Abonnementspreis
Inſerate
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadk,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Bei den Beratungen der Regierung mit dem
Finanzausſchuß über die
Beamtenbeſoldungs=
vorlage gab Staatsminiſter Dr. Ewald eine
Er=
klärung ab, die den Zweck verfolgt, eine
Verſtän=
digung zwiſchen der Regierung und den beiden
Kam=
mern zu ermöglichen.
Während einer Felddienſtübung des
Garde=Dragoner=Regiments im
Eber=
ſtädter Wald am Samstag wurde der Gefreite Spahr
durch einen losgegangenen Karabiner des
Unteroffi=
ziers Ferner erſchofſfen.
Bei den Rudolſtädter Landtagswahlen
wurden wieder neun Sozialdemokraten und ſieben
Bürgerliche gewählt.
Der König von Montenegro ſtattete dem
Kai=
ſer Franz Joſef einen offiziellen Beſuch ab.
Beim Galadiner zu Ehren des Königs in Schönbrunn
wurden von den beiden Monarchen Trinkſprüche
ausge=
bracht.
Der Attentäter Kowacs iſt nicht tot, ſondern
wurde ſchwerverletzt ins Krankenhaus geſchafft, wo die
Kugel aus dem Kopfe entfernt wurde
Bei dem Exploſionsunglück im
Pulvermaga=
zin von Wöllersdorf ſind 10 Perſonen getötet
worden.
Das franzöſiſche Unterſeeboot
Vendé=
miaire iſt infolge Zuſammenſtoßes mit dem
Panzer=
kreuzer St. Louis mit der Mannſchaft geſunken.
Die Mitglieder des Nationalausſchuſſes des
engliſchen
Transportarbeiterverban=
des beſchloſſen, am Montag mit dem
National=
ſtreik zu beginnen, falls die Antwort der Arbeitgeber
unbefriedigend ſein ſollte.
(Letzte Nachrichten ſiehe Seite 8.)
Koloniale Fragen.
— Die Deutſche Kolonialgeſellſchaft, die in hohem
Anſehen ſteht, und für unſere Kolonialpolitik nicht ſelten
beſtimmend geweſen iſt, hat ihre diesjährige Tagung in
Hamburg beendet, die zum Teil recht intereſſante Debatten
und Beſchlüſſe zeitigte. Am meiſten Aufſehen hat eine
im Laufe der Erörterungen gefallene Aeußerung des
Landtagsabgeordneten Dr. Arning hervorgerufen, der
mitteilte, daß er nach langem Zögern ſeitens der
Re=
gierung und nach wiederholter energiſcher Nachfrage
das Eingeſtändnis erhalten habe, daß die im
Ubanghi=
fluß vorgelagerten Inſeln franzöſiſch bleiben, wodurch
der Wert des Kongovertrages ſich nicht unbeträchtlich
herabmindert. Der Arning, der ſelbſt jahrelang in den
Kolonien gewirkt hat, ſchob die Schuld hierfür dem
Auswärtigen Amt zu, während das Kolonialamt kein
Vorwurf treffe. Auf dieſen ſcharfen Angriff, auf den
man leider in der Verſammlung wohl mit Rückſicht auf
die anweſenden Regierungsvertreter nicht einging, wird
das Auswärtige Amt doch wohl eine Aufklärung geben
müſſen. Vielleicht erſchallt dieſer Mahnruf noch zu
rech=
ter Zeit, denn Mitte dieſes Monats tritt in Bern die
beiderſeitige Kommiſſion zuſammen, die die Grenzen
für Neu=Kamerun genau feſtlegen ſoll.
Im übrigen wurden verſchiedene andere wichtige
Fragen beſprochen und wertvolle Anregungen gegeben.
So befaßte man ſich u. a. mit der wirtſchaftlichen
Er=
ſchließung der in Kamerun neu erworbenen Gebiete, und
verlangte inſonderheit Regelung der Rechte und
Pflich=
ten der Konzeſſionsgeſellſchaften, um das Neuland auch
dem deutſchen Handel zugängig zu machen. Namentlich
wandte man ſich gegen den Raubbau der erwähnten Ge=
Eſellſchaften und verlangte Beſchränkungen wie in Süd=
Kamerun. Eine vorteilhafte Einrichtung ſieht der
Be=
ſchluß vor, eine ſtändige Kommiſſion zur Vorberatung
von kolonialen Eiſenbahnprojekten einzuſetzen. Dieſe
Einrichtung könnte fehr wertvoll wirken, da die
Kolo=
nialgefellſſchaft über Perſönlichkeiten verfügſt, die, auf
dieſem Gebiete keine Neulinge ſind. Des weiteren
erör=
terte man Maßnahmen zwecks Verbeſſerung der
Geſund=
heitsverhältniſſe und befaßte ſich mit verſchiedenen
wiſ=
ſenſchaftlichen Fragen, wie mit dem Strafrecht, der
geo=
logiſchen Erforſchung und dergleichen mehr.
Den breiteſten Raum in der Ausſprache nahm aber
die Frage der Miſchehen ein. Erſt kürzlich iſt dieſes
Kapitel im Reichstage erörtert worden, und es verdient
hervorgehoben zu werden, daß der weit überwiegende
Teil der Mitglieder der Kolonialgeſellſchaft ſich auf das
ſchärfſte gegen die Miſchehen wandte. Man ſetzte ſich
damit in Gegenſatz zu der Reſolution des Reichstages,
indem man verlangt, daß die gegen die Ehen zwiſchen
Weißen und Farbigen erlaſſenen Verordnungen aufrecht
erhalten werden müſſen, wenn anders nicht ſchwere
Schäden eintreten ſollen. Allenthalben, wo eine größere
Anzahl von Miſchlingen vorhanden iſt, ſind dieſe es, die
das unruhige Element bilden. In der Regel ſind dieſe
Baſtarde die ſchärfſten Gegner der weißen Bevölkerung,
ſie vermiſchen ſich meiſt auch nur mit Angehörigen der
farbigen Raſſe und tragen ſo dazu bei, die Degeneration
zu vermehren. Dieſem Uebel kann nicht genug geſteuert
werden, wenngleich ſich nicht verkennen läßt, daß man in
dieſer Richtung mit den größten Schwierigkeiten zu
kämpfen hat. Abhilfe kann nur die Ueberſiedelung
wei=
ßer Frauen bringen, aber nicht allenthalben iſt das eben
möglich. Zum Schluß nahm man in Hamburg noch
ei=
nen Antrag an, auch die akademiſche Jugend für den
kolo=
nialen Gedanken zu organiſieren, und man hat hieran
recht getan; auf dieſe Weiſe kann eine nachdrücklichere
Werbearbeit für eine geſunde Kolonialpolitik eingeleitet
werden.
Gewerkſchaften und Arbeitervereine.
* Der in den letzten Wochen wieder neu entfachte
Zwiſt in der katholiſchen
Arbeiterbewe=
gung hat das öffentliche Intereſſe auf die mächtigen
Organiſationen, die unter dem Namen „Chriſtliche
Gewerkſchaften” und „Katholiſchc
Arbei=
tervereine” neben und im Kampf. mit den
ſozial=
demoktatiſchen freien Gewerkſchaften herangewachſen
ſind.
Die chriſtlichen Gewerkſchaften danken ihren
Urſprung der nach mehreren Anläufen im Jahre 1894
verwirklichten Gründung des Gewerkvereins chriſtlicher
Bergarbeiter in Eſſen, der noch heute ihr Rückgrat iſt.
Neben ihm ſind nach und nach, teilweiſe im Anſchluß
an ſchon beſtehende Fachabteilungen katholiſcher
Arbei=
tervereine, die übrigen beruflichen Sonderorganiſationen
chriſtlicher Färbung getreten. Ende 1900 ſchloſſen ſie ſich
zu einem Geſamtverbande zuſammen. Sie zählten nach
der letzten Statiſtik zu Beginn des Jahres 1911 rund
320 000 Mitglieder.
In ihrer Organiſation und ihren
Grund=
ſätzen tritt das gewerkſchaftliche Moment ſtark hervor:
Als ihre Aufgabe betrachten ſie die wirtſchaftliche und
geiſtige Hebung ihrer Mitglieder auf dem Wege der
Selbſthilfe durch gemeinſchaftliches Vorgehen bei der
Vertretung beruflicher Intereſſen; zur Erlangung beſſerer
Lohn= und Arbeitsbedingungen lehnen ſie das
Kampf=
mittel des Streiks nicht ab.
Die chriſtlichen Gewerkſchaften ſtehen grundſätzlich
auf interkonfeſſionell=chriſtlichem Boden
und ſind, wenigſtens nach dem Programme, unpolitiſch:
doch machen ſich Einflüſſe von Zentrumsſeite nicht ſelten
in ihren Reihen geltend.
Durchaus verſchieden von den chriſtlichen
Gewerk=
ſchaften ſind nach Organiſation und Tendenz die
katho=
liſchen Arbeitervereine. Sie ſind anfangs
der neunziger Jahre entſtanden und haben ſich im Laufe
der Zeit zu einer bedeutenden Macht entwickelt. Sie
ſind Bildungs= und Erziehungsvereine zur Pflege des
katholiſchereligiöſen Lebens und grundſätzlich
ebenſo=
wenig politiſcher Natur wie die Gewerkſchaften. Dieſe
Beſtrebungen kommen auch in ihrer Organiſation zum
Ausdruck, die ſich eng an den Aufbau der katholiſchen
Kirche anlehnt. An der Spitze jedes Vereins ſteht der
Präſes, ein vom Biſchof ernannter Geiſtlicher, und die
Vereinsverbände ſind nach Diözeſen gegliedert.
Die katholiſchen Arbeitervereine haben ſich zu vier
großen Verbänden vereinigt; drei davon, der oſtdeutſche,
ſüddeutſche und weſtdeutſche, haben ſich zu einem
Kar=
tellverband zuſammengeſchloſſen, dem Anfang 1911
rund 290000 katholiſche Arbeiter angehörten. Der
vierte, der Verband katholiſcher Arbeitervereine (Sitz
Berlin) hat im Laufe der letzten Jahre wegen ſeiner
Be=
tonung extrem=konfeſſioneller Grundſätze eine
Sonder=
ſtellung gewonnen. Im Gegenſatz zu den drei
Verbän=
den hat er in ſein Programm auch die Vertretung
wirt=
ſchaftlicher und ſozialer Forderungen aufgenommen; die
beſonderen Berufsintereſſen vertreten die ihm als
inte=
grierende Beſtandteile eingegliederten
Fachabtei=
lungen. Er verwirft den Streik und ſucht die
Be=
ziehungen zwiſchen Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch
friedliche Verhandlungen ſelbſt zu regeln, während der
Kartellverband ſeine Mitglieder zur Erlangung beſſerer
Lohn= und Arbeitsbedingungen auf den Beitritt zu den
chriſtlichen Gewerkſchaften verweiſt. Ende 1910 waren
dem Berliner Verband rund 130000 Arbeiter
ange=
ſchloſſen.
Zu der am Freitag mitgeteilten Erklärung des
Uditore der Römiſchen Rota, Heiner, ſchreibt die
Köln. Volkszeitung:
Im ganzen genommen laſſe ſich wohl ſagen, daß die
Erklärung der wohlmeinenden Abſicht entſpringe, auf
die tiefgehende Erregung, welche ſich infolge des
Vor=
gehens des Berliner Verbandes und der bei ſeiner
römi=
ſchen Hulbigungsreiſe erfolgten Kundgebung nicht nur
der großen Mehrheit der organiſierten katholiſchen
Arbei=
terſchaft und der ihnen naheſtehenden Geiſtlichen und
Laien, ſondern man könne ruhig ſagen: der Kathöliken
Deutſchlands überhaupt bemächtigt hat, beruhigend
ein=
zuwirken. „Dafür gebührt Herrn Prälaten Heiner und
denjenigen Stellen, die ſeine Erklärung gebilligt haben,
aufrichtiger Dank, auch wenn auf ihrer Grundlage eine
wirkliche und wirkſame Beruhigung einſtweilen leider
kaum zu erwarten ſteht und zwar ſchon aus dem einen
Grunde, weil aus der ganzen Situation, wie ſie durch
die jüngſten Vorgänge geſchaffen wurde, das nicht mehr
auszuſcheiden iſt, was vom Berliner Verbande geſchehen
iſt. Darauf geht die Erklärung nicht ein. Daher kann
das, was ſie über die, wie ſie erklärt, nicht authentiſchen
mündlichen Aeußerungen des Heiligen Vaters und über
die Telegramme des Kardinalſtaatsſekretärs ſagt, wohl
eine gewiſſe abſchwächende Wirkung haben, aber den
Eindruck jener Vorgänge insgeſamt leider nicht
ungeſche=
hen machen Auch auf die Frage, wie der Heilige Stußl
zu ſeiner Auffaſſung gelangte, kann die Antwort nur
lauten: Durch die Informationen der Berliner und ihrer
Wortführer in Rom. Man kann dieſe Antwvort mit
Sicherheit geben, da man weiß, daß weder der
apoſto=
liſche Nuntius in München noch die große Mehrzahl der
deutſchen Biſchöfe in Rom Informationen im Sinne
jener Stellungnahme gegeben haben. Seit Jahren haben
die Berliner gegen jene Organiſation einen
Verdächti=
gungsfeldzug geführt, nicht nur in Verſammlungen und
in ihren Preßorganen ſelbſt, ſondern auch beſonders
durch Abgeſandte nach Rom.” Zum Schluß ſagt das
Blatt: „Der Appell an den beſſer zu
unter=
richtenden Papſt iſt keine Ehrfurchtsverletzung.
Dieſer Appell an den gemeinſamen Vater der katholiſchen
Chriſtenheit ſteht jedem Katholiken zu, um ſo mehr einer
großen Arbeiterorganiſation, welche eine der
Hofftun=
gen des katholiſchen Deutſchland iſt, und ſeine Einlegung
darf erbeten werden von den Biſchöfen, die jene
Arbeiter=
organiſationen ſo oft gefördert und ermutigt haben.”
Deutſches Reich.
— Eine Hinausſchiebung der
bundes=
ratlichen Ayslegung des
Jeſuiten=
geſetzes bis zum Herbſt iſt, wie von unterrichteter
Seite mitgeteilt wird, nicht nur möglich, ſondern höchſt
wahrſcheinlich. Der Bundesrat, der zu Anfang des
näch=
ſten Monats eine zweimonatige Unterbrechung ſeiner
Arbeiten eintreten läßt, iſt für dieſe kurze Spanne Zeit
noch ſehr beſchäftigt, und es iſt daher kaum anzunehmen,
daß die gewünſchte Entſcheidung noch vor den Ferien
fallen wird, zumal auch das preußiſche Miniſterium ſich
nochmals mit der Angelegenheit beſchäftigen muß. Die
Sache wird nicht als beſonders eilig angeſehen, da der
bayeriſche Erlaß ja vorerſt ſuspendiert iſt. Wie
ver=
lautet, ſollen ſämtliche Bundesregierungen erſucht
wor=
den ſein, ſich ſchriftlich über die Angelegenheit zu äußern.
Referent im Bundesrat über die Jeſuitenfrage iſt
Ham=
burg.
— Die Tagung des Geſamtausſchuſſes
des Hanſabundes. In führenden Kreiſen des
deutſchen Gewerbeſtandes und beſonders der Induſtrie,
des Handwerks und der Angeſtellten macht ſich ein
leb=
haftes Intereſſe für die anläßlich des dritten
Gründungs=
tages des Hanſabundes am 12. Juni d. J. in Berlin
ſtatt=
findende Tagung des Geſamtausſchuſſes geltend.
So=
weit es ſich bisher überſehen läßt, wird die Tagung eine
große Anzahl bekannter Perſönlichkeiten des deutſchen
Gewerbeſtandes vereinigen. Gleichzeitig mit der Tagung
des Geſamtausſchuſſes iſt eine Einberufung der
Sub=
miſſionszentrale und des Zentralausſchuſſes für das
deutſche Handwerk vorgeſehen. Den Mittelpunkt der
Verhandlungen der Submiſſionszentrale bildet der
Sub=
miſſionsgeſetzentwurf des Hanſabundes und eine
Bera=
tung über das zu dieſem eingegangene Material.
— Die Landtagswahlen in
Schwarz=
burg=Rudolſtadt. Bei den Landtagswahlen in
Rudolſtadt wurden wieder neun Sozialdemokraten und
ſieben bürgerliche Kandidaten gewählt. Die
Sozialdemo=
kraten verloren Stadtilm mit 734 gegen 735 bürgerliche
Stimmen und gewannen Frankenhauſen=Land mit 483
gegen 463 Stimmen. Die Landtagswahlen haben alſo
das gleiche Ergebnis gehabt wie die Wahlen vom 10.
No=
vember 1911. Der Landtag wurde bekanntlich am
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Jnni 1912.
Nummer 134.
4. März d. J. wegen der vielbeſprochenen Gegenſätze
zwiſchen Regierung und Mehrheit aufgelöſt.
— Das preußiſche
Beſitzbefeſtigungs=
geſetz iſt auch vom Herrenhauſe angenommen worden.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Rechtfertigung des Grafen Tisza. In
einer längeren Rede nach dem Attentat führte Graf Tisza
im ungariſchen Abgeordnetenhauſe aus:
Das Abgeordnetenhaus hätte erwarten können, daß
er Vorkehrungen treffe, daß die ausgeſchloſſenen
Mitglie=
der nicht in das Abgeordnetenhaus zurückkehren könnten.
„Da ich bemerkte,” erklärte Graf Tisza, „daß die
aus=
geſchkoſſenen Abgeordneten beſtrebt ſind, die Straße zu
mobiliſieren, erſchien es mir richtig, ihnen zu geſtatten,
in den Sitzungsſaal hineinzukommen, wenn ſie es für
gut halten. Dann aber verfügte ich die Entfernung aus
dem Sitzungsſaale. (Allgemeiner, lebhafter Beifall.
Um die öffentliche Meinung zu beruhigen, erkläre ich, daß
alle unſere Beſchlüſſe ſtreng in der von der
Geſchäftsord=
nung vorgeſchriebenen Form gefaßt ſind. Nur die
An=
nahme des Wehrgeſetzes bildete eine Ausnahme inſofern,
als das Präſidium infolge der elf Monate währenden
Obſtruktion gezwungen war, die
Geſchäftsord=
nung fſo zu handhaben, daß die techniſche
Obſtruktion eine Beſchlußfaſſung nicht verhindern konnte.
Gegenüber dem Vorwurf, daß das Parlament jetzt ein
Rumpfparlament ſei, weiſe ich darauf hin, daß
ſämtliche oppoſitionelle Abgeordnete unter den von der
Hausordnung vorgeſchriebenen Bedingungen aus dem
Sitzungsſaal entfernt wurden. Bereits insjedem
Parla=
ment iſt eine Ausweiſung gegenüber renitenten
Mitglie=
dern vorgenommen worden, doch in England Frankreich
und Deutſchland iſt niemals geſagt worden, daß dadurch
der Parlamentarismus mit Schmach und Schande
be=
deckt wird, weil einzelne Abgeordnete polizeilich entfernt
werdenemußten, würde doch dem
Parlamentaris=
mus ein großer Schaden zugefügt wenn
das Parlament irenitentten Mitgliediern
gegenüber nicht die Ordnung aufrecht zu
erhalten vermöchte.”
Nach Schluß der Verhandlung ergriff Graf Khuen=
Hedervary das Wort und ſagte: Das Protokoll der
heu=
tigen Sitzung wäre unvollſtändig, wenn es nicht den
Ausdruck der Entrüſtung und des Entſetzens enthalte,
welchen das meuchleriſche Attentat auf unſeren verehrten
Präſidenten erweckt habe. Wir müſſen der Vorſehung
danken für die glückliche Errettung eines hervorragenden
Mannes, der im Dienſte des Vaterlandes der Gefahr
ausgeſetzt geweſen iſt, einem meuchleriſchen Anſchlag zum
Opfer zu fallen, der nur dadurch erklärlich iſt, daß er im
Wahnſinn begangen wurde. Auch können wir nicht
um=
hin, noch beſonders die heroiſche Kaltblütigkeit zu
bewun=
dern, die Graf Tisza in dieſem verhängnisvollen
Mo=
ment bewieſen hat. Die Rede war wiederholt von
ſtür=
miſchen Ovationen für Tisza unterbrochen. Alle
Mit=
glieder des Hauſes erhoben ſich und brachen in
begei=
ſterte Eljenrufe aus. Unmittelbar nach dem Attentat
machten einige Abgeordnete der Regierungspartei den
Mitgliedern der Journaliſtengalerie heftige Vorwürfe,
weil ſie dem Täter den Zutritt geſtattet hätten. Die
Journaliſten erklärten entſchieden, daß Kovacs ganz
un=
bemerkt auf der Journaliſtengalerie erſchienen ſei und
ſofort die Tat verübte. Die Abgeordneten entſchuldigten
ſich hierauf wegen der ungerechten Vorwürfe.
Frankreich.
Der Wahlreformentwurf der
Regie=
rung wird von der konſervativen, nationaliſtiſchen und
gemäßigt republikaniſchen Preſſe zumeiſt mit lebhafter
Befriedigung aufgenommen. Auch einige radikale
Blät=
ter äußern ſich zuſtimmend. So ſchreibt der Rappel:
Mit dem Entwurf ſind alle Vorſichtsmaßregeln getroffen,
um der Zerſplitterung der republikaniſchen Parteien
vor=
zubeugen und alle darauf abzielenden Machenſchaften zu
verhindern. Die Petite Republique ſagt: Die
Regie=
rung habe ſich bemüht, ein einfaches, klares und
allge=
mein verſtändliches Syſtem auszuarbeiten. Die
ultra=
radikale Lanterne jedoch lehnt den Entwurf ab, weil er
rückſchrittliche Parteien begünſtige.
Portugal.
Die Löfung der politiſchen Kriſe iſt ſehr
ſchwierig. Man glaubt, daß es möglich ſein wird, ein
Miniſterium zu bilden, beſtehend aus Freunden Coſtas
und der parlamentariſchen Gruppe der Unabhängigen.
Die Kammer iſt jedoch bis zum 17. Juli vertagt, ſodaß
man ſich fragt, auf welche Majorität ſich ein Kabinett
Coſta ſtützen werde.
Serbien.
Außerordentliche Kreditforder ung.
In der vom Präſidenten der Skupſchtina einberufenen
Konferenz der Führer der politiſchen Parteien erklärte
der Präſident, der Miniſter des Aeußern beabſichtige, von
der Skupſchtina einen außerordentlichen Kredit von
zwei Millionen Dinars zu fordern. Er wünſche, vorher
den Standpunkt der Parteien kennen zu lernen.
Mini=
ſterpräſident Milowanowitſch begründete die
Notwendig=
keit des Kredits mit Rückſicht auf die auswärtige Lage.
Während der Parteiführer der Altradikalen die
Bewil=
ligung des Kredits ſeitens der Regierungspartei zuſagte,
lehnten die oppoſitionellen Parteiführer die
Verantwor=
tung ab.
Amerika.
Die Vereinigten Staaten und Mexiko.
Die Kölniſche Zeitung meldet aus Waſhington vom
7. Juni: Die Regierung der Vereinigten Staaten iſt
jetzt offenbar entſchloſſen, die Regierung Maderos zu
unterſtützen. Botſchafter Wilſon wird in den nächſten
Tagen aus Mexiko hier eintreffen, um mit dem
Staats=
ſekretär Knox einen Vertrag mit Mexiko zu eniwerfen,
deſſen zwei Hauptpunkte die Entſchädigungsfrage und
die Feſtſetzung einer zwanzig bis fünfundzwanzig
Kilo=
meter breiten Grenzzone bilden werden. Die
mexika=
niſche Regierung verpflichtet ſich, dieſen Streifen von
Revolutionären frei zu halten. Wenn ſie dazu unfähig
iſt, wird es den amerikaniſchen Truppen ermöglicht,
ein=
zurücken, ohne eine Gebietsverletzung zu begehen.
Die Lage auf Kuba. Das
Kriegsmini=
ſterium in Waſhington betont nachdrücklich, daß die
Truppenbewegungen auf Kuba ohne jede Abſicht einer
politiſchen Einmiſchung ſeien und lediglich zur
Wieder=
herſtellung der Ordnung unternommen würden. Die
Truppen gehen wahrſcheinlich nach dem Oſten Kubas.
Es dauert vorausſichtlich eine Woche, ehe die letzten
Truppen eingeſchifft ſind. Die Artillerie folgt ſpäter.
* Die Wüſtenartillierie. Nach einem
Be=
richte der Wiener Politiſchen Korreſpondenz aus Rom
hat der italieniſche Oberkommandierende in Tripolis,
General Caneva die Abſicht, die geſamte
Gebirgs=
artillerie in Tripolis mit Kamelen auszurüſten,
nachdem die Verſuche mit einer aus ſechs Kamelen
ge=
bildeten Abteilung gute Ergebniſſe gehabt haben. Man
hat den bei den Gebirgsbatterien gebräuchlichen Sattel
in ſeinem untern Teil durch eine Art Polſterung dem
Kamelrücken angepaßt und dadurch einen Sattel
geſchaf=
fen, worauf je ein Geſchütz von 7 Zentimeter Kaliber mit
einem Gewicht von 150 Kilogramm bequem verladen
werden kann. Die Tiere legen ſelbſt im tiefſten Sande in
der Stunde 3,5 Kilometer zurück und vermögen dieſe
Marſchleiſtung ſogar bei geringer Nahrung längere Zeit
hindurch einzuhalten. Das Auf= und Abladen der
Ge=
ſchütze erfordert nicht viel mehr als je eine Minute. Auch
an den Kanonendonner gewöhnen ſich die Tiere
allmäh=
lich. Da die Maultiere im Wüſtenſande völlig verſagen,
auch reichlich Futter und Waſſer beanſpruchen, außerdem
um teures Geld auswärts angekauft und herübergeſchafft
werden müſſen, während die genügſamen Kamele im
Lande für je höchſtens 300 Lire zu haben ſind, iſt durch
Einführung der Kamele als Geſchütztragtiere die
Wüſten=
artillerie endlich in praktiſcher und verhältnismäßig
billi=
ger Weiſe mobil gemacht.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 10. Juni.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die
Groß=
herzogin folgte am Freitag nachmittag 3 Uhr
30 Min. einer Einladung der Prinzeſſin Franz
Joſeph von Battenberg zum Tee und beſuchte
hierauf das Alice=Hoſpital. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Samstag den Oberſt v.
Hell=
dorff, Kommandeur des Leibgarde=Infanterie=Regiments
(1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, den Oberleutnant Freiherrn
v. Malapert gen. Neufville, ſowie den Leutnant und
Regimentsadjutanten v. Küchler und den Leutnant
v. Michels von demſelben Regiment, den Oberleutnant
Wätjen, Adjutant der 25. Kavallerie=Brigade (Großh.
Heſſ.), den Diviſionspfarrer der Großh. (25.) Diviſion
Liedtcke, die Forſtaſſiſtenten Keudel von Lauterbach und
Baader von Lollar, den Oberförſter Eckhard von
Jägers=
burg, den Seminarlehrer Hofmann von Alzey, den
Finanzrat Dr. Michel, den Regierungsaſſeſſor v. Grolman
von Karlsruhe, den Aſſiſtenzarzt Pröhl vom Großh.
Artillerie=Korps, 1. Großh. Heſſ. Feld=Artillerie=Regiment
Nr. 25.
* Beſtätigt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog die durch die Dekanatsſynode des Dekanats
Erbach für den Reſt der laufenden Wahlperioden
voll=
zogenen Wahlen des evangeliſchen Oberpfarrers Hermann
Bernbeck zu Michelſtadt zum Dekan und des
evan=
geliſchen Pfarrers Ernſt Becker zu Fürth zum
Stell=
vertreter des Dekans des Dekanats Erbach.
* Erlaubnis zur Annahme von Orden. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben dem ordentlichen
Profeſſor Geh. Baurat Pützer zu Darmſtadt die
Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von
Sr. Maj. dem Deutſchen Kaiſer und König von Preußen
verliehenen Königlichen Kronen=Ordens 3. Klaſſe erteilt;
ferner dem Kirchenrat Benemann zu Worms die
Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von
Sr. Maj. dem Deutſchen Kaiſer und König von Preußen
verliehenen Roten Adler=Ordens 4. Klaſſe.
* Entlaſſen wurde der Lehrer Johannes Graf zu
Kelſterbach, Kreis Groß=Gerau, auf ſein Nachſuchen —
vorbehältlich ſeiner ſpäteren Wiederverwendung — aus
dem Schuldienſte.
* In den Ruheſtand verſetzt haben Se. Königl.
Hoheit der Großherzog den Regierungsbaumeiſter
in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft
Ger=
hard Plagge, zurzeit in Stuttgart, wegen geſchwächter
Geſundheit auf ſein Nachſuchen vom 1. September ds. Js.
an und ihm aus dieſem Anlaß den Charakter als
„Baurat” verliehen.
* Anszeichnung. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog haben dem Vorſtand des
Eiſenbahnwerkſtätten=
amts zu Mainz, Eiſenbahndirektor Georg Heuer, den
Charakter als Geheimer Baurat mit Wirkung vom
29. März ds. Js. an verliehen.
* Militärdienſtnachricht. Hahn, Zahlmeiſter
vom 2. Bataillon Inſanterie=Regiments Kaiſer Wilhelm
(2. Großherzoglich Heſſiſches) Nr. 116, auf ſeinen Antrag
mit Penſion in den Ruheſtand verſetzt.
