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175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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ſowie von unſeren Agenturen und
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den Annoncen=Expeditionen. — Bei
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Das Luftſchiff „Z. 3‟ iſt geſtern früh, von Baden=
Oos kommend, in Metz gelandet.
Die beiden Offiziere Preſtel und Roth aus
Straßburg i. E., die nach Metz aufgeflogen ſind,
ſind in Notlandung in Frankreich
nieder=
gegangen.
Am Dienstag fand in den Finniſchen Schären
die Begegnung des ruſſiſchen Kaiſerpaares
mit dem ſchwediſchen Königspaar ſtatt.
Bei dem Brande einer Zelluloidfabrik in
London kamen ſechs Mädchen ums Leben,
ſechs wurden ſchwer verletzt, von denen ſpäter noch
zwei im Hoſpital geſtorben ſind.
IIn Edinburg wurde der der Spionage im
deut=
ſchen Intereſſe angeklagte Karl Graves zu 18
Mo=
naten Gefängnis verurteilt.
Ein türkiſches Manifeſt an die Offiziere
der Militärliga unterſucht die Urſachen der
gegenwärtigen Kriſis und ſtellt ein Programm zur
Be=
ſeitigung der Mißſtände feſt.
Englands Flottenpolitik.
ſ Aus den Reden, die der Marineminiſter
Chur=
chill und Premier Asquith im Unterhauſe
gehal=
ien haben, geht hervor, daß Churchill ſein im März
vor=
ausgeſagtes „kleines” Programm angenommen hat. Wie
ruch auf dieſem Wege für Großbritannien der Sicher=
Heitsüberſchuß gewährleiſtet wird, darüber hat Churchill
zahlenmäßige Angaben gemacht, die eine verſtändliche
Sprache reden. In dieſem Zuſammenhange erſcheint
ein Hinweis auf das engliſche Uebergewicht in Panzer=
Freuzern über die deutſche Flotte als eine beſonders
be=
chtenswerte Einzelheit. Die Begründung der
meuen Forderungen mit der Bezugnahme auf die
oeutſche Flotten=Novelle bedeutet prinzivie
michts Neues und hat daher aufgehört, beunruhigend zu
virken. Wer aber in dem „kleinen” Programm
Chur=
chills an und für ſich einen beruhigenden Umſtand
er=
blickt, der muß daran erinnert werden, daß nach den
leigenen Erklärungen Churchills das „kleine” Programm
ausdrücklich nur bis zum Jahre 1915 gelten ſoll.
Premierminiſter Asquith hat dieſe Einſchränkung
gleich=
alls hervorgehoben. Für die ſpäteren Jahre wird das
Hritiſche Programm ausgeſprochenermaßen durch die
Flotkenpolitik Italiens und Oeſterreich=
Un=
ggarns maßgebend beeinflußt werden. Gerade dieſer
Teil der Ausführungen Churchills wirft bei allem
Be=
ſureben, Italien und Oeſterreich=Ungarn mit
rückſich’s=
woller Vorſicht zu behandeln, Streiflichtee auf die
drei=
kundfeindliche Richtung der Flottenpolitik
Großbritan=
niens. Es paßt zu ihr, wenn Churchill auf frühere
Streitigkeiten Italiens mit Oeſterreich=Ungarn anſpielte.
Und die Art, in der Churchill ſeine künftige Flottenpolitik
von den Marineprogrammen Italiens und Oeſterreich=
Ungarns abhängig macht, klingt wie eine verhüllte
Drohung an die dem Dreibund angehörigen Mittelmeer=
Möchte.
Churchills Gedanke, die engliſche Stellung im
Mit=
telmeer zunächſt durch die Entſendung von 4 modernen
Panzerkreuzern zu ſichern, wird bereits von der konſer.
vativen Londoner Preſſe bekämpft, weil eine ſolche „
Ab=
ſpaltung der Streitkräfte von der Nordſeeflotte” ein
Widerſpruch zu früleren Erklärungen Churchills ſei.
Die konſervativen Kritiker vergeſſen ganz, daß dieſe
mo=
dernen Panzerkreuzer aufs raſcheſte in die Nordſee
zu=
rlickgeholt werden können. Im übrigen beſteht eine
ge=
wiſſe Abnleichung zwiſchen Churchill und Asquith in
Bezug auf die engliſche Mittelmeerpoſition.
doenn Churchill erwähnte, daß Englands moderne
Pan=
zerkreuzer in Verbindung mit der Flotte Frankreichs
ſäärker als alle möglichen Kombinationen im Mittelmeer
in würden; Asquith dagegen ſprach kein Wort von der
frranzöſiſchen Flotte, ſondern wies in ſchärfſter Form
den Gedanken zurück, im Mittelmeer „die Sorge oder die
Sicherheit” jemand anderem zu überlaſſen. Dieſe
Ver=
weahrung Asquiths fällt politiſch aus dem Grunde ins
Gewicht, weil der von ihm ſchroff abgelehnte Gedanke
in Frankreich den Beifall einflußreicher Perſönlichkeiten
gefunden hatte.
Will Asquith alſo von der Mitwirkung Frankreichs
an den engliſchen Aufgaben im Mittelmeer
augenſchein=
lich weniger wiſſen als Churchill, ſo iſt es
ſelbſtverſtänd=
lich, daß er nichts dagegen einzuwenden hat, wenn die
engliſchen Kolonien Englands Geſamt=
Flotten=
rüſtung tragen helfen. Churchill hat ſich hierüber
aus=
gelaſſen, und durch Aeußerungen der Londoner Preſſe
iſt man ſchon geraume Zeit von dem Eifer unterrichtet,
mit dem an der Themſe die Heranziehung der Kolonien
zu Leiſtungen für die Flotte betrieben wird. Churchills
Rede war zum Teil darauf angelegt, für dieſe Pläne
Stimmung zu machen. Vielleicht ſollte ſeine Schilderung
von den Wirkungen, die unſere letzte Flotten=Novelle
auf die Steigerung der maritimen Kriegsbereitſchaft
Deutſchlands geübt habe, namentlich in der angegebenen
Richtung Eindruck machen. Soweit es ſich dabei um
Tat=
ſächliches handelt, iſt Churchill nicht immer ganz exakt
verfahren. So hat er beiſpielsweiſe bei ſeinem
Ein=
gehen auf die neue deutſche Torpedobootsbeſatzung den
Umſtand unbeachtet gelaſſen, daß im Vergleich mit dem
Flottengeſetz von 1900 wegen der veränderten
Verhält=
niſſe der Reſerve eine Verminderung des Perſonaletats
eingetreten iſt. Und wiederum hat Churchill in ſeinen
zahlenmäßigen Angaben über die Vermehrung der
deut=
ſchen Kriegsbereitſchaft bei den Schlachtſchiffen und
Schlachtkreuzern unberückſichtigt gelaſſen, daß in unſerer
Reſerve die Kriegsbereitſchaft von ½ auf ½ herabgeſetzt
worden iſt. Das ſind wahrlich nicht gleichgültige
Mo=
mente. Hat Churchill ſich bei ſeiner Darſtellung nicht
um ſie gekümmert, dann geſchah es natürlich zu dem
Zweck, die Berufung auf die deutſche Flotten=Novelle
ſo eindrucksvoll wie möglich zu geſtalten.
Die kanadiſche Preſſe beſchäftigt ſich mit der
Rede Mr. Churchills. Die liberale Ottava Free nimmt
an, daß das kanadiſche Parlament in einer
außerordentlichen Seſſion im Herbſt 10 bis 15 Millionen
Doll, für Flottenzwecke bewilligen werde. Das Blatt
ſchreibt: Nach der hiſtoriſchen Debatte im Unterhauſe
kann niemand leugnen, daß nicht nur die Bedrohung
durch Deutſchland tatſächlicher Natur iſt, ſondern
daß das britiſche Reich auch einer möglichen
Kombina=
tion Deutſchlands, Oeſterreichs und Italiens im
Mittel=
meer gegenüberſteht. — Der liberale Montrealer Herald
ſagt: Wenn die gegenwärtige Kriſe vorübergegangen
ſei, müſſe der Grund für eine Verteidigungspolitik gelegt
werden, an der das ganze Reich verantwortlich beteiligt
werde. Churchills Rede habe eine neue Epoche eröffnet.
Die wachſende Bedeutung der Dominions über See ſei
anerkannt und wer England herausfordere, müſſe auch
die Kolonien herausfordern. — Die franzöſiſche liberale
Preſſe beklagt die Teilnahme Kanadas an den
Rüſtungs=
plänen Englands. — Die Toronto News bemerken, der
engliſche Premierminiſter habe auf der letzten
Reichs=
konferenz vom Jahre 1911 ſeine Stellung geändert und
ſei jetzt bereit, den Dominions einen Einfluß auf die
friedliche Reichspolitik einzuräumen.
Das neue türkiſche Kabinett.
* Die Zuſammenſetzung des neuen
Kabinetts, die ſich im letzten Augenblick
ver=
ändert hat, da Kiamil Paſcha das Miniſterium des
Aeußern nicht annahm, iſt folgende: Großweſir iſt der
bisherige Senatspräſident Ahmed Mukhtar,
Präſi=
dent des Staatsrats Kiamil Paſcha, die Juſtiz
über=
nimmt Hilmi Paſcha, Inneres der frühere Großweſir
Ferid Paſcha, Krieg das Mitglied des höheren
Kriegs=
rats Naſim Paſcha, Finanzen der frühere Miniſter
Zia Paſcha, Marine der frühere Miniſter Mahmud
Mukhtar Paſcha, Aeußeres Senator
Noradung=
hian, Unterricht der bisherige Unterſtaatsſekretär
Said Bei Evkaf, Vizepräſident der Kammer iſt
Mehmed Fevzi Paſcha. Der Großweſir übernimmt
interimiſtiſch das Miniſterium des Innern bis zur
Rück=
kehr Ferid Paſchas von ſeiner Reiſe. Die Dekrete über
die Ernennung der Miniſter ſind veröffentlicht worden.
Die Miniſterien für öffentliche Arbeiten, für Handel und
Ackerbau, für Poſt und Telegraphen bleiben noch
unbe=
ſetzt.
Am Dienstag abend fand auf der Pforte inmitten
einer großen Verſammlung die feierliche Verleſung des
Handſchreibens der Inveſtitur des
Groß=
weſirs ſtatt. Das Schreiben enthält einen Satz, der
beſagt, der Sultan erwarte, daß das Kabinett die
Ur=
ſachen unterſuche, die die Unzufriedenheit in gewiſſen
Gegenden, namentlich in Albanien hervorriefen, und
ge=
ſetzgeberiſche Maßnahmen treffen werde, welche die
Ge=
ſetz und Recht widerſtreitende Lage ändern und die
Ord=
nung wiederherſtellen würden. Da das Heil und die
Entwicklung des Reiches von der gewiſſenhaften Achtung
der Verfaſſung abhängen, hoffe der Sultan,
das neue Kabinett ſeine Kräfte auch dieſem Ziel weihe,
Eine ungeheuere Menſchenmenge wartete vor der
Pforte und flutete in die Straßen, welche der Zug des
Großweſirs nehmen mußte. Die Menge begrüßte den
Großweſir, beſonders auch Nazim Paſcha, Kiamil
Paſcha und Huſſein Paſcha mit Beifallsrufen. Das
Publikum, namentlich auch Offiziere, äußerten, das neue
Kabinett werde das Vaterland retten.
Zur Feier des Nationaltages am Dienstag war die
Hauptſtadt reich dekoriert. Eine freudig geſtimmte
Menge bewegte ſich durch die Straßen und pilgerte nach
dem Freiheitshügel, wo Parade ſtattfand. Die Preſſe
begrüßt die Wiederkehr des Nationaltages und
die Ernennung des neuen Kabinetts mit
warmen Worten. Jeni Gazetta ſagt in einem von
Kiamil Paſcha inſpirierten Artikel, es wäre ein Irrtum,
in der Ernennung des neuen Miniſteriums die
Vernich=
tung des jungtürkiſchen Komitees zu erblicken, das ſich
um das Land Verdienſte erworben und ihm die Freiheit
gegeben habe und das eine große Organiſation beſitze.
Sabah nennt das neue Kabinett ein Miniſterium
der Ruhe und Ordnung. Tanin erklärt, die
Mit=
glieder des Kabinetts könnten nicht für unparteiiſch
gel=
ten. Das Blatt fährt fort: „Wenn das Kabinett den
politiſchen Status quo aufrecht erhält, nicht auf Rache
ſinnt und den Krieg fortſetzt, dann werden wir es
unter=
ſtützen. Wenn es aber eine Gegenrevolution
durchzu=
führen geſonnen iſt, dann iſt es ein Rätſel, wie es die
Beruhigung der Gemüter herbeiführen wird.”
Deutſches Reich.
— Schiffahrtsabgabſen und
Main=
kanaliſation. Wie nach einer Meldung der Köln.
Ztg. aus Hanau dort in unterrichteten Kreiſen beſtimmt
verlautet, iſt durch die Haltung der Niederlande in der
Schiffahrtsabgabenfrage die Inangriffnahme des Werkes
der Fortführung der Mainkanaliſation von Offenbach
bis Aſchaffenburg in die Ferne gerückt, was von den
intereſſierten Kreiſen lebhaft bedauert wird.
— Die Reichseinnahmen. In verſchiedenen
Blättern wird geſagt, daß die Reichseinnahmen in den
erſten Monaten des laufenden Jahres den Voranſchlag
um 15 Millionen Mark überſchritten haben. Die „Berl.
Pol. Nachr.” meinen, daß ſolche Berechnungen
einſt=
weilen keinen Wert haben könnten, da das Endergebnis
ſich erſt ſpäter feſtſtellen laſſe; ſie fügen hinzu, daß die
Einnahmen des Reiches im erſten Vierteljahr um 22,7
Millionen Mark, von denen allein 17 Millionen auf die
Zölle entfallen, hinter dem Ergebnis von 1911
zurück=
geblier-Sſeien.
— Reiſe des Reichskanzlers nach Bad
Gaſtein. Der Reichskanzler trifft am 10. Auguſt zum
Kurgebrauch in Bad Gaſtein ein. Nach Beendigung
ſei=
ner Badckur wird der Reichskanzler eine
Zuſammen=
kunft mit dem öſterreichiſch=ungariſchen Miniſter des
Aeußern Graf Berchtold haben. Derſelbe begibt ſich
Ende nächſter Woche zum Kurgebrauch nach Karlsbad.
Die Zuſammenkunft zwiſchen dem Reichskanzler und
dem Grafen Berchtold wird vermutlich in den erſten
Ta=
gen des September ſtattfinden.
— Die deutſchen Inſtruktionsoffiziere
in der Türkei. Nach Pariſer Meldungen ſollte in
Konſtantinopel verlauten, daß die Verträge mit den
deutſchen Inſtruktionsoffizieren nicht wieder erneuert
würden. Demgegenüber wurde einem Mitarbeiter des
Berl. Lokalanzeigers von einer Perſönlichkeit, die mit
den Verhältniſſen der deutſchen Inſtruktionsoffiziere in
der Türkei wohlvertraut iſt, verſichert, daß dieſe
Nach=
richt den Stempel der Erſindung an der Stirn trage.
Abgeſehen davon, daß Mahmud Schewket Paſcha
der=
artige Abſichten gewiß nicht gehegt habe, die Anſichten
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Juli 1912.
Nummer 179.
ſeines Nachfolgers aber niemand kenne, widerſprächen
dieſer Meldung auch die Tatſachen. Es wirkten
augen=
blicklich in der Türkei etwa 20 bis 25 deutſche Offiziere.
Von dieſen kehrten am 1. Oktober d. J. nur vier bis
fünf Herren, und zwar lediglich deshalb zurück, weil
ihr Vertrag abgelaufen ſei. Unter ihnen befinde ſich
ein an der Generalſtabsſchule beſchäftigter
Oberſtleut=
nant. Mit andern Offizieren ſei dagegen der Vertrag
erneuert worden, ſo mit den Direktoren der
Feldartil=
lerie= und der Fußartillerie=Schießſchule. Endlich ſei
noch erwähnt, daß aus dem Korps zu Adrianopel ein
Major, der vor dem Ablauf ſeines Vertrages ſtand, als
Lehrer an der Kriegsſchule von Pankaldi weiter
ver=
pflichtet worden iſt.
— Gegen die Miſchehen. Der im Juni in
Daresſalam tagende Gouvernementsrat nahm zur
Miſch=
ehenfrage einſtimmig folgende Entſchließung an: „Mit
Rückſicht auf die Reſolution des Reichstags, betreffend
die Schließung von Miſchehen hält es der
Gouverne=
mentsrat für erwünſcht, daß Maßnahmen getroffen
werden, die geeignet ſind, den Abſchluß von Ehen
zwi=
ſchen Weißen und Farbigen zu verhindern, da nicht nur
gegen die Raſſemiſchung illegitimer Form, ſondern auch
in legitimer Weiſe ſtarke Bedenken beſtehen.‟ Das iſt
der Standpunkt, den die geſamte deutſche Bevölkerung
Dentſch=Oſtafrikas vertritt. Welche Entrüſtung die vom
Raſſenſtandpunkt gaez unverſtändliche Entſchließung bei
den deutſchen Frauen in den Kolonien hervorgerufen hat,
davon gibt ein Brief von Toni v. Nathuſius in der
Deutſch=Oſtafrikaniſchen Zeitung einen treffenden Beleg.
Wir entnehmen daraus folgendes: „Gibt es Leute, die
den Mut haben, eine deutſche Frau derartig
herabzu=
ſetzen, indem ſie ihr dieſe ſchwarzen Weiber als vor dem
Geſetz gleichberechtigt zu geſellen wagen? Eine ſolche
Entſchließung, wie der Reichstag ſie annahm, bedeutet
ſämtlichen weißen Frauen hier einen Schlag ins Geſicht.
Wir leben in Kampf und Wirklichkeit hier draußen, und
ein halbes Gorillaweibchen — viel höher ſteht die
grö=
ßere Hälfte der ſchwarzen Weiber hier nicht — wird
nicht zu der dem weißen Manne nötigen Gehilfin und
Gefährtin dadurch gemacht, daß ſie das Recht des
Ge=
ſetzes und den Segen der Kirche erhält. Wer mit dem
Einwand kommt, die ſchwarzen Schweſtern und Brüder
könnten erzogen und auf eine höhere Stufe gebracht
werden, ſolchen Humanitätsphantaſten ſollte man
em=
pfehlen, ſich erſt ſelbſt einmal zu dieſem Kulturdünger
herzugeben. Wir deutſchen Frauen müſſen eine
Miſch=
ehe boykottieren, und tun wir das ſtets alle
ausſchließ=
lich und unbedingt, ſo wird ſie trotz Recht und Geſetz eine
Ausnahme bleiben.”
— Für die Neuwahlen zum
württem=
bergiſchen Landtag, die im Herbſt ds. Js.
ſtatt=
finden werden, haben, wie gemeldet, die
Nationallibera=
len und die Fortſchrittliche Volkspartei ein
Wahlabkom=
men getroffen. Nunmehr haben auch Zentrum und
Konſervative ein Wahlbündnis geſchloſſen. Das
Zen=
trum wird in einer großen Zahl von Wahlkreiſen
Kon=
ſervative und Bauernbündler ſchon im erſten Wahlgang
unter Verzicht auf die Aufſtellung eines eignen
Kan=
didaten unterſtützen. Von den 25 Landtagsmandaten,
die das Zentrum als ſtärkſte Partei des
württembergi=
ſchen Landtages bisher inne hatte, gelten 21 Mandate
als ganz ſicherer Beſitz.
Ausland.
England.
Die Flottenpolitik und das
Ober=
haus. Im Oberhauſe lenkte Earl of Selborne die
Aufmerkſamkeit auf die Regierungserklärungen über die
Mittelmeerpolitik.
