Darmstädter Tagblatt 1912


22. April 1912

[  ][ ]

Abonnementspreis
Inſerate
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
werden
angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. Bei
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
gerichtlicher
Beitreibungoder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden,
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 14 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Der Reichstag behandelte am Samstag den Antrag
über das Rettungsweſen auf deutſchen
Schiffen. Staatsſekretär Delbrück erklärte, er werde
mit den beteiligten Kreiſen ſich in kurzer Zeit zu einer
gemeinſchaftlichen Erörterung aller Fragen zuſammen=
tun
.
Das deutſche Reichskomitee unter dem Pro=
tektorat
des Prinzen Heinrich von Preußen erläßt
einen Au ruf zur Sammlung einer National=
ſpende
für das deutſche Flugweſen.
Der Finanzminiſter Lukacs wurde mit der
Bildung des ungariſchen Kabinetts be=
traut
.
Nach einer offiziellen Mitteilung der White Star=Lint
ſind bei der Titanic=Kataſtrophe 705 Perſonen
gerettet und 1442 ums Leben gekommen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.

Die italieniſche Flottenaktion.

Seit Monaten war die Rede davon, daß die ita=
lieniſche
Flotte eine größere Aktion im Aegäiſchen
Meer unternehmen werde, um einen Druck auf die Tür=
kei
auszuüben, damit dieſe ſich zu einem Friedensſchluß
geneigter zeige. Trotz mehrfacher Anſätze war es aber
bisher noch nicht dazu gekommen, weil man doch Beden=
ken
vor einem ſolchen Schritte hegte. Bei der erſten
Kunde von den italieniſchen Abſichten hatten die Groß=
mächte
Einſpruch erhoben, in der Erwägung, daß ein
derartiger Schritt weitere Komplikationen und zwar nicht
nur unter den kriegführenden Parteien nach ſich ziehen
würde, ſondern daß auch die Mächte infolge Schädigung
ihrer Intereſſen leicht in Mitleidenſchaft gezogen werden
könnten. Wie berichtet, ſind nunmehr aber doch eine Reihe
italieniſcher Kriegsſchiffe, die ſchon ſeit längerer Zeit im
Aegäiſchen Meer krauzten, vor den Dardanellenforts er=
ſchienen
, um dieſe während einiger Stunden zu bombar=
dieren
. Was die ganze Maßnahme bezweckte, iſt wenig
erfindlich, es macht faſt den Eindruck, als ob man die
Aktion nur unternommen hat, um einmal etwas zu tun
und die im italieniſchen Volke über die Untätigkeit der
Flotte wachſende Mißſtimmung zu beheben. Anderſeits
mag man ſich vielleicht auch die Bezwingung der Dar=
danellen
leichter vorgeſtellt haben, wie ja die Italiener
in dieſem Kriege nicht zum erſten Male die Kraft der
Türkei unterſchätzt haben.
In Konſtantinopel will man in dem Bombardement
lediglich eine Demonſtration erblicken, zumal um dieſelbe
Zeit die Eröffnung des türkiſchen Parlaments erfolgte,
aber es wäre dann eine Demonſtration mit recht unzuläng=
lichen
Mitteln gegeben, die nur das Gegenteil von dem
hervorrufen konnte, was italieniſcherſeits damit beabſich=
tigt
war. Nicht nur, daß die Türken nicht eingeſchüchtert
worden ſind, werden ſie jetzt erſt recht nach Zurückweiſung
des italieniſchen Angriffs ihr Haupt hochtragen und den
italieniſchen Bedingungen gegenüber ſich noch weniger zu=
gänglich
erweiſen. Des weiteren aber iſt das italieniſche
Vorgehen geeignet, die Verwickelung zu vergrößern, denn
an der Dardanellendurchfahrt ſind alle Großmächte auf
das lebhafteſte intereſſiert, und bei Operationen in jener
Gegend muß der geſamte Handel auf das empfindlichſte
geſchädigt werden. Gewiß bringt das der Krieg mit ſich,
indeſſen iſt es pölkerrechtliche Beſtimmung, daß eine
Blockade nur dann zuläſſig iſt, wenn ſie in vollem Um=
fange
durchgeführt werden kann, wozu aber die Mittel
der Italiener nicht ausreichen. Es iſt deshalb nicht zu
verwundern, daß das Vorgehen der Italiener bei den
übrigen Mächten verſtimmt hat.
Aus dem amtlichen Bericht des Kommandanten des
ſtalieniſchen Geſchwaders, der bei der Regierung einge=
troffen
iſt, geht hervor, daß das Geſchwader die
Fahrt durch das Aegäiſche Meer mit großer
Schnelligkeit ausgeführt hat. Die Operationen des Ge=
ſchwaders
hatten nicht den Z=
Dardanellen anzu=

greifen oder zu forzieren oder Truppen auszuſchiffen.
Denn man hatte für dieſe Zwecke gar keine Truppen an
Bord. In der Nacht vom 17. zum 18. April wurde das
Kabel zwiſchen Imbres und den Dardanellen und zwei
Kabel von Lemnos durchſchnitten. Ein Teil des Ge=
ſchwaders
erhielt den Befehl, ſich vor die Dardanellen
zu begeben, da man hoffte, hierdurch die ottomaniſche
Flotte zur Ausfahrt und zum Angriff zu veranlaſſen.
Während die italieniſchen Schiffe vor den Dardanellen
kreuzten, erſchien ein türkiſcher Torpedojäger in der Ein=
fahrt
, gegen den unſere Flottenabteilung vorging. Zu
gleicher Zeit eröffneten zwei Küſtenforts aus großer Ent=
fernung
das Feuer gegen ſie. Dieſes zwang unſere
Schiffe, das Feuer zu erwidern und etwa zwei Stunden
lang wurden die äußeren Feſtungswerke bombardiert,
während der türkiſche Torpedobootszerſtörer ſchleunigſt
wieder in der Meerenge verſchwand. Auf unſerer Seite
ſind keine Verluſte. Die Flottenabteilung trat die Rück=
reiſe
nach Italien an.
Die Tribuna ſchreibt zu dieſem amtlichen Com=
muniqué
:
Der erſte Eindruck, den man auf Grund der erhal=
tenen
Nachrichten empfing, war der, daß die Flotte die
Dardauellen zu foreieren begann, doch der Zweck des
Vorgehens der Flotte war nicht dieſer und konnte es nicht
ſein, hatte vielmehr andere Ziele politiſcher, und
militäriſcher Art, die vollſtändig erreicht ſind. In
politiſcher Beziehung war es notwendig, in greifbarer
Weiſe die Dementis zu unterſtützen, die unſere Regie=
rung
bereits dagegen erlaſſen hatte, daß unſere Freiheit
in gewiſſen Meeren, beſonders im Aegäiſchen Meer, be=
grenzt
ſei. Unſere Aktion bewies, daß dies nicht wahr
iſt, daß die Türkei auf ihrem Kiſſen nicht ſanft ſchläft. Was
wir geſtern nicht getan, können wir morgen tun, wenn es
uns als notwendig erſcheinen ſollte.Unter den Lügen,
die die Türkei unter ihrer Bevölkerung verbreitete, war
anch die, daß unſere Flotte nicht wagen würde, ſich im
Aegäiſchen Meere zu zeigen. Wir haben das Gegenteil
bswieſen, während die Türkei ihre Prahlerei, daß ſie ihre
Kriegsſchiffe aus ihren Zufluchtshäfen auslaufen laſſen
würde, nicht wahr machte. Auch mit Rückſicht auf den
Krieg in Libyen war es geboten, zu zeigen, daß man
dem von den türkiſchen Küſten getriebenen Waffenſchmug=
gel
an dieſen Küſtent ſelbſt und an ſeinen Urſprungs=
orten
beikommen und gleichzeitig dort den Türken em=
pfindlichen
Kriegsſchaden zufügen konnte. Alles das
ſollte den Jungtürken gezeigt werden, um zu beweiſen,
daß ſie über kein anderes wirkſames Mittel verfügten
als über die Sperrung der Meerenge für den Welthandel.
Das haben wir für den Augenblick nicht gewollt. Infolge=
deſſen
wird ſich das italieniſche Geſchwader von den
Pforten Konſtantinopels zurückziehen, danen allerdings
nicht für immer, ſondern nur zeitweilig Lebewohl geſagt
werden wird.
Alle Pariſer Blätter geben der Befürchtung
Ausdruck, daß der Angriff der italieniſchen Flotte gegen
die Dardanellen ernſte politiſche Folgen ha=
ben
könne.
Das Journal des Débats ſchreibt: Wenn
die Türkei nur die Italiener vor ſich hätte, dann würde
der Einſchüchterungsverſuch wohl unwirkſam bleiben,
aber Italien kommt der ſehr nachdrückliche diplomatiſche
Beiſtand Rußlands zugute. Die ruſſiſche Regierung
geht aus Gründen, deren Darlegung etwas heikler Natur
wäre, diplomatiſch mit Italien Hand in Hand. Ja, man
konnte ſogar einen Augenblick glauben, daß Rußland
aus ſeiner Neutralität heraustreten und eine Flotten=
demonſtration
am Bosporuseingang unternehmen könnte.
Wir möchten im Intereſſe unſerer Freunde und des ge=
ſamten
Friedens ein baldiges Ende des Konflikts wün=
ſchen
, bei welchem ein zufälliges Ereignis einen allgemei=
nan
Brand anſtiften könnte. Wir glauben aufrichtig, daß
ein verſöhnliches Vorgehen den Intereſſen Italiens mehr
nützen, würde, als die Eröffnung einer neuen Kriegs=
phaſe
. Der Temps ſchreibt: Niemand freut ſich
über die italieniſch=ruſſiſche Intimität mehr als Frank=
reich
, aber um wirkſam zu ſein, braucht dieſe Intimität
nicht bis zu einer friedlichen Flottendemonſtration Ruß=
lands
zu gehen, welche nichts anderes als ein kriegeri=
ſches
Unternehmen wäre. Siécle ſagt: Man kann
nicht oft genug wiederholen, daß jede diplomatiſche oder
maritime Offenſive, welche Italien und Rußland gemein=
ſam
im Orient ergreifen ſollten, nur dazu dient, Oeſter=
reich
und Deutſchland zu Herren der Situation zu machen:
Oeſterreich, das bewieſen hat, daß es Italien Einhalt
gebieten kann, und Deutſchland, das bewieſen hat, daß
es Rußland Einhalt zu gebieten weiß.
In den politiſchen Kreiſen Englands
verurſachte die Nachricht von dem italieniſchen Angriff
eine höchſt unbehagliche Stimmung.
Die Times, die immer noch gelegentlich Regie=
rungsauffaſſungen
wiberſpiegelt, äußert ſich ziemlih
übellgunig und hält den Italienern vor, daß ſie mit dem
neueſten Zuge weder die Herſtellung des Friedens, noch

die Eroberung Tripolitaniens fördern, das, am letzten
Ende nur an Ort und Stelle wirklich in Beſitz genommen
werden könne. Alles andere könne nur den Neutralen Ver=
legenheiten
bereiten und die Türken noch hartnäckiger
machen, ſonſt aber zu nichts führen. Die Morning=
poſt
meint, Italien habe ſich wahrſcheinlich die
ſtimmung der Mächte zu ſeinem Vorgehen geſichert; kei=
nesfalls
aber könne man ihm ſein Vorgehen verübeln.
Es ſei nicht wahrſcheinlich, daß der Vorſtoß unternom=
men
worden wäre, wenn die italieniſche Regierung nicht
einen kräftigen, entſcheidenden Angriff beabſichtigte. Des=
halb
ſei anzunehmen, daß der Krieg nunmehr in ein kri=
tiſches
Stadiumtrete. Der DailyTelegraph nimmt
an, daß Italien ſich mit ſeinen beiden Verbündeten und
wohl auch mit Rußland verſtändigt habe, das ſeit ſo lan=
ger
Zeit ſchon die Oeffnung der Meexengen erſtrebe.
England habe dagegen nichts einzuwenden, ſolange ſie
auch den anderen Mächten offen ſtünden. Im übrigen
müſſe England ſich aber als mohammedaniſche Macht
ſtrenger Neutralität befleißigen. Leider ſei, ſo ſehr auch
das Ende des Krieges zu wünſchen ſei, von einer Wen=
dung
, die den ganzen näheren Oſten in Flämmen ſetzen
könnte, nichts Gutes für den Frieden zu hoffen.
Nowoje Wremja ſchreibt: Die Operatio=
nen
im Aegäiſchen Meer müſſen die türkiſche
Volkswirtſchaft erſchüttern, ſodaß die Türkei bald um
Frieden bittet. Das Bombardement der Dardanellen iſt
eine Demonſtration ohne Verbindung mit diplomatiſchen
Abſichten und Plänen. Birſchewyja ſagt: Die
Operationen im Aegäiſchen Meer bilden eine neue
Kriegsphaſe, welche dadurch der Entſcheidung genähert
wird. Eine Verſchärfung der orientaliſchen Frage iſt
möglich. Rjetſch meint: Das Zuſammenfallen der
Vermittelungsaktion in Konſtantinopel mit dem Bom=
bardement
der Dardauellen läßt in Europa die geheime
Unterſtützung Italiens durch Rußland vermuten. Saſo=
now
iſt zu einer offenen Erklärung verpflichtet. Rußland
hat das Recht, von der Divlomatie zu fordern, daß der
Name Rußlands nicht mit leichtſinnigen und gefährlichen
Abenteuern in Verbindung gebracht wird.
Wie aus Konſtantinopel gemeldet wird, iſt das Ge=
rücht
, Rußland habe die Pforte in einer Note zur
Wiedereröffnung der Dardanellenſchiff=
fahrt
aufgefordert, falſch. In gut unterrichteten Krei=
ſen
glaubt man indeſſen, daß, wenn die Schließung der
Dardanellen fortdauerte, auch England möglicherweiſe
die Pforte auffordern würde, die Beeinträchtigung der
internationalen Schiffahrt aufzuheben. Man nimmt an,
daß die Pforte darauf nur eingehe, wenn die Mächte
ſich verbürgen, daß Konſtantinopel nicht angegriffen
wird.

Deutſches Reich.

Die Budgetkommiſſion des Reichs=
tages
nahm die abgeänderte Reſolution des Zentrums,
in welcher der Reichskanzler erſucht wird, zu der Reform
der Diamantenregie unter angemeſſener Beteiligung der
Diamantenförderer und verſchärſter ſtaatlicher Aufſicht
Vorbereitungen zu treffen, an, ferner einen ſozialdemo=
kratiſchen
Antrag, bei dem Verkauf von deutſchen Dia=
manten
durch die deutſche Regie freien Wettbewerb zu=
zulaſſen
.
Die Durchführung der Reichsvers
ſicherungsordnung. Wie Berliner Blätter mel=
den
, haben während der erſten drei Tage voriger Woche
im Reichstag unter dem Vorſitz des Direktors im Reichs=
amt
des Innern Exz. Caſpar Beratungen zwiſchen Refe=
renten
der ſozialpolitiſchen Abteilung des Reichsamts des
Innern und Vertretern ſämtlicher deutſcher Bundesregie=
rungen
ſtattgefunden. Es wurde über ſämtliche zur Erör=
terung
ſtehenden Fragen ein Einverſtändnis erzielt. Die
Organiſation der neuen Verſicherungsbehörden, die in
den einzelnen Bundesſtaaten zu verſchiedenen Zeiten ins
Leben treten werden, ſoll jedenfalls bis zum 1. Januar
1913 zum Abſchluß gebracht ſein. Zu demſelben Ter=
min
wird auch die Unfallverſicherung in Kraft treten.
Eine reichsgeſetzliche Regelung der
Kinematoggraphen. Nach Mitteilung des badi=
ſchen
Miniſters des Innern Frhrn. v. Bodman iſt der
Bundesrat in Erwägungen über die Einführung reichs=
geſetzlicher
Vorſchriften über die Kinematographen einge=
treten
dabei handelt es ſich darum, dem Ueberhandneh=
men
ſolcher Anſtalten durch Einführung der Bedürfnis=
frage
einer obrigkeitlichen Erlaubnis, ſowie einer weiter=
gehenden
Aufſicht durch die Behörde zu ſteuern. Bei die=
ſem
Anlaß wies Miniſter von Bodman darauf hin, daß
er allerdings die Kinematographen für ein ſehr wichtiges
Bildungsmittel für unſer Volk halte, daß aber anderſeits
die Kinematographen nach der Entwickelung, die ſie ge=

[ ][  ][ ]

Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.

Nummer 94.

nommeu haben, eine ernſte Gefahr bedeuten. Wenn die
Kinematographen, wie das neuerdings mehrfach beob=
achtet
worden iſt, einen großen Teil ihrer Darſtellung aus
dem Gebiet des Verbrechens nehmen und nerpenaufpeit=
ſchende
Darſtellungen geben, ſo wirken ſie ungünſtig ſo=
wohl
auf die ſittliche als auch auf die körperliche Geſund=
heit
unſeres Volkes.
Die Sicherheit der Schiffspaſſa=
giere
. Im Reichstag iſt ein ſchleuniger Antrag ein=
gegangen
, der Reichstag wolle beſchließen, den Herrn
Reichskanzler zu erſuchen, ſchleunigſt Erhebungen darüber
herbeizuführen, ob bei der deutſchen Seeſchiffahrt für
Paſſagiere und Beſatzung jede mögliche Sicherheit ge=
währleiſtet
wird und ob insbeſondere alle deutſchen
Schiffe ausreichend Rettungsboote mit ſich führen, um
alle an Bord befindlichen Perſonen im Falle der Gefahr
aufnehmen zu können. Für den Fall, daß die Erfahrun=
gen
bei dem Untergang der Titanic es nötig erſcheinen
laſſen, ſind ungeſäumt auf dem Wege der Verordnung
oder des Geſetzes die erforderlichen Maßnahmen zu er=
greifen
.
Die Betriebseinnahmen der preu=
ßiſch
=heſſiſchen Staatseiſenbahnen be=
trugen
im März 1912 gegenüber dem März des Vorjah=
res
: im Perſonenverkehr 4 Mill. Mk. gleich 8.85 Proz.,
im Güterverkehr 8,3 Mill. gleich 6.54 Proz., insgeſamt
einſchließlich der Mehreinnahme aus ſonſtigen Quellen
1 Mill. gleich 7.48 Proz. mehr. Der März des laufenden
Jahres hatte einen Sonntag mehr und einen Werktag
weniger als im Vorjahr. Die Einnahmeausfälle, womit
anläßlich des Streiks der Kohlenarbeiter im Ruhrrevier
gerechnet werden mußte, ſind durch Mehreinnahmen in
anderen, namentlich oberſchleſiſchen Bergwerksbezirken,
ausgeglichen worden.
Die ſozialdemokratiſchen Vereini=
gungen
angeblich unpolitiſcher Natur
werden allmählich ſämtlich durch höchſtinſtanzliche Ge=
richtsurteile
als politiſche Vereine erklärt. Es macht
dabei gar keinen Unterſchied, welchen Namen ſich der
Verein zugelegt hat und welches Ziel er nach dem Statut
verfolgt. Die Beſtimmungen des Statutes werden für
illuſoriſch erklärt, ſie ſeien nur ein Vorwand, die politi=
ſche
Tendenz zu verſchleiern. Für die Gerichte iſt maß=
gebend
allein der Umſtand, daß alle ſozialdemokratiſchen
Vereinigungen gegründet ſeien, um Vorarbeit für die
ſozialdemokratiſche Parteiorganiſation zu leiſten. Das
iſt jetzt nach der Jugendorganiſation auch dem Berliner
Arbeiter=Radfahrerverein ſo ergangen, u. a. begründet auf
eine Auslaſſung im Organ des Arbeiter= Radfahrerbun=
des
, daß die Arbeiterradfahrer auf ihren ſtählernen Roſ=
ſen
die Huſaren des Klaſſenkampfes ſeien, denn Pflicht
auch der Arbeiterradfahrer ſei die politiſche Aufklärung.
Der Verein war vom Polizeipräſidium aufgefordert wor=
den
, Statuten und Verzeichnis der Vorſtandsmitglieder
einzureichen, da er ein politiſcher Verein ſei. Die Be=
ſchwerde
wurde vom Oberpräſidenten von Conrad abge=
lehnt
und das Oberverwaltungsgericht beſtätigte deſſen
Entſcheidung, daß der Berliner Arbeiter=Radfahrerverein
im Sinne des § 3 des Vereinsgeſetzes ein politiſcher
Verein ſei. Das Urteil iſt inſofern von großer Bedeu=
tung
, als jetzt nach gleicher Richtſchnur alle ſozialdemo=
kratiſchen
Vereinigungen behandelt werden ſollen.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Die ungariſche Kriſis. Die Neue Freie
Preſſe meldet, der Finanzminiſter im Kabinett Khuen,
Herr v. Lukacs, wurde am Freitag abend von dem
Kaiſer zum ungariſchen Miniſterpräſidenten ernannt. Er
fuhr Samstag früh nach Peſt, um die einleitenden Schritte

zur Bildung des Kabinetts zu unternehmen, das aus=
ſchließlich
aus Mitgliedern der Arbeiterpartei gebilder
wird.
Italien und Rußland.
Das Journal des Débats veröffentlicht in ſetten
Lettern folgende aus Wien datierte Meldung: Nach eifri=
gen
Verhandlungen zwiſchen Rom und Petersburg iſt
der Abſchluß eines italieniſch=ruſſiſchen Abkommens im
Zuge, durch das Ilalien der ruſſ. Politik auf dem Balkan,
insbeſondere bezüglich Mazedonien und Albanien, ſeine
Unterſtützung zuſichert. Dafür würde ſich Rußland ver=
pflichten
, unverzüglich die Souveränität Italiens über
Tripolitanien und die Cyrenaika anzuerkennen und dieſe
Anerkennung durch eine Flottendemonſtration am Ein
gang des Bosporus unterſtützen. Dem Temps wird
aus Petersburg gemeldet: Der angebliche Plan einer
ruſſiſchen Flottendemonſtration in den türkiſchen Gawäſ=
ſern
wird hier als wenig wahrſcheinlich angeſehen. Eine
Demonſtration im Schwarzen Meere hätte wenig oder
gar keine Wirkung und eine friedliche Demonſtration vor
Konſtantinopel iſt unmöglich, da man den ſtark befeſtigten
Bosporus durchbrechen und die ruſſiſche Regierung dem=
gemäß
die Feindſeligkeiten eröffnen müßte. Niemand
glaubt hier daran, daß die ruſſiſche Regierung die Abſicht
habe, bei ihrer Intervention ſo weit zu gehen.
Spanien.
Politiſche Kriſis. Diario Unkverſal, das offi=
ziöſe
Organ, bringt wörtlich den Verlauf der Unter=
redung
, die der Miniſterpräſident mit dem Finanzminiſter
gehabt hat, um eine Einigung zwiſchen dieſem und ver=
ſchiedenen
anderen Miniſtern über die Höhe gewiſſer Po=
ſitionen
des Budgets herbeizuführen. Da ſich keine Mög=
lichkeit
einer Verſtändigung gezeigt hat, iſt, wie das Blatt
hinzufügt, geſagt worden, es ſei ſehr wahrſcheinlich, daß
ſehr bald politiſche Ereigniſſe von höchſter Bedeutung
eintreten werden.
China.
Die Sechsmächte=Anleihe. Wie das Reu=
terſche
Bureau erfährt, iſt nach Telegrammen, die aus Pe=
king
und London eingetroffen ſind, die Frage der Sechs=
mächte
=Anleihe auf einem toten Punkt angekommen. Der
letzte in dieſer Angelegenheit erfolgte Schritt iſt die Ueber=
reichung
der Antwortnote des engliſchen, franzöſiſchen,
deutſchen und amerikaniſchen Geſändten auf die vor ei=
nigen
Tagen erfolgte chineſiſche Antwort. In der Note
wird erklärt, die Mächte hielten es nicht für angebracht,
den Banken zur Wiederaufnahme der Anleiheverhandlun=
gen
zu raten, bis China durch wirkſame Maßnahmen die
Achtung vor den Bürgſchaften ſichern werde, die den in
ternationalen Banken in Peking gegeben ſeien. Die Note
erklärt weiter bezüglich der engliſch=belgiſchen Anleßhe,
es ſei kein Raum für ein Mißverſtändnis, wie von China
angegeben. Jene Angelegenheit bedeute den Bruch der zwi=
ſchen
den Banken und China beſtehenden Abmachungen.

* Zwickau, 19. April. Heute nachmittag fanden im
Zwickauer Revier fünf Bergarbeiterver=
ſammlungen
ſtatt, um über die gegenwärtige
Lage zu beraten. Die meiſten Redner ſprachen ſich ge=
gen
die von der Revierkonferenz beſchloſſene Reſolution,
den Streik aufzugeben und die Arbeit am kommenden
Montag bedingungslos wieder aufzunehmen, aus,
worauf dieſe Reſolution einſtimmig abgelehnt wurde.
Es wurde die Einberufung einer großen Maſſenverſamm=
lung
gefordert, die über die Lage endgültig Beſchluß
faſſen ſoll.
* Gotha, 20. April. In einem Flugblatt des Ver=
bandes
ſozialdemokratiſcher Gaſtwirts=
gehilfen
wird berichtet, daß der Streik der Kellner
im ſozialdemokratiſchen Gothaer Volkshaufe ausbrach,
weil die Forderungen, die in Privatbetrieben ſchon be=
willigt
ſind, von der Geſchäftsleitung abgelehnt wurden.

Unter anderem hatten Familienväter 45 bis 75 Pfennig
Tagesverdienſt gehabt. Mit Vorliebe würden Nicht=
organiſierte
beſchäftigt.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 22. April.

* Ernannt wurde der Gefangenwärter am Landes=.
zuchthaus Marienſchloß Adam Heinſtadt zum Ge=
fangenaufſeher
an dieſer Anſtalt mit Wirkung vom
4. Mai 1912.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 16 enthält:
1. Geſetz über die Tilgung der Staatsſchuld für das
Etatsjahr 1912. 2. Bekanntmachung, die Erhebung von
Deckgeld für Bedecken von Stuten betreffend. 3. Be=
kanntmachung
, die Neuwahl des Vorſtandes der Ge=
noſſenſchaftskaſſe
für Kommunalforſtwarte betreffend.
4. Bekanntmachung, die Bildung der Amtsgerichtsbezirke
Gießen, Grünberg, Nidda, Ortenberg, Oppenheim, Wörr=
ſtadt
, Nieder=Olm, Ober=Ingelheim und Bingen be=
treffend
. 5. Bekanntmachung, Induſtriegleis der Stadt
Darmſtadt betreffend. 6. Bekanntmachung, Anſchluß=
gleis
der Firma Ballerſtedt & Co. in Hain=Gründau
betreffend.
g. Provinzialausſchuß. Der Provinzialausſchuß
verhandelte am Samstag die Reklamation des Gewerk=
ſchaftsbeamten
Wilhelm Weber zu Offenbach wegen
Nichtaufnahme des Taglöhners Heinrich Schwebel in
die Liſte der Wahlberechtigten zur Reichstagswahl. Der
Taalöhner Heinrich Schwebel in Offenbach verbüßte vom
3. Oktober bis 31. Oktober 1911 eine Freiheitsſtrafe und
ſeine Familie erhielt während dieſer Zeit eine wöchent=
liche
Unterſtützung von 8 Mk. von der Armenverwal=
tung
Offenbach. Aus dieſem Grunde wurde dem
Schwebel die Aufnahme in die Wählerliſte verſagt, da
die Bürgermeiſterei die Unterſtützung nicht als vorüber=
gehende
anſah. Der Gewerkſchaftsbeamte Weber legte
hiergegen beim Kreisausſchuß Offenbach Beſchwerde ein,
die jedoch als unbegründet abgewieſen wurde. Die er=
haltene
Unterſtützung ſei als Armenunterſtützung anzu=
ſehen
und demgemäß die Aufnahme in die Reichstags=
wählerliſten
zu verſagen. Der Provinzialausſchuß ver=
wirft
die Reklamation koſtenfällig, da der Provinzial=
ausſchuß
nicht zuſtändig ſei. Nach § 8 des Reichstags=
wahlgeſetzes
muß die Entſcheidung vor der Wahl her=
beigeführt
werden und zwar bei der zuſtändigen Be=
hörde
das iſt das Kreisamt. Eine kompetente Stelle
zur Reklamation gegen eine derartige Entſcheidung des
Kreisausſchuſſes gibt es nicht. Als nächſte Inſtanz hätte
der Reichstag darüber zu entſcheiden. Der Beſchwerde=
führer
nimmt nach dieſem Urteil auch die Reklamation betr.
die Nichtaufnahme des Sattlers Oswin Bauer zurück.
Wilhelm und Lina Bolz in Schönberg ſuchen um Er=
laubnis
zum Betrieb einer alkoholfreien Wirtſchaft in
ihrem Hauſe auf der Auerbacher Höhe nach. Das Ge=
ſuch
beſchäftigte ſchon ſeit 1899 zu wiederholtem Male
Kreis= und Provinzialausſchuß. Die Erlaubnis war auf
Einſpruch der benachbarten Eigentümer bisher immer
verweigert worden. Der Provinzialausſchuß erteilt
diesmal die Erlaubnis für die Zeit vom 1. April bis
zum 1. Oktober, da ein Einſpruch nicht mehr erhoben
wurde. Am 29. Dezember fand in Pfaffen=Beerfurth
Beigeordnetenwahl ſtatt, bei der Herr Georg Walter II.
53 Stimmen und Bernhard Götz 52 Stimmen erhielt.
Gegen die Gültigkeit der Wahl wurde Reklamation ein=
gelegt
, da erſtens zwei Wähler in der Wählerliſte
ſtanden und gewählt haben, die noch nicht 25 Jahre alt
waren, dann hätte der Bürgermeiſter Niklas Stimm=
zettel
verteilt, worin eine amtliche Wahlbeeinfluſſung zu
erblicken ſei. Der Kreisausſchuß Erbach lehnte in ſeine
Sitzung vom 17. Febr die Reklamation als unbegründet
ab. Nach konſtanter Rechtſprechung ſeien diejenigen, die in
der Wählerliſte ſtehen, auch wahlberechtigt. Ein Ein=
ſpruch
gegen die Richtigkeit der Wählerliſte ſei nicht er=
folgt
. Gegen das Urteil des Kreisausſchuſſes wurde
von der unterlegenen Partei Berufung eingelegt. Vom
Vertreter dieſer Partei, Herrn Rechtsanwalt Mainzer,
wurde ausgeführt, daß wohl durch den Eintrag in die
Wählerliſte ein formelles Wahlrecht entſtanden iſt, doch
ſei zweifellos durch dieſe Beteiligung das Ergebnis der
Wahl entſcheidend beeinflußt worden. Der Provinzial=
ausſchuß
gibt dem Rekurs ſtatt und erklärt unter Auf=
hebung
des Urteils des Kreisausſchuſſes die Wahl für
ungültig. Die Koſten des Verfahrens fallen der Ge=
meinde
zur Laſt.
D Zur 3. Sitzung der Stadtverordneten= Ver=
ſammlung
am Donnerstag, den 25. April 1912, nach=
mittags
3½ Uhr, iſt folgende Tagesordnung feſt=
geſetzt
: 1. Mitteilungen. 2. Verwaltungsbericht für 1910.
3. Geſuch um Zulaſſung geſchloſſener Bauweiſe für das
Gelände am Niebergallweg zwiſchen Bruſt= und Schieß=

Neufundland, der Friedhof des
Atlantiſchen Ozeans.

