Darmstädter Tagblatt 1912


12. September 1912

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175. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 14 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Der Kaiſer ernannte den König von Sachſen zum
Generalfeldmarſchall.
Prinz Heinrich iſt am Dienstag in Tokio ein=
getroffen
und vom Kaiſer von Japan begrüßt
worden. Er ſtattete geſtern dem Kaiſer von
Japan in Tokio einen Beſuch ab.
Der Reichskanzler von Bethmann Hollweg
iſt geſtern morgen wieder in Berlin eingetroffen.
Der Reichskanzler hat geſtern eine Konferenz
in Sachen der Fleiſchteuerung einberufen.
Das Militärluftſchiff M. 3 iſt geſtern vom
Tegeler Schießlatz ins Manövergelände ge=
fahren
.
Die ſchwediſchen Journaliſten trafen am
Dienstag von Eſſen in Bremen ein und begaben ſich
von hier nach Bremerhaven.

Nachklang zu den Schweizer Kaiſertagen.

* Ueber den Eindruck, den unſer Kaiſer bei ſeinem
Aufenthalt in der Schweiz hinterlaſſen hat, ſchreibt man
der Tägl. Rundſch. aus Zürich: Wer zu den Kaiſertagen
nicht ſelbſt in der Schweiz geweſen iſt, kann ſich ſelbſt
aus den beſten Berichten diesmal kein wahres Bild von
den Feſtlichkeiten machen. Intereſſant war am Einzugs=
tage
ſchon vom pſychologiſchen Standpunkt aus der Um=
ſchwung
in der Stimmung der Maſſen. Nicht, als ob man
dem Kaiſer mit Unfreundlichkeit entgegengeſehen hätte;
aber die Schweizer erwarteten den Beſuch mit dem Ge=
fühle
eines zurückhaltenden Stolzes, der ſich deſſen bewußt
war, daß er dem gern geſehenen Gaſte wohl etwas zu
bieten vermag. Auf einmal wird der Kaiſer in einer den
Schweizern gewohnten Uniform ſichtbar: man merkt
wie die Maſſen betroffen ſind, daß der Kaiſer eine Uni=
form
trägt, die der ſchweizeriſchen ähnlich iſt. Dann geht
auf einmal wie ein Blitz das verſtändnisvolle Verſtehen
der Maſſen durch die Reihen; man begreift im Augenblick,
daß dies eine kaiſerliche Aufmerkſamkeit iſt, und wie ein
Toſen bricht der Jubel der überraſchten Freude aus.
Weiterhin war es ſtets eine Freude für das Publikum,
daß der Kaiſer nie in geſchloſſenem Wagen fuhr: in Bern
zumal wurden die Huldigungen beängſtigend, als der
Kaiſer, trotz des Sprühregens, ſelbſt das Dach ſeines
Wagens zurückſchlug.
Das ſchöne Wort vom Nachzittern einer Freude iſt
vom Begriffe des Bildlichen zum Wirklichen jetzt in der
Schweiz geworden. Auch heute noch, nachdem der Kaiſer
ſchon einen Tag fort iſt, ſtehen die Schweizer in dichten
Gruppen vor den immer noch ausgeſtellten Bildern des
Kaiſers, und es war mir intereſſant, wiederholt in der
Kritik der Leute den gleichen Gedanken zu finden, daß
der Kaiſer ganz anders ausſehe, als ihn Lenbach (deſſen
Bild iſt überall ausgeſtellt) gemalt habe.
Das charakteriſtiſchſte, was ich hinſichtlich der Verehr=
ung
des Kaiſers erlebt habe, iſt die Theatervorſtellung an
einem der letzten Abende im Corſo=Theater. Im Corſo=
Theater, dem feinſten Varieté Zürichs. In einem Zwi=
ſchenakte
wurden die Bilder des Oberſten Wille, des
Bundespräſidenten Dr. Forrer und dann des Kai=
ſers
vorgeführt. Die Begeiſterung erreichte bei dem
Kaiſerbild einen in der Schweiz bisher für unmöglich ge=
haltenen
Grad. Aber das war noch nichts gegen die Sze=
nen
am Schluß des Abends. Zuletzt pflegen im Corſo=
Theater kinematographiſche Bilder vorgeführt zu werden.
Da wird der Titel ſichtbar unſer Kaiſer in der Schweiz.
Einige mit mir Anweſende, in Zürich wohnhafte Reichs=
deutſche
, ſind ebenſo betroffen wie ich: was wird das
Publikum zu dem unſer ſagen. Tatſächlich herrſcht
einige Sekunden ein beängſtigendes Schweigen, dann
aber brauſt der Jubelruf durch die Hallen, und gerade das
Wort unſer wird größtenteils ſtürmiſch aufgenommen.
Nun kam die Vorführung ſelbſt und jedesmal, wenn das
Bild des Kaiſers ſichtbar wurde, derſelbe Beifallsſturm,
in den nicht zum mindeſten die zahlreich in Uniform an=
weſenden
Schweizer Offiziere einſtimmtent Meine Be=
kannten
verſicherten mir, daß noch vor acht Tagen eine
ſolche Vorführung eine andere Folge gehabt hätte.
Jedenfalls hat der Kaiſer ſich die Herzen aller in der
Schweiz erobert, ſo ſtark erobert, daß ein boyeriſcher

Bäckergeſelle, der durch Pfeifen ſein eigenes Neſt be=
ſchmutzte
, von der Polizei gegen die Menge beſchützt wer=
den
mußte, und einer meiner Schweizer Bekannten nannte
den Kaiſer: Wilhelm, den Eroberer.
Nach einer Meldung des Pariſer Temps ſoll ſich der
Kaiſer auch über unſer Verhältnis zu Frank=
reich
ſchweizeriſchen Perſönlichkeiten gegenüber geäußert
und immer wieder die Notwendigkeit einer Verſtän=
digung
und ſeinen perſönlichen Wunſch, den Frieden zu
erhalten, betont haben. Er ſprach die Hoffnung aus, daß ſein
Beſuch in der Schweiz vielleicht dazu beitragen könnte, die
Schwierigkeiten zu entfernen. Wenn man ſich beſſer
kennen wird, wird man ſich beſſer beurteilen, ſagte der
Kaiſer. Er äußerte ſich darauf mit einer gewiſſen Melan=
cholie
über das augenblickliche Verhältnis und ſagte, er
würde gern Paris wiederſehen, das er nur einmal in
ſeiner Jugend geſehen habe. Die betreffende Perſönlich=
keit
, die dem Berichterſtatter dieſe Aeußerung des Kaiſers
mitteilte, fügt hinzu: Die Huldigung, die der Kaiſer der
Schönheit Ihrer Hauptſtadt erwieſen hat, ließ ganz offen
ſeine geheimen Gedanken erkennen, ſo daß er damit faſt die
Umgebung im Augenblick überraſchte und wir nicht wuß=
ten
, was wir dazu ſagen ſollten.

Vorbereitungen für die Angeſtellten=
verſicherung
.

* Noch in dieſer Woche wird die Reichsverſicher=
ungsanſtalt
für Angeſtellte ihr neues in Wil=
mersdorf
, Ecke Hohenzollerndamm und Pfalzburgerſtraße
belegenes Dienſtgebäude beziehen. Im Erdgeſchoß und
vier Stockwerken ſtehen etwa 200 Räume für den Ge=
ſchäftsbetrieb
der Anſtalt zur Verfügung. Das Dienſtge=
bäude
iſt auf fünf Jahre gemietet mit dem Recht der Ver=
längerung
des Mietsvertrages um ein Jahr, falls bis da=
hin
das eigene Dienſtgebäude der Anſtalt noch nicht fertig=
geſtellt
ſein wird. Bei der Entſcheidung über die Zahl der
ſchon beim Inkraftreten der Angeſtelltenverſicherung not=
wendigen
Beamten war zu berückſichtigen, daß bereits von
vornherein mit einem Beſtande von 1½ bis 2 Mil=
lionen
Verſicherten zu rechnen iſt. Der Beamten=
körper
der Anſtalt wird beſtehen aus dem Direkto=
rium
, dem jetzt der Präſident und zwei Mitglieder an=
gehören
; zwei weitere Stellen ſind bereits durch den Etat
bewilligt und dürften demnächſt beſetzt werden. Für den
weiteren Bedarf an höheren Beamten ſind im Etat
ſechs Stellen für Regierungsräte vorgeſehen, von denen
zurzeit vier beſetzt ſind. Bis zum 1. Januar dürfte ſich die
Zahl der höheren Beamten einſchließlich der Hilfsarbeiter,
abgeſehen vom Direktorium, auf etwa 12 belaufen An
mittleren Beamten werden demnächſt 50 damit be=
ſchäftigt
werden, die Kontenführung für die Verſicherten
vorzubereiten. Daneben ſind noch eine Reihe von mitt=
leren
Beamten im Bureaudienſt tätig.
Bis zum 1. Januar nächſten Jahres, dem voraus=
ſichtlichen
Termin des Inkrafttretens der Angeſtelltenver=
ſicherung
, dürfte die Zahl der mittleren Beamten auf 150
anſteigen. In nächſter Zeit werden etwa 150 Schreib=
maſchinenſchreiberinnen
damit beſchäftigt werden, die Kon=
ten
an der Hand der Aufnahmekarten einzurichten, ſo daß
zum 1. Januar nächſten Jahres die Konten für die Ein=
tragung
der Beiträge in Gebrauch genommen werden
können. Die gben angegebenen Zahlen der notwendigen
Beamten konnten im Verhältnis zu dem gleich von An=
fang
an eintretenden Geſchäftsumfang nur dadurch in
verhältmismäßig engen Grenzen gehalten werden, daß es
möglich geweſen iſt, durch eine Reihe von wertvollen Er=
findungen
umfangreiche Arbeiten, die ſonſt handſchriftlich
erledigt werden, durch maſchinelle Vorrichtungen automa=
tiſch
zu leiſten. In dieſer Einrichtung kommt der Vor=
teil
zum Ausdruck, den die Zentraliſierung der geſamten
Verwaltung in einer Anſtalt bietet. Denn naturgemäß
können derartige Zeit und Perſonal erſparende maſchinelle
Hilfsmittel nur in einem Großbetriebe Verwendung
finden.

Argentiniſches Gefrierfleiſch für Dentſchland.

* Wie Berliner Blätter hören, ſchweben tatſächlich Er=
wägungen
darüber, argentiniſches Gefrierfleiſch in
Deutſchland einzuführen und es unterliegt der Prüfung,
auf welche Weiſe dieſe Einfuhr bewerkſtelligt werden ſoll.
Der § 12 des Fleiſchbeſchaugeſetzes ver=
langt
bekanntlich, daß Fleiſch geſchlachteter Tiere nur ein=

geführt werden darf, wenn gewiſſe Organe des Tieres mit
eingeführt werden, damit feſtgeſtellt werden kann, ob das
Fleiſch von geſundheitlich einwandfreien Tieren ſtammt.
Um dieſer Beſtimmung zu genügen, müſſen die Tiere hal=
biert
über die Grenze kommen. Daran iſt bisher die Ein=
fuhr
von argentiniſchem Gefrierfleiſch geſcheitert, die ſtren=
gen
Vorſchriften des deutſchen Fleiſchbeſchaugeſetzes wür=
den
den Herſtellungspreis des argentiniſchen Gefrier=
fleiſches
weſentlich erhöhen und das noch mit Zoll und
Fracht belaſtete Gefrierfleiſch wäre nicht imſtande, mit
dem deutſchen Fleiſch in Wettbewerb zu treten, da der
Preisunterſchied zu gering wäre. Eine Aenderung der er=
wähnten
Beſtimmung könnte aber in geſundheitlicher Hin=
ſicht
dadurch wettgemacht werden, daß deutſche beamtete
Tierärzte an Ort und Stelle das zur Verſendung nach
Deutſchland beſtimmte Vieh unterſuchen; wie verlautet, iſt
die argentiniſche Regierung bereit, deutſche Tierärzte
neben der argentiniſchen Fleiſchbeſchau zu Unterſuchungen
zuzulaſſen.
Die Einfuhr größerer Quantitäten argentiniſchen Ge=
frierfleiſches
käme aber erſt in Frage, wenn Bundesrat
und Reichstag einer Abänderung des § 12 zuge=
ſtimmt
haben. Ein derartiger Beſchluß iſt vor dem Mo=
nat
Dezember nicht herbeizuführen, und daher könnte mit
der Einfuhr erſt in den erſten Monaten des fol=
genden
Jahres gerechnet werden. Argentinien iſt
jederzeit in der Lage, große Mengen von Gefrierfleiſch in
Deutſchland einzuführen. Allerdings müßten Sachver=
ſtändige
, die den Geſchmack der deutſchen Konſumenten
kennen, den Vieheinkauf überwachen. Gefrierräume zur
Aufnahme des Fleiſches ſind in Hamburg, Berlin und an=
deren
Städten vorhanden; allerdings würde es notwendig
werden, dieſe Anlagen weſentlich auszubauen. Die Stell=
ung
der Reichsregierung war bis zum Vorjahre dieſen Ab=
ſichten
nicht günſtig, denn der Plan der Hamburg=Amerika=
Linie, im Vorjahre im Hamburger Freihafen eine große
Gefrieranlage zu errichten, iſt vom Reichsamte des Innern
nicht genehmigt worden. Es wäre auch zu erwägen, Ge=
frierfleiſch
aus London zu beziehen, wo ungeheure Mengen
lagern, die jederzeit wieder ergänzt werden können.

Deutſches Reich.

Die, erſte Plenarſitzung des Bundes=
rats
ſoll, wie es heißt, am 10. Oktober ſtattfinden. Die
Bundesratsausſchüſſe beginnen ſchon Ende September
ihre Arbeiten.
Zur Beſitzſteuerfrage. Sicherem Verneh=
men
nach wird im Reichsſchatzamt an einer Vermögens=
zuwachsſteuer
gearbeitet. Es iſt allerdings noch nicht feſt=
ſtehend
, ob der Reichskanzler den Verbündeten Regier=
ungen
die Einführung einer Vermögenszuwachsſteuer
vorſchlagen wird. Sollte ſich der Plan einer Vermögens=
zuwachsſteuer
als undurchführbar erweiſen, ſo iſt zu er=
warten
, daß man auf den Gedanken einer Erbzuwachs=
ſteuer
zurückgreifen wird.
Zur Jeſuitenfrage. Wie die Tägliche
Rundſchau hört, iſt die Eingabe der bayeriſchen Biſchöfe
an den Bundesrat um Aufhebung des Jeſuitengeſetzes
bisher noch nicht den einzelnen Bundesregierungen über=
mittelt
worden. Die Eingabe der preußiſchen Biſchöfe
an den Bundesrat wird unter allen Umſtänden erfolgen.
Schutz gegen Streikausſchreitungen.
Die ſächſiſche Regierung erhebt in ihren Blättern Einſpruch
gegen die Reſolution des Verbandes ſächſiſcher Induſtriel=
ler
, nach der die Polizei in Sachſen den Unternehmern
keinen genügenden Schutz gegen Streikausſchreitungen ge=
währe
. Solcher Vorwurf mache die Unternehmer mutlos
und fördere den Terrorismus der Sozialdemokratie Die
Behörden hätten den denkbar möglichſten geſetzlichen Schutz
gewährt.
Sicherung gegen Streikſchäden. Dem
Deutſchen Induſtrieſchutzverbande, Sitz Dresden, haben
ſich in der letzten Zeit außer einer größeren Anzahl von
Einzelfirmen der Arbeitgeberverband für das Bauge=
werbe
für das Fürſtentum Reuß ä. L., die Vereinigung
der Fabrikanten von Stempelheften und verwandten Ar=
tikeln
in Deutſchland und der Verein Bremer Holzhänd=
ler
angeſchloſſen. Gegenwärtig gehören dem Deutſchen
Induſtrieſchutzverbande 82 Verbände induſtrieller und ge=
werblicher
Arbeitgeber für die Geſamtheit oder die Mehr=
zahl
ihrer Mitglieder an. Der Induſtrieſchutzverband, der
ohne ſelbſt zu Ausſperrungen zu verpflichten Ver=
luſte
aus Streiks und Ausſperrungen nach feſten Grund=
ſätzen
entſchädigt, hat zurzeit eine Mitgliederzahl von

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.

Nummer 215.

3520 Firmen aller Branchen und eine angemeldete Lohn=
ſumme
von 263 Millionen Mark.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Der leitende Ausſchuß der vereinigten
Oppoſitionsparteien in Ungarn beſchloß ein=
ſtimmig
, ſo lange die rechts= und geſetzwidrigen Hand=
ungen
, die ſeit dem 4. Juni durch den Präſidenten des
Abgeordnetenhauſes und die Regierungsmehrheit be=
gangen
worden ſind, nicht wieder gut gemacht würden, ſei
ein normales Funktionieren des Parlamentes unmöglich
Die auf ungeſetzliche Weiſe zuſtandegekommene Geſchäfts=
ordnung
erkenne die Oppoſition nicht an, und werde ſich
ihr nicht unterwerfen. Solange Graf Tisza und Miniſter=
präſident
Lucacs, die für ihre Handlungen volle Verant=
wortung
zu tragen verpflichtet ſeien, ihre Stellungen nicht
verließen, werde eine Entwirrung von der Oppoſition für
ausgeſchloſſen gehalten. Die unverzügliche Verwirklich=
ung
der Wahlrechtsreform ſei die unbedingte Vorausſetz=
ung
des Friedens. Die Oppoſitionsparteien werden am
16. September ihre Parteikonferenzen abhalten, worin die=
ſer
Beſchluß ratifiziert würde.
Frankreich.
Ueber die Konzentrierung der Geſchwa=
der
im Mittelmeer ſchreibt das Journal des =
bats
, die von Delcaſſé getroffene Anordnung ſtelle keines=
wegs
eine Aenderung des Grundſatzes der Verteilung der
Seeſtreitkräfte Frankreichs dar. Es handele ſich nur um
eine einfache Anwendung der gegenwärtig bezüglich die=
ſer
Verteilung geltenden Regel. Die Hauptſache ſei, daß
eine möglichſt mächtige Flotte exiſtiere. Selbſt wenn ſie
von dieſem oder jenem Teil der Küſte Frankreichs ent=
fernt
ſei, bilde ſie für den Feind eine ſolche Drohung, daß
er niemals einen irgendwie bedeutenden Angriff gegen
irgend einen Punkt des franzöſiſchen Küſtengebietes
wagen werde. Im übrigen verſucht die franzöſiſche Preſſe
die Konzentrierung der franzöſiſchen Hochſeeflotte im
Mittelmeer durch die Notwendigkeit für Frankreich zu er=
klären
, gegen Oeſterreichs und Italiens Marine ſo ſtark
wie möglich gerüſtet zu ſein. Der Konzentrierung der
deutſchen Flotte in den nordiſchen Gewäſſern würden
gegebenenfalls die Flotten Englands und Rußlands ent=
gegen
zu wirken haben.
Die Herbſtmanöver. An den großen Herbſt=
manövern
, die ſich in der Touraine abſpielen werden und
am Mittwoch begonnen haben, nehmen 110000 Mann,
darunter zum erſten Male ſeit 40 Jahren, eine ausſchließ=
lich
aus Reſerviſten beſtehende Infanteriediviſion, ferner
500 Kanonen, 54 Flugzeuge und vier Lenkballons teil.
Serbien.
Die Miniſterkriſis. Der König berief Nicola
Paſitſch und betraute ihn mit der Kabinettsbildung.
Paſitſch verlangte 24 Stunden Bedenkzeit, um mit ſeinen
politiſchen Freunden zu beraten, doch glaubt man be=
ſtimmt
, daß Paſitſch dem Wunſch des Königs nachkommt.
Die neue Regierung wird ein Altradikales Miniſterium
ſein, das mit zwei Stimmen Mehrheit im Parlament zu
rechnen hat.
Amerika.
Die Vereinigten Staaten und Mexiko.
Der mexikaniſche Senat ermächtigte in geheimer Sitzung
den Präſidenten Madero, die Vereinigten Staaten zu er=
ſuchen
, den Transport mexikaniſcher Truppen durch das

Gebiet der Vereinigten Staaten zu geſtatten. Es wird ge=
plant
, eine Kolonne über El Paſo in Texas und Douglas
in Arizona nach dem Staate Sonora in Mexiko zu ſenden,
wo einige Banden von Aufrührern Verwüſtungen an=
richten
. Das Staatsdepartement in Waſhington hat
die Erlaubnis erteilt. Die Waffen werden als Gepäck be=
fördert
.
China.
Die Anleihefrage. Wie das Reuterſche Bureau
durch Umfragen in finanziellen Kreiſen erfährt, haben die
Verhandlungen, die ſeit Mitte Juli gepflogen werden,
zu dem Anleihevertrag geführt, der am 30. Auguſt vom
chineſiſchen Geſandten in London und einem Londoner
Bankhaus unterzeichnet worden iſt. Es verlautet jedoch,
daß die Angelegenheit noch nicht in allen ihren Einzelheiten
endgültig geregelt iſt. Man glaubt, daß die Anleihe zehn
Millionen Pfund Sterling zu fünf Prozent auf vierzig
Jahre beträgt. Sie iſt ſichergeſtellt durch unverpfändete
Einnahmen, hauptſächlich aus der Salzſteuer. Die Anleihe
iſt frei von weitgehenden Kontrollbeſtimmungen, die ſich
bei den Verhandlungen der chineſiſchen Regierung mit dem
Sechsmächte=Syndikat als ein Hindernis erwieſen hatten.
Man glaubt indeſſen, daß Abmachungen getroffen ſind, die
für den Fall, daß die Zahlungen nicht pünktlich eingehen,
eine Steuerkontrolle vorſehen.