Der Schlüſſel zu der ganzen Situation ſei die
Tat=
ſache, daß Deutſchland beinahe ſofort in der Nordſee
eine Flotte haben werde, die für den ſofortigen Krieg
bereit ſei in einer Weiſe, wie dies keine andere Flotte
bisher geweſen ſei. Sie mache die Formalität der
Kriegserklärung zu einer reinen Höflichkeit, weil mit
einer Flotte von einer ſolchen Bereitſchaft gleichzeitig
mit der Kriegserklärung ein Schlag ausgeführt werden
könnte. Außerdem werde es in nächſter Zukunft eine
Flotte von Schlachtſchiffen im Mittelmeer geben, die den
Verbündeten Deutſchlands gehöre. Er heiße die
Dar=
legung der Abſichten der Admiralität im Mittelmeer
willkommen, betrachte aber die Vorkehrungen als
Not=
behelf. Earl of Selborne ſchloß mit der Erklärung, daß,
abgeſehen von dem Churchillſchen Programm, England
ein vollſtändig neues Geſchwader von acht
Schlachtſchif=
fen brauche: — Earl of Crewe: Wir ſind berechtigt,
zu fragen: Wo macht dieſe Forderung des abſoluten
Uebergewichts Halt? Es iſt ſehr gut denkbar, daß eine
Zeit kommt, wo acht Dreadnoughts im Mittelmeer uns
kein Uebergewicht über die Mächtegruppierung geben
würden. Die Kritiken, die wir gehört haben, gehen im
allgemeinen dahin, alle Länder als mögliche Feinde,
kei=
nes als möglichen Freund zu betrachten. Wenn man
die Zahlen in dieſem Sinne nimmt, kann man die
denk=
bar blutrünſtigſten Kombinationen herſtellen. — Dann
ergriff Lordgroßkanzler Haldane das Wort. Er
er=
klärte, er wolle nicht behaupten, daß die Flottenmacht,
die im Mittelmeer ſtationiert werden ſolle, für die
Ent=
wickelungen ausreiche, die ſich zukünftig ereignen könnten
und wahrſcheinlich ereignen würden. Zwei große
Mit=
telmeermächte, die zum Dreibund gehörten, ſeien dabei,
ihre Flotten zu vermehren. Sie hätten
Dreadnought=
programme, die ihrer Vollendung entgegenreiften. Er ſei
weit davon entfernt, zu behaupten, daß die bloße
Tat=
ſache, daß dieſe beiden Mächte zum Dreibund gehörten,
bedeute, daß England darauf rechnen müſſe, daß ſie ſich
an jedem denkbaren Angriff auf England beteiligen
würden. „Im Gegenteil, mit der einen dieſer beiden
Mächte ſtehen wir faſt auf dem Fuß der Intimität und
mit der anderen unterhalten wir ſehr freundſchaftliche
Beziehungen. Ich habe außerdim in keiner Weiſe
Kenntnis davon, daß der Dreibund auf einer aggreſſiven
Baſis gegründet iſt, und ich nehme dieſes als
Gegen=
beweis auch nicht an. Was die andere Macht angeht,
deren Flotte ſo groß wie die Flotte dieſer beiden Mächte
zuſammen iſt und wahrſcheinlich auch bleiben wird, ſo
ſtehen wir in höchſt freundlichen Beziehungen mit ihr,
obwohl wir keine Allianz eingegangen ſind. Soweit die
Herrſchaft zur See unter normalen Umſtänden in
Be=
tracht kommt, haben wir eine ſehr ſtarke Flotte an
un=
ſerer Küſte. Ich glaube, daß England einer der
ent=
ſcheidendſten Situationen hinſichtlich ſeiner Marine
ge=
genüberſteht, einer Sitnation, wie ſie entſcheidender ſeit
langer Zeit nicht vorgekommen iſt. Die Regierung iſt
ſich eins darüber, daß die Macht Englands auf ſeiner
Seemacht beruht. Wir haben in der freundlichſten Form
zu der einzigen Macht, die unſer Rivale iſt, geſprochen
und unſere Anſicht dargelegt, daß, welche Anſtrengungen
ſie auch immer mache, ſie darauf rechnen müſſe, daß
wir Anſtrengungen machen werden, die größer ſein
wer=
den als irgend eine Anſtrengung, die ſie macht. Wir
ha=
ben auch geſagt, daß wir dies nicht tun in der Abſicht
eines Angriffes, ſondern weil die Macht zur See unſer
Leben iſt, und in der Macht zur See beabſichtigen wir
die Ueberlegenen zu bleiben. Das iſt die Entſcheidung
der Regierung und das iſt der Grundſatz, für den wir
uns verpfändet haben.
Darauf wurde die Debatte geſchloſſen.
Ein Schlachtruf Lord Roberts. Um
die Aufregung in England über die politiſche Lage noch
zu ſteigern, hat geſtern Lord Roberts eine Rede im
Manſion=Houſe vor Finanziers und andern
Geſchäfts=
leuten gehalten, in der er die allgemeine Militärpflicht
befürwortet. Er ſagte u. a.: „Wenn ich in Betracht
ziehe, daß uns ein großer Kampf bevorſteht, der
unaus=
bleiblich iſt und wahrſcheinlich ſehr nahe bevorſteht, und
die verhängnisvollen Folgen, die davon abhängen, ſo
bin ich erſtaunt, daß man die Nation über die Gefahren
im Dunkeln läßt. Wir ſind dieſen wahrhaftig in keiner
Weiſe gewachſen.” In ſeiner Rede malt Lord Roberts
den Teufel an die Wand in Form einer fremden
Inva=
ſion und meint, daß es 300000 engliſcher Milizen
be=
dürfe, um nur 75000 Mann gut geübten kontinentalen
Truppen die Spitze zu bieten. England ſtehe am
Vor=
abend einer gewaltigen Kriſis, wie ſie in den letzten
Jahren nie dageweſen ſei.
Belgien.
Aenderung im Miniſterium. Nach einem
Morgenblatt ſoll im belgiſchen Miniſterium demnächi
eine Aenderung eintreten. Der Miniſter des Aeußert
Davignon wird von ſeinem Poſten zurücktreten und der
Miniſterpräſident de Broqueville an ſeine Stelle treten.
Die Veränderung ſoll vorgenommen werden, ſobald ein
Perſönlichkeit für das Verkehrsminiſterium gefunden
iſ=
das der Miniſterpräſident augenblicklich verwaltet.
Spanien.
Gegen die portugieſiſchen
Roya=
liſten. Wie aus Madrid gemeldet wird, erheben die
Republikaner in einer Verſammlung gegen die Duldun=
Einſpruch, die die ſpaniſche Regierung den portugie
ſiſchen Royaliſten gegenüber betätige. Mehrere Deyu
tierte richteten dabei ſcharfe Angriffe gegen Canalejgs
China.
Eine neue Kabinettsliſte. Juanſchikat
hat der Nationalverſammlung eine neue Liſte von ſechs
Miniſtern zur Verfügung geſtellt und dem Kabinett
überſandt. Man glaubt, daß die Kammer dieſe Liſte
angeſichts der allgemeinen Unzufriedenheit über ihre
Ablehnung der früheren Liſte annehmen wird. Dieſe
Unzufriedenheit hat unter anderem dahin ihren Ausdruck
gefunden, daß der Kommandeur der Diviſion in Hankau
der Verſammlung mitteilte, er werde ſeine Truppen nach
Peking bringen und die Verſammlung verjagen, wen
ſie ihre Obſtruktion gegen die Regierung fortſetze.
* Fallende Geburtsziffern in
Eng=
land. Die ſoeben erſchienene amtliche engliſche
Sta=
tiſtik über die Bevölkerungsbewegung im Jahre 1910
erregt in Großbritannien beſonderes Aufſehen, weil
ſeit längerer Zeit zum erſten Male einen bemerkenswer
ten Rückgang der Geburtsziffern zeigt. Schon die Zahl
der Eheſchließungen weiſt einen Rückgang gegen frühere
Jahre auf und erreichte im Jahre 1910 nur 15 v. T,
dagegen ſcheinen jedoch die erſten Monate des
laufen=
den Jahres wieder eine kleine Steigerung zu bringen.
Die Zahl der Scheidungen iſt ſeit 1906 ſtändig
zurück=
gegangen. Während aber 1909 noch die Geburtsziffer
25,8 v. T. erreichte, iſt ſie 1910 auf 25,1 geſunken und
ſteht damit um 2,5 v T. tiefer als die Durchſchnittszahl
für die Jahre 1900 bis 1909, die bereits ohnehin eine
erheblich verminderte Geburtsziffer zeigten. Im Jahre
1910 wurden in England insgeſamt 457266 Knaben und
439696 Mädchen geboren; es zeigt ſich alſo, daß das
Verhältnis der Knaben zu den Mädchen in England
und Wales niedriger iſt, als in allen anderen
euro=
päiſchen Ländern. Zieht man die Todesziffern von den
Geburtsziffern ab, ſo ergibt ſich ein Geburtsüberſchuß
von rund 11,56 v T.; noch in der Zeit von 1876 bis
1880 betrug der entſprechende Geburtsüberſchuß 14,56;
der Ueberſchuß iſt alſo um beinahe 25 Prozent geſunken.
* Franzöſiſche Analphabeten. Das Echo
de Paris” meldet: Nach einem Bericht der
Korpskomman=
deure befinden ſich unter 235637 franzöſiſchen Rekruten des
Vorjahres 13526 Analphabeten, alſo 5,65 Prozent,
der=
ſelbe Prozentſatz wie im Jahre 1910. Die größte Zahl der
Analphabeten weiſt das 6. Armeekorps auf, nämlich 1129.
* Haag, 23. Juli. Die Internationale
Wech=
ſelkonferenz, die ſeit dem 15. Juni hier tagt, wurde
heute von dem Präſidenten Staatsminiſter Dr. Aſſer
ge=
ſchloſſen. Die Konvention zur Einführung des
einheit=
lichen Wechſelrechts iſt unterzeichnet worden von
Deutſch=
land, Oeſterreich=Ungarn, Belgien, Braſilien, Bulgarien,
Chile, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Mexiko,
Mon=
tenegro, Norwegen Nicaragua, Paraguay, den
Nieder=
landen, Rußland, Schweden, der Schweiz, der Türkei und
Italien. Mehrere andere Staaten ſtellten die
Unterzeich=
nung für die nächſte Zeit in Ausſicht.
* Kapſtadt, 23. Juli. Staatsſekretär Dr. Solf
iſt vom Kommandeur der Truppen der Kapkolonie,
Gene=
ral Hickmann, in Vertretung des ſtellvertretenden
General=
gouverneurs Lord Evilliere, und dem Adminiſtrator der
Kapprovinz empfangen worden. Er begab ſich ſpäter im
Automobil nach Conſtantia.
* Tokio 24. Juli. Geſtern abend ausgegebene
Bulletins verzeichnen entgegen der hoffnungsvolleren
Anſicht der Palaſtbeamten keine Beſſerung im
Be=
finden des Kaiſers.
Bilder vom Hofe des Mikado.
(e) Es gibt wohl wenige Höfe in der Welt, die einen ſo
exkluſiven Charakter zeigen und in denen ſich zwei ſo völlig
entgegengeſetzte Welten berühren, wie den Hof des Mikado.
Aeußerlich ſcheint er ſich ganz europäiſchem Muſter
ange=
paßt zu haben, unterſcheidet ſich in nichts von den Höfen
anderer moderner Fürſten, aber innerlich iſt er durch und
durch japaniſch und erinnert noch in vielem an die Tage
da der Kaiſer von Japan mit niemandem verkehren durfte
als mit den Mitgliedern ſeines eigenen Haushaltes und
den Häuptern der fünf vornehmſten Familien, die ſeit
un=
denklichen Zeiten im Rang dem Herrſcher am nächſten
ſtehen. Das liegt nicht etwa an dem Mikado ſelbſt, deſſen
ſchwere Erkrankung gegenwärtig die Teilnahme der
gan=
zen Welt erregt; er iſt ſtets ein Freund der Fremden
ge=
weſen, hat ſich nie gegen Beſucher oder gegen ſein Volk
abgeſperrt und die Ideen der weſtlichen Ziviliſation
be=
geiſtert aufgenommen. Aber in den Formen des täglichen
Lebens ſiegt noch immer die ehrwürdige Tradition, und
gerade im Zeremoniell, das ja von je zu den
konſervativ=
ſten Elementen der Kultur gehört hat, ragen am ſtärkſten
die bunten Wunder und Lieblichkeiten des alten Japan in
die heutige Zeit hinein.
Wird man zu einem Nachmittagsempfang oder einer
Abendgeſellſchaft geladen, dann umfängt den Beſucher,
wie ein Kenner des japaniſchen Hoflebens erzählt, die
Stimmung einer eleganten europäiſchen Geſellſchaft. Die
Toilette für Damen iſt am Nachmittag hochgeſchloſſene
Kleider mit kurzen Schleppen und für die Herren kleine
Uniform oder der dunkle Rock mit weißer Binde, wie ſie
bei Empfängen des franzöſiſchen Präſidenten üblich ſind.
Hier iſt es nicht ſo ſchwer, Zutritt zu erhalten, ſchwieriger
ſchon bei den großen Abendgeſellſchaften, an denen
gewöhn=
lich die hohen Offiziere, die führenden Staatsmänner,
Mit=
glieder des alten Adels und des diplomatiſchen Korps
teil=
nehmen. Nur ſelten erhalten Fremde Einladungen, und
wenn ſie in dem feſtlich erleuchteten Rieſenpalaſt, der ganz
Tokio überragt, eingetroffen ſind, erblicken ſie ein Bild, das
in nichts an den Boden erinnert, auf dem ſie ſich befinden.
Die weiten luftigen, vornehm eingerichteten
Staats=
gemächer, die die ganze Länge der einen Seite der
könig=
lichen Reſidenz einnehmen, könnten gerade ſo gut in
irgend einem modernen Palaſt der weſtlichen Welt ſtehen,
und der aufmerkſamſte Beobachter würde nichts Auffälliges
finden. Sie ſind eingerichtet nach dem neueſten Stil,
wer=
den beleuchtet und geheizt nach den neueſten Methoden der
abendländiſchen Wiſſenſchaft. Jede Dame, von der Kaiſerin
bis zum letzten Hoffräulein, iſt gekleidet, korſettiert und
coiffiert nach der letzten franzöſiſchen Mode. Die Herren
ſind alle in großer Uniform oder im Frack. Das Diner,
von einem europäiſchen Koch bereitet, weiſt in ſeinem
Menu nur Gerichte der weſtlichen Küche auf. Die
La=
kaien in Seide= und Sammetlivreen und mit gepudertem
Haar könnten die Zierden jeder Hofhaltung ſein, die noch
die Ueberlieferung des feudalen 18. Jahrhunderts
auf=
recht erhält, nur daß ſie vielleicht etwas zierlicher in ihren
Bewegungen und etwas weniger würdig in ihrer
Halt=
ung ſind. Ein Bild des modernen Europa mitten im
Her=
zen Aſiens entrollt ſich im Palaſt von Tokio, wenn der
Mikado eine große Abendgeſellſchaft gibt.
Doch wem es vergönnt iſt, über den ſchönen breiten
Korridor nach der anderen Seite des Palaſtes hinüber zu
ſchlüpfen, der iſt wie durch ein Zauberwort in eine andere
Welt verſetzt. Alt=Nippon lächelt ihm hier entgegen mit
ſeinen bunten Lieblichkeiten, ſeiner lichten Anmut und
zier=
lichen Schönheitsreife. Hier iſt alles vom erleſenſten
japaniſchen Geſchmack, faſt puppenhaft im Vergleich zu dem
ſchweren Prunk der Staatsräume. Hier legen die Kaiſerin
und ihre Damen die engen Pariſer Toiletten ab und
gleiten in leichtem Kimono dahin, ganz ſo wie ihre
Kammerfrauen. Hier ſchlürfen ſie den Tee, bequem au
ihren niedrigen Bänkchen ſitzend, ſtatt auf den hohen ſteifen
Stühlen. Hier ſchläft ein jeder auf weißer Matte unter
weicher Steppdecke. Der einzige Unterſchied zwiſchen den
Betten des Kaiſers und der Kaiſerin und denen ihrer
nied=
riaſten Untertanen iſt der, daß die Stepndecken der Maje=
ſtäten aus weicher Seide beſtehen und oft gewechſelt
wer=
den. Die Kaiſerin erhält jeden Monat völlig neues
Bett=
zeug, die alte Decke wird einer Kammerfrau geſchenkt, die
ſie mit Ehrfurcht bewahrt. Jede Wohnung eines
Mit=
glieds der kaiſerlichen Familie beſteht aus drei Räumen,
die in der Größe je nach dem Rang verſchieden ſind. Dier
der Kaiſerin ſind etwas kleiner als die des Kaiſers und die
des Kronprinzen wieder etwas kleiner. Aber alle ſind
ent=
zückend eingerichtet und mit den ſchönſten Arbeiten des
unvergleichlichen japaniſchen Kunſtgewerbes geſchmückt=
Wahre Schmuckkäſtchen der ſchönſten Lackarbeit und der
herrlichſten Seidenſtickerei ſind die Appartements der
Kaiſerin. Hier führen die Damen ihr ſtilles Blumenleben,
beſchäftigen ſich mit Muſik und Literatur. Sie kämpfen
Wettbewerbe aus im Improviſieren von Verſen und
nehmen teil an dem großen poetiſchen Wettkampf, den der
Kaiſer alljährlich einmal veranſtaltet und in dem auch
ſeine Verskunſt erprobt. Die Herren vergnügen ſich haup
ſächlich mit Polo und mit Fechten oder ſpielen mit den
Damen altjapaniſche Spiele.
Zweimal im Jahre veranſtaltet der Mikado
Garten=
feſte zu denen nur die Hofgeſellſchaft Zutritt hat, Ende
April, wenn die Kirſchbäume blühen, und im Herbſt, wenn
die Chryſanthemen ihre märchenhafte Pracht entfalten
Die geladenen Gäſte verſammeln ſich vor dem kaiſerlichen
Pavillon; unter den Klängen der Nationalhymne öffnen
ſich die Türen und im feierlich langen Zuge erſcheint der
Mikado mit ſeinem ganzen Hof. Unter dem dichten
Blütendach, mitten zwiſchen den Wundern der duftenden
Beete hält der Herrſcher Cercle, während an Hunderten
von kleinen Tiſchen Erfriſchungen eingenommen werden.
200 Hofgeiſhas führen den Kirſchen= oder den
Chryſan=
themumtanz vor ihm auf. Dann nehmen der Kaiſer und
die Kaiſerin allein in ihrem Pavillon den Tee. Unter der
Geſellſchaft aber verbreitet ſich nun jene anmutig
ge=
meſſene Heiterkeit, die unter den Klängen der Muſik die
Schönheit der Natur bewundert, ſo wie ſie ſtets bei den
Blütenfeſten des alten Japan geherrſcht. . .
Numer 173.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Juli 1912.
Seite 3.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 25. Juli.
* Vom Hofe. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Dienstag vormittag 9½ Uhr in
Jagdſchloß Wolfsgarten den Großh. Forſtmeiſter Klump
aus Langen. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Mittwoch den Pfarrer Pabſ.
zund den Kaufmann Sartorius von Worms, den Lehrer
Fölſing, den Polizeikommiſſär Horſt von Offenbach, den
Pfarrer Repp von Nieder=Flörsheim, den Exped.=Sekretäu
* A. Schäfer bei dem Großh. Heſſ. Geſandten und
Bundes=
ratsbevollmächtigten in Berlin, den Fabrikbeſitzer Dr. Kurt
Albert von Wiesbaden, den Handelslehrer W. Müller
von Mainz, Vorſitzender des Heſſen=Naſſauiſchen
Ver=
bandes der Gabelsberger Stenographie; zum Vortrag
den Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach, den
Vorſtand des Kabinetts Geheimerat Romheld.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den ordentlichen Profeſſor in der
evangeliſch=
theologiſchen Fakultät Dr. Samuel Eck für die Zeit vom
1. Oktober bis 30. September 1913 zum Rektor der
Landesuniverſität Gießen.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog dem Lehrer an der höheren Bürgerſchule zu
Groß=Gerau Peter Schneider aus Anlaß ſeiner
Ver=
ſetzung in den Ruheſtand das Ritterkreuz 2. Klaſſe des
Verdienſtordens Philipps des Großmütigen.
