Darmstädter Tagblatt 1912


30. April 1912

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175. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 22 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Der Gouverneur von Oſtafrika, Freiherr von
Rechenberg, wurde zur Dispoſition geſtellt.

Das Dock= und Maſchiniſtenperſonal der
Rheinfahrzeuge iſt zum größten Teil in den
Ausſtand getreten.
Die Sammlungen für das Miliſtärflug=
weſen
in Frankreich haben den Betrag von drei
Millionen Francs überſchritten.

Der türkiſche Miniſterrat hat die Oeffnung
der Dardanellen noch nicht beſchloſſen.
Der durch den Brand in Damaskus entſtandene
Schaden wird auf 15 Millionen Francs angegeben.

Saſonows Friedensrede.

Mit der= Aufforderung, den umlaufenden Kriegs=
gerüchten
keinen Glauben zu ſchenken, hat der ruſſiſche
Miniſter des Aeußern ſeine erſte umfaſſende Rede
über die auswärtige Politik geſchloſſen. Ein ſolcher
Schluß ergab ſich aus den Darlegungen Saſonows gewiſ=
ſermaßen
von ſelbſt; denn ſeine Rede trug in jedem Ab=
ſchnitt
den Stempel einer prononzierten Friedens=
rede
. Daß Saſonow ſeinen Ausführungen dieſen Cha=
rakter
gab, erklärt ſich aus den von uns wiederholt zu=
rückgewieſenen
falſchen Lärmnachrichten Pariſer oder
römiſchen Urſprungs, die ein ruſſiſch=italieniſches Einver=
nehmen
gegen die Türkei, ja ſogar eine gemeinſame ruſ=
ſiſch
=italieniſche Flottenaktion vor Konſtantinopel als
Tatſachen behandelten. Offenbar hat Saſonow die Ab=
ſicht
gehabt, derartige Gerüchte endgültig zum Schweigen
zu bringen und die friedliche Richtung ſeiner von Kaiſer
Nikolaus gebilligten Politik vor der geſamten Oeffentlich=
keit
ſcharf zu betonen.
Saſondw tat dies gerade in Bezug auf den italie=
niſch
=türkiſchen Krieg mit wünſchenswerter Klar=
heit
. So ſchwer der ruſſiſche Handel durch die Dardanel=
lenſperre
beeinträchtigt wird: man weiß jetzt, daß Ruß=
land
wie wir ſchon vor einigen Tagen feſtſtellten
keinen Proteſt dagegen erhoben, ſondern ſich auf freund=
ſchaftliche
Vorſtellungen beſchränkt hat. Die Art, in der
Saſonow auf Italiens Flottenaktion einging, verrät trotz
ihrer diplomatiſchen Zurückhaltung das begreifliche Miß=
behagen
Rußlands über ein Vorgehen, das ſeinen wirt=
ſchaftlichen
Intereſſen ſchnurſtracks zuwiderläuft. Die be=
ſtehende
kriegeriſche Verwickelung gegen die Türkei aus=
zubeuten
, iſt Saſonow augenſcheinlich nicht gewillt. Denn
er bekennt ſich im Einklange mit Oeſterreich= Un=
garn
zu jener Orientpolitik, die die Erhaltung des
Status quo am Balkan und die Unterſtützung der ver=
jüngten
Türkei zum Programm hat. Bei dieſem Pro=
gramm
iſt es nur folgerichtig, wenn Saſonow die klei=
nen
Balkanſtaaten vor den Gefahren einer Aben=
teurerpolitik
warnt und ihre Beſonnenheit mittelbar als
Vorausſetzung gewiſſer Reformen für die europäiſche
Türkei hinſtellt. Eing ähnliche Warnung hat Saſonow
an die griechiſche Adreſſe durch die Ankündigung ge=
richtet
, daß die Schutzmächte in Kreta erforderlichen Falles
noch entſchiedener vorgehen würden. Selbſt der per=
ſiche
Grenzſtreit wird von Saſonow nur im Rahmen de
Haager Schiedsgerichtsverfahrens erwähnt. Alles in
allem: die Türkei kann mit der Haltung umſo zufriedener
ſein, als die Erſetzung des Botſchafters Tſcharykows durch
Herrn von Giers für die Verwirklichung des ihr gün=
ſtigen
Programms zu ſprechen ſcheint.
Es bedarf keiner beſonderen Ausführung, wie ſehr
die Durchführung einer ruſſiſchen Orientpolitik dieſer
Art dem Ausbruch eines Konfliktes entgegenwirkt, den der
ruſſiſch=italieniſche Krieg hervorrufen könnte. Indeſſen
Saſonows programmatiſche Kundgebungen zur ſonſtigen
hohen Politik ſind geeignet, Rußlands Friedfertigkeit zu
erhärten. Das Feſthalten an dem Bündnis mit
Frankreich und die Annäherung an Großbritan=
nien
haben insbeſondere für Deutſchland nichts unmit=
telbar
Bedrohliches, ſeitdem das Potsdamer Ab=
kommen
die Vereinbarung über Perſien und die Ge=
wißheit
brachte, daß beide Regierungen ſich in keinerlei

Kombination einlaſſen würden, die eine aggreſſive Spitze
gegen den anderen Teil haben könnte‟. Saſonow hob
mit berechtigtem Nachdruck die Bedeutung hervor, die dem
Potsdamer Abkommen nicht nur für die Feſtigung der
überlieferten deutſch=ruſſiſchen Freundſchaft, ſondern auch
für die perſiſche Politik Rußlands innewohnt. Indem er
geradezu ausſprach, daß jenes Abkommen die ruſſiſch= per=
ſiſchen
Beziehungen auf einen feſten Boden ſtellte, er=
kannte
er das Gewicht an, das Deutſchland in die
Wagſchale der imperialiſtiſchen Weltpolitik zu werfen hat.
Politiſch in Nordperſien desintereſſiert, ſieht Deutſch=
land
auch durch Rußlands Beſtreben, ſich die Nordman=
dſchurei
und die Mongolei als ſeine Intereſſenſphäre zu
erhalten, keine eigenen Intereſſen gefährdet. Und da
hierüber hinaus Rußland in Aſien Gebietserweiterungen
nicht anſtrebt, zeigt ſich unter der Vorausſetzung, daß dem
verjüngten China keine Schwierigkeiten bereitet werden,
die friedliche Richtung der ruſſiſchen Politik auch für den
fernen Oſten.

Das franzöſiſche Protektorat in Marokko.

* Im franzöſiſchen Miniſterrat und in führenden po=
litiſchen
Kreiſen war urſprünglich eine Abneigung dage=
gen
vorhanden, einen General an Stelle eines Bür=
gerlichen
zum Generalreſidenten in Ma=
rokko
zu ernennen, wohl nur aus der Befürchtung, daß
ein General für die ihm auf dem Gebiete der Verwaltung
und wirtſchaftlichen Erſchließung des Landes erwachſende
Aufgabe zu ſehr ſeine militäriſchen Geſichtspunkte in den
Vordergrund ſtellen würde. Zwei Umſtände werden es
ſein, die die politiſchen Bedenken im Miniſterrat beſeitigt
haben: die durch den jüngſten Aufruhr in Fez geſchaffene
Lage, die es Frankreich zur nächſten Aufgabe macht, nicht
nur in Fez ſelbſt, ſondern allen Anzeichen nach auch in
dem größten Teil Marokkoks die Ruhe und Ordnung mili=
täriſch
zu ſichern; zweitens aber der Name Liauteys, als
des Mannes, der mit ſeiner Erfahrung für dieſe Aufgabe
zugleich die nötige Befähigung zu vereinen ſcheint, auch
die Verwaltungsaufgaben erfüllen zu können. Immerhin
wird der Name Liauteys als Generalreſident in Marokko
zunächſt in erſter Linie ein militäriſches Regiment bedeu=
ten
. General Liautey iſt 1854 in Nancy geboren und ſteht
ſomit im 58. Lebensjahre.
Eine Note der Agence Havas beſagt: In dem Be=
richt
, den der Miniſterpräſident in der Frage der Ernen=
nung
des Generals Liau teys dem Präſidenten
Falliéres unterbreitet, weiſt der Miniſterpräſident zunächſt
auf die Bedingungen hin, unter denen der Geſandte Reg=
nault
nach Fez geſandt wurde, wie dieſer die Zuſtimmung
des Sultans zum Protektoratsvertrag erlangte und wie
ſchließlich die Erwägungen Regnaults über die einzufüh=
renden
Reformen durch die Ereigniſſe in Fez unterbrochen,
wurden. Weiter betont Poincaré die Notwendig=
keit
eines einheitlichen Vorgehens in Ma=
rokko
. Es ſei das Werk der Ziviliſation und des Fort=
ſchritts
, das Frankreich in dieſem Lande auf ſich nehme.
Aber nur in denjenigen Gegenden Marokkos, wo bereits
der Friede eingekehrt ſei, könnten die franzöſiſchen Ver=
waltungsmaßregeln
durchgeführt werden, um die fried=
liche
Durchdringung des Landes methodiſch vorzubereiten
und auszudehnen. Durchaus nötig ſei es, daß die bür=
gerlichen
und militäriſchen Machtbefug=
niſſe
in die Hand eines einzigen Mannes gelegt
würden. Die Aufgabe, die ſeiner harre, ſei ſchwierig und
verwickelt. Er ſollte dem Protektorat Geltung verſchaf=
fen
unter Beobachtung der Verpflichtungen Frankreichs
gegenüber den Mächten, er ſolle gerade der Auffaſſung
des Protektorats treu bleiben, die in Einklang ſtehe mit
den internationalen Verträgen und er ſoll auch ver=
ſtehen
, durch geſchickte Verfügung über die franzöſiſchen
Streitkräfte in Marokko und durch vernünftige Ausfüh=
rung
des politiſchen, ökonomiſchen und ſtrategiſchen Pro=
gramms
, die Annahme des Protektorats ſeitens der ma=
rokkaniſchen
Stämme vorzubereiten und zu ſichern. Der
paſſende Mann für dieſe Aufgaben ſei Liautey.
Die Ernennung des Generals Liauteys zum
Generalreſidenten in Marokko wird von der
Pariſer Preſſe überwiegend mit lebhafter Befriedigung
begrüßt. Insbeſondere die gemäßigten und nationaliſti=
ſchen
Blätter zollen der Regierung die Anerkennung, daß
ſie ſich von Parteirückſichten freigemacht und einen rechten
Mann an den rechten Platz geſtellt habe. Nur einzelne
Blätter. tadeln den Beſchluß des Miniſterrats. Die Lan=
terne
meint, die Regierung habe einen ſchweren Verſtoß
gegen die republikaniſchen Ueberlieſerungen begangen,

indem ſie einen Militär an die Spitze einer politiſchen
Verwaltung ſtellte. Die Schuld treffe in erſter Reihe den
Kriegsminiſter Millerand, der abermals ſeinen Willen
durchzuſetzen verſucht habe und wie ſchon durch andere
Maßnahmen auch durch dieſe zahlreiche Republikaner mit
Beunruhigung erfülle.

Deutſches Reich.

Die Wahl in Varel=Jever wird von der
Kölniſchen Zeitung als eine Niederlage der Sozialdemo=
kratie
bezeichnet und kommentiert. Sie ſchreibt:
Das Reſultat iſt für die Sozialdemokratie, die immer
wieder behauptet hatte, nur die Perſönlichkeit Trägers
habe am 12. Januar viele Wähler von der Abgabe ſozial=
demokratiſcher
Zettel abgehalten, der härteſte Schlag. Sie,
die mit einer abſoluten Vermehrung gerechnet hatte und
auch rechnen durfte, hat eine abſolute Abnahme der= An=
hänger
zu verzeichnen. Ueber die Grenzen des Wahlkrei=
ſes
hinaus iſt dieſer Stillſtand der Sozialdemokratie, der
einem Rückgange gleich zu achten iſt, für das ganze Reich
von Bedeutung. Und daß dieſer Rückgang ſich ſchon bei
der erſten Erſatzwahl zeigt, iſt von einer nicht zu unter=
ſchätzenden
politiſchen Bedeutung. Die Gründe freilich
ſind allzu klar. Die Sozialdemokratie hat nicht das ge=
halten
, was die Hunderttauſende und Millionen, die ſich
im Januar in verärgerter Stimmung für ſie entſchieden
hatten, von ihr erwarten zu dürfen glaubten. Ihre Taten
vom Januar bis heute ſind eine Kette von Torheiten und
Mißerfolgen. Dieſe Kette begann ſchon mit der Wahl
des Reichstagspräſidiums, wobei ſich die größte Partei
immer noch als das Schreckbildnis einer doktrinären und
auf papierne Grundſätze eingeſchworenen Partei erwies.
Einen zweiten harten Schlag erfuhr die Sozialdemokratie,
als der große Beraarbeiterausſtand, der unter ihrem
Siegespanier bewerkſtelligt worden war, kläglich auslief
und in Weſtdeutſchland eine allgemeine Ernüchterung
hervorrief. Noch unangenehmer wurde der Sozialdemo=
kratie
die Lage durch die Einbringung der Rüſſungsvor=
lagen
, die im Volke als eine Selbſtverſtändlichkeit galten,
und die doch von der Sozialdemokratie um jeden Preis
bekämpft werden mußten. Damit verzwickte ſich die Tat=
ſache
, daß es letzten Endes nur die Sozialdemokratie mit
ihrem doktrinären Verweigern aller Deckungsmittel iſt,
die eine Erbſchaftsſteuer verhindert und dafür ein Konglo=
merat
von unbrauchbaren Finanzvorſchlägen zutage för=
dert
. Und wir glauben auch, daß noch ein Viertes mitge=
ſprochen
hat, um der Sozialdemokratie die Gunſt der
Leute, die heute ſo und morgen anders denken, zu rauben.
Der verabſcheuenswürdige parlamentariſche Terrorismus,
dien eine Handvoll ſoziuldemokratiſcher Abgeordneter
im preußiſchen Landtag unaufhörlich zu verüben pflegt,
kann ſeine Wirkung im Lande gar nicht verfehlen, und
muß ſchließlich eine Koalition der anſtändigen Leute‟
zuſtande bringen, die den Reſpekt vor der Volksvertretung
mit allen Mitteln erzwingen werden. Das ſind ſo einige
Gründe, die das ſchlechte Abſchneiden der Sozialdemokratie
in Barel=Jever erklären, und es kann kaum zweiſelhaſt
ſein, daß die Zahlen in dieſem Wahlkreiſe für den Nie=
dergang
der Sozialdemokratie in den kommenden Zeiten
typiſch ſein werden, wenn dieſe Partei es nicht vorzieht,
aus dieſer Lehre zu lernen und ihr Verhalten gründlich
zu ändern. Für uns iſt der Tag von Varel=Jever ſchon
heute eine Niederlage der Sozialdemokratie wenn ſich
auch der Ausgang der Stichwahl zwiſchen Wiemer und
Hug noch gar nicht vorausſehen läßt.
Die Berl. N. Nachrichten rechnen mit der Möglichkeit
eines ſozialdemokratiſchen Sieges. Sie ſchreiben: Die
Fortſchrittliche Volkspartei muß damit rechnen, daß nach
dem Bekanntwerden ihres Stichwahlabkommens mit der
ſozialdemokratiſchen Partei ihr bei den Stichwahlen ge=
gen
Sozialdemokraten jede Wahlhilfe der rechtsſtehenden
Wähler unbedingt verſaat werden muß. Selbſt wer bisher
ſtets den Grundſatz vertrat: Unter allen Umſtänden ae=
gen
den Sozialdemokraten, muß jetzt anerkennen, daß
die Fortſchrittspartei ſich außerhalb der bürgerlichen Ge=
meinſchaft
geſtellt hat. Um die Mandate einiger Führer
zu retten. hat die Partei, die unter Eugen Richter den
Kampf gegen die Sozialdemokratie als ihre wichtiaſte Auf=
gabe
erkannte, Verrat am Bürgertum geübt. Nur wer
öffentlich und unumwunden das Wahlabkommen verwirft.
den Sozialdemokraten die Gefolaſchaft vermeigert und
das dadurch bekundet, daß er niemals einen Sozialdemo=
kraten
in das Reichstagspräſidium wählen wirde nur
ein ſolcher Libergler darf Stimmen rechtsſtebender Mäh=
ler
erhalten. Die Stichwahl wird daber inſofern interef=
ſant
ſein, als man auf das Verhalten der b=
n
Par=
teien
neugierig ſein kann. Sind ſie kor
ſt wir?
der 111. Genoſſe in den Reichstag e=
Vieſſer
beſchleunigt das die Erkenntnis, daß
litik des Li=
heralismus
ſeit 1909 eine Selbſtmordpolitik iſt. die den
Liberalismus vernichtet und der Sozialdemokratie nur
noch mehr zur Vormacht verhilft.
Die Duelldebatte im Reichstag wird.
wie verlautet, weitere Folgen haben. Zunächſt wird, wie
in parlamentariſchen Kreiſen erzählt wird, das Zentrum
ſchon in der Budgetkommiſſion den Antrag ſtellen, das
Militärſtrafgeſetz in der Richtung abzuändern, daß für
Herausforderung zum Duell, Kartelltragen uſm., kurz, ſü
das Duell ſelbſt und für jede Beihilfe beim Duell.
ſofortige ſchlichte Abſchied als Strafe feſtgeſetzt wird.

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 30. April 1912.

Nummer 101.

Ueber die Ausſichten des Staatsan=
gehörigkeitsgeſetzes
ſchreiben Berliner Blätter:
Daß die Vorlage noch in dieſer Seſſion vom Reichstag
verabſchiedet wird, iſt ausgeſchloſſen. Es wird auch nicht
einmal möglich ſein, den Entwurf in der Kommiſſion
durchzuberaten. Nachdem jetzt die Dänenfrage zum Ab=
ſchluß
gebracht iſt, bleiben noch die militäriſchen Neben=
geſetze
in erſter Leſung zu erledigen. Da nur noch eine
geringe Zahl von Sitzungen hierfür zur Verfügung ſtehen,
läßt ſich annehmen, daß der Entwurf vor der Vertagung
des Reichstages nur noch in erſter Leſung in der Kom=
miſſion
durchberaten wird. Die zweite Leſung in der
Kommiſſion muß dann im Spätherbſt nach dem Wieder=
zuſammentritt
des Reichstages vorgenommen werden.
Nach dem Gang der Verhandlungen im Plenum ſowohl
wie in der Kommiſſion kann man aber mit Sicherheit an=
nehmen
, daß die Regierungsvorlage in den erſten Mona=
ten
des nächſten Jahres zur Verabſchiedung gelangen
wird.

Ausland.

Frankreich.
Die franzöſiſch=ſpaniſchen Verhand=
lungen
. Die Nachricht, daß in dem letzten Miniſterrat
die Frage des Abbruchs der Verhandlungen zwiſchen
Spanien und Frankreich aufgerollt worden ſei, iſt nach der
Agence Havas unrichtig. Vielmehr habe der Miniſterprä=
ſident
, der die Miniſter über den Fortgang der Verhand=
lungen
unterrichtete, erklärt, von Seiten Frankreichs laſſe
man die Hoffnung nicht ſinken, ſie demnächſt zu Ende zu
führen.
Die Sammlung für das Militärflug=
weſen
hat den Betrag von drei Millionen überſchritten.
Portugal.
Spielmonopol für Madeira. Das portu=
gieſiſche
Parlament beſpricht augenblicklich ein Geſetz,
das ſich mit der Regulierung von Glücksſpielen, mit der
Buchmacherei uſw. befaßt. Die portugieſiſche Regierung
hat von britiſchen Kapitaliſten ein Angebot erhalten, in
dem ſie um ein Spielmonopol für Madeira erſuchen. Sie
beabſichtigen, dort ein Kaſino zu errichten. Für dieſe
Konzeſſion verpflichten ſie ſich, ein Sanatorium für
Schwindſüchtige zu bauen, in dem ſtets zweihundert Frei=
hatten
für arme portugieſiſche Bürger, die an dieſer Krank=
heit
leiden, zur Verfügung ſtehen werden. Die Auswahl
der Patienten ſoll in Händen der Regierung liegen. Es
wird ferner gemeldet, daß auch 20 Prozent aus dem
Ueberſchuß des Kaſinos dem Staat zufließen ſollen. Die
Regierung hat dem betreffenden Konſortium die Nach=
richt
zugehen laſſen, daß der Vorſchlag einer näheren Be=
trachtung
unterzogen wird. Wenn ein derartiger Plan
jedoch alzeptiert werden ſollte, würde das Monopol den=
jenigen
Kapitaliſten angeboten werden, die die beſten
Offerten abgeben.
Griechenland.
Die kretiſchen Deputierten. Nach Mel=
dungen
der Pforte aus Athen hat die griechiſche Regie=
rung
bei den Großmächten die Verſicherung abgegeben
daß die kretiſchen Deputierten zu den Sitzungen der grie=
chiſchen
Kammer nicht zugelaſſen werden.
Serbien.
Die Wahlen. Bei der letzten Nachwahl zur
Skupſchtina wurde in Pirot der jungradikale Kandidat
gewählt. Damit erlangt die Regierung eine knappe Majo=
rität
.
Vereinigte Staaten.
Rooſevelt und Taft. Rooſevelt antwortete
in einer in Worceſter gehaltenen Rede in bitterem Ton
jauf den Angriff, der kürzlich gegen ihn durch den Prä=
ſſidenten
Taft unternommen wurde. Er erklärte, Taft

habe nicht allein in Gedanken, Worten und Taken unein=
gedenk
ihrer früheren Freundſchaft gehandelt, ſondern
ſich nicht um die einfachſten Regeln des Anſtandes geküm=
mert
, die man ſelbſt im Kampfe mit ſeinem ſchärfſten
Gegner verlangen könnte. Die Behauptung Tafts, er
Rooſevelt, benutze ſeinen Einfluß als Inhaber eines
Bundesamtes im Wahlkampf, ſei eine abſurde Unwahr=
heit
. Rooſevelt beſchuldigte Taft ferner, daß Taft ſich
der Unaufrichtigkeit ſchuldig gemacht habe, als er den
Payne=Aldrich=Tarif unterzeichnete.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 39. April.

* Uebertragen wurde dem Lehrer Paul Rochel=
meyer
zu Vadenrod, Kreis Alsfeld, eine Lehrerſtelle
an der Gemeindeſchule zu Ober=Ingelheim, Kreis Bingen;
der Schulamtsaſpirantin Eliſabeth Wagner aus Wies=
baden
eine Lehrerinſtelle an der Gemeindeſchule zu
Langen, Kreis Offenbach.
g. Provinzialausſchuß. Der Provinzialausſchuß be=
ſchäftigte
ſich geſtern mit dem Rekurſe der Firma Che=
miſche
Fabrik Griesheim=Elektron, Werk Oehler zu
Offenbach. Die Firma beabſichtigte die Errichtung eines
Neubaues für die Herſtellung von Zwiſchenprodukten der
Farbenfabrikation. Auf die von der Firma Union,
Lederwerke, eingelegte Beſchwerde machte das Kreisamt
die Genehmigung von verſchiedenen Bedingungen zur
Beſeitigung der entſtehenden giftigen Abgaſe und Dämpfe
abhängig. Unter anderem war der Firma die Erricht=
ung
eines 80 Meter hohen Sammelſchornſteins zur Auf=
gabe
gemacht. Die Firma war aber der Anſicht, daß ein
ſchon exiſtierender 60 Meter hoher Schornſtein genügend
ſei und legte gegen den gleichlautenden Entſcheid des
Kreisausſchuſſes Rekurs beim Provinzialausſchuß ein
der bereits am 24. Februar zur Verhandlung kam. Der
Entſcheid war damals zwecks weiterer Beweiserhebung
vertagt worden, die inzwiſchen erfolgt iſt. Da auch die
Gewerbeinſpektion der Anſicht iſt, daß bei moderner Ein=
richtung
des Betriebes ein 60 Meter hoher Schornſtein
genügend iſt, genehmigt der Provinzialausſchuß das
Geſuch mit dieſer vom Kreisausſchußentſcheid abweichen=
den
Bedingung. Die Verhandlung in dem Enteig=
nungsverfahren
wegen eines Geländeſtreifens von 11
Metern für die Hauptzufuhrſtraße nach dem neuen Süd=
bahnhof
mußte vertagt werden. Es findet Augenſchein=
nahme
am 13. Mai ſtatt.
-g. Strafkammer. Am 20. März 1911 fand in Offen=
bach
eine vom Vorſteher der Sektion Offenbach des Deut=
ſchen
Transportarbeiter=Verbandes, Sebaſtian Müller,
einberufene Straßenbahnerverſammlung ſtatt. Als Tages=
ordnung
waren Rechenſchaftsbericht des ſeitherigen Arbeits=
ausſchuſſes
und eventuelle Neuwahl desſelben angeſetzt.
Der Vorſitzende Müller erhob nun im Verlaufe dieſer Ver=
ſammlung
heftige Angriffe gegen den Oberkontrolleur Die=
denhofen
. In der Straßenbahnverwaltung waren damals
größere Summen verſchwunden und gegen Oberkontrolleur
Diedenhofen war auch dieſerhalb eine ſtaatsanwaltliche
Unterſuchung eingeleitet, die jedoch mangels jeglicher Be=
weiſe
eingeſtellt werden mußte. Die damals vielleicht
umlaufenden Gerüchte benutzte Müller, um beleidigende
Aeußerungen gegen Diedenhofen auszuſtoßen wie, Dieden=
hofen
hätte ſich die Gelder angeeignet, die Spatzen pfiffen
es ja von den Dächern, er würde ihn ſchon noch dahin
bringen, wo er hingehört, Diedenhofen ſtände nur den gan=
zen
Tag auf der Straße und ſtecke ſeinen dicken Bauch
heraus. Dieſen Aeußerungen war ſofort von Verſamm=
lungsbeſuchern
entgegengetreten worden; trotzdem erfuhr
Diedenhofen erſt Ende November davon, weshalb auch der
Einwand des Angeklagten, die Friſt ſei nicht gewahrt,
vom Schöffengericht als unbegründet erachtet wurde; es
erkannte auf 100 Mark Geldſtrafe. Die Strafkammer, die
geſtern die Berufung des Angeklagten verhandelte, kam
zu einer Verwerfung derſelben. Der Schutz des § 193
(Wahrnehmung berechtigter Intereſſen) wurde dem Ange=
klagten
von der Berufungsinſtanz in vollſtem Uufange zu=
geſtanden
. Er ſei als Vorſtand der Sektion berechtigt ge=
weſen
, die Sache zur Sprache zu bringen, er hätte deshalb
auch freigeſprochen werden müſſen, wenn er die Sache in
zeziemender Weiſe vorgebracht hätte. Die Aeußerungen
aber, die der Angeklagte getan hatte, ſtellen ſchwere Be=
leidigungen
des Oberkontrolleurs dar. Auch ſei § 186 des
Strafgeſetzbuchs (üble Nachrede) heranzuziehen, da die
vom Angeklagten behaupteten Anſchuldigungen nicht be=
wieſen
werden konnten. Die Berufung war alſo zu ver=
werfen
.