* Großh. Regierungsblatt. Die Beilage Nr. 15
vom 8. Juni hat folgenden Inhalt: 1. Ueberſicht der
von den Iſraeliten der Gemeinden des Kreiſes
Oppen=
heim zu erhebenden und von Großh. Miniſterium des
Innern genehmigten Umlagen für 1912 (Rj.) 2.
Ueber=
ſicht der für das Rechnungsjahr 1912 genehmigten
Um=
lagen zur Beſtreitung der Kommunalbedürfniſſe der
Gemeinden des Kreiſes Groß=Gerau. 3. Ueberſicht über
die von Großh. Miniſterium des Innern für das
Etats=
jahr 1912 genehmigten Umlagen der
Kommunalbedürf=
niſſe in den Gemeinden des Kreiſes Oppenheim.
4. Dienſtnachrichten. 5. Berichtigungen.
g. Provinzialausſchuß. Der Provinzialausſchuß
be=
ſchäftigte ſich am Samstag mit der Enteignung von
Ge=
lände für die Herſtellung einer 11 Meter breiten
Zuführ=
ſtraße nach dem neuen Südbahnhof. Die Stadt bietet für
den Quadratmeter Gelände 2,50 Mark, während von den
Beſitzern 5 Mark verlangt werden. Die Lokalkommiſſion
erachtet den Preis von 2—4 Mark für angemeſſen. Die
Entſcheidung des Provinziglausſchuſſes erfolgt am
näch=
ſten Samstag. — Dem Wilhelm Rückert in Offenhach
war vom Kreisausſchuß Offenbach die
Wirtſchaftskonzeſ=
ſion für das Haus Hintergaſſe 5 verſagt worden, da er
in ſeiner früheren Wirtſchaft in Frankfurt das Glücksſpiel
geduldet habe und deshalb ſchon mit/ 20 Mark Geldſtrafe
belegt worden ſei. Der beim Provinziglausſchuß
ein=
gelegte Rekurs wird als unbegründet unter Auferlegung
eines Averſionalbetrages von 5 Mark verworfen.
Der 78jährige hilfsbedürftige geiſteskranke Adam
Kiſſe=
berth aus Kirch=Brombach wurde vom Kreisamt
Er=
bach in die Irrenanſtalt übergeführt, weil verſchiedene
Be=
ſchwerden wegen Bettelns und Bedrohung eingelaufen
waren. Die Gemeinde Kirch=Brombach weigert ſich, die
Unterhaltskoſten für den K. zu zahlen, da er keine
Ge=
fährdung der öffentlichen Sicherheit darſtellt, ſondern
lediglich ein bedauernswerter alter Mann ſei, der durch
ſeine Manieren unangenehm auffallen kann. Der
Kreis=
ausſchuß hatte die Gemeinde zur Zahlung der Pflege=
Liergrößte Blumenausſtellung der Welt.
Eindrücke und Erfahrungen.
Von Karl Foerſter.
London, Anfang Juni.
In dieſen Tagen genießt London das Schauſpiel einer
Blumenausſtellung, wie ſie die Welt noch nicht geſehen
hat. Der große Chelſer=Park am Themſeufer iſt in ein
Zeltlager verwandelt, das die koſtbarſten Blumenſchätze
des Erdballs in ſich birgt. Aus allen Ländern ſind die
Blumenfreunde herbeigeeilt, eine ununterbrochene Kette
von Automobilen führt ganze Heerſcharen an die Stätte
dieſer Wunderſchau, in der ſich die Beſucher drängen,
ob=
gleich der Eintrittspreis beſonders in den erſten Tagen
das Zehnfache deſſen beträgt, was wir von deutſchen
Aus=
ſtellungen gewöhnt ſind.
Eine überreiche Welt erleſenſter Schönheiten breitet
ſich in den Rieſenzelten aus, in denen die Hauptſchätze der
Ausſtellung untergebracht ſind. Ueberall locken in den
lichten Räumen unerhörte Farben, unvergeßlich ſind dieſe
phantaſtiſchen Eindrücke von den Orchideen, von den
Kletterroſen auf leichten Gerüſten, die aus Maſſen niederer
Roſen emporſteigen, von zimmerhohen Büſchen von Sweat
Peas, von gefüllten Begonien, großen Clematisbüſchen,
ſpäten Tulpen in einer Größe und Vollendung, wie man
ſie nicht einmal in Holland ſieht, Rhododendron,
Schwert=
lilien, Heuchera und bunten Marqueriten, von den
end=
loſen Felſengärten, zwiſchen denen die vornehme engliſche
Welt umherwandert und eifrig Notizen macht. Der
Ein=
druck feſtigt ſich immer mehr, je länger man unter dieſen
Blumenſchätzen umherſtreift, daß uns die letzten Jahre
*) Die große Internationale
Gartenbau=
ausſtellung, die in London unter ſtarker
Beteilig=
ung der Blumenzüchter aller Länder eröffnet worden iſt,
hat einen imponierenden Eindruck von den Fortſchritten
dieſer edlen Kunſt vermittelt, den der bekannte
Stauden=
züchter Karl Foerſter, der Verfaſſer des verbreiteten Buches
über winterharte Blütenſtauden und Sträucher der Neu=
Die Redaktion.
zeit, in unſerm Artikel kennzeichnet.
Fortſchritte in ſchnellſtem Tempo gebracht haben, von
denen die früheren Zeiten nichts ahnen konnten.
Viele Deutſche haben ſich vielleicht durch den Gedanken
davon abhalten laſſen, die Ausſtellung zu beſuchen, daß
Ende Mai noch nicht genug blühe. Und doch hat es die
Kunſt der Gärtner heute dahin gebracht, daß ſich überall der
reichſte Flor entfalten konnte. Da blühten ſchon die
Dahlien, Kletterroſen. Ritterſporne, Phloxe und Clematis,
ſowie eine unüberſehbare Zahl von Sommerblumen.
Wenn es in Deutſchland noch nicht allgemein zum
Bewußtſein gekommen iſt, welche außerordentliche
Ent=
wicklung in unſerer Blumenwelt vor ſich geht, während in
England alle daran teilnehmen, ſo iſt wohl die wichtigſte
Tatſache, die die Gartenkultur hier ſo ſtark gefördert hat,
die regelmäßige Veranſtaltung von Gartenbauausſtellungen
geweſen; wie ſehr dies Angelegenheiten von allgemeinem
Intereſſe ſind, zeigen auch die umfangreichen Berichte, die
die Zeitungen dieſen Dingen widmen. Es hat ſich ſo auch
eine Technik der Ausſtellung entwickelt, die in Vielem für
uns vorbildlich ſein kann. Beſonders ſcheinen mir die
Zelte nachahmenswert, die allerdings in unſerer
trockene=
ren Luft noch dichter und beſſer verſchließbar ſein müßten.
Welche Rieſenflächen hier den Blumen eingeräumt ſind,
zeigt am beſten die Tatſache, daß es ſechs Zelte gab, die
etwa die Dimenſionen der Ausſtellungshalle im Berliner
Zoologiſchen Garten hatten. Die Aufſtellung der
abge=
ſchnittenen Blumen auf den anſteigenden Seiten= und
Mittelſtellagen war überall die gleiche. Jede Blumenart
war in dichter Maſſe neben eine gute Nachbarfarbe geſetzt.
Feinſte Qualitäten, die nicht in genügenden Quantitäten
vorhanden ſind, bleiben unbeachtet oder werden erſt bei
wiederholtem Betrachten entdeckt. Auf intimere
Vorführ=
ung hat man im allgemeinen verzichtet. Geradezu als
Fehler fiel mir auf, daß ausgeſprochen „prächtige”
Ge=
wächſe in allzu großer Nachbarſchaft neben ſtillen intimen
Steingartengewächſen erſchienen. Rhododendron in
Gartenſorten ſchlägt eben alles in ſeiner Nähe tot.
Ueber=
haupt ſcheint es mir, daß der engliſche Gärtner die
wich=
tigen Geſichtspunkte und das läuternde Motiv der
Rück=
ſicht auf Pflanzengenoſſenſchaften, Standort=Stimmungen
und Pflanzencharaktere, wie ſie der auf dieſem Gebiet füh=
rende deutſche Gartengeſtalter Willy Lange in ſeinen
Wer=
ken niedergelegt hat, noch nicht aufgenommen hat.
Wirklich überraſchende Neuheit hat die Ausſtellung für
den Fachmann nur auf wenigen Gebieten gebracht. Das
Wichtigſte bietet ſich hier auf dem Gebiete der Orchideen,
bunten Wicken und Knollenbegonien dar. Das ungeheuere
Orchideenzelt konnte ein beſchämendes Gefühl davon
hervorrufen, wie ſchüchtern und zahm doch unſere
aus=
ſchweifendſte Phantaſie gegenüber den Farbenwundern
bleibt, die hier die Wirklichkeit bietet. Den großen
Ein=
druck der Roſenausſtellung erhielt man von den
Kletterroſen. Durch die Menge der niedrigen Roſen ſind
Gänge gelegt, über denen ſich Gerüſte aus leichtem
Natur=
holz wölben, ganz überſponnen von prachtvoll entwickelten
Kletterroſen in frühen und ſpäten Sorten
durcheinander=
gemiſcht. Vier Sorten, die ſich auch in Deutſchland ſchon
bewährt haben, „Hiawatha” „Excelſa” „Perkins” und
„American Pillar” überſtrahlen alle andern. Was für
eine andere Rolle die Kletterroſe in England ſpielt, als
es bei uns leider noch der Fall iſt, — obwohl gar kein
Grund vorliegt, dem deutſchen Garten dieſe ſommerliche
Schönheitskrönung zu verſagen! —, das ſieht man auch
daraus, daß die großen engliſchen Gärtnereien drei bis
vier Meter hohe Kletterroſen in Töpfen feſt eingewurzelt
zum Verkauf den ganzen Sommer bereit halten, allerdings
zu einem Preiſe von 10—15 Schilling für das Stück; das
Verfahren iſt ſehr nachahmenswert, da man nur ſo
ſchnelle Wirkungen erzielen kann.
Ob wohl viele meiner deutſchen Leſer ſchon die völlig
ausdauernden, winterharten, von April bis Oktober
blü=
henden Stiefmütterchen kennen? Wir ſind hier
in England im Vaterland dieſer Gartenzüchtung, an der
Kreuzung zwiſchen ausdauernden Hornveilchen der Berge
und den Gartenformen des wilden zweijährigen
Stief=
mütterchens. Die Ausſtellung hat ſo viele neue Farben
gezeigt, daß man jetzt wirklich bald neben den
unbe=
quemen, alljährlich neu aus Saat heranzuziehenden
Stief=
mütterchen jenen Dauerblühern mehr Beachtung ſchenken
ſollte. In engliſchen Volksparks ſah ich mehrere Jahre
alte Exemplare dieſer Viola eornuta=Hyeriden, die faſt
ein drittel bis einen halben Quadratmeter groß waren
Nummer 134.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Juni 1912.
koſten verurteilt und auch der Provinzialausſchuß iſt von
der Unterhaltspflicht der Gemeinde überzeugt und
ver=
wirft den Rekurs als unbegründet unter Auferlegung
eines Averſionalbetrages von 5 Mark.
— Landwirtſchaftskammer. In der Sitzung des
Vorſtandes der Landwirtſchaftskammer
am 7. ds., die unter dem Vorſitz des Herrn Geheimerat
Haas ſtattfand, wurde an Stelle des aus den Dienſten
der Landwirtſchaftskammer ſcheidenden
Regierungs=
aſſeſſors Dr. Braun Gerichtsaſſeſſor Dr. Ahl als
juriſtiſcher Hifsarbeiter angenommen. Weiter wurden
noch eine Reihe von Verwaltungsangelegenheiten u. a.
Fragen der Haushaltungsſchulen erledigt. Zum
Kon=
trolleur der unſtändigen Einnahmen wurde
Vorſtands=
mitglied Fritſch ernannt. Für Prämiierung von
Schäfer=
hunden und Rattenpinſcher auf Hunde=Ausſtellungen
wurden Preiſe zur Verfügung geſtellt. Die
Kon=
ſtituierung der Bezirks=Ausſchüſſe ſoll in nächſter Zeit
durch die Vorſtandsmitglieder erfolgen. Zu Mitgliedern
der Fohlen=Ankaufskommiſſionen wurden beſtimmt für
Belgier: Oekonomierat Fritſch=Dilshofen, Albert
Dett=
weiler=Wintersheim; für Oldenburger Kreisveterinärarzt
Friedrich=Dieburg und Guſtav Mogk=Grund=Schwalheim.
Zum Ankauf eines Schnitt= und Muſterweinbergs
wur=
den die nötigen Kommiſſionsmitglieder ernannt. Eine
Fohlenaufzuchtſtation ſoll auf der Weide Groß=
Breiten=
bach eingerichtet werden. Zum Ankauf der Fohlen wird
in nächſter Zeit geſchritten.
* Flugpoſt am Rhein und Main. Wie wir erfahren,
wird die geſamte Flugpoſt für die Poſt=
Flug=
maſſchine „Gelber Hund” die in Frankfurt am
10. Juni aufgegeben wird, ſofort vom Poſtamt 9
ge=
ſammelt und von der Poſt nach den Eulerflugwerken
ge=
bracht, um dort von Leutnant von Hiddeßen auf dem
Luftweg nach Darmſtadt gebracht zu werden.
An=
kunft in Darmſtadt gegen Abend an dem hier
errich=
teten Luftpoſtamt.
Die in Darmſtadt aufgelieferte Luftpoſt
wird in gleicher Weiſe hier geſammelt und durch die Poſt
dem Flugzeug „Gelber Hund” übergeben, das ſie ſpäter
auf dem Luftwege nach Worms befördert. Von dort
aus wird die Luftpoſt poſtamtlich weiter behandelt.
* Die Heſſiſche Landes=Hypothekenbank gibt bekannt,
daß ſie in Aenderung der bisher gültig geweſenen
Dar=
lehensbedingungen den Satz der Geldbeſchaffungskoſten
mit Wirkung für die vom 20. Juni 1912 ab bei ihr
ein=
laufenden Anträge auf Gewährung von Hypothek= und
Kommunaldarlehen bis auf weiteres auf 1,90 Prozent
feſtgeſetzt hat.
D Schutz vor Schwindellaſſen. Seit Jahren führen
der Verband der deutſchen gemeinnützigen und
unpartei=
iſchen Rechtsauskunftsſtellen und die ihm angeſchloſſenen
Rechtsauskunftsſtellen einen Kampf gegen
Schwindelkaſ=
ſen. Es ſind dies Einrichtungen, die ſich in der Mehrzahl
als „Verſicherungsvereine” bezeichnen und durch eine
raf=
riniert gewählte weitere Firmenbezeichnung, unterſtützt
durch unerfüllbare Verſprechungen ihrer Vertreter und
Agenten, viele Unkundige zum Abſchluß von
Verſicher=
ungsverträgen gegen Krankheits= und Sterbefall verleiten.
In der Regel werden die Verträge mit den Agenten
ab=
geſchloſſen, ohne daß das neue Mitglied den Inhalt der
Satzungen kennt, denn dieſe händigen die Kaſſen erſt nach
Bezahlung des Eintrittsgeldes und des erſten Beitrages
aus. Die Satzungen ſind oftmals unklar gehalten und
enthalten ſo viele ſelbſt dem Kundigen leicht entgehende
Beſtimmungen, daß deren genaue Befolgung vielfach ganz
unmöglich iſt, beſonders dann, wenn der Sitz der Kaſſe
von dem Wohnort des Mitgliedes weit entfernt iſt. Es
iſt erwieſen, daß eine Anzahl ſolcher Kaſſen und
Verſicher=
ungsvereine 60—90 Prozent der Kaſſenbeiträge und noch
mehr nur für die Verwaltungskoſten, das ſind die Bezüge
der Direktoren, Agenten und ſonſtigen Angeſtellten,
auf=
wenden. Für erkrankte Mitglieder bleibt nur wenig
übrig. Deshalb werden rechtmäßige Anſprüche auf
Kran=
ken= und Sterbegeld aus den nichtigſten Gründen
abge=
lehnt, unter Hinweis auf irgend eine heimtückiſche
Vor=
ſchrift in den Satzungen. Das Geſetz bietet leider nur
wenig Handhabe, dem ſchädlichen Treiben
entgegenzutre=
ten, und in gar vielen Fällen iſt nach erhobener Klage der
Richter genötigt, ſie abzuweiſen, weil der Kläger
offen=
bar gegen Beſtimmungen der Satzungen verſtoßen hat,
deren Bedeutung ihm zu ſpät bekannt wird. Darum ſollte
jeder, ob Mann oder Frau, vor dem Eintritt in eine
ſolche Kaſſe oder ſolchen Verſicherungsverein, alſo vor
dem Unterſchreiben des von dem Agenten vorgelegten
Formulars, die hieſige Städtiſche
Rechtsaus=
kunftsſtelle Waldſtraße 6 (Sprechſtunden: 9—121
und 3—5 Uhr, außer Samstags nachmittags) befragen,
oder ſich unter Beifügung von Rückporto ſchriftlich an den
in den erſten Zeilen dieſer Notiz genannten Verband, in
Lübeck, Parade 1, wenden.
* Schutzverein für Nieder=Modau. Die
Hilfs=
aktion für Nieder=Modau hat nunmehr feſte
Geſtalt angenommen, indem neuerdings der
„Schutzverein für Nieder=Modau” zu
notariel=
lem Protokoll gegründet worden iſt. Die Gründung iſt
von unbeteiligter Seite angeregt worden und dadurch
zu=
ſtande gekommen, daß ſich zehn größere Genoſſenſchaften
Schulze=Delitzſchſcher Richtung in Darmſtadt, Mainz,
Offen=
bach, Worms Oppenheim, Kreuznach, Frankfurt,
Bocken=
heim und Wiesbaden, ſowie ein dieſen Genoſſenſchaften
naheſtehendes großes Bankinſtitut bereit erklärt haben,
gemeinſam mit den ſtärker beteiligten Mitgliedern ſich zu
einer „Geſellſchaft mit beſchränkter Haftung”
zuſammen=
zuſchließen und bare Einzahlungen auf ihre
Geſchäftsan=
teile zu leiſten. Die Aufgabe des Schutzvereins iſt es,
einerſeits die bedürftigen Mitglieder bei ihrer
Haftverbindlichkeit gegenüber der Konkursmaſſe zu
unter=
ſtützen und andererſeits die Forderungen der
Sparein=
leger unter entſprechendem Nachlaß zu erwerben. Dies
hat für die Spareinleger den großen Wert, daß ſie anſtelle
der zweifelhaften Ausſicht auf eine unſichere Zukunft
als=
bald ihr Kapital, wenn auch mit erheblichem Nachlaß,
ausbezahlt erhalten und hiervon wieder leben und
wirt=
ſchaften können. Der „Schutzverein” kann Auszahlungen
an die Spareinleger jedoch nur leiſten, wenn ihm von
dem Staat erhebliche Beträge unverzinslich dargeliehen
werden. Nachdem bei den früheren Beratungen des
Landtages über die Nieder=Modauer Kataſtrophe ſich
ſämtliche Redner für die Gewährung
unver=
zinslicher Darlehen ausgeſprochen haben, iſt im.
Intereſſe der Bevölkerung beſtimmt zu hoffen, daß in
die=
ſer Hinſicht keine Schwierigkeiten entſtehen werden, zumal
die ganze Aktion ſo vorſichtig angelegt iſt, daß Gewähr
für die ſpätere Rückzahlung der Darlehen an den Staat
gegeben iſt. Hat ſich ſpäter durch Unterhandlungen des
„Schutzvereins” mit den Spareinlegern und ſonſtigen
Gläubigern ergeben, welche Mittel endgültig zur
Beſeitig=
ung des Defizits erforderlich ſind, dann kann auch die
Konkursverwaltung feſtſtellen, in wie hohem
Maße das Vermögen der Mitglieder in Anſpruch zu
neh=
men iſt. Bis dahin muß die Konkursverwaltung das
Vermögen der Mitglieder in Beſchlag behalten, damit die
Rechte der Spareinleger nicht gefährdet werden. Wird
die Hilfsaktion in ſolcher Weiſe durchgeführt, dann läßt
ſich das namenloſe Elend das mit dem Konkurſe
Nieder=Modau über unſere Provinz hereingebrochen iſt,
einigermaßen mildern. Es iſt deshalb zu hoffen, daß
alle Beteiligten vertrauensvoll an der Durchführung der
Hilfsaktion mitwirken.
* Diakoniſſenhaus Eliſabethenſtift. Am Mittwoch,
den 19. Juni, als dem Tage nach dem Geburtstage ſeiner
Gründerin, der verewigten Prinzeſſin Eliſabeth von Heſſen,
gedenkt das Diakoniſſenhaus Eliſabethenſtift in Darmſtadt
ſein 54. Jahresfeſt in der Stiftskirche zu begehen. Der
Feſtgottesdienſt, in dem der neuerwählte Hausgeiſtliche,
Pfarrer Hickel, predigen wird, beginnt um 2 Uhr; daran
ſchließt ſich nach einer Kaffeepauſe eine Nachfeier im
Freien, bei welcher der Jahresbericht erſtattet und mehrere
Anſprachen gehalten werden ſollen. Alle Freunde des
Hauſes werden herzlich zu dem Feſte eingeladen.
m. Vom Herrngartenteich. Das ältere
Schwanen=
vaar im Herrngarten hat auf der Inſel des
Teiches diesmal fünf niedliche Schwänchen ausgebrütet.
Die äußerſt netten Tierchen erfreuen ſich beſonderer
Be=
vorzugung durch jung und alt. Unzählig iſt die Schar
der jungen Entchen, welche andauernd auf der Jagd
nach Leckerbiſſen den Teich nach allen Richtungen in ſehr
ſchnellem Tempo durchmeſſen. Die Inſel iſt den
Waſſer=
vögeln zu Brutzwecken ein ſehr willkommener
Unter=
ſchlupf, weil ſie ſich da, von Katzen und Hunden
unge=
gefährdet, in aller Ruhe dem Brutgeſchäfte widmen
können. Zuſehends vermehrt ſich die Zahl der niedlichen
Tierchen. Ganz beſonders ſtark iſt die Anzahl der
Fiſche, die man durch Zuwerfen von Weckbröckchen an
die Oberfläche lockt.
A Heugrasverſteigerung. Die am Donnerstag
und Freitag voriger Woche ſtattgehabte Verſteigerung
des Heugraſes von den verſchiedenen
Beſ=
ſunger Gemeindewieſen und einigen
benach=
barten, von der Stadt neu angekauften Wieſen ergab
einen Geſamterlös von nahezu 13000 Mk., während er
im Vorjahr nur etwa 9000 Mk. betrug. Die Kreszenz
ſteht vorzüglich. Die Beteiligung war ſehr ſtark,
merk=
würdiger Weiſe fehlten aber diesmal die Landwirte
aus den umliegenden Landorten vollſtändig, ein
Zeichen, daß es dort Futter genug gibt. So waren
die Bieter lauter Einwohner der Stadt, auch die
berittenen Truppenteile waren wieder unter ihnen
ver=
treten. Im einzelnen ergab die 17 Hektar große neue
Nachtweide 4000 Mk., die 18 Hektar große Viehweide
3000 Mk. uſw. Von letzterer fallen übrigens 2¼ Hektar
weg, die an den Golfklub verpachtet ſind, während
1,6 Hektar für den ſtädtiſchen Faſelſtall geerntet werden.
2 Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Butter ½ Kg. 1,50 M., in Partien
1,45 M., Eier 6—8 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 22 Pf.,
Hand=
käſe 4—10 Pf., vorjähr. Kartoffeln Zentner 5—6 M., Kumpf
(10 Liter) 80—90 Pf., ½ Ka. 6—7 Pf., Mäuschen ½ Kg.
14 Pf., Malta ½ Kg. 18 Pf.; Obſt u. dgl.: vorj. Aepfel
½ Kg. 50 Pf., Zitronen 5 Pf., Apfelſinen 5—10 Pf., Kirſchen
½ Kg. 40—45 Pf., unreife Stachelbeeren zum Einmachen
½ Ltr. 25 Pf.; Salat, Gemüſe: Kopfſalat 3—6 Pf.,
Bündel Radieschen 2 Pf., Schälgurken 40—45 Pf.,
Kohl=
rabi 4—10 Pf., Spargeln ½ Kg. 50—60 Pf., Bündel
Ka=
rotten 10 Pf., Kernerbſen ½ Kg. 15 Pf., Bohnen ½ Kg.
45 Pf., Bündel Rettiche 5—10 Pf., Meerrettich 10 bis
25 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 10—12 Pf., Tomaten ½ Kg.
40 Pf., Bündel Römiſch=Kohl 2 Pf., Spinat ½ Kg. 8 bis
12 Pf., Wirſing 10—30 Pf., Blumenkohl 15—60 Pf.;
Ge=
flügel, Wild: Gänſe ½ Kg. 1,40 M., Enten 4—5 M.,
Hahnen und Hühner 2,00—2,20 M., Tauben 70 Pf.,
Lapins 90 Pf.; Fiſche ½ Kg.: Hecht, Rotzungen 89 Pf.,
Karpfen 1 M., Aal 1,50 M., andere Rheinfiſche 35—60 Pf.,
Schollen 35 Pf., Kabeljau 20—30 Pf., Schellfiſche 25 Pf.,
Seelachs 19—24 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.
Ochſenfleiſch 76 Pf., Rindfleiſch 60—66 Pf., Hackfleiſch
70 Pf., Rindsfett 60 Pf., Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf.,
Kalbfleiſch 90 Pf., Schweinefleiſch 84 Pf., geſalzenes und
Koteletts 90 Pf., Schwartenmagen u. Fleiſchwurſt 80 Pf.,
Leber= u. Blutwurſt 70 Pf.
C Schwerer Unfall bei einer Felddienſtübung der
Garde=Dragoner. Am Samstag vormittag iſt in der Nähe
des Bahnüberganges an der Eſchollbrückerſtraße bei
Eber=
ſtadt der Gefreite Spahr von der Leibſchwadron des
Garde=Dragoner=Regiments Nr. 23 von dem Unteroffizier
Ferner der gleichen Schwadron aus Verſehen oder aus
Fahrläſſigkeit erſchoſſen worden. Wie wir zu dem
bedauerlichen Vorfall noch erfahren, hatte die
Leibſchwa=
dron eine Felddienſtübung. Der Unteroffizier Ferner
hatte mit drei Dragonern in der Nähe des Viadukts der
Bahnkreuzung der Eſchollbrückerſtraße Poſten bezogen und
war mit den Dragonern abgeſeſſen. Der
Patrouillen=
führer Gefreite Kunz, dem der Gefreite Spahr
zuge=
teilt war, war in der Nähe des Bahnhofs Eberſtadt
be=
ſchoſſen worden und mußte, um ſich in Sicherheit zu
brin=
gen, in den Wald einbiegen und eine andere Richtung
ein=
ſchlagen, um dem Feind nicht in die Hände zu fallen.
Als die Patrouille auf dieſem Wege in die Nähe des
Viadukts kam, ſah ſie den abgeſeſſenen Poſten des
Unter=
offiziers Ferner mit den drei Dragonern. Sie beſchloß,
dieſen Poſten anzugreifen und zu attackieren, was ihr auch
gelang. Der Gefreite Spahr wollte ſich der Handpferde
bemächtigen. Das ſah der Unteroffizier Ferner und fiel,
um die Gefangennahme zu verhindern, dem Pferde des
Spahr mit der linken Hand in die Zügel. In dieſem
Moment entlud ſich der Karabiner, den der
Un=
teroffizier in der Rechten hielt und der Schuß ging dem
Gefreiten Spahr, der noch zu Pferde ſaß, direkt ins
Herz. Spahr ſtürzte mit einem Aufſchrei vom Pferde
und war ſofort tot. Den Unteroffizier trifft inſofern
ein Verſchulden, als nach der Dienſtvorſchrift der
Kara=
biner hätte geſichert ſein müſſen. Der Unteroffizier wurde
in Haft genommen.
§ Unfall. Der Fuhrmann Georg Becker, im
Weiterſtädter Weg wohnhaft, hat am Freitag
nach=
mittag zwiſchen 5 und 6 Uhr mit einem mit einem
Pferd beſpannten Wagen Pfuhl auf ſeinen am
Sens=
felder Weg gelegenen Acker gefahren. Als Becker von
der Pallaswieſenſtraße in den Sensfelder Weg
ein=
gebogen war, brach ihm der Vorderwagen zuſammen.
Becker, welcher auf dem Wagen ſaß, flog herunter, das
Faß fiel vom Wagen herab und traf Becker derart im
Rücken, daß er ſchwere Verletzungen erlitt.
Becker mußte mittelſt einer Droſchke in das ſtädtiſche
Krankenhaus verbracht werden.