* In den Ruheſtand verſetzt wurde der Lehrer
an der höheren Bürgerſchule zu Groß=Gerau Peter
Schneider auf ſein Nachſuchen, unter Anerkennung
ſeiner langjährigen treuen Dienſte, vom 1. Auguſt 1912 an.
* Das Großh. Regierungsblatt vom 24. Juli
hat folgenden Inhalt: 1. Bekanntmachung, die Maß=
und Gewichtspolizei und die Durchführung der
Nach=
eichung betreffend. 2. Bekanntmachung, die
Gebühren=
ordnung für eichamtliche Prüfungen und Beglaubigungen
außerhalb des eichpflichtigen Verkehrs betreffend.
Militärdienſtnachrichten. Oberſtleutnant von
Baath (früher Adjutant beim Generalkommando des
XVIII. Armeekorps), Kommandeur des Ulanen=Regts.
Kaiſer Alexander III. von Rußland Nr. 1 (
Stand=
vort: Militſch), in gleicher Eigenſchaft zum Küraſſier=
Regt. Königin Nr. 2 (St.=O. Paſewalk) verſetzt. Major
Frhr. v. Lepel (hervorgegangen aus dem Garde=Drag.=
Regt. Nr. 23), Kommandeur des Huſaren=Regts. Graf
Goetzen Nr. 6 (St.=O. Leobſchütz), zum Oberſtleutnant
ßbefördert. Rittmeiſter Paſchen (früher im Train=Bat.
Nr. 18), beim Stabe des Garde=Train=Bats. (St.=O.
Berlin), zum Major, vorläufig ohne Patent, ernannt.
Hauptmann v. Hake (früher Adj. der 25. Feldart.=Brig.,
mit der Uniform des Feldart.=Regts. Nr. 61), Battr.=
Chef im 3. Garde=Feldart.=Regt. (St.=O. Berlin), vom
1. Auguſt 1912 ab zur Dienſtleiſtung beim
Militär=
kabinett Seiner Majeſtät des Kaiſers und Königs
ikommandiert. Generalmajor v. Müller (zuvor Oberſt
und Kom. des Inf.=Regts. Kaiſer Wilhelm Nr. 116),
Kommandeur der 21. Infanterie=Brigade (St.=O.
Schweidnitz), in Genehmigung ſeines Abſchiedsgeſuchs
mit der geſetzlichen Penſion zur Dispoſition geſtellt.
Major Kohlermann (früher im Train=Bat. Nr. 18),
Gbeim Stabe des Kurheſſ. Train=Bats. Nr. 11 (St.=O.
Kaſſel), in Genehmigung ſeines Abſchiedsgeſuchs mit
der geſetzlichen Penſion zur Dispoſition geſtellt und zum
Bezirksoffizier beim Landw.=Bezirk II Mülhauſen i. E.
vernannt.
* Von der Techniſchen Hochſchule. Die Abteilung
ffür Architektur an der Techniſchen Hochſchule hat für
das Studienjahr 1912/13 folgende Preisaufgabe
ggeſtellt: Auf dem frei gewordenen Gelände der alten
ahnhofsanlagen zu Darmſtadt ſoll ein ſtädtiſches
Feſt=
haus mit öffentlichem Park errichtet werden.
Be=
varbeitungen ſind bis zum 1. Mai 1913 an das Rektorat
ſeinzureichen. Nähere Auskunft und ausführliches
Pro=
ggramm erteilt Geh. Baurat Profeſſor Wickop. Als
Preis ſind 135 Mk. ausgeſetzt.
* Ausſtellung „Der Menſch” in Darmſtadt. Für
ldie Ausſtellung, die bekanntlich von Auguſt bis Oktober
vabgehalten wird, hat ſich ein Ehren=Ausſchuß unter dem
Worſitz des Miniſters des Innern Exzellenz v. Hombergk
ſzu Vach gebildet. Es gehören ihm u. a. an: Geheimrat
Dr. Czerny in Heidelberg, Oberbürgermeiſter Dr. Adickes
nin Frankfurt a. M., Exzellenz Ewald, Staatsminiſter in
Darmſtadt, Geheimrat Römheld in Darmſtadt,
Pro=
winzialdirektor Geheimrat Dr. Breidert in Mainz, Geh.
(Kommerzienrat Dyckerhoff in Biebrich a. Rh., Ober=
bürgermeiſter Dr. Wilkens, Heidelberg, Graf von Schlitz
gen. von Görtz, Erlaucht, 1. Präſident der Erſten Kammer
der Landſtände, Hofmarſchall von Ungern=Sternberg in
Darmſtadt, Exzellenz von Plüskow, Generalleutnant, in
Darmſtadt, Regierungspräſident von Meiſter,
Wies=
baden. Die Ausſtellung wird Anfang Auguſt durch
den Großherzog, der dieſer Angelegenheit ſein
be=
ſonderes Intereſſe zugewendet hat, eröffnet werden.
Zur Elektrifizierung der Straßenbahn. In
der Neckarſtraße ſind bereits eine Anzahl neuer Schienen
abgeladen und die Arbeiten zur Elektrifizierung dieſer
Strecke werden, wie wir erfahren, alsbald in Angriff
genommen und ſollen, wenigſtens innerhalb des
Stadt=
gebietes, noch in dieſem Jahre beendet werden. Die
Neckar= und Heidelbergerſtraße werden ſofort
zwei=
gleiſig ausgebaut. Es beſteht alſo doch Hoffnung,
daß die Dampfbahn in abſehbarer Zeit aus den
Straßen der Stadt verſchwindet und wir elektriſch auch
nach Eberſtadt fahren können.
Vom Odenwaldklub. Eine in den weiteſten
Kreiſen des Geſamtvereins bekannte Perſönlichkeit iſt in
dieſen Tagen infolge eines Herzſchlages aus dem Leben
geſchieden, Herr Kaufmann Friedr. Haffner in
Mann=
heim. Der Verſtorbene war Begründer der Ortsgruppe
Mannheim=Ludwigshafen, die unter ſeiner Leitung zu
einem Verein von 2000 Mitgliedern angewachſen und
gegenwärtig die ſtärkſte Sektion des Odenwaldklubs iſt.
Lange Jahre gehörte Haffner dem Zentralausſchuß des
Odenwaldklubs an. Er war einer der erſten, der die
Not=
wendigkeit erkannte, die Jugend von der Straße der Stadt
hinwegzuführen in die Schönheit der freien Natur. Als
Begründer der Mannheimer Jugendwanderungen für
Volksſchüler hat ſich der Verſtorbene unvergängliche
Ver=
dienſte erworben. Sein erſprießliches Wirken auf allen
Gebieten, die die gemeinnützige Tätigkeit des
Odenwald=
klubs umfaßt, wurde bei der Beſtattung in Mannheim von
dem Vertreter des Zentralausſchuſſes Dr. Köſer=
Darm=
ſtadt gewürdigt; Hauptlehrer Weißert=Mannheim
wid=
mete dem Ehrenvorſitzenden ſeiner Ortsgruppe einen warm
empfundenen Nachruf; Bürgermeiſter Witter=
Haßmers=
heim überbrachte die Abſchiedsgrüße der Odenwälder
Be=
völkerung, während Direktor Kederer=Ludwigshafen im
Namen des Pfälzer Waldvereins einen Kranz an der
Bahre des verſtorbenen Wanderfreundes niederlegte.
Kriegerverein Darmſtadt. Wie aus der Anzeige
im heutigen Blatte erſichtlich, findet der
Familien=
au sflug, am Sonntag, den 28. Juli, ſtatt. Zugleich
wird nochmals auf die erforderliche vorherige Anmeldung
hingewieſen.
* Im Bürgerkeller konzertiert täglich das Salon=
Damen=Orcheſter „Nordſtern”. Frau Elly Karger, die
Dirigentin dieſes Künſtler=Enſembles, hat es vortrefflich
verſtanden, ſich die Gunſt des Publikums zu erringen.
Allabendlich ſind faſt alle Stühle beſetzt und die Gäſte
er=
götzen ſich an dem abwechſelungsreichen Programm
Als Bravourleiſtung ſpielen drei Damen eine berühmte
amerikaniſche Orgel. Der endloſe Beifall, deſſen ſich die
Kapelle jeden Abend erfreut, iſt der beſte Beweis der
Beliebtheit dieſes Orcheſters.
V. Groß=Gerau, 24. Juli. Die 74jährige Ehefrau des
Rottenführers Hirſch entfernte ſich geſtern abend von
ihrem Manne mit der Angabe, noch ſchnell einmal ihren
Bruder zu beſuchen. Am anderen Morgen war die Frau
noch nicht zurück. Man fand die Bedauernswerte auf der
Strecke Dornberg-Groß=Gerau vom Zug überfahren
tot auf den Schienen liegend. Kopf und Arme waren ihr
vom Rumpfe getrennt.
* Arheilgen, 24. Juli. Am Samstag, den 27. d. Mts.,
eröffnet Herr Klein mit ſeinen Trompetern des Train=
Bataillons Nr. 18 hierſelbſt im Gaſthaus „Zum Löwen”
die Gartenkonzerte. Wie üblich, hat Herr Klein ein
erſtklaſſiges Programm aufßeſtellt und kommen nſht
weniger wie ſechs Soliſten zur Geltung. (Näheres ſiehe
Anzeige.)
Mörfelden, 24. Juli. Mit einem Stammkapital von
22000 Mark iſt hier eine chemiſche Fabrik und
Nährmittelwerke m. b. H. gegründet
wor=
den. Gegenſtand des Unternehmens iſt die Fabrikation
und der Handel mit chemiſch=techniſchen und arzneilichen
Produkten, insbeſondere von Nährmitteln.
Guſtavsburg, 24. Juli. Der Eiſenbahnfiskus erbaute
ſeinerzeit eine Zufahrtſtraße von der hieſigen
Main=
brücke bis zum Bahnhof Guſtavsburg und beſtritt auch
bisher die Koſten für die Unterhaltung der
Straßen=
ſtrecke. Da die Straße aber dem Durchgangsverkehr im
Kreisſtraßennetz dient und auch durch den Anbau
meh=
rerer Wohnhäuſer als Ortsdurchfahrt anzuſehen ſei,
be=
antragte der Bahnfiskus die Uebernahme der
Unterhal=
tung auf die Gemeinde Ginsheim=Guſtavsburg reſp.
auf den Kreis Groß=Gerau. Beide Körperſchaften
wei=
gern ſich. So beſchäftigte die Sache, nachdem ſie ſchon
einmal vor dem Provinzialausſchuß verhandelt worden,
jetzt auch wieder im Rekursverfahren den Kreisausſchuß
des Kreiſes Groß=Gerau. Dieſer lehnte jede
Verpflich=
tung ſowohl für die Gemeinde, als wie auch für den
Kreis mit der Begründung ab, daß die fragliche Straße
keine Kreisſtraße im Sinne des Heſſiſchen
Kunſtſtraßen=
geſetzes ſei, da ſie weder früher Kreisſtraße war, noch
vom Kreis erbaut oder je übernommen wurde. Ein
Recht zur Forderung der Uebernahme durch Kreis oder
Gemeinde aber ſtehe dem Eiſenbahnfiskus überhauvt
nicht zu.
Offenbach, 24. Juli. Im
Unterſuchungs=
gefängnis erhängt hat ſich der Händler Karl
Müller, der wegen Butterfälſchung in großem
Maß=
ſtabe angezeigt war. Er hatte große Mengen
Marga=
rine mit geringen Quantitäten Butter vermiſcht und
die=
ſes Produkt als reine Naturbutter verkauft. — Der
Kri=
minalſchutzmann Hübner ſowie der Schutzmann
Moldaner vom zweiten Polizeibezirk, denen es
ge=
lungen war, die Täter zu ermitteln, die im April ds. Js.
auf einen in der Fahrt befindlichen Eiſenbahnzug ein
Steinbombardement eröffneten, erhielten dieſerhalb
von der Eiſenbahnbehörde eine Belohnung von
150 Mark. — Die 51jährige Privatiere Karoline
Hildebrand, die in dem Hauſe Bismarckſtraße 72
wohnt, öffnete ſich in ſelbſtmörderiſcher Abſicht die
Pulsader und wurde in ihrer Wohnung tot
aufge=
funden. Das Motiv zur Tat dürfte Lebensüberdruß
ſein.
Lindenfels, 24. Juli. Geſtern abend zog ein
ſchweres Gewitter über unſere Gegend. Dabei
ſchlug der Blitz in die elektriſche Lichtleitung des
Vorſeminars. Er fuhr an der Leitung herunter in die
Wohnung des Vorſtehers und durchſchlug die Decke
mehr=
mals, ohne zu zünden. Die in der Wohnung
Anweſen=
den kamen mit dem Schrecken davon. — Das
Burg=
feſt, das am verfloſſenen Sonntag und Montag wegen
des ſchlechten Wetters nicht ſtattfinden konnte, wird nun
kommenden Sonntag und Montag in vollem
Um=
fange abgehalten.
Worms, 24. Juli. Großen
Warendieb=
ſtählen iſt die hieſige Kriminalpolizei auf die Spur
gekommen, wobei ein ganzes Warenlager gefunden
wurde. Die aus Horchheim gebürtige, 60 Jahre alte
Ehe=
frau eines hieſigen Taglöhners, die ſeit mehr als 20
Jahren in einem hieſigen Tuchmanufakturwarengeſchäft
als Putzfrau arbeitete, hat das in ſie geſetzte Vertrauen
in grober Weiſe mißbraucht, indem ſie innerhalb der
letzten 7 bis 8 Jahre fortgeſetzt gelegentlich ihrer
Be=
ſchäftigung in dem betreffenden Hauſe Waren aus dem
Lager ſtahl und nach Hauſe ſchleppte, ohne daß der
Be=
ſtohlene hiervon etwas merkte. Durch Zufall kam die
Polizei der Sache auf die Spur, was Anlaß zu
umfang=
reichen Durchſuchungen in den Wohnungen der Putzfrau
und deren verheirateten Töchter gab. Hierbei wurden
geſtohlene Waren beſagter Art gefunden, die wohl über
1200 Mark wert ſind. Unterſuchung iſt im Gange.
Hamm, 23. Juli. Rund eine halbe Million
Gurken waren zum geſtrigen Gurkenmarkt angefahren.
Der Preis betrug für 100 Stück 50—70 Pfg. Der
Ver=
kauf war ſehr flott. Die diesjährige Gurkenernte bringt
einen reichen Geldſegen in unſere Gemeinde. Der Ertrag
iſt in Büte und Menge ſo ergiebig, wie ſeit langer Zeit
nicht.
Gießen, 24. Juli. Geſtern vormittag haben die
Schreinergeſellen in 14 Werkſtätten der
Bauſchrei=
tereien nach vorausgegangener Kündigung die Arbeit
niedergelegt. Es kommen 51 Geſellen in Frage, die
Lohnerhöhung und Kürzung der Arbeitszeit fordern.
Vergnügte Tage machten ſich zwei hieſige
Gele=
genheitsarbeiter mit dem Betrag von 350 Mark,
die dem einen zur Beſorgung an einen Viehhändler in
Heuchelheim anvertraut worden waren. Die Burſchen
teilten das Geld und verſchwanden. Der eine ſtellte ſich
geſtern der Polizei freiwillig und beſaß nichts mehr,
wäh=
end ſein Genoſſe, als er verhaftet wurde noch im
Beſitz von 64 Mark war.=— Ein Automobil iſt geſtern
nachmittag in der Nähe der Ganſeburg verbrannt,
Feuilleton.
— Wie ſich der Berliner „luftig” kleidet. „Wen das
SSchickſal dazu verdammt, in Tagen der Hitze in der
Großſtadt zu verweilen, der wähle Berlin!” mit dieſen
Worten beginnt der Engländer G. Ward Price in der
2Daily Mail eine Betrachtung über das ſommerliche
Ber=
llin. In dieſen Tagen enthüllt eine Reiſe von London
mach Berlin den grundlegenden Unterſchied der beiden
Mationen: im Sommer, in den Hundstagen, da
offen=
bbaren ſich die Seelen und da zeigt es ſich auch: das Leben
ddes Engländers wird vor allem von der Konvention
be=
hherrſcht, der Berliner aber iſt vor allem „praktiſch,
prak=
itiſch in ſeiner Kleidung, ſeiner Ernährung, ſeinen
Ge=
twohnheiten. In der vergangenen Woche der großen
Hitze war unbeſtreitbar der Berliner der kühlſte
Städte=
bbewohner von ganz Europa. Man gehe an einem heißen
Morgen über die Linden: man mag glauben, in einer
ttropiſchen Hauptſtadt zu weilen; die Männer tragen
dünne graue oder gelbe Anzüge aus Seide oder Alpaka,
dder Panamahut iſt die Regel, die Frauen aber erſcheinen
aauf der Straße in leichten duftigen Muſſelinkleidern, wie
die Engländerinnen ſie nur auf dem Lande im Garten
zu tragen wagen würden: mit kurzen Aermeln, tiefen
Ausſchnitten, während die kleinen Modeeitelkeiten, als
Da ſind Korſett und Handſchuhe, bis zur Herbſtzeit da=
Heim gelaſſen werden.‟ Den höchſten Segen aber bringt
mach dem Urteil des britiſchen Beobachters die Berliner
Worliebe für „luftige Kleidung” den Kindern. „Hier
Uaſſen die deutſchen Eltern die engliſchen Mütter faſt als
eine unmenſchliche Tyrannin von Brauch und Sitte
er=
ſſcheinen. Die Kronprinzeſſin kleidet ihre kleinen Söhne
lin leichte dünne Tuniken, die am Halſe ausgeſchnitten
ſind; dazu die kürzeſten Höschen, ſodaß die kleinen Arme
nund Beinchen vollkommen frei und kühl ſind. Und die
größeren Jungen gehen ohne Strümpfe und tragen
wveißleinene, ausgeſchnittene Matroſenanzüge. Und
nir=
gends ſieht man in Berlin ein Kind, das nicht kühl, luftig
nund bequem gekleidet iſt.” Und parallel mit dieſer
Ber=
kliner Philoſophie der Kleidung, die nach der Meinung
Ward Prices auf dem Fundamentalſatz beruht: Je
ggrößer die Hitze, je mehr Kleidungsſtücke lege ich ab”
gehen die ſommerlichen Lebensgewohnheiten. Man ißt
aabends nur im Freien, niemand bleibt daheim, jeder will
tin die Luft; „wir fahren zu Tauſenden nach Wannſee
oder an den Tegeler See, und dort baden wir und
fah=
ren Boot und wandeln ſpazieren und eſſen, und alles das
in einer Koſtümierung, die in England ſofort zur Folge
haben würde, daß der nächſte Schutzmann uns ſchleunigſt
mit einem Sack bedecken und dann zur Polizeiwache
ſchleppen würde.‟ Die behagliche Verwunderung und
das Staunen des Engländers aber erreichte den Gipfel,
als Ward Price einem Berliner Luft= und Sonnenbad
einen Beſuch abſtattete. „Als ich die unvermeidliche
Gartenwirtſchaft durchſchritten und den Badeplatz
er=
reicht hatte, da — ich muß es geſtehen — erhielt meine
engliſche Abhängigkeit von der Konvention einen harten
Schlag. Hier, im Sande oder auf dem Raſen, ſtanden
und lagen vielleicht 40 Männer aller Jahresklaſſen von
4 bis zu 70 Jahren, und ſie alle waren unbekleidet bis
auf ein Koſtüm, wie es vielleicht im Paradies
Vor=
ſchrift geweſen wäre. Und alle dieſe Männer waren ſo
kupferbraun, daß ihnen nichts Europäiſches mehr
anzu=
haften ſchien. Nachdem ich mein Staunen überwunden
hatte, ſetzte ich mich wie die anderen ordentlich hin, und
es war ſehr angenehm, von der Sonne gewärmt zu
wer=
den. Und ſicherlich war es auch nicht die Schuld des
Sonnenbades, daß ich dabei gerade auf den
Ameiſen=
haufen der Anſtalt geraten war.