Des weiteren hatte die Straſammer geſtern als Be=
rufungsinſtanz
darüber zu befinden, ob der Arbeiter= Rad=
fahrerbund
Solidarität als ein politiſcher Verein im
Sinne des Reichsvereinsgeſetzes anzuſehen ſei. Der Vor=
ſitzende
Willibald Alexander Zimmermann und der
Kaſſierer Karl Julius Georg Fiſcher, heide aus Offen=
bach
, wurden vom Schöffengericht Offenbach zu je 20 Mk.
Geldſtrafe wegen Vergehens gegen§§ 17 u. 18,5 des Reichs=
vereinsgeſetzes
verurteilt, weil ſie den am 24. Mai 1894
geborenen, alſo noch nicht 18 Jahre alten Ernſt Lenzen=
dorf
zu Langen=Bernsdorf (Kreishauptmannſchaft Zwickau)
in den Arbeiter=Radfahrerbund Solidarität aufge=
nommen
hatten. Die, beiden Verurteilten legten Be
rufung ein, indem ſie einwandten, der Bund ſei kein poli=
tiſcher
Verein und ſie hätten aus dieſem Grunde keinen An=
laß
gehabt, die Aufzunehmenden nach ihrem Alter zu be=
fragen
. Der Vorſitzende Geheimer Juſtizrat Sander gab
hierbei eine Definition des Begriffs politiſcher Verein
nach den bisherigen Gerichtsurteilen. Danach ſei nicht das
Statut ausſchlaggebend, ſondern das tatſächliche Wirken
und die Tätigkeit des Vereins, auch wenn er neben dem
Hauptzweck wie z. B. Turnen, Schwimmen uſw. noch den
Nebenzweck verfolge, auf Verfaſſung, Geſetzgebung und
auf die ſoziale Entwickelung hinzuwirken; ſo ſei z. B. der
Verein zur Bekämpfung der Viviſektion als politiſcher
Verein im Sinne des Reichsvereinsgeſetzes erklärt worden.
Die Staatsanwaltſchaft ſtützte ſich vor allem auf Ar=
tikel
des Bundesorgans Der Arbeiterradfahrer und auf
einen Artikel des Vorwärts. Der Vorwärtsartikel enthielt
einen Bericht über eine Feſtlichkeit des Arbeiterſchwimmer=
Vereins Elberfeld, auf der auch die Arbeiterturner,= Rad=
fahrer
= und Athleten=Vereine durch Delegierte vertreten
waren. Hier wurde eine Reſolution angenommen und
auch von den Vertretern des Arbeiter=Radfahrerbundes,
Solidarität unterzeichnet, in der bedauert wurde, daß
zwei Drittel der Mitglieder der bürgerlichen Vereine ge=
werkſchaftlich
und politiſch organiſierte Arbeiter ſeien und
die ſozialdemokratiſche Partei und die Gewerkſchaften auf=
gefordert
wurden, dafür zu ſorgen, daß ihre Mitglieder
den Arbeitervereinen beitreten. Die Artikel wurden
ſämtlich verleſen und von den Angeklagten eingewendet,
daß die Preßkommiſſion und der Vorſtand keinen Einfluß
auf die Schreibweiſe des Bundesorgans Der Arbeiter=
radfahrer
hätten. Es wäre aber der Redakteur erſucht
worden, ſeine Artikel nicht politiſch zu geſtalten. Das
Gericht konnte jedoch nicht die Ueberzeugung gewinnen,
daß der Verein kein politiſcher Verein ſei und verwarf
die Berufung als unbegründet.
Die letzten Züge des alten und die erſten des
neuen Bahnhofs. Die Ueberleitung des Betriebes von
den alten auf die neuen Bahnanlagen in Darmſtadt
Hbf. erfolgt, mit Ausnahme desjenigen der Odenwald=
bahn
, in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai=
d
. Js. Die Perſonzüge der Strecke Darmſtadt Hbf.
Wiebelsbach und Darmſtadt Hbf. Groß=Zimmern
fahren bis einſchließlich 14. Mai von und nach dem
alten Bahnhof. Als letzte Züge fahren in den
alten Hauptbahnhof ein und zwar 1. in den früheren
Heſſiſchen Ludwigsbahnhof aus Richtung Mainz: Eil=
zug
192 am 30. April 1115 nachmittags, aus Richtung.
Aſchaffenburg: Triebwagen 625 am 1. Mai 1223 vor=
mittags
, aus Richtung Worms: Eilzug 89 am 30. April
1043 nachmittags 2. in den früheren Bahnhof der
Main=Neckar=Bahn aus Richtung Frankfurt (Maine=
D=Zug 24 am 1. Mai 1212 vormitttags, aus Richtung
Heidelberg: Eilzug 45 am 1. Mai 1230 vormittags. Als
letzte Züge fahren aus: 1. aus dem früheren Heſſiſchen
Ludwigsbahnhof in der Richtung Mainz: D=Zug 195
am 30. April 1133 nachmittags, in der Richtung Aſchaffen=
burg
: Eilzug 192 am 30. April 1124 nachmittags, in
der Richtung Worms: Perſonenzug 2856 am 30. April
1055 nachmittags; 2. aus dem früheren Bahnhof der
Main=Neckar=Bahn in der Richtung Frankfurt (Main):
Eilzug 45 am 1. Mai 1232 vormittags, in der Richtung
Heidelberg: Perſonenzug 974 am 1. Mai 1221 vormittags.
In den neuen Hauptbahnhof fahren als erſte
Züge ein aus Richtung Mainz: Perſonenzug 658 am
1. Mai 1255 vormittags, aus Richtung Aſchaffenburg:
Eilzug 181 am 1. Mai 514 vormittags, aus Richtung
Worms: Perſonenzug 2801 am 1. Mai 520 vormittags,
aus Frankfurt (Main): Perſonenzug 976 am 1. Mai=
114 vormittags, aus Richtung Heidelberg: D=Zug 79
am 1. Mai 594 vormittags. Als erſte Züge fahren
aus dem neuen Hauptbahnhof aus in der Richtun
Mainz: Eilzug 181 am 1. Mai 512 vormittags, in der
Richtung Aſchaffenburg: Perſonenzug 634 am 1. Mai
531 vormittags, in der Richtung Worms: Perſonen=
zug
2804 am 1. Mai 623 vormittags, in der Richtung

Das Kind von Europa.

Zur hundertjährigen Wiederkehr des angeblichen
Geburtstages Kaſpar Hauſers (30. April 1812).
Von A. Lindſtädt.
Das Kind von Europa, ſo nannte man Kaſpar Hau=
ſer
, den berühmten Findling, der, ſeitdem er am Pfingſt=
montage
, den 26. Mai 1828, plötzlich auf dem Unſchlittmarkt
in Nürnberg mit einem Brief an den Rittmeiſter von
Weſſenig auftauchte, ohne daß man jemals erfahren konnte,
woher er gekommen, zu einem unlöslichen Rätſel gewor=
den
iſt, an dem ſich die ſcharfſinnigſten Köpfe der damaligen
Zeit die Zähne ausgebiſſen haben.
Ein Meer von Tinte iſt um dieſen Knaben, der nach
einem Zettel, den er bei ſich trug, am 30. April 1812 von
einem armen Mägdlein geboren und ſein Vater, ehemals
Chevauxlegers in Nürnberg, geſtorben ſei, verſchrieben wor=
den
. In den ſchönen Tagen des Vormärz, da das große
Publikum ſich noch nicht mit Politik beſchäftigen durfte,
da war dieſer Findling ein gefundenes Freſſen für die
Publiziſten.
Vom König von Bayern, der für die Löſung des Rät=
ſels
10000 Gulden verſprach, herab bis zu dem einfachſten
Volke intereſſierte man ſich für den wie ein Bauernburſche
gekleideten Unbekannten, aus dem der Bürgermeiſter von
Nürnberg nur ſpärlich herausbekommen konnte, daß er an=
geblich
, nur notdürftig bekleidet, in einem engen Raum
aufgezogen worden war, bei Waſſer und Brot, und das
Spielen mit zwei hölzernen Pferden ſeine einzige Beſchäf=
tigung
geweſen ſei.
Die gewagteſten Kombinationen ſtiegen auf, wer die=
ſer
, anſcheinend geiſtig verkommene Burſche ſei. Erſt wollte
man in ihm einen Napoleoniden ſehen, dann ſollte er das
Kind eines Bamberger Domherrn von Gatenberg ſein,
dann wieder aus Königsheim in Gotha ſtammen und
ſchließlich aus Ungarn, wohin man mit ihm ſogar reiſte,
um zu prüfen, ob Erinnerungsbilder in ſeinem Hirne
wach werden würden beim Anblick früher gekannter
Stätten.
Man machte den guten Jungen mit dieſer allſeitigen
Teilnahme im eigentlichſten Sinne des Wortes größen=
wahnſinnig
. Man gab ihn dem auch als Dichter bekannt

gewordenen Profeſſor Daumer in Nürnberg zur Erzieh=
ung
, die ihm aber wenig behagte, denn Lernen war nicht
nach ſeinem Geſchmack.
Am 17. Oktober 1829 wurde dann die Welt plötzlich
dadurch überraſcht, daß er aus einer Stirnwunde blutend
erſchien, die ihm nach ſeiner Behauptung ein
Mann mit einem ganz ſchwarzen Kopf auf dem Abtritt
durch einen Schlag beigebracht haben ſollte. Der phan=
taſtiſche
Lord Philipp Henry Stanhope (17811855), der
jüngere Bruder der noch phantaſtiſcheren Lady Eſther, die
als Königin von Tadmor berühmt geworden, der ſich
ſchon vordem zu Hauſers Gönner aufgeworfen, nahm den
rätſelhaften, vielgenannten Knaben zum Pflegeſohn an,
tat aber gleichwohl recht wenig für ihn, ſondern ſchickte ihn
nach Ansbach zur weiteren Ausbildung. Dort benützte
man ihn dann auf dem Appellationsgericht zu einfachen
Schreibarbeiten.
Man kann ſich vorſtellen, daß das dem guten Kaſpar
Hauſer nicht ſonderlich gefiel. Erſt intereſſierte ſich ganz
Europa für ihn, er wurde Pflegeſohn eines Lords, und
nun Tag für Tag langweilige Schreibarbeiten, das war
freilich eine große Enttäuſchung. Da mußte denn, ſo
mochte er denken, etwas geſchehen, um wieder einmal die
Welt, die ihn völlig vergeſſen zu haben ſchien, an ihn zu
erinnern.
So kehrte er am 14. Dezember 1833, abends gegen
5 Uhr, bei heftigem Schneegeſtöber aus dem Hofgarten
heim mit einer tiefen Stichwunde in der Seite. Er er=
zählte
, daß ihn ein Unbekannter in den Schloßgarten be=
ſtellt
hatte, unter der Angabe, er ſolle Nachrichten über
ſeine Herkunft erfahren, dort ihm den Stich aber dann
beigebracht habe. Auch daß er im Schloßgarten einen
Beutel verloren, berichtete er. Dieſen Beutel fand man,
auch einen Zettel darin, mit den rätſelhaften Worten:
Kaſpar Hauſer wird euch ganz genau ſagen können, wo=
her
ich komme und wo ich bin. Um dem Hauſer die Mühe
zu erſparen, will ich es euch ſelber ſagen; ich komme von
der bayeriſchen Grenze. Ich will euch auch meinen
Namen ſagen: M. T. Oe.
Man ſuchte die Stelle genau ab, in der der Beutel ge=
funden
ward, aber in dem friſch gefallenen Schnee fanden
ſich nur die Fußſpuren eines Menſchen, alſo außer denen
Kaſpar Hauſers, keines zweiten. Man glaubte alſo ſicher
ſein zu können, daß man es mit einem Betrüger zu tun

habe, daß Hauſer ſich ſelbſt die Wunde beigebracht, um die
Welt wieder an ihn zu erinnern.
Aber diesmal war das zum erſtenmal gelungene Ex=
periment
mißglückt. Kaſpar Hauſer ſtarb zwei Tage ſpäter,
Aber man gönnte ihm nicht die Grabesruhe. Kaum
war er tot, ſo entſtand die Sage, der berühmte Findling
ſei kein anderer als der am 29. September 1812 geborene
Sohn des Großherzogs Karl von Baden und ſeiner Ge=
mahlin
Stephanie von Beauharnais, der angeblich am
16. Oktober 1812 geſtorben geweſen. Dieſes damals ge= Kind, ſo behauptete die Legende, ſei von der
Gräfin Hochberg, der Witwe des Großherzogs Karl Fried=
rich
, in totkrankem Zuſtande ſtatt des echten, geſunden
Knaben untergeſchoben worden, damit ihre, der Gräfin
Hochberg Kinder der jetzt in Baden regierende Stamm,
der Thron nicht vorenthalten bleibe.
Selbſt der berühmte Kriminaliſt Anſelm von Feuer=
bach
und viele andere traten für dieſe Anſicht ein, die
denn auch lange Zeit viel Glauben fand, bis ſie in der
allerjüngſten Zeit mehr und mehr entkräftet wurde und
nachgewieſen ward, daß ſie durch einen Roman entſtan=
den
iſt.
Durch die letzten Publikationen in der Hauſer=Frage
ſcheint es ſo gut wie feſtzuſtehen, daß Hauſer ein Schwind=
ler
war, der aus irgend einem Grunde, vielleicht, weil er
etwas verbrochen, und er ſeine Spur zu verdecken trachtete,
das Märchen ſeiner unbekannten Herkunft aufbrachte, dann
aber durch die Ueberſpanntheit ſeiner Umgebung und um
Mitleid zu erregen, die Angaben über ſeine erſten Lebens=
jahre
machte.
Mit einiger Energie, wenn man ſofort bei ſeinem
erſten Auftreten umfaſſende Nachforſchungen angeſtellt
hätte, wäre es vielleicht auch damals gelungen. Licht in die=
Angelegenheit zu bringen, was freilich damals, es gab
noch keine Photographie, keinen Telegraphen, keine ſo ver=
breitete
, überallhin dringende Preſſe, mit größeren
Schwierigkeiten verknüpft war, als in unſeren Tagen.
So wird denn mit völliger, unbedingter Gewißheit
das Rätſel des Kaſpar Hauſer niemals gelöſt werden
können; nur ein poſthumer Indizienbeweis konnte gegen
ihn geführt werden. Ein ſolcher hat ihn vor der Nachwelt
als Schwindler entlarvt. Aber man weiß, daß auch die
beſten Indizienbeweiſe hinfällig ſein können.

[ ][  ][ ]

Nummer 101.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 30. April 1912.

Seite 3.

Frankfurt (Main): Perſonenzug 901 am 1. Mai 424 vor=
mittags
, in der Richtung Heidelberg: Perſonenzug 904
im 1. Mai 415 vormittags.
nn. Von der Techniſchen Hochſchule. Die Di=
plomhauptprüfungen
an der Techniſchen Hoch=
ſchule
neymen im Monat Mai d. Js. ihren Anfang.
Die Hauptprüfungen für das Maſchinenbaufach
beginnen bereits in den erſten Tagen des Mai. Die
Klauſurprüfungen finden am 7. und 8. Mai ſtatt,
während die mündlichen Prüfungen am 17. Mai abge=
halten
werden. Der Vorſtand für die Prüfungen der
Abteitung für Maſchinenbau iſt Herr Geh. Baurat Pro=
feſſor
Berndt. Auch die Diplomprüfungen für das
Elektrotechniſche Fach werden im Monat Mai
ſtattfindeu. Die Klauſurprüfungen beginnen am 6. und
7. Mat, während die mündlichen Prüfungen am 17. Mai
abgehalten werden.
* Dir evangeliſche Landesſynode tritt, dem Verneh=
men
nach, am Dienstag, den 2. Juli, wieder zuſammen.
Die Verhandlungen werden vorausſichtlich etwa acht bis
zehn Tage in Anſpruch nehmen.
* Berichtigung. Auf die im Darmſtädter Tagblatt
vom 11. März 1912 abgedruckte Warnung des Großh.
Miniſteriums des Innern, Abteilung für öffentliche Ge=
ſundheitspflege
, die ſich gegen mich als den verantwort=
lichen
Leiter des Sanatoriums Silvana zu Genf richtet,
erſuche ich unter Bezugnahme auf die §§ 11 und 19 Nr. 3.
des Reichsgeſetzes über die Preſſe vom 7. Mai 1874 um
Aufnahme folgender Berichtigung:
Das von mir geleitete Sanatorium Silvana zu Genf
gehört zu den angeſehenſten Heilanſtalten der Schweiz.
Seine mediziniſch=therapeutiſchen Einrichtungen ſtehen
vollkommen auf der Höhe moderner Wiſſenſchaft. Es
werden von mir in der Anſtalt und außerhalb derſelben
ausſchließlich funktionelle Nervenleiden mit den Mitteln
modern=mediziniſcher Wiſſenſchaft behandelt. Die Hono=
rarforderungen
ſind nicht höher als diejenigen anderer
angeſehener Anſtalten. Eine Fernbehandlung wird von
mir nur in denjenigen Fällen übernommen, die hierzu
beſonders geeignet ſind, alle anderen Fälle werden ab=
gelehnt
. Die Koſten brieflicher Behandlung ſind mäßig
und meiſt niedriger als diejenigen mündlicher Konſul=
tationen
. Meine Patienten gehören allen Volksſchichten,
insbeſondere auch dem Adel, der hohen Beamtenſchaft
und angeſehenen Kaufmannskreiſen an. Ich ſelbſt, der
ich als ſtaatlich approbierter Arzt die Anſtalt Silvana
ſeit Jahren leite, verwahre mich aufs entſchiedenſte da=
gegen
, jemals ſchwindelhafte Verſprechungen gemacht
oder Honorar für eine Tätigkeit bezogen zu haben, die
nicht auf mediziniſch=wiſſenſchaftlicher Baſis beruhte. Ich
habe meinen Anwalt beauftragt, gegen die Verbreitung
der Warnung auf gerichtlichem Wege in Deutſchland
vorzugehen, um die vollkommene Haltloſigkeit der in der
Warnung behaupteten Tatſachen nachzuweiſen. Dr. med.
S. Kaplan, ärztlicher Leiter des Sanatoriums Silvana,
Genf.
* Die Meiſterprüfung haben vor der Prüfungskom=
miſſion
für die Provinz Starkenburg in der Herbſtprü=
fung
1911 beſtanden und dadurch die Befugnis zum An=
leiten
von Lehrlingen, ſowie zur Führung des Meiſter=
titels
in Verbindung mit ihrem Handwerk erworben:
Ludwig Burckhardt, Bäckermeiſter zu Darmſtadt. Friedr.
Krebs, Bäckermeiſter zu Bürſtadt. Fr. Leonh. Müller,
Bäckermeiſter zu Erbach. Fr. Ludw. Roth, Bäckermeiſter
zu Darmſtadt. Philipp Steinmetz, Bäckermeiſter zu
Darmſtadt. Peter Wolf, Bäckermeiſter zu Darmſtadt.
Georg Bender, Buchdruckermeiſter zu Darmſtadt. Karl
Fr. Bender, Buchdruckermeiſter zu Darmſtadt. Karl Si=
mon
, Buchdruckermeiſter zu Darmſtadt. Franz Gräfe,
Friſeurmeiſter zu Darmſtadt. Friedrich Müller, Friſeur=
meiſter
zu Darmſtadt. Otto Schütze, Friſeurmeiſter zu
Pfungſtadt. Hans Streckert, Friſeurmeiſter zu Darm=
ſtadt
. Georg Seibert, Friſeurmeiſter zu Darmſtadt. Da=
niel
Hardt. Friſeurmeiſter zu Darmſtadt. Joſef Bechtold,
Goldſchmiedemeiſter zu Offenbach. Karl Hill. Inſtalla=
teurmeiſter
zu Walldorf. Joh. Fr. Poth, Küfermeiſter zu
Darmſtadt. Heinrich Weber, Dekorationsmalermeiſter zu
Darmſtadt. Friedrich Zimmermann. Dekorationsmaler=
meiſter
zu Darmſtadt. Wilh. Lautenſchläger, Maurermei=
ſter
zu Günterfürſt. Ludwia Pfannemüller II.. Maurer=
meiſter
zu Langen. Gg. Phil. Stühlinger, Maurermei=

ſter zu Reinheim. Joſ. Burkard, Mechanikermeiſter zu
Seligenſtadt. Karl Wilh. Fay, Mechanikermeiſter zu Of=
fenbach
. Karl Karn, Mechaniker= und Inſtallateurmeiſter
zu Bensheim. Guſtav Bendheim, Metzgermeiſter zu
Langen. Auguſt Förnzler, Metzgermeiſter zu Wimpfen
Adam Meiſter, Metzgermeiſter zu Reichenbach, Joh. Karl
Knippel, Gürtler= und Metalldruckermeiſter zu Neu= Iſen=
burg
. Joh. Dengler, Ofenſetzermeiſter zu Offenbach. Guſt.
Bayer, Portefeuillermeiſter zu Offenbach. Friedrich Kem=
merer
, Portefeuillermeiſter zu Klein=Auheim. Jakob
Sattler, Portefeuillermeiſter zu Hauſen. Jean Schmidt,
Portefeuillermeiſter zu Bürgel. Martin Schreiner, Por=
tefeuillermeiſter
zu Obertshauſen. Jakob Andreas Sten=
ger
, Portefeuillermeiſter zu Seligenſtadt. Chr. Hooc,
Schloſſermeiſter in Viernheim. Otto Seipp, Schloſſer=
meiſter
zu Wixhauſen. Jean Bambach, Schneidermeiſter
zu Bensheim. Chr. Benz II., Schneidermeiſter zu Wix=
hauſen
. Joh. Franz, Schneidermeiſter zu Klein= Stein=
heim
. Arno Glaſer, Schornſteinfegermeiſter zu Langen.
Rudolf Vetter, Schornſteinfegermeiſter zu Michelſtadt.
Karl Gerhardt, Schreinermeiſter zu Langen. Hans Lau=
tenbacher
, Schreinermeiſter zu Klein=Zimmern. G. P.
Michael, Schuhmachermeiſter zu Gräfenhauſen. Georg
Rödler. Zimmermeiſter zu Dieburg.
* Gemeinnützige Gartenſtadt=Genoſſenſchaft. Im
Fürſtenſaale ſprach am Samstag abend Herr Dr. Kampff=
meyer
=Karlsruhe über gemeinnützige Gartenſtadt= Ge=
noſſenſchaften
und zeigte an Hand einer großen Anzahl
Lichtbilder die Erfolge, welche durch die Gartenſtadt=
bewegung
bereits in anderen Städten erzielt worden
ſind. Kurz zuſammengefaßt definiert Redner die Gar=
tenſtadtbewegung
dahin, daß durch Ankäufe von billi=
gem
Gelände mit Umgehung der Spekulationsbezirke
die Organiſation der Gartenſtadtbewegung in der Lage
ſei, eine willkürliche ſpekulative Verteuerung des Bodens
zu verhindern, ſowie durch planvolle Anſiedelungen un=
bemittelten
Leuten geſunde Wohnungen mit Garten, nebſt
Gelegenheit, ohne beſondere Aufwendungen das Häuschen
zu erwerben, zu verſchaffen. In der Diskuſſion kritiſiert
Herr Rechtsanwalt Städel das Problem der Gemein=
nützigkeit
und vertritt die Anſicht, daß in den Satzungen
der Genoſſenſchaft Garantien geboten werden müſſen, da=
mit
nicht mit den in Eigentum übergegangenen Häus=
chen
nach einer Reihe von Jahren infolge Wertzuwachſes
ſpekulative Geſchäfte gemacht würden. In dieſem Falle
würden Staat und Stadt ſich hüten, die Schrittmacher
für derartige Zukunftsgeſchäfte zu machen und keine Bei=
hilfe
gewähren. Herr Landeswohnungsinſpektor
Gretzſchel trat dieſer Auffaſſung des Wortes ge=
meinnützig
entgegen und betont, daß die Genoſſenſchaft
weder vom Staat noch von der Stadt etwas geſchenkt
haben wolle, ſondern lediglich den Zweck verfolge, ihren
Mitgliedern Vorteile zu ſchaffen bezw. dem Minder=
bemittelten
zu einem Eigenbeſitz zu verhelfen. Dies ſei
vorerſt der Zweck der Gründung einer Organiſation;
biete ſich ſpäter Gelegenheit, billige Wohnungen für Ar=
beiter
zu ſchaffen, dann werde auch dieſer gemeinnützigen
Aufgabe nähergetreten werden. Einen Wertzuwachs
gänzlich abzuſchaffen, dies ſei eine Härte gegenüber dem
langjährigen, allerlei Unkoſten tragenden Beſitzer.
Dr. Kampffmeyer bemerkt hierzu, daß gemeinnützig nicht
mit uneigennützig verwechſelt werden darf. Die Garten=
ſtadtbewegung
ſei abſolut gemeinnützig. Eine Serie von
50 Lichtbildern legte Zeugnis ab von den Erfolgen der
Gartenſtadtbewegung in anderen Städten.
* Der Darmſtädter Journaliſten= und Schriftſteller=
verein
hielt am Samstag im grünen Zimmer des Kaiſer=
ſaales
ſeine gut beſuchte ördentliche Hauptver=
ſammlung
ab. Nach dem von dem Vorſitzenden,
Herrn Chefredakteur Dr. Waldaeſtel, erſtatteten
Jahresbericht kann der Verein, der jetzt 60 ordentliche
und 5 außerordentliche Mitglieder zählt, auf ein Vereins=
jahr
von ruhiger Weiterentwickelung zurückblicken. Er
hat ſich dem vor 1½ Jahren gegründeten Reichsverband
der deutſchen Preſſe angeſchloſſen. Vorſtandsſitzungen
wurden ſieben abgehalten; elf Veranſtaltungen für die
Mitglieder fanden ſtatt, darunter ſieben Vortragsabende
im Anſchluß an den Darmſtädter Vortragsverband. Die
Jahresrechnung weiſt in Einnahme 606,41 Mark, in Aus=
gabe
533,30 Mark auf, der Vermögensſtand beträgt zur
Zeit 1959,91 Mark. Die im Anſchluß an den beifällig

aufgenommenen Jahresbericht vorgenommene Vor=
ſtandswahl
hatte das Ergebnis, daß gewählt wur=
den
: zum Vorſitzenden Chefredakteur Dr. Waldaeſtel, zu
deſſen Stellvertreter Freiherr von Wolzogen, zum Schrift=
führer
Großh. Reviſor Enders, zu ſeinem Stellvertreter
Rechtsanwalt Dr. Hoffmann II., zu Beiſitzern Profeſſor
Dr. A. E. Berger, Profeſſor Dr. Nagel, Redakteur Dr.
Sander und Großh. Rat Sonne. In das Schieds=
und Ehrengericht wurden gewählt: Landgerichts=
rat
Welcker als Vorſitzender, Chefredakteur Dr. Buſch=
mann
und Hofrat Koch als Beiſitzer, Kaufmann Letten=
baur
und Hofbuchdruckereibeſitzer Hohmann als deren
Stellvertreter. Im Anſchluß an die Hauptverſamm=
lung
fand ein intereſſanter Vortrag ſtatt, den der Ver=
treter
des Vereins auf dem vorjährigen Internatio=
nalen
Preſſekongreß in Rom über die Verhand=
lungen
und Ergebniſſe dieſes Kongreſſes hielt und der
in ſehr lebendiger Weiſe die zu Ehren der Teilnehmer
in Rom, Neapel und Turin veranſtalteten Feſtlichkeiten,
die Jubiläumsausſtellungen in Rom und Florenz und die
Weltausſtellung in Turin beſchrieb und ihn zu einer
Schilderung des modernen Italiens überhaupt er=
weiterte
.
* Die Akademiſchen Volksunterrichtskurfe die vor
nunmehr 5 Semeſtern die Sozialwiſſenſchaftliche Abteil=
ung
der Freien Studentenſchaft eingerichtet, veranſtalten
in dieſem Sommer 7 Kurſe in Deutſch, Rechnen und Erd=
kunde
. Als Neueinrichtung verdient ein Kurſus Die
Kunſt im täglichen Leben beſondere Erwähnung.
Betreffs des Lehrplans, der Anmeldung uſw. ſei auf die
Straßenplakate verwieſen. Um weitere Kreiſe über
Zweck und Einrichtung der Kurſe aufzuklären, findet am
erſten Anmeldungsabend, den 3. Mai, ein einführender
Vortrag von Herrn cand. arch. Bruno Wagner über
den Erziehungsgedanken in den Akademiſchen Unter=
richtskurſen
ſtatt, zu dem der Vorſtand im heutigen
Inſeratenteil alle Intereſſenten einlädt.
* Die Jugendvereinigung der Martinsgemeinde ver=
anſtaltete
am Sonntag abend unter zahlreicher Beteilig=
ung
der Eingeladenen ihren diesjährigen Konfir=
mandenabend
. Die Feier wurde mit dem Korne=
liusmarſch
von Mendelsſohn durch das Orcheſter,
welches unter der Leitung des Herrn Pfarraſſiſtent
Lautenſchläger Vorzügliches leiſtete, eingeleitet.
Nach einer kleinen Deklamation hielt Herr Pfarraſſiſtent
Müller (Vorſitzender) eine wirkungsvolle Anſprache.
Er dankte den Teilnehmern für ihr zahlreiches Erſchei=
nen
und ſprach im Verlaufe der Rede den Wunſch aus,
daß recht viele von den neu Konfirmierten treue Mit=
glieder
der Vereinigung würden. Die Deklamation Die
Helden des Iltis leitete zu dem Hauptſtück des erſten
Teils, dem Drama Joſeph Heidrich von Th. Kör=
ner
, über. Dasſelbe wurde ſehr ſtimmungsvoll geſpielt
und fand allgemeinen Beifall. Beſonders beifällig wur=
den
auch die ſchönen Uebungen der Turnriege am Barren
und der Ferggenreigen aufgenommen. Der heitere Teil
des Abends wurde von einigen humoriſtiſchen Deklama=
tionen
, drei Muſikſtücken von dem ganzen Orcheſter,
ſowie einer SSonate von Bach durch Herrn Schmidt,
Herrn Koch und Fräulein Schmidt ausgefüllt. Das
Prachtſtück des Abends war die Humoreske Othellos
Erfolg von Läutner, welche herzliches Lachen hervor=
rief
. Den Schluß des Abends bildete das Schlum=
merlied
von Ersfeld, welches von den genannten
Soliſten vorgetragen wurde. Reicher Beifall belohnte die
Mitwirkenden und beſonders Herrn Pfarraſſiſtent Müller
für ihre große Mühe.
* Das Luftbad. Man ſchreibt uns: Einer der Punkte,
durch den ſich die Neuzeit vom Altertum unterſcheidet,
iſt die ſcheinbare Unabhängigkeit des modernen Menſchen
vom Boden, dem Träger der Nahrung. Der Menſch, der
es ſo weit gebracht hat, im Winter die Früchte des Som=
mers
auf ſeine Tafel zu bringen, glaubt, wenigſtens
inbezug auf die Nahrung, unabhängig zu ſein von der
Tatſache, daß wir der Natur als Führerin zu folgen
haben. Trifft dieſe Ausſicht im allgemeinen ſchon nicht
zu, ſo kann ſich der Menſch, der als Mikrokosmos den
Geſetzen des Makrokosmos unterworfen iſt, noch viel
weniger frei dünken von den Geſetzen, die die Jahres=
zeiten
ihm auferlegen. Wenn die Sonne die ſchlum=
mernden
Kräfte der Natur im Frühjahr weckt, daß ſie

Feuilleton.