Gernsheim, 8. Juni. Die hieſigen Einwohner wurden
bei Empfang der Gemeindeſteuerzettel freudigſt über=
und die ſich durch Steckling und Teilung leicht vermehren
laſſen. Gerade die Ausſtellungen der Neuheiten auf
die=
ſem Gebiete hatten immer ein Gedränge notierender
Menſchen um ſich, wie es ſich um unſere vergänglichen
Stiefmütterchen gewiß nie bieten würde. Wie alles Gute,
was wir deutſchen Gärtner aus England erhalten, ſo
bedürfen auch dieſe Gartenhornveilchen ſorgfältiger
Aus=
ſiebung der für Deutſchland geeigneten Sorten. Das
verwöhnte Klima bringt keineswegs immer nur
ver=
wöhnte Schönheiten hervor, ſondern man findet unter
dieſen Steigerungen gewiß auch Raſſen und Sorten, die
den Bedingungen eines rauheren Klimas beſſer angepaßt
ſind, als andere, dieſem Lande ſelbſt entſtammende
Zücht=
ungen derſelben Blumenart. Das mildere, fruchtbare
Land bringt uns alſo auch immer wieder robuſtere,
wider=
ſtandsfähigere, wüchſigere Qualitäten hinzu, als das
eigene.
Eine viel größere Bedeutung als bei uns hat in
Eng=
land die „Iris germanica” die Schwertlilie, eine
der Pflanzen, die am meiſten Trockenheit verträgt. Ganz
endloſe Sortenmengen ſind auf der Ausſtellung
zuſam=
mengebracht, wobei die ſchönſten alten Sorten engliſchen
Urſprungs ſind. Welche Rolle die Pflanze hier ſpielt,
wurde mir klar, als ich einen der größten Jriszüchter in
ſeiner Gärtnerei beſuchte, in der 500 Jrisarten gezogen
werden. Er zeigte mir den Entwurf zu einer rieſigen
Irispflanzung, die er an den Ufern eines Waſſerlaufes
im Park eines Jrisfreundes vornahm; dieſe Jrisanlage
koſtete 20—30000 Mark! Die herrlichſten dieſer
Schwert=
lilien engliſchen und franzöſiſchen Urſprungs ſind auch
in Deutſchland durchaus winterfeſt. Während man bei
uns meiſt noch alte, langweile Sorten oder ſchreiende
Farbenzuſammenſtellungen ſieht, zeigen die neueſten
deut=
ſchen Züchtungen, die zum Teil auch in dieſer Ausſtellung
vertreten ſind, allerdings von engliſchen Züchtern
aus=
geſtellt, daß wir beginnen, ebenbürtige Leiſtungen zu
erzielen.
Unter den volkstümlichen altmodiſchen Gartenſtauden
fallen die weißen Rieſenmohne und prachtvolle
goldgelbe Feuerlilien beſonders auf.
Garten=
farne von tropiſcher Ueppigkeit können den Neid des
deutſchen Gärtners erwecken. Freilich ſind die Güter des
Lebens nicht gar ſo ungleich verteilt, wie es danach
ſchei=
nen könnte, denn der Engländer muß ſich ſeine bunte
oder üppig grüne Erde mit dem grauen Himmel erkaufen.
An ſtrahlend ſchönen Tagen ſcheint uns Deutſchen
aller=
dings dieſes Volk, zwiſchen ſeinen fliederhohen
Rhodo=
dendronbüſchen im Schatten alter Zedern auf dem Raſen
lagernd, ganz wunderbar von der Natur begnadet zu
ſein. Die Fülle fremder Baum= und Strauchformen iſt
ſo groß, daß man in der Nähe Londons glauben könnte,
in einem kühlen Wunderland des Mittelmeeres zu ſein.
Ein beſonders reizvoller Teil der Ausſtellung ſind
die Felſengärten, in denen man ſich müde laufen
kann. Dieſe Steingärten ſpielen im Geſamtorganismus
der Gartenanlage in England eine ganz andere Rolle,
als bei uns. Sie wirken auch nicht als eine Kurioſität,
wie es in Deutſchland wohl der Fall ſein würde, ſondern
als eine ſehr ernſthafte Angelegenheit. Alle Reize der
wilden Steinnatur und ihrer Lagerungen ſind ſo
meiſter=
haft ſtiliſiert, daß man nur lächeln kann über die Leute,
die bei uns glauben, ſolche Steingartenpartien prinzipiell
verbannen zu müſſen. Einige „architektoniſch” alſo mit
Mauern und regelmäßigen Waſſerbecken hergeſtellte
An=
lagen wirken daneben gewiß auch erfreulich, aber
keines=
wegs künſtleriſch überlegen. Reizvoll iſt das Hineinragen
der unteren Felsbänke in kleinere, mit Steinen gefaßte
ungerelmäßige Waſſerbecken, ſodaß die Steingärtchen
gleichſam aus dem Waſſer aufſteigeg. Auch bei uns in
Deutſchland gewinnen dieſe Steingärten eine wachſende
Bedeutung; ſie geſtatten, den größten Pflanzenreichtum
auf kleinſtem Raum bei geringſter Pflege um ſich zu
haben. Böſchungen und Hohlwege, ſowie Terraſſen
wer=
den in überzeugender Weiſe mit Geſteinen gegliedert und
geſtaltet. Man läßt ſich wohl noch durch den Gedanken,
daß es ſich um die am ſchwerſten kultivierbaren Pflanzen,
Steinbrecharten, Enzian oder Edelweiß handele,
ab=
ſchrecken, während es gerade auf das Gegenteil, auf die
heroiſchen kleinen Pflanzenpioniere ankommt, die die
allerſchwerſten Bedingungen aushalten. Da blühen aus
Orientgebirgen ſtammende, prachtvoll enzianblaue
Vero=
nikgs, das Hornkraut aus dem Kaukaſus= unverwüſtliche
Steinbrecharten, Sockelblumen mit orchideenhaften
Blü=
tenſchleiern, Primeln und Aurikeln, Mauerpfeffer und
Sempervivum, Glockenblumen und Zwergſchwertlilien,
Zwergphloxe und Wildnelken; durch geſchickte Auswahl
der ſchönſten Gewächſe der Bergwildnis und der
Wege=
ränder kann man den Flor von März bis Oktober
hin=
ziehen. Auch hier gilt es, mit größter Energie innerhalb
der einzelnen Art zwiſchen praktiſchen und unpraktiſchen
Gartengewächſen zu unterſcheiden.
Man kann ſagen, daß in den meiſten Pflanzenarten
im Laufe der letzten 15 Jahre Fortſchritte und
Veredelungen ſtattgefunden haben, die ganz
erſtaun=
lich ſind und dem Kenner beſonders beim Durchblättern
der alten Gärtnerkataloge überwältigend zum
Bewußt=
ſein kommen. Einer der wichtigſten aller Fortſchritte der
auf immer mehr Gebieten erzielt wird, iſt die Erziehung
zum Remontieren, d. h. zu einer mehrfach ſo
lan=
gen Blütezeit als die natürliche. Ganz beſonders
auffal=
lend iſt dies bei den Veilchen, Phloxen und Kletterroſen.
Bei den letzteren handelt es ſich um Leiſtungen deutſcher
Züchter, die auf der Londoner Ausſtellung bedauerlicher
Weiſe überhaupt nicht oder nur ganz wenig vertreten ſind.
England wird in einigen Jahren merken, mit wie großen
Schritten Deutſchland, in ſchöpferiſchem Sinne arbeitend,
ſorgfältig auf theoretiſchen Grundlagen aufbauend, den
Vorſprung einzuholen beginnt. England iſt durch feinen
Weltverkehr und durch die Natur ſeines Landes auf die
hohe Stufe gehoben; bei Deutſchland iſt es vielmehr
be=
wußte geiſtige Anſtrengung, die die neue Entwickelung
heraufführt. Alle Vorteile, eine faſt unüberſehbare Menge
von Pflanzenſchätzen, die England uns voraus hat, wird
ſich Deutſchland allmählich herüberziehen, die Nachteile
durch Raſſenzüchtung überbrückend. Es ſteckt in der
Pflan=
zenweltkeine ſo erſtaunliche Bildſamkeit, daß wir noch in
den Anfängen einer Entwickelung ſtehen, von der uns
jetzt die erſten Ahnungen aufdämmern. Niemals bisher
konnte ein Vorgefühl davon, welche Art Herrſchaft den
Menſchen über die Pflanzenwelt möglich ſein wird, ſo
lebendig werden, wie in dieſen Ausſtellungstagen in
London.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Jnni 1912.
Nummer 134.
raſcht. Die Gemeindeſteuer iſt dadurch, daß die
Zuckerfabrik ſtärker herangezogen wurde, von 146 Prozent
auf 116 Prozent herabgegangen. Die Zuckerfabrik
hat übrigens gegen die neue Veranlagungsart Berufung
eingelegt.
Groß=Umſtadt, 8. Juni. Bei den vielen Gewittern,
die geſtern über die hieſige Gegend gingen, entlud ſich
gleich zu Anfang, nachmittags um halb 3 Uhr, ein
unge=
wöhnlich ſtarkes Hagelwetter. Die Stadt Groß=
Umſtadt, der ganze öſtliche Teil der Gemarkung, ebenſo
die Gemarkungen Raibach, Richen, Klein=Umſtadt,
Klee=
ſtadt und Langſtadt ſind ſehr in Mitleidenſchaft gezogen.
Die ſämtlichen Weinberge bei Groß=Umſtadt, die ſchön
an=
geſetzt hatten und in ausgezeichneter Verfaſſung waren,
ſind ſo zuſammengeſchlagen, daß man die ganze Ernte
verloren gibt. Obſtbäume, Korn, Kartoffeln ſind in den
betroffenen ausgedehnten Strichen vollſtändig vernichtet:
die Gurken ſind durch Hagel und nachfolgende
Waſſer=
fluten verwüſtet. Das Unwetter ſcheint 1 Kilometer
weſtlich von Groß=Umſtadt faſt unmittelbar abgeſchnitten
zu haben. Weiter weſtlich ſoll nicht einmal Regen zu
gleicher Zeit gefallen ſein. In Groß=Umſtadt ſelbſt
wur=
den ſehr viele Fenſterſcheiben durch die Wucht der
aufprallenden taubeneierdicken Körner zertrümmert.
Eine Menge Singvögel mußte unter den Schloßen
ihr Leben laſſen. Die Hagelkörner, die am Abend noch an
einzelnen Stellen haufenweiſe lagerten, wurden aus
ein=
zelnen Gehöften mit Wagen herausgefahren. Der
Scha=
den iſt zunächſt nicht zu überſehen, aber jedenfalls ſehr
groß.
Offenbach, 8. Juni. Geſtern nachmittag gegen 3 Uhr
vergnügten ſich am Bootshaus des Rudervereins „
Hel=
las” mehrere Kinder beim Spiel, als plötzlich der
5jährige Sohn Auguſt des ſtädtiſchen Gasarbeiters
Schiller im Stadtteil Bürgel von der Bootshausbrücke
in den Mainſtürzte und in den Fluten verſchwand.
Ein des Weges kommender unbekannter Arbeiter, der den
Vorfall beobachtet hatte, ſprang alsbald dem Kinde nach,
fand aber bei dem kühnen Rettungsverſuch ebenfalls den
Tod im Main. Beide Leichen konnten noch nicht
ge=
borgen werden. — Umfangreiche Unterſchlagungen
hat ſich der bei einer hieſigen Keſſelfabrik angeſtellte,
etwa 30 Jahre alte, verheiratete Kaufmann Wilhelm
Greif zuſchulden kommen laſſen. Die Unterſuchung hat
bisher ergeben, daß ſich die Unterſchlagungen auf
an=
nähernd 4000 Mark belaufen. Auf dieſe Feſtſtellungen
hin wurde Greif geſtern abend verhaftet und heute
vor=
mittag nach erfolgter Vernehmung dem Gericht
zuge=
führt. Wie der Verhaftete ſelbſt zugibt, hat er das Geld
obgleich er verheiratet iſt und 2 Kinder hat, mit ſeiner
Geliebten durchgebracht.
Heppenheim (Bergſtraße), 8. Juni. Zur Kriſis
des Vorſchuß= und Kredit ver eins
ſchreibt man nach dem Erbacher Kreisblatt:
Der Rechner Frz. Höhn hat ſich tatſächlich
gro=
ßen Pflichtverletzungen hingegeben. Da er aber ſehr
vermögend iſt und außerdem auch die Familie Höhn ſich
rechtsverbindlich erklärt hat, mit haftbar zu ſein, ſo
ent=
ſtehen der Kaſſe glücklicherweiſe keine Verluſte. Es wurde
deshalb auch der Fehlbetrag nicht beſtimmt angegeben.
Man ſpricht aber allgemein von 186000 Mark. Wo
Höhn dieſe Gelder hingebracht, iſt rätſelhaft. Aufklärung
hierüber konnte er nicht geben, da er verſchwunden iſt.
Der Direktor und Kontrolleur verteidigten ſich
dahin=
gehend, daß ſie von den Manipulationen des Rechners
keine Ahnung hatten und haben konnten, was natürlich
großen Widerſpruch hervorrief. Es wurde deshalb auch
der Direktor Nikolaus Dorn ſeines Amtes endgültig
ent=
hoben und an ſeine Stelle Profeſſor Rupp hier gewählt.
Für den ſeitherigen Rechner Höhn wurde der Bankbeamte
Georg Neher von hier erkoren, der zur Zeit an einer Bank
in Straßburg tätig iſt. Da durch dieſe und andere noch
zu erwartende neue Kräfte die Kaſſe wieder ins richtige
Gleiſe gebracht werden ſoll, wird auch das umfangreiche
Inſtitut ſein früheres Anſehen bald wieder gewinnen
und ſeine Tätigkeit zum Segen der Bevölkerung hieſiger
Gegend neu entfalten. Offenbar war es ein großes Glück
daß man noch beizeiten den unglücklichen Machenſchaften
auf die Spur kam; denn wenn man dieſen Rechner nur
noch kurze Zeit in gleicher Weiſe hätte fortwurſteln laſſen
ſo wären große Verluſte unvermeidlich geworden.
R. Mainz, 8. Juni. Die bereits gemeldete
Ver=
haftung der beiden Zigeuner, in denen man
die Brüder Ebender, die Mörder des Förſters Romanus
gpfaßt zu haben glaubt, hat, wie ſich jetzt herausſtellt, eine
verwickelte Vorgeſchichte, die in ihren Einzelheiten noch
nicht aufgeklärt iſt. Die beiden Zigeuner hatten die Fahrt
Aſchaffenburg-Köln mit ihren gleichlautenden
Fahrkar=
ten bis Mainz zurückgelegt, müſſen aber hier zur Unter=
brechung der Fahrt aus noch unbekannten Gründen
ver=
anlaßt worden ſein. Sie miſchten ſich unter einen Trupp
öſterreichiſcher Auswanderer, fielen durch ihr Gebaren
aber ſchon auf, ohne daß man jedoch Verdacht ſchöpfte.
Sie beſtiegen dann einen Zug von hier nach Frankfurt
zurück und erklärten einem Zugreviſor, der ſie auf den
folgenden Zug aufmerkſam machte, daß ſie ihre
Reiſeab=
ſicht geändert hätten und in Frankfurt nachlöſen wollten.
Der Beamte behielt die Fahrkarten ein und benachrichtigte
die Frankfurter Polizei von ſeinen auffälligen
Fahr=
gäſten. Dieſe mußten jedoch Lunte gerochen haben. Sie
ſtellten den Zug zwiſchen Rüſſelsheim und Raunheim
durch die Notbremſe, ſprangen hinaus und
ver=
ſchwanden übers Feld in den nahen Wald. Eine ſpätere
Verfolgung mit Polizeihunden war erfolglos. Das war
am Mittwoch früh. Mittwoch abend bemerkte ein
Bau=
unternehmer Ritzert in Biſchofsheim (Heſſen) zwei
Zigeu=
ner in eiligem Marſch auf einem Feldweg bei ſeinem
An=
iweſen, telephonierte nach der Koſtheimer Mainſchleuſe und
ſtellte mit zwei anderen die Zigeuner, von denen einer
ſich durch falſche Papiere ausweiſen wollte, dann aber
auch verſchwand. Bei der Verfolgung kletterten die
Flücht=
linge ſchließlich auf den Bahndamm der Güterbahn
Biſchofsheim-Mainz, um über die Brücke über den Main
zu gelangen. Dort wurden ſie aber von dem
Brücken=
wärter feſtgehalten, da die Brücke nur
Dienſtfußgängerver=
kehr hat. Die Zigeuner drohten mit Revolvern,
als der Wärter kurz entſchloſſen einen fälligen Güterzug
ſtellte, deſſen Perſonal Hilfe leiſtete. Inzwiſchen war
auch der Schleuſenmeiſter der Koſtheimer Schleuſe mit
zwei Gehilfen und zwei Arbeitern, zum Teil bewaffnet,
herbeigeeilt, worauf die Zigeuner feſtgenommen wurden.
Dabei erlitt der eine einen epileptiſchen Anfall,
woraus man mit Sicherheit auf die Perſon
des einen Ebender ſchließt. Die Zigeuner
kamen Mittwoch abend in der Dämmerung in den
Orts=
arreſt nach Guſtavsburg und am nächſten Morgen (
Don=
nerstag) nach dem zuſtändigen Kreishauptort Groß=
Gerau. Von dort wurden ſie Freitag früh von der
Gen=
darmerie nach dem Unterſuchungsgefängnis Mainz
trans=
portiert.
Mainz, 8. Juni. Ein frecher
Maſſendieb=
ſtahl, bei dem nicht weniger als 15 Perſonen aus
Mom=
bach und Mainz beteiligt ſind, wurde letzthin an dem
Gaſtellſchen Waſſerwerk verübt. Die Diebe haben im
ganzen über 400 Meter Bleirohre in einer Tiefe von mehr
als zwei Meter aus der Erde herausgeholt und dieſe an
Mainzer Althändler für 130 Mark verkauft. Am hellen
Tage fuhren ſie nach dem „Kleinen Sand” ſchaufelten die
Erde auf und verluden die ſchweren Bleirohre auf
mit=
gebrachte Karren. Man hielt ſie für Arbeiter der noch
nicht ganß fertig geſtellten Waſſerleitung, bis
vorüber=
gehende Arbeiter der Waggonfabrik in der Fabrik
Meld=
ung machten, worauf der dreiſte Diebſtahl durch die
Po=
lizei ſofort aufgedeckt wurde.
* Gießen, 8. Juni. Soeben erſchien der „
Füh=
rer durch die Gießener Feldverſuche
des Landwirt ſchaftlichen Un
i=
verſitätsinſtituts Gießen”. Das Inſtitut hat im
Jahre 1912 in Gießen ſelbſt 73 Morgen Verſuche im
Gange, die auch für die praktiſchen Landwirte viel
Inter=
eſſantes darbieten. Ein Teil der Verſuche liegt auf dem
Gute des Herrn Bichler=Gießen, ein anderer Teil iſt auf
ſonſt für längere Zeit gepachteten (ſtädtiſchen) Boden
untergebracht. Eine Verſuchsfeldſcheune, zu der die
Geld=
mittel geſchenkweiſe geſtiftet wurden, ſoll noch in dieſem
Sommer gebaut werden; vorläufig dient den Verſuchen
eine große gemietete Scheune. Sehr intereſſant iſt es auch,
die Ausſtattung des Inſtituts mit lauter muſtergültigen
Ackerinſtrumenten kennen zu lernen. Das Dreſchen
be=
ſorgt ein Benzinmotor. Die Abteilung für
Sortenzücht=
ung zeigt eine Züchtungshalle für Stammpflanzen, ſowie
den Pflanzenzuchtgarten. Neben der ſehr umfangreichen
Sortenprüfung ſind Gräſerſerien und Sortenſerien
ange=
baut. Pflanzen aller Art werden in ihren Sorten
ge=
prüft. Beſonders wichtig iſt es, daß alle neuen
Kartoffel=
ſorten in der Gießener heſſiſchen Kartoffelkulturſtation zu
ſehen ſind. Ein doppelt vorhandener vermanenter
De=
monſtrations=Düngungsverſuch bietet auch viel
Lehr=
reiches dar. Neu ſind Verſuche mit
Gründüngungs=
pflanzen. Auch Verſuche über Unkraut= und
Schäd=
lingsbekämpfung, ſowie Maſchinenprüfungen ſind
alljähr=
lich neu im Gange. Die techniſche Leitung der Gießener
Feldverſuche hatte zunächſt der Inſtitutsdirektor
über=
nommen; ſpäter ging ſie in die Hand des Herrn
Privat=
dozenten Dr. Böhmer, als der Vertreter der
Pflanzen=
produktionslehre über. Seit deſſen Beurlaubung führt ſie
proviſoriſch aushilfsweiſe der Inſtitutsdirektor mit
Unterſtützung durch den bereits 5 Jahre im Inſtitut als
Aſſiſtent tätigen Herrn Wolff weiter. Der Beſuch wird
Vereinen, ebenſo wie einzelnen Landwirten, Sonntags
wie Wochentags, gern geſtattet. Bei Anmeldungen, di
ans Landw. Inſtitut Gießen, Senckenbergſtraße
Telephon 2090 — zu richten ſind, wird gern für Führung
geſorgt. Schon jetzt wird das Verſuchsfeld viel
beſucht=
auch haben ſich ſchon mehrere Vereine für die nächſte Zei
angemeldet.
Bad Nauheim, 8. Juni. In der Angelegenheit des
in der Schultheißen=Mühle bei Limburg ermordeter
Peter Weimer wurde geſtern abend die hier zur Kur
weilende Schweſter des Ermordeten verhaftet, weil
ſich herausſtellte, daß ſie gemeinſam mit ihrem Bräutigam
Heinrich Karſt, der in der gleichen Angelegenheit
verhaf=
tete wurde, ſich aber vorgeſtern im Gefängnis entleibte
ihren Bruder ermordet hat. Sie hat bereits ein
Ge=
ſtändnis abgelegt.
Vilbel, 8. Juni. In den Obſtplantagen der ſüdlicher
Wetterau macht ſich angeblich die Blutlaus in gefähr
licher Weiſe bemerkbar. Faſt an jedem Stamme,
nament=
lich an den jungen Bäumen und denen mittleren Alters
erblickt man die ſchmutzig weiße Flaummaſſe, unter der
ſich das Inſekt verborgen hält. Die Bürgermeiſtereien
fordern deshalb zum Vorgehen gegen die gefährlichen
Schädlinge auf. Mit ausgezeichnetem Erfolge haben
da=
bei verſchiedene Baumbeſitzer ein bisher wenig bekanntes
aber geradezu glänzend wirkendes Mittel erprobt. Sie
durchtränken nämlich die befallenen Stellen mit
gewöhn=
lichem braunen Oel. Die Blutläuſe werden in der zähen
klebrigen Oelflüſſigkeit an der Bewegung gehindert und
müſſen erſticken. Das neuartige Mittel hat dabei den
Vorzug großer Billigkeit und bequemer Anwendungsart.
Lauterbach, 8. Juni. Die 72jährige Marie
Hedterich von Dirlammen fand man im Dorfbach
er=
tränkt. Die Lebensmüde legte ſich in das Waſſer, das
kaum über ſie weg ging.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 8. Juni. Die
ſchwedi=
ſchen Stadtvertreter fuhren am letzten Tage
ihres Berliner Beſuches nach Ober=Schöneweide zur
Be=
ſichtigung der Kabelwerke und der
Automobilfabrikations=
anlage der A. E. G. Dann kehrten die Herren nach Berlin
zurück. Nachmittag ging’s nach Buch, wo die
Lungenheil=
ſtätte, das Alte=Leute=Heim und die Irrenanſtalt beſichtigt
wurden. — Im Kontor der Buttergroßhandlung von
Gebrüder Gauſe in der Brüderſtraße ereignete ſich
am Dienstag ein eigenartiger Vorfall. Ein
Bureaudiener erhielt den Auftrag, aus einem in die
Wand eingemauerten Geldſchrank, der zur
Aufbewahr=
ung von Geſchäftsbüchern dient, ein Buch
herauszu=
holen. Die Tür, in der der Schlüſſel von innen ſteckte,
wurde von einem gerade vorübergehenden Kontoriſten
ahnungslos zugeſchlagen, ſodaß der Bureaudiener
voll=
kommen eingeſchloſſen war. Einem ſofort
herbeigehol=
ten Schloſſer gelang es, durch die Tür des Geldſchrankes
in wenigen Minuten ein zwei Finger breites Loch zu
bohren, ſodaß der eingeſperrte Bureaudiener den
Schlüſ=
ſel hindurchreichen konnte. In wenigen Minuten war
er aus ſeiner Zwangslage befreit, ſodaß die Feuerwehr,
die man gleichfalls herbeigerufen hatte, nicht in
Tätig=
keit zu treten brauchte. — Schwierige
Taucher=
arbeiten führte geſtern der Tauchermeiſter Goldſtein,
der auch die Taucherarbeiten am Spreetunnel leitete, auf
der Dahme in Grünau, gegenüber dem Reſtaurant=
Belle=
vue, aus. Dort war am Sonntag ein Boot gekentertund
die Inſaſſen, ein Kaufmann und eine Opernſängerin aus
Berlin, konnten nur mit Lebensgefahr gerettet werden,
Bei dem Unfall war dem Kaufmann eine Handtaſchemit
Schmuckgegenſtänden im Werte von über 3000 Mark ins=
Waſſer gefallen. Nach ſiebenſtündiger Tätigkeit
konnte=
nun geſtern der Tauchermeiſter Goldſtein die werkvolle
Taſche mit dem geſamten Inhalt aus dem anderthalb
Meter tiefen Schlamm bergen und ſie dem glücklichen
Ver=
lierer aushändigen. Eine große Menſchenmenge am Ufer
und in Ruderbooten folgte dem intereſſanten Schauſpiel.
Frankfurt, 8. Juni. Die Beduinen im
Zoolo=
giſchen Garten erweiſen ſich in den täglichen
Vor=
führungen als hervorragend kühne Reiter. Es erfordert
keine geringe Geſchicklichkeit, bei ihrem wilden Jagen die
zahlreichen Bäume des ſogen. „Wäldchens” glücklich zu
vermeiden und hierbei noch allerlei Reiterſtücklein
aus=
zuführen, wie das Aufheben von Gegenſtänden von der
Erde, ohne den Lauf des Pferdes zu mäßigen. Als ein
beſonders tüchtiger Reiter erweiſt ſich bei der Fantaſia der
junge Beduinenſcheich Mohammed. Wie verwachſen
er=
ſcheint er mit ſeinem arabiſchen Schimmelhengſt, den er
trotz der Schwierigkeit des Terrains in den kühnſten
Wen=
dungen vorführt. Der Scheich gilt auch in ſeiner Heimat
als ein hervorragender Reiter. Er wird zu allen großen
Feuilleton.
* Aus Kunſt und Wiſſenſchaft. Volksſchauſpiel
Oetigheim. Die Vorſtellungen des Volksſchauſpiels
im Hartdorf Oetigheim, über die ſchon berichtet wurde
beginnen am 16. Juni und finden jeden Sonntag,
außerdem auch an Freitagen bis zum 13. Oktober ſtatt.
Am Mittwoch, den 19. Juni, werden auch die beiden
Kam=
mern der Landſtände mit Vertretern der Großh.
Regier=
ung das Spiel beſuchen.
Olbrich=Ausſtellung in Berlin. Im
Lichthofe des Kunſtgewerbemuſeums in Berlin iſt der
künſtleriſche Nachlaß Joſeph M. Olbrichs
in 57 zeitlichen und ſachlichen Gruppen an Wänden und
in Schaukäſten ausgeſtellt. Als Joſeph Olbrich am 8. Aug.
1908 einer tückiſchen Krankheit zum Opfer fiel, lagerten in
den Mappen des erſt Vierzigjährigen Tauſende
ſorgfäl=
tigſter Zeichnungen jeder Art, Studien, Skizzen,
Ent=
würfe und Werkzeichnungen. Dieſer reiche Schatz an
Ge=
halt und Form, auf den die Königl. Akademie der Künſte
im Winter 1910/11 durch wenige Proben aufmerkſam
ge=
macht hat, iſt durch die Bemühungen von Kunſtfreunden
verſchiedener Richtung, insbeſondere Architekten und
För=
derern des Kunſthandwerks, auf Anregung von Geh.
Bau=
rat Heinrich Kayſer und Miniſterialdirektor Dr. Th.
Le=
wald insgeſamt erworben und der Bibliothek des
Kunſt=
gewerbemuſeums als Stiftung überwieſen worden.
Führende Perſönlichkeiten aus Kunſt=, Induſtrie= und
Finanzkreiſen in Berlin, Heſſen und dem ganzen
Rhein=
land haben durch ihre Opferwilligkeit die Erwerbung
er=
möglicht.