C.K. Das Ende der Table d’höte. „Die Zeit der
„Table d’höte” iſt dahin, die Table d’höte gehört der
Ver=
gangenheit an: das konſtatiert mit einem heiteren und
mit einem naſſen Auge der Leiter des berühmten
Lon=
doner Savoy=Hotels, das in Fragen moderner
Gaſthof=
kultur tonangebend iſt. „In allen vornehmen
Hotelreſtau=
ants” ſo führt dieſer Fachmann im Obſerver aus, „iſt
die alte Table d’höte verſchwunden. Die Zeiten haben
ſich gewandelt, der Geſchmack der Gäſte hat ſich
verfei=
nert, und heute weiß oft der Gaſt ein Menu feiner und
kunſtvoller zuſammen zu ſtellen, als der „maitre d’hötel”.
Seitdem im Zuſammenhang mit Theater und Konzerten
das Souper oder das Diner im Hotelreſtaurant eine
geſellſchaftliche Sitte geworden iſt, hat ſich im Publikum
auch das Verlangen geſteigert, die Speiſenfolge des
Soupers dem eigenen Geſchmack anzupaſſen: Leute von
guter Erziehung und vor allem Leute von einem auten
Gaumen weigern ſich, ein mechaniſch feſtgeſtelltes Menu
zu eſſen; ſie wollen ihr Diner ſelbſt beſtimmen. Und auf
der anderen Seite wird ſelbſt der größte und berühm
teſte Koch nie imſtande ſein, ein Menu zuſammen zu
ſtellen, das dem Appetit und den Neigungen von 300
verſchiedenen Menſchen gleichmäßig gerecht wird. So
hat in den faſhionablen Reſtaurants die vom Wirt
feſt=
geſetzte Speiſenfolge, die Table d’höte, ihre
Daſeins=
berechtigung verloren; ſie iſt aus anderen, heute
ver=
ſchwundenen Verhältniſſen heraus entſprungen. Schon
der Name beſagt es. Bei der wirklichen Table d’höte,
die nur zu einer beſtimmten Zeit ſerviert wurde, nahm
der=Herr Wirt an dem Kopfende des langen Tiſches und
die Frau Wirtin am anderen Ende Platz, und das Eſſen
begann mit Suppe, dann folgte Fiſch, Fleiſch, Gemüſe,
Nachtiſch und Käſe. Aber heute verlangt der Hotelgaſt
Abwechſelung und eine größere Reichhaltigkeit der
Spei=
ſen. Das iſt ein Fortſchritt und in vieler Beziehung
frei=
lich auch ein Rückſchritt, aber gleich viel: wir alle ſind
vom Reſtaurantkoller beſeſſen und wollen Gerichte von
exotiſcheNamen eſſen, Gerichte, die die Küche daheim
uns nie oder nur mit großen Umſtändlichkeiten zu
bie=
ten vermöchte. Und dazu iſt das Reſtaurant auch da. .
* Ein Naturſchutzpark im Harz. Das Projekt, im
Harz einen Naturſchutzpark anzulegen, nimmt greifbare
Geſtalt an. Es ſoll ein Rieſenpark, zoologiſcher und
botaniſcher Garten zugleich, werden, ſo intereſſant, wie
Deutſchland noch keinen hat. Das Terrain iſt 2000
Mor=
gen groß; die Grenzen des Parkes werden das Radautal,
der Ettersberg, das Ockertal und das Haſſelbachtal bilden.
Drei Viertel des Tales ſollen der Pflanzenkultur, ein
Viertel der Tierzucht dienen. Vor allem beabſichtigt man,
die im Ausſterben begriffenen Tiere des Harzgebirges zu
erhalten. Die früher im Harz hauſenden und dort längſt
ausgeſtorbenen Tiere ſollen wieder eingeführt werden, ſo
der Luchs, der Bär, das Elentier und der Auerochs. Auf
dem Höchſtpunkt des Terrains mit dem Blick auf die
Ebene im Norden, auf dem Winterberg, wird ein großes
Hotel errichtet werden. Eine Kommiſſion hat die
Vor=
arbeiten zu dem Projekt in die Hand genommen. Der
Magiſtrat von Harzburg hat die Mittel zu den Vorarbeiten
bewilligt; die Regierung wird das Projekt unterſtützen.
* Ein Schlingel. Vater (zum Söhnchen): „Warum
haſt du heute vom Lehrer Schläge gekriegt?“ — „Ja, wir
hatten einen Igel gefangen und den hab ich geſtern in der
Zeichenſtunde in den Schwammkaſten gelegt!”
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Juli 1912.
Nummer 173.
anſcheinend infolge Selbſtentzündung der Auspuffgaſe.
Menſchenleben kamen nicht zu Schaden.
Wölfersheim, 24. Juli. Geſtern nacht wurde in der
Großh. Bergkaſſe zu Wölfersheim eingebrochen und
die Kaſſe erbrochen und ihres Inhaltes beraubt. Da
der Kaſſierer abweſend war, wurde der Dieb bei ſeiner
Arbeit nicht geſtört. Wieviel und was geraubt wurde,
konnte bis jetzt nicht feſtgeſtellt werden. Die
Gendar=
merie begab ſich nach dem Tatorte.
Dortelweil, 23. Juli. Geſtern machte eine
Stamm=
tiſch=Geſellſchaft aus Frankfurt a. M.=Süd einen
Ausflug hierher. In der Wirtſchaft von Steul
amü=
ſierte man ſich und trat gegen 9 Uhr den Rückmarſch nach
der Station an. In der Nähe des hieſigen Schulhauſes
kam es zu Streitigkeiten, bei denen mit
Regenſchir=
men und Stöcken gearbeitet wurde und auch der
Brumm=
baß und die Geige benutzt wurden. Durch das
Einſchrei=
ten der hieſigen Einwohner wurden die Hyänen
aus=
einander gebracht und noch ſo rechtzeitig, daß ſie den Zug
9.30 Uhr benutzen konnten. Zerbrochene Regenſchirme
und Stöcke, Teile von zertrümmerten Muſikinſtrumenten,
zerriſſene Kleider und ähnliches bedeckten den Kampfplatz.
Schotten, 24. Juli. Wegen des Auftretens von
Typhus in Rudingshain ſind ſehr beachtenswerte
Vorſchriften ergangen, u. a. wurde die Schließung
des hieſigen Schwimmbades, das mit
Nidda=
waſſer geſpeiſt wird, veranlaßt. Die Krankheit iſt in
Ru=
dingshain bis jetzt in 10—12 Fällen aufgetreten;
ſchlim=
mere Folgen und eine Weiterverbreitung dürften bei
Be=
folgung der Vorſchriften nicht zu erwarten ſein. Die
Stadt Schotten iſt hinreichend mit Waſſer verſehen, ſo daß
eine Benutzung des Bachwaſſers zu Haushaltungszwecken
unnötig erſcheint.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshaluptſtadt, 23. Juli. Heute nacht
hielten die in Kinematographenaufnahmen
tätigen Schauſpieler eine Verſammlung ab. In
einer Reſolution wurde ein Minimaltarif, ſowie genaue
Beſtimmungen über Arbeitszeit und Arbeitsbereitſchaft
gefordert. — Ein ſeltener Fund iſt im Lehnitzſee
gemacht worden, wo gegenwärtig in der Nähe des
See=
bades Baggerungsarbeiten ausgeführt werden. In einer
zutage geforderten Schlammaſſe entdeckte der am
Bag=
ger beſchäftigte Arbeiter einen glitzernden Gegenſtand,
der ſich als ein großer, in einen goldenen Ring gefaßter
Brillant herausſtellte. Der Arbeiter machte ſofort
ſei=
nem Vorgeſetzten und der zuſtändigen Polizeibehörde
von dem Funde Mitteilung. Die Nachricht drang auch
bis zu dem Apothekenbeſitzer Herrfarht in Spandau, der
vor etwa zehn Jahren beim Baden im Lehnitzſee einen
Brillantring im Werte von etwa 1400 Mark verloren
hatte. Obwohl damals ein Taucher nach dem Ring
ſuchte, wurde dieſer nicht gefunden. Herr Herrfarth
glaubt in dem jetzt auf ſo eigenartige Weiſe entdeckten
Brillantringe ſein Eigentum wieder zu erkennen und
hat die nötigen Schritte zum Nachweiſe ſeines
Beſitz=
rechtes bereits eingeleitet. — Auf der Spandauer
Havel überließ ein junges Mädchen, das mit drei
Kin=
dern in einem Boot ausgefahren war, einem 10
jähri=
gen Knaben das Ruder. Plötzlich bog ein Dampfer vom
Tegeler See in die Havel ein. Der Kinder bemächtigte
ſich eine große Erregung, weil ſich der Dampfer keine 10
Meter mehr von ihnen entfernt befand. Obwohl der
Schiffsführer ſofort ſtoppte, kam er doch dicht an das
Boot heran und dieſes begann zu ſchaukeln. Die
acht=
jährige Tochter des Berliner Handwerkers Feuke ſprang
vor Angſt ins Waſſer und ertrank.
Uſingen, 24. Juli. Bei dem Brande einer
Eiſen=
bahnkantine bei Haſſelborn an der Strecke Uſingen-
Wetzlar kam geſtern ein Arbeiter, der ſich nicht rechtzeitig
retten konnte, ums Leben.
Fulda, 24. Juli. Dieſer Tage iſt in Genf ein
Zi=
geuner feſtgenommen und von der dortigen Behörde
photographiert worden. Nach den heute beim hieſigen
Amtsgericht eingetroffenen Bildern glaubt man an
Ge=
richtsſtelle mit aller Beſtimmtheit, den älteren der Gebrüder
Ebender, den Wilhelm Ebender geſaßt zu haben.
Danzig, 23. Juli. Die frühere Kaiſerjacht
„Kaiſeradler” die ſeit langen Jahren an der hieſigen
Kaiſerlichen Werft liegt, und deren Verkauf in öffentlicher
Ausbietung mehrere Male vergeblich verſucht wurde, da
Angebote im Höchſtbetrag von 150000 Mark zu gering
waren und die Jacht auch nicht auf Abbruch verkauft
wer=
den ſollte, iſt jetzt zum Abwracken an die
Handelsgeſell=
ſchaft für Armee=, Marine= und Poſtbetrieb nach
Geeſte=
münde verkauft. Dorthin wird die alte Jacht in den
näch=
ſten Tagen abgehen.
Memel, 23. Juli. Das „Memeler Dampfboot” meldet:
Heute nachmittag vier Uhr fand die feierliche
Ueber=
führung der Leichen der bei dem Bootsunglück
bei Nidden ums Leben gekommenen beiden
Marine=
beamten nach dem Bahnhof ſtatt. Vor der Ueberführung
wurde im Königlichen Garniſonlazarett eine Trauerfeier
abgehalten. — Aus Nidden wird gemeldet, daß der
Marineingenieur=Applikant Luecke ſeit dem Unfall des
Linienſchiffes „Thüringen” vormißt wird. (Es ſind
bereits Nachforſchungen angeſtellt worden.
Innsbruck, 23. Juli. Der Berliner Lokalanzeiger
meldet: Frau Behrendt aus Berlin, die mit ihrem
Gemahl den Hocheder beſtieg, glitt auf der Schneefläche
aus und ſtürzte ab. Die Leiche wurde von Hirten zu
Tal gebracht.
Rom, 23. Juli. Um 11 Uhr abends entgleiſte ein
die Via Cavour zum Forum Romanum hinabfahrender
Wagen der elektriſchen Straßenbahn und
ſtürzte um. Zehn Perſonen wurden verletzt.
Oſtende, 23. Juli. Einer Prinzeſſin von Thurn
und Taxis ſind in einem hieſigen Hotel wertvolle
Schmuckſachen geſtohlen worden. Die Angaben über
den Wert derſelben ſchwanken zwiſchen 200000 und 400000
Francs.
Helſingborg, 24. Juli. Hier war eine Lehrerin
mit 30 Schülerinnen im Oere=Sund baden
ge=
gangen. Plötzlich befahl ſie ihren Zöglingen unter
Drohungen, nach der gegenüberliegenden däniſchen
Küſtenſtadt Helſingör zu ſchwimmen. Die Schülerinnen
gehorchten mit Ausnahme eines 12jährigen Mädchens,
das laut um Hilfe ſchrie. Aus Helſingborg wurden
ſo=
fort mehrere Boote entſandt, denen es auch gelang, die
Kinder aufzunehmen. Mehrere waren ſchon gänzlich
er=
mattet und ſchwebten in größter Lebensgefahr. Auch aus
Helſingör wurden mehrere Boote ausgeſchickt, die die
übrigen Kinder und die Lehrerin im letzten Augenblick
in Sicherheit brachten. Die letztere wurde nach dem
Hoſpital gebracht, wo die Aerzte konſtatierten, daß ſie
in=
folge der Hitze vom plötzlichen Wahnſinn
be=
fallen worden war.
Edinburg, 23. Juli. Der der Spionage angeklagte
Deutſche Graves wurde zu 18 Monaten
Gefäng=
nis verurteilt. Die Jury erklärte nach einer Beratung
von zwanzig Minuten den Angeklagten einſtimmig
ſchul=
dig, ſich Telegraphen=Code verſchafft zu haben, um damit
Mitteilungen über die britiſche Flotte und
Landesbefeſtig=
ungen zu verbreiten. Dagegen ſprach die Majorität den
Angeklagten in der Frage der Beardmores=Geſchütze frei.
New=York, 22. Juli. Die Aufregung der
Be=
völkerung New=Yorks iſt derart groß, daß
Mor=
gan jun., James Speyer und Chay Schievelin dem
Staatsanwalt unbeſchränkte Privatmittel zur Verfügung
ſtellten, um die Mordaffäre durch Privatdetektivs
auf=
klären zu laſſen. Im Oſten der Stadt fand am Montag
abend zwiſchen Apachen ein Revolverkampf auf offener
Straße ſtatt. Es wurden zahlreiche Schüſſe gewechſelt,
durch die zwei Kinder tödlich verwundet wurden. Als die
Polizei auf dem Schauplatz erſchien, waren die
Revolver=
helden verſchwunden. Von den verhafteten Spielern
Weber. Paul und Sullivan werden die beiden erſteren
des Mordes an Roſenthal beſchuldigt, der dritte iſt ein
wichtiger Augenzeuge. Es ſteht jetzt feſt, daß die Polizei
eine halbe Stunde vor dem Verbrechen alle
Taxameter=
droſchken aus der Gegend des Metropolhotels, vor dem
Roſenthal erſchoſſen wurde, entfernen ließ, damit niemand
die Verbrecher verfolgen könne. Der Verteidiger des
Spielers Weber verſichert, die Polizei ſei beſtrebt, den Chef
des Juſtizdepartements auf eine falſche Spur zu lenken.
Verkehrs=Verein.
V.V Der Vorſtand des Verkehrs=Vereins hielt ſeine
letzte Sitzung im Hotel Britannia ab. Neu
aufgenom=
men wurden die Herren Finanzrat Emmerling,
Buch=
druckereibeſitzer Herwig und Gartendirektor Stapel. —
Der Vorſitzende begrüßte ſodann die für 1912 dem
Vor=
ſtand zugewählten Herren. Es ſind dies die Herren:
Rentner Eduard Becker, Sanitätstrat Dr. Blumenthal,
Finanzrat Emmerling, Bäckermeiſter Finger, Rentner
Wilhelm Ganß, Rentner A. von Heſſert, Rechtsanwalt
Dr. Hoffmann II, Rentner W. Höslein, Schloſſermeiſter
J. Jacobi, Rechtsanwalt Kalbhenn, Stadtverordneter
Obermeiſter C. Lautz, Kaufmann Heinrich Lautz,
Hofliefe=
rant Niemann, Kammerherr Baron von Oetinger,
Juſtiz=
rat und Landtagsabgeordneter Dr. Oſann, Hoflieferant
Adolf Reuter, Kaufmann Karl Rittershaus, Fabrikant
Ph. Roeder, Kaufmann Siegmund Rothſchild, Kaufmann
Max Sander, Architekt Karl Schembs, Hoflieferant H.
Schneider, Kaufmann Theodor Schneider jr., Otto
Stock=
hauſen, Kaufmann A. J. Supp, Profeſſor Dr.=Ing.
Vet=
terlein, Kabinettsſekretär Dr. Wehner und Kaufmann
Edgar Wetzſtein. — Dem Verein wurde auch in dieſem
Jahre wieder ein ſtädtiſcher Beitrag überwieſen, wofür
der Vorſtand der Stadtverwaltung verbindlichſt gedankt
hat. — Anläßlich des letzten Oberrheiniſchen
Zuverläſſig=
keitsfluges, welche Veranſtaltung einen rieſigen Verkehr
in unſere Stadt brachte, hat auch der Verkehrsverein
einen Beitrag von 100 Mark geſtiftet, welche Summe
nachträglich bewilligt wird.
Aus Mitgliederkreiſen wurde mitgeteilt, daß die
neueſte Auflage von Meyers Konverſationslexikon
einen gänzlich veralteten Stadtplan unſerer Stadt
enthalte. Auf Erſuchen hat der Verlag in
entgegenkom=
mender Weiſe die Aufnahme eines neuen Planes, ſowie
die Aenderungen des Textes nach dem neueſten Stand
für den demnächſt erſcheinenden Ergänzungsband
zuge=
ſagt. — Wiederholt ſchon wurde die Wahrnehmung
ge=
macht, daß in verſchiedenen von Verkehrsverbänden und
Eiſenbahnverwaltungen herausgegebenen Reiſe= und
Eiſenbahnkarten Darmſtadt fehlte, während andere
be=
nachbarte Städte aufgenommen waren. Der Verein
er=
blickt darin eine Zurückſetzung unſerer Stadt, und wurde
den betreffenden Herausgebern mitgeteilt, daß man die
Verteilung des Materials in unſerem Verkehrsbureau
nur dann übernehme, wenn Darmſtadt bei den künftigen
Auflagen dieſer Reiſebücher in gehöriger Weiſe
berück=
ſichtigt wird, was immer zugeſtanden wurde. — Einer
aus Mitgliederkreiſen kommenden Anregung, zwecks
Her=
ausgabe einer Eiſenbahnzeitung kann zur Zeit leider
nicht entſprochen werden. — Wegen Verunreinigung der
Straßen durch herumfliegendes Papier, Stroh,
Pack=
material uſw. wurde der Verein wiederholt bei dem
Poli=
zeiamt vorſtellig. Es kann jedoch zur Zeit bis zu dem
Erlaß einer neuen Straßenpolizeiverordnung in dieſer
Angelegenheit nichts geſchehen. — Der beabſichtigten
An=
bringung einer Uhr am Verkehrsbureau, die jedenfalls
von vielen Seiten freudigſt begrüßt worden wäre, haben
ſich Schwierigkeiten entgegengeſtellt. Hoffentlich laſſen
ſich dieſelben beheben, damit doch noch den vielfach
ge=
äußerten Wünſchen entſprochen werden kann.
Anläßlich der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofes
war es notwendig geworden, den Droſchkentarif den
jetzi=
gen Verhältniſſen entſprechend einer Neuordnung zu
unterziehen. Der Vorſitzende ſtellte feſt, daß das Großh.
Polizeiamt ſich große Verdienſte durch die Neuaufſtellung
des Droſchkentarifs erworben hat, wodurch die Wünſche
der unter recht ungünſtigen Verhältniſſen arbeitenden
hieſigen Droſchkenbeſitzer möglichſt berückſichtigt wurden,
Es iſt bocherfreulich, daß durch Großh. Polizeiamt alle
Beſtrebungen des Verkehrs=Vereins in jeder Beziehung
gefördert werden. — Bei Beſprechung dieſer
Angelegen=
heit wurde Beſchwerde darüber geführt, daß ſchon
wie=
derholt zu den letzten Zügen keine Droſchken mehr am
Hauptbahnhof waren. Auch wurde ſehr gerügt, daß auf
der Breiten Allee ſchon um halb 12 Uhr der größte Teil
der Lampen gelöſcht würde und diejenigen Reiſenden,
die keine Droſchken und unter Umſtänden auch keine
Stra=
ßenbahn bekommen konnten, dann im Dunkeln nach der
Stadt gehen müßten. — Es wurde beanſtandet, daß das
Waſſer am Jubiläums=Brunnen des Verkehrs=Vereins
ſehr ſpärlich laufe und dadurch keinen ſchönen Eindruck
hervorrufe. Es ſollen doch Schritte zur Beſeitigung
die=
ſes Zuſtandes unternommen werden. — Auf der
Terraſſt=
des Hauptbahnhofes gelangt demnächſt an den dem
Ver=
kehrs=Verein überlaſſenen Wandflächen eine nach den
Be=
ſchlüſſen der Stadtverordnetenverſammlung hergeſtellte
Anſicht von Darmſtadt mit Umgebung zur Aufſtellung
der Verkehrs=Verein wird zu beiden Seiten dieſer Tafel
Führer=Automaten zum Verkauf von kleinen und großen
Führern aufſtellen. Auch der dem Verein gehörige Adreß=
Ausſtellung indiſcher und indoneſiſcher Kunſt
im Gewerbemuſeum.
