Darmstädter Tagblatt 1912


06. Juni 1912

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175. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Präſident Taft und Kaiſer Wilhelm haben
aus Anlaß des deutſchen Flottenbeſuches in Amerika
herzliche Telegramme gewechſelt.
Im ungariſchen Abgeordnetenhaus ließ der
Präſident 40 lärmende Abgeordnete durch die Po=
lizei
aus dem Sitzungsſaale ſchaffen.
Die Mehrheit der Klerikalen in der belgi=
ſchen
Kammer beträgt 16 Stimmen. (101 gegen 85.)
Das portugieſiſche Kabinett beſchloß zurückzu=
treten
.

Die Aufnahme des deutſchen Geſchwaders
in Amerika

läßt ſchon jetzt, bevor die Ankunft in New=York er=
ffolgt
iſt, wo die Begrüßungsfeierlichkeiten ihren Höhe=
punkt
erreichen werden, an freudigen Kundgebungen der
offiziellen Kreiſe und der Bevölkerung der zunächſt be=
rührten
Plätze nichts zu wünſchen übrig. Der Be=
ſuch
, den das deutſche Geſchwader jetzt in den Vereinig=
ten
Staaten abſtattet, iſt bekantlich eine Erwiderung der
Anweſenheit eines ſtattlichen amerikaniſchen Geſchwa=
ders
in Kiel im Juni vorigen Jahres, das Kopenhagen,
Stockholm und Kronſtadt beſucht hatte und dann zu
neuntägigem Aufenthalte nach unſerem Kriegshafen an
der Oſtſee gekommen war, wo der Kaiſer zur Kieler
Woche weilte und den Amerikanern große Aufmerkſam=
keiten
erwies. Der Geſchwaderkommandant Admiral
Badger war damals ganz begeiſtert von der Gaſtfreund=
ſchaft
, die ihm in Kiel zu Teil geworden war, und er
drückte den Wunſch aus, bald Gelegenheit zu haben, die
Gaſtfreundſchaft erwidern zu können.
Die Begrüßung des deutſchen Geſchwaders bei der
Ankunft in Norfolk durch den Präſidenten Taft iſt ein
Zeichen der beſonderen Wertſchätzung, die Deutſchland
bei den leitenden Kreiſen Amerikas genießt, und wir
haben Urſache, uns deſſen zu freuen. Immerhin dürfen
wir auch im Angeſichte der großartigſten Ovationen, die
der Deutſchen noch im Laufe der nächſten Tage harren,
nicht vergeſſen, daß der Amerikaner, ſoweit er nicht etwa
deutſcher Abſtammung iſt, uns nicht liebt. Mit Recht
war die ſog, gelbe Preſſe berüchtigt wegen ihrer uner=
müdlichen
Verſuche, Deutſchland in den Augen der Welt
bei jeder ſich nur bietenden Gelegenheit herabzuſetzen, es
zu verleumden und zu verdächtigen. Daß es auch her=
vorragende
Perſönlichkeiten jenſeits des Atlantic an
Ausfällen gegen Deutſchland nicht fehlen ließen, hat ſei=
Inerzeit Admiral Dewey bewieſen, auch der Senator
Aldrich und erſt noch im vorigen Jahre der Commander
Sims in ſeiner Rede in der Londoner Guildhall. Wir
wollen niemanden die Genugtuung über die Ehrungen,
die der deutſchen Kriegsflotte in Amerika zu Teil wer=
den
, vergällen, glauben aber doch, davor warnen zu
müſſen, die politiſche Bedeutung der Freundſchaftskund=
gebungen
, die ſich in dieſen Tagen an der atlantiſchen
Küſte Amerikas abſpielen, zu überſchätzen. Unſere
Kraft, die großartige Entwickelung, die Deutſchland er=
fahren
hat, imponiert allein den Yankees, und daß ſie
Zeugen dieſer Kraft jetzt kennen lernen, darin liegt viel=
leicht
nicht zum mindeſten die Bedeutung des deutſchen
Beſchwaderbeſuches.

Der Zwiſt in den katholiſchen Arbeiter=
vereinen
.

* In der ſchon erwähnten Erklärung des Ge=
ſamtverbandes
der chriſtlichen Gewerk=
ſchaften
wird betont, daß die katholiſchen Arbeiterver=
eine
des Kartellverbandes für Weſt=, Süd= und Oſt= Deutſch=
land
, die den chriſtlichen Gewerkſchaften freundlich und
fördernd gegenüberſtehen, bereits über 300000 Mitglieder
zählen, im Gegenſatz dazu gehe der Verband der katholi=
ſchen
Arbeitervereine, mit dem Sitz in Berlin, mit ſeinen
Fachabteilungen andauernd zurück; ſeine Einnahmen ent=
ſprächen
einer Mitgliederzahl von höchſtens 100b0. Die

Fachabteilungsidee habe ſich in zehnjähriger angeſtrengter
Arbeit mit großem Aufwand an Geldmitteln nicht durch=
ſetzen
können. Um einen vollſtändigen Zuſammenbruch der
Berliner Syſteme vorzubeugen, habe deſſen Vertreter in
den letzten Tagen über den Kopf der deutſchen Biſchöfe hin=
weg
, in Rom die Beanſtandung der chriſtlichen Gewerk=
ſchaften
für den katholiſchen Arbeiter zu erwirken geſucht.
Dieſem Zweck diente die ſogenannte Huldigungs=
adreſſe
an den Papſt, die auf dem Delegiertentag
des Verbandes katholiſcher Arbeitervereine, Sitz Berlin,
Pfingſten 1912, bekannt gegeben wurde. Im Anſchluß an
die Huldigungsadreſſe ſollte der Papſt nicht bloß die Ar=
beitervereine
, Sitz Berlin, belobt, ſondern ſich gleichzeitig
in einer Weiſe über die anderen Arbeiterorganiſationen
ausgeſprochen haben, die im Zuſammenhang mit der vor=
erwähnten
Adreſſe und dem geſamten Verhalten des Ber=
liner
Verbandes vor, der Oeffentlichkeit als eine Ver=
urteilung
der chriſtlichen Gewerkſchaften gedeutet wurde
und zweifellos vom Berliner Verband ſelbſt auch als ſolche
ausgenutzt werden ſollte. Noch nie ſei das Oberhaupt der
katholiſchen Kirche über Weſen und Charakter der chriſt=
lichen
Arbeiterbewegung Deutſchlands ſo getäuſcht
worden, wie in dieſer Huldigungsadreſſe. Sie ſei die
Krönung eines jahrelangen Verleumdungsfeld=
zuges
des Berliner Verbandes gegen die chriſtlichen Ge=
werkſchaften
. Dagegen erhöben die chriſtlichen Ge=
werkſchaften
den ſchärfſten Proteſt. In Deutſch=
land
ſei eine leiſtungsfähige, nicht ſozialdemokratiſche Ge=
werkſchaftsbewegung
, eine unabweisbare Notwendigkeit,
wenn der nach Millionen zählende Arbeiterſtand einen an=
gemeſſenen
Anteil an den Erfolgen der produktiven Arbeit
erhalten und die gläubige chriſtlich=national denkende Ar=
beiterſchaft
nicht der Sozialdemokratie überantwortet wer=
den
ſollte. Alſo ſei ein einheitliches gewerkſchaftliches Zu=
ſammenarbeiten
aller chriſtlich=nationalen Arbeiter unver=
meidlich
. Jede Gewerkſchaftsorganiſation, die ſich auf
anderer Grundlage aufbauen würde, müßte zur Unfrucht=
barkeit
verdammt ſein, wie das die Entwickelung der Ber=
liner
Fachabteilungen ſchlagend beweiſe.

Die Polizei im ungariſchen Abgeordneten=
hauſe
.

* Die unterbrochene Sitzung des ungariſchen Abge=
ordnetenhauſes
wurde am Dienstag nachmittag um
4 Uhr wieder eröffnet. Faſt alle Abgeordnete waren er=
ſchienen
. Es herrſchte große Erregung.
Präſident Tisza wurde bei ſeinem Erſcheinen von
der Majorität mit ſtürmiſchen Ovationen empfangen,
während die Oppoſition einen ohrenbetäubenden
Lärm erhob. Kindertrompeten und allerlei Inſtru=
mente
ertönten, ſodaß es dem Präſidenten unmöglich
war, ſich Gehör zu verſchaffen. Er blieb mit eiſiger
Ruhe ſitzen und ſah gleichmütig auf die tobenden Abge=
ordneten
hinab. So oft er die‟ Glocke berührte, ver=
ſtärkte
ſich der Lärm. Nachdem die heilloſe Unruhe un=
gefähr
eine Viertelſtunde gedauert hatte, war der Prä=
ſident
genötigt, die Sitzung aufzuheben. Nach
zehn Minuten erſchien Tisza wieder auf der Präſiden=
ten
=Eſtrade, ſeitens der Oppoſition mit Schmnährufen
und Verwünſchungen, von der Majorität mit lebhaften
Ovationen empfangen. Die Oppoſition begann den
Lärm in derſelben Weiſe von neuem, ſodaß die Sitzung
wieder unterbrochen wurde. Vor dem Parlament war
eine Abteilung Gendarmerie und eine Abtei=
lung
Huſaren aufgeſtellt.
Nachdem der Präſident vergeblich dreimal verſucht
hatte, den Vorſitz zu führen, erſchienen im Sitzungsſaal
unter Führung zweier Polizeikommiſſare ungefähr 60
Poliziſten, die mit Pfuiruſen empfangen wurden.
Einzelne Abgeordnete verſuchten durch Reden auf ſie ein=
zuwirken
, doch vergebens. Die Poliziſten wollten zuerſt
den Agrarier Grafen Michael Karolyi hinaus=
führen
, der ſie leidenſchaftlich anfuhr und ermahnte,
nicht die Hand an Abgeordnete zu legen Jedoch ließen
dieſe ſich nicht beirren und führten 21 Abgeordnete
von der Juſth= und Koſſuthpartei aus dem Saale. Die
meiſten Abgeordneten fügten ſich reſigniert in ihr Schick=
ſal
und verließen, von zwei Poliziſten am Arme geführt,
den Sitzungsſaal. Die Abgeordneten der Oppoſition
brachten Ovationen dar, auch die Mitalieder der Journa=
liſtentribüne
applaudierten, nur der Abgeordnete Juſt jr.,
ein Sohn des Parteiführers, leiſtete Widerſtand. Er
ſchlug wütend um ſich und konnte nur unter heftigem
Sträuben aus dem Saale entfernt werden. Im ganzen
wurden gegen 40 Abgeordnete aus dem Saale geſchafft.
Unter den ausgeſchloſſenen Abgeordneten befanden
ſich der Parteiführer Juſth und der ehemalige Juſtiz=
miniſter
Polonhi. Die Weggeführten riefen beim Ver=
laſſen
des Saales aus: Schmach! Schande! Verfaſſungs=
bruch
! Während der Szenen waren nur wenige Mit=
glieder
der Regierungspartei im Sitzungsſaal anweſend.

Nachdem die Ausſchließung der Abgeordneten erfolgt
war, erſchien Tisza, um den Präſidentenſitz einzunehmen.
Die Mitglieder der Oppoſitionspartei empfingen ihn
wiederum mit Tumult. Sie ballten die Fäuſte und
ſchrien: Verräter! Hinaus mit ihm! Auch Graf Apponyi
ſchrie in höchſter Erregung, doch waren ſeine Worte voll=
kommen
unverſtändlich. Die Sitzung wurde aber=
mals
aufgehoben.
Nachdem die Sitzung wieder eröffnet worden war,
verließ die geſſamte Oppoſition demonſtrativ
unter leidenſchaftlichen Ausrufen den Saal. Präſi=
dent
Tisza ſagte, das Abgeordnetenhaus iſt der
Schauplatz trauriger Szenen geweſen, welche diejenigen
kläglich charakteriſieren, die ſolche kindiſchen Streiche ver=
übt
haben. (Stürmiſcher Beifall.) Die Schöpfer, der
Hausordnung des Abgeordnetenhauſes haben den Fall
gar nicht vorgeſehen, daß ungariſche Abgeordnete ſich zu
ſolchen Ausſchreitungen hinreißen laſſen könnten. Ich
mußte die Hausordnung, die keine ſpezielle Verfügun=
gen
für den Fall ſyſtematiſcher Ruheſtörungen enthält,
ergänzen und Anordnungen treffen, die meinem Pflicht=
gefühl
und meiner Achtung für das Anſehen und den
guten Ruf des Parlaments entſpringen. Ich wäre un=
würdig
für die Stellung eines Präſidenten geweſen,
wenn ich vor der Verantwortung zurückgeſchreckt wäre,
die mir durch die pflichtgemäße Aufrechterhaltung der
Ordnung während der Sitzung auferlegt wird. Nach=
dem
das ohrenbetäubende Lärmen jede Beratung un=
möglich
gemacht hatte, war ich genötigt, die bewafſnete
Macht anzurufen und die Ruheſtörer aus dem Saale ent=
fernen
zu laſſen. (Stürmiſcher Beifall.) Weiterhin er=
ſuchte
der Präſident das Haus, gegen 36 Abgeord=
nete
der Oppoſition, die mittels Lärminſtrumenten die
Beratung geſtört hatten, Maßregeln zu ergrei=
fen
und ſie an einen Ausſchuß zu überweiſen. Gegen
den Abgeordneten Grafen Michgel Karolyi ſoll vorge=
gangen
werden, weil er den Polizeimannſchaften wäh=
rend
der Amtshandlung Widerſtand entgegenſetzte. Die
Rede des Grafen Tisza wurde wiederholt durch ſtür=
miſche
Beifallskundgebungen unterbrochen.
Hierauf faßte das Haus einen Beſchluß, in dem
erklärt wird, daß in der Beſtimmung über die Wehr=
votlage
unzweifelhaft die Anſchauung des Abgeordneten=
hauſes
zum Ausdruck gebracht und in dem das Vorgehen
des Präſidenten gebilligt wird. Der Präſident hatte
während der Beratung dieſes Beſchluſſes den Vorſitz an
den Vizepräſidenten Beöthy abgetreten. Darauf ſchritt
das Abgeordnetenhaus zur Verhandlung der Vorlage
über die Erhöhung der Präſenzſtärke der Honved= Land=
wehr
, die angenommen wurde. Die Sitzung wurde un=
ter
lebhaften Ovationen für den Grafen Tisza und den
Miniſterpräſidenten Lukacs geſchloſſen.
Der Oberſtadthauptmann gibt bekannt, daß die Po=
lizei
und die übrige bewaffnete Macht, falls Demon=
ſtranten
Verwüſtungen anrichten ſollten, mit der
größten Energie eintreten wird. Die bewaffnete
Macht werde, falls ſie dem geringſten Angriff ausgeſetzt
ſein ſollte, nach dem warnenden Trompetenſignal ſofort
mit der Schußwaffe die öffentliche Ordnung wieder her=
ſtellen
. Abg. Szuba, einer der von der Polizei aus dem
Saal geſchafften Ruheſtörer, der vor Erregung ohnmäch=
tig
geworden war, hat ſich vor der Polizei unter der
Beſchuldigung zu verantworten, daß er im Sitzungsſaal
einem Polizeioberinſpektor einen Kopfhieb verſetzt und
ihm die Mütze vom Kopf geſchlagen habe. Bei ſeiner
Vernehmung erklärte der Abgeordnete unter Berufung
auf ſeine Immunität als Abgeordneter, er verweigere
jede Ausſage, er werde aber dem Abgeordnetenhauſe
von der Verletzung ſeiner Immunität Mitteilung machen
und gegen die Polizei Strafanzeige wegen Mißbrauchs
der Amtsgewalt erſtatten.

Deutſches Reich.

Keine Mandatsniederlegung des
Reichstagspräſidenten. Wie eine parlamen=
tariſche
Korreſpondenz mitteilt, wird der Reichstags=
präſident
Kaempf ſein angefochtenes Mandat für den
Reichstag nicht niederlegen, ſondern das Ergebnis der
Beweiserhebungen abwarten. Man rechnet allerdings
in parlamentariſchen Kreiſen mit der Möglichkeit einer
Ungültigkeitserklärung der Wahl, die Neuwahl in Ber=
lin
1 würde aber erſt im nächſten Winter ſtattfinden.
Handwerkerkonferenz. Die im Reichs=
amt
des Innern begonnene Handwerkerkonferenz wird
geleitet von Exz. Caſpar, Direktor im Reichsamt des In=
nern
. Vertreter haben entſandt auf Seiten der Indu=
ſtrie
der Bund der Induſtriellen, der Deutſche Handels=
tag
und der Zentralverband Deutſcher Induſtrieller, auf
Seiten des Handwerks der Deutſche Handwerks= und
Gewerbſkammertag, die Mittelſtandsvereinigung und
der Zentralausſchuß der Vereinigten Innungsverbände
Deutſchlands. Die Konferenz wird im Gegenſatz zu
ihrer Vorgängerin ſich weniger mit der Streitfrage von

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Seite 3.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 6. Juni 1912.

Nummer 131.

Fabrik und Handwerk beſchäftigen, als verſuchen, eine
praktiſche Zuſammenarbeit von Fabrik und Handwerk
auf denjenigen Gebieten zu erreichen, auf denen gemein
ſame Aufgaben vorhanden ſind. Dies gilt vor allen
Dingen von der Ausbildung des gewerblichen Nachwuch=
ſes
. Ein Zuſammengehen von Fabrik und Handwerl
bei den Prüfungen der gelernten Arbeiter iſt ſchon jetzt
notwendig und durch die Vorſchriften der Reichsgewerbe=
ordnung
geboten. Es ſteht zu hoffen, daß ein Weg ge=
funden
wird, auf dem auch die Fabrikinduſtrie ſich an
den Koſten des Lehrlings= und Prüfungsweſens im
Handwerk beteiligen kann. Es wird weiter möglich ſein,
der Induſtrie auch einen Einfluß auf das Prüfungs=
weſen
der Handwerkskammern einzuräumen.
In der Erſten Kammer des elſaß
lothringiſchen Landtages führte bei der Be=
ratung
des Initiativgeſetzentwurfs der Zweiten Kammer
betreffend die Aufhebung der Strafbeſtimmungen über
die aufrühreriſchen Abzeichen und Rufe Graf Andlau
aus, daß die Meinungen der Mitglieder der Erſten Kam=
mer
hinſichtlich des Regierungsſtandpunktes ſehr geteilt
ſeien. Er ſei dafür, daß nach 40 Jahren, in denen ſich
unzweifelhaft die Bevölkerung ruhig und beſonnen ge=
zeigt
habe, das Geſetz aufgehoben werde. Die Auf=
hebung
ſei ſchon zur allgemeinen Beruhigung wün=
ſchenswert
. Er beantragte ſchließlich, den ganzen Ent=
wurſ
einer Spezialkommiſſion zur Prüfung zu über=
weiſen
. Nachdem ſich die Abgeordneten Blumenthal und
Ruhland im gleichen Sinne geäußert hatten, ſtimmte
die Kammer dem Antrage Andlau zu und wählte eine
zwölfgliedrige Spezialkommiſſion.
Sozialdemokratiſche Obſtruktion
im reußiſſchen Landtage. Aus Gera (Reuß)
wird gemeldet: In der Landtagsſitzung ſetzten die So=
zialdemokraten
bei der Abſtimmung über das Landtags=
wahlgeſetz
mit einer Obſtruktion ein, ſodaß das Geſetz
nicht verabſchiedet werden konnte. Der Landtag nahm
dann einen Antrag an, daß die Regierung ſich beim Bun=
desrat
gegen die Aufhebung des Jeſuitengeſetzes aus=
ſprechen
ſolle. Die Regierung ſagte Erfüllung zu.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Durch die Annahme der Wehrreform in
Ungarn werden nunmehr zum Präſenz=Waffendienſt
33000 Mann mehr als bisher ausgehoben werden. Die
beſchleunigte Erledigung der Wehrvorlagen in Oeſterreich
wird vorausſichtlich die Unterſtützung der Parlaments=
mehrheit
finden. Wenn auch die Anſchauungen über die
Art der Durchbringung der Wehrvorlage geteilt ſind, ſo
herrſcht doch in parlamentariſchen Kreiſen Oeſterreichs Be=
friedigung
darüber, daß die Vorlage Geſetz geworden iſt.
Dies drückt ſich in dem Beſtreben der Mehrheitspartei aus,
die die Erledigung der Wehrvorlage auch im öſterreichiſchen
Abgeordnetenhauſe zu beſchleunigen ſucht. Die
Sitzung des Wehrausſchuſſes wurde nicht vertagt, ſon=
dern
auf den 11. Juni anberaumt, offenbar, um eine Klär=
ung
der Situation abzuwarten.
Frankreich.
Die Wahlreform in der Kammer. Der
von den Gegnern der Verhältniswahl am letzten Diens=
tag
begründete Antrag zur Wahlreform, der bezweckt,
daß das Geſetz erſt vier Jahre nach der Veröffentlichung
in Kraft treten ſoll, wurde von der Kammer vorläufig
zurückgezogen. Mit 347 gegen 210 Stimmen wurde der
Artikel angenommen, welcher beſtimmt, daß das Geſetz
bei dem nächſten Zuſammentritt der Kammer in Kraft
treten ſoll. Der Sozialiſt Briten, ein Gegner der Ver=
hältniswahl
, forderte die Zurückziehung der Dringlich=

keit. Miniſterpräſident Poincaré erklärte ſich mit der
Zurückziehung der Dringlichkeit einverſtanden und fügte
hinzu: Diejenigen, welche die Wahlreform unterdrücken
wollen, müßten damit anfangen, uns zu ſtürzen. Der
Antrag auf Zurückziehung der Dringlichkeit wurde mit
558 gegen 5 Stimmen angenommen. Darauf wurde mit
462 gegen 84 Stimmen beſchloſſen, in die zweite Leſung
einzutreten. Zu der von dem Miniſterpräſidenten in
der Wahlreformangelegenheit geſtellten Vertrauens=
frage
wird in parlamentariſchen Kreiſen verſichert, daß
die Regierung ſich nicht mit der gewöhnlich als aus=
reichend
erachteten Kammermehrheit begnügen werde;
entſprechend der ſchon früher abgegebenen Erklärung des
Miniſterpräſidenten muß der von der Regierung ange=
kündigte
Wahlreformentwurf eine rein republikaniſche
Mehrheit erlangen, die ſich aus den den linksrepublika=
niſchen
Gruppen angehörenden 350 Deputierten zuſam=
menſetzt
, andernfalls werde Poincaré ſofort zurücktreten.
Die neue franzöſiſch=deutſche Kongo=
grenze
. Wie offiziös verlautet, wird die Regierung
demnächſt eine Kreditvorlage zur Beſtreitung der Koſten
für die Beſtimmung der neuen franzöſiſch=deutſchen
Kongogrenze einbringen. Die mit dieſer Arbeit betraute
Miſſion, die eine etwa 5000 Kilometer lange Grenze feſt=
ſetzen
ſoll, wird aus elf Offizieren, ſechs Unteroffizieren,
zwei Aerzten und zwei Funkentelegraphiſten beſtehen.
An Ort und Stelle angelangt, wird ſich die Miſſion in
zwei Gruppen teilen, von denen die eine die Abgren=
zungsarbeiten
zwiſchen dem Atlantiſchen Ozean und der
Vereinigung des Likwala= und des Meſſaka=Fluſſes mit
dem Kongo, die andere die zwiſchen dem letzteren Punkte
und dem Tſchadſee durchführen ſoll.
England.
Das Unterhaus trat nach den Pfingſtferien
wieder zuſammen. Der Liberale King fragte Sir Ed=
ward
Grey, ob er in der Lage ſei, zu ſagen, ob neuerlich
Verhandlungen ſtattgefunden haben, um den italieniſchen
Krieg beizulegen. Grey erwiderte, informatoriſche Er=
örterungen
hätten ſtattgefunden, uum eine annehmbare
Grundlage zur Beilegung ausfindig zu machen, aber
es ſei noch kein endgültiges Ergebnis zufriedenſtellen=
der
Natur erreicht worden. Im weiteren Verlaufe der
Sitzung richtete King die Frage an Sir Edward Grey,
ob er in Bezug auf den letzten Beſuch des Kriegsmini=
ſters
Haldane in Berlin irgend welche Mitteilungen
machen könne. Grey entgegnete: Es tut mir ſehr leid,
daß ich Mitteilungen, wie King ſie wünſcht, nicht machen
kann, da Haldane während ſeines Urlaubs überhaupt
nicht nach Berlin gegangen iſt. (Heiterkeit.) Allerdings
hat er gemäß ſeiner langjährigen Gewohnheit auch ſei=
nen
diesjährigen Urlaub in Deutſchland verbracht, aber
er ſtand dort weder in mündlichem noch in ſchriftlichem
Verkehr mit irgend einer politiſchen Perſon. Sein Ur=
laub
war tatſächlich ohne jeden politiſchen Anſtrich.
Belgien.
Das offizielle Ergebnis der Kammer=
wahlen
iſt jetzt fertiggeſtellt worden. Danach wur=
den
gewählt: 101 (gegen früher 85) Katholiken, 44 (45)
Liberale, 39 (34) Sozialiſten und 2 (1) Chriſtliche Demo=
kraten
.
Portugal.
Demiſſion des Miniſteriums. In der De=
putiertenkammer
wurde gegen den Miniſter des Innern
wegen ſeiner Haltung in der Volksſchulunterrichtsfrage ein
Mißtrauens=Votum eingebracht. Der Miniſterpräſident
erklärte, er könne ſich nicht dazu äußern, bevor nicht der
Miniſterrat über die Frage der Solidarität beſchloſſen habe.
Ein Antrag, der den Rücktritt aller Miniſter verlangte,
wurde mit 73 gegen 37 Stimmen abgelehnt. Das Mini=

ſterium beſchloß, zurückzutreten. Die Demiſſion wird heute
dem Präſidenten unterbreitet.
Rußland.
Das Schiffbauprogramm. Die Landes=
verteidigungskommiſſion
der Reichsduma hat die Ge=
ſetzesvorlage
betreffend die Anweiſung von 502 Milli=
onen
Rubel für das Schiffbauprogramm 1912/16 ( an=
genommen
.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 6. Juni.