— Akademiſche Kellner in New=York. In New=York
kann man jetzt in faſt jedem Reſtaurant das Vergnügen
genießen, von friſch dreinblickenden, akademiſch gebildeten
Herren flink, gewandt, aufmerkſam und höflich bedient zu
werden. Alljährlich gegen die Sommerszeit, wenn die
Vorleſungen an den großen Univerſitäten ihrem Ende
zu=
neigen, beginnen regelmäßig die von Haus aus mit
Glücksgütern nicht geſegneten Muſenſöhne eine
Sommer=
arbeit zu ſuchen, bei der ſie ſich etwas Geld zur Fortſetz=
ung ihrer Studien erarbeiten können. Die meiſten der
Studenten wenden ſich dann dem Kellnerberufe zu, und
diesmal fanden viele von ihnen ſofort in New=York
gün=
ſtige Anſtellungen. Denn in New=York herrſcht
bekannt=
lich ein Kellnerſtreik; viele Reſtaurants waren noch vor
wenigen Tagen von der Gefahr bedroht, ihren Betrieb
vollſtändig einſtellen zu müſſen. Aber die Wirte wußten,
daß nun bald die Hochflut der ſtellenſuchenden Studenten
nahen würde, und ſie fanden auch ſchnell Tauſende von
Kandidaten, unter denen ſie die Geſchickteſten und
Ge=
wandteſten gemächlich auswählen konnten. Im Breslin=
Hotel führen heute fünfzig Hörer der Columbia=
Univer=
ſität mit Würde und Eifer Serviette und Servierbrett;
im Vanderbild=Hotel betätigten ſich ſechs Mediziner, die
bereits ihre erſte Prüfung beſtanden haben, als
Gany=
meds. Aber faſt alle großen amerikaniſchen Univerſitäten
ſind gegenwärtig im New=Yorker Kellnerbetrieb vertreten,
vor allem die Harvard=Univerſität und die Univerſitäten
von Pennſylvanien und Princeton. Nur in dem
berühm=
ten Reſtaurant von Sherry fanden die akademiſch
gebil=
deten Kellner=Aſpiranten verſchloſſene Tore, denn der
Be=
ſitzer hielt es für günſtiger, den Sommer über, der ſo wie
ſo eine ſtille Zeit bringt, ſein Lokal einfach zu ſchließen.
Insgeſamt ſind gegen 50 Reſtaurants vom Streik
betrof=
fen, doch in keinem einzigen von ihnen hat man über
ſchlechte Bedienung zu klagen. Infolgedeſſen haben die
Wirte unter dem Streik ſo gut wie gar nicht zu leiden,
und wenn die Kellner ihre Arbeit nicht wieder
aufneh=
men wollen, ſo wird ihnen mit der Zeit nichts anderes
übrig bleiben, als an Stelle ihrer Nachfolger nun einfach
als Hörer in die Univerſität zu gehen . .
C) Der „rote Teufel” auf der Flugmaſchine. Der
bekannte amerikaniſche Flieger Captain Thomas
Bald=
win iſt von den Philippinen zurückgekehrt, wo er
wochenlang mit ſeiner Flugmaſchine von Inſel zu Inſel
geflogen iſt und dabei auch den unziviliſierten
einge=
borenen Stämmen zum erſten Male das Wunder einer
modernen Flugmaſchine zeigte. In einer amerikaniſchen
Zeitſchrift berichtet er über ſeine Erlebniſſe: „Für dieſe
wilden Stämme war die Maſchine ein unbeſchreibliche
Senſation. Nie hatten ſie etwas Derartiges gehört oder
geſehen. Sie konnten es nicht glauben, ſie dachten an eine
Halluzination oder an einen direkten Abgeſandten des
Teufels. „Ich ſtand bei einem der bekannteſten
Häupt=
linge das Kalinga=Stammes, beim „Roten Teufel”, als
Leutnant Lahm vom 10. Kavallerie=Regiment mit dem
Apparat auf uns zugeflogen kam. „Da kein Mann drin”,
ſagte der „Rote Teufel”, als er von fern das Flugzeug
erblickte. „Doch”, ſagte ich, „da immer Mann drin, und
Mann läßt es fliegen.” Aber der „Rote Teufel” und ſeine
Genoſſen ſchüttelten den Kopf. Nach langer Pauſe ſagte
er dann: „Wenn Mann drin, will ich nie mehr kämpfen.”
Später führte ich ihn zur Flugmaſchine. Ich erklärte ihm
ich würde nun aufſteigen, und fragte ihn, ob er mich be
gleiten würde. Er antwortete nur lakoniſch: „Wenn Du,
auch ich.” Schweigend nahm er ſeinen Sitz ein, und dann
ging es empor, empor bis zu 800 Meter Höhe. Der „Rote
Teufel” zuckte mit keiner Wimper. Ich beſchrieb eine Acht
und glitt dann in Spiralen nieder. Wir landeten
glück=
lich. Aber der kleine Philippine ſaß noch immer wie eine
braune Statue auf ſeinem Platz, zeigte keine Spur von
Furcht oder Erregung und ſagte keinen Ton. Aber die
Leute des „Roten Teufels” konnten nun nicht länger
zu=
rückhalten. Mit markerſchütterndem Geheul ſtürmten ſie
auf uns zu und begrüßten ihren Herrſcher, von dem ſie
annahmen, daß er nun im Himmel geweſen ſei und als
Wiſſender zu ihnen zurückkehrte. Aber der „Rote Teufel”
ſchüttelte nur langſam das Haupt und ſchritt dann
nach=
denklich, von ſeinen Genoſſen begleitet, von dannen.”
* Das intereſſante Buch. Ein amerikaniſcher Verleger
plauderte mit einem ehemaligen Offizier der Vereinigten
Staaten: „Wir haben” ſo erzählte der Verleger, „da ein
vorzügliches Buch verlegt. Haben Sie es ſchon geleſen?
Was halten Sie denn davon?” — „Ich kann nur eines zu
ſeinem Lobe ſagen”, antwortete der Offizier: Einer
mei=
ner Kameraden trug es während des ſpaniſchen Krieges
bei ſich und es hat ihm das Leben gerettet. Eine Kugel,
die meinen Kameraden traf, ſchlug gegen das Buch—
—, aber ſie iſt nicht weiter als bis zum vierten Kapitel
gekommen!“
Nummer 134.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Inni 1912.
Seite 3.
Reiter=Fantaſien geladen, die von den Beduinen des
tu=
neſiſch=tripolitaniſchen Grenzgebiets veranſtaltet werden,
und bei dieſen Feſten, die den braunen Söhnen der Wüſte
Gelegenheit zur Entfaltung ihres ganzen Wagemuts zu
Pferde geben, bildet ſeine Reitkunſt den Höhepunkt der
Veranſtaltung. Weſentlich gehoben wird das Glanzvolle
ſeines Auftretens noch durch die prächtige Ausſchmückung
des mit echter Goldſtickerei verſchwenderiſch ausgeſtatteten
Geſchirrs ſeines Pferdes, das auch hier, namentlich bei
der in der Kunſtſtickerei erfahrenen Damenwelt, allgemeine
Bewunderung erregt. Der dem Pferde übergelegte ſeidene
Turniermantel, den die aus den mittelalterlichen
Kreuz=
zügen heimkehrenden Ritter von den Saracenen entlehnt,
auch bei uns einführten, erhöht noch den maleriſchen
Ein=
druck des Beduinenhäuptlings.
Homburg v. d. H., 7. Juni. Ein tödlicher
Un=
glücksfall trug ſich heute nachmittag in der Kuranlage
zu. Der 9 Jahre alte Volksſchüler König wollte ſich in
den Schacht der Viktoriaquelle begeben, um ſeine dort
hineingefallene Mütze herauszuholen. Er wurde hierbei
von den Kohlenſäuregaſen getötet.
Heidelberg, 7. Juni. Die beiden Mörder des
Heidelberger Studenten auf dem Katzenbuckel
haben allem Anſcheine nach noch einen weiteren
Mord begangen. Am 7. Mai d. J. wurde in der Nähe
der Gaimühle am Katzenbuckel die Leiche des
Steinbruch=
arbeiters Anton Seubert aus Miltenberg am Main mit
einer Schußwunde aufgefunden. Der Revolver lag
auf=
fallenderweiſe unter der Leiche, es fehlte auch der
Blei=
ſtift, mit dem ein Zettel geſchrieben wurde, auf dem zu
leſen war: „Aus Liebeskummer muß ich hier ſchlummern”
ebenſo ſein Geld im Betrage von 73 Mark. Beutel und
Krebs, die jetzt auch den Studenten Arjes ermordet haben,
unternahmen noch mit anderen Burſchen eine Tour nach
dem Katzenbuckel, wo am anderen Morgen Seubert tot
aufgefunden wurde.
Heidelberg, 7. Juni. Heute nacht fand hier auf dem
Heu=
markt zwiſchen etwa dreißig Metzgergeſellen und
Mit=
gliedern der Burſchenſchaft „Franconia” eine blutige
Rauferei ſtatt, bei der auch das Meſſer eine Rolle
ſpielte. Mehrere Studenten ſollen ſchwere Verletzungen
davon getragen haben.
München, 8. Juni. In der Nähe von Tegernſee ſind
geſtern zwei Touriſten tödlich abgeſtürzt.
Der Chemigraph Max Leinhard aus München ſtürzte vom
Leopoldſtein ab und war ſofort tot. Seine Leiche wurde
geborgen. Vom Sonnenwend=Joch ſtürzte ein Touriſt
ab, deſſen Perſönlichkeit noch nicht feſtgeſtellt werden
konnte. Seine Leiche wurde noch nicht gefunden.
Trier, 8. Juni. In dem Hochwaldort Hermiskeil
rannte ein tollwütiger Hund durch den Ort und
biß Perſonen, meiſt Kinder, und 12 Hunde. Die Kinder
wurden teilweiſe verletzt und ſind in ärztlicher Behandlung.
Der Hund wurde von einem Förſter erſchoſſen.
Fulda, 8. Juni. Die wegen des Verdachts des Mordes
an dem Förſter Romanus kürzlich verhafteten
beiden Zigeuner wurden wieder freigelaſſen,
da ſich ihre Unſchuld herausſtellte. Sie heißen Winter und
ſtammen aus Köln.
Köln, 8. Juni. In der ſtädtiſchen Badeanſtalt
in Ehrenfeld iſt geſtern nachmittag gegen 5½ Uhr,
als ſich etwa 30 Perſonen, meiſt Knaben, im
Schwimm=
baſſin befanden, mit lautem Getöſe die Betondecke
eingeſtürzt, wobei ein 16jähriger
Oberſekun=
daner erſchlagen, zwei weitere Schüler ſchwer und
etwa ſechs andere leicht verletzt worden ſind. Die Urſache
iſt, ſoweit ſich bisher hat feſtſtellen laſſen, darin zu ſuchen,
daß ſich ſeit einigen Wochen in dem Betonverputz des
Deckengewölbes mehrere Riſſe gezeigt haben, denen man
heute auf die Spur zu kommen verſuchte. Es ſcheint, daß
dabei der Unternehmer oder einer ſeiner Arbeiter das
Gewölbe betreten hat. Im Augenblick des Unfalls waren
20 bis 25 Leute im Bad.
Hannover, 7. Juni. Bei der Rückkehr von einem
Schulausflug entgleiſte geſtern der dritte Wagen eines
elektriſchen Straßenbahnzuges hinter dem
Dorfe Gehrden und fuhr mit voller Wucht gegen einen
Maſt der Straßenbahn, der umſtürzte. Ein zweiter
Wagen, der kurz hinterherkam, wurde ſtromlos und fuhr
mit voller Geſchwindigkeit auf den entgleiſten Wagen auf.
Der Führer des zweiten Wagens erlitt ſchwere
Verletzun=
gen an den Beinen. Von den Inſaſſen ſind zahlreiche
leicht, einige zum Teil auch ſchwer verletzt worden.
Borkum, 7. Juni. Geſtern nachmittag begann unter
Zuziehung von Truppen aus Oldenburg und Aurich eine
mehrtägige militäriſche maritime Uebung. An
der Uebung nahmen verſchiedene höhere Offiziere aus dem
Generalſtab und dem Kriegsminiſterium teil. Auch der
Großherzog von Oldenburg iſt anweſend.
Leipzig, 7. Juni. Das Reichsgericht verwarf die
von den Direktoren Ohm und Schmidt der
Nieder=
deutſchen Bank in Dortmund gegen das Urteil des
Land=
gerichts Dortmund am 21. November 1911 eingelegte
Re=
viſion.
Delitzſch, 7. Juni. In dem Dorfe Wiedemar
ge=
rieten heute vormittag zwei Scheunen und zwei
Schup=
pen in Brand. Bei den Rettungsarbeiten kam der
Sattlermeiſter Rackwitz in den Flammen um. Der
Schmiedegeſelle Wuſt wurde erheblich verletzt.
Breslau, 8. Juni. Der langjährige Prozeß um
den goldenen Ochſenpokal der Breslauer
Flei=
ſcherinnung gegen die Münchener Antiquitätenfirma Drey
wurde durch Vergleich beigelegt. Die Fleiſcherinnung
zieht ihre Klage wegen Auslieferung des Pokals zurück
und erhält eine angemeſſene Entſchädigung.
Grünberg (Schleſien), 8. Juni. In den erſten
Mor=
genſtunden iſt das Kunſtwoll= und Woll=Lager der
Schle=
ſiſchen Tuchfabrik, Aktiengeſellſchaft, vollſtändig
niedergebrannt. Wie das Grünberger Wochenbl.
meldet, iſt der Schaden durch Verſicherung gedeckt. Die
Urſache des Brandes iſt Selbſtentzündung.
Mailand, 7. Juni. Auf eine Eingabe von 200 der
an=
geſehenſten Rechtsanwälte Mailands hat der Vorſtand
des Mailänder Advokaten=Kollegiums beſchloſſen, in den
Generalſtreik der Rechtsanwälte und
Ge=
richtsprokuratoren Mailands mit Beginn vom 11.
Juni einzutreten, um damit gegen die ungenügende
Richterzahl und die Gerichtslokale in Mailand zu
prote=
ſtieren.
Paris, 8. Juni. Anläßlich der Affäre des Pfarrers
Piton hat der Biſchof von Angers einen Hirtenbrief
er=
laſſen, in dem er erklärt, daß der ſkandalöſe Vorfall alle
katholiſchen Scelen mit Trauer erfülle. Um dieſer
ſchmerz=
lichen Stimmung Ausdruck zu geben, habe er beſchloſſen,
die für morgen anberaumte große Prozeſſion ausfallen zu
laſſen und anſtatt derſelben in ſämtlichen Kirchen und
Ka=
pellen von Angers Sühnegottesdienſte abhalten zu laſſen.
Paris, 8. Juni. Das Zuchtpolizeigericht von
Charlesville verurteilte den Kaſſier des
revolutio=
nären allgemeinen Arbeiterverbandes, Dumoulin, zu zwei
Jahren Gefängnis, weil er in einer Proteſtvertammlung
zur Eiſenbahnſabotage für den Fall einer Mobiliſierung
aufgefordert hat.
Montreal, 8. Juni. Ein heute ausgegebenes
Bul=
letin beſagt, daß das Befinden der Herzogin von
Connaught eine beträchtliche ſtetige Beſſerung
auf=
weiſt.
Parlamentariſches.
* In den Beratungen der Regierung
mit dem Finanzausſchuß über die
Beſol=
dungsvorlagen uſw. am Samstag gab
Staats=
miniſter Dr. Ewald nach der Darmſt. Ztg. folgende
Er=
klär ung ab:
Nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen im
Finanzausſchuß glaubt die Regierung folgendes
anneh=
men zu müſſen:
1. Der Ausſchuß hält es in ſeiner Mehrheit für
gebo=
ten, daß den Volksſchullehrern eine Zulage von
15 ſtatt der vorgeſehenen 11 Prozent ihres Gehalts
gewährt wird. 2. Der Ausſchuß hält es in ſeiner
Mehr=
heit für bedenklich, daß von dem durch die Aufbeſſerung
der Volksſchullehrergehalte nach der Regierungsvorlage
entſtehenden Mehrbedarf ein Betrag von rund
277000 Mark durch die Gemeinden gedeckt
wer=
den ſoll, und will auch dieſen Betrag ganz oder zum
größten Teil durch den Staat aufgebracht
haben. 3. Der Ausſchuß hält es für geboten, daß die
zur teilweiſen Deckung der Koſten der
Beſoldungsvor=
lagen uſw. für 1913 und folgende Jahre erforderliche
Steuererhöhung (5 Prozent Einkommenſteuer und
5 Pfennig Vermögensſteuer) ganz oder
wenig=
ſtens zum Teil möglichſt hinausgeſchoben
wird.
Zu 1 und 2: Die Erfüllung der hier geſtellten
Ver=
langen des Ausſchuſſes würde die Staatskaſſe
unbeſtritte=
nermaßen mit einer dauernden Mehrausgabe
von 188000 Mark (Betrag der Mehrforderung für die
Lehrer) — 277000 (Beitrag der Gemeinden) — 465000
Mark belaſten. Die Großh. Regierung hat ſeither ſtets
erklärt, daß es ihr — abgeſehen von ſachlichen Bedenken
auch ſchon um deswillen unmöglich ſei, auf jene
Vor=
lagen einzugehen, weil ihr die zur Deckung der
Geſamt=
mehrausgabe von 465000 Mark nötigen Mittel fehlten.
Nach nochmaliger ſorgfältigen Erwägung aller in
Be=
tracht kommenden Umſtände glaubt die Großh. Regierung
indes, in der Vorausſetzung, daß ſich nur um dieſen
Preis eine Verſtändigung mit beiden Kammern
der Stände über die ſämtlichen zur Beratung ſtehenden
Vorlagen erzielen läßt, unter voller Aufrechterhaltung
ihrer grundſätzlichen Bedenken ſchon jetzt in Ausſicht
ſtel=
len zu können, daß ſich bei Beratung des Geſetzentwurfs
über die Tilgung der Staatsſchuld wohl die Möglichkeit
bieten wird, etwa die Hälfte jenes Betrages
alſo etwas über 200000 Mark, weiterhin aus
Eiſenbahn=
überſchüſſen für die laufenden Bedürfniſſe der allgemeinen
Staatsverwaltung dauernd flüſſig zu machen. Für die
andere Hälfte kann indes eine dauernde
Deckung nicht namhaft gemacht, es müßte alſo
ihre Uebernahme auf die Staatskaſſe entſchieden
abge=
lehnt werden. Die Großh. Regierung überläßt es
nun=
mehr danach dem Ausſchuß, zu entſcheiden, ob er
ent=
weder die erhöhten Anſprüche der Volksſchullehrer zu
Laſten der Staatskaſſe befriedigen und dafür die
Ge=
meinden mit den in der Regierungsvorlage vorgeſehenen
Beiträgen zu den Koſten der Erhöhung der
Volksſchul=
lehrergehalte oder doch wenigſtens deren größtem Teil
dauernd belaſten oder ob er von den Gemeinden die
letzterwähnte Laſt abnehmen und ſie der Staatskaſſe
auf=
erlegen, dagegen die zu Laſten der Staatskaſſe erhobenen
höheren Anſprüche der Lehrer (15 ſtatt 11 Prozent)
ab=
lehnen will.
Zu 3: Nach dem Urteil, das man ſich heute über die
Entwickelung von Staatseinnahmen und=Ausgaben in
den nächſten Jahren bilden kann, läßt ſich eine
Steuererhöhung zur Deckung eines Teiles des
durch die Vorlagen entſtehenden Bedarfs nicht
um=
gehen. Sie ganz zu vermeiden, hält die Großh.
Re=
gierung, wie ſich die zukünftigen Verhältniſſe jetzt
dar=
ſtellen, auch nach nochmaliger ſorgfältiger Prüfung für
unmöglich. Wohl aber würde ſich die Steuererhöhung
für etwa zwei weitere Jahre ganz
vermei=
den oder für mehrere Jahre noch etwas
vermindern laſſen, ſodaß ſie erſt nach und nach in
voller Höhe wirkſam würde, wenn man die
vorgeſchlage=
nen Grundſätze über die Tilgung der Staatsſchuld erſt
nach und nach, etwa in einem Zeitraum von 5 Jahren
in Geltung treten ließe, wie dies ſeinerzeit der Herr
Ab=
geordnete Dr. Weber angeregt hatte. Wenn der
Finanz=
ausſchuß darauf Wert legt, daß in dieſer Weiſe verfahren
wird, iſt die Großh. Regierung bereit, bei Beratung des
Beſetzentwurfs über die Tilgung der Staatsſchuld eine
entſprechende Nachgabe zu machen, falls zu erwarten iſt,
daß dieſer Entwurf im übrigen in annehmbarer Geſtalt
die Zuſtimmung beider Kammern der Stände findet.
Der Ranbmordverſuch in der Kleinen
Ochſen=
gaſſe vor dem Schwurgericht.
g. Darmſtadt, 8. Juni. Das Schwurgericht
ver=
handelte heute unter großem Andrange des Publikums
gegen den am 22. Dezember 1886 zu Schönberg bei
Bens=
heim geborenen Taglöhner Ludwig Gölz wegen des
am Abend des 4. März verübten Raubmordverſuches an
dem 71jährigen Althändler Liebmann Falk in der
Kleinen Ochſengaſſe 4. Vertreter der Anklage iſt
Staats=
anwalt Dr. Krug, Verteidiger des Angeklagten
Rechts=
anwalt Colin. Als Sachverſtändiger iſt
Gerichtschemi=
ker Dr. Popp aus Frankfurt zu der Verhandlung
zu=
gezogen. Auf dem Gerichtstiſch ſind die Beweismittel
aus=
gebreitet, die blutigen Kleider des Angeklagten, Hemd
Kragen, Taſchentuch uſw., ſowie die ſämtlichen bei Falk
geraubten Gegenſtände.
Am Abend des 4. März zwiſchen 6 und 7 Uhr kam
zu dem Althändler Falk ein junger Mann und wollte
einen Anzug kaufen; er probierte auch einen Anzug an
und fragte dann nach Uhren. Falk ging mit dem
Käu=
fer in die oberen Räume, wo die Uhren lagen. Hier fiel
dann der Käufer über den alten Mann her, ſchlug ihn zu
Boden und bearbeitete ihn mit dem Meſſer und trat ihn
mit den Füßen. Erſt als die Ladenklingel ertönte, ließ
der Raubmörder von ſeinem Opfer los. Er nahm noch
mit, was er in der Eile faſſen konnte, und verſchwand.
Geraubt wurden 40 Mark in bar, 2 Taſchenuhren,
Schmuckſachen und andere Gegenſtände. Am 5. März
wurde dann der Angeklagte Gölz als der
wahrſchein=
liche Täter ermittelt und feſtgenommen. Bei der
Feſt=
nahme wurden bei ihm die 2 Uhren und die geſtohlenen
40 Mark gefunden. In ſeiner Wohnung wurden dann auch
die übrigen geraubten Gegenſtände und die vollſtändig
mit Blut getränkten Kleidungsſtücke aufgefunden. Trotz
dieſer überführenden Tatſachen und tratzdem ihn der bald
wieder geneſene Falk als den Täter erkannte, leugnete
der Angeklagte von Anfang an. Die Polizei wurde von
einer Tante Borchert des Angeklagten, der er den
blut=
befleckten Anzug zum Waſchen gab, auf die richtige Spur
geführt.
Der Angeklagte, der ſich den Anſchein eines frommen
Biedermannes gibt und fortwährend Gott zum Zeugen
der Richtigkeit ſeiner Angaben anruft, gab in der
Ver=
handlung eine eingehende Schilderung, wie er den
frag=
lichen Tag verbracht haben will. Er iſt gelernter
Schuh=
macher, mußte jedoch wegen eines Bruſtleidens dieſen
Beruf aufgeben und war dann als Kellner und in
ande=
ren Berufen tätig. Er hatte bisher eine Gefängnisſtrafe
von 2 Monaten für Unterſchlagung und
Urkundenfälſch=
ung und von 6 Monaten für Diebſtahl erhalten und hat
letztere Strafe am 24. Februar 1912 verbüßt gehabt. Bis
zum Tage der Tat hat er keine Beſchäftigung gehabt. Am
Tage der Tat, am 4. März, war er den ganzen Tag bis
zum Schluß der Verhandlung im Zuſchauerraum des
Schwurgerichts, wo an dem Tage die Verhandlung gegen
den Gürtler Jakob Hitzel aus Ober=Roden wegen
Tot=
ſchlags mit einer Verurteilung zu 9 Jahren Zuchthaus
endigte. Um 6 Uhr endigte die Verhandlung und
zwi=
ſchen 6 und 7 Uhr war der Ueberfall auf Falk erfolgt.
Die Angaben über die nun folgende Zeit hat der
Angeklagte während der Unterſuchung fortwährend
ge=
ändert, je nachdem ihm entſprechende widerlegende
Vor=
haltungen gemacht wurden. In der Verhandlung nun
gibt er an, er hätte ſich direkt vom Schwurgericht nach
den Bahnhofsanlagen begeben, wo er mit einem
Un=
bekannten in eine Schlägerei verwickelt worden wäre. Er
hätte hierbei einen Schlag auf die Naſe erhalten, womit
er die blutigen Kleider erklärt. Bei dem Balgen hätte
er auch eine Verletzung an der Stirn erhalten. Er ſei
dann nach Hauſe gegangen; unterwegs ſei ihm der Zeuge
Ruß erſchienen, den er fragte, ob er im Geſicht blutig ſei.
Zu Hauſe hätte er ſich gewaſchen und ſei dann wieder
weggegangen. Ihm ſei dann ein früherer Bekannter, ein
gewiſſer Anton Nagel, begegnet, dem er die bei ihm
ge=
fundenen Sachen für 4,50 Mark abgekauft habe. Nagel
hätte es ſehr eilig gehabt, weil er ſchnell nach Frankfurt
fahren wollte. Die Uhren hätte er am 1. März in
Frank=
furt gekauft. Hierbei verwickelte er ſich inſofern in
Wider=
ſprüche, als er vorher ſeine eigene Uhr verſetzt hatte, alſo
jedenfalls, weil er kein Geld hatte. Er verlegte auch, zu
ſeiner Angabe paſſend, den Tag des Verſatzes einige Tage
früher, und als ihm auf Grund des Datums des
Verſatz=
ſcheines Vorhaltungen gemacht werden, weiß er keinen
Ausweg aus dieſem Dilemma. Ueber die Herkunft der
bei ihm vorgefundenen 40 Mark gibt er an, daß er 50
Mark von einem Oberkellner erhalten hat; den Namen
kennt er nicht, er weiß nur, daß er Fritz heißt; 10 Mark
hat er bei ſeiner Entlaſſung aus dem Gefängnis
bekom=
men. Das bei der Tat benutzte und bei dem
Mißhan=
delten gefundene Meſſer erkennt der Angeklagte als ſein
Eigentum an. Er will es vor vier Jahren in der Schweiz
von einem gewiſſen Nagel erhalten haben, dem er es
einige Tage vor der Tat in Darmſtadt wiedergegeben
haben will. Den Widerſpruch, daß er ſeine Hemden bei
ſeiner Wirtin waſchen ließ, während er den Anzug zum
Waſchen ſeiner Tante Borchert gab und der er eine „gute‟
Bezahlung verſprach, kann er nicht erklären, im
Gegen=
teil ſagte er noch, daß es bei ſeiner Tante immer ſehr
ſchmutzig ſei. Er hätte aber doch nach dem Vorhalt des
Vorſitzenden Anlaß gehabt, ſeine Wäſche dahin zu geben,
wo es nicht ſchmutzig iſt. — Da der Angeklagte nach ſeiner
Schilderung es als wahrſcheinlich hinſtellt, daß der
un=
ermittelte Nagel der Täter geweſen iſt, ſtellt der
Vertei=
diger den Antrag, die Verhandlung zu vertagen und den
Nagel zu ermitteln. Beſchluß über dieſen Antrag wird
bis zum Schluß der Beweisaufnahme zurückgeſtellt.
Es wird ſodann der Verletzte Falk vernommen, der
beſtimmt in dem Angeklagten den Täter wieder erkennt.
Es wäre bereits dunkel geweſen, als der Angeklagte
ſei=
nen Laden betrat; er hätte deshalb zwei Lampen
ange=
brannt, worüber ſich Gölz ſehr gewundert, anſcheinend
auch geärgert habe. Als er dem G. einen Anzug
anpro=
biert hatte, ſagte G.: „Haben Sie auch Uhren?”. Er ſagte
ja, dann muß ich aber nach oben gehen. Dann gehe ich
mit, erwiderte G. Als er ihm zwei Uhren gezeigt hatte,
fing plötzlich Gölz an, ihn zu würgen. Falk ſagte, er
ſolle einen alten, 72jährigen Mann in Ruhe laſſen.
Aergerlich verſetzte Gölz: Sei ruhig, ich habe eine Piſtole
bei mir, da ſchieße ich Dich über den Haufen, wenn Du
nicht ruhig biſt. Er ſah dann, wie G. ihm mit dem
Meſſer die Kehle durchſchneiden wollte. Er konnte dies
jedoch abwehren, worauf ihm G. 5 bis 6 Schläge mit dem
Meſſer auf den Kopf verſetzte. Er war dann wehrlos
und brach blutüberſtrömt zuſammen. Er ſah dann noch,
wie der Räuber die Schublade ausräumte und als es
mehrmals im Laden klingelte, das Haus verließ. Gölz
iſt dann wahrſcheinlich von der Kleinen Ochſengaſſe nach
ſeiner Wohnung in der Schloßgaſſe gegangen und in dem
Torweg der Bohmeſchen Wirtſchaft wollte er ſich von
dem Blut reinigen, wobei er von dem Zeugen Ruß
ge=
ſehen wurde. Wichtig für die Beweisführung iſt auch,
daß er bei dem Ueberfall des Falk eine Petroleumlampe
zertrümmerte, wobei ſeine Kleider mit Petroleum
ge=
tränkt wurden. Auch eine lange Vorhangſchnur mit
gro=
ßer Schlinge wurde gefunden, ſodaß der Verbrecher wohl
die Abſicht gehabt hat, ſein Opfer zu erdroſſeln. Ein
ebenfalls gefundenes, mit B. gezeichnetes Taſchentuch
hat er einige Tage vor der Tat von ſeiner Tante
erhal=
ten, die es auch beſtimmt wieder erkennt.