Eine Ausſtellung von ganz bedeutendem
künſtleri=
ſchen und kulturellen hiſtoriſchen Intereſſe iſt zur Zeit im
Gewerbemuſeum arrangiert aus den umfangreichen
Sammlungen des Forſchungsreiſenden Theodor H.
Thomann=Bensheim. Die Sammlungen umfaſſen
Kunſt und Kunſtgewerbe, ſowie ethnographiſche
Studien=
ergebniſſe uſw. aus Pagan und dem malayiſchen Archipel:
Gebiete, die der Forſcher mehrere Jahre lang durchſtreift
und aus denen er mit reicher Ausbeute an kulturellen und
Kunſtwerten zurückkehrte, deren beſte und wertvollſte
Stücke heute bereits einer Reihe von bedeutenden Muſeen
zur Zierde gereichen, unter anderem auch dem Berliner
Muſeum für Völkerkunde. Es iſt ſtaunenswert und
er=
füllt immer wieder mit Bewunderung, wenn wir heute
aus vergangenen Epochen der Kultur ausgeſtorbener
Völker oder Raſſen überkommene Erzeugniſſe der Kunſt
und des Kunſtgewerbes, wenn man von dieſem ſprechen
kann, wo es ſich meiſt um Gebrauchsgegenſtände
han=
delt, betrachten und Vergleiche ziehen kann mit unſerer
eige=
nen, hochentwickelten Kultur. Bei aller Primitivität ſind
einzelne Zweige künſtleriſcher Betätigung auch für uns
von geradezu muſtergültigem Wert. Davon gibt auch
dieſe Ausſtellung vielfachen Beweis.
Zum Verſtändnis der Ausſtellung für den Laien
dürften einige geſchichtliche Daten von Nutzen ſein. Die
Blütezeit des einſt mächtigen Reiches „Pagan” fiel in
die Regierungsperiode des gewaltigen Königs Ano=
ya=
hta=ſo um 1010—1052 n. Chr., der eine der
merkwürdig=
ſten Herrſchererſcheinungen im Reiche des Buddhismus
war. Von der Idee einer Vereinigung aller Formen
des buddhiſtiſchen Glaubens unter einem Herrſcher
er=
füllt, trat er mit allen buddhiſtiſchen Königen Hinter= und
Vorder=Indiens in Verbindung und forderte ſie auf, ihm
buddhiſtiſche Reliquien, Kultusgegenſtände und
Hand=
ſchriften zuzuſenden und ihm als Oberherrn der Kirche zu
huldigen. So konnte es nicht ausbleiben, daß er mit
einzelnen von jenen fremden Fürſten in heftigen
Kon=
flikt geriet. Aber er blieb ſiegreich. Sehr merkwürdig
iſt das klar hervortretende Streben Ano=ya=hta=ſos, zur
Aufbewahrung der zahlreichen, aus den verſchiedenen
buddhiſtiſchen Ländern erhaltenen Reliquien in ſeiner
Hauptſtadt Pagan Tempel, jeweilig in der Stilart des
Urſprungslandes der betreffenden Reliquien zu erbauen,
eine Tendenz, die auch von allen ſeinen Nachfolgern
feſt=
gehalten wurde. Dieſer Gepflogenheit der birmaniſchen
Herrſcher haben wir es zu verdanken, daß wir auf dem
ſchier unüberſehbaren Tempelfelde von Pagan eine
Zu=
ſammenſtellung all der mannigfachen Stilformen der
ver=
ſchiedenen buddhiſtiſchen Länder vor uns haben, eine in
der Geſchichte der religiöſen Baukunſt geradezu einzig
daſtehende Erſcheinung, deren Bedeutung noch dadurch
erhöht wird, daß der größte Teil der in den Tempeln
von Pagan nachgeahmten Originalbauten in ihren
Ur=
ſprungsländern für immer verſchwunden iſt.
Bewun=
dernd ſtehen wir heute vor dieſen Zeugen einer
ent=
ſchwundenen Baukunſt mit ihrem überreichen
architekto=
niſchen und ornamentalen Kleinſchmuck, der ſo
meiſter=
haft den Stilformen ein= und untergeordnet iſt und im
Einzelnen doch eine ſo hohe Kunſt verrät und ein
emi=
nent großes techniſches Können, das ſo ausdrucksvoll
die „Legenden” darzuſtellen wußte. Bewundernd und
bedauernd zugleich, daß der ins Gigantiſche
auszuden=
kenden Weiterentwickelung ein jähes, gewaltſames Ende
bereitet wurde, deſſen Grundurſachen ewig mit gleichem
Erfolge wiederkehren bis auf unſere Zeit: die Zahl und
Pracht der Bauten brachte den finanziellen Ruin. Dazu
kamen unglückliche Kriege und um 1279 wurde Pagan
durch die Mongolen vernichtet. Unſere Kenntnis von
den Bauten Pagans iſt nicht umfangreich. Der erſte, der
ihnen nähere Beachtung ſchenkte, war der Engländer
Henry Yule, der 1853 Aufnahmen und Pläne der
Haupt=
tempel anfertigte. Einen ganz außerordentlichen
Fort=
ſchritt in der wiſſenſchaftlichen Erſchließung dieſes
großartigen Ruinenfeldes von Pagan bedeuten die
Forſchungen, die Theodor H. Thomann während
eines zweijährigen Aufenthaltes anſtellte. Auf einem
Gebiet, das ſich 8 Meilen am Stromufer entlang zieht,
gelang es ihm, gegen 2000 Ruinen zu traſſieren.
Die Sammlung Thomanns umfaßt: Zahlreiche
Papierabdrücke von Inſchriften, Abformungen von
Gla=
ſuren, die Szenen aus den früheren Exiſtenz=Perioden
Buddhas darſtellen, antike Originalſkulpturen aus Stein,
Bronze und Holz, Abdrücke von Skulpturen aus einem
berühmten Tempel, Freskogemälde, zahlloſe
Photo=
graphien von Tempeln und Ruinen und aus dem
Innern derſelben, Pläne und Zeichnungen uſw. Dazu
kommen dann an Gegenſtänden modernen Urſprungs:
Holzſchnitzereien, Kunſt= und Induſtriegegenſtände,
Male=
reien auf Seide uſw., Waffen, Kleider, koſtümierte
Figu=
ren u. v. a. Eine Sammlung von ſo ungewöhnlicher
Vielſeitigkeit und Reichhaltigkeit, daß es zur
Unmöglich=
keit wird, Einzelheiten eingehendere Betrachtungen zu
widmen, obwohl vieles Sonderbeſprechung verdiente.
Ein außerordentlich wichtiges Moment, das den hohen
Wert der Thomannſchen Sammlung kennzeichnet, iſt die
durch ſie ermöglichte außerordentliche Bereicherung
un=
ſerer Kenntnis jener Dynaſtie von Pagan, deren
Wich=
tigkeit darin beſteht, daß ſie zum erſten Male in der
Ge=
ſchichte des Landes alle birmaniſchen Stämme unter einer
Herrſchaft vereinigte und infolge ihrer fortgeſetzten
krie=
geriſchen und feindlichen Berührung mit den
benachbar=
ten hinterindiſchen, ſowie den vorderindiſchen Völkern ſich
eine eigenartige Miſchkultur ſchuf.
Noch reichhaltiger und für den Laien intereſſanter
ſind die Sammlungen vom Malayſchen Archipell
Der malayſche Archipel, auch Indoneſien genannt, ſchließt
ſich geographiſch und ethnographiſch an die Südſee an.
Die=
ſelben Kulturwellen haben Indoneſien und die Südſee
über=
flutet, und dort wie hier ſind die älteren Komplexe von
den jüngeren in die entlegeneren Gebiete zurückgedrängt
worden. So treten die älteſten Schichten der Südſee,
wie ſie beſonders rein in Auſtralien erhalten ſind, nur
im äußerſten Südoſten des malayiſchen Archipels in
ver=
hältnismäßiger Stärke auf, während ſchon die nächſt
jüngeren Kulturen, die in der Südſee hauptſächlich
Mela=
neſien beherrſchen, auch in Indoneſien weit verbreitet
ſind; am deutlichſten wird endlich der Zuſammenhang
des Archipels mit der polyneſiſchen Kultur durch die
malayo=polyneſiſche Sprachgemeinſchaft dargetan. Im
Gegenſatze zur Südſee hat aber Indoneſien außerdem
eine Reihe jüngerer Kultureinflüſſe vom aſiatiſchen
Feſt=
lande her erfahren. Deren wichtigſter iſt das Einſtrömen
der hinduiſchen Kultur Vorderindiens, im erſten
Jahr=
tauſend unſerer Zeitrechnung durch Vermittelung der
alten Hindureiche auf Java und Sumatra, von deren
Blüte die prächtigen Tempelruinen, wie ſie beſonders in
Java erhalten ſind, beredt zeugen. Ein Ausläufer der
hinduiſchen Kultur hat ſich bis zum heutigen Tage auf
der kleineren, öſtlich von Java liegenden Inſel Bali
er=
halten, während ſie auf der großen weſtlichen Inſel durch
den ebenfalls von Vorderindien vordringenden Islam
großenteils vernichtet worden iſt.
Gleich beim Eintritt in den großen Oberlichtſaal
fällt der Blick auf den Gipsabguß eines prächtigen
archi=
tektoniſch reichen und dem Bauſtil ſeines Fundortes
entſprechend oft gegliederten Tempeltores von der
Inſel Bali. Von anderen Toren, die ihrer Größe wegen
nicht aufgeſtellt werden konnte, ſind Photographien
aus=
geſtellt. Ringsum birgt der Saal dann in reicher Fülle
Originale und Gips= oder Zementabgüſſe von Buddba=
Nummer 173.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Juli 1912.
Seite 5.
Huchautomat wird, wenn es ſich ermöglichen läßt, in der
Halle des Hauptbahnhofes Aufſtellung finden.
Die beiden jetzt hier ſtattfindenden Ausſtellungen
wvird der Verkehrs=Verein, ſoweit es in ſeinen Kräften
ſſteht, unterſtützen. Bei dem im September hier tagenden
AAerzte=Kongreß wird der Verein, wie in früheren
Jah=
gen, das Wohnungsbureau übernehmen und dem
Kon=
ggreß auch in ſonſtiger (Beziehung tatkräftig zur Seite
ſtehen. — Die einer hieſigen Firma gehörigen Sandkaſten,
rwelche in verſchiedenen Straßen aufgeſtellt ſind, gaben
wiederholt zu lebhaften Klagen Anlaß, da dieſelben ein
Hauptſpiel= und Tummelplatz für die Kinder ſind und
Dann auch in keiner Beziehung zur Verſchönerung des
SStraßenbildes beitragen. Man war der Anſicht, daß dieſe
Mäſten auch in Toreinfahrten aufgeſtellt werden könnten
rund dies viele Hausbeſitzer gegen geringes Entgelt wohl
ggeſtatten würden. Der Verein iſt beſtrebt, dieſen
Miß=
ſtſtand zu beſeitigen. — Sehr bedauert wurde, daß zum
Südbahnhof noch keine richtige Zugangsſtraße führt;
rman hofft jedoch, daß dieſer unhaltbare Zuſtand bald
be=
ßſeitigt wird.
Eine lebhafte Debatte entſpann ſich bei der
Be=
ſprechung der Anregung eines Mitgliedes, gegen das
Verbot der Abhaltung von Luſtbarkeiten in der
Char=
woche und an den erſten Feiertagen Schritte zu tun.
Allgemein war man der Anſicht, daß dieſes Verbot dem
heutigen Zeitgeiſt nicht mehr entſpreche und dem Frem
denverkehr in unſerer Stadt direkt hinderlich ſei. Man
wird die im Intereſſe eines regen Fremdenverkehrs, den
unſere Stadt dringend notwendig hat, recht wichtige
An=
gelegenheit im Auge behalten und geeignete Schritte
ein=
leiten, um der heutigen Zeit entſprechende Beſtimmungen
zu erhalten.
Das ſchnelle Anwachſen der Zahl der „Kinos” gab
Anlaß zu einer eingehenden Beſprechung dieſer
Ange=
legenheit und war man der Anſicht, daß die nunmehr
vorhandene Anzahl dieſer Lichtſpieltheater mehr wie
ausreichend ſei. Ein Bedürfnis zur Erteilung von
Kon=
zeſſion für weitere Kinos könne als nicht vorliegend
er=
achtet werden. Wegen Verbeſſerung der
Verkehrsverhält=
niſſe fand vor einigen Tagen eine Beſprechung der
Eiſen=
bahndirektion Mainz mit den Vertretern der Großh.
Han=
delskammer und des Verkehrsvereins ſtatt und ſteht zu
hoffen, daß die Eiſenbahndirektion in entgegenkommender
Weiſe den größten Teil unſerer berechtigten Wünſche,
ſo=
weit es irgend möglich iſt, berückſichtigen wird
Mit der Heſſiſchen Eiſenbahn=Aktiengeſellſchaft hat
der Verein wegen Herſtellung eines beſſeren Anſchluſſes
zu den Frühzügen Verhandlungen gepflogen und iſt auch
hier nach den gegebenen Zuſagen zu hoffen, daß den
Wünſchen ſtattgegeben wird Wegen der vielen Klagen
über den Mangel des Anſchluſſes der roten und grünen
Linie an die weiße Linie wird man weitere
Verhand=
lungen einleiten. Gewünſcht wurde auch, daß an einem
der Lichtmaſte vor dem Hauptbahnhof ein Fahrplan der
elektriſchen Straßenbahn angebracht würde.
Mit Bedauern wurde feſtgeſtellt, daß auf der großen
Wandkarte im Warteſaal 3. Klaſſe des Hauptbahnhofes
der Ort „Groß=Umſtadt” fehlt und wird der Verein für
Ausfüllung dieſer Lücke bemüht bleiben. Bei
Beſpre=
chung über den Hauptbahnhof wurde beanſtandet, daß
das Schild in der Bahnhofshalle mit der Aufſchrift „Nach
den Droſchken” zu klein und unauffällig ſei. Man wird
anregen, das Schild möge vergrößert und durch den
Zu=
ſatz „und Hotelwagen” erweitert werden. Auch eine
ſichtbare Aufſchrift über dem öſtlichen Tor des
Hauptbahn=
hofes „Ausgang zur elektriſchen Straßenbahn” würde
den Verkehr in zweckmäßiger Weiſe regeln. Bei der
Hand=
ngepäckſtelle wird eine Trennung von Annahme und
Ais=
gabe mit entſprechender Aufſchrift ſehr vermißt.
Ange=
regt wurde noch, daß es ſehr zweckmäßig ſei, eine direkte
Telephonverbindung mit Karlsbad zu bekommen und
wurde dann die äußerſt anregend verlaufene Sitzung erſt
nach 12 Uhr mit dem Wunſche, bald wieder zuſammen
zu kommen, geſchloſſen.
Sport.
* Darmſtädter Rad= und Motor=Rennen. Die Zahl
dder bei den großen Rad= und Motor=Rennen des
Velo=
gripedklubs Darmſtadt auf der Radrennbahn am Sonntag,
iden 28. Juli, in Konkurrenz tretenden Fahrer iſt durch
figuren in reichſter künſtleriſcher Ausführung, an
Altä=
ren und Altarfiguren uſw. Unter Glaskäſten ſieht man
twunderbare Erzeugniſſe der Stoff= und Seidenwebereien,
u. a. auch die hochintereſſante Darſtellung der
Batiktech=
nik. Es iſt das ein Verfahren der Stoffmuſterung, bei
dem die nicht zu färbenden Stellen des Stoffes vor dem
Färbeprozeß beiderſeits mit Wachs getränkt werden.
Nach dem Färben wird das Wachs dann durch Auskochen
uſw. entfernt. Das Verfahren iſt ſehr kompliziert, weil
das Auftragen und Beſeitigen des Wachſes bei
mehr=
farbigen Stücken vor und nach jedem Farbbade
wieder=
holt werden muß, aber es erzielt bei ſorgfältiger Arbeit
außerordentlich hübſche Wirkungen. An einem Muſter
kann man den Werdegang der Batiktechnik in allen
ein=
zelnen Phaſen verfolgen. In vielen anderen Stoffen —
Kleidungsſtücken, Schals und Prunkgewändern kann
man den hochentwickelten feinſt ausgeprägten Farbenſinn
der Herſteller bewundern. Ein anderes, ebenſo gute
Er=
folge zeitigendes Muſterungsverfahren iſt das „Ikatten”,
bei dem die nicht zu färbenden Stellen der Kette oder
des Schußfadens durch Umwickelung gegen die Farbe
geſchützt werden.
Sehr zahlreich und zum Teil wunderhübſch ſind die
Erzeugniſſe der Korb= oder Baſtflechterei, meiſt kleine
Behälter für den Betelgenuß. Dieſem dienen auch kleine
metallene, meiſt meſſingene Behälter mit entzückenden
Ziſelierungen. Wenn wir außerdem Gold= Silber=
und Bildſchmuck, Perlenſtickereien, Waffen,
Muſikinſtru=
mente uſw uſw. nennen, ſo iſt auch damit der Umfang
der Sammlung noch nicht erſchöpft.
Ethnographiſch beſonders intereſſant ſind 5
lebens=
wgroße, ſehr gut ausgeführte und original bekleidete
Figuren von Eingeborenen, einem körperlich
wohlge=
formten, verhältnismäßig ſchönem Menſchenſchlag. Alle
Figuren ſind naturgetreu über dem lebenden Körper
ab=
geformt. Ein Träger, eine Weberin, eine Mutter mit
Kind und eine Garbenträgerin ſind von Bali, der in
Kampfſtellung mit dem Originalſchmuck dargeſtellte
Vor=
fechter gegenüber ſtammt von der Inſel Timor; ſeine
dunklere Farbe weiſt ſchon auf die Verwandtſchaft mit
den Papuas hin, denen die Timorleute an grauſamen
Sitten nicht viel nachgeben. Dieſe Figuren, ſowie die
Tempeltore, können, da die Hohlformen wohl erhalten
ſind, in noch weiteren Exemplaren (auch aus Zement)
hergeſtellt werden. Die am Webſtuhl ſitzende Frau von
Bali zeigt ſehr inſtruktiv die Technik des „Ikattens”
Viele der Gegenſtände ſind käuflich im Original als auch.
in Form von Abgüſſen
einige Nachmeldungen auf 51 geſtiegen, ſodaß die einzelnen
Rennen außerordentlich ſtark beſetzt ſind. So ſind z. B.
für das Vorgabefahren nicht weniger als 38 Fahrer
ein=
geſchrieben, darunter recht klangvolle Namen, wie
Welt=
meiſter Rode, ferner Hans Weiß=Frankfurt a. M. und viele
andere. Beſondere Beachtung verdienen diesmal unſere
einheimiſchen Fahrer Zimmermann, der Sieger von Rund
um Frankfurt a. M. und Rund um Darmſtadt, Damus,
Walkenhorſt u. a. Für die zwei Motor=Rennen, davon
das eine mit Vorgabe, haben Fahrer wie Glöckler=
Frank=
furt, Hobeck=Fulda, Michel=Frankfurt, Köllner=Frankfurt,
Häffner=Freiburg u. a. gemeldet, denen ſämtlich ein ſo
guter Ruf als Motor=Rennfahrer vorausgeht, daß die
Er=
wartung auf ſpannende Kämpfe ohne weiteres
gerecht=
fertigt iſt. Intereſſantes bietet auch das Dauerrennen mit
Motorführung, das 10 Fahrer in zwei Vorläufen und
einem Endlauf beſtreiten. Alles in allem verſpricht alſo
der nächſte Sonntag auserleſene ſportliche Genüſſe, die ſich
das hieſige Sportpublikum ſicher nicht entgehen laſſen wird,
umſomehr, als die Ausloſung eines Wotanrades der
Firma Aug. Engel hier noch beſonderen Reiz bietet.
