Abonnementspreis
Inſerate
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibungoder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden,
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Der Reichstag behandelte am Samstag den Antrag
über das Rettungsweſen auf deutſchen
Schiffen. Staatsſekretär Delbrück erklärte, er werde
mit den beteiligten Kreiſen ſich in kurzer Zeit zu einer
gemeinſchaftlichen Erörterung aller Fragen
zuſammen=
tun.
Das deutſche Reichskomitee unter dem
Pro=
tektorat des Prinzen Heinrich von Preußen erläßt
einen Au ruf zur Sammlung einer
National=
ſpende für das deutſche Flugweſen.
Der Finanzminiſter Lukacs wurde mit der
Bildung des ungariſchen Kabinetts
be=
traut.
Nach einer offiziellen Mitteilung der White Star=Lint
ſind bei der „Titanic”=Kataſtrophe 705 Perſonen
gerettet und 1442 ums Leben gekommen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.
Die italieniſche Flottenaktion.
— Seit Monaten war die Rede davon, daß die
ita=
lieniſche Flotte eine größere Aktion im Aegäiſchen
Meer unternehmen werde, um einen Druck auf die
Tür=
kei auszuüben, damit dieſe ſich zu einem Friedensſchluß
geneigter zeige. Trotz mehrfacher Anſätze war es aber
bisher noch nicht dazu gekommen, weil man doch
Beden=
ken vor einem ſolchen Schritte hegte. Bei der erſten
Kunde von den italieniſchen Abſichten hatten die
Groß=
mächte Einſpruch erhoben, in der Erwägung, daß ein
derartiger Schritt weitere Komplikationen und zwar nicht
nur unter den kriegführenden Parteien nach ſich ziehen
würde, ſondern daß auch die Mächte infolge Schädigung
ihrer Intereſſen leicht in Mitleidenſchaft gezogen werden
könnten. Wie berichtet, ſind nunmehr aber doch eine Reihe
italieniſcher Kriegsſchiffe, die ſchon ſeit längerer Zeit im
Aegäiſchen Meer krauzten, vor den Dardanellenforts
er=
ſchienen, um dieſe während einiger Stunden zu
bombar=
dieren. Was die ganze Maßnahme bezweckte, iſt wenig
erfindlich, es macht faſt den Eindruck, als ob man die
Aktion nur unternommen hat, um einmal etwas zu tun
und die im italieniſchen Volke über die Untätigkeit der
Flotte wachſende Mißſtimmung zu beheben. Anderſeits
mag man ſich vielleicht auch die Bezwingung der
Dar=
danellen leichter vorgeſtellt haben, wie ja die Italiener
in dieſem Kriege nicht zum erſten Male die Kraft der
Türkei unterſchätzt haben.
In Konſtantinopel will man in dem Bombardement
lediglich eine Demonſtration erblicken, zumal um dieſelbe
Zeit die Eröffnung des türkiſchen Parlaments erfolgte,
aber es wäre dann eine Demonſtration mit recht
unzuläng=
lichen Mitteln gegeben, die nur das Gegenteil von dem
hervorrufen konnte, was italieniſcherſeits damit
beabſich=
tigt war. Nicht nur, daß die Türken nicht eingeſchüchtert
worden ſind, werden ſie jetzt erſt recht nach Zurückweiſung
des italieniſchen Angriffs ihr Haupt hochtragen und den
italieniſchen Bedingungen gegenüber ſich noch weniger
zu=
gänglich erweiſen. Des weiteren aber iſt das italieniſche
Vorgehen geeignet, die Verwickelung zu vergrößern, denn
an der Dardanellendurchfahrt ſind alle Großmächte auf
das lebhafteſte intereſſiert, und bei Operationen in jener
Gegend muß der geſamte Handel auf das empfindlichſte
geſchädigt werden. Gewiß bringt das der Krieg mit ſich,
indeſſen iſt es pölkerrechtliche Beſtimmung, daß eine
Blockade nur dann zuläſſig iſt, wenn ſie in vollem
Um=
fange durchgeführt werden kann, wozu aber die Mittel
der Italiener nicht ausreichen. Es iſt deshalb nicht zu
verwundern, daß das Vorgehen der Italiener bei den
übrigen Mächten verſtimmt hat.
Aus dem amtlichen Bericht des Kommandanten des
ſtalieniſchen Geſchwaders, der bei der Regierung
einge=
troffen iſt, geht hervor, daß das Geſchwader die
Fahrt durch das Aegäiſche Meer mit großer
Schnelligkeit ausgeführt hat. Die Operationen des
Ge=
ſchwaders hatten nicht den Z=
Dardanellen anzu=
greifen oder zu forzieren oder Truppen auszuſchiffen.
Denn man hatte für dieſe Zwecke gar keine Truppen an
Bord. In der Nacht vom 17. zum 18. April wurde das
Kabel zwiſchen Imbres und den Dardanellen und zwei
Kabel von Lemnos durchſchnitten. Ein Teil des
Ge=
ſchwaders erhielt den Befehl, ſich vor die Dardanellen
zu begeben, da man hoffte, hierdurch die ottomaniſche
Flotte zur Ausfahrt und zum Angriff zu veranlaſſen.
Während die italieniſchen Schiffe vor den Dardanellen
kreuzten, erſchien ein türkiſcher Torpedojäger in der
Ein=
fahrt, gegen den unſere Flottenabteilung vorging. Zu
gleicher Zeit eröffneten zwei Küſtenforts aus großer
Ent=
fernung das Feuer gegen ſie. Dieſes zwang unſere
Schiffe, das Feuer zu erwidern und etwa zwei Stunden
lang wurden die äußeren Feſtungswerke bombardiert,
während der türkiſche Torpedobootszerſtörer ſchleunigſt
wieder in der Meerenge verſchwand. Auf unſerer Seite
ſind keine Verluſte. Die Flottenabteilung trat die
Rück=
reiſe nach Italien an.
Die Tribuna ſchreibt zu dieſem amtlichen
Com=
muniqué:
„Der erſte Eindruck, den man auf Grund der
erhal=
tenen Nachrichten empfing, war der, daß die Flotte die
Dardauellen zu foreieren begann, doch der Zweck des
Vorgehens der Flotte war nicht dieſer und konnte es nicht
ſein, hatte vielmehr andere Ziele politiſcher, und
militäriſcher Art, die vollſtändig erreicht ſind. In
politiſcher Beziehung war es notwendig, in greifbarer
Weiſe die Dementis zu unterſtützen, die unſere
Regie=
rung bereits dagegen erlaſſen hatte, daß unſere Freiheit
in gewiſſen Meeren, beſonders im Aegäiſchen Meer,
be=
grenzt ſei. Unſere Aktion bewies, daß dies nicht wahr
iſt, daß die Türkei auf ihrem Kiſſen nicht ſanft ſchläft. Was
wir geſtern nicht getan, können wir morgen tun, wenn es
uns als notwendig erſcheinen ſollte.Unter den Lügen,
die die Türkei unter ihrer Bevölkerung verbreitete, war
anch die, daß unſere Flotte nicht wagen würde, ſich im
Aegäiſchen Meere zu zeigen. Wir haben das Gegenteil
bswieſen, während die Türkei ihre Prahlerei, daß ſie ihre
Kriegsſchiffe aus ihren Zufluchtshäfen auslaufen laſſen
würde, nicht wahr machte. Auch mit Rückſicht auf den
Krieg in Libyen war es geboten, zu zeigen, daß man
dem von den türkiſchen Küſten getriebenen
Waffenſchmug=
gel an dieſen Küſtent ſelbſt und an ſeinen
Urſprungs=
orten beikommen und gleichzeitig dort den Türken
em=
pfindlichen Kriegsſchaden zufügen konnte. Alles das
ſollte den Jungtürken gezeigt werden, um zu beweiſen,
daß ſie über kein anderes wirkſames Mittel verfügten
als über die Sperrung der Meerenge für den Welthandel.
Das haben wir für den Augenblick nicht gewollt.
Infolge=
deſſen wird ſich das italieniſche Geſchwader von den
Pforten Konſtantinopels zurückziehen, danen allerdings
nicht für immer, ſondern nur zeitweilig Lebewohl geſagt
werden wird.”
Alle Pariſer Blätter geben der Befürchtung
Ausdruck, daß der Angriff der italieniſchen Flotte gegen
die Dardanellen ernſte politiſche Folgen
ha=
ben könne.
Das Journal des Débats ſchreibt: „Wenn
die Türkei nur die Italiener vor ſich hätte, dann würde
der Einſchüchterungsverſuch wohl unwirkſam bleiben,
aber Italien kommt der ſehr nachdrückliche diplomatiſche
Beiſtand Rußlands zugute. Die ruſſiſche Regierung
geht aus Gründen, deren Darlegung etwas heikler Natur
wäre, diplomatiſch mit Italien Hand in Hand. Ja, man
konnte ſogar einen Augenblick glauben, daß Rußland
aus ſeiner Neutralität heraustreten und eine
Flotten=
demonſtration am Bosporuseingang unternehmen könnte.
Wir möchten im Intereſſe unſerer Freunde und des
ge=
ſamten Friedens ein baldiges Ende des Konflikts
wün=
ſchen, bei welchem ein zufälliges Ereignis einen
allgemei=
nan Brand anſtiften könnte. Wir glauben aufrichtig, daß
ein verſöhnliches Vorgehen den Intereſſen Italiens mehr
nützen, würde, als die Eröffnung einer neuen
Kriegs=
phaſe.‟— Der Temps ſchreibt: „Niemand freut ſich
über die italieniſch=ruſſiſche Intimität mehr als
Frank=
reich, aber um wirkſam zu ſein, braucht dieſe Intimität
nicht bis zu einer „friedlichen Flottendemonſtration”
Ruß=
lands zu gehen, welche nichts anderes als ein
kriegeri=
ſches Unternehmen wäre.” — Siécle” ſagt: „Man kann
nicht oft genug wiederholen, daß jede diplomatiſche oder
maritime Offenſive, welche Italien und Rußland
gemein=
ſam im Orient ergreifen ſollten, nur dazu dient,
Oeſter=
reich und Deutſchland zu Herren der Situation zu machen:
Oeſterreich, das bewieſen hat, daß es Italien Einhalt
gebieten kann, und Deutſchland, das bewieſen hat, daß
es Rußland Einhalt zu gebieten weiß.
In den politiſchen Kreiſen Englands
verurſachte die Nachricht von dem italieniſchen Angriff
eine höchſt unbehagliche Stimmung.
Die Times, die immer noch gelegentlich
Regie=
rungsauffaſſungen wiberſpiegelt, äußert ſich ziemlih
übellgunig und hält den Italienern vor, daß ſie mit dem
neueſten Zuge weder die Herſtellung des Friedens, noch
die Eroberung Tripolitaniens fördern, das, am letzten
Ende nur an Ort und Stelle wirklich in Beſitz genommen
werden könne. Alles andere könne nur den Neutralen
Ver=
legenheiten bereiten und die Türken noch hartnäckiger
machen, ſonſt aber zu nichts führen. Die
Morning=
poſt meint, Italien habe ſich wahrſcheinlich die
ſtimmung der Mächte zu ſeinem Vorgehen geſichert;
kei=
nesfalls aber könne man ihm ſein Vorgehen verübeln.
Es ſei nicht wahrſcheinlich, daß der Vorſtoß
unternom=
men worden wäre, wenn die italieniſche Regierung nicht
einen kräftigen, entſcheidenden Angriff beabſichtigte.
Des=
halb ſei anzunehmen, daß der Krieg nunmehr in ein
kri=
tiſches Stadiumtrete. Der DailyTelegraph nimmt
an, daß Italien ſich mit ſeinen beiden Verbündeten und
wohl auch mit Rußland verſtändigt habe, das ſeit ſo
lan=
ger Zeit ſchon die Oeffnung der Meexengen erſtrebe.
England habe dagegen nichts einzuwenden, ſolange ſie
auch den anderen Mächten offen ſtünden. Im übrigen
müſſe England ſich aber als mohammedaniſche Macht
ſtrenger Neutralität befleißigen. Leider ſei, ſo ſehr auch
das Ende des Krieges zu wünſchen ſei, von einer
Wen=
dung, die den ganzen näheren Oſten in Flämmen ſetzen
könnte, nichts Gutes für den Frieden zu hoffen.
Nowoje Wremja ſchreibt: Die
Operatio=
nen im Aegäiſchen Meer müſſen die türkiſche
Volkswirtſchaft erſchüttern, ſodaß die Türkei bald um
Frieden bittet. Das Bombardement der Dardanellen iſt
eine Demonſtration ohne Verbindung mit diplomatiſchen
Abſichten und Plänen. — Birſchewyja ſagt: Die
Operationen im Aegäiſchen Meer bilden eine neue
Kriegsphaſe, welche dadurch der Entſcheidung genähert
wird. Eine Verſchärfung der orientaliſchen Frage iſt
möglich. — Rjetſch meint: Das Zuſammenfallen der
Vermittelungsaktion in Konſtantinopel mit dem
Bom=
bardement der Dardauellen läßt in Europa die geheime
Unterſtützung Italiens durch Rußland vermuten.
Saſo=
now iſt zu einer offenen Erklärung verpflichtet. Rußland
hat das Recht, von der Divlomatie zu fordern, daß der
Name Rußlands nicht mit leichtſinnigen und gefährlichen
Abenteuern in Verbindung gebracht wird.
Wie aus Konſtantinopel gemeldet wird, iſt das
Ge=
rücht, Rußland habe die Pforte in einer Note zur
Wiedereröffnung der
Dardanellenſchiff=
fahrt aufgefordert, falſch. In gut unterrichteten
Krei=
ſen glaubt man indeſſen, daß, wenn die Schließung der
Dardanellen fortdauerte, auch England möglicherweiſe
die Pforte auffordern würde, die Beeinträchtigung der
internationalen Schiffahrt aufzuheben. Man nimmt an,
daß die Pforte darauf nur eingehe, wenn die Mächte
ſich verbürgen, daß Konſtantinopel nicht angegriffen
wird.
Deutſches Reich.
— Die Budgetkommiſſion des
Reichs=
tages nahm die abgeänderte Reſolution des Zentrums,
in welcher der Reichskanzler erſucht wird, zu der Reform
der Diamantenregie unter angemeſſener Beteiligung der
Diamantenförderer und verſchärſter ſtaatlicher Aufſicht
Vorbereitungen zu treffen, an, ferner einen
ſozialdemo=
kratiſchen Antrag, bei dem Verkauf von deutſchen
Dia=
manten durch die deutſche Regie freien Wettbewerb
zu=
zulaſſen.
— Die Durchführung der Reichsvers
ſicherungsordnung. Wie Berliner Blätter
mel=
den, haben während der erſten drei Tage voriger Woche
im Reichstag unter dem Vorſitz des Direktors im
Reichs=
amt des Innern Exz. Caſpar Beratungen zwiſchen
Refe=
renten der ſozialpolitiſchen Abteilung des Reichsamts des
Innern und Vertretern ſämtlicher deutſcher
Bundesregie=
rungen ſtattgefunden. Es wurde über ſämtliche zur
Erör=
terung ſtehenden Fragen ein Einverſtändnis erzielt. Die
Organiſation der neuen Verſicherungsbehörden, die in
den einzelnen Bundesſtaaten zu verſchiedenen Zeiten ins
Leben treten werden, ſoll jedenfalls bis zum 1. Januar
1913 zum Abſchluß gebracht ſein. Zu demſelben
Ter=
min wird auch die Unfallverſicherung in Kraft treten.
— Eine reichsgeſetzliche Regelung der
Kinematoggraphen. Nach Mitteilung des
badi=
ſchen Miniſters des Innern Frhrn. v. Bodman iſt der
Bundesrat in Erwägungen über die Einführung
reichs=
geſetzlicher Vorſchriften über die Kinematographen
einge=
treten dabei handelt es ſich darum, dem
Ueberhandneh=
men ſolcher Anſtalten durch Einführung der
Bedürfnis=
frage einer obrigkeitlichen Erlaubnis, ſowie einer
weiter=
gehenden Aufſicht durch die Behörde zu ſteuern. Bei
die=
ſem Anlaß wies Miniſter von Bodman darauf hin, daß
er allerdings die Kinematographen für ein ſehr wichtiges
Bildungsmittel für unſer Volk halte, daß aber anderſeits
die Kinematographen nach der Entwickelung, die ſie ge=
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.
Nummer 94.
nommeu haben, eine ernſte Gefahr bedeuten. Wenn die
Kinematographen, wie das neuerdings mehrfach
beob=
achtet worden iſt, einen großen Teil ihrer Darſtellung aus
dem Gebiet des Verbrechens nehmen und
nerpenaufpeit=
ſchende Darſtellungen geben, ſo wirken ſie ungünſtig
ſo=
wohl auf die ſittliche als auch auf die körperliche
Geſund=
heit unſeres Volkes.
Die Sicherheit der
Schiffspaſſa=
giere. Im Reichstag iſt ein ſchleuniger Antrag
ein=
gegangen, der Reichstag wolle beſchließen, den Herrn
Reichskanzler zu erſuchen, ſchleunigſt Erhebungen darüber
herbeizuführen, ob bei der deutſchen Seeſchiffahrt für
Paſſagiere und Beſatzung jede mögliche Sicherheit
ge=
währleiſtet wird und ob insbeſondere alle deutſchen
Schiffe ausreichend Rettungsboote mit ſich führen, um
alle an Bord befindlichen Perſonen im Falle der Gefahr
aufnehmen zu können. Für den Fall, daß die
Erfahrun=
gen bei dem Untergang der „Titanic” es nötig erſcheinen
laſſen, ſind ungeſäumt auf dem Wege der Verordnung
oder des Geſetzes die erforderlichen Maßnahmen zu
er=
greifen.
Die Betriebseinnahmen der
preu=
ßiſch=heſſiſchen Staatseiſenbahnen
be=
trugen im März 1912 gegenüber dem März des
Vorjah=
res: im Perſonenverkehr 4 Mill. Mk. gleich 8.85 Proz.,
im Güterverkehr 8,3 Mill. gleich 6.54 Proz., insgeſamt
einſchließlich der Mehreinnahme aus ſonſtigen Quellen
1 Mill. gleich 7.48 Proz. mehr. Der März des laufenden
Jahres hatte einen Sonntag mehr und einen Werktag
weniger als im Vorjahr. Die Einnahmeausfälle, womit
anläßlich des Streiks der Kohlenarbeiter im Ruhrrevier
gerechnet werden mußte, ſind durch Mehreinnahmen in
anderen, namentlich oberſchleſiſchen Bergwerksbezirken,
ausgeglichen worden.
Die ſozialdemokratiſchen
Vereini=
gungen angeblich unpolitiſcher Natur
werden allmählich ſämtlich durch höchſtinſtanzliche
Ge=
richtsurteile als „politiſche Vereine” erklärt. Es macht
dabei gar keinen Unterſchied, welchen Namen ſich der
Verein zugelegt hat und welches Ziel er nach dem Statut
verfolgt. Die Beſtimmungen des Statutes werden für
illuſoriſch erklärt, ſie ſeien nur ein Vorwand, die
politi=
ſche Tendenz zu verſchleiern. Für die Gerichte iſt
maß=
gebend allein der Umſtand, daß alle ſozialdemokratiſchen
Vereinigungen gegründet ſeien, um Vorarbeit für die
ſozialdemokratiſche Parteiorganiſation zu leiſten. Das
iſt jetzt nach der Jugendorganiſation auch dem Berliner
Arbeiter=Radfahrerverein ſo ergangen, u. a. begründet auf
eine Auslaſſung im Organ des Arbeiter=
Radfahrerbun=
des, daß die Arbeiterradfahrer auf ihren ſtählernen
Roſ=
ſen die Huſaren des Klaſſenkampfes ſeien, denn Pflicht
auch der Arbeiterradfahrer ſei die politiſche Aufklärung.
Der Verein war vom Polizeipräſidium aufgefordert
wor=
den, Statuten und Verzeichnis der Vorſtandsmitglieder
einzureichen, da er ein politiſcher Verein ſei. Die
Be=
ſchwerde wurde vom Oberpräſidenten von Conrad
abge=
lehnt und das Oberverwaltungsgericht beſtätigte deſſen
Entſcheidung, daß der Berliner Arbeiter=Radfahrerverein
im Sinne des § 3 des Vereinsgeſetzes ein politiſcher
Verein ſei. Das Urteil iſt inſofern von großer
Bedeu=
tung, als jetzt nach gleicher Richtſchnur alle
ſozialdemo=
kratiſchen Vereinigungen behandelt werden ſollen.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die ungariſche Kriſis. Die Neue Freie
Preſſe meldet, der Finanzminiſter im Kabinett Khuen,
Herr v. Lukacs, wurde am Freitag abend von dem
Kaiſer zum ungariſchen Miniſterpräſidenten ernannt. Er
fuhr Samstag früh nach Peſt, um die einleitenden Schritte
zur Bildung des Kabinetts zu unternehmen, das
aus=
ſchließlich aus Mitgliedern der Arbeiterpartei gebilder
wird.
Italien und Rußland.
Das Journal des Débats veröffentlicht in ſetten
Lettern folgende aus Wien datierte Meldung: Nach
eifri=
gen Verhandlungen zwiſchen Rom und Petersburg iſt
der Abſchluß eines italieniſch=ruſſiſchen Abkommens im
Zuge, durch das Ilalien der ruſſ. Politik auf dem Balkan,
insbeſondere bezüglich Mazedonien und Albanien, ſeine
Unterſtützung zuſichert. Dafür würde ſich Rußland
ver=
pflichten, unverzüglich die Souveränität Italiens über
Tripolitanien und die Cyrenaika anzuerkennen und dieſe
Anerkennung durch eine Flottendemonſtration am Ein
gang des Bosporus unterſtützen. — Dem Temps wird
aus Petersburg gemeldet: Der angebliche Plan einer
ruſſiſchen Flottendemonſtration in den türkiſchen
Gawäſ=
ſern wird hier als wenig wahrſcheinlich angeſehen. Eine
Demonſtration im Schwarzen Meere hätte wenig oder
gar keine Wirkung und eine friedliche Demonſtration vor
Konſtantinopel iſt unmöglich, da man den ſtark befeſtigten
Bosporus durchbrechen und die ruſſiſche Regierung
dem=
gemäß die Feindſeligkeiten eröffnen müßte. Niemand
glaubt hier daran, daß die ruſſiſche Regierung die Abſicht
habe, bei ihrer Intervention ſo weit zu gehen.
Spanien.
Politiſche Kriſis. Diario Unkverſal, das
offi=
ziöſe Organ, bringt wörtlich den Verlauf der
Unter=
redung, die der Miniſterpräſident mit dem Finanzminiſter
gehabt hat, um eine Einigung zwiſchen dieſem und
ver=
ſchiedenen anderen Miniſtern über die Höhe gewiſſer
Po=
ſitionen des Budgets herbeizuführen. Da ſich keine
Mög=
lichkeit einer Verſtändigung gezeigt hat, iſt, wie das Blatt
hinzufügt, geſagt worden, es ſei ſehr wahrſcheinlich, daß
ſehr bald politiſche Ereigniſſe von höchſter Bedeutung
eintreten werden.
China.
Die Sechsmächte=Anleihe. Wie das
Reu=
terſche Bureau erfährt, iſt nach Telegrammen, die aus
Pe=
king und London eingetroffen ſind, die Frage der
Sechs=
mächte=Anleihe auf einem toten Punkt angekommen. Der
letzte in dieſer Angelegenheit erfolgte Schritt iſt die
Ueber=
reichung der Antwortnote des engliſchen, franzöſiſchen,
deutſchen und amerikaniſchen Geſändten auf die vor
ei=
nigen Tagen erfolgte chineſiſche Antwort. In der Note
wird erklärt, die Mächte hielten es nicht für angebracht,
den Banken zur Wiederaufnahme der
Anleiheverhandlun=
gen zu raten, bis China durch wirkſame Maßnahmen die
Achtung vor den Bürgſchaften ſichern werde, die den in
ternationalen Banken in Peking gegeben ſeien. Die Note
erklärt weiter bezüglich der engliſch=belgiſchen Anleßhe,
es ſei kein Raum für ein Mißverſtändnis, wie von China
angegeben. Jene Angelegenheit bedeute den Bruch der
zwi=
ſchen den Banken und China beſtehenden Abmachungen.