* Vom Hofe. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Dienstag vormittaa 9 Uhr
30 Min. im Neuen Palais den Konſul v. Paſſavant
aus Frankfurt a. M. Die Fürſtin=Mutter zu
Erbach=Schönberg nahm an der Frühſtückstafel im
Neuen Palais teil. Nachmittags 5 Uhr 38 Min.
trafen Fürſt und Fürſtin zu Solms=Lich zum
Beſuch im Neuen Palais ein und reiſten abends 8 Uhr
5 Min. wieder ab.
Das Großherzogliche Hoflager iſt geſtern
nach Jagdſchloß Wolfsgarten verlegt worden. Die
Großherzogliche Familie iſt geſtern gegen Abend nach
Wolfsgarten übergeſiedelt.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den Bureauvorſteher bei dem Kreisamt
Schotten Karl Wingefeld zum Bureauvorſteher bei
dem Kreisamt Friedberg.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Heinrich Klein aus Schaafheim, Kreis Dieburg, eine
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Klein=Karben,
Kreis Friedberg.
* Erlaubnis zur Annahme von Orden. Se.
Königl. Hoheit der Großherzog haben nach=
benannten
Beamten die Erlaubnis zur Annahme und
zum Tragen der ihnen von Sr. Maj. dem Deutſchen
Kaiſer und König von Preußen verliehenen Auszeich=
nungen
erteilt: dem Poſtdirektor Flaſchenträger
in Bad Nauheim des Roten Adler=Ordens 4. Klaſſe,
dem Poſtinſpektor Kleinſteuber in Bad Nauheim
des Kronen=Ordens 4. Klaſſe.
* Pfarrperſonalien. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
haben dem Königlich Preußiſchen Diviſions=
pfarrer
Paul Liedtcke von der 4. Diviſion in
Gneſen, nachdem er als Diviſionspfarrer der Großh.
Heſſ. (25.) Diviſion nach Darmſtadt verſetzt worden iſt,
auf Grund der Feſtſetzungen zur Regelung der evan=
geliſchen
militärkirchlichen Verhältniſſe innerhalb des
Großherzogtums Heſſen‟ Dekret erteilt; ferner den von
der Dekanatsſynode des Dekanats Oppenheim für den
Reſt der laufenden Wahlperioden vollzogenen Wahlen
des evangeliſchen Pfarrers Johannes Weiß zu Selzen
zum Dekan und des evangeliſchen Pfarrers Heinrich
Klingenſchmidt zu Alsheim zum Stellvertreter des
Dekans des Dekanats Oppenheim die Beſtätigung erteilt,
ſowie den von Sr. Erl. dem Grafen zu Solms=Laubach
auf die evangeliſche Pfarrſtelle zu Wohnbach, Dekanat
Hungen, präſentierten Oberpfarrer Albert Waldeck zu
Beerfelden für dieſe Stelle beſtätigt.
Poſtdienſtnachrichten aus der Oberpoſtdirektion
Darmſtadt. Verſetzt: Die Poſtaſſiſtenten Carle von
Flonheim nach Hannover und Pfaff von Hannover nach
Bad Nauheim; die Telegraphengehilfin Luiſe Dorn von
Wiesbaden nach Gießen. Etatsmäßig ange=
ſtellt
: die Telegraphengehilfinnen Sophie Heß in Darm=
ſtadt
und Helene Schmucker in Offenbach (Main).
Beſtanden: die Poſtſekretärprüfung der Oberpoſtaſſi=
ſtent
Görke in Mainz; die Poſtaſſiſtentenprüfung die Poſt=
gehilfen
Anſchütz in Sprendlingen (Kr. Offenbach, Main),
Fleiſcher in Gernsheim, Ihrig, Klemmrath, Ohl in Darm=
ſtadt
, Karl Ripper in Höchſt und Rühl in Eberſtadt.
Angenommen: als Eleve der Gymnaſialabiturient
Herbſt in Bensheim; als Poſtgehilfen der Oberrealſchul=
abiturient
Seipel, Realſchulabiturient Altmannſperger,
die Gymnaſiaſten Burk und Keil, die Realgymnaſiaſten
Jäger und Völſing, die Oberrealſchüler Bernet, Freuden=
macher
und Seip und der Volontär Storck in Darmſtadt,
der Volontär Röhrig in Gießen, die Oberrealſchüler Koch
in Laubach und Vogt in Wendelsheim und der Realſchü=
ler
Zinn in Ober=Ramſtadt; als Telegraphengehilfen:
die Oberrealſchüler Heil und Schäffner und der Realgym=
naſiaſt
Jenſch in Darmſtadt; als Telegraphengehilfinnen:
Elſe Glöckner in Alzey, Hedwig Granholm in Gießen,
Pauline Metzger in Bingen und Anna Schweickerdt in

Die geſchichtlichen Grundlagen der
Darmſtädter Sage von der unheimlichen
Gräfin.
Von Stadtpfarrer D. Dr. Diehl.

Unter den vielen wiſſenſchaftlich und praktiſch hervor
ragenden Männern, die in der Zeit der Regierung des
Landgrafen Ernſt Ludwig (16881739) in dem heſſendarm=
ſtädtiſchen
Staatsweſen eine führende Stellung ein=
nahmen
, war einer der tüchtigſten Wilhelm Ludwig
von Maskowsky. Er iſt am 10. Januar 1675 zu Göp=
pingen
in Württemberg als Sohn des hochfürſtlich Würt=
tembergiſchen
Rats und Leibmedikus Martin Mas=
kowsky
geboren, wirkte nach vollendeten Studien und
Studienreiſen zuerſt im württembergiſchen Staatsdienſt und
trat dann 1709 als Geheimerat in den heſſiſchen Staats=
dienſt
über. Nach 22jährigem Dienſte verſtarb er in Darm=
ſtadt
am 19. Dezember 1731 als Ihro römiſchen kayſer=
lichen
Majeſtät würcklicher Reichshofrath, Seiner hoch=
fürſtlichen
Durchlaucht zu Heſſen=Darmſtadt hochverordneter
erſter Geheimbde Rath, Etats= und Univerſitätscantzlar, ſo=
dann
Lehen=Probſt, auch Ober=Ambtmann zu Braubach,
Embs und der Niedern=Grafſchaft Catzenelnbogen.
Um das Sterben dieſes Mannes, dem der heſſiſche
Staat wie bei Strieder, Grundlage zu einer Heſſi=
ſchen
Gelehrten und Schriftſteller Geſchichte Band 8, nach
geleſen werden kann ganz ausgezeichnete Leiſtungen
verdankt, hat die Sage ihre Schleier geworfen. Es ſoll
ganz merkwürdig beim Tode des Geheimbden Rates Mas=
kowsky
hergegangen ſein. Wie Walther in ſeinen
Hiſtoriſchen Kleinigkeiten mitteilt, und wie der demnächſt
herauskommende zweite Band heſſiſcher Sagen, bearbeitet
von K. Bader (Band 12 der Heſſiſchen Volksbücher) wieder
darſtellen wird, ſpielt in Maskowsky’s Tod, wie in dem
Tod ſeines Herrn, des Landgrafen Ernſt Ludwig, die
Sage von der unheimlichen Gräfin herein.
Dieſe Sage berichtet uns folgendes.
Am 19. Dezember im Jahre 1731 hatte der Landgraf
Ernſt Ludwig in ſeinem Hauſe auf dem Markte, der
früheren Hofapotheke, welches er ſeit dem großen Schloß=
brand
zu bewohnen pflegte, eine Abendgeſellſchaft um ſich
verſammelt, wie es ſeine Gewohnheit war. Die Geſellſchaft
war heute ganz beſonders zuſammengeſetzt; ſie beſtand aus

Damen und Herren, welche mit dem Landgrafen mehr oder
weniger ſeine Neigung, ſich mit geheimnisvollen und über=
natürlichen
Dingen zu beſchäftigen, teilten. Er war ein
großer Freund ſolcher Beſchäftigungen, und gar manchem
Schwindler gelang es, aus dieſer Neigung Nutzen zu
ziehen. Beſonders war das der Fall von ſeiten ſolcher, die
ſich rühmten mit Hilfe der Alchemie Gold und Silber
machen zu können, und mit denen er in ſeinem auf dem
Schloſſe ehedem ſtehenden Laborierhauſe zu arbeiten pflegte.
Er glaubte wirklich das Geheimnis gefunden zu haben, und
im Kabinettsmuſeum ſind im Reliquienzimmer noch einige
Kreuzer zu ſehen, die aus dem angeblichen alchemiſtiſchen
Silber gemacht ſind.
An der Spitze der Schwindler, welche den Landgrafen
ausbeuteten, ſtand ein Baron in Homburg, und derſelbe war
ſtets bemüht, den greiſen Fürſten in ſeinen Täuſchungen zu
beſtärken. Darum empfahl er häufig Perſonen hierher, die
ſich mit Goldmachen und Prophezeiungen und ähnlichen
übernatürlichen Dingen abgaben und darin Erfahrungen
gemacht zu haben vorgaben.
Veranlaſſung zu der heutigen Abendgeſellſchaft hatte
eine von dem Baron hierher empfohlene angebliche Gräfin
gegeben, welche als eine in die Geheimniſſe der übernatür=
lichen
Welt äußerſt Eingeweihte galt. Während des Spiels,
womit ſich nach dem Abendeſſen die Geſellſchaft unterhielt,
drehte ſich das Geſpräch ſtets um ſolche Dinge, die mit
Uebernatürlichem zuſammenhängen und mit denen ſich die
menſchliche Phantaſie lebhafter in der Stille der Nacht be=
ſchäftigt
als am hellen lichten Tage, an dem man alle
Dinge klarer in ihrer Wirklichkeit ſieht. Die Stimmung der
Geſellſchaft war nach und nach in Folge ſolcher Geſpräche
ganz ernſt geworden, und ſie wurde geradezu feierlich, als
allen noch unerwartet das nahe Glockenſpiel die zwölf
Schläge der Mitternacht ertönen ließ. Da erhob ſich der
Kanzler von Maskowsky, der trotz ſeiner hohen geiſtigen
Bildung und ſeines aufgeklärten Denkens ein großer
Freund geheimer Wiſſenſchaften war und an den Ge=
ſprächen
des Abends den lebhafteſten Anteil genommen
hatte. Er bedauerte, von dem Landgrafen ſich eine Be=
urlaubung
erbitten zu müſſen, weil er für eine morgen
ſtattfindende Geheimerats=Sitzung noch einen Vortrag aus
zuarbeiten habe.
Als der Kanzler den Saal verließ, ſah ihm die Gräfin,
die bei einem marmorbleichen Geſichte dunkelſchwarze
Augen hatte, mit einem wehmütigen Blicke nach, und kaum

hatte er den Saal verlaſſen, ſo brach ſie in die Worte aus:
Da geht er hin, der geſunde ſtarke Mann und hat keine
Ahnung, daß er ſchon in ſehr kurzer Zeit nicht mehr unter
den Lebenden ſein wird. Dieſe Worte durchſchauerten be=
greiflicherweiſe
die ganze zurückbleibende Geſellſchaft, ver=
anlaßten
aber den Landgrafen zu der Frage, ob ſie deſſen ſo
gewiß ſei, daß er ſeinen Kanzler ſo bald verlieren werde.
Ich bin deſſen ganz ſicher, Euer hochfürſtliche Durch=
laucht
war die raſch erfolgende Antwort, und mit weh=
mütigem
Tone fügte dann die Gräfin hinzu: Beklagen
Sie mich, Durchlaucht, daß mir dieſe Gabe der Vorahnung
verliehen iſt! Sie hat mich leider ſchon allzu oft unglücklich=
gemacht
!
Die Unterhaltung der Geſellſchaft hatte durch die Be=
mühung
des tiefergriffenen Landgrafen kaum wieder be=
gonnen
, da trat der dienſttuende Lackai mit verſtörtem Ge=
ſichte
in den Saal und meldete, daß der Herr Kanzler, als
er vor einigen Minuten in ſein Arbeitszimmer eingetreten
war, vom Schlage getroffen niedergeſtürzt und an eine
Wiederbelebung nicht zu denken ſei.
Beſtürzt hob der Landgraf die Abendgeſellſchaft auf,
und die bleiche Gräfin fuhr nach ihrer Wohnung in den.
Engel, welcher zum Logieren von Gäſten des Hofs be=
nutzt
wurde.
Soweit die Sage! Wir fragen natürlich: was
iſt an ihr geſchichtlich? Um eine Antwort auf dieſe Frage
brauchen wir nicht verlegen zu ſein. Es liegt uns nämlich
in der Schrift: Hochverdientes Ehren= Denck=
mahl
, welches dem weyland Reichs=Frey=
Hoch=Wohlgebohrnen Herrn, Herrn Wil=
helm
Ludwig von Maskowsky.. . zu deſſen
unſterblichem Nachruhm aufgerichtet wor=
den
(Frankfurt 1732) neben dem Abdruck der von dem
Darmſtädter Hofprediger Friedrich Wilhelm
Berchelmann bei der Beiſetzung am 22. Dezember 1731
und, zu Maskowskys Gedächtnis an deſſen Geburtstag
(10 Januar 1732) in der Darmſtädter Stadtkirche gehalte=
nen
Leichenpredigten, ſowie dem Abdruck der von dem
Oberramſtädter Pfarrer Johann Konrad Lichten=
berg
gedichteten Texte zur Trauermuſik für den Gedächt=
nisgottesdienſt
und einer großen Zahl von Trauer=
gedichten
eine Beſchreibung des Lebenslaufs
des Kanzlers vor, die einen ausführlichen Bericht über
Maskowskys Ende enthält und über die Eigenart ſeiner
Perſönlichkeit wertvolle Aufſchlüſſe gibt. In dieſem Be=

[ ][  ][ ]

Nummer 131.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 6. Juni 1912.

Seite 3.

Mainz; als Poſtagent: Prokuriſt Bergmann in Hirzen=
hain
. Freiwillig ausgeſchieden: Poſtagent
Soelle in Hirzenhain; die Telegraphengehilfinnen Eliſa=
beth
Beer in Mainz und Lina Schmidt in Butzbach.
g. Schwurgericht. Geſtern verhandelte das Schwur=
gericht
gegen drei Taglöhner aus Worms, den 33 jähri=
gen
Wilhelm Illig, den 39jährigen Karl Theis und
den 28jährigen Jakob Pfeiffer wegen eines in der
Nacht zum 1. April auf der rechten Rheinſeite bei Worms
in der Gemarkung Lampertheim gemeinſam verübten
Sittlichkeitsverbrechens nach § 177 des Strafgeſetzbuches.
Nach der Verhandlung, die unter Ausſchluß der Oeffent=
lichkeit
ſtattfand, wurde Urteil dahin verkündet, daß
Illig und Theis zu je 4 Jahren, Pfeiffer
zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus verurteilt
werden. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihnen auf
die Dauer von fünf Jahren abgeſprochen.
g. Strafkammer. Wegen fortgeſetzter Urkunden=
fälſchung
, durch die die Allgemeine Ortskrankenkaſſe
Offenbach um mehr als 2000 Mark geſchädigt wurde, hatte
ſich geſtern vor der hieſigen Strafkammer der im Jahre
1860 zu Kowno in Ruſſiſch=Polen geborene Optiker
Benjamin Frohmann zu verantworten. Der Ange=
klagte
hatte nach ſeiner eigenen Schilderung im Jahre
1902 die Lieferungen für die Ortskrankenkaſſe nur dadurch
erhalten, daß er die Preiſe außerordentlich niedrig ſtellte.
Er hatte für ſich bei den Lieferungen einen monat=
lichen
Bruttogewinn von etwa 200 Mark heraus=
gerechnet
, da er annahm, er würde alleiniger Lieferant.
Die Kaſſe betraute jedoch auch nach Abſchluß des Ver=
trages
mit Frohmann noch andere Firmen mit Liefer=
ungen
, ſodaß ſich nach ſeinen Berechnungen für ihn nur
ein Bruttogewinn von etwa 800 Mark im Jahre ergab.
Um nun dem drohenden Ruine zu entgehen, gab er den
Patienten beſſere Bruchbänder und ſonſtige Apparate
und Heilmittel, die infolge ihres höheren Preiſes einen
höheren Gewinn für ihn ergaben. Damit der Kaſſe dieſe
Manipulationen nicht bemerkbar wurden, änderte er die
ärztlichen Rezepte durch Zuſätze und Raſuren in ent=
ſprechende
Heilmittel, um die höheren Preiſe zu erhalten.
So lieferte er z. B. in den meiſten Fällen teuere Spezial=
bruchbänder
nach anatomiſchen Grundſätzen, und um
der Kaſſe keinen Anlaß zu Reklamationen zu geben, än=
derte
er die Rezepte in doppelſeitige Bruchbänder um,
die nach ſeiner Angabe ungefähr denſelben Preis haben,
wie die anatomiſchen Bänder. Einen Vorteil hätte er
hierbei nicht gehabt. Bei Augengläſern änderte er die
Sehſchärfen in andere Nummern, die ihm höhere Ein=
nahmen
einbrachten. Inbezug auf Lieferung von Bruch=
bändern
und Leibbinden war ihm von der Kaſſe zu=
gegeben
worden, nach Bedarf von den ärztlichen Rezepten
abzugehen und teuerere Heilmittel zu liefern. Durch
Zufall kam die Kaſſe hinter die Rezeptfälſchungen. Froh=
mann
ſtellte ſich auch ſofort der Staatsanwaltſchaft und
gab die ihm zur Laſt gelegten Handlungen zu. Der
Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisſtrafe von acht
Monaten. Das Gericht erkannte auf ſechs Monate
Gefängnis, abzüglich drei Monaten der Unterſuch=
ungshaft
.
Zwei Offenbacher Jungen, der 16jährige Weißbinder=
lehrling
Otto U. und der 12jährige Schüler Ernſt H. hat=
ten
ſich wegen eines ſchweren Diebſtahls zu verantwor=
ten
. Sie waren Anfangs März in eine offene Halle der
Händlerin Wagner eingeſtiegen und hatten eine dort lie=
gende
Roßhaarmatratze der Roßhaare beraubt und die=
ſelben
einem Althändler verkauft. Am 21. März ſtiegen
ſie abermals ein und entwendeten einen kupfernen Keſſel.
Den Erlös, insgeſamt 5 Mk. 40 Pfg., verbrauchten ſie
zum Beſuche des Kinematographen. Das Gericht ver=
urteilte
den Angeklagten U. zu zwei Monaten Ge=
fängnis
, wobei es ſtrafſchärfend berückſichtigte, daß
ihm eine frühere Strafe bedingt erlaſſen wurde. Der 12 H. wurde zu drei Wochen Gefängnis
verurteilt.
Unter der Anklage, ein unrichtiges Wahlergebnis her=
beigeführt
und das Ergebnis wiſſentlich verfälſcht zu
haben (Vergehen nach §§ 108,2 und 47 St. G. B.) ſtanden
der 37jährige Dienſtknecht Joſeph Stephan Haas und
der 40jährige Steindruckergehilfe Peter Joſeph Sturm,
beide aus Klein=Auheim, vor der Strafkammer. Der An=
geklagte
Sturm wurde am Tage der Reichstagswahl, am
12. Januar, vom Vorſitzenden der ſozialdemokratiſchen
Organiſation erſucht, den Dienſtknecht Leonhard Hoh=
mann
zur Wahl zu veranlaſſen. Auf dem Wege zu deſſen

Arbeitsſtelle traf er den Dienſtknecht Haas. Nach Sturms
Angabe wurde er nun von Wählern darauf aufmerkſam
gemacht, daß dies Hohmann ſei. Er forderte ihn zur
Wahl auf und führte ihn im Wahllokal als Hohmann vor.
Haas gibt an, Sturm hätte ihm auf ſeinen Einwand,
daß er Haas heiße, geantwortet, das wiſſe ja keiner, er
ſolle nur auf den Namen Hohmann ſeine Stimme ab=
geben
. Er hätte ihm auch 1 Schoppen Bier und 1 Zigarre
ſpendiert. Nach dem Gutachten des Herrn Geh. Medizi=
nalrats
Pfannmüller ſei der Angeklagte Haas, deſſen
Glaubwürdigkeit und Zurechnungsfähigkeit von der Ver=
teidigung
des Sturm bezweifelt wurde, wohl dumm, doch
gehe dieſer Zuſtand nichts ins Pathologiſche über; ein
Strafausſchließungsgrund nach § 51 ſei nicht gegeben.
Das Gericht verurteilte den Angeklagten Haas zu drei
Wochen und den Sturm zu drei Monaten Ge=
fängnis
wobei erſchwerend ins Gewicht gezogen
wurde, daß St. als ein mit dem Wahlrecht vertrauter
Mann, beſonders vorſichtig hätte vorgehen und ſich ganz
genau vergewiſſern hätte müſſen, ob der betreffende Wäh=
ler
auch mit dem in der Liſte ſtehenden Namen iden=
tiſch
iſt.
* Handwerkskammer. Am Freitag, den
7. Juni, findet eine Vorſtandsſitzung der
Handwerkskammer zu Darmſtadt ſtatt,
in welcher die Vorbereitung der 17. Plenarſitzung
erfolgen wird. In Ausſicht genommen iſt die Voll=
verſammlung
am 25. Juni, vormittags 11 Uhr, im
Sitzungsſaal der Stadtverordneten=Verſammlung im
Rathaus. Für die Tagesordnung ſind vorgeſehen:
1. Mitteilungen. 2. Einführung der neugewählten
Kammermitglieder. 3. Bericht über die Tätigkeit des
Vorſtandes. 4. Bericht über die Tätigkeit im Aus=
ſchuß
des deutſchen Handwerks= und Gewerbekammer=
tags
. 5. Ergänzung der Kammer nach § 5 des Statuts.
Die Punkte 68 behandeln die erforderlich werdenden
Neuwahlen und Ergänzungswahlen zum Vorſtand und
den Ausſchüſſen. 9. Prüfung und Abnahme der Rech=
nung
des Etatsjahres 1911. 10. Feſtſtellung des Haus=
haltsplans
für das Etatsjahr 1913. 11. Errichtung
neuer Geſellenprüfungsausſchüſſe. 12. Die Geſellen=
prüfungen
im Kammerbezirk. 13. Errichtung einer Ein=
ziehungsgenoſſenſchaft
für das Großherzogtum Heſſen.
14. Die Lehrſtellenvermittlung im Kammerbezirk. 15. Ver=
ſchiedenes
.
* Die Jahresverſammlung des Darmſtädter
Jugendſchriftenausſchuſſes findet am Freitag, nach=
mittags
5 Uhr, in der Viktoriaſchule ſtatt und ſind hierzu
die Mitglieder des Geſamtausſchuſſes eingeladen.
* Der Vorſtand des Vereins für Verbreitung
von Volksbildung ladet ſeine Mitglieder und ange=
ſchloſſenen
Körperſchaften zu dem Lichtbilder=
vortrag
ein, den Herr Stadtbaurat Buxbaum am
Freitag abend im Saalbau über das Thema halten
wird: Der neue Friedhof an der Breiten Allee‟. Der
Eintritt iſt frei.
* Fürſorgeſtelle für Lungenkranke. Nach einer in
der heutigen Nummer enthaltenen Bekanntmachung des
Oberbürgermeiſters werden die Sprechſtunden in der
Fürſorgeſtelle für Lungenkranke (Wilhelminenſtraße 34)
vom 6. Juni bis einſchließlich 4. Juli d. Js. nicht
Mittwochs, ſondern Donnerstags, von 3 bis 5 Uhr nach=
mittags
abgehalten.
* Das Feſt der Silberhochzeit begehen heute der
Bureaudiener Friedrich Freiling und Frau.
* Grundſtücksverkehr. Bei Großh. Ortsgericht Darm=
ſtadt
I wurden im Monat Mai 1912 folgende Kauf=
verträge
abgeſchloſſen: 8 über bebaute Grundſtücke
Kaufpreis 393800 Mk., 3 über unbebaute Grundſtücke,
Kaufpreis 20063 Mk., zuſammen 413863 Mk. (Mitgeteilt
vom Darmſtädter Hausbeſitzerverein, E. V.)
C. 1004 Mark Ueberſchuß. Das am vorigen Sonn=
tag
zum Beſten des Kirchenbaus in Arheilgen in der St.
Eliſabethenkirche veranſtaltete Kirchenkonzert hat den
namhaften Reingewinn von 1004 Mark ergeben.
* Luftpoſtmarke. Exemplare der Marken der vom
9. Juni ab in Kraft tretenden erſten deutſchen Luftpoſt
ſind in der Bilderauslage unſerer Expedition Rheinſtraße
Nr. 23 ausgeſtellt.
* Der neue Friedhof. Auf den am Freitag abend
im großen Saale des Städtiſchen Saalbaus ſtattfinden=
den
Lichtbildervortrag des Herrn Stadtbaurat
Buxbaum über den neuen Friedhof ſei hiermit noch=
mals
hingewieſen. Der Eintritt iſt frei.