* Aus Kunſt und Wiſſenſchaft. Spielplan der
Frankfurter Theater. 1. Opernhaus. Dienstag,
80. April: Götterdämmerung. Mittwoch, 1. Mai: Alt=
Wien‟ Donnerstag, 2.: Königskinder. Freitag, 3.:
Martha. Samstag, 4.: Dunja, hierauf: Tänze, zum
Schluß: Flotte Burſche‟. Sonntag, 5.: Aida. Mon=
tag
, 6.: Mai=Feſtſpiele: 1. Abend: Die Meiſterſinger von
Nürnberg in Bayreuther Beſetzung: (Hans Sachs: Herr
Walter Soomer, Veit Pogner: Herr Karl Braun, Sixtus
Beckmeſſer: Herr Heinrich Schultz, Walther Stoltzing: Herr
Walther Kirchhoff, David: Herr Karl Ziegler, Eva: Frau
Lilly Hafgren=Waag a. G.) Dienstag, 7.: Joſeph und
ſeine Brüder. 2. Schauſpielhaus. Dienstag, 30.
April: Elektra vorher: Der Tartüff. Mittwoch, 1.
Mai: Torqnato Taſſo‟ Donnerstag, 2.: Schöne Frauen.
Freitag, 3.: Elektra vorher: Der Tartüff. Samstag,
4.: Was ihr wollt Sonntag, 5., ½4 Uhr: Schöne
Frauen; 7 Uhr: Cyrano von Bergerae Montag, 6.:
Was ihr wollt‟ Dienstag, 7.: Das ſtarke Geſchlecht.
3. Neues Theater. Dienstag, 30. April: Das kleine
Cafs‟ Mittwoch, 1. Mai: Mamzelle Nitouche‟ Don=
nerstag
, 2., zum erſten Male: Die Schmuggler Komödie
in 4 Akten von A. Dinter. Freitag, 3.: Das kleine Café.
Samstag, 4.: Die Schmuggler Sonntag, 5., ½4 Uhr:
Meyers 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Montag, 6.,
8 Uhr: Kammerſpiele Ysbrand
Spielplan des Großh. Hof= und National=
theaters
Mannheim. Dienstag, 30. April: Zum
erſten Male: Der ſpielende Eros. Mittwoch, 1. Mai:
Der fidele Bauer‟ Donnerstag, 2.: Lohengrin Frei=
tag
, 3.: Die Räuber. Samstag, 4.: Tosca Sonn=
tag
, 5.: Die Fledermaus. Montag, 6.: Margarete.
Dienstag, 7.: Die fünf Frankfurter.
* Schreckensbilder vom Aufruhr in Fez. Der blutige
Aufruhr in Fez iſt niedergeſchlagen, aber die Schilderungen
der geretteten Europäer, die jetzt im Matin veröffentlicht
werden, geben ein grauſiges Bild von den Szenen und
Kämpfen, die die wenigen Europäer mit der blutgierigen
Menge der Aufrührer zu beſtehen hatten. Die Inhaberin
des Hotel de France, Frau Imberdis, hat ſich für die drei=
zehn
Franzoſen, die in ihrem Hauſe von einer wütenden
Volksmenge belagert wurden, heldenmütig geopfert;
durch ihren Tod wurde es möglich, die Hotelinſaſſen zu
retten. Als der Tumult plötzlich losbrach, befanden ſich die
dreizehn Europäer zum größten Teil in ihren Zimmern;
alles kam darauf an, Zeit zu gewinnen und das Tor des
Hotels zu ſchließen. Während die Männer zur Verteidig=

ung ihres Lebens ihre Waffen zuſammenſuchten und den
Gang verbarrikadierten, ſtürzte Frau Imberdis uner=
ſchrocken
zur Eingangstür, ſchloß die Torflügel und trotzte
den Drohungen der Aufrührer, die unter furchtbaren Ver=
wünſchungen
Einlaß forderten und ſich anſchickten, die Tür
zu ſprengen. Man feuerte auf die Bretter, die Kugeln
durchſchlugen das Holz und eine von ihnen traf die tapfere
Frau, die blutüberſtrömt zu Boden ſank, weil ſie für das
Leben der Gäſte ihr eigenes unerſchrocken aufs Spiel ge=
ſetzt
hatte. Die Gäſte, unter denen ſich auch eine Frau und
ein kleines Mädchen befanden, ſuchten zunächſt auf dem
Balkon Zuflucht, wurden aber von eingeborenen Frauen
entdeckt, die ſofort einen Steinhagel auf die Flüchtlinge
niedergehen ließen und die Männer herbeiholten, um die
Verborgenen niederzuſchießen. Im letzten Augenblick, als
die Tür ſchon geſprengt war, gelang es den Gäſten, ſich in
ein Nachbarhaus zu flüchten, wo eine alte Marokkanerin
die Europäer verſteckte. Wie ein Kapitel aus einem
Schauerroman geſtaltete ſich die Flucht von vier franzö=
ſiſchen
Inſtruktoren, die ſich in ein fenſterloſes Zimmer
flüchteten und die Tür zur Straße verbarrikadierten. Als
ſie ſahen, daß das Tor dem Anſturm der Mörderbande
nicht länger Stand halten würde, durchbrachen ſie mit
ihren Bajonetts die dünne Hinterwand des Hauſes und
ſchufen ſo eine Oeffnung, durch die ein Mann gerade hin=
durchkriechen
konnte. Aber dieſe Oeffnung führte zu einem
bis an den Rand mit Waſſer gefüllten Abzugskanal. Mit
Hilfe von Leinentüchern ließen ſich die vier Flüchtlinge in
den Kanal hinab, gerade in dem Augenblick, als die Meu=
terer
die Tür zerſchmettert hatten. Die Eingeborenen be=
gannen
ſofort auf die Franzoſen zu feuern und einer
wurde durch eine von der Wand abprallende Kugel am
Kopfe verletzt. Trotzdem gelang es den Offizieren, die
bis zum Halſe im Waſſer ſtanden, tiefer in die unterirdiſche
Leitung des Abzugskanals einzudringen, wo die Kugeln
ſie nicht mehr erreichen konnten. Hier ſtanden ſie nun im
Dunkeln, jeden Augenblick in Gefahr, von der ſtarken
Strömung fortgeriſſen zu werden. Gegen Mitternacht
ließen die Meuterer an langen Stangen befeſtigte Laternen
hinab, um die Flüchtlinge zu entdecken, aber die Offiziere
krochen noch tiefer in den Kanal hinein und wurden zum
Glück nicht gefunden. Man hielt ſie wahrſcheinlich für tot.
44 Stunden hindurch ſtanden die Männer in dem eiſigen
Waſſer, von der Kälte und dem widerlichen Geruche des
Abzugskanals halb ohnmächtig und betäubt, während
ringsum hunderte von ekelerregenden, großen Ratten um=
herhuſchten
. Schließlich gelang es ihnen, durch eine Oeff=
nung
des Kanals in ein Haus zu kommen; der Beſitzer
war ein Marokkaner, aber er verbarg die vier Offiziere
vor den Mördern, die überall umherzogen und ihre Opfer

ſuchten. Die im Leichenhauſe aufgebahrten Ueberreſte
der ermordeten Europäer erzählen ſchauerliche Einzelhei=
ten
von der Mordgier der Aufrührer; viele der Unglück=
lichen
wurden buchſtäblich langſam zu Tode gemartert.
Im Schauhauſe ſieht man auch die Köpfe von zwei Euro=
päern
, deren Körper nicht mehr aufgefunden werden konn=
ten
; die Marokkaner hatten dieſe gräßlichen Wahrzeichen
ihrer Tat an den Ohren und an den Zähnen aufgehängt
ind ausgeſtellt.
* Mißhandlung und Bühnenhandlung. Der Direk=
tor
der Wiener Volksoper R. war wegen Be=
leidigung
und Körperverletzung der Choriſtin
Mizzi Bopper angeklagt. Er hatte dem Fräulein bei einer
Probe von Djamileh Blöde Gans und Sind Sie
nicht ſo teppert zugerufen und ihr mit der Hand ins Ge=
ſicht
geſchlagen. Später zeigte er dem Sklavenhändler,
wie er die Sklavin emporzureißen hätte, und gab dabei
Fräulein Bopper einen ſo heftigen Schlag, daß die Finger=
ſpuren
noch einige Tage zu ſehen waren und die Dame
eine leichte Gehirnerſchütterung erlitt. Die Rich=
ter
verurteilten den Direktor wegen Beleidigung zu 100
Kronen Geldſtrafe, ſprachen ihn aber von der Anklage der
Körperverletzung mit der intereſſanten Begründung frei,
daß es ſich nicht um eine Mißhandlung, ſondern um eine
Bühnenhandlung handele. Man könne auch einen Othello
nicht verurteilen, wenn er ſeine Desdemona in der Schluß=
ſzene
zu ſtark würge.
sh. Der Zeuge ohne Stehkragen. Jedes Tierchen hat
ſein Pläſierchen pflegt man im Volksmund zu ſagen, und
das Pläſier eines Gaſtwirtes in Jena beſtand darin, ſich
zwar tadellos zu kleiden, aber niemals einen Kragen um=
zulegen
. Wo er auch erſchien, ſah man den biederen Wirt
ſtets ohne Kragen, mochten es nun ſelbſt Feſtlichkeiten
in ſeiner Wirtſchaft, bei Einkäufen in der Stadt, bei Aus=
flügen
in die Umgegend, oder bei ſonſtigen Gelegenheiten
ſein. Als der Kragenfeind jetzt einmal vor dem dortigen
Schöffengericht als Zeuge erſcheinen mußte, trat er auch
dort vor den hohen Gerichtshof ohne Kragen, in der Mein=
ung
, daß dieſes Manko genüge, wenn es durch ſeinen
langen Vollbart verdeckt werde. Der Gerichtshof war
darin aber anderer Anſicht. Er wies den Zeugen zunächſt
darauf hin, daß ein Eid eine feierliche Handlung ſei und
daß derjenige, der einen Eid zu leiſten habe, dies in einem
entſprechenden Gewande tun müſſe. Dazu gehöre aber
vor allem auch ein Kragen, da die Kleidung ſonſt nicht
einen genügend feierlichen Eindruck mache. Bei dieſer Be=
lehrung
ließ es das Gericht aber nicht bewenden, ſondern
nahm den Zeugen außerdem noch in eine Ordnungs=
ſtrafe
von 3 Mark wegen Ungebühr vor Gericht.

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 30. April 1912.

Nummer 101.

aus ihrer Hülle heraustreten, ſoll dies dem Menſchen
ein Fingerzeig ſein, daß er nach überſtandener Winter=
nacht
ſeinen Körper den Strahlen des Lichts darbietet
und damit neue, zum Teil auch wahrnehmbare Kräfte
in ſich aufnimmt, denn Licht iſt Wärme, und wo Wärme
iſt, iſt auch Kraft. Zu dieſem Zwecke iſt ſchon ſeit Jah=
ren
vom hieſigen Naturheilverein ein Licht=, Luft= und
Sonnenbad am Lichtwieſenweg errichtet worden, das
ſich ſeit ſeiner Eröffnung eines jährlich ſteigenden Be=
ſuches
erfreut. Bewundernd ſtehen wir vor dem Kunſt=
werk
Menſch, welches der Künſtler aus totem Geſtein ge=
ſchaffen
hat, wäre es nicht viel richtiger, der Menſch be=
wunderte
die Hülle ſeiner Seele am lebenden Organis=
mus
? Im Luftbad kann man wieder Menſchen ſehen,
die ſich aus übermäßiger Leibesfülle zu dem dem Kör=
per
eigenen Maße reduziert haben. Ueber die Geſetze
des Bades belehren ausgehängte Tafeln. Es gilt auch
hier, wie überall, der Satz: Haltet den Mittelweg.
* Evangeliſcher Bund, Zweigverein Darmſtadt.
Die Mitglieder mögen auch an dieſer Stelle auf die
heute (Dienstag) abend im Grünen Zimmer des Kaiſer=
ſaals
ſtattfindende ordentliche Hauptverſammlung auf=
merkſam
gemacht werden, die ein beſonderes Intereſſe
dadurch gewinnt, daß auf ihr u. a. die Vorbereitungen
für die Jubiläums=Landesverſammlung des Heſſiſchen
Hauplvereins in Darmſtadt und das im Herbſt zu ver=
anſtaltende
Lutherfeſtſpiel beſprochen werden ſollen.
* Silberne Hochzeit. Die Eheleute Georg Adam,
Pankratiusſtraße 58, feiern am 1. Mai ihre Silberne
Hochzeit.
* Der Weg zum Bahnhof. Man ſchreibt uns:
Es ſei daraufhin gewieſen, daß der kürzeſte Weg zum neuen
Bahnhof aus der Stadt durch die Bleichſtraße, zwiſchen
dem Ludwigsbahnhof und dem Main=Neckarbahnhof
durch, über die drei Treppenſtufen hinauf da, wo ſeither
die Poſtwagen Aufſtellung fanden, über das alte Bahn=
gelände
hndurch, nach dem Griesheimerweg führt. Der
Griesheimerweg mündet direkt um das große Blumen=
beet
vor dem Bahnhof herum nach dem Hauptportal,
woſelbſt ſich die Fahrkarten=Ausgabe befindet. Die Ent=
fernung
aus der unteren Bleichſtraße über dieſen Weg
zum neuen Bahnhof beträgt 10 Minuten und die ſomit
gewonnene Zeit=Erſparnis 56 Minuten. Dieſe Paſſage
über das alte Bahngelände nach dem neuen Bahnhof
iſt von früh bis ſpät zu allen Zügen offen und während
der Nachtzeit iſt dieſer Uebergang beleuchtet. Vom neuen
Bahnhof aus iſt durch weit ſichtbare Schilder noch be=
ſonders
auf dieſen Weg hingewieſen.
* Gartenbauverein Darmſtadt. Nächſten Don=
nerstag
findet eine Monatsverſammlung ſtatt.
(Näheres iſt im Anzeigenteil erſichtlich.)
* Das Exkurſionsamt der Freien Studenten=
ſchaft
veranſtaltet am Montag, den 6. Mai, eine Ex=
kurſion
nach Frankfurt a. M. zur Beſichtigung
der Luftſchiffhalle und des Zeppelinluftſchiffes
Viktoria Luiſe. Es iſt dies die 100. Exkurſion ſeit dem
Beſtehen dieſes Amtes. An den Veranſtaltungen haben
ſich bisher annähernd 4000 Studierende beteiligt. Die
Leitung hat Herr Geheime Baurat Profeſſor Guter=
muth
freundlichſt übernommen.
* Bürger=Keller. Dienstag abend konzertiert das
allgemein beliebte Salon Damen=Orcheſter Meerſteiner
zum letzten Mal im Bürger=Keller. Es ſind große Ab=
ſchiedskonzerte
vorgeſehen und wird unter anderem auch
Fräulein Elſa Schmiedel ihre ſo gerne gehörten Flöten=
ſoloſtücke
in gewohnter prachtvoller Weiſe zum Vor=
trag
bringen.
§ Unfall. Am Samstag vormittag gegen 8 Uhr
fiel ein Lumpenſammler gelegentlich der Abholung von
Knochen bei einem Metzger in deſſen offen ſtehen=
den
Keller, wobei er ſich eine ſtarke Wunde am
Hinterkopf zuzog. Der Metzger ließ den Verletzten
mittelſt Droſchke in das Städtiſche Krankenhaus ver=
bringen
.
§ Taſchendiebſtahl. Auf der Meſſe iſt am
Sonntag abend kurz nach 7 Uhr einer Frau aus Weiter=
ſtadt
das Portmonnaie mit über 40 Mk. Inhalt
aus der Handtaſche geſtohlen worden.

S. Agerbach, 29. April. Der Sattler Jakob Werner
von Eberſtadt verunglückte geſtern gegen Abend in
der Nähe Zwingenbergs mit ſeinem Rade als er
einem Kinde ausweichen wollte, derart, daß er ſich beim
Sturz die rechte Knieſcheibe zerſchmetterte. Der Kammer=
ſänger
Raven von Wiesbaden, welcher mit ſeinem AAuto=
mobil
die Unfallſtelle paſſierte, nahm den Verletzten mit
nach Auerbach, woſelbſt ihm durch Dr. Schultze ärztliche
Hilfe zuteil wurde. Durch die hieſige Freiwillige Sani=
tätskolonne
wurde der Verunglückte in das Städtiſche
Krankenhaus nach Darmſtadt transportiert. Die
Kreisſtraße Bensheim-Auerbach wird zwi=
ſchen
Bachbrücke und Ortsgrenze nach Fertigſtellung des
Kleinpflaſters dem Verkehr wieder übergeben werden.
Die Strecke von der Bachbrücke bis zur Burgſtraße bleibt
dagegen vorerſt noch geſperrt.
S. Auerbach, 29. April. Die Kommunalſteuer
wird, allen Steuerzahlern zur Freude für das kommende
Steuerjahr hierorts vorausſichtlich eine Herabſetz=
ung
von 3 Prozent erfahren.
Groß=Gerau, 29. April. Nächſten Montag, den 6. Mai,
wird der Groß=Gerauer Ferkelmarkt wieder eröffnet.
Näheres ſiehe Anzeige der Großh. Heſſ. Bürgermeiſterei
Groß=Gerau.
-I. Groß=Gerau, 29. April. Heute wurde die Leiche
des Ende der vergangenen Woche bei Bingen geländeten
Kaufmanns Karl Schleicher, der ſeit dem Oſtermontag
vermißt wurde, in Bingen beerdigt. Von hier war eine
Abordnung der Sanitätskolonne mit einer Kranzſpende
anweſend. Auch ſonſt wurden dem Toten, der als hilfs=
bereiter
Menſch von beſtem Rufe überall hochgeachtet war,
zahlreiche Blumen aufs Grab geſtreut. Die Furcht der
Vereinſamung hat den biederen Menſchen zu dem Ver=
zweiflungsſchritt
getrieben.
Biblis, 29. April. Zum zweiten Male innerhalb
zweier Jahre brach in dem Anweſen des Valentin Barth,
im Maſchinenraum der Drechslerei auf bis jetzt noch un=
aufgeklärte
Weiſe Feuer aus. Die Feuerwehr konnte
ihre Hilfe nur auf die Nachbarsgebäude erſtrecken. Der
Maſchinenraum brannte vollſtändig nieder. Der Schaden
iſt beträchtlich, aber durch Verſicherung gedeckt.
* Zeilhard, 29. April. Man ſchreibt uns: Der Kraft=
Sportverein Athletia hält am 12. Mai ſein diesjähriges
Frühlingsfeſt im Saale des Herrn Hch. Heleine ab. Das
Feſt verſpricht ſchon im voraus ein recht lebhaftes zu wer=
den
, da bereits verſchiedene auswärtige Vereine ihr Er=
ſcheinen
zugeſagt haben. Auch ein Meiſterſchaftsathlet
hat, wie man hört, ſein Erſcheinen zugeſagt, um ſeine
Rekordleiſtungen zu zeigen.
* Mainz, 2. April. Das Dock= und Maſchini=
ſtenperſonal
der Rheinfahrzeuge iſt zum
größten Teil heute in den Streik getreten. In faſt
allen Rbeinhäfen von Straßburg bis Rotterdam fanden

am Sonntag Verſammlungen ſtatt, die zu der Lohnbewe=
gung
Stellung nahmen. Es wurde überall beſchloſſen,
die Arbeit heute morgen niederzulegen. Nur dem geſam=
ten
Maſchinenperſonal der Firmen Raab, Karchner u. Cie.,
ſowie dem geſamten Maſchinenperſonal von T. Schue=
mann
u. Söhne und Knippſcheer iſt zugebilligt worden, die
Arbeit am 1. Mai einzuſtellen. Von der Bewegung wer=
den
betroffen ſämtliche dem Ruhrorter Schleppverein an=
gehörenden
Boote. Ferner je 12 Firmen von Ruhrort und
Düſſeldorf, 8 von Mülheim, 4 von Mainz, je 3 von Mann=
heim
und Homberg, je eine von Düſſeldorf, Bingerbrück,
Offenbach, Koblenz und Karlsruhe. Die letztere hat die
Forderung bereits bewilligt. Neben einer allgemeinen
Lohnbewegung werden verlangt: Vergütung für Nacht=
und Sonntagsarbeit. Das geſamte in Betracht kommende
Perſonal beziffert ſich auf 6000 Mann.
Worms, 29. April. Die Stadtverwaltung beſchloß, im
erſten Stockwerke des an der Moltkeanlage im Bau be=
griffenen
Sparkaſſengebäudes eine ſtändige ſtädti=
ſche
Gemäldegalerie zu unterhalten.
Worms, 29. April. In der Nacht zum 27, d. M
wurde in dem Gemeindeſteinbruch zu Kallſtadt zum Nach=
teil
eines Steinbrechers ein großer Kiesdurchwurf
geſtohlen. Der alsbald zugezogene Polizeihund des Kri=
minalſchutzmannes
Würtz von hier nahm die Spur auf,
verfolgte dieſe bis nach dem eine halbe Stunde entfern=
ten
Ort Leiſtadt, woſelbſt der Hund vor einem geſchloſſe=
nen
Tor Halt machte und Einlaß begehrte. In Abweſen=
heit
des Bewohners wurde das Tor geöffnet und fand
man im Hofe den geſtohlenen Gegenſtand vor. Stafanzeige
gegen den Täter iſt erſtattet.
(*) Gießen, 28. April. Der Haſſia=Bezirkstag
des Bezirks Gießen fand heute unter ſtarker Beteiligung
im Felſenkeller ſtatt. Bezirksvorſteher Daab=Lollar er=
ſtattete
den Jahresbericht für 1911; danach zählt der Be=
zirk
jetzt 3030 Mitglieder. Das Vermögen der Vereine
beläuft ſich einſchließlich Inventarwert auf rund 43000
Mark. Als Vertreter für den Haſſiatag zu Nieder=Olm
wurden gewählt die beiden Bezirksvorſteher Daab=Lollat
und Abg. Leun=Großenlinden, zu Stellvertetern Bruchhäu=
ſer
=Gießen und Enders=Reiskirchen. Sehr intereſſant war
der Vortrag des zweiten Bezirksvorſtehers Abg. Leun=
Großlinden über Veteranenfürſorge‟ Der Punkt Ju=
gendpflege
rief eine rege Ausſprache hervor, nachdem der
Bezirksvorſteher eingehend auf die Wichtigkeit der Jung=
deutſchlandbewegung
aufmerkſam gemacht, zur Unter=
ſtützung
und zum Beitritt aufgefordert hatte. Die Kriegs=
erinnerungen
von 1866 und 1870/71 ſollen aus Briefen in
jedem Orte geſammelt und dem Bezirksvorſteher in Ab=
ſchrift
überſandt werden; das Präſidium wird ſie ſichten
und ſpäter veröffentlichen. Staatsanwalt Trümpert
dankt dem Vorſteher für ſeine rege Arbeit und brachte
ein Hoch auf den Bezirk aus; darauf ſchloß die mit einem
Kaiſerhoch begonne Tagung mit einem Hoch auf den Lan=
desherrn
.
Haingründau, 25. April. Von einem traurigen Geſchick
wurde eine hieſige Familie ereilt. Während die übrigen
Familienmitglieder vorgeſtern morgen in Hof und Gar=
ten
beſchäftigt waren, befand ſich die 16jährige
Tochter, die für gewöhnlich der Aufſicht bedurfte, auf
kurze Zeit allein im Wohnzimmer. Sie benutzte die Ge=
legenheit
, im Ofen Feuer anzuzünden, wobei ihre Klei=
der
und Haare in Brand gerieten. Dabei erlitt ſie ſo
ſchwere Brandwunden, daß ſie denſelben noch in der kom=
menden
Nacht erlag.
Lindheim, 27. April. Geſtern vormittag wollte ein
ungefähr 20 Jahre altes Mädchen auf den ſchon in Be=
wegung
befindlichen Stockheimer Zug aufſpringen,
glitt aus und kam unter die Räder. Der rechte Fuß
wurde über dem Knöchel abgefahren und der linke voll=
ſtändig
zerquetſcht. Herr Dr. Matthes von Altenſtadt legte
den erſten Notverband an und ſorgte für die Ueberbrin=
gung
des Mädchens mit dem nächſten Zug nach Gießen.
(*) Laubach, 29. April. Das 68. Jahresfeſt des
Guſtav Adolf=Vereins für das Großherzoatum
Heſſen findet am 25. und 26. Juni ſtatt. Das Feſtpro=
gramm
ſieht für den Abend des 25. Juni eine große Feſt=
verſammlung
vor, Sonntags werden Kindergottesdienſt,
Feſtgottesdienſt, und nachmittags eine Volksfeier auf dem
Ramsberg abgehalten.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 28. April. Nachdem vor
inigen Tagen ſeitens der Stadt Wien ein überaus
freundlich gehaltenes Schreiben eingegangen iſt, wonach
dort bei dem Beſuch ſtädtiſcher Vertreter aus
Berlin auf eine Beteiligung von 30 Herren gehofft
wird, hat auch der Magiſtrat, entſprechend dieſem Wunſch
und in Uebereinſtimmung mit der Anregung der Stadt=
verordnetenverſammlung
, der Bemeſſung der Zahl der
Vertreter auf 30 zugeſtimmt und der Stadtverordneten=
verſammlung
eine entſprechende Vorlage zugehen laſſen.
Es werden 10 Mitglieder des Magiſtrats und 20 Stadt=
verordnete
an dieſem Beſuch teilnehmen. Gel d=
ſchrank
=Einbrecher, die in der Nacht zum Sonn=
tag
der Pfandleihanſtalt von Meuſel in der Müllerſtraße
einen Beſuch abſtatteten, erbeuteten für 40= bis 50000
Mark Juwelen. Sie brachen von der über dem Laden
liegenden Wohnung aus ein, indem ſie ein Loch durch die
Decke brachen und ſich an einer Strickleiter herabließen.
Auf demſelben Wege haben ſie ſpäter auch mit der Beute
die Flucht ergriffen. Ein beklagenswerter Unfal l
ereignete ſich geſtern nachmittag in der Müllerſtraße. Dort
hatten Kinder ungelöſchten Kalk in eine leere Flaſche ge=
füllt
und Waſſer hinzugegoſſen. Die Flaſche explodierte
und ſechs Kinder wurden von dem umherfliegenden Glas
und Kalk teils ſchwerer, teils leichter verletzt; bei dreien
von den Kleinen iſt zu befürchten, daß ſie das Augenlicht
verlieren.
Frankfurt, 29. April. In der Hochſtraße 54 wurde
zeute früh in einem Zimmer der Manſarde, das dicht mit
Qualm gefüllt war, eine 60 Jahre alte Frau tot und
gänzlich verbrannt aufgefunden. Die Urſache des
Zimmerbrandes iſt noch nicht feſtgeſtellt.
Wiesbaden, 29. April. Unter ungeheuerer, nach Tau=
ſenden
zählenden Beteiligung fand heute vormittag auf
herrlich gelegenem Platze mitten im Taunuswalde bei
Wiesbaden die feierliche Grundſteinlegung des
dritten Heimes der Deutſchen Geſellſchaft für
Kaufmanns=Erholungsheime im Beiſein
des Oberpräſidenten der Provinz Heſſen=Naſſau. Heng=
ſtenberg
, und anderen höheren Beamten ſtatt. Nach der
Begrüßungsanſprache des ſtellvertretenden Vorſitzenden,
Geh. Kommerzienrat Dr. Kalle=Biebrich, hielt der Vor=
ſitzende
des Präſidiums, Joſef Baum=Wiesbaden, die Feſt=
rede
. Nach Verleſung der Stiftungsurkunde vollzog Exz.
Hengſtenberg die erſten Hammerſchläge. Die Feſtteilneh=
mer
begaben ſich alsdann mit Sonderzug nach Wiesbaden
zurück, wo im Kurhauſe ein glänzendes Feſtmahl die
würdige und eindrucksvolle Feier beſchloß. Delegierte
aus allen Teilen Deutſchlands überbrachten mit gehalt=