* Zwickau, 19. April. Heute nachmittag fanden im
Zwickauer Revier fünf
Bergarbeiterver=
ſammlungen ſtatt, um über die gegenwärtige
Lage zu beraten. Die meiſten Redner ſprachen ſich
ge=
gen die von der Revierkonferenz beſchloſſene Reſolution,
den Streik aufzugeben und die Arbeit am kommenden
Montag bedingungslos wieder aufzunehmen, aus,
worauf dieſe Reſolution einſtimmig abgelehnt wurde.
Es wurde die Einberufung einer großen
Maſſenverſamm=
lung gefordert, die über die Lage endgültig Beſchluß
faſſen ſoll.
* Gotha, 20. April. In einem Flugblatt des
Ver=
bandes ſozialdemokratiſcher
Gaſtwirts=
gehilfen wird berichtet, daß der Streik der Kellner
im ſozialdemokratiſchen Gothaer Volkshaufe ausbrach,
weil die Forderungen, die in Privatbetrieben ſchon
be=
willigt ſind, von der Geſchäftsleitung abgelehnt wurden.
Unter anderem hatten Familienväter 45 bis 75 Pfennig
Tagesverdienſt gehabt. Mit Vorliebe würden
Nicht=
organiſierte beſchäftigt.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 22. April.
* Ernannt wurde der Gefangenwärter am Landes=.
zuchthaus Marienſchloß Adam Heinſtadt zum
Ge=
fangenaufſeher an dieſer Anſtalt mit Wirkung vom
4. Mai 1912.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 16 enthält:
1. Geſetz über die Tilgung der Staatsſchuld für das
Etatsjahr 1912. 2. Bekanntmachung, die Erhebung von
Deckgeld für Bedecken von Stuten betreffend. 3.
Be=
kanntmachung, die Neuwahl des Vorſtandes der
Ge=
noſſenſchaftskaſſe für Kommunalforſtwarte betreffend.
4. Bekanntmachung, die Bildung der Amtsgerichtsbezirke
Gießen, Grünberg, Nidda, Ortenberg, Oppenheim,
Wörr=
ſtadt, Nieder=Olm, Ober=Ingelheim und Bingen
be=
treffend. 5. Bekanntmachung, Induſtriegleis der Stadt
Darmſtadt betreffend. 6. Bekanntmachung,
Anſchluß=
gleis der Firma Ballerſtedt & Co. in Hain=Gründau
betreffend.
g. Provinzialausſchuß. Der Provinzialausſchuß
verhandelte am Samstag die Reklamation des
Gewerk=
ſchaftsbeamten Wilhelm Weber zu Offenbach wegen
Nichtaufnahme des Taglöhners Heinrich Schwebel in
die Liſte der Wahlberechtigten zur Reichstagswahl. Der
Taalöhner Heinrich Schwebel in Offenbach verbüßte vom
3. Oktober bis 31. Oktober 1911 eine Freiheitsſtrafe und
ſeine Familie erhielt während dieſer Zeit eine
wöchent=
liche Unterſtützung von 8 Mk. von der
Armenverwal=
tung Offenbach. Aus dieſem Grunde wurde dem
Schwebel die Aufnahme in die Wählerliſte verſagt, da
die Bürgermeiſterei die Unterſtützung nicht als
vorüber=
gehende anſah. Der Gewerkſchaftsbeamte Weber legte
hiergegen beim Kreisausſchuß Offenbach Beſchwerde ein,
die jedoch als unbegründet abgewieſen wurde. Die
er=
haltene Unterſtützung ſei als Armenunterſtützung
anzu=
ſehen und demgemäß die Aufnahme in die
Reichstags=
wählerliſten zu verſagen. Der Provinzialausſchuß
ver=
wirft die Reklamation koſtenfällig, da der
Provinzial=
ausſchuß nicht zuſtändig ſei. Nach § 8 des
Reichstags=
wahlgeſetzes muß die Entſcheidung vor der Wahl
her=
beigeführt werden und zwar bei der zuſtändigen
Be=
hörde das iſt das Kreisamt. Eine kompetente Stelle
zur Reklamation gegen eine derartige Entſcheidung des
Kreisausſchuſſes gibt es nicht. Als nächſte Inſtanz hätte
der Reichstag darüber zu entſcheiden. — Der
Beſchwerde=
führer nimmt nach dieſem Urteil auch die Reklamation betr.
die Nichtaufnahme des Sattlers Oswin Bauer zurück.—
Wilhelm und Lina Bolz in Schönberg ſuchen um
Er=
laubnis zum Betrieb einer alkoholfreien Wirtſchaft in
ihrem Hauſe auf der Auerbacher Höhe nach. Das
Ge=
ſuch beſchäftigte ſchon ſeit 1899 zu wiederholtem Male
Kreis= und Provinzialausſchuß. Die Erlaubnis war auf
Einſpruch der benachbarten Eigentümer bisher immer
verweigert worden. Der Provinzialausſchuß erteilt
diesmal die Erlaubnis für die Zeit vom 1. April bis
zum 1. Oktober, da ein Einſpruch nicht mehr erhoben
wurde. — Am 29. Dezember fand in Pfaffen=Beerfurth
Beigeordnetenwahl ſtatt, bei der Herr Georg Walter II.
53 Stimmen und Bernhard Götz 52 Stimmen erhielt.
Gegen die Gültigkeit der Wahl wurde Reklamation
ein=
gelegt, da erſtens zwei Wähler in der Wählerliſte
ſtanden und gewählt haben, die noch nicht 25 Jahre alt
waren, dann hätte der Bürgermeiſter Niklas
Stimm=
zettel verteilt, worin eine amtliche Wahlbeeinfluſſung zu
erblicken ſei. Der Kreisausſchuß Erbach lehnte in ſeine
Sitzung vom 17. Febr die Reklamation als unbegründet
ab. Nach konſtanter Rechtſprechung ſeien diejenigen, die in
der Wählerliſte ſtehen, auch wahlberechtigt. Ein
Ein=
ſpruch gegen die Richtigkeit der Wählerliſte ſei nicht
er=
folgt. Gegen das Urteil des Kreisausſchuſſes wurde
von der unterlegenen Partei Berufung eingelegt. Vom
Vertreter dieſer Partei, Herrn Rechtsanwalt Mainzer,
wurde ausgeführt, daß wohl durch den Eintrag in die
Wählerliſte ein formelles Wahlrecht entſtanden iſt, doch
ſei zweifellos durch dieſe Beteiligung das Ergebnis der
Wahl entſcheidend beeinflußt worden. Der
Provinzial=
ausſchuß gibt dem Rekurs ſtatt und erklärt unter
Auf=
hebung des Urteils des Kreisausſchuſſes die Wahl für
ungültig. Die Koſten des Verfahrens fallen der
Ge=
meinde zur Laſt.
D Zur 3. Sitzung der Stadtverordneten=
Ver=
ſammlung am Donnerstag, den 25. April 1912,
nach=
mittags 3½ Uhr, iſt folgende Tagesordnung
feſt=
geſetzt: 1. Mitteilungen. 2. Verwaltungsbericht für 1910.
3. Geſuch um Zulaſſung geſchloſſener Bauweiſe für das
Gelände am Niebergallweg zwiſchen Bruſt= und Schieß=
Neufundland, der Friedhof des
Atlantiſchen Ozeans.
*⁎* Die Gegend des nordatlantiſchen
Mee=
res in der die „Titanic” ihren Untergang gefunden
hat, iſt durch eine außerordentliche Verbindung von
Ge=
fahren die gefürchteſte und ſchlimmſte Stelle, der wahre
Friedhof des Ozeans. Nebel, Eisberge, Klippen
unter Waſſer, nordöſtliche Stürme, eine tückiſche zerriſſene
Küſte und unberechenbare Strömungen ſchaffen eine
furchtbare Vorbedingung für Kataſtrophen. Von allen
Schrecken des Meeres iſt hier das Schiff umlauert, und es
bedarf der größten Vorſicht, um dieſe „Hölle des
See=
manns” ſicher zu durchqueren. Im Frühling und
Som=
mer, ja manchmal das ganze Jahr hindurch, treiben hier
mit der Polarſtrömung die Eisberge herunter, von denen
einer dem Rieſenſchiff den Todesſtoß verſetzte. Die
Po=
larſtrömung, die in ihrer Richtung unberechenbar und
ewig launenhaft iſt, erzeugt durch ihre Berührung mit
den warmen Waſſern des Golfſtromes jene furchtbaren
Nebelmaſſen, die das Meer in undurchdringliche
Finſter=
nis hüllen und Eisberge und Klippen dem ſchärfſten
Auge verbergen. Die dieſem Friedhof des Meeres nächſte
Ländſtrecke iſt das Kap Race, deſſen Küſte mit ihren
im Waſſer verborgenen Felſen, die ſich wie die Virgin
Rocks bis zu 90 engliſchen Meilen weit ins Meer hinein
erſtrecken, noch eine beſondere Gefahr für ſich bildet. Die
Bewohner dieſes Kaps leben weniger von der
ſpär=
lichen Fiſcherei und Seehundsjagd, als von dem
Strand=
gut, das ihnen das Meer an die Küſte wirft.
Sie ſind ein eigenartiges Völkchen, dieſe etwa 2000
Neufundländer iriſcher Abſtammung, die auf öden
Felſenklippen ihr Leben friſten. Von ihrer gefahrvollen
Arbeit, ihren großen Entbehrungen und kleinen Freuden
erzählt George Harding in Harpers Magazine. „Leben
por Ladung” das iſt die Parole und Religion von Kap
Race. Es gibt wahrſcheinlich keine Küſte auf der Welt
wo Schiffbrüchige ſo aufopfernd gerettet, ſo freundlich
aufgenommen und gepflegt werden. Bei dem ewigen
Nebel wird das Nebelhorn des Kaps manchmal Hunderte
von Stunden unaufhörlich geblaſen; der Nebel iſt ſo dicht
daß die Neufundländer bisweilen die Kommandorufe auf
den ſcheiternden Schiffen hören, ohne dieſe ſelbſt ſehen zu
können. Zwar gibt es ſichere Routen für die Dampfer, die
einen Umweg um dieſe gefährliche Stelle machen, aber ſo
manches Schiff will Zeit ſparen und wählt die kürzere
Route, ſo daß Tauſende von Schiffen jährlich in der Nähe
des Kaps vorbeikommen. In einem einzigen Monat
ſcheiterten ein großer Paſſagierdampfer und vier kleinere
Dampfer; alle in der Nähe voneinander, und daß
geſtran=
dete Schiffe wieder ſeetüchtig werden, iſt eine ganz ſeltene
Ausnahme. Nur ein einziges unter den 70 Schiffen, die
in den letzten 20 Jahren hier ſcheiterten, konnte ſeine
Fahrt nach langen Ausbeſſerungen fortſetzen. Von den
ungeheueren Stürmen werden die Schiffe an die Felſen
gepreßt und zerſchmettert und ſinken augenblicklich. „Ein
Wrack an unſerer Küſte verſchwindet wie ein Hering in
einem Walfiſch”, ſo äußern ſich die Einwohner. Sie
be=
trachten das, was ihnen das Meer beſchert, als eine „gute
Gabe Gottes” und laſſen es ſich meiſtens recht ſauer
wer=
den, dieſe Gaben, die das tückiſche Element ihnen bald
näher und bald ferner zeigt, durch tollkühne
Bergungs=
arbeiten zu gewinnen.
Wenn es auch wohl nur eine Fabel iſt, daß das
Abend=
gebet ihrer Kinder lauten ſoll: „Gott ſchütze Papa und
Mama und ſchicke uns wieder ein Wrack” ſo ſind ſie doch
unſentimental genug, um ſich des eroberten Strandgutes
zu freuen und ſogar einen guten Fang mit einem
luſti=
gen Tänzchen beim Klange der Ziehharmonika zu feiern.
Die Türen ihrer Häuſer haben einſt Schiffskabinen
ver=
ſchloſſen; das Glas ihrer Fenſter ſtammt von den
Schiffs=
luken; ſie wärmen ſich an einem Schiffsofen, den ſie mit
von einem Kohlendampfer erbeuteten Heizmaterial
ver=
ſorgen; die Schiffslampe wirft ihren gemütlichen Schein
auf ihre Tiſche, die ebenfalls ihre Herkunft deutlich
ver=
raten; alles, was ihr Leben ſchmückt und annehmlich
macht. haben ſie dem Meere abgerungen. Bei dieſer
Ar=
beit ſind ſie unermüdlich. „Gib einem Neufundländer
einen Bootshaken”, ſagte einmal ein alter erfahrener
Ka=
pitän, und er wird fünf Meilen ſich in die See
hinaus=
wagen, um die Haut von einem toten Ochſen aufzufiſchen”.
Wirklich haben die Neufundländer ſo manchen lebenden
und toten Ochſen ans Land gebracht, denn die
Vieh=
dampfer von Portland und Montreal kommen gar häufig
an ihrer Küſte vorbei. Alles bringen ſie ans Land, was
ſie nur kriegen können; von einer Truhe mit Gold bis zu
ein paar Schaufeln Kohlen, von einem Stück Ankerkette
bis zu einem Schlummerkiſſen aus des Kapitäns Kabine.
Manchmal wiſſen ſie den Wert deſſen, was ſie da
einge=
heimſt haben, gar nicht zu ſchätzen. So erbeuteten ſie bei
dem Untergange des Dampfers „Herder” eine Ladung
Fiſchbein unter großen Schwierigkeiten; aber das Zeug
ſchien ihnen nichts wert, und da die Nacht bitterkalt war,
ſo machten ſie mit dem Fiſchbein ein gutes Feuer, und
ärgerten ſich nachher furchtbar, als ſie erfuhren, was für
wertvolle Beute ſie in Rauch hatten aufgehen laſſen. Von
dem Wrack des eleganten Dampfers „Scottiſh King”
brachten ſie viele Käſten Champagner an Land. Ein
ſchlauer Händler aus St. Johns kaufte ihnen die Flaſche
für 10 Cents ab. „Ja” meinte ein Fiſcher, als ihm dies
ſchlechte Geſchäft klar wurde, „er ſagte, es wäre nicht viel
wert und es ſchmeckte ſo, wie wenn er die Wahrheit ſagte
Die Kehlen der Neufundländer ſind eben mehr auf
Branntwein und Rum eingerichtet. Die Händler aus St.
Johns, die öfters nach Kav Race kommen, um denFiſchern
ihre Beute abzuhandeln, ſind geriſſene Kaufleute, die den
weltfremden Neufundländer gewöhnlich übers Ohr hauen.
Die zahlloſen geſunkenen Wracks werden von einer
Tau=
cherfamilie ausgebeutet, den Larders, die ſchon ſeit
Generationen am Kap Race ihren ſchweren und gefahr
vollen Beruf ausüben. Mit den Skeletten vieler
Schiff=
zuſammen bleichen an dieſen Küſten die Gebeine zahl
reicher Menſchen. Gar manche Schiffe ſind hier mit Mann
und Maus untergegangen, ſo die „Lady Sherbrooke” die
mit 530 Menſchen unteraing, das Transportſchiff „
Har=
pooner” das 250 Menſchen verlor; der Schiffbruch des
Anglo=Saxon” koſtete 150 Seelen uſw. Ein
Schiffskom=
miſſionar von Trepaſſey zählte während ſeiner Dienſtzeit
115 Wracks, davon 7 in einer Woche, in dieſem „Friedhof
des Atlantiſchen Ozeans”
Nummer 94,
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.
Seite 3.
hausſtraße. 4. Baugeſuche für das Gelände zwiſchen
dem alten Hohlen Weg, der neuen Odenwaldbahnlinie,
Dem neuen Hohlen Weg und dem Speſſartring. 5.
Frei=
gabe der Oberen Liebfrauenſtraße zwiſchen
Dieburger=
ſtraße und Hohlem Weg. 6. Geſuch um Geſtattung der
Anlage einer Abwaſſergrube für einen Neubau in der
erſten Parallelſtraße öſtlich der Heidenreichſtraße. 7. Erlaß
einer Schlachthofordnung und einer Marktordnung für
Schlachtviehmärkte. 8. Induſtriegleisanlage auf der
Nordſeite der Weiterſtädterſtraße. 9. Anlegung einer
Brückenwage an der Kreuzung der Weiterſtädterſtraße
und des Landwehrwegs. 10. Bewilligung der Mittel
für Stellvertretung eines beurlaubten Oberlehrers der
Viktoriaſchule. 11. Einlegung eines
Gasverſorgungs=
rohrs in den Dornheimer Weg zur Verſorgung der
Arbeiterhäuſer daſelbſt. 12. Ergänzung des § 19 der
Satzung des ſtädtiſchen Leihamts. 13. Veräußerung
von Hydrantenwagen.
* Sammlung einer nationalen Flugſpende. In der
heutigen Nummer iſt ein Aufruf des deutſchen Reichs
komitees zu einer Nationalflugſpende
veröffent=
licht. Unſere Leſer ſeien hiermit noch beſonders darauf
aufmerkſam gemacht. Spenden nimmt die Expedition
des Darmſtädter Tagblatts zur Weiterbeför
derung entgegen. Dem Reichskomitee gehören als
Ver=
treter des Heſſiſchen Verbandes für Flugweſen an die
Herren Oberleutnant v. Selaſinsky=Mainz und
Kammerherr Frhr. v. Oetinger=Darmſtadt. Auch
Frhr. v. Biegeleben, Großh. Heſſiſcher Geſandter in
Berlin, gehört dem Komitee an.
* Joachimſche Geſangſchule. Es wird auch an
dieſer Stelle auf die heute Montag abend im Kaiſerſaal,
Grafenſtraße, ſtattfindende Aufführung der Joachimſchen
Heſangſchule, Parcusſtraße 9, verwieſen. Unter den
Vor=
rrägen befindet ſich das herrliche Duett mit Cello=
Be=
zleitung: Joſef, lieber Joſef mein! aus dem Oratorium
von Herzogenberg, welches der Johanneskirchenchor
Weihnachten zur Aufführung brachte.
A Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Die eingetretene beſſere Witterung
drachte ſchon größere Mengen Spargeln auf den Markt,
ie koſteten 70 Pf. bis 1 M. das Pfund. Auch Karotten
ind ſchon da, das Bündel zu 25—50 Pf. Sonſt ſind an
Durchſchnittspreiſen zu verzeichnen. Butter ½ Kg. 1,50 M.,
Tier 6—9 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 25 Pf., Handkäſe 4 bis
10 Pf., Kartoffeln der Zentner 4,50—5,00 M., Kumpf
10 Liter) 80 Pf., ½ Kg. 7—8 Pf., Mäuschen ½ Kg. 15 Pf.,
Malteſer ½ Kg. 20 Pf.; Obſt u. dgl.: Aepfel ½ Kg. 10
dis 25 Pf., Zitronen 5 Pf., Apfelſinen 5—7 Pf.; Salat,
Hemüſe u. dgl.: Kopfſalat 12—14 Pf., Körbchen
Feld=
alat oder Lattich 10—12 Pf., Bündel Radieschen 2 Pf.,
Rettich 6—12 Pf., Meerrettich 10—25 Pf., Zwiebeln½ Kg.
10—12 Pf., Tomaten ½ Kg. 70 Pf. Gelberüben ½ Kg
25 Pf., Weißerüben ½ Kg. 10 Pf., Bündel Römiſch=
Kohl 3 Pf., Spinat ½ Kg. 16—18 Pf. Wirſing 25 Pf.
Weißkraut, Rotkraut ½ Kg. 20—25 Pf., Blumenkohl 30
zis 50 Pf., Schwarzwurz ½ Kg. 25 Pf., neue Schälgurken
5—50 Pf., Topf Schnittlauch 15 Pf.: Geflügel, Wild:
Hänſe ½ Kg. 85 Pf., Enten 4—5 M., Hahnen u. Hühner 2,00
dis 2,20 M., Tauben 60—70 Pf., Paar Zuchttauben 1,50
is 10,00 M., Zicklein 2—3 M., Lapins 0,90—1,00 M.;
Fiſche ½ Kg.: Hecht, Karpfen 80 Pf., Aal 1,20 M., andere
Rheinfiſche 35—60 Pf., Rotzungen 80 Pf., Schollen 25 Pf.,
Kabeljau 20—30 Pf., Schellfiſche 25 Pf., Seelachs 19
dis 24 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch
30—66 Pf., Hackfleiſch 70 Pf., Rindsfett 60 Pf.,
Rinds=
würſtchen (Stück) 15 Pf., Kalbfleiſch 90 Pf., Schweinefleiſch
54 Pf., geſalzenes und Koteletts 96 Pf., Schwartenmagen,
Fleiſchwurſt 80 Pf., Leber= und Blutwurſt 70 Pf.
Kranichſtein, 20. April. Ein folgenſchwerer
Eiſen=
ahnunfall ereignete ſich heute Nacht in der Nähe der
ieſigen Station auf den Gleiſen 6 und 7. Um 12 Uhr 10.
Ninuten kamen plötzlich einige ohne Lokomotive in dem
Sleiſe ſtehende Wagen ins Rollen und fuhren in den von
dranichſtein nach Hammelstrifft fahrenden Güterzug
inein. Durch den Zuſammenſtoß ſtürzten 7 Wagen
im und wurden zum Teil zertrümmert ſodaß der
Mate=
kalſchaden nicht unbeträchtlich iſt. Menſchen wurden nicht
erletzt. Auch eine in einem Viehwagen befindliche Kul
llieb unverletzt. Stark beſchädigt wurde ein Wagen mit
Naſchinenteilen und ein ſolcher mit Möbeln von der Firma
llter Darmſtadt. Um 4 Uhr morgens waren die Gleiſe
pieder frei.
Nieder=Modau, 20. April. Zum Zuſammenbruch
der Nieder=Modauer Kaſſe erfahren die Blätter,
aß ſich nunmehr mit Unterſtützung der Regierung eine
reue Sanierungskommiſſion unter der Leitung
ſes Direktors der Landeshypothekenbank, Regierungsrat
Baſtian, gebildet hat, ſo daß man hoffen darf, daß die
Ver=
zandlungen doch noch zu einem günſtigen Ergebnis führen.
Auch Kreisrat Wagner=Dieburg iſt ſehr eifrig beſtrebt,
inem guten Ausgang die Wege zu ebnen. Inzwiſchen wird
die Unterſuchung gegen die drei in Haft befindlichen
Rech=
ker Adam und Beck, ſowie den Kaufmann Jſaac weiterge=
führt. Beſonders gegen die beiden Letztgenannten ſoll ſich
neues Beweismaterial gefunden haben.
Bensheim, 20. April. Die Namen der Frau Pauline
Schabert (nicht Howard, wie kürzlich angegeben) und des
Herrn Ph. E. Mock, Sohn und Tochter der in Bensheim
wohnenden Privatin Frau Mock, die die
Unglücksfahr=
der „Titanie” mitgemacht haben, ſind in den Liſten der
Geretteten enthalten.
Offenbach, 19. April. Der 25 Jahre alte, aus
Pappen=
heim ſtammende und in Bürgel logierende Schloſſer
Hein=
rich Schürle iſt ſeit einigen Tagen ſpurlos
ver=
ſchwunden. In der Nacht zum 10. April kam er
zwi=
ſchen 2 und 3 Uhr in angetrunkenem Zuſtande in ſeinem
Logis an, ging aber gleich wieder hinaus. Von dieſer
Stunde an wurde Schürle nicht mehr geſehen.
* Offenbach, 19. April. Man teilt uns mit, daß die
zwiſchen den Arbeitervertretern der beſtreikten vier
Firmen Adlerwerke, J. S. Fries u. Sohn, Ph.