* Der Bezirksverein Beſſungen ladet die Mitglieder
zu dem am Freitag ſtattfindenden Lichtbilder=Vortrag
des Herrn Stadtbaurat Buxbaum über den neuen
Waldfriedhof ein.
* Zeltmiſſion. Man ſchreibt uns von maßgebender
Seite, daß die ſogen. Rheiniſche Zeltmiſſion nicht, wie
durch Veröffentlichungen der Anſchein erweckt werden
könnte, kirchlichen, ſondern widerkirchlichen, ſektiereriſchen
Beſtrebungen dient.
* Der Brieftaubenklub Gut Flug‟ Darmſtadt=
Beſſungen veranſtaltete Dienstag mit einjährigen
Tauben ſeinen erſten diesjährigen Preisflug. Der Flug
ſollte bereits am Sonntag ab Sangerhauſen 257 km
ſtattfinden. Die Tiere konnten aber Sonntag und
Montag wegen der überall herrſchenden ſtürmiſchen,
gewitterreichen Wetterlage nicht auf die lange Reiſe ge=
ſchickt
werden und mußten in ihren Reiſekörben ver=
bleiben
. Endlich Dienstag früh kam das lang erſehnte
Telegramm des Begleiters, daß ſich das Wetter in
Sangerhauſen gebeſſert und die Tauben aufgelaſſen
würden. Trotzdem wir hier noch ſtarken Südweſt, alſo
Gegenwind, zu verzeichnen hatten, kamen die Tauben
in raſcher Reihenfolge von 10½ Uhr ab hier an, ſo daß
bis zum Nachmittag nahezu alle ausgeſetzten Preiſe ver=
geben
werden konnten. Es erhielten: H. Horſt den 1.,
Fr. Weigold den 2., L. Vollhardt den 3., Fr. Stein
den 4., W. Wittmann den 5., Ph. Haun den 6. und L.
Erbes den 7. Preis.
* Ein Novitäten=Abend wird heute im
Hotel Heß veranſtaltet, bei dem wieder einige für
Darmſtadt neue Stücke zur Vorführung gelangen. (Siehe
Anzeige.)

K. Heppenheim a. d. B., 4. Juni. In der geſtern
hier abgehaltenen Generalverſammlung des Kredit= und
Vorſchußvereins Heppenheim wurden Direktor Dorn und
Rechner Höhn abgeſetzt und an ihre Stelle Profeſſor
Rupp=Heppenheim zum Direktor und Georg Neher=
Straßburg zum Rechner gewählt. Die Urſache dieſer Maß=
nahme
beſtand in Unregelmäßigkeiten, die dem bisherigen
Rechner zur Laſt gelegt wurden, und zwar ließ er ſich gegen
den Willen des Aufſichtsrates in Wechſelgeſchäfte ein. Die
dadurch entſtandenen Verbindlichkeiten, welche die Summe
von 12000 Mark nicht überſchreiten, ſind indeſſen durch
Gegenwerte ausreichend gedeckt, ſodaß der Kredit= und
Vorſchußverein dabei keinen Schaden erleidet. Die Gene=
ralverſammlung
iſt in durchaus ruhiger Weiſe verlaufen.
Offenbach, 5. Juni. Von der Straßenbahn
erfaßt und zu Boden geſchleudert wurde geſtern der
16jährige Konrad Meßner. Meßner erhielt eine klaf=
fende
Wunde und zog ſich außerdem eine Gehirnerſchüt=
terung
zu. Die Rettungswache am Wilhelmsplatz leiſtete
die erſte Hilfe und überführte den Verunglückten ins
Krankenhaus.
R. Mainz, 4. Juni. Heute abend fand hier eine von
über 200 Perſonen beſuchte Verſammlung zur Organiſation
der Beſtrebungen Jungdeutſchland ſtatt. Anweſend
waren der Gouverneur von Mainz, Graf v. Schlieffen,
Provinzialdirektor von Rheinheſſen, Geheimerat Dr. Brei=
dert
, Oberbürgermeiſter Dr. Göttelmann, Eiſenbahn=
präſident
Dr. Michaelis, eine Anzahl Landtagsabge=
ordnete
, Stadtverordnete, Offiziere und zahlreiche Lehrer
und Turner. Stark vertreten war auch die Provinz
Rheinheſſen und die angrenzenden Teile von Starkenburg
und Heſſen=Naſſau. Ferner war die Mainzer Geiſtlichkeit
vertreten. Nach kurzer Begrüßung durch den Provinzialdirek=
tor
nahm General a. D. Freiherr von Heyl das Wort zu
einigen orientierenden Ausführungen. Sodann hielt Land=
gerichtsrat
Dr. Jungk=Mainz die Werbe= und Programm=
rede
. Eine Anzahl von Vertretern von Sommer= und
Winterſportvereinen, konfeſſionellen Jugendvereinen, ſowie
die ſtädtiſchen, ſtaatlichen und militäriſchen Behörden ſag=
ten
ihre Unterſtützung der Jungdeutſchland=Beſtrebungen zu.
Mainz, 5. Juni. In der geſtrigen Sitzung des
Provinzialausſchuſſes wurde eine auch für andere Städte
wichtige Entſcheidung getroffen. Ein Mom=
bacher
Hausbeſitzer, deſſen Haus in der Kleiſtſtraße im
Jahre 1897 erbaut wurde, war nach dem erſt 1903 erlaſſe=
nen
Ortsſtatut wie andere Bewohner der Stadt Mainz zu
Straßenbaukoſten herangezogen worden. Der
Kreisausſchuß hatte ſeinerzeit die Hausbeſitzer zu den
Straßenbaukoſten verurteilt, wogegen Rekurs beim Pro=
vinzialausſchuß
eingelegt wurde. Hier wurde feſtgeſtellt,

griff des Heſſen=DarmſtädtiſchenGeheimden Raths und
Cantzlars von Maskowsky Lebens=Lauff leſen wir:
Seinen Tod und Sterbens=Tag hat er weder ge=
wünſcht
, noch gefürchtet. Wohl aber desſelben Anmarſch
und Annäherung ſchon vor geraumer Zeit gantz gelaſſen
entgegen geſehen, ſich auch dahero zu deſſen täglicher Be=
trachtung
und Erinnerung einen düſtren Todten=
Kopff mit der anredenden Umſchrift: Ich bin auch ein
Lebendiger und eben ſo ein eitler Menſch geweſen, wie
du uſw. einen Todten=Sarg, mit einer darauf ge=
ſetzten
beynahe ausgeloffenen Sand=Uhr, sub inscrip-
tione
( mit der Inſchrift): Der Reſt meines elenden
Lebens uſw., ſodann einen Grab=Stein mit der In=
ſcription
folgender Verſe:
Leſer! in dem Lauff des Lebens,
Sucheſt du die Ruh vergebens,
Dieſer Stein der giebet Ruh,
Nirgends iſt ſie ſonſt zu haben,
Willſt du dich mit Ruhe laben,
Schließ mit dir die Augen zu,
In ſeinem Garten mahlen laſſen, ſondern auch
an einen guten Freund, als Er ihn zur Wiederannehmung
convenabler Dienſte in ſeinem Vatterland disponieren
wollen, kürtzlich geantwortet: Daß er durch die Ihme
noch gantz kurtz gethane Gnaden=Bezeugungen bereits ge=
nugſam
conſoliert, und aus ſeines gnädigſten Fürſten und
Herrn, welcher Ihn vor 22 Jahren ſo gracieuſement auf=
genommen
, Dienſten zu gehen, aller ſonſt ſeinem Vatter=
land
tragender natürlicher Obligation ( Verpflichtung)
ohnerachtet, ohne deſſen Conſens ( Erlaubnis) zu quit=
tieren
, oder in ſeine erſtere Dienſte zurück zu tretten
nimmermehr geſinnet ſeye, da er zumal aus der Schwäch=
lichkeit
ſeiner Conſtitution und andern praeſagiis ( Ahn=
ungen
) bey ſich genugſam verſpühret, und überzeuget ſeye,
daß der liebe Gott ihn bald in ein anderes weit beſſeres
Vatterland vociren und aufnehmen werde wohin Er ihm,
als ſeinem Schöpffer und Erlöſer hertzlich gern folgen
wolte. Unter ſeinen vermengten Collectaneis ( geſam=
melten
Papieren) findet ſich von ihm um gleiche Zeit fol=
gender
Abſchieds=Gedancke:
Du liebes Darmſtadt dieſer Zeiten,
Fahr hin, ich weiß ein beſſer Land,
O kurtze Freud! o ſchöner Tand!
Dort oben hängt das güldne Pfand,
Daran Gott ſelbſt ſein Blut gewandt,
Das ich bald hoffe zu erſtreiten.

Welche von ihm offt verſpürte und an gute Freunde ge=
äußerte
Voranzeigen ſich endlich leyder! dahin veri=
ficirt
( bewahrheitet), daß aller gebrauchter dienſamer
vieler Medicamenten und Medicorum ohngeachtet es ſich mit
der Ihm von Gott zugeſchickten beſchwerlichen Kranckheit
der Waſſerſucht zu keiner Beſſerung anlaſſen wollen, wie=
wohl
der Höchſte dem ſeelig=verſtorbenen den im Leben
öffters gethanen hertzlichen Wunſch ſo weit erfüllet, daß Er
ihn nicht mit einem plötzlichen Tod überfallen,
ſondern Ihm mehr als eine vierteljährige Friſt zu Beſtell=
ung
ſeines Hauſes übrig gelaſſen, von welchem in der faſt
ausgeloffenen Uhr ſeines Lebens annoch übrig gebliebenen
wenigen Reſt ſeiner Zeit er dermaßen wohl zu profitiren
gewußt, daß, wie er ſeit einigen Jahren ſein ihm nah be=
vorgeſtandenes
Lebens=Ende mit verſchiedenen ſehr erbau=
lichen
Sinnbildern ſich nachdrücklich vorgebildet, alſo der=
ſelbe
vornehmlich auch das ihm durch göttliche Barmhertzig=
keit
übrig gelaſſene Spatium inter vitam, negotia et mor-
tem
( Zwiſchenzeit zwiſchen Leben, Geſchäften und Tod)
hauptſächlich zu Betrachtung des Todes und Anſchickung
zur Reiß in das ewige Vatterland höchſt erbaulich ange=
wendet
.
Die eben mitgeteilten Stellen aus Maskowskys
Lebenslauf beweiſen daß alles, was die Sage über des
Kanzlers Ende mitteilt, ungeſchichtlich iſt. Er iſt nicht plötz=
lich
, ſondern nach längerem Leiden geſtorben. Er war in
ſeinen letzten Lebensjahren nie ein geſunder, ſtarker
Mann, ſondern eine durchaus kränkliche Perſönlichkeit. Es
iſt auch nicht richtig, daß er kurz vor ſeinem Ende im Schloß
war. Wie die Perſonalien weiter mitteilen, hat er vor
ſeinem Tode in mehreren Tagen ſeine Wohnung nicht ver=
laſſen
. Er hat zwar bis zu ſeinem vorletzten Lebenstage
noch an einem Gutachten gearbeitet, dann aber am letzten
Tag die Arbeit aufgeben und ſich damit begnügen müſſen,
das höchſt erbauliche Lied: Jeſus meine Zuverſicht mit in=
brünſtiger
Andacht ſelbſt annoch vollkommen aus zu ſingen
und mit Beten, Singen und geiſtlichem Zuſpruch ſo lang
anzuhalten, bis er nach überhand genommenem innerlich
kaltem Brand ſeinen edlen Geiſt durch einen ſanfft. und
ſeeligen Tod dem Geiſt und Schöpffer aller Geiſter auf= und
zurückgegeben, ſo geſchehen Mittwoch als den 19ten Monats
Decembris Abends zwiſchen 8 und 9 Uhr.
Die Sage enthält alſo keinerlei geſchichtliche Züge. Wie
iſt aber dann ihre Entſtehung zu erklären? Ich glaube, daß
ich den Schlüſſel für die Erklärung gefunden habe. Die
unheimliche Gräfin, die alles voraus weiß.

aber nur ungern ihre Kenntniſſe anderen
mitteilt iſt ein verzerrtes Bild der Zeich=
nung
, die die Perſonalien von Maskowskys
Vater entwerfen. Dieſer Mann war ein ganz eigen=
tümlicher
Herr. Seiner darzu jederzeit verſpürten natür=
lichen
Inclination ( Neigung) nach hatte er ſich ſchon
als junger Mann auf mathematiſche, phyſiſche und andere
curioſe Wiſſenſchaften dergeſtalt applicirt ( gelegt), daß
Er nicht ſowohl aus geſammleten Manuſcripten und guten
Büchern als vielmehr aus denen von Ihme biß in ſein
hohes Alter continuirten ( fortgeſetzten) Obſervationibus
(Beobachtungen) der Conſtellation, Liniamenten ( Ge=
ſichtszüge
) und anderer Marques ( Kennzeichen) derer
entweder ſehr glück= oder unglückſeelig=gewordener Men=
ſchen
in judicando ( in der Beurteilung) gar ſelten ge=
fehlet
. Er war alſo im Beſitz einer Geheimwiſſenſchaft,
die ihm in die Geheimniſſe des einzelnen Menſchenlebens
einen Blick gewährte, der dem gewöhnlichen Menſchen ſonſt
verſagt iſt. Er hatte die Fähigkeit der unheimlichen
Gräfin! Aber ſeine Wiſſenſchaft verwandte er auch in der=
ſelben
Weiſe wie ſie. Denn in den Perſonalien heißt es
von Maskowskys Vater weiter: er habe ſelbſt dieſe ver=
meyntliche
Scientien ( Wiſſenſchaft) nur pro conjeeturali-
bus
( für Mutmaßungen) gehalten, ſei auch damit
nirgends als gegen gute Freunde heraus
gegangen Ganz wie es die unheimliche Gräfin im
Kreiſe der Schloßfreunde tat!
Nimmt man zu dieſen merkwürdigen Sätzen über des
alten Maskowsky große Kunſt die mit dem ganzen
Ehrendenkmal vielen Darmſtädtern vor das Geſicht
kamen und dem Geiſt der Zeiten entſprechend mit
einem heiligen Schauer geleſen wurden, noch die andere
Tatſache, daß auch an dem Sohn Maskowsky man denke
nur an die merkwürdige Ausſtattung ſeines Gartens!
vieles rätſelhaft und geheimnisvoll war, ſo kann man es
wohl begreifen, wie die Sage von der unheimlichen Gräfin
entſtehen konnte. Daß die Sage beim Tod des Kanzlers
nicht ſtehen blieb, ſondern auch auf den Landgrafen Ernſt
Ludwig überſprang, deſſen Todestag bis auf die Stunde
dieſe weiſe Dame ja auch voraus bekannt gegeben haben
ſoll, das iſt dem durchaus verſtändlich, der die Entwicklung
anderer Sagenſtoffe ſchon einmal ſich angeſehen hat. Jeden=
falls
haben wir hier ein äußerſt intereſſantes Beiſpiel der
Entſtehung geſchichtlicher Sagen vor uns.

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 6. Juni 1912.

Nummer 131.

daß die Stadt nicht nachträglich berechtigt war,
die Koſten zu erheben. Mit ſämtlichen Koſten, auch den
Rechtsanwaltskoſten des Rekurrenten, wurde die Stadt
Mainz belaſtet.
Mainz, 4. Juni. Ein ſchwerer Einbruchsdieb=
ſtahl
wurde in dem Warenhaus von Chriſt. Wald in
Mombach in einer der letzten Nächte ausgeführt. Die
Spitzbuben drangen in das Geſchäftslokal ein und
nahmen eine ganze Menge wertvoller Gegenſtände mit,
ſo eine goldene Uhr, mehrere fertige Anzüge, Hemden,
Pfeifenköpfe, Zigaretten und viele andere Dinge. Die
im Laden ſtehende Kaſſette vermochten ſie nicht zu öffnen,
weshalb ſie dieſe mit dem Inhalte fortſchleppten. Ihren
Raub verpackten die Gauner in aller Seelenruhe in
einer gegenüberliegenden Gartenwirtſchaft. Der zur
Stelle gebrachte Polizeihund verlor auf der Straße bald
die Spur, da in aller Frühe ſchon der Sprengwagen
darüber hinweggegangen war. Der Polizei gelang in=
des
doch noch die Ermittelung der Diebe. Der Haupt=
täter
wurde bereits feſtgenommen.
Mombach, 5. Juni. Die Polizei verhaftete
4 Burſchen im Alter von 1720 Jahren, die die letzten
großen Diebſtähle im hieſigen Stadtteile aus=
führten
. Zwei von ihnen hatten mehrere hundert Meter
Bleirohr der neu angelegten Gaſtellſchen Waſſerleitung
aus der Erde herausgeholt und verkauft. Bei der Ver=
haftung
fragt der eine der beiden Diebe den Schutzmann
ganz naiv, ob nun auch ſchon die Diebe feſtgenommen
worden ſeien, die den Einbruch im Waldſchen Waren=
haus
verübt hätten. Der Schutzmann ſtellte ſich, als
wiſſe er von dem Einbruch noch gar nichts, und nun er=
eiferte
ſich der Burſche derart, daß der Schutzmann bald
den ganzen Zuſammenhang des zweiten Diebſtahls
wußte. Er ließ die beiden Mitſchuldigen der Bleidiebe
ſofort holen und hatte von ihnen auch bald das volle
Geſtändnis. Alle vier Burſchen wurden ſofort in Unter=
ſuchungshaft
abgeführt. Bei dem einen fand man die
bei Wald geſtohlene goldene Uhr in der Taſche. Die
ſämtlichen anderen geſtohlenen Gegenſtände wie Anzüge,
Hemden, Zigarren uſw. wurden in einem Gebüſch am
neuen Promenadeweg auf dem Hardenberg aufgefunden.
Mit Ausnahme des mit der Kaſſette geſtohlenen Bar=
betrages
erhielt der Beſtohlene alle Gegenſtände im Werte
von 350 Mark zurück.
Kaſtel, 5. Juni. Bei dem hier liegenden Pionier=
bataillon
Nr. 21 iſt mit dem Beginn dieſes Monats das
Infanterielehrkommando des 18. Armee=
korps
eingetroffen, um bei dieſem Pionierbataillon den
Pionierdienſt zu erlernen. Es ſind von jedem Infanterie=
Regiment dieſes Armeekorps je ein Offizier mit 6 Unter=
offizieren
. Der Dienſt für dieſes Kommando hat bereits
begonnen. Am Vormittag iſt praktiſcher Dienſt auf dem
Uebungsplatz und am Nachmittag iſt Unterricht. Die
Offiziere ſind in Bürgerquartieren und die Unteroffiziere
in der Erzherzog Wilhelm=Kaſerne einquartiert.
Oppenheim, 5. Juni. Zur Anſammlung eines
Fonds für die durch die großen Verfehlungen des
Notars Juſtizrat Hubert geſchädigten Perſonen iſt
heute dem Landtagsabgeordneten Rechtsanwalt Dr.
Winkler durch die Heſſiſche Regierung ein weiterer
Staatsbeitrag von 5000 Mark ausbezahlt
worden, ſo daß nun vom Staate 8000 Mark beige=
ſteuert
worden ſind.
Oſthofen, 4. Juni. Am zweiten Pfingſtfeiertag
nachts wurde der etwa 40 Jahre alte Tünchergeſelle
Abel aus Hardt, zurzeit bei Tünchermeiſter Trundt in
Oſthofen beſchäftigt, in bewußtloſem Zuſtande auf der
Straße liegend aufgefunden. Er war an dieſem Abend
in einer Wirtſchaft in der Salzgaſſe und wurde hier be=
trunken
. Die anweſenden Gäſte ſchütteten ihm Kognak
in das Bier, was den Abel in große Aufregung brachte.
Mit den Gäſten kam er deshalb in Streit und ſchließlich
packten ihn einige Rohlinge und warfen ihn zur Türe
hinaus auf die Straße, wo er beſinnungslos liegen
blieb. Als er nach drei Tagen nicht zur Beſinnung ge=
kommen
war, brachte man Abel in das Krankenhaus nach
Worms, wo er am Sonntag, ohne die Beſinnung wieder
erlangt zu haben, geſtorben iſt. Inwieweit dritte
Perſonen an dem Tode ſchuldig ſind, wird die inzwiſchen
eingeleitete Unterſuchung aufklären.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 4. Juni. Der Kaiſer
wird, wie jetzt feſtſteht, am 13. d. M. in Hannover eintref=
ſen
und am 14., morgens halb 7 Uhr, auf der Fahrenwal=
der
Heide ſein Königs=Ulanen=Regiment beſichtigen, dann
das Frühſtück im Kaſino der Ulanenkaſerne einnehmen
und Hannover nachmittags halb 2 Uhr wieder verlaſſen.
Der Kaiſer weicht diesmal von ſeinem üblichen Reiſepro=
gramm
ab, das ihn ſonſt von Hannover im Auto durch die
Lüneburger Heide führte, und kehrt direkt nach Berlin zu=
rück
. Es gilt für ſicher, daß der Diebſtahl in dem
Spandauer Artilleriedepot nur von einem
Mitglied des jetzigen Perſonals verübt ſein kann, da die
geſtohlenen Zeichnungen erſt vor 10 Tagen in Spandau
eingetroffen waren und davon nur das zur Zeit dort be=
ſchäftigte
Perſonal Kenntnis hatte. Einen ſchreck=
lichen
Tod fand heute die 5jährige Tochter eines Ar=
beiters
Schmidt aus der Elbeſtraße. Spielende Kinder

