Darmstädter Tagblatt 1912


09. April 1912

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Inſerate
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175. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadt,
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
turen
Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. Bei
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Der Reichskanzler iſt am Samstag in Korfu
eingetroffen.
Die Wiederaufnahme der Arbeit durch die
ſtreikenden Arbeiter im Schneiderge=
werbe
wird nach den Verſammlungen in Jena als
beworſtehend bezeichnet.
Für die Erbauung einer italieniſchen Luft=
flotte
ſind bereits 600000 Lire freiwillige
Beiträge gezeichnet worden.
Der Matin kündigt an, daß er ſich mit dem Plane befaßt,
einen Wettflug zwiſchen Peking und Paris
zu organiſieren.
Die Konferenz des engliſchen Gruben=
arbeiter
=Verbandes hat den Beſchluß des
Exekutiv=Komitees, daß die Arbeit zur Beendigung
des Streiks am Dienstag wieder aufgenom=
men
werden ſoll, angenommen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Was lehrt uns Holland?

Man ſchreibt uns: Im April= und Märzheft
der Marine=Rfundſchau wird der Niedergang ge=
ſchildert
, den die holländiſche Seemacht ſeit der
zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Kampfe mit
England erlitten hat. Dieſe Darſtellung iſt deshalb
überaus lehrreich, weil ſie helles Licht auf das Weſen
der Machtentwickelung zur See fallen läßt.
Von den beiden Gegnern hatte Holland nach 80 jäh=
rigem
, heldenhaftern Befreiungskampfe den Gipfel der
Größe um die Mitte des 17. Jahrhunderts erreicht: ſein
Geſamthandel betrug das Fünffache des engliſchen, ſeine
Handelsflotte machte vier Fünſtel der europäiſchen aus,
ſein Kapitalreichtum übertraf weit den engliſchemn, ſeine
geiſtige Kultur erlebte ein goldenes Zeitalter. Aber es
fehlte die Erkenntnis, daß die Baſis dieſes Wohlſtandes,
der Seehandel, auch zur See verteidigt werden müſſe. Die
Folge des Friedens von 1648 war der politiſche und ſtra=
tegiſche
Trugſchluß, nach Erreichung des langerſehnten
Zieles die Rüſtungsausgaben einſchränken zu können.
Es wurde der Schiffsbeſtand auf das notwendigſte be=
ſchränkt
, die Fürſorge für das geſamte Material und das
Perſonal der Marine ſchlief ein, auch finanziell rührte
man dafür keine Hand. Sorgloſer Genuß der erworbe=
nen
Güter und die Loſung des kurzſichtigen Kaufmanns
Friede mit jedermann, Friede um jeden Preis waren
die Faktoren, die, begünſtigt durch den Zwieſpalt zwi=
ſchen
der monarchiſch=oraniſchen Partei und den repu=
blikaniſchen
Patriziern, im öffentlichen Leben Hollands
das Uebergewicht erlangten. Das geſchah angeſichts ei=
nes
Widerſachers, der dem holländiſchen Ideal des ma=
ritimen
Gleichgewichts rückſichtslos, zäh und in natio=
naler
Geſchloſſenheit die Forderung unbeding=
ter
Suprematie zur See entgegenhielt. Dieſer
Gegenſatz war der Kriegsgrund; Anläſſe gab es für die
Nebenbuhler in allen Weltgegenden genug. Die Kriegs=
möglichkeit
aber war nicht zum wenigſten in der nach
außen einigen, energiſchen Haltung des engliſchen Vol=
kes
einerſeits, in der behaglich=unbekümmerten, jeder An=
ſtrengung
für die Allgemeinheit abgeneigten Stimmung
der Holländer und in ihrer Parteizerklüftung anderer=
ſeits
begründet.
So kam es, daß trotz der holländiſchen Heldentaten.
die erſte Seemacht der Welt fortan England hieß. Denn
ſämtliche holländiſchen Erfolge waren nur Teilerfolge
einzelner Männer, wie Tromp der Aeltere, Jan de Witr,
Ruyter und Wilhelm von Oranien. Das Volk ſtand
nicht geſchloſſen hinter ihnen; was ſie erreichten, mußten
Teilerfolge bleiben, weil kein feſtes, ideales Band vie
Führer dauernd mit der Nation verknüpfte. In dem Be=
freiungskampf
gegen Spanien hatte das holländiſche
Volk ein gemeinſames ideales Ziel gehabt, und ihm fol=
gend
war es aufgeſtiegen zu Unabhängigkeit, Größe und
Macht. Der Gedanke der religiöſen und politiſchen Frei=
heit
hatte alle Volksſchichten ergriffen und begeiſtert,
dazu geſellte ſich dann die beiden anderen überſtrah=
lend
die Idee der Seemacht, der Handelsherrſchaft.
Gewiß zeigt auch jene Zeit Parteihader und engherzig
ſelbſtſüchtige Motive in dieſen Fehlern ſteht der Hol=
länder
dem Deutſchen beſonders nahe aber im großen
und ganzen iſt hier ein gemeinſames, hohes Ziel, das
allen teuer iſt, das nur von einem Führer gezeigt zu
werden braucht, um die Mäſſen hinter ihn zu bringen.

Ein ſolches einheitliches Volksideal, ein allgemeiner
Glaube an die Sache war in den Kriegen gegen Eng=
land
nicht vorhanden. Als die See= und Handelsmacht
Mitte des 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte,
ſtellte ſich jene ſatte, behagliche Zufriedenheit ein, die
auch dem Deutſchen nicht fremd iſt und die nur zu leicht
geeignet iſt Idealismus und Tatkraft zu lähmen. Erſt
die Zeit der ſchwerſten Bedrängnis ſchloß das Volk wie=
der
um einen Führer und einen alles beherrſchenden Ge=
danken
zuſammen. Die Notwendigkeit der Seemacht er=
kannten
rechtzeitig nur die direkt Intereſſierten die
Kaufleute, und auch ſie nur unvollkommen und einſeitig.
Wic die Landprovinzen den Flottenrüſtungen wider=
ſtrebten
, ſo vernachläſſigten die Kaufherren das Landheer.
Jan de Witt ſah deutlich die Notwendigkeit zielbewußter,
dauernder Rüſtungen, aber er war kein Monarch, auch
kein Cromwell, und das Volk war ein Volk von Eigen=
brödlern
. Die Saat politiſcher Zwietracht und Partei=
verhetzung
ging üppig auf und erſtickte die Blüten des
heldenhaften holländiſchen Seemannsgeiſtes. Der große
Oranier kam für Holland zu ſpät, ſeine beiſpielloſen Ta=
ten
konnten wohl die ſofortige politiſche Vernichtung des
Landes verhindern, die innere Umwandlung der Seegroß=
macht
in einen ſelbſtgenügſamen Kaufmannsſtaat ohne
politiſches Gewicht aber nicht mehr aufhalten.
In England gab es ein Ideal eben Eng=
landſelbſt
. Für das Land, für Englands Größe und
Zukunft traten alle ein, und obwohl zwei große inner=
politiſche
Umwälzungen in dieſen Zeitabſchnitt fallen
(Karl I. Cromwell Karl II.), waren die äußere
Politik und die Kriegführung einheitlich und zielbewußt:
Rule Britannia rule the waves dieſem Leitmotiv ang=
liſchen
Denkens haben ſie alle gedient, in böſen und in
guten Tagen, der Republikaner Blake wie der royali=
ſtiſche
Prinz Rupprecht von der Pfalz, der katholiſche
Herzog von York wie der brave Monck, der ſich für Karl I.
ſchlug, ſpäter ein Vertrauter Cromwells war und dann
für die Reſtauration Karls III. eintrat. Und ebenſo die
Politiker des Landes und das Volk. Durch ſolche Ein=
mützigkeit
in dem einen Hauptpunkte wurden alle in=
neren
Schwierigkeiten überwunden, ohne daß Englands
Bahn unter den übrigen Völkern litt; im Gegenteil, ſie
hat in ſteter Steigung weiter aufwärts geführt.

Deutſches Reich.

Ueber die Geſchäftslage des Reichs=
tags
und die Erledigung der Wehrvorlagen ſchreibt
man der Tägl. Rundſchau aus parlamentariſchen Kreiſen:
Es iſt bekannt, daß der Reichstag nach der anſtrengenden
Wahlkampagne bereits müde iſt und den Wunſch hegt,
kurz vor Pfingſten eine Vertagung eintreten zu laſſen.
Bei dieſer Sachlage entſteht die Frage, ob es möglich
ſein wird, bis zu dieſer Zeit in knapp 6 Wochen den vor=
liegenden
Stoff und den noch nach Oſtern vorzulegenden
Geſetzesſtoff zu erledigen. Es iſt beabſichtigt, nach Oſtern
zunächſt in der Etatsbexatung fortzufahren, die min=
deſtens
noch drei Wochen in Anſpruch nehmen wird. Für
den Fall, daß die Wehrgeſetze mit den Deckungsvorlagen
bereits am 16. April vorliegen ſollten, was aber nach
dem Stande der Arbeiten an den Deckungsvorlagen nicht
ſehr wahrſcheinlich iſt, will man zunächſt den Fraktionen
Gelegenheit geben, ſich mit dieſer Materie zu befaſſen.
Die erſte Leſung der Wehrvorlagen wird alſo früheſtens
Ende April beginnen können. Bei der Eigenart der Ma=
terie
muß es als gänzlich ausgeſchloſſen betrachtet wer=
den
, daß dieſe Geſetze bis Pfingſten ſelbſt beim beſten
Willen aller Faktoren verabſchiedet werden können, ſogar
im Jüni noch würde es ſchwer halten, die Bera=
tung
zu einem Abſchluſſe zu führen. Man rechnet damit,
daß die mit der Vorberatung zu betrauende Kommiſſion
mindeſtens vier Wochen arbeiten muß. Die Verabſchie=
dung
der Wehrvorlagen an ſich iſt am einfachſten, doch
werden die Deckungsvorlagen viel Kopfzerbrechen verur=
ſachen
. Schon die Bearbeitung dieſer Geſetze im Reichs=
ſchatzamt
hat in den letzten Tagen gezeigt, daß der Ge=
danke
, die Liebesgabe beim Spiritus aufzuheben, ſehr
einfach war, daß die Ausführung des Gedankens aber
auf mannigfaltige geſetztechniſche Schwierigkeiten geſto=
ßen
iſt. Es ſind gegen 40 Paragraphen des Branntwein=
ſteuergeſetzes
umzuarbeiten. Dazu kommt, daß die Par=
teien
zu den Deckungsvorlagen, die bisher kaum in den
Grundzügen bekannt ſind, mannigfache Abänderungs=
anträge
ſtellen werden, zum Teil dieſe Vorlagen ſo ge=

ſtalten wollen, daß nur ein geringer Teil der Deckungs=
mittel
durch ſie beſtritten wird. Man dürfte ſich wohl
nach Oſtern dahin ſchlüſſig machen, daß bis Pfingſten
neben der endgültigen Verabſchiedung des Etats und des
Reichs= und Staatsangehörigkeitsgeſetzes im Plenum nur
die erſte Leſung der Wehrvorlagen mit den Deckungs=
vorſchlägen
vorgenommen wird; daß das Plenum ſich
dann kurz vor Pfingſten bis zum Oktober vertagt und die
Budgetkommiſſion bis zum Beginn der großen Sommer=
ferien
die Beratung der Wehrvorlagen fördert.
Die Bundesregierungen und der
bayeriſche Jeſuitenerlaß. Der Jeſuitenerlaß
der bayeriſchen Regierung hat, wie aus Bundesratskrei=
ſen
verlautet, unter den Verbündeten Regierungen gro=
ßes
und peinliches Aufſehen hervorgerufen. Nach der
Reichsverfaſſung iſt der Kaiſer allein befugt, Reichsgeſetze
zu verkünden und ihre Ausführung zu überwachen. Die=
ſes
verfaſſungsmäßig gewährleiſtete kaiſerliche Recht wird
verletzt, wenn ein einzelner Bundesſtaat die Ausführung
von Reichsgeſetzen nach Gutdünken ändert. Dem Bundes=
rat
ſind die neuerlichen Beſtimmungen der bayeriſchen
Regierung entgegen der Behauptung eines Zentrums=
organs
, bisher nicht zugegangen. Eine Stellungnahme
der Reichsleitung wird beſtimmt erfolgen, wenn erſt die
amtliche Mitteilung der bayeriſchen Regierung über die
Angelegenheit in Berlin eingegangen iſt. In welcher
Form die Stellungnahme erfolgen wird, ob als Antwort
auf eine Interpellation im Reichstag, die wohl zu er=
warten
iſt, oder in Form einer Erklärung gelegentlich
der weiteran Etatsberatungen, ſteht noch nicht feſt.
Die Reichstagserſatzwahl in Varel=
Jever iſt auf den 26. April feſtgeſetzt worden.

Busland.

Oeſterreich=Ungarn.
Die Diktatur in Kroatien. Während die
Ernennung des Regierungskommiſſars von Kroatien von
den kroatiſchen intranſigenten Blättern als geſetzwidrig
bezeichnet wird, ſtellt das Ungariſche Telegraphen= und
Korreſpondenzbureau feſt, daß die Ernennung erfolgte
als ultima ratio angeſichts des zügelloſen Terrorismus=
der
großkroatiſchſn Bewegung, die anarchiſtiſche Zu=
ſtände
ſchuf und die dualiſtiſche Staatsform gefährdete,
weshalb der hierauf bezügliche Vorſchlag von dem Mi=
niſterpräſidenten
ohne Schwierigkeit bewilligt wurde.
Die Ernennung des Kommiſſars ſei auch vom Rechts=
ſtandpunkte
aus korrekt und bedeute keine Aufhebung der
Verfaſſung ,da Kroatien keine ſeparate Verfaſſung, ſon=
dern
nur Autonomie beſitzt. Die Delegierten des kroa=
tiſchen
Landtags würden weiterhin Mitglieder des un=
gariſchen
Reichstags bleiben.
Frankreich.
Der Protektoratsvertkrag und diſe
Lage in Marokko. Aus Fez wird gemeldet, die
Nachricht von der Unterzeichnung des Protektoratsper=
trages
hat bei der Bevölkerung eine kühle Aufnahme ge=
funden
. Im Innern des Landes iſt die Nachricht noch
unbekannt. Da die Gärung unter den Stämmen ſchon
jetzt eine allgemeine iſt, hält man es für möglich, daß die
Ankündigung des Protektorats die Lage noch verſchlim=
mert
. Die Militärbehörden treffen bereits die erforder=
lichen
Maßnahmen. General Didé iſt mit einer Kolonne
von Sul el Arba nach dem Zemmurgebiet aufgebrochen.
In dem Palaſte des Sultans machte die Unterzeichnung
des Protektoratsvertrages einen ziemlich ſchlechten Ein=
druck
.
Die Verhandlungen mit Spanien. Ei=
nige
Zeitungen veröffentlichen nach offiziöſen ſpaniſchen
Quellen Mitteilungen über den augenblicklichen Stand
der Unterhandlungen und über die Schritte, die ſowohl
früher als auch jetzt von Frankreich gemacht werden. Die
Agence Havas iſt zu der Erklärung ermächtigt daß alle
dieſe Mitteilungen unrichtig ſind und daß die beiden
Regierungen, wie dies Brauch iſt, ſich Geheimhaltung
der Unterhandlungen zugeſagt haben.
Niederlande.
Königin Wilhelmine wird in der Zeit vom
1. bis 3. Juni dem Präſidenten Falliéres in Paris ihren
Gegenbeſuch machen.
China.
Die Koſten der chineſiſchen Revoluſ=
tion
. Ein Pekinger Brief der Korreſpondenz des fer=
nen
Oſtens vom 16. März bringt eine Aufſtellung der

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. April 1912.

Nummer 83.

Regierung über die durch die Revolution erlittenen Ver=
luſte
. Vom Beginn des Aufruhrs in Wutſchang bis zur
Einigung von Nord und Süd rechnet die Regierung 135
Tage. In dieſer Zeit wurden in Taels zu 3 Mark ver=
braucht
an Munition 10 Millionen, an Sold und Lebens=
mitteln
30 Millionen, an Kriegsmaterial 20 Millionen.
Zerſtört wurden an öffentlichem Eigentum für 20 Mil=
lionen
, an Privateigentum in den Bergwerken von Pin=
jang
und bei der Jangtſe=Dampſchiffahrtsgeſellſchaft 20
Millionen, an Privateigentum in Hupeh (Wutſchang und
Hankau) 30 an Szetſchwan 30, Anhui 10, Schanſi und
Schenſi 20, Kuanthung und Kuangſi 20, Fukhim, Kiangſu
Tſchekiang, Jünnan, Kueitſchou 20, Urga und Mongolei
10, zuſammen 290 Millionen Taels oder 810 Millionen
Mark. Nicht gerechnet ſind die Verluſte durch die jüng=
ſten
Plünderungen in Peking, Tientſin, Paotingfu, Nan=
king
uſw., nicht gerechnet auch die dem Handel entgan=
genen
Gewinne.