Nach der Mittagspauſe nahm die Vernehmung der
Zeugen (es ſind 25 Zeugen geladen) ihren Fortgang=
Hiervon intereſſiert beſonders die Ausſage des Zeugen
Reinhardt, der den Angeklagten unmittelbar nach der Tat
zwiſchen 7 und 7½ Uhr eiligſt über den Schlachthausplatz
nach der Schloßgaſſe zu gehen ſah. Er ſah, daß deſſen
Hemd rot von Blut war und daß er eine Verwundung
im Geſicht hatte. Seine Arme hielt er an den Körper
ge=
preßt, ſo, als wollte er vermeiden, daß er etwas aus den
Taſchen verliere. Das Ehepaar Weber, bei dem Gölz
wohnte, bekundet, daß an dem Abend der Tat Gölz die
zum Waſchen gegebenen Hemden verlangte, da er nach
Frankfurt fahren wolle. Auffällig ſei ihnen an dem Abend
auch erſchienen, daß er ſein Waſchwaſſer ſelbſt
ausge=
ſchüttet hatte. Ueber die Entſtehung der Wunde an der
Stirn gab er ihnen an, er hätte ſich bei ſeiner Tante
ge=
ſtoßen, während er in der Wirtſchaft erzählte, er wäre
an der Schloßgaſſe von vier Heinern überfallen
wor=
den. Er hat alſo über die Entſtehung dieſer Wunde nicht
weniger als vier verſchiedene Darſtellungen gegeben. Zu
verſchiedenen Zeugen äußerte er, er hätte in Butzbach was
gelernt, wenn er jetzt wieder etwas mache, ſolle man ihn
nicht ſo bald wieder erwiſchen.
Nach dem Gutachten des Kreismedizinalrats Dr.
Lehr iſt der Angeklagte ein durchaus geiſtig geſunder
Menſch und für ſeine Handlungen vollauf verantwortlich
Das von Gerichtschemiker Dr. Popp=
Frankfurt geſammelte Indizienmaterial beweiſt mit
wahrhaft verblüffender Selbſtverſtändlichkeit die Angabe
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Juni 1912.
Nummer 134.
des Angeklagten über den Urſprung des Blutes in ſeinen
Kleidern als falſch. So fanden ſich z. B. in ſeinen Taſchen
blutige Haare. Wenn nun ſein Naſenbluten von der
Prügelei herrührte, ſo mußten die Haare von dem
Men=
ſchen herſtammen, mit dem er gerauft hatte. Dieſer ſoll
aber nach ſeinen eigenen Angaben ein junger Menſch von
18 bis 20 Jahren ſein, während die vorgeſundenen
bluti=
gen grauen Haare diejenigen eines alten Menſchen
waren; ſie weiſen genau dieſelbe Beſchaffenheit auf, wie
die des Ueberfallenen. Auch unter den Fingernägeln, am
rechten Hoſenbein, am hinteren unteren Ende, befand ſich
Blut, wo es im Falle des Naſenblutens nicht hätte
hin=
kommen können. Auch von den im Portemonnaie
vor=
gefundenen 12 Geldſtücken wieſen 8 Stücke Blutſpuren
auf. Ein weiterer zuntrüglicher Beweis für die
Täter=
ſchaft des Gölz iſt ſchließlich noch die Vergleichung der
Fingerabdrücke, die der Täter am Tatort zurückgelaſſen
hat, mit denen des Gölz. Eine derartige
Uebereinſtim=
mung, wie in dieſem Falle, ſchließt notwendigerweiſe auf
gemeinſamen Urſprung. Auch die Verteilung des
Pe=
troleums in den Kleidern ſtimmt mit den übrigen
Be=
funden überein, es iſt genau von derſelben
Beſchaffen=
heit, wie das am Tatort vergoſſene. — Das Gericht
be=
ſchließt ſodann, den von der Verteidigung geſtellten
An=
trag auf Vertagung zwecks Ermittelung des angeblichen
Anton Nagel abzuweiſen, da er wohl lediglich eine
Ver=
ſchleppung bezweckt und auch eine Ermittelung des
an=
geblichen Nagel nicht möglich ſein dürfte.
Staatsanwalt Dr. Krug ging in ſeinem Plädoyer
noch einmal die verſchiedenen Beweismomente durch und
betonte, daß ſchon allein die bei dem Angeklagten
vorge=
fundenen oder die am Tatort zurückgelaſſenen
Gegen=
ſtände genügen müßten, die Täterſchaft einwandfrei
feſt=
zuſtellen, ganz abgeſehen von den geradezu erdrückenden
Beweiſen durch den Sachverſtändigen Dr. Popp. Der
Angeklagte habe die Tat zweifellos lange geplant und
vorbereitet. Auf ſeinen verbrecheriſchen Charakter habe
die bereits verbüßte Gefängnisſtrafe leider keine Beſſerung
ſondern verrohend gewirkt. Geradezu jeder Beſchreibung
ſpotte die Verteidigungsart des Angeklagten in der
Ver=
handlung, der ſich auch nicht durch die erdrückendſten
Be=
weismittel veranlaßt ſieht, von ſeinem zähen, verſtockten
Leugnen abzugehen. Angeſichts der Schwere der Tat und
der Verſtocktheit des Angeklagten ſeien mildernde
Um=
ſtände durchaus nicht zu rechtfertigen. — Der Verteidiger
erachtet die Kette der Indizienbeweiſe nicht für
ge=
ſchloſſen, es ſei durchaus nicht ausgeſchloſſen, daß jener
Anton Nagel der Täter geweſen ſei. Im Falle der
Be=
jahung der Schuldfrage nach Raubmordverſuch plädierte
er für mildernde Umſtände, andernfalls für
Körper=
verletzung und Raub. — Die Geſchworenen bejahten
die Schuldfragen nach Raub und Mordverſuch und
ver=
neinten die Frage nach mildernden Umſtänden. — Der
Staatsanwalt beantragte daraufhin 10 Jahre
Zucht=
haus. Das Gericht erkannte auf 10 Jahre
Zucht=
baus und auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte
ir die Dauer von 10 Jahren. Der Verurteilte nahm
ie Strafe an.
Kongreſſe und Verbandstage.
Hauplverſammlung des Deutſchen
Flottenvereins.
— Weimar, 7. Juni. Im Feſtſaal der.
Armbruſt=
hützen=Geſellſchaft begann heute mit einer
Begrüßungs=
verſammlung die diesjährige Hauptverſammlung
des Deutſchen Flottenvereins, auf deſſen
Tagesordnung u. a. ein Bericht von Exz. Großadmiral
v. Köſter über die „Allgemeine Lage” ſteht. Der
Tag=
ung liegt in erſter Linie der ſehr intereſſante
Jahres=
bericht vor. Darin werden die Vorgänge der letzten
Zeit berührt. Unmittelbar nach der Nürnberger
Haupt=
verſammlung trat eine politiſche Spannung zwiſchen
Deutſchland und England wegen der Marokkoaffäre ein,
die eine große Kriegsgefahr in ſich barg. Dieſer
Augen=
blick zeigte klar und deutlich das Mißverhältnis der
deut=
ſchen Flotte im Gegenſatz zu denen Englands und
Frank=
reichs. Das Präſidium des Vereins leitete eine energiſche
Propaganda für ſofortige Verſtärkung der Flotte ein, und
die Begeiſterung, die dieſe Agitation fand, erinnerte an
die Tage der Vereinsgründung. Das Verſtändnis für die
Notwendigkeit einer Flottenverſtärkung fand weite
Ver=
breitung und machte ſich auch in der Zunahme der
Mit=
gliederzahl des Flottenvereins geltend. Das
Vereins=
vermögen betrug nach dem Jahresbericht Ende 1911
381 347 Mark. Die Sammlungen für das Alters= und
In=
validenheim haben 53796 Mark ergeben. Ende 1911
ge=
hörten dem Verein 53 Hauptausſchüſſe, 3463 Ortsgruppen,
3114 Vertrauensmänner, 298014 Einzelmitglieder, 756 390
körperſchaftliche Mitglieder an. Das Vermögen des
China=Fonds beträgt 92305 Mark; im letzten Jahre
wur=
den daraus 82 Unterſtützungen mit 6852 Mark gewährt.
Der Südweſtafrika=Fonds hat ein Vermögen von 30715
Mark; es wurden 154 Unterſtützungen hieraus bewilligt.
Die Vereinszeitſchrift Die Flotte iſt monatlich in 350000
Eremplaren verteilt worden, das Flugblatt An das deutſche
Volk in 750000, das Flugblatt Deutſchlands Seemacht in
250000 Exemplaren. Die Lichtbilderſerien des Deutſchen
Flottenvereins wurden bei 841 Veranſtaltungen
verwen=
det. Die Schüler=, Lehrer= und Sonderfahrten an die
Waſſerkante wieſen eine große Teilnehmerzahl auf; es
nahmen 2961 Schüler, 312 Lehrer und 3600 Mitglieder teil.
An einer Reiſe nach Schweden beteiligten ſich 310
Mit=
glieder, während ſich an der diesjährigen Nordlandsreiſe
über 400 Perſonen beteiligten.
Morgen findet die Geſamtvorſtandsſitzung ſtatt, an die
ſich am Sonntag die eigentliche Hauptverſammlung
anſchließt.
Der 22. Verbandstag des Verbandes
Deutſcher Beamtenvereine,
der in Karlsruhe ſtattfand, wurde am 6. Juni abends
mit einer zwangloſen Zuſammenkunft in der Feſthalle er=
Effnet. Am 7. Juni hielten die verſchiedenen
Organi=
ſationen des Verbandes, nämlich die Spar= und
Dar=
lehnskaſſe, die Deutſche Beamten=
Lebensverſicherungs=
anſtalt, die Feuer= und Einbruchsdiebſtahls=
Verſicherungs=
anſtalt und der Reviſionsverband der Baugenoſſenſchaften
ihre ordentlichen Hauptverſammlungen im Rathaus der
Reſidenz ab. Dem Verband gehören 288 Vereine mit
rund 250000 Mitgliedern an, welch letztere durch 190
Dele=
gierte und 196 bevollmächtigte Mitglieder vertreten ſind.
Zu Ehren des Verbandes hatte die Stadt im großen
Saale der Feſthalle am Freitag abend ein Bankett
veranſtaltet, dem auch die Miniſter von Bodmann, Böhm
und Dr. Rheinbold, der preußiſche Geſandte von
Eiſen=
decher, ſowie die Stadträte mit Bürgermeiſter Siegriſt
an der Spitze beiwohnten. Der große Saal war mit
Delegierten dicht gefüllt. Die Begrüßungsanſprache hielt
Reichstagsabgeordneter Stadtrat Kölſch, deſſen Rede in
ein Hoch auf den Kaiſer und den Großherzog ausklang.
Finanzrat Zimmermann begrüßte die Gäfte als erſter
Vorſitzender des Arbeitsausſchuſſes, worauf der
Ver=
bandsvorſitzende Direktor im Reichsamt des Innern Juſt
in herzlichen Worten dankte. Sein Hoch galt dem Lande
Baden.
* Wien, 7. Juni. Heute vormittag fand die
feier=
liche Eröffnung der Tagung des Deutſchen
Werkbundes durch Miniſter Trnka ſtatt. Als
Ver=
treter des deutſchen Botſchafters war Legationsrat von
Bethmann=Hollweg zugegen, ferner waren die Spitzen der
Behörden erſchienen. Die hervorragendſten Architelten
und Raumkünſtler Deutſchlands nahmen an der
Tag=
ung teil.
Der Beſuch des bulgariſchen Königspaares.
* Grunewald, 7. Juni. Der Kaiſer und das
bulgariſche Königspaar mit ihren Söhnen
wohnten heute nachmittag den Rennen bei. Ferner
wa=
ren anweſend die Kronprinzeſſin und die Prinzeſſin
Vil=
toria Luiſe, Prinz und Prinzeſſin Eitel Friedrich,
Prin=
zeſſin Friedrich Leopold mit Tochter und Söhnen, die
Prinzen Auguſt Wilhelm, Oskar und Joachim, der
Kron=
prinz von Griechenland, der Erbprinz von Hohenzollern,
die Botſchafter von Oeſterreich=Ungarn, Italien, Spanien
und der Türkei. Die Kronprinzeſſin überreichte den
ſiegenden Reitern die Ehrenpreiſe.
* Neues Palais bei Potsdam, 7. Juni. Heute
abend fand im Marmorſaale Galatafel ſtatt. Der
Kaiſer führte die Königin der Bulgaren, der König
die Kronprinzeſſin, der Kronprinz von Bulgarien die
Prinzeſſin Eitel Friedrich, Prinz Kyrill von Bulgarien
die Prinzeſſin Viktoria Luiſe, Prinz Eitel Friedrich die
Prinzeſſin Friedrich Leopold und Prinz Auguſt Wilhelm
die Prinzeſſin Viktoria Margarethe. Der Kaiſer ſaß
zwi=
ſchen dem König und der Königin; gegenüber dem
Kai=
ſer ſaß der Reichskanzler, rechts von dieſem folgten
zu=
zunächſt Miniſterpräſident Geſchow, Oberſtkämmerer Fürſt
zu Salms=Baruth, Generalmajor Markew, Generaloberſt
von Keſſel, General der Infanterie v. Bülow,
Staats=
miniſter Dr. Delbrück und folgende links: Geſandter
Ge=
ſchow, Generalfeldmarſchall Frhr. von der Goltz, General
major Draganow, General der Infanterie von Moltke,
General der Kavallerie von Scholl, Staatsminiſter Dr
Beſeler, General der Infanterie von Löwenfeld und
fol=
gende. Unter den Geladenen bemerkte man u. a. noch
Frau von Bethmann Hollweg, Großadmiral von Tirpitz,
Staatsſekretär von Kiderlen=Wächter, den Geſandten von
Below=Saleske, den Geſandten von Romberg,
Oberprä=
ſident von Conrad, den Vizepräſidenten des
Abgeord=
netenhauſes Dr. Krauſe, den Oberbürgermeiſter von
Potsdam Vosberg, den Geſandten von Stumm und den
Geſandten von Roſen.
* Neues Palais bei Potsdam, 7. Juni. Bei
der Galatafel zu Ehren des bulgariſchen
Königs=
paares brachte der Kaiſer folgenden Trinkſpruch aus:
Eure Majeſtäten wollen mir geſtatten, der lebhaften
Freude Ausdruck zu geben, die die Kaiſerin und ich über
den Beſuch Eurer königlichen Majeſtäten und königlichen
Hoheiten des Kronprinzen und des Prinzen Kyrill an
meinem Hofe empfinden. Wir heißen Eure Majeſtäten
und königlichen Hoheiten in unſerer Mitte von Herzen
willkommen. Es iſt das erſtemal, daß Eure Majeſtät
als Zar der Bulgaren bei uns erſcheinen, und ich darf in
Eurer Majeſtät Beſuch ein neues Unterpfand
der freundſchaftlichen Beziehungen er
blicken, die zwiſchen unſeren Häuſern und Staaten bereits
beſtanden haben. Eure Majeſtät ſind in Deutſchland kein
Fremder, und um die Bande, die Eure Majeſtät mit Ihrer
Stammesheimat verknüpfen, noch enger zu geſtalten, iſt
es mir eine beſondere Freude geweſen, Eure Majeſtät an
die Spitze eines meiner thüringiſchen Regimenter zu
ſtel=
len. Mit aufrichtiger Anteilnahme wird in Deutſchland
das ſegensreiche Lebenswerk verfolgt, dem Eure Majeſtät
während der nunmehr bald 25jährigen Regierungszeit
Ihre beſten Kräfte gewidmet und durch das das raſtlos
emporſtrebende Bulgarenvolk zu einem wichtigen
Fak=
tor des Friedens und des kulturellen Fortſchritts
geworden iſt. Daß es Eurer Majeſtät vergönnt ſein
möge, noch lange in der gleichen ſegensreichen Weiſe
Ihrem Lande und dem Frieden zu dienen, iſt mein
auf=
richtiger Wunſch und ich gebe ihm Ausdruck, indem ich
meint Glas leere zum Wohle Eurer Majeſtäten und der
ganzen bulgariſchen Königsfamilie.
Der König der Bulgaren antwortete ebenfalls
in deutſcher Sprache: Der ebenſo glänzende als herzliche
Empfang, der uns hier zuteil wurde und der aufrichtige
Willkommengruß, mit dem Eure kaiſerliche und königliche
Majeſtät uns erfreuten, haben mich lebhaft gerührt und
ich halte es vor allem für meine Pflicht, in meinem und
im Namen Ihrer Majeſtät der Königin und meiner
Söhne den herzlichſten Dank dafür auszuſprechen. Ich bin
glücklich, zu vernehmen, daß mein erſter Beſuch hier als
unabhängiger Monarch ein neues Unterpfand
ſei für die bereits beſtehenden freundſchaftlichen
Beziehungen zwiſchen unſeren Häuſern
und Staaten und kann Eure Majeſtät verſichern, daß
die Pflege dieſer Beziehungen meinen aufrichtigſten
Wünſchen entſpricht. Die unvergleichliche Armee Eurer
Majeſtät hat ſtets für mein Heer vorbildlich gewirkt,
des=
halb erfüllt mich die Verleihung eines Eurer Majeſtät
Thüringiſchen Regimenter, nämlich 4. Nr. 72 mit
beſon=
derer Freude und Stolz, und ich bitte Eure Majeſtät, den
Ausdruck meiner innigen Erkenntlichkeit für dieſe ſowohl
für mich, wie für meine Armee ſo ſchmeichelhafte hohe
Auszeichnung entgegennehmen zu wollen. Eure Majeſtät
hatten die Güte, mich der aufrichtigen Anteilnahme zu
verſichern, mit der Deutſchland mein Lebenswerk, dem ich
meine ganzen Kräfte gewidmet habe, ſowie den kulturellen
Fortſchritt verfolgt hat, welchen Bulgarien während
mei=
ner 25jährigen Regierung erreichte. Ich und das
bul=
gariſche Volk ſchätzen hoch dieſe Beweiſe der Sympathie
eines Landes, dem ein großer Teil unſerer Jugend jene
Bildung verdankt, welche in ſo hohem Maße den
fort=
ſchrittlichen Aufſchwung Bulgariens zum Segen gereicht
hat. Indem ich Eurer Majeſtät meinen warmen Dank
ſage für die mich ſo ſehr beglückenden Wünſche, daß es
mir vergönnt ſein möge, noch lange meinem Lande und
Frieden dienen zu können. Ich leere mein Glas zum
Wohle Eurer Majeſtät und der ganzen kaiſerlichen
Fa=
milie.
* Neues Palais, 8. Juni. Um 9,45 Uhr nahm
das Offizierkorps des 72. Infanterie=
Regi=
ments auf dem Sandhof Aufſtellung. Der König
der Bulgaren in der Uniform des ihm vom Kaiſer
verliehenen Regiments erſchien mit dem Kaiſer. Der
König nahm die Vorſtellung der Herren entgegen und
dankte darauf dem Kaiſer nochmals für die Ehre, zum
Regimentschef ernannt zu ſein. Auch an das
Offizier=
korps richtete der König eine Anſprache.
Der deutſche Flottenbeſuch in Amerika.
* New=York, 7. Juni. Die Blätter in allen
Landesteilen widmen dem deutſchen
Beſuchs=
geſchwader herzliche Leitartikel. Der Philadelphia
Leeger führt aus, die Bewillkommnung des deutſchen
Ge=
ſchwaders ſei ein Beweis für den guten Willen Amerikas
gegen Deutſchland und für die Bewunderung der
wun=
derbaren Errungenſchaften Deutſchlands auf allen
Gehie=
ten. Der Waſhington Star erklärt, der Beſuch verſtärke
das herzliche deutſch=amerikaniſche Einvernehmen und die
Pittsburg Poſt meint, daß keine fremde Flotte je
herz=
licher begrüßt worden iſt. Deutſchland und Amerika ſeien
die beſten Freunde und es beſtehe keine Möglichkeit eines
Bruches dieſer Beziehungen.
* Waſhington, 7. Juni. In Begleitung
zahl=
reicher amerikaniſcher Marineoffiziere beſuchten die
deutſchen Marineoffiziere heute Mount
Ver=
nen in Virginien, ein Familienſitz und die Grabſtätte
George Waſhingtons und legten einen Kranz am Grabe
des Präſidenten nieder. Bei der Rückfahrt mit der
„Mayflower” gab Staatsſekretär der Marine Meyer ein
Gabelfrühſtück.
* Waſhington, 7. Juni. Bei dem geſtrigen
Bankett toaſtete der Staatsſekretär der Marine auf
den deutſchen Kaiſer und den Präſidenten Taft.
Konter=
admiral von Rebeur=Paſchwitz dankte in ſeiner
Erwi=
derung für die freundliche Aufnahme, die das deutſche
Geſchwader gefunden habe.
* Waſhington, 8. Juni. Geſtern fand an Bord
der „Mayflower” eine vom Staatsſekretär der Marine
Meyer veranſtaltete muſikaliſche
Unterhal=
tung mit Tanz ſtatt, an die ſich ein Frühſtück
an=
ſchloß. Hieran nahmen u. a. Konteradmiral von Rebru=
Paſchwitz, der deutſche Botſchafter, Kriegsſekretär
Stim=
ſens und der Generalpoſtmeiſter teil. v. Rebeur=
Paſch=
witz hielt eine Anſprache, in der er die ame
rika=
niſche Gaſtfreundſchaft feierte. Staatsſekretär
Meyer erwiderte, die amerikaniſche Flotte ſei ſtolz
dar=
auf, die Deutſchen begrüßen zu dürfen, in Erwiderung
der von ihnen den Amerikanern in Kiel erwieſenen
Gaſt=
freundſchaft. Er hoffe, daß die deutſchen Offiziere die
Reiſe ebenſo genußreich finden werden, wie die
Ameri=
kaner die ihrige im verfloſſenen Sommer. Er gratuliere
den Deutſchen zu dem glänzenden Werk der
Flottenbau=
kunſt, des „Moltke‟ Redner ſchloß mit einem Hoch auf
den deutſchen Kaiſer. — Die deutſchen
Marine=
offiziere reiſten geſtern abend nach Hampton und
Newport=News zurück. 500 Offiziere und Mannſchaften
der deutſchen Kriegsſchiffe beſichtigten die Schiffswerſt
von Newvort=News, insbeſondere das neulich vom
Sta=
pel gelaufene Kriegsſchiff „Texas”. Später begaben ſie
ſich nach Buckrosbeach, wo ſie den Nachmittag zubringen
werden.
New=York, 8. Juni. Das deutſche=
Ge=
ſchwader trat heute die Fahrt nach New=York an,
wo=
die Offiziere und Mannſchaften als Gäſte der Stadt eine
Reihe glänzender Feſtlichkeiten und Veranſtaltungen
er=
wartet. Die Schlachtſchiffe „Louiſiana”, „Kanſas”,
„South Carolina” und „New=Hmapſhire” eskortierten
die deutſchen Schiffe bis New=York.
Das Attentat auf den Grafen Tisza=
* Peſt, 7. Juni. Der Abgeordnete
JuliusKo=
vacs iſt nicht tot. Er wurde vom Abgeordnetenhaus
ins Sanatorium gebracht. Als Kovacs geſchoſſen hatte
und einige Abgeordnete den Schwerverwundeten umring=, wurde von der Journaliſtengalerie den
Mitglieder=
der Mehrheit, die Kovacs mißhandelten,
zugerufener=
ſei doch ſchon tot. Als ſie bemerkten, daß er blute,
ließen=
ſie von ihm ab und überſchütteten die Berichterſtätler
mit Vorwürfen, weil ſie Kovacs eingelaſſen hätten Die
Gemahlin des Grafen Tisza war im
Saalezu=
gegen, als der Anſchlag erfolgte. Sie befand ſich auf der
Galerie gerade gegenüber dem Präſidentenſitz. Als ſie
die Schüſſe hörte, erhob ſie ſich leichenblaß von ihrem
Sitze und brach dann mit lautem Schluchzen zuſammen.
Tisza winkte ihr mit einer breiten Handbewegung, daß
er unverſehrt geblieben ſei. Kovacs wurde
bewußt=
los in ein Krankenhaus gebracht. Die Kugel war aus
dem neunmillimeterkalibrigen Bulldogrevolver in die
rechte Schläfe gedrungen und am Naſenbein ſtecken
ge=
blieben. Das Stirnbein iſt ganz zertrümmert. Kurz nach
12 Uhr kam Kovacs wieder zum Bewußtſein und fragte,
ob Tisza lebe. Die bejahende Antwort ſchien ihn zu
erleichtern. Nach der Meinung von Fachleuten war es
ein Glück, daß Kovacs einen wenig durchſchlagsfähigen
Revolver verwandte, da die Kugeln in einer dünnen
Holzwand ſtecken blieben. Hätte er eine ſtärkere Waffe
benützt und wären die Kugeln durchgedrungen, ſo hätten
ſie Tisza in der Bauchgegend oder im beſten Falle am
Fuß unbedingt verletzt.
Der Unterſuchungsrichter nahm heute
nach=
mittag im Sitzungsſaale des Parlaments eine
Beſich=
tigung vor. Es wurde feſtgeſtellt, daß Kovacs nur vier
Schüſſe abgab, drei gegen Tisza, einen gegen ſich ſelbſt.
Da auch ein fünfter Schuß gehört worden war, ſuchte
man nach Kugelſpuren und fand im Sitz des
Abgeotd=
neten Rath eine Kugel, die nicht aus Kovacs Revolver
ſtammte. Es wurde eine Unterſuchung eingeleitet, um
feſtzuſtellen, wer geſchoſſen hat. Der Zuſtand Kovacs hat
ſich etwas gebeſſert. Die Kugel wurde entfernt. Nur ein
Splitter iſt drinnen geblieben. Wenn dieſer Splitter die
Wunde nicht infiziert und keine Stirnhautentzündung
eintritt, kann Kovacs gerettet werden. Er wurde
fürver=
haftet erklärt. Kovacs ließ Juſth und Koſſuth um
Ent=
ſchuldigung bitten, daß er ſich von ſeinen Leidenſchaften
abe hinreißen laſſen, und drückte ſeine Freude darüber
aus, daß er Tisza nicht getroffen habe.
* Peſt, 8. Juni. Anläßlich des mißglückten
Atten=
tats ſandte der Kaiſer dem Präſidenten Tisza ein
herzlich abgefaßtes Glückwunſchtelegramm.
Die Exploſion bei Wiener=Neuſtadt.
* Wien, 7. Juni. Nach Mitteilung des
Kriegs=
miniſteriums ſind bei der Exploſion im
Pulver=
magazin von Wöhllarsdorf 10 Perſonen
getötet worden und zwar der Militärbeamte, welcher
beim Pulververladen die Aufſicht hatte, ein Einjähriger,
zwei Militärchauffeure und ſechs Arbeiter. Die Anzahl
der Verletzten konnte bisher nicht feſtgeſtellt werden. Die
Verletzungen ſind faſt durchweg leichter Natur, meiſt
Schnittwunden durch Glasſcherben und Nervenſchocks. Von
zwei in der Nähe des Magazins übenden Kompagnien
und einer Batterie wurden einige Soldaten und= Pferde
von herumfliegenden Steinen leicht verletzt. Ein
Haupt=
mann ſtürzte mit dem Pferde und brach ein Bein. Die
Nachricht, daß die Mauer einer Volksſchule eingeſtürzt ſei
und Kinder verletzt wurden, iſt unrichtig, ebenſo wie die
Nachricht, daß im Magazin Dynamit aufbewahrt worden
ſei. Ferner wird berichtet: Nachmittags begab ſich der
Nummer 134.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Juni 1912.
Seite 7.
Kriegsminiſter und ſpäter auch der Erzherzog=Thronfolger
Franz Ferdinand nach Wiener=Neuſtadt, wo ſie ſich nach
den in den Krankenhäuſern liegenden Verletzten
erkundig=
ten und dann die Unglücksſtelle beſichtigten. Dieſe iſt in
weitem Umkreiſe abgeſperrt, da man noch nicht explodierte
Geſchoſſe, nach denen Militärkommandos ſuchen, unter
den zahlloſen Trümmern vermutet. Nach neueren
Mel=
dungen ſind nicht 200 000, ſondern etwa 100000 Kilogramm
gewöhnliches Schießpulver explodiert.