hatten Reiſig zuſammengetragen und dieſes angezündet.
Die kleine Schmidt kam den Flammen zu nahe und ihre
Kleider fingen Feuer. Das Kind erlitt ſo ſchreckliche
Brandwunden, daß es bald darauf ſtarb. Ein ſchwar=
zer
Räuber iſt in der Elſaſſer Straße feſtgenommen
worden. Der 28 Jahre alte aus Weſtafrika ſtammende
Neger Richard Dougan verlangte von einem Händler an
der Ecke der Hamburger und Elſaſſer Straße Ware, die
dieſer ihm jedoch nicht geben wollte. Darüber erboſt, fiel
der Schwarze über den Mann her und ſchlug ihn zu Bo=
den
, entriß ihm die Ware und verſuchte damit zu ent=
kommen
. Vorübergehende hatten aber den Vorfall be=
obachtet
und ſetzten dem Neger nach. Sie ergriffen ihn
auch bald und übergaben ihn einem Schutzmann. Dieſer
brachte den ſchwarzen Räuber zunächſt nach der Revier=
wache
und von dort ſpäter nach dem Polizeipräſidium.
Hier ſtellte ſich der Verhaftete, als ob er kein Wort Deutſch
verſtehe.
Reutlingen, 5. Juni. Drei hieſige junge Leute machten
mit einer Cafékellnerin eine Vergnügungsfahrt
Zit einem Automobil eines Fabrikanten aus
Metzingen, das der Chauffeur unbefugterweiſe fortnahm.
Auf der Rückfahrt hierher geriet das Automobil bei Pful=
lingen
in den Straßengraben und überſchlug ſich. Der
Chauffeur iſt tot, die Kellnerin lebensgefährlich verletzt.
Die drei jungen Leute kamen mit leichteren Verletzungen
davon.
Dresden, 4. Juni. Vor etwa zwei Wochen ver=
ſchwanden
, wie ſchon kurz gemeldet, zwei junge
Damen aus Dresden, von denen die eine Tochter eines
reichen Automobilbeſitzers und die andere Tochter eines
Mannes in hervorragender geſellſchaftlicher Poſition iſt.
Die Mädchen, die im 15. und 17. Lebensjahre ſtehen,
waren mit ihren Eltern ins Theater gegangen, hatten
ſich aber während der Vorſtellung entfernt. Ran ver=
mutete
zuerſt, daß ſie durch ſchlechte Geſellſchaft nach
Berlin verſchleppt worden waren. Jetzt ſtellt ſich her=
aus
, daß ſie von Mädchenhändlern entführt wor=
den
ſind. Zurückgelaſſene Briefe deuten darauf hin, daß
die Mädchenhändler die beiden jungen Mädchen durch
hypnotiſche Mittel beeinflußt haben. Ein Schreiben war
an den Bräutigam des einen Mädchens eingelaufen und
enthielt die Mitteilung, ſie, ſeine Braut, liebe ihn zwar,
doch habe ſie ihn unter einem unwiderſtehlichen Zwange‟
verlaſſen. Dieſer Brief bot der Polizei die erſte Hand=
habe
. Der Poſtſtempel wies als Aufgabeort Abazzia
aus. Daraus ſchloß die Polizei, daß die jungen Damen
in Fiume ſich nach Amerika eingeſchifft hätten. Die
Fiumer Polizei ſtellte feſt, daß die Verſchwundenen mit
dem Dampfer Pannonia in Geſellſchaft eines ver=
dächtigen
Herrn Fiume verlaſſen hatten. Daraufhin
wurde das deutſche Konſulat in Gibraltar erſucht, die
jungen Mädchen in Gibraltar feſtzuhalten, wohin die
Eltern aus Dresden kommen würden. Das Konſulat
hat dieſem Wunſche auch entſprochen und die beiden jun=
gen
Mädchen in Obhut genommen. Die Namen der bei=
den
Mädchen ſind noch nicht bekannt, von der Polizei
wurden nur die Anfangsbuchſtaben angegeben. Die
Geſchichte klingt geradezu unglaublich!
Nordhauſen, 4. Juni. Der Sägemühlenbeſitzer Nierat
aus Elbingerode, der unter dem Verdachte verhaftet wor=
den
iſt, den Forſtlehrling Klie erſchoſſen zu haben,
egte ein volles Geſtändnis ab. Er geſtand ein, den
Lehrling, der ſich am 23. Mai abends bei Elbingerode auf
den Rehbockſtand begeben hatte und dabei auf drei Wil=
derer
geſtoßen ſei, durch zwei Schüſſe niedergeſtreckt zu
haben. Seine Gefährten bei der Mordtat, zwei Arbeiter,
wurden gleichfalls verhaftet.
Prag, 4. Juni. Wie die Bohemia meldet, ſind in der
Ortſchaft Haj bei Troppau mehr als 700 Perſonen,
faſt alle Bewohner, nach dem Genuß von Fleiſch einer
kranken Kuh erkrankt. Vier Perſonen ſind bereits
geſtorben.
London, 5. Juni. Als im Militärlager zu Alderſhot
ein Pferd in die Schwemme geritten wurde, ſtürzte
das Pferd mit einem Huſaren vom 19. Regiment. Ein
Kamerad ſchwamm ihm zu Hilfe. Beide erhielten von dem
wildgewordenen Pferd Hufſchläge und gingen unter.
Ein Sergeant ging ebenfalls unter; ein Leutnant, der nach
en Geſunkenen untertauchte, bemühte ſich ohne Erfolg.
Als er auftauchte, war er bewußtlos und erholte ſich erſt
nach Anwendung künſtlicher Atmung.
Konſtantinopel, 4. Juni. Zu dem Brande in
Stambul, der ſchlimmer geweſen iſt, als anfänglich
berichtet wurde, werden folgende Einzelheiten gemeldet:
Nach der erſten Unterſuchung brach das Feuer in einem
ſeubau aus, der für den Abteilungschef des Unterrichts=
miniſteriums
errichtet wird. Hier gerieten Hobelſpäne
in Brand. Die widerſprechenden Ausſagen der feſtge=
nommenen
Arbeiter laſſen Brandſtiftung als Urſache
vermuten. Waſſermangel begünſtigte die Ausbreitung
es Feuers. Das Juſtizminiſterium und das Verwalt=
ungsgebäude
des Vilajets Konſtantinopel ſchwebten in
großer Gefahr. Bei den Rettungsarbeiten waren die
meiſten Miniſter zugegen. Die meiſten eingeäſcherten
Häuſer gehören den ärmeren Volksklaſſen und ſind un=
verſichert
. Der Brand dauerte 12 Stunden. Sechs
Moſcheen, fünf mohammedaniſche Schulen, drei Bade=
anſtalten
, das Gebäude der theologiſchen Hochſchule und
die Moſchee des Sultans Achmed ſind abgebrannt. Das

Hauptgebäude der tierärztlichen Schule wurde gerettet,
nur das chemiſche und bakteriologiſche Laboratorium
und einige Nebengebäude ſind abgebrannt. Der Schie=
nenweg
der Orientbahn iſt bis zur Station Konkapu
durch Trümmer geſperrt. Die Obdachloſen verbrachten
die Nacht bei Freunden, unter Zelten oder unter freiem
Himmel. Von den Behörden wurden die erſten Hilfs=
mittel
verteilt. Die Polizei verhaftete zahlreiche Diebe,
die gerettete Gegenſtände zu ſtehlen verſuchten. Die Ver=
luſte
der Verſicherungsgeſellſchaften betragen, ſoweit bis=
her
ermittelt worden iſt, 3½ Millionen Francs, von
denen eine halbe Million auf die Aſſicurazioni Generali
in Trieſt entfällt. Die Zahl der zerſtörten Häuſer wird
auf 2300 geſchätzt, die der Obdachloſen auf 15000. Die
Offiziere und Mannſchaften des deutſchen Stations=
ſchiffes
Loreley beteiligten ſich tatkräftig an den Löſch=
arbeiten
.
New=York, 5. Juni. Dem neuen amerikaniſchen
Dreadnought Arcanſas der bei der Probefahrt
auf ein unterſeeiſches Riff ſtieß, wurden 45 Fuß ſeines
Bodens aufgeriſſen. Nur der doppelte Boden ver=
hinderte
den ſofortigen Untergang des Schiffes.
New=York, 5. Juni. Im Speiſeſaal der Effektenbörſe
ſtreikten geſtern mittag vierzig Kellner, während 125
Mitglieder beim Speiſen waren. Einige jüngere Börſen=
agenten
ſervierten hierauf für ihre Millionärkollegen. Am
letzten Weihnachtsfeſt erhielten die Kellner von den Bör=
ſenmitgliedern
zehntauſend Dollars Weihnachtsgeſchenk.
Quebeck, 5. Juni. Die Herzogin von Con=
naught
, geborene Prinzeſſin Luiſe von Preußen, Toch=
ter
des verſtorbenen Prinzen Friedrich Karl von Preußen,
iſt ernſtlich an Blinddarmentzündung erkrankt und
wurde ins Hoſpital von Montreal gebracht.

Parlamentariſches.

*X* Darmſtadt, 5. Juni. Der Finanzaus=
ſchuß
der Zweiten Kammer hielt heute vor=
mittag
gemeinſam mit der Regierung, für die die Herren
Staatsminiſter Ewald, Finanzminiſter Braun, Mi=
niſter
des Innern von Hombergk zu Vach, die
Geheimeräte Dr. Becker, Süffert u. a. erſchienen
waren, eine abermalige Beratung über die Regierungs=
vorlagen
, betr. die Beſoldungsreform, ab, in der
eine Anzahl neuer Vorſchläge zur Aufbringung der
Deckungsmittel uſw. zur Erörterung kamen. In den=
Verhandlungen, die bis nachmittags 2 Uhr andauerten,
wurde jedoch eine endgültige Verſtändigung noch nicht
erzielt. Die gemeinſamen Beratungen zwiſchen Ausſchuß
und Regierung ſollen deshalb in einer am nächſten
Freitag vormittag ſtattfindenden neuen Sitzung des
Finanzausſchuſſes fortgeſetzt werden.

Stadtverordneten=Verſammlung.
5. Sitzung.
St. Darmſtadt, 5. Juni.

Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet um 4 Uhr
die Sitzung und macht vor Eintritt in die Tagesordnung
folgende
Mitteilungen:
Der Landesverband der Hausbeſitzer=
Vereine im Großherzogtum Heſſen beantragt, das
Waſſergeld für die Folge nicht mehr von den Hausbe=
ſitzern
, ſondern von den einzelnen Mietern zu erheben.
Die Eingabe geht an die Bürgermeiſterei.
Der Vorſitzende weiſt an Hand ihm zur Verfügung
geſtellten Materials nach, daß die dem Städtiſchen Be=
amtenverein
und dem Städtiſchen Arbeiterver=
ein
bewilligten Beiträge ſatzungsgemäß zu Unterſtütz=
ungszwecken
Verwendung finden.
Die Bewohner der Niederſtraße bitten, von
der Verlegung des Beſſunger Faſelſtalls in die Hofreite
Niederſtraße 13 abzuſehen.
Die Arbeitnehmerbeiſitzer des Gewerbegerichts
bitten, daß ihnen die Zeitſchrift Das Gewerbe= und Kauf=
mannsgericht
auf Koſten der Stadt geliefert wixd.
Der Fechtverein Waiſenſchutz lädt zu ſei=
ner
Landesverſammlung am Sonntag, den 23. d. Mts.,
ein.
Zu dem Vortrag des Stadtbaurats Buxbaum über
Friedhöfe uſw. werden die Stadtverordneten ein=
geladen
.
Stadtv. Stemmer erſucht wiederholt, die erſten
Elektriſchen von der Landskronſtraße ſo zeitig ab=
zulaſſen
, daß ſie zu den Frühzügen am Bahnhof ſind.
Beig. Ekert ſagt zu, daß die Angelegenheit nochmals
geprüft werden ſoll, und wenn das Material des Stadtv.
Stemmer richtig ſei, werde man der Sache wohl näher=
treten
. Die ſtattgehabten Zählungen haben allerdings
ſehr geringe Benutzung der Frühzüge bezw. Elektriſchen
ergeben.
Stadtv. Hüfner erſucht, auf dem Bahnhofsplatze
bezw. am Griesheimer Weg einige ſtilvolle Häuschen für=
Verkaufszwecke oder Erfriſchungen uſw. zu errichten, da=
mit
die derzeitigen unſchönen Verkaufsbuden fliegender
Händler verſchwinden. Der Vorſitzende teilt mit
daß dieſe Frage längſt erörtert wird. Man wird zunächſt
probeweiſe das derzeitige Oktroihäuschen an der
Kunſthalle dort aufſtellen. Stadtv. Nodnagel hält

Feuilleton.

Die Gedächtnisuhr der Pariſerin. Den eleganten
Schönen von Paris, die ſich in der Fülle ihrer Rendez=
vous
und Verabredungen nicht mehr auskennen, iſt die
ſtets erfinderiſche Induſtrie zu Hilfe gekommen und hat
ihnen eine Art von Gedächtnisuhr geſchenkt, die ſie mit
minutiöſer Genauigkeit an ihre Stelldicheins erinnert.
Dieſe Uhr gleicht völlig einer der gewöhnlichen kleinen
Taſchenuhren, wie ſie die Damen tragen, ſie hat aber,
ähnlich wie die großen Wecker, ein Repetierwerk, das
man mit Hilfe eines kleinen Hebels auf eine beliebige
Stunde und Minute einſtellen kann. Hat z. B. die Be=
ſitzerin
der Uhr eine beſtimmte Verabredung getroffen,
ſo braucht ſie, falls ſie ſich ſpäter der verabredeten Stunde
nicht mehr genau entſinnt, nur den Hebel zu berühren,
worauf ihr die Uhr mit einigen leichten Glockenſchlägen
die gewünſchte Stunde angibt. Eine andere Abart der
Uhr weckt die Trägerin zu der Stunde und Minute, auf
die ſie die Uhr eingeſtellt hat, und ſie ſchlägt ſo laut, daß
der Mahnruf überall, auch im Straßenlärm, vernehmlich
wird. Für die ganz Vergeßlichen aber gibt es noch eine
dritte Variation: dieſe Uhr läßt, wenn ſie auf eine be=
ſtimmte
Stunde eingeſtellt iſt, alle 15 Minuten ihren
Warnruf erſchallen und erinnert ſo die Trägerin uner=
müdlich
an die Verabredung, bis der Hebel ausgeſchaltet
wird. Die Pariſerinnen, die eine ſolche Uhr nötig haben,
ſind natürlich von ihr entzückt.
C.K. Die Stadt des Verbrechens. Der Chef der
Rew=Yorker Geheimpolizei, William Flynn, erfreut ſeine

Mitbürger jetzt mit der Feſtſtellung, daß New=York die
größte Verbrecherſtadt der Welt iſt. In keiner Stadt
gibt es ſo große und mächtige Verbrecherorganiſationen,
die Pariſer Apachen können ſich mit den New=Yorker
Geheimbünden nicht meſſen, und London iſt im Vergleich
mit der amerikaniſchen Metropole faſt eine Stadt ſchnee=
weißer
Unſchuld. Nach den Angaben Flynns ſind die
Pariſer Apachen nur jugendliche Abenteurer im Ver=
gleich
mit ſolchen Koryphäen des Verbrechens, wie ſie
etwa in New=York die Bande Lupomurellos darſtellt;
jahraus, jahrein reihen ſich hier Erpreſſungen und Mord=
taten
aneinander, es gibt eine regelrechte amerikaniſche
Mafia, die nach den genauen Informationen Flynns
bereits mehr als 60 Mordtaten verübt hat, ohne zur Ver=
antwortung
gezogen werden zu können. Durchſchnitt=
lich
wird in jeder Woche ein Menſch ermordet, und es
gibt keine Schurkerei, die nicht zur Ausführung käme.
Meiſt findet man die Opfer dieſer Bande in Fäſſern oder
Kanälen, aber ſie beſitzen auch einen eigenen Kirchhof.
Das Schlimmſte aber iſt nach der Ausſage des Chefs der
New=Yorker Geheimpolizei die erwieſene Tatſache, daß
dieſe Erpreſſerbande Beziehungen zu den politiſchen Par=
teien
und großen Einfluß hat. Es iſt daher unmöglich,
ſie wirklich wirkſam zu bekämpfen. Hinter der Verbre=
cherbande
befinden ſich Perſönlichkeiten, die den politiſchen
bosses‟ New=Yorks nahe ſtehen und daher Verhaftun=
gen
vereiteln. Die Enthüllungen Flynns machen großes
Aufſehen, eine Reviſion des Geheimpolizeiweſens wird
verlangt; zwei Italiener als Reviſoren ſind vorgeſchla=
gen
. Aber Flynn erklärt, dadurch würden nur ſeine Ge=
währsmänner
, die zu Lupomurellos Bande gehören, ver=

raten und dem Tode übergeben, wodurch die Ohnmacht
der Polizei noch ſteigen würde.
* Rooſevelts Wahlkoſten. Die New=Yorker World
veröffentlicht intereſſante Angaben über die Koſten der
Wahlkampagne Rooſevelts. So braucht das Zentral=
komitee
in Waſhington täglich 20000 Mark. Jeder Dele=
gierte
koſtet 12000 Mark, und wenn Rooſevelt die 540
Delegierten, die zu ſeiner Wahl notwendig ſind, erreichen
will, ſo werden ſich die ganzen Koſten ſeiner Wahl auf
wenigſtens 7 Millionen belaufen. Alle Koſten werden
natürlich von der Partei bezahlt, von der Briefmarke, die
für die Flugſchriften verwendet wird, bis zum Spezial=
zug
, und vom geringſten Bureaudiener bis zum Direk=
tor
des Zentralkomitees. Für Porti ſind bisher nicht
weniger als 300000 Mark ausgegeben worden. Jeder
Redner, der zugunſten Rooſevelts Kandidatur ſpricht,
erhält 400 Mark.
* Ein verſchwundener See. In der engliſchen Graf=
ſchaft
Cheſter iſt ein See von mindeſtens 5 Millionen
Liter Inhalt geheimnisvoll verſchwunden. Er begann
am Morgen des 22. Mai zu ſinken und das Waſſer war
vereits am Abend um mehr als 6 Meter gefallen. Die
Vermutung geht dahin, daß das Waſſer einen unterirdi=
ſchen
Ausgang in alten Salzbergwerken gefunden hat,
und es wird für wahrſcheinlich gehalten, daß man es
nach einiger Zeit als Salzſole aus einem der alten
Schächte wird herauspumpen können. Vor fünf Jahren
iſt bereits etwas ähnliches geſchehen, der See hatte ſich
aber damals allmählich wieder gefüllt, nachdem der unter=
irdiſche
Auslaß ſich wahrſcheinlich verſtopft hatte.

[ ][  ][ ]

Nummer 131.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 6. Jnni 1912.

Seite 5.

die Buden nicht für gar zu unſchön; ſie beleben ſogar die
etwas akademiſche Anlage.
Stadtv. Schäfer regt an, in einer gemeinſamen
Exkurſion einmal die ganz hervorragenden ſozialen An=
lagen
(Speiſe=, Erholungs= und Wohnkolonie) der Werk=
ſtättenarbeiter
und Beamten am neuen Bahnhof zu be=
ſichtigen
. Stadtv. Hüfner meint, man ſollte die
ganze Anlage, die in erſter Linie techniſch hochbedeutend
iſt, einmal beſichtigen. Oberbürgermeiſter Dr. Gläſ=
ſing
teilt dazu mit, daß das bereits angeregt ſei, daß
aber Herr Regierungsrat Mettegang gewünſcht habe, die
Beſichtigung ſo weit hinauszuſchieben, bis die Kolonie
einigermaßen fertig ſei.
Stadtv. Lehr bittet, das fertiggeſtellte Obſtver=
kaufshäuschen
am Erbacher Weg zu beſichtigen. Darauf
wird in die Tagesordnung eingetreten.
Baudispensgeſuche.
Der Darmſtädter Golfklub beabſichtigt, auf
dem Gelände am Kirchenweg ein Klubhaus zu errichten
und bittet um Geſtattung einer Ausnahme von der Be=
ſtimmung
in § 5 des Ortsbauſtatuts. Das Geſuch wird
von dem Hochbau=Ausſchuß gegen Ausſtellung des übli=
chen
Reverſes zur Genehmigung empfohlen. Nach dem
Bericht des Stadtv. Wittmann ſtimmt die Verſamm=
lung
zu.
In der letzten Sitzung der Stadtverordneten= Ver=
ſammlung
iſt die Entſcheidung über ein Geſuch der
Firma Gebrüder Neu um Befreiung von den Be=
ſtimmungen
in § 32 Abſ. 1 und 6 und in § 33 der Bau=
polizei
=Ordnung wegen Erbauung einer Glashalle auf
dem Grundſtück Ludwigsplatz 9 zurückgeſtellt und eine
Ortsbeſichtigung durch den Hochbau=Ausſchuß beſchloſſen
worden. Die Beſichtigung hat ſtattgefunden. Der Hoch=
bau
=Ausſchuß empfiehlt, dem Geſuchſteller zu geſtatten,
ſeine offene Halle ohne Abſchluß gegen den Hofraum
zu errichten. Dem wird zugeſtimmt. Referent: Stadtv.
Markwort.
Die Firma Wolf Strauß bittet um Befreiung
von der Beſtimmung in § 30 des Ortsbauſtatuts für
Errichtung eines 3½ſtöckigen Hintergebäudes auf dem
Grundſtück Ballonplatz 3. Der Hochbau=Ausſchuß hat ſich
gegen die Genehmigung des Geſuchs ausgeſprochen.
Referent Stadtv. Schäfer empfiehlt der Verſamm=
lung
, ſich dem Antrag des Hochbau=Ausſchuſſes anzu=
ſchließen
. Man beſchließt demgemäß.
Direktor Karl Müller bittet um Befreiung von der
Beſtimmung in § 2 des Nachtrags zum Ortsbauſtatut
für die Gartenſtadt Dieburger Straße=Hohler Weg für
Errichtung eines Wohnhauſes an der Dieburger Straße.
Das Geſuch wird von dem Hochbau=Ausſchuß zur Ge=
nehmigung
empfohlen unter der Bedingung, daß der
Geſuchſteller wegen Abtretung des Straßengeländes einen
bezüglichen Revers eingeht. Nach dem Referat des
Stadtv. Sames ſtimmt die Verſammlung zu.
Die Erweiterung des Städtiſchen
Krankenhauſes.
Mit der Errichtung des Operationsgebäudes und der
Poliklinik hat die im Jahre 1903 beſchloſſene Erweiter=
ung
des Städtiſchen Krankenhauſes einen vorläufigen
Abſchluß gefunden. Schon während der Bauarbeiten hat
ſich aber gezeigt, daß eine weitere Ausdehnung der An=
ſtalt
, insbeſondere eine Vergrößerung der Bettenzahl, un=
erläßlich
iſt, wenn die Anſtalt mit der Entwickelung der
Stadt gleichen Schritt halten und den an ſie herantreten=
den
vermehrten Anforderungen genügen ſoll. Der Er=
werb
der Häuſer Bismarckſtraße 38 und 40, ſowie Fuchs=
ſtraße
19 hat nun die Möglichkeit gegeben, das Geſamt=
grundſtück
des Krankenhauſes ſo abzurunden, daß den
geſteigerten Bedürfniſſen noch für eine lange Reihe von
Jahren genügt werden kann. Wenn die erforderlichen
Neubauten auf dem nun in ſtädtiſchem Beſitze befind=
lichen
Gelände ſpäter errichtet werden, dann kann die
Zahl der Krankenbetten, die zurzeit 500 be=
trägt
, um nahezu 150 vergrößert werden. Iſt
ſo die nächſte Zukunft des Krankenhauſes ſichergeſtellt, ſo
hat ſich weiterhin bei dem Betriebe der vergrößerten An=
ſtalt
ergeben, daß noch verſchiedene Herſtellungen und
Veränderungen vorzunehmen ſind, die zum Teil dring=
licher
Natur ſind, zum Teil dazu dienen ſollen, das er=
worbene
Gelände mit den angekauften Gebäuden für die
Zwecke der Anſtalt nutzbar zu machen und verſchiedenen,
zum Teil ſehr notwendigen Bedürfniſſen abzuhelfen.
Es kommen hierbei in Betracht:
1. Der Umbau des Haupteingangs an der Grafen=
ſtraße
, die Schaffung eines Veſtibüls, eines Raumes für
eine Auskunftsſchweſter, weitere Bureauräume, die Ver=
einigung
aller Nebenräume in dem Erdgeſchoß, ſowie die
Einrichtung von 7 Wohnungen für unverheiratete Aerzte
unter Zuziehung des derzeitigen Direktorwohnhauſes.
2. Die Unterbringung der Apotheke, der anatomiſch=
pathologiſchen
und bakteriologiſchen Abteilungen und
eines unverheirateten Apothekers, ſowie eines verhei=
rateten
Apothekers in den früher Heinzerlingſchen und
Albertſchen Gebäuden an der Grafenſtraße und Anſchluß
dieſer Gebäude an das vorhandene Fernheizungsſyſtem.
3. Die Herrichtung des früher Himmlerſchen Hauſes
Bismarckſtraße 38 als Direktorwohnung.
4. Desgleichen des früher Rahnſchen Hauſes Bis=
marckſtraße
Nr. 40, und zwar des Erdgeſchoſſes als Wohn=
ung
für den Oberverwalter, des 1. Obergeſchoſſes als
Wohnungen für 10 Schweſtern, des 2. Obergeſchoſſes als
Wohnung für einen verheirateten Hilfsarzt oder als
Mietwohnung, ſolange ein verheirateter Hilfsarzt nicht
angeſtellt iſt.
5. Herrichtung des früher Rahnſchen Hauſes Fuchs=
ſtraße
19, und zwar des Erdgeſchoſſes und der beiden
Obergeſchoſſe als Wohnungen für zuſammen 29 Schwe=
ſtern
, des Dachgeſchoſſes als Wohnung für einen verhei=
rateten
Wärter und eines Raumes für eine weitere
Schweſter.
6. Einführung der lokalen Zentralheizung in die
Dunter 35 erwähnten Gebäude Bismarckſtraße 38 und 40
und Fuchsſtraße 19.
7. Erweiterung des Keſſelhauſes und Aufſtellung
zweier Dampfkeſſel anſtelle der beiden alten, abgängigen
Dampfkeſſel.
8. Erweiterung der Telephon= und Uhrenanlage.
9. Niederlegung der an der Grafenſtraße und auf
dem neuerworbenen Gelände liegenden, teilweiſe bau=
fälligen
Gebäude.
10. Terrainregulierungen, gärtneriſche Anlagen, Ein=
friedigungen
, Kanäle, Hof= und Gartenbeleuchtung.
Die Koſten der durch die vorliegenden Pläne ver=
anſchaulichten
Herſtellungen wurden auf zuſammen
251630 Mark veranſchlagt. Für den jetzt mit vorge=
ſchlagenen
Ausbau der Glashalle waren von der Stadt=
verordneten
=Verſammlung am 25. Juni 1908 vorbehält=
lich
beſonderer Vorlage bereits 2000 Mark bewilligt, ſo=
daß
neu zu bewilligen wären 251630 Mark 2000
249630 Mark oder rund 250000 Mark, und zwar
in zwei gleichen Raten für 1912 und 1913, da es zweck=

