Darmstädter Tagblatt 1912


11. Juli 1912

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175. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Der Kaiſer hat geſtern von Swinemünde aus ſeine
Nordlandsreiſe angetreten.
Dile Kaſſerin iſt geſtern auf Schloß Wälhelms=
höhle
bei Kaſſel eingetroffen.
Durch eine Feuersbrunſt wurden die Triko=
tagenfabrik
Manz u. Kaller und die Möbelfabrik
Guſtav Bühler in Spaichingen (Württemberg) voll=
ſtändig
zerſtört.
Nach den letzten Nachrichten beträgt die Ziahl der
Opfer bei der Gaubenkataſtrophe in
Cadeby 75, von denen 69 als Leichen geborgen ſind.

Der chineſiſche Finanzmüniſter hat den Pro=
vinzen
mitgeteilt, daß es ihm unmöglich ſei, eine An=
lethe
zu erhalten und er den Provinzen kein Geld
leihen könne.

Die Lage des deutſchen Kleinhandels.

sh. Einen intereſſanten Ueberblick über die Lage
des deutſchen Kleinhandels gibt der Ge=
ſchäftsbericht
des Verbandes der Rabattſparvereine
Deutſchlands, den der Generalſekretär Beythien=
Hannover der dieſer Tage in Stettin ſtattfindenden
Jahresverſammlung erſtattet. Es heißt darin u. a.:
Unſer Wirtſchaftsleben hat ſich im Berichtsjahre,
wie die ſtatiſtiſchen Aufnahmen über die Ein= und Aus=
fuhr
, die Geldumſätze und das Verkehrsweſen zeigen,
weiter günſtig entwickekt und es iſt nicht zu leugnen,
daß an dieſer Aufwärtsbewegung ein erheblicher Kreks
des Detailhandels günſtig beteiligt war. So zeigen
die Aeußerungen z. B. aus der Mode= und Luxusbranche,
ferner aus dem Bekleidungs= und Ausſtattungsgeſchäft
durchweg Zufriedenheit mit der wirtſchaftlichen Lage.
Infolge der Steigerung der Preiſe mancher Lebensmüt=
tel
, die durch unzureichende Ernte ungünſtig beinträch=
tigt
waren, trat allerdings auch in den genannten De=
tctlhandelszweigent
ein gewiſſer Rüchſchlag ein, weil,
veranlaßt durch vermehrte Aufwendungen für Nahrungs=
mittel
andere Klaufbedürfniſſe zurückgeſtellt wurden Er=
heblich
war dieſer Rückſchlag jedoch nicht. Der Sommer
1911 brachte eine Periode der Hätze und Dürre, die im
Verlaufe vieler Generatiorken faſt beiſpiellos daſteht.
Von dieſer Erſcheinung wurde jedoch nicht nur unſer
Land betroffen, ſondern ſaſt alle ausländiſchen Striche,
die für die Produktion dieſer Zeitperſode in Frage kom=
men
, und ſo war auch durch Erläichterung der Einfuhr
eine Abſtellung des zweifelloſen Mißſtandes nichſt zu
erreichen. Die notwedige Folge war eine erhebliche
Preisſteigerung mancher Bodenerzeugniſſe, und es mag
auch zutreffen, daß die in glücklicherer Latze befind=
lichen
Produzenten nach Möglichkeit die Situatior aus=
genutzt
haben. Nach dem 4. Jahresbericht der Kammer
für Kleinhandel Bremen war es nichts ſeltenes, daß kohl=
bauende
Landleute, z. B. der holſteiniſchen Marſchen,
für ihre diesjährigen Ernten Einnahmen erzielten, die
den Bodenwert ſelbſt überſtiegen. Sodann bemächſitate
ſich raſch die Speklulation der Lage, übertrieb
durch alarmierende Zeitungsmeldungen die Kalamität
und zog aus dieſer Verwirrung übermäßige Gewinne.
Als letztes Glied der Kette von der Produktion bis
zum Verkauf ſteht nun der Detailhandel dem
Publikum gegenüber. De große Maſſe kann in volks=
wivtſchaftlichen
Dingen nur laienhaft denken und blickt
in ihrer Unkenntnis zu Zeiten tatſächlicher oder über=
trieben
dargeſtellter Not auf den letzten, an den ſie für
Waren zu des Lebens Unterhalt Zahlungen zu leiſton
hat. Und mit dem naiven Aerger deſſen, der nur die
Oberfläche der Dinge betrachtet, richtet ſich ihr Zorn ſauf
den ihr am nächſten Stehenden. In dieſem Falle war
dies der Kleinhandel, der gerade in der Berichtszeit
wie felten zuvor das Objekt bitterſter Vorwürfe und
ungerechter Beurteilung war. Aber leider war es nicht
nur die vorurteilsloſe Menge die ſo vorging, ſondern
ſtheoretiſierende Volkswirtſchaftler, Beamte in allen
(Stellungen und nicht zuletzt die Gegner des ſelbſtän=
digen
Detoilhandels an ſich vereinigten ſich in dem Ruf:
Der Zwiſchenhandel erſt ſchafft den Notſtand. Beſonders
verderblich war die Ausnutzung der Lage durch die
Konſumvereine, die ganz unberechtiat bei der Bevöl=
kerung
den Glauben zu erwiecken ſuchten, durch Anſchluß
an ihre Bewegung könne auch den Schäden einer ſolchen
Zeit wirkſam begegnet werden, während nirgends feſt=
zuſtellen
war, daß die Konfumvereine billiger lieferten,
als der ſelbſtändige Handel.
Die rückſichtsloſe Ausbeutung der teil.
weiſen Teuerung zu tendenziöſen Zwecken führte

zu unerhörten Uebertreibungen. Eine allgemeine Teue=
rung
herrſchte durchaus nicht, denn die Getreideernte war
beſſer als früher, und eine Mißernte in Kartoffeln gab
es nicht. Das Brot war erheblich billiger als im Jahre
1907.

Friedensverhandlungen?

Wieder einmal taucht die Nachricht auf, daß ein
baldigay friedlicher Ausgleich km italie=
niſch
=türkiſchen Kriegee zu erwarten ſei. Sehr
glaubwürdig klingt die Meldung, die diesmal aus Kon=
ſtantinopel
kommt, keineswegs, denn von ernſtlichen
Friedensverhandlungen hat man in der letzten Zeit we=
nig
gehört. Richtig iſt nur, daß man in Italien an die
Kaiſer=Entrevue in Baltiſchport große Erwartungen ge=
knüpft
hatte. Es beſtand die Hoffnung, daß die beiden
Monarchen ein Mittel finden würden, wodurch der ita=
lieniſch
=türkiſche Krieg beendet werden könnte. Schließ=
lich
aber haben auch die Italiener eingeſehen, daß die
Vorausſetzungen dazu fehlen und infolgedeſſen dürften
ſie auch nicht allzu ſehr enttäuſcht geweſen ſein, daß lalle
Friedensgerüchte wieder verſtummten.
Der Krieg zwiſchen Italien und der Türkei wird in
der offizöſen Mitteilung, die über das Ergebnis der
Begegnung von Baltiſchport veröffentlicht worden iſt,
mit keinem Worte erwähnt. Geſagt wird nur darin, daß
ſich die Ausſprache auf alle Tagesfragen erſtreckt hat.
Man kann alſo ohne weiteres annehmen, daß ſowohl
die Monarchen, wie auch die leitenden Staatsmänner
ſich über den italieniſch=türkiſchen Krbeg unterhalten ha=
ben
. Dieſe Vermutung wird ſogar durch eine von maß=
gebender
Petersburger Stelle herrührende Information
beſtätigt, wonach die deutſchen und die ruſſiſchen Mini=
ſter
von jeder Friedensvermittelung abſehen, in Anbe=
tracht
des Standpunktes, den die kämpfenden Partekdn
einnehmen, daß Italien die Oberhoheit der Türkei in
Tripolis nicht anerlennt und die Türkei nicht geſonnen
iſt, eine Provinz abzutreten, weil ſie ſich für nicht beſiegt
hält. So wünſchenswert ein baldiger Friedensſchluß
auch wäre, ſei aus dieſen Gründen von allen Vermitte=
lungsverſuchen
der Mächte abgeſehen worden. Es unter=
liegt
gar keinem Zweifel, daß die italieniſche Regierung
einen nicht wieder gut zu machenden Fehler begangen
hat, als ſie Tripolis annektierte und durch Geſetz zur
italieniſchen Provinz ſtempelte, ohne ſich wirklich ſeiner
bemächtigt zu haben. Einſichtige Männer kommen all=
mählich
auch in Italien zu der Ueberzeugung, daß man
noch weit davon entfernt iſt, die Türken bezw. die Ara=
lter
aus Tripolis vertrieben zu haben.
Wie dieſem unglückfeligen Kriege din Ende ggmacht
werden ſoll, das weiß haute allerdings niemand. Keine
der beiden kriegführenden Parteien will nachgeben und
daran mußten naturgemäß bisher alle Friedensver=
mittelungen
ſcheitern. Der kürzlich nach London über=
geſiedelte
Botſchafter Frhr. von Marſchall hat ſich ſchan
vor Monaten in Konſtantinopel die größte Mühe gege=
ben
, einen Modus zu finden, durch den die Feindſelig=
keiten
beendigt werden könnten. Dem gewiegten Di.
plomaten iſt es aber nicht gelungen, die Pforte zum
Nachgeben zu bewegen und auch in Rom ſind alle Ver=
ſuche
, dle von den verſchiedenſten Seiten unternommen
wurden, am Widerſtande der leitenden Männer geſchei=
tert
. Unter dieſen Umſtänden ſind die neuerlichen Mel=
dungen
über eine angeblich bevorſtehende friedliche
Beilegung des Krieges mit der größsen Vorſicht auf=
zunehmen
.

Deutſches Reich.

Deutſchland und Rußland., Der ruſſiſche
Miniſterträſident Kokowzow erklärte einem deutſchen
Preſſevertreter, er habe bei der Kaiſerbegegnung in Bal=
tiſchport
die Ueberzeugung von der aufrichtigſten Frie=
densliebe
und der warmen Freundſchaft des deutſchen
Staatsoberhauptes für Rußland, ſowie von der Offen=
heit
und Ehrlichkeſſt der deutſchen Politik gewhamen.
Die perſönliche Annäherung der Monarchen und der
Staatsmänner, ſowie die erſchöpfenden Ausſprachen
hätten dauernd zur Feſtigkeit des gegenſeitigen Ver=
trauens
und der achtungsvollen Freundſchaft geführt.
Die Erbſchaftsſteuer. Die hochoffiziöſen
Bärliner Politiſchen Nachrichten bringen eine Mittei=
lung
über die Wiedereinbringung der Erbſchaftsſteuer=
vorlage
, worin es heißt, man wird in der Annahme nicht

fehl gehen, daß das Reichsſchatzamt den Verbündeten
Regierungen einen Entwurf einer Reichsvermögens=
ſteuer
mit verſchiedenen Vakrianten: Vermögenszuwachs=
ſteuer
und dergleichen Nebenentwürfe für die Einfüh=
rung
von Erbſchaftsſteuern zur Beſchlußfaſſung unter=
breiten
wird. Aus der Mktbeilung geht ferner hervox,
daß die Regierung es wahrſcheinlich ablehnen dürfte,
eine Dividendenſteuer vorzulegen, ſowie die Beſitzſteuer=
vorlage
der Landesgeſetzgebung zuzuweiſen.
Das liberale Wahlabkommen in
Württemberg. Das Wahlabkommen, das zwiſchen
den beiden liberalen Parteien iſi Württemberg, der
Fortſchrittlichen Volkspartoi und den Nationalliberalen,
getroffen worden iſt, wird nunmehr im Wortlaut ver=
öffentlicht
. Es erſtreckt ſich auf 66 Wahlbezirke. In 35
Bezirken werden die Kandidaten der Fortſchrittlichen
Volkspartei von den Nationalliberalen unterſtützt und
in 31 Bezirken werden nationallibedale Kandidaten auf=
geſtellt
, für die auch die Volkspartei eintritt. Die beſden
Partcien werden ihre beſonderen Kandidaten nach=
drücklich
unterſtützen, keine der beiden Parteien wird
ein Abkommen mit einer anderen Partei treffen. Die
nationalliberale Partel hat ſich nur vorbehalten. eine
in dem Bezirk Leonberg dem bisherſigen Abgeordneten
gegebene Zuſage einzulöſen. Die Entſchließung der.
beiden Parteien gilt für die von ihnen aufgeſtellten
Kandidaten im erſten und zweiten Wahlgange. Zieht
eine der beiden Parteien nach dem erſten Wahlgange
ihren Kandidaten zurück oder wird die Kandidatur von
ihr nicht in der Abſicht der Durchſetzung des eigenen
Kandidaten aufrecht erhalten, ſo haben beide Parteien
für den Wahlgang freie Hand.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Die öſterreichiſchen Heeresfonderun=
gen
. Der gemeinſame Miniſterrat zur Beratung des
Heeresbudgets hat ſeinen Abſchluß gefunden. Die Mehr=
forderungen
, die von dem Kriegsminiſter für die Aus=
geſtaltung
der Artillerie und der Luſtflotte aufgeſtellt
worden waren, wurden abgelehnt, trotzdem ſich der Mi=
niſter
des Aeußern Graf Berchthold dafür ausgeſpro=
chen
hat. Die geſtellten Mehrforderungen beliefen ſich
auf 250 Millionen Kronen. Die Forderungen ſcheiter=
ten
an dem Widerſpruch der Vertreter Ungarns.
Frankreich.
Das Mittelmeer=Abkomm en. Die Pari=
ſer
Blätter fahren in der Beſprechung des Artikels des
Daily Graphic über das angeblich geplante Mittelmeer=
Abkommen zwiſchen Italien einerſeits und Frankreich
und England anderſeits fort, wobei ſie durchweg zu
demſelben Schluß kommen wie der Temps.
Der Matin iſt in ſeinen Angaben womöglich noch
beſtimmter. Die Information des engliſchen Blattes,
ſo ſchreibt er, iſt, was man bereits eine intelligente
Antizipation kommender Erekgniſſe genannt hat, aber ſie
iſt im Augenblick wenigſtens vollſtändig unrichtig und
enthält auf alle Fälle ſchwere Irtümer. Es iſt richtig,
daß in letzter Zeit ein Meinungsaustauſch über die Vor=
teile
ſtatigefunden hat, die elne feſte Abmachung zur
Aufrechterhaltung des Status quo im Mittelmeer bringt
und zwar auf die Inithative von Asquith hin, nicht auf
die von Poincaré. Dieſer Meinungsaustauſch hat, wie
alle, die in den letzten Jahren zwiſchen England und
Frankreich gepflogen ſind, ſehr raſch gezeigt, daß zwiſchen
den beiden Ländern eine vollkommene Gemeinſchaftlich=
keit
der Ideen ſund Geſichtspunkte, ja ſelbſt der Pläne
herrſcht, aber alles hat ſich auf eine Konverſation be=
ſchränkt
, und es iſt angenblicklich dieſe Konverſation
nicht auf Italien ausgedehnt worden. Es laufe allen
internationalen diplomatiſchen Regeln zuwider, wolle
man mit einer Macht, die ſich im Kriegszuſtande befinde,
eine Lage regeln, die erſt geregelt werden könne, wenn
der Frieden geſchloſſen ſei. Der Meinungsaustauſch
zwiſchen Frankrekch und Enakand entbehre demnach jeder
praktiſchen Sanktion, und könne erſt dann eine Wirkung
haben, wenn der Frieden neder hergeſtellt ſei.
Die Lage in Marokko. Die Senatskommiſ=
ſion
für den Geſettntwurf über den marokkaniſchen Pro=
tektoraſtsvertrag
billigte den Bericht Baudins und ſetzte
die Erörterung über den Bericht an die Spitze der Tages=
ordnung
der Senatsſitzung am Donnerstag. Der Bericht
des Senators Baudin ſchließt mit der Bemerkung, daß
die Lage in Marokko geeignet ſei, Frankreich noch ernſte
Sorgen aufzuerlegen. Aber alle Schwierigkeiten ſeien
wohl vorausgeſehen worden und die Regierung ſei in
der Lage, jeder Eventualität die Stirne zu bieten. Die

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zviltſatoriſche Aufgabe, welche Frankreich ſeit acht Jah=
ren
in Marokko verfolge, werde noch manches Opfer er=
heiſchen
, und es werde viel Geduld und Konſequenz
dazu gehören, um dieſe Aufgabe zu einem guten Ende
zu führen.
Die Wahlreform. Die Kammer ſetzte die Be=
ratung
über die Wahlreform fort. Namentlich wurde
die Beſtimmung angenommen, die jedem Wähler ſo viel
Stimmen gewährt, als der Wahlkreis Deputierte ent=
ſendet
. Der Vorſtand der demokrakiſchen Linken und
der republikaniſchen Vereinigung des Senats, an deren
Spitze die Gegner des Proportionalwahlſyſtems Com=
bes
und Rabier ſtehen, haben ihre Mitglieder für näch=
ſten
Montag zu einer Verſammlug einberufen, in der die
Frage der Verhältniswahl erörtert und ein Ausſchuß
zur Verteidligung des allgemeinen Stimmrechts einge=
ſetzt
werden ſoll. Die radikale Lanterne, die das Pro=
portionalwahlſyſtem
mit unermüdlichem Eifer bekämpft
hat, ſchreibt:
Es iſt nunmehr eine beſchloſſene Sache. Das Ver=
hältniswahlſyſtem
wird zum mindeſten von der Kam=
mer
angenommen werden. Wird dies auch der Senat
tun? Nach allem, was man hört, dürſte dies nicht der
Fall ſein. Zwiſchen Senat und Kammer würde es dann
zu einem Zwiſt kommen, deſſen Folgen gefährlich ſein
könnten. Es wäre wahrlich viel weiſer geweſen, eine ſo
ernſte Frage, die geradezu die verfaſſungsmäßlgen
Grundlagen der Republik berührt, den beiden in Ver=
ſailles
zu einem Kongreß vereinten Körperſchaften zur
Entſcheidung vorzulegen.
Belgien.
Senat und Kammer ſind nach der Neuwahl
zu elner außerordentlichen Tagung zum Zweck von
Mandatsprüfungen zuſammengetreten.
England.
Flottenrevue. Das Parlament ſtattete anz
Dienstag der Flotte in dem Hafen von Spit=
head
einen offiziellen Beſuch ab. 239 Kriegsſchiffe
aller Art präſentierten ſich in einer Länge von beinahe
60 Kilometern den Parlamentsmitgliedern. Die geſamte
Preſſe weiſt mit Stolz auf das imponierende Schauſpiel
hin, verſchließt aber keineswegs die Augen vor der
Tatſache, daß dieſe Anſammlung nur durch die Ent=
blößung
anderer Meere von britiſchen Schiffen ermög=
licht
wurde.
Rußland.
Die Wiederherſtelllung der Kriegs=
flotte
. Das Reſkript an den Marin4minkſter hebt die
Bedeutung der Anweiſung einer halben Milliarde zur
Wiederherſtellung der Kriegsflotte hervor. Möge der
Tag der Sanktionierung des Geſetzes, ſagt das Reſkript,
nicht nur ein Tag großer Hoffnung für Rußland ſein,
ſondern auch ein Tag großer Verantwortlichkeit für das
Marindreſſort. Die ſchweren Wunden, die im letzten
Kriege unſerer Flotte, der früher Niederlagen unbekannt
waren, geſchlagen wurden, müſſen geheilt werden. Dee
Flotte muß in ihrer Kraft und Macht, die der Würde
und dem Ruhm Rußlands entſprechen, wieder herge=
ſtellt
werden. Doch dieſe Wunden als eine von der Vor=
ſehung
geſandte Prüfung dürfen nicht vergeſſen werden
Ihrer eingedenk muß danach getrachtet werden, künf=
tighin
Unvollkommenheiten und Fehler der jüngſten
Vergangenheit zu vermeiden. Das Reſkript zählt die in
den letzten Jahren im Marinereſſort vorgenommenen
Reformen hin, die nur Vorbereitungsmaßregeln gewe=
ſen
ſeien zur Erreichung des Hauptzweckes, nämlich der
Schaffung einer Flotte, die an Zahl der Schiffe und
an Stärke den Bedürfniſſen Rußlands entſpräche. Das
Reſkript wendet ſich zum Schluß an das Pflichtgefühl
aller Verkreter der Marine und ſpricht den Wunſch aus,
daß alle Vorwürfe, die wiederholt durch die Tätigkeit
des Marinereſſorts hervorgerufen worden ſeien, nun=
mehr
der Vergangenheit angehören möchten und daß

das Streben, das ruhmvolle Vermächtnis der Gründer
der ruſſiſchen Flotte, zu neuem Leben erwecken und im
Marinereſſort erſtarken möge. Das Reſkript iſt gezeich=
net
: Ihr Sie achtender Nikolai.
China.
Chinas Geldverlegenheit. Die Note, die
der Finanzmiäſter den ausländiſchen Bankiers über=
reicht
hat, läßt nur noch cine ſehr geringe Möglichkeit
für weitere Unterhandlungen offen. Der Finanzmini=
ſter
hat in einem Telegramm an die Provinzen ſeine
Haltung gegen die Banken begründet. Sein Vorgehen
entſpreche den Wünſchen der Provinzen. Es ſei ihm un=
ter
dieſen Umſtähiden unmöglich, eine Anleihe zu erhal=
ten
und er könne daher den Provinzen kein Geld liefern.
Er überlaſſe daher die weiteren Schritte den Provinzen.
Die Regierung hat einige Millionen Taels zur unmittel=
baren
Verfügung, aber einige Provinzen ſind in großer
Geldnot. Meutereien der nicht entlöhnten Truppen ſind
nicht unwahrſcheinlich. In jedem Falle dürften ſich die
Provinzen genötigt ſehen, ihre Truppen aufzulöſen und
ihrerſeits Steuern aufzuerlegen. Bbidgs hat bisher die
größten Schwierigkeiten der Regierung gebildet. Die
fremden Geſandten haben dem Miniſter die Bedingun=
gen
für eine europäiſche Anleihe auseinandergeſetzt und
ihn auf die Folgen aufmerkſam gemacht, die ein Abbruch
der Verhandlungen für den Kredit Chinas habe.
* Hannover, 9. Juli. Zu dem Kampf in
der Metallinduſtrie iſt weiter mitzuteilen, daß
diie hieſigen Metalbinduſtriellen beſchloſſen haben, den
lrbeitern anzubieten, die wöchentliche Arbeitszeit vom
1. Juli 1913 auf eine weitere halbe Stunde zu verkür=
zen
, ohne daß jedoch der hierdurch entſtehende Lohnaus=
fall
vergütet wird. Ueber dieſes Angebot wird mor=
gen
und übermorgen von den Arbeitnehmern beſchloſſen.
* Petersburg, 10. Juli. Der Reichskanz=
lier
beſuchte nach dem Diner beim Miniſterpräſidenten
das Volkshaus. Vormittags arbeitete der Reichskanzler
nud beſuchte das Winterpalais. Abends findet ein Ab=
ſchiedsdiner
in der deutſchen Botſchaft ſtätt, wozu der
Kommandant und einige Offiziere des Schulſchiffes
Hanſa., der dautſche Generalkonſul und die Spitzen
der deutſchen Kolonie geladen ſind. Um 11 Uhr reiſte
der Reichskanzler nach Moskau ab.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 11. Juli.
Eugen Bracht=Ausſtellung.

* Nachdem nunmehr die für die Ausſtellung einge=
forderten
Bilder größtentails eingelaufen ſind, darf ge=
ſagt
werden, daß eine Veranflaltung von hervorragen=
der
künſtleriſcher Bedeutung geboten werden wird. Es
werden insgeſamt über 400 Werke des Künſtlers gezeigt
werden, die jedoch nur eine Ausleſe aaus dem ungemein
reichen Lebenswerk des auch heute noch in der Vollkraft
künſtleriſchen Schaffens ſtehenden Meiſters bilden. Da
aber in Fühlung mit dem Künſtler nur die hervor=
ragendſten
Kunſtwerke aller Schaffensperioden, vom Be=
ginn
der 60er Jahre bis zum heutigen Tage, zu der
Ausſtellung kommen, wird dieſe in markanter Weiſe den
künſtleriſchen Werdegang Eugen Brachts wiedergeben.
Aus dem Atelier des Künſtlers allein ſind annähernd
300 zum Teil noch nicht öffentlich gezeigte Werke einge=
laufen
, die er ſelbſt für die Ausſtellung ausgewählt und
beſtimmt hat. Daneben iſt eine namhafte Zahl ſeiner
hervorragendſten, in Galerie= oder Privatbeſitz befind=
lichen
Bilder von dem Künſtler deſ Ausſtellungsleitung
namhaft gemacht und eingefordert worden. Dankbar
muß anerkannt werden, daß deren Eigentümer auch
zum weitaus größten Teil der Bitte um Einſendung in
entgegenkommender Weiſe entſprochen haben. Gerade
dieſe Werke werden einen Hauptanziehungspunkt der
Ausſtellung um deswillen bilden, weil die Gelegenheit
ſie in ihrer Geſamtwirkung zu ſehen, erſtmlig geboten
wird. Nach alledem ſteht mit Beſtimmtheit zu erwarten,
daß die zur Ehrung unſeres großen Landsmannes ver=
anſtaltete
Eugen Bracht=Ausſtellung weit über unſere
Hakmat hislaus Intereſſe und Beachtung finden wird.

