exzellenz das
erſtemal aufgeſtanden! Schweſter Gertrud kann gar nicht
genug die Sanftmut und Güte der alten Dame loben,
Mein Gott, wie doch ſo eine ſchwere Krankheit den
Men=
ſchen oft wandelt! Wenn ich bedenke, wie dieſe Frau früher
war —1
Schweſter Marie fuhr über die in tadelloſer Reinheit
prangende weiße Schürze und rückte in leichter
Verlegen=
heit an dem weißen Häubchen, das auf dem ſchlicht
ge=
ſcheitelten Haar ſaß. Es tat ihr leid, daß ſie das eben
ge=
ſagt hatte, denn gerade der, der vor ihr ſaß, hatte am
tiefſten unter dem Hochmut Frau von Leerſens zu leiden
gehabt. Obgleich die Unraſt der Welt und all ihr lautes
Getriebe Halt machte an der Schwelle des ſtillen
Kranken=
hauſes, und ſie ſich um Klatſch und dergleichen wirklich
nicht kümmerte, war die Geſchichte des Zerwürfniſſes der
Leerſenſchen Familie doch an ihr Ohr gedrungen. Wie
um der Unterhaltung eine andere Wendung zu geben,
er=
zählte ſie ſodann mit großer Lebhaftigkeit, daß der Herr
Geheimrat erſt heute geſagt hätte, Frau von Leerſen würde
ſicher raſch geſund werden wenn der ernſtliche Wille dazu
erſt vorhanden, aber die Lebensfreudigkeit, die ſich gerade
in der Rekonvaleſzenz bei allen Kranken bemerkbar mache
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 28. Oktober 1912.
Nummer 254.
uncd der Wunſch unch Geneſtng, der biſe huwpiſchtio
fördere, fehle hier ganz. Seit Frau von Leerſen auf ihre
dringenden Fragen nach ihrem Sohne Karl Auguſt
er=
fahren habe, daß dieſer mit ſeiner Frau ſchon ſeit ihrer
Einlieferung ins Krankenhaus auf Reiſen gegangen ſei,
wäre ſie ganz ſtill und apathiſch geworden. Schweſter
Gertrud ſagte, es ſei ordentlich herzzerreißend geweſen,
mit was für einem ſchmerzvollen Geſicht ſie die kurzen
De=
peſchen des Herrn Hauptmann angeſehen habe, als man
ihr dieſe gegeben habe. Es wäre ſchon wahr, was die
Bellburger ſagten: es ſei doch eigentlich eine große
Ge=
fühlsloſigkeit, ſo in der Welt herumzureiſen und die
ſchwer=
kranke Mutter allein im Hoſpital liegen zu laſſen.
Am Fenſter, durch deſſen unverhüllte Scheiben warm
die Sonne in das hohe, luftige Krankenzimmer ſchien,
ſaß in einem bequemen Seſſel, geſtützt durch Kiſſen und
die Füße umhüllt mit wärmenden Decken, Frau von
Leer=
ſen. Ermüdet hatte ſie den Kopf mit den jetzt ſilberweißen
Haaren, auf dem ſie ein ſchwarzes Spitzenhäubchen trug,
ein wenig zurückgelehnt und die Augen geſchloſſen. Die
eingefallenen Züge trugen die Spuren der eben
durch=
gemachten Krankheit, und die Oberſchweſter hatte recht
gehabt: wer dieſes blaſſe Geſicht ſah, der hatte das
Ge=
fühl, daß eine Geſchichte voller bemitleidenswerter Tragik
auf ihm ſeine Spuren hinterlaſſen hatte. Die ſchmalen,
blaugeäderten Hände, die einſt ein Meiſterwerk der
Schöpfung geweſen ſein mochten, ruhten welk und müde
im Schoß und hielten läſſig das Taſchentuch. Die ſtolze,
einſt jnnoniſche Geſtalt war zuſammengeſunken und erſchien
jetzt beinahe dürftig in dem ſchwarzen, ſpitzenbeſetzten
Morgenkleide.
Vorſichtig zog, als die Decke etwas herabrutſchte, die
junge mit im Zimmer weilende Diakoniſſin ſie wieder
empor und glättete ſie der Kranken über den Knien.
Kun den Feſen Pteie die Aigen
Ich danke Ihnen, liebes Kind. Wie gut Sie ſind!