Luftfahrt.
Zwei deutſche Offizierflieger in
Frank=
reich gelandet.
* Straßburg i. Elſ., 24. Juli. Nach
zuver=
läſſigen Meldungen iſt Leutnant Preſtell mit Leutnant
Roth als Beobachter von der hieſigen Fliegerſtation, der
heute morgen in Dieuze mit dem Flugziel Metz
aufge=
ſtiegen war und im Nebel die Orientierung verloren hatte,
bei Nomény an der Seille ſüdöſtlich von Pont=à=
Mouſſon in Frankreich in Notlandung
niedergegangen.
Eine andere Meldung aus Nancy, 24. Juli, beſagt:
Ein deutſcher Eindecker mit einem Leutnant des 138.
Infanterie=Regiments als Führer und einem zweiten
Offizier als Gaſt, iſt bei Nomény (Departement
Meurthe=et=Moſelle) gelandet. Die Flieger waren auf
dem Fluge von Straßburg nach Metz begriffen und
mußten, durch den herrſchenden Nebel irregeführt,
nieder=
gehen. Der Apparat iſt unbeſchädigt, die Offiziere ſind
unverletzt. Sie übernachteten in Nomény, wo ſie
freund=
liche Aufnahme fanden. Sie wollten ſich heute vormittag
nach Metz begeben.
* Metz 24. Juli. Das Luftſchiff „Z. 3‟ das
heute früh 5 Uhr 15 Min. in Baden=Oos aufgeſtiegen war,
traf gegen 7 Uhr 10 Min. heute morgen von Süden her in
ſchneller Fahrt über Metz ein. Es beſchrieb in geringer
Höhe einen Kreis über der Stadt und wandte ſich dann der
Halle zu, wo es um 7 Uhr 30 Min. glatt landete. — In
Baden=Oos ſind geſtern abend zwei Flieger der
Straß=
burger Fliegerabteilung auf dem Luftwege eingetroffen
und heute früh 6 Uhr wieder aufgeſtiegen mit der Abſicht,
nach Metz zu fliegen.
* Gotha, 24. Juli. Das Luftſchiff „Schütte=Lanz”,
das heute früh in Mannheim aufgeſtiegen war, iſt kurz vor
9 Uhr vor der Luftſchiffhalle in Gotha glatt gelandet.
— Ein franzöſiſcher Offizierflieger
über die Zieppelin=Luftſchiffe. Ein
franzöſi=
ſcher Offizierpilot äußert ſich in einem längeren Aufſatz
einer franzöſiſchen Fachzeitſchrift ausführlich über die
Aus=
ſichten der heutigen Luftfahrzeuge für die Zwecke der
Ma=
rine. Der Offizier kommt zu dem bedeutſamen Reſultat,
daß zurzeit von allen internationalen Luftfahrzeugen nur
das Zeppelinſche Luftſchiff einen Kriegswert für
Flotten=
zwecke beanſpruchen kann. Seine Leiſtungsfähigkeit mache
das Zeppelinſche Luftſchiff zu dem einzig brauchbaren
See=Erkundungsmittel der Luft, das hätten die großen
Seefahrten der „Viktoria Luiſe” ſchlagend bewieſen. Es
wäre ein leichtes, mit einem „Zeppelin” die 720 Kilometer
lange Verteidigungslinie Toulon-Bizerta zu
durchkreu=
zen. Ein Zeppelin=Luftſchiff, mit 2000 Kilogramm
Explo=
ſivſtoffen an Bord und mit Maſchinengewehren armiert,
würde in der Seeverteidigung eine tatſächlich unſchätzbare
Rolle ſpielen. Die Zeppelinſchen Luftſchiffe brauchten
keines der heutigen Flugzeuge, welches auch immer, zu
fürchten, denn es ſei feſtgeſtellt, daß ſie viel ſchneller als
Flugzeuge die Höhe gewinnen können. Es ſei danach
aus=
geſchloſſen, daß die Flugzeuge ſich ſchnell über das
Luft=
ſchiff begeben könnten, und dadurch ſei den Flugzeugen
jede Möglichkeit abgeſchnitten, Luftſchiffe erfolgreich zu
beſchießen. Die Zeppelin=Luftſchiffe hätten aber noch ein
anderes unübertreffliches Verteidigungsmittel, denn der
durch die großen und zahlreichen Propeller erzeugte
Wir=
belwind mache für die Flugzeuge, die etwa ein Luftſchiff
überholen oder überſteigen wollen, eine Zone von der
Länge eines Kilometers und von 200 bis 300 Meter Höhe
für Flugzeuge unpaſſierbar. Luftſchiffe könnten außerdem
leicht, wie die Zeppelinſchen auf dem Bodenſee bewieſen
hätten, in jedem Hafen und ſelbſt auf hoher See verankert
werden. Der Verfaſſer vergleicht mit dieſen Erfolgen die
bisherigen Ergebniſſe mit Waſſerflugzeugen. Dieſe haben
ſich bisher nur bei ruhiger See bewährt; bei bewegter See
ſeien alle Verſuche ſowohl die von Curtiß in Amerika,
vie die Flüge beim Wettbewerb in Monaco, mißglückt.
Es gehöre gar nicht einmal hoher Seegang dazu, um die
Flugzeuge zu zerſchellen und die Flieger ins Lebensgefahr
zu bringen. Es ſei ferner ganz unmöglich, bei hoher See
von ſtampfenden oder ſchlingernden Schiffen aus mit den
heutigen Flugzeugen zu ſtarten oder auf ſie niederzugehen.
Es wäre auch bezeichnend, daß bisher weder auf dem
Aermelkanal noch auf dem Ozean Waſſerflugzeuge erprobt
worden ſeien. Da ferner aus den Ergebniſſen der großen
Rundflüge hervorgeht, daß nur wenige Flieger mehr als
200 Kilometer, eine Strecke, die im Seekriege wenig
be=
deutet, zurückzulegen vermögen, ſo gibt es für die hohe
See noch kein Flugzeug. Erſt der Schwingenflieger, der
vielleicht einmal erfunden werden wird und der von der
Art der Abflugſtelle und des Landungsplatzes unabhängig
ſei, würde hier eine Aenderung bringen.
Vom Wetter.
* Berlin, 23. Juli. Zur Wetterlage wird vom
Berliner Wetterbureau geſchrieben: Nach
vorübergehen=
der Abkühlung hat die Hitze bereits geſtern bei uns aufs
neue eingeſetzt, wenn ſie auch bis jetzt lange nicht ſo
emp=
findlich wie in der vorigen Woche geworden iſt. Hier in
Berlin kamen wir am Donnerstag und Freitag
nach=
mittag bis nahezu auf 30 Grad Celſius, und ſelbſt
wäh=
rend der Nächte gingen die Temperaturen nur bis auf 19
oder 20 Grad Celſius herab. In den letzten drei Nächten
aber ſank das Thermometer bis auf ungefähr 15 Grad,
während es im Laufe des Sonntags wieder auf 26 Grad
Celſius emporſtieg. Die bei uns mehrfach auftretenden
Gewitter kamen nicht zum Ausbruch, wie es nach längerem
Regenmangel, wenn der Erdboden und die Luft bis in
gewiſſe Höhen ſtark ausgetrocknet ſind, nicht gar ſelten zu
geſchehen pflegt. Dagegen ſind an anderen Stellen
Nord=
deutſchlands, beſonders in Hannover und im
gan=
zen Waſſergebiete, aber auch an einzelnen öſtlicheren Orten
außerordentlich große Regenmengen, zum Teil von 50
Millimeter Höhe und mehr, herniedergegangen, ebenſo in
ganz Süddeutſchland. Ein Teil des
Depreſſions=
gebietes hat ſich nämlich nach Süden zurückgezogen,
wäh=
rend vom europäiſchen Nordmeere her ein neues
baro=
metriſches Maximum langſam gegen Norddeutſchland
vor=
rückt. Hier haben infolgedeſſen die feuchten Weſtwinde
neuerdings einer trockenen Nordweſtſtrömung Platz
ge=
macht, unter derem Einfluſſe bei uns auch in nächſter Zeit
im allgemeinen warme Tage und dabei ziemlich friſche
Nächte zu erwarten ſind. Da jedoch auch in
Norddeutſch=
land noch mehrere kleine Teilminima zurückgeblieben ſind,
ſo iſt es nicht wahrſcheinlich, daß das Wetter ebenſo
be=
ſtändig wie in der vorigen Woche bleiben wird.
* München, 23. Juli. Ununterbrochen laufen
Mel=
dungen über Schneefälle aus dem Gebirge ein.
Wäh=
rend es in den Tälern des Algäu ununterbrochen regnet,
fällt auf den Höhen Schnee, der bis zu 1600 Meter
hinun=
terreicht. Die Temperaturen ſind ſtark
gefal=
len. Die Berge bei Immenſtadt liegen bis zu 1400 Meter
in tiefem Schnee. In Tirol hat es am Freitag und
Sams=
tag derart geſchneit, daß die Hochtouren eingeſtellt werden
mußten. Die Gegend um die Berliner Hütte im
Ziller=
tal ſteht in einer herrlichen Winterlandſchaft. Die
Tou=
riſten in der Berliner Hütte können die Hütte vorläufig
nicht verlaſſen.
Handel und Verkehr.
— Förderung des bargeldloſen
Zahl=
ungsverkehres durch die
Eiſenbahnver=
waltung. Wiederholt iſt in der Preſſe darauf
hin=
gewieſen worden, daß auch die Behörden die zur
För=
derung des bargeldloſen Zahlungsverkehrs erforderlichen
Einrichtungen getroffen haben. So beſteht bereits ſeit
Jahren bei der Eiſenbahnverwaltung die
Mög=
lichkeit, Zahlungen durch Reichsbankgiro= oder
Poſtſcheckkonto zu empfangen oder zu leiſten. Die
geringe Benutzung dieſer Einrichtung mag hauptſächlich
auf der Unkenntnis der Geſchäftswelt beruhen, daß alle
Eiſenbahn=Hauptkaſſen, die Stationskaſſen und
einzelne Güterabfertigungen an den Orten, in denen ſich
Reichsbank= pp. Stellen befinden,
Reichsbankgiro=
konto, ſämtliche Eiſenbahn=Hauptkaſſen, auch
ein=
zelne Stationskaſſen, außerdem aber
Poſtſcheck=
konto haben.
Die Ueberweiſung von Beträgen durch
Reichsbank=
giro= oder vermittels Zahlkarten auf Poſtſcheckkonto
be=
deutet eine große Erleichterung für die Geſchäftswelt,
die dadurch dem Zwang enthoben wird die Zahlungen
aus den öffentlichen Kaſſen nach den geſetzlichen
Beſtim=
mungen in den Kaſſenzimmern in Empfang zu nehmen.
Jede Weitläufigkeit — perſönliches Erſcheinen,
Bevoll=
mächtigung von Perſonen, Entſendung von Boten —
und auch alle Verluſte werden dadurch vermieden.
Gleich=
zeitig tritt auch eine erhebliche Beſchleunigung in der
Uebermittelung der Guthaben ein, da in der Regel bei
Reichsbankgiroüberweiſung das Geld gleichzeitig mit
der portofreien Ueberſendung der Rechnung zur
Quittungsleiſtung überwieſen wird, bei Ueberweiſung
des Geldes durch Zahlkarten auf Poſtſcheckkonto bei
Be=
trägen bis zu 10000 Mark aber eine Quittung überhaupt
nicht verlangt wird. Nur in Ausnahmefällen, wenn
Empfangsberechtigte die quittierten Rechnungen nicht
pünktlich der Eiſenbahnkaſſe zurückſenden, wird die
vor=
herige Quittungsleiſtung bei Giroüberweiſungen
ge=
fordert.
Zur Förderung des „bargeldloſen”
Zahl=
ungsverkehrs iſt es daher dringend wünſchenswert,
daß die mit der Eiſenbahnverwaltung in Beziehung
ſtehenden Geſchäfte ſich ein Reichsbank= oder
Poſtſcheck=
konto eröffnen und ſich Zahlungen darauf oder auf ihre,
dem Reichsbankgiroverkehr angeſchloſſene Privatbank,
Sparkaſſe oder ſonſtige Kreditanſtalt überweiſen laſſen.
Die Geſchäftsbriefe, beſonders aber die überſandten
Rechnungen, müſſen zur Vermeidung jeder Weiterung
den deutlichen Vermerk tragen, daß der
Rechnungsauf=
ſteller Reichsbankgiro= oder Poſtſcheckkonto hat oder ſein
Geld auf das Reichsbankgirokonto der zu bezeichnenden
Privatbank uſw. überwieſen haben möchte. Die ſeit
eini=
ger Zeit neu eingeführten Rechnungsformulare der
Eiſen=
bahnverwaltung über Leiſtungen und Lieferungen
ent=
halten im Kopf des Formulars einen entſprechenden
Vor=
druck, der auszufüllen oder entſprechend abzuändern iſt.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— Pfungſtadt, 24. Juli. Der Zugang zu dem
Büchnerſchen Anweſen fand ſeither bekanntlich durch
einen Feldweg ſtatt. Nach jahrelangen Verhandlungen
mit der Gemeinde kam nun im vorigen Jahre mit den
verſchiedenen Anliegern endlich ein Vertrag zuſtande,
wonach nun eine neue Ortsſtraße mit Brücke den
Ver=
kehr vermitteln wird Herr Dr. E. Büchner brachte
da=
zu wohl die größten Opfer, teils an Geländeſtellung, teils
indem er zum Brückenbau den größten Teil der Koſten,
1000 Mk., übernahm. Dies geſchah mit aus dem Grunde,
damit das über dem Bache liegende große
Fabrikan=
weſen eing von dem Privatanweſen getrennte
Zu=
fahrtsſtrat erhält. Aber auch die Feldbeſitzer
können dieſen neuen Weg nur mit Freuden
begrüßen! In Anbetracht der wohl überaus großen
Verdienſte des verſtorbenen Herrn — Wilhelm Büchner
— ſowohl als Bürger der Gemeinde, wie als
Arbeit=
geber ſeinen Arbeitern gegenüber, richtete Herr Dr. E.
Büchner nun an die Gemeinde die Bitte, einen von
ihm beſorgten Erinnerungsſtein mit dem Namen
Wilhelm=Brücke in einen der Pfoſten einmauern zu
laſ=
ſen, ein gewiß nicht unbilliges Verlangen, zumal für die
Gemeinde völlig koſtenlos. Die letzte
Gemeinderats=
ſitzung lehnte dies Verlangen nun einſtimmig ab! So
ehrt eine Gemeinde heutigen Tags ihren früheren
Bürger und Förderer einer Induſtrie, die der Gemeinde
über 60 Jahre nur die größten Vorteile brachte! Dieſe
Ablehnung ſei hiermit der öffentlichen Meinung und dem
Urteil der früheren Anhänger und Verehrer des „alten
Dr. E. W. B.
Herm” unterworfen.
Vermiſchtes.
— 8. Deutſches Sängerbundes=Feſt
Nürn=
berg. Von der gewaltigen Ausdehnung des am
Sonn=
tag, den 28. Juli, ſtattfindenden Feſtzuges kann man ſich
bei Durchſicht des ſoeben erſchienenen offiziellen
Feſtzugs=
programms (Verlag Haaſenſtein und Vogler A.=G.
Nürn=
berg) einen ungefähren Begriff machen. Diejenigen Leſer
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Juli 1912.
Nummer 173.
unſeres Blattes, die den Feſtzug anſehen wollen, tun gut
ſich gleich beim Verlaſſen des Nürnberger
Zentralbahn=
hofes ein Programm zu ſichern. Auf Wunſch wird das
Programm auch gegen Einſendung’von 15 Pfg. in Marken
poſtwendend überſandt. An der Ausſchmückung der Stadt
wird bereits ſeit Samstag mit Hochdruck gearbeitet.
Monarchenbegegnung in den finniſchen
Schären.
* Standartreede, 23. Juli. Um 11½ Uhr
mit=
tags zeigte ſich am Horizont das ſchwediſche
Ge=
ſchwader mit dem Panzerſchiff „Oskar II.” unter der
Königsſtandarte an der Spitze. Eine Viertelſtunde ſpäter
ging der „Oskar II.” neben der Kaiſerjacht „Standart”
vor Anker. Der Kaiſer, in ſchwediſcher
Admiralsuni=
form mit dem Bande des Seraphinenordens, begab ſich mit
ſeinen Töchtern Olga und Tatjana mit einem Dampfkutter
unter der Kaiſerſtandarte an Bord des ſchwediſchen
Panzers, wo ſie an Deck vom Königspaar begrüßt
wurden. Kurz nach zwölf Uhr kehrte der Kaiſer mit ſeinen
Töchtern auf die „Standart” zurück. Bald erwiderte das
Königspaar den Beſuch auf der „Standart”, wo ſie am
Fallreep vom Kaiſer, auf Deck von der Kaiſerin, dem
Thronfolger und den Prinzeſſinnen bewillkommnet
wur=
den. Im Anſchluß hieran fand Familienfrühſtück
ſtatt. Gegen drei Uhr verließ das Königspaar unter den
Klängen der ſchwediſchen Königshymne und dem Salut
der ruſſiſchen Kriegsſchiffe die kaiſerliche Jacht und kehrte
auf den „Oskar II.” zurück. Um vier Uhr begaben ſich der
Kaiſer, die Kaiſerin, die Großfürſtinnen Olga, Tatjana,
Maria und Anaſtaſia in einer Barkaſſe zum ſchwediſchen
Königsſchiff, wo die Fürſtlichkeiten bis nach ſechs Uhr
abends verblieben. Um 8 Uhr abends fand auf der Jacht
„Standart” Paradetafel ſtatt. Rechts vom Kaiſer
ſaß die Königin von Schweden, rechts von der Kaiſerin
der König von Schweden. Es nahmen ferner teil die
kaiſerlichen Töchter, die Miniſter und die beiderſeitigen
Gefolge.
* Petersburg 23. Juli. Die Nowoje Wremja
bezeichnet die Herlſeiführung der Zuſammenkunft
des Zaren mit, dem ſchwediſchen
Königs=
paare als einen großen Erfolg der ruſſiſchen
Diplomatie, welche Schweden von dem Einfloſſe
Deutſchlands befreien ſolle. Auch die übrigen Blätter
ve=
grüßen die Monarchenzuſammenkunft und geben der
Hoff=
nung Ausdruck, daß nunmehr alle Schwierigkeiten zwiſchen
den beiden Ländern beſeitigt würden.
Brandunglück.
* London, 23. Juli. Bei dem Brand einer
Celluloidfabrik ſind 6 Mädchen ums Leben
gekommen. 6 ſchwer verletzte Mädchen wurden ins
Krankenhaus gebracht. Das Feuer griff mit raſender
Ge=
ſchwindigkeit um ſich, und als die Feuerwehr auf dem
Platze erſchien, war das Treppenhaus ſchon ſo verqualmt,
daß die Wehr trotz der Rauchhelme nicht durchdringen
konnte. Einige Mädchen wagten den Sprung aus dem
6. Stockwerk, um zwar den Flammen zu entgehen, aber
mit zerſchmetterten Gliedmaßen blieben ſie auf dem Pflaſter
liegen. Mit großem Heldenmut verſuchte die Feuerwehr
immer wieder in das Haus einzudringen, doch als man
einſah, daß dies Vorhaben unmöglich ſei, ſtieg man auf
die Dächer der Nachbarhäuſer, von wo es auch gelang, noch
viele Arbeiterinnen zu retten.