Die Ausſtellung wird mit einer Feier, zu der Seine
Königliche Hoheit der Großherzog ſein Erſcheinen
zugeſagt hat, am 20. Juli im Städtiſchen Ausſtellungs=
gebäude
auf der Mathildenhöhe eröffnet werden.

* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Mittwoch den Rittmeiſter
à la suite der Armee Leopold Prinz zu Iſenburg und
Büdingen=Birſtein, den Landgerichtsrat Dr. Güngerich,
den Bürgermeiſter Stöpler von Lauterbach (Oberheſſen),
den Schriftſteller Stockhauſen, den Amtsrichter Dr. Liebing
von Mainz; zum Vortrag den Präſidenten des Ober=
konſiſtoriums
D. Nebel, den Vorſtand des Kabinetts Ge=
heimerat
Römheld.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den ordentlichen Profeſſor an der Techniſchen
Hochſchule zu Darmſtadt Geheimen Baurat Georg
Wickop für die Zeit vom 1. September 1912 bis
31. Auguſt 1913 zum Rektor dieſer Hochſchule.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Wilhelm Riebel
zu Nauheim, Kreis Groß=Gerau, eine Lehrerſtelle an
der Gemeindeſchule zu Neu=Iſenburg, Kreis Offenbach;
ferner der Schulamtsaſpirantin Emilie Donde aus
Worms eine Lehrerinſtelle an derſelben Schule.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
das Ritterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens
Philipps des Großmütigen: dem Hauptmann a. D.
Hedemann, ſeither Kompagniechef im Infanterie=
Regiment Prinz Carl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118; das
Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift: Für Ver=
dienſte
, dem Vizewachtmeiſter a. D. Mahnkopp,
ſeither Trompeter im Leib=Dragoner=Regiment (2. Großh.
Heſſ.) Nr. 24, dem Direktor der Zentrale für Mutter=
ſchutz
und Säuglingsfürſorge, Regierungsrat Ernſt
Piſtor zu Darmſtadt, das Ernſt=Ludwig=Eleonoren=
Kreuz für Verdienſte in der Wohlfahrtspflege.
* Erlaubnis zur Annahme von Orden. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben den nachgenannten
Perſonen die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen
der ihnen von Sr. Maj. dem Deutſchen Kaiſer und König
von Preußen verliehenen Orden erteilt: Sr. Exz. dem
Miniſter der Finanzen Dr. Dr.=Ing. Braun zu Darm=
ſtadt
den Roten Adler=Orden 1. Klaſſe, dem Geheimen
Oberbaurat Kilian zu Darmſtadt den Königlichen
Kronen=Orden 3. Klaſſe und dem Regierungsrat Dr. jur.
Schneider, Mitglied der Eiſenbahndirektion zu Mainz,
den Roten Adler=Orden 4. Klaſſe.
* Perſonalnachrichten der Eiſenbahndirektion
Mainz. Ernannt: die komm. Eiſenbahnſekretäre
Buch, Hamann, Maurer, Moog, Zior in Mainz zu
Eiſenbahn=Oberſekretären; die Lokomotipheizer Gehbauer
in Mainz, Mügge in Bingerbrück, Korten, Göb, Fiſch=
bach
, Vogel in Alzey zu Lokomotivführern; die Schaffner
Amann in Darmſtadt, Strackbein in Biſchofsheim,
Schmitt in Biebrich zu Zugführern; die Weichen=
ſteller
Heßel und Schmitt I. in Gau=Algesheim zu
Weichenſtellern 1. Klaſſe; die Stationsgehilfen Wagner
in Wiesbaden, Kröller in Rüdesheim, Bahnwärter
Emrich in Babenhauſen zu Eiſenbahngehilfen; Hilfs=
bahnwärter
Fachinger in Trechtingshauſen zum Bahn=
wärter
; Hilfsſchaffner Fries in Biſchofsheim zum
Schaffner. Dem Eiſenbahnaſſiſtenten Irle in Darmſtadt
iſt der Titel Oberbahnaſſiſtent beigelegt worden.
Verſetzt: Eiſenbahn=Betriebsingenieur Granatowicz
von Mainz nach Frankfurt (Oder) Dir.=Bez. Poſen;
die Bahnmeiſter 1. Klaſſe Sahlfeld von Bingen nach
Hetzbach, Lauen von Hetzbach nach Bingen; Gütervor=
ſteher
Thomas von Darmſtadt nach Rüdesheim; die
Eiſenbahnaſſiſtenten Ganß von Bingen nach Guſtavs=
burg
, Schmunk von Darmſtadt nach Zwingenberg,
Zachow von Geiſenheim nach Danzig (Dir.=Bez. Danzig),
Frey von Mainz nach Bodenheim; die Bahnhofsauf=
ſeher
Sattler von Kailbach nach Klein=Umſtadt, Wolf
von Klein=Umſtadt nach Kailbach; techn. Bureau=
aſſiſtent
Karnatz von Finſterwalde (Dir.=Bez. Halle)
nach Darmſtadt; die Lokomotivführer Lehr von Worms
nach Boppard, Stamm von Hanau nach Wiesbaden;
die Zugführer Metz von Bingerbrück, Hergenhahn von
Mainz, Doß von Worms nach Wiesbaden; Kanzliſt
Roſe von Mainz nach Hannover (Dir.=Bez. Hannover);
Werkführer Reidel von Mainz nach Bingen; bad.
Reſerve=Lokomotivführer Schweinfurth von Heidelberg
ach Weinheim; die Lokomotivheizer Georgen von
Gau=Odernheim nach Alzey, Baum von Alzey nach
Gau=Odernheim, Leuther von Coblenz nach Niederlahn=
ſtein
, Steeg von Boppard nach Bingerbrück; die
Weichenſteller Metzger von Klein=Auheim nach Zell=
Kirchbrombach, Schmidt von Zell=Kirchbrombach nach
Klein=Auheim, Wießner von Monsheim nach Oppen=
heim
; Eiſenbahngehilfe Vogel von Alzey nach Gunders=
heim
; die Schaffner Pommerenke von Worms nach

Iſchl.
Die Sommerreſidenz Franz Joſefs.
Von Dr. Hans Wantoch=Wien.

Andere Orte haben eine entſchieden hübſchere Lage,
ſie ſind von blinkenden Firnen umgrenzt und gelten als
Dorado der Touriſtik, ſie haben ein geſünderes, friſcheres
Klima und eine zuverläſſigere Witterung, ſie prunken mit
mondänen Hotels und verſammeln jene internationale Ge=
ſellſchaft
, die durch ihr buntes, exotiſches Durcheinander
faſziniert. Iſchl hat einen anderen Reiz. Er iſt offenbar
geheim, denn man kann ihn nicht angeben. Und nur ſo
viel ſteht feſt, daß alle Leute, die im Juli und Auguſt ſich
zuſchwören: Nie mehr im Leben! bereits im nächſten
Juni an eines der alten, bürgerlich ſoliden Hotels in Iſchl
drahten: Reſerviert zwei Zimmer. Und dies wäre ja
immerhin eine Erklärung dafür, warum der Wiener ſtets
wieder in dieſem Bergtal den Sommer verbringt: er kann
ſich dort ſo hübſch ärgern, daß er doch hergekommen iſt.
Und dieſes Raiſonnement, dieſes Raunzen iſt das Salz
ſeiner Freude. Man wird verlegen, wenn man einen guten
Bekannten auf der Eſplanade längs der träg hinfließenden
Traun trifft. Man kann ihn auch wirklich hier nicht ver=
muten
können, da er, wie man ſelber, bei ſeinem Leben be=
teuert
hat: Nie wieder. aber nun ſind ſie alle Beide,
trotz ihrem eidlich bekräftigten Vorſatz, doch wieder hier
und fühlen ſich verpflichtet, ſich voreinander zu entſchul=
digen
. Wiſſen Sie, meinte der Eine, es iſt ſo bequem
gelegen, der Mittelpunkt des Salzkammerguts. Wo haben
Sie das ſonſt, daß Sie gleich nach Gmunden oder nach
Ausſee, mit der Lokalbahn nach St. Wolfgang, nach Mond=
ſee
, oder gar zu den Muſikfeſten nach Salzburg fahren kön=
nen
? Der Engbeteiligte denkt, es ſei nicht eden der
größte Vorzug eines Ortes, wenn man möglichſt raſch nach
allen Windrichtungen zu entrinnen vermag und die Sehn=
ſucht
nach Muſik oder nach einem Seebad könnte an Ort
und Stelle ungleich bequemer und ausgiebiger befriedigt
werden. Die zwei behäbigen Herren ſehen auch garnicht
wie Muſikenthuſiaſten oder Schwimmatadore aus. Aber

ſchon Bauernfeld läßt den alten Brummbären in Bürger=
ich
und Romantiſch die merkwürdig feine Bemerkung
un: Es genüge für einen Genuß, daß man ihn parar
daß man ihn gleich bei der Hand weiß; das enthebt einen
der Strapaz, ihn erſt durchzukoſten. So ungefähr ſteht es
auch mit dem Ueberall=hinkönnen von Iſchl aus. Die
Beiden ſind einig, ihr Hierſein genügend entſchuldigt zu
haben, und weil es verhältnismäßig früh am Morgen iſt,
wandeln ſie mit einer herkömmlichen Selbſtverſtändlichkeit
ohne Gleichen die Traun aufwärts, den Laufner Weg.
Brütendes Sonnenlicht brennt auf alle Berge. Die
haben hier keine individuell profilierte Phyſiognomie.
Lauter maſſive Klötze ſind es, die Kathrein, der Jainzen,
die Hohe Schrott. Waldrieſen, denen man den Kopf abge=
hauen
hat; ſonſt hätte er in die Schneeregion vielleicht
hineingeragt. So etwas gibts aber hier nicht; es gehört
ſich nicht für Iſchl; denn hier iſt alles hübſch bürgerlich
temperiert. Keine beunruhigenden Senſationen in der Na=
tur
ſind da, keine gellende Hotelglocke ſchreckt einen abends
aus dem Geſpräch über die heutigen Konjunkturen, weil ge=
rade
die Sonne mit einem blutroten Alpenglühenphänomen
die Felſen umſtrahlt. Alles iſt hier ſo fürchterlich bequem.
Man geht ſeinen Laufner Weg gemächlich, langſam, denn
er hat den hübſchen Vorteil, daß man ohne weitercs über=
all
umkehren kann, weil ſein Ende genau ſo iſt, wie ſein
Anfang und jeder Punkt in der Mitte. Ein Auf= und
Nieder heller Sommeranzüge, verlockend rauſchender Li=
bertykoſtüme
und tauſendmal verſpotteter Dirndltrachten,
die man zum tauſendſtenmal doch wieder anzieht; es iſt
mit ihnen wie mit dem Iſchler Aufenthalt, ſie ſind ſein
Symbol. Langſam kommt man weiter denn alle Augen=
blicke
hält einen ein Bekannter an. Alle bis zur Raſerei un=
ausſtehlichen
Menſchen, von denen man mit erleichtertem
Aufatmen in der Stadt für vier oder acht Wochen Abſchied
genommen hat: ſie haben ſich hier ein hinterliſtiges Stell=
dichein
gegeben Sie ſind auch hier, Gott ſei Dank. Denn
ſchon während der ſechsſtündigen Bahnfahrt hat man ſich
beunruhigt, mißgelaunt und im Tiefſten verſtört gefragt,
mit wem man ſeine gewohnte Tarockpartie ſpielen, mit
wem man über Mebl Baumwolle oder Eiſen fachſimpeln,

über wen man ſich zu Tod ärgern und wen man ausrich=
ten
wird. Aus ſeiner Iſchler Reiſe macht nämlich jeder,
ein verſchämtes Geheimnis. Und ſchließlich ſind alle Auch
da So gibt es alſo zu all dieſen unentbehrlichen Amüſe=
ments
die ſchönſte Gelegenheit.
Unterſeeiſch rattert in der Sommerfriſche die Arbeits=
maſchine
. Hunderte kommen nach Iſchl, nicht um ſeiner
ſelber willen, ſondern weil die Andern herkommen. Es iſt
eine Etappe in der Karriere, die mancher zurückgelegt hat,
deſſen Name in ganz Europa heute vollen Klang beſitzt.
Hier fahnden die Theaterdirektoren auf den Spuren Hein=
rich
Laubes, und Laube ſelber hat hier eines der menſch=
lichſten
Talente unſerer Bühne entdeckt. Er engagierte
einen ſprühjungen Komiker von der Iſchler Sommerſzene
in ſein neu begründetes Stadttheater, und der junge Spaß=
macher
wurde ſpäter Alexander Girardi. Wie in
pietätvollem Gedenken kommt er jedes Jahr her. Da
wohnt er in der kleinen ſchmucklos ſchlichten Villa ſeines
Schwiegervaters deſſen Name und deſſen Werk auch einen
guten Klang haben. Ein wenig abſeits vom Iſchler Kor=
ſoweg
, in Steinfeld, von wo der Blick mitten in die dunk=
len
Wälder des kaiſerlichen Jagdreviers dringt, da liegt
das Landhaus Ludwig Böſendorfers. Seinem Schwieger=
ſohn
aber begegnet man meiſt in Altiſchl. Dort, wo die
kleinen, ſchüchternen Häuſer von anno dazumal ſtehen, wo
die alte Kirche der Kaiſerin Maria Thereſia liegt, das
Hotel Poſt, das Kleine Theater mit der außen angebrach=
ten
Holzſtiege zur Garderobe der Artiſten und das Thea=
ter
=Café. Vor dem lehnt gewöhnlich das Zweirad Girar=
dis
. Und drinnen, hinter dem Haus, da ſitzen die Libret=
tiſten
, Komponiſten, die Rekordgewinner der 100., 500.,
1000. Aufführung. Man ſieht die breite Phyſiognomie
Leo Falls und das helle Offiziersgeſicht des Kapell=
meiſters
Franz Lehar. Manchmal taucht Viktor Leon
mit dem lockigen Krauskopf auf. Und ringsum iſt ein
Flüſtern, ein Tuſcheln, ein ängſtliches Heranwollen und
ſchüchternes Warten all der Kleinen, die das Seſamwort
in das Land der Operette noch nicht gefunden haben. Hier
iſt ihr Dorado, das ſommerliche Gegenſtück zum winter=
lichen
Café Dobner, neben dem Theater an der Wien. Hier

[ ][  ][ ]

Oſthofen, Jeckel von Oſthofen nach Worms, Kremer
von Oberlahnſtein nach Troisdorf (Dir.=Bezirk Cöln),
Baumann von Biebrich nach Worms; die Bahnwärter
Böhm und Koch von Oeſtrich nach Erbach (Rhg.) bezw.
Hattenheim, Gundlich von Erbach (Rhg.) nach Mainz=
Kaſtel, Ihrig von Mainz nach Rüſſelsheim, Thur von
Alzey nach Laubenheim (Nahe), Frieſenhahn von St.
Goar nach Werlau, Krauß von Gonſenheim nach
Guntersblum, Sehnert von Harreshauſen nach Dieburg,
Mölbert von Lampertheim nach Mannheim=Waldhof.
Penſioniert: Bahnhofsvorſteher Auguſt Mönch in
Pfeddersheim; Bahnmeiſter 1. Klaſſe Adam Roes in
Mannheim; die Lokomotivführer Heinrich Mauer in
Niederlahnſtein, Franz Dotter, Bernhard Menz in
Mainz=Kaſtel; die Zugführer Paul Höckendorf in
Biſchofsheim, Peter März in Wiesbaden; die Weichen=
ſteller
1. Klaſſe Chriſtian Karſt in Münſter a. St.,
Martin Engel in Bingerbrück.
Nachtrag zur Tagesordnung der 7. Sitzung
der Stadtverordneten=Verſammlung am 11. Juli:
a) Befeſtigung des Fußſteiges in der Landgraf= Georgs=
ſtraße
vor der 3=Häuſergruppe zwiſchen Großer Kap=
laneigaſſe
und Sackgaſſe. b) Die Einziehung von Schul=
vorführungsgebühren
. e) Die Erteilung von Schwimm=
unterricht
an Kinder der Volksſchulen.
-g. Strafkammer. Wegen ſchweren Rückfalldieb=
ſtahls
hatte ſich geſtern vor der hieſigen Strafkammer
der 23 jährige Portefeuiller Friedrich Buſch aus Offen=
bach
zu verantworten. Er unterhielt mit einer von
ihrem Mann getrennt lebenden Frau ein Verhältnis.
Als dieſe wegen Krankheit ins Krankenhaus mußte, er=
brach
er einen Koffer und plünderte ihn aus. Im
März d. Js. verübte er dann eine Reihe von Manſarden=
diebſtählen
, bei denen ihm Wäſche, Kleidungsſtücke und
Schmuckſachen in die Hände fielen. Die erbeuteten
Sachen verſetzte er dann im Pfandhaus. Das Gericht
verturteilte den Angeklagten nach dem Antrage des
Staatsanwalts zu 3 Jahren 6 Monaten Zuch=
haus
, ſowie 10 Jahren Ehrverluſt. Von der Unter=
ſſuchungshaft
wird ihm ein Monat angerechnet. Der
Gaſtwirt Adolf Merck aus Offenbach war vom
Schöffengericht mit noch zwei Genoſſen wegen Ruhe=
ſſtörung
zu 1 Woche Haft und wegen Bedrohung des
Tapeziers Zitter zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt
worden. Die Verurteilung wegen Ruheſtörung nahm
Merck an, gegen die Verurteilung wegen der Bedrohung
legte er Berufung ein. Durch die Zeugenvernehmung
kann das Gericht nicht als erwieſen anſehen, daß Merck
eine Drohung ausgeſtoßen hat und ſpricht den An=
geklagten
wegen dieſes Delikts frei.
Prozeß Schapiro. Der von der Strafkammer zu
4 Monaten Gefängnis verurteilte Redakteur Hirſch
wird gegen das Urteil beim Reichsgericht Reviſion
einlegen.
* Ausſtellung Der Menſch in Darmſtadt. Wie
bekannt, findet die Ausſtellung im Großh. Reſidenzſchloß
ſtatt. Die Räume werden eben von dem bekannten Archi=
tekten
Max Hans Kühne künſtleriſch ausgeſtattet.
Sämtliche Räume werden eine ſtimmungsvolle Umrah=
mung
der berühmten Sammlung Der Menſch abgeben.
Die Renovierungs=Arbeiten ſind in vollem Gang und
ſchon ſo weit vorgeſchritten, daß die Eröffnung in den
erſten Tagen des Auguſt in ſicherer Ausſicht ſteht.
* Ortsgewerbeverein Darmſtadt. Der von dem
Ortsgewerbeverein Darmſtadt in der Handwerkerſchule
zu Darmſtadt abgehaltene 10. Vorbereitungskurſus für die
theoretiſche Meiſterprüfung im Handwerk wurde am
Mittwoch nachmittag geſchloſſen. Als Lehrer für Ge=
werberecht
und ſoziale Geſetzgebung war Handwerks=
kammer
=Syndikus Engelbach, für Buch= und Rechnungs=
führung
ꝛc. W. Gerbig, Lehrer an der obligatoriſchen
Fortbildungsſchule Darmſtadt, gewonnen.
Fürſorgeſtelle für Lungenkranke. Nach einer in
der heutigen Nummer enthaltenen Bekanntmachung des
Oberbürgermeiſters finden die Sprechſtunden in der
Fürſorgeſtelle für Lungenkranke (Wilhelminenſtr. 34) jetzt
wieder Mittwochs, nachmittags von 1½3½ Uhr, ſtatt.
* Den Segen der gemeinnützigen Rechtsauskunft
ſpüren mehr und mehr auch die Gerichte; denn die
Rechtsauskunftsſtellen halten ihnen einen Deil aus=
ſichtsloſer
Sachen fern, ſie beugen in zahlreichen Fällen
durch außergerichtliche Aufklärung und gütliche Vermitt=
lung
der Prozeßführung vor, ſie geben ſchließlich auch,
wenn die Anrufung des Gerichts nicht zu vermeiden iſt,
ihrem Eingaben und Anträgen eine Form, die den Be=
ſtimmungen
der Geſetze Rechnung trägt, den Gerichten
einen ſchnellen Ueberblick über den Sachſtand ermöglicht
und ſo die Prozeßführung vereinflcht. Die Gerichte
ſelbſt erkennen denn auch die fegensreiche Tätigkeit,
die die gemeinnützige Rechtsauskunft im Dienſte der

Rechtspflege, wie auch zu Gunſten der minderbemitt lten
Volkskreiſe leiſtet, unumwunden an. So führt noch jüngſt
der Jahresbericht eines größeren Gewerbegerichtes
(Charlottenburg) aus: Von den ſchriftlich eingereichten
Klagn war ein nicht geringer Teil von Rechtskonſu=
lenten
oder derartigen, Rechtsangelegenheiten geſchäfts=
mäßig
wahrnehmenden Perſönlichkeiten verfaßt. Wie
durch Befragen der betreffenden Parteien feſtgeſtellt
wurde, mußten ſie für Anfertigung dieſer Schriftſätze
oft nicht geringe Mittel (1,50 bis 4 Mk.) aufwendem.
Dieſe Schriftſätze werden zumeiſt ohne die erforderliche
Rechtskunde derart abgefaßt, daß im Falle des Aus=
bleibens
der Gegenpartei nicht einmal Verſäumnisurteil
erlaſſen werden konnte, da das mündliche Vorbringen
dieſer Kläger den ſchriftlichen Klageantrag nicht recht=
fertigte
. Oefters war auch das angerufene Gericht gar
nicht zuſtändig. Wiederholt mußten die Rechtſuchenden
im eigenen Intereſſe darauf hingewieſen werden, ſlich
in Streitfällen an die Gezichtſchreiberei oder an
die gemeilnnützige Rechtsauskunftsſtelle
zu wenden. An dieſen Stellen erhalten ſie koſtenfrei
ſachgemäße Rechtsauskunft und werden Klagen und
Schriftſätze richtig und unentgeltlich aufgenommen.
Die hieſige Rechtsauskunftsſtelle, die
durchaus in dem gleichen Sinne zu wirken ſucht, befin=
det
ſich Waldſtrüße 6, I. Stock. Sprechzeit: vorm.
912½ Uhr, nachm. 35 Uhr, außer Mittwoch= und
Samstagnachmittag.
* Die Stenographen=Vereinigung Gabelsberger
hält, wie aus dem Anzeigenteil erſichtlich, heute abend
im Fürſtenſaal (Grafenſtr.) ihre Monatsverſammlung
ab. Auch werden den Preisträgern die Diplome des
kürzlich in König i. Od. ſtattgefundenen Bezirks= Wett=
ſchreibens
ausgehändigt, worauf ganz beſonders hin=
gewieſen
ſei.
Der Zweigverband Heſſen des Zentralverbandes
Deutſcher Bäcker=Innungen hielt am Dienstag und Mitt=
woch
im Kaiſerſaal ſeinen erſten Verbandstag
unter dem Vorſitze des Obermeiſters Weber=Darmſtadt
ab. Zwei Geſangschöre leiteten die Veranſtaltung ein,
worauf Obermeiſter Weber die Ehrengäſte und die aus
allen Teilen des Großherzogtums erſchienenen Innungs=
Vertreter, den Vorſitzenden des Deutſchen Zentral=
verbandes
und die Vertreter der Mitteldeutſchen, Badi=
ſchen
und Pfälziſchen Verbände begrüßte. Auf die An=
ſprache
erwiderten: Regierungsrat v. Werner im Na=
men
des Miniſteriums, des Kreisamtes und der Polizei;
Herr Rockel im Namen der Handwerkskammer und der
Handwerker=Zentralgenoſſenſchaft; die Landtagsabgeord=
meten
und Stadtverordneten Dr. Oſann und Hen=
rich
; ferner Vertreter der Nachbarverbände. Der vom
Vorſitzenden erſtattete Geſchäftsbericht ſtellt eine erfreu=
liche
Entwickelung des Zweigverbandes feſt. Der zweite
Vorſitzende Finger erſtattete den Kaſſenbericht, aus
dem hervorgeht, daß der Verband bereits ein Vermögen
von zirka 1700 Mark hat. Ueber die neue Geſetznovelle
betr. die weitere Beſchränkung der Sonntagsruhe referiert
Obermeiſter IIckſtadt=Mainz. Eine Reſolution, die
zum Ausdruck bringt, daß man ſich gegen jede weitere
Einſchränkung der Sonntagsarbeit energiſch wehren
werde, wurde hierauf angenommen. Finger= Darm=
ſtadt
gab dann ein Bild über die neue Bäckereiverordnung
und gab dem Wunſche Ausdruck, daß von den Behörden
eine möglichſt milde Handhabung der neuen Beſtimmun=
gen
, die verſchiedene Härten bringen, gewährleiſtet werde.
In der ſich hier anſchließenden Debatte wurden zahlreiche
Klagen über die bisherige Handhabung des Geſetzes vor=
gebracht
. Ueber die Invaliditäts= Alters= und Witwen=
Penſionskaſſe des Germania=Verbandes referierte Ober=
meiſter
Deibel=Gießen, der die Vorzüge dieſer Kaſſe,
welche jetzt ein Vermögen von über 500000 Mark beſitze,
hervorhob und zum Beitritt aufforderte. Nach Bericht
von Herrn Flick=Gießen wird die Gründung einer
Heſſiſchen Sterbekaſſe beſchloſſen und die Ver=
treter
von Gießen mit den Vorarbeiten beauftragt. An
die Verhandlungen ſchloß ſich ein gemeinſames Feſteſſen,
an dem nahezu 400 Perſonen teilnahmen. Während des
Eſſens wurde ein Antwort=Telegramm des Großherzogs
verleſen. Der Abend vereinigte die zahlreichen Gäſte mit
ihren Damen in dem Garten des Fürſtenſaales zu einer
Italieniſchen Nacht, verbunden mit Ball und Konzert. Die
Beratungen wurden geſtern um 11 Uhr fortgeſetzt mit
einem Referat des Herrn Finger über den Arbeitgeber=
ſchutzverband
. Herr Kramer ſprach über die Schädigung
des Bäckereigewerbes durch Außenſeiter, Brotfabriken
und Konſumvereine; ferner Herr Heinz über Verkauf
der Backwaren in getrennten Räumen.
* Gartenvorſtadt Nieder=Ramſtadt-Traiſa. Er=
freulicherweiſe
ſetzt nunmehr auch in dem Trautheimer