* Die militäriſchen Dispoſitionen des
Kaiſersfür den Aufenthalt in der Schweiz.
Ueber die militäriſchen Dispoſitionen des Kaiſers wäh=
rend
ſeiner Teilnahme an den Schweizer Manövern wer=
den
folgende Mitteilungen gemacht: Der Kaiſer
reiſt am Tage nach der Herbſtparade über das Garde=
korps
am 2. September nach der Schweiz. Es iſt jetzt
endgültig feſtgeſetzt, daß er an zwei Tagen, und zwar am
3. und 4 September, den Manövern beiwohnen wird.
Nach den jüngſten Meldungen, die nach Berlin gemacht
wurden, werden die Manöver zwiſchen der Thur und
dem Oſtufer des Züricher Sees ſtattfinden. Es nehmen
daran zwei Diviſionen teil, die auf 30000 Mann ge=
bracht
werden. Dem Kaiſer wird vorausſichtlich bei ſei=
nem
lebhaften Intereſſe für dieſen eigenartigen Gebirgs=
kriegsſchauplatz
, der ihn beſonders anzieht, wie für die
Leiſtungen der Schweizer Miliztruppen von dem Lei=
ter
der Manöver, dem Korpskommandeur Oberſt Wille,
ſchon vorher die Anlage der Uebungen: Allgemeine und
beſondere Kriegslage und die Kriegsgliederung zuge=
ſandt
werden, da er den Wunſch geäußert hat, ſie vorher
zu ſtudieren. Die Gliederung der Diviſionen erfolgt in
zwei Infanteriebrigaden, einer Radfahrerkompagnie,
drei fahrenden Mitrailleurkompagnien und einer Infan=
terie
=Mſtrailleur=Abteilung. Ferner kommen dazu 2
Schwadronen Guiden und eine Artillerie=Brigade, die
aus 2 Regimentern zu je 2 Abteilungen zu je 3 Feldbat=
tarien
beſtehen. Ueber die Beteiligung des Kaiſers an
den Tellſpielen zu Altdorf ſind bisher feſte Beſtimmungen
noch nicht getroffen worden. Es iſt jedoch anzunehmen,
daß der Kaiſer die Gelegenheit ergreifan wird, um die
Tellſpiele an hiſtoriſcher Stätte anſehen zu können.
* Eine Stunde länger Tag? Der deutſche
Handelstag beabſichtigt, für baldige Einbringung
eines Geſetzes auf Einführung der Sommerzeit
im Deutſchen Reiche einzutreten. Bekanntlich liegt dem
engliſchen Parlament ein Geſetzentwurf vor, demzufolge
für die Zeit vom 1. April bis 30. September jedes Jah=
res
die Sommerzeit eingeführt werden ſoll; d. h. man
ſtellt im April die Normaluhrenzeit um eine Stunde vor
(z. B. um 12 Uhr nachts auf 1 Uhr morgens) und Ende
September wieder um dieſelbe Zeit zurück. Die Folge
würde ſein, daß das geſamte tägliche Leben eine Stunde
früher aks ſſonſt beginnt und aufhört. Infolgedeſſen
würda, namentlich im Frühjahr und Herbſt, die beſſere
Tageslichtausnützung zu erheblichen Erſparniſſen an
künſtlichem Licht und zu früherem Schluß der Arbeitszeit
am Nachmittag zum Zweck der Erholung führen.

Stadt und Land.
Darmſt adt, 9. April.

* Vom Hofe. Die Großherzoglichen Herr=
ſchaften
und Prinzeſſin Heinrich von Preußen gin=
gen
am Donnerstag vormittag 10 Uhr in der Hofkirche
zur Beichte. Prinzeſſin Magdalene Reuß j. L. iſt
Donnerstag vormittag 10,41 Uhr zum Beſuch im Neuen
Palais eingetroffen und nachmittags 2,50 Uhr wieder
abgereiſt. Um 4,30 Uhr folgten die Herrſchaften einer
Einladung des Prinzen und der Prinzeſſin Franz Joſeph
von Battenberg zum Tee. Die Großherzoglichen
Herrſchaften ſowie Prinz und Prinzeſſin Heinrich von
Preußen nahmen am Karfreitag vormittag 9 Uhr in der
Hofkirche das Abendmahl und wohnten hierauf dem
Gottesdienſte an.

* Gerichtsperſonalien. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben den Oberamtsrichter bei dem
Amtsgericht Gernsheim Fritz Hanſtein unter Ver=
leihung
des Charakters als Amtsgerichtsrat zum Amts=
richter
bei dem Amtsgericht Darmſtadt II, den Ober=
amtsrichter
bei dem Amtsgericht Reichelsheim Adolf
Wolz zum Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht
Gernsheim, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht
Wald=Michelbach Dr. Karl Werner zum Amtsrichter
bei dem Amtsgericht Reichelsheim, ſämtlich mit Wirkung
vom 1. Juni 1912, den Amtsrichter bei dem Amts=
gericht
Pfeddersheim Ludwig Neuroth zum Amts=
richter
bei dem Amtsgericht Darmſtadt I, den Amts=
richter
bei dem Amtsgericht Grünberg Johannes
Gläſer zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Groß=
Gerau, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Alzey
Guſtav Weiß zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht
Offenbach, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Nieder=
Olm Dr. Wilhelm Weiffenbach zum Amtsrichter
bei dem Amtsgericht Pfeddersheim, den Amtsrichter bei
dem Amtsgericht Wörrſtadt Fritz Kopp zum Amts=
richter
bei dem Amtsgericht Oppenheim, ſämtlich mit
Wirkung vom 1. Juli 1912, den Gerichtsaſſeſſor Guſtav
Wahl aus Darmſtadt zum Amtsrichter bei dem Amts=
gericht
Herbſtein, den Gerichtsaſſeſſor Dr. Peter Paul
Liebing aus Mainz zum Amtsrichter bei dem
Amtsgericht Alzey und den Gerichtsaſſeſſor Franz
Specht aus Hutzdorf zum Amtsrichter bei dem
Amtsgericht Grünberg, die beiden letztgenannten mit
Wirkung vom 1. Juli 1912, ernannt.
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Bürgermeiſter, Ortsgerichts=
vorſteher
und Standesbeamten Jakob Schneider VII.
zu Oſtheim die Krone zum Silbernen Kreuz des Ver=
dienſtordens
Philipps des Großmütigen und der Ver=
käuferin
Wilhelmine Geiß, in Dienſten der Hofſilber=
warenfabrik
E. L. Vietor in Darmſtadt, die Silberne
Verdienſtmedaille des Ludewigs=Ordens verliehen.
* Forſtperſonalien. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
haben den Forſtaſſiſtenten Ernſt Eckhard zu
Forſthaus Jägersburg zum Oberförſter der Oberförſterei
Jägersburg, den Forſtaſſiſtenten Johannes Eggers zu
Bad Nauheim zum Oberförſter der Oberförſterei Kirtorf,
die Forſtaſſeſſoren Heinrich Keudel zu Nidda und
Guſtav Baader zu Lollar zu Forſtaſſiſtenten ernannt.
* Beauftragt wurde durch Entſchließung der
Großh. Miniſterien des Innern und der Finanzen der
Großh. Bauinſpektor Heyer zu Gießen mit der einſt=
weiligen
Verwaltung der Stelle des Kreisbauinſpektors
bei dem Kreisamt Worms und der ſtellvertretungs=
weiſen
Wahrnehmung der Hochbauamtsgeſchäfte im
Kreiſe Worms.
* Wahlen zur Landwirtſchaftskammer. Zur Leitung
der am 27. April I. Js. vorzunehmenden Wahl der Mit=
glieder
zur Landwirtſchaftskammer und zu den Ausſchüſ=
ſen
der Landwirtſchaftskammer für die Provinzen wur=
den
auf Grund des § 24 der Wahlordnung und des § 4
der Satzung der Landwirtſchaftskammer für die Pro=
zinz
Starkenburg folgende Wahlkommiſſäre er=
nannt
: 1. Wahlbezirk (Rüſſelsheim=Trebur): Großh. Re=
gierungsaſſeſſor
Dr. Meyer=Edward zu Groß=
Gerau. 2. Wahlbezirk (Groß=Gerau): Großh. Kreisamt=
mann
Schneider zu Groß=Gerau. 3. Wahlbezirk
(Griesheim=Gernsheim): Großh. Kreisamtmann Dr.
Michel zu Darmſtadt. 4. Wahlbezirk (Darmſtadt):
Großh. Kreisamtmann Regierungsrat Dr. Reinhart
zu Darmſtadt. 5. Wahlbezirk (Offenbach=Langen): Großh.
Kreisrat Lochmann zu Offenbach. 6. Wahlbezirk ( Se=
ligenſtadt
): Großh. Kreisamtmann Kirnberger zu
Offenbach. 7. Wahlbezirk (Babenhauſen): Großh. Kreis=
amtmann
Dr. Reitz zu Offenbach. 8. Wahlbezirk (Groß=
Umſtadt): Großh. Kreisamtmann Regierungsrat Dr.
Stammler zu Dieburg. 9. Wahlbezirk (Dieburg=
Reinheim): Großh. Kreisrat Dr. Wagner zu Die=
burg
. 10. Wahlbezirk (Groß=Bieberau=Reichelsheim):
Großh. Regierungsaſſeſſor Dr. Pabſt zu Darmſtadt.
11. Wahlbezirk (Höchſt=König=Michelſtadt): Großh. Re=
gierungsaſſeſſor
Dr. Siegert zu Erbach. 12. Wahl=
bezirk
(Erbach=Wimpfen): Großh. Kreisamtmann Dr.
Diehl zu Erbach. 13. Wahlbezirk (Fürth=Wald= Michel=
bach
): Großh. Kreisamtmann Haberkorn zu Heppen=
heim
. 14. Wahlbezirk (Bensheim=Heppenheim): Großh.
Kreisamtmann Regierungsrat Dr. Löslein zu Bens=
heim
. 15. Wahlbezirk (Lampertheim=Biblis): Großh.
Regierungsaſſeſſor Schäfer zu Bensheim.
* Militärdienſtnachrichten. In Genehmigung ihrer
Abſchiedsgeſuche wurden mit der geſetzlichen Penſion zur
Dispoſition geſtellt: Generalleutnant v. Kroſigk, Kom=
mandeur
der 28. Diviſion in Karlsruhe, und Generalmajor
Frhr. v. Eſebeck, Kommandeur der 12. Infanterie= Bri=
gade
in Brandenburg. (Erſterer war vormals Komman=

deur des erſten Bataillons Leibgarde=Infanterie=Regiments
Nr. 115, letzterer Kompagniechef im Infanterie=Regiment
Kaiſer Wilhelm Nr. 116).
0 Zur 1. Sitzung der Stadtverordneten=Verſammlung
am Donnerstag, den 11. April, nachmittags 3½ Uhr, iſt
folgende Tagesordnung feſtgeſetzt: 1. Mitteilungen.
2. Vertrag mit der Süddeutſchen Eiſenbahn=Geſellſchaft über
Gründung einer Aktien=Geſellſchaft zur Regelung der Ver=
kehrsfragen
der Stadt uſw. 3. Betriebsordnung und Ge=
bührentarif
für die Benutzung des neuen Niederlage=
gebäudes
am Dornheimer Weg. 4. Geſuche um Befreiung
von baulichen Beſtimmungen: à) der §§ 22 und 34 des
Ortsbauſtatuts wegen. Errichtung eines Lagerſchuppens
Ecke Ruthsſtraße und Löffelgaſſe. b) des § 64 Abſ. 3c der
Ausführungs=Verordnung zur Allgemeinen Bauordnung
für ein Bauvorhaben Frankfurterſtraße 18, c) der §§ 32 und
33 des Ortsbauſtatuts, § 32, Abſ. 6 der Baupolizeiordnung
und § 56 der Ausf.=Verordn. zur Allgem. Bauordnung für
Kiesſtraße 32. 5. Geſuch um Geſtattung einer Ausnahme
von der Beſtimmung in § 5 des Ortsbauſtatuts für Er=
richtung
eines Magazingebäudes in der Stadtallee. 6. Aen=
derung
der Fluchtlinien der neuen Ireneſtraße zwiſchen
Schwanenſtraße und Frankfurterſtraße. 7. Reinigen der
Oefen und Feuerungsanlagen in den ſtädtiſchen Gebäuden
in 1912. 8. Unterhaltung der Turngeräte in den ſtädt.
Schulen in 1912. 9. Vergütung an die Faſelwärter für
Fütterung der Faſeleber.
* Die Handwerkskammer zu Darmſtadt wiro
in der Zeit vom 9. bis 14. Kpril eine Reihe von Ver=
ſammlungen
im Kammerbezirk abhalten, in denen die
Durchführung der Geſellenprüfungen in
gemeinſamer Ausſprache behandelt werden ſoll. Die ge=
ſetzlichen
Prüfungen wurden im Jahre 1901 eingerichtet.
Auf Grund der im Laufe der Jahre erworbenen Er=
fahrungen
wurden durch Anträge Verbeſſerungen und
Aenderungen angeſtrebt, ſodaß nunmehr ein Ueberblick
über eventuell weitere zweckmäßige Ausgeſtaltung des
Prüfungsweſens gegeben werden kann. Zu dieſem
Zweck ſoll in den erwähnten Verſammlungen zunächſt
ein kurzes Referat über die Prüfungen ſtattfinden, an
das ſich dann eine gemeinſame Ausſprache der Anſichten
über etwaige Aenderungen anſchließen wird, wie auch
die verſchiedenen Auffaſſungen in der oder jener Frage
vorgebracht und beraten werden ſollen. Die Verſamm=
lungen
finden am 9. April in Darmſtadt und Offenbach,
am 10. in Mainz, Bingen und Alzey, am 11. in Worms
und Bensheim, am 12. in Erbach, am 13. in Friedberg
und Nidda und am 14. April in Gießen und Lauterbach
ſtatt. Die Vorſtände der gewerblichen Korporationen
der in Betracht kommenden Prüfungsausſchüſſe, ſowie
ſonſtige für die Prüfungen ſich intereſſierende Perſonen
ſind zu dieſen Sitzungen eingeladen.
* Jubiläum. Am 1. April ſind es 25 Jahre geweſen,
ſeit Herr Adam Eck ſtein im Dienſte des Literariſchen
Vereins ſteht. Der Vorſtand hat ihm bei dieſer Ge=
legenheit
in Anerkennung ſeiner ſtets treu und zuver=
läſſig
geleiſteten Dienſte ein entſprechendes Geſchenk
überwieſen.
* Silberne Hochzeit. Am 9. April (3. Feiertag) begeht
das Ehepaar Jakob Dillmann das Feſt der ſilbernen
Hochzeit.
* Stenographie. Man ſchreibt uns: Der allgemeine
Nutzen der Stenographie kann in unſerem Zeitalter, dem
Dampfkraft und Elektrizität den Stempel haſtenden Le=
bens
aufgedrückt, nicht mehr abgeſtritten werden, wo mehr
als je das Sprichwort gilt: Zeit iſt Geld‟. Die Kauf=
mannſchaft
, die Verwaltungen des Staates uſw. haben ſich
die Stenographie nutzbar gemacht. Der junge Mann, wel=
cher
der Erlernung der Stenographie aus dem Wege geht,
begibt ſich einer außerordentlichen Waffe für den Kampf
ums Daſein. Ein Blick in die Stellenliſten müßte ihn über=
zeugen
, daß bei allen beſſeren Stellen, beſonders in den
großen Induſtriebezirken, die Kenntnis der Stenographie
verlangt wird. Selbſt dem Privatmann wird dieſelbe
Nutzen bringen, ebenſo bietet die Stenographie auch der
Frauenwelt einen ebenſo paſſenden wie lohnenden Beruf.
Die Gelegenheit zur gründlichen Erlernung der Steno=
graphie
iſt ſtets geboten. So eröffnet auch jetzt wieder die
Stenographen=Vereinigung Gabelsber=
ger
, Luiſenſtraße 10, neue Anfänger=Unterrichtskurſe und
zwar neben einem Abend=Kurſus auch je einen Nachmittags=
und Sonntags=Kurſus, wozu wir auf das Inſerat in heu=
tiger
Nummer verweiſen.
* Der Ortsgewerbeverein ladet ſeine Mitglieder
und Gäſte für Sonntag, den 14. April, zu einer dritten
Wanderung nach Auerbach ein. (Siehe Anzeige.)
* Bilder vom Tage. Unſere Bilderauslage in der
Rheinſtraße bringt neu: Vom Lawinenunglück am Hoch=
ſchneeberg
, ein Panorama des Hochſchneeberges und die
Bergung der durch den Lawinenſturz Verunglückten; der
eingeſtürzte 200 Meter hohe Telefunkenturm in Nauen.
Ferner die Porträts vom Tag: die Angeklagten vom

Die neue Ausſtellung der Berliner
Sezeſſion.
Von Dr. Paul Landau.