Der durch die Exploſion angerichtete Schaden iſt
ſehr groß. Auf dem Flugfelde, welches unmittelbar
an das dem Erdboden gleichgemachte Pulvermagazin
an=
ſtößt, ſind mehrere Hangars beſchädigt worden; auch
einige Flugmaſchinen ſollen gelitten haben. Sehr arg
mit=
genommen iſt der Kaiſerpavillon, wo ſämtliche Türen und
Fenſter eingedrückt ſind und die Kaiſerbüſte zertrümmert
wurde. In Wiener=Neuſtadt iſt die Artilleriekaſerne zum
Teil abgedeckt und ſämtliche Fenſterſcheiben zertrümmert
worden. Aehnlich erging es der Militärakademie. Unter
den Reiſenden des Wiener Schnellzuges, welcher um 8.19
Uhr vormittags gerade ein Viadukt unweit Wöllersdorf
paſſierte, brach eine Panik aus, da Fenſterſcheiben
einge=
drückt und durch Glasſplitter etwa 20 Reiſende im Geſicht
verletzt wurden. Auch im Bahnhof Wiener=Neuſtadt
er=
litten einige Perſonen Verletzungen. In den Vororten
Baden und Mödling wurden ebenfalls Fenſter aufgeriſſen
und zertrümmert. In Baden fielen infolge von der
De=
tonation von der Kirche, dem Theater und dem Kurhaus
Mauerſtücke herab. Im ganzen wird die Anzahl der durch
die Exploſion verletzten Militär= und Zivilperſonen auf
etwa 200 geſchätzt. Die Verletzungen ſind meiſt leichter
Natur. Für die vom Unglück Betroffenen iſt in Wiener=
Neuſtadt eine Hilfsaktion eingeſtellt worden.
* Wiener=Neuſtadt, 8. Juni. Ueber die
Ur=
ſache der Exploſion im Pulvermagazin von
Wöl=
lersdorf wird feſtgeſtellt, daß ſie nicht in einer
Motor=
exploſion eines Laſtautomobils zu ſuchen iſt, ſondern im
Gebäude ſelbſt aus unbekannter Urſache Feuer
ausge=
brochen iſt. Der Zuſtand der Schwerverletzten iſt
befrie=
digend. Die Nachricht vom Tode des Einjährigen
Hoſ=
mann iſt unrichtig. Hofmann befindet ſich
ſchwerverwun=
det im Lazarett.
Untergang eines franzöſiſchen Unterſeebootes.
* Cherbourg, 8. Juni. Das Unterſeeboot
„Vendémiaire” iſt mit dem Kreuzer
„St. Louis” zuſammengeſtoßen und von
die=
ſem entzweigeſchnitten worden. Das Unterſeeboot
ſank und liegt 50 Meter tief auf dem
Meeres=
grunde.
* Paris, 8. Juni. Während des Miniſterrats, der
unter Vorſitz des Präſidenten der Republik ſtattfand
wurde die Kataſtrophe des Unterſeebootes
„Vendémiaire” bekannt. Wie der Marinepräfekt
von Cherbourg telegraphiert, befanden ſich ein
See=
leutnant, ein Seefähnrich und 20 Mann an
Bord.
* Cherbourg, 8. Juni. Zum Untergang
des Unterſeebootes „Vendémiaire” werden
folgende Einzelheiten gemeldet: Gegen 3,60 Uhr morgens
war das Wetter ſehr ſchön. Das dritte Geſchwader
dampfte in einer Linie fünf Meilen nordweſtlich vom
Cap de la Hague. Nachdem es durch die Unterſeeboote
der Marineſtation Cherbourg angegriffen worden war,
wurde von dem Linienſchiff „St. Louis” ein Periſkop
bemerkt, das dem Panzer ſo nahe war, daß ein
Ueber=
fahren nicht mehr möglich war. Sofort entſtand ein
ſtarkes Aufſchäumen. Nach 10 Minuten werden an der
Meeresoberfläche Trümmer vom Verdeck des
Unterſee=
bootes geſichtet. „St. Louis” verankerte am Orte des
Unterganges ſofort eine Boje. Das Geſchwader verblieb
eine Stunde in der Nähe, ohne etwas zu bemerken. Dann
ſtieg Nebel auf, worauf das Geſchwader nach Cherbourg
dampfte. Der Panzer Marſeillaiſe” und der „
Torpedo=
bootszerſtörer „Gabion” blieben an der Unfallſtelle
zu=
rück. Um 10 Uhr gab der Marinepräfekt bekannt, daß
un=
möglich die Stelle genau anzugeben ſei, da die Boje ab
getrieben ſei. Vorausſichtlich iſt die Hebung des
Fahr=
zeuges unmöglich.
* Cherbourg, 9. Juni. Marineminiſter
Del=
raſſé iſt hier vergangene Nacht eingetroffen und begab
ſich am Vormittag zur Unglücksſtätte.
* Cherbourg, 9. Juni. Marineminiſter
Del=
caſſé begab ſich heute morgen an Bord des
Panzer=
kreuzers „Gloire” zur Unglücksſtätte. Den
untergegan=
genen Seeleuten wurden unter allgemeiner Bewegung
die letzten Ehren erwieſen. Nach dem Fahnenſalut
ertönte die Marſeillaiſe” dann folgten Kanonenſchüſſe.
Nach einem kurzen Beſuch an Bord des „Saint Louis”
begab ſich Delcaſſé an Land zurück, wo er die Station der
Unterſeeboote beſuchte. Mittags reiſte er nach Paris
zurück. Der zweite Offizier des „Saint Louis”
ver=
ſicherte, er habe im Augenblick des Zuſammenſtoßes
ge=
nau geſehen, wie der „Vendémiaire” in zwei Teile
zer=
ſchnitten worden ſei. Die Beſatzung müſſe augenblicklich
den Tod gefunden haben.
* Paris, 9. Juni. Aus Breſt wird gemeldet: Der
Befehlshaber des „Saint Louis” hatte vor der Abfahrt
nach Cherbourg zu einem Freunde geſagt: Die
Uebungen, welche wir vorhaben, ſind überaus
ge=
fahrvoll. Ich werde die Kommandobrücke nicht
einen Augenblick verlaſſen, ſo ſehr fürchte ich eine
Kata=
ſtrophe. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Panzer
„Saint Louis” den Vendémiaire”
entzweige=
riſſen hat. Das ſofort nach dem Zuſammenſtoß
wahr=
genommene Brodeln und Aufſchäumen, welches an zehn
Minuten dauerte, wurde von den aus dem Riß des
Unter=
ſeebootes herausdringenden Luftmaſſen verurſacht, die in
großen Blaſen an die Meeresoberfläche gelangten. Einige
Sekunden ſpäter breiteten ſich auf der Waſſeroberfläche
fettige Lachen aus, welche von den geborſtenen Oel= und
Petroleumreſervoirs herrühren.
Der engliſche Transportarbeiterſtreik.
* London, 7. Juni. Eine Verſammlung der
Transportarbeiter hat den nationalen
Streik vorbereitet, doch werden die Arbeiter vor
Mon=
tag abend oder Dienstag früh keine Aufforderung zur
Einſtellung der Arbeit erhalten. Die Regierung berief
heute früh die Arbeitgeber zu einer Konferenz in das
Unterhaus für 3 Uhr nachmittags, um von neuem die
Vorſchläge zur Einſetzung eines Einigungsamtes
zu prüfen. Einige Arbeitgeber begaben ſich auch am
Nachmittag in das Unterhaus, gaben jedoch nur die
Er=
klärung ab, daß die Angelegenheit, ſoweit ſie die
Arbeit=
igeber betreffe, bis Montag verſchoben werden müſſe.
Ver=
ſtreter des Transportarbeiterverbandes begaben ſich
heut=
machmittag ebenfalls in das Unterhaus.
* London, 8. Juni. Die Mitglieder des
National=
ausſchuſſes des Transportarbeiterverbandes gaben nachts
für ganz England die telegraphiſche Order aus, am
Montag mit dem Nationalſtreik zu
begin=
en, falls die Antwort der Arbeitgeber unbefriedigt ſein
ſollte.
Luftfahrt.
Vier Luftkreuzer über Darmſtadt.
Am Samstag früh gegen ½7 Uhr erſchien plötzlich
in bedeutender Höhe ein Luftkreuzer Zeppelinſchen Typs
über Darmſtadt. Das Luftſchiff kam eim Rhein her, fuhr
eine prachtvolle Schleife über unſé. Stadt und wandte
ſich dann wieder dem Rhein zu. Ta man den Kreuzer
während der Fahrt längere Zeit gut beobachten konnte,
war bald feſtzuſtellen, daß es nicht wie urſprünglich
ver=
mutet, die für uns ſchon zur gewohnten Erſcheinung
ge=
wordene „Schwaben” oder „Viktoria Luiſe” war. Der
Luftkreuzer ſah älter aus und hatte auch keine
Paſſa=
gierkabine. Bald wurde mitgeteilt, daß aus dem
Luft=
ſchiff über Darmſtadt 2 Schüſſe abgegeben und 2 Poſten
ausgeworfen worden ſeien. Auch das war man von der
„Schwaben” nicht gewohnt. Vermutlich ſollten die
Sig=
nalſchüſſe auf die ausgeworfenen Poſten aufmerkſam
machen. Alle telephoniſchen Anfragen blieben zunächſt
er=
folglos. Das Luftſchiff Schütte=Lanz” war
nicht aufgeſtiegen und lag ruhig in ſeiner Halle. „Z. 3
flog auf Borkum zu, „P. 6‟ iſt bekanntlich kaput, „Z. 1"
iſt in ſeiner Halle in Metz und SiemensSchuckert iſt
eben=
falls nicht „unter Dampf‟. Es blieb alſo zunächſt ein
„Geiſterſchiff” denn die Heroldmeldung, daß es die
„Schwaben” auf einer Frühfahrt ſei, war
nachgewieſener=
maßen falſch und Wolff=Bureau wußte von nichts.
End=
lich aus Friedrichshafen ward uns dann die
Kunde, daß es ſich nur um den in Köln ſtationierten
Militär=Zeppelinkreuzer „Z. 2” handeln
könne. Das beſtätigte ſich denn auch. Der „Z. 2” hatte
auf ſeiner nächtlichen Uebungsfahrt zwiſchen 5 und 6 Uhr
Mannheim überflogen und dort die Richtung nach der
Bergſtraße genommen, die ihn auch über Darmſtadt
führte.
Um 38 Uhr paſſierte das Zeppelinſchift
„Schwaben‟ Darmſtadt auf der Fahrt Frankfurt-
Baden=Baden und erregte wie ſtets durch ſeinen ſtattlichen
Flug Jubel und Begeiſterung. Die „Schwaben” ſollte
Samstag früh 4 Uhr eine Höhenfahrt über Frankfurt
unternehmen und um 6,30 Uhr eine Paſſagierfahrt nach
Baden=Baden antreten. Die Höhenfahrt
unter=
blieb aber, dagegen ſtieg die „Schwaben” früh 7,05
Uhr in Frankfurt zur Fahrt nach Baden=Oos
auf und paſſierte gegen 8 Uhr Darmſtadt und um 8,40
Uhr Mannheim in mäßiger Höhe.
* Baden=Oos, 8 Juni. Das Luftſchiff „
Schwa=
ben” iſt hier von ſeiner Fahrt von Frankfurt a. M.
an=
gelangt und um 10,30 Uhr glücklich gelandet.
* Köln, 8. Juni. Das Militärluftſchiff
„Z. 2‟, das nachts zwiſchen 11 und 12 Uhr aufgeſtiegen
war, iſt um 11,15 Uhr hier wieder angekommen. Es fuhr
bis Mannheim und Darmſtadt und landete 11,35 Uhr
glatt vor der Halle.
Das Luftſchiff Schütte Lanz (S. L. I)
ſtattete geſtern (Sonntag) gegen ½8 Uhr unſerer Stadt
ebenfalls einen Beſuch ab. Das Luftſchiff kreuzte in
ſchöner Fahrt über uns und flog dann wieder nach
Mann=
heim zurück. Der S. L. I wär um 5 Uhr früh in
Mann=
heim aufgeſtiegen und über Mainz. Wiesbaden,
Darm=
ſtadt ꝛc. geflogen. Um 10 Uhr erfolate glatt die
Lan=
dung vor der Halle. Das Luftſchiff hatte insgeſamt
260 km zurückgelegt.
Früh ½5 Uhr war Z.? auf der Fahrt nach
Friedrichs=
hafen über Darmſtadt geflogen.
Der „Z. 3"
* Hamburg, 7. Juni. Das Luftſchiff „Z. 3"
iſt nachts 12,45 Uhr nach Friedrichshafen abgegangen.
An Bord des Schiffes befindet ſich Graf Zeppelin, der
gegen Mitternacht in Hamburg eintraf und ſich ſogleich
zum Luftſchiffhafen begab. Das Wetter iſt, nachdem in
den Stunden von 8 bis 11 Uhr ein Gewitter von
außer=
ordentlicher Heftigkeit mit wolkenbruchartigem Regen
niedergegangen war, ruhig geworden. Die Fahrt ſoll
über Frankfurt gehen.
* Wilhelmshaven. 8. Juni. Wie das Wil.
helmshavener Tageblatt mitteilt, iſt das Luftſchiff
„Z. 3‟ heute morgen 3,15 Uhr über Wilhelmshaven
hin=
weggeflogen.
* Emden, 8. Juni. Das Luftſchiff „Z. 3” iſt heute
morgen 5,30 Uhr an der Ems bei Pewſum im Landkreis
Emden geſichtet worden. Es ſchien die Richtung auf
Borkum nehmen zu wollen. Man vermutet, daß es
ſich um die 30ſtündige Abnahmefahrt handelt.
Dieſe Vermutung hat ſich ſcheinbar nicht beſtätigt,
denn nach einer ſpäteren Meldung iſt der „Z. 3" nicht
nach Borkum geflogen, ſondern hat ſich wieder
landein=
wärts gewandt.
* Frankfurt, 8. Juni. Das Luftſchiff „Z. 3"
erſchien um 3,10 Uhr über der Stadt. Es umkreiſte
mehrere Male den Luftſchiffhafen am Rebſtock und
lan=
dete um 3,40 Uhr glatt vor der Halle, in die es ſofort
verbracht wurde. An der heutigen Fahrt hatten die
Herren Graf Zeppelin. Oberingenieur Dürr, Dr.
Eckener und Kapitän Gloud teilgenommen. Ueber die
Weiterfahrt verlautet vorläufig nichts.
Frankfurt a. M., 9. Inni. Das Luftſchiff
„2 3‟ iſt heute früh um 4 Uhr 19 Min. zur Weiterfahrt
aufgeſtiegen. An Bord befanden ſich Graf Zeppelin
und ſein Neffe, ferner Dr. Eckener, Oberingenieur Dürr
und die zum Schiff gehörigen Kapitäne. Von dem
Flua=
platz aus wandte ſich das Luftſchiff über den Römerho”
links über den Main nach der Richtung auf Darmſtadt.
Die Fahrt ging direkt nach Friedrichshafen durch
Württemberg.
Fernflug Berlin-Wien.
* Johannisthal, 9. Juni. Zu dem vom
Reichs=
flugverein gemeinſam mit dem öſterreichiſchen Aeroklub
veranſtalteten Fernflug Berlin-Wien ſtartete
heute früh als erſter 4 Uhr 22 Min. Robert Thelen auf
Albatros=Zweidecker mit dem Leutnant zur See Schiller
als Paſſagier, als zweiter ſtieg um 4 Uhr 24 Min.
Hel=
muth Hirth auf Rumpler=Eindecker mit Leutnant Schöller
als Paſſagier auf. In den frühen Morgenſtunden herrſchte
ſehr nebeliges Wetter, das den Abflug verzögerte.
* Johannisthal, 9. Juni. Zu dem
Fern=
flug Berlin-Wien ſind im Laufe des Vormittags
bisher ſechs Flieger mit je einem Paſſagier geſtartet. Als
erſter ſtartete Thelen mit Leutnant zur See Schiller
um 4 Uhr 22 Min., als zweiter Hirth mit Leutnant
Schöller um 4.25 Uhr, ſodann Stanger mit
Schiffs=
leutnant Woſicſek um 5.56 Uhr, Czakay mit
Oberleut=
nant Niezner um 6.02 Uhr, Ber gmann mit Leutnant
Schinzl um 6.26 Uhr, Bier mit Leutnant Steffen um
8.12 Uhr, Leutnant von Thüna, der um 3.52 Uhr
ſtar=
tete, ſtürzte heim Anfahren und gab den Start vorläufig
auf. Thelen ging gegen 5 Uhr zwiſchen Altglienicke und
Grünau nieder, ſtieg wieder auf und wurde um 6.40 Uhr
bei Colpin, öſtlich von Sporkow, geſichtet. Hirth landete
um 7.45 Uhr glatt bei Dobern im Kreiſe Guben, ſetzte den
Flug fort und landete um 8.50 Uhr in Breslau, wo eine
Zwangszwiſchenlandung vorgeſehen iſt. Czakay landete
um 9.03 Uhr ebenfalls in Breslau.
* Johannisthal, 9. Juni. Oberleutnant Bier,
der kurz nach 8 Uhr von Johannisthal weggeflogen war,
iſt in der Nähe von Groß=Muckrow abgeſtürzt. Sein
Apparat wurde total zertrümmert. Oberleutnant Bier
und Leutnant Steffen erlitten leichte Verletzungen.
Ober=
leutnant Bergmann auf Etrich=Renneindecker iſt um
9 Uhr 52 Min. in Breslau gelandet.
* Johannisthal, 9. Juni. Stanger, der auf
einem Normal=Etrich=Eindecker mit einem 125 Ps.
Daim=
ler=Motor zum Fluge nach Breslau aufgeſtiegen war,
geriet in einen Sturm und wurde abgetrieben. Er
landete in Rohlow bei Hirſchberg auf einer ſumpfigen
Wieſe. Sein Apparat wurde bei der Landung ſtark
be=
ſchädigt. Die Flieger blieben unverletzt; ſie müſſen den
Weiterflug aufgeben.
Um 6 Uhr 16 Min. nachmittags ſtartete Krieger
mit Oberleutnant zur See Bertram als Paſſagier zur
Fahrt nach Breslau.
* Berlin, 9. Juni. Die bei Groß=Muckrow in der
Nähe von Friedland abgeſtürzten Flieger Oberleutnant
Bier und Leutnant Steffen wurden nach Anlegung
von Notverbänden in eine Privatklinik gebracht.
Bier hat eine leichte Kontuſion am linken Bein
davon=
getragen, Steffen erhielt eine bis auf den Knochen gehende
Fleiſchwunde am Kopf, eine leichte Gehirnerſchütterung
und einen leichten Bruch eines Wadenbeins.
Lebens=
gefahr beſteht jedoch nicht.
* Königsberg in Pr., 9. Juni „P. III” iſt unter
Führung des Hauptmann v. Jena heute nachmittag
3 Uhr 20 Min. vor der Luftſchiffhalle glatt gelandet.
* Mourmelon le Grand, 10. Juni. Der
Flieger Kümmerling iſt mit ſeinem Paſſagier Tonnet
in einem Eindecker aus 100 Meter abgeſtürzt. Beide
waren ſofort tot.
* Reims, 9. Juni. Der Flieger Dubreuil
ſtürzte mit ſeinem Paſſagier Viſſeur auf dem
Flug=
platz Betheny aus etwa 60 Meter Höhe nieder. Das
Flugzeug zerſchellte. Viſſeur iſt tot, Dubreuil
ſchwer verletzt.
Darmſtadt, 10. Juni.
Die Poſtkartenwoche der Großherzogin hat
geſtern mit beſtem Erfolg ihren Anfang genommen. Bei
der Eröffnung der Luftpoſt in der Rheinſtraße war
der Andrang ſo ſtark, daß zeitweilig durch die Polizei
abgeſperrt werden mußte. Mittags zwiſchen 11 und 12½
Uhr fanden Maſſenkonzerte ſämtlicher
Militär=
kapellen der Garniſon in der Grafen= und Rheinſtraße
ſtatt. In den Straßen promenierte ein zahlreiches
feſt=
lich gekleidetes und geſtimmtes Publikum.
Die Beſtellungen auf Anſichtspoſtkarten
aus den verſchiedenen Kreiſen mußten um ca. 100000
Stück gekürzt werden, da nur 360 000 Anſichtspoſtkarten
vorrätig waren. Die feſt übernommenen Poſtkarten
werden deshalb bis Mittwoch aus den Verkaufsſtellen
gern zurückgenommen.
C. Die Anti=Duell=Liga veranſtaltete am Sonntag
nachmittag im Fürſtenſaal eine Hauptverſammlung der
vereinigten Ortsgruppen Großherzogtum Heſſen und
Provinz Heſſen=Naſſau, verbunden mit einer
außerordent=
lichen Tagung der deutſchen Liga. Die um 4 Uhr
begin=
nende öffentliche Verſammlung war
nament=
lich von Studierenden der Techniſchen Hochſchule gut
beſucht. Graf zu Erbach=Fürſtenau begründete
die erweiterte Tagung mit den bekannten letzten
Ereig=
niſſen, ſpeziell mit den Verhandlungen des Reichstags
über die Duellfrage. Hierauf ſprach Profeſſor
Kiſſin=
ger=Darmſtadt über „Vaterlandsverteidigung und
Duell”, wobei er von den letzten Reichstagsdebatten
aus=
ging. Die Liga verwerfe das Duell, weil ſie ihr
Vater=
land lieb habe, und ebenſo die geſetzliche Ordnung. Der
Offizier müſſe notwendig Mut haben, brauche dieſen
aber nicht durch das Duell zu beweiſen. Der Zweikampf
ſei durchaus ungeeignet, die verletzte Ehre ſittlich
befrie=
digend wiederherzuſtellen. Dazu komme der ganz unklar
gewordene Begriff der Satisfaktionsfähigkeit. Der
Not=
ſtand des ungenügenden Ehrenſchutzes in unſerer
Geſetz=
gebung rechtfertige den Zweikampf noch lange nicht.
Dem=
gegenüber müſſe der ſtetige Ausbau der Ehrengerichte
angeſtrebt werden. Erfreulich ſei die Beſtimmung, daß
Offiziersaſpiranten über ihre Stellung zum Duell nicht
befragt werden dürfen. Redner bekämpft im weiteren
die Behauptung von der Unentbehrlichkeit des Duells
als Mittel zur Diſziplinförderung im Heere und fordert
eine gründliche Reform der Duellgeſetzgebung, ſowie eine
aufklärende Tätigkeit der Hochſchullehrer. Die Preſſe müſſe
helfen, ja ſelbſt die Kunſt könne geſundend wirken. Dazu
komme endlich die belehrende Tätigkeit des Vaterhauſes.
In der darauffolgenden Diskuſſion ſuchte Herr Stud.
Braun=Darmſtadt den Duellſtandpunkt zu rechtfertigen
und kritiſierte ſcharf die Kampfesweiſe der Anti=Duell=Liga,
der er auch Mangel an Logik vorwarf. Das Duell
ent=
ſpreche einer wohlberechtigten ſittlichen Eigenart des
deut=
ſchen Weſens. Uebrigens befürworte, er durchaus eine
Einſchränkung im Verein mit der Liga. Die Ehrengerichte
bedürften einer gründlichen Reform. Die Heiligkeit des
Duells müſſe aber gewahrt bleiben. Der Vorſitzende
begrüßt es, daß zum erſtenmal in ſeiner Praxis auch
geg=
neriſche Stimmen in einer Verſammlung der Liga laut
geworden ſeien, wäre aber begierig, wie man das Duell
läutern wolle, nachdem der Zwang gefallen ſei. Profeſſor
Kiſſinger begrüßt einzelne Aeußerungen des Herrn
Braun, während er andere bekämpft, wobei er namentlich
den Duellzwang verurteilt. Nach einer Erwiderung des
Herrn Braun ſpricht noch Sanitätsrat Dr. Kolb=
Darmſtadt im Sinne der Liga und der Errichtung eines
Ehrenſchiedsgerichts an hieſiger Hochſchule. Nach weiteren
Ausführungen des Herrn Rechtsanwalts Eſch=Köln wird
die Tagung gegen 6 Uhr geſchloſſen.
Während einer blutigen Schlägerei in der Nähe
der Kaſerne in der Alexanderſtraße erhielt heute Nacht
der Fuhrmann Rühl aus der Gardiſtenſtraße zwei
Re=
volverſchüſſe in den Kopf und wurde lebensgefährlich
ver=
letzt ins Krankenhaus gebracht.
Sport.
Radrennen in Darmſtadt.
C Die am vorigen Sonntag wegen des Regens
aus=
gefallenen Rennen auf der Rennbahn an der Heidelberger
Straße fanden geſtern bei ziemlich gutem Wetter und
glei=
chem Beſuch ſtatt. Die Rennen brachten gute bis
her=
vorragende ſportliche Leiſtungen und waren reich an
ſpannenden Momenten. Einige Stürze der Dauerſahrer
hinter Motorſchrittmachern waren ohne ſchwere Folgen,
doch mußte der letzte Lauf dieſes großen, intereſſanten
Rennens abgebrochen werden, als nach mehrmaligem
Sturz der Fahrer Thiele und Wißmann auch noch
ein Regen einſetzte, der die Bahn gefährlich glättete. Statt
50 wurden nur 38 Runden gefahren. Die Reſultate
der einzelnen Rennen waren folgende:
1. Meiſterſchaft von Heſſen. 1000 Meter
gleich 2 Runden. Offen für Berufsfahrer, die in Heſſen
und Heſſen=Naſſau geboren oder ſeit drei Monaten ihren
Wohnſitz haben. 3 Barpreiſe 25, 15, 10 Mark. Dem
Sie=
ger Lorbeerkranz mit Schleife, ſowie den Titel
Meiſter=
fahrer von Heſſen pro 1912. Verteidiger der Meiſterſchaft:
Joh. Würtz=Mainz. Erſter Jul. Bettinger=
Frank=
furt, zweiter E. Schaumberger=Mainz, dritter Gg. Barth=
Koſtheim (1 Handbreite). Zeit 1,44 Min.
2. Hauptfahren. 2000 Meter gleich 4 Runden.
3 Barpreiſe: 75, 50, 35 Mark. 3 Vorläufe je 1000 Meter
gleich 2 Runden. Die zwei Erſten jedes Vorlaufes
be=
ſtreiten den Endlauf. Erſter Otto Meyer=
Ludwigs=
hafen, zweiter Bettinger, dritter Chr. Müller=Köln.
3. „Preis Straßburg-Darmſtadt‟
Dauer=
fahren in 3 Läufen mit Motorſchrittmachern. Jeder Lauf
wird beſonders gewertet. 1. Lauf 15 Kilometer gleich
30 Runden. 3 Barpreiſe 150,100, 50 Mark. Erſter
Al=
fred Wißmann=Dortmund (Zeit 14,52 Min.), zweiter
Pongs=Krefeld, dritter Paul Thiele=Erfurt. — 2. Lauf
20 Kilometer gleich 40 Runden, 3 Barpreiſe 175, 125, 75
Mark. Erſter Wißmann (Zeit 22,17 Min.), zweiter
Thiele, dritter Pongs, der viele Runden ohne
Schritt=
macher fahren mußte, deſſen Motor ſtreikte. — 3. Lauf
25 Kilometer gleich 50 Runden, 3 Barpreiſe 200, 150, 100
Mark. Erſter Pongs mit 38 Runden, zweiter
Wiß=
mann zirka 30 Runden (geſtürzt), dritter Thiele zirka 26
Runden (geſtürzt).
4. Mehrſitzerfahren 3000 Meter gleich 6
Run=
den. 3 Barpreiſe 60, 40, 20 Mark pro Maſchine. Erſte
Meyer=Bettinger, zweite Aug, Frings=Aachen=
Müller=Köln, dritte Barth=Schaumberger (Zeit 5,42 Min.)
5. Prämienfahren 3000 Meter gleich 6
Run=
den. 3 Barpreiſe 30, 20, 10 Mark, dem Erſten jeder
Runde eine Prämie von 5 Mark. Die Prämien der
5 Runden ſichert ſich Müller=Köln. Erſter
Bet=
tinger, zweiter Barth, dritter Müller.
6. Mannſchafts=Verfolgungsfahren
2000 Meter gleich 4 Runden. Der ſiegenden Mannſchaft
30 Mark. Es ſtarten: 1. Mannſchaft Bettinger=Barth,
2. Mannſchaft Belle=Kradolfer. Sieger werden mit
3,10 Min. Bettinger=Barth.
7. Entſchädigungsfahren 2000 Meter gleich
* Runden. 3 Barpreiſe 20. 15, 10 Mark. Offen für ſolche
Berufsfahrer, die heute nicht über 15 Mark verdient
haben. Erſter Jakob Eſſer=Köln, zweiter
Schmit=
ter=Köln, dritter Joh. Würtz=Mainz.
Fernfahrt des Gau IX des D. R. B. In
dem geſtern ausgefahrenen großen Dauerrennen
Rund um Frankfurt, 236 Kilometer, wurde unter
ſchärfſter Konkurrenz W. Zimmermann=
Darm=
ſtadt (Vel.=Klub) erſter vor Joh. Mehl=Frankfurt.
Zimmermann war mit 8 Mann in der Spitzengruppe
und ſiegte im Endſpurt.
* Paris, 9. Juni. Im Endkampf um die
Welt=
meiſterſchaft im Lawn Tennis ſiegte der
Deutſche Froitzheim gegen den Deutſchen Kreuzer.
Im Endkampf um die Doppel=Weltmeiſterſchaft ſiegten
die Deutſchen Froitzheim und Kreuzer gegen das
wild=
afrikaniſche Paar Kitſen und Winslow. Im Endkampf
um die Damenweltmeiſterſchaft ſiegte die Franzöſin,
Fräulein Broquediſe, gegen die Deutſche Fräulein Rieck.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 8. Juni. Das preußiſche
Abgeord=
netenhaus vertagte ſich bis zum 22. Oktober.