** Die Gegend des nordatlantiſchen Mee=
res
in der die Titanic ihren Untergang gefunden
hat, iſt durch eine außerordentliche Verbindung von Ge=
fahren
die gefürchteſte und ſchlimmſte Stelle, der wahre
Friedhof des Ozeans. Nebel, Eisberge, Klippen
unter Waſſer, nordöſtliche Stürme, eine tückiſche zerriſſene
Küſte und unberechenbare Strömungen ſchaffen eine
furchtbare Vorbedingung für Kataſtrophen. Von allen
Schrecken des Meeres iſt hier das Schiff umlauert, und es
bedarf der größten Vorſicht, um dieſe Hölle des See=
manns
ſicher zu durchqueren. Im Frühling und Som=
mer
, ja manchmal das ganze Jahr hindurch, treiben hier
mit der Polarſtrömung die Eisberge herunter, von denen
einer dem Rieſenſchiff den Todesſtoß verſetzte. Die Po=
larſtrömung
, die in ihrer Richtung unberechenbar und
ewig launenhaft iſt, erzeugt durch ihre Berührung mit
den warmen Waſſern des Golfſtromes jene furchtbaren
Nebelmaſſen, die das Meer in undurchdringliche Finſter=
nis
hüllen und Eisberge und Klippen dem ſchärfſten
Auge verbergen. Die dieſem Friedhof des Meeres nächſte
Ländſtrecke iſt das Kap Race, deſſen Küſte mit ihren
im Waſſer verborgenen Felſen, die ſich wie die Virgin
Rocks bis zu 90 engliſchen Meilen weit ins Meer hinein
erſtrecken, noch eine beſondere Gefahr für ſich bildet. Die
Bewohner dieſes Kaps leben weniger von der ſpär=
lichen
Fiſcherei und Seehundsjagd, als von dem Strand=
gut
, das ihnen das Meer an die Küſte wirft.
Sie ſind ein eigenartiges Völkchen, dieſe etwa 2000
Neufundländer iriſcher Abſtammung, die auf öden
Felſenklippen ihr Leben friſten. Von ihrer gefahrvollen
Arbeit, ihren großen Entbehrungen und kleinen Freuden
erzählt George Harding in Harpers Magazine. Leben
por Ladung das iſt die Parole und Religion von Kap
Race. Es gibt wahrſcheinlich keine Küſte auf der Welt
wo Schiffbrüchige ſo aufopfernd gerettet, ſo freundlich
aufgenommen und gepflegt werden. Bei dem ewigen
Nebel wird das Nebelhorn des Kaps manchmal Hunderte

von Stunden unaufhörlich geblaſen; der Nebel iſt ſo dicht
daß die Neufundländer bisweilen die Kommandorufe auf
den ſcheiternden Schiffen hören, ohne dieſe ſelbſt ſehen zu
können. Zwar gibt es ſichere Routen für die Dampfer, die
einen Umweg um dieſe gefährliche Stelle machen, aber ſo
manches Schiff will Zeit ſparen und wählt die kürzere
Route, ſo daß Tauſende von Schiffen jährlich in der Nähe
des Kaps vorbeikommen. In einem einzigen Monat
ſcheiterten ein großer Paſſagierdampfer und vier kleinere
Dampfer; alle in der Nähe voneinander, und daß geſtran=
dete
Schiffe wieder ſeetüchtig werden, iſt eine ganz ſeltene
Ausnahme. Nur ein einziges unter den 70 Schiffen, die
in den letzten 20 Jahren hier ſcheiterten, konnte ſeine
Fahrt nach langen Ausbeſſerungen fortſetzen. Von den
ungeheueren Stürmen werden die Schiffe an die Felſen
gepreßt und zerſchmettert und ſinken augenblicklich. Ein
Wrack an unſerer Küſte verſchwindet wie ein Hering in
einem Walfiſch, ſo äußern ſich die Einwohner. Sie be=
trachten
das, was ihnen das Meer beſchert, als eine gute
Gabe Gottes und laſſen es ſich meiſtens recht ſauer wer=
den
, dieſe Gaben, die das tückiſche Element ihnen bald
näher und bald ferner zeigt, durch tollkühne Bergungs=
arbeiten
zu gewinnen.
Wenn es auch wohl nur eine Fabel iſt, daß das Abend=
gebet
ihrer Kinder lauten ſoll: Gott ſchütze Papa und
Mama und ſchicke uns wieder ein Wrack ſo ſind ſie doch
unſentimental genug, um ſich des eroberten Strandgutes
zu freuen und ſogar einen guten Fang mit einem luſti=
gen
Tänzchen beim Klange der Ziehharmonika zu feiern.
Die Türen ihrer Häuſer haben einſt Schiffskabinen ver=
ſchloſſen
; das Glas ihrer Fenſter ſtammt von den Schiffs=
luken
; ſie wärmen ſich an einem Schiffsofen, den ſie mit
von einem Kohlendampfer erbeuteten Heizmaterial ver=
ſorgen
; die Schiffslampe wirft ihren gemütlichen Schein
auf ihre Tiſche, die ebenfalls ihre Herkunft deutlich ver=
raten
; alles, was ihr Leben ſchmückt und annehmlich
macht. haben ſie dem Meere abgerungen. Bei dieſer Ar=
beit
ſind ſie unermüdlich. Gib einem Neufundländer
einen Bootshaken, ſagte einmal ein alter erfahrener Ka=
pitän
, und er wird fünf Meilen ſich in die See hinaus=
wagen
, um die Haut von einem toten Ochſen aufzufiſchen.

Wirklich haben die Neufundländer ſo manchen lebenden
und toten Ochſen ans Land gebracht, denn die Vieh=
dampfer
von Portland und Montreal kommen gar häufig
an ihrer Küſte vorbei. Alles bringen ſie ans Land, was
ſie nur kriegen können; von einer Truhe mit Gold bis zu
ein paar Schaufeln Kohlen, von einem Stück Ankerkette
bis zu einem Schlummerkiſſen aus des Kapitäns Kabine.
Manchmal wiſſen ſie den Wert deſſen, was ſie da einge=
heimſt
haben, gar nicht zu ſchätzen. So erbeuteten ſie bei
dem Untergange des Dampfers Herder eine Ladung
Fiſchbein unter großen Schwierigkeiten; aber das Zeug
ſchien ihnen nichts wert, und da die Nacht bitterkalt war,
ſo machten ſie mit dem Fiſchbein ein gutes Feuer, und
ärgerten ſich nachher furchtbar, als ſie erfuhren, was für
wertvolle Beute ſie in Rauch hatten aufgehen laſſen. Von
dem Wrack des eleganten Dampfers Scottiſh King
brachten ſie viele Käſten Champagner an Land. Ein
ſchlauer Händler aus St. Johns kaufte ihnen die Flaſche
für 10 Cents ab. Ja meinte ein Fiſcher, als ihm dies
ſchlechte Geſchäft klar wurde, er ſagte, es wäre nicht viel
wert und es ſchmeckte ſo, wie wenn er die Wahrheit ſagte
Die Kehlen der Neufundländer ſind eben mehr auf
Branntwein und Rum eingerichtet. Die Händler aus St.
Johns, die öfters nach Kav Race kommen, um denFiſchern
ihre Beute abzuhandeln, ſind geriſſene Kaufleute, die den
weltfremden Neufundländer gewöhnlich übers Ohr hauen.
Die zahlloſen geſunkenen Wracks werden von einer Tau=
cherfamilie
ausgebeutet, den Larders, die ſchon ſeit
Generationen am Kap Race ihren ſchweren und gefahr
vollen Beruf ausüben. Mit den Skeletten vieler Schiff=
zuſammen
bleichen an dieſen Küſten die Gebeine zahl
reicher Menſchen. Gar manche Schiffe ſind hier mit Mann
und Maus untergegangen, ſo die Lady Sherbrooke die
mit 530 Menſchen unteraing, das Transportſchiff Har=
pooner
das 250 Menſchen verlor; der Schiffbruch des
Anglo=Saxon koſtete 150 Seelen uſw. Ein Schiffskom=
miſſionar
von Trepaſſey zählte während ſeiner Dienſtzeit
115 Wracks, davon 7 in einer Woche, in dieſem Friedhof
des Atlantiſchen Ozeans

[ ][  ][ ]

Nummer 94,

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.

Seite 3.

hausſtraße. 4. Baugeſuche für das Gelände zwiſchen
dem alten Hohlen Weg, der neuen Odenwaldbahnlinie,
Dem neuen Hohlen Weg und dem Speſſartring. 5. Frei=
gabe
der Oberen Liebfrauenſtraße zwiſchen Dieburger=
ſtraße
und Hohlem Weg. 6. Geſuch um Geſtattung der
Anlage einer Abwaſſergrube für einen Neubau in der
erſten Parallelſtraße öſtlich der Heidenreichſtraße. 7. Erlaß
einer Schlachthofordnung und einer Marktordnung für
Schlachtviehmärkte. 8. Induſtriegleisanlage auf der
Nordſeite der Weiterſtädterſtraße. 9. Anlegung einer
Brückenwage an der Kreuzung der Weiterſtädterſtraße
und des Landwehrwegs. 10. Bewilligung der Mittel
für Stellvertretung eines beurlaubten Oberlehrers der
Viktoriaſchule. 11. Einlegung eines Gasverſorgungs=
rohrs
in den Dornheimer Weg zur Verſorgung der
Arbeiterhäuſer daſelbſt. 12. Ergänzung des § 19 der
Satzung des ſtädtiſchen Leihamts. 13. Veräußerung
von Hydrantenwagen.
* Sammlung einer nationalen Flugſpende. In der
heutigen Nummer iſt ein Aufruf des deutſchen Reichs
komitees zu einer Nationalflugſpende veröffent=
licht
. Unſere Leſer ſeien hiermit noch beſonders darauf
aufmerkſam gemacht. Spenden nimmt die Expedition
des Darmſtädter Tagblatts zur Weiterbeför
derung entgegen. Dem Reichskomitee gehören als Ver=
treter
des Heſſiſchen Verbandes für Flugweſen an die
Herren Oberleutnant v. Selaſinsky=Mainz und
Kammerherr Frhr. v. Oetinger=Darmſtadt. Auch
Frhr. v. Biegeleben, Großh. Heſſiſcher Geſandter in
Berlin, gehört dem Komitee an.
* Joachimſche Geſangſchule. Es wird auch an
dieſer Stelle auf die heute Montag abend im Kaiſerſaal,
Grafenſtraße, ſtattfindende Aufführung der Joachimſchen
Heſangſchule, Parcusſtraße 9, verwieſen. Unter den Vor=
rrägen
befindet ſich das herrliche Duett mit Cello= Be=
zleitung
: Joſef, lieber Joſef mein! aus dem Oratorium
von Herzogenberg, welches der Johanneskirchenchor
Weihnachten zur Aufführung brachte.
A Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Die eingetretene beſſere Witterung
drachte ſchon größere Mengen Spargeln auf den Markt,
ie koſteten 70 Pf. bis 1 M. das Pfund. Auch Karotten
ind ſchon da, das Bündel zu 2550 Pf. Sonſt ſind an
Durchſchnittspreiſen zu verzeichnen. Butter ½ Kg. 1,50 M.,
Tier 69 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 25 Pf., Handkäſe 4 bis
10 Pf., Kartoffeln der Zentner 4,505,00 M., Kumpf
10 Liter) 80 Pf., ½ Kg. 78 Pf., Mäuschen ½ Kg. 15 Pf.,
Malteſer ½ Kg. 20 Pf.; Obſt u. dgl.: Aepfel ½ Kg. 10
dis 25 Pf., Zitronen 5 Pf., Apfelſinen 57 Pf.; Salat,
Hemüſe u. dgl.: Kopfſalat 1214 Pf., Körbchen Feld=
alat
oder Lattich 1012 Pf., Bündel Radieschen 2 Pf.,
Rettich 612 Pf., Meerrettich 1025 Pf., Zwiebeln½ Kg.
1012 Pf., Tomaten ½ Kg. 70 Pf. Gelberüben ½ Kg
25 Pf., Weißerüben ½ Kg. 10 Pf., Bündel Römiſch=
Kohl 3 Pf., Spinat ½ Kg. 1618 Pf. Wirſing 25 Pf.
Weißkraut, Rotkraut ½ Kg. 2025 Pf., Blumenkohl 30
zis 50 Pf., Schwarzwurz ½ Kg. 25 Pf., neue Schälgurken
550 Pf., Topf Schnittlauch 15 Pf.: Geflügel, Wild:
Hänſe ½ Kg. 85 Pf., Enten 45 M., Hahnen u. Hühner 2,00
dis 2,20 M., Tauben 6070 Pf., Paar Zuchttauben 1,50
is 10,00 M., Zicklein 23 M., Lapins 0,901,00 M.;
Fiſche ½ Kg.: Hecht, Karpfen 80 Pf., Aal 1,20 M., andere
Rheinfiſche 3560 Pf., Rotzungen 80 Pf., Schollen 25 Pf.,
Kabeljau 2030 Pf., Schellfiſche 25 Pf., Seelachs 19
dis 24 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch
3066 Pf., Hackfleiſch 70 Pf., Rindsfett 60 Pf., Rinds=
würſtchen
(Stück) 15 Pf., Kalbfleiſch 90 Pf., Schweinefleiſch
54 Pf., geſalzenes und Koteletts 96 Pf., Schwartenmagen,
Fleiſchwurſt 80 Pf., Leber= und Blutwurſt 70 Pf.

Kranichſtein, 20. April. Ein folgenſchwerer Eiſen=
ahnunfall
ereignete ſich heute Nacht in der Nähe der
ieſigen Station auf den Gleiſen 6 und 7. Um 12 Uhr 10.
Ninuten kamen plötzlich einige ohne Lokomotive in dem
Sleiſe ſtehende Wagen ins Rollen und fuhren in den von
dranichſtein nach Hammelstrifft fahrenden Güterzug
inein. Durch den Zuſammenſtoß ſtürzten 7 Wagen
im und wurden zum Teil zertrümmert ſodaß der Mate=
kalſchaden
nicht unbeträchtlich iſt. Menſchen wurden nicht
erletzt. Auch eine in einem Viehwagen befindliche Kul
llieb unverletzt. Stark beſchädigt wurde ein Wagen mit
Naſchinenteilen und ein ſolcher mit Möbeln von der Firma
llter Darmſtadt. Um 4 Uhr morgens waren die Gleiſe
pieder frei.
Nieder=Modau, 20. April. Zum Zuſammenbruch
der Nieder=Modauer Kaſſe erfahren die Blätter,
ſich nunmehr mit Unterſtützung der Regierung eine
reue Sanierungskommiſſion unter der Leitung
ſes Direktors der Landeshypothekenbank, Regierungsrat
Baſtian, gebildet hat, ſo daß man hoffen darf, daß die Ver=
zandlungen
doch noch zu einem günſtigen Ergebnis führen.
Auch Kreisrat Wagner=Dieburg iſt ſehr eifrig beſtrebt,
inem guten Ausgang die Wege zu ebnen. Inzwiſchen wird
die Unterſuchung gegen die drei in Haft befindlichen Rech=
ker
Adam und Beck, ſowie den Kaufmann Jſaac weiterge=

führt. Beſonders gegen die beiden Letztgenannten ſoll ſich
neues Beweismaterial gefunden haben.
Bensheim, 20. April. Die Namen der Frau Pauline
Schabert (nicht Howard, wie kürzlich angegeben) und des
Herrn Ph. E. Mock, Sohn und Tochter der in Bensheim
wohnenden Privatin Frau Mock, die die Unglücksfahr=
der
Titanie mitgemacht haben, ſind in den Liſten der
Geretteten enthalten.
Offenbach, 19. April. Der 25 Jahre alte, aus Pappen=
heim
ſtammende und in Bürgel logierende Schloſſer Hein=
rich
Schürle iſt ſeit einigen Tagen ſpurlos ver=
ſchwunden
. In der Nacht zum 10. April kam er zwi=
ſchen
2 und 3 Uhr in angetrunkenem Zuſtande in ſeinem
Logis an, ging aber gleich wieder hinaus. Von dieſer
Stunde an wurde Schürle nicht mehr geſehen.
* Offenbach, 19. April. Man teilt uns mit, daß die
zwiſchen den Arbeitervertretern der beſtreikten vier
Firmen Adlerwerke, J. S. Fries u. Sohn, Ph. May=
fahrt
u. Ko., Pokorny u. Wittekind und den Vertretern der
Firmen ſelbſt im Beiſein der Abgeordneten beiderſeitiger
Organiſationen geführten Verhandlungen trotz erheblichen
Entgegenkommens der Arbeitgeber zu einem Reſultat
nicht geführt haben, weil zunächſt über einen Haupt=
punkt
: die Arbeitszeitverkürzung bei weſentlich geſteigertem
und garantiertem Geſamteinkommen, eine Einigung nicht
erzielt werden konnte. Die Arbeitgeber ſtehen auf dem
Standpunkt, daß eine weitere Verkürzung der jetzt be=
ſtehenden
Arbeitszeit nebſt den geforderten Lohnerhöhungen
nicht zugegeben werden kann, weil die Leiſtungsfähigkeit
unſerer Induſtrie hierdurch erheblich beeinträchtigt und
ihre Konkurrenzfähigkeit insbeſondere auf dem Weltmarkt
in Frage geſtellt würde. Unſere deutſche Maſchinenindu=
ſtrie
hat außerordentlich ſchwer zu kämpfen, um ihre Stel
lung, die ſie ſich mühſam erobert hat, zu behaupten und
befindet ſich unſeren Hauptkonkurrenten auf dem Weltmarkt
gegenüber ſchon ſtark im Nachteil durch die außerordent=
lich
hohen Belaſtungen, die ihr unſere deutſche ſozialpoli=
tiſche
Geſetzgebung auferlegt und die noch fortwährend ge=
ſteigert
werden. Die Annahme, daß eine kürzere Arbeits=
zeit
durch größere Leiſtungsfähigkeit der Arbeiter ausge=
glichen
werden könne, hat ſich in der Praxis noch niemals
erfüllt. Der Arbeiter wird durch ſeine Organiſation heute
allgemein ängehalten, nicht ſein Beſtes zu geben, ſondern
mit ſeiner Arbeitskraft möglichſt ſparſam um=
zugehen
. Trotzdem die Induſtrie den meiſten Wünſchen der
Arbeiterſchaft gegenüber eine durchaus entgegenkommende
Haltung eingenommen hat beharrt dieſe auf der Forderung
nach Verkürzung der Arbeitszeit.
Mit Rückſicht auf dieſe Lage hat ſich der Ver=
band
der Metallinduſtriellen für Frankfurt a. M. und Um=
gegend
nach vorheriger Verſtändigung mit den übrigen
ſüddeutſchen Kartell=Verbänden, ſowie dem Geſamtverband
in Berlin, leider genötigt geſehen, eine Ausſperrung
von 60 Prozent der Vollarbeiter in ſeinen ſämtlichen
Betrieben anzuordnen, die geſtern unter nahezu vollſtän=
diger
Beteiligung der Mitglieder einſtimmig be=
ſchloſſen
wurde. Die Kündigungen erfolgen auf den
4. Mai. Sollte bis dahin in den evtl. weiterzuführenden
Verhandlungen eine Einigung erzielt werden, ſo würden
die Kündigungen natürlich zurückgenommen werden.
Rimbach, 20. April. Ein frecher Einbruch wurde
in das hieſige Pfarrhaus verübt. Verſchwunden ſind
nach den bisherigen Feſtſtellungen ein Barbetrag von
200 Mark, ſowie zwei Sparkaſſenbücher. Bis jetzt hat
man von dem Einbrecher keine Spur. Die Gendarmerie
iſt mit Eifer bemüht, den Täter zu finden. Der Dieb hat
ein Fenſter erbrochen und gelangte dadurch in die
Schreibſtube des evangeliſchen Pfarrers, wo er den Raub
ungeniert mitnehmen konnte, da man ihn nicht hörte. An=
ſcheinend
war er mit den Verhältniſſen des Hauſes
vertraut.
Mainz, 19. April. Im Auguſt 1901 unternahmen
die beiden Söhne einer hieſigen Familie einen Sommer=
ausflug
nach der Schweiz und ſandten am 23. Auguſt von
Pontreſina aus eine Anſichtspoſtkarte nach Mainz
mit der Nachricht, daß ſie an einem beſtimmten Tage wie=
der
hier eintreffen würden. Elf Jahre ſind ſeit dieſer Zeit
ins Land gegangen; am 16. April 1912 traf die Karte
in der Wohnung des Adreſſaten ein, der bereits ſeit einer
Reihe von Jahren verſtorben iſt.
Mainz, 19. April. Der Sergeant Wilhelm Michel
aus Hanau (Hunsrück), von der 2. Komp. des Inf.=Regts.
Nr. 87, hatte ſich im Januar 1911 mit der Tochter eines
gutſituierten Handelsmannes aus Gemünden (Hunsrück)
verlobt. Zu Oſtern 1911 verlobte ſich der Vielſeitige
noch einmal mit einem hier in Stellung befindlichen
Mädchen. Hierauf ſchrieb er an ſeine erſte Braut und ihren
Vater in Gemünden und bat um ein Darlehen von 200
Mark. Er ſchwindelte ihnen in dem Briefe vor, er habe
eine Schlägerei mit Ziviliſten gehabt, und wenn er die
200 Mark nicht zahle, komme er vor Gericht. Unter Ver=
mittelung
ſeines Bruders wurde ihm das Geld geſchickt.
Bald darauf ſchrieb er um 150 Mark, da ihm ſeine Ausgehe=
Uniform beim Trocknen am Ofen verbrannt ſei. Auch die=

ſes Geld ſollte er bekommen, wenn nicht in der Zwiſchen=
zeit
ſeine Braut von ſeiner zweiten Verlobung Kenntnis
erhalten hätte. Das Mädchen fuhr nach Mainz und erfuhr
hier von der zweiten Braut den Sachverhalt. Der Vater
erſtattete ſodann Anzeige wegen Betrugs. Der Angeklagte
gab zu, daß ſeine Angaben, unter denen er das Geld ver=
langt
, erfunden waren. Wegen Betrugs und Betrugsver=
ſuchs
wurde der Angeklagte, dem M. Tgbl. zufolge, zu
2 Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt.
Mainz, 20. April. Das Artilleriedepot
empfing geſtern ab Fabrik mehrere der größten modernen
Feſtungsgeſchütze. Beim Ausladen im Güterbahn=
hof
ſtürzte einer der Transportwagen mit dem darauf
befindlichen Geſchützrohr im Gewicht von 70 Zentnern
von der Rampe in das Gleiſe. Das ſtark beſchädigte Ge=
ſchütz
mußte mit einem fahrbaren Kran aus dem Gleis
gehoben werden.
Worms, 20. April. Seit einiger Zeit weilt hier ein
Kommando des Telegraphenbataillons 4 aus
Karlsruhe, um Umbauarbeiten der Telegraphenſtrecke
Worms-Pfeddersheim, längs des Bahnkörpers
vorzunehmen. Das Kommando beſteht aus 40 Mann,
5 Unteroffizieren und einem Offizier; es wechſelt alle 10
Tage. Die Geſamtdauer der Uebung iſt auf 60 Tage
berechnet.
Koſtheim, 20. April. Am Freitag nachmittag fiel das
ſiebenjährige Mädchen Margarete Friſch, das ſeinem
Ball, der in den Main gefallen, nachgeſprungen war,
in das Waſſer und wäre ertrunken, wenn nicht der in der
Nähe ſpielende 12jährige Joſeph Willand herzu=
geſprungen
wäre. Er ſprang raſch entſchloſſen in einen am
Ufer haltenden Nachen, drückte denſelben ins Waſſer hinaus,
und zog das wieder auftanchende Mädchen mittels des
Handruders in den Nachen.
Eich, 20. April. Eine Rehbockjagd im Gemüſe=
garten
dürfte wohl nicht jeden Tag vorkommen. Kürzlich
hatte ſich ein Rehbock verirrt und lief planlos in unſerem
Ort umher. Schließlich flüchtete das Tier in den Gemüſe=
garten
des Gärtners Dehm hier. Da ſich der Rehbock an
einem Glasdache des Gemüſebeetes die Flechſen ver=
letzte
, konnte er lebend eingefangen werden und bildet
jetzt eine Sehenswürdigkeit unſerer Gemeinde.
Grünberg, 20. April. Durch Entſchließung des Reichs=
amts
des Innern iſt die höhere Bürgerſchule
als militärberechtigt im Sinne des § 90, 2e der
Wehrordnung anerkannt worden und zwar mit
rückwirkender Geltung vom Oſtertermin 1912 an. Sie ge=
hört
denmach fortan zu denjenigen Schulen, an denen auf
Grund der Abſchlußprüfung nach der Prüfungsordnung
vom 15. Dezember 1899 und den Beſtimmungen vom 30.
Januar 1900 das Befähigungszeugnis zum
einjährig=freiwilligen Dienſt erworben
werden kann.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 20. April. Hugo Sholto
Graf von Douglas, geboren am 19. April 1837 zu
Aſchersleben, Majoratsherr auf Ralswiek, Mitglied des
Staatsrats und des Abgeordnetenhauſes, iſt heute vor=
mittag
an ſeinem 75. Geburtstage hier geſtorben. Graf=
von
Douglas war bekannt durch ſeine Tätigkeit für die
Gründung der Zentralſtelle für Volkswohlfahrt, auf dem
Gebiete der Trunkſuchtbekämpfung und für die Erricht=
ung
eines Wohlfahrtsminiſteriums. Die geleiſe
loſe Oberleitungsbahn, die erſte in Berlin, iſt
heute dem Verkehr übergeben worden. Die geheim=
nisvolle
Kindesentführung in Charlotten=
burg
, über die wir berichteten, hat ihre Aufklärung ge=
funden
: Der Vater der ſiebenjährigen Edith Langer, der
Chefexpedient Langer, aus Friedenshütte in Ober
ſchleſien, meldete ſich heute bei der Charlottenburger Kri=
minalpolizei
. Er gab an, daß er ſelbſt das Mädchen vor
dem Hauſe Schlüterſtraße 65, in dem es mit ſeiner von
ihm getrennt lebenden Ehefrau ſeit November v. J.
wohne, aufgegriffen und in einer Droſchke fortgeführt
habe. Da L. nachwies, daß ihm das Recht zuſtehe, das
Kind zu ſich zu nehmen, wurde ihm die Kleine über=
laſſen
. In der Nähe von Schöneweide wurde geſtern
ein junger Mann, der Student Wuchlich aus Wies=
baden
, erſchoſſen aufgefunden. Aus welchen
Gründen er in den Tod gegangen iſt, ſteht noch nicht feſt.
Ein ſchwerer Raubanfall wurde geſtern nach=
mittag
auf eine Geſchäftsinhaberin in der Tilſiterſtraße
verübt. Der 21jährige Friſeur Frieſe überfiel die Sei=
fenhändlerin
Koerper, verletzte ſie nicht unbedeutend,
raubte aus der Ladenkaſſe den Betrag von 36 Mark und
verſuchte zu entfliehen. Der Täter wurde ergriffen und
dem Polizeipräſidium zugeführt.
Wiesbnden, 20. April. Infolge einer Benzin=
exploſion
iſt heute vormittag die Färberei und Che=
miſche
Waſchanſtalt Wißner u. Wittkowsky, G. m. b. H.,
vollſtändig ausgebrannt. Bei den Löſcharbei=
ten
wurden mehrere Feuerwehrleute verletzt. Der Scha=
den
iſt erheblich.

Jer Kampf um die Dardanellen in der
Geſchichte.

** Der Angriff der Italiener auf die Dardanellen
enkt die Blicke der ganzen Welt mit geſpannter und ängſt=
icher
Aufmerkſamkeit auf dieſe Meerenge, die in der Ge=
chichte
ſchon eine ſo große Rolle geſpielt hat. Die Darda=
rellen
haben ihre ſtrategiſche Bedeutung ſeit der Verwend=
ung
von Artillerie erhalten; bis dahin konnte die Durch=
ahrt
nur durch eine Flotte abgeſchnitten werden, während
run die Geſchütze die enge Straße beherrſchen. Zum erſten
Male trat der Helleſpont, wie ihn die Alten nannten, bei
dem Uebergang des Terxes mit ſeinem gewaltigen Heer
ſervor; der Perſerkönig baute damals die berühmte
rieſige Brücke aus 360 Schiffen ſtromaufwärts und 314
Schiffen ſtromabwärts; ebenſo ſetzte Alexander der Große
dier nach Aſien über. 1356 überſchritten dann die Türken
die Meerenge. Als Herren von Konſtantinopel und Be=
derrſcher
des Landes hatten die Türken nur einen Angriff
vom Meere aus zu fürchten, und ſie begannen daher hald
die Dardanellen zu befeſtigen. Mohammed II. erbaute
462 die beiden alten Schlöſſer Seddil=Bahr und Tſcha=
rak
=Kaleſſi, jetzt Kale=Sultanie; ihnen gegenüber errich=
ete
1650 der Großweſir Achmed Köprüli die neuen
Dardanellen=Schlöſſer Kum=Kale und Killid=Bahr. Alle
päteren Befeſtigungen wurden dann um dieſe mit Rie=
enkanonen
armierten und vielfach umgebauten Schlöſſer
gruppiert.
Die Umgeſtaltung der ganz veralteten Werke zu den
ſeutigen großartigen Befeſtigungsanlagen begannen 1864
ruf Anregung Sir Henry Bulwers. Durch dieſe Fortifi=
ationen
waren die Türken imſtande, die Hauptſtadt zu
chützen und in den heftigen Kämpfen mit den Venetia=
gern
die Durchfahrt durch die Dardanellen zu verhindern.

