Darmstädter Tagblatt 1912


18. Juli 1912

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175. Jahrgang
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dieustags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Die Unterſuchung gegen den Hauptmann
Koſtewitſch wurde geſtern abgeſchloſſen und die
Anklage wegen Spionage erhoben. Koſtewitſch wird
anfangs nächſter Woche nach Leipzig übergeführt
werden.
Die Abnahmefahrten des neueſten Mili=
tärluftkreuzers
Z. 3 haben geſtern begonnen.
Die deutſch=tſchechiſchen Ausgleichsver=
handlungen
ſcheinen an der Sprachenfrage wie=
derum
zu ſcheitern.
Herzog Ludwig der Abruzzen iſt zum Chef=
kommandanten
des Marinedepartements in Spezia be=
ſtimmt
worden.
Die türkiſche Regierung hat eine Generalamne=
ſtie
erlaſſen, die allen Verbannten die Rückkehr nach
Konſtantinopel geſtattet.
Das türkiſche Kabinett iſt zurückgetreten.

Unſer Handelsverkehr mit Kanada.

** Erneut wird von berufener Seite die Aufmerk=
ſamkeit
auf die kanadiſche Zollpolitik gelenkt, die durch
Sondervergünſtigung der Vereinigten Staaten von Ame=
rika
den deutſchen Handel erheblich zu benachteiligen
geeignet iſt. Schreitet Kanada auf dieſem Wege fort,
ſo verliert das Abkommen, das wir mit dem britiſchen
Dominion im Februar 1910 abgeſchloſſen und wodurch
dem ſeit 1903 herrſchenden Zollkriege ein Ende gemacht
wurde, weſentlich an Wert für uns. Denn bekanntlich
haben wir in dieſem Abkommen nur erreicht, daß wir
für Gewährung unſeres Vertragstarifes auf eine Reihe
kanadiſcher Artikel die Aufhebung der durch den Zoll=
krieg
veranlaßten Surtaxe von 33½ Prozent bewilligt
erhielten und wieder mit den übrigen Staaten (außer
England) gleichgeſtellt wurden. Dieſe Gleichberechtigung
wird nun durch die kanadiſche Zollpolitik gegenüber den
Vereinigten Staaten aufs neue ſtark gefährdet, und na=
türlich
wird hierdurch auch das Zuſtandekommen des im
jetzigen proviſoriſchen Abkommen mit Kanada vorge=
ſſehenen
Abſchluſſes eines definitiven Vertrages erheblich
erſchwert, denn wir ſind höchſtens bereit, die Vorzugs=
ſtellung
Englands in Kanada anzuerkennen, nicht aber
auch eine Bevorzugung anderer Staaten. Eine ſolche
würde die Hofffnungen, die an die Wiederherſtellung
normaler wirtſchaftlicher Beziehungen zu Kanada ge=
knüpft
wurden. zu nichte machen.
Wie berechtigt dieſe Hoffnungen waren, ergibt ſich
daraus, daß unſere Ausfuhr nach Kanada, die von 38,7
Millionen Mark im Jahre 1902 infolge der 1903 einge=
tretenen
Differenzierung erheblich ſank und 1909 nur noch
24,3 Millionen betrug, ſchon 1910 infolge Aufhebung der
kanadiſchen Surtaxe auf 36,6 Millionen Mark geſtiegen
war. Unter ſolchen Umſtänden hat die deutſche Reichs=
regierung
die Pflicht, die Intereſſen des an der Ausfuhr
nach Kanada beteiligten deutſchen Handels ganz ener=
giſch
zu wahren.

Reichstagsnachwahlen.

(5) Auch in der augenblicklichen parlamentsloſen Zeir
wird es allgemein intereſſieren, welche Aen derun=
gen
ſeit den letzten Reichstagswahlen im Beſitzſtand
der Parteien eingetreten ſind. Im erſten Halbjahr ſei=
nes
Beſtehens ſind die Nachwahlen zum Reichstag ver=
hältnismäßig
zahlreich geweſen, 6 ſind bereits voll=
zogen
worden, während eine 7. demnächſt vorgenommen
werden ſoll.
Geſtorben ſind in dieſer Zeit nur 2 Abgeordnete.
nämlich Albert Träger, der 25 Jahre lang den Wahl=
kreis
Varel=Jever vertreten hat und in dem bayeriſchen
Wahlkreis Pfarrkirchen der Bauernbündler Bachmeier.
In Varel=Jever hat der Führer der Fortſchrittlichen
Volkspartei Dr. Wiemer, der bei den Hauptwahlen
in ſeinem alten Wahlkreis Nordhauſen gegen den So
zialdemokraten unterlegen war, das Erbe Trägers ange=
treten
, den Kreis alſo für ſeine Partei behaupten kön=
nen
. In Pfarrkirchen findet am 5. Auguſt die Nach=
wahl
ſtatt, der Ausgang dieſes Parteikampfes iſt aber

ſehr zweifelhaft. Der Bauernbund hofft den Kreis zu
halten, während das Zentrum ſeine Eroberung erwar=
tet
. Im Siegkreis hat der bei der Hauptwahl durchgekom=
mene
Zentrumsabgeordnete Becker ſein Mandat nie=
dergelegt
, um ſeinem Parteigenoſſen Trimborn, dem be=
kannten
Zentrumsführer, der in Köln nicht wieder ge=
wählt
wurde, ein Mandat zu verſchaffen. Wegen des
bekannten Zwiſtes im Zentrum hat ferner der langjäh=
rige
Abgeordnete Roeren ſein Mandat für Trier=
Saarlouis niedergelegt und iſt durch den Zentrums=
abgeordneten
Werr erſetzt worden. Weiterhin mußte
Frhr. v. Hertling wegen ſeiner Ernennung zum
bayeriſchen Miniſterpräſidenten ausſcheiden. Sein Nach=
folger
im Wahlkreiſe Münſter=Coesfeld wurde Dr. Ger=
lach
. Der Pole Graf v. Brudzewo=Mielzynski war
bei den Haupzwahlan zweimal gewählt worden und
verzichtete auf das Mandat in Pleß=Rybnik, das dann
an den Polen Poſpiech fiel. Dann wurde noch die
Wahl in Hagenow=Grevesmühlen für ungültig er=
klärt
. Bei der Nachwahl im Juni unterlag der bis=
herige
konſervative Abgeordnete Pauli dem Fort=
ſchrittler
Sivkovich, der mit einer Majorität von mehr
als 2000 Stimmen den Sieg davontrug. Alles in allem
hat alſo nur die Fortſchrittliche Volkspartei bei den
Nachwahlen ein Mandat gewonnen, das den Konſervati=
ven
verloren gegangen iſt.
Wahrſcheinlich wird im Laufe des Sommers auch
noch eine Nachwahl im erſten Berliner Wahlkreis ſtatt=
zufinden
haben, weil der dort bei der Hauptwahl mit
nur wenigen Stimmen Mehrheit gewählte freiſinnige
Reichstagspräſident Dr. Kaempf der drohenden Ungül=
tigkeitserklärung
ſeines Mandats zuvorkommen und
dasſelbe niederlegen will. Wird er, was ziemlich wahr=
ſcheinlich
iſt, wieder gewählt, dann kann er beim Wie=
derzuſammenkritt
des Reichstages Ende Oktober den
Präſidentenſitz abermals einnehmen, ohne daß eine neue
Präſidentenwahl erforderlich iſt.

Die türkiſche Kriſis.

Bpt. Mit 194 gegen 4 Stimmen hat die türkiſche
Kammer dem Miniſterium ihr Vertrauen ausgeſprochen.
Das iſt ein parlamentariſcher Erfolg von ungewöhn=
licher
Stärke. Es iſt wohl in der Hautpſache der Feſtig=
keit
zuzuſchreilen, mit der die Regierung den Krieg be=
handelte
, ſowie der Geſchicklichkeit, mit der ſie der aus=
wärtigen
und der innneren Lage die günſtigſten Seiten
abzugewinnen verſtand. Die Ernennung Mahmud Mukh=
tar
Paſchas zum Kriegsminiſter hat ſich dem parlamen=
tariſchen
Erfolge unmittelbar angereiht. Bei der Per=
ſönlichkeit
des Berufenen liegen demnach zwei Momente
vor, die auf die innere Kriſis der Türkei von gutem Ein=
fluß
ſein können. Als überwunden aber darf dieſe
Kriſis einſtweilen nicht gelten. Die Nachrichten aus Al=
banien
lauten ſo beunruhigend, daß abgewartet werden
muß, ob das parlamentariſche Vertrauensvotum und der
neue Mann im Kriegsminiſterium eine allgemeine Beru=
higung
herbeiführen können. Erſt wenn dieſe eingetre=
ten
iſt, darf man ſagen, daß das gegenwärtige Miniſte=
rium
, das jungtürkiſche Komitee und die Türkei ſelbſt die
jetzige Kriſis überwunden haben.

Dentſches Reich.

Von der Reiſe des Staatsſekretärs
Dr. Solf wird gemeldet: Am 9. Juli brach der
Staatsſekretär von Windhuk auf, beſichtigte die Klein=
ſiedelungen
Oſonas, beſuchte Okahandja, Waterberg,
Okanjande, ſowie die Kupferminen und das Hüttenwerk
in Tſunebe. Die Beſichtigungen der für die weißen und
farbigen Arbeiter geſchaffenen Anlagen und diejenige
des Bergbetriebs ſelbſt ergaben einen ſehr günſtigen Ein=
druck
von dem geſamten Betrieb. In Grootfontein er=
ſcheinen
die Ausſichten des Ackerbaus als vielverſprechend.
Dann ging die Reiſe nach Omaruru. Die dortigen An=
ſiedler
ſind mit den Ackerbauverſuchen, insbeſondere hin=
ſichtlich
des Trockenfarmſyſtems, zufrieden. Die Weiter=
reiſe
führt über Karibib, Uſakos nach Swakopmund, von
wo am 19. Juli die Abfahrt nach Kapſtadt erfolgt.
Der nächſte preußiſche Etat wird zum
erſten Male Mittel zur Unterſtützung der Arbeitsnach=
weiſe
ländlicher Arbeiter bereit ſtellen. In landwirt=
ſchaftlichen
Kreiſen hofft man, daß wenigſtens 50000
Mark für dieſen Zweck in den Etat eingeſtellt werden.

Fürſorge für Militärflieger. Ueber
die Wirkungen des Militär=Luftfahrfürſorgegeſetzes, das
jetzt durch Verkündung im Reichsgeſetzblatt Geſetzes=
kraft
erlangt hat, wird der Voſſiſchen Zeitung von
militäriſcher Seite geſchrieben:
Es wird neben dem Anſpruch auf Penſion oder
Rente, wie berichtet, ein Anſpruch auf eine Luftdienſt=
zulage
gewährt, deren Höhe gleich iſt der Kriegszulage.
welche Offiziere, Unteroffiziere und Gemeine für eine
Dienſtbeſchädigung durch den Kriegserhalten. Für Offi=
ziere
beträgt die Luftdienſtzulage, die zu ihrer Penſion
hinzutritt, jährlich 1200 Mk., wenn die Penſion von dem
Dienſteinkommen eines Hauptmanns 1. Klaſſe oder von
einem niedrigeren Dienſteinkommen bemeſſen wird: 720
Mark, wenn die Penſion von einem höheren Dienſtein=
kommen
berechnet wird. Der erſte Fall dürfte die Regel
bilden. Erreicht dabei das jährliche Geſamteinkommen
eines Kriegspenſionärs nicht 3000 Mark, ſo kann vom
vollendeten 55. Lebensjahr ab noch eine Alterszulage
bis zur Erreichung dieſes Betrages gewährt werden. Iſt
dauernde völlige Erwerbsunfähigkeit feſtgeſtellt, ſo kann
dieſe Zulage auch bereits früher gewährt werden. Für
Unteroffiziere und Gemeine beträgt die Luftdienſtzulage
im Fall der Dienſtbeſchädigung durch den Luftfahrdienſt
monatlich 15 Mark. Dieſe wird gewährt neben der ge=
ſetzlichen
Rente. Erreicht das jährliche Geſamteinkom=
men
dabei nicht 600 Mark, ſo kann vom vollendeten
55. Lebensjahr ab oder im Fall dauernder völliger Er=
werbsunfähigkeit
auch ſchon früher eine Alterszulage bis
zur Erreichung dieſes Betrages gewährt werden Die
Hinterbliebenen der durch den Luftfahrdienſt beſchädig=
ten
oder geſtorbenen Angehörigen des Heeres, der Ma=
rine
und der Schutztruppen werden verſorgt wie die
Hinterbliebenen im Krieg Verwundeter oder Gefallener
Den Verwandten der aufſteigenden Linie (Eltern und
Großeltern) kann dieſe Verſorgung gewährt werden,
wenn der Verſtorbene zur Zeit ſeines Todes oder beim
Eintritt ſeiner letzten Krankheit den Lebensunterhalt der
betreffenden Verwandten ganz oder überwiegend be=
ſtritten
hat.
Der Landtag von Schwarzburg=
Rudolſtadt iſt zum 4. September einberufen.
ſozialdemokratiſche Mehrheit beabſichtigt, wieder den
Genoſſen Winter zum Präſidenten zu wählen.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Die deutſch=tſchechiſchen Ausgleichs=
verhandlungen
, die letzthin ſo günſtig ſtanden.
daß ein Abſchluß als bevorſtehend bezeichnet wurde, wer=
den
nach einer Meldung der Bohemia plötzlich dadurch
gefährdet, daß die Tſchechen volle tſchechiſche Einſprachig=
keit
bei den Prager ſtaatlichen Behörden verlangen. Der
deutſche Standpunkt verlangt auch bei der Prager
autonomen Stadtgemeinde die doppelſprachige Amtie=
rung
, bei den ſtaatlichen Behörden aber deutſche Amts=
ſprache
.
Wegen der Vorgänge im ungariſchen
Abgeordnettenhauſe haben 73 oppoſitionelle
Abgeordnete gegen den Präſidenten Tisza und drei Po=
lizeibeamte
Strafanzeige wegen Gewalttätigkeit gegen
Abgeordnete erſtattet.
Italien.
Vizeadmiral Nicaſtro, Chefkommandant
des Marinedepartements in Spezia, legte ſeinen Poſten
nieder, um Generalſekretär im Marineminiſterium zu
werden. Sein Nachfolger wird der Vizeadmiral Herzog
der Abruzzen. bisher Inſpekteur der Torpedoboots=
zerſtörerflottille
.
Frankreich.
Die Begnadigung Hervés wird von den
Blättern im allgemeinen zuſtimmend erörtert. Petite
Republique ſchreibt: Nach der glanzvollen und erheben=
den
Volkskundgebung, die die Bevölkerung von Paris
am 14. Juli der Armee in Longchamps bereitet hat,
konnte die Freilaſſung des antimilitariſtiſchen Apoſtels
ohne Gefahr erfolgen. Solche Tage, wie wir ſie eben
durchlebt haben, ſind ein Beweis dafür, daß die unheil=
volle
Propaganda Hervés ohne Widerhall blieb. In
der Humanité ſpricht Jaurés ſeine Freude darüber aus,
daß Hervé der Demokratie und dem Sozialismus zu=
rückgegeben
ſei und richtet an ihn die Bitte, er möge
Uebertreibungen vermeiden und dafür Sorge tragen.
daß er nicht mehr ins Gefängnis zurückkehre. Er möge
ſeine Freiheit dazu benutzen, um an der Einigung aller
ſczialiſtiſchen ſyndikaliſtiſchen und revolutionären
Kräfte mitzuarbeiten. Der Gaulois fragt: Soll die
Begnadigung Hervés den Sinn haben, daß die Regie=
rung
den Antimilitarismus für bedeutungslos anſieht?

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 18. Juli 1912.

Nummer 167.

bervé hat allerdings in einem Interview erklärt, daß er
den Begnadigungsakt in ſeiner Manier beantworten
werde. Hervé richtet in ſeinem Blatt Guerre Soziale
ein offenes Schreiben an den Premierminiſter Poincaré
und an den Juſtizminiſter Briand, in dem er ihnen für
ſeine Freilaſſung mit einem nicht wiederzugebenden
groben Schimpfwort dankt.
England.
Unterhaus. Auf eine Anfrage wegen der un=
terſchiedlichen
Behandlung britiſcher Schiffe, die den
Panamakanal benutzen würden, erwiderte Staatsſekretär
Grey: Es ſchien der britiſchen Regierung, daß einige
Beſtimmungen der Bill, die jetzt dem amerkkaniſchen Se=
nat
vorliegt, nicht mit dem dritten Artikel des Vertrages
von 1901 zu vereinbaren ſind, der feſtſetzt, daß der Pa=
namgkanal
für Handels= und Kriegsſchiffe aller Natio=
nen
frei und offen ſtehen ſolle, ſo daß hinſichtlich der Be=
dingungen
oder Laſten gegen keine Nation eine unter=
ſchiedliche
Behandlung eintreten werde. Deswegen
hielten wir es für richtig, dieſe Einwendungen der Re=
gierung
der Vereinigten Staaten auseinanderzuſetzen,
damit ſie berückſichtigt werden könnten, während über die
Bill noch beraten wird. In Beantwortung einer an=
deren
Anfrage erklärte Grey, die ruſſiſche Geſandtſchaft
habe um die Bildung einer Abteilung perſiſcher Koſaken
in Stärke von 700 Mann mit zwei ruſſiſchen Offizieren
und vier nicht etatsmäßigen Offizieren in Täbris er=
ſucht
. Die perſiſche Regierung habe dem Erſuchen zuge=
ſtimmt
. Ein Eingreifen der britiſchen Regierung ſcheint
nicht verlangt zu werden. Der konſervative Yate fragte
an, ob Grey für ähnliche Fälle im Süden eine perſiſche
Truppe unter britiſchen Offizieren bilden würde. Grey
antwortete, daß dies ſicherlich eine jener Fragen ſei, die
man im Auge behalten müſſe, falls die Ordnung im
Süden nicht wieder hergeſtellt werde.
Rußland.
Gegen die Schahſewennen. Nach einem
amtlichen Bericht des Vertreters des Statthalters im
Kaukaſus, General Schalilow iſt auf Befehl des
Oberkommandierenden des kaukaſiſchen Militärbezirks
am 9. Juli eine Expeditionsabteilung aus Ardebil gegen
die Schahſewennen ausmarſchiert. Am 11. Juli kam die
Avantgarde, die aus drei Kompagnien mit zwei Maſchi=
nengewehren
, einer Gebirgsbatterie und zwei Koſaken=
ſotnien
beſtand, mit den an Anzahl überlegenen Schah=
ſewennen
ins Gefecht, das von morgens 7 Uhr bis mit=
tags
12 Uhr dauerte. Die feindlichen Angriffe wurden
zurückgeſchlagen und die Avantgarde ſchloß ſich der Ab=
teilung
wieder an. Die Ruſſen hatten einen Toten und
einen Schwerverletzten, während die Schahſewennen
mindeſtens 30 Mann verloren haben ſollen.
Amerika.
Im Repräſentantenhaus brachte Moore
einen Geſetzentwurf ein, durch den der Staatsſekretär
ermächtigt wird, mit Großbritannien und anderen Mäch=
ten
über die Neutraliſierung des Panamakanals und die
Teilung der Bau= und Erhaltungskoſten des Kanals
zwiſchen den Mächten zu verhandeln. Der Geſetzent=
wurf
erklärt, die Neutraliſierung würde die Erhaltungs=
koſten
bedeutend vermindern und dem Handel und dem
Weltfrieden nützen.
Ching.
Die Nationalverſammlung hat in erſter
Linie eine Bill über die Stempelſteuer angenommen.
Der Kommiſſionsbericht ſchlägt die Steuerpflicht für fol=
gende
Dokumente vor: Hinterlegungsſcheine, allgemeine
Quittungen, Kontrakte, Verſicherungsquittungen und
Policen, Aktien, Obligationen, Depoſiten, Rimeſſen, Pro=
meſſen
, Erbſchaften, Darlehensverträge und Teilhaber=
ſchaftskontrakte
. Die Gebühren ſollen 2 Cents für einen
Wert von 10 bis 100 mexikaniſchen Dollars betragen und

allmählich ſteigen, ſodaß ſie einen Dollar für einen Wert
von mehr als 50 mexikaniſchen Dollars ausmachen. Dieſe
Sätze würden, obwohl ſie nicht übermäßig hoch ſind, eine
große Vermehrung der Staatseinkünfte bedeuten.

* Berlin, 16. Juli. Der Reichskanzler v. Beth=
mann
Hollweg begab ſich zu einem kurzen Aufent=
halt
nach Hohenfinow.
* Hamburg, 16. Juli. Der frühere langjährige
deutſche Generalkonſul in New=York, Geheimer Lega=
tionsrat
Buenz, tritt in die Verwaltung der Ham=
burg
=Amerika=Linie ein und geht als Gene=
ralrepräſentant
nach New=York. Zu ſtellvertretenden
Direktoren der amerikaniſchen Niederlaſſung ſind die
langjährigen Mitarbeiter Julius P. Meyer und W. G
Sickel ernannt worden.
* Kiel 17. Juli. Das zweite Geſchwader
der Hochſeeflotte verließ heute vormittag den
Hafen. Die Aufklärungsſchiffe folgen heute abend. Um
8 Uhr abends vereinigen ſich ſämtliche Geſchwader bei
Gabelsflach zu einem Oſtſeemanöver.
* Molde 17. Juli. Die Hohenzollern
ging heute früh um 6 Uhr nach Balholmen in See, wo die
Ankunft gegen 9 Uhr abends erfolgt.
* Kopenhagen, 16. Juli. Der König empfing
in Amalienborg den deutſchen Geſandten Waldthau=
ſen
der ſein Abberufungsſchreiben überreichte. Nach
der Audienz beim König wurde der Geſandte von der
Königin empfangen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 18. Juli.