* Prinz Heinrich von Preußen iſt an Bord
des Kreuzers Scharnhorſt am Dienstag in Yoko=
hama
eingetroffen. Er wurde vom deutſchen Botſchaf=
ter
, den Mitgliedern der Botſchaft und den dem Prinzen
Heinrich attachierten Herren empfangen, die ihn zum Son=
derzug
nach Tokio geleiteten. Auf dem Shimbeſhi=
Bahnhofe in Tokio wurde Prinz Heinrich bei ſeinem Ein=
treffen
vom Kaiſer, der kaiſerlichen Familie und den ja=
paniſchen
Würdenträgern bewillkommnet. Nach dem Ab=
ſchreiten
der Ehrenfront wurde Prinz Heinrich in feier=
lichem
Zuge zum Kaſumigaſeki=Palaſt geleitet, wo er
Wohnung nahm. Nach der Ankunft des Prinzen Hein=
rich
im Kaſumigaſeki=Palaſt überreichte Fürſt Katſura
dem Prinzen Heinrich die Kette des Chryſanthemenordens.
Der Empfang des Prinzen durch den Kaiſer ſollte am
Mittwoch vormittag ſtattfinden.
* Bremen, 10. Sept. Von Eſſen kommend, ſind
heute mittag um 12¾ Uhr die ſchwediſchen Jour=
naliſten
hier eingetroffen. Sie wurden am Bahnhof
von Vertretern der hieſigen Preſſe und des Norddeutſchen
Lloyds empfangen. Die Herren begaben ſich zunächſt nach
dem Eſſig=Haus, wohin der Verleger der Weſer=Zeitung
und der Bremer Nachrichten Schünemann die ſchwediſchen
Gäſte und ihre Begleiter zu einem Frühſtück einlud. An
dem Frühſtück nahmen teil als Vertreter des Senats
Senator Dr. Nebelthau, als Vertreter der Bürgerſchaft
Vizepräſident Bankdirektor Krug, als Vertreter der Han=
delskammer
Präſident Segnitz, ferner vom Norddeut=
ſchen
Lloyd die Direktoren Bremermann, Frhr. v. Pletten=
berg
und Föhr, die Redakteure der Weſer=Zeitung und
der Bremer Nachrichten, endlich die Direktoren des Städ=
tiſchen
Muſeums, der Kunſthalle u. a. Karl Schünemann
hieß die ſchwediſchen Gäſte im Namen der Bremer Preſſe
willkommen. Im Namen der ſchwediſchen Redakteure
erwiderte Blomquiſt, Koreſpondent des Aftenblads ( Stock=
holm
). Der Redner zollte der deutſchen Preſſe die höchſte
Anerkennung und betonte, daß, ewenn einmal die Ge=
ſchichte
des 20. Jahrhunderts geſchrieben werde, der
Preſſe eine ehrenvolle Stelle eingeräumt werden müſſe.
Er rühmte die bewundernswerte Energie und die eiſerne
Ausdauer der deutſchen Journaliſten. Um 5 Uhr 48 Min.
begaben ſich die Herren nach Bremerhaven, um
einer Einladung des Norddeutſchen Lloyd zu einem Feſt=
mahl
auf dem Dampfer Berlin und zur Beſichtigung
der Hafenanlagen Folge zu leiſten.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 12. Septemver.

* Vom Hofe. Die Fürſtin zu Solms=Lich nebſt
Kindern reiſte am Dienstag vormittag 9 Uhr von
Jagdſchloß Wolfsgarten wieder ab.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Großherzog
empfingen geſtern den Major a. D. v. Hofmann, den
Pfarrer Palmer von Offenbach, den Oberpoſtdirektor
Milkau, den Pfarrer Naumann von Nieder=Moos, den
Forſtmeiſter Gillmer von Hirſchhorn; in beſonderer Audienz
den Kaiſerl. Ruſſ. Miniſterreſidenten van der Vliet; zum
Vortrag den Finanzminiſter Braun, den Miniſter des
Innern v. Hombergk zu Vach, den Vorſtand des Kabi=
netts
Geheimerat Römheld.
* Ordensverleihungen. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben nachſtehenden Perſonen die
Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihnen von
Sr. Maj. dem Deutſchen Kaiſer und König von Preußen
verliehenen Ordensauszeichnungen erteilt und zwar:
dem Hofmarſchallamts=Aſſiſtenten Jakob. Bachert des
Verdienſtkreuzes in Gold, dem Hofküchenmeiſter Robert
Edion und dem Silberverwalter Friedrich Neiter
des Allgemeinen Ehrenzeichens, dem Oberhoflakai
Johannes Hamburger der Roten Adler=Orden=Medaille,
den Hofkutſchern Adam Amelung und Balthaſar
Schreiber ſowie dem Hofreitknecht Georg Mauer
der Kronen=Orden=Medaille.
* Beſtätigt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
die durch die Stadtverordneten= Verſamm=
lung
zu Offenbach erfolgte Wiederwahl des Leonhard
Eißnert in Offenbach zum unbeſoldeten Beigeord=
neten
der Stadt Offenbach.
* Zur Teuerung. Wie die Darmſt. Ztg. erfährt,
hat das Miniſterium des Innern Vertreter der Land=
wirtſchaftskammer
, der Handwerkskammer und des
Fleiſchergewerbes, der fünf größeren Städte, dreier
Landgemeinden (je eine aus den drei Provinzen) und
der heſſiſchen Viehhändler zu gemeinſamen Verhandlungen
darüber eingeladen, auf welchen Urſachen die gegen=
wärtig
auch im Großherzogtum Heſſen ſich bemerkbar
machende Teuerung beruhe, welchen Umfang ſie
beſitze und welche Mittel etwa zu einer Abhilfe in
Betracht kommen könnten. Die Kommiſſion ſoll ſobald
als möglich, tunlichſt ſchon in der nächſten Woche,
zuſammentreten.
D Steuererklärungen. Das Großh. Finanzamt
Darmſtadt I erſucht uns, nochmals darauf hinzuwei=
ſen
, daß alle Steuerpflichtigen (natürliche und
juriſtiſche Perſonen), deren gewerbliches oder landwirt=
ſchaftliches
rauhes Anlage= und Betriebskapital min=
deſtens
3000 Mark beträgt, oder deren Kapitalvermögen
ſich auf 3000 Mark und mehr beziffert, auf Grund des
neuen Eemeindeumlagengeſetzes vom 8. Juli 1911 ver=
pflichtet
ſind bis zum 1. Oktober ds. Js. Steuer=
erklärungen
einzureichen, wozu Formular auf Zimmer
Nr. 1 des Finanzamts I und beim ſtädtiſchen Steuer=
bureau
(Stadthaus, verabreicht wird.
* Sonderzug zur Ausſtellung Der Menſch. Zum
Beſuch der unter dem Protektorate Sr. Königl. Hoheit
des Großherzogs von Heſſen ſtehenden Ausſtellung Der
Menſch in Darmſtadt wird am Donnerstag, den
19., und 26. September 1912, je ein Sonderzug mit 3.
Klaſſe von Aſchaffenburg und von Erbach ( Oden=
wald
) nach Darmſtadt und zurück zu ermäßigten Fahr=
preiſen
in nachſtehendem Fahrplane verkehren: Hin=
fahrt
ab Aſchaffenburg 10,42 vorm., an Darmſtadt 11,48
vorm.; Rückfahrt ab Darmſtadt 7,00 nachm., an
Aſchaffenburg 8,05 nachm. Hinfahrt ab Erbach
(Odenw.) 6,53 vorm an Darmſtadt 8,48 vorm.; Rück=
fahrt
ab Darmſtadt 7,43 nachm., an Erbach 9,39 nachm.
Zu dem Sonderzuge werden direkte Fahrkarten 3. Klaſſe
nach Darmſtadt und zurück zu ermäßigten Preiſen auch
von Stationen der anſchließenden Strecken ausgegeben.
Die Sonderzugkarten gelten auf den Strecken Aſchaffen=
burg
-Darmſtadt und Erbach (Odenw.)Darmſtadt und
zurück nur für die Sonderzüge; die auf den Anſchluß=
ſtrecken
ausgegebenen Fahrkarten berechtigen bis zur
Uebergangsſtation und zurück zur Benutzung der fahr=
planmäßigen
Eil= und Perſonenzüge, mit Ausnahme der
in Spachbrücken ausgegebenen, die zu fahrplanmäßigen

Ein intimes Bild vom täglichen Leben
des Papſtes,

das manche unbekannte Züge enthält, zeichnet ein Mit=
arbeiter
der römiſchen Tribuna. Das Zimmer Pius X.
liegt im dritten Stock des vatikaniſchen Palaſtes und hat
ein Fenſter, das auf den Säulengang des Platzes hinaus=
führt
, während die beiden anderen nach Südoſten liegen.
In einem daran anſtoßenden Zimmer, zu dem die ganze
Nacht hindurch die Tür offen ſteht, ſchläft einer der Ge=
heimkapläne
, Monſignor Breſſan, der ſchon Sekretär des
Papſtes war, als er noch als Patriarch in Venedig lebte.
Es wird erzählt, daß Pius X. in der Nacht an Beängſtig=
ungen
leidet, und beſonders befürchtet, er könnte durch
einen plötzlichen Tod überraſcht werden, während er
wünſcht, daß für jeden Fall der Prieſter zugegen ſei, der
ſeine Seele Gott empfehle. Es wäre merkwürdig, ſo
ſagte er einmal, daß unter ſo vielen Kardinälen und
Monſignori, die es im Vatikan gibt, der Papſt ſterben
ſollte ohne daß ein Prälat in der Nähe wäre.
Wenn zur Mittagsſtunde der Kanonenſchuß vom Ja=
niculus
ertönt und die Glocken von Sankt Peter einſetzen,
ſo unterbricht ſich Pius, auch wenn er in dieſem Augen=
blick
empfängt, ohne weiteres und ſagt zuſammen mit den
Anweſenden den Angelus domini. Sind die Empfänge und=
Audienzen beendet, ſo kehrt er faſt immer für kurze Zeit
in ſein Studierzimmer zurück; dann fährt er mit dem
Fahrſtuhl zum dritten Stock zu ſeinem bevorzugten Wohn=
zimmer
zurück und nimmt etwa um 1 Uhr ein frugales
Frühſtück. Der Tiſch, an dem der Papſt ſpeiſt, iſt groß
und hat eine ovale Form. Er ſelbſt ſitzt am Ehrenplatz
und in einer gewiſſen Entfernung ſitzen die beiden Geheim=
kapläne
, die Monſignori Breſſan und Pescini; Pius X.
hat mit der früher faſt nie gebrochenen Gewohnheit auf=
gehört
, allein bei Tiſch zu ſpeiſen. Es wird ihm ein be=
ſonderes
Menü bereitet, das auf ſein Alter und ſeine kör=
perlichen
Beſchwerden Rückſicht nimmt. Er ißt und trinkt
nur mäßig; gewöhnlich nimmt er eine Suppe, mit Vor=
liebe
Reis und Hühnerbrühe, etwas gekochtes Huhn oder
auch ein Kalbsbeefſteak, Fiſch oder einen anderen Gang
von weichem Fleiſch mit gekochtem Gemüſe und Obſt; da=
zu
trinkt er Mineralwaſſer und ein Glas ſehr alten Bor=
deaux
Er hat den roten Valpolicella, den er als Biſchof
in Mantua den anderen Weinen vorzog, aufgeben müſſen.
Leo IIII. trank, wie hierbei bemerkt wird, als der vor=
nehme
Ariſtokrat nur Champagner. Zum Schluß der
Tafel trinkt Pius X. eine Taſſe Kaffee. Breſſan und
Pescini erhalten eine weniger einfache Mahlzeit, und ſo
kkommt es wohl vor, daß der Papſt, wenn er ßeht, daß die

beiden Monſignori einen beſonders ſchmackhaften Gang er=
halten
, mit ſchalkhafter Grazie ſich ein wenig zu ihnen
hinüberneigt, um beſſer zu ſehen, und ſchließlich mit der
Gabel etwas von dem Teller des einen oder anderen
nimmt wobei er lächelnd ſagt: Es wird doch nicht gleich
eine Schlemmerei ſein, wenn ich das mal koſte, nicht
wahr? Das Frühſtück dauert in der Regel eine Stunde.
Wenn das Wetter mild und die Luft klar iſt, ſo verweilt
der Papſt wohl eine halbe Stunde am Fenſter, dann zieht
er ſich in ſein Schlafzimmer zurück und ruht. Hierauf kehrt
er wieder in ſein Studierzimmer zurück, wo er im Som=
mer
bis 6½ Uhr, im Winter bis 5 Uhr bleibt und em=
pfängt
; manchmal dehnen ſich die Audienzen aber auch
bis 8½ Uhr aus.
An Sommer= und ſchönen Herbſttagen unternimmt der
Papſt Spaziergänge in den vatikaniſchen Gärten. Die
Aerzte haben ihm Luft und Bewegung verordnet; er ſteigt
daher aus dem Wagen und hält ſich bei der Reproduktion
der Grotte von Lourdes oder auf einem der Wege auf,
und ſpricht gelegentlich mit den Perſonen ſeines Gefolges,
mit den Gärtnern oder anderen, die ihm begegnen. Um
9 Uhr kehrt der Papſt in ſein Zimmer zurück, betet den
Roſenkranz, und hält dann die Abendmahlzeit. Auch
dieſe iſt höchſt einfach: eine Suppe, zwei Eier, gekochtes
Gemüſe und Marmelade Bald danach legt er ſich zu
Bett, zugleich mit ihm Monſignore Breſſan im Neben=
zimmer
; dann wird das Gemach verſchloſſen, und Schwei=
zer
Garden und vatikaniſche Wächter halten vor der Türe
Wacht. . . . Als eifriger Leſer der Zeitungen ſah Pius X.
auch die Notiz, die im vorigen Monat durch alle Blätter
der Welt ging: von dem entſcheidenden Einfluß der Zahl9
im Leben des Papſtes. 9 Jahre war er Kaplan, 9 Jahre
Pfarrer, 9 Jahre Biſchof, 9 Jahre Patriarch 9 Jahre
auch Papſt. Da er am 4. Auguſt 1903 zum Papſt erwählt
worden war, ſo gingen die 9 Jahre am letzten 4. Auguſt
zu Ende, ſo daß . . . die Schlußfolgerung lag nahe, aber
der Papſt beunruhigte ſich keineswegs über dieſe ſeltſame
Prophezeiung, ſondern ſagte mit ſeinem fröhlichen Lächeln
zu einem Prälaten: Sagen Sie, haben Sie in den Blät=
tern
die Geſchichte von der 9 geleſen? Eine ſchöne Ge=
ſchichte
, aber ſie ſtimmt abſolut nicht.

Der Charakter der Dame im Lichte
des Parfüms.

O Sage mir, wie Du dufteſt, und ich werde Dir
ſagen, wer Du biſt, dieſe Deviſe könnte ein bekannter
franzöſiſcher Parfümfabrikant den Ausführungen voran=
ſtellen
, die er über den Zuſammenhang des Chgrakters

der Frau mit dem Parfüm, das ſie gebraucht, mitteilt.
Er erklärt, daß er das Weſen einer Dame aus ihrem
Taſchentuch wenn es parfümiert iſt herausleſen
könne. Die Frau, die den erfriſchenden Duft von Jockei=
Klub jedem anderen Parfüm vorzieht, iſt eine fröhliche,
etwas leichtlebige Perſon, die alles von der beſten Seite
nimmt. Sie iſt klug und in ihrem Weſen angenehm, ſo
daß Jockei=Klub wie uns der Kenner anvertraut, ſtets
eine gute Gefährtin für den Mann verrät. Roſeneſſenz
iſt der Lieblingsduft der eleganten Dame von Welt. Mit
Roſenduft eint ſich ſtets eine Stimmung von Luxus und
Verſchwendungsſucht Dieſe roſenduftenden Damen ſind
es, die ihr koſtbares Spitzentaſchentuch auf der Treppe
verlieren und beim Juwelier Einkäufe machen, über die
dem Gatten die Haare zu Berge ſtehen. Glücklich der=
jenige
, der einer Dame ſeine Neigung zu Füßen legt, die
Lawendelwaſſer für ihren Toilettentiſch auserkoren hat.
Die beſcheiden=gemütvolle Atmoſphäre der Großmütter
umfließt dieſe Verehrerin des typiſchen Biedermeierpar=
füms
; ſie iſt beſcheiden und treu, ſtill und gütig, wie der
Duft, den ſie ausſtrömt. Wehe aber dem, deſſen Lebens=
pfad
eine Frau kreuzt, die ſich an ſtarken indiſchen Par=
füms
berauſcht. Das ſind dämoniſche, leidenſchaftlich=
wilde
Naturen, die auch vor dem Verbrechen nicht zurück=
ſchrecken
. Ein Taſchentuch, getränkt mit dem indiſchen
Parfüm Phul=Nana, ward jüngſt in den Händen eines
Ermordeten gefunden, und als man feſtſtellte, daß ſeine
Frau dieſes Parfüm über alles liebte, bot der Duft die
Handhabe zur Entdeckung der Mörderin. Seltſamerweiſe
iſt Veilchenduft das Lieblingsparfüm der exzentriſchen und
launenhaften Frau. Dieſe beſcheidene Blume wird von
Damen bevorzugt, die flatterhaft, extravagant und frivol
ſind. Damen mit künſtleriſcher Veranlagung benutzen mit
Vorliebe eine Eſſenz aus weißen Roſen. Ihrem phan=
taſievollen
Geiſte erſcheint nur dieſer exotiſche, kühle und
zarte Geruch angemeſſen; andere Parfüms dünken ihnen
ſchwer dumpf und gewöhnlich.
Als das eigentliche Parfüm der modernen Frau
bezeichnet unſer Kenner Frangipanni. Die Benutzerin
dieſes Duftes liebt den Flirt, iſt ihren Genoſſinnen eine
gefährliche Freundin, raucht viel, ißt hauptſächlich unbe=
kömmliches
Zeug und lieſt Bücher, die alle Welt für un=
paſſend
erklärt Das junge Mädchen von heute hat im
Eau de Cologne das ihr zuſagende Parfüm gefunden. Sie
wählt dieſe einfache und unaufdringliche Eſſenz, nicht um
Aufſehen zu erregen oder ihre Reize zu erhöhen, ſondern
weil ſie ihr Friſche und Lebensheiterkeit mitteilt. Die
gute Hausfrau begnügt ſich mit dem Duft der Feldblumen;
ſie findet in ihm die idylliſche, würzige Einfachheit des
Landlebens und der geſunden Natur=

[ ][  ][ ]

Nummer 215.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.

Seite 3.