vollen Anſprachen Grüße und Glückwünſche für die Zu=
kunft
des für die Volkswohlfahrt ſo bedeutſamen Unter=
nehmens
.
Aus dem Kreiſe Uſingen, 27. April. Eine Verbre=
cherbande
beunruhigte in dieſer Woche den ganzen
Kreis. Es iſt anzunehmen, meint das M. J., daß die
Täter vermittelſt eines Automobils arbeiten. In
Uſingen arbeuteten die Einbrecher bei Zimmermeiſter
Schweighöfer 82 Mark, außerdem brachen ſie noch bei Ren=
dant
Krauſe und bei Witwe G. Dienſtbach ein. In Alt=
Weilnau ſtatteten ſie dem Pfarrhaus einen Beſuch ab.
In Grävenwiesbach ſtiegen ſie in das Stationsgebäude
ein. Auch in das Schulhaus zu Brombach verſuchten Ein=
brecher
einzudringen, wurden jedoch verjagt. Bis jetzt
fehlt jede Spur, trotz Abſuchens durch einen Polizeihund.
Neuſtadt a. d. H., 29. April. Etwa 300 Morgen junger
Kiefernwald fielen geſtern einem Waldbrand=
zum
Opfer, der auf dem Höhenzug des Haardter Waldes
beim Weinbieter Turm auskam. Das Feuer konnte in
dreiſtündiger angeſtrengter Tätigkeit der Wehren gelöſcht
werden.
Stettin, 29. April. In Groß=Garte im Kreiſe
Stolp ſind 30 Gehöfte durch Brand eingeäſchert
worden. Dabei wurden 28 Familien obdachlos. Aller
Hausrat und viel Vieh iſt verbrannt.
Frankfurt a. O., 29. April. Einem Domänenpächter
wurde geſtern auf der Fahrt von Sangerhauſen nach
Magdeburg die Brieftaſche mit 75000 Mark Inhalt ge=
ſtohlen
. Der Täter iſt unbekannt.
Bunzlau, 29. April. Wegen unbefugten Schüt=
telns
der Wahlurne ſind zwei Sozialdemokraten,
die von ihrer Parteiorganiſation beauftragt waren, am
Tage der Reichstagswahl im Wahlkreiſe Lüben=Bunzlau
der eine in Thommendorf. der andere in Schnellenfurth
die Vorgänge im Wahllokal zu kontrollieren, von der
Strafkammer in Liegnitz zu je 100 Mark Geldſtrafe ver=
urteilt
worden. Beide hatten nach Schluß des Wahl=
aktes
, als der Wahlvorſteher ſich weigerte, vor der Her=
ausnahme
der Stimmzettel die Wahlurne zu ſchütteln,
dieſe eigenmächtig geſchüttelt. Sie wurden verurteilt auf=
Grund des § 132 des Strafgeſetzbuches, der lautet: Wer
unbefugt ſich mit Ausübung eines öffentlichen Amtes be=
faßt
oder eine Handlung vornimmt, die nur kraft eines
öffentlichen Amtes vorgenommen werden darf. wird mitt
Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldſtrafe bis
zu 300 Mark beſtraft.
Paris, 29. April. Im Bahnhofe von Meslau rannte
heute nacht ein Spezialzug mit Reſerviſten des 62.
Linien=Regiments infolge falſcher Weichenſtellung auf
einen anderen Zug. Zwei Wagen des Militärzuges
ſtürzten um. Vier Reſerviſten wurden verletzt.
C. K. London, 30. April. Eines der berühmteſten alt=
engliſchen
Herrenſchlöſſer, Clumberhouſe, der präch=
tige
Landſitz des Herzogs von Newcaſtle in
der Grafſchaft Nottinghamſhire, iſt am Donnerstag von
einem verheerenden Feuer heimgeſucht worden,
das den Nordflügel des berühmten Gebäudes zum Teil
zerſtört hat. Zum Glück gelang es, dem Eroberungszug
der Flammen Halt zu gebieten, ſo daß der Mittelbau und
der ſüdliche Flügel mit ſeinen koſtbaren Kunſtſchätzen un=
verſehrt
bleiben konnten. Clumberhouſe galt bisher als
eines der ſchönſten und intereſſanteſten altengliſchen Her=
renſchlöſſer
; es wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahr=
hunderts
erbaut. Schon einmal iſt das Gebäude von
einem Feuer heimgeſucht worden, im Jahre 1879; nach
der Kataſtrophe mußte die Weſtfront vollkommen neuge=
baut
werden. Als beſondere Sehenswürdiakeit wird die
prächtige große Halle mit ihrer von prunkvollen Marmor=
ſäulen
getragenen Deckenwölbung gerühmt. Der Herzog
von Newcaſtle verwahrt in ſeinem Schloſſe eine Reihe von
unbezahlbaren Meiſterwerken der Malerei, Werke von
Rembrandt, van Dyck, Rubens. Murillo, Canaletto, Te=
niers
und anderen berühmter Meiſtern. Mit beſonderem
Prunk iſt die Hauskapelle des Schloſſes eingerichtet; der
gegenwärtige Herzog hat für die Ausſchmückung dieſer
Kapelle in den letzten Jahren rund anderthalb Millionen
aufgewandt.
Konſtantinopel, 28. April. Der Brand in Das=
maskus
dauerke 24 Stunden. Der Materialſchaden
wird auf etwa 15 Millionen Franken geſchätzt. Zwölf Per=
ſonen
ſind ums Leben gekommen.

Zur Lage der heſſiſchen Gerichtsaſſeſſoren.

Man ſchreibt uns: Bei den Verhandlungen der heſe
ſiſchen Zweiten Kammer zum Juſtizetat knüpfte der Abg.
Dr. Oſann an die Lobeserhebungen, die Regierung und
Kammer den heſſiſchen Richtern zuteil werden ließen, die
Frage, ob auch die Richter mit denen, die ſie lobten, zu=
frieden
ſeien. Er deutete an, daß dieſe Frage wohl nicht
von allen Beamten der Juſtizverwaltung bejaht werde;
er wies hierbei vor allem auf die heſſiſchen Gerichtsaſſeſ=
ſoren
hin.
Die heſſiſchen Gerichtsaſſeſſoren können in der Tat
mit ihren Anſtellungs= und Gehaltsverhältniſſen nicht zu=
frieden
ſein; denn ſie ſind wohl die ungünſtigſten im gan=
zen
deutſchen Reiche. Nach dreijähriget Studienzeit und
gleichfalls dreijähriger Referendarzeit muß der heſſiſche
Gerichtsaſſeſſor zurzeit noch zirka 11 Jahre warten, bis
er als Richter angeſtellt wird. Nicht etwa, daß er dieſe
11 Jahre außerhalb des Juſtizdienſtes etwa in vor=
züglich
bezahlten Privatſtellungen verbringt, vielmehr
wartet er 11 Jahre lana im Juſtizdienſt, bald da, bald dort
verwendet, auf die Anſtellung. Wird er endlich Richter,
ſo iſt er über 35 Jahre alt. Nirgends in Deutſchland
herrſcht eine ſo ausgedehnte Wartezeit für die Richteran=
wärter
. Aber auch in Heſſen beſteht für keinen Anwärter
eines gleichgeſtellten Berufes eine derartig lange Vor=
dienſtzeit
.
Dieſe Anſtellungsverhältniſſe werden ſchlechter ſtatt
beſſer. Eines der Mittel zur Abhilfe wäre: Beſetzung der
Stellen, die unentbehrlich ſind, mit feſtangeſtellten Rich=
tern
, ſtatt mit Aſſeſſoren. Im Finanzausſchuß der Zwei=
ten
Kammer ſind, wie der Abg. Dr. Oſann mitgeteilt hat,
etwa 20 Richter= und Staatsanwaltsſtellen herausgerechnet
worden, die von Aſſeſſoren verwaltet werden, obwohl=
ſie
für alle Zeit notwendige Stellen ſind und daher mit de=
finitiven
Beamten beſetzt werden müßten. Auch der Abg.
Dr. Winkler kam auf Grund ſeiner Berechnungen zu einer
annähernd gleichen Zahl von Stellen, die definitiv ge=
macht
werden müßten. Käme die Juſtizverwaltung dieſem
Verlangen nach, ſo wäre wenigſtens in etwas die Notlage
des Aſſeſſorenſtandes gemildert. Gerade ſo ſchlimm wie
die Anſtellungsverhältniſſe ſind die Gehaltsverhältniſſe.
Das Anfangsgehalt beträgt 2100 Mk., das Endgehalt nach
7 jähriger Verwendungszeit 2800 Mk. In dieſer Gehalts=
ſtufe
bleibt der Beamte bis nach ſeiner Anſtellung und auch
noch nach der Anſtellung. Denn das Anfangsgehalt des
Richters iſt das gleiche wie das Endgehalt des Aſſeſſors:
2800 Mk. Nach mehr als 10jähriger Dienſtzeit, im 35.
Lebensjahre, erhält der als Amtsrichter angeſtellte Ge= ein Gehalt von 2800 Mk. Dazu kommt

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Nummer 101.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 30. April 1912.

Seite 5.

ein Wohnungsgeld mit zirka 400 Mark. Auch die neue
Beſoldungsvorlage bringe keine weſentsiche Beſſetzung
Vor allem bringt ſie das nicht, was als durchgreifende
Verbeſſerung der Gehaltsverhältniſſe wirken würde: die
Anrechnung der Vordienſtzeit. Eine ſolche Anrechnung
wäre ſchon jetzt möglich, wenn die Juſtizverwaltung von
einer Beſtimmung der bisherigen Beſoldungsordnung.
die offenbar zur Ausgleichung derartig ungünſtiger Ge=
haltsverhältniſſe
beſtimmt war, Gebrauch machte. Nach
Art. 7 der Beſoldungsordnung könnte die Vordienſtzeit bis
zu 6 Jahren angerechnet werden, ſo daß der als Richter an=
geſtellte
Aſſeſſor ſofort in die 3. Gehaltsklaſſe 3600
Mark aufrückte. Die Abg. Dr. Boxheimer und Dr.
Winkler haben die Anwendung des Art. 7 zugunſten der
Gerichtsaſſeſſoren mit Nachdruck verlangt. Sie haben beſon=
ders
darauf hingewieſen, daß die heſſiſchen Gerichtsaſſeſſo=
ren
infolge ihrer unverſchuldeten verſpäteten Anſtellung
nicht nur ein geringeres Gehalt beziehen als ihre gleich=
altrigen
Kollegen in den anderen Bundesſtaaten, ſondern
daß von einer Gleichſtellung derſelben zum Beiſpiel mit
den akademiſchen Lehrern nicht mehr die Rede ſein kann,
obwohl ſie nach dem Geſetz doch gleichgeſtellt ſein ſollten.
Während der Aſſeſſor 11 Jahre und mehr auf Anſtellung
warten müſſe, würde der Oberlehrer weit früher angeſtellt,
ſo daß es vorkomme, daß ein Oberlehrer zirka 2000 Mk.
Gehalt mehr beziehe, als ein gleichaltriger Richter aus
derſelben Examenszeit. Gerade ſolche Ungleichheiten und
Härten ſollten durch Artikel 7 ausgeglichen werden.
Wir hoffen, daß die Juſtizverwaltung den eindring=
lichen
Vorſtellungen dieſer Abgeordneten ſich nicht ver=
ſchließen
und dem gerechten Verlangen der Aſſeſſoren,
wie es der Abg. Dr. Boxheimer nannte, nachkommen wird.

Wahlen zur Landwirtſchaftskammer.

* Bei den am 27. April vorgenommenen Wahlen zur
Landwirtſchaftskammer wurden für Starkenburg ge=
wählt
:
(Das eingeklammerte L. bedeutet Mitglied der Land=
wirtſchaftskammer
, das P. bedeutet Mitglied des Prov.=
Ausſchuſſes.)
1. Wahlbez.: Rüſſelsheim=Trebur: Aug. Ruhland=Trebur
(L.), Georg Friedmann=Königſtädten und Hermann
Gütlich=Rüſſelsheim (P.).
2. Wahlbez.: Groß=Gerau: Dr. Dehlinger=Weilerhof (L.),
Bgmſtr. Biebel=Dornheim und Bgmſtr. BauſchWor=
felden
(P.).
3. Wahlbez.: Griesheim=Gernsheim: Geh.=Rat Haas=
Darmſtadt (L.), H. Feldmann IX.=Griesheim und Oek.=
Rat Hammann IV.=Biebesheim (P.).
4. Wahlbez.: Darmſtadt: Oek.=Rat Fritſch=Dilshofen (L.),
Georg Benz XIV.=Arheilgen und Konrad Gunkel II.=
Roßdorf (P.).
5. Wahlbez.: Offenbach=Langen: Eduard Viehmann= Rum=
penheim
(L.), David Störmer=Sprendlingen und Adolf
Eſchbach=Neu=Iſenburg (P.).
6. Wahlbez.: Seligenſtadt: Bgmſtr. Martin Wenzel= Hain=
ſtadt
(L.), Auguſt Rupp=Mühlheim und Karl Peter
Benning=Heuſenſtamm (P.).
7. Wahlbez.: Babenhauſen: Bamſtr. Krapp=Sickenhofen
(L.), Franz Keller I.=Ober=Roden und Bgmſtr. Franz
Joſef Reichenbach=Nieder=Roden (P.).
8. Wahlbez: Groß=Umſtadt: Oek.=Rat Jakob Walter XVI.=
Lengfeld (L.), Ludwig Weber IV.=Groß=Umſtadt und
Bamſtr. Georg Eidmann V.=Richen (P.).
9. Wahlbez.: Dieburg=Reinheim: Georg Heil=Habitzheim
(L.), Wilhelm Cullmann Groß=Zimmern und Georg
Franz Ramge=Ueberau (P.).
10. Wahlbez.: Groß=Bieberau=Reichelsheim: ( Wahlergeb=
nis
ſteht noch aus).
11. Wahlbez.: König=Höchſt=Michelſtadt: Adam Bär II.=
Langen=Brombach (L.). Wilhelm Wolf Vl.=Höchſt und
Karl Meiſinger=Kirch=Brombach (P.).
12. Wahlbez.: Erbach=Wimpfen: Bamſtr. Schwinn= Schöllen=
bach
(L.). Johannes Schwöbel II.=Hüttenthal und
Bgmſtr. Bornhäuſer=Wimpfen (P.).
13. Wahlbez.: Fürth=Wald=Michelbach: Oek.=Rat Traut=
mann
=Rimbach (L.). Bamſtr. Kohl=Gadern und Jean
Berberich=Fürth (P.).
14. Wahlbez.: Bensheim=Heppenheim: Gutspächter Kon=
rad
Keutzer=Hof Stubenwald (L.), Bamſtr. Wegfahrt=
Schwanheim und Bamſtr. Schäfer=Kirſchhauſen (P.).
15. Wahlbez.: Lampertheim=Biblis: Jakob Friedrich II.=
Groß=Rohrheim (L.). Adam Reinhard I.=Viernheim
und Friedrich Frank=Biblis (P.).

Verſchönerungsverein.

Im Reſtaurant Sitte fand geſtern abend die
Hauptverſammlung des Verſchönerungsvereins
ſtatt. Den Vorſitz führte Herr Geheimerat Wilbrand.
der die Erſchienenen herzlichſt begrüßte und ſich kurz über
die Aufgaben und die Erfolge des Vereins verbreitete.
Dem Bericht des Vorſtandes über die Tätigkeit
des Vereins im Jahre 1911 entnehmen wir Nachſtehen=
des
: Im Laufe des Jahres ſind 34 neue Bänke an fol=
genden
Punkten aufgeſtellt worden: 6 Bänke im Graben=
ſtück
, 2 Bänke in der Schlagſchneiſe, je 1 Bank am Fuß=
pfad
nach dem Bordenberg, in der Kirchſchneiſe, am alten
Eberſtädter Weg, am Waldſaume zwiſchen Kaſtanien=
Allee und Eberſtädter Chauſſee, am Forellenteich, am
Schützenpfad, 2 Bänke an der Griesheimer Chauſſee, 3
Bänke an der Bahn, 2 Bänke an der Dieburger Straße,
je 1 Bank an der Ermelfleckwieſe, am Kapellchen, am
Hinterhecksweg, an der Steckertswieſe, an der Moltke=
hütte
, am Darmbach (Diſtrikt Hirtenhaus), 2 Bänke in
der Nähe des Prinzenberges, je 1 Bank auf der Wil=
brandshöhe
, an der einzelnen Kiefer=Wilbrandshöhe,
auf dem Bordenberg, 2 Bänke in den Anlagen am Böl=
lenfalltor
. Der Auſwand für dieſe 34 Bänke beläuft ſich
auf 485 Mark 25 Pfg. Der vorgeſehene Pfad vom Brun=
nersweg
nach Groß=Zimmern iſt nicht zur Ausführung
gekommen, da eine Beteiligung des V.=Vereins in Groß=
Zimmern nicht erfolgte. Die Anlage des Fußpfades im
vorderen Grabenſtück hat ſtattgefunden; es wurden dafür
32.08 Mark aufgewendet. Für die Herſtellungen am
Häuschen auf der Kühruhe ſind 16,75 Mark Koſten er=
wachſen
. Dem Komitee Darmſtadt im Blumenſchmuck
wurde der ausgeworfene Betrag von 100 Mark ausge=
zahlt
.
Für die laufende Unterhaltung der be=
ſtehenden
Anlagen wurden in 1911 bezahlt 1150
Mark. Die Koſten der Neuanlagen und für Aufſtellung
neuer Bänke betragen rund 630 Mk. Die Verwaltungs=
koſten
belaufen ſich auf 414 Mark; ſomit Geſamtaus=
gabe
in 1911 2194 Mark. Die Einnahmen des
Jahres 1911 ſtellen ſich wie folgt: Reſt aus 1910 1438 Mk.
Mitgliederbeiträge 2065 Mk., Zinſen 104 Mk., verſchiedene
Einnahmen 310 Mk.; Geſamteinnahme 3917 Mk.
verglichen mit der Ausgabe von 2194 Mk., bleiben 1*23
Mark. Hiervon ab für rückſtändige Ausgaben (Tempel
am Brunnersweg pp.) 923 Mk.; mithin verfügbarer

Reſt 800 Mk. Für 1912 ſind die Mitgliederbeiträge ver=
anſchlagt
zu 2060 Mk., an ſonſtigen Einnahmen Bei=
trag
der Stadt Darmſtadt und aus Zinſen können ein=
geſtellt
werden 350 Mk. Im ganzen ſtehen ſomit für 1912
zur Verfügung 3210 Mark.
Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1910
803; in 1911 ſind abgegangen: durch Tod 33, durch Weg=
zug
8, durch freiwilligen Austritt 19, zuſammen 60 Ab=
gänge
; zugegangen ſind 6. Stand Ende 1911 749. Die
Rechnung iſt von Herrn Rechnungsrat Scharmann geprüft
worden; Anſtände haben ſich nicht ergeben. Da eine Be=
anſtandung
aus der Mitte der Verſammlung nicht er=
folgte
, wird Entlaſtung des Rechners beſchloſſen. Zugleich
wird dem Rechner, Herrn Rechnungsrat Wambold,
vollſte Anerkennung für die Kaſſe= und Rechnungsführung
ausgeſprochen Weiter ſagt der Verein beſten Dank
Herrn Rechnungsrat Scharmann für die unentgeltliche
Prüfung der Rechnung, und Herrn Hofbuchbinder Greſſer
für die unentgeltliche Beſorgung der Buchbinderarbeiten.
Der Voranſchlag über die Einnahmen und die
Ausgaben des Verſchönerungsvereins Darmſtadt für das
Jahre 1912 ſieht vor in Einnahme 3210 Mark, in Aus=
gabe
u. a.: für Unterhaltung der beſtehenden Anlagen
1600 Mark; für neue Anlagen: a) Bänke 450 Mk.,
b) Brunnenanlage am Bordenbergpfad (Walters Teich)
250 Mk., c) Darmſtadt im Blumenſchmuck 50 Mk., d) Fuß=
pfad
von der Kaſtanienallee bis Duncan=Schule 60 Mk.,
e) Häuschen auf der Kühruhe, f) Pavillon auf dem Bor=
denberg
50 Mk., g) Bordenbergpfad 20 Mk., h) Pfad nach
dem Kirchberg 30 Mk.; insgeſamt 910 Mark.
Auch der Voranſchlag wurde gutgeheißen. In regem
Gedankenaustauſch wurde noch vielerlei Anregungen ge=
geben
, die demnächſt nach Möglichkeit verwertet werden
ſoll. Gegen halb 8 Uhr ſchloß Herr Geheimerat Wil=
brand
die Verſammlung.

Kongreſſe und Verbandstage.

* Berlin, 29. April. Der Hauptvorſtand des
Reichsverbandes der deutſchen Preſſe hielt
am Sonntag in Berlin eine Sitzung ab, die aus allen
Teilen des Reiches zahlreich beſucht war. An Hand der
Vorſchläge, die der zur Beratung der Verſicherungsfragen
niedergeſetzte Ausſchuß unterbreitete, wurde beſchloſſen,
daß der Reichsverband für ſeine Landes= und Bezirks=
vereine
, ſowie Einzelmitglieder, ſoweit ſie nicht ſelbſt
bereits ſolche Abſchlüſſe getroffen haben, eine Sterbekaſſe
einrichten ſoll, und zwar auf der Grundlage des Abkom=
mens
, das der Landesverband ſächſiſcher Redakteure und
Berufsſchriftſteller mit einer Verſicherungsgeſellſchaft traf.
Die Einrichtung von Darlehens= und Unterſtützungskaſ=
ſen
ſoll den Unterverbänden überlaſſen werden. Der Aus=
ſchuß
für die Verſicherungsfragen wurde mit der Prüf=
ung
und Einrichtung einer Kaſſe für Stellenloſigkeit, und
im Falle der Bejahung, mit den erforderlichen Vorarbei=
ten
beauftragt. Ferner wurde beſchloſſen, der Einricht=
ung
einer Krankenkaſſe näher zu treten, ſobald in einem
der Unterverbände Erfahrungen darüber vorliegen. Vom
Vertreter des Verbandes der oſtpreußiſchen Preſſe wurde
angeregt, ob es ſich nicht empfehle, ſich mit dem Haupt=
ausſchuß
für die Angeſtelltenverſicherung in Verbindung
zu ſetzen, damit auch Redakteure in ihm vertreten ſind.
Der Vertreter des Verbandes der oſtpreußiſchen Preſſe
wurde beauftragt, die nötigen Schritte zu tun. Als Zeit=
punkt
für die Abhaltung der diesjährigen Delegierten=
verſammlung
, die nach einem früheren Beſchluß in Mün=
chen
tagen ſoll, wurde der 16. und 17. Juni feſtgeſetzt.
Weitere Verhandlungen bezogen ſich auf Fragen über den
Zeugniszwang und die Berichterſtattung über Kongreſſe.
Beide Gegenſtände ſollen auf der Münchener Delegier=
tenverſammlung
zur Beſprechung gelangen. Ein jüngſt
ergangenes Gerichtsurteil, wonach die Klage auf Unter=
laſſung
beſtimmter Behauptungen gegen eine Zeitung als
zuläſſig erachtet wurde, und für den Fall des Zuwider=
handelns
Haftſtrafe angeordnet wird, bot Anlaß zur
Erörterung der Konſequenzen, die eine derartige Ge=
richtspraris
nach ſich ziehen würde. Auch mit dieſem
Thema ſoll ſich die Delegiertenverſammlung beſchäfti=
gen
. Wie ſchließlich noch erwähnt ſei, gab der Vorſitzende
davon Kenntnis, daß die gemeinſchaftlichen Beratungen
mit dem Verein Deutſcher Zeitungsverleger, die ſich be=
ſonders
auf die Gerichtsberichterſtattuna, den Paragraph
193 des Strafgeſetzbuches (Schutz berechtiater Intereſſen),
den Normalvertrag und die Nachdruckverfolgung er=
ſtrecken
ſollen, am 16. Mai in Magdeburg ſtattfinden.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 29. April. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung um 1,25 Uhr. Auf der Tagesordnung
ſteht zunächſt die
Fortſetzung der 2. Leſung des Etatts der
Reichseiſenbahnen.
Die Wiederholung der Abſtimmung über die ſozial=
demokratiſche
Reſolution betr. die Lohnzahlung für Wo=
chenfeiertage
wird bis zum Abſchluß dieſes Etats zurück=
geſtellt
.
Die Beratung beginnt mit der Spezialdebatte.
Eine Reihe von Titeln wird ohne Debatte bewilligt. Beim
Titel Beſoldungen wünſcht der Abg. Dr. Weill (Soz.)
Beſſerſtellung der Schaffner und Hilfsſchaffner. Abg.
Wefner=Hersfeld (Ref.=Part.): Die Lademeiſter be=
klagen
ſich darüber, daß ſie bei der letzten Gehaltsregulie=
rung
übergangen worden ſind. Abg. Rupp=Marburg
(Wirtſch. Vag.): Den Eiſenbahnarbeitern und Handwer=
kern
ſollte die Möglichkeit gegeben werden, in das Beam=
tenverhältnis
hineinzukommen. Die Ausgeſtaltung der
Arbeiteransſchüſſe und eine Erhöhung der Löhne ſollte
für dieſe Kategorien eintreten. Ebenſo muß in Bezug auf
die Lohntarife etwas geſchehen. Bei Titel Unterſtützung
penſionierter Beamter bittet Abgeordnerer Schwa=
bach
(natl.), mehr als bisher für die bedürftigen Pen=
ſionäre
, deren Ruhegehälter hinter 300 Mark zurückblei=
ben
. zu tun und die in dem Titel ausgeſetzten Mittel auch
wirklich aufzubrauchen. Wirklicher Geheimer Oberregie=
rungsrat
Fritſch: Dieſer Titel kann in Zukunft in
Wegfall kommen, da ſich die Verhältniſſe dieſer Penſionäre
infolge der neuen Verſorgungsgeſetzgebung weſentlich
günſtiger geſtalten werden. In dieſem Jahre werden
die Mittel vollſtändig aufgebraucht.
Der Reſt der ordentlichen wie der einmaligen Ausga=
ben
wird bewilligt. Bei den außerordentlichen Ausgaben
wünſcht der Aba. Dr. Schatz (Elſäſſer) den Ausbau der
Strecke Münzthal=Zweibrücken via Mombach, und bittet
um den Bau einer Strecke von Pirmaſens nach Bitſch.
Wirklichen Geheimer Oberreaierungsrat Fritſch be=
dauert
, dem Wunſche nicht Folge geben zu können. Die
Koſten würden ſich zu hoch ſtellen und die Rentabilität
der Bahn wäre zweifelhaft.
Ohne weſentliche Debate wird der Reſt des Etats ſodann
erledigt. Die Petitionen werden gemäß den Anträgen der
Kommiſſion erledigt. Ine Petition des Elſaß=Lothrin=