Villenviertel die Bautätigkeit wieder ein. Zwei
ſchöne Grundſtücke ſind bereits verkauft; auf dem einen
beabſichtigt der Darmſtädter Innenarchitekt Hill ſich
ein kleines vorbildliches Künſtlerheim zu errichten.
* Keine Verlegung des Marktes. Der Bezirks=
verein
Altſtadt hielt am 9. Juli eine Vorſtands=
ſitzung
ab, deren Tagesordnung faſt ausſchließlich der
Marktverlegung galt. Herr Stadtverordnete Link gab
bekannt, daß die nachgeſuchte Beſprechung mit dem
Herrn Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing ſtattgefunden
habe und wohnten derſelben außer dem Herrn Stadt=
verordneten
Link noch der Herr Beigeordnete Schmitt,
ſowie zwei Vorſtandsmitglieder des Bezirksvereins Alt=
ſtadt
bei. Nach eingehender Behandlung der für die
Altſtadt und für alle Hausbeſitzer und Geſchäftstreibende
am Markt und deſſen Umgebung ſo äußerſt wichtigen
Angelegenheit wurden wir von dem Herrn Oberbürger=
meiſter
Dr. Gläſſing ermächtigt, zur Beruhigung der
durch haltloſe Mitteilungen aufgeregten Gemüter nach=
folgende
Erklärung zu veröffentlichen: Der Markt
bleibt nach wie vor, auch während des Baues der
elektriſchen Bahn nach dem Oſtbahnhof an ſeiner der=
zeitigen
Stelle und es wird überhaupt nicht daran
gedacht, eine Verlegung des Marktes vorzunehmen.
Dentſcher Turnerbund Deutſchvölkiſcher
Turnverein Jahn‟ Darmſtadt. Man ſchreibt uns: Unter
Bezugnahme auf die frühere Mitteilung unter Sport
weiſen wir darauf hin, daß auch in Darmſtadt ein
Verein dieſes Bundes beſteht, der ſich die angeführten
edlen Beſtrebungen als höchſtes Ziel geſetzt hat. Jedem
Freund reindeutſcher Geſinnung und echter Körperpflege
iſt Gelegenheit gegeben zur Betätigung an den Turn=
abenden
Dienstags und Freitags in der Turnhalle,
Soderſtraße 30. Da im Sinne Jahns auch das
Wandern zum Turnen gehört, ſo findet mindeſtens
jeden Monat eine Wanderung ſtatt, welche mit der
größten Einfachheit durchgeführt wird. Könnte doch
jeder Wanderluſtige einmal unſere Burſchen beim Zupf=
geigenklang
, beim Brotzeln des Mittagsſchmauſes, den
ganzen Tag über in fröhlichſter Stimmung beobachten
oder mitmachen, er würde gerne bereit ſein, in unſeren
Reihen zu wandeln. In dieſem Sinne weiſen wir auf
unſere heutige Anzeige hin über Wanderung von Auer=
bach
nach Laudenbach. Näheres Kennzeichen ſchwarz=
rot
=goldenes Fähnchen.
* Die Gas=Jahrhundert=Nummer der Leipziger
Illuſtrirten Zeitung wurde uns heute von derſtädtiſchen
Gaswerks=Verwaltung zur Einſichtnahme zugeſtellt. Wie
uns mitgeteilt wird, ſoll ſie an mehreren, der Oeffent=
lichkeit
zugänglichen Stellen (Leſehalle, Hallenſchwimm=
bad
uſw.) aufgelegt werden. Das außerordentlich reich
ausgeſtattete Sonderheft iſt einſchließlich der feuilletoniſti=
ſchen
Darſtellungen aus der Induſtrie über 100 Seiten
ſtark und mit wirkungsvollem Bilderſchmuck darunter
8 farbigen, ganzſeitigen Kunſtblättern ausgeſtattet.
Welchen Siegeslauf das Gas in den 100 Jahren ſeit der
Gründung der erſten Gasgeſellſchaft, der Gaslight and
Coke Company in London genommen hat, wie mannig=
faltig
heute ſeine Verwendungsarten in der Oeffentlichkeit
und im Haushalt, in Induſtrie und Gewerbe ſind, wel=
chen
erheblichen Teil unſerer Volkswirtſchaft die für die
Erzeugung und Verwendung des Gaſes und ſeiner Neben=
produkte
arbeitenden Induſtrien darſtellen darüber
unterrichtet dieſe für Fach= und Laienkreiſe gleich inter=
eſſante
Denkſchrift. Wir können eine Durchſicht des
Heftes beſtens empfehlen und ſind überzeugt, daß ſich
daraufhin mancher Leſer auch zur Anſchaffung der preis=
werten
Veröffentlichung entſchließen wird.
* Zu dem Automobilunfall wird uns vom
V. Polizeirevier nachträglich mitgeteilt, daß der Metzger
H. Pauly doch in Begleitung des Schutzmanns Koch
auf dem V. Polizeirevier erſchienen war, daß aber die
Meldung von dem Unfall von letzterem erſtattet
worden iſt.
* Brauerei Fay. Freitag findet wieder Konzert
im Garten=Reſtaurant des Brauerei=Ausſchanks ſtatt.
Die Konzerte werden, da ſie ſich großer Beliebtheit er=
freuen
und ſtets ſehr gut beſucht ſind, jeden Freitag
veranſtaltet. (Siehe Anzeige.)

Eberſtadt, 10. Juli. Auf dem Feſtplatz ereignete ſich
am Montag nachmittag ein bedauerlicher Unglücks=
fall
. Ein an der Schiffsſchaukel beſchäftigter
Arbeiter wollte dem ſchnellen Fahren der Inſaſſen Einhalt
gebieten. Als das Schiff im Schwung von oben herunter
kam, fuhr es dem Bedauernswerten mit aller Wucht an
den Kopf und zertrümmerte ihm die rechte
Stirnſeite. Der Verunglückte iſt noch am Abend
ſeinen Verletzungen erlegen.

verſammelt ſich die zweite Schicht von Erwerbsjägern, die
unter dem Deckmantel Kurgaſt in Iſchl und ſeiner Um=
gebung
, in Pfandl, Gries, Egelmoos wohnt. Kleine Ka=
pellmeiſter
, Tenore, die es an guten Tagen bis zum zwei=
mal
geſtrichenen C bringen, Naive, die jeden Don Juan
in die Lehre zu nehmen vermöchten. Immerhin, es
kommt nur auf das Stichwort an, auf das man im rich=
tigſten
Augenblick mit überzeugender Kraft einfällt. In
dem kleinen, ſeltſam verbauten Theater da drüben, hat
Karl Muck zuerſt den Taktſtock geführt. Und jeden Tag
beinahe, entfaltet auf dieſer ſchmalbrüſtigen Bühne ein er=
lauchtes
Genie ſeine Kunſt. Iſchl hat ſeine Geſchichte.
Heimelig rührt es einen an, wenn man am Bahnhof
ausſteigt Keine Bergrieſen reißen einen auf. Man geht
glatte, feingekieſte Wege ſtundenweit zwiſchen Föhren und
Fichten. Längs der Traun, längs der Iſchl, rinnen ſie hin,
flach wie ein Billardbrett. Etwas Molliges hat dieſes Tal,
etwas Sanftes und Mildes haben dieſe Wälder. Man
fühlt ſich traulich angerührt, es ſind Wiener Menſchen, die
man trifft, es iſt die öſterreichiſche Alpenlandſchaft, die
einem aufnimmt, es iſt der Kurort von Oeſter=
reich
, in dem man weilt. Und in langſamem Trab, den
flachkrempigen Steirer Hut auf dem Kovf, in Lederhoſe
und Lodenjoppe, fährt der alte Kaiſer vorüber. Drunten
auf den weißen Gedankenſtrich der Ebenſeer Straße, die
aus ſeinem Jagdrevier am Offenſee oder Langbathſee
kommt. Auf dem Gſtöttnerweg, dem Nachmittagsſpazier=
gang
von Iſchl, 5 Meter über der Straße erhöht, ſtehen
die Leute Spalier. Ein ſanftes Grüßen hinunter, ein leich=
tes
Hutlüften hinauf. Ganz ſtill, ganz ohne trommelnden
Prunk und aufjagenden Lärm geht das vor ſich. Es iſt
jene gedämpfte Nobleſſe, jene patriarchaliſche Anmut, die
öſterreichiſch iſt, die Franz Joſef heißt und: Iſchl. Dies
Altſein, dieſes Sicherſein und dieſes ſelbſtverſtändliche
Wirken: das iſt der Reiz von Iſchl, dem Kurort Oeſter=
reichs
. Man kommt hierher, weil man vor 50 Jahren hier=
her
gekommen iſt, und vor 80, im Nachmärz, in der Bie=
dermeierzeit
und ſogar ſchon nach dem Kongreß. Un=
definierbar
liegt dieſe Bedeutſamkeit in der Luft. Sie
drückt ſich aus in der verhaltenen Bauweiſe der Hotels,
die wirklich nicht mit allem Komfort der Neuzeit ausge=

ſtattet ſind, die nur ihre Gediegenheit für ſich haben, ihr
Renomee. Sie drückt ſich aus in den Erinnerungstafeln,
denen man auf Schritt und Tritt begegnet, in den Stra=
ßennamen
, den Landſchaftsbenennungen und da und dort
an einem alten Brauch, den eine andere Zeit hinwegzu=
fegen
vergeſſen hat. Noch ſtehen vor dem Hotel Eliſabeth
die Sänften mit ihren Seſſelträgern, die der alte Erzher=
zog
Franz Karl, des Kaiſers Vater, benützt hat. Heute
mietet ſie keiner mehr, trotzdem ſind ſie immer noch da.
Sie träumen von der guten alten Zeit, wie die jungen
Iſchler Mädchen von einem Grafen träumen, der wirklich
einmal eine von ihnen gefreit hat. Es war ein Graf
Kinsky. Und wie in Iſchl alles beim Alten bleibt, ſo war
es auch mit dem Iſchler Blut in den jungen Grafen. Die
haben wiederum Bürgerliche gefreit: Zwei Künſtlerinnen
vom Theater, Marie Renard und Ilka Palmay. Ein
patriarchales Land, ein patriarchaler Ort. Das Sturm=
jahr
1848 jagte an ihm ſpurlos vorüber. In Gmunden
hielt der Bauernbefreier Hans Kudlich eine flammende
Rede. Nach Iſchl zog er nicht. In das ſchwarzgelbe
Neſt wie er ſich ausgedrückt hat, vorahnungsvoll.
Der Kaiſer, das iſt die große Senſation von Iſchl.
Senſation, das paßt nicht gut, man ſollte lieber das in=
timere
, tiefer wurzelnde Wort Bedeutung wählen. Im
zivilen Steirerkoſtüm lebt er hier und ſein perſönlichſtes
Leben iſt mit dieſem Ort unlösbar verknüpft. Vielleicht
bis in das Myſterium ſeiner Geburt. Denn als die Ehe
Franz Karls mit der Prinzeſſin Sophie fürs erſte kinder=
los
war, da hat ihr der Doktor Malſatti Solbäder von
Iſchl verſchrieben, und 3 Jahre ſpäter kam Franz Joſef
zur Welt. 82mal hat er hier ſeinen Geburtstag gefeiert.
Seine Braut lernte er hier kennen, und hier ſetzte die Ver=
brüderung
Oeſterreichs und Deutſchlands nach dem Bru=
derkrieg
von 1866 ein. Hoch über Iſchl weht die Fahne
auf dem gewaltigen Hotel Bauer. Die Reichsfarben neben
den ſchwarz=gelben. Schon ſeit einer Stunde ſteht das
hiſtoriſche Glas Champagner mit Selterwaſſer bereit.
Da ſprengt die Karoſſe die Bergſtraße empor. Kaiſer
Wilhelm und Kaiſer Franz Joſef ſitzen darin und der wun=
derſchöne
Kronprinz Friedrich. Im Theater gab es anno
1871 Feſtvorſtellung mit dem Liebling des alten Kaiſers.

Die Lukka ſang in dem Photographenatelier; auf der
Eſplanade in Iſchl wird noch ein angegilbtes Doppelpor=
trät
als Reliquie bewahrt: Wilhelm I. und dieſe Königin
des Kehlkopfs. Große Tage waren das. Es wimmelte
von Miniſtern, von Botſchaftern und Geſandten. Auf der
Eſplanade flog das Witzwort auf: Bismarck beißt Schmer=
ling
. Aber die beiden Kaiſer, die über das deutſche Volk
regieren, hatten einander gefunden.
Damals auch wurde die Kaiſervilla gaſtlich erweitert.
Am Eingang von Iſchl liegt ſie, ganz ins Grün eines
mächtigen Parkes verſteckt. Ein zierlicher Bau mit creme=
farbenem
Anſtrich, darinnen freundliche, weiße Fenſter=
kreuze
blinken. Der Garten aber hat den eleganten eng=
liſchen
Stil, den Eliſabeth ſo ſehr geliebt hat. Nur vor
den Fenſtern des Kaiſers, gegen Weſten, hebt ein kunter=
buntes
Blumenbeetblühen an, rote, blaue, gelbe, lila und
weiße Fuchſien; in allen Größen und Spielarten iſt die
Lieblingsblume des Kaiſers vertreten. Von Weſten aus
führt auch eine kleine Tür ins Freie. Da ſieht man den
Kaiſer täglich in taufriſcher Morgenfrühe ſeine Villa ver=
laſſen
. Langſam ſchreitet er den Fußpfad hinauf. Nur
Sonntags geht er nicht dieſen täglichen Gang. Da ſchreitet
er, begleitet von ſeinem Leibjäger, der das goldgezierte
Gebetbuch trägt, die Straße in den Markt, die Kirchen=
ſtufen
empor. Brauſend ſetzt der Choral ein, die Orgel
dröhnt. Die Orgel, die einſt Bruckner zur Hochzeit Marie
Valeries geſpielt hat. Sein Rivale in der Kunſt der Wie=
ner
Muſikanten hat damals in Lindau gewohnt, dieſem
ländlicheren Vorort von Iſchl, wo es ganz ſtill und dem
Kurorttreiben entrückt iſt. Felder wogen, rings auf Berge
gekrümmt. Immer klingt hier Die Feldeinſamkeit die
hier entſtand, von Brahms geſchaffen wurde. Und Strauß
war hier und Lenau und Bauernfeld und die anderen
Künſtler des Nachmärz: Saphir, Grillparzer und die ganze
Garde des alten Burgtheaters; ſie alle, ihr Publikum und
er Kaiſer dazu, haben in dem Kurort von Oeſterreich
gelebt. Weiß man jetzt, warum er keinen, der einmal dort
war und ein öſterreichiſches Herz hat, mehr losläßt? Ein
öſterreichiſcher Ort und eine öſterreichiſche Landſchaft.

[ ][  ][ ]

Offenbach, 10. Juli. Der verſtorbene Rektor Wilhelm
Schramm hat der Stadt teſtamentariſch rund 800000
Mark zur Errichtung eines Altenheims vermacht,
das nunmehr an der Grenze der Stadt, dicht am Frank=
furter
Stadtwald, nach den Plänen des Architekten Hugo
Eberhart in landſchaftlich und geſundheitlich gleich her=
vorragender
Gegend aufgeführt werden ſoll. Mit den
Bauarbeiten wird bereits in den nächſten Tagen begon=
nen
werden.
Mainz, 10. Juli. Nach ſiebentägiger Verhandlung
vor dem hieſigen Schwurgericht bejahten geſtern die Ge=
ſchworenen
bei dem Angeklagten Schober die Fragen der
fortgeſetzten Wechſelfälſchung mit Betrug und verneinten
die mildernden Umſtände. Ferner bejahten ſie die Frage
der Begünſtigung von Gläubigern und billigten mildernde
Umſtände zu. Bei der Frau Schober wurden nur die
Fragen zweier Urkundenfälſchungen bejaht und mildernde
Umſtände zugebilligt. Die Frage der Begünſtigung wurde
bei dem Steffan bejaht. Das Gericht verurteilte den
Schober zu 4 Jahren 6 Monaten Zuchthaus,
ſeine Frau zu 5 Monaten und Steffan zu 14 Tagen
Gefängnis. Bei der Frau Schober und dem Steffan
wurde die Strafe für verbüßt erklärt und letzterer aus der
Haft entlaſſen. Die Frau Sch. wurde wegen des kürzlich
geleiſteken Meineides erneut unter Haftbefehl geſtellt.
Der am Samstag vormittag bei Drais verunglückte Vize=
wachtmeiſter
Blaſchke von der vierten Batterie und
der Gefreite Proeſcholt von der ſechſten Batterie be=
finden
ſich außer Lebensgefahr.
R. Mainz, 10. Juli. Der in dem Vorort Koſt=
heim
anſäſſige Tüncher Martin Wilhelm iſt bei einer
Tüncherarbeit von einem Umfprmerhäuschen in Rüſſels=
heim
abgeſtürzt und war ſofort tot. Wil=
helm
ſtand bei dem Tünchermeiſter Klös in Rüſſelsheim
in Dienſten, war 45 Jahre alt und hinterläßt Frau und
6 Kinder.
Eich, 10. Juli. Dem von der Strafkammer Mainz
ſeinerzeit zu zwei Monaten Gefängnis verurteilten Oeko=
nom
v. Buengner, der während eines Aufenthalts auf
dem väterlichen Gute bei Eich in einem dortigen Wirts=
hauſe
einen Schuhmacher bei Erklärung eines Revolvers
fahrläſſigerweiſe tötete, wurde die Gefängnisſtrafe
in Feſtungshaft umgewandelt. Der Witwe des
Getöteten wurden von der Familie v. Buengners 10000
Mark zugewieſen.
Ibersheim, 10. Juli. Einen erbitterten Kampf gegen
die Feldmäuſe führt ſoeben unſere Gemeinde. Die
Tiere ſind in unſerer Gemarkung in ſo unheimlicher Zahl
aufgetreten, daß ſie die Ernte der Halm= und der Hack=
früchte
zu vernichten drohen. Die Gemeinde zahlte anfäng=
lich
für das Stück 2 Pfennig, infolge der maſſenhaften Ab=
lieferung
aber jetzt nur mehr einen Pfennig. An einem
Tage lieferte beiſpielsweiſe ein einzelner Mann 1400
Stück Mäuſe ab. Es bietet jetzt einen eigenartigen Anblick,
die Felder unſerer Gemarkung von einer ganzen Anzahl
von Mäuſejägern belebt zu ſehen, ſcheint doch dieſes Ge=
ſchäft
zurzeit noch ein recht lohnendes zu ſein.
Friedberg, 10. Juli. Der Arbeiter Müller, gebür=
tig
aus Deckenbach, zuletzt auf einem Gute bei Friedberg=
Fauerbach beſchäftigt, woſelbſt ihm vor einigen Tagen
gekündigt wurde, verſuchte geſtern morgen in total be=
trunkenem
Zuſtande ſein 4jähriges Töchterchen
in der Uſa zu ertränken. Einige Friedberger, welche
dies bemerkten, mußten ihn gewaltſam von ſeinem Vor=
haben
zurückhalten und brachten ihn nebſt dem weinenden
Kinde auf die Polizeiwache. Müllers Frau iſt erſt vor
einigen Wochen geſtorben. Man nimmt an, daß er wegen
ſchlechter finanzieller Verhältniſſe ſich und ſein Kind aus
dem Leben ſchaffen wollte.
Friedberg, 10. Juli. Im hieſigen Rathauſe fand eine
Vorſtandsſitzung der Landwirtſchaftl. Haupt=
genoſſenſchaft
für Oberheſſen ſtatt, der der
Unterſuchungsrichter Geh. Rat Wehner beiwohnte. In
dieſer wurden die Verfehlungen des Direktors
Mällel von der Hauptgenoſſenſchaft beſprochen. Die
Ermittelungen haben bis jetzt ergeben, daß Direktor M.
perſönlich nichts veruntreut hat; die Genoſ=
ſenſchaft
hat aber ſeit längerer Zeit unter ſeiner Leitung
mit Nichtgenoſſen erhebliche Geſchäftsabſchlüſſe vollzogen,
ſo ganz beſonders im vorigen Herbſt, wo ſie den Kartof=
felbezug
aus Norddeutſchland und Holland ungeheuer
ausdehnte und große Quantitäten auf den Frankfurter
Markt warf. wodurch bedeutende Beträge ver=
loren
wurden.
Alten=Buſeck, 9. Juli. Geſtern abend war anſcheinend
durch Fahrläſſigkeit in einer Scheuer ein
Brand ausgebrochen, der ſich raſch auf die Nachbar=
gebäude
ausdehnte. Die Scheuern nebſt Stallungen der
Landwirte Phil. Becker II., Hch. Freund II. und Kaſ=
par
Kahl wurden eingeäſchert. Das Feuer fand in den
vorhandenen großen Heuvorräten reiche Nahrung. Men=
ſchen
wurden nicht verletzt und auch das Vieh konnte ſämt=
lich
gerettet werden.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 9. Juli. Das Reichs=
gericht
verwarf die Reviſion des Hauptmanns Buies
und des Grafen Wolff=Metternich welche das
Landgericht Berlin am 30. März wegen Betrugs zu 2½
Jahren bezw. zu einer Woche Gefängnis verurteilte.
Von den gerichtlichen Sachverſtändigen wurde feſtgeſtellt,