mäßig iſt, die Arbeiten auf dieſe zwei Jahre zu ver=
teilen
.
Zunächſt wären die Herſtellungen in und an den Häu=
ſern
Bismarckſtraße 38 und 40 vorzunehmen, damit der
Krankenhausdirektor, der Oberverwalter und die Schwe=
ſtern
dorthin überziehen können und deren derzeitige
Wohnungen für die geplanten Aenderungen frei werden.
Eine ſtädtiſche Anſtalt von der Art, Größe und Be=
deutung
unſeres Krankenhauſes bedarf nicht nur einer
fortlaufenden weitgehenden Unterhaltung, ſondern auch
fortgeſetzter Ergänzungen, die in erſter Linie durch die
Vergrößerung der Stadt erforderlich werden. Die Not=
wendigkeit
zur Ergänzung und Erweiterung der Kran=
kenhäuſer
tritt bei allen derartigen Anſtalten und in allen
Städten in gleicher Weiſe ein.
Ueberzeugt von der Notwendigkeit und der Nützlich=
keit
der vorgeſchlagenen baulichen Veränderungen und
Einrichtungen beantragt der Oberbürger=
meiſter
, verehrliche Stadtverordneten=Verſammlung
wolle die Genehmigung erteilen zur:
1. Vornahme der unter Ord.=Nr. 110 erwähnten
Herſtellungen uſw. in den Jahren 1912 und 1913 nach
Maßgabe der Pläne und Koſtenvoranſchläge und Er=
öffnung
der Bauarbeiten mit Herſtellung der Häuſer Bis=
marckſtraße
38 und 40.
2. Aufwendung der zu dieſen Herſtellungen erforder=
lichen
Mittel von rund 250000 Mark je zur Hälfte in den
Jahren 1912 und 1913.
3. Verwendung des derzeitigen Direktorwohnhauſes,
der früher Albertſchen und Heinzerlingſchen Häuſer an
der Grafenſtraße und der früher Himmlerſchen und Rahn=
ſchen
Häuſer an der Bismarck= und Fuchsſtraße zu den
oben beſchriebenen Zwecken.
Stadtv. Saeng iſt aus prinzipiellen Gründen gegen
die Vorlage, weil er es für einen Fehler hielt, die Anlage
fortgeſetzt zu vergrößern, anſtatt ein neues Krankenhaus
außerhalb der Stadt zu bauen. Stadtv. Gretzſche l
teilt dieſen Standpunkt und ſchlägt vor, zunächſt ſich an
Ort und Stelle davon zu überzeugen, wie weit die Anlage
am derzeitigen Platz noch ausdehnungsfähig iſt. Stadtv.
Schäfer iſt gegen dieſen Vorſchlag, da er überflüſſig und
nutzlos iſt. Nachdem man durch ſo große Aufwendungen
ine nach Urteil maßgebender Perſönlichkeiten muſtergül=
tige
Anlage geſchaffen hat, kann man ſie nicht ohne wei=
teres
aufgeben und eine neue ſchaffen. Oberbürgermeiſter
Dr. Gläſſing legt kurz nochmals die Entwickelung des
Projektes dar und weiſt darauf hin, daß es ſich heute nur
um die Ausführung einer längſt beſchloſſenen Entſcheidung
handelt.
Nach weiterer kurzer Debatte wird der Antrag der
Bürgermeiſterei genehmigt.
Vom Schlachthof.
Die zurzeit beſtehende Beſtimmung über die Beför=
derung
von Fleiſch ſoll einer Ergänzung und Ver=
ſchärfung
unterzogen werden, um die Gefahr einer Ver=
unreinigung
von Fleiſch auf dem Transport zu beſeitigen.
Das Polizeiamt hat im Einvernehmen mit den in Betracht
kommenden Stellen eine neue Faſſung für die bezügliche
Beſtimmung der Schlacht= und Fleiſchverkaufsordnung in
Vorſchlag gebracht. Die Schlachthof=Deputation iſt mit der
Aenderung einverſtanden. Nach dem Referat des
Stadtv. Kolb ſtimmt die Verſammlung zu.
Städtiſche Zuſchüſſe.
Die Kommandantur veranſtaltet demnächſt im Städti=
ſchen
Saalbau ein Maſſenkonzert der hieſigen Militärmuſik=
kapellen
, deſſen Reinertrag dem Invalidendank zu Wohl=
tätigkeitszwecken
zugeführt werden ſoll. Der Finanzaus=
ſchuß
befürwortet, zu dieſer Veranſtaltung wie in früheren
Jahren einen Koſtenzuſchuß von 100 Mark zu bewilligen.
Nach dem Bericht des Stadtv. Bormet wird zugeſtimmt.
Weiter wird beantragt und nach längerer Debatte be=
ſchloſſen
, dem Verband für Jugendfürſorge in
Darmſtadt einen ſtädtiſchen Beitrag von 200 Mark jährlich
zu bewilligen. Auch hierüber referierte SStadtv. Bormet.
Auf Wunſch des Stadtv. Friedrich gibt Bürgermeiſter
Mueller Aufſchluß über die Tätigkeit des Verbandes.
Als Vertreter der Stadtverordneten=Verſammlung wird
auf Vorſchlag des Stadtv. Lehr Herr Bormet in den
Ausſchuß gewählt.
Der Täubcheshöhlenweg
ſoll auf der Strecke zwiſchen Frankfurter Straße und Sens=
felder
Weg nach Süden zu verlegt werden. Die Koſten der
Anlegung uſw. des Erſatzwegs werden von den Anliegern
getragen. Tiefbau= und Landwirtſchafts=Deputation und
der Finanzausſchuß ſind mit der Verlegung einverſtanden.
Nach dem Referat des Stadtv. Wagner ſtimmt auch die
Verſammlung zu.
Anlage von Abwaſſergruben.
Die Handelsgärtner Gebrüder Weber haben nach
dem Bericht des Stadtv. Sames um Genehmigung zur
Anlage von Abwaſſergruben für ihre Neubauten in der
verlängerten Darmſtraße nachgeſucht. Die Tiefbau= Depu=
tation
hat ſich für Ablehnung des Geſuchs ausgeſprochen.
Auf Vorſchlag des Beig. Ekert wird jedoch beſon=
derer
Umſtände halber das Geſuch genehmigt.
Damit iſt die Tagesordnung erſchöpft.

Kongreſſe und Verbandstage.

* König, 4. Juni. Am 1. und 2. Juni tagte hier
der 7. Bezirkstag des Bezirks Darmſtadt
Gabelsberger Stenographen, der, wie voraus=
zuſehen
, ſich zu einer Parade Gabelsberger Stenographen
am hieſigen Orte geſtaltete. Samstag, den 1. Juni trafen
die Vertreter der verſchiedenen Bezirksvereine ein, um im
Gaſthaus Zum Roß zu allen Bezirksangelegenheiten
Stellung zu nehmen. Aus dem Jahresbericht war zu er=
ſehen
, daß im letzten Jahre beſonders tüchtig gearbeitet
worden iſt, zahlreiche neue Vereine ſind gegründet und
neue Anfängerkurſe mit Erfolg beendet worden. Der Be=
zirksvorſtand
wurde neu gewählt; zur Uebernahme des
nächſtjährigen Bezirkstages erklärte ſich der Verein Eber=
ſtadt
bereit. Am Sonntag vormittag folgte dann in den
beiden Schulen ein von über 250 Perſonen beſuchtes
Preiswettſchreiben, welch hohe Zahl der Bezirk
bis jetzt noch nicht aufzubringen in der Lage war. Den
Wettſchreibern winkten ſchöne und wertvolle Ehrenpreiſe,
darunter der von Sr. Durchlaucht dem Fürſten zu Erbach=
Schönberg geſtiftete ſilberne Becher mit Inſchrift, welcher
Fräulein Eva Burger=Darmſtadt für die höchſte Leiſtung
von 260 Silben pro Minute zuerkannt wurde. Mittags
½12 Uhr hielt danr Herr Handelsſchullehrer W. Müller=
Mainz einen öffentlichen Vortrag über: Die Grundlagen
der Gabelsbergerſchen Stenographie, welcher mit großen
Beifallskundgebungen aufgenomen wurde; auch der Fürſt

zu Erbach=Schönberg wohnte dem Vortrag bei. Um ½1
Uhr fanden ſich dann die Feſtteilnehmer im Hotel Büchner
zum gemeinſchaftlichen Mittageſſen zuſammen, wobei zahl=
reiche
Trinkſprüche gewechſelt wurden. Nachdem noch eine
Sitzung der Schülervereine ſtattgefunden hatte, wurden um
3 Uhr die Schritte nach dem nahen Café Waldesruhe ge
lenkt, woſelbſt die Feſtkapelle konzertierte und jedermann
einige genußreiche Stunden beſchieden waren. Um 6 Uhr
kehrte man wieder ins Vereinslokal zurück, in dem dann
die Preisverteilung vorgenommen werden konnte und ver=
lebte
dort noch einige gemütliche Stunden bei Tanz, ſo=
daß
der diesjährige Bezirkstag hinſichtlich ſeines glänzen=
den
Verlaufs jedem Teilnehmer noch lange in Erinnerung
bleiben wird. Das Feſt hat ſeine Wirkung nicht verfehlt,
indem ſich ſchon verſchiedene Herren dem hieſigen Steno=
graphenverein
angeſchloſſen haben; darum hoch Gabels=
berger
und ſein Werk.

Hauptverſammlung des Vaterländiſchen
Fraluenvereins.
Berlin, 4. Juni. In Anweſenheit der deutſchen
Kronprinzeſſin, als Vertreterin der Kaiſerin, ſetzte
heute der Vaterländiſche Frauenverein die
Verhandlungen ſeiner 46. Mitgliederverſammlung fort.
Nach Eröffnung der Sitzung teilte der Vorſitzende Staats=
miniſter
a. D. v. Möller folgendes Telegramm der
Kaiſerin mit: Ihnen und der Verſammlung des Vater=
ländiſchen
Frauenvereins danke ich von Herzen für das
freundliche Huldigungstelegramm. Es gereicht mir zum
großen Kummer, meiner Geſundheit wegen in Ihrer Mitte
nicht erſcheinen zu können. Ich hoffe aber Gelegenheit zu
haben, daß ich dies im nächſten Jahre nachholen kann.
Meine Schwiegertochter, die Frau Kronprinzeſſin, hat es
freundlichſt übernommen, mich zu vertreten und wird
meine Grüße überbringen und mir Bericht erſtatten.
Möge Gott ſeinen Segen über Ihrer Arbeit ruhen laſſen.
Sodann wurde in die Tagesordnung eingetreten.
Zunächſt erſtattete Frau Präſident Gramſch (Poſen)
einen Vortrag über die Einrichtung von Wander=
haushaltungsſchulen
. Sie führte aus, daß, nach=
dem
in Poſen eine Wanderhaushaltungsſchule für die
weibliche ſchulentlaſſene Jugend mit gutem Erfolge ein=
gerichtet
worden war, die Ausdehnung dieſer Arbeit des
Vaterländiſchen Frauenvereins für die ganze Provinz
Poſen in Angriff genommen wurde mit dem Erfolg, daß
alle Kurſe gut beſucht wurden. Es wird der Grundſatz be=
folgt
, daß nur das Verarbeiten von Naturalien, wie ſie
in einem bürgerlichen und Arbeiterhaushalt üblich ſind,
gelehrt wird. Daneben werden die Schülerinnen im
Waſchen, Stopfen und Flicken unterrichtet. Es wird ſehr
ſtreng auf Ordnung geſehen. Die Kurſe dauern 8 Wochen.
Das Aufſichtsrecht über die Kurſe ſteht der Schulbehörde
zu. In zuvorkommender Weiſe hat der Provinzialver=
band
und die Landwirtſchaftskammer ſowohl die erſte Ein=
richtung
der Küchen beſorgt, als auch zur Beſoldung der
Lehrerinnen beigetragen. Die Vortragende erntete für
ihre intereſſanten Ausführungen reichen Beifall. Darauf
hielt Geheimer Medizinalrat Profeſſor Dr. Witzel
(Düſſeldorf) einen Vortrag über die
Kriegs= undDienſtpflicht der Frauen.
Der Vortragende hat in der deutſchen Frauenwelt eine
Bewegung eingeleitet, die die Kriegs= und Dienſtpflicht
der Frau zu einer allgemeinen Pflicht machen will. Hinter
dem Heer der Kämpfer ſoll ein Heer von Helferinnen ſtehen,
die in den Lazaretten für die Verwundeten ſorgen, die aber
auch für die Beköſtigung und Bekleidung der Mannſchaften
dienſtbar gemacht werden ſollen. Ein jedes deutſches Mäd=
chen
, das geſund iſt, ſoll zu dieſem Dienſt herangezogen
werden und die Ausübung dieſes Dienſtes während eines
Krieges als Ehrenpflicht betrachten. Das Gelernte wird
aber auch von dauerndem Wert für Familie und Haus ſein,
wenn es auch zur Ausübung im Kriegsfalle nicht kommt.
Der Vaterländiſche Frauenverein müſſe den heranwachſen=
den
Mädchen Gelegenheit geben, freiwillig die Erlernung
dieſer Dienſtleiſtungen zu betätigen und die jungen Mäd=
chen
auf den Ernſt des Krieges vorbereiten. Den Schluß
der Tagung bildeten die Vorſtandswahlen. Der
Vorſitzende ſchloß darauf mit Dankesworten die Verſamm=
lung
.

Hauptverſammlung der Deutſchen
Kolonialgeſellſchaft.
Hamburg 4. Juni. Die heutige Vorſtands=
ſitzung
der Dleutſchen Kolonialgeſell=
ſchaft
wurde vom Herzog Johann Albrecht
von Mecklenburg mit einer Begrüßung der Teil=
nehmer
und der Ehrengäſte eröffnet. Er legte ſodann
den Jahresbericht vor, in deſſen Mittelpunkt die
Behandlung der Marokkoaffäre durch die Regierung und
die Kolonialgeſellſchaft ſteht. Dig Deutſche Kolonial=
geſellſchaft
hat in der Frage Eingaben an den Reichs=
kanzler
und den Reichstag gerichtet, in denen ſie ihren
Standpunkt vertritt. Andere Eingaben bezogen ſich auf
den Wunſch, daß der deutſch=franzöſiſchen Grenzkom=
miſſion
geographiſch und geologiſch geſchulte Mitarbeiter
zur Seite geſtellt werden, ſowie auf den Weiterbau der
Bahnen in Kamerun. DieUleberſiedelung deutſcher Frauen
und Mädchen nach den Kolonien iſt im Steigen begrif=
fen
. Mit Unterſtützung des Kolonialen Frauenbundes
konnte 288 Frauen und Mädchen freie Ueberfahrt von
Hamburg nach Swakopmund bewilligt werden. Die
Zahl der Abteilungen der Deutſchen Kolonialgeſellſchaft
betrug nach wie vor 418. Neue Abteilungen bildeten ſich
in Kitzingen, Bad Oeynhauſen, Zabrze, Aue i. E., Orbis
und Schwelm. Eingegangen ſind die Abteilungen Nörd=
lingen
, Bruchſal, Chicago und Straubing. Die 15 größ=
ten
Abteilungen ſind: Berlin=Charlottenburg, Hamburg,
Leipzig, Dresden, Bremen, München, Breslau, Frank=
furt
a. M., Köln, Halle, Braunſchweig, Danzig, Wies=
baden
und Eſſen. Der Etat für das kommende Geſchäfts=
jahr
wurde auf 365000 Mark bemeſſen. Für verſchiedene
Organiſationen und Inſtitute, die Beziehungen zu den
Kolonien haben, ſollen Unterſtützungen ausgeworfen
werden.
Bei der Wahl zum Vorſtand der Deutſchen
Kolonialgeſellſchaft wurde zum Präſident Herzog
Johann Albrecht und zum geſchäftsführenden Vize=
präſidenten
Botſchafter a. D. v. Holleben gewählt. Beide
Herren nahmen die Wahl dankend an. Zum ſtellver=
tretenden
Präſidenten wurde äußer den Gewählten
General z. D. Freiherr Gayl, der ſich augenblicklich mit
dem Staatsſekretär Dr. Solf auf einer Reiſe in Südweſt=
afrika
befindet, gewählt.
Bei der heutigen Hauptverhandlung war der
große Saal im Vorleſungszimmer dicht gefüllt. Herzog
Johann Albrecht eröffnete die Sitzung mit dem Hin=
weis
, daß Hamburg ſchon vor längerer Zeit als das Herz
der kolonialen Beſtrebungen bezeichnet worden ſei. Die
einſtige Kolonialmüdigkeit ſei überall verſchwunden, dazu
trug auch die Kolonialgeſellſchaft das ihrige bei. Das

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Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 6. Juni 1912.

Nummer 131.

Jahr 1911 ſei für unſere Kolonialfrage von beſonderer
Bedeutung durch den Abſchluß des Marokkovertrages. Die
Kolonialgeſellſchaft, die ihr Votum dagegen abgeben mußte,
habe ſich nach dem Vertragsſchluß nicht an nutzloſer, nega=
tiver
Kritik beteiligt, ſondern der Regierung poſitive Vor=
ſchläge
für die nächſten Maßnahmen unterbreitet. Der
Herzog drückte ſein Bedauern darüber aus, daß im Zu=
ſammenhang
mit dem Marokkovertrag Staatsſekretär von
Lindequiſt zurückgetreten ſei und betonte das Vertrauen,
das dem neuen Staatsſekretär Dr. Solf entgegengebracht
werde. Mit herzlichen Worten begrüßte der Herzog die
Hauptverſammlung, die Präſidenten des Senats und der
Bürgerſchaft, den Prinzen Konrad von Bayern und die
übrigen Vertreter. Oberregierungsrat Dr. Heinke begrüßte
die Verſammlung im Namen des Staatsſekretärs Dr.
Solf. Als Vertreter der Abteilung Windhuk überbrachte
Thomas=Hagen (Weſtfalen) beſondere Grüße aus Südweſt=
afrika
, wo es kräftig vorwärts gehe. Hierauf wurde die
Beratung des Geſchäftsberichts 1911 begon=
nen
. Dr. Arning=Hannover betonte die Notwendig=
keit
, daß innerhalb des neuen Gebiets Talweg am Kongo,
Ubangi und die noch ſtrittigen Inſeln unbedingt dem
Deutſchen Reiche geſichert werden müßten. Nach kurzer
Diskuſſion wurde eine Eingabe an die Reichsregierung
im Sinn der Ausführungen Arnings beſchloſſen.

Luftfahrt.

* Der Nord=Weſt=Flug verſchoben. Nach
Mitteilung der Sportleitung des Nord=Weſt=Fluges wurde
der Flug auf Grund des vorgeſtern nachmittag gefaßten Be=
ſchluſſes
der ſportlichen Oberleitung im Einverſtändnis mit
den beteiligten Fliegern und Vereinen abgebrochen und
auf unbeſtimmte Zeit verſchoben.
Die Reſultate des Gordon=Bennett=
Stichfliegens für Freiballons, die am Sonntag von
Breslau aus begann, liegen jetzt ſämtlich vor. Die Lan=
dungen
erfolgten alle hart an der Oſtſee in der Nähe von
Stolpe, wobei diejenigen Ballone, die am weiteſten öſtlich
kandeten, einen geringen Vorteil herausholten. Als Sie=
ger
kommen zunächſt Ballon Osnabrück und Ballon
Münſter in Frage, die von Oberlt. Hopfe reſp. von Herrn
Eimermacher geführt worden waren. Die Ballon= Weit=
fahrt
des Bitterfelder Vereins für Luftſchiffahrt, die am
Sonntag von Bitterfeld aus begann, nahm einen glatten
Verlauf. Die meiſten Teilnehmer, denen eine Maximalzeit
von 24 Stunden freigeſtellt war, landeten gegen Morgen
in Pommern. In Klaſſe 2a dürfte Ballon Hilde ( Füh=
rer
E. Guthmann, Kgl. Sächſiſcher Verein für Luftſchiffahrt)
mit 440 Kilometer Diſtanz die beſte Leiſtung erzielt haben.
Ihm zunächſt kommt Ballon Fiedler (Führer Dr. Henoch,
Berliner Verein für Luftſchiffahrt) mit 400 Kilometer, es
folgt dann Ballon Halle mit 380 Kilometer. In Klaſſe 2b
kann Ballon Kolmar II vom Kolmarer Verein für
Luftſchiffahrt bei einer Flugleiſtung von 480 Kilometer als
Sieger gelten vor Ballon Bitterfeld I mit zirka 420
Kilometer.
* Bremerhaven, 5. Juni. Das Luftſchiff
3. 3 paſſierte heute morgen in der Richtung auf Wil=
helmshaven
die drei Hafenſtädte Geeſtemünde, Bremer=
haven
und Lehe. Ueber Wilhelmshaven traf das Luft=
ſchiff
um 7 Uhr ein und führte mehrere Schleifen aus,
worauf es nach Bremerhaven zurückkehrte. Es manö=
vrierte
und kämpfte anſcheinend mit ſtarkem Winde. In
Bremerhaven wurde das Luftſchiff um 8,10 Uhr zum
zweiten Male geſichtet. Es ſetzte ſeine Fahrt nach Ham=
durg
fort.