Zügen über Reinheim (Odenw.) gelten, und der in Groß=
Zimmern, Gundernhauſen, Roßdorf, Beſſunger Forſt=
haus
, Rotes Kreuz und Glasberg ausgegebenen Fahr=
karten
, die zur Benutzung der fahrplanmäßigen Züge auf
der Nebenbahn Darmſtadt-Groß=Zimmern berechtigen.
Die Fahrkarten können ſchon 2 Tage vorher gelöſt wer=
den
. Den Inhabern von Sonderzugfahrkarten werden
von der Ausſtellungsleitung gegen Vorzeigung der Kar=
ten
Eintrittskarten zum ermäßigten
Preiſe von 60 Pfg. für die Perſon verabfolgt. Nähe=
res
über Abfahrtzeiten und Fahrpreiſe iſt
aus den auf den Stationen ausgehängten grünen Pla=
katen
zu erſehen.
Martinspfad=Jubiläum. Heute ſind 25 Jahre
vergangen, ſeitdem eine neue Verbindung zwiſchen der
Stadt und den ſüdlichen Waldungen hergeſtellt wurde:
am 12. September 1887, dem Geburtstag des Groß=
herzogs
Ludwig IV., waren die zur Anlage eines Weges
zwiſchen Wittmannſtraße und Waldſaum bisher für
unüberwindlich gehaltenen Hemmniſſe beſeitigt und der
Martinspfad konnte der öffentlichen Benutzung
übergeben werden. Scharenweiſe zogen an jenem hellen
Septembertag vergnügte Spaziergänger aus dem Innern
der Stadt dem mit Fahnen und Wimpeln reich=
geſchmückten
neuen Wege zu. Der Lampionszug am
Abend, begleitet von luſtigem Studentenſang (Akademiſcher
Verein) ſpiegelte die fröhliche Stimmung bei alt und
jung über die von allen Naturfreunden ſo begrüßte
Schöpfung des Martinspfad=Komitees wider.
Möchte bei eventuell weiterem Ausbau des dortigen
Stadtviertels die Martinspfad=Anlage als ſolche er=
halten
bleiben!
Dem Tierſchutz=Verein für das Großherzog=
tum
Heſſen in Darmſtadt wurde von Fräulein Na=
talie
Eberhardt in Darmſtadt in hochherziger Weiſe
eine Spende von 1000 Mark für Pferdeſchutz, Ver=
ſorgen
oder Töten von herrenloſen oder mißhandelten
Hunden, Katzen und anderen Tieren teſtamentariſch
zugewieſen.
* Odenwaldklub. Man ſchreibt uns: Der Hilfs=
fonds
zu Gunſten der durch die Nieder=Modauer Kaſſen=
affäre
Geſchädigten hat bis jetzt eine Höhe von rund
4200 Mk. erreicht. Gewiß ein erfreuliches Zeugnis
hilfsbereiter Nächſtenliebe, im Hinblick auf den Umfang
der Kataſtrophe aber noch lange nicht genug, um dem
Elend auch nur entfernt ſteuern zu können. Weitere
Beiträge ſind in Ausſicht geſtellt. Auch die übrigen
Ortsgruppen des Odenwaldklubs ſind gebeten worden,
Sammlungen zu veranſtalten. Ihre Opferfreudigkeit
wird ſich wie bei früheren Anläſſen, ſo auch jetzt wieder
bewähren. Alle, die es bis jetzt unterlaſſen haben, auch
an ihrem Teil mitzuhelfen an der Erhaltung ſo vieler,
dem Untergang geweihter Exiſtenzen, werden ebenſo
herzlich wie dringend erſucht, das Verſäumte baldigſt
nachzuholen. Namentlich hier gilt: wer raſch gibt, gibt
doppelt. Der Rechner des Zentralausſchuſſes, Herr
Kaſſier Löwe, iſt zur Empfangnahme von Spenden
jederzeit gerne bereit. Die Verwendung der ge=
ſammelten
Gelder wird ſo erfolgen, daß die
Unterſtützungen dem Zugriff der Gläubiger entzogen
bleiben. Barmittel werden aus dieſem Grunde nicht
hergegeben. Die Verwaltung des Fonds wird vielmehr
nach Kräften Gegenſtände in Eigentum erwerben, die
zur Fortführung der Wirtſchaft unbedingt erforderlich
ſind und dieſe Gegenſtände dann wieder den ſeitherigen
Eigentümern zur dauernden Benutzung unentgeltlich
leihweiſe überlaſſen. Nur ſo kann den Geſchädigten
nach Lage der Verhältniſſe wirkliche Hilfe gewährt
werden. Damit ſie aber auch ausgiebig ſei, muß
der Hilfsfonds noch bedeutend wachſen und er wird es,
wenn die bisher bekundete Opferfreudigkeit anhält.
Gewiß ſtellt unſere Zeit an die Wohltätigkeit des
Einzelnen große Anforderungen. Hier aber bittet die
wirkliche bittere Not unſerer Volksgenoſſen. Sie ſollte
in der Haſt unſerer Tage nicht überhört werden.
Laſſet uns gutes tun und nicht müde
werden.
* Vogelsberger Höhenklub. Der Zweigverein
Darmſtadt wird nächſten Sonntag wieder eine Wanderung
unternehmen, die diesmal in den Speſſart führen ſoll
und ſehr genußreich zu werden verſpricht. Näheres ſiehe
Anzeige in der heutigen Nummer.
Blumenpflege in Arbeiterfamilien. Am Sonntag,
den 15. September, vormittags von 10 bis 5 Uhr nachmit=
tags
findet in der Knaben=Arbeitsanſtalt eine
Ausſtellung der in Arbeiterfamilien zur Pflege ge=
gebenen
Blumen ſtatt, mit anſchließender Preisver=
teilung
. Zum Beſuch bei freiem Eintritt iſt
jedermann freundlich eingeladeh. Preisverteilung und
Abholung der Pflanzen iſt am Montag, 16. d. M., vor=
mittags
von 812 Uhr. Die Einlieferung der für
die Ausſtellung und den Preishewerb beſtimmten Blumen=
pflanzen
(vollſtändige mit Plomben verſehene Gruppen)
hat am Samstag, 14. d. M., vormittags von 811 Uhr
zu erfolgen.

* Prämiierte Hunde, Auf der Internationalen
Hundeausſtellung zu Stuttgart am 8. Sept.
fielen außer den ſchon erwähnten Auszeichnungen an den
Greyhondzwinger des Herrn Kurt Reuter folgende
Preiſe: Der Siegertitel an die Zuchthündin des Zwingers
Lady vom Reifhaus wie I. Preis der Offen= und Paar=
klaſſe
; dazu der vom Verband der Windhundliebhaber
geſtifteten ſilberne Klubpokal als Ehrenpreis. An den
Rüden Rilo von Elzach Ehren= und II. Preis Offene
Klaſſe, I. Preis Siegerklaſſe und I. Preis Paarklaſſe,
dazu der vom Oſterreichiſchen Klub für Luxushunde, Sitz
Wien, geſtiftete Ehrenpreis.
* Im Bürgerkeller konzertiert täglich das berühmte
Oeſterr. Damen=Orcheſter unter Leitung des Herrn Kapell=
meiſter
Prinelt. Die Kapelle hat ſich ſchon einen großen
Freundeskreis hier erworben und bietet eine recht ab=
wechſelungsreiche
Abendunterhaltung. Der Eintritt iſt
ſtets frei.
* Schwere Ausſchreitungen. Zu unſerer Notiz im Diens=
tagsblatt
wird uns von Herrn Chefredakteur Raffay,
dem Betroffenen, noch folgendes mitgeteilt: Der
Säbel des Soldaten traf nicht in die Polſterung des Auto=
mobils
, ſondern knapp unterhalb des Wagenfenſters in
die äußere Autowand. Die Soldaten verfolgten uns nicht,
ſondern ließen mich, als ich dem Täter, dem ſich ein zwei=
ter
Soldat zugeſellt hatte, nachlief, paſſieren, indem ſie
ſich in einer Torniſche verſteckt hielten, um ſo der Feſtſtel=
lung
zu entgehen; dieſe gelang auch nicht, da ſich mehrere
Trainſoldaten die übrigens auch dem Schutzmann
gegenüber jede Auskunft verweigerten angeſammelt
hatten, unter die ſich dann der Täter mengen konnte, wo=
durch
es unmöglich ward, ihn herauszufinden und zu
ſtellen. Wahr iſt, daß der Nervenchok eine Folge des
doppelten Schreckens: als der Säbel vor den Augen mei=
ner
Frau am Fenſter vorbei niederſauſte, und zweitens,
da meine Frau mich an den in der Torniſche verſteckten
Soldaten vorbeigehen ſah und Säbelblitzen zu bemerken
glaubte meine Frau in ſchwere Lebensgefahr brachte,
die der gerufene Arzt Dr. Draudt durch Morphiumein=
ſpritzungen
beſeitigte. Uebrigens befindet ſich Frau
Hanna Raffay beſſer und dürfte in wenigen Tagen
wieder vollkommen hergeſtellt ſein.

tt. Dieburg, 10. Sept. Man ſchreibt uns: Die in ver=
ſchiedenen
Zeitungen bekannt gegebene Volksverſamm=
lung
zur Beſprechung dringlicher Verkehrsangelegenhei=
ten
im hieſigen Kreiſe entpuppt ſich erſt jetzt als eine
ſozialdemokratiſche Gewerkſchaftsverſammlung. Der Ein=
berufer
hat nämlich vorſichtig den Umſtand verſchwiegen,
daß er, Heinrich Delp, Gewerkſchaftsſekretär der ſozial=
demokratiſchen
Bauhandwerker iſt. Es muß zurückge=
wieſen
werden, auf dieſe Weiſe Bürgermeiſter und Ge=
meinderäte
über den Charakter einer ſolchen Ver=
ſammlung
zu täuſchen und ſo die Gemeindevertretungen
zur ſozialdemokratiſchen Propaganda zu mißbrauchen.
Die chriſtlich=national organiſierte Arbeiterſchaft und die
anderen national geſinnten Intereſſenten weiſen daher
die Anregung und Anleitung eines ausgeſprochen ſozia=
liſtiſchen
Agitators zur Wahrung allgemeiner Volks= und
Arbeiterintereſſen mit Entrüſtung zurück.
Hähnlein, 11. Sept. Bei der kürzlich begonnenen
Renovierung unſerer Kirche wurden von den
Handwerkern Spuren von Gemälden entdeckt, die
mit Tünche überſtrichen waren. Der Ortsgeiſtliche, Pfarrer
Bolitſch, erkannte alsbald den Wert der Darſtellungen und
veranlaßte ſorgfältige Behandlung und eingehende Unter=
ſuchung
. Dadurch wurde es ermöglicht, eine ganze An=
zahl
von meiſt gut erhaltenen Gemälden bloßzulegen,
die in ſchöner Anordnung vornehmlich die Zwiſchenräume
zwiſchen den Fenſtern ausfüllen. Die überlebensgroßen
Figuren ſtellen dar: Moſes und Aron, Chriſtus und die
12 Apoſtel. An dem oberen Teil der Chorwand wurde
ein architektoniſches Bild, wahrſcheinlich das himmliſche
Jeruſalem darſtellend, freigelegt, gegenüber eine farben=
reiche
Abbildung des alten heſſiſchen Wappens. Auf
Grund alter Baurechnungen konnte feſtgeſtellt werden, daß
die Mehrzahl der Bilder im Jahre 1729 von einem Groß=
Gerauer Maler angefertigt waren. Die Kirche, die an
der Stelle einer alten Waldkapelle, von der die Sakriſtei
noch erhalten iſt, aufgeführt worden war, enthält u. a.
auch noch drei gut erhaltene Holzſkulpturen aus vor=
reformatoriſcher
Zeit, den hl. Sebaſtian, Maria mit dem
Chriſtuskind und Johannes den Täufer darſtellend. Der
ſachkundige Maler Velte von Frankfurt hat unter der
Leitung des Denkmalpflegers, Geh. Baurat Wickop= Darm=
ſtadt
, die Herſtellung der Gemälde unter ſorgfältigſter
Wahrung der urſprünglichen Farben übernommen. Die
ganze Gemeinde Hähnlein zeigt reges Intereſſe für ihre
Kirche, die jetzt nach ſachverſtändigem Urteil eine der
ſchönſten Kirchen der Umgegend werden wird, und hat
dies auch ſchon durch eine Anzahl reicher Stiftungen kund=
getan
. An dem Tag der Einweihung, vorausſichtlich am
20. Oktober, wird auch eine neue, von Förſter in Lich
gelieferte Orgel in Gebrauch genommen werden.

Rüſſelsheim, 10. Sept. Zum Jubiläum der
Firma Adam Opel iſt das Rüſſelsheimer Organ
Main=Spitze als Sondernummer auf Kunſtdruck=
papier
hergeſtellt und reich illuſtriert erſchienen. Die Son=
dernummer
enthält den vollſtändigen ausführlichen Be=
richt
über das Jubelfeſt, der mit 15 Bildern nach moment=
photographiſchen
Aufnahmen illuſtriert iſt. Die Bilder
zeigen unter anderem die Ankunft des Großherzogs in.
Rüſſelsheim und die Begrüßung durch den Bürgermeiſter
am Eingang des Ortes. Dann mehrere Aufnahmen von
und aus der Villa Sophienheim, die Ankunft und Be=
grüßung
des Großherzogs dortſelbſt, den Großherzog in
Begleitung der Herren Karl und Wilhelm Opel auf dem
Wege zur Feſthalle, die Feſthalle ſelbſt in verſchiedenen
Aufnahmen, die Feſtverſammlung, mehrere Redner, die
Ehrengeſchenke, Blumenarrangements u. v. a. Die Feſt=
Sondernummer wird allen Teilnehmern am Feſte eine
ſchöne Erinnerung ſein.
Rüſſelsheim, 11. Sept. Der 37jährige Zimmermann
Franz Klein von Mainz, welcher in Rüſſelsheim ar=
beitete
, gab am Montag die Arbeit dort auf, weil ihm
angeblich am Sonntag in einer Wirtſchaft der Neuſtadt
ein Gaſt den Vorwurfigemacht hatte, daß er ſeine Haus=
miete
nicht bezahlt habe. Geſtern mittag nach dem Eſſen
zeigte Klein ſeiner=Frau und ſeinen Kindern einen ſcharf=
geladenen
neuen Revolver und erklärte, er werde
ſich jetzt erſchießen, da er wegen des Vorwurfs, daß er
ſeine Miete nicht bezahlt habe, nicht mehr leben könne.
Als ihm ſeine Frau den Revolver abnehmen wollte, er=
klärte
er, ſie möge weggehen, ſonſt werde er auch ſie er=
ſchießen
. Klein begab ſich in das Schlafzimmer, verſchloß
es und ſchoß ſich eine Kugel in den Kopf., Klein
war auf der Stelle tot; die ganze Schädeldecke war ihm
zertrümmert.
Mühlheim, 11. Sept. Geſtern mittag gegen 4 Uhr
brach im Lagerraum des Daniel Andreas Rau, Leſſing=
ſtraße
43, auf bisher noch unaufgeklärte Weiſe Feuer
aus, deſſen man gegen 5 Uhr Herr geworden war. Die
Decke iſt angebrannt, die Fenſter ſind demoliert.
Mainz, 11. Sept. Kürzlich hatte ein Tapezierer in
einem Hauſe der Neuſtadt einige Arbeiten zu verrichten.
Während ſeiner Tätigkeit geſellte ſich ein Unbekannter zu
ihm und ſtellte ſich als ſtellenloſer Gehilfe vor, und er
erbot ſich, dem Meiſter bei der Arbeit behilflich zu ſein.
Als zur Mittagszeit der Meiſter das Haus verließ, blieb
der Unbekannte der am Nachmittag wiederkommen wollte,
noch einige Zeit zurück. Dieſe Gelegenheit benutzte aber
derſelbe; er ſchlich in ein anderes Zimmer ein und ſtahl
daſelbſt eine Geldbörſe mit 70 Mark Inhalt.
Der hilfsbereite Tapezierer hat ſich dann nicht mehr
ſehen laſſen.
Ober=Wöllſtadt, 11. Sept. Tödlich verunglückt
iſt geſtern die Frau des Landwirts Friedrich Götz. Als
G. mit ſeiner Frau zur Arbeit auf das Feld fahren wöllte,
trat das ſchon angeſchirrte Pferd über die Schere. Um
ein Unglück zu vermeiden, ſprangen Götz und ſeine Frau
vom Bocke herab; dabei ſtürzte Frau G. ſo unglücklich,
daß ſie vom Wagen überfahren wurde. Bald darauf
iſt ſie ihren ſchweren Verletzungen erlegen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 10. Sept. Oberbürger=
meiſter
Wermuth empfing eine Deputation des
Magiſtrats Berlin=Wilmersdorf, die der Bereitwilligkeit
Ausdruck gab, ſich dem gemeinſamen Vorgehen der Groß=
Berliner Gemeinden gegen die Fleiſchteuerung
anzuſchließen. Der Berliner Magiſtrat wird nun ſeiner=
ſeits
an die Groß=Berliner Gemeinden und die deutſchen
Großſtädte wegen der Eingabe an den Bundesrat über
Erleichterung für die Einfuhr von gefrorenem Fleiſch
herantreten. Wegen gewerbsmäßiger Hehle=
rei
ſind der Geſchäftsführer Albert Benjamin und der
Agent Joſeph Roſenblatt des Verſandhauſes Schreiner
u. Ko. verhaftet worden. Beide kauften von jungen
Offizieren Waren auf, die dieſe gegen Wechſel anſtelle
baren Geldes von dem früher verhafteten Agenten Georg
Rötzel erhielten. Die Ausſteller der Wechſel erhielten da=
her
immer nur einen Bruchteil der Summen, auf die die
Wechſel ausgeſtellt waren. Hauptmann Koſtewitſch
iſt heute auf der Durchreiſe hier eingetroffen und wird=
morgen
nach Leipzig weiterreiſen. In der Fabrik für
Hochſpannungs=Apparate der Allgemeinen Elektrizitäts=
Geſellſchaft in der Brunnenſtraße geriet beim Ausprobie=
ren
eines neuen Zubehörteils zum Transformator Oelt
in Brand,, wodurch eine Exploſion erfolgte. Da=
bei
erlitten 7 Perſonen ſchwere Brandwunden.
Karlsruhe, 11. Sept. Auf der Landſtraße, die von
Sulzbach nach Oppenau führt, wurde an einem Buch=
handlungs
=Reiſenden aus Freiberg i. S. ein Raub=
mordverſuch
verübt. Ein Wegelagerer verlangte
von ihm mit vorgehaltenem Revolver Geld. Als dies
verweigert wurde, gab der Strolch ſechs Schüſſe auf den
Ueberfallenen ab und verletzte ihn ſchwer. Ein Polizei=

Großherzogliches Hoftheater.