Erſt am 26. Juli 1770 gelang es ſieben ruſſiſchen Kriegs=
ſchiffen
unter dem Befehl des Admirals Elphinſtone, in
die Straße einzudringen, ungehindert durch die Befeſtig=
ungen
, deren Geſchütze keine Munition hatten. Doch
ſcheint Elphinſtone an Kum=Kale und Seddil=Bahr vor=
bei
nur bis Kepes=Berun gelangt zu ſein. Dieſer Ueber=
fall
rief einen heilſamen Schrecken hervor, worauf die Be=
feſtigungen
durch Baron v. Trott wiederhergeſtellt wur=
den
, freilich nur auf kurze Zeit. Am 19. Februar 1807
konnte der engliſche Admiral Duckworth ohne jede Behin=
derung
mit acht Linienſchiffen und vier Fregatten die
Dardanellen paſſieren, und ſo erſchien am 20. Februar
1807 zum erſten Male ſeit 1453 eine feindliche Flotte vor
der Hauptſtadt des Ottomaniſchen Reiches. Da aber die
Befeſtigungsarbeiten nun wieder mit fieberhaftem Eifer
aufgenommen wurden, dünkte Duckworth ein längerer
Aufenthalt zu gefährlich, und er trat am 2. März den
Rückzug an, wobei er ſchwere Schädigungen erlitt. Schon
1809 kam ein Vertrag zwiſchen England und der Pforte
zuſtande, der allen nichttürkiſchen Schiffen die Einfahrt in
die Dardanellen verbot, und der am 13. Juli 1841 von den
fünf Großmächten mit der Türkei abgeſchloſſene Darda=
nellenvertrag
beſtätigte dieſes Privileg. Weitere Verträge,
zuletzt der Berliner Friede von 1878, bekräftigten das
Prinzip der Schließung der Dardanellen. 1829 hatte eine
ruſſiſche Flotte mit Zuſtimmung Englands den Eingang
der Meerenge blockiert; 1833 erlaubten die Türken den
Ruſſen, bei Buyuk=Dere zu ankern, aber verboten Eng=
ländern
und Franzoſen die Durchfahrt. Im Oktober 1853
dagegen geſtatteten ſie ſie und die engliſch=franzöſiſche
Flotte., die ſeit dem Juni bei Beſika geankert hatte, paſ
ſierte die Straße und erſchien am 3. November im Bos=
porus
. Auch im Februar 1878 liefen engliſche Schiffe
durch die Dardanellen, um Konſtantinopel vor den Rüſſen
zu ſchützen.

Feuilleton.

W-l. Großh. Hoftheater. In der Wiederaufführung
der Nicolaiſchen Oper Die luſtigen Weiber von
Windſor am Freitag, der dritten in dieſer Saiſon,
ſang Herr Paul Seidler vom Königl. Theater in
Wiesbaden vertretungsweiſe die Partie des Fenton. Um
ein Engagementsgaſtſpiel handelte es ſich dabei nicht,
da der Nachfolger des Herrn Hacker bereits in der Per=
ſon
des Herrn Globerger in München gefunden iſt. Herr
Seidler beſitzt gute Mittel, eine ſtattliche Bühnenerſchein=
ung
und viel Stimme und gefiel dem Publikum ſchein=
bar
ſehr, obwohl er nicht immer ganz einwandfrei ſang,
namentlich auch nicht immer rein intoniert; an Tenören
iſt man dies aber gewohnt, eine Gewohnheit allerdings,
von der der Bruch mehr ehrt, als die Befolgung‟ Im
übrigen verlief die Aufführung der Oper, die bekannt=
lich
zur Feſtvorſtellung von Großherzogs Geburtstag
neu inſzeniert worden iſt, in gewohnter und erfolgreicher
Weiſe. Frau Speiſer=Suchanek, die in den bei=
den
erſten Vorſtellungen vertreten wurde, ſang wieder
die Partie der Frau Fluth. Die herrliche Oper fand
auch heute wieder eine ſehr warme Aufnahme beim
Publikum.
** Ludwig Wilhelm Hermann Waſſerſchleben, der
Germaniſt und Kanoniſt, wurde vor 100 Jahren, am
22. April 1812, in Liegnitz geboren. Er beſuchte die
Ritterakademie in ſeiner Vaterſtadt und widmete ſich dem
Studium der Rechte an den Univerſitäten Breslau und
Berlin, wo er am 25. Juni 1836 promovierte und im
Herbſt desſelben Jahres Privatdozent wurde. Fünf
Jahre ſpäter erhielt er eine außerordentliche Profeſſur
in Breslau und im Februar 1850 eine ordentliche in
Halle, die er nach zwei Jahren mit einer ſolchen i

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.

Nummer 94.

Metz, 20. April. Zu der angeblichen Ueberſchreitung
der franzöſiſchen Grenze bei Auboué, wo eine Anzahl
Soldaten der Metzer Garniſon, die bei St. Privat mit
Arbeiten beſchäftigt waren, die Grenze überſchrit=
ten
und ſich 1½ Stunden lang auf franzöſiſchem Boden
aufgehalten haben ſollen, erfährt man von zuſtändiger
militäriſcher Stelle, daß trotz ſorgfältigſter Nachforſchun=
gen
ſich für die Richtigkeit dieſer Angabe kein Anhalts=
punkt
hat erbringen laſſen, ſodaß die betreffende Meldung
als unzutreffend bezeichnet werden muß. Dagegen iſt
feſtgeſtellt, daß am 7. d. M. drei Angehörige des 12. Dra=
goner
=Regiments in Pont=à=Mouſſon in Uniform die
deutſche Grenze überſchritten und ſich 1½ Stunden lang
in der Ortſchaft Mardigny aufgehalten haben.
Straßburg, 20. April. Für eine hieſige Dame hat die
Sonnenfinſternis traurige Folgen gehabt. Die
Dame hatte die Naturerſcheinung ohne Schutzglas beſich=
tigt
und dadurch ihr Augenlicht ſo ſchwer geſchädigt, daß
ſie völlig erblindet iſt. Nach den Ausſagen der
Aerzte wird ſie die Sehkraft nicht wieder erlangen.
Alſenz, 19. April. Die beiden Fuhrleute Schlie
und Orben von Kreuznach fuhren mit einem Möbel=
wagen
von Alſenz nach Kreuznach. Da es ſchon ſpät war,
trieben ſie die Pferde über Gebühr an, ſodaß dieſe im wil=
den
Galopp davonſtürmten. Beide Männer fielen dadurch
vom Wagen und wurden überfahren. Schlie war
ſofort tot, Orben ſtarb während des Transportes ins
Krankenhaus.
Düſſeldorf, 20. April. Hundert engliſche Bür=
ger
und Arbeiter kommen Pfingſten hierher, wo ſie
Bürgerquartiere beziehen. Weitere Beſuche ſind in Kre=
feld
, Elberfeld, Köln und Frankfurt a. M. vorgeſehen.
Liebenſtein, 20. April. Das Bad ſoll am 1. Juli mit
Kurhaus und Hotel Bellevue zwangsweiſe verſtei=
gert
) werden.
Poſen, 20. April. Ein Chauffeur lud ſechs Knaben
zu einer Tour ein. Als der Wagen außerhalb der Stadt
war und der Chauffeur trotz des Bittens der Knaben nicht
hielt, ſprangen alle ſechs hinaus. Ein Junge wurde auf
der Stelle getötet, ein zweiter erlitt lebensgefährliche,
die übrigen mehr oder weniger ſchwere Verletzungen.
Bern, 20. April. In Bern wohnt ſeit einigen Tagen
inkognito der frühere König Manuel von Portu=
gal
, der den Profeſſor Durbis einen Spezialiſten für
Nervenkrankheiten, konſultiert hat. Es heißt, daß der Ex=
könig
mehrere Wochen lang in der Kur des Arztes bleiben
wird.
Brüſſel, 19. April. Ein intereſſanter Streit=
fall
wird demnächſt hier zum Austrag kommen. Mau=
rice
Maeterlinck hat gegen die Leitung des hieſigen
Parktheaters und die Stadt Brüſſel Klage erhoben wegen
unberechtigter Aufführung ſeines Dramas Soeur Bea=
trice‟
Die Theaterleitung hatte dieſes Stück vor zwei
Jahren auf den Spielplan geſetzt, auf einen am Tage vor
der Erſtaufführung erhobenen telegraphiſchen Einſpruch
unterblieb jedoch die Vorſtellung. Man glaubte damit die
Angelegenheit erledigt. Das Vorgehen des Dichters ruft
hier großes Aufſehen hervor, beſonders auch deshalb, weil
die Stadt Brüſſel beabſichtigt, ihn demnächſt durch eine
Feſtvorſtellung im Monnaietheater zu ehren. Maeterlinck
macht geltend, daß ſein Werk hier unter ungünſtigen Be=
dingungen
aufgeführt worden ſei, ſo daß ſein ſchriftſtelle=
riſcher
Ruf dadurch geſchädigt wurde. Seine Prozeßgeg=
ner
entkräften dieſe Behauptung durch den Hinweis darauf,
daß die öffentliche Aufführung gar nicht ſtattgefunden habe.
Paris, 19. April. Unter großer Beteiligung aller Kreiſe
fand heute die Beſtattung des verſtorbenen Kammer=
präſidenten
Henri Briſſon auf dem Friedhofe Mont=
martre
ſtatt. Vorher fand im Palais Bourbon eine Trauer=
feierlichkeit
ſtatt, der der Präſident der Republik, Fallieres,
beiwohnte. Es ſprachen der Vizepräſident der Kammer,
Etienne, und der Senatspräſident Dubois. Zuletzt redete
Miniſterpräſident Poincaré, der den Verſtorbenen als einen
umſichtigen und durchaus aufrichtigen Politiker feierte.
Madrid, 20. April. In der ſpaniſchen Hafenſtadt Vigo
wurde ein unbekanntes Gemälde Murillos, ein
wunderbares Muttergottesbild, im Lazarett St. Simon
entdeckt.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 20. April. Vizepräſident Dr. Paaſche
eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Min. Auf der Tages=
ordnung
ſteht zunachſt der ſchleunige Antrag der Reichs=
partei
über Vornahme von
Erhebungen über die Sicherheit
der Paſſagiere und Mannſchaften auf
deutſchen Seeſchiffen.
Abg. Dr. Arendt (Reichspartei): So ſchnell als
möglich müſſen aus der Kataſtrophe der Titanic Lehren
gezogen werden, ſoweit ſich Mängel auch in der deutſchen
Seeſchiffahrt herausſtellen können. Wie im Eiſenbahn=
verkehr
und in der Induſtrie von Zeit zu Zeit immer wie=
der
Opfer gefordert werden, ſo wird es auch bei der See=
ſchiffahrt
ſein. Wohl aber ſollen wir alles tun, um die
Zahl der Opfer ſo niedrig wie möglich zu halten. Sind
die Befürchtungen der Preſſe, daß nur der Kaiſer Wil=
helm
II. mit genügend Rettungsbooten ausgerüſtet ſei,
zutreffend? Dann liegt es im Intereſſe der Allgemeinheit,
daß ſo ſchnell wie möglich Abhilfe geſchaffen wird. (Sehr
richtig! Zuruf links: Das kann die Regierung auch
ohnedies!) Wenn Sie nach links ſich auf dieſen
SStandpunkt ſtellen, dann iſt der Reichstag überhaupt
überflüſſig. Aufgabe und Pflicht des Reichstages iſt es.
bei ſolcher Erregung der öffentlichen Meinung, ſo ſchnell
wie möglich auf Abhilfe zu ſinnen. Es fragt ſich viel=
leicht
, ob das Bedienungsperſonal auf den Schiffen aus=
reichend
iſt. (Große Unruhe links.) Die Angelegenheit
ſcheint ja für die Mitglieder der Linken ein äußerſt ge=
ringes
Intereſſe zu bieten, ſonſt können ſie ſich bei einem
ſo furchtbaren elementaren Unglücksfall nicht ſo verhalten.
(Großer Lärm links.) Ich hoffe, daß die Regierung
unſerem Antrage Folge geben wird. (Beifall rechts.)
Staatsſekretär Dr. Delbrück: Wir ſind uns alle
einig in den Empfindungen der aufrichtigſten, herzlichſten
Teilnahme für alle Betroffenen bei der furchtbaren
Schiffskataſtrophe. Wir werden auch alle einig ſein in
der Verpflichtung, aus dieſer Kataſtrophe die Lehren zu
ziehen. Ich halte es aber für nicht angezeigt, heute an
dieſer Stelle eine materielle Erörterung dieſer Frage ein=
zutreten
. Es dürfte ohne eine Kritik von Vorgängen
nicht abgehen, die uns doch nicht hinreichend bekannt ſind.
Die zum Schutz von Mannſchaft und Paſſagieren unſerer
Dampfer gegebenen Vorſchriften ſind ſeinerzeit erlaſſen
unter ſorgfältigſter Berückſichtigung des damaligen Stan=
des
der Technik. Ich habe aber angeſichts der dauernden
gewaltigen Entwickelung unſerer Technik ſofort eine
Reviſion der geltenden Beſtimmungen in die Wege gelei=
tet
. Auch die Schiffahrtsgeſellſchaften und die Seeberufs=
genoſſenſchaften
beſchäftigen ſich ſeit dieſer Zeit mit dem
Gegenſtand. Es wird auch gelingen, alle diejenigen Vor=
ſchriften
zu erlaſſen, die nach dem Stande der Technik nur
irgendwie möglich ſind. Für internationale Abmachun=
gen
in dieſer Sache ſind wir gerne bereit. Die Regierung
bedurfte im übrigen nicht, auf dieſe ſelbſtverſtändliche
Pflicht von der Volksvertretung beſonders aufmerkſam
gemacht zu werden.
Abg. Haaſe (Soz.): Angeſichts dieſer Erklärung be=
antrage
ich Abſetzung des Gegenſtandes von der Tages=
ordnung
. Abg. Dr. Arendt (Rchpt.): Eine ſpätere
Debatte dürfte kaum ergiebiger ſein, da bereits Schritte
in unſerem Sinne getan ſind. Ich ziehe deshalb den
Antrag zurück.
Damit iſt dieſe Sache erledigt. Es folgte die vom
Zentrum beantragte
Reviſion des Strafgeſetzbuches.
Abg. Wellſtein (Zentr.) verzichtet auf eine Be=
gründung
dieſes Initiativantrags. Abg. Dr. Arendt
(Rchpt.): Es iſt befremdlich, daß ein Antrag von ſolcher
Tragweite ohne Begründung uns vorgelegt wird. Es iſt
nicht angebracht, einen beſonders reformbedürftigen
Punkt des Strafrechts durch eine beſondere Novelle zu
erledigen. Dadurch könnte man die große allgemeine
Strafgeſetzreform nur erſchweren. Wir haben zwei Straf=
rechtslehrer
im Hauſe, die Abgeordneten von Liſzt und
van Calker, die ſich jedenfalls auch noch äußern wollen.
(Zurufe: Nein!) Wenn Sie das komiſch finden, dann
verſtehen Sie den Parlamentarismus nicht, der zu allen
Fragen Stellung nehmen ſoll. Die Beſtimmung des Ge=

ſetzes, wonach unter Umſtänden auch die Bekanntgabe
von Telephongeſprächen mit Gefängnis beſtraft werden
ſoll, darf nicht ohne Diskuſſion gemacht werden. So dürfen
Strafgeſetze nicht gemacht werden. Ich beantrage Ueber=
weiſung
der Vorlage an eine 21gliedrige Kommiſſion.
Abg. Wellſtein (Zentr.): Im Einverſtändnis mit den
anderen Antragſtellern habe ich auf die Begründung ver=
zichtet
. Ich habe auch nicht die Abſicht, auf die Ausführ=
ungen
des Abgeordneten Dr. Arendt zu erwidern. Ich
widerſpreche nur dem Antrag auf Ueberweiſung an die
Kommiſſion. Dieſe Novelle muß ſchleunigſt erledigt wer=
den
und ich glaube, damit der Mehrheit dieſes Hauſes zu
entſprechen. (Bravo!) Die Diskuſſion ſchließt hiermit.
Der Antrag Arendt wird abgelehnt. Es folgt ſofort die
zweite Leſung. Der Entwurf wird ohne Debatte
gegen die Stimmen der Reichspartei angenommen.
Hierauf folgt die
zweite Beratung des Etats
der Reichseiſenbahnen.
Abg. Fuchs (Soz.): Die Eiſenbahnen ſollen nicht
ein Finanzinſtitut ſein, ſondern ein Verkehrsinſtitut. Nach
letzterer Richtung laſſen auch die elſaß=lothringiſchen
Bahnen viel zu wünſchen übrig. Auch für die Eilzüge
ſollte man billigere Fahrgelegenheiten ſchaffen, wie ſie
für Bummelzüge beſtehen. Trotz der Zunahme des Ver=
kehrs
iſt die Zahl der Bedienſteten ſtabil geblieben oder
gar noch etwas zurückgegangen. Die Arbeitszeiten der
Eiſenbahnen ſind häufig viel zu lang, ſogar bis zu 14
Stunden täglich. Für die in ein und derſelben Eiſen=
bahnwerkſtätte
beſchäftigten Arbeiter müßte Einheitlich=
keit
in der Arbeitszeit und Bezahlung eintreten. Die
Bevormundung der Arbeiter hinſichtlich ihrer Lektüre muß
aufhören. Verwerflich iſt es, wenn ausgeſagt wurde,
ein Diebſtahl ſei eher verzeihlich, als das Leſen ſozial=
demokratiſcher
Blätter. Die Arbeiterausſchüſſe ſind heute
lediglich dekorativ. Ihre Rechte müſſen ausgedehnt wer=
den
. Den Eiſenbahnarbeitern muß unbedingt das Koa=
litionsrecht
gewährt werden. Mit der Politik der Nadel=
ſtiche
muß gebrochen werden. Wenn den Eiſenbahnarbeitern
durch die Verwaltung das Recht der freien Meinungs=
äußerung
und der Kritik genommen wird, ſo iſt das Ter=
rorismus
ſchlimmſter Art. Wir fordern unter allen Um=
ſtänden
auch die ſtaatsrechtliche Freiheit der Eiſenbahner.
Die Zweite elſaß=lothringiſche Kammer hat ſich einſtim=
mig
gegen einen Erlaß der Reichseiſenbahnen gewendet,
der, gegen die guten Sitten verſtoßend, die Eiſenbahn=
arbeiter
und Angeſtellten in der Ausübung ihrer politi=
ſchen
Staatsbürgerrechte beeinträchtigen wollte. Mit’ ſol=
cher
Politik wird die moderne Arbeiterbewegung und der
Siegeslauf der Sozialdemokratie nicht aufgehalten.
Abg. Kuckhoff (Zentr.): Einzelne Kategorien der mitt=
leren
und Unterbeamten, ſo die Wagen= und Lademeiſter,
fühlen ſich in ihren Beſoldungsverhältniſſen zurückgeſetzt.
Wie in Preußen ſollte den Lademeiſtern der Reichseiſen=
bahnen
die Möglichkeit gegeben werden, in die Stelle
eines Verlademeiſters mit Aſſiſtentenrang aufzurücken.
Ueber die Staatsgefährlichkeit politiſcher Zeitungen kann
man verſchiedener Meinung ſein; jedenfalls ſollte aber
die Reichseiſenbahnverwaltung alles anwenden, um den
Schmutz in Wort und Bild von den Bahnhofsbuchhand=
lungen
verſchwinden zu laſſen. Blätter wie der Simpli=
ziſſimus
ſind kein Ruhmesblatt in der deutſchen Literatur.
Abg. Schwabach (natl.): Erfreulich iſt der Ueber=
ſchuß
der Reichseiſenbahnen, der ſich ſchon im Jahre 1910
auf 10 Millionen beläuft, und der auch heute wieder dieſe
Höhe zu erreichen ſcheint. Die Eiſenbahnarbeiter und
=Handwerker wünſchen eine Reform oder Beſeitigung
des Akkordſyſtems. In den Arbeiterausſchüſſen ſehen wir
auch heute noch das beſte Mittel, um in gemeinſamer Be=
ratung
und offener Ausſprache zwiſchen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern Differenzen auszugleichen und da=
durch
die beiderſeitigen Intereſſen zu fördern. Damit
werden die Arbeiterausſchüſſe zu wirklichen Inſtrumenten
des ſozialen Friedens. Der Chef der Reichseiſenbahnen
hat dafür Sorge zu tragen, daß die Klagen der Arbeiter
über die Handhabe des Syſtems der Ausſchüſſe endlich
verſtummen. Auch hinſichtlich der DDisziplinierung von
Arbeiterausſchußmitgliedern iſt noch manches zu verbeſ=
ſern
. Sie müſſen eine feſt begrenzte Sicherſtellung für
ihre Anſtellung erhalten. Die Reichseiſenbahnen haben=
ihren
Wagenpark fortwährend in genügendem (Maße ver=

Gießen vertauſchte. Hier war er einer der tätigſten
Lehrer und wurde am 20. Mai 1875 Kanzler der Univer=
ſität
. Vorher war er, im September 1863, zum Gehei=
men
Juſtizrat ernannt und im September 1873 als
lebenslängliches Mitglied in die heſſiſche
Erſte Kammer berufen worden. Das Kanzleramt
legte er 1883 nieder, ſein Lehramt ſelbſt am Schluſſe des
Winterſemeſters 1888/89. Ueber bedeutungsvolle kirch=
liche
Zeit= und Streitfragen veröffentlichte er zahlreiche
Schriften und Bücher, die ſämtlich das Gepräge ernſten
Studiums und gründlicher Vorbereitung trugen; beſon=
ders
wandte er ſich dem Gebiete der alten Quellen für
kanoniſches Recht zu. Waſſerſchleben ſtand kirchlich auf
poſitivem Standpunkt, ohne orthodoxe Strenge, er trat
für eine geregelte und umfaſſende Teilnahme der Ge=
meinden
an der Leitung der Kirche ein und war das
Muſter eines kernigen, den Eindruck einer ausgleichen=
den
Perſönlichkeit bietenden Mannes und Charakters.
Im 82. Lebensjahre ſtarb er am 28. Juni 1893 in Gießen.
P. Ludwig Knaus=Ausſtellung in der Galerie Heine=
mann
, München. Nichts iſt heutzutage kompromittieren=
der
für einen Maler, als das Stigma novelliſtiſch. Ja,
es läßt ſich bei unſeren Jungen eine gewiſſe Angſt davor
konſtatieren; das führt zu einer ſtofflichen Befangenheit,
die das Gegenteil von künſtleriſcher Freiheit und Un=
mittelbarkeit
iſt. Man ſieht in unſeren Ausſtellungen faſt
nur noch Landſchaften natürlich ohne Staffage und
Stilleben. Da iſt es denn von hohem Intereſſe, den größ=
ten
Erzähler unter den deutſchen Malern einmal dar=
aufhin
anzuſehen, ob er und ſeines Gleichen uns heute
wirklich nichts mehr zu ſagen haben. Gewiß, überblickt
man die Ausſtellung als Ganzes, ſo fällt der Mangel an
Farbe auf bei aller Buntheit und die Starrheit der grö=
ßeren
Kompoſitionen, obwohl ſie Bewegungsmotive zum
Vorwurf haben, wie z. B. bei dem Jahrmarktsdieb und
dem ländlichen Tanz im Freien. Auch fühlen wir uns
verſtimmt durch die Redſeligkeit und die überdeutlichen
Charakteriſierungskünſte nicht nur auf den figurenreichen
Bildern. Auch wo nur eine einzelne Geſtalt dargeſtellt
iſt, erzählt uns dieſe einen ganzen Roman. Geht man
jedoch näher auf die einzelnen Werke ein, ſo findet man
daß in dieſen Bildern eine Fülle feinſter Naturbeobacht=
ung
, ja man möchte ſagen Naturbelauſchung ſteckt und
zeichneriſch bewältigt iſt. Knaus iſt Zeichner von der
Potenz eines Menzel. Bilder wie der Alte Hauſierer
Ich kann warten der Leierkaſtenmann, die beiden
Spieler, der Brot eſſende Alte Beſſerer Tage geden=
kend
ſind doch viel mehr, als bloß maleriſche Unter=
haltungsliteratur
; ſie greifen tiefer. Und wenn man

ſchon den literariſchen Einſchlag gelten laſſen muß, ſo
ſind es doch keine Romane minderen Ranges, an die man
erinnert wird, ſondern man fühlt, daß Ludwig Knaus
zu den Herzensverwandten der Dickens und Fritz Reu=
ter
gehört. Das Rührende in der Kunſt hat dauerndes
Bürgerrecht. Wer das Unterſcheidungsvermögen zwi=
ſchen
dem Rührenden und dem Rührſamen nicht beſitzt
und erſteres mit letzterem wegwirft, ſchließt dadurch den
größten Teil des Volkes vom Kunſtgenuß aus, welches
immer vom Stoff zur Form gelangt, und nicht umge=
kehrt
. Die Entwickelungslinie der Chodowiecki, Ludwig
Richter, Knaus wird ihre Fortſetzung ins Unendliche
haben, mit oder ohne Gutheißen der Theoretiker.
Die Memoiren der Mme. Steinheil. In den näch=
ſten
Tagen werden in England die Memoiren der einſt
ſo vielgenannten Frau Steinheil erſcheinen, die ein
Bild von dem Leben dieſer merkwürdigen Frau geben
Der Londoner Mitarbeiter des Corriere della Sera iſt
bereits in der Lage, einige auch allgemein intereſſante
Einzelheiten aus dieſem neueſten Produkt der Memoiren=
literatur
bekannt zu geven. Das Privatleben der ( Mar=
querite
Steinheil, die in der modernen politiſchen Ge=
ſchichte
Frankreichs eine viel einflußreichere Rolle ſpie=
len
durfte, als man annahm, iſt für die Oeffentlichkeit
ohne Intereſſe: die übliche traurige Geſchichte eines un=
gewöhnlich
ſchönen Mädchens, das eine düſtere und freud=
loſe
Jugend hinter ſich hat, dann in die Großſtadt kommt
und an der Seite eines willensſchwachen Mannes zu
mondainen Ehren emporſteigt. Aber der Zufall wollte
es, daß dieſe Frau, in deren Hauſe Männer wie Gou=
nod
, Ferdinand von Leſſeps, Bonnat, Maſſenet, Coppé
und Zola verkehrten, mit dem Oberhaupt der franzö=
ſiſchen
Republik, mit dem Präſidenten Felix Faure,
in ſehr enge Beziehungen trat, und daraus entwickelte
ſich ein Freundſchaftsverhältnis, das der ſchönen Mme.
Steinheil nicht nur einen intimen Blick hinter die Ku=
liſſen
der franzöſiſchen Politik gewährte, ſondern der ehr=
geizigen
, klugen und ſicherlich von Skrupeln wenig be=
ſchwerten
Frau auch die Möglichkeit gab, den im Grunde
leicht beeinflußbaren Felir Faure in mancher Beziehung
zum Werkzeug ihrer Ambitionen zu machen. Und in die=
ſer
Richtung gewährt das Buch in der Tat einige inter=
eſſante
Einblicke in die Geſchichte des modernen Frank=
reichs
. Aus den Erinnerungen ſteigt freilich das Bild
eines Felix Faure empor, das wenig menſchliche Größe
verrät; Marquerite Steinheil charakteriſiert ihn als einen
ſehr anſpruchsvollen Menſchen von einem faſt krankhaf=
ten
Ehrgeiz, dem aber die Willenskraft zur Erreichung
ſeines Zieles fehlte. Er war leicht begeiſtert, aber auch

leicht entmutigt, nie imſtande, die Erſcheinungen in ihren
großen Zuſammenhängen zu erkennen, dabei ein noto=
riſch
ſchlechter Menſchenkenner und als Frauenfreund
weiblichen Gunſtbezeigungen und dabei auch weiblichem
Einfluß allzu leicht zugänglich. Der Zufall will, daß die=
ſer
Mann gerade Marquerite Steinheil zu ſeiner Ver=
trauten
, ſeiner Freundin, ſeiner Ratgeberin erhebt. Mit
ihr gemeinſam verfaßt er ſeine Lebenserinnerungen, deren
Manuſkript Frau Steinheil noch bewahrt und dier in
fünfzehn oder zwanzig Jahren veröffentlicht werden
ſollen. Ihr vertraut er den Plan eines Staatsſtreiches
an, ihr beichtet er ſeine Ohnmacht gegenüber der Bureau=
kratie
der Beamtenſchaft. In den Marinearſenalen
herrſchen ſchreckliche Zuſtände, Faure weiß, daß die Aus=
rüſtung
der Schiffe, ihre Keſſel, ihr Pulver ſchadhaft
ſind, er bemüht ſich, die Mängel zu beſeitigen: umſonſt,
der Arm des Präſidenten iſt nach Faures Ausſage in
Frankreich machtlos; der Präſident iſt nur ein Popanz.
Die innere Politik bringt ihm Enttäuſchung auf Ent=
täuſchung
, der Dreyfushader ſtört den Frieden und die
Entwickelung: Faures ganzer Ehrgeiz konzentriert ſich
auf die auswärtige Politik und großzügige koloniale
Pläne blenden ſeine Phantaſie. Er träumt von einem
afrikaniſchen Kolonialreich, das vom Atlantiſchen Ozean
bis zum Roten Meere, vom Mittelmeer bis zum Sene=
gal
reichen ſoll. und dieſer Gedanke führte dann gerade=
wegs
nach Faſchoda. Die Memoiren begeben ſich hier
auf das politiſche Gebiet und ſchildern den Rückzug Frank=
reichs
vor England.
* Korpsgeiſt. Die Zöglinge der Schule zu Harrow=
dürfen
ſich abends nach einer beſtimmten Zeit nicht mehr
auf der Straße zeigen. Als der Rektor der Schule Dr.
Longley, der ſpätere Erzbiſchof von Canterbury, einmal
ſpät in der Nacht ein wenig Luft ſchöpfen wollte, ſah er
zwei Schüler in efniger Entfernung vor ſich, konnte ſie
aber nicht erkennen und eilte ihnen nach, um ſie zu arre=
tieren
. Mit Mühe erwiſchte er einen der Uebeltätr am
Frack die engliſchen Gymnaſiaſten tragen bekanntlich
Frack und Zylinderhut ; aber mit kräftigem Ruck riß
ſich der Junge los, und Dr. Longley behielt nur den
Frackſchoß in der Hand. Schadet nichts dachte er, den
werde ich morgen früh ſchon entdecken, wenn an ſeinem
Rock der Schoß fehlt. Aber er hatte dis Rechnung ohne
den Korpsgeiſt der Schüler gemacht. Als er morgens
die Schule betrat, hatte jeder Junge an ſeinem Rock nur
einen Schoß. Und ohne zu unterſuchen, an welchen Frack
der abgeriſſene Schoß am beſten paßte. vergab Dr. Long=
ley
lachend und doch gerührt den Uebeltätern.