* Vom Hofe. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Dienstag vormittag 9 Uhr
in Jagdſchloß Wolfsgarten den Oberbürgermeiſter Dr.
Gläſſing. Prinz Heinrich von Preußen iſt am
Dienstag vormittag 11 Uhr im Auto in Jagdſchloß
Wolfsgarten eingetroffen und am Mittwoch früh 4 Uhr
wieder abgereiſt. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Mittwoch den Oberleutnant
Alfthan und den Leutnant Dillenius vom Kaiſerlich
Ruſſiſchen 6. Huſaren=Kljaſtitzky=Regiment in Mlawa, den
Major Hamſcher beim Stabe des Infanterie=Leib= Regi=
ments
Großherzogin (3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, den Geh.
Rat v. Klitzing von Berlin, den Referendar Michaelis
von Mainz, die Beſchließerin Emma Bailey von Schön=
berg
, den Profeſſor Havemann; zum Vortrag den Finanz=
miniſter
Braun, den Miniſter des Innern v. Hombergk
zu Vach, den Geheimen Staatsrat Krug v. Nidda, den
Vorſtand des Kabinetts Geheimerat Römheld.
* Befördert haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den Generalleutnant à la suite der Artillerie
und des Großh. Artillerie=Korps, 1. Großh. Heſſ. Feld=
Artillerie=Regiments Nr. 25, Prinzen Ludwig von
Battenberg Durchlaucht, zum General der Artillerie
in ſeinen Stellungen à la suite.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Julius Eberle aus Bingen eine Lehrerſtelle an der
Gemeindeſchule zu Treis a.(Lda., Kreis Gießen.
* Die Internationale Hygiene=Ausſtellung 1911
und die Ausſtellung Der Menſch in Darmſtadt
1912. Den Glanzpunkt der Dresdener Ausſtellung
bildete, wie bekannt, die mächtige Halle Der Menſch
Sie ſtellte ein gewaltiges Lehrbuch der Hygiene in
populärer Faſſung dar, das in ſeiner überraſchend klaren
Anordnung auch dem Arzte Neues brachte. Der An=
klang
, den dieſe Halle fand, zeigte das lebhafte Be=
dürfnis
des Volkes, ſich über den eigenen Körper und
das, was ihn geſund oder krank macht, zu belehren.
Ueber 5000000 Menſchen haben die Halle beſucht. Der
Andrang glich einer Wallfahrt zum Tempel der
Hygiene vor dem oft Tauſende harren mußten, bis
die Menge neue Beſucher zuließ. Dieſe Ausſtellung Der
Menſch kommt jetzt nach Darmſtadt in das Reſidenz=
ſchloß
des Großherzogs. Sie iſt bekanntlich eine Schöpfung
des Geheimrat Lingner in Dresden, der ſie dem
Großherzog zur Verfügung geſtellt hat. Darmſtadt
iſt ſomit die einzige Stadt in Deutſchland, in
der dieſe Ausſtellung, die ſpäter dem National=Hygiene=
Muſeum in Dresden einverleibt wird, noch einmal wie
in Dresden zu ſehen iſt, was für ganz Weſtdeutſchland
Bedeutung hat.
O Ortsſchnelldienſt und Eilabholungsdienſt. Die
von der Reichs=Poſt= und Telegraphenverwaltung ſeit
dem 1. April 1911 getroffenen Einrichtungen des Orts=

ſchnell= und Eilabholungsdienſtes ſind in weiten Kreiſen
des Publikums noch nicht genügend bekannt geworden.
Es wird deshalb auf die Vorteile der neuen Betriebs=
einrichtungen
erneut aufmerkſam gemacht. Der Orts=
ſchnelldienſt
iſt dem Telegraphenamt übertragen; er um=
faßt
die Abholung und unmittelbar daran an=
ſchließend
die Beſtellung einer gewöhnlichen Brief=
ſendung
(Poſtkarte, Druckſache, Warenprobe) innerhalb
der Stadt in der Zeit von 6 Uhr vorm. bis 10 Uhr
abends. An Gebühren werden erhoben: für die Eil=
abholung
und gleichzeitige Beſtellung einer Sendung
50 Pfg.; für jede weitere Sendung für denſelben Em=
pfänger
10 Pfg. mehr. Bei der gleichzeitigen Eilab= und Beſtellung von zwei Sendungen an zwei
verſchiedene Empfänger: für die erſte Sendung an den
erſten Empfänger 50 Pfg., für die Sendung an den
zweiten Empfänger 30 Pfg.; für eine von dem Boten
dem Abſender etwa zurückzubringende Antwort des
Empfängers oder bei nachträglicher Zurückziehung eines
Auftrags, ſofern der Bote den Weg zum Auftraggeber
inzwiſchen bereits angetreten hat, je 25 Pfg. Die Ant=
wort
kann auf Verlangen des Auftraggebers, falls dieſer
einen Fernſprechanſchluß beſitzt, vom Boten auch zuge=
ſprochen
werden. Der Eilabholungsdienſt wird ebenfalls
vom Telegraphenamt wahrgenommen. Er erſtreckt ſich
auf die Eilabholung gewöhnlicher Brief= uſw.= Sen=
dungen
und Telegramme, die bei dem Poſtamt auf=
geliefert
werden ſollen. Die Gebühr beträgt 25 Pfg. für
die Eilabholung einer Sendung; für jede weitere Sen=
dung
10 Pfg. mehr. Etwaige Aufträge für den Orts=
ſchnelldienſt
und für den Eilabholungsdienſt ſind am
zweckmäßigſten dem Telegraphenamt mittels des Fern=
ſprechanſchluſſes
Nr. 0 (Null) zuzuſprechen; ſie können
aber auch an den Poſtſchaltern mündlich oder unter
Benutzung der Briefkaſten ſchriftlich geſtellt werden.
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſellſchaft. Die Ein=
nahmen
im Monat Juni 1912 betrugen 1. Perſonen=
verkehr
629674 Mk. (Juni 1911 594801 Mk.), 2. Güter=
verkehr
81221 Mk. (79054 Mk.), 3. Nebeneinnahmen
2459 Mk. (2512 Mk.), 4. Geſamteinnahmen 713354 Mk.
(676 367 Mk.).
Verzeichnis neu hergeſtellter Fernſprechanſchlüſſe
und Aenderung bei beſtehenden Sprechſtellen. Neue
Anſchlüſſe. 2106 T. Anspach, Privatin, Liebig=
ſtraße
10. 2067 Albert Boſch, Dentiſt, Dieburger=
ſtraße
10. 2113 Korps Rhenania, Dieburgerſtraße 65.
2121 Großh. Eichamt, Woogſtraße 4. 2122 Großh=
Eichungs=Inſpektion, Paradeplatz 3. 2115 Chriſtoph
Ensling, Bautechniker, Saalbauſtraße 38. 2117 Maria
von Ernſt, Wilhelminenſtraße 50. 509 Geſchäftsleitung
der Eugen Bracht=Ausſtellung Darmſtadt 1912, Mathil=
denhöhe
. 2120 Wilhelm und Theo Hofmann, Privatiers,
Ohlyſtraße 36. 2112 Robert Katzenſtein. Metzgerei, Ar=
heilgerſtraße
23½. 2119 Philipp Loos, Handelsgärtnerei.
Schießhausſtraße 34. (220) Oskar Petrenz, Hofbuch=
händler
, Fuchsſtraße 10. 2118 Hugo Specht, Großh.
Maſchinen=Ingenieur, Schießhausſtraße 113, Haus Spech=
tenneſt
. 2116 v. Vigny, Hauptmann, Aliceſtraße 13;
1439 Robert Wahlen, stud. ing., Neckarſtraße 26.
Aenderungen. 1239 Benz u. Ko., Grafenſtraße 35,
jetzt Grafenſtraße 20. 1023 Franz Fehrer, Neckar=
ſtraße
10, jetzt Nr. 2514, Grafenſtraße 23½. 1891 Dr.
Otto Gros, jetzt Nr. 201. 593. v. Guſtedt, Hügelſtraße 79,
jetzt Hermannſtraße 43. 963 Konrad Haury, Gutenberg=
ſtraße
8, jetzt Gutenbergſtraße 5. 1080 Felix Hecker,
Liebigſtraße 7, jetzt Soderſtraße 2 und Nr. 122. 1738 Drs
Ing. Heyd, Herderſtraße 13, jetzt Landskronſtraße=
1476 Hirſchinger Zweiggeſchäft, jetzt Jakob Klein, Obſtz
und Gemüſehandlung. 1994 Emil Löb, jetzt Nr. 96.
1677 Moritz Mayer, jetzt Nr. 263. 1023 Juſtus Preß,
jetzt Nr. 2514. 750 Fr. Schubkegel, jetzt Nr. 516. 1096 Chr.
Schuchmann, Grafenſtraße 20, jetzt Grafenſtraße 27.
(269) Eugen Schütz, Grafenſtraße 27, jetzt Liebigſtraße 7.
111 J. Trautwein, Frankfurterſtraße 32, jetzt Karl=
ſtraße
25. (553) Gebr. Trier, Eſchollbrückerſtraße, jetzt
Weiterſtädterſtraße. 1076 W. Wiederſum, jetzt Nr. 2517.
Abgebrochene Sprechſtellen. 1186 Frau Dr.
Brand. 1130 Frhr. von Dungern. 862. von Enckevort,
1325 Emil Geppert. 593 v. Hammacher. (2556) Oppen=
heimer
u. Ko., Kirchſtraße 4. 759. H. Pfersdorff (Inh.
W. Löber). 610 Frhr. v. Rotenhan. 619 J. Simon.
2588 Prinzeſſin zu Solms=Braunfels. 1859 Hans Thu=
mann
. 2067 Inſtitut zur Vernichtung jeglichen Ungezie=
fers
(Inh. Ch. Schenk). 1661 Ludwig Weber. 1223 Wilh.
Weber.
* Abgeſtiegen ſind im Hotel Zur Traube Se
Hoheit Erbprinz von Sachſen=Meiningen.
General=Inſpekteur der 2. Armee=Inſpektion, mit Be.
gleitung und Bedienung, Freiherr v. Hammerſtein=
Oberſtleutnant im Generalſtab; vom General=Kom,
mando des Xl. Armeekorps Se. Exzellenz Genera=

Profeſſor Dr. Edmund Külp.
(Zu deſſen 50. Todestag, 18. Juli.)

Am ſüdlichen Teil der Friedhofsmauer, längs der
Nieder=Ramſtädterſtraße, befindet ſich über einem von
Epheu, Cypreſſen und Taxus beſchatteten Grabe eine
Tafel mit der Inſchrift:
Hier ruhen in Gott
ſunſere unvergeßlichen Eltern
Profeſſor Dr. Edmund Külp
Direktor zu Darmſtadt
geb. 16. April 1800, geſt. 18. Juli 1862
und
Luiſe Külp, geb. Hein
geb. 28. Juni 1813, geſt. 4. Auguſt 1859.
Das Andenken der Gerechten bleibet in Segen.
Es iſt am Platze, des hier ruhenden
Mannes, des Direktors der früheren hieſigen
höheren Gewerbeſchule, da er vor 50 Jah=
ren
das Zeitliche geſegnet. heute in Würdigung ſeiner
hervorragenden wiſſenſchaftlichen Bedeutung und vor=
züglichen
Charaktereigenſchaften öffentlich zu gedenken.
um ſo mehr, als ſo manche, die am Borne ſeines Wiſſens
geſchöpft haben, ſowie auch direkte Nachkommen desſel=
ben
noch unter uns leben.
Die genannte Anſtalt entſprach in den ſog. allge=
meinen
Klaſſen den beiden oberſten Klaſſen einer Ober=
realſchule
, nach deren Abſolvierung akſo die Reifeprü=
fung
abgelegt werden konnte; aber darüber hinaus hatte
ſie noch Fachabteilungen für Hoch=, Tief=, Eiſenbahn= und
Maſchinenbau, ſowie für Chemie und Technologie. Ihr
Direktor, Profeſſor Külp, Lehrer der höheren Mathema=
tik
und Phyſik, deſſen Lebensweisheit in ſeinen Worten:
Willſt du wahrhaft glücklich ſein, ſo achte jeder=
zeit
die Ordnung der Geſellſchaft, die Regeln der
Natur und vor allem das Geſetz, das Gott in dein Herz
geſchrieben hat.
Ausdruck fand und in dieſer Dreiteilung klar
und richtig das meiſchliche Daſein erſchöpfend

rmfaßt, war eine markante Perſönlichkeit, großes
Anſehen bei Lehrern und Schülern genießend. Der hohen
gewölbten Stirn, den leuchtenden Augen, dem ſcharf ge=
ſchnittenen
Mund entſprachen ſeine bedeutende wiſſen=
ſchaftliche
Begabung, ſein lebhaftes Temperament, ſeine
Energie. Sein Vortrag war ſehr anregend, voll Wärme
und Begeiſterung für die Lehre, der man mit geſpannter
Aufmerkſamkeit lauſchte und folgte, namentlich, wenn ſie
mit der ihm eigenen ſicheren Handhabung der phyſikali=
ſchen
Apparate beim Experimentieren unterſtützt wurde.
Auch als Schriftſteller leuchtete ſein Name. Neben ver=
chiedenen
mathematiſchen Schriften iſt vor allem ſein
Lehrbuch der Experimentalphyſik zu nennen, ein groß
angelegtes Werk in 4 Bänden mit 2244 Seiten großoktav,
ohne die umfangreichen Vorworte und 609 Abbildungen.
In dem Titel kommt zum Ausdruck, daß das Exveriment
einen weſentlichen Teil der Lehre der Phyſik bilden ſoll,
um auf dieſem Gebiet Wahrheiten unmittelbar feſtzuſtel=
len
oder die Richtigkeit ſpekulativer Forſchungsergebniſſe
auch durch ſinnliche Wahmnehmung nachzuweiſen. Dabei
kam aber auch die Mathematik, noch unter Anwen=
dung
des Differentials und Differential=
quotienten
, zu ihrem unzweifelhaften Recht, und
es liegt gerade in der ſachgemäßen Verbindung beider
Richtungen der beſondere Wert des Werkes, das auch
den Beifall des großen Liebig gefunden hat. Welch ein
Wiſſen, wieviel Studium, Umſicht, Fleiß und Beharrlich=
keit
war zu einer ſolchen Arbeit erforderlich, die damals
etwa die hervorragende Stellung einnahm, wie ſie heute
dem vorzüglichen Lehrbuch der Phyſik von E. Grimſehl,
Direktor der Oberrealſchule auf der Uhlenhorſt in Ham=
burg
(1909) zuzuerkennen iſt. Derſelbe ſagt auch im zu=
gehörigen
Vorwort:
Bei einigen mathematiſchen Abhandlungen habe
ich von den einfachſten Elementen der Infiniteſimal=
rechnung
Gebrauch gemacht, da ich denke und hoffe,
daß die Zeit nicht mehr allzu ferne iſt, daß die Kennt=
nis
dieſer Elemente als ein weſentlicher Beſtanſteil
der allgemeinen Bildung angeſehen werde. Daß wir
in der Phyſik gar nicht ohne Differentkalaustienten

auskommen können, iſt jedem Phyſiker hinlänglich be=
kannt
. Wir umſchreiben den Differentialquotienten
leider nur oft mit vielen Worten und wagen es nicht,
das Ding beim rechten Namen zu nennen, vergeſſen
aber, daß die Zeit, die zu der langen Umſchreibung an=
gewandt
oder verſchwendet wird, viel beſſer ausgenutzt
würde, wenn wir die Fundamente der Infiniteſimal=
rechnung
in den elementaren Unterricht mit verſchmel=
zen
würden.
Leider war es Külp nicht vergönnt, ſein Lieblings=
werk
, an deſſen Bearbeitung und Vollendung er mit
ganzer Seele hing, zu Ende zu führen. In ſeinem 63.
Lebensjahre, nach längerer, ſchwerer Krankheit wurde
er der Wiſſenſchaft und den Seinen entriſſen. Der letzte
Band, die Lehre von der Wärme, von der Külp noch
die erſten 6, ſowie den 8. Bogen hinterließ, iſt von Dr.
Dreſer bearbeitet worden und erſchien 1867. Schade,
daß dieſes bedeutſame Phyſikwerk unter den Fortſchrit=
ten
der Wiſſenſchaft nicht weitere Bearbeiter gefunden
hat; es wäre wahrlich wert geweſen, als gründliches,
echt wiſſenſchaftlich gehaltenes Lehrmittel auch ferner im
Buchhandel zu erſcheinen.
Beſondere Erwähnung verdient noch Külps Diffe=
rential
= und Integralrechnung und deren Anwendung
auf die Geometrie der Ebene 1855, auch ein größeres
Werk von 44 Bogen großoktav, das ſeinerzeit geradezu
als klaſſiſches Lehrbuch gelten konnte.
Sein Wirken als Direktor war auch darauf gerich=
tet
, die Fachabteilungen der höheren Gewerbeſchulen
ſchon damals zu einem Polytechnikum mit allen Rechten
eines ſolchen, wozu ein Vorbild im Nachbarſtaat Ba=
den
, in Karlsruhe, gegeben war, erweitern zu laſſen.
Beharrlich und energiſch verfolgte er dieſes Ziel; die ſich
entgegenſtellenden Schwierigkeiten, namentlich finanziel=
ler
Natur, ließen ihn nicht erlahmen. Aber es war für
Darmſtadt und das Land die Zeit für eine ſolche Groß=
tat
noch nicht gekommen. Erſt eine Reihe von Jahren
nach ſeinem Tode, nachdem die höhere Gewerbeſchule
noch als techniſche Schule in die Erſcheinung getreten

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Nummer 167.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 18. Juli 1912.

Seite 3.

der Infanterie Freiherr v. Scheffer=Boyadel,
Major v. Selle, ferner der Kommandeur der 22. Di=
viſion
, Se. Exzellenz Generalleutnant Liman, und
Major Dore.
* Ein neuer Studenten=Ausſchuß. In der geſtrigen
Studentenverſammlung wurde mit großer Mehrheit in
zweiter Leſung der Antrag angenommen, den beſtehen=
den
Studenten=Ausſchuß in einen Zweikammer=
Ausſchuß umzuwandeln. So iſt es gelungen,
die geſamte Studentenſchaft zu gemeinſamer Arbeit zu
einen.
* Mozart=Verein. Nächſten Samstag, den 20. d. M.,
veranſtaltet der Verein im Garten des Saalbaues ſein
diesjähriges Sommernachtsfeſt. Aller Vor=
ausſicht
nach beſchert der Himmel dazu den Zauber einer
echten Sommernacht. Als eine beſondere Ueberraſchung
wird ſich die diesmalige Feſtbeleuchtung des ſchönen
Saalbaugartens erweiſen. Sämtliche Beleuchtungskande=
laber
werden mit Illuminationskörpern in den verſchie=
denen
Formen verſehen, ſo daß den weiten Garten ein
Lichtmeer von unzähligen kleinen Gasflämmchen über=
ſtrahlen
wird, während das milde Leuchten der in den
Gebüſchen und Anlagen verteilten Lampions einen
wirkungsvollen Gegenſatz dazu bildet. Auch die Muſik=
vorträge
der vollbeſetzten Kapelle der 115er verſprechen im
Hinblick auf das intereſſante und neuartige Programm,
welches Herr Obermuſikmeiſter Hauske für den Abend
aufgeſtellt hat, beſondere Anregung und Genuß. Als
Melodienſtrauß aus aller Welt ziehen treffliche und
geſchmackvoll ausgewählte Weiſen an den Ohren der Zu=
hörer
vorüber, führen ſie in den einzelnen Nummern
des Programms nach den verſchiedenen Ländern und
endigen mit dem Kaiſer=Marſch von Rich. Wagner im
lieben deutſchen Vaterland. Von nun ab ſchwingt im
großen Saale Terpſichore das Szepter, mit einer großen
Polonäſe durch den Garten tritt ſie ihre Herrſchaft an.
Sollte wider Erwarten ungünſtige Witterung eintreten,
ſo finden die Muſikvorträge in Form eines Prome=
naden
=Konzerts im großen Saale ſtatt. Eine Ver=
ſchiebung
des Feſtes bleibt ausgeſchloſſen.
Es geht auch ohne! . . . Frohen Muts ging’s
neulich nach des Tages Arbeit den heimatlichen Penaten
zu! Mit Hochgenuß ſchwelgten die Augen in dem
herrlichen Farbenſpiel, das von den Höhen herunter=
winkt
, und freuten ſich der mehr oder minder äſthetiſchen
Formen der Architekturen. Doch der Genuß ſollte vor
einem Kino ſein jähes Ende finden! Ein mannshohes
Plakat in den marktſchreieriſchſten Farben grinſte dem
Beſchauer entgegen! Rot in verſchwenderiſcher Frei=
gebigkeit
, grasgrün, dunkelblau, tiefſchwarz und alles
was die neue Druckfarbentechnik an Möglichem und
Unmöglichem fabriziert, verdeckte das ſchöne Weiß des
Papiers. Noch toller wurde die Sache beim näheren
Beſchauen. Berzerrte Geſichter, als ob der Leibhaftige
eben zu einem Beſuche erſchienen wäre, halszerbrecheriſche
Stellungen, wütend gekrallte Hände, kurz, man konnte
das Gruſeln kennen lernen, daß es einem abwechſelnd
kalt und warm den Rücken hinablief. Und der Erfolg:
Das Programm iſt zu ſchauerlich, wir gehen lieber ein
andermal hinein hörte ich hinter mir eine Frau ſagen,
die ihren Mann am Aermel vom Ort des Schreckens fort=
zog
. Halbwüchſigen Bürſchchen dagegen, Verzehrern von
20=Pfg.=Schmökern, bedeutete dieſes Plakat die Erfüllung
langerſehnter Genüſſe. Wieder führte mich kürzlich
mein Weg an der gleichen Stelle vorbei, und um mir
die frohe Laune nicht zu verderben, wollte ich meine
Schritte nach der anderen Straßenſeite lenken. Doch
ſiehe, heuer geht es auch ohne! In dankenswerter Weiſe
haben nämlich die Kino=Beſitzer beſchloſſen, von dieſer
Art der Reklame Abſtand zu nehmen. An
Stelle der Undinger bietet eine Tafel dem Vorüber=
gehenden
Gelegenheit, das Programm zu prüfen. Und
mun der Erfolg? Erſtens ſparen die Kino=Beſitzer ſehr
viel Geld denn die Farbe auf den Plakaten wollte
bezahlt ſein zweitens vertreiben ſie ſich keine Be=
ſſucher
mehr und drittens iſt das äſthetiſche Aergernis
beſeitigt. Dieſe Neuerung wird neben der Einführung
der eigenen Film=Zenſur von jedermann lobend an=
erkannt
. Dieſe hübſche Plauderei bezieht ſich auf
Stuttgart deſſen Neuem Tagbl. wir ſie entnehmen.
Sie könnte wörtlich auch für Darmſtadt gelten, wo
leider die Kino=Reklame noch nicht reformiert iſt.
* Schützenhof. Durch den guten Beſuch der letzten
Konzerte fühlt ſich der neue Reſtaurateur des Schützen=
hofes
, Herr Fendl, veranlaßt, heute Donnerstag ein
ſgroßes Extra=Konzert der Kapelle des Großh.
Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61 unter Herrn Obermuſikmeiſter
Webers Leitung zu veranſtalten. Das ſehr reich=
haltige
Programm enthält nur Streichmuſik. (Siehe
Anzeige.)
* In der Brauerei Erker, Bleichſtraße, findet heute
abend Militärkonzert ſtatt. (S. Anz.)

* Ein ſchweres Automobilunglück wurde, wie
man uns mitteilt, verhütet durch die Kaltblütigkeit des
Führers und Leiters der Darmſtädter Chauffeur=Schule
Herrn Schäfer. Dieſer kam mit mehreren Inſaſſen
Montag abend gegen 11 Uhr von Frankfurt, als ihm
plötzlich bei der Merckſchen Fabrik ein Reiter mit Be=
gleitpferd
entgegenkam und die Pferde quer vor das Auto
ſtellte. Dem Führer war es nur möglich, das Auto in
den Graben zu lenken. Bei dieſem Anprall wurde das
Auto total zertrümmert; die Frau des Führers wurde
in weitem Bogen herausgeſchleudert, ſie erlitt jedoch
nur geringe Verletzungen. Die Angelegenheit wird noch
ein gerichtliches Nachſpiel haben.