May=
fahrt u. Ko., Pokorny u. Wittekind und den Vertretern der
Firmen ſelbſt im Beiſein der Abgeordneten beiderſeitiger
Organiſationen geführten Verhandlungen trotz erheblichen
Entgegenkommens der Arbeitgeber zu einem Reſultat
nicht geführt haben, weil zunächſt über einen
Haupt=
punkt: die Arbeitszeitverkürzung bei weſentlich geſteigertem
und garantiertem Geſamteinkommen, eine Einigung nicht
erzielt werden konnte. Die Arbeitgeber ſtehen auf dem
Standpunkt, daß eine weitere Verkürzung der jetzt
be=
ſtehenden Arbeitszeit nebſt den geforderten Lohnerhöhungen
nicht zugegeben werden kann, weil die Leiſtungsfähigkeit
unſerer Induſtrie hierdurch erheblich beeinträchtigt und
ihre Konkurrenzfähigkeit insbeſondere auf dem Weltmarkt
in Frage geſtellt würde. Unſere deutſche
Maſchinenindu=
ſtrie hat außerordentlich ſchwer zu kämpfen, um ihre Stel
lung, die ſie ſich mühſam erobert hat, zu behaupten und
befindet ſich unſeren Hauptkonkurrenten auf dem Weltmarkt
gegenüber ſchon ſtark im Nachteil durch die
außerordent=
lich hohen Belaſtungen, die ihr unſere deutſche
ſozialpoli=
tiſche Geſetzgebung auferlegt und die noch fortwährend
ge=
ſteigert werden. Die Annahme, daß eine kürzere
Arbeits=
zeit durch größere Leiſtungsfähigkeit der Arbeiter
ausge=
glichen werden könne, hat ſich in der Praxis noch niemals
erfüllt. Der Arbeiter wird durch ſeine Organiſation heute
allgemein ängehalten, nicht ſein Beſtes zu geben, ſondern
mit ſeiner Arbeitskraft möglichſt ſparſam
um=
zugehen. Trotzdem die Induſtrie den meiſten Wünſchen der
Arbeiterſchaft gegenüber eine durchaus entgegenkommende
Haltung eingenommen hat beharrt dieſe auf der Forderung
nach Verkürzung der Arbeitszeit.
Mit Rückſicht auf dieſe Lage hat ſich der
Ver=
band der Metallinduſtriellen für Frankfurt a. M. und
Um=
gegend nach vorheriger Verſtändigung mit den übrigen
ſüddeutſchen Kartell=Verbänden, ſowie dem Geſamtverband
in Berlin, leider genötigt geſehen, eine Ausſperrung
von 60 Prozent der Vollarbeiter in ſeinen ſämtlichen
Betrieben anzuordnen, die geſtern unter nahezu
vollſtän=
diger Beteiligung der Mitglieder einſtimmig
be=
ſchloſſen wurde. Die Kündigungen erfolgen auf den
4. Mai. Sollte bis dahin in den evtl. weiterzuführenden
Verhandlungen eine Einigung erzielt werden, ſo würden
die Kündigungen natürlich zurückgenommen werden.
Rimbach, 20. April. Ein frecher Einbruch wurde
in das hieſige Pfarrhaus verübt. Verſchwunden ſind
nach den bisherigen Feſtſtellungen ein Barbetrag von
200 Mark, ſowie zwei Sparkaſſenbücher. Bis jetzt hat
man von dem Einbrecher keine Spur. Die Gendarmerie
iſt mit Eifer bemüht, den Täter zu finden. Der Dieb hat
ein Fenſter erbrochen und gelangte dadurch in die
Schreibſtube des evangeliſchen Pfarrers, wo er den Raub
ungeniert mitnehmen konnte, da man ihn nicht hörte.
An=
ſcheinend war er mit den Verhältniſſen des Hauſes
vertraut.
Mainz, 19. April. Im Auguſt 1901 unternahmen
die beiden Söhne einer hieſigen Familie einen
Sommer=
ausflug nach der Schweiz und ſandten am 23. Auguſt von
Pontreſina aus eine Anſichtspoſtkarte nach Mainz
mit der Nachricht, daß ſie an einem beſtimmten Tage
wie=
der hier eintreffen würden. Elf Jahre ſind ſeit dieſer Zeit
ins Land gegangen; am 16. April 1912 traf die Karte
in der Wohnung des Adreſſaten ein, der bereits ſeit einer
Reihe von Jahren verſtorben iſt.
Mainz, 19. April. Der Sergeant Wilhelm Michel
aus Hanau (Hunsrück), von der 2. Komp. des Inf.=Regts.
Nr. 87, hatte ſich im Januar 1911 mit der Tochter eines
gutſituierten Handelsmannes aus Gemünden (Hunsrück)
verlobt. Zu Oſtern 1911 verlobte ſich der Vielſeitige
noch einmal mit einem hier in Stellung befindlichen
Mädchen. Hierauf ſchrieb er an ſeine erſte Braut und ihren
Vater in Gemünden und bat um ein Darlehen von 200
Mark. Er ſchwindelte ihnen in dem Briefe vor, er habe
eine Schlägerei mit Ziviliſten gehabt, und wenn er die
200 Mark nicht zahle, komme er vor Gericht. Unter
Ver=
mittelung ſeines Bruders wurde ihm das Geld geſchickt.
Bald darauf ſchrieb er um 150 Mark, da ihm ſeine Ausgehe=
Uniform beim Trocknen am Ofen verbrannt ſei. Auch die=
ſes Geld ſollte er bekommen, wenn nicht in der
Zwiſchen=
zeit ſeine Braut von ſeiner zweiten Verlobung Kenntnis
erhalten hätte. Das Mädchen fuhr nach Mainz und erfuhr
hier von der zweiten Braut den Sachverhalt. Der Vater
erſtattete ſodann Anzeige wegen Betrugs. Der Angeklagte
gab zu, daß ſeine Angaben, unter denen er das Geld
ver=
langt, erfunden waren. Wegen Betrugs und
Betrugsver=
ſuchs wurde der Angeklagte, dem M. Tgbl. zufolge, zu
2 Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt.
Mainz, 20. April. Das Artilleriedepot
empfing geſtern ab Fabrik mehrere der größten modernen
Feſtungsgeſchütze. Beim Ausladen im
Güterbahn=
hof ſtürzte einer der Transportwagen mit dem darauf
befindlichen Geſchützrohr im Gewicht von 70 Zentnern
von der Rampe in das Gleiſe. Das ſtark beſchädigte
Ge=
ſchütz mußte mit einem fahrbaren Kran aus dem Gleis
gehoben werden.
Worms, 20. April. Seit einiger Zeit weilt hier ein
Kommando des Telegraphenbataillons 4 aus
Karlsruhe, um Umbauarbeiten der Telegraphenſtrecke
Worms-Pfeddersheim, längs des Bahnkörpers
vorzunehmen. Das Kommando beſteht aus 40 Mann,
5 Unteroffizieren und einem Offizier; es wechſelt alle 10
Tage. Die Geſamtdauer der Uebung iſt auf 60 Tage
berechnet.
Koſtheim, 20. April. Am Freitag nachmittag fiel das
ſiebenjährige Mädchen Margarete Friſch, das ſeinem
Ball, der in den Main gefallen, nachgeſprungen war,
in das Waſſer und wäre ertrunken, wenn nicht der in der
Nähe ſpielende 12jährige Joſeph Willand
herzu=
geſprungen wäre. Er ſprang raſch entſchloſſen in einen am
Ufer haltenden Nachen, drückte denſelben ins Waſſer hinaus,
und zog das wieder auftanchende Mädchen mittels des
Handruders in den Nachen.
Eich, 20. April. Eine Rehbockjagd im
Gemüſe=
garten dürfte wohl nicht jeden Tag vorkommen. Kürzlich
hatte ſich ein Rehbock verirrt und lief planlos in unſerem
Ort umher. Schließlich flüchtete das Tier in den
Gemüſe=
garten des Gärtners Dehm hier. Da ſich der Rehbock an
einem Glasdache des Gemüſebeetes die Flechſen
ver=
letzte, konnte er lebend eingefangen werden und bildet
jetzt eine „Sehenswürdigkeit” unſerer Gemeinde.
Grünberg, 20. April. Durch Entſchließung des
Reichs=
amts des Innern iſt die höhere Bürgerſchule
als militärberechtigt im Sinne des § 90, 2e der
Wehrordnung anerkannt worden und zwar mit
rückwirkender Geltung vom Oſtertermin 1912 an. Sie
ge=
hört denmach fortan zu denjenigen Schulen, an denen auf
Grund der Abſchlußprüfung nach der Prüfungsordnung
vom 15. Dezember 1899 und den Beſtimmungen vom 30.
Januar 1900 das Befähigungszeugnis zum
einjährig=freiwilligen Dienſt erworben
werden kann.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 20. April. Hugo Sholto
Graf von Douglas, geboren am 19. April 1837 zu
Aſchersleben, Majoratsherr auf Ralswiek, Mitglied des
Staatsrats und des Abgeordnetenhauſes, iſt heute
vor=
mittag an ſeinem 75. Geburtstage hier geſtorben.
Graf=
von Douglas war bekannt durch ſeine Tätigkeit für die
Gründung der Zentralſtelle für Volkswohlfahrt, auf dem
Gebiete der Trunkſuchtbekämpfung und für die
Erricht=
ung eines Wohlfahrtsminiſteriums. — Die geleiſe
loſe Oberleitungsbahn, die erſte in Berlin, iſt
heute dem Verkehr übergeben worden. — Die
geheim=
nisvolle Kindesentführung in
Charlotten=
burg, über die wir berichteten, hat ihre Aufklärung
ge=
funden: Der Vater der ſiebenjährigen Edith Langer, der
Chefexpedient Langer, aus Friedenshütte in Ober
ſchleſien, meldete ſich heute bei der Charlottenburger
Kri=
minalpolizei. Er gab an, daß er ſelbſt das Mädchen vor
dem Hauſe Schlüterſtraße 65, in dem es mit ſeiner von
ihm getrennt lebenden Ehefrau ſeit November v. J.
wohne, aufgegriffen und in einer Droſchke fortgeführt
habe. Da L. nachwies, daß ihm das Recht zuſtehe, das
Kind zu ſich zu nehmen, wurde ihm die Kleine
über=
laſſen. — In der Nähe von Schöneweide wurde geſtern
ein junger Mann, der Student Wuchlich aus
Wies=
baden, erſchoſſen aufgefunden. Aus welchen
Gründen er in den Tod gegangen iſt, ſteht noch nicht feſt.
Ein ſchwerer Raubanfall wurde geſtern
nach=
mittag auf eine Geſchäftsinhaberin in der Tilſiterſtraße
verübt. Der 21jährige Friſeur Frieſe überfiel die
Sei=
fenhändlerin Koerper, verletzte ſie nicht unbedeutend,
raubte aus der Ladenkaſſe den Betrag von 36 Mark und
verſuchte zu entfliehen. Der Täter wurde ergriffen und
dem Polizeipräſidium zugeführt.
Wiesbnden, 20. April. Infolge einer
Benzin=
exploſion iſt heute vormittag die Färberei und
Che=
miſche Waſchanſtalt Wißner u. Wittkowsky, G. m. b. H.,
vollſtändig ausgebrannt. Bei den
Löſcharbei=
ten wurden mehrere Feuerwehrleute verletzt. Der
Scha=
den iſt erheblich.
Jer Kampf um die Dardanellen in der
Geſchichte.
** Der Angriff der Italiener auf die Dardanellen
enkt die Blicke der ganzen Welt mit geſpannter und
ängſt=
icher Aufmerkſamkeit auf dieſe Meerenge, die in der
Ge=
chichte ſchon eine ſo große Rolle geſpielt hat. Die
Darda=
rellen haben ihre ſtrategiſche Bedeutung ſeit der
Verwend=
ung von Artillerie erhalten; bis dahin konnte die
Durch=
ahrt nur durch eine Flotte abgeſchnitten werden, während
run die Geſchütze die enge Straße beherrſchen. Zum erſten
Male trat der Helleſpont, wie ihn die Alten nannten, bei
dem Uebergang des Terxes mit ſeinem gewaltigen Heer
ſervor; der Perſerkönig baute damals die berühmte
rieſige Brücke aus 360 Schiffen ſtromaufwärts und 314
Schiffen ſtromabwärts; ebenſo ſetzte Alexander der Große
dier nach Aſien über. 1356 überſchritten dann die Türken
die Meerenge. Als Herren von Konſtantinopel und
Be=
derrſcher des Landes hatten die Türken nur einen Angriff
vom Meere aus zu fürchten, und ſie begannen daher hald
die Dardanellen zu befeſtigen. Mohammed II. erbaute
462 die beiden „alten” Schlöſſer Seddil=Bahr und
Tſcha=
rak=Kaleſſi, jetzt Kale=Sultanie; ihnen gegenüber
errich=
ete 1650 der Großweſir Achmed Köprüli die „neuen”
Dardanellen=Schlöſſer Kum=Kale und Killid=Bahr. Alle
päteren Befeſtigungen wurden dann um dieſe mit
Rie=
enkanonen armierten und vielfach umgebauten Schlöſſer
gruppiert.
Die Umgeſtaltung der ganz veralteten Werke zu den
ſeutigen großartigen Befeſtigungsanlagen begannen 1864
ruf Anregung Sir Henry Bulwers. Durch dieſe
Fortifi=
ationen waren die Türken imſtande, die Hauptſtadt zu
chützen und in den heftigen Kämpfen mit den
Venetia=
gern die Durchfahrt durch die Dardanellen zu verhindern.
Erſt am 26. Juli 1770 gelang es ſieben ruſſiſchen
Kriegs=
ſchiffen unter dem Befehl des Admirals Elphinſtone, in
die Straße einzudringen, ungehindert durch die
Befeſtig=
ungen, deren Geſchütze keine Munition hatten. Doch
ſcheint Elphinſtone an Kum=Kale und Seddil=Bahr
vor=
bei nur bis Kepes=Berun gelangt zu ſein. Dieſer
Ueber=
fall rief einen heilſamen Schrecken hervor, worauf die
Be=
feſtigungen durch Baron v. Trott wiederhergeſtellt
wur=
den, freilich nur auf kurze Zeit. Am 19. Februar 1807
konnte der engliſche Admiral Duckworth ohne jede
Behin=
derung mit acht Linienſchiffen und vier Fregatten die
Dardanellen paſſieren, und ſo erſchien am 20. Februar
1807 zum erſten Male ſeit 1453 eine feindliche Flotte vor
der Hauptſtadt des Ottomaniſchen Reiches. Da aber die
Befeſtigungsarbeiten nun wieder mit fieberhaftem Eifer
aufgenommen wurden, dünkte Duckworth ein längerer
Aufenthalt zu gefährlich, und er trat am 2. März den
Rückzug an, wobei er ſchwere Schädigungen erlitt. Schon
1809 kam ein Vertrag zwiſchen England und der Pforte
zuſtande, der allen nichttürkiſchen Schiffen die Einfahrt in
die Dardanellen verbot, und der am 13. Juli 1841 von den
fünf Großmächten mit der Türkei abgeſchloſſene
Darda=
nellenvertrag beſtätigte dieſes Privileg. Weitere Verträge,
zuletzt der Berliner Friede von 1878, bekräftigten das
Prinzip der Schließung der Dardanellen. 1829 hatte eine
ruſſiſche Flotte mit Zuſtimmung Englands den Eingang
der Meerenge blockiert; 1833 erlaubten die Türken den
Ruſſen, bei Buyuk=Dere zu ankern, aber verboten
Eng=
ländern und Franzoſen die Durchfahrt. Im Oktober 1853
dagegen geſtatteten ſie ſie und die engliſch=franzöſiſche
Flotte., die ſeit dem Juni bei Beſika geankert hatte, paſ
ſierte die Straße und erſchien am 3. November im
Bos=
porus. Auch im Februar 1878 liefen engliſche Schiffe
durch die Dardanellen, um Konſtantinopel vor den Rüſſen
zu ſchützen.
Feuilleton.
W-l. Großh. Hoftheater. In der Wiederaufführung
der Nicolaiſchen Oper „Die luſtigen Weiber von
Windſor” am Freitag, der dritten in dieſer Saiſon,
ſang Herr Paul Seidler vom Königl. Theater in
Wiesbaden vertretungsweiſe die Partie des Fenton. Um
ein Engagementsgaſtſpiel handelte es ſich dabei nicht,
da der Nachfolger des Herrn Hacker bereits in der
Per=
ſon des Herrn Globerger in München gefunden iſt. Herr
Seidler beſitzt gute Mittel, eine ſtattliche
Bühnenerſchein=
ung und viel Stimme und gefiel dem Publikum
ſchein=
bar ſehr, obwohl er nicht immer ganz einwandfrei ſang,
namentlich auch nicht immer rein intoniert; an Tenören
iſt man dies aber gewohnt, eine Gewohnheit allerdings,
von der „der Bruch mehr ehrt, als die Befolgung‟ Im
übrigen verlief die Aufführung der Oper, die
bekannt=
lich zur Feſtvorſtellung von Großherzogs Geburtstag
neu inſzeniert worden iſt, in gewohnter und erfolgreicher
Weiſe. Frau Speiſer=Suchanek, die in den
bei=
den erſten Vorſtellungen vertreten wurde, ſang wieder
die Partie der Frau Fluth. Die herrliche Oper fand
auch heute wieder eine ſehr warme Aufnahme beim
Publikum.
*⁎* Ludwig Wilhelm Hermann Waſſerſchleben, der
Germaniſt und Kanoniſt, wurde vor 100 Jahren, am
22. April 1812, in Liegnitz geboren. Er beſuchte die
Ritterakademie in ſeiner Vaterſtadt und widmete ſich dem
Studium der Rechte an den Univerſitäten Breslau und
Berlin, wo er am 25. Juni 1836 promovierte und im
Herbſt desſelben Jahres Privatdozent wurde. Fünf
Jahre ſpäter erhielt er eine außerordentliche Profeſſur
in Breslau und im Februar 1850 eine ordentliche in
Halle, die er nach zwei Jahren mit einer ſolchen i
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.
Nummer 94.
Metz, 20. April. Zu der angeblichen Ueberſchreitung
der franzöſiſchen Grenze bei Auboué, wo eine Anzahl
Soldaten der Metzer Garniſon, die bei St. Privat mit
Arbeiten beſchäftigt waren, die Grenze
überſchrit=
ten und ſich 1½ Stunden lang auf franzöſiſchem Boden
aufgehalten haben ſollen, erfährt man von zuſtändiger
militäriſcher Stelle, daß trotz ſorgfältigſter
Nachforſchun=
gen ſich für die Richtigkeit dieſer Angabe kein
Anhalts=
punkt hat erbringen laſſen, ſodaß die betreffende Meldung
als unzutreffend bezeichnet werden muß. Dagegen iſt
feſtgeſtellt, daß am 7. d. M. drei Angehörige des 12.
Dra=
goner=Regiments in Pont=à=Mouſſon in Uniform die
deutſche Grenze überſchritten und ſich 1½ Stunden lang
in der Ortſchaft Mardigny aufgehalten haben.
Straßburg, 20. April. Für eine hieſige Dame hat die
Sonnenfinſternis traurige Folgen gehabt. Die
Dame hatte die Naturerſcheinung ohne Schutzglas
beſich=
tigt und dadurch ihr Augenlicht ſo ſchwer geſchädigt, daß
ſie völlig erblindet iſt. Nach den Ausſagen der
Aerzte wird ſie die Sehkraft nicht wieder erlangen.
Alſenz, 19. April. Die beiden Fuhrleute Schlie
und Orben von Kreuznach fuhren mit einem
Möbel=
wagen von Alſenz nach Kreuznach. Da es ſchon ſpät war,
trieben ſie die Pferde über Gebühr an, ſodaß dieſe im
wil=
den Galopp davonſtürmten. Beide Männer fielen dadurch
vom Wagen und wurden überfahren. Schlie war
ſofort tot, Orben ſtarb während des Transportes ins
Krankenhaus.
Düſſeldorf, 20. April. Hundert engliſche
Bür=
ger und Arbeiter kommen Pfingſten hierher, wo ſie
Bürgerquartiere beziehen. Weitere Beſuche ſind in
Kre=
feld, Elberfeld, Köln und Frankfurt a. M. vorgeſehen.
Liebenſtein, 20. April. Das Bad ſoll am 1. Juli mit
Kurhaus und Hotel „Bellevue” zwangsweiſe
verſtei=
gert) werden.
Poſen, 20. April. Ein Chauffeur lud ſechs Knaben
zu einer Tour ein. Als der Wagen außerhalb der Stadt
war und der Chauffeur trotz des Bittens der Knaben nicht
hielt, ſprangen alle ſechs hinaus. Ein Junge wurde auf
der Stelle getötet, ein zweiter erlitt lebensgefährliche,
die übrigen mehr oder weniger ſchwere Verletzungen.
Bern, 20. April. In Bern wohnt ſeit einigen Tagen
inkognito der frühere König Manuel von
Portu=
gal, der den Profeſſor Durbis einen Spezialiſten für
Nervenkrankheiten, konſultiert hat. Es heißt, daß der
Ex=
könig mehrere Wochen lang in der Kur des Arztes bleiben
wird.
Brüſſel, 19. April. Ein intereſſanter
Streit=
fall wird demnächſt hier zum Austrag kommen.
Mau=
rice Maeterlinck hat gegen die Leitung des hieſigen
Parktheaters und die Stadt Brüſſel Klage erhoben wegen
unberechtigter Aufführung ſeines Dramas „Soeur
Bea=
trice‟ Die Theaterleitung hatte dieſes Stück vor zwei
Jahren auf den Spielplan geſetzt, auf einen am Tage vor
der Erſtaufführung erhobenen telegraphiſchen Einſpruch
unterblieb jedoch die Vorſtellung. Man glaubte damit die
Angelegenheit erledigt. Das Vorgehen des Dichters ruft
hier großes Aufſehen hervor, beſonders auch deshalb, weil
die Stadt Brüſſel beabſichtigt, ihn demnächſt durch eine
Feſtvorſtellung im Monnaietheater zu ehren. Maeterlinck
macht geltend, daß ſein Werk hier unter ungünſtigen
Be=
dingungen aufgeführt worden ſei, ſo daß ſein
ſchriftſtelle=
riſcher Ruf dadurch geſchädigt wurde. Seine
Prozeßgeg=
ner entkräften dieſe Behauptung durch den Hinweis darauf,
daß die öffentliche Aufführung gar nicht ſtattgefunden habe.
Paris, 19. April. Unter großer Beteiligung aller Kreiſe
fand heute die Beſtattung des verſtorbenen
Kammer=
präſidenten Henri Briſſon auf dem Friedhofe
Mont=
martre ſtatt. Vorher fand im Palais Bourbon eine
Trauer=
feierlichkeit ſtatt, der der Präſident der Republik, Fallieres,
beiwohnte. Es ſprachen der Vizepräſident der Kammer,
Etienne, und der Senatspräſident Dubois. Zuletzt redete
Miniſterpräſident Poincaré, der den Verſtorbenen als einen
umſichtigen und durchaus aufrichtigen Politiker feierte.
Madrid, 20. April. In der ſpaniſchen Hafenſtadt Vigo
wurde ein unbekanntes Gemälde Murillos, ein
wunderbares Muttergottesbild, im Lazarett St. Simon
entdeckt.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 20. April. Vizepräſident Dr. Paaſche
eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Min. Auf der
Tages=
ordnung ſteht zunachſt der ſchleunige Antrag der
Reichs=
partei über Vornahme von
Erhebungen über die Sicherheit
der Paſſagiere und Mannſchaften auf
deutſchen Seeſchiffen.
Abg. Dr. Arendt (Reichspartei): So ſchnell als
möglich müſſen aus der Kataſtrophe der „Titanic” Lehren
gezogen werden, ſoweit ſich Mängel auch in der deutſchen
Seeſchiffahrt herausſtellen können. Wie im
Eiſenbahn=
verkehr und in der Induſtrie von Zeit zu Zeit immer
wie=
der Opfer gefordert werden, ſo wird es auch bei der
See=
ſchiffahrt ſein. Wohl aber ſollen wir alles tun, um die
Zahl der Opfer ſo niedrig wie möglich zu halten. Sind
die Befürchtungen der Preſſe, daß nur der „Kaiſer
Wil=
helm II.” mit genügend Rettungsbooten ausgerüſtet ſei,
zutreffend? Dann liegt es im Intereſſe der Allgemeinheit,
daß ſo ſchnell wie möglich Abhilfe geſchaffen wird. (Sehr
richtig! Zuruf links: Das kann die Regierung auch
ohnedies!) Wenn Sie — nach links — ſich auf dieſen
SStandpunkt ſtellen, dann iſt der Reichstag überhaupt
überflüſſig. Aufgabe und Pflicht des Reichstages iſt es.
bei ſolcher Erregung der öffentlichen Meinung, ſo ſchnell
wie möglich auf Abhilfe zu ſinnen. Es fragt ſich
viel=
leicht, ob das Bedienungsperſonal auf den Schiffen
aus=
reichend iſt. (Große Unruhe links.) Die Angelegenheit
ſcheint ja für die Mitglieder der Linken ein äußerſt
ge=
ringes Intereſſe zu bieten, ſonſt können ſie ſich bei einem
ſo furchtbaren elementaren Unglücksfall nicht ſo verhalten.