Sport.

* Radrennen. Für die auf Sonntag, den 9. Juni,
verſchobenen großen Radrennen des Velozipedklubs iſt
an Stelle des nach Dresden abgereiſten Fahrers Roſen=
löcher
der rheiniſche Meiſter Willy Pongs=Krefeld
verpflichtet worden. Man ſieht dem Start dieſes Fahrers
hier mit Spannung entgegen, da Pongs über ein gro=
ßes
Können verfügt, das er erſt kürzlich wieder in
Mainz, als er Roſenlöcher ſchlug, bewieſen hat. Die
übrigen Fahrer Wißmann=Dortmund und Thiele=Erfurt
werden in dem Krefelder einen ernſthaften Gegner fin=
den
. Jedenfalls verſprechen die Kämpfe in den Dauer=
Rennen ſehr heiß und ſpannend zu werden, umſomehr,
als ſämtliche Konkurrenten über erſtklaſſiges Schritt=
machermaterial
verfügen. Die Liſte der für die Flieger=
Rennen verpflichteten Berufsfahrer hat durch einige
Nachmeldungen eine Erweiterung erfat

Literariſches.

Auguſt Supper: Die Hexe von Stein=
bronn
. (Volksbücher Heft 32.) Verlag der Deut=
ſchen
Dichter=Gedächtnis=Stiftung in Hamburg= Groß=
borſtel
. Mit einem farbigen Vollbild und Illuſtrationen
von Bruno Groſſe. 27 Seiten. Preis geh. 10 Pfg., geb.
40 Pfg. Dies neue Heft der rühmlichſt bekannten Volks=
bücher
der Deutſchen Dichter=Gedächtnis=Stiftung iſt
wieder ein glücklicher Griff und wird vorausſichtlich
vielen einen Genuß für Geiſt und Gemüt bedeuten.
Viktor Hugo, Oeuvres, vollſtändig in 50
Bänden zu je 1 Mark. (Thomas Nelſon und Sons,
Leipzig, Königſtraße 35/37.) Band 9. 10. Le Rhin,
2 Bände je 1 Mark. Band 11. 12. 13. La Légende des
Siecles, 3 Bände je 1 Mark. Band 14. Marie Tudor,
La Esmeralda, Angelo, in 1 Band, 1 Mark. Band 15.
Les Feuilles d’Automne, Les Chants de Crépuscule in
1 Bd., 1 Mk. Die Nelſonſche Ausgabe der ſämtlichen Werke
Viktor Hugos, von welcher wir ſchon wiederholt berichten
konnten, ſchreitet rüſtig voran. Heute können wir ſieben
neue Bände anzeigen, welche ſoeben eingegangen ſind.
Die ſchöne Ausſtattung der in Ganzleinen gebundenen
Bändchen und der billige Preis (1 Mark) werben dem
ſchönen Unternehmen immer neue Freunde und Subſkri=
benten
.

Der deutſche Flottenbeſuch in Amerika.

* Waſhington, 4. Juni. Präſident Taft ſandte
an Kaiſer Wilhelm folgendes Telegramm: Ich
möchte der großen Freude Ausdruck geben, die mir der
Empfang der Offiziere und Mannſchaften des deutſchen
Geſchwaders in unſerem Hafen, ſowie der Beſuch Ihres
herrlichen Schlachtſchiffes Moltke bereitet hat. Ich hoffe,
daß dieſe ſo vortrefflichen Vertreter Ihrer tüchtigen Ma=
rine
bei dieſer Gelegenheit annähernd die gleichen ange=
nehmen
und herzlichen Erinnerungen mit ſich nach Hauſe
nehmen, welche die Offiziere unſerer Schiffe während
ihres Aufenthaltes in Ihren gaſtlichen Gewäſſern geſam=
melt
haben.
Darauf antwortete Kaiſer Wilhelm: Ich danke
Ihnen für Ihr liebenswürdiges Telegramm und für den
herzlichen Empfang, welchen Ihre amerikaniſche Flotte und
das amerikaniſche Volk den Offizieren und Mannſchaften
meiner Kreuzer bereitet hat. Ich hoffe, daß dieſer Beſuch

meiner Schiffe an Ihren gaſtlichen Küſten weiter dazu
beitragen wird, die guten und freundſchaftlichen Beziehun=
gen
, die zwiſchen unſeren Ländern beſtehen, zu kräftigen.
* Norfolk, 5. Juni. Konteradmiral Rebeur=
Pa ſchwitz und die Offiziere des deutſchen Beſuchs=
geſchwaders
reiſten heute nach Waſhington ab, wo ſie
drei Tage Gäſte des Marinedepartements ſind. Ein
Teil der amerikaniſchen Offiziere begleitet ſie. Die Bun=
deshauptſtadt
bereitete eine Reihe glänzender geſellſchaft=
licher
Veranſtaltungen zu Ehren der deutſchen Gäſte.

Der Tumult im ungariſchen Abgeordneten=
hauſe
.

* Peſt, 5. Juni. Die Zugänge zum Parlament ſind
von Gendarmerie=Abteilungen und Poliziſten beſetzt.
Als Präſident Graf Tisza im Sitzungsſaal erſchien,
brachen neuerdings Sturmſzenen aus Er wurde
mit einer Flut von Beſchimpfungen und Verwünſchun=
gen
empfangen. Rufen Sie die Polizei herbei! wurde
ihm entgegengerufen, dabei herrſchte ein entſetzlicher
Lärm. Zum Toben, Stampfen und Ziſchen wurden
die verſchiedenſten Lärminſtrumente angewendet. Graf
Tisza ließ ſich mit eiſerner Ruhe nieder, machte einige
Aufzeichnungen und ſuspendierte unter großem Lärm
die Sitzung. Die Abgeordneten ſowohl der Regierungs=
partei
als auch der Oppoſition blieben auch während
der Pauſe im Sitzungsſaal, wobei ſich ein leidenſchaft=
licher
Wortwechſel entſpann. Gegen Schluß der Pauſe
entfernten ſich die Abgeordneten der Regierungspartei
aus dem Saal. Poliziſten betraten den Saal und
entfernten 30 oppoſitionelle Abgeord=
nete
aus dem Hauſe. Der Quäſtor verlas die
Liſte jener Abgeordneten, deren Ausweiſung der Prä=
ſident
wegen ſyſtematiſcher Ruheſtörung angeordnet
hatte. Die Poliziſten forderten die Abgeordneten auf,
ſich zu entfernen, die nach langem Sträuben und lebhaf=
ten
Auseinanderſetzungen bis an die Eingangspforte
des Abgeordnetenhauſes geleitet wurden.
Nachdem die Ausſchließung vollzogen war, erſchien
Graf Tisza neuerdings auf der Präſidenten=Eſtrade,
abermals mit ungeheurem Lärm empfangen. Sämtliche
Oppoſitionelle verließen hierauf den
Saal. Zwei Oppoſitionelle, die beim Hinausgehen ei=
nen
Höllenlärm verurſachten, wurden wegen renitenten
Benehmens an den Ausſchuß verwieſen. Graf Tisza
verlas hierauf das Urteil des Immunitätsausſchuſſes,
wodurch der Abgeordnete Julius Juſth wegen der geſtern
verübten Widerſätzlichkeit gegen den Präſidenten und we=
gen
Störung der Beratung im Rückfalle zur Aus=
ſchließung
von 15 Sitzungen verurteilt wird. Die
Abgeordneten Bikady, Polonyi, Eitner und Levaszy
wurden von 10 Sitzungen ausgeſchloſſen, die übrigen 31
Abgeordneten ſind zur Abbitte verurteilt wor=
den
. Hierauf ging das Haus zur Beratung der Militär=
ſtrafprozeßordnung
über.

Die Wahlkrawalle in Belgien.

* Brüſſel, 4. Juni. Die Lage wird immer
kritiſcher. Auch im Becken von Mons ſtreiken etwa
2000 Arbeiter wegen der Ergebniſſe der Wahlen. In
Seraing erfuhr der Ausſtand am Nachmittag eine wei=
tere
Ausdehnung. Für heute abend ſind überall die
ſtrengſten Maßnahmen getroffen. In Brüſſel zertrüm=
merten
heute abend Teilnehmer an einer regierungsfeind=
lichen
Kundgebung einen Straßenbahnwagen und die
Fenſter einer Kirche in der Hauptſtraße Rue Nieuve. In
Lüttich ſprach der Sozialiſtenführer Vanderfelde und
forderte die Arbeiter zur Ruhe auf. Er erklärte, er werde
ſich beim Bürgermeiſter dafür verwenden, daß die Trup=
pen
zurückgezogen würden. In Verviers iſt einer der
geſtern von den Schüſſen der Gendarmerie verletzten Ar=
beiter
im Spital geſtorben.
H. B. Brüſſel 5. Juni. Die Ausſtands=
Bewegung hat ſich nunmehr auch auf das Lütticher
Becken ausgedehnt. Tauſend Arbeiter feiern ſeit geſtern.
Geſtern nachmittag ſind die Bergarbeiter nicht eingefah=
ren
. Auch die Arbeiter zahlreicher Maſchinenfabriken
ſind in den Ausſtand getreten. In Seraing hatten ſich
geſtern nachmittag die Streikenden zuſammengerottet
und verſuchten, gegen Lüttich vorzudringen.
Als die Kunde in Lüttich eintraf, wurden ſämtliche Gen=
darmen
beauftragt, den Ausſtändigen den Weg abzu=
ſchneiden
und unter allen Umſtänden zu verhindern, daß
ſie die Stadt betreten. Lüttich gleicht ſeit geſtern einer
Stadt im Belagerungszuſtand.

Die Streikbewegung in England.

* London, 4. Juni. Die Arbeitgeber der
Londoner Hafenbetriebe nahmen in ihrer heu=
tigen
Sitzung eine Reſolution an, in der der Plan der Re=
gierung
, betreffend die Bildung eines Arbeitgeber=
verbandes
, unter den gegenwärtigen Umſtänden als
unzweckmäßig erklärt wird. Ferner wird darin betont, daß
die Arbeitgeber bereit ſeien, allen etwaigen Vorſchlägen der
Regierung näherzutreten, eine Annahme ſolcher Vorſchläge
aber nur erfolgen könne, wenn die Arbeit im ganzen Lon=
doner
Hafenverkehr wieder aufgenommen worden ſei.
* London, 4. Juni. Der nationale Trans=
portarbeiterverband
hat heute abend beſchloſſen,
den Nationalſtreik zu erklären, falls nicht das gemeinſame
Schiedsamt errichtet werde.
* London, 5. Juni. Zahlreiche weitere Arbeits=
willige
haben im Londoner Hafen die Arbeit wieder
aufgenommen, doch ſind noch alle Leichtermänner im

Ausſtand und ohne ſie kann die normale Arbeit im Hafen
nicht beginnen. In den Docks zu Tilbury kam es geſtern
zu Unruhen. Die Streikenden, die über die Wiederauf=
nahme
der Arbeit in dieſen Docks erregt waren, verſuchten
geſtern früh, den Eingang zu den Docks zu ſtürmen, wo=
bei
einige Schutzleute verwundet wurden. Die ſchwache
Polizeiwache in dieſen Docks, die bereits außerhalb der
Grafſchaft London liegen, iſt erheblich verſtärkt worden.
K. B. London, 5. Juni. Der Kampf der
Transportarbeiter dauert im Prinzip noch an,
aber die Zahl der Arbeitswilligen vermehrt ſich täglich.
Geſtern betrug die Zahl der Arbeitenden 8000 gegen 5000
vorgeſtern und 3000 vor drei Tagen. Die Bureaus der
Hafenbehörden wurden geſtern von Arbeitswilligen be=
ſtürmt
. Mehrere hundert Streikende hatten ſich geſtern
vor den Docks angeſammelt, in denen die Streikbrecher
arbeiteten. Die Polizei war gezwungen, den Ausgang
der Docks gewaltſam frei zu machen. Die Streikenden
bewarfen die Poliziſten mit Steinen und verübten an=
dere
Exzeſſe. Ein vorbeifahrender Zug wurde ebenfalls
mit Steinen beworfen.
* London, 5. Juni. In der Umgebung der Docks
herrſcht überall Ruhe. Die Zahl der arbeitenden Leute
dürfte ebenſo groß ſein, wie geſtern. Der Transport von
Fleiſch und anderen Lebensmitteln geht ohne Störung
vor ſich. Die Schiffe im indiſchen und im Millwalldoc
ſind, wie erklärt wird, ſämtlich beim Löſchen begriffen.

Marokko.

* Fez, 5. Juni. Der Sultan und der Geſandte
Regnault reiſen morgen ab. Die militäriſche Eskorte
beſteht aus zwei Bataillonen und einer Eskadron. Die
Ankunft des Sultans in Rabat iſt für den 11. Juni in
Ausſicht genommen. Regnault verläßt den Sultan in
Sidi=Gedder und begibt ſich nach Laraſch.
H. B. Fez, 5. Juni. Die Stämme haben die Ein=
ſchließung
der Stadt nach der Zerſtörung ihres
Lagers durch die Kolone Gourand aufgegeben. Alle
Nachrichten, die an die Militärbehörden gelangt ſind, be=
ſtätigen
, daß die Verluſte der Harka in der letzten Schlacht
außerordentlich groß waren. Die Zahl der Toten wird
mit 700 bis 800 angegeben. Der Anführer der feindlichen
Stämme, Hadjami, hat die Flucht ergriffen. Er hält ſich
in den höher gelegenen Dickichten des Sumpfes Sebu
auf. Eine neue Harka hat ſich etwa 20 Kilometer nord=
öſtlich
von Fez gebildet. Sie beſteht hauptſächlich aus
Djebala und aus Ueberreſten der letzten Harka, iſt aber
nicht ſo ſtark, wie die letzte. Boten ſind ausgeſandt
worden, um Erkundigungen einzuziehen, was dieſe Harka
beabſichtigt.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Kobura, 5. Juni. Bei den Wahlmännerwah=
len
zum koburgiſchen Landtag ſiegte in allen Be=
zirken
die Liſte der Bürgerlichen mit Ausnahme des Wahl=
kreiſes
3 (Koburg=Stadt), wo Nachwahl ſtattfindet, an der
ein Sozialdemokrat beteiligt iſt. Bisher beſaßen die So=
zialdemokraten
1 Mandat.
* Gotha, 5. Juni. Nach dem Geſamtergebnis der
geſtrigen Wahlmännerwahlen des Gotha=
iſchen
Landtags ſind als gewählt zu betrachten:
6 Vertreter der rechtsſtehenden Parteien, 2 Freiſinnige,
2 Nationalliberale, 9 Sozialdemokraten. Die rechts=
ſtehenden
gewinnen 1 Mandat, die Sozialdemokraten 2,
die Liberalen verlieren 3 Mandate.
* Brüſſel, 5. Juni. Nach dem amtlichen Ergebnis
der Senatswahlen ſind bisher 54 Katholiken, 26 Li=
berale
und 13 Sozialiſten gewählt. 27 Senatoren ſind
noch durch die Provinzſtädte zu wählen.
* Paris, 5. Juni. Exzelſior erklärt, es unterliege
keinem Zweifel, daß der Beſchluß der franzöſiſchen Re=
gierung
, im Mittelmeer bezüglich der Seeſtreit=
kräfte
den Zweimächteſtandard aufrecht zu er=
halten
, im Einvernehmen mit England getroffen worden
ſei. Das Problem der Verteidigung zur See ſei alſo
gelöſt, auch ohne den Beiſtand Rußlands in Rechnung
zu ziehen: England ſtärker als Deutſchland in den nörd=
lichen
Meeren, Frankreich ſtärker als Italien und Oeſter=
reich
=Ungarn zuſammen im Mittelmeer.
* Sioux=Falls (Süddakota), 5. Juni. Bei den geſtrigen
Primärwahlen gewann Rooſevelt die zehn Dele=
gierten
Süddakotas für ſich.

Berlin, 5. Juni. Als heute früh im Norden Ber=
lins
ein Schutzmann einen auf der naſſen Straße
ſchlafenden Mann aufrichten wollte, ſchlitzte ihm dieſer
ohne jeden Anlaß mit einem Meſſer den Unterleib auf,
ſodaß die Eingeweide zum Teil heraustraten. Der An=
greifer
wurde von einem zweiten Poliziſten durch Säbel=
hiebe
kampfunfähig gemacht. Eine Rotte junger Bur=
ſchen
wollte über den ſchwerverletzten Schutzmann herfallen
und ihn totſchlagen. Nur unter Bedeckung von acht. Schutz=
leuten
konnte der Verwundete zur Unfallſtation trans=
portiert
werden. Später verſuchte die Rotte auch die Un=
fallſtation
zu ſtürmen, wobei einige der Exzedenten ver=
haftet
wurden.
Köln, 5. Juni. In Herbesthal wurden heute von
der Polizei zwei junge Burſchen verhaftet, die ge=
ſtanden
, ihrem Prinzipal in Berlin einen bedeutenden Be= unterſchlagen zu haben. Ein großer Teil des Geldes
wurde noch bei ihnen vorgefunden.
Kuxhaven, 5. Juni. Die Mutter des Aviatikers
Heinrich Evers, welche in dem Dorfe Lamſtedt von einem
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Nummer 131.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 6. Juni 1912.

Seite 7.

wollte, ſtürzte herunter und ſtarb, ohne das Be=
wußtſein
wiedererlangt zu haben.
Angers, 5. Juni. Die Unterſuchung hat ergeben,
daß auch die Papiere des verſchwundenen Pfarrers Piton
nicht mehr vorhanden ſind. Auch ſtellte ſich die Angabe,
er wollte ſich zu einem Kranken begeben, als unrichtig
heraus. Er iſt an der Wohnung des Kranken vorbei=
gegangen
, ohne einzutreten.
Petersburg, 5. Juni. Die Schauſpielerin Elſe
Rocka aus Stuttgart, die dieſer Tage nach Hamburg ein
Engagement am Sommertheater antreten wollte, hat ſich
heute erſchoſſen.

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Mainz, 6. Juni 1912.
Die Beiſetzung hat auf dem Friedhof zu König=
ſtädten
in aller Stille ſtattgefunden.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Zwiſchen Hochdruckgebieten im hohen Nordweſten
und im Südoſten zieht eine Furche tiefen Drucks vom
Kanal über die Nordſee nach der Oſtſee. In ihr bewegen
ſich Depreſſionen nordöſtlicher Richtung, deren Rand=
gebilde
uns vielfach trübes, regneriſches Wetter bringen.
Bei ſüdweſtlichen bis ſüdlichen Winden nehmen die
Morgentemperaturen in Deutſchland von Weſten nach
Oſten von 12 bis 17 zu. Auch morgen haben wir im
Bereich der Randwirbel der weſtlichen Depreſſion unbe=
ſtändiges
Wetter zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den
6. Juni: Wechſelnd bewölkt, noch einzelne Niederſchläge,
mäßig warm, ſpäter aufheiternd.

Verſteigerungskalender.
Freitag, 7. Juni.

Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 9 Uhr und
um 3 Uhr Martinſtraße 38.
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Herrngarten.
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Pfungſtädter Gemeindewieſen (Zuſammenkunft an der
Fohlenweide).
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Darmſtadt,
den 5. Juni 1912.
Bensheim a. d. B.,
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Paul Kreusel,
Ingenieur.
Die Beerdigung erfolgt Freitag, den 7. Juni,
nachmittags 4 Uhr, vom Städtiſchen Kranken=
haus
, Grafenſtraße, aus, auf dem Darmſtädter
Friedhof.

Tageskalender.

Volkstümliche chriſtl. Vorträge um 8½ Uhr im
Rhein. Miſſionszelt an der Lindenhofſtraße. Bibel=
ſtunde
um 4 Uhr daſelbſt.
Konzerte: Katholikenverein um 6 Uhr. Saalbau
um 8 Uhr. Reſtaurant Metropol um 7½ Uhr.
Bürgerkeller um 8 Uhr. Perkeo um 8 Uhr. Hotel
Heß um 8 Uhr.
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treter
der europäiſchen Mächte bei der Beiſetzung =
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Tage; der Dampfer Imperator nach dem Stapellauf;
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Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilunger
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 6. Jnni 1912.

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Bekanntmachung.

Die Königl. Preuß. und Großh. Heſſ. Eiſenbahndirektion Mainz hat die landes=
polizeiliche
Abnahme der Erweiterung des Bahnhofes Eberſtadt beantragt.
Dermin hierzu iſt auf Dienstag, den 25. Juni, nachmittags 3" Uhr an
Ort und Stelle feſtgeſetzt.
Wir bringen dies zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung, etwaige Ein=
wendungen
gegen die planmäßige Ausführung der Anlagen bei Meidung des Aus=
ſchluſſes
in dem Abnahmetermin vorzubringen.
Darmſtadt, den 3. Juni 1912.
(12480
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Wir bringen die nachſtehende Polizei=Verordnung über die Sicherheit des Ver=
kehrs
auf den Landſtraßen wiederholt zur öffentlichen Kenntnis und erwarten, daß
die Vorſchrift des § 1 befolgt wird, damit die Sicherheit des Verkehrs auf den Straßen
zur Nachtzeit erhalten bleibt.
Die Großh. Gendarmerie und das Polizeiperſonal ſind beauftragt, den Befolg
zu überwachen und Zuwiberhandlungen anzuzeigen.
(12481
Darmſtadt, den 3. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
2 J. V.: Dr. Reinhart.
Polizei=Verordnung.
Betreffend: Die Sicherheit des Verkehrs auf den Landſtraßen und Vorkehrungen
gegen Beſchädigungen durch Fuhrwerke.
Auf Grund der Art. 78 und 48, V 1 des Geſetzes vom 12. Juni 1884, die innere
Verwaltung und die Vertretung der Kreiſe und der Provinzen betreffend, ſowie des
§ 366 pos. 1 des Reichsſtrafgeſetzbuchs wird unter Zuſtimmung des Kreis=Ausſchuſſes

und mit Ermächtigung Großh. Minſterums des Innern und der Iuſtiz vom 13. Zun
1. Js. (zu Nr. M. d. J. 15 622) unter Aufhebung der Polizei=Verordnung vom 4. De=
zember
1884 verordnet, was folgt:
§ 1. Alle auf den innerhalb des Kreiſes Darmſtadt belegenen Staats= und
Kreisſtraßen, ſowie den in dieſe Straßenzüge fallenden Ortsdurchfahrten nach Ein=
tritt
der Dunkelheit verkehrenden Fuhrwerke müſſen mit einer, an gut ſichtbarer
Stelle angebrachten brennenden Laterne verſehen ſein. Perſonenfuhrwerke, welche auf
den erwähnten Straßen während der genannten Zeit verkehren, müſſen durch zwei
hell brennende Laternen, weiche zu beiden Seiten des Bocks anzubringen ſind, be=
leuchtet
ſein.
§ 2. Zuwiderhandlungen gegen dieſe Beſtimmungen unterliegen der Beſtrafung
nach § 366 des Reichsſtrafgeſetzbuchs (Geldſtrafe bis zu 60 Mark oder Haft bis vier=
zehn
Tagen).
§ 3. Vorſtehende Polizei=Verordnung tritt vierzehn Tage nach ihrer Publikation
im Darmſtädter Tagblat in Kraft.
Darmſtadt, den 19. Juni 1890.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
v. Marquard.

An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden und die Großh
Gendarmerie des Kreiſes.