sd. Beerfelden, 16. Juli. Bei der heute ſtattgefunde=
nen
Vexloſung der Beerfeldener Pferdemarktlotterie
fiel der Hauptpreis im Werte von ungefähr 2000 Mark nach
Watzenborn bei Gießen. Der zweite Preis kam nach Böll=
ſtein
im Odenwald.
Mainz, 17. Juli. Die geſtrige Abendſitzung der
Stellenbeſetzungskommiſſion hat zu dem Ergebnis ge=
führt
, Herrn Dr. Külb der einer Mainzer Familie ent=
ſtammt
, im 42. Lebensjahre ſteht und hier als Arzt tätig
iſt, den Stadtverordneten zum Beigeordneten zu empfeh=
len
. Für die zweite Stelle, für die juriſtiſche Vorbildung
erforderlich iſt, wurde eine Einigung noch nicht erzielt;
es ſtehen drei hieſige und fünf auswärtige Herren in
engerer Wahl. Für kommenden Samstag iſt eine
Sonderſitzung der Stadtverordneten anberaumt, in der
dann die Wahl ſtattfinden ſoll.
Weiſenau, 17. Juli. In der hieſigen Zementfabrik
brennt ſchon ſeit längerer Zeit ein Kohlenlager,
konnte aber bis jetzt noch nicht gelöſcht werden. Ein
Buchbinder aus Mainz ſchoß nach vorausgegangenem
Wortwechſel mehrmals nach zwei Soldaten des 3. Fuß=
artillerie
=Regiments in Mainz, ohne jedoch zu treffen.
Die Soldaten ſetzten ſich zur Wehr und der Buchbinder
erhielt mit dem Seitengewehr ſchwere Kopfverletzungen.
Worms, 17. Juli. Geſtern vormittag wurde im Rhein
die Leiche eines Jungen geländet. Die Leiche wurde als
diejenige des 15 Jahre alten Tüncherlehrlings Karl
Hildenbrand aus Sandhofen bei Mannheim
erkannt. Der Junge iſt am letzten Sonntag beim
Baden im freien Rheine bei Sandhofen ertrunken.
Gießen, 17. Juli. In ſteigendem Maße finden die
Gießener Feldverſuche die Beachtung der Land=
wirte
. In jeder Woche erſcheinen Vereine und viele Einzel=
beſucher
, um ſich die umfangreichen 73 Morgen umfaſſenden
Einrichtungen anzuſehen. Am 11. Juli erſchienen auch unter
Führung des Herrn Oberbürgermeiſters Mecum die Gie=
ßener
Stadtverordneten in corpore, um durch den Inſtituts=
direktor
Profeſſor Dr. Giſevius und deſſen Aſſiſtenten Wolff
und Burk durch die intereſſanten Verſuche geleitet zu wer=
den
. An die Beſichtigung ſchloß ſich ein gemeinſames Eſſen
an. Am Samstag, den 13. d. Mts. waren mehrere hundert
Landwirte und andere Beſucher auf dem Verſuchsfelde er=
ſchienen
. Die Verſuche erregen allgemein großes Intereſſe.
Es ſind allein in den Sortenanbauverſuchen an Winter=
weizen
29 Sorten, Sommerweizen 13 Sorten, Roggen 13
Sorten Wintergerſte 2 Sorten, Sommergerſte 18 Sorten,
Hafer 19 Sorten, Erbſen und Wicken 10 Sorten, an Kar=
toffeln
129 Sorten (faſt durchweg ganz neue Züchtungen der
bekannteſten Züchter) Rüben, Möhren, Kohlrüben und
Waſſerrüben 21 Sorten untergebracht. Dazu kommt ein per=
manenter
Düngungsverſuch mit 320 Parzellen, Gräſeran=
bauverſuche
, Züchtungsverſuche und vieles andere. Die
Zahl der einzelnen Parzellen ſtellt ſich auf ungefähr 1500.
Ein gedruckter Führer erleichtert die Beſichtigung ſehr. In
nächſter Zeit ſind weitere Vereine angemeldet.
* Bad Nauheim, 17. Juli. Hier findet vom 21. bis
25. Auguſt ein großes allgemeines Tennis=Turnier
ſtatt. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin
von Heſſen hat das Protektorat übernommen, wäh=
rend
Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Heſſen
ſowie der Staat und die Stadt Nauheim je einen Preis
geſtiftet haben. Das Turnier wird veranſtaltet für Spie=
ler
aus dem Großherzogtum Heſſen und Heſſen=Naſſau,
Weſtfalen, der Rheinprovinz und dem Großherzogtum
Baden und es ſteht zu erwarten, daß die Teilnahme eine
ſehr rege ſein wird. In ſportlichen Dingen iſt Bad Nau=
heim
bis jetzt noch nicht hervorgetreten, obwohl es auf
ſeinen ſchönen Spielplätzen den Sport ſtets gepflegt und
gefördert hat. Mit dieſem Turnier aber ſtellt es ſich
zum erſten Male in die Reihen anderer großer Badeorte,
die den zahlreichen Anhängern geſunder Bewegungsſpiele
im Freien Gelegenheit geben, ihre Kraft zu meſſen.
Nieder=Ohmen, 17. Juli. Ein hieſiger Landwirt
wollte von ſeiner Wieſe Klee holen. Im Begriff, auf den
Wagen zu ſteigen, ſtürzte er herunter, die Kühe zogen
an und der Wagen ging über ſeinen Körper. Es

wurden ihm mehrere Rippen eingedrückt, welche die Lun=
gen
verletzten. Er kam zur Klinik nach Gießen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 16. Juli. Ein eigen=
artiger
Beleidigungsprozeß gelangte vor
dem Schöffengericht Berlin=Mitte zur Verhandlung. Klä=
ger
war der von dem Rechtsanwalt Dr. Heinemann ver=
tretene
Leibarzt der Königin von Holland der berühmte
Gynäkologe Profeſſor Dr. Kouwer aus Utrecht, Beklag=
ter
der Erfinder der Hühneraugenringe in der Uhr
Kaufmann Vollrath Wasmuth aus Hamburg, der von
dem Rechtsanwalt Dr. Abrahamſohn verteidigt wurde.
Der auf verleumderiſche Beleidigung lautenden Anklage
lag nach dem Lokalanzeiger folgender Sachverhalt zu=
grunde
: Der Kläger, Profeſſor Dr. Kouwer, iſt Univer=
ſitätsprofeſſor
und Leibarzt der Königin Wilhelmina
von Holland. Als ſolcher wurde er ſeinerzeit zu der
bevorſtehenden Niederkunft der Königin hinzugezögen,
die bekanntlich, nach mehrmaligen Enttäuſchungen auch
glücklich von ſtatten ging. Unmittelbar nach der Geburt
des Thronerben erließ der Angeklagte ein Rundſchreiben
mit dem Bilde der Königin von Holland und der Unter=
ſchrift
: Hollands Hoffnungen erfüllt worin er be=
hauptete
, daß Profeſſor Kouwer ein von dem Beklagten
erfundenes Geheimmittel Rad=Jo das er ihm zuge=
ſandt
habe, bei der Niederkunft der Königin angewandt
und nur dadurch einen Erfolg erzielt habe. Prof. Kou=
wer
fühlte ſich durch die Behauptung, er hätte in ſeiner
hochverantwortlichen Stellung und bei ſeinem wiſſen=
ſchaftlichen
Range ein Kurpfuſchermittel benutzt, in ſei=
ner
Ehre gekränkt. Er ſtrengte eine Beleidigungs=
klage
gegen Wasmuth an, dem auch eine Konven=
tionalſtrafe
von je 1500 Mark für jeden Fall der Zu=
widerhandlung
auferlegt wurde. In dieſem Verfahren
bekundete Profeſſor Kouwer unter ſeinem Eide daß er
jenes Geheimmittel Rad=Jo ſofort nach dem Empfang
durch ſeinen Diener habe fortwerfen laſſen. Vor einiger
Zeit wurde Wasmuth in einem hieſigen Blatte als In=
haber
der Amol=Deſtillerie angegriffen und ihm unrecht=
mäßige
Benutzung des päpſtlichen Hoflieferantentitels
vorgeworfen. In einer darauf erlaſſenen Berichtigung
kam Wasmuth trotz dem gerichtlichen Verbot wieder auf
jene Rad=Jo=Angelegenheit zurück und behauptete, daß
noch unterſucht werde, ob die glückliche Niederkunft der
Königin von Holland nicht doch auf die Anwendung des
Rad=Jo zurückzuführen ſei. Profeſſor Kouwer ſtrengte
hierauf die jetzige Klage wegen der wider beſſeres Wiſſen
erhobenen Beſchuldigung an. Vor Gericht beantragte der
Rechtsanwalt Dr. Heinemann, den Angeklagten zu einer
längeren Gefängnisſtrafe zu verurteilen, da, abgeſehen
von der Schwere der Beleidigung, ihn eine Geldſtrafe
nicht genügend treffen würde, weil Wasmuth durch den
Vertrieb verſchiedener Geheimmittel längſt mehrfacher
Millionär ſei. Der Rechtsanwalt Dr. Abrahamſohn be=
antragte
in erſter Linie Freiſprechung, ſonſt aber nur
eine Geldſtrafe. Das Gericht erkannte wegen verleum=
deriſcher
Beleidigung auf 600 Mark Geldſtrafe, even=
tuell
40 Tage Gefängnis. Außerdem wurde dem Be=
leidigten
die Befugnis zur Veröffentlichung des Urteils
zugeſprochen. Rechtsanwalt Paul Brede=
reck
, der Verteidiger des Haaſe, verbreitet durch die
N. G. C. folgende Erklärung: Durch die Preſſe ſind
in den letzten Tagen in der Angelegenheit Haaſe eine
Reihe von Mitteilungen gegangen, die faſt durchweg
unrichtige Angaben oder doch eine auf falſcher Grund=
lage
beruhende Kritik meiner Handlungsweiſe enthielten.
1. Es iſt unrichtig, daß ich in Haaſe gedrungen bin, er
möge ein Geſtändnis ablegen. Ich habe vielmehr, mei=
ner
Pflicht als Verteidiger gemäß, mit ihm ſeine Lage
ſund die Vor= und Nachteile eines Geſtändniſſes beſpro=
chen
. Dabei hat er mir ein volles Geſtändnis der Tat
und aller Nebenumſtände abgelegt und mich beauftragt,
das Geſtändnis dem Herrn Unterſuchungsrichter zu unter=
breiten
. Ich habe das nicht ſogleich getan, ſondern ihn
erſt noch drei Stunden allein gelaſſen mit der Auffor=
derung
, noch einmal reiflich über den geplanten Schritt
nachzudenken. Inzwiſchen habe ich mit den Angehörigen
Haaſes über die Wendung in der Sache Rückſprache ge=
nommen
und dann Haaſe die Meinung ſeiner Angehö=
rigen
unterbreitet. Haaſe iſt bei ſeinem Entſchluſſe ver=
blieben
und hat mich erneut erſucht, ſein Geſtändnis dem
Herrn Unterſuchungsrichter zu unterbreiten. 2. Haaſe
hat mir niemals 50000 Mark oder irgend einen Betr.)g
von dem unterſchlagenen Gelde angeboten. Er war von
Anfang an in einer Gemütsverfaſſung, die überhaupt
nicht damit rechnete, daß ihm die Vorteile des unter=
ſchlagenen
Geldes je zuteil werden könnten. Er hat auch,
wie die Verhandlung ergeben wird, die Tat gar nicht
ausgeführt, um ſich etwa mit dem Gelde ein ſorgloſes
Leben zu verſchaffen. 3. Die von der geſchädigten Geſell=
ſchaft
für die Herbeiſchaffung des Geldes ausgeſetzte Be=

war, wurde ihr die von ihm angeſtrebte Erhöhung zur
polytechniſchen Schule zu teil (1869).
Es dürfte nun gewiß auch intereſſieren, über den
Werdegang des Mannes einiges Nähere zu erfahren. Külp
iſt am 16. April 1800 als Sohn des geiſtlichen Inſpektors
Friedrich Külp zu Nordheim, Kreis Bensheim geboren;
vom 8. bis 15. Lebensjahr brachte er bei ſeinem Oheim
und Paten Stadtrat Daniel Abegy in Elbing in Weſt=
preußen
zu und beſuchte daſelbſt das in vorzüglichem Rufe
ſtehende Gymnaſium. Wie es auch ſonſt nicht allzu
ſelten vorkommt, blieb er hier gerade in dem Fache zurück,
in dem er ſpäter ſo Bedeutendes leiſtete, in der Mathe=
matik
. Im Jahre 1816 nahm ihn ſein Oheim mit nach
Mannheim, wo er noch ein Jahr das Lyceum beſuchte.
Dann trat er als Zögling in das Athenée Royal inBrüſſel
ein, namentlich um die franzöſiſche Sprache zu erlernen,
die er denn auch ſpäter bei Bearbeitung des Francoeur'=
ſchen
Lehrbuchs der höheren Analyſis verwertete. Sein
vortrefflicher Lehrer Quetelet weckte in ihm die Neigung
zur Mathematik, der er ſich nun unter Aufgabe ſeiner
bisherigen Abſicht, Militär zu werden, mit Feuereifer und
großem Erfolge widmete. Der von ſeinen Mitſchülern ob
ſeines Wiſſens und Könnens angeſtaunte Ausländer er=
hielt
wiederholt Preiſe in den verſchiedenen mathema=
tiſchen
Disziplinen, zuletzt, im Jahre 1823, wurde ihm der
Preis für Mechanik mit einer Lorbeerkrone überreicht.
In ſeine Heimat zurückgekehrt, beſuchte Külp noch ein Jahr
die Univerſität Heidelberg und empfing im Jahre 1824 in
Gießen die hiloſophiſche Doktorwürde.
Mit Dekret vom 29. Juli 1826 wurde er Lehrer an der
Realſchule in Darmſtadt. In dieſe Zeit fällt eine inte=
reſſante
Beziehung zwiſchen Külp und dem großen nor=
wegiſchen
Mathematiker Niels Abel. Letzterer hatte im
Crelleſchen Journal (Berlin) Abhandlungen betreffend die
Unmöglichkeit der algebraiſchen Auflöſung einer allge=
meinen
Gleichung von höherem Grade als dem vierten
und die Auflöſung einer Aufgabe aus der Mechanik er=
ſſcheinen
laſſen. Der junge Reallehrer ließ nun dem

Herausgeber des Journals einige Beanſtandungen zu die=
ſen
Veröffentlichungen zukommen, worauf ihm Abel unterm
1. November 1826 direkt einen längeren Brief aus Paris
mit entſprechender Berichtigung bezw. Erläuterung über=
ſandt
hat. Dieſes Schriftſtück beginnt wie folgt:
In einem Briefe, den ich von Herrn Geheimerat
Crelle empfangen habe, ſchreibt er mir, daß Sie von
ihm Erläuterung einiger Stellen in meinen Abhand=
lungen
verlangt haben. Der Herr Geheimrat, bittet auch
Ihnen dieſe Erläuterungen zu geben. Das tue ich mit
größtem Vergnügen und danke Ihnen, daß Sie mich auf
das aufmerkſam gemacht haben, was in meinen Abhand=
lungen
weniger deutlich iſt.
Die erſte Schwierigkeit, die Sie gefunden haben,
rührt von einem Druckfehler her, uſw.
Im Jahre 1846 wurde Külp Profeſſor, auch an der
höheren Gewerbeſchule, ſowie Direktor der beiden Lehr=
anſtalten
. Das Verhältnis zwiſchen ihm und den Schülern
war ein vortreffliches. Ein zielbewußter, ge=
rechter
Mann, frei von jeder Einſeitigkeit,
war er ihnen auch ein guter Berater und Freund. Wie
ſchön, innig und beglückend kennzeichnet folgende Wid=
mung
das ſie verknüpfende Band:
Dem Herrn Profeſſor Dr. Edmund Külp, ihrem hoch=
verehrten
Lehrer und väterlichen Freund:
Die Wiſſenſchaft, welche Du lehreſt,
Gibt Freiheit und Glück!
Das freundliche Band, womit Du Deine Schüler um=
ſchließeſt
,
Erwecket Liebe und Vertrauen!
Ewig jung und friſch wie die Blumen des Frühlings,
Blüht die Liebe zu Dir in den Herzen dankbarer Schüler.
Darmſtadt, 13. Januar 1847.
Beim Leſen dieſes möchte man nur wünſchen, daß
ſolche pietätvolle Empfindung unſerer Jugend vicht ver=
loren
gehe.

Am 26. Dezember 1858 feierte Külp ſeine ſilberne
Hochzeit; Großherzog Ludwig III. verlieh ihm hierbei das
Ritterkreuz 1. Klaſſe des Philippsordens. Aber ſchon im
nächſten Jahre hatte er den ſchweren Verluſt ſeiner treff=
lichen
Gattin zu beklagen.
Wir wollen nicht ſtille ſtehen und nicht müde werden,
rüſtig und mit lauterem Sinne in der Wiſſenſchaft fleißig
fortzuarbeiten, wenn ſie uns auch nicht an das Ende der
Dinge zu führen und des einen oder anderen Rätſels
Deutung zu finden vermag. Der unerſättliche Durſt
nach höherer Einſicht, welchen die Wiſſenſchaft niemals
ganz ſtillen kann, liefert gleichſam den Beweis, daß dem
Menſchengeſchlechte ein in weiter Ferne liegendes hohes
Ziel von der Hand des Schöpfers geſteckt iſt, welchem
es in raſtloſem Kampfe mit der Sinnenwelt mehr und
mehr näher zu kommen ſich zu beſtreben hat.
So ſagt Külp am Schluß ſeines Vorworts zum 2. Band
ſeines Lehrbuchs der Experimentalphyſik (1858). Darin
drückt ſich ſein unermüdlicher Hang nach weiterem Wiſſen
aus und er erachtet es als ein Gebot Gottes, die Rätſel
der Natur mit Aufgebot aller Kräfte zu löſen. Damit darf
man ſich gewiß einverſtanden erklären, denn jede neue Gr=
kenntnis
bedeutet eine neue Seite der Erhabenheit Gottes.
Die Stadt Darmſtadt hat Külp zu ihrem Ehrenbürger
ernannt und eine von ſeinen älteren Schülern gegründete
Külp=Stiftung kommt noch manchem hilfsbedürftigen Stu=
dierenden
zugut. Aber zur ferneren Erinnerung an dieſen
trefflichen Mann, der in der Nähe geboren iſt und über
36 Jahre ſo erfolgreich in Darmſtadt gewirkt hat, wäre
auch eine mehr öffentliche, nach außen ſich hinreichend gel=
tend
machende Ehrung am Platze, vielleicht indem eine
Straße unſerer Stadt mit ſeinem Namen getauft wird.
Das wäre eine Freude für ſeine noch lebenden Kinder,
von denen zwei Töchter in unſerer Mitte leben, ein Sohn,
Mzjor i. P., in Steglitz bei Berlin wohnt.
Joſeph. Lößer=-

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 18. Juli 1912.

Nummer 167

lohnung von 4000 Mark ſteht mir nach der Beſtimmung
des § 657 des Bürgerlichen Geſetzbuches ohne jeden
Zweifel zu. Ich habe, als Haaſe mir ſein Geſtändnis
ablegte, gar nicht an die ausgeſetzte Belohnung gedacht.
Ich bin vielmehr erſt durch die Aeußerungen eines Kol=
legen
darauf hingewieſen worden, daß ſie mir zuſteht,
da ſie ja auch dann zu zahlen iſt, wenn ohne Rückſicht auf
die ausgeſetzte Belohnung gehandelt worden iſt. Nach
Rückſprache mit Haaſe und ſeinen Angehörigen häbe ich
darauf meinen Anſpruch auf den ausgeſetzten Betrag bei
der geſchädigten Geſellſchaft geltend gemacht. Den Be=
trag
habe ich der Mutter des Haaſe ganz zur Verfügung
geſtellt. Die B. N. N. bemerken dazu: Die Mitteilung
vom 13. Juli, daß Herr Rechtsanwalt Paul Bredereck
einen Teil der 4000 Mark der Mutter des Haaſe über=
wieſen
und den anderen für die von ihm übernommene
Verteidigung beſtimmt habe, war von einer zu der Po=
lizei
in engen Beziehungen ſtehenden bekannten Kor=
reſpondenz
an alle Blätter verſchickt worden. Ob nicht
trotz der vorſtehenden Erklärung die beſonders in An=
waltskreiſen
vielbeſprochene Angelegenheit noch weiter
die Oeffentlichkeit beſchäftigen wird, bleibt abzuwarten.
Frankfurt, 17. Juli. Schon ſeit einiger Zeit herrſcht
bei den Kellnern des Café Hauptwache Un=
zufriedenheit
, ſowohl bei den Zahlkellnern wie
auch bei dem Zuträgerperſonal. In der Hauptwache
verlangen die Zahlkellner den Wegfall der 3 Prozent,
die ſie aus den Einnahmen an den Beſitzer reſp. Päch=
ter
zu entrichten haben, ferner ſind alle mit der Behand=
lung
unzufrieden. Es fanden Unterhandlungen zwiſchen
Kellnerperſonal und dem Pächter des der Stadt ge=
hörenden
Etabliſſements ſtatt, die aber zu keinem Er=
gebnis
führten. Daraufhin ſtellten heute nachmittag
1 Uhr alle Zahlkellner und Zuträger, etwa dreißig Mann,
die Arbeit ein. Der Vorfall erregte begreiflicher
Weiſe, da er ſich an dem verkehrsreichen Ort ſehr be=
merkbar
machte, großes Aufſehen. In einem benachbar=
ten
Lokal verſammelten ſich die Kellner, um einen Be=
richt
über den Verlauf der Angelegenheit entgegenzuneh=
men
und weitere Maßnahmen zu beraten.
Frankfurt a. M., 17. Juli. Als Ort für das nächſte 18.
deutſche Bundesſchießen im Jahre 1915 iſt
Stuttgart gewählt worden.
Stuttgart, 17. Juli. Ein Stellmacher erſchoß
geſtern abend in einem Vorort die 22jährige Tochter
eines Weingärtners auf offener Straße und tötete da=
bei
auch einen dreijährigen Knaben. Dann erſchoß er
ſich ſelbſt.
Saarbrücken, 16. Juli. Hier hat ein Mann, der vor
etwa 2½ Jahren durch Schreck die Sprache verloren
hatte, das Sprechvermögen plötzlich wieder=
erlangt
. Es handelt ſich um einen Beamten der hie=
ſigen
Schulinſpektion. Durch den Verluſt der Sprache
war das Gehör nicht in Mitleidenſchaft gezogen. Die
Verſtändigung mit den Perſonen, mit denen der Mann
zu verkehren hatte, war jedoch nur durch Zeichen oder
durch ſchriftlichen Verkehr möglich. Die ärztlichen Be=
mühungen
, die Hemmung des Sprechvermögens wieder
aufzuheben, waren ohne Erfolg geblieben. Jetzt hat ſich
das Sprechvermögen wieder von ſelbſt eingeſtellt. Am
Samstag abend ſang die Tochter des Mannes ein Lied,
das der Stumme unwillkürlich mitſummte, und dabei
gab er zu ſeinem und zu ſeiner Angehörigen Erſtaunen
ſprachliche Laute von ſich, die ſich anfänglich nur lang=
ſam
und ſchwer bildeten. Die Beſſerung trat aber ſehr
ſchnell ein und bald gelang es dem Manne wieder, voll=
ſtändig
zu ſprechen, wobei ſich nur noch ein ſichtliches
Zögern und eine Unbeholfenheit in der Ausſprache be=
merkbar
machten. Bald hatte ſich die Ausſprache ſchon
ſo gebeſſert, daß der Mann beim Antritt ſeines Dienſtes
ſeine Vorgeſetzten und Kollegen mit einem lauten
Guten Morgen, meine Herren begrüßen konnte,
worüber die alſo Angeredeten natürlich in die größte
Ueberraſchung verſetzt wurden. Die Plötzlichkeit, mit der
das Sprechvermögen nach 2½ Jahren wieder einſetzte,
hat auf alle, die mit dem Manne verkehren, in höchſtem
Maße überraſchend gewirkt. Man kann jetzt nach der zu=
nehmenden
Beſſerung ſchon vorausſagen, daß er wieder
vollſtändig in den Beſitz der Sprache gelangen wird.
Trier, 17. Juli. Geſtern abend ſank auf der Moſel
bei Mertert ein mit zehn Trierer Bäckern beſetzter
Kahn. Der 79 Jahre alte Fährmann und zwei Bäcker=
meiſter
aus Trier ſind ertrunken. Mehrere andere Bäcker=
meiſter
, darunter auch der Obermeiſter der Trierer Bäcker=
innung
konnten erſt nach ſtundenlangen Bemühungen der
herbeigerufenen Trierer Sanitätskolonne ins Leben zu=
rückgerufen
werden. Der Kahn war infolge der Hitze un=

dicht geworden, ſodaß bei der Ueberfahrt Waſſer in ihn
eindrang.
Eſſen, 17. Juli. Vorgeſtern und geſtern ertran=
ken
beim Baden im Rhein und in der Ruhr 22 Per=
ſonen
.
Barmen, 17. Juli. Fünf Kroaten überfielen einen
Landwirt im Bett und raubten ihm ſein Barvermögen.
Als ſie verfolgt wurden, ſchoſſen ſie aus Revolvern
auf ihre Verfolger. Sie wurden erſt nach heftigem
Kampf verhaftet.
Waldeck, 16. Juli. Die Einwohner der beiden vom
Erdboden verſchwundenen Niederlaſſungen Berich und
Bringhauſen haben ſich eine neue Anſiedelung ge=
ſchaffen
, die ſie in treuer Anhänglichkeit an ihre alte
Wohnſtätte Neu=Berich benannt haben. Bei der Erbau=
ung
des neuen Wohnortes iſt die Regierung den Anſied=
lern
in weiteſtem Maße entgegengekommen, indem ſie
verſchiedene höhere Beamte ihres Bauweſens mit der
Leitung des Neubaues von Neu=Berich beauftragte. Da=
durch
wurde zugleich erreicht, daß in der Architektur in
der ganzen Ortſchaft die bodenſtändige Bauweiſe beibe=
halten
werden konnte. Der weiße Putz der Häuſer bietet
im Verein mit den buntbemalten Fenſterläden und Haus=
türen
, dem mit ſinnigen Sprüchen verzierten Fachwerk
und den weithin leuchtenden roten Ziegeldächern einen
feſſelnden Anblick. Die neue Anſiedelung Neu=Berich, die
von insgeſamt 17 Familien bewohnt wird, umfaßt ſamt
ihrer Gemarkung über 800 Morgen. Der neue Ort ver=
fügt
über eine vorzügliche Quellwaſſerleitung, die ſo an=
gelegt
iſt, daß ein Verſagen auch während der heißen
Jahreszeit kaum zu befürchten ſein dürfte. Dieſer Tage
fand nun die Einweihung des neuen Dorfes,
das nach ſeiner ganzen Entſtehung innerhalb der Gren=
zen
des Deutſchen Reiches wohl einzig daſtehen dürfte,
ſtatt. Zu dieſer ſeltenen Feier hatten ſich Fürſt Friedrich
zu Waldeck und Pyrmont mit Familie, die Präſidenten
v. Glaſenapp und Freiherr v. Hadeln, ſowie zahlreiche
Regierungs= und fürſtliche Beamte und Bürgermeiſter
aus dem ganzen Fürſtentum eingefunden.
Nordhauſen, 17. Juli. Hier ſtieg, wie die Berliner
Morgenpoſt meldet, ein Fremder ab, aus deſſen Benehmen
und Ausſehen geſchloſſen wurde, daß er mit dem flüchti=
gen
Kaſſenboten Bruning identiſch ſei. Als auf Be=
nachrichtigung
hin Beamte in Zivil erſchienen, war der
Verdächtige verſchwunden.
Wien, 17. Juli. Eine 21jährige Hausbeſorgungs=
tochter
wollte mit ihrem vierjährigen Töchterchen und
ihren beiden jungen Geſchwiſtern die Straße überſchrei=
ten
. Das vierjährige und das achtjährige Mädchen wur=
den
dabei von einem Automobil erfaßt und
überfahren. Das eine Kind war ſofort tot, das
andere erlitt ſchwere Verletzungen. Die Menge fiel über
den Chauffeur her und richtete ihn übel zu, bis ein Wach=
mann
einſchritt und ihn verhaftete.
Pamplona, 16. Juli. Der König traf heute vor=
mittag
hier ein und wohnte der Feier in der Kathedrale
bei. Als der König die Kathedrale verließ, ſcheute das
Pferd des Adjutanten, warf den Reiter ab und
ſchleifte ihn mit. Der König ſprang aus dem Wagen und
richtete den Adjutanten wieder auf. Die Bevölkerung
jubelte dem König zu.
Paris, 17. Juli. In Juviſy wurde in der vergange=
nen
Nacht der Ingenieur Jourdan ein bekannter
Flieger und Erfinder eines neuartigen Flugzeuges von
einem Trunkenbold ohne jede Veranlaſſung überfallen
und durch einen Meſſerſtich getötet.
London, 17. Juli. Hier eingetroffenen Meldungen
aus Ceuta zufolge unternahm vor einigen Tagen einer
der Gebrüder Mannesmann in Begleitung des
Direktors der Gewerkſchaft Mannesmann und einem Dr.
Heſſen mit einem Motorboot von Tetuan aus eine Reiſe,
um das Kabylengebiet von Gomara einer Beſichtigung zu
unterziehen, wo die Geſellſchaft bedeutenden Grundbeſitz
hat, den ſie unter der Obhut deutſcher Schutzbefohlener
gelaſſen hat. Die Expedition wurde jedoch unterwegs von
einem Kabylenſtamme angehalten, der die Weiter=
reiſe
verhinderte, wenn nicht jeder der Reiſenden
30 Duros zahlen würde. Nachdem die Herren dieſen Be=
trag
hinterlegt hatten, wollten ſie ihre Fahrt fortſetzen,
ſie ſtießen jedoch bei den Eingeborenen auf Widerſtand, ſo=
daß
ſie gezwungen waren, umzukehren. Später ver=
nahmen
ſie, daß 5 der deutſchen Schutzbefohle=
nen
im Gebiet von Gomara von Kabylen getötet wor=
den
waren. Mannesmann hat ſofort den deutſchen Ge=
ſandten
in Tanger von dem Vorfall verſtändigt. Im
Auswärtigen Amt in Berlin war bis zur Mit=
tagsſtunde
noch keine Nachricht über die Ermordung

der 5 Deutſchen in Marokko eingelaufen. Da auch bei der
Vertretung der Firma Mannesmann noch keine Beſtätig=
ung
vorliegt, ſo muß abgewartet werden, ob die Nach=
richt
des Daily Telegraph den Tatſachen entſpricht.
Lomſha, 16. Juli. Der Blitz ſchlug in Honſio=
rowo
, ein im Oſtrower Bezirk befindliches Lager, ein,
tötete einen Unteroffizier und verletzte 45 Soldaten
des Niſow=Regiments, von denen 22 ins Lazareit ge=
bracht
werden mußten.