Die diesjährige ſommerliche Kunſtſchau, die die
Berliner Sezeſſion am Donnerstag eröffnete, bietet beim
erſten Anblick ein gar bunt gemiſchtes, faſt verwirrendes
Bild; ſie iſt ſo recht eine getreue Spiegelung des großen
Wirrwarrs der augenblicklich in unſerem ganzen
Kunſtleben herrſcht, dieſes ſeltſamen Chaos, aus
dem neue, noch ungeſtaltete Kräfte zum Lichte ringen
und zu einem Kampfe aller gegen alle aufrufen. Die
neuen, ſich überall bemerkbar machenden Tendenzen ſind
das Intereſſanteſte der neuen Ausſtellung, denn die Se=
zeſſion
iſt ſich, obwohl ihre Begründer und Hauptvertreter
längſt in die alte Garde eingerückt ſind um zum Teil die
klaſſiſchen Meiſter einer heute bereits überwundenen
Richtung darſtellen, in ihrem guten fruchtbaren Prinzip
treu geblieben, auch dem Neueſten eine Stätte zu gewäh=
ren
, mag ſich der Moſt auch ſo abſurd gebärden. Wer
freilich geklärte Form und reife Schönheit ſucht, der wird
ſie vor allem bei den berühmten Repräſentanten der
Sezeſſion finden. Den Kunſtpſychologen aber wird es
reizen, den wunderlichen Irrwegen der Jüng=
ſten
nachzuſpüren, denn ihnen gehört doch ſchließlich die
Zukunft.
Die große Malerei des 19. Jahrhunderts, die in
einem Liebermann und Trübner noch immer
herrſcht, war eine Blütezeit des Naturalismus. Nach=
ahmung
der Wirklichkeit war die große Loſung, und dies
Ziel wurde durch eine aufs Höchſte verfeinerte Technik
der Freilicht= und Freiluftmalerei erreicht. Seit einem
Jahrzehnt etwa kommt nun eine antinaturaliſtiſche Be=
wegung
herauf, die allmählich ſich zum extremſten Gegen=
ſatz
des Impreſſionismus geſteigert hat. Dieſe Kunſt hat
die klare Abſicht, nicht die Natur, ſondern die innere
Stimme des Sokrates Daemonion, zur Lehrmeiſterin
zu machen. Sie lehnt jede Nachbildung der Wirklichkeit

ab und will ſtatt der oberflächlichen Wiedergabe des
ſchönen Rheines, ſtatt des äußeren Kleides, in deſſen Ver=
herrlichung
die bisherige Kunſt aufging, die tieferen
Geſetze der Natur erforſchen, ihren Zuſammenhang mit
dem bewußten Ausdruck der Seele darſtellen. Das klingt
recht gut, aber auch recht wirr, und wirr ſind die Wege,
die die Jungen einſchlagen. Einmal ſucht man auf die
einfachſten, primitivſten Formen der Geſtaltung zurück=
zugehen
. Die Begeiſterung für die Frühkunſt der Kul=
turvölker
und die Kunſtübung der Wilden zeitigt überall
ihre Früchte. Man will bewußt die Welt des Unbewuß=
ten
hervorbringen. Statt der logiſchen und ſtrengen Linie
tritt daher immer mehr die farbige Fläche, die rein auf
die Sinne wirkt, hervor, und mit Hebeln und Schrau=
ben
, das heißt mit Mathematik und Rechnereien, will
man dem Realen auf ſeine geheimſte Spur kommen. Der
eine ſieht im farbigen Kreis, der andere im Würfel, im
Winkel, in der Pyramide den Schlüſfel, der die Wunder
der tiefſten Schönheit aufſchließt, und ſo entſtehen dieſe
Expreſſioniſten und Kubiſten, die vom Seinebabel her
unſeren Künſtlern die Köpfe verdrehen.
Dieſe äußerſten Konſequenzen, die bisher aus der
neuen Kunſtlehre gezogen wurden, ſind auf der Ausſtel=
lung
in markanten Beiſpielen vertreten; aber wichtiger
iſt es, daß die Strömung, die auf Vereinfachung der
Form, auf Unmittelbarkeit des geiſtigen Eindrucks, auf
Auflockerung des konſtruktiven Gemüts hingeht, einen
großen Teil der jüngeren Künſtler ergriffen hat und ſelbſt
die beherrſcht, die es nicht eingeſtehen wollen. Die Alt=
meiſter
freilich bleiben ihrer altgewohnten Kunſt treu:
bei ihnen wird ſich auch diesmal vor allem Auge und
Herz erlaben. Da erfreuen das herrliche Porträt der
Gräfin Treuberg von Leibl, ein weicher, innig
lichter Iſraéls, ein klarer, lachender Junimorgen von
Thoma, zwei entzückende Bildniſſe von Th. Alt. Ein
paar luſtige Bildchen des köſtlichen Oberlaender
ſorgen für den Scherz. Reife Höhenkunſt ſind der ſtraffe,
ſtolze, ſo unendlich ausdrucksvolle Rückenakt, den Hod=
ler
diesmal gegeben, und die drei bunt blühenden Land=

ſchaftsſinfonien aus Waſſer und Grün, die Trübner
wiederum der lieblichen Gegend um den Starnberger See
abgelauſcht hat. Liebermann gibt eins ſeiner glän=
zenden
Porträts auf hellgrauem Grund und eine famoſe
lebenſprühende Impreſſion vom römiſchen Korſo auf dem
Monte Pincio; Graf Kalckreuth neben einem guten
Bildnis einen weiträumigen Naturausſchnitt von einem
Balkon aus. Aus dieſem erlauchten Kreiſe der Untadeli=
gen
ſteigen wir ſchon in die viel umſtrittene Sphäre der
Halbgötter wenn wir die jüngſten Werke von Lovis
Corinth betrachten. Da gibt es neben Gutem wie
ſtets viel Anfechtbares, ſo den geſchmackvollen Hymnus
auf Michelangelo ein üppiges, aufdringliches Blumen=
rrangement
um eine Büſte, den wüſt und virtuos hin=
gehauenen
Viehhirten und die ſüßlich kitſchige Tändelei.
Seine Frau, Charlotte Berend, übertrifft ihn
diesmal faſt in ihrer ſchmucken, nur etwas zu blanken
Landſchaft. Intereſſant und eigenartig, wie ſtets, iſt
Martin Brandenburg, der ſich in einem ſchwe=
ren
, aber bedeutenden Frauenbildnis auf der ihm un=
gewohnten
Gebiete des Porträts bewährt und in dem
Erſcheinen Chriſti vor ſeinen Jüngern zwar keine Rem=
brandtſche
Viſion, aber doch eine intereſſante pſycholo=
giſche
Studie bietet. Immer der alte iſt Baluſcheck.
In ſeiner Eiſengießerei ſchuf er ein im Raum mächtiges
Bild, verdarb ſich aber die maleriſche Wirkung durch die
wie Flitterwerk ſprühenden Funken, die von der flüſſigen
Glut aufſtieben. Das andere Bild, Weihnachtstag
eine Krankenſchweſter mit einem Tannenbäumchen, gegen
den Schnee und die Eisbahn geſetzt iſt ſo brav und
langweilig, wie eine Erzählung von Guſtav Nieritz.
Andere der jüngeren Meiſter der Sezeſſion ſchreiten
rüſtig fort, ſo Kardorff, deſſen Porträt und Garten=
reſtaurant
zwar allzu ſehr mit Liebermanns Augen ge=
ſehen
ſind, der aber in einem größen Werk: Mutter und
Kind trotz viel bunten Beiwerks eine ruhige, ſtarke Wirk=
ung
über das Stillebenmoment hinaus voll ſeeliſcher
Innigkeit erzielt. Ausgezeichnet ſind Ulrich und Hein=
rich
Hübner vertreten, der eine mit ſeinen dunſtig

[ ][  ][ ]

Nummer 83.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. April 1912.

Seite 3.

Methylalkoholprozeß in Berlin und Yuan=Shi=Kai, den
erſten Präſidenten der chineſiſchen Republik.
A Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Butter ½ Kg. 1,50, Eier 68 Pf.,
Schmiegäſe ½ Ltr. 2225 Pf., Handkäſe 410 Pf., Kar=
toffeln
Zentner 4,505,00 M., Kumpf (10 Liter) 80 Pf.,
½ Kg. 78 Pf., Mäuschen ½ Kg. 15 Pf., Aepfel ½ Kg.
1525 Pf., Zitronen, Apfelſinen 58 Pf.; Salat, Ge=
müſe
: Kopfſalat 1216 Pf., Endivien 10 Pf., Körbchen
Feldſalat 10 Pf., Körbchen Lattich 12 Pf., Bündel Radis=
chen
6 Pf., Rettich 8 Pf., Meerrettich 1535 Pf., Zwiebeln
½ Kg. 1214 Pf., Tomaten ½ Kg. 60 Pf., Gelberüben
½ Kg. 15 Pf., Weißerüben ½ Kg. 10 Pf., Bündel Römiſch=
Kohl 3 Pf., Spinat ½ Kg. 1520 Pf., Wirſing 1060 Pf.,
Grünkohl ½ Kg. 30 Pf., Weißkraut, Rotkraut ½ Kg.
18 Pf., Blumenkohl 2080 Pf., Schwarzwurz ½ Kg.
3035 Pf., Roſenkohl ½ Kg. 40 Pf.; neue Schälgurken
6070 Pf., Topf Schnittlauch 25 Pf.; Geflügel, Wild:
Gänſe ½ Kg. 85 Pf., Enten 45 M., Hahnen und Hühner
2,002,50 M., Tauben 6070 Pf., Paar Zuchttauben 1,50
bis 10,00 M., Zicklein 2,504,00 M., Lapins 1,00 M.
Fiſche ½ Kg.: Hecht 80 Pf., Aal 1,20 M., andere Rhein=
fiſche
3560 Pf., Rotzungen 60 Pf., Schollen 25 Pf.,
Kabeljau, 1624 Pf., Schellfiſche 1725 Pf., Seelachs
1924 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch
6066 Pf., Hackfleiſch 7080 Pf., Rindsfett 60 Pf., Rinds=
würſtchen
(Stück) 15 Pf., geſalzenes Schweinefleiſch und
Koteletts 90 Pf., Schweinefleiſch, Kalbfleiſch, Schwarten=
magen
, Fleiſchwurſt 80 Pf., Leber= u. Blutwurſt 60 Pf.
* Brand. Ueber das am Donnerstag nachmittag in
einer Scheune des Aliceſtiftes in der Nieder= Ramſtädter=
ſtraße
ausgebrochene Schadenfeuer geht uns folgender
offizieller Bericht zu: Am 4. April, nachmittags 5 Uhr
15 Minuten, wurde der Feuerwehr durch das Polizeiamt
gemeldet: Feuer in der Scheune, Aliceſtift, Nieder= Ram=
ſtädterſtraße
. In der Scheune des Aliceſtiftes war Feuer
ausgebrochen, welches an dem Heu= und Strohvorrat raſche
Ausdehnung nehmen konnte, ſo daß das Innere der
Scheune in ſtarken Flammen ſtand. Nach der Ankunft der
Feuerwehr wurde das Brandobjekt mit 4 Schlauchleitun=
gen
angegriffen und das Feuer in kurzer Zeit gelöſcht,
ſo daß eine Weiterverbreitung beſeitigt war. Die Räum=
ungsarbeiten
, welche durch Mannſchaften der Weckerlinie
erledigt wurden, nahmen noch längere Zeit in Anſpruch.
Die Entſtehungsurſache konnte nicht ſofort feſtgeſtellt wer=
den
. Die Feuerwehr war 6 Uhr 25 Min. wieder zurück.

Eberſtadt, 6. April. Unſer immer und überall
rühriger Bürgermeiſter Schäfer hat an die geſamte
Einwohnerſchaft einen Aufruf ergehen laſſen, welcher an=
hebt
: Worauf ſchon wiederholt in der Preſſe hingewie=
ſen
worden iſt: unſer liebes Großdorf Eberſtadt blickt
heuer auf eine 250jährige, wahrlich geſegnete Verbind=
ung
mit der Krone Heſſens zurück. So ſetzt die Zeit ſelbſt
uns einen geſchichtlichen Markſtein. Aber auch ein
Denkſtein ſollte unſeres Erachtens vor unſerem Rathauſe,
unter der ſchönen Dorflinde, dieſe denkwürdige Tatſache
immer neu vor Augen führen. Die Wurzeln des Bau=
mes
dort verlangen Schonung. Damit iſt ſchon ge=
geben
, daß nur ein beſcheidener Stein am Platze iſt, wel=
cher
keines tiefgründigen Fundaments bedarf. Nicht
verſchwenderiſch, prächtig denken wir uns das Erinner=
ungsdenkmal
, ſondern ſchlicht und ſinnig, gerade ſo aber
geeignet, das Anſehen unſerer lieben Gemeinde zu heben
und namentlich bei der heranwachſenden Jugend ge=
ſchichtlichen
Sinn zu fördern. Folgen noch Vorſchläge
über Ausſchußbildung und ſchließliche Rückzahl=
ung
der Spenden falls dieſe wider Erwarten zur
Schaffung eines entſprechenden Denkmales nicht ausrei=
chen
ſollten. Sogleich nach Veröffentlichung des Aufrufs
fand derſelbe ein ſilberhell klingendes Echo.
Ss. Griesheim, 5. April. In der Annaſtraße wurde
heute ein vierjähriges Mädchen, das ſſich auf dem Trot=
toir
befand, beim Spiel hinfiel und im Fallen unglück=
licherweiſe
auf die Straße zu liegen kam, von einem
Bierwagen überfahren. Der Wagen ging dem Kind
über beide Beine, die gebrochen wurden. Das Kind er=
litt
bedeutende innere Verletzungen, ſodaß es ſchwer
krank daniederliegt. Der Fuhrmann hat das Kind nicht
bemerkt, ſodaß ihn keine Schuld treffen kann. Ver=
gangene
Nacht wurde im Gaſthaus Zum Chauſſeehaus
eingebrochen und zirka 15 große Vorhänge, ſowie aller=
hand
ſonſtige Wäſcheſtücke geſtohlen.
M. Arheilgen, 6. April. Bei einem Mitgliederſtande
von 398 Perſonen hatte die hieſige Spar= und Dar=
lehenskaſſe
im abgelaufenen Geſchäftsjahre einen
Kaſſenumſatz von 2 192816 Mark und einen Reingewinn
von 7213 Mark. Reſervefonds und Betriebsrücklage ſind
mit 90000 Mark ausgeſtattet.
Meſſel, 6. April. Vermißt wird ſeit Donnerstag
Frida Berg aus Grube Meſſel. Donnerstag zwiſchen