Sinnend blickte ſie auf ihre junge Pflegerin. Seit
vielen Wochen nun ſchon ſah ſie dieſes Geſicht täglich,
ſtünd=
lich und immer trug es denſelben Ausdruck gleichmäßiger
Freundlichkeit, ſelbſtloſer, hingebender Güte.
Wie alt ſind Sie eigentlich, Schweſter Gertrud?
Fünfundzwanzig Jahre, Exzellenz.
Fünfundzwanzig Jahre — ſo alt war — Chriſta jetzt
auch! Mit müder Bewegung hob ſie die Hand und
ſtrei=
chelte die flinken Finger, die ihr jetzt ſo ſorglich die Kiſſen
zurecht rückten. Beinahe zärtlich war dieſes Streicheln,
wie eine Mutter ihr Kind liebkoſt.
Ich habe Ihnen wohl viel Mühe und Sorge gemacht,
Schweſter?
Mühe? Nein, liebe gnädige Frau! Aber Sorge
frei=
lich und drum bin ich nun doppelt froh, daß ich Sie wieder
ſo weit habe.
Iſt Ihnen denn aber dieſe Pflege nie zu viel und nie
zu ſchwer geworden?
Ach, Exzellenz, ich habe ein Mittel, das es mir leicht
macht, ſelbſt die ſchwerſten Kranken zu pflegen. Ich denke,
es ſei mein Vater oder meine Mutter, die da liegen, und
dann wird mir kein Handgriff zu viel, keine Mühe zu
ſchwer!
Lebt Ihre Mutter noch?
Ja, dem Himmel ſei Dank! Sie hat es nicht gern
geſehen, daß ich Schweſter wurde, denn ich bin das
ein=
zige Kind meiner Eltern. Als ſie aber ſah, daß mein
Lebensglück an dieſem von mir gewählten Berufe hing,
hat ſie doch ihren Segen dazu gegeben. Das Herz einer
Mutter iſt ja zu jedem Opfer fähig.
Das Herz einer Mutter —! Leiſe murmelnd
wieder=
holten die Lippen der Kranken dieſe Worte. Dann ſchwieg
ſie Ihre Keänite ainger in die gerne de, aeni, ſo
ſollte es wohl ſein!
Dann kam etwas Unruhiges, Aengſtliches über ſie.
Forſchend in leiſem Mißtrauen glitten ihre Blicke zu der
jungen Schweſter hinüber und trafen deren Augen. Nein,
nein, da ſtand nichts von Bosheit und Schadenfreude zu
leſen! Groß, rein, in liebevoller Güte blickten ſie ihr
ent=
gegen.
Sind Sie, fragte zögernd Frau von Leerſen, ſind Sie
eine Bellburgerin, Schweſter Gertrud? Ich meine — Ihr
Dialekt iſt ein anderer als der einheimiſche!
Das will ich meinen, gnädige Frau. Ich bin
Hol=
ſteinerin und erſt ſeit kurzem hier. Wir Schweſtern des
Roten Kreuzes ſind Zugvögel, und unſer Orden ſchickt uns
in alle Teile des Deutſchen Reiches. Exzellenz ſind die
erſte Patientin, die ich hier gepflegt habe.
Ein Atemzug der Erleichterung, der wie ein Seufzer
klang, hob die Bruſt Frau von Leerſens.
Beſorgt beugte ſich die Schweſter zu ihr herab.
Nein, nein, wir dürfen nicht ſo viel reden, Exzellenz!
Das ſtrengt zu ſehr an.
So erzählen Sie mir doch etwas, Schweſter! Ja, ach
ja, ſagen Sie mir, habe ich viel phantaſiert, als ich
be=
wußtlos war?
Nicht mehr, als bei ſo hohem Fieber der Fall iſt.
Einen Augenblick ſann Schweſter Gertrud nach.
Eigent=
lich nein! Exzellenz waren gar nicht ſo unruhig. Sie lagen
ganz ſtill und ſchienen ſich gut zu unterhalten. Manchmal
lachten Sie ganz fröhlich. Es war ſo, als wenn gnädige
Frau mit Kindern ſpielte! Wenn ich mich recht erinnere,
haben Sie auch oft die Namen Chriſta und Joachim ge=!
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