(Großer Lärm links.) Ich hoffe, daß die Regierung
unſerem Antrage Folge geben wird. (Beifall rechts.)
Staatsſekretär Dr. Delbrück: Wir ſind uns alle
einig in den Empfindungen der aufrichtigſten, herzlichſten
Teilnahme für alle Betroffenen bei der furchtbaren
Schiffskataſtrophe. Wir werden auch alle einig ſein in
der Verpflichtung, aus dieſer Kataſtrophe die Lehren zu
ziehen. Ich halte es aber für nicht angezeigt, heute an
dieſer Stelle eine materielle Erörterung dieſer Frage
ein=
zutreten. Es dürfte ohne eine Kritik von Vorgängen
nicht abgehen, die uns doch nicht hinreichend bekannt ſind.
Die zum Schutz von Mannſchaft und Paſſagieren unſerer
Dampfer gegebenen Vorſchriften ſind ſeinerzeit erlaſſen
unter ſorgfältigſter Berückſichtigung des damaligen
Stan=
des der Technik. Ich habe aber angeſichts der dauernden
gewaltigen Entwickelung unſerer Technik ſofort eine
Reviſion der geltenden Beſtimmungen in die Wege
gelei=
tet. Auch die Schiffahrtsgeſellſchaften und die
Seeberufs=
genoſſenſchaften beſchäftigen ſich ſeit dieſer Zeit mit dem
Gegenſtand. Es wird auch gelingen, alle diejenigen
Vor=
ſchriften zu erlaſſen, die nach dem Stande der Technik nur
irgendwie möglich ſind. Für internationale
Abmachun=
gen in dieſer Sache ſind wir gerne bereit. Die Regierung
bedurfte im übrigen nicht, auf dieſe ſelbſtverſtändliche
Pflicht von der Volksvertretung beſonders aufmerkſam
gemacht zu werden.
Abg. Haaſe (Soz.): Angeſichts dieſer Erklärung
be=
antrage ich Abſetzung des Gegenſtandes von der
Tages=
ordnung. — Abg. Dr. Arendt (Rchpt.): Eine ſpätere
Debatte dürfte kaum ergiebiger ſein, da bereits Schritte
in unſerem Sinne getan ſind. Ich ziehe deshalb den
Antrag zurück.
Damit iſt dieſe Sache erledigt. — Es folgte die vom
Zentrum beantragte
Reviſion des Strafgeſetzbuches.
Abg. Wellſtein (Zentr.) verzichtet auf eine
Be=
gründung dieſes Initiativantrags. — Abg. Dr. Arendt
(Rchpt.): Es iſt befremdlich, daß ein Antrag von ſolcher
Tragweite ohne Begründung uns vorgelegt wird. Es iſt
nicht angebracht, einen beſonders reformbedürftigen
Punkt des Strafrechts durch eine beſondere Novelle zu
erledigen. Dadurch könnte man die große allgemeine
Strafgeſetzreform nur erſchweren. Wir haben zwei
Straf=
rechtslehrer im Hauſe, die Abgeordneten von Liſzt und
van Calker, die ſich jedenfalls auch noch äußern wollen.
(Zurufe: Nein!) Wenn Sie das komiſch finden, dann
verſtehen Sie den Parlamentarismus nicht, der zu allen
Fragen Stellung nehmen ſoll. Die Beſtimmung des Ge=
ſetzes, wonach unter Umſtänden auch die Bekanntgabe
von Telephongeſprächen mit Gefängnis beſtraft werden
ſoll, darf nicht ohne Diskuſſion gemacht werden. So dürfen
Strafgeſetze nicht gemacht werden. Ich beantrage
Ueber=
weiſung der Vorlage an eine 21gliedrige Kommiſſion.
Abg. Wellſtein (Zentr.): Im Einverſtändnis mit den
anderen Antragſtellern habe ich auf die Begründung
ver=
zichtet. Ich habe auch nicht die Abſicht, auf die
Ausführ=
ungen des Abgeordneten Dr. Arendt zu erwidern. Ich
widerſpreche nur dem Antrag auf Ueberweiſung an die
Kommiſſion. Dieſe Novelle muß ſchleunigſt erledigt
wer=
den und ich glaube, damit der Mehrheit dieſes Hauſes zu
entſprechen. (Bravo!) Die Diskuſſion ſchließt hiermit.
Der Antrag Arendt wird abgelehnt. Es folgt ſofort die
zweite Leſung. Der Entwurf wird ohne Debatte
gegen die Stimmen der Reichspartei angenommen.
Hierauf folgt die
zweite Beratung des Etats
der Reichseiſenbahnen.
Abg. Fuchs (Soz.): Die Eiſenbahnen ſollen nicht
ein Finanzinſtitut ſein, ſondern ein Verkehrsinſtitut. Nach
letzterer Richtung laſſen auch die elſaß=lothringiſchen
Bahnen viel zu wünſchen übrig. Auch für die Eilzüge
ſollte man billigere Fahrgelegenheiten ſchaffen, wie ſie
für Bummelzüge beſtehen. Trotz der Zunahme des
Ver=
kehrs iſt die Zahl der Bedienſteten ſtabil geblieben oder
gar noch etwas zurückgegangen. Die Arbeitszeiten der
Eiſenbahnen ſind häufig viel zu lang, ſogar bis zu 14
Stunden täglich. Für die in ein und derſelben
Eiſen=
bahnwerkſtätte beſchäftigten Arbeiter müßte
Einheitlich=
keit in der Arbeitszeit und Bezahlung eintreten. Die
Bevormundung der Arbeiter hinſichtlich ihrer Lektüre muß
aufhören. Verwerflich iſt es, wenn ausgeſagt wurde,
ein Diebſtahl ſei eher verzeihlich, als das Leſen
ſozial=
demokratiſcher Blätter. Die Arbeiterausſchüſſe ſind heute
lediglich dekorativ. Ihre Rechte müſſen ausgedehnt
wer=
den. Den Eiſenbahnarbeitern muß unbedingt das
Koa=
litionsrecht gewährt werden. Mit der Politik der
Nadel=
ſtiche muß gebrochen werden. Wenn den Eiſenbahnarbeitern
durch die Verwaltung das Recht der freien
Meinungs=
äußerung und der Kritik genommen wird, ſo iſt das
Ter=
rorismus ſchlimmſter Art. Wir fordern unter allen
Um=
ſtänden auch die ſtaatsrechtliche Freiheit der Eiſenbahner.
Die Zweite elſaß=lothringiſche Kammer hat ſich
einſtim=
mig gegen einen Erlaß der Reichseiſenbahnen gewendet,
der, gegen die guten Sitten verſtoßend, die
Eiſenbahn=
arbeiter und Angeſtellten in der Ausübung ihrer
politi=
ſchen Staatsbürgerrechte beeinträchtigen wollte. Mit’
ſol=
cher Politik wird die moderne Arbeiterbewegung und der
Siegeslauf der Sozialdemokratie nicht aufgehalten.
Abg. Kuckhoff (Zentr.): Einzelne Kategorien der
mitt=
leren und Unterbeamten, ſo die Wagen= und Lademeiſter,
fühlen ſich in ihren Beſoldungsverhältniſſen zurückgeſetzt.
Wie in Preußen ſollte den Lademeiſtern der
Reichseiſen=
bahnen die Möglichkeit gegeben werden, in die Stelle
eines Verlademeiſters mit Aſſiſtentenrang aufzurücken.
Ueber die Staatsgefährlichkeit politiſcher Zeitungen kann
man verſchiedener Meinung ſein; jedenfalls ſollte aber
die Reichseiſenbahnverwaltung alles anwenden, um den
Schmutz in Wort und Bild von den
Bahnhofsbuchhand=
lungen verſchwinden zu laſſen. Blätter wie der
Simpli=
ziſſimus ſind kein Ruhmesblatt in der deutſchen Literatur.
— Abg. Schwabach (natl.): Erfreulich iſt der
Ueber=
ſchuß der Reichseiſenbahnen, der ſich ſchon im Jahre 1910
auf 10 Millionen beläuft, und der auch heute wieder dieſe
Höhe zu erreichen ſcheint. Die Eiſenbahnarbeiter und
=Handwerker wünſchen eine Reform oder Beſeitigung
des Akkordſyſtems. In den Arbeiterausſchüſſen ſehen wir
auch heute noch das beſte Mittel, um in gemeinſamer
Be=
ratung und offener Ausſprache zwiſchen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern Differenzen auszugleichen und
da=
durch die beiderſeitigen Intereſſen zu fördern. Damit
werden die Arbeiterausſchüſſe zu wirklichen Inſtrumenten
des ſozialen Friedens. Der Chef der Reichseiſenbahnen
hat dafür Sorge zu tragen, daß die Klagen der Arbeiter
über die Handhabe des Syſtems der Ausſchüſſe endlich
verſtummen. Auch hinſichtlich der DDisziplinierung von
Arbeiterausſchußmitgliedern iſt noch manches zu
verbeſ=
ſern. Sie müſſen eine feſt begrenzte Sicherſtellung für
ihre Anſtellung erhalten. Die Reichseiſenbahnen
haben=
ihren Wagenpark fortwährend in genügendem (Maße ver=
Gießen vertauſchte. Hier war er einer der tätigſten
Lehrer und wurde am 20. Mai 1875 Kanzler der
Univer=
ſität. Vorher war er, im September 1863, zum
Gehei=
men Juſtizrat ernannt und im September 1873 als
lebenslängliches Mitglied in die heſſiſche
Erſte Kammer berufen worden. Das Kanzleramt
legte er 1883 nieder, ſein Lehramt ſelbſt am Schluſſe des
Winterſemeſters 1888/89. Ueber bedeutungsvolle
kirch=
liche Zeit= und Streitfragen veröffentlichte er zahlreiche
Schriften und Bücher, die ſämtlich das Gepräge ernſten
Studiums und gründlicher Vorbereitung trugen;
beſon=
ders wandte er ſich dem Gebiete der alten Quellen für
kanoniſches Recht zu. Waſſerſchleben ſtand kirchlich auf
poſitivem Standpunkt, ohne orthodoxe Strenge, er trat
für eine geregelte und umfaſſende Teilnahme der
Ge=
meinden an der Leitung der Kirche ein und war das
Muſter eines kernigen, den Eindruck einer
ausgleichen=
den Perſönlichkeit bietenden Mannes und Charakters.
Im 82. Lebensjahre ſtarb er am 28. Juni 1893 in Gießen.
P. Ludwig Knaus=Ausſtellung in der Galerie
Heine=
mann, München. Nichts iſt heutzutage
kompromittieren=
der für einen Maler, als das Stigma „novelliſtiſch”. Ja,
es läßt ſich bei unſeren Jungen eine gewiſſe Angſt davor
konſtatieren; das führt zu einer ſtofflichen Befangenheit,
die das Gegenteil von künſtleriſcher Freiheit und
Un=
mittelbarkeit iſt. Man ſieht in unſeren Ausſtellungen faſt
nur noch Landſchaften — natürlich ohne Staffage — und
Stilleben. Da iſt es denn von hohem Intereſſe, den
größ=
ten „Erzähler” unter den deutſchen Malern einmal
dar=
aufhin anzuſehen, ob er und ſeines Gleichen uns heute
wirklich nichts mehr zu ſagen haben. Gewiß, überblickt
man die Ausſtellung als Ganzes, ſo fällt der Mangel an
Farbe auf bei aller Buntheit und die Starrheit der
grö=
ßeren Kompoſitionen, obwohl ſie Bewegungsmotive zum
Vorwurf haben, wie z. B. bei dem Jahrmarktsdieb und
dem ländlichen Tanz im Freien. Auch fühlen wir uns
verſtimmt durch die Redſeligkeit und die überdeutlichen
Charakteriſierungskünſte nicht nur auf den figurenreichen
Bildern. Auch wo nur eine einzelne Geſtalt dargeſtellt
iſt, erzählt uns dieſe einen ganzen Roman. Geht man
jedoch näher auf die einzelnen Werke ein, ſo findet man
daß in dieſen Bildern eine Fülle feinſter
Naturbeobacht=
ung, ja man möchte ſagen Naturbelauſchung ſteckt und
zeichneriſch bewältigt iſt. Knaus iſt Zeichner von der
Potenz eines Menzel. Bilder wie der Alte Hauſierer
„Ich kann warten” der Leierkaſtenmann, die beiden
Spieler, der Brot eſſende Alte „Beſſerer Tage
geden=
kend” ſind doch viel mehr, als bloß maleriſche
Unter=
haltungsliteratur; ſie greifen tiefer. Und wenn man
ſchon den literariſchen Einſchlag gelten laſſen muß, ſo
ſind es doch keine Romane minderen Ranges, an die man
erinnert wird, ſondern man fühlt, daß Ludwig Knaus
zu den Herzensverwandten der Dickens und Fritz
Reu=
ter gehört. Das Rührende in der Kunſt hat dauerndes
Bürgerrecht. Wer das Unterſcheidungsvermögen
zwi=
ſchen dem Rührenden und dem Rührſamen nicht beſitzt
und erſteres mit letzterem wegwirft, ſchließt dadurch den
größten Teil des Volkes vom Kunſtgenuß aus, welches
immer vom Stoff zur Form gelangt, und nicht
umge=
kehrt. Die Entwickelungslinie der Chodowiecki, Ludwig
Richter, Knaus wird ihre Fortſetzung ins Unendliche
haben, mit oder ohne Gutheißen der Theoretiker.
— Die „Memoiren” der Mme. Steinheil. In den
näch=
ſten Tagen werden in England die Memoiren der einſt
ſo vielgenannten Frau Steinheil erſcheinen, die ein
Bild von dem Leben dieſer merkwürdigen Frau geben
Der Londoner Mitarbeiter des Corriere della Sera iſt
bereits in der Lage, einige auch allgemein intereſſante
Einzelheiten aus dieſem neueſten Produkt der
Memoiren=
literatur bekannt zu geven. Das Privatleben der (
Mar=
querite Steinheil, die in der modernen politiſchen
Ge=
ſchichte Frankreichs eine viel einflußreichere Rolle
ſpie=
len durfte, als man annahm, iſt für die Oeffentlichkeit
ohne Intereſſe: die übliche traurige Geſchichte eines
un=
gewöhnlich ſchönen Mädchens, das eine düſtere und
freud=
loſe Jugend hinter ſich hat, dann in die Großſtadt kommt
und an der Seite eines willensſchwachen Mannes zu
mondainen Ehren” emporſteigt. Aber der Zufall wollte
es, daß dieſe Frau, in deren Hauſe Männer wie
Gou=
nod, Ferdinand von Leſſeps, Bonnat, Maſſenet, Coppé
und Zola verkehrten, mit dem Oberhaupt der
franzö=
ſiſchen Republik, mit dem Präſidenten Felix Faure,
in ſehr enge Beziehungen trat, und daraus entwickelte
ſich ein Freundſchaftsverhältnis, das der ſchönen Mme.
Steinheil nicht nur einen intimen Blick hinter die
Ku=
liſſen der franzöſiſchen Politik gewährte, ſondern der
ehr=
geizigen, klugen und ſicherlich von Skrupeln wenig
be=
ſchwerten Frau auch die Möglichkeit gab, den im Grunde
leicht beeinflußbaren Felir Faure in mancher Beziehung
zum Werkzeug ihrer Ambitionen zu machen. Und in
die=
ſer Richtung gewährt das Buch in der Tat einige
inter=
eſſante Einblicke in die Geſchichte des modernen
Frank=
reichs. Aus den Erinnerungen ſteigt freilich das Bild
eines Felix Faure empor, das wenig menſchliche Größe
verrät; Marquerite Steinheil charakteriſiert ihn als einen
ſehr anſpruchsvollen Menſchen von einem faſt
krankhaf=
ten Ehrgeiz, dem aber die Willenskraft zur Erreichung
ſeines Zieles fehlte. Er war leicht begeiſtert, aber auch
leicht entmutigt, nie imſtande, die Erſcheinungen in ihren
großen Zuſammenhängen zu erkennen, dabei ein
noto=
riſch ſchlechter Menſchenkenner und als Frauenfreund
weiblichen Gunſtbezeigungen und dabei auch weiblichem
Einfluß allzu leicht zugänglich. Der Zufall will, daß
die=
ſer Mann gerade Marquerite Steinheil zu ſeiner
Ver=
trauten, ſeiner Freundin, ſeiner Ratgeberin erhebt. Mit
ihr gemeinſam verfaßt er ſeine Lebenserinnerungen, deren
Manuſkript Frau Steinheil noch bewahrt und dier in
fünfzehn oder zwanzig Jahren veröffentlicht werden
ſollen. Ihr vertraut er den Plan eines Staatsſtreiches
an, ihr beichtet er ſeine Ohnmacht gegenüber der
Bureau=
kratie der Beamtenſchaft. In den Marinearſenalen
herrſchen ſchreckliche Zuſtände, Faure weiß, daß die
Aus=
rüſtung der Schiffe, ihre Keſſel, ihr Pulver ſchadhaft
ſind, er bemüht ſich, die Mängel zu beſeitigen: umſonſt,
der Arm des Präſidenten iſt nach Faures Ausſage in
Frankreich machtlos; der „Präſident iſt nur ein Popanz”.
Die innere Politik bringt ihm Enttäuſchung auf
Ent=
täuſchung, der Dreyfushader ſtört den Frieden und die
Entwickelung: Faures ganzer Ehrgeiz konzentriert ſich
auf die auswärtige Politik und großzügige koloniale
Pläne blenden ſeine Phantaſie. Er träumt von einem
afrikaniſchen Kolonialreich, das vom Atlantiſchen Ozean
bis zum Roten Meere, vom Mittelmeer bis zum
Sene=
gal reichen ſoll. und dieſer Gedanke führte dann
gerade=
wegs nach Faſchoda. Die Memoiren begeben ſich hier
auf das politiſche Gebiet und ſchildern den Rückzug
Frank=
reichs vor England.
* Korpsgeiſt. Die Zöglinge der Schule zu
Harrow=
dürfen ſich abends nach einer beſtimmten Zeit nicht mehr
auf der Straße zeigen. Als der Rektor der Schule Dr.
Longley, der ſpätere Erzbiſchof von Canterbury, einmal
ſpät in der Nacht ein wenig Luft ſchöpfen wollte, ſah er
zwei Schüler in efniger Entfernung vor ſich, konnte ſie
aber nicht erkennen und eilte ihnen nach, um ſie zu
arre=
tieren. Mit Mühe erwiſchte er einen der Uebeltätr am
Frack — die engliſchen Gymnaſiaſten tragen bekanntlich
Frack und Zylinderhut —; aber mit kräftigem Ruck riß
ſich der Junge los, und Dr. Longley behielt nur den
Frackſchoß in der Hand. „Schadet nichts” dachte er, „den
werde ich morgen früh ſchon entdecken, wenn an ſeinem
Rock der Schoß fehlt.” Aber er hatte dis Rechnung ohne
den Korpsgeiſt der Schüler gemacht. Als er morgens
die Schule betrat, hatte jeder Junge an ſeinem Rock nur
einen Schoß. Und ohne zu unterſuchen, an welchen Frack
der abgeriſſene Schoß am beſten paßte. vergab Dr.
Long=
ley lachend und doch gerührt den Uebeltätern.
Nummer 94.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912,
Seite 5.
vollſtändigt. Das geht ſchon daraus hervor, daß ſie den
an ſie geſtellten Forderungen auf Geſtellung von Wagen
genügt haben. Die Fahrkartenſteuer bedarf dringend
einer Reviſion. Auf keinen Fall können wir einer
Ein=
beziehung der vierten Wagenklaſſe in dieſe Steuer
zu=
ſtimmen.
Miniſter der Reichseiſenbahnen v. Breitenbach:
Eine Verkehrsverwaltung iſt nicht dringender erwünſcht als
Kritiken, ſie ſind erfreulich, wenn ſie auch Anerkennung
bringen. Die Rede des Abg. Vogt war abſolut verneinend.
Kein Wort der Anerkennung für die Beamten und
Ange=
ſtellten der Eiſenbahnen und doch ſind die günſtigen
Ergeb=
niſſe der Eiſenbahnen mit ein Erfolg der Pflichterfüllung
des Perſonals. Wenn auch die Ueberſchüſſe des Jahres
1911 den Etat um rund 12 Millionen überſtiegen, ſo ſind wir
doch von einer Plusmacherei wie der Abgeordnete Vogt
meinte, weit entfernt. Die Eiſenbahn dient dem Verkehr.
Ein Vergleich der Wagen vierter Klaſſe in Elſaß=Lothringen
mit Viehwagen iſt durchaus unzutreffend. Ungefähr die
Hälfte der Wagen ſind neu angeſchafft und nach den
neue=
ſten Konſtruktionen gebaut. Die Bevölkerung benutzt dieſe
Wagenklaſſe in hohem Maße. Ein Beweis, daß ſie ſie zu
ſchätzen weiß. Das kommt zum Teil auch daher, daß die
vierte Wagenklaſſe die namentlich dem Nahverkehr dienen,
ſo eingerichtet iſt, daß Körbe und Kiſten leicht mitbefördert
werden können. Auf die Verkürzung der Dienſt= und
Ar=
beitsſchicht lenkt die Eiſenbahnverwaltung dauernd ihr
Augenmerk. Es ſind auch zweifellos Erfolge erzielt
wor=
den. Hungerlöhne werden bei uns nicht bezahlt. Wir
paſſen unſere Löhne der jeweiligen wirtſchaftlichen Lage an.
Der Mindeſtlohn von 2,60 Mark wird nur den ganz jungen
Leuten gezahlt. Später erfolgt eine erhebliche
Lohnſteiger=
ung. Die Ueberſtunden können wir leider nicht ganz
ent=
ibehren. Eine Lohnzahlung für die arbeitsfreien
geſetz=
llichen Wochentagfeiertage kann nicht ſtattfinden, da dies
dem Arbeitervertrag widerſprechen würde. Außerdem ſind
die Löhne ſo bemeſſen, daß die Arbeiter auch ſolche
Ruhe=
tage überſtehen können. Die Arbeiterausſchüſſe werden
weiter ausgebildet werden. Die paſſive Wahlfähigkeit zu
den Ausſchüſſen auf 25 Jahre herabzuſetzen, vermögen wir
nicht zu befürworten. Mit dem Reichstagswahlrecht iſt
dieſes nicht zu vergleichen. Die Mitglieder der
Arbeiter=
ausſchüſſe ſollen aus eigener Erfahrung
Verbeſſerungsvor=
ſchläge machen können. Deshalb wollen wir es bei 30
Jahren belaſſen. Das Koalitionsrecht beſchränken wir den
Arbeitern nicht. Wir wollen nur, daß ſie ſich bewußt
blei=
ben, daß ſie ihrer Verwaltung Gehorſam und Achtung
ſchul=
dig ſind. Sie müſſen ſich der Sozialdemokratie fernhalten,
die den Streikbruch propagandiert. Wenn mir vorgeworfen
wurde, ich hätte in brutaler Weiſe einen Arbeiter
gemaß=
regelt, ſo fehlt mir der parlamentariſche Ausdruck, um dem
Abg. Vogt dienen zu können. Wir zwingen niemanden, in
den Betrieb der Eiſenbahnen einzutreten. Werqzu uns
kommt, muß ſich gewiſſe Beſchränkungen der
ſtaatsbürger=
lichen Rechte gefallen laſſen. Das iſt ein durchaus loyales
Verfahren. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Unerhörtes
Verfahren!). Trotz dieſer Beſchränkung haben wir
durch=
aus einen derart großen Zulauf von Arbeitskräften, daß
wir nicht erkennen können, daß die Arbeiter ſich
beeinträch=
tigt fühlen. Ich als Chef der Reichseiſenbahnen, werde
niemals einen anderen Standpunkt hierin einnehmen.