9 und 10 Uhr war ſie noch in Frankfurt. Perſonalien:
19 Jahre alt, geſundes Ausſehen; Kleidung: gering ge=
ſtreifte
Bluſe, grauer Rock mit ſchwarzen Streifen, dicker
brauner Mantel, brauner Hut mit ſchwarzem Rand und
ſchwarzer Feder, ſchwarze Halbſchuhe, grüne Strümpfe,
ſchwarze Handtaſche mit langer Kordel. Wer über den
Verbleib des Mädchens nähere Angaben machen kann,
wird gebeten, dieſelben dem nächſten Polizeirevier und
an Georg Berg, Grube Meſſel bei Darmſtadt, gelangen
zu laſſen.
Gernsheim, 5. April. In dem benachbarten Biblis
ſtarb dieſer Tage Herr Matthias Schäfer, der letzte Nach=
komme
der Familie Peter Schöffers. Ein anderer
Nachkomme der Familie des in Gernsheim geborenen be=
rühmten
Buchdruckers ſtarb vor mehreren Jahren im
Armenhauſe. Bei dieſer Gelegenheit ſei erwähnt, daß die
hier und da auftauchende Behauptung, im Pfarrarchiv zu
Gernsheim fänden ſich noch wertvolle auf Peter Schöffer
Bezug habende Urkunden, unbegründet iſt. Die auf
Schöffer und ſeine Familie ſich beziehenden Schriftſtücke
gingen, wie ſo manche wertvolle Urkunde aus der Schweden=
zeit
, in dem großen Brande 1689 zugrunde.
O. Aus dem Ried, 6. April. Nach vorläufiger Schätz=
ung
haben die letzten kalten Nächte etwa drei Fünf=
tel
der Blüten an Aprikoſen=, Pfirſich= und Kirſchbäumen
vernichtet. Auch die Frühzwetſchen haben ſchweren Scha=
den
genommen. Der Kälteſchaden an der Baumblüte war
weniger durch den Temperaturſturz, als durch die Wol=
kenloſigkeit
des mondhellen Himmels bedingt, der eine
zu große Wärmeausſtrahlung der in der Entwickelung
befindlichen pflanzlichen Organe zur Folge hatte, ſodaß
die Blüten unterkühlt waren. Selbſt da, wo Rauchwolken
erzeugt wurden, die bekanntlich wie Schutzdecken wirken,
war der Erfolg gleich null, da die Nächte zum Mittwoch
und Donnerstag faſt windſtill waren. Von den bereits
im Keime angeſetzten Frühknoten iſt nur ein geringer
Teil erfroren, ſodaß der effektive Froſtſchaden in der
Ernte doch keinen allzu auffälligen Ausdruck finden wird,
eine Erſcheinung, die ſich faſt alljährlich wiederholt.
M. Büttelborn, 6. April. Die hieſige Sauerkraut=
fabrik
=Genoſſenſchaft hatte am Schluſſe des
Vorjahres 12 Mitglieder und erzielte einen Reingewinn
von 780 Mark.
M. Nackenheim, 6. April. Faſt kein Jahrgang un=
ſerer
Weine war vom Handel ſo begehrt, wie der
1911er. Bei äußerſt lebhafter Nachfrage ſind jetzt faſt alle
Winzerkeller geleert. Je nach Lage wurde die vorjährige
Kreszenz zu 1075 bis 1800 Mark für das Stück abgeſetzt.
Durch die warme Märztemperatur wurde das Wachs=
tum
des Weinſtocks ſehr angeregt, weshalb ſich die Win=
zer
mit dem Beſchneiden der Reben beeilen mußten. Die
letzten Froſtnächte haben im Rebgelände noch nicht ge=
ſchadet
, da die jungen Triebe noch alle in der Wolle‟
ſtecken und ſich bei dem launiſchen Aprilwetter nur noch
langſamer entwickeln. Trotzdem iſt die Furcht vor den
ſchädlichen Frühjahrsfröſten noch nicht ganz beſeitigt
und von den gefürchteten Eisheiligen trennen uns noch
fünf volle Wochen.
Mainz, 6. April. Das Finanzminiſterium hat
dem hieſigen Gouvernement die jederzeit widerrufliche Er=
laubnis
zur Anlage einer Feldbahn mit Lokomo=
tivbetrieb
innerhalb der Gemarkungen Mainz,
Weiſenau, Hechtsheim, Bodenheim, Harxheim, Ebersheim,
Klein=Winternheim, Oberroden, Eſſenheim, Wackernheim,
Nieder=Ingelheim und Marienborn erteilt.
Mainz, 6. April. Der Dragoner K. von der 3.
Schwadron des 6. Dragoner=Regts., welcher als Burſche
bei einem Oberſtabsarzt tätig war, hat ſich geſtern nach=
mittag
auf ſeinem Burſchenzimmer durch einen Schuß in
den Kopf getötet. Schon vor einiger Zeit hatte er zu
der Köchin des Oberſtabsarztes die Bemerkung fallen
laſſen, er ſei ſchwer leidend und er werde ſich einmal er=
ſchießen
. Von dieſer Bemerkung wurde erſt nach der Tat
ſeinem Chef Mitteilung gemacht, der auch keine Kenntnis
von einem Leiden ſeines Burſchen hatte. Am Donners=
tag
ſtürzte auf der Wallſtraße ein Soldat von der Be=
ſpannungsabteilung
des Fußart.=Regts. Nr. 3 von ſeinem
Pferde und geriet unter den Wagen, von dem er über=
fahren
wurde. Der Verunglückte, der ſchwere innere
Verletzungen erlitten, wurde von der Sanitätswache ins
Lazarett gebracht.
Weinsheim, 6. April. In der Dachpappe= und Teer=
fabrik
von Weickel brach geſtern abend gegen ſieben Uhr
Feuer aus. Die Fabrikräume ſind ausgebrannt und nur
dadurch, daß der Wind das Feuer von den Gebäuden ab=
trieb
, konnte die größere Ausdehnung des Feuers verhindert
werden. Die Wormſer Feuerwehr war ſehr ſchnell an der
brennenden Fabrik; ebenſo die Wehren von Hochheim und
Weinsheim.

Aus dem Kreiſe Bingen, 6. April. In der letzten
Zeit wird ein Projekt lebhaft erörtert, deſſen Verwirk=
lichung
von den beteiligten Gemeinden und Intereſſenten
ſchon ſeit Jahren angeſtrebt wird. Es handelt ſich um
die Erbauung einer Straßenbrücke über
den Rhein zwiſchen Bingen und Rüdesheim. Die
neue Brücke ſoll etwa 3½ Kilometer oberhalb Bingen
zwiſchen Kempten und Gaulsheim erbaut werden, und
zwar iſt die Erbauung der Straßenbrücke ſo gedacht, daß
hierzu die Pfeiler der von dem Eiſenbahnfiskus bereits
projektierten Eiſenbahnbrücke derartig erweitert
werden ſollen, daß der Ueberbau der Straßenbrücke
mit angebracht wverden kann. Die 1200 Meter lange
Brücke wird einen Koſtenaufwand von etwa 7,5 Mill.
Mark erforderlich machen, davon betragen die Mehrkoſten
für die Straßenbrücke rund 3 200000 Mark, die zum Teil
vom heſſiſchen Staat, von der Provinz Rheinheſſen, dem
Kreis und der Stadt Bingen aufgebracht werden müſſen.
Ferner wurde der Wunſch geltend gemacht, daß die Eiſen=
bahnbehörde
neben der Eiſenbahnbrücke einen Fußgänger=
ſteg
anbringen ſolle. Ueber die einzelnen Projekte fin=
den
zur Zeit Verhandlungen der beteiligten Intereſſen=
ten
ſtatt, die hoffentlich bald zum Ziele führen, damit die
ſchon lange angeſtrebte Verbindung der beiden Rhein=
ufer
durch den Brückenneubau ermöglicht wird.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt 6. April. Der Lord=
mayor
von London teilte dem Oberbürgermeiſter
von Berlin in einem Schreiben mit, daß die Scherifs und
er durch Berufsgeſchäfte leider verhindert ſeien, in den
Tagen vom 25. bis 28. Juli während der Jahresver=
ſammlung
des engliſchen Inſtituts für öffentliche Ge=
ſundheitspflege
der an ſie ergangenen Einladung nach
Berlin zu folgen. Sie ſeien ſicher, daß dies nicht falſch
ausgelegt werden würde. Zu jener Zeit wolle Berlin in
ſeinen Mauern einige Gelehrte und wiſſenſchaftliche
Fachmänner gaſtlich empfangen. Dies werde von der
City von London dankbar empfunden werden. Graf
Gisbert Wolff=Metternich hatte in der letzten
Verhandlung gegen ihn, wie ſeinerzeit gemeldet, ange=
kündigt
, daß er dem Staatsanwaltſchaftsrat Porzelt,
der die Anklage vertrat, eine Piſtolenforderung zugehen
laſſen werde, wenn er das Gefängnis verlaſſen habe. Er
glaube, daß die Behandlung, die ihm von der Staats=
anwaltſchaft
zuteil wurde, geeignet ſei, ihn in ſeiner Ehre
zu kränken. Graf Wolff=Metternich hat dieſe Drohung
jetzt wahr gemacht. Er ließ dem Staatsanwaltſchaftsrat
Porzelt, der Reſerveoffizier iſt, eine Forderung übermit=
teln
. Dieſer wandte ſich an den zuſtändigen Ehrenrat,
der jedoch verfügte, daß Porzelt keinerlei Veranlaſſung
habe, dem Grafen Wolff=Metternich auf dieſe Weiſe Sa=
tisfaktion
zu geben. Es iſt anzunehmen, daß die Staats=
anwaltſchaft
nunmehr gegen Graf Wolff=Metternich An=
klage
wegen Herausforderung zum Zweikampf erheben
wird. Bei hieſigen Theatern ſind große Durch=
ſtechereien
entdeckt worden, die ſich ein Theaterbillett=
verkauf
in der Mohrenſtraße zuſchulden kommen ließ.
Der Inhaber Brinnitzer und ſeine Angeſtellten wurden
von der Kriminalpolizei zwecks Klärung feſtgenommen.
Die Durchſtechereien wurden entdeckt, da bei den Theatern
die Kaſſe der Beſetzung nicht entſprach. Wiederum ſind
zwei Schüler, die Brüder Erich und Richard Furkert,
13 und 11 Jahre alt und im Südende wohnhaft, ver=
ſchwunden
.
Spandau, 6. April. Der Kaufmann Juſt aus
Loburg bei Magdeburg, der nach Veruntreuung von meh=
reren
100000 Mark geflüchtet war, iſt bei Pichelswerder
aus der Havel als Leiche geländet worden.
Rüdesheim, 4. April. In der letzten Nacht ſind in
Eibingen abermals 750 Rebſtöcke von unbekannter
Hand zerſtört worden. Die Zahl der bis jetzt im
Laufe einer Woche zerſtörten Stöcke beläuft ſich auf 1100.
Die Weingutsbeſitzer wollen jetzt bei der Regierung in
Wiesbaden dahingehend vorſtellig werden, daß die Gen=
darmerie
in Eibingen und Rüdesheim verſtärkt wird und
Militärpatrouillen die Weinberge abſtreifen.
München, 6. April. Wie die Münchener Neueſten
Nachrichten melden, wütete geſtern nachmittag ein ſchwe=
rer
Südweſtſturm auf dem Chiemſee. Das Segel=
boot
des bekannten Schlachtenmalers Roubaud geriet
in ſchwere Seenot. Zwei Dampfer eilten zur Rettung
herbei. Der Baron Forſtel jr. aus Wien und die zweit=
älteſte
Tochter des Prof. Roubaud ſind ertrunken.
Die anderen Inſaſſen des Bootes konnten gerettet werden.
Aſchaffenburg, 6. April. In Sulzbach a. M. brach
heute nacht um 12,15 Uhr ein Brand aus, der neun

weich ſchimmernden Seebildern, der andere mit ſeinen
friſchen hellen Interieurs. Von der beſten Seite zeigt ſich
auch der leicht zur Trockenheit neigende Biſchoff=
Culm, der diesmal beſonders kräftig und überzeugend
ſeine Bauern hinſtellt. Von glänzender Reife und Sicher=
heit
der Beobachtung zeugen die Arbeiterbilder Robert
Sterls. Einen tüchtigen Aufſtieg in ſeiner Entwick=
lung
hat Curt Herrmann vollbracht, der mit ſeiner
pointilliſtiſchen Technik Motive der Großſtadtnatur in
eigenartiger Weiſe meiſtert und zu einer bezwingenden
Vereinfachung und Steigerung des Eindrucks gelangt iſt.
Bei anderen Künſtlern wird man höchſtens ein Still=
ſtehen
, wenn nicht ein Zurückgehen konſtatieren müſſen.
E. R. Weiß der ſo Vielverſprechende, dreht ſich ſeit
Jahren wie des Kärrners Gaul im Kreiſe herum. Er
hat einen recht mäßigen Jünglingsakt und ein paar
farbig feine, aber blaſſe, wie verſchlafene Landſchaften
da. Viel weiter iſt Tuch gekommen, der in der Art der
dekorativen Werke Cézannes und Maurice Donis ein
Bild voll Kraft, Anmut und Geſchloſſenheit geſchaffen
hat. Beckmann, einſt die große Hoffnung der Sezeſ=
ſion
, will ſich nicht recht entwickeln. Seine große Ama=
zonenſchlacht
mit ihrem Leiberdurcheinander und ihren
graugrün ſchmutzigen Tönen wirkt bei aller Größe der
Anlage doch nur wie eine Verhöhnung von Rubens; ſein
Doppelporträt iſt ſchwer, plump und das feinere Herren=
bildnis
macht in der Pſychologie einen zerquält verknif=
fenen
Eindruck. In Beckmanns oder auch in Corinths
Spuren wandeln Leo Michelſon mit dem kruden,
aber kraftvollen Werke Opfer und Max Oppenhei=
mer
mit einer in blutigen Fleiſchtönen ſchwelgenden
Darſtellung einer Operation, bei der auch die Greco=
Mode ihren wenig paſſenden Einſchlag gegeben hat.
Unter dem jüngeren Nachwuchs gilt es, viel Spreu vom
Weizen zu ſondern, doch bleiben einige bedeutende, für
die Zukunft viel verſprechende Perſönlichkeiten übrig. Da
fei zunächſt W. Rößner genannt, der in ſeinem Wald=
bad
mit weichen Farbenwogen das Lockend= Schim=
mernde
des Waſſers und der Frauenkörper ausdrucksvoll
a geben weiß; dann Felir Moſeck, der ein tüchtiges,

tapfer fortſchreitendes Talent offenbart. Als ein unge=
wöhnlich
kraftvoller und eigenartiger Porträtiſt offenbart
ſich R. Kramstyk; A. Gerbig bietet realiſtiſch kräf=
tige
Lebensausſchnitte. Sehr intereſſant ſind die maleriſch
feinen, dem großen Stile nachſtrebenden Werke von Her=
ſtein
und W. Berneis. Der phantaſiereiche, roman=
tiſch
ſchwärmende Hans Meid offenbart wieder ſeine
große Stimmungskunſt, und hat einen intereſſanten Ge=
noſſen
in dem Königsberger Max Neumann gefunden.
Von beſonderer Bedeutung erſcheinen mir die anſpruchs=
loſen
, aber die berühmte Löwenklaue verratenden Bil=
der
, die zwei bisher unbekannte junge Künſtler gegeben
haben: Magnus Zeller der die raumtiefe und
farbenreiche Skizze einer Kreuzigung ausgeſtellt hat, und
der ihm verwandte Klaus Richter deſſen Selbſt=
bildnis
einen biedermeieriſch zarten Duft atmet und deſ=
ſen
religiöſe Bilder uralte Stoffe mit jungen ſtarken
Augen ſehen.
Manche der Jüngſten haben den Einfluß der aller=
modernſten
Franzoſen erfahren; doch wird man ſich über
ihre Ziele klarer, wenn man vor dieſe ſebſt tritt, wozu
die Ausſtellung reichliche Gelegenheit gibt. Ein Typus iſt
da der 1910 verſtorbene und ſeitdem ſo berühmt gewor=
dene
Henri Rouſſeau, ein blutiger Dilettant, der
aber etwas Kindlich=Naives hat und ſich in ſeiner Phan=
taſie
das Beſte vom Kind, eine einfache Klarheit der Vor=
ſtellung
, bewahrt hat. Seine Bilder wirken, wie wenn
ſie aus dem Spielzeugkaſten eines Kindes kämen; die
Fahnen, die Rollwagen, der Urwald, alles iſt ſo, wie es
unſere Kleinen gern haben. Und dieſes Naivſte, faſt Stu=
pide
, gefällt. Der gleichen Schlichtheit ſtreben Maler,
wie Picaſſo und Herbin, mit den raffinierteſten
Mitteln nach, indem ſie die Natur in mathematiſche Ge=
bilde
, in Dreiecke, Würfel uſw. auflöſen oder ſich mit
einer wilden Buntheit, wie der koloriſtiſch recht inter=
eſſante
Othon Friesz, begnügen. Von den Deut=
ſchen
ſtrebt vor allem Pechſtein dieſen Meiſtern mit
Glück nach, doch iſt ſein Hauptvorbild der ſpätere Gau=
guin
, von dem aus ſeiner früheren Zeit ein ausgezeich=
netes
Werk die Ausſtellung ſchmückt. Ebenſo iſt van

Gogh mit einigen prächtigen Sachen, ſo mit der von
einem glühenden Gelb ſich meſſerſcharf abhebenden Arle=
ſierin
, einem erſchütternd ſtarken Seelenbild, vertreten.
Von den Franzoſen ſeien noch Rhyſſelberghe, der
ſeinen Pointillimus zugunſten einer maleriſchen Ge=
ſchloſſenheit
immer mehr aufgibt, und der koloriſtiſch
zarte Valtat erwähnt. In einer geſchloſſenen Gruppe
treten eine Anzahl Dänen auf, die von Werenſkiold,
Zorn, Liljefors gelernt haben oder das Wort von Kopen=
hagen
als dem ſkandinaviſchen Paris wahr machen, in=
dem
ſie ganz wie Franzoſen malen. Der eigenartigſte
iſt Willumſen, der aber nicht zu ihnen, ſondern zu
den Expreſſioniſten zu rechnen iſt. Er hat die Kinder=
jahre
des neuen Stils bereits hinter ſich und weiß exo=
tiſch
=phantaſtiſchen Stimmungen einen bezwingenden
Ausdruck zu verleihen, der in der Literatur etwa an
J. V. Jenſen erinnert. Der Altmeiſter Werenſkiold
iſt mit einem wundervollen Porträt vertreten, einem
Meiſterwerk reifer Menſchengeſtaltung. Intereſſante Ex=
perimente
bieten Jan Toorop, der ſeine Figuren
mit gelbem Licht umſäumt, und Pietro Maruſſig
mit einem ganz in Lila ſcharf konturierten Landſchaftsbild.
Die bedeutende plaſtiſche Abteilung enthält vorzüg=
liche
Porträts von A. Oppler, Tina Halm, L.
Cauer u. a., glänzende Tierdarſtellungen von Gaul,
A. Kraus, Vonka und Tuaillon. Auch hier
herrſcht überall die Sehnſucht nach dem Primitiven, die
ſich an ägyptiſche, ja ſelbſt indiſche Vorbilder anſchließt.
Eine gelungene Neubelebung gotiſcher Skulptur, wie ſie
etwa in den Figuren des Naumburger Doms zum Aus=
druck
kommt, gibt der hochbegabte Wilhelm Lehm=
bruck
. Die tiefſten Eindrücke hinterlaſſen Barlach
und Kolbe: Der erſtere durch eine merkwürdig unbe=
holfene
und doch tief innerliche Viſion, die an byzanti=
niſch
=ruſſiſche Frühkunſt gemahnt; der letztere durch die
Bronze einer Tänzerin. In dieſer von der Luſt des
Tanzes hingeriſſenen Figur mit den gebreiteten Armen,
den ſich biegenden Knien, dem ekſtatiſch zurückgeworfenen
Kopf, hat der bacchantiſche Rhythmus ſelbſt Geſtalt ge=
wonnen
.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. April 1912.