Dienstag, den 10. September.
Die Nibelungen.
W-l. Hebbels gewaltige Nibelungentrilogie gelangt
in dieſer Saiſon hier zum erſten Male vollſtändig zur
Aufführung, während bisher immer nur die erſten beiden
Teile gegeben worden ſind. Es ſei uns geſtattet, ein=
leitend
das zu wiederholen, was wir anläßlich der Wie=
dereinſtudierung
dieſer beiden Teile vor ſechs Jahren
über das Werk ſelbſt geſagt haben:
Die Nibelungenſage hat bekanntlich mehrfache poeti=
ſche
und dramatiſche Bearbeitungen erfahren; zu letzterer
fordert der Stoff des Liedes und der Sage mit ihren aus=
geprägten
gegenſätzlichen Charakteren und den zu einer
furchtbaren Kataſtrophe ſich zuſpitzenden dramatiſchen
Ereigniſſen geradezu heraus. Es liegt auf der Hand, daß
ein Dramatiker mit der älteren Geſtalt der Nibelungen=
ſage
als Mythus nichts anfangen kann und daß er einer
dramatiſchen Behandlung die Heldenſage zugrunde legen
muß, wie ſie uns durch das Nibelungenlied überliefert
worden iſt. Dies hat Hebbel getan. Aber auch in dieſer
Vermenſchlichung der alten Götterſage begegnen wir noch
ſo viel mythiſchen Ueberreſten und unklaren Motiven in
der Handlung, daß es des Dichters Aufgabe geweſen wäre,
uns die Charaktere des erſchütternden Dramas menſchlich
näher zu rücken und uns ihre Handlungen verſtändlicher
zu machen, wie es Geibel in ſeinem Drama Brunhild
getan hat. Der grübelnden, ſpekulativen Natur Hebbels
war dies aber nicht gegeben. Die Geſtalten Brunhildens
und Hagens ſind verblaßt und ihre Charakkere nicht mit
logiſcher Konſequenz entwickelt, weshalb ihre Handlungs=
weiſe
nicht überzeugend iſt. Jung=Siegfried hat in dem
Drama ſchon eine in Liedern geprieſene Vergangenheit.
Die heidniſche und chriſtliche Weltanſchauung, die ſich auch
in dem Liede neheneinander finden, hat der Dichter nicht

mit der wünſchenswerten Klarheit prinzipiell von einan=
der
geſchieden. In den hochdramatiſchen Szenen verführt
ihn ſein Hang zur pſychologiſchen Breite und zur philoſo=
phiſchen
Spekulation oft zu deplazierten Betrachtungen
und zu lang ausgeſponnenen Diskurſen, die den drama=
tiſchen
Gang der Handlung hemmen. Trotzdem aber
ſollen der ideale und poetiſche Gehalt des Werkes, das
geniale Nachempfinden der Dichtung und die von höheren
künſtleriſchen und literariſchen Geſichtspunkten geleitete
dramatiſche Behandlung des Stoffes in keiner Weiſe ver=
kannt
oder herabgeſetzt werden. Ueber den literariſchen
und poetiſchen Wert des Werkes kann kein Zweifel be=
ſtehen
.
Der zweite Teil bildet keinen eigentlichen Schluß;
die für ſich als brutal empfundene Schlußſzene leitet
motivierend zum dritten Teil über, weshalb dieſer auch
nicht von den erſten beiden Teilen abgelöſt werden kann.
Auch die heutige Aufführung war ſtileinheitlich und
ſtimmungsvoll. Aus jeder einzelnen Szene war der Ein=
fluß
einer ſorgfältigen und künſtleriſch fein empfindenden
Regie zu erkennen. Die Inſzenierung war vollſtändig
neu. Die vereinfachte Bühne fand auf die ſämtlichen
Szenen, mit Ausnahme der Szene im Odenwald, An=
wendung
, in der der gemalte Waldhintergrund beibehal=
ten
war. In den in Worms und Iſenland ſpielenden
Szenen traten anſtelle der häßlichen Seitenkuliſſen wieder
plaſtiſche Wände. Den Hintergrund bildeten Vorhänge
oder freier Himmel, in der Domſzene ragte zur Rechten
ein einfacher hoher plaſtiſcher Dombau empor, den Hin=
tergrund
ſchloſſen plaſtiſche, mit Epheu berankte Mauer=
wände
ab. Auch in der im Innern des Domes ſpielenden
Schlußſzene ſah man keinerlei Architektur, den hinteren
Teil des Bühnenraumes ſchloß ein dunkelvioletter Vor=
hang
ab, ſo daß die Szene als in einem Vorraume des
Domes ſpielend gedacht iſt. Die Szene auf Brunhildens
Burg, die in mehr als Halb=Dunkel gehalten war, reprä=
ſentierte
die Reliefbühne in ihrer ausgeprägteſten Form:

hier war unter Verwendung einfachſter Mittel auf alles
Dekorative ganz Verzicht geleiſtet.
Man muß ohne vorgefaßte Meinung dieſe Reform=
bühne
beurteilen und bewerten und man wird ſich dann
dem Eindruck nicht verſchließen können, daß die rein
künſtleriſche Wirkung der Vorſtellungen, wie ſchon aus=
geführt
, viel intenſiver iſt.
Von den darſtellenden Künſtlern iſt an erſter Stelle
wieder Herr Baumeiſter zu nennen, der die kraft=
ſtrotzende
und ſieghafte Reckengeſtalt des Jung=Siegfried
prächtig verkörperte und mit jugendlichem Feuer und
überſprudelnder Laune des Ueberhelden darſtellte und in
der Sterbeſzene ergreifende Töne zu finden wußte. Für
den finſteren und heimtückiſchen Hagen war Herr Heinz,
der aus ihm eine ſcharf ausgeprägte Charakterfigur aus
einem Guſſe ſchuf, der beſte Vertreter. Fräulein Alſen
verkörperte und ſpielte das Heldenweib Brunhild glaub=
würdig
und ließ es an der nötigen Leidenſchaft in der
Darſtellung nicht fehlen. Fräulein Berka verweiſen
Individualität und Befähigung auf Rollen, die auf der
Grenze zwiſchen dem jugendlich=ſentimentalen und He=
roinenfach
liegen, und deshalb iſt die Rolle der Kriemhild
für ſie beſonders geeignet. Nur vor falſchem Pathos
möge ſie ſich hüten. Eine jugendliche ſympathiſche Er=
ſcheinung
war der Gunther des Herrn Ehrle; aus der
undankbaren Rolle ſelbſt iſt nicht viel zu machen. Die
übrigen Rollen, von denen nach dem charakteriſtiſchen
Volker des Herrn Weſtermann, die Amme des Frl.
Heumann, die ſich lobenswerterweiſe im Pathos
mäßigte, und die Ute der Frau Müller=Rudolph
genannt ſeien, waren gut beſetzt.
Die Regie lag in den bewährten Händen des Herrn
Oberregiſſeurs Valdek, der in den Herren Kempin
und Schwerdtfeger bei der Neuinſzenierung kunſt=
und ſachverſtändige Mitarbeiter gefunden hatte. Das gut
beſetzte Haus nahm die Aufführung mit auffallend war=
mem
Beifall auf.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.

Nummer 215.

hund aus Karlsruhe wurde auf die Spur des flüchtigen
Räubers geſetzt.
Koblenz, 10. Sept. Im Rheinort Fahr löſte ſich
geſtern ein gewaltiger Felsblock infolge des Regens
los und fiel in der Nähe des Bahnhofes auf die Land=
ſtraße
, die dadurch einige Stunden geſperrt wurde. Wei=
tere
Felsabſtürze werden befürchtet. Die Eiſenbahn=
direktionen
ordneten an, daß die Bahndämme im Rhein=
land
beſonders ſcharf beobachtet werden.
Bottrop, 10. Sept. Heute abend ſtieß auf der Chauſſee
Gladbeck-Bottrop ein Laſtautomobil auf einen
Zug der Anſchlußbahn Möller=Rheinbabenſchächte. Zwei
Perſonen, die die Straße kreuzten, wurden getötet.
Leipzig, 10. Sept. Heute abend ſtieß das A u t o=
mebil
des Fürſten zu Stolberg=Wernigerode
mit einem Wagen der Leipziger Straßenbahn zuſammen.
Das Auto, ebenſo der Straßenbahnwagen wurden ſchwer
beſchädigt. Der Fürſt und der Chauffeur, auch die Fahr=
gäſte
der Straßenbahn blieben unverletzt.
Weißenfels, 11. Sept. An der Straßenkreuzung nach
Bonau iſt infolge der ſchlechten Beſchaffenheit des Weges
ein von Weißenfels kommendes Militärautomobil ver=
unglückt
. Hierbei wurde, wie das Weißenfelſer Tage=
blatt
meldet, ein Offizier getötet und der Chauffeur
ſchwer verletzt.
Königshütte, 11. Sept. Geſtern abend 7 Uhr be=
fuhren
auf dem Stahlwerk Königshütte der Werkmeiſter
Wadulla, der Aufſeher Langoſch, der Vorarbeiter Buhl
und der Maurer Gorni ohne Auftrag einen Fahrſchacht,
der nach dem unteren Luftkanal führt und in dem ſich
ſtickige Gaſe befanden. Da die Eingefahrenen nach
längerer Zeit nicht zurückkehrten, begaben ſich ein Feuer=
wehrfeldwebel
und ein Oberfeuerwehrmann mit Sauer=
ſtoffapparaten
in den Kanal, um ſie zu retten. Die Ver=
unglückten
wurden als Leichen geborgen. Auch die
Retter waren beſinnungslos, ſind aber heute außer Ge=
fahr
. Wie von zuſtändiger Stelle mitgeteilt wird, lag
eine Betriebsnotwendigkeit, den Kanal zu befahren, in
keiner Weiſe vor.
Moskau, 10. Sept. Auf dem Chodnyka=Felde
wurde vom Kaiſer in Gegenwart der kaiſerlichen Fa=
milie
, der Großfürſten und Würdenträger eine glänzende
Truppenſchau über 80000 Mann abgehalten. Nach
der Truppenſchau fand ein Mittageſſen für die Dorfälte=
ſten
und Vertreter der einheimiſchen Völkerſchaften ſtatt,
deren Vorfahren am Kriege im Jahre 1812 teilgenommen
haben. Der Kaiſer nahm an dem Eſſen teil. Nachmittags
fand im reichgeſchmückten Rathauſe ein glänzendes Ban=
kett
ſtatt, welchem der Kaiſer, die Kaiſerin mit den Töch=
tern
, die Großfürſten, die Miniſter, zahlreiche Würden=
träger
und die beiden franzöſiſchen Deputationen bei=
wohnten
. Der Kaiſer dankte nach einer Anſprache des
Bürgermeiſters herzlich für den warmen Empfang, den
die Stadt ihm bereitet habe.
Buffalo, 10. Sept. Bei Erie (Pennſylvanien) ent=
gleiſte
ein nach dem Oſten gehender Zug infolge
Achſenbruches. Sechs Perſonen ſollen getötet und
über 50 verletzt worden ſein.

Kongreſſe und Verbandstage.

Bezirkstag des Vereins der Deutſchen
Kaufleute.
Der Verein der Deutſchen Kaufleute, unabhängige
Organiſation für Handlungsgehilfen und Gehilfinnen,
hielt am Sonntag in Mannheim ſeinen diesjährigen
Bezirkstag für den Bezirk Baden, Großherzogtum Heſ=
ſen
, Pfalz und Württemberg ab. Die Tagung war zahl=
reich
aus Mannheim, ſowie aus allen Städten des Be=
zirks
beſucht, in denen der Verein durch Ortsvereine ver=
treten
iſt. Nachdem der Geſchäftsbericht über die T ätigkeit
des Bezirks ſowie der Ortsvereine entgegen genemmen
war, fand darüber eine lebhafte Ausſprache ſtatt. Der
Vorort des Bezirks wurde nach Mannheim verlegt und
als Ort für die nächſte Tagung Pforzheim beſtimmt.
Nunmehr ſprach Herr H. Görl=Nürnberg über das
Thema 20 Jahre Sonntagsruhe‟ Der Redner
behandelte eingehend die Forderung und zeigte an einer
Reihe von Beiſpielen, daß die Arbeitgeber durch völlige
Sonntagsruhe durchaus keine Schädigung erleiden, ſon=
dern
daß es eine dringende Notwendigkeit iſt, daß die
Forderung im Intereſſe der Angeſtellten wie Prinzipale
zur Durchführung kommen muß. Anſchließend an das
Referat würde folgende Entſchließung einſtimmig
angenommen:

Der ordentliche Bezirkstag des Vereins der Deutſchen
Kaufleute für den Bezirk Baden, Großherzogtum Heſſen,
Pfalz und Württemberg kann dem vom Reichsamt des
Innern herausgegebenen Geſetzentwurf über die Neu=
regelung
der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe nicht zu=
ſtimmen
, da er den aus geſundheitlichen und kulturellen
Gründen berechtigten Wünſchen der Handlungsgehilfen
nach einer völligen Sonntagsruhe nicht entſpricht. Die
durch ortsſtatutariſche Regelung in einer Anzahl deutſcher
Städte eingeführte vollſtändige Sonntagsruhe hat nicht
nur keine Schädigung der ſelbſtändigen Kaufleute herbei=
geführt
, ſondern unter dieſen die lebhafteſte Anerkennung
gefunden. Unter Berückſichtigung dieſer Tatſachen muß
erwartet werden, daß nach zwanzigjährigem Beſtehen
des gegenwärtigen Sonntagsruhegeſetzes durch eine neue
geſetzliche Regelung die vollſtändige Sonntagsruhe all=
gemein
feſtgelegt wird und eine höchſtens zweiſtündige
Sonntagsarbeit in den offenen Verkaufsſtellen für Milch,
Backwaren, Fleiſch, Blumen und Eis geſtattet wird, doch
darf die für den Verkauf freigegebene Zeit zwei aufein=
anderfolgende
Vormittagsſtunden nicht überſchreiten.

* Zürich, 10. Sept. Die internationale
Konferenz für ſoziale Verſicherung wurde
von Profeſſor Moſer und dem Privatdozenten Kaufmann
begrüßt. Den Vorſitz führte Unterſtaatsſekretär von
Mayr. Ueber die Verſicherung Selbſtändiger berichtete
als Hauptreferent Profeſſor Piloty, der ſich gegen die
Zwangsverſicherung der Selbſtändigen und für eine ſub=
ventionierte
öffentliche Aſſekuranz ausſprach. Die Ge=
heimräte
Duettmann und Dietz forderten dagegen weite=
ren
Zwang, während Direktor Zacher und Profeſſor
Manes für ein Nebeneinander aller Verſicherungsformen
eintraten. Eine Verbindung der ſtaatlichen Zwangsver=
ſicherung
mit der privaten Verſicherung wurde von Geh.
Rat Bielefeld befürwortet. Fernere Beratungsgegen=
ſtände
waren die internationale Unfallſtatiſtik und ſchließ=
lich
mit einem Referat des Geh. Rats Klein die Belaſtung
durch die ſoziale Verſicherung. Weitere Hauptreferate
übernahmen Miniſterialrat Zahn und Landesrat Freund.
Der nächſte Kongreß findet 1915 in Amerika ſtatt.

Von den Manövern des XVIII. Armeekorps.

Worms, 10. Sept. In der Gegend von Pfed=
dersheim
verließen wir geſtern das rote Detachement,
für das ſich die Gefechtslage weſentlich verändert hatte.
Nachdem die Vorhut des roten Detachements hart nörd=
lich
Flomborn auf die Vorhut des blauen Gegners ge=
ſtoßen
war, entwickelte ſich das blaue Detachement zum
Angriff und ließ in verdeckter Stellung die Artillerie
hinter dem Goldberge auffahren, ſo daß die rote Vor=
hut
auf Oberflörsheim zurückgezogen werden mußte. Das
rote Detachement, zuerſt in Verteidigungsſtellung, ſchlug
den Angriff des blauen Detachements zurück und ging
dann ſelbſt zum Angriff über, und zwar mit Erfolg, und
drängte Blau in nördlicher Richtung zurück; nunmehr
erfährt aber das rote Detachement, daß das rote Armee=
korps
geſchlagen gegen den Rhein zurückzieht, bricht des=
halb
die Verfolgung ab und geht rückwärts bis in die
Gegend von Pfeddersheim.
Zwiſchen Pfeddersheim und Niederflörsheim erwar=
tete
heute morgen das rote Detachement, beſtehend aus
dem Infanterie=Regiment 118, 4. und 5. Eskadron Drag.=
Regt. 24, 1. Abteilung Feldart.=Regts. 61, 4. Kompagnie
Pionier=Bat. 21 und der Maſchinengewehrabteilung der
118er unter Führung des Oberſt von Behr in einer ver=
ſtärkten
Stellung den Angrif des Feindes. Das blaue
Detachement, beſtehend aus dem Inf.=Regt. 117, Drag.=
Regt. 24 (ohne 4. und 5. Eskadron), Feldart.=Regt. 61
ohne 1. Abteilung und 3. Kompagnie Pionier=Bat. 21,
unter Führung des Oberſtleutnants von Crüger ging
heute morgen von Oberflörsheim über Niederflörsheim
vor, um den Gegner anzugreifen. Als das Vorhut=
bataillon
von Blau Niederflörsheim verließ, erhielt es
heftiges Feuer von den Höhen ſüdöſtlich Niederflörs=
heim
aus und ging nicht über Niederflörsheim weiter
vor. Das Gros des blauen Detachements wurde ſüdlich
Niederflörsheim zum Angriff gegen den linken feind=
lichen
Flügel entwickelt. Das rote Detachement ging mit
ſeinem linken' Flügel ſeinerſeits zum Angriff vor. In
dieſer Situation ertönt das Signal Das Ganze halt
Die Offiziere, der Stab uſw., eine kleine Truppe für ſich

bildend, erſcheinen zur Kritik, nach deren Beendigung
nun die Truppen in ihre Quartiere einrücken. Die
Brigademanöver, die im ganzen diesmal 5 Tage gedauert
und beſonders im erſten Teil unter der Ungunſt der Wit=
terung
zu leiden gehabt haben, ſind damit beendet. Nach
dem morgigen Ruhetag beginnen am Donnerstag die
Diviſionsmanöver, die ſich in der Gegend zwiſchen
Worms, Alzey und Oppenheim abſpielen werden und zu
denen die nunmehr gebildete Reſerve=Infanterie= Bri=
gade
, beſtehend aus zwei Infanterie=Regimentern zu je
drei Bataillonen, zugezogen wird. Die Oberleitung der
Diviſionsmanöver hat Generalleutnant von Plüskow.
Den Uebungen der Diviſionen, die in den letzten Tagen
21 Bataillone Infanterie einzuſetzen haben, werden der
kommandierende General der Infanterie von Eichhorn
und der Chef des Generalſtabes, Oberſt von Hofacker,
beiwohnen.

Kaiſermanöver.

* Mügeln, 10. Sept. Die rote Kavallerie
ging geſtern nördlich und ſüdlich von Rieſa über die
Elbe. Da die Brücken als zerſtört angenommen und auch
alle Schiffsgefäße zerſtört oder weggenommen waren,
ſetzte die rote Kavallerie mit Hilfe der Pontons und
Diviſionsbrückentrains über. Die Mannſchaften unter
Sattelzeug auf den Pontons, die Pferde ſchwimmend.
Die Artillerie folgte zum Teil erſt in der Nacht und heute
früh auf Ueberſetzmaſchinen. Heute früh ſtand die rote
Kavallerie in Strehla. Blau wollte, da es den Ueber=
gang
der roten Kavallerie über die Elbe nicht mehr hin=
dern
konnte, dieſe zurückwerfen und die Elbe wieder in
die Hand bekommen, um die rote Armee am Ueberſchrei=
ten
der Elbe zu verhindern. Die blaue Kavallerie wurde
heute weiter nach Oſten und Südoſten vorgeführt. Sie
leiſtete, wie geſtern, auch heute erhebliche Marſchanſtreng=
ungen
. Die blaue Kavallerie ſuchte alſo heute die
rote auf, welche ihrerſeits ebenfalls der blauen ent=
gegenging
. Am Nachmittag kam es zu einem Zuſam=
menſtoß
, bei dem rot hauptſächlich durch die beiden
Jägerbataillone den Sieg errang. Blau mußte zurück=
gehen
. Morgen gedenkt die rote Infanterie den Ueber=
gang
über die Elbe zu bewerkſtelligen. Die blaue Armee
gedenkt ebenfalls den Vormarſch weiter fortzuſetzen, ſo
daß übermorgen der Zuſammenſtoß der Heere zu er=
warten
iſt.
Z. 3 iſt nach glänzender Fahrt in Gotha einge=
troffen
, wo er die feſte Halle benutzt. Für P. 3 wird
eine Halle kriegsmäßig in entſprechender Entfernung an=
gelegt
. Der bulgariſche Kronprinz und Prinz Kyrill
von Bulgarien nehmen als Gäſte des Kaiſers an den
MManövern teil.
* Moritz (Elbe), 11. Sept. Hier haben ſich unter
anderen eingefunden der König von Sachſen, Prinz
Ludwig von Bayern, der Herzog von Sachſen=Altenburg,
der Kronprinz von Bulgarien und Prinz Kyrill. Nach
1 Uhr begannen die Truppen des dritten Korps (rot)
in Pontons über die Elbe zu ſetzen, die Pferde ſchwim=
mend
. Gleichzeitig begann man eine Brücke zu ſchlagen,
worauf die Infanterie in Maſſen nachrückte. Die Luft=
ſchiffe
Z. 3 und P. 3 kreiſten über dem Fluß und
beobachteten den Uebergang des dritten Korps.
* Röderau, 11. Sept. Der Kaiſer, welcher im
Sonderzuge bei Rieſa übernachtete, begab ſich zeitig
ins Manövergelände. Er fuhr im Automobil über
Zeithain und Glaubitz nach Großenhain, wo er den
Anmarſch von roter Infanterie ſah. Bei dem
Vorbeimarſch der 23. Diviſion bei Großenhain be=
grüßte
der Kaiſer ſein Grenadier=Regiment, deſſen Uni=
form
er auch heute trug. Um 5 Uhr traf der Kaiſer in
Moritz, ſüdlich von Röderau, auf dem rechten Ufer der
Elbe ein. Hier waren bereits die Spitzen der roten
Armee eingetroffen, während auf dem linken Elbufer
blaue Patrouillen bemerkt wurden. Es wurden Schüſſe
gewechſelt. Die Mannſchaften der Leibgendarmerie, welche
die Feldſignallampen für die Neutralen bedienen, hatten
hier abgekocht. Der Kaiſer und das Gefolge genoſſen
von der Erbſenſuppe. In Moritz befinden ſich auch der
Großherzog von Sachſen, Graf Zeppelin und die frem=
den
Offiziere. Ein zweiter Uebergang von Rot iſt bei
Sewalitz geplant. Das Wetter iſt gut.

Feuilleton.