Kongreſſe und Verbandstage.

10. Verbandstag des Verbandes der
Rabattſparvereine Deutſchlands.
S. &H. Stettin 16. Juli. Der 10. Verbandstag
des Verbandes der Rabattſparvereine Deutſchlands führte
heute ſeine Beratungen zu Ende. Verbandsdirektoß
Nürnberger=Hannover erſtattete ein Referat
über die Notwendigkeit zum Beitritt der Reviſionsver=
einigung
des Verbandes Redner empfahl die Reviſion
für alle Vereine obligatoriſch zu machen. Der Antrag
wurde nach kurzer Diskuſſion angenommen. Ueber die
Notwendigkeit der Aenderung des heus
tigen Olfenbarungsleidverfahrens ſprach
Rechtsanwalt Thiemann= Braunſchweig. Ueber das
Thema Mißſtände im Zahlungsverkehr und Vorſchläge
zu ihrer Beſeitigung referierte Syndikus Meiner von
der Kammer für Kleinhandel in Bremen. Es wurde be=
ſchloſſen
, es dem Vorſtande zu überlaſſen, im Sinne der
Referenten Eingaben an die in Betracht kommenden Be=
hörden
zu richten. Das nächſte Referat betraf die Sonn=
tagsruhe
. Der Vortragende Oto Vogel=Elberfeld ſtellte
zunächſt einen Vergleich des bisherigen Geſetzes mit dem
neuen Entwurf auf und gab ſodann Urteile und Beſchlüſſe
von Detailliſtenverhänden und Vereinigungen, ſowie von
Handelskammern über die vorliegende Frage bekannt,
Der Referent iſt der Anſchauung, daß eine dreiſtündige
Verkaufszeit vorläufig noch unbedingt nötig ſei und daß
eine Erhöhung der Verkaufszeit auf 4 Stunden, ebenſo wie
eine Einſchränkung der Verkaufszeit nur durch Beſchluß der
Intereſſenten herbeigeführt werden kann. Eine dem Refe=
rat
entſprechende Reſolution wurde nach lebhafter Debatte
gegen eine kleine Minderheit angenommen.
Trenhaus=Dortmund erſtattete ſodann ein Re=
ferat
über Die Bedeutung der Gewerbebanken für
die Detailliſten Sandquiſt=Magdeburg berichtete
über Die Bekämpfung der Warenhäuſer (nach Magde=
burger
Art) und der Verſandtgeſchäfte‟. Die von ihm ein=
gebrachte
Reſolution wurde ebenfalls ſodann einſtimmig
angenommen. Bäckermeiſter Meier=Bremen ſprach ſo=
dann
über Die Notwendigkeit der gegenſeitigen Unterſtütz=
ung
der Kolonialwarenhändler und Bäckermeiſter des
Verbandes‟ Die vorgelegte Reſolution gelangte gleich=
falls
zur Annahme. Weiter befaßte ſich die Verſammlung
mit dem Kampf gegen das Zugabeunweſen und der
Forderung, daß der Großhandel die Nachteile der Kon=
junktur
nicht auf den Detailhandel abwälzen dürfe; die
Konjunktur müſſe ihren Ausgleich in Erhöhung der De=
tailverkaufspreiſe
finden. Zu der Forderung daß die
Einſchränkung der Nettoartikel als dringendes Erfordernis
anzuſehen ſei, legte Generalſekretär Beythien=Hannover
eine Reſolution vor, in welcher der Verband energiſch für
die ſtärkſte Einſchränkung der Nettoartikel eintritt und auf
die Abſchaffung der Gewährung von Barrabatt hinwirkt.
Vereine, welche weiter dieſe Schäden dulden, handeln nicht
im Sinne der Geſamtbewegung. Die Reſolution wurde
einſtimmig angenommen. Der bisherige Vorſtand wurde
ſodann einſtimmig wiedergewählt und der Haushaltsplan
gebilligt. Als nächſter Tagungsort wurde Würz=
burg
, für das Jahr 1914 Eiſenach und für 1915
Stuttgart gewählt, und ſodann die Tagung durch den
Vorſitzenden mit den üblichen Dankesworten geſchloſſen.

27. Deutſcher Schloſſertag.
S.CH. Bremen, 16. Juli. Der Verband Deut=
ſcher
Schloſſerinnungen trat hier zu ſeiner 27. Tagung=
zuſammen
. Die Beratungen leitete ein Vortrag von
Schlanbuſch (Hamburg) über eine Reihe von für das
Handwerk bedeutſamen Fragen ein, worauf Neuſchild
(Dresden) ein Referat über Schutz der Bauhandwerker
gegen den Bauſchwindel erſtattete. Der Referent war im
Gegenſatz zu der zur Zeit ſo vielfach propagierten Idee
der Selbſthilfe der Anſicht, daß ſpeziell in Bremen und an
der Unterweſer mit dieſer vielgeprieſenen Selbſthilfe nicht
viel zu erreichen ſein werde. Er beantragte eine Reſolu=
tion
, in welcher die Erweiterung des erſten Abſchnittes

Feuilleton.

* Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben. Eine neue
Operette. Man ſchreibt uns aus Wiesbaden: Eine
ſehr liebenswürdige kleine Operette fand ſehr freundliche
Aufnahme bei ihrer Uraufführung im hieſigen Ope=
retten
=Theater. Die Orientbraut von Max
Leutert, Muſik von Guſtav Hugo ſteht über dem
Durchſchnitt, und das will in der heutigen Epoche der Ein=
tagsfliegen
ſchon etwas heißen. Ein Erſtlingswerk für
Dichter und Komponiſt, und wenn Guſtav Hugo ſein Ta=
lent
reifen läßt, darf man noch mehr hübſches von ihm er=
warten
. Seine Muſik iſt ſehr gefällig, einſchmeichelnd und
graziös. Sie will nicht auffallen, ſie will gefallen. Sie
wandelt keine neuen Wege und hütet ſich doch, allzu aus=
gefahrene
Straßen zu betreten. Einige Längen müßten
noch geſtrichen werden; beſonders die Kouplets haben ſo
viele Verſe, daß kaum eins da capo verlangt wurde. Auch
hät der Komponiſt neben ſehr hübſchen Melodien ganz
plötzlich banale Einfälle eingeflochten. Der vielver=
ſprechende
Titel hält ſo ziemlich, was er verſpricht. Der
Redakteur einer Hamburger Zeitung wird nach dem Mär=
chenland
Safraniſtan geſchickt, um Land und Leute zu ſtu=
dieren
und da er unverheiratet iſt, begleitet ihn die hübſche
Bureauvorſteherin um im Lande der Vielweiberei, die
Familienſitten, beſonders die Frauen zu beobachten. Das
Mädchen verlobt ſich vor ihrem Weggang ſcheinbar mit
dem Beſitzer des Blattes, um einen Schutz gegen den Don
Juan von einem Doktor zu haben. Nätürlich verliebt ſich
der Doktor, durch einen Widerſtand gereizt, ganz ernſthaft
in das Mädchen, beſteht ſogar eine Probe, die ſie ihn durch=
machen
läßt und im dritten Akte kriegen ſich die Beiden.
Der zweite Akt bietet gute Möglichkeiten für eine glän=
zende
Ausſtatung und Inſzenierung. Der Komponiſt
wurde nach den Aktſchlüſſen gerufen und konnte ſich mehr=
fach
zeigen.
Ludwig Ganghofer: Den neueſten Nachrichten
zufolge iſt das Befinden Ludwig Ganghofers, der vor eini=
gen
Tagen infolge zu reichlicher Einnahme eines Medi=
kamentes
ziemlich ſchwer erkrankte, gut.
Bildhauer Franz Krüger . Im Alter von
63 Jahren ſtarb nach längerem Leiden der Frankfurter
Bildbauer Franz Krüger. Er ward am 12. Juli 1849 zu

Berlin geboren, beſuchte 1866 bis 1870 die dortige Aka=
demie
, bildete ſich 1870 bis 1874 bei Prof. Wolff weiter und
kam im Mai 1879 nach Frankfurt. Hier ſchuf er u. a. das
Denkmal Wilhelms I. im Hof der Hauptpoſt, die Gruppen
Wahrheit und Dichtung und Kunſt und Natur am
Opernhaus die Pantherquadriga und die Büſten von
Goethe und Schiller am Schauſpielhaus, die Uhrengrup=
pen
für den Hauptbahnhof, die Figuren Petrus, Matthäus
und Johannes für die Peterskirche, die Porträtfiguren von
Merian und von Lersner für die Stadtbibliothek, die Por=
trätreliefs
von Goethe und Comenius für das Goethe=
Gymnaſium, die Francofurtia für den Römer, die Gedenk=
tafeln
an der Paulskirche, die Gruppen am Nordportal des
Rathauſes, die Figuren Fleiß und Reichtum an der
Frankfurter Bank, das Kriegerdenkmal auf dem Sachſen=
häuſer
Friedhof und eine ganze Reihe ſchöner Epitaphien
auf den Friedhöfen.
* Neue Kamm=Moden. Damen, die von ihren Groß=
müttern
und Urgroßmüttern her im Beſitz von großen ge=
ſchnitzten
Schildpattkämmen ſind, werden in der neuen Sai=
ſon
mit dieſen Prunkſtücken den Neid ihrer Freundinnen
erregen, denn der Kamm erringt allmählich in der Coiffure
une ſo gebietende Stellung, wie er ſie ſeit langem nicht mehr
gehabt hat. Von den einfachen Schildpattnadeln und Schild=
pattſpangen
kommt man nämlich wieder zu den rieſigen ge=
ſchnitzten
Kämmen, mit denen die Damen des Empire prang=
ten
, ja ſogar zu den kammartigen Kronen und Tiaren, wie
ſie in den Zeiten der Medicis und der Borgias modern
waren. Die Haartracht erſcheint nur noch als ein Vorwand
für einen ganzen Wald von Kämmen. Das Haar wird mög=
lichſt
hoch von der Stirn fortgenommen und in weichen
Wellen breit über die Ohren gelegt. Ein ſchmales Stirn=
band
von glattem oder geſchnitztem Schildpatt hält die
Maſſen zuſammen, ſo daß eine Coiffure entſteht, wie ſie die
Frauen der Renaiſſance trugen. Dieſe Friſur der jungen
Mädchen iſt aber nicht eigentlich das neue, ſondern erſt die
Coiffure der Frau bringt den großen Kamm in all ſeiner
Pracht zu Ehren. Das Haar wird im Nacken in einer Reihe
von Locken aufgenommen, und den ganzen Bau bekrönt
der Rieſenkamm, der in geradezu unwahrſcheinlicher Höhe
die Coiffure überragt. Die alſo geſchmückte Dame muß ſich
bor niedrigen Türen und tiefhängenden Kronleuchtern ſehr
in Acht nehmen, mit dener ihr ſtolz aufgerichteter Kopf=

ſchmuck in unſanfte Berührung kommen könnte. Die ſchön=
ſten
dieſer Kämme wirken allein durch das wundervolle
Material und endigen in drei großen mit Knöpfen ver=
ſehenen
Zinken, die gleich Federn emporragen. Andere dieſer
Kämme haben eine prachtvolle ſpitzenartige Zeichnung und
tragen die Initialen der Eigentümerin. Um dieſen Kamm
herum ſind große Spangen, mächtige Pfeile und andere
Zierrate angebracht, ſo daß der ganze Kopf von Schildpatt
ſtarrt. Es gehört viel Kunſt dazu, um die Haare geſchickt
mit dieſer Kammenge zu verbinden und der eigentlichen
Coiffure ihren beſcheidenen Platz zwiſchen dieſer Schmuck=
fülle
aufzuweiſen.
C) Der erfindungsreiche Poſtdirektor. Eine Geſchichte
von der Verlegenheit eines Poſtdirektors, der dadurch den
Briefmarkenſammlern eine unerwartete Freude machte, er=
zählt
ein Mitarbeiter des Gaulois, der ſoeben aus Nicara=
gua
zurückgekehrt iſt. Gegen Ende Februar dieſes Jahres
konſtatierte der Direktor derPoſten vonNicaragua, daß ſein
Markenvorrat völlig erſchöpft war, und er mußte nun auf
Mittel ſinnen, um irgend einen Erſatz zu finden, bis die
neuen Marken anlangten. Zunächſt behalf er ſich damit Re=
giſtraturmarken
zu verwenden, die durch ein Verſehen in
großer Menge geliefert worden waren. Ende April aber
war auch dieſer Vorrat erſchöpft, und nun war guter Rat
teuer. Nun ſpielten acht Tage lang die Vignetten der
Eiſenbahnverwaltung, die vorher abgeſtempelt waren, dier
Rolle derBriefmarken. Aber unterdeſſen rächte ſich der allzu
ſtarke Verbrauch der Regiſtraturmarken, und das Eintra=
gungsamt
verwandte nun die Eiſenbahnvignetten, eben=
falls
einmal abgeſtempelt. Der Poſt blieb nichts anderes
übrig, als die Vignetten dann zweimal mit Stempeln zu
verſehen. Dem Betrug war durch dieſes Markenchaos Tor
und Tür geöffnet, es konnte ſo nicht weiter gehen. Der er=
findungsreiche
Poſtdirektor ließ den Gummi von den Mar=
ken
wegwaſchen, ſetzte den zweiten Stempel auf die Rück=
ſeite
und gummierte die andere Seite. Als auch dies nichts
mehr half, griff er zum letzten Ausweg: die Marken durf=
ten
nun auch halb aufgeklebt werden. Endlich langten im
Juni die neuen Marken an, und nun war die Epiſode nur
noch für die Markenſammler von Intereſſe.
* Miß Wireleß. Nach dem Mr. Wireleß von dem
bei der Titanic=Kaataſtrophe ſo viel geſprochen wurde,

[ ][  ][ ]

des Geſetzes über die Sicherung der Bauforderungen nach
der Richtung hin verlangt wird, daß eine zwangsweiſe
Verpflichtung zur Führung des Baubuches feſtgelegt
werde; ferner Schöffenämter zur Abſchätzung der Bau=
ſtellen
und deren Vorbelaſtung geſchaffen werden ſoll.
Franke (Leipzig) wies darauf hin, daß die vielfach be=
fürchtete
Verteuerung des Bauens nicht eintreten werde,
wenn auch der zweite Teil des Geſetzes zur Einführung
gelangen wird. Ueber den Wert der Genoſſenſchaften
ſprach ſich der Referent ziemlich ſkeptiſch aus im Gegenſatz
zu Sauer (Leipzig), der auch bezweifelte, ob der zweite
Teil des Geſetzes über die Sicherung der Bauforderungen
die erwarteten Vorteile für das Handwerk bringen werde.
Utke (Berlin) und Ellrich (Alrona) legten dagegen dem
zweiten Teil des Geſetzes eine große Bedeutung bei. Die
Reſolution gelangte ſchließlich mit allen gegen eine
Stimme zur Annahme. Marcus (Berlin) referierte über
Kreditbeſchaffung für das Handwerk‟ Eine längere
Debatte rief die Frage hervor, in welcher Weiſe es zu er=
reichen
wäre, daß die aus der Schule entlaſſene Jugend
ſich wieder mehr dem Handwerk zuwende. Der Referent
Ellrich (Altona) gab hier dem Wunſche Ausdruck, daß
Schule und Familie mehr als bbisher in dieſer Richtung
tätig ſein möchten. Weiterhin wurden noch verſchiedeſe
interne Verbandsangelegenheiten beſprochen.

3 2. Deutſcher Glaſertag.
S.&H. Dresden, 16. Juli. Der 32. Deutſche Glaſer=
tag
trat hier zu ſeinen diesjährigen Beratungen zuſam=
men
. Die Tagung wurde eingeleitet mit einer im Städ=
tiſchen
Ausſtellungspalaſt eingerichteten Fachausſtellung.
Die eigentlichen Verhandlungen wurden am nächſten Tag
durch den Verbandsvorſitzenden Joſt (Berlin) mit einer
Begrüßung der Ehrengäſte und der übrigen Teilnehmer
eröffnet. Zu Beginn der Sitzung wurde der dem Ver=
bande
ſeit 30 Jahren angehörige Glaſermeiſter Fauſe
(Berlin) zum Ehrenmitglied des Verbandes ernannt.
Diede (Berlin) hielt ſodann einen Vortrag über Wert
des Genoſſenſchaftsweſens für das Glaſergewerbe‟ Der
Redner betonte beſonders den Wert des genoſſenſchaft=
lichen
Zuſammenſchluſſes für das Handwerk. Burhoff
(Hamburg) erſtattete ein Referat über die Reichsverſicher=
ungsordnung
und das Verſicherungsgeſetz für Angeſtellte,
wobei er neben der theoretiſchen Erläuterung der Geſetze
auch eine Reihe praktiſcher Winke und Verhaltungsmaß=
regeln
gab, durch welche einzelne Beſtimmungen des Ge=
ſetzes
leichter anwendbar erſcheinen. Es folgten Berichte
über die Sterbeunterſtützungskaſſe, ſowie verſchiedene an=
dere
Kaſſen des Verbandes; nachdem den Kaſſierern Ent=
laſtung
erteilt war, wurden die Verhandlungen vertagt.

Chriſtlicher Metallarbeitertag in
Dortmund.
S.&H. Dortmund, 16. Juli. Der ſiebente Ver=
bandstag
des Chriſtlichen Metallarbeiterverbandes ſetzte
ſeine Verhandlungen fort. Dabei kam es wieder zu Er=
örterungen
über die Diſſonanzen zwiſchen Köln und Ber=
lin
, auf die zunächſt Pfarrer Niemeyer (Eſſen) als Ver=
treter
des Geſamtverbandes der evangeliſchen Arbeiter=
vereine
Deutſchlands zu ſprechen kam. Er verſicherte den
Metallarbeiterverbandstag zunächſt der Sympathien der
evangeliſchen Arbeitervereine, die mit ihm in enger Waf=
fenbrüderſchaft
ſtänden, weil ſie beide Glieder der chriſt=
lich
=nationalen Arbeiterbewegung ſeien. Der Kampf gehe
vor allem gegen die Sozialdemokratie. Da ſei es erfreu=
lich
, konſtatieren zu können, daß die chriſtlich=nationalen
Gewerkſchaften auf allen Gebieten gute Erfolge aufzu=
weiſen
haben. Wir wiſſen heute, ſo fuhr der Redner fort,
was wir zu bedeuten haben, an dem Eindruck, den wir
auf der anderen Seite machen. Wir müſſen unſere Geg=
ner
im Auge behalten. Zu den alten Gegnern ſind in
letzter Zeit neue hinzu gekommen, und wir bei den evan=
geliſchen
Arbeitervereinen freuen uns über die Haltung,
die die Vertreter und Leiter Ihrer Bewegung in dieſer
Angelegenheit eingenommen haben. Wir haben auch die
Ueberzeugung, daß die chriſtlichen Gewerkſchaften bei
ihrer beſtimmten Haltung gegenüber den Machenſchaften
von Berlin bleiben werden. Wir ſind der Ueberzeugung,
daß zur Wahrung des konfeſſionellen Friedens und im
Intereſſe der chriſtlich=nationalen Arbeiterſchaft es not=
wendig
iſt, daß die chriſtlichen Gewerkſchaften bleiben,
was ſie bisher geweſen ſind. (Stürm. Bravo!) An
zweiter Stelle kam der Verbandsvorſitzende Wieber von
Duisburg auf die Schwierigkeiten der chriſtlichen Gewerk=
ſchaftsbewegung
gegenüber der Sozialdemokratie einer=
ſeits
und den Berliner Fachabteilungen andererſeits zu
ſprechen. Der Redner beſchäftigte ſich mit den Vorgängen
im Gewerkſchaftsleben und ſprach zunächſt der ſozial=
demokratiſchen
Preſſe das Recht ab, über die Angelegen=
heiten
zu befinden. Wenn die Sozialdemokraten glauben,
daß, wenn wirklich ein Verbot für die katholiſchen Arbei=
ter
komme, ſich den chriſtlichen Gewerkſchaften anzuſchlie=
ßen
, ſich dieſe nun ſofort in die weit offenen Arme der
Sozialdemokratie ſtürzen würden, ſo ſollten ſie ſich ſehr

täuſchen. Wer es begrüße, daß ein großer Teil der deut=
ſchen
Arbeiterſchaft in die Hände der Sozialdemokratie
falle, ſei alles andere, als ein Arbeiterfreund. (Sehr rich=
tig
!) Es dürfe konſtatiert werden, daß die Führer der
chriſtlichen Gewerkſchaften mit einer Sicherheit und einem
Ernſt, wie es die Wichtigkeit und der Ernſt des Augen=
blickes
erforderten, erklärt hätten, daß die chriſtlichen Ge=
werkſchaften
ſind und bleiben werden, was ſie geweſen.
Zum Schluß ging Redner auf die Berliner Fachabteilun=
gen
ein. In ihnen befänden ſich hyperreligiöſe Leute, die
ſcheinbar um das Seelenheil der Arbeiter viel mehr be=
ſorgt
ſeien, als um ihr eigenes. Die Verketzerungsſucht
der Berliner habe ſich bis zur Verleumdung geſteigert,
wie es in der Adreſſe an den Papſt zum Ausdruck gekom=
men
ſei. Deren Zweck ſollte es ſein, eine Verurteilung
der chriſtlichen Gewerkſchaften reſpektive ein Verbot für
katholiſche Arbeiter, den chriſtlichen Gewerkſchaften beizu=
treten
, zu erreichen. Was die Berliner erreichen wollten,
iſt in das Gegenteil umgeſchlagen. Ein Sturm der Ent=
rüſtung
ſetzte im ganzen katholiſchen Deutſchland ein. Die
Berliner bekämpfe man nicht deshalb, weil es eine kon=
feſſionelle
katholiſche Organiſation ſei, ſondern, weil ſie
nach ihren Prinzipien den Arbeiterſtand recht=, ſchutz= und
hilflos machten und ihn nur auf Wohlwollen und Wohl=
taten
anderer hinwieſen. Man bekämpfe die Berliner
Fachabteilungen ferner deshalb, weil ſie dem Arbeiter
das Recht der freien Verfügung über ſeine Arbeitskraft
und damit der wirkſamſten Mittel der Selbſthilfe gegen=
über
dem Kapital durch Gewiſſenszwang berauben wol=
len
und ihm dadurch der Willkür bedingungslos auslie=
fern
. Wir bekämpfen die Fachabteilungen endlich, weil
ſie den Arbeiterſtand allein unter religiöſe Ausnahmege=
ſetze
ſtellen wollen. (Lebhafter Beifall.) Wir bleiben,
was wir ſind, auch im Intereſſe unſerer nationalen Wohl=
fahrt
. (Stürmiſcher Beifall.)