Nummer 83.

Scheunen ſamt Futtervorräten einäſcherte. Man vermutet
Brandſtiftung. Der Tat verdächtig erſcheint der Land=
wirt
Ambros Schmitt, in deſſen Scheune das Feuer zu=
erſt
ausbrach.
Schönebeck a. E., 6. April. Zu dem Poſtraub, bei
dem den Tätern etwa 40000 Mark in die Hände gefallen
ſind, wird noch gemeldet: Die Tat iſt nach Schalterſchluß
geſchehen, und man nimmt an, daß die Diebe ſchon vor=
her
im Dienſtraum waren und ſich haben einſchließen
laſſen. Die dienſttuenden Beamten hatten den Raum
um 8 Uhr verlaſſen und ordnungsgemäß verſchloſſen.
Zum Zuge um 10,30 Uhr nach Magdeburg wurde der
Poſtkarren vom Hauptpoſtamt nach dem Bahnamt ge=
bracht
, ausnahmsweiſe nur in Begleitung eines Beam=
ten
, da der andere beſchäftigt war. Der Begleiter des
Wagens ſtellte die Geldſäcke bis zur Einfahrt des Zuges
in den bahnſeitigen Vorraum und leerte inzwiſchen die
Poſtkaſten. Darüber können nur wenige Minuten ver=
ſtrichen
ſein. Als er zurückkehrte, war die Tür von innen
verſchloſſen. Es wurde nun ſofort Lärm geſchlagen, und
als das Schloß erbrochen war, entdeckte man den Dieb=
ſtahl
. Im Poſtraum war Schwefel abgebrannt, um
Polizeihunden die Witterung zu nehmen. Geflohen ſind
die Diebe nach der Straßenſeite zu; bisher ſind Tatſachen,
die zu ihrer Ermittelung führen können, noch nicht be=
kannt
.
Leipzig, 5. April. Der neue Leipziger Haupt=
bahnhof
, der größte Bahnhof Europas, wird am 1. Mai
ds. Js. in ſeiner weſtlichen, preußiſchen Hälfte, in Betrieb
genommen. Von dieſem Tage ab werden die aus der
Richtung Thüringen kommenden Züge auf den neuen Bahn=
hof
geführt. Am 20. September 1912 erfolgt die Verleg=
ung
des Verkehrs aus der Richtung Halle vom Berliner
Bahnhof auf den neuen Hauptbahnhof und am 1. Oktober
1912 werden die Züge aus der Richtung Berlin vom Baye=
riſchen
Bahnhof und Berliner Bahnhof, ſowie der Schnell=
und Eilzugsverkehr aus der Richtung Hof vom Bayeriſchen
Bahnhof auf den neuen Bahnhof übergeführt. Am 1. Februar
1913 wird dann der Dresdener Verkehr vom jetzigen Dres=
dener
Bahnhof auf den Hauptbahnhof verlegt, ſodaß bis
zur Eröffnung der Internationalen Bauausſtellung Leipzig
1913 der geſamte dem künftigen Leipziger Hauptbahnhofe
zufallende Eiſenbahnverkehr ſich auf der preußiſchen Hälfte
des Hauptbahnhofes abwickelt. Die Arbeiten an der öſt=
lichen
, ſächſiſchen Hälfte des Bahnhofes werden augen=
blicklich
ſchon in Angriff genommen; die Fertigſtellung wird
einige Jahre in Anſpruch nehmen.
Schandau 6. April. Der Oberlehrer am Königlichen
Friedrich Wilhelm=Gymnaſium in Friedenau, Prof. Dr.
Hans Dümmling iſt am Karfreitag auf dem Schramm=
ſtein
durch einen Sturz von einem Felskegel tödlich
verunglückt. Dümmling hatte geſtern mittag von
der Schrammſtein=Baude aus in Begleitung mehrerer
Herren eine Tour in das dortige Felſengebirge unternom=
men
. Dabei rutſchte Dümmling aus und fiel einen Ab=
hang
hinunter. Gegen 7 Uhr traf die Rettungskolonne
an der Unglücksſtelle ein, der es gelang, den Schwerver=
letzten
aufzufinden. Die ſofort vorgenommene Unter=
ſuchung
ergab, daß Prof. Dümmling beide Ober=
ſchenkel
gebrochen hatte. In den erſten Morgenſtunden
iſt dann der Verunglückte ſeinen Verletzungen erlegen.
Wien, 6. April. Der Kaiſer trat des ſchlechten
Wetters wegen die heute früh zur angeſetzten Stunde
goplante Fahrt nach Wallſee nicht an.
Wien, 6. April. In den geſellſchaftlichen Kreiſen
der öſterreichiſch=ungariſchen Monarchie erregt gegenwär=
tig
eine Angelegenheit berechtigtes Aufſehen, in deren
Mittelpunkt der Prinz Egon Algxander zu Ho=
henlohe
=Waldenburg=Schillingsfürſt ſteht. Der
Prinz, der 33 Jahre alt und Fregattenleutnant der Re=
ſerve
in der öſterreichiſch=ungariſchen Marine iſt, iſt der
zweite Sohn des verſtorbenen Prinzen Egon Karl von
Hohenlohe=Waldenburg=Schillingsfürſt aus ſeiner Ehe
mit der Gräfin Marie Kaunitz. Der Prinz er hat
ſeinen ſtändigen Wohnſitz in Prag erblickte eines Ta=
des
auf dem Graben die ſchöne Frau des Advokaten
Dr. Freund, eine Blondine etwa gleichen Alters wie
er ſelbſt. Er folgte und hatte bald herausgefunden, wer
ſie war. Um Frau Dr. Freund, die bis dahin mit ihrem
Manne in elfjähriger glücklicher Ehe gelebt hatte und
die einen zehnjährigen Knaben beſaß, nähertreten zu
können, ſuchte Prinz Hohenlohe den Gatten auf. Der
Beſuch galt vorderhand nur dem Advokaten; der Prinz
hatte irgend einen verwickelten Prozeß, mit deſſen Füh=
rung
er den Dr. Freund betraute. Bei ſeinen häufigen
Beſuchen in der Kanzlei gelang es ihm endlich, auch der
Gattin Dr. Freunds zu begegnen und ſie kennen zu ler=
nen
. Dem geſellſchaftlichen Verkehr ſtand nun nichts
mehr im Wege, und eines Abends ſaß der Prinz an dem
Tiſch der Eheleute Freund. Von da an wurde er häu=
figer
und gern geſehener Gaſt in dem Hauſe, und nach
einer Weile beruhte der geſellſchaftliche Verkehr zwiſchen

dem Prinzen und dem Ehepaar auf Gegenſeitigkeit.
Schließlich reichte Frau Dr. Freund die Scheidungsklage
gegen ihren Mann ein. Dieſer ſetzte der Scheidung kei=
nen
Widerſtand entgegen. Kürzlich iſt die Scheidung er=
folgt
. Die Kunde, daß der Prinz eine Jüdin heiraten
wolle und noch dazu eine geſchiedene Frau, hatte ſich in
ſeinen Kreiſen raſch verbreitet. Graf Géza. Andraſſy,
ein Onkel von ihm, fuhr ſofort nach dem goldenen Prag
und verſuchte im Verein mit den übrigen Verwandten,
den Prinzen von ſeinem Vorhaben abzubringen. Die
Anſtrengungen blieben fruchtlos, es heißt, daß Prinz
Egon Alexander ſchon in allernächſter Zeit Frau Dr.
Freund in aller Stille im Auslande heiraten werde. In=
ſofern
wird er jedoch eine Konzeſſion machen, als er nach
ſeiner Verheiratung einen Barontitel annehmen und auf
die Majoratserbfolge verzichten wird. Die Apanage
erhält der Prinz auch weiterhin von ſeiner Mutter.
Laibach, 5. April. Ueber das Touriſtenunglück
auf dem Hochſtuhl meldet das Wiener Korr.=Bureau:
Sieben Gymnaſiaſten unter der Führung von
Prof. Cerk vom Laibacher Staatsgymnaſium wurden auf
einer Tour auf den Hochſtuhl von einem Schneeſturm
überraſcht. Der Profeſſor ſtürzte ab. Die Gymnaſiaſten
konnten ſich in eine Schutzhütte retten, von wo ſie tele=
graphiſch
um Entſendung einer Hilfsexpedition erſuchten.
Dieſe, aus Landwehrſoldaten unter Führung dreier
Offiziere beſtehend, brachte ſie wohlbehalten nach Laibach
zurück.
Paris, 6. April. Die franzöſiſche Regierung hat den
Kreuzer Dupuy de Lome eines der ſchönſten Schiffe
der franzöſiſchen Marine, an Peru verkauft. Das
Kriegsſchiff wird den Namen Commandante Aguirre‟
führen.
Liſſabon, 6. April. In Chamoueca kam es anläßlich
der Karfreitagsprozeſſion zu einem Kampfe
zwiſchen Katholiken und Antiklerikalen. Zwei Perſonen
wurden getötet und mehrere verletzt.
Kiew, 6. April. Der Dnjepr iſt über die Ufer
getreten. Die Vororte Kiews ſtehen unter Waſſer.
Der Straßenverkehr wird durch Kähne bewerkſtelligt. Das
Waſſer ſteigt.
Konſtantinopel, 5. April. Der Miniſterrat beſchloß,
der Stadtpräfektur Konſtantinopel die Erlaubnis zur
Aufnahme einer Anleihe von 350000 Pfund
zum Wiederaufbau der abgebrannten
Stadtteile in Stambul zu erteilen.
New=York, 5. April. Aus dem Miſſiſſippi=
Ueberſchwemmungsgebiet wird gemeldet: 5000
Quadratmeilen Landes ſind vom Miſſiſſippi überflutet
und weitere 1500 Quadratmeilen Landes im Staate Miſ=
ſouri
ſtehen in Gefahr, überſchwemmt zu werden. Die
Flut nimmt eine immer größere Ausdehnung an. 17000
Menſchen ſind heimatlos geworden. Geſtern wurden acht
Leichen dem Waſſer entriſſen. Mehrere tauſend Häuſer
ſind vollſtändig verwüſtet. Die Bewohner haben ſich in
die Kirchen und öffentlichen Gebäude geflüchtet. Motor=
boote
ſowie andere kleine Boote vermitteln den Verkehr
in den vom Waſſer überfluteten Straßen. Geſtern wur=
den
abermals zwei Schutzdämme bei Kairo von
den Fluten weggeſchwemmt, ſodaß die Stadt jetzt
vollſtändig unter Waſſer ſteht. Tauſende von Häuſern
ſind vom Waſſer überflutet, und augenblicklich ſind 400
Arbeiter damit beſchäftigt, die eingeſtürzten Dämme wie=
der
aufzurichten. Sie führen dieſe Arbeiten von ihren
Booten heraus aus. Die Bevölkerung Kairos hat ſich in
großen Maſſen nach dem Orte der eingeſtürzten Deiche be=
geben
, um gemeinſam mit den Arbeitern neue Dämme ſo
ſchnell als möglich herzuſtellen. 22 große Fabriken in
der Nähe von Kairo ſind gleichfalls von den Fluten
überſchwemmt worden. Die Gasleitung iſt vollſtändig
zerſtört.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Polniſche Wirtſchaft im Saalbau=
theater
. Gleich der belebenden Wirkung des Frühlings
auf die Gemüter der Menſchen, wird die Aufführung der
Polniſchen Wirtſchaft dieſer luſtigſten aller Poſſen, bei
allen, die ſie ſehen und ſich an den reizenden Melodien er=
freuen
, einen Sturm von Heiterkeit und bei den Gries=
grämigen
Lebensfreudigkeit hervorrufen. Das Mar Wal=
den
=Enſemble unter Leitung des Direktor Egon Jantſch
und Direktor Mar Walden hat infolge ſeiner glänzenden
Darſtellung überall Triumphe gefeiert und iſt das große
Intereſſe, das ſich durch rege Kartennachfrage kundgibt,
vollauf berechtigt. Die Beſetzung der am heutigen Diens=
tag
, den 9. April, im Darmſtädter Sgalbautheater ſtatt=
findenden
Premiere, liegt in den bewährten Händen der
Herren Merker, Wehrhahn, Dewal, Lopinsky, Schneider
und des Direktors Max Walden, kaiſ. ruſſiſcher Hofſchau=

ſpieler, und der Damen Lopinsky, Laubert, Siemerling,
Bartling, Biedermann, Brückner u. a. m. Die Koſtüm=
Ausſtattung iſt aus den Ateliers der Firma Hugo Baruch
u. Co. in Berlin, Hoflieferanten. Die vorkommenden Tänze
des Chor de Balletts ſind von dem beſten Ballettmeiſter
Berlins, Herrn Eugen Clebus, einſtudiert. Der alleinige
Vorverkauf findet nur im Verkehrsbureau, Wartehalle am
Ernſt=Ludwigsplatz, ſtatt.
Volksliederabend Elſa Laura von
Wolzogen. Es ſei hierdurch nochmals auf den morgen
Mittwoch abend im Saale der Traube ſtattfindenden
Liederabend Elſa Laura von Wolzogen hingewieſen. Der
1. Teil des Konzertes bringt Lieder zur Laute Vom Bauer
und vom Edelmann im 2. Teil des Programms kommen
Lieder zum Klavier zum Vortrag, zu welchem die hieſige
Künſtlerin Fräulein Wilhelmine Heiß die Beglei=
tung
am Klavier übernommen hat. Es folgen dann Lieder
im Volkston, darunter zwei von der Künſtlerin ſelbſt kom=
ponierte
Der Weltverdruß von F. Kaim und Ich wußt
einmal nichts anzufangen von J. G. Fink. Den Schluß
des Programms machen Lieder aus den verſchiedenſten
Gegenden und der verſchiedenſten Nationen. Es iſt be=
kannt
, daß die Künſtlerin ein franzöſiſches Chanſon mit der
gleichen Verve ſingt, wie ein ſchwediſches Volkslied, ſie
trifft den Tiroler Jodler ebenſo gut wie die charakteriſtiſche
Note des Niggerſongs. Dialektſchwierigkeiten kennt ſie
nicht, ſodaß die Künſtlerin mit ihrem ca. 200 Volkslieder
umfaſſenden Repertoire in 12 Sprachen und vielen Dialekten
tatſächlich eine einzigartige Erſcheinung iſt. (Näh. ſ. Anz.)

Stimmen aus dem Publikum.
(Für dſe Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Rehakties
leinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Zum neuen Beamtenbeſoldungsgeſetz.
Ein Mahnwort an die Beamten und Volkss
ſchullehrer.
Donnerstag ſind die Regierungsvorlagen über die Auf=
beſſerung
der Staatsbeamten, Volksſchullehrer, Penſionäre
pp. und über die Deckungsmittel für den Mehrbedarf den
einzelnen Kammermitgliedern im Druck zugegangen, und
ſchon werden nicht nur in Beamtenkreiſen, ſondern auch
in den Tageszeitungen Nachrichten darüber verbreitet,
wie die einzelnen Parteien in der Zweiten Kammer ſich
zu der Vorlage ſtellen werden und welches ihr Schickſal
bei den Beratungen ſein wird. Alle dieſe Gerüchte ſind,
da es den einzelnen Kammerfraktionen noch gar nicht
möglich war, in eine Beſprechung über die Vorlage ein=
zutreten
, meiſtens aus der Luft gegriffen, und dieſe die
Gemüter der Beamtenſchaft oft unnötig aufregenden Vor=
ausſagen
ſind nicht im mindeſten geeignet, die künftigen
Beratungen in der Kammer günſtig zu beeinfluſſen oder
den Mitgliedern die Vorlage annehmbarer zu machen.
Wenn auch zugeſtanden werden muß, daß die jetzt
eingebrachte Regierungsvorlage mit ihrer hauptſächlich
nur prozentualen Aufbeſſerung der Gehalte pp. der Be=
amten
und der Volksſchullehrer gegen die ſeit langen
Jahren erwartete Beſoldungsreform eine Ent=
täuſchung
bei allen Beteiligten hervorgerufen hat, ſo darf
doch andererſeits nicht verkannt werden, daß die Regier=
ung
mit dieſer Vorlage vor allem die gegenwärtige Not=
lage
der Beamtenſchaft pp. beſeitigen und zugleich eine
Grundlage ſchaffen wollte, auf der ſie dann ſpäter leicht
die einzelnen Gehaltsklaſſen in der neuen Beſoldungs=
ordnung
aufbauen könnte. Die von den verſchiedenen
Beamtenkategorien und einzelnen Beamten der Regier=
ung
und den Ständen vorgetragenen Wünſche um Gleich=
ſtellung
oder anderweite Einreihung ihrer Beamtenklaſſe
bei Aufſtellung der neuen Beſoldungsordnung müſſen
zwar, wenn ſie auch noch ſo berechtigt von der Regierung pp.
anerkannt wurden, für diesmal zurückgeſtellt werden, da
ſie im Rahmen der vorliegenden Geſetzentwürfe ſich nicht
verwirklichen laſſen, und die Beratung eines neuen Be=
ſoldungsgeſetzes
mit einer neuen Beſoldungsordnung,
das dann auf eine lange Reihe von Jahren Geltung be=
halten
ſoll, gerade weil die verſchiedenſten Wünſche der
einzelnen Beamtenklaſſen zu berückſichtigen wären, eine
längere Zeit erfordern würde, als ſie jetzt der Kammer
zur Beratung der Vorlagen zur Verfügung ſteht. Die
Beamten müſſen aber das Vertrauen zu der Regierung
haben, daß ſie in aller Kürze das neue Beſoldungsgeſetz
in Vorlage bringt und dabei die geäußerten Wünſche ein=
gehend
prüft und tunlichſt berückſichtigt, und können mit
Rückſicht hierauf die jetzigen Vorlagen dankbar aufnehmen
und ſich mit denſelben zufrieden geben, wenn auch durch
dieſelben viele Ungleichheiten nicht gehoben werden konn=
ten
und mancher perſönliche Wunſch unberückſichtigt blei=
ben
mußte. Auch die heſſiſchen Volksſchullehrer dürfen
mit Rückſicht auf die Gleichſtellung, die ſie in ihren Ge=
halten
gegenüber ihren preußiſchen und badiſchen Kol=
legen
erfahren ſollen, mit der Vorlage recht zufrieden
ſein, beſonders, wenn ſie bedenken, daß ihre Kollegen in
den Städten, an die allein größere Anforderungen für

Feuilleton.