* Aus Kunſt Wiſſenſchaft und Leben. Noch ein in=
tereſſanter
Parſifalbrief. Herr Hans Rich=
ter
hat in einem gleichfalls an den Muſikſchriftſteller
Ludwig Karpath gerichteten Brief ſich über die Parſi=
falfrage
ausgeſprochen. Die Redaktion des Neuen
Wiener Tagblatt erklärt ausdrücklich, daß ſie zur Ver=
öffentlichung
des Briefes berechtigt ſei. Der Brief lautet:
Lieber Freund Karpath! Sagen Sie Ihrer Zeitung, daß
ich mich in der Parſifal=Angelegenheit nicht äußern kann,
weil ich meine Stimme für viel zu ſchwach halte, als daß
ich imſtande wäre, die Widerſacher und Unverſöhnlichen
zu überzeugen und zu einer beſſeren und richtigeren Auf=
faſſung
zu bekehren Ihnen aber, lieber, alter Freund,
will ich ſchreiben, wie ich von der Angelegenheit denke.
Die Deutſchen haben ſich zu allen Zeiten gegen ihre wahr=
haft
großen Männer miſerabel benommen. Die Lebens=
und Leidensgeſchichte aller großen deutſchen Künſtler z. B.
iſt Zeugnis davon. Warum ſollen ſich die jetzigen Zeit=
genoſſen
beſſer und feinfühliger zeigen? Wie bin ich froh,
daß ich mich in meine ungariſche Geburtsecke flüchten kann,
um mich nicht als Deutſcher ſchämen zu müſſen. Ge=
winnſucht
und Haß der unverſöhnlichen Feinde vereinigen
ſich, um den letzten Willen des Meiſters zunichte zu machen.
Höchſt bezeichnend iſt es, daß Leute in die Sache ſich
miſchen, die weder in Deutſchland geboren ſind noch ſo
heißen wie ſie ſich nennen. Die mangelnde Berechtigung
zum Mit= und Dreinreden erſetzen ſie durch kecke Vordring=
lichkeit
. Mit pfiffigen Phraſen ſuchen ſie das gerade Ur=
teil
der Unparteiiſchen zu verwirren. Da heißt es:
Dieſe Werke gehören der deutſchen Nation. So?
Eine Frage des Gerichts an die deutſchen Rechtsgelehrten.
Es war zwar ſchon einmal der Fall, daß das Werk eines
großen Meiſters einem anderen, dem es gar nicht zugedacht
war, gewidmet wurde: Hans v. Bülow widmete die Eroi=
ka
dem Fürſten Bismarck. Aber quod licet Bülowi non
licet bovi könnte man da ſagen. Auch dürften ſich die
Spekulanten täuſchen. Der Parſifal iſt gar kein Werk für
den modernen Logenpöbel (!) und klingen wird er im mo=
dernen
Theater als wie das Ave Maria aus dem Läſter=
maul
einer geſchminkten Straßendirne. Hier gäbs nur
eine Hilfe. Die deutſchen Frauen müßten den Parſifal in
ihren Schutz nehmen, an der Spitze eine hochſtehende edle
Frau in der einflußreichen Machtſtellung, um ihren Wor=
ten
den nötigen Nachdruck geben zu können. Aber wo iſt

dieſe Frau? Ihr alter Hans Richter, quondam Hofkapell=
meiſter
und Feſtſpieldirigent.
Wilhelmine Heimburg f. In ihrer Villa in
Kötzſchenbroda bei Dresden iſt, wie ſchon gemeldet, die
bekannte Romandichterin Wilhelmine Heimburg nach län=
gerem
Leiden ſanft aus dem Leben geſchieden. Vor eini=
gen
Tagen erſt, am 7. d. M., beging ſie ihren 64. Geburts=
tag
. Wilhelmine Heimburg hieß mit ihrem bürgerlichen
Namen Berta Behrens. Ihr Vater war Arzt, ihre Mut=
ter
die Tochter eines Förſters in Thale a. Harz, wo die
Dichterin am 7. September 1848 geboren wurde. Ihre
Eltern feierten am 7. Dezember 1907 ihre diamantene
Hochzeit. Der erſte Roman der Heimburg hieß Aus
dem Leben meiner alten Freundin. Er erregte die Auf=
merkſamkeit
Ernſt Keils, der die Verfaſſerin für die Gar=
tenlaube
gewann. Dieſer Zeitſchrift iſt Wilhelmine
Heimburg bis zu ihrem Tode treu geblieben. So weit die
Gartenlaube dringt, zu deren treueſten Mitarbeiterinnen
die Heimburg zählte, war dieſer Name allen deutſchen
Frauen vertraut. Von ihren anderen viel geleſenen Wer=
ken
ſeien nur einige der bekannteſten genannt: Lumpen=
müllers
Lieschen Trudchens Heirat Mamſell Un=
nütz
Wie auch wir vergeben 'Ueber ſteinige Wege‟
Trotzige Herzen.
* Ein wandelnder Werkzeugkaſten iſt kürzlich in Chi=
cago
in der Perſon eines Arbeiters namens John Mar=
tiner
entdeckt worden, der ein dortiges Hoſpital aufſuchte
und dem Arzte über ſchreckliche Schmerzen im Magen
klagte. Bei der Operation, die an ihm vorgenommen
wurde, fand man im Magen des Patienten nicht weniger
als neunzehn Taſchenmeſſer, ſiebzehn Nägel, fünf Meſſer=
ſchneiden
, ein Dutzend Schrauben und einen Silberdollar.
Seit achtzehn Jahren hat Martiner, wie ſich jetzt heraus=
ſtellte
, alle möglichen Wetten angenommen und auch ſtets
gewonnen. Er iſt jetzt 36 Jahre alt Der Arzt, der die
Operation ausführte, ſagte, daß die gefundenen Artikel
ſich alle in einer Ecke des Magens angeſammelt hätten.
Ein großes Geſchwür in dem Teil des Magens
hätte ſich gebildet und der Mann wäre ohne Zweifel in
ſpäteſtens einem Monat geſtorben, wenn er ſich nicht hätte
operieren laſſen. Zwei der Meſſer hatten Knochenblätter,
die ſich im Magenſaft vollſtändig aufgelöſt hatten. Die
Holzgriffe zweier Meſſer blieben unverſehrt, während der
Silberdollar, den Martiner vor zehn Jahren für ein Glas
Bier verſchluckt hatte, ſo blank ausſah, als ob er eben erſt
aus der Münze hervorgegangen war. Der Kranke batte

die Operation ſehr gut überſtanden, erklärte aber, der=
artige
Wetten nicht mehr annehmen zu wollen, da ihm die
Sachen viel zu ſchwer im Magen gelegen hätten.
sh Stiefelſchmiere ſtatt Fußbodenlack. Ein komiſches
Mißgeſchick iſt einem Schneidermeiſter in dem Städtchen
Vollmarſtein paſſiert. Er war mit ſeiner Frau überein=
gekommen
, zur Verſchönerung der Wohnung den Fuß=
boden
neu zu ſtreichen, und zwar wollte er dies, um die
Sache nicht zu teuer werden zu laſſen, ſelbſt tun. Nach=
dem
er einen Topf Fußbodenlack eingekauft hatte, machte
er, um ſich zu dem ſchweren Werke zu ſtärken, zunächſt
einmal einen Dämmerſchoppen, der ſich etwas lange hin=
zog
. Als er in der Abendſtunde nach Hauſe kam, war
ſeine Frau nicht anweſend. Um ſein langes Verweilen
im Wirtshaus der ſpäter heimkehrenden Gattin nicht mer=
ken
zu laſſen, ging er ſofort mit Feuereifer an die Arbeit
des Fußbodenſtreichens. Er pinſelte darauf los, daß ihm
der Schweiß vom Geſicht troff. Endlich war das ſchwere
Werk getan, und hochbefriedigt ging der ſparſame Schnei=
dermeiſter
ſchlafen. Am anderen Morgen wurde er, der
Lob und Anerkennung erwartet hatte, von ſeiner Frau
ſehr unſanft aus dem Schlafe geweckt, die ihm mit Ent=
ſetzen
die beiden neugepinſelten Stuben zeigte. Der Fuß=
boden
erglänzte in tiefſtem Schwarz. In ſeinem Duſel
hatte der biedere Schneidermeiſter am Abend vorher den
Farbentopf mit einem Topf Stiefelſchmiere verwechſelt
und unentwegt den Fußboden mit der Stiefelſchmiere ge=
wichſt
. Mitleidige Nachbarn meinten, die Sache ſei gar
nicht ſo ſchlimm, die Fußböden müßten eben jeden Mor=
gen
, genau ſo wie die Stiefel, mit einer Bürſte gewichſti
werden, um dann in hellem Glanze zu erſtrahlen.
* Menſchen, die das Ausbrüten von Forelleneiern
verſtehen. In einer amtlichen Bekanntmachung vom 3.
September, unterzeichnet: der Bürgermeiſter v. Zengen
in Wetzlar, wird mitgeteilt, daß Ende Dezember ein Fiſch=
zuchtlehrkurſus
bei der Rbeiniſchen Fiſchzuchtanſtast in
Kraft ſtattfindet. Den Teilnehmern wird freier Unter=
richt
und eine ſtaatliche Beihilfe von 25 Mark gewährt.
Dann heißt es wörtlich weiter: In erſter Linie werden
Förſter, Lehrer hauptſächlich aber Perſonen berückſich=
tigt
, welche bereits im öffentlichen Intereſſe Forelleneier
ausgebrütet haben und noch nicht Teilnehmer an einem
Kurſus waren. Perſonen, die Forelleneier ausbrüten,
dürften ebenſo neu wie ſelten ſein.

[ ][  ][ ]

Nummer 215.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.

Seite 5.

Luftfahrt.

* Berlin, 11. Sept. Der Militärluftkreuzer M. 34
iſt heute morgen 3 Uhr 50 Minuten bei ſtarkem Winde
und heftigem Regen vom Tegeler Schießplatz nach dem
Manövergelände in Sachſen gefahren.
* Leipzig, 11. Sept. Das Luftſchiff M. 3 er=
ſchien
auf ſeiner Fahrt von Berlin ins Manövergelände
um 9½ Uhr über Leipzig.
* Berlin, 11. Sept. Das Militärluftſchiff
M. 3, das heute früh vom Tegeler Schießplatz zum
Kaiſermanöver abgefahren war, iſt heute mittag zurück=
gekehrt
und um 12,15 Uhr glatt auf dem Tegeler
Schießplatz gelandet. Es erfüllte den ihm erteilten
Auftrag vollſtändig, indem es in kriegsmäßiger Höhe von
1300 Metern ganze feindliche Stellungen überfuhr und
ſehr gute Erkundungen durch Funkſpruch meldete.
* Cotta, 11. Sept. Der Militärluftkreu=
zer
Z. 3 erſchien mittags auf einer Rekognoszie=
rungsfahrt
über der Stadt Cotta und entfernte ſich
in der Richtung auf Meißen.
* Finſterwalde, 11. Sept. Von den in Son=
nenwalde
ſtationierten Fliegeroffizieren iſt heute
vormittag in der Nähe von Münchhauſen der Flieger=
O’fizier Siebert aus der Höhe von etwa 50 Meter
abgeſtürzt. Er erlitt am Bruſtkorb und am Hals
ſchwere Verletzungen. Der Paſſagier kam mit
leichten Verletzungen davon. Zwei andere Flieger ſind
bei Zeithain bezw. Grimma gelandet.
Athen, 11. Sept. Der Flieger Karamala=
küs
, der zu einem Fluge nach Patras aufgeſtiegen war,
iſt bei Corinth abgeſtürzt und ertrunken.,

Hochwaſſer.

M. Stockſtadt, 11. Sept. Infolge des gewaltigen
Waſſers, das der Neckar bringt, iſt der weſtlich von
Stockſtadt gelegene Teil der Gemarkung gefährdet. So
bildet das Vorland des Altrheins außerhalb der Dämme
eine einzige weite Waſſerfläche. Die Einwohner
ſind in emſiger Tätigkeit, um ihre Feldfrüchte zu bergen.
Ueberall werden Kartoffeln, Dickrüben und Zuckerrüben
ausgemacht. Durch das ſich durch das Erdreich drückende
Quellwaſſer laufen ſchon ganze Fluren unter.
Bis an die Achſen fahren die Wagen im Waſſer. Wenn
das Steigen in einer Stunde 5 Zentimeter noch
einen Tag anhält, ſo iſt das Waſſer ſchon in den Kellern.
* Mainz, 11. Sept. Der Rhein iſt abermals um
60 Zentimeter geſtiegen.
** Mainz, 11. Sept. Der Pegel des Rheins zeigte
heute früh 6 Uhr einen Waſſerſtand von 3,10 Meter, um
10 Uhr vormittags von 3,20 Meter; oberhalb und unter=
halb
Mainz iſt der Rhein über ſeine Ufer getre=
ten
. Der Main bringt im Gegenſatz zum Rhein und
Neckar viel neues Waſſer mit ſich. In Groß=Steinheim
betrug der Waſſerſtand geſtern 1,85 und heute 2,05 Meter.
In Koſtheim wurden geſtern 2,16 und heute 2,86 Meter
Waſſerſtand angezeigt. Der Schiffsdurchlaß der Schleuſe
Koſtheim wurde wegen des wachſenden Waſſers nieder=
gelegt
.
* Heidelberg, 11. Sept. Geſtern nachmittag er=
reichte
der Neckar mit 4,84 Metern ſeinen höchſten Pegel=
ſtand
, von dem er bis heute mittag ſehr raſch auf 3,60
Meter gefallen iſt. Die Hochwaſſergefahr iſt nun=
mehr
vorüber.
* Mannheim, 11. Sept. Der Neckar iſt von
geſtern auf heute von 6,52 Meter auf 7,22 Meter geſtiegen.
Er iſt aber gegenwärtig im Fallen begriffen. Der Rhein
ſcheint weiter ſteigen zu wollen. Der geſtrige Rheinpegel
zeigte einen Waſſerſtand von 6,04 Meter, der heutige von
6,76 Meter an. Der Rhein hat die unteren Partien des
Wildpark mit ſeinen ſchönen Promenadewegen vollſtändig
überflutet. Die Dampfſtraßenbahn nach Feudenheim
mußte geſtern abend ihren Betrieb einſtellen, da die Hälfte
der Straße vom Neckar überflutet war. Heute morgen
konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Die
Fluten bringen außerordentlich viel Holz und Feldfrüchte
mit ſich. In der Nähe von Oftersheim haben die Tabak=
felder
, die teilweiſe unter Waſſer ſtehen, ſehr viel gelitten.
Das Waſſer iſt in verſchiedenen Ortsſtraßen in die Keller
eingedrungen.
* Karlsruhe, 11. Sept. Die Schwarzwald=
flüſſe
ſinken vorübergehend. Der Neckar ſteigt weiter.
* Baden=Baden, 11. Sept. Das Fluggelände
in Oos mit der Luftſchiffhalle ſteht unter Waſſer.

sr. Das Gordon=Bennet=Rennen der Flug=
maſchinen
wurde, wie kurz gemeldet, am Montag zum
vierten Male auf einem Flugfelde bei Chicago über
200 km entſchieden. Nachdem auch die Engländer auf
einen Start verzichtet hatten, gkamen nur noch Frankreich
und Amerika in Frage. Für Frankreich waren engagiert
Vedrines (Deperduſſin=Eindecker, 140 PS. Gnome=Motor),
Prevoſt (Deperduſſin=Eindecker, 100 PS. Gnome=Motor)
und Frey (Henriot=Eindecker, 100 PS. Gnome=Motor).
Seitens des Amerikaniſchen Aero=Klubs waren vertreten
Lloyd Thompſon und Paul Peck, von denen Thompſon
mit ſeinem Bugeß=Eindecker mit 160 PS. Gnome=Motor
als Favorit galt. Mit Rückſicht auf das ungünſtige
Wetter wagte ſich jedoch bis auf Vedrines zunächſt keiner
der Teilnehmer heraus. Der franzöſiſche Weltrekord=
mann
legte dafür trotz eines Windes von teilweiſe über
10 Sekundenmetern mit ſeiner ſchnellen Maſchine auf
der 6,667 km langen Bahn Runde und auf Runde
zurück und abſolvierte die vorgeſchriebenen 200 km in
der phänomenalen Zeit von 1 Std. 10 Min. 56 Sek.,
alſo mit einer durchſchnittlichen Stundengeſchwindigkeit
von faſt 170 km. Seine beiden Landsleute Prevoſt
und Frey abſolvierten dann gleichfalls die Strecke, er=
reichten
aber bei weitem nicht das gute Reſultat wie
Vedrines. Die beiden Amerikaner verzichteten vollſtändig
auf den Start, ſo daß Vedrines Sieger des diesjährigen
Bennett=Rennens iſt. Das Rennen wurde im Jahre 1909
von dem Amerikaner Curtiß auf Curtiß=Doppeldecker ge=
wonnen
. Er legte damals 50 km mit einer Durchſchnitts=
geſchwindigkeit
von 75,625 km zurück, 1910 blieb der Eng=
länder
Graham White auf Bleriot=Eindecker in New=York
ſiegreich. Das Rennen führte in dieſem Jahre über
00 km, die mit einer durchſchnittlichen Stundengeſchwin=
digkeit
von 97,420 km abſolviert wurden. Im Vorjahre
ſiegte der Amerikaner Weyman auf einem Nieuport= Ein=
ecker
in Eaſtchurch, indem er die 150 km des Rennens
mit einer Durchſchnittsgeſchwindigkeit von 125,402 km
bewältigte. Im Anſchluß an das Bennett=Rennen findet
auf dem Flugplatz noch ein größeres internationales
Flugmeeting ſtatt, das mit Preiſen in Höhe von 25000
Dollar dotiert iſt.

Landwirtſchaftliches.

L. K. Am Dienstag, den 10. September, begannen
in Frankfurt die täglichen Kelterobſtmärkte.
Dieſe Märkte ſind im Vorjahre eingerichtet worden,

ſtehen unter Leitung der Stadt Frankfurt beziehungs=
weiſe
eines Marktausſchuſſes, in welchem auch die Land=
wirtſchaftskammer
vertreten iſt. Letztere hat veranlaßt,
daß die Preis= und Marktberichte täglich an eine größere
Anzahl Tageszeitungen hinausgegeben werden, damit
die Obſtzüchter, Landwirte ꝛc. ſich baldigſt orientieren
können.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Sozialer Ausſchuß verbündeter Vereine kauf=
männiſcher
und techniſcher Angeſtellter! Unter dieſer
Flagge ſegelt in einem Eingeſandt eine Gegnerſchaft des
Sonntagsbetriebes. Im allgemeinen kann Schreiber die=
ſes
den Herren nicht ganz Unrecht geben daß die Sonn=
tagsruhe
eingeführt worden iſt zum Wohle der Ange=
ſtellten
und Lehrlinge, ſowie für den Prinzipal ſelbſt.
Daß man aber ſich erdreiſtet, von wirtſchaftlich ſchwachen
Exiſtenzen zu ſprechen, klingt wie ein Hohn auf den klei=
nen
Geſchäftsmann und iſt bezeichnend genug für den
Mangel von Verſtand und Kenntnis der Lage des kleinen
Geſchäftsmannes bei den heutigen Verhältniſſen. Daß es
nicht lauter große Geſchäftsleute geben kann, lehrt der
geſunde Menſchenverſtand; würde es nur große Ge=
ſchäftsleuke
geben, ſo lebten wir in einer herrlichen Zeit.
Aber dem iſt nicht ſo, Gott ſei Dank denn wer würde
dem kleinen Beamten, Kaufmann und Arbeiter, wenn
Matthäus am Letzten iſt, aus der Not helfen bis zum
nächſten Zahltag? Der Große gewiß nicht, ſondern
immer wieder muß es der Kleine machen. Daß die
Sonntagsruhe gewiſſen Branchen ſehr ſchädlich iſt, haupt=
ſächlich
der Zigarrenbranche, iſt eine allbekannte Tatſache.
Sollte das, was in den nachbarlichen Städten und Dör=
fern
beſteht, daß in der Zeit von 111 Uhr die Geſchäfte
geöffnet ſind, nicht auch bei uns von Vorteil ſein? So
gut das Polizeiamt die Vergünſtigung während der
Meſſe geſtattet, hätte dasſelbe auch eine Ausnahme wäh=
rend
der Ausſtellung machen können, wo Tauſende von
Fremden des Sonntags die Stadt beſuchen und allge=
meine
Verwunderung herrſcht, daß die Läden geſchloſſen
ſind. Ich bin der Anſicht, daß das Perſonal von den Ge=
ſchäften
auch einmal eine Ausnahme an den betreffenden
Sonntagen gegen eine eventl. Extravergütung machen
kann.
Ein Geſchäftsmann.