Wir beauftragen Sie, dem Befolg der Vorſchriften der obigen Polizei= Ver=
ordnung
beſondere Aufmerkſamkeit zuzuwenden und Zuwiderhandlungen zur Anzeige
zu bringen.
Den Großh. Bürgermeiſtereien empfehlen wir, den Inhalt der Polizei= Ver=
ordnung
wiederholt ortsüblich bekannt machen zu laſſen und das Polizeiperſonal mit
entſprechender Weiſung zu verſehen.
Darmſtadt, den 3. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=

licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Dobermann. Die Hunde können von den Eigen=
tümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteige=
rung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag,
vormittags um 10 Uhr. ſtatt.
(12468

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Bekämpfung der Schnakenplage.
Im Anſchluß an unſere öffentliche Aufforderung vom 11. Ja=
nuar
d. Js. und unter Hinweis auf § 3 ff. der Polizeiverordnung
des Großh. Kreisamts Darmſtadt vom 11. März 1911 fordern wir
die Grundſtückseigentümer auf in den Sommermonaten die auf
ihren Grundſtücken befindlichen Jauche= und Abortgruben mit! Weißbinderarbeiten
einem zur Vernichtung der Schnakenbrut geeigneten Mittel
(Saprol, Petroleum oder dergl.) mindeſtens einmal monatlich
zu übergießen.
Darmſtadt, den 1. Juni 1912.
(12405md
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Antzungen der Ortsbürger der früheren Gemeinde
Mumt.

Der Erlös für Streulaub wird an die empfangsberechtigten Darmſtadt, den 4. Juni 1912.
Ortsbürger der früheren Gemeinde Beſſungen
Freitag, den 7. Juni, nachmittags von 35½ Uhr,
in dem Schulhauſe an der Ludwigshöhſtraße ausgezahlt.
Die Auszahlung findet nur an die Bezugsberechtigten ſelbſt ſtatt.
Die in dieſem Termin nicht erhobenen Beträge werden gegen
Abzug von 10 Pfg. Bringerlohn den Empfangsberechtigten demnächſt
zugeſtellt.
(12474df
Darmſtadt, den 4. Juni 1912.
Der Oberbürgermeiſter:
I. V.: Jaeger.

Heugras=Verſteigerung.
Donnerstag, den 6. und Freitag, den 7. d. Mts.,

jeweils vormittags 8 Uhr beginnend, wird das Heugras von den
früheren Beſſunger Gemeindewieſen und ſonſtigen ſtädtiſchen Wieſen,
ſowie die Futternutzung von weiteren Grundſtücken an Ort und
Stelle öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Zuſammenkunft: Donnerstag am Woogsdamm, alsdann
hinter dem Schießhaus, Freitag an der Kreuzung des Atzwinkel=
und Böllenfalltorwegs.
Darmſtadt, den 3. Juni 1912.
(12358md
Der Oberbürgermeiſter
J. V.: Jaeger.

Torfverſteigerung.

Montag, den 10. Juni 1912, vorm. 10 Uhr
anfangend, werden auf dem Rathauſe zu Pfungſtadt
ca. 300000 Stück Torf
meiſtbietend verſteigert.
Pfungſtadt, den 4. Juni 1912.
(12463
Großh. Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.

Verſteigerungs=Anzeige.
Donnerstag, den 6. Inni 1912, nachm. 3 Uhr,

verſteigere ich im Saale Rundeturmſtraße 16 zwangsweiſe gegen
Barzahlung:
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Darmſtadt, den 5. Juni 1912.
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Am 1. Juli 1912 fällige Coupons löse bereits
heute ohne Abzug ein.
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Sandbergſtr. 33.

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ſorgeſtelle
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helminenſtraße
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6. Juni bis einſchließlich 4. Juli
ds. Js. nicht Mittwochs, ſondern
Donnerstags von 3 bis 5 Uhr
nachmittags abgehalten. (12458df
Darmſtadt, den 3. Juni 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
Dr. Gläſſing.

am Hintergebäude der Stadthaus=
hofreite
ſollen vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Be=
dingungen
liegen beidem unterzeich=
neten
Amte, Grafenſtraße Nr. 30,
Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Dienstag, 11. Juni 1912,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
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Stadtbauamt.
Buxbaum.

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V uſw. in den verſchiedenen ſtädti=
ſchen
Schulanſtalten ſoll vergeben
werden.
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dingungen
liegen bei dem unter=
zeichneten
Amte, Grafenſtr. Nr. 30,
Zimmer Nr. 9, während der Dienſt=
lſtunden
offen=
Angebote ſind bis
Dienstag, den 11. Juni 1912,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
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Darmſtadt, am 4. Juni 1912.
Stadtbauamt.
Burbaum.

Kanalbauarbeit.

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zeugrohrkanals
in der verlänger=
ten
Tannenſtraße ſoll verdungen
werden.
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dingungen
liegen bei dem Tieſbau=
amt
, Zimmer Nr. 7, zur Einſicht
offen. Auch werden dort die Ange=
botſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Dienstag, 11. Juni I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
(12508ds
reichen.
Darmſtadt, den 4. Juni 1912.
Tiefbauamt.

Klee= und Heugras=
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Gut Hohenau bei Trebur.
Montag, den 10. Juni 1912,
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Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bart
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Zahlung ſtatt.
Darmſtadt, den 4. Juni 1912.
Ernst
f. Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.
Aufforderung.
Hiermit fordere wiederholt jedermann auf, der Anſprüche an den
Nachlaß des am 3. Januar ds. Js. verſtorbenen Fuhrunternehmers
Chriſtian Stumpf hier, Gardiſtenſtraße 15, zu machen hat, ſeine
Forderung bis längſtens 10. Juni ds. Js. ſchriftlich bei mir ein=
zureichen
.
(*13760id
Friedr. Stumpf, Nachlaßverwalter,
Frankfurterſtraße 85.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Nummer 131

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 6. Juni 1912.

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Mit faſt überirdiſch leuchtenden Augen blickte Elfriede
zu ihm empor. Dann ſtreckte ſie ihm beide Hände ent=
gegen
und ſprach mit feſter Stimme:
Ich verzichte auf meine Liebe ich bin frei von die=
ſer
Stunde an!
Er zog ſie an ſich und küßte ſie auf die Stirn. Schwei=
gend
, tränenlos, mit geſchloſſenen Augen ruhte ſie an ſeiner
Bruſt.
So will ich Dir helfen, will Dein Führer ſein auf
dem gefahrvollen Wege, ſagte er bewegt. Aber wir haben
Rückſichten auf Deine Familie zu nehmen, die unſeren Ent=
ſchluß
nicht verſtehen würde. Laß uns vorläufig von
unſerem Plan nicht ſprechen. Ich werde Deine Ausbil=
dung
vorerſt ſelbſt in die Hand nehmen und Dich in die
herrlichen Werke unſerer Dichter einführen. Ich bin nicht
umſonſt einige Jahre Dramaturg an einem bedeutenden
Theater geweſen, ſetzte er lächelnd hinzu, ja, ich will Dir
nur geſtehen, daß auch ich einſt die Bühnenlaufbahn ein=
ſchlagen
wollte, und mich nur die Erkenntnis meines un=
zulänglichen
Talentes abhielt. Aber ich fühle mich wohl
befähigt, Dir ein Lehrer zu ſein, Dich auch das Hand=
werksmäßige
der Kunſt zu lehren. Später wollen wir
uns nach einer tüchtigen, geiſtvollen dramatiſchen Lehre=
rin
umſehen vorläufig bleibt alles unſer Geheimnis.
Nicht wahr?

Und Mama? Soll ſie nichts erfahren?
Ich werde ſchon mit ihr ſprechen überlaß das mir.
Ich füge mich allen Deinen Abordnungen, mein lieber,
guter Papa. Du weißt ja nicht, wie dankbar ich Dir bin
Du Du allein verſtehſt mich Du lieſt ja in meinem
Herzen, in meiner Seele wie in einem aufgeſchlagenen
Buche.
Laß uns Vertrauen zueinander haben, mein Kind.
Verheimliche mir keinen Deiner Gedanken, dann werden
wir auch unſer Ziel erreichen. Aber auch Dein Zeichen=
und Maltalent wollen wir ſnicht vernachläſſigen. Ich
werde für Stunden bei einem tüchtigen Künſtler Sorge
tragen. Biſt Du’s zufrieden?
Gewiß, Papa!
Seit dieſem Abend begann ein arbeitsreiches Leben
für Elfriede. Bei Profeſſor Muther erhielt ſie Unterricht
im Zeichnen und Malen und mit ihrem Stiefvater ſtudierte
ſie die klaſſiſchen Dichter aller Zeiten. Doktor Wendeborn
führte ſie in die Literatur= und Kunſtgeſchichte ein und
nahm die bedeutendſten Rollen der klaſſiſchen Dichtungen
mit ihr durch. Er war ein vortrefflicher Lehrer und Sprach=
meiſter
; er hielt ſelbſt öffentliche Vorträge und Vorleſun=
gen
, die ſich eines guten Rufes erfreuten. Elfriede hätte
für die erſte Zeit gar keinen geeigneteren Lehrer erhalten
können. Doktor Wendeborn ſelbſt aber erſtaunte immer
mehr über die Kraft dieſes reinen, friſchen Talentes, wel=
ches
in Elfriedens Seele lebte. Er würde es für eine
Sünde gehalten haben, wenn er dieſem Talent nicht die
Bahn geebnet hätte, ſo gut wie er es vermochte.

In dieſem Sinne ſprach er auch mit ſeiner Gattin
und Frau Margarete ſtimmte nach einigem Bedenken ihrem
Manne bei, mit dem ſie ja in allem ein inniges Vertrauen
verband.
VII.
Der Sommer kam ins Land und über dem ſteinernen
Häuſermeer Berlins lag eine dumpfe, heiße, kaum erträg=
liche
Schwüle.
Mit Beſorgnis ſah Frau Martha auf die blaſſen,
ſchmalen Wangen und die in dunkler Glut leuchtenden
Augen Elfriedens. Es war, als wenn ein inneres Feuer
ſie verzehrte.
Frau Martha fragte ihren Mann, ob die Studien
Elfriede nicht zu ſehr anſtrengten.
Doktor Wendeborn ſann eine Weile nach, dann ſagte
er: Ich glaube nicht, daß es die Studien ſind, die ſie an=
greifen
. Wir haben es ja auch gerade in letzter Zeit lang=
ſam
angehen laſſen, ſie ſoll ſich nicht überanſtrengen. Es
iſt die brennende Sehnſucht, welche ſie verzehrt, die Un=
geduld
, ihr Ziel zu erreichen. Und doch werden noch Jahre
vergehen, ehe wir ſo weit ſind. Sie iſt doch nicht alt und
gereift genug, um mit Ruhe der Entwickelung zu harren.
Aber ihre Seele braucht neue, überwältigende und doch
beruhigende Eindrücke, um ſtark und mutig zu werden.
Und nichts iſt geeigneter, dieſe Eindrücke hervorzubringen,
als die Erhabenheit der Natur.
Ja, Du haſt recht. Elfriede kennt die Natur in ihrer
Schönheit und Erhabenheit überhaupt noch nicht. Sie iſt
kaum aus der Stadt hinausgekommen.

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Aun aus ſo uitlich dir ehnen Boiſtiag nchen. Die
Schulferien ſtehen vor der Tür, dann reiſen wir alle an
die See nichts übt auf ein junges, empfindliches Gemüt
einen ſolchen Zauber aus als die Unendlichkeit des Meeres.
Ich danke Dir für Deinen Vorſchlag. Aber es ſind
noch vierzehn Tage bis zu den Ferien, dann ſind alle
Bäder überfüllt. Gehe Du mit Elfrieden ſchon jetzt nach
Rügen. Du mieteſt eine bequeme Wohnung für uns und
bei Beginn der Ferien folge ich mit den Kindern nach.
Jetzt iſt noch Ruhe in den Oſtſeebädern und dieſe Ruhe
wird Elfriede und Dir gut tun.
Nach einigem Zögern ging Wendeborn auf den Vor=
ſchlag
Marthas ein und am nächſtfolgenden Tage ſchon
reiſte er mit Elfriede nach Rügen ab. Er wählte ein klei=
neres
Bad an der Oſtküſte und fand in einem einfachen
Fiſcherhauſe geeignete Unterkunft. In das große und
vornehm ausgeſtattete Strandhotel gingen ſie nur zum
Mittageſſen; die anderen Mahlzeiten nahmen ſie in ihrer
Wohnung oder in einem anderen Gaſthauſe ein, dem ſie
auf ihren Streifereien durch die herrliche Inſel, die Perle
der Oſtſee, begegneten.
Das Meer! Elfriede ſtand faſſungslos vor dem über=
wältigenden
Eindruck da, die Tränen traten ihr in die
Augen. Sie vermochte kein Wort zu ſprechen und auch
Wendeborn ſaß ruhig da, ſeine Tochter nur mit ſtillen,
aufmerkſamen Blicken beobachtend. Er hatte vorher ab=

ſchig nict dem der Schnſeit, der öigennigeit des
Meeres geſprochen, er wollte die Natur unmittelbar auf
das Gemüt Elfriedens wirken laſſen.
Und nun ſah ſie das Meer in immer wechſelndem
Farbenſpiel erglänzen. Sie ſah die von fernher heran=
rollenden
Wogen, wie ſie mit brauſendem Getöſe an den
Felſenriffen der Küſte ſich überſtürzten und den weißen
Giſcht hoch emporſchleuderten. Sie ſah die weißen Wol=
kenkämme
fern und nah aufblitzen. Ihr Blick ſchien in
die Unendlichkeit, in die Ewigkeit, unbegrenzt durch Zeit
und Raum, zu ſchweifen. Ihre Augen folgten dem pfeil=
geſchwinden
Flug der Möve und hingen an dem am
Horizont allmählich untertauchenden Dampfer.
Die Welt, die große, ſchöne Welt lag vor ihr. Ihre
Phantaſie ſchweifte weit hinaus mit den ſchäumenden,
brauſenden Wogen, mit den Dampfern und Seglern, die
einem fremden Geſtade, fremden Ländern und Völkern zu=
ſtrebten
. Die Welt die große, ſchöne Welt lag vor ihr.
Tief aufatmend, wendete ſie den Blick ihrem Vater zu.
Ihre Augen trafen ſich, ſie ſtreckte ihm die Hände entgegen
und dankte ihm mit bebender Stimme.
Bade Deine Seele geſund in den reinen und tiefen
Eindrücken einer großen Natur, meine kleine Elfe, ſagte er
bewegt. Groß und rein, ſtark und mutig, wie die Natur,
ſo ſoll Deine Seele werden.
Bin ich nicht geſund? fragte ſie.

e iſcheit eich.
Deine Wangen ſind mir zu blaß, Deine Augen zu ernſt,
entgegnete er.
Sie ſenkte die Lider und eine leichte Röte huſchte über
ihr Antlitz.
Ich weiß, was Dich gequält, fuhr er fort, und deshalb
führte ich Dich hierher. Hier wollen wir einmal nichts
tun, als der Natur leben.
Haſt Du mir nicht verſprochen, mir Dein Märchen=
drama
Klytia vorzuleſen, das jetzt im Druck erſchienen iſt?
Ja und ich glaube auch, daß hier angeſichts der
Schönheit des ewigen Meeres Ort und Gelegenheit gün=
ſtig
iſt. Sollte doch in meiner Dichtung der Abglanz der
ewigen Schönheit leben. Wir werden das Buch zuſammen
am Meeresſtrande leſen und ich denke, Wind, Wald und
Wellen werden die geeignete Melodie dazu ſpielen.
Und wahrlich, die Schönheit der eigenartigen Dichtung
trat in dieſer Umgebung in ergreifender Weiſe hervor!
Elfriede war tief bewegt und doch innerlich erhoben von
dem Mythus der ſchönen Geliebten des Sonnengottes,
die an der Sehnſucht nach der Sonne, nach dem ewigen
Licht dahinſiechte, bis der Altvater Zeus ſich ihrer er=
barmte
und ſie in die Geſtalt der Blume verwandelte,
deren goldener Kelch, ſelbſt ein Abbild der ſtrahlenden
Sonne, ſich ſtets ſehnend dem leuchtenden Geſtirn zuneigt.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 6. Juni 1912.

Nummer 131.

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*13919md) Heinheimerſtr. 100, pt.

ſucht Waſchen
Taubſt.
Langegaſſe
Nr. 14, eine Treppe. (*13945md

Stell. ſuch.: Herrſchaftstöchinnen
erſte u. zweite Hausmädch., Allein=
mädch
., welche einf. koch. können, für
ſof. u. 1. Juli Frau Minna Dingel-
dein
, gewerbsmäßige Stellenvermittlerin,
Schützenſtr. 10½. Tel. 531. (*14059

Mädchen ſucht tagsüber Beſchäft.
Alexanderſtr. 4, Htb. II. (*14055

Frau ſ. morg. Laufd., gehr a.
halbe Tage waſchen u. putzen
Gr. Kaplaneigaſſe 35. (*14035

Jge. Frau ſucht für morg. 23
Std. Laufdienſt. Näh. Fuhrmann=
ſtraße
10, Hinterb., Manſ. (*13988

Ein ſehr gut empfohlenes
Dienſtmädchen, das in der bürger=
lichen
Küche und allen Haus=
arbeiten
bewandert iſt, ſucht Aus=
hilfeſtelle
vom 15. Juni bis event.
15. Oktober I. J.
Offerten unter P 36 an die
Expedition d. Bl.
(*14064

Einf. gedieg. Frl., 31 J. alt, ſ. Stellg.
zur Führung des Haush., am liebſt.
b. Witwer m. Kindern .Gefl. Off. erb.
in die Exp. d. Bl. u. P33. (*14050ds
Lehrmädchen.
Ich ſuche für meine Tochter,
velche ½ Jahr Weißzeugnähen
gelernt hat, eine Lehrſtelle im
Kleidermachen.Näh. Exp. (*14000

Durchaus perf. Bügl. hat n. Tage
frei. Moosbergſtr. 49, 1. St. (B12488

Stelle ſuch. z. 15. Junt u. 1. Juli
mehr. Mädch., d. Hausarb. u. einf.
Küche verſt. Elisab. Frank, gewerbsmässige
Stellenvermittlerin, Saalbaustr. 33. (*1405d

151. Mädch. ſ. morg. 23 St.
Lfd. Schloßgartenſtr. 21 Ir. (*13986

Männiien

mit ſlotter
Junger Kaufmann Handſchr.
ſucht Beſchäftig. irg. welch. Art.
Off. u. P 12 an die Exp. (*13991dfs

ſucht für die
1 Architekt Herbſtf.evtl.
ab 1. Juli unter beſcheid. Anſprüch.
Bürobeſchäftigung. Offerten unt.
P 30 an die Exped. (*14043ds

Techniker,
Heizungen u. allgem. Maſchinen=
bau
, ſucht Nebenbeſchäftigung. Off.
unter P 2 an die Exped. (*13968

zeichner
für Hochperſpektive. Aufnahme
künſtleriſcher Landſchafts= Natur=
aufnahmen
, ſowie techniſchen topo=
graph
. undlitographiſchen Arbeiten,
ſucht Engagement bei nur ſtädt.
od. ſtaatl. Behörden hier od. ausw.
Off. erbet. unt. P 19 Exp. (*14004

Junger Mann, verheiratet,
wünſchtBeſchäftigungirgendwelcher
Art. Kaution kann geſtellt wer=
den
. Gefl. Offerten unter P 23
a. d. Expedition d. Bl. (*14024

Junger Diener ſucht Stelle in
Herrſchaftshaus. A. Dingeldein,
gewerbsmäßiger Stellenvermittler,
Schützenſtr. 10½ . Tel. 531. (*14030

Welch edeldenkender Menſch
gibt oder beſorgt einem Mann,
36 Jahre alt, Vater von 4 Kin=
dern
1 Sohn lahm , der auf
ſeinem Geſchäfte, Metalldreher,
nicht mehr arbeiten kann, Arbeit
jedweder Art? Offert. u. P 18
an die Expedition d. Bl. (*13999


Offen

Weiblich

Tich. Rock. u. Tailenarbeiter=
innen
ſof. geſ. A. Herber, Damen=
konfekt
., Wilhelminenſtr. 10. (*14022

Aelteres, geſ. 2. Mädch., das
kinderlieb iſt, per 1. Juli n. Pforz=
heim
geſucht. Vierteljährl. 75 M.
Freie Reiſe. Frau Heß, Hohen=
zollernſtraße
97, II. (12465dfs

Tücht. Näherinnen
für beſte, gut bezahlte Arbeit.,
auf unſere Werkſtatt u. für
Heimarbeit, per ſofort für
dauerno geſucht (12307ids
Oppenheimer & Co.,
Schulſtraße.

Arbeiterinnen
bei hohem Lohn ſofort geſucht
Damenkonfektion W. Schnell
Kirchſtraße 19. (*13967

Lehrmädchen aus achtbarer Fa=
milie
gegen ſofortige Vergütung ge=
ſucht
. Näh. i. d. Exped. (*14037dsi

Alleinmädchen geſucht, Haus=
arbeit
, Bügeln, etwas koch. verlgt.
Saalbauſtr. 69, 2. St. (*13639oid

Einfaches, ſolides Mädchen zum
Anlernen für die Kaffeeküche ſo=
fort
geſucht Britannia-Hotel. (*14001

Saubere Laufrau vor= u. nachm.
geſucht Aliceſtr. 17, II. (*13989

für 15. Juni tüchtig.
Suche zweites Hausmäd-
chen
, das alle Hausarbeit ver=
ſteht
und gute Zeugniſſe hat.
Baronin Leonhardi
Wilhelmſtraße 15. (12464dfs

Gesucht
zur Pflege 2er kl. Kinder ein zuver=
läſſiges
, älteres Mädch. od. Witwe,
geg. gut. Lohn. Näh. Frau Sidonie
Frank, gewerbsmäßige Stellen=
vermittlerin
Schulſtr. 9. (*14018

Such. m. Mädch. z. 1. Juli u. 5. Junk.
Frau Sidonie Frank, gewerbsmäßige Stel-
Ienvermittleein, Schulſtr. 9. (*14019

Kochfrau, die auch Hausarbeit
übernimmt, zur Aushilfe geſucht
Dieburgerſtraße 84/3. (*14022

Ordentliche Mädchen von 14 bis
16 Jahren finden dauernde, gut=
lohnende
Beſchäftigung. (*14062
Maschinenstrickerei, Wienersstr. 61.

Innastr. 61, I.
Lauffraugeſucht (*13962

werden ange=
Junge Damen nommen, die
feine Hotelküche, Einmachen ꝛc., zu
erlernen. Britannia-Hotel. (*14003

Männlich

Für eine Druckerei wird ein
junger Mann für das Kontor
per 1. Juli geſucht. Derſelbe muß
außer allen Kontorarbeiten in
Stenographie u. Schreibmaſchinen=
ſchreiben
gut bewandert ſein. Off.
mit Zeugniſſen und Gehaltsang.
unter O. 43 an d. Exp. (*13761imd

Mark täglich. Verdienſt d.
22 Verkf. m. Patentartikel für
Herren. Neuheitenfab. Mittweida=
Markersbach Nr. 117. (8720II

Schiffsjungen
erhalten gratis Auskunft über Kar=
riere
und Ausrüſtung 1. Brandf
Altona a. Elbe, Fiſchmarkt 20. (11346E

Zur ſelbſtſtändigen Leitung
unſerer Filiale wird ein
Strebsamer Herr
per ſofort geſucht der über ein
Barkapital von M. 1200 ver=
fügt
. Einkom. ca. 36000 M.
p. a. Offert. unt. F M V497
an Rudolf Moſſe, Frank=
furt
a. M.
(124712f

Lebensstellung
Gehalt, Proviſion, Speſen, erhält
tüchtiger Akquiſiteur der Feuer= u.
Einbruchdiebſtahlbranche. Offerten
unter O. 37 Expedition. (12303a

Solider Arbeiter
in dauernde Stellung geſucht.
Näheres in der Exped. (12455

Berliniſche Lebensverſicherungs-
Gegründet 1836 Geſellſchaft Gegründet 1836
Unſere Generalagentur Darmſtadt (Platz) mit beträcht=
lichem
Inkaſſo iſt baldigſt neu zu beſetzen. Wir bitten geeignete
kautionsfähige Bewerber um Einreichung von Offerten an die
Bezirksverwaltung Frankfurt a. M.
Kronprinzenſtraße 10. M. Freyholdt. (12505ds

Reinliches Mädchen
tagsüb. geſ. Karlſtr. 12, pt. (*14046df

Infolge des Todes unseres langjährigen Ver-
I treters, Herrn Ph. Schneider, ist die von
demselben innegehabte
Haupt- und Inkasso-Agentur
neu zu besetzen. Kautionsfähige, rührige und an-
gesehene
Bewerber, die über gute Beziehungen ver-
fügen
und persönlich akquirieren wollen, werden
gebeten, sich an uns zu wenden.
(12472MI
Stuttgarter Lebensversicherungsbank a. G.
alle Stuligarter).