* London 24. Juli. Zwei Mädchen ſind im
Hoſpital den Verletzungen, die ſie bei dem geſtrigen Brande
in der City davongetragen hatten, erlegen.
H. B. London, 24. Juli. Nach dem offiziellen
Bericht über das Brandunglück in der City
wur=
den ſechs Mädchenleichen gefunden. Vier weitere
ſtarben auf dem Transport nach dem Krankenhaus.
Der Brand wurde durch Zelluloid verurſacht, das mit
offenem Licht in Berührung kam. Das abgebrannte
Gebäude war ſechs Stock hoch und 15 bis 20 Mädchen
waren darin beſchäftigt. Fünf Mädchen ſprangen vom
Dach auf den Hof und wurden zum größten Teil tödlich
verletzt.
Die Lage in der Türkei.
* Konſtantinopel, 24. Juli. Die Regierung
ſtellte allen albaniſchen Behörden bereits den
Befehl zu, ſofort die kriegeriſchen Unternehmungen
ein=
zuſtellen. Alle Chefs der Polizeiſtationen werden durch
Offiziere erſetzt und der Offiziersrat mit der
Ueberwach=
ung der Ordnung betraut. Ein, Oberſtleutnant wurde
zum Generaldirektor der Polizei und zum
Gendarmerie=
kommandanten ernannt. Der Platzkommandant von
Konſtantinopel wurde durch einen anderen erſetzt. Ein
Rundſchreiben des Großweſirs teilt den
Provinzbehör=
den die Ernennung des Kabinetts mit und betont die
Notwendigkeit, die Einigkeit der Raſſen zu befeſtigen,
der Bevölkerung den Genuß von Gleichheit und
Gerech=
kigkeit zu gewährleiſten und die Privilegien der
Aus=
länder gemäß den Kapitulationen zu ſichern.
* Konſtantinopel, 24. Juli. Der
National=
tag iſt ohne Störung verlaufen. Das
jungtürki=
iſche Komitee ſandte an ſeine Klubs ein
Rundſchrei=
ben, in welchem erklärt wird, die Partei werde dem neuen
Kabinett das Vertrauen ausſprechen, wenn das
Pro=
gramm des Kabinetts den Grundſätzen der Partei,
be=
ſſonders der Frage der Zentraliſation, entſpricht. Es
ver=
lautet, der geſtrige Miniſterrat habe über die Auflöſung
der Kammer beraten.
* Konſtantinopel 23. Juli, früh. Der
Mi=
miſterrat, der bis 1 Uhr morgens dauerte, hat
be=
ſſchloſſen, die militäriſchen Operationen in Albanien ſofort
einzuſtellen und eine Kommiſſion unter der Führung des
Albaneſen Reſchid Akif Paſcha nach Albanien zu
ent=
ſenden. Außerdem iſt die Aufhebung des
Be=
lagerungszuſtandes über Konſtantinopel und
ein Amneſtieerlaß beſchloſſen worden.
* Konſtantinopel, 24. Juli. Ein Manifeſt
welches an die Offiziere der Militärliga
er=
flaſſen worden iſt, hebt die Schäden des alten Regimes
her=
vor, welche die Revolution von 1908 veranlaßt haben,
ver=
herrlicht die konſtitutionelle Verfaſſung und unterſucht die
Urſachen der gegenwärtigen Kriſis und fährt dann fort:
Wir ſtützen uns auf den Patriotismus aller ottomaniſchen
Offiziere und richten an ſie folgendes Programm um
die oben erwähnten Mißſtände zu beſeitigen: Erſtens: der
geſamten Armee wird unterſagt, ſich mit Politik zu
be=
faſſen; zweitens: die Organiſation beruht auf der
Organi=
ſation der Armee; drittens: die militäriſchen Geſetze und
Verfügungen ſind in Kraft; viertens: wer nicht zur Armee
gehört, wird nicht zugelaſſen; fünftens: die Zentralſtelle
ſoll dafür ſorgen, daß in allen Maßnahmen Einheitlichkeit
herrſcht. Sie ſoll ferner prüfen, was zum Wohl des
Vaterlandes notwendig ißt und dies verwirklichen:
ſechſtens: die gemeinſam zu entfaltende Tätigkeit wird
durch die Zentralſtelle beſtimmt; ſiebentens: Mitglieder der
Landarmee und der Marine ſollen allen ihren Kameraden,
die davon noch keine Kenntnis haben, folgende Punkte
mit=
teilen: a) Unter Wahrung des Ranges und der
dienſt=
lichen Funktionen hat jeder einen Offizier, der ſich mit
Politik befaßt, aus der Nähe zu beobachten, um deſſen
Unternehmen entgegenarbeiten zu können: b) Nachdem
man auf dieſe Weiſe in jedem Armeekorps diejenigen
aus=
findig gemacht hat, die ſich mit Politik befaſſen, wird man
ſie dahin zu bringen verſuchen, dieſen ungeſetzlichen Weg
zu verlaſſen. e) Diejenigen unter den Offizieren, die von
ihrer politiſchen Betätigung nicht ablaſſen, werden fauf
eine Liſte geſetzt werden, die einem Offizier höheren
Ran=
ges übergeben wird. d) Offiziere, die fortfahren werden,
den Namen der Armee dadurch zu beſchmutzen, daß ſie ſich
mit Politik abgeben, werden von einer Abordnung von
drei Offizieren aufgefordert werden, zur Ordnung
zurück=
zukehren.
Letzte Nachrichten.
— München, 24. Juli. Vier Berliner Touriſten
beſtiegen heute den Ortler ohne Führer. Beim Abſtieg
verirrten ſie ſich und wären verloren geweſen, wenn nicht
die Pächterin der Bayernhütte ihre Hilferufe gehört hätte.
Auf ihre Veranlaſſung kam ihnen ein Führer zu Hilfe,
der nach dreiſtündigen Bemühungen die Erſchöpften
rettete.
HB. Leipzig, 24. Juli. Der Spionage=Prozeß
Koſtewitſch wird ſicherem Vernehmen nach nicht vor
dem 1. Oktober zur Verhandlung gelangen.
Unmittel=
bar nach dieſem Prozeß wird ein Monſtre=Spionage=
Prozeß zur Verhandlung kommen, bei dem 85 Zeugen
vernommen werden ſollen. Dieſes Spionage=Verbrechen,
das in dem Spionage=Prozeß abgeurteilt wird, ſpielt in
Straßburg. Der Prozeß ſoll anderthalb Wochen in
Anſpruch nehmen.
HB. Danzig, 24. Juli. Der deſertierte Trainſoldat
Wargalla überfiel geſtern im Olivaer Walde den
Geldbriefträger Krebs und ſchlug ihn mit dem
Seitengewehr nieder, um ihn zu berauben. Als
Arbei=
ter hinzukamen, flüchtete Wargalla und konnte noch nicht
ergriffen werden.
* Wien, 24. Juli. Die „Neue Freie Preſſe” meldet
aus Kolomea (Galizien): Geſtern nachmittag iſt ein
Wolkenbruch niedergegangen, der eine
große Ueberſchwemmung verurſachte Der
ſüd=
liche Stadtteil iſt überſchwemmt, das Waſſer ſteht
meter=
hoch. Auch Menſchen ſollen umgekommen ſein.
H. B. Paris, 24. Juli. Der Matin meldet aus
Straßburg: Zwei elſäſſſiſche Studentſen, die
geſtern nachmittag in der Orangerie ſpazieren gingen,
wurden von einem Infanterie=Offizier unter dem
Ver=
dacht der Spionage verhaftet, weil ſie
pho=
tographiſche Aufnahmen des Feſtungsgrabens, der ſich
längs der Glacis hinzieht, gemacht haben ſollen.
Trotz=
dem ihre Schuld ſich nicht nachweiſen ließ, wurden ſie
erſt gegen 8,30 Uhr abends wieder frei gelaſſen. Es
wurde ihnen noch aufgegeben, ſich zur Verfügung der
Behörde zu halten. Der photographiſche Apparat wurde
beſchlagnahmt.
* Brüſſel, 24. Juli. Die Prinzeſſin, der in
einem Hotel in Oſtende Schmuckſachen geſtohlen
worden ſind, iſt die Prinzeſſin Margitt von Thurn
und Taxis. Der Wert der Schmuckſachen wird jetzt
offiziell mit 40000 Mark angegeben. Heute vormittag
wurden drei Verhaftungen vorgenommen. Man nimmt
an, daß der Diebſtahl durch Mitglieder einer
internatio=
nalen Diebesbande ausgeführt worden iſt, die ſeit
län=
gerer Zeit auch in anderen Hotels operiert.
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Familiennachrichten.
Todes=Anzeige.
Am Dienstag früh wurde unſere
innigſt=
geliebte Mutter, Großmutter u. Schwiegermutter
Frau Christine Finger
geb. Wiederſchein
uns durch den Tod entriſſen, was wir
tief=
betrübt Verwandten, Freunden und Bekannten
hierdurch mitteilen.
(*1935
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 24. Juli 1912.
Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittag
½4 Uhr, vom Portale des Friedhofs aus, ſtatt.
Todes=Anzeige.
Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen,
meine herzensgute Tante und meine ſtets
treu=
fürſorgende Couſine
(15920
Frr. Pranziska Preßer
in dieſer Nacht nach kurzem Leiden zu ſich in
die Ewigkeit abzurufen.
Die trauernden Hinterbliebenen
Namens derſelben
Gustav Braselmann.
Darmſtadt, den 24. Juli 1912.
Die Einſegnung findet Freitag nachmittag
5 Uhr ſtatt.
Die Einäſcherung erfolgt Samstag vormittag
in Mainz.
Dankſagung.
Allen, die durch herzliche Teilnahme unſerem
treuen, lieben und unvergeßlichen
(B15934
Richard Kriegbaum
die letzte Ehre erwieſen, beſonders Herrn
Pfarr=
aſſiſtent Herpel für ſeine troſtſpendenden Worte
am Grabe, ſeinen treuen Freunden und
Kame=
raden, ſeinen werten Handwerkskollegen von der
Firma Gebr. Müller und den Gehilfen des
Dach=
deckerverbandes, ſowie für die überaus zahlreichen
Blumenſpenden aus nah und fern, ſagen wir
herzinnigſten Dank.
Familie Emil Frank-Kriegbaum
„ Dachdeckermeister Müller.
Darmſtadt, 24. Juli 1912.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
an dem Heimgange unſerer unvergeßlichen Tochter
und Schweſter
(B15923
Margarete
ſagen wir Allen unſeren aufrichtigen Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Mélanie Bender.
Darmſtadt, 24. Juli 1912.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme,
welche uns an dem uns ſo ſchwer betroffenen
Verluſte meines unvergeßlichen Gatten, unſeres
treubeſorgten Vaters, Bruders, Schwagers, Onkels
und Schwiegervaters
(15921
Herrn Heinrich Dörr
Großherzoglicher Oberlandesgerichtsdiener
dargebracht wurden, ſprechen wir, insbeſondere
Herrn Pfarrer Dingeldey für die erhebenden Worte
am Grabe, ſeinen Herren Vorgeſetzten und den
Herren Beamten des Großh. Oberlandesgerichts,
dem Kriegerverein I Darmſtadt, dem Muſikkorps
des Großh. Trainbataillons, ſowie allen Denen,
welche dem teuren Entſchlafenen die letzte Ehre
erwieſen, unſeren innigen, tiefgefühlten Dank aus.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Frau Heinrich Dörr Witwe und Kinder.
Darmſtadt, am 24. Juli 1912.
Wetter.
Ausſichten für Donnerstag, den 25. Juli 1912;
Meiſt heiter, trocken, warm.
Tageskalender.
Eugen Bracht=Ausſtellung auf der Mathil=,
denhöhe (geöffnet von 10—6 Uhr).
Konzerte: Saalbau um 8 Uhr. — Bürgerkeller um
Uhr. — „Perkeo” um 8 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 26. Juli.
Hofreite=Verſteigerung des Georg Haller (
Ober=
gaſſe 6) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: J. V.: Adam Fleiſchmann,
ſämt=
lich in Darmſtadt. — Für den redaktionellen Teil
be=
ſtimmte Mitteilungen ſind an die „Redaktion des
Tag=
blatts” zu adreſſieren. Etwaige Honorarforderungen
ſind beizufügen; nachträgliche werden nicht berückſichtigt.
Unverlangte Mannſkripte werden nicht zurückgeſandt.
Nummer 173.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Iin 1912.
Seite 7.
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Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Inli 1912.
Nummer 173.
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[ ← ][ ][ → ]7 87.
Donnerstag, 25. Juli.
1912.
Der Kanartentlub und Kanarienzucht= und Vogelſchutzverein, beide zu
Darm=
ttadt, beabſichtigen mit einer von ihnen geplanten Ausſtellung am 23. Dezember 1912
ſeine Verloſung von Kanarienhähnen zu verbinden. Großh. Miniſterium des Innern
ſgat die nachgeſuchte Erlaubnis zur Veranſtaltung dieſer Verloſung unter der
Be=
wingung erteilt, daß höchſtens 6000 Loſe zu 0.35 Mk. das Stück ausgegeben werden
würfen und mindeſtens 60 Prozent des Bruttoerlöſes aus dem Verkaufe der Loſe
zum Ankauf von Gewinngegenſtänden zu verwenden ſind. Der Vertrieb der Loſe in
Der Provinz Starkenburg iſt geſtattet.
(15897
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß von Truppenteilen des
XXVIII. Armeekorps am 25., 26., 29., 30. Juli, 1., 2., 5., 6., 8., 9., 12., 13. Auguſt 1912
won 7 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends Schießen mit ſcharfer Munition auf dem
5Schießplatz bei Meſſel abgehalten wird.
Schußrichtung vom Steinhügel 1 km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad a: hließlich,
Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
Oſten: Alter Offenthaler Weg und deffen Verlängerung über
Milches=
wieſe-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegſchranken und Warnungstafeln abgeſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. (Polizeiver=
Kreisamt Darmſtadt 23. Septender 190, Kreioamt Ofenbach a. M. 20.
Sep=
tember 1909).
Darmſtadt, den 19. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
(13886a
Bekanntmachung.
Die nachſtehende Zuſammenſtellung bringen wir zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 12. Juli 1912.
(15644a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 25. bis 27. Juli 1912.
Dauer der
Die Abſperrung
Datum
Tag
Truppenteil
Abſperrung
erſtreckt ſich
von bis
25. Juli 1 Donnerstag
Ueber das ganze
26. Juli 1 Freitag
Feldartillerie
B=M
Abſperr=Gelände
27. Juli 1 Samstag
00 V. 120 M.
eice Rrcheihen e brſt, vetetene darmtant.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
ſinden ſich: 2 Pinſcher (zugelaufen). Die Hunde können von
den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(15914
Torfverſteigerung.
Montag, den 29. Juli 1912, vormittags 10 Uhr
anfangend, werden auf dem Rathauſe zu Pfungſtadt
ca. 400000 Stück Torf
meiſtbietend verſteigert.
Pfungſtadt, den 24. Juli 1912.
*945ds
Großh. Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
J. V.: Nungeſſer.
Stadt.-Handels-Hochschule Com.
Das Vorlesungs-Verzeichnis für das Winter-Semester 1912/13 ist
erschienen und durch das Sekretariat, Claudiusstrasse 1, zu beziehen.
Die Vorlesungen und Uebungen beginnen am 24. Oktober.
Der Studiendirektor:
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Professor Dr. Chr. Eckert.
Rell und Handelsraule Mltenders u. lan
mit Schülerheim.
Erteilt Einjährigenzeugnis. (15901D
Uebergangsklassen für Gymnasiasten.
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ardtſtr. 3, Hinterh., part. (*1948
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21
Zu Ende? — Was war das Ende für ſie? Sie
mußte wandern und kannte das Leben nicht. Sie mußte
in die Fremde und war niemals über Altenwerder
hin=
ausgekommen. Dort ſtrömte der Fluß und floß an dem
Ufer vorbei an Wieſen und Wäldern, an Dörfern und
Städten. Immer neue Waſſer kamen, ein Tropfen am
landeren, eine Vielle folgte der andern. Und es war
Su=
ſſanne, als ob etwas an ihr zöge und zerre, daß ſie mit
dahinflöſſe, losgelöſt von ihrer Heimatſcholle. Sie fühlte
den Boden unter ſich wanken, als ob ſie ſchon inmitten
eines Menſchengewühles ebenſo davongetragen und
ge=
ſchoben würde, rückſichtslos und ohne Erbarmen. Wie
hier die Atome, die ſich aneinanderrieben, ſich trennten
und fanden, eine Fülle von Einzelheiten und doch ein
großs Ganzes, ein und demſelben Zug folgend bis zur
gänzlichen Auflöſung in der Unendlichkeit.
Suſanne! Eine Hand faßte die ihre, ein ſtarker Arm
legte ſich um die Schwankende. Ich komme um Abſchied
zu nehmen. Ich bin noch ärmer als ich dachte. Ich muß
der Mutter wegen hier aushalten, ich habe dem Onkel
verſprochen, Hüter und Vormund zu werden.
Sie lag an ſeinem Herzen — es war zum letzten
Male. Und als ſie ſich voneinarder löſten, war aller
Sonnenglanz erloſchen, das Dunkel der kommenden Nacht
breitete ſeine ſchattenden Flügel aus. Langſam und
ſchweigend ſchritten ſie Hand in Hand den geraden Weg
zurſck, ſo eng verbunden und doch für immer getrennt.
So war einſtens hier auch Liebe mit Liebe gegangen
und hatte keinen anderen Ausweg gefunden, als den Tod.
Dieſe aber wollten das Leben, das ſie doch für ewig
ſchied.
Suſanne ſchauerte in ſich hinein, als die Erinnerung
über ſie kam. Das furchtbare Geſpenſt tauchte wieder
auf, um ſie zu ſchrecken, bis ſie das Grauen übermannen
würde. Nein und tauſendmal nein, ſie war ſtärker als
ihre Mutter, ſtärker im Leben und in ihrer Liebe.
Die Pflicht hielt ſie aufrecht, die gegen ſich ſelbſt und
gegen das Kind.
Und das Kind, Friedrich Wilhelm? — Haſt Du es
lieb?
Eine innere Seelenangſt bebte in dieſer Frage.
Ich habe es lieb, aber heißer nech liebe ich Mutter
und Bruder. Ihnen opfere ich mein ganzes Glück. De
haſt recht, Sufanne, ich weiß jetzt, wo meine Pflicht Dgt.
Noch ein zärtliches Umfangen, ein heißer Händedruck,
und ein jedes ging ſeinen Weg allein — ſie hatten ſich
nichts mehr zu ſagen. Mit abweſenden Augen, die nichts
mehr ſahen als nur ihr Elend, ſchritt ſie in der Halle
an Johann vorüber, der die Lichter ſchon löſchen wollte.
Er wartete, bis ſie verſchwunden war, und fiel dann auf
den nächſten Stuhl, untätig vor ſich hinſtarrend, bis die
Dörthe auf der Treppe erſchien. Sie hatte das Licht
ge=
ſehen und glaubte, Johann habe vergeſſen, es
auszu=
löſchen.
Johann! In ihrem behenden Schritt lief ſie die
Stufen hinunter. Warum ſitzen Sie da wie Lots Weib?
Weil das Unglück nun endlich da iſt.
e ſer ir nagien
Die Wronka! Gett behüte uns in Gnaden. Sie
werden es morgen erleben, wenn ſie vorfährt, und ich
muß ihr noch den Schlag öffnen.
Dörthe hob den Kopf energiſch empor. Das Kind iſt
die Hauptſache, um ſolchen Junker wird uns jeder
be=
neiden.
Und die Mutter?
Auf die wollen wir alle ein Auge haben, dann wird
es ſchon gehen. Das ſind wir ſchon dem Kinde ſchuldig.
Sie ſchwatzen wie ein altes Weib, Dörthe, ſolche,
die ausſchauen wie die Wronka, die laſſen ſich nicht
hüten.
Dafür iſt der Herr da, Johann, uns geht es
ſchließ=
lich nichts an.