Akademiſches Turn= und Sportfeſt.
* Für die Wettkämpfe haben ſich bisher 99 Teilnehmer
eingezeichnet und zwar 43 aus Gießen, 24 aus Heidelberg
und 32 aus Darmſtadt. Für den Dreikampf haben ſich 43,
für den Fünfkampf 15, für den Hürdenlauf 18 Studierende
gemeldet. An den Wettkämpfen wird ſich auch der Sieger
des Akademiſchen Olympia in Dresden 1912, Herr Loos,
(A. T. V. Alemania) beteiligen. Herr Loos hat unter an=
derem
auch auf dem Akademiſchen Olympia in Breslau
1912 die Hochſchulmeiſterſchaft für Hochſpringen errungen.
Ein ausführliches Programm, das alle Nennungen
enthält, wird am Freitag erſcheinen und im Verkehrsbureau
und im Straßenhandel zum Preiſe von 10 Pfg. zu haben
ſein.
Der Ausſchuß wendet ſich mit folgendem Aufruf an
die Bürgerſchaft Darmſtadts: Ueber 100 Kommilitonen aus
Gießen und Heidelberg werden zum Turn= und Sportfeſt
nach Darmſtadt kommen. Es iſt unſere Pflicht, unſeren
Gäſten den Aufenthalt möglichſt angenehm zu machen. Was
die Studentenſchaft tun kann, iſt und wird geſchehen. In
einer Hinſicht aber muß mit tatkräftiger Unterſtützung der
Bürgerſchaft gerechnet werden. Es gilt, Frei=Quartiere für
die Nacht von Samstag auf Sonntag zu ſchaffen. Wie iſt
es uns möglich, unſeren Kommilitonen ein ſo bequemes
Nachtquartier zu bieten, daß ſie den Wettkämpfen des Sonn=
tags
mit voller Kraft und friſchem Mut entgegenſehen
können! Bis Freitag mittag müſſen etwa 100 Quartiere an=
gemeldet
ſein. Bürger Darmſtadts! Zeigt Eure Gaſt=
freundſchaft
! Zeigt, daß Ihr unſere Beſtrebungen unter=
ſtützt
. Anmeldungen ſind bis Freitag mittag ſchriftlich
an Studentenausſchuß, Techniſche Hochſchule, zu richten.

Luftfahrt.

Luftſchiffwiege über den Atlantiſchen Ozean.
* Fünf Luftſchiffer tragen ſich mit dem kühnen Plan,
den Atlantiſchen Ozean zu überfliegen; der ſechſte, der
Ingenieur Vaniman, hat durch eine tragiſche Kataſtrophe
ſeinen Tod gefunden. Das wichtigſte Problem bei dieſer
Unternehmung iſt es, den günſtigſten Weg durch die Luft
zu finden. Im Bulletin des Aeroklubs von Amerika dis=
kutiert
Raffe Emerſon der als Ingenieur wie als
Luftſchiffer in Europa und Amerika umfaſſende Erfahr=
ungen
geſammelt hat, die Möglichkeit eines ſolchen Ozean=
fluges
, und beſpricht die einzelnen dabei in Be=
tracht
kommenden Wege.
Es iſt ſehr wohl möglich ſo lautet der ſtolze Auf=
takt
ſeiner Erörterungen, daß der Ozean auf dem Luft=
wege
überwunden werden wird, wahrſcheinlich vor 1914,
vielleicht ſogar ſchon 1912. Die Frage, ob wir heute be=
reits
Luftſchiffe beſitzen, die dazu fähig ſind, bejaht er.
Freilich würde ein Luftſchiff, das die ganzen 1900 oder
gar 3000 engliſchen Meilen in einem Fluge zurücklegen
wollte, geringe Ausſicht haben; günſtiger ſtellen ſich die
Chancen, wenn die Ueberquerung des Ozeans in eine
Reihe von kürzeren Flügen zerlegt wird. Auch die erſten,
die den Atlantiſchen Ozean zu Schiffe durchkreuzten,
kamen auf der Route über Island und Grönland 500

Jahre vor Kolumbus, und Kolumbus ſelbſt erreichte
Amerika auf dem Wege über die Azoren. Ueber 300
Jahre wurde der Atlantiſche Ozean auf Segelſchiffen
durchkreuzt, und erſt neun Jahre, nachdem Dampfmaſchi=
nen
als Hilfskräfte den Segeln hinzugefügt waren, voll=
endete
ein Schiff die Ueberfahrt über den Ozean ganz mit
Dampfkraft, 31 Jahre nach Fultons glücklicher Fahrt mit
dem Dampfboot von New=York nach Albany. Der erſte
Verſuch einer Kabellegung über den Ozean mißlang, und
jahrelange Arbeit war von Nöten, um die drahtloſe Tele=
graphie
für transatlantiſche Entfernungen nutzbar zu
machen. Nun ſcheint es, als wenn die drahtloſe Tele=
graphie
die Luftſchiffahrt unabhängig vom Wetter durch=
führbar
machen würde. Beim Ueberqueren des Ozeans
durch die Luft unterſcheidet Emerſon zwei Methoden: die,
die ſich des Windes bedient, und ſolche, die das nicht tun.
In der erſteren Gruppe ſind folgende vier Pläne auf=
getaucht
: 1. Weſtwärts gerade über den Ozean zu treiben,
mit den Paſſatwinden nördlich vom Aequator. 2. Oſt=
wärts
in größerer Höhe mit den Antipaſſatwinden zu
gehen. 3. Einem Wirbelſturm nordoſtwärts von der
Hauptdampferlinie zu folgen. 4. Den öſtlichen Luftſtrom
der nördlichen gemäßigten Zone in einer Höhe von drei
bis vier engliſchen Meilen zu ſuchen und ſich von ihm in
einer Geſchwindigkeit von 80 bis 100 Meilen die Stunde
treiben zu laſſen. Für die Pläne, die unabhängig vom
Wind die Ueberquerung verſuchen, kommen die folgenden
Luftwege als die günſtigſten in Betracht: 1. Von Neu=
fundland
nach Irland etwa 1900 Meilen; 2. von Neu=
fundland
nach den Azoren etwa 1200 Meilen; 3. über
Labrador, Grönland, Island und die Farör=Inſeln und
Schottland, von New=York nach Paris etwa 4500 Meilen
(die Entfernung zu Schiff und Eiſenbahn beträgt 3500
Meilen); die längſte Waſſerſtrecke, die dabei überflogen
werden muß, beträgt etwa 270 Meilen. 4. Eine ähnliche
ſüdliche Route über Weſtindien, Südamerika und die
Kapverdiſchen Inſeln, Afrika und Spanien etwa 9400
Meilen mit einer Waſſerſtrecke von 1280 Meilen. Mit
Benutzung eines großen Floßes oder Schiffes als Hilfs=
ſtation
, das an den Sandbänken von Neufundland=Bank
verankert iſt, wären noch folgende Wege ins Bereich der
Möglichkeit zu tun: 5. von der Neufundland=Bank nach
den Azoren 870 Meilen; 6. von der Neufundland=Bank
bis zu einem ähnlichen Floß, das an der Poreupine=Bank
weſtlich von Irland verankert iſt etwa 1400 Meilen.
Für die Luftſchiffe liegt die größte Schwierigkeit in
der Ausdehnung des Gaſes durch die Sonnenhitze, doch
ſind bereits zahlreiche Mittel angegeben worden, um dieſe
gefährlichen Wirkungen der Sonne zu vermeiden. Die
Gondel jedes Meer=Luftſchiffes müßte zugleich ein kleines,
aber kräftiges und ſeetüchtiges Motorboot ſein, mit einem
Apparat für drahtloſe Telegraphie ausgerüſtet. Mit
einem gegen Sinken geſchützten Motorboot und reichlichen
Vorräten darf die Gefahr bei der erſten Luftreiſe über
den Ozean als ſo ziemlich ausgeſchaltet betrachtet wer=
den
.
* Ankauf des Siemens=Schuckert= Luft=
ſchiffes
. Das Siemens=Schuckert=Luftſchiff, das be=
kanntlich
zu Verſuchszwecken erbaut worden iſt, wird, wie
verlautet, von der deutſchen Heeresverwaltung
angekauft. Das Luftſchiff hat im ganzen 73 kleinere
und größere Fahrten gemacht, wobei ſich die konſtruktiven
Einzelheiten ausgezeichnet bewährt haben. Der Staat
erwirbt auch gleichzeitig die an dem Luftſchiff zur An=
wendung
gekommenen Patente. Zwecks Uebernahme wird
das Luftſchiff bemnächſt entleert werden, nachdem es ſeit
7½ Monaten unter Gas geſtanden hat.
* Berlin, 17. Juli. Bei den diesjährigen Kai=
ſermanövern
werden laut Berliner Tageblatt der
Z. 2 dem 4. und 19. und ein Parſeval dem 3. und 12.
Armeekorps für Aufklärungsdienſte beigegeben werden.
Außerdem erhält jede der beiden Parteien 10 Flieger.
* Frankfurt, 17. Juli. Das Luftſchiff Vik=
toria
Luiſe ſtieg heute früh 5 Uhr 50 Minuten zu
einer Fahrt ins Nahetal auf, paſſierte Kreuznach auf
ſeiner Hinfahrt um 6 Uhr 50 Minuten und auf ſeiner
Rückfahrt um 8 Uhr 30 Minuten und landete kurz nach
10 Uhr auf dem hieſigen Flugplatz.
* Frankfurt, 17. Juli. Bei der heutigen Fahrt
der Viktoria Luiſe nach Idar iſt zum erſten
Male die neue Luftpoſt in Tätigkeit getreten. Dieſe be=
ſteht
darin, daß der Luftſchifführer die Funktionen eines
Poſtverwalters ausübt, von den Paſſagieren Poſtſachen
entgegennimmt, dieſe mit einem beſonderen Luftpoſt=
ſtempel
verſieht und für ihre Weiterbeförderung Sorge
trägt. In Anwendung kommen nur die gewöhnlichen
Poſtmarken. Beſondere Marken, wie bei der Wohltätig=
keitsveranſtaltung
der Großherzogin von Heſſen, werden
nicht ausgegeben; auch werden keine Poſtſachen vom
Land zur Weiterbeförderung aufgenommen.
* Friedrichshafen, 17. Juli. Der Z. 3 der
eute morgen ſeine Probe= und Geſchwindigkeitsfahrten
zur Befriedigung erledigt hat, ſoll morgen bei Morgen=
grauen
nach Baden=Baden übergeführt wer=

erſcheint jetzt die Miß Wireleß auf dem Schauplatz das
iſt die neueſte Etappe in dem Siegeszug der Frauen. Ein=
jugendliche
Amerikanerin, Miß Maggie Kelſo, hat den Poſ=
ten
für drahtloſe Telegraphie auf dem Dampfer Mari=
poſa
von der Alaska Steamſhip Company übertragen er=
halten
. Sie hatte die ſchwierigen Prüfungen, die von dem
Marineamt der Vereinigten Staaten gefordert werden,
glänzend beſtanden und ſich ſo das Anrecht auf den Ruhm
erworben, als erſte Frau die Hertzſchen Wellen vom Bord
eines Dampfers über den Ozean zu entſenden. Die Frage
der Uniform hat in dieſem Fall natürlich eine gewiſſe Rolle
geſpielt; man hat ſich für einen blauen Rock, eine blaue
Bluſe mit Goldknöpfen und Matroſenkragen und eine Mütze
mit Goldtreſſen entſchieden, ſo daß die Miß Wireles einen
ſehr flotten Eindruck macht.
* Nordiſcher Humor. Wie gefällt Ihnen Leutnant
v. Sternenfels, mein Fraulein? Oh, er iſt ſchrecklich!
Er kennt ſo viele unanſtändige Lieder. Pflegt er ſie
Ihnen dann vorzuſingen? Nein, er pfeift ſie!
Herr (zu einer Dame in tiefer Trauer): Mit innigſter Teil=
nahme
habe ich gehört, daß ihr Mann in Afrika geſtorben
iſt. Er wurde wohl von Heimweh verzehrt? Dame
(ſchluchzend): Nein, von Wilden. Leutnant: Ser=
geant
Lund, ſtellen Sie den Mann mit der langen Naſe ins
zweite Glied! Seines Lötkolbens wegen bekomme ich die
Abteilung nicht ausgerichtet. Sergeant Lund: Er ſteht
im zweiten Glied, Herr Leutnant! (Lattergauken.)
Doktor B., der ſeines vollſtändig blanken Schädels und
ſeines Humors wegen allgemein bekannt iſt, ſaß eines
Tages bei einem Diner, und das ſervierende Mädchen
hatte das Malheur, ihm etwas Mayonnaiſe auf den Voll=
mond
zu gießen. Dr. B. drehte ſich ganz ruhig zu der Un=
alklichen
um und fragte: Ja, glauben Sie, daß das
Hilp.? (Korſaren.)

Die Geſchichtliche Ausſtellung auf dem
Frankfurter Bundesſchießen.

* Ueber die anläßlich des 17. Deutſchen Bundes= und
Goldenen Jubiläumsſchießens in den Räumen des Feſt=
hauſes
zu Frankfurt a. M. veranſtaltete Geſchichtliche
Ausſtellung faßt ein beſtbekannter Darmſtädter
Waffenkenner ſeine Eindrücke wie folgt zuſammen:
Ein überaus glücklicher Gedanke war es, anläßlich des
Bundesſchießens den zahlreichen Beſuchern des Feſtes
auch die Möglichkeit eines kurzen geſchichtlichen Rückblicks
auf dem Gebiete des Waffen= und Schützenweſens zu bie=
ten
, und läßt die praktiſche Ausführung dieſes Gedankens
nichts zu wünſchen, da ſich der die Ausſtellung vorberei=
tende
Ausſchuß, an deſſen Spitze der früher an unſerem
Landesmuſeum tätige Profeſſor Dr. B. Müller ſtand, von
dem bewährten Sprichwort: Non multa, sed multum!
(Nicht die Maſſe bringt es, ſondern der Gehalt!) leiten
ließ. Uns intereſſiert hier von den die Entwicklung der
Handfeuerwaffen. Schützenerinnerungen aus allen Jahr=
hunderten
, Schützendenkmünzen, Scheibenbilder uſw.
uſw. umfaſſenden Abteilungen der Ausſtellung beſonders
die von Herrn Müller=Hickler in ſehr überſichtlicher
und jedem Laien leicht verſtändlicher Weiſe angeord=
nete
waffentechniſche Abteilung, welche einen ſchö=
nen
, ſobald wohl nicht wieder zu findenden Ueber=
blick
über die Entwickelung des Handfeuerwaffen=
weſens
bietet, und zu der die äußerſt wertvolle
Waffenſammlung Seiner Königl. Hoheit des Groß=
herzogs
, das Großherzogliche Landesmuſeum, die Kriegs=
techniſche
Sammlung unſerer Hochſchule, das Königlich
Sächſiſche Muſeum zu Dresden, die Beſtände des Garde=
Dragoner=Regiments Nr. 23, ſowie zahlreiche Privat=
ſammlungen
, zum Beiſpiel Forrer=Straßburg, in ent=
gegenkommendſter
Weiſe beigeſteuert haben. Zur Ein=
leitung
der Entwickelung waren die mannigfachſten Arm=

brüſte nebſt Zubehör, durchweg in ſehr guter Erhaltung
und künſtleriſcher Ausführung aufgebaut. An ſie ſchlie=
ßen
ſich die frühen Schießgewehre, mit den allerälteſten
Handrohren beginnend, an, wobei die bei den Radſchlöſ=
ſern
in anderswo kaum anzutreffender Vollſtändigkeit
vertretene Entwickelung der Radanordnung, ſowie die
Serie des Schnapphahnſchloſſes beſondere Würdigung
verdient. In langer Reihe ziehen ſo an uns die Lunten=,
Radſchloß= Steinſchloß= und Perkuſſionsgewehre vor=
über
, wobei auch das Zugehör, wie Ladezeug und Schieß=
bedarf
, eingehend berückſichtigt ſind. Hinterlader= und
Repetiergewehr der verſchiedenſten in= und ausländiſchen
Staaten, alle ſtets von ihrer Munition begleitet, machen
den Schluß, und auch die neuzeitlichen Jagd= und Sport=
gewehre
fehlen in ihren neuzeitlichen Vertretern nicht.
Kurz und gut, vom alten Handrohr des 16. Jahrhunderts
bis zu unſerem derzeitigen Infanteriegewehr M. 98, von
dem kleinſten Gewehrkaliber der Welt, dem 5 Millimeter=
Stahlmantelgeſchoß bis zur engliſchen Expreßpatrone
Kaliber 600 mit ihrem rund 15 Millimeter Kaliber be=
ſitzenden
Stahlmantelgeſchoß waren wenigſtens die
Hauptvertreter berückſichtigt. Dieſe ſorgfältige, ſich
wohlweislich von einer verwirrenden Maſſenanhäufung
fernhaltenden Auswahl der Ausſtellungsgegenſtände
wurde in wohltuender Weiſe durch die geſchickte, über=
ſichtliche
Aufſtellung ergänzt und war was für der=
artige
Veranſtaltungen von beſonderer Wichtigkeit iſt
jeder Gegenſtand genau nach Art und Herkunft bezeichnet.
Auch die an den Wänden in ſtilgerechter Ausführung auf=
gehängten
Abbildungen von Schützen, die vom ladenden
Grenadier des Mittelalters bis zum neuzeitlichen Nim=
rod
reichten, trugen ihr gut Teil dazu bei, dem nicht fach=
gewandten
und nur über knappe Zeit verfügenden Be=
ſucher
ein lebendiges Bild von den ungeheueren Fort=
chritten
auf dem Gebiete des Handfeuerwaffenweſens zu
ermitteln.

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Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 18. Juli 1912.

Nummer 167.

den, um dort von der jetzt leerſtehenden Halle aus die
militäriſchen Abnahmefahrten zu abſolvieren. Auf dieſe
Weiſe wird auf der Werft zu Friedrichshafen Platz ge=
ſſchaffen
für den Bau des Marineluftſchiffes. Die
Hanſa, das Erſatzſchiff für die Delag, die ebenfalls
fertig iſt, ſoll am nächſten Dienstag in Friedrichshafen
gefüllt werden und am Mittwoch die Probefahrten auf=
nehmen
. Eventuell wird es bereits Ende der nächſten
Woche nach Hamburg übergeführt, worauf noch ein
zweites Luftſchiff auf Kiel gelegt wird.
* Friedrichshafen, 17. Juli. Das Militär=
Luftſchiff Z. 3 hat nach Beendigung der Wiederher=
ſtellungsarbeiten
heute früh die erſte ſeiner Ab=
nahmefahrten
angetreten. Es handelt ſich
dabei um Geſchwindigkeitsmeſſungen. Sobald das Luft=
ſſchiff
abgenommen iſt, wird der Bau des neuen Marine=
Luftſchiffes in Angriff genommen werden. Das neue
Delag=Luftſchiff liegt bekanntlich fertig in der Halle; es
wird, ſobald genügend Gas vorhanden iſt, auch die Halle
räumen.
* Preußiſch=Stargard, 17. Juli. Der Flie=
ger
Abramowitſch hat nach 7 Uhr Preußiſch= Star=
gard
in der Richtung auf Dirſchau paſſiert.
* Wien 16. Juli. Der Präſident der Wiener Han=
delskammer
Ritter v. Schöller übernahm die Stelle des
Vizepräſidenten des Zentralkomitees zur Schaffung einer
öſterreichiſchen Luftflotte. Er wird ſämtliche
Handelskammern Oeſterreichs auffordern, bei der Gründ=
ung
einzelner Landeskomitees mitzuwirken.
Zu dem Unfall des Fliegers Schauen=
burg
, der in Kolberg auf einem Probefluge in die
Oſtſee ſtürzte, erfährt die Köln. Ztg. folgende Einzel=
heiten
: Schauenburg, der zur Kolberger Flugwoche in
dem bekannten Oſtſeebade weilte, wollte Diens=
tag
morgen einen Schauflug unternehmen, und ſtieg
deshalb kurz vor 8 Uhr mit ſeinem Wright=Doppeldecker
auf. Er flog längere Zeit über dem Strande und
nahm ſchließlich die Richtung auf das Damenbad,
das um dieſe Zeit ſtark beſucht war. Schauenburg ging
in eleganten Kurven aus 100 Meter Höhe nieder und
winkte, ſich in einer Höhe von 20 Meter über dem Waſſer
haltend, den Badenden zu. Offenbar wurde ſeine Auf=
merkſamkeit
zu ſehr abgelenkt, denn plötzlich wurde die
Maſchine von einer Böe gepackt und auf das Waſſer
binabgedrückt, das an dieſer Stelle etwa 2.50 Meter tief
iſt. Schauenburg klammerte ſich an dem oberen Trag=
deck
feſt und ſprang in dem Augenblick, als die Kufen
die Oberfläche der See berührten, ab. Er vermochte ſich
ſo lange ſchwimmend über Waſſer zu halten, bis einige
Badefrauen und Damen in zwei Rettungsbooten nahten
und ihn aufnahmen. Bei ſeiner Ankunft am Strande
wurde Schauenburg lebhaft begrüßt.

Von den Olympiſchen Spielen.