[ ][  ][ ]

Nummer 94.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912,

Seite 5.

vollſtändigt. Das geht ſchon daraus hervor, daß ſie den
an ſie geſtellten Forderungen auf Geſtellung von Wagen
genügt haben. Die Fahrkartenſteuer bedarf dringend
einer Reviſion. Auf keinen Fall können wir einer Ein=
beziehung
der vierten Wagenklaſſe in dieſe Steuer zu=
ſtimmen
.
Miniſter der Reichseiſenbahnen v. Breitenbach:
Eine Verkehrsverwaltung iſt nicht dringender erwünſcht als
Kritiken, ſie ſind erfreulich, wenn ſie auch Anerkennung
bringen. Die Rede des Abg. Vogt war abſolut verneinend.
Kein Wort der Anerkennung für die Beamten und Ange=
ſtellten
der Eiſenbahnen und doch ſind die günſtigen Ergeb=
niſſe
der Eiſenbahnen mit ein Erfolg der Pflichterfüllung
des Perſonals. Wenn auch die Ueberſchüſſe des Jahres
1911 den Etat um rund 12 Millionen überſtiegen, ſo ſind wir
doch von einer Plusmacherei wie der Abgeordnete Vogt
meinte, weit entfernt. Die Eiſenbahn dient dem Verkehr.
Ein Vergleich der Wagen vierter Klaſſe in Elſaß=Lothringen
mit Viehwagen iſt durchaus unzutreffend. Ungefähr die
Hälfte der Wagen ſind neu angeſchafft und nach den neue=
ſten
Konſtruktionen gebaut. Die Bevölkerung benutzt dieſe
Wagenklaſſe in hohem Maße. Ein Beweis, daß ſie ſie zu
ſchätzen weiß. Das kommt zum Teil auch daher, daß die
vierte Wagenklaſſe die namentlich dem Nahverkehr dienen,
ſo eingerichtet iſt, daß Körbe und Kiſten leicht mitbefördert
werden können. Auf die Verkürzung der Dienſt= und Ar=
beitsſchicht
lenkt die Eiſenbahnverwaltung dauernd ihr
Augenmerk. Es ſind auch zweifellos Erfolge erzielt wor=
den
. Hungerlöhne werden bei uns nicht bezahlt. Wir
paſſen unſere Löhne der jeweiligen wirtſchaftlichen Lage an.
Der Mindeſtlohn von 2,60 Mark wird nur den ganz jungen
Leuten gezahlt. Später erfolgt eine erhebliche Lohnſteiger=
ung
. Die Ueberſtunden können wir leider nicht ganz ent=
ibehren
. Eine Lohnzahlung für die arbeitsfreien geſetz=
llichen
Wochentagfeiertage kann nicht ſtattfinden, da dies
dem Arbeitervertrag widerſprechen würde. Außerdem ſind
die Löhne ſo bemeſſen, daß die Arbeiter auch ſolche Ruhe=
tage
überſtehen können. Die Arbeiterausſchüſſe werden
weiter ausgebildet werden. Die paſſive Wahlfähigkeit zu
den Ausſchüſſen auf 25 Jahre herabzuſetzen, vermögen wir
nicht zu befürworten. Mit dem Reichstagswahlrecht iſt
dieſes nicht zu vergleichen. Die Mitglieder der Arbeiter=
ausſchüſſe
ſollen aus eigener Erfahrung Verbeſſerungsvor=
ſchläge
machen können. Deshalb wollen wir es bei 30
Jahren belaſſen. Das Koalitionsrecht beſchränken wir den
Arbeitern nicht. Wir wollen nur, daß ſie ſich bewußt blei=
ben
, daß ſie ihrer Verwaltung Gehorſam und Achtung ſchul=
dig
ſind. Sie müſſen ſich der Sozialdemokratie fernhalten,
die den Streikbruch propagandiert. Wenn mir vorgeworfen
wurde, ich hätte in brutaler Weiſe einen Arbeiter gemaß=
regelt
, ſo fehlt mir der parlamentariſche Ausdruck, um dem
Abg. Vogt dienen zu können. Wir zwingen niemanden, in
den Betrieb der Eiſenbahnen einzutreten. Werqzu uns
kommt, muß ſich gewiſſe Beſchränkungen der ſtaatsbürger=
lichen
Rechte gefallen laſſen. Das iſt ein durchaus loyales
Verfahren. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Unerhörtes
Verfahren!). Trotz dieſer Beſchränkung haben wir durch=
aus
einen derart großen Zulauf von Arbeitskräften, daß
wir nicht erkennen können, daß die Arbeiter ſich beeinträch=
tigt
fühlen. Ich als Chef der Reichseiſenbahnen, werde
niemals einen anderen Standpunkt hierin einnehmen. Da=
für
ſteht mir die allgemeine Pflicht viel zu hoch. (Bravo
rechts).
Darauf wird die Sitzung vertagt. Nächſte Sitzung
Montag 2 Uhr: Tagesordnung Wehrvorlagen. Schluß
nach 3 Uhr.

Parlamentariſches.

* X* Die Zweite Kammer der Stände wird
dem Vernehmen nach am 7. Mai zu einer kurzen Tagung
zuſammentreten, in der vor allem dem gelegentlich des Re=
ferats
des Herrn Finanzminiſters über die Beamten=
eſoldungsreform
einmütig ausgeſprochenen Wun=
ſche
der Kammer, eine eingehende Ausſprache über dieſen
Gegenſtand herbeizuführen, Rechnung getragen werden ſoll.
Auch der Finanzausſchuß wird ſich vor Zuſammentritt der
Kammer in einer Art Generaldebatte mit dieſer Frage be=
ſchäftigen
,

Luftfahrt.

Die Nationalſpende für das deutſche Flug=
weſen

hat bereits anſehnliche Beträgeserreicht. Auf den Mitte
März vom Vorſitzenden des deutſchen Luftflotten=Vereins,
den bekannten Mannheimer Groß=Induſtriellen Dr. Karl
Lanz erlaſſenen Aufruf wurden in Mannheim am erſten
Tage bereits 12000 Mark geſammelt; die Ortsgruppe
Heidelberg, die den Anſtoß zu dieſer Sammlung gab, hat
ebenfalls an einem Tage 10000 Mark aufgebracht. Die
weitaus größten Summen hat die Sammlung des Landes=
verbandes
Sachſen, die unter dem allerhöchſten Protektorat
S. M. des Königs ſteht, ergeben. Bereits am 4. April er=
hielt
das Leipziger Tageblatt, das die Beiträge für Leipzig
annimmt, die Beſtätigung des ſächſiſchen Kriegsminiſters
über den Empfang eines Schecks von 25000 Mark und die
Zuſage des Kriegsminiſters, dem Flugzeuge, das aus die=
ſer
Sammlung angeſchafft wird, den Namen Leipzig zu
geben. Der Kriegsminiſter erklärte ſich ferner bereit, weitere
Spenden anzunehmen, die ſpäter für die Beſchaffung eines
Flugzeugs Leipzig II verwendet werden ſollen. In
Dresden ſind bis zum 17. April dank der Bemühungen des
Vorſitzenden des Landesverbändes 53 290 Mark 23 Pfennige
geſammelt worden. Am 24. April veranſtaltet das Tivoli
in Dresden ein Ballfeſt, deſſen geſamter Reinertrag in die
Kaſſe des Deutſchen Luftflotten=Vereins zur Anſchaffung
eines Flugzeugs Dresden fließt. Im ganzen dürften in
Sachſen etwa 120000 Mark aufgebracht ſein. In Weſt=
preußen
hat die Ortsgruppe Danzig die Sammlung in die
Hand genommen, in Poſen das Poſener Tageblatt. Leider
hat der Deutſche Luftflotten=Verein noch nicht in allen
größeren Städten Ortsgruppen gründen können, welche die
Sammlung einleiten. Aber es ſteht zu hoffen, daß ſich über=
all
Stellen finden werden, welche ihre Mitbürger zur Stif=
tung
begeiſtern. Zeitungen und Kriegervereine ſind ſolche
Stellen, die in erſter Linie dazu berufen ſind. Ueber die
Höhe der Sammlung fehlt bisher jeder Ueberblick. Wenn
man die Stiftung der Sektfirma Henkell und die des
Rheiniſch=Weſtfäliſchen Elektrizitätswerkes zu der National=
ſpende
rechnet, ſo dürften et wa 400000 Mark bisher
aufgebracht ſein. In hohem Grade erwünſcht wäre es,
wenn alle Sammelſtellen regelmäßig, etwa wöchentlich, die
Höhe der eingegangenen Beiträge an die Hauptgeſchäfts=
telle
des Deutſchen Luftflotten=Vereins in Mannheim be=
richteten
, die für Weiterverbreitung der Meldungen Sorge
tragen wird. Denn nichts ſpornt mehr zum Geben an, als
das gute Beiſpiel, das uns vor Augen gehalten wird.

verſchüſſe des Kapitäns Smith zurückgetrieben.
Als das Boot klar wurde, ſtürzte ſich ein Mann in das
Fahrzeug, um zu ſeinen Angehörigen zu kommen. Er
wurde erſchoſſen und der Körper fiel ins Boot.
Niemand machte den Verſuch, ihn zu entfernen, und er
blieb im Boot, bis die Paſſagiere ſpäter von der Car=
pathia
aufgenommen wurden.
* New=York, 19. April. Ueber das wunderbare
Zuſammenſtreffen Henry Stengels und ſſei=
ner
Frau auf der Carpathia wird gemeldet: Die Frau
war im erſten Rettungsboot geweſen, das der Mann ver=
loren
glaubte, ſie hinwiederum hatte geglaubt, er ſei mit
der Titanic untergegangen, während er noch im letz=
ten
Rettungsboot Zuflucht gefunden hatte. Beide waren
dann auf der Carpathia plötzlich einander gegenüber=
geſtanden
. Stengel wie auch andere Gerettete erklären, die
Boote ſeien weder mit Waſſer verſorgt noch ſonſtwie ver=
proviantiert
oder mit Laternen verſehen geweſen.
* New=York, 20. April. Auf der Carpathia‟
befanden ſich auch Babys, deren Eltern unbekannt ſind.
Die geretteten Kleinen, die von der Titanie in ein
Boot geworfen worden waren, wurden vorläufig dem
New=Yorker Findelhaus überwieſen.
* New=York, 19. April. Nach einem Bericht
der Ueberlebenden lief die Titanic mit 21 Kno=
ten
Geſchwindigkeit, als ſie auf den Eisberg ſtieß.
Die Offiziere hatten Ordre, auf der erſten Reiſe einen
Schnelligkeitsrekord aufzuſtellen. Der
Aufopferung und dem Heroismus des Kapitäns
Smith wird von allen Setien das glänzendſte Zeugnis
ausgeſtellt. Bevor die Wellen ihn von ſeinem Poſten
herunterſchleuderten, rief er noch durch das Sprachrohr
der Menge im Schiffsraum zu: Zeigt euch als Briten!
Einige haben geſehen, wie er noch im Waſſer den
Schwimmenden zu helfen ſuchte. Andererſeits ſind bei
den letzten verzweifelten Anſtrengungen, ſich zu retten,
grauſige Szenen von Gewalttätigkeit vorgekommen und
es mußte von den Revolvern Gebrauch gemacht
werden. Die Widerſprüche von den verſchiedenen Dar=
ſtellungen
erklären ſich dadurch, daß das Schiff ſieben
Decks hatte und daß man nicht beobachten konnte, was
auf den anderen vor ſich ging. Als das Schiff entzwei=
brach
, hob ſich das Heck ſteil empor und Dutzende von
Menſchen ſprangen im Schrecken ins Waſſer. Als die
Neigung ſtärker wurde, verloren Hunderte den Halt,
glitten ins Waſſer und ertranken. Hunderte ſuchten
ſchwimmend Flöße und Schiffstrümmer zu erreichen. Der
amerikaniſche Oberſt Gracy berichtet, wie er mit einer
Menge anderer ſtundenlang auf einem Floß war. Sie
ſtanden Rücken gegen Rücken, ängſtlich bemüht, das
Gleichgewicht zu bewahren, und wagten nicht einmal,
ſich umzuſehen, weil jede Bewegung Gefahr bringen
konnte. Nach einigen Berichten fanden noch zuletzt ver=
zweifelte
Kämpfe ſtatt. Einige ſollen in den Booten er=
ſchoſſen
und andere erſchlagen worden ſein, als ſie Boote
zu erklettern verſuchten.
Unter den Ueberlebenden befinden ſich auch ſechs
Chineſen die ſich unter den Sitzen der Rettungs=
boote
verſteckt hatten. Sie wurden erſt entdeckt, als die
Boote an Bord der Carpathia gebracht worden waren.
Zwei andere Chineſen wurden durch das Gewicht der
über ihnen Sitzenden zu Tode gedrückt.
Letzte Nachrichten.
* New=York, 20. April. Direktor Ismay gab
vor dem Senatskomitee zu, daß die Titanic vor dem Zu=
ſammenſtoß
mit dem Eisberg mit einer Schnelligkeit
von 21 Knoten gefahren ſei. Quadermaſter Meody erklärte,
der erſte Offizier der Titanic habe ſich auf der Kom=
mandobrücke
erſchoſſen.
* Waſhington, 19. April. Im Senat griff Mr.
Bayner in einer heftigen Rede Mr. Bruſe Ismay an.
Er ſagte, es ſolle gegen die Beamten der White Star=Line
ſtrafrechtlich vorgegangen werden, weil die Ti=
tanie
nicht genügend mit Rettungsbooten verſehen war.
H.B. New=York, 20. April. In der fortgeſetzten
Unterſuchung der Senats=Kommiſſion
ſagte der zweite Offizier Lightholder aus, die Titanic
ſei trotz der Eiswarnung mit voller Kraft gefahren.
Mehrere Zeugen ſahen Ismay in einem der erſten Boote
auf die Carpathia zuſteuern. Ismay hatte auf der
Carpathia allein eine Kabine, während die geretteten
Frauen in Gängen auf Matratzen ſchliefen. Major Peu=
chen
ſagte aus, er habe geſehen, wie Ismay am Sonntag
morgen einer Dame eine drahtloſe Depeſche gezeigt hat,
die eine Eiswarnung enthielt.
* New=York 20. April. Vor dem Senats=
komitee
zur Unterſuchung des Untergangs
der Titanic wurde der zweite Offizier, Light=
holder
, vernommen, der erklärte: Als das erſte Boot
herabgelaſſen wurde, habe ſich das Deck 70 Fuß über dem
Waſſerſpiegel befunden. Als aber das letzte Boot ins
Waſſer ging, habe das Deck nur wenige Fuß über das
Waſſer hervorgeragt. Der Dampfer ſei in raſchem Sinken
geweſen. Er hielt die Mitteilungen durchaus aufrecht,
die Boote ſeien gut beſetzt geweſen, ſtets hätten die
Frauen den Vortritt gehabt. Mit Bezug darauf, daß ſo
viele von der Mannſchaft gerettet ſeien, erklärte er, daß
von ſechs aus dem Waſſer aufgegriffenen Perſonen immer
fünf Heizer oder Stewards geweſen ſeien. Nachdem die
Titanic geſunken ſei, ſeien einige Rettungsboote zu=
rückgefahren
, um noch Schiffbrüchige zu bergen. An Bord
der Titanic kam es zu keiner Panik, nicht einmal zu
Klagen unter den Zurückbleibenden.
Das Senatskomitee beſchloß, Ismay nicht nach
England zu entlaſſen, obwohl er unverzüglich dorthin zu=
rückzukehren
wünſcht. Ebenſo ſollen zwölf Mann der Be=
ſatzung
und vier der geretteten Offiziere der Titanic
zurückbehalten werden.
* New=York, 20. April. Die White Star=
Line gibt offiziell die Zahl der Umgekomme=
nen
auf 1 442 an, verteilt wie folgt: erſte Kajüte 124,
zweite 196, Zwiſchendeck 518. Bemannung 596, Muſik 8.
Gerettet: erſte Kajüte 202, zweite 115, Zwiſchendeck
178. Bemannung 210; zuſammen 705.
* Waſhington, 20. April. Der Senat nahm
eine Entſchließung an zu Gunſten von Verträgen
mit den großen Seemächten über die Beſtim=
mungen
der Kurſe der Ozeandampfer, ihre Schnelligkeit,
ihre Mittel zur Lebensrettung, ihre Apparate für draht=
loſe
Telegraphie und über ihre ſonſtigen Ausrüſtungen,
um eine Kataſtrophe wie die der Titanic zu verhindern.
* New=York 21. April. Zahlreiche Paſſagiere
der Titanic, darunter Frau Aſtor wurden zu den
Verhandlungen des Komitees nach Waſhington vorge=
laden
. Mitglieder der Mannſchaft erklärten, daß in den
Kohlenräumen der Titanie Feuer wütete.
Bis zum Samstag waren die Kohlen entfernt. Als nack

Erzählung des Telegsaphiſten.
* New=York, 19. April. Der zweite Marconi=
telegraphiſt
der Titgnie Bride, erzählt: Ich bin 22
Jahre alt und kam in Belfaſt an Bord, um dem Haupt=
telegraphiſten
Philips zu helfen. Letzten Sonntag ent=
deckten
wir einen Fehler am drahtloſen Apparat, welcher
erſt nach ſieben Stunden, nicht lange vor der Kolliſion
mit dem Eisberge, behoben war. Ich hatte gerade meine
Schlafzeit gehabt, als ich hörte, wie Philips Kap Race
anrief.
Bald darauf kam ich in das neben der Schlafkabine
gelegene Betriebszimmer und ſagte Philips gerade, er
ſolle zu Bett gehen, als der Kapitän erſchien und
ſagte: Wir ſind gegen einen Eisberg gefahren. Trefft
die Arrangements ſofort, um, wenn nötig, Hilfe zu zitie=
ren
, aber nicht eher, als ich es ſage. Zehn Minuten ſpä=
ter
kam er zurück. Inzwiſchen hörte ich allenthalben im
Schiff Beunruhigung. Der Kapitän ordnete nunmehr
Hilfeſignale an; nur das gewöhnliche internatio=
nale
C O D, ſonſt nichts. Philips und ich faßten alles
von der leichten Seite auf, da wir das Schiff abſolut un=
gefährdet
und überhaupt für unſinkbar hielten. Der
Kapitän kam zum dritten Male wieder und fragte, wel=
ches
Signal wir ſchickten. Ich ſchlug dann im Scherz
§ O S vor, welches größere Gefahr bedeutet, und
tatſächlich wurde dies Signal denn auch gebraucht.
Zuerſt erreichten wir den Dampfer Frankfurt dem
wir mitteilten, wir ſeien mit einem Eisberg kollidiert
und hätten Hilfe nötig. Der Telegraphiſt der Frank=
furt
ſagte, er werde es ſeinem Kapitän melden. Er
kehrte dann an den Apparat zurück, worauf wir ſagten,
wir ſänken. Denn nun konnte man deutlich eine Neig=
ung
des Schiffes bemerken. Dann erreichten
wir die Carpathia welche erklärte, ihr Kapitän
habe angeordnet, das Schiff ſoll den Kurs ändern und
uns beiſtehen. Philips ſchickte mich zum Kapitän, ihm
mitzuteilen, die Carpathia komme. Ich konnte mir
jetzt kaum einen Weg durch die Menſchenmaſſe auf den
Decks bahnen. Philips ſchickte mich dann mehrfach mit
Informationen zu dem Kapitän, und jedes Mal bemerkte
ich, daß weitere Boote niedergelaſſen waren, auch daß
das Schiff ſich mehr ſenkte. Philips ſagte mir nun,
die Elektrizität für den drahtloſen Apparat werde weni=
ger
, und der Kapitän kam dann mit der Mitteilung
Waſſer dringe in den Maſchinenraum ein und die Kraft=
maſchinen
könnten nicht mehr lange gebraucht werden.
Ich ging auf Deck und ſah das Bootdeck vorne ſchon
unter Waſſer; achter waren große Menſchenmaſſen.
Philips blieb auf ſeinem Poſten am Marconiapparat,
(auch dann noch, als das Schiff augenſcheinlich dem
Untergang geweiht war. Ich ſuchte jetzt meinen Ret=
tungsgürtel
. Es kam die letzte ſchreckliche Viertel=
ſtunde
. Philips rief nun die Olympic an, indem er
ihr erklärte, das Schiff ſei am Sinken. Während er tele=
graphierte
, legte ich ihm den Rettungsgürtel an und
ſuchte ihm die Stiefel anzuziehen. Er lachte und meinte,
ich ſolle nachſehen, wie es draußen ſei, ob noch Boote
vorhanden ſeien. Jetzt hörte ich des Kapitäns Stimme,
der ſagte: Leute, Ihr habt Eure volle Pflicht ge=
tan
, Ihr könnt nicht mehr tun; jetzt muß jeder Menſch
ſich ſelbſt zu retten ſuchen. Verlaſſet die Kabine!
Pilips blieb aber noch mindeſtens zehn Minuten.
Als ich im Nebenraum mein Geld ſuchte, ſah ich plötz=
lich
, wie ein rieſenſtarker Mann, anſcheinend ein Heizer,
ſich über Pihilps beugte, um ihm den Rettungsgürtel ab=
zuſchnallen
. Ich wußte, daß jeder Schiffsmann ſeinen
eigenen Gürtel hat, den er wohl verwahren muß, ſprang
daher hinzu und ſchlug ihn nieder. Er blieb auf dem
Boden der Kabine. Philips lief nun achter, da ſonſt
alles unter Waſſer war, und ſeither ſah ich ihn nicht
mehr. Noch hörte ich die Muſik ſpielen, die aber ſtatt des
vorherigen Ragtime ein ernſtes Lied intonierte. Ich
eilte nach einem Platze, wo ich ein zuſammenlegbares
Boot geſehen hatte. Ich fand mehrere Männer damit
beſchäftigt, es ins Waſſer zu bringen. Ich half ihnen,
als eine große Welle über Bord ſchlug, die das Boot
wegriß, wie auch manche der Männer. Ich hatte ein
Ruder ergriffen, und das nächſte, was ich weiß, war, daß
ich tatſächlich im Boote war, aber unter ihm; denn es
war gekentert. Ich wußte, ich durfte nicht Atem holen,
ſonſt würde ich ertrinken. Ich kroch unter dem Boot=
rand
hervor und ſah nun Hunderte im Waſſer, alle mit
Rettungsgürteln.
Inzwiſchen war die Titanic faſt verſunken.
Sie gewährte noch zum Schluß einen prächtigen Anblick,
denn aus ihrem Schornſtein ſtiegen Funkengarben und
Rauchſchwaden empor. Ich wußte, ich müſſe weg, da ich
ſonſt mit hinabgezogen würde. Ich ſchwamm alſo fort
und war 150 Fuß weit gekommen, als die Titanic ſank,
aber ganz allmählich. Bald darauf fühlte ich, ich ſei am
Untergehen. Es war ſehr kalt, und ich gab alle Hoffnung
auf, als ſich eine Hand aus dem zerlegbaren Boot mir
entgegenſtreckte. Dort waren wir furchtbar eingeklemmt.
Ich ſah überall im Waſſer noch Tote und Lebende. Wie
ich an Bord der Carpathia gekommen bin, weiß ich
nicht. Ich war dort zehn Stunden im Hoſpital, worauf
ich dem Telegraphiſten half.
Weitere Berichte über die Kataſtrophe.
* New=York, 19. April. Lady Gordon, die in
einem der letzten Boote die Titanic verließ, teilt mit
die Panik habe einige zurückbleibende Paſſagiere erſt in
dem Augenblick ergriffen, als ihr Boot abgelaſſen wurde.
Alles ſchien ſich auf das Boot zu ſtürzen. Einige Männer
drängten ſich in das Boot, wurden aber durch Revol=

* Straßburg, 21. April. Oberleutnant Ba=
rends
vom Infanterie=Regiment Nr. 144 in Metz, kom=
mandiert
zur Fliegerabteilung Straßburg, überflog
geſtern abend nach 7 Uhr in weiten Bögen auf einem
Rumpler=Eindecker (Taube) die Stadt vom Polygon aus
kreuzte hoch über dem Münſter und landete nach über=
raſchendem
, ruhigem und elegantem einſtündigem Fluge
vor der Halle. Die hieſige Militärflieger=
ſtation
, unter dem Kommando des Hauptmanns
Maſius ſtehend, iſt ſeit dem 14. April eröffnet und zur
Zeit mit drei Flugzeugen beſetzt, deren Zahl in den näch=
ſten
Tagen eine namhafte Vermehrung erfährt. Neben
dem Mathisſchen Flugzeugſchuppen auf dem Polygon,
den die Militärverwaltung übernommen hat, entſteht
eine größere 130 Meter lange Flugzeughalle, deren Bau
der Vollendung nahe iſt.
Paris 21. April. Wie aus (hâlon=ſur=
Marne gemeldet wird, bewarben ſich dortz mahrere
Militärflieger um den für das beſte Zielergebnis
geſtifteten Michelin=Preis. Einem Flieger glückte es,
aus einer Höhe von 250 Meter in 38 Minuten zweimal
das Ziel zu treffen, ein anderer traf aus derſelben Höhe
in 47 Minuten das Ziel nicht ein einzigesmal.

Der Untergang der Titanie.

[ ][  ][ ]

Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.

dem Zuſammenſtoß Waſſer und Eisſtücke in die Kohlen=
räume
eindrangen, gaben die Schottenwände
nach, da das Gegengewicht der Kohlen fehlte. Die Ma=
ſchiniſten
blieben an den Schiffspumpen und ertranken,
die Heizer ſprangen ins Meer. Unmittelbar nach dem
Untergang ſtießen die Ruder ihres Floßes fortwährend
an Leichen mit Rettungsgürteln.
*Bremen 22. April. Bößmanns Telegr.=Bureau
iſt vom Nordd. Lloyd folgendes Telegramm zuge=
gangen
: Der zweite Marconi=Telegraphiſt der Tita=
nic
hat in ſeiner Ausſage den Lloyd=Dampfer
Frankfurt beſchuldigt, auf die Hilferufe der Titanic
nicht reagiert zu haben. Auf ſofortiges drahtloſes An=
ſuchen
iſt dem Lloyd folgendes drahtloſe Tele=
gramm
des Kapitäns der Frankfurt zugegangen:
Dampfer Frankfurt auf Hilfeſignal ſofort nord=
wärts
geſteuert, traf 10.50 Uhr Unfallſtellee
ein. Die Titanic war 140 Meilen entfernt. Traf an
der Unfallſtelle die Dampfer Virginia, Carpathia und
Birma, gez. Hattorf‟. Danach beruhen die Ausſagen
auf direkter Unwahrheit.

Vermiſchtes.

Neues vom Heufieber. Dieſe ſich haupt=
ächlich
in Schnupfen mit 20 bis 100 oder mehreren Ent=
ladungen
, Augenentzündungen, Aſthma äußernde Krank=
heit
wird durch Blüten von Gras, Korn und anderen
Pollenblühern hervorgerufen; ſie tritt in jedem Jahr mit
Beginn des Blühens auf, um nach vier bis ſechs Wochen
mit dem Ende der Blütezeit wieder zu verſchwinden. Der
einmal davon Ergriffene wird unentrinnbar alljährlich
aufs neue davon befallen. Der Heufieberbund
von Helgoland (E. V.), deſſen wiſſenſchaftliche Ar=
beiten
auf der Internationalen Hygiene=Ausſtellung in
Dresden 1911 die Goldene Medaille erhielten, hat wie in
jedem Jahre, ſo auch jetzt wieder eine Sammelſchrift
(Bericht Nr. 14) herausgegeben, in der alle bisher ange=
wandten
Behandlungsarten mit Medikamenten, Opera=
tionen
, ſowie Luftkurorten zur Umgehung des Heufiebers
in gemeinverſtändlicher Form angegeben ſind. Die auf
ſtreng wiſſenſchaftlicher Grundlage beruhenden Angaben
des Bundes ſind den Mitteilungen entnommen, die der
Bund alljährlich von ſeinen Mitgliedern (über 2000 ein=
ſchließlich
70 heukranker Aerzte) über die von ihnen mit
den betreffenden Mitteln erzielten Erfolge einholt; ſie
ſind alſo, da der Bund ſich von allen Reklamen von Fabri=
kanten
grundſätzlich fernhält, unbedingt zuverläſſig. Hat=
ten
die Behandlungsarten der früheren Jahre den Heu=
kranken
immer nur eine vorübergehende Linderung ver=
ſchafft
, ſo ſind in dem gegenwärtigen Buch neue Me=
thoden
und Verſuche angegeben, die eine völlige Heil=
ung
des Heufiebers bezwecken. Die im Selbſtverlag des
Heufieberbundes erſchienene Schrift (Bericht Nr. 14) und
alles ſonſt über das Heufieber Wiſſenswerte wird allen
Heukranken, Aerzten, Inſtituten uſw. auf Anſuchen un=
entgeltlich
zugeſandt; man wende ſich an den Vorſitzenden
des Bundes, Otto Schultz in Hannover, Mittelſtraße 8.

Literariſches.

Zehnminuten=Turnen. Herausgegeben
von Karl Möller, Städt. Turninſpektor in Altona a. E.
Zweite Auflage. (Atmung und Haltung). 8. (10. und
105 S.) 1912. Kart. 1,40 Mark. Verlag von B. G. Teubner,
Leipzig und Berlin. Das in neuer Auflage vorliegende
Büchlein hat ſowohl in ſeinem theoretiſchen Teil, in dem es
die Möglichkeit der geſundheitlichen Beeinfluſſung durch
tägliche Uebungen recht eindringlich behandelt, als auch
durch ſeine praktiſchen Richtlinien Tiefatmen= und Gleich=
gewichte
=, Bruſt= und Rücken= Bauch= und Flanken=,
Sprung=, Gang=, Lauf= und beruhigende Atmungsübun=
gen
ſehr raſch den Beifall weiteſter Kreiſe erworben.
Wiſſenſchaftliche Automobil= Wer=
tung
. Im Laboratorium für Kraftfahrzeuge der Tech=
niſchen
Hochſchule zu Berlin hat Geheimrat Dr, Riedler
por etwa zwei Jahren die wiſſenſchaftliche Unterſuchung
der Kraftwagen aufgenommen. Er veröffentlicht jetzt
die erſten Berichte darüber unter dem Titel Wiſſenſchaft=
liche
Automobil=Wertung (Verlag von R. Oldenbourg,
München und Berlin), die erkennen laſſen, daß hier ein
außerordentlich dankbares Feld der Bearbeitung erſchloſſen
iſt. Die in den Berichten enthaltenen durchweg durch
Diagramme veranſchaulichten Verſuchsergebniſſe werfen
auf die beim Kraftwagen herrſchenden Leiſtungs= und
Widerſtandsverhältniſſe ein völlig neues Licht.

Einſendung aus dem Publikum.

In einem traurigen Zuſtande befinden ſich, wohl in=
fölge
der vorjährigen Dürre, viele Linden in der
Neckarſtraße namentlich auf der Weſtſeite, die zum
Teil einzugehen ſcheinen. Zwiſchen dem ſpärlichen Geäſt
und dem kärglichen Blätterſchmuck ragen die vertrockneten
Tweige hervor und gewähren einen troſtloſen Anblick.
Könnte man die Bäume, die noch zu retten ſind, nicht
wenigſtens ausſchneiden oder kröpfen? In ihrem jetzigen
Zuſtande bilden ſie kaum einen Schmuck für die Straße.
Auch bei den Linden in der Rheinſtraße zwiſchen Neckar=
ſtraße
und Bahnhof (z. B. vor der Vereinigten Geſellſchaft)
kann man dieſelbe traurige Beobachtung machen.
Publicus.

Sport.