Hm! Johann löſchte das Licht und verließ hinter
der treuen Alten die Halle. Es iſt immerhin gut, wenn
wir die Augen offen halten.
Ja, ja, ſtimmte Dörthe bei. Unſereins ſieht und
hört mehr als die Herrſchaft.
Die Nacht deckte Schloß und Land, nur vermochte ſie
den beiden armen Seelen, die in bangen Stunden dem
Morgen entgegenwachten, kein Vergeſſen zu bringen.
Kein Schlaf ſchloß die ſchmerzenden Augen von Suſanne
und Friedrich Wilhelm.
Das junge Mädchen hörte auf jeden Ton, der zu ihr
drang. Nun wurde es auf dem Wirtſchaftshof lebendig,
von fernher verhallte das vertraute Geräuſch
aufwachen=
den Lebens. Aber ſie getraute ſich nicht wie ſonſt
hin=
aus, ſie wollte Friedrich Wilhelm nicht eher wieder
be=
geanen, als bis die Entſcheidung gefallen war.
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dener bebender Angſt die Frage in ihr auf: Wird Anna
Wronka es den Bagewitz danken, daß ſie als Ebenbürtige
in die Familie aufgenommen wird?
Kein frohes, befreiendes Ja wurde ihr zur Antwort.
Und doch wollte Suſanne keinen Zweifel aufkommen
laſſen. Nachdem der Abſchied von dem geliebten Mann
hinter ihr lag, und die Entſcheidung vor der Tür ſtand,
ſtellte ſie all ihr Sinnen und Denken in den Dienſt ihrer
Miſſion. Der ſchwere Kampf war beendet, nun erwartete
ſie den Frieden als Lohn ihres Opfers, jedoch, was ſie
empfand, war nur eine namenloſe Oede. Sie war am
Ziel, aber die Freude am Sieg blieb ihr verſagt.
Sie ſtieß die Fenſter auf, der friſche Morgenwind
drang hinein und trieb die erſtickende Schwüle hinaus.
Warum nur ihre Bruſt nicht freier zu atmen vermochte?
Sie ging in das Nebenzimmer und beugte ſich über das
ruhig atmende Kind. Wie ſie es liebte mit der
überſtrö=
menden Mutterſehnſucht, die oft gerade denen ſo ſtark zu
eigen iſt, die dieſes Gefühl nicht durch den Beſitz eines
eigenen Kindes zu ſtiſten vermögen.
Dieſelbe Oede auch hier, von der Freudigkeit der
er=
füllten Miſſion keine Spur. Ja, wenn ſie in dem Kinde
den goldenen Schatz ihrer Liebe hätte bergen können, und
er würde ihr in kleiner Münze im Leben des Alltags
ausgezahlt, dann hätte die Herzenseinſamkeit, der ſie
von neuem verfallen war, nichts Erſchreckendes für ſie
gehabt.
Sie ſchrak empor. Ging dort nicht ein feſter
Män=
nerſchritt über die Terraſſe? Sie bog ſich weit aus dem
Fenſter, Friedrich Wilhelm war es, der im Park ver=
ſchwand. So gab ſie den Entſchluß, die Waſſerallee
auf=
zuſuchen, ſofort wieder auf und ſetzte ſich in plötzlichem
Entſchluß an ihren Schreibtiſch.
Nach mehreren längeren Entwürfen, die zerriſſen
wurden ſtand endlich mit kurzen nüchternen Worten auf
dem Papier, daß ſie Paſtor Weinhardt um eine
Unter=
redung bei ihm im Hauſe bat. Sie ſchloß das Briefchen
und ſuchte nach dem Petſchaft, um es zu ſiegeln, dabei
umfaßte ihr Blick den Inhalt der großen Schieblade. Da
lag das Schreiben ihres Großvaters, der letzte
ihrer Mutter. Waren denn ſchon Monate verfloſſen ſeit
dem Tage, da ſie Kenntnis von dem Inhalt gewonnen
hatte? Wie konnte nur in ſo kurzer Zeit der Inhalt
dieſer Papiere derart an Bedeutung bei ihr verlieren,
daß ſie vor dem Neuen, das in ihr Leben getreten war,
völlig zurſcktraten.
Nur das Lebende hat Recht! Suſanne empfand
es zum erſten Male an ſich ſelbſt, obwohl früher die
To=
ten — die Schemen der Vergangenheit ihr Daſein regiert
hatten.
Nur nicht wieder in die Dumpfheit damaliger
Zei=
ten verſinken Arbeit — Arbeit! ſchrie es in ihr, und
darum rief ſie nach dem treuen Freund ihrer jungen
Mädchenjahre, dem zielbewußten, tatkräftigen Seelſorger=
Weinhardt, der in des Wortes eigenſter Bedeutung ein
Lebechriſt war. Das Gotteswort wurde in ſeinem Munde
lebendig, und er lebte danach, ſo war er in ſeiner
Ge=
meinde der Führer, Berater und Helfer.
Wäre nicht das Verhältnis zwiſchen dem
Kammer=
herrn und ſeinem Pfarrer ein ſo geſpanntes geweſen,
Suſanne wäre wohl öfter in dem Pfarrhaus eingekehrt,
das ſo freundlich inmitten des Kirchdorfes lag, eine
Stunde Weges von Altenwerder entfernt,
os ſe ihm von den Briein ſcher ſelt Mche
als jeder andere würde der Pfarrer ihr von ihren Eltern
erzählen können. Es waren dann doch lebendige Worte
und nicht nur tote Buchſtaben. Es blieb ſo viel zu
fra=
gen übrig.
Suſanne vertiefte ſich wieder in den Inhalt der
Papiere und vergaß darüber alſo die Zeit daß die
Früh=
ſtücksſtunde ſie überraſchte. Sie pflegte die erſte
Mahl=
zeit mit Wilhelm einzunehmen, und auch heute gelang
es dem fröhlichen Zwitſchern der hellen Kinderſtimme,
die geliebte Tante ihrem Grübeln zu entreißen. Jubelnd
lief Bubi Johann entgegen, der mit der Meldung bei
dem gnädigen Fräulein eintrat, den Kleinen um zehn
Uhr bereit zu halten, da er mit dem Kammerherrn eine
Ausfahrt machen ſolle.
Fangen wie wieder Fiſche, Johann?
Ich glaube nicht, Wilhelm.
Na, denn nich! Dieſen Ausdruck hatte der Kleine
irgendwo aufgeſchnappt und pflegte ihn oft anzuwenden.
Es klang ſo drellig in dem Kindermund, daß man ſtets
darüber lachte. Enttäuſchung, die ſchon von der
Hoff=
nung auf etwas anderes viel, viel Schöneres überwunden
war. Es iſt etwas Herrliches um dieſen Optimismus
einer geſunden, fröhlichen Jugend.
Der Großvater fährt ſelber mit, Johann?
So iſt es befohlen worden, gnädiges Fräulein.
Johann blickte ſie bei der Antwort ſo
verſtändnis=
voll an, daß eine helle Röte Suſannes bleiches Geſicht
überflog. Sie kannte ſeine Gedanken, und es war ihr
unerträglich, den ſchimpflichen Verdacht auf Friedrich
Wilhelm ſitzen zu laſſen.
(Fortſetzung folgt.)
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Juli 1912.
Nummer 173.
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§9 175.
Donnerstag, 23. Zul.
1912.
Eintagsfliegen.
Von Georg Ulmer.?)
An einem ſchönen ſonnigen Julitage des Jahres 1897
hatte ich einen Ausflug in die Umgebung Kaſſels
unter=
nommen. Abends gegen 8 Uhr kehrte ich zurück. Das
Wetter war ſchon am Spätnachmittage umgeſchlagen; es
war kühl geworden, und ein kräftiger Regen brach los.
Ein Verſuch, am Bahnhof Bettenhauſen in die
Pferde=
bahn zu ſteigen, mißlang, da alles „beſetzt” war. Ebenſo
wie ich, mußten viele Ausflügler ihren Rückweg zu Fuß
antreten. Ziemlich mißmutig marſchierten wir mit
auf=
geſpanntem Regenſchirm dahin. Und doch war es gut,
daß ich die Bahn nicht benutzt hatte; denn ſonſt wäre mir
ein ſehr intereſſantes Schauſpiel ſicherlich entgangen. Als
ich mich der Fuldabrücke näherte, welche den Holzmarkt
mit dem Altmarkt verbindet, ſahnich plötzlich eine
unge=
heuere Zahl von weißen Flocken in der Luft ſchweben und
auf die Erde fallen. Zugleich riefen die Leute: „Es
ſchneit, es ſchneit!” Ganz überraſcht blieb ich ſtehen, um
mir das merkwürdige Schauſpiel eines Schneefalles im
Hochſommer genauer zu betrachten. Was da nun in
dich=
ten, weißen Maſſen ſich auf die Erde ſenkte, das war
allerdings kein Schnee; aber doch konnte man den Ausruf
der Menſchen begreifen; denn wie wirkliche Schneeflocken
tanzte es in der Luft umher und bedeckte in kurzer Zeit
in dicker Schicht alle Gegenſtände, die Brücke, die Straße,
die Paſſanten. Mir war das gerade recht daß ſich die
ſeltſamen „Flocken” auch auf mich niederließen, konnte
ich ſie doch ſo ganz bequem betrachten. Es waren Weſen
von Fleiſch und Blut, Inſekten mit langem dünnen
Kör=
per, mit langen Schwanzfäden und vier netzadrigen
Flü=
geln — es waren unermeßliche Scharen von
Eintags=
fliegen! Der ſtarke Regen und der kalte Wind
wüte=
ten furchtbar unter den zarten Tierchen; Tauſende und
Abertauſende ſtürzten nach kurzem Fluge wobei ſie
be=
ſonders den elektriſchen Bogenlampen zuſtrebten, nieder;
es ſah wirklich ſo aus, als ob ein heftiges Schneetreiben
Kaſſel heimgeſucht hätte. Mehrere Zentimeter hoch
be=
deckten die naſſen, zappelnden Inſekten den Boden, ſo
daß es mir leicht war, eine ganze Anzahl von ihnen zu
ſammeln. Einige ſuchten Schutz an trockeneren Stellen
und krochen uns in die Aermel hinein und unter den
Rock=
kragen; die meiſten aber wurden vom Regen niederge=
*) Aus dem ſoeben erſchienenen höchſt intereſſanten
und lehrreichen Buche „Unſere Waſſerinſekten” von Georg
Ulmer. 165 S. mit 119 Abbildungen im Text und drei
Tafeln. In Leinwand gebunden 1,80 Mark. Verlag von
Quelle und Meyer in Leipzig.
ſchlagen, endeten in den Fluten der Fulda, der ſie
ent=
ſtammten, oder im Schmutz der Straßen. Auf dem Wege
nach meiner Wohnung konnte ich noch überall, ſo auf dem
Schloßplatz, dem Steinweg, dem Friedrichsplatz, der
Friedrichſtraße uſw., den Schwarm beobachten; allerdings
nahm ſeine Dichtigkeit mit der größeren Entfernung von
der Fuldabrücke immer mehr ab. Wie gewaltig groß die
Menge der ſo plötzlich und zu gleicher Zeit
ausgeſchlüpf=
ten Inſekten war, das geht wohl noch daraus hervor, daß
im Wiener Café am Friedrichsplatz alle Speiſen und
Ge=
tränke im Nu von ihnen bedeckt waren. Es blieb nichts
anderes übrig, als dort die Lampen zu löſchen; denn
dieſe zogen fortwährend neue Scharen an. Die meiſten
der von mir beobachteten Tierchen werden nicht einmal
einen einzigen Tag gelebt haben; vielleicht war ihre
Lebensdauer ſogar nur auf eine kurze Reihe von Minuten
bemeſſen; kaum dem Waſſer entſtiegen, ſanken ſie ſchon
wieder zurück; wie es ihre Wiege geweſen war, ſo wurde
es jetzt auch ihr Grab! Selbſt diejenigen, die ein
trocke=
nes Plätzchen gefunden hatten, vielleicht unter der Brücke
oder in den, Häuſern, hatten kein langes Leben zu
erwar=
ten. Deutet doch ſchon der Name Eintagsfliegen”
dar=
auf hin, wie kurz ihr Daſein iſt. Und wenn einige
viel=
leicht bei günſtigem Wetter auch noch einen zweiten und
dritten Tag am Leben bleiben, länger gewiß nicht! Sie
müſſen ganz einfach verhungern; da ihre Mundwerkzeuge
gänzlich verkümmert ſind, können ſie keine Nahrung
auf=
nehmen. Aber was ſie in dieſer Zeit noch tun müſſen,
das tun ſie: ſie ſorgen für ihre Nachkommenſchaft. —
Zahlloſe Weibchen erblickte ich in dem Schwarme; ſie
waren von dem Männchen ſchon durch den aufgetriebenen
Hinterleib zu unterſcheiden, aus welchem dicke gelbliche
Maſſen in Stangenform hervorquollen. Dieſe gelben
Maſſen waren die Eier; beim Hervortreten aus dem Leib
bildete die Laichmaſſe, in der Hunderte von Eiern waren,
zwei halbwalzenförmige Körper; und nach dem
Fallen=
laſſen der Eier war der Leib ganz leer, ſo daß er nur noch
aus der Haut beſtand; alle inneren Organe waren
jeden=
falls nach der Bruſt zu auf einen kleinen Raum
zuſam=
mengedrängt. Todesmatt ſanken die Tierchen nieder,
aber den Beſtand ihrer Art hatten ſie geſichert. Aus den
ins Waſſer gefallenen Eiern werden neue Larven und aus
den Larven neue Inſekten erſtehen, die dann vielleicht
nach Jahren einem anderen Beobachter dasſelbe
Schau=
ſpiel gewähren wie uns. — Der nächſte Morgen zeigte
mir Tauſende in allen Regenrinnen der Stadt
zuſammen=
geſchwemmt; aber der Schwarm war verſchwunden; an
der Fuldabrücke und an anderen Stellen der Fulda ſah
ich in den nächſten Tagen kaum noch ein einzelnes
leben=
des Tier, einen Nachzügler.
Sport.
* Pferdeſport. Rennen zu Strausberg.
Preis von Hohenfließ; 2000 Mark Diſtanz 1200 Meter:
1. Herrn E. Bauers Maritza (O. Müller), 2. Sirene II
(Ludwig), 3. Sarah (Schläfke). Tot. 21:10. — Preis
vom Dachsberg; Ehrenpreis und 2300 Mark, Diſtanz 3500
Meter: 1. Herrn G. Nettes Miasma (Leutn. v. Berchem),
2. Tanzſtunde (Dr. Rieſe), 3. Kent (Leutn. von Egan=
Krieger). Tot. 25:10. — Oberbarnimer Handikap; 3000
Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Herrn H. Junks Polonaiſe
(H. Teichmann), 2. Mansfield (Bleuler), 3. Pazifik
(Sandmann). Tot. 25:10. — Preis vom Rathaus;
Ehren=
preis und 2000 Mark, Diſtanz 4000 Meter: 1. Herrn F.
v. Malachowskis Lads Love (Herr Purgold), 2. Libel
(Dr. Rieſe), 3. Tory Hill II (Herr v. Weſternhagen).
Tot. 98:10. — Preis vom Bötzſee; 2000 Mark, Diſtanz
3500 Meter: 1. Frau G. Korns Common Senſe (M.
Seif=
fert), 2. Libellule (Printen), 3. Toneſi (Schumann).
Tot. 33:10. — Neues Hürden=Rennen; Ehrenpreis und
3000 Mark, Diſtanz 2600 Meter: 1. Herrn Termehrs
Gras=
mücke (Sandmann), 2. Rejoice (Weishaupt), 3. Salut
(Wurſt). Tot. 45:10.
* Radſport. In Scheveningen fand bei gutem
Beſuch ein Dreier=Match: van Neck-Stellbrink-
Dickent=
mann, hinter Motorführung ſtatt. van Neck ſiegte im
Geſamtklaſſement, da er den erſten Lauf über 20
Kilo=
meter und den dritten Lauf über 40 Kilometer jedesmal
vor Stellbrink und Dickentmann gewann. Den zweiten
Lauf über 20 Kilometer landete Dickentmann vor van Neck
und Stellbrink. — Die Mannſchaft Stol-
Vanhou=
waert konnte in Brüſſel gegen ſtarke Konkurrenz
ein Achtſtundenrennen mit 305,500 Kilometer gewinnen.
Zweiter wurden zwei Längen zurück Debaits-
Vanden=
berghe vor Brocco-van Bayer, Berthet-Ingelghem
und Wilmots=Verlinden. — Der Große Preis des
Kon=
tinents wurde auf dem Velodrom von Lille über 20
Kilometer und eine Stunde beſtritten. Den 20 Kilometer=
Lauf gewann Lavalade in 14:42,1 knapp mit 75 Meter
Vorſprung vor Guignard und A. Vanderſtuyft, unterlag
aber im Stunden=Rennen gegen Guignard. Lavalade
hatte bis zum 45. Kilometer geführt, mußte dann aber
einem Angriff Guignards weichen und fiel ſpäter infolge
Defektes auf den dritten Platz zurück.
* Das Endklaſſement für die Olympiſchen Spiele hat
ſich durch das Ergebnis der Olympiſchen Segelregatten
weſentlich verſchoben. Amerika, das bei den
Segelregatten nicht beteiligt war, iſt durch Schweden
überflügelt worden. Die Schweden ſchnitten mit
insge=
ſamt 133 Punkten am günſtigſten ab, Amerila belegte den
zweiten Platz mit 129 Punkten, England den dritten mit
76 Punkten, Finnland brachte es auf 52, Deutſchland
auf 47, Frankreich auf 32, Dänemark auf 19 Punkte. Es
folgen Ungarn, Südafrika und Norwegen mit je 16,
Ita=
lien und Auſtralien mit je 13, Belgien mit 11 Oeſterreich
und Rußland mit je 6, Griechenland mit 4, Holland mit
3 Punkten. Die übrigen beteiligten Nationen blieben
unplaziert.
* Das Internationale Schachmeiſter=Turnier ergab
in der 7. Runde die Siege von Tarraſch über Kohn,
Lewitzky gegen Przepiorka, Burns gegen Lotzky. Remis
ergaben die Partien Marſhall gegen Teichmann, Balla
gegen Schlechter Treybel gegen Mieſes und Spielmann
gegen Breyer. Abgebrochen wurden die Partien
Rubin=
ſtein-Duras und Karls-Barasz.
* Im Internationalen Lawn=Tennis=Turnier zu
Heringsdorf gewann Rahe den Heringsdorfer Pokal,
in=
dem er in der Schlußrunde Dolle mit 611 6:2 6:3 ſchlug.
Das Damen=Einzelſpiel um die Meiſterſchaft von
Herings=
dorf wurde in der Schlußrunde von Frau Mittler mit
6:2 610 gegen Fräulein Flinſch gewonnen. Die übrigen
Spiele ſind noch nicht beendet.
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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 25. Juli 1912.
Nummer 173.
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Heute, den 25. Juli, abends 8 Uhr
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Regiments. Leitung: Muſikmeiſter Alb. Mittelſtädt.
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von Haydn. Ouvertüre zur Oper „Zampa” von Herold.
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(ſkription über das deutſche Volkslied: „Skommt ein Vogel geflogen”,
kim Stile älterer und neuerer Meiſter bearbeitet von Siegfr. Ochs.
Fantaſie aus Der fliegende Holländer” von Rich. Wagner.
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pourri über „Itglieniſche Volksmelodien” von Chieſa. Eva=Walzer
a. d. Operette „Die moderne Eva” von Jean Gilbert, und „Zwei
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Da es unbedingt erforderlich iſt, daß die Fahrkarten vorher
angemeldet werden müſſen, erſuchen wir unſere Mitglieder, welche
noch an dem Ausflug teilnehmen wollen, dies ſpäteſtens bis Freitag,
den 26. ds. Mts., bei Kamerad Junge, Schloßgartenſtraße 45,
anzuzeigen.
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Beſitzer: Georg Erzgräber IV.
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unter perſ. Leitung des Herrn Muſikmeiſter=Aſp. W. Klein.
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