Die Lage auf dem Balkan.

Konſtantinopel, 10. Sept. Der heutige
Miniſterrat beriet hauptſächlich über die Lage auf
dem Balkan und in Nordalbanien. Während ein
offener Konflikt mit Serbien und Griechenland kaum er=
wartet
wird, wird die Möglichkeit eines Krieges mit
Bulgarien erneut ernſt erörtert. In Nordalbanien
herrſcht völlige Anarchie. Die nordoſt=albaneſiſchen
Bairaktare richteten fünf neue Forderungen an die Regie=
rung
und verlangen ihre Annahme bis Dienstag. Der
Inhalt der Forderungen iſt unbekannt.
* Konſtantinopel, 10. Sept. Das bulga=
riſche
Exarchat hat an den Kultusminiſter eine
ſcharfe Note wegen der Ereigniſſe in Kotſchana
gerichtet. Es verlangt die ſchleunige Beſtrafung aller
Schuldigen und die Abſetzung der verantwortlichen Be=
amten
und Staatsangeſtellten.
* Saloniki. 10. Sept. Hier eingetroffene Mel=
dungen
beſagen, daß bereits ſeit einigen Tagen an der
bulgariſchen Grenze eine rege Tätig=
keit
herrſcht. Die bulgariſchen Grenztruppen
ſeien mit Erdarbeiten beſchäftigt, wobei mehrfach türkiſche
Patrouillen, die die Grenze abſtreiften, bedroht worden
ſeien. Eine Patrouille ſei der neutralen Zone zu nahe
gekommen, worauf die Beſatzungen der Wachthäuſer Ka=
ratepe
, Tamſtepe und Djebelitza das Feuer eröffnet hät=
ten
. Die türkiſchen Soldaten, die Verſtärkungen erhielten,
hätten das Feuer erwidert, wobei fünf Bulgaren getötet
worden ſeien. Als bulgariſche Verſtärkungen anlangten,
hätte ſich das Feuer lebhafter geſtaltet, weshalb die Tür=
ken
die mohammedaniſchen Landsleute bewaffnet hätten,
damit ſie den türkiſchen Grenzwachen zu Hilfe kämen.
Das Feuer habe dem ganzen Tag über angedauert. Einzel=
heiten
über die genauen Verluſte fehlen noch.
Rom, 10. Sept. Ein italieniſcher Diplomat
äußerte ſich zu einem Vertreter des Corriere d’Italia
er glaube nicht an den Ausbruch eines Krieges,
weil Europa entſchloſſen ſei, ihn zu verhindern, dagegen
meint der hieſige Vertreter eines Balkanſtaates, er glaube
an einen Krieg, weil die Balkanſtaaten überzeugt ſeien,
daß die gegenwärtige Lage eine einzigartige Gelegenheit
bieten wird, Anſprüche geltend zu machen.

Marokko.

* Paris, 11. Sept. Wie aus Caſablanca gemeldet
wird, ſoll Marrakeſch ſelbſt nicht beſetzt werden,
es ſoll aber außerhalb der Stadt ein verſchanztes und
gut verproviantiertes Lager errichtet werden, deſſen Be=
ſatzung
Marrakeſch mit ihren Kanonen beherrſchen würde,
und dabei vollſtändige BBewegungsfreiheit behielte, um
auch die umliegenden Stämme im Zaum zu halten. Gene=
ral
Lyautey beabſichtigt, Muley Juſſuf ſo bald als
möglich nach Marrakeſch kommen und zum Sultan aus=
rufen
zu laſſen. Was den geplanten Aufenthalt Muley
Hafids in Tanger anlangt, ſo fürchtet Lyautey, daß
dieſer Ränke und Verwickelungen hervorrufen könne. Er
wolle deshalb die Rückkehr Muley Hafids nach Marokko
möglichſt lange hinausſchieben. Wie der Korreſpondent
des Matin meldet, bereitet General Lyautey einen Be=
richt
an die franzöſiſche Regierung vor, in dem er ſehr
ſcharfe Vorwürfe gegen die ſpaniſchen Konſuln in Ma=
rokko
erhebt. Er wirft insbeſondere dem ſpaniſchen Konſul
in Mogador, Soſtoa, vor, daß er ſich des eingeborenen
Pöbels bedient habe, um die Ausrufung Muley Juſſufs
zum Sultan zu verhindern, und daß er ferner eine eifrige
Propaganda zugunſten El Hibas entfaltet habe, indem
er durch Sendlinge überall verbreiten ließ, daß die An=
hänger
El Hibas mit Leichtigkeit die Franzoſen aus Ma=
rokko
vertreiben könnten. Lyautey, der ähnliche Vorwürfe
auch gegen den ſpaniſchen Konſul Villa Real in Mazagan,
ſowie gegen den ſpaniſchen Konſul in Saffi richtet, habe
alle Beziehungen zu den ſpaniſchen Konſuln abgebrochen,
die er als Feinde anſehe. Nach den letzten Meldungen
dürfte ſich der Prätendent El Hiba ſüdöſtlich, wahrſchein=
lich
zu den Tadla und Ben Zajan, geflüchtet haben. Man
glaubt, daß er den Franzoſen von neuem ernſte Schwie=
rigkeiten
bereiten werde.

Darmſtadt, 12. September.
D Neues vom Großh. Hoftheater. Das lebhafte
Intereſſe, das ſich für die heutige Aufführung von Nico=
lais
Luſtigen Weibern kundgibt, konzentriert ſich in

erſter Linie auf den neuen Dirigenten, Kapellmeiſter
Lert. Der junge Muſiker, der aus der Schule Guſtav
Mahlers hervorgegangen iſt, hat bereits früher die Auf=
merkſamkeit
berufener Kreiſe auf ſich gelenkt. Die Mit=
wirkung
von fünf neuen Mitgliedern des Enſembles
trägt natürlich das ihrige bei, das Intereſſe noch zu er=
höhen
. Die Luſtſpielneuheit Der Gardeoffizier die=
morgen
, in Szene geht, iſt eine der amüſanteſten Komö=
ien
der jüngſten Zeit. Franz Molnär, der erfolgreiche
Autor, iſt unſerem Publikum längſt kein Fremder mehr.
Sein feines Spiel Der Teufel hat auch in Darmſtadt
großen Beifall gefunden. In den Hauptrollen des
Gardeoffizier ſind neben Herrn Ehrle, der die Doppel=
rolle
des Schauſpielers und Offiziers ſpielt, die Damen
Meißner (ſeine Frau) und Rudolph (Mama), die
Herren Heinz (Kritiker) und Jordan letzterer in
einer ſehr luſtigen Epiſode beſchäftigt. Außerdem
wirken im zweiten Akt, der in einer Loge des Wiener
Hofoperntheaters während einer Aufführung von Bo=
hème
ſpielt, neben dem Orcheſter erſte Soliſten der
Oper mit.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* München, 11. Sept. In der Beleidigungsklage des
Profeſſors Brentano gegen den Syndikus des bayeri=
ſchen
Induſtriellenverbandes, Dr. Kuhle, hob das Land=
gericht
München I das Urteil des Schöffengerichts auf
und ſetzte die gegen Kuhle ausgeſprochene Geldſtrafe
von 300 auf 250 Mark herab. Die Berufung des
Privatklägers wurde verworfen.
* Köln, 11. Sept. Anläßlich des heutigen 50jährigen
ZJubiläums der Gummiwerke Franz Cluth ſtif=
tete
die Firma 50000 Mark zugunſten der Arbeiter und
50 000 Mark zugunſten der Beamten. Dieſe 100000 Mark
wurden der 1910 gegründeten Franz Cluth=Stiftung über=
wieſen
.
* Hagen i. W., 11. Sept. Die Regierung erteilte die
Genehmigung zur Inbetriebnahme des Hage=
ner
Krematoriums, des erſten in Preußen. Das
Krematorium iſt 1906 erbaut worden.
* Hamburg, 11. Sept. Der Dampfer Kamerun
iſt auf der Reiſe von Kamerun nach Weſt=Afrika an der
afrikaniſchen Küſte gänzlich verloren gegangen. Die
Mannſchaft wurde bei Monrovia gelandet.
* Bremerhaven, 11. Sept. Die ſchwediſchen Re
dakteure trafen geſtern abend hier ein, um einer Ein=
ladung
des Norddeutſchen Lloyd zur Beſichtigung der
Hafenanlagen und zu einem Feſtmahl an Bord des
Doppelſchraubendampfers Berlin Folge zu leiſten.
Nach der Beſichtigung des Schiffes verſammelten ſich die
Teilnehmer im großen Speiſeſaal des Schiffes zu einem
Mahl, wobei Direktor Greve die Gäſte namens des
Norddeutſchen Lloyds willkommen hieß. Dr. Sohl=
mann
=Stockholm dankte namens ſeiner Kollegen für
den liebenswürdigen Empfang in beredten Worten. Er
erkannte die große Bedeutung des Unternehmens an, deſ=
ſen
wirtſchaftliches Aufblühen und ſeine Stellung in der
Welt ein ſchlagendes Beiſpiel dafür ſei, was menſchliche
Kraft ausrichten könne. Er brachte dann ein Hurra auf
die Stadt Bremerhaven und den Norddeutſchen
Lloyd aus. Nachdem Chefredakteur Schweitzer=Berlin
eine Reihe von eingegangenen Telegrammen, darunter
auch ein ſolches von dem ſächſiſchen Miniſter Vitzthum
von Eckſtädt, verleſen hatte, erhob ſich Redakteur Langlot
und ſchilderte die Eindrücke, die die Gäſte in Bremen
empfangen hätten. Der Redner ſchloß mit einem Hoch
auf die Mitvorbereiter des Beſuches. Chefredakteur Fitger
gedachte in ſeiner Erwiderung des ſchwediſchen Volkes
und entbot dem herrlichen, impoſanten Lande ſeinen
Gruß. An dem Mahle nahmen als Vertreter des Senats
Senator Dr. Nebelthau, als Vertreter der Bürgerſchaft
deren Vizepräſident Bankdirektor Krug, Dr. Tebelmann,
die Direktoren des Norddeutſchen Lloyds Greve, Freiherr
v. Plettenberg, Föhr und andere teil. Beſonderes Intereſſe
bot für die auswärtigen Herren der Einlauf des von
Amerika heimkehrenden Schnelldampfers Kaiſer Wilhelm
der Große, welcher die Schleuſe paſſierte und den Liege=
platz
im Hafen einnahm. Vormittags wurden die Kaiſer=
docks
und die Hafenanlagen beſichtigt und um 9 Uhr die
Rückfahrt nach Bremen angetreten.
* Paris, 11. Sept. Das dritte Geſchwader, das im
Oktober von Breſt nach Toulon abſegeln wird, nimmt
gegenwärtig Schießübungen bei Quibfron vor. Um
einen Unfall hintanzuhalten, hat Vizeadmiral Marolle be=
züglich
des Pulvers die ſtrengſten Vorſichtsmaßregeln an=
geordnet
. Die Munition wird erſt einige Augenblicke
vor Beginn der Schießübungen an Bord der Schiffe ge=
bracht
und nach Beendigung der Uebungen mittels Kähne
an Land zurückgebracht. Der Generalrat von Finiſterre
hat in einer außerordentlichen Sitzung die Entſcheidung
des Marineminiſters, durch die die Peiizerſchiffe des dritten
Geſchwaders dem Kriegshafen von Toulon zugeteilt wer=
den
, erörtert und mittels eines einſtimmig gefaßten Be=
ſchlußantrages
die Regierung aufgefordert, das geſamte
dritte Geſchwader in Breſt zu belaſſen. Sämtliche Kauf=
leute
von Breſt werden heute eine Verſammlung abhal=
ten
, um eine Proteſtbewegung gegen die Maßnahme Del=
caſſés
zu veranſtalten, gegen die auch die Breſter Handels=
kammer
Einſpruch erheben wird.
* Liſſabon, 11. Sept. In einem Dorfe, ſieben Kilo=
meter
von Arraiolles in der Provinz Alemtejo, wurde
eine ſiebenköpfige Familie ermordet. Als mutmaß=
licher
Täter wird ein Landwirt geſucht, welcher in der
Nachbarſchaft der ermordeten Familie ein Anweſen hatte.
* New=York, 11. Sept. Nachdem die Leiche der Grä=
fin
Snabe alias Roſa Menſchek exhumiert war, er=
folgte
geſtern die amtliche Unterſuchung. Dieſe ergab
mit Sicherheit Strangulation als Todesurſache.
Auch Giftſpuren wurden in dem Körper gefunden.
Auf Grund dieſer Feſtſtellungen iſt jetzt der Haft=
befehl
gegen den des Mordes verdächtigen Rechts=
anwalt
Gibſen ausgeſtellt worden. Gibſen wurde
geſtern auf dem Wege nach ſeiner Wohnung von einer
großen Volksmenge bedroht und mußte durch die ihn
überwachenden Detektive geſchützt werden.
* New=York, 11. Sept. In Culling (Georgia)
ſtürmte geſtern eine aus 2000 Perſonen beſtehende
Menge das Gefängnis eines unter dem Verdacht
der Mitſchuld an einem Luſtmord verhafteten 19jährigen
Negers. Der Mob zerſtümmelte den Körper, der von
zahlloſen Kugeln durchbohrt war, und ſchleifte ihn durch
die Straßen. Sodann verlangte der Pöbel die Aus=
lieferung
der Mutter des Gelynchten. Die Frau konnte
ſich aber mit dem eigentlichen Mörder noch rechtzeitig
retten. Blutige Raſſenkämpfe ſtehen bevor.
* Rio de Janeiro, 11. Sept. Der Miniſter für
Landwirtſchaft hat mit den Schiffahrtsgeſellſchaften
Navigacione Generale, La Veloce und Italia einen Ver=
trag
zur Errichtung einer eigenen Linie ausſchließlich für
Poſtdampfer zwiſchen Italien und Bra=

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.

Nummer 215.

fillen unterzeichnet. Für jede Hin= und Hereiſe ſol
eine Subvention von 60 Konto Reis gewährt werden, wo=
von
40 von der Bundesregierung und 20 vom Staate
Sao Paulo bezahlt werden. Die Reiſen werden zweimal
monatlich ſtattfinden und Rio de Janeiro und Santos ab=
wechſelnd
mit Pernambuco und Bahia berühren.
* Tokio, 11. Sept. Prinz Heinrich von Preu=
ßen
beſuchte heute vormittag den Kaiſer und nahm
das Frühſtück mit ihm ein. Später begab ſich der Prinz
in das Trauergemach, um der aufgebahrten Leiche des
verſtorbenen Kaiſers die Ehrung zu erweiſen.

Madrid, 11. Sept. In der Provinz Almeria brach=
ten
etwa 100 bewaffnete Zigeuner einen Eilzug bei der
Station Macimiento zum Halten und drangen in die
Abteile ein. Sie machten große Beute töteten 2 und
verwundeten 9 Paſſagiere. Die Bande entfloh.

Briefkaſten.

* Stammtiſchgeſſellſchaft Freitag. Eine
geſetzliche Verpflichtung zur Verabfolgung von Speiſe und
Getränk beſteht für den Inhaber einer Wirtſchaft nicht.
Verweigert er einem Gaſt Speiſe und Getränk ohne er=
ſichtlichen
Grund, ſo muß er jedoch darauf bedacht ſein,
daß es nicht in einer den Gaſt beleidigenden Weiſe ge=
ſchieht
.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Der Kern des Tiefdruckgebietes hat ſich nach Jütland
verlagert und kann unſere Witterung beeinfluſſen. Die
Temperaturen liegen zwiſchen 8 und 10%. Verbreitete
leichte Regenfälle. Das Wetter wird ſich nicht ändern.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den
12. September: Wechſelnd bewölkt, Temperatur wenig
verändert, zeitweiſe Regenſchauer.

Fühlen Zie ſich matt und elend?
Dann nehmen Sie Bioſon, Sie werden es ſchätzen lernen!
Ich war faſt ½ Jahr krank, litt an Herzſchwäche, Schwindel,
u. dergleichen Erſcheinungen und hatte, was das Schlimmſte
war, eine Schwäche in den Beinen, daß ich nicht laufen
konnte. Daher entſchloß ich mich, zur Kräftigung Bioſon zu
nehmen. In den erſten Tagen des Gebrauches verſpürte
ich ſchon Beſſerung. Vor allem verloren ſich die Atem=
beſchwerden
, die Müdigkeit in den Beinen verſchwand all=
mählich
, ſo daß ich bald wieder wie in geſunden Tagenlaufen
konnte; auch das kranke und fahle Ausſehen machte einer
friſchen Geſichtsfarbe Platz. Ich merkte deutlich, wie ſich
meine Kräfte wieder hoben, ich wieder Mut am Leben fand,
ſo daß ich gleichſam wie neugeboren war. Breslau I.
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Unser Leben währet 70 Jahre,
unendlich vielen aber iſt es nicht vergönnt, das
Greiſenalter wirklich zu erreichen, weil irgend
eine akute Krankheit ſie viel zu früh dahin rafft.
Wer nicht leichtfertig iſt und ſein Leben bewahren
will, der muß auch die kleinen Unregelmäßig=
keiten
beachten, die ſich als Erkältungen dar=
ſtellen
, und dabei leiſten Fays ächte Sodener
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Familiennachrichten.

Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Hiermit die ſchmerzliche Mitteilung, daß
unſer innigſtgeliebter Sohn, Bruder, Schwager,
Onkel und Neffe
(B18054
Heihrich- Auam Schneider
nach kurzem, ſchwerem Krankenlager am 10. Sep=
tember
nach vollendetem 29. Lebensjahre ſanft
dem Herrn entſchlafen iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Georg Heinrich Schneider,
Familie Carl Klippel,
Familie Eckert.
Darmſtadt und Nieder=Kainsbach,
den 11. September 1912.
Die Beerdigung findet Freitag, den 13. Sept.,
nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhauſe Nieder=
ſtraße
10 aus, auf dem Beſſ. Friedhofe ſtatt.

Todes-Anzeige.
(Statt jeder besonderen Anzeige.)
Heute mittag 12½ Uhr entschlief nach langem, schwerem Leiden meine
liebe Schwester, unsere gute Schwägerin und Cousine
Wilhelmine Beverle.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Dr. med. Rudolf Beyerle.
Darmstadt, den 11. September 1912.
Die Beerdigung findet Samstag, den 14. September, vormittags 11 Uhr, nach Einsegnung von
der Friedhofskapelle aus, statt.
(19072

Todes=Anzeige.
Hiermit die traurige Mitteilung, daß es
Gott dem Allmächtigen gefallen hat, Dienstag
abend 11 Uhr meine innigſtgeliebte Frau, unſere
Mutter, Großmutter, Schweſter, Schwägerin
(19046
und Tante
Flad Lisckte Schheider
geb. Lorenz
nach langem, ſchwerem, mit Geduld ertragenem
Leiden im nahezu vollendeten 57. Lebensjahre
zu ſich in die Ewigkeit zu rufen.
Die tieſtrauernden Hinterbliebenen:
Philipp Schneider,
Ludwig Schneider u. Familie,
Adam Schneider u. Familie,
Heinrich Poth u. Familie,
Karl Klöß u. Familie.
Darmſtadt, 11. September 1912.
Die Beerdigung findet Freitag, den 13. Sept.,
nachmittags 4 Uhr, vom Hauptportal des
Darmſtädter Friedhofes aus, ſtatt.

Dankſagung.
Für die zahlreichen Beweiſe herzlicher, inniger
und aufrichtiger Teilnahme beim Hinſcheiden
unſeres geliebten Sohnes, Bruders, Schwagers
und Onkels
(B19040
Heinrich Schüler
ſagen wir Allen unſeren herzlichſten Dank. Ins=
beſondere
dem Herrn Pfarrer Flöel, den Herren
Beamten und Arbeitern der Firma Luther & Co.,
dem Metallarbeiterverband, den Schulkameraden,
dem Zither=Klub Darmſtadt=Beſſungen, ſowie
Allen, die ihm die letzte Ehre erwieſen haben.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Heinrich Schüler.
Darmſtadt, den 11. September 1912.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Heimgang unſerer lieben Mutter
Pad Jacbeie Klemsteuser
geb. Wamser
ſagen wir Allen unſeren innigſten Dank. (*5953
Die trauernden Hinterbliebenen.
Bad=Nauheim, Hannover, Berlin,
10. September 1912.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater (Ab. C), Anfang 7 Uhr: Die
luſtigen Weiber von Windſor
Koſtüm=Beſprechung zum Luther=Feſtſpiel um
4 Uhr im Saalbau.
Bibliſcher Vortrag um 8½ Uhr im Zelt an der
Lindenhofſtraße (Thema: Weltmiſſion und Weltver=
kehr‟
).
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Frankfurt aus der Vogelſchau (Aufnahme aus einem
Zeppelin), vom Beſuch des deutſchen Kaiſers in der
Schweiz, die große Herbſtparade auf dem Tempelhofer
Felde bei Berlin.