giſchen Eiſenbahnarbeiterverbandes um Gewährung einer
ſtaffelweiſen Lohnerhöhung uſw., ſowie des Verbandes
Deutſcher Eiſenbahnhandwerker und=Arbeiter um Erhö=
hung
der Löhne und Vermehrung der etatsmäßigen Stei=
en
uſw. werden dem Reichskanzler entgegen dem Kon
miſſionsantrag zur Berückſichtigung überwieſen. Die
Abſtimmung über einen ſozialdemokratiſchen Antrag, die
Petition des Verbandes der Bahnunterhaltungsarbeiter
in Elſaß=Lothringen um eine angemeſſene Lohnerhöhung
und Gewährung eines Erholungsurlaubes für die älte=
ren
Arbeiter dem Reichskanzler ebenfalls zur Berückſichti=
gung
zu überweiſen, bleibt zweifelhaft. Es muß Hammel=
ſprung
vorgenommen werden. Dafür ſtimmen 84, dage
gen 97 Abgeordnete. Das Haus iſt beſchlußun=
fähig
und muß vertagt werden.
Vizepräſident Dove ſetzt die nächſte Sitzung
auf 3½ Uhr an: Etat des Kolonialamtes und der Schutz=
gebiete
. Schluß ¾3 Uhr.
Vizepräſident Dr. Paaſche eröffnet die zweite
Sitzung um 3 Uhr 15 Min. Es gelangt zur Beratung die
erſte Leſung des Etats des Reichskolonial=
amts
.
Abg. Henke (Soz.: In Afrika, ſpeziell in Nord=
afrika
, vollzieht ſich zurzeit eine Aufteilung dieſer Erd=
teile
, das iſt eine Folge der imperialiſtiſchen Politik, na=
mentlich
des Deutſchen Reiches. Das bedeutet aber eine
große Gefährdung des Friedens. Große Maſſen unſerer
Bevölkerung ſind nicht in unſere Kolonien ausgewandert,
das Argument der Uebervölkerung kann angeſichts der
Auswandererzählungen nicht angewandt werden. Unſere
Auswanderer gehen nicht nach Afrika und Aſien, ſondern
nach Amerika. Unſere Tertilinduſtrie erwärmt ſich auch
keineswegs für unſere Kolonien. Mit den Papieren der
Kolonialgeſellſchaft machen die Kapitaliſten gute Geſchäfte
ſie haben darum auch allein ein Intereſſe daran, daß
in die Kolonien, namentlich in Form von Eiſenbahnen,
recht viel Geld geſteckt wird. Um dem Arbeitermangel ab=
zuhelfen
, iſt vor allem ein ausreichender Arbeiterſchutz
nötig, das Chriſtentum allein iſt ein ſchlechter Erſatz für
unzureichende Löhne. Unerhört iſt die Behandlung der
Miſchlingsbevölkerung, beſonders in Südweſtafrika. Hiet
werden Kinder gemiſchter Ehen von allen Einrichtungen
für Weiße zurückgeſtoßen. Bedenken ereat auch die Tätig=
keit
der Miſſionare, die chriſtlichen Miſſionare vertreten
hier meiſt das brutale Syſtem der Herrenmenſchen. Zu
bedenken iſt auchsder unheimlich hohe Alkoholverbrauch.
Nicht durch den Schnapskonſum wird Kultur und Zivili=
ſation
gefördert. Eine derartige Kolonialpolitik können
wir nicht mitmachen.
Abg. Erzberaer (Ztr.): Die Ausführungen des
Vorredners nehmen ſich aus dem Munde, eines Vertreter
der alten Handelsſtadt Bremen ſehr ſonderbar aus. Er
hat die Koloniſierung mit dem neuen ſozialdemokrati
ſchen Schlagwort Imperialismus abgelehnt. Daß ſich zu=
nächſt
die Hoffnungen, die auf die Baumwollkulturen ge
ſetzt wurden, nicht erfüllen, iſt ſelbſtverſtändlich, aber nach
dem ſo großes Kapital in die Baumwollkulturen geſteckt
iſt, kann man doch nicht einfach jede Koloniſierung ableh=
nen
. Auch das Kapital, das beſonders Bremen und Ham=
burg
in den Kolonien inveſtiert haben, darf nicht über=
ſehen
werden. Er lehnte ſie ferner ab, weil in der Kultur
der Kolonien unter deutſcher Herrſchaft keine Fortſchritte
gemacht worden ſeien. Das iſt aber entſchieden falſch
denn unſere Kolonien haben ſich beſſer entwickelt, als die
engliſchen und franzöſiſchen Kolonien. Die Schaffung einer
dritten Inſtanz für die koloniale Rechtſprechung iſt anzu=
ſtreben
. Streng zu verurteilen ſind die Vorwürfe über
das Vorgehen der Miſſionare, ſie handeln nur nach
idealen Zielen und gerade deshalb ſind derartige Vor
würfe umſo ſchwerwiegender. Solche Vorwürfe ſind von
den früheren Kolonialrednern Noske und Ledebour ohne
zwingenden Grund und Beweiſe nicht gemacht worden,
wie man auch von uns anerkennen muß. Die Regelung
des Familienrechts auf den Palauainſeln muß baldiaf
erfolgen und die ſogenannte Hausſklaverei in Oſtafrika
baldigſt beſeitiat werden. Um der Regierung Gelegenheit
zu Uebergangsbeſtimmungen zu geben, bitte ich, die Auf=
hebung
der geſamten Sklaverei zum 1. März 1920
beſchließen. Ein mäßiger Alkoholkonſumriſt durchaus nich
bedenklich, nur der Mißbrauch ſoll bekämpft werden.
Abg. Böhlendorf (konſ.): Das koloniale Wirtſchafts=
leben
hat ſich in den letzten Jahren erheblich gebeſſert
Togo hat unter den letzten Stürmen und der Ueberſchwem=
mung
ſehr gelitten. Die Landungsgelegenheiten und das
Eiſenbahnnetz müſſen in den Kolonien noch ſehr vervoll=
kommnet
werden. Auch die Landſtraßen müſſen ſo herge=
richtet
werden, daß ſie auch von Kraftfahrzeugen befahren
werden können, die den Eiſenbahnen die Fracht herbei
ſchaffen. Die Schutztruppen zu Melidrationsarbeiten her
anzuziehen, iſt für mich unſympathiſch. Für den Ausbau
der Selbſtverwaltung treten auch wir ein. Auch in dem
Neger erblicken wir eine gute Arbeitskraft. Abg. Frhr.
v. Richthofen (natl.): Die Kolonialverwaltung hat
ihre volle Schuldigkeit getan und aute Verhältniſſe in den
Kolonien geſchaffen. Die Arbeiterfrage bereitet eine große
Schwieriakeit, beſonders bei der Baumwollkultur. Die
Neger ſind an und für ſich keine guten Arbeiter und müſſen
erſt durch lange Gewöhnung erzogen werden. Die Baum=
wollkulturen
ſintd ſehr erfolaverſprechend und ſind unſere
Kolonien wohl geeignet, unſere Tertilinduſtrie für die Zu
kunft vom Auslande unabhängig zu machen. Die, Vor=
würfe
des Abg. Henke waren durchaus unrichtig und un=
gerechtfertiat
. Die Miſſionare haben ſich große Verdienſte
um die Koloniſierung erworben.
Hierauf erfolat Vertagung auf Dienstag 1 Uhr
Schluß ½6 Uhr.
* Berlin, 29. April. Dem Reichstage ging ein
Geſetzentwurf betreffend dem Zuſammenſtoß von
Schiffen und Bergung und Hilfeleiſtung in Seenot zu.

Luftfahrt.

* Dresden 28. April. Heute nachmittag ſtiegen
auf der Reizker Flur die ſieben Freiballons
Aberkroon=Mülheim, Windbraut=Breslau, Franke
II‟, Trier, Chemnitz, Krefeld, Leipzig zum Gor=
don
=Bennett=Ausſcheidungsrennen der
Lüſte glatt und ohne Unfall auf. Der erſte Aufſtieg er=
folgte
um 5 Uhr nachmittags. Bereits eine halbe Stunde
vorher war der Ballon Dresden als Pilotballon mit
dem Führer Leutnant Frhr. v. Rochow aufgeſtiegen. Di
Ballons nahmen die Richtung nach Süd=Süd=Weſt. Eine
Landung iſt, günſtiges Wetter vorausgeſetzt, nicht vor
Dienstag oder Mittwoch zu erwarten. Der Pilotballon
Dresden dürfte dagegen vorausſichtlich ſchon Montag
landen.
* Leipzig, 28. April. Das Leipziger Ausſchei
dungsrennen für das Gordon=Bennett=Rennen
verlief bei äußerſt günſtiger Witterung und autem Beſusk

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 30. April 1912.

Nummer 101.

ebenfalls glatt. Es ſtarteten im ganzen ſechs Ballons, und
zwar die Ballons Bromberg, Stuttgart, Nordhau=
ſen
, Münſter, Otto Lilienthal und Osnabrück
Außer Konkurrenz ſtartete der Ballon Graf Zeppelin
Die Ballons ſchlugen die Richtung Süd=Süd=Weſt ein.
Sorau, 29. April. Sonntag mittag um 6 Uhr
unternahm der Flieger Birkmeier auf dem von den
Ingenieuren Ephraim und Colomeo in Görlitz erbauten,
mit einem 70pferdigen Argusmotor ausgeſtatteten
Föhneindecker einen Ueberlandflug von Sorau nach
Görlitz, wo die Landung auf dem Exerzierplatze um 6 Uhr
30 Minuten erfolgte. Der Apparat erreichte eine Höhe von
1000 Metern. Der Apparat wird einige Tage auf dem
hieſigen Exerzierplatz bleiben. Birkmeier wird ſich auch
um den von der Ortsgruppe des Schleſiſchen Vereins für
Luftſchiffahrt ausgeſetzten größeren Geldpreis für einen
Rundflug um Landeskrone bewerben.
Vedrines abgeſtürzt.
* Varis, 29. April. Der Flieger Vedrines,
der heute früh um 5 Uhr in Douai aufſtieg, iſt bei Epinay=
fur
=Seine abgeſtürzt. Er wurde ins Hoſpital zu Lari=
boiſiste
gebracht. Er erlitt einen Schädelbruch.
Zu dem Unfall wird noch gemeldet: Der bekannte
Aviatiker Vedrines hat heute vormittag ſeinen bereits ſeit
einer Woche angekündigten Flug von Douay unternom=
men
, in der Abſicht, Madrid zu erreichen. Er gelangte bis
in die Nähe von Paris. Oberhalb des Städtchens Epinay
verſagte jedoch plötzlich ſein Apparat und ſtürzte ab. Ve=
drines
iſt ſchwer verwundet. Er wurde in das Hoſpital
Lariboiſiére nach Paris gebracht, wo man ſeinen Zuſtand
als verzweifelt anſieht. Vedrines hat nach Feſt=
ſtellung
der Aerzte einen doppelten Bruch des Schädels er=
litten
. Er iſt ſeit ſeinem Sturz bewußtlos.
Die Aerzte halten den Zuſtand Vedrines für
hoffnungslos.
Paris 29. April. Ein Zeuge des Unfalles
Vedrines berichtet: Vedrines wollte wegen eines Mo=
tordefektes
landen, fand aber kein günſtiges Gelände und
lenkte den Apparat auf die Eiſenbahnſchienen zu. In dem=
ſelben
Augenblick kam ein Zug heran, der Apparat wurde
zur Seite geſchleudert und ſo der Sturz herbeigeführt.

* Ein neuer Flug über das Irländiſche
Meer wurde von dem engliſchen Aviatiker Vivian He=
witt
von Holyhead aus ausgeführt. Nach einem Fluge
von 1¾4 Stunden Dauer landete er nach glücklicher Ueber=
querung
des Iriſchen Meeres, wo ſich harte Windſtröme
ungen unangenehm bemerkbar machten, im Königlichen
Garten in Dublin.

Sport.

* Amateurphotographie. Ueber das Abblenden
beim Photographieren leſen wir in Heft 8 der
Photographie für Alle‟ (Berlin S. 61): Wenn man in
der Praxis häufig abblendet, ſo liegt der Grund vielleicht
in dem zu benutzenden Objektiv (Aplanat, Periſkop uſw.)
bei dem die Randſchärfe des Bildes mit größerer Ab=
blendung
zunimmt aber auch bei erſtklaſſigen Objektiven
wird ein Abblenden ſtets notwendig, nicht erwa, um deſ=
ſen
Randſchärfe zu verbeſſern, ſondern dann, wenn für
die betreffenden Aufnahmen eine beſtimmte Tiefe der
Schärfe (Tiefenſchärfe oder Schärfentiefe) verlangt wird.
Man arbeitet nun folgendermaßen: Auf der Mattſcheibe
ermittle man den vorderſten wichtigſten (!) Punkt des auf=
zunehmerden
Gegenſtandes und ſtelle auf dieſen ſcharf
ein; darauf ermittle man den am weiteſten entfernten
wichtigen Punkt und richte dann die Einſtellung auf einen
Punkt, der in der Mitte zwiſchen dieſen beiden liegt. Nun
blende man während des Betrachtens des Bildes auf der
Mattſcheibe ab. und zwar ſo weit, bis man den vorderen
wichtigen Punkt hinreichend ſcharf erhält. Natürlich wird
man nicht mehr abblenden, als notwendig iſt, da ja die
Belichtungszeit mit Verkleinerung der lichtdurchlaſſenden
Oeffnung zunimmt. Nachher rechnet man die Expoſitions=
zeit
an Hand einer durchprobierten Belichtungstabelle aus
und erhält dann ein techniſch richtiges Negativ; ob es
natürlich auch immer ein ſchönes Bild iſt, das iſt eine
andere Frage.

Das Ende der Pariſer Automobilbanditen.

* Paris 28. April. Ueber die Belagerung
der Automobil=Banditen in Chotſy=le=
Roi wird folgende, zumeiſt auf polizeilichen Informa=
tionen
beruhende Darſtellung gegeben: Sicherheitsdirektor
Guichard erhielt geſtern abend verſchiedene Nachrichten,
welche vermuten ließen, daß ein in einen Automobilſchup=
pen
umgewandeltes Häuschen des Anarchiſten Du=
bois
in Choiſy=le=Roi den Automobilbanditen als
Schlupfwinkel diente. Heute morgen begab ſich Sicher=
heitsdirektor
Guichard mit zahlreichen Poliziſten nach
Choiſy=le=Roi. Er ließ das Häuschen Dubois’ umſtellen
und öffnete das Tor des Automobilſchuppens. Dubois
war gerade im Begriffe, ein Motorfahrrad zu beſteigen.
Ein Poliziſt feuerte ſeinen Revolver gegen den An=
archiſten
ab, der mit mehreren Schüſſen erwiderte und den
Polizeiinſpektor Arlon am Arm leicht verwundete, jedoch
ſelbſt unverletzt blieb, obgleich nun auch die anderen
Poliziſten auf ihn feuerten. Sicherheitsdirektor Guichard
befahl ſeinen Leuten, das Feuer einzuſtellen und rief Du=
bois
zu: Die Hände hoch! Gehen Sie hinaus, es wird
Ihnen nichts geſchehen! Dubois hielt ſeinen Revolver
vor und zog ſich in den Hintergrund des Schuppens zu=
rück
, worauf die Poliziſten den Schuppen verließen. In
demſelben Augenblick fielen von dem Balkon des erſten
Stockes mehrere Revolverſchüſſe und zwei Poli=
ziſten
ſtürzten ſchwer verwundet zu Boden. Sofort
verbreitete ſich das Gerücht, daß der Schütze Bonnot ſei.
Guichard ließ um Verſtärkung nach Paris telephönieren.
Bevor dieſe eintraf, eilte eine Anzahl Ortsbewohner
mit Gewehren herbei und richtete gleichzeitig mit den
Poliziſten, indem ſie gleich dieſen hinter Bäumen und
Straßenböſchungen Deckung ſuchten, ein unaufhörliches
Feuer gegen das Haus. Aber auch die Banditen
ſchoſſen unausgeſetzt Revolver ab. Polizeipräſident
pine und Sicherheitsdirektor Guichard und andere Poli=
zeibeamte
ließen das Haus von inzwiſchen eingetroffenen
Poliziſten und Soldaten der republikaniſchen Garde in
weitem Kreiſe umzingeln und Gewehrſalven gegen
das Haus abgeben, welche ſämtliche Fenſterſcheiben zer=
trümerten
, aber die beiden belagerten Banditen nicht hin=
derte
, ihr Feuer fortzuſetzen. Die Kugeln drangen jedoch
nicht weiter als 40 bis 50 Meter.
Die Polizeibeamten beſchloſſen nunmehr, das Haus
in die Luft zu ſprengen. Ein Leutnant der
republikaniſchen Garde näherte ſich durch einen mit Ma=
ſtratzen
beladenen Wagen dem Automobilſchuppen, legte
daſelbſt eine Dynamitpatrone nieder und zog ſich in der=
ſelben
Weiſe zurück. Die Lunte wurde entzündet, aber
die Dynamitpatrone explodierte nicht. Erſt die dritte
Hnapatrone explodierte und ein Teil des Hau=

ſes ſtürzte zuſammen. Bald ſchlugen auch die
Flam men empor. Durch den Wagen gedeckt, rück=
ten
zwölf Poliziſten gegen das Haus vor und drangen
mit vorgehaltenem Revolver, und die Matratzen als Deck=
ung
benützend, ein. In dem Schuppen ſtießen ſie auf die
bereits erkaltete Leiche Dubois, die keinerlei Ver=
wundung
aufwies. Man nimmt an, daß er ſich vergiftet
hat. Im erſten Stockwerk fanden die Poliziſten Bon=
not
mit verwundetem Arm auf dem Boden liegend. Sie
feuerten eine Salve auf ihn ab. Bonnot ſtieß einen Fluch
aus. Er wurde an den Beinen und Armen von Poli=
ziſten
erfaßt und über die Treppe geſchleppt. Er atmete
zwar noch, aber er lag ſichtlich in den letzten Zügen. Sein
Körper trug 12 Schußwunden. Die um das Haus
angeſammelte vieltauſendköpfige Menge ſtürzte vor, um
Bonnot zu lynchen. Aber es gelang den Poliziſten, den
Banditen im Automobil nach dem Spital zu ſchaffen, wo
er eine halbe Stunde ſpäter ſtarb.
Den Belagerungsſzenen hatten zahlreiche Photogra=
phen
beigewohnt, darunter mehrere mit kinematographi=
ſchen
Apparaten. Der Eigentümer des Häuschens iſt ein
als Kathederanarchiſt bekannter Millionär namens Fro=
mentin
, der in Choiſy=le=Roi eine ganze Anarchiſtennie=
derlaſſung
gegründet hatte. Gegenwärtig hält ſich Fro=
mentin
in Marokko auf. Die Nachricht von dem
Ende Bonnots wurde von der Bevölkerung mit leb=
hafter
Genugtuung und dem Gefühl der Erleichterung
aufgenommen. Sxherheitsdirektor Guichard teilte einem
Berichterſtatter mit, er habe, als er die Expedition nach
Choiſy=le=Roi unternahm, nicht geglaubt, dort Bonnot zu
finden, ſondern nur gehofft, daß die Hausſuchung bei
Dubois Anhaltspunkte biete, um den Schlupfwinkel Bon=
nots
ausfindig zu machen. Nunmehr iſt bis auf Garnier
und Vallet die ganze Verbrecherbande unſchädlich ge=
macht
.
* Paris 29. April. In dem Anzug Bonnots
fand man, von ſeiner Hand geſchrieben, eine Art Teſta=
ment
, in dem er mehrere Mitſchuldige, beſonders
Gauzy als unſchuldig hinzuſtellen ſucht und, ohne die
lange Reihe ſeiner Verbrechen zu bedauern, doch durch=
blicken
läßt, daß er in der letzten Zeit hauptſächlich aus
Trotz handelte und, um nicht zurückzuweichen. Die Leiche
Dubois’ deſſen wahrer Name unbekannt iſt, und der
in Rußland geboren ſein ſoll, wies drei Wunden auf, von
denen die eine tödlich war. Bonnot und Dubois ſollen
Gift bei ſich gehabt haben; ſie dürften aber nicht mehr die
Zeit gefunden haben, Gebrauch davon zu machen. Als
Bonnot, zwiſchen Bett und Wand verſteckt, im erſten
Stockwerk gefunden wurde, hatte er vier Revolver bei ſich.
Bei der Abführung ins Krankenhaus fielen mehrere Per=
ſonen
über ihn her, um ihn heftig zu ſchlagen, trotzdem
Polizeibeamte zugegen waren.
* Paris, 29. April. Die Blätter beſchäftigen
ſich heute faſt ausſchließlich mit dem Tode des Ban=
diten
Bonnot und zollen der Polizei lebhafte An=
erkennung
für die Tatkraft und den Mut, die ſie bei der
geſtrigen Belagerung in Choiſy=le=Roi bewieſen haben.
Die Sicherheitsbehörde möge aber nunmehr ihre An=
ſtrengungen
verdoppeln, um auch der anderen Mitglieder
der Banditen, insbeſondere Garniers und Vallets, hab=
haft
zu werden. Es ſei lächerlich und bedenklich, daß die
Verbrechen der Autobanditen die Einbildungskraft der
ganzen Bevölkerung faſt ausſchließlich beſchäftigen könn=
ten
. Einzelne Blätter verlangen entſchiedene Maßregeln
gegen die Anarchiſten. Die Sicherheitsbehörde beſchloß,
im Verein mit den Militärbehörden, von nun an gegen
die militäriſchen Flüchtlinge, deren Zahl in den letzten
Jahren ſtändig zugenommen hätte, ſtrenger als bisher
vorzugehen und namentlich deren ſtändige polizeiliche
Ueberwachung durchzuführen. Die in der Angelegenheit
der Autobanditen eingeleitete Unterſuchung hat nämlich
ergeben, daß die Mehrzahl dieſer Verbrecher ſich ihrer
Militärpflicht entzogen hatte.
H.B. Paris 29. April. Den letzten Feſtſtellungen
zufolge iſt es unrichtig, daß Dubois und Bonnot=
ihrem
Leben durch Selbſtmord ein Ende bereitet
haben. Dubois wurde zwar mit einem Revolver in der
Hand und einem Finger am Abzugshahn aufgefunden,
ohne daß die Waffe ſich aber entladen hatte. Bonnot
wurde bekanntlich im Beſitze von Gift gefunden; er hatte
jedoch keine Zeit gehabt. es hinunterzuſchlucken. Die Uhr
Bonnots war um 11 Uhr 53 Minuten ſtehen geblieben
in dem Augenblick, als die Bomben ervlodierten. In den
Taſchen Bonnots wurden 750 Franken, eine Karte für
Automobile in Frankreich und eine Anleitung für den
Gebrauch von Mineralgift gefunden.
H.B. Paris 29. April. Leutnant von Fontan,
welcher die Dynamitbomben gegen die Garage zur Ent=
zündung
brachte, in der ſich die Automobilbandi=
ten
verborgen hielten. und dabei ſein Leben auf das
Spiel ſetzte, iſt für das Kreuz der Ehrenlegion vorge=
ſchlagen
worden. Die beiden Fuhrleute, ſowie mehrere
Polizeibeamte werden eine Ehrenmedaille erhalten.

Handel und Verkehr.

Patentanmeldungen: G. 34900. Vor=
richtung
zum ſelbſttätigen Ausgleichen der beim Auf=
oder
Abwickeln von Papier= oder Stoffbahnen zwiſchen
Stofführungs= oder Arbeitsorganen und Wickelſtab in
der Stoffbahn auftretenden Spannungsunterſchiede.
Jean Goebel, Darmſtadt, Griesheimer Weg 25. M. 45957.
Verfahren zur Darſtellung von Verbindungen aus Chinin
und Dialkylbarbiturſäuren. Fa. E. Merck, Darmſtadt.
Gebrauchsmuſter=Eintragungen. 503 386.
Kühlanlage. Julius Bauer, Biebrich a. Rh. 503 387.
Kühlanlage. Julius Bauer, Biebrich a. Rh. 503 924.
Kurze Tabakspfeife. Theodor Reuter, Darmſtadt, Lan=
tenſchlägerſtraße
36. 504 949. Regelungsvorrichtung
für Koch= und Heizapparate. Erſte Darmſtädter Herd=
fabrik
und Eiſengießerei Gebrüder Roeder, Darmſtadt.
* Berlin, 29. April. In der heutigen Sitzung des
Zentralausſchuſſes der Deutſchen Reichsbank gab
Präſident v. Havenſtein im Anſchluß an die Verleſung des
Status vom 23. April die Veränderungen bis 25. April be=
kannt
. Darnach haben in dieſer Zeit die Anlagen um
Millionen gegen 2 Millionen Mark im Vorjahre abgenom=
men
. Der Metallbeſtand nahm 18 Millionen zu gegen 21
Millionen im Vorjahre. Der Betrag an ungedeckten Noten
belief ſich am 25. April auf 226 Millionen gegen 225 Mil=
lionen
im Vorjahre. Die Erleichterung des Status machte
in der dritten Aprilwoche Fortſchritte. Auch am offenen
Geldmarkte iſt eine Beſſerung eingetreten; ob die von
Dauer iſt, iſt indeſſen nicht erkennbar. Die Deviſenkurſe
ſtänden noch hoch, die Anlagen der Reichsbank wechſeln.
Lombards ſeien noch 150 Millionen höher als in der
gleichen Zeit des Vorjahres. Aus dieſem Grunde, ſowie
wegen der Nähe des Ultimos könne eine Diskontermäßigung
ung noch nicht in Vorſchlag gebracht werden. Der hohe
Stand der fremden Gelder habe zum Teil darin ſeinen
Grund, daß in außergewöhnlich hohem Maße öffentliche
Gelder darin enthalten ſeien. Die Goldeinfuhr habe im
Jahre 1912 bis zum 27. April 77,3 Millionen betragen, die

Ausfuhr 47,7 Der Ueberſchuß zugunſten der Einfuhr be=
trage
demnach 29,6 Millionen. Die Reichsbank erhielt von
der Einfuhr 65 Millionen, davon wurden wieder abge=
geben
35 Millionen.

Stimmen aus dem Publikum.

(ür die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Rebakties
leinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Zur Darmſtädter Kinematographenfrage,
In der Sitzung des Preußiſchen Abgeordnetenhauſes
vom 26. April beantwortete der Miniſter ds Innern von
Dallwitz den Wunſch eines Abgeordneten mit den Wor=
ten
: Das Verlangen, die Kinematographentheater einer
Konzeſſionspflicht zu unterſtellen, kann als berechtigt an=
erkannt
werden. Es ſchweben darüber Verhandlungen!
Dieſe Aeußerung läßt erwarten, daß unſeren Polizeibe=
hörden
wirkſamere Schutzmittel gegen das Kinounweſen
in die Hand gegeben werden. Möchte es nur bald ge=
ſchehen
! Seitens des Vorſtandes des Vereins für Ver=
breitung
von Volksbildung zu Darmſtadt und der Darm=
ſtädter
Kommiſſion zur Hebung des Kinomatographen=
weſens
erfolgte unterm 28. März eine Eingabe an das
Großh. Miniſterium des Innern zu Darmſtadt mit der
Bitte, dahingehende Vorſchläge prüfen zu wollen und
gegebenenfalls ſeinen ganzen Einfluß zur eventuellen
Aenderung reichsgeſetzlicher Beſtimmungen durch Ver=
mittelung
des Bundesratsbevollmächtigten geltend zu
machen. In der Eingabe iſt u. a. ausgeſprochen: Die
Gefahren der Kinos werden von der Schule, dem Eltern=
haus
und den Freunden einer geſunden Volksbildung
laut beklagt. Den Polizeiorganen gelingt es nicht, jene
Senſationsſtücke von der Schaubühne und aus den Vor=
hallen
fernzuhalten, die die unwahren, für den Sinnen=
reiz
erdichteten Vorgänge glanzvoll darſtellen und gerade
für die Jugend eine ſo verlockende, ſittliche Gefahren
bergende Wirkung äußern. Wir anerkennen und ſchätzen
gerne die Erfindung der Kinematographen als bedeut=
ungsvoll
für wiſſenſchaftliche und künſtleriſche Darſtel=
lungen
, und auch wertvoll zur Belehrung für die Jugend
und für Volkskreiſe aller Art. Die Kinematographen=
theater
der Gegenwart aber erklären wir nach der Art und
Zahl, wie ſie in Darmſtadt und den Nachbarſtädten ſich
auftun, als unſer Volkstum ſchädigende Auswüchſe, die
einer ebenſo ernſten Bekämpfung bedürfen, wie die
Schundliteratur. Auf Koſten edlerer Unterhaltungs= und
Bildungsbedürfniſſe, auf Koſten des Konzertſaales und
des Theaters wird der Sinn Tauſender abgeſtumpft
unter der Loſung: Senſation! Ins Kino! Und die
Mittel zu dieſen Genüſſen dürften von manchem jungen
Menſchen auf recht bedenklichem Wege erworben werden!
Da die bisher geltende Beſtimmung: Kinderbeſuch iſt
nur in Begleitung Erwachſener geſtattet mit allen mög=
lichen
Tricks umgangen wird, ſind verſchärfte ortspoli=
zeiliche
und ſtaatliche Geſetzesbeſtimmungen dringend ge=
boten
. Sie könnten lauten:
1. Schüler und Schülerinnen dürfen Kinematogra=
phentheater
auch in Begleitung Erwachſener nur dann
beſuchen, wenn die Veranſtaltung als Schülerveranſtalt=
ung
öffentlich, beſonders auch an den Eingängen. bekannt=
gegeben
iſt. Die Films zu den betreffenden Vorſtel=
lungen
müſſen vorher ortspolizeilich oder durch eiſe
beſondere Kommiſſion geprüft ſein. Dieſe Organe he=
ſtimmen
auch, in welchem Lokal und wie oft ſich ſolche
Vorſtellungen wiederholen ſollen.
2. Die Eröffnung eines Kino=Theaters unterſteht=
ſtaatlicher
Konzeſſion.
Angeſichts der Tatſache, daß in der Stadt Darmſtadt
in jüngſter Zeit das vierte Kinotheater eröffnet wurde,
ja, daß bereits das fünfte und ſechſte in Sicht ſein ſollen,
erſcheint uns ein Geſetzesvaragravh betr. Staatliche
Konzeſſion durchaus notwendig, als wirkſamſtes Schutz=
und Abwehrmittel gegen weiteres Umſichareifen neuzekt=
licher
Jugend= und Volksſchädigungen. Die Eingabe iſt=
unterzeichnet
von dem Vorſtand des Vereins für Ver=
breitung
von Volksbilduna und der Darmſtädter Kom=
miſſion
zur Hebung des Kinematographenweſens.