Da=
für ſteht mir die allgemeine Pflicht viel zu hoch. (Bravo
rechts).
Darauf wird die Sitzung vertagt. Nächſte Sitzung
Montag 2 Uhr: Tagesordnung Wehrvorlagen. Schluß
nach 3 Uhr.
Parlamentariſches.
* X* Die Zweite Kammer der Stände wird
dem Vernehmen nach am 7. Mai zu einer kurzen Tagung
zuſammentreten, in der vor allem dem gelegentlich des
Re=
ferats des Herrn Finanzminiſters über die
Beamten=
eſoldungsreform einmütig ausgeſprochenen
Wun=
ſche der Kammer, eine eingehende Ausſprache über dieſen
Gegenſtand herbeizuführen, Rechnung getragen werden ſoll.
Auch der Finanzausſchuß wird ſich vor Zuſammentritt der
Kammer in einer Art Generaldebatte mit dieſer Frage
be=
ſchäftigen,
Luftfahrt.
Die Nationalſpende für das deutſche
Flug=
weſen
hat bereits anſehnliche Beträgeserreicht. Auf den Mitte
März vom Vorſitzenden des deutſchen Luftflotten=Vereins,
den bekannten Mannheimer Groß=Induſtriellen Dr. Karl
Lanz erlaſſenen Aufruf wurden in Mannheim am erſten
Tage bereits 12000 Mark geſammelt; die Ortsgruppe
Heidelberg, die den Anſtoß zu dieſer Sammlung gab, hat
ebenfalls an einem Tage 10000 Mark aufgebracht. Die
weitaus größten Summen hat die Sammlung des
Landes=
verbandes Sachſen, die unter dem allerhöchſten Protektorat
S. M. des Königs ſteht, ergeben. Bereits am 4. April
er=
hielt das Leipziger Tageblatt, das die Beiträge für Leipzig
annimmt, die Beſtätigung des ſächſiſchen Kriegsminiſters
über den Empfang eines Schecks von 25000 Mark und die
Zuſage des Kriegsminiſters, dem Flugzeuge, das aus
die=
ſer Sammlung angeſchafft wird, den Namen „Leipzig” zu
geben. Der Kriegsminiſter erklärte ſich ferner bereit, weitere
Spenden anzunehmen, die ſpäter für die Beſchaffung eines
Flugzeugs „Leipzig II” verwendet werden ſollen. In
Dresden ſind bis zum 17. April dank der Bemühungen des
Vorſitzenden des Landesverbändes 53 290 Mark 23 Pfennige
geſammelt worden. Am 24. April veranſtaltet das „Tivoli”
in Dresden ein Ballfeſt, deſſen geſamter Reinertrag in die
Kaſſe des Deutſchen Luftflotten=Vereins zur Anſchaffung
eines Flugzeugs „Dresden” fließt. Im ganzen dürften in
Sachſen etwa 120000 Mark aufgebracht ſein. In
Weſt=
preußen hat die Ortsgruppe Danzig die Sammlung in die
Hand genommen, in Poſen das Poſener Tageblatt. Leider
hat der Deutſche Luftflotten=Verein noch nicht in allen
größeren Städten Ortsgruppen gründen können, welche die
Sammlung einleiten. Aber es ſteht zu hoffen, daß ſich
über=
all Stellen finden werden, welche ihre Mitbürger zur
Stif=
tung begeiſtern. Zeitungen und Kriegervereine ſind ſolche
Stellen, die in erſter Linie dazu berufen ſind. Ueber die
Höhe der Sammlung fehlt bisher jeder Ueberblick. Wenn
man die Stiftung der Sektfirma Henkell und die des
Rheiniſch=Weſtfäliſchen Elektrizitätswerkes zu der
National=
ſpende rechnet, ſo dürften et wa 400000 Mark bisher
aufgebracht ſein. In hohem Grade erwünſcht wäre es,
wenn alle Sammelſtellen regelmäßig, etwa wöchentlich, die
Höhe der eingegangenen Beiträge an die
Hauptgeſchäfts=
telle des Deutſchen Luftflotten=Vereins in Mannheim
be=
richteten, die für Weiterverbreitung der Meldungen Sorge
tragen wird. Denn nichts ſpornt mehr zum Geben an, als
das gute Beiſpiel, das uns vor Augen gehalten wird.
verſchüſſe des Kapitäns Smith zurückgetrieben.
Als das Boot klar wurde, ſtürzte ſich ein Mann in das
Fahrzeug, um zu ſeinen Angehörigen zu kommen. Er
wurde erſchoſſen und der Körper fiel ins Boot.
Niemand machte den Verſuch, ihn zu entfernen, und er
blieb im Boot, bis die Paſſagiere ſpäter von der „
Car=
pathia” aufgenommen wurden.
* New=York, 19. April. Ueber das wunderbare
Zuſammenſtreffen Henry Stengels und
ſſei=
ner Frau auf der „Carpathia” wird gemeldet: Die Frau
war im erſten Rettungsboot geweſen, das der Mann
ver=
loren glaubte, ſie hinwiederum hatte geglaubt, er ſei mit
der „Titanic” untergegangen, während er noch im
letz=
ten Rettungsboot Zuflucht gefunden hatte. Beide waren
dann auf der „Carpathia” plötzlich einander
gegenüber=
geſtanden. Stengel wie auch andere Gerettete erklären, die
Boote ſeien weder mit Waſſer verſorgt noch ſonſtwie
ver=
proviantiert oder mit Laternen verſehen geweſen.
* New=York, 20. April. Auf der „Carpathia‟
befanden ſich auch Babys, deren Eltern unbekannt ſind.
Die geretteten Kleinen, die von der „Titanie” in ein
Boot geworfen worden waren, wurden vorläufig dem
New=Yorker Findelhaus überwieſen.
* New=York, 19. April. Nach einem Bericht
der Ueberlebenden lief die „Titanic” mit 21
Kno=
ten Geſchwindigkeit, als ſie auf den Eisberg ſtieß.
Die Offiziere hatten Ordre, auf der erſten Reiſe einen
Schnelligkeitsrekord aufzuſtellen. Der
Aufopferung und dem Heroismus des Kapitäns
Smith wird von allen Setien das glänzendſte Zeugnis
ausgeſtellt. Bevor die Wellen ihn von ſeinem Poſten
herunterſchleuderten, rief er noch durch das Sprachrohr
der Menge im Schiffsraum zu: Zeigt euch als Briten!
Einige haben geſehen, wie er noch im Waſſer den
Schwimmenden zu helfen ſuchte. Andererſeits ſind bei
den letzten verzweifelten Anſtrengungen, ſich zu retten,
grauſige Szenen von Gewalttätigkeit vorgekommen und
es mußte von den Revolvern Gebrauch gemacht
werden. Die Widerſprüche von den verſchiedenen
Dar=
ſtellungen erklären ſich dadurch, daß das Schiff ſieben
Decks hatte und daß man nicht beobachten konnte, was
auf den anderen vor ſich ging. Als das Schiff
entzwei=
brach, hob ſich das Heck ſteil empor und Dutzende von
Menſchen ſprangen im Schrecken ins Waſſer. Als die
Neigung ſtärker wurde, verloren Hunderte den Halt,
glitten ins Waſſer und ertranken. Hunderte ſuchten
ſchwimmend Flöße und Schiffstrümmer zu erreichen. Der
amerikaniſche Oberſt Gracy berichtet, wie er mit einer
Menge anderer ſtundenlang auf einem Floß war. Sie
ſtanden Rücken gegen Rücken, ängſtlich bemüht, das
Gleichgewicht zu bewahren, und wagten nicht einmal,
ſich umzuſehen, weil jede Bewegung Gefahr bringen
konnte. Nach einigen Berichten fanden noch zuletzt
ver=
zweifelte Kämpfe ſtatt. Einige ſollen in den Booten
er=
ſchoſſen und andere erſchlagen worden ſein, als ſie Boote
zu erklettern verſuchten.
Unter den Ueberlebenden befinden ſich auch ſechs
Chineſen die ſich unter den Sitzen der
Rettungs=
boote verſteckt hatten. Sie wurden erſt entdeckt, als die
Boote an Bord der „Carpathia” gebracht worden waren.
Zwei andere Chineſen wurden durch das Gewicht der
über ihnen Sitzenden zu Tode gedrückt.
Letzte Nachrichten.
* New=York, 20. April. Direktor Ismay gab
vor dem Senatskomitee zu, daß die „Titanic” vor dem
Zu=
ſammenſtoß mit dem Eisberg mit einer Schnelligkeit
von 21 Knoten gefahren ſei. Quadermaſter Meody erklärte,
der erſte Offizier der „Titanic” habe ſich auf der
Kom=
mandobrücke erſchoſſen.
* Waſhington, 19. April. Im Senat griff Mr.
Bayner in einer heftigen Rede Mr. Bruſe Ismay an.
Er ſagte, es ſolle gegen die Beamten der White Star=Line
ſtrafrechtlich vorgegangen werden, weil die „
Ti=
tanie” nicht genügend mit Rettungsbooten verſehen war.
H.B. New=York, 20. April. In der fortgeſetzten
Unterſuchung der Senats=Kommiſſion
ſagte der zweite Offizier Lightholder aus, die „Titanic”
ſei trotz der Eiswarnung mit voller Kraft gefahren.
Mehrere Zeugen ſahen Ismay in einem der erſten Boote
auf die „Carpathia” zuſteuern. Ismay hatte auf der
„Carpathia” allein eine Kabine, während die geretteten
Frauen in Gängen auf Matratzen ſchliefen. Major
Peu=
chen ſagte aus, er habe geſehen, wie Ismay am Sonntag
morgen einer Dame eine drahtloſe Depeſche gezeigt hat,
die eine Eiswarnung enthielt.
* New=York 20. April. Vor dem
Senats=
komitee zur Unterſuchung des Untergangs
der „Titanic” wurde der zweite Offizier,
Light=
holder, vernommen, der erklärte: Als das erſte Boot
herabgelaſſen wurde, habe ſich das Deck 70 Fuß über dem
Waſſerſpiegel befunden. Als aber das letzte Boot ins
Waſſer ging, habe das Deck nur wenige Fuß über das
Waſſer hervorgeragt. Der Dampfer ſei in raſchem Sinken
geweſen. Er hielt die Mitteilungen durchaus aufrecht,
die Boote ſeien gut beſetzt geweſen, ſtets hätten die
Frauen den Vortritt gehabt. Mit Bezug darauf, daß ſo
viele von der Mannſchaft gerettet ſeien, erklärte er, daß
von ſechs aus dem Waſſer aufgegriffenen Perſonen immer
fünf Heizer oder Stewards geweſen ſeien. Nachdem die
„Titanic” geſunken ſei, ſeien einige Rettungsboote
zu=
rückgefahren, um noch Schiffbrüchige zu bergen. An Bord
der „Titanic” kam es zu keiner Panik, nicht einmal zu
Klagen unter den Zurückbleibenden.
Das Senatskomitee beſchloß, Ismay nicht nach
England zu entlaſſen, obwohl er unverzüglich dorthin
zu=
rückzukehren wünſcht. Ebenſo ſollen zwölf Mann der
Be=
ſatzung und vier der geretteten Offiziere der „Titanic”
zurückbehalten werden.
* New=York, 20. April. Die White Star=
Line gibt offiziell die Zahl der
Umgekomme=
nen auf 1 442 an, verteilt wie folgt: erſte Kajüte 124,
zweite 196, Zwiſchendeck 518. Bemannung 596, Muſik 8.
Gerettet: erſte Kajüte 202, zweite 115, Zwiſchendeck
178. Bemannung 210; zuſammen 705.
* Waſhington, 20. April. Der Senat nahm
eine Entſchließung an zu Gunſten von Verträgen
mit den großen Seemächten über die
Beſtim=
mungen der Kurſe der Ozeandampfer, ihre Schnelligkeit,
ihre Mittel zur Lebensrettung, ihre Apparate für
draht=
loſe Telegraphie und über ihre ſonſtigen Ausrüſtungen,
um eine Kataſtrophe wie die der „Titanic” zu verhindern.
* New=York 21. April. Zahlreiche Paſſagiere
der „Titanic”, darunter Frau Aſtor wurden zu den
Verhandlungen des Komitees nach Waſhington
vorge=
laden. Mitglieder der Mannſchaft erklärten, daß in den
Kohlenräumen der „Titanie” Feuer wütete.
Bis zum Samstag waren die Kohlen entfernt. Als nack
Erzählung des Telegsaphiſten.
* New=York, 19. April. Der zweite
Marconi=
telegraphiſt der „Titgnie” Bride, erzählt: Ich bin 22
Jahre alt und kam in Belfaſt an Bord, um dem
Haupt=
telegraphiſten Philips zu helfen. Letzten Sonntag
ent=
deckten wir einen Fehler am drahtloſen Apparat, welcher
erſt nach ſieben Stunden, nicht lange vor der Kolliſion
mit dem Eisberge, behoben war. Ich hatte gerade meine
Schlafzeit gehabt, als ich hörte, wie Philips Kap Race
anrief.
Bald darauf kam ich in das neben der Schlafkabine
gelegene Betriebszimmer und ſagte Philips gerade, er
ſolle zu Bett gehen, als der Kapitän erſchien und
ſagte: „Wir ſind gegen einen Eisberg gefahren. Trefft
die Arrangements ſofort, um, wenn nötig, Hilfe zu
zitie=
ren, aber nicht eher, als ich es ſage.” Zehn Minuten
ſpä=
ter kam er zurück. Inzwiſchen hörte ich allenthalben im
Schiff Beunruhigung. Der Kapitän ordnete nunmehr
Hilfeſignale an; nur das gewöhnliche
internatio=
nale C O D, ſonſt nichts. Philips und ich faßten alles
von der leichten Seite auf, da wir das Schiff abſolut
un=
gefährdet und überhaupt für unſinkbar hielten. Der
Kapitän kam zum dritten Male wieder und fragte,
wel=
ches Signal wir ſchickten. Ich ſchlug dann im Scherz
§ O S vor, welches größere Gefahr bedeutet, und
tatſächlich wurde dies Signal denn auch gebraucht.
Zuerſt erreichten wir den Dampfer „Frankfurt” dem
wir mitteilten, wir ſeien mit einem Eisberg kollidiert
und hätten Hilfe nötig. Der Telegraphiſt der „
Frank=
furt” ſagte, er werde es ſeinem Kapitän melden. Er
kehrte dann an den Apparat zurück, worauf wir ſagten,
wir ſänken. Denn nun konnte man deutlich eine
Neig=
ung des Schiffes bemerken. Dann erreichten
wir die „Carpathia” welche erklärte, ihr Kapitän
habe angeordnet, das Schiff ſoll den Kurs ändern und
uns beiſtehen. Philips ſchickte mich zum Kapitän, ihm
mitzuteilen, die „Carpathia” komme. Ich konnte mir
jetzt kaum einen Weg durch die Menſchenmaſſe auf den
Decks bahnen. Philips ſchickte mich dann mehrfach mit
Informationen zu dem Kapitän, und jedes Mal bemerkte
ich, daß weitere Boote niedergelaſſen waren, auch daß
das Schiff ſich mehr ſenkte. Philips ſagte mir nun,
die Elektrizität für den drahtloſen Apparat werde
weni=
ger, und der Kapitän kam dann mit der Mitteilung
Waſſer dringe in den Maſchinenraum ein und die
Kraft=
maſchinen könnten nicht mehr lange gebraucht werden.
Ich ging auf Deck und ſah das Bootdeck vorne ſchon
unter Waſſer; achter waren große Menſchenmaſſen.
Philips blieb auf ſeinem Poſten am Marconiapparat,
(auch dann noch, als das Schiff augenſcheinlich dem
Untergang geweiht war. Ich ſuchte jetzt meinen
Ret=
tungsgürtel. Es kam die letzte ſchreckliche
Viertel=
ſtunde. Philips rief nun die „Olympic” an, indem er
ihr erklärte, das Schiff ſei am Sinken. Während er
tele=
graphierte, legte ich ihm den Rettungsgürtel an und
ſuchte ihm die Stiefel anzuziehen. Er lachte und meinte,
ich ſolle nachſehen, wie es draußen ſei, ob noch Boote
vorhanden ſeien. Jetzt hörte ich des Kapitäns Stimme,
der ſagte: „Leute, Ihr habt Eure volle Pflicht
ge=
tan, Ihr könnt nicht mehr tun; jetzt muß jeder Menſch
ſich ſelbſt zu retten ſuchen. Verlaſſet die Kabine!”
Pilips blieb aber noch mindeſtens zehn Minuten.
Als ich im Nebenraum mein Geld ſuchte, ſah ich
plötz=
lich, wie ein rieſenſtarker Mann, anſcheinend ein Heizer,
ſich über Pihilps beugte, um ihm den Rettungsgürtel
ab=
zuſchnallen. Ich wußte, daß jeder Schiffsmann ſeinen
eigenen Gürtel hat, den er wohl verwahren muß, ſprang
daher hinzu und ſchlug ihn nieder. Er blieb auf dem
Boden der Kabine. Philips lief nun achter, da ſonſt
alles unter Waſſer war, und ſeither ſah ich ihn nicht
mehr. Noch hörte ich die Muſik ſpielen, die aber ſtatt des
vorherigen „Ragtime” ein ernſtes Lied intonierte. Ich
eilte nach einem Platze, wo ich ein zuſammenlegbares
Boot geſehen hatte. Ich fand mehrere Männer damit
beſchäftigt, es ins Waſſer zu bringen. Ich half ihnen,
als eine große Welle über Bord ſchlug, die das Boot
wegriß, wie auch manche der Männer. Ich hatte ein
Ruder ergriffen, und das nächſte, was ich weiß, war, daß
ich tatſächlich im Boote war, aber unter ihm; denn es
war gekentert. Ich wußte, ich durfte nicht Atem holen,
ſonſt würde ich ertrinken. Ich kroch unter dem
Boot=
rand hervor und ſah nun Hunderte im Waſſer, alle mit
Rettungsgürteln.
Inzwiſchen war die „Titanic” faſt verſunken.
Sie gewährte noch zum Schluß einen prächtigen Anblick,
denn aus ihrem Schornſtein ſtiegen Funkengarben und
Rauchſchwaden empor. Ich wußte, ich müſſe weg, da ich
ſonſt mit hinabgezogen würde. Ich ſchwamm alſo fort
und war 150 Fuß weit gekommen, als die „Titanic” ſank,
aber ganz allmählich. Bald darauf fühlte ich, ich ſei am
Untergehen. Es war ſehr kalt, und ich gab alle Hoffnung
auf, als ſich eine Hand aus dem zerlegbaren Boot mir
entgegenſtreckte. Dort waren wir furchtbar eingeklemmt.
Ich ſah überall im Waſſer noch Tote und Lebende. Wie
ich an Bord der „Carpathia” gekommen bin, weiß ich
nicht. Ich war dort zehn Stunden im Hoſpital, worauf
ich dem Telegraphiſten half.”
Weitere Berichte über die Kataſtrophe.
* New=York, 19. April. Lady Gordon, die in
einem der letzten Boote die „Titanic” verließ, teilt mit
die Panik habe einige zurückbleibende Paſſagiere erſt in
dem Augenblick ergriffen, als ihr Boot abgelaſſen wurde.
Alles ſchien ſich auf das Boot zu ſtürzen. Einige Männer
drängten ſich in das Boot, wurden aber durch Revol=
* Straßburg, 21. April. Oberleutnant
Ba=
rends vom Infanterie=Regiment Nr. 144 in Metz,
kom=
mandiert zur Fliegerabteilung Straßburg, überflog
geſtern abend nach 7 Uhr in weiten Bögen auf einem
Rumpler=Eindecker (Taube) die Stadt vom Polygon aus
kreuzte hoch über dem Münſter und landete nach
über=
raſchendem, ruhigem und elegantem einſtündigem Fluge
vor der Halle. — Die hieſige
Militärflieger=
ſtation, unter dem Kommando des Hauptmanns
Maſius ſtehend, iſt ſeit dem 14. April eröffnet und zur
Zeit mit drei Flugzeugen beſetzt, deren Zahl in den
näch=
ſten Tagen eine namhafte Vermehrung erfährt. Neben
dem Mathisſchen Flugzeugſchuppen auf dem Polygon,
den die Militärverwaltung übernommen hat, entſteht
eine größere 130 Meter lange Flugzeughalle, deren Bau
der Vollendung nahe iſt.
Paris 21. April. Wie aus (hâlon=ſur=
Marne gemeldet wird, bewarben ſich dortz mahrere
Militärflieger um den für das beſte Zielergebnis
geſtifteten Michelin=Preis. Einem Flieger glückte es,
aus einer Höhe von 250 Meter in 38 Minuten zweimal
das Ziel zu treffen, ein anderer traf aus derſelben Höhe
in 47 Minuten das Ziel nicht ein einzigesmal.
Der Untergang der „Titanie”.
[ ← ][ ][ → ] Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.
dem Zuſammenſtoß Waſſer und Eisſtücke in die
Kohlen=
räume eindrangen, gaben die Schottenwände
nach, da das Gegengewicht der Kohlen fehlte. Die
Ma=
ſchiniſten blieben an den Schiffspumpen und ertranken,
die Heizer ſprangen ins Meer. Unmittelbar nach dem
Untergang ſtießen die Ruder ihres Floßes fortwährend
an Leichen mit Rettungsgürteln.
*Bremen 22. April. Bößmanns Telegr.=Bureau
iſt vom Nordd. Lloyd folgendes Telegramm
zuge=
gangen: Der zweite Marconi=Telegraphiſt der „
Tita=
nic” hat in ſeiner Ausſage den Lloyd=Dampfer
„Frankfurt” beſchuldigt, auf die Hilferufe der „Titanic”
nicht reagiert zu haben. Auf ſofortiges drahtloſes
An=
ſuchen iſt dem Lloyd folgendes drahtloſe
Tele=
gramm des Kapitäns der „Frankfurt” zugegangen:
„Dampfer „Frankfurt” auf Hilfeſignal ſofort
nord=
wärts geſteuert, traf 10.50 Uhr Unfallſtellee
ein. Die „Titanic” war 140 Meilen entfernt. Traf an
der Unfallſtelle die Dampfer „Virginia”, „Carpathia” und
„Birma”, gez. Hattorf‟. — Danach beruhen die Ausſagen
auf direkter Unwahrheit.
Vermiſchtes.
— Neues vom Heufieber. Dieſe ſich
haupt=
ächlich in Schnupfen mit 20 bis 100 oder mehreren
Ent=
ladungen, Augenentzündungen, Aſthma äußernde
Krank=
heit wird durch Blüten von Gras, Korn und anderen
Pollenblühern hervorgerufen; ſie tritt in jedem Jahr mit
Beginn des Blühens auf, um nach vier bis ſechs Wochen
mit dem Ende der Blütezeit wieder zu verſchwinden. Der
einmal davon Ergriffene wird unentrinnbar alljährlich
aufs neue davon befallen. Der Heufieberbund
von Helgoland (E. V.), deſſen wiſſenſchaftliche
Ar=
beiten auf der Internationalen Hygiene=Ausſtellung in
Dresden 1911 die Goldene Medaille erhielten, hat wie in
jedem Jahre, ſo auch jetzt wieder eine Sammelſchrift
(Bericht Nr. 14) herausgegeben, in der alle bisher
ange=
wandten Behandlungsarten mit Medikamenten,
Opera=
tionen, ſowie Luftkurorten zur Umgehung des Heufiebers
in gemeinverſtändlicher Form angegeben ſind. Die auf
ſtreng wiſſenſchaftlicher Grundlage beruhenden Angaben
des Bundes ſind den Mitteilungen entnommen, die der
Bund alljährlich von ſeinen Mitgliedern (über 2000
ein=
ſchließlich 70 heukranker Aerzte) über die von ihnen mit
den betreffenden Mitteln erzielten Erfolge einholt; ſie
ſind alſo, da der Bund ſich von allen Reklamen von
Fabri=
kanten grundſätzlich fernhält, unbedingt zuverläſſig.