Verſteigerungskalender.
Freitag, 13. September.

Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 9 Uhr in der
Ludwigshalle‟.
Obſt=Verſteigerungen: auf der Straße Roßdorf-
Gundernhauſen um 9 Uhr (beginnend bei Roßdorf)
auf der Straße Roßdorf bis zum Wald gegen Ober=
Ramſtadt um 1½ Uhr (beginnend bei Roßdorf) auf
der Straße Eberſtadt-Nieder=Ramſtadt um 7½ Uhr
(Zuſammenkunft an der Papiermühle), auf der Straße
Nieder=Ramſtadt-Waſchenbach um 9 Uhr (beginnend
bei Nieder=Ramſtadt), auf der Straße Arheilgen-
Baierseich um 8 Uhr (Zuſammenkunft am Ausgang von
Arheilgen), daran anſchließend auf der Straße Abzweig=
ung
Frankfurterſtraße-Wixhauſen (beginnend an der
Frankfurterſtraße), auf der Straße Wirhauſen- Grä=
fenhauſen
um 2½ Uhr (beginnend bei Wixhauſen).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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[ ][  ][ ]

Nummer 215.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.

Seite 7.

Donnerstaqu. Freitag
am 12. und 13. ds. Monats
bleiben unsere Geschäftsräume
geschlossen.
(19005md
Sebrüder Neu
Luduigsplatz 9.

Eure Kritik die ſtimmt mich heiter,
Drum ſchmied ich ſchlichte Verſe weiter
Nach Feierabend in der Nacht,
Wenn ich mein Tagewerk vollbracht.
Zum Einkauf hab ein Tag ich Zeit:
Ein alter Fachmann weiß Beſcheid!
Ich führe Marken nur von Klaſſe,
Weil ich das Minderwert’ge haſſe.
Als Lockſpeiſ’ geb ich keine Uhr:
Ich imponier durch Marke nur!
Auch ich kann mit dem Dichter ſagen:
Es ſind die ſchlecht’ſten Früchte nicht,
Woran die Weſpen nagen.
Georg Benz, Fahrradſchloſſermeiſter

Inhaber der Firma Benz & Co.

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zurück.gtoe
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Perfekte Näherin empfiehlt ſich
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Nummer 214

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.

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7. Kapitel.
Kaum zeigte am nächſtfolgenden Sonntag die Uhr die
Viſitenſtunde an, ſo meldete Jakob, daß Herr von Schmett=
witz
Exzellenz ſeine Aufwartung mache.
Frau von Leerſen begab ſich, gefolgt von Karl Auguſt,
in den Salon, wo freundlich lächelnd in roſiger Rundheit,
mit erwartungsvollen Augen der eben Gemeldete in Gala=
uniform
der Eintretenden harrte.
Eine Schönheit iſt er inzwiſchen nicht geworden, kon=
ſtatierte
, innerlich unangenehm berührt, Frau von Leerſen.
Sie hatte Herrn von Schmettwitz früher flüchtig ab und zu
bei Hofe und in Geſellſchaften geſehen. Wäre ſie auf=
richtig
geweſen, ſo hätte ſie im weiteren Verlauf ſeines Be=
ſuches
noch hinzufügen müſſen: ein großer Geiſt auch nicht!
Aber das tat ſie nicht, ſondern ſie faßte ihr Urteil über
Schmettwitz zu Karl Auguſt in folgende Worte zuſammen:
Ein ſympathiſcher, junger Mann.
Karl Auguſt nickte ernſthaft und zuſtimmend mit dem
Kopfe. Ihm war es ſympathiſch, daß Schmettwitz neben
all ſeinen lebemänniſchen Vorzügen auch dem Jeu durch=
aus
nicht abhold war.
Chriſta von Leerſen hatte aber Herr von Schmettwitz.
obgleich ſie der Magnet war, der ihn ins Leerſenſche Haus
gezogen hatte, nicht zu Geſicht bekommen. Das Mädel ge=
fiel
ihm rieſig! Raſſig, ſchick, elegant, diſtinguiert, So

und nicht anders hatte er ſich die zukünftige Frau von
Schmettwitz immer gedacht. Vorderhand war es aber im=
mer
nur bei dem innerlichen Ausmalen eines ſolchen
idealen Zukunftsbildes geblieben, denn die Ehe lief ihm ja
nicht weg. So lange man jung war, mußte man ſein
Leben als freier ungebundener Mann genießen. Nun
hatte er das ſeit Jahren getan, ausgiebig und intenſiv.
Sein großer Reichtum hatte ihm dabei vortreffliche
Dienſte geleiſtet und ihn immer mehr in dem angenehmen
Glauben beſtärkt, daß er eigentlich ein ganz verfluchter
Kerl ſei, der immenſes Glück bei Weibern habe. Daß
dieſe Weiber, die ihn das gelehrt hatten, aber immer
aus einer recht niedrigen Sphäre ſtammten, entging ihm
dabei. Den jungen Damen aus ſeinen Kreiſen, die im=
mer
gleich an eine Heirat dachten, war er bisher vorſichtig
aus dem Wege gegangen. Er galt daher als ein hartge=
ſottener
Junggeſelle. Das Gerücht aber beſchäftigte ſich
ſehr eingehend mit ſeinem in puneto Liebe nicht ſehr ein=
wandfreien
Leben und ſchilderte es mit noch ſchwärzeren
Farben, als es in Wirklichkeit war. So wurde erzählt,
daß er nie allein, ſondern ſtets in zarter Begleitung ſeine
oft monatelangen Reiſen in aller Herren Länder unter=
nahm
. Solche Reiſen wechſelten mit dem Aufenthalt auf
ſeinen Gütern ab. Zuweilen bezog er auch ſein elegantes
Junggeſellenheim in Bellburg für einige Zeit und gab
durch ſeine tollen andere nannten es dummen
Streiche den braven Bellburgern Gelegenheit, ſich ſitt=
lich
zu entrüſten.
Augenblicklich war er in Bellburg und machte eine
Reſerveoffizier=Uebung. Bei ſeiner Korpulenz wurde ihm

das nicht leicht. Er hatte ſich daher auch von dieſer
Uebung wieder, ſo lange es ging, zurückſtellen laſſen, und
hätte am liebſten ganz auf ſeine weitere Karriere ver=
zichtet
. Was hatte er ſchon vorher wieder dieſe Uebung
verwünſcht. Seit er aber jetzt Chriſta von Leerſen kennen
gelernt hatte, die während ſeiner längeren Abweſenheit
von Bellburg zur reizendſten jungen Dame erblüht war,
dachte er anders. Für eine weiſe Fügung der Vorſehung
hielt er nun ſeinen achtwöchigen Aufenthalt in der Reſi=
denz
. Donnerwetter noch mal, einen förmlichen Ruck hatte
es ihm gegeben, als er ſie kennen gelernt hatte! Dieſes
ſtolze, ſchöne, junge Geſchöpf, es mußte ſein werden! Ein
raſendes Verlangen, dieſe Chriſta von Leerſen zu befitzen,
erfaßte ihn. Er war jetzt Anfang dreißig, es war alſo
wirklich Zeit, um ernſthaft einmal ans Heiraten zu denken.
Zudem war ihm die bisherige Weiber= und Junggeſellen=
wirtſchaft
wirklich jetzt über; ſie erſchien ihm fade und al=
bern
. Die Ehe würde entſchieden eine angenehme Ab=
wechslung
ſein!
Seine Eitelkeit er beſaß eine gehörige Doſis da=
von
, wie alle mit geiſtigen Schätzen nicht geſegnete Men=
ſchen
regte ſich. Wenn er ſich wirklich entſchloß, zu
heiraten, ſo mußte es auch etwas ganz Apartes ſein!
Man ſollte von ſeiner Wahl ſprechen, Aufſehen ſollte ſie
erregen. Seinem Ruf als verfluchter Kerl mußte ſie Ehre
machen. Alſo, die Tochter des Miniſters von Leerſen
ſchade, daß der Alte vor ein paar Monaten geſtorben war
das war gerade ſo das Richtige für ihn. Leerfens ſtan=
den
ſo wie ſo jetzt im Brennpunkte des öffentlichen In=
tereſſes
, da würde die Verlobung von Fräulein von Leer=,

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.

Nummer 215.

ſen jetzt doppelt Aufſehen machen! Pah, was ging es
ihn an, daß das ſchöne Mädchen jetzt arm war! Seine
ſonſtigen Neigungen hatten ihm Tauſende gekoſtet, warum
ſollte ſeine Gemahlin nicht den zehnfachen Betrag wert
ſein!
Famos, daß Karl Auguſt von Leerſen ſein Regiments=
kamerad
war. Auf dieſe Weiſe konnte er, ohne daß es
auffiel, das Haus der alten Exzellenz aufſuchen, die der
Trauer wegen ganz zurückgezogen lebte. Uebrigens tipp
topp, ſeine zukünftige Schwiegermutter, Vollblutariſto=
kratin
vom Scheitel bis zur Sohle! Einwandfrei, völlig
einwandfrei in jeder Beziehung die ganze Familie. Das
berührte ihn angenehm, äußerſt angenehm!
Faſt täglich war nun Herr von Schmettwitz im Leer=
ſenſchen
Hauſe zu ſehen. Er überlief Karl Auguſt gerade=
zu
mit ſeinen Beſuchen. Dieſer merkte ſehr wohl, daß er
dieſes ſo plötzlich und intenſiv erwachte Freundſchafts=
gefühl
keineswegs den Vorzügen ſeiner eigenen Perſön=
lichkeit
zu verdanken hatte, ſondern vielmehr denen ſeiner
ſchönen Schweſter.
Ja, Chriſta war ſchön. Mit brüderlichem Stolz ſah
er das. Ihm kam es vor, als ſei ſie, ſeit ſie die dunklen
Trauergewänder trug, noch gewachſen. Dieſe raſſige,
ſchlanke Geſtalt mit den weichen, graziöſen Bewegungen
hatte etwas unendlich Anmutiges. Dazu das feine pikante
Geſichtchen, dem der ernſte Zug, der jetzt meiſt darauf lag,
noch einen neuen, eigenartigen Reiz verlieh.
Eigentlich ſchade, dieſes Mädchen für den verlebten
Schmettwitz! Na, leicht würde er es auch nicht gerade
mit ihr haben! Denn es war offenbar, daß in Chriſtas
ſo reizendem Köpfchen recht unbequeme Ideen und Schrul=
len
wohnten. Er war manchmal ſchon recht empfindlich
mit ihr zuſammengeraten. Sie hatte eine Art, über Dinge
und Sachen zu ſprechen, die ihn einfach ärgerte. Beinahe
bürgerliche Anſichten entwickelte ſie da. Er begriff ſeine

Mutter nicht, die lächelnd darüber hinwegging, es kind=
liches
Geſchwätz nannte, mit dem Chriſta den Bruder nur
in den Harniſch bringen wollte. Sie hat zeitlebens gern
geneckt, Karl Auguſt. Du mußt ihre Worte nicht für bare
Münze nehmen, hieß es.
Eines Tages aber erſchrak Frau von Leerſen
ſelbſt. Plötzlich und unvermittelt erklärte Chriſta, ſie habe
dieſes Leben ohne Zweck und Ziel fatt und ſei entſchloſſen,
irgend etwas zu lernen. Einen Beruf wollte ſie ergreifen,
der ihr Befriedigung gewähren ſollte, zumal, fügte ſie
ernſt hinzu, da ich ſehe, wie nötig es iſt, daß ich etwas
ſelbſt verdiene. Vermögen haben wir faſt keines mehr,
Mama. Wir müſſen uns in jeder Beziehung einſchränken.
Karl Auguſt braucht viel eigentlich hatte ſie ſagen wol=
len
: mehr als Du ihm geben kannſt, aber ſie unterdrückte
es und ich ſehne mich ordentlich nach Arbeit und Be=
tätigung
. Soll denn meine junge Kraft ganz brach liegen?
Sieh, was tue ich denn? Ich übe täglich eine Stunde
Klavier und Geſang, obgleich ich weder muſikaliſch bin
noch Stimme habe. Dann leſe ich Dir vor, gehe ſpazieren,
ſticke an unnötigen Handarbeiten, leſe wieder, treibe Spra=
chen
, mache Beſuche bei langweiligen Menſchen. So geht
es tagaus tagein. Und das iſt ſo entſetzlich fade und ein=
tönig
. Wenn ich wenigſtens Babette bei der Arbeit im
Haushalt helfen dürfte. Das iſt jedoch ſnicht ſtandesgemäß
und verdirbt die Hände. Aber, Mama, iſt es ſtandesge=
mäßer
, ſich tot zu langweilen? Jedes Dienſtmädchen,
jedes Ladenfräulein beneide ich, ſie haben einen Beruf
einen Zweck, ihr Leben iſt ausgefüllt.
Du leiſteſt Deiner Mutter Geſellſchaft! Ich meine,
das wäre der vornehmſte Beruf für ein Kind.
Ja, wenn ich das wirklich täte, Mama. So ganz in
dem Sinne, wie ich es verſtehe, dann wäre es auch einer!
Aber ſo! Was bin ich Dir? Alles was Dich bewegt, be=
ſprichſt
Du mit Karl Auguſt. Ich ſtehe abſeits!

Närrchen, Du! Eiferſüchtig biſt Du alſo! Frau von
Leerſen lächelte, wie man über ein Kind lächelt, deſſen
Worte man nicht ernſt nimmt.
Eiferſüchtig? Nein! Ich komme mir aber nur ſo
grenzenlos übrig und zwecklos vor.
Ach, Unſinn! Du leideſt, ohne daß Du es weißt, un
ter den veränderten Verhältniſſen. Das eintönige, ſtill=
Leben, ohne Geſelligkeit und Zerſtreuung, das wir jetz=
führen
, bekommt Dir nicht. Das iſt alles! Ich finde auch=
Du ziehſt Dich zu ſehr von Deinen Freundinnen zurück
Du lieſt und grübelſt zu viel!
Freundinnen? Ich habe keine in unſeren Kreiſen
Für was intereſſieren ſie ſich denn? Ihre Geſpräche kom
men nicht über Tennisſpiele, Reiten, Hofklatſch und ihr=
augenblicklichen
Verehrer hinaus. Für ſolche Oberfläch
lichkeiten halte ich mich denn doch zu gut.
Chriſta! Ein forſchender Blick traf prüfend die Toch=
ter
. Ich will nicht hoffen, daß dieſe Anſichten das Re=
ſultat
des Briefwechſels mit Deinem Bruder Joachim
ſind, ſonſt
Nein, Mama, bei Gott nicht. Zwar danke ich Joachims
Briefen eine Fülle von geiſtigen Anregungen, aber den
Wunſch nach einem Beruf haben ſie nicht in mir geweckt.
Er hat, ohne daß ich davon wußte, wohl ſchon lange in
mir geſchlummert und ſich durch den Ernſt der vergangenen
Monate ausgereift.
Beruf, Beruf! Du wirſt Dich verloben, verheiraten.
Das iſt der ſchönſte Bernf eines Weibes. Das iſt es auch,
wrnach Du Dich unbewußt, aber inſtinktiv ſehnſt! Wir
wollen uns mal nach Jahresfriſt wiederſprechen, mein
Töchterchen, ob ich nicht recht hatte! Nun, nun ſchüttele
nur nicht ſo abweiſend mit dem Kopf, kleine Weisbeit!
Das weiß ich doch beſſer als Du!
(Fortſetzung folgt.)

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[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

30 107.

Donnerstag, 12. Seſtenber.

1912.

Bekanntmachung.

Die Grundbeſitzer unſeres Kreiſes werden hierdurch aufgefordert, die bei ihnen
aus Anlaß der Herbſtübungen entſtehenden Flurbeſchädigungen alsbald nach Be=
endigung
der Uebungen bei der betreffenden Bürgermeiſterei anzumelden, welche
das Erforderliche wegen Feſtſtellung und Abſchätzung der Beſchädigungen durch die
hierfür beſtellte Flurabſchätzungs=Kommiſſion, ſowie demnächſtiger Auszahlung der
Entſchädigung veranlaſſen wird.
Falls die Aberntung oder die Beſtellung der beſchädigten Felder vor Eintr effen
der Flurabſchätzungs=Kommiſſion eintreten muß, wovon indeß nur in den dringend=
ſten
Fällen Gebrauch gemacht werden kann, ſo iſt dies bei der Bürgermeiſterei
beſonders zu beantragen.
Ausdrücklich wird darauf hingewieſen, daß Beſchädigungen, welche nicht durch
die Truppenübungen ſelbſt, ſondern auf andere Weiſe, insbeſondere dadurch ent=
ſtanden
ſind, daß die Beteiligten das rechtzeitige Abernten unterlaſſen haben, keinen
Anſpruch auf Vergütung begründen können.
Das Gleiche gilt von Arbeiten und Aufwendungen, von denen die Beteiligten
gewußt haben, daß ſie durch die Truppenübungen der nächſten Tage zerſtört
werden mußten.
Darmſtadt, den 27. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Michel.

An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.

Unter Bezugnahme auf unſere vorſtehende Bekanntmachung empfehlen wir
Ihnen, die hiernach bei Ihnen erfolgenden Anmeldungen entgegenzunehmen und die
Nachweiſungen unter Beachtung des Nachſtehenden aufzuſtellen.
Das für dieſelben notwendige Formular wollen Sie bei uns anfordern.
Damit die Aufſtellung der Nachweiſung ohne jede Verzögerung begonnen
werden kann, iſt durch Umfrage bei den Truppenteilen feſtzuſtellen, ob und wann
die Herbſtübungen in ihren Gemarkungen beendet bezw. ob Flurbeſchädigungen nicht
mehr zu erwarten ſind. Die abgeſchloſſenen Nachweiſungen wollen Sie uns hiernach
ſofort einſenden.
In Hinſicht der Aufſtellung der Nachweiſungen bemerken wir:
1. In denſelben iſt der Flächeninhalt des ganzen Grundſtücks, auf dem die
Beſchädigung entſtanden iſt (Spalte 5 der Nachweiſung) genau anzugeben.
2. Die Spalten 6 und 7 dieſer Nachweiſung ſind mit Blei, die Spalten 8 bis 11
aber überhaupt nicht auszufüllen. Die Spalte 6a bleibt nur dann unausgefüllt,
wenn die Beteiligten keine beſtimmten Entſchädigungsforderungen ſtellen.
3. Falls die Aberntung oder die Beſtellung der beſchädigten Felder vor Ein=
treffen
der Flurabſchätzungskommiſſion eintreten muß, wovon indeß nur in den
dringendſten Fällen Gebrauch zu machen iſt, und dementſprechend von dem Orts=
vorſtande
in Gemäßheit der Beſtimmung der Ausführungsverordnung zum Natural=
leiſtungsgeſetz
vom 13. Juli 1808 III zu § 14 Abſ. 3 f. (R. G. Bl. 1888 Seite 922 f.)
angeordnet wird, hat eine Vorabſchätzung ſtattzufinden, die von einer aus dem


beſtehenden Kommiſſion vorgenommen wird. Bei dieſer Vorabſchätzung wird nur
der Schadenumfang feſtgeſtellt und gegebenenfalls die Forderung der Beſchädigten
entgegengenommen. Der Betrag der zu gewährenden Entſchädigung iſt nicht feſt=
zuſtellen
. Dies geſchieht vielmehr allein durch die Flurabſchätzungskommiſſion.
4. Ueber die Anordnung der Aberntung und die Feſtſtellung des Umfangs des
Schadens iſt ein von den abſchätzenden Perſonen zu unterzeichnendes Protokoll auf=
zunehmen
, denn nur auf Grund ſchriftlicher Aufzeichnungen wird die ſpäter eintref=
fende
Flurabſchätzungskommiſſion in der Lage ſein, ihrer Aufgabe gerecht zu werden und
die zuſtändige Entſchädigung genau zu ermitteln. Dagegen läuft bei Außerachtlaſſung
der erwähnten Beſtimmungen, falls von der Flurabſchätzungskommiſſion ein Schaden
nicht mehr oder nur teilweiſe erkennbar iſt, der Beſchädigte Gefahr, gar keine bezw.
eine nicht gebührende Entſchädigungsſumme zu erhalten.
5. Die Anmeldungen der Flurſchäden ſind in der Art zuſammenzuſtellen, daß es
ermöglicht wird. bei der Begehung der angegebenen Aecker behufs Abſchätzung des
Schadens ohne Umwege vom 1. zum 2., vom 2. zum 3. Acker uſw. zu gelangen,
In der Flurſchädennachweiſung ſind danach die beſchädigten Grundſtücke nach
ihrer örtlichen Lage untereinander aufzuführen und nicht etwa alle Grundſtücke des=
ſelben
Beſitzers, wenn dieſe von einander getrennt liegen.
6. Beſchädigungen, welche nicht durch die Truppenübungen ſelbſt, ſondern auf
andere Weiſe, insbeſondere dadurch entſtanden ſind, daß die Beteiligten das rechtzeitige
Abernten unterlaſſen haben, begründen keinen Anſpruch auf Vergütung.
7 Wegen Anlegung der Schützengräben ſind drainierte Ländereien in geeig=
neter
Weiſe als ſolche kenntlich zu machen.
8. Arbeiten und Aufwendungen, von denen die Beteiligten gewußt haben, daß
ſie durch die Truppenübungen der nächſten Tage zerſtört werden mußten, begründen
keinen Anſpruch auf Entſchädigung.
(18080a
Darmſtadt, den 27. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Michel.