Junges Mädchen in kl. Haus=
halt
bis nach dem Spülen ge=
ſucht
. Vorzuſtellen von 9 Uhr ab
Saalbauſtraße 63gIII. (*14061

Versicherungsstand .
Seither für die Ver-
sicherten
erzielte
Ueberschüsse .

1 Milliarde 19 Millionen Mark

204

[ ][  ][ ]

Nummer 13P.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den
1912.

Seite 15.

Gegen Proviſion und Fixum
ſucht tüchtigen Reiſenden, ſowie
auch ſtille Vermittler auf die Ver=
ſicherungszeitſchriften
Nach Feier=
abend‟
, Die Fürſorge und Der
Volkshort.
(*13722imd
Vertreter: Wilhelm Didzuhn,
Darmſtadt, Kranichſteinerſtr. 7.

Von einer großen deutſchen Le=
bens
=, Unfall=, Haftpflicht=, Volks=
und Sterbekaſſen=Verſicherungs=
Geſellſchaft wird ein tücht. redegew.
Reiſeinſpektor
gegen Fixum, hohe Proviſionen
und Speſen geſucht. Die Stellung
iſt dauernd und ſehr entwicklungs=
fähig
. Bewerbungen auch von
Nichtfachleuten, die für das Ver=
ſicherungsweſen
ausgebildet wer=
den
, erbeten an die Exped. d. Bl.
unter P 16.
(*13979

Junge Leute können ſich zum
Chauffeur
ausbilden, geg. geringe Entſchädig.
Beruf gleich. Eintritt baldigſt.
M. Schachtſchabel & Co.,
Automobilwerk
Halle a. S., 61. 12233od

Gesdch.
23 nicht zu junge Leute finden
ſofort dauernde Stellung zum Ein=
kaſſieren
von Geldern. Nur kau=
tionsfähige
Leute wollen ſich mel=
den
. Offerten mit Angabe von
Alter und bisheriger Tätigkeit ſind
unter P 21 an die Expedition zu
(12477dfs
ſenden.

geſucht für
Schloſſer Reparaturarbeiten
Landwehrſt. 79. (*14009dfs

Tüchtiger ſolider Mann, der ſchor
mehrere Jahre als
Möbelpacker
beſch. war, ſof. für dauernd geſucht.
Gg. Ehrhardt & Söhne, Möbel=
fabrik
, Feldbergſtr. 36. (12402md

Reinliche Jungen
und Mädchen
für leichte Arbeit per ſofort für
dauernd geſucht. Näheres bei
Wehner & Fahr, Schokoladen=
(12298imd
fabrik.

Zuverläſiger Hausburſche ge=
ſucht
Roßdörferſtr. 40. (*13928md

Solider, tüchtiger
Fuhrknecht
für ein Kohlengeſchäft geſucht.
Näheres Expedition.
(*14045

Junger Hotelburſche geſucht.
A. Dingeldein, gewerbsmä ßiger Stellenver-
mittler
, Schützenſtr. 10½
(*14060

zuverläſſig, nücht,
Jahrburſche zu einem Pferd ge=
ſucht

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Weinhandlung,
*13993df) Bismarckſtraße 76.

Kellnerlehrling ſofort geſucht
Britannia-Hotel. (*14002

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Dirckt vom Lagerfa
6
werden die Heſſenbräu=Flaſchenbiere gefüllt.
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Jüngerer, ſauberer Burſche ſo=
fort
geſucht. J. Müller, Bier
handlung, Kiesſtraße 20. (*14053

Tapezierlehrling (*13831md
ſucht A. Meurer, Kiesſtr. 55.
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und Detail=Geſchäft wird zum
baldigen Eintritt ein
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(12414md

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Sonntags-Sprechstunden: 1012 Uhr.
(*13984

Kurſe vom 5. Jnni 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Bf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100, 10
3½ Deutſche Reichsanl. . 89,90
do.
80,50
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,10
3½ do. Conſols . . . 89,75
3 do. do.
89,50
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,80
do.
3½
92,10
3
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,0
3½
do.
88,40
3
79,10
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,70
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,70
4 do. do. (unk. 1918) 99,90
88,60
do.
3u
3
do.
79,90
3 Sächſiſche Rente . . . . 80,10
4 Württemberger v. 1907 100,20
do. v. 1875
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 54,50
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 92,10
4 do. Goldrente . . . 96,50
4 do. einheitl. Rente 88,80
3 Portug. unif. Serie I 64,70
3 do. unif. Ser. III 67,25
3. do. Spezial . . . . 10,10
5 Rumänier v. 1903 . . 101,00
4 do. v. 1890 . . 95,00
4 do. v. 1905 . . 91,50
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 91,00
4 do. v. 1902 . . . . 90,70
4½ do. v. 1905 . . . . 100,60
3½ Schweden .
94,20
4 Serbier amort. v. 1895 85,70
4 Türk. Admin. v. 1903 82,90
4 Türk. unifiz. v. 1903 91,20
4 Ungar. Goldrente . . . 91,00
4 do. Staatsrente.. . . 89,25

Zf.
In Proz.
5 Argentinier
.101,10
4
do.
86,10
4½ Chile Gold=Anleihe . 91,60
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,50
4½
do.
4½ Japaner . .
. 94,50
5 Innere Mexikaner . . . 95,00
do.
60,10
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,10
5 Gold=Mexikaner . . . . 100,00
3 Buenos Aires Provinz 71,50
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 141,30
5 Nordd. Lloyd . . . . . 116,10
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 123,90
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 112,75
8 Baltimore und Ohio . 107,10
6½ Schantungbahn . . . 134,50
6½ Luxemb. Prince Henri 157,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 19,25
6 Pennſylvania R. R. . 119,50
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger
74,50
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik
.504,80
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

. . 250,00
30 Farbwerke Höchſt . 602,20
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim .349,80
10 Cement Heidelberg . . 152,00
30 Chem. Werke Albert 458,50
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
.
. . . 309,40
4 Lahmeyer . . . . . . . 127,00

In Pr
Htob.
7½Schuchert, Nürnberg 158,00
12 Siemens & Halske .237,90
5 Bergmann Electr. . . 137,40
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 175,75
0 Gummi Peter . . . . 133,50
0 Kunſtſeide Frankfurt 176,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . 498,00
10 Maſchinenf. Badenia 187,00
6 Wittener Stahlröhren 192,00
8 Steana Romana Petr. 138,75
15 Zellſtoff Waldhof . . 234,75
12½ Bad. Zucker=Wag=
. . 211,50
häuſel .
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 119,70
3 Südd. Immobilien . 69,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 187,50
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. .
228,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . .
.176,00
10 Gelſenkirchener . . . . 187,30
8 Harpener . . . . . . . 185,25
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 257,00
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 83,90
4 Laurahütte . . . . . . 176,25
10 Kaliwerke Aſchersleben
11
Weſteregeln 194,00
7½ South Weſt Africa 148,50
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 89,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 99,70
4 Eliſabethbahn, freie . . 95,10
4 Franz=Jofefs=Bahn
3 Prag=Duxer . . . . .
5 Oeſterr. Staatsbahn . 105,00
4 Oeſterr, Staatsbahn 94,50
do.
78,25
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 100,00

Inßron,
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 79,00
do.
53,70
3 Raab=Oedenburg
.76,50
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt . . . . . 88,60
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,30
88,10
do.
4 Wladichawchas . . . . 88,50
4 Rjäſan Koslow .
3 Portugieſ. Eiſenb.
76,10
do.
2¼/0 Livorneſer
67,50
3 Salonique=Monaſtir . 65,00
4 Bagdadbahn .
84,00
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 96,90
4 Miſſouri=Pacific . . . . 72,30
4 Northern=Pacific . . . 100,50
4 Southern=Pacific . . . 95,40
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 87,60
5 Tehuantepec . . . . . .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 195,90
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn .
. . 150,30
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 166,90
6½ Darmſtädter Bank . 121,50
12½ Deutſche Bank .253,00
6 Deutſche Vereinsbank . 123,75
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,60
10 Diskonto=Kommandit 184,50
8½ Dresdener Bank . . 152,50
9½ Frankf. Hypoth.=B. 217,75
6½ Mitteld. Kreditbank 119,25
7 Nationalb. für Deutſchl. 123,00
7 Pfälziſche Bank . . . . 130,00
5.86 Reichsbank . . . . 137,00
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,20
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 124,23
Wiener Bankverein . 133,70
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 98,60

Sf. Pfandbriefe. InProz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 98,50
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2126 98,00
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,50
do.
88,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,20
do.
89,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
.100,00
S. 14, 15, 17, 24/26
1823 . .
100,05
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6
89,50
S. 3
89,30
S. 911
89,40
4 Meininger Hyp.=Bank 99,50
31
do.
89,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 98,00
3½ do. (unk. 1914) . . 88,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
do.
8½
89,60
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt
.
8½ do.
89,10
4 Frankfurt.
99,80
8½ do.
95,00
4 Gießen
8½ do.
90,50
4 Heidelberg
99,00
8½ do.
4 Karlsruhe
98,40
do.
8½
89,70
4 Magdeburg.
3½ do.
4 Mainz
98,50
3½ do.
90,00
4 Mannheim
98,50
do.
3½
4 München
99,90
3½ Nauheim
4 Nürnberg . . . . . . . 100,00
do.
34
90,10
4 Offenbach . . . . . . . 97,90

Bf.
In Proz
3½ Offenbach
4 Wiesbaden
100,00
3½ do.
95,10
4 Worms.
98,50
88,90
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 . 80,00
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 177,10
3½ Cöln=Mindner 100 135,50
3 Holl. Komm. . fl. 100 109,75
3 Madrider Fs. 100 75,90
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 135,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 178,10
3 Oldenburger . . . . . . 125,00
2½ Raab=Grazer fl. 150 115,60
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger.
. fl. 7 34,70
Braunſchweiger Tlr. 20 196,10
Freiburger .
Fs. 15
Mailänder
Fs. 45
do.
Fs. 10
ſl. 7
Meininger
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100
do. v. 1858 fl. 100 448,00
Ungar. Staats . . fl. 100 374,00
Venediger .
Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 170,20
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,42
20 Franks=Stücke .
16,19
Amerikaniſche Noten . . . 4,18¾
Engliſche Noten . . . . . 20,45
Franzöſiſche Noten. . . . 81,05
Holländiſche Noten. . . . 169,25
Italieniſche Noten . . . . 80,35
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,70
Ruſſiſche Noten . . . . (215,50
Schweizer Noten . . . . . 80,90

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Kragen, Krawatten, Gberfiemden, Manschetten, Serviteurs,
Jarnituren, Kandschuße, Strümpfe, Socken, Damen- und Kinder-
wäsche
, Korsetten, Anterröcke, Antertaillen, Sweaters, Käubchen,
Lätzchen, Besätze, Spitzen, Stickereien, Fürtel, Japons, Jutz-
und Modewaren etc. etc.
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kauf
zu benutzen, da sich nur dann eine sorgfältige Bedienung ermöglichen läßt.

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 6. Juni 1912.

Nummer 131.

[ ][  ][ ]

j6 131.

Damtersiag 6. Zum.

1912.

DOrt

Sportplatz an der Windmühle, Pallaswiesenstrasse 127

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Wir laden unſere verehrlichen Mitglieder zu dem am
Freitag, den 7. Juni 1912, abends Punkt 8½ Uhr
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(Süd‟ 9.03), Rückfahrt ab Auerbach 8.39. Sonntagsbillet III. Kl.
Auerbach (85 Pfg.). Bei ſchlechter Witterung Abfahrt 1.07, (reſp.
1.12) nach Zwingenberg und kürzerer Gang nach Auerbach. Durch
Mitglieder eingeführte Gäſte ſind willkommen. Einzeichnungsliſte
liegt auf bis Freitag, 7. Juni, abends beim Hausmeiſter, Stein=
ſtraße
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delphia
kommend, 4. Juni 5 Uhr
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Dampfer Bethania‟, 2. Juni
4 Uhr nachmittags von Balti=
more
.
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York kommend, 4. Juni 5 Uhr
30 Minuten morgens von Cher=
bourg
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[ ][  ][ ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 6. Juni 191

Nummer 131.

Zahn-Créme

Mundwasser

Sport.

* Darmſtädter Sportklub 1905. Mit lebhaftem In=
tereſſe
ſieht jeder Sportsmann dem am nächſten Sonntag
auf dem Sportplatze an der Windmühle, Pallaswieſenſtr.
127, ſtattfindenden III. national. olymp. Spiele
entgegen. Ein reiches Programm verſichert einen großen
ſportlichen Genuß. Neben zahlreichen Läufen über kurze
und lange Strecken, Wurf= und Sprungübungen wird ein
von Herrn Ritter und Edler von Oetinger geſtifteter Wan=
derpreis
im 400 Meter=Stafettenlaufen zum 3. Mal aus=
getragen
. Verteidiger iſt Frankfurter Turnſportverein e. V.
von 1897, welcher am nächſten Sonntag mit ſeiner beſten
Mannſchaft antreten wird. Die beſten Läufer unſerer
Vaterſtadt und von Frankfurt a. M. ſtarten in den einzel=
nen
Konkurrenzen. Vormittags 11 Uhr beginnen die Vor=
lämpfe
im 100 Meter junior= und 100 Meter ſenior=Laufen,
im Speerwerfen und Dreikampf (200 Meter=Laufen); die
übrigen Kämpfe beginnen nachmittags 2 Uhr. Die Ehren=
preiſe
ſind von Donnerstag nachmittag ab in Löhrs
Havannahaus, Wilhelminenſtr. 8, ausgeſtellt. Der Karten=
verkauf
findet im Verkehrsbüro und Löhrs Havannahaus
Siehe Anzeige.)
Pferdeſport. Rennen zu Frankfurt a. M.
Feſtino=Flachrennen; Ehrenpreis und 4000 Mark, Diſtanz
2000 Meter: 1. Herrn V. Noethers Rutlands Arms (Dr.
Rieſe), 2. Flibuſtier (Lt. v. Moſch), 3. Saint Anton
(Herr Leibbrand). Tot. 12110. Drei liefen. Sehr leicht
64 Lg. Staufen=Hürden=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz
2800 Meter: 1. Herrn v. Schilgens Protegee (Seiffert),
2. Benjamin (Printen), 3. Erato (Fanta). Tot. 41:10,
Pl. 12, 12, 24:10. Unpl.: Lady Scholar (4), Ray o’Light,
Halte, Rowdy, J. H. L., Iturbide, Briar, Truſh. Ueber=
legen
5½ Lg. Fortuna=Jagd=Rennen; 3500 Mark,
Diſtanz 3000 Meter: 1. Herrn H. Ludwigs Placide (Beſ.),
2. Shirley (Dr. Rieſe), 3. Fenloe (Beſ.). Tot. 25:01,
Pl. 11, 11, 15:10. Unpl.: Rabenlocke (4), Puller, Terpſi=
chore
, Oatfield. Sehr leicht 23 Lg. Kaiſerpreis=
Jagd=Rennen; Ehrenpreis und 10000 Märk, Diſtanz
4000 Meter: 1. Lt. Frhrn. v. Lotzbecks Halcyon Days
(Beſ.), 2. Nickelkönig (Lt. v. Moßner), 3. Corbais (Lt.
v Egan=Krieger). Tot. 20110, Pl. 11, 11, 11:10. Unpl.:
Counterfeit (4), Mourlan, Ibyeus, Le Repas. Verhalten
32 Lg. Preis von Schwalbach; 5000 Mark, Diſtanz
3500 Meter: 1. Herrn A. v. Schilgens Athenian ( Lom=
matzſch
), 2. Iſabeau (Unterholzner), 3. Fifth Ace ( Seif=
fert
). Tot. 14:10 (Stall Schilgen), Pl. 14, 15, 18110.
Unpl.: Hunwick (4), Proud Spirita, Moroſe (ausgebr.),
Black Satin (gef.), Gasvard (angeh.). Sehr leicht 2 bis
Lg. Buchenrode=Jagd=Rennen: 5000 Mark, Diſtanz
000 Meter: 1. Rittmeiſter v. d. Kneſebecks Meerbraut
(Lt. v. Egan=Krieger), 2. Sageſſe (Lt. Graf Holck), 3. Pas
de Quatre (Beſ.). Tot. 47110, Pl. 21, 12110. Unpl.:
Versbau (4), Sorgenbrecher (gef.). Leicht 1 Lg.-Weile.
Preis von=Homburg; 7000 Mark, Diſtanz 3000 Meter:
1. Herrn G. Nettes Oben Hinaus (Printen), 2. Jap
(Miſchon), 2. Bröſen (Lommatzſch). Tot. 24:10, Pl. 15,
7 (Jap), 8 (Bröſen):10. Unpl.: Manna, Lenore, Goldkatze

* Lawn=Tennis. Die Lawn=Tennis= Welt=
meiſterſchaften
, die ſeit dem 1. dieſes Monats auf
den Plätzen des Stade Frangaiſe in Saint Cloud bei
Paris entſchieden werden, brachten bisher den beteiligten
deutſchen Spielern recht gute Erfolge. Deutſchländ ver=
treten
Froitzheim, Rahe, Gebrüder Kleinſchroth, Kreuzer
und Frl. Rieck=Hamburg. R. Kleinſchroth konnte in
einem intereſſanten Kampf den Franzoſen Germot 63,
61, 63 ſchlagen, während H. Kleinſchroth über Gault
62, 62, 108 triumphierte. Kreuzer ſchlug Poulain
57, 63, 61. Am dritten Tage traf Rahe mit Strauß
zuſammen, den er 46, 61, 64 abfertigte. Froitzheim
ſchlug de Bormann=Belgien 64, 79, 63, 63, wäh=
rend
Frl. Rieck über Frau Danet=Frankreich mit 62,
64 ſiegte. Im Herren=Doppelſpiel ſchlugen Froitzheim=
Kreuzer Manſet=Quaneſſon mit 63, 61, 61.

Handel und Verkehr.

H. Frankfurt a. M., 4. Juni. Fruchtmarkt=
bericht
. Am Wochenmarkt blieb der Verkehr wieder
ſehr ruhig, da das Angebot weniger reichlich, aber auch
die Nachfrage nur geringfügig war. Landweizen wurde
billiger abgegeben, neuerdings iſt auch Landroggen mehr
nachgiebig, ferner werden ausländiſche Brotfrüchte ſtärker
und zu ermäßigten Bedingungen offeriert. Hafer bei
unvermindert gutem Konſumbegehr behauptet. Gerſte
geſchäftslos. Mais in guter Qualität knapp. Futter=
artikel
niedriger. Die Forderungen für Mehl ſind weſent=
lich
leichter geſtellt, ohne daß nennenswerte Abſchlüſſe
ſtattfanden.
Der Mannheimer Getreidemmarkt iſt
ſchwächer bei kleinen Umſätzen. An der Berliner
Produktenbörſe war Getreide ausgeſprochen flau
auf das fruchtbare Wetter, das willigere ruſſiſche Ange=
bot
, beſonders für Roggen und Verkaufsaufträge vom
Inland Hafer ebenfalls ſehr matt auf das günſtige
Wetter und große Abgaben. Nach den letzten Kabelnach=
richten
von den amerikaniſchen Getreide=
märkten
(New=York und Chicago) war Weizen nach
feſtem Beginn auf Deckungen der Baiſſiers wieder zur
Mattigkeit geneigt auf die enttäuſchende Exportnachfrage,
ſchließlich aber konnte eine beſſere Stimmung die Ober=
hand
gewinnen, weil der hauſſelautende Bericht von Mi=
ſter
Snow günſtig ſtimulierte. Mais nach ſtärkerer Ab=
ſchwächung
auf größere Zufuhren ſchließlich befeſtigt in=
folge
von Käufen der Firma Armour am Weizen= und
Maismarkt. Die ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort in
dieſer Woche von 37,87 Mill. Buſh. auf 36,54 Mill. Buſh.
und die Maisvorräte von 5,80 Mill. Buſh. auf 5,70 Mill.
Buſh. zurückgegangen. Auch in Kanada nahmen die Wei=
zenvorräte
in dieſer Woche von 16,03 Mill. Buſh. bis
12,95 Mill. Buſh. ab.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
Weizen hieſ. und Wetterauer 2323,50, Kurheſſiſcher
2323,50, Laplata 23,5024,50, Redwinter 23,5024,50,
Kanſas 23,5024,50, Nordd 2323,50, Ruſſiſcher 24,50
bis 24,75, Rumäniſcher 24,5024,75, Manitoba 23,50
24,50, Walla Walla 23,5024,50. Rogg en hieſ. 20,75
bis 21, Ruſſiſcher 2121,25, Rumäniſcher 2121,25, Baye=
riſcher
(Pfälzer) 20,8021. Hafer hieſ. 21,7522, Ruſ=
ſiſcher
20,5022,50, Rumäniſcher 20,5022,50, Bayeriſcher
21,8022, Amerikaniſcher 2021. Mais mired 18,50
Donaumais 18,6018,75, Laplata 18,4018,60, Ruſſiſcher
18,60, Rumäniſcher 18,5018,60, Weißer Mais 18,50 bis
18,60, Weizenſchalen 12,2512,50, Weizenkleie 12,25 bis
12,50, Roggenkleie 1414,50, Futtermehl 1416, Biertreberge=
trocknet
15,2515,50, Weizenmehl hieſ. Nr. 0 31,7532,
feinere Marken 32,2532,50, Nr. 1 30,7531, feinere Mar=

ken 3129-3190, Nr. 2 2fh.=20, ſeinere Marken 2925
bis 29,50, Nr. 3 27,7528, feinere Marken 28,2528,50,
Nr. 4 2525,50, feinere Marken 25,7526, Roggenmehl
hieſ. Nr. 0 2626,50, Nr. 1 2424,50, Nr. 2 21,7522.

Gewinnauszarg
der
226. Böniglich Preußiſchen Klaſſenlotterte.
5. Klaſſe. 20. Ziehungstag. 4. Juni 1912.

Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II.

(Nachdruck verboten.)
(Ohne Gewähr. A. St.=A. f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
4 Gewinne zu 10000 Mk. 63584 96345
4 Gewinne zu 5000 Mk. 67462 144914
70 Gewinne zu 3000 Mk. 1485 8446 8729 18481
17289 17715 31757 32803 35086 39679 47354 50266
63498 64053 82592 91463 98760 100118 113719 118755
123275 124331 130653 136780 137366 138068 145994
149579 151951 155890 163366 169628 178784 179164
189883
88 Gewinne zu 1000 Mk. 8647 10220 11117 17492
19261 29249 60597 69183 69303 69529 70335 70982
71139 72076 72639 85078 87565 88835 90627 99481
104083 106697 111626 118251 120406 122926 124883
127356 133407 135735 137189 140176 142929 144047
159119 161352 163005 164149 167236 175133 177505
179305 180796 187682
176 Gewinne zu 500 Mk. 3216 6665 8142 8295
10943 13164 13247 15179 15530 17658 16239 22482
29167 40718 46530 50040 52525 52585 52951 54087
55400 56491. 60341 61574 64400 68132 70627 72275
74825 76401 79101 79652 79660 80103 83186 85919)
B8113 88337 88459 91488 94563 95172 96106 97304.
98887 99532 102670 105217 108928 110051 112930
113937 118691 119675 121608 121867 123626 123936
128950 130469 132377 132792 132947 185948 136027
138999 139760 143406 144015 145450 151390 152832
154964 155087 155194 155458 156187 162280 167688
172849 175971. 178071 178956 179070 180990 183072i
186809 187224
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 10000 Mk. 69108
4 Gewinne zu 5000 Mk. 77103 84513
66 Gewinne zu 3000 Mk. 15020 22428 23089 39770)
42743 50507 52167 56764 61923 63159 64594 64685
86536 103534 107197 107523 113113 115183 123823
124426 129881 133039 143489 145968 155700 163015
171184 174340 177234 178239 184515 187543 188638
82 Gewinne zu 1000 Mk. 173 2595 4772 9233
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Nummer 131.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 6. Juni 1912.

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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 6. Jmi 1912.

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