* Fußballſpiel. Fußballklub Olympia 1898.
Die erſte Mannſchaft ſpielte in Frankfurt gegen Ger=
mania
und gewann 3:1. Die zweite Mannſchaft ſpielte
in Darmſtadt gegen F.=K. 1899 und gewann überlegen
7:0. Die vierte Mannſchaft verlor in Darmſtadt gegen
D. F.=K. 1: 2. Die Leichtathletikabteilung er=
öffnete
ihre Saiſon und weilte ebenfalls in Frankfurt. Joſef
Schröck gewann das 1000 m=Laufen in ſicherer Weiſe. Fritz
Weber wurde in demſelben Lauf 4., Georg Weber wurde
im 800 m=Lauf für Anfänger 3., E. Ensgraber zeigte
im Diskuswerfen eine gute Form und belegte ebenfalls

einen dritten Platz. Hans Schröck beteiligte ſich in Mann=
heim
am ſüddeutſchen Waldlauf über 5km und gewann,
obwohl nicht gut disponiert, den 7. Preis. Eine erſt=
klaſſige
Konkurrenz beteiligte ſich. Sieger blieb der ganz
hervorragend laufende deutſche Meiſter J. Stoiber= Nürn=
berg
. In den Kreisſpielen wurden folgende Reſultate
erzielt: Karlsruher Fußballverein=Fußballverein Frank=
furt
7:0, Phönix Mannheim=Spielvereinigung Fürth 4:1.
Phönix=Karlsruhe -Mannheim Verein für Raſenſpiele
Mannheim 2: 4. In dem internen Tennisturnier des
Schlittſchuhklub=Sportvereins errang die Tennisabteilung
des F.=C.=V. unter ſtarker Konkurrenz den 3. Preis.
In Weiterſtadt errang der S.=K. Haſſia 1908 in der
B=Klaße unter ſtarker Konkurrenz (11 Vereine) den
1. Preis. Sehr intereſſante Spiele fanden ſtatt gegen
Fußballklub Königſtädten 1:0; gegen die Spielriege
Braunshardt, Turngemeinde 2:1 und gegen Turngemeinde
Darmſtadt=Beſſungen 1:0 zu Gunſten der Haſſia. Außerdem
erhielt noch bei den Olympiſchen Spielen Mitglied
G. Völger den 1. Preis im 100 Meter=Laufen und den
1. Preis im 200 Meter=Laufen.

Der italieniſch=türkiſche Krieg.

* Konſtantinopel, 19. April. Dem Kriegsmini=
ſterium
zugegangene Meldungen berichten, daß ein klei=
nes
türkiſches Küſten=Kanonenboot wäh=
rend
des Bombardements von Samos von der Beſatz=
ung
verſenkt wurde, um es nicht in die Hände der
Italiener fallen zu laſſen. (Mannſchaft und Geſchütze
wurden an Land gebracht. Nach dem Bombardement
begab ſich die Flotte in den Golf von Teros.
* Wien, 19. April. Der Kriegsminiſter Mahmud
Schefket Paſcha teilte dem Konſtantinopeler Korreſpon=
denten
der Neuen Freien Preſſe mit, wir wünſchen
nichts ſehnlicher, als daß die feindliche Flotte eine For=
cierung
der Meerenge verſuche. Die klägliche
Beſchießung der ſchwachen Außenforts am Eingang der
Dardanellen wird nur von der Beſchießung von Samos
übertroffen, wo nur eine türkiſche Kompagnie ſtand.
Gegen eine Landung auf der Halbinſel Gallipali ſind im
Ueberfluß Truppen vorhanden.
* Sofia 20. April. Das Regierungsorgan ſchreibt:
Der Krieg tritt in ein beunruhigendes Sta=
dium
. Das einzige Mittel zur Varmeidung ernſter
Komplikationen auf dem Balkan, die darans entſtehen
könnten, iſt ein raſcher Friedensſchluß.
II.B. Paris, 20. April. Der Matin berichtet aus
Rom: In ruſſiſchen wie in italieniſchen Kreiſen erklärt
man, daß keine Beſtätigung der Meldung über
ein italieniſch=ruſſiſches Einvernehmen
bezüglich eines gemeinſamen Vorgehens gegen die Tür=
kei
eingetroffen iſt. Es ſcheint jedoch, daß die Abſicht
eines ruſſiſchen Druckes in Konſtantinopel beſtanden hat.
In Rom hat man allem Anſcheine nach dieſer Aktion
Rußlands keine ſo große Wichtigkeit beigemeſſen. Das
Echo de Paris beſtätigt ebenfalls das Dementi und er=
klärt
, weder Saſſonow in Petersburg noch Ismail in
Paris hätten die franzöſiſche Regierung über eine ſolche
Intervention unterrichtet.
* Konſtantinopel 20. April. Die Stadtprä=
fektur
veröffentlicht eine Mitteilung, die Regierung dachte
rechtzeitig an die Verproviantierung der
Hauptſtadt und ſorgte für das Vorhandenſein ge=
nügender
Vorräte in Mehl, Getreide und anderen Lebens=
mitteln
. Perſonen, die die Brotpreiſe in die Höhe zu
treiben ſuchten oder durch Verbreitung beunruhigender
Nachrichten die Gemüter erregen würden, ſollten vor ein
Kriegsgericht geſtellt werden.
* Konſtantinopel 20. April. Der Entwurf
der Antwort der Pforte auf die Vermittlung der
Mächte iſt vorbereitet und wird wahrſcheinlich morgen im
Miniſterrat erörtert werden. Die Antwort iſt ein langes
Schriftſtück mit einer rückſchauenden Darlegung der tripo=
litaniſchen
Frage und der verſöhnlichen Haltung der Pforte.
Weiter wird auf die Rechtswidrigkeit des italieniſchen Vor=
gehens
hingewieſen. Die Pforte könne auf ihre Würde
nicht verzichten und könne nicht die tatſächliche und voll=
ſtändige
Souveränität von Tripolis aufgeben. Die Ant=
wort
ſtellt, ohne die türkiſchen Friedensbedingungen zu
formulieren, eing entſchiedene Zurückweiſung der italie=
niſchen
Bedingungen dar.
* Konſtantinopel 20. April. Die Zeitungs=
meldungen
, daß die Regierung beſchloſſen habe, die Dar=
danellen
wieder für die Schiffahrt zu öffnen,
ſind verfrüht. Noch iſt keine derartige Entſcheidung ge=
troffen
worden. Vielleicht wird ſich die Regierung ſpäter
dazu entſchließen, doch würden wenigſtens zehn Tage für
das Auffangen der im Waſſer loſe treibenden Minen nötig
ſein. Amtliche Kreiſe der Pforte erklären, daß die An=
ſprüche
der Schiffsgeſellſchaften auf Entſchädigung unzu=
läſſig
ſeien, da es ſich um Force majeure handele.
* Roſtow, 21. April. Die Exporteure berieten,
wie Verluſte infolge der Sperrung der Darda=
nellen
verhütet werden könnten. Es wurde beſchloſſen,
durch den Miniſterpräſidenten bei der türkiſchen Regierung
die Wiederherſtellung des freien Verkehrs zu erwirken unter
dem Hinweis, daß es unmöglich ſei, die teuer angeſchafften
Getreideüberſchüſſe zu realiſieren und daß demzufolge
ſchwere Verluſte eintreten würden. Gleichzeitig erſuchten
die Getreidehändler, den Getreidekredit nicht einzuſtellen,
weil ſonſt eine allgemeine Geſchäftsſtockung erfolgen
würde. Es wird ferner eine Beratung darüber ſtattfinden,
b die Vereinbarungen für April gültig ſein ſollten.
* Konſtantinopel, 22. April. Dem Vernehmen
nach werden die Dardanellen im Laufe dieſer Woche,
wahrſcheinlich am Donnerstag für die Schiffahrt in einer
ſchmalen Fahrrinne wieder geöffnet werden.
* Köln, 20. April. Die Köln. Ztg. meldet aus
Berlin: Das Vorgehen der italieniſchen Re=
gierung
hat ſich als eine Kundgebung herausgeſtellt,
durch die die politiſchen Entſchlüſſe der Türkei beeinflußt
werden ſollten. Nach dieſer Richtung hin ſcheint das
italieniſche Vorgehen wie ein Schlag ins Waſſer ge=
wirkt
zu haben. Zugleich hat es den bedauerlichen Er=
folg
gehabt, den Handel aller Völker recht em=

pfindlich zu ſtören, denn wenn auch Rußland und Eng
land in erſter Reihe beteiligt ſind, ſo kommen doch auch
deutſche Intereſſen in Betracht. Wie die Dinge liegen, ſcheint
es nicht angängig zu ſein, die Türkei zur Aufhebung von
Maßregeln zu zwingen, die ſie in Selbſtverteidigung er=
griffen
hat. Man kann aber wohl mit Sicherheit an=
nehmen
, daß die Pforte, nachdem die italieniſche Flotte
wieder verſchwunden iſt, ſchon im eigenen Intereſſe alles
tun wird, um die Dardanellen der internationalen Schiffe
fahrt wieder zu öffnen. Die ſchmale Rinne, durch die
vorher der Schiffsverkehr ging, kann, wenn ſie jetzt wieder
geöffnet wird, im Bedarfsfalle ja raſch wieder geſchloſſen
werden. Was das Vorgehen Italiens anbelangt, ſo iſt
mehrfach behauptet worden, daß es im Einvernehmen
mit Rußland erfolgt ſei. Wie wir hören, iſt dieſe An=
nahme
nicht zutreffend.

Der Aufruhr in Fez.

* Paris, 19. April. Eine anſcheinend offiziöſe
Meldung beſagt, daß die geplante Maßnahme, durch
welche ein Teil des Soldes der ſcherifiſchen Truppen für
die Mannſchaftskoſt zurückbehalten werden ſollte, wohl=
kaum
die Veranlaſſung zu der Meuterei gebildet:
habe. Zwiſchen dieſer Maßnahme und dem Ausbruch
des Aufſtandes ſei nur ein zufälliges Zuſammen=
treffen
zu erblicken. Ferner wird halbamtlich er=
klärt
, daß die franzöſiſchen Inſtruktionsoffiziere ein allzu
großes Vertrauen zu der Manneszucht der ſcherifiſchen!
Truppen gehabt hätten und daß deshalb nicht rechtzeitig
die erforderlichen Gegenvorkehrungen getroffen worden
ſeien.
* Madrid, 19. April. ABC ſchreibt über den Auf=
ſtand
in Fez: Angeſichts der höheren Intereſſen Euro=
pas
in Marokko und der ſchmerzlichen Ereigniſſe, von
denen unſer Nebenbuhler dort betroffen wurde, müſſen
wir die ſcharfen Erörterungen unterdrücken,
die ſich uns aufdrängen. Imparcial ſchreibt: Das=
Blutvergießen und der Ausbruch von feindſeliger Geſin=
nung
unter den Eingeborenen, von denen die Errichtung
des franzöſiſchen Protektorats begleitet iſt, müſſen be=
trüben
und ernſte Beſorgniſſe hervorrufen. Das neue
Regime beginnt unter düſteren Anzeichen.
* Tanger, 19. April. Nach den letzten Nachrichten
hat ſich die Lage in Fez gebeſſert, obwohl das
Schießen fortdauert. Es iſt ſchwer, beſtimmte Nachrich=
ten
aus guter Quelle zu erhalten, obwohl zahlreiche Fun=
kentelegramme
vorliegen. Anſcheinend haben Truppen
den Sultan, der von Empörern angegriffen wurde,
befreit. Die Truppen konnten nur nach heftigem Kampf.
in die Stadt eindringen; ſie verloren 10 Tote, ſämtlich
algeriſche Schützen. Genaues über die Höhe der Verluſte
iſt nicht zu erfahren. Die Truppen beſetzten die Tore im
Süden der Stadt und das Viertel, das ſich an das Euro=
päerviertel
anſchließt. Die in Mekines angekommenen
Verſtärkungen ſind geringfügig. General Moinier
wird am Sonntag mit Verſtärkungen in Fez ankommen.
Die Maghzen Ulemas bemühen ſich, die Empörer zu be=
ruhigen
. Ueber die Lage in Sefru, wo eine größere An=
zahl
ſcherifiſcher Truppen lagert und über die Haltung
der Stämme der Umgegend liegen wenig Nachrichten vor.
Die Zahl der in Fez getöteten Offizierg iſt unbekannt.
* Paris 20. April. Ein im Miniſterium des
Aeußeren um Mitternacht eingetroffenes Funkentele=
gramm
an Tanger meldet, daß die Verſtärkungen
aus Mekines in Fez eingetroffen ſind. Nach hef=
tigem
Kampfe nahmen die franzöſiſchen Truppen die
Stellungen der Aufſtändiſchen ein. Die franzöſiſche Flagge
weht jetzt auf den Wällen. Die Ruhe iſt wieder
hergeſtellt. General Moinier wird heute in Fez er=
wartet
.
* Paris 20. April. In Tanger wurde wegen
der herrſchenden Unſicherheit der Befehl ausgegeben, Per=
ſonen
, die in das Innere des Landes abreiſen wollen,
zurückzuhalten. General Moinier bat in Paris um die
Erlaubnis, den Belagerungszuſtand über Fez
zu verhängen, um eine energiſche Unterdrückung des
Aufſtandes zu erleichtern. Außer fünfeinhalb Bataillonen
wird General Moinier vier Maſchinengewehrabteilungen
und anderthalbe Schwadron Kavallerie, ſowie drei Bat=
terien
Feldartillerie nach Fez dirigieren. Dieſe Kräfte
werden ausreichen, um den Aufſtand zum Stillſtehen zu
bringen.
* Paris 20. April. Im Miniſterrat teilten der
Miniſterpräſident Poincaré, der Kriegsminiſter Mille=
rand
und Marineminiſter Delcaſſé Funkentelegramme
mit, die aus Fez eingetroffen ſind, deren Letztes die
Wiederherſtellung der Ruhe meldet. Die Konl
ſuln von England und Spanien ſprachen dem franzöſi=
ſchen
Geſandten Regnault ihren Dank für den den Kon=
ſulaten
und ihren Landsleuten gewährten Schutz aus
und beglückwünſchten ihn zu der Tapferkeit der franzöſi=
ſchen
Truppen bei der Verteidigung. Der Miniſterrät
erachtete es für ſeine Pflicht, Regnault Inſtruktionen
vom 1. April zur Errichtung des Protektorats zu beſtä=
tigen
. Zwiſchen Regnault und Gencral Moinier herrſcht
volles Einverſtändnis. Millerand teilte mit, daß gegen=
wärtig
26570 Soldaten in Marokko ſeien, davon 7260
in dem Gebiet von Mekkines und Fez. Die ſcherifiſchen,
Truppen ſeien 6000 Mann ſtark, davon 4000 in Fez. Die
Okkupationstruppen an der algeriſch=marokkaniſchen
Grenze belaufen ſich auf 10 400 Mann.
* Paris, 20. April. Nach Blättermeldungen aus
Tanger beſtätigen die aus Fez eingetroffenen Nachrichten,
daß die Verluſte der Franzoſen ſehr ſchwere
ſeien. Mehrere Offiziere, darunter vier Hauptleute, ſeien
getötet worden. Man kenne die Zahl der Opfer des
Aufſtandes nicht genau, aber es ſei gewiß, daß die fran=
zöſiſchen
Cadres ſehr ſtark in Mitleidenſchaft gezogen
worden ſeien.
* Paris 21. April. Nach einer Meldung aus
Tanger ſollen bei dem Aufſtand in Fez 15 fran=
zöſiſche
Offiziere und Unteroffiziere niedergemetzelt wor=
den
ſein, welche als Inſtrukteure der ſcherifiſchen Trup=
pen
angeſtellt waren. Es heißt, daß die aufrühreriſchen
Soldaten den Leichen die Köpfe abſchnitten die=
ſelben
auf Lanzen aufſpießten und durch die Stadt tru=
gen
. Unter den getöteten Offizieren beInden ſich zwei

eine neuartige Haushaltſeife

von

(93390f

aſchkraft

Preis pro Stück 20 Pf. Jetzt überall erhältlich.

[ ][  ][ ]

Nummer 92.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.

Seite 7.

Infanterie= und zwei Artilleriehauptleute, ſowie ein Ka=
vallerierittmeiſter
. Sofort bei Ausbruch des Aufſtandes
plünderten die Aufrührer das Indenviertel, welches zur
Verhinderung weiterer Ueberfälle von den Truppen be=
ſetzt
wurde.

Darmſtadt, 22. April.
Die beiden Schüleraſefführungen am Freitag und
Samstag, den 19. und 20. April, im Fürſtenſaal ( Grafen=
ſtraße
) gaben ein ziemlich vollſtändiges und im großen
und ganzen ſehr günſtiges Bild über die Lehrziele und
guten Erfolge der Klavierſchule von Fräulein
Maria Rieger. Die ſehr gewiſſenhafte Durchbildung
der Anſchlagstechnik, ſowie die Erziehung zu muſikaliſch
ausdrucksvollem Vortrag einerſeits, wie andererſeits zu
ſtrenger rhythmiſcher Straffheit, machte ſich auch ſchon bei
den jüngeren Schülerinnen am erſten Abend günſtig be=
merkbar
; höchſtens könnte man bei den ganz einfachen
Stücken, den jüngſten Schülern, denen die ruhige
nicht haſtige Ausführung der Verzierungsnoten in der
Takteinteilung noch nicht vollkommen gelingt, die Weg=
laſſung
der Doppelſchläge empfehlen zum Vorteil des
Vortrags. Recht gute natürliche muſikaliſche Anlagen
zeigten ſich unzweifelhaft bei allen Schülern, die Fräulein
Rieger zu fördern verſteht. Um nur einiges zu nennen,
möge in Anſchlag und ſelbſtändiger Auffaſſung als wohl=
gelungen
bezeichnet werden: eine kleine Ouvertüre Zum
feſtlichen Tage Duftendes Veilchen und beſonders das
(eingelegte) Ständchen von Stephen Heller. Vier= und
achthändige, recht ſicher geſpielte Stücke begannen und
ſchloſſen den erſten Vortragsabend gut ab. Der zweite
Abend mit ſeinem geſchickt und ſorgfältig zuſammenge=
ſtellten
Programm hätte, abgeſehen von dem zuweilen
lſtörenden halblauten Taktzählen, ſogar ſchon als Schü=
lerkonzert
bezeichnet werden dürfen. Die durchgehends
guten Leiſtungen der vorgeſchrittenen Schüler und Schü=
lerinnen
beweiſen die Planmäßigkeit der guten und ſiche
ren Lehrmethode, der ſie ſich anvertrauten. Die beiden
(vierhändigen) Ungariſchen Tänze (Nr. 6 und 7) von
Brahms überraſchten durch die gutentwickelte Auffaſſung
ein flott geſpielter Reitermarſch Rubinſteins, vierhändig
auf zwei Klavieren iſt nicht nur pädagogiſch ein
recht wertvolles Stück, ſondern klingt auch in ſeinem
vortrefflichen Klavierſatz ganz prächtig, ebenſo die zu acht
Händen geſpielte Polonäſe Chopins am Schluß. Von den
Einzelſtücken offenbarte der gute, ſehr ausdrucksvolle Vor=
trag
der Berceuſe von Nicolai v. Wilm ein ganz aus=
gezeichnetes
Vortragstalent, das zunächſt zu techniſcher
Vollendung nur noch intenſiverer Beſchäftigung mit leb=
haft
bewegten Paſſagenetüden bedarf, um ſich dann aller=
dings
weit über das mitlere Maß des pianiſtiſchen Kön=
nens
zu erheben. Ferner wurden mit ſchönem Anſchlag
ein Lied ohne Worte von Tſchaikowsky, Moment muſical
Nr. 2 von Schubert und F=moll=Mazurka recht gut vor=
getragen
, während das ſonſt ſehr gewandt geſpielte As=
dur
=Impromptu von Schubert an zwei Stellen durch eine
unrichtig aufgefaßte Akkordauflöſung ein wenig beein=
trächtigt
wurde.
Eine künſtleriſche Bereicherung erfuhr das Programm
durch zwei Violinſonaten von Beethoven, ein Trio von
Haydn und Andante aus Mendelsſohns Violinkonzert,
zu denen die Herren Kammermuſiker Sturmfels und Hof=
muſiler
Mechler hinzutraten.
In einem ſinnigen, von einer kleinen Schülerin vor=
getragenen
Gedicht fand die Dankbarkeit und Verehrung
der Schüler für ihre gewiſſenhafte und fleißige Lehrerin
beredten Ausdruck, und ein prächtiger Lorbeerkranz wurde
ihr am Schluſſe der gut beſuchten Veranſtaltung über=
reicht
.
* Internationaler landwirtſchaftlicher Genoſſen=
ſchafts
=Kongreß in Baden=Baden. Einer Einladung
des Reichsverbandes der deutſchen landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften Folge gebend, wird der III. Inter=
mationale
Bundestag der landwirtſchaftlichen Genoſſen=
ſſchaften
am 21. und 22. Mai d. J. erſtmals in Deutſch=
land
, und zwar in Baden=Baden abgehalten. Der erſte
Kongreß des im Januar 1907 errichteten Internatio=
nalen
Bundes der landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften
fand 1907 in Wien, der zweite 1908 in Piacenza ſtatt
Der Internationale Bund ſteht mit den ländlichen Ge=
noſſenſchaftsorganiſationen
aller Kulturländer in Ver=
bindung
, ihm gehören die großen ländlichen Genoſſen=
ſchaftsverbände
zahlreicher Länder als Mitglieder an.
Die Einladung und Tagesordnung des Bundes=
tages
Baden=Baden, welche der Bundes=
vorſitzende
, Generalanwalt Geheimrat Haas= Darm=
ſtadt
(in Darmſtadt befindet ſich auch der Sitz des Inter=
nationalen
Bundes) ſoeben zur Verſendung bringt, iſt
außerordentlich reichhaltig; ſie enthält u. a. folgende
wichtige Verhandlungsgegenſtände: Geſchäftsbericht des
Bundesvorſitzenden. Abänderung der Satzung, um
auch die Aufnahme außereuropäiſcher Genoſſen=
ſchaftsverbände
zu ermöglichen. Genoſſenſchaftliches
Reviſionsweſen. Genoſſenſchaftliches Unterrichts= und
Ausbildungsweſen. Entwickelung und Erfahrungen auf
dem Gebiete der genoſſenſchaftl. Zentralkreditorganiſationen.
Die Pachtgenoſſenſchaften in der Landwirtſchaft.
Die Verſorgung des platten Landes mit Elektrizität
unter genoſſenſchaftlicher Mitwirkung. Entſchuldung
des Landbeſitzes durch Mithilfe der Genoſſenſchaften.
Nutzbarmachung der neueren Erfahrungen der Kälte=
Induſtrie für den Kleinproduzenten. Als Referenten
ſind bekannte Genoſſenſchafter des In=, insbeſondere aber
des Auslandes gewonnen. Eine Reihe von feſtlichen
Veranſtaltungen iſt in Verbindung mit dem Kongreß
in Ausſicht genommen.
* Mainz, 21. April. In dem Hauſe Käſtrich 43
fand man geſtern abend den 30 Jahre alten Muſiker
Friedrich Hermann Schütze und ſeine Geliebte Emma
Kolwe tot vor. Wie aus hinterlaſſenen Briefen her=
vorgeht
, iſt das Paar in beiderſeitigem Einver=
ſtändnis
in den Tod gegangen. Schütze hat
das Mädchen jedenfalls in der Nacht von Donnerstag
auf Freitag erſchoſſen und dann ſelbſt ſeinem Leben
durch Erhängen ein Ende gemacht. Der Beweggrund
iſt anſcheinend unglückliche Liebe.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Burea u.)
* Berlin, 20. April. In dem Scharmachpro=
zeß
kam es wieder zu ſo erregten Szenen, daß
ein Sachverſtändiger, der in der Reihe der Preſſevertre=
ter
ſaß, erklärte, er könne von ſeinem Platz aus nicht
deutlich verſtehen. Der Vorſitzende ſagte darauf laut:
Dann muß die Preſſe raus! Da der Vorſitzende weitere
Erklärungen nicht abgeben wollte, verließen ſämtliche
Preſſevertreter den Saal. In der Sitzung ſtellte der
Verteidiger Werthauer wiederum eine ganze Flut neuer
Anträge. Die meiſten lehnte der Gerichtshof ab. Der
Gerichtshof beſchloß, den Verteidiger Werthauer wegen
Stellung von Fragen, die zumeiſt ſchon beantwortet ſind

wegen Ungebühr vor Gericht zu 100 Mark Geld=
ſtrafe
zu verurteilen.
* Berlin, 20. April. Der Berliner Lokalanzeiger
meldet aus Berlin: Heute morgen ſtürzten bei Kalk=
berge
=Ruedersdorf etwa 15000 Quadratkubikmeter Erde
und Felsmaſſen in den Tiefbau. Auch der
Steigerturm der freiwilligen Feuerwehr wurde in die
Tiefe geriſſen. Perſonen wurden nicht verletzt.
* Homburg v. d. H., 21. April. Die Kaiſerin
traf heute vormittag gegen 9 Uhr in Begleitung des
Prinzen Joachim, des Grafen Mirbach und der Hofdame
Keller, ſowie des Leibarztes Dr. Zunker in Bad Homburg
ein und begab ſich ins königliche Schloß. Um 9.50 Uhr
wohnte ſie nebſt ihrer Begleitung dem Gottesdienſte in
der Erlöſerkirche bei. Die Predigt hielt Herr Pfarrer
Wenzel. Im Schloß ſpeiſten die Herrſchaften zu Mittag.
Gegen 3 Uhr fuhren ſie nach der Saalburg, beſichtigten
das Saalburg=Kaſtell und begaben ſich hierauf zum Tee
in das Saalburg=Reſtaurant. Nach etwa zweiſtündigem
Aufenthalt fuhren die Herrſchaften nach Bad Nauheim
zurück.
Metz, 21. April. Zu dem angeblichen Fall von
Grenzüberſchreitung bei Auboué durch Soldaten
der Metzer Garniſon erfahren wir von zuſtändiger mili=
täriſcher
Seite, daß trotz des bisherigen völlig nega=
tiven
Ergebniſſes der eingehenden Nachforſchungen
die Unterſuchung noch weiter geführt wird, um die An=
gelegenheit
möglichſt vollſtändig aufzuklären.
* Hamburg, 20. April. Obwohl die deutſchen geſetzlichen
Vorſchriften über die Ausrüſtung der Schiffemit
Rettungsbooten über die entſprechenden engliſchen
erheblich hinausgehen, damit nach dem Urteil der Behör=
den
und Sachverſtändigen die erforderliche Sicherheit ge=
währleiſtet
war, beſchloß die Hamburg=Amerika=Linie über
die geſetzlichen Vorſchriften hinaus ihre Dampfer mit einem
Bootsraum zu verſehen und die Rettungsmittel ſo auszu=
geſtalten
, daß unter allen Umſtänden für alle Perſonen
an Bord vorgeſorgt iſt.
* Zwickau, 20. April. Der Bergarbeiterſtreik
im hieſigen Revier iſt endgültig zu Ende. Bereits
am Freitag nachmittag und ebenſo im Laufe des heutigen
Tages meldeten ſich bei allen Werken zahlreiche Strei=
kende
wieder zur Arbeit. Der Bergbauliche Verein gibt
daher, da in den nächſten Tagen der Grubenbetrieb wie=
der
normal werden dürfte, bis auf weiteres keine Streik=
ziffern
aus, ebenſo keine Ziffern über die Belegſchaften.
* Wien, 21. April. Die Neue Freie Preſſe meldet
aus Belgrad: Die ſeit der Proklamation des Kom=
miſſariats
in Kroatien begonnene Boykottagitation
gegen die ungariſche Induſtrie führte zur Vildung eines
beſonderen Boykottkomitees, das es als ſeine Aufgabe
betrachtet, den Boykott gegen alle Waren aus Oeſter=
reich
=Ungarn ins Werk zu ſetzen. Bisher richtete ſich die
Bewegung nur gegen die in Belgrad ſtattfindende
Warenausſtellung des ungariſchen Handelsmuſeums.
* Peſt, 20. April. Das neue ungariſche Kabinett
iſt nunmehr zuſammengeſtellt. Miniſterpräſident und
Miniſter des Innern iſt der bisherige Finanzminiſter
Lukacs. Sämtliche anderen Miniſter verbleiben in ihren
Aemtern. Zum Finanzminiſter wurde Graf Keleſky er=
nannt
. Die Abendblätter begrüßen ohne Unterſchied der
Parteirichtung die Ernennung Lukacs zum Miniſter=
präſidenten
ſehr ſympatiſch. Alle drücken die Hoffnung
aus, daß er die freiſinnige Wahlreform durchführen
werde, wodurch auch die Erledigung der Wehrvorlage
geſichert würde.
* Paris, 21. April. Nach einer Zeitungsmeldung aus
Toulon wurde heute ein Maun namens Blanc ver=
haftet
, der im Verdacht ſteht, ein Helfershelfer des jüngſt
wegen Spionage verhafteten Arſenal=Lithographen
Zimmerle zu ſein.
* Madrid, 20. April. Zu dem franzöſiſch=
ſpaniſchen
Zwiſt wird dem Mundo aus London
gemeldet, daß die Forderungen, welche Frankreich an
Spanien zu ſtellen beabſichtigt, die Zuſtimmung Eng=
lands
noch nicht gefunden haben. Die Verhandlungen
dürften indeſſen ſo lange ſtocken, bis zwiſchen Frankreich
und England ein Einvernehmen in dieſer Ange=
legenheit
erzielt worden ſei, die übrigens auch durch die
Ereigniſſe in Fez eine weitere Verwicklung erfahren haben.
Stockholm, 20. April. Die Krankheit des Dichters
Augüſt Strindberg iſt ernſt. Er erhält Morphium=
einſpritzungen
. Eine neue Entleerung der Bauchhöhle iſt
wahrſcheinlich in den nächſten Tagen notwendig.
* Petersburg, 21. April. Die Newaſchiffahrt
wurde offiziell eröffnet.
* Irkutsk, 21. April. (Amtlich.) Bei den Vorgängen
in den Lenagoldwäſchereien wurden 107 Perſonen
erſchoſſen. 84 Verletzte ſtarben ſpäter. Außerdem
ſind 210 verwundet, davon 81 leicht.
* New=York, 20. April. Wie aus Jackſon am
Miſſiſſippi gemeldet wird, ſind bei Beulah infolge eines
Dammbruches zweihundert Menſchen im Miſſiſſippi
ertrunken.
* New=York, 21. April. In der Stadt Henneſſy
(Oklahoma) wurden durch einen Wirbelſturm
50 Häuſer zerſtört. Zwei Frauen wurden getötet.
In Perry wurden ein Mann getötet und etwa zwanzig
Menſchen verwundet, 25 Gebäude ſind beſchädigt. Auch
noch andere Städte im Staate Oklahoma haben ſchwer
gelitten. Telegraphiſchen Meldungen zufolge wurden im
Staate Colorado zahlreiche Menſchen durch den Sturm
getötet.
* Kaſchgar, 21. April. Meuternde Soldaten der
Garniſon Akſu töteten den Taotai Tſcheng, ſowie
den Gebietschef. Dem früheren Taotai Pingſueitſchang
iſt es gelungen, Ruhe zu ſchaffen. Leben und Gut der
Fremden iſt außer Gefahr.