Bekanntmachung.

Metzger Wilhelm Rapp beabſichtigt, auf dem Grundſtück Flur I Nr. 524 und
525, gelegen zu Arheilgen, Dieburgerſtraße, eine Schlächterei zu errichten.
Pläne und Beſchreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erſcheinen dieſes
in dem Amtsverkündigungsblatt an gerechnet, auf dem Büro der Großh. Bürger=
meiſterei
Arheilgen zur Einſicht offen.
Etwaige Einwendungen mit Begründung ſind binnen dieſer Friſt bei Meidun=
des
Ausſchluſſes bei der Großh. Bürgermeiſterei Arheilgen ſchriftlich oder zu Protokoll=
vorzubringen
.
Darmſtadt, den 11. September 1912.
(19039)
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: von Werner.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Ver=
ſteigerung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(19029

Städtiſcher Fiſchmarkt.

Die ſtädtiſche Verwaltung will auch in dieſem Jahre unter
Beteiligung des einheimiſchen Zwiſchenhandels einen größeren Markt
billiger Fiſchſorten einrichten.
Intereſſenten werden zu einer Beſprechung auf Mittwoch,
den 11. d. M., nachmittags 4 Uhr, in das Stadthaus, Rhein=
ſtraße
16/18, Zimmer Nr. 31, eingeladen.
(18906id
Darmſtadt, den 9. September 1919.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Mueller.

Bekanntmachung.

Sämtliche Rekruten und Freiwillige, welche in Darmſtadt
wohnhaft ſind, haben ihren Geſtellungsbefehl zum Dienſteintritt für
das Jahr 1912 in der Zeit vom 16. bis 21. September 1912 und zwar
von 8 bis 12 Uhr vormittags und 2 bis 6 Uhr nachmittags perfönlich
beim Bezirkskommando I Darmſtadt, Neue Niederſtraße 16, 2. Stock,
abzuholen.
(18922ids
Bezirkskommando I Darmſtadt.
Mootz, Oberſtleutnant u. 2. Stabsoffizier

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(19053

Steuerveranlagung
für 1913.

Diejenigen hieſigen Einwohner,
die im Laufe des Jahres ihr ſeit=
her
betriebenes Gewerbe nieder=
gelegt
haben oder es vor Ende
März 1913 niederzulegen oder an
einen anderen abzutreten, oder
ſonſtige Veränderungen im Ge=
werbebetrieb
vorzunehmen beab=
ſichtigen
, werden hiermit aufge=
fordert
, dies alsbald auf dem
Stadthaus, Zimmer Nr. 6, an=
zuzeigen
, damit bei der bevor=
ſtehenden
Steuerveranlagung dar=
auf
Rückſicht genommen werden
kann.
(19043ddd
Darmſtadt, 9. September 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.

Kanalbau.

Die Ausführung eines gemauer=
ten
Kanales und mehreren Stein=
zeug
=Rohrkanälen in der Landgraf=
Georgſtraße Erbacherſtraße und
Fiedlerweg ſoll verdungen werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Be=
dingungen
liegen bei dem Tiefbau=
amt
, Zimmer Nr. 7, zur Einſicht
offen. Auch werden dort die An=
gebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis Montag,
den 23. September I. J., vor=
mittags
11 Uhr, bei unterzeich=
neter
Stelle einzureichen. (19061df
Darmſtadt, 11. September 1912.
Tiefbauamt.
J. V.: Heuſel.

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Stelle. Poſtkarte genügt. (14191a

Bekanntmachung.

Nach den Satzungen für die Abgabe von Waſſer aus dem
ſtädtiſchen Waſſerwerk zu Darmſtadt iſt die Herſtellung und Inſtand=
haltung
der Zuleitungen zwiſchen Stadtrohrnetz und Waſſermeſſer
einſchließlich, ſowie der Teuerlöſchleitungen ohne Waſſermeſſer mit
plombierten Hydranten Sache des Waſſerwerks und dürfen Hand=
lungen
jeglicher Art an dieſen Leitungen, Waſſermeſſern und Hy=
dranten
nur durch das Perſonal des Waſſerwerks vorgenommen
werden.
Anträge auf erforderlich ſcheinende Aenderungen an den Lei=
tungen
, Verſetzungen von Waſſermeſſern und Hydranten ſind münd=
lich
oder ſchriftlich in unſerem Geſchäftszimmer, Waldſtraße 19, vor=
zubringen
, Meldungen von Undichtigkeit daran können auch durch
Fernſprecher Nr. 83 erfolgen.
In Notfällen, beſonders bei Nacht, ſind Waſſerſchäden an den
Zuleitungen dem nächſten Polizeirevier oder Großh. Polizeiamt zu
melden, bei Undichtigkeiten an den Innenleitungen jenſeits des Waſſer=
meſſers
wende man ſich in allen Fällen an die Privatinſtallateure.
Darmſtadt, den 10. September 1912.
Städtiſche Waſſerwerks=Verwaltung Darmſtadt.
Rudolph.
(19037

Bekanntmachung.

Es wird hiermit in Erinnerung gebracht, daß die Ausführung
der an die ſtädtiſche Waſſerleitung anzuſchließenden Waſſerberſorg=
ungs
=Einrichtungen im Innern der Gebäude und Grundſtücke
nur durch ſolche Inſtallateure erfolgen darf, die ſich bei der unter=
zeichneten
Verwaltung verpflichtet haben, alle vorkommenden ein=
ſchlägigen
Arbeiten auf Grund der Satzungen über Abgabe von Waſſer
aus dem ſtädtiſchen Waſſerwerk und unter gewiſſenhafter Beachtung
der beſonders erlaſſenen Beſtimmungen auszuführen.
Zurzeit ſind folgende Firmen berechtigt:
Gottfried Beck, Karlſtr. 39.
Ludw. Kling & Co., Rheinſtr. 17.
Gebr. Becker Nachf., Grafenſtr. 27.Albert Klöpfer, Beſſungerſtr. 84.
Heinrich Becker, Brandgaſſe 2.Hugo Kötting, Liebfrauenſtr. 75.
L. Breitwieſer, N.=Ramſtädter= Phil. Kraus Nachf., Karlſtr. 51.
ſtraße 52.
Chriſt. Landzettel, Kaupſtr. 7.
Heinrich Brunner, Eliſabethen= Ernſt Lorey, Karlſtr. 56.
ſtraße 33.
Ludw. Luck, Heidelbergerſtr. 59.
Karl Darmſtädter, Kiesbergſtr. 9. Val. Marquardt u. Ph. Wamſer,
Dieburgerſtr. 54.
Theodor Dilling, Kaſindſtr. 27.
W. Eberhardt, N.=Ramſtädter= Ph. Maul, Heidelbergerſtr. 19.
Gg. Neumann, Heidelberger=
ſtraße
11.
Friedr. Ewald Nachf., Soder=
ſtraße
117.
ſtraße 49.
Aug. Neumeyer Witwe, Große
Ochſengaſſe 22.
Theodor Fey, Kranichſteiner=
Jakob Nohl, Martinſtr. 24.
ſtraße 8½
Gg. Ang. Fink, Lauteſchlägerſtr. 8. Heinrich Pauli, Orangerieſtr. 7.
Lud. Fiſcher, Langegaſſe 23.(Lndwig Pohl, Heinheimerſtr. 15.
Bernhard Gaus, Rheinſtr. 47. Wilhelm Preußner, Bleichſtr. 40.
Franz Geiger, Karlſtr. 36.
Karl Rockel Nachf., Schützenſtr. 4.
Wilh. Gelfius, Fuhrmannſtr. 6.G. W. Roth, Moosbergſtr. 32
und 97.
Jakob Glock, Langegaſſe 9.
Alexander Guntrum, Stiftſtr. 52. Jean Rühl, Saalbauſtr. 24.
PhilippHandſchuh, Schloßgarten=Phil. Schäfer, Landwehrſtr. 29.
ſtraße 37.
Friedrich Schiller, Tannenſtr. 7.
Ludw. Heppenheimer, Luiſenſtr. 2. Franz Schulz, Karlſtr. 104½.
Wilhelm Heppenheimer, Kies=Heinrich Schwarz, Hochſtr. 20.
Leonh. Sommer Mühlſtr. 20.
ſtraße 80.
Kurt Hiſſerich, Bleichſtr. 28.Karl Tänzer, Marktplatz .2
Karl Hoffmann, Wienersſtr. 44. Mich. Vollrath, N.= Ramſtädter=
ſtraße
51.
Balthaſer Ittmann, Liebfrauen=
ſtraße
89.
Hch. Waldſchmidt, Ludwigshöh=
ſtraße
21.
Heinrich Jung, Bleichſtr. 11.
Philipp Jung, Alexanderſtr. 9. Otto Wamboldt, Herdweg 2.
Gg. Kaiſer, Rheinſtraße 5.
Joh. Waſſer, Alexanderſtr. 7.
Karl Kämmerer, Parcusſtr. 10. Karl Wenz, Wendelſtadtſtr. 46.
Aug. Keller, Kranichſteinerſtr. 45. Karl Zahrt, Hofſtallſtr. 10.
Adolf Kling, Grafenſtr. 35.
Die ſämtlichen Firmen haben ihre Preis=Tarife auf dem Ge=
ſchäftszimmer
der unterzeichneten Verwaltung, Waldſtraße 19, ein=
gereicht
, wo dieſelben von Intereſſenten eingeſehen werden können.
Darmſtadt, den 10. September 1912.
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Städtiſche Waſſerwerks=Verwaltung.
Rudolph.

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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.

Nummer 215.

meiner

Froderrfrde
Ausstellung
heute Donnerstag, 12. September.

DODCD

2710

Zur Eröffnung der
Herbst- und
Wiliter Saiser
bringe ich in meinen Schaufenstern,
sowie in den Verkaufsräumen in-
teressante
Ausstellungen eleganter
Mode-Neuhelten
zu besonders wohlfeilen Preisen, als:
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[ ][  ][ ]

36 215.

Donnerstag, 12. September.

1912.

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[ ][  ]

Seite 14.

Nummer 215.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. September 1912.

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Das muſikaliſche Bett‟

** Vor kurzem wurde die Welt mit der Nachricht be=
glückt
, daß das muſikaliſche Bett erfunden iſt. Dieſe neue
Wohltat, die der leidenden Menſchheit geſpendet wird, ſoll
zwei Zwecken zugleich dienen: das Bett iſt gleicherweiſe
für die Schlafloſen wie für die zuviel Schlafenden be=
ſtimmt
. Durch das Gewicht der Perſon, die ſich hinein=
legt
, wird der Muſikapparat des Bettes in Bewegung ge=
ſetzt
und ſpielt ein ſanftes Schlummerlied, das mit ſeinen
ſüßen Klängen auch die widerwilligſten Geiſter in Mor=
pheus'
Reich geleitet. Wer aber zuviel zu ſchlafen fürch=
tet
, braucht nur eine Art Wecker auf eine beſtimmte
Stunde zu ſtellen; dann läßt das Bett zu dieſer Zeit
einen wahrhaft hölliſchen Walzer mit Begleitung von
Trommeln, Trompeten und Zymbeln erklingen, deſſen
Lärm ſelbſt ein Murmeltier aufſchrecken muß. An den
ernſthaften Sinn, der dieſer etwas ſeltſamen Erfindung zu
Grunde liegt, knüpft der bekannte Pariſer Arzt Dr. Caba=
nés
eine Betrachtung, die ſich mit der Heilwirkung der
Muſik beſchäftigt.
Töne üben eine gewiſſe Macht auf manche Kranke
aus und die durch ſie erregten Vibrationen haben einen
hypnotiſchen Einfluß. Das ahnten ſchon die Aerzte der
Vergangenheit, die ja überhaupt gute Beobachter waren,
und ſo empfahl ein berühmter Mediziner des 18. Jahr=
hunderts
, Beerhave, Leuten, die von Tobſucht ergriffen
waren, Waſſertropfen in ein Kupferbecken fallen zu laſſen
und die einzelnen Tropfen zu zählen. Außer der Zer=
ſtreuung
, die durch dieſen etwas kindiſchen Zeitvertreib
hervorgebracht wurde, war es das monotone Geräuſch
des Tropfenfalls, dem er die Heilwirkung zuſchrieb, gerade
ſo wie das Murmeln eines Baches, das Säuſeln des
Windes eine beruhigende und beſänftigende Wirkung auf
das Gemüt ausüben. Charoot betonte, daß bei ſeinem
Vibrationsapparat das anhaltende ſummende Geräuſch
als Heilfaktor wohl in Anſchlag gebracht werden müßte,
und ſchon vor ihm dachte Boudet daran, die Vibrationen
zu benutzen, die von einer Stimmgabel hervorgerufen wer=
den
. Die Stimmgabel hat dann Natier gegen einzelne

Formen der Taubheit angewendet und dabei intereſſante
Beobachtungen gemacht. Nicht nur auf die Kranken, ſon=
dern
auch auf die Geſunden, die den Experimenten mit der
Stimmgabel beiwohnten, wirkten die monotonen, langſam
verzitternden Töne einſchläfernd und die Schlafſucht wurde
ſo ſtark, daß ſie ſich ihrer trotz heftigen Ankämpfens nicht er=
wehren
konnten. Auch ich ſelbſt bekennt Dr. Natier,
konnte mich der ſanften Wirkung dieſer tönenden Wellen
nicht entziehen und mußte ſeufzend ihre einſchläfernde
Kraft bezeugen. Verſchiedene Patienten haben mir er=
klärt
, daß ſie am Ende der Sitzung von ſchweren, ſonſt
hartnäckig anhaltenden Kopfſchmerzen völlig befreit waren.
Die heilſame Wirkung dieſer Töne auf das Gehirn iſt un=
zweifelhaft
Hat doch ſogar ein Tierarzt die Schwing=
ungen
der Muſikwellen dazu verwendet, um Tiere bei leich=
ten
Operationen, ſo Pferde beim Beſchlagen, ruhiger und
gefügiger zu machen. Betäubung mit Muſik aber iſt die
Neuheit, die Dr. J. V. Labord der Akademie für Medizin
vorführte. Ein Muſikphonograph, von dem aus zwei tele=
phoniſche
Leitungen in die Ohrmuſchel des Patienten ge=
führt
werden, ſodaß er die Muſik deutlich hört, läßt wäh=
rend
der Narkotiſierung ſeine Weiſen ertönen. Die Erfolge
dieſes Apparates waren, daß die Betäubung viel raſcher
vonſtatten ging, daß die Narkotiſierten keine ſchlimmen
Träume hatten, ja daß ſie beim Erwachen ein gewiſſes
Wohlgefühl empfanden, wenn ſie ſogleich die Muſikklänge
wiederhörten, unter denen ſie eingeſchlafen waren Das
muſikaliſche Bett alſo iſt es nicht allein, das den wohltuen=
den
Zuſammenhang zwiſchen Schlaf und Ton ausnützt.

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22:10, Pl. 13, 16, 16:10. Unpl.: Jrany (4), Nanſen, Head=
wint
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24 Lg. Jagd=Rennen der Dreijährigen; 4000 Mark,
Diſtanz 3000 Meter: 1. Herrn Auguſtins Sturmwind II
(Lommatzſch), 2. Bezzentö (Winkler), 3. Clou (Jentzſch).
Tot. 352:10, Pl. 47, 15, 19110. Unpl.: Livadia (4), Pelz=
maus
, Home, Salut, Grasmücke, Priotina. Kampf, Kopf
bis 3 Lg. Handikap der Zweijährigen; Ehrenpreis
und 10000 Mark, Diſtanz 1300 Meter: 1. Herrn A. von
Köppens Baſalt II (H. Teichmann), 2. Lavalliere ( Raſten=
berger
), 3. Kondor (Spear). Tot. 132110, Pl. 38, 17,
21:10. Unpl.: Erfinderin, Jutta (4), Coco, Komet, Mutt=
chen
, Auguſt von Wichendorf, Lermoos, Smaragd, Fröh=
liche
Zeit, Heckel, Was ihr wollt, Fife, Honeurs. Sicher
12½ Lg. September=Steeple=Chaſe; 3300 Mark,
Diſtanz 4000 Meter: 1. Lt. Graf Strachwitz Nowton
(Weishaupt), 2. Royal Flaſh (Th. Baſtian), 3. Libel (A.

Baſtian). Tot. 58:10, Pl. 16, 16, 14:10. Unpl.: Aſoſtick (4),
Knud, Tempete IIII, Leſter Aſh, Dainty Fox (geſ.), Jago
(gef.), Libellule (gef.), Ring Star (angeh.). Sicher ½
bis 2 Lg. Fels=Handikap; 4300 Mark, Diſtanz 1200
Meter: 1. Freiherrn H. von Reiſchachs Margarethe ( Shur=
gold
), 2. Hippolita (Spear), 3. Stigma (Evans). Tot.
92:10, Pl. 28, 79, 20:10. Unpl.: Drakon (4), Ops, Minden=
kem
, Polonius, Kis=betyar, Mansfield, The Proud
Prine, Polonäſe, Topchidere. Lirnik, Miß Golliwog,
Wunderhold, Mirabeau, Chicane. Sicher 1 Lg.-Kopf.
Nana=Hürden=Rennen; 1500 Mark, Diſtanz 3200 Me=
ter
: 1. Herrn Meyers Devil (Beſ.), 2. Lavenius (Suhr),
3. Gefa (Holz). Tot. fehlt. Unpl.: Ahrtal, Juwel,
Tanta Klara, Delphin, Heckenroſe, Nana, Donna, Maria,
Delykat, Delorius.
* Radrennen. Mainzer Sportplatz. Am
kommenden Sonntag, 15. September, findet das große
Herbſtrennen ſtatt. Als Hauptnummer des Renn=
programms
figuriert das goldene Motorrad, ein 100=
Kilometer=Dauerrennen mit Motorſchrittmachern in drei
Läufen. Ein Dauerrennen für Herrenfahrer, ſowie je
drei Fliegerrennen für Berufsfahrer und Herrenfahrer
vervollſtändigen das Programm des großangelegten
Herbſtrennens. Am Schluſſe des Renntages gelangt ein
von der Firma Opel=Rüſſelsheim als Jubiläumsgabe
geſtiftetes Opelrad zur Gratisverloſung unter die
Beſucher,

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Bodenſchätze Deutſchlands. Von Profeſſor Dr. L. Milch.
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melskunde
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Philoſophie im Altertum und Mittelalter. Von Pro=
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Bande vorgelegte Sammlung ſteckt ſich ein hohes Ziel:
Eine Auswahl des Beſten aller Spielarten des Humors
alter und neuer Zeit des Inlandes und auch des Auslan=
des
, wobei der Begriff Humor möglichſt weit gefaßt wird.
Die anerkannten Klaſſiker des Humors dürfen nicht feh=
len
, wenn ſie auch nur in kleinen Proben vertreten ſind,
in der Hauptſache ſoll gutes Neues, das wenig oder noch
nicht bekannt iſt, und zu Unrecht Vergeſſenes den Leſer er=
freuen
. Freude am Leben iſt das Leitmotiv der Samm=
lung
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