Mit Genugtuung iſt es zu begrüßen, daß endlich
einmal in Ihrer Nummer 99 vom 27. April unter der Ru=
brik
: Stimmen aus dem Publikum die Notlage der Haus=
beſitzer
angeſchnitten wurde. Ob es Tatſache iſt, wie dort=
geſagt
wird, daß eine auswärtige G. m. b. H. bereits über
100 Anweſen auf geſetzlichem Wege an ſich gebracht hat,
entzieht ſich meiner Beurteilung, das aber weiß ich, daß=
es
viele Hausbeſitzer gibt, die ſich in Geldnot befinden und
denen mit Gewährung einer zweiten Hypothek geholfen
wäre. Warum nun kann man keine ſolche erhalten? Viele
glauben, es ſei kein Geld vorhanden, dies iſt aber m. E.
nicht der Fall, der Grund iſt wohl vielmehr darin zu ſuchen,
daß viele reiche Leute ſich lieber Papiere als Hypotheken=
anſchaffen
, weil ſie mit erſteren weniger Umſtände haben
und weil ſie auch nicht direkt mit den Darlehnſuchenden in
Verbindung treten wollen. Die vor einiger Zeit durch die
Stadt angereate Vermittelungsſtelle bei der Sparkaſſe hatte
wohl deshalb keinen Erfolg aufzuweiſen, da das Haupt=
übel
damit nicht beſeitigt war. Warum verſucht es die
Stadt nicht, ein Inſtitut in ähnlicher Weiſe wie die für
erſte Hypotheken beſtehende Landeshypothekenbank zu
gründen? Bei Ausgabe von Anteilſcheinen, zu 4¼ Pro=
zent
verzinsbar, würde der Stadt genügend Kapital zu=
dieſem
Zwecke zufließen. Jeder, der eine zweite Hypothek=
ſucht
, gibt gern 5 Prozent Zinſen, eventuell noch einen
kleinen Betrag für Geldbeſchaffungskoſten, und wie viele
Eriſtenzen könnten durch eine ſolch ſegensreiche Einrichtung
gerettet werden. Möchten dieſe Zeilen dazu beitragen, daß
einflußreiche Leute ſich mit dieſer Sache befaſſen.
Wer in den letzten Tagen Gelegenheit hatte, ſich den
Betrieb im neuen Bahnhof während der Nachtzeit an=
zuſehen
, der mußte entzückt ſein von dem Flammenmeer
von Lichtern. mit welchen die Breite Allee und der Bahn=
hofsplatz
beleuchtet war. Umſo ſtiefmütterlicher iſt dagegen
der Griesheimer Weg bedacht, denn hier iſt gegen
früher rein gar nichts geſchehen. Nun ſoll ſich aber über=
dieſen
Weg ein großer Teil des Geſamt=Verkehrs ab=
wickeln
und für die nächſte Zeit für die Durchgangs=
Paſſage nach und von dem Odenwald den kürzeſten Verbin=
dungsweg
bilden. Hat ſich denn die Stadtverwaltung dieſe
ungenügende und troſtloſe Beleuchtung nicht ſchon längſt
einmal angeſehen? Für Frauen und Kinder iſt es während
der Nachtzeit geradezu unheimlich, den Griesheimer Weg zu
paſſieren, und jeder Fremde wird ſich dafür bedanken, im
Dunkeln herum zu tappen, um die Geſchäftsleute im=
unteren
Stadtviertel aufeuſuchen. Hoffen wir, daß bald,
recht bald, eine beſſere Beleuchtung des Griesheimer Wegs
erfolgt.
X. T.

Keine Nacht vergeht, ohne daß die Bewohner der
Dieburger= und oberen Liebfrauenſtraße durch anhalten=
des
Hunde geheul und=Bellen, wie durch ſonſtigen ruhe=
ſtörenden
Lärm ſeitens der Paſſanten vor und nach

[ ][  ][ ]

Nummer 101.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 30. April 1912.

Seite 7.

Mitternacht im Schlafe geſtört werden. Einſender dieſes
beobachtet dies nun ſchon längere Zeit und wartet auf
polizeiliche Hilfe. Bisher leider vergeblich.

Zum Untergang der Titauic.

* London, 29. April. Die überlebende
Mannſchaft der Titanic wurde geſtern nach
ihrer Ankunft in Plymouth von Beamten der White Star
Line und des Handelsamts in Empfang genommen. Je=
der
Verkehr mit dem Publikum war abgeſperrt. Es wa=
ren
Anſtalten getroffen, die Leute in den Docks unterzu=
bringen
, wo die Warteſäle zu Speiſe= und Schlafräumen
für ſie hergerichtet waren. Die Beamten der Gewerkſchaft
der Seeleute proteſtierten telegraphiſch beim Handelsamt
gegen die zwangsweiſe Zurückhaltung der Leute. Der
Vertreter des Handelsamts erklärte, daß die Leute nur ſo
lange zurückbleiben müßten, bis ihre Vernehmung über
den Untergang der Titanic beendet ſei. Das Verhör
wurde nach Möglichkeit beſchleunigt und der größte Teil
der Leute am Abend mit Extrazug nach ihrer Heimat
Southampton befördert. Bei der Abfahrt wurde die
Summe von 300 Pfund Sterling, die von Amerika tele=
graphiſch
angewieſen war, unter die Mannſchaft verteilt.
Einer der Leute ſagte aus, daß der Direktor der White
Star Line, Bruce Ismay, tatſächlich mitgeholfen habe,
Frauen in die Boote zu bringen, und daß er erſt im letz=
ten
Augenblick in ein Boot geſtiegen ſei, in dem ſich faſt
nur Frauen befanden, um beim Rudern zu helfen.

Der italieniſch=türkiſche Krieg.

Rom, 29. April. Die Agenzia Stefani meldet aus
Konſtantinopel: Trebizonde und Samſum am
Schwarzen Meere werden befeſtigt. Die Nachricht, italie=
niſche
Kriegsſchiffe hätten ſich vor der Inſel Chios ge=
zeigt
, iſt unbegründet.
* Konſtantinopel, 28. April. Nach einer län=
geren
Beſprechung faßte der Miniſterrat über die Oeff
nung der Dardanellen für die Schiffahrt noch kei=
nen
Entſchluß. Es wird verſichert, daß der Miniſterrat
der Anſicht iſt, daß eine Oeffnung der Dardanellen ſo
lange unmöglich iſt. als die Gefahr eines Angriffes auf
die Dardanellen beſteht.

Marokko.

* Paris, 29. April. Der Sonderberichterſtatter des
Matin meldet aus Fez vom 25. April: Man kann noch
immer nicht ſagen, daß jede Gefahr beſeitigt iſt. Die haß=
erfüllten
Geſichter der Eingeborenen ſind dafür ein ſehr
beredter Beweis. In der vorigen Nacht wurde gegen einen
franzöſiſchen Wachtpoſten auf offener Straße ein Gewehr=
ſchuß
abgefeuert. Gegenwärtig iſt man hauptſächlich da=
mit
beſchäftigt, den Bewohnern ihre Waffen abzunehmen.
Wie groß die Waffenvorräte der Eingeborenen ſind, geht
aus der Tatſache hervor, daß in einzelnen von den 18
Stadtvierteln von Fez tauſende von Gewehren gefunden
wurden. Die ausgeplünderten und ausgebrannten Häuſer
der Hauptſtraßen des Judenviertels wurden mittels Mili=
nit
demoliert, um den Schutt raſcher fortſchaffen zu kön=
nen
. Man wird die Gelegenheit benützen. um die Straßen
im Intereſſe der öffentlichen Geſundheit breiter anzulegen.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 29. April. In der Aufſichtsrats=
ſitzung
der Deutſchen Kolonialgeſellſchaft
für Südweſtafrika legte der Vorſtand den mit dem
Reichskolonialamt gemeinſam aufgeſtellten Entwurf zur
Vereinbarung zwiſchen dem Reichskolonialamt und der
Deutſchen Kolonialgeſellſchaft über die Abänderung der
Diamantenabgaben vor. Der Aufſichtsrat beſchloß, die
Vereinbarung in der zum 15. Mai einzuberufenden Gene=
ralverſammlung
der Geſellſchafter zur Verhandlung und
Beſchlußfaſſung zu ſtellen und zu befürworten. Der Ver=
einbarung
liegt die durch die Verhandlungen der Budget=
kommiſſion
bekannt gewordene Denkſchrift des Reichs=
kolonialamtes
über die Diamantenſteuer zugrunde.
* Köln, 29. April. Die Kölniſche Zeitung meldet:
Der Gouverneur von Oſtafrika Freiherr v. Rechenberg,
wurde auf ſeinen Antrag unter Verleihung des Roten
Adlerordens 2. Klaſſe zur Dispoſition geſtellt.
* Köln, 29. April. Eine Vertreterverſammlung der
Bonner Studentenſchaft beſchloß, einen Aufruf
ſan ſämtliche deutſchen Hochſchulen zu erlaſſen, den dies=
jährigen
Bismarck=Fackelzug fallen zu laſſen, den ſonſt da=
für
verwendeten Betrag für eine nationale Flug=
ſpende
zu ſtiften.
* Ludwigsburg, 29. April. Geſtern abend wurde in
Markgröningen der 22 Jahre alte Karl Dillmann von dem
18jährigen Paul Wild erſchoſſen. Dillmann hatte
vier Schüſſe erhalten und war ſofort tot. Der Grund ſoll
in Familienzwiſtigkeiten zu ſuchen ſein.
* Duisburg=Ruhrort, 29. April. Die Rheinſchiffer,
welche Lohnerhöhung und Regelung der Ueber=, Nacht=
und Sonntagsarbeit fordern, ſind geſtern nachmittag bei
denjenigen Firmen, die die Forderungen nicht anerkannt
haben, in den Ausſtand getreten. In Mitleiden=
ſchaft
gezogen ſind neun oberrheiniſche und 39 nieder=
rheiniſche
Firmen. Zwiſchen Ruhrort und Mannheim liegt
eine große Anzahl Schleppkähne ſtill. Ein Teil der Lohn=
forderungen
iſt vorher bewilligt worden.
Zuffenhauſen, 29. April. Heute nachmittag kurz nach
1 Uhr brach in der Kunſtbaumwollefabrik Horkheimer
Großfeuer aus, dem in kurzer Zeit das alte Fabrikge=
bäude
zum Opfer fiel. Auch der neue große Flügelanbau
wurde vom Feuer ergriffen. Infolge des ſtarken Windes
ſind auch die Nachbargebäude gefährdet.
* Fürſtenberg a. d. O., 29. April. Nach einer
Meldung des Kreisanzeigers ſank geſtern nacht im Oder=
Spreekanal dicht vor der Mündung der mit Kies beladene
Kahn des Eigners Gieſe aus Plaue an der Havel. Es
ertranken der Bootsmann Kuchl und ſeine Frau aus
Knoblauch bei Plaue, die in der vorderen Kajüte ſchliefen.
Der Schiffseigners befand ſich zur Zeit des Untergangs
nicht an Bord. Der Grund des Sinkens iſt nicht klar.
* Prag, 29. April. Die Landesparteivertretung der
tſchechiſchen nationalſozialen Partei beſchloß
geſtern die Zurückziehung ihrer Vertreter aus der national=
politiſchen
Ausgleichskommiſſion nachdem kürz=
lich
auch die tſchechiſche ſtaatsrechtliche Partei ihre Vertreter
aus dieſer Kommiſſion zurückgezogen hatte Dadurch ſind
die Ausgleichsverhandlungen erſchüttert,
da die nationalſoziale Partei unter den Wählern den
größten Anhang hatte und die übrigen tſchechiſchen Par=
teien
daher nicht gegen ſie aufkommen können.
* Konſtantinopel, 29. April. Der Miniſterrat wies
23 000 Francs für die Opfer des Brandes in Da=
Maslus Wa

Oklahoma, 29. April. Bei dem Tornado
in Oklahoma und Nordtexas ſind achtzig Perſonen umge=
kommen
, hundert verletzt worden.

Berlin, 29. April. Der Berliner Lokalanzeiger mel=
bet
: Die Ausſtellung Die Frau in Haus und
Beruf ergab einen Ueberſchuß von etwa 160000
Mark.
H. B. Berlin, 29. April. Die heutige Verhandlung
in dem Prozeß der Witwe Hermann gegen
den Fiskus endete mit der Verurteilung des Fiskus.
Der Anſpruch der Witwe Hermann und ihrer minder=
jährigen
Kinder iſt zunächſt nur von der Zivilkammer dem
Grunde nach für gerechtfertigt erachtet worden. Ueber die
Höhe der Rente wird in einem beſonderen Verfahren ent=
ſchieden
werden. In der Klage wurden 30 Mark monat=
lich
gefordert.
H. B. Innsbruck, 29. April. Eine Innsbrucker
Touriſten=Geſellſchaft beſtehend aus 7 Perſonen,
darunter zwei Damen, beſtieg geſtern die Mandelſpitze an
der Nordkette. Die Geſellſchaft war ordnungsgemäß an=
geſeilt
. Auf der Spitze beobachtete ſie das Spiel der Gem=
ſen
im Glerſch=Tal. Plötzlich brach die Schneedecke,
auf der ſie ſtanden und die einen Abgrund überragte, in
ihrer ganzen Länge unter dem Gewicht der ſieben Perſonen
und Alle ſtürzten 200 Meter tief ab in die Arzlerſcherte und
wurden ſchwer verletzt. Einer der Abgeſtürzten iſt heute
früh ſeinen Verletzungen erlegen, ein zweiter ſchwebt in
Lebensgefahr.

Briefkaſten.

C. Th. Wir haben Ihre ſchöne Deutung der Bildwerke
in gleicher ſcherzhafter Weiſe auch ſchon vernommen.
Erkundigungen an maßgebender Stelle haben aber
ergeben, daß doch der Profeſſor, nicht das rode Berſch’che‟
mit ſeiner Anſicht im Recht iſt. Wir wollen die Gegen=
ſätze
nicht verſchärfen.
Ausland. Zu 1. Das zweckmäßigſte Reiſepapier iſt
in dieſem Falle ein Reiſepaß, der vom Polizeiamt aus=
geſtellt
wird, wenn der Betreffende hier wohnt. Zu 2.
Solange der Betreffende noch nicht großjährig iſt, wird
wohl die Einwilligung der Eltern oder des Vormundes
verlangt werden. Zu 3. Militärpapiere kommen nicht
in Betracht, da der Betreffende mit 19 Jahren noch nicht
S.
geſtellungspflichtig iſt.

Hinderglück
doppeltes Elternglück!
Das haben wir ſo recht erfahren, nachdem unſer
Töchterchen Lotte Scotts Emulſion mit ſo über=
raſchend
gutem Erfolg genommen hat. Die Kleine,
die mit einem ſehr geringen Gewicht, als ſehr zartes
Geſchöpfchen zur Welt kam, erhielt das Präparat vom
dritten Lebensmonat ab und hat ſich daraufhin aus=
nehmend
ſchnell gekräftigt. Jetzt iſt die Kleine 13
Monate alt, läuft nicht nur allein und ganz ſicher
herum, ſondern iſt ſogar imſtande, ihren Spielwagen,
ſowie ihren eigenen Kinderwagen ſelbſt zu fahren. An
Gewicht hat das Kind ſtändig zugenommen und bekam
die erſten zwei Zähnchen, ohne daß wir etwas davon
merkten. Auch die geiſtigen Fähigkeiten der Kleinen
haben ſich ſo entwickelt, daß jedermann darüber ſtaunt.
Mitteilung von Herrn und Frau Schleeſe, Poſtbeamter, Berlin
N. 54, Ackerſtraße 167, I., den 25. Januar 1911.
Botts Eillaidioh
Beim Einkauf verlange man ausdrücklich Scotts Emulſion.
Es iſt die Marke Scott welche, ſeit über 30 Jahren ein=
geführt
, für die Güte und Wirkung bürgt.
Scotts Emulſion wird von uns ausſchließlich im großen derkauft, C
und zwar nie loſe nach Gewicht oder Maß. ſondern nur in verſiegelten
Originalflaſchen in Karton mit unſerer Schutzmarke (Fiſcher mit dem
Dorſch). Scott & Bowne, G. m. b. H., Frankfurt a. M.
Beſtandteile: Feinſter Medizinal=Lebertran 150,0, prima Glyzerin
50,0, unterphosphorigſaurer Kalk 4,3, unterphosphorigſaures Natron 2.0,
pulv. Tragant 3.0, feinſter arab. Gummi pulv. 2,0, Waſſer 129,0, Alkohol
11.0. Hierzu aromatiſche Emulſion mit Zimt=, Mandel= und Gaultheriaöl
je 2 Tropfen.

Angeſichts der Verteuerung der meiſten Genußmittel
(9606)f
iſt auf die Billigkeit von
G
SAR0R0 4.5
beſonders hinzuweiſen. Dieſe fachgemäße Miſchung vor=
zugsweiſe
britiſcheindiſcher Tees ſteht qualitativ ſo hoch,
daß ſie den weitgehendſten Anſprüchen zu genügen ver=
mag
. Dabei ſtellt ſich infolge der außergewöhnlichen
Ausgiebigkeit eine Taſſe Sana=Ho Tee auf kaum
über 1 Pfg. Moklz LANDAU, Fernſprecher 116.

Aus dem Geſchäftsl ben.

Die Seife eine deutſche Erfindung!
Obwohl der römiſche Schriftſteller Plinius die Seife
er nennt ſie sapo‟ als Erfindung der Gallier, alſo der
Vorfahren der Franzoſen bezeichnet, kann doch an der
Hand der Sprachforſchung feſtgeſtellt werden, daß dies
nicht der Fall iſt. Das lateiniſche Wort Sapo des
Plinius nämlich iſt, ebenſo wie ſeine Ableitungen, das
franzöſiſche savon und das italieniſche Sapone‟
nichts als das alte germaniſche saipo‟ Demnach
dürften unſere Vorfahren als die eigentlichen Er=
finder
der Seiſe zu betrachten ſein. Die Römer kannten
die Seife nicht. Deutſchland aber iſt nicht nur das
Vaterland und die Heimat der Seife, dieſes wichtigen
und wertvollen Kulturmittels, ſondern auch das Land,
wo die beſte und billigſte Seife hergeſtellt wird, wofür
z. B. eine Waſch und Haus=Seife, wie die bekannte und
weitverbreitete Flammers Seife den ſchönſten Be=
weis
liefert.
Die räumliche Beſchränktheit mancher Wohnungen
macht ſich am unangenehmſten fühlbar bei irgend
welcher Aenderung oder Ausbeſſerung auch nur eines
Zimmers. Muß man ein Zimmer, wie z. B. bei ge=
wöhnlichem
Anſtrich des Fußbodens, tagelang leer
ſtehen laſſen, ſo veranlaßt dies große Ungemütlichkeit,
die durch den Geruch des Oelfarbenanſtrichs nicht ver=
mindert
wird. Der von Franz Chriſtoph in
Berlin fabrizierte Fußboden=Glanzlack be=
ſeitigt
dieſe Unannehmlichkeiten, da er während des
Streichens nicht nur ſofort trocknet, ſondern auch
abſolut geruchlos iſt. Man kann alſo jedes damit ge=
ſtrichene
Zimmer ſofort wieder benutzen, ohne durch
irgend welchen Geruch oder Klebrigkeit des Bodens be=
läſtigt
zu werden. Zu haben iſt dieſes Fabrikat in jeder
größeren Stadt Deutſchlands.

Kein Haarausfall mehr,

Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme
bei dem uns betroffenen ſchweren Verluſte ſagen
wir hiermit Allen herzlichen Dank.
(B10133

nachdem erwieſen iſt, daß die
Kräuterauszüge in dem welt=
bekannten
Haarpflegemittel
Javol das Haar meiſt in ſeiner
natürlichen Farbe bis ins
ſpäte Alter hinein zu erhalten
vermögen. Zwecklos iſt es
allerdings, mit der Pflege erſt
bei ausgebildeter Glatze zu be=
ginnen
. Wer klug iſt, beugt vor und pflegt ſein Haar
rechtzeitig mit Javol ſonſt iſt bei den Schädigungen
unſerer heutigen Lebensweiſe die Glatze bei jedem Manne
unausbleiblich. Javol wird nur in Originalflaſchen
zu 2 Mark und in Doppelflaſchen zu 3,50 Mark ver=
kauft
. Es wird fetthaltig für trockenes, ſprödes und fett=
frei
für fettreiches Haar hergeſtellt. Ueberall zu haben.
Kolberger Anſtalten für Exterikultur, Oſtſeebad Kolberg.

aarfärben mit Henné. Spezialt
Friseur Müller
Wilhelminenpl. 2, a. d. kath. Kirche. Tel. 1466,
Kopfwaschen 1. mit Ondulieren 1.50,
auch Sonntags von 912 Uhr.
(6584a.

Dankſagung.

Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Elisabethe Volz,
geb. Mohl.
Darmſtadt, den 29. April 1912.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meiner unvergeßlichen Frau
und unſerer Mutter
(10139
Frau Philippine Schäfer
ſagen wir Allen, insbeſondere Herrn Pfarrer
Böhringer, ſowie für die liebevolle Pflege der Ge=
meindeſchweſtern
und die zahlreichen Blumen=
ſpenden
, unſeren innigſten Dank.

ie trauernden Hinterbliebenen.

Darmſtadt, den 30. April 1912.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe inniger Anteilnahme
bei dem ſchweren Verluſt unſerer lieben, unver=
geßlichen

(10070

Liesel

ſagen herzlichen Dank
die trauernden Hinterbliebenen:
Cornelius Guntrum, Großh. Forſtmeiſter.

Heppenheim a. d. B., 28. April 1912.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Im Nordweſten liegt hoher Druck, der nach Südoſten
zu langſam abnimmt. Ueber dem Mittelmeer lagert eine
ſtarke Zyklone. Infolge dieſer Luftdruckverteilung wehen
bei uns kühle nordöſtliche Winde. Die Morgen=
temperaturen
liegen in Deutſchland zwiſchen 50 und 80
in höheren Lagen trat vielfach Nachtfroſt ein. Es ſteht
nur wenig Aenderung des Wetters in Ausſicht.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 30. April:
Wechſelnd bewölkt, vorwiegend trocken, kühl, in höheren
Lagen Nachtfroſt.

Tageskalender.

Hoftheater, Anfang 7½ Uhr (Außer Abonnement):
Das Rheingold‟
Hauptverſammlung des Evangeliſchen Bundes um
8½ Uhr im Reſtaurant Kaiſerſaal
Hauptverſammlung des Steinkohlenbezugsvereins
Merkur um 9½ Uhr im Perkeo
Konzerte: Hotel Heß und Bürgerkeller um 8 Uhr.
Ausſtellung von Marmortransparenten
im Ausſtellungsgebäude auf der Mathildenhöhe ( ge=
öffnet
von 106 Uhr).

Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 1. Mai.

Hofreite=Verſteigerung des Georg Diehl (Große
Vachgaſſe) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Mobiliar=ꝛc. Verſteigerung um 9 Uhr Hügelſtr. 29.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 11 Uhr Runde=
turmſtraße
16.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 3 Uhr in der
Ludwigshalle‟

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Olto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Gebrüder Unger’s


VSae
25c
)

A e en

Wir veranstalten in diesem Jahre zum ersten Male eine Weisse Woche und bieten damit unserer werten
Kundschaft riesige Vorteile. Die Ausarbeitung dieses Angebots ist schon seit Wochen auf das sorgfältigste
vorbereitet und haben wir grosse Posten Waren dazu eingekauft, teils aus unserem Lager genommen.

Der Verkauf beginnt morgen Mittwoch, den I. Mai, vorm. 8 Uhr.

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Damen-Nachtjacken
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Stickerei und Fältchen
Damen-Nachtjacken
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III

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Grösse 35 40 45 50 55 60 65 70

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80

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Gr. 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75

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Kinder-Kleidcßen

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Mull-Einsatz, verziert mit rosa und hellblau
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Banddurchzug . . .

Creme Trag-Röckchen

45 cm, aus la Panamastoffen, mit creme,
rosa und hellblau gestickt, 2.45, 1.88

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mit breiter Stickerei und reichen Stickerei-
Einsätzen, mit rosa und hellblauen Unter-
1agen . . . . . . . . 4.50, 3.65,

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Weisse u. creme Jauf-
u
. Fragkleidchen

Kinder-Nacktkleidchen

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Stickerei-Taufkleidchen
mit Einsätzen und reicher Stickerei ver-
ziert
, mit rosa u. hellblau Banddurchzug
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Nummer 101.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 30. April 1912.

Seite 9.

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Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 30. April 1912.

Nummer 101.

Fahrplan der elektriſchen Straßenbahn Darmſtadt.

Die Alachtzeitenp. Labende bis hal frihſind.
Unterſtreichung der Minutenziffer gekennzeichnet.

Gültig vom 1. Mai 1912.
I. Böllenfalltor-Ernſt=Ludwigsplatz-Hauptbahnhof (Signalfarbe weiß).

Ausfahrende Wagen aller Uinen
Hac bit tzlö tzet hen hes go0 gen Git gs 61 6i5
554 620 625 627 632 654 636 638 610 644 647 651

alle
Min.
bi

1000 1012
1018

122 an

Ge e his den gau gl 6cd gr gio gt gtr 61 6o po
600 616 631 633 638 640 642 644 646 650 658 657 705
607 623 638 645 640 653 657 700 704 712 719

Min

11mn
ab
alle
ſr 12 Min. 115s 11a
1015
11,
1285 122 an

II. Landskronſtraße

Böllenfalltor
Wagenhalle
Herdweg

Herdweg
Ernſt=Ludwigsplatz
Hauptbahnhof

an

Gen

an 615 68s 6
ab 607 620 651 706

alle
Min.
bis

101s
1006

Enfahrende Mgen allr Linien
Uig 11ig 194 1125 115
111 11m 1125 11m 1120 11M 122.

Eit 6o ris
an br
601 615 625 645 635 70
Fab 608 623
653

alle
Min.
bis

18
alle
100 12 Min.
bis
955

112g 11gs 11g 11m
22
112s 112s 112s 1118 1150 1221 124
1117 1125.
1214 1285

Ernſt=Ludwigsplatz-Hauptbahnhof (Signalfarbe blau).

6t
701 7½ Min.

bis


2
95: 1000 1005 12 Min.
bis
1000 1027 1013

Landskronſtraße
Ernſt=Ludwigsplatz
Hauptbahnhof F ab
III. Rheintor-Schloßgartenplatz (Signalfarbe rot).

(ungerg r
1118 1120 Ss 1156
1125
3* 1293 an

an 6i (23 70 ele
634 641 649 7½ Min.
642 bis

1008 1018 alle
956 1006 12 Min.
bis
94.

15 115
1118 1122
111 112.