Heuneberg=Seide

von Mk. 1,10 an
per Meter
porto= u. zollfrei

in ſchwarz, weiß und farbig,
(1208a)
für jeden Bedarf.
Verlangen Sie Muſter. G. Henneberg, Hlllia)

im

Kuranstalt Domnelm Launus.
(1/2 Stunde von Frankfurt a. M.), für Erholungsbedürftige
Harven- u. innere Kranke, Sommer und Winter besucht
Prospokte durch
pr. u. Schulze-Kahleyss, Mervenarzt.

Verkaufs-
stellen
durch
dieses Plakat
kenntlich.

Fabrik ant:
August Jacobi
Darmstadt.

VI 6419

Jiwea-Geme

Z Rafp
Cue‟
Nives-Seife: 50 Pf
-Crem
e
zu 10, 20 Pf. u. 1.00 M., in Tuben zu 40 u. 75 Pf.

O. Geledod .Kug
Hersteller der Zahnpasta PEBECO

Darmſtädter Schloffreiheit=Geld=Lotterie. Die Loſe
der 5. Reihe dieſer ſo ſchnell beliebt gewordenen
Lotterie ſind bereits ausgegeben und ſind in allen
Lotteriegeſchäften zu haben. Die Ziehung findet
garantiert unwiderruflich am 15. Mai d. Js.
ſtatt, und es muß beſonders betont werden, daß dieſe
Lotterie ihren angeſetzten Ziehungstermin
bisher ſtets eingehalten hat, da die Loſe in
allen vorangegangenen Lotterien ausverkauft waren.

Todes=Anzeige.
Nach langem, qualvollem Leiden ſtarb heute
morgen 8½ Uhr in der Klinik von Dr. Machen=
hauer
meine innigſtgeliebte Frau, unſere gute
Schwägerin und Tante
(9590
Frau Marv Kästie
geb. Brendel
im Alter von 61 Jahren.
Der tieftrauernde Gatte:
Gebhard Kästle.
Darmſtadt, 20. April 1912.
Friedrichſtr. 23.
Die Beerdigung findet Montag nachmittag
4 Uhr, vom Portale des ſtädtiſchen Friedhofes
aus, ſtatt. Das Seelenamt für die Verſtorbene
iſt am Dienstag, den 23. April, 6½ Uhr, in
der St. Eliſabethenkirche. Kranzſpenden ſind
nicht im Sinne der Entſchlafenen.

Todes-Anzeige.
Heute früh entschlief sanft nach
kurzem Leiden unsere liebe Mutter,
Grossmutter und Schwiegermutter
Frau

geb. Schneider
im 71. Lebensjahre.
Im Namen
der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Bläsing.
Darmstadt, Brandenburg, Sceheim,
den 20. April 1912.
Die, Beerdigung findet statt: Montag, den
22. April, nachmittags 3½ Uhr, in Ar-
heilgen
.
(9593

Tageskalender.

Hoftheater, Anfang 7½ Uhr (Ab. C): Der Raub
der Sabinerinnen
Geſangsaufführung der Joachimſchen Geſangsſchule
um 8¼ Uhr im Kaiſerſaal
Konzerte: Hotel Heß, Bürgerkeller und Reſtaurant
Metropol um 8 Uhr.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein=
u
. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.
The American Bio Co., Ernſt=Ludwigsſtr. 23.
Vorſtellungen von 411 Uhr.
Olympia=Theater, Rheinſtr. 2, 1. Etage:
Vorſtellungen von 411 Uhr.

Verſteigerungskalender.
Dienstag, 23. April.

Aecker= ꝛc. Verſteigerung des Jakob Weicker um
10 Uhr auf dem Ortsgericht II.
Gold= und Silber=Verſteigerung um 2 Uhr im
ſtädtiſchen Pfandhaus.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Haus Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkrivte werden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.

Weiblich

Jüng. Stenotypistin
ſucht bei beſch. Anſprüchen Stellung.
Off. u. D 82 an die Exp. (*9807fso

Anſehnl. Frl. mit angen. Umg.
2 Jahre Nähen gelernt u. Kurſus
mitgem., ſucht p. 1. Mai Beſchäft.
lin Damenkonfektions=Geſchäft od.
Atelier, ſchicke Figur zum Anpro=
bieren
, kann auch Abändern. Off
unter E 58 an die Exp. (*10060

Schneiderin empfiehlt ſich
Wienersſtr. 58, 2. Stock. (*9787fso
T. Mädch. ſucht Lavft., morg
2 Std. Fuchsſtr. 1, Stb. p. (*9934so
Landmädchen, w. ged. hab. u.
gute Zeugn. beſitz., Kindermädch.,
welche Kindererzieh. gel. h., ſuch. in
Darmſt. Stell. Frau Berta Ness-
iling
, gewerbsmäßige Stellenver=
mittlerin
, Ludwigſtr. 8. (*10045oi
Aelt. in Küche u. Haus t. Mdch.
ſucht Stell. ſof. Näh. Exped. (*10043

Junge Frau geht Waſchen und
Putzen. Nieder=Ramſtadt, Ludwig=
ſtraße
20.
(*10076

Tücht. Waſchfrau hat noch Tage
frei Lauteſchlägerſtr. 8, Hth. II.(

Männlien

Ctud. ing., 2 Sem. Elektrotechn.,
½ J. Praxis, Ferienz. im Betr. d.
Vaters, ſ. b. beſcheid. Anſprüchen
Stellg. zur weiteren Ausbildung.
Eintritt ſofort. Gefl. Offert. an
A. Kauling, stud. ing., Capelle i. Weſtf.,
Kreis Lüdinghauſen. (*9954so

Bautechniker.
Jg. Architekt, Abſolvent der Bau=
gew
.=Schule, ſowie 3 Sem. Hoch=
ſchule
ſucht per ſof. Anfangsſtelle.
Off. u. E 44 an die Exp. (*10018so

Zuverl. junger Kaufmann ſucht
Stellung auf Bureau oder Lager.
Kann auch Kundſch. bedienen.
Offerten unter D 94 an die Ex=
ſpedition
ds. Bl.
(*9830fo

Weicher edle Menschenfreund
gibt einem gewandten Kaufmann,
28 Jahre alt, durch Beſchäftigung
als Buchhalter, Kontoriſt oder
ähnlichen Poſten Gelegenheit, ſich
wieder emporarbeiten zu können?
Auf größere Vergütung wird vor=
ſerſt
nicht geſehen. Offerten unter
D 95 a. d. Exped. (9362fo

melcher Jugendfreund w. ei. Sohn
br. Elt. d. d. Kaufm. Schule
beſ. h., irg. e. Beſch. zuk. laſſ., d. ſ. fr.
Zeit v. mitt. ½ 3 Uhr ausgef. iſt g. ger.
Verg. Off. u. E60 Exp. (*10083

Schuljunge ſucht Beſchäftigung.
Zu erfrag. Kaſinoſtraße 17, Hths.,
bei Frau Bender.
(*10044

M

Weiblich

durchaus perfekt in Stenogr. u.
Schreibmaſch., an ſelbſtändiges Ar=
beiten
gewöhnt, von größerem
(9568MI
Detailgeſchäft der
Putz- u. Wäschebrauche
per 1. Mai geſucht. Solche aus
der Branche bevorzugt. Gefl. Off.
m. Gehaltsanſpr. u. Zeugn.= Ab=
ſchrift
. unt. F. B. S. 462 an
Rudolf Moſſe, Frankfurt a. M.

geſucht.
Eintritt ſofort
Franz Kircher
Manufakturwaren
Hoflieferant (*10084
Ludwigſtraße 20, 1. Stock.

Perfekte Schäfteſtepperinnen
und Lehrmädchen ſuchen (*10042
Kattwinkel & Co.,
Rückertſtraße 23.

Angehende Schneiderin als Hilfe
geſucht Waldſtr. 7, part. (*10062

Wir ſuchen zum ſofortigen
Eintritt für unſ. Maßatelier
Lehrmädchen
(gegen Vergütung)
ſowie eine

I. Tai

Guggenheim & Marx,
Markt 7. (*584

Lehrmädchen geſ. Konfef=
tion
, Luiſenſtr. 30.
(*9721dfso

Nummer 94.

Lauffrau geſucht zum 1. Mat
für morgens 8 bis 10, mittags
½2 bis ½4 Uhr. Anzumelden vor=
mittags
Moſerſtr. 8, 1. St. 9 (B9327

Putzfrauen gesucht
Eliſabethenſtraße 68.
(9395s

Junge kräftige Mädchen
in die Waſch= u. Spülk. geſ. Lohn
nonatl. 25 Mk. Eintritt ſof. Hotel
Krone, Jugenheim a. d. B. (9451soi

Tüchtiges, fleißiges Mädchen f.
Hausarb. u. Küche bei gut. Lohn u.
guter Behandl. ſofort geſ. Calé
Union, Ernſt=Ludwigſtr. 8, I. (*10

Ein junges, durchaus reinliches
Mädchen in einfachen bürgerlichen
Haushalt per 1. Mai geſucht
Karlſtraße 18, 2. Stock. (*10057ods

Laufmädchen oder jüng. Lauf=
frau
(brav u. willig) für vorm. geſ
Rhönring 39, I. (1-3 nachm.) (*10079
Tüchtiges Tagesmädchen per
ſofort geſucht
(*10076
Hügelſtraße 69, 3. Stock.

Junges Mädchen, das zu Hauſe
ſchlafen kann, tagsüber geſucht
Gervinusſtraße 49, rechts.

Anſtändiges, jg. Mädcher
tagsüber geſucht.
(9551
Viktoriaplatz 6, 1. Stock.

Ein Haus= und
ein Küchenmädchen
auf 1. Mai ſofort geſucht (9552om
Britannia=Hotel.

Dienſtmädchen zur Aushilfe
evtl. für dauernd. geſucht
(*10068om) Eſchollbrückerſtraße 6.

Mädchen mit gut. Zeugn. erh.
ſtets gute und paſſende Stellen
durch Johannette Weißmantel,
gewerbsmäßige Stellenvermittlerin
Kaſinoſtr. 17.
(*1008

Männlich

Zur Leitung einer Flaſchen=
bier
=Niederlage wird ein
mit den hieſ. Verhältniſſen
vertrauter
jung. Mann ges.,
Angebote, die Alter, Fami=
lienverhältniſſe
, ſeitherige =
tigkeit
in der Branche und
Gehaltsanſpruch enthalten
müſſen, um berückſichtigt zu
werden, an die Annoncen=
expedition
Haasenstein &
Vogler A.-G., Frank-
furt
a. M., unt. D 3393
(9461ff
zu richten.

Dauernden Nebenverdienf
für Damen u. Herren durch leichte
Schreibarbeit vergibt Verlag
E. Schütte, Berlin=Mariendorf
(*10048
Kurfürſtenſtraße 47.

Selbständigkeit
findet ſolider Mann, auch Nicht=
kaufmann
, durch Einrichtung eines
Nachnahmeversandgeschäfts
Branchekenntniſſe nicht nötig. Er=
forderlich
1000 1500 Mk. Offerten
unt. C 499 an Haasenstein &
Vogler A.G., Mannheim. (9571f

Reisende
f. Manufaktur= u. Wäſche=
geſchäft
gegen hohe Prov.
f. hier u. ausw. geſ. Off.
u. E 50 Exped. (9554omf

für alte
Fleiß. Hauptagenten deutſche
Feuerverſ.=Geſellſchaft mit Neben=
branchen
geſucht. Inkaſſo dabei.
Offert. unt. E 57 an die Exped.
aldigſt erwünſcht.
(*10058

Vertreter
gegen hohe Prdviſion zum Vertriel
eines geſ. geſch. Fliegenſchutzprä=
parates
(Viehwaſchmittel für Zug
tiere ꝛc.), an Geſchäfte,
Landwirte ꝛc. ſofort gesücht.
Off. u. D. 14921 an Haasenstein &
Vogler, A.-G., Frankfurt a. M. (9570f

Adreſſen=Schreiber geſucht
Offerten mit Preis unter E 49
(9553
an die Expedition.

Dankvoloiiar
geſucht. Off. unt. E 54 an die
Expedition ds. Bl.
(*10047

Buchbinder
geſucht. (9359fso) A. Leinberger.
a. Wochenlohn
Rockſchneider dauernd geſucht.
Zahle über 1. Tarif. A. Wargin,
Lauteſchlägerſtraße 10. (9448so

Wir ſuchen für unſere Maſchinen=
und Keſſelanlage einen erfahrenen
und geprüften
Heizer.
Diejenigen, welche auch gute
Kenntniſſe in der Bedienung der
elektriſchen Lichtanlage, Dynamo=
nebſt
Akkumulatoren=Batterie
haben, erhalten den Vorzug. Off.
nebſt Angabe der ſeitherigen Tätig
keit befördert die Exped. ds. Bl.
unter E 46.
(9545soi

Flotter, ſauberer
Zeichner
zum Ausziehen einiger Maſchinen=
zeichnungen
geſucht. Angebote u.
E 56 an die Exp.
(*10054od

Mehrere Maler- und
Anstreicher-Gebilfen
geſucht C. Hemming & Witte.
Neubau Hauptbahnhof. (*10025

Kaufmännisch. Verein Frankfarta. MI.
Erstklassige Stellenvermittlung.
Leistungsfähigste Krankenkasse.
Bezirksverein Darmstadt
Vereinslokal: Hotel Russischer Hof
Zusammenkünfte: Jeden Freitag

Jahrlich 1o0oo Mark garantiert
ſtrebſamen Herren (auch penſ. Offizieren, Beamten ꝛc.), welche über
ein kleines Kapital verfügen, die Uebernahme der Alleinvertretung des
hervorragendſten Gebrauchsartikels der Gegenwart. Ausführl. Offert.
sub. S. 815 an Max Sprotte, Berlin W. 9, erbeten.
(89587

u. mehr täglich zu
210 Mk. verdienen. Proſpeit
gratis. Joh. H. Schultz, Adressen-
Verlag, Cöin W. 123.
(879891

Jüngerer, zuverläſiger
Heizer
per ſofort geſucht. Näheres bei
Wehner & Fahr,
9457soi) Schokoladenfabrik.

Herverragende EKistenz
(9588E
bei einem jährlichen Reingewinn von
8000 Mark

je nach der Größe des Bezirkes, können ſich Herren auf
vorläufig 5 Jahre oder länger durch alleiniges Aus=
nutzungsrecht
eines konkurrenzloſen mehrfach patentiert.
Gebrauchs-Artikels
für die Provinz Starkenburg ſichern. Der Vertrieb
iſt vornehm mit geringen Mitteln möglich. Fachkennt=
niſſe
nicht erforderlich. Fabrikant leitet Vertrieb mit
großzügiger Reklame gratis.
Kein Reklame=Artikel, ſondern ſtreng reeller Verkauf.
Reflektanten, welche über Mk. 2000 ſofort verfügen,
belieben ſich gefl. am Dienstag, den 23. April, vor-
mittags
91 Uhr, im Hotel zur Traube bei
Herrn Redsburg zu melden, da Patente dort ausgeſtellt.

Jung. Hausburſche
per ſof. geſucht J. Donges & Wieſt,
Grafenſtraße 26.
(9453so
Jüngerer Hausburſche ſofort
geſucht. Solche, welche ſchon in
einer Weinhandl. od. Flaſchenbier=
geſchäft
tätig waren, bevorzugt
*10071) Emilſtraße 30, Htb.

kann die
Brav., kräft. Junge Gärtnerei
erlernen bei Rühl & Schneider
*9912so)
Handelsgärtner.

Tapezierlehrling ſucht A. Meurer,
Kiesſtraße 55.
(*9915so

Kräftiger Junge
von 1416 Jahren in die Kellner=
lehre
geſ. Eintritt ſofort. Hotel
Krone, Jugenheim a. d. B. (9450soi

Kaufmänniſche Lehrſtelle
in größerem Betriebe alsbald
zu beſetzen. Sofortige Vergütung,
Berechtig. z. Einj.=Freiw. Dienſte
erw. Selbſtgeſchr. Off. unt. D 26
an die Exped. ds. Bl. (9168mfo

Friſenrlehrling
ſucht ſofort
(9560
Otto Schütze
Friſeurmeiſter
Pfungſtadt.
Mlierte Zimmer
Landwehrſtr. 13, 2. Stock, ein
ſchön möbl. Zimmer mit oder ohne
Penſion per ſof. zu verm. (8759t

Martinſtraße 2 wegzugshalber
möbl. Wohn= u. Schlafzimmer mit
großer, geſchl. Glasveranda u. Gas
per ſofort zu verm. (B8914t

Schloßg. 2, part, möbl. Zimmer
mit 1 od. 2 Betten zu verm. (7292t

Eliſabethenſtr. 49, part., gut
möbl. Zimmer zu verm. (7371t

Hügelſtraße 89, freundl. möbl.
Zimmer, 15 Mk., auch für 2 Herren
mit Penſ. ſofort zu verm. 7754t

Frankfurterſtr. 32, part., ein=
faches
billiges Zimmer.
(9132t

Schlafstelle
für anſtändigen Arbeiter od. Lehr=
ing
, mit oder ohne Koſt, zu ver=
mieten
Wienersſtr. 73, 2. St. (*9242

Karlſtr. 45, part, gut möbl. Zim.,
t. a. ſol. Herrn o. Dame, p. ſof. (9241a

Kiesſtraße 18 ſchön möbl. Zim.,
eventuell mit Penſion. (9242a

Kl. Ochſengaſſe 2 ſchön möbl
Zimmer ſof. beziehb. (*9739d so

Karlſtr. 46, 2. St., gut möbl.
Zimmer zu verm., 17 Mk. (*9842fsc

1 gut möbliertes Zimmer ſo
fort zu vermieten Pallaswieſen=
(*9958s
ſtraße 28, I.

Wenckſtraße 11, part., ſchön
möbliertes Zimmer zu vm. (9356t
Waldſtr. 23, III. r., ſchön möbl.
Zim. mit ſep. Eing. ſof. (9372a

Karlſtr. 34, I.r, b. allſt. Fr. ſch.
frdl. mbl. Z. an anſt. Frl. (*9786sc

Karlstrasse 20, 2. St.
frdl. möbl. Zimmer an anſtänd.
Fräulein oder ſoliden Herrn per
ſofort zu vermieten. (*9790so

Kranichſteinerſtr. 41½, p., n. d.
Hochſchule, ſch. möbl. Zim. (*9947soi

Soderſtr. 4 (Kapellplatz), 3. St.,
ſchön möbl. Zimmer. (9468oims

Wienersſtraße 58 gut möbl.
Zimmer zu vermieten. (*9904so

Wilhelminenſtr. 27, III., gut
möbl. Zimmer ſofort zu vermiet.
(9497t
Preis 16 Mk.

Rheinſtraße 8, 3. Stock, ſchön
möbl Zimmer zu verm. (9355t

Gartenſtr. 12, II., möbl. Zim.,
ep., z. verm. Einzuſ. nachm. (*9966so

Schön möbliert. Zimmer mi
2 Betten und Penſion. (*9961so
Fischer, Grafenſtr. 27.

Mühlſtr. 42, I., zwei und ein
ſchön möbl. Zimmer mit Balk. und
Zentralheizg. zu verm. (*9546mdo

Vollſt. möbl. Wohnung
v. 4 Z. mit Küche, Bad, Loggia
u. all. Zub. z. 1. Juli zu verm.
Näheres Karlſtraße 53½. (84370

Karlſtr. 53, part, möbl. großes
Zimmer zu vermieten. (7306oms

Kaſinoſtr. 11, Metzgerei, ſchön
(7621oms
möbl. Zimmer.

Ludwigsplatz 4, 2. St., ſchönes,
gemütl. möbl. Zimmer. (*9730dso

Eliſabethenſtr. 31, 1. St., mobl.
Zim., Preis 17 Mk., zu v. (7564t

Saalbauſtr. 25, 2. Stock, gut
möbl. Zimmer zu verm. (8521t

Mathildenplatz 15, Ecke Bis.
marckſtraße, 1. Stock, gr., ruh.,
ſchön möbl. Zim. z. verm. (8710t
Gutenbergſtraße 2, 1. St. eleg.
möbl. Zimmer zu verm. (*9988so

Lauteſchlägerſtraße 20 möbl.
Zimmer, Woche 3 Mark. (*9996so

Schuchardtſtr. 4, II. (Zentk),
frdl. möbl. Zim. bill. (*10116so

Schützenſtr. 1, 3. Stock, ſchönes
möbl. Zimmer, event. Wohn= und
Schlafzimmer zu verm. (*10041

Schlossgartenstr. 55, II.
gegenüber dem Herrngarten
ſchön möbl. Wohn= u. Schlafzim=
mit
oder ohne Penſion. (*10033

Seitersweg 12, 1. Stock, ſehr
ſchönes, ged. möbl. Zimmer ſofort
oder ſpäter zu verm. (*10023oim

Waldſtr. 7 einſach möbliert.
Zimmer per ſofort.
(*10063

Wienersſtr. 73, I., groß. gut
möbl. Zimmer zu verm. (*100

Waldſtr. 39, pt., möbl. Zim=
mer
zu vermieten.
(*10067

Gartenſtr. 18, I., 2 ſchön möbl.
Zim. auf ſof. zu verm. (*10182oi

Neue Schwanenſtr. 72, 2. St,
gut möbl. Wohn= u. Schlafzim. an
ein od. zwei ſolide Herren. (*10069oi

Bleichſtr. 45, I., möbl. Z. m. od.
ohne Penſ., auch f. 2 Herren. (9582a

Nied.-Kanstädlerstr. 57, Metzgerei,
m. Z., m. v. Penſ., preisw. z. v. (7162oms

Waldſtr. 18, pt., gut möbl. Z. m.
Schreibt. ſep. Eing. p. 1. Mai. (*2854dso

Neckarſtraße 24, 1. St. rechts,
ſchön möbl. Wohn= und Schlaf=
zimmer
zu vermieten. (*10056oi

Pfründerhausſtr. 20, 1. St., gut
möbl. Zimmer zu verm. (*10053oi

Möbl. Wohn= u. Schlaßim.
auf Wunſch mit Klav. u. Schreib=
tiſch
, auch einz. zu vm., evt. m. Penſ.
*10052) Gutenbergſtr. 23, part.

Kahlertſtr. 1, 2. Stock links,
ein ſchönes großes, gut möbliertes
Zimmer, event. Klavier. (9563oidf

Mathildenpl. 15, Ecke Bismarck=
ſtraße
, Manſ., einf. m. Zim. bill. (9565t

Viktoriaſtr. 24, 2. Stock, ſchön
möbl. Zimmer ſofort. (9564oms

Grafenſtr. 8, 1. St., 2 ſchön
möblierte Zimmer mit oder ohne
Penſion zu verm.
(*10050oi

Viktoriaplatz 6, 1. St., g. möbl.
ſep. Zim. zu vm. Mon. 12 M. (9578a

Lumen

Nächſt dem Herrngarten
in gutem Hauſe, Zimmer mit
(9346a
oder ohne Penſion.
Näheres in der Exp. ds. Bl.

Penſion Eliſabethenſtr. 4
Wohn= und Schlafzimmer, ſowie
Einzelzimmer mit Penſion, auch
auf Tage und Wochen. (9391a

Gealte

Tennisplatz gesucht.
Offerten mit Preisangabe unten
E 2 an die Exp. erbeten. (*9880som
Suchen für einige Tage in der
Woche einen
Tennisplatz.
oder in der Nähe der Stadt ein
geeignetes Grundſtück für ſolchen.
Off. u. E 63 an die Exv. (*10094

Schöne geräumige
Wohnung
nicht unter 6 Zimmer, mit
Bad und reichlichem Zu=
behör
an Manſarden und
Kellern, event. auch Garten,
zu mieten geſucht. Termin
nach Uebereink. Einfamilien=
haus
nicht ausgeſchl. Offert.
mit Preisang. bef. die. Exp.
ds. Bl. unt. D 55. (*9677do
Ab 15. Juli
zu mieten geſucht eine ſchöne,
ſonnige 4=Zimmerwohnung in
einem Neubau. Offerten unter
E 47 an die Exped. (*10032

Angeſehenes Ehepaar ( kinder=
los
) ſuchen
23 Zimmerwohnung
bei Uebernahme der Hausver=
waltung
, Inſtandhalten eines
Gartens oder Reinigen von
Bureauräumen bei entſprechen=
dem
Mietnachlaß. Offert. unt.
E 45 an die Expedition. (*10021

Suche 2= Zimmerwohnung für
junges Ehepaar per 1. Juli.
Offert. u. E 55 a. d. Exp. (*10059

Junger Kaufmann ſucht per
J 1. Mai ein ſchön möbl. Zim.,
mögl. ſeparat. Offert. u. D 1111
a. d. Geſchäftsſt. Beſſ. Str. 47. (B9592

[ ][  ][ ]

Nummer 94.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.
Seite 9.

Mationalflugspende!

Mit Stolz dürfen wir Deutſche den Mann den unſeren
nennen, der die Sehnſucht von Jahrhunderten zuerſt ver=
wirklicht
hat: Zeppelin. Die ſtürmiſche Vorwärtsentwicke=
lung
aber, die das Luftfahrweſen mit dem Auftreten der
Flugmaſchine genommen hat, zwingt uns, die äußerſten
Anſtrengungen zu machen, um nicht durch die Opfer=
willigkeit
und die Tatkraft anderer Nationen ins Hinter=
treffen
gedrängt zu werden. Wenn irgendwo, ſo muß
es hier allezeit heißen: Deutſche vor die Front! Nicht
ſpieleriſcher Ehrgeiz heiſcht dies von uns, ſondern hier
gilt es, unſeren Ruhm als erſte Meiſter angewandter
Wiſſenſchaft zu wahren, hier geht es um Schaffung von
Werten, die uns Deutſchen einen Ehrenplatz in der
Geſchichte aller Zeiten ſichern ſollen.
Nicht jedem iſt es vergönnt, ſeine körperlichen und
geiſtigen Kräfte perſönlich in den Dienſt dieſer nationalen
Ehrenaufgabe zu ſtellen. Wohl aber kann ein jeder ein
Scherflein beitragen, damit der Geſamtwille der deutſchen
Nation der machtvolle Motor ſei, der der deutſchen Flug=
maſchine
zum Siege verhilft.
Es handelt ſich um eine Nationalſpende, bei der
keiner fehlen will noch darf, um eine nationale Spende
für das deutſche Flugweſen und die deutſchen Flieger.
Denn den Männern, die als Pioniere einer neuen großen
Kulturaufgabe in dem patriotiſchen Beſtreben, Deutſch=
land
auch auf dieſem Gebiete einen ebenbürtigen Platz
im Wettſtreit der Nationen zu ſichern, ihr Leben einſetzen,
gebührt die werktätige Unterſtützung der ganzen Nation.
Vor allem aber ſoll die Nationalſpende die Mittel
bieten, unaufhaltſam weiterzuarbeiten an der Vervoll=

kommnung der Flugapparate, an der Ausbildung der
Flieger, auf daß die Gefahren vermindert, die Leiſtungen
erhöht werden. Mit Hilfe der Nationalſpende ſoll auch
die Entwicklung einer Technik gefördert werden, die immer
neue Arbeits= und Erwerbsfelder erſchließen wird. Häufige
und ausgedehnte Wettkämpfe ſollen Erfindungsgeiſt, Mut
und Tatkraft anſpornen und immer ſtolzere Leiſtungen
von Mann und Maſchine hervorrufen. Kurz: das
deutſche Flugzeug ſoll, ob es in der Stunde nationaler
Gefahr wachſam in den Lüften kreiſt, oder ob es in fried=
lichem
Wettbewerb der Nationen als neueſtes Mittel
modernen Verkehrs und als geflügelter Bote vater=
ländiſcher
Leiſtungsfähigkeit durch die Lande eilt, in
jedem Augenblicke bereit und imſtande ſein, zu erfüllen,
was das Gebot der Stunde von ihm fordert.
Als nach dem Unglücke von Echterdingen eine ſtürmiſche
nationale Begeiſterung das deutſche Volk durchwehte und
in wenigen Wochen Millionen aufgebracht wurden, da
waren nicht die Millionen allein der greifbare Gewinn
der nationalen Begeiſterung. Daß das deutſche Volk ſich
einmütig zu einer nationalen Tat aufraffte, das zeigte
der Welt die elementare Wucht des deutſchen Volkswillens.
Für das Volk durch das Volk! So beweiſe
Deutſchland auch jetzt, daß alle Unterſchiede der Parteien,
der Konfeſſionen, der ſozialen Schichtungen in dem Augen=
blicke
verſchwunden ſind, wo das deutſche Volk vor eine
große nationale Aufgabe geſtellt wird. Nachdem bereits
in allen Teilen Deutſchlands Sammlungen zu vorſtehen=
den
Zwecken begonnen haben, iſt das deutſche Reichs=
komitee
zuſammengetreten, das einen Mittelpunkt aller

dieſer Beſtrebungen bilden und das Sammelwerk zu=
ſammenfaſſen
und ergänzen will. Es bittet die beſtehen=
den
Komitees, Verbände, Vereinigungen und ſonſtige
ſammelnde Stellen, die bei ihnen eingehenden Spenden
ihm zuzuführen und ihm jedenfalls fortlaufend Mit=
teilungen
über die Geſamtſumme der eingegangenen
Gaben zu Händen ſeines Präſidenten zukommen zu laſſen.
Sammelſtellen bilden: die Expeditionen der
deutſchen Zeitungen, die ſämtlichen Reichspoſtanſtalten,
die Reichsbank in Berlin, die ſämtlichen Reichsbank=
Haupt= und=Nebenſtellen, die Königlich Preußiſche See=
handlung
, die Bank für Handel und Induſtrie, die Ber=
liner
Handels=Geſellſchaft, S. Bleichröder, die Commerz=
und Disconto=Bank, die Deutſche Bank, die Disconto=
Geſellſchaft, Mendelsſohn & Co., die Mitteldeutſche Cre=
ditbank
, die Nationalbank für Deutſchland, der Schaaff=
hauſenſche
Bankverein, die Dresdener Bank, Georg From=
berg
& Co., Delbrück, Leo & Co., F. W. Krauſe & Co.,
Hardy & Co., Gebr. Schickler, von der Heydt & Co. und
der Deutſche Offizierverein.
Die Geſchäftsſtelle des Reichskomitees unter Leitung
des Regierungsaſſeſſors Dr. Haniel befindet ſich Berlin
NW. 6, Luiſenſtraße 33/34.
(9589
Heinrich, Prinz von Preußen,
Protektor.
Dr. Graf von Poſadowsky=Wehner,
Präſident des Komitees.
Franz von Mendelsſohn, Bankier, Schatzmeiſter.