Englands Klage.
C Großbritannien hat bei den Olympiſchen Spie=
len
einen ſehr ernſten Verluſt an Ruf und Ruhm erlitten.
ſo beginnt der frühere Präſident des Orforder Univerſity
Athletik Club einen Aufſatz über das Aergernis der olym=
piſchen
Spiele in der Daily Mail. Die Worte von W.
Beach Thomas, der ein bekannter Fachmann in Sport=
dingen
iſt, haben in weiten Kreiſen Englands Aufſehen er=
regt
, wie die zahlreichen Zuſchriften an die Zeitungen be=
weiſen
, die zu ſeinen Aeußerungen Stellung nehmen. Die
Niederlage der Briten, die ſich bisher als das führende
Sportvolk dünkten, iſt den Skandinaviern und Ameri=
kanern
gegenüber vollkommen. Wir konnten ſo ſchien
es nicht laufen, weder auf kurze noch auf lange Ent=
fernung
. Wir konnten nicht ſpringen, weder weit noch
hoch. Wir konnten nicht den Wurfſpieß werfen; wir kond=
ten
nicht tauchen. . . In der Tat unſere Mannſchaft war
nicht trainiert zum Siegen, war nicht beſtrebt zu ſiegen,
war nicht organiſiert zum Siegen. Die Leute nahmen die
Niederlage auf, wie wenn die Olympiſchen Spiele nichts
anderes geweſen wären als ein Geſellſchaftsſpiel in irgend
einem Provinzſalon. Während die Spiele von den an=
deren
Nationen mit einer außerordentlichen Ernſthaftigkeit
verfolgt wurden, ſei das Intereſſe in England ganz un=
glaublich
lau geweſen. Den Hauptgrund für die Nieder=
lage
ſucht Thomas in der ſchlechten Organiſierung der
Mannſchaft. Es waren nicht die beſten Leute ausgewählt,
und ſie waren nicht genügend trainiert.
In einem ſchreienden Gegenſatz dazu ſtehen die unge=
heuren
Anſtrengungen der Amerikaner. Ein Mann,
der in dem Stadion gewinnt, iſt doch in gewiſſer Bezieh=
ung
ein gemachter Mann, und dieſe Ausſicht trägt natürlich
viel dazu bei, die Energie aufs höchſte zu ſpannen. Die
Anſtrengung für das Spiel war außerordentlich. Eine
Regierungsprämie, eine private Beiſteuer von 440000
Mark ein ſchöner Dampfer zur Ueberfahrt der Mannſchaft
all das erzählt von mehr als altgriechiſchen Aufwend=
ungen
. Dazu kam, daß ein Eingeborener von Hawai für
die Amerikaner, die keine guten Schwimmer ſind, einen
der wichtigſten Siege errang, daß ein Indianer ihr Defizit
im Diſtanzlaufen erſetzte. Mit gleicher Berechtigung hätten
die Engländer ſich die Erfolge der Südafrikaner hinzu=
ſchreiben
können. Abgeſehen davon aber haben die Ameri=
kaner
Hervorragendes geleiſtet und ebenſo die Schweden,
die ein ganz neues, dem der Amerikaner ſehr entgegen=
geſetztes
Ideal der Körperkultur zur Entfaltung gebracht
haben. Athletiſche und gymnaſtiſche Uebungen werden hier
von Regierung und Volk als ein hochbedeutſames Element
im ſozialen Leben betrachtet, während es in Amerika die
Ausbildung von Spezialiſten iſt, die das Uebergewicht her=
vorbringen
. Wir Engländer ſpielen viele Spiele von
mannigfacher Art. Die Amerikaner ſpielen wenige. Unſer
Weg iſt nach meiner Meinung vorzuziehen, es iſt zweife=
los
beſſer, ein allgemein ausgebildeter Athlet zu ſein, als
nur für ein ganz beſtimmtes Fach trainiert zu werden.
Aber das gibt noch nicht die geringſte Entſchuldigung für
ein Volk, unvorbereitet und unausgerüſtet in einem Wett=
bewerb
einzutreten, auf den das Intereſſe von mehr als
der halben Welt gerichtet iſt. In den Zuſchriften, die auf
dieſe Anklage hin bei der Daily Mail einliefen und von
denen charakteriſtiſche Proben veröffentlicht werden, ſpie=
geln
ſich in intereſſanter Weiſe die zwieſpältigen Stim=
mungen
, die gegenwärtig in Sportſachen in England
herrſchen.
Wohl ſind einige entrüſtet, daß man nicht die beſten
Leute geſchickt habe, daß die Organiſation mangelhaft ge=
weſen
ſei, aber es laſſen ſich auch Stimmen vernehmen, die
dem heutigen Sport, der durch das Ueberhandnehmen von
Verufsathleten und kommerziellen Intereſſen diskreditiert
ſei, nicht die hohe Bedeutung zuſprechen wollen, die er bis=
her
allgemein in England hatte. Die Tatſache wenn es
eine Tatſache iſt, woran ich zweifle , daß die Spiele von
anderen Nationen mit der äußerſten Ernſthaftigkeit be=
trachtet
werden, iſt eine, die uns Gott ſei Dank nicht tiefer
m berühren braucht ſo ſchreibt ein ſolcher Skeptiker.
Wr haben andere Dinge zu tun, die wir als außerordent=

lich ernſthaft betrachten. Wir ſind über das Stadium von
Sport und Spiel hinaus. Es iſt wahr: wir haben der
Welt die Bedeutung des Wortes Sport gelehrt, aber nun
haben wir wichtigere Probleme, mit denen wir uns be=
ſchäftigen
müſſen.

* Stockholm, 16. Juli. Bei dem Pferdewettkampf
erhielt heute im Preisſpringen der franzöſiſche Haupt=
mann
Caribu den erſten Preis mit 186 Punkten, der
Deutſche Leutnant von Kroecher den zweiten Preis mit
gleichfalls 186 Punkten und der belgiſche Hauptmann
Blammaert den dritten Preis mit 185 Punkten. Die
höchſte erreichbare Anzahl von Punkten betrug 190.
* Stockholm, 17. Juli. Die militäriſchen Reit=
konkurrenzen
erhielten mit dem heutigen Prämien=
reiten
ihren Abſchluß. Im Gruppenkampf erhielt Schwe=
den
mit 139,06 Punkten den erſten Preis, Deutſch=
land
mit 138,48 Punkten den zweiten und Amerika mit
137,33 Punkten den dritten. Im Einzelreiten errang
Leutnant Nordlander=Schweden mit 46,59 Punkten den
erſten, Oberleutnant v. Rechow=Deutſchland mit 46,42
Punkten den zweiten und Hauptmann Carieu=Frankreich
mit 46,32 Punkten den dritten Preis.

Sport.

* Das Breslauer Meiſterſchafts=Schachturnier, welches
eine internationale Beteiligung gefunden hat nahm jetzt
in Verbindung mit dem Kongreß des Deutſchen Schach=
bundes
in Breslau ſeinen Anfang. Es beteiligten ſich 18
Meiſter aus Deutſchland, Rußland, Ungarn, Amerika,
England und Oeſterreich. In der erſten Runde ſiegte von
den Anziehenden Rubinſtein=Warſchau über Baraſz= Un=
garn
, Durand=Prag über Breyer=Ungarn, Erich Cohn=
Berlin über Lewitzky=Rußland. Als Nachziehender ge=
wannen
ihre Partien Burn=England über Preziorka=
München Karls=Hannover über Balla=Ungarn und Le=
witzky
=Leipzig über Spielmann=München.

Die Hitze.

H.B. Brüſſel, 17. Juli. In den letzten Tagen
ſind acht Perſonen an Hitzſchlag geſtorben.
H.B. London, 17. Juli. Die Hitze fordert in
England zahlreiche Opfer. Die Durchſchnittstemperatur
beträgt 30 Grad. Viele Todesfälle infolge Hitzſchlages
ſind zu verzeichnen. Ein heftiges Gewitter ging im
Weſten von Suffolk nieder. Mehrere Häuſer wurden
urch Blitzſchlag in Brand geſteckt. Viele Gegenden
wurden von Hagelſchlag heimgeſucht. Stellenweiſe iſt
die Ernte vernichtet. Aus den Badeorten wurden zahl=
reiche
Todesfälle durch Ertrinken gemeldet. Geſtern ſind
in Bolton zwei Männer und eine Frau an Hitze ge=
ſtorben
.

Streiks.

* Bingen, 17. Juli. Da einer der Fahrer der
Binger Nebenbahnen wegen unvorſichtigen
Fahrens aus dem Dienſte der Geſellſchaft entlaſſen
wurde, haben die Fahrer zum 20. Juli ihren Dienſt
gekündigt. Die Direktion hat bereits Erſatzfahrer
ausgebildet. Ferner iſt das Perſonal der Geſellſchaft in
eine Lohnbewegung eingetreten, die jedoch aller Voraus=
ſicht
nach auf gütlichem Wege geregelt werden wird.
H. B. Brunnsbüttelkoog, 17. Juli. Heute
früh ſind 8 bis 900 Arbeiter der Firma Holzmann wegen
Lohndifferenzen in den Streik getreten. Der
größte Teil der ſtreikenden Arbeiter iſt an dem
Schleuſenbau und Verbreiterung des Kaiſer Wilhelms=
Kanals beſchäftigt. Sämtliche Maſchinen ſtehen ſtill.
* Paris, 17. Juli. In Dünkirchen verſam=
melten
ſich geſtern abend an 3000 ausſtändige
Dockarbeiter und Seeleute vor der Arbeitsbörſe,
wo ein Vertreter des revolutionären allgemeinen Arbei=
terverbandes
eine heftige Rede gegen die Regierung und
die Schiffahrtsgeſellſchaften hielt. Ein Polizeikommiſſar,
der dem Redner Schweigen gebot, wurde mit Steinen
beworfen, worauf Gendarmerie und Dragoner mit blan=
kem
Säbel in der Hand auf die Menge einritten, die auf
die Soldaten Flaſchen und Pflaſterſteine ſchleuderte,
jedoch nach kurzem Widerſtand auseinanderſtob. Acht
Ausſtändige wurden durch Säbelhiebe verletzt, darunter
zwei ſehr ſchwer. Auch mehrere Soldaten und Poliziſten
erlitten Verletzungen.
* Dünkirchen 17. Juli. Nach Schluß der Ver=
ſammlung
in der Arbeitsbörſe wollten die ausſtän=
digen
Dockarbeiter und Seeleute geſtern abend
eine zweite Verſammlung auf einem öffentlichen Platz
in der Stadt abhalten, ſie wurden aber von den Truppen
daran gehindert. Es kam zu ernſten Ruheſtörungen.
Berittene Schutzmannſchaft mußte ſchließlich mit der
blanken Waffe vorgehen. Mehrere Ruheſtörer gerieten
unter die Hufe der Pferde, andere wurden durch Säbel=
hiebe
verletzt; auch einige Schutzleute trugen Verletzun=
gen
davon. Die Ruhe iſt gegenwärtig wieder hergeſtellt.
* London, 17. Juli. Zwiſchen den Streik=
führern
und dem Vorſitzenden der Hafenbehörde von
Devonport haben weitere Beſprechungen ſtattgefun=
den
. Sie haben bisher zu keinem Reſultat geführt, wer=
den
aber heute fortgeſetzt werden.
* Rio de Janeiro, 16. Juli. Der franzö=
ſiſche
Dampfer La Provence der mit 728
Fahrgäſten hier eingetroffen iſt, war infolge des See=
mannsſtreiks
in Marſeille mit neuen Mannſchaften be=
ſetzt
worden. Dieſe ſetzten ſich großenteils aus Vaga=
bunden
zuſammen, die während der Fahrt die
Reiſenden mit Revolvern bedrohten und mißhandelten,
ſo daß es unterwegs fortgeſetzt zu Schreckensſzenen kam.
Der Kapitän veranlaßte die Verhaftung der Leute.
Sämtliche Waffen wurden vor der Weiterfahrt nach
Buenos Aires beſchlagnahmt.

Handel und Verkehr.

* Luxemburg, 17. Juli. Für die vom Staate
Luxemburg zu vergebende Konzeſſion zur Aus=
beute
von 582 Hektar Erzfelder hat jetzt das
inländiſche Hüttenſyndikat, mit Ausnahme des Konzerns
Eiſch=Düdelingen=Burbach, laut Luremburger Wort, eine
um 25 Prozent über ſein urſprüngliches Angebot hinaus=
gehende
Oferte gemacht. Urſprünglich hatten die im
Großherzogtum anſäſſigen Hüttenwerke eine während
50 Jahren zu zahlende Rente von 720 Mark pro Hektar
und Jahr geboten, die ſie ſpäter auf 800 Mark erhöhten.
Dann kam der deutſche Großinduſtrielle Auguſt Thyſſen
mit ſeinem Uebergebot einer Rente von 960 Mark neben
ſonſtigen Zugeſtändniſſen. Das genannte luremburgiſche
Syndikat hat nunmehr 1000 Mark Rente geboten.

Zum Krieg um Tripolis.

* Konſtantinopel, 16. Juli. Wie verkautet,
richteten einflußreiche vornehme Albaner aus Priſtina

an den Sultan ein Telegramm, indem ſie um Einſtellung
der miltiäriſchen Maßnahmen bitten. Der Sultan habe
mit Ratſchlägen erwidert, in denen er zur Ruhe auf=
fordere
.
* Konſtantinopel, 16. Juli. Terſchuman in
Hakikat meldet, der Marineminiſter habe de=
miſſioniert
. Eine amtliche Beſtätigung dieſer Mel=
dung
liegt nicht vor.
* Konſtantinopel, 16. Juli. Die Regierung
wird eine Generalamneſtie erlaſſen und allen ver=
bannten
=Perſönlichkeiten die Rückkehr geſtatten.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 16. Juli. Die Voſſ. Ztg. meldet: Die vuſſi=
ſche
Spionageaffäre des Artillerieoffiziers Koſte=
witſch
hat eine unerwartete Wendung genommen. Wäh=
rend
noch heute mittag das Petersburger Telegramm einer
Preßagentur die Freilaſſung von Koſtewitſch für den 20.
Juli ankündigte und von einer Schadenerſatzforderung in
Höhe von 100000 Mk. zu berichten wußte, erfahren wir von
unterrichteter Seite, daß Koſtewitſch am Montag vor=
mittag
nach Leipzig übergeführt wird. Es ſoll nachträg=
lich
in den Briefſchaften von Nikolski in Düſſeldorf noch be=
laſtendes
Material aufgefunden worden ſein. In zwei
Monaten wird die Hauptverhandlung in Leipzig ſtatt=
finden
. Frau Koſtewitſch hat nun den Antrag geſtellt,
ihren Gatten wenigſtens bis zum Termin freizulaſſen, eine
Forderung, der natürlich kaum entſprochen werden dürfte.
Koſtewitſch leugnet nach wie vor, ſich irgendwie ſtrafbar ge=
macht
zu haben.
* Heringsdorf, 17. Juli. Drei junge Leute
legten geſtern abend mit ihrem Boot beim Reſtaurant
zum Brückenkopf an. Zwei erreichten die Treppe vom
Boot aus, der dritte, der in Banſin tätige Berlinen
Friſeur Otto Behn, trat fehl und verſank. Die Leiche
iſt geborgen.
* München, 17. Juli. Die Kammer der Ab=
geordneten
beriet nuerdings über den Geſetzentwurf
betr. das Lotterieſpiel ſowie den Staatsvertrag vom
29. Juli 1911 zwiſchen Bayern, Württemberg und
Baden einerſeits und Preußen andererſeits. Die Kam=
mer
verwies in ihrer Sitzung vom 14. Mai den Geſetzent=
wurf
zur nochmaligen Beratung an den Finanzausſchuß
zurück, der nun neuerdings beantragt, das Plenum möge
den Geſetzentwurf wie dem Staatsvertrag nicht zuſtim=
men
, dagegen ſei die Staatsregierung zu erſuchen, dem
Landtag bald eine Vorlage über die Einführung einer baye=
riſchen
Landesklaſſenlotterie zu machen. Beckh (Konf.)
trat gemäß der Regierungsvorlage für den Beitritt Bayerns
zur preußiſchen Klaſſenlotterie ein. Abg. Gerichten
(Lib.) ſprach ſich für einen Teil ſeiner Partei für die Ab=
lehnung
der Lotteriegemeinſchaft mit Preußen aus und
wünſchte eine bayeriſche Klaſſenlotterie mit der Einſchrän=
kung
, daß Bayern die Lotterie nicht verpachte, ſondern ſelbſt
verwalte. Speck erklärte namens des Zentrums, daß
die Bedingungen Preußens und der finanziellen Garantien
ſo ungünſtig ſeien und daß es aus finanziellen und politi=
ſchen
Gründen gegen den Lotterievertrag ſtimmen müſſe.
Er wies auf die finanziellen Erfolge einer eigenen baye=
riſchen
Lotterie hin, deren Errichtung ſeine Partei zuſtim=
men
werde. Abg. Kohl (Lib.) erklärte namens eines grö=
ßeren
Teils ſeiner Freunde, daß ſie dem Staatsvertrag mit
Preußen zuſtimmen würden. Die Abſtimmung wurde auf
morgen vertagt.
* Karlsruhe, 17. Juli. Am Schluſſe der heutigen
Sitzungen der Erſten und der Zweiten Kammer wurde
eine Allerhöchſte Botſchaft verleſen, durch die der Land=
tag
bis zum Herbſt vertagt wird.
* Brunsbüttel, 17. Juli. Geſtern abend kenterte
im Binnenhafen ein mit ſechs Perſonen beſetztes Boot.
Fünf Perſonen wurden gerettet, während der Arbeiter
Charles Andel ertrank. Heute ertranken beim
Baden bei den neuen Molen zwei Arbeiter.
* Bern, 17. Juli. Die Bundesverſammlung wählte
für den verſtorbenen Bundesrat Ruchet den Regierungs=
rat
Camille Decoppet=Lauſanne und für den ver=
ſtorbenen
Bundesrat Deucher den Rechtsanwalt Edmund
Schultheß=Brugg (Kankon Argau). Beide Ge=
wählte
ſind freiſinnig. Schultheß gehört ſeit 1905 dem
eidgenöſſiſchen Ständerat an.
* London, 17. Juli. Wie das Reuterſche Bureau er=
fährt
, ſind in den Beratungen der kanadiſchen
Miniſter mit den hieſigen Behörden über die Flotten=
frage
bisher noch von keiner Seite poſitive Vorſchläge=
gemacht
worden. Außerdem iſt noch die Frage einer
Subvention von Dampferlinien erörtert worden. Wie
die kolonialen Premierminiſter auf der vorjährigen
Reichskonferenz, ſo haben jetzt die kanadiſchen Miniſter
die ausführlichſten vertraulichſten Informationen über
die auswärtige Politik und die auswärtigen Beziehun=
gen
Englands erhalten.
* Aſtrachan, 17. Juli. Hier wurde ein zweiter
Cholerafall feſtgeſtellt.
* Konſtantinopel, 17. Juli. Das Kabinett iſt zu=
ückgetreten
.
* Uesküb, 17. Juli. Die militäriſchen Ope=
rationen
gegen die Rebellen von Lab waren
erfolgreich. Die Lage in der Gegend von Priſchtina hat
ſich gebeſſert. Der Wali Koſſowo iſt hierher zurückge=
kehrt
.
* Feura, 17. Juli. Kamel, reiterpatrouil=
len
fanden auf einem Erkundungsritt jenſeits der bereits
erkundeten Zone von Sidi Ali weitere 200 Feindes=
leichen
, außer denen, worüber bereits berichtet wor=
den
iſt.
* Zizikar, 17. Juli. Angeſichts der erregten Stim=
mung
in der Provinz ordnete der Generalgouverneur
die Zenſur für Briefe und Telegramme und eine
verſchäfrfte Ueberwachung Verdächtil=
ger
an.

H. B. Berlin, 17. Juli. Rittergutsbeſitzer Becker,
der im Maltzahn=Prozeß zu 3 Monaten Gefängnis ver=
urteilt
worden war und die Strafe in Preungesheim
verbüßt, wird am Samstag aus der Haft entlaſ=
ſen
werden. Die Leitung der Fortſchrittlichen Volks=
partei
will ihm einen feſtlichen Empfang bereiten,
ebenſo Deputationen aus Darmſtadt und Worms,
wo Becker für den Reichstag kandidierte.
Berlin, 17. Juli. Auf der Bahnſtrecke Zehlen=
dorf
-Potsdam wurde heute Nacht der Hilfsſchaffner
Thorger aus Magdeburg mit ſchweren Verletzungen
aufgefunden. Er iſt anſcheinend aus einem Zuge
geſtürzt.
* Berlin, 17. Juli. Heute nachmittag gegen 2 Uhr
entſtand im Grunewald zwiſchen den Gardeſchießſtänden
und dem Grunewaldſee ein größerer Waldbrand.
* Berlin, 17. Juli. Unter der Anſchuldigung von
der Frau eines hieſigen Kommerzienrats eiwg 10000

[ ][  ][ ]

Nummer 167.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 18. Juli 1912.

Seite 7.

Mark erpreßt zu haben, wurde heute mittag ein
Kandidat der Medizin, der mit der Familie verwandt
iſt, verhaftet. Als Motiv gab dieſer an, mit dem Gelde
ſeine Schulden bezahlen zu wollen.
Krotoſchin, 17. Juli. Bei einer Spiritus=
ſexploſion
wurde das 16jährige Dienſtmädchen und
lein dreijähriges Kind des Betriebsaufſehers Koccynski
getötet.
Innsbruck, 17. Juli. Der Oberſtabsarzt a. D.
Dr. Geiger aus Berlin ſtürzte beim Aufſtieg auf
die im Bintſchgau gelegene Bernardwand ab und erlitt
mehrere komplizierte Knochenbrüche. Er liegt im Ho=
ſpital
zu Innsbruck.

für Kerbele!

(15538D)

Ferdinand Carl Winfer.
Hoflieferant Sr. Hönigl. Hoheif des Grossherzogs
Spezialgeschäft für Herren-Wäsche
fertig und nach Mass
Unterzeuge, Cravatten, Sporfarkikel.

8735m

(Statt beſonderer Mitteilung.)
Todes=Anzeige.
Geſtern abend verſchied ſanft im 68. Lebens=
jahre
unſere gute, treubeſorgte Gattin u. Mutter
Frau
Katharia Arnold
geb. Gebhardt
nach mehrwöchigem Leiden.
(15549
Darmſtadt, den 17. Juli 1912.
Friedrich Arnold,
Oberleutnant a. D. u. Rechnungsrat,
Dr. Reinhard Arnold,
Großh. Bankdirektor.
Die Beerdigung findet dem Wunſche der Ent=
ſchlafenen
entſprechend in der Stille ſtatt.
Blumenſpenden und Kondolenzbeſuche dankend
verbeten.

Dankſagung.
Für die uns anläßlich des Hinſcheidens unſerer
lieben Mutter, Schwiegermutter, Großmutter,
Schwägerin und Tante
(B15567
Frau Emma Luban
geb. Kleinfeldt
erwieſene Teilnahme danken wir herzlichſt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Auguſte Wilhelm, geb. Luban.
Darmſtadt, den 17. Juli 1912.

Bei heißem Wetter verlieren die Kinder
oft den Appetit. Dann verlangen ſie leichte
und wohlſchmeckende Speiſen, die das Blut
abkühlen, wie z. B.
Mondamin-Auflauf
mit Milch, Eiern, Zucker und Mondamin
gekocht. Dies mit Fruchtſaft oder Schlagſahne
ſerviert, wird von den Kindern allem anderen
vorgezogen. Das Rezept dazu iſt mit 23 weiteren
Rezepten für Sommerſpeiſen im B=Büchlein zu finden,
gratis und franko erhältlich vom Mondamin=Kontor,
Berlin C 2. Schreiben Sie ſofort darum, Sie könnten
es ſonſt vergeſſen.
(VI15529

Zahn-Créme

Danksagung.
Für die ausserordentlich vielen Be-
weise
herzlicher Teilnahme bei dem
Tode unseres lieben Vaters, Grossvaters
und Schwiegervaters, des
Herrn
Rendanten Fllipp Reitzer
Grossh. Distriktseinnehmer i. P.
sagen herzlichen Dank
die trauernden Hinterbliebenen.
Darmstadt, den 16. Juli 1912.
Hölgesstr. 14.
(15516

Danksagung.
Allen, die uns durch innige An-
teilnahme
bei dem unersetzlichen
Verluste, der uns betroffen hat, zu
trösten versucht haben, herzlichen
Dank.
Darmstadt, 17. Juli 1912.
Familie Hammann.
5528

Für die beim Ableben unſeres lieben Vaters
erwieſene Teilnahme, ſowie für die zahlreichen
Blumenſpenden, ſagen wir allen, auch denen, welche
dem Dahingeſchiedenen die letzte Ehre erwieſen,
unſeren innigſten Dank.
(15523
Darmſtadt, den 17. Juli 1912.
Familie Karl Klenk,
Georg Würthele.

Für die uns erwiesene Teilnahme
sagen wir herzlichen Dank. (15571
Darmstadt, Weiterstadt, den 17. Juli 1912.
Marg. Becker, geb. Mischlich,
Familie Bürgermeister Becker.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Unter dem Einfluß des hohen Drucks haben wir in
Deutſchland heiteres Wetter bei hohen Morgentempera=
turen
. Niederſchläge ſind im Reiche nicht beobachtet
worden. Bei ziemlich gleichmäßiger Luftdruckverteilung
wehen bei uns die Winde aus wechſelnder Richtung.
Heute morgen fällt das Barometer allgemein; jedoch
ſteht noch keine Witterungsänderung bevor.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den
18. Juli: Heiter, trocken, warm.

Tageskalender.

Monatsunterhaltung der Kaufm. Stenographen=
Geſellſchaft Gabelsberger um 8½ Uhr im Fürſten=
ſaal

Konzerte: Saalbau um 8 Uhr. Perkeo um 8 Uhr.
Schützenhof um 8 Uhr. Erkers Brauerei um 8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Die
Kaiſerzuſammenkunft in Baltiſchport; zu den Olympi=
ſchen
Spielen in Stockholm; der Düſſeldorfer Hafen,
vom Luftballon aus geſehen; die ruſſiſche Fürſtin
Tſchakowsky, die das Pilotenexamen beſtand.

Verſteigerungskalender.
Freitag, 19. Juli.

Korn=Verſteigerung um 6 Uhr ( Zuſammen=
kunft
am alten Beſſunger Bahnhof).