Hat=
ten die Behandlungsarten der früheren Jahre den
Heu=
kranken immer nur eine vorübergehende Linderung
ver=
ſchafft, ſo ſind in dem gegenwärtigen Buch neue
Me=
thoden und Verſuche angegeben, die eine völlige
Heil=
ung des Heufiebers bezwecken. Die im Selbſtverlag des
Heufieberbundes erſchienene Schrift (Bericht Nr. 14) und
alles ſonſt über das Heufieber Wiſſenswerte wird allen
Heukranken, Aerzten, Inſtituten uſw. auf Anſuchen
un=
entgeltlich zugeſandt; man wende ſich an den Vorſitzenden
des Bundes, Otto Schultz in Hannover, Mittelſtraße 8.
Literariſches.
Zehnminuten=Turnen. Herausgegeben
von Karl Möller, Städt. Turninſpektor in Altona a. E.
Zweite Auflage. (Atmung und Haltung). 8. (10. und
105 S.) 1912. Kart. 1,40 Mark. Verlag von B. G. Teubner,
Leipzig und Berlin. Das in neuer Auflage vorliegende
Büchlein hat ſowohl in ſeinem theoretiſchen Teil, in dem es
die Möglichkeit der geſundheitlichen Beeinfluſſung durch
tägliche Uebungen recht eindringlich behandelt, als auch
durch ſeine praktiſchen Richtlinien Tiefatmen= und
Gleich=
gewichte=, Bruſt= und Rücken= Bauch= und Flanken=,
Sprung=, Gang=, Lauf= und beruhigende
Atmungsübun=
gen ſehr raſch den Beifall weiteſter Kreiſe erworben.
Wiſſenſchaftliche Automobil=
Wer=
tung. Im Laboratorium für Kraftfahrzeuge der
Tech=
niſchen Hochſchule zu Berlin hat Geheimrat Dr, Riedler
por etwa zwei Jahren die wiſſenſchaftliche Unterſuchung
der Kraftwagen aufgenommen. Er veröffentlicht jetzt
die erſten Berichte darüber unter dem Titel „
Wiſſenſchaft=
liche Automobil=Wertung” (Verlag von R. Oldenbourg,
München und Berlin), die erkennen laſſen, daß hier ein
außerordentlich dankbares Feld der Bearbeitung erſchloſſen
iſt. Die in den Berichten enthaltenen durchweg durch
Diagramme veranſchaulichten Verſuchsergebniſſe werfen
auf die beim Kraftwagen herrſchenden Leiſtungs= und
Widerſtandsverhältniſſe ein völlig neues Licht.
Einſendung aus dem Publikum.
In einem traurigen Zuſtande befinden ſich, wohl
in=
fölge der vorjährigen Dürre, viele Linden in der
Neckarſtraße namentlich auf der Weſtſeite, die zum
Teil einzugehen ſcheinen. Zwiſchen dem ſpärlichen Geäſt
und dem kärglichen Blätterſchmuck ragen die vertrockneten
Tweige hervor und gewähren einen troſtloſen Anblick.
Könnte man die Bäume, die noch zu retten ſind, nicht
wenigſtens ausſchneiden oder kröpfen? In ihrem jetzigen
Zuſtande bilden ſie kaum einen Schmuck für die Straße.
Auch bei den Linden in der Rheinſtraße zwiſchen
Neckar=
ſtraße und Bahnhof (z. B. vor der Vereinigten Geſellſchaft)
kann man dieſelbe traurige Beobachtung machen.
Publicus.
Sport.
* Fußballſpiel. Fußballklub Olympia 1898.
Die erſte Mannſchaft ſpielte in Frankfurt gegen
Ger=
mania und gewann 3:1. Die zweite Mannſchaft ſpielte
in Darmſtadt gegen F.=K. 1899 und gewann überlegen
7:0. Die vierte Mannſchaft verlor in Darmſtadt gegen
D. F.=K. 1: 2. Die Leichtathletikabteilung
er=
öffnete ihre Saiſon und weilte ebenfalls in Frankfurt. Joſef
Schröck gewann das 1000 m=Laufen in ſicherer Weiſe. Fritz
Weber wurde in demſelben Lauf 4., Georg Weber wurde
im 800 m=Lauf für Anfänger 3., E. Ensgraber zeigte
im Diskuswerfen eine gute Form und belegte ebenfalls
einen dritten Platz. Hans Schröck beteiligte ſich in
Mann=
heim am ſüddeutſchen Waldlauf über 5km und gewann,
obwohl nicht gut disponiert, den 7. Preis. Eine
erſt=
klaſſige Konkurrenz beteiligte ſich. Sieger blieb der ganz
hervorragend laufende deutſche Meiſter J. Stoiber=
Nürn=
berg. In den Kreisſpielen wurden folgende Reſultate
erzielt: Karlsruher Fußballverein=Fußballverein
Frank=
furt 7:0, Phönix Mannheim=Spielvereinigung Fürth 4:1.
Phönix=Karlsruhe -Mannheim Verein für Raſenſpiele
Mannheim 2: 4. In dem internen Tennisturnier des
Schlittſchuhklub=Sportvereins errang die Tennisabteilung
des F.=C.=V. unter ſtarker Konkurrenz den 3. Preis.
In Weiterſtadt errang der S.=K. Haſſia 1908 in der
B=Klaße unter ſtarker Konkurrenz (11 Vereine) den
1. Preis. Sehr intereſſante Spiele fanden ſtatt gegen
Fußballklub Königſtädten 1:0; gegen die Spielriege
Braunshardt, Turngemeinde 2:1 und gegen Turngemeinde
Darmſtadt=Beſſungen 1:0 zu Gunſten der Haſſia. Außerdem
erhielt noch bei den Olympiſchen Spielen Mitglied
G. Völger den 1. Preis im 100 Meter=Laufen und den
1. Preis im 200 Meter=Laufen.
Der italieniſch=türkiſche Krieg.
* Konſtantinopel, 19. April. Dem
Kriegsmini=
ſterium zugegangene Meldungen berichten, daß ein
klei=
nes türkiſches Küſten=Kanonenboot
wäh=
rend des Bombardements von Samos von der
Beſatz=
ung verſenkt wurde, um es nicht in die Hände der
Italiener fallen zu laſſen. (Mannſchaft und Geſchütze
wurden an Land gebracht. Nach dem Bombardement
begab ſich die Flotte in den Golf von Teros.
* Wien, 19. April. Der Kriegsminiſter Mahmud
Schefket Paſcha teilte dem Konſtantinopeler
Korreſpon=
denten der „Neuen Freien Preſſe” mit, wir wünſchen
nichts ſehnlicher, als daß die feindliche Flotte eine
For=
cierung der Meerenge verſuche. Die klägliche
Beſchießung der ſchwachen Außenforts am Eingang der
Dardanellen wird nur von der Beſchießung von Samos
übertroffen, wo nur eine türkiſche Kompagnie ſtand.
Gegen eine Landung auf der Halbinſel Gallipali ſind im
Ueberfluß Truppen vorhanden.
* Sofia 20. April. Das Regierungsorgan ſchreibt:
Der Krieg tritt in ein beunruhigendes
Sta=
dium. Das einzige Mittel zur Varmeidung ernſter
Komplikationen auf dem Balkan, die darans entſtehen
könnten, iſt ein raſcher Friedensſchluß.
II.B. Paris, 20. April. Der Matin berichtet aus
Rom: In ruſſiſchen wie in italieniſchen Kreiſen erklärt
man, daß keine Beſtätigung der Meldung über
ein italieniſch=ruſſiſches Einvernehmen
bezüglich eines gemeinſamen Vorgehens gegen die
Tür=
kei eingetroffen iſt. Es ſcheint jedoch, daß die Abſicht
eines ruſſiſchen Druckes in Konſtantinopel beſtanden hat.
In Rom hat man allem Anſcheine nach dieſer Aktion
Rußlands keine ſo große Wichtigkeit beigemeſſen. Das
Echo de Paris beſtätigt ebenfalls das Dementi und
er=
klärt, weder Saſſonow in Petersburg noch Ismail in
Paris hätten die franzöſiſche Regierung über eine ſolche
Intervention unterrichtet.
* Konſtantinopel 20. April. Die
Stadtprä=
fektur veröffentlicht eine Mitteilung, die Regierung dachte
rechtzeitig an die Verproviantierung der
Hauptſtadt und ſorgte für das Vorhandenſein
ge=
nügender Vorräte in Mehl, Getreide und anderen
Lebens=
mitteln. Perſonen, die die Brotpreiſe in die Höhe zu
treiben ſuchten oder durch Verbreitung beunruhigender
Nachrichten die Gemüter erregen würden, ſollten vor ein
Kriegsgericht geſtellt werden.
* Konſtantinopel 20. April. Der Entwurf
der Antwort der Pforte auf die Vermittlung der
Mächte iſt vorbereitet und wird wahrſcheinlich morgen im
Miniſterrat erörtert werden. Die Antwort iſt ein langes
Schriftſtück mit einer rückſchauenden Darlegung der
tripo=
litaniſchen Frage und der verſöhnlichen Haltung der Pforte.
Weiter wird auf die Rechtswidrigkeit des italieniſchen
Vor=
gehens hingewieſen. Die Pforte könne auf ihre Würde
nicht verzichten und könne nicht die tatſächliche und
voll=
ſtändige Souveränität von Tripolis aufgeben. Die
Ant=
wort ſtellt, ohne die türkiſchen Friedensbedingungen zu
formulieren, eing entſchiedene Zurückweiſung der
italie=
niſchen Bedingungen dar.
* Konſtantinopel 20. April. Die
Zeitungs=
meldungen, daß die Regierung beſchloſſen habe, die
Dar=
danellen wieder für die Schiffahrt zu öffnen,
ſind verfrüht. Noch iſt keine derartige Entſcheidung
ge=
troffen worden. Vielleicht wird ſich die Regierung ſpäter
dazu entſchließen, doch würden wenigſtens zehn Tage für
das Auffangen der im Waſſer loſe treibenden Minen nötig
ſein. — Amtliche Kreiſe der Pforte erklären, daß die
An=
ſprüche der Schiffsgeſellſchaften auf Entſchädigung
unzu=
läſſig ſeien, da es ſich um Force majeure handele.
* Roſtow, 21. April. Die Exporteure berieten,
wie Verluſte infolge der Sperrung der
Darda=
nellen verhütet werden könnten. Es wurde beſchloſſen,
durch den Miniſterpräſidenten bei der türkiſchen Regierung
die Wiederherſtellung des freien Verkehrs zu erwirken unter
dem Hinweis, daß es unmöglich ſei, die teuer angeſchafften
Getreideüberſchüſſe zu realiſieren und daß demzufolge
ſchwere Verluſte eintreten würden. Gleichzeitig erſuchten
die Getreidehändler, den Getreidekredit nicht einzuſtellen,
weil ſonſt eine allgemeine Geſchäftsſtockung erfolgen
würde. Es wird ferner eine Beratung darüber ſtattfinden,
b die Vereinbarungen für April gültig ſein ſollten.
* Konſtantinopel, 22. April. Dem Vernehmen
nach werden die Dardanellen im Laufe dieſer Woche,
wahrſcheinlich am Donnerstag für die Schiffahrt in einer
ſchmalen Fahrrinne wieder geöffnet werden.
* Köln, 20. April. Die „Köln. Ztg.” meldet aus
Berlin: Das Vorgehen der italieniſchen
Re=
gierung hat ſich als eine Kundgebung herausgeſtellt,
durch die die politiſchen Entſchlüſſe der Türkei beeinflußt
werden ſollten. Nach dieſer Richtung hin ſcheint das
italieniſche Vorgehen wie ein Schlag ins Waſſer
ge=
wirkt zu haben. Zugleich hat es den bedauerlichen
Er=
folg gehabt, den Handel aller Völker recht em=
pfindlich zu ſtören, denn wenn auch Rußland und Eng
land in erſter Reihe beteiligt ſind, ſo kommen doch auch
deutſche Intereſſen in Betracht. Wie die Dinge liegen, ſcheint
es nicht angängig zu ſein, die Türkei zur Aufhebung von
Maßregeln zu zwingen, die ſie in Selbſtverteidigung
er=
griffen hat. Man kann aber wohl mit Sicherheit
an=
nehmen, daß die Pforte, nachdem die italieniſche Flotte
wieder verſchwunden iſt, ſchon im eigenen Intereſſe alles
tun wird, um die Dardanellen der internationalen Schiffe
fahrt wieder zu öffnen. Die ſchmale Rinne, durch die
vorher der Schiffsverkehr ging, kann, wenn ſie jetzt wieder
geöffnet wird, im Bedarfsfalle ja raſch wieder geſchloſſen
werden. Was das Vorgehen Italiens anbelangt, ſo iſt
mehrfach behauptet worden, daß es im Einvernehmen
mit Rußland erfolgt ſei. Wie wir hören, iſt dieſe
An=
nahme nicht zutreffend.
Der Aufruhr in Fez.
* Paris, 19. April. Eine anſcheinend offiziöſe
Meldung beſagt, daß die geplante Maßnahme, durch
welche ein Teil des Soldes der ſcherifiſchen Truppen für
die Mannſchaftskoſt zurückbehalten werden ſollte,
wohl=
kaum die Veranlaſſung zu der Meuterei gebildet:
habe. Zwiſchen dieſer Maßnahme und dem Ausbruch
des Aufſtandes ſei nur ein zufälliges
Zuſammen=
treffen zu erblicken. — Ferner wird halbamtlich
er=
klärt, daß die franzöſiſchen Inſtruktionsoffiziere ein allzu
großes Vertrauen zu der Manneszucht der ſcherifiſchen!
Truppen gehabt hätten und daß deshalb nicht rechtzeitig
die erforderlichen Gegenvorkehrungen getroffen worden
ſeien.
* Madrid, 19. April. ABC ſchreibt über den
Auf=
ſtand in Fez: Angeſichts der höheren Intereſſen
Euro=
pas in Marokko und der ſchmerzlichen Ereigniſſe, von
denen unſer Nebenbuhler dort betroffen wurde, müſſen
wir die ſcharfen Erörterungen unterdrücken,
die ſich uns aufdrängen. — Imparcial ſchreibt: Das=
Blutvergießen und der Ausbruch von feindſeliger
Geſin=
nung unter den Eingeborenen, von denen die Errichtung
des franzöſiſchen Protektorats begleitet iſt, müſſen
be=
trüben und ernſte Beſorgniſſe hervorrufen. Das neue
Regime beginnt unter düſteren Anzeichen.
* Tanger, 19. April. Nach den letzten Nachrichten
hat ſich die Lage in Fez gebeſſert, obwohl das
Schießen fortdauert. Es iſt ſchwer, beſtimmte
Nachrich=
ten aus guter Quelle zu erhalten, obwohl zahlreiche
Fun=
kentelegramme vorliegen. Anſcheinend haben Truppen
den Sultan, der von Empörern angegriffen wurde,
befreit. Die Truppen konnten nur nach heftigem Kampf.
in die Stadt eindringen; ſie verloren 10 Tote, ſämtlich
algeriſche Schützen. Genaues über die Höhe der Verluſte
iſt nicht zu erfahren. Die Truppen beſetzten die Tore im
Süden der Stadt und das Viertel, das ſich an das
Euro=
päerviertel anſchließt. Die in Mekines angekommenen
Verſtärkungen ſind geringfügig. General Moinier
wird am Sonntag mit Verſtärkungen in Fez ankommen.
Die Maghzen Ulemas bemühen ſich, die Empörer zu
be=
ruhigen. Ueber die Lage in Sefru, wo eine größere
An=
zahl ſcherifiſcher Truppen lagert und über die Haltung
der Stämme der Umgegend liegen wenig Nachrichten vor.
Die Zahl der in Fez getöteten Offizierg iſt unbekannt.
* Paris 20. April. Ein im Miniſterium des
Aeußeren um Mitternacht eingetroffenes
Funkentele=
gramm an Tanger meldet, daß die Verſtärkungen
aus Mekines in Fez eingetroffen ſind. Nach
hef=
tigem Kampfe nahmen die franzöſiſchen Truppen die
Stellungen der Aufſtändiſchen ein. Die franzöſiſche Flagge
weht jetzt auf den Wällen. Die Ruhe iſt wieder
hergeſtellt. General Moinier wird heute in Fez
er=
wartet.
* Paris 20. April. In Tanger wurde wegen
der herrſchenden Unſicherheit der Befehl ausgegeben,
Per=
ſonen, die in das Innere des Landes abreiſen wollen,
zurückzuhalten. General Moinier bat in Paris um die
Erlaubnis, den Belagerungszuſtand über Fez
zu verhängen, um eine energiſche Unterdrückung des
Aufſtandes zu erleichtern. Außer fünfeinhalb Bataillonen
wird General Moinier vier Maſchinengewehrabteilungen
und anderthalbe Schwadron Kavallerie, ſowie drei
Bat=
terien Feldartillerie nach Fez dirigieren. Dieſe Kräfte
werden ausreichen, um den Aufſtand zum Stillſtehen zu
bringen.
* Paris 20. April. Im Miniſterrat teilten der
Miniſterpräſident Poincaré, der Kriegsminiſter
Mille=
rand und Marineminiſter Delcaſſé Funkentelegramme
mit, die aus Fez eingetroffen ſind, deren Letztes die
Wiederherſtellung der Ruhe meldet. Die Konl
ſuln von England und Spanien ſprachen dem
franzöſi=
ſchen Geſandten Regnault ihren Dank für den den
Kon=
ſulaten und ihren Landsleuten gewährten Schutz aus
und beglückwünſchten ihn zu der Tapferkeit der
franzöſi=
ſchen Truppen bei der Verteidigung. Der Miniſterrät
erachtete es für ſeine Pflicht, Regnault Inſtruktionen
vom 1. April zur Errichtung des Protektorats zu
beſtä=
tigen. Zwiſchen Regnault und Gencral Moinier herrſcht
volles Einverſtändnis. Millerand teilte mit, daß
gegen=
wärtig 26570 Soldaten in Marokko ſeien, davon 7260
in dem Gebiet von Mekkines und Fez. Die ſcherifiſchen,
Truppen ſeien 6000 Mann ſtark, davon 4000 in Fez. Die
Okkupationstruppen an der algeriſch=marokkaniſchen
Grenze belaufen ſich auf 10 400 Mann.
* Paris, 20. April. Nach Blättermeldungen aus
Tanger beſtätigen die aus Fez eingetroffenen Nachrichten,
daß die Verluſte der Franzoſen ſehr ſchwere
ſeien. Mehrere Offiziere, darunter vier Hauptleute, ſeien
getötet worden. Man kenne die Zahl der Opfer des
Aufſtandes nicht genau, aber es ſei gewiß, daß die
fran=
zöſiſchen Cadres ſehr ſtark in Mitleidenſchaft gezogen
worden ſeien.
* Paris 21. April. Nach einer Meldung aus
Tanger ſollen bei dem Aufſtand in Fez 15
fran=
zöſiſche Offiziere und Unteroffiziere niedergemetzelt
wor=
den ſein, welche als Inſtrukteure der ſcherifiſchen
Trup=
pen angeſtellt waren. Es heißt, daß die aufrühreriſchen
Soldaten den Leichen die Köpfe abſchnitten
die=
ſelben auf Lanzen aufſpießten und durch die Stadt
tru=
gen. Unter den getöteten Offizieren beInden ſich zwei
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 92.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.
Seite 7.
Infanterie= und zwei Artilleriehauptleute, ſowie ein
Ka=
vallerierittmeiſter. Sofort bei Ausbruch des Aufſtandes
plünderten die Aufrührer das Indenviertel, welches zur
Verhinderung weiterer Ueberfälle von den Truppen
be=
ſetzt wurde.
Darmſtadt, 22. April.
Die beiden Schüleraſefführungen am Freitag und
Samstag, den 19. und 20. April, im Fürſtenſaal (
Grafen=
ſtraße) gaben ein ziemlich vollſtändiges und im großen
und ganzen ſehr günſtiges Bild über die Lehrziele und
guten Erfolge der Klavierſchule von Fräulein
Maria Rieger. Die ſehr gewiſſenhafte Durchbildung
der Anſchlagstechnik, ſowie die Erziehung zu muſikaliſch
ausdrucksvollem Vortrag einerſeits, wie andererſeits zu
ſtrenger rhythmiſcher Straffheit, machte ſich auch ſchon bei
den jüngeren Schülerinnen am erſten Abend günſtig
be=
merkbar; höchſtens könnte man bei den ganz einfachen
Stücken, den jüngſten Schülern, denen die ruhige
nicht haſtige — Ausführung der Verzierungsnoten in der
Takteinteilung noch nicht vollkommen gelingt, die
Weg=
laſſung der Doppelſchläge empfehlen zum Vorteil des
Vortrags. Recht gute natürliche muſikaliſche Anlagen
zeigten ſich unzweifelhaft bei allen Schülern, die Fräulein
Rieger zu fördern verſteht. Um nur einiges zu nennen,
möge in Anſchlag und ſelbſtändiger Auffaſſung als
wohl=
gelungen bezeichnet werden: eine kleine Ouvertüre „Zum
feſtlichen Tage” „Duftendes Veilchen” und beſonders das
(eingelegte) „Ständchen” von Stephen Heller. Vier= und
achthändige, recht ſicher geſpielte Stücke begannen und
ſchloſſen den erſten Vortragsabend gut ab. — Der zweite
Abend mit ſeinem geſchickt und ſorgfältig
zuſammenge=
ſtellten Programm hätte, abgeſehen von dem zuweilen
lſtörenden halblauten Taktzählen, ſogar ſchon als
Schü=
lerkonzert bezeichnet werden dürfen. Die durchgehends
guten Leiſtungen der vorgeſchrittenen Schüler und
Schü=
lerinnen beweiſen die Planmäßigkeit der guten und ſiche
ren Lehrmethode, der ſie ſich anvertrauten. Die beiden
(vierhändigen) Ungariſchen Tänze (Nr. 6 und 7) von
Brahms überraſchten durch die gutentwickelte Auffaſſung
ein flott geſpielter Reitermarſch Rubinſteins, vierhändig
auf zwei Klavieren iſt nicht nur pädagogiſch ein
recht wertvolles Stück, ſondern klingt auch in ſeinem
vortrefflichen Klavierſatz ganz prächtig, ebenſo die zu acht
Händen geſpielte Polonäſe Chopins am Schluß. Von den
Einzelſtücken offenbarte der gute, ſehr ausdrucksvolle
Vor=
trag der Berceuſe von Nicolai v. Wilm ein ganz
aus=
gezeichnetes Vortragstalent, das zunächſt zu techniſcher
Vollendung nur noch intenſiverer Beſchäftigung mit
leb=
haft bewegten Paſſagenetüden bedarf, um ſich dann
aller=
dings weit über das mitlere Maß des pianiſtiſchen
Kön=
nens zu erheben. Ferner wurden mit ſchönem Anſchlag
ein Lied ohne Worte von Tſchaikowsky, „Moment muſical
Nr. 2” von Schubert und F=moll=Mazurka recht gut
vor=
getragen, während das ſonſt ſehr gewandt geſpielte
As=
dur=Impromptu von Schubert an zwei Stellen durch eine
unrichtig aufgefaßte Akkordauflöſung ein wenig
beein=
trächtigt wurde.
Eine künſtleriſche Bereicherung erfuhr das Programm
durch zwei Violinſonaten von Beethoven, ein Trio von
Haydn und Andante aus Mendelsſohns Violinkonzert,
zu denen die Herren Kammermuſiker Sturmfels und
Hof=
muſiler Mechler hinzutraten.
In einem ſinnigen, von einer kleinen Schülerin
vor=
getragenen Gedicht fand die Dankbarkeit und Verehrung
der Schüler für ihre gewiſſenhafte und fleißige Lehrerin
beredten Ausdruck, und ein prächtiger Lorbeerkranz wurde
ihr am Schluſſe der gut beſuchten Veranſtaltung
über=
reicht.
* Internationaler landwirtſchaftlicher
Genoſſen=
ſchafts=Kongreß in Baden=Baden. Einer Einladung
des „Reichsverbandes der deutſchen landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften” Folge gebend, wird der III.
Inter=
mationale Bundestag der landwirtſchaftlichen
Genoſſen=
ſſchaften am 21. und 22. Mai d. J. erſtmals in
Deutſch=
land, und zwar in Baden=Baden abgehalten. Der erſte
Kongreß des im Januar 1907 errichteten
Internatio=
nalen Bundes der landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften
fand 1907 in Wien, der zweite 1908 in Piacenza ſtatt
Der Internationale Bund ſteht mit den ländlichen
Ge=
noſſenſchaftsorganiſationen aller Kulturländer in
Ver=
bindung, ihm gehören die großen ländlichen
Genoſſen=
ſchaftsverbände zahlreicher Länder als Mitglieder an.