C. K. Das Pariſer Polizeimuſeum. Von einem merk=
würdigen
Muſeum, das unter dem Dache des Pariſer
Polizeiamtes in ein paar Räumen von zwei gelehrten
Archivaren, von den Herren Rey und Féron, eingerichtet
worden iſt, berichtet der Temps. Es iſt das Pariſer Po=
lizeimuſeum
, das beſcheiden nur aus einem Korridor
und drei Zimmern beſteht und doch in dieſen wenigen
Räumen die ganze Geſchichte des Pariſer Sicherheits=
weſens
vor unſeren Augen vorüberziehen läßt. In dem
Vorraum finden wir, chronologiſch und nach Gefäng=
niſſen
geordnet, photographiſche Nachbildungen berühm=
ter
Haftbefehle; der Name Charlotte Cordays oder der
berühmten Mme. Roland leuchten uns entgegen; ſie waren
Zellennachbarn der Marquiſe de Brinvilliers, der berüch=
tigten
Giftmörderin. Und ein paar Schritte weiter fin=
den
wir den Haftbefehl gegen die Dame Jeanne von
Valois Gräfin de La Motte, die bekanntlich in die
Halsbandaffäre der Marie Antoinette verwickelt war.
Dann folgen eine ganze Reihe von Dokumenten, die uns
die Tage der Schreckensherrſchaft wieder miterleben
laſſen, Haftbefehle, die faſt ausnahmslos den Weg zur
Guillotine bedeuteten. Der erſte Saal enthält inter=
eſſante
alte Stiche, Gravuren, Photographien und Manu=
ſkripte
, die uns von dem Altpariſer Gefängnisweſen er=
zählen
; wir ſehen die kolorierten Modelle der 1830 von
der Polizei genehmigten öffentlichen Droſchken und
Wagen, die Uniformen der Kutſcher zurzeit des zweiten
Kaiſerreiches, die Verfügung, aus der die Morgue ent=
ſtand
, und alte Stiche und Holzſchnitte, die berüchtigte
Attentate und Mordſzenen aus dem alten Paris wieder=
geben
. Der zweite Saal bringt die Bilder der Pariſer
Polizeichefs und beſonders tüchtiger Beamter, die zum
Teil in Erfüllung ihrer Pflichten ihr Leben opferten
Eine Sammlung von Uniformmodellen aus der Zeit

Ludwigs XIV bis zum Ende des 19. Jahrhunderts er=
gänzt
den Eindruck, der dem Kulturhiſtoriker in überſicht=
licher
Anſchaulichkeit ſo viel Intereſſantes bietet und den
Blick zurückſchweifen läßt in die Zeiten, da die öffentliche
Sicherheit noch nicht über jenen großzügig organiſierten
Polizeiapparat verfügte, den heute alle Kulturſtaaten
beſitzen.
sh. Eine Tanzſtunde im Gerichtsfaal. Eine höchſt
ergötzliche Szene ſpielte ſich vor der Strafkammer in
Tilſit ab, deren heiterer Situationskomik ſelbſt die ern=
ſten
Richter unterlagen. Im Juni und Juli vorigen
Jahres war nämlich die 17jährige, unverheiratete The=
reſe
Stabbart aus Groß=Friedrichsdorf in einer Straf=
ſache
als Zeugin vernommen worden und hatte hierbei
unter Eid ausgeſagt, daß ſie noch nie in ihrem Leben
mit einem Manne getanzt habe. Das kam natürlich dem
Gerichtshof äußerſt verdächtig vor, denn daß ein hüb=
ſches
Bauernmädel mit ihren 17 Lenzen noch niemals
mit einem Manne getanzt haben ſollte, das war doch
kaum glaublich, das war gewiß ein Meineid, wenn auch
vielleicht kein bewußter, vorſätzlicher, aber ſicher doch
ein fahrläſſiger. Demgemäß lautete auch die Anklage,
wegen der ſich Fräulein Stabbart jetzt vor der
Strafkammer zu verantworten hatte. Sämtliche männ=
lichen
Weſen aus Groß=Friedrichsdorf, ſowohl der Jüng=
ling
mit dem zarten Flaum auf der Oberlippe, wie der
Mann mit dem Barte, mußten als Zeugen erſcheinen,
aber keiner von ihnen allen konnte ſich rühmen, mit der
Angeklagten jemals getanzt zu haben. Nur einer fand
ich, der ausſagte, daß er Fräulein Stabbart wohl ein=
mal
zum Tanze aufgefordert, jedoch der Sache habe kei=
nen
Geſchmack abgewinnen können, denn er habe ſeine
Partnerin beim Tanze förmlich ſchleppen müſſen, ſodaß
er dies zweifelhafte Vergnügen wieder aufgegeben habe.
Dieſe Ausſage genügte dem Gericht jedoch nicht, ſöndern
es murde eine Tanzſtunde improviſiert, um die Tanz=

kunſt der Angeklagten zu erproben. Die Probe hatte aber
ein derart negatives Ergebnis, daß der Gerichtshof zu
einem Freiſpruch gelangte.
* Ein ſchwäbiſches Eiſenbahn=Idyll. Als dieſer Tage
in Türkheim im bayeriſchen Schwaben der Frühzug nach
Wörishofen abdampfen wollte, kam noch im letzten
Augenblick atemlos ein Fahrgaſt gelaufen. Er war nur
mit Hoſen, Hemd und Strümpfen bekleidet. Die Schuhe
trug er in den Händen und die übrige Gewandung auf
dem Arm. In Haſt beſtieg er den Zug, um dann, froh
des erreichten Anſchluſſes und unbekümmert um das Ge=
lächter
der Mitreiſenden, ſeine etwas dürftige Toilette
in Gemütsruhe zu vollenden. Als bin e mitkomme=
meinte
er, und den beſonders Lachluſtigen entbot er den
ſchwäbiſchen Gruß, mit dem man nach gerichtlicher Feſte
ſtellung eine Unterhaltung beginnen, beleben und bes
endigen kann.
* Der ällteſte Mann Norwegens, ein Fiſcher Abel
Eliaſſen, vollendete, wie die Hamburger Nachrichten mit=
teilen
, vor einigen Tagen das 116. Lebensjahr. Er lebt
hoch oben im Norden an der Weſtküſte auf den Lofoten.
Trotz ſeines hohen Alters iſt Eliaſſen, ein Rieſe von Ge=
ſtalt
, noch ſo kräftig, daß er in der Woche zwei= bis drei=
mal
den eine Meile langen Weg von ſeiner Wohnung
zum Krankenhaus, wo ſeine Frau gegenwärtig liegt, zu
Fuß zurücklegen kann. Seine jetzige Frau hat er 1895,
alſo als Neunundneunzigjähriger, geheiratet. Der alte
Rieſe, der 1796, alſo zu einem Zeitpunkt geboren wurde
wo Norwegen noch zu Dänemark gehörte, hat unter neun
Königen gelebt.
* Ein Kenner. Schutzmann, der einen ſchwer miß=
handelten
, auf der Straße liegenden Herrn notiert:
Warum ſangen Sie denn, als Sie überfallen wurden?
Ja, wenn ich um Hilfe gerufen hätte, wären Sie
ſicher nicht gekommen!

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Nummer 83.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. April 1912.

Seite 5.

Miete, Haushaltung pp. wie bei den mittleren Finanz=
beamten
herantreten, auch bedeutend beſſer geſtellt ſind.
Alle Eingaben von einzelnen Beamtenkategorien
oder den Volksſchullehrern an die Kammern, alle Peti=
tionen
von einzelnen Beamten an die Mitglieder der
Kammern und alle Einſendungen in den Tagesblättern,
die nur die Erreichung von Sonderwünſchen be=
zwecken
, dürften daher zur Zeit nicht geeignet
ſein, das Schickſal der Vorlagen günſtiger
zu geſtalten, da hierdurch leicht die Mitglieder der
Kammern zu der Meinung kommen könnten, als ſeien die
Beamten pp. ſelbſt mit, den Vorlagen nicht zufrieden
und wünſchten nicht deren Annahme. Nur wenn die Be=
amten
= und Lehrerſchaft einmütig hinter der
Regierung ſteht und unter zeitiger Zurück=
ſetzung
ihrer einzelnen Sonderwünſche ſich rückhaltlos
mit dem zur Zeit von der Regierung zur Hebung der
vorhandenen Notlage vorgeſchlagenen Wege einverſtanden
erklärt, werden die einzelnen Parteien in der Zweiten
Kammer ein wirkliches Bedürfnis zur Annahme der ein=
gebrachten
Vorlagen anerkennen müſſen und ſelbſt mög=
lichſt
die Beanſtandung von einzelnen Poſitionen vermei=
den
, die geeignet wäre, die ganzen als Mantelgeſetz ein=
gebrachten
Vorlagen zum Scheitern zu bringen.
Jeder Abgeordnete, der die Fürſorge für die Beamten
und Volksſchullehrer nicht nur auf ſein Wahlprogramm
geſchrieben hatte, ſondern auch ernſt nimmt, wird, wenn
er ſieht, daß Beamte wie Lehrer mit der Vorlage zu=
frieden
ſind, auch ſelbſt, da die übrigen Deckungsmittel
nicht ausreichen, in den ſauren Apfel der Steuererhöhung
beißen, wenn er dabei bedenkt, daß es ja gerade die auf=
gebeſſerten
Beamten pp. wieder ſind, die mit ihren erhöhten
Bezügen auf Heller und Pfennig durch die Steuererhöh=
ung
am meiſten getroffen werden und wieder zur Hebung
der Steuerkraft beitragen. Selbſt die ländlichen Herren
Abgeordneten dürften ſich mit den Vorlagen noch befreun=
den
können, wenn ſie berückſichtigen, daß mit dem Wachſen
der Einnahmen bei den Beamten pp. auch die Ausgaben
für die Lebenshaltung pp. wachſen und der geſteigerte
Konſum nicht nur der Induſtrie und dem Handel in den
Städten, ſondern auch auf dem Lande und, wenn auch
nur indirekt, ſelbſt dem Bauer und Landwirt zugute
kommt.
Aus vorſtehenden Ausführungen dürfte hervorgehen,
daß es der Regierung nur dann möglich ſein wird, die
Vorlagen vor den Kammern einheitlich und mit dem
nötigen Nachdruck zu vertreten, wenn ſie ſelbſt und die
Kammern von Petitionen verſchont bleiben, in denen die
verſchiedenen Beamtenkategorien ihrer Unzufriedenheit
mit den gegenwärtigen Geſetzentwürfen Ausdruck ver=
leihen
. Es wird vielmehr das Mahnwort eines Beamten
an ſeine Kollegen und die Volksſchullehrer nicht unange=
bracht
ſein, zur Zeit alle perſönlichen Inter=
eſſen
hintanzuſetzen und nur auf das Ge=
meinwohl
bedacht zu ſein, ſich ſelbſt und ihrem
ganzen Stande zum Nutzen.

An der neuen Zugangsſtraße zum Platz
vor dem neuen Hauptbahnhof, zwiſchen dieſem
und der Ecke des Rummelbräu, werden gegenwärtig die
neuen Straßenbahnmaſten zu beiden Seiten der Straße
mit Auslegern für die Beleuchtung verſehen; gleich=
zeitig
werden die Spanndrähte für die Straßenbahn
angebracht. Während nun dieſe Spanndrähte auf der
Oſt ſeite der Straße unterhalb des Beleuchtungsaus=
legers
in Dreiecksform an einem Querſtab am Maſt be=
feſtigt
werden, befindet ſich dieſer Querſtab mit dem
Drahtdreieck an den Maſten auf der Weſtſeite der
Straße inmitten des Lichtauslegers, ſodaß hier deſſen
aparte, künſtleriſch ſchöne Figur durch den Spanndraht
durchquert und derart beeinträchtigt wird daß die Be=
leuchtungsträger
keine Zierde mehr für die Straße bil=
den
, dieſe vielmehr, recht in die Augen falkend, verun=
zieren
; dies wird um ſo ſtörender empfunden, als die
Art der Befeſtigung von Ausleger und Spanndrähten
an den Maſten auf der Oſt ſeite der Straße nicht zu
beanſtanden iſt, da hier Ausleger und Spanndraht ſenk=
recht
untereinander angeordnet ſind und daher nicht mit
einander in Konflikt kommen. Wer ſich die Sache ge=
nauer
beſieht, kann die jetzige Geſtaltung an den Maſten
fraglicher Straßenſtrecke unmöglich ſchön finden.

Luftfahrt.

* Wiſſenſchaftliche Ballonaufſtiege. Am
Donnerstag, Freitag und Samstag, 11., 12. und 13.
April, finden in den Morgenſtunden internationale
wiſſenſchaftliche Ballonaufſtiege ſtatt. Es ſteigen Dra=
chen
, bemannte oder unbemannte Ballons in den meiſten
Hauptſtädten Europas auf. Der Finder eines unbe=
mannten
Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der
jedem (Ballon beigegebenen Anweiſung gemäß den
Ballon und die Inſtrumente ſorgfältig birgt und an die
angegebene Adreſſe ſofort telegraphiſche Nachricht ſendet.
Der am Sonntag in Dresden aufgeſtiegene, zunächſt
als vermißt gemeldete Ballon Graf Zeppelin
landete glücklich Sonntag=Nacht bei Stralſund. Der
Führer des Ballons, der däniſche Hauptmann Seidelin,
und die beiden anderen däniſchen Offiziere ſind wohl=
behalten
nach Kopenhagen zurückgekehrt.
* Paris, 6. April. Mehrere Flieger, darunter
Vedrines und Blériot, haben den vom Matin angekün=
digten
Plan eines Wettfluges Peking-Paris, nicht,
wie zuerſt gemeldet, Paris=Peking, für durchaus aus=
führbar
erklärt, da die transſibiriſche Bahn die Mög=
lichkeit
biete, Flugzeuge und Flieger mit allem erforder=
lichen
Bedarf auszurüſten.
* Moskau, 8. April. Heute wurde hier die Inter=
nationale
Luftſchiffahrt=Ausſtellung er=
öffnet
.
H. B. Kairo, 6. April. Nach aus Benghaſi ein=
gelaufenen
Berichten hat die türkiſche Artillerie ein italie=
niſches
Flugfahrzeug beſchoſſen und den Piloten
Biderit getötet.

Handel und Verkehr.

* Duisburg, 6. April. Die Rheiniſchen
Stahlwerke ſicherten ſich zufolge einer Verabredung
mit den Großaktionären der Vereinigten Walz= und
Röhrenwerke Aktiengeſellſchaft, vormals Böcker u. König,
in Hohenlimburg, das nur in wenigen Händen befind=
liche
Aktienkapital der genannten Geſellſchaft in Höhe
von 1700000 Mark. Die Limburger Geſellſchaft betreibt
die Fabrikation von Kaltwalzen, die Weiterverarbeitung
von Bandeiſen, Ziehen von Wellen, Feineiſen und Draht
und ſchließlich die Drahtweberei. Die Vereinigten Stahl=
werke
ſind in der Lage, auf ihren großen Walzwerken in
Meiderich und Duisburg alle für die Hohenlimburger
Betriebe benötigten Sorten und Qualitäten an Stab=
eiſen
, Bandeiſen und Draht herzuſtellen, ſo daß eine An=
gliederung
dem beiderſeitigen Bedürfnis entſpricht.

Die Bergarbeiterbewegung.