daß der Defraudant Haaſe in hohem Grade hyſte=
riſch
iſt. Er ſoll einer 14tägigen Beobachtung unterworfen
werden. Der Geigenkünſtler Bergowitz aus Friedenau
ließ in einem Abteil zweiter Klaſſe der Stadtbahn, mit der
er von Weſtend nach Halenſee gefahren war, ſeine wert=
volle
Stradivari=Geige liegen, (!) die aus dem
Jahre 1713 ſtammt und einen Wert von 60000 Mark hat.
Als er den Verluſt bemerkte und nun den Zug durchſuchen
ließ, war die Geige verſchwunden. In dem Kaſten, in dem
ſich die Geige befand, lagen außerdem noch 1900 Mark in
barem Geld und eine koſtbare Krawattennadel. Ein ge=
waltiges
Feuer das heute nacht bald nach Mitter=
nacht
zum Ausbruch kam, zerſtörte die Müllerſche Bade=
anſtalt
in Niederſchöneweide. Der angerichtete Schaden
wird auf 40000 Mark beziffert, iſt aber durch Verſicherung
gedeckt. Die Entſtehungsurſache des Feuers konnte noch
nicht ermittelt werden. Ein ſchrecklicher Anblick
bot ſich geſtern auf dem Gelände des früheren Johannis=
ſtiftes
Plötzenſee. Dort hat neben anderen Schauſtellern
auch die Dompteuſe Frau Marto ihre Zwinger unter=
gebracht
. Geſtern nachmittag ſollte von ihren großen
Raubtieren eine photographiſche Aufnahme gemacht wer=
den
Ein leichter, transportabler Zwinger, in dem die
Beſtien untergebracht waren, wurde für dieſen Zweck ins
Freie gebracht. Der Photograph hatte eben ſeine Vor=
bereitungen
für die Aufnahme begonnen, als ein Foxter=
rier
, der einem der Zuſchauer gehörte, in die unmittelbare
Nähe des Käfigs lief. Kaum war das Tier von einem der
Tiger bemerkt worden, als dieſer mit ſeiner Tatze durch
das Eiſengitter hindurchlangte, den Hund niederſchlug und
durch die Eiſenſtäbe hindurchzuziehen verſuchte. Der
Augenzeugen bemächtigte ſich eine große Aufregung, die
ſich noch vergrößerte, als die übrigen Käfiggenoſſen des
Tigers gleichfalls unruhig wurden. Es koſtete große Mühe,
den Hund den Tatzen der Beſtie zu entreißen. Das kleine
Tierchen hatte jedoch ſo ſchwere Verletzungen erlitten, daß
es alsbald einging.
Frankfurt, 10. Juli. Geſtern nachmittag wurde durch
die Polizei ein junger Mann verhaftet, der einen Dieb=
ſtahl
begangen hatte und ſeiner Feſtnahme heftigen Wi=
derſtand
entgegenſetzte. Nachdem er überwältigt und zur
Wache gebracht war, ſtellte es ſich heraus, daß der Ver=
haftete
ein Deſerteur namens Dämer vom 87. In=
fanterie
=Regiment in Mainz iſt. Dämer wurde zunächſt
zur Beobachtung ſeines Geiſteszuſtandes nach der Irren=
anſtalt
übergeführt.
D Frankfurt, 10. Juli. Für die Zeit vom 7. bis 28.
Juli wird in Frankfurt auf dem Feſtplatz des 17. Deut=
ſchen
Bundes= und goldenen Jubiläums=
Schießens eine Poſt= und Telegraphen=
anſtalt
mit öffentlichen Fernſprechſtellen als Zweig=
ſtelle
des P.=A. 9 (Hauptbahnhof) in Wirkſamkeit treten.
Außerdem wird für die Zeit vom 14. bis 21. Juli eine
beſondere Zweig=Poſt= und Telegraphenanſtalt mit
öffentlichen Sprechſtellen im Schützenamt auf dem Feſt=
platz
eröffnet werden. Dieſe Poſtanſtalten erhalten fol=
gende
Befugniſſe: 1. Verkauf von Poſtwertzeichen, 2. An=
nahme
von eingeſchriebenen Briefſendungen, 3. Annahme
von Telegrammen, 4. bei der Zweigſtelle im Schützen=
amt
: Ausgabe von poſtlagernden gewöhnlichen und ein=
geſchriebenen
Briefſendungen, von poſtlagernden Poſt=
anweiſungen
und von poſtlagernden Telegrammen, ſo=
wie
von Benachrichtigungszetteln über poſtlagernde Pa=
kete
. Dieſe ſelbſt ſind bei dem P.=A. 9 in der Poſt=
ſtraße
, dem Hauptbahnhof gegenüber, abzuholen. 5. Bei
dem Poſtamt in der Feſthalle: Beſtellung von gewöhn=
lichen
und eingeſchriebenen Briefſendungen, Poſtanwei=
ſungen
(auch telegraphiſchen) mit den zugehörigen Be=
trägen
und von Telegrammen, ſofern ſie mit näherer An=
gabe
, wo der Empfänger auf dem Feſtplatz anzutreffen
iſt, verſehen ſind, und 6. Bedienung der öffentlichen
Sprechſtellen. Für die Zeit vom 7. bis 13. und vom 22.
bis 28. Juli ſind die Schalterdienſtſtunden auf die Zeit
von 8 Uhr vormittags bis 8 Uhr nachmittags, für den
Fernſprechverkehr außerdem von 8 Uhr vormittags bis
10 Uhr nachmittags, für die Zeit vom 14. bis 21. Juli für
beide Poſtanſtalten auf die Zeit von 7 Uhr vormittags
bis 8 Uhr nachmittags, außerdem für den Telegraphen=
und Fernſprechverkehr, ſowie für die Ausgabe von poſt=
lagernden
Sendungen von 8 bis 11 Uhr nachmittags feſt=
geſetzt
worden. Die für Empfänger auf dem Feſtplatz
beſtimmten Poſtſendungen müſſen den Vermerk Frank=
furt
(Main), 17. Deutſches Schützenfeſt poſtlagernd tra=
gen
oder mit Angaben verſehen ſein, die den beſtellenden
Boten das Auffinden auf dem Feſtplatz ermöglichen.
Oberlahnſtein, 10. Juli. Wie die Wiesbadener Ztg.
aus Oberlahnſtein meldet, fuhr geſtern abend, als eine
berittene Abteilung des Feldartillerie=
Regiments Nr. 23 aus Koblenz auf einem Uebungs=
ritt
den Bahnübergang bei Koppelſtein paſſierte, der
Hilfszug Frankfurt-Köln, der in Oberlahnſtein
im 7 Uhr 31 Min. eintrifft, in den hinteren Teil der
Marſchkolonne. Ein Pferd wurde getötet, drei leicht ver=
letzt
. Ein Kanonier erlitt erhebliche Verletzungen am
Kinn. Er wurde nach Anlegung eines Notverbandes in
das Garniſonlazarett Ehrenbreitſtein überführt.
München, 9. Juli. Der Prozeß gegen die
Nackttänzerin Villany kam geſtern vor der Be=
rufungskammer
des Landgerichts nochmals zur Verhand=
lung
. Gegen das Urteil des Schöffengerichts, das die
Tänzerin, ihren Impreſario und den Direktor Robert

vom Münchener Luſtſpielhaus, früher in Berlin, von der
Anklage eines Vergehens gegen die Gewerbeordnung frei=
ſprach
, hatte der Amtsanwalt Berufung eingelegt. Das
Verfahren wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit war
früher ſchon eingeſtellt worden. Auch in der geſtrigen
Verhandlung bekundeten hervorragende Münchener
Künſtler und Schriftſteller, wie die Maler und Profeſſoren
Albert von Keller, Hans von Peterſen, Präſident der
Münchener Künſtlergenoſſenſchaft, Freiherr von Haber=
mann
, Präſident der Münchener Sezeſſion, Fritz v. Kaul=
bach
(dieſer ſchriftlich), der Dichter Max Halbe und andere,
daß die Nackttänze der Villany einen durchaus künſtleri=
ſchen
Eindruck gemacht und einen hohen äſthetiſchen Ge=
nuß
geboten, ferner, daß auch anweſende Damen keinen
Einwand dagegen erhoben hätten und daß für die ge=
ſchloſſenen
Vorſtellungen der Tänzerin tatſächlich ein
höheres Kunſtintereſſe obgewaltet habe. Das Urteil lautete
für den allein erſchienenen Angeklagten Direktor Dr. Ro=
bert
auf Freiſprechung. Die Nackttänzerin Villany
und Rütgen wurden wegen Vergehens gegen die Ge=
werbeordnung
zu je 30 Mark Geldſtrafe oder ſechs
Tagen Haft verurteilt mit der Begründung, daß die Tänze
der Villany künſtleriſch geweſen ſein mögen, die Darſtel=
lung
des nackten Körpers jedoch nicht. Die Tänze ſeien ſo
gut wie öffentlich geweſen, da die Einladungen zu den
ſogenannten geſchloſſenen Vorſtellungen einfach nach dem
Adreßbuch verſchickt worden ſeien.
Landau, 10. Juli. Leutnant Donath vom 5.
Chevauleger=Regiment in Saargemünd wurde vom
Kriegsgericht Landau wegen Betrugs und Unterſchlag=
ung
zu vier Wochen Gefängnis und Entfernung aus dem
Heere verurteilt.
Hagen, 10. Juli. Der wegen Giftmordes, begangen
an ſeinem Vater, dem Beſitzer des Schwelmer Tageblat=
tes
, vom Schwurgericht zum Tode verurteilte Kaufmann
Rudolf Miethe wurde heute morgen hingerichtet,
nachdem die Wiederaufnahme des Verfahrens abgelehnt
worden war.
Breslau, 10. Juli. Die beiden 12 und 14 Jahre alten
Gymnaſiaſten Schreiber, Söhne des Poſtvorſtehers in
Betſche, badeten geſtern abend in einem in der Nähe
gelegenen Teich. Dabei geriet der ältere in eine moraſtige
Stelle und rief um Hilfe. Sein Bruder eilte hinzu und
wurde von dem Ertrinkenden mit in die Tiefe gezogen.
Beide fanden den Tod.
Pilſen, 10. Juli. Laut Pilſener Tageblatt erwartet
Prinz Adalbert von Preußen, der ſeit vorgeſtern in
Marienbad zur Kur weilt, in drei Wochen den Beſuch der
Kaiſerin und der Prinzeſſin Viktoria Luiſe.
Mailand, 9. Juli. Zwiſchen Genua und Voltri war
ein Straßenbahnwagen durch Kurzſchluß in
Brand geraten. Von den Paſſagieren, die ſich durch
Abſpringen von dem mit großer Geſchwindigkeit dahin=
fahrenden
brennenden Wagen zu retten ſuchten, wurden
12 ſchwer, darunter 3 tödlich, verletzt. Einer von
ihnen ſtarb auf dem Wege zum Hoſpital.
Genf, 9. Juli. Das Komitee für die Errichtung
eines Reformationsdenkmals erhielt vom
deutſchen Kaiſer 10000 Mark.
Paris, 10. Juli. Der Juwelenhändler Bou=
vier
erſtattete der Polizei vorgeſtern die Anzeige, daß
aus ſeinem eiſernen Schrank ihm Schmuckſachen im Werte
von etwa 100000 Francs geſtohlen worden ſeien. Die
Widerſprüche, in die ſich Bouvier verwickelte, erregten
jedoch den Verdacht des Polizeikommiſſars und nach
einem ſcharfen Verhör geſtand Bouvier, daß er ſelbſt
den Einbruchsdiebſtahl ausgeführt habe,
um eine Verſicherungsſumme von 350000 Francs zu er=
halten
. Bouvier wurde verhaftet. Es heißt, daß außer
mehreren franzöſiſchen Firmen auch ein deutſches Haus
Bouvier vor einiger Zeit Schmuckſachen im Werte von
120000 Francs zum Verkauf kommiſſionsweiſe anvertraut
habe.
London, 9. Juli. Der Spieler Stallmann, der
gegen das vom Polizeigericht gegen ihn ergangene Aus=
weiſungsurteil
Reviſion eingelegt hatte, wurde geſtern
vom Zivilgericht freigeſprochen und aus der Haf’
entlaſſen. Sein Anwalt trug nochmals die ganze Ge=
ſchichte
des Ausweiſungsantrages dem Richter vor. Er
erklärte, daß ſein Klient auf der Reiſe nach Kalkutta auf
dem Dampfer verhaftet worden ſei und vor Gericht ge=
ſtellt
wurde, von dem zuerſt dem Ausweiſungsantrag
Folge gegeben wurde. Er appellierte in Kalkutta und
wurde freigeſprochen. Er reiſte ſodann über Berlin nach
London, wo er wiederum verhaftet wurde. Der Anwalt
hob hervor, daß ſein Klient in London unter einer An=
klage
ſtand, in der er bereits in Kalkutta freigeſprochen
worden war. Er beantragte deshalb Nichtigkeitserklär=
ung
des Urteils. Ohne jeden Kommentar entſprach der
Richter dieſem Antrag.
Kertſch, 9. Juli. Durch einen heute niedergegange=
nen
Wolkenbruch wurde ein Drittel der Stadt
überſchwemmt. Das Poſtgebäude und die Kanzlei
des Stadthauptmanns ſtehen unter Waſſer. Dank den
Sicherheitsmaßnahmen ſind keine Menſchenverluſte zu be=
klagen
. Der Sachſchaden iſt erheblich, beſonders in der
Landwirtſchaft und den Gärtnereien. Es wurde ein
Hilfskomitee organiſiert. Bei dem heftigen Sturm ſind
auf der See drei Barkaſſen geſunken, ſechs Mann er=
tranken
. Aus Simferopol wird berichtet, daß die letzte
Ueberſchwemmung auf der Krim 1½ Millionen Rubtl
Schaden verurſachte.
New=York, 10. Juli. Die nunmehr über eine Woche
andauernde furchtbare Hitze legt alles Geſchäft
lahm. Die Hitzſchläge mehren ſich. Die Anlagen ſind
überfüllt und die Leiden in den Mietskaſernen groß. Es
gibt noch kein Anzeichen für eine Aenderung.

Feuilleton.

VIII. ordentliche evangeliſche Landesſynode.
16. Sitzung.
E. Darmſtadt, 10. Juli.

Die heutige Sitzung wird 9 Uhr 25 Min. mit einem
vom Syn.=Abg. Loos geſprochenen Gebet eröffnet. Prä=
ſident
D. Stamm gibt eine Ueberſicht über die Ge=
ſchäftslage
, nach der er die Geſchäfte am Freitag zu Ende
zu führen hofft. Eine Reihe von Anträgen iſt noch einge=
gangen
, deren Beratung jedoch erſt auf der Synodal=
tagung
im Herbſt ſtattfinden kann.
Die Synode fährt in der Beratung der Vorlage Groß=
herzoglichen
Oberkonſiſtoriums, die Verhältniſſe
und Zuſtände der evangeliſchen Landes=
kirche
in der Synodalperiode 1905/1909
betreffend, fort. Zu der Frage des Verhältniſſes
der Kirche zum Staat iſt von den Syn.=Abgg.
Fritſch, Jaudt, Brill und Schmidt folgender
Initiativ=Antrag eingelaufen: Großh. Oberkonſiſtorium
wolle baldmöglichſt die nötigen Schritte tun, daß die in§ 2
der Verfaſſung in Ausſicht geſtellte Neuregelung
der Vermögensverwaltung im Sinne einer
größeren Selbſtändigkeit der Kirche und der Kirchenge=
meinde
herbeigeführt werde, unter Berückſichtigung der
Großherzoglichem Oberkonſiſtorium eingereichten Vor=

ml. Eine lohnende Beſchäftigung. Intereſſante Auf=
klärungen
über die mannigfachen Einnahmequellen, über
die ein ſogenannter Hotel=Clerk verfügt, erbrachte eine
Alimentationsklage, die die Frau eines ſolchen Angeſtell=
ten
vor dem New=Yorker Saw Courts gegen ihren pflicht=
vergeſſenen
Gemahl angeſtrengt hatte. Wie die Klägerin
erklärte, bezog ihr Mann als Clerk einer der größten und
vornehmſten der New=Yorker Hotels Proviſionen für ſeine
Empfehlung, die ein recht anſehnliches Einkommen dar=
ſtellen
. Vom Hotel erhielt er allerdings für ſeine Tätig=
keit
nur das beſcheidene Jahresgehalt von 7200 Mark; da=
für
bezog er aber von einer Weinfirma Schmiergelder
von 2400 Mark, von vier europäiſchen Hotels, die die
Klägerin nannte, à Conto ſeiner Empfehlungen Proviſio=
nen
in Höhe von 9600 Mark, und 4800 Mark für die glei=
chen
Dienſte von deutſchen Schiffahrtslinien. Alles in
allem ſtellten ſich nach der Beweisführung der indiskreten
Ehefrau ſeine feſten Nebeneinkünfte auf rund 24000 Mk.,
wobei die gelegentlichen Trinkgelder noch außer Anſatz
bleiben, die der Clerk von Automobilverleihern, Juwelie=
ren
, Schneidern und anderen Gewerbetreibenden für die
Zuführung von Hotelgäſten erhält. Aehnliche Stellen ſoll
es auch in Berlin geben.
* Papier und Tinte im Berliner Rathapts. Rieſen=
mengen
von Schreibmaterialien werden jährlich in dem
Berliner Rathaus verbraucht. Im letzten Rechnungsjahr
wurden allein rund 1,5 Millionen Kuverts, 3000 Bogen

Kuveripabler, 85 Millonen Bogen gewöhnliches Kon=
zeptpapier
, 4,3 Millionen Bogen gewöhnliches Schreib=
bapier
, 3,7 Millionen Bogen großes Konzeptpapier,
866000 Bogen großes Schreibpapier, 94000 Bogen Brief=
papier
, 266000 Bogen Aktendeckel den Beamten geliefert,
zuſammen rund 17¼ Millionen Bogen. Dazu kommen
4000 Liter Tinte, 9000 Gros Stahlfedern, 2 Bund Feder=
poſen
, 17400 Stück Stahlfederhalter, 40750 Stück Blei=
ſtifte
, 15 600 Stück farbige Stifte, 1250 Flaſchen Stempel=
farbe
, 4600 Stück Radiergummi, 500 Stück Federmeſſer,
80 Stück Lineale und 4400 Heftnadeln.
* Die verräteriſche Uhr. Als der verſtorbene
Dänenkönig aufgebahrt war, hatte die königliche
Familie verboten, irgend welche photographiſche Aufnah=
men
zu machen. Trotzdem ſind im Handel Poſtkarten er=
ſchienen
, die die Aufbahrung in der Photographie zeigten.
Natürlich iſt eine Unterſuchung angeſtellt worden, um feſt=
zuſtellen
, wer von den Perſonen, die die Leichenwache
hielten. Photographen eingelaſſen hätte. Die Photogra=
phie
ſelbſt hat hierüber Aufſchluß gegeben. Auf dem Ka=
mine
des Zimmers ſtand nämlich während der Aufnahme
eine Weckuhr; ihre Zeiger zeigten auf dem Bild 2½ Uhr.
Es ließ ſich leicht feſtſtellen, daß um 2½ Uhr ein Pionier=
leutnant
den Befehl im Zimmer hatte, und als man ihn
befragte, gab er auch zu, er habe aus Gutmütigkeit einen
Photographen eingelaſſen.
* Geiſtesgegenwart. Autler (der in einen Laden ge=
fahren
iſt): Meine Frau möchte gern den Hut da in der
Ecke!

[ ][  ][ ]

ſchläge. Oberkonſiſtorialpräſident D. Nebel ſagt Er=
füllung
dieſes Wunſches zu; jedoch erfordere die Frage ſo
eingehende Erörterungen und Verhandlungen, daß eine
Vorlage für die Synodaltagung im Herbſt noch nicht in
Ausſicht geſtellt werden könne.
Man geht über zur Beratung der allgemeinen
Verhältniſſe der Landeskirche, und zwar zu=
nächſt
zur Frage der Austritte und der Ueber=
tritte
. Der Ausſchußbericht führt dazu folgendes aus:
Der allmähliche Rückgang der Altlütheraner und
der Freiproteſtanten, die ihr Entſtehen einer
beſtimmten geſchichtlichen Situation verdanken, die in
dieſer Weiſe nicht weiter wirkt, iſt ebenſo begreiflich, als
das Wachstum der Sekten um nahezu 1000 Mitglieder
und das langſame Zunehmen der Austritte aus
der Landeskirche ohne Uebertritt. Die Gründe
dafür liegen offen zutage. Aber wenn die Austritte ohne
Uebertritt in der Mehrzahl der Fälle durchaus unerfreu=
lich
ſind, darf man bei der Regſamkeit der Sekten doch
nicht außer acht laſſen, daß trotz aller wenig erfreulichen
Züge, die ihnen anhaften, ſich darin auch religiöſes Leben
offenbart, und vielfach auch ſolches geweckt wird. Der
Anſporn, der darin für unſere Kirche, ihre Diener und
Glieder, liegt, doppelt treu an der Pflege des religiöſen
Gemeindelebens zu arbeiten, kann auf das Leben unſerer
Kirche nur heilſam wirken. Daß die Zahl der Ueber=
tritte
von der katholiſchen zur evangeli=
ſchen
Kirche (729) die umgekehrten (15) dauernd ſoweit
überwiegen, iſt ein erfreuliches Zeichen dafür, daß die
römiſche Kirche trotz ihrer vielen ſo imponierenden politi=
ſchen
und religiöſen Machtentfaltung gerade in dem heuti=
gen
Stadium ihrer Entwickelung die früher wohl ſtärker
geweſene Anziehungskraft auf Andersgläubige verloren
hat.
Es ſpricht dazu Syn.=Abg. D. Schloſſer (als Be=
richterſtatter
). Oberkonſiſtorialrat Euler erklärt, daß die
Kirchenbehörde die wichtigeFrage derAustritte ſtets ſehr im
Auge behalte. Nach den neueſten eingelaufenen ſtatiſtiſchen
Berichten könne er aber ſagen, daß dieſe Ziffern Anlaß
zu irgend welcher Beunruhigung nicht böten. Es ſprechen
weiter die Syn.=Abgg. Hartmann, Walter, Wag=
ner
, Widmann, Schaub, Jaudt und D. Dr.
Diehl. Der Ausſchußbericht fährt fort:
Daß das Großh. Oberkonſiſtorium es ſich bei Bil=
dung
neuer Kirchengemeinden und Be=
gründung
neuer Pfarrſtellen in ſorgſamer
Weiſe hat angelegen ſein laſſen, neu auftauchenden Be=
dürfniſſen
zu entſprechen, erkennen wir dankbar an, und
ſſtimmen vor allem auch vollkommen den bezüglich der
Behandlung der Pfarraſſiſtenten aufgeſtellten Grund=
ſätzen
zu. Beſonders unterſtreichen möchten wir die
Anregung, daß die Gemeinden bei Zieiten auf Samm=
lung
der entſprechenden Fonds bedacht ſein möchten.
Es ſprechen dazu die Syn.=Abgeordneten Wehſarg
und Loos, ſowie Oberkonſiſtorialrat Euler. Es heißt
in dem Bericht dann weiter:
Angeſichts der immer ſchroffer und ausſchließlicher
werdenden Haltung der römiſchen Kirche gegenüber der
evangeliſchen Kirche gewinnen alle Maßnahmen zum
Schutz und zur Pflege der evangeliſchen Minderhekten
in In= und Ausland erhöhte Bedeutung. Wir ſchließen
uns dem Dank an den Guſtav Adolf=Verein
für ſeine geſegnete Arbeit an und ſprechen den Wunſch
aus, daß die Landeskirche, ſoweit es ihre finanziellen
Verhältniſſe irgend erlauben, auf dem Wege weiter
ſchreiten möge, dem Verein, dem auswärts immer grö=
ßere
und ſchwierigere Aufgaben zunlachſen, in der
Pflege der auf heimiſchen Boden beſtehenden und im=
mer
neu ſich bildenden kleinen Gemeinden mit über=
wiegender
katholiſcher Bevölkerung zu entlaſten.
Die Syn.=Abgeordneten Dingeldey, Bayer,
Schloſſer, Diehl, Widmann, Hainer, Hart=
mann
, Wagner, Lucius, Jacob u. Bril lbean=
tragen
dazu folgende Refollution: Synode hält
es für dringend notwendig, daß in den nächſten Vor=
anſchlag
für den evangeliſchen Zentrallirchenfonds der
Dispoſiſtionsfonds für ſachliche Zwecke
von 10000 Mark auf 20000 Mark erhöht wird behufs
kräftiger Unterſtützung hilfsbedürftiger heſſiſcher Kirchen=
gemeinden
, insbeſondere der Diaſpora. Es ſprechen
dazu die Syn.=Abgeordneten Dingielldey, Bayer,
und Oberkonſiſtorialpräſident I. Nebel, der ver=
ſpricht
, die Reſollution werde vom Oberkonſiſtorium in
wohlwollende Erwägung gezogen werden und Syn.=Abg.
Wagner. Die Reſolution wird dann gegen 1 Stimme
angenommen.
Die Syn.=Abgeordneten Schmeckenbecher,
Loos, Wagner, Jacob, Fritſch und Liz. Dr.
Dieckmann benntragen folgende Beſchlußfaſſung der
Landesſynode: Im deutſchen Reichstag und Bundes=
rat
ſind Anträge geſtellt worden, welche darauf hinzie=
len
, die Jeſuiten zu einer völlig oder faſt uneinge=
ſchränkten
Ordenstätigkeit wieder zuzulaſſen. Die
Laindesſynode erblickt in dem erneuten Vorſtoß zugunſten
dieſer enkſchiedenſten Vertreter der politiſchen Macht=
anſprüche
des Papſttums und Bekämpfer des Proteſtan=
tismus
eine Herausforderung und eine ſchwere Ge=
fährdung
des konfeſſionellen Friedens, wie der Kuktur=
errungenſchaften
des deutſchen Proteſtantismus. Sie
richtet daher an das Großh. Oberkonſiſtorium die Mitte,
bei dem deutſchen evangeliſchen Kirchenausſchuß dahin
wirken zu wollen, daß er bei dem Bundesrat
gegen die beantragte Aufhbung und gegen eine beab=
ſichtigte
Durchlöcherung der noch beſtehenden Paragna=
phen
1 und 3 des Reichsgeſetzes vom 4. Juli 1872, den
Orden der Geſellſchaft Jeſu betreffend, vorſtellig werde.
Sie ſpricht zugleich die Erwartung aus, daß die Großh.
Heſſiſche Staatsregierung ihren Ueberlieferungen getreu
im gleichen Sinne ihre Stimmen im Bundesrat geltend
machen werde. Syn.=Abg. Schmeckenbecher wird
zum Referenten über dieſen Antrag beſtellt.
Auf eine Anfrage des Syn.=Abg. D. Schloſſer
nach dem Stande der von der Kirchenbehörde in Aus=
ſicht
geſtellten Revliſion der Verfaſſungs=
geſetze
erpidert der Oberkonſiſtokialpräſident, daß
eine Form, in welcher die Verſaſſungsreviſion vorzu=
nehmen
iſt, bis jetzt im Oberkonſiſtorium noch nicht ge=
funden
worden ſei. Nötig ſei, daß vorher noch die Frage
der Aenderung der örtlichen kirchlichen Vermögensver=
waltung
erledlgt werde.
Man beſpricht ſodann die Tätigkeit der Dekanats=
fynoden
, wobei mancherlei Anregungen für eine Er=
weiterung
ihrer Tätigkeit und ihrer Pflichten gegeben
werden, deren Beachtung von dem Oberkonſiſtorialprä=
ſidenten
zugeſagt wird.
Es follgt eine längere Erörterung über die Reiſe=
ſtipendilem
und die Dekanatsbibliotheken.
Schluß der Sitzung 1,15 Uhr. Nächſte Sitzung Don=
nerstlag
vormittag 9 Uhr.

Luftfahrt.

Hamburg, 9. Juli. Das Luftſchiff Viktoria
Luiſe iſt heute früh 7.23 Uhr nach Lübeck aufgeſtiegen,
wo es kurz nach 9 Uhr eintraf und einige Fahrten von
Lübeck aus nach Travemünde, Niendorf uſw. unternahm.
Die Abfahrt erfolgte 11.40 Uhr von Lübeck nach Hamburg,
wo die Landung um 2.55 Uhr glatt erfolgte.

Sport.