Amtliche Nachrichten des Grofh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher. 1 Wolfshund (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(9558

Für Gaſtwirte!

Am 1. Mai 1912, vormittags 10 Uhr
wird auf dem Ortsgerichtsbüro zu Darmſtadt, Grafenſtraße, die
in Darmſtadt, Große Bachgaſſe gelegene, bisher Diehl’ſche Hofreite
Flur II, Nr. 550, Quadratmeter 901
öffentlich an den Meiſtbietenden unter den ortsüblichen Bedingungen
verſteigert werden. In der Hofreite wird ſeit Jahren unter der Firma
Zum grünen Laube
eine gutgehende Wirtſchaft betrieben.
Es werden daher insbeſondere Gaſtwirte auf dieſe Verſteige=
rung
beſonders aufmerkſam gemacht.
(9585
Darmſtadt, den 20. April 1912.

Namens der Diehl’ſchen Nachlaßmaſſe.

Größeres Ziegelwerk Süddentſchlands
ſucht für Bayern und Heſſen
ſolvente Abnehmer für erſtklaſſige
Hardrrote Biverschwanze.
Gefl. Anfragen unter Chiffre C. 3367 an Haasen-
stein
& Vogler, A.-G., Stuttgart.
(9569I

der beste deutsche Wagen
Generalvertreter:
(9550a
Haas z Bernhard, Rheinstr. 19.

Wieder kunsti. Zähne
von 1.50 Mark an

ohne weitere Berechnung.
Joseph’s

Zahn-Atelier
Soderstrasse 7.

Sprechstunden von 96 Uhr.
Sonntags von 91 Uhr.

Zugelassen zu staatl. Betriebskrankenkasse, Medizinal-Kasse und Lanitäts-
Verein Einigkeit‟.
(*10088
Chatſelongue, neu, Roßhaarauf=1Wegen Auflöſung des Haushaltes
Glage, à 28 M. Paul Friese, Tapez.=ſind Möbel, Betten ꝛc., billig
Mſtr., Pankratiusſtr. 69. (*10072amabzugeben. Anzuſehen jed. Mittag

Guterhalt. Kinderwagen mit
Nickelgeſtell billig zu verkaufen
Hohlerweg 10.
(*10081

Kinderstiefel ienn
braun und ſchwarz, in beliebten
Naturformen. Unſere Kinderſtiefel
ſind haltbar, preiswert und von
vorzüglicher Paßform. Maßarbeit
u. Reparaturen gut u. billig. (*10075
Schuhlager Falter, Grafenſtr. 19,
im Hauſe des Herrn Nöſinger.

von 36 Uhr Karlſtraße 28½,
1. Stock.
(9580a

1,4 braune, 1,1 braunſcheckige
1911er Rieſenkaninchen
weg. Zuchtaufg. bill. z. vk. Villa Irene
neb. Kurhaus Trautheim. (*10029

14 Hühner,
Legehühner, gute Leger,
1 Hahn, zu verkaufen Schröder,
Karlſtraße 26.
(*9370so

Konkursverfahren.

Ueber das Vermögen des Bäcker=
meiſters
Wilhelm Brücher des
Dritten in Arheilgen wird heute,
am 20. April 1912, vormittags
113 Uhr, das Konkursverfahren er=
öffnet
.
Der Großh. Gerichtsvollzieher
i. P. Philipp Reibſtein zu Darm=
ſtadt
, Bleichſtraße, wird zum Kon=
kursverwalter
ernannt.
Konkursforderungen ſind bis zum
S. Mai 1912 bei dem Gerichte
anzumelden.
Es wird zur Beſchlußfaſſung über
die Beibehaltung des ernannten
oder die Wahl eines anderen Ver=
walters
, ſowie über die Beſtellung
eines Gläubigerausſchuſſes und
eintretenden Falls über die in § 132
der Konkursordnung bezeichneten
Gegenſtände und zur Prüfung der
angemeldeten Forderungen auf
Mittwoch, 15. Mai 1912,
vormittags 11½ Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerichte,
Neues Gerichtsgebäude, am Ma=
thildenplatz
, Saal Nr. 118, Termin
anberaumt.
Allen Perſonen, welche eine zur
Konkursmaſſe gehörige Sache in
Beſitz haben oder zur Konkurs=
maſſe
etwas ſchuldig ſind, wird
aufgegeben, nichts an den Gemein=
ſchuldner
zu verabfolgen oder zu
leiſten, auch die Verpflichtung auf=
erlegt
, von dem Beſitze der Sache
und von den Forderungen, für
welche ſie aus der Sache abgeſon=
derte
Befriedigung in Anſpruch
nehmen, dem Konkursverwalter bis
zum 8. Mai 1912 Anzeige zu
(9586
machen.
Darmſtadt, 20. April 1912.
Großherzogliches Amtsgericht
Darmſtadt II.

Hebamme Frau Sophie
D Pfaff, Löffelgaſſe 10, iſt unter

die Zahl der ſtädtiſchen Armen=
hebammen
aufgenommen worden.
Darmſtadt, 17. April 1912.
Städtiſches Pflegeamt.
Krapp. (9583

Kat und Mife bei
Steuer-Reklamationen
durch Maul, Karlstr. 25, II. (*10080
Chaiselongue
tadellos gearbeitet, neu, 26 M., Sofa,
wie neu, und eleg. Mokette=Diwan,
in Roßhaar gearbeitet, ſehr billig
zu verk. Darmſtr. 10, II. (*10092
Gebr. gut erhaltene Möbel
aller Art, als Vertiko, Bücher=,
Kleider= u. Küchenſchränke, Tiſche,
Stühle, Betten uſw. (*10091oi
Wendelſtadtſtraße 2.
Sommer
ſproſſen vollſtändig beſeitigt
durch Obermeyers Herba=Seife.
Dies beſtätigt F. Weidenhof, Ott=
weiler
, indem er ſchreibt: Mit
Ihrer Herba=Seife war ich ſehr zu=
frieden
. Ich hatte immer Sommer=
ſproſſen
im Geſicht, die durch
die Herba=Seife vollſtändig ver=
(9573II
ſchwunden ſind.
Medizinal=Herba=Seife à Stück
50 Pfg., 39% ſtärk. Präp. 1 Mk., zu
hab. i. all. Apoth., Drog., Parfüm.

[ ][  ][ ]

Werprobt,
derlobt

Einige Beiten 1. eiderſcheäönte

Ait erhalten, mt
preiswert zu verk. Näh. Grafen=1 Flügel Platzmangel bill. zu
ſtraße 17, Wirtſchaft. (*9910soverkaufen Stiftstr. 51. (*9964soi

Beachten
Sie bitte
das
Spezial- Schau-
fenster
!

10,

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.

Hess. Vackum Reinger Gesenscharrsbeige0
Wir empfehlen unſere große, vorzüglich bewährte Vacuum=Entſtaubungsmaſchine zur gründlichſten, hygieniſch beſten Entſtaubung
Burcaus, Bibliotheken, Polſtermöbeln und von Teppichen, die wieder beſonders ſchön werden. Vernichtung von Motten und Mottenbrut.
Fachmänniſches Abziehen, Abhobeln, Abreiben, Reinigen und Bohnen von Parkettböden und Linoleumbelagen billigſt.
Reinigung von Fenſtern, Erkerſcheiben, Glashallen und Dächern, Neubauten, Häuſerfaſſaden uſw.
Desinfektion von Zimmern, Garderoben uſw. Neues, vorzüglich erprobtes und bewährtes Verfahren nach Dozent Dr. Doert
tschek. Spezial=Anſtalt zur garantiert radikalen Vernichtung von Motten, Holzwurm und Ungeziefer aller Art.
Vorzügliche Empfehlungen und Anerkennungen! Teppiche und einzelne Polſtermöbel entſtauben wir in unſeren Räumen. Abholen und

Nummer 94.

chuchardstr. 14
Telephon 46l.
von Wohnungen,
(3837a
und Dr. Raubi-
Abliefern gratis.

Machen
Sie
einen
Versuch!

auffallende
Angebotel

e
Schutszmarite.

neetch,

4

Kaistust

Widerstandskraft
0
Gesundheit und
Wohlbehagen
X gewinnt man durch das Tragen von
Schiessers
Abhärtungs=Wäſche
aus indischer Nesselfaser gefertigt. Schneeweiss und seiden-
glänzend
, verbindet dieselbe mit einem eleganten Aussehen
grösste Dauerhaftigkeit und mässigen Preis.
Höchste dauernde Porösität, kein Verfilzen.
Höchste Aufsaugungsfähigkeit. Schnelles Verdunsten des
Schweisses. Kein nasskaltes Anliegen der Wäsche.
Grösste Beförderung des Stoffwechsels. (8847a
Von ersten Autoritäten glänzend begutachtet.
Zeugnisse, Prospekte, Proben gratis und franko.
Niederlage bei: Arthur Sittig, Louisenplatz 4.

Ze e
NH.
Hermann Hesse, Dresden, Scheffelstr. 46/50
Lieferant hoher Herrschaften u. fürstl. Häuser.
Aus meinem wohl unerreicht reichhaltigen Lager
gelangen zum Verkauf: gar. echte Straussfedern,
§ 1015 cm breit, 4050 cm lang, 1, 2, 3, 4 u.
5 Mark, ca. 18 cm breit 6 u. 8 Mark, 20 cm
breit 10, 12, 15 u. 18 Mark, 25 cm breit 20, 22,
25 u. 28 Mark, 30 cm breit 30 u. 36 Mark,
Prachtstücke bis 100 Mark, Pleureusen, 3040 cm breit, 30 cm
lang 9 Mark, 40 cm lang 18 Mark, 50 cm lang 25 Mark, 70 cm
lang 48 Mark. Aus den kl. Straussfedern gefertigte Boas 19 m
lang, 912 cm dick 10 Mark, 2m lang 14 Mark, 15 cm dick 17
Mark, 18 cm dick 21 Mark, 20 cm dick 31 Mark. Katalog frei.
Auswahlsendungen. Bestellen Sie bitte gleich, da gerade jetzt
wunderbare Sachen am Lager. Von 10 M. an Versand spesenfrei.

Marktplatz 10

(9333fo)

Am Rathaus.

Meine Schaufenster sind sehenswert. Sie zeigen
stets die neuesten Erzeugnisse der Mode zu sehr
mäßigen Preisen. Spezialhaus für Damen- Kon-
fektion
HERMANN BERGER, Hoflieferant,
10 Ernst-Ludwigstraße 10, Ecke Marktpassage.

(5746a

Der Hof des Schweigens.
Ein Roman aus Island von Anny Wothe.
(Nachdruc ve.55:)
25)

Copyright 1910 by Anny Wothe, Leipzig.
Ein Grauſen geht durch Hallgerdrs Bruſt. Sie weiß,
wie gefährlich das Wagnis iſt, das ſie unternehmen. Bei
den immerwährenden Eruptionen würde ſchon die kleinſte
Erſchütterung genügen, die Höhle zu ſchließen und ſie alle
zu Gefangenen dieſer ſchauerlichen Grabesnacht machen.
Ich fürchte mich ſo, hörte ſie Signes Stimme klagen.
Lieber guter Arne Mattiſſon, halten Sie mich doch feſt.
Hallgerdr zittert auch, trotzdem der Weg jetzt geräu=
miger
und beſſer wird. Sie können wieder aufrecht gehen,
aber die Füße ſind ihr ſo ſchwer.
Da faßt plötzlich eine warme Hand die ihre, ſie weiß,
daß ſie nun mit Ingwald Anderſen durch das Dunkel
ſchreitet.
Ihr dürft Euch nicht fürchten, Hallgerdr, flüſtert er ihr
teiß ins Ohr. Ich bin bei Euch und ich ſchütze Euch.
Jahrtauſende liegen hier über dem Dunkel, antwortete
iſie leiſe, und das weckt in mir ein Grauſen. Es iſt gewiß
dumm von mir, ich meine aber Totengerippe dort an den
ſchwarzen Wänden zu ſehen, wenn der ſchwache Schein
von Bjarnis Licht darauf fällt.
Du darfſt keine Furcht haben, Geliebte, flüſtert ihr

Ingwald Anderſen zu, indem er ihre kalte, zitternde Hand
innig an ſeine Bruſt zieht. Fühlſt Du nicht, wie mein
Herz ſchlägt und hämmert, Hallgerdr, fühlſt Du nicht, daß
ich Dich liebe?
Sie vermag nichts zu erwidern. Die Leidenſchaft, die
aus ſeiner Stimme bricht, ſchlägt wie eine Flamme zu ihr
herüber.
Hallgerdr, Süße, Holde, flehte der Kapitän, den Arm
jetzt um das zitternde Mädchen legend, ſage mir das eine,
ob Du fühlſt, wie unſagbar ich Dich liebe. Ich bitte Dich,
gib mir Antwort, hier, hier, wo uns keiner hört.
Die anderen ſind weit voraus, weicht ſie aus. Kaum
ſehe ich noch Bjarnis Licht. Wenn wir den Ausgang nicht
wiederfinden
Was ſchadet es, ruft er leidenſchaftlich, dann ſterben
wir im ſeligſten Liebesrauſch. Hallgerdr, ich liebe Dich
wie nichts auf der Welt. Himmel und Erde ſind klein
gegen meine Liebe.
Wie vermeſſen, antwortete Hallgerdr ängſtlich. Drau=
ßen
rollt der Donner, und ein Wetter tobt über uns. Es
kann uns vernichten.
Mag es, nur ſage mir, daß Du mich liebſt, kam es lei=
denſchaftlich
aus Ingwalds Munde, indem er das Mädchen
feſt an ſeine Bruſt riß und ihren blühenden Mund mit
Küſſen bedeckte, und ich lache des Todes, denn Deine Liebe
iſt für mich Leben.

Mitene nhie ſe ie denr ſchanenwien Dunick der
Höhle an Ingwalds Bruſt. Willenlos duldete ſie ſeine
Küſſe.
Du mein Leben, meine Seligkeit, flüſterte er heiß.
Nun mag der Tod kommen, ich habe Dich, Dich!
Jäh riß ſich Hallgerdr aus ſeinen Armen.
Bjarnis Licht war ihnen ganz nahe, und Signes feine
Stimme rief nach Ole Gudmund, der ihr helfen ſollte, ſich
durch eine enge Felsſpalte zu zwängen.
Ich bin zurückgekommen, bemerkte Bjarni ruhig, weil
ich wußte, Hallgerdr, daß Du die Richtung verloren haſt.
Der Weg, den Du gehen wollteſt, führt nie wieder ans
Tageslicht.
Hallgerdr fühlte wohl die zwiefache Bedeutung der
Worte, aber ſie fand keine Antwort. Stumm folgte ſie an
Ingwalds Hand Bjarni, dem Führer, durch die tiefe Fin=
ſternis
. Das Grauen, die Angſt in ihrer Seele war plötz=
lich
geſchwunden. In ihrer Bruſt war ein Jubel, ein
Rauſch, für das ſie keine Worte fand.
Nun kam das Glück auch zu ihr. Nun würde ſie nicht
mehr einſam ſein. Was war Kaare Myrdals treue Liebe
gegen die ſieghafte Leidenſchaft des Mannes, der ihr zur
Seite ſchritt, der ſie mit Sturmesgewalt zu ſich zwang im
Leben oder im Tode, der von ihrer Seele Beſitz ergriffen,
ſchon damgls, als ſie ihn zum erſtenmal geſehen.

[ ][  ][ ]

Nummer 94.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.

Seite 11.

Sir eheen e ert e net e,
Sag nur ein Wort, ein einziges Wort. Liebſt Du mich?
Ja, Herr, gab ſie zurück und ließ es geſchehen, daß er
wieder ihre Lippen ſuchte.
Und wirſt Du treu zu mir ſtehen, ſelbſt wenn Hinder=
niſſe
aller Art unſere Liebe bedrohen? Wirſt Du tapfer
aushalten, wenn wir kämpfen müſſen um unſer Glück? Sag
es, Hallgerdr, damit ich mich daran aufrichte, wenn meine
Seele zagt.
Ich werde nie aufhören, Dich zu lieben, flüſterte Hall=
gerdr
mit geſchloſſenen Augen. Aus Nacht und Dunkel
ſteigt unſere Liebe zum Licht.
Noch einmal preßten ſich ſeine Lippen auf ihren Mund,
dann hatten ſie den Ausgang der Höhle erreicht.
Bjarni hielt mit finſterem Blick das niedere Buſch=
werk
, das den Durchgang ſperrte, zurück. Er ſah die Pur=
purröte
auf Hallgerdrs Wangen und die Haſt und Verlegen=
heit
, mit der ſie haſtig ihren Reitrock überwarf.
Signe brauchte längere Zeit, ſie ärgerte ſich daß Ole
Gudmund, der mißmutig ihr Zögern ſah, ihr nicht half.
Jorum weinte. Sie hatte ſich an den ſcharfen Fels=
känten
die Hände verletzt, die bluteten. Arne Mattiſſon
verband ſie ihr, da wurde ſie wieder fröhlich.
Der Weg erwies ſich jetzt etwas beſſer, aber der
Sturm raſte, und nur mühſelig und langſam kam die kleine
Geſellſchaft vorwärts.
Die Pferde waren ausdauernd und unermüdlich. Nur
Hallgerdrs Falbe verſagte und mußte durch ein Erſatz=
pferd
ausgewechſelt werden, weil ein Druck des Sattels
ihm die Seite wund gerieben. Die beiden Seen Lauger=
dain
an denen ſie vorüher kamen, ſonſt ſtill und blau, tob=

ten in wilden, grauen Wogen, und ziſchend ſtiegen an ihren
Ufern die heißen Quellen empor. Das war ein Brodeln,
Kochen und Murren unter den Pferdehufen, als die Reiſen=
den
näher hinzukamen und bald ganz eingehüllt waren
von einem heißen, ſtickigen Dampf, den der Sturm ihnen
entgegen warf, ſonſt ſollte von man hier aus die ſchnee=
bedeckte
Hekla ſehen, aber heute verbarg ſie ſich wie der
Esjafjellajökull.
Alle atmeten auf, als ſie endlich den ſchönen Lauger=
datur
erreichten. Aber noch liegt ein dreiſtündiger Ritt
in Regen und Sturm vor ihnen, bis ſie nach Laugerſhola
gelangen. Und wie kann es in Island regnen! Als ſchüt=
tete
man Kannen aus, ſo floß in ſchweren, wuchtigen Strö=
men
das Waſſer hernieder.
Hallgerdr ritt jetzt, wo es der Weg geſtattete, immer
zwiſchen Jon und Bjarni. Der Kapitän hatte ſich Signe
zugeſellt.
Wie im ſchweigenden Uebereinkommen ſuchten ſich
Hallgerdr und Ingwald jetzt, wo wieder der Tagesſchein
über ihnen lag, zu meiden.
Und doch war eine unnennbare Seligkeit in beider
Bruſt.
Mit ſtill verſonnenen Augen ritt Hallgerdr zwiſchen
den Männern. Sie merkte es gar nicht, daß von ihrem
Südweſter der Regen wie in kleinen Bächen verniederrann.
Sie dachte immer nur das eine, daß ſie geliebt wurde, him=
melſtürmend
, todverachtend, und daß der, der ſie liebte, ein
Mann war, wie ſie vordem noch keinen gekannt. Groß,
kühn, herrlich, ein Held. Was war dagegen Kaare Myr=
dals
ſanfte Liebe?

und disdich wurde ihr daß ſe ueß und dan unds
Herz. Sie hätte weinen mögen in all ihrem grenzenloſen,
unfaßbaren Glück.
Schwarze Raben flogen mit krächzendem Geſchrei über
das niedere Birkengebüſch des Laugardtals, das ob ſeiner
Seltenheit ſich vermeſſen als Wald fühlen darf und als
ſolcher bewundert wird.
Endlich war das gaſtliche Pfarrhaus, wo die mächtige
Geſtalt des Pfarrherrn die Reiſenden ſchon von Weitem
willkommen hieß, erreicht.
Man labte die Wegmüden mit friſcher Milch, Kaffee
und Brot, und am Herdfeuer wurden unter Scherzen und
Lachen die Kleider getrocknet.
Signe war von überſprudelnder Laune, und ihr Vater
tat es ihr nach. Er erzählte dem Pfarrherrn eine Anek=
dote
nach der anderen, die er ſelber dann ſchallend belachte,
ſekundiert von den beiden Studenten, die in ſolcher Weiſe
ihre dankbaren Gefühle für den Amtmadur zum Ausdruck
brachten.
Auch hier ſprachen Ingwald und Hallgerdr nicht mit=
einander
. Aber ihre Augen tranken ſich ſatt aneinander,
und beider Mund umſpielte ein weltverlorenes, traum=
ſeliges
Lächeln.
Jon Thorkjel ſah es, und in ſeiner ſchmalen Bruſt
tobte ein wilder Kampf, ein heißer Schmerz. Er hätte
den ſtarken Mann erwürgen mögen, der ihm in allem vor=
aus
war, der ſo ſiegesſicher ein Weib für ſich nahm, um
das er Jahr für Jahr ſchon vergeblich diente.
(Fortſetzung folgt.)

J. Kienzle, Hoflieferant, vorm. A. Gaertier, Liebigstr. 27

Gegründet 1832
Telephon 977

Spezialität:
Wandplatten
Ton- und Mosaikplatten
Wetterfeste Verblender
Wandbrunnen
Heizkörperverkleidungen
Kunstmarmor

Grosses Lager
fertigaufgesetzter
Kachel-Oefen
Kamine
Dauerbrandöfen

Lieterung und ausfünrung.

Man verlange Offerte. Prima Referenzen.
Ausführung von Reparaturen.
Aeltestes Spezial-Geschäft am Platze.

(7160a

Patente
Musterschutz
Warenzeichen
Entstaubungsanlagen
8701a)

Das Buch für Alle.
Altbewährte, durchaus gediegene, bereits im
47. Jahrgang erſcheinende
: illuſkrierte Jamilienzeitſchrift::
Große Reichhaltigkeit,
Beſondere Vorzüge:
ſorgfältig gewählter
intereſſanter Inhalt :: :: :; viele prachtvolle Illuſtrationen,
außerordentliche Billigkeit.
Zährlich 28 Hefte. Preis für das Heft
nur 30 Pfennig.
Das über die ganze Welt verbreitete Buch für Alle iſt, getreu
ſeinem Namen und unterſtützt von den erſten Schriftſtellern und
Künſtlern, jederzeit beſtrebt, ein
echtes deutſches Jamilienbuch
zu ſein. Es iſt jedem zu empfehlen, der ſeine Erholungsſtunden
gern intereſſanter Lektüre widmet und Freude hat an echt
(*3323
künſtleriſchen Illuſtrationen.
Beſtellungen bittet man an die nächſtgelegene Buchhandlung zu
richtent. wo der Bezug auf Hindernuilſe ſtößt. wolle man lich. drekt.
An unterseichnete Werlasbuchhaudlung. in Stutart. wenden.
Anion Deutſche Verlagsgeſellſchaft
in Stuttgart, Berlin, Leipzig.

mit den
echten
Sllen
AUNS
Fällze
iangehiet
nfach bewährt.
Zu haben in

4 nien ahte aut
t nebenstehend
abgebldete
2
Schleitenmarke
und fordere ausdrücklele
Brauns’sche Farben.

Telbſtgek. Gelee, Marmelade,
Latwerg, ſowie f. Tafeläpfel
zu verk. Bleichſtr. 27, Lad. (4475a

Damen-
Damen-
Konfektion A. Stern-Lang Konfektion
Mühlstrasse 40, I.,
nächst Turnhalle (Woogsplatz).
(*9877
Empfehle mein Atelier für elegante Maßanfertigung
sämtlicher Damen-Garderoben.
Garantie für tadellosen Sitz und erstklassige Arbeit.
Sehr billige Preise!
Feinste Referenzen!


Fahrradversandhaus IIH1T0
Telephon 1613 CARL LORScH Pankratiusstr. 2½
Spezialrad mit Gummi M. 36.
Markenrad von M. 44. an.
Fahrrad-Gummi-Luftschläuche von M. 1.45 an
SPEZIAUITIT: peckmäntel von Mk. 1.65 an.
(9479a
Automobilreifen in allen Grössen auf Lager.
Reparaturen aller Fabrikate
Billig
Schnell
Prompt.

Ein gebraucht. Schaufenster
Hochfeines Pianino Emit Rahmen und noch neuen
kreuzſait., w. unt. 6 jähr. Garant. bill. Rolladen zu verkaufen (*9848fo
abgegeb. Gartenſtr. 17, pt. (*9374o0 Nieder=Ramſtädterſtr. 57, Metzgerei.

[ ][  ][ ]

Seite

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.

Nummer 94.

Waschstoffe

Mousseline

imit., enorm reiche Auswahl, wasch-
echte
Qualitäten, modernste Dessins,
Meter 85, 75, 60, 45,

Neu aufgenommen:
Batist-Blusen

Mousseline

reine Wolle, denkbar grösste Aus-
wahl
, mit eleganten Bordüren, sowie
ohne Borde . . Meter 1.50, 1.30,

Kleiderleinen

in enorm grosser
Auswahl
modeine neue Piecen

für Blousen, Kleider, sowie Kostüme
in grösster Auswahl, gestreift, sowie
uni . . Meter 1.80, 1.40, 1.10, 80,

Kleiderstoffe

Voile
110 cm breit, modernstes, duftiges
Gewebe, in uni, sowie gemustert,
Meter 3.50, 2.80,
Alpacca
deutsche u. engl. Fabrikate, 110 cm
breit, in vielen Farben, Meter 5.50
Seiden-Eolienne
in schwarz und allen mod. Farben,
110 cm breit . . . Meter 4.50%

mit Stickerei-Valencienneeinsätzen
Stickerei-Stoffe

Foulardine

in vielen Farben, vornehme, eleg.
Muster . . Meter 1.40, 1.30, 1.10,
Baumwoll-Voiles
grösste Auswahl, neueste Dessins
Meter 1.80, 1.60,

k35 1.50 2.25
u. 5.50

120 cm breit, in enorm grosser Aus-
wahl
, hübscheste Muster, Mtr. 4.50
Seiden-Popeline
in den modernen Farben, elegantes
duftiges Gewebe
. Meter 3.50,
Seiden-Batist
115120 cm breit
Meter 1.20, 95, 80,

Mainzer Warenhaus

Markt 7

Guggenheim & Marx

Markt 7.

(9576)

S Zete gesäe
Me eee eten e
m

Sparſame
Hausfrauen=
kaufen
gegen bar und
ſammeln die ſchwarz=
weißen
Kabatt=
marken
des
8287a
Kabatt=
Spar=Vereins

Darmſtadt.
Seeeebhebeebbschebbeeseseend

Cirine
in Flaſchen
à Mk. 1., 1.50 u. 2.50
Parket-
Wachs
weiß u. gelb, beſte Qualität
Terventinöl garantiert
rein
Terpentin=Oel=
Sanga)0l Erſatz, billigſt
Parket-Bodan
Stahl-Spähne
fein, mittel und grob
Parkei-Rose empfiehlt
au
Anton z ischer
Adler-Drogerie
Frankfurterſtr. 12/14. (6484a

Möbel

und

(1479a

Polsterwaren
einzelne Gegenstände

sowie

Einrichtungen

im Preis wie in der Aus=
(8300a
führung ſind die
Kunſthaararbeiten
der Firma
Ernstkonter
Verückenmacher und Damenfriſeur
Ernst-Ludwigstr. 22
Kein Laden. Tel. 1682. Entreſol.

Eine zweiflügliche Werkſtättetür,
2,60X1.90, ſowie ein gut er=
haltener
Porzellanofen und ein
eiſerner Herd ſehr billig zu ver=
kaufen
Wienersſtr. 60. Hth. (8925a
I.Hess. Versich. geg. Ungezierer
Ibel & Lotz, G. m. b. H.
Schuchardſtr. 14, p. Telephon 461.

Vertilgung von Ungeziefer jeder
Art, wie Wanzen, Käfer, Ratten,
Mäuſe uſw. billigſt unt. Garantie
und ſtrengſter Diskretion.

reeil, kulant, billig

Darmstadt, Kirchstr. 19.

Huf Tenzunung
Fahrräder u. Nähmaſchinen
erſtklaſſige deutſche Marken, ohne
Preisaufſchlag, bei geringer An=
zahlung
und günſtig. Abzahlungs=
Bedingungen. Adreſſen erbeten u.
B 62 an die Expedition. (8676a

ressrse eneesereret
Korpulente,
Gicht-, Herz-,
5
Rheumaleidende
u und Gesunde

trink. tägl. als Erſatz f. Kaffee z
s chineſ. Tee, Kakao uſw., den
harnsäurelösenden
Maturd Zitronen-Tee
e Rein Naturproduktvon ange 2
2 nehm. Geſchmack u. vollem
5
5 Saftgehalt der Zitrone, ohne 5
5 Kerne und ohne Schale her=
geſtellt
. Echt zu haben in
Paketen à 75 Pfg. bei
Reformgeschäft

Arista‟ (7161a
1
* Gesundheitliche Nahrungs-
5
und Genussmittel.
a
s Anton Braunwarth
Ernst-Ludwigstr. 3. Fernsprecher 971. 2
I1
IEEEER!
Der Stolz der Damen!
Echter Schildpatt-

Haarſchmuck

(Vollſtändige Garnitur) äuß. billig.
Muſter w. vorgelegt. Poſtkarte zu
richten u. E5 an d. Exp. (*9856fom
Kassenschrank auf. bill,
Violine, zu verkaufen. Wo?
ſagt die Exped. ds. Bl.
(*9906so

Frihlartoſfein
Fettleibige, u. Induſtrie, Runkelrübenſamen,
Klee= u. Grasſamen, Saathafer,
Wicken, Seradella, Erbſen und
Lupinen in allerbeſten Sorten
Carl Manck Nachf.
Darmſtadt, Wendelſtadtſtraße 40,
Telephon 163.
(*598a
Speiſekartoffeln!
Ueberrheiner Induſtrie
Ztr. 5.00 Mk.
Holländer, gelbe 4.50
empfiehlt
Joh. Walther, Wienersſtraße 69,
Telefon 1598. (9302a

2 Malter
Kartoffel 8,50 M.

Kahlertſtr. 36.

(*9897so

Kopfsalat
(9386a
friſch aus dem Beet
Völker’s Handelsgärtnerei,
Hügelſtraße 89.