H.B. London, 5. April. Geſtern haben 50000
Grubenarbeiter in verſchiedenen Gruben die Arbeit
wieder aufgenommen. Es iſt hervorzuheben, daß
in den Walliſiſchen Gruben, obgleich dort die Mehrheit
zugunſten der Wiederaufnahme der Arbeit eine ſtarke war,
kein einziger Arbeiter eingefahren iſt. Sämtliche Gruben
waren bereits ſeit morgens geöffnet und die Geſellſchaften
hatten durch Anſchlag bekannt machen laſſen, daß die Ar=
beit
unter den Bedingungen aufgenommen würde, wie ſie
vom Bezirksausſchuß feſtgelegt worden ſeien. Das iſt ein
ganz außerordentliches Beiſpiel der Arbeiterdisziplin. Die
Zahl der Arbeiter, die die Arbeit wieder aufnehmen, nimmt
fortwährend zu. In ſämtlichen Grubenzentren ſind in
großem Umfange Vorbereitungen getroffen worden, um
den Betrieb wieder aufzunehmen. In zahlreichen Orten
ſind die Gruben vorher inſtand zu ſetzen, da ſie während
des Ausſtandes ſtark gelitten haben. Die Delegierten der
Grubenarbeiter in der Grafſchaft Cumberland haben die
Wiederaufnahme der Arbeit empfohlen.
* London, 5. April. Ernſte Unruhen ereigneten
ſich heute nachmittag auf einem Bergwerk bei Dun=
fernline
(Schottland). Auf das Gerücht hin, daß dort
einige Leute Kohlen gefördert hätten, verſammelten ſich
etwa 10000 Perſonen beim Eingang der Grube, beſchä=
digten
die Maſchinenanlagen und warfen die Fenſter des
Werkgebäudes ein. Mehrere Poliziſten wurden verletzt.
* London 6. April. Die nationale Konfe=
renz
des Grubenarbeiter=Verbandes nahm
mit 440 gegen 125 Stimmen die Empfehlung des Exekutiv=
komitees
, die Arbeit am Dienstag wieder auf
zunehmen, an.

Literariſches.

C Die Neue Zeit von Hans Otto Becker.
Eine Geſchichte aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts.
(Hans Sachs=Verlag, G. Haiſt, München=Leipzig 1912
Preis br. 3.50 M.) In die wildbewegten Zeiten, da Auf=
ruhr
und Krieg die Heimat heimſuchte, da Spieß und
Schwert nimmer zur Ruhe kommen und die Brandfackel
hellauflodernd die geſegneten Gefilde des heimatlichen
Odenwaldes und der Bergſtraße heimſuchten, führt dieſer
feſſelnd geſchriebene Roman unſeres Mitbürgers uns zu=
rück
. In die Zeitläufte, da falſchverſtandene Auslegung
des gewaltigen Reformwerkes Luthers die irregeleiteten
Bauern zum verwerflichen Mittel des Aufruhrs und
Aufſtandes ſchritten, um die lange knirſchend getragenen
Ketten des Frohndienſtes, der Knechtſchaft, zu ſprengen,
um den verhaßten Adel, das Rittertum und das Pfaffen=
tum
zu demütigen, ja auszurotten. Die von Luther ge=
predigte
Freiheit des Geiſtes, ſein Ruf zur Befreiung
vom Joch der römiſchen Kleriſei deuteten die verhetzten
Bauern auf ihre Weiſe und ſtrebten einfach, die Rollen zu
vertauſchen, aus Herrſchenden Knechten und aus Knechten
Herren zu machen. Mord und Brandſchatz waren an der
Tagesordnung und zahlloſe ſtolze Burgen wurden mit
Raubneſtern in Grund und Boden geſchoſſen, ihre Beſitzer
gehenkt oder durch die Spieße gejagt. In dieſe Zeit
führt Hans Otto Beckers Geſchichte, die dadurch zum Hei=
matroman
in beſter Deutung des Wortes wird. In
ſchlichtem, erzählendem Stil, vor herber Realiſtik, wie ſie
die Zeit beherrſchte, nicht zurückſchreckend, aber auch der
poetiſchen Schönheiten nicht entbehrend, entrollt er die
Bilder des Schreckens vor dem Leſenden und mildert ſie
gleichzeitig durch Hineinverknüpfung zarter Liebesgeſchicht=
chen
, edler, ritterlicher Bruderliebe. Im Vordergrunde
der Erzählung ſtehen zwei Brüder, deren Lebenswege
ſich trennen, als des Vaters Burg Zwingenberg dem An=
ſturm
Sickingens zum Opfer fällt: Der eine. Eitel Wolf
von Roſenfeld, erwacht in den Armen eines Mönches und
tritt ein in das Benediktinerkloſter Amorbach, der andere
Siegmund, widmet ſich dem Hofdienſt bei dem Erzbiſchof
Albrecht von Mainz. Der Geiſt der neuen Zeit, der von
Wittenberg ausgeht, umfängt den Kloſterbruder, der
von Gewiſſensqualen bedrückt, den voreiligen Entſchluß
bereut, der ihn zum Gefangenen des gebundenen Kloſter=
lebens
macht, aber auch am Hof des Erzbiſchofs hat man
von dem Geiſte des Humanismus einen Hauch verſpürt.
Wie der eine Bruder, zum Pfleger des alten Klausners
Ambroſius auf der Neunkirchner Höhe beſtellt, beſtärkt
durch den weiſen Rat dieſes menſchenkundigen Greiſes,
ſich innerlich losringt von Zwang und Druck des Kloſter=
lebens
, wie der andere, ermutigt durch ſeinen Herrn, den
Erzbiſchof, und aufgerüttelt durch Sebaſtian von Welzin=
gen
und Florian Geyer ſich für gewaltige Umwälzungen
in Staat und Kirche begeiſtert, wie beide Brüder das
Schwert ziehen für eine neue Zeit, für neue Ideale mit
weitgreifenden Hoffnungen, wie ſie nach bitteren Ent=
täuſchungen
und ſchweren inneren Konflikten das Glück
erjagen an der Seite eines geliebten Weibes, all das
wird vom Verfaſſer meiſterhaft geſchildert. Beſonders
packend ſind die wilden Kampfesſzenen gezeichnet und die
zunächſt auf Seik der Bauern kämpfenden Ritter, der
Geyer mit ſeiner ſchwarzen Schar, Götz von Berlichingen,
und wie ſie alle hießen, die, zunächſt vom Geiſt der neuen
Zeit erfaßt, voll hoher Ideale in den Streit ziehen, dann
aber bald einſehen, daß die entfeſſelten Elemente der
Maſſen andere Ziele verfolgen, und ſchließlich ſich abwen
den oder untergehen. Wer für die Geſchichte der engeren
Zeit aus der gleichzeitig dunkelſten, aber in der Folge
doch lichtvollen Epoche Intereſſe hat, dem ſei die Lektüre
empfohlen.
Ueber die Schnelligkeit der Tiere enthält das
neueſte 17. Heft der illuſtrierten Zeitſchrift Zur Guten
Stunde (Deutſches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin
W. 57. Preis des Vierzehntagesheftes 40 Pfg.) intereſſante
Mitteilungen. Die beliebte illuſtrierte Familienzeitſchrift
iſt ja beſonders durch ihre Reichhaltigkeit an populär= wiſſen=
ſchaftlichen
allgemein belehrenden Aufſätzen ausgezeichnet.
So finden wir im neueſten Heft einen mit brillanten Bil=
dern
verſehenen Artikel über die eigenartigen Höhlen=
tempel
von Karle. Fritz Skowronnek plaudert in ſeinem
illuſtrierten Feuilleton Pürſchjagd über das Jägerleben
und in dem Feuilleton Der Philoſoph macht Bruno H
Bürgel den intereſſanten Verſuch, philoſophiſche Fragen in
einer ganz neuen allgemein verſtändlichen Form zu be=
handeln
. Die Rubriken Erfindungen und Entdeckungen
und Für unſere Frauen bringen das Neueſte aus dem
Gebiete der Naturwiſſenſchaft, der Technik, des Haus= und
Wirtſchaftslebens. Aber auch an Unterhaltungslektüre fehlt
es nicht. Den Hauptinhalt des Heftes bilden die beiden
großen Romane Das Kuckucksei von Hanna Branden=
fels
und Fata Morgana von Wilhelm Rubiner, zwei
feſſelnd geſchriebene und durch die Eigenart ihres Milieus
auffallende Erzählungswerke. Novellen und Gedichte
ſchließen ſich an. Wie immer iſt das neueſte Heſt reich
illuſtriert. Es ſeien beſonders die farbige Kunſtbeilage

In der Bleihütte von Heyenbrock und das große Ge=
mälde
von Clairin Die feindlichen Völker erwähnt.
Was wird uns die Mode zum Frühjahr und Som=
mer
beſcheren? Dieſe für die Frauenwelt brennende Frage
beantwortet das ſoeben erſchienene, reich illuſtrierte Fa=
vorit
=Moden=Album und reichhaltige Schnitt=
muſterbuch
der Internationalen Schnittmanufaktur, Dres=
den
=N. auf das eingehendſte, indem es an der Hand der
äußerſt zahlreichen, die aktuelle Mode verkörpernden Ab=
bildungen
einen genauen Ueberblick über die gültigen
Modeformen gibt. Außerdem beſitzt es den Vorzug, daß
zu jedem der dargeſtellten Modelle vorzüglich paſſende
Schnittmuſter in den verſchiedenſten Größen zu mäßigem
Preiſe erhältlich ſind. Zu beziehen iſt das reich illuſtrierte
Album durch die Internationale Schnittmanufaktur,
Dresden=N. 8, oder durch deren Agenturen.
Eine neue Sondernummer des Salonblatt
iſt unter dem Titel Die Ernährung des Menſchen ſoeben
erſchienen. Das mit Hunderten von Bildern ausgeſtattete
und von den erſten wiſſenſchaftlichen Autoritäten des ge=
ſamten
Gebietes beſchickte, etwa 200 Seiten ſtarke Werk ent=
hält
alles Wiſſenswerte über das Weſen der Ernährung,
die Beſchaffung unſerer Nahrungsmittel, ihre Wirkung auf
den geſunden, wie auf den kranken Körper, kurz: es ſtellt ein
leichtfaßliches, anſchauliches Kompendium der Ernährung
auf wiſſenſchaftlicher Grundlage dar. Die Sondernummer
iſt in allen Buchhandlungen oder bei der Expedition des
Salonblatt, Dresden=A. 3, zum Preiſe von Mk. 1 erhältlich.

Vermiſchtes.

Ueber das Miſſionsſchulweſen in den
deutſchen Kolonien hielt Profeſſor D. Haußleiter
(Halle) bei der diesjährigen Miſſionskonferenz einen
Vortrag, aus dem eine Reihe wichtiger Angaben mit=
geteilt
ſeien. Eine ganz zuverläſſige Statiſtik über den
gegenwärtigen Stand des Miſſionsſchulweſens iſt zur
Zeit noch nicht vorhanden, ſie wird erſt in Jahresfriſt
vorliegen, wenn die vom Hamburgiſchen Kolonialinſtitut
ausgeſandten 2500 Fragebogen eingegangen und von
dem damit beauftragten Miſſionsinſpektor Schlunk= Ham=
burg
bearbeitet ſind. Für Deutſch=Oſtafrika konnte Prof.
D. Haußleiter bereits ziemlich genaue Zahlen mitteilen.
Es gibt dort bei 79 Hauptſtationen 440 evangeliſche
Elementar= und 14 gehobene Schulen (Mittelſchulen,
Handwerkerſchulen); neben 123 weißen Lehrkräften arbei=
ten
447 ſeminariſch gebildete und etwa ebenſo viel Hilfs=
lehrer
aus den Eingeborenen. Die Geſamtſchülerzahl
beträgt 34803, nämlich 22 992 männliche und 11809 weib=
liche
Schüler. Während in der evangeliſchen Miſſion
auf eine weiße Lehrkraft acht aus den Eingeborenen
kommen, bleibt die katholiſche Miſſion mit nur 447 ein=
geborenen
Lehrkräften in dieſer Hinſicht erheblich zurück;
ſicher eine Folge der von ihr bevorzugten Internats=
Erziehung. Ihre Schülerzahl iſt mit rund 35000 der
evangeliſchen faſt gleich, doch iſt die Zahl der Schüle=
rinnen
viel geringer:-Die Durchſchnittszahl der Schüler
für eine Klaſſe beträgt in Oſtafrika 38 in evangeliſchen,
61 in kathol. Schulen. Die niedrigfte Ziffer hat Deutſch=
Südweſtafrika, nämlich 11. Für ſämtliche Kolonien
beträgt der Durchſchnitt 35 evangeliſche und 42 katholiſche
Schüler für eine Klaſſe. Im ganzen beſuchen 145000
Kinder die Miſſionsſchulen in allen Kolonien, nämlich
84000 die evangeliſchen, 61000 die katholiſchen Schulen.
In erſteren ſind 291 weiße und 2100 farbige Lehrer, in
letzteren etwa 100 bezw. 1050 tätig. Es iſt eine gewal=
tige
Kulturarbeit, die damit die Miſſion in den deut=
ſchen
Kolonien leiſtet. Neben den eben genannten Zahlen
verſchwinden die Regierungsſchulen mit etwa 50 deut=
ſchen
Lehrern und zirka 6000 Schulkindern faſt. Die Re=
gierung
unterſtützt die Miſſionsſchulen, freilich noch
immer in nicht ganz angemeſſener Weiſe. Die engliſche
Regierung beweiſt auf dieſem Gebiete ein viel größeres
Entgegenkommen, zahlt zum Beiſpiel an der Goldküſte
fünfmal ſo viel als im gleichen Verhältnis die deutſche
in Togo. Am verſtändnisvollſten iſt die Stellung der
holländiſchen Regierung, die zum Beiſpiel in Sumatra
der Rheiniſchen Miſſion 100000 Mark Unterſtützung für
ihre Schulen zahlt. Sie weiß die Arbeit der Miſſions=
ſchule
als Bollwerk gegen den immer gefährlicher vor=
dringenden
Islam wohl zu ſchätzen.
C.K. Eine franzöſiſche Millionärſtatiſtik.
Einen intereſſanten und lehrreichen Ueberblick über die
Kapitalsanhäufungen in Frankreich und über die Zahl der
franzöſiſchen Millionäre gibt eine von dem franzöſiſchen
Standesamt herausgegebene Statiſtik über die Erbfälle des
Jahres 1910. Nach Abzug der Paſſiven wurden im ver=
gangenen
Jahre durch den Tod der Beſitzer den Nach=
kommen
und Erben insgeſamt 5319982380 Francs hinter=
laſſen
. Darunter befanden ſich nicht weniger als 564 Erb=
ſchaften
, deren Wert über eine Million hinausging, und
zehn Erbſchaften, die je mehr als 15 Millionen Francs be=
trugen
. Es zeigt ſich dabei, daß verhältnismäßig die
meiſten Großkapitaliſten Frankreichs im Seine=Departement
inſäſſig ſind, alſo in Paris und Umgebung. Von den 564
im Jahre 1910 in Frankreich verſtorbenen Millionären
wohnten mehr als die Hälfte im Seine=Departement, genau
346.

Darmſtadt, 9. April.
Wl. Großh. Hoftheater (Vorbericht). Geſtern
abend gelangte die Oper Der Schmuck der Ma=
donna
von Wolf=Ferrari vor vollbeſetztem Sauſe in
einer muſtergültigen Vorſtellung zum erſten Male zur
Aufführung. Das hochintereſſante und bedeutende Werk,
auf deſſen Einſtudierung, Inſzenierung und Ausſtattung
große Mühe und Sorgfalt verwendet worden war, er=
zielte
einen ungewöhnlich ſtarken Erfolg, der ſowohl der
temperamentvollen Leitung des Herrn Kapellmeiſters
Kittel, der ſachkundigen Regie des Herrn Oberregiſſeurs
Valdek, den prachtvollen neuen Dekorationen des Herrn
Hoftheatermalers Kurt Kempin, als auch beſonders den
hochkünſtleriſchen Leiſtungen des Frl. Geyersbach und
der Herren Becker und Weber zu verdanken war. Das
Publikum, das in einer Art feiertäglicher Stimmung war.
folgte der Aufführung mit geſpanntem Intereſſe und rief
die Künſtler nach jedem Akte mehrmals und zum Schluß
6 bis 7 Mal hervor. Die Großherzoglichen Herrſchaften
nebſt hohem Beſuch und Prinz und Prinzeſſin Heinrich
von Preußen wohnten der Vorſtellung, die zu den beſt=
gelungenen
und ſchönſten der Saiſon gehörte, bei.
X* Der geſchäftsführende Ausſchuß der Natio=
nalliberalen
Partei im Großherzogtum Heſſen hielt
am Samstag Abend eine Sitzung ab, in welcher die neue
Konſtituierung auf Grund der Wahlen des Landes=
ausſchuſſes
vom 31. März d. J. erfolgte. Zum Vor=
ſitzenden
wurde wiederum Abg. Dr. Oſann, zum ſtell=
vertretenden
Vorſitzenden der Präſident der Zweiten
Kammer, Oberbürgermeiſter Köhler, zum Schatzmeiſter
und Schriftführer Prof. Dr. Neßling gewählt. Weiter
wurde beſchloſſen, als Mitglieder des Zentralvorſtandes
er Nationalliberalen Partei in Berlin die drei Vor=

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. April 1912,

Nummer 83.