6e
13 650

60
-
358

alle
alle
10
½ Min.
12 Min.
bis 1019
bis

ab v
Menene
1125
4 an
an V Schloßgartenplatz X ab
1127

631
643

ale
Min.
big

1013
1005

dle
12 Min.
bis

1125 1123
1117 1125 1127

IV. Heidelbergerſtraße-Taunusſtraße-Faſanerie (Signalfarbe grün).

alle

An Sonn= und Feiertagen bis 1137
Heidelbergerſtraße
952 1008
ab
10095 101 1015
1115118s Ernſt=Ludwigsplatz
alle 12 Miu. bis

644 651659
7½ Min. bis
651 659706
1014
1124113s
1024

an

Taunusſtraße

iertelſtündlich 951

bis

(2
an

Taunusſtraße
Faſanerie

An Sonn= und Feiertagen bis 1132

an 651 658 706 713 721
1008
64 6l 650 705 71 9us Ik. 1015 10 aul III 114
ab 653 700 708
953 1000 1006 1012 12 Min. bis 1124 1138

an

viertel= 981 1006

ab

ſtündlich bis

945 1000

Dieſe Wagen warten, mem der Schuelzug aus Franfur Vertpalung hat erforderichenfall big 18.
§ Dieſe Wagen warten die Wagen 1125o (ab Bahnhof) ab.
An Sonn= und Feiertagen wird abends auf allen Linien mit Ausnahme der beiden Außenſtrecken (Herdweg=Böllenfalltor und Taunusſtraße=Faſanerie), d
ieb bis abends
12 Uhr (Ernſt=Ludwigsplatz) durchgeführt.
Auf den ſtädtiſchen Linien iſt die Expreßgutbeförderung ausgeſchloſſen.
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3½ Deutſche Reichsanl. . 90,60
81,25
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,10
90,60
3½ do. Conſols
81,30
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
93,20
do.
3½
8400
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,90
89,20
do.
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl. 100,30
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,80
4 do. do. (unk. 1918) 100,00
89,10
do.
3½
78,30
3
do.
. 80,80
3 Sächſiſche Rente . .
4 Württemberger v. 1907 100,60
95,00
3½)
do.
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
131 Griechen v. 1887 . . 55,30
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 92,60
96,50
4 do. Goldrente .
4 do. einheitl. Rente . 89,20
3 Portug. unif. Serie I 64,60
3 do. unif. Ser. III 68,00
3 do. Spezial . . . . 10,20
5 Rumänier v. 1903 . . 101,30
4. do. v. 1500 :: 940
4 do. v. 1905 . . 91,70
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 90,00
4 do. v. 1902 . . . . 90,80
4½ do. v. 1905 . . . . 100,40
3½ Schweden . . . . . . 89,10
4 Serbier amort. v. 1895 85,00
4 Türk. Admin. v. 1903 84,20
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4 do. Staatsrente . . . 89,60

Znpro,
Lezte
Dwid.
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12 Stemens & Halske . 244,90
5 Bergmann Electr. . . 156,25
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 178,40
0 Summi Peter . . . 137,50
0 Kunſtſeide Frankfurt 181,75
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 470,50
10 Maſchinenf Badenia 183,20
6 Wittener Stahlröhren 186,00
8 Steana Romana Petr. 145,30
15 Zellſtoff Waldhof . . 241,75
12½ Bad. Zucker=Wag=
.. 215,00
häuſel . .
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 123,25
3 Südd. Immobilien . 69,50
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 194,50
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 230½
11 Deutſch=Luxemburg.=
Vergb.
. . 183,25
10 Gelſenkirchener . . . . 196,00
8 Harpener . . . . . . . 196,25
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 263,00
O Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Carv. . .
86,00
4 Laurahütte .
. . . 181,50
10 Kaliwerke Aſchersleben
10
Weſteregeln 192,00
7½ South Weſt Africa 155,50
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 89,60
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,20
4 Eliſabethbahn, freie . . 96,50
4 Franz=Jofefs=Bahn .
3 Prag=Durer . . .
77,10
5 Oeſterr. Staatsbahn .
4 Oeſterr. Staatsbahn . 95,20
3
do.
78,70
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,70

3.
Indra.
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 80,10
do.
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. 76,60
4 Kronprinz Rudolfbahn 96,00
4 Ruſſ. Südweſt. . .
8.30
4½ Moskau=Kaſan .
96,80
do.
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84,90
4 Rjäſan Koslow .
89,00
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77,00
do.
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69,10
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4 Bagdadbahn . .
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4 Miſſouri=Paciſic . . . . 74,50
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4 Southern=Pacific
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 88,20
5 Tehuanteper . . . . . . 99,80
Bank=Aktien.
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Untern. Zürich . . 199,00
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6½ Darmſtädter Bank . 122,30
12½ Deutſche Bank . . . 255,00
6 Deutſche Vereinsbank . 123,80
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,40
10 Diskonto=Kommandit 184,00
8½ Dresdener Bank . . 152,50
9½ Frankf. Hypoth.=B. 214,50
6½ Mittelb. Kreditbank 118,20
7 Nationalb. für Deutſchl. 122.70
7 Pfälziſche Bank . . . . 130,00
5.86 Reichsbank . . . . . 137,30
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,25
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 128,10
7½ Wiener Bankverein . 134,00
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 98,80

In Proz.
5 Argentinier .
.101,10
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 92,30
5 Chineſ. Staatsanleihe
do.
4½
94,70
4½ Japaner . . . . . . . 94,90
5 Innere Mexikaner . . . 95,10
do.
59,70
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,30
5 Gold=Mexikaner . . . . 88,70
3 Buenos Aires Provinz 72,25
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.
. . . . 145,50
5 Nordd. Lloyd . . . . . 116.75
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 123,75
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60 %
Einz. Mk. 408 . . 112,75
8 Baltimore und Ohio . 108,70
6½ Schantungbahn . . . 138,30
6 Luxemb. Prince Henri 161½
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 17,00
6 Pennfylvania R. R. . 119,60
Letzte Induſtrie=
Divtid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 72,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 497,00
14 Ehem. Fabrik Gries=
heim

. 262,00
30 Farbwerke Höchſt . . 580,50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 339,50
10 Cement Heidelberg . 156,60
32 Chem. Werke Albert 460,00
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz

.. 320,00
4 Lahmeyer . . . . . . . 130,50

Inprot.
Bf. Pfandbriefe.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19.
90,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 15 19, 2126 98,80
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,50
3½
89,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,70
3½
do.
89,80
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16 .
100,40
S. 14, 15, 17, 24/26
1823. .
. . 100,45
½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 .
89,80
S. 35 .
89,60
S. 911
89,70
4 Meininger Hyp.=Bank 99,50
8½
do.
89,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 98,40
3½ do. (unk. 1914) . . 88,60
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,20
do.
3½
89,60
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt
. . 99,00
8½ do.
90,30
4 Frankfurt . .
.. 100,70
3½ do.
93,00
4 Gießen .
3½ do.
4 Heidelberg
99,30
3½ do.
4 Karlsruhe
99,70
8½ do.
90,50
4 Magbeburg.
3½ do.
4 Mainz
99,50
3½ do.
4 Mannheim .
3½ do.
4 München .
100,40
3½ Nauheim
4 Nürnberg.
99,60
3½ do.
90,20
4 Offenbach .

InPrag.
Zf.
3½ Offenbach .
100,00
4. Wiesbaden .
3½ bo.
90,00
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner , 100 136,60
3 Holl. Komm. fl. 100 103,00
3 Madrider . . Fs. 100 75,40
4 Meininger Pr.=Pfand=
. 137,40
briefe .
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 179,250
3 Oldenburger . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 116,00½
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
. fl. 7
Augsburger . .
Braunſchweiger Tlr. 20 199,80
Fs. 15
Freiburger .
. Fs. 45
Mailänder .
Fs. 10 34,40
do.
fl. 7 35,25
Meininger ..
Oeſterreicher v. 1864fl. 100 521,00
do. v. 1858fl. 100
Ungar. Staats . . fl. 100 371,00
Venediger . . . . Fs. 30 44,40
Türkiſche . . . . Fs. 400 171,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigus . . . . 20 15
20 Franks=Stücke . . . . 16,22
Amerikaniſche Noten . . . 4, 19½
Engliſche Noten . . . . . 20,48
Franzöſiſche Noten. . . . 81,10
Holländiſche Noten. . . . 169,40
Italieniſche Noten . . . 80,35
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,80
Ruſſiſche Noten . . . . 215,50
Schweizer Noten . . . . . 81,00

Reichsbank=Diskonto. . .
Reichsbank=Lombard Zsf. 6

[ ][  ][ ]

20. dieſes Monats aus ihren ſeitherigen Räumen im fädlſchen Lagerhaufe ( Rlumen=
thalſtraße
) in die Räume im Güterſchuppen des neuen Bahnhofs (Dornheimer Weg)
verlegt wird.
*Darmſtadt, den 27. April 1912.
(10110
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Z. V.; von Werner.

Mant uns icnentenheanehenge
(10111
die Gemarkung Dubdenhofen wurde zum Sperbezirt erlärt.

Bekanntmachung.

Anf Erſuchen Großh. Hauptſteueramts Darmſtadt bringen wir hiermit zur
öffentlichen Kenntnis, daß die Zollabfertigungsſtelle am Bahnhofe Darmſtadt mit dem

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher, 1 Dachshund. Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Ver=
ſteigerung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(10083

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Frühjahrsmeſſe 1912.
Unter Bezugnahme auf § 366 Ziff. 10 St. G. B., Art. 264 Pol.
St. G. und Art. 129 b Abſ. 2 der Städteordnung wird für die Dauer
der diesjährigen auf dem ſtädtiſchen Gelände gegenüber dem Hallen=
ſchwimmbad
ſtattfindenden Frühjahrsmeſſe folgendes angeordnet:
1. Es iſt verboten, durch die Reihen der Schau= und Verkaufs=
buden
zu reiten oder mit Fuhrwerken irgend welcher Art,
namentlich auch mit Fahrrädern zu fahren.
2. Ueber die an das vorerwähnte Gelände grenzenden Straßen
(Lindenhof., Mühl= und Landgraf=Georgs=Straße) darf nur
im Schritt gefahren oder geritten werden.
Darmſtadt, den 23. April 1912.
(9900soi
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Die Ausſührung der bei Auſtellung eines 29 m langen eiſenen
D Schutzgeländers an der Kreisſtraße in Ober=Ramſtadt vorkommen=
den
Maurer=, Schloſſer= und Anſtreicherarbeit, ſoll mittels öffent=
lichen
Wetbewerbs vergeben werden. Voranſchlag und Bedingungen
liegen von Dienstag, den 30. d. Mts. ab in den Geſchäftsräumen des
Unterzeichneten zur Einſicht offen, woſelbſt die ſchriftlichen Angebote
bis Donnerstag, den 9. Mai I. J., vormittags 10 Uhr, entgegen=
genommen
werden.
Darmſtadt, den 29. April 1912.
Der Großherzogliche Kreisbauinſpektor.
10113

Verſteigerungs-Anzeige.

Mittwoch, den 1. Mai I. J., vormittags 9 Uhr,
verſteigere ich im Auftrage der Erben im Hauſe
Hügelſtraße 29, I.
die zum Nachlaſſe der Frau W. Dieter gehörigen Möbel= und Haus=
haltungsgegenſtände
, als:
1 Sofa und 2 Seſſel mit Seidendamaſtbezug, 1 Kameeltaſchen=
diwan
, 1. Salonſchränkchen. 1 Salontiſch, 2 Salonſtühle,
1 Säulenſtänder, 1 großer Spiegel mit Trumeau, 1 Büfett,
nußb. poliert, 1 Soiegelſchrank, 1 zweitüriger Kleiderſchrank,
1 Flurgarderobe, 1 Kleiderſtänder, 1 Schreibtiſchſeſſel, 1 Kla=
vierſtuhl
und 6 Rohrſtühle, 1 Serviertiſch, 1 Etagere,
1 Bauerntiſch u. a. m., 2 komplette, ſehr gute Betten mit
Roßhaarmatraßen und Bettwerk, 1 Mädchenbet, 1 Waſch=
kommode
mit Marmorptatte, 1 Nachtſchränichen, 1 Auszieh=
tiſch
, 1 Regulator, 2 große und 6 kleine Oelgemälde,
mehrere ſehr gute Stiche, und ſonſtige Bilder, 1 großen
Zimmerteppich und 2. Vorlagen, 5 komplette Fenſtervor=
hänge
, 1 Plüſchtiſchdecke und 2 Fenſtermäntel, 1 Gaszug=
lampe
und ſonſtige Beleuchtungskörper, die Kücheneinrich=
tung
mit Gasherd.
Ferner Glas und Porzellan, ſowie Nippſachen,
3 ſilberne Tafelaufſätze, 2 ſilberne Brotkörbe und
ſonſtige kleine ſilberne Gegenſtände, 2 Operngläſer, 1 hüb=
ſche
Bronzefigur und ſonſtige Gegenſtände.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung ſtatt.
(10036oi
Die Beſichtigung kann Dienstag, nachmittags von 3 bis
5 Uhr, im Verſteigerungslokal, Hügelſtraße 29, geſchehen.
Darmſtadt, den 29. April 1912.
Ernst Wolff. Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

Freihändiger Möbel=Verkauf

von Herrſchaftsmöbeln zu Auktionspreiſen
1 kompl Herrenzimmer, eichen, 1 Salon (Mahagoni, Empire), 1 Büfett,
12 Stühle und Ausziehtiſch, eichen, 1 Glasſchrank (Mahagoni), Gold=
ſpiegel
(Emp.), 1 Klubſeſſel, 1 Sekretär, 2 Herren= u. 2 Damen=Schreibtiſche,
Kleiderſchränke, 1= und 2stürig, Waſchkommode und Nachttiſche mit
Marmor, Salon= und andere Tiſche, ſowie Stühle, Wirtſchafts=
porzellan
und Weißzeug, 1 Badewanne mit Ofen, Regulatuhr und
Freiſchwinger, 20 Teppiche, wenig gebraucht. Verkauf den
ganzen Tag; die Sachen ſind gebraucht und gut erhalten, durch(*10872
Auktionator
Krummeck, und Taxator, Grafenstrasse 4.
NB. Annahme von Verſteigerungen und Verkäufen. Beſte Referenzen.

Groß=Gerauer Ferkelmarkt.

Nächſten Montag, den 6. Mai d. J., wird der Groß=Gerauer
Ferkelmarkt wieder eröffnet und laden wir Verkäufer und Käufer
zum zahlreichen Beſuche des Marktes hiermit ein.
Die Abhaltung des Marktes iſt unter folgenden Bedingungen
geſtattet, die genau eingehalten werden müſſen:
1. Es dürfen nur Ferkel eigener Zuchten von Landwirten aus
ſeuchenfreien Kreiſen des Großherzogtums zum Verkauf auf
den Märkten aufgeſtellt werden und hat ſich der Beſitzer der
Schweine hierüber durch Urſprungszeugniſſe, die früheſtens
24 Stunden vor dem Markttage ausgeſtellt ſein müſſen,
auszuweiſen. Alle Tiere, für die das vorgeſchriebene
Urſprungszeugnis nicht zur Stelle iſt, werden vom Markte
zurückgewieſen.
2. Die Marktordnung vom 14. Januar 1911 iſt pünktlich zu
befolgen.
3. Perſonen und Tiere aus ſog. Sperrbezirken ſind vom
Beſuche der Märkte ausgeſchloffen.
Groß=Gerau, den 29. April 1912.
(10061
Großh. Heſſ. Bürgermeiſterei Groß=Gerau.
Arnold.

Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren über
das Vermögen des Kaufmanns
Friedrich Pfeffer, Alleininhabers
der Eiſenhandlung Friedrich Pfeffer
in Darmſtadt, iſt zur Abnahme
der Schlußrechnung des Verwal=
ters
, zur Erhebung von Einwen=
dungen
gegen das Schlußverzeich=
nis
und zur Prüfung der nach=
träglich
angemeldeten Forderungen
der Schlußtermin auf (10060
Dienstag, den 21. Mai 1912,
vormittags 10 Uhr,
vor dem Großh. Amtsgerichte I
hierſelbſt, Zimmer Nr. 201, be=
ſtimmt
.
Darmſtadt, 26. April 1912.
Der Gerichtsſchreiber
des Großh. Amtsgerichts I.

Das neue Lagerhaus am
6
Vornheimer Weg

wird am 1. Mai ds. Js. in Be=
trieb
genommen. Die Auslage=
rungen
im alten Lagerhaus können
auch nach dieſem Termin noch
erfolgen.
(10102im
Darmſtadt, 27 April 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Schmitt.

Die Gebäude der ehemalieen
Hauptwerkſtätte 2 auf Bahn=
hof
Darmſtadt M.=N.=B. ſollen auf
Abbruch verkauft werden.
Die Bedingungen liegen im Büro
des unterzeichneten Amtes offen
und können werktags während der
Dienſtſtunden von 8 bis 12 Uhr!
vormittags und 2½ bis 6 Uhr nach=
mittags
eingeſehen werden. Auch
können die Bedingungen gegen
porto= und beſtellgeldfreie Einzah=
lung
von 50 Pfg. in bar von da=
her
bezogen werden.
Schriftliche Angebote, verſchloſſen
und verſiegelt, mit entſprechender
Aufſchrift, ſind bis zum Eröff=
nungstermin
Freitag, den
10. Mai d. J., vormittags 11 Uhr
an das Betriebsamt 1 porto=
(I10094
frei einzureichen.
Die Zuſchlagsfriſt beträgt vier=
zehn
Tage.
Darmſtadt, 23. April 1912.
Großh. Eiſenbahnbetriebsamt1.

Meen e
Pferde-Loiterie
Ziehung am 15. Mai
450 Gewinne 1. W. v.
15055n.
Hauptgewinne i. W. v.
14000, 2000 M.
ferner 10 Pferde oder Fohlen
W. V.
5800 Mk.
sowie 438 Gewinne i. W. v.
3200 Mk.
Lose à 1 Mk. (Liste u. Porto
20 Pfg.) d. L. F. Ohnacker,
Darmstadt, u. all. bekannten
Verkaufsstellen. (9482a

Schurmfabrik Schlüter
Kirchſtraße 27
Reparaturen u. Ueberziehen ver
(7394s
ſofort, bilig und aut=

Schiffsbericht.

Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Hrn.
Adolf Rady. Darmſtadt,
Zimmerſtraße 1.
Dampfer Blücher von New=
York kommend, 27. April 12 Uhr
morgens auf der Elbe.
Dampfer Hamburg, von Genua
nach New=York, 26. April 7 Uhr
abends von Neapel nach Pa=
lermo
.
Dampfer Kaiſerin Auguſte Vik=
toria
, 26. April 5 Uhr 15 Mi=
nuten
morgens in New=York.
Dampfer Maresfield, 24. April
11 Uhr 30 Minuten morgens
von New=Orleans nach Ham=
burg
.
Dampfer Preſident Grant, nach
New=York, 26. April 1. Uhr
abends von Southampton.
Dampfer Steiermark nach New=
port
News, 26. April 1 Uhr nach=
mittags
in New=York.
Dampfer Cleveland zweite Welt=
reiſe
, 26. April 5 Uhr nachmit=
tags
von Bombay.

Verſteigerungs=Anzeige.

Mittwoch, den 1. Mai 1912, vormittags 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 (Zur Roſenhöhe‟)
verſchiedene Möbel, darunter:
Schreibtiſche, Spiegelſchränke, Kredenz, Büfett, Vertikos,
Diwans, Bücherſchränke, Pianinos, Tiſche, Sofas, ferner
Ladenſchränke und Theken, 1 Ladenkontrollkaſſe, 1 Papier=
ſchneidmaſchine
, 16 Bände Brockhaus Lexikon und andere
Kiaſſiker und 2 Smyrnateppiche
(10130
zwangsweiſe verſteigert.
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher,
Georgenſtraße 11, I.

Verſteigerungs-Anzeige.

Mittwoch, 1. Mai 1912, nachmittags 3 Uhr
verſteigere ich im Verſteigerungslokal zur Ludwigshalle dahier ( Ober=
gaſſe
) öfentlich meiſtbietend gegen Barzahlung:
1 Kapſelmaſchine, 2 Reiſekoffer, 1 Stehleiter, 2 Vorhänge,
1 Partie Anſichtspoſtkarten, 20 Mille Zigarren, 4 Mille
Zigaretten, ferner Hausmobilien durch alle Rubriken u. a. m.
Darmſtadt, den 29. April 1912.
(10127
Kaup, Großh. Gerichtsvollzieher,
Friedrichſtraße 24, I.

Dergeradeste u. Kürzeste Weg zum
Hedenbanmer
(10125a
Bleichstrasse zwischen den beiden
alten Bahnhöfen hindurch Gries-
E Leirterer fürt Areit aut aes
heimer Weg. Kauptportal des Empfangsgebäudes.
Zeitersparnis: 56 Minuten.Mk

Elektrophysikalische Heilanstalt
und Radium-Emanatorium
zur rationellen Behandlung von Rheuma, Gicht, Herz=, Ner=
ven
=, Frauenleiden, Katarrhen, Zuckerharnruhr ꝛc.
in Verbindung mit Ambulatorium
für Beinleiden (Krampfadern, Geſchwüre, Plattfüße ꝛc.) nach
anerkannt erfolgreichſter Methode mittels Kompreſſionsverbän=
den
und heißer Luft ohne Berufsſtörung.
(67012f
Frankfurt a. M. Bethmannstr. 54.
Prospekte gratis.

Brennholz=Verkauf
Dienstag, den 30. u. Mittwoch,
den 1. Mai wird (*10895
Beckerstrasse 6
klein geſchnittenes Brennholz
per Zentner zu Mk. 1.20 verkauft,

Suchenſtelhlit
kurz geſchnitten und geſpalten
Ia trocken (7001a
per Ztr. Mk. 1,30, frei Keller
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Heinheimerſtr. 76. Telephon 212.

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Allright:, Weltmeiſter, 6 Tage=
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Modell, zu verkaufen
Kirchſtraße 1, 1. Stock.

Weissbinderarbeit
und etwas Schreinerarbeit gegen
Glaſerarbeit zu vergeben. Off.
unt. G 21 an die Exp. (*10817

Aufpol. v. Möb.
Spezialität: uſw., ſowie alle
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Schristophlacke
als Fußbodenanſtrich
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Sofort trocknend u. geruchlos.
Leicht anwendbar. (9783as
Gelbbraun, eichen,
4mahngoni, nussbaum.
Friedrich Schaefer.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 30. April 1912,

Ar Gis Danten ver

Nummer 101.

Darmstadt und Umgegend!

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Der Hof des Hchweigens.
Ein Roman aus Island von Anny Wothe.
(Nachdrug verboten.)
22)

Copyright 1910 by Anny Wothe, Leipzig.
Wilde Gießbäche rauſchten ihnen zur Seite, überall
war ein Brauſen und Toſen. Durch Lava und Aſchen=
ſtrecken
aufwärts, klommen ſie mühſelig mit ihren Pfer=
den
zu den weißen Schneefeldern hinan. Links der breite
Lavaſtrom vom letzten Ausbruche der Hekla, rechts der
gähnende rote Krater.
Nun verlaſſen alle die Pferde und es geht zu Fuß
langſam bergauf, die letzte und beſchwerliche Strecke
über Schneefelder bis zum Gipfel der Hekla.
Länger als zwei Stunden geht es ſo aufwärts. Keiner
ſpricht ein Wort, ſelbſt der redſelige Amtmann iſt ver=
ſtummt
.
Und nun ſtehen ſie endlich tiefatmend auf dem höch=
ſten
Gipfel des mächtigen Vulkans und blicken weit hinaus
über unendliche Schneefelder, Stein= und Aſchenwüſten
und ihre Seelen erſchauern im Anblick dieſer wilden, groß=
artigen
Natur.
In eiſiger Starrheit und Majeſtät ragt der gewaltige
Hofsjökull empor und die weißblauen Eisregionen des
Vatuajökull glänzen im Licht.
Hinter endloſen Wüſten ſehen ſie ganz in der Ferne
den blauen Ozean den Horizont begrenzen, aus dem die
Weſtermännerinſeln wie ſchwarze Segler auftauchen.
Ueberall ſchimmernde Flußläufe wie Silberbäche.
Aus den Sandwüſten dampfen heiße Quellen.
Die Sonne lugt mit goldenem Licht durch Wolken=

ſchatten. Wie eine wilde Jagd kommen die düſteren Luft=
gebilde
über die Steinwüſten dahergejagt.
Wir müſſen hinab, mahnt der junge Führer. Ein
Wetter naht, wer weiß, ob wir noch den Hof erreichen.
In fliegender Haſt, aber doch noch ganz erfüllt von
der großartigen Herrlichkeit, die man geſchaut, geht es
über die Schneefelder zurück.
Der Kapitän verſucht, mit Hallgerdr Schritt zu hal=
ten
, ſie aber fliegt vor ihm her in wilder Haſt, Jon nach,
der vorhin geſehen, wie der Kapitän Hallgardr bei einer
Wegbiegung heimlich küßte und der nun flieht, ſo daß
ihm die anderen kaum zu folgen vermögen. Hallgerdr
aber will den Jugendfreund nicht allein laſſen.
Als ſie atemlos bei den Pferden anlangt, iſt Jon ſchon
weit voraus. Eiligſt ſteigt man in den Sattel.
Ein ſtarker Wind treibt die Wolken wie ſchwarze
Berge zuſammen
Hallgerdr packt eine furchtbare Angſt.
Schnell, ſchnell, flüſterte ſie dem Kapitän zu, Jon iſt
voran, wir müſſen ihm nach. Er iſt wie wahnſinnig und
ich habe Angſt, daß ihm ein Leid geſchieht.
Und nun kommt, was alle, die ihr wildſchönes Land,
die Bergfrau, kennen, lange gefürchtet. Ein toller Wir=
belwind
, der Miſtur Staubnebel ſetzt ein. Sand, Staub
und Aſche wirbeln wie toll in der Luft herum und färb=
ten
ſie braun, faſt ſchwarz.
Es war faſt unmöglich, um ſich zu blicken. Seen und
Flußläufe wurden zu Schaum gepeitſcht.
Die Reiter hatten das Gefühl, als ſollten ſie mit Ge=
walt
von den Pferden geriſſen werden, hinab in die
bodenloſe Tiefe.

üder inmer wieder ſehten die toferen, Hleinen Pons
mit neuen Kräften ein und endlich erreichte man nach drei=
ſtündigem
Schritt für Schritt erkämpften Ritt mehr tot
als lebendig den Hof, von dem man heute morgen auf=
gebrochen
war.
Geſicht und Kleider von Staub geſchwärzt, vom Re=
gen
triefend, atemlos vom Andringen gegen den heftigen
Sturm ſtanden ſie da und ſtarrten ſich an.
Ob keiner fehlte?
Einer war nicht da.
Jon Thorkjel lag in der großen Bauernſtube, weiß
wie der Kalk an der Wand, trotz ſeines berußten Geſichts.
Rotes Blut tropfte aus ſeinem Munde.
Die Frau des Hofes mühte ſich um ihn und winkte
ſtill abwehrend mit der Hand.
Hallgerdr ſtürzte hinzu.
Jon, rief ſie angſtvoll, verzweifelt.
Sie nahm ſeinen Kopf zwiſchen ihre Hände und zog
ihn ſanft an ihre Bruſt.
Wie iſt das ſchön, lächelte der Jüngling und ſchloß die
Augen.
Beſtürzt traten der Amtmadur und die Geſchwiſter
hinzu.
Signe rief nach dem Doktor.
Ole Gudmund kam.
Retten Sie meinen Bruder, rief Signe leidenſchaftlich.
Er iſt der Beſte von uns. Sie müſſen ihn retten. Ein
Blutſturz iſt doch nicht gefährlich. Er hat ihn ſchon ein=
mal
gehabt.
Gudmund ſchob das heftig ſchluchzende Mädchen hart
zurück und trat an das Lager des Kranken.

[ ][  ][ ]

Nummer 101.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 30. April 1912.

Seite 13.

auts Gummi, rohe u. zummforte
Hanfschläuche (9917a
Strahfrohre, Verschraubungen
Darten Cchaauhf
Rasensprenger, Schlauchwagen
sowie sämtliche Zubehörteile.
Schulstr. 1
Herm. Heinmüller, Erstes Spezialgeschäftam Platzereiephen 315. Alle Reparaturen prompt und billgst

Bausteinedes Körpers
muß man die in den Nahrungsmitteln
enthaltenen Mengen an Eiweiß, Fett
und Kohlehydraten nennen, denn aus
ihnen und dem Waſſer baut der
menſchliche Organismus ſeine chemi=
ſchen
Grundſtoffe Kohlenſtoff, Sauer=
ſtoff
. Waſſerſtoff und Stickſtoff auf.
Während die drei erſteren aus allen
jenen vier Beſtandteilen der Nahrungs-
mittel
zu gewinnen ſind, iſt das Ei=
weiß
der einzige Stickſtofflieferant und
daher für die Ernährung des Körpers
von beſonderer Wichtigkeit. Unſer
Haupteiweißlieferant das Fleiſch
enthält dieſen Stoff nur zu etwa 20%,
dagegen finden ſich im Kakaopulver
bis zu 27% dieſes wertvollſten aller
Nahrungsmittelbeſtandteile Kakao iſt
daher bei ſeiner Preiswürdigkeit in
dieſer Zeit der Fleiſchteuerung wie
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Inſend ſach er Hon in des woienhlaſe Gerich. Be=
ſorgt
horchte er auf den Puls, den zuckenden Herzſchlag.
Immer ernſter wurde ſein Antlitz.
Der Amtmadur ſah ihn flehend an. Sein ewig
lachendes Geſicht war ganz zerſtört und große Tränen
liefen ihm über die Wangen.
Mein Junge, ſchluchzte er auf, mein einziger Junge!
Der Kapitän ſtand am Fußende des Bettes und ver=
ſuchte
Jorum zu beruhigen, die laut weinte.
Der Doktor ſchickte ſie alle aus dem Zimmer. Nur
Hallgerdr und der Amtmadur durften bleiben.
Retten Sie mein Kind, Doktor, flüſterte der Amt=
madur
dem Arzt beſchwörend zu. Ich muß den Jungen
ja ſeiner Mutter wieder bringen. Sie hat es mir auf
die Seele gebunden. Nicht wahr, es iſt doch nicht ſo
ſchlimm? Jon hatte immer eine ſchwache Lunge, aber
die Aerzte behaupteten, er könne uralt dabei werden.
Aber ſo reden Sie doch, Doktor. Nicht wahr, es iſt nichts.
Der Junge wird morgen wieder friſch ſein, nicht wahr,
Doktor?
Ole Gudmund ſchüttelte trübe das Haupt, während er
ſich um den Kranken mühte.
Jon hätte niemals dieſe gefahrvolle Reiſe mitmachen
dürfen, die Lunge iſt ſchon ſeit Jahren krank, gab er leiſe
zurück.
So wird er ſterben? fragte der Amtmann angſtvoll,
ſein Geſicht mit beiden Händen bedeckend. Sagen Sie die
Wahrheit, Doktor: Keine Lüge, ich beſchwöre Sie.