Billard, guterhalt., ſowie
Tafelklavier
zu verkaufen Café Metropol,
(*9565mfo
Alexanderſtraße 5.
wie neu, ſehr
Wanderer-Rad, billig

4429a)

Grafenſtraße 26.

in gebr. Opel=Damenrad, wie
neu, billig zu verkaufen
Grafenſtraße 35.
9369fso)

tt erhalt. Sportwagen ( zwei=
kleiner
, ſitzig) u. umklappbarer Kinder=
Steinsammlung üb. 300 Sorten, ſtuhl ſehr billig zu verk. Neue
Niederſtr. 5, Stb 3. St. (*9942soi
rüne Sohlen, 5½ beſſer wie
G andere, liefert H. Krieger,
Schuhm., Heidelbergerſtr. 42. (B123

Für Hausbeſ., Hotels, Bäckereien,
Reſtaur. uſw. Verſicherung geg.
Ungeziefer beſond. zu empfehlen.
Aeußerſt geringe Jahresprämie.
Koſtenloſe Ausſprache an Ort und
Stelle. Poſtkarte genügt. (1198a

Entfernen der Motten
aus Polſtermöbel ohne aufpolſtern
unter Garantie billigſt (5252a
J. Frieß, Möbel. u. Tapeziergeschäft,
Neue Kiesſtraße 43.

Gebr. Damen- u. Herrenräder
geben billig ab (9370a
Benz &C0., Grafenſtr. 35, Cel. 1239.
Bampfreinteuig
für Bettfedern u. Daunen.
Beſte Einrichtung am Platz. Lager
in Köper für neue Hüllen. (6585a
J. Stritzinger, Hölgesſtr. 11, I.

[ ][  ][ ]

3 94.

Montag, 23. Apel.

1912.

IEnE UArE IIENAE

Joachims Gesangschule.
Parcusstrasse 9.
Montag, den 22. April, abends 81½ Uhr im Kaisersaal:
Gesangs-Aufführung
Karten zu 50 Pfg., reservierte Plätze zu 1 Mark, so-
wie
Programme sind in der Hofmusikalienhandlung Schutter.
Elisabethenstrasse, in der Schule, sowie abends an der Kas-e
erhältlich.
(*9548dso

Ee
MoDERMES FAMEn-CAFE
LUDWiGsPLATZ 2
(6366a
AB 11 UHR NAchrs FRiscHEs WiENER GULAScH

Darmsiädter Hausbesitzer-Verein, L. f.
Hauptversammlung
Montag, den 29. April 1912, abends 8½ Uhr,
in der Reſtauration Sitte, gelber Saal,
Karlſtraße 15, 1 Treppe.
Tagesordnung:
1, Bericht über das verfloſſene Vereinsjahr Bericht der Rech=
nungsprüfer
. Feſtſetzung des Voranſchlags für 1912/13.
Ergänzungswahl des Vorſtandes.
2. Vortrag des Herrn Stadtverordneten Sames über
Steuerfragen.
Etwaige Anträge bittet man bis längſtens den 26. April d. J.
bei dem Vorſtande einzureichen.
Wir erſuchen unſere Mitglieder, Herren und Damen, zahl=
reich
erſcheinen zu wollen.
Der Vorstand.
J. V.: C. F. Mahr.
9555odo)
Verschonerungs Verci.
C
Lie Seneralverſammlung
findet Montag, 29. April 1912, nachm. 6 Uhr

in der Reſtauration Sitte, 1. Stock, ſtatt.

Tagesordnung: Jahresbericht, Rechnungsablage, Vorſtandswahl,
Ausführungen in 1912.
(9501so
Anträge in letzterer Hinſicht wolle man bis längſtens zum
28. April 1912 an den Vorſitzenden, Herrn Geheimerat Wilbrand,
Heinrichſtraße 145, einreichen.
(9501so

Mdhe


Sparger Saison
täglich friſch geſtochene prima
Spargel zum billigſten Tagespreis
Ed. Türtmann
Grafenſtr. 19 Telef. 1425.
EhEEMunu
55 Ziehung 15. Mai 1912
Darmstädter
Schloßfreiheit-
Geld-Lotterie
2n

Dann versuchen Sie
Dr. Pralles
Birken-
Haarwasser
Sie werden von der
Wirkung
überrascht sein!
Zu haben in
Parfümerie-, Drogerie-
und Friseurgeschäften,
sowie in Apotheken
Preis 1.85 v 270.

3329 Geldgewinne im Betrage

Hauptgewinn

M

tvereinfrds

Deutsche Portraitisten
Gemälde von M. Lieber.
,
:: Deutsche Graphik.
(9561
Kunsthalle am Rheintor zu Darmstadt.
Geöffnet Werktags von 114. Uhr, Sonntags von 104 Uhr.

Secheimer Spargel-Saison
hat wieder begonnen
Zum Diner und Souper stets bereit
Ergebenst
Hotel Hufnagel (*10051om
Inh. A. Hufnagel sen. und A. Suhrcke.

K. Sturm

Luisenstrasse 30.
(9591a
Atelier für elegante und einfache Mass-
Anfertigung sämtlicher Damen-Garderoben.
Feinste Ausführung. Solide Preise. Prompte Bedienung.

nMAnR

die neueste und beste
deutsche Nähmaschine
5 Jahre Garantie. (9549a
Alleinverkauf

Haas & Bernhard
19 Rheinstrasse 19.


Porto u. Liste
Lose à 1 Mk.,
extra.
Zu haben bei den Königl. Preussisch.
Lotterie-Einnchmern u. in allen Lose-
verkaulsstellen
oder dreit durehs
O. Petrenz, Darmstadt,
A. Dinkelmann, Worms.
IEEEEEHEEEESM
(95675m

Schlafzimmer
ſchwer eichen, ganz bill. abzugeb.,
perſch. Trumeauxſp., Büfetts, mod.
Diwans, Flurgarderoben, Schreib=
tiſche
, Bücherſchr., Spiegelſchr.
Kleiderſchr., Waſchkom., Ruheſtühle,
Vertikos, Bettſtellen, Matratzen,
kompl. Einricht. denkb. billigſt.
Eliſabethenſtraße 46, Vorderhaus,
(*10070oi
parterre.

Tüchtige kautionsfähige
Wirtsleute
geſucht. Offert. u. E 21
an die Expedition. (*9941so

Tüchtiger, kantionsſähiger
Wirt
ſofort geſucht (*3900so
für großes Lokal in Darmſtadt,
Neckarſtraße 4 (Münchner Kind’).
Offerten Frankfurter Bürger=
brauerei
, Frankfurt a. M.

wird in liebevolle Pflege
Kind aufs Land genommen.
Näheres in der Expedition. (*10065

Dame

aus erſten Kreiſen ſucht für ihr
½ jähr. Kind (Mädch.) vorzügliche
gewiſſenh. Pflege nur bei beſſ. Leut.
Nur Darmſtadt und freie Lage,
Garten oder Anlagen. (*10027

ein gold. Medaillon
Verloren mit ſchwarzem Stein
von Herrenuhrkette. Wiederbringer
erhält Belohnung. Abzugeben
Saalbauſtr. 8. 1. Stock. (*10084

Verloren
Mittwoch abend ein goldener
Ring mit Farben. Gegen gute
Belohnung abzugeben (*9986so
Heidelbergerſtr. o 2. St

Entlaufen
ein ſchwarz u. braunes ſeiden=
weiches
weibl. Kätzchen. Etwaige
Angaben über dasſelbe bittet man
unter A. 64 an die Expedition zu
richten. Für Ermittelung 25 Mk.
Belohnung.
*10061om

Gebrauchte mobel.
Gutexhalt. Kleiderſchr. v. 12 M. an,
Küchenſchr. 12 M., Waſch= u. Nacht=
ſchr
., einige Taſch.=Divan, kaum gebr.
39 M., Kommoden pol. 14 M., eleg.
Vertiko pol. (neu) mit Spieg. 48 M.,
Plüſchſeſſ. 11 M., Sofa 14 M., Gram=
mophon
m. Platten (Villa darſtell.)
gek.20 M. für 72 M., Gasherds M.,
gr. Partie Stühle à 2,20 M., Tiſche,
Flurgarderobe, Trumeaux, Spiegel,
Bücherregal, Waſchmaſch., Kleider=
büſte
u. v. a. billig. Möbel aller Art. w.
zingetauscht. Aleranderſtr. 3 part.

Wer dort ? (15t
hier V. Schatz, Alexanderſtr. 15
Ich komme ſof. u. zahle Ihnen für
getrag. Kleid., Schuhe Wäſche, Zahn=
gebiſſe
,alte Federbett. ſtets die höchſt.
Preiſe. Tel. Nr. 1924. Poſtk. genügt.

Morgen Ziehung!
Südpolar=
Geldlotterie
Lose à 3 Mk. Hauptgew. 60000 Mk.
empfiehlt und verſendet (*1004s
Lotterie-
Agentur Fr. Marguth
Marktstr.
f Ecke Grosse
3 Darmstadt ochsengasse.

getrag. Herren=
u
. Damenkleid.,
Ich Haufe Schuhe. Zahled.
höchſten Preiſe. Poſtk. gen. (9002a
J. Schnitzer, Schloßgaſſe 11.

Kaufe

3905a)

Aetrag. Kleider,
Schuhe ꝛc. zu den
höchſten Preiſen.
Poſtkarte genügt.
M. Schnitzer
Schloßgaſſe 29.

2005!!
Wer dort?
Hier M. Obstfeld, Althändler,
7 Kleine Bachgaſſe 7.
Kaufe getr. Kleider, Schuhe, Möbel,
alte Waffen, Fahrräder, Zahn=
gebiſſe
. Tel.=Nr. 2085 oder Poſt=
karte
, komme auch auswärts. (9210a

Für altes Eisen, alte Metalle,
Papierahfälle aller Art, Ge-
schäftspap
. Bücher u. Akten
unter Garantie des Einſtampfens
zahle ſtets die höchſt. Preiſe. (8299a
Lippmann May,
Tel. 157. Kl. Ochſengaſſe 14.
Aufträge werd. jederz. prompt erled.

Wirzahlen
die höchſten Preiſe
für alt. Eiſen u. Metalle, Papier=
abfälle
, Geſchäftsbüch. u. Akten,
unt. Garantie des Einſtampfens.
P Alle Aufträge werden nur
im Hauſe abgeholt und finden
prompteſte Erledigung. (1182a
M. Löb & Co.
Liebigſtr. 30. Telefon 479

Möbel, ganze Hotels,
Kaufe alle Wohngs.=u. Bureau=
Einricht., Pianos, Kaſſenſchr. auch
außerhalb zu reellem Wert (7831a
Tel. 1202. Kurtz, Pädagogſtr. 2.

geſucht. Offert.
Gebr. Fahrras unter E53 an
die Expedition ds. Bl. (*10037

Großherzogl. Hoftheater
Montag, 22. April.
159. Abonnem.=Vorſtellung. C 40.
Der Raub der Sabinerinnen.
Schwank in 4 Akten von Franz
und Paul von Schönthan.
Spielleitung: Regiſſeur Hacker.
Perſonen:
Martin Gollwitz,
Friederike, deſſen
Frau
Paula, d. Tocht. Frl. Gothe
Dr. Neumeiſter . Hr. Weſtermann
Marianne, ſeine
Frau
Karl Groß . . . Hr. Wagner
Emil Groß, gen.
Sterneck, deſſen
Sohn
. Hr. Schneider
Emanuel Strieſe,
Theaterdirektor . Hr. Jordan
Roſa, Dienſtmäd=
chen
b. Gollwitz Fr. Rudolf
Auguſte, Dienſtm.
bei Neumeiſter Frl. Daniel
Meißner, Schul=
diener

Nach dem 2. Akte längere Pauſe.
Krank: Frl. Geyersbach.
Preiſe der Plätze (Kl. Pr.):
Proſzeniumsloge 5 Mk., Fremden=
loge
5 Mk., Balkonloge 4.50 Mk.,
1. Rang 4 Mk., 2. Rang: 16.
Reihe 2 Mk., 7. u. 8. Reihe 1.60 Mk.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 3.50 Mk.,
14.20. Reihe 3 Mk., Parterre:
1.5. Reihe 2.20 Mk., 6.8. Reihe
1.80 Mk., 1. Galerie 1 Mk., 2. Ga=
lerie
50 Pfg.
Anfang 7½ Uhr. Ende 10 Uhr.
Kartenverk. v. 111u. v. 6½ Uhr an.
Vorverkauf
von 111 Uhr f. d. Vorſtellungen:
Dienstag, 23. April. 160. Ab.=V.
B 40. Zu Shakeſpeare’s Geburts=
tag
. Neu einſtudiert: Ein
Sommernachtstraum. Kl.
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Mittwoch, 24. April. 161 Ab.=V.
A 41. Im weißen Röß‟
Kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Donnerstag, 25. April. 162. Ab.=
Vorſt. C 41. Zum Gedenken an
Friedrich v. Flotow (geb. 26. April
1812). Martha. Kl. Preiſe.
Anfang 7 Uhr.

Profeſſor . . . Hr. Lehrmann
. Frl. Heumann

. Frl. Grünberg

. . Hr. Knispel

[ ][  ]

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.

Nummer 94.

Oleeeale
Hnh

Saar Gagenll. zucuſl 4!

Luftfahrt.

* Die deutſchen Ausſcheidungs=Rennen
für das Gordon=Bennettfliegen der Freibal=
lons
wurden, wie ſchon ſeinerzeit gemeldet, nach Dresden
und Leipzig überwieſen. Der Leipziger Verein für Luft=
ſchiffahrt
veranſtältet das erſte Ausſcheidungsrennen am
28. April. Gemeldet haben ſich 12 Führer, die mit ihren
Ballons von 5 Uhr nachmittags an ſtarten werden.
Der Flug von Peking nach Paris. Der
kühne Plan eines Wettfluges von Peting nach Paris iſt
nunmehr geſichert. Die Organiſatoren des Unternehmens
haben nun, nachdem die metevrologiſchen Beobachtungen
aus Rußland und Sibirien vorliegen, in einer Sitzung die
Einzelheiten der Konkurrenz ausgearbeitet. Der Vorſchlag
des Prinzen Scipio Borgheſe hat geſiegt: der Flug geht
durch die Gobi=Wüſte, die Route iſt Peking, Kalgan, Tue=
ring
, Urga, Kiachta Baikal=See. Die Flieger folgen da=
bei
der die Gobi=Wüſte durchquerenden Telegraphenlinie,
die alle 225 Kilometer eine Station hat. Dann führt der
Weg durch die Lüfte über Irkutsk und Tomsk, weiter nach
Omsk, nach Kaſan, nach Niſchninowgorod, Moskau und
Warſchau. Von Warſchau wendet ſich die Etappenſtraße
ſüdöſtlich nach Wien und führt ſchließlich über Trieſt,
Genua, Avignon, Lyon nach Paris. Die meteorologiſchen
Auskünfte haben ergeben, daß die Witterungsverhältniſſe
im September am günſtigſten ſind, ſowohl in Sibirien
wie in Nordchina iſt dann die Regenzeit vorüber und die
Winde wehen durchſchnittlich mit einer Geſchwindigkeit
von vier bis fünf Metern in der Sekunde. Die Flieger
werden alſo vorausſichtlich Anfang September von Peking
aufbrechen. Einſtweilen ſtehen für Preiſe 155000 Francs
zur Verfügung. Bedingung für die Ausführung des Pla=
nes
iſt, daß mindeſtens fünf Konkurrenten an dem Fluge
teilnehmen.
* Der engliſche Flieger Lerly Allah, der
am Mittwoch vom Flugfelde von Hendon bei London
aufgeſtiegen und nach Cheſter geflogen war, iſt am Don=
nerstag
morgen um 6 Uhr wieder von dort aufgeſtiegen,
um ſeinen Flug nach Dublin fortzuſetzen. Zum letzten
Male wurde der Flieger noch in Holy=Head geſichtet. Von
dort fehlt jede Spur von ihm und man fürchtet, daß Allan
ſich über dem Meere verirrt hat und ertrunken iſt.
* Einen bemerkenswerten Ueberland=
flug
abſolvierte der franzöſiſche Flieger Buſſon mit
einem Deperduſſin=Eindecker (50 PS. Gnome=Motor), durch
den er gegenwärtiger Inhaber des Pokals Pomery gewor=
den
iſt, deſſen Prämie von 7500 Francs am 30. April zum
Verfall kommt. Buſſon ſtieg morgens 5 Uhr 40 Min. auf
dem Aerodrom von Pau auf in der Abſicht, nach Paris zu
fliegen. Infolge ſtarken Regens mußte der Pilot ſchon
9 Uhr 20 Min. in Poitiers eine Zwiſchenlandung vor=
nehmen
. Buſſon ſetzte dann 11 Uhr 10 Min. ſeinen Flug
nach Tours fort. Bei ſeiner Reiſe von Pau nach Tours,
(645 Kilometer, hat er bereits den beſten Flug um den
Pokal Pomery, den Vedrines von Paris nach Angouleme
ausgeführt hatte, überboten. Um 5 Uhr ſtieg Buſſon wie=
der
auf, in der Hoffnung, Paris zu erreichen. Gegen

7 Uhr mußte er aber infolge Dunkelheit in der Nähe von
Verſailles auf dem Flugfelde von Saint=Cyr landen.
* Ein ſchwerer Flieger=Unfall ereignete
ich auf dem Aerodrom von Eaſtburne. Dort ſtürzte der
Aviatiker Victor Yates, der Direktor des Flugplatzes,
mit einem Bleriot=Eindecker aus geringer Höhe ab. Trotz=
dem
der Sturz aus mäßiger Höhe erfolgte, ging die Flug=
maſchine
, die ſich überſchlagen hatte, vollſtändig in Trüm=
mer
. Der Flieger mußte ſchwer, verletzt ins Krankenhaus
gebracht werden.

Sport.

Sr. Pferdeſport. Berliner Concours hippi=
que
1912. An der einleitenden Zivil=Dreſſur=
Prüfung nahmen 10 Bewerber teil. Erſte wurde Herrn
von Guſteds 8jähr. Fuchs=Stute Sportdame gegen Herrn
Lindpainters 8jähr. br. Stute Old=Bleß und Frau Gugen=
heims
7jähr. dunkelbr. Stute Sutty. In der von ſechs Kon=
kurrenten
beſtrittenen Eignungs=Prüfung für
Herrſchaftliche Geſpanne konnten zwei erſte
Preiſe verteilt werden: an Herrn E. Heydens Viktoria=
Einſpänner und Oberlt. Dollmanns Coupé=Zweiſpänner.
Dritter wurde Herrn Lampe=Viſchers Viktoria= Zweiſpän=
ner
. An der Materials=Prüfung für Reitpferde
im Beſitze von Pferdehändlern, Züchtern, Verkaufs= oder
Reit=Inſtituten konkurrierten 11 Pferde. Der erſte Preis
fiel an den Offiziers=Pferdeverein; 2. Preis: Pferdehand=
lung
Julius Beermann; 3. Preis: Pferdehandlung Karl
Löwenthal. An der Maiden=Springkonkurrenz nahmen
nicht weniger als 60 Pferde teil.
* Das Internationale Motorboot=Meeting von Mo=
nako
konnte mit dem Endlauf des Handicaps um den
Preis von Condamine auch am Mittwoch noch nicht pro=
grammäßig
beendet werden, da vormittags die See zu be=
wegt
war. Erſt am Nachmittag beſſerte ſich das Wetter
und man entſchloß ſich, um 3 Uhr zu ſtarten. Es fanden
ſich aber nur drei Boote zum Rennen ein, das Bordeaux
Rouge leicht gewann, da Mais je vais piquer infolge einer
Panne aufgeben mußte und Piſtil ernſtlich nicht in Frage
kam.
* Lawn=Tennis. Das Internationale Lawn=
Tennis=Turnier zu Dulwich brachte in der
Vorſchlußrunde eine große Ueberraſchung. Der bekannte
deutſche Spieler Bergmann, der mit Ritchie zuſammen=
traf
, ſiegte gegen dieſen 63, 64. Das glänzende Spiel
des Deutſchen erregte allgemeine Bewunderung.

Handel und Verkehr.

H. Frankfurt, 20. April. ( Börſenwochen=
bericht
.) Der Geldmarkt iſt erfreulicherweiſe etwas
günſtiger geworden, ſo daß der Privatdiskonto auf 3½
Prozent zurückging. Hingegen wurden die Börſen neuer=
dings
durch das kriegeriſche Vorgehen Italiens in den
Dardanellen wieder in eine nervöſe Stimmung verſetzt.
Das Geſchäft, welches ſich während der Berichtswoche
zeitweilig recht lebhaft geſtaltete, flaute unter dem Druck
der politiſchen Vorgänge weſentlich ab. Immerhin ſind
die Kurseinbußen verhältnismäßig gering, da dem auf=
tretenden
Angebot der Spekulation auch entſprechende
Kauforders gegenüber ſtanden. Der New=Yorker Platz lag
ebenfalls ſchwächer auf die Erfolge Rooſevelts in Pen=
ſylvania
, die eine Wiederwahl desſelben in den Bereich
der Möglichkeit ziehen, keinesfalls zum Vorteil der Börſen=
magnaten
in Wall Street; ferner hat die traurige Kata=
ſtrophe
der Titanie die Stimmung der dortigen Speku=
lation
auch etwas beeinflußt.
Zu den Einzelheiten des Verkehrs übergehend, waren
die Umſätze in deutſchen Renten ſehr ſtill; es fehlte jedes
Intereſſe dafür und auch das Privatpublikum ſandte nur
geringe Orders. Die Stadt Gießen begab ein 4prozentiges,
bis 1917 unkündbares Anlehen in Höhe von 3½ Millionen
Mark zu 98,17 an ein Konſortium. Von den ausländiſchen
Staatsfonds wurden die ſerbiſchen ſtärker gekauft; es wird
wieder viel von einer bevorſtehenden Konverſionsoperation

geſprochen; auch Argeninien belebter auf die angeblih
günſtigen Ernteausſichten. Türken ſind trotz der oben Er=
wähnten
Vorgänge gut behauptet, nur türkiſche Loſe, für
welche in den letzten Tagen regeres Intereſſe beſtand, um
etwa 1½ Mark niedriger. Am Transportmarkt wurden
Hamburger Paketfahrt (unter Berückſichtigung des Divi=
denden
=Abſchlags), ſowie Nordd. Lloyd, nach vorüber=
gehender
Abſchwächung ſchließlich beſſer bezahlt; auch
Orientbahnen und Anatolier waren höher.
Bankaktien haben wenig Veränderungen aufzuweiſen.
Die höchſt befriedigenden Berichte über den Geſchäftsgang
am Stabeiſenmarkt, ſowie am oberſchleſiſchen Walzeiſen=
markt
haben gemeinſam mit den günſtigen amerikaniſchen
Nachrichten die Neigung der Spekulation für Montan=
papiere
ſtark angefacht. Hierzu kam auch die Zuverſicht
inbetreff der Verbandserneuerung, ſodaß zeitweilig das
Geſchäft auf dieſem Gebiete recht lebhaft ſich geſtalten
konnte; beſonders Phönix waren bevorzugt auf den gro=
ßen
Mehrüberſchuß und in der Erwartung weiterer guter
Ergebniſſe. Laurahütte höher auf die Preiserhöhung der
Breslauer Eiſengroßhändler. Bei Wochenſchluß erfolgten
indes Realiſationen infolge der allgemeinen Ermattung.
Elektrizitätsaktien ruhiger, nur Allgemeine Elektrizitäts=
geſellſchaft
ſtärker gefragt.
Am Kaſſainduſtriemarkt herrſchte während der ganzen
Woche regere Nachfrage bei ſteigenden Kurſen, die erſt bei
Wochenende durch große Gewinſtrealiſationen gehemmt
wurden. Holzverkohlung erreichten 331, um 329½ zu
ſchließen, Deutſche Gold= und Silber=Scheideanſtalt bis
1103 avancierend, nachdem ſchon 1120 bezahlt wurden.
Höchſter Farbwerke 577 nach 583, Kunſtſeide 183, Gummi
Peter 140, Moenus bis 312 nachgebend, da die Bilanz
nicht befriedigte; Daimler bis 262½ ſteigend, gaben bis
2593/ nach, Kleyer 472, Aluminium bis 255, erhöht, da die
Ausſichten auf ein Zuſtandekommen des lange erſtrebten
internationalen Aluminium=Syndikats gewachſen ſind.
Guttsmann Maſchinen auf den ungünſtigen Abſchluß
matter. Der Verein für chemiſche Induſtrie in Mainz
verteilt wieder wie im Vorjahre 16 Prozent Dividende,
die Aktiengeſellſchaft für Buntpapier und Leimfabrikation
Aſchaffenburg 10 Prozent Dividende.
Von Loſen notieren: Augsburger 35,80, Braunſchwei=
iger
198,80, Pappenheimer 53,, Freiburger 70,, Tür=
kiſche
170,60, Genua 197,75, Ungariſche 371,50, Meininger
35,50, Venediger 43,, Mailänder 45=Frcs.=Loſe 135,
(nominell), Mailänder 10=Fres.=Loſe 34,, Raab=Grazer
Anr.=Sch. 37,80, in Reichsmark; Gothaer Prämie II 117,75,
Donau=Regulierung 145,, Madrider 76,20, in Prozent.
Ferner ſchließen: 4proz. Reichs (bis 1918 unkündbar)
101,30, 3½proz. Reichs 90,75, 3proz. Reichs 81,35, 4proz.
Heſſen von 1899 100 G., 4proz. Heſſen von 1906 100 B.,
4proz. Heſſen von 1908/09 100,, 4proz. Heſſen (unkündbar
bis 1921) 100,50 B., 3½proz. Heſſen 89,20, 3proz. Heſſen
78,30, 4proz. Darmſtädter 10025, 3½proz. Darmſtädter
90,25, 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 1823) 100,50 G.,
4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 2425) 100,60 G.,
3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 35) 89,60, 3½proz.
Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 911) 89,70, 4proz. Heſſ. Kom=
munal
=Pfdbr. (S. 1012) 100,60 G., 4proz. Heſſ. Kom=
munal
=Pfdbr. (S. 1314) 100,70 G., 3½proz. Heſſ. Kom=
munal
=Pfdbr. (S. 13) 89,86 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=
Pfdbr. (S. 4) 89,70 G., Darmſtädter Bank 122½, Südd.
Eiſenbahn=Geſellſchaft 123,25, Südd. Intmobilien= Geſell=
ſchaft
(Mainz) 69,70 B Lederwerke vorm. Spicharz ( Offen=
bach
a. M.)
Schramms Lack= und Farbenfabriken
(Offenbach a. M.) 272 G., Chemiſche Mühlheim a. M. 72,50,
Schantungbahn 135,50, South=Weſtafrika 154,50, Otau=
Anteile 94, Otavi=Genußſcheine 66,50, 4½proz. Ruſſen
100,30, 4proz. 1880er Ruſſen 91 P., 4proz. 1902er Ruſſen
89,95, 3¼oproz. Ruſſen 87,80, 3½proz. Ruſſen 84,50, Zproz.
Ruſſen 80,50, 4proz. unifizierte Türken 91,49. 4proz. Ad=
miniſtrations
=Türken 84,40, 4proz. konvertierte Türken
81,40, Bagdadbahn 83,80, 5proz. Chineſen 100,45, 4½proz.
Chineſen 94,55, 5proz. Chineſen (Tientſin=Pukow) 99,40,
4½proz Japaner 94,90, 4proz. Japaner 81
Zproz.
Buenos=Aires 72½.

in verschiedenen Grössen, mit allen Be-
quemlichkeiten
, Anschluß an die Gemeinde-
wasserleitung
und städtische elektr. Licht-
leitung
, in Waldesnähe im lieblich. Dreisam-
tal
, mit schönen, bequemen Spaziergängen
und Aussicht auf die herrlichen Schwarz-
waldberge
.

Bauplätze

werden
geben.

nach Wahl abge-

Villenkolonie Dannemann‟
Freiburg-Littenweiler in Baden.

Prospekte, Auskünfte und Pläne für Villen durch Architekt Hermann Schmidt,
Freiburg i. B., Kaiserstrasse 68, Telephon 1111, sowie durch sämtliche Freiburger
(3093a
Liegenschafts-Agenten.

Willy Andress, Darmstadt
Wohnung:
Büro: Mühlstrasse 26
Baugeschäft u. Eisenbetonbau Fernruf Nr. 1126
Fernruf Nr. 1207
Maurer=Arbeiten
Neu u. Umbauten
Hochs und Tiefbauten
Eisenbetonfachwerk u. Stützenbauten für Industrie u. Geschäftshäuser

(9388a

Prima Kinderſtiefel
(9542a
billig zu verkaufen
Neue Ireneſtraße 12
(zwiſch. Arheilger= u. Pankratiusſtr.)
Ihne Anzahlung erhalten Be=
amte
Manufaktur
waren ohne Preiserhöhung
von auswärtig. bedeutender Firma.
Gefl. Offerten unter A 65 an die
Expedition ds. Bl. (*10038oms

f. mittelſt. Fig. u. Mädchenhüte 30 Schreibmaschinen
ſpottbillig zu verkaufen.
Schüler, Frankfurt a. H.
(B9287 Schreibmaschinen-Verleih-Anstalt.

Schöne Damen=Sommerkleider
nur an Private billig zu verkaufen
Tannenſtraße 24, I. links.
Zu ſehen von 912 Uhr vorm. Friedberger Landſtraße 118a
und ½ 47 Uhr.
Ein n. gut erh. Sportwag., ſow.
Photograph. Apparat C ein 2fl. Gasherd bill. abzug.
(*10040
9X12 u. Herren=Rad bill. z. verk. Sandſtr. 42, 2. St., I.
Näh. Heinheimerſtr. 16. (*10039
Ein zuſammenlegbarer
bill. ab=
haltener
blauer Sitz= u.
GLiegewagen billig zu verk. Sportwagen zugeben
(*10026 Vankratiusſtr. 8, part. (*10030
Schützenſtraße 1, III.

Danderer

Verlangen Sie Preisliste
u. lesen Sie aus unserer
Gutachtenmappe, was
unsere Abnehmer sagen.

(9444a
das
zuverlässigste
Motorrad.

J. Donges & Wiest, Grafenstr. 26.

Billige Tapeten.
Ohne Rückſicht auf den früheren Preis verkaufe einen
großen Poſten vorjähriger Sachen, ſchöne Muſter.
Serie I 14 Pfg. per Rolle
II 18
,,,
III 24
,,
IV 30
ſo lange Vorrat reicht.
Darmstädter Tapeten-Fabrik
Verkaufsstelle Ernst-Ludwigstrasse 4

am weissen Turm.

(9514a

ühneraugen
und Nageloperationen
werden ſorgfält. ausgeführt
Fr. Hartmann, appr. Heilgeh.,
Grafenſtr. 20, Tel. 273. (1180a

chuppen z. Unterſtellen von

kl. Wagen, billig zu verk.
Viktoriaſtraße 32, 1. St. (9557oi

Eine aute Geige mit Kaſten u.
ein Paar Rollſchuhe m. Kugel=
lager
Kahlertſtr. 1, II. I. (*10035oid

Engl. und franz. Lernbücher,
illuſtr. Chronik billig abzug.
Ludwigsplatz 8 Vdh. III. (*9935so

Zehrock, Frack, Smpking=Au=