Die Einladung und Tagesordnung des
Bundes=
tages Baden=Baden, welche der
Bundes=
vorſitzende, Generalanwalt Geheimrat Haas=
Darm=
ſtadt (in Darmſtadt befindet ſich auch der Sitz des
Inter=
nationalen Bundes) ſoeben zur Verſendung bringt, iſt
außerordentlich reichhaltig; ſie enthält u. a. folgende
wichtige Verhandlungsgegenſtände: Geſchäftsbericht des
Bundesvorſitzenden. — Abänderung der Satzung, um
auch die Aufnahme außereuropäiſcher
Genoſſen=
ſchaftsverbände zu ermöglichen. — Genoſſenſchaftliches
Reviſionsweſen. — Genoſſenſchaftliches Unterrichts= und
Ausbildungsweſen. — Entwickelung und Erfahrungen auf
dem Gebiete der genoſſenſchaftl. Zentralkreditorganiſationen.
— Die Pachtgenoſſenſchaften in der Landwirtſchaft.
Die Verſorgung des platten Landes mit Elektrizität
unter genoſſenſchaftlicher Mitwirkung. — Entſchuldung
des Landbeſitzes durch Mithilfe der Genoſſenſchaften.
Nutzbarmachung der neueren Erfahrungen der Kälte=
Induſtrie für den Kleinproduzenten. Als Referenten
ſind bekannte Genoſſenſchafter des In=, insbeſondere aber
des Auslandes gewonnen. Eine Reihe von feſtlichen
Veranſtaltungen iſt in Verbindung mit dem Kongreß
in Ausſicht genommen.
* Mainz, 21. April. In dem Hauſe Käſtrich 43
fand man geſtern abend den 30 Jahre alten Muſiker
Friedrich Hermann Schütze und ſeine Geliebte Emma
Kolwe tot vor. Wie aus hinterlaſſenen Briefen
her=
vorgeht, iſt das Paar in beiderſeitigem
Einver=
ſtändnis in den Tod gegangen. Schütze hat
das Mädchen jedenfalls in der Nacht von Donnerstag
auf Freitag erſchoſſen und dann ſelbſt ſeinem Leben
durch Erhängen ein Ende gemacht. Der Beweggrund
iſt anſcheinend unglückliche Liebe.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Burea u.)
* Berlin, 20. April. In dem
Scharmachpro=
zeß kam es wieder zu ſo erregten Szenen, daß
ein Sachverſtändiger, der in der Reihe der
Preſſevertre=
ter ſaß, erklärte, er könne von ſeinem Platz aus nicht
deutlich verſtehen. Der Vorſitzende ſagte darauf laut:
Dann muß die Preſſe raus! Da der Vorſitzende weitere
Erklärungen nicht abgeben wollte, verließen ſämtliche
Preſſevertreter den Saal. In der Sitzung ſtellte der
Verteidiger Werthauer wiederum eine ganze Flut neuer
Anträge. Die meiſten lehnte der Gerichtshof ab. Der
Gerichtshof beſchloß, den Verteidiger Werthauer wegen
Stellung von Fragen, die zumeiſt ſchon beantwortet ſind
wegen Ungebühr vor Gericht zu 100 Mark
Geld=
ſtrafe zu verurteilen.
* Berlin, 20. April. Der Berliner Lokalanzeiger
meldet aus Berlin: Heute morgen ſtürzten bei
Kalk=
berge=Ruedersdorf etwa 15000 Quadratkubikmeter Erde
und Felsmaſſen in den Tiefbau. Auch der
Steigerturm der freiwilligen Feuerwehr wurde in die
Tiefe geriſſen. Perſonen wurden nicht verletzt.
* Homburg v. d. H., 21. April. Die Kaiſerin
traf heute vormittag gegen 9 Uhr in Begleitung des
Prinzen Joachim, des Grafen Mirbach und der Hofdame
Keller, ſowie des Leibarztes Dr. Zunker in Bad Homburg
ein und begab ſich ins königliche Schloß. Um 9.50 Uhr
wohnte ſie nebſt ihrer Begleitung dem Gottesdienſte in
der Erlöſerkirche bei. Die Predigt hielt Herr Pfarrer
Wenzel. Im Schloß ſpeiſten die Herrſchaften zu Mittag.
Gegen 3 Uhr fuhren ſie nach der Saalburg, beſichtigten
das Saalburg=Kaſtell und begaben ſich hierauf zum Tee
in das Saalburg=Reſtaurant. Nach etwa zweiſtündigem
Aufenthalt fuhren die Herrſchaften nach Bad Nauheim
zurück.
Metz, 21. April. Zu dem angeblichen Fall von
Grenzüberſchreitung bei Auboué durch Soldaten
der Metzer Garniſon erfahren wir von zuſtändiger
mili=
täriſcher Seite, daß trotz des bisherigen völlig
nega=
tiven Ergebniſſes der eingehenden Nachforſchungen
die Unterſuchung noch weiter geführt wird, um die
An=
gelegenheit möglichſt vollſtändig aufzuklären.
* Hamburg, 20. April. Obwohl die deutſchen geſetzlichen
Vorſchriften über die Ausrüſtung der Schiffemit
Rettungsbooten über die entſprechenden engliſchen
erheblich hinausgehen, damit nach dem Urteil der
Behör=
den und Sachverſtändigen die erforderliche Sicherheit
ge=
währleiſtet war, beſchloß die Hamburg=Amerika=Linie über
die geſetzlichen Vorſchriften hinaus ihre Dampfer mit einem
Bootsraum zu verſehen und die Rettungsmittel ſo
auszu=
geſtalten, daß unter allen Umſtänden für alle Perſonen
an Bord vorgeſorgt iſt.
* Zwickau, 20. April. Der Bergarbeiterſtreik
im hieſigen Revier iſt endgültig zu Ende. Bereits
am Freitag nachmittag und ebenſo im Laufe des heutigen
Tages meldeten ſich bei allen Werken zahlreiche
Strei=
kende wieder zur Arbeit. Der Bergbauliche Verein gibt
daher, da in den nächſten Tagen der Grubenbetrieb
wie=
der normal werden dürfte, bis auf weiteres keine
Streik=
ziffern aus, ebenſo keine Ziffern über die Belegſchaften.
* Wien, 21. April. Die „Neue Freie Preſſe” meldet
aus Belgrad: Die ſeit der Proklamation des
Kom=
miſſariats in Kroatien begonnene Boykottagitation
gegen die ungariſche Induſtrie führte zur Vildung eines
beſonderen Boykottkomitees, das es als ſeine Aufgabe
betrachtet, den Boykott gegen alle Waren aus
Oeſter=
reich=Ungarn ins Werk zu ſetzen. Bisher richtete ſich die
Bewegung nur gegen die in Belgrad ſtattfindende
Warenausſtellung des ungariſchen Handelsmuſeums.
* Peſt, 20. April. Das neue ungariſche Kabinett
iſt nunmehr zuſammengeſtellt. Miniſterpräſident und
Miniſter des Innern iſt der bisherige Finanzminiſter
Lukacs. Sämtliche anderen Miniſter verbleiben in ihren
Aemtern. Zum Finanzminiſter wurde Graf Keleſky
er=
nannt. Die Abendblätter begrüßen ohne Unterſchied der
Parteirichtung die Ernennung Lukacs zum
Miniſter=
präſidenten ſehr ſympatiſch. Alle drücken die Hoffnung
aus, daß er die freiſinnige Wahlreform durchführen
werde, wodurch auch die Erledigung der Wehrvorlage
geſichert würde.
* Paris, 21. April. Nach einer Zeitungsmeldung aus
Toulon wurde heute ein Maun namens Blanc
ver=
haftet, der im Verdacht ſteht, ein Helfershelfer des jüngſt
wegen Spionage verhafteten Arſenal=Lithographen
Zimmerle zu ſein.
* Madrid, 20. April. Zu dem
franzöſiſch=
ſpaniſchen Zwiſt wird dem „Mundo” aus London
gemeldet, daß die Forderungen, welche Frankreich an
Spanien zu ſtellen beabſichtigt, die Zuſtimmung
Eng=
lands noch nicht gefunden haben. Die Verhandlungen
dürften indeſſen ſo lange ſtocken, bis zwiſchen Frankreich
und England ein Einvernehmen in dieſer
Ange=
legenheit erzielt worden ſei, die übrigens auch durch die
Ereigniſſe in Fez eine weitere Verwicklung erfahren haben.
Stockholm, 20. April. Die Krankheit des Dichters
Augüſt Strindberg iſt ernſt. Er erhält
Morphium=
einſpritzungen. Eine neue Entleerung der Bauchhöhle iſt
wahrſcheinlich in den nächſten Tagen notwendig.
* Petersburg, 21. April. Die Newaſchiffahrt
wurde offiziell eröffnet.
* Irkutsk, 21. April. (Amtlich.) Bei den Vorgängen
in den Lenagoldwäſchereien wurden 107 Perſonen
erſchoſſen. 84 Verletzte ſtarben ſpäter. Außerdem
ſind 210 verwundet, davon 81 leicht.
* New=York, 20. April. Wie aus Jackſon am
Miſſiſſippi gemeldet wird, ſind bei Beulah infolge eines
Dammbruches zweihundert Menſchen im Miſſiſſippi
ertrunken.
* New=York, 21. April. In der Stadt Henneſſy
(Oklahoma) wurden durch einen Wirbelſturm
50 Häuſer zerſtört. Zwei Frauen wurden getötet.
In Perry wurden ein Mann getötet und etwa zwanzig
Menſchen verwundet, 25 Gebäude ſind beſchädigt. Auch
noch andere Städte im Staate Oklahoma haben ſchwer
gelitten. Telegraphiſchen Meldungen zufolge wurden im
Staate Colorado zahlreiche Menſchen durch den Sturm
getötet.
* Kaſchgar, 21. April. Meuternde Soldaten der
Garniſon Akſu töteten den Taotai Tſcheng, ſowie
den Gebietschef. Dem früheren Taotai Pingſueitſchang
iſt es gelungen, Ruhe zu ſchaffen. Leben und Gut der
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Lotteriegeſchäften zu haben. Die Ziehung findet
garantiert unwiderruflich am 15. Mai d. Js.
ſtatt, und es muß beſonders betont werden, daß dieſe
Lotterie ihren angeſetzten Ziehungstermin
bisher ſtets eingehalten hat, da die Loſe in
allen vorangegangenen Lotterien ausverkauft waren.
Todes=Anzeige.
Nach langem, qualvollem Leiden ſtarb heute
morgen 8½ Uhr in der Klinik von Dr.
Machen=
hauer meine innigſtgeliebte Frau, unſere gute
Schwägerin und Tante
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Frau Marv Kästie
geb. Brendel
im Alter von 61 Jahren.
Der tieftrauernde Gatte:
Gebhard Kästle.
Darmſtadt, 20. April 1912.
Friedrichſtr. 23.
Die Beerdigung findet Montag nachmittag
4 Uhr, vom Portale des ſtädtiſchen Friedhofes
aus, ſtatt. Das Seelenamt für die Verſtorbene
iſt am Dienstag, den 23. April, 6½ Uhr, in
der St. Eliſabethenkirche. Kranzſpenden ſind
nicht im Sinne der Entſchlafenen.
Todes-Anzeige.
Heute früh entschlief sanft nach
kurzem Leiden unsere liebe Mutter,
Grossmutter und Schwiegermutter
Frau
geb. Schneider
im 71. Lebensjahre.
Im Namen
der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Bläsing.
Darmstadt, Brandenburg, Sceheim,
den 20. April 1912.
Die, Beerdigung findet statt: Montag, den
22. April, nachmittags 3½ Uhr, in
Ar-
heilgen.
(9593
Tageskalender.
Hoftheater, Anfang 7½ Uhr (Ab. C): „Der Raub
der Sabinerinnen”
Geſangsaufführung der Joachimſchen Geſangsſchule
um 8¼ Uhr im „Kaiſerſaal”
Konzerte: Hotel Heß, Bürgerkeller und Reſtaurant
„Metropol” um 8 Uhr.
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u. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½—11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
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Vorſtellungen von 4—11 Uhr.
Olympia=Theater, Rheinſtr. 2, 1. Etage:
Vorſtellungen von 4—11 Uhr.
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Dienstag, 23. April.
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10 Uhr auf dem Ortsgericht II.
Gold= und Silber=Verſteigerung um 2 Uhr im
ſtädtiſchen Pfandhaus.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Haus Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkrivte werden nicht
zurückgeſandt.
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.
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Nummer 94.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.
Seite 9.
Mationalflugspende!
Mit Stolz dürfen wir Deutſche den Mann den unſeren
nennen, der die Sehnſucht von Jahrhunderten zuerſt
ver=
wirklicht hat: Zeppelin. Die ſtürmiſche
Vorwärtsentwicke=
lung aber, die das Luftfahrweſen mit dem Auftreten der
Flugmaſchine genommen hat, zwingt uns, die äußerſten
Anſtrengungen zu machen, um nicht durch die
Opfer=
willigkeit und die Tatkraft anderer Nationen ins
Hinter=
treffen gedrängt zu werden. Wenn irgendwo, ſo muß
es hier allezeit heißen: Deutſche vor die Front!” Nicht
ſpieleriſcher Ehrgeiz heiſcht dies von uns, ſondern hier
gilt es, unſeren Ruhm als erſte Meiſter angewandter
Wiſſenſchaft zu wahren, hier geht es um Schaffung von
Werten, die uns Deutſchen einen Ehrenplatz in der
Geſchichte aller Zeiten ſichern ſollen.
Nicht jedem iſt es vergönnt, ſeine körperlichen und
geiſtigen Kräfte perſönlich in den Dienſt dieſer nationalen
Ehrenaufgabe zu ſtellen. Wohl aber kann ein jeder ein
Scherflein beitragen, damit der Geſamtwille der deutſchen
Nation der machtvolle Motor ſei, der der deutſchen
Flug=
maſchine zum Siege verhilft.
Es handelt ſich um eine Nationalſpende, bei der
keiner fehlen will noch darf, um eine nationale Spende
für das deutſche Flugweſen und die deutſchen Flieger.
Denn den Männern, die als Pioniere einer neuen großen
Kulturaufgabe in dem patriotiſchen Beſtreben,
Deutſch=
land auch auf dieſem Gebiete einen ebenbürtigen Platz
im Wettſtreit der Nationen zu ſichern, ihr Leben einſetzen,
gebührt die werktätige Unterſtützung der ganzen Nation.
Vor allem aber ſoll die Nationalſpende die Mittel
bieten, unaufhaltſam weiterzuarbeiten an der Vervoll=
kommnung der Flugapparate, an der Ausbildung der
Flieger, auf daß die Gefahren vermindert, die Leiſtungen
erhöht werden. Mit Hilfe der Nationalſpende ſoll auch
die Entwicklung einer Technik gefördert werden, die immer
neue Arbeits= und Erwerbsfelder erſchließen wird. Häufige
und ausgedehnte Wettkämpfe ſollen Erfindungsgeiſt, Mut
und Tatkraft anſpornen und immer ſtolzere Leiſtungen
von Mann und Maſchine hervorrufen. Kurz: das
deutſche Flugzeug ſoll, ob es in der Stunde nationaler
Gefahr wachſam in den Lüften kreiſt, oder ob es in
fried=
lichem Wettbewerb der Nationen als neueſtes Mittel
modernen Verkehrs und als geflügelter Bote
vater=
ländiſcher Leiſtungsfähigkeit durch die Lande eilt, in
jedem Augenblicke bereit und imſtande ſein, zu erfüllen,
was das Gebot der Stunde von ihm fordert.
Als nach dem Unglücke von Echterdingen eine ſtürmiſche
nationale Begeiſterung das deutſche Volk durchwehte und
in wenigen Wochen Millionen aufgebracht wurden, da
waren nicht die Millionen allein der greifbare Gewinn
der nationalen Begeiſterung. Daß das deutſche Volk ſich
einmütig zu einer nationalen Tat aufraffte, das zeigte
der Welt die elementare Wucht des deutſchen Volkswillens.
Für das Volk — durch das Volk! So beweiſe
Deutſchland auch jetzt, daß alle Unterſchiede der Parteien,
der Konfeſſionen, der ſozialen Schichtungen in dem
Augen=
blicke verſchwunden ſind, wo das deutſche Volk vor eine
große nationale Aufgabe geſtellt wird. Nachdem bereits
in allen Teilen Deutſchlands Sammlungen zu
vorſtehen=
den Zwecken begonnen haben, iſt das deutſche
Reichs=
komitee zuſammengetreten, das einen Mittelpunkt aller
dieſer Beſtrebungen bilden und das Sammelwerk
zu=
ſammenfaſſen und ergänzen will. Es bittet die
beſtehen=
den Komitees, Verbände, Vereinigungen und ſonſtige
ſammelnde Stellen, die bei ihnen eingehenden Spenden
ihm zuzuführen und ihm jedenfalls fortlaufend
Mit=
teilungen über die Geſamtſumme der eingegangenen
Gaben zu Händen ſeines Präſidenten zukommen zu laſſen.
Sammelſtellen bilden: die Expeditionen der
deutſchen Zeitungen, die ſämtlichen Reichspoſtanſtalten,
die Reichsbank in Berlin, die ſämtlichen Reichsbank=
Haupt= und=Nebenſtellen, die Königlich Preußiſche
See=
handlung, die Bank für Handel und Induſtrie, die
Ber=
liner Handels=Geſellſchaft, S. Bleichröder, die Commerz=
und Disconto=Bank, die Deutſche Bank, die Disconto=
Geſellſchaft, Mendelsſohn & Co., die Mitteldeutſche
Cre=
ditbank, die Nationalbank für Deutſchland, der
Schaaff=
hauſenſche Bankverein, die Dresdener Bank, Georg
From=
berg & Co., Delbrück, Leo & Co., F. W. Krauſe & Co.,
Hardy & Co., Gebr. Schickler, von der Heydt & Co. und
der Deutſche Offizierverein.
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des Regierungsaſſeſſors Dr. Haniel befindet ſich Berlin
NW. 6, Luiſenſtraße 33/34.
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Heinrich, Prinz von Preußen,
Protektor.
Dr. Graf von Poſadowsky=Wehner,
Präſident des Komitees.
Franz von Mendelsſohn, Bankier, Schatzmeiſter.
Amtliche Nachrichten des Grofh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Pinſcher. 1 Wolfshund (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(9558
Für Gaſtwirte!
Am 1. Mai 1912, vormittags 10 Uhr
wird auf dem Ortsgerichtsbüro zu Darmſtadt, Grafenſtraße, die
in Darmſtadt, Große Bachgaſſe gelegene, bisher Diehl’ſche Hofreite
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öffentlich an den Meiſtbietenden unter den ortsüblichen Bedingungen
verſteigert werden. In der Hofreite wird ſeit Jahren unter der Firma
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eine gutgehende Wirtſchaft betrieben.
Es werden daher insbeſondere Gaſtwirte auf dieſe
Verſteige=
rung beſonders aufmerkſam gemacht.
(9585
Darmſtadt, den 20. April 1912.
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Ueber das Vermögen des
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meiſters Wilhelm Brücher des
Dritten in Arheilgen wird heute,
am 20. April 1912, vormittags
113 Uhr, das Konkursverfahren
er=
öffnet.
Der Großh. Gerichtsvollzieher
i. P. Philipp Reibſtein zu
Darm=
ſtadt, Bleichſtraße, wird zum
Kon=
kursverwalter ernannt.
Konkursforderungen ſind bis zum
S. Mai 1912 bei dem Gerichte
anzumelden.
Es wird zur Beſchlußfaſſung über
die Beibehaltung des ernannten
oder die Wahl eines anderen
Ver=
walters, ſowie über die Beſtellung
eines Gläubigerausſchuſſes und
eintretenden Falls über die in § 132
der Konkursordnung bezeichneten
Gegenſtände und zur Prüfung der
angemeldeten Forderungen auf
Mittwoch, 15. Mai 1912,
vormittags 11½ Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerichte,
Neues Gerichtsgebäude, am
Ma=
thildenplatz, Saal Nr. 118, Termin
anberaumt.
Allen Perſonen, welche eine zur
Konkursmaſſe gehörige Sache in
Beſitz haben oder zur
Konkurs=
maſſe etwas ſchuldig ſind, wird
aufgegeben, nichts an den
Gemein=
ſchuldner zu verabfolgen oder zu
leiſten, auch die Verpflichtung
auf=
erlegt, von dem Beſitze der Sache
und von den Forderungen, für
welche ſie aus der Sache
abgeſon=
derte Befriedigung in Anſpruch
nehmen, dem Konkursverwalter bis
zum 8. Mai 1912 Anzeige zu
(9586
machen.
Darmſtadt, 20. April 1912.
Großherzogliches Amtsgericht
Darmſtadt II.
Hebamme Frau Sophie
D Pfaff, Löffelgaſſe 10, iſt unter
die Zahl der ſtädtiſchen
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hebammen aufgenommen worden.
Darmſtadt, 17. April 1912.
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Der Hof des Schweigens.
Ein Roman aus Island von Anny Wothe.
(Nachdruc ve.55:)
25)
Copyright 1910 by Anny Wothe, Leipzig.
Ein Grauſen geht durch Hallgerdrs Bruſt. Sie weiß,
wie gefährlich das Wagnis iſt, das ſie unternehmen. Bei
den immerwährenden Eruptionen würde ſchon die kleinſte
Erſchütterung genügen, die Höhle zu ſchließen und ſie alle
zu Gefangenen dieſer ſchauerlichen Grabesnacht machen.
Ich fürchte mich ſo, hörte ſie Signes Stimme klagen.
Lieber guter Arne Mattiſſon, halten Sie mich doch feſt.
Hallgerdr zittert auch, trotzdem der Weg jetzt
geräu=
miger und beſſer wird. Sie können wieder aufrecht gehen,
aber die Füße ſind ihr ſo ſchwer.
Da faßt plötzlich eine warme Hand die ihre, ſie weiß,
daß ſie nun mit Ingwald Anderſen durch das Dunkel
ſchreitet.
Ihr dürft Euch nicht fürchten, Hallgerdr, flüſtert er ihr
teiß ins Ohr. Ich bin bei Euch und ich ſchütze Euch.
Jahrtauſende liegen hier über dem Dunkel, antwortete
iſie leiſe, und das weckt in mir ein Grauſen. Es iſt gewiß
dumm von mir, ich meine aber Totengerippe dort an den
ſchwarzen Wänden zu ſehen, wenn der ſchwache Schein
von Bjarnis Licht darauf fällt.
Du darfſt keine Furcht haben, Geliebte, flüſtert ihr
Ingwald Anderſen zu, indem er ihre kalte, zitternde Hand
innig an ſeine Bruſt zieht. Fühlſt Du nicht, wie mein
Herz ſchlägt und hämmert, Hallgerdr, fühlſt Du nicht, daß
ich Dich liebe?
Sie vermag nichts zu erwidern. Die Leidenſchaft, die
aus ſeiner Stimme bricht, ſchlägt wie eine Flamme zu ihr
herüber.
Hallgerdr, Süße, Holde, flehte der Kapitän, den Arm
jetzt um das zitternde Mädchen legend, ſage mir das eine,
ob Du fühlſt, wie unſagbar ich Dich liebe. Ich bitte Dich,
gib mir Antwort, hier, hier, wo uns keiner hört.
Die anderen ſind weit voraus, weicht ſie aus. Kaum
ſehe ich noch Bjarnis Licht. Wenn wir den Ausgang nicht
wiederfinden —
Was ſchadet es, ruft er leidenſchaftlich, dann ſterben
wir im ſeligſten Liebesrauſch. Hallgerdr, ich liebe Dich
wie nichts auf der Welt. Himmel und Erde ſind klein
gegen meine Liebe.
Wie vermeſſen, antwortete Hallgerdr ängſtlich.
Drau=
ßen rollt der Donner, und ein Wetter tobt über uns. Es
kann uns vernichten.