* Metz, 9. Juni. Zur Zeit findet hier die
dies=
jährige Tagung des Verbandes der
Kunſt=
freunde in den Ländern am Rhein ſtatt, die
zahlreich beſucht iſt. Nachdem geſtern abend im Hotel
Terminus ein Begrüßungsbankett ſtattgefunden hatte,
erfolgte heute mittag 12½ Uhr die feierliche Eröffnung
der mit der Verbandstagung verbundenen Ausſtellung,
in der hervorragende Werke aus den ganzen
Verbands=
gebieten vertreten ſind, darunter Elſaß=Lothringen mit
etwa 40 Werken. Heute abend findet während der
Tag=
ung Feuerwerk ſtatt.
* Frankfurt a. M., 9. Juni. Der 19 jährige
Weiß=
binder Joſef Rupp aus Sulzbach in Bayern iſt heute
vormittag als Mörder des Dienſtmädchens Veſter
aus der Königswarter Straße hier verhaftet worden.
Er hat bereits ein umfaſſendes Geſtändnis abgelegt,
beſtreitet aber, den Vorſatz gehabt zu haben, das Mädchen
zu töten.
* Wöllersdorf, 9. Juni. Heute nacht explodierte
aus unbekannter Urſache ein kleines
Pulverabwiege=
lokal mit 1000 Kilogramm Pulver. Es wurde niemand
verletzt.
* Lauban, 8. Juni. Heute vormittag ereignete ſich
in der ſtädtiſchen Gasanſtalt eine Gasexploſion,
bei der 5 Perſonen teils ſchwer, teils leicht verletzt wurden.
Unter den Verletzten befindet ſich auch der Direktor der
Gasanſtalt, Bergner. Die Urſache der Exploſion wird
auf ausſtrömendes Gas zurückgeführt.
* Dresden, 8. Juni. Ueber das Befinden des
Königs wird folgender amtlicher Bericht ausgegeben:
Der König hatte eine ſehr gute Nacht. Er iſt ſchmerzfrei.
An der Quetſchung zeigte ſich keine Entzündung.
* Hamburg, 8. Juni. Heute mittag fand auf dem
Rathausmarkt in Gegenwart der Bürgermeiſter Burchardt
und Schröder, ſowie des kommandierenden Generals von
Plettenberg die feierliche Uebergabe des
Infan=
terie=Regiments Hamburg (2. Hanſeatiſches)
Nr. 76 ſtatt. Die vom Senat verliehenen Fahnenbänder
heftete Bürgermeiſter Dr. Burchardt an. Der
Regiments=
oberſt v. Frankenberg und Ludwigsdorf dankte für das
Geſchenk und ſchloß ſeine Rede mit einem Hoch auf
Ham=
burg.
* Wien, 8. Juni. Heute morgen iſt der König
Nikolaus von Montenegro zum Beſuch des
Kaiſers eingetroffen. Er wurde am Bahnhof
vom Kaiſer, ſämtlichen hier weilenden Erzherzögen und
den Spitzen der Behörden empfangen. In der Hofburg
ſtattete der König dem Kaiſer in deſſen Appartements
einen Beſuch ab, wobei der Kaiſer dem König von der
Ernennung zum Oberſtinhaber des 55. Infanterie=
Regi=
ments Mitteilung machte. Der König beſuchte die
ſämt=
lichen in Wien weilenden Mitglieder des Kaiſerhauſes.
Heute mittag fand ein Frühſtück ſtatt. Abends war im
Schloffe zu Schönbrunn Galadiner zu Ehren des
Königs von Montenegro. Es nahmen daran teil der
Kaiſr, König Riolaus, die Miglieder des Kaſſrhauſes,
die Miniſter des Aeußern, Graf Berchtold und
Grego=
witſch, die Gefolge, der Ehrendienſt und zahlreiche
Würden=
träger. Der Kaiſer brachte einen Trinkſpruch aus,
in dem er den König willkommen hieß und der Hoffnung
Ausdruck gab, daß die Anweſenheit des Königs in Wien
dazu beitragen werde, die Beziehungen guter
Nachbar=
ſchaft und Freundſchaft, die zwiſchen beiden Staaten
be=
ſtehen, noch feſter zu geſtalten. König. Nikolaus
dankte dem Kaiſer für ſeine wohlwollenden Worte und
verſicherte, daß glte ſeine Bemühungen darauf gerichtet
ſeien, die Bandk guter Nachbarſchaft und Freundſchaft
die glücklicherweit zwiſchen der Monarchie und ſeinem
Lande beſtehen, noch feſter zu knüpfen. Die Wohlfahrt
ſeines Landes und die Aufrechterhaltung des Friedens
bilden das höchſte Ziel ſeiner Beſtrebungen. Die beiden
Toaſte wurden in franzöſiſcher Sprache gehalten.
* Agram, 8. Juni. Der kroatiſche Student
Jur=
kicz ſchoß heute auf den im Automobil
vorbeifahren=
den Banus von Kroatien, Baron Kuwai. Der
Banus blieb unverletzt, während ſein Begleiter der
Banalrat Hervoicz verletzt wurde. Der Attentäter wandte
ſich zur Flucht, ſchoß einen ſich ihm entgegenſtellenden
Poliziſten nieder und verwundete einen zweiten.
Schließlich gelang es Gendarmen, ihn feſtzunehmen. Der
von dem Mörder verletzte Banalrat Hervoics iſt ſchwer
verletzt. Sein Zuſtand iſt hoffnungslos. Die Kugel iſt
in die Schädelbaſis eingedrungen und am Hinterkopf
herausgetreten, wobei das Kleingehirn verletzt wurde.
Jurkicz gibt die Tat zu. Er leugnet Mitſchuldige zu
haben und heuchelt Wahnſinn. Eine ſtrenge Unterſuchung
iſt eingeleitet, mehrere Studenten wurden verhaftet.
* Boſton, 8. Juni. In Gegenwart einer glänzenden
Feſtverſammlung und unter Teilnahme der geſamten
Studentenſchaft fand heute vormittag die
Grund=
ſteinlegung für das neue Germaniſche
Mu=
ſeum der Harvard=Univerſität in Cambridge
ſtatt. Die Feier, der auch der frühere amerikaniſche
Botſchafter White beiwohnte, nahm den eindrucksvollſten
Verlauf.
* Belgrad, 8. Juni. Die Regierung brachte in
der Skupſchtina eine Geſetzesvorlage, betreffend die
Bewilligung eines außerordentlichen Kredits von 2½
Millionen Dinars für die Anſchaffung von Reſerven an
Gewehren und Munition, ſowie zur Deckung
außerordent=
licher Ausgaben, ein.
* Sebaſtopol, 8. Juni Heute mittag iſt die
Kaiſer=
familie auf der Jacht „Standard” hier eingetroffen.
Fulda, 8. Juni. Die vor kurzem hier verhafteten
Zigeunerweiber haben eingeſtanden, die Frauen der
Brüder Ebender zu ſein.
Detmold, 8. Juni. Seit heute mittag wütet in
Blomberg, der alten Reſidenz des Grafen zur Lippe,
Großfeuer. Fünf Häuſer ſind dem Feuer bereits zum
Opfer gefallen.
Brieſtaſten.
* Anfrage. Sie würden vielen Intereſſenten
einen Gefallen erweiſen, wenn Sie im Briefkaſten
mittei=
len wollten, ob und wie eine Poſtkarte, die man an ſich
ſelbſt adreſſiert, mit der Luftpoſt befördert wird. Z.
Statt jeder besonderen Anzeige.
Die glückliche Geburt einer
Tochter
zeigen hocherfreut an
Fritz Meywald
Lyzealoberlehrer
Auguste Meywald
geb. van Randenborgh
(12735
Wesel, den 7. Juni 1912.
Unterfertigte erfüllt hiermit die traurige
Pflicht, ihre lieben Bundesbrüder und
Be=
kannten von dem am 7. Juni in Bonn
er=
folgten Ableben ihres lieben i. a. B.
cand. elektr.
Gustur- Raiser
geziemend in Kenntnis zu ſetzen.
(12736
Darmſtadt, Juni 1912.
Die Darmstädter Burschenschaft
„Rheno-Guestfalia‟
J. A.:
Klasing X.
Todes=Anzeige.
Freunden und Bekannten die ſchmerzliche
Mitteilung, daß es Gott dem Allmächtigen
ge=
fallen hat, meine liebe Gattin, meine gute=
Mutter, unſere liebe Tante
(12734
Frau Hargarete Schaick
geb. Draisch
heute vormittag im 45. Lebensjahre zu ſich zu
nehmen.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 8. Juni 1912.
Die Beerdigung findet Montag nachmittag 4 Uhr,
vom Portale des Friedhofs aus, ſtatt.
Danksagung.
Für die vielen Beweise herzlicher
Teilnahme beim Hinscheiden meiner
teuren Gattin sage ich hiermit Allen
im Namen der Hinterbliebenen meinen
innigsten Dank.
(12721
Darmstadt, den 9. Juni 1912.
Paul Kreusel,
Ingenieur.
Nachruf.
Infolge eines Unglücksfalles beim Felddienst verschied heute der
Gefreite Karl Spahr
der Leib-Eskadron Garde-Dragoner-Regiments (1. Grossherzogl. Hess.) Nr. 23.a
Die Eskadron verliert in ihm einen pflichttreuen, tüchtigen Soldaten
und einen guten, allseits beliebten Kameraden.
(12737
Möge er in Frieden ruhen.
Darmstadt, den 8. Juni 1912.
Freiherr von Westerweller, Rittmeister u. Eskadronchef.
Tageskalender.
Volkstümliche chriſtl. Vorträge um 8½ Uhr im
Rhein. Miſſionszelt an der Lindenhofſtraße. —
Bibel=
ſtunde um 4 Uhr daſelbſt.
Konzerte: Bürgerkeller um 8 Uhr. — Reſt. „Metropol”
um 8 Uhr. — „Perkeo” um 8 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 11. Juni.
Manufakturwaren= uſw. Verſteigerung um
9 Uhr Kirchſtraße 4.
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Emilgarten.
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Großh. Marienhöhe.
Verkehrs=Verein: öffentliches Verkehrsbureau
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Straßenbahn). Auskünfte jeder Art=
Gewerbe=Bibliothel u.
Vorbilderſamm=
lung. Der Leſeſaal iſt geöffnet: an allen
Wochen=
tagen von 8½—12½ u. 3—5½ Uhr (Samstag=Mittag
ausgenommen). — Leſeabende: Dienstags und
Frei=
tags, abends von 8—10 Uhr.
Hochzeitsturm. Turmzimmer und
Ausſtellungs=
räume, täglich geöffnet von 9—12 und 3—6 Uhr.
Druck und Berlag: z. g. Wilihſte Hoſſuchtmcken.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Nummer 134.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Jnni 1913.
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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Juni 1912.
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Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 2 Boxer (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Ver=
ſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
(12704
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Bekanntmachung,
betreffend Gefährdung der Verkehrsſicherheit auf der Straße
durch Radfahrer.
Es ſind in letzter Zeit mehrfach Klagen darüber geführt worden,
daß die Verkehrsſicherheit in den Straßen durch das Verhalten der
Radfahrer beeinträchtigt werde, Abgeſehen von dem zu ſchnellen
Fahren und dem Fahren ohne Laterne nach Einbruch der Dunkelheit,
ſowie unrichtigem Ausweichen und Ueberholen wurde oftmals
bemerkt, daß auf den Fahrrädern größere Gegenſtände mitgeführt
werden, welche entweder dem Fahrer den freien Ausblick benehmer
oder ihn nötigen, die eine Hand ſtändig zum Feſthalten des
Gegen=
ſtandes zu verwenden. Wenn auch geübte Fahrer im allgemeinen
ihr Rad mit einer Hand zu lenken vermögen, ſo kann an
verkehrs=
reichen Punkten im Innern der Stadt auch der geübteſte Fahrer in
Lagen kommen, in welchen er zum Lenken des Fahrrades beider
Hände bedarf. Iſt ihm in ſolchen Fällen der Gebrauch der einen
Hand durch Feſthalten des Gegenſtandes benommen, ſo iſt ein
Unglücksfall meiſt unvermeidlich. Dies kann ſowohl für den
Rad=
fahrer, als auch für das Publikum um ſo gefährlicher werden, je
größer und ſchwerer die mitgeführten Gegenſtände ſind; auch kann es
für den Radfahrer ſtrafrechtliche Verfolgung wegen fahrläſſiger
Körperverletzung oder Tötung, ſowie bedeutende zivilrechtliche
Schadenserſatzpflichten zur Folge haben.
Wir ſehen uns demgemäß veranlaßt, erneut auf genaues
Einhalten der für den Radfahrverkehr beſtehenden Vorſchriften,
insbeſondere auch in der Hinſicht hinzuweiſen, daß jeder Radfahrer
vie gehörige Vorſicht beim Leiten ſeines Fahrrades beachtet.
Dieſe würde derjenige außer Acht laſſen, der in verkehrsreichen
Straßen größere Gegenſtände, die den freien Ausblick oder den
Gebrauch beider Hände zum Lenken des Fahrrades verhindern, auf
dem Rade mit ſich führt.
Unſere Beamten ſind zu ſcharfer Beaufſichtigung des
Radfahr=
verkehrs und energiſchem Einſchreiten bei Zuwiderhandlungen
an=
gewieſen.
(12687so
Darmſtadt, den 5. Juni 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Bekanntmachung.
Für die am Montag, den 10., Mittwoch, den 12.,
Sams=
tag, den 15. oder Sountag, den 16. Juni ds. Js., gelegentlich
der Poſtkartenwoche und Flugpoſt, auf dem Darmſtädter
Exerzier=
platz ſtattfindenden Veranſtaltungen wird auf Grund des Art. 129b
der Städteordnung folgendes angeordnet:
I.
An vorgenannten Tagen wird der Exerzierplatz (
einſchließ=
lich Anlage weſtlich der früheren Main=Neckarbahn) nebſt
Zu=
gangswegen von 3 Uhr nachmittags ab durch Militär und Polizei
abgeſperrt.
II.
Die Fahrſtraße und der ſüdliche Fußſteig der Allee zwiſchen
dem alten Bahnhofsplatz und der Zugangsſtraße zum neuen
Haupt=
bahnhof wird an den genannten Tagen von 3 Uhr nachmittags
an für den Fußgänger= Fahrrad= und Reiterverkehr geſperrt. Der
Fußgängerverkehr erfolgt ausſchließlich durch die Unterführung
(Rheinſtraße — frühere Main=Neckarbahn) und auf dem nördlichen
Fußſteig der Allee. Unnützes Stehenbleiben der Fußgänger,
ins=
beſondere längs der Abſperrung, iſt unzuläſſig. Der Radfahrer=
und Reiterverkehr wird durch den Griesheimer Weg — Neue
Bahn=
hofſtraße oder Holzhofallee — Eſchollbrücker Straße umgeleitet. Der
durchgehende Fuhrwerksverkehr in der Allee wird durch die Sperre
nicht betroffen, jedoch iſt das Aufſtellen von Fuhrwerken,
Auto=
mobilen uſw. in dem geſperrten Teile der Allee verboten.
III.
Die Halteſtelle der elektriſchen Straßenbahn an der
Feldberg=
ſtraße und die Halteſtelle der Dampfſtraßenbahn am Exerzierplatz
ſind während der Abſperrung aufgehoben.
Die Wagen des Zuges 22a
der Dampfſtraßenbahn nach Griesheim, die ſonſt 6* Uhr an
Exerzierplatz abgehen, werden an der Halteſtelle Stirnweg
aufgeſtellt und gehen von dort aus als beſonderer Zug um 62 Uhr
nach Griesheim.
IV.
Die Kaſſen und Zugänge zum Exerzierplatz befinden ſich
längs des nördlichen Fußſteigs der Allee direkt hinter der
Unter=
führung (Rheinſtraße-Main=Neckarbahn), ſowie an der Zufahrtſtraße
zum neuen Bahnhof und am Train=Depot. Der Zugang zu den
Kaſſen längs des nördlichen Fußſteigs der Allee erfolgt
aus=
ſchließlich durch die Unterführung (Rheinſtraße-Main=Neckarbahn)
und den nördlichen Fußſteig der Allee.
V.
Das Publikum wird dringend aufgefordert, die
vorſtehen=
den Anordnungen, ſowie die Abſperrmaßnahmen des Militärs
auf dem Exerzierplatz ſelbſt bei Ankunft oder Abfahrt von Fliegern
oder dem Nähern des Luftſchiffes, zur Verhütung von
Unglücks=
fällen genau zu befolgen.
Zuwkderhandlungen gegen die Anordnungen werden auf Grund
des Art. 129b der Städteordnung mit Geldſtrafen bis zu 90 Mart
beſtraft.
(12725
Darmſtadt, den 8. Juni 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
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Witwe, Helene Margarethe, geb
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innerhalb zehn Tagen bei dem
unterzeichneten Vormund ſchriftlich
einreichen.
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Verwiegungen können auf der
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Straße und demnächſt auf der
jenigen am Landwehrweg er=
(12716oi
folgen.
Darmſtadt, den 6. Juni 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Jgeger.
In dem Konkurs über den Nach
a) laß der Karl Müller I.
Witwe, geb. Fiſcher, in Ober=
Ramſtadt, iſt Termin zur Be
ſchlußfaſſung über die von dem
Konkursverwalter betätigte
Ver=
äußerung der Immobilien, ſowie
zur Prüfung der nachträglich
an=
gemeldeten Forderungen anbe=
(12727
raumt auf:
Dienstag, 18. Juni 1912,
vormittags 11 Uhr,
vor Großherzoglichem Amtsgericht
Darmſtadt II, Zimmer Nr. 118.
Darmſtadt, 4. Juni 1912.
Großherzogliches Amtsgericht II.
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Beſtellung der Armenärzte.
Die am 1. April ds. Js. in Kraft getretene Einteilung der
Arztbezirke in der ſtädtiſchen Armenpflege bringen wir hiermit zur
öffentlichen Kenntnis.
1. Bezirk, umfaſſend die Pflegebezirke Nrn. 1 bis
einſchließ=
lich 6, wird verſehen durch Herrn Sanitätsrat Dr. Gutenberg,
Waldſtraße 1 wohnhaft.
2. Bezirk, umfaſſend die Pflegebezirke Nrn. 7 bis
einſchließ=
lich 11, 19, 25 bis einſchließlich 27, 31, 32, 33 und 69 wird verſehen
durch Herrn Dr. Schneider, Wenckſtraße 10 wohnhaft. 931.
3. Bezirk, umfaſſend die Pflegebezirke Nrn. 13 bis
einſchließ=
lich 18, 20 bis einſchließlich 24, wird verſehen durch Herrn Dr.
Gö=
ring, Mühlſtraße 64 wohnhaft. 1419.
4. Bezirk, umfaſſend die Pflegebezirke Nrn. 28 bis
einſchließ=
lich 30, 34 bis einſchließlich 37 und 52, wird verſehen durch Herrn
Dr. Langsdorf, Hügelſtraße 11 wohnhaft 1757.
5. Bezirk, umfaſſend die Pflegebezirke Nrn. 38 bis
einſchließ=
lich 44, wird verſehen durch Herrn Dr. Hammer, Beſſunger Straße 3
wohnhaft. 281.
6. Bezirk, umfaſſend die Pflegebezirke Nrn. 45 bis
einſchließ=
lich 51, wird verſehen durch Herrn Dr. Degen, Klappacher Straße 1
wohnhaft. 366.
7. Bezirk, umfaſſend die Pflegebezirke Nrn. 53, 57 bis
ein=
ſchließlich 65, wird verſehen durch Herrn Sanitätsrat Dr. Buchhold,
Viktoriaſtraße 56 wohnhaft. 805.
8. Bezirk, umfaſſend die Pflegebezirke Nrn. 54, 55, 56, 70 bis
72 und 75 einſchließlich, wird verſehen durch Herrn Dr. Bönning,
Mauerſtraße 1 wohnhaft. 2020.
9. Bezirk, umfaſſend die Pflegebezirke Nrn. 66 bis
einſchließ=
lich 68, 73 und 74, ſowie „Neue Ireneſtraße” aus dem Pflegebezirk
Nr. 79 wird verſehen durch Herrn Dr. Schiffer, Hoftheaterplatz 2
wohnhaft. 1403.
10. Bezirk, umfaſſend die Pflegebezirke Nr. 12, 76 bis
ein=
ſchließlich 78, 79 ausſchließlich der „Neuen Ireneſtraße” und 80, wird
verſehen durch Herrn Dr. O. Leydhecker, Heinrichsſtraße 23
wohn=
haft. 1975.
Augenarzt für die Stadtarmen: Herr Sanitätsrat Dr.
(12705
F. Schmidt, Heinrichſtraße 38 wohnhaft.
Darmſtadt, den 31. Mai 1912.
Städtiſches Pflegeamt.
Krapp.
Verſtergerungs=Anzeige.
Die aviſierte Verſteigerung des Warenlagers der
Firma Oppenheimer & Co. — Detail
K Kirchſtraße
beginnt Montag, den 10. dieſes Monats,
vormittags 9 Uhr.
Es kommen zum Ausgebot:
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Herren- und Knaben-Konfektion,
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zieher, dister, Pelerinen, Berufskleidung,
Knaben-=Waschanzüge und =Blusen etc.
Buckskinſtoffe
für Herren= und Knaben=Anzüge.
Damenkoſtüme und Röcke etc. etl. (12645so
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.
Großer Abbruch.
Hauptbahnhof Darmſtadt.
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ziegel, Latten, 10000 Stück gute Bord (Bauholz ca. 600 cbm in
allen Dimenſionen), mehrere Hunderttauſend Backſteine, Sandſteine
und ca. 1000 cbm Bruchſteine, Pflaſterſteine, Bodenbeläge in
Dielen und Schwellen, ſowie ca. 500 Wagen Baulehm.
Näheres auf der Abbruchſtelle. Bemerke noch, daß Waggons
direkt auf den Gleiſen verladen werden können.
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Der Unternehmer:
Adam Krämmer III., Eſchollbrücken.
Policebuch=Aufgebot.
Das auf den Namen des Herrn Konrad Stephan, Darmſtadt,
Herdweg 17, lautende Policebuch Nr. 1488126 iſt nach Anzeige des
Verſicherten in Verluſt geraten. Dies wird mit dem Bemerken
be=
kannt gemacht, daß, falls ein Berechtigter ſich nicht meldet, nach
Ablauf von drei Monaten das genannte Policebuch für kraftlos
erklärt und an Stelle desſelben ein neues Policebuch ausgefertigt wird.
Berlin, den 15. Mai 1912.
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Die Direktion.
Friedrich Wilhelm
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Neue Kurse beginnen Dienstag, den 13. August.
Lehrplan und Aufnahmebedingungen durch
Wilhelm Siedersleben,
staatl. geprüfter Handelslehrer.
Seite 12
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Jani 1912.
Nummer 134.
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14)
Man war langſam dem Strandhotel zugeſchrittenz
Elfriede beteiligte ſich nicht an dem Geſpräch der Herren,
aber mit Wohlgefallen ruhte ihr Auge auf der ſchlanken,
ariſtokratiſchen Erſcheinung und dem edelgeformten Antlitz
des Intendanten.
Der Graf ſtand vielleicht in der erſten Hälfte der
drei=
ßiger Jahre. Sein fein und ſcharfgeſchnittenes Geſicht,
die tiefen, großen Augen, deren klares Blau ſeltſam mit
den dunklen Wimpern und Brauen kontraſtierten, die hohe
blaſſe Stirn zeugten von ernſtem Streben und Denken.
Meiſtens ruhte ein etwas düſterer, ſtrenger Ernſt über den
markanten Zügen, die ſich indeſſen beim Sprechen und
Lächeln wunderbar erhellten. Der Graf war gewiß kein
ſogenannter ſchöner Mann, aber es lag eine ſchlichte, edle
Vornehmheit über ſeinem ganzen Weſen, die ungemein
ſympathiſch berührte.
Graf von Ellerburg, der einige Jahre in Berlin
ge=
lebt, zuerſt als junger Offizier, dann als Privatmann,
hatte zu dem engeren Kreis von Freunden gezählt, welche
Wendeborn um ſich zu verſammeln pflegte. Künſtleriſche
Intereſſen hatten ſie zuſammengeführt. Graf Georg von
Eiendurg wer mſitnſß dochtender ein Rleſer af
Geige und Klavier, beſchäftigte er ſich viel mit
Kompoſitio=
nen. So hatte er auch einige Gedichte Wendeborns
kom=
poniert, wodurch die nähere Bekanntſchaft vermittelt
wor=
den war.
Doktor Wendeborn hatte öfter von dem Grafen
ge=
ſprochen, umſomehr intereſſierte es Elfriede jetzt, dieſen
perſönlich kennen zu lernen.
Bei der Mittagstafel ſaß der Graf neben Elfriede.
Sie kamen bald in ein lebhaftes Geſpräch; beide erkannten
die Gleichſtimmung ihrer Seelen; es war ihnen, als ob ſie
ſich ſchon lange gekannt; wie zwei gute Freunde plauderten
ſie miteinander, ſo daß ſich Doktor Wendeborn faſt ganz
zum Schweigen verurteilt ſah.
Peinlich berührte Elfriede die Anweſenheit Norberts,
der, am unteren Ende der Tafel ſitzend, ſie mit finſteren,
vorwurfsvollen Blicken betrachtete. Seinen Gruß hatte
ſie mit einem leichten Neigen des Hauptes erwidert. Jetzt
machte ſie ſich den Vorwurf, ihm zu kühl und formell
gegenübergetreten zu ſein. Sie las in ſeinen Blicken den
Argwohn, daß ſie um der vornehmen Bekanntſchaft willen
ihn zurückgewieſen haben könnte. Und ſo wenig berechtigt
dieſer Vorwurf auch war, ſo war es Elfriede doch
unan=
genehm, auch nur den Anſchein erweckt zu haben, daß ſie
fähig ſei, ſo zu handeln.
In der anegenden hnerhiltng eit den rſnte
gaß ſie jedoch ſchließlich den peinlichen Eindruck der
aber=
maligen Begegnung mit Norbert. Als man ſich von der
Tafel erhob und der Graf ihr den Arm bot, um ſie auf
die Terraſſe zu führen, wo man den Kaffee nehmen wollte,
da hatte ſie ſogar die Anweſenheit Norberts ganz
ver=
geſſen und achtete nicht einmal auf ſeinen Abſchiedsgruß.
Es war unrecht von ihr; ſie geſtand es ſich ſpäter ſelbſt
ein, aber der Augenblick beherrſchte ſie vollſtändig und noch
nie in ihrem Leben hatte ſie ſich ſo frei, ſo, glücklich
ge=
fühlt, wie in dieſer Stunde des Zuſammenſeins mit dem
Grafen.
Sie ſah ſich verſtanden, jeder Ton, den ſie anſchlug,
klang harmoniſch in ihrer Seele, in ſeinen Worten wieder,
und daß auch er Gefallen an ihr gefunden, das bewieſen
ſeine leuchtenden Augen, ſeine lebhafte Unterhaltung.
Das Geſpräch kam wieder auf das Märchendrama
Wendeborns.
Sie kennen natürlich die Dichtung Ihres Vaters,
gnädiges Fräulein? fragte der Graf.
Ja, ſeit einigen Tagen.
Und — ſind Sie nicht auch entzückt?
Gewiß. Seit langer Zeit hat eine Dichtung nicht
ſolchen tiefen Eindruck auf mich gemacht.
Sehen Sie, ſo iſt es auch mir ergangen. Sie müſſen
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Ich freue mich ſehr darauf. Ich habe nur ein Bedenken
— ob unter meinen Künſtlerinnen eine würdige
Vertrete=
rin der Klytia iſt. Kennen Sie nicht eine junge, aber
be=
gabte Künſtlerin, Herr Doktor? Ich würde ſie gleich
en=
gagieren.
Ich kenne ſchon eine, entgegnete Wendeborn mit
ſin=
nendem und doch ſchelmiſchem Lächeln. Ich fürchte jedoch,
ſie iſt nicht frei.
Ach, wie ſchade!
Elfriede errötete leicht. Sie verſtand das Lächeln und
den verſchmitzten Seitenblick ihres Stiefvaters. Ihr Herz
pochte ungeſtüm — ah, wenn ſie ihre Kraft an dieſer
Auf=
gabe erproben könnte!
Ich kenne die Rolle der Klytia faſt auswendig, warf
ſie befangen ein.
Da müſſen Sie mir dieſelbe einmal deklamieren,
gnä=
diges Fräulein, rief der Graf lebhaft. Denn ich vermute
wohl mit Recht, daß Sie die Auffaſſung Ihres Herrn
Papas wiedergeben, das würde für mich von großem Wert
ſein.
Wollen wir nicht einmal das Stück zuſammen
durch=
nehmen, Herr Doktor?
Sehr gern — vielleicht morgen abend — wenn Sie
uns die Ehre geben wollen, Herr Graf.
Abgemacht! Ich komme.
Als man beim Kaffee auf der Terraſſe ſaß, brachte
der Kellner mehrere Briefe für den Grafen.
Ah, ſehen Sie, Herr Doktor, ſagte der Graf, ein
amt=
liches Schreiben emporhaltend, da ſchickt man mir den
Kontrakt mit. Da können wir das Geſchäft gleich hier
Enie ierer rer enertnete
diges Fräulen entſchuldigen uns wohl eine kurze Zeit?