Städtiſches Muſeum (Schloßgraben 9). Geöffnet
Sonn= und Feiertags, ſowie Mittwochs und Frei=
tags
von 111 und 35 Uhr, bei freiem Eintritt.
Dienstags, Donnerstags und Samstags von 101
Uhr (Eintritt 30 Pfg.).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus der Geſchäftswelt: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Kurſe vom 17. Juli 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz
Gf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,50
3½ Deutſche Reichsanl. 90,00
do.
80,10
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,10
3½ do. Conſols . . . 90,00
80,00
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
93,20
do,
3½
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,50
88,40
do.
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl. 100,30
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,20
4 do. do. (unk. 1918) 100,10
88,10
do.
3½
77,80
do.
3 Sächſiſche Rente . . . . 80,10
4 Württemberger v. 1907 100,10
do. v. 1875 95,00
13½
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,50
11¾ Griechen v. 1887 . . 54,30
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 91,10
4 do. Goldrente . . . 96,20
4 do. einheitl. Rente 88,00
3 Portug. unif. Serie I 63½
3 do. unif. Ser. III 66,55
9,70
3 do. Spezial
5 Rumänier v. 1903 . . 101,50
4 do. v. 1890
14 do. v. 1905 . . 100,59
4.=Ruſſen v. 1880 . . . . 90,40
4 do. v. 1902 . . . . 90,60
100,50
4½ do. v. 1905 .
89,40
3½ Schweden .
4 Serbier amort. v. 1895 85,20
4 Türk. Admin. v. 1903 82,30
4 Türk. uniſiz. v. 1903 89,10
4 Ungar. Goldrente . . . 90,80
4 do. Staatsrente . . . 88,60.

Zf.
In Proz.
5 Argentinier
.100,80
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 94,00
5 Chineſ. Staatsanleihe . 100,00
do.
93,80
4½
4½ Japaner . . . . . . . 94,60
5 Innere Mexikaner . . . 95,40
3
63,00
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,40
5 Gold=Mexikaner . . .
3 Buenos Aires Provinz 71,40
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 143,00
5 Nordd. Lloyd . . . . . 118,75
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 124,30
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . .
8 Baltimore und Ohio . 106½
6½ Schantungbahn 130,50
64 Luxemb. Prince Henri 158,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 18,50
6 Pennſylvania R. R. .121,40
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger .
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik
.518,75
14 Chem. Fabrik Gries=
.259,00
heim
30 Farbwerke Höchſt . 645,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim .
10 Cement Heidelberg . 153,60
30 Chem. Werke Albert 460,40
12½ Holzverkohlung Kon=
.314,75
ſtanz
.126,00
4 Lahmener . .

Letzte
In Proz.
Divid.
7½Schuchert, Nürnberg 160,50
12 Siemens & Halske . 240,75
5 Bergmann Electr. . . 142,10
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 168,10
0 Gummi Peter . . . . 123,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 128,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 539,00
10 Maſchinenf. Badenia
6 Wittener Stahlröhren 215,25
8 Steana Romana Petr. 142,25
15 Zellſtoff Waldhof . . 236,10
12½ Bad. Zucker=Wag=
. 222,10
häuſel . .
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 119,70
3 Südd. Immobilien 69,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumeß=Friede . . . . 189,25
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 235,70
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 176,50
10 Gelſenkirchener . . . . 192,70
8 Harpener .
. . . . 189,00
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 264,80
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 81,75
4 Laurahütte . . . . . . 173,25
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 193,00
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 94,50
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 89,90
3 Prag=Durer . . . . . . 75,40
5 Oeſterr. Staatsbahn . 103,90
4 Oeſterr. Staatsbahn . 94,25
do.
78,90
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,60

In Proz.
Bf.
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 76,40
53,20
28/10 do.
76,80
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn
88,80
4 Ruſſ. Südweſt. .
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,40
do.
4 Wladichawchas
88,80
88,30
4 Rjäſan Koslow.
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 74,40
4½
90,50
do.
24/ Livorneſer . . . . 68,30
3 Salonique=Monaſtir . 63,50
83,75
4 Bagdadbahn
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 96,90
4 Miſſouri=Pacific.
. 71,40
4 Northern=Pacific . . . 100,20
4 Southern=Pacific . . . 95,00
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 87,75
5 Tehuantepec . . . . 98,70
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 196,00
7 Bergiſch=Märkiſche
.150,60
Bahn .
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 167,60
6½ Darmſtädter Bank . 121,80
12½ Deutſche Bank . 254,60
6 Deutſche Vereinsbank . 124,30
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,30
10 Diskonto=Kommandit 185,80
8½ Dresdener Bank . 154,00
9½ Frankf. Hypoth.=B. 216,00
6½ Mitteld. Kreditbank 118,70
7 Nationalb. für Deutſchl. 123,10
7 Pfälziſche Bank . . . . 129,00
5.86 Reichsbank . . . . 135,70
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,00
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . 125,30
7½ Wiener Bankverein . 134,60
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 98,30

Sf. Pfandbriefe. InProz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 89,10
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2126 97,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,00
2½
88,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,20
do.
89,20
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
. 99,80
S. 14, 15, 17, 24/26
1823 .
99,90
½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 61
89,00
S. 35
89,00
S. 911
89,10
4 Meininger Hyp.=Bank 99,20
do.
8
88,30
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 97,80
8½ do. (unk. 1914) . . 88,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
3½ do.
89,40
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . 4
8½ do.
90,00
4 Frankfurt.
100,10
8½ do.
93,80
99,00
4 Gießen .
8½ do.
90,00
4 Heidelberg
99,20
8½ do.
88,60
4 Karlsruhe
8½ do.
88,75
4 Magdeburg.
99,10
3½ do.
4 Mainz
99,00
3½ do.
90,00
4 Mannheim
99,00
3½ do.
4 München .
99,00
3½ Nauheim
4 Nürnberg.
100,00
3½ do.
4 Offenbach

3f.
In Proz.
3½ Offenbach
90,10
4 Wiesbaden .
100,30
3½ do.
89,30
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner , 100 134,50
3 Holl. Komm. . fl. 100 108,75
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 135,60
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 173,00
3 Oldenburger . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
ſl. 7 35,75
Augsburger.
Braunſchweiger Tlr. 20 197,00
Freiburger
Fs. 15
Fs. 45
Mailänder
Fs. 10
do.
Meininger .
ſtl. 7 35,10
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 515,00
do. v. 1858fl.100 454,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30
Tärkiſche . . . . Fs. 400 172,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns
20,42
20 Frankk=Stücke
16,31
Amerikaniſche Noten . . . 4,18¼
Engliſche Noten
20,46
Franzöſiſche Noten.
81,20
Oolländiſche Noten.
169,70
Italieniſche Noten .
80,20
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,95
Ruſſiſche Noten
Schweizer Noten . . . . . 81,05
Reichsbank=Diskonto. .
Reichsbank=Lomdard 38b. 5½,

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 18. Juli 1912.

Nummer 107

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Nummer 167.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 18. Juli 1912.

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[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 18. Juli 1912.

Nummer 167.

Handel und Verkehr.

H. Frankfurt a. M., 16. Juli. Fruchtmarkt=
bericht
. Der Wochenmarkt war zwar zahlreich be=
ſſucht
, aber die Umſätze bewegten ſich in engen Grenzen.
Ausländiſche Brotfrüchte wurden noch hoch gehalten, ſo=
daß
die Mühlen und der Konſum nur das notwendigſte
kkauften. Neuer Landroggen war erſtmalig bei weſent=
llich
ermäßigtem Preiſe offeriert, jedoch fanden nur kleine
Abſchlüſſe ſtatt. Hafer weiter in guter Frage und be=
hauptet
. Futterartikel infolge der heißen Witterung wie=
der
zur Feſtigkeit geneigt. Die Forderungen für Mehl
ſind unverändert. Der Mannheimer Getreide=
markt
war ruhig und eher zur Schwäche geneigt. An
der Berliner Produktenbörſe war die Hal=
itung
für Getreide matt auf Realiſationen beſonders Rog=
gen
ſtark angeboten auf die guten Erntemeldungen aus
ider Provinz. Hafer für Juli ebenfalls nachgebenb.
Lokoware wenig gefragt und ſchwach. Nach den letzten
Kabelnachrichten von den amerikaniſchen Ge=
treidemärkten
(New=York und Chicago) war Wei=
zen
während des geſamten Geſchäftsverlaufs in flauer
Stimmung, da insbeſondere aus Nord=Dakota günſtige
Ernteberichte vorlagen und auch die Lokomärkte ſchwächer
waren. Mais ebenfalls nachgebend, wobei Angſtver=
käufe
einen weſentlichen Druck ausübten. Die ſichtbaren
Weizenvorräte ſind dort in dieſer Woche von 24,02 Mill.
Buſh. auf 22,38 Mill.. Buſh. und die Maisvorräte von
7,35 Mill. Buſh. auf 6,35 Mill. Buſh. zurückgegangen.
Auch in Kanada ermäßigten ſich die Weizenvorräte in
dieſer Woche von 11,23 Mill. Buſh. auf 10,57 Mill. Buſh.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
Weizen hieſiger und Wetterauer Norddeutſcher ,
Kurheſſiſcher Ruſſiſcher 23,5025, La Plata 23,50 bis
25,50, Rumäniſcher 23,5025,50, Redwinter 23,5025,25,
Manitoba 22,5025,50, Kanſas 23,5025,25, Walla
Walla 22,7525,50; Roggen, hieſiger (neuer) 19,50 bis
H19,75, Bayeriſcher (Pfälzer) 19,5019,90, Ruſſiſcher 19,75
bis 20,75, Amerikaniſcher Rumäniſcher 19,7520,75;
Hafer, hieſiger 21,5022, Bayeriſcher 21,5022. Ruſſi=
ſſcher
20,5022.50, Amerikaniſcher 17,5018, Rumäniſcher
220,5022,50; Mais mixed 1616,50, Ruſſiſcher 16
bbis 16,50, Donaumais 15,5016, Rumäniſcher 15.75 bis
f16,25, La Plata 1616,25, weißer Mais 15,7516,25,
WWeizenſchalen 11,2511,50, Weizenkleie 11,2511,50,
RRoggenkleie 12,7513, Futtermehl 1416, Biertreber,
fgetrocknet, 13,5013,75; Weizenmehl, hieſiges (Baſis ab
Mannheim), Nr. 0: 31,2531,50, feinere Marken 31,75
bis 32, Nr. 1: 30,2530,50, feinere Marken 30,7531,
Nr. 2: 28,7529, feinere Marken 29,2529,50, Nr. 3:
26,5026,75, feinere Marken 2727,25, Nr. 4: 24.50 bis
24,75, feinere Marken 2525,25; Roggenmehl, hieſiges,
Nr. 0: 2727,50, Nr. 1: 25,2525,50, Nr. 2 2222,25.

Landwirtſchaftliches.

Kurzer Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 9. bis 15. Juli.
Die deutſchen Getreidemärkte ſtanden in der Be=
trichtswoche
unter dem Einfluß des ſchönen Wetters, das
die Reife des Roggens beſchleunigt und die Ernte nun=
mehr
allmählich in Gang kommen läßt. Die erſte dies=
jährige
Schätzung der Roggenernte in Preußen ſtellt ein
Ergebnis von 8 729000 Tonnen in Ausſicht, gegen

8 366 000 Tonnen in 1911 und 7975000 Tonnen in 1910.
Ob der Erdruſch nach den vielſeitigen Berichten über
mangelhaften Fruchtanſatz dieſen Erwartungen entſpre=
chen
wird, bleibt abzuwarten. Immerhin übten die
hohe Schätzung und die Ausſicht, im Juli noch neuen
Roggen zu erhalten, einen ſtarken Druck auf die Stim=
mung
aus und veranlaßten vielfach Juli=Realiſationen
und Herbſtverkäufe, ſo daß Juli von 190¾ auf 182½ Mk.,
September von 170¾ auf 167¾ Mark zurückgehen muß=
ten
. Das Geſchäft in alter Ware hat faſt ganz aufgehört,
da die Mühlen große Zurückhaltung bekunden und den
Betrieb einſchränken. Weizen vermochte ſich im allge=
meinen
beſſer zu behaupten, indem Juli nur 1¼. Sep=
tember
nur ¾ Mark einbüßte. Der amtliche Bericht über
die amerikaniſche Ernte lautete ungünſtiger, als man er=
wartet
hatte, und die Vorräte in erſter und zweiter Hand
wurden drüben am 1. Juli auf nur 49,6 gegen 62,2 Mill.
Buſhels im Vorjahre geſchätzt. Rußland hatte im =
den
wieder viel Regen, während im Wolga=Rayon ern=
ſtere
Schäden infolge von Dürre zu verzeichnen ſind, ſo
daß man die Erwartungen etwas zurückgeſchraubt hat.
Bemerkenswerterweiſe iſt von ruſſiſchem Angebot bisher
wenig zu ſpüren, anſcheinend, weil die Exporteure mit
ihren Vorverkäufen in den letzten Jahren ſchlechte Er=
fahrungen
gemacht haben. Auch verhalten ſich die Ban=
ken
, ohne deren Garantie man in Weſteuropa nicht kaufen
will, ſehr reſerviert. Beachtung fanden auch Berichte,
wonach die franzöſiſche Ernte nicht größer als im Vor=
jahre
, qualitativ ſogar erheblich geringer ausfallen dürfte.
Eine weſentliche Stütze bildet aber vor allem die Dis=
parität
gegenüber dem Weltmarkte und die ſich daraus
ergebende Exportmöglichkeit. Tatſächlich haben auch in
den letzten Wochen wieder große Abſchlüſſe, namentlich
mit Italien, ſtattgefunden. Hafer mußte bei ſchwerfälli=
gem
Abſatz wieder merklich im Preiſe nachlaſſen. Für
Gerſte beſtand etwas beſſerer Konſumbegehr, auch ſpätere
Lieferung war feſter, da Rußland mit Offerten zurück=
hält
. Auch Mais begegnete bei erhöhten argentiniſchen

Forderungen beſſerer Kaufluſt. Es ſtellten ſich die Peiſe
am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kilogramm wie
folgt:

Roggen
Hafer
Weizen
167½ (12) 185 (
Königsberg.
189
Danzig . .
181
183
. .2.
Poſen
Breslau . . . 221 ( 10) 190 (15) 184
205
Berlin . .
203
199
Magdeburg .225
198
10) 212
.224
Leipzig
204
198
Dresden . . . 224
190
.221½
192
Roſtock
205
202
Hamburg . .230
206
205
Hannover . . 228
203
Düſſeldorf . . 232
215
200
Frankfurt a. M.
202½ (2½) 220
Mannheim . . 242½
220
Straßburg . . 245
223 (*2 ) 231
München . . 255

Literariſches.

Reiſeliteratur. Wie reiſt man in
Oberbayern und Tirol? Ein Buch zum Luſt= und
Planmachen. Von Prof. Dr. K. Kinzel. Mit ſieben
Bildern, ſechs Stadtplänen, zwei Grundriſſen und einer
Karte. Zehnte umgearbeitete und vermehrte Auflage,
Verlag von Fr. Bahn, Hofbuchhändler in Schwerin i. M.
Biegſam gebunden 3 Mark. 1912. Wie reiſt man in
der Schweiz? Ein Buch zum Luſt= und Planmachen.
Von Profeſſor Dr. Kinzel. Sechſte ſtark vermehrte Auf=
lage
. Biegſam gebunden 3 Mk. Verlag von Fr. Bahn,
Hofbuchhändler in Schwerin i. M. Die Kinzelſchen Büch=
ein
ſind nicht gewöhnliche Reiſeführer, ſondern ſie haben
ein ganz beſtimmtes Publikum im Auge: Die erholungs=
bedürftigen
Männer des gebildeten Mittelſtandes, die ein
paar Wochen ausſpannen wollen, um in Gottes ſchöner
Natur Leib und Seele zu erquicken, und zwar womöglich
nicht allein, ſondern mit der Gattin. Dieſer Geſichtspunkt
iſt von Anfang bis zu Ende feſtgehalten. Die Grundſätze
ſind: mäßige Anſprüche an Kräfte und Geldbeutel und
dabei die höchſten und ſchönſten Genüſſe in Natur und
Kunſt. Heuſers Pfalzführer. Ein Reiſe=
handbuch
für die Pfalz und das nördliche Elſaß. Fünfte
Auflage, 1912. Mit zehn Karten und ſieben Stadtplänen.
Verlag von Wilhelm Marnet, Neuſtadt a. d. H. Preis
4 Mk. Die ganze Pfalz erfährt in dieſem Reiſehandbuch
eine Schilderung, worin ſich das Land getreulich abſpie=
gelt
; es iſt ein Buch, das u. a. Beſchreibungen der Städte
und ihrer Bauwerke ſowohl, als auch Naturſchilderungen
in vollendeter Weiſe bietet. Der Pfalzführer kann in vier
Teile zerlegt werden, ohne daß die einzelnen Teile aus=
einanderfallen
, oder er kann auch wenn er mehr als
Nachſchlagewerk dienen ſoll als vollſtändiger Band
belaſſen werden. Südtirol. Unter dieſem Titel hat
das Internationale Reiſebureau von Schenker u. Co. in
Bozen ſoeben ein geſchmackvoll ausgeſtattetes, 450 Seiten
ſtarkes Reiſehandbuch herausgegeben, welches ganz Süd=
tirol
mit ſeinen Höhenſtationen und Ausſichtsbergen,
Bahnen, Straßen, Seen und Kurorten eingehend behan=
delt
. Das Buch hat den Bozener Schriftſteller Karl Felix
Wolff zum Verfaſſer und erſcheint heuer in zweiter Auf=
lage
. Gegen vorherige Einſendung der Poſtgebühr (20
Pfg.) erhält man das Buch auch zugeſchickt. Das Bay=
riſche
Hochland mit dem Algäu, das angren=
zende
Tirol und Salzburg nebſt Salzkammergut. Von
Th. Trautwein. Bearbeitet von Anton Edlinger und
Heinrich Heß. 15. Auflage. Mit 34 Karten und Plänen.
Wien und Leipzig, 1912, A. Edlingers Verlag. 4 Mark.
Das vorliegende, in allen Kreiſen der Alpenreiſenden als
der Kleine Trautwein bekannte, ausgezeichnete Reiſe=
handbuch
iſt ſoeben in 15. Auflage erſchienen. Die aner=
kannten
Vorzüge der Trautweinſchen Reiſebücher: größte
Zuverläſſigkeit und knappſte Faſſung, werden die Freunde
des Buches auch in dieſer neuen Ausgabe ungeſchmälert
wiederfinden. Auch dem hochalpinen Wintervergnügen
iſt durch Erwähnung aller wichtigen Gelegenheiten zur
Ausübung des Winterſportes (Rodeln, Skilaufen) Rech=
nung
getragen. Der Große Thüringer. Illu=
ſtrierter
Führer durch die Bäder, Sommerfriſchen, Som=
merwohnungen
, Sanatorien, Fremden= und Touriſtenorte
Thüringens iſt der Titel eines Reiſehandbuches, welches
in zweiter Auflage bei der Verlagsanſtalt Wilh. Loewy
in Erfurt 66 erſchienen (gegen Einſendung von 40 Pfg.
franko zu beziehen) und all denen, welche eine kleinere
oder größere Erholungsreiſe im ſchönen Thüringer Land
unternehmen wollen, als ſchmucker, zuverläſſiger Berater
ſehr zu empfehlen iſt.

Für dieſe Woche empfehle:
Prima Helgoländer
Ausendu
Große Schentische
Fluseehecht
Rolzungen M Schenen

Weltmarktpreiſe: Weizen Berlin Juli 226 (1,25)
Sept. 203,50 (0,75), Peſt Okt. 193,45 (2,05), Liver=
pool
Juli 170,50 (), Chicago Juli 161,70 (0,95),
Roggen: Berlin Juli 182,50 (8,25), Sept. 157,75 (3),
Hafer: Berlin Juli 182,25 (4), Sept. 165 (40,50),
Futtergerſte: Südruſſ. frei Hamburg unverzollt ſchwim.
140,75 ( 4,25) Herbſt 118 (*0,75), Mais: La Plata
Juni=Juli 107,50 (*7) Mark.

(15525

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[ ][  ][ ]

38 84.

Donnerstag, 18. Juli.

1912.

Die Stadt Alsſeld und der evangeliſche Kirchenvorſtand daſelbſt beabſchteuen,

zur Beſchaffung von Mitteln für die Wiederherſtellung des Rathauſes und der Wal=
purgiskirche
zu Alsfeld eine Geldlotterie von 3 Serien, zu je 120 000 Loſen à 1 Mk.
zu veranſtalten; die Ziehung der 1. Serie findet am 11./12. September d. Js. zu
Eiſenach ſtatt) die 2. und 3. Serie kommen 1913 zur Ziehung.
Großh. Miniſterium des Innern hat die nachgeſuchte Erlaubnis zur Veran=
ſtaltung
dieſer Verloſung unter der Bedingung erteilt, daß Ankündigung, Ausgabe
und Vertrieb der Loſe nicht während der Zeit des Vertriebs der Loſe zur 1. Klaſſe
einer Königlich Preußiſchen Klaſſen=Lotterie ſtattfinden darf. Der Vertrieb von
50 000 Loſen jeder Serie in dem Großherzogtum iſt geſtattet. Dieſe Loſe müſſen mit
dem heſſiſchen Zulaſſungsſtempel verſehen ſein.
Der Ortsvorſtand von Reichelsheim i. O. beabſichtigt, mit dem am 9. Oktober
1912 daſelbſt ſtattfindenden Biehmarkte eine Verloſung von Vieh und von landwirt=
ſchaftlichen
Geräten zu verbinden.
Großh. Miniſterium des Innern hat die nachgeſuchte Erlaubnis zur Veran=
ſtaltung
dieſer Verloſung unter der Bedingung erteilt, daß bis zu 4000 Loſe zu 1 Mk.
das Stück ausgegeben werden dürfen und mindeſtens 60% des Bruttoerlöſes aus
dem Verkaufe der Loſe nach Abzug der Reichsſtempelabgabe zum Ankauf von
Gewinngegenſtänden zu verwenden ſind. Der Vertrieb der Loſe iſt in der Provinz
Starkenburg geſtattet.
(15519
Die dem Valentin Heß, Mechaniker von Eberſtadt, unterm 18, März 1912 erteilte
Ermächtigung zur Ausbildung von Kraftwagenführern wurde zurückgezogen. (15518

Bekanntmachung.

Der Großh. Kreisveterinärarzt Veterinärrat Dr. Weinsheimer iſt bis zum
12. Auguſt d. Js. beurlaubt. Mit ſeiner Vertretung iſt der Veterinärarzt Dr. Klump
beauſtragt. Erſuchen ſind, wie bisher, an die Adreſſe Großh. Kreisveterinäramt
Darmſtadt, Liebigſtraße 9½ zu richten.
Darmſtadt, 15. Juli 1912.
(15545
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Auguſt Rüdinger beabſichtigt auf dem Grundſtück Flur I Nr. 594521) gelegen
zu Arheilgen, Ecke See= und Kranichſteinerſtraße, eine Schlächterei zu errichten.
Pläne und Beſchreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erſcheinen dieſes
in dem Amtsverkündigungsblatt an gerechnet, auf dem Bureau der Großh. Bürger=
meiſterei
Arheilgen zur Einſicht der Intereſſenten offen.
Etwaige Einwendungen ſind binnen dieſer Friſt bei Meidung des Ausſchluſſes
bei Großh. Bürgermeiſterei Arheilgen vorzubringen.
Darmſtadt, den 15. Juli 1912.
(15517
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß von Truppenteilen des
XVIII. Armeekorps am 18., 19., 22., 23., 25., 26., 29., 30. Juli. 1., 2., 5.,
6., 8., 9., 12., 13. Auguſt 1912 von 7 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends Schießen mit
ſcharfer Munition auf dem Schießplatz bei Meſſel abgehalten wird.
Schußrichtung vom Steinbügel, 1 Im nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
. Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches=
wieſe
-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegſchranken und Warnungstafeln abgeſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. ( Polizeiver=
ordnung
Kreisamt Darmſtadt 25. September 1909, Kreisamt Offenbach a. M. 20. Sep=
tember
1909).
Darmſtadt, den 19. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
(13886a

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Zuſammenſtellung von Schießtagen auf dem Truppenübungs=
platz
Darmſtadt im Laufe des Monats Juli bringen wir hierdurch zur allgemeinen
Kenntnis.
(14000
Darmſtadt, den 22. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.

Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 18. bis 19. Juli 1912.

Dauer der
Die Abſperrung
Datum
Truppenteil
Tag
Abſperrung
erſtreckt ſich
von bis
18. Juli Donnerstag
1 Ueber das ganze
Feldartillerie
19. Juli 1 Freitag
7 Abſperr=Gelände
3.
1. B.