Ales ſcht de doſt nunente der uegt. ieteagt
gelingt es meiner Kunſt, das fliehende Leben noch ein
Weilchen aufzuhalten. Heim bringen wir den Jungen
nicht, ſchloß er zögernd, er hat ſeine letzte Kraft ver=
braucht
.
Ein Zittern lief durch Hallgerdrs Geſtalt und der
Kranke, der bisher in tiefer Bewußtloſigkeit in ihrem
Arm gelegen, richtete plötzlich ſein Haupt empor.
Ein Lächeln irrte über ſein Geſicht, ein wehes und
doch ſeliges Lächeln. Das Licht der kleinen Lampe fiel
voll auf ſein rotleuchtendes Haar. Wie ein Heiligenſchein
umgab es das blaſſe Haupt, das wieder matt auf das
Kiſſen ſank.
Der Amtmann hatte beide Hände ſeines Sohnes er=
griffen
und ſtarrte in das immer ſpitzer werdende Antlitz,
während der Doktor ihm ſtärkende Tropfen aus der Reiſe=
apotheke
einflößte und umſichtig ihm lindernde Umſchläge
auf die kranke Bruſt legte.
Hallgerdr ſtand mit gefalteten Händen und blickte
verzweifelt in das weiße Geſicht.
Da ſchlug Jon Thorkjel wieder die Augen auf. Groß
und klar ſahen ſie um ſich. Und wieder nickte er allen zu
mit demſelben lieben Geſicht, wie einſt als Knabe, wenn
ſeine junge Seele in das Reich der Märchen tauchte, das
er ſo lieb hatte.
Ihr dürft nicht weinen, flüſterte er matt. Die Mutter
befonders darf nicht weinen. Ihr müßt ihr ſagen, daß
ich hier bei der weißen Hekla geblieben, daß ich zu ihren

Eie er e er r te ent
beſungen, und den ich nur immer von ferne ſah, und daß
ich darum nicht heimkehren kann. Vater, fuhr er matt
fort, ich hätte ja daheim doch nicht leben können ich
bin ſo müde und möchte ſo gern ſchlafen.
Der Amtmadur legte ihm die zitternde Hand auf die
Lippen.
Sei ſtill, mein Junge. Sprich nicht ſo viel. Wir pfle=
gen
Dich wieder geſund, ich und Hallgerdr, die Du ſo gern
magſt, und wir führen Dich dann heim zur Mutter.
Der Kranke ſchüttelte matt den Kopf.
Die Mutter werde ich nicht wiederſehen. Sagt ihr,
ſie ſolle mir verzeihen, wenn ich ihr je weh getan. Sie
war immer ſo gut zu mir. Wißt Ihr noch, wie ſie an
meinem Bette ſaß, wenn ich krank war, und betete? Sie
hat umſonſt gebetet, die gute Mutter. Ich gehe einen
anderen Weg. Könnte ſie ihn ſehen, ſie würde lächeln
und dankbar die Hände heben, daß ich ſo ſelig bin. Sio
würde nicht weinen. Sagt Signe, ſie ſolle ſo werden wie
die Mutter. Güte, das iſt des Weibes höchſte Zier.
Auch der Doktor mahnte jetzt zur Ruhe.
Jon Thorkjel drückte ihm die Hand.
Dieſer da, flüſterte er dem Arzt zu, auf Hallgerdr
deutend, möchte ich noch gern ein Wörtlein fagen. Noch
iſt es Zeit.
Ole Gudmund winkte den Amtmadur an das Fen=
ſter
, wo ſie flüſternd beiſammen ſtanden, indes Hallgerdr
ſich zu dem Kranken beugte.
ortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 30. April 1912.

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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 30. April 1912.

Nummer 101.

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Die Jugendherbergen des Odenwaldklubs.

Auch im Jahre 1911 wurden die Jugendherbergen
des Odenwaldklubs von der wandernden Jugend ſo be=
nutzt
, daß der Vorſtand mit der von ihm getroffenen Ein=
richtung
zufrieden ſein kann, wenn er natürlich auch wün=
ſchen
möchte, daß alle Wirte des Klubgebietes, die ſich zur
Uebernahme der Jugendherbergen bereit erklärt haben,
recht viele junge Wanderer in ihrem Heim begrüßen könn=
ten
. Es zeigt ſich bis jetzt in jedem Jahre die ja auch wie=
der
verſtändliche Tatſache, daß einzelne Täler und Oden=
waldſtriche
von der wandernden Jugend beſonders be=
vorzugt
werden. So blieben in Michelſtadt über 200 Gäſte
zur Nacht, davon in einem einzigen Gaſthaus 186 Mann.
Ebenſo bringt Wald=Michelbach in dem abgelaufenen
Wanderjahre wieder 190 Gäſte, davon 122 in einem Haus.
Auch das Neckartal fand zahlreiche Beſucher, wie die Mel=
dungen
aus Hirſchhorn, Eberbach, Zwingenberg, Neckar=
hauſen
, Neckarſteinach und Neckargemünd beweiſen. Im
Maintal meldet eine Jugendherberge in Wertheim 95
Beſucher, die zu Miltenberg ſogar 240 Gäſte. Auch Lin=
denfels
verzeichnet eine größere Schar. Insgeſamt haben
ſich im Jahre 1911 doch 1726 jugendliche Wanderer in die
beſonders zu führenden Liſten eingetragen. Freilich tei=
len
einzelne Wirte mit, daß nicht immer die für eine voll=
kommene
Ueberſicht ſo wünſchenswerten Eintragungen in
das Jugendfremdenbuch vollzogen worden ſeien. Der
Vorſtand legt aber Wert darauf, daß dies regelmäßig
geſchieht, damit er ein klares Bild von der Bedeutung der
von ihm getroffenen Einrichtungen gewinnt. Denn wenn
auch die ſonſtigen Laſten ſeiner Kaſſe dem Odenwaldklub
es nicht geſtatten, dem Anſinnen des Hohenelber Ver=

bandes zu folgen und Herbergen mit freiem Quartier und
Frühſtück zu ſchaffen, ſo glaubt er, doch auch auf ſeine Art
das Wandern der Jugend fördern zu können, zumal ſeine
Jugendherbergen das ganze Jahr hindurch und nicht nur
für eine beſtimmte Schicht der Jugend, ſondern für jeden
ſich anſtändig betragenden Jüngling Erleichterung ge=
währen
. Daß ſie aber auch in ihrer jetzigen Form dazu
beitragen, dem Odenwald Freunde aus der Ferne zu
gewinnen, zeigt leicht ein Blick auf die Namen der Hei=
matsorte
der Gäſte. Wir finden dabei Städte aus nah
und fern: zum Beiſpiel Worms, Heidelberg, Heppenheim,
Elberfeld, Görlitz, Kreuznach, Straßburg, Karlsruhe
Würzburg, Hanau, Offenbach, Düſſeldorf, Mannheim,
Ludwigshafen, Köln, Tübingen, Bonn, Augsburg, Bres=
lau
, Magdeburg, Saarbrücken, Poſen, Nordhauſen, Teplitz
in Böhmen, Berlin, Freiburg, Hannover, Remſcheid,
Aachen, Meiningen, Trier, Koblenz, Eiſenach, Erlangen,
Anſpach und vor allem natürlich Darmſtadt. Hat doch
allein die Geſchäftsſtelle des Verkehrsvereins, die in dan=
kenswerter
Weiſe die bekanntlich koſtenlos zur Verfügung
ſtehenden Ausweiskarten den Nachſuchenden aushändigt.
im letzten Jahre in folgender Weiſe Karten verteilt: 58
an Schüler der Gymnaſien, 78 an Realgymnaſiaſten, 54 an
Oberrealſchüler, 120 an Studenten. Ferner machten von
der Vergünſtigung noch Gebrauch: 34 Lehrlinge, 4 Mittel=
ſchüler
, 10 Teilnehmer der Gewerbeſchule und 2 Schü=
lerinnen
der Viktoriaſchule. Iſt’s auch noch eine Arbeit
im Kleinen, ſie iſt doch nicht umſonſt, darum geht der
Odenwaldklub gerne daran, in der nächſten Zeit eine
vierte Ausgabe ſeiner Ausweiskarte mit dem Verzeichnis
der Jugendherbergen zu veranſtalten.

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1. Herrn A. Schürmanns St. Rules (Herr Schulze),
2. Lichtenſtein (Lt. Frhr. v. Berchem), 3. Beau Manoir
(Lt. v. Moßner). Tot. 15:10, Pl. 11, 16, 11:10. Unpl.:
Flibuſtier, Allesley, Brodekin, Enkel v. B. Sicher
bis 3 Lg. Altkönig=Jagdrennen; 4000 Mark, Diſtanz
3000 Meter: 1. Herrn W. Blatts Tylander ( Unterholz=
ner
), 2. Red Clover (Eiſemann), 3. Lenore (Krauſe). Tot.
26:10, Pl. 16, 22110. Unpl.: Terciaba, Einbrecher, Macka.
Ueberlegen 61 Lg. Zinneberg=Jagdrennen; Ehren=
preis
und 3000 Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Herrn A.
v. Schilgens Fifth Ace (Lt. v. Moßner), 2. I hope ſo
(Beſ.), 3. Guatemala (Lt. v. Moſch). Tot. 53:10, Pl. 23,
17, 47110. Unpl.: Stort, Mir, Bobolink, Hymen, Rock=
ledge
, Door Mat, Maroc IV. Kampf, ¾5 Lg. Feld=

berg=Jagdrennen; 5000 Mark, Diſtanz 3000 Meter:
1. Herrn M. Rannershauſers Bauernfänger (Böhme)
2. Mainau II (Martin), 3. Bröſen (Krauſe). Tot. 48:10,
Pl. 17, 1310. Unpl.: Sea Sick, Beatrice B. Kampf, Hals
bis 3½ Lg. Johannisberg=Jagdrennen; Ehrenpreis
und 6000 Mark, Diſtanz 4000 Meter: 1. Herrn W. Blatts
Roſe Noire (Hr. v. Weſternhagen), 2. The Bat (Lt. von
Moſch), 3. Copley (Lt. v. Berchem). Tot. 45.10, Pl. 1
29, 21:10. Unpl.: Bodger II, Ragot, Soupeur, Hanna,
Verhalten, 8 Lg.-Weile. Taunus=Hürdenrennen; 3000
Marl, Diſtanz 2500 Meter: 1. Lt. Kothes Sandeux (Dyhr),
2. Protegee (Unterholz), 3. Hareſtock (Mc. Kenzie). Tot.
80110, Pl. 12, 12, 12110. Unpl.: Mr. Girdle, Loveley
Grace, Moroſe, Hausfrau. 1½2 Lg.
Beiden Rennen zu Cüſtrin ſiegten am Sonn=
tag
: Fritz (22:5), Wonnemond (11.5), Replikant (13:5),
Wonnemond (10:5), Alpenveilchen (12:5), Dornröschen
(8:5). Rei den Rennen zu Torgau waren am
Sonntag erfolgreich: Chevre Roche (24:10), Cordoue
(34:10), Apatin (18:10), Jugendfreude (34:10), Exekutio=
ner
(35:10).
Rennen zu Grunewald. Semiramis= Ren=
nen
; 6200 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Herrn W. Linden=
ſtaedts
Rahana (Wedgewood), 2. Hirondelle (Shurgold)
3. Hellia (Hughes). Tot. 51:10, Pl. 21, 18:10. Unpl.:
Marzipan (4). Leicht, Hals1½ Lg. Damen=Preisf
Ehrenpreis und 1000 Mark, Diſtanz 4000 Meter: 1. Herrn
H. Weſtens Santoni (Lt. Braune), 2. Sturmvogel (Herr
Herfeldt), 3. Melton Pet (Lt. v. Keller). Tot. 35:10,
Pl. 18, 37, 37110. Unpl.: Schwärmerin (4), Reveuſe (5),
Irmingard, Charmanter Kerl, Neuilly II, Jakob, Five
o’clock. Gegenwehr, ½1 Lg. Hochſtapler=Rennen;
5000 Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Herrn E. F. Gütchows
Burggraf (Kühn), 2. Bascaville (Lewandowsky)g
3. Tourbillon (Wieſe), 3. Frühwach (Wahl). Tot,
42110, Pl. 15 18, 8, 10110. Unpl.: Nogat, Landbote
Schikane, Königsleutnant (blieb am Start ſtehen). Leicht
11 Lg. Preis von Paderborn; Ehrenpreis und 3300
Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Lt. Graf Strachwitz Nowe=
ton
(Beſ.), 2. Capo Lazarro (Lt. v. Mitzlaff), 3. Miß Fife
(Lt. v. Egan=Krieger). Tot. 26.10, Pl. 13, 13, 2110.
Unpl.: Lord Byron, Pompero, Wedding Morn (4)=
Gründer, Droll, Snowdons Knigth. Kampf, Kopf bis
3 Lg. Tatterſall=Jagd=Rennen; 6500 Mark, Diſtanz=
4000 Meter: 1. Rittmeiſter Keyſers Fairfar (Brederecke),
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Nummer 101.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 30. April 1912.

Seite 19.

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3200 Meter: 1. Herrn Pingels Faultleß (Buſch), 2. Prin=
zeß
Joſephine (M. Seiffert), 3. Meerbraut (Streit). Tot.
773110, Pl. 34, 22:10. Unpl.: Macaron (4), The Weaſel,
Laſter Aſh. Ueberlegen 48 Lg. Die Eventual=
Quoten im Frühjahrs=Handikap waren: Kalif 46:10.
Premier 68, Sideslip 124, Star 96, Cambronne 99, Zam=
vieri
705, Bajazzo 292, Papyrus 306, Pinion 1467,
Cheops 338, Hock 197, Werra II 123, Kings Tax 226,
Maruſchka 517, Savoy the Firſt 230, Broadway 241 und
Spion 121310.
Wiener Trial=Stakes (erſte klaſſiſche Drei=
jährigen
=Prüfung). Um das mit 46000 Kronen ausge=

ſate 100 Meier=Rennen bewarden ſich 14 Kandidaten.
Das Rennen endete mit einer Ueberraſchung, da der von
dem früheren deutſchen Jockei Korb geſteuerte Lord Fore=
brand
im Einlauf mit Mokan nicht mehr gleichen Schritt
zu halten vermochte. Der Hengſt des rumäniſchen Renn=
ſtallbeſitzers
G. Negropontis ſonderte ſich immer weiter
vom Felde ab und gewann im Handgalopp mit 4 Län=
gen
. Anderthalb Längen hinter Lord Firebrand endete
Bartek als Dritter. Tot. 74:10. Pl. 103, 40, 77:90.
Rennen zu Horſt=Emſcher. 1. Rennen:
1. Senechal (Breſſel), 2. Felix eſto (Kühl), 3. Zero I
Pieplis). Tot. 15.10, Pl. 13, 18:10. Unpl.: Mattiacum
(4), Journaliſt. 2½1½ Lg. 2. Rennen: 1. Dollar=
prinzeſſin
(Holoubeck) 2. Wanderburſch (Schubert), 3.
Mogador (Kreiſel). Tot. 18:10, Pl. 13, 19110. Unpl.:
Miltiades, Horizont I 3. Rennen: 1. Prolice ( Ham=
mer
) 2. Highland Fling (Franke), 3. Kriegsbruder
(Piplies). Tot. 49110, Pl. 15, 12, 20:10. Unpl.: Lady
IJim, Franzisko, Roſette, Saint Home Delygrade, Ka=
kadu
I, Kingsway, Sportsman. 4. Rennen: 1. May=
May (Leiß), 2. Edfu (Miſchon), 3. Golden Garnet (Kühl).
Tot. 34:10, Pl. 17, 14:10. Unpl.: Gaspard, More Scotch,
Dekoration. 5. Rennen: Cophetus (Kühl) ging allein
über die Bahn. 6. Rennen: 1. Plutarch (Kühl), 2. Me=
luſine
(Johnſon), 3. Niman (Waboun). Tot. 19110,
Pl. 11, 12110. Unpl.: Mukden II, Leichtfink, Roſe Friquet
(gef.). 44 Lg.
* Radrennen. Radrennen in Breslau. Im
erſten über 30 Kilometer führenden Lauf unterlag der
Berliner Stellbrink nur ganz knapp gegen den Amerika=
ner
Walthour. Im zweiten Lauf über 50 Kilometer ging
der Amerikaner wiederum mit der Führung ab wurde
aber beim 24. Kilometer von dem aus letzter Poſition
aufrückenden Stellbrink verdrängt. Leider erlitt der Ber=
liner
gegen Schluß des Rennens einen Motordefekt, der
ihn wieder auf den letzten Platz zurückwarf. Walthour
ließ gegen Schluß des Rennens bedeutend nach, ſo daß
er von Linart, der auch im Geſamtklaſſement Sieger blieb,
überholt wurde. Erſter Lauf. 30 Kilometer: 1. Walthour
24144, 2. Stellbrink 30 Meter, 3. Linart 80 Meter 4.
Scheuermann 300 Meter zurück. 2weiter Lauf, 50 Kilo=
meter
: 1, Linart 42 Minuten 29 Sekunden, 2. Scheuer=
mann
550, 3. Walthonr 320), 4. Stelbrink 700 Meter
zurück. Im Geſamtklaſſement war Linart (auf Kontinen=
tal
=Pneumatik) mit 79,920 Kilometer ſiegreich von
Scheuermann, Walthour 76,800 Kilometer und Stellbrink
72,270 Kilometer. Im Hauptfahren ſiegte Wegener vor
Fr. Hoffmann, Finn und Pawke.
Auf der Pariſer Buffalobahn gelangte
der große Preis von Buffalo zur Entſcheidung. Elle=
gaard
ſiegte mit einer Viertellänge vor Dupre. Dritter

wurde Vedrine. Den kleinen Preis von Buſalg kan=
dete
Polledri vor Rudi Rouſſel. Das Dauerrennen über
50 Kilometer wurde von Rudolphe in 44 Minuten 7½
Sekunden gewonnen, 2. Larue 1 Runde, 3. Bruni 1 Runde
50 Meter, 4. Sigmar 3¾ Runden zurück. Das Prämien=
fahren
landete Perchicot vor Fournous.
* Fußball. Berliner Militär= Fußball=
ſpiele
um die Gardemeiſterſchaft. Die beiden Favori=
ten
der Abteilung B, die Eliſabether und die Auguſtaner.
lieferten ſich einen ſpannenden Kampf, in welchem jedoch
die Eliſabether überlegener ſpielten, als es das knappe
Reſultat von 1.0 zum Ausdruck brachte. In der achi=
zehnten
Minute mußte der ſonſt vorzüglich haltende Tor=
wächter
des Kaiſerin Auguſta=Regiments einen Ball aus
dem Gedränge durchlaſſen. Einen Elfmeterball in der
zweiten Spielhälfte ſchoſſen die Eliſabether vorbei. Das
5. Garde=Grenadier=Regiment gewann mit 6:0 (Halbzeit
270) überlegen gegen das Garde=Feldartillerie=Regiment,
und noch leichter triumphierte das 4. Garde=Regiment
mit 9.1 (Halbzeit 3:1) über das 2. Garde=Regiment. Das
Telegraphenbataillon ſchlug nach ſpannendem Spiele das
3. Garde=Regiment mit 32 (Halbzeit 111).
Die Berliner Fußball= Meiſterſchafts=
ſpiele
wurden am Sonntag zu Ende gebracht. Das
Wiederholungsſpiel Minerva gegen Hertha endete nach
ſchönem intereſſanten Kampfe vor etwa 3000 Zuſchauern
unentſchieden 44 (Halbzeit 3:2). Tennis=Boruſſia unter=
lag
mit der hohen Torziffer von 0:11 (0.5) gegen Bri=
tannia
.
* Laufſport. Kolehmainen ſchlägt Bouin
überlegen. Das Internationale Meeting des S. C.
Charlottenburg am Sonntag brachte durch die erſte Be=
gegnung
des franzöſiſchen Meiſterläufers Bouin mit dem
berühmten Finnen Kolehmainen ein leichtathletiſches Er=
eignis
allererſten Ranges. Für das über 7500 Meter füh=
rende
Rennen traten 18 Läufer an. Von Anfang an
ſonderten ſich die beiden Ausländer von ihren deutſchen
Gegnern ab, von denen kein einziger einen Augenblick
mit den beiden Schritt zu halten vermochte. Bereits nach
3000 Metern ſtand der Sieg von Kolehmainen feſt, da
Bouin bis dahin 40 Meter zurücklag. Der Franzoſe fiel
dann immer weiter zurück, ſo daß Kolehmainen unter dem
Jubel der Menge in 23 Minuten 05 Sekunden, alſo nur
eine Sekunde ſchlechter als der Weltrekord, mit 200 Meter
Vorſprung vor Bonin als Erſter das Zielband zerriß.
* Lawn=Tennis. Zum Lawn=Tennisturnier
um die Weltmeiſterſchaft, das am 1. Juni in
Paris beginnt, ſind als deutſche Teilnehmer genannt:
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des Spielplatzes frei.
2. Luft- u. Sonnenbäder (für Damen u. Herren getrennt)) Eintrittspreiſe für Mitglieder:
1. Einzelkarten 20 Pfg.
2. Abonnementskarten für die ganze Badeſaiſon für Einzel=
verſonen
6 Mk.
3. Desgl. für Familien für die ganze Badeſaiſon 8 Mk.
4. Für Angehörige werden auf Namen lautende Beikarten
ausgeſtellt, und zwar für Kinder bis zu 18 Jahren frei,
während für über 18 Jahre alte Familienglieder je 1 Mk.
zu zahlen iſt.
b) Eintrittspreiſe für Nichtmitglieder:
1. Einzelkarten 35 Pfg.
2. Abonnementskarten für die Badeſaiſon 12 Mk. für jede
einzeine Perſon.
(Familienkarten werden an Nichtmitglieder nicht abgegeben.
3. Der Tennisplatz.
Tennisſpieler zahlen für eine auf den Namen lautende Abonnements=
karte
für die Saiſon 4 Mk.
Nichtabonnenten zahlen für die Perſon und Stunde 10 Pfg.
Der Tennisplatz iſt in erſter Linie für unſere Mitglieder
beſtimmt. Durch Mitglieder einzuführende Nichtmieglieder
bezahlen 6 Mk. bezw. 15 Pfg.
Für den Beſuch des Spielplatzes, der Lichtluft= und Sonnen=
bäder
, ſowie des Tennisplatzes gelten die in den Satzungen feſt=
geſtellten
Bedingungen, die auch von Nichtmitgliedern zu be=
achten
ſind. Herausgreifen wollen wir, daß das Rauchen nicht ge=
ſtattet
iſt und daß Hunde auf den Platz nicht mitgenommen werden
dürfen.
Den Anordnungen des Vorſtandes, ſowie des Aufſichts=
führenden
iſt jederzeit Folge zu geben. Etwaige Wünſche nehmen
die Mitglieder des Spielplatz=Ausſchuſſes entgegen.
Der Platz liegt am Lichtwieſenweg. 5 Minuten von der
Halteſtelle, Schießhausſtraße der Elektriſchen Bahnentfernt. 6
Die Karten für die Bäder werden nur auf dem Spielplatz
von dem aufſichtführenden Herrn ausgegeben.
Die Aufnahme neuer Mitglieder kann dagegen nur bei dem
Vorſitzenden des Vereins, Herrn Stadtverordneten Saeng,
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Beſichtigung des Platzes iſt gern geſtattet.
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Jeden Mittwoch u. Samstag
Kur-Konzer t.
Eintritt 25 Pfg. 10 Abonnementskarten zu
Mük. 1.50 ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe. (B7894

Kriegerverein Darmſtadt.

Monatsverſammlung
Mittwoch, den 1. Mai 1912, abends 8 ½ Uhr,
im Vereinslokale in der Turnhalle am Woogsplatz.
Tagesordnung:
1. Geſchäftliche Mitteilungen.
2. Bericht über die am 6., 7. und 8. Juli in Ausſicht genom=
mene
Haſſia=Kyffhäuſerfahrt.
3. Verſchiedenes.
4. Bücherausgabe.
Anmeldungen zu der Kyffhäuſerfahrt werden in der Verſamm=
lung
entgegengenommen. Außerdem können Anmeldungen bis ſpäte=
ſtens
15. Mai bei dem Schriftführer Kam. Junge, Schloßgarten=
ſtraße
45, ſchriftlich oder mündlich erfolgen.
Die Koſten des Sonderzuges für die ganze Reiſe ſtellen ſich
in der 3. Klaſſe auf 13,20 Mk., in der 2. Klaſſe auf 19,60 Mk. pro
Perſon. Familienangehörige (auch Damen) können an der Fahrt
teilnehmen. Für billige und gute Nachtquartiere wird geſorgt.
Der Vorktand des Kriegervereins Darmſtadt.
10100)

Restaurant Metropole
5 Alexanderstrasse 5
Heute abend 8 Uhr:
Letztes grosses
Abschleus Ronzert

des so sehr beliebten
Damen-Salon-Orchesters
Hubert Heimig.
Ab 1. Mai konzertiert
Salon-Damen-Orchester

Schleßinger.

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Steter freier Eintritt.
Hochachtungsvollst
A. Holz, Inhaber.

Konzert-, Variété- u. Theatersaal Perkeo.
Monat Mai täglich abends 8 Uhr
Willy Engers Variété=Programm
und Eölner Burlesken
à Hartstein.
(9875a

Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 30.

April 1912.

Nummer 101.

Bauverein für die Reformationskirche
in Darmſtadt.

Hauptverſammlung
Dienstag, den 7. Mai, nachmittags 6 Uhr,
im Gemeindehaus Kiesſtraße 17.
Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorſtandes. 2. Rech=
nungsablage
und Entlaſtung des Schatzmeiſters. 3. Neuwahl des
Vorſtandes. 4. Anträge. 5. Sonſtiges.
(1010r
Der Vorſtand.

sonntag, den 5. Maicr.,
nachmittags 3 Uhr,
auf der Radrennbahn
Heidelbergerstrasse:
Grosse kau-u.
Hoter-Reinen.
Am Start im Preis von Starkenburg
Dauerrennen mit Motorschrittmachern
in 5 Lduten:
Bäumler, Meisterfahrer von Bayern,
Kraft, Meisterfahrer von Elsass,
Braun, Meisterfahrer von Nürnberg.
Motor-Rennen
in mehreren Läufen, von ersten Bahnmadatoren bestritten.
Große Flieger-Wettbewerbe.
Am Start: Weltmeister Rode; H. Weiss, 2. Sieger in
100 Km Weltmeisterschaft; W. Kellner, Gewinner des Kaiser-
preises
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besten Flieger!
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Klub-u. Mannschaftsfahren.

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u. bei S. Guttmann. Wendelstadtstr. 26, Hoffriseur Hermes, Luisen-
strasse
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Mitglieder haben freien Eintritt gegen Vorzeigung der Mitgl.-Karte.

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Monats=Verſammlung
Donnerstag, 2. Mai, abends 8 Uhr,

im Fürſtenſaal (Grafenſtraße).
Tagesordnung:
10085
1. Geſchäftliche Mitteilungen. 2. Kurze Referate. 3. Licht=
bildervortrag
des Herrn W. Grimm über das Thema:
Wie kaun man unfruchtbare Obſtbäume zur Fruchtbarkeit zwingen?
Freiloſe werden nur gegen Vorzeigung der Mitgliederkarte
Der Vorstand.
abgegeben.

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Telephon Nr. 1.
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Dienstag 30. April.
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Bühnenfeſtſpiel in 3 Tagen und
einem Vorabend v. Rich. Wagner.
Vorabend:
Das Rheingold
(in 2 Abteilungen).
Leit.: Hofkapellm. Hofrat de Haan.
Spielleitung: Oberregiſſ. Valdek.
Perſonen:
. . Hr. Weber
Wotan,
. Hr. Semper
Donner, 2
Froh, (2
. Hr. Jahn
Loge, 16
. Hr. Becker
. Fr. von Sugh
Fricka,
2, 8.
. Frl. Geyersbach
Freia, 1. 35 2
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. Frl. Howard
Erda,
.Hr. Stephani
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Anf. 7½ Uhr. Ende nach 10 Uhr.
Kartenverk. 111 u. v. 6½ Uhr an.
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Mittwoch, 1. Mai. Außer Ab.
Der Ring des Nibelungen. Erſter
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Freitag, 3. Mai. Auß. Abonn.
Der Ring des Nibelungen. Zweiter
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