Natürlich, Herr Graf.
Die beiden Herren entfernten ſich und Elfriede lehnte
ſich in den Korbſeſſel zurück. Ihre Blicke ſchweiften über
den Strand auf das Meer hinaus. In dem weißen
Sande ſpielten die Kinder der Badegäſte, die teils in den
Strandkörben ſaßen, teils ſich auf dem trockenen Sande
gelagert hatten. Das Jauchzen der eifrig ſpielenden
Kleinen miſchte ſich mit dem Rauſchen der Wellen, die ſich
in einiger Entfernung vom Ufer brauſend an einem
ver=
ſteckten Riff brachen und überſtürzten, um dann in
ſchau=
migem Geplätſcher den flachen Strand eine kurze Strecke
zu überfluten und murmelnd zurückzufließen. Einige
Fiſcherboote lavierten auf der ſchwachbewegten See unter
der leichten Briſe; ein großer Dampfer zog ſeine ſtille
Bahn durch das Meer, immer mehr am Horizont
ver=
ſchwindend und einen dunklen Dampfſtreifen hinter ſich
herziehend. Vom wolkenloſen Himmel ſtrahlte die Sonne;
in grünen, goldigen und tiefblauen Reflexen ſchillerte
die See, über der eine Schar Möven pfeilgeſchwind auf
ſilberſchimmernden Fittichen dahinſchoß.
Sonſt herrſchte hier eine traumhafte Stille. Nur
vereinzelte Töne unterbrachen die Ruhe, das Bellen
eines entfernten Hundes, ein kurzes Lachen, der
metalli=
ſche Klang der Kirchenuhr oder der Schrei einer Möve.
Traumhaft wurde es auch Elfriede zu Sinn, ſie ſchloß
die Augen und lehnte das Haupt an die Rückſeite des
Seſſels. Aber ein glückliches Lächeln, gleichſam der
Ab=
glanz der eben verlebten Stunde blieb auf ihrem Antlitz
ruhen und übergoß es mit verklärendem Schein. In
gleichmäßigen, ſanften Atemzügen hob und ſenkte ſich
ihre Bruſt; ihr Herz war mit einem glücklichen, ſehnenden
Ahnen erfüllt, das ihrem ganzen Weſen eine Weichheit
gab, welche ihr in der letzten Zeit fremd geweſen war.
Ein wunſchloſes Sehnen — das traumhafte Ahnen eines
unbekannten Glückes durchdrang ihr ganzes Sein und
erfüllte es mit einem bislang nicht gekannten Glück.
Plötzlich ſchreckte ſie empor. Eine herbe Stimme
tönte an ihr Ohr und es war ihr, als wenn ein düſterer
Schatten ſich zwiſchen ſie und die Sonne drängte.
Sie öffnete die Augen — Ernſt Norbert ſtand vor ihr.
Verzeihen Sie, wenn ich Ihre behagliche Ruhe noch
einmal ſtöre, ſagte er mit ſpöttiſcher Stimme. Aber ich
kann wirklich nicht Abſchied von Ihnen nehmen, ohne
Ihnen geſagt zu haben, daß ich Sie jetzt durchſchaue und
verachte —
Herr Norbert? rief ſie heftig emporfahrend.
Um jenes Mannes, des vornehmen, reichen Freiers
willen haben Sie mich vergeſſen!
Sie wiſſen nicht, was Sie ſprechen, Herr Norbert!
entgegnete ſie gefaßter. Das mag Ihnen zur
Entſchul=
digung dienen.
Zur Entſchuldigung? Er lachte bitter auf. Wollen
Sie leugnen, daß Sie mich vergeſſen haben?
Nicht vergeſſen — aber —
Aber?
Ich habe mich in Ihnen getäuſcht! Das iſt alles.
Doch um eins muß ich Sie erſuchen, den Namen jenes
Herrn nicht mit mir oder mit meinen Gefühlen für Sie
in Verbindung zu bringen.
(Fortſetzung folgt.)
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Juni 1912.
Nummer 134.
Erste Uriztene Postiarttantt
des Post-Luftschiffs .„Schwaben‟
unter Führung der Reichspostflagge
am Mittwoch, den 12. Juni.
Postkartenwoche derGroßherzogin
und Flugpost am Rhein und Main
unter Mitnahme zweier Postsäcke von Frankfurt. Abwerfen
derselben in Offenbach und Aufnahme neuer Post
dort-
selbst, alsdann Weiterfahrt nach Darmstadt, Worms, Mainz
und zurück nach Frankfurt mit gleichzeitiger Post-Auf-
und Abnahme in vorgenannten Städten, zu welchem Zwecke
das Luftschiff „Schwaben” auf hierzu festgesetzten
Plätzen bis auf 50 Meter herabsteigen, die Abgabe der
Post mittels Abwerfen derselben unter Benutzung von
Postfalfschirmen bewerkstelligen wird und gleichzeitig
ver-
mittels eines Postflugseiles die neue Post empfängt, um
sofort wieder aufzusteigen.
Aufstieg, in Frankfurt a. M. 5½ Uhr abends.
Dauer der Fahrt über 3 Stunden.
Preis dieser einzigartigen und hochinteressanten Fahrt
pro Person 300 Mark.
Bei günstiger Witterung wird eine Wiederholung
dieser Postluftfahrt mit dem Postluftschiff „Schwaben‟
am Samstag, den 15. Juni, in der gleichen, oben
aus-
führlich beschriebenen Weise ausgeführt.
Aufstieg in Frankfurt a. M. 5½ Uhr abends. — Dauer der
Fahrt über 3 Stunden.
Preis der zweiten Fahrt pro Person 250 Mark.
Anmeldungen, Fahrkarten und Einzelheiten bei der
Hamburg-Amerika-Linie
Abteilung Luftschiffahrt
Frankfurt a. M., Kaiserstr. 14, Fernspr. I, 3370,
Tel.-Adr. Hapag.
(12728oi
Vertreter in Darmstadt:
Adolph Rady, Zimmerstrasse 1.
Bilanz für 1911
derGemeinnützigen Gartenſtadt=Genoſſenſchaft
zu Darmſtadt (m. b. H.)
A kt iva
ℳ
Paſſiva
ℳ
Grundeigentum .
9782/04) Geſchäftsanteile .
.(26325
Häuſer
Spareinlagen
Abſchreibung.
Reſervefonds.
594180
1173067) Anleihen einſchl. Hypo=
Sparkaſſeguthaben
Rückſtänd. Forderungen 4863/so) theken.
Lieferungskautionen .
Inventar
. ℳ 8.45
8145
Abſchreibung
Kaſſebeſtand .
7104f
527/80
Verluſt . . . . . .
Summe (26919ſ90
Summe (26919/80
Zahl der Mitglieder am 31. Dezember 1910 . .
03
Ausgeſchieden infolge Wegzugs . . . . .
Bleiben 100
Zugang im Jahre 1911 . . . . .
Beſtand am 31. Dezember 1911 . . .
. 102
Die Haftſumme betrug am Schluſſe des Geſchäftsjahres 31500 ℳ
und hat ſich gegen das Vorjahr vermindert um
300 ℳ
Das Geſchäftsguthaben betrug am Schluſſe des
Geſchäfts=
jahres
26325 ℳ
und hat ſich gegen das Vorjahr vermehrt um.
2285 ℳ
Gewinn= und Verluſt=Konto
Soll
Haben
Verluſt aus 1910
733/30) Gewinn aus Grund=
Geſchäftsunkoſten=Konto
ſtücksverkauf
a) Perſönliche . . 285.—
desgl. aus
Hausver=
b) ſachliche . . . 113.51
kauf
c) ſonſtige
20 468171 Zinſen=Konto (Saldo)
66119
Verluſt aus 1910 773.30
Abſchreibung:
abGewinnaus 1911 205.50 527/80
a) auf Inventar .
b) auf Häuſer
Miete=Konto .
Sonſtige Einnahmen . . 12/30
Summe 1202ſo=
Summe 120ſ=
Die Richtigkeit vorſtehender Bilanz nebſt Gewinn= und
Ver=
luſtkonto beſcheinigt
(12709
Darmſtadt den 19. April 1912.
Der Vorſtand
Der Aufſichtsrat
gez. Gretſchel
gez. Kalbhenn
Vorſitzender.
Vorſitzender.
Sede Damfe
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S. je nach Länge der Haare
2 Mk. 2.00, 3.00, 4,50, 6.50
66
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Mk. 6.00, 8.00, 10.00,
12.00 bis 30.00
3
1
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2
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Aktienkapital u. Reserven: 192 Millionen Mark
Für die Reisezeit:
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Feuer- und diebessichere Aufbewahrung von
Wertpapieren u. Wertgegenständen aller Art
Verwaltung von Wertpapierbeständen
— auch Hypotheken
egen
Verzinsung von Bardepositen
(Einlagebücher)
Nähere Auskunft an unseren Schaltern.
Rentenanſtalt a. G. und
Lebensverſicherungs=
bank zu Darmſtadt.
Die diesjährige ordentliche Generalverſammlung findet
Mittwoch, den 26. Juni 1912, nachmittags 5 Uhr, im Hauſe
er Anſtalt, Eliſabethenſtraße Nr. 60, dahier ſtatt.
Zur Teilnahme an dieſer Verſammlung werden die
Mitglieder=
der Anſtalt hiermit eingeladen.
Die in der Satzung vorgeſchriebenen Berechtigungskarten,
ſowie=
der Rechenſchaftsbericht für 1911, ſind vom 20. Juni an hier auf dem
Bureau der Anſtalt, der letztere auch auswärts bei deren Agenten,
nentgeltlich zu haben.
Tagesordnung:
Genehmigung der Jahresrechnung und des Rechnungsabſchluſſes
für 1911, ſowie Entlaſtung des Vorſtandes und des Aufſichtsrats.
Zur Teilnahme an der Generalverſammlung ſind nur berechtigt:
1. volljährige männliche Mitglieder, welche wenigſtens eine
volle Einlage oder deren Betrag in Teileinlagen ſelbſt beſitzen;
2. diejenigen volljährigen männlichen Perſonen, welche für
andere ebenſoviel eingelegt und das Verfügungsrecht darüber
ſich vorbehalten haben, an Stelle jener anderen;
3. geſetzliche oder gerichtlich beſtellte Vertreter von Mitgliedern
mit einer vollen oder dieſer im Betrage gleichkommenden
Teileinlage.
Diejenigen Perſonen, welche nach Ziffer 1 und 2 zur Teilnahme
an der Generalverſammlung berechtigt ſind, können an ſolche Perſonen
Vollmacht erteilen, welche nach den gleichen Beſtimmungen zur
Teil=
nahme berechtigt ſind.
Dieſelbe Befugnis zur Vollmachtserteilung ſteht auch
weib=
lichen Mitgliedern zu.
Die Vollmachten müſſen auf unbedingte und unbeſchränkte
Vertretung lauten.
(12706
Darmſtadt, den 5. Juni 1912.
Der Aufſichtsrat
der Rentenanſtalt a. G. und Lebensverſicherungsbank
P. P.
Viele Jahre litt ich an einer naſſen
Wanderflechte, verſuchte vieles, aber
alles umſonſt, bis ich 1904 in der
Zeitung von Ihrer Rino=Salbe las.
Ich kaufte mir 2 Doſen und die
Flechte iſt ſeitdem verſchwunden.
Ich ſage Ihnen meinen beſten Dank
ſo ſpät, weil ich erſt wiſſen wollte,
ob der Erfolg ein dauernder iſt, was
ich jetzt nach 2 Jahren wohl annehmen
darf.
Em. Marx.
Görlitz, den 14./2. 06.
Dieſe Rino=Salbe wiro mit Erfolg
gegen Beinleiden, Flechten und
Haut=
leiden angewandt und iſt in Doſen à
Mk. 1.15 und Mk. 2.25 in den Apotheken
vorrätig; aber nur echt in
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Schubert 3 Co., Weinböhla=Dresden.
Fälſchungen weiſe man zurück.
Programm
zu dem am Montag, den
10. Juni, von 12—1 Uhr mittags
auf dem Luiſenplatz
ſtatt=
findenden Konzert der Kapelle
des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61.
1. „In die weite Welt” Marſch
von G. Gnauck. 2. Fantaſie aus
der Oper „Carmen” von Gg. Bizet.
3. Eva=Walzer aus „Die moderne
Eva” von Gilbert. 4. Zwei Stücke
aus „Gri Gri” von P. Lincke:
a) „Die kleine Barmaid”; b) „Wenn
im Lenz die Knoſpen”. 5. „Lachende
Liebe‟, Intermezzo v. H. Chriſtiné.
3. „Hurra Zeppelin!”, Marſch von
E. Mav.
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material die besten und haltbarsten Kämme
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Nummer 1345
Darmſtädter Tagblatt, Montgg, den 10. Jnni 1912.
Seite 15.
(VI12707)
das wegen seines Wohigeschmackes, seiner milden, sicheren Wirkung mit Recht
beliebteste Mittel zu Regelung des Stuhlganges und Verhütungvon Verstopfung
für Erwachsene und Kinder sollte in keinem Haushalt fehlen. Von zahlreichen
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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 10. Juni 1912.
Nummer 134,
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§9 154.
Montag, 10. Jnni.
1912.
Luftfahrt.
Das deutſch=öſterreichiſche Flugmatch Berlin-Wien,
1s, günſtiges Wetter vorausgeſetzt, am Sonntag früh drei
hr vom Flugplatz Berlin=Johannisthal aus begann,
ärfte, ſoweit ſich bisher überblicken läßt, von 11 Fliegern
ſtritten werden. Auf die Teilnahme verzichtet
aben von den urſprünglich gemeldeten 19 Fliegern Bruno
lichner (Deutſche Flugzeugwerke=Zweidecker) Frank von
ckelmann (Albatros=Doppeldecker), Eihak (Cihak),
Hof=
kann (Föhn), J. Fleſch (Etrich=Eindecker) Hold (
Etrich=
indecker), J. Suvelack (Aviatik=Eindecker) und Hans
Voll=
töller (Torpedo=Eindecker). Außerdem war noch Albert
Juchſtätter, der am letzten Sonntag in Bremen
verun=
lückte, ausgeſchieden. Für Frank von Eckelmann ſtartet
tobert Thelen (Albatros=Doppeldecker). Es wurden alſo
m Start erwartet: 1. Julius Bergmann=Oeſterreich,
sſeud., Etrich=Renneindecker, Startnummer I, 2.
Ober=
eutnant Heinrich Bier=Oeſterreich, Deutſche
Flugzeugwerke=
indecker, Startnummer III, 3. Robert Thelen=Deutſchland,
lbatros=Doppeldecker, Startnummer IV, 4. Helmuth
irth=Deutſchland, Rumpler=Eindecker, Startnummer VI,
Cſakay=Oeſterreich, (Pſeudonym), Lohner=
Daimler=
doppeldecker, Startnummer IX, 6. Karl Krieger=
Deutſch=
ind, (Jeannin=Eindecker), Startnummer X 7. Alois
Stip=
oſchek=Deutſchland, Luftverkehrsgeſellſchaft=Eindecker,
Start=
ummer XII, 8. J. Sablatnig=Oeſterreich, Oeſterreichiſcher
kieuport=Eindecker, Startnummer XV, 9. R.
Stanger=
deſterreich, Normal=Etrich=Eindecker, Startnummer XVII,
Eugen Wincziers=Deutſchland,
Luftverkehrsgeſellſchaft=
eindecker, Startnummer XVIII, 11. Leutnant Freiherr
on Thüna=Deutſchland, Luftverkehrsgeſellſchaft=Eindecker,
Startnummer XX. Die Abnahme der Flugzeuge, erfolgte
on Samstag nachmitag 4 Uhr an. — Ein weiterer
Ehren=
reis für den Flug wurde von dem Protektor der deutſchen
Strecke, Prinz Friedrich Leopold von Preußen, dem
Reichs=
lugverein zur Verfügung geſtellt.
Sport.
* Pferderennen. Admiral=Rennen; 5000 Mk., Diſtanz
600 Meter: 1. Herrn Pakheiſers Diplomat (Spear), 2.
oretta (Bleuler), 3. Königsleutnant (H. Teichmann).
Tot. 103:10, Pl. 28, 15, 16:10. Unpl.: Droma (4),
Skip=
zer Landvogt, Gallier, Phönix. Leicht 1—1½ Lg.
Prinz von Preußen=Erinnerungs=Rennen; Ehrenpreis
ind 3000 Mark, Diſtanz 2000 Meter: 1. Leutnant A. von
Hanſemanns Alpenfex (Leutn. Graf Bethuſy=Huc), 2.
Marcaſite (Leutn. Braune), 3. Edelmann (Leutn. von
Raven). Tot. 61:10, Pl. 18, 18:10. Unpl.: Brokdale, Lord
Forfar. Leicht 1—3 Lg. — Großes Armee=Jagd=Rennen;
Ehrenpreis und 13 400 Mark, Diſtanz 5000 Meter: 1. Lt.
Frhrn. E. von Lotzbecks Halcyon Days (Beſ.), 2. Capo
Lazzaro (Leutn. Frhr. von Berchem), 3. Florian (Leutn.
Braune). Tot. 128:10, Pl. 30, 40, 15:10. Unpl.: Pilis (4),
Senaua (5), Citat (6), Bulawayo (7), Pois de Senteur,
Theodore, Chanoine, Poſſible. Ueberlegen 4—½—2 Lg.
— Silberner Schild Sr. Majeſtät des Kaiſers Wilhelm II
Ehrenpreis und 25 000 Mark, Diſtanz 2400 Meter: 1. Kal.
Hauptgeſtüt Graditz’ Gulliver II (F. Bullock), 2.
Kaſſan=
dra (Shaw). Tot. 11:10. Zwei liefen. Leicht 2 La.
Kaiſerdamm=Handikap: 10000 Mark Diſtanz 1600 Meter:
1 Herrn Balduins Major Fife (Weatherdon), 2. Pakt
(Mac Farlan), 3. Aſchanti (Ted Rice). Tot. 158:10, Pl.
37 34, 1710. Unpl.: Jor (4), Tourbillon, Secret,
Ma=
ruſchka, Mars, Marc Aurel, Oranier, Haſard, Fox. Kampf,
Kopf—1 Lg. — Preis von Spandau; 6000 Mk., Diſtanz
1800 Meter: 1. Herrn W. Lindenſtaedts Banderilla (Fox),
2. Hüon (J. Lane), 3. Laps (Evans). Tot. 27:10, Pl.
10, 10110. Unpl.: Tiefland Leicht, 1—1½ Lg.-Kopf. —
Preis von Hoppegarten; 5000 Mark, Diſtanz 1000 Meter:
1. Herren E. und G. Buggenhagens Vanitas (W.
Bul=
lock), 2. Roſenkavalier (M. Aylin), 3. Felſenburg (Evans),
Tot. 24:10, Pl. 16, 17110. Unpl.: Delila (4), Cody. Kampf,
Hals-2½ Lg.
Handel und Verkehr.
H. Frankfurt, 8. Juni. (
Börſſenwochen=
bericht.) Die abgelaufene Geſchäftswoche trug ein
luſt=
loſes Gepräge. Der Geldſtand bleibt ziemlich geſpannt,
ſo=
daß der Privatdiskont zeitweiſe auf 4½ Prozent anziehen
konnte und dadurch auch die Spekulation gehemmt wurde.
Die Vorgänge in Ungarn machten keinen Eindruck,
wäh=
rend gleichzeitig durch den fruchtbaren Regen auf eine recht
günſtige Ernte gehofft werden darf. Außerdem ſind auch
die amerikaniſchen Nachrichten befriedigend und beſonders
der Kupfermarkt animiert. Dadurch beeinflußt, blieb die
Tendenz im ganzen gut behauptet. Zu den Einzelheiten
des ruhigen Verkehrs übergehend, hat der deutſche
Renten=
markt weiterhin kleinere Abſchwächung zu verzeichnen. Als
Pendant dürften jedoch die engliſchen Konſols
gegenüber=
geſtellt werden, welche ebenfalls Mattigkeit zeigen und bis
76½ zurückgingen.
Von den ausländiſchen Staatsfonds waren die
ſerbi=
ſchen und die ruſſiſchen recht feſt, hingegen Chineſen
nied=
riger. Oeſterreichiſch=ungariſche Renten haben nur kleine
Bruchteile abgegeben. In Schiffahrtsaktien (Hamburger
Paketfahrt und Nordd. Lloyd) fanden Poſitionslöſungen
ſtatt, doch ſchließen ſolche ziemlich feſt, trotz der erneut aus
den Vereinigten Staaten angekündigten Verfolgungen der
Dampferkartelle, an denen auch erſte deutſche Linien
be=
teiligt ſind. Die energiſche Steigerung der
Auswanderer=
ziffern ſtimulierten günſtig, ebenſo das Gerücht von einer
Erhöhung der Rückfrachkmn aus Oſtaſien. Die geringe
Li=
quidität, die in den Zweimonatsbilanzen der Großbanken
erſichtlich, und die gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt
ver=
ſtimmende Wirkung erklärlich macht, hat auf die Kursliſte
der führenden Bankaktien einigen Druck ausgeübt.
Am Montanmarkt war faſt durchweg Mattigkeit
vor=
herrſchend, wozu beſonders die Tatſache Anlaß bot, daß
am belgiſch=engliſchen Exportmarkt die Preiſe für
Fertig=
fabrikate zum erſtenmal nach längerer Zeit einen
Rück=
gang erfahren haben. Hinzu kam im Laufe der Woche der
Hinweis auf eine vorausſichtliche Preis= und
Geſchäfts=
abſchwächung am Stabeiſenmarkte, als Folge der
Nicht=
ſyndizierung der B=Produkte. Lediglich in Phönir zeigte
ſich noch ſtärkere Feſtigkeit auf gute Dividendeſchätzungen
(die bis 18 Prozent taxiert wurden), aber auch auf die von
authentiſcher Seite dementierte angebliche Kapitalerhöhung.
Elektrizitätswerte waren in gedrückter Stimmung, da jede
Anregung fehlte.
Der Kaſſainduſtriemarkt iſt weſentlich ſtiller geworden,
wenn auch einzelne bevorzugte Papiere zeitweiſe belebter
waren. Auch größere Gewinſtrealiſationen vollzogen ſich,
doch ohne weſentlichen Kursdruck. Feſt ſind Deutſche Gold=
und Silber=Scheideanſtalt (1139), Elektrizität Bergmann
(142), Aluminium (247½), Bielefelder Maſchinen Dürkopp
(482,10), Badiſche Anilin (502) und Motorenfabrik
Ober=
urſel 148,75; matter hingegen Akkumulatoren (486½), Kleyer
(496½), Höchſter (595,60) Holzverkohlung (306, nachdem ſie
bereits 302½ erreicht), Fahrzeug Eiſenach (120¾),
Kunſt=
ſeide (169½) und Gummi Peter 131. Das neu eingeführte
Papier „Naphtha” ſtieg bis 233 und ſchließt 230¾, bei jedoch
ſehr wenig Handel. Zuckerfabriken ebenfalls mehr
ange=
boten: Waghäuſel 210, Frankenthal 388 B. Die Steigerung
des Kupferpreiſes hat auch in den Kurſen der Amalgamated
(89), Rio (81½) und Anaconda (9½) Ausdruck gefunden.
Von Loſen notieren: Augsburger 35,40,
Braunſchwei=
ger 198,—, Pappenheimer 65,90, Genua 197,—, Türkiſche
170,80, Freiburger 70,—, Ungariſche 374 B., Meininger
35,—, Venediger 43,—, Mailänder 45=Francs=Loſe 140 (
no=
minell)), Mailänder 10=Francs=Loſe 31,25, Raab=Grazer
Anrechtsſcheine 37,80, in Reichsmark. Gothaer Prämie II
118, —, Donau=Regulierung 190 (nominell), Madrider 75 P.,
in Prozent. Ferner ſchließen: 4 proz. Reichs (unkündbar
bis 1921) 100,55, 3½proz. Reichs 89,90, 3proz. Reichs 80,30,
4proz. Heſſen von 1899 99,40 B., 4proz. Heſſen von 1906
99,50 G., 4proz. Heſſen von 1908/09 99,80 G., 4 proz. Heſſen
(unkündbar bis 1921) 100,60, 3½proz. Heſſen 88,70, Zproz.
Heſſen 78,—, 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 18—23)
(Serie 24—25)
100,20 G., 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.Pfdbr. (Serie 3—5)
89,30 G., 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 9—11) 89,40
G., 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 10—12) 100 G.,
4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 13—14) 100,20 G.,
3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 1—3) 89,50 G.,
3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 4) 89,40 G., 4proz.
Darmſtädter 98,50 G., 3½proz. Darmſtädter 89,50,
Darm=
ſtädter Bank 121¼, Südd. Eiſenb.=Geſellſch. 123,75, Südd.
Immobilien=Geſellſchaft (Mainz) 69 G., Lederwerke vorm.
Spicharz (Offenbach a. M.) 76 G., Schramms Lack= und
Farbenfabriken (Offenbach a. M.) 270 B., Chemiſche
Mühl=
heim a. M. 68,70, Schantungbahn 133¾, South=Weſtafrika
147½, Otavi=Anteile 94,50, Otavi=Genußſcheine 67,—,
4½proz. Ruſſen 100,40, 4proz. 1880er Ruſſen 90,80 G.,
4proz. 1902er Ruſſen 91,—, 3¼oproz. Ruſſen 87,60, 3½proz.
Ruſſen 85,10, 3proz. Ruſſen 81,75, 4proz. unifizierte
Türken 91,20 G., 4proz. Adminiſtrations=Türken 82,90 G.,
4proz. Bagdadbahn 84 G. 4proz. konvertierte Türken
(1905/11) 81,—, 5proz. Chineſen 99,20, 4½proz. Chineſen
93,40, 5proz. Chineſen (Tientſin=Pukow) 98,70, 4½proz.
Ja=
paner 94,30, 4proz. Japaner 89,—, 3proz. Buenos=Aires
71½.
Literariſches.
— Die Wunder der Natur heißt die neueſte
Er=
ſcheinung auf dem deutſchen Büchermarkt. Ein populäres
Prachtwerk das uns über die Wunder des Himmels und
der Erde, über die Wunder des Tier= und Pflanzenreichs,
über die Rätſel der Meerestiefen und dunklen
Berges=
gründe Aufſchluß bringt, erſcheint ſoeben im Deutſchen
Verlagshauſe Bong und Co., Berlin, Preis des Heftes 60
Pfg. Eine große Anzahl der hervorragendſten
Fachgelehr=
ten aller Kulturländer und Meiſter populärer
Darſtellungs=
weiſe haben ſich verbunden, um dieſes gewaltige
Unter=
nehmen durchzuführen; denn nur auf dieſe Weiſe konnte es
gelingen, die Wunder des Erdballs in Wort und Bild in
den Kreis der Betrachtung zu ziehen. Die Liſte der
Mit=
arbeiter bietet eine ſichere Gewähr dafür, daß in dieſem
neuen und bedeutenden Werke nur gediegene Forſcherarbeit
in leicht faßlicher Darſtellung geboten wird. Das erſte Heft
der Wunder der Natur liegt vor, es enthält zwei
inter=
eſſante Buntbilder. Das eine ſtellt die größte Blume der
Welt dar, die Raffleſia=Arnoldi, über die Prof. Dr. Potonté
alles Wiſſenswerte mitteilt. Das zweite Buntbild
veran=
ſchaulicht eine Landſchaft auf dem Monde, über der als
ge=
waltige Scheibe die Erdkugel ſchwebt. Die von Dr. Adolf
Heilborn geſchriebene Einleitung des Werkes iſt ein
be=
redter Hymnus auf die tauſend und abertauſend
Wunder=
werke, die uns rings in der Natur umgeben, und gleich der
erſte Artikel „Der heilige Käfer” von Wilhelm Bölſche
ge=
ſchrieben, führt uns mitten hinein in dieſe Wunderwelt.
Das Leben und Treiben des von den Aegyptern heilig
ge=
haltenen Pillenkäfers wird hier in ſehr intereſſanter Weiſe
geſchildert. Der beliebte Botaniker Raoul Francé berichtet
dann über die eigenartigen „Leuchtenden Pilze” die wir in
tropiſchen Wäldern finden und von denen ſchöne
Abbild=
ungen beigegeben ſind. Der Phyſiker Profeſſor Donath
er=
klärt uns die merkwürdige Luftſpiegelung der „Fata
Mor-
gana‟. Der engliſche Forſcher Pyeraft führt uns in die
in=
tereſſante Welt der „Seepferdchen und Seedrachen” ein,
während der bekannte populär=aſtronomiſche Schriftſteller
Bruno H. Bürgel die Wunderwelt des ringgeſchmückten
„Saturn” mit beredten Worten ſchildert. Sodann finden
wir eine glänzende Illuſtration mit begleitendem Text, die
den gewaltigen „Diplodocus” ein Rieſentier der Vorzeit,
in packender Weiſe veranſchaulicht. Am Schluß des erſten
Heftes beginnt ein Aufſatz von Dr. F. Marſhall über ein
ſeltſames Inſekt: „Die Gottesanbeterin‟. Die bildliche
wie die textliche Darſtellung aller in diefem erſten Heft
an=
geſchlagenen Themen läßt erkennen, daß uns hier wirklich
die Wunder der Natur in meiſterhafter Weiſſe nahegebracht
werden.
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