ſtandsmitglieder der Kammerfraktion, die Abgg. Dr.
Oſann, Dr. Heidenreich und Diehl zu ernennen. Im
Hinblick auf den jüngſten Berliner Beſchluß, zu bean=
tragen
, daß ſämtliche Mitglieder der nationalliberalen
Reichstagsfraktion zu Mitgliedern des Zeniralausſchuſſes
ernannt werden und daß auch die nationalliberale Fraktion
des preußiſchen Abgeordnetenhauſes den gleichen Antrag
für ihre Mitglieder geſtellt hat, wurde beſchloſſen, zu be=
antragen
, daß auch die Mitglieder der heſſiſchen Kammer=
fraktion
in den Zentralvorſtand aufgenommen werden.

Pfungſtadt, 6. April. Eine traurige Oſter=
botſchaft
erhielt heute früh die Familie des Herrn
Pfarrers Römheld von hier. Deſſen älteſte Tochter be=
gleitete
Frau Gottfried Schwab Witwe aus Darmſtadt als
Geſellſchafterin unlängſt nach der Riviera. In Genua folgte
ſie nun geſtern der Einladung zweier Berliner Damen zur
Teilnahme an einer Automobilfahrt. Dieſe verlief für
ſämtliche Inſaſſen ſehr unglücklich; Fräulein Emmy Röm=
held
ſtarb auf dem Platze des Unfalls. Erſt geſtern war ein
Brief von ihr an ihre Angehörigen eingetroffen, worin ſie
ihrer Freude über jene Einladung Ausdruck gegeben hatte.
Umſo ſchmerzlicher wurde die Nachricht von ihrer Todes=
fahrt
empfunden. Ihre Leiche wird nach Darmſtadt über=
führt
, wo die Familie Römheld ein Erbbegräbnis hat.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 6. April. Der Generallandſchaftsdirektor,
Geheimrat Exzellenz v. Staudy, der von 1877 bis zu
Beginn 1912 den Reichstagswahlkreis Angerburg=Lötzen
vertrat, iſt geſtern in Wilmersdorf geſtorben.
* Berlin, 6. April. Die Gärtnergehilfen Groß=
Berlins, ſoweit ſie in Landſchaftsgärtnereien beſchäftigt
ſind, erklärten in ihrer geſtrigen Mitgliederverſammlung
den Streik für beendet, nachdem der letzte Reſt der Aus=
ſtändigen
die Arbeit wieder aufgenommen hat.
Fulda, 8. April. Den Höhepunkt des erſten Kur=
heſſiſchen
Muſikfeſtes unter dem Protektorat
Ihrer Königl. Hoheit der Landgräfin von Heſſen, anläß=
lichen
des diamantenen Jubiläums des hieſigen Orato=
rienvereins
Cäcilia am 11. und 12. Mai dieſes Jahres
bildet die Aufführung des Oratoriums Quo vadis im
großen Stadtſaal, unter Mitwirkung von Soliſten mit
Namen von gutem Klang. Adolf Müller=Frankfurt wird
den Petrus, Lillian Wieſeke=Berlin die Lygia und
Harzen=Berlin den Prätorianeroberſten ſingen. Zur
Aufnahme eines Maſſenchores haben berühmte auswär=
tige
Geſangvereine, darunter einer aus Wien, ihr Er=
ſcheinen
zugeſagt.
* Köln, 8. April. (Amtlich.) Geſtern abend 8 Uhr
15 Min. fuhr im Bahnhof Ehreshofen der Sonntagszug
1462, ſtatt am Bahnhof zu halten, auf einen in Verlänge=
rung
des Einfahrtsgleiſes ſtehenden Prellbock weiter: Hier=
bei
entgleiſten die Lokomotive und zwei Perſonen=
wagen
. Der Lokomotivführer wurde getötet, Reiſende
blieben unverletzt.
Varel (Oldenburg), 8. April. Die Fortſchrittliche
Volkspartei ſtellte Dr. Wiemer als Nachfolger Trägers
im zweiten oldenburgiſchen Wahlkreiſe als Kandidaten auf.
Jena, 6. April. Das Schiedsgericht im
Schneidergewerbe hat heute nach fünftägiger Ver=
handlung
die in Reſt gebliebenen Orte erledigt und noch
eine Reihe von Beſtimmungen getroffen. Die neuen Tarife
treten mit Wiederaufnahme der Arbeit in Kraft. Hinſicht=
lich
der Schaffung des zukünftigen Reichstarifsvertrags
wurde zwiſchen den in Frage kommenden Organiſationen
vereinbart, innerhalb der nächſten drei Monate unter dem
Vorſitze der Unparteiiſchen zur Beratung dieſer Frage ſich
wieder zuſammen zu finden und in der Zwiſchenzeit die
Angelegenheit durch Formulierung der Anträge vorzube=
reiten
. Durch die Wiederaufnahme zu Beginn nächſter
Woche iſt die Bewegungendgiltig beigelegt.
* Schleiz, 6. April. Der Schüler der vierten Seminar=
klaſſe
Goepel aus Gera erſchoß ſich, weil er die Reife
für die dritte Klaſſe nicht erreicht hatte.
* Görlitz, 8. April. Am erſten Oſterfeiertage mittags
unternahmen trotz des ſtürmiſchen Wetters fünf junge
Leute auf der Neiſſe, die infolge der niedergegangenen
Regengüſſe Hochwaſſer führt, eine Bootspartie. An
einem Strudel ſchlug das Boot um und die Inſaſſen fie=
len
ins Waſſer. Der 19jähriger Schloſſer Otto ertrank;
die übrigen vier Inſaſſen konnten nur mit Mühe gerettet
werden.
* Mailand, 6. April. Die vom italieniſchen Luft=
fahrklub
gegebene Anregung, eine italieniſche Luft=
flotte
durch freiwillige Beiträge zu erbauen, findet
in ganz Italien begeiſterte Zuſtimmung. Bisher ſind
600000 Lire gezeichnet worden, darunter vom Corriere
della Sera 50000.
* Brindiſi, 6. April. Der Reichskanzler von
Bethmann=Hollweg iſt um ¾12 Uhr hier ange=
kommen
und um 12 Uhr nachmittags an Bord des
Kreuzers Kolberg nach Korfu abgefahren. Der Reichs=
kanzler
war auf dem Wege vom Bahnhof zum Kreuzer
Kolberg‟ Gegenſtand lebhafter Huldigungen ſeitens der
Bevölkerung.
* Achilleion, 6. April. Der Kaiſer hörte heute
vormittag die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts v.
Valentini des Chefs des Marinekabinetts v. Mül=
Aer und des Vertreters des auswärtigen Amts des Ge=
ſändten
Freiherrn v. Jeniſch.
* Achilleion, 6. April. Der Kaiſer begab ſich heute
nachmittag 5 Uhr 30 Min. im Automobil nach der Stadt
und ging dann an Bord der Hohenzollern, um das Ein=
laufen
der Kolberg abzuwarten. In ſeiner Begleit=
ung
befanden ſich Fürſt zu Fürſtenberg, Geſandter von
Jeniſch, General von Chelius und Kapitän von Bülow.
Die Kolberg mit dem Reichskanzler an Bord, in
deſſen Begleitung ſich der Adjutant von Sell befand, lief
nach ſchneidiger Fahrt von Brindiſi nachmittags 6 Uhr
im Hafen von Korfu ein. Der Kaiſer lud den Reichs=
kanzler
ein, mit ihm die Oſterfeiertage in Achilleion, das
dieſer noch nicht kennt, zu verleben. Kaiſer Wilhelm
empfing den Reichskanzler auf der Hohenzollern und
begab ſich dann mit ihm im Automobil nach Achilleion,
in der Stadt überall herzlichſt begrüßt. An der Landungs=
ſtelle
der Stadt Korfu hatten ſich bei der Ankunft des
Kaiſers und des Reichskanzlers eingefunden: Geſandter
von Wangenheim, Konſul Spengelin, Präfekt Varataſſis.
Der Kaiſer und der Reichskanzler ſtrafen nach halb. 7 Uhr
auf Achilleion ein, wo für den Reichskanzler eine Wohn=
ung
im Schloſſe bereitgehalten iſt. Bei der Abendtafel
ſaß der Kaiſer zwiſchen der Prinzeſſin Auguſt Wilhelm
und dem Reichskanzler, neben dieſem Fürſt zu Fürſten=
berg
.
Achilleion, 8. April. Der Kaiſer, die Fürſt=
lichkeiten
und der Reichskanzher nahmen geſtern
den Tee auf der Hohenzollern; die Abendtafel war in
Achilleion. Heute vormittag machte der Kaiſer, der
Reichskanzler und ſämtliche Herrſchaften einen Spazier=

gang auf den Berg Kyriaki. Gegen Mittag zog eine feier=
liche
Prozeſſion, beſtehend aus dem Geiſtlichen und den
Einwohnern des Dorfes Gaſturi, durch den Park an dem
Schloſſe vorüber. Der Kaiſer, der Reichskanzler und die
übrigen Herrſchaften ſtanden auf dem Balkon des Schloſ=
ſes
. Der Geiſtliche ſprach den Segen über den Kaiſer,
worauf die Muſikkapelle Heil dir im Siegerkranz ſpielte!
* Paris, 7. April. Raymond Callemin, einer
der Komplizen der Automobilbanditen Bonnot
und Garnier, iſt heute früh im neunten Arrondiſſement
verhaftet worden.
* Petersburg, 6. Apr. Rußland ſchloß ſich dem
Viermächtekonſortium für die Ausgabe einer chineſiſchen
Anleihe an und ſtellte die Bedingung, daß die Anleihe
in keiner Weiſe die Sonderintereſſen Rußlands in der
Mandſchurei, der Mongelei und in Weſtchina verletze
und, daß die Anleihebedingungen nach der Ausarbeitung
durch die Finanzgruppen den intereſſierten Regierungen
zur Begutachtung vorgelegt werden.
* Riga, 8. April. Hier wütet ein heftiger Sturm.
* Konſtantinopel, 6. April. Gerüchtweiſe verlautet,
daß der Großweſier Said Paſcha, der ſeit un=
gefähr
drei Monaten krank iſt und nicht auf der Pforte er=
ſcheint
, ſondern die Angelegenheit ſeines Reſſorts zu Hauſe
erledigt, die tatſächliche Leitung der Geſchäfte nicht mehr
übernehmen werde. Die Jungtürken ſollen Ver=
handlungen
führen, um das Großweſierrat einer anderen
Perſönlichkeit anzuvertrauen. Es verlautet ſogar, daß mit
Kiamil Paſcha Unterhandlungen gepflogen werden. Der
Wechſel im Großweſierrat ſoll nach Eröffnung des Par=
laments
erfolgen.
* Newport (Rhodeisland), 8. April. Der Dampfer
Ontario iſt auf ſeiner Reiſe von Baltimore nach
Boſton in Brand geraten und bei Montaukpoint
an Strand geſetzt worden. Es ſind 90 Paſſagiere an
Bord. Ein Bergungsdampfer iſt abgegangen. Wie ſpä=
ter
gemeldet wird, ſind ſämtliche Paſſagiere unverſehrt
an Land gebracht worden. Nach einer ſpäteren Meldung
befanden ſich an Bord des bei Montaukpoint auf den
Strand geſetzten Dampfers Ontario nur 15 Per=
ſonen
. Es iſt gelungen, das Feuer auf den Kielraum
zu beſchränken.
* New=York, 6. April. Premierminiſter Saionji
erklärt in einem Telegramm an die Times, daß zwiſchen
Japan und Mexiko keinerlei Verhandlun=
gen
wegen einer Flottenſtation in der Magdalenabai
gepflogen ſeien, jedoch hat eine japaniſche Geſellſchaft
Fiſchereirechte zwiſchen Tepie und Oxaca erworben. Das
Unternehmen iſt rein geſchäftlich und hat keine politiſche
Bedeutung.
* Waſhington, 6. April. Infolge der Ueber=
ſchwemmungen
im Gebiete des Miſſiſſippi ſind
4000 Menſchen obdachlos.
Buenos Aires, 8. April. Die Parlamentswah=
len
ſind mit größter Ruhe vollzogen worden. Die
Wahlreſultate werden in einigen Tagen veröffentlicht.
Die Beteiligung war ſehr groß, nachdem ſie durch das
neue Wahlgeſetz obligatoriſch gemacht worden war.
* Tanger, 7. April. Ein Boot, in dem ſich der ruſſi=
ſche
Geſandte und die Gattin ſowie zwei Kinder des
franzöſiſchen Geſchäftsträgers befanden, ken=
terte
in der Bai. Die zwei Kinder und zwei Dienerinnen
ertranken. Die übrigen wurden gerettet.
* Tanger, 8. April. Infolge des Bootsunfalls im hie=
ſigen
Hafen iſt noch ein zweites Kind des franzöſiſchen Ge=
ſchäftsträgers
Beaumarchais geſtorben. Von der
Bootbeſatzung werden zwei Matroſen vermißt.

Bonn, 7. April. Der Gymnaſialabiturient Walter
Lenz unternahm mit einem Freunde eine Eifeltur. Bei
der Schloßruine in Pymont wollten beide Schließverſuche
unternehmen, um das Echo zu hören. Plötzlich entlud ſich
ſich die Waffe und tötete Lenz.
Hamburg, 6. April. Der Ende der 30er Jahre
ſtehende Bureauvorſteher Freckmann ſchoß in ſeiner
Wohnung auf ſeine Frau und ſeine drei Kinder und ver=
ſuchte
die Wohnung in Brand zu ſetzen; dann ſchoß er auf
ſich ſelbſt. Die elfjährige Tochter war ſofort tot, die beiden
anderen Kinder ſind lebensgefährlich verletzt. Freckmann
und ſeine Frau wurden ſterbend ins Krankenhaus gebracht.
Das Motiv der Tat iſt unbekannt.
H. B. Leipzig, 6. April. Dem Direktor der chirur=
giſchen
Univerſitätsklinik, Geh. Rat Prof.
Dr. Payr, iſt eine Aufſehen erregende Operation
gelungen. Payr hatte ein blödſinniges Kind in Behand=
lung
, dem er ein Stück Schilddrüſe, das von dem Kinde
einer geſunden Mutter ſtammte, in die blutreichen Ge=
ſäße
der Niere einpflanzte. Dadurch erfolgte die Re=
generation
, die zur vollſtändigen Heilung führte. (?) Das
Kind ſtand einen Monat zur Beobachtung und wurde
jetzt als geheilt entlaſſen. Dr. Theſing berichtete dieſen
Fall in der hieſigen Naturwiſſenſchaftlichen Geſellſchaft.
Prenzlau, 6. April. Der Landbriefträger Rein=
ecke
, der in den letzten Tagen nicht zum Dienſt gekommen
war, verübte inzwiſchen Selbſtmord. Er hatte einige
Hundert Mark amtlicher Gelder nicht abgeliefert.
H. B. Thorn, 6. April. Vor dem Kriegsgericht hatte
ſich heute der Leutnant Hans Georg Schmidt, der in einer
Februar=Nacht einen Militärwachtpoſten, der auf Anruf
nicht ſchnell genug herbeikam, beſchimpfte, ihm eine
Piſtole vor die Stirn hielt und ſchließlich einen Schuß
auf den Poſten abfeuerte, zu verantworten. Das Kriegs=
gericht
erblickte in der Tat des Angeklagte nur eine ſich
als Bedrohung darſtellende Achtungsverletzung und Be=
leidigung
und verurteilte ihn zu fünf Monaten Feſtungs=
haft
.
H. B. London, 6. April. Durch anhaltenden ſtar=
ken
Regen ſind in Schottland aufs neue viele Flüſſe
aus den Ufern getreten. Ein großer Teil der
Flußgegenden ſteht unter Waſſer. Die Stadt Waterſide
iſt zum größten Teile überſchwemmt. Die Eiſenbahn
zwiſchen Irvino und Kilmarnoz mußte den Betrieb ein=
ſtellen
, da die Schienenwege durch die Fluten unter Waſ=
ſer
geſetzt wurden. Auch in Dreghorn geſtaltet ſich die
Lage ſehr bedrohlich, da an vielen Stellen die Flüſſe über
die Ufer getreten ſind und ein großer Teil der Stadt
unter Waſſer geſetzt wurde, ſo daß die Leute gezwungen
wurden, ihre Häuſer zu verlaſſen.
London, 5. April. Bei Eagecliff (Durham) ent=
gleiſten
mehrere Wagen eines Expreßzuges. Der Zug
riß ſchließlich auseinander; die Lokomotive und einige
Wagen fuhren weiter, während die entgleiſten Wagen dicht
vor einem Abgrunde ſtehen blieben. Von den 150 Paſſa=
gieren
, die tüchtig durcheinandergerüttelt wurden, erlitt
niemand erheblichen Schaden.
H.B. Petersburg, 6. April. Zwiſchen Rußland
und Italien wurde ein Uebereinkommen über
die Balkanfrage im allgemeinen und Albanien im
beſonderen abgeſchloſſen. Die Nowoje Wremja betont, die=
ſes
Uebereinkommen beruhe auf freundſchaftlicher Baſis
und widerſpreche keineswegs den Verpflichtungen Italiens
als Mitglied des Dreibundes.

Petersburg, 6. April. Ingenieur Korowko der
Unterſchlagungen in Höhe von 220000 Mark zum Schaden
der Kaſpi=Romoninski=Geſellſchaft gemacht hatte, wurde
verhaftet.
Verſach an wſanug