* Automobilſport. Die Preistourenfahrt
des Frankfurter Automobilklubs, zu der
23 Meldungen abgegeben waren, fand jetzt ihren Abſchluß.
Es waren im ganzen 20 Wagen geſtartet, von denen 17
die vorgeſchriebenen Bedingungen erfüllten, während
drei aufgaben. In Klaſſe I, in der die Beſitzer ihre Wa=
gen
ſelbſt zu ſteuern hatten, gewann den erſten Preis,
geſtiftet vom Frankfurter Automobilklub, Heinrich Opel=
Rüſſelsheim auf Opel, den zweiten Preis, geſtiftet von
der Firma Peters Union Fritz Opel auf Opel, den dritten
Preis, geſtiftet vom Frankfurter Rennklub, Ed. Engler
auf Opel, den vierten Preis, geſtiftet von Direktor Becker
Oppenheimer auf Opel, den fünften Preis geſtiftet von
Fritz Opel, Oskar Wenske auf Opel, den ſechſten Preis
geſtiftet vom Frankfurter General=Anzeiger, Dyckerhoff
auf Benz, den ſiebenten Preis, geſtiftet vom Oberheſſiſchen
Automobilklub, Kommerzienrat Wilhelm Opel auf Opel,
den achten Preis, geſtiftet vom Kommerzienrat Karl Opel,
Rechtsanwalt Dr. K. Weber auf Adler. Ein Troſtpreis
fiel in dieſer Klaſſe ferner noch Direktor Mertens auf
Benz und ein ſilberner Klubbecher an Georg Müller auf
Mercedes=Knight. In Klaſſe II, in der die Wagen von
Chauffeuren gefahren werden konnten, erhielt den erſten
Preis, geſtiftet vom Frankfurter Automobilklub Joe Li=
vingſton
auf Adler, den zweiten Preis, geſtiftet vom
Kaiſerlichen Automobilklub, Dr. E. Weber auf Mercedes,
den dritten Preis, geſtiftet von Alfred Teeres, Eduard
Engler auf Opel, den vierten Preis, geſtiftet von den
Herren Bandel, Engler und Oppenheimer, Auguſt Röver
auf Opel.
* Schießſport. Die Meiſterſchaft im Wurf=
taubenſchießen
für Deutſchland wurde am
Montag zu Neumannswalde=Neudamm auf Veranſtaltung
des Schießvereins deutſcher Jäger (Hauptverein Sitz Neu=
damm
) ausgeſchoſſen. Bedingungen 100 Tauben auf 14
bis 20 Meter. Reſulat: Freiherr v. Zedlitz, Meinerdingen,
88 Tauben; Albert Preuß, Wilmersdorf, 84 Tauben;
Horſt Göldel, Halenſee, 83 Tauben; Koch, Derneburg, 80
Tauben; Möller, Klemzig, 78 Tauben; Lorenz, Tützpatz,
7 Tauben; A. Göldel, Bronikowen, 77 Tauben; Beth=
mann
, Fürſtenau, 77 Tauben; Lüttich, Berlin, 76 Tauben;
Merten, Treptow 74 Tauben; König, Grünbaum, 71 Tau=
ben
; Sack, München, 65 Tauben. Meiſterflugſchütze von
Deutſchland für 1912/1913 alſo Herr Freiherr von
Zedlitz, Meinerdingen.
Die Meiſterſchaft für Kugelſchießen auf
laufende Wildſcheiben für Deutſchland
wurde am Dienstag zu Neumannswalde=Neudamm auf
Veranſtaltung des Schießvereins deutſcher Jäger ( Haupt=
verein
Sitz Neudamm) ausgeſchoſſen. Bedingungen 32
Schuß auf laufende Wechſelſcheiben (Keiler, Hirſch, Reh=
bock
, Fuchs). Reſultat: Göldel, Halenſee, 114 Punkte:
Lorenz, Tützpatz, 115 Punkte; Grothe, Stendal, 117 Punkte;
Vogel, Schlettſtadt, 119 Punkte; Koch, Derneburg, 122
Punkte; Collath, Frankfurt, 123 Punkte; Regler, Neu=
damm
, 124 Punkte; Evers, Stennewitz, 134 Punkte; Dr.
Quittenbaum, Hohenbarnekow, 140 Punkte; Sack, Mün=
chen
, 141 Punkte; Göldel Bronikowen, 154 Punkte; Ulbrich,
Spiegel, 155 Punkte. Meiſterſchütze im Kugelſchießen auf
laufende Wildſcheiben von Deutſchland für 1912/1913 alſo
Herr Göldel, Halenſee.
* Stockholm, 9. Juli. Olympiſche Spiele.
Im Speerwerfen mit der rechten und linken Hand gewan=
nen
alle drei Preiſe die Finnen. Im Stafettenlaufen ge=
wann
die engliſche Mannſchaft den erſten, die ſchwediſche
den zweiten Preis. Die deutſche Mannſchaft
wurde disqualifiziert weil der Stafettenaus=
tauſch
nicht innerhalb der feſtgeſetzten Grenze ſtattfand.

Handel und Verkehr.

Poſtſcheckverkehr. Im Reichspoſtgebiet iſt
die Zahl der Kontoinhaber im Poſtſcheckverkehr Ende
Juni 1912 auf 68 532 geſtiegen. (Zugang im Monat Juli
allein 956.) Auf dieſen Poſtſcheckkonten wurden im Juni
gebucht 1171 Millionen Mark Gutſchriften und 1194 Mil=
lionen
Mark Laſtſchriften. Das Geſamtguthaben der
Kontoinhaber betrug im Juni durchſchnittlich 140 Mil=
lionen
Mark. Im Verkehr der Reichspoſtſcheckämter mit
dem Poſtſparkaſſenamt in Wien, der Poſtſparkaſſe in
Peſt, der luxemburgiſchen und belgiſchen Poſtverwaltung,
ſowie den ſchweizeriſchen Poſtſcheckbureaus wurden 6,6
Millionen Mark umgeſetzt, und zwar auf 2520 Uebertrag=
ungen
in der Richtung nach und auf 12 220 Uebertragun=
gen
in der Richtung aus dem Auslande.
Patentanmeldungen. G. 26537. Ver=
fahren
zur Herſtellung eines Bindemittels aus eingedick=
ter
Ablauge der Sulfit=Telluloſe. Darſtellung nach An=
ſpruch
2 des Patentes 246 289. Gewerkſchaft Eduard,
Langen (Bezirk Darmſtadt). Sch. 37 443. Vorrichtung an
ſelbſttätigen Laufgewichtswagen, welche nur Wägungen
zuſtande kommen läßt, wenn die zu wiegenden Laſten in=
nerhalb
beſtimmter Gewichtsgrenzen liegen. C. Schenck,
Eiſengießerei und Maſchinenfabrik, G. m. b. H., Darm=
ſtadt
. S. 34 642. Umſteuerungseinrichtung für ſelbſt=
tätige
doppelte Flüſſigkeitswagen, Sabel u. Scheurer,
Oberurſel bei Frankfurt. R. 34 293. Elaſtiſche Radbereif=
ung
mit einem durch zwei Klemmringe ſpannbaren Lauf=
mantel
. Wilhelm Rößler, Darmſtadt, Mollerſtraße 31.
H. 54 067. Schloß mit Oeffnung durch mehrere ſich gegen=
ſeitig
ſperrende Drucktaſten. Jakob Heil III., Eberſtadt
bei Darmſtadt. Patenterteilungen. 249 497.
Vorrichtung zur Einführung einer Löſung von Soda oder
dergleichen in das Keſſelwaſſer. Theodor Bruſt, Darm=
ſtadt
, Landgraf=Philipp=Anlage 60. 249 615. Vorrichtung
zum ſelbſttätigen Ausgleichen der beim Auf= und Ab=
wickeln
von Papier= oder Stoffbahnen zwiſchen Stoff=
führungs
= und Arbeitsorganen und Wickelſtab in der
Stoffbahn auftretender Spannungsunterſchiede. Jean
Goebel, Darmſtadt, Griesheimer Weg 25. Ge=
brauchsmuſtereintragungen
. 514519. Fahr=
radſtänder
, Hermann Fritſch und Agnes Reinhard geb.
Klöpper, Schwanheim a. M. 513823. Kleiderſchutznetz
für Damenräder. Emilie Herrmann geb. Michel, Darm=
ſtadt
, Grafenſtraße 8. 514177. Deckel für Behälter zur
Aufnahme heißer Flüſſigkeiten. Agnes Sedlmair geb.
Ewel, Münſter bei Darmſtadt. 514 401. Elaſtiſches Hut=
band
aus feſtem Stoff. A. Roſenthal u. Co., Darmſtadt.
514 285. Durch eine Zunge geſchloſſene Doppelpoſtkarte
mit Anſichten und anhängendem in die Doppelpoſtkarte
eingeſchlagenen Plan (Landkarte). Hans Rußler, Darm=

ſtadt, Ahaſtraße 59. 514474. Sicherheitsdruckplatte für
Steinbrecher. Karl Stein und Alexander Conrad, Roß=
dorf
bei Darmſtadt. 513 760. Anſteckbares Blumenfläſch=
chen
, Karl Stautz, Darmſtadt, Gutenbergſtraße Nr. 62.
513 583. Sicherheitsbroſche. Berta Pizzala, Darmſtadt,
Steinackerſtraße 9. 513389. Mit Köderhaken verſehene
Gehäuſewand für Tierfallengehäuſe. Michael Jaeger,
Darmſtadt, Liebigſtraße 46.

Landwirtſchaftliches.

L. K. In Verbindung mit dem am 15. und 16. Juli
ieſes Jahres von der Stadt Beerfelden abzuhalten=
den
Pferde=, Fohlen= und Zuchtviehmarkt veranſtaltet der
Landwirtſchaftskammer=Ausſchuß für Starkenburg eine
Zuchtpferde= und Fohlenſchau, verbunden
mit Prämiierung. Die zur Prämiierung vorgeführten
Stuten und Fohlen müſſen mindeſtens fünf Monate im
Beſitze des Züchters bezw. Landwirts ſein. Händler kön=
nen
in den Prämiierungsklaſſen nicht mitkonkurrieren.
Die Anmeldungen von Stuten und Fohlen zur Prämiier=
ung
haben bis ſpäteſtens 14. Juli I. Js. an Herrn Bei=
geordneten
Heß in Beerfelden zu geſchehen. Bei der An=
meldung
von Stuten iſt anzugeben: Schlag, Alter und
Farbe; ferner Bezeichnung des Hengſtes, von welchem
das zugehörige Fohlen abſtammt. Bei der Anmeldung
von 2= bezw. 3jährigen Fohlen iſt anzugeben: Schlag,
Alter und Farbe, ferner Bezeichnung des Hengſtes, von
welchem das Fohlen abſtammt. Deckſcheine ſind vorzu=
legen
. Stuten und Fohlen unbeſtimmter Abſtammung
(Kreuzungsprodukte) werden zur Prämiierung nicht zu=
gelaſſen
. Beginn der Schau am 15. Juli, vormittags 9½
Uhr. Zu allen weiteren Auskünften wende man ſich
an das Pferdemarktkomitee in Beerfelden.

Vermiſchtes.

C. K. Eine Eheſcheidungsſtatiſtik. Nach den
neuen ſoeben veröffentlichten ſtatiſtiſchen Angaben über die
Zahl der Eheſcheidungen in Europa marſchiert die Schweiz
in der Zahl der aufgelöſten Ehen an der Spitze: auf 100.000
Einwohner entfallen jährlich nicht weniger als 43 Schei=
dungen
. Es folgen dann der Reihe nach Frankreich mit 33
Scheidungen auf 100000 Einwohner, Dänemark mit 27,
Preußen mit 21, England mit 17, Norwegen mit 15, Hol=
land
und Belgien mit 14, Bayern mit 13, Schweden mit 10,
Oeſterreich mit 8 und Finnland mit 6 Eheſcheidungen.
In der Schweiz iſt die Heirat beinahe mit größeren Umſtän=
den
verknüpft als die Scheidung, die verhältnismäßig leicht
und ſchnell bei geringen Koſten durchzuſetzen iſt. Eine Schei=
dung
in der Schwelz verurſacht durchſchnittlich 40 Mk. Aus=
agen
. Das neue Schweizer Zivilrecht, das in dieſem
Jahre in Kraft tritt, bringt weitere Erleichterungen der
Scheidungen und der Ehetrennungen.
* Eine Waſſerſtoff=Fernleitung. Der
uftſchiffhafen zu Frankfurt a. M. hat eine Waſſerſtoff=
Fernleitung erhalten die erſte dieſer Art in Deutſch=
land
, die ihn von Griesheim aus mit Waſſerſtoff der
Chemiſchen Fabrik Griesheim=Elektron verſorgt. Faſt die
ganze 4,5 Kilometer lange Leitung wurde autogen ge=
ſchweißt
und nur in größeren Abſtänden durch Muffen
verbunden. Sie iſt ſo bemeſſen, daß bequem 1000 Kubik=
meter
Gas täglich hindurchgehen können, wobei das Gas
unter einem Druck von annähernd 1000 Millimeter Waſ=
ſerſäule
ſteht. Im Luftſchiffhafen mündet die Leitung
in einen 6000 Kubikmeter faſſenden Gasbehälter. Von da
gelangt das Gas in unterirdiſchen Leitungen in die Halle,
in deren Zementboden ſich 18 Schächte mit den Gasenr=
nahmeſtellen
befinden, die durch Schläuche mit den ein=
zelnen
Gaszellen des Luftſchiffes verbunden werden. Der
Waſſerſtoff wird in Griesheim als Nebenprodukt bei der
elektrochemiſchen Herſtellung von Aetznatron und Chlor
nach dem Diaphragmenverfahren erzeugt und geht auch
heute noch zum größten Teil unbenutzt in die Luft. Die
drei Werke der genannten Fabrik in Griesheim, Bitter=
feld
und Rheinfelden erzeugen täglich 18000 bis 20000
Kubikmeter Waſſerſtoff; eine Menge, die ausreichen
würde, um täglich ein Zeppelin=Luftſchiff friſch zu füllen.
B. B. Eiſenbahnwagen als Unterkunft für
Jugen dwanderer. Die Unterkunft jugendlicher
Ferienwanderer ſtößt oftmals dadurch auf große Schwie=
igkeiten
, daß die unangemeldeten Gäſte alle Logis beſetzt
finden. Nachdem die Militärverwaltung das Jugend=
wandern
dadurch fördert, daß ſie die Einquartierung und
Verpflegung von Jugendwanderer=Abteilungen in Kaſer=
nen
genehmigt hat, hat nun auch die Eiſenbahnverwaltung
ich dieſem Vorbilde angeſchloſſen, indem ſie für dieſen
Zweck bereitwilligſt alte ausrangierte Eiſenbahnwagen
zur Verfügung ſtellt. Vorausſetzung iſt, daß von privater
Seite die wohnliche Ausſtattung der Wagen übernommen
wird. In dieſem Sommer dienen etwa achtzig derartige
Sommerwohnungen während der Ferienzeit wandernden
Schülern unentgeltlich zum vorübergehenden Aufenthalt=
Es handelt ſich natürlich nur um ſolche Jugendabteilungen.
ie der nationalen Jugendbewegung angeſchloſſen ſind.

Literariſches.

Das neue Lieferungswerk Die Wunder der
Welt (Großartige Naturſchöpfungen und ſtaunenswerte
Menſchenwerke aller Zeiten in Wort und Bild. Meiſt nach
eigener Anſchauung geſchildert von Ernſt von Heſſe=
Wartegg. 952 Seiten Text mit über 1000 Abbildungen
und 30 mehrfarbigen Kunſtbeilagen. Vollſtändig in 34
Lieferungen zu je 60 Pfennig. Union Deutſche Verlags=
geſellſchaft
in Stuttgart, Berlin, Leipzig) bringt einen
Artikel über Ein Sandmeer der Sahara‟ Einige hun=
dert
Kilometer ſüdlich von Tlemcen breitet ſich die unge=
heure
Sandwüſte des Erg aus, einem in der Bewegung
plötzlich erſtarrten Meere gleich in Wellen geworfen, un=
abſehbar
, ohne irgendeine Unterbrechung, trocken und tot.
Keine Fliege, kein noch ſo kleines Inſekt, kein Grashalm
iſt in dieſen fürchterlichen, von der Sonne durchglühten
Einöden zu finden. Eiſen roſtet nicht, und Menſchen wie
Tiere, die hier zugrunde gehen, vermodern nicht. Kommt
der Wind, dann wirbelt er den Sand hoch in die Lüfte,
macht langſam die Sandwellen zu Tälern, die Täler zu
Wellen, wirft Dünen auf, die wandern, ſolange er bläſt,
begräbt die Leichname, die Opfer der Wüſte, deckt andere,
längſt vertrocknete, wieder auf. Sobald der Wind auf=
hört
, herrſcht wieder die Stille des Todes, nur zeitweilig,
bei großen Dünen, unterbrochen durch das eigentümliche
Singen des Sandes, vielfach zu Donner anſchwellend,
der allmählich wieder verklingt.
Emil Sandt, Das Lichtmeer. Roman. (Vita,
Deutſches Verlagshaus, Berlin=Ch.) Preis broch. Mk. 4,
eleg. geb. Mk. 5,. Wie Emil Sandt in ſeinen Romanen
Cavete und Im Aether, der Entwickelung der Luft=
ſchiffahrt
und Aviatik in raſchem Gedankenflug voraus=
eilte
und mit ſtarkem Sinn von neuen Bahnen aus neue
Perſpektiven für die Menſchen eröffnete, ſo wendet er ſich
in ſeinem Werk Das Lichtmeer einem neuen Gebiet der
Technik zu, das vorläufig zwar noch als unüberſehbares

[ ][  ][ ]

Brachfeld vor uns iiegt, auf das aber ſchon morgen viel=
leicht
ein kühner Erfinder den Fuß ſetzen wird. Es gilt
nichts Geringeres als die Ausnutzung der Energie, die die
Sonne jeden Tag der Erde in ungeheuren Mengen znſendet.
Gelingt es erſt, dieſe Kräfte ſo umzuformen, daß wir ſie
zum Antrieb all unſerer Maſchinen verwenden können,
dann ſtehen wir vor einer ſo alles umfaſſenden Umwäl=
zung
, wie ſie in der Geſchichte der Menſchheit noch nie=
mals
verzeichnet ward. Die Kohle wird überflüſſig! Dieſer
eine Satz bedeutet den Beginn einer neuen Zeit, einer
neuen Kultur!
Als größte Neuheit für die Frauenwelt finden die
Favorit=Schnitte für Selbſtverfertigung ſowie Moder=
niſierung
aller Arten Kleidungsſtücke eine immer ſteigende
Verwendung. Die Vorteile, die dieſe vorzüglich paſ=
ſenden
, leicht verwendbaren Schnitte bieten, ſind aber
auch ſo in die Augen ſpringende, daß keine Frau, die ſie
kennen lernte, ferner darauf verzichten will. Die Auswahl
der Schnitte erfolgt nach dem großartig ausgeſtatteten
Favorit=Moden=Album welches viele Hundert neueſte
Modelle enthält, alſo mehr bietet, als das Abonnement
einer Modenzeitung, und nur 60 Pf., franko 70 Pf. ko=
ſtet
. Zu beziehen iſt dasſelbe durch die Internationale
Schnittmanufaktur, Dresden=N. oder deren Agenturen.
Während die oberen Zehntauſend bereits ſeit Wo=
chen
den Strapazen der Großſtadt entflohen ſind, rüſtet
die bürgerliche Frau erſt jetzt zum Ausflug ins Gebirge,
in den Kurort oder an die See. Raſch wird das Feh=
lende
für die Sommergarderobe noch beſchafft; die leich=
ten
Batiſt= und Foulardkleider, deren Ausführungen heuer
ſo ſimpel ſind, werden mit Hilfe der im Preiſe erſchwing=
lichen
Schneiderin zuſammengeſtellt. Das eben erſchienene
Heft 20 der Wiener Mode trägt dem Rechnung.
denn es veröffentlicht eine Fülle einfachſter und doch apar=
ter
Hochſommerkleider, die leicht und raſch herſtellbar ſind
und nicht viel Koſtenaufwand beanſpruchen. Sehr in=
ſſant
ſind die ebenfalls in dieſem Hefte abgebildeten
Vorhängearrangements im Biedermeierſtil, die ſicher ſo
mancher Hausfrau willkommen ſein dürften, ſowie die
der Saiſon angepaßte praktiſche Rubrik.

Großfeuer.
* Spaichingen, 10. Juli. Heute nacht um ½2
Uhr brach in der Trikotagenfabrik von Manz u. Haller
am Bahnhof Feuer aus, das ſich auf die nebenan
liegende Möbelfabrik von Guſtav Bühler ausdehnte und
innerhalb zweier Stunden die beiden Fabriken vollſtän=
dig
zerſtörte. Etwa 300 Arbeiter ſind brotlos ge=
worden
. Der Schaden beläuft ſich auf mehrere Hundert=
tauſend
Mark. Man vermutet, daß das Feuer in dem in
die Trikotagenfabrik eingebauten Elektrizitätswerk, das
einen Teil der Stadt mit Licht und Kraft verſorgt, durch
eine defekte Leitung ausgebrochen iſt. Auch dieſes Werk
wurde vollſtändig vernichtet. In einer der Fabriken fand
eine Benzinexploſion ſtatt, die aber außerhalb des Brand=
verdes
keinen Schaden anrichtete.

Die Grubenkataſtrophe zu Cadeby.
*London, 10. Juli. Die Grubenkataſtrophe
zu Cadeby hat in der Folge noch ſchweren Umfang
angenommen und vielen von der tapferen Rettungsſchar
das Leben gekoſtet. Um die Mittagszeit fand eine neue
furchtbare Exploſion ſtatt, der ein Nachſturz im
Schachte folgte. Durch dieſe wurde eine ſtarke Abteilung
der Rettungsmannſchaft abgeſchnitten. Die Zahl der ins=
geſamt
Verunglückten beträgt mindeſtens 65. Mehrere
der Rettungsmannſchaften ſind bereits als Leichen zu=
tage
gefördert worden, darunter zwei Grubeninſpektoren
und der Geſchäftsführer der Grube. Das Feuer im
Schacht dauert fort. Im ganzen fanden bisher fünf Ex=
ploſionen
ſtatt. Die erſte geſtern früh 2 Uhr tötete 30
Mann, die in dem betreffenden Schacht arbeiteten. Der
Tod iſt bei dieſen Opfern nach ärztlichem Ausſpruch
augenblicklich eingetreten. Viele waren ſchrecklich verſtüm=
melt
und verkohlt. Der König und die Königin ſandten
ein Beileids=Telegramm für die Familien der Opfer.
* London, 10. Juli. Bisher ſind auf der Grube
Cadeby 65 Tote geborgen worden. Die 35 bei der
erſten Exploſion Getöteten konnten bereits ſämtlich iden=
tifiziert
werden. Die letzten Meldungen beſtätigen, daß
die erſten 40 bis 50 Mann zählende Rettungsmannſchaft
von einer weiteren ſchweren Exploſion betroffen wur=
den
. Geſtern abend ſind vier weitere Rettungsmannſchaf=
ten
eingefahren. 30 Leichen von der erſten Rettungs=
kolonne
waren bis 6 Uhr abends geborgen. König Georg
iſt geſtern nachmittag in die im gleichen Bezirke liegende
Elſocar=Grube eingefahren und hat das Kohlenbergwerk
im vollen Betriebe beſichtigt.
* London, 10. Juli. Nach den letzten Nachrichten
ſtellt ſich nunmehr die Zahl der Opfer bei der Gru=
ben
=Kataſtrophe in Cadeby auf 75, von denen 69 als Lei=
chen
geborgen wurden.
* London, 9. Juli. Der König und die Köni=
gin
beſuchten heute abend Cadeby um aus Anlaß
der Grubenkataſtrophe perſönlich ihre Teilnahme zum
Ausdruck bringen zu können. Von der trauernden Menge,
die am Gruben=Eingang auf die neueſten Nachrichten von
dem Unglück wartete, wurden ſie ehrerbietigſt begrüßt.

Die Unruhen in Portngal.
H.B, Liſſabon, 10. Juli. Der Kabinettschef er=
klärte
in der geſtrigen Kammerſitzung, daß die Ord=
nung
in dem Unruhe=Gebiet wieder hergeſtellt
ſei, mit Ausnahme von Cabeceira de Caſtos, wohin Ver=
ſtärkungen
entſandt worden ſind. Der Kriegsminiſter
teilt mit, daß Conceiro bei Chaves mit großen Verluſten
zurückgeſchlagen wurde. Hauptmann Almeida, einer der
Haupt=Offiziere der Royaliſten, iſt gefangen genommen
worden. In der Kammer wurde ein Geſetz angenom=
men
, wonach die Verſchwörer, die mit der Waffe feſtge=
nommen
würden, als Meuterer kriegsgerichtlich abge=
urteilt
werden ſollen. Die Regierung hat die vor Kur=
zem
entlaſſenen Reſerviſten wieder unter die Fahnen ge=
ruſen
. Der Kreuzer Admiral Reis iſt mit Landungs=
truppen
nach dem Süden abgedampft. Unter dem Ver=
dacht
, der Urheber des geſtrigen Dynamit=Attentats in
Liſſabon, bei dem der Eigentümer des Hauſes getötet
wurde, zu ſein, iſt ein Marine=Offizier verhaftet wor=
den
.
H.B. Liſſiabon 10. Juli. Der Krauzer Sao
Galbriel der ſich augenblicklich vor den Azoren auf=
hält
, iſt telegraphiſch zurückberufen worden. Auch aus
Porto ſind Truppen nach dem Norden abge=
gangen
. Der Panzer Admiral Reis, der auf Grund
geraten war, iſt wieder flvtt geworden.
H.B. Liſſabon 10. Juli. 150 Monarchiſten
begaben ſich nach Chaves. In der Nähe der Stadt wur=
den
über 40 Leichen gefunden. In Braga ſollen viele
Verhaftungen von Monarchiſten vorgenommen worden
ſein. Geſtern nachmittag wurde in Liſſabon auf einem

öffentlichen Platz der Leutnant Albert Scares von repu=
blikaniſch
geſinnten Bürgern erſchoſſen.
* Paris, 10. Juli. Aus Madrid wird über den
Putſchverſuch der portugieſiſchen Mo=
narchiſten
gemeldet, man ſei ſelbſt überzeugt, daß
die verunglückte Expedition nur unternommen wurde,
um die Verwendung der von monarchiſtiſchen Kapita=
lliſten
hergegebenen Geldſummen zu rechtfertigen. Die
portugieſiſchen Aufrührer ſeien zweifellos von den Kar=
ſliſten
unterſtützt worden. Die Tatſache, daß die portu=
gieſiſchen
Monarchiſten mit Waffen ausgerüſtet waren,
die aus den Fabriken von Moledo und Oviedo ſtammen,
ſei damit zu erklären, daß dieſe Fabriken die Be=
ſteller
für Vertreter einer amerikaniſchen Republik hielten.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 10. Juli. Der Kaiſer ſtellte den Prinzen
Eitel Friedrich à la suite des zweiten Seebatail=
lons
.
* Berlin, 10. Juli. Aus Deutſch=Neuguinea
meldet ein Telegramm des Gouverneurs, daß auf Kaiſer
Wilhelmsland der Paradiesvogeljäger Peterſen mit drei
farbigen Arbeitern von Eingeborenen in der oberen Go=
golebene
ermordet worden iſt. Eine Strafexpedition
iſt bereits unterwegs. Die Mordtat trug ſich in einem
unerſchloſſenen, dem Einfluß der Verwaltung bis jetzt
noch nicht zugänglichem Gebiet im Innern des ſogenann=
ten
Feſtlandes Neuguineas zu.
* Wilhelmshöhe, 10. Juli. Die Kaiſerin, die
Prinzeſſin Viktoria Luiſe und Prinz Oskar ſind heute
morgen 8 Uhr hier eingetroffen.
* Swinemünde, 10. Juli. Der Kaiſer hat kurz
nach 8 Uhr an Bord der Hohenzollern unter dem Salut
der Feſtung die Nordlandreiſe angetreten. Als Begleit=
ſchiffe
dienen der Kreuzer Breslau und das Depeſchen=
boot
Sleipner.
* Bergen, 10. Juli. Die Ankunft des Kaiſers
wird morgen vormittag 9 Uhr erwartet.
* Wien, 10. Juli. Die Verhandlungen in der letzten
gemeinſamen Miniſterkonferenz gaben Veran=
laſſung
zu den verſchiedenſten, oft abenteuerlichen und
unrichtigen Kommentaren, darunter auch von ſolchen
über die Minderwertigkeit der Feldartillerie. Demgegen=
über
ſei konſtatiert, daß die Feldartillerie qualitativ und
der techniſchen Ausgeſtaltung nach den zeitgemäßen An=
forderungen
entſpricht, daß insbeſondere das Rohmate=
rial
vollkommen einwandfrei und ſpeziell für den Feld=
gebrauch
vorzüglich geeignet iſt.
* Paris, 10. Juli. Die Agence Havas meldet aus Fez
vom 9. Juli: Die Aufſtändiſchen von Sefru verſuchten
wieder einen Handſtreich gegen die Stadt. Die Garniſon
machte einen Ausfall, um der Stadt Luft zu ſchaffen.
* Le Havre, 10. Juli. Die Dockarbeiter haben die Ar=
beit
wieder aufgenommen.
* Kalkutta, 10. Julſ. Nach Gerüchten, die hier um=
laufen
, wurden Abgeſandte des Dalai Lama in
Lhaſſa von Freunden der Chineſen ermordet Wie
Statesman meldet, wurden ſie in den Klöſtern von
Prieſtern niedergemacht. Ferner meldet der Engliſhman,
der Dalai Lama ſei durch dieſe Nachrichten ſo erregt,
daß er ſich nach Indien zurückbegeben will.

Berlin, 10. Juli. Zu dem Streit zwiſchen der
Berliner Sezeſſion und dem Bürgermeiſter Reicke
wird gemeldet, daß der Bürgermeiſter noch einmal zur
Zurücknahme ſeiner Aeußerung erſucht werden ſoll. Wenn
ieſe Vermittelung fehlſchlägt, will der Vorſtand der
Sezeſſion Beleidigungsklage einreichen.
Straßburg, 10. Juli. Der frühere Profeſſor an der
Straßburger Univerſität Schirmer, der von New=York
aus ein Strafverfahren gegen ſich wegen ſittlicher Verfehl=
ungen
beantragte, wurde heute von der Strafkammer in
zwei Fällen freigeſprochen, in einem weiteren Fall
rfolgte Vertagung zwecks weiterer Zeugenladung.
H. B. Bad Kiſſingen, 10. Juli. Der Staatsſekre=
ſtär
von Kiderlen=Wächter beging heute hier
die Feier ſeines 60. Geburtstages. Der Magiſtrat
überbrachte durch eine Deputation die Glückwünſche der
Stadt unter gleichzeitiger Ueberreichung eines Blumen=
Arrangements. Zahlreiche Glückwunſch=Telegramme
trafen aus dem In= und Auslande ein.
H. B. Braunſchweig, 10. Juli. Der bei der land=
wirtſchaftlichen
Zentral=Darlehenskaſſe beſchäftigte
28 Jahre alte Kaſſenbote Albrecht iſt, wie die
Br. N. N. melden, heute vormittag nach Unterſchlagung
von 35000 Mark flüchtig geworden. In den Beſitz
des Geldes hat ſich Albrecht durch gefälſchte Unterſchrif=
ten
bei Poſtbeſcheinigungen über Geldſendungen, die an
die Darlehenskaſſe gerichtet waren, zu ſetzen gewiußt.
Die Polizei hat bereits alle Maßnahmen zur Ergreifung
des Defraudanten getroffen.
H. B. Konſtantinopel, 10. Juli. Heute Nacht hat der
Generaliſſimus und Kriegsminiſteer M ah m u d
Schewket Paſcha dem Sultan ſeine Demiſſion
überreicht. Der Sultan nahm das Rücktrittsgeſuch an
und betraute interimiſtiſch den Marineminiſter Hurſchid
Paſcha. mit dem Portefeuille des Krieges. Jetzt ſcheint
die albaneſiſche Bewegung den Mann, den man als den
militäriſchen Halt der Komitee=Herrſchaft anſah, ge=
ſtürzt
zu haben. Aber auch die Beſtrebungen, der Frie=
densfreunde
in der Türkei dürften zu ſeinem Rücktritt
beigetragen haben. Hurſchid Paſcha war früher Gene=
raladjutant
des Sultans und iſt einer der wenigen Ver=
trauten
.
H. B. New=York, 10. Juli. Zu den Streikun=
ruhen
wird gemeldet: Geſtern kam es zwiſchen ſtreiken=
den
Seeleuten und Hafenarbeitern zu ſchweren Zuſam=
menſtößen
. Letztere ſind gegen die Ausſtändigen ſehr
aufgebracht. Große Polizei=Aufgebote mußten in New=
York und Brooklin die Ordnung aufrecht erhalten.
Während eines Zuſammenſtoßes wurden ein Streikender
und zwei Poliziſten tötlich verwundet. Die Zahl der
Verletzten iſt groß.

Der äußerſt günſtige Einſtuß des Bioſon

auf den geſchwächten Körper zeigt ſich ſchon in kürzeſter
Zeit. Gern teile ich Ihnen mit, daß meine Frau mit
Ihrem Bioſon ſehr gute Erfolge erzielt hat. Sie nahm es
zur Stärkung bei allgemeiner Mattigkeit und konnte ſchon
nach Verbrauch von einer Doſe die günſtige Wirkung kon=
ſtatieren
. Denn ſie bekam bald eine friſche Geſichtsfarbe
u. nahm an Körpergewicht zu. Rob. Nöprick, Berlin,
22. Febr. 1912, Calvinſtraße 25. Unterſchrift beglaubigt:
Juſtizrat Cohn, Kgl. Notar. Bioſon, hergeſtellt unter
Benutzung des D. R. P. 171371, iſt das beſte und billigſte
Nähr= und Kräftigungsmittel ſeiner Art, Doſe (ca.
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½ Kilo) 3 Mk, in Apotheken, Drogerien.

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bester Schufz gegen Erkältungen
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Darmstädter Tagblatt
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durch Kreuzband erfolgen. Poſtüberweiſungen
ſind nur im Deutſchen Reiche zuläſſig u. empfehlen
ſich dann, wenn der Aufenthalt an einem Platze
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Beſtellpoſtamte direkt zu erſtatten, bezw. werden
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weiſungs
= und Zuſtellungsgebühr voll zu entrich=
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. Anträge auf Ueberweiſung erbitten wir uns
einige Tage vor der Abreiſe
unter genauer Angabe der Adreſſe, weil dadurch Un=
terbrechungen
im Abonnement vermieden bleiben.
Poſtabonnenten unſeres Blattes müſſen die
Ueberweiſung bei ihrem zuſtändigen Poſtamte
beantragen.

Darmstädter Tagblatt.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Das Hochdruckgebiet hat ſich oſtwärts verlagert.
Unter ſeiner Herrſchaft hatten wir vielfach heiteres,
trockenes Wetter. Die Morgentemperaturen liegen bei
wechſelnden Winden zwiſchen 15% bis 20 Ueber Eng=
land
und ebenſo im Weſten des Reiches beginnt der
Druck ſchon wieder zu fallen, ſo daß zu erwarten iſt, daß
die weſtliche Depreſſion wieder mehr Einfluß auf unſere
Witterung gewinnt. Wir hätten alſo wolkiges Wetter
mit Regenſchauern zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den
11. Juli: Wechſelnd bewölkt, kühl, Regenſchauer.

Tageskalender.

Monatsverſammlung der Stenographen= Ver=
einigung
Gabelsberger um 9 Uhr im Fürſtenſaal.
Konzerte: Saalbau um 8 Uhr. Perkeo um 8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Prinz
Heinrich von Preußen als Segler bei der Kieler Re=
gatta
; das zerſtörte Zeppelinluftſchiff Schwaben das
Ozean=Luftſchiff Acron und ſein Führer; Porträts
vom Tage.

Verſteigerungskalender.

Freitag, 12. Juli.
Hofreite=Verſteigerung des Jakob Huck ( Heidel=
bergerſtraße
61) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht II.
Hofreite=Verſteigerung des Hch. Philipp Jakoby
(Parkusſtraße 7) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Auskand: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Haus Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
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Der gerade Weg.
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(Nachdruck verboten.)

Waren die Toten, die ſo ſtill ihrer Wege gegangen
waren, wirklich groß geweſen in ihrer Güte und in ihren
Pflichten? Suſanne mußte es glauben, ſie las die Be=
ſtätigung
in den Geſichtern der Umſtehenden, da war
keiner, der daran zweifelke, auch der Großvater nicht,
dem Voß 50 Jahre treu gedient hatte. Er ſtand ihr
gerade gegenüber, und ſie bemerkte, daß er in großer
Erregung war.
Warum war ſie den Toten in dieſer weltabgeſchie=
denen
Einſamkeit eine Fremde geblieben? Ein Kind
iſt doch ſo leicht zu gewinnen, der Beweis waren Dörthe
und Johann. Dort ſtanden die beiden Alten und blick=
ten
zu beredt zu ihr hin, als ob ſie ihr etwas zu ſagen
hätten.
Das letzte Wort war gefallen, Weinhardt ſprach den
Segen, dann warf er die Erde hinab, er bat Suſanne,
dasſelbe zu tun. Die Gruft füllte ſich raſch und man
deckte den Hügel mit den Kränzen, dann erſt fühlte Su=
ſanne
ſich frei. Ohne ſich nach dem Großvater oder ihrem
Verlobten umzuſehen, floh ſie wie gejagt dem Schloß
zu, kaum daß die erſten Bäume des Parks ſie d .

Sie mußte allein ſein. Die Worte der Grabrede
zitterten noch in ihr nach. Es war ſo viel Geheimnis=
volles
darin, oder ſchien es nur ihr ſo? Ob ſie Friedrich
Wilhelm danach befragte?
Dort lag das einfache, ſchlichte Inſpektorhaus, es
trug noch ein Strohdach, und nicht weit davon kam das
ſtolze Schloß zum Vorſchein mit ſeinem hehen Mittel=
bau
, der den Turm trug, und ihm zur Seite die beiden
ausgedehnten Flügel, die nach Bedarf dem Haupt=
gebäude
angebaut waren. Die Sonne ſpiegelte ſich in
en Scheiben der geſchloſſenen Fenſterreihe, die zu ihrer
zukünftigen Wohnung gehörte. Suſanne war noch nie=
mals
dort geweſen und fühlte plötzich den dringenden
Wunſch, hier Umſchau zu halten. Ganz allein, ohne
Zeugen wollte ſie die Zimmer zuerſt betreten.
Johann, rief ſie dem ſoeben hinter ihr her kommen=
den
Diener zu, wiſſen Sie, wo die Schlüſſel zu den Räu=
men
des rechten Flügels ſind?
Ja, gnädiges Fräulein. Ich werde ſie beim Kaſtel=
lan
holen. Soll es gleich ſein?
Wenn es ſein kann, Johann. Ich werde in der Halle
auf Sie warten.
Der Diener kam bald darauf mit einem großen
Schlüſſel zurück. Dieſer ſchließt die Zugangstür auf,
znädiges Fräulein, die Zimmer ſind unverſchloſſen.
Suſanne ſchritt voraus und ließ ihm die ſchwere

Eichentür öffnen, die im Treppenhaus den Zugang zu
dem rechten Flügel bildete. Ich werde wieder hinter mir
zuſchließen, da ich ungeſtört zu bleiben wünſche.
Sehr wohl, gnädiges Fräulein. Wenn die Herren
fragen, werde ich ſagen, daß gnädiges Fräulein ſich auf
ihr Zimmen zurückgezogen haben, um etwas zu
ruhen.
Das junge Mädchen gab keine Antwort, aber ſie
widerſprach auch nicht, eine verzehrende Ungeduld trieb
ſie vorwärts. Die ſchweren Türen ſchlugen mit lautem
Schall zu, und Suſanne drehte den Schlüſſel um. Sie
atmete auf, nun war ſie vor jedem unberufenen Ein=
dringling
geſichert.
Sie ſchritt von Zimmer zu Zimmer. Hier hatten
die Urgroßeltern gewohnt, und es ſchien alles unver=
ändert
geblieben zu ſein. Urväterhausrat, koſtbar und
altmodiſch, aber anheimelnd in der Schlichtheit ſeiner
Formen und den ſatten Farben der damaligen Zeit. Ob
es Friedrich Wilhelm gefallen würde?
Die Prachträume lagen hinter ihr, ſie trat in das
letzte Zimmer, an das ſich nach hinten ein runder An=
bau
anſchloß, der ſich von außen wie ein angeklexter
niedriger Turm ausnahm, ungeſchickt und plump. Wenn
nicht gerade dort die Reſte des alten Burggrabens ge=
legen
hätten mit dem ſtillen Waſſer und der Wildnis
rankender Schlinggewächſe, die die Mauern ganz über=

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wuchert hatten, ſie wäre als Kind nicht ſo oft in dieſen
Teil des Parks gekommen, namentlich zur Geißblatt=
und Roſenblüte.
Bei dieſem Winkel hörte die Kunſt des Schloßgärt=
ners
auf, hier durfte wachſen, was da wollte, nur die
Wege wurden ſauber gehalten. In jungen Jahren
hatte ſie es einmal verſucht, an dem Gerank emporzu=
klettern
, ſie wollte durchaus einen Blick in die Fenſter
des Turmes werfen, und glaubte, dort müſſe die Prin=
zeſſin
aus dem Märchen wohnen. Dörthe war darüber
zugekommen und hatte ſie heruntergeholt, ſie ſchalt und
erzählte ihr, daß hinter den Mauern eine Hexe lauere.
Suſanne hatte ſich eine ganze Zeit lang nicht mehr dort=
hin
getraut.
Jetzt lagen alle Märchenträume und Herengeſchichten
weit hinter ihr, und doch trieb ſie ein unerklärliches
Verlangen hierher auf heimlichem Wege, ſie, die ſich ſo
ſtolz rühmte, immer auf dem geraden zu ſchreiten. Sie
ſchob den Vorhang zur Seite, der die Tür verhüllte. Der
Schlüſſel ſteckte im Schloß, ſie öffnete und trat ein.
Die Ranken hatten die Fenſter dicht zugeſponnen,
und in der grauen Dämmerung ſah alles, was ſie er=
blickte
, noch geheimnisvoller aus. Eine innere Stimme
ſagte ihr, hier hat meine Mutter gelebt. Die Einrichtung
war die eines jungen Mädchenſtübchens. Zierliche =
bel
, mit hell geblümter Seide überzogen, in der tiefen
Fenſterniſche ein kleiner Schreibtiſch, dort ein paar be=
queme
Seſſel, ein Ruhebett, ein runder Tiſch in der
Mitte mit Büchern. An dem zweiten Fenſter ein Näh=
tiſchchen
, auf dem eine angefangene Arbeit lag, als ſie
eben fortgeworfen worden.
Scheu trat ſie näher und hob ſie auf es war ein
Kinderkleidchen. Ihre zitternden Hände ließen es 4allen,

als habe ſie ſich verbeannt. Ihre Augen glühten, ſie
hatte eine Tapetentür entdeckt, die in einen Nebenraum
führte und ſchritd auf ſie zu, ſie zu öffnen.
Hatte ſie ſo geſchrien? Das Echo lief an dem Halb=
rund
der Wände entlang und kehrte flüſternd wieder.
Was hatte ſie denn ſo Wunderbares geſehen? Da ſtand
ein breites Bekt und daneben eine Wiege. Warum
wurde es ihr zur Gewißheit, daß es ihr Geburtszimmer
war, das ſie betrat? Heute abend noch wollte ſie Dörthe
danach fragen.
Warum nur hatte man an nichts gerührt? War es
aus Pietät geſchehen oder aus Scheu vor der Tragödie,
die hier ihr Ende gefunden hatte.
Mutter! Suſanne fiel vor der Wiege nieder und
bettete die überſtrömenden Augen in den veichen Kiſſen.
Als ſie ſich ausgeweint hatte, ging ſie noch einmal
umher, um Abſchied zu nehmen. Sie fühlte, daß ſie
dieſes alles nicht wiederſehen würde. Die Tür dort
würde das nächſte Mal abgeſchloſſen ſein, und wenn ſie
ſich ihr ſpäter öffnete, ſah es hier anders aus. Groß=
vater
machte keine halbe Arbeit, er hatte es bisher nur
zu gut verſtanden, mit der Vergangenheit fertig zu
werden.
In Suſanne erwachte der Trotz, ſie hatte ein Recht
auf dieſe Erinnerung, man durfte ſie ihr nicht rauben.
Sie ſchritt zum Schreibtiſch und öffnete die ſämtlichen
Gefächer, die unverſchloſſen waren. Wenn ſie glaubte,
ein hinterlaſſenes Schriftſtück zu finden, ſo ſah ſie ſich
getäuſcht, alles war leer. Sie ſuchte weiter mit fieber=
hafter
Haſt, es mußte ihr ein Zeichen werden. Sie ver=
gaß
darüber, daß die Zeit fortſchritt, bis die Dämmerung
ſo ſtark wurde, daß ſie erſchreckt die Uhr zog.
2 Uhr! Wig lange ſie ſchon hier war. Ke

würde bereits unruhig nach ihr ausſchauen. Schon
wollte ſie eilig den Rückweg antreten, als ſie aufhor=
chend
ſtehen blieb. Kam da nicht jemand gegangen?
Einen Augenblick jagte es ſie wie Geſpenſterfurcht, aber
ſchon öffnete ſich die Tür des Schlafzimmers und das
gute Geſicht Dörthes blickte zu ihr hin.
Dachte ich mir es doch, daß ich Sie hier finden
würde. Ich habe tüchtig mkt Johann geſcholten, daß
er Ihnen den Schlüſſel gab. Wenn der alte Herr es
erfährt, geht es uns ſchlecht.
Dörthe, hier hat meine Mutter gelebt?
Ich darf nichts ſagen, Fräulein Suſanne.
Das junge Mädchen packte ſie beim Arm und zog ſie
zum Schlafzimmer und deutete auf die Wiege: Und
hier bin ich geboren, Sie können es nicht leugnen,
Dörthe?
Bringen Sie mich nicht ins Unglück. Ich habe das
letzte M=l, als ich hier rein machte, den Schlüſſel ſtecken
laſſen, ſonſt hätten Sie das alles nicht geſehen.
Aber nun es einmal geſchehen iſt, können Sie wir
die Antwort nicht ſchuldig bleiben.
Neini, Fräulein SSuſanne, ich habe ſchwören müſſen
bei m ſner ewigen Seligkeit. Ich ſchweige wie das
Grab. Später werden Sie wohl alles erfahren. Und
nun kommen Sie, Fräulein Suſanne, wir gehen die
Turmtreppe hinunter, der Johann erwartet uns ſchon
unten, es iſt ihm himmelengſt wegend es Schlüſſels
er hat ihn dem Kaſtellan heimlich fortgenommen, Ihnen
zu Gefallen.
(Fortſetzung folgt.)

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[ ][  ][ ]

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Zuſammenſtellung von Schießtagen auf dem Truppenübungs=
platz
Darmſtadt im Laufe des Monats Juli bringen wir hierdurch zur allgemeinen
Kenntnis.
(14000
Darmſtadt, den 22. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
F. V.; von Werner.

Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 11. bis 19. Juli 1912.

Dauer der
Die Abſperrung
Datum
Tag
Truppenteil Abſperrung
erſtreckt ſich
von bis
11. Juli 1 Donnerstag
100 V.
12. Juli 1 Freitag
900
13. Juli 1 Samstag
1000P
Ueber das ganze
Feldartillerie
16. Juli 1 Dienstag
300 B.
Abſperr=Gelände
18. Juli Donnerstag
00 V.
19. Juli Freitag
V. 1009

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß von Truppenteilen des
XVIII. Armeekorps am 11., 12., 16., 18., 19., 22., 23., 25., 26., 29., 30. Juli, 1., 2., 5.,

12. Auguſt e 7 Uhr abende Schiehen mit
ſcharfer Munition auf dem Schießplatz bei Meſſel abgehalten wird.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
. Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches=
wieſe
-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegſchranken und Warnungstafeln abgeſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. ( Polizeiver=
ordnung
Kreisamt Darmſtadt 25. September 1909, Kreisamt Offenbach a. M. 20. Sep=
tember
1909).
Darmſtadt, den 19. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
(13886a

Das Großh. Miniſterium des Innern hat dem Badiſchen Landesverein vom
Roten Kreuz die Erlaubnis erteilt, 6000 Loſe einer in der Zeit vom 20. bis 24. Auguſt
1912 zu veranſtaltenden Geldlotterie (III. Serie) innerhalb des Großherzogtums zu
vertreiben.
Nach dem von der zuſtändigen Behörde genehmigten Verloſungsplan der in
Frage kommenden III. Serie dürfen 120 00 Loſe à 1 Mk. ausgegeben werden. Zum
Vertrieb in Heſſen dürfen nur mit dem heſſiſchen Zulaſſungsſtempel verſehene Loſe
gelangen.
(15061
Während der Zeit des Vertriebs der Loſe zur 1. Klaſſe einer Königl. Preußi=
ſchen
Lotterie iſt Ankündigung, Ausgabe und Vertrieb der Loſe in Heſſen nicht geſtattet.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
ſinden
ſich: 1 ſchottiſcher Schäferhund. 1 Spitzhund, 1 Pinſcher.
1 Pinſcher, 1 Dobermann (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Ver=
ſteigerung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(15080
Straßenſperre. Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten wird
die Heidenreichſtraße zwiſchen der Soder= und Roßdörferſtraße vom
11. bis zum 27. Juli ds. Js. für den Fuhrwerksverkehr geſperrt. (15079

Bekanntmachung.

Da in letzter Zeit wiederholt über Beläſtigungen des Publi=
kums
durch Ball= und andere Spiele auf der Straße Beſchwerde
geführt worden iſt, ſehen wir uns veranlaßt, darauf hinzuweiſen, daß
nach Art. 292 des Polizeiſtrafgeſetzbuches und § 366,7 des
Reichsſtrafgeſetzbuches derienige mit Geldſtrafe bis zu 60 Mk.
oder mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft wird, der auf Straßen
oder öffentlichen Plätzen mit Steinen oder anderen Gegenſtänden
wirft, wodurch Menſchen beſchädigt oder verunreinigt werden
können. Unter dieſen Tatbeſtand fallen insbeſondere auch Spiele
mit Hartgummibällen.
Iſt die mit Strafe bedrohte Handlung von Kindern begangen
worden, ſo werden nach Art. 44 des Polizeiſtrafgeſetzbuches die
Eltern oder andere aufſichtspflichtige Perſonen, die es an der er=
forderlichen
Aufſicht haben fehlen laſſen, beim erſten Fall poli=
zeilich
verwarnt, im Wiederholungsfalle mit Geldſtrafe bis zu einem
Drittel der auf die Uebertretung ſelbſt angedrohten Strafe belegt.
Bei eintretenden Körperverletzungen können außerdem nach
§§ 823 ff., 832 des Bürgerlichen Geſetzbuches für den Täter und auf=
ſichtspflichtige
drite Perſonen (Eltern uſw.) weitgehende zivilrecht=
liche
Schadenerſatzverpflichtungen entſtehen.
Darmſtadt, den 8. Juli 1912.
(15006md
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Oktroi für Wein.

Der in der Stadt=Gemarkung hergeſtellte Wein und Obſt=
wein
(auch Johannisbeer= und Stachelbeerwein) unterliegt der Oktroi=
abgabe
.
Wer Wein oder Obſtwein herſtellt, hat dies vor Beginn der
Kelterung der Oktroiverwaltung ſchriftlich oder mündlich anzuzeigen
unter gleichzeitiger Angabe, an welchen Tagen die Kelterung be=
gonnen
und beendet werden ſoll. Ueber die Anzeige wird eine Be=
ſcheiniguug
erteilt, die im Kelterhauſe aufzubewahren und dem mit
der Aufſicht beauftragten Oktroiperſonal auf Verlangen vorzuzeigen iſt.
Die Kelterung wird durch das Oktroiperſonal überwacht, dem
zu jeder Zeit bereitwillig zu geſtatten iſt, die Menge des bereiteten
Moſtes, ſowohl im Kelterhaus, als im Keller feſtzuſtellen. Vor dieſer
Feſtſtellung darf von dem gewonnenen Moſt nichts verbraucht oder
entfernt werden.
Nach beendeter Kelterung wird der Oktroi von dem hergeſtellten
Moſt nach den Sätzen des Oktroitarifs berechnet und erhaben. Hier=
bei
werden von der durch die Aufnahme ermitelten Geſamtmenge
5 Prozent für Hefe in Abzug gebracht.
Ausgenommen von den vorſtehenden Kontrollmaßregeln ſind
die Weingroßhändler, denen die im § 2 der Bekanntmachung vom
30. November 1903, betreffend den Oktoitarif, vorgeſehene Erleichte=
rung
für den Weinhandel zugeſtanden iſt. Sie haben nach Anleitung
der Verwaltung ein beſonderes Kelterregiſter zu führen, in das die
Menge des hergeſtellten Moſtes täglich gewiſſenhaft einzuſchreiben=
iſt
. Am Schluſſe der Kelterung haben ſie einen eigenhändig unter=
ſchriebenen
Auszug aus dieſem Regiſter der Verwaltung zuzuſtellen.
Er dient als Grundlage für die Berechnung und Erhebung des
Oktrois.
Der Oktroiverwaltung ſteht das Recht zu, von dem oben vor=
geſchriebenen
Kelteregiſter Einſicht zu nehmen.
Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Beſtimmungen werden
entweder nach § 15 des Oktroi=Reglements vom 24. Auguſt 1832 als
Hinterziehung beſtraft oder, falls der Betrag des hinterzogenen
Oktrois nicht feſtgeſtellt werden kann, mit Ordnungsſtrafen von
(13904a
2 Mark bis 30 Mark geahndet.
Darmſtadt, den 21. Juni 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Schmitt.

Verſteigerungs-Anzeige.

Donnerstag, den 11. Juli 1912, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtraße 16 zwangsweiſe gegen
Barzahlung:
a) 1 Diwan, 1 Schreibtiſch, 1 runden Tiſch, 1 Waſchkommode
mit Marmorplatte, 3 Kleiderſchränke, 2 Sofas, 3 Gaslüſter,
1 Badewanne, 1 Gaslampe, 1 Vertiko, 1 viereckigen Tiſch
und 1 Bücherſchrank:
b) ferner nachmittags 4 Uhr an Ort und Stelle Lichten=
Fergſtraße:
1 Büfett mit Preſſion, 1 Gläſerſchrank, 8 Tiſche und
50 Stühle.
Zuſammenkunft der Steigliebhaber für dieſe Gegenſtände eben=
falls
Rundeturmſtraße 16.
(15087
Darmſtadt, den 10. Juli 1912.
Rollenhagen, Großh. Gerichtsvollzieher,
Kaſinoſtraße 24.

Abbruch=Arbeiten.

Die bei Niederlegung der ſtädti=
ſchen
Gebäude Kranichſteinerſtraße
Nr. 20 und eines Teiles der Lager=
ſchuppen
Pallaswieſenſtraße Nr. 54,
vorkommenden Abbrucharbeiten
ſollen vergeben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Montag, den 15. Juli 1912,
vormittags 10 Uhr,
(14871od
einzureichen.
Darmſtadt, am 6. Juli 1912.
Stadtbauamt.
Buxbaum.

Städtiſche Leſe= und
Bücherhalle.

Wegen Prüfung der Bücherbe=
ſtände
ſind alle aus der ſtädtiſchen
Bücherhalle entliehenen Bücher, mit
Ausnahme der Unterhaltungslite=
tur
, bis ſpäteſtens
Samstag, den 13. Juli ds. Js.,
zurückzuliefern.
Vom 15. bis 27. Juli einſchließ=
lich
bleibt die Bücherhalle ge=
ſchloſſen
.
Von Montag, den 29. Juli an,
können wieder Bücher entliehen
werden.
(13065a
Darmſtadt, 25. Juni 1912
Der Oberbürgermeiſter.
J. B.: Schmitt.

In unſer Handels=Regiſter, Ab=
J teilung B, wurde heute einge=
tragen
hinſichtlich der Firma:
Heſſiſche Bank, Aktien=
geſellſchaft
, Darmſtadt.
Der Liquidator Alfred Sig=
mund
iſt ausgeſchieden und ſo=
mit
deſſen Vertretungsbefugnis
beendet.
(15066
Darmſtadt, 6. Juli 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Konkursverfahren.

Ueber den Nachlaß des Arthur
Elaus von Eberſtadt wurde
geſtern, am 9. Juli 1912, vormit=
tags
10¾ Uhr, das Konkursver=
fahren
eröffnet.
Der Gerichtsvollzieher i. P.
Reibſtein in Darmſtadt wird zum
Konkursverwalter ernannt.
Konkursforderungen ſind bis zum
31. Juli 1912 bei dem Gerichte
anzumelden.
Es wird zur Beſchlußfaſſung über
die Beibehaltung des ernannten
oder die Wahl eines anderen Ver=
walters
, ſowie über die Beſtellung
eines Gläubigerausſchuſſes und
eintretenden Falls über die in § 132
der Konkursordnung bezeichneten
Gegenſtände und zur Prüfung der
angemeldeten Forderungen auf
Mittwoch, 7. Auguſt 1912,
vormittags 9½ Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerichte,
Neues Gerichtsgebäude, Erdgeſchoß,
Zimmer Nr. 114, Termin anbe=
raumt
.
Allen Perſonen, welche eine zur
Konkursmaſſe gehörige Sache in
Beſitz haben oder zur Konkurs=
maſſe
etwas ſchuldig ſind, wird
aufgegeben, nichts an den Nach=
laß
zu verabfolgen oder zu
leiſten, auch die Verpflichtung auf=
erlegt
, von dem Beſitze der Sache
und von den Forderungen, für
welche ſie aus der Sache abgeſon=
derte
Befriedigung in Anſpruch
nehmen, dem Konkursverwalter bis
zum 31. Juli 1912 Anzeige zu
(15082
machen.
Großherzogliches Amtsgericht II
zu Darmſtadt.

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Zu verkaufen: Klapptiſch,
1 ovaler poliert. Tiſch, 1 Kommode,
2 Nachttiſche, 6 Stühle (*652id
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Donnerstag, den 11. Juli 1912, nachmittags 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtr. 16 öffent=
lich
zwangsweiſe gegen Barzahlung:
a) für beſtimmt: 1 Fahrrad, 1 Pfandſchein u. 2 Hirſch=
geweihe
;
b) vorausſichtlich: 6 Sofas, 3 Vertikos, 2 Diwans,
1 Ladeneinrichtung, 2 Fahrräder, 1 Spiegelſchrank, 1 Waſch=
kommode
, 2 Kleiderſchränke, 1 Ausziehtiſch, 2 Spiegel, 1 Tep=
pich
. 1 Grammophon, 1 Kommode, 1 Küchenſchrank, 1 Kon=
trolkaſſe
, 1 Schreibpult, 3 Stühle po.;
c) auf Grund gerichtlicher Anordnung: 2 An=
teilſcheine
einer Geſellſchaft über 20000 Mk. und
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[ ][  ][ ]

Erſte Kammer der Stände.
6. Sitzung.

St. Darmſtadt, 10. Juli.
Am Regierungstiſch: Finanzminiſter Braun Exz.,
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach, Ge=
heimer
Staatsrat Krug von Nidda, Geheimeräte Dr.
Becker Dr. Beſt, Süffert, Legationsrat Dr. Neid=
hart
Geh. Oberfinanzrat Seip, Oberfinanzrat Bal=
ſer
, Finanzrat Ulrich.
Vizepräſident Fürſt Karl zu Solms= Hohen=
ſolms
=Lich eröffnet die Sitzung um 10½ Uhr und
gibt eine Anzahl Entſchuldigungen bekannt. Weiter gibt
der Präſident Kenntnis von einem Schreiben Sr. Exzellenz
des Herrn
Staatsminiſters Ewald,
der mitteilt daß er zu ſeinem Bedauern durch Krankheit
verhindert ſei, an den Verhandlungen der Erſten Kam=
mer
teilzunehmen. Der Präſident fügt hinzu, die Erſte
Kammer habe mit großem Bedauern Kenntnis genommen
davon, daß Se. Exz. der Herr Staatsminiſter erkrankt ſei.
Wir hoffen, daß es ſein Zuſtand dem Herrn Staatsminiſter
bald wieder erlauben wird, an unſeren Sitzungen teil=
zunehmen
und überhaupt die Staatsgeſchäfte wieder in
vollem Umfang zu übernehmen.
Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten Das
Haus beginnt die Beratung der Regierungsvorlage über
die Dienſtbezüge der Staatsbeamten und
Volksſchullehrer und ihrer Hinterbliebei=
nen
, ſowie die Deckungsmittel
und die dazu gehörigen Geſetzesvorlagen. Erſter Redner
der Generaldebatte iſt
Fürſt zu Iſenburg=Birſtein:
Wenn ich zu den einzelnen Poſitionen in der General=
debatte
übergehe, ſo möchte ich zunächſt die Regierungs=
vorlage
über die Zivilliſte Seiner Königlichen
Hoheit des Großherzogs zur Sprache bringen.
Der Ausſchuß empfiehlt die Erhöhung um 75000 Mark
in der von der Großh. Regierung vorgeſchlagenen Weiſe
und zwar vom 1. April 1912 ab unbeſchränkt auf die Dauer
der Regierungszeit; zu dem weiteren Beſchluß verehrlichen
Zweiten Kammer bezüglich der Domanialjagden hat der
Ausſchuß Beitritt beantragt.
Ich komme nunmehr zu dem Geſetzentwurf, betr. die
Dienſtbezüge der Staatsbeamten und Volks=
ſchullehrer
und ihrer Hinterbliebenen, ſo=
wie
die Deckungsmittel hierzu. Die Großh. Re=
gierung
ſchlägt vor: als Verbeſſerung der Bezüge der

Statsbeamten prozentuale Zuſchläge auf die dermaligen
Dienſteinkommen, ſowie eine andere Bemeſſung des Woh=
nungsgeldzuſchuſſes
; für die Volksſchullehrer, da ihnen
bereits geſetzlich freie Wohnung zuſteht, lediglich eine
11prozentige Erhöhung ihres Gehaltes; weiter eine Er=
höhung
des Dispoſitionsfonds (zur Aufbeſſerung der Be=
züge
der vorhandenen Penſionäre und Hinterbliebenen
von Beamten und Volksſchullehrern) von 50000 Mark
um 125000 Mark auf 175000 Mark; endlich zur Aufbeſſe=
rung
der Bezüge der Staatsdienſtanwärter eine Summe
von 130000 Mark. Dies alles hätte, mit den übrigen
in der Vorlage vorgeſehenen Einſtellungen, einen Bedarf
für das Jahr 1912 von 2340 230 Mark notwendig gemacht.
Als Deckungsmittel ſieht die Großh. Regierung hierfür
vor: eine Aenderung des Urkundenſtempelgeſetzes mit
einem finanziellen Ergebnis von 123750 Mark; die Aende=
rung
des Geſetzes über die Erhebung von Zuſchlägen zur
Reichserbſchaftsſteuer mit 170000 Mark; weiter aus den
bisherigen Erſparniſſen in der Staatsverwaltung 52500
Mark, ſowie endlich aus Eiſenbahnüberſchüſſen und Etats=
überſchüſſen
460 220 Mark. Der Reſtbetrag mit 1 533 760
Mark ſoll aus dem Reſtefonds entnommen werden.
Eine umſtrittene Frage war die Aufbringung des Be=
trages
von 277000 Mark, die nach dem Vorſchlag der Re=
gierung
durch die Gemeinden zur Verbeſſerung der Bezüge
der Lehrer aufgebracht werden ſollten. Weiter erhöhte
verehrliche Zweite Kammer die Verbeſſerung der Bezüge
der Lehrer von 11 Prozent auf 15 Prozent, wodurch ſich
mit den vorerwähnten 277000 Mark ein Mehrbedarf von
465000 Mark ergab. Hierzu kommt noch der Wegfall von
230 000 Mark vorgeſehene Deckung der Regierung, die
durch andere Regulierung der Beitragspflicht der Gemein=
den
zu den Koſten der höheren Schulen aufgebracht wer=
den
ſollten. Hierdurch ergibt ſich eine Mehrbelaſtung von
695000 Mark gegenüber den Vorſchlägen der Regierung.
Da ſich die Deckungsmittel um dieſen erheblichen Betrag
verminderten und andererſeits der Staatskaſſe noch weitere
Zubußen zugemutet wurden, ſo konnte der Ausſchuß dem
hohen Hauſe nur eine Erhöhung der Bezüge der Staats=
beamten
in Höhe von 90 Prozent der Regierungsvorſchläge
und eine Erhöhung der Lehrergehalte von 11 Prozent in
Vorſchlag bringen, um im Rahmen der uns verfügbaren
Mittel zu bleiben, nur eine Erhöhung der Bezüge der
Staatsbeamten in Höhe von 90 Prozent der Regierungs=
vorlage
in Vorſchlag bringen.
Die 11prozentige Erhöhung der Lehrergehalte ſtellt
die Regierungsvorlage dar. Der Ausſchuß hat von einer
gleichmäßigen Kürzung um 10 Prozent bei dieſer Erhöhung
Abſtand genommen und iſt damit den Wünſchen der Leh=
rer
und den Beſtrebungen verehrlicher Zweiter Kammer,
dieſen zu entſprechen, nach Möglichkeit entgegen gekommen.
Das von dem Ausſchuß dem hohen Hauſe empfohlene
Proviſorium ſoll für diejenigen, die ſeit langer Zeit mit
Rückſicht auf die bevorſtehenden Gehaltsverhältniſſe mit
ihren Penſionierungsgeſuchen zurückgehalten haben, kein
Hinderungsgrund ſein, ihr Vorhaben zur Ausführung zu
bringen. Es iſt deshalb die rückwirkende Kraft des dem=
nächſtigen
Definitivums vom 1. April 1912 ab in Abſ. 3
des Art. 1 des Geſetzentwurfs vorgeſehen. Eine redak=

kionele Aendernung dieſes Arilelts in jedoch noch noiwen=
dig
geworden: ich ſchlage deshalb namens des Ausſchuſſes
folgenden Wortlaut für dieſen Artikel vor:
Der Ruhegehalt eines zwiſchen dem 1. April 1912 und
dem 31. März 1913 in den Ruheſtand tretenden Beamten
beſtimmt ſich nach den bisher geltenden Vorſchriften. Nach
der endgültigen Verabſchiedung der künftigen Beſoldungs=
ordnung
erhält der Penſionär diejenigen Bezüge, die ihm
zukommen würden, wenn zur Zeit ſeines Uebertritts in
den Ruheſtand die Vorſchriften der künftigen Beſoldungs=
ordnung
gegolten hätten. Der Unterſchied zwiſchen dem
etwaigen ſpäteren Ruhegehalt und des nach den bisher
geltenden Vorſchriften gewährten Ruhegehalts iſt in die=
ſem
Falle nachzuzahlen. Die vorſtehenden Beſtimmungen
finden bei Todesfällen auf die Anſprüche der Witwen und
Waiſen entſprechende Anwendung.
Indem ich mich auf das hier Geſagte beſchränke, ge=
ſtatte
ich mir, namens des Ausſchuſſes dieſes hohen Hauſes
die Bitte auszuſprechen, hohe Kammer wolle ſich den Er=
wägungen
ſeines Ausſchuſſes anſchließen, da wir wei=
tergehende
Vorſchläge nicht machen können.
In der Nichtannahme unſerer Vorſchläge
liegt für uns die Ausſichtsloſigkeit, die
Vorlage zuſtande zu bringen. (Beifall.)
Finanzminiſter Braun Exz.:
Die Großh. Regierung begrüßt es dankbar, wenn auch
dieſes hohe Haus es als eine der dringlichſten Aufgaben
des Staates anſieht, die Bezüge der Beamten, Volksſchul=
lehrer
uſw. zeitgemäß aufzubeſſern und bereit iſt, alle ver=
fügbaren
Mittel zu einer ſolchen Aufbeſſerung zu ver=
wenden
. Die Großh. Regierung hat in den bisherigen
Verhandlungen ſtets betont, daß mindeſtens die in ihren
Vorlagen vorgeſehenen Beträge für eine angemeſſene end=
gültige
Erhöhung der Bezüge der Beamten, Volksſchul=
lehrer
uſw. notwendig ſeien. Sie hat aber ebenſo immer
hervorgehoben, daß ſie der Verwendung von Staatsmitteln
für den vorliegenden Zweck nur inſoweit zuſtimmen könne,
als die Deckung der aufzuwendenden Beträge dauernd
geſichert ſei. In den Vorſchlägen des Finanzausſchuſſes
hoher Erſter Kammer geſchieht dies in einer den Rückſichten
auf die Staatsfinanzen erhöht Rechnung tragenden Weiſe.
Die Großh. Regierung bedauert zwar, daß
ſich dies Ziel nur auf dem Wege einer Kürz=
ung
der von ihr vorgeſchlagenen Zulagen
hat erreichen laſſen. Unter den obwalten=
den
Umſtänden ſtimmt ſie aber den Vor=
ſchlägen
des Finanzausſchuſſes der Erſten
Kammer zu. Sie kann dies umſo eher, weil damit
die allſeits als notwendig anerkannte organiſche Regelung
der Bezüge der Beamten uſw. erleichtert und für ſie
Deckung ſicherer vorbereitet wird Die Großh. Regierung
iſt daher bereit, entſprechende Beſchlüſſe des Plenums die=
ſes
hohen Hauſes in der Zweiten Kammer zur Annahme
zu empfehlen, zumal anzunehmen iſt, daß die Beamten,
Lehrer uſw. nur auf dieſe Weiſe davor bewahrt werden
können, ihre berechtigten Hoffnungen für das Jahr 1912
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[ ][  ][ ]

Zu dieſer. algemeinen Erilſtrung habe ſch noch einige
kleinere Fragen zu ſtellen, die je nach ihrer Beant=
wortung
von Bedeutung ſein können.
Nach der Faſſung der Ausſchußanträge ſcheint es
zweifelhaft, ob bei den nunmehr zu bewilligenden Zulagen
die Vorſchriften der beiden Regierungsvorlagen über
Sterbquartale, die ſeitherigen Stationszulagen und die Be=
amten
der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft Gel=
tung
erhalten ſollen. Man könnte dies annehmen, wenn
man dem Art. 1 Abſ. 1 der Ausſchußanträge eine ſehr
weite Auslegung geben will. Dort heißt es: Die Staats=
beamten
erhalten für 1912 Zulagen (ev. mit 90
Prozent), wie ſie ſich aus der Regierungsvorlage . . . . .
ergeben
1. Nach den Regierungsvorlagen iſt das Mehr an
Wohnungsgeldzuſchuß (Art. IV des Entwurfs) und die
Gehaltszulage (Art. 3) bei dem Sterbquartal zu berück=
ſichtigen
.
2. Nach den Vorlagen (Art. V der Wohnungsgeldvor=
lage
und Art. 4 der Gehaltsvorlage) ſollen die ſeither ge=
währten
Mietentſchädigungen, Wohnungsvergütungen,
Stations=, Lokal= und Teuerungszulagen, ebenſo Gehalts=
teile
, die über den regelmäßigen Gehalt hinausgehen, um
die Mehrbeträge an Wohnungsgeld und Gehalt gekürzt
werden.
3. Nach Art. 5 der Gehaltsvorlage können die heſſiſchen
Beamten der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft
die Zulagen nicht erhalten.
Die Vorſchriften unter vorſtehenden Ziffern 1 und 3
wird man wohl unter die Ausſchußbeſchlüſſe unterbringen
können, da ſie ſich, wie die Ausſchußbeſchlüſſe ſelbſt, auf
die Zulagen beziehen, die ſich nach den Regierungsvor=
lagen
ergeben
Die Vorſchriften unter vorſtehender Ziffer 2 dagegen
beziehen ſich nicht auf die neuzugewährenden Zulagen
ſelbſt, ſondern auf Kürzung jetziger Nebenbezüge. Hier=
über
aber ſagen die Ausſchußberichte nichts Beſtimmtes.
Um jeden Zweifel zu beſeitigen, möchte ich namentlich
den Herrn Ausſchuß=Berichterſtatter fragen, ob die ſoeben
unter Ziffer 13 genannten Vorſchriften der Regierungs=
vorlagen
auch bei den jetzt zu gewährenden Zulagen
gelten ſollen.
Fürſt Iſenburg=Blirſtein: Der Ausſchuß iſt
dem Herrn Finanzminiſter dankbar dafür, daß er dieſe
Frage hier alsbald zur Erörterung bringt und kann er=
klären
, das er der Auffaſſung der Regie=
rung
vollkommen beipflichtet.
Geheimerat Dr Schmidt: Der Ausſchuß habe in
den letzten Tagen eine Arbeit geleiſtet, für die ihm An=
erkemung
und Dank gebührt. Die noch beſtehenden
Meinungsverſchiedenheiten dürften nicht hindern, die
Vorlage, auf die die Beamten ſchon mit Recht ſo Nange
warten, zuſtande zu bringen. Die Hauptſache iſt, daß
mun endlich etwas geſchaffen wird, und wenn man auch
gewünſcht hätte, daß die vollen Sätze den Beamten be=
willigt
worden wären, ſo müſſe mkn jetzt angeſichts der
anerkannten Unmöglichkeit, weitergehende Wünſche zu=
rückſtellen
, um die Vorklage nicht zu gefährden. Dabei
möchte Redner der Hoffnung Raum geben, daß alsbald
die Vorarbeiten zur endgültigen Riegelung der Beſol=
dung
in Angriff genommen werden und daß dieſe ſchon
im nächſten Jahre den Beamten die Sätze bringen wird,
die die Regierungsvorlage vorgeſehen hat.
Landgerichtspräſident Dr Han gen möchte
ſauch ſeinerſeits dem Ausſchuß Anerkennnna
ſausſprechen und ſeiner Genugturmng darüber
(Ausdruck geben, daß nun endlich, die Be=
ſſoldungsvorlage
zuſtande kommt. Auch er hätte ge=
wünſcht
, daß den Beamten die vollen Sätze gewährt
werden, doch müßte man, da es eben ſonſt nicht mögsich
iſt, die Vorlage zuſtande zu bringen, darauf verzichten.
Graf zu Erbach=Fürſtenau danſt für die dem
Ausſchuß gezollte Anerkennung. Der Ausſchuß ſei nach
eingehenden ernſten Beratungen zu ſeinem Entſchluß ge=
kommen
, da es eine Pflicht der Säaatserhaltung iſt, nicht
mehr zu bewilligen, als billia verlangt werden kann.
Fürſt zu Liningen bittet nochmals, alle Sonder=
wünſche
zurückzuſtellen, damit eine möalbchſt einſtimmige
Annahme des Geſetzes erfolge, was für die Beratung
im anderen Hauſe wichtig ſei.
Damit ſchließt die Generaldebatte, es folgt die
Speziallberat un g.
Zu Artikel 1 beantragt Landgerichtspräſident Dr.
Hangen einen Zuſatz zu Abſ. 1 dahin, wenn die Be=
tzüge
mehr als 90 Prozent vor der Schaffung der Beſol=
dungsvorlage
betrugen, dieſe für 1912 nachzuzahlen.
Geheimerat Dr Becker bittet, die Anregung abzu=
lehnen
: 1. aus ſachlichen Gründen und 2, weil es zweck=
mäßiger
ſein würde, den Antrag bei der ſpäteren defi=
nitiven
Regelung enzubringen mit rückwirkender Kraft.
Fürſt zu Iſenburg=Birſtein ſtimmt dem zu
und bittet, den Antrag abzulehnen und den Ausſchuß=
antrag
anzunehmen.
Landgerichtspräſident Dr. Hangen zieht
ſe in en Antrag, zu r ück und erklärt,
ſihn bei der definitiven Regelung der Be=
ſoldungsreform
wieder einzubringen. Der Artikel 1
wird dann angenommen.
Zu Artikel 3 gibt Prälat D Flöring zur Erwä=
gung
anheim, ob nicht doch den Volksſchulleehrern
die Erhöhung, wenn nicht von 15, ſo doch wenigſtens
13 Prozent gewährt werden kann.
Graf zu Erbach=Fürſtenau erklärt namens des
Ausſchuſſes, daß damit das Geſetz ſteht oder
fällt. Der Artikel wird dann gegen die
ß wei St im men der Herren Prälat D.
Flöring und Geheimerat Kittler an=
genommen
. Die übrigen Artikel und das ganze
Geſetz einſtimmig. Ohne Debatte angenommen
werden in der Ausſchußfaſſung der Geſetzentwurf,

die Abänderung des Geſetzes vom 21. Juli 1900 reſp.
30. Oktober 1905 über die Witwen= und Waiſenkaſſe der
Volksſchullehrer, Geſetzentwurf zur Abänderung des
Geſetzes, die Erhebung von Zuſchlägen zur Reichserb=
ſchuftsſteuer
vom 30. März 1907.
Zum Geſetzentwurf betr. die Abänderung des Ge=
ſetzes
über den Urkundenſtempel uſw. möchte
Fürſt zu Leiningen dem Ausſchuß ganz beſonders
Dank ausſprechen, weil er hier verſchiedene Sätze gegen=
über
der Vorlage der Regiereung gemildert hat.
Oberbürgermeiſter Dr. Göttelmann erklärt, auch
Der Ausſchuß habe gegen verſchiedene Punkte der Vorlage
Bedenken gehabt, doch mußte er dieſe zurückſtellen an=
geſichts
der unbedingten Notwendigkeit, die Finanzkraft
des Staates zu ſtärken. Er bittet um Annahme des
Ausſchußantrages Der Antrag wird ange=
nommen
, ebenſo das ganze Geſetz.
Die Regierungsvorlage, die Erhöhung der
Zivilliſte Seiner Königlichen Hoheit des
Großherzogs betreffend und Initiativmtrag be=
treffend
Entwurf eines Geſetzes über die Abänderung
des Geſetzes, die Beſoldungen der Staatsbeamten vom
9. Juni 1898 betreffend, werden nach den Ausſchußan=
trägen
debattelos angenommen.
Nach der Pauſe beginnt das hohe Haus die Bera=
tung
der Regierungsvorlage betr. den Geſetzentwürf
über die
Tilgung der Staatsſchuld.
Frhr. von Heyl zu Herrnsheim verweiſt zu=
nächſt
auf ſeinen Bericht als Ausſchußreferent, den er
in einigen Punkten noch ergänzt zur Begründung des
Standpunktes, daß taſächlich nicht die Möglichkeit vor=
lag
, über das vom Ausſchtß Vorgeſchlagene hinauszu=
gehen
. Wiederholt möchte Redner ſein größtes Bedsu=
ern
darüber ausdrücken, daß derartig umfangreiche Vor=
lagen
der Erſten Kammer ſp ſpät zugehen, daß ihr faſt
gar keine Zeit zur Beratung bleibt. Das bedinge auch
noch einzelne redaktionelle Aenderungen, zu denen er die
Zuſtimmung erbitte.
Das ganze Geſetz wird denn in der Ausſchußantrag=
faſſung
ohne weitere Debatte angenommen. Darauf
vertagte ſich das hohe Haus auf Donnerstag 10 Uhr.

Zweite Kammer der Stände.

36. Sitzung.
St. Darmſtadt, 10. Juli.
Am Regierungstiſch: Geheimerat Beſt, Miniſterial=
rat
Hölzinger, Geh. Oberfinanzrat Dr. Rohde;
ſpäter Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach
Exz., Geheimerat Dr. Becker.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um 10,25
Uhr. Das Haus tritt alsbald in die Tagesordnung ein.
Erſter Punkt iſt die dringliche Anfrage des Abg. Uebel,
betreffend den
Unfallvom 23. Dezember 1911 am Bahnhof
in Ober=Roden.
Die Anfrage wurde im Wortlaut ſeinerzeit mit=
geteilt
.
Geh. Oberfinanzrat Dr. Rohde beantwortet die
Anfrage dahin, daß der verunglückte Adam Schwartzkopf
von Urberach lediglich das Opfer ſeiner Unvorſichtigkeit
geworden ſei. Der deshalb angeklagte Beamte ſei von
der Beſchuldigung fahrläſſiger Tötung freigeſprochen
worden. Mit den örtlichen Verhältniſſen im dortigen
Bahnhof, der durchaus genügend beleuchtet ſei, ſtehe der
Unfall laut Mitteilung der Eiſenbahndirektion Frank=
furt
a. M. in keinem Zuſammenhang. Bezüglich der
Bahnſteige liegen auf der Station Ober=Roden keine an=
deren
Verhältniſſe vor, als auf der Mehrzahl der Bahn=
höfe
im Staatsbahnbereich, auf denen die Gleiſe von
den Reiſenden im Niveau überſchritten werden müſſen.
Die Beamten und Reiſenden müßten hier aber Vorſicht
walten laſſen. Für die Bahnhöfe mit beſonders ſchwie=
rigen
Verhältniſſen wird nach und nach mit der meiſt
ſehr koſtſpieligen Anlage ſchienenfreier Zugänge zu den
Bahnſteigen vorgegangen. Dem wird man auch in Ober=
Roden näher treten.
Es wird Drucklegung der Antwort beſchloſſen und
die Beſprechung bis nach erfolater Drucklegung vertagt.
Den Antrag Ulrich, betreffend
Einteilung des Landes in Sanitätsbezirke
und die Ueberführung der Apotheken in
Gemeinde= bezw. Staatseigentum
beantragt der Ausſchuß für erledigt zu erklären.
Abg. Dr. Wolf=Gonſenheim hält die Ausführung
des Antrags mit Rückſicht auf unſere Finanzen nicht für
möglich. Dabei beklagt er die Langſamkeit der Regier=
ung
bei Konzeſſionserteilung für Apotheken an Gemein=
den
. Und dabei ſeien ſolche Konzeſſionen, z. B. in Mainz
und Bretzenheim, abſolut nötig. Bretzenheim habe mit
den umliegenden Gemeinden jetzt über 9000 Einwohner.
Auch Offenbach, Biſchofsheim und Darmſtadt bedürften
einer Apotheke.
Abg. Raab bittet, den Antrag in ſeinem ſo wich=
tigen
Grundgedanken nicht dem Papierkorb zu über=
geben
. Die Kreisgeſundheitsämter könnten unmöglich
dem Bedürfnis nach Aerzten genügen. Niemand mehr
in der Welt werde ärger ausgebeutet, als unſere kranken
Mitmenſchen. Damit müſſe endlich Schluß gemacht
werden.
Geheimerat Beſt ſchildert die Entwickelung der vom
Vorredner beſprochenen Verhältniſſe. Nunmehr übten
manche Kreisärzte keine ärztliche Praxis mehr aus. Die
Zahl der Aerzte im Lande genüge vollauf, wenn auch in
einzelnen Landesteilen vielleicht noch Lücken ſeien. Da
beſtehe die Möglichkeit einer ſtaatlichen Subvention an
ſolche Aerzte in ärmeren Gegenden. Die Ablöſung der
beſtehenden Apothekenkonzeſſionen bezw. der Ankauf durch

den Stat wirde aumnähernd 23 Milonen Matk koſten.
Uebrigens habe die Regierung bereits an verſchiedene
Gemeinden Konzeſſionen gegeben unter gewiſſen Be=
dingungen
. Auch ſollen heimfallende Konzeſſionen nur
an Gemeinden neu verliehen werden. Bei Neukonzeſſio=
nierungen
habe die Regierung ſich ausſchließlich von dem
Geſichtspunkt des Bedürfniſſes leiten laſſen.
Abg. Ulrich tritt für ſeinen Antrag ein und be=
kämpft
den Standpunkt der Regierung. Die Konzeſſions=
bedingungen
der Gemeinden, z. B. Offenbach, ſeien viel
zu rigoros. Man nehme viel zu viel Rückſicht auf die be=
ſtehenden
Apotheken. Der fortwährenden Steigerung
der Apothekenkonzeſſionen müſſe endlich entgegengetreten
werden durch ein Apothekengeſetz. Man müſſe nicht bloß
Seelſorge, ſondern auch Körperſorge treiben. Letztere
würde aber erſt geſchaffen, wenn ſein Antrag auf
Schaffung ſtaatlich angeſtellter Bezirksärzte durchgehe.
Augenblicklich aber ſei die Aufbringung der Aerztekoſten
für viele arme Leute auf dem Lande unmöglich.
Abg. Wolf=Stadecken hält die Abhilfe dieſer Miß=
ſtände
durch Bezirksärzte nicht für möglich. Der Vor=
ſchlag
betreffs der Apotheken ſei ebenfalls wegen der
Koſten unannehmbar. Uebrigens müſſe dafür geſorgt
werden, daß die Apotheken aufhörten, Spekulations=
objekte
zu ſein und dafür lediglich humanitären Zwecken
dienten.
Geheimerat Beſt polemiſiert gegen den Abg. Ulrich
und betont, daß die Regierung nach wie vor den feſten
Willen habe, unhaltbare Zuſtände zu beſſern. Das könne
aber nur allmählich geſchehen. Den Vorwurf der Aus=
beutung
des Publikums durch den Apothekerſtand weiſe
er zurück, da die Herren lediglich ſich auf die allgemein
anerkannte Arzneitaxe ſtützten.
Abg. Beſt als Berichterſtatter tritt den Ausführun=
gen
der ſozialdemokratiſchen Redner entgegen. Im letz=
ten
Grunde erſtrebe der Antrag die Anſtellung von
Armenärzten, ohne es aber deutlich zu ſagen.
Abg. Korell=Ingelheim ſpricht ſich ähnlich aus
und tritt für den Ausſchußantrag ein. Unſere Regierung
ſteht im Reiche inſofern an der Spitze, als ſie die Aus=
wüchſe
der Apothekenſpekulation aufs eifrigſte bekämpft.
Das Verſchreiben von Rezepten iſt übrigens bedeutend
zurückgegangen. Unwürdig iſt die Stellung der Apo=
thekergehilfen
. Ein geſetzliches Verkaufsrecht der Ge=
meinden
bittet er in Erwägung zu ziehen. Aus dem Ver=
hältnis
zwiſchen Arzt und Patient wünſche er im Gegen=
ſatz
zum Abg. Ulrich alles Staatliche ausgeſchieden zu
ſehen. Für Körperſorge ſei er ſtets eingetreten, was er
ebenfalls dem Abg. Ulrich gegenüber feſtſtellen möchte.
Abg. Adelung bedauert, daß der Antrag immer
noch einem Teil der Mitglieder unverſtändlich ſei. Das
Verkaufsrecht der Gemeinden ſei empfehlenswert, müſſe
aber auch ausgeübt werden können. Er wünſcht daß
die Regierung im Bundesrat auf Herabſetzung der
teueren Arneitaxe dringe. 300 Prozent Gewinn ſei doch
horrend. Abg. Ulrich findet nach wie vor die von
der Regierung an die Gemeinden geſtellten Bedingungen
abſchreckend. Armenärzte wolle er durchaus nicht.
Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Korell=
Ingelheim und Raab wird der Ausſchußantrag
gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ange=
nommen
.
Der Antrag des Abg. Ulrich und Genoſſen betreffs der
Arbeiter und Hilfsangeſtellten im
Staatsbetrieb
wurde für erledigt erklärt.
Desgleichen der Antrag v. Brentano und Genoſſen,
betreffend
Bekämpfung der Viehſeuchen und
Rebſchädlinge.
Die Vorſtellung des H. Döring I.=Großen=Buſeck,
betreffend
Unterſtützung der Landwirte durch Stel=
lung
von Militärpferden bei Ausbruch
der Maul= und Klauenſeuche,
wird abgelehnt.
Abg. Dr. Zuckmayer beantragt 1. die Regierung
zu erſuchen, bei der Vergebung von öffentlichen Arbeiten
und Lieferungen dahin zu wirken, daß in erſter Linie die
heſſiſchen Steuerzahler berückſichtigt werden, 2, daß bei
im übrigen gleichen Verhältniſſen diejenigen Firmen und
Arbeitgeber bevorzugt werden, die mit ihren Arbeitern
Tarifverträge geſchloſſen haben, 3. daß nicht vorzugs=
weiſe
den Mindeſtfordernden alle Arbeit oder Lieferung
übertragen wird, ſondern daß bei der Vergebung darauf
geſehen wird, daß den Uebernehmern auch bei Verwend=
ung
durchaus guten Materials noch ein entſprechender
Verdienſt bleibt.
Der Ausſchuß beantragt zu Poſ. 2 den Zuſatz
unter Berückſichtigung der örtlichen Verhältniſſe, im
übrigen Annahme.
Abg. Adelung wünſcht der Schmutzkonkurrenz
mancher Unternehmer ſeitens der Regierung entgegen=
getreten
zu ſehen. Der Ausſchußantrag wird ange=
nommen
.
Der Antrag des Abg. Ulrich, betreffend
Erbauung einer Bahndurchdas Modautal,
wird für erledigt erklärt.
Die Vorſtellung des Eiſenbahn=Aſſiſtenten i. P. Ph.
Müller in Darmſtadt, Erhöhung ſeiner Penſion
betreffend wird abgelehnt.
Es folgt Beſprechung der Anfrage des Abg. Ko=
rell
=Ingelheim, betreffend
die Ausführungsbeſtimmungen zum
Reblausgeſetz.
Abg. Korell findet, daß dieſe Beſtimmungen viel=
fach
Unzufriedenheit erregt haben. Das Geſetz werde
leider in den verſchiedenen Staaten ungleich angewandt
Bingen, Kempten und Büdesheim müßten zuſammen=
gelegt
werden. Auch müßten die Unterſuchungen auf die

Ueberall tauchen Nachahmungen
davon auf. Die kluge Hausfrau
Dr. Oetker’s Backpulver
Es ist
achte beim Einkauf daher darauf,
nur die echten Fabrikate zu er-
halten
mit dem Namen
Dr. Oetker’s Puddingpulver
bekannt.
Dr. Oetker’s‟
dass alle guten Fabrikate recht bald
ingeringerer Qualität u inmöglichst Br. Gekker Vanllin-Zucker
Ueberall zu haben!
ähnlicher Packung nachgemacht
(G7436 1 Päckchen 10 Pfg. 3 Stück 25 Pfg.
etc. etc.
werden. So ist es auch mit

[ ][  ][ ]

Reblaus frühzeitiger beendigt ſein. Die Handhabung
des Geſetzes ſei bei uns nicht ſo klar, als die Regierung
es darſtelle. In Ausnahmefällen ſollte letztere Milder=
ung
eintreten laſſen und nicht ſo ſtreng am Buchſtaben
des Geſetzes kleben. Beſonders über die Handhabung
der Desinfektion werde geklagt.
Miniſterialrat Hölzinger rechtfertigt die Maß=
regeln
der Regierung, insbeſondere hinſichtlich der Zu=
ſammenlegung
von Gemarkungen in Bezirke. Beſonders
in dem ſo wertvollen Binger Bezirke müßten die Maß=
regeln
aufs ſtrengſte durchgeführt werden. Es ſei auch
nicht richtig, daß ſich die Regierung ſklaviſch an den
Wortlaut des Geſetzes halte. Die Schädlichkeit der Unter=
ſuchungen
für die Weinberge laſſe ſich leider nicht ver=
meiden
. Redner begründet eingehend die unbedingte
Notwendigkeit der ſtrengen Durchführung der Maß=
nahmen
zum Schutze gegen die Ausbreitung der Reblaus=
herde
. Man hält auch in der modernſten wiſſenſchaft=
lichen
Literatur daran feſt, daß die jetzt geübte Form der
Reblausbekämpfung die einzig richtige iſt. Daß dadurch
die Betroffenen manchmal empfindlich geſchädigt wer=
den
, läßt ſich leider nicht ändern. Weitere Ausnahmen
laſſen ſich unmöglich einführen. Es iſt richtig, daß in ein=
zelnen
Bezirken Preußens die Beſtimmungen anders
gehandhabt werden. Das iſt bedauerlich, denn es wäre
beſſer, wenn eine einheitliche Durchführung möglich wäre,
was zurzeit leider nicht möglich iſt.

Abg. Soherr: Ich kann mit der Antwort der
Broßh. Regierung nicht einverſtanden ſein. Ich bin im
Gegenſatz dazu der Anſicht, daß die Maßregeln welche
bei Auffindung der Reblausherde angewendet werden,
mit Recht ſeitens der Weinbauern läſtig empfunden wer=
den
und mit Recht zur Beſchwerde Anlaß geben. Die
Ausführungsbeſtimmungen werden auch nicht mild, ſon=
dern
ſcharf gehandhabt und die Weinbergsarbeiten da=
durch
ſehr erſchwert und verteuert. Z. B. wird der Han=
del
mit Dung und Setzholz erſchwert und der Mangel
an Futter macht ſich bitter bemerkbar. Die Koſten für
Bewachung und Desinfektion uſw. betrugen für Bingen
402 Mk., für Kempten gar 184 Mk. zuzüglich 3830 Mk. und
2100 Mark. Dieſe hohen Koſten würden durch eine Zu=
ſammenlegung
der Gebiete ſehr verringert werden. Ich
vin alſo ebenfalls der Meinung, daß es ſich empfiehlt, die
drei Gemarkungen zuſammenzulegen, weil dieſe in Beſitz
und Bearbeitung ein Ganzes bilden und die Zuſammen=
legung
nach §§ 3 des Reblausgeſetzes auch geſtattet iſt.
Nicht unerwähnt will ich laſſen, daß gerade die ſcharfen
Ausführungsbeſtimmungen ſicher auch Anlaß zu dem im
März d. J. an der Binger Ecke erfolgten Winzerſtreik ge=
weſen
ſind. Ich bitte daher, die drei Gemarkungen
Bingen, Büdesheim und Kempten zuſammenzulegen, wo=
durch
die ſchweren wirtſchaftlichen Schädigungen vermie=
den
werden und die Bekämpfung der Reblaus nicht nach=
teilig
beeinflußt wird.

Miniſterialrat Hölzinger: Auch der Staat iſt mit
den Koſten ſtark belaſtet. Immerhin aber ſeien auch die
Koſten der Gemeinden gegenüber dem Wert der Wein=
ernte
nur gering.
Abg. v. Brentano kann ſich von der Vorzüglichkeit
es Reblausgeſetzes nicht überzeugen und wünſcht in
verſchiedenen Dingen ein Entgegenkommen ſeitens der
Regierung, z. B. hinſichtlich der Zuſammenlegung der Be=
zirke
Büdesheim, Kempten und Bingen, für deren Trenn=
ung
die Regierung nicht ſtichhaltige Gründe vorbringe.
Dieſelbe ſollte doch das einhellige Verlangen der Winzer
beachten und nicht Schaden der Allgemeinheit vorſchützen.
Die Beſtrafung von Büdesheimern wegen Nichtdesinfi=
zierung
ihres Schuhwerks müſſe verurteilt werden. Jeden=
falls
hätte man ihnen die Strafe nachlaſſen ſollen, das
habe ſchon Abg. Korell richtig hervorgehoben. Das ſei
kein kluges Vorgehen geweſen, und würde es jedenfalls
keine Schwäche ſein, wenn die Regierung nachträalich
Remedur eintreten laſſe.
Miniſterialrat Hölzinger rechtfertigt nochmals
das Vorgehen der Regierung.
Abg. Wolf=Stadecken bedauert die rigoroſe Hand=
habung
des Geſetzes gegenüber der preußiſchen Milde.
Die Beſprechung iſt damit erledigt. Die Sitzung
wird geſchloſſen. Nächſte Sitzung Donnerstag
10 Uhr.

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4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
3½ do. Conſols . . . 90,00
80,00
do.
3 do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
93,50
do.
3½
85,50
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,20
88,20
do.
3½
3
do.
4 Hamburger Staatsanl. 100,30
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,80
4 do. do. (unk. 1918) 100,20
88,30
do.
3½
77,90
do.
80,30
3 Sächfiſche Rente.
4 Württemberger v. 1907 100,30
do. v. 1875 95,20
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 . . 53,90
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 92,10
4 do. Goldrente . . . 96,40
4 do. einheitl. Rente . 88,70
3 Portug. unif. Serie I 63,75
3 do. unif. Ser. III 66,30
9,80
3 do. Spezial .
5 Rumänier v. 1903 . . 101,20
4 do. v. 1890 . . 96,00
4 do. v. 1905 . . 91,69
4 Ruſſen v. 1880. . . . . 90,80
4 do. v. 1902 . . . . 90,75
4½ do. v. 1905 . . . . 100,40
3½ Schweden . .
4 Serbier amort. v. 1895 85,00
4 Türk. Admin. v. 1903 82,40
4 Türk. unifiz. v. 1903 89,50
4 Ungar. Goldrente . . . 91,25
4 do. Staatsrente . . . 83,00

In Proz.
Zf.
5 Argentinier .
. .100,90
do.
87,30
4½ Chile Gold=Anleihe . 91,20
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,60
4½
93,80
do.
95,00
4½ Japaner . .
5 Innere Mexikaner . . . 95,40
3
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,40
5 Gold=Mexikaner . . . . 100,10
3 Buenos Aires Provinz 71,70
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 144,60
5 Nordd. Lloyd . . . . . 121,00
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 124,25
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 112,25
8 Baltimore und Ohio . 106,60
6½ Schantungbahn . . . 132,10
6½ Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 18,50
6 Pennſylvania R. R. . 121,40
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 517,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim
. . . . . . . 259,50
30 Farbwerke Höchſt . . 645,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 350,00
10 Cement Heidelberg . 149,80
30 Chem. Werke Albert 462,00
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 315,75
4 Lahmeyer : . . . . . . 122,00

Lette

Divid.
7½ Schuchert, Nürnberg 161,75
12 Siemens & Halske . 241,00
5 Bergmann Electr. . . 141,00
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 168,00
0 Gummi Peter . . . . 125,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 131,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 541,75
10 Maſchinenf. Badenia
6 Wittener Stahlröhren 197,50
8 Steana Romana Petr. 143, 40
15 Zellſtoff Waldhof . . 238,00
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 217,00
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 121,50
3 Südd. Immobilien . 69,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 188,00
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 231,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 175,90
10 Gelſenkirchener
. 189,70
8 Harpener .
189,00
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 262,00
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 80,25
4 Laurahütte
173,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
11 Weſteregeln 192,00
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 87,80
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 99,60
4 Eliſabethbahn, freie . . 94,75
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 90,50
3 Prag=Duxer . . . . . . 75,30
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn
do.
78,75
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,80

In Proſ.
2
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 77,60
53,20
29/10 do.
76,80
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt . . . . . 89,25
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,40
do.
4 Wladichawchas . . . . 89,10
4 Rjäſan Koslow.
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 73,60
do.
69,00
24/10 Livorneſer .
3 Salonique=Monaſtir . 63,80
4 Bagdadbahn . . . . . . 83,00
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 96,90
4 Miſſouri=Pacific. . . . 71,50
4 Northern=Pacific . . . 100,20
4 Southern=Pacific . . . 95,20
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 87,60
5 Tehuantepec . . .
98,70
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 194,10
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn .
. . 150,20
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 167,50
6½ Darmſtädter Bank . 122,00
12½ Deutſche Bank . 255,60
6 Deutſche Vereinsbank . 124,00
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,2
10 Diskonto=Kommandit 187,30
8½ Dresdener Bank . . 153,90
9½ Frankf. Hypoth.=B. 216,00
6½ Mitteld. Kreditbank 118,75
7 Nationalb. für Deutſchl. 123,50
7 Pfälziſche Bank . . . . 129,00
5.86 Reichsbank . . . . 135,50
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,00
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 124,50
Wiener Bankverein . 133,60
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 98,30

Bi. Pfandbriefe. InProz
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 89,10
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2126 97,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,00
88,00
8½
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,20
89,20
8½
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
. 99,80
S. 12, 13, 16
S. 14, 15, 17, 24/26
1823 . . .
99,90
½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
89,20
S. 1 u. 2, 68
S. 35
89,00
S. 911
89,10
4 Meininger Hyp.=Bank 99,20
88,30
do.
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 97,80
8½ do. (unk. 1914) . . 88,00
4 Güdd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,40
8½ do.
89,40
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . * 100,00
95,50
8½ do.
4 Frankfurt . . . . . . .
8½ do.
90,00
98,90
4 Gießen .
91,00
8½ do.
4 Heidelberg
99,20
8½ do.
4 Karlsruhe
8½ do.
89,00
4 Magdeburg . . .
99,10
8½ do.
4 Mainz .
98,50
3½ do.
90,00
4 Mannheim
99,00
3½ do.
88,20
4 München .
100,00
3½ Nauheim
4 Nürnberg . . . . . . . 100,00
3½ do.
4 Offenbach . .

In Proz.
8t.
3½ Offenbach . . .
99,80
4 Wiesbaden
3½ do.
89,50
4 Worms.
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 . 79,25
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner , 100 134,50
3 Holl. Komm. . fl. 100
3 Madrider . . Fs. 100 74,50
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 136,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 172,00
3 Oldenburger . . . . . . 125,00
2½ Raab=Grazer fl. 159 115,50
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 199,00
Freiburger
Fs. 15 74,10
Mailänder
Fs. 45
F8. 10
do.
ſl. 7
Meininger
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100
do. v. 1858fl. 100 457,20
Ungar. Staats . . fl. 100 366,00
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 172,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,42
20 Franks=Stücke
16,27
Amerikaniſche Noten .
4,18
Engliſche Noten . . . . . 20,46
Franzöſiſche Noten. . . . 81,20
Holländiſche Noten. . . . 169,65
Italieniſche Noten . . . . 80,30
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,95
Ruſſiſche Noten . . . .
Schweizer Noten . . . . . 81,05
Reichsbank=Diskonto. .
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