Abonnementspreis
Inſerake
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
ans=
werden angenommen in Darmſtadk.
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Ver
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Die Firma E. Rumpler, Luftfahrzeugbau in
Lichten=
berg, hat einen Preis ausgeſetzt für denjenigen
Flieger deutſcher Reichsangehörigkeit, der auf einem von
der Firma erbauten Flugzeug als Erſter den Flug von
Berlin nach Paris ausführt.
Die Stadtverordnetenverſammlung in
Leipzig genehmigte die endgültige Hergabe eines
Ge=
ländes auf dreißig Jahre zur Errichtung eines
Flugplatzes. Ferner wurden 190 000 Mark für
deſſen Herſtellung bewilligt.
Auf der Zeche Weſtend in Duisburg=Meiderich
ereig=
nete ſich eine Exploſion ſchlagender Wetter,
bei der fünf Bergleute getötet worden ſind=
Nach einer Meldung der „Times” aus San Sebaſtian ſind
die franzöſiſch=ſpaniſchen Marokko=
Verhandlungen in ihr letztes Stadium getreten.
Nach einer Meldung des Bezirksamtes Friedrich=
Wilhelmshafen (Neu=Guinea) ſind im dortigen
Bezirk Unruhen ausgebrochen. Es gelang der
Po=
lizeitruppe, die Rädelsführer gefangen zu nehmen und
die Ruhe ohne Blutvergießen wieder herzuſtellen.
Auf der elektriſchen Bahn von Mentone nach Soſpel.
De=
partement Seealpen, ſtürzte ein aus einem
Motor=
wagen und einem Güterwagen beſtehender Zug in
einen 150 Meter tiefen Abgrund. Die
beiden Zugbedienſteten wurden getötet.
Eine politiſche Flottenaktion.
— Der Matin brachte in dieſen Tagen die
auffal=
lende Meldung von einer wichtigen Maßnahme des
franzöſiſchen Marineminiſters, wonach das dritte
Ge=
ſchwader, dem die Nordſee als Station zugewieſen iſt,
gleichfalls nach dem Mittelmeer verlegt wird. Die
Be=
deutung dieſer Anordnung liegt auf der Hand:
Frank=
reich wird ſich in ſeiner maritimen und auch ſonſtigen
Politik mehr dem Mittelmeer zuwenden, während es die
Nordſee dem befreundeten England allein überläßt.
Bekanntlich hat England im Mittelmeer nur noch einen
minimalen Aufwand an Kriegsſchiffen zurückgelaſſen und
alle übrigen zum Schutze der Heimat — natürlich gegen
Deutſchland — zurückbeordert.
Es liegt auf der Hand, daß beide Maßnahmen in
vollſtändiger Uebereinſtimmung erfolgt ſind, indem man
ſich gegenſeitig den Schutz der dortigen Intereſſen
über=
trägt. Frankreich befindet ſich mit ſeiner Flotte in einer
ähnlichen Lage wie Rußland: Die Lage an zwei Meeren
erfordert eine Teilung der Streitkräfte, die unter
Um=
ſtänden ſehr böſe Folgen nach ſich ziehen kann. Die
franzö=
ſiſche Flotte ſtellt wohl eine achtunggebietende Macht dar,
indeſſen iſt ſie der deutſchen bei weitem nicht gewachſen,
und ſo hat man ſich denn zwiſchen Paris und London
dahin verſtändigt, daß England die Wacht für Frankreich
in der Nordſee übernimmk, während Frankreich das
Gleiche für England im Mittelmeer tut. Dieſe
Konzentra=
tion erſcheint den — man kann ruhig ſagen verbündeten —
Regierungen umſomehr notwendig, als die öſterreichiſche
Flotte bedeutend vermehrt wird, dazu kommt auch noch
die italieniſche Kriegsmarine, von der man wohl aber im
Hinblick auf die Beziehungen zu Italien nichts
ſonder=
liches befürchtet. Die ganze Maßnahme bezweckt erſichtlich,
Oeſterreich=Ungarn in Schach zu halten, damit deſſen
Einfluß nicht im Orient gar zu ſehr wachſe. Vielleicht
kann man darum auch in dieſem Schritte Delcaſſés eine
Antwort erblicken, die man ſeitens der Ententemächte dem
Grafen Berchtold auf ſeine Balkanvorſchläge hin erteilt.
Man ſieht, daß es immer wieder dieſe Mächte ſind, die alles
daran ſetzen, um keinen anderen aufkommen zu laſſen.
Hierin liegt für die geſamte Weltlage eine ſtändige
Be=
drohung, da man ſelbſt bei dem augenblicklich heiteren
Himmel nicht wiſſen kann, ob in der nächſten Stunde
dunkles Gewölke ſich zuſammenballt, um vielleicht ein
ſchweres Gewitter heranziehen zu laſſen. Gerade das
Mittelmeer iſt es in den letzten Jahren geweſen, um das
ſich ein Weltkampf erhob, erſt war es Marokko, und jetzt
der Balkan mit dem Orient. Frankreich konzentriert jetzt
ſeine maritimen Streitkräfte im Mittelmeer, weil es ſie
dort — und nicht zuletzt mit Rückſicht auf Marokko — am
erſten brauchen kann.
Jedenfalls zeigt ſich wieder einmal, daß wir in
Deutſchland allen Grund haben, ſtets und ſtändig auf der
Hut zu ſein, damit wir nicht eines Tages Verraſcht
wer=
den. Ueberall werden Minen gegen uns gelegt, um ſie im
gegebenen Moment zur Exploſion zu bringen. Wir dürfen
uns daher durch eine Liebenswürdigkeit, die ab und zu
von dieſer Seite erwieſen wird, nicht einſchläfern laſſen,
ſundern für Deutſchland heißt es, auf der Wacht zu ſein.
Bei dem Zuſammenziehen der franzöſiſchen
Flotte im Mittelmeer und der jüngſten Verminderung der
engliſchen Seekräfte dort drängen „Daily Graphie” und
„Standard” die engliſche Regierung um
Auf=
ſchluß über die etwaige Verſtändigung mit
Frankreich. Der „Standard” weiſt allerdings die
Wahrſcheinlichkeit beſtimmter Abmachungen mit
Frank=
reich für den Kriegsfall ab. So wertvoll die ſtarke
fran=
zöſiſche Flotte in dieſen Gewäſſern unter Umſtänden auch
ſein könnte, ſo dürfe doch England die Wahrung ſeiner
Intereſſen zur See nicht andern Mächten überlaſſen. Der
„Daily Graphie” hätte nichts gegen ein Flottenbündnis
mit Frankreich einzuwenden; er bringt das franzöſiſche
Vorgehen in Zuſammenhang mit der
Flottenvereinba=
rung zwiſchen Frankreich und Rußland, mit der engliſchen
Machtanhäufung in der Nordſee und mit der
Verminde=
rung der franzöſiſchen im Kanal und Nordatlantiſchen
Meer und ſchließt aus allem auf eine beſtimmte
Verein=
barung zwiſchen England und Frankreich und die
Mög=
lichkeit einer Verſtändigung zwiſchen England und
Ruß=
land. Er begründet ſein Verlangen nach amtlicher
Auf=
klärung damit, es ſei zweifelhaft, ob die öffentliche
Mei=
nung die Wahrung der engliſchen Mittelmeerintereſſen
durch die franzöſiſchen Freunde gutheiße, und es ſei
un=
recht, das Land ohne eine Einwilligung in militäriſche
und maritime Verpflichtungen zu verwickeln, die nur durch
ein beſtimmtes Bündnis zu rechtfertigen wären.
Deutſches Reich.
— Die Konſervativen und die
Jeſui=
tenfrage. Wie es ſcheint, dürfte das Zentrum ſich
demnächſt im Reichstag mit ſeinem Antrag auf Aufhebung
des Jeſuitengeſetzes nur in Gemeinſchaft mit der
Sozial=
demokratie befinden. Denn die ablehnende Haltung der
Konſervativen gegen eine Aufhebung des Geſetzes wird
immer klarar und entſchiedener. So iſt es jetzt die
„Kreuzzeitung”, die an leitender Stelle den Artikel eines
alten bayeriſchen Proteſtanten wiedergibt, worin nicht nur
die Zulaſſung der Jeſuiten rundweg abgelehnt wird,
ſon=
dern auch Freiherr von Hertling, deſſen Verteidigung der
Artikel im übrigen gewidmet iſt, wegen eines
Jeſuiten=
erlaſſes einen Tadel erhält. Es heißt nämlich in dem
führenden konſervativen Blatt:
Wir haben nie ein Hehl daraus gemacht, daß v.
Hert=
lings Vorgehen in der Jeſuitenfrage unſeren Beifall nicht
finden kann. Den Grund dafür hat der
Oberkonſiſtorial=
präſident Dr. v. Bezzel in der Reichsratskammer mit dem
Wort „Gegenreformation” angegeben. Ja, es gibt
Er=
eigniſſe in der Weltgeſchichte, die ſich in der Erinnerung
nicht ſo leicht auslöſchen laſſen. Viele. viele Jahrhunderte
müſſen wohl noch vorübergehen, bis die Proteſtanten die
Martern und Qualen ihrer Väter vergeſſen haben. Es
genügt nicht, daß v Hertling uns verſichert, kein Jeſuit
denke heute an Verfolgung von Proteſtanten. Nur im
katholiſchen Lager benötige man ihre Hilfe Wer ſteht uns
denn dafür, daß das alte Lied nicht doch aufs neue
be=
ginnt, in anderer Form und Weiſe, ſobald die Jeſuiten
im Lande ſind? Ein Geſetz iſt raſch aufgehoben — das
Erneuern dauert meiſt viel länger. Es iſt nicht
Unfreund=
lichkeit gegen die Katholiken, wenn die Proteſtanten
ein=
mütig das Jeſuitenverbot aufrechtzuerhalten wünſchen.
— Die Krankenkaſſen und die
Reichs=
verſicherungsordnung. Der Verband zur
Wah=
rung der Intereſſen der deutſchen Betriebskrankenkaſſen
ſchreibt: Nach einer kaiſerlichen Verordnung müſſen die
Krankenkaſſen den Antrag auf Zulaſſung nach der
Reichs=
verſicherungsordnung bis Ablauf dieſes Jahres bei ihren
Verſicherungsämtern ſtellen. Die Krankenkaſſen reichen
dieſen Antrag zurzeit ein. Die Verſicherungsämter
for=
dern nun von den Kaſſen den Entwurf der Kaſſenſatzung
ein, der den Vorſchriften der Reichsverſicherungsordnung
entſpricht. Die amtlichen Muſterſatzungen für die
verſchie=
denen Kaſſenarten liegen noch nicht vor; ihre
Veröffent=
lichung iſt im Spätherbſt zu erwarten. Die Krankenkaſſen
haben alſo keinerlei Unterlage für die ſchwichige Arbeit
der Aufſtellung der Satzungen nach dem neuen Recht. Es
muß daher erwartet werden, daß die Verſicherungsämter
Weiſung erhalten, von der Ermächtigung im Artikel 19
des Einführungsgeſetzes zur Reichsverſicherungsordnung
allgemein Gebrauch zu machen und den Krankenkaſſen eine
weitere Friſt zu geben für die Einreichung der neuen
Satzungen. Nach Lage der Verhältniſſe würde am beſten
wie folgt vorgegangen: Zunächſt wäre möglichſt hald die
Muſterſatzung für die allgemeinen Ortskrankenkaſſen
her=
auszugeben und dieſen Kaſſen eine möglichſt kurz
be=
meſſene Friſt für die Einreichung zu ſtellen. Die
Muſter=
ſatzungen für die andern Kaſſenarten könnten dann ſpäter
veröffentlicht und der Zeitpunkt der Einreichung der neuen
Satzungen durch dieſe Kaſſen weiter hinausgeſchoben
wer=
den. Die Betriebs=, Innungs= und beſonderen
Orts=
krankenkaſſen müſſen ihre Leiſtungen gleichwertig mit denen
der zuſtändigen allgemeinen Ortskrankenkaſſen geſtalten,
was vorausſetzt, daß die allgemeinen Ortskrankenkaſſen
ihre Leiſtungen ſchon feſtgeſetzt haben. Ein derartiges
Vorgehen würde den Intereſſen der weiten an den
Krankenkaſſen beteiligten Kreiſe am eheſten entſprechen.
— Schutz der Arbeitswilligen. Die
Lan=
deszeitung für beide Mecklenburg, deren vor einigen
Tagen gebrachſte Meldung, der Bundeſsrat beſchäftigte
ſich mit einer Vorlage zur Regelung des Schutzes der
Arbeitswilligen, ein Dementi erfahren hatte, hält ihre
Nachricht in vollem Umfange aufrecht. Sie ſtellt feſt, daß
dem Bundesrat ſeit einiger Zeit ein von den Regierungen
von ſechs Bundesſtaaten unterſchriebener Antrag Sachſens
vorliegt, der reichsgeſetzliche Maßnahmen zum Schutze der
Arbeitswilligen fordert. Außer dieſem Antrag ſind dem
Bundesrat in den letzten zwei Monaten 35 Eingaben von
Berufsvereinen des Handels, der Induſtrie und des
Handwerks zugegangen, die ausnahmslos um
reichsge=
ſetzliche Maßnahmen gegen den Terrorismus gegenüber
Arbeitswilligen erſuchen.
Bildung neuer
Berufsgenoſſen=
ſchaften. Der Bundesrat dürfte in ſeiner erſten
Plenarſitzung nach den Ferien am 10. Oktober ds. Js.
über die Bildung einiger neuer Berufsgenoſſenſchaften
zu beſchließen haben, die erforderlich geworden ſind aus
Anlaß der Ausdehnung der Unfallverſicherung auf neue
Gewerbezweige. Es können in dieſer Beziehung in Frage
kommen eine Gärtner=Berufsgenoſſenſchaft, eine
Klein=
handel=Berufsgenoſſenſchaft und eine Verſicherungs=
Ge=
noſſenſchaft für das nicht gewerbsmäßige Halten von
Reittieren und Fahrzeugen. Da die Unfallverſicherung
in der durch die Reichsverſicherungsordnung geſchaffenen
neuen Geſtalt bereits am 1. Januar nächſten Jahres in
Kraft tritt, müſſen die neuen Berufsgenoſſenſchaften bis
zu dieſem Zeitpunkt gebildet ſein.
— Neue kirchliche Gemeindeordnung in
Bayern. Die bayeriſche Kammer der Abgeordneten
hat mit großer Mehrheit den Geſetzentwurf betr.
Einfüh=
rung einer neuen kirchlichen Gemeindeordnung
angenom=
men, durch die die Verhältniſſe der katholiſchen und der
proteſtantiſchen Kirche in beiden Teilen Bayerns neu
ge=
regelt werden. Die Sozialdemokraten und die
Freiſinni=
gen ſtimmten geſchloſſen gegen das Geſetz, namentlich,
weil ſie durch das Geſetz eine Erweiterung der
kirchen=
rechtlichen Vermögensverwaltung befürchten.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Beſuch des Grafen Berchtold in Italien.,
Das Wiener Fremdenblatt ſchreibt: Wie wir vernehmen,
beabſichtigt der Miniſter des Aeußern, Graf Berchtold,
dem bisherigen Gebrauch folgend, noch im Herbſt dieſes
Jahres nach Italien zu reiſen, um ſich dem König von
Italien vorzuſtellen und mit dem italieniſchen Kollegen
Mar=
quis di San Giuliano zuſammenzutreffen. Da demnächſt
die Tagung der Delegationen bevorſteht, dürfte der
Be=
ſuch des Miniſters nach deren Beendigung im Oktober
ſtattfinden. Zu dieſer Zeit befindet ſich König Viktor
Emanuel im Jagdſchloß San Roſſore bei Piſa.
Frankreich.
Die franzöſiſch=ſpaniſchen
Verhand=
lungen. Dem Siecle zufolge wird ſich der Miniſterrat
u. a. mit der Frage der franzöſiſch=ſpaniſchen
Beziehun=
gen beſchäftigen. Die jüngſten Zwiſchenfälle, welche auf
die Beziehungen zu Spanien ſehr abkühlend gewirkt
hät=
ten, ſchienen den Abſchluß des franzöſiſch=ſpaniſchen
Marokko=Abkommens von neuem zu verzögern. Der
Mini=
ſterrat werde über die freundſchaftlichen Vorſtellungen
be=
raten, die an die ſpaniſche Regierung gerichtet werden
ſollen, um eine Verſchärfung der Lage hintanzuhalten.
Großfürſt Nikolaus in Paris. Großfürſt
Nikolaus Nikolajew iſt am Mittwoch nachmittag 4 Uhr
in Paris eingetroffen, um an den franzöſiſchen Manövern
teilzunehmen. Er wurde auf dem Nordbahnhof von dem
Oberſten Boulanger, Vertreter des Präſidenten der Re=
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. September 1912.
Nummer 216.
publik, dem Miniſterpräſidenten Poincaré, dem
Militär=
gouverneur von Paris Maunory, dem Großkanzler der
Ehrenlegion Florentin und andern hohen Militärs und
Beamten empfangen.
England.
Der Beſuch Saſonows. Wie bekannt gegeben
wird, ſteht jetzt feſt, daß der ruſſiſche Miniſter Saſonow
ſſogleich nach der Rückkehr des Königs aus den Manövern
in Balmoral empfangen wird. Es iſt wahrſcheinlich,
daß der Botſchafter Graf v. Brenckendorff, der mit
Saſonow nach England zurückkehrt, ihn nach Balmoral
begleitet. Staatsſekretär Grey wird während Saſonows
Beſuch ebenfalls in Balmoral anweſend ſein. Es iſt
äußerſt wahrſcheinlich, daß nur ein perſönlicher
Gedan=
kenaustauſch zwiſchen beiden Miniſtern in Balmoral
ſtattfindet. Saſonow wird ſich etwa am 23. September
dorthin begeben.
Amerika.
Peru. Der Senat hat der von der Regierung
ge=
forderten inneren Anleihe von 10 Millionen Pfund
Ster=
ling für die Zwecke der Landesverteidigung zugeſtimmt.
* Petersburg, 11. Sept. Ein Manifeſt des
Kaiſers aus Anlaß der Gedenkfeier von Borodino
erinnert an die ruhmvollen Ereigniſſe von 1812 und
for=
dert das Volk auf, Gott Dank zu ſagen in heißem Gebet.
Das Vorbild der Helden von 1812 möge ewig alle treuen
Söhne begeiſtern, Gott möge dem Kaiſer helfen bei
Er=
füllung des unerſchütterlichen Willens, in Einigkeit mit
dem geliebten Volke das Schickſal des Staates zum Lichte,
zur Größe und zum Gedeihen zu leiten.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 13. September.
* Vom Hofe. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog begab ſich am Mittwoch früh 5 Uhr auf Jagd
in den Kranichſteiner Park. — Ihre Königliche Hoheit
die Großherzogin empfingen am Mittwoch
vormit=
tag 11 Uhr im Reſidenzſchloß den Miniſter des Innern
von Hombergk zu Vach, Geh. Oberſchulrat Dr.
Scheuer=
mann und Direktor Zobel. — An der Frühſtückstafel zu
Jagdſchloß Wolfsgarten nahmen Graf und Gräfin
Lönyay teil. — Die Großherzoglichen Herrſchaften, der
Erbgroßherzog und Prinz Ludwig, ſowie das Gefolge
begaben ſich im Laufe des Mittwoch nachmittag im
Auto nach Mainz und nahmen daſelbſt im
Großherzog=
lichen Palais Wohnung. (Darmſt. Ztg.)
Forſtperſonalien. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog haben die Oberförſter der Oberförſtereien
Wieſeck und Mainz, Forſtmeiſter Karl Weigand zu
Gießen, und Forſtmeiſter Ludwig Neuſchäfer zu
Mainz, auf ihr Nachſuchen und unter Anerkennung
ihrer langjährigen, treu geleiſteten Dienſte, mit Wirkung
vom 1. Oktober d. J. an, in den Ruheſtand verſetzt
und ihnen aus dieſem Anlaß den Charakter als „
Ge=
heimer Forſtrat” verliehen; verſetzt haben Se. Königl.
Hoheit der Großherzog den Oberförſter der
Ober=
förſterei Trebur, Forſtmeiſter Hermann Kutſch zu
Groß=Gerau, in gleicher Dienſteigenſchaft in die
Ober=
förſterei Mainz.
In den Ruheſtand verſetzt wurde der
Finanz=
amtsgehilfe bei dem Finanzamt Nidda, Louis Schüler
zu Nidda, auf ſein Nachſuchen unter Anerkennung
ſeiner langjährigen treu geleiſteten Dienſte, mit Wirkung
vom 1. Oktober d. Js. an, und ihm aus dieſem Anlaß
der Charakter als „Kanzleirat” verliehen.
* Perſonalnachrichten der Eiſenbahndirektion
Mainz. Ernannt: Bahnmeiſter Marquart in Oeſtrich=
Winkel zum Bahnmeiſter 1. Klaſſe; die komm.
Eiſen=
bahnaſſiſtenten Herwig in Worms, Henn in
Biſchofs=
heim, Eiſenbahnpraktikant Moritz, Telegraphiſt Reuter
in Bad Münſter am Stein zu Eiſenbahnaſſiſtenten;
Lokomotivheizer Kraß in Guſtavsburg zum
Maſchinen=
wärter: Eiſenbahngehilfe Roſenberger in Oppenheim
zum Eiſenbahn=Unteraſſiſtenten, die Schaffner i. Pr.
Narzi, Reuter in Darmſtadt, Länge, Rebenich in Mainz,
Noe in Worms zu Schaffnern, die Aushelfer Behr in
Darmſtadt, Appel in Mainz, Weichenſteller i. Pr. Beckerle
in Mannheim=Waldhof zu Weichenſtellern (Eiſ. Geh.);
Hilfsrangierführer Harreus in Worms zum
Rangier=
führer; Hilfslademeiſter Kraft in Darmſtadt zum
Schaffner. Verſetzt: Regierungsbaumeiſter Müller
von Mainz nach Coſel; Oberbahnaſſiſtent Wagner von
Mainz nach Ruhrort (Dir.=Bez. Eſſen);
Bahnhofsver=
walter Haub von Hetzbach nach Magdeburg=Eudenberg
(Dir.=Bez. Magdeburg); Eiſenbahnaſſiſtent Velten von
St. Goar nach Mannheim=Waldhof; Bahnmeiſter Kolb
von Oeſtrich=Winkel nach Wiesbaden; Weichenſteller 1. Kl.
Peter Schneider von Mainz=Kaſtel nach Biebrich:
Bahn=
ſteigſchaffner Vollrath von Darmſtadt nach
Gunters=
blum; Bahnwärter Draſer von Dieburg nach Münſter
(b. Dbg.); Henzel von Klein=Rohrheim nach Groß=
Rohr=
heim. Penſioniert: Maſchinenwärter Karl Berg in
Guſtavsburg. Geſtorben: Oberbahnaſſiſtent Krauter,
techniſcher Oberbahnaſſiſtent Göhring Lokomotivführer
Martter in Mainz; Lokomotivführer Werkmann in
Darmſtadt, Görgen in Bingerbrück; Weichenſteller
Klein=
kauf in Worms.
-g Ferienſtrafkammer. Wegen Verbrechens nach
§ 181,2 Str.=G.=B. wurde geſtern die 48jährige Witwe
Margarethe Vogel von hier zu 6 Wochen
Gefäng=
nis abzüglich 1 Monat der Unterſuchungshaft
ver=
urteilt. — Der 48jährige Konditor Johann Heinrich
Kieſel von hier hatte ſich wegen Wechſelfälſchung zu
verantworten. Der Angeklagte hatte im April die Abſicht,
ein Café zu eröffnen und war zu dieſem Zweck mit einem
Hausbeſitzer in Verhandlung getreten, deſſen Haus er für
ſeine Zwecke mieten wollte. Er ließ ſich jedoch nicht
wie=
der bei dieſem ſehen. Trotzdem er nun noch kein
Geſchäfts=
lokal hatte, beſtellte er bei Lieferanten alle denkbaren
Sachen. Bei einem Möbelhändler beſtellte er für mehrere
hundert Mark Stühle, Tiſche und Sofas. Nach dem
Preis der Waren frug er meiſt garnicht. Der damals
voll=
ſtändig mittelloſe Angeklagte verſuchte bei allen
Lieferan=
ten auf den Namen ſeines Bruders gefälſchte Wechſel an
den Mann zu bringen. Einige wieſen die als gefälſcht
erkannten Wechſel ſofort zurück, andere holten ſich bald
danach ihre Sachen wieder zurück. Die ganze Art dieſer
Manipulationen erweckte von vornherein den Eindruck,
daß der Urheber nicht bei vollem Verſtand ſein könne,
doch konnte zunächſt die ärztliche Unterſuchung keine
An=
zeichen irgend welcher Unzurechnungsfähigkeit feſtſtellen.
Erſt in der geſtrigen Verhandlung ergaben verſchiedene
Zeugenausſagen einzelne Momente, die auf eine
geiſtige Erkrankung des Angeklagten ſchließen laſſen. So
wurde er einmal um die fragliche Zeit weſit ab von ſeiner
Wohnung im ſchwarzen Anzug, weißen Strümpfen,
Plüſchpantoffeln und mit einer Blume im Knopfloch
ge=
ſehen. Einige Lieferanten bekunden auch, daß ſie ihn
garnicht ernſt genommen hätten. Auf Grund des
Gut=
achtens der ärztlichen Sachverſtändigen erkannte das
Ge=
richt gemäß dem Antrage des Staatsanwalts auf
Frei=
ſprechung, da Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit
des Angeklagten beſtänden. — Der 31jährige Fabrikarbeiter
H. Fröhlich wurde wegen Verbrechens nach § 176,2
Str.=G.=B. zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt.
Er wurde wegen Fluchtverdachts ſofort in Haft genommen.
* Zuſammenkunft alter heſſiſcher Offiziere. Am
12. September, dem Tage, an welchem Großherzog
Ludwig IV. ſein 75. Lebensjahr vollendet hätte,
ver=
einigten ſich in Darmſtadt, wie in den Jahren 1907 und
1909, alte heſſiſche Offiziere, welche unter dem
Kommando des damaligen Prinzen Ludwig von Heſſen
den Feldzug von 1870/1871 mitgemacht haben. 58 Herren,
darunter 13 Generale, hatten ſich, zum Teil aus weiter
Ferne, eingefunden, um gemeinſam ihres Führers in großer
Zeit zu gedenken und die in Feindes Land feſtgekittete
Kameradſchaft erneut zu betätigen. Im Mauſoleum, am
Sarge des Großherzogs, wie an deſſen Denkmal auf dem
Paradeplatz legten die älteſten der Herren, Herr Oberſt
Freiherr Röder von Diersburg, und Herr
Ge=
neralmajor Freiherr von Heyl, 1870/1871 im Stabe des
Prinzen Ludwig, Kränze nieder mit der Inſchrift: „Ihrem
unvergeßlichen Führer im Jahre 1870/1871, ſeine alten
Offiziere.‟ Bei dem Eſſen im Hauſe der „Vereinigten
Geſellſchaft” um 1 Uhr weihte Herr Oberſt v. Röder
dem Andenken des geliebten Führers ein ſtilles Glas und
brachte dann in zündenden, zu Herzen gehenden Worten
das Hoch auf Kaiſer und Großherzog aus. Noch während
des Mahles traf, jubelnd begrüßt, von Sr. Königl. Hoheit
folgende Antwort auf das an ihn gerichtete
Huldigungs=
telegramm ein: „Für das treue Gedenken der zu
pietät=
voller Feier vereinigten Kämpfer aus großer Zeit danke
ich allen Beteiligten herzlich. Ernſt Ludwig.” Nur zu
raſch vergingen in angeregteſter Unterhaltung die Stunden
des Zuſammenſeins. Mit dem allſeitig geteilten Wunſche
einer Wiederholung der Vereinigung trennten ſich die alten
Kameraden, welche mit großer Befriedigung die
Mit=
teilung des Herrn Oberſt Becker entgegengenommen
hat=
ten, daß deſſen Schrift über „Die heſſiſche Diviſion
in der Schlacht bei Gravelotte” vorausſichtlich noch im
Laufe dieſes Jahres erſcheinen werde.
L. Schweſtern=Konzert. Das ſo beliebte Konzert
zum Beſten der Barmherzigen Schweſtern findet am
7. Oktober d. J. wiederum im Saalbau ſtatt. Das
ab=
wechslungsreiche Programm iſt, wie ſeit vielen Jahren,
von unſerem vortrefflichen, kunſtſinnigen Großh.
Hof=
kapellmeiſter Herrn Hofrat de Haan zuſammengeſtellt
und dürfte die verehrten Konzertbeſucher voll und ganz
befriedigen. Der Beginn des Kartenverkaufes wird
noch bekannt gegeben.
* St. Ludwigskirche Darmſtadt. Den hieſigen
Katho=
liken, ſowie allen Freunden einer ernſten, würdigen
Kir=
chenmuſik ſteht am nächſten Sonntag ein beſonderer
Kunſt=
genuß bevor. Der Verein für Kirchengeſang
aus Frankfurt a. M. wird nämlich an dieſem Tage
ſeinem Bruderverein in St. Ludwig einen Beſuch
abſtat=
ten und bei dieſer Gelegenheit den Hauptgottesdienſt
durch ſeine Darbietungen verſchönen. Genannter Verein
— ein gemiſchter Chor von ungefähr 100 Damen und
Her=
ren — wird während des Hochamtes die ſechsſtimmige
„Miſſa Papae Marcelli” von Paleſtrina zur Aufführung
bringen. Außerdem kommen noch zum Vortrag: „Ave
Maria” von Arcadelt, ſowie „Tantum ergo” von Krug.
Ueber die Entſtehung und hiſtoriſche Bedeutung obiger
Meſſe, welche im Jahre 1567 von Paleſtrina komponiert
wurde, ſei kurz folgendes erwähnt: Im Jahre 1564 war
die Figuralmuſik in Gefahr, gänzlich aus der Kirche
ver=
bannt zu werden, da zu dieſer Zeit die Kompoſition der
Kirchenmuſik durch Benutzung weltlicher Melodien und
Volkslieder gänzlich auf Abwege geraten war. Man
for=
derte nun Paleſtrina auf, den Beweis zu erbringen, daß
ſich die kontrapunktiſche Muſik mit den ſtrengen
Forderun=
gen einer würdigen, wahrhaft kirchlichen Stimmung
ver=
einbaren laſſe. Zu dieſem Zwecke wurde der Meiſter mit
der Kompoſition einer Meſſe betraut. Anſtatt einer Meſſe
komponierte Paleſtrina deren drei und befriedigte mit
der dritten, welche er in dankbarer Erinnerung an ſeinen
Gönner, den Papſt Marcellus II. „Miſſa Papae Marcelli”
nannte, das Kollegium vollkommen, ſo daß fortan der
Gedanke einer Verbannung der polyphonen Muſik aus
der Kirche aufgegeben wurde.
Herbſtſpaziergang der Hauswirtſchaftlichen
Fort=
bildungsſchule. Zu den ſozialpädagogiſchen
Einrichtun=
gen, deren Pflege ſich die Stadt Darmſtadt beſonders
an=
gelegen ſein läßt, gehört nicht in letzter Linie die
Haus=
wirtſchaftliche Fortbildungsſchule, die in
ihren drei Abteilungen in der Rundeturm=, Lagerhaus=
und Hermannſtraße ſich die Aufgabe ſtellt, die aus der
Volksſchule entlaſſenen Mädchen durch Belehrung und
praktiſche Uebung für die Aufgaben der Hauswirtſchaft in
Küche und Haus zu befähigen. — Nach Beendigung des=
Frauenkurſes, der von über 200 Teilnehmerinnen beſucht
war, fand vorgeſtern der übliche Herbſtſpaziergang
ſtatt, der auf dem „Heiligen Kreuz” endete, wo ein
ge=
meinſamer Kaffee mit vorzüglichem Kuchen die zahlreichen
Teilnehmer in die behagliche Stimmung zum Genuß des:
reichlich gebotenen Feſtprogramms verſetzte. Nachdem
der langjährige Leiter der Haushaltungsſchule, Herr)
Lehrer H. Schäfer die Anweſenden begrüßt und
dar=
auf aufmerkſam gemacht hatte, daß man heute das 20 Beſtehen feiern könne und beſonders die
erfreu=
liche Zunahme der Beteiligung in den letzten Jahren
her=
vorhob, begann die geſellige Unterhaltung. In ſinniger
Weiſe hatte Herr Lehrer Mattay eine
zuſammenhän=
gende Vortragsfolge über das Thema: „Halte treue
Freundſchaft und gute Nachbarſchaft” zuſammengeſtellt.
Nach einigen einleitenden Worten folgten von
Schüle=
rinnen in zu Herzen gehender Weiſe vorgetragen paſſend:
ausgewählte Stücke in Poeſie und Proſa, unter anderem:
„Die Jugenderinnerungen des Pfarrers Hansjakob” und‟
die Gedichte „Bürgſchaft” „Der beſte Freund”, „
Kamerad=
ſchaft”, an deren Vortrag ſich zehn Mädchen mit
dankens=
wertem Eifer und Geſchick beteiligten. Zwiſchen den
ein=
zelnen Vorträgen wurden von einem Mädchenchor die
Lieder: „Der Menſch hat nichts ſo eigen uſw.” und „Ein
getreues Herze wiſſen” geſungen, die ſich trefflich in den
Rahmen des Themas einfügten. Das Schlußlied „Stimmt?
an den frohen Rundgeſang” beſchloß eindrucksvoll die
wohlgelungene Vorführung. Herr Profeſſor Kiſſinger
dankte hierauf im Namen des anweſenden Vorſtandes der
Haushaltungsſchule und der Gäſte für die freundliche
Ein=
ladung und für die ſchönen Darbietungen. Nach einer
Pauſe folgten noch zwei vorzüglich dargeſtellte komiſche
Duette („Die beiden Klatſchbaſen” und „Die neue
Kö=
chin”) abwechſelnd mit mehreren hübſchen Liedern.
Meh=
rere der anweſenden Mädchen brachten noch verſchiedene
humoriſtiſche Vorträge zu Gehör. Gegen 9 Uhr fand die
ſchöne Feier, die allen Teilnehmern eine angenehme
Er=
innerung bleiben wird, mit gemeinſamem Heimmarſch ihr
Ende.
Der Ausſchuß der vereinigten Bezirksvereine hielt!
am Mittwoch im Hotel „Prinz Karl” eine ſehr gut beſuchte
Ausſchußſitzung ab. Nach Erledigung
verſchiede=
ner geſchäftlicher Angelegenheiten wurde in der
Angelegen=
heit des Feſthausvereins beſchloſſen, daß man hierüber
erſt in den einzelnen Bezirksvereinen beraten müſſe, und
wurde deshalb die Beſchlußfaſſung bis zur nächſten
Sitzung verſchoben. Bei der Beſprechung über die
Or=
ganiſation der Arbeitsvermittlung wurde von einem
Aus=
ſchußmitglied betont, daß dieſe Angelegenheit nicht in den
Raum der vereinigten Bezirksvereine paſſe und wurde zu
dieſer Sache noch keinerlei Stellung genommen. Alsdann
beleuchtete Herr Architekt Schembs die
Gartenſtadtbe=
wegung in ſehr objektiver Weiſe. Unter Erwähnung der
verſchiedenen Villenviertel und deren Entſtehung ging der
Vortragende zu der neu zu errichtenden Beamtenkolonie
am Heinrich=Wingerts=Weg und der Arbeiterkolonie auf
dem Anweſen der Aktienziegelei in der Kranichſteiner
Straße über.
Hieran ſchloß ſich eine überaus reiche und lebhafte
Diskuſſion, die allerlei intereſſante Momente ſchaffte. Als
erſter Redner nahm Herr J. C. Mahr das Wort und hob
hervor, daß genügend und durchaus nicht zu teuere
Woh=
nungen in der Stadt vorhanden ſeien. Es ſei abſolut kein
Das neueſte Opfer des Hope=Diamanten.
ml. In die lange Reihe der Kataſtrophen, die die
Be=
ſitzer des berühmten und berüchtigten Hope=Diamanten
heimgeſucht haben, hat der plötzliche Tod von Mrs. Mac
Lean, einer ſteinreichen Dame der Waſhingtoner
Geſell=
ſchaft, ein neues Glied eingefügt. Wie bekannt, war ihr
Sohn der letzte Käufer des Unglücksdiamanten. Er hatte
ihn vergangenes Jahr für 720000 Mark angekauft und
ſeiner Frau zum Geſchenk gemacht, die keine Bedenken
trug, dem Schickſal die Stirn zu bieten. Wie der Tod
ihrer Schwiegermutter zeigt, hat das Schickſal über die
Herausforderung prompt quittiert. Frau Mac Lean
hatte ſich in ihrer Sommerfriſche in Bar Harbour eine
Lungenentzündung zugezogen, die der Kunſt der
orts=
anſäſſigen Aerzte ſpottete, ſo daß die Kranke ſich
ſchließ=
lich entſchloß, den ihr befreundeten Dr. Barker, einen
der bedeutendſten Lungenſpezialiſten Amerikas, kommen
zu laſſen. Man hatte indeſſen die Rechnung ohne
Rück=
ſicht auf den Einfluß des Hope=Diamanten gemacht, denn
Dr. Barker hatte ſeine Wohnung in Baltimore verlaſſen,
um ſeine Ferien gerade in dem abgelegenſten Teil der
Berge von Nord=Carolina zu verbringen, die zu den
ſchwerſtzugänglichen Gegenden der Vereinigten Staaten
gehören. Da ſeine genaue Adreſſe überdies nicht bekannt
war, ſo wurden auf telegraphiſche Anweiſung in
Aſhe=
ville, der dem Bergdiſtrikt nächſtgelegenen Stadt,
be=
rittene Patrouillen aufgeboten, die das Gebirge kreuz und
quer abſuchten und am Samstaa früh um 3 Uhr auch
glücklich den Arzt fanden. Jetzt begann ein verzweifeltes
Rennen, das die Ausſchaltung des böſen Einfluſſes des
Diamanten zum Ziel hatte. Dr. Barker begann Hals
über Kopf den Abſtieg von dem wilden, kaum für
Fuß=
gänger gangbaren Bergfelſen, ſetzte ſich, ſobald es ging,
in ein Automobil, das ihn in raſender Fahrt nach Aſhville
brachte, wo er um 11 Uhr vormittags mit dem vorher
beſtellten Extrazug nach Waſhington abfuhr. Er kam dort
mit einem Vorſprung von 20 Stunden vor den
gewöhn=
lichen Eilzügen Sonntag um ½2 Uhr morgens an und
ſaß 6 Minuten ſpäter ſchon in dem auf ihn wartenden
Sonderzug, mit dem er um ½7 Uhr nachmittags an der
Pennſylvania=Station in New=York ankam. Ein
Auto=
mobil brachte Dr. Barker quer durch die Stadt nach der
Grant Central=Station, wo ein dritter Sonderzug bereit
ſtand, der um ¾7 Uhr nach Mount Deſert, das acht
Mei=
len von Bar Harbour entfernt iſt, abfuhr. Um 8 Uhr
3 Minuten abends lief der Zug, fünf Stunden vor der
be=
rechneten Rekordzeit, in Mount Deſert ein, von wo den
Arzt ein Motorboot in 18 Minuten nach Bar Harbour
brachte. Um ½9 Uhr abends ſtand der Arzt am Bette der
Patientin, die indeſſen in der Nacht der Herzſchwäche
er=
lag. Nach Anſicht der Aerzte wäre die Kranke aller
An=
ſicht nach gerettet worden, wenn Dr. Barker die Berufung
ans Krankenbett in ſeiner Wohnung in Baltimore
er=
reicht hätte. Am Sterbebett weilte auch Frau Bakmetieff,
die Schweſter der Mrs. Mac Lean und Gattin des
ruſſi=
ſchen Botſchafters in Waſhington, bei deren Ball
ſeiner=
zeit die Schwiegertochter der Verſtorbenen den
Unglücks=
diamanten zuerſt getragen hatte.
Bei dieſer Gelegenheit mag daran erinnert werden,
daß der Hope=Diamant im Jahre 1688 aus dem fernen
Oſten von dem berühmten Reiſenden Tavernier nach
Frankreich gebracht wurde, der hald darauf in
Ver=
mögensverfall geriet und bei den Vorbereitungen für
eine neue Reiſe, mit der er ſeinen Finanzen wieden auf=
zuhelfen gedachte, ſtarb. König Ludwig XIV. kaufte den
Stein und gab ihn Frau von Maintenon, der er ſo wenig
Glück brachte, wie der Maria Leczinska, der Gemahlin
Ludwigs XV die ihn nach ihr im Beſitz hatte. Seine
ſpätere Beſitzerin Marie Antoinette, die ihm vor all
ihren Juwelen den Vorzug gab, endete auf dem Schaffot.
In den Wirren der Revolution verſchwand der Diamant,
um dann ſpäter bei dem Juwelier Fals in Amſterdam
wieder aufzutauchen. Er war inzwiſchen geſchliffen
wor=
den und hatte dabei die Hälfte ſeiner urſprünglichen
Größe eingebüßt. Fals Sohn ſetzte ſich dann durch
Dieb=
ſtahl in ſeinen Beſitz, ruinierte ſeinen Vater und beging
Selbſtmord. Bevor er ſtarb, gab er den Stein einem
Franzoſen Beaulieu, der im Elend ſtarb, bevor er
Ge=
legenheit hatte, ihn zu Geld zu machen. Im Jahre 1830
erſtand ihn Lord Hope für den Preis von 360000 Mark.
Er war der einzige ſeiner Beſitzer, dem der Stein keinen
Schaden brachte. Er verkaufte ihn weiter an eine ruſſiſche
Fürſtin, die ihn einer franzöſiſchen Schauſpielerin lieh,
die erſchoſſen wurde, als ſie ihn zum erſten Male trug.
Sein nächſter Eigentümer wurde irrſinnig, und der
ſol=
gende fand mit ſeiner Frau den Tod bei einem
Wagen=
unfall. Er ging dann in den Beſitz des Sultans Abdul
Hamid über, der ihn an einen reichen perſiſchen
Kauf=
mann Habib weiter veräußerte, der bei einem Schiffbruch
bei Singapore umkam. Vergangenen Januar kaufte ihn
Mac Lean für 720000 Mark mit dem Vorbehalt des
Um=
tauſches gegen gleichwertige Juwelen, falls innerhalb 6
Monaten eines ſeiner Familienmitglieder ſterben ſollte.
Als dann zwei ſeiner Dienſtboten ſtarben und ſeine
Mutter ſchwer erkrankte, verweigerte Mac Lean die
Be=
zahlung der fälligen Rate von 160000 Mark und ließ es
auf den Prozeß ankommen.
Nummer 216.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. September 1912.
Seite 3.
Bedürfnis, der Stadt durch die Eröffnung neuer
Baublocks Koſten aufzuerlegen. An der Diskuſſion
betei=
ligten ſich weiter noch die Herren Stadtverordneten Möſer,
Werner und Saeng, ferner die Herren Haury, Hedwig,
Mühlfeld, Stalf und Gg. Kugel uſw., die teils dafür, der
größte Teil aber gegen das neue Villenviertel Stellung
nahmen. Es wurde auch hervorgehoben, daß die
Förde=
rung der Beſtrebungen nach Einzelwohnhäuſern vielfach
auf falſcher Belehrung und Vorſtellung über die Koſten
der Häuſer zurückzuführen iſt und wurde der Wunſch
aus=
geſprochen, daß die Führer der Gartenſtadtgenoſſenſchaft,
ſoweit dieſe Fachleute ſind, ſtets das richtige Bild über
die Baukoſten der Einzelhäuſer aufſtellen möchten, und daß
nicht behauptet wird, wie es von einem ſtädtiſchen
Be=
amten in einem Artikel einer hieſigen Tagsszeitung
ge=
ſchehen iſt, wonach man von einer hieſigen Firma für
12000 Mark ein feines 8=Zimmerhaus mit allem Zubehör
erbant bekommen kann. Auch wurde mehrfach darauf
hin=
gewieſen, daß Darmſtadt eigentlich eine große Gartenſtadt
mit herrlicher Umgebung ſei und abſolut kein Bedürfnis
vorliege, weitere Baublöcke zu erſchließen. Hierbei wurde
auch zur Sprache gebracht, daß vielfach Mieter abſichtlich
und zum Trotz des Vermieters das Waſſer verſchleudern.
Es wurde angeregt, das Waſſergeld auf Grund der
Miet=
beträge durch die Stadt direkt von dem Mieter zu erheben,
um damit die Hausbeſitzer zu entlaſten. Von Herrn Gg.
Kugel wurde in Vorſchlag gebracht und von Herrn
Stadt=
verordneten Bormet unterſtützt, daß es das richtigſte ſei,
wenn in jeder Wohnung ein Waſſermeſſer vorhanden iſt,
wonach der Mieter leicht die von ihm verbrauchte
Waſſer=
menge erſieht und bezahlt, gleich wie es mit dem
Ver=
brauch des Gaſes geſchieht. Die Diskuſſion in diefer Sache
brachte überaus reichen Stoff zutage und wurde
beſchloſ=
ſen, dieſe Angelegenheit in einer beſonderen Sitzung zu
verhandeln. Nach einem kurzen Schlußwort des Herrn
Schembs ſchloß der Vorſitzende die Verſammlung.
— Zeltmiſſion. Die Vorträge im Zelt an der
Lindenhofſtraße werden wegen ungünſtiger Witterung
mit Sonntag, den 15. Sept., abends aufhören und
zu=
nächſt noch im Kaiſerſaal an den folgenden
Mitt=
woch= und Sonntagabenden von 8½—9½ Uhr fortgeſetzt.
Außerdem wird darauf hingewieſen, daß am Samstag
abend von 7½—8½ Uhr ein Extra=
Lichtbilder=
abend für jung und alt (Kinder unter Führung
Er=
wachſener) ſtattfindet. (Siehe Anzeige.)
* Der Deutſchnationale Handlungsgehilfen=
Ver=
band, Ortsgruppe Darmſtadt, begeht am Samstag,
den 14. September, im „Kaiſerſaal” die 19.
Verbands=
gründungsfeier. (Siehe Anzeige.)
* Odenwaldklub. Für den Sonntag ruft die
Orts=
gruppe Darmſtadt zu einem Ausflug in ihr Gebirge auf.
Hetzbach-Bullau-Würzberg-Eulbach-Michelſtadt
be=
zeichnen die Marſchſtrecke. Ein ſchönes Stückchen Land iſt
es, das den Wandersleuten gezeigt werden ſoll. Bequem
ſind die Wege, die die Führer ausgeſucht. Auch für nicht
ſo rüſtige Wanderer iſt deshalb die Teilnahme an der
Wanderfahrt empfehlenswert. In Michelſtadt wird in
dem vorzüglichen Hotel Friedrich (Beſitzer: P. Zechmeiſter)
Einkehr gehalten. Die Marſchzeit beträgt nur 6 Stunden.
Sie ſteht aber nicht nur auf dem Wanderplane, ſondern
wird auch von den Führern eingehalten werden. Friſch
auf! Den Wanderſtab am Sonntag in die Hand zu
friſchem, fröhlichem Wandern!
— Heſſiſcher Polizei= und Schutzhund=Verein, Sitz
Darmſtadt. Die bereits an dieſer Stelle bekannt gegebene
erſte große öffentliche Polizei= und
Schutz=
hund=Hauptprüfung, welche urſprünglich auf
den 21. und 22. ds. Mts feſtgeſetzt war, mußte mit
Rück=
ſicht auf den zahlreichen Eingang von Meldungen und der
damit verbundenen umfangreichen Vorarbeiten auf den
28. und 29 September verlegt werden. Dieſe
erſte große Veranſtaltung dieſer Art am hieſigen Platze
verſpricht Kennern, Freunden und Gönnern der
kynolo=
giſchen Sache genußreiche Tage. Es ſind im ganzen nicht
weniger als 26 Nennungen erfolgt, darunter hervorragende
erſtklaſſige Konkurrenten aus Leipzig, Wetzlar, Frankfurt
a. Main, Offenbach, Mainz und der näheren Umgebung
Darmſtadts. Näheres beſagt die heutige Anzeige, ſowie
die einige Tage vor der Vorführung zum Aushang
kom=
menden Plakate. Als Preisrichter fungieren die
Herren Polizeirat Krämer=Darmſtadt, Redakteur
Dörr=Frankfurt a. M. und Schutzmann Stein=
Offen=
bach a. M.
Auerbach, 12. Sept. Der Kammermuſik=
Ver=
ein Auerbach und der Odenwald=Klub,
Orts=
gruppe Auerbach, veranſtalten zur Unterſtützung
der Geſchädigten in Nieder=Modau am
Sonntag, den 29. September, im Hotel zur Krone in
Auerbach einen Fünf=Uhr=Tee unter Mitwirkung
namhafter Künſtler und Veranſtaltung einer Tombola=
Verloſung. Eine große Zahl junger Damen hat ſich bereit
erklärt, an der guten Sache mitzuhelfen und werden in
einigen Tagen mit dem Verkauf der Eintrittskarten und
der Tombolaloſe beginnen.
n. Langen, 12. Sept. Ein feuchter
Wirtshaus=
trunk hat einen Beamten ins Unglück gebracht. Als in
Kelſterbach der Steuermann eines mit einer Weizenladung
von Mainz nach Frankfurt gehenden Laſtkahnes mit dem
das Schiff begleitenden Zollbeamten im Wirtshaus ſaß,
kamen ſie überein, von der Weizenladung einige. Säcke
beiſeite zu bringen. Als ſie den im Duſel
aus=
geheckten Plan ausführen wollten und ſchon einige Säcke
ans Land gebracht hatten, kam der Schiffsführer hinzu.
Der Steuermann flüchtete und auch der Zollbeamte konnte
zunächſt nicht gefunden werden. Später entdeckte man
ihn in der Ladung verſteckt, er wurde nach dem
Unter=
ſuchungsgefängnis nach Langen gebracht.
Reinheim, 12. Sept. Der vor einigen Tagen mit
ſeinem Pferde in die Gerſprenz geſtürzte Ulan iſt heute
morgen nach zweitägigem emſigen Suchen als Leiche
ge=
funden worden. Das Pferd war, wie mitgeteilt, nach dem
Unfall gerettet worden.
Erbach i. O., 12. Sept. Geſtern hielt hier auf
Ver=
anlaſſung der Fortſchrittlichen Volkspartei Herr Stadtv.
Sames aus Darmſtadt einen Vortrag über das
Krankenkaſſenweſen. Die zahlreich beſuchte
Ver=
ſammlung kam zu dem Beſchluß, die Gründung einer
Ortskrankenkaſſe für Erbach in die Wege zu leiten,
da am 31. Dezember 1913 die Gemeindeverſicherung
ge=
ſetzlich aufhört.
sd. Beerfelden, 12. Sept. Der vor einigen Tagen
wegen Unterſchlagung von hier flüchtig gegangene Gehilfe
des Bezirkskaſſierers wurde geſtern Abend, bei ſeiner
Rück=
kehr von Ludwigshafen, wo er ſich bei Verwandten
auf=
gehalten hatte, durch die Gendarmerie am Bahnhof in
Hetzbach verhafet und in das Haftlokal zu Beerfelden
gebracht. — In der Nacht zum Montag überfielen
drei Burſchen zwei junge Leute, die ſich auf dem
Nach=
hauſeweg befanden, an einer wenig belebten Stelle und
bearbeiteten ſie mit Latten, die ſie an einer Kellertüre
ab=
geriſſen hatten. Als die Ueberfallenen die Flucht
er=
griffen, gab einer der Rohlinge einen ſcharfen Schuß
auf ſie ab, der aber glücklicherweiſe niemand traf. Die
Angegriffenen kamen mit einigen nicht gefährlichen
Verletz=
ungen davon. Die Täter ſind ermittelt.
* Groß=Gerau, 11. Sept. Der
Wahlkreis=
verein der Fortſchrittlichen Volkspartei
Darmſtadt-Groß=Gerau hielt hier eine
Wahl=
kreisverſammlung ab, die außerordentlich gut beſucht
war. Nach einigen einleitenden Worten des
ſtellver=
tretenden Vorſitzenden, Herrn Stadtverordneten Saeng,
erſtattete Herr Parteiſekretär Kuhlmann den
Rechen=
ſchaftsbericht. Er ſprach von den. Folgen des regeren
Vereinslebens durch die Vorträge an den Stammtiſchen
in Darmſtadt und die anſchließende Diskuſſion von der
Mitgliederwerbung und anderem mehr. Ueber die
Wahlkaſſe ſprach Herr Spieß. In der Diskuſſion ſprach
ausführlich Herr Landtagsabgeordneter Henrich über
die letzten Wahlen und die künftigen Ausſichten. Herr
Kaufmann Feix forderte zu lebhafterer Beteiligung
der Jugend auf. Herr Poſtmeiſter Schuchmann=Groß=
Gerau behandelte die Organiſation der einzelnen Vereine.
Für eine größere Intereſſenvertretung der Arbeiter und
Angeſtellten in der Partei ſprach Herr Zöller=
Rüſſels=
heim und forderte die Partei auf, hierfür zu arbeiten,
da jetzt immer mehr Angeſtellte und Arbeiter der
Sozial=
demokratie zugeführt würden. Bei der erfolgten
Neu=
wahl des Vorſtandes wurde als 1. Wahlkreisvorſitzender
Herr Stadtverordneter Saeng=Darmſtadt, als
Schrift=
führer Herr Parteiſekretär Kuhlmann=Darmſtadt und
als Rechner Herr Poſtmeiſter Schuchmann=Groß=
Gerau gewählt. Auf Antrag des Herrn Saeng wurde
einſtimmig unter großem Beifall dem ſeitherigen
Vor=
ſitzenden Herrn Juſtizrat Gallus, der wegen Krankheit
eine Wiederwahl abgelehnt hatte, der Dank für ſeine
er=
ſprießliche Arbeit in der Partei ausgeſprochen. Als
Delegierte für den Parteitag in Mannheim wurden die
Herren Dr. Strecker=Bad Nauheim, Herr
Stadtverord=
neter Saeng=Darmſtadt, Parteiſekretär Kuhlmann=
Darm=
ſtadt und Arbeiter Zöller=Rüſſelsheim gewählt.
Viernheim, 12. Sept. Der Vorfall, der ſich am
Sonntag nachmittag in der Nähe von Viernheim
ereignete, ſcheint für den getroffenen Feldſchützen Ecker,
einen Familienvater und ſehr gewiſſenhaften Beamten,
einen unheilvollen Ausgang zu nehmen. Der
Revolver=
ſchuß, den der Fabrikarbeiter Sponagel aus Heddesheim
abgab, traf ihn in den Unterleib, und obgleich bald eine
Operation im Städtiſchen Krankenhauſe zu Mannheim
vorgenommen wurde, ſoll der Zuſtand des Verletzten
hoffnungslos ſein. Sponagel wurde in
Unter=
ſuchungshaft genommen und wird ſich vor dem nächſten
Schwurgericht wegen Totſchlags oder Totſchlagsverſuchs
zu verantworten haben. Seine Begleiter behaupten, er
habe bei dem Schuſſe gezielt, während er angibt, nur
einen Schreckſchuß beabſichtigt zu haben.
Mainz, 12. Sept. Das Großherzogspaar iſt
geſtern nachmittag 10 Minuten nach 4 Uhr von Schloß
Wolfsgarten mit dem Automobil hier eingetroffen.
In der Begleitung befanden ſich der Erbgroßherzog und
Prinz Ludwig, ferner Prinzeſſin Ludwig von Batten=
berg, Prinzeſſin Luiſe von Battenberg und Prinz Ludwig
Franz von Battenberg, Oberhofmeiſterin Exzellenz von
Grancy, Hofdame Freiin von Rotsmann, Ehrendame
Freiin von Bellersheim, Generalmajor Hahn,
Hofmar=
ſchall von Ungern=Sternberg, Rittmeiſter Freiherr von
Maſſenbach, Oberleutnant von Schröder. Die hohen
Herrſchaften bleiben hier im Palais bis zum 18. Sept.
Der Großherzog begab ſich heute früh mit Gefolge ins
Manövergelände. — Anfangs nächſter Woche ſoll
hier der Geburtstag der Großherzogin im
Schloſſe feierlich begangen werden. Der
Oberbürgermei=
ſter wird namens der Stadt gratulieren; der Mainzer
Lie=
derkranz, deſſen Protektor der Großherzog iſt, wird einige
Chöre vortragen. — Am nächſten Sonntag abends 6 Uhr
wird im Runden Saale der Stadthalle vom Großherſog
Manövertafel abgehalten. Die Stadthalle bleibt
für den ganzen Sonntag dem übrigen Verkehr geſchloſſen.
Wegen der Anweſenheit des Großherzogspaares in Mainz
ſind die ſtaatlichen und militäriſchen Gebäude der Stadt
beflaggt.
Mainz, 12. Sept. Bei Gelegenheit der demnächſt in
der Stadthalle abzuhaltenden Obſt= und
Gemüſe=
ausſtellung wird ſich auch der Main zer
Tier=
ſchutzverein mit einer Ausſtellung beteiligen, die ganz
beſonders in dem Intereſſe des Obſt= und Gemüſebaus
veranſtaltet werden wird. Es handelt ſich hier um eine
Ausſtellung, die ſich nur auf den Vogelſchutz bezieht,
um die Beſucher der Ausſtellung auf alles dasjenige
auf=
merkſam zu machen, was in dem Intereſſe des
ein=
heimiſchen Vogelſchutzes geſchehen muß, um die für
unſe=
ren Wein= Obſt= und Gemüſebau ſo verheerenden
Schäd=
linge zu bekämpfen. Dem Tierſchutzverein iſt auch von
privater Seite reichliche Unterſtützung zur Ausſtattung
ſeiner Ausſtellung zugeſagt worden.
* Mainz, 12. Sept. Die Loſe der Mainzer
Pferdelotterie, die bekanntlich ſtets in den letzten
Tagen vor der Ziehung vergriffen, finden auch diesmal
wieder beſten Abſatz, ſo daß völliger Ausverkauf in
Ausſicht ſteht. Die Ziehung findet am 21. September ſtatt.
Kempten (Kreis Bingen), 12. Sept.
Inter=
eſſante Entdeckungen werden bei den
Vorarbei=
ten zu der geplanten neuen Rheinbrücke gemacht.
Nachdem erſt kürzlich auf dem rechten Rheinufer eine
heilkräftige Quelle erbohrt wurde, wird jetzt abermals
gemeldet, daß bei den weiter rheinabwärts
vorgenom=
menen Bohrverſuchen auf dem linken Ufer, 1
Kilo=
meter weit oberhalb Kempten, 200 Meter vom Ufer auf
16 Meter Tiefe eine ſtarke klare Salzquelle
er=
bohrt wurde. Für Anlage eines Solbades und Salinen
wäre das Terrain nicht ungeeignet.
(*) Gießen, 11. Sept. Beim Spielen mit dem
Flobert traf der 14 Jahre alte H. Ruth ein 17 jähriges
Dienſtmädchen in den Arm. Er hatte im Scherz auf
das Mädchen gezielt.
Bad=Nauheim, 12. Sept. Durch den Pariſer Kriminal=
Inſpektor Georges Pouce wurde geſtern abend hier in
einem Hotel der Kellner Simon Gut verhaftet,
der als Hehler des am 4. April d. J. in Neuilly=ſur=Seine
ausgeführten großen Wertſachen= und
Brillan=
tendiebſtahls im Betrage von 800000 Francs in
Be=
tracht kommt. Der eigentliche Dieb wurde am 2. Mai
in London feſtgenommen. Es iſt ein gewiſſer Viktor
Ruppenthal aus Markirch im Elſaß. Bei ihm wurde nur
ein geringer Teil der geſtohlenen Sachen gefunden. Er
gab bei ſeiner Vernehmung an, daß die fehlenden Sachen
ihm von der noch flüchtigen Proſtituierten Anna Hufer
aus Frankfurt a. M. und noch einem jungen Manne
ge=
ſtohlen worden ſeien. Durch einen Briefwechſel, den der
jetzt verhaftete Kellner Gut mit ſeiner Maitreſſe in Paris
führte, erfuhr die Pariſer Kriminalpolizei ſeine Adreſſe. —
Die jetzt beendete Feldbereinigung, an der man
über zwei Jahre gearbeitet hat, koſtet 110000 Mark.
(*) Büdingen, 11. Sept. Schulrat Heinrich
Scherer verläßt zum allgemeinen Bedauern der Lehrer
ſeinen langjährigen Wirkungskreis Büdingen. Er ſiedelt
ſchon am 1. Oktober als Kreisſchulinſpektor nach
Offen=
bach über. Schulrat Hch. Scherer iſt in Borsdorf beit
Nidda geboren, er widmete ſich der Volksſchule und
verließ 1870 das Lehrerſeminar Friedberg. Bevor er
Kreisſchulinſpektor in Büdingen wurde, wirkte er als
Stadtſchulinſpektor zu Worms. Einen bedeutenden Ruf
als Schulmann genießt er in weiten Kreiſen Deutſchlands.
Lauterbach, 12. Sept. Ein von hier gebürtiger
junger Menſch, der zurzeit in einer Nachbarſtadt eine
mehrwöchige Freiheitsſtrafe verbüßt, wurde in
letzter Zeit von hieſigen Bewohnern wiederholt
be=
obachtet, daß er während ſeiner Strafzeit öfters einen
Abſtecher nach Lauterbach unternahm und ſeiner
Geliebten Beſuche abſtattete. Auch in einem
Nachbar=
orte war er in dieſer Zeit als Gaſt in Wirtſchaften
ein=
gekehrt, wo er angab, für den Oberamtsrichter
Ge=
ſchäfte zu beſorgen. Vermutlich war er zur Außenarbeit
beauftragt und hat die Gelegenheit dazu benutzt, ſeine
Allerliebſte aufzuſuchen, ohne daß man von ſeinem
Verbleib Wahrnehmung machte.
Großherzogliches Hoftheater.
Mittwoch, 11. September.
„Die Nibelungen”.
Zweiter Abend.
W-l. Die gewaltige Schlußtragödie von Hebbels
Nibelungentrilogie „Kriemhilds Rache” gelangte
heute zum erſten Male hier zur Aufführung und war von
mächtiger Wirkung. Sie ließ erkennen, welchen Fehler
man früher mit der verſtümmelten Aufführung der
Tri=
logie begangen hat; denn ſie bildet ein untrennbares
Ganzes, das durch den grandioſen Abſchluß, der die
er=
ſchütternde Schlußtragödie des Nibelungenliedes darſtellt,
erſt gekrönt wird; auch kann kein Zweifel darüber
be=
ſtehen, daß die zweite Tragödie weit großzügiger,
kraft=
voller und dramatiſcher angelegt und durchgeführt iſt, als
die erſte. Charaktere, wie die des Hagen und Gunther,
die dort verblaßt und nicht immer genügend motiviert
ſind, wachſen ſich hier zu wirklichen Helden aus; ihnen
gegenüber ſteht das Heldenweib Kriemhild, die mit der
furchtbaren Konſequenz eines eiſernen Willens nur dem
einen Ziele zuſtrebt, Rache zu nehmen an den Mördern
ihres Gatten. Das Schickſal, das ſich an den Mördern
Siegfrieds vollzieht und mit dem Untergange des ganzen
Königshauſes und aller Burgunden endet, iſt mit
ſol=
cher zwingender Folgerichtigkeit und grandioſen
Steiger=
ung aus der Handlung und den Charakteren heraus
ent=
wickelt, daß man trotz der blutigen Szenez aufs tiefſte
davon erſchüttert wird. Der Charakter de Kriemhild
vollends, an deren Motiven und Handlungen nichts
un=
motiviert und unklar bleibt, und die ſich mit eherner
Kon=
ſequenz von Akt zu Akt fortenwickelt und ſteigert, iſt ein
Meiſterwerk pſychologiſcher Charakteriſtik.
Allerdings erfordert das Stück mit ſeinem rieſigen
Aufwand von Perſonen und Szenenwerk eine kundige
und tüchtige Regie, und noch mehr den richtigen
künſtle=
riſchen Takt, der ſich hier im Maßhalten bewähren muß,
Das iſt hier geſchehen, namentlich auch in dem
Arrange=
ment der Maſſenſzenen, und beſonders muß lobend
her=
vorgehoben werden, daß die verſtändnisvolle Behandlung
der leicht und unwillkürlich zu hohem und hohlem Pathos
verleitenden, ſchwer zu ſprechenden Hebbelſchen Verſe
ſich von einer gekünſtelten pathetiſchen Bühnenſprache
überall fernhielt und das Beſtreben nach Natürlichkeit ſich
bemerkbar machte. Wir erblicken hierin ein beſonderes
Verdienſt der Regie. Einzelne Abweichungen von dieſem
Prinzip können es nicht ſchmälern.
Die nach dem Grundſatze der vereinfachten
Bühnen=
dekoration entworfenen neuen Szenenbilder ſchufen einen
ſtimmungs= und wirkungsvollen Rahmen für die düſtere
Tragödie; in vollem Umfange gilt dies von der ſchönen
Halle in Bechlarn und dem Burghof in Etzels Burg mit
dem mächtigen maſſiven Treppenbau, während der
Ban=
kettſaal etwas zu beengt erſchien. Die Herren Valdek
Kempin und Schwerdtfeger haben in dieſen
erſten Tagen des neuen Regimes mit den
Neuinſzenier=
ungen wirklich Hervorragendes geleiſtet.
Die beiden, alle anderen gewaltig überragenden
Hauptträger der Handlung, die ſich bis zum letzten
Atem=
zuge bekämpfenden Repräſentanten des Haſſes und der
Rache, die die Motive zu der furchtbaren Tragödie
ab=
geben, Kriemhild und Hagen, wurden von Frl. Berka
und Herrn Heinz großzügig und mit Leidenſchaft, ohne
jedoch das richtige Maß tragiſcher Wirkung je aus dem
Auge zu laſſen, dargeſtellt. Frl. Berka wuchs mit ihrer
Aufgabe und zeigte ſich dieſer in jeder Hinſicht gewachſen.
Die Kolle ſtellt an ihre Darſtellexin höchſte Anforderungen.
zugleich hängt von ihrer ſchauſpieleriſchen Befähigung der
Erfolg des Stückes in erſter Linie ab. Daß Herr Heinz
bei der Darſtellung des in der Schlußtragödie zu einer
Heldengeſtalt emporwachſenden Hagen nicht verſagen
würde, war nach dem erſten Abend ſicher zu erwarten,
und er hat nicht enttäuſcht.
Von den vielen anderen Perſonen des Stückes ſei der
meiſterhaft charakteriſierte Etzel des Herrn Baumeiſter
erwähnt, der in ſeiner wohlgetroffenen Gegenſätzlichkeit
zu dem Siegfried des erſten Abends zugleich ein Beweis
für die ſchauſpieleriſche Vielſeitigkeit des Künſtlers war.
Trefflich war auch der Volker des Herrn Weſtermann,
deſſen vorzügliche Sprachtechnik ſich auch in ſeinem neuen
Fach beſtens bewährt. Der Gunther des Herrn Ehrle
war eine Nuance heldiſcher als am erſten Abend: zwei
ſympathiſche Geſtalten waren der Gerenot und Giſelher
der Herren Kroczak und Schneider; den Hildebränt
ſprach und ſpielte Herr Hacker mit Kraft und Energie.
Die Rollen des Rüdeger und des Dietrich von Bern
waren durch die Herren Wagner und Riechmann
entſprechend beſetzt.
Das Publikum nahm die Vorſtellung mit begeiſtertem
Beifall auf.
Der Wiedereinführung des Zwiſchenakts=Vorhanges
beziehungsweiſe der Unterſcheidung der Verwandlungen
und der Aktſchlüſſe möchten wir doch das Wort reden.
Das Publikum, auch dasjenige, das die Stücke kennt, iſt
über die Akteinteilung nicht ſo unterrichtet, daß es wüßte,
wo eine Verwandlung und wo ein Aktſchluß eintritt.
Wenn man den Zwiſchenaktsvorhang nicht wieder
ein=
führen will, wäre es das einfachſte, den Zuſchauerraum,
wie früher. mur bei den Aktſchlüſſen zu erleuchten.
Nummer 216.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. September 1912.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 11. Sept. Die Verwaltung
der Stadt Berlin beabſichtigt, wie das B. T. hört, eine
Anleihe von 60 Millionen Mark
aufzuneh=
men, die in erſter Linie zum Ausbau der Nord=Süd=Bahn,
zu Schulbauten und anderen ſtädtiſchen Projekten
Ver=
wendung finden ſoll. Wann die neue Anleihe ausgegeben
wird, ſteht noch nicht feſt — Generalleutnant z. D.
Hein=
rich v. Ledebour iſt hier heute früh im 81.
Lebens=
jahr geſtorben. Er war 1849 beim 2. Garderegiment zu
Fuß eingetreten und hatte ſich im Kriege gegen Frankreich
das Eiſerne Kreuz erworben. 1875 erfolgta ſeine
Emen=
nung zum Kommandeur der Unteroffizierſchule Potsdam
und 1880 die zum Kommandeur des Infanterie=Regiments
Nr. 31. Am 25. Februar 1886 wurde er als Generalmajor
Kommandeur der 17. Infanteriebrigade und am 14.
Fe=
bruar 1888 auf ſein Abſchiedsgeſuch zur Dispoſition
ge=
ſtellt. Am 13. September 1911 erhielt er den Charakter
als Generalleutnant. Die Beerdigung findet am 14. d. M.
auf dem Invalidenkirchhof ſtatt. — Die
Kriminal=
polizei beſchäftigt ſich mit einer großen
Wechſel=
ſchieberaffäre. Die Ermittlungen, die ſchon mehrere
Wochen hindurch dauern, haben jetzt zur Verhaftung eines
Kaufmanns Georg Rötzel geführt. Deſſen Bruder Jakob
wird noch zurzeit von der Polizei geſucht. Jetzt ſind auch
auf Veranlaſſung des Unterſuchungsrichters der Kaufmann
Albert Benjamin und ein Agent Joſeph Roſenblatt unter
dem Verdacht der Wechſelſchieberei verhaftet worden. Der
Angelegenheit liegen folgende Tatſachen zugrunde: Die
beiden Rötzel verſuchten in Cafés die Bekanntſchaft von
jungen Offizieren zu machen, von denen ſie
annah=
men, daß ſie Kredite brauchten. Sie offerierten 85 von
100 für Wechſel in bar. Dieſe Wechſel, auf die ſie in der
Regel nur kleine Beträge zahlten oder gar nur goldene,
mitunter auch ſilberne Uhren den Wechſelausſtellern in
Zahlung gaben, gaben ſie ſofort an eine Firma Schreiner
u. Co, weiter, die von Albert Benjamin und Joſeph
Roſenblatt geführt wurde. Bei der Unterſuchung der
Ge=
ſchäftsräume der genannten Firma wurde noch eine große
Zahl von Wechſeln hieſiger und auswärtiger Offiziere
vorgefunden. Es ſoll ſich bei den Wechſelſchiebungen um
mehrere 100000 Mark handeln. Einige Offiziere, die durch
die Nichteinlöſung ihrer Tratte in Wechſelſchwierigkeiten
geraten ſind, ſollen gezwungen geweſen ſein, ihren
Ab=
ſchied einzureichen. Bezeichnend für die Geſchäfte der
Beſchuldigten iſt, daß einem Offizier, der für 10000 Mark
Wechſel gab, hierfür 200 ſchlechte Zigarren und eine
gol=
dene Uhr gegeben wurden.
München, 11. Sept. Die ſozialdemokratiſche
Münche=
ner Poſt bringt unter voller Verantwortung eine
aufſehen=
erregende Mitteilung über die Gründe des nun ſchon
acht=
tägigen Aufenthalts des Exkönigs Manuel von
Portugal in München. Nach dieſer Mitteilung
ſeien in München die Häupter der
portugie=
ſiſchen Royaliſten und mit ihnen zugleich die Mitglieder des
Hauſes Braganza verſammelt, um weitere Pläne gegen
die derzeitige Regierung in Portugal in Szene zu ſetzen.
Die Poſt will nähere Details mit Angabe der
Perſonen=
namen bringen. Die Meldung bedarf trotzdem der
Be=
ſtätigung.
Nürnberg, 11. Sept. Guſtav Oppenheim, der Inhaber
des Fell= und Häutegeſchäftes Emanuel Dormitzer iſt mit
Frau und Kind flüchtig gegangen. Am Samstag
wurde über ſein Vermögen der Konkurs verhängt.
Oppen=
heim gab vor, eine Erholungsreiſe nach der Schweiz
an=
zutreten. Die Geſamthöhe ſeiner ungedeckten
Verbindlich=
keiten wird auf 300000 Mark geſchätzt. Unter den
Leid=
tragenden ſollen ſich außer einem ſehr angeſehenen und
gutfundierten privaten Bankhauſe zahlreiche Metzger und
Wirte befinden, die ſeit Wochen auf Bezahlung für Häute
vergeblich warten. Im Zuſammenhang mit dieſer Sache
ſteht die Flucht der Rauhwarenhändlers=Witwe Flora
Hopfenmeier aus Erlangen, der Schwiegermutter
Oppen=
heims die mit ihrer ledigen Tochter um die gleiche Zeit
wie ihr Schwiegerſohn und deſſen Frau verſchwand. Frau
Hopfenmeier hinterläßt ebenfalls zahlreiche Gläubiger
innerhalb und außerhalb Erlangens. Es ſind zumeiſt
kleine Leute, die ihr geſchäftlich und privat Kredit
gewähr=
ten und ihr auch ihre Erſparniſſe überließen. Die
Ueber=
ſchuldung der Flüchtigen wird auf über 100000 Mark
ge=
ſchätzt. Wahrſcheinlich iſt die Flucht der beiden Familien
gemeinſam erfolgt.
Köln, 12. Sept. In Stockum überfuhr ein
Radfahrer auf der abſchüſſigen Kreisſtraße eine Frau
in der Dunkelheit. Als er abſtieg, um der Frau behilflich
zu ſein, ſah er zu ſeinem Entſetzen, daß es ſeine eigene
Mutter war. Die Frau iſt an den Folgen der erlittenen
Verletzungen geſtorben.
Duisburg, 12. Sept. Auf der Zeche Weſtend in
Duisburg=Meiderich ereignete ſich eine Exploſion
ſchlagen=
der Wetter, wobei 5 Bergleute getötet worden
ſind. Ein Bergmann erlitt ſchwere Verletzungen. Die
5 Leichen und der Schwerverletzte konnten bereits geborgen
werden. Die in den anderen Zechen arbeitenden
Berg=
leute ſind ausgefahren. Außer den 5 Getöteten und dem
Schwerverletzten hat niemand Verletzungen davongetragen.
Das Unglück ereignete ſich an einem Betriebspunkte.
Durch die Exploſion wurde der Zugang zur 6. Sohle
ver=
ſchüttet, ſo daß die dort beſchäftigten Bergleute,insgeſamt
6 Mann, von der Außenwelt abgeſchnitten waren. Ueber
ihr Schickſal war man längere Zeit im Ungewiſſen. Es
handelt ſich um die Mittagsſchicht, die zwiſchen 10 und
½11 Uhr ausfahren ſollte. Die Rettungsarbeiten wurden
eifrig betrieben und hatten ſchließlich den Erfolg, daß alle
in der 6. Sohle eingeſchloſſenen Bergleute geborgen
wer=
den konnten.
Hamburg, 12. Sept. Die Kuxhavener Hochſee=
Fiſcherei verteilt nach drei dividendeloſen Jahren zum
erſten Male 10 Prozent. Dieſes Reſultat iſt auf den
ſtei=
genden Fiſchkonſum zurückzuführen, der infolge der
Fleiſch=
teuerung und der Begünſtigung des Verkaufs billiger
Seefiſche durch die Kommunen Hamburg, Lübeck und
Schleswig=Holſteins ſeit längerer Zeit zu verzeichnen iſt.
Gleiwitz, 12. Sept. Bei einer Automobiltour
verunglückte geſtern nachmittag der praktiſche Arzt
Dr. Schleſinger aus Langendorf und ſeine Frau. Als der
Kraftwagen eine abſchüſſige Straße hinabfuhr und
Schle=
ſinger, der das Auto ſelbſt ſteuerte, zu ſcharf bremſte,
über=
ſchlug ſich der Wagen. Der Arzt wurde
herausgeſchleu=
dert und erlitt eine Armverletzung. Die Frau kam unter
das Auto zu liegen und trug ſchwere Quetſchungen
da=
von. Beide wurden ins Gleiwitzer Krankenhaus
ge=
bracht.
Paris, 12. Sept. Wie aus Béthune gemeldet wird,
haben die Ingenieure beſchloſſen, die
Rettungs=
arbeiten in dem Clarence=Schacht wegen der damit
verbundenen Gefahr nunmehr endgültig einzuſtellen. Man
wird noch etwa 14 Tage warten und dann die Grube
unter Waſſer ſetzen, um die Feuersbrunſt zu löſchen.
Paris, 12. Sept. Der Unterſuchungsrichter Guilbert
hat nunmehr die Angelegenheit der Autobanditen,
gegen die die Unterſuchung neun Monate lang geführt
wurde, vor die Anklagekammer verwieſen. Gegen die 26
Banditen werden acht Beſchuldigungen wegen Mordes
und achtzehn Beſchuldigungen wegen Diebſtahls erhoben.
Nach den Feſtſtellungen der Unterſuchung haben die
Ban=
diten 7 Perſonen getötet und 12 verwundet. Vier der
Banditen, darunter ihr Häuptling Bonnot, ſind bekanntlich
während ihrer Verfolgung durch die Polizei getötet
wor=
den. Die Schwurgerichtsverhandlung wird vorausſichtlich
im Dezember dieſes Jahres ſtattfinden.
Paris, 12. Sept. Auf der elektriſchen Bahn von
Men=
tone nach Soſpel (Dep. Seealpen), ſtürzte ein aus einem
Motorwagen und einem Güterwagen beſtehender Zug in
einen 350 Meter tiefen Abgrund. Die beiden
Zugbedienſte=
ten wurden getötet.
Paris, 12. Sept. Der Matin meldet aus London:
Ein New=Yorker Arzt hat im Einvernehmen mit einem
blinden Patienten aus Denver den Antrag geſtellt,
man möge ihm die Augen eines zum Tode Verurteilten,
deſſen Hinrichtung in den nächſten Tagen bevorſteht, zur
Verfügung ſtellen. Der Arzt würde den Verſuch machen,
die Augen des Hingerichteten auf ſeinen Patienten zu
übertragen, um ihm die Sehkraft wieder zu verſchaffen.
Man hofft in ärztlichen Kreiſen, daß das Geſuch in
gün=
ſtigem Sinne beantwortet wird.
Lyon, 11. Sept. Der Erzbiſchof von Lyon,
Coullie, iſt heute nachmittag nach ſchwerem und
langem Leiden geſtorben.
Belfaſt, 12. Sept. Der Rieſendampfer, der in
Belfaſt für die White Star Line gebaut wird, ſoll „
Bri=
tannie” getauft werden. Er wird 50000 Tonnen
Ge=
halt haben. Im allgemeinen wird die „Britannic” nach
denſelben Plänen gebaut wie die „Olympic”.
Kriſtiania, 12. Sept. Im nördlichen Norwegen wütet
ſeit einiger Zeit unter den Renntieren die Peſt. Die
Seuche hat in Saltdolen bereits mehrere tauſend Tiere
dahingerafft. Auch in Schweden hat die Seuche bereits
großen Schaden angerichtet.
Moskau, 11. Sept. Auf dem Kaiſerplatze vor dem
Kreml wurden dem Kaiſer heute 26500 Schüler und
Schülerinnen vorgeſtellt aus allen Lehrbezirken des
Reiches. Die Schüler führten gymnaſtiſche Uebungen vor,
und 10000 militäriſch geſchulte Kinder ſchritten im
Pa=
rademarſch vor dem Kaiſer, dem Thronfolger und den
Töchtern des Kaiſers vorüber. Der Kaiſer dankte jeder
Schule einzeln, worauf die Schüler militäriſch dankten.
Ein Schulorcheſter ſpielte die Nationalhynne.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
uehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.)
* Raoulv. Koczalski wird in dem zweiten Abend
des Chopin=Liſzt=Feſtes der Samstag, den
14. September, abends 8 Uhr, im Saale des „Hotels
zur Traube” ſtattfindet, folgende Kompoſitionen zum
Vortrag bringen: Chopin: Fantaſie F-moll, Nocturne
Des-dur, Etüde A-moll, Impromptu As-dur und Scherzo
H-moll: Liſzt: Ständchen (Schubert), Frühlingsnacht
(Schumann), O du mein holder Abendſtern (Wagner),
Ernani (Verdi) Valſe=Impromptu und die zweite
un=
gariſche Rhapſodie.
Stadtverordneten=Verſammlung.
10. Sitzung.
St. Darmſtadt, 12. Sept.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die
Sitz=
ung um 4 Uhr mit folgenden
Mitteilungen:
Der Vorſitzende gedenkt des Ablebens des Herrn
Stadtverordneten Stephan und widmet dem
Ver=
ſtorbenen Worte ehrenden Gedächtniſſes.
Herr Stadtverordneter Roth hat mitgeteilt, daß er
aus Geſundheitsrückſichten gezwungen ſei, ſein Amt als
Stadtverordneter niederzulegen. Der Vorſitzende gibt
dem Gefühl des Bedauerns über das Ausſcheiden des
Herrn Roth und des aufrichtigen Dankes für ſeine
ſeit=
herige erfolgreiche Mitarbeit Ausdruck.
Der Landesverband ſtädtiſcher Beamten für das
Großherzogtum Heſſen hat in einer Eingabe die Wünſche
der Städtebeamtenſchaft inbezug auf eine Neuregelung
und Aufbeſſerung ihrer Bezüge zur Kenntnis gebracht.
Die Witwe des Heizers Schlander hat um Erhöhung
ihrer Witwenpenſion nachgeſucht.
Eine aus dem Dienſte des Hallenſchwimmbades
ent=
laſſene Waſchfrau hat ſich wegen angeblicher
Verweiger=
ung des Krankenlohnes beſchwert.
Zimmermeiſter Wilhelm Beſt hat um Entſchädigung
für das Abbrechen und Wiederaufbauen von
Werkſtätten=
gebäuden, das aus Anlaß der Durchführung der
Land=
graf=Georgs=Straße erforderlich wird, nachgeſucht.
Die Bewohner der Waldkolonie am Dornheimer
Weg bitten um Beleuchtung des unteren Dornheimer
Wegs und der Mittelſchneiſe, ſowie der Zugänge zu den
Bauquartieren.
Für das geplante neue Liebig=Denkmal iſt, wie
be=
kannt, die nordöſtliche Ecke des Luiſenplatzes vor der
Merckſchen Apotheke in Ausſicht genommen. Obwohl die
Stadtverordneten=Verſammlung von dem Projekt der
Aufſtellung des Denkmals auf dem Luiſenplatze
gelegent=
lich der Bewilligung eines ſtädtiſchen Beitrages zu den
Denkmalkoſten bereits Kenntnis erhalten und
Einwend=
ungen hiergegen nicht erhoben hat, iſt doch noch eine
formelle Zuſtimmung zu der Benutzung des Platzes
er=
forderlich, die erbeten wird.
Baudispens geſuche.
Handelsgärtner Schneider will, wie Beig.
Jäger berichtet, auf ſeinem Grundſtück am
Hammels=
triftweg ein für ſeinen Gärtnereibetrieb notwendiges
Ge=
bäude errichten. Der Hochbau=Ausſchuß hat hierfür eine
Ausnahme von der Beſtimmung in § 5 des
Ortsbau=
ſtatuts — weil außerhalb des Bebauungsplans
ge=
legen — empfohlen. Die Verſammlung ſtimmt
dem zu.
Stadtv. Markwort berichtet über den folgenden
Fall: Für die Herſtellung einer Türe in der Brandmauer
zwiſchen den Häuſern Grafenſtraße 20 und 22 zur
Ver=
bindung von Geſchäftsräumen wird um Genehmigung
nachgeſucht. Der Hochbau=Ausſchuß hat die erforderliche
Befreiung von der Beſtimmung in § 69 der
Ausführ=
ungs=Verordnung zur Allgemeinen Bauordnung der
Fol=
gen wegen nicht befürwortet. Die Verſammlung
beſchließt demgemäß.
Bei der Errichtung der Häuſergruppe hinter
dem Ausſtellungsgebäude auf der
Mathilden=
höhe ſoll, nach dem Referat des Stadtv. Wagner, das
Haus Nr. 10 durch Ausbau des Dachgeſchoſſes ein 5.
SStockwerk erhalten. Dies hat die Befreiung von der
Be=
ſtimmung in § 47a des Ortsbauſtatuts zur
Porausſetz=
ſung, um die nachgeſucht wird. Der Hochbau=Ausſchuß
hatte Ablehnung des Geſuchs, über das bereits in der
vorigen Sitzung verhandelt worden war, empfohlen. Die
Beſchlußfaſſung wurde jedoch damals ausgeſetzt, um
zu=
nächſt durch die Beſichtigung des Modells der
Häuſer=
gruppe ein Urteil über die Wirkung des nachgeſuchten
Ausbaues zu gewinnen. Das Modell iſt nunmehr im
SSitzungsſaale aufgeſtellt. Da man ſich dadurch davon
überzeugt hat, daß architektoniſch nichts zu beanſtanden
iſt, wird das Geſuch nunmehr genehmigt unter der
Bedingung, daß der 5. Stock niemals zu Wohnzwecken
Verwendung findet.
Es hat ſich die Notwendigkeit ergeben,
Anſchlagſäulen und Sitzbänke
auf dem Platz vor dem neuen Hauptbahnhof
oder in deſſen nächſter Nähe aufzuſtellen. Das
Stadtbau=
amt hat die geeigneten Stellen für 3 Säulen und 3
Sitz=
bänke in Vorſchlag gebracht. Die Säulen und Bänke,
die in ihren Formen der Architektur des dortigen Platzes
ſich anſchließen, ſollen in Kunſtſtein ausgeführt, die
Sitze der Bänke aus Holz hergeſtellt werden. Die
hier=
für erforderlichen Mittel von 1350 Mark werden von
Hochbau= und Finanz=Ausſchuß zur Bewilligung
empfoh=
len. Nach dem Referat des Stadtv. Wittmann wird
zugeſtimmt.
Telephonanſchluß für die Polizeireviere.
Aus Kreiſen der Stadtverordneten=Verſammlung
war, lt. Referat des Stadtv. Dr. Noellner, die An=
Konzerte.
mm. Den Anfang der dieswinterlichen
Künſtler=
konzerte eröffnete geſtern Herr Raoul von Koczalski
mit einem bedeutſamen Vortragszyklus. Keine geringere
Aufgabe als ein Chopin=Liſzt=Feſt hat der
ge=
diegene Künſtler ſich geſtellt, indem er an vier Abenden
eine geſchickte Auswahl von Klavierwerken dieſer beiden
für die Entwickelung des Klavierſpiels bahnbrechenden
Meiſter zum Konzertvortrag zuſammengeſtellt hat. Die
Begeiſterung für ſein großes Vorbild und ſeinen genialen
Landsmann hat ihm beſonders das immer weitergehende
Eindringen in deſſen Werke ganz zur Lebensaufgabe
wer=
den laſſen, deren Frucht auch eine ſchriftſtelleriſce Arbeit
über Chopin und deſſen (zum Vortrag beſtimmte) Werke
geworden iſt. Daher darf man auch die von der
allge=
meiner geübten Vortragsweiſe anderer Pianiſten
bszüg=
lich der Temponahme etwas verſchiedene Auffaſſung
ein=
zelner Sätze der bekannten B-moll=Sonate op. 35 als
ge=
wollte und durchaus berechtigte Interpretation geltes
laſſen und die mehr großzügige, das empfindſame
Ele=
ment nicht über Gebühr beachtende Vortragsweiſe erklärt
ſich hierdurch von ſelbſt. Sehr wirkſam kontraſtierte im
3. Satze der Sonate das Arioſo des Mittelſatzes mit den
dumpfen Akkordſchlägen, die es einſchließen, der klanglich
ſehr gut gelungenen Nachahmung des Warſchauer
Dom=
glockengeläutes. Von den beiden Etüden feſſelte beſonders
die Ges=dur=Etüde (auf den ſchwarzen Taſten) mit dem
virtuoſen Schlußeffekt dem wegen der Schwierigeit des
Gelingens nur von Wenigen angewandten Gliſſando auf
den Obertaſten. Ferner verfehlten der As=dur=Walzer
(op. 42) und Berceuse (op. 57) mit ihren reizvollen
Me=
lodien nicht ihren Eindruck; eine ausgiebigere Ver=
wendung des zarten Pianiſſimoanſchlags, über den der
Künſtler doch auch ſehr gut verfügt, wäre der
letztgenann=
ten nur noch von Vorteil geweſen.
Die zweite Abteilung bildeten Original=Klavierwerke
und Transſkriptionen von Franz Liſzt, bei deren Vortrag
ſich ebenfalls ſichere Technik und eigene Auffaſſung, die
wohl auch einmal zu kleinen Freiheiten führte, im beſten
Lichte zeigten. Beſonders ſei erwähnt die Rigoletto=
Transſkription mit ihrem melodiſchen und harmoniſchem
Klangzauber, ſowie die Originalwerke „Liebestraum”
und die Ungariſche Rhapſodie Nr. 6, die dem Künſtler
Ge=
legenheit gaben, ſein pianiſtiſches Können voll zu
ent=
falten. Da dem erſten Konzertabend ſchon ein recht
leb=
haftes Intereſſe entgegengebracht wurde, dürften die noch
folgenden drei Abende einen Erfolg vorausſehen laſſen.
Feuilleton.
* Das Wiegenlied durch’s Telephon. Frau Harry G.
Zanier ſaß in Steubenville im Staate Ohio am Spieltiſch
beim Whiſt, als plötzlich aus New=York die
Kinderpflege=
rin anrief und ihr meldete, daß Baby ſeit einer Stunde
ſchon ununterbrochen weine, ſicher würde nur die Stimme
der Mutter imſtande ſein, es zu beruhigen. Frau Zanier
fand in ihrer Mutterliebe den richtigen Ausweg: ſie befahl
der „Nurſe” den Hörapparat am das Ohr des Babys zu
halten, und ſie ſelbſt ſang mit ihrer ſchönen Stimme ein
Wiegenlied in den Apparat. Die Wirkung war
zauber=
haft: Baby erkannte die Stimme der Mutter, wurde ſofort
ruhig und ſchlief in ein paar Minuten ein. Die andern
Damen, die dabei waren, fanden die Sache ſehr eigenartig,
und jetzt iſt es, wie der Eclair verſichert, eine beliebte
Mode bei den amerikaniſchen Müttern ihre Babys durch
das Wiegenlied durchs Telephon zum Schlafen zu bringen.
Auf welchen Gedanken doch eine treuſorgende,
whiſt=
ſpielende Mutterliebe nicht kommt?
* Einen Zahn aus dem Munde herausgeſchoſſen, ohne
den Geſchoſſenen zu verletzen, dieſes Kunſtſtück hat in
Prag ein Wirt fertig gebracht, der in Notwehr auf einen
Angreifer ſchoß. Am Montag abend erſchien der als
Rauf=
bold bekannte Vagabund Wilhelm Lang, ſtark berauſcht,
in einem Wirtshauſe in Prag VIII. Der Wirt kannte
den Kunden und weigerte ſich, ihm Bier einzuſchenken.
Da riß Lang ein großes Fleiſchermeſſer aus der Taſche und
ſtürzte mit den Worten: „Dir ſchneid’ ich den Hals ab!“
auf den Wirt zu. Dieſer zog einen Revolver hervor und
ſchoß auf ſeinen Angreifer aus geringer Nähe und traf
ihn in den Mund. Lang blieb aber aufrecht, ſpuckte nur
Blut aus und einen Backzahn, den die Kugel aus dem
Kiefer geriſſen hatte. Der Zahn hat die Wucht der Kugel
bgehalten. Von Schutzleuten ins Spital gebracht, ergab
die Unterſuchung, daß die Wunde des Lang unerheblich
war; ſein ſtarkes Gebiß hat ihm das Leben gerettet.
B.B. Eigenartige Schul=Trinkbrunnen ſind in den
ſtädtiſchen Mittelſchulen zu Göttingen angelegt worden.
Das Waſſer wird dort nämlich nicht mittels Becher
ge=
ſchöpft, ſondern es ſpringt in einem kleinen Strahl von
etwa 25 Zentimeter Höhe empor und wird von den
Schul=
kindern ohne Benutzung von Trinkbechern mit dem Munde
aufgefangen und getrunken. Der Zweck dieſer eigenartigen
Trinkmethode iſt die Beſeitigung der Anſteckungsgefahr
beim Gebrauch der Trinkbecher. Da ſich dieſe
Trink=
brunnen bewährt haben, ſollen ſie auch in den höheren und
in den Volksſchulen errichtet werden,
Nummer 216
Seite 5.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. September 1912.
regung gegeben worden, dem Publikum in beſonderen
Fällen eine direkte telephoniſche Ausſprache mit den
hie=
ſigen Polizeirevieren zu ermöglichen. Das Polizeiamt
hat ſeine Zuſtimmung erteilt, daß die 7 Polizeireviere
je einen direkten Anſchluß an das Stadtfernſprechnetz
er=
halten, unter der Vorausſetzung, daß nur dienſtliche
Ge=
ſpräche und Anrufe zugelaſſen werden und Privaten die
Telephonbenutzung im Revierlokal nur in beſonderen
Notfällen geſtattet wird. Der Finanz=Ausſchuß hat den
Anſchluß der Reviere empfohlen. Der Antrag wird
angenommen.
Neue Trinkbrunnen.
Der Kreisverein Darmſtadt des deutſchen
Ver=
eins gegen den Mißbrauch geiſtiger
Ge=
tränke hat ſich erboten, 2—3 Trinkbrunnen, die
zugleich beſtimmt ſind, die Beſtrebungen des Tierſchutzes
zu fördern, zu ſtiften unter der Vorausſetzung, daß die
Stadt die Koſten des Anſchluſſes an die Waſſerleitung
übernimmt. Die zuſtändigen Ausſchüſſe haben die
An=
nahme dieſer Stiftung und die Bewilligung der Mittel
für die Anſchlußkoſten empfohlen. Nach dem Bericht des
Stadtv. Saeng ſtimmt die Verſammlung zu. — Stadtv.
Hüfner regt an, auch die Unterhaltung eines
Brun=
nens in der Waldkolonie zu übernehmen. Der
Anreg=
ung ſoll Folge gegeben werden.
Der Zuſchuß zum Hoftheater.
Der jährliche Zuſchuß, den die Stadt Darmſtadt zu
den Betriebskoſten des Großh. Hoftheaters leiſtet, iſt
ſeinerzeit vorerſt nur auf die Dauer von 10 Jahren
be=
willigt worden. Da die 10jährige Friſt demnächſt
ab=
läuft, wird durch den Referenten Stadtv. Bormet die
Weiterbewilligung auf unbeſtimmte Zeit
bean=
tragt. Der Finanz=Ausſchuß empfiehlt dieſelbe. Die
Verſammlung ſtimmt ebenfalls zu. Stadtv. Friedrich
wünſcht dazu Einſicht in die Verwaltung reſp.
Verwend=
ung des Zuſchuſſes. Der Oberbürgermeiſter erklärt, daß
das bereits jetzt geſchieht. Das Geld wird durchaus im
Sinne der Stadtverwaltung verwendet.
Dienſtbezüge der akademiſchen
Lehrperſonen.
Durch das Geſetz vom 17. Juli 1912, die Dienſtbezüge
der Staatsbeamten und Volksſchullehrer betreffend, das
auf die akademiſch gebildeten Lehrer an der Viktoriaſchule
und der Eleonorenſchule Anwendung zu finden hat, iſt
eine Erweiterung der Beſoldungskredite für die beiden
genannten Schulen notwendig geworden, die der Finanz=
Ausſchuß empfohlen hat. Die Verſammlung ſtimmt nach
dem Referat des Stadtv. Bormet zu. Stadtv. Saeng
wünſcht die gleiche rückwirkende Regelung für die übrigen
Lehrer und Beamten. Stadtv. Pickert erſucht um
Aus=
dehnung des Beſchluſſes auf den Rektor der Mittelſchule
und rügt den Ausdruck „Lehrperſonen” und fragt, ob man
in Zukunft auch Dichtperſonen, Malperſonen uſw. ſagen
wolle. (Heiterkeit.)
Der Entwurf
des Voranſchlages des Großh.
Real=
gymnaſiums für 1913
ſchließt mit einer Ausgabe von 264509 Mark, und zwar
246 504 Mark perſönliche und 18005 Mark ſachliche
Aus=
gaben, ab. Hiervon entfallen auf die Vorſchule 23 209
Mark, 21590 Mark perſönliche und 1619 Mark ſachliche
Ausgaben. Der Zuſchuß der Stadtkaſſe
berech=
net ſich nach dem Referat des Stadtv. Bormet auf
75 416 Mark. Schul=Ausſchuß und Finanz=Ausſchuß
haben den Voranſchlag gutgeheißen. Die Verſammlung
ſchließt ſich dem an.
Nach den Voranſchlägen der beiden
Ober=
realſchulen für 1913 betragen die Ausgaben: der
Ludwigs=Oberrealſchule 132730 Mark (122615 Mark
per=
ſönliche, 10115 Mark ſachliche), der Liebigs=
Oberreal=
ſchule 119867 Mark (108592 Mark perſönliche, 11275
Mark ſachliche). An Zuſchüſſen aus der Stadtkaſſe
er=
fordert: die Ludwigs=Oberrealſchule 46330 Mark, die
Liebigs=Oberrealſchule 44037 Mark. Auch dieſe
Vor=
ſchläge werden genehmigt.
Polizeihunde=Vorführung.
Der Verein zur Förderung der Zucht und
Verwend=
ung von Polizei= und Schutzhunden für das
Großherzog=
tum Heſſen hat um Stiftung eines Geldpreiſes gebeten
für die öffentliche Vorführung von Polizei= und
Schutz=
hunden, die der Verein am 28. und 29. September d. J.
veranſtalten wird. In Anbetracht des Zweckes des
Ver=
eins hat der Finanz=Ausſchuß die Bewilligung eines
Preiſes von 50 Mark empfohlen. Nach dem
Be=
richt des Stadtv. Kalbfuß ſtimmt die
Verſamm=
lung zu.
Für das ſtädtiſche Hallenſchwimmbad
iſt nach dem Referat des Stadtv. Saeng die Beſchaffung
von 500 Badetüchern nötwendig geworden, die im
Wege des öffentlichen Ausſchreibens erfolgen ſoll. Da
der im Voranſchlag vorgeſehene Kredit für die Ausgabe
nicht ausreicht, iſt eine Ergänzung aus den Mitteln des
Erneuerungsfonds notwendig geworden, die die Bäder=
Deputation und der Finanz=Ausſchuß empfohlen haben.
Es entſpinnt ſich hierzu eine längere Debatte, in der von
einigen Rednern Beſchwerde darüber geführt wird, daß
die Badetücher nicht länger gehalten haben, was vielleicht
an der Behandlung in der Wäſche liegt. Herr Inſpektor
Klein widerſpricht dem. Der Kredit wird ſchließlich
bewilligt.
Nach Erledigung der Tagesordnung macht
Bürger=
meiſter Mueller die mit lebhaftem „Bravo”
aufgenom=
mene Mitteilung, daß
die Eugen Bracht=Ausſtellung kein Defizit
ergeben werde, wie anfangs angenommen, ſondern
er=
freulicherweiſe vielmehr aller Vorausſicht nach einen
Ueber=
ſchuß. Sowohl der Beſuch der Ausſtellung geht über die
Annahmen des Voranſchlags hinaus, als auch, und zwar
noch in erheblicherem Maße, der Bilderverkauf, an dem
die Ausſtellungsleitung mit 15 Prozent des Gewinnes
beteiligt iſt. Es ſind ſchon jetzt für 50000 Mark Bilder
verkauft und eine ganze Anzahl von
Verkaufsverhand=
lungen ſchweben noch. Der gute Beſuch iſt einerſeits der
Bedeutung des Namens Eugen Bracht zuzuſchreiben,
an=
dererſeits auch der Ausſtellung „Der Menſch” die
unge=
heuer viel Fremde nach Darmſtadt zieht. Sicher iſt, daß
die Stadt mit ihrer Garantie von 3000 Mark gar nicht
in Anſpruch genommen wird. (Bravo!)
Zur Teuerung der Lebensmittel, beſonders
des Fleiſches,
macht Bürgermeiſter Mueller in einem längeren
Re=
ferat Mitteilung von der am letzten Freitag abgehaltenen
Sitzung bezüglich Abwehr der Teuerung uſw. (über die
wir einen Bericht bereits veröffentlicht haben). Es ſei
Tatſache, daß neben der Teuerung eine Fleiſchnot
beſteht, was aber vielfach verkannt wird. Dieſe
Fleiſch=
not zu beſeitigen, bedürfe es unbedingt der Oeffnung
der Grenzen und der Zollerleichterungen. Dazu iſt
not=
wendig die Entſchließung des Reichstags, deſſen
bal=
diger Zuſammentritt gefordert werden müſſe. Die
Gren=
zen müſſen aber ringsum geöffnet werden. Eine
ein=
ſeitige Maßnahme dieſer Art hat alsbald das Anziehen
der Preiſe in dem betreffenden Lande zur Folge, ſo daß
die Oeffnung illuſoriſch bleibt, wie das Beiſpiel mit
Frankreich im vorigen Jahre bewieſen hat. Der Bedarf
muß verteilt werden. Die veterinären Maßnahmen ſeien
zwar ſehr beherzigenswert, aber ſie bleiben platoniſch,
denn ſie haben keineswegs die Einſchleppung und
Aus=
breitung der Seuchen verhindern können. Es handelt ſich
hier vorerſt um vorübergehende Maßnahmen, aber man
dürfe nicht vergeſſen, daß die Lebensmittelpreiſe ſich ſtets
in aufſteigender Tendenz bewegen werden. Ein Sinken
iſt nicht mehr zu erwarten. Der Sozialpolitiſche Ausſchuß
hat ſich mit der Maßnahme der Bürgermeiſterei
einver=
ſtanden erklärt. Anfang der nächſten Woche wird eine
weitere Sitzung des Sozialpolitiſchen Ausſchuſſes
ſtatt=
finden, in der über die ſtädtiſchen Maßnahmen weiter zu
beſchließen ſein wird. Man wird auch auf die
See=
fiſchnahrung zurückkommen, die ſich im Vorjahre ſehr
bewährt hat. Eine Preiskontrollkommiſſion ſoll eingeſetzt
werden. Auch wird daran gedacht, daß die Stadt für
Minderbemittelte Schweine ſelbſt ankauft. An die
Metzger und Bäcker iſt herangetreten worden mit dem
Erſuchen, auf Fleiſch und Brot einen Nachlaß für
Minder=
bemittelte eintreten zu laſſen. Auch die Landwirte ſollen
erſucht werden, Milch billiger abzugeben. Allerdings ſind
hier die Ausſichten gering, während die Metzger ſchon zu
Entgegenkommen ſich bereit erklärt haben.
Auf Anfrage des Stadtv. Dr. Noellner macht
Bürgermeiſter Mueller über die Koſten der
vorjähri=
gen ſtädtiſchen Teuerungsaktion noch folgende
Mitteilun=
gen: Kartoffeln wurden von 1676 Haushaltungen, d. ſ. 9
Prozent der Darmſtädter Haushaltungen überhaupt, zu
billigem Preiſe abgegeben, und zwar 14103 Zentner.
645 Familien wurde Kredit eingeräumt von insgeſamt
8787,50 Mark. Davon blieben bisher
uneinbring=
lich 1150 Mark. In 32 Fällen wurden Zuſchüſſe geleiſtet
in Höhe von 403 Mark. Brot wurde an 481
Haushalt=
ungen zu billigem Preiſe verkauft. An Seefiſchen wur=
den von den Markthändlern in der Zeit vom 17.
Okto=
ber 1911 bis 31. März 1912 500 Zentner verkauft. Hier
ſollen noch niedrigere Preiſe angeſtrebt werden. Die
Fiſchkurſe haben ſich ſehr bewährt. Die Koſten betrugen
pro Kopf 1,05 Mark. Da 30000 Mark im Vorjahre durch
Sammlungen aufgebracht wurden, wurde die Stadt ſelbſt
nur mit 7617 Mark belaſtet.
In der Beſprechung des Referats zollten die
Stadtvv. Aßmuth, L. Lautz, Henrich und
Fried=
rich der Maßnahme der Bürgermeiſterei vollſte
Aner=
kennung, beſonders der Tätigkeit des Herrn
Bürger=
meiſters Mueller. Gefordert wurde dringend
Beſeitig=
ung der Einfuhrſcheine, Oeffnung der Grenzen und
eventl. wiederholte Eingaben an Staats= und
Reichs=
regierung. Da die Debatte ſich ſchließlich zu einer rein
parteipolitiſchen geſtaltete, ermahnte der
Oberbürger=
meiſter unter lebhafter Zuſtimmung ſchließlich zu
praktiſcher Arbeit, die allein hier helfen könnte.
Damit ſchließt die Sitzung.
Kongreſſe und Verbandstage.
* Wien, 12. Sept. (Euchariſtenkongreß.)
Heute am frühen morgen wurden in der Votiv=Kirche
und in der Schotten=Kirche Predigten gehalten. Im
Stephansdom zelebrierte der Erzbiſchof von Weſtminſter,
Kardinal Bourne, ein feierliches Pontifikalamt. In den
Sektionsberatungen referierte Univerſitätsprofeſſor Kirſch=
Freiburg (Schweiz) über¾,Die Euchariſtiſche Feier der
Ur=Kirche‟ Sie beruhe ausſchließlich auf der
Einſetz=
ung durch Jeſus Chriſtus. Der Rektor des
griechiſch=
katholiſchen Seminars Lemberg, Bocian, referierte über
eine Anregung, eine Konkordanz des lateiniſchen und
griechiſchen Ritus zu bearbeiten. Referate über Askeſe
wurden in der Auguſtinerkirche, über Jugendſeelſorge in
der Kirche „Am Hof” gehalten. Hier ſprach u. a. Probſt
Knoche=Magdeburg darüber, wie der Meßbeſuch für die
Jugend möglichſt fruchtbringend gemacht werden könne.
In der Ausſtellung für kirchliche Kunſt hielt der Erzbiſchof
von Lemberg, Bilczewski, einen Lichtbildervortrag über
Euchariſtiſche Bilder aus römiſchen Katakomben.
Sämt=
liche Veranſtaltungen wurden unter außerordentlicher
Teilnahme der Kongreßmitglieder und des Publikums
abgehalten. Kaiſer Franz Joſef und die Mitglieder
des Kaiſerhauſes nahmen an der Kommunion in der
Pfarrkirche der Hofburg teil.
Von den Manövern des XVIII. Armeekorps.
* Worms, 12. Sept. Heute begannen in
Rhein=
heſſen die Manöver in der Diviſion. Trotz der
ſeitherigen Ungunſt der Witterung haben die Truppen bis
jetzt die Uebungen gut überſtanden, keinerlei
Er=
krankungen ſind vorgekommen. Die Diviſionsmanöver der
25. Diviſion verdienen dieſes Mal erhöhtes und
beſon=
deres Intereſſe, da bei der Diviſion ſieben
Batail=
lone Reſervemannſchaften, eine Reſerve=
Infan=
terie=Brigade und das 3. Bataillon des Infanterie=
Regi=
ments Nr. 168 eingeſtellt, außerdem bei jedem der vier
Infanterie=Regimenter 200 Mann Reſerviſten eingezogen
worden ſind, ſo daß über ein Drittel der Infanterie dem
Beurlaubtenſtande angehört. Den Uebungen liegt folgende
allgemeine Kriegslage zu Grunde: „Rote” Truppen ſtehen
in der Gegend von Kreuznach, „blaue” ſind bei und
nörd=
lich Darmſtadt in der Zuſammenziehung begriffen. Mainz iſt
als offene Stadt angenommen. Nach der für Blau
aus=
gegebenen beſonderen Kriegslage ſoll am 13. September
das bei Darmſtadt ſich ſammelnde 18. Armeekorps
beab=
ſichtigen, gegen den bei Kreuznach gemeldeten Gegner
vor=
zurücken und den Rhein bei Oppenheim auf den dort zu
bauenden Brücken überſchreiten. Die über Heppenheim an
der Bergſtraße herangezogene verſtärkte 50. Infanterie=
Brigade, beſtehend aus den Infanterie=Regimentern 117
und 118, dem Dragoner=Regiment 24, dem Feldartillerie=
Regiment 61, der 3. und 4. Kompagnie des Pionier=
Ba=
taillons 21, ſowie Kolonnen und Trains, unter ihrem
Führer dem Oberſt und Kommandeur des Infanterie=
Leib=Regiments „Großherzogin” Nr. 117, Herhudt von
Rohden, hatte am 11. September, abends, Worms erreicht
und erhielt dort den Befehl, in der Frühe des 12.
Sep=
tember über Nieder=Flörsheim auf Alzey vorzurücken, da
ſchwächere feindliche Truppen am 11. September bereits
Pfaffenſchwabenheim und Wöllſtein erreicht haben. Die
Brücken bei Oppenheim, ſo wurde dem Führer noch
mit=
geteilt, werden vor dem 13. September nicht gebaut ſein.
Nach der für Rot ausgegebenen beſonderen Kriegslage hat
das weſtlich Kreuznach ſtehende Armeekorps auf die
Nach=
richt hin, daß bei Oppenheim und Nackenheim Kriegs=
Die Königlichen Hoftheater in Stuttgart.
Von Prof. Max Littmann.
Verlagsanſtalt Alexander Koch=Darmſtadt, 1912.
Am 14. und 15. September darf Stuttgart das ſeltene
Ereignis feiern, gleich zwei neue Hoftheater eröffnet zu
ſehen. Wer hätte das gedacht, als vor 10 Jahren das alte
Hoftheater den Flammen zum Opfer fiel? Freilich, es
war ein ſchwerer Weg durch verantwortungsvolle
Ent=
ſchlüſſe und arbeitsreichen Fleiß, der zu dem heutigen
glänzenden, einzig daſtehenden Erfolg geführt hat. Wie
ein typiſcher Künſtlerroman lieſt ſich die Vorgeſchichte des
Baues, die der Architekt Profeſſor Max Littmann=
München ſoeben in einer glänzenden, bei Alexander Koch
in Darmſtadt verlegten Veröffentlichung ins Gedächtnis
zurückruft. Die ſchnelle, von Eiſenlohr und Weigle bewirkte
Errichtung eines Interimstheaters hatte Zeit für bedächtige
Beratung gegeben. So konnte der Architekt, als
erfahren=
ſter Sachverſtändiger berufen, zunächſt ſeinem Vorſchlag
zur Errichtung zweier Häuſer Zuſtimmung erwirken,
und zwar nicht eines Opern= und eines
Schauſpiel=
hauſes, ſondern eines großen, 1450 Plätze faſſenden
Hauſes für pathetiſche, monumentale Opern und
Schau=
ſpiele, und daneben eines kleineren, hier auf etwa 800
Plätze berechneten Hauſes für intimere Stücke mit oder
ohne Muſik, damit jedem Kunſtwerke der ihm angemeſſene
Rahmen gegeben werden könne. Zur Veyeinfachung des
Betriebes bilden die Räume der Verwalting und der
Dekorationen einen Verbindungsbau zwiſchen den beiden
Bühnenhäuſern.
Nach der Feſtlegung dieſes grundlegenden, hier zum
erſten Male durchgeführten Programms begann die
Suche nach dem geeigneten Bauplatz. Es iſt klar, daß bei
einem Theater die Zugänge und Anfahrten an die
ein=
zelnen Bauteile ganz beſonders überſichtlich vorzuſehen
ſind und daß bei Hoftheatern die Rückſicht auf die Lage
der Reſidenz und die würdige Aufmachung des Ganzen
eine größere Rolle ſpielt als bei ſonſtigen Bauten. So
dauerte es denn bis zum Sommer 1907, bis ſich die dafür
eingeſetzte Platzkommiſſion auf den jetzt benutzten herrlichen
Bauplatz des früheren Botaniſchen Gartens nebſt dem Areal
der Königlichen Hofgärtnerei einigte, auf den zuerſt
Ober=
baurat von Reinhardt hingewieſen hatte.
Erſt nach glücklicher Löſung der Bauplatzfrage konnte
das Studium des eigentlichen Baues beginnen, für deſſen
Geſtaltung ein Wettbewerb unter den württembergiſchen
Architekten, unter Zuziehung einiger anderer
Theaterfach=
männer, veranſtaltet wurde. Als erſter Preisträger ging
daraus Prof. Max Littmann in München hervor, der
nun auch im November 1908 mit den weiteren
Entwurfs=
bearbeitungen betraut wurde. Konnte man doch ihm auf
Grund ſeiner reifen, an vielen großen Theaterbauten
ge=
ſammelten Erfahrungen das größte Vertrauen auf das
Gelingen des ſchwierigen Baues entgegenbringen. Die
Hoffnungen auf einen glänzenden Erfolg wurden nicht
getäuſcht, das große Werk ſteht nun nach dreijähriger
emſiger Arbeit vollendet da. Wirklich nicht nur beendet,
ſondern vollendet in ſeiner reifen Durcharbeitung aller
Einzelheiten, und in dem geiſtreichen Aufbau des
ver=
wickelten techniſchen Werkes, wie er bei einem modernen
Theater gefordert wird. Jetzt ſind die Sorgen der
ſchwie=
rigen Fundierung behoben, das verantwortungsvolle
Her=
beirufen der zur Ausführung der künſtleriſchen Gedanken
notwendigen. Mitarbeiter beendet, jetzt wird leicht die
techniſche Leiſtung des Architekten überſehen und manche
unweſentliche Aeußerlichkeit des Baues einer ſcharfen
Kritik unterzogen. Da muß man wünſchen, daß mancher
in dem wundervollen, der Beſchreibung und Abbildung
des Baues gewidmeten reich illuſtrierten Prachtwerke
„Die Königlichen Hoftheater in Stuttgart” deſſen Preis
von 20 Mark im Hinblick auf die reiche Fülle des Gebotenen
kaum verſtändlich erſcheint, von dem Werdegang eines
ſo ſchwierigen Werkes Kenntnis nimmt, um die glänzende
Leiſtung des Architekten erſt recht würdigen zu können.
Die intereſſanten Ausführungen über Rang= oder
Amphi=
theater, die in nahezu hundert meiſt ganzſeitigen
Illu=
ſtrationen und Sepiatonbeilagen in Großfolio gebotene
bildliche Darſtellung aller wichtigen Teile, unter denen
beſonders die Raumbildungen des kleinen Hauſes, der
Foyers und der fürſtlichen Vorräume unbeſchreiblich
ent=
zückend ſind, dazu die auch dem Laien verſtändlichen
An=
gaben über viele techniſche Einrichtungen und Neuerungen,
ſowie die Wiedergabe aller Pläne in Grundriß und
Auf=
bau geben dem Werke einen über die Jubiläumstage
hinausgehenden, bleibenden Wert, in Inhalt und Form
ein Dokument deutſcher Geiſtesarbeit. Ja,
es darf als das wertvollſte Erzeugnis der
modernen Theaterliteratur angeſehen werden,
und es iſt erfreulich, daß der Verleger, Hofrat
Alexander Koch, ihm eine bei ihm freilich gewohnte
vornehme Ausſtattung und Aufmachung — gedruckt wurde
das Werk in der L. C. Wittichſchen Hofbuchdruckerei in
Darmſtadt — hat zuteil werden laſſen. Dem Architekten,
den zahlreichen künſtleriſchen und techniſchen Mitarbeitern,
dem Königlichen Bauherrn und ſeinen hohen Beratern,
den Stuttgartern — und daneben dem Verleger des ſchönen
Buches — darf man von Herzen zum vollen Gelingen des
Monumentalwerkes Glück wünſchen!
Prof. Dr. Vetterlein=Darmſtadt.
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. September 1912.
Nummer 216.
brücken gebaut werden, den Vormarſch auf Oppenheim und
Nackenheim angetreten. Am Abend des 11. September
hatten die Vortruppen Wöllſtein und Pfaffenſchwabenheim
erreicht. Die über Gerbach bei Kirchheimbolanden
heran=
gezogene verſtärkte 49. Infanterie=Brigade, beſtehend aus
den Infanterie=Regimentern 115, 116 und 168, dem
Dra=
goner=Regiment 23, dem Feldartillerie=Regiment 25, der
1. und 2. Kompagnie des Pionier=Bataillons 21, ſowie
Kolonnen und Trains unter der Führung des Oberſt und
Kommandeurs des Feldartillerie=Regiments 25, v.
Mül=
ler, hatten am 11. September die Gegend weſtlich Alzey
erreicht und erhielten den Befehl, da der Feind den Rhein
bei Oppenheim und Nackenheim zu überſchreiten im
Be=
griffe ſteht und feindliche Truppen von Heppenheim auf
Worms im Anmarſch ſind, ſich in den Beſitz der
Rhein=
übergänge bei Worms zu ſetzen.
Kaiſermanöver.
* Mügeln, 11. Sept. Zu den Kaiſermanövern in
Sachſen wird mitgeteilt: Das Armeeoberkommando der
roten zweiten Armee erhielt aus dem großen
Haupt=
quartier Prag am 8. September abends folgende
Mit=
teilung: Die nördlichſten Truppenlandungen ſind bei
Stendal, die ſüdlichſten bei Neuſtadt a. O. feſtgeſtellt
worden. Der entſcheidende Angriff ſoll den feindlichen
ſüdlichen Flügel treffen. Die dritte (angenommene)
Armee geht auf Greiz vor. Die zweite Armee wirkt
mit ihr zuſammen. Die erſte (angenommene) Armee
greift die befeſtigte Elblinie Wittenberg bis
Tor=
gau an.
Dem Armeeoberkommando der blauen 5. Armee
ging am 8. September abends aus dem großen
Haupt=
quartier Halberſtadt folgender Befehl zu: Es klären
auf die erſte (angenommene) Armee über das Erzgebirge,
die fünfte Armee über die Elblinie Dresden=Torgau. Ihr
werden die bayeriſche Kavallerie=Diviſionen und die
In=
fanterie=Reſervetruppen zugeteilt. Die
Aufklärungs=
grenze gegen die dritte (angenommene) Armee iſt in der
Linie Torgau=Lübben=Fürſtenberg.
Im Hauptquartier der blauen fünften Armee in
Weißenfels ging vorgeſtern abend folgende Weiſung
der oberſten Heeresleitung ein: Die dritte (
angenom=
mene) Armee geht unter Feſthalten der befeſtigten
Elb=
linie Torgau=Wittenberg zum Angriff in der Richtung
auf Trebbin vor. Die fünfte Armee unterſtützt den
An=
griff der dritten. Der Oberbefehlshaber der fünften
Armee entſchloß ſich daher, ſeine Armee am 10.
Septem=
ber in der Gegend von Leipzig vorzuführen. Dort
wollte er am 10. September den Vormarſch bis zur Linie
Liebenwerda=Hirſchfeld=Tauſchau=Okrilla fortſetzen.
* Mügeln, 11. Sept. Die rote Kavallerie
ſollte heute den Uebergang ihres Heeres über die Elbe
decken, hatte alſo keine Veranlaſſung, weiter vorzugehen.
Die blaue Kavallerie, die geſtern geſchlagen war, mußte
ſich heute ſammeln. Außer an den ſchon gemeldeten
Stellen überſchritten die roten Truppen auch bei Meißen
die Elbe in den Mittagsſtunden. Hier kam es zu einem
ziemlich heftigen Gefecht, weil die blaue Reſerve ſich hier
zuſammengezogen hatte und mit Hilfe von
Maſchinen=
gewehren das weſtliche Ufer verteidigte. Die rote
Vor=
hut ſetzte hier mit Pontons über und bildete einen
Brückenkopf um Meißen herum. Dann begann der
Brückenſchlag, der fünf Stunden dauerte. Die blaue
Armee hat heute den Vormarſch unbehindert vom Feinde
fortgeſetzt. Rot hatte ſehr ſtarke Brückengeräte. Bei dem
dritten und zwölften Korps hatte jede Diviſion
Diviſions=
brückentrains, jedes Korps hatte Korpsbrückentrains, und
dazu kam noch weiter das von der oberſten Heeresleitung
zugewieſene Material. Die Flieger leiſteten heute gute
Dienſte. Das Flugweſen zeigte erhebliche Fortſchritte
gegen das Vorjahr.
* Mügeln, 11. Sept. Bei dem dritten Korps iſt
regelmäßige kriegsmäßige Verpflegung
ein=
gerichtet worden. Die Truppen haben ihre Küchenwagen
bei ſich, in denen ſich die Tagesrationen befinden. Die
Wagen gehören zur Gefechtsbagage, marſchieren alſo
un=
mittelbar mit den Truppen. Die Speiſen können
jeder=
zeit ausgegeben werden. Bei der großen Bagage gehen
Lebensmittel= und Futterwagen mit der Verpflegung für
einen Tag. Die Nachfüllung geſchieht durch Proviant=
und Fuhrpark=Kolonnen, die nachts nachrücken. Dieſen
ſtehen wieder Eiſenbahnen im Rücken der Armee zur
Ver=
fügung, welche die Verpflegungszüge kriegsmäßig
heran=
führen. Bei den anderen Korps fallen aus Rückſicht auf
die Koſten die Lebensmittel= und Fuhrpark=Kolonnen
fort. Bei der Kavalleriediviſion beſteht eine
Laſtkraft=
wagen=Kolonne. Die Bedürfniſſe an Holz und Stroh
werden grundſätzlich freihändig angekauft, was ſich ſehr
bewährt.
* Oſchatz, 12. Sept. Die blaue fünfte Armee
beabſichtigte, heute den roten nördlichen Flügel
um=
faſſend anzugreifen und zu dieſem Zwecke heute morgen
um 5 Uhr die Linie Schloß Hubertusburg=Deutſch=Luppa=
Dahlen zu überſchreiten. Rot wollte den Vormarſch
fort=
ſetzen und mit ſeinem ſtarken linken Flügel ſeinerſeits
die gegenüberſtehenden blauen Kräfte umfaſſend
angrei=
fen. Die Fronten der Gegner, die bisher einander
weſt=
öſtlich gegenüberſtanden, dürften ſich alſo nordſüdlich
ver=
ſchieben. Blau brachte nach ungeheuren Märſchen ſeine
Truppen an den Feind. Es ſcheint, daß ihm die
Umfaſ=
ſung von Nordweſten und Norden her geglückt iſt. Bei
Liebſchütz, nördlich von Oſchatz, entwickelte ſich zeitig ein
Gefecht aller Waffengattungen. Das blaue vierte Korps
drängte hier das rote Kavalleriekorps und die rote
In=
fanterie von der ſechſten Diviſion des dritten Armeekorps
nach Süden zurück. Auf dem Liebſchützer Berge waren
auch der Kaiſer und der König von Sachſen längere Zeit
anweſend. Die Luftſchiffe und die Flieger ſind an der
Arbeit. Das Gelände iſt ſehr abwechſelungsreich. Das
Wetter iſt ſchön. Das Publikum iſt in gewaltigen
Men=
gen hinausgeſtrömt. Der Kaiſer beſuchte heute mittag
den König von Sachſen auf deſſen Jagdſchloß
Werms=
dorf bei Hubertusburg.
Luftfahrt.
* Straßburg, 12. Sept. Gelegentlich einer
Er=
kundungsfahrt auf einer Rumpler=Taube
verlor heute morgen 7 Uhr infolge dichten Nebels der
Oberleutnant Barends in zirka 1000 Meter Höhe die
Orientierung und ſtieß infolge Verſagens des
Höhen=
meſſers, der bei fünf Meter Höhe noch 400 MMeter anzeigte,
bei Berſtett auf zwei Bäume auf. Der Apparat
wurde zertrümmert. Oberleutnant Barends erlitt
keine Verletzungen, ſein Begleiter, Leutnant
Glasmüller, trug nur leichte Verletzungen davon.
* Gotha, 12. Sept. Das Militärluftſchiff
„Z. 3‟ iſt heute früh 6.20 Uhr zur Fahrt nach dem
Ma=
nöbergelände in Sachſen aufgeſtiegen. Es ſchlug die
Rich=
tung äben Hlmenau eiz.
* Finſterwalde, 11. Sept. Von den in
Sonnen=
walde ſtationierten Fliegeroffizieren iſt heute vormittag
in der Nähe von Münchhauſen der Fliegeroffizier
Sie=
bert aus einer Höhe von etwa 50 Meter abgeſtürzt.
Er erlitt am Bruſtkorb und am Halſe ſchwere
Verletz=
ungen. Der Paſſagier kam mit leichteren Verletzungen
da=
von. — Zwei andere Flieger ſind bei Zeithain bezw.
Grimma gelandet.
* Etampes, 11. Sept. Der Flieger Fourny hat
1010,9 Kilometer in 13 Stunden 17 Min. 57 Sek.
durch=
flogen und damit den bisherigen Weltrekord
ge=
ſchlagen.
* Athen, 11. Sept. Der Flieger Karamanlakis,
der zu einem Flug nach Patras aufgeſtiegen war, iſt bei
Korinth abgeſtürzt und ertrunken.
H. B. Chicago, 12. Sept. Hier ſtürzte der Flieger
Paul Peck, der den amerikaniſchen Rekord für
Dauer=
fahrten inne hat, ab=und wurde ſofort getötet. Die
Kata=
ſtrophe ereignete ſich, als Peck mit ſeinem Doppeldecker
einen ſteilen Spiralflug unternahm. Peck war auch
Ver=
treter Amerikas beim Bennett=Fliegen, hatte aber auf die
Teilnahme angeſichts des guten Reſultats von Vedrines
verzichtet.
Prinz Heinrich in Tokio.
* Tokio, 11. Sept. Prinz Heinrich von
Preu=
ßen wurde heute in feierlicher Audienz vom Kaiſer
empfangen. Der Prinz legte die Fahrt zum Kaiſerpalaſt
im Galawagen mit Eskorte zurück. Das Kaiſerpaar
be=
grüßte den Prinzen, der mit einer Anſprache die dem
Kai=
ſer von Japan von Kaiſer Wilhelm verliehene Kette zum
Schwarzen Adlerorden überreichte. Der Kaiſer von
Ja=
pan erwiderte mit dem Ausdruck warmen Dankes
zu=
gleich für die Entſendung des Prinzen. Nach dem
Empfang fand Frühſtückstafel ſtatt. Prinz Heinrich
führte die Kaiſerin, der Kaiſer die Prinzeſſin Kanin.
Dem Kaiſer und der Kaiſerin gegenüber ſaß der
Hof=
miniſter mit zwei Damen vom Dienſt, rechts von der
Kaiſerin Fürſt Katſura, links General von Böhm,
Mini=
ſterpräſident Saionyi und Hofmarſchall Freiherr
v. Seckendorff. Der Kaiſer verlieh dem Botſchafter
und dem Hofmarſchall den Paulownia=Orden, dem
Gene=
ral v. Böhm das Großkreuz des Ordens der
aufßehen=
den Sonne, den übrigen Mktgliedern der deutſchen
Ab=
ordnung entſprechende Auszeichnungen.
* Tokio, 11. Sept. Der Kaiſer erwiderte heute
nachmittag den Beſuch des Prinzen Heinrich von
Preußen.
* Tokio, 12. Sept. Bei dem Beſuche, den der
Kai=
ſer geſtern nachmittag dem Prinzen Heinrich
ab=
ſtattete, befand ſich in Begleitung des Kaiſers Fürſt
Katſura. Prinz Heinrich ſpeiſte abends in der deutſchen
Botſchaft mit hochgeſtellten Japanern.
Fleiſchteuerung.
* Die Konferenz im Reichsamt des
In=
nern über die Fleiſchteuerung wurde am
Mitt=
woch erſt in vorgerückter Nachmittagsſtunde zum Abſchluß
gebracht. Wie verlautet, iſt man zu der Ueberzeugung
gelangt, daß eine Aufhebung des bekannten § 12 des
Fleiſchbeſchaugeſetzes unmöglich geworden iſt. Die
In=
duſtrie habe es dahin gebracht, daß ſie ohne Entfernung
der im genannten Paragraph aufgeführten Teile Fleiſch
in gefrorenem Zuſtande aus Argentinien und Auſtralien
nach Deutſchland zu importieren vermöge, und die
Reichs=
behörden ſollen ſich auch bereits darüber vergewiſſert
haben, daß die Induſtrie in der Tat in einer für die
Ge=
ſundheit des Fleiſches gefahrloſen Weiſe dieſe Einfuhr
zu bewerkſtelligen vermöge.
Der Gemeinderat in Straßburg befaßte ſich
mit Maßnahmen zur Bekämpfung der
Fleiſchteue=
rung, von denen einige bemerkenswert ſind. Es wurden
Eingaben beſchloſſen an den Reichskanzler um ſofortige
Einberufung des Reichstages, an den Bundesrat,
Reichs=
tag und an die Landesregierung um Erleichterung der
Schlachtvieheinfuhr durch Herabſetzung der Zölle
und Milderung der veterinärpolizeilichen Vorſchriften.
Ferner wurde beſchloſſen, einen Verſuch zu machen mit
der Einführung von gefrorenem Hammelfleiſch,
wozu der Stadtverwaltung ein Kredit bewilligt wurde.
Beim deutſchen Städtetag ſoll gleichzeitig eine
Organiſation beantragt werden, die dieſe
Gefrierfleiſchein=
fuhr regelt, um der ſtädtiſchen Bevölkerung jeden Gewinn
zukommen zu laſſen. Um auch gefrorenes Fleiſch von
Großvieh einführen zu können, ſoll eine Eingabe an die
Reichsregierung um Herabſetzung des allzu hohen
Zoll=
ſatzes und Milderung des § 12 des Fleiſchbeſchaugeſetzes
gemacht werden. Gleichzeitig ſoll ein Geſuch an den
Bundesrat um Beteiligung des Straßburger
Schlacht=
hofes an der kontingentierten Vieheinfuhr aus Oeſterreich=
Ungarn und ein Geſuch an die Reichseiſenbahnverwaltung
um Herbeiführung ermäßigter Tarife für Vieh= und
Fleiſchtransport gerichtet werden. Dann ſoll
verſuchs=
weiſe eine ſtädtiſche Maſtanſtalt für Schweine
errichtet werden, die vorläufig mit 1000 Stück zu beſetzen
und bei Gelingen entſprechend zu vergrößern wäre, um
auf den ſtädtiſchen Schweinemarkt Einfluß zu gewinnen.
Die Tiere ſollen in einem Vierteljahr ſchlachtreif werden.
Ferner ſoll die Stadtverwaltung ſofort Vorarbeiten zur
eventuellen Gründung einer Viehmarkts=Bank in Angriff
nehmen, um die Metzger in ihren genoſſenſchaftlichen
Be=
ſtrebungen für ratienelle Verwertung aller Nebenprodukte
ihres Gewerbes zu unterſtützen und unabhängig zu ſtellen.
Der Rat der Stadt Dresden hat mit einer
däniſchen Firma einen Vertrag auf umgehende Lieferung
friſchen Rindfleiſches aus Dänemark und mit einer
ham=
burgiſchen Firma einen Vertrag auf Lieferung
argen=
tiniſchen Gefrierfleiſches abgeſchloſſen.
Die Teuerungskommiſſion des Magiſtrats und
der Stadtverordneten in Magdeburg
be=
ſchloß, lebendes Vieh von Schweden, Norwegen und
Dänemark einführen zu laſſen.
Handel und Verkehr.
— Stand der Darmſtädter Volksbank, e. G.
m. b. H., am 31. Auguſt 1912. Aktiva. 1. a) Kaſſa,
Sorten und Kupons M. 60 295.76; b) Guthaben bei der
Reichsbank und dem Poſtſcheckamt M. 21545.95. Zuſ.
M. 81 841.71. 2. Wechſel= u. Deviſen=Konto M. 374215.59.
3. Bankverkehr=Konto M. 482877.17. 4. Lombard=Konto
M. 380054.47. 5. Effekten=Konto M. 459499.59. a)
inlän=
diſche Staatspapiere Nom. M. 278 693.—; b) ſonſtige
bei der Reichsbank und anderen deutſchen Notenbanken
beleihbare Wertpapiere M. 165100.—; c) ſonſtige
Wert=
papiere M. 70 530.—. 6. Konto=Korrent=Konto (ſämtlich
gedeckt) M. 3098 176.68. 6. Vorſchuß= u. Vorſchußwechſel=
Konto M. 976602.76. 8. Haus= und Immobilien=Konto
M. 346 902.15. 9. Mobilien=Konto M. 1005.65. 10.
Schrank=
fächer=Konto M. 3663.50 11. Haus= u. Immobilien=Unter=
haltungskoſten=Konto M. 2707.66. 12. Verwaltungskoſten=
Konto M. 42477.74. Zuſ. M. 6 250024.67. — Paſſiva.
1. Geſchäftsanteil=Konto M. 1463 200.40. 2. Reſervefonds=
Konto 1 M. 337418.18. 3. Reſervefonds=Konto 2 und
Immobilienreſerve M. 80350.47. 4. Delkredere=Konto
M. 50 000.—. 5. Penſions= u. Unterſtützungsfonds=Konto
M. 180545.20. 6. Hypotheken=Konto M. 66000.—. 7.
Ak=
zeptationen= u. Aval=Konto M. 63790.—. 8. Bankverkehr=
Konto M. 6624.31. 9. Konto=Korrent=Konto M. 138233.97.
10. Sparkaſſen= und Scheck=Konto M. 3690855.77. 11.
Di=
vidende=Konto M. 3954.19. 12. Zinſen=Konto M. 154052.18.
13. Jubiläumsfonds M. 15000.—. Zuſ. M. 6250024.67.
Umſchlag im Auguſt M. 4414550.88. Zahl der
Mit=
glieder Ende Auguſt 1912: 1981.
Marokko.
* Paris, 12. Sept. Ueber den Einzug der
Ko=
lonne Mangin in Marrakeſch wird aus
Maza=
gan vom 10. September gemeldet: Die leichte Abteilung
unter Oberſt Mangin zog am 7. September um 8 Uhr
morgens in die Stadt ein und drang ſogleich bis Dar el
Maghzen vor, wo El Glaui und Mtugi die Gefangenen,
die bei guter Geſundheit waren, übergaben. El Hiba
gelang es, verkleidet zu entkommen. Die Hauptmacht der
Kolonne langte nachmittags an und lagerte ſich im
Weich=
bild von Marrakeſch, zwei Kilometer von der Stadt, auf
einer die Umgebung beherrſchenden Anhöhe. Die
Ein=
wohner waren ihr entgegengezogen, um ihre
Unterwerf=
ung anzuzeigen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 12. Sept. Das Linienſchiff „Kaiſer”,
das zurzeit ſeine Probefahrten erledigt, hat bei der
for=
cierten Meilenfahrt der gemeſſenen Meile bei
Neu=
krug eine mittlere Geſchwindigkeit von 23 6
See=
meilen in der Stunde erreicht. Das Schiff iſt am
22. März 1911 als erſter Vertreter der neuen Kaiſer=Klaſſe
auf der kaiſerlichen Werft in Kiel von Stapel gelaufen
und iſt mit Turbinen ausgerüſtet.
* Berlin, 12. Sept. Nach einer Meldung des
Be=
zirksamtes Friedrich=Wilhelmshafen (Neu=
Guinea) ſind im dortigen Bezirke Unruhen
ausgebro=
chen. Es gelang der Polizeitruppe, die Rädelsführer
ge=
fangen zu nehmen und die Ruhe ohne Blutvergießen
wieder herzuſtellen. Die Meldung des Bezirksamts iſt
am 8. September in Jap (Weſtkarolinen) aufgegeben,
alſo anſcheinend mit dem am 4. September in Friedrich=
Wilhelmshafen abgegangenen Dampfer abgeſandt
worden.
* Mannheim, 12. Sept. Bei dem Transport eines
Konzertflügels verunglückte heute vormittag der
Po=
lierer Amelung von hier tödlich dadurch, daß ihm der
mehrere Zentner ſchwere Flügel auf den Kopf ſtürzte. Er
ſtarb auf dem Wege zum Krankenhauſe.
* Mannheim, 12. Sept. In einer Fabrik wurde dem
Arbeiter Karl Leidenberger aus Seckenheim von
einem Kran der Kopf zerſchmettert. Der Arbeiter
hatte trotz Warnung und obgleich der Kran in Betrieb
war, die Kranbahn betreten. Das Unglück erfolgte beim
Herumfahren des Krans.
* Rom, 412. Sept. Nach Meldungen aus Tripolis
ſtieg der Fliegerhauptmann Moizo am 10. September
mit einem Flugapparat von Zuara nach Tripolis auf. Da
ſich ſeine Ankunft verzögerte, ließ der Kommandant von
Tripolis Nachforſchungen anſtellen. Am 11. September
wurde bekannt, daß Moizo einige Kilometer weſtlich von
Zanzur in der Richtung von Zavia landen mußte.
Moizo, der unverletzt iſt, ſoll in das türkiſche Lager von
Atiziak gebracht worden ſein.
* Paris, 12. Sept. Im heutigen Miniſterrat
machte Miniſterpräſident Poincaré Mitteilungen
über die Marokkoangelegenheit und die Lage im Orient.
— Unterrichtsminiſter Guiſthau teilte mit, daß das
Lehrer=
ſyndikat und verſchiedene Syndikatsſektionen beſchloſſen
haben, ſich nicht dem Auflöſungsbeſchluß der Regierung
zu fügen. — Der Miniſter der öffentlichen Arbeiten,
Du=
puy, kündigte die Eröffnung einer öffentlichen
Samm=
lung zugunſten der Opfer der Exploſion von Clarence
an. Präſident Falliéres zeichnete 5000 Francs, ebenſo
der Miniſterrat 5000 Francs. Ferner legte Miniſter
Dupuy ein Dekret betreffend die Einſetzung einer
außer=
parlamentariſchen Kommiſſion zur Unterſchrift vor, die
finanzielle Verbindungen zur ſchnellen Durchführung
gro=
ßer Arbeiten in der Binnen= und Seeſchiffahrt in
Vor=
ſchlag bringen wird. Der Ackerbauminiſter wird dem
Staatsrat eine Vorlage über einen außerordentlichen
Kredit von 250000 Francs zur Bekämpfung der großen
Feldmaus in den öſtlichen Departements unterbreiten.
* Toulon, 12. Sept. Auf der Staatswerft lief heute
morgen der große Torpedobootszerſtörer „Biſſon” von
Stapel.
* Belgrad, 12. Sept. Das neue Kabinett iſt
folgendermaßen zuſammengeſetzt: Präſidium und
Aeuße=
res: Paſitſch; Finanzen: Patſchu; Krieg: General
Putuik; Inneres: Patitſch; Juſtiz:
Politſche=
witſch; Kultus: Lujajowanowitſch; Bauten:
Jchann Jowanowitſch; Volkswirtſchaft: Koſtu
Stojanowitſch.
* Konſtantinopel, 12. Sept. Wie es heißt, hat der
Mi=
niſterrat die Ausarbeitung des Entwurfs betreffend
Reformen für Rumelien beendet. Der auf die
öffentlichen Arbeiten und die Juſtiz bezügliche Teil der
Reformen wird auch in Anatolien durchgeführt. Der
Mi=
niſter des Aeußern dementierte das Gerücht von
Truppen=
ſendungen nach Südalbanien. Die vorige Regierung habe
die Truppen nach den Wahlbedürfniſſen dialoziert, die
gegenwärtige Regierung konzentriere ſie an den in der
Organiſation vorgeſehenen ſtrategiſchen Punkten. Nach
Informationen des Miniſters des Aeußern erhält die
Pforte fortgeſetzt ſehr günſtige Verſicherungen bezüglich
der Haltung der Großmächte gegenüber den Balkanſtaaten.
Bulgarien, Serbien und Griechenland hätten friedliche
und freundſchaftliche Verſicherungan abgegeben. Der
grie=
chiſche Geſandte Gryparis erklärte dem Miniſter des
Aeu=
ßern, daß die jüngſt in Athen und den Provinzen
Grie=
chenlands abgehaltenen Meetings nicht eine ſolche
Bedeu=
tung haben, daß ſie die friedliche und freundſchaftliche
Haltung der Regierung gegenüber der Türkei beeinfluſſen
könnten. Die Regierung werde weitere Verſammlungen,
ſowie die Fortſetzung der Agitation verhindern. Gryparis
dementiert auch die angeblichen militäriſchen
Vorbereitun=
gen Griechenlands. Der bulgariſche Miniſterpräſident
Donew erklärte gegenüber dem türkiſchen Geſchäftsträger
in Sofia, die ihm von gewiſſen Zeitungen zugeſchriebenen
Erklärungen ſeien falſch.
Nummer 210.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. September 1912.
Seite 7.
— Berlin, 12. Sept. Auf dem Leipziger Platz wurde
heute vormittag der Radfahrer Gohliſch der Bäckerei Gartz
von einem Automobilomnibus überfahren und
ge=
tötet. Die Schuld ſoll den Radfahrer treffen.
H.B. München, 12. Sept. Die Herzogin Karl
Theodor in Bayern beſtreitet, daß ſie die
Beſtreb=
ungen zur Wiederherſtellung der Monarchie
in Portugal mit Geld unterſtützte.
Mannheim, 12. Sept. Die Schwarzwald=
und Odenwaldflüſſe ſind im Fallen begriffen, ſo
daß die Hochwaſſergefahr größtenteils als beſeitigt gilt.
Dresden, 12. Sept. Die ſächſiſche Polizei
über=
raſchte geſtern an der böhmiſchen Grenze eine
Schmugg=
lerbande und beſchlagnahmte über 3000 Pakete
Streich=
hölzer.
Halle 12. Sept. Bei Frankleben im Kreis
Merſe=
burg entgleiſte ein Perſonenzug; ein Wagen fiel
um, drei Perſonen wurden leicht verletzt.
— Blankenburg, 12. Sept. Heute nacht iſt ein großer
Teil der Gebäude der Harzer Holzriemen=
Schneidefabrik in Mügge abgebrannt.
Men=
ſchenleben waren nicht gefährdet.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die Depreſſion hat ſich ſehr ſchnell nach Nordoſten
verlagert, das Hochdruckgebiet im Weſten iſt nachgerückt;
es bedeckt ſchon heute ganz Deutſchland. Daher iſt heute
morgen heiteres Wetter, während geſtern noch vielfach in
Deutſchland Regenſchauer niedergingen. Die Temperaturen
liegen bei 8‟. Unter dem Einfluſſe des Hochdruckgebietes
iſt allmähliche Beſſerung zu hoffen.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 13.
Sep=
tember: Meiſt heiter und trocken, tagsüber wärmer,
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roſige Haut einzig und allein das ganze Geheimnis ihrer
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wird ſie ihr tägliches Bad bereiten und zu allen Hand=
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verwenden, welche löſend auf die Talgdrüſen und
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Dame fehlen.
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Leiden mein guter Mann und ſeiner Kinder
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Wilhelm Reimund.
Nieder=Ramſtadt, Darmſtadt,
burg i. Gr., den 12. September 1912.
Olden=
Die trauernde Witwe,
Tochter u. Söhne.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 15. Sept.,
nachmittags 4 Uhr, in Nieder=Ramſtadt ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meiner geliebten Gattin und
unſerer guten Mutter
(19138
Frau Marlo Chrisune Nebnuch
geb. Fendt
ſagen wir unſeren herzlichſten Dank. Insbeſondere
danken wir Herrn Pfarrer Dr. Lic. Waitz für die
troſtreiche Grabrede, ſowie für die liebevolle Pflege
der Gemeindeſchweſtern, ferner für die Kranz= und
Blumenſpenden, ſowie Allen, die ihr die letzte
Ehre erwieſen haben.
Die tieftrauernd Hinterbliebenen:
Michael Nebhuth,
Großh. Oberrechnungskammerkanzliſt i. P.
Darmſtadt, den 12. September 1912.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. D), Anfang 7½ Uhr: „Der
Gardeoffizier”
Bibliſcher Vortrag um 8½ Uhr im Zelt an der
Lindenhofſtraße (Thema: „Die letzten ſieben Plagen”).
Ausſtellung „Der Menſch” im Großh. Reſidenzſchloß
(geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends).
Eugen Bracht=Ausſtellung auf der
Mathil=
denhöhe (geöffnet von 10—6 Uhr).
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Frankfurt aus der Vogelſchau (Aufnahme aus einem
Zeppelin), vom Beſuch des deutſchen Kaiſers in der
Schweiz, die große Herbſtparade auf dem Tempelhofer
Felde bei Berlin.
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Sprechſtunden: Montags und Donnerstags ½5—6 Uhr,
Dienstags und Freitags 4½—6 Uhr. —
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ſtraße 4: Dienstags und Freitags 5—6 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. September 1912.
Nummer 216.
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wird angenommen (*5902mf
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Familie, tücht. i. Haush. ſ. Stellg.
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an die Exp. ds. Bl. (*6077fs Gut empf. Fr. ſ. 2—3 St. Laufſt.f.
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18jähr. Fräul. ſucht ſof., event.
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Kenntn. i. Klavierſp. u. frz. Sprache,
ebenſo i. Zeichn. u. Malen. Gefl. Off.
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Nummer 216.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. September 1912.
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Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. September 1912.
Nummer 216.
Handel und Verkehr.
Entwickelung der deutſchen
Lebens=
verſicherung im Jahre 1911. Trotz
mannig=
facher Hemmungen hat ſich die deutſche
Lebensverſicher=
ung zu einer blühenden Entwickelung durchgerungen.
Die bedeutenden Reſultate des abgelaufenen Jahres 1911
geben davon ein beredtes Zeugnis. Von den 44 deutſchen
Lebensverſicherungsgeſellſchaften (16
Gegenſeitigkeits=
anſtalten, 27 Aktiengeſellſchaften und 1 Anſtalt des
Ver=
bandes öffentlicher Lebensverſicherungsanſtalten „
Oſt=
preußiſche”) wurden in der eigentlichen
Lebensverſicher=
ung 1,4 Milliarden Mark neu abgeſchloſſen, d. ſ. um 211
Millionen Mark mehr als im Jahre 1910. Der
Geſamt=
beſtand an regulären Kapitalverſicherungen erhöhte ſich
von 12,2 Milliarden Mark Ende 1910 auf 13,1 Milliarden
Mark Ende 1911. An Prämien nahmen die
Geſellſchaf=
ten im abgelaufenen Jahre 1911 ein 524,1 Millionen
Mark, an Zinſen und Sonſtiges 193,8 Millionen Mark.
Der durchſchnittliche Zinsertrag der Vermögensbeſtände
belief ſich auf 4,0 Prozent bis 4,4 Prozent. Unter den
Ausgaben ſtehen an erſter Stelle die Zahlungen an die
Verſicherten (durch Tod oder bei Erleben fällige
Verſicher=
ungsſummen, Abgangsentſchädigungen) im Betrage von
zirka 292 Millionen Mark. Die Zurückſtellungen in die
Prämienreſerven erforderten 214,4 Millionen Mark. Dieſe
Zurückſtellungen, die durch Reichsgeſetz vorgeſchrieben
ſind, ſind notwendig, damit die Geſellſchaften mit den
ſpäteren Leiſtungen der Verſicherten die übernommenen
Verpflichtungen voll und pünktlich erfüllen können. Für
Verwaltungskoſten verbrauchten die Geſellſchaften im
Durchſchnitt 10,5 Prozent der Jahreseinnahmen (im
Durchſchnitt bei den 16 Gegenſeitigkeitsanſtalten 7,6
Pro=
zent, bei den 27 Aktiengeſellſchaften 12,7 Prozent, bei der
Verbandsanſtalt „Oſtpreußiſche” 50,1 Prozent). An
Ueberſchuß erzielten alle Geſellſchaften zuſammen 126,9
Millionen Mark. Davon erhielten die Aktionäre 8,7
Mil=
lionen Mark, d. ſ. 21,8 Prozent des bar eingezahlten
Aktienkapitals. Die Verzinſung des Garantiekapitals
einiger kleinerer Gegenſeitigkeitsanſtalten erforderte 22915
Mark. Den Verſicherten wurden zur
Dividendenverteil=
ung aus dem Ueberſchuß 118,9 Millionen Mark
über=
wieſen, und zwar entfallen davon auf die Verſicherten
bei den 16 Gegenſeitigkeitsanſtalten 61,0 Millionen Mark,
auf die Verſicherten bei den 27 Aktiengeſellſchaften 57,8
Millionen Mark und auf die Verſicherten der
Oſtpreu=
ßiſchen” 1399 Mark. Dieſe Ueberſchußüberweiſung ins
Verhältnis geſetzt zu den dividendenberechtigten Prämien
gibt den beſten und ſicherſten Maßſtab für die dauernde
Billigkeit einer Anſtalt. Je höher die
Ueberſchußüber=
weiſung in Prozenten der dividendenberechtigten
Tarif=
prämien, deſto billiger wird ſich die Verſicherung auf die
Dauer geſtalten.
Vermiſchtes.
mi. Der Staatsſchatz der Vereinigten Staaten. Die
umerikaniſche Republik verfügt über einen Beſtand an
Bargeld in Höhe von 1 Milliarde und 9 Millionen Dol=
lars, ſowie einen Vorrat von Metallbarren im Werte
von etwa 190 Millionen. Solch Riefenſchatz — er ſtellt
das größte Goldquantum dar, das irgendein Staat
be=
ſitzt — bedeutet unter Umſtänden eine rechte
Verlegen=
heit. Dies kam der Union beiſpielsweiſe in jener Periode
des Konflikts zwiſchen Japan und Amerika, deſſen
Zu=
ſpitzung eine Landung der japaniſchen Flotte in San
Francisco beſorgen ließ, eindringlich zum Bewußtſein.
Die Ueberführung eines Teils des in San Francisco
la=
gernden Schatzes (etwa 280 Millionen Dollar) nach
Den=
ver koſtete damals 276000 Dollar. Es bedarf nicht erſt
der Hervorhebung, daß die Bewachung ſolch koloſſaler
Reichtümer ganz beſondere Sicherheitsmaßregeln mötig
macht. Das Schatzhaus hat die Geſtalt eines rieſigen
Steinkorbes, der ſich auf ſtarke Pfeiler ſtützt und von jeder
Seite aus zugänglich iſt. Es gliedert ſich in 22 Sektionen,
von denen elf 30 Millionen in Golddollaren, die anderen
elf 30 Millionen in Halbdollaren enthält. Die Münze
in Philadelphia beſitzt zurzeit 307 Millionen in
gepräg=
tem Gold und Silber und 18 Millionen in Barren, die
von San Francisco 30 Millionen in Münzen und 75 in
Barren, und das Zentralmünzamt 60 Millionen Gold,
das für die Ausprägung zur Verfügung ſteht.
C. K. Eine romantiſche Flucht aus dem Gefängnis.
Zum dritten Male ſeit vierzig Jahren iſt es einem
küh=
nen Verbrecher gelungen, aus dem Newyorker
Stadtge=
fängnis zu entfliehen. Das „Tombs Prizen”, wo
Unter=
ſuchungsgefangene bis zu ihrer Aburteilung untergebracht
werden, gilt für das ſicherſte Gefängnis der Vereinigten
Staaten, in dem alle Vorſichtsmaßregeln ſo ſorgſam
ge=
troffen ſind, daß ein Ausbrechen faſt ins Bereich der
Un=
möglichkeit gehört. Der Verbrecher, dem die kühne Flucht
gelang, iſt ein junger Deſperado ſchlimmſter Sorte
Rey=
nolds Fosbrey, der wegen zweier Mordtaten und einer
großen Reihe von Einbrüchen angeklagt war. Seine
Ge=
liebte Margaret Ryan, die mit ihm zuſammen nach
Ka=
nada flüchten wollte, hatte bereits einen genauen Plan
der Flucht ausgearbeitet. Sie brachte ihm vor einigen
Tagen bei einem Beſuch mehrere Sägen im Korſett und
eine Flaſche mit einer ätzenden Säure in ihrem Haar
mit. Fosbrey gelang es auch, die ſtarken Stahlſtangen,
die zwiſchen ihm und der Freiheit ſtanden, zu durchſägen,
aber als er den Korridor hinabſchlich, fiel eine Säge auf
den ſteineren Fußboden; den hellen Klang hörten die
Wächter, ergriffen ihn und entdeckten die verwegenen
Anſtalten, die er zur Flucht getroffen hatte. Nunmehr
wurde der Verbrecher in eine beſondere Zelle neben der
Zimmermannswerkſtatt des Gefängniſſes gebracht und
ein Wächter mußte mit ihm im ſelben Raum bleiben und
Tag und Nacht auf ihn aufpaſſen. Jetzt ſchien der
elek=
triſche Stuhl ſein ſicheres Zukunftslos zu ſein.
Nichts=
deſtoweniger vollbrachte er das Unmögliche. Während
der Wächter neben ihm friedlich ſchlief, riß er mit ſeinen
herkuliſchen Kräften die Stahlſtangen von dem
Ventila=
tor ſeiner Zelle, kletterte die Wand hinauf und zwängte
ſich durch die enge Oeffnung in die
Zimmermannswerk=
ſtatt hinein. Hier fand er ein Brecheiſen und eine Leiter.
Mit dem Brocheiſen zerſchmeiterie er die Stahlvergiterung
des Fenſters, mit der Leieer kam er glücklich in den
Ge=
fängnishof und von dort auf die 30 Fuß hohe
Umfaſ=
fungsmauer, von der er unverletzt hinabſprang. Es war
ſchon in den erſten Morgenſtunden, und die Patrouille
hatte bereits ihre Rnde gemacht, ſo daß man die Leiter,
an die Mauer gelehnt, erſt zur Frühſtückszeit entdeckte,
als der Wärter in der Zelle erwachte und das Neſt leer
fand. Jede Verfolgung war nutzlos; der Mörder war
ſeinem Schickſal entronnen.
Literariſches.
— Ueber ſeltſame Neſter handelt Sir Harry H.
Johnſton, der berühmte engliſche Zoologe, in den ſoeben
erſchienenen Lieferungen 9—11 des reich illuſtrierten
Prachtwerkes „Wunder der Natur” (65
Lieferun=
gen zu je 60 Pfg Deutſches Verlagshaus Bong u. Ko.,
Berlin W. 57). Neben dieſem von hochintereſſanten
Ab=
bildungen begleiteten Aufſatz bringen die uns
vorliegenden Lieferungen unter anderem eine
Plauderei über die „Wunder der Eisblume”, eine
ſolche über die „Beherrſchung des
Pflanzen=
reichs” von Raoul H. Francé, der an Hand von
vor=
züglichen Naturphotographien die eigenartigen
Pflan=
zenzüchtungserfolge Luther Burbanks ſchildert, einen
Aufſatz des Bonner Geologen Profeſſor Dr. H. Pohlig,
des bedeutendſten Mammutforſchers, der ſich zurzeit auf
einer Polarexpedition befindet, über das Mammut, eine
Plauderei über Perlen von Dr. E. Carthaus, eine ſolche
über die Kometen aus der Feder Bruno H. Bürgels uſf.
Alle dieſe Aufſätze ſind durch geradezu hervorragend
ſchöne Illuſtrationen und Bunttafeln erläutert, und man
muß immer wieder bekennen, daß das neue Bongſche
Prachtwerk in dieſer Hinſicht ſeinesgleichen nicht hat.
— Neu erſchienen ſind: Oeuvres complètes
de Victor Hugo (Collection Nelſon), gebunden in
heller Leinwand à Band 1— Mk. (Thomas Nelſon &
Sons, Verlag, Leipzig, Königsſtraße 35—37.) Hugo, V.,
Notre Dame de Paris, 2 Bände. Hugo, V., Dieu; La Fin
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doch ſo billigen Ausgaben der „Collektion Nelſon” warm
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Mk. 3,50 geb. Die Liebe rein pſychologiſch in individueller
und ſozialer Hinſicht und insbeſondere in ihrer Beziehung
zur Gattungsfortpflanzung zu behandeln, hat der
Wiſſen=
ſchaft noch fern gelegen. Dieſe Aufgabe hat ſich der
Ver=
faſſer der vorliegenden Broſchüre geſtellt. Die Beſprechung
einzelner, wichtiger Probleme des Liebeslebens (
männ=
liche und weibliche Liebe, Konflikte der Liebe und die
Be=
ziehungen von Liebe und Ehe) beſchließt die Arbeit, der
eine Studie über Die Liebe in der Philoſophie” als
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Nummer 216,
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. September 1912.
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finden ſich: 2 Pinſcher, 1 Foxterrier, 1 Boxer (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dort=
(19089
ſelbſt ieden Werktag, vormittags um. 10 Uhr, ſtatt.
er Ankauf von Roggen, Hafer, Heu und Stroh
wird fortgeſetzt.
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Darmſtadt 11. September 1912.
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Darmſtadt, 11. September 1912.
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Freitag, 27. September 1. Js.,
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ſoll die dem Ludwig Heß, dem
Georg Heß und dem Samuel
Reinheimer dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flür Nr. am
III 116¾/10 216 Grab= Hohler
garten: Weg
III 117½ 262 Hofreite) Nr. 5,
zwecks Aufhebung der zwiſchen den
Eigentümern beſtehenden
Gemein=
ſchaft in unſerem Bureau
zwangs=
weiſeverſteigert werden. (K60/12
Darmſtadt, 13. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V17183
Bekanntmachung.
Freitag, 20. September I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Förſter i. P. Jakob
Simon Eheleuten dahier
zuge=
ſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. am
„II 853¾/10 193 Hofreite Nied.=
Ramſtädter=
ſtraße,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(B67/12
verſteigert werden.
Darmſtadt, 9. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt1
Müller. (V17115
Bekanntmachung.
Freitag, 20. September I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die der Witwe des Gaſtwirts
Johann Friedrich Thumm und
deren Kindern dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
XXII 6100100 254¾/10 Hofreite
Pallas=
wieſenſtr.
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K11411
verſteigert werden.
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, wird
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
reicht.
Darmſtadt, 22. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
J. V.: Ganſt, (V18130
älteſter Gerichtsmann.
Bekanntmachung.
Freitag, 11. Oktober 1912,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem 1. Karl Hindel und
2. Franz Hindel dahier
zugeſchrie=
benen Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
II 154 562 Hofreite
Karl=
ſtraße 52,
II 156¾/0 219 Grabgarten
da=
ſelbſt,
in Unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, zwangsweiſe
verſtei=
gert werden.
Darmſtadt, 26. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen.)
Frantz. (VI18131
Bekanntmachung.
Freitag, 20. September 1912,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die zum Nachlaß des
Pri=
vaters Peter Wenz und deſſn
Ehefrau Luiſe, geb. Weinmann,
dahier gehörigen Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
I 125 310 Hofreite Kirchſtr.
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Beſſunger=
ſtraße 43)
I 126 671 Grabgarten daſ.,
XII 62 2306 Acker unter dem
blauen Stein
zwecks Aufhebung der zwiſchen
den Erben beſtehenden
Gemein=
ſchaft in unſerem
Geſchäftszim=
mer, Wittmannſtraße 1, nochmals
zwangsweiſe verſteigert werden.
Die Genehmigung der
Ver=
ſteigerung wird auch dann erfolgen,
wennkein der
Schätzungentſprechen=
des Gebot eingelegt wird und
anderweite Hinderniſſe nicht
ent=
gegenſtehen.
Darmſtadt, den 30. Juli 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
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19)
Frau von Leerſen küßte Chriſta flüchtig auf die Stirn
und ging hinüber in das Wohnzimmer zu Karl Auguſt,
der ſoeben vom Dienſt zurückgekehrt war. Mit dem mußte
ſie über die gehabte Unterredung mit Chriſta doch
ſprechen!
Am anderen Tage kam „zufällig” Geheimrat Mehner.
Er fand, daß Chriſta=Kindchen bleiche Wänglein und
trübe Augen habe, entſchieden etwas blutarm ſei und recht
viel Bewegung im Freien haben müßte. Schon am Tage
darauf mußte ſie mit teilnehmen an den Tennispartien,
die in dem ſchattigen Park des Kaſinos von Karl Auguſts
Regimentskameraden und deren Damen geſpielt wurden.
Auch täglich ausreiten ſollte ſie. Ihr Reitpferd war
nach Papas Tode mit verkauft worden, nun ſtellte ihr
Karl Auguſt das ſeinige, das auch im Damenſattel gut
ging, zur Verfügung. Da man hoffte, daß er bald
Adju=
tant werden würde, hatte man eins ſeiner früheren
Reit=
pferde behalten. Um die Schweſter zu begleiten, lieh er
ſich ein zweites von einem Kameraden. Dc dieſer
Ka=
merad Herr von Schmettwitz hieß, wußte ſie nicht.
Sie war früher gern geritten, und ſo hätten ihr die
gemeinſamen Ritte mit Karl Auguſt wohl Freude gemacht,
wenn nicht mit unheimlicher Pünktlichkeit ſich Herr von
Schmettwitz, gleichfalls zu Pferde, ſtets bei ihrem Abritt
eingeſtellt und um den Vorzug gebeten hätte, ſich den
Herr=
ſchaften anſchließen zu dürfen.
Dieſer Menſch war Chriſta im höchſten Grade
un=
ſympathiſch. Er wurde ihr aber direkt widerwärtig, als
er aus der Rolle eines gleichgültigen Kavaliers in die
eines ihr auf Tod und Leben den Hof machenden
Ver=
ehrers fiel.
Sie war direkt ungezogen gegen ihn, ſie verſpottete
ihn, wo ſie nur konnte. Ja, ſie ignorierte ihn oft
voll=
ſtändig, oder gab ihm nur ganz kurze unhöfliche
Antwor=
ten. Aber alles war vergeblich. Im Gegenteil, es ſchien,
als reize ihn ihr abwehrendes Betragen erſt recht, ſie zu
bewundern.
Es war in der Tat ſo. Je ſchlimmer ſie ihn
behan=
delte, um ſo größer ward das Verlangen in Schmettwitz,
dieſes ſchöne Mädchen, das ihm und ſeiner Neigung
bei=
nahe Trotz bot, zu beſitzen. Es war von Schmettwitz
neu, daß ein Weib ihm widerſtand. Aber er würde dieſes
ſpröde, eigenwillige, aber ſo entzückende Geſchöpfchen
ſchon zahm und kirre machen! Und immer begehrlicher
umſchloſſen ſeine Augen all die knoſpenden Reize ihrer
herben, taufriſchen Schönheit.
Da erklärte Chriſta ganz plötzlich, daß ſie die Ritte
ermüdeten. Sie klagte über Kopfweh nach dem
Tennis=
ſpielen, und weder das Zureden der Mutter noch das
Karl Auguſt vermochten ſie von ihrem Entſchluß, beides
aufzugeben, abzubringen.
Hatte ſie aber gehofft, auf dieſe Weiſe der ihr läſtigen
Geſellſchaft des Herrn von Schmettwitz zu entgehen, ſo
täuſchte ſie ſich. Anſtatt außer dem Hauſe, ſah ſie ihn nun
im Hauſe, und das war viel ſchlimmer.
Karl Auguſt brachte ſeinen Freund — Chriſta begriff
nicht, wie ſich ihr Bruder gerade dieſen ekligen Menſchen
zum Freunde wählen konnte — wenn er da war, ſtets
mit hinüber in das gemeinſame Wohnzimmer. Frau von
Leerſen forderte ihn dann in liebenswürdiger Weiſe auf,
den Tee bei ihr zu nehmen. Nun war ſie gefangen, denn
in Gegenwart ihrer Mutter wagte ſie nicht, Herrn von
Schmettwitz ſchlecht zu behandeln. Er war ein Gaſt des
Hauſes, alſo kam ihm Höflichkeit zu. Notgedrungen ließ
daher Chriſta nun endgültig all ſein ſeichtes und
ober=
flächliches Gewäſch über ſich ergehen und errötete nur uns
willig, wenn er irgendwie in Gegenwart der Mutter und
des Bruders es wagte, ihr ſeine albernen Komplimente
zu ſagen. Zornig blitzten ihn dann ihre dunklen Augen
an, aber ſie beherrſchte ſich und ſagte nichts.
Die Anweſenden aber ſahen die Röte, die in ihre
Wangen ſtieg, und deuteten den erhöhten Glanz ihrer
Augen jeder nach ſeiner, ihm erwünſchten Weiſe.
Niemals verriet aber Frau von Leerſen, noch auch
Karl Auguſt mit einem Wort Chriſta gegenüber, daß ſie
irgend etwas davon merkten, wie das Werben Herrn van.
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. September 1912.
Nummer 216.
Schmettwitz immer ernſter wurde. Es wurde in ſeiner
Ab=
weſenheit überhaupt kaum von ihm geſprochen. Wenn
Chriſta in ihrer impulſiven Art heftige Worte des
Un=
mutes über ſein häufiges Kommen oder über ſeine Perſon
und ſein Benehmen äußerte, ſo ignorierte man es
ent=
weder, oder ging raſch mit ein paar kühlen, abwehrenden
Worten darüber hinweg. Man verſtand ihree Empörung
nicht, wollte nicht ſehen, wie zuwider ihr dieſer Menſch
war.
Chrifta aber kam ſich zu Hauſe grenzenlos einſam vor,
und, irgendeine Beſorgung oder einen Beſuch
vorſchie=
bend, flüchtete ſie, ſo oft ſie konnte, zu Ada Jerling, dieſer
all ihr Leid klagend. Sie fand zu dieſen Gängen um ſo
mehr Gelegenheit, als Frau von Leerſen durch die
Ord=
nung der verwickelten Nachlaßangelegenheiten
außer=
ordentlich in Anſpruch genommen war.
Wie es ihrem Bruder Joachim ſo oft ergangen war,
fo erging es ihr jetzt. Unglücklich und verzweifelt kam ſie,
und getröſtet und erhoben ging ſie von dannen.
Immer inniger, feſter ward das Freundſchaftsband
zwiſchen den beiden jungen Mädchen. Und immer mehr
begriff ſie es jetzt, wie Ada, dieſes feinſinnige und geiſtig
ſo bedeutende Geſchöpf, ihrem Bruder alles ſein konnte.
Wie mußte ſie jetzt über ihr damaliges kleinliches
Miß=
trauen lächeln, das ſie vorübergehend erfaßt hatte, als ſie
auf der Fahrt vom Bahnhofe Ada mit Peter Geißler hatte
zuſammen ſtehen ſehen.
Es kam ein ſtilles Freuen in ihr Herz, wenn ſie an die
gemeinſame Zukunft ihres Bruders Joachim und Adas
dachte. Es mußte eine wahrhaft glückliche und ideale Ehe
werden Denn dieſe beiden Menſchen hatte Gott für
ein=
ander ierſchaffen. Beide großherzig, hochdenkend, beide
treu und wahr und reich in ihrer Liebe für einander.
Jetzt lernte Chriſta auch die Kämpfe kennen, die Ada
um ihrer Liebe willen zu Joachim durchzumachen hatte.
Brachte men in ihrer Huilie den Stt Jgachms
kein Verſtändnis entgegen, ſo bäumte ſich der ganze
bürger=
liche Stolz des alten Jerling gegen dieſe adlige
Verbind=
ung mit all ihren Demütigungen für ſein Kind auf. Er
arbeitete ſyſtematiſch daran, Ada davon zu überzeugen, daß
ſie ihrem Unglück entgegenging. Auch Chriſta gegenüber
— er wußte, daß ſie nur heimlich kam — nahm er ſich kein
Blatt vor den Mund.
Chriſta bewunderte Ada, mit welch rührender Milde
und Liebe ſie ihren alten Vater behandelte.
Es iſt ja nur ſeine übergroße Liebe, die meine
Zu=
kunft ſo ſchwarz ſehen läßt, entſchuldigte ſie ihn immer.
Soll man wirklich jemandem zürnen, der einem aus Liebe
weh tut? Joachim ſagte auch immer, es käme auf die
Motive einer Tat an.
Je ärger der alte Herr polterte und räſonierte, deſto
vergnügter konnte Ada lächeln.
Nur zu, nur zu, Väterchen, neckte ſie, grolle und rolle
Dich nur gründlich aus, dann biſt Du nachher um ſo lieber
und zärtlicher. Wenn Du aber dann wieder gut und
ver=
nünftig biſt, erzähle ich Dir auch, was Dein zukünftiger
Schwiegerſohn heut geſchrieben hat.
Joachim ſchrieb täglich an Ada. Er hatte ſich in
Ber=
lin raſch eingelebt und, dank ſeinem Verleger eine leidlich
bezahlte Stellung an einer großen Tageszeitung erhalten,
die ihn allein ganz gut ernährte. Eine Gehaltszulage
hatte man ihm baldigſt in Ausſicht geſtellt Da er nicht
allzuſehr mit ſeiner Zeit in Anſpruch genommen war,
kam er ſogar täglich dazu, noch ein paar Stunden ſeinen
privaten Arbeiten zu widmen; er ſchrieb mit raſtloſem
Fleiße an einem Roman. Trotz der tiefen ſeeliſchen
Ver=
ſtimmung, die der Bruch mit ſeiner Familie in ihm
her=
vorgerufen hatte, verriet jedes Wort und jede Zeile ſeiner
Briefe, daß er glücklich war in ſeinem ſelbſtgewählten
Be=
rufe und mit fröhlicher Hoffnung in die Zukunft ſah, die
ihm ſeine Ada als ſein Weib bringen ſollte.
Es war ſelbſtverſtändlich, daß ſich in der Hauptſache die
Geſpräche Adas und Chriſtas um Joachim und das, was
er ſchrieb, drehten. Anfangs war es wenigſtens ſo. Sehr
bald aber merkte Ada mit ihrem feinen Gefühl, daß Chriſta
ernſter und nachdenklicher wurde. Irgendetwas ſchien auf
ihr zu laſten, aber ſie ſprach ſich nicht darüber aus, und
Ada wollte nicht fragen.
Die leichten, nur an der Oberfläche hinſtreifenden
Ge=
ſpräche zwiſchen den beiden Mädchen aber vertieften ſich
von Mal zu Mal. Beſonders die Frauenbewegung mit
ihren großen, hohen Zielen, ihrem Ringen nach
perſön=
licher Freiheit, feſſelten Chriſta. Angeregt durch Ada, die
ſich von jeher eingehend mit allen dieſen, die Frauenwelt
berührenden Fragen beſchäftigt hatte, las Chriſta nun
viel darüber nach, Zuweilen auch, wenn Chrifta ein
Stündchen länger verweilen konnte, laſen beide gemeinſam.
In Adas kleinem, tranlich eingerichteten Atelier hatte
ſich Chriſta eine Leſeecke zurecht gemacht. Hier las ſie Ada
vor, während Ada an ihrer Staffelei ſtand und malte.
Es erging Ada ſonderbar bei dieſen Vorleſungen.
Sie ließ Palette und Pinſel ſinken und lauſchte. Oft hörte
ſie den Inhalt deſſen, was Chriſta las, gar nicht, ſo ſehr
nahm ſie der Wortlaut der Stimme der Vorleſenden
ge=
fangen. Es war geradezu wunderbar, welche
Modu=
lationsfähigkeit und welchen Wohllaut dieſe Stimme beſaß.
In ihrer Begeiſterung ließ ſie Chriſta oft anſchwellen; ihre
Tonwellen ſchwebten da erklingend durch den hohen Raum
und füllten ihn mit Harmonie. Was Chriſta las, das
durchlebte ſie auch. Wechſelnd war ihr Mienenſpiel und
der Ausdruck ihres Auges. Was würde ſie für eine
vor=
zügliche Schauſpielerin ſein, dachte Ada manchmal, aber
ſie ſprach dieſen Gedanken, obgleich er ſich ihr immer
wie=
der von neuem aufdrängte, nicht aus.
(Fortſetzung folgt.)
Mittellung.
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Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, dass wir
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Nummer 216.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. September 1912.
En unlere Hurglieder.
Das 50 jährige Beſtehen unſerer Genoſſenſchaft wird am
6. Oktober d. J.
durch einen Feſtakt, an den ſich ein Feſteſſen anſchließen wird,
ge=
feiert werden. Zu beiden Veranſtaltungen, die im ſtädtiſchen
Saal=
bau ſtattfinden, laden wir unſere Mitglieder mit der Bitte um
zahl=
reiche Beteiligung ein.
Der Feſtakt beginnt um 11 Uhr, das Feſteſſen um 2 Uhr.
Pünktliches Erſcheinen iſt dringend geboten. Zur Teilnahme
am Feſtakte kommen für unſere Mitglieder und deren Ehefrauen
Eintrittskarten zur Ausgabe, die nur perſönlich gültig und auf unſerem
Büro von heute ab bis Ende dieſes Monats erhältlich ſind. Für die
Damen werden die Galerien freigehalten.
Diejenigen Mitglieder, die ſich am Feſteſſen beteiligen wollen,
werden gebeten, ſich von heute an bis ſpäteſtens 26. September
entweder in eine in unſerem Geſchäftslokale aufliegende Liſte
einzu=
tragen oder ſich ſchriftlich bei uns anzumelden. Die Karten, zum
Preiſe von Mk. 3.— das trockene Gedeck, ſind ſogleich bei der
An=
meldung zu löſen.
Wir bitten unſere Mitglieder, auch durch Schmückung ihrer
Häuſer dem Gedenktage unſerer Genoſſenſchaft einen beſonderen
feſtlichen Ausdruck verleihen zu wollen.
(19078a
Darmſtadt, 12. September 1912.
Darmſtädter Volksbank
Eingetragene Genoſſenſchaft mit beſchräukter Haftpflicht.
Der Aufſichtsrat:
Der Vorſtand:
Ludwig Roll, Vorſitzender.
Stein. L. Habicht. Thomas.
Cnopm Eiser Fest
Zweiter Abend, ausschliesslich den Werken von Frédéric
Chopin und Franz Liszt gewidmet, veranstaltet von
RAOTL von KOCZALSKI
Samstag, 14. Septbr., abends 8 Uhr
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Karten im Vorverkauf zu Mk. 3.50, 2.50, 1.75 und
80 Pfg. in der Hofmusikalienhandlung von Leopold Schutter. (18609a
Die Ortsgruppe Darmstadt des
begeht die
1. Verbanusgrandungsteler
am Samstag, 14. September 1912
im „Kaisersaal‟ Grafenstrasse.
Beginn 9 Uhr abends. — Freunde und Gönner laden wir zu
dieſer Veranſtaltung freundlichſt ein.
Der Vorstand.
Konzert. Kein Weinzwang.
Ball.
Mitwirkende: Kapelle des 61er Artillerie=Regiments, unter
perſön=
licher Leitung des Herrn Obermuſikmeiſters M. Weber,
Männer=
geſangverein „Schubert=Quartett”, ſowie einige ganz bedeutende
Soliſten und Künſtler.
Eintritt für Herren 50 Pfg., für Damen 30 Pfg., Vorverkauf
für Herren 40 Pfg., für Damen 25 Pfg. Vorverkauf in der
Geſchäfts=
ſtelle Schloßgartenſtraße 1, bei Herrn K. Weiß, Papierhandlung,
ferner bei Herrn Friſeur O. Kronauer, Moosbergſtraße 95, ſowie
im Verkehrsbüro.
(19113
Die Nachfeier findet am Sonntag, den 15. ds., nachmittags 4 Uhr,
in Roßdorf, Gaſthaus „Zum Darmſtädter Hof” (Krämer) ſtatt.
Deutſchvolkiſcher Turnverein „Jahn”
Deutſcher Turnerbund.
Samstag abend, 9 Uhr, Wirtſchaft Teuſchler, Hügelſtraße 35:
Festkneipe.
Sonntag Morgen 7 Uhr:
Vereinswetturnen.
Abends 7 Uhr,
Wirtſchaft Teuſchler:
19104)
Gründungsfest.
Der Turnrat.
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Täglich Konzert
Oesterr. Damen-Orchester
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Ludwigshöhe.
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Großherzogl. Hoftheater
Freitag, den 13. September 1912.
5. Ab.=Vorſtellung. D 1.
Zum erſten Male:
Der Gardeoffizier.
Komödie in 3 Aufz. v. Frz. Molnär.
Spielleiter: Heinrich Hacker.
Perſonen:
Der Schauſpieler . Kurt Ehrle
Die Schauſpielerin,
ſeine Frau
.Käte Meißner
Der Kritiker
.Johs. Heinz
Die Mama. . . . . Minna Müller=
Rudolph
Das Stubenmädch. Em. Mühlpfort
Ein Gläubiger. . . Adolf Jordan
Eine Logenſchließer. Ag. Wisthaler
Eine Köchin . . . . Paula Karſtedt
Ort der Handlung: Wien.
Heſtaltung d. Bühnenbildes:
Hof=
theatermaler Kurt Kempin u.
Ober=
inſpektor Ernſt Schwerdtfeger.
Nach dem 1. u. 2. Aufz. je läng. Pauſe.
Gewöhnliche Preiſe:
Proſzeniumsloge 6.10 M.,
Mittel=
loge 6.10 M., Balkonloge 5.10 M.,
I. Rang 4.60 M., II. Rang: 1.—6.
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
Sperrſitz: 1.—13. Reihe 4.10 M.,
14.—20. Reihe 3.30 M., Parterre:
1.—5. Reihe 2.80 M., 6.—8. Reihe
2.25 M., I. Gal. 1.25 M., II. Gal.
0.65 M.
Anf. 7½ Uhr. Ende nach 9½ Uhr.
Kartenverk. v. 9½—1½ u. v. 6½ U. an.
Verkauf für die Vorſtellungen:
Sonntag, 15. Sept. 6. Ab.=Vorſt
C 2. „Tannhäuſer‟ Gew.
Preiſe. Anfang 6 Uhr.
Dienstag, 17. Sept. 7. Ab.=Vorſt
B 3. Neu einſtudiert: „Nora‟
kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Mittwoch, 18. Sept. 8. Ab.=Vorſt.
A 2. Feſtvorſtellung zur
Feier des Geburtsfeſtes
Ihrer Königl. Hoheit der
Großherzogin. Zum erſten
Male: „Wenn ich König
wäre!‟ Romantiſch=komiſche
Oper in 3 Akten von d’Ennery u.
Bréſil. Muſik v. Adolphe Adam.
Ueberſetzt und für die deutſche
Bühne bearbeitet v. Paul Wolff.
Gewöhnl. Preiſe. Anfang 7 Uhr.
1. grosse öffentliche
Unzer u.
Schatzlund-
sHaupt-Prüfung
in Darmstadt am 28. und 29. September a. C.
veranstaltet vom
„Hessischen Polizei- und Schutzhund-Verein‟
Sitz Darmstadt.
Die Prüfung findet in 2 Klassen statt: 1. Polizeihunde,
2. Schutzhunde. Zugelassen sind: Deutsche Schäferhunda,
Airedale-Terrier, Dobermannpinscher und Rottweiler und zwar
in Klasse 1 solche Hunde dieser Rassen, die von
Polizei-
beamten, Gendarmen, Forstwarten und Feldschützen geführt
werden und in Klasse 2 alle Hunde, die im Besitz von
Privat-
personen sind.
PROGRAMM:
Freitag, den 27. September, abends 9 Uhr: Vortrag im
Saale des Restaurant „Schützenhof”, gehalten vom
1. Vereinsvorsitz., Revierpolizeikomnissär Lindemann.
Samstag, den 28. September:
Vormittags 9 Uhr: Beginn der Nasenarbeiten der
Hunde beider Klassen im Gelände des alten
Schiess-
hauses an der Nieder-Ramstädterstrasse.
Nachmittags 4 Uhr: Beginn der Wasserarbeiten im
Steinbrücker Teich (Oberwaldhaus).
Sonntag, den 29. September:
Vormittags 9 Uhr: Beginn der Gehorsamsübungen
und Mannarbeit der Schutzhunde (Klasse 2) in der
Rennbahn an der Heidelbergerstrasse.
Nachmittags 2½ Uhr: ebendaselbst Beginn der
Ge-
horsamsübungen und Mannarbeit der Polizeihunde.
Abends 9 Uhr: Preisverteilung im „Schützenhof‟
daran anschliessend Stiftungsfest, Konzert, Tanz u.
Tom-
bola, Ausserdem Verlosung eines reinrass. Junghundes.
Eintrittspreise zu den Vorführungen in der Rennbahn:
1. Platz 1.00 Mk., 2. Platz 50 Pfg.
(19112
Zu recht zahlreichem Besueh ladet höflich ein
Der Vorstand.
Ressischer Goetnebung.
Die Mitglieder des Goethebundes haben zu dem am 20.
Sep=
tember im Saale der Turnhalle ſtattfindenden Vortrag des Herrn
Generaldirektors Dr. Eger über das moderne Theater freien
Eintritt. Karten ſind in der Buchhandlung von L. Saeng zu haben. (19108
Lichtbilder=Vorträge
—im Zelt an der Lindenhofſtr.
Heute 8½ Uhr abds.: Die letzten 7 Plagen. (Offb. 16)
Sonntag8½
Glaube, Buße und Bekehrung.
Außerdem: Morgen Samstag ab 7½—8½ Uhr extra
Lichtbildervorführung für Jung und Alt.
Kinder unter Führung Erwachſener. Jedermann willkommen.
Marrur
zur
Unterstarzung der deschäufgten
In Mieder Headu.
Namenloſes Elend, vollſtändige Verzweiflung iſt über die
Be=
wohner einer blühenden Ortſchaft unſeres Odenwaldes durch den
Zuſammenbruch der Darlehnskaſſe in Nieder=Modau hereingebrochen.
Ueberall in unſerer engeren Heimat regen ſich die Geiſter und
Hände, um Linderung der Not, um tägliches Brot für die Betroffenen
zu ſchaffen.
Es gilt verzweifelten Mitmenſchen, die gefährdet ſind, durch
unverſchuldetes Unglück, durch die Tat eines Ruchloſen, ihr geſamtes
Hab und Gut zu verlieren, zu helfen.
Um an ihrem Teil hierzu mitzuhelfen, wollen die
unterzeich=
neten Vereine ihre Organiſation und ihre Beziehungen in den Dienſt
der guten Sache ſtellen und veranſtalten am
Sonntag den 29. September
im Hotel „Zur Krone‟ in Auerbach
einen
Fünf Uhr-Tee
unter Mitwirkung namhafter Künſtler und Veranſtaltung einer
Tombola=Verloſung.
Eine große Zahl junger Damen hat ſich freudig bereit erklärt,
an dem Gelingen der guten Sache mitzuhelfen, und werden in einigen
Tagen mit dem Verkauf der Eintrittskarten und der Tombolaloſe
beginnen. Wir bitten herzlich, die jungen Damen freundlichſt
auf=
nehmen zu wollen und ihnen ihr Amt zu erleichtern.
Gleichzeitig bitten wir diejenigen Menſchenfreunde, die bereit
ſind, zur Ausſtattung der Tombola uns durch die Spende von
Ge=
winngegenſtänden zu unterſtützen, uns dies freundlichſt mitzuteilen,
damit wir einen Boten zur Abholung ſenden können, ebenſo richten
wir die herzliche Bitte an Gartenbeſitzer, uns mitzuteilen, ob ſie uns
durch Ueberlaſſung von ſchönen Dahlienblumen, zur Dekoration der
Teetiſche, unterſtützen wollen.
(19086
Speſen und Unkoſten ſollen nach Möglichkeit vermieden werden,
um einen großen, namhaften Betrag zur Ablieferung bringen zu können.
Es iſt Vorſorge getroffen, daß die Gelder in die Hände der
Aermſten kommen und dem Konkursverwalter entzogen werden.
Kammermuſik-Verein Auerbach
und
Odenwald-Klub, Ortsgruppe Auerbach.
Kakao
Schokolade
Kaffee — Malzkaffee
Malz-Extrakt-Kakao
Cakes — Biskuits
Zuckerwaren
Pralinen
Tee
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in des Wortes
ureigenster
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für Rerren
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Warme
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Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. September 1912.
Nummer 216.
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Damen-Strümpfe
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schwer. lederfarb. 55 60 70 75 85 95 100 110 ₰ Wolle, schwarz
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