Mag es, nur ſage mir, daß Du mich liebſt, kam es
lei=
denſchaftlich aus Ingwalds Munde, indem er das Mädchen
feſt an ſeine Bruſt riß und ihren blühenden Mund mit
Küſſen bedeckte, und ich lache des Todes, denn Deine Liebe
iſt für mich Leben.
Mitene nhie ſe ie denr ſchanenwien Dunick der
Höhle an Ingwalds Bruſt. Willenlos duldete ſie ſeine
Küſſe.
Du mein Leben, meine Seligkeit, flüſterte er heiß.
Nun mag der Tod kommen, ich habe Dich, Dich!
Jäh riß ſich Hallgerdr aus ſeinen Armen.
Bjarnis Licht war ihnen ganz nahe, und Signes feine
Stimme rief nach Ole Gudmund, der ihr helfen ſollte, ſich
durch eine enge Felsſpalte zu zwängen.
Ich bin zurückgekommen, bemerkte Bjarni ruhig, weil
ich wußte, Hallgerdr, daß Du die Richtung verloren haſt.
Der Weg, den Du gehen wollteſt, führt nie wieder ans
Tageslicht.
Hallgerdr fühlte wohl die zwiefache Bedeutung der
Worte, aber ſie fand keine Antwort. Stumm folgte ſie an
Ingwalds Hand Bjarni, dem Führer, durch die tiefe
Fin=
ſternis. Das Grauen, die Angſt in ihrer Seele war
plötz=
lich geſchwunden. In ihrer Bruſt war ein Jubel, ein
Rauſch, für das ſie keine Worte fand.
Nun kam das Glück auch zu ihr. Nun würde ſie nicht
mehr einſam ſein. Was war Kaare Myrdals treue Liebe
gegen die ſieghafte Leidenſchaft des Mannes, der ihr zur
Seite ſchritt, der ſie mit Sturmesgewalt zu ſich zwang im
Leben oder im Tode, der von ihrer Seele Beſitz ergriffen,
ſchon damgls, als ſie ihn zum erſtenmal geſehen.
Nummer 94.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.
Seite 11.
Sir eheen e ert e net e,
Sag nur ein Wort, ein einziges Wort. Liebſt Du mich?
Ja, Herr, gab ſie zurück und ließ es geſchehen, daß er
wieder ihre Lippen ſuchte.
Und wirſt Du treu zu mir ſtehen, ſelbſt wenn
Hinder=
niſſe aller Art unſere Liebe bedrohen? Wirſt Du tapfer
aushalten, wenn wir kämpfen müſſen um unſer Glück? Sag
es, Hallgerdr, damit ich mich daran aufrichte, wenn meine
Seele zagt.
Ich werde nie aufhören, Dich zu lieben, flüſterte
Hall=
gerdr mit geſchloſſenen Augen. Aus Nacht und Dunkel
ſteigt unſere Liebe zum Licht.
Noch einmal preßten ſich ſeine Lippen auf ihren Mund,
dann hatten ſie den Ausgang der Höhle erreicht.
Bjarni hielt mit finſterem Blick das niedere
Buſch=
werk, das den Durchgang ſperrte, zurück. Er ſah die
Pur=
purröte auf Hallgerdrs Wangen und die Haſt und
Verlegen=
heit, mit der ſie haſtig ihren Reitrock überwarf.
Signe brauchte längere Zeit, ſie ärgerte ſich daß Ole
Gudmund, der mißmutig ihr Zögern ſah, ihr nicht half.
Jorum weinte. Sie hatte ſich an den ſcharfen
Fels=
känten die Hände verletzt, die bluteten. Arne Mattiſſon
verband ſie ihr, da wurde ſie wieder fröhlich.
Der Weg erwies ſich jetzt etwas beſſer, aber der
Sturm raſte, und nur mühſelig und langſam kam die kleine
Geſellſchaft vorwärts.
Die Pferde waren ausdauernd und unermüdlich. Nur
Hallgerdrs Falbe verſagte und mußte durch ein
Erſatz=
pferd ausgewechſelt werden, weil ein Druck des Sattels
ihm die Seite wund gerieben. Die beiden Seen
Lauger=
dain an denen ſie vorüher kamen, ſonſt ſtill und blau, tob=
ten in wilden, grauen Wogen, und ziſchend ſtiegen an ihren
Ufern die heißen Quellen empor. Das war ein Brodeln,
Kochen und Murren unter den Pferdehufen, als die
Reiſen=
den näher hinzukamen und bald ganz eingehüllt waren
von einem heißen, ſtickigen Dampf, den der Sturm ihnen
entgegen warf, ſonſt ſollte von man hier aus die
ſchnee=
bedeckte Hekla ſehen, aber heute verbarg ſie ſich wie der
Esjafjellajökull.
Alle atmeten auf, als ſie endlich den ſchönen
Lauger=
datur erreichten. Aber noch liegt ein dreiſtündiger Ritt
in Regen und Sturm vor ihnen, bis ſie nach Laugerſhola
gelangen. Und wie kann es in Island regnen! Als
ſchüt=
tete man Kannen aus, ſo floß in ſchweren, wuchtigen
Strö=
men das Waſſer hernieder.
Hallgerdr ritt jetzt, wo es der Weg geſtattete, immer
zwiſchen Jon und Bjarni. Der Kapitän hatte ſich Signe
zugeſellt.
Wie im ſchweigenden Uebereinkommen ſuchten ſich
Hallgerdr und Ingwald jetzt, wo wieder der Tagesſchein
über ihnen lag, zu meiden.
Und doch war eine unnennbare Seligkeit in beider
Bruſt.
Mit ſtill verſonnenen Augen ritt Hallgerdr zwiſchen
den Männern. Sie merkte es gar nicht, daß von ihrem
Südweſter der Regen wie in kleinen Bächen verniederrann.
Sie dachte immer nur das eine, daß ſie geliebt wurde,
him=
melſtürmend, todverachtend, und daß der, der ſie liebte, ein
Mann war, wie ſie vordem noch keinen gekannt. Groß,
kühn, herrlich, ein Held. Was war dagegen Kaare
Myr=
dals ſanfte Liebe?
und disdich wurde ihr daß ſe ueß und dan unds
Herz. Sie hätte weinen mögen in all ihrem grenzenloſen,
unfaßbaren Glück.
Schwarze Raben flogen mit krächzendem Geſchrei über
das niedere Birkengebüſch des Laugardtals, das ob ſeiner
Seltenheit ſich vermeſſen als Wald fühlen darf und als
ſolcher bewundert wird.
Endlich war das gaſtliche Pfarrhaus, wo die mächtige
Geſtalt des Pfarrherrn die Reiſenden ſchon von Weitem
willkommen hieß, erreicht.
Man labte die Wegmüden mit friſcher Milch, Kaffee
und Brot, und am Herdfeuer wurden unter Scherzen und
Lachen die Kleider getrocknet.
Signe war von überſprudelnder Laune, und ihr Vater
tat es ihr nach. Er erzählte dem Pfarrherrn eine
Anek=
dote nach der anderen, die er ſelber dann ſchallend belachte,
ſekundiert von den beiden Studenten, die in ſolcher Weiſe
ihre dankbaren Gefühle für den Amtmadur zum Ausdruck
brachten.
Auch hier ſprachen Ingwald und Hallgerdr nicht
mit=
einander. Aber ihre Augen tranken ſich ſatt aneinander,
und beider Mund umſpielte ein weltverlorenes,
traum=
ſeliges Lächeln.
Jon Thorkjel ſah es, und in ſeiner ſchmalen Bruſt
tobte ein wilder Kampf, ein heißer Schmerz. Er hätte
den ſtarken Mann erwürgen mögen, der ihm in allem
vor=
aus war, der ſo ſiegesſicher ein Weib für ſich nahm, um
das er Jahr für Jahr ſchon vergeblich diente.
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Großherzogl. Hoftheater
Montag, 22. April.
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Der Raub der Sabinerinnen.
Schwank in 4 Akten von Franz
und Paul von Schönthan.
Spielleitung: Regiſſeur Hacker.
Perſonen:
Martin Gollwitz,
Friederike, deſſen
Frau
Paula, d. Tocht. Frl. Gothe
Dr. Neumeiſter . Hr. Weſtermann
Marianne, ſeine
Frau
Karl Groß . . . Hr. Wagner
Emil Groß, gen.
Sterneck, deſſen
Sohn
. Hr. Schneider
Emanuel Strieſe,
Theaterdirektor . Hr. Jordan
Roſa,
Dienſtmäd=
chen b. Gollwitz Fr. Rudolf
Auguſte, Dienſtm.
bei Neumeiſter Frl. Daniel
Meißner,
Schul=
diener
Nach dem 2. Akte längere Pauſe.
Krank: Frl. Geyersbach.
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Proſzeniumsloge 5 Mk.,
Fremden=
loge 5 Mk., Balkonloge 4.50 Mk.,
1. Rang 4 Mk., 2. Rang: 1—6.
Reihe 2 Mk., 7. u. 8. Reihe 1.60 Mk.,
Sperrſitz: 1.—13. Reihe 3.50 Mk.,
14.—20. Reihe 3 Mk., Parterre:
1.—5. Reihe 2.20 Mk., 6.—8. Reihe
1.80 Mk., 1. Galerie 1 Mk., 2.
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Anfang 7½ Uhr. — Ende 10 Uhr.
Kartenverk. v. 11—1u. v. 6½ Uhr an.
Vorverkauf
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Dienstag, 23. April. 160. Ab.=V.
B 40. Zu Shakeſpeare’s
Geburts=
tag. Neu einſtudiert: „Ein
Sommernachtstraum.” Kl.
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Mittwoch, 24. April. 161 Ab.=V.
A 41. „Im weißen Röß‟
Kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Donnerstag, 25. April. 162. Ab.=
Vorſt. C 41. Zum Gedenken an
Friedrich v. Flotow (geb. 26. April
1812). „Martha.‟ Kl. Preiſe.
Anfang 7 Uhr.
Profeſſor . . . Hr. Lehrmann
. Frl. Heumann
. Frl. Grünberg
. . Hr. Knispel
[ ← ][ ]Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. April 1912.
Nummer 94.
Oleeeale
Hnh
Saar Gagenll. zucuſl 4!
Luftfahrt.
* Die deutſchen Ausſcheidungs=Rennen
für das Gordon=Bennettfliegen der
Freibal=
lons wurden, wie ſchon ſeinerzeit gemeldet, nach Dresden
und Leipzig überwieſen. Der Leipziger Verein für
Luft=
ſchiffahrt veranſtältet das erſte Ausſcheidungsrennen am
28. April. Gemeldet haben ſich 12 Führer, die mit ihren
Ballons von 5 Uhr nachmittags an ſtarten werden.
— Der Flug von Peking nach Paris. Der
kühne Plan eines Wettfluges von Peting nach Paris iſt
nunmehr geſichert. Die Organiſatoren des Unternehmens
haben nun, nachdem die metevrologiſchen Beobachtungen
aus Rußland und Sibirien vorliegen, in einer Sitzung die
Einzelheiten der Konkurrenz ausgearbeitet. Der Vorſchlag
des Prinzen Scipio Borgheſe hat geſiegt: der Flug geht
durch die Gobi=Wüſte, die Route iſt Peking, Kalgan,
Tue=
ring, Urga, Kiachta Baikal=See. Die Flieger folgen
da=
bei der die Gobi=Wüſte durchquerenden Telegraphenlinie,
die alle 225 Kilometer eine Station hat. Dann führt der
Weg durch die Lüfte über Irkutsk und Tomsk, weiter nach
Omsk, nach Kaſan, nach Niſchninowgorod, Moskau und
Warſchau. Von Warſchau wendet ſich die Etappenſtraße
ſüdöſtlich nach Wien und führt ſchließlich über Trieſt,
Genua, Avignon, Lyon nach Paris. Die meteorologiſchen
Auskünfte haben ergeben, daß die Witterungsverhältniſſe
im September am günſtigſten ſind, ſowohl in Sibirien
wie in Nordchina iſt dann die Regenzeit vorüber und die
Winde wehen durchſchnittlich mit einer Geſchwindigkeit
von vier bis fünf Metern in der Sekunde. Die Flieger
werden alſo vorausſichtlich Anfang September von Peking
aufbrechen. Einſtweilen ſtehen für Preiſe 155000 Francs
zur Verfügung. Bedingung für die Ausführung des
Pla=
nes iſt, daß mindeſtens fünf Konkurrenten an dem Fluge
teilnehmen.
* Der engliſche Flieger Lerly Allah, der
am Mittwoch vom Flugfelde von Hendon bei London
aufgeſtiegen und nach Cheſter geflogen war, iſt am
Don=
nerstag morgen um 6 Uhr wieder von dort aufgeſtiegen,
um ſeinen Flug nach Dublin fortzuſetzen. Zum letzten
Male wurde der Flieger noch in Holy=Head geſichtet. Von
dort fehlt jede Spur von ihm und man fürchtet, daß Allan
ſich über dem Meere verirrt hat und ertrunken iſt.
* Einen bemerkenswerten
Ueberland=
flug abſolvierte der franzöſiſche Flieger Buſſon mit
einem Deperduſſin=Eindecker (50 PS. Gnome=Motor), durch
den er gegenwärtiger Inhaber des Pokals Pomery
gewor=
den iſt, deſſen Prämie von 7500 Francs am 30. April zum
Verfall kommt. Buſſon ſtieg morgens 5 Uhr 40 Min. auf
dem Aerodrom von Pau auf in der Abſicht, nach Paris zu
fliegen. Infolge ſtarken Regens mußte der Pilot ſchon
9 Uhr 20 Min. in Poitiers eine Zwiſchenlandung
vor=
nehmen. Buſſon ſetzte dann 11 Uhr 10 Min. ſeinen Flug
nach Tours fort. Bei ſeiner Reiſe von Pau nach Tours,
(645 Kilometer, hat er bereits den beſten Flug um den
Pokal Pomery, den Vedrines von Paris nach Angouleme
ausgeführt hatte, überboten. Um 5 Uhr ſtieg Buſſon
wie=
der auf, in der Hoffnung, Paris zu erreichen. Gegen
7 Uhr mußte er aber infolge Dunkelheit in der Nähe von
Verſailles auf dem Flugfelde von Saint=Cyr landen.
* Ein ſchwerer Flieger=Unfall ereignete
ich auf dem Aerodrom von Eaſtburne. Dort ſtürzte der
Aviatiker Victor Yates, der Direktor des Flugplatzes,
mit einem Bleriot=Eindecker aus geringer Höhe ab.
Trotz=
dem der Sturz aus mäßiger Höhe erfolgte, ging die
Flug=
maſchine, die ſich überſchlagen hatte, vollſtändig in
Trüm=
mer. Der Flieger mußte ſchwer, verletzt ins Krankenhaus
gebracht werden.
Sport.
Sr. Pferdeſport. Berliner Concours
hippi=
que 1912. An der einleitenden Zivil=Dreſſur=
Prüfung nahmen 10 Bewerber teil. Erſte wurde Herrn
von Guſteds 8jähr. Fuchs=Stute Sportdame gegen Herrn
Lindpainters 8jähr. br. Stute Old=Bleß und Frau
Gugen=
heims 7jähr. dunkelbr. Stute Sutty. In der von ſechs
Kon=
kurrenten beſtrittenen Eignungs=Prüfung für
Herrſchaftliche Geſpanne konnten zwei erſte
Preiſe verteilt werden: an Herrn E. Heydens Viktoria=
Einſpänner und Oberlt. Dollmanns Coupé=Zweiſpänner.
Dritter wurde Herrn Lampe=Viſchers Viktoria=
Zweiſpän=
ner. An der Materials=Prüfung für Reitpferde
im Beſitze von Pferdehändlern, Züchtern, Verkaufs= oder
Reit=Inſtituten konkurrierten 11 Pferde. Der erſte Preis
fiel an den Offiziers=Pferdeverein; 2. Preis:
Pferdehand=
lung Julius Beermann; 3. Preis: Pferdehandlung Karl
Löwenthal. An der Maiden=Springkonkurrenz nahmen
nicht weniger als 60 Pferde teil.
* Das Internationale Motorboot=Meeting von
Mo=
nako konnte mit dem Endlauf des Handicaps um den
Preis von Condamine auch am Mittwoch noch nicht
pro=
grammäßig beendet werden, da vormittags die See zu
be=
wegt war. Erſt am Nachmittag beſſerte ſich das Wetter
und man entſchloß ſich, um 3 Uhr zu ſtarten. Es fanden
ſich aber nur drei Boote zum Rennen ein, das Bordeaux
Rouge leicht gewann, da Mais je vais piquer infolge einer
Panne aufgeben mußte und Piſtil ernſtlich nicht in Frage
kam.
* Lawn=Tennis. Das Internationale Lawn=
Tennis=Turnier zu Dulwich brachte in der
Vorſchlußrunde eine große Ueberraſchung. Der bekannte
deutſche Spieler Bergmann, der mit Ritchie
zuſammen=
traf, ſiegte gegen dieſen 6—3, 6—4. Das glänzende Spiel
des Deutſchen erregte allgemeine Bewunderung.
Handel und Verkehr.
H. Frankfurt, 20. April. (
Börſenwochen=
bericht.) Der Geldmarkt iſt erfreulicherweiſe etwas
günſtiger geworden, ſo daß der Privatdiskonto auf 3½
Prozent zurückging. Hingegen wurden die Börſen
neuer=
dings durch das kriegeriſche Vorgehen Italiens in den
Dardanellen wieder in eine nervöſe Stimmung verſetzt.
Das Geſchäft, welches ſich während der Berichtswoche
zeitweilig recht lebhaft geſtaltete, flaute unter dem Druck
der politiſchen Vorgänge weſentlich ab. Immerhin ſind
die Kurseinbußen verhältnismäßig gering, da dem
auf=
tretenden Angebot der Spekulation auch entſprechende
Kauforders gegenüber ſtanden. Der New=Yorker Platz lag
ebenfalls ſchwächer auf die Erfolge Rooſevelts in
Pen=
ſylvania, die eine Wiederwahl desſelben in den Bereich
der Möglichkeit ziehen, keinesfalls zum Vorteil der
Börſen=
magnaten in Wall Street; ferner hat die traurige
Kata=
ſtrophe der „Titanie” die Stimmung der dortigen
Speku=
lation auch etwas beeinflußt.
Zu den Einzelheiten des Verkehrs übergehend, waren
die Umſätze in deutſchen Renten ſehr ſtill; es fehlte jedes
Intereſſe dafür und auch das Privatpublikum ſandte nur
geringe Orders. Die Stadt Gießen begab ein 4prozentiges,
bis 1917 unkündbares Anlehen in Höhe von 3½ Millionen
Mark zu 98,17 an ein Konſortium. Von den ausländiſchen
Staatsfonds wurden die ſerbiſchen ſtärker gekauft; es wird
wieder viel von einer bevorſtehenden Konverſionsoperation
geſprochen; auch Argeninien belebter auf die angeblih
günſtigen Ernteausſichten. Türken ſind trotz der oben
Er=
wähnten Vorgänge gut behauptet, nur türkiſche Loſe, für
welche in den letzten Tagen regeres Intereſſe beſtand, um
etwa 1½ Mark niedriger. Am Transportmarkt wurden
Hamburger Paketfahrt (unter Berückſichtigung des
Divi=
denden=Abſchlags), ſowie Nordd. Lloyd, nach
vorüber=
gehender Abſchwächung ſchließlich beſſer bezahlt; auch
Orientbahnen und Anatolier waren höher.
Bankaktien haben wenig Veränderungen aufzuweiſen.
Die höchſt befriedigenden Berichte über den Geſchäftsgang
am Stabeiſenmarkt, ſowie am oberſchleſiſchen
Walzeiſen=
markt haben gemeinſam mit den günſtigen amerikaniſchen
Nachrichten die Neigung der Spekulation für
Montan=
papiere ſtark angefacht. Hierzu kam auch die Zuverſicht
inbetreff der Verbandserneuerung, ſodaß zeitweilig das
Geſchäft auf dieſem Gebiete recht lebhaft ſich geſtalten
konnte; beſonders Phönix waren bevorzugt auf den
gro=
ßen Mehrüberſchuß und in der Erwartung weiterer guter
Ergebniſſe. Laurahütte höher auf die Preiserhöhung der
Breslauer Eiſengroßhändler. Bei Wochenſchluß erfolgten
indes Realiſationen infolge der allgemeinen Ermattung.
Elektrizitätsaktien ruhiger, nur Allgemeine
Elektrizitäts=
geſellſchaft ſtärker gefragt.
Am Kaſſainduſtriemarkt herrſchte während der ganzen
Woche regere Nachfrage bei ſteigenden Kurſen, die erſt bei
Wochenende durch große Gewinſtrealiſationen gehemmt
wurden. Holzverkohlung erreichten 331, um 329½ zu
ſchließen, Deutſche Gold= und Silber=Scheideanſtalt bis
1103 avancierend, nachdem ſchon 1120 bezahlt wurden.
Höchſter Farbwerke 577 nach 583, Kunſtſeide 183, Gummi
Peter 140, Moenus bis 312 nachgebend, da die Bilanz
nicht befriedigte; Daimler bis 262½ ſteigend, gaben bis
2593/ nach, Kleyer 472, Aluminium bis 255, erhöht, da die
Ausſichten auf ein Zuſtandekommen des lange erſtrebten
internationalen Aluminium=Syndikats gewachſen ſind.
Guttsmann Maſchinen auf den ungünſtigen Abſchluß
matter. Der Verein für chemiſche Induſtrie in Mainz
verteilt wieder wie im Vorjahre 16 Prozent Dividende,
die Aktiengeſellſchaft für Buntpapier und Leimfabrikation
Aſchaffenburg 10 Prozent Dividende.
Von Loſen notieren: Augsburger 35,80,
Braunſchwei=
iger 198,80, Pappenheimer 53,—, Freiburger 70,—,
Tür=
kiſche 170,60, Genua 197,75, Ungariſche 371,50, Meininger
35,50, Venediger 43,—, Mailänder 45=Frcs.=Loſe 135,—
(nominell), Mailänder 10=Fres.=Loſe 34,—, Raab=Grazer
Anr.=Sch. 37,80, in Reichsmark; Gothaer Prämie II 117,75,
Donau=Regulierung 145,—, Madrider 76,20, in Prozent.
Ferner ſchließen: 4proz. Reichs (bis 1918 unkündbar)
101,30, 3½proz. Reichs 90,75, 3proz. Reichs 81,35, 4proz.
Heſſen von 1899 100 G., 4proz. Heſſen von 1906 100 B.,
4proz. Heſſen von 1908/09 100,—, 4proz. Heſſen (unkündbar
bis 1921) 100,50 B., 3½proz. Heſſen 89,20, 3proz. Heſſen
78,30, 4proz. Darmſtädter 10025, 3½proz. Darmſtädter
90,25, 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 18—23) 100,50 G.,
4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 24—25) 100,60 G.,
3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 3—5) 89,60, 3½proz.
Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 9—11) 89,70, 4proz. Heſſ.
Kom=
munal=Pfdbr. (S. 10—12) 100,60 G., 4proz. Heſſ.
Kom=
munal=Pfdbr. (S. 13—14) 100,70 G., 3½proz. Heſſ.
Kom=
munal=Pfdbr. (S. 1—3) 89,86 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=
Pfdbr. (S. 4) 89,70 G., Darmſtädter Bank 122½, Südd.
Eiſenbahn=Geſellſchaft 123,25, Südd. Intmobilien=
Geſell=
ſchaft (Mainz) 69,70 B Lederwerke vorm. Spicharz (
Offen=
bach a. M.)
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Schantungbahn 135,50, South=Weſtafrika 154,50, Otau=
Anteile 94—, Otavi=Genußſcheine 66,50, 4½proz. Ruſſen
100,30, 4proz. 1880er Ruſſen 91 P., 4proz. 1902er Ruſſen
89,95, 3¼oproz. Ruſſen 87,80, 3½proz. Ruſſen 84,50, Zproz.
Ruſſen 80,50, 4proz. unifizierte Türken 91,49. 4proz.
Ad=
miniſtrations=Türken 84,40, 4proz. konvertierte Türken
81,40, Bagdadbahn 83,80, 5proz. Chineſen 100,45, 4½proz.
Chineſen 94,55, 5proz. Chineſen (Tientſin=Pukow) 99,40,
4½proz Japaner 94,90, 4proz. Japaner 81
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