Z e r

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polzei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Spitzhund, 1 deutſcher Schäferhund. 2 Pinſcher ( zuge=
laufen
). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 3. Polizei=
Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht austelöſten Hunde
findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt. (15541

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut mit
dem Anfügen zur allgemeinen Kenntnis, daß die Schutzmannſchaft
angewieſen iſt, auf den Befolg dieſer Vorſchrift beſonders zu achten.
Die Verkäufer der in § 1 bezeichneten Gegenſtände werden hier=
mit
erſucht nicht nur ihre Angeſtellen ſondern auch die nicht in ihren
Dienſten ſtehenden Fuhrleute und Arbeiter, ſowie die Käufer der=
artiger
Gegenſtände entſprechend zu verſtändigen.
Darmſtadt, den 16. Juli 1912.
(15542df
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Polizeiverordnung,
betr. das Auf= und Abladen, ſowie den Transport von
Metallgegenſtänden.
Auf Grund des § 366 Ziffer 10 St.=G.=B. und des Art. 56
Ziffer 1 der Städte=Ordnung wird nach Anhörung der Stadtverord=
neten
=Verſammlung mit Genehmigung Großherzoglichen Miniſteriums
des Innern und der Juſtiz vom 22. September 1893, zu Nr. M. J.
26979, für den Bezirk der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt ver=
ordnet
, was folgt:
§ 1. Bei dem Auf= und Abladen und bei dem Transport
von Gegenſtänden, welche bei dem Herabwerfen oder bei dem Trans=
port
auf Wagen ein ſtarkes Geräuſch verurſachen, wie eiſerne Trag=
balken
, Schienen, Metallröhren und Stangen, Bleche, Ketten
und dergleichen, ſind ſolche Einrichtungen zu treffen, daß beläſtigendes
Geräuſch vermieden wird. Namentlich müſſen derartige Metallgegen=
ſtände
, welche bei dem Transport durch Aneinanderſchlagen ein ſtarkes
Geräuſch verurſachen, in zweckentſprechender Weiſe mit Stroh oder
anderem geeigneten Material unterlegt oder ſo feſt mit einander
verbunden werden, daß der Lärm vermieden wird. Solche Gegen=
ſtände
dürfen beim Abladen nicht vom Wagen herabteworfen,
ſondern müſſen, gegebenen Falles unter Anwendung geeigneter Vor=
richtungen
, langſam herabgelaſſen werden.
§ 2. Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Beſtimmung wer=
den
in Gemäßheit des § 366 Ziffer 10 des R.=Str.=B. mit Geldſtrafe
bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft.
§ 3. Dieſe Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver=
kündigung
in Kraft.
Darmſtadt, den 9. Oktober 1893.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.

Verſteigerungs=Anzeige.
Freitag, den 19. Juli 1912, nachmittags 6 Uhr,

verſteigere ich auf freiwilliges Anſtehen gegen Barzahlung:
Drei Aecker Korn
(1. 3146 qm, 2. 1280 qm, 3. 800 qm).
Zuſammenkunft der Steigliebhaber am alten Beſſunger
(1533
Bahnhof.
Darmſtadt, den 17. Juli 1912.
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher
Friedrichſtraße 24, I.

Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, den 18. Juli 1912, nachm. 3 Uhr,

verſteigere ich im Saale Rundeturmſtraße 16 zwangsweiſe gegen
Barzahlung:
15 Päckchen Zichorien, 20 Packete Malzkaffee, 1 Diwan,
1 Vertiko, 1 Schreibtiſch, 1 Spiegel, 1 Kleiderſchrank, 1 Weih=
zeugſchrank
und 1 Nähmaſchine.
Darmſtadt, den 17. Juli 1912.
Rollenhagen, Großh. Gerichtsvollzieher,
Kaſinoſtraße 24.

Die bei dem Umbau

der Häuſer Bismarckſtraße Nr. 38
und 40 vorkommenden Maurer=,
Zimmer= und Dachdeckerarbeiten
ſollen vergeben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 3, offen.
Angebote ſind bis
Dienstag, den 23. Juli 1912,
vormittags 10 Uhr.,
(15379id
einzureichen.
Darmſtadt, am 15. Juli 1912.
Stadtbauamt.
Buxbaum.

Die Abbrucharbeiten

Landgraf Georgſtraße Nr. 4 ſollen
vergeben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Freitag, den 19. Juli 1912,
vormittags 10 Uhr
(15380id
einzureichen.
Darmſtadt, am 15. Juli 1912.
Stadtbauamt.
Burbaum.

Bekanntnachung.
Donnerstag, 15. Auguſt I. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die der Heinrich Butterfaß
Witwe, Marie, geb. Strehl, zu
Darmſtadt, und deren Kindern zu=
geſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
V 62257½/10000 92 Hofreite Pallas=
wieſenſtraße

Nr. 32,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(B35/12
verſteigert werden.
Darmſtadt, 26. Juni 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V14536

Bekanntmachung.
Donnerstag, 8. Auguſt I. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſollen die dem Philipp Adam und
dem Philipp Wilhelm Adam zu
Nieder=Modau, im Grundbuch hie=
ſiger
Gemarkung zugeſchriebenen
Zmmobilien:
Flur Nr. qm
29 1 1523 Acker rechts dem
Judenbrunnen,
29 4 2322 Hofreite ( Lager=
platz
) daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(B21/12
verſteigert werden.
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, den 12. Juli 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V15526

2 Eisſchränke
und 1 kupf. Waſchkeſſel zu verk.
Holzſtraße 4.
*1252md)

in allen Größ. von
Hutkartons 60 Pfg. an (15084a
Schubkegel, Ludwigsplatz.

En unſer Handels=Regiſter, Ab=
J teilung A, wurden folgende
Einträge vollzogen:

Am 6. Juli 1912.
Hinſichtlich der Firma:
S. Kahn Söhne, Darmſtadt.
Geſchäft und Firma ſind auf:
Kaufmann Guſtap Sichel in
Darmſtadt und Kaufmann
Ludwig Sichel in Friedberg,
als perſönlich haft ende Ge=
ſellſchafter
,
übergegangen.
Offene Handelsgeſellſchaft. Die
Geſellſchaft hat am 1. Juli 1912
beaonnen.
Der Uebergang der in dem Be=
triebe
des Geſchäfts begründeten
Verbindlichkeiten und Forderungen
iſt bei dem Erwerbe des Geſchäfts
durch die Kaufleute Guſtav Sichel
und Ludwig Sichel ausgeſchloſſen.
Die Prokura der Roſa, geb.
Katzenſtein. Ehefrau des Leopold
Kahn in Darmſtadt, iſt erloſchen.
Kaufmann Guſtav Sichel, Ehe=
frau
Roſa, geb. Klipſtein, in Darm=
ſtadt
, iſt zur Prokuriſtin beſtellt.
Am 9. Juli 1912.
Hinſichtlich der Firma:
Georg Held, Darmſtadt.
Geſchäft ſamt Firma iſt auf
Kaufmann Carl Ritſert in Darm=
ſtadt
übergegangen.
Carl Ritſert, Kaufmann, Ehe=
frau
Franziska, geb. Rath, in
Darmſtadt, iſt zur Prokuriſtin
beſtelt.
Am 10. Juli 1912.
Neu eingetragen die Firma:
Ludwig Kling & Co.,
Darmſtadt.
Inhaber: Ludwig Kling, Kauf=
mann
in Darmſtadt und Peter
Baſſenauer. Spengler und Inſtal=
lateur
, in Darmſtadt
Offene Handelsgeſellſchaft.
Die Geſelſchaft hat am 28. Juni
1912 begonnen.
Hinſichtlich der Firma:
L. Lange. Elektrotechn.
Inſtitut, Darmſtadt.
Geſchäft und Firma iſt auf Kauf=
mann
Louis Lange Witwe, Greta,
geb. Kühn, und Kinder:
1. Eliſabeth Lange, geb. am
26. Auguſt 1894,
2. Ludwig Lange, geb. am
8. Dezember 1895,
3. Wilhelmine Lange, geb. am
16. April 1900,
während ihrer Minderjährigkeit!
vertreten durch ihre vorgenannte
Mutter, alle in Darmſtadt, über=
gegangen
.
Die Prokura der Louis Lange!
Ehefrau, Greta, geb. Kühn, in
Darmſtadt, iſt erloſchen.
Am 11. Juli 1912.
Gelöſcht die Firma:
Johannes Roth, Darm=
ſtadt
.
Hinſichtlich der Firma:
Eduard G. Gerſt, Darm=
*15521
ſtadt.
Die Geſellſchaft iſt aufgelbſt. Die
Firma iſt erloſchen.
Darmſtadt, den 12. Juli 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Cn unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
A, wurde heute einge=
tragen
hinſichtlich der Firma=
Ph. Wondra, Darmſtadt.
Die Firma iſt durch Uebergang
auf die Firma Ph. Wondra, Ge=
ſellſchaft
mit beſchränkter Haftung,
(15522
erloſchen.
Darmſtadt, 13. Juli 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Bekanntmachung.
Donnerstag, 29. Auguſt l. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die dem Friedrich Ewald da=
hier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. am
II 284 124 Hofreite Ober=
gaſſe
Nr. 4
in unſerem Bureau zwangsweiſe‟
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15)

Suſanne dagegen hatte ſich nach deren Tode ein bun=
tes
, aber anheimelndes Durcheinander in ihrer Um=
gebung
zuſammengetragen. Luft und Sonne drangen
überall hinein, denn die hohen Fenſter zeigten nur weiße
Tällvorhänge. Der Großvater ließ ihr in ſolchen Din=
gen
freie Hand, er hatte noch niemals Suſannes Zim=
mer
betreten, und auch Friedrich Wilhelms Hand pochte
zum erſtenmal dort an.
E= war ihm, als ob ſich alles Sonnenlicht des Som=
mertages
da draußen in dem weiten Gemach konzen=
triert
hatte nur um der ſchönen lichten Frauengeſtalt als
Folie zu dienen, die an einer der Fenſter ſtand und mit
ernſten Augen ihm entgegenſah. Er bemerkte nicht das
Kind, das ſich zärtlich an ſie ſchmiegte und erſt zu ihm
hinſah, als er fröhlich rief: Guten Morgen, liebe
Suſanne, ich habe dich an dieſem Morgen ſchon ſehr ent=
behrt
.
Suſanne ſchwieg die ganze Länge des Zimmers
lag zwiſchen ihnen ſie ſtreckte ihm keine Hand ent=
gegen
, kein Wort flog ihm als Gruß zu, ſie ſchob nur mit
einer energiſchen Bewegung den Knaben vor ſich hin,
der ſich mit hell klingendem Laut von ihr löſte und auf
i dstretenden zulief.

Verwundert blickte Friedrich Wilhelm auf das ſchöne
lachende Kind, das, wohl von irgend einer Aehnlichkeit
genarrt, die Aermchen zu ihm emporreckte und jauchzend
rief: Onkel, Onkel, fliegen!
Voller Ungeduld ſchob Friedrich Wilhelm die zärt=
lichen
Hände von ſich und fragte: Was iſt das für ein
Kind?
Seine Mutter führte es mir geſtern morgen im Park
zu. Suſanne hatte das über die Abweiſung beſtürzte
Kind liebevoll bei der Hand genommen und nun blickten
die Kinderaugen mit ernſtem Fragen zu dem wortloſen
Mann hin. Sieh ihn dir genau an, Friedrich Wilhelm.
Wem gleicht der Knabe?
Der junge Mann ſah den Kleinen ſcharf an und ant=
wortete
zögernd: Er trägt die Züge der Bagewitz= Alten=
werder
.
Du haſt richtig geſehen.
Friedrich Wilhelm trat raſch auf Suſanne zu. So
rede doch. Mit dem Kinde muß es eine beſondere Be=
wandtnis
haben, die dich peinlich berührt.
Wilhelm iſt der Enkel des alten Herrn.
Unſinn!
Seine Mutter hat ſich mir als die Frau von Onkel
Wilhelm entdeckt.
Haha! Nichts Weiteres? Und du haſt dich ſo er=
ſchrecken
laſſen? Dieſer verſchollene Onkel, der gewiſſen=

loſe Spieler und Don Juan wird wohl viele Liebſchaf=
ten
gehabt haben, bevor er ſein leichtſinniges Leben mit
dem Grab vertauſchte. Dieſe Dame, die ſich ſo taktloſer
Weiſe grade dir in den Weg geſtellt hat, wird wohl ſeine
letzte Maitreſſe geweſen ſein. So, iſt er tot?
Weißt du Näheres über den Onkel?
Nur, daß er ſeinerzeit verſtoßen wurde.
Der einzige Sohn und die einzige Tochter! Furcht=
bar
! Drum ſind die Großeltern wohl auch ſo hart ge=
worden
.
Ja, ſie haben kein Glück mit ihren Kindern gehabt
erblich belaſtet von Vaters Seite.
Friedrich Wilhelm!
Ich ſchweige ſchon. Aber bei ſolchen Ueberraſchun=
gen
er wies auf das Kind zahlt man, und dann iſt
alles in Ordnung. Schade um das wirklich entzückende
Kind. Du glaubſt doch nicht im Ernſt, daß der Kleine
Rechte hat?
Die Wronka behauptet ſie nennt ſich hier vorläufig
mit ihrem Mädchennamen ſich legitimieren zu können.
Sie hat ihre Papiere bei ſich. Aber ob ſie nun wirklich
Onkel Wilhelms Frau iſt oder nicht, ich werde ſſelber
den Kampf für das Kind aufnehmen. Gerade ich! Ich
bin hier auch ſtets nur die Geduldete geweſen, mein Vater
war ein Dieb, meine Mutter lief mit ibm davon. Der
Knabe iſt mir alſo völlig ebenbürtig.

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Wer ſpricht hier von alten, längſt vergeſſenen Ge=
ſchichten
? erklang es von der Tür her. Der Kammerherr
ſtand im Zimmer und blickte erſtaunt auf die Gruppe.
Wer iſt der Knabe?
Suſanne nahm das Kind und brachte es zu dem
alten Herrn. Gib deinem Großvater die Hand, Wilhelm.
Das Kind iſt ſicherlich nicht in ehelicher Gemeinſchaft
geboren, Onkel Wilhelm, Suſanne hat ſich von der Per=
ſon
verblüffen laſſen, die vorgibt, Deines Sohnes Frau
zu ſein.
Das junge Mädchen gab ein Klingelzeichen und be=
fahl
der eintretenden Dörthe, das Kind zu ſich zu neh=
men
, dann wandte ſie ſich an den alten Herrn, der ſich
vor Schwäche nicht mehr hatte aufrecht halten können
und auf den erſten beſten Stuhl niederſank, vor ſich hin=
flüſternd
: Ja, das iſt ein Bagewitz.
Das ſagt die Wronka auch, Großvater. Sie behaup=
tet
, ihr Recht beweiſen zu können.
Iſt Wilhelm tot?
Das junge Mädchen legte zärtlich den Arm um den
ganz Gebrochenen. Dein Sohn iſt tot, Großvater, aber
in ſeinem Sohn und Erben erſteht er dir wieder.
Erzähle, Kind.
Und Suſanne erzählte alles genau, während Fried=
rich
Wilhelm beſtürzt auf den Kammerherrn blickte.
Konnte dieſer harte Mann ſchon an Altersſchwäche lei=
den
und ebenſo wie Suſanne dem Märchen einer her=
gelaufenen
Perſon Glauben ſchenken, oder wohl gar im=
ſtunde
ſein, den unehelichen Sohn Wilhelms als Erben

zu adoptieren. So war die Liebe zu dem Sohn nicht er=
loſchen
.
Woher mag ſie es wiſſen, ſagte der alte Bagewitz
aus ſeinen tiefen Gedanken heraus, Wilhelm hat ſein
Wort gegeben, niemand ſeine Herkunft zu verraten, er
hat geſchworen, ſich mit unſerm zweiten Namen Buch=
berg
zu benennen, den wir in alten Zeiten als Zunamen
führten. Er war ein unverbeſſerlicher Spieler, und
wurde in der Not ein Fälſcher. Da mußte er fliehen,
um der öffentlichen Schande zu entgehen. Es wurde ſo
einem ſchweren Skandal vorgebeugt.
Erſchüttert blickten die beiden auf den alten Mann,
der jetzt ſchweigend vor ſich hinſtarrte.
Du wirſt mir Vollmacht geben, Onkel, daß ich die
Papiere dieſer Perſon prüfe.
Ja, Friedrich Wilhelm, man muß ſie mit Geld ab=
finden
.
Mit Geld! ſchrie Suſanne auf. Ein Gefühl elenden
Verlaſſenſeins überkam ſie plötzlich zwiſchen den beiden
Männern.
Natürlich, Kind, ſagte der Kammerherr mit einem
Anflug ſeiner gewohnten Energie, darauf läuft der ganze
Embarras hinaus. Man hat doch auch ſeine Erfahrung.
Und ich erkläre nochmals, daß ich die Sache des
Knaben zu der meinen mache. Er iſt nicht ſchlechter als
ich, auch wenn er außer der Ehe geboren iſt. Seine Züge
beweiſen klar, daß er ein Bagewitz iſt.
Woher weißt du Näheres über deine unglücklichen
Eltern?

Das Gericht hat mir einen Brief meines zweiten
Großvaters, dem ein letztes Schreiben meiner Mutter
beilag, zugeſendet.
Darum! murmelte der Kammerherr.
Dieſes Kind iſt ebenſo verlaſſen, wie ich es einſtens
war.
Wir haben dich in unſer Haus genommen, Suſanne,
du biſt in chriſtlicher Ehe geboren.
Die ihr zuvor in eurer grauſamen Härte zu verhin=
dern
gewußt habt. Ihr habt meine Mutter zu der ge=
macht
, die mit dem Geliebten entfloh. Ihr habt aus
meinem Vater einen Dieb gemacht, als er ſich in der
Verzweiflung an der Gutskaſſe vergriff.
Suſanne.
Warum iſt mir der Name meines Vaters verſchwie=
gen
geblieben? Weil es deinem Stolz unerträglich
dünkte, daß deine Tochter den Sohn des Inſpektors
liebte. Ihr habt mich um die Liebe der guten alten
Leute betrogen.
Der Sohn von Voß iſt dein Vater, Suſanne? rief
Friedrich Wilhelm erſtaunt dazwiſchen.
Suſanne hörte gar nicht auf ihn, ſie mußte in ihrer
furchtbaren Erregung Gericht halten über den, der ihr
Leben verdorben hatte, und gewillt ſchien, auch mit dem
ſchönen Knaben kurzen Prozeß zu machen.
Du haſt meinen armen Eltern, als ſie wiederkehrten
und in Not und Reue bei dir anklopften, die Tür gewie=
ſen
. Und im Inſpektorhaus taten ſie aus Angſt das=
ſelbe
. Ihr ſeid die Mörder Eurer Kinder geweſen,
(Fartſetug=fohnt.).

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 18. Juli 1912.

Nummer 167.

In uner Handels=Regiſter, Ab=
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die Geſellſchaft mit beſchränkter
Haftung unter der Firma

Ph. Wondra, Geſellſchaft
mit beſchränkter Haftung
und mit dem Sitz in Darm=
ſtadt
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eingetragen worden.
Gegenſtand des Unternehmens
iſt: Die Herſtellung und der An=
und Verkauf von Gold= u. Schmuck=
waren
, Edelſtein= und Silber=
waren
, insbeſondere der Fortbe=
trieb
des zum Zwecke der Um=
wandlung
aufgelöſten Gold= und
Juweliergeſchäfts.
Das Stammkapital beträgt:
1159 600 Mark.
Geſchäftsführer iſt: Friedrich
Amendt, Juwelier in Darmſtadt.
Stellvertretende Geſchäftsführer
ſind: Dr. phil. Adolf Weller in
Darmſtadt, Ludwig Waldmann
in Berlin, Frau Elſe Bodenſteiner,
geb. Wondra, in Darmſtadt.
Der Geſellſchaftsvertrag iſt am
29. Juni 1912 bezw. am 9. Juli
1912 feſtgeſtellt.
Der Geſchäftsführer Friedrich
Amendt iſt allein zur Vertretung
ider Geſellſchaft befugt. Von den
ſtellvertretenden Geſchäftsführern
iſind je zwei gemeinſchaftlich zur
Vertretung der Geſellſchaft be=
rechtigt
.
Sollte ein Prokuriſt beſtellt wer=
den
, ſo iſt dieſer berechtigt, ge=
meinſchaftlich
mit einem der ſtell=
vertretenden
Geſchäftsführer Dr.
phil. Adolf Weller, Ludwig Wald=
mann
oder Frau Elſe Boden=
ſteiner
Witwe, geb. Wondra, die
Geſellſchaft zu vertreten.
Von den Geſellſchaftern bringen
kin die Geſellſchaft ein:
1. Frau Elſe Bodenſteiner, geb.
Wondra, in Darmſtadt,
2. Dr. Ludwig Wondra in
Groß=Beeren,
3. Fräulein Ella Waldmann
in Darmſtadt,
4. Ludwig Waldmann in
Berlin,
5. Georg Waldmann in Berlin,
6. Fräulein Tilly Waldmann
in Darmſtadt,
7. Fräulein Tilly Weller in
Darmſtadt,
8. Auguſt Weller in Darmſtadt
die auf ſie entfallenden Anteile
an dem Geſellſchaftsvermögen der
bisherigen Firma Ph. Wondra in
Darmſtadt, wofür ihnen auf ihre
Stammeinlagen angerechnet wer=
(15520
den, und zwar:
1. der Frau Elſe Bodenſteiner,
geb. Wondra, in Darm=
26600
ſtadt
2. dem Dr. Ludwig
Wondra in Groß=
Beeren
26600
3. dem Fräulein Ella
Waldmann in
Darmſtadt .
13300
4. dem Ludw. Wald=
mann
in Berlin . 13300
5. dem Georg Wald=
mann
in Berlin 13300
6. dem Fräulein Tilly
Waldmann in
Darmſtadt.
13300
7. dem Fräulein Tilly
Weller in Darm=
ſtadt

26600
8. dem Auguſt Weller
in Darmſtadt . 26600
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Groses Instrumental-Konzert
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Vollzählige Kapelle des Grossh. Hess. Art.-Regts. Nr. 61
Perſönliche Leitung: M. WEBE R.
Besonders gewähltes Programm.
II. a.: Glöckchen des Eremiten. Ouvertüre Zampa. Erin=
nerung
an Rich. Wagners Tannhäuſer. Offenbachtang. Geſang
der Nachtigall (Flöte, Solo: Herr Müller). Zum erſten Male: Und
das haben die Mädchen ſo gerne, Marſchlied aus der Operete
Autoliebchen u. a. m.
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Eintritt 20 Pfg.
Bleichstr.
Brauerei Erker,
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Donnerstag, den 18. Juli: (*1372
E Militär=Konzert!
z einer gewählten Abteilung des Art.-Regts. Nr. 61
(M. Weber). Anfang 8 Uhr.
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Angenehmer kühler Garten: ff. Stoff.

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Serie V enthält:
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Tuch-Paletots
Engl. Paletots
Seidene Blusen
Tüll-Blusen
Stickerei-Kleider
etc.
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Stück Mk.

Serie II enthält:
Leinen-Paletots
Leinen-Jackenkleider
Röcke, Wollblusen
weisse Batistkleider
Staub-Paletots etc.
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Serie VI enthält:
Jackenkostüme auf
Seide, Bastkostüme
Taillen-Kleider
Englische Paletots
Tuch-Paletots
Tüllkleider
seidene Paletots etc.
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Stück Mk.

Serie III enthält:
Leinen-Kostüme
Leinen-Paletots
Engl. Paletots
Taillenkleider
Stickereikleider
seid. Blusen etc.
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Jacken-Kleider auf
Seide, bastseidene
Kostüme, Taillen-
kleider
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seidene Paletots
Etamin-Paletots
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Serie IV enthält:
Engl. Paletots
Leinen-Paletots
Leinen-Kostüme
Taillen-Kleider
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Jackenkleider
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Mäntel, schwarze
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Heute Donnerstag, den 18. Juli, abends 8 Uhr:
7. Donnerstags-Konzert
der vollständigen Kapelle des Leibgarde-Regts.
unter Leitung des Obermusikmeisters Herrn H. Hauske.
Aus der Vortragsordnung. Mendelssohn: Ouvertüre=Ruy
Blase C. M. v. Weber: Recitatiy u. Arie aus =Freischütze. Strauss:
Nordseebilder-, Walzer. R. Wagner: Tonbilder aus =Siegfriede.
F. Smetana: Tanzmusik aus Verkaufte Braute. Waldhornquartette
und -Ouintette. Tschaikowsky: Ouvertüre 1812. S. May: Ich liehe
dich, o lieb mich wieder‟, Lied (zum 1. Male). F. Gilbert: Walzer aus
Autoliebchen u. a. m.
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Eintritt 50 Pfg., Studierende und Militär 30 Pfg. Bei
ungünstiger Witterung Streichkonzert im grossen Saal.
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