Inſerafe‟
Abonnementspreis
175. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadt,
nonatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
pärts nehmen die Poſtämter u. die
Agen=
uren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
1. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ür Aufnahme von Anzeigen an
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dieustags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Die Poſtkartenwoche der Großherzogin,
geſp. die Beförderungsdauer der erſten deutſchen
Luſt=
poſt iſt verlängert worden.
Die Hygiene=Ausſtellung „Der Menſch”
wird Anfang Auguſt in Darmſtadt eröffnet.
Die Erſte badiſche Kammer hat in Widerſpruch
zu einem Beſchluß der Zweiten Kammer den Poſten
für die badiſche Geſandtſchaft in München
wiederher=
geſtellt.
Am Samstag trat die deutſch=franzöſiſche
Kommiſſion zuſammen, um die Vorarbeit für die
Abgrenzung im Kongo aufzunehmen.
In Saratow wurden durch Fabrikeinſturz 70
Arbei=
ter getötet.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7 und 8.
Zur Kieler Woche.
*⁎* Kaiſer Wilhelm iſt zur Waſſerkante abgereiſt,
und nach dem üblichen Aufenthalte in Hamburg und der
Beteiligung an der Wettfahrt des Norddeutſchen
Re=
gattavereins wird er am Dienstag in Kiel eintreffen,
um den diesjährigen Veranſtaltungen der „Kieler Woche‟
beizuwohnen. Letztere ohne den Kaiſer — wer könnte
ſich das heute noch vorſtellen. Es iſt ja genugſam
be=
kannt, wie der Monarch gerade den Waſſerſport liebt,
wie er ſich wohlfühlt auf den Wellen, wenn ſeine Jacht
pfeilſchnell dahinfliegt im Kampfe mit den Elementen
und gleichwertigen Gegnern. Daß der Kaiſer in dieſem
Kampfe mehr ſieht als bloßen Zeitvertreib, das hat er
vor Jahren einmal auseinandergeſetzt beim Mahle des
Norddeutſchen Regattavereins, wo er in einer längeren
Rede ſagte: „Der Sport, den wir betreiben, hat auch
einen ernſten Hinkergrund. Der deutſche Manneswert
kann ſich bewähren auf den verſchiedenſten Gebieten, aber
am beſten wird er ausgebidet, am hellſten und klarſten
wird unſeren Deutſchen das Auge gemacht, wenn ſie auf
as Salzwaſſer kommen. Daher begrüßte ich in Jedem
von Ihnen einen meiner Mitkämpfer und Mitarbeiter
an dem Werk, unſere deutſchen Männer heranzuziehen,
damit ſie in der Lage ſind, mit offenem Blick ihr ganzes
Sinnen und Trachten in den Dienſt des Vaterlandes zu
ſtellen.”
In dieſem Jahre ſind es drei Dezennien her, daß
auf Veranlaſſung des Norddeutſchen Regattavereins die
erſte größere Segelwettfahrt in Kiel ſtattfand, und der
Kaiſer kann perſönlich auch ein Jubiläum feiern, indem
er vor 20 Jahren zum erſten Male eine Regatta
mit=
ſegelte und zwar auf der Jacht ſeines Bruders. Erſt
im Jahre darauf ſegelte er auf ſiiner eigenen Jacht „
Me=
teor”, und ſeitdem hat er nie bei den Wettkämpfen
ge=
fehlt, er hat der Kieler Woche ein reges Intereſſe
be=
wahrt und ſeinem perſönlichen Einfluſſe iſt es
zuzuſchrei=
ben, daß die Regatten einen Weltruf erhielten, daß auch
das Ausland in immer ſtärkerem Maße ſich beteiligte.
Diesmal iſt der Wettbewerb beſonders groß, denn es
ſind 127 Segel= und Motorjachten gemeldet, eine Zahl,
die ſeit dem Beſtehen des Jachtklubs noch nicht erreicht
wurde, und von dieſer Zahl ſind über 50 ausländiſche
Jachten. In großen Scharen werden wieder aus aller
Herren Länder Gäſte kommen: Amerikaner, Engländer,
Franzoſen, Dänen, Schweden, Italiener, Norweger,
Ruſ=
ſſen, Spanier. Wer zählt die Völker, nennt die Namen?
Und alle werden gewahr werden, wie Kaiſer Wilhelm
die Seele der großen ſportlichen Veranſtaltung iſt, ſie
werden aber auch an den gewaltigen Linienſchiffen und
Kreuzern, ſowie all den übrigen Kriegsfahrzeugen, die
im Kieler Hafen liegen, die Macht Deutſchlands zur See
kennen lernen.
Eine engliſche Stimme zur Miſchehen=Frage.
DKG. Im Juni=Heft des United Empire, der
Monatsſchrift des Königlichen Kolonial=Inſtitut (Royal
Colonial Inſtitute Journal), herausgegeben von
Archi=
bald R. Colquohoun, findet ſich eine intereſſante Notiz
zur Miſchehenfrage. Der Verfaſſer vergleicht die
De=
batten über die Miſchehenfrage, die beinahe gleichzeitig
im Deutſchen Reichstage und in dem ſüdafrikaniſchen
Parlamente ſtattfanden, Bei uns wurde bekanntlich mit
203 gegen 133 Stimmen eine Entſchließung
angenom=
men, die die verbündeten Regierungen erſucht, durch
Ge=
ſetz die Miſchehen zwiſchen Weißen und Farbigen in
allen deutſchen Schutzgebieten zu legitimieren. Am Tage
darauf, am 9. Mai, brachte der Führer der Oppoſition
im ſüdafrikaniſchen Parlament, Sir Thomas Smartt,
dort einen Antrag ein, der angeſichts der zunehmenden
Angriffe Farbiger auf weiße Frauen die Regierung
er=
ſuchte, eine Kommiſſion zur Behandlung der
Angelegen=
heit einzuſetzen.
„Die politiſche Atmoſphäre”, ſchreibt das United
Empire, „der zwei Parlamente könnte ſchwerlich
ver=
ſchiedenartiger ſein. In Deutſchland wurde die Debatte
geführt unter dem Einfluß einer falſchen Sentimentalität,
die auch bei uns in England nicht allzu unbekannt iſt.
In dem ſüdafrikaniſchen Parlament war kaum ein
Mit=
glied, dem nicht das volle Verſtändnis der
Eingeborenen=
frage, wie ſie in Afrika wirklich ausſieht, aufgegangen
wäre und der nicht durchdrungen wäre von der
Notwen=
digkeit, die Reinheit und damit auch das Uebergewicht
der weißen Raſſe aufrecht zu erhalten. In dem deutſchen
Reichstage hat die Mehrzahl der Leute, die für eine
Legaliſierung der Miſchehen eintraten, niemals mit
eige=
nen Augen die Schäden einer Ehegemeinſchaft zwiſchen
farbigen und weißen Nachbarn geſehen. In jenem
Par=
lament hatte jedes Mitglied einen Begriff von der
Schwierigkeit und Vielſeitigkeit der Frage, und iſt weit
davon entfernt, farbige Ehen mit der wohlwollenden
Billigkeit anzuſehen wie Bernardin de Saint=Pierre und
van der Kemp. Leider vermiſchen ſich weiß und ſchwarz,
wo ſie zuſammenſtoßen, zweifellos bis zu einem gewiſſen
Grad miteinander, aber es muß als ſtrengſte Pflicht
jeder Regierung, der die Wohlfahrt beider Raſſen am
Herzen liegt, aufgefaßt werden, ſolchen Verbindungen
jegliches Hindernis entgegen zu ſtellen. Dr. Solf, der
Staatsſekretär des Reichskolonialamts, bemerkte, als er
der ſchlecht begründeten Entſchließung der deutſchen
Humanitätsdusler ſich entgegenſetzte, daß Völker, die
lange ſchon Kolonialpolitik treiben, doch nicht eine Löſung
dieſes Problems erreicht hätten, und wies auf die
Zu=
ſtände in den Vereinigten Staaten hin, wo die Mehrzahl
der elf Millionen farbiger Bürger Miſchblütler ſind und
bezeichnet das als ein Menetekel für alle koloniſierenden
Nationen.”
Der Artikel des United Empire klingt aus in den
Satz: „Mißverſtandene Humanität und ein unwürdiges
Hinabgleiten auf das Niveau der niederen Raſſen trägt
den Keim des Verfalles in ſich.”
Deutſches Reich.
Kaiſerbeſuch und Welfentum. Die
An=
weſenheit des Kaiſers in ſeiner Reſidenzſtadt Hannover
erſchien dem Takt der welfiſchen Deutſchen Volksztg. als
willkommener Anlaß, die Wiederherſtellung des
König=
reiches Hannover mit beſonderer Aufdringlichkeit zu
for=
dern. Das Welfenorgan erinnert nämlich in einer
ſei=
ner letzten Ausgabe an die braunſchweigiſchen
Mitglie=
der des Welfenhauſes, die während des 18. Jahrhunderts
in preußiſchen Dienſten ſtanden, und fügt in Bezug auf
das hannoverſche Welfenhaus u. a. hinzu:
„So erſcheint das Schickſal, das einſt Bismarcks
groß=
preußiſch partikulariſtſche Ambitionen ihm bereirer
ga=
ben, um ſo tragiſcher und um ſo berechtigter der Wunſch
des königstreuen Volkes, daß das alte Unrecht gefühnt
und der kerndeutſchen Dynaſtie der Welfen wieder der
ihm gebührende Platz im Rate der deutſchen Fürſten
eingeräumt werde. Einmal muß ja doch die
Ausſöh=
nung zwiſchen den erhabenen Geſchlechtern Zollern und
Welfen kommen, ebenſo gut wie ſie einſtmals nach einem
Zeitraum von 55 Jahren zwiſchen Hohenſtaufen und
Welfen erfolgte. Wie damals, ſo iſt auch jetzt eine
Wie=
derherſtellung der zertrümmerten Welfenherrſchaft, eine
Wiederherſtellung der Stellung und der Rechte des alten
kerndeutſchen Sachſenſtammes eine geſchichtliche
Notwen=
digkeit.”
Den Beſchluß macht ein Appell an den
Gerechtigkeits=
ſinn des Kaiſers, „durch Wiederherſtellung des 1866 ſo
ſchwer verletzten Rechts” ein weithin leuchtendes
Wahr=
zeichen kaiſerlicher Majeſtät aufzurichten. Solche
Be=
kenntniſſe zu den alten Zielen der welfiſchen Partei ſind
für die Beurteilung der braunſchweigiſchen Thronfolge=
Angelegenheit ungleich wichtiger, als die angebliche
Ein=
ladung eines preußiſchen Prinzen in die Jagdgründe
des Herzogs von Cumberland.
— 15 Jahre Staatsſekretär. Die Tägliche
Rundſchau ſchreibt:
Es war ein famoſer Griff, den der Kaiſer tat, als er
am 15. Juni 1897 v. Tirpitz zum Staatsſekretär des
Reichsmarineamtes machte, in einer kritiſchen Zeit, in
der nur noch ein Mann uns helfen konnte, der
unbe=
dingte und unverrückbare Willenskraft mit diplomakiſchem
Geſchick verband Für den Soldaten v. Tirpitz war es
nicht leicht, zur Verwaltung überzugehen. Schon in
jun=
gen Jahren war er der Schöpfer der grundlegenden
prak=
tiſchen Beſtimmungen für unſere Flotte geworden, mit
denen ſie ſpäter von v. Köſter exerziert wurde, hatte dann
als Kowettenkapiläin dem Torpedowefen ſeine noch
heute gültigen Formen gegeben, die inzwiſchen: von
Frankreich übernommen und von England nachgeahmt
worden ſind. In dieſer Arbeit ging er völlig auf. Sein
ganzes Herz gehörte dem Frontdienſt. Heute nach 15
Jahren können wir ihm dankbar ſein, daß er dem Rufe
des Kaiſers folgte, der damals für ihn ſelber mehr
Tragik als Ehre bedeutete; denn es hieß ſich losreißen
von der See und fortan nicht mehr für ſich, ſondern für
andere das Schwert zu ſchleifen. Was er in dieſer Zeit
geleiſtet, das bezeugen die 6 Flottenvorlagen und
No=
vellen von 1898 bis 1912, die Schritt für Schritt unſere
Wehrmacht dem Ziele näher brachten, das beide
Män=
ner, der Kaiſer und von Tirpitz ſich geſetzt hatten. Mit
einer ungeheuren Zähigkeit, mit einem auch in
Märtyrer=
zeiten bewährten Beiderſtangebleiben wurde es
geſchaf=
fen und mitunter war der Kaiſer der einzige, der ihn
noch hielt, der mit ihm durchhielt. Glänzend iſt die Art,
wie er mit dem Reichstage ſich zu ſtellen gewußt hat. Es
geht eben von ihm der Reiz der genialen Perſönlichkeit
aus, die für ihre Ideen zu gewinnen weiß, auch wenn
man ihnen zunächſt widerſtrebt. Als der Roon unſerer
Marine wird er in der Geſchichte fortleben.
Die Reineinnahme der Reichskaſſe
an Zöllen, Steuern und Gebühren in den
Rechnungs=
monaten April und Mai 1912 hat nach der Neuen Pol.
Korr. 258,52 Millionen gegen 260,97 Millionen in dem
gleichen Zelitraum des Vorjahres betragen. Hierin ſind
an Reichsſtempelabgaben von Lotterieloſen der
Staats=
lotterie 6,28 Millionen gegen nur 1,08 Millionen im
Vorjahre und an Zuwachsſteuer 2,11 gegen 0,002
Millio=
nen im Vorjahre enthalten. Die Reineinnahme aus
den Zöllen und den übrigen Steuern und Gebühren ſtellt
ſich alſo im April-Mai 1912 auf 250,13 Millionen gegen
259,89 Millionen im Vorjahre oder auf 9,76 Millionen
Mark niedriger.
— Ueber eine kleine Verſchiebung der
Nordlandsreiſe des Kaiſers weiß eine
Korre=
ſpondenz zu berichten. Dem Vernehmen nach wird Kei
ſer Wilhelm ſeine diesjährige Nordlandsreiſe wie im
mer in der erſten Hälfte des Monats Juli,
vorausſicht=
lich jedoch etwas ſpäter als ſonſt, antreten.
— Weiterentwickelung der
Organiſa=
tion unſerer Wehrmacht. Wie die Tgl. Rdſch.
aus zuverläſſiger Quelle erfährt, iſt mit der
Erledi=
gung der Wehrvorlagen die Weiterentwickelung der
Or=
ganiſation unſerer Wehrmacht durchaus noch nicht
abge=
ſchloſſen. Es liegt im Bereiche der Möglichkeit, daß in
nicht allzu ferner Zeit Wehrverein und Flottenverein
ſich in der Lage ſehen werden, im Intereſſe der Sicherheit
des Reiches ihre Aufklärungstätigkeit mit beſonderer
Tatkraft in die Wege zu leiten. Auf welche Gebiete ſich
der Ausbau der Organiſation des Heeres und der
Ma=
rine fernerhin erſtrecken wird, entzieht ſich vorläufig der
Kenntnis der weiteren Kreiſe.
Der deutſche Handel mit Marokko.
Wie wir dem „Export” entnehmen, hat unſer
Waren=
handel mit dem Scherifenreiche auch im Jahre 1911
wie=
derum eine nicht unweſentliche Steigerung erfahren.
Die nach Deutſchland beſtimmte Ausfuhr aus Marokko
bewertet ſich mit 12,5 Mill. Mark gegen 9,1 Mill. Mark
im Jahre zuvor, unſere Einfuhr aus Marokko war 5,5
Mill. Mark gegen 4,9 Mill. Mark im Jahre 1910.
Wir haben vor einigen Monaten darauf
hingewie=
ſen, daß dieſe Zahlen ein Minimum darſtellen, ſodaß
die tatſächlichen Handelsbeziehungen zwiſchen dem
Deut=
ſchen Reiche und Marokko weſentlich größer ſein dürften.
Sie wären noch mannigfaltiger und die Zahlen wären
noch größer geweſen, wenn nicht das letzte Jahr die
bekannten Unruhen gebracht hätte. Das genannte Blatt
fügt hinzu: „Leider ſieht es auch jetzt noch nicht danach
aus, als ob das Land bald zur Ruhe kommen ſollte. Im
Gegenteil, die neueren Nachrichten aus Tanger und Fez
laſſen die Lage im Scherifenreiche in einem wenig roſigen
Licht erſcheinen. Die Gärung unter den verſchiedenen
Stämmen ſcheint an Umfang zuzunehmen, und die
Fran=
zoſen werden große Mühe haben, Ordnung zu ſchaffen
und ihre Herrſchaft zu befeſtigen. Der neue franzöſiſche
Generakreſident will ſich bis zum Herbſt in ſeinen
mili=
täriſchen Sicherheitsmaßnahmen auf die Defenſive be
ſchranken. Das zeugt von einer recht gefährlichen
Si=
tuation. Angeſichts der kürzlich erfolgten Plünderung
der Farm Renſchhauſen und der Mißhandlung der
dor=
tigen deutſchen Schutzangehörigen durch Soldaten eines
franzöſiſchen Kommandos muß man ſich fragen, ob die
Deutſchen in Marokko überhaupt den erforderlichen
Schutz genießen. Wie gemeldet wird, hat der deutſch
Botſchafter in Paris den Fall bereits bei der franzöſiſcher
Regierung zur Sprache gebracht, und wir hoffen, daß er
Golte 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Juni 1912.
Nummer 140.
mit Nachdruck für die deutſchen Intereſſen eintritt. Die
wirtſchaftliche Gleichberechtigung Deutſchlands mit
Frankreich in Marokko darf nicht bloß auf dem Papier
ſtehen, ſondern muß auch praktiſch betätigt werden. Denn
ſonſt hat das deutſch=franzöſiſche Marokkoabkommen für
uns keinen Wert und unſer Handel mit Marokko wird
zurückgehen, anſtatt ſich weiter zu entwickeln.”
— In der Sitzung der badiſchen Erſten
Kammer kam zunächſt die Frage der Aufhebung der
Münchener Geſandtſchaft zur Verhandlung. Die Erſte
Kammer ſtellte ohne weitere Diskuſſion den Münchener
Geſandtſchaftspoſten wieder her. Die Angelegenheit
geht nun zur Beratung wieder an die Zweite Kammer
zurück. Der Kommiſſionsantrag betr. die
Verhältnis=
wahl wurde von der Erſten Kammer in ſeinem erſten
Teile, der ſich gegen die Einführung der Verhältniswabl
in dieſer Seſſion ausſpricht, einſtimmig angenommen.
Ziffer 2, die von der Regierung eine Denkſchrift über
die Materie fordert, wurde mit 14 gegen 13 Stimmen
abgelehnt.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Im Budgetausſchuß des
öſterreichi=
ſchen Abgeordnetenhauſes gab der
Unter=
richtsminiſter Huſſarek die mit dem Polenklub vereinbarte
Erklärung ab, in der er hervorhob, daß zwiſchen den
in dem Entwurf der kaiſerlichen Entſchließung in Ausſicht
geſtellten Maßnahmen betreffend die Errichtung einer
rutheniſchen Univerſität und den Beſtrebungen der
Ru=
thenen keine ſolchen Differenzen beſtänden, daß eine
Ver=
ſtändigung unmöglich ſei. Die kaiſerliche Entſchließung
biete ein vollwertiges Unterpfand für die Beſtrebungen
der Ruthenen. Sonach ſei die Bahn zu neuen
Verhand=
lungen über ſämtliche zwiſchen den Ruthenen und Polen
beſtehenden Divergenzen geöffnet. Die Vertreter der
Ruthenen erklärten, ſowohl im Budgetausſchuß wie im
Wehrausſchuß, daß die miniſterielle Erkärung geeignet
ſei, eine neue Verhandlungsbaſis zu bilden. Im
Wehr=
ausſchuß fügte Lewickyj hinzu, die Ruthenen würden
ſo=
nach ihre bisherige Haltung ändern. Die Sitzung wurde
nach 46ſtündiger Dauer geſchloſſen.
Wie verlautet, ſind zwiſchen den Ruthenen und der
Regierung neuerlich Verhandlungen zwecks Einſtellung
der Obſtruktion im Gange, die ein günſtiges Reſultat
verſprechen.
Frankreich.
Keine Flotten=Manäver. Nach einer
Meldung des Echo de Paris werden in dieſem Jahre
keine größeren Flottenmanöver ſtattfinden. Der
Marine=
miniſter iſt von der Abſicht, die Mittelmeerflotte in die
nördlichen Gewäſſer zu entſenden, abgekommen. In der
erſten Hälfte des Auguſt ſollen lediglich taktiſche
Uebun=
gen abgehalten werden und zwar von der
Mittelmeer=
flotte in der Nähe von Toulon und vom dritten
Ge=
ſchwader in der Nähe von Breſt.
Die geeinigten Sozialiſten brachten in der
Kammer einen Antrag ein auf Abänderung des Geſetzes
vom 30. März 1912, wonach die Apachen und
Antimili=
tariſten in die afrikaniſchen Strafbataillone geſchickt
wer=
den ſollen.
In der Kammer ergriff bei der Diskuſſion des
Budgets des Miniſteriums des Auswärtigen
Miniſter=
präſident Poincaré das Wort, deſſen Rede häufig von
Beifall unterbrochen wurde. Er antwortete verſchiedenen
Rednern und fagte u. a. folgendes: Im italieniſch=
tür=
kiſchen Kriege beobachten wir gewiſſenhafte Neutralität.
Unſere Beziehungen zu Italien, die einen Augenblick
wegen der Zwiſchenfälle der „Carthage” und „Manuba”
ſchwierig waren, ſind wieder ausgezeichnet. Unſere
Be=
ziehungen zur Türkei ſind in gleicher Weiſe ausgezeich=
net. Poincaré ſprach dann von den Verhandlungen mit
Spanien und ſagte, der auf beiden Seiten vorhandene
gute Wille geſtattet die Hoffnung, daß eine
Verſtän=
digung ſehr bald zu erwarten iſt. (Beifall.) Unſere
Beziehungen zu Deutſchland ſind loyal, höflich und
kor=
rekt. Wir bemühen uns, die gleiche Bona fides in ſic
hineinzulegen. Sollte in Marokko ſich die geringſte
Schwierigkeit ergeben, ſo haben wir die Möglichkeit, das
Schiedsgericht anzurufen. (Beifall.) Poincaré fügte
hinzu, daß die Beziehungen Frankreichs zu Rußland
und England niemals beſſer geweſen ſeien als
gegen=
wärtig. Die Allianz mit Rußland und die Freundſchaft
mit England fänden überall gebührende Würdigung und
würden überall als eine Stütze des Friedens betrachtet.
(Beifall.) Poincaré erinnerte an die engliſch=
franzö=
ſiſchen Unterredungen. Ueber eine Allianz zwiſchen
Frankreich und England erklärte er, daß, wenn dieſe
Entente cordiale auch der Urkunde ermangele, ſie doch die
Majorität der beiden Völker für ſich habe. Die Triple=
Entente trage gleichfalls dazu bei, den europäiſchen
Frie=
den zu ſichern, ohne jemand zu beunruhigen. Der
Mini=
ſterpräſident ſchloß: In uns ſelbſt ruht der Kern unſerer
Kraft: Bündniſſe mit uns werden im Verhältnis unſerer
Stärle geſucht. (Lebhafter Beifall.) Darauf wurde die
allgemeine Beratung geſchloſſen und das Budget des
Miniſteriums des Auswärtigen angenommen.
England.
Eine neue engliſche Hetzrede. Der
eng=
liſche Admiral Seymour, der Führer jener
internationa=
len Expedition, die während der Chinawirren die in
Peking eingeſchloſſenen Europäer befreien ſollte, aber
ſelbſt vor der ſicheren Vernichtung nur durch das
ener=
giſche Verhalten der deutſchen Matroſenabteilung
geret=
tet wurde, hat in einer optimiſtiſchen Feſtſtimmung
feſt=
ſtellen zu müſſen geglaubt, daß England vor einer
„gewiſſen Macht” keine Furcht zu haben brauche und daß
ein Krieg faſt unmöglich ſei bei einem Zuſammenwirken
Englands und Japans auf dem Feſtlande. Dazu
be=
dürfe es der Durchführung der allgemeinen Dienſtpflicht.
Die Privatmeinung Seymours, daß außer England und
Japan kein anderer Staat eine mächtige Flotte nötig
habe, iſt ein etwas verklauſuliertes Gegenſtück zu der
Aeußerung Churchills von der „deutſchen Lurusflotte‟
Die Frauenrechtlerinnen. Nach dem
Daily Chronicle machte bei dem geſtrigen offiziellen
Empfang des Indiſchen Amts aus Anlaß des
Geburts=
tages des Königs eine Frauenrechtlerin einen Angriff
auf den Premierminiſter, der die Gäſte empfing. Als die
Suffragette, eine elegant gekleidete Dame, dem
Premier=
miniſter vorgeſtellt wurde, verſuchte ſie plötzlich, die
Epauletten ſeiner Uniform herunter zu reißen. Sie
wurde unter heftigem Widerſtand aus dem Saal
beför=
dert. Einige Minuten ſpäter mußte ein junger Mann,
der ebenfalls den Premierminiſter beläſtigte, aus dem
Saal entfernt werden.
Aſien.
Katſura über ſeine Europareiſe und
das Bündnis mit England. Wie aus Tokio
gedrahtet wird, erklärte Fürſt Katſura, der frühere
Premierminiſter, daß ſeine Reiſe nach Europa lediglich
eine Vergnügungsreiſe ſei, die er mehrfach geplant hätte,
aber noch niemals habe ausführen können. In Berlin
hoffe er, ſeine alten Freunde aus der Zeit wieder zu
ſehen, als er ſich dort zuerſt Studien halber und ſpäter
als Attaché aufgehalten habe. Fürſt Katſura ſagte
fer=
ner, die Kritik, die in der japaniſchen Preſſe an dem
Bündniſſe mit England geübt werde, entſpreche nicht
der wirklichen Ueberzeugung der Japaner. Das
Bünd=
nis ſei heute wichtiger denn je; denn es bilde den Angel=
punkt der auswärtigen Politik Japans. — Zur Abge
der Erklärung hinſichtlich des Bündniſſes mit
Engla=
war Katſurch ſchon aus diplomatiſchen Gründen v
pflichtet, wenn ſeine Worte auch viel zu weitgehend
und die wahre Anſchauung der Japaner verſchleie
Weiterhin kann es aber auch nicht im Intereſſe K
ſuras ſein, in London, das er ja auch beſuchen will, v.
wurfsvolle Mienen zu ſehen.
Nach bei der Deutſch=Chineſiſchen Eiſenbahngeſe
ſchaft in Berlin eingelaufenen Nachrichten brachen
Tfinanfu Unruhen lokaler Natur aus.
die europäiſchen Beamten beſtehe augenblicklich keiner
Gefahr.
Amerika.
Der Einfluß der Anhänger Tafts im
publikaniſchen Nationalkomitee ſcheint den Höhepur
überſchritten zu haben. Man erwartet, daß die A
kunft Rooſevelts, der in größerer Geſellſchaft von Ner
York abgereiſt iſt, eine Wendung der Dinge herbeiführ
wörd. Bisher verfügt keine der beiden Parteien üb
eine ſichere Mehrheit. Die Entſcheidung des
Nationa=
komitees über die Delegierten von Oklahoma und
Te=
neſſee fiel zugunſten Tafts aus. Ueber dieſe Entſche
dung kam es zu einem heftigen Streit. Eln paar
Del=
gierte begannen eine Schlägerei, ſodaß die Polizei a
rufen werden mußte.
Das Repräſentantenhaus nahm eine
meinſame Reſolution an, den Präſidenten Taft zu
ermäc=
tigen, Vertreter für die internationale maritime
Kor=
ferenz zur Beratung größerer Sicherheitsmaßregeln ar
Ozeanreiſen zu ernennen.
Der Senat genehmigte das Etatsgeſetz einſchlief
lich der Anträge, wodurch das Handelsgericht aufgehober
der Tätigkeit der 5 Richterzein Ende gemacht und jeden
Bundesgericht verboten wird, irgendwelche Verfügung fü
oder gegen die Interſtate Commerce Commiſſion zu er
laſſen, außer wenn die Verfügung durch den Präſiden
ten des Gerichtshofes der Unionſtaaten und durch
zwe=
andere Richter genehmigt worden iſt.
* Berbin, 14. Juni. Die Großherzogin
Marie Adelheid von Luxemburg vollendet
am 14. Juni ihr 18. Lebensjahr und trat ſomit indie
Großjährigkeit ein. Die Norddeutſche Allgemeine Zei
tung ſchreibt aus dieſem Anlaß: Wir bringen der jun
gen Fürſtin zu dieſem Ereignis herzliche Glückwünſche
dar und verknüpfen damit den Ausdruck der Hoffnung
daß unter der Regierung der Großherzogin Luxembung
mit dam Deutſchland durch alte geſchichtliche und
leh=
hafte wirtſchaftliche Beziehungen verbunden iſt, weiterhit
blühen und gedeihen möge.
* Wildpark, 14. Juni. Der Kaiſer traf.6i0
Uhr von Hannover kommend hier ein und begab ſich
nach dem Neuen Palais.
* Schwerin, 14. Juni. Königin
Wilhel=
mina und Prinz Heinrich der Niederlande trafenhaute
mittag von Dobbin hier ein und fuhren im
Automobil=
nach Gram in Mecklenburg=Schwerin. Am
Spätnach=
mittag begaben ſich die Königin und der
Prinzgemahl=
im Automobil nach Wiligrad, um dem
HerzogpaarJo=
hann Albrecht einen Beſuch abzuſtatten. Die
Rückkehr=
nach Dobbln erfolgte abends von Wiligrad im
Hof=
ſonderzug.
* Haag, 14. Juni. Die mit den Vorbereitungen
für die dritte Friedenskonferenz beſchäftigte
niederländiſche Kommiſſion befaßte ſich mit den Fragen,
die durch die Niederlande auf das Programm der
Kon=
ferenz zu ſetzen ſind. Das internackonale Komitee
der=
verſchiedenen Staaten wird im Jahre 1913 das endgül=d
tige Programm für die Konferenz feſtſetzen, die nichtvon
1915 zuſammentritt.
* Paris, 15. Juni. Die Stadiengeeſelle
ſchaft für den Bau der transperſiſchen Bahn
hat ſich hier geſtern endgültig gebildet. Zum Präſiden=
„Gabriel Schillings Flucht‟
von Gerhart Hauptmann.
Uranfführung im Goethetheater zu Lauchſtädt.
Lauchſtädt, 14. Juni.
Im kleinen Goethetheater zu Lauchſtädt, wo vor mehr
als hundert Jahren Schiller und Goethe ein Enſemble
Weimarer Schauſpieler leiteten, wo Goethe und Schiller
ihre ſchönſten Triumphe feierten, fand heute die
Urauf=
führung des im Jahre 1906 entſtandenen Schauſpiels von
Gerhart Hauptmann „Gabriel Schillings Flucht” ſtatt.
Das Lauchſtädter Theater hatte nach dem Tod der
Klaſſiker nahezu ein Jahrhundert geſchlafen, bis es vor
wenigen Jahren von Kunſtfreunden auferweckt wurde, um
durch Feſtſpiele im Sommer der Huldigung Goethes und
Schillers zu dienen. Die Uraufführung eines modernen
Dramas mochte ſo mancher darum nicht gern an dieſer
Stätte ſehen und viele Kreiſe ſtanden der Uraufführung
des neuen Gerhart Hauptmanns in Lauchſtädt von
vorn=
herein feindlich gegenüber.
Gabriel Schilling, ein Mann ohne große Energien, der
ſelbſt nicht dazu fähig war, die Arbeiten zu ſchaffen, die
ſein Talent hätte zuwege bringen können und der
nie=
mals einen Menſchen hatte, der ihn an die Arbeit mit
Ge=
walt wies, verkümmert in ſeiner Arbeit mehr und mehr
unter dem Einfluß, den zwei Frauen auf ihn ausüben
wollen: Eveline, ſeine ihm angetraute Frau, bürgerlich
wohlanſtändig und ehrenwert, voll Vertrauen zu der
Ein=
richtung der Ehe, aber ohne jeden größeren, nach innen
gerichteten Blick, ohne jedes Kunſtverſtändnis, ohne
Er=
faſſen der Situation, ohne Verſtändnis für anderes Weſen.
Und Hanna Elias, eine Ruſſin, heiß und temperamentvoll
mit Gefühlen, die ſie ſich ſelbſt einredet und in die ſie ſichſo
hineinſpinnt, daß ſie an ſie glaubt, ohne Verſtändnis für
die Begriffe der Konvenienz, ohne Sinn für gut
bürger=
liche Ordnung, lauernd auf jede Regung und Aeußerung
der Menſchen, aber fremd und kühl und kalt der Natur
gegenüber. Der Maler Gabriel Schilling iſt zu ſchwach,
um ſich von ſeiner Frau, die ſich an ihn klammert,
loszu=
reißen, ebenſo um die mit allem Raffinement ihn
umklam=
mernde Hanna Esas loszuwerder Wenn er im Heim ſeiner
Frau ſitzt, die ihm ihre Sorgen anvertraut und ihre Ideale
auseinander legt, die ſich nur auf bekömmliche
Wohl=
habenheit erſtrecken, ſo glaubt er in der Tat für wenige
Augenblicke, Eveline ſei die Frau ſeines Herzens und ſein
Verhältnis zu Hanna ſei eine große Schuld. Und die
heißen Umarmungen und maßloſen Liebesbeteuerungen dar
Hanna Elias gaukeln ihm den Glauben an eine Liebe zu
dieſer ihm weſensfremden Frau vor, daß er es für einen
Betrug an ſeiner Wahrhaftigkeit hält, daß er mit Eveline
zuſammenlebt. — Gerade als er ſich mit Hanna irgend
einer Kleinigkeit wegen überworfen hat, erhält er eine
Depeſche ſeines Freundes Profeſſor Mäurer, er ſolle zu ihm
kommen, auf Fiſchmeiſters Oye, und ſich hier erholen. Die
Depeſche kreuzt ſich mit einem Brief Gabriel Schillings
in welchem er ſein Erſcheinen ankündigt. Mäurer iſt
eben=
ſoſehr Künſtler wie geſcheiter Menſch. Ein ungeheuer
ge=
ſunder Egoismus hat ſein Talent ausgebaut. Er hat ſich
ſein Leben ſchön und angenehm geſtaltet. Seine Arbeit
iſt ihm die Lebensfreude. Zur Seite ſteht ihm die kleine,
ſtille, nachdenkliche, vernünftige Lucie Heil, ſeine Freundin,
ohne jegliche krankhafte Einbildungen, kerngeſund, tapfer
bis zur Selbſtloſigkeit. Gabriel Schillings geiſtige und
körperliche Geſundheit beginnt auf Fiſchmeiſters Oye, in
Geſellſchaft dieſer zwei kernigen Menſchen, aufzublühen.
Und als Mäurer ihn auch wieder zur Arbeit anſpornen
will, ihn vorerſt auf eine Reiſe nach Griechenland
mitneh=
men will, da findet er in Gabriel Schilling einen
Arbeits=
freudigen, Geſunden. Das Verhängnis naht ſich in
Ge=
ſtalt der Hanna Elias, die, ohne ſich angekündigt zu haben,
auftaucht mit der Begründung, ohne Schilling nicht leben
zu können. Mäurer und Lucie ſind nicht imſtande, den
hyſteriſchen und hyperempfindſamen Kniffen und
Argu=
menten Hannas einen Riegel vorzuſchieben. Schillings
Auflehnen dauert keine Stunde. Hanna hat ihn bald
wie=
der in ihren Feſſeln und Gabriel Schilling bricht darinnen
totkrank zuſammen. — Man ruft den Arzt, der um die
Anweſenheit Hannas nicht weiß und Eveline verſtändigt.
Hanna und Eveline treffen auf Fiſchmeiſters Oye
zuſam=
men und ſtreiten um den totkranken Gabriel Schilling,
megärenhaft. Und Schilling entzieht ſich beiden durch die
Flucht ins Meer, in den Tod.
„Gabriel Schillings Flucht” iſt bei weitem das
bedeu=
tendſte Werk, das Gerhart
geſchaffen. Das Schauſpiel nimmt keine Rückſicht auf irgend
welche Effekte; es iſt ein Kunſtwerk mit tauſend leuchten
den Schönheiten, einer Fülle tiefdurchdachter, wertvolle
Ideen, die der Dichter in eine ſelten ſchöne Form gegoſſen
hat. Man kann es verſtehen, daß ſich Gerhart Hauptman
mit Entſchiedenheit weigerte, dieſes Werk dem Berliil=
Premierengetöſe preiszugeben, daß er lieber gänzlich üſ
eine Aufführung verzichtete.
Seine Gemeinde hat ihm nun zu ſeinem fünfzicell
Geburtstag eine Ehrung zuteil werden laſſen, wie ſielun
einem zweiten heute lebenden Dichter je geboten ſidt
Die Aufführung auf der Goethebühne. — Die pietätvollen
Gegner wurden im Laufe des Nachmittags ſchnell bekehrt;
denn die Aufführung ſprach eine ſo lebendige, zu Herzen
gehende, erſchütternde Sprache, daß man das Werk auf
keiner anderen Bühne hätte ſehen wollen als gerade auf
dieſer. Brauſender Jubel feierte denn auch nach allen
Akten und am Schluß den Dichter, der mit ſeinem „Gabriel
Schillings Flucht” ſo manche Sünde der letzten Jahre
wieder gut gemacht hat.
Paul Schlenther führte die Regie, Mar Liebermann
hatte die Dekorationen gemalt; die erſten Schauſpieler
Deutſchlands und Oeſterreichs hatten ſie ausgewählt, um
der Dichtung das Beſte zu geben. Kein Wunder, daß ſich
die Aufführung in den Bahnen bewegte, die ſich Gerhart
Hauptmann erhofft hatte. Willy Grunwald, Otto Gebühr,
Tilla Durieux, Roſa Bertens, Helene Thimig — ohne irgend
welches nervöſe Fieber, ohne Zweifel, mit grandioſer
Sicherheit ſpielten ſie alle die Charaktere, als hätten ſie
lange Zeit hindurch auf nichts anderes hin gearbeitet als
auf dieſe Aufführung.
Das Publikum ſetzte ſich aus der Geiſteselite von
Deutſchland und Oeſterreich zuſammen. Da ſah man
Ger=
hart Hauptmann mit ſeinen Getreuen, Schlenther und
Lie=
bermann, Heinz Tovote, Wilhelm Hegeler, Felix Salten,
Karl Rößler, Werner Sombart, Martin Beradt, Dutzende
von Dichtern und Schriftſtellern, Brahm, Barnowsky,
Gre=
gori, Löwe, zahlreiche Direktoren von Hof= und
Stadt=
theatern, die erſten Schauſpieler Deutſchlands,
Univerſitäts=
profeſſoren aus allen Städten. Und in die Anerkennung
teilten ſich die Kunſt und die Wiſſenſchaft.
Wartin Feuchtmangen!
Nummer 140.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Juni 1912.
Seite 3.
n wurde der ehemallge franzöſiſche Botſchafter
Raindr=
id zu Vizepräſidenten der Engländer Garſteene und der
uſſe Comjakoff, ehemaliger Dumapräſident, gewählt.
* Moskau, 14. Juni. Der Kaiſer und die
aiſerin von Rußland ſind mit ihren Kindern nach
arskoje Sſelo abgereiſt.
* New=York, 14. Juni. Bürgermeiſter
Gay=
or ſandte auf das Abſchiedstelegramm des
Konter=
dmirals Rebeur=Paſchwitz folgendes
Antwort=
legramm: „Ihre liebenswürdige Abſchiedsbotſchaft
rt uns gefreut. Wir werden Sie und alle Ihre
Offi=
ere vermiſſen; denn unſere Gefühle Ihnen gegenüber
urden mit jeder Stunde Ihres Aufenthaltes wärmer.”
Stadt und Land.
Darmſtadt, 17. Juni.
* Vom Hofe. Die Großherzoglichen
Herr=
haften begaben ſich am Freitag vormittag 7 Uhr
Minuten im Auto nach dem Truppenübungsplatz
id wohnten daſelbſt der Beſichtigung des
Leib=
ragoner=Regiments Nr. 24 bei. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
erzog empfingen am Samstag den Oberſtleutnant
reiſig, Kommandeur der Pioniere des XVIII.
Armee=
rps von Mainz, den Rittmeiſter v. Beſſer, Eskadronchef
1 Ulanen=Regiment Nr. 15 in Saarburg, den
Feuer=
erks=Hauptmann Ortmann bei der Kommandantur des
ruppen=Uebungsplatzes Darmſtadt, die Vertreter des
hein=Main=Turngaues, beſtehend aus dem Lehrer Roth
on Groß=Gerau, dem Bürgermeiſter Schäfer und dem
hauptlehrer Müller von Eberſtadt, den Oberingenieur
Müller von Gießen, den Medizinalrat Dr. Schwan von
ieburg, den Militär=Hilfsgeiſtlichen Twele bei der
broßh. (25.) Diviſion, die Seminarlehrer Jans von
indenfels i. O. und Bentz von Alzey, den
Kreisamt=
ann Schneider von Groß=Gerau, den Hofkapellmeiſter
ofrat de Haan, den Oberbrandmeiſter Vogel, den
randmeiſter Müller, den 1. Steigerführer Bauſcher,
tztere drei von der Darmſtädter Freiwilligen Feuerwehr;
im Vortrag den Finanzminiſter Braun, den Miniſter
s Innern v. Hombergk zu Vach, den Kabinettsſekretär
r. Wehner.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
erzog dem Maſchinenfabrikanten Philipp Nebrich
Prag den Charakter als Kommerzienrat.
* Erlaubnis zur Annahme von Orden. Se. Königl.
oheit der Großherzog haben dem
Oberkonſiſtorial=
t Dr. Wilhelm Bernbeck die Erlaubnis zur Annahme
id zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem Deutſchen
aiſer und König von Preußen verliehenen Roten
Adler=
rden 4. Klaſſe erteilt.
* Ernannt wurde der Lehrer an der Gemeindeſchule
1 Weitershain, Kreis Gießen, Ludwig Hebermehl
im Reallehrer an dem Realgymnaſium und der
Ober=
alſchule zu Gießen unter Belaſſung in der Kategorie der
olksſchullehrer.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Georg Schuch
1 Eckartsborn, Kreis Büdingen, eine Lehrerſtelle an der
emeindeſchule zu Echzell, in demſelben Kreite.
-g. Provinzialausſchuß. In der Sitzung des
Pro=
inzialausſchuſſes am Samstag kam der Rekurs des
einrich Lehr VII. zu Dietzenbach gegen eine
Verfüg=
ng des Kreisamts Offenbach zur Verhandlung. Bei
ner feuerpolizeilichen Reviſion Ende Dezember 1911
urde eine in der Scheune befindliche Keſſelfeueranlage
it Schornſtein beanſtandet und deſſen Entfernung
an=
eordnet, andernfalls würden Zwangsmaßregeln
er=
eiffen werden. Es erfolgte jedoch nichts von ſeiten
es Lehr, weshalb das Kreisamt Offenbach durch
Po=
zeibefehl die Entfernung innerhalb 14 Tagen auferlegte.
jegen dieſe Verfügung legte Lehr Rekurs beim
Pro=
inzialausſchuß ein. Lehr begründet ſeine Weigerung
amit, daß der Schornſtein 1878 errichtet worden iſt und
inem Beſitzvorgänger genehmigt wurde. Er hätte in
em von der Scheune abgeſchloſſenen Raum eine
Wag=
erwerkſtätte betrieben und ein offenes Feuer an dem
schornſtein angeſchloſſen gehabt. Lehr hat aus dieſer
Verkſtätte eine Futterküche gemacht und einen
Futter=
ſſel an den Kamin angeſchloſſen. Da eine gefährlichere
eueranlage ſchon ſeit 30 Jahren beſteht und nicht
be=
nſtandet wurde, ſieht er eine Verpflichtung zur
Entfern=
ng der Anlage nicht ein. Der Provinzialausſchuß
ndert den Polizeibefehl dahin ab, daß dem Lehr die
Be=
utzung der Feueranlage bei Androhung einer Geldſtrafe
on 25 Mark für jeden Fall der Zuwiderhandlung ſo
lange unterſagt wird, bis die Feuersgefahr beſeitigt iſt.
Die Koſten fallen zur Hälfte der Gemeinde, zur Hälfte
dem Rekurrenten zur Laſt. — Karl Joſeph Siegler
zu Offenbach hat im Dezember 1911 um Erteilung eines
Wandergewerbeſcheines für den Handel mit Zucker und
Stahlwaren, Schirmen und Goldfiſchen im Umherziehen
nachgeſucht. Der Kreisausſchuß verſagte zunächſt in
nichtöffentlicher und auf Antrag in öffentlicher
Verhand=
lung den nachgeſuchten Schein, da der Geſuchſteller
vor=
beſtraft iſt, und zwar noch am 18. Oktober 1911 wegen
Diebſtahls mit 1 Woche Gefängnis. Siegler gibt an, die
Strafe unſchuldig erlitten zu haben und bittet um
Er=
teilung, da er infolge eines Bruchleidens zu anderer
Ar=
beit unfähig ſei. Der Provinzialausſchuß verwirft den
Rekurs als unbegründet. — Ebenfalls wegen
Vor=
ſtrafen hat der Kreisausſchuß Erbach das Geſuch des
Leonhard Trinkaus V zu Nieder=Kainsbach um
Er=
teilung eines Wandergewerbeſcheins abgelehnt. Der
Provinzialausſchuß verwirft den eingelegten Rekurs als
unbegründet. — Dasſelbe Schickſal wird dem Rekurs
des Clemens Balzer von Offenbach zuteil, da dieſer
bereits zehnmal vorbeſtraft iſt und die letzte Strafe noch
nicht fünf Jahre zurückliegt. — Die Ehefrau Barbara
Kraft aus Darmſtadt iſt im Beſitze eines
Wander=
gewerbeſcheins zum Handel mit Korbwaren und
Schir=
men. Sie erſuchte um Ausdehnung des Scheins für das
Einſammeln von Lumpen und altem Eiſen gegen
Um=
tauſch von Spielwaren. Das Kreisamt Darmſtadt lehnte
die Ausdehnung ab, gegen welche Entſcheidung ſie Rekurs
beim Provinzialausſchuß einlegte. Sie führte zur
Be=
gründung des Rekurſes aus, daß ihr das Kreisamt
Worms den Nachtrag ſtets anſtandslos bewilligt habe,
da ſie keine Barmittel beſitze, um Lumpen und altes
Eiſen gegen bar einzukaufen. Der Provinzialausſchuß
gibt dem Rekurſe ſtatt und bewilligt den Nachtrag mit
der Einſchränkung, daß der Eintauſch nicht an Kinder
unter 14 Jahren erfolgt. — Adam Seeliger IX. zu
Lampertheim ſucht um die Wirtſchaftskonzeſſion für ſein
in der Wormſer Straße neu erbautes Haus nach. Die
Entſcheidung des Provinzialausſchuſſes ſoll am 29. Juni
erfolgen. — Es wurde ſodann noch das Urteil in dem
Enteignungsverfahren für die Zufuhrſtraße zum
Süd=
bahnhof verkündet. Die Eigentümer erhalten 2,50 Mark
bis 5 Mark pro Quadratmeter und einige Beſitzer für
Ertragsminderung beſondere Entſchädigungen bis zu 100
Mark. Die Stadt Darmſtadt hatte durchweg 2,50 Mark
pro Quadratmeter angeboten, die Eigentümer verlangten
2,50 bis 5 Mark. Die Stadt hat die Koſten des
Ver=
fahrens zu tragen.
g. Strafkammer. Der 15jährige Auguſt Engel
aus Griesheim hatte bei einer Prügelei zwiſchen
Fort=
bildungsſchülern ſeinem Schulkollegen Budeshetmer mit
einem Eiſenſtab eine blutende Wunde am Kopf zugefügt.
Er war deshalb vom Schöffengericht zu 20 Mark
Geld=
ſtrafe verurteilt worden. Er legte gegen das Urteil
Be=
rufung ein mit der Begründung, er hätte in Notwehr
gehandelt. Aus der Beweisaufnahme ergab ſich jedoch,
daß davon keine Rede ſein kann, da niemand von den
Streitenden einen Stock hatte und Engel fortgeeilt war
und den Stab erſt holte. Die Berufung wurde deshalb
verworfen. — Wegen Betrugs in drei Fällen hatte
ſich der bereits oft vorbeſtrafte 39jährige Knecht Johann
Dewald VIII. von Viernheim geſtern vor der hieſigen
Strafkammer zu verantworten. Er hat ſich im vorigen
Jahre bei drei Landwirten in Bobſtadt, Bürſtadt und
Hofheim als Knecht auf ein Jahr verdingt und das
Mietsgeld von 5 Mark eingeſteckt. Unter Einbeziehung
zweier für gleiche Betrügereien erlittener Strafen wurde
der Angeklagte zu 1 Jahr 10 Monaten
Zucht=
haus und 5 Jahren Ehrverluſt, ſowie zu drei
Geld=
ſtrafen von je 150 Mark bezw. je 15 =Tagen Zuchthaus
verurteilt.
* Herr Stadtverordneter Dr.=Ing. Heydt
iſt vom Reichsverband deutſcher Städte
erſucht worden, ein Referat über „
Bebauungs=
vläne und Kanaliſation in Mittel= und
Kleinſtädten” auf der diesjährigen Tagung des
Verbandes in Berlin zu erſtatten.
* Die ſtädtiſche Rechtsauskunftsſtelle Darmſtadt
gibt ſoeben einen Bericht über ihre Tätigkeit in der
Zeit vom 1. April 1911 bis 31. März 1912 (fünftes
Be=
richtsjahr) heraus, dem wir folgendes entnehmen: Die
ſtädtiſche Rechtsauskunftsſtelle wurde im November 1907
eingerichtet. Ihre Tätigkeit hat den Zweck, gering
be=
mittelten Perſonen ohne Unterſchied des Alters, Ge=
ſchlechtes, Berufes, Standes, Bekenntniſſes und der
Parteiſtellung zum Schutze ihrer Rechte Rat und
Aus=
kunft zu erteilen, ihnen auch nach Möglichkeit bei der
Verfolgung begründeter Rechtsanſprüche durch
An=
fertigung von Schriftſätzen behilflich zu ſein. Sie iſt
dem Verbande der Deutſchen gemeinnützigen und
un=
parteiiſchen Rechtsauskunftsſtellen angeſchloſſen. Im
Berichtsjahr 1911/12 haben 2449 Perſonen (1502 Männer
und 943 Frauen) die Rechtsauskunftsſtelle in Anſpruch
genommen. Es wurden 2444 Auskünfte erteilt. In
86 Fällen haben Vergleichsverhandlungen mit den
Par=
teien ſtattgefunden, die faſt ausnahmslos zu einer
Einigung führten. Nur mit wenigen Ausnahmen haben
die Eingeladenen der Einladung zur
Einigungsverhand=
lung ſtets Folge geleiſtet. Wie früher, ſo wurde auch
im abgelaufenen Jahr Perſonen, die nicht in Darmſtadt
wohnen, auf Nachſuchen mit Rat und Tat beigeſtanden.
Es waren 250 Auswärtige (gegen 236 im Vorjahr)
er=
ſchienen. Von den angelegten 169 Akten (gegen 176 im
Vorjahr), in denen Verhandlungen mit Behörden,
Ver=
ſicherungsanſtalten, Krankenkaſſen und Privaten
ge=
pflogen wurden, betreffen: 6 Krankenverſicherungen, 12
Unfallverſicherungen, 3 Invalidenverſicherungen, 27
Lohn=
forderungen, 12 Unterhaltsforderungen, 24 ſonſtige
Forderungen, 25 Geſindedienſtverträge, 6 ſonſtige
Dienſt=
verträge, 5 Mietverträge, 5 Eheſtreitigkeiten, 5
Nachlaß=
ſachen, 3 Vormundſchaften, 15 Zivilprozeſſe, 7
Straf=
rechts= und Strafprozeſſe, 2 Unterſtützungsgeſuche, 3
Mi=
litärangelegenheiten, 2 Steuerſachen und 7 ſonſtige
An=
gelegenheiten. Ein Anwachſen der Geſchäftsziffern gegen
das Vorjahr wie in früheren Jahren iſt nicht erfolgt;
es wurden, abgeſehen von der Zahl der Schriftſätze,
die Geſchäftsziffern des Vorjahres nicht einmal erreicht.
Dies rechtfertigt jedoch keineswegs den Schluß, daß die
Rechtsauskunftsſtelle bereits die Höhe ihrer
Betätigungs=
möglichkeit erreicht habe oder ein weitergehendes
Be=
dürfnis nach Rechtsberatung beim Publikum nicht
be=
ſtehe. Die ſtädtiſche Rechtsauskunftsſtelle iſt durch ihre
nahezu 5 jährige Tätigkeit für das Publikum eine
unent=
behrliche Einrichtung geworden. In der Erkenntnis,
daß ſie bei ihrer ſeitherigen Organiſation dem Bedürfnis
nach Rechtsberatung nicht genügend Rechnung tragen
kann und geleitet von dem Wunſche, ſie als
Wohlfahrts=
einrichtung auszubauen, hat ſie der Herr
Oberbürger=
meiſter mit Beginn des neuen Geſchäftsjahres als
ſelb=
ſtändige Stelle eingerichtet. Jetzt ſchon, bei Aufſtellung
dieſes Berichtes, kann feſtgeſtellt werden, daß dieſe
Ent=
ſchließung ſegensreiche Früchte tragen wird.
O Süddeutſche Eiſenbahn=Geſellſchaft. Die
Ein=
nahmen im Monat Mai 1912 betrugen: 1.
Perſonen=
verkehr 670 187 Mk. (Mai 1911 604 851 Mk.), 2.
Güter=
verkehr 84316 Mk. (83475 Mk.), 3. Nebeneinnahmen
2550 Mk. (2488 Mk.), 4. Geſamteinnahmen 757053 Mk.
(690814 Mk.).
* Der Ernſt Ludwig=Verein, Heſſiſcher
Zentral=
verein für Errichtung billiger Wohnungen, hält ſeine
Hauptverſammlung am Donnerstag, den
27. Juni, vormittags 10½ Uhr, im Gartenſaale des
Saalbaues zu Darmſtadt mit folgender Tagesordnung
ab: 1. Eröffnung der Verſammlung und Begrüßung der
Erſchienenen. 2. Geſchäftsbericht für das Jahr 1911,
Rückblick auf die bisherige Tätigkeit, Ausblick für die
Zukunft (erſtattet von dem Generalſekretär
Landes=
wohnungsinſpektor Gretzſchel=Darmſtadt). 3.
Kaſſen=
bericht. 4. Neuwahl von Vorſtandsmitgliedern. 5. Die
Fortbildung der heſſiſchen Wohnungsgeſetzgebung.
Referent: Bürgermeiſter Dr. Frenay=Bensheim.
* Auslandsreiſen deutſcher Arbeiter. Bereits im
Vorjahre haben 50 deutſche Männer, größtenteils dem
Ar=
beiterſtande angehörend, aus Frankfurt a. M., Offenbach,
Darmſtadt, Höchſt a. M., Wetzlar, Rüſſelsheim und
anderen Orten des Rhein=Main=Gebietes, ſowie 50
Teil=
nehmer aus Düſſeldorf eine 10tägige Reiſe nach England
gemacht. Die Reiſenden waren dort Gäſte der
Angehöri=
gen der Adult Schools (Schulen für Erwachſene, einer
weitverzweigten engliſchen Volksbildungsorganiſation).
Um Pfingſten haben Angehörige jener engliſchen
Organi=
ſation Deutſchland beſucht und ſich unter anderem 3 Tage
in Wiesbaden und Frankfurt aufgehalten. Der
Frank=
furter Ausſchuß für Volksvorleſungen, als reiſeleitende
Körperſchaft, wird nun wieder einen Gegenbeſuch von
Frankfurter Arbeitern veranſtalten, denen ſich eine
An=
zahl von Arbeitern aus den zum Rhein=Mainiſchen
Verband für Volksbildung gehörigen Ausſchüſſen und
Vereinen anſchließen können. Auch Frauen und Mädchen
Feuilleton.
* Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben. Das
lite=
ariſche Intereſſe des Kaiſers bekundete ſich
ieſer Tage darin, daß er einen ganzen Roman im
Fa=
lilienkreiſe vorlas. Es handelte ſich hierbei um Walter
Ioems bekanntes Buch Das eiſerne Jahr‟ Die
packen=
en Schilderungen, die Bloem von dem Aufmarſche der
eiden Armeen 1870, ſowie von den Gefechts= und
Schlacht=
zenen in dem großen Kriege gibt, hatten den Kaiſer
un=
ewöhnlich gefeſſelt. Wie wir weiter hören, hat Walter
3loem ſoeben einen neuen Roman aus dem Jahre 1870
ollendet, der ſich inhaltlich an ſeinen erfolgreichen
Kriegs=
oman „Das eiſerne Jahr” anſchließt. Der Dichter hat
ich den größten Teil des Sommers 1911 hindurch in
Frankreich aufgehalten, um an Ort und Stelle ſeine
Stu=
ien zu machen. Das Werk wird im September 1912
er=
heinen.
Sarah Bernhardt in einem Stücke ihres
Johnes. Aus Paris wird berichtet: Im kommenden
september werden die Londoner im Koloſſeum die
Urauf=
ihrung eines einaktigen Theaterſtückes von Maurice
zernhardt erleben, dem Sohne Sarah Bernhardts. Die
Nutter des Dichters aber wird dabei in dem Werke ihres
ohnes die Hauptrolle kreiern. Das Drama, das den
itel führt „Eine Weihnachtsnacht während der
Schreckens=
eit” ſpielt im Jahre 1793. Maurice Bernhardts
Mit=
rbeiter bei der Abfaſſung des Stückes war Henry Cain.
* Der letzte franzöſiſche Klaſſiker. (Zu des älteren
rébillon 150. Todestag, 17. Juni.) Es liegt etwas
Tra=
iſches in dem Schickſal von Künſtlern, die ihre Anxegung
nd Bildung in einer großen Zeit empfingen und dann
n eine neue, andersartige Epoche hinüberleben, in der
e als fremdartig unverſtandene Erſcheinungen ſtehen. Ein
olches Los war dem letzten Vertreter des franzöſiſchen
aſſiſchen Stils, dem älteren Crébillon, beſchieden, der ſich
ls Schüler des großen Corneille fühlte und in ſeinen
dramen das Grandioſe und Heldenhafte, das Furchtbare
nd Leidenſchaftliche verherrlichte, während rings um ihn
er die zierlich=geſchmeidige, dem Kleinen und Niedlichen
rgebene Kunſt des Rokoko aufwuchs. Im eigenen Sohn,
em vielgeleſenen Verfaſſer frivol=amüſanter Romane,
er=
and ihm ein Gegenbild, wie es ſchroffer nicht gedacht
wer=
en kann. Der Vater hatte in ſeinen Manieren etwas
Bar=
ariſches und Soldatenhaftes; er trennte ſich nie von der
in den Salons damals ſo ſtreng verpönten Tabakspfeife
und lebte in wenig ſauberer Umgebung mit einer
Mena=
gerie von zehn Katzen und zwanzig Hunden; der Sohn
aber war ein geſchniegelter Stutzer voller Eleganz und
leichter Grazie. Das Ueberkräftige und Wilde ſeines
We=
ſens kam auch in der Poeſie des älteren Crébillon zum
Ausdruck; er hatte eine Vorliebe für ungebändigte Wut
für Raſerei und Verbrechen und ſuchte das Erhabene
viel=
fach im Gräßlichen, wobei er eine gewiſſe Größe und Kraft
der Anſchauungen zeigte. So verdiente er vollauf den
Beinamen des Schrecklichen” aber die ſtolze, heroiſche
Wucht Corneilles lebt doch auch in manchen ſeiner Stücke,
ſo vor allem in „Radamiſte et Zenobie” und in ſeinem
Catilina, mit dem er ſeinem Feinde Voltaire und deſſen
Catilina=Drama entgegentrat. Sein hoher Ruhm in einer
ſo völlig anders gearteten Zeit ſchrieb ſich aus dem
glück=
lichen Unglück her, daß er als gefährlicher Nebenbuhler
Voltaires galt und daher vom Hof und beſonders von der
Pompadour offiziell gegen den reſpektloſen Spötter
aus=
geſpielt wurde. Dieſer Ruhm ward auch in Deutſchland
lange Zeit anerkannt, obwohl Leſſing bereits in der
Thea=
traliſchen Bibliothek, den Vernichtungskrieg der
Hambur=
giſchen Dramaturgie vorausnehmend, ihn ſcharf verurteilt
hatte. So gehörte noch Karl Auguſt von Sachſen=Weimar
zu ſeinen Verehrern und ſuchte Goethe 1799 zu bereden,
eines ſeiner Werke, etwa wie den Voltaireſchen Mahomet,
zu bearbeiten. Goethe hat damals in einem Brief an
Schiller das treffendſte Urteil über dieſen letzten
franzöſi=
ſchen Klaſſiker gefällt: „Crébillon iſt auf eine ſonderbare
Weiſe merkwürdig. Er behandelt die Leidenſchaften wie
Kartenbilder, die man durcheinander miſchen, ausſpielen,
wieder miſchen und wieder ausſpielen kann, ohne daß ſie
ſich im geringſten verändern. Es iſt keine Spur von der
zarten chemiſchen Verwandtſchaft, wodurch ſie ſich anziehen
und abſtoßen, vereinigen, neutraliſieren, ſich wieder
ſchei=
den und herſtellen. Freilich gewinnt er auf ſeinem Weg
Situationen, die auf jedem anderen unmöglich wären.”
ml. Die reichſten Frauen im Dollarlande. Die 72
jäh=
rige Chriſtina Arbuckle iſt ſoeben von Gerichts wegen als
Verwalterin des 140 Millionen Mark betragenden
Ver=
mögens beſtätigt worden, das ihr Bruder, der vor einigen
Monaten verſtorbene Zuckerkönig, hinterlaſſen hat. Damit
iſt das bisherige Trio der amerikaniſchen Frauen, die das
ausſchließliche Verfügungsrecht über enorme Reichtümes
beſitzen, zum Quartett erweitert worden. Dieſes Trio der
Dollarfürſtinnen ſetzte ſich aus Mrs. Harriman, der der
verſtorbene Eiſenbahnmagnat 600 Millionen hinterlaſſen
hat, Mrs. Ruſſell Sage, die von ihrem Gatten 320
Mil=
lionen Mark erbte, und Mrs. Hetty Green zuſammen, die
ein ſelbſterwoxbenes Vermögen von 400 Millionen Mark
beſitzt. Das weibliche Kröſusquartett verfügt insgeſamt
über einen Beſitz, der ein Kapital von 1 Milliarde 460
Mil=
lionen repräſentiert. Miß Arbuckle, die vierte im Bunde
der amerikaniſchen Multimillionärinnen, zeigt die gleichen
perſönlichen Charaktereigenſchaften, die ihre genannten
drei Genoſſinnen kennzeichnet. Sie lebt äußerſt beſcheiden,
verkehrt nur mit ein paar Freunden, protzt nicht mit ihrem
Reichtum und widmet die Muße, die ihr die
Vermögens=
verwaltung läßt, der Arbeit im Dienſte der Wohltätigkeit,
die ſie in aller Stille übt.
ml. Die Seidenzucht auf den Philippinnen. Das
Ento=
mologiſche Inſtitut in Manila, der Hauptſtadt der
Philip=
pinen, hat kürzlich eine Denkſchrift herausgegeben, in der
es über die Verſuche Bericht erſtattet, die Seidenzucht auf
der Inſelgruppe wieder zu beleben. Schon im 16.
Jahr=
hundert hatten die Jeſuiten die Kultur des
Maulbeer=
baums auf den Philippinen eingeführt, aber in der
ſpä=
teren Zeit der ſpaniſchen Herrſchaft iſt die Seideninduſtrie,
die es anfangs zu einer gewiſſen Blüte gebracht hatte,
wie=
der verfallen und ſchließlich gänzlich in Vergeſſenheit
ge=
raten. Als die Amerikaner das Land eroberten, war dort
von der Seidenzucht keine Spur mehr vorhanden. Die
neuen Herren der Philippinen gingen aber bald daran,
die alte Induſtrie wieder zu beleben. Vor ungefähr ſechs
Jahren wurde eine Anzahl Maulbeerpflanzen aus China
importiert und gleichzeitig Eier des Seidenſchmetterlings
ins Land gebracht. Die Regierung erließ ſtrenge
Beſtim=
mungen über den Import von Seidenraupen, die die
junge Induſtrie vor der Einſchleppung der Krankheiten
behüten ſollten, mit denen die Seidenraupe oft behaftet
iſt, und die z. B. in den Vereinigten Staaten der
Seiden=
ultur ſchon ſehr ſchädlich geweſen ſind. Im Jahre 1905
begann man auch die Eier des japaniſchen
Seidenſchmet=
terlings einzuführen; es erwies ſich aber als unmöglich,
die Eier der nächſten Generationen am Leben zu erhalten.
Zwei Jahre darauf ſtellte man dagegen Experimente mit
vier Schmetterlingsarten aus Ceylon an, die von beſtem
Erfolg gekrönt waren. Auch die Verſuche mit den
ſoge=
nannten Attacus rieini, der von der Rizinusölpflanze, die
auf den Philippinen wild wächſt, lebt, hatten guten Er=
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Juni 1912.
Nummer 140.
können ſich diesmal an der Reiſe beteiligen. Die
Fahrt=
koſten Frankfurt-London und zurück, einſchließlich
Fahrten in England, Uebernachten und Verpflegung,
Eintrittsgelder uſw., betragen 100 Mark für die Perſon
Im vorigen Jahre iſt der Betrag hierfür in der Regel
ſo aufgebracht worden, daß jeder Teilnehmer einen Teil
desſelben, etwa die Hälfte, aus eigenen Mitteln bezahlt
hat, während der Reſt teils von den angeſchloſſenen
Ver=
bandsvereinen, teils von einzelnen gemeinnützig
denken=
den Perſönlichkeiten, teils von den Induſtriewerken, bei
denen die betreffenden Arbeiter beſchäftigt waren, are
gebracht worden iſt. Es hat ſich gezeigt, daß die
Arbei=
ter, die im vorigen Jahre England beſucht haben, von
ihrer Reiſe ſo vielſeitige Eindrücke und Erfahrungen
mitgebracht haben, daß ſie in den
Volksbildungsorgani=
ſationen vielfach allgemein intereſſierende Vorträge über
die Reiſe hielten und ſo den Erfolg derſelben für den
ganzen Verein nutzbar machten. Auch der deutſchen
In=
duſtrie kommen derartige Arbeiterreiſen zweifellos zu
gute, indem die Reiſeteilnehmer des vorigen Jahres
reichlich Gelegenheit hatten, engliſche Induſtriewerke
kennen zu lernen und daraus ſicher die mannigfachſten
Anregungen bezogen haben. Anmeldungen zu dieſer
Reiſe müſſen bei den örtlichen
Volksbildungsvereins=
gruppen eingebracht werden, die auch alle nötigen
Aus=
künfte erteilen können. Die endgültige Auswahl der
Reiſeteilnehmer erfolgt Ende Juni. Organiſationen
oder Fabrikleitungen, die noch keine Zweigorganiſation
des Rhein=Mainiſchen Verbandes für Volksbildung
be=
ſitzen und einzelnen Arbeitern die Englandreiſe
ermög=
lichen möchten, wollen ſich mit der Geſchäftsſtelle des
ge=
nannten Verbandes in Frankfurt a. M., Stiftſtraße 32,
in Verbindung ſetzen. Meldungen aus Darmſtadt
ſind ausſchließlich an den Verein der Bildungsfreunde,
z. H. des Herrn Ernſt Heller, Grafenſtraße 27, zu
richten.
* Eine volkshygieniſche Ausſtellung iſt für einige
Tage im Kaiſerſaal untergebracht. Es werden dort an
Wachsmodellen die verſchiedenen organiſchen
Krankhei=
ten, namentlich ſolche, die durch Alkohol und ſeruelle
Aus=
ſchreitungen erzeugt werden, dem Beſchauer mit
er=
ſchreckender Deutlichkeit vor Augen geführt. Die
Aus=
ſtellung iſt für den billigen Preis von 20 Pfg. zu
beſich=
tigen. Ein Beſuch der Ausſtellung, die in mancher
Hin=
ſicht empfehlenswerte Anregungen gibt, kann erwachſenen
Perſonen empfohlen werden.
* Der Ortsgewerbeverein beſicht igt heute Montag
nachmittag die Gandenbergerſche Maſchinenfabrik (Georg
Göbel.) (Näheres Anzeige.)
C. Unſere Platanen. Wie ſchon öfter in früheren
Jahren, ſind auch heuer viele Platanen von einer
Krank=
heit heimgeſucht, die ſich in dem Verwelken zahlreicher
Blätter äußert. So iſt z. B. auf dem Marienplatz der
Boden davon überſät. Die Urſache der Erſcheinung iſt
in einem Pilz zu ſuchen.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Expe=
dition Rheinſtraße 23 ſind von heute ab folgende Bilder
neu ausgeſtellt: Der Flieger Hirth ſtartet in
Johan=
nisthal zum Fernflug Berlin-Wien; das Großfeuer in
Stambul; Schutzleute vor dem Parlamentsgebäude in
Budapeſt; die Merriſonſtraße in Peking nach der
Plün=
derung.
2 Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Butter ½ Kg. 1,50 M., in Partien
1,40 M., Eier 6—8 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 22—25 Pf.,
Handkäſe 4—10 Pf., vorjähr. Kartoffeln Zentner 5—6 M.,
Kumpf (10 Liter) 80—90 Pf., ½ Kg. 7 Pf., Mäuschen ½ Kg.
14 Pf., neue Italiener ½ Kg. 10 Pf., neue Malta ½ Kg
15—16 Pf.; Obſt: Kirſchen ½ Kg. 38—50 Pf.,
Walderd=
beeren ½ Ltr. 55—60 Pf., Ananas ½ Kg. 60—70 Pf.,
Johannisbeeren ½ Kg. 25 Pf., unreife Stachelbeeren
½ Ltr. 20 Pf.; Salat, Gemüſe u. dgl.: Kopfſalat 3 bis
5 Pf., Bündel Radieschen 2—3 Pf., Bündel Rettiche 8
bis 10 Pf., Stück 10—12 Pf., Bündel Römiſch=Kohl 2 Pf.,
Spinat ½ Kg. 16 Pf., Meerrettich 15—30 Pf., Zwiebeln
Kg. 10 Pf., Tomaten ½ Kg. 40 Pf., Wirſing 10 bis
30 Pf., Blumenkohl 10—60 Pf., Weißkraut 30 Pf.,
Spar=
geln ½ Kg. 50—55 Pf., Schälgurken 20—50 Pf.,
Einleg=
gurken 6—8 Pf., Bündel Karotten 4—10 Pf., Kernerbſen
Kg. 20 Pf., grüne Bohnen 40 Pf., Kohlrabi 3—6 Pf.,
Bündel Roterüben 10 Pf.; Geflügel, Wild: Gänſe
½ Kg. 1,40 M., Enten 4—5 M., Hahnen und Hühner
2,00—2,20 M., Tauben 70 Pf., Lapins 90 Pf., Reh ½ Kg.
folg. Es iſt daher anzunehmen, daß die Seideninduſtrie
auf den Philippinen in kurzer Zeit einer neuen
Blüte=
periode entgegengehen dürften.
* Der Raucherkrieg in der Straßenbahn. Ein heißer
und erbitterter Krieg hat den Frieden von Kanſas City
geſtört: die Straßenbahngeſellſchaft hat das Rauchen in
den Wagen verboten und ihr Perſonal angewieſen, jeden
Raucher zur Rede zu ſtellen. Die Wagenführer aber ſollen
nicht weiterfahren, wenn ein Fahrgaſt raucht und ſich
wei=
gert, damit aufzuhören. Von dem Tage dieſer Verfügung
an ſind die ſonſt ſo friedlichen Straßenbahnwagen von
Kanſas City ein Schauplatz wilder Kämpfe, das heiße
Blut der ſüdlichen Amerikaner kennt keine Skrupel, die
ganze Stadt iſt in zwei Parteien geſchieden und jeder
bringt ſeine Argumente lieber mit der Hand als mit
Worten vor. Ueberall ſtehen auf den Straßen
bewegungs=
los die Wagen, aus dem Innern aber ertönen wilde Rufe
dunkle Geſtalten prallen aneinander, Schreie ertönen, und
hie und da fliegt irgend ein Raucher in großem Bogen
aus dem Wagen. Die Frauen weigern ſich, ihr Billett zu
löſen, wenn jemand raucht, ſie proteſtieren erregt, und viele
von ihnen laſſen vor dem Ausſteigen ihrem Temperament
die Zügel ſchießen und legen ihre fünf Finger mit einem
ſehr hörbaren Ruck auf die Backe des Uebeltäters. Sie
werden in ihrem Kampfe gegen die Raucher durch das
Verhalten des Tabak=Truſts gereizt; am Mittwoch abend
kam es zu wilden Prügeleien. In der ganzen Stadt
über=
fielen Männer und Burſchen mit Taſchen voll Zigarren
und Zigaretten die Wagen: der Tabak=Truſt hatte es ſich
angelegen ſein laſſen, alle mit Rauchzeug zu verſehen. Die
Kondukteure verhalten ſich neutral, die Raucher und
Nicht=
raucher liefern ſich ihre Schlachten. Wie es enden ſoll, iſt
noch ungewiß, eine Vermittelungsaktion wird eingeleitet.
* Ein Hecht, der Tintenfäſſer fraß. Aus Auw a. d. Kyll
(Eifel) ſchreibt man der Köln. Ztg.: Der hier mit ſeiner
Familie zur Kur weilende Lord Charles G. Stringbeans
aus Devonſhire (England) hatte ſeltenes Glück beim
An=
geln in der Kyll. Im tiefen Waſſer oberhalb der Heinz
Kyller=Mühle gelang es ihm, einen 1,17 Meter langen,
11½ Pfund ſchweren Hecht zu fangen. Von der
Gefräßig=
keit eines ſolchen Exemplares bekommt man einen Begriff,
wenn man erfährt, daß ſich in ſeinem Magen eine 415
Gramm ſchwere Forelle, ſowie die noch unverdauten Reſte
dreier anderer größerer Fiſche befanden. Das
Merkwür=
digſte war jedoch außer verſchiedenen Kleinigkeiten ein noch
etwas Tinte enthaltendes Tintenfaß in ſilbernem
Behäl=
ter, der vollſtändig oxydiert war.
Keule und Ziemer 1,50—1,60 M., Bug 90 Pf.; Fiſche
½ Kg.: Hecht 80 Pf., Karpfen 1 M., Aal 1,50 M., andere
Rheinfiſche 35—60 Pf., Rotzungen 80 Pf., Schollen 35 Pf.,
Kabeljau 20—30 Pf., Schellfiſche 25 Pf., Seelachs 19 bis
24 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch 60
bis 66 Pf., Hackfleiſch 70—80 Pf., Rindsfett 60 Pf.,
Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf., Kalbfleiſch 90 Pf.,
Schweine=
fleiſch 84 Pf., geſalzenes und Koteletts 90 Pf.,
Schwarten=
magen u. Fleiſchwurſt 80 Pf., Leber= u. Blutwurſt 70 Pf.
Pfungſtadt, 14. Juni. Zur Erbauung einer
elektriſchen Straßen bahn na ch
Pfungſtadt erfährt der Pf. A., daß die
Heſſiſche Eiſenbahngemeinſchaft Zugeſtändniſſe an
die Vorortgemeinden gemacht habe. Die
Ge=
ländeforderungen an die Stadt Pfungſtadt ſollen
be=
raits inſofern eingeſchränkt worden ſein, als nur noch
die Strecke von Bahnhof Eberſtadt bis Pfungſtadt in
Betracht gezogen wird, dagegen das Gelände in der
Pfungſtädter Gemarkung (Malcher Tanne), das zur
Wei=
terführung der Strecke Eberſtadt-Malchen-Seeheim-
Jugenheim benötigt wird, jetzt durch die
Eiſenbahn=
geſellſchaft von der Stadt Pfungſtadt gekauft werden
ſoll. Auch bei der geforderten Zinsgarantie ſoll die
Ge=
ſellſchaft ſich mit einer Zinsgarantie von 3 Jahren bei
rentablem Betrieb und 10 Jahren bei unrentablem
Be=
triebe begnügen wollen.
s. Bickenbach, 15. Juni. Geſtern brach in der
Hof=
reite von Hennemann ein Brand aus, der die
Scheune, die Stallungen und weitere Nebengebäude in
Aſche legte. Der Feuerwehr gelang es, eine
Weiterver=
breitung des Feuers zu verhindern. Der Brand iſt durch
Kinder, die mit Feuer ſpielten, verurſacht worden.
h- Zwingenberg, 14. Juni. Der in Auerbach lebende
Oberſt z. D. Brentano ſtiftete für die neue katholiſche
Kirche hier ein wertvolles Kunſtglasfenſter. Die
Katho=
liken Auerbachs ſind hierher eingepfarrt.
-h- Auerbach, 14. Juni. Heute vormittag ſtarb
hier in dem hohen Alter von 96 Jahren der Rentner
Joh. Ph. Trayſer. Der Verſtorbene war im Jahre
4806 hier geboren, lernte das Schreinerhandwerk und
gründete ſpäter, nach großen Reiſen im In= und
Aus=
lande, in Stuttgart eine Klavier= und Harmoniumfabrik.
Seine Fabrikate, insbeſondere die Harmoniums, hatten
ſeinerzeit Weltruf und viele Miſſionsſtationen in fernen
Weltteilen bezogen ihre Harmoniums von Herrn Trayſer
in Stuttgart.
— Auerbach, 15. Juni. Man ſchreibt uns: Der
Feſt=
ausſchuß für das am Sonntag, den 30. Juni,
nachmit=
tags, auf dem Auerbacher Schloß ſtattfindende
Volks=
feſt (Burgfeſt) iſt rührig an der Arbeit, um alle
Vor=
kehrungen pünktlich und umfaſſend zu treffen. Das
Intereſſe für das Feſt wächſt von Tag zu Tag,
insbeſon=
dere hat es den Anſchein, als ob der Erwartung des
Aus=
ſchuſſes, daß die Bevölkerung, der Grundidee des Feſtes
folgend, in großer Zahl Odenwälder oder heſſiſche Tracht
anlegen möchte, entſprochen werden wird.
Vorausſicht=
lich ſtehen recht wertvolle Preiſe für die echteſten und
beſten Trachten zur Verfügung, und wenn nicht alles
täuſcht, wird auch die Tombola mit Gewinnen ſo
reich=
lich ausgeſtattet werden können, daß „jedes Los
ge=
winnt‟ Die mit Tannen und Birken geſchmückten
wei=
ten Reſtaurationsräume werden mit Eintritt der
Dunkel=
heit durch farbige Lampions beleuchtet werden und die
Schloßbeleuchtung wird glänzend und umfaſſend ſein.
Es iſt andauernde und gleichzeitige Beleuchtung an über
20 Stellen angeordnet, wodurch eine intenſive Beleuchtung
der Burg von innen und außen erzielt werden wird. Die
Fackelpolonäſe, unter Vorantritt der Muſik, dürfte, wie
immer bei Gartenfeſten, ein Hauptpunkt der
Veranſtalt=
ung ſein. Die Vorträge unſerer bewährten und tüchtig
geleiteten Geſang= und Turnvereine, die
Volksbeluſtig=
ungen (Sacklaufen, Wurſtſchnappen uſw.), der Tanz in
der geräumigen Halle, ſowie Militärkonzert während des
ganzen Nachmittags und Abends ſind dann noch
Veran=
ſtaltungen, die die Zeit nur allzu ſchnell verſtreichen laſſen
werden. Da die letzten Anſchlußzüge nach
Worms-Heppenheim-Heidelberg erſt um 11,17 Uhr,
nach Darmſtadt-Frankfurt um 12,10 Uhr (Schnellzug)
und um 12,42 Uhr (Sonntagszug) Auerbach verlaſſen,
dürften auch unſere lieben und ſtets willkommenen
Freunde und Gönner aus den Nachbarſtädten unſer Feſt
gern beſuchen.
Bensheim, 15. Juni. Wie bereits bekannt gegeben,
veranſtaltet der Odenwaldklub, Sektion Bensheim, am
Sonntag, den 30. Juni d. J., in Knoden ein Odenwälder
Volksfeſt. Das reichhaltige Programm verſpricht einen
genußreichen Nachmittag; Mädchen mit ſchönen und echten
Odenwälder Trachten in großer Zahl ſind ſicher
gleich=
falls ein Anziehungspunkt für viele Beſucher. Aus dem
Programm ſei einiges hier angeführt: Um 2 Uhr Feſtzug
mit vorangehender Muſikkapelle zum Ernſt Ludwig=Turm,
hier Geſang, Konzert und Begrüßung; nach Rückkehr zum
Feſtplatz Volksbeluſtigung auf den herrlichen Knodener
Wieſen, verſchiedene humoriſtiſche Darbietungen,
Kon=
zert, Tanz, Reigen und Geſänge der Mädchen in
Oden=
wälder Tracht.
sd. Beerfelden, 13. Juni. Geſtern abend fiel im
nahen Finkenbach der 72jährige Auszügler Georg
Sie=
fert IV. ſo unglücklich die Treppe herab daß er an den
Folgen des Sturzes ſtarb. Die ärztliche Unterſuchung
ſtellte feſt, daß der Sturz infolge eines Schlaganfalles
geſchehen iſt.
Offenbach, 14. Juni. Das Großherzogspaar
beſuchte heute, von Schloß Wolfsgarten kommend, die
von dem Architekten Profeſſor Hugo Eberhardt
er=
ſtellten großen Geſchäftsbauten der Lederfabrik J.
Mayer u. Sohn, die im Innern monumentale, mit
Werken der Plaſtik geſchmückte Hallen und eine Reihe
reicher, moderner Räume aufweiſen, unter denen
insbe=
ſondere die Zimmer des Chefs und der Sitzungsſaal eine
künſtleriſche Note tragen. Gleichzeitig traf der
Großher=
zog die Entſcheidung über einen engeren Wettbewerb um
den von Geh. Kommerzienrat Ludo Mayer geſtifteten
„Ernſt=Ludwig=Brunnen” der als ein Wahrzeichen des
künſtleriſchen Aufſchwunges des Heſſenlandes vor dem
alten Iſenburger Schloß in dem von demſelben
Architek=
ten durch den Neubau der Offenbacher Techniſchen
Lehr=
anſtalten geſchaffenen Schloßhof errichtet werden ſoll.
Als Sieger ging aus der Konkurrenz Profeſſor Jobſt=
Darmſtadt hervor, während Bildhauer Killer=München
und Bildhauer Huber= Offenbach den zweiten und dritten
Preis erhielten. Weitere Preiſe erhielten Riediſſer=
Flo=
renz, Hausmann=Frankfurt und Sand=München.
Offenbach, 14. Juni. Als mutmaßlicher
Mör=
der der Frau Zimmermann in Kronberg wurde
von der hieſigen Kriminalpolizei der 26 Jahre alte
Arbei=
ter Johann Hopf aus Bayern verhaftet, der bis zum
1. Juni dieſes Jahres in Kronberg gearbeitet hatte. Er
kam dann nach Offenbach, wo er in der Schloßſtraße 22
vorübergehend Wohnung genommen hatte. Hopf wurde
bereits vor einigen Tagen unter dringenden Verdachts=
momenten von der Polizei ſiſtiert, mußte aber mange
Beweiſes wieder auf freien Fuß geſetzt werden. Geſte
abend brachte ſich Hopf mit ſeinem Taſchenmeſſer
ſelbſtmörderiſcher Abſicht in ſeiner Wohnu
einen Stich in die linke Bruſtſeite bei. Er wurde dur
die Polizei und Rettungswache nach Anlegung eines Ni
verbandes in das Städtiſche Krankenhaus verbracht,
ſich jedoch ſeine Verletzungen als ungefährlich herausſte
ten. Heute morgen wurde Hopf von dem Kriminalwad
meiſter Nellwig aus dem Krankenhaus zu einer Vernehr
ung wieder abgeholt, wobei ſich die
Verdachtsmomer=
verſtärkten. Hopf wird heute nachmittag nach Frankfu
transportiert, um den Zeugen gegenübergeſtellt zu we
den. Nach einer anderen Meldung richtet ſich der
Ve=
dacht, die Frau Zimmermann ermordet zu haben, au
auf einen Kronberger Bürger, der ſich einige Tage ne
dem Morde in Eiſenach das Leben genommen hat. D
Behörde wollte von dem verdächtigen Toten Fingera
drücke nehmen laſſen, die Leiche des Lebensmüden w.
jedoch bereits eingeäſchert worden.
n. Egelsbach, 14. Juni. Ein bedauerlicher U:
fall ereignete ſich heute morgen 11½ Uhr bei der
Rep=
ratur der Brückenwage am hieſigen Bahnhof. Bei d
Montierung derſelben glitt dem 25 Jahre alten
Strecke=
arbeiter Lotz aus Erzhauſen, Sohn des dortigen St
tionsverwalters, der Brückenwagen=Balken aus, wodur
ihm der Mittelfinger der linken Hand mitten
durd=
geſchnitten und die Finger der rechten Hand gequetſch
wurden. Herr Dr. Nuſch aus Egelsbach legte dem Be
dauernswerten den erſten Notverband an, worauf er m
dem nächſten Zug nach Erzhauſen zur weiteren
Behank=
lung dem dortigen Bahnarzt überwieſen wurde.
— Gießen, 14. Juni. Der Vorſtand der Deutſche
Landwirtſchafts=Geſellſchaft beſchloß, den
Direktor des Landwirtſchaftlichen Univerſitätsinſtitute
Profeſſor Dr. Giſevius in Gießen, in dankbarer
Ar=
erkennung der langjährigen ſorgfältigen Durchführun
von einwandfreien Sortenverſuchen und der
allgemeinen=
uneigennützigen Mitarbeit an den Aufgaben der Deut
ſchen Landwirtſchafts=Geſellſchaft die große ſilbern
Eyth=Denkmünze zu verleihen. Der Präſident de
Deutſchen Landwirtſchafts=Geſellſchaft, Herzog Johan=
Albrecht zu Mecklenburg, Regent des Herzogtums
Braun=
ſchweig, uberreichte dem Genannten dieſe Auszeichnung
in Bad Harzburg am 11. d. M. in der Sitzung des Geſamt
ausſchuſſes.
* Bad Nauheim, 15. Juni. Bis zum 13. Jum ſint
13 898 Kurgäſte angekommen, wovon am genannten
Tag=
noch 7186 anweſend waren. Bäder wurden bis zum 13
Juni 147725 abgegeben.
Ober=Ohmen, 15. Juni. Oberhalb unſeres Dorfes
über der Luhmühle, im Volksmund Lochmühle
genannt=
liegt die Quelle der Ohm. Aus mehreren
Queller=
zwiſchen Erlen ſprudelt hier das Ohmwaſſer. Zwar
be=
ginnt der Ohmlauf ſchon bei Ulrichſtein, allein von hier
fließt der Ohm nur im Winter Waſſer zu. Die Oltellen
über der Luhmühle dagegen ſpenden ununterbrochen
Waſſer. Im vorigen Jahre wurde die Waſſermenge der
Quellen durch die Kulturinſpektion geprüft und gemeſ
ſen. Das Ergebnis war recht gut. Die Waſſermeile
würde zur Anlegung einer Waſſerleitung
fürm=
ſeren Ort, Ruppertenrod, Wettſaaſen uſw. voll genlcch
In den betreffenden Orten fehlt es zwar nicht anu
nen, aber man würde doch in der Mehrheit eine Olelle
waſſerleitung bevorzugen. Dem Projekt ſind
aberGeg=
ner in den an der Ohm gelegenen Mühlen entſtanden.
Die Beſitzer befürchten einen ſolchen Rückgang des Waſs
ſerlaufes durch die Waſſerleitung, daß ihrem
Mühlen=
betrieb ein Ende bereitet wird. Dieſe Mühlenheſitzer
haben daher ihren Anſpruch auf das Recht des
Mühl=
waſſers erheben laſſen. Da gegenwärtig wieder Techmker
der Kulturinſpektion die Quellen beſuchen, ſo dürfte das
Projekt nicht aufgegeben ſein.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 15. Juni. Das
Reichs=
militärgericht hat als letzte Inſtanz die Klage des
Pfarrers Kratz gegen die beiden Offiziere, die
während=
ſeiner Predigt in der Luiſenkirche in Charlottenburg den=
Gottesdienſt verlaſſen hatten, abgelehnt und damit
das Urteil der erſten Inſtanz beſtätigt. — Das Urteil
gegen den Pfarrer Stier wurde in der letzten Nacht
nach mehr als 13ſtündiger Verhandlung von dem
Kon=
ſiſtorium dahin gefällt, daß der Pfarrer wegen
Machen=
ſchaften bei Geländeverkäufen für den
Truppenübungs=
platz bei Zoſſen des Amtsvergehens für
ſchuldiger=
kannt und deshalb mit Amtsenthebung und Verſetzung
in ein anderes Amt beſtraft wird. — Die
Gemeinde=
ſchulen von Lichterfelde unternahmen geſter
auf fünf Dampfern einen Ausflug nach Werder. Auf der
Rückfahrt wurde eines der Schiffe von einem
Kanal=
dampfer zu überholen verſucht. Es kam zu einem
Zi=
ſammenſtoß, doch gelang es dem beſonnenen Vorgehen
des Perſonals, eine Panik abzuwenden. Der beſchädigte
Dampfer konnte zuſammen mit den anderen die
Fahſt=
mit eigener Kraft beenden. — Großes Aufſehen
hat in Wilmersdorf der Selbſtmord eines dorhe
kannten und beliebten Arztes hervorgerufen.
Inſei=
ner Wohnung Bregenzerſtraße hat der 59jährige
Sän=
tätsrat Dr. L. ſeinem Leben ein freiwilliges Ende
be=
reitet. Dr. L. beſaß eine ausgedehnte Praxis und litt
ſchon ſeit Jahren infolge Ueberarbeitung an
hochgradi=
ger Neuraſthenie. Das Leiden verſchlimmerte ſich in der
letzten Zeit ganz erheblich und Dr. L. wurde in den
letz=
ten Tagen von einem beſonders heftigen Anfall
heim=
geſucht. Dem Rate befreundeter Kollegen, eine
Heil=
anſtalt aufzuſuchen, ſetzte der Sanitätsrat jedoch den
hef=
tigſten Widerſtand entgegen. Er erklärte ſeinen
Ange=
hörigen wiederholt, daß er ſich lieber das Leben nehmen
werde, ehe er ein Sanatorium oder ähnliche Anſtalten
aufſuche. Obwohl der Kranke ſtändig ſorgfältig
über=
wacht wurde, fand er am Donnerstag nachmittag doch
Gelegenheit, ſich, ohne daß dies bemerkt wurde, eine
ſtarke Morphiumſpritzung beizubringen, deren
Einwirk=
ung er alsbald erlag. Familienangehörige fanden Dr. L.
bald darauf in ſeinem Arbeitszimmer auf, doch waren
die Wiederbelebungsverſuche zweier Aerzte leider
ver=
geblich. — Vor mehreren Wochen verſchwand nach
Unterſchlagung von 200 Mark der Arbeiter Guſtav Kühn
aus Lichterfelde. Er war in der Holzbearbeitungsfabrik
von Steffens in Lankwitz beſchäftigt und hatte ſich dort
die Unterſchlagung zuſchulden kommen laſſen. Vor 14
Tagen wurde aus dem Teltow=Kanal bei Britz die Leiche
eines Mannes geländet, die von Frau Kühn und
mehre=
ren anderen Verwandten als die des vermißten
Defrau=
danten rekognosziert wurde. Zwei Tage ſpäter erfolgte
auf dem Britzer Friedhof im Beiſein der trauernden
Witwe und der Anverwandten die Beerdigung. Geſtern
abend nun erſchien auf der Lichterfelder Polizei ein
Mann, der ſich Guſtav Kühn nannte, in der Jägerſtraße 17
wohnen wollte, und bat, inhaftiert zu werden, da er der
Tirma Steffens in Lankwitz 200 Mark unterſchlagen habe.
der Beamte erwiderte, daß er ſich einen falſchen Namen
eigelegt haben müſſe, da ja nach den Akten= Kühn
ge=
orben und beerdigt ſei. Da aber der Mann auf ſeinem
erlangen, wegen der Unterſchlagung verhaftet zu
wer=
en, beſtand, wurde dies erfüllt. Geſtern vormittag
durde nun Frau Kühn geholt; ſie fiel faſt in Ohnmacht,
ls ſie den totgeglaubten Mann lebend vor ſich ſah. Kühn
atte das Geld in Berlin bis auf den letzten Pfennig
erjubelt und ſich dann der Polizei geſtellt. Wie der
irrtum bei der Rekognoszierung der Leiche von Seiten
er Frau und der übrigen Verwandten möglich war, iſt
ätſelhaft, um ſo mehr, als die geborgene Leiche faſt gar
icht entſtellt geweſen war. Die Behörde hat nun ein
weites Rätſel zu löſen, ſie hat feſtzuſtellen, wer der Tote
t, der unter dem Namen des Kühn beerdigt wurde.
zei Rahnsdorf wurde durch ſtarken Wellengang ein
Joppelſkuller voll Waſſer geſchlagen und
ken=
erte. Von den vier Inſaſſen wurden nur zwei durch
in herbeieilendes Motorboot gerettet, nachdem ſie ſich
reiviertel Stunden mit den Wellen kämpfend über Waſſer
ehalten hatten. Die Leichen der beiden Ertrunkenen
nd noch nicht geborgen.
Frankfurt a. M., 15. Juni. In einer einſamen Villa
er Freifrau Emilie von Schenk zu Schweinsberg in
oberheſſen wurden heute nacht von Einbrechern
Ju=
oelen im Werte von 100000 Mark
geſtoh=
en. Darunter befindet ſie ein Perlenkollier, das allein
0000 Mark koſtet. Von dem Diebe fehlt jede Spur. Auf
eine Ergreifung und Wiederherbeiſchaffung der
geſtohle=
ien Juwelen iſt eine Belohnung von 2000 Mark
aus=
geſetzt.
Hanau, 15. Juni. Der Direktor der Seifenfabrik von
ioth, namens Scheinberger, hat eine
Unterſchlag=
ing von über 50000 Mark begangen und wurde
ſeute früh verhaftet. Er iſt ein geborener Frankfurter.
München, 15. Juni. In einem Techniſchen
Bu=
eau wurde geſtern durch Kriminalpolizei eine
Haus=
uchung abgehalten und 21 Zeichnungen von
lpparaten beſchlagnahmt. Die Zeichnungen
atte ein in Regensburg wohnhafter junger Techniker
em Bureau zur Patentanmeldung überſandt.
Gleich=
eitig hat der Techniker, der eine bedeutende Erfindung
uf flugtechniſchem Gebiete gemacht zu haben glaubte,
eine Erfindung einer auswärtigen Macht für eine große
Summe angeboten. Die Staatsanwaltſchaft erhielt
da=
ſon Kenntnis und verfügte, um der Angelegenheit auf
ien Grund zu kommen, die Beſchlagnahme der Zeich
rungen. Die Prüfung im Kriegsminiſterium hat
er=
eben, daß die Erfindung faſt ohne Wert iſt. Von einem
Verrat militäriſcher Geheimniſſe kann alſo keine Rede
ein.
Mülhauſen (Elſaß), 14. Juni. Heute morgen wurde
er Raubmörder Adolf, der die Frau Weber ermordet
ind beraubt hatte, mittels Guillotine hingerichtet.
Bonn, 15. Juni. Die Bonner Korps ſind in den
etzten Jahren mehrfach Gegenſtand heftiger Angriffe in
er Oeffentlichkeit geweſen, die ſich beſonders gegen
über=
riebenen Luxus richteten. Um dieſe Vorwürfe auf ihre
Berechtigung zu prüfen und etwaigen Mißſtänden
ent=
jegenzutreten, ſind, wie man hört, bei dem diesjährigen
llten=Herren=Feſt in Godesberg auf Anregung der Alten
derren der Korps Boruſſia und Palatia und unter Vorſitz
von Exzellenz von Dirkſen (Bonner Pfälzer) 26 Vertreter
iller Bonner Korps zuſammengetreten. Das Reſultat
der eingehenden Beſprechung war die einſtimmig
ge=
roffene Feſtſtellung, daß, wenn auch die
Teuerungsver=
zältniſſe des Bonner Korpslebens von der
Oeffentlich=
eit erheblich übertrieben würden, doch in vielen
Bezieh=
ingen die beſſernde Hand angelegt werden
önne, um unnütze Geldausgaben zu vermeiden. Um
olche Uebelſtände, die ſich im Laufe der Zeit
herausge=
tellt haben, zu beſeitigen, wurde aus den Alten=Herren=
Vereinigungen aller Korps eine Kommiſſion gewählt,
die in feſten Zwiſchenräumen zuſammentreten und den
Aktiven beratend zur Seite ſtehen ſoll.
Remſcheid, 15. Juni. Ein bei einem Bäcker
beſchäf=
tigtes 16jähriges Mädchen drang in das Burean
des Bäckers, zertrümmerte den Schrank, ſtahl 4000 Mark
und flüchtete.
Dresden, 15. Juni. Wegen eines
Stief=
nütterchens mußte der 73 Jahre alte Invalide
Ulbrich auf einen Tag ins Gefängnis. Er hatte am 22.
April von einem Grabe auf dem St. Pauli=Friedhof ein
Stiefmütterchen entfernt, um es auf dem Grabe ſeiner
Frau einzupflanzen. Der Vorgang wurde bemerkt und
zur Anzeige gebracht und es mußte Verurteilung
er=
folgen.
Aus Nordſchleswig, 15. Juni. Ein ſchwerer
Bootsunfall auf der Brederau, einem winzigen
Flüßchen im nordweſtlichen Schleswig, hat über viele
Familien Trauer gebracht. 38 Perſonen, Hofbeſitzer,
Kauf=
leute, Geiſtliche und ihre Angehörigen, unternahmen auf
einem Motorboot einen Ausflug. Es hatten ſich
ihnen einige Gäſte von der däniſchen Inſel Seeland
an=
geſchloſſen. Das Fahrzeug war überfüllt und kenterte
bei Hoiberg. Die Unfallſtelle iſt ziemlich tief, und
anſchei=
nend hat eine Perſon die andere mit ſich hinabgezogen.
So ertranken acht Perſonen: die Tochter und die Nichte
des Paſtors Jörgenſen, die Frau des Kaufmanns
Jen=
ſen, der Hotelbeſitzer Hanſen, drei Töchter von Hofbeſitzern
der Gegend, ſowie die Frau des Hofbeſitzers Beier. 30
Verunglückte, darunter alle däniſchen Gäſte, erreichten das
nahe Ufer; einige ſanken erſchöpft zu Boden, erholten ſich
aber bald.
Breslau, 15. Juni. Kaiſer Franz Joſef von
Oeſterreich, ſowie die Erzherzöge Rainer und
Fried=
rich, ferner von öſterreichiſchen Magnaten die Fürſten
Montenuovo, Joſeph, Adolph und Karl zu
Schwarzen=
berg haben ihre Beteiligung an der großen
hiſtori=
ſchen Ausſtellung zugeſichert, die die Stadt
Bres=
lau im Jahre 1913 zur Jahrhundertfeier der
Freiheits=
kriege in einem eigenen Gebäude veranſtaltet, das neben
einer rieſigen Feſt= und Verſammlungshalle erbaut wird.
Auch einige der größten in Betracht kommenden
öffent=
lichen Sammlungen in Wien, z. B. das Heeresmuſeum,
das kunſthiſtoriſche Hofmuſeum, das Oeſterreichiſche
Mu=
ſeum für Kunſt und Induſtrie, haben ſich bereit erklärt
zur leihweiſen Hergabe von Stücken aus ihrem Beſitz.
Die Ausſtellung wird in großem Umfange ein
anſchau=
liches Bild der Perſönlichkeiten und Ereigniſſe, der
Kul=
tur und Kunſt der Freiheitskriege geben.
Olſum, 15. Juni. Während der Pfarrer und die
Haushälterin ſich in der Kirche befanden, drangen
Ein=
brecher in das Paſtorat, mißhandelten eine in demſelben
befindliche Dame und raubten das Paſtorat
voll=
ſtändig aus. Eine zweite Dame konnte flüchten.
Wien, 14. Juni. In der Sommerfriſche Rodaun
bei Wien tötete der Lehrer Raſchendorfer im
Einver=
ſtändnis mit ſeiner Gattin und ſeinem 19jährigen Sohne
Franz aus erſter Ehe ſeine drei Kinder aus der
zweiten Ehe, und zwar den 14jährigen Otto, die 11
jäh=
rige Anna und den 8jährigen Guſtav, indem er ſie zunächſt
betäubte und ihnen ſodann einen mit Zyankali zerſetzten
11. Jahresverſammlung des Bundes
Deutſcher Vierlehrsvereine.
— Kaſſel, 14. Juni. Heute vormittag 9 Uhr fand
im großen Saale der Murhardt=Bibliothek die 11.
öffent=
liche Hauptverſammlung des Bundes Deutſcher
Verkehrsvereine ſtatt, zu der ſich weit über 100
Teilnehmer eingefunden hatten. Der Bundesvorſitzende
Gundert=Leipzig eröffnete mit begrüßenden
Wor=
ten die Verſammlung und erbat die Erlaubnis, an den
Kaiſer ein Huldigungstelegramm abſenden zu dürfen.
Er dankte ſodann den erſchienenen Vereinsmitgliedern
für ihre Teilnahme und begrüßte beſonders die
behörd=
lichen Vertreter. Sodann teilte er mit, daß der
Geſamt=
vorſtand in ſeiner geſtrigen Sitzung beſchloſſen habe, den
Wirkl. Geh. Rat Leyen=Berlin in Anbetracht ſeiner
großen Verdienſte um die Förderung der deutſchen
Ver=
kehrsintereſſen zum (Ehrenpräſidenten gewählt habe.
Schließlich betonte der Redner noch, daß der Bund
durchaus auf nationalem vaterländiſchen Boden ſtehe
und lebhaften Anteil an den Verhandlungen des in
Stuttgart tagenden Bundes für Heimatſchutz nehme,
deſ=
ſen Beſtrebungen er freudig unterſtütze. Nachdem die
Vertreter der Behörden und der Stadt die Tagung
will=
kommen geheißen hatten, erſtattete nach herzlichen
Dan=
kesworten ſeitens des Vorſitzenden der Geſchäftsführer
Dr. Seyfert den Geſchäftsbericht, demzufolge ſich
der Bund namentlich auf folgenden Gebieten betätigte:
Einführung und Erweiterung von Sonntagsfahrten
und Ferienſonderzügen, Verminderung der Staubplage
auf den Landſtraßen, Einführung eines künſtleriſchen
und für die Fremdenpropaganda wirkſamen
Bilder=
ſchmuckes in den Eiſenbahnwagen, der Schaffung eines
Ausſchuſſes zur Förderung des Reiſeverkehrs auf den
deutſchen Bahnen, großzügiger Werbetätigkeit beſonders
im Auslande, Schaffung von Auskunftsſtellen
über Sehenswürdigkeiten uſw., der Förderung
der Fremdenſtatiſtik. Einſtellung beſſerer Wagen
in die Sonderzüge, Ausſtattung der Züge
mit größerer Geſchwindigkeit, Ferienbeginn in Preußen
und den übrigen Bundesſtaaten uſw. Wie der Bericht
hervorhebt, hat der Bund, der heute 1300 Mitglieder zählt
und dem Verkehrsverbände, Verkehrsvereine, ſowie
Stadt= und Gemeindeverwaltungen angehören, auf den
(genannten Gebieten verſchiedene Erfolge zu verzeichnen.
— Den Reigen der Vorträge eröffnete Juſtizrat
Lebe=
recht (Leipzig) mit einem ſolchen über „Wege und Ziele
des Bundes‟ In den Leitſätzen, die der Referent
auf=
ſtellte, heißt es, daß es Sache des Bundes ſei, die
Heran=
ziehung des ausländiſchen Fremdenverkehrs durch
Erhal=
tung einer großzügigen Werbetätigkeit aufrecht zu erhal=
ten. Der Bund wird ſich in ſeinen Beſtrebungen ſtets
nur von gemeinnützigen Rückſichten leiten laſſen. Der
Bund fordert alle ſeine Mitglieder, die Preſſe und die
ge=
ſamte Oeffentlichkeit auf zum Kampf gegen die
Gleich=
gültigkeit und zur Mitarbeit an ſeinen idealen Zielen.
Privatdozent Dr. Wolfff, Direktor des Statiſtiſchen
(Amtes der Stadt Halle, ſprach über das Thema „
Frem=
denverkehr und Volkswirtſchaft” — Profeſſor Kamp
((Bonn) hielt ſodann einen Vortrag über die „ethiſche
Be=
deutung des Fremdenverkehrs” In ſeinen
Ausführun=
gen ſtreifte er auch die Frage der Jugendpflege, die auch
von den Verkehrsvereinen unterſtützt werde. Der Jugend
vor allem müſſe dringend ans Herz gelegt werden, daß
ſie danach ſtrebe, in erſter Linie das ſchöne deutſche
Vater=
land kennen zu lernen. Damit war die Tagesordnung
erſchöpft. Der Vorſitzende ſchloß mit nochmaligen
Dan=
ckesworten an die Ehrengäſte und alle Teilnehmer an der
Tagung die Verſammlung. — Im Anſchluß an die
Ver=
handlungen fand ein von der Stadt gegebenes Frühſtück
im Ratskeller ſtatt, für den Abend iſt ein Feſteſſen im
Grand=Hotel „Wilhelmshöhe” vorgeſehen.
Himbeerſaft einflößte. Der Lehrer beging hierauf mit
ſeiner Frau und ſeinem Sohne Franz Selbſtmord.
Als Motiv werden mißliche finanzielle Verhältniſſe
an=
gegeben.
Rom, 15. Juni. In den Abruzzen nahm die
Polizei den Chauffeur Sarrotini feſt, als er mit
ſei=
nem Omnibus am Chieti anlangte. Seinerzeit war in
Paris unter den Papieren der Bande Garnier und
Bon=
not die Chauffeurlizenz und die Photographie
Sarro=
tinis gefunden worden. Die italieniſche Polizei war von
Paris aus verſtändigt. Nachforſchungen ergaben, daß
Sarrotini, der lange Zeit in Paris gelebt hat,
wahr=
ſcheinlich der Geſuchte iſt, worauf ſeine Verhaftung
erfolgte.
Ferrara, 15. Juni. Die Millionärin Frau Zanzi
und ihre ältere Tochter wurden plötzlich vom
Verfolg=
ungswahnſinn erfaßt. Beide flohen nachts in ein
Café, wo ſie ſich in einem Zimmer verbarrikadierten.
Sie konnten trotz aller Vorſtellungen der Polizei nicht
dazu gebracht werden, das Zimmer zu verlaſſen.
Paris, 13. Juni. Drei Perſonen überfielen
einen Handelsreiſenden in Cernay=la=Ville, der den
Räu=
bern in der Nähe des Bahnhofes Boullay=les=Troux
begegnete. Ein Räuber feuerte und verletzte ihn ſchwer.
Die Räuber entflohen im Automobil.
Paris, 15. Juni. Der Agent der Warenbörſe und
ehemalige Handelsgerichtsbeiſitzer Valentin Héna iſt mit
Hinterlaſſung von Paſſiven in Höhe von etwa drei
Millionen verſchwunden. Er wird ſteckbrieflich
wegen Vertrauensbruch und Bankerott verfolgt.
Bukareſt, 14. Juni. Heute früh wurde gegen die
Witwe des früheren Miniſterpräſidenten und Generals
Manu ein Mordverſuch durch einen früheren
Diener unternommen, der ſie erdroſſeln wollte, nachdem
er für 15000 Francs Schmuckſachen geſtohlen hatte. Der
Täter wurde verhaftet. Das Befinden der Ueberfallenen
iſt befriedigend.
Waſhington, 15. Juni. Der Staatsſekretär
für Handel und Arbeit, Nagel, nahm die
Be=
ſtimmungen des Dampferinſpektionsdienſtes an, wonach
alle nach amerikaniſchen Häfen beſtimmten
Ozean=
dampfer mit genügend Rettungsbooten
aus=
geſtattet ſein müſſen, um zugleich alle Paſſagiere und
Mannſchaften aufnehmen zu können.
Albany (New=York), 15. Juni. Die Maſchine des
Zuges, in dem Rooſevelt mit ſeiner Gattin nach
Chi=
cago reiſte, ſtieß an einen großen Stein, der auf die
Eiſenbahnlinie gewälzt worden war. Die Maſchine
wurde beſchädigt, verletzt wurde niemand.
Kongreſſe und Verbandstage.
* Berlin, 14. Juni. Unter Teilnahme von
Regier=
ungsvertretern und Mitgliedern aus allen Teilen des
Reiches fand heute vormittag im Reichstagsgebäude die
16. Generalverſammlung des Deutſchen
Zentralkomitees zur Bekämpfung der
Tuberkuloſe ſtatt. Dr. Delbrück eröffnete die
Verſamm=
lung mit einer kurzen Anſprache, in der er mit ehrenden
Worten der verſtorbenen Mitglieder von dem Kneſebeck
und Geheimrat Fraenkel gedachte und die erfreulichen
Fort=
ſchritte der Auskunfts= und Fürſorgeſtellen, ſowie die
Unterſtützung durch die Reichsgeſetzgebung hervorhob. Mit
Worten des Dankes an alle, welche ihre Arbeitskraft in den
Dienſt der Tuberkuloſeſache geſtellt haben, ſchloß der
Red=
ner. Nachdem vom Generalſekretär Profeſſor Nietner
er=
ſtatteten Geſchäftsbericht für 1911 wurden Beihilfen in Höhe
von 83800 Mark bewilligt. Das Präſidium wird auch in
Zukunft große Sparſamkeit walten laſſen müſſen.
Gegen=
wärtig ſind für erwachſene Lungenkranke in Deutſchland
138 Heilſtätten mit 14079 Betten vorhanden. Fünf
An=
ſtalten nehmen Kranke verſchiedener Stadien in 432 Betten
auf, für Kranke im vorgeſchrittenen Krankheitsſtadium
ſtehen in 128 Anſtalten Abteilungen in den
Kranken=
häuſern zur Verfügung. Für tuberkuloſe Kinder exiſtieren
21 Anſtalten mit 1352 Betten, für Tuberkuloſe=Verdächtigte
und Bedrohte hundert Häuſer mit 8644 Betten. Die Zahl
der Walderholungsſtätten iſt auf 99, der Waldſchulen auf
26 geſtiegen. Die Ausleſe für die Heilſtätten findet in 33
Beobachtungse reſp. Durchgangsſtationen ſtatt.
12. Verbandstag deutſcher
Berufsfeuer=
wehren.
— Köln 14. Juni. Auf dem hier tagenden
Ver=
bandstag des Verbandes deutſcher Berufsfeuerwehren
ſprach Schänker (Frankfurt a. M.) über die Beſchaffenheit
der Gummierung von Schläuchen von Feuerwehren.
Unterſuchungen hätten ergeben, daß Gummierung mit
33½ Prozent reinem Paragummi gutes Material liefere,
vorausgeſetzt, daß das Schlauchmaterial einwandsfrei
ſei. — In der Diskuſſion wurde die Notwendigkeit einer
richtigen Behandlung des Schlauchmaterials betont.
Vielfach würden durch Nachläſſigkeit auch die
beſtgearbei=
beten Schläuche brüchig. — Weiter wurde berichtet, daß
ein Ausſchuß ſich an den Verband deutſcher Hüttenleite
gewandt hat mit dem Erſuchen, das rote Band in allen
induſtriellen Betrieben einheitlich für diejenigen
Rohr=
leitungen vorzuſchreiben, die feuer= oder
exploſionsgefähr=
liche Stoffe aufnehmen. Die Anwendung des roten
Ban=
des lediglich zur Kennzeichnung der Feuersgefahr habe
deshalb großen Wert, weil die Feuerwehr ſich dann
ohne fremde Hilfe über Feuersgefahrmomente
unterrich=
ten kann. — Der Ausſchuß wurde beauftragt, dieſe
Ange=
legenheit weiter zu verfolgen. — In einem weiteren
Vor=
trag ſprach Scholz (Aachen) über kombinierte
Feuer=
melde= und Uhrenanlagen. Für kleinere Städte ſei eine
ſolche kombinierte Einrichtung von beſonderem Wert, da
für ſie die Anlage von Feuertelegraphen eine zu große
Belaſtung bedeuten würde. Die Kombination eigne ſich
auch für Privatfeuermelder in denjenigen Gebäuden, in
denen ſchon Schleifen für elektriſche Uhren vorhanden
ſeien. — Im Anſchluß daran fand eine Beſichtigung der
neuen Automobilfeuerwache ſtatt.
Heer und Flotte.
* Die Verſtärkung unſerer Flotte durch
die kürzlich verabſchiedeten Wehrvorlagen wird, wie der
Tägl. Rdſch. von unterrichteter Seite geſchrieben wird,
teilweiſe ſchon im Herbſt dieſes Jahres verwirklicht
wer=
den. Zuerſt dürfte mit der Bildung des dritten
Geſchwa=
ders begonnen werden, und zwar vorausſichtlich mit den
Linienſchiffen „Kaiſer” und „Friedrich der Große‟
„Kaiſer” iſt am 22. März 1911, „Friedrich der Große” am
10. Juni 1911 vom Stapel gelaufen. Die beiden Schiffe
dürften im September mit den Probefahrten beginnen
und nach deren Beendigung in Dienſt geſtellt werden. Im
nächſten Jahre treten noch die Linienſchiffe „Kaiſerin” und
„Prinzregent Luitpold” hinzu, ſo daß die erſte Diviſion
des dritten Geſchwaders im Herbſt 1913 fertig ſein wird.
Im Jahre 1913 findet auch die Kiellegung des erſten der
drei durch die Flottennovelle neubewilligten Linienſchiffe
ſtatt. Im Herbſt dieſes Jahres wird ferner die
Auf=
klärungsflotte um zwei kleine Kreuzer verſtärkt,
ſo daß ſie künftighin aus vier großen und acht kleinen
Kreuzern beſtehen wird. Die großen Kreuzer ſind „York”,
„Moltke”, „von der Tann” und Goeben‟ Der Ausbau
unſerer Unterſeebootflottille ſoll in der Weiſe
erfolgen, daß wir jährlich ſechs neue Boote bauen, bis
der Stand von 72 Booten erreicht iſt. Bis Ende dieſes
Jahres dürften wir über 18 Unterſeeboote verfügen. Für
das Jahr 1912 ſind durch den Etat 15 Millionen und durch
die Flottennovelle weitere 5 Millionen für den Bau von
Unterſeebooten ausgeworfen. Da ein Unterſeeboot
durch=
ſchnittlich auf 2,5 Millionen Mark zu ſtehen kommt, ſo
wird ſich unſere Marineverwaltung wahrſcheinlich dazu
entſchließen, in dieſem Jahr ſtatt ſechs acht Unterſeeboote
zu bauen. — Für Luftfahrzeuge im Dienſte der
Marine ſind durch die Novelle zwei Millionen bewilligt.
Das Luftſchiff „Z. 3” iſt von der Marine ſchon angekauft
und manövrierte in Wilhelmshaven. Der Ankauf
wei=
terer Luftſchiffe, Aeroplane, und vorausſichtlich auch
Hydro=Aeroplane dürfte bald folgen. Die
Marinever=
waltung hat ſchon mehrere Seeoffiziere und Ingenieure
nach Berlin zu Flugſtudien kommandiert. Das dritte
Geſchwader, mit deſſen Bildung im Herbſt begonnen wird,
dürfte dauernd in Wilhelmshaven ſtationiert werden.
B.B. Die Helgoländer Küſtenbe
feſtig=
ungen. Prinz Heinrich von Preußen weilte dieſer Tage
in Begleitung des Staatsſekretär v. Tirpitz auf der Inſel
Helgoland und beſichtigte in ſeiner Eigenſchaft als
Genes=
ralinſpekteur der Marine die Helgoländer Befeſtigungs=
Anlagen. Gegenwärtig weilt zu gleichem Zweck auch der
Generalinſpekteur des Ingenieur= und Pionierkorps und
der Feſtungen, General der Infanterie Mudra, auf der
Inſel. Neben den Befeſtigungsanlagen wurde
ſelbſtver=
ſtändlich auch die neue Telefunkenſtation einer
Beſichtig=
ung unterzogen. Ueber dieſe Beſichtigungen iſt jetzt ein
Bericht an den Kaiſer in Ausarbeitung.
— Ueber die neuen Kommandierungen
der Generale weiß ein Morgenblatt folgendes
mit=
zuteilen: Zum kommandierenden General des durch die
Militärvorlage bewilligten neuen Armeekorps in
Saar=
brücken iſt, wie wir aus militäriſchen Kreiſen erfahren,
der Generalleutnant Scholz Kommandeur der 21.
Diviſion in Frankfurt a. M. in Ausſicht genommen. Als
künftiger General des neuen Armeekorps in Allenſtein in
Oſtpreußen iſt der Kommandeur der erſten Garde=
Divi=
ſion, Generalleutnant von Below, genannt.
Luftfahrt.
Eine Nachtfahrt im engliſchen Militär=Luftſchiff.
ck. Die Abenddämmerung war ſchon dem Dunkel der
Nacht gewichen, als am Mittwoch abend die Teilnehmer an
dem jüngſten Nachtflug des neuen engliſchen Militär=
Luft=
ſchiffes den mächtigen Schuppen in Farnborough
erreich-
en. Noch lag die „Gamma” neben ihrem Schweſterſchiff
„Beta” im Schutze der weiten Halle, und unter der Auf=
Stite 62),
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Juni 1912.
Nummer 140.
ſicht von drei in Kaki gekleideten britiſchen Fliegeroffizieren
erprobte man vor dem Aufſtieg die Propeller, deren
Ge=
räuſch ſich wie Donner an den Wänden der Halle brach.
Zum erſten Male hatte die britiſche Kriegsverwaltung
einem Journaliſten die Erlaubnis erteilt, an einem
Nacht=
flug teilzunehmen, und in der Daily Mail gibt dieſer
Fahr=
gaſt, der bei ſeinem Debut in den Lüften gleich als
Steuer=
mann fungieren mußte, eine Schilderung dieſes Fluges
durch Sturm und Finſternis.
Die „Gamma” erinnert in der Form an den „Clément=
Bayard‟ Die Gondel iſt ziemlich weit vorn angebracht,
hinter ihr liegen die beiden 45 HP.=Motoren, die die
bei=
den Propeller treiben. Und hinter den Maſchinen iſt der
Poſten des drahtloſen Telegraphiſten, der während der
Fahrt bis auf Entfernungen von dreißig engliſchen Meilen
in ſteter Verbindung mit dem „Hafen” bleibt. Von den
Luftſchiffen anderer Nationen unterſcheidet ſich die „
Gam=
ma” durch eine Eigenart, in der die Engländer gern eine
Ueberlegenheit über den „Zeppelin” ſehen möchten: die
Propeller ſind in ihrer Lage verſtellbar, können in
ver=
ſchiedenen Winkeln arbeiten und drehen ſich beim Start
horizontal, wodurch das Luftſchiff außerordentlich ſteil in
die Lüfte emporgetrieben wird. Nun ſoll die Fahrt
be=
ginnen. Zwei Offiziere, ein Sergeant und der Journaliſt
klettern durch eine Leiter in die Gondel. Die „Hebung”
wird geprüft. Das Gewicht iſt zu groß. Eine
Petroleum=
kanne nach der anderen wird ausgeſetzt. Es genügt nicht.
Da beſtimmt der Kommandant kurzweg, daß der Fahrgaſt
als Steuermann mitarbeiten ſoll: „Sie ſteuern, dann
brauchen wir nur drei Mann an Bord.” Langſam wird
das Fahrzeug aus der matt erleuchteten Halle in die
Finſternis der Nacht hinausgezogen. „Ich ſitze auf einem
kleinen Rohrſtuhl vor dem Steuerrad; die blauen
Mecha=
niler arbeiten noch am Gerüſt der Gondel. „Zurück von
den Propellern!” Und plötzlich zittert unter unſeren
ben der Boden, aus der Schraube mit den vier Flügeln
wird einblitzender Kreis, und im ſelben Augenblick ſetzt der
Kommandant die Pfeife an die Lippen, um das Zeichen
zum Loslaſſen zu geben. Nichts war zu ſpüren, ich merkte
nur, wie die blauen Soldaten neben mir verſanken und
ver=
ſchwanden und mit ihnen die ſchwarzen Umriſſe der
Bäume. Einen Augenblick ſpäter ſind wir ſchon 130 Meter
hoch und offen zu unſeren Füßen liegt ein ſchwarzes
Nichts, aus dem zahlloſe Lichter blinken. „Kurs auf dieſe
Lichter, das iſt der Weg nach London.” Und ich ſitze an der
Steuerung, und das Rad zwiſchen den Knien und zu
meinen Füßen einen erleuchteten Kompaß. Rechts von
meinem Knie iſt ein Hebel zur Handhabung des
Höhen=
ſteuers, das am Heck des Schiffes angebracht iſt. Rings
um mich her in der Gondel liegen Gummiſäcke mit Waſſer:
der Ballaſt. Vorn an der Gondel aber leuchtet ein
Ziffer=
blatt: der Maſchinenanzeiger. Der donnernde und
fauchende Lärm der Schrauben übertönt alle anderen
Ge=
räuſche. Der Wind wird heftiger, ein Regenſturm bricht
los, hin und wieder treibt mir eine Boe klatſchend die
Tropfen ins Geſicht. Und die Lichter unter uns ſcheinen
feſtgewachſen: wir kommen kaum vorwärts. „Wir machen
nur ein paar Meilen, bei dieſem Wind werden wir kaum
nach London kommen,” ſchreit mir der Kommandant ins
Ohr; aber langſam, ganz langſam dringen wir doch vor.
Eine halbe Stunde darauf kommt der Befehl: „Nach
links”, und unter uns dreht ſich langſam der Boden. Nun
haben wir den Wind im Rücken, nun raſen wir am Himmel
dahin. „Langſam nach rechts, die Wendung nicht zu
ſcharf.” Alſo wieder zurück in den Wind. Nun ſehe ich es,
da unten blinken die Lichter der Landungsmannſchaft und
ich ſpüre, daß wir ſchnell ſinken. Die Erde wird deutlicher.
Dann fällt der Kommandant plötzlich zu Boden; ich wußte
nicht, was geſchehen war, aber ſpäter erfuhr ich, daß er
durch eine Oeffnung am Boden der Gondel den Leuten auf
der Erde zugerufen hatte, das Landungsſeil zu faſſen. In
dieſem Augenblick verſtummt die Maſchine und die
Plötz=
lichkeit dieſer ungewohnten Stille wirkt faſt unheimlich.
„Habt Ihrs?” höre ich den Kapitän rufen, und aus der
Tiefe tönt matt ein Ruf zurück. Langſam werden wir
niedergeholt und zwei Minuten ſpäter ſind wir wieder in
dem ſchwarzen Schuppen.”
* Düſſeldorf, 15. Juni. Das Luftſchiff „
Vik=
toria Luiſe” iſt wieder vollſtändig repariert.
Wegen des unſicheren Wetters wurde die Fahrt auf
Sonn=
tag früh verſchoben.
* Wiener=Neuſtadt 15. Juni. Der franzöſiſche
Flieger Mandelli von den öſterreichiſch=ungariſchen
Autoplanwerken ging heute aus 500 Meter Höhe in jähem
Gleitflug nieder. Bei der Landung überſchlug ſich der
Apparat und wurde gänzlich zertrümmert. Der
Flieger blieb unverletzt.
* London, 14. Juni. Das Armeeluftſchiff
„Gamma” das ſchon ſo viele Unglücksfälle zu
verzeich=
nen hatte, verließ heute ſeinen Schuppen in Alderſhot, um
eine Fahrt anzutreten. Während der Fahrt ſah ſich der
führende Offizier plötzlich genötigt, die Reißleine zu ziehen,
um einen Zuſammenſtoß mit einem Fahrikgebäude
auszu=
weichen. Das Luftſchiff fiel hierauf in ſich zuſammen. Die
Gashülle wurde durch das die Fabrik umgebende Gitter
beſchädigt.
Flugpoſt am Rhein und Main.
* Poſtluftſchiff Schwaben” das Samstag früh von
Baden=Baden nach Frankfurt a. M. zurückfahren ſollte, um
nachmittags um 5 Uhr von Frankfurt aus die
Poſtrund=
fahrt über die heſſiſchen Städte anzutreten, iſt von Baden=
Baden nicht abgefahren. In Baden=Baden herrſchte
ſtür=
miſches Wetter. Die Weiterfahrt war für nachmittags
in Ausſicht genommen, unterblieb jedoch ganz.
In=
offizielle eingeſchobene Poſtfahrten wurden in Ausſicht
genommen für Sonntag früh und Montag früh, wobei
Poſt an verſchiedenen Stationen ausgeworfen wird.
Die Luftpoſt verlängert.
D Das folgende Schreiben der Ober=Poſt=Direktion
Darmſtadt wird zur gefl. Kenntnis des Publikums
ge=
bracht: Das Reichspoſtamt in Berlin hat den
Weiterbetrieb der Flugpoſt am Rhein und
Main genehmigt. Die Ober=Poſt=Direktion iſt mit den
Vereinbarungen, welche mit den in Betracht kommenden
Geſellſchaften getroffen worden ſind und nach denen das
Doppelte der vorausſichtlich aufkommenden Poſt
be=
fördert werden kann, einverſtanden. Die erbetene
Zu=
ſicherung, daß keine der in Betracht= kommenden Karten
mit dem amtlichen Flugſtempel beſtellt wird, die nicht
durch die Luft befördert iſt, wird erteilt.
Eine neue Luftwoche.
Die nächſte Woche wird eine neue grüne Marke
(zu 30 Pfennige) heransgegeben, die auf alle
Poſt=
kavteu, nicht nur auf die offiziellen Karten der ver=
floſſenen Poſtkartenwoche, geklebt werden kann. Wie wir
hören, wird dieſe Einrichtung getroffen, um auch den
Abſatz der gewöhnlichen hier noch vorhandenen
Anſichts=
poſtkarten im Intereſſe der Papierhändler zu fördern,
jedoch kann auch die gewöhnliche
Reichspoſt=
karte durch Aufkleben der Luftmarke (zu 30 Pfg.) zur
Luftpoſtkarte gemacht werden.
Hauptverſammlung der „Haſſia”.
*X* Die Kriegerkameradſchaft „Haſſia” hielt ihre
diesjährige Landesverſammlung am Sonntag in
Nie=
ber=Olm ab. Am Tag vorher hatte bereits eine
Be=
ratung des Hauptvorſtandes und am Abend ein
Feſtkom=
mers ſtattgefunden. Die Hauptverſammlung begann
früh 8,50 Uhr und war ſo zahlreich aus allen
Landes=
teilen beſucht, daß der Saal des Reſtaurants Martens
böllig überfüllt war. Es waren Delegierte ſämtlicher
Be=
zirksvereine mit 2547 Stimmen anweſend. Der
Präſi=
dent der „Haſſia” Generalmajor à la suite Frhr. Max
von Heyl, begrüßte die Kameraden und Ehrengäſte
und die Verſammlung gab freudig ihre Zuſtimmung zur
Abſendung von Huldigungstelegrammen an Kaiſer und
Großherzog. Weiter gedachte der Präſident der
verſtor=
benen Mitglieder Generalmajor z. D. Gerlach=
Darm=
ſtadt, Hauptmann a. D Gernsheim=Worms,
Bürgermei=
ſter Konrad=Oſthofen, Göbel=Groß=Gerau und Kurz=
Als=
feld. Auf Vorſchlag des Präſidiums wurden zunächſt die
zur Verſammlung eingebrachten Anträge beraten. Die
Verſammlung nahm nach kurzer Beratung einen vom
Präſidium geſtellten Antrag in folgender Form an:
1. Zuſatz zu § 33 der Verbandsſatzungen, hinter Abſatz 11:
Erledigen ſich Streitigkeiten vor der Verſammlung des
Schiedsgerichts in gütlicher Weiſe, ſo trägt die
Verbands=
kaſſe die bis dahin entſtandenen Koſten. 2. Zuſatz als
§ 33a: Bei Beſchwerden oder Streitigkeiten zwiſchen
den Vorſtänden mehrerer Bezirke oder zwiſchen
Vereins=
mitgliedern oder Vereinen, die verſchiedenen Bezirken
angehören, untereinander oder gegen einen
Vereinsvor=
ſtand, beſtimmt auf Anrufen eines Teiles das
geſchäfts=
führende Präſidium, aus den nicht beteiligten Bezirken
das zuſtändige Schiedsgericht. Auf dieſes Schiedsgericht
finden die Vorſchriften des § 33 der Verbandsſatzung
und der Schiedsgerichtsordnung entſprechende
Anwen=
dung.‟ Ein Antrag des Bezirks Nidda ging auf
un=
entgeltliche Lieferung des Vereinsblattes, der „Heſſiſche
Kamerad” an alle Mitglieder des Haſſiaverbandes, event.
auf bedeutende Herabſetzung des Bezugspreiſes. Das
Präſidium wurde ermächtigt, der nächſten Verſammlung
Mittel und Wege vorzuſchlagen, um den „Kamerad” den
Mitgliedern ſo billig als mglich zu überlaſſen. Von den
übrigen Anträgen war noch von beſonderem Intereſſe der
Antrag des Bezirks Gießen, das Präſidium der Haſſia
wolle an zuſtändiger Stelle vorſtellig werden, daß die
Prüfung der Geſuche heſſiſcher Veteranen um
die Veteranenzulage von den maßgebenden heſſiſchen
Be=
hörden in derſelben wohlwollenden Weiſe geübt werden
möge, wie es derzeit von den preußiſchen Behörden
ge=
ſchieht. Präſident Frhr. v. Heyl betönte nach längerer
Debatte, daß das Präſidium alles getan habe, um die
Rechte der heſſiſchen Veteranen zu wahren; es werde
auch zukünftig mit wärmſtem Herzen und größter Energie
dafür eintreten.
Zu einer längeren Debatte führte weiter noch der
Antrag Nidda, daß die Haſſia für Unfälle beim
Schei=
benſchießen aufkommen ſolle, da die
Verſicherungsgeſell=
ſchaft „Zürich” dies nicht tue. Der Antrag wird
abge=
lehnt, ebenſo ein Antraa Böllſtein in Betreff der
An=
ſchaffung weiterer Lichtbilder=Apparate.
Es erfolgt nunmehr die Beratung des Voranſchlags
für 1912, der die Einnahme und Ausgabe mit 71131 Mk.
69 Pfg. balanziert. Nachdem der Schatzmeiſter, Herr
Hauptmann Waldecker darüber kurz referiert und
Krämer=Büdingen eine ſtändige Unterſtützung der
Veteranen gefordert hat, wozu die Herren Amtsrichter
Stumpf und Major Beck nähere Erläuterungen
gaben, begründete Präſident Frhr. v. Heyl in
warm=
herziger Weiſe die vom Präſidium beantraate
Bewilligung eines alljährlichen Beitrages von 1000 Mk.
zur Förderung der Ziele des Bundes „Jung=
Deutſch=
land‟ Der Antrag wird einſtimmig mit lautem Beifall
angenommen. Nach Genehmiaung des Kaſſenberichts und
Entlaſtung des Schatzmeiſters. Herrn Hauptmann
Waldecker erſtattete Kam. Wallau den Bericht
über die Providentia, Kam. Münnich über Jahrbuch
und Kalender. Dann folgte die Ergänzung des
Vorſtandes. Die ausgeſchiedenen Kameraden Lahr
und Will wurden durch Zuruf wiedergewählt und die
Kameraden Sehner und Hochgeſandt durch
Stimmzettel neugewählt; Kam. Stumpf war ſchon
früher vom Präſidium kooptiert worden. Für die
nächſt=
jährige Tagung wurden Bensheim. Erbach und
Hirſch=
horn vorgeſchlagen. Die Verſammlung wählte mit
gro=
ßer Mehrheit Hirſchhorn. — Es folgten verſchiedene
Referate. Im Anſchluß hieran teilte der zweite
ſtellver=
tretende Präſident und Schriftführer, Medizinalrat Dr.
Vogt=Butzbach, die für dieſes Jahr erteilten
Auszeich=
nungen mit. Die ſilberne Plakette erhielten: Jakob
Wag=
ner=Altenſtadt und L. Will=Rendel; ferner wurde eine
Anzahl Bronzeplaketten verliehen. Damit war um halb 2
Uhr die Tagesordnung erſchöpft und der Präſident ſchloß
die Tagung mit einem dreifachen Hoch auf Kaiſer und
Großherzog, worauf der Bezirksvorſitzende Krämer=
Mainz unter lebhafter Zuſtimmung dem Präſidenten
Frhrn. v. Heyl den Dank der Verſammlung ausſprach.
40jähriges Stiftungsfeſt des Corps
„Rhenania‟.
** Samstag und Sonntag beging das Korps „
Rhe=
nania” eines der älteſten Korps unſerer Techniſchen
Hoch=
ſchule ſein 40jähriges Stiftungsfeſt in würdiger und
feſt=
lichſter Weiſe. Eingeleitet wurde die Feier durch einen
Be=
grüßungs=Abend im Korpshaus zu dem ſich ſchon
zahl=
reiche alte Herren aus allen Teilen des Reichs und ſogar
aus dem Ausland eingefunden hatten. Am Samstag
abend fand in dem mit Blumen und ſtudentiſchen
Em=
blemen feſtlich geſchmückten Kaiſerſaal ein ſolenner
Feſtkommers ſtatt, zu dem zahlreiche Profeſſoren der
Techniſchen Hochſchule, — viele Offiziere und alte Herren
ſowie Vertreter der Darmſtädter S.=C. und die
Korps=
angehörigen vollzählig erſchienen waren. Ein reicher Flor
feſtlich geſchmückter Damen hatte auf den Galerien Platz
genommen. Punkt 9 Uhr eröffnete der 1. Vorſitzende Stud.
Jödicke, mit einer Begrüßungsrede den Feſtkommers
in der er die Herren Profeſſoren, die Vertreter des S.=C.
und die Gäſte, beſonders aber, die teils aus weiter Ferne
zum 40jährigen Jubelfeſt herbeigeeilten „Alten Herren”
herzlichſt willkommen hieß. Ein donnernder Salamander
auf das Blühen und Gedeihen des Jubelkorps
Rhenani=
bildete einen würdigen Abſchluß der herzlichen Begri
ungsworte. Namens der Gäſte brachte Freiherr v
Hertling=Berlin (A. H.), die Glückwünſche zum he
tigen Jubelfeſt dar und gab ein hochintereſſantes Bild
Geſchichte des Korps aus der Zeit ſeiner Gründur
Schwierige Verhältniſſe in den 70er Jahren veranlaßt
ſeine Auflöſung. Heute ſtehe das Korps wieder glänze
nach Innen und Außen da und könne ein eigenes Kort
haus ſein eigen nennen. Ein echt ſtudentiſcher Geiſt erfü
heute ſeine Mitglieder. Möge dieſer alte Geiſt dem Kor
auf ewige Zeiten erhalten bleiben. Darauf ließ er von
Alten Herren einen urkräftigen Salamander reiben.
Vorſitzende, Stud. Jödicke, feierte in trefflichen Wort
den Schirmherr des Deutſchen Reiches, den Deutſch
Kaiſer Wilhelm II. und ſeinen erhabenen Bundesgenoſſ=
Großherzog Ernſt Ludwig und brachte auf dieſelbene
dreifach donerndes Hoch aus, in das die Feſtverſammlu
begeiſtert einſtimmte. Herr Ingenieur Kloſtermat
(A. H.), begrüßte den Vertreter der Techniſchen Hochſchu
Herrn Geheimerat Berndt. Mit Freuden wies er auf de
ſchöne und innige Verhältnis hin das zwiſchen den
Pr=
feſſoren und der Studentenſchaft von jeher beſtehe. Da
und Anerkennung gebühre den Lehrern der Hochſchule, d
den Studenten mit den für das Leben und für einen P
ruf erforderlichen Kenntniſſen ausgerüſtet haben. Auf de
Wohl des Profeſſorenkollegiums kommandierte er eine
urkräftigen Salamander. (reh. Hofrat Profeſſor Bern
dankte in herzlichen Worten für dieſe Ehrung und gedach
des herrlichen Verlaufs des 25jährigen Stiftungsfeſte
deſſen Stunden ihm ſtets in der Erinnerung bleiben
we=
den. Herzliche Glückwünſche überbrachte er mamens d=
Hochſchule zum 40jährigen Stiftungsfeſt und drückte ſein
Freude aus, daß ſo viele alte Semeſter durch ihr Erſche
nen ihre Anhänglichkeit an die „Alma mater” gezeigt haber
Ganz beſonders feierte er das gute Einvernehmen zwiſche
Profeſſoren und Studentenſchaft, das ſich ewig erhalte
möge. In einem ſchneidigen Salamander auf das ewig=
Vivat floreat erescat der „Rhenania” klang die Rede au=
Herr Rektor Profeſſor Wickop, der inzwiſchen erſchiene
war, hatte von Kirchbrombach aus telegraphiſche Glück
wünſche geſchickt. Jetzt ſprach er dem Korps noch
perſön=
lich Glückwünſche aus und feierte das Gemeinſchaftsgefüh
in der Studentenſchaft das für ein erſprießliches Wirken
an der Hochſchule nötig ſei. Sein Glas leerte er auf dar
Wohl und auf die Zukunft der Darmſtädter Studenten
ſchaft. Namens des Darmſtädter S.=C. überbrachte Stud
Weisbach herzliche Glückwünſche zum 40jährigen Jubel
feſt, während Alter Herr Follenius=Berlin,
namen=
der Gäſte dem Korps ſeine Glückwünſche darbrachte. Namens
des Korps der Staufen=Stuttgart überbrachte als Vertrete
Herr Stud. Richards, die beſten Wünſche zum heutigen
Feſt und gedachte des inigen Freundſchaftsverhältniſſes
zwiſchen den beiden Korps. Dem ferneren Freundſchafts
bund galt ſein Glas. Der zweite Chargierte, Herr Stud
Ameles feierte nochmals die Stifter und Alten
Herren=
des Korps und ließ auf dieſelben einen Salamanden
reiben. Herr Ingenieur Unger (A. H.) dante
für den warmen Empfang in Darmſtadt und hobeden
guten Eindruck hervor, den heute Darmſtadt auf ſeine
Gäſte gemacht habe. Nachdem der „Landesvater” geſes
gen war, fand der offizielle Teil des herrlich verlaufeneſt
Feſtes ſein Ende. Eine lange Nachſitzung
der=
korona gab dem ſchön verlaufenen 40jährigen Stſe
tungsfeſt einen würdigen Abſchluß. Sonntag mittag
fand im „Hotel Traube” ein gemeinſames Liebesmahl
ſtatt, das einen animierten Verlauf nahm. Das für
heute im Korpshaus geplante Nachtfeſt mußte
desſchlech=
ten Wetters wegen ausfallen.
Sport.
* Mainz, 16. Juni. Das äußerſt ſtürmiſche
Wetter=
beeinträchtigte, wie ſchon geſtern, auch heute die Regatta
ſehr. Im zweiten Rennen: Großherzogs=Vierer,
Wander=
preis, geſtiftet vom Großherzog Ernſt Ludwig von Heſſen
(Sieger von 1908 bis 1911 Mainzer Ruderverein) ſiegte
mit 6: 32 der Ludwigshafener Ruderverein. Beim fünften
Rennen wurde um den Kaiſer=Vierer geſtartet (
Wander=
preis geſtiftet von Kaiſer Wilhelm II. für Studierende
von Univerſitäten des In= und Auslandes). Der Heidele
berger Ruderklub, der im Jahre 1911 den Sieg
davon=
trug, ging allein an den Start. Bei 1200 Meter
war=
das Boot voll Waſſer und ſank. Das Rennen
wurde nicht mehr gefahren.
* Kiel, 15. Juni. Bei der heutigen ſiebenten
Regatta um den franzöſiſchen Eintonnerpokal ſiegte die
ſpaniſche Jacht „Momo” Raſch folgten
diereng=
liſche Jacht „Bunty” die franzöſiſche „Sansſouci”, die
norwegiſche „Vinga”, zwei finniſche, die holländiſche Jacht
„Neerlandia 5” die däniſche Jacht „Nurdug 2‟ Bei der
deutſchen Jacht „Windſpiel 16” brach der Maſt.
Kiel, 16. Juni. Bei der heutigen achten=
Regatta um den franzöſiſchen Eintonner=Pokal ſiegte
die engliſche Jacht „Vunty” zweite wurde die däniſche
„Nurdug 2” dritte die deutſche „Windſpiel 16” vielte
die norwegiſche „Quo Vadis” fünfte die holländiſche
„Neerlandia 5‟. Die ſpaniſche Jacht „Momo” brachden
Maſt durch Havarie mit der franzöſiſchen „Sans Soldl.
Die „Vinga”=Schweden hat den Maſt ebenfalls
ein=
gebüßt. Die finiſche Jacht fehlt.
Streiks.
* Le Havre, 14. Juni. Die Mannſchaften der
„Provence” haben heute abend beſchloſſen, die
Aus=
fahrt des Dampfers ſicher zu ſtellen.
Le Havre, 16. Juni. Der Dampfer „Provence‟
iſt geſtern Abend 8 Uhr nach New=York abgegangen.
Es ereianete ſich kein Zwiſchenfall.
* Paris 15. Juni. Im Auftrage des
Marine=
miniſters wurden von Breſt 203, von Lorient 80 und von
Cherbourg 60 Matroſen der Kriegsflotte nach Havre
abgeſandt, um die ausſtändigen Mannſchaften
des Poſtdampfers „Provence” zu erſetzen. Die „
Pro=
vence” wird heute abgehen.
* Marſeille, 14. Juni. Die
eingeſchriebe=
nen Seeleute haben den Sekretär ihres Verbandes,
Réaud, beauftragt, der morgen in Paris ſtattfindenden
Sitzung des Nationalausſchuſſes der eingeſchriebenen
Seeleute beizuwohnen und energiſch dafür einzutreten,
daß unverzüglich der Generalſtreik proklamiert
werde.
* Mancheſter, 14. Juni. Eine Verſammlung der
Dockarbeiter von Mancheſter und Salford beſchloß,
nachdem verſchiedene Diſtrikte, darunter Liverpool,
Be=
richt erſtattet hatten, die ſofortige
Arbeitsauf=
nahme.
* New=York, 15. Juni. Der Streik der
Ha=
fenarbeiter der Holland-Amerika=Linie iſt
beige=
legt. Die Geſellſchaft erklärte ſich bereit, die Forderung
der Organiſierten zu bewilligen und ihnen den Vorzug zu
geben.
Nummer 140.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Juni 1912.
Seite 7.
* Perthambox (New=Jerſey), 15. Juni.
Zwei=
auſend Streikende haben geſtern abend den
vor=
nittags abgeſchlagenen Angriff gegen die Fabrikanlagen
rneuert. Die Polizeibeamten ſchoſſen abermals. Ein
Ausſtändiger wurde getötet, mehrere verletzt. Insgeſamt
ind geſtern drei Perſonen getötet, ſieben verletzt worden.
Italien und die Türkei.
* Saloniki, 14. Juni. Um der Ausweiſung
zu entgehen, haben hier insgeſamt 31 Italiener die
osmaniſche Staatsangehörigkeit angenommen.
* Konſtantinopel, 14. Juni. In der Nacht
zum 13. dieſes Monats iſt das erſte Artillerie=Regiment
von Konſtantinopel nach Gallipoli abgegangen, weil
an=
geblich ſeitens der Italiener ein Angriff gegen
die nördlich von Gallipoli befindlichen Befeſtigungen von
Plagiari geplant iſt. In Gallipoli ſollen ſich 30000
ürkiſche Truppen befinden. Zwei Haubitzenbatterien ſind
von Konſtantinopel nach Smyrna abgegangen. — Der
Sultan ſiedelte geſtern in den Yildizpalaſt über, der
ſeit der Abſetzung Abdul Hamids unbewohnt iſt.
* Konſtantinopel, 15. Juni. Die
umfaſ=
ſenden militäriſchen Maßnahmen in der
Türkei dauern fort. Gerüchtweiſe verlautet, daß auch
die Redifdiviſionen in Adrianopel den
Mobilmachungs=
befehl erhalten hat. Die Nachricht, daß zwei
Konſtan=
tinopeler Haubitzenbatterien nach Smyrna expediert
wur=
den, ſcheint unrichtig zu ſein. 72 Italiener haben Dede=
AAgatſch verlaſſen.
Konſtantinopel, 15. Juni. Die umfaſſenden
militäriſchen Maßnahmen in der Türkei dauern
fort. Gerüchtweiſe verlautet, daß auch die Redifdiviſion
in Adrianopel den Mobilmachungsbefehl erhalten hat.
Die Nachricht, daß zwei Konſtantinopeler
Haubitzen=
batterien nach Smyrna expediert wurden, ſcheint un=
72 Italiener haben Dede=Agatſch
richtig zu ſein.
verlaſſen.
Marokko.
* Paris, 15. Juni. Wie aus Oran gemeldet
wird, iſt die Lage am Mulujafluß ruhiger
gewor=
den. Die Marokkaner ſind gegenwärtig mit der Ernte
beſchäftigt und man glaubt, daß ſie ſich mindeſtens bis
zum Auguſt jeden Angriffes enthalten werden.
* Paris, 15. Juni. Nach dem amtlichen
Kammer=
bericht ſagte der Deputierte Dumesnil zum Schluſſe
ſeiner geſtrigen Marokkorede: Noch ein ernſterer
Grund gebietet uns Vorſicht. Auf Europa laſtet
gegen=
wärtig ſchweres Unbehagen. Die Völker, die einen
frucht=
baren Frieden wollen, zittern täglich, wenn ſie ſehen, wie
ſich der Horizont mit Wolken bedeckt. Erinnern Sie ſich
der Worte Deschanels, daß unſer Geſchick nicht in Afrika
und nicht in Aſien, ſondern in Europa geſpielt wird.
Wol=
len Sie, daß um den Frieden Frankreichs vielleicht
mor=
gen in den marokkaniſchen Gefilden gewürfelt wird?
Wenn Sie geſtatten, daß 100000 Mann und mehr nach
Marokko geſchickt werden, laufen Sie Gefahr, daß
Un=
wetter zu entfeſſeln und aus Ihren Eroberungsträumen
durch einen Blitzſchlag von Tod und Trauer geweckt zu
werden. (Beifall auf der äußerſten Linken.)
* Fez, 14. Juni. Eine Truppenabteilung,
die am 11. Juni von Sefru aus einen Erkundungszug
unternahm, wurde in Mesdu, 12 Kilometer von Sefru,
vom Feinde angegriffen, ohne jedoch Verluſte
zu erleiden.
Darmſtadt, 17. Juni.
* Der Bayeriſche Staatsminiſter Freiherr von
Hertling trifft vorausſichtlich heute in Darmſtadt ein,
um vom Großherzog in Audienz empfangen zu
werden. Vorher wird der Staatsminiſter in
Stutt=
gart und Karlsruhe Viſite machen.
* Eine Hygiene=Ausſtellung in Darmſtadt wird
am Anfang Auguſt eröffnet werden. Sie wird während
der Sommermonate Gelegenheit geben, die Hauptgruppen
der einzigartigen Sammlungen, die Geheimrat Lingner
auf der Dresdener Hygieneausſtellung in der Halle
„Der Menſch” vereinigte, zu ſehen. Dieſe bedeutſame
Ausſtellung in Darmſtadt iſt auf die Initiative des
Großherzogs zurückzuführen, der es gelungen iſt,
Darmſtadt als der einzigen unter den deutſchen Städten
die Ausſtellung zu vermitteln, die ſpäter in keiner deutſchen
Stadt mehr gezeigt werden kann, da ſie bekanntlich der
Grundſtock der Dresdener Hygieneausſtellung ſein und
dem Muſeum dann einverleibt wird. Der Großherzog
ſtellte für die Ausſtellung Räume des
Reſidenz=
ſchloſſes zur Verfügung und ließ bereits dafür
freimachen.
-g. Elektrotechniſcher Verein an der Techniſchen
Hoch=
ſchule. Aus Anlaß ſeines 12. Stiftungsfeſtes hatte
der Elektrotechniſche Verein an der Techniſchen Hochſchule
zu Darmſtadt am Samstag nachmittag zu einer
Vorführ=
ung kinematographiſcher Aufnahmen aus elektriſchen
Be=
trieben nebſt erläuterndem Vortrag eingeladen. Es hatten
ſich Profeſſoren und Studenten in anſehnlicher Zahl in dem
Großen Hörſaal des Elektrotechniſchen Inſtituts
einge=
funden, wo zunächſt der 1. Vorſitzende des Vereins, Stud.
K. Schwarz, die Erſchienenen im Namen des Vereins
begrüßte. Es ſei der Zweck des Vereins, die techniſche
Fortbildung ſeiner Mitglieder zu pflegen und in dieſem
Beſtreben habe er diesmal aus Anlaß des 12.
Stiftungs=
feſtes zu einer Vorführung kinematographiſcher Aufnahmen
eingeladen. Es ſei dies das erſte Mal, daß der
Kinemato=
graph in der Techniſchen Hochſchule für Lehrzwecke in
An=
wendung kommt. Er hoffe, daß die Erſchienenen von
den Vorführungen befriedigt werden. — Es ergriff ſodann
Stud. Hatzmann das Wort zu einleitenden Bemerkungen
über die Anwendung des Kinematographen für Lehr= und
Anſchauungszwecke. Es ſei wohl unbeſtritten, daß gute
kinematographiſche Aufnahmen zeitraubende Exkurſionen
erſetzen können.
Die nun folgenden Vorführungen waren in drei
Ab=
teilungen gegliedert: Die Herſtellung elektriſcher
Maſchi=
nen und Apparate; die Elektrizität im Hüttenbetrieb und
die Elektrizität im Dienſte des Verkehrs. In der erſten
Abteilung wurde zunächſt der Bau von Kleinmotoren im
Charlottenburger Werk der Siemens=Schuckert=Werke
vor=
geführt. Im Bilde ſah man, wie flinke Mädchenhände
zunächſt die einzelnen Beſtandteile der Motoren
ausſtanz=
ten, bewickelten und prüften und wie dann die
Beſtand=
teile von Monteuren zu Motoren zuſammengeſtellt
wer=
den. Der nächſte Film bildete eine Exkurſion in das
Glühlampenwerk der Siemens u. Halske=A.=G. und galt
einer Beſichtigung der Herſtellung von Tantallampen. In
ſinnreich konſtruierten, exakt arbeitenden Walzwerken wird
zunächſt das koſtbare Tantalmetall ausgewalzt und
ſchließlich zu Fäden ausgezogen. Dann werden in den
Glasſtab die Tragdrähte, das Kreuz eingeſchmolzen; die
mit den Tantalfäden beſpannten Stäbe kommen alsdann
in die Glasbirnen, die dann noch einen weiten
Arbeits=
weg zurücklegen müſſen, ehe ſie verſandtfertig ſind. In
komplizierten Maſchinen werden beide Beſtandteile
ver=
ſchmolzen, die Birne luftleer gemacht und alsdann der
Kontakt nach außen durch Aufſetzen der Kappe hergeſtellt.
Sodann kam man in das Gebiet der mechaniſchen
Technologie: die Verwendung der Elektrizität in den
großen Verhüttungsbetrieben. Der erſte Film zeigte den
Betrieb in dem Hafen von Walſum und die Hochofen=
Anlagen der „Gutehoffnungshütte” Hier intereſſierte
be=
ſonders die Beſchickung der Hochöfen durch gigantiſche
Kraneneinrichtungen. Es folgte ein Film vom Siemens=
Martin= und Thomaswerk der Phönix”=A.=G. Man
konnte hier die Herſtellung des Gußſtahls durch die
bei=
den wichtigſten Arbeitsmethoden von Anfang bis zu
Ende verfolgen. Der letzte Film der zweiten Abteilung
zeigte dann die Fortſetzung der beiden erſten Prozeduren:
Der Verhüttung und der Gußſtahlbereitung folgte das
Walzen des in ſogen. Koquillen, länglichen Pfannen,
er=
kalteten Gußſtahls. Nachdem die Stahlblöcke gleichmäßig
vorgewärmt ſind, kommen ſie in das Walzwerk. Der
Film zeigte die Arbeitsweiſe eines modernen, elektriſch
betriebenen und von einem Mann geſteuerten
Blockumkehr=
walzwerks, das bis zu 14000 Pferdekräfte entwickeln
und Blöcke von 3000—4000 Kilogramm Gewicht
verarbei=
ten kann.
Die letzte Abteilung der Vorführungen brachte eine
intereſſante Fahrt auf der Berliner Hochbahn zwiſchen
Nollendorfplatz und Warſchauerbrücke, ſowie einen Beſuch
der elektriſchen Treideleinrichtung beim Teltowkanal, der
die Schiffahrt von der Oberſpree nach der Havel führt,
ohne Berlin mit ſeinem engen Kanalnetz zu paſſieren. Auch
ber bekannten Machnower Schleuſe wurde hierbei ein
Beſuch abgeſtattet. — Die gewiß auch für Laien äußerſt
ſintereſſanten Vorführungen brachten eine umfaſſende
An=
ſchauung von der Bedeutung der Elektrizität für unſer
heu=
tiges Wirtſchaftsleben und deshalb kann dem Verein
Dank geboten werden.
* Heimverband Darmſtadt. Man ſchreibt uns: Um
mannigfach verbreiteten, irreführenden Gerüchten zu
ſteuern, ſieht ſich der Verband des Heimverbandes
veran=
laßt, an dieſer Stelle zu erklären, daß er ſeinerzeit der
Gründung verſchiedentlich veröffentlichten Grundſätzen,
keineswegs untren geworden iſt. Der Heimverband ſieht
nach wie vor ſeine erſte und ſchönſte Aufgabe darin,
in hoffentlich nicht allzuferner Zukunft ein Heim, reſp.
Heime, für alle die wirtſchaftlich Schwachen zu ſchaffen,
deren pekuniäre Lage in den jetzigen ſchweren Zeiten
einer=
ſeits eine bedrängte iſt, und deren ſoziale Stellung es ihnen
andererſeits unmöglich macht, die öffentliche
Mild=
tätigkeit in Anſpruch zu nehmen. Dazu aber braucht der
Verband die werktätige Hilfe Aller was hier nochmals
betont ſein möge. Um einen Anfang zu ſchaffen, wird, wie
bekannt, im Oktober in der Annaſtraße 53, in einem
gemie=
teten Hauſe, das erſte Heim eröffnet, das ſich, da vorläufig
die Mittel noch fehlen um den idealen Zweck voll zu
ver=
wirklichen, vorläufig aus ſich ſelbſt heraus erhalten muß,
und deshalb vorerſt nur für einen kleineren Kreis von
Intereſſenten in Frage kommt. Je ausgiebiger und
ſchneller aber die Allgemeinheit oder einzelne Wohltäter
helfen, deſſen ſchneller wird der Heimverband zu ſeiner
Freude in der Lage ſein, vielen Einſamen zu einem
behag=
lichen Heim verhelfen zu können. — Mit der beabſichtigten,
und wie es ſcheint, auch ſchon wieder aufgegebenen
Grün=
dung eines „Frauenklubs” hat der Heimverband nicht das
Mindeſte zu tun.
sch. Odenwaldklub. Zum dritten Male im neuen
Vereinsjahre führte geſtern die Ortsgruppe Darmſtadt
ihre Mitglieder hinaus in die heimatlichen Berge. Nach
vierwöchiger Raſt fühlten 126 Wanderer wieder das
Be=
dürfnis, in Feld und Wald, auf freier Höhe und im
lieb=
lichen Tal Erfriſchung für Geiſt und Körper zu ſuchen.
Sie wurden nicht enttäuſcht. Zaubervolle Pfade,
ausge=
zeichnet durch prächtige Fernblicke, führten ſie zunächſt
von Höchſt aus über Rimhorn nach Breitenbrunn, dem
Orte der Frühſtücksraſt. Das Gaſthaus „Zum grünen
Baum” gab ſich alle Mühe, den Anforderungen gerecht zu
werden. Friſch geſtärkt ging es dann über Hering und
zum Hainhaus, der Stätte des ehemaligen Römerkaſtells.
Die kurze Raſt diente zur Beſichtigung der kargen
Ueber=
reſte einer fernen Vergangenheit. Bald war dann
Brem=
hof erreicht, woſelbſt im Gaſthaus „Zum grünen Baum”
Einkehr gehalten wurde zur Einnahme des üblichen
Schoppens‟ Emſig kreiſte der Pokal in der ſcherzenden
Runde. Nur zu raſch nahte der Aufbruch. Durch wogende
Roggenfelder, in die der leuchtende Mohn und die
lieb=
liche Kornblume Abwechſelung brachten, gelangte man
nach Trennfurt, und nach Ueberſchreitung der Mainbrücke,
nach dem Endziel der Tour: Klingenberg. Während am
ganzen Tage das ſprichwörtliche Odenwaldklubwetter
herrſchte, ſetzte jetzt ein Regen ein, der nun allerdings zu
ſpät kam, der ſchön verlaufenen Tour Abbruch zu tun. Im
Gaſthaus Zum fränkiſchen Hof” ließ man ſich das
fru=
gale Mahl beſtens munden. Wenn die Wanderung als
eine in allen Teilen vorzüglich gelungene bezeichnet
wer=
den muß, ſo iſt dies in der Hauptſache auf ihre
vorzüg=
lich Vorbereitung und Leituna durch die Herren Führer
Wehnert und Touché zurückzuführen.
*X* Bingen, 16. Juni. Die diesjährige
Hauptver=
ſammlung des Deutſchen Flottenvereins,
Lan=
desabteilung Heſſen fand heute vormittag im Hotel
Viktoria hierſelbſt ſtatt. Den Vorſitz führte Herr Admiral
Weſtphal, der die ſehr zahlreich aus allen Teilen des
Landes beſuchte Verſammlung herzlich begrüßte und ein
dreifaches Hoch auf Kaiſer und Großherzog ausbrachte.
Dann erinnerte der Vorſitzende zunächſt in eingehender
Rede an die Ereigniſſe des vergangenen Jahres, die für
die Flottenſache ſo überaus wichtig ſich geſtaltet haben.
Der Redner ging danach auf die neueſte Novelle zum
Flot=
tengeſetz über und legte überzeugend dar, welche Wünſche
des Deutſchen Flottenvereins in dieſer Novelle leider
un=
erfüllt geblieben ſind. Dies gelte namentlich von der
ungenügenden Vermehrung der großen Panzerkreuzer,
ſowie der unzulänglichen Beſetzung der
Reſervegeſchwa=
der. — Nachdem alsdann der Schatzmeiſter, Herr
Haupt=
mann a. D. Vollmar, die Jahresrechnung vorgetragen
und ihm dafür Entlaſtung erteilt worden war, genehmigte
die Verſammlung weiterhin den Haushaltsplan für das
jetzige Rechnungsjahr. Weiter berichtete dann Herr
Kreis=
rat Steeg=Bingen über die Tagung des Deutſchen
Flot=
tenvereins in Weimar, die unter Vorſitz des
Großadmi=
rals v. Köſter ſtattfand. Zum Schluß hielt Herr
General=
leutnant z. D. Exzellenz Korman einen inſtruktiven
Vortrag über die gegenwärtige politiſche Lage, ſoweit ſie
die Flottenvorlage berührt, und beleuchtete dabei ſpeziell
unſer Verhältnis zu England in klaren überzeugenden
Worten. Die nächſtjährige Tagung wird in Schotten
abgehalten.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Potsdam, 15. Juni. Anläßlich des Sterbetags
Kaiſer Friedrichs III. legte der Kaiſer, der um
9 Uhr 45 Min. in Begleitung der Kaiſerin und der
Prin=
zeſſin Viktoria Luiſe hier eingetroffen war, im
Mauſo=
leum in der Friedenskirche einen prachtvollen
Lorbeer=
kranz mit Blumen nieder. Außerdem wurden von einer
großen Anzahl Fürſtlichkeiten und Offizieren, ſowie von
Angehörigen derjenigen Regimenter, deren Chef Kaiſer
Friedrich war, Kränze niedergelegt.
* Wiesbaden, 15. Juni In der Dotzheimer
Bürgermeiſteraffäre wurde heute von der hieſigen
Strafkammer nach viertägiger Verhandlung das Urteil
gefällt. Bürgermeiſter Auguſt Roſſel wurde von der
Nichtverfolgung einer ſtrafbaren Handlung zum
zweiten=
mal freigeſprochen. Die Polizeiſergeanten Schmitz
und Dittmar, die ſich in demſelben Fall der paſſiven
Beſtechung ſchuldig gemacht haben, wurden, wie bereits
durch Urteil vom Februar 1911 ausgeſprochen, zu je
einen Monat Gefängnis verurteilt.
*Biebrich a. Rh., 15. Juni. Heute nachmittag
wurde in der Jahnſtraße das 4jährige Töchterchen
des Werkmeiſters Müller durch ein ſchweres Mainzer
Brotfuhrwerk überfahren. Die Verletzungen waren
ſo ſchwer, daß das Kind nach einer halben Stunde ſtarb.
* München, 16. Junt Unter Beteiligung von
Ver=
tretern ſtaatlicher und ſtädtiſcher Behörden, zahlreicher
Delegierten aus allen Teilen Deutſchlands, ſowie
Ver=
tretern der Preſſe Oeſterreichs und der Schweiz wurden
heute morgen im Feſtſaal des Künſtlerhauſes die
Ver=
handlungen des Delegiertentages des
Reichsver=
bandes der deutſchen Preſſe und des Verbandes
deutſcher Journaliſten=und Schriftſtellervereine begonnen.
* Magdeburg, 15. Juni. Anläßlich des 50jährigen
Beſtehens der Firma R. Wolf,
Lokomobilen=
fabrik „Magdeburg=Buckau”, machten die
Inhaber Schenkungen und Stiftungen von einer
halben Million.
* Hamburg, 16. Juni. Der Kaiſer, Prinz urd
Prinzeſſin Eitel Friedrich und die Prinzeſſin Viktoria
Luiſe ſind heute früh 8 Uhr auf dem Dammtorbahnhof
eingetroffen. Sie nahmen Wohnung auf der „
Hohen=
zollern”, die an den St. Pauli=Landungsbrücken liegt.
* Beuthen, 15. Junf. Das Schwurgericht ver
urteilte heute den Schlepper Koryciorz aus
Großdom=
browka (Kreis Beuthen) wegen Vergehens wider das
Sprengſtoffgeſetz, wiſſentlich falſcher Anſchuldigung,
Frei=
heitsberaubung und Urkundenfälſchung zu 15 Jahren
Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverluſt und Stellung unter
Polizeiaufſicht. Koryeiorz hatte ſeinerzeit den
Hausbe=
ſitzer Kozot verdächtigt, als Mitglied einer in Krakau
anſäſſigen geheimen Geſellſchaft am 26. November 1910
einen Bombenanſchlag auf den Hofzug des zur
Ent=
hüllung des Denkmals Friedrichs des Großen nach
Beuthen fahrenden Kaiſers geplant zu haben. Im Laufe
der Unterſuchung ſtellte ſich jedoch heraus, daß Koryciorz
Kozot wider beſſeres Wiſſen angezeigt und die bei Kozot
vorgefundenen Bomben und belaſtenden Korreſpondenzen
ſelbſt in das Gehöft von Kozot eingeſchmuggelt hat. Er
wurde nun auch beſchuldigt, die Bombe ſelbſt auf das
Gleis des Hofzuges gelegt zu haben. Während des
ganzen Prozeſſes war die Oeffentlichkeit ausgeſchloſſeu,
* Wien, 15. Juni. Der Wehrausſchuß des
Ab=
geordnetenhauſes nahm die Wehrreformvorlage
unverändert an.
* Peſt, 15. Juni. Das Magnatenhaus
verhan=
delte in lebhafter Debatte über die Wehrvorlagen.
Graf Aurel Deſſewffy beantragte Rückverweiſung der
Vorlage zur verfaſſungsmäßigen Verhandlung an das
Abgeordnetenhaus, da die Vorlage mit Verletzung der
Hausordnung des Abgeordnetenhauſes votiert worden
ſei. Nachdem mehrere Redner den Antrag einerſeits
ver=
teidigt, andererſeits bekämpft hatten, ergriff
Miniſterprä=
ſident Lukacs das Wort. Er verteidigte die
Geſetz=
mäßigkeit des Vorgehens, wenngleich eine formelle
Be=
ſtimmung der Hausordnung verletzt worden ſei. Die
Hausordnung ſei bloß ein Statut und kein Geſetz. Die
Verletzung der Form war unerläßlich. Redner ſagte, es
ſei falſch, daß die Art des Zuſtandekommens des Geſetzes
die Achtung vor den Geſetzen erſchüttern werde. Vielmehr
ſei die Würde der Geſetzgebung durch die Auflehnung der
Minorität gegen den Willen der Majorität in
operetten=
haften Szenen, die die Oppoſition in und vor dem
Parla=
ment ausführte, geſchädigt. Eine Reparation wegen des
Formfehlers ſei überflüſſig. Die Rückverweiſung der
Vorlage an das Abgeordnetenhaus würde einen Konflikt
zwiſchen den beiden Häuſern des Parlaments
herbeifüh=
ren. (Lebhafter Beifall.) Um 4 Uhr nachmittags wurde
die Sitzung auf eine Stunde vertagt. Um 5 Uhr wurde
die Sitzung wieder eröffnet.
* Paris, 15. Juni. Im Miniſterrat machte
Miniſter=
präſident Poincaré Mitteilungen über den Stand der
franzöſiſch=ſpaniſchen Verhandlungen.
Po=
incaré und der Miniſterrat billigten das von dem
General=
reſidenten Liautey vorgeſchlagene Programm. Liautey
wählte als Generaldirektor der Finanzen für Marokko den
Finanzinſpektor Gallut.
* Paris, 15. Juni. Das Blatt Paris midi behauptet,
daß ein vom Poſtdampfer „Kaiſer Wilhelm der Große‟
von Zentralamerika und Kuba beförderter
Poſtſchiff=
ſack auf dem hieſigen Hauptpoſtamt geplündert
wor=
den ſei. Die geſtohlenen Briefe hätten zumeiſt
Wertſend=
ungen und Schecks von ſehr bedeutendem Betrage
ent=
halten.
Cherbourg, 15. Juni. Heute früh fand ein
Trauer=
gottesdienſt für die Opfer des „Vendémiaire‟
ſtatt. In der weihevoll geſchmückten Trinitatiskirche
unter einem großen Katafalk ſtand ein mit vielen Fahnen
und Kränzen bedeckter Sarg. Unter den Kränzen
be=
fanden ſich einer von der ruſſiſchen und der japaniſchen
Regierung. Zahlreiche Admirale, Generale, Offiziere,
fremde Marineattachees und eine große Menſchenmenge
waren zugegen. In feierlichem Zuge wurden Kränze
für die im Dienſte des Vaterlandes gefallenen Krieger
gebracht. Die Menge zerſtreute ſich dann unter großer
Bewegung.
* Linköping (Südſchweden), 16. Juni. Der
Nacht=
ſchnellzug Malmoe=Stockholm fuhr infolge falſcher
Weichenſtellung früh ½6 Uhr auf der Station
Malms=
laett in einen Güterzug. Der erſte Schlafwagen wurde
zertrümmert, zwei andere wurden ſtark beſchädigt.
Soweit bisher feſtgeſtellt wurde, gab es 13 Tote und 11
Verwundete.
* Linköping, 16. Juni. Die Anzahl der bei dem
Eiſenbahnunglück von Malmslaett tödlich
Verun=
glückten wird mit 18, die der Verwundeten mit 16
an=
gegeben. Unter den bisher, identifizierten Opfern des
Eiſenbahnunglücks befinden ſich keine Deutſchen
Acht Leichen ſind noch nicht identifiziert. An dem
Auf=
kommen von vier Verletzten wird gezweifelt.
Schwarze, weisse, farbige uns
110 cm breite Voiles, Etamines, Grenadines, Eoliennes, Alpaccas,
Popeline, Wollbatiste, Cheviots etc.
nur Saison-Neuheiten
Wert bis Mk. 4.—, nur Mk. 1.75 per Mtr.
Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Heute abend ¾6 Uhr entſchlief ſanft nach
langjährigem, ſchwerem Leiden mein
innigſt=
geliebter Gatte, unſer treubeſorgter Vater,
Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager
und Onkel
(13130
Privatier
im 70. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Eliſe Schwarz, geb. Müller.
Darmſtadt, den 14. Juni 1912.
Die Beerdigung findet Montag, den 17. Juni,
nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehauſe
Inſel=
ſtraße 25 aus, ſtatt.
Saratow, 16. Jun. Ii den nahe gelegenen
Prokrowsk iſt eine Mauer einer Knochenfabrik
einge=
ſtürzt. Sie begrub zablreiche Arbeiter unter ihren
Trümmern. 70 Arbeiter wurden bei der Kataſtrophe
getötet.
* Zarskoje=Sſelo, 15. Juni. Der Kaiſer und die
Kaiſerin, ſowie die kaiſerliche Familie iſt heute
mor=
gen aus Moskau hier eingetroffen.
* Kanton, 15. Juni. Geſtern abend unterhielten die
Soldaten, die die Aufrührer verfolgten, im
An=
geſicht der Fremdenniederlaſſung während zehn Minuten
ein regelrechtes Gewehrfeuer. Mehrere
Paſ=
ſanten wurden getötet und verwundet, darunter ein
chine=
ſiſcher Arzt. Man erwartet Unruhen, weil die Banknoten
der proviſoriſchen Regierung diskreditiert ſind. Neun
fremde Kanonenboote ankern bei der Vorſtadt Schamien.
— Köln, 15. Juni. In der rechtsrheiniſchen
Rheinprovinz gingen ſchwere Gewitter mit
Wolkenbrüchen, teilweiſe mit ſchweren Hagelſchlägen,
nieder. In den Getreidefeldern iſt großer Schaden
an=
gerichtet worden.
— Paris, 15. Juni. In der Umgebung von
Bor=
deaux und Perpignan ſind furchtbare
Verwüſtun=
gen durch Hagelſturm angerichtet worden.
Meh=
rere Perſonen wurden verletzt.
— Petersburg, 16. Juni. In Ekaterinodar
ver=
ſammelte ein Koſakenhauptmann ſeine Kompanie
und befahl ihr, das Trauerlied „Ewigen Gedenken” zu
ſingen. Hierauf erſchoß er ſich vor aller Augen.
— Sidi el Abbas, 16. Juni. Der Münchener
Rechtsanwalt Weinberger, der ſeinen Bruder aus
der Fremdenlegion befreien wollte und hierbei gefangen
genommen wurde iſt wegen Beihilfe zur Deſertion zu
drei Monaten Gefängnis verurteilt worden.
Brieſtaſten.
A. C. Das Gewicht der Motoren für Flugmaſchinen
und Ballone richtet ſich nach ihrer Stärke. Man
ver=
wendet bei Flugmaſchinen Motoren von 10 bis zu
100 Ps, bei Ballonen von 75 bis 200 PS. So wiegt
beiſpielsweiſe der kleinſte Flugmaſchinenmotor der Rhein.
Aerowerke in Düſſeldorf bei 10 PS 24 kg, die nächſt
größere Type von 20 PS. 34 kg, der 50 Ps. Gnom=
Rotationsmotor 76 kg, der 70 Ps. Mercedes=Motor der
Daimler=Werke 125 kg und der 100 Ps. 175 kg. Der
kleinſte Ballonmotor der Daimlerwerke 30 PS. normal
leiſtend wiegt 130 kg, der größte Ballonmotor derſelben
Firma mit 8 Zylindern und 260 PS. wiegt 780 kg.
Alter Abonnent. Die Bahn von Darmſtadt
nach Heidelberg paſſiert keinen Tunnel. Der Tunnel
liegt an der Strecke Heidelberg-Neckargemünd.
SunehsnSpahe0
zür die vielen Gratulationen und Blumen=
7 ſpenden, welche mir aus Anlaß meines
80. Geburtstages aus nah und fern geſandt
wurden, iſt es mir nicht möglich einzeln zu
danken, und ſage ich auf dieſem Wege meinen
tiefſten Dank.
(*14812
Alexander Probst, Waffenmeiſter,
Eliſabethenſtraße 35.
2
8
2
SnnSgagge
Srähär rs rah sr. 8
Statt Karten.
Die glückliche Geburt eines gesunden
Mädchens
zeigen hocherfreut an
(13127
Arthur Melcher
und Frau Amélie, geb. Pfersdorff.
Darmstadt, den 15. Juni 1912.
onsestaganspägatse
Tageskalender.
Monatsverſammlung des Vereins für Geflügel=
und Vogelzucht „Ornis” um 8½ Uhr in der „Stadt
Pfungſtadt”.
Ortsgewerbeverein: Beſichtigung der
Ganden=
bergerſchen Maſchinenfabrik (Zuſammenkunft um 4 Uhr
daſelbſt).
Münchener Spezialausſtellung zur
Förder=
ung der Volkshygiene im „Fürſtenſaal” (
geöff=
net von 10—9 Uhr).
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Start
des Fliegers Hirth in Johannisthal zum Fernflug
Berlin-Wien; das Großfeuer in Stambul;
Schutz=
leute vor dem Parlamentsgebäude in Budapeſt; die
Merriſonſtraße in Peking nach der Plünderung.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 18. Juni.
Gras=Verſteigerung um 10 Uhr in der
Ober=
förſterei Kranichſtein (Zuſammenkunft an der Neuwieſe
auf der Feldſchneiſe).
Tuck und Dernag 4. 6. Michſige Haſiucheuteit
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſ
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus der Geſchäftswelt: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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Frau Paula Trietsch
geb. Jung
im 42. Lebensjahre.
Die tieſtrauernden Hinterbliebenen.
J. d. N.:
Philipp Trietsch u. Kinder.
Darmſtadt, 16. Juni 1912.
Obergaſſe 13.
Die Einſegnung findet Montag, den 17. Juni,
nachmittags 4 Uhr, in der ſtädtiſchen
Fried=
hofskapelle ſtatt, die Einäſcherung Dienstag
im Krematorium Offenbach in aller Stille,
Kriegerverein
Darmſtadt.
Die Beerdigung unſeres
Mit=
glieds und Feldzugskameraden
Herrn Jakob Schwarz, Privatier,
findet am Montag, den 17. Juni, nachmittags
3 Uhr, vom Sterbehaus Inſelſtraße Nr. 25
aus, ſtatt.
(13124
Wir erſuchen die Kameraden von Herden
bis Landau, ſowie des 6. Bezirks, ſich dort
zu verſammeln.
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Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Juni 1912.
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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Inni 1912.
Seite 9.
18150
Amtliche Nachrichten des Grofh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelanfene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Spitzhund. Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags
(13140
um 10 Uhr, ſtatt.
Vergebung von Ausſtattungs=Unterſtützungen
aus der Keller=Stiftung.
Auf die Aufforderung vom 17. v. Mts. um Einreichung von
Bewerbungen um zwei Ausſtattungsunterſtützungen von je 325 Mk.
aus der Heinrich und Helene Keller=Stiftung iſt bis jetzt nur eine
Bewerbung eingelaufen. Vorausſetzung der Zuwendung iſt, daß die
Brautpaare unbemittelt, unbeſcholten, in hieſiger Stadt bürgerlich
anſäſſig ſind und am 4. September d. Js. ihre kirchliche Trauung
vollziehen laſſen.
Ich wiederhole hierdurch meine obige Aufforderung und
er=
ſtrecke die Meldefriſt bis zum 25. Juni d. Js.
Darmſtadt, den 13. Juni 1912.
*13160
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Mueller.
Hengras=Verſteigerung.
Die Verſteigerung des Heugraſes
von den ſtädtiſchen Wieſen öſtlich
des Friedhofs uſw. vom 6. und
7. ds. Mts. iſt genehmigt.
Die Mähſcheine können bei der
Stadtkaſſe in Empfang genommen
werden und müſſen bis 20. d. M.
(13162oi
eingelöſt ſein.
Darmſtadt, den 10. Juni 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Jaeger.
Bekanntmachung.
Montag, den 8. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Stukkateur Georg
Gerlach dahier zugeſchriebene
Lie=
genſchaft:
Flur Nr. qm
IV 287//10 237 Hofreite
Kranich=
ſteinerſtraße
Nr. 22,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K106/11
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nichtentgegenſtehen, kann
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
reicht.
Darmſtadt, 11. Juni 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt 1
Müller. (V13141.
Bekanntmachung.
In unſer Handelsregiſter,
Ab=
teilung B. iſt heute unter Nr. 91
die Geſellſchaft mit beſchränkter
Haftung unter der Firma:
Schutzverein für Nieder=
Modau, Geſellſchaft mit
beſchränkter Haftung, und
mit dem Sitz in Darmſtadt,
eingetragen worden.
Gegenſtand des Unternehmens
iſt: Diejenigen Maßnahmen zu
ergreifen, die zur Erleichterung der
Durchführung des Konkurſes des
Spar= und Kreditvereins zu Nieder=
Modau, eingetragene
Genoſſen=
ſchaft mit unbeſchränkter Haftpflicht,
ſowohl in Richtung auf die
Kon=
kursgläubiger als in Richtung für
die Genoſſen zu treffen ſind,
ins=
beſondere Geldmittel zu beſchaffen,
um Forderungen an die erwähnte
Konkursmaſſe zu erwerben, zur
Konkursmaſſe gehörige
Vermö=
gensſtücke zu erwerben und weiter
zu veräußern, und die Mitglieder
des Spar= und Kreditvereins zu
Nieder=Modau, eingetragene
Ge=
noſſenſchaft mit unbeſchränkter
Haftpflicht, bei Erfüllung ihrer
Nachſchußpflicht zu unterſtutzen.
Das Stammkapital beträgt:
36 500 Mark.
Geſchäftsführer iſt der Rentner
Ludwig Roll in Darmſtadt.
Der Geſellſchaftsvertrag iſt am
7. Juni 1912 feſtgeſtellt.
Sind mehrere Geſchäftsführer
beſtellt, ſo iſt jeder einzelne
berech=
tigt, die Geſellſchaft für ſich allein
(13136
zu vertreten.
Oeffentliche Bekanntmachungen
der Geſellſchaft erfolgen durch den
Deutſchen Reichs=Anzeiger.
Darmſtadt, den 14. Juni 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
En unſer Handels=Regiſter,
Ab=
a teilung B, wurde heute
hin=
ſichtlich der Firma:
Darmſtädter Kohlen=
Kon=
ſum, Geſellſchaft mit
be=
ſchränkter Haftung in
Darmſtadt,
folgender Eintrag vollzogen:
Die Vertretungsbefugnis des
Franz Stein iſt beendet. (13134
Die Liquidation iſt beendet und
die Firma erloſchen.
Darmſtadt, 14. Juni 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
En unſer. Handels=Regiſter,
Ab=
a) teilung B, wurde heute
hin=
ſichtlich der Firma:
Heinrich Elbert,
Geſell=
ſchaft mit beſchränkter
Haftung, Darmſtadt,
folgender Eintrag vollzogen:
Dr. Otto Strecker, Kaufmann
und Fabrikant in Eberſtadt, iſt
zum ſtellvertretenden
Geſchäfts=
führer beſtellt.
(13135
Darmſtadt, 14. Juni 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
Der Militär-
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Frühjahr 1912
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Kunſk und Welt.
Roman von O. Elſter.
(Nachdruck veebsten.)
20)
Es muß ſchön ſein, ſagte ſie, nur um die peinliche
Stille zu unterbrechen, auf einem alten, ererbten Beſitz zu
wohnen.
Gewiß, entgegnete er, wenn man nur nicht der Sklave
dieſes Beſitzes und der Familie wäre.
Der Sklave?
Ja — denn es handelt ſich nicht um die Perſon bei
einem ſolchen Beſitz und einer ſolchen Familie, ſondern um
dieſen Beſitz, um dieſe Familie ſelbſt, der der Einzelne ſein
ganzes Leben, ſeine Neigungen zum Opfer bringen muß.
Iſt das nicht in ähnlicher Weiſe in jeder Familie ſo?
O, doch nicht ſo, wie ich es meine. In einer ſchlichten
Familie herrſcht nicht die ſtrenge Tradition; da iſt es jedem
unbenommen, die allzu engen Feſſeln abzuſtreifen — ein
freier Menſch zu ſein! Bei uns heißt es: entweder —
oder. Entweder du gehörſt zur Familie und beugſt dich
deren Traditionen — oder du gehörſt nicht mehr zur
Fa=
milie und kannſt tun und laſſen, was du willſt.
Es mag oft ſchwer ſein, bei ſolchen Anſchauungen
Kon=
flikten aus dem Wege zu gehen und den rechten Weg zu
finden.
Es iſt unmöglich! Ah — wenn ich ein freier Mann
wäre!
Er reckte ſich empor und in ſeinen Augen blitzte es auf.
Dann ergriff er plötzlich ihre Hand.
Wollen Sie mir etwas verſprechen, Elfriede?
Wenn es in meiner Macht ſteht . .
Wenn ich fern bin, wollen Sie mich nicht vergeſſen?
Ich werde Sie nie vergeſſen, entgegnete ſie leiſe,
wäh=
rend ſich ihre Augen mit Tränen füllten.
Und Sie werden nicht ſchlecht von mir denken, wenn
ich lange Zeit nichts von mir hören laſſe?
Wie ſollte ich ſchlecht von Ihnen denken?
Ah, dieſe Zeit wird als goldener Traum in meiner
Seele leben, Elfriede .
Er ſchien ſie an ſich ziehen zu wollen und ſie fühlte, daß
ſie nicht die Kraft gehabt hätte, zu widerſtreben. Aber
plötzlich atmete er tief auf und gab ihre Hand frei. Sein
Geſicht verfinſterte ſich.
Verzeihen Sie mir — ich weiß nicht, was ich tue .
Dann ſchritten ſie ſchweigend weiter, nicht im Stande,
ein Wort zu ſprechen, ſonſt hätte ihr tiefſtes Gefühl ſich
Bahn gebrochen. Nach kurzer Zeit trafen ſie Grete und
Hans, die Muſcheln und bunte Steine am Strande ſuchten.
Grete hing ſich an den Arm des Grafen und plauderte
luſtig auf ihn ein. Auch er zwang ſich, fröhlich zu ſein,
und lachte und ſcherzte mit den Kindern.
Nur Elfriede blieb ſchweigſam; ſie wußte, daß ſie
beide in dieſer Stunde das Glück ihres Lebens begraben
hatten.
Und dann kam der Tag des Abſchieds. Am Abend
ſaßen ſie noch gemeinſam auf der kleinen, weinumrankten
Veranda. Elfriede mußte noch einmal die ſchöne
Ab=
ſchiedsſzene der Klytia vortragen. Sie tat es in meiſter=
huſe eſe deun der Mhgdiediſhnen ſchie unch nrihet
Herzen und es war ihr, als ob ſie ſelbſt von ihrer Sonne
ſcheiden müſſe. Sie erlag faſt der Gewalt ihres Schmeiz
gefühls und mußte ſich nach Beendigung der Szene auf
einige Zeit zurückziehen, um ſich zu faſſen und
wiederzu=
finden.
Als ſie ſich in ihrem Zimmer fand, drangen die Töne
des Pianos aus dem Salon zu ihr. Ellerburg ſpielte —
keine beſtimmte Melodie, er folgte vielmehr ſeinen
Phan=
taſien, in denen er meiſterhaft die Gefühle, die ſein Inneres
durchbebten, auszudrücken verſtand. Ach, Elfriede verſtand
die Sprache dieſer weichen, leidenſchaftlichen Töne, die
in einer leiſen, wehmütigen Klage ausklangen! Sie weinte
heiße Tränen, ſie wußte, daß er unter dieſer Trennung
ebenſo litt, wie ſie, und ein unendliches Mitleid quoll in
ihrer Seele empor.
Wenn ſie ihm doch nur hätte helfen können! Aber ſie
ſtand den Verhältniſſen, die ſich wie ſtarre, graue Mauern
unüberſteigbar zwiſchen ihnen auftürmten, machtlos
gegen=
über. Er allein konnte helfen, wenn ein feſter, freier Wille
ihn beſeelte.
Da wurde die Tür ihres Zimmers geöffnet und ihr
Vater trat ein.
Willſt du nicht wieder zu uns kommen, meine kleine,
arme Elfe? fragte er mit ſeiner milden, ernſten Stimme.
Es iſt der letzte Abend — ſei mutig und ſtark mein Kind.
Da lag ſie an ſeinem Halſe und verbarg aufſchluchzend
das Antlitz an ſeiner Bruſt. Hier war ſie geborgen, ſie
wußte es; hier fand ſie Verſtändnis und Vertrauen.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Juni 1912.
Nummer 140.
Hilf mir, Vater, flüſterte ſie bebend.
Gern will ich dir helfen, liebes Kind, verſetzte er ernſt.
Aber auch du ſelbſt mußt dir helfen. Durch ein großes,
tiefes Gefühl, das dein Herz erfüllt, darfſt du ſelbſt nicht
klein und ſchwach werden. Wem ein ſolches Gefühl, wem
eine ſolche Liebe gegeben, der ſoll dadurch beglückt werden
venn auch eine Vereinigung, wie ſie das gewöhnliche
Leben mit ſich bringt, unmöglich iſt. Ihr ſeid vereint in
der gegenſeitigen Liebe, die eure Herzen beſeelt. Iſt dieſes
Gefühl echt und wahr, dann kann eure Seelen, eure Herzen
nichts mehr trennen. Es wird als ſtilles, geheimes Glück
in euch wohnen und euch mutig und ſtark machen. Und
haſt du nicht deine Kunſt, mein Mädchen? Der Künſtler
muß durch eine Leidensſchule gehen, wenn er die Höhen
und Tiefen des Lebens und der Kunſt recht verſtehen will.
Ich habe es heute abend an deinem Vortrage empfunden,
daß du durch dieſes Gefühl innerlich gereift, daß du eine
andere, eine wahre Künſtlerin geworden biſt! So hat dir
deine Liebe, dein Seelenſchmerz den Wehekuß gegeben und
du ſollteſt dem Allgütigen dankbar ſein, daß er dir dieſe
Liebe geſandt hat.
Mit großen, tränenloſen Augen ſah Elfriede zu ihm
auf. Aber der Ausdruck der Mutloſigkeit, der
Verzweif=
lung war aus ihnen verſchwunden.
Wie Recht haſt du, mein Vater, flüſterte ſie. Und wie
töricht war ich! Ja, als ein Glück, als eine beſeligende
Gabe des Himmels empfinde ich meine Liebe, und ich
ſchäme mich jetzt, daß ich ſo kleinmütig und ſchwach war.
Zu ſollſt mit mir zufrieden ſein — und nun komm, laß uns
u den endern zurckkehren,
Als der Graf am ſpäten Abend ſich verabſchiedete, lagen
ihre Hände noch einmal innig und feſt ineinander.
Ich habe Ihnen mein kleines Lied drinnen auf den
Tiſch gelegt, Elfriede, ſagte Ellerburg leiſe. Sie
er=
innern ſich wohl noch: die Lippen nicht, das Aug’ laß
ſprechen . . . Wollen Sie es zum Andenken an die
gemein=
ſam verlebten Stunden annehmen?
Ich danke Ihnen von Herzen.
Leben Sie wohl. Sehe ich Sie morgen früh noch
ein=
mal? Das Schiff fährt freilich ſchon um ſechs Uhr
Ich werde dort auf jenem Felſenvorſprung ſein — der
Dampfer fährt dicht daran vorüber.
Herzlichen Dank — auf Wiederſehen, Elfriede.
Sie beugte das Haupt, ſie vermochte nicht zu ſprechen
ſchweigend drückte ſie ihm die Hand — dann trennten ſie
ſich und im nächſten Augenblicke war er im Dunkel der Nacht
verſchwunden.
Am andern Morgen in aller Frühe ſtand Elfriede auf
dem Felſenvorſprung, an dem alle Schiffe ſo dicht
vorüber=
fahren, daß man die Menſchen auf Deck deutlich erkennen
konnte. Jetzt brauſte der Dampfer heran. Vorn auf der
äußerſten Spitze des Schiffes ſtand eine ſchlanke
Männer=
geſtalt und ſchwenkte den Hut nach dem Felſen hinauf.
Und Elfriede ließ ihr Tuch in den Lüften flattern und
ſtand regungslos da, bis das Schiff ihren Blicken
ent=
ſchwand.
XII.
Nun ſaß man ſchon wieder ſeit einigen Wochen in der
Berliner Wohnung; der Herbſtregen klatſchte an die
Fenſter und die Blätter der Lindenbäume auf der Straße
fielen zur Erde nieder. Ein trüber, grauer Himmel hing
über der Millionenſtadt und verwiſchte jede Farbe,
ſo=
daß Alles Grau in Grau gemalt erſchien.
Doch mochte es draußen auch ſtürmen und regnen und
die grauen, feuchten Nebelſchleier die Erde verhüllen —
in Elfriedes Herz war doch Sonnenſchein, Licht und Leben.
Freili chnicht der heißt, glühende Schein der
Hochſommer=
ſonne, unter deren Einwirkung Kraft und Wille erſchlaffen,
ſondern der milde, ſanfte Glanz der Herbſtſonne, in dem
die Früchte zur ſüßen Reife ſchwellen, die Aehren
körner=
ſchwer die Häupter ſenken und die Trauben am rötlich
ſchimmernden Laub erglühen.
Elfriede hatte das ihrem Vater gegebene Verſprechen
gehalten. Die Liebe zu Ellerburg hatte ſie nicht kraft= und
mutlos gemacht, ſondern ſie mit einer tiefen Lebens= und
Schaffensfreude durchtränkt, die ihre Wangen roſig färbte
und die aus ihren Augen mit ernſtem, nachhaltigem Feuer
leuchtete. Dieſe Liebe war ihr Glück und ihr Leben; ſie
vermochte ſich ihr Daſein ohne ſie nicht mehr zu denken.
Und wenn ſie auch an eine Vereinigung mit dem geliebten
Manne kaum noch dachte, wenn dieſes vollendete Glück
auch nur dann und wann durch ihre Träume ſchweble —
wie der Schatten einer Wolke über ſonnige Heide, ſo raſch,
ſo flüchtig, ſo weſenlos — ſo machte ſie das nicht ſchwach
und verzagt; ſie betrachtete ihre Liebe nicht anders als
ein Gnadengeſchenk des Himmels, das ihr ganzes Weſen,
ihr Fühlen und Denken auf eine höhere Stufe hob, um
ſie der Vollendung ihrer Kunſt entgegenzuführen.
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Seite 145.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Juni 1912.
Nummer 140,
Eine Kataſtrophe in Heſſen.
Von Rechtsanwalt Dr. E. E. Hoffmann II.
Am 19. Dezember 1911 mußte über den Spar=und
Kreditverein Nieder=Modau das
Konkursver=
fahren eröffnet werden. Wohl ſind in den letzten
Mona=
ten ſchon vereinzelte Nachrichten über die Folgen des
Zu=
ſammenbruches in die Oeffentlichkeit gedrungen. Welch
namenloſes Elend der Konkurs gebracht hat, wird jedoch
erſt jetzt von weiteren Kreiſen erkannt, und hierbei iſt es
noch nicht abzuſehen, welch außerordentlichen Umfang die
Kataſtrophe nehmen kann.
Nach der Konkursbilanz betragen die Aktiven des
Kreditvereins rund 900000 Mark, die Paſſiven 2 500000
Mark. Es iſt eine Ueberſchuldung von 1600000
Mark vorhanden.
Dee Kreditverein zählt 196 Mitglieder. Da er als
Genoſſenſchaft mit unbeſchränkter
Haft=
pflicht” gegründet iſt, haften die 196 Mitglieder mit
ihrem ganzen Vermögen für den Fehlbetrag von 1600000
Mark. Von den 196 Mitgliedern iſt ein Teil
vermögens=
los oder nahezu vermögenslos. Andere beſitzen ein
Ver=
mögen von 1000 Mark, 2000 Mark, 4000 Mark uſw. Nur
ganz Wenige beſitzen ein Vermögen, das auf 100000 Mark
oder mehr zu veranſchlagen iſt. Ein einziges Mitglied
ſoll ein Vermögen von etwa 200000 Mark haben. Die
geſamten Vermögen aller Mitglieder werden den Berrag
von 1600000 Mark bei weitem nicht erreichen, ſo daß keine
Ausſicht beſteht, den Fehlbetrag durch die haftpflichtigen
Mitglieder vollſtändig zu decken.
Nach dem Genoſſenſchaftsgeſetz iſt der Fehlbetrag in
ziffernmäßig gleichen Beträgen auf die haftpflichtigen
Mitglieder auszuſchlagen. Hierbei ſind die Ausfälle, die
bei den ganz oder teilweiſe zahlungsunfähigen
Mitglie=
dern entſtehen, zu berückſichtigen. Da nun, wie ſich aus
den obigen Zahlen ergibt, das geſamte Vermögen aller
Mitglieder zur Deckung des Fehlbetrages nicht ausreicht,
ſo war es nach dem Geſetz erforderlich, die Zuſchüſſe der
Mitglieder von vornherein ſo hoch zu berechnen, daß das
geſamte Vermögen jedes Mitgliedes mit Beſchlag belegt
werden kann. Da das höchſte Vermögen eines
Mitglie=
des auf 200000 Mark geſchätzt wird und da die Haftſumme
ziffernmäßig für jedes Mitglied gleich ſein muß, hat das
Konkursgericht die Haftſumme für jedes Mitglied auf
200000 Mark feſtgeſetzt. Hätte das Gericht die
Haft=
ſumme geringer feſtgeſetzt, ſo hätte dies zur Folge haben
können, daß die minderbemittelten Mitglieder alsbald
mit ihrem ganzen Vermögen in Anſpruch genommen
wor=
den wären, während die begüterten Mitglieder Zeit
ge=
funden hätten, ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen;
ſpäter wären dann die Verluſte der Spareinleger um ſo
größer geworden.
Da jedes der 196 Mitglieder mit ſeinem ganzen
Ver=
mögen haftbar iſt, muß nach dem Geſetz das ganze
Ver=
mögen jedes Mitgliedes in Beſchlag genommen werden.
Aus dieſer geſetzlichen Notwendigkeit entſpringt ein
namenloſes Elend. Falls die eingeleitete
Hilfs=
aktion nicht zuſtande kommt, kommen 196 Familien
um Habund Gut! Dabei ſind die meiſten von ihnen
nicht im geringſten an dem Zuſammenbruch der Kaſſe
ſchuld. Vollſtändig ahnungslos ſind ſie Mitglieder des
Sparvereins geworden, wie tauſend andere Menſchen
Mitglieder anderer Vereine ſind.
Sieht man das Elend aus der Nähe, ſo iſt es
herz=
erſchütternd. Einem alten, gelähmten und
arbeits=
unfähigen Mann muß das ganze Vermögen mit Beſchlag
belegt werden, ſo daß die bitterſte Not vor der Türe ſteht.
Bei den Landwirten müſſen die Liegenſchaften mit
Sicherungshypotheken belegt und der Viehſtand gepfändet
werden. Die Familien ſtehen vor dem Ruin.
Iſt es da ein Wunder, daß Lebensmüdigkeit
und Verzweiflung die Familien der Mitglieder
er=
greift? Ein Mitglied, ein alter und braver Landwirt, hat
in der Verzweiflung ſchon Hand an ſich gelegt und hat
ſelbſt ſeinem Leben ein Ende gemacht. Iſt es erſtaunlich,
wenn andere Mitglieder denſelben Gedanken äußern und
mit ſich tragen?
Dieſe Verzweiflung herrſcht nicht nur im Modautale.
Auch in anderen Gegenden des Odenwaldes, in der
Bergſtraße und in Darmſtadt beſitzt der
Kredit=
verein ſeine haftpflichtigen Mitglieder!
Das Elend beſchränkt ſich nicht auf die Kreiſe der
jetzigen Mitglieder. Greift die Hilfsaktion nicht ſchleunigſt
ein, ſo wird die Kataſtrophe, deren Umfang vor allem auf
eine ſchlechte Geſchäftsführung, wie ſie im
Genoſſenſchafts=
weſen glücklicherweiſe ſelten vorkommt, zurückzuführen iſt,
unentrinnbar weitere Kreiſe ziehen. Durch
Kauf=
ſchilling= und Hypotheken=Geſchäfte ſind zahlreiche weitere
Exiſtenzen mit dem Kreditverein verbunden. Muß der
Konkurs in ſeiner Schärfe durchgeführt werden, ſo iſt aufs
ernſtlichſte zu befürchten, daß auch dieſe Kreiſe in den
Strudel hineingezogen und teilweiſe zum Bankrott
kom=
men werden.
Infolge früherer geſchäftlicher Transaktionen des
Kreditvereins kann es dann dazu kommen, daß auch in
Darmſtadt zahlreiche Häuſer, an denen der
Kreditver=
ein Nieder=Modau direkt oder indirekt beteiligt iſt, auf
dem Wege der Zwangsverſteigerung auf den Markt
ge=
worfen werden. Welche Folgen dies für das
Darm=
ſtädter Baugewerbe und die Darmſtädter
Hauseigentümer hat, liegt auf der Hand.
Rund 1000 Spareinleger haben ihr Geld
vertrauensvoll bei dem Kreditverein angelegt. Die
Spar=
einlagen betragen 1600000 Mark. Auch dieſe Kreiſe ſind
in dringender Not. In vielen Fällen ſind es ſauer
ver=
diente Gelder kleiner Leute, die von ihren Erſparniſſen
leben müſſen, und die jetzt gegenüber dem Nichts ſtehen,
da die Konkursmaſſe zurzeit keine Auszahlungen leiſten
darf. In anderen Fällen handelt es ſich um die
Erſpar=
niſſe von Familienvätern, die jetzt ihre Söhne nicht
ſelbſt=
ſtändig machen, ihre Töchter nicht ausſtatten können, weil
ihr beſcheidenes Vermögen vollſtändig in der
Konkurs=
maſſe feſtgelegt iſt.
Muß der Konkurs mit voller Schärfe durchgeführt
werden, ſo wird der für die Konkursmaſſe ſich ergebende
Erlös vorausſichtlich geringer ſein, als wenn es gelingt,
zu einer Verſtändigung zu kommen. Es haben daher auch
die Spareinleger ein finanzielles Intereſſe daran, daß die
eingeleitete Hilfsaktion zuſtande kommt.
Nach eingehenden Beratungen, an welchen erfahrene
Sachverſtändige und auch Profeſſor Dr. Krüger von
Berlin, der Anwalt des allgemeinen Verbandes der
deut=
ſchen Genoſſenſchaften, teilgenommen haben, hat man als
den einzigen Weg zur Rettung die Gründung des
Schutzvereins erkannt, die unter der dankenswerten
Beteiligung größerer Genoſſenſchaften der Schulze=
Delitzſchſchen Richtung vor kurzem erfolgt iſt. Der
Schutz=
verein begbſichtigt, die bedürftigen Mitglieder des
Kredit=
vereins bei ihrer Haftverbindlichkeit gegenüber der
Kon=
kursverwaltung zu unterſtützen und die Forderungen der
Spareinleger unter entſprechendem Nachlaß zu erwerben.
Für die Spareinleger hat dies den großen Wert,
daß ſie anſtelle einer unſicheren Ausſicht auf die Zukunft
alsbald ihr Kapital, wenn auch mit erheblichem Nachlaß,
ausbezahlt erhalten und hiervon wieder leben und
wirt=
ſchaften können.
Hat ſich durch Unterhandlungen des Schutzvereins”
mit den Spareinlegern und ſonſtigen Gläubigern ergeben
welche Mittel endgültig zur Beſeitigung des Fehlbetrags
erforderlich ſind, dann kann die Konkursverwaltung
feſt=
ſtellen, in wie hohem Maße das Vermögen der
Mitglie=
der in Anſpruch zu nehmen iſt. Bis dahin muß das
Ver=
mögen der Mitglieder in Beſchlag gehalten
wer=
den, und es müſſen alle „Schiebungen” die von
einzelnen Mitgliedern zu Gunſten der Verwandten uſw.
vorgenommen worden ſind, rückgängig gemacht
werden, damit die Rechte der Spareinleger
nicht gefährdet werden.
Der „Schutzverein” kann Auszahlungen an die
Spar=
einleger nur leiſten, wenn ihm von dem Staat
erheb=
liche Beträge unverzinslich dargeliehen werden. Der
Staat kann das Darlehen umſomehr geben, als die
Hilfs=
aktion ſo vorſichtig angelegt iſt, daß die Gewähr für die
ſpätere Rückzahlung des Darlehens an den Staat gegeben
erſcheint, und als ihm durch die Hilfsaktion die
Steuer=
kraft eines größen Teiles der Bevölkerung erhalten bleibt.
Der Konkurs Nieder=Modau ſteht in
ſei=
ner furchtbaren Tragweite in der
Ge=
ſchichte der deutſchen Genoſſenſchaften
einzig da. In Ober=Mockſtadt betrug der Fehlbetrag
nach der Konkursbilanz 500000 Mark, in Nieder=Modau
1600000 Mark; in Ober=Mockſtadt wurde als Vorſchuß
von jedem Mitglied 2300 Mark gefordert, in Nieder=
Mo=
dau 200 000 Mark.
Regierung und Volksvertretung müſſen
ſich jetzt entſchließen, ob ſie die von dem „Schutzverein”
erbetene Unterſtützung leiſten wollen. Tritt die Hilfsaktion
nicht ſchleunigſt ein, ſo wird die Kataſtrophe einen
ſolchen Umfangnehmen, daß weite Kreiſe
unſeres Heſſenlandes auf Jahrzehnte
wirtſchaftlich ruiniert ſind.
Das Elend wird furchtbar werden!
Sport.
* Pferdeſport. Zweiter Berliner
Concurs=
hippique 1912. Der erſte Tag des vom Kärtell für
Reit= und Fahrſport veranſtalteten Concours=hippique
brachte die erſte Konkurrenz, das leichte Jagdſpringen,
das ſich bei der ſtarken Beteiligung von 27 Pferden ſehr in
die Länge zog; er wirkte in ſeinem Verlauf
deprimie=
rend, da die Pferde mit zwei Ausnahmen ſehr ſchlecht
ſprangen und die meiſten Reiter ſich durch
Ungeſchicklich=
keit und grobe Fehler auszeichneten. Es exeigneten ſich
auch einige Unfälle. Herr Paul Redelsheimer kam mit
Jonny zu Fall, wobei ſich das Pferd eine Latte in die
Bruſt ſtieß, und Oberleutnant von Buddenbrock kugelte
ſich beim Sturz die Schulter aus. Sieger blieb Herrn A.
R. Olſons Saſcha. Zweiter wurde Leutnant v.
Scharfen=
bergs Impatience und Dritter Oberleutnant v. Oheimbs
Pique=Dame. Die Materialprüfung für Reitpferde im
Beſitze von Pferdehändlern wurde in zwei Abteilungen
vorgeführt. In Abteilung I ſiegte Herr A. Kawelek vor
Julius Beermann und Herrn Przihoda. In der zweiten
Abteilung ſiegte Herrn G. Woltmanns Lord Silver vor
desſelben Gomba und Karl Löwenthals Schah.
* Internationales Berliner Polo=Turnier. Trotz der
recht ungünſtigen Witterung wohnte ein zahlreiches, ſehr
elegantes Publikum am Freitag den erſten Kämpfen der
vom B. P.=Klub veranſtalteten Turniere auf der
Renn=
bahn in Karlshorſt bei. Zunächſt ſtand ſich eine
Mann=
ſchaft des Wiener Poloklubs, beſtehend aus Baron Mayr=
Melnhoff, Prinz Ferdinand von Auerſperg, Prinz
Vin=
cenz von Auerſperg und Graf Bouquoy (back) dem aus
Dr. F. Wiener, G. Huldſchinsky, Prinz Friedrich Karl von
Preußen und R. Oppenheim (back) beſtehenden Team des
Berliner Poloklubs gegenüber. Das Spiel der Gäſte
machte von Anfang an einen überaus durchdachten
Ein=
druck, nur begingen beide Parteien ſehr oft den Fehler
des Kreuzens. Bis zum zweiten Satz blieb das Spiel
2:2 unentſchieden. Dann trat die Ueberlegenheit der
Wie=
ner Mannſchaft klar zutage, die in den nächſten beiden
Sätzen vier weitere Tore auf ihr Konto brachte und ſomit
die Berliner Mannſchaft 6:2 ſchlug. Bei den Wiener
zeich=
nete ſich Graf Bouquoy aus und bei den Berlinern Dr.
Wiener, der nur zum Schluß etwas ballunſicher wurde.
Außerdem fiel Prinz Friedrich Karl von Preußen als
guter Backhandſpieler auf. Im Kampfe um den Auguſt
Scherl=Wanderpreis ſtanden ſich dann der vorjährige
Sie=
ger, der Hamburger Poloklub, beſtehend aus der
Mann=
ſchaft: H. Duenſing. Arendts, R. Reeſe und H. Hiedmann
(back), und das aus Mr. Geo, F. M. Bear, Vanneck und
Graf Montgelas (back) zuſammengeſetzte Team des
Ber=
liner Poloklubs gegenüber. Nach anfänglich
ausgegli=
chenem Spiele von 111 zeigte ſich im zweiten Satz ſchon
die Ueberlegenheit der Hamburger durch zwei weitere
Goals. In den nächſten Sätzen vermochten Mr. Vanneck
und Graf Montgelas den Kampf offener zu halten,
konn=
ten aber doch nicht eine Niederlage der Berliner von 5:2
verhindern, ſo daß die Hamburger den Wanderpreis
wie=
der mit nach Hauſe nehmen konnten.
Janz ohne Soda..
Handel und Verkehr.
H. Frankfurt a. M., 15. Juni. (
Börſen=
wochenbericht.) Die Ermäßigung des offiziellen
Reichsbank=Diskonts auf 4½ Prozent hat an den deutſchen
Börſen guten Eindruck gemacht. Es war aber auch
ge=
wiſſermaßen ein Entgegenkommen für das deutſche
Wirt=
ſchaftsleben und eine beſondere Freundlichkeit für die
Land=
wirtſchaft, welche jetzt ihren Geldbedarf für die
Erntebe=
wegung eindecken muß. Der Privatſatz hat ſich ebenfalls
und 4 Prozent ermäßigt und nach den gemeldeten
Geldein=
gängen vom Ausland zu ſchließen, dürfte unſer Erſtes
Noteninſtitut trotz der obenerwähnten Verbilligung des
Zinsſatzes allen Anſprüchen vorerſt gerecht werden können.
Das Geſchäft wird jetzt allmählich ſtiller; ſind wir doch
der ſogenannten saison morte ſehr nahe gerückt. Die
Ten=
denz war jedoch während der ganzen Berichtswoche zur
Feſtigkeit geſtimmt, die vorwiegend und beſonders bei
Wochenſchluß auf dem Montangebiet zur Geltung kam.
Lediglich der deutſche Rentenmarkt zeigte eine auffallende
Schwäche. Man ſuchte geltend zu machen, daß die
erfor=
derlichen Glattſtellungen für per Juni und Juli
einge=
gangene Prämien= und Nachgeſchäfte augenblicklich die
nachgebende Stimmung verurſachten. Es dürfte ferner das
ſtärkere Angebot damit zuſammenhängen, daß das
Pri=
vatpublikum die unter vier Prozent rentierenden Werte
abgibt, um ſolche gegen höher verzinsliche ausländiſche
Staatsrenten einzutauſchen; ebenſo bemerkte man, im
Hin=
blick auf dieſe Anſichten, auch Käufe in den guten
Mon=
tanpapieren, aus denen ein teilweiſe viel günſtigerer
Zins=
genuß erzielt wird. Von Fonds bleiben die ruſſiſchen,
ſowie öſterreichiſch=ungariſchen gut behauptet, ſonſt blieb
es ſehr ſtill in Anlagepapieren; ſelbſt ſerbiſche ſind
trotz=
der vorzüglichen Ernteausſichten niedriger.
Transportaktien, wie Orientbahnen, Schantung und
Baltimore und Ohio ſchließen matter hingegen Hamburger
Paket und Nordd. Lloyd bei zeitweiſen Realiſationen
ſchließlich unverändert gut gehalten. Der Verkehr am
Bankenmarkt iſt eben faſt vollſtändig ſtagnierend, und die
Kurſe zeigen ganz geringe Veränderung. Ueber die
In=
duſtrie und ihre Zukunft iſt das Urteil noch nicht ganz
ge=
klärt. Auf der einen Seite bleibt man weiter
zuverſicht=
lich, auf der anderen herrſcht Zweifel. So ſpricht ſich ein
letzter Tage veröffentlichter Eiſenmarkts=Bericht des Berl.
B.=Cour. keineswegs ſonderlich günſtig hinſichtlich der
Entwickelungs=Ausſichten aus. Die Beſtrebungen, eine
de=
finitive Verlängerung der ſämtlichen Trägerhändler=
Ver=
einigungen herbeizuführen, dürften nicht ergebnislos
ver=
laufen und dann auf das Montangebiet günſtig einwirken,
wie dies bereits durch die mit Erfolg bewirkte
Preis=
erhöhung bei einzelnen Produkten zum Ausdruck kam.
Bochumer, Phönix, Harpener und Gelſenkirchener ſchließen
höher bei ziemlich bedeutendem Geſchäfte.
Elektrizitäts=
aktien ſind teilweiſe gebeſſert; Bergmann bis 142, Brown
Boweri bis 129½.
Am Kaſſainduſtriemarkt haben die Umſätze ebenfalls
i der letzten Zeit nachgelaſſen, da das Privatpublikum
etwas zurückhaltender geworden iſt. Die an den Markt
gekommenen Aktien wurden indes ſchlankt zu nur wenig
herabgeſetzten Preiſen aufgenommen. Höher gegen die
Vorwoche ſind: Akkumulatoren (509½), Bielefelder Ma= Dürkopp (502), Kunſtſeide (170,60), Kleyer (500) und
Mannesmann (219,80); niedriger hingegen Deutſche Gold=
und Silber=Scheideanſtalt (1120), Motorenfabrik
Ober=
urſel (144½), Holzverkohlung (307½) und Gummi Peter
(112). Die letzteren waren gedrückt auf den niedrigen
Stand der Verkaufspreiſe gegenüber des Gummipreiſes,
ſodaß man glaubt, auch dieſes Jahr kaum auf eine
Di=
vidende rechnen zu können. Naphtha bewegten ſich zwiſchen
228—223—225½ aus Enttäuſchung über den Abſchluß; der
allerdings 14 Prozent vorſieht, aber ſonſt nicht befriedigt.
Die Bagdadbahn zahlt wieder für das abgelaufene Jahr
5 Prozent Dividende; die Anatoliſche Eiſenbahn=
Geſell=
ſchaft ebenfalls 5 Prozent. Spinnerei und Weberei
Hüt=
tenheim=Benfeld gingen bis 34 zurück, nachdem der letzte
Jahresbericht abermals eine Unterbilanz aufweiſt, ſo daß
eine Sanierung unumgänglich nötig iſt.
Von Loſen notieren: Augsburger 34,60,
Braunſchwei=
ger 197,20, Pappenheimer 66 B., Genua 206,—, Türkiſche
170,20, Freiburger 80,—, Ungariſche 368,—, Meininger
35,40, Venediger 43,— Mailänder 45=Francs=Loſe 140,—,
Mailänder 10=Francs=Loſe 31,25, Raab=Grazer
Anrechts=
ſcheine 37,50, in Reichsmark; Gothaer Prämie II 118,25,
Donau=Regulierung 158,— nominell, Madrider 75 P., in
Prozent. Ferner ſchließen: 4proz. Reichs (unkündbar bis
1921) 100,75, 3½proz. Reichs 90,05, 3 proz. Reichs 79,85 bis
80,10, 4proz. Heſſen von 1899 99,40 G., 4proz. Heſſen von
1906 99,60 G., 4proz. Heſſen von 1908/09 99,80 G., 4proz.
Heſſen (unkündbar bis 1921) 100,60, 3½proz. Heſſen 88,05,
3proz. Heſſen 78,— 4proz. Darmſtädter 98,80 B., 3½proz.
Darmſtädter 89 G., 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie
18—23) 100 G., 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie
24—25) 100,20 G., 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie
3—5) 89,30 G., 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie
9—11) 89,40 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Setle
10—12) 100 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Selle
13—14) 100,20 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Sclie
1—3) 89,50 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serieſch
89,40 G., Darmſtädter Bank 121¼, Südd. Eiſenb.=Geſellſch.
123,80 G Südd. Immobilien=Geſellſchaft (Mainz) 69=B.,
Lederwerke vorm. Spicharz (Offenbach a. M.) 7450,
Schramms Lack= und Farbfabriken (Offenbach a. M.) 270
G., Chemiſche Mühlheim a. M. 67,— Schantungbahn
132½, South=Weſtafrika 147½, Otavi=Anteile 94,—, Otavie
Genußſcheine 65½, 4½proz. Ruſſen 100,30 G., 4proz. 1880er
Ruſſen 90,70 G., 4proz. 1902er Ruſſen 91,— 3¼0proz.
Ruſſen 88,10, 3½proz. Ruſſen 84,70, 3proz. Ruſſen 78,30,
4proz. unifizierte Türken 90,70 G., 4proz. Adminiſtrations=
Türken 82,50 G., 4proz. Bagdadbahn 84 G., 4proz.
konver=
tierte Tüxken 1905/11 80,60, 5proz. Chineſen 99,20, 4½proz.
Chineſen 93,25, 5proz. Chineſen (Tientſin=Pukow) 98,
4½proz. Japaner 94,25, 4proz. Japaner 89,—. 3proz.
Buenos=Aires 71½.
eine neuartige Haushaltſeife
von
Stück 20 Pf.
(12289M