Abonnementspreis
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175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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Rheinſtraße 23, Beſſunger raße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
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gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Der Kaiſer ernannte den König von Sachſen zum
Generalfeldmarſchall.
Prinz Heinrich iſt am Dienstag in Tokio
ein=
getroffen und vom Kaiſer von Japan begrüßt
worden. Er ſtattete geſtern dem Kaiſer von
Japan in Tokio einen Beſuch ab.
Der Reichskanzler von Bethmann Hollweg
iſt geſtern morgen wieder in Berlin eingetroffen.
Der Reichskanzler hat geſtern eine Konferenz
in Sachen der Fleiſchteuerung einberufen.
Das Militärluftſchiff „M. 3” iſt geſtern vom
Tegeler Schießlatz ins Manövergelände
ge=
fahren.
Die ſchwediſchen Journaliſten trafen am
Dienstag von Eſſen in Bremen ein und begaben ſich
von hier nach Bremerhaven.
Nachklang zu den Schweizer Kaiſertagen.
* Ueber den Eindruck, den unſer Kaiſer bei ſeinem
Aufenthalt in der Schweiz hinterlaſſen hat, ſchreibt man
der Tägl. Rundſch. aus Zürich: Wer zu den Kaiſertagen
nicht ſelbſt in der Schweiz geweſen iſt, kann ſich ſelbſt
aus den beſten Berichten diesmal kein wahres Bild von
den Feſtlichkeiten machen. Intereſſant war am
Einzugs=
tage ſchon vom pſychologiſchen Standpunkt aus der
Um=
ſchwung in der Stimmung der Maſſen. Nicht, als ob man
dem Kaiſer mit Unfreundlichkeit entgegengeſehen hätte;
aber die Schweizer erwarteten den Beſuch mit dem
Ge=
fühle eines zurückhaltenden Stolzes, der ſich deſſen bewußt
war, daß er dem gern geſehenen Gaſte wohl etwas zu
bieten vermag. Auf einmal wird der Kaiſer in einer den
Schweizern gewohnten Uniform ſichtbar: man merkt
wie die Maſſen betroffen ſind, daß der Kaiſer eine
Uni=
form trägt, die der ſchweizeriſchen ähnlich iſt. Dann geht
auf einmal wie ein Blitz das verſtändnisvolle Verſtehen
der Maſſen durch die Reihen; man begreift im Augenblick,
daß dies eine kaiſerliche Aufmerkſamkeit iſt, und wie ein
Toſen bricht der Jubel der überraſchten Freude aus.
Weiterhin war es ſtets eine Freude für das Publikum,
daß der Kaiſer nie in geſchloſſenem Wagen fuhr: in Bern
zumal wurden die Huldigungen beängſtigend, als der
Kaiſer, trotz des Sprühregens, ſelbſt das Dach ſeines
Wagens zurückſchlug.
Das ſchöne Wort vom Nachzittern einer Freude iſt
vom Begriffe des Bildlichen zum Wirklichen jetzt in der
Schweiz geworden. Auch heute noch, nachdem der Kaiſer
ſchon einen Tag fort iſt, ſtehen die Schweizer in dichten
Gruppen vor den immer noch ausgeſtellten Bildern des
Kaiſers, und es war mir intereſſant, wiederholt in der
Kritik der Leute den gleichen Gedanken zu finden, daß
der Kaiſer ganz anders ausſehe, als ihn Lenbach (deſſen
Bild iſt überall ausgeſtellt) gemalt habe.
Das charakteriſtiſchſte, was ich hinſichtlich der
Verehr=
ung des Kaiſers erlebt habe, iſt die Theatervorſtellung an
einem der letzten Abende im Corſo=Theater. Im Corſo=
Theater, dem feinſten Varieté Zürichs. In einem
Zwi=
ſchenakte wurden die Bilder des Oberſten Wille, des
Bundespräſidenten Dr. Forrer und dann des
Kai=
ſers vorgeführt. Die Begeiſterung erreichte bei dem
Kaiſerbild einen in der Schweiz bisher für unmöglich
ge=
haltenen Grad. Aber das war noch nichts gegen die
Sze=
nen am Schluß des Abends. Zuletzt pflegen im Corſo=
Theater kinematographiſche Bilder vorgeführt zu werden.
Da wird der Titel ſichtbar „unſer Kaiſer in der Schweiz”.
Einige mit mir Anweſende, in Zürich wohnhafte
Reichs=
deutſche, ſind ebenſo betroffen wie ich: was wird das
Publikum zu dem „unſer” ſagen. Tatſächlich herrſcht
einige Sekunden ein beängſtigendes Schweigen, dann
aber brauſt der Jubelruf durch die Hallen, und gerade das
Wort „unſer” wird größtenteils ſtürmiſch aufgenommen.
Nun kam die Vorführung ſelbſt und jedesmal, wenn das
Bild des Kaiſers ſichtbar wurde, derſelbe Beifallsſturm,
in den nicht zum mindeſten die zahlreich in Uniform
an=
weſenden Schweizer Offiziere einſtimmtent Meine
Be=
kannten verſicherten mir, daß noch vor acht Tagen eine
ſolche Vorführung eine andere Folge gehabt hätte.
Jedenfalls hat der Kaiſer ſich die Herzen aller in der
Schweiz erobert, ſo ſtark erobert, daß ein boyeriſcher
Bäckergeſelle, der durch Pfeifen ſein eigenes Neſt
be=
ſchmutzte, von der Polizei gegen die Menge beſchützt
wer=
den mußte, und einer meiner Schweizer Bekannten nannte
den Kaiſer: „Wilhelm, den Eroberer”.
Nach einer Meldung des Pariſer Temps ſoll ſich der
Kaiſer auch über unſer Verhältnis zu
Frank=
reich ſchweizeriſchen Perſönlichkeiten gegenüber geäußert
und immer wieder die Notwendigkeit einer
Verſtän=
digung und ſeinen perſönlichen Wunſch, den Frieden zu
erhalten, betont haben. Er ſprach die Hoffnung aus, daß ſein
Beſuch in der Schweiz vielleicht dazu beitragen könnte, die
Schwierigkeiten zu entfernen. „Wenn man ſich beſſer
kennen wird, wird man ſich beſſer beurteilen,” ſagte der
Kaiſer. Er äußerte ſich darauf mit einer gewiſſen
Melan=
cholie über das augenblickliche Verhältnis und ſagte, er
würde gern Paris wiederſehen, das er nur einmal in
ſeiner Jugend geſehen habe. Die betreffende
Perſönlich=
keit, die dem Berichterſtatter dieſe Aeußerung des Kaiſers
mitteilte, fügt hinzu: „Die Huldigung, die der Kaiſer der
Schönheit Ihrer Hauptſtadt erwieſen hat, ließ ganz offen
ſeine geheimen Gedanken erkennen, ſo daß er damit faſt die
Umgebung im Augenblick überraſchte und wir nicht
wuß=
ten, was wir dazu ſagen ſollten.”
Vorbereitungen für die
Angeſtellten=
verſicherung.
* Noch in dieſer Woche wird die
Reichsverſicher=
ungsanſtalt für Angeſtellte ihr neues in
Wil=
mersdorf, Ecke Hohenzollerndamm und Pfalzburgerſtraße
belegenes Dienſtgebäude beziehen. Im Erdgeſchoß und
vier Stockwerken ſtehen etwa 200 Räume für den
Ge=
ſchäftsbetrieb der Anſtalt zur Verfügung. Das
Dienſtge=
bäude iſt auf fünf Jahre gemietet mit dem Recht der
Ver=
längerung des Mietsvertrages um ein Jahr, falls bis
da=
hin das eigene Dienſtgebäude der Anſtalt noch nicht
fertig=
geſtellt ſein wird. Bei der Entſcheidung über die Zahl der
ſchon beim Inkraftreten der Angeſtelltenverſicherung
not=
wendigen Beamten war zu berückſichtigen, daß bereits von
vornherein mit einem Beſtande von 1½ bis 2
Mil=
lionen Verſicherten zu rechnen iſt. Der
Beamten=
körper der Anſtalt wird beſtehen aus dem
Direkto=
rium, dem jetzt der Präſident und zwei Mitglieder
an=
gehören; zwei weitere Stellen ſind bereits durch den Etat
bewilligt und dürften demnächſt beſetzt werden. Für den
weiteren Bedarf an höheren Beamten ſind im Etat
ſechs Stellen für Regierungsräte vorgeſehen, von denen
zurzeit vier beſetzt ſind. Bis zum 1. Januar dürfte ſich die
Zahl der höheren Beamten einſchließlich der Hilfsarbeiter,
abgeſehen vom Direktorium, auf etwa 12 belaufen An
mittleren Beamten werden demnächſt 50 damit
be=
ſchäftigt werden, die Kontenführung für die Verſicherten
vorzubereiten. Daneben ſind noch eine Reihe von
mitt=
leren Beamten im Bureaudienſt tätig.
Bis zum 1. Januar nächſten Jahres, dem
voraus=
ſichtlichen Termin des Inkrafttretens der
Angeſtelltenver=
ſicherung, dürfte die Zahl der mittleren Beamten auf 150
anſteigen. In nächſter Zeit werden etwa 150
Schreib=
maſchinenſchreiberinnen damit beſchäftigt werden, die
Kon=
ten an der Hand der Aufnahmekarten einzurichten, ſo daß
zum 1. Januar nächſten Jahres die Konten für die
Ein=
tragung der Beiträge in Gebrauch genommen werden
können. Die gben angegebenen Zahlen der notwendigen
Beamten konnten im Verhältnis zu dem gleich von
An=
fang an eintretenden Geſchäftsumfang nur dadurch in
verhältmismäßig engen Grenzen gehalten werden, daß es
möglich geweſen iſt, durch eine Reihe von wertvollen
Er=
findungen umfangreiche Arbeiten, die ſonſt handſchriftlich
erledigt werden, durch maſchinelle Vorrichtungen
automa=
tiſch zu leiſten. In dieſer Einrichtung kommt der
Vor=
teil zum Ausdruck, den die Zentraliſierung der geſamten
Verwaltung in einer Anſtalt bietet. Denn naturgemäß
können derartige Zeit und Perſonal erſparende maſchinelle
Hilfsmittel nur in einem Großbetriebe Verwendung
finden.
Argentiniſches Gefrierfleiſch für Dentſchland.
* Wie Berliner Blätter hören, ſchweben tatſächlich
Er=
wägungen darüber, argentiniſches Gefrierfleiſch in
Deutſchland einzuführen und es unterliegt der Prüfung,
auf welche Weiſe dieſe Einfuhr bewerkſtelligt werden ſoll.
Der § 12 des Fleiſchbeſchaugeſetzes
ver=
langt bekanntlich, daß Fleiſch geſchlachteter Tiere nur ein=
geführt werden darf, wenn gewiſſe Organe des Tieres mit
eingeführt werden, damit feſtgeſtellt werden kann, ob das
Fleiſch von geſundheitlich einwandfreien Tieren ſtammt.
Um dieſer Beſtimmung zu genügen, müſſen die Tiere
hal=
biert über die Grenze kommen. Daran iſt bisher die
Ein=
fuhr von argentiniſchem Gefrierfleiſch geſcheitert, die
ſtren=
gen Vorſchriften des deutſchen Fleiſchbeſchaugeſetzes
wür=
den den Herſtellungspreis des argentiniſchen
Gefrier=
fleiſches weſentlich erhöhen und das noch mit Zoll und
Fracht belaſtete Gefrierfleiſch wäre nicht imſtande, mit
dem deutſchen Fleiſch in Wettbewerb zu treten, da der
Preisunterſchied zu gering wäre. Eine Aenderung der
er=
wähnten Beſtimmung könnte aber in geſundheitlicher
Hin=
ſicht dadurch wettgemacht werden, daß deutſche beamtete
Tierärzte an Ort und Stelle das zur Verſendung nach
Deutſchland beſtimmte Vieh unterſuchen; wie verlautet, iſt
die argentiniſche Regierung bereit, deutſche Tierärzte
neben der argentiniſchen Fleiſchbeſchau zu Unterſuchungen
zuzulaſſen.
Die Einfuhr größerer Quantitäten argentiniſchen
Ge=
frierfleiſches käme aber erſt in Frage, wenn Bundesrat
und Reichstag einer Abänderung des § 12
zuge=
ſtimmt haben. Ein derartiger Beſchluß iſt vor dem
Mo=
nat Dezember nicht herbeizuführen, und daher könnte mit
der Einfuhr erſt in den erſten Monaten des
fol=
genden Jahres gerechnet werden. Argentinien iſt
jederzeit in der Lage, große Mengen von Gefrierfleiſch in
Deutſchland einzuführen. Allerdings müßten
Sachver=
ſtändige, die den Geſchmack der deutſchen Konſumenten
kennen, den Vieheinkauf überwachen. Gefrierräume zur
Aufnahme des Fleiſches ſind in Hamburg, Berlin und
an=
deren Städten vorhanden; allerdings würde es notwendig
werden, dieſe Anlagen weſentlich auszubauen. Die
Stell=
ung der Reichsregierung war bis zum Vorjahre dieſen
Ab=
ſichten nicht günſtig, denn der Plan der Hamburg=Amerika=
Linie, im Vorjahre im Hamburger Freihafen eine große
Gefrieranlage zu errichten, iſt vom Reichsamte des Innern
nicht genehmigt worden. Es wäre auch zu erwägen,
Ge=
frierfleiſch aus London zu beziehen, wo ungeheure Mengen
lagern, die jederzeit wieder ergänzt werden können.
Deutſches Reich.
— Die, erſte Plenarſitzung des
Bundes=
rats ſoll, wie es heißt, am 10. Oktober ſtattfinden. Die
Bundesratsausſchüſſe beginnen ſchon Ende September
ihre Arbeiten.
— Zur Beſitzſteuerfrage. Sicherem
Verneh=
men nach wird im Reichsſchatzamt an einer
Vermögens=
zuwachsſteuer gearbeitet. Es iſt allerdings noch nicht
feſt=
ſtehend, ob der Reichskanzler den Verbündeten
Regier=
ungen die Einführung einer Vermögenszuwachsſteuer
vorſchlagen wird. Sollte ſich der Plan einer
Vermögens=
zuwachsſteuer als undurchführbar erweiſen, ſo iſt zu
er=
warten, daß man auf den Gedanken einer
Erbzuwachs=
ſteuer zurückgreifen wird.
Zur Jeſuitenfrage. Wie die Tägliche
Rundſchau hört, iſt die Eingabe der bayeriſchen Biſchöfe
an den Bundesrat um Aufhebung des Jeſuitengeſetzes
bisher noch nicht den einzelnen Bundesregierungen
über=
mittelt worden. Die Eingabe der preußiſchen Biſchöfe
an den Bundesrat wird unter allen Umſtänden erfolgen.
— Schutz gegen Streikausſchreitungen.
Die ſächſiſche Regierung erhebt in ihren Blättern Einſpruch
gegen die Reſolution des Verbandes ſächſiſcher
Induſtriel=
ler, nach der die Polizei in Sachſen den Unternehmern
keinen genügenden Schutz gegen Streikausſchreitungen
ge=
währe. Solcher Vorwurf mache die Unternehmer mutlos
und fördere den Terrorismus der Sozialdemokratie Die
Behörden hätten den denkbar möglichſten geſetzlichen Schutz
gewährt.
— Sicherung gegen Streikſchäden. Dem
Deutſchen Induſtrieſchutzverbande, Sitz Dresden, haben
ſich in der letzten Zeit außer einer größeren Anzahl von
Einzelfirmen der „Arbeitgeberverband für das
Bauge=
werbe für das Fürſtentum Reuß ä. L.”, die „Vereinigung
der Fabrikanten von Stempelheften und verwandten
Ar=
tikeln in Deutſchland” und der „Verein Bremer
Holzhänd=
ler” angeſchloſſen. Gegenwärtig gehören dem Deutſchen
Induſtrieſchutzverbande 82 Verbände induſtrieller und
ge=
werblicher Arbeitgeber für die Geſamtheit oder die
Mehr=
zahl ihrer Mitglieder an. Der Induſtrieſchutzverband, der
— ohne ſelbſt zu Ausſperrungen zu verpflichten —
Ver=
luſte aus Streiks und Ausſperrungen nach feſten
Grund=
ſätzen entſchädigt, hat zurzeit eine Mitgliederzahl von
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.
Nummer 215.
3520 Firmen aller Branchen und eine angemeldete
Lohn=
ſumme von 263 Millionen Mark.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Der leitende Ausſchuß der vereinigten
Oppoſitionsparteien in Ungarn beſchloß
ein=
ſtimmig, ſo lange die rechts= und geſetzwidrigen
Hand=
ungen, die ſeit dem 4. Juni durch den Präſidenten des
Abgeordnetenhauſes und die Regierungsmehrheit
be=
gangen worden ſind, nicht wieder gut gemacht würden, ſei
ein normales Funktionieren des Parlamentes unmöglich
Die auf ungeſetzliche Weiſe zuſtandegekommene
Geſchäfts=
ordnung erkenne die Oppoſition nicht an, und werde ſich
ihr nicht unterwerfen. Solange Graf Tisza und
Miniſter=
präſident Lucacs, die für ihre Handlungen volle
Verant=
wortung zu tragen verpflichtet ſeien, ihre Stellungen nicht
verließen, werde eine Entwirrung von der Oppoſition für
ausgeſchloſſen gehalten. Die unverzügliche
Verwirklich=
ung der Wahlrechtsreform ſei die unbedingte
Vorausſetz=
ung des Friedens. Die Oppoſitionsparteien werden am
16. September ihre Parteikonferenzen abhalten, worin
die=
ſer Beſchluß ratifiziert würde.
Frankreich.
Ueber die Konzentrierung der
Geſchwa=
der im Mittelmeer ſchreibt das Journal des
Dé=
bats, die von Delcaſſé getroffene Anordnung ſtelle
keines=
wegs eine Aenderung des Grundſatzes der Verteilung der
Seeſtreitkräfte Frankreichs dar. Es handele ſich nur um
eine einfache Anwendung der gegenwärtig bezüglich
die=
ſer Verteilung geltenden Regel. Die Hauptſache ſei, daß
eine möglichſt mächtige Flotte exiſtiere. Selbſt wenn ſie
von dieſem oder jenem Teil der Küſte Frankreichs
ent=
fernt ſei, bilde ſie für den Feind eine ſolche Drohung, daß
er niemals einen irgendwie bedeutenden Angriff gegen
irgend einen Punkt des franzöſiſchen Küſtengebietes
wagen werde. Im übrigen verſucht die franzöſiſche Preſſe
die Konzentrierung der franzöſiſchen Hochſeeflotte im
Mittelmeer durch die Notwendigkeit für Frankreich zu
er=
klären, gegen Oeſterreichs und Italiens Marine ſo ſtark
wie möglich gerüſtet zu ſein. Der Konzentrierung der
deutſchen Flotte in den nordiſchen Gewäſſern würden
gegebenenfalls die Flotten Englands und Rußlands
ent=
gegen zu wirken haben.
Die Herbſtmanöver. An den großen
Herbſt=
manövern, die ſich in der Touraine abſpielen werden und
am Mittwoch begonnen haben, nehmen 110000 Mann,
darunter zum erſten Male ſeit 40 Jahren, eine
ausſchließ=
lich aus Reſerviſten beſtehende Infanteriediviſion, ferner
500 Kanonen, 54 Flugzeuge und vier Lenkballons teil.
Serbien.
Die Miniſterkriſis. Der König berief Nicola
Paſitſch und betraute ihn mit der Kabinettsbildung.
Paſitſch verlangte 24 Stunden Bedenkzeit, um mit ſeinen
politiſchen Freunden zu beraten, doch glaubt man
be=
ſtimmt, daß Paſitſch dem Wunſch des Königs nachkommt.
Die neue Regierung wird ein Altradikales Miniſterium
ſein, das mit zwei Stimmen Mehrheit im Parlament zu
rechnen hat.
Amerika.
Die Vereinigten Staaten und Mexiko.
Der mexikaniſche Senat ermächtigte in geheimer Sitzung
den Präſidenten Madero, die Vereinigten Staaten zu
er=
ſuchen, den Transport mexikaniſcher Truppen durch das
Gebiet der Vereinigten Staaten zu geſtatten. Es wird
ge=
plant, eine Kolonne über El Paſo in Texas und Douglas
in Arizona nach dem Staate Sonora in Mexiko zu ſenden,
wo einige Banden von Aufrührern Verwüſtungen
an=
richten. — Das Staatsdepartement in Waſhington hat
die Erlaubnis erteilt. Die Waffen werden als Gepäck
be=
fördert.
China.
Die Anleihefrage. Wie das Reuterſche Bureau
durch Umfragen in finanziellen Kreiſen erfährt, haben die
Verhandlungen, die ſeit Mitte Juli gepflogen werden,
zu dem Anleihevertrag geführt, der am 30. Auguſt vom
chineſiſchen Geſandten in London und einem Londoner
Bankhaus unterzeichnet worden iſt. Es verlautet jedoch,
daß die Angelegenheit noch nicht in allen ihren Einzelheiten
endgültig geregelt iſt. Man glaubt, daß die Anleihe zehn
Millionen Pfund Sterling zu fünf Prozent auf vierzig
Jahre beträgt. Sie iſt ſichergeſtellt durch unverpfändete
Einnahmen, hauptſächlich aus der Salzſteuer. Die Anleihe
iſt frei von weitgehenden Kontrollbeſtimmungen, die ſich
bei den Verhandlungen der chineſiſchen Regierung mit dem
Sechsmächte=Syndikat als ein Hindernis erwieſen hatten.
Man glaubt indeſſen, daß Abmachungen getroffen ſind, die
für den Fall, daß die Zahlungen nicht pünktlich eingehen,
eine Steuerkontrolle vorſehen.
* Prinz Heinrich von Preußen iſt an Bord
des Kreuzers „Scharnhorſt am Dienstag in
Yoko=
hama eingetroffen. Er wurde vom deutſchen
Botſchaf=
ter, den Mitgliedern der Botſchaft und den dem Prinzen
Heinrich attachierten Herren empfangen, die ihn zum
Son=
derzug nach Tokio geleiteten. Auf dem Shimbeſhi=
Bahnhofe in Tokio wurde Prinz Heinrich bei ſeinem
Ein=
treffen vom Kaiſer, der kaiſerlichen Familie und den
ja=
paniſchen Würdenträgern bewillkommnet. Nach dem
Ab=
ſchreiten der Ehrenfront wurde Prinz Heinrich in
feier=
lichem Zuge zum Kaſumigaſeki=Palaſt geleitet, wo er
Wohnung nahm. Nach der Ankunft des Prinzen
Hein=
rich im Kaſumigaſeki=Palaſt überreichte Fürſt Katſura
dem Prinzen Heinrich die Kette des Chryſanthemenordens.
Der Empfang des Prinzen durch den Kaiſer ſollte am
Mittwoch vormittag ſtattfinden.
* Bremen, 10. Sept. Von Eſſen kommend, ſind
heute mittag um 12¾ Uhr die ſchwediſchen
Jour=
naliſten hier eingetroffen. Sie wurden am Bahnhof
von Vertretern der hieſigen Preſſe und des Norddeutſchen
Lloyds empfangen. Die Herren begaben ſich zunächſt nach
dem Eſſig=Haus, wohin der Verleger der Weſer=Zeitung
und der Bremer Nachrichten Schünemann die ſchwediſchen
Gäſte und ihre Begleiter zu einem Frühſtück einlud. An
dem Frühſtück nahmen teil als Vertreter des Senats
Senator Dr. Nebelthau, als Vertreter der Bürgerſchaft
Vizepräſident Bankdirektor Krug, als Vertreter der
Han=
delskammer Präſident Segnitz, ferner vom
Norddeut=
ſchen Lloyd die Direktoren Bremermann, Frhr. v.
Pletten=
berg und Föhr, die Redakteure der Weſer=Zeitung und
der Bremer Nachrichten, endlich die Direktoren des
Städ=
tiſchen Muſeums, der Kunſthalle u. a. Karl Schünemann
hieß die ſchwediſchen Gäſte im Namen der Bremer Preſſe
willkommen. Im Namen der ſchwediſchen Redakteure
erwiderte Blomquiſt, Koreſpondent des Aftenblads (
Stock=
holm). Der Redner zollte der deutſchen Preſſe die höchſte
Anerkennung und betonte, daß, ewenn einmal die
Ge=
ſchichte des 20. Jahrhunderts geſchrieben werde, der
Preſſe eine ehrenvolle Stelle eingeräumt werden müſſe.
Er rühmte die bewundernswerte Energie und die eiſerne
Ausdauer der deutſchen Journaliſten. Um 5 Uhr 48 Min.
begaben ſich die Herren nach Bremerhaven, um
einer Einladung des Norddeutſchen Lloyd zu einem
Feſt=
mahl auf dem Dampfer „Berlin” und zur Beſichtigung
der Hafenanlagen Folge zu leiſten.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 12. Septemver.
* Vom Hofe. Die Fürſtin zu Solms=Lich nebſt
Kindern reiſte am Dienstag vormittag 9 Uhr von
Jagdſchloß Wolfsgarten wieder ab.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Großherzog
empfingen geſtern den Major a. D. v. Hofmann, den
Pfarrer Palmer von Offenbach, den Oberpoſtdirektor
Milkau, den Pfarrer Naumann von Nieder=Moos, den
Forſtmeiſter Gillmer von Hirſchhorn; in beſonderer Audienz
den Kaiſerl. Ruſſ. Miniſterreſidenten van der Vliet; zum
Vortrag den Finanzminiſter Braun, den Miniſter des
Innern v. Hombergk zu Vach, den Vorſtand des
Kabi=
netts Geheimerat Römheld.
* Ordensverleihungen. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben nachſtehenden Perſonen die
Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihnen von
Sr. Maj. dem Deutſchen Kaiſer und König von Preußen
verliehenen Ordensauszeichnungen erteilt und zwar:
dem Hofmarſchallamts=Aſſiſtenten Jakob. Bachert des
Verdienſtkreuzes in Gold, dem Hofküchenmeiſter Robert
Edion und dem Silberverwalter Friedrich Neiter
des Allgemeinen Ehrenzeichens, dem Oberhoflakai
Johannes Hamburger der Roten Adler=Orden=Medaille,
den Hofkutſchern Adam Amelung und Balthaſar
Schreiber ſowie dem Hofreitknecht Georg Mauer
der Kronen=Orden=Medaille.
* Beſtätigt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog die durch die Stadtverordneten=
Verſamm=
lung zu Offenbach erfolgte Wiederwahl des Leonhard
Eißnert in Offenbach zum unbeſoldeten
Beigeord=
neten der Stadt Offenbach.
* Zur Teuerung. Wie die Darmſt. Ztg. erfährt,
hat das Miniſterium des Innern Vertreter der
Land=
wirtſchaftskammer, der Handwerkskammer und des
Fleiſchergewerbes, der fünf größeren Städte, dreier
Landgemeinden (je eine aus den drei Provinzen) und
der heſſiſchen Viehhändler zu gemeinſamen Verhandlungen
darüber eingeladen, auf welchen Urſachen die
gegen=
wärtig auch im Großherzogtum Heſſen ſich bemerkbar
machende Teuerung beruhe, welchen Umfang ſie
beſitze und welche Mittel etwa zu einer Abhilfe in
Betracht kommen könnten. Die Kommiſſion ſoll ſobald
als möglich, tunlichſt ſchon in der nächſten Woche,
zuſammentreten.
D Steuererklärungen. Das Großh. Finanzamt
Darmſtadt I erſucht uns, nochmals darauf
hinzuwei=
ſen, daß alle Steuerpflichtigen (natürliche und
juriſtiſche Perſonen), deren gewerbliches oder
landwirt=
ſchaftliches rauhes Anlage= und Betriebskapital
min=
deſtens 3000 Mark beträgt, oder deren Kapitalvermögen
ſich auf 3000 Mark und mehr beziffert, auf Grund des
neuen Eemeindeumlagengeſetzes vom 8. Juli 1911
ver=
pflichtet ſind „bis zum 1. Oktober ds. Js.
Steuer=
erklärungen einzureichen, wozu Formular auf Zimmer
Nr. 1 des Finanzamts I und beim ſtädtiſchen
Steuer=
bureau (Stadthaus, verabreicht wird.
* Sonderzug zur Ausſtellung „Der Menſch”. Zum
Beſuch der unter dem Protektorate Sr. Königl. Hoheit
des Großherzogs von Heſſen ſtehenden Ausſtellung „Der
Menſch” in Darmſtadt wird am Donnerstag, den
19., und 26. September 1912, je ein Sonderzug mit 3.
Klaſſe von Aſchaffenburg und von Erbach (
Oden=
wald) nach Darmſtadt und zurück zu ermäßigten
Fahr=
preiſen in nachſtehendem Fahrplane verkehren:
Hin=
fahrt ab Aſchaffenburg 10,42 vorm., an Darmſtadt 11,48
vorm.; Rückfahrt ab Darmſtadt 7,00 nachm., an
Aſchaffenburg 8,05 nachm. Hinfahrt ab Erbach
(Odenw.) 6,53 vorm an Darmſtadt 8,48 vorm.;
Rück=
fahrt ab Darmſtadt 7,43 nachm., an Erbach 9,39 nachm.
Zu dem Sonderzuge werden direkte Fahrkarten 3. Klaſſe
nach Darmſtadt und zurück zu ermäßigten Preiſen auch
von Stationen der anſchließenden Strecken ausgegeben.
Die Sonderzugkarten gelten auf den Strecken
Aſchaffen=
burg-Darmſtadt und Erbach (Odenw.)—Darmſtadt und
zurück nur für die Sonderzüge; die auf den
Anſchluß=
ſtrecken ausgegebenen Fahrkarten berechtigen bis zur
Uebergangsſtation und zurück zur Benutzung der
fahr=
planmäßigen Eil= und Perſonenzüge, mit Ausnahme der
in Spachbrücken ausgegebenen, die zu fahrplanmäßigen
Ein intimes Bild vom täglichen Leben
des Papſtes,
das manche unbekannte Züge enthält, zeichnet ein
Mit=
arbeiter der römiſchen Tribuna. Das Zimmer Pius” X.
liegt im dritten Stock des vatikaniſchen Palaſtes und hat
ein Fenſter, das auf den Säulengang des Platzes
hinaus=
führt, während die beiden anderen nach Südoſten liegen.
In einem daran anſtoßenden Zimmer, zu dem die ganze
Nacht hindurch die Tür offen ſteht, ſchläft einer der
Ge=
heimkapläne, Monſignor Breſſan, der ſchon Sekretär des
Papſtes war, als er noch als Patriarch in Venedig lebte.
Es wird erzählt, daß Pius X. in der Nacht an
Beängſtig=
ungen leidet, und beſonders befürchtet, er könnte durch
einen plötzlichen Tod überraſcht werden, während er
wünſcht, daß für jeden Fall der Prieſter zugegen ſei, der
ſeine Seele Gott empfehle. „Es wäre merkwürdig,” ſo
ſagte er einmal, „daß unter ſo vielen Kardinälen und
Monſignori, die es im Vatikan gibt, der Papſt ſterben
ſollte ohne daß ein Prälat in der Nähe wäre.”
Wenn zur Mittagsſtunde der Kanonenſchuß vom
Ja=
niculus ertönt und die Glocken von Sankt Peter einſetzen,
ſo unterbricht ſich Pius, auch wenn er in dieſem
Augen=
blick empfängt, ohne weiteres und ſagt zuſammen mit den
Anweſenden den „Angelus domini”. Sind die Empfänge und=
Audienzen beendet, ſo kehrt er faſt immer für kurze Zeit
in ſein Studierzimmer zurück; dann fährt er mit dem
Fahrſtuhl zum dritten Stock zu ſeinem bevorzugten
Wohn=
zimmer zurück und nimmt etwa um 1 Uhr ein frugales
Frühſtück. Der Tiſch, an dem der Papſt ſpeiſt, iſt groß
und hat eine ovale Form. Er ſelbſt ſitzt am Ehrenplatz
und in einer gewiſſen Entfernung ſitzen die beiden
Geheim=
kapläne, die Monſignori Breſſan und Pescini; Pius X.
hat mit der früher faſt nie gebrochenen Gewohnheit
auf=
gehört, allein bei Tiſch zu ſpeiſen. Es wird ihm ein
be=
ſonderes Menü bereitet, das auf ſein Alter und ſeine
kör=
perlichen Beſchwerden Rückſicht nimmt. Er ißt und trinkt
nur mäßig; gewöhnlich nimmt er eine Suppe, mit
Vor=
liebe Reis und Hühnerbrühe, etwas gekochtes Huhn oder
auch ein Kalbsbeefſteak, Fiſch oder einen anderen Gang
von weichem Fleiſch mit gekochtem Gemüſe und Obſt;
da=
zu trinkt er Mineralwaſſer und ein Glas ſehr alten
Bor=
deaux Er hat den roten Valpolicella, den er als Biſchof
in Mantua den anderen Weinen vorzog, aufgeben müſſen.
Leo IIII. trank, wie hierbei bemerkt wird, als der
vor=
nehme Ariſtokrat nur Champagner. Zum Schluß der
Tafel trinkt Pius X. eine Taſſe Kaffee. Breſſan und
Pescini erhalten eine weniger einfache Mahlzeit, und ſo
kkommt es wohl vor, daß der Papſt, wenn er ßeht, daß die
beiden Monſignori einen beſonders ſchmackhaften Gang
er=
halten, mit ſchalkhafter Grazie ſich ein wenig zu ihnen
hinüberneigt, um beſſer zu ſehen, und ſchließlich mit der
Gabel etwas von dem Teller des einen oder anderen
nimmt wobei er lächelnd ſagt: „Es wird doch nicht gleich
eine Schlemmerei ſein, wenn ich das mal koſte, nicht
wahr?‟ Das Frühſtück dauert in der Regel eine Stunde.
Wenn das Wetter mild und die Luft klar iſt, ſo verweilt
der Papſt wohl eine halbe Stunde am Fenſter, dann zieht
er ſich in ſein Schlafzimmer zurück und ruht. Hierauf kehrt
er wieder in ſein Studierzimmer zurück, wo er im
Som=
mer bis 6½ Uhr, im Winter bis 5 Uhr bleibt und
em=
pfängt; manchmal dehnen ſich die Audienzen aber auch
bis 8½ Uhr aus.
An Sommer= und ſchönen Herbſttagen unternimmt der
Papſt Spaziergänge in den vatikaniſchen Gärten. Die
Aerzte haben ihm Luft und Bewegung verordnet; er ſteigt
daher aus dem Wagen und hält ſich bei der Reproduktion
der Grotte von Lourdes oder auf einem der Wege auf,
und ſpricht gelegentlich mit den Perſonen ſeines Gefolges,
mit den Gärtnern oder anderen, die ihm begegnen. Um
9 Uhr kehrt der Papſt in ſein Zimmer zurück, betet den
Roſenkranz, und hält dann die Abendmahlzeit. Auch
dieſe iſt höchſt einfach: eine Suppe, zwei Eier, gekochtes
Gemüſe und Marmelade Bald danach legt er ſich zu
Bett, zugleich mit ihm Monſignore Breſſan im
Neben=
zimmer; dann wird das Gemach verſchloſſen, und
Schwei=
zer Garden und vatikaniſche Wächter halten vor der Türe
Wacht. . . . Als eifriger Leſer der Zeitungen ſah Pius X.
auch die Notiz, die im vorigen Monat durch alle Blätter
der Welt ging: von dem entſcheidenden Einfluß der Zahl9
im Leben des Papſtes. 9 Jahre war er Kaplan, 9 Jahre
Pfarrer, 9 Jahre Biſchof, 9 Jahre Patriarch — 9 Jahre
auch Papſt. Da er am 4. Auguſt 1903 zum Papſt erwählt
worden war, ſo gingen die 9 Jahre am letzten 4. Auguſt
zu Ende, ſo daß . . . die Schlußfolgerung lag nahe, aber
der Papſt beunruhigte ſich keineswegs über dieſe ſeltſame
Prophezeiung, ſondern ſagte mit ſeinem fröhlichen Lächeln
zu einem Prälaten: „Sagen Sie, haben Sie in den
Blät=
tern die Geſchichte von der 9 geleſen? Eine ſchöne
Ge=
ſchichte, aber ſie ſtimmt abſolut nicht.
Der Charakter der Dame im Lichte
des Parfüms.
O „Sage mir, wie Du dufteſt, und ich werde Dir
ſagen, wer Du biſt,” dieſe Deviſe könnte ein bekannter
franzöſiſcher Parfümfabrikant den Ausführungen
voran=
ſtellen, die er über den Zuſammenhang des Chgrakters
der Frau mit dem Parfüm, das ſie gebraucht, mitteilt.
Er erklärt, daß er das Weſen einer Dame aus ihrem
Taſchentuch — wenn es parfümiert iſt — „herausleſen”
könne. Die Frau, die den erfriſchenden Duft von Jockei=
Klub jedem anderen Parfüm vorzieht, iſt eine fröhliche,
etwas leichtlebige Perſon, die alles von der beſten Seite
nimmt. Sie iſt klug und in ihrem Weſen angenehm, ſo
daß Jockei=Klub wie uns der Kenner anvertraut, ſtets
eine gute Gefährtin für den Mann verrät. Roſeneſſenz
iſt der Lieblingsduft der eleganten Dame von Welt. Mit
Roſenduft eint ſich ſtets eine Stimmung von Luxus und
Verſchwendungsſucht Dieſe roſenduftenden Damen ſind
es, die ihr koſtbares Spitzentaſchentuch auf der Treppe
verlieren und beim Juwelier Einkäufe machen, über die
dem Gatten die Haare zu Berge ſtehen. Glücklich
der=
jenige, der einer Dame ſeine Neigung zu Füßen legt, die
Lawendelwaſſer für ihren Toilettentiſch auserkoren hat.
Die beſcheiden=gemütvolle Atmoſphäre der Großmütter
umfließt dieſe Verehrerin des typiſchen
Biedermeierpar=
füms; ſie iſt beſcheiden und treu, ſtill und gütig, wie der
Duft, den ſie ausſtrömt. Wehe aber dem, deſſen
Lebens=
pfad eine Frau kreuzt, die ſich an ſtarken indiſchen
Par=
füms berauſcht. Das ſind dämoniſche,
leidenſchaftlich=
wilde Naturen, die auch vor dem Verbrechen nicht
zurück=
ſchrecken. Ein Taſchentuch, getränkt mit dem indiſchen
Parfüm Phul=Nana, ward jüngſt in den Händen eines
Ermordeten gefunden, und als man feſtſtellte, daß ſeine
Frau dieſes Parfüm über alles liebte, bot der Duft die
Handhabe zur Entdeckung der Mörderin. Seltſamerweiſe
iſt Veilchenduft das Lieblingsparfüm der exzentriſchen und
launenhaften Frau. Dieſe beſcheidene Blume wird von
Damen bevorzugt, die flatterhaft, extravagant und frivol
ſind. Damen mit künſtleriſcher Veranlagung benutzen mit
Vorliebe eine Eſſenz aus weißen Roſen. Ihrem
phan=
taſievollen Geiſte erſcheint nur dieſer exotiſche, kühle und
zarte Geruch angemeſſen; andere Parfüms dünken ihnen
ſchwer dumpf und gewöhnlich.
Als das eigentliche Parfüm der „modernen Frau”
bezeichnet unſer Kenner Frangipanni. Die Benutzerin
dieſes Duftes liebt den Flirt, iſt ihren Genoſſinnen eine
gefährliche Freundin, raucht viel, ißt hauptſächlich
unbe=
kömmliches Zeug und lieſt Bücher, die alle Welt für
un=
paſſend erklärt Das junge Mädchen von heute hat im
Eau de Cologne das ihr zuſagende Parfüm gefunden. Sie
wählt dieſe einfache und unaufdringliche Eſſenz, nicht um
Aufſehen zu erregen oder ihre Reize zu erhöhen, ſondern
weil ſie ihr Friſche und Lebensheiterkeit mitteilt. Die
gute Hausfrau begnügt ſich mit dem Duft der Feldblumen;
ſie findet in ihm die idylliſche, würzige Einfachheit des
Landlebens und der geſunden Natur=
Nummer 215.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.
Seite 3.
Zügen über Reinheim (Odenw.) gelten, und der in Groß=
Zimmern, Gundernhauſen, Roßdorf, Beſſunger
Forſt=
haus, Rotes Kreuz und Glasberg ausgegebenen
Fahr=
karten, die zur Benutzung der fahrplanmäßigen Züge auf
der Nebenbahn Darmſtadt-Groß=Zimmern berechtigen.
Die Fahrkarten können ſchon 2 Tage vorher gelöſt
wer=
den. Den Inhabern von Sonderzugfahrkarten werden
von der Ausſtellungsleitung gegen Vorzeigung der
Kar=
ten Eintrittskarten zum ermäßigten
Preiſe von 60 Pfg. für die Perſon verabfolgt.
Nähe=
res über Abfahrtzeiten und Fahrpreiſe iſt
aus den auf den Stationen ausgehängten grünen
Pla=
katen zu erſehen.
Martinspfad=Jubiläum. Heute ſind 25 Jahre
vergangen, ſeitdem eine neue Verbindung zwiſchen der
Stadt und den ſüdlichen Waldungen hergeſtellt wurde:
am 12. September 1887, dem Geburtstag des
Groß=
herzogs Ludwig IV., waren die zur Anlage eines Weges
zwiſchen Wittmannſtraße und Waldſaum bisher für
unüberwindlich gehaltenen Hemmniſſe beſeitigt und der
„Martinspfad” konnte der öffentlichen Benutzung
übergeben werden. Scharenweiſe zogen an jenem hellen
Septembertag vergnügte Spaziergänger aus dem Innern
der Stadt dem mit Fahnen und Wimpeln
reich=
geſchmückten neuen Wege zu. Der Lampionszug am
Abend, begleitet von luſtigem Studentenſang (Akademiſcher
Verein) ſpiegelte die fröhliche Stimmung bei alt und
jung über die von allen Naturfreunden ſo begrüßte
Schöpfung des „Martinspfad=Komitees” wider.
Möchte bei eventuell weiterem Ausbau des dortigen
Stadtviertels die „Martinspfad=Anlage” als ſolche
er=
halten bleiben!
Dem Tierſchutz=Verein für das
Großherzog=
tum Heſſen in Darmſtadt wurde von Fräulein
Na=
talie Eberhardt in Darmſtadt in hochherziger Weiſe
eine Spende von 1000 Mark für Pferdeſchutz,
Ver=
ſorgen oder Töten von herrenloſen oder mißhandelten
Hunden, Katzen und anderen Tieren teſtamentariſch
zugewieſen.
* Odenwaldklub. Man ſchreibt uns: Der
Hilfs=
fonds zu Gunſten der durch die Nieder=Modauer
Kaſſen=
affäre Geſchädigten hat bis jetzt eine Höhe von rund
4200 Mk. erreicht. Gewiß ein erfreuliches Zeugnis
hilfsbereiter Nächſtenliebe, im Hinblick auf den Umfang
der Kataſtrophe aber noch lange nicht genug, um dem
Elend auch nur entfernt ſteuern zu können. Weitere
Beiträge ſind in Ausſicht geſtellt. Auch die übrigen
Ortsgruppen des Odenwaldklubs ſind gebeten worden,
Sammlungen zu veranſtalten. Ihre Opferfreudigkeit
wird ſich wie bei früheren Anläſſen, ſo auch jetzt wieder
bewähren. Alle, die es bis jetzt unterlaſſen haben, auch
an ihrem Teil mitzuhelfen an der Erhaltung ſo vieler,
dem Untergang geweihter Exiſtenzen, werden ebenſo
herzlich wie dringend erſucht, das Verſäumte baldigſt
nachzuholen. Namentlich hier gilt: wer raſch gibt, gibt
doppelt. Der Rechner des Zentralausſchuſſes, Herr
Kaſſier Löwe, iſt zur Empfangnahme von Spenden
jederzeit gerne bereit. Die Verwendung der
ge=
ſammelten Gelder wird ſo erfolgen, daß die
Unterſtützungen dem Zugriff der Gläubiger entzogen
bleiben. Barmittel werden aus dieſem Grunde nicht
hergegeben. Die Verwaltung des Fonds wird vielmehr
nach Kräften Gegenſtände in Eigentum erwerben, die
zur Fortführung der Wirtſchaft unbedingt erforderlich
ſind und dieſe Gegenſtände dann wieder den ſeitherigen
Eigentümern zur dauernden Benutzung unentgeltlich
leihweiſe überlaſſen. Nur ſo kann den Geſchädigten
nach Lage der Verhältniſſe wirkliche Hilfe gewährt
werden. Damit ſie aber auch ausgiebig ſei, muß
der Hilfsfonds noch bedeutend wachſen und er wird es,
wenn die bisher bekundete Opferfreudigkeit anhält.
Gewiß ſtellt unſere Zeit an die Wohltätigkeit des
Einzelnen große Anforderungen. Hier aber bittet die
wirkliche bittere Not unſerer Volksgenoſſen. Sie ſollte
in der Haſt unſerer Tage nicht überhört werden.
„Laſſet uns gutes tun und nicht müde
werden”.
* Vogelsberger Höhenklub. Der Zweigverein
Darmſtadt wird nächſten Sonntag wieder eine Wanderung
unternehmen, die diesmal in den Speſſart führen ſoll
und ſehr genußreich zu werden verſpricht. Näheres ſiehe
Anzeige in der heutigen Nummer.
— Blumenpflege in Arbeiterfamilien. Am Sonntag,
den 15. September, vormittags von 10 bis 5 Uhr
nachmit=
tags findet in der Knaben=Arbeitsanſtalt eine
Ausſtellung der in Arbeiterfamilien zur Pflege
ge=
gebenen Blumen ſtatt, mit anſchließender
Preisver=
teilung. Zum Beſuch bei freiem Eintritt iſt
jedermann freundlich eingeladeh. Preisverteilung und
Abholung der Pflanzen iſt am Montag, 16. d. M.,
vor=
mittags von 8—12 Uhr. Die Einlieferung der für
die Ausſtellung und den Preishewerb beſtimmten
Blumen=
pflanzen (vollſtändige mit Plomben verſehene Gruppen)
hat am Samstag, 14. d. M., vormittags von 8—11 Uhr
zu erfolgen.
* Prämiierte Hunde, Auf der Internationalen
Hundeausſtellung zu Stuttgart am 8. Sept.
fielen außer den ſchon erwähnten Auszeichnungen an den
Greyhondzwinger des Herrn Kurt Reuter folgende
Preiſe: Der Siegertitel an die Zuchthündin des Zwingers
„Lady vom Reifhaus” wie I. Preis der Offen= und
Paar=
klaſſe; dazu der vom Verband der Windhundliebhaber”
geſtifteten ſilberne Klubpokal als Ehrenpreis. An den
Rüden „Rilo von Elzach” Ehren= und II. Preis Offene
Klaſſe, I. Preis Siegerklaſſe und I. Preis Paarklaſſe,
dazu der vom Oſterreichiſchen Klub für Luxushunde, Sitz
Wien, geſtiftete Ehrenpreis.
* Im Bürgerkeller konzertiert täglich das berühmte
Oeſterr. Damen=Orcheſter unter Leitung des Herrn
Kapell=
meiſter Prinelt. Die Kapelle hat ſich ſchon einen großen
Freundeskreis hier erworben und bietet eine recht
ab=
wechſelungsreiche Abendunterhaltung. Der Eintritt iſt
ſtets frei.
* Schwere Ausſchreitungen. Zu unſerer Notiz im
Diens=
tagsblatt wird uns von Herrn Chefredakteur Raffay,
dem Betroffenen, noch folgendes mitgeteilt: Der
Säbel des Soldaten traf nicht in die Polſterung des
Auto=
mobils, ſondern knapp unterhalb des Wagenfenſters in
die äußere Autowand. Die Soldaten verfolgten uns nicht,
ſondern ließen mich, als ich dem Täter, dem ſich ein
zwei=
ter Soldat zugeſellt hatte, nachlief, paſſieren, indem ſie
ſich in einer Torniſche verſteckt hielten, um ſo der
Feſtſtel=
lung zu entgehen; dieſe gelang auch nicht, da ſich mehrere
Trainſoldaten — die übrigens auch dem Schutzmann
gegenüber jede Auskunft verweigerten — angeſammelt
hatten, unter die ſich dann der Täter mengen konnte,
wo=
durch es unmöglich ward, ihn herauszufinden und zu
ſtellen. Wahr iſt, daß der Nervenchok — eine Folge des
doppelten Schreckens: als der Säbel vor den Augen
mei=
ner Frau am Fenſter vorbei niederſauſte, und zweitens,
da meine Frau mich an den in der Torniſche verſteckten
Soldaten vorbeigehen ſah und Säbelblitzen zu bemerken
glaubte — meine Frau in ſchwere Lebensgefahr brachte,
die der gerufene Arzt Dr. Draudt durch
Morphiumein=
ſpritzungen beſeitigte. — Uebrigens befindet ſich Frau
Hanna Raffay beſſer und dürfte in wenigen Tagen
wieder vollkommen hergeſtellt ſein.
tt. Dieburg, 10. Sept. Man ſchreibt uns: Die in
ver=
ſchiedenen Zeitungen bekannt gegebene
Volksverſamm=
lung zur Beſprechung dringlicher
Verkehrsangelegenhei=
ten im hieſigen Kreiſe entpuppt ſich erſt jetzt als eine
ſozialdemokratiſche Gewerkſchaftsverſammlung. Der
Ein=
berufer hat nämlich vorſichtig den Umſtand verſchwiegen,
daß er, Heinrich Delp, Gewerkſchaftsſekretär der
ſozial=
demokratiſchen Bauhandwerker iſt. Es muß
zurückge=
wieſen werden, auf dieſe Weiſe Bürgermeiſter und
Ge=
meinderäte über den Charakter einer ſolchen
Ver=
ſammlung zu täuſchen und ſo die Gemeindevertretungen
zur ſozialdemokratiſchen Propaganda zu mißbrauchen.
Die chriſtlich=national organiſierte Arbeiterſchaft und die
anderen national geſinnten Intereſſenten weiſen daher
die Anregung und Anleitung eines ausgeſprochen
ſozia=
liſtiſchen Agitators zur Wahrung allgemeiner Volks= und
Arbeiterintereſſen mit Entrüſtung zurück.
Hähnlein, 11. Sept. Bei der kürzlich begonnenen
Renovierung unſerer Kirche wurden von den
Handwerkern Spuren von Gemälden entdeckt, die
mit Tünche überſtrichen waren. Der Ortsgeiſtliche, Pfarrer
Bolitſch, erkannte alsbald den Wert der Darſtellungen und
veranlaßte ſorgfältige Behandlung und eingehende
Unter=
ſuchung. Dadurch wurde es ermöglicht, eine ganze
An=
zahl von meiſt gut erhaltenen Gemälden bloßzulegen,
die in ſchöner Anordnung vornehmlich die Zwiſchenräume
zwiſchen den Fenſtern ausfüllen. Die überlebensgroßen
Figuren ſtellen dar: Moſes und Aron, Chriſtus und die
12 Apoſtel. An dem oberen Teil der Chorwand wurde
ein architektoniſches Bild, wahrſcheinlich das himmliſche
Jeruſalem darſtellend, freigelegt, gegenüber eine
farben=
reiche Abbildung des alten heſſiſchen Wappens. Auf
Grund alter Baurechnungen konnte feſtgeſtellt werden, daß
die Mehrzahl der Bilder im Jahre 1729 von einem Groß=
Gerauer Maler angefertigt waren. Die Kirche, die an
der Stelle einer alten Waldkapelle, von der die Sakriſtei
noch erhalten iſt, aufgeführt worden war, enthält u. a.
auch noch drei gut erhaltene Holzſkulpturen aus
vor=
reformatoriſcher Zeit, den hl. Sebaſtian, Maria mit dem
Chriſtuskind und Johannes den Täufer darſtellend. Der
ſachkundige Maler Velte von Frankfurt hat unter der
Leitung des Denkmalpflegers, Geh. Baurat Wickop=
Darm=
ſtadt, die Herſtellung der Gemälde unter ſorgfältigſter
Wahrung der urſprünglichen Farben übernommen. Die
ganze Gemeinde Hähnlein zeigt reges Intereſſe für ihre
Kirche, die jetzt nach ſachverſtändigem Urteil eine der
ſchönſten Kirchen der Umgegend werden wird, und hat
dies auch ſchon durch eine Anzahl reicher Stiftungen
kund=
getan. An dem Tag der Einweihung, vorausſichtlich am
20. Oktober, wird auch eine neue, von Förſter in Lich
gelieferte Orgel in Gebrauch genommen werden.
Rüſſelsheim, 10. Sept. Zum Jubiläum der
Firma Adam Opel iſt das Rüſſelsheimer Organ
„Main=Spitze” als Sondernummer auf
Kunſtdruck=
papier hergeſtellt und reich illuſtriert erſchienen. Die
Son=
dernummer enthält den vollſtändigen ausführlichen
Be=
richt über das Jubelfeſt, der mit 15 Bildern nach
moment=
photographiſchen Aufnahmen illuſtriert iſt. Die Bilder
zeigen unter anderem die Ankunft des Großherzogs in.
Rüſſelsheim und die Begrüßung durch den Bürgermeiſter
am Eingang des Ortes. Dann mehrere Aufnahmen von
und aus der Villa Sophienheim, die Ankunft und
Be=
grüßung des Großherzogs dortſelbſt, den Großherzog in
Begleitung der Herren Karl und Wilhelm Opel auf dem
Wege zur Feſthalle, die Feſthalle ſelbſt in verſchiedenen
Aufnahmen, die Feſtverſammlung, mehrere Redner, die
Ehrengeſchenke, Blumenarrangements u. v. a. Die Feſt=
Sondernummer wird allen Teilnehmern am Feſte eine
ſchöne Erinnerung ſein.
Rüſſelsheim, 11. Sept. Der 37jährige Zimmermann
Franz Klein von Mainz, welcher in Rüſſelsheim
ar=
beitete, gab am Montag die Arbeit dort auf, weil ihm
angeblich am Sonntag in einer Wirtſchaft der Neuſtadt
ein Gaſt den Vorwurfigemacht hatte, daß er ſeine
Haus=
miete nicht bezahlt habe. Geſtern mittag nach dem Eſſen
zeigte Klein ſeiner=Frau und ſeinen Kindern einen
ſcharf=
geladenen neuen Revolver und erklärte, er werde
ſich jetzt erſchießen, da er wegen des Vorwurfs, daß er
ſeine Miete nicht bezahlt habe, nicht mehr leben könne.
Als ihm ſeine Frau den Revolver abnehmen wollte,
er=
klärte er, ſie möge weggehen, ſonſt werde er auch ſie
er=
ſchießen. Klein begab ſich in das Schlafzimmer, verſchloß
es und ſchoß ſich eine Kugel in den Kopf., Klein
war auf der Stelle tot; die ganze Schädeldecke war ihm
zertrümmert.
Mühlheim, 11. Sept. Geſtern mittag gegen 4 Uhr
brach im Lagerraum des Daniel Andreas Rau,
Leſſing=
ſtraße 43, auf bisher noch unaufgeklärte Weiſe Feuer
aus, deſſen man gegen 5 Uhr Herr geworden war. Die
Decke iſt angebrannt, die Fenſter ſind demoliert.
Mainz, 11. Sept. Kürzlich hatte ein Tapezierer in
einem Hauſe der Neuſtadt einige Arbeiten zu verrichten.
Während ſeiner Tätigkeit geſellte ſich ein Unbekannter zu
ihm und ſtellte ſich als ſtellenloſer Gehilfe vor, und er
erbot ſich, dem Meiſter bei der Arbeit behilflich zu ſein.
Als zur Mittagszeit der Meiſter das Haus verließ, blieb
der Unbekannte der am Nachmittag wiederkommen wollte,
noch einige Zeit zurück. Dieſe Gelegenheit benutzte aber
derſelbe; er ſchlich in ein anderes Zimmer ein und ſtahl
daſelbſt eine Geldbörſe mit 70 Mark Inhalt.
Der hilfsbereite Tapezierer hat ſich dann nicht mehr
ſehen laſſen.
Ober=Wöllſtadt, 11. Sept. Tödlich verunglückt
iſt geſtern die Frau des Landwirts Friedrich Götz. Als
G. mit ſeiner Frau zur Arbeit auf das Feld fahren wöllte,
trat das ſchon angeſchirrte Pferd über die Schere. Um
ein Unglück zu vermeiden, ſprangen Götz und ſeine Frau
vom Bocke herab; dabei ſtürzte Frau G. ſo unglücklich,
daß ſie vom Wagen überfahren wurde. Bald darauf
iſt ſie ihren ſchweren Verletzungen erlegen.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 10. Sept.
Oberbürger=
meiſter Wermuth empfing eine Deputation des
Magiſtrats Berlin=Wilmersdorf, die der Bereitwilligkeit
Ausdruck gab, ſich dem gemeinſamen Vorgehen der Groß=
Berliner Gemeinden gegen die Fleiſchteuerung
anzuſchließen. Der Berliner Magiſtrat wird nun
ſeiner=
ſeits an die Groß=Berliner Gemeinden und die deutſchen
Großſtädte wegen der Eingabe an den Bundesrat über
Erleichterung für die Einfuhr von gefrorenem Fleiſch
herantreten. — Wegen gewerbsmäßiger
Hehle=
rei ſind der Geſchäftsführer Albert Benjamin und der
Agent Joſeph Roſenblatt des Verſandhauſes Schreiner
u. Ko. verhaftet worden. Beide kauften von jungen
Offizieren Waren auf, die dieſe gegen Wechſel anſtelle
baren Geldes von dem früher verhafteten Agenten Georg
Rötzel erhielten. Die Ausſteller der Wechſel erhielten
da=
her immer nur einen Bruchteil der Summen, auf die die
Wechſel ausgeſtellt waren. — Hauptmann Koſtewitſch
iſt heute auf der Durchreiſe hier eingetroffen und
wird=
morgen nach Leipzig weiterreiſen. — In der Fabrik für
Hochſpannungs=Apparate der Allgemeinen Elektrizitäts=
Geſellſchaft in der Brunnenſtraße geriet beim
Ausprobie=
ren eines neuen Zubehörteils zum Transformator Oelt
in Brand,, wodurch eine Exploſion erfolgte.
Da=
bei erlitten 7 Perſonen ſchwere Brandwunden.
Karlsruhe, 11. Sept. Auf der Landſtraße, die von
Sulzbach nach Oppenau führt, wurde an einem
Buch=
handlungs=Reiſenden aus Freiberg i. S. ein
Raub=
mordverſuch verübt. Ein Wegelagerer verlangte
von ihm mit vorgehaltenem Revolver Geld. Als dies
verweigert wurde, gab der Strolch ſechs Schüſſe auf den
Ueberfallenen ab und verletzte ihn ſchwer. Ein Polizei=
Großherzogliches Hoftheater.
Dienstag, den 10. September.
„Die Nibelungen”.
W-l. Hebbels gewaltige Nibelungentrilogie gelangt
in dieſer Saiſon hier zum erſten Male vollſtändig zur
Aufführung, während bisher immer nur die erſten beiden
Teile gegeben worden ſind. Es ſei uns geſtattet,
ein=
leitend das zu wiederholen, was wir anläßlich der
Wie=
dereinſtudierung dieſer beiden Teile vor ſechs Jahren
über das Werk ſelbſt geſagt haben:
„Die Nibelungenſage hat bekanntlich mehrfache
poeti=
ſche und dramatiſche Bearbeitungen erfahren; zu letzterer
fordert der Stoff des Liedes und der Sage mit ihren
aus=
geprägten gegenſätzlichen Charakteren und den zu einer
furchtbaren Kataſtrophe ſich zuſpitzenden dramatiſchen
Ereigniſſen geradezu heraus. Es liegt auf der Hand, daß
ein Dramatiker mit der älteren Geſtalt der
Nibelungen=
ſage als Mythus nichts anfangen kann und daß er einer
dramatiſchen Behandlung die Heldenſage zugrunde legen
muß, wie ſie uns durch das Nibelungenlied überliefert
worden iſt. Dies hat Hebbel getan. Aber auch in dieſer
Vermenſchlichung der alten Götterſage begegnen wir noch
ſo viel mythiſchen Ueberreſten und unklaren Motiven in
der Handlung, daß es des Dichters Aufgabe geweſen wäre,
uns die Charaktere des erſchütternden Dramas menſchlich
näher zu rücken und uns ihre Handlungen verſtändlicher
zu machen, wie es Geibel in ſeinem Drama „Brunhild”
getan hat. Der grübelnden, ſpekulativen Natur Hebbels
war dies aber nicht gegeben. Die Geſtalten Brunhildens
und Hagens ſind verblaßt und ihre Charakkere nicht mit
logiſcher Konſequenz entwickelt, weshalb ihre
Handlungs=
weiſe nicht überzeugend iſt. Jung=Siegfried hat in dem
Drama ſchon eine in Liedern geprieſene Vergangenheit.
Die heidniſche und chriſtliche Weltanſchauung, die ſich auch
in dem Liede neheneinander finden, hat der Dichter nicht
mit der wünſchenswerten Klarheit prinzipiell von
einan=
der geſchieden. In den hochdramatiſchen Szenen verführt
ihn ſein Hang zur pſychologiſchen Breite und zur
philoſo=
phiſchen Spekulation oft zu deplazierten Betrachtungen
und zu lang ausgeſponnenen Diskurſen, die den
drama=
tiſchen Gang der Handlung hemmen. Trotzdem aber
ſollen der ideale und poetiſche Gehalt des Werkes, das
geniale Nachempfinden der Dichtung und die von höheren
künſtleriſchen und literariſchen Geſichtspunkten geleitete
dramatiſche Behandlung des Stoffes in keiner Weiſe
ver=
kannt oder herabgeſetzt werden. Ueber den literariſchen
und poetiſchen Wert des Werkes kann kein Zweifel
be=
ſtehen.”
Der zweite Teil bildet keinen eigentlichen Schluß;
die für ſich als brutal empfundene Schlußſzene leitet
motivierend zum dritten Teil über, weshalb dieſer auch
nicht von den erſten beiden Teilen abgelöſt werden kann.
Auch die heutige Aufführung war ſtileinheitlich und
ſtimmungsvoll. Aus jeder einzelnen Szene war der
Ein=
fluß einer ſorgfältigen und künſtleriſch fein empfindenden
Regie zu erkennen. Die Inſzenierung war vollſtändig
neu. Die vereinfachte Bühne fand auf die ſämtlichen
Szenen, mit Ausnahme der Szene im Odenwald,
An=
wendung, in der der gemalte Waldhintergrund
beibehal=
ten war. In den in Worms und Iſenland ſpielenden
Szenen traten anſtelle der häßlichen Seitenkuliſſen wieder
plaſtiſche Wände. Den Hintergrund bildeten Vorhänge
oder freier Himmel, in der Domſzene ragte zur Rechten
ein einfacher hoher plaſtiſcher Dombau empor, den
Hin=
tergrund ſchloſſen plaſtiſche, mit Epheu berankte
Mauer=
wände ab. Auch in der im Innern des Domes ſpielenden
Schlußſzene ſah man keinerlei Architektur, den hinteren
Teil des Bühnenraumes ſchloß ein dunkelvioletter
Vor=
hang ab, ſo daß die Szene als in einem Vorraume des
Domes ſpielend gedacht iſt. Die Szene auf Brunhildens
Burg, die in mehr als Halb=Dunkel gehalten war,
reprä=
ſentierte die Reliefbühne in ihrer ausgeprägteſten Form:
hier war unter Verwendung einfachſter Mittel auf alles
Dekorative ganz Verzicht geleiſtet.
Man muß ohne vorgefaßte Meinung dieſe
Reform=
bühne beurteilen und bewerten und man wird ſich dann
dem Eindruck nicht verſchließen können, daß die rein
künſtleriſche Wirkung der Vorſtellungen, wie ſchon
aus=
geführt, viel intenſiver iſt.
Von den darſtellenden Künſtlern iſt an erſter Stelle
wieder Herr Baumeiſter zu nennen, der die
kraft=
ſtrotzende und ſieghafte Reckengeſtalt des Jung=Siegfried
prächtig verkörperte und mit jugendlichem Feuer und
überſprudelnder Laune des Ueberhelden darſtellte und in
der Sterbeſzene ergreifende Töne zu finden wußte. Für
den finſteren und heimtückiſchen Hagen war Herr Heinz,
der aus ihm eine ſcharf ausgeprägte Charakterfigur aus
einem Guſſe ſchuf, der beſte Vertreter. Fräulein Alſen
verkörperte und ſpielte das Heldenweib Brunhild
glaub=
würdig und ließ es an der nötigen Leidenſchaft in der
Darſtellung nicht fehlen. Fräulein Berka verweiſen
Individualität und Befähigung auf Rollen, die auf der
Grenze zwiſchen dem jugendlich=ſentimentalen und
He=
roinenfach liegen, und deshalb iſt die Rolle der Kriemhild
für ſie beſonders geeignet. Nur vor falſchem Pathos
möge ſie ſich hüten. Eine jugendliche ſympathiſche
Er=
ſcheinung war der Gunther des Herrn Ehrle; aus der
undankbaren Rolle ſelbſt iſt nicht viel zu machen. Die
übrigen Rollen, von denen nach dem charakteriſtiſchen
Volker des Herrn Weſtermann, die Amme des Frl.
Heumann, die ſich lobenswerterweiſe im Pathos
mäßigte, und die Ute der Frau Müller=Rudolph
genannt ſeien, waren gut beſetzt.
Die Regie lag in den bewährten Händen des Herrn
Oberregiſſeurs Valdek, der in den Herren Kempin
und Schwerdtfeger bei der Neuinſzenierung kunſt=
und ſachverſtändige Mitarbeiter gefunden hatte. Das gut
beſetzte Haus nahm die Aufführung mit auffallend
war=
mem Beifall auf.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.
Nummer 215.
hund aus Karlsruhe wurde auf die Spur des flüchtigen
Räubers geſetzt.
Koblenz, 10. Sept. Im Rheinort Fahr löſte ſich
geſtern ein gewaltiger Felsblock infolge des Regens
los und fiel in der Nähe des Bahnhofes auf die
Land=
ſtraße, die dadurch einige Stunden geſperrt wurde.
Wei=
tere Felsabſtürze werden befürchtet. Die
Eiſenbahn=
direktionen ordneten an, daß die Bahndämme im
Rhein=
land beſonders ſcharf beobachtet werden.
Bottrop, 10. Sept. Heute abend ſtieß auf der Chauſſee
Gladbeck-Bottrop ein Laſtautomobil auf einen
Zug der Anſchlußbahn Möller=Rheinbabenſchächte. Zwei
Perſonen, die die Straße kreuzten, wurden getötet.
Leipzig, 10. Sept. Heute abend ſtieß das A u t
o=
mebil des Fürſten zu Stolberg=Wernigerode
mit einem Wagen der Leipziger Straßenbahn zuſammen.
Das Auto, ebenſo der Straßenbahnwagen wurden ſchwer
beſchädigt. Der Fürſt und der Chauffeur, auch die
Fahr=
gäſte der Straßenbahn blieben unverletzt.
Weißenfels, 11. Sept. An der Straßenkreuzung nach
Bonau iſt infolge der ſchlechten Beſchaffenheit des Weges
ein von Weißenfels kommendes Militärautomobil
ver=
unglückt. Hierbei wurde, wie das Weißenfelſer
Tage=
blatt meldet, ein Offizier getötet und der Chauffeur
ſchwer verletzt.
Königshütte, 11. Sept. Geſtern abend 7 Uhr
be=
fuhren auf dem Stahlwerk Königshütte der Werkmeiſter
Wadulla, der Aufſeher Langoſch, der Vorarbeiter Buhl
und der Maurer Gorni ohne Auftrag einen Fahrſchacht,
der nach dem unteren Luftkanal führt und in dem ſich
ſtickige Gaſe befanden. Da die Eingefahrenen nach
längerer Zeit nicht zurückkehrten, begaben ſich ein
Feuer=
wehrfeldwebel und ein Oberfeuerwehrmann mit
Sauer=
ſtoffapparaten in den Kanal, um ſie zu retten. Die
Ver=
unglückten wurden als Leichen geborgen. Auch die
Retter waren beſinnungslos, ſind aber heute außer
Ge=
fahr. Wie von zuſtändiger Stelle mitgeteilt wird, lag
eine Betriebsnotwendigkeit, den Kanal zu befahren, in
keiner Weiſe vor.
Moskau, 10. Sept. Auf dem Chodnyka=Felde
wurde vom Kaiſer in Gegenwart der kaiſerlichen
Fa=
milie, der Großfürſten und Würdenträger eine glänzende
Truppenſchau über 80000 Mann abgehalten. Nach
der Truppenſchau fand ein Mittageſſen für die
Dorfälte=
ſten und Vertreter der einheimiſchen Völkerſchaften ſtatt,
deren Vorfahren am Kriege im Jahre 1812 teilgenommen
haben. Der Kaiſer nahm an dem Eſſen teil. Nachmittags
fand im reichgeſchmückten Rathauſe ein glänzendes
Ban=
kett ſtatt, welchem der Kaiſer, die Kaiſerin mit den
Töch=
tern, die Großfürſten, die Miniſter, zahlreiche
Würden=
träger und die beiden franzöſiſchen Deputationen
bei=
wohnten. Der Kaiſer dankte nach einer Anſprache des
Bürgermeiſters herzlich für den warmen Empfang, den
die Stadt ihm bereitet habe.
Buffalo, 10. Sept. Bei Erie (Pennſylvanien)
ent=
gleiſte ein nach dem Oſten gehender Zug infolge
Achſenbruches. Sechs Perſonen ſollen getötet und
über 50 verletzt worden ſein.
Kongreſſe und Verbandstage.
Bezirkstag des Vereins der Deutſchen
Kaufleute.
Der Verein der Deutſchen Kaufleute, unabhängige
Organiſation für Handlungsgehilfen und Gehilfinnen,
hielt am Sonntag in Mannheim ſeinen diesjährigen
Bezirkstag für den Bezirk Baden, Großherzogtum
Heſ=
ſen, Pfalz und Württemberg ab. Die Tagung war
zahl=
reich aus Mannheim, ſowie aus allen Städten des
Be=
zirks beſucht, in denen der Verein durch Ortsvereine
ver=
treten iſt. Nachdem der Geſchäftsbericht über die T ätigkeit
des Bezirks ſowie der Ortsvereine entgegen genemmen
war, fand darüber eine lebhafte Ausſprache ſtatt. Der
Vorort des Bezirks wurde nach Mannheim verlegt und
als Ort für die nächſte Tagung Pforzheim beſtimmt.
Nunmehr ſprach Herr H. Görl=Nürnberg über das
Thema „20 Jahre Sonntagsruhe‟ Der Redner
behandelte eingehend die Forderung und zeigte an einer
Reihe von Beiſpielen, daß die Arbeitgeber durch völlige
Sonntagsruhe durchaus keine Schädigung erleiden,
ſon=
dern daß es eine dringende Notwendigkeit iſt, daß die
Forderung im Intereſſe der Angeſtellten wie Prinzipale
zur Durchführung kommen muß. Anſchließend an das
Referat würde folgende Entſchließung einſtimmig
angenommen:
Der ordentliche Bezirkstag des Vereins der Deutſchen
Kaufleute für den Bezirk Baden, Großherzogtum Heſſen,
Pfalz und Württemberg kann dem vom Reichsamt des
Innern herausgegebenen Geſetzentwurf über die
Neu=
regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe nicht
zu=
ſtimmen, da er den aus geſundheitlichen und kulturellen
Gründen berechtigten Wünſchen der Handlungsgehilfen
nach einer völligen Sonntagsruhe nicht entſpricht. Die
durch ortsſtatutariſche Regelung in einer Anzahl deutſcher
Städte eingeführte vollſtändige Sonntagsruhe hat nicht
nur keine Schädigung der ſelbſtändigen Kaufleute
herbei=
geführt, ſondern unter dieſen die lebhafteſte Anerkennung
gefunden. Unter Berückſichtigung dieſer Tatſachen muß
erwartet werden, daß nach zwanzigjährigem Beſtehen
des gegenwärtigen Sonntagsruhegeſetzes durch eine neue
geſetzliche Regelung die vollſtändige Sonntagsruhe
all=
gemein feſtgelegt wird und eine höchſtens zweiſtündige
Sonntagsarbeit in den offenen Verkaufsſtellen für Milch,
Backwaren, Fleiſch, Blumen und Eis geſtattet wird, doch
darf die für den Verkauf freigegebene Zeit zwei
aufein=
anderfolgende Vormittagsſtunden nicht überſchreiten.
* Zürich, 10. Sept. Die internationale
Konferenz für ſoziale Verſicherung wurde
von Profeſſor Moſer und dem Privatdozenten Kaufmann
begrüßt. Den Vorſitz führte Unterſtaatsſekretär von
Mayr. Ueber die Verſicherung Selbſtändiger berichtete
als Hauptreferent Profeſſor Piloty, der ſich gegen die
Zwangsverſicherung der Selbſtändigen und für eine
ſub=
ventionierte öffentliche Aſſekuranz ausſprach. Die
Ge=
heimräte Duettmann und Dietz forderten dagegen
weite=
ren Zwang, während Direktor Zacher und Profeſſor
Manes für ein Nebeneinander aller Verſicherungsformen
eintraten. Eine Verbindung der ſtaatlichen
Zwangsver=
ſicherung mit der privaten Verſicherung wurde von Geh.
Rat Bielefeld befürwortet. — Fernere
Beratungsgegen=
ſtände waren die internationale Unfallſtatiſtik und
ſchließ=
lich mit einem Referat des Geh. Rats Klein die Belaſtung
durch die ſoziale Verſicherung. Weitere Hauptreferate
übernahmen Miniſterialrat Zahn und Landesrat Freund.
Der nächſte Kongreß findet 1915 in Amerika ſtatt.
Von den Manövern des XVIII. Armeekorps.
— Worms, 10. Sept. In der Gegend von
Pfed=
dersheim verließen wir geſtern das rote Detachement,
für das ſich die Gefechtslage weſentlich verändert hatte.
Nachdem die Vorhut des roten Detachements hart
nörd=
lich Flomborn auf die Vorhut des blauen Gegners
ge=
ſtoßen war, entwickelte ſich das blaue Detachement zum
Angriff und ließ in verdeckter Stellung die Artillerie
hinter dem Goldberge auffahren, ſo daß die rote
Vor=
hut auf Oberflörsheim zurückgezogen werden mußte. Das
rote Detachement, zuerſt in Verteidigungsſtellung, ſchlug
den Angriff des blauen Detachements zurück und ging
dann ſelbſt zum Angriff über, und zwar mit Erfolg, und
drängte Blau in nördlicher Richtung zurück; nunmehr
erfährt aber das rote Detachement, daß das rote
Armee=
korps geſchlagen gegen den Rhein zurückzieht, bricht
des=
halb die Verfolgung ab und geht rückwärts bis in die
Gegend von Pfeddersheim.
Zwiſchen Pfeddersheim und Niederflörsheim
erwar=
tete heute morgen das rote Detachement, beſtehend aus
dem Infanterie=Regiment 118, 4. und 5. Eskadron Drag.=
Regt. 24, 1. Abteilung Feldart.=Regts. 61, 4. Kompagnie
Pionier=Bat. 21 und der Maſchinengewehrabteilung der
118er unter Führung des Oberſt von Behr in einer
ver=
ſtärkten Stellung den Angrif des Feindes. Das blaue
Detachement, beſtehend aus dem Inf.=Regt. 117, Drag.=
Regt. 24 (ohne 4. und 5. Eskadron), Feldart.=Regt. 61
ohne 1. Abteilung und 3. Kompagnie Pionier=Bat. 21,
unter Führung des Oberſtleutnants von Crüger ging
heute morgen von Oberflörsheim über Niederflörsheim
vor, um den Gegner anzugreifen. Als das
Vorhut=
bataillon von Blau Niederflörsheim verließ, erhielt es
heftiges Feuer von den Höhen ſüdöſtlich
Niederflörs=
heim aus und ging nicht über Niederflörsheim weiter
vor. Das Gros des blauen Detachements wurde ſüdlich
Niederflörsheim zum Angriff gegen den linken
feind=
lichen Flügel entwickelt. Das rote Detachement ging mit
ſeinem linken' Flügel ſeinerſeits zum Angriff vor. In
dieſer Situation ertönt das Signal „Das Ganze halt”
Die Offiziere, der Stab uſw., eine kleine Truppe für ſich
bildend, erſcheinen zur Kritik, nach deren Beendigung
nun die Truppen in ihre Quartiere einrücken. Die
Brigademanöver, die im ganzen diesmal 5 Tage gedauert
und beſonders im erſten Teil unter der Ungunſt der
Wit=
terung zu leiden gehabt haben, ſind damit beendet. Nach
dem morgigen Ruhetag beginnen am Donnerstag die
Diviſionsmanöver, die ſich in der Gegend zwiſchen
Worms, Alzey und Oppenheim abſpielen werden und zu
denen die nunmehr gebildete Reſerve=Infanterie=
Bri=
gade, beſtehend aus zwei Infanterie=Regimentern zu je
drei Bataillonen, zugezogen wird. Die Oberleitung der
Diviſionsmanöver hat Generalleutnant von Plüskow.
Den Uebungen der Diviſionen, die in den letzten Tagen
21 Bataillone Infanterie einzuſetzen haben, werden der
kommandierende General der Infanterie von Eichhorn
und der Chef des Generalſtabes, Oberſt von Hofacker,
beiwohnen.
Kaiſermanöver.
* Mügeln, 10. Sept. Die rote Kavallerie
ging geſtern nördlich und ſüdlich von Rieſa über die
Elbe. Da die Brücken als zerſtört angenommen und auch
alle Schiffsgefäße zerſtört oder weggenommen waren,
ſetzte die rote Kavallerie mit Hilfe der Pontons und
Diviſionsbrückentrains über. Die Mannſchaften unter
Sattelzeug auf den Pontons, die Pferde ſchwimmend.
Die Artillerie folgte zum Teil erſt in der Nacht und heute
früh auf Ueberſetzmaſchinen. Heute früh ſtand die rote
Kavallerie in Strehla. Blau wollte, da es den
Ueber=
gang der roten Kavallerie über die Elbe nicht mehr
hin=
dern konnte, dieſe zurückwerfen und die Elbe wieder in
die Hand bekommen, um die rote Armee am
Ueberſchrei=
ten der Elbe zu verhindern. Die blaue Kavallerie wurde
heute weiter nach Oſten und Südoſten vorgeführt. Sie
leiſtete, wie geſtern, auch heute erhebliche
Marſchanſtreng=
ungen. Die blaue Kavallerie ſuchte alſo heute die
rote auf, welche ihrerſeits ebenfalls der blauen
ent=
gegenging. Am Nachmittag kam es zu einem
Zuſam=
menſtoß, bei dem rot hauptſächlich durch die beiden
Jägerbataillone den Sieg errang. Blau mußte
zurück=
gehen. Morgen gedenkt die rote Infanterie den
Ueber=
gang über die Elbe zu bewerkſtelligen. Die blaue Armee
gedenkt ebenfalls den Vormarſch weiter fortzuſetzen, ſo
daß übermorgen der Zuſammenſtoß der Heere zu
er=
warten iſt.
„Z. 3‟ iſt nach glänzender Fahrt in Gotha
einge=
troffen, wo er die feſte Halle benutzt. Für „P. 3” wird
eine Halle kriegsmäßig in entſprechender Entfernung
an=
gelegt. — Der bulgariſche Kronprinz und Prinz Kyrill
von Bulgarien nehmen als Gäſte des Kaiſers an den
MManövern teil.
* Moritz (Elbe), 11. Sept. Hier haben ſich unter
anderen eingefunden der König von Sachſen, Prinz
Ludwig von Bayern, der Herzog von Sachſen=Altenburg,
der Kronprinz von Bulgarien und Prinz Kyrill. Nach
1 Uhr begannen die Truppen des dritten Korps (rot)
in Pontons über die Elbe zu ſetzen, die Pferde
ſchwim=
mend. Gleichzeitig begann man eine Brücke zu ſchlagen,
worauf die Infanterie in Maſſen nachrückte. Die
Luft=
ſchiffe „Z. 3” und „P. 3‟ kreiſten über dem Fluß und
beobachteten den Uebergang des dritten Korps.
* Röderau, 11. Sept. Der Kaiſer, welcher im
Sonderzuge bei Rieſa übernachtete, begab ſich zeitig
ins Manövergelände. Er fuhr im Automobil über
Zeithain und Glaubitz nach Großenhain, wo er den
Anmarſch von roter Infanterie ſah. Bei dem
Vorbeimarſch der 23. Diviſion bei Großenhain
be=
grüßte der Kaiſer ſein Grenadier=Regiment, deſſen
Uni=
form er auch heute trug. Um 5 Uhr traf der Kaiſer in
Moritz, ſüdlich von Röderau, auf dem rechten Ufer der
Elbe ein. Hier waren bereits die Spitzen der roten
Armee eingetroffen, während auf dem linken Elbufer
blaue Patrouillen bemerkt wurden. Es wurden Schüſſe
gewechſelt. Die Mannſchaften der Leibgendarmerie, welche
die Feldſignallampen für die Neutralen bedienen, hatten
hier abgekocht. Der Kaiſer und das Gefolge genoſſen
von der Erbſenſuppe. In Moritz befinden ſich auch der
Großherzog von Sachſen, Graf Zeppelin und die
frem=
den Offiziere. Ein zweiter Uebergang von Rot iſt bei
Sewalitz geplant. Das Wetter iſt gut.
Feuilleton.
* Aus Kunſt Wiſſenſchaft und Leben. Noch ein
in=
tereſſanter Parſifalbrief. Herr Hans
Rich=
ter hat in einem gleichfalls an den Muſikſchriftſteller
Ludwig Karpath gerichteten Brief ſich über die
Parſi=
falfrage ausgeſprochen. Die Redaktion des Neuen
Wiener Tagblatt erklärt ausdrücklich, daß ſie zur
Ver=
öffentlichung des Briefes berechtigt ſei. Der Brief lautet:
Lieber Freund Karpath! Sagen Sie Ihrer Zeitung, daß
ich mich in der Parſifal=Angelegenheit nicht äußern kann,
weil ich meine Stimme für viel zu ſchwach halte, als daß
ich imſtande wäre, die Widerſacher und Unverſöhnlichen
zu überzeugen und zu einer beſſeren und richtigeren
Auf=
faſſung zu bekehren Ihnen aber, lieber, alter Freund,
will ich ſchreiben, wie ich von der Angelegenheit denke.
Die Deutſchen haben ſich zu allen Zeiten gegen ihre
wahr=
haft großen Männer miſerabel benommen. Die Lebens=
und Leidensgeſchichte aller großen deutſchen Künſtler z. B.
iſt Zeugnis davon. Warum ſollen ſich die jetzigen
Zeit=
genoſſen beſſer und feinfühliger zeigen? Wie bin ich froh,
daß ich mich in meine ungariſche Geburtsecke flüchten kann,
um mich nicht als „Deutſcher” ſchämen zu müſſen.
Ge=
winnſucht und Haß der unverſöhnlichen Feinde vereinigen
ſich, um den letzten Willen des Meiſters zunichte zu machen.
Höchſt bezeichnend iſt es, daß Leute in die Sache ſich
miſchen, die weder in Deutſchland geboren ſind noch ſo
heißen wie ſie ſich nennen. Die mangelnde Berechtigung
zum Mit= und Dreinreden erſetzen ſie durch kecke
Vordring=
lichkeit. Mit pfiffigen Phraſen ſuchen ſie das gerade
Ur=
teil der Unparteiiſchen zu verwirren. Da heißt es:
„Dieſe Werke gehören der deutſchen Nation.” So?
Eine Frage des Gerichts an die deutſchen Rechtsgelehrten.
Es war zwar ſchon einmal der Fall, daß das Werk eines
großen Meiſters einem anderen, dem es gar nicht zugedacht
war, gewidmet wurde: Hans v. Bülow widmete die
Eroi=
ka dem Fürſten Bismarck. Aber quod licet Bülowi non
licet bovi könnte man da ſagen. Auch dürften ſich die
Spekulanten täuſchen. Der Parſifal iſt gar kein Werk für
den modernen Logenpöbel (!) und klingen wird er im
mo=
dernen Theater als wie das Ave Maria aus dem
Läſter=
maul einer geſchminkten Straßendirne. Hier gäbs nur
eine Hilfe. Die deutſchen Frauen müßten den Parſifal in
ihren Schutz nehmen, an der Spitze eine hochſtehende edle
Frau in der einflußreichen Machtſtellung, um ihren
Wor=
ten den nötigen Nachdruck geben zu können. Aber wo iſt
dieſe Frau? Ihr alter Hans Richter, quondam
Hofkapell=
meiſter und Feſtſpieldirigent.”
Wilhelmine Heimburg f. In ihrer Villa in
Kötzſchenbroda bei Dresden iſt, wie ſchon gemeldet, die
bekannte Romandichterin Wilhelmine Heimburg nach
län=
gerem Leiden ſanft aus dem Leben geſchieden. Vor
eini=
gen Tagen erſt, am 7. d. M., beging ſie ihren 64.
Geburts=
tag. Wilhelmine Heimburg hieß mit ihrem bürgerlichen
Namen Berta Behrens. Ihr Vater war Arzt, ihre
Mut=
ter die Tochter eines Förſters in Thale a. Harz, wo die
Dichterin am 7. September 1848 geboren wurde. Ihre
Eltern feierten am 7. Dezember 1907 ihre diamantene
Hochzeit. Der erſte Roman der Heimburg hieß „Aus
dem Leben meiner alten Freundin”. Er erregte die
Auf=
merkſamkeit Ernſt Keils, der die Verfaſſerin für die
Gar=
tenlaube gewann. Dieſer Zeitſchrift iſt Wilhelmine
Heimburg bis zu ihrem Tode treu geblieben. So weit die
Gartenlaube dringt, zu deren treueſten Mitarbeiterinnen
„die Heimburg” zählte, war dieſer Name allen deutſchen
Frauen vertraut. Von ihren anderen viel geleſenen
Wer=
ken ſeien nur einige der bekannteſten genannt: „
Lumpen=
müllers Lieschen” „Trudchens Heirat” „Mamſell
Un=
nütz” „Wie auch wir vergeben” 'Ueber ſteinige Wege‟
„Trotzige Herzen”.
* Ein wandelnder Werkzeugkaſten iſt kürzlich in
Chi=
cago in der Perſon eines Arbeiters namens John
Mar=
tiner entdeckt worden, der ein dortiges Hoſpital aufſuchte
und dem Arzte über „ſchreckliche Schmerzen im Magen”
klagte. Bei der Operation, die an ihm vorgenommen
wurde, fand man im Magen des Patienten nicht weniger
als neunzehn Taſchenmeſſer, ſiebzehn Nägel, fünf
Meſſer=
ſchneiden, ein Dutzend Schrauben und einen Silberdollar.
Seit achtzehn Jahren hat Martiner, wie ſich jetzt
heraus=
ſtellte, alle möglichen Wetten angenommen und auch ſtets
gewonnen. Er iſt jetzt 36 Jahre alt Der Arzt, der die
Operation ausführte, ſagte, daß die gefundenen Artikel
ſich alle in einer Ecke des Magens angeſammelt hätten.
Ein großes Geſchwür in dem Teil des Magens
hätte ſich gebildet und der Mann wäre ohne Zweifel in
ſpäteſtens einem Monat geſtorben, wenn er ſich nicht hätte
operieren laſſen. Zwei der Meſſer hatten Knochenblätter,
die ſich im Magenſaft vollſtändig aufgelöſt hatten. Die
Holzgriffe zweier Meſſer blieben unverſehrt, während der
Silberdollar, den Martiner vor zehn Jahren für ein Glas
Bier verſchluckt hatte, ſo blank ausſah, als ob er eben erſt
aus der Münze hervorgegangen war. Der Kranke batte
die Operation ſehr gut überſtanden, erklärte aber,
der=
artige Wetten nicht mehr annehmen zu wollen, da ihm die
Sachen viel zu ſchwer im Magen gelegen hätten.
sh Stiefelſchmiere ſtatt Fußbodenlack. Ein komiſches
Mißgeſchick iſt einem Schneidermeiſter in dem Städtchen
Vollmarſtein paſſiert. Er war mit ſeiner Frau
überein=
gekommen, zur Verſchönerung der Wohnung den
Fuß=
boden neu zu ſtreichen, und zwar wollte er dies, um die
Sache nicht zu teuer werden zu laſſen, ſelbſt tun.
Nach=
dem er einen Topf Fußbodenlack eingekauft hatte, machte
er, um ſich zu dem ſchweren Werke zu ſtärken, zunächſt
einmal einen Dämmerſchoppen, der ſich etwas lange
hin=
zog. Als er in der Abendſtunde nach Hauſe kam, war
ſeine Frau nicht anweſend. Um ſein langes Verweilen
im Wirtshaus der ſpäter heimkehrenden Gattin nicht
mer=
ken zu laſſen, ging er ſofort mit Feuereifer an die Arbeit
des Fußbodenſtreichens. Er pinſelte darauf los, daß ihm
der Schweiß vom Geſicht troff. Endlich war das ſchwere
Werk getan, und hochbefriedigt ging der ſparſame
Schnei=
dermeiſter ſchlafen. Am anderen Morgen wurde er, der
Lob und Anerkennung erwartet hatte, von ſeiner Frau
ſehr unſanft aus dem Schlafe geweckt, die ihm mit
Ent=
ſetzen die beiden neugepinſelten Stuben zeigte. Der
Fuß=
boden erglänzte in tiefſtem Schwarz. In ſeinem Duſel
hatte der biedere Schneidermeiſter am Abend vorher den
Farbentopf mit einem Topf Stiefelſchmiere verwechſelt
und unentwegt den Fußboden mit der Stiefelſchmiere
ge=
wichſt. Mitleidige Nachbarn meinten, die Sache ſei gar
nicht ſo ſchlimm, die Fußböden müßten eben jeden
Mor=
gen, genau ſo wie die Stiefel, mit einer Bürſte gewichſti
werden, um dann in hellem Glanze zu erſtrahlen.
* Menſchen, die das Ausbrüten von Forelleneiern
verſtehen. In einer amtlichen Bekanntmachung vom 3.
September, unterzeichnet: der Bürgermeiſter v. Zengen
in Wetzlar, wird mitgeteilt, daß Ende Dezember ein
Fiſch=
zuchtlehrkurſus bei der Rbeiniſchen Fiſchzuchtanſtast in
Kraft ſtattfindet. Den Teilnehmern wird freier
Unter=
richt und eine ſtaatliche Beihilfe von 25 Mark gewährt.
Dann heißt es wörtlich weiter: In erſter Linie werden
Förſter, Lehrer — hauptſächlich aber Perſonen
berückſich=
tigt, welche bereits im öffentlichen Intereſſe Forelleneier
ausgebrütet haben und noch nicht Teilnehmer an einem
Kurſus waren. Perſonen, die Forelleneier ausbrüten,
dürften ebenſo neu wie ſelten ſein.
Nummer 215.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.
Seite 5.
Luftfahrt.
* Berlin, 11. Sept. Der Militärluftkreuzer „M. 34
iſt heute morgen 3 Uhr 50 Minuten bei ſtarkem Winde
und heftigem Regen vom Tegeler Schießplatz nach dem
Manövergelände in Sachſen gefahren.
* Leipzig, 11. Sept. Das Luftſchiff „M. 3”
er=
ſchien auf ſeiner Fahrt von Berlin ins Manövergelände
um 9½ Uhr über Leipzig.
* Berlin, 11. Sept. Das Militärluftſchiff
„M. 3‟, das heute früh vom Tegeler Schießplatz zum
Kaiſermanöver abgefahren war, iſt heute mittag
zurück=
gekehrt und um 12,15 Uhr glatt auf dem Tegeler
Schießplatz gelandet. Es erfüllte den ihm erteilten
Auftrag vollſtändig, indem es in kriegsmäßiger Höhe von
1300 Metern ganze feindliche Stellungen überfuhr und
ſehr gute Erkundungen durch Funkſpruch meldete.
* Cotta, 11. Sept. Der
Militärluftkreu=
zer „Z. 3” erſchien mittags auf einer
Rekognoszie=
rungsfahrt über der Stadt Cotta und entfernte ſich
in der Richtung auf Meißen.
* Finſterwalde, 11. Sept. Von den in
Son=
nenwalde ſtationierten Fliegeroffizieren iſt heute
vormittag in der Nähe von Münchhauſen der Flieger=
O’fizier Siebert aus der Höhe von etwa 50 Meter
abgeſtürzt. Er erlitt am Bruſtkorb und am Hals
ſchwere Verletzungen. Der Paſſagier kam mit
leichten Verletzungen davon. Zwei andere Flieger ſind
bei Zeithain bezw. Grimma gelandet.
— Athen, 11. Sept. Der Flieger
Karamala=
küs, der zu einem Fluge nach Patras aufgeſtiegen war,
iſt bei Corinth abgeſtürzt und ertrunken.,
Hochwaſſer.
M. Stockſtadt, 11. Sept. Infolge des gewaltigen
Waſſers, das der Neckar bringt, iſt der weſtlich von
Stockſtadt gelegene Teil der Gemarkung gefährdet. So
bildet das Vorland des Altrheins außerhalb der Dämme
eine einzige weite Waſſerfläche. Die Einwohner
ſind in emſiger Tätigkeit, um ihre Feldfrüchte zu bergen.
Ueberall werden Kartoffeln, Dickrüben und Zuckerrüben
ausgemacht. Durch das ſich durch das Erdreich drückende
„Quellwaſſer” laufen ſchon ganze Fluren unter.
Bis an die Achſen fahren die Wagen im Waſſer. Wenn
das Steigen — in einer Stunde 5 Zentimeter — noch
einen Tag anhält, ſo iſt das Waſſer ſchon in den Kellern.
* Mainz, 11. Sept. Der Rhein iſt abermals um
60 Zentimeter geſtiegen.
** Mainz, 11. Sept. Der Pegel des Rheins zeigte
heute früh 6 Uhr einen Waſſerſtand von 3,10 Meter, um
10 Uhr vormittags von 3,20 Meter; oberhalb und
unter=
halb Mainz iſt der Rhein über ſeine Ufer
getre=
ten. Der Main bringt im Gegenſatz zum Rhein und
Neckar viel neues Waſſer mit ſich. In Groß=Steinheim
betrug der Waſſerſtand geſtern 1,85 und heute 2,05 Meter.
In Koſtheim wurden geſtern 2,16 und heute 2,86 Meter
Waſſerſtand angezeigt. Der Schiffsdurchlaß der Schleuſe
Koſtheim wurde wegen des wachſenden Waſſers
nieder=
gelegt.
* Heidelberg, 11. Sept. Geſtern nachmittag
er=
reichte der Neckar mit 4,84 Metern ſeinen höchſten
Pegel=
ſtand, von dem er bis heute mittag ſehr raſch auf 3,60
Meter gefallen iſt. Die Hochwaſſergefahr iſt
nun=
mehr vorüber.
* Mannheim, 11. Sept. Der Neckar iſt von
geſtern auf heute von 6,52 Meter auf 7,22 Meter geſtiegen.
Er iſt aber gegenwärtig im Fallen begriffen. Der Rhein
ſcheint weiter ſteigen zu wollen. Der geſtrige Rheinpegel
zeigte einen Waſſerſtand von 6,04 Meter, der heutige von
6,76 Meter an. Der Rhein hat die unteren Partien des
Wildpark mit ſeinen ſchönen Promenadewegen vollſtändig
überflutet. Die Dampfſtraßenbahn nach Feudenheim
mußte geſtern abend ihren Betrieb einſtellen, da die Hälfte
der Straße vom Neckar überflutet war. Heute morgen
konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Die
Fluten bringen außerordentlich viel Holz und Feldfrüchte
mit ſich. In der Nähe von Oftersheim haben die
Tabak=
felder, die teilweiſe unter Waſſer ſtehen, ſehr viel gelitten.
Das Waſſer iſt in verſchiedenen Ortsſtraßen in die Keller
eingedrungen.
* Karlsruhe, 11. Sept. Die
Schwarzwald=
flüſſe ſinken vorübergehend. Der Neckar ſteigt weiter.
* Baden=Baden, 11. Sept. Das Fluggelände
in Oos mit der Luftſchiffhalle ſteht unter Waſſer.
sr. Das Gordon=Bennet=Rennen der
Flug=
maſchinen wurde, wie kurz gemeldet, am Montag zum
vierten Male auf einem Flugfelde bei Chicago über
200 km entſchieden. Nachdem auch die Engländer auf
einen Start verzichtet hatten, gkamen nur noch Frankreich
und Amerika in Frage. Für Frankreich waren engagiert
Vedrines (Deperduſſin=Eindecker, 140 PS. Gnome=Motor),
Prevoſt (Deperduſſin=Eindecker, 100 PS. Gnome=Motor)
und Frey (Henriot=Eindecker, 100 PS. Gnome=Motor).
Seitens des Amerikaniſchen Aero=Klubs waren vertreten
Lloyd Thompſon und Paul Peck, von denen Thompſon
mit ſeinem Bugeß=Eindecker mit 160 PS. Gnome=Motor
als Favorit galt. Mit Rückſicht auf das ungünſtige
Wetter wagte ſich jedoch bis auf Vedrines zunächſt keiner
der Teilnehmer heraus. Der franzöſiſche
Weltrekord=
mann legte dafür trotz eines Windes von teilweiſe über
10 Sekundenmetern mit ſeiner ſchnellen Maſchine auf
der 6,667 km langen Bahn Runde und auf Runde
zurück und abſolvierte die vorgeſchriebenen 200 km in
der phänomenalen Zeit von 1 Std. 10 Min. 56 Sek.,
alſo mit einer durchſchnittlichen Stundengeſchwindigkeit
von faſt 170 km. Seine beiden Landsleute Prevoſt
und Frey abſolvierten dann gleichfalls die Strecke,
er=
reichten aber bei weitem nicht das gute Reſultat wie
Vedrines. Die beiden Amerikaner verzichteten vollſtändig
auf den Start, ſo daß Vedrines Sieger des diesjährigen
Bennett=Rennens iſt. Das Rennen wurde im Jahre 1909
von dem Amerikaner Curtiß auf Curtiß=Doppeldecker
ge=
wonnen. Er legte damals 50 km mit einer
Durchſchnitts=
geſchwindigkeit von 75,625 km zurück, 1910 blieb der
Eng=
länder Graham White auf Bleriot=Eindecker in New=York
ſiegreich. Das Rennen führte in dieſem Jahre über
00 km, die mit einer durchſchnittlichen
Stundengeſchwin=
digkeit von 97,420 km abſolviert wurden. Im Vorjahre
ſiegte der Amerikaner Weyman auf einem Nieuport=
Ein=
ecker in Eaſtchurch, indem er die 150 km des Rennens
mit einer Durchſchnittsgeſchwindigkeit von 125,402 km
bewältigte. Im Anſchluß an das Bennett=Rennen findet
auf dem Flugplatz noch ein größeres internationales
Flugmeeting ſtatt, das mit Preiſen in Höhe von 25000
Dollar dotiert iſt.
Landwirtſchaftliches.
L. K. Am Dienstag, den 10. September, begannen
in Frankfurt die täglichen Kelterobſtmärkte.
Dieſe Märkte ſind im Vorjahre eingerichtet worden,
ſtehen unter Leitung der Stadt Frankfurt
beziehungs=
weiſe eines Marktausſchuſſes, in welchem auch die
Land=
wirtſchaftskammer vertreten iſt. Letztere hat veranlaßt,
daß die Preis= und Marktberichte täglich an eine größere
Anzahl Tageszeitungen hinausgegeben werden, damit
die Obſtzüchter, Landwirte ꝛc. ſich baldigſt orientieren
können.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— Sozialer Ausſchuß verbündeter Vereine
kauf=
männiſcher und techniſcher Angeſtellter! Unter dieſer
Flagge ſegelt in einem Eingeſandt eine Gegnerſchaft des
Sonntagsbetriebes. Im allgemeinen kann Schreiber
die=
ſes den Herren nicht ganz Unrecht geben daß die
Sonn=
tagsruhe eingeführt worden iſt zum Wohle der
Ange=
ſtellten und Lehrlinge, ſowie für den Prinzipal ſelbſt.
Daß man aber ſich erdreiſtet, von wirtſchaftlich ſchwachen
Exiſtenzen zu ſprechen, klingt wie ein Hohn auf den
klei=
nen Geſchäftsmann und iſt bezeichnend genug für den
Mangel von Verſtand und Kenntnis der Lage des kleinen
Geſchäftsmannes bei den heutigen Verhältniſſen. Daß es
nicht lauter große Geſchäftsleute geben kann, lehrt der
geſunde Menſchenverſtand; würde es nur große
Ge=
ſchäftsleuke geben, ſo lebten wir in einer herrlichen Zeit.
Aber dem iſt nicht ſo, „Gott ſei Dank” denn wer würde
dem kleinen Beamten, Kaufmann und Arbeiter, wenn
Matthäus am Letzten iſt, aus der Not helfen bis zum
nächſten Zahltag? Der Große gewiß nicht, ſondern
immer wieder muß es der Kleine machen. Daß die
Sonntagsruhe gewiſſen Branchen ſehr ſchädlich iſt,
haupt=
ſächlich der Zigarrenbranche, iſt eine allbekannte Tatſache.
Sollte das, was in den nachbarlichen Städten und
Dör=
fern beſteht, daß in der Zeit von 11—1 Uhr die Geſchäfte
geöffnet ſind, nicht auch bei uns von Vorteil ſein? So
gut das Polizeiamt die Vergünſtigung während der
Meſſe geſtattet, hätte dasſelbe auch eine Ausnahme
wäh=
rend der Ausſtellung machen können, wo Tauſende von
Fremden des Sonntags die Stadt beſuchen und
allge=
meine Verwunderung herrſcht, daß die Läden geſchloſſen
ſind. Ich bin der Anſicht, daß das Perſonal von den
Ge=
ſchäften auch einmal eine Ausnahme an den betreffenden
Sonntagen gegen eine eventl. Extravergütung machen
kann.
Ein Geſchäftsmann.
Die Lage auf dem Balkan.
— Konſtantinopel, 10. Sept. Der heutige
Miniſterrat beriet hauptſächlich über die Lage auf
dem Balkan und in Nordalbanien. Während ein
offener Konflikt mit Serbien und Griechenland kaum
er=
wartet wird, wird die Möglichkeit eines Krieges mit
Bulgarien erneut ernſt erörtert. In Nordalbanien
herrſcht völlige Anarchie. Die nordoſt=albaneſiſchen
Bairaktare richteten fünf neue Forderungen an die
Regie=
rung und verlangen ihre Annahme bis Dienstag. Der
Inhalt der Forderungen iſt unbekannt.
* Konſtantinopel, 10. Sept. Das
bulga=
riſche Exarchat hat an den Kultusminiſter eine
ſcharfe Note wegen der Ereigniſſe in Kotſchana
gerichtet. Es verlangt die ſchleunige Beſtrafung aller
Schuldigen und die Abſetzung der verantwortlichen
Be=
amten und Staatsangeſtellten.
* Saloniki. 10. Sept. Hier eingetroffene
Mel=
dungen beſagen, daß bereits ſeit einigen Tagen an der
bulgariſchen Grenze eine rege
Tätig=
keit herrſcht. Die bulgariſchen Grenztruppen
ſeien mit Erdarbeiten beſchäftigt, wobei mehrfach türkiſche
Patrouillen, die die Grenze abſtreiften, bedroht worden
ſeien. Eine Patrouille ſei der neutralen Zone zu nahe
gekommen, worauf die Beſatzungen der Wachthäuſer
Ka=
ratepe, Tamſtepe und Djebelitza das Feuer eröffnet
hät=
ten. Die türkiſchen Soldaten, die Verſtärkungen erhielten,
hätten das Feuer erwidert, wobei fünf Bulgaren getötet
worden ſeien. Als bulgariſche Verſtärkungen anlangten,
hätte ſich das Feuer lebhafter geſtaltet, weshalb die
Tür=
ken die mohammedaniſchen Landsleute bewaffnet hätten,
damit ſie den türkiſchen Grenzwachen zu Hilfe kämen.
Das Feuer habe dem ganzen Tag über angedauert.
Einzel=
heiten über die genauen Verluſte fehlen noch.
— Rom, 10. Sept. Ein italieniſcher Diplomat
äußerte ſich zu einem Vertreter des „Corriere d’Italia”
er glaube nicht an den Ausbruch eines Krieges,
weil Europa entſchloſſen ſei, ihn zu verhindern, dagegen
meint der hieſige Vertreter eines Balkanſtaates, er glaube
an einen Krieg, weil die Balkanſtaaten überzeugt ſeien,
daß die gegenwärtige Lage eine einzigartige Gelegenheit
bieten wird, Anſprüche geltend zu machen.
Marokko.
* Paris, 11. Sept. Wie aus Caſablanca gemeldet
wird, ſoll Marrakeſch ſelbſt nicht beſetzt werden,
es ſoll aber außerhalb der Stadt ein verſchanztes und
gut verproviantiertes Lager errichtet werden, deſſen
Be=
ſatzung Marrakeſch mit ihren Kanonen beherrſchen würde,
und dabei vollſtändige BBewegungsfreiheit behielte, um
auch die umliegenden Stämme im Zaum zu halten.
Gene=
ral Lyautey beabſichtigt, Muley Juſſuf ſo bald als
möglich nach Marrakeſch kommen und zum Sultan
aus=
rufen zu laſſen. Was den geplanten Aufenthalt Muley
Hafids in Tanger anlangt, ſo fürchtet Lyautey, daß
dieſer Ränke und Verwickelungen hervorrufen könne. Er
wolle deshalb die Rückkehr Muley Hafids nach Marokko
möglichſt lange hinausſchieben. Wie der Korreſpondent
des Matin meldet, bereitet General Lyautey einen
Be=
richt an die franzöſiſche Regierung vor, in dem er ſehr
ſcharfe Vorwürfe gegen die ſpaniſchen Konſuln in
Ma=
rokko erhebt. Er wirft insbeſondere dem ſpaniſchen Konſul
in Mogador, Soſtoa, vor, daß er ſich des eingeborenen
Pöbels bedient habe, um die Ausrufung Muley Juſſufs
zum Sultan zu verhindern, und daß er ferner eine eifrige
Propaganda zugunſten El Hibas entfaltet habe, indem
er durch Sendlinge überall verbreiten ließ, daß die
An=
hänger El Hibas mit Leichtigkeit die Franzoſen aus
Ma=
rokko vertreiben könnten. Lyautey, der ähnliche Vorwürfe
auch gegen den ſpaniſchen Konſul Villa Real in Mazagan,
ſowie gegen den ſpaniſchen Konſul in Saffi richtet, habe
alle Beziehungen zu den ſpaniſchen Konſuln abgebrochen,
die er als Feinde anſehe. Nach den letzten Meldungen
dürfte ſich der Prätendent El Hiba ſüdöſtlich,
wahrſchein=
lich zu den Tadla und Ben Zajan, geflüchtet haben. Man
glaubt, daß er den Franzoſen von neuem ernſte
Schwie=
rigkeiten bereiten werde.
Darmſtadt, 12. September.
D Neues vom Großh. Hoftheater. Das lebhafte
Intereſſe, das ſich für die heutige Aufführung von
Nico=
lais „Luſtigen Weibern” kundgibt, konzentriert ſich in
erſter Linie auf den neuen Dirigenten, Kapellmeiſter
Lert. Der junge Muſiker, der aus der Schule Guſtav
Mahlers hervorgegangen iſt, hat bereits früher die
Auf=
merkſamkeit berufener Kreiſe auf ſich gelenkt. Die
Mit=
wirkung von fünf neuen Mitgliedern des Enſembles
trägt natürlich das ihrige bei, das Intereſſe noch zu
er=
höhen. — Die Luſtſpielneuheit „Der Gardeoffizier”
die=
morgen, in Szene geht, iſt eine der amüſanteſten
Komö=
ien der jüngſten Zeit. Franz Molnär, der erfolgreiche
Autor, iſt unſerem Publikum längſt kein Fremder mehr.
Sein feines Spiel „Der Teufel” hat auch in Darmſtadt
großen Beifall gefunden. In den Hauptrollen des
„Gardeoffizier” ſind neben Herrn Ehrle, der die
Doppel=
rolle des Schauſpielers und Offiziers ſpielt, die Damen
Meißner (ſeine Frau) und Rudolph (Mama), die
Herren Heinz (Kritiker) und Jordan — letzterer in
einer ſehr luſtigen Epiſode — beſchäftigt. Außerdem
wirken im zweiten Akt, der in einer Loge des Wiener
Hofoperntheaters während einer Aufführung von
Bo=
hème ſpielt, neben dem Orcheſter erſte Soliſten der
Oper mit.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* München, 11. Sept. In der Beleidigungsklage des
Profeſſors Brentano gegen den Syndikus des
bayeri=
ſchen Induſtriellenverbandes, Dr. Kuhle, hob das
Land=
gericht München I das Urteil des Schöffengerichts auf
und ſetzte die gegen Kuhle ausgeſprochene Geldſtrafe
von 300 auf 250 Mark herab. Die Berufung des
Privatklägers wurde verworfen.
* Köln, 11. Sept. Anläßlich des heutigen 50jährigen
ZJubiläums der Gummiwerke Franz Cluth
ſtif=
tete die Firma 50000 Mark zugunſten der Arbeiter und
50 000 Mark zugunſten der Beamten. Dieſe 100000 Mark
wurden der 1910 gegründeten Franz Cluth=Stiftung
über=
wieſen.
* Hagen i. W., 11. Sept. Die Regierung erteilte die
Genehmigung zur Inbetriebnahme des
Hage=
ner Krematoriums, des erſten in Preußen. Das
Krematorium iſt 1906 erbaut worden.
* Hamburg, 11. Sept. Der Dampfer „Kamerun”
iſt auf der Reiſe von Kamerun nach Weſt=Afrika an der
afrikaniſchen Küſte gänzlich verloren gegangen. Die
Mannſchaft wurde bei Monrovia gelandet.
* Bremerhaven, 11. Sept. Die ſchwediſchen Re
dakteure trafen geſtern abend hier ein, um einer
Ein=
ladung des Norddeutſchen Lloyd zur Beſichtigung der
Hafenanlagen und zu einem Feſtmahl an Bord des
Doppelſchraubendampfers „Berlin” Folge zu leiſten.
Nach der Beſichtigung des Schiffes verſammelten ſich die
Teilnehmer im großen Speiſeſaal des Schiffes zu einem
Mahl, wobei Direktor Greve die Gäſte namens des
Norddeutſchen Lloyds willkommen hieß. Dr.
Sohl=
mann=Stockholm dankte namens ſeiner Kollegen für
den liebenswürdigen Empfang in beredten Worten. Er
erkannte die große Bedeutung des Unternehmens an,
deſ=
ſen wirtſchaftliches Aufblühen und ſeine Stellung in der
Welt ein ſchlagendes Beiſpiel dafür ſei, was menſchliche
Kraft ausrichten könne. Er brachte dann ein Hurra auf
die Stadt Bremerhaven und den Norddeutſchen
Lloyd aus. Nachdem Chefredakteur Schweitzer=Berlin
eine Reihe von eingegangenen Telegrammen, darunter
auch ein ſolches von dem ſächſiſchen Miniſter Vitzthum
von Eckſtädt, verleſen hatte, erhob ſich Redakteur Langlot
und ſchilderte die Eindrücke, die die Gäſte in Bremen
empfangen hätten. Der Redner ſchloß mit einem Hoch
auf die Mitvorbereiter des Beſuches. Chefredakteur Fitger
gedachte in ſeiner Erwiderung des ſchwediſchen Volkes
und entbot dem herrlichen, impoſanten Lande ſeinen
Gruß. An dem Mahle nahmen als Vertreter des Senats
Senator Dr. Nebelthau, als Vertreter der Bürgerſchaft
deren Vizepräſident Bankdirektor Krug, Dr. Tebelmann,
die Direktoren des Norddeutſchen Lloyds Greve, Freiherr
v. Plettenberg, Föhr und andere teil. Beſonderes Intereſſe
bot für die auswärtigen Herren der Einlauf des von
Amerika heimkehrenden Schnelldampfers „Kaiſer Wilhelm
der Große”, welcher die Schleuſe paſſierte und den
Liege=
platz im Hafen einnahm. Vormittags wurden die
Kaiſer=
docks und die Hafenanlagen beſichtigt und um 9 Uhr die
Rückfahrt nach Bremen angetreten.
* Paris, 11. Sept. Das dritte Geſchwader, das im
Oktober von Breſt nach Toulon abſegeln wird, nimmt
gegenwärtig Schießübungen bei Quibfron vor. Um
einen Unfall hintanzuhalten, hat Vizeadmiral Marolle
be=
züglich des Pulvers die ſtrengſten Vorſichtsmaßregeln
an=
geordnet. Die Munition wird erſt einige Augenblicke
vor Beginn der Schießübungen an Bord der Schiffe
ge=
bracht und nach Beendigung der Uebungen mittels Kähne
an Land zurückgebracht. Der Generalrat von Finiſterre
hat in einer außerordentlichen Sitzung die Entſcheidung
des Marineminiſters, durch die die Peiizerſchiffe des dritten
Geſchwaders dem Kriegshafen von Toulon zugeteilt
wer=
den, erörtert und mittels eines einſtimmig gefaßten
Be=
ſchlußantrages die Regierung aufgefordert, das geſamte
dritte Geſchwader in Breſt zu belaſſen. Sämtliche
Kauf=
leute von Breſt werden heute eine Verſammlung
abhal=
ten, um eine Proteſtbewegung gegen die Maßnahme
Del=
caſſés zu veranſtalten, gegen die auch die Breſter
Handels=
kammer Einſpruch erheben wird.
* Liſſabon, 11. Sept. In einem Dorfe, ſieben
Kilo=
meter von Arraiolles in der Provinz Alemtejo, wurde
eine ſiebenköpfige Familie ermordet. Als
mutmaß=
licher Täter wird ein Landwirt geſucht, welcher in der
Nachbarſchaft der ermordeten Familie ein Anweſen hatte.
* New=York, 11. Sept. Nachdem die Leiche der
Grä=
fin Snabe alias Roſa Menſchek exhumiert war,
er=
folgte geſtern die amtliche Unterſuchung. Dieſe ergab
mit Sicherheit Strangulation als Todesurſache.
Auch Giftſpuren wurden in dem Körper gefunden.
Auf Grund dieſer Feſtſtellungen iſt jetzt der
Haft=
befehl gegen den des Mordes verdächtigen
Rechts=
anwalt Gibſen ausgeſtellt worden. Gibſen wurde
geſtern auf dem Wege nach ſeiner Wohnung von einer
großen Volksmenge bedroht und mußte durch die ihn
überwachenden Detektive geſchützt werden.
* New=York, 11. Sept. In Culling (Georgia)
ſtürmte geſtern eine aus 2000 Perſonen beſtehende
Menge das Gefängnis eines unter dem Verdacht
der Mitſchuld an einem Luſtmord verhafteten 19jährigen
Negers. Der Mob zerſtümmelte den Körper, der von
zahlloſen Kugeln durchbohrt war, und ſchleifte ihn durch
die Straßen. Sodann verlangte der Pöbel die
Aus=
lieferung der Mutter des Gelynchten. Die Frau konnte
ſich aber mit dem eigentlichen Mörder noch rechtzeitig
retten. Blutige Raſſenkämpfe ſtehen bevor.
* Rio de Janeiro, 11. Sept. Der Miniſter für
Landwirtſchaft hat mit den Schiffahrtsgeſellſchaften
Navigacione Generale, La Veloce und Italia einen
Ver=
trag zur Errichtung einer eigenen Linie ausſchließlich für
Poſtdampfer zwiſchen Italien und Bra=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.
Nummer 215.
fillen unterzeichnet. Für jede Hin= und Hereiſe ſol
eine Subvention von 60 Konto Reis gewährt werden,
wo=
von 40 von der Bundesregierung und 20 vom Staate
Sao Paulo bezahlt werden. Die Reiſen werden zweimal
monatlich ſtattfinden und Rio de Janeiro und Santos
ab=
wechſelnd mit Pernambuco und Bahia berühren.
* Tokio, 11. Sept. Prinz Heinrich von
Preu=
ßen beſuchte heute vormittag den Kaiſer und nahm
das Frühſtück mit ihm ein. Später begab ſich der Prinz
in das Trauergemach, um der aufgebahrten Leiche des
verſtorbenen Kaiſers die Ehrung zu erweiſen.
— Madrid, 11. Sept. In der Provinz Almeria
brach=
ten etwa 100 bewaffnete Zigeuner einen Eilzug bei der
Station Macimiento zum Halten und drangen in die
Abteile ein. Sie machten große Beute töteten 2 und
verwundeten 9 Paſſagiere. Die Bande entfloh.
Briefkaſten.
* Stammtiſchgeſſellſchaft Freitag. Eine
geſetzliche Verpflichtung zur Verabfolgung von Speiſe und
Getränk beſteht für den Inhaber einer Wirtſchaft nicht.
Verweigert er einem Gaſt Speiſe und Getränk ohne
er=
ſichtlichen Grund, ſo muß er jedoch darauf bedacht ſein,
daß es nicht in einer den Gaſt beleidigenden Weiſe
ge=
ſchieht.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Der Kern des Tiefdruckgebietes hat ſich nach Jütland
verlagert und kann unſere Witterung beeinfluſſen. Die
Temperaturen liegen zwiſchen 8‟ und 10%. Verbreitete
leichte Regenfälle. Das Wetter wird ſich nicht ändern.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den
12. September: Wechſelnd bewölkt, Temperatur wenig
verändert, zeitweiſe Regenſchauer.
Fühlen Zie ſich matt und elend?
Dann nehmen Sie Bioſon, Sie werden es ſchätzen lernen!
Ich war faſt ½ Jahr krank, litt an Herzſchwäche, Schwindel,
u. dergleichen Erſcheinungen und hatte, was das Schlimmſte
war, eine Schwäche in den Beinen, daß ich nicht laufen
konnte. Daher entſchloß ich mich, zur Kräftigung Bioſon zu
nehmen. In den erſten Tagen des Gebrauches verſpürte
ich ſchon Beſſerung. Vor allem verloren ſich die
Atem=
beſchwerden, die Müdigkeit in den Beinen verſchwand
all=
mählich, ſo daß ich bald wieder wie in geſunden Tagenlaufen
konnte; auch das kranke und fahle Ausſehen machte einer
friſchen Geſichtsfarbe Platz. Ich merkte deutlich, wie ſich
meine Kräfte wieder hoben, ich wieder Mut am Leben fand,
ſo daß ich gleichſam wie neugeboren war. Breslau I.
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Unser Leben währet 70 Jahre,
unendlich vielen aber iſt es nicht vergönnt, das
Greiſenalter wirklich zu erreichen, weil irgend
eine akute Krankheit ſie viel zu früh dahin rafft.
Wer nicht leichtfertig iſt und ſein Leben bewahren
will, der muß auch die kleinen
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keiten beachten, die ſich als Erkältungen
dar=
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Hiermit die ſchmerzliche Mitteilung, daß
unſer innigſtgeliebter Sohn, Bruder, Schwager,
Onkel und Neffe
(B18054
Heihrich- Auam Schneider
nach kurzem, ſchwerem Krankenlager am 10.
Sep=
tember nach vollendetem 29. Lebensjahre ſanft
dem Herrn entſchlafen iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Georg Heinrich Schneider,
Familie Carl Klippel,
Familie Eckert.
Darmſtadt und Nieder=Kainsbach,
den 11. September 1912.
Die Beerdigung findet Freitag, den 13. Sept.,
nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhauſe
Nieder=
ſtraße 10 aus, auf dem Beſſ. Friedhofe ſtatt.
Todes-Anzeige.
(Statt jeder besonderen Anzeige.)
Heute mittag 12½ Uhr entschlief nach langem, schwerem Leiden meine
liebe Schwester, unsere gute Schwägerin und Cousine
Wilhelmine Beverle.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Dr. med. Rudolf Beyerle.
Darmstadt, den 11. September 1912.
Die Beerdigung findet Samstag, den 14. September, vormittags 11 Uhr, nach Einsegnung von
der Friedhofskapelle aus, statt.
(19072
Todes=Anzeige.
Hiermit die traurige Mitteilung, daß es
Gott dem Allmächtigen gefallen hat, Dienstag
abend 11 Uhr meine innigſtgeliebte Frau, unſere
Mutter, Großmutter, Schweſter, Schwägerin
(19046
und Tante
Flad Lisckte Schheider
geb. Lorenz
nach langem, ſchwerem, mit Geduld ertragenem
Leiden im nahezu vollendeten 57. Lebensjahre
zu ſich in die Ewigkeit zu rufen.
Die tieſtrauernden Hinterbliebenen:
Philipp Schneider,
Ludwig Schneider u. Familie,
Adam Schneider u. Familie,
Heinrich Poth u. Familie,
Karl Klöß u. Familie.
Darmſtadt, 11. September 1912.
Die Beerdigung findet Freitag, den 13. Sept.,
nachmittags 4 Uhr, vom Hauptportal des
Darmſtädter Friedhofes aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die zahlreichen Beweiſe herzlicher, inniger
und aufrichtiger Teilnahme beim Hinſcheiden
unſeres geliebten Sohnes, Bruders, Schwagers
und Onkels
(B19040
Heinrich Schüler
ſagen wir Allen unſeren herzlichſten Dank.
Ins=
beſondere dem Herrn Pfarrer Flöel, den Herren
Beamten und Arbeitern der Firma Luther & Co.,
dem Metallarbeiterverband, den Schulkameraden,
dem Zither=Klub Darmſtadt=Beſſungen, ſowie
Allen, die ihm die letzte Ehre erwieſen haben.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Heinrich Schüler.
Darmſtadt, den 11. September 1912.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Heimgang unſerer lieben Mutter
Pad Jacbeie Klemsteuser
geb. Wamser
ſagen wir Allen unſeren innigſten Dank. (*5953
Die trauernden Hinterbliebenen.
Bad=Nauheim, Hannover, Berlin,
10. September 1912.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. C), Anfang 7 Uhr: „Die
luſtigen Weiber von Windſor”
Koſtüm=Beſprechung zum Luther=Feſtſpiel um
4 Uhr im Saalbau.
Bibliſcher Vortrag um 8½ Uhr im Zelt an der
Lindenhofſtraße (Thema: „Weltmiſſion und
Weltver=
kehr‟).
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Frankfurt aus der Vogelſchau (Aufnahme aus einem
Zeppelin), vom Beſuch des deutſchen Kaiſers in der
Schweiz, die große Herbſtparade auf dem Tempelhofer
Felde bei Berlin.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 13. September.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 9 Uhr in der
„Ludwigshalle‟.
Obſt=Verſteigerungen: auf der Straße Roßdorf-
Gundernhauſen um 9 Uhr (beginnend bei Roßdorf) —
auf der Straße Roßdorf bis zum Wald gegen Ober=
Ramſtadt um 1½ Uhr (beginnend bei Roßdorf) — auf
der Straße Eberſtadt-Nieder=Ramſtadt um 7½ Uhr
(Zuſammenkunft an der Papiermühle), — auf der Straße
Nieder=Ramſtadt-Waſchenbach um 9 Uhr (beginnend
bei Nieder=Ramſtadt), — auf der Straße Arheilgen-
Baierseich um 8 Uhr (Zuſammenkunft am Ausgang von
Arheilgen), daran anſchließend auf der Straße
Abzweig=
ung Frankfurterſtraße-Wixhauſen (beginnend an der
Frankfurterſtraße), — auf der Straße Wirhauſen-
Grä=
fenhauſen um 2½ Uhr (beginnend bei Wixhauſen).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Kanmer-bau
ach ulsner Art L
ach Münchner Art
Jell Export uunu
—feinste Tafelbiere —
n Flaschen und Syphons.
16187a
Nummer 215.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.
Seite 7.
Donnerstaqu. Freitag
am 12. und 13. ds. Monats
bleiben unsere Geschäftsräume
geschlossen.
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Eure Kritik die ſtimmt mich heiter,
Drum ſchmied ich ſchlichte Verſe weiter
Nach Feierabend — in der Nacht,
Wenn ich mein Tagewerk vollbracht.
Zum Einkauf hab ein Tag ich Zeit:
Ein alter Fachmann weiß Beſcheid!
Ich führe Marken nur von Klaſſe,
Weil ich das Minderwert’ge haſſe.
Als Lockſpeiſ’ geb ich keine Uhr:
Ich imponier durch „Marke” nur! —
Auch ich kann mit dem Dichter ſagen:
Es ſind die ſchlecht’ſten Früchte nicht,
Woran die Weſpen nagen.
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Inhaber der Firma Benz & Co.
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konſervator. geb., erteilt gründl.
Unterricht. Off. u. O. 29 Exp.
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18)
7. Kapitel.
Kaum zeigte am nächſtfolgenden Sonntag die Uhr die
Viſitenſtunde an, ſo meldete Jakob, daß Herr von
Schmett=
witz Exzellenz ſeine Aufwartung mache.
Frau von Leerſen begab ſich, gefolgt von Karl Auguſt,
in den Salon, wo freundlich lächelnd in roſiger Rundheit,
mit erwartungsvollen Augen der eben Gemeldete in
Gala=
uniform der Eintretenden harrte.
Eine Schönheit iſt er inzwiſchen nicht geworden,
kon=
ſtatierte, innerlich unangenehm berührt, Frau von Leerſen.
Sie hatte Herrn von Schmettwitz früher flüchtig ab und zu
bei Hofe und in Geſellſchaften geſehen. Wäre ſie
auf=
richtig geweſen, ſo hätte ſie im weiteren Verlauf ſeines
Be=
ſuches noch hinzufügen müſſen: ein großer Geiſt auch nicht!
Aber das tat ſie nicht, ſondern ſie faßte ihr Urteil über
Schmettwitz zu Karl Auguſt in folgende Worte zuſammen:
Ein ſympathiſcher, junger Mann.
Karl Auguſt nickte ernſthaft und zuſtimmend mit dem
Kopfe. Ihm war es ſympathiſch, daß Schmettwitz neben
all ſeinen lebemänniſchen Vorzügen auch dem Jeu
durch=
aus nicht abhold war.
Chriſta von Leerſen hatte aber Herr von Schmettwitz.
obgleich ſie der Magnet war, der ihn ins Leerſenſche Haus
gezogen hatte, nicht zu Geſicht bekommen. Das Mädel
ge=
fiel ihm rieſig! Raſſig, ſchick, elegant, diſtinguiert, So
und nicht anders hatte er ſich die zukünftige Frau von
Schmettwitz immer gedacht. Vorderhand war es aber
im=
mer nur bei dem innerlichen Ausmalen eines ſolchen
idealen Zukunftsbildes geblieben, denn die Ehe lief ihm ja
nicht weg. So lange man jung war, mußte man ſein
Leben als freier ungebundener Mann genießen. Nun
hatte er das ſeit Jahren getan, ausgiebig und intenſiv.
Sein großer Reichtum hatte ihm dabei vortreffliche
Dienſte geleiſtet und ihn immer mehr in dem angenehmen
Glauben beſtärkt, daß er eigentlich ein „ganz verfluchter
Kerl” ſei, der immenſes Glück bei Weibern habe. Daß
dieſe „Weiber”, die ihn das gelehrt hatten, aber immer
aus einer recht niedrigen Sphäre ſtammten, entging ihm
dabei. Den jungen Damen aus ſeinen Kreiſen, die
im=
mer gleich an eine Heirat dachten, war er bisher vorſichtig
aus dem Wege gegangen. Er galt daher als ein
hartge=
ſottener Junggeſelle. Das Gerücht aber beſchäftigte ſich
ſehr eingehend mit ſeinem in puneto Liebe nicht ſehr
ein=
wandfreien Leben und ſchilderte es mit noch ſchwärzeren
Farben, als es in Wirklichkeit war. So wurde erzählt,
daß er nie allein, ſondern ſtets in zarter Begleitung ſeine
oft monatelangen Reiſen in aller Herren Länder
unter=
nahm. Solche Reiſen wechſelten mit dem Aufenthalt auf
ſeinen Gütern ab. Zuweilen bezog er auch ſein elegantes
Junggeſellenheim in Bellburg für einige Zeit und gab
durch ſeine tollen — andere nannten es dummen
Streiche — den braven Bellburgern Gelegenheit, ſich
ſitt=
lich zu entrüſten.
Augenblicklich war er in Bellburg und machte eine
Reſerveoffizier=Uebung. Bei ſeiner Korpulenz wurde ihm
das nicht leicht. Er hatte ſich daher auch von dieſer
Uebung wieder, ſo lange es ging, zurückſtellen laſſen, und
hätte am liebſten ganz auf ſeine weitere „Karriere”
ver=
zichtet. Was hatte er ſchon vorher wieder dieſe Uebung
verwünſcht. Seit er aber jetzt Chriſta von Leerſen kennen
gelernt hatte, die während ſeiner längeren Abweſenheit
von Bellburg zur reizendſten jungen Dame erblüht war,
dachte er anders. Für eine weiſe Fügung der Vorſehung
hielt er nun ſeinen achtwöchigen Aufenthalt in der
Reſi=
denz. Donnerwetter noch mal, einen förmlichen Ruck hatte
es ihm gegeben, als er ſie kennen gelernt hatte! Dieſes
ſtolze, ſchöne, junge Geſchöpf, es mußte ſein werden! Ein
raſendes Verlangen, dieſe Chriſta von Leerſen zu befitzen,
erfaßte ihn. Er war jetzt Anfang dreißig, es war alſo
wirklich Zeit, um ernſthaft einmal ans Heiraten zu denken.
Zudem war ihm die bisherige Weiber= und
Junggeſellen=
wirtſchaft wirklich jetzt über; ſie erſchien ihm fade und
al=
bern. Die Ehe würde entſchieden eine angenehme
Ab=
wechslung ſein!
Seine Eitelkeit — er beſaß eine gehörige Doſis
da=
von, wie alle mit geiſtigen Schätzen nicht geſegnete
Men=
ſchen — regte ſich. Wenn er ſich wirklich entſchloß, zu
heiraten, ſo mußte es auch etwas ganz Apartes ſein!
Man ſollte von ſeiner Wahl ſprechen, Aufſehen ſollte ſie
erregen. Seinem Ruf als verfluchter Kerl mußte ſie Ehre
machen. Alſo, die Tochter des Miniſters von Leerſen —
ſchade, daß der Alte vor ein paar Monaten geſtorben war
— das war gerade ſo das Richtige für ihn. Leerfens
ſtan=
den ſo wie ſo jetzt im Brennpunkte des öffentlichen
In=
tereſſes, da würde die Verlobung von Fräulein von Leer=,
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.
Nummer 215.
ſen jetzt doppelt Aufſehen machen! Pah, was ging es
ihn an, daß das ſchöne Mädchen jetzt arm war! Seine
ſonſtigen Neigungen hatten ihm Tauſende gekoſtet, warum
ſollte ſeine Gemahlin nicht den zehnfachen Betrag wert
ſein!
Famos, daß Karl Auguſt von Leerſen ſein
Regiments=
kamerad war. Auf dieſe Weiſe konnte er, ohne daß es
auffiel, das Haus der alten Exzellenz aufſuchen, die der
Trauer wegen ganz zurückgezogen lebte. Uebrigens tipp
topp, ſeine zukünftige Schwiegermutter,
Vollblutariſto=
kratin vom Scheitel bis zur Sohle! Einwandfrei, völlig
einwandfrei in jeder Beziehung die ganze Familie. Das
berührte ihn angenehm, äußerſt angenehm!
Faſt täglich war nun Herr von Schmettwitz im
Leer=
ſenſchen Hauſe zu ſehen. Er überlief Karl Auguſt
gerade=
zu mit ſeinen Beſuchen. Dieſer merkte ſehr wohl, daß er
dieſes ſo plötzlich und intenſiv erwachte
Freundſchafts=
gefühl keineswegs den Vorzügen ſeiner eigenen
Perſön=
lichkeit zu verdanken hatte, ſondern vielmehr denen ſeiner
ſchönen Schweſter.
Ja, Chriſta war ſchön. Mit brüderlichem Stolz ſah
er das. Ihm kam es vor, als ſei ſie, ſeit ſie die dunklen
Trauergewänder trug, noch gewachſen. Dieſe raſſige,
ſchlanke Geſtalt mit den weichen, graziöſen Bewegungen
hatte etwas unendlich Anmutiges. Dazu das feine pikante
Geſichtchen, dem der ernſte Zug, der jetzt meiſt darauf lag,
noch einen neuen, eigenartigen Reiz verlieh.
Eigentlich ſchade, dieſes Mädchen für den verlebten
Schmettwitz! Na, leicht würde er es auch nicht gerade
mit ihr haben! Denn es war offenbar, daß in Chriſtas
ſo reizendem Köpfchen recht unbequeme Ideen und
Schrul=
len wohnten. Er war manchmal ſchon recht empfindlich
mit ihr zuſammengeraten. Sie hatte eine Art, über Dinge
und Sachen zu ſprechen, die ihn einfach ärgerte. Beinahe
bürgerliche Anſichten entwickelte ſie da. Er begriff ſeine
Mutter nicht, die lächelnd darüber hinwegging, es
kind=
liches Geſchwätz nannte, mit dem Chriſta den Bruder nur
in den Harniſch bringen wollte. Sie hat zeitlebens gern
geneckt, Karl Auguſt. Du mußt ihre Worte nicht für bare
Münze nehmen, hieß es.
Eines Tages aber erſchrak Frau von Leerſen
ſelbſt. Plötzlich und unvermittelt erklärte Chriſta, ſie habe
dieſes Leben ohne Zweck und Ziel fatt und ſei entſchloſſen,
irgend etwas zu lernen. Einen Beruf wollte ſie ergreifen,
der ihr Befriedigung gewähren ſollte, zumal, fügte ſie
ernſt hinzu, da ich ſehe, wie nötig es iſt, daß ich etwas
ſelbſt verdiene. Vermögen haben wir faſt keines mehr,
Mama. Wir müſſen uns in jeder Beziehung einſchränken.
Karl Auguſt braucht viel — eigentlich hatte ſie ſagen
wol=
len: mehr als Du ihm geben kannſt, aber ſie unterdrückte
es — und ich ſehne mich ordentlich nach Arbeit und
Be=
tätigung. Soll denn meine junge Kraft ganz brach liegen?
Sieh, was tue ich denn? Ich übe täglich eine Stunde
Klavier und Geſang, obgleich ich weder muſikaliſch bin
noch Stimme habe. Dann leſe ich Dir vor, gehe ſpazieren,
ſticke an unnötigen Handarbeiten, leſe wieder, treibe
Spra=
chen, mache Beſuche bei langweiligen Menſchen. So geht
es tagaus tagein. Und das iſt ſo entſetzlich fade und
ein=
tönig. Wenn ich wenigſtens Babette bei der Arbeit im
Haushalt helfen dürfte. Das iſt jedoch ſnicht ſtandesgemäß
und verdirbt die Hände. Aber, Mama, iſt es
ſtandesge=
mäßer, ſich tot zu langweilen? Jedes Dienſtmädchen,
jedes Ladenfräulein beneide ich, ſie haben einen Beruf
einen Zweck, ihr Leben iſt ausgefüllt.
Du leiſteſt Deiner Mutter Geſellſchaft! Ich meine,
das wäre der vornehmſte Beruf für ein Kind.
Ja, wenn ich das wirklich täte, Mama. So ganz in
dem Sinne, wie ich es verſtehe, dann wäre es auch einer!
Aber ſo! Was bin ich Dir? Alles was Dich bewegt,
be=
ſprichſt Du mit Karl Auguſt. Ich ſtehe abſeits!
Närrchen, Du! Eiferſüchtig biſt Du alſo! Frau von
Leerſen lächelte, wie man über ein Kind lächelt, deſſen
Worte man nicht ernſt nimmt.
Eiferſüchtig? Nein! Ich komme mir aber nur ſo
grenzenlos übrig und zwecklos vor.
Ach, Unſinn! Du leideſt, ohne daß Du es weißt, un
ter den veränderten Verhältniſſen. Das eintönige, ſtill=
Leben, ohne Geſelligkeit und Zerſtreuung, das wir
jetz=
führen, bekommt Dir nicht. Das iſt alles! Ich finde auch=
Du ziehſt Dich zu ſehr von Deinen Freundinnen zurück
Du lieſt und grübelſt zu viel!
Freundinnen? Ich habe keine in unſeren Kreiſen
Für was intereſſieren ſie ſich denn? Ihre Geſpräche kom
men nicht über Tennisſpiele, Reiten, Hofklatſch und
ihr=
augenblicklichen Verehrer hinaus. Für ſolche Oberfläch
lichkeiten halte ich mich denn doch zu gut.
Chriſta! Ein forſchender Blick traf prüfend die
Toch=
ter. Ich will nicht hoffen, daß dieſe Anſichten das
Re=
ſultat des Briefwechſels mit Deinem Bruder Joachim
ſind, ſonſt —
Nein, Mama, bei Gott nicht. Zwar danke ich Joachims
Briefen eine Fülle von geiſtigen Anregungen, aber den
Wunſch nach einem Beruf haben ſie nicht in mir geweckt.
Er hat, ohne daß ich davon wußte, wohl ſchon lange in
mir geſchlummert und ſich durch den Ernſt der vergangenen
Monate ausgereift.
Beruf, Beruf! Du wirſt Dich verloben, verheiraten.
Das iſt der ſchönſte Bernf eines Weibes. Das iſt es auch,
wrnach Du Dich unbewußt, aber inſtinktiv ſehnſt! Wir
wollen uns mal nach Jahresfriſt wiederſprechen, mein
Töchterchen, ob ich nicht recht hatte! Nun, nun ſchüttele
nur nicht ſo abweiſend mit dem Kopf, kleine Weisbeit!
Das weiß ich doch beſſer als Du!”
(Fortſetzung folgt.)
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Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
30 107.
Donnerstag, 12. Seſtenber.
1912.
Bekanntmachung.
Die Grundbeſitzer unſeres Kreiſes werden hierdurch aufgefordert, die bei ihnen
aus Anlaß der Herbſtübungen entſtehenden Flurbeſchädigungen alsbald nach
Be=
endigung der Uebungen bei der betreffenden Bürgermeiſterei anzumelden, welche
das Erforderliche wegen Feſtſtellung und Abſchätzung der Beſchädigungen durch die
hierfür beſtellte Flurabſchätzungs=Kommiſſion, ſowie demnächſtiger Auszahlung der
Entſchädigung veranlaſſen wird.
Falls die Aberntung oder die Beſtellung der beſchädigten Felder vor Eintr effen
der Flurabſchätzungs=Kommiſſion eintreten muß, wovon indeß nur in den
dringend=
ſten Fällen Gebrauch gemacht werden kann, ſo iſt dies bei der Bürgermeiſterei
beſonders zu beantragen.
Ausdrücklich wird darauf hingewieſen, daß Beſchädigungen, welche nicht durch
die Truppenübungen ſelbſt, ſondern auf andere Weiſe, insbeſondere dadurch
ent=
ſtanden ſind, daß die Beteiligten das rechtzeitige Abernten unterlaſſen haben, keinen
Anſpruch auf Vergütung begründen können.
Das Gleiche gilt von Arbeiten und Aufwendungen, von denen die Beteiligten
gewußt haben, daß ſie durch die Truppenübungen der nächſten Tage zerſtört
werden mußten.
Darmſtadt, den 27. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Michel.
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Unter Bezugnahme auf unſere vorſtehende Bekanntmachung empfehlen wir
Ihnen, die hiernach bei Ihnen erfolgenden Anmeldungen entgegenzunehmen und die
Nachweiſungen unter Beachtung des Nachſtehenden aufzuſtellen.
Das für dieſelben notwendige Formular wollen Sie bei uns anfordern.
Damit die Aufſtellung der Nachweiſung ohne jede Verzögerung begonnen
werden kann, iſt durch Umfrage bei den Truppenteilen feſtzuſtellen, ob und wann
die Herbſtübungen in ihren Gemarkungen beendet bezw. ob Flurbeſchädigungen nicht
mehr zu erwarten ſind. Die abgeſchloſſenen Nachweiſungen wollen Sie uns hiernach
ſofort einſenden.
In Hinſicht der Aufſtellung der Nachweiſungen bemerken wir:
1. In denſelben iſt der Flächeninhalt des ganzen Grundſtücks, auf dem die
Beſchädigung entſtanden iſt (Spalte 5 der Nachweiſung) genau anzugeben.
2. Die Spalten 6 und 7 dieſer Nachweiſung ſind mit Blei, die Spalten 8 bis 11
aber überhaupt nicht auszufüllen. Die Spalte 6a bleibt nur dann unausgefüllt,
wenn die Beteiligten keine beſtimmten Entſchädigungsforderungen ſtellen.
3. Falls die Aberntung oder die Beſtellung der beſchädigten Felder vor
Ein=
treffen der Flurabſchätzungskommiſſion eintreten muß, wovon indeß nur in den
dringendſten Fällen Gebrauch zu machen iſt, und dementſprechend von dem
Orts=
vorſtande in Gemäßheit der Beſtimmung der Ausführungsverordnung zum
Natural=
leiſtungsgeſetz vom 13. Juli 1808 III zu § 14 Abſ. 3 f. (R. G. Bl. 1888 Seite 922 f.)
angeordnet wird, hat eine Vorabſchätzung ſtattzufinden, die von einer aus dem
beſtehenden Kommiſſion vorgenommen wird. Bei dieſer Vorabſchätzung wird nur
der Schadenumfang feſtgeſtellt und gegebenenfalls die Forderung der Beſchädigten
entgegengenommen. Der Betrag der zu gewährenden Entſchädigung iſt nicht
feſt=
zuſtellen. Dies geſchieht vielmehr allein durch die Flurabſchätzungskommiſſion.
4. Ueber die Anordnung der Aberntung und die Feſtſtellung des Umfangs des
Schadens iſt ein von den abſchätzenden Perſonen zu unterzeichnendes Protokoll
auf=
zunehmen, denn nur auf Grund ſchriftlicher Aufzeichnungen wird die ſpäter
eintref=
fende Flurabſchätzungskommiſſion in der Lage ſein, ihrer Aufgabe gerecht zu werden und
die zuſtändige Entſchädigung genau zu ermitteln. Dagegen läuft bei Außerachtlaſſung
der erwähnten Beſtimmungen, falls von der Flurabſchätzungskommiſſion ein Schaden
nicht mehr oder nur teilweiſe erkennbar iſt, der Beſchädigte Gefahr, gar keine bezw.
eine nicht gebührende Entſchädigungsſumme zu erhalten.
5. Die Anmeldungen der Flurſchäden ſind in der Art zuſammenzuſtellen, daß es
ermöglicht wird. bei der Begehung der angegebenen Aecker behufs Abſchätzung des
Schadens ohne Umwege vom 1. zum 2., vom 2. zum 3. Acker uſw. zu gelangen,
In der Flurſchädennachweiſung ſind danach die beſchädigten Grundſtücke nach
ihrer örtlichen Lage untereinander aufzuführen und nicht etwa alle Grundſtücke
des=
ſelben Beſitzers, wenn dieſe von einander getrennt liegen.
6. Beſchädigungen, welche nicht durch die Truppenübungen ſelbſt, ſondern auf
andere Weiſe, insbeſondere dadurch entſtanden ſind, daß die Beteiligten das rechtzeitige
Abernten unterlaſſen haben, begründen keinen Anſpruch auf Vergütung.
7 Wegen Anlegung der Schützengräben ſind drainierte Ländereien in
geeig=
neter Weiſe als ſolche kenntlich zu machen.
8. Arbeiten und Aufwendungen, von denen die Beteiligten gewußt haben, daß
ſie durch die Truppenübungen der nächſten Tage zerſtört werden mußten, begründen
keinen Anſpruch auf Entſchädigung.
(18080a
Darmſtadt, den 27. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Michel.
Bekanntmachung.
Metzger Wilhelm Rapp beabſichtigt, auf dem Grundſtück Flur I Nr. 524 und
525, gelegen zu Arheilgen, Dieburgerſtraße, eine Schlächterei zu errichten.
Pläne und Beſchreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erſcheinen dieſes
in dem Amtsverkündigungsblatt an gerechnet, auf dem Büro der Großh.
Bürger=
meiſterei Arheilgen zur Einſicht offen.
Etwaige Einwendungen mit Begründung ſind binnen dieſer Friſt bei
Meidun=
des Ausſchluſſes bei der Großh. Bürgermeiſterei Arheilgen ſchriftlich oder zu
Protokoll=
vorzubringen.
Darmſtadt, den 11. September 1912.
(19039)
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: von Werner.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Pinſcher (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Ver=
ſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(19029
Städtiſcher Fiſchmarkt.
Die ſtädtiſche Verwaltung will auch in dieſem Jahre unter
Beteiligung des einheimiſchen Zwiſchenhandels einen größeren Markt
billiger Fiſchſorten einrichten.
Intereſſenten werden zu einer Beſprechung auf Mittwoch,
den 11. d. M., nachmittags 4 Uhr, in das Stadthaus,
Rhein=
ſtraße 16/18, Zimmer Nr. 31, eingeladen.
(18906id
Darmſtadt, den 9. September 1919.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Mueller.
Bekanntmachung.
Sämtliche Rekruten und Freiwillige, welche in Darmſtadt
wohnhaft ſind, haben ihren Geſtellungsbefehl zum Dienſteintritt für
das Jahr 1912 in der Zeit vom 16. bis 21. September 1912 und zwar
von 8 bis 12 Uhr vormittags und 2 bis 6 Uhr nachmittags perfönlich
beim Bezirkskommando I Darmſtadt, Neue Niederſtraße 16, 2. Stock,
abzuholen.
(18922ids
Bezirkskommando I Darmſtadt.
Mootz, Oberſtleutnant u. 2. Stabsoffizier
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Bleichſtraße Nr. 1.
(19053
Steuerveranlagung
für 1913.
Diejenigen hieſigen Einwohner,
die im Laufe des Jahres ihr
ſeit=
her betriebenes Gewerbe
nieder=
gelegt haben oder es vor Ende
März 1913 niederzulegen oder an
einen anderen abzutreten, oder
ſonſtige Veränderungen im
Ge=
werbebetrieb vorzunehmen
beab=
ſichtigen, werden hiermit
aufge=
fordert, dies alsbald auf dem
Stadthaus, Zimmer Nr. 6,
an=
zuzeigen, damit bei der
bevor=
ſtehenden Steuerveranlagung
dar=
auf Rückſicht genommen werden
kann.
(19043ddd
Darmſtadt, 9. September 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.
Kanalbau.
Die Ausführung eines
gemauer=
ten Kanales und mehreren
Stein=
zeug=Rohrkanälen in der Landgraf=
Georgſtraße Erbacherſtraße und
Fiedlerweg ſoll verdungen werden.
Arbeitsbeſchreibungen und
Be=
dingungen liegen bei dem
Tiefbau=
amt, Zimmer Nr. 7, zur Einſicht
offen. Auch werden dort die
An=
gebotſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis Montag,
den 23. September I. J.,
vor=
mittags 11 Uhr, bei
unterzeich=
neter Stelle einzureichen. (19061df
Darmſtadt, 11. September 1912.
Tiefbauamt.
J. V.: Heuſel.
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Inh.: Christian Kullmann, Wilhelminenſtraße 9.
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Stelle. Poſtkarte genügt. (14191a
Bekanntmachung.
Nach den Satzungen für die Abgabe von Waſſer aus dem
ſtädtiſchen Waſſerwerk zu Darmſtadt iſt die Herſtellung und
Inſtand=
haltung der Zuleitungen zwiſchen Stadtrohrnetz und Waſſermeſſer
einſchließlich, ſowie der Teuerlöſchleitungen ohne Waſſermeſſer mit
plombierten Hydranten Sache des Waſſerwerks und dürfen
Hand=
lungen jeglicher Art an dieſen Leitungen, Waſſermeſſern und
Hy=
dranten nur durch das Perſonal des Waſſerwerks vorgenommen
werden.
Anträge auf erforderlich ſcheinende Aenderungen an den
Lei=
tungen, Verſetzungen von Waſſermeſſern und Hydranten ſind
münd=
lich oder ſchriftlich in unſerem Geſchäftszimmer, Waldſtraße 19,
vor=
zubringen, Meldungen von Undichtigkeit daran können auch durch
Fernſprecher Nr. 83 erfolgen.
In Notfällen, beſonders bei Nacht, ſind Waſſerſchäden an den
Zuleitungen dem nächſten Polizeirevier oder Großh. Polizeiamt zu
melden, bei Undichtigkeiten an den Innenleitungen jenſeits des
Waſſer=
meſſers wende man ſich in allen Fällen an die Privatinſtallateure.
Darmſtadt, den 10. September 1912.
Städtiſche Waſſerwerks=Verwaltung Darmſtadt.
Rudolph.
(19037
Bekanntmachung.
Es wird hiermit in Erinnerung gebracht, daß die Ausführung
der an die ſtädtiſche Waſſerleitung anzuſchließenden
Waſſerberſorg=
ungs=Einrichtungen im Innern der Gebäude und Grundſtücke
nur durch ſolche Inſtallateure erfolgen darf, die ſich bei der
unter=
zeichneten Verwaltung verpflichtet haben, alle vorkommenden
ein=
ſchlägigen Arbeiten auf Grund der Satzungen über Abgabe von Waſſer
aus dem ſtädtiſchen Waſſerwerk und unter gewiſſenhafter Beachtung
der beſonders erlaſſenen Beſtimmungen auszuführen.
Zurzeit ſind folgende Firmen berechtigt:
Gottfried Beck, Karlſtr. 39.
Ludw. Kling & Co., Rheinſtr. 17.
Gebr. Becker Nachf., Grafenſtr. 27.Albert Klöpfer, Beſſungerſtr. 84.
Heinrich Becker, Brandgaſſe 2.Hugo Kötting, Liebfrauenſtr. 75.
L. Breitwieſer, N.=Ramſtädter= Phil. Kraus Nachf., Karlſtr. 51.
ſtraße 52.
Chriſt. Landzettel, Kaupſtr. 7.
Heinrich Brunner, Eliſabethen= Ernſt Lorey, Karlſtr. 56.
ſtraße 33.
Ludw. Luck, Heidelbergerſtr. 59.
Karl Darmſtädter, Kiesbergſtr. 9. Val. Marquardt u. Ph. Wamſer,
Dieburgerſtr. 54.
Theodor Dilling, Kaſindſtr. 27.
W. Eberhardt, N.=Ramſtädter= Ph. Maul, Heidelbergerſtr. 19.
Gg. Neumann,
Heidelberger=
ſtraße 11.
Friedr. Ewald Nachf.,
Soder=
ſtraße 117.
ſtraße 49.
Aug. Neumeyer Witwe, Große
Ochſengaſſe 22.
Theodor Fey, Kranichſteiner=
Jakob Nohl, Martinſtr. 24.
ſtraße 8½
Gg. Ang. Fink, Lauteſchlägerſtr. 8. Heinrich Pauli, Orangerieſtr. 7.
Lud. Fiſcher, Langegaſſe 23.(Lndwig Pohl, Heinheimerſtr. 15.
Bernhard Gaus, Rheinſtr. 47. Wilhelm Preußner, Bleichſtr. 40.
Franz Geiger, Karlſtr. 36.
Karl Rockel Nachf., Schützenſtr. 4.
Wilh. Gelfius, Fuhrmannſtr. 6.G. W. Roth, Moosbergſtr. 32
und 97.
Jakob Glock, Langegaſſe 9.
Alexander Guntrum, Stiftſtr. 52. Jean Rühl, Saalbauſtr. 24.
PhilippHandſchuh, Schloßgarten=Phil. Schäfer, Landwehrſtr. 29.
ſtraße 37.
Friedrich Schiller, Tannenſtr. 7.
Ludw. Heppenheimer, Luiſenſtr. 2. Franz Schulz, Karlſtr. 104½.
Wilhelm Heppenheimer, Kies=Heinrich Schwarz, Hochſtr. 20.
Leonh. Sommer Mühlſtr. 20.
ſtraße 80.
Kurt Hiſſerich, Bleichſtr. 28.Karl Tänzer, Marktplatz „.2
Karl Hoffmann, Wienersſtr. 44. Mich. Vollrath, N.=
Ramſtädter=
ſtraße 51.
Balthaſer Ittmann,
Liebfrauen=
ſtraße 89.
Hch. Waldſchmidt,
Ludwigshöh=
ſtraße 21.
Heinrich Jung, Bleichſtr. 11.
Philipp Jung, Alexanderſtr. 9. Otto Wamboldt, Herdweg 2.
Gg. Kaiſer, Rheinſtraße 5.
Joh. Waſſer, Alexanderſtr. 7.
Karl Kämmerer, Parcusſtr. 10. Karl Wenz, Wendelſtadtſtr. 46.
Aug. Keller, Kranichſteinerſtr. 45. Karl Zahrt, Hofſtallſtr. 10.
Adolf Kling, Grafenſtr. 35.
Die ſämtlichen Firmen haben ihre Preis=Tarife auf dem
Ge=
ſchäftszimmer der unterzeichneten Verwaltung, „Waldſtraße 19‟,
ein=
gereicht, wo dieſelben von Intereſſenten eingeſehen werden können.
Darmſtadt, den 10. September 1912.
(19038
Städtiſche Waſſerwerks=Verwaltung.
Rudolph.
grosse Gelegenhett
C60 Paar Stiefel
bille=
verkaufen
(*5958df
Mauerſtr. 32, Laden.
Sleganter Pelz (Marabout
nebſt paſſendem Hut u. Muff
(*5969ds
billig zu verkaufen
Nieder=Ramſtädterſtr. 75, 1. St.
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.
Nummer 215.
meiner
Froderrfrde
Ausstellung
heute Donnerstag, 12. September.
DODCD
2710
Zur Eröffnung der
Herbst- und
Wiliter Saiser
bringe ich in meinen Schaufenstern,
sowie in den Verkaufsräumen
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derbadewanne, gr. u.=kl. Küchentiſch
Läufer, gr. Waſchtopf, kl.
Frucht=
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36 215.
Donnerstag, 12. September.
1912.
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Intellgente =a
Dame
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Stenotypiſtin oder
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Expedition dieſes Blattes erbeten.
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Gardinen=Branche ſucht Stellung.
Gefl. Offerten unter O. 89 an
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Tüchtige Verkäuferin ſucht
Stellung, gleich welcher Branche.
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die Expedition ds. Bl. (*5937
Schneiderin empfiehlt ſich
Wienersſtraße 46, links. (*6008df
ſucht Beſchäf=
Perf. Büglerin tigung in oder
außer dem Hauſe. Gefl. Off. unt.
O. 86 an die Exped. (*5930dfs
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Haushalt ſucht
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19 Jahre, aus guter burgerlicher
Familie in evangeliſchem Hauſe
Stellung. Familienanſchl. Keine
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Tage zum Waſchen und Putzen
*5822md) Ludwigshöhſtr. 52, H. I. r.
Kinderfräulein, welches 6 Jahre
bei einer Herrſchaft war, prima
Zeugniſſe beſitzt, Köchin, die auch
Hausarbeit übern., mehr. Aushilf.
ſuch. Stellen. Frau Berta
Neß=
ling, gewerbsmäßige
Stellenver=
mittlerin, Ludwigſtr. 8. (*5826md
Der Kath. Madchenschutzverein
ſucht Stellen für
brave Mädchen zum Anlernen,
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mehrere Kinderfräuleins.
Nieder=Ramſtädterſtraße 30, tägl.
von 3—5 Uhr.
(*5956
Aelt. Mädchen m. gut. Zeugn., in
Kochen u. Hausarb. ſelbſt., auch in
Krankenpfl. g. erfahr. ſ. weg.
Todes=
fall paſſ. Stell. in kl. Haushalt, zwei
16 j. Mädch. m. g. Zan. ſ. paſſ. Stell.
ein. i. Privat=, d. and. in Geſchäftsh.
Hotel, Reſtr. ausgeſchl. Näh. Gertrude
Hartmann, gewerbsmäßige
Stellenvermittler-
in, Nieder-Ramstädterstr. 3 1, Vorderh. (19052
Jg., kinderl. Witwe, aus guter
Familie, tücht. i. Haush. ſ. Stellg.
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kleinerem Haushalt. Näheres bei
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Junge Frau und Putzen
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Junges Mädchen ſucht
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Hinterbau 2. Stock.
(*5987
Junge, ſaubere Frau ſucht
tagsüber Beſchäftigung, geht auch
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Erbacher=
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Kon=
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(19015
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Maſchinenſchreiben u. Buchhaltung
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geſucht. Handgeſchr. Offert. nebſt
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Tüchtiges Mädchen
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Saalbauſtraße 63½.
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Konfek-
tion Schützenſtr. 10, II. (*5845ds
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Luiſenſtraße 30, 3. St. (*5816md
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Jung. Mädchen, gelernt hat,
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(*5964
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Viktoriaſtraße 47, I.
(*5935
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Tapiſſeriegeſchäft am Platze, Stoff=
und Häkelarbeiten übernehmen.
Expedition.
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Junges Mädchen k. d.
Kleider=
machen gründl. erlernen. (*5982
Martinſtr. 25, II. rechts.
Ein ordentl. ſauberes Mädchen
zum 15 September geſucht
Wald=
ſtraße 54, Molter. (*5682imd
Geſ. z. 1. Okt. ein zuverl. ordentl.
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Häuſ. ged. hat, koch. u. ſchneid. k. in
ein. Haush. v. 3 Perſ. Kinderm. vorh
Näh. i. der Exped. ds. Bl. (18971mds
welches d. Haus=
Mädchen arbeit gründl.
verſteht und kochen kann, gegen
hohen Lohn per 1. Okt. geſucht
Frankfurterſtr. 16, I. (*5849mds
w. v. einzel. Herr ſ. d. Zt.
Geſucht v. ½ 8— 4 Uhr, Frau od.
älteres ſol. Mädchen (k. Stütze
od. Fräulein) z. Führ. ſ. Haushalt.
Selb. m. g. bürgerl. kochen und die
Wäſche beſorgen. Offert m.
Lohn=
anſprüche u. O. 57 Exped. (*5808md
Herrſchaft ſucht wegen
Ver=
heiratung des Mädchens, braves
Alleinmädch., Mädch., d. koch. k., zu
2 Leut., ſowie zu einer Dame, auch
in gute Geſchäftsh. Frau Berta
Ness=
ling, Ludwigstraße 8, gewerbsmässige
(*5828md
Stellenvermittlerin.
Sauberes, junges Mädchen für
vormittags auf 2 Std. für ganz
leichte Arbeit geſucht
Kranich=
ſteinerſtraße 3, 2. Stock. (*5962
Eine Lauffrau geſucht Soder=
(*5931
ſtraße 83.
Fleißig. Mädchen, 15—16 J. alt,
morg. 1½ Std. für Hausarb. geſ.
Mühlſtraße 66, 3. Stock. (*5963
Wegen Verheiralung des jetzig.
Mädchens, ein tüchtiges (B19032
Alemmmädchen
geſucht. Vorzuſtellen nachmittags,
Wilhelmſtraße 20, parterre.
Geſucht ſleißig., ſolid. Mädchen,
vorm. 2 Stund. und zum Spület
*5976) Eliſabethenſtr. 56, III.
Herrschaftsköchin
für 1. Oktober geſucht (*5936
Bismarckſtraße 65. an=Einf. Kinderfräul.,
Stellen Unden. fein. Hausmädch.,
tücht. Alleinmädch. zu einz. Dame,
2 Leuten ꝛc. Emma Frank, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin, Karlstr. 31. (*5957ds Karlſtraße 66, III., wird ſaubere
geſucht.
Lauffrau” (*6000 zum 1. Oktober ein
Geſucht ordentlich. Mädchen,
welch. gut bürgerl. kochen kann u.
Hausarb. übern. Gute Zeugniſſe
Beding. Martinſtr. 57, p. (B19036 Mädch., w. koch. u. nicht k. Hausm.
erh. gute Stellen. Fr. Eleonore Roth,
gewerbsmäßige Stellenvermittlung
käuferin und Lehrmädchen. Schloßgartenſtr. 49. (*5978 Gefl. Offerten unter P 2 an die Aelt. unabh. Mädchen v. Frau
in mutterl. Haushalt geſucht für
dauernd. Näh. Landwehrſtr. 31,
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jeder Art in g. Priv.= u. Geſchäftsh.
Johannette Weissmantel, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin, Casinostrasse 17. (*5974 mit guten Zeug=
Unabh. Frau niſſen für feinb.
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Exped. ds. Blattes erb. (19065ds ab. Näheres Expedition. (19049 Braves, reinl. Zweitmädchen
bei gutem Lohn per ſofort ge=
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Steinſtraße 20, part. (*5996dfs Braves, will. Mädchen
ſof. geſucht. Karlſtr. 11, II. (*5995 Haus= u. Allinm.
Röchinnen, erh. ſehr gut. Stell.
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Stellenvermittlerin. Kiesstr. 35 I. (*5992 Beſcheidene,
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zahlungen) iſt kleine Kaution zu
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und ſeith. Tätigkeit unter O. 52
an die Expedition. (18924imd d nicht unt. 17
Anwaltsgehllfe, Jahren, der
Maſchinenſchrift u. Gabelsberger
Stenogr. verſteht a. 1. Okt. geſucht.
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Seite 14.
Nummer 215.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.
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Das „muſikaliſche Bett‟
** Vor kurzem wurde die Welt mit der Nachricht
be=
glückt, daß das muſikaliſche Bett erfunden iſt. Dieſe neue
Wohltat, die der leidenden Menſchheit geſpendet wird, ſoll
zwei Zwecken zugleich dienen: das Bett iſt gleicherweiſe
für die Schlafloſen wie für die zuviel Schlafenden
be=
ſtimmt. Durch das Gewicht der Perſon, die ſich
hinein=
legt, wird der Muſikapparat des Bettes in Bewegung
ge=
ſetzt und ſpielt ein ſanftes Schlummerlied, das mit ſeinen
ſüßen Klängen auch die widerwilligſten Geiſter in
Mor=
pheus' Reich geleitet. Wer aber zuviel zu ſchlafen
fürch=
tet, braucht nur eine Art Wecker auf eine beſtimmte
Stunde zu ſtellen; dann läßt das Bett zu dieſer Zeit
„einen wahrhaft hölliſchen Walzer mit Begleitung von
Trommeln, Trompeten und Zymbeln erklingen, deſſen
Lärm ſelbſt ein Murmeltier aufſchrecken muß.” An den
ernſthaften Sinn, der dieſer etwas ſeltſamen Erfindung zu
Grunde liegt, knüpft der bekannte Pariſer Arzt Dr.
Caba=
nés eine Betrachtung, die ſich mit der Heilwirkung der
Muſik beſchäftigt.
Töne üben eine gewiſſe Macht auf manche Kranke
aus und die durch ſie erregten Vibrationen haben einen
hypnotiſchen Einfluß. Das ahnten ſchon die Aerzte der
Vergangenheit, die ja überhaupt gute Beobachter waren,
und ſo empfahl ein berühmter Mediziner des 18.
Jahr=
hunderts, Beerhave, Leuten, die von Tobſucht ergriffen
waren, Waſſertropfen in ein Kupferbecken fallen zu laſſen
und die einzelnen Tropfen zu zählen. Außer der
Zer=
ſtreuung, die durch dieſen etwas kindiſchen Zeitvertreib
hervorgebracht wurde, war es das monotone Geräuſch
des Tropfenfalls, dem er die Heilwirkung zuſchrieb, gerade
ſo wie das Murmeln eines Baches, das Säuſeln des
Windes eine beruhigende und beſänftigende Wirkung auf
das Gemüt ausüben. Charoot betonte, daß bei ſeinem
Vibrationsapparat das anhaltende ſummende Geräuſch
als Heilfaktor wohl in Anſchlag gebracht werden müßte,
und ſchon vor ihm dachte Boudet daran, die Vibrationen
zu benutzen, die von einer Stimmgabel hervorgerufen
wer=
den. Die Stimmgabel hat dann Natier gegen einzelne
Formen der Taubheit angewendet und dabei intereſſante
Beobachtungen gemacht. Nicht nur auf die Kranken,
ſon=
dern auch auf die Geſunden, die den Experimenten mit der
Stimmgabel beiwohnten, wirkten die monotonen, langſam
verzitternden Töne einſchläfernd und die Schlafſucht wurde
ſo ſtark, daß ſie ſich ihrer trotz heftigen Ankämpfens nicht
er=
wehren konnten. „Auch ich ſelbſt” bekennt Dr. Natier,
„konnte mich der ſanften Wirkung dieſer tönenden Wellen
nicht entziehen und mußte ſeufzend ihre einſchläfernde
Kraft bezeugen. Verſchiedene Patienten haben mir
er=
klärt, daß ſie am Ende der Sitzung von ſchweren, ſonſt
hartnäckig anhaltenden Kopfſchmerzen völlig befreit waren.
Die heilſame Wirkung dieſer Töne auf das Gehirn iſt
un=
zweifelhaft” Hat doch ſogar ein Tierarzt die
Schwing=
ungen der Muſikwellen dazu verwendet, um Tiere bei
leich=
ten Operationen, ſo Pferde beim Beſchlagen, ruhiger und
gefügiger zu machen. Betäubung mit Muſik aber iſt die
Neuheit, die Dr. J. V. Labord der Akademie für Medizin
vorführte. Ein Muſikphonograph, von dem aus zwei
tele=
phoniſche Leitungen in die Ohrmuſchel des Patienten
ge=
führt werden, ſodaß er die Muſik deutlich hört, läßt
wäh=
rend der Narkotiſierung ſeine Weiſen ertönen. Die Erfolge
dieſes Apparates waren, daß die Betäubung viel raſcher
vonſtatten ging, daß die Narkotiſierten keine ſchlimmen
Träume hatten, ja daß ſie beim Erwachen ein gewiſſes
Wohlgefühl empfanden, wenn ſie ſogleich die Muſikklänge
wiederhörten, unter denen ſie eingeſchlafen waren Das
muſikaliſche Bett alſo iſt es nicht allein, das den
wohltuen=
den Zuſammenhang zwiſchen Schlaf und Ton ausnützt.
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Meter: 1. Herrn F. C. Krügers Oregon (Raſtenberger),
2. Eager Girl (Blades), 3. Vagabund (Shurgold). Tot.
22:10, Pl. 13, 16, 16:10. Unpl.: Jrany (4), Nanſen,
Head=
wint, Bignonne, Ravensberger, Fair Dorothy. Leicht
2—4 Lg. — Jagd=Rennen der Dreijährigen; 4000 Mark,
Diſtanz 3000 Meter: 1. Herrn Auguſtins Sturmwind II
(Lommatzſch), 2. Bezzentö (Winkler), 3. Clou (Jentzſch).
Tot. 352:10, Pl. 47, 15, 19110. Unpl.: Livadia (4),
Pelz=
maus, Home, Salut, Grasmücke, Priotina. Kampf, Kopf
bis 3 Lg. — Handikap der Zweijährigen; Ehrenpreis
und 10000 Mark, Diſtanz 1300 Meter: 1. Herrn A. von
Köppens Baſalt II (H. Teichmann), 2. Lavalliere (
Raſten=
berger), 3. Kondor (Spear). Tot. 132110, Pl. 38, 17,
21:10. Unpl.: Erfinderin, Jutta (4), Coco, Komet,
Mutt=
chen, Auguſt von Wichendorf, Lermoos, Smaragd,
Fröh=
liche Zeit, Heckel, Was ihr wollt, Fife, Honeurs. Sicher
1—2—½ Lg. — September=Steeple=Chaſe; 3300 Mark,
Diſtanz 4000 Meter: 1. Lt. Graf Strachwitz” Nowton
(Weishaupt), 2. Royal Flaſh (Th. Baſtian), 3. Libel (A.
Baſtian). Tot. 58:10, Pl. 16, 16, 14:10. Unpl.: Aſoſtick (4),
Knud, Tempete IIII, Leſter Aſh, Dainty Fox (geſ.), Jago
(gef.), Libellule (gef.), Ring Star (angeh.). Sicher ½
bis 2 Lg. — Fels=Handikap; 4300 Mark, Diſtanz 1200
Meter: 1. Freiherrn H. von Reiſchachs Margarethe (
Shur=
gold), 2. Hippolita (Spear), 3. Stigma (Evans). Tot.
92:10, Pl. 28, 79, 20:10. Unpl.: Drakon (4), Ops,
Minden=
kem, Polonius, Kis=betyar, Mansfield, The Proud
Prine, Polonäſe, Topchidere. Lirnik, Miß Golliwog,
Wunderhold, Mirabeau, Chicane. Sicher 1 Lg.-Kopf.
— Nana=Hürden=Rennen; 1500 Mark, Diſtanz 3200
Me=
ter: 1. Herrn Meyers Devil (Beſ.), 2. Lavenius (Suhr),
3. Gefa (Holz). Tot. fehlt. Unpl.: Ahrtal, Juwel,
Tanta Klara, Delphin, Heckenroſe, Nana, Donna, Maria,
Delykat, Delorius.
* Radrennen. Mainzer Sportplatz. Am
kommenden Sonntag, 15. September, findet das große
Herbſtrennen ſtatt. Als Hauptnummer des
Renn=
programms figuriert das goldene Motorrad, ein 100=
Kilometer=Dauerrennen mit Motorſchrittmachern in drei
Läufen. Ein Dauerrennen für Herrenfahrer, ſowie je
drei Fliegerrennen für Berufsfahrer und Herrenfahrer
vervollſtändigen das Programm des großangelegten
Herbſtrennens. Am Schluſſe des Renntages gelangt ein
von der Firma Opel=Rüſſelsheim als Jubiläumsgabe
geſtiftetes Opelrad zur Gratisverloſung unter die
Beſucher,
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Bodenſchätze Deutſchlands. Von Profeſſor Dr. L. Milch.
1. Band. Kohlen und Salze. 151 S — Bd. 106:
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melskunde. Von Profeſſor Dr. A. Marcuſe. 135 S. mit
zahlreichen Abbildungen. — Bd. 107: Geſchichte der
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Vom köſtlichen Humor. Eine Ausleſe aus
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Heſſe u. Becker Verlag in Leipzig. Die hier im erſten
Bande vorgelegte Sammlung ſteckt ſich ein hohes Ziel:
Eine Auswahl des Beſten aller Spielarten des Humors
alter und neuer Zeit des Inlandes und auch des
Auslan=
des, wobei der Begriff Humor möglichſt weit gefaßt wird.
Die anerkannten Klaſſiker des Humors dürfen nicht
feh=
len, wenn ſie auch nur in kleinen Proben vertreten ſind,
in der Hauptſache ſoll gutes Neues, das wenig oder noch
nicht bekannt iſt, und zu Unrecht Vergeſſenes den Leſer
er=
freuen. Freude am Leben iſt das Leitmotiv der
Samm=
lung.
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Die neun Felder sollen mit Werten von 1—9
in beliebiger Anordnung so besetzt werden, dass
möglichst viele gradlinige Additionen mit der
Summe 15 vorgenommen werden können. (A19035
Lösungen werden erstnachZahlung der
erforder-
lichen Kartenbestellung zugelassen. Hervorgehoben
sei, dass jeder Löser den Preis erhält, man vergesse
daher nicht anzugeben, ob das Geld oder das Album
gesandt werden soll. Deutliche Adressenangabe im
Brief und auch auf kleinem dünnen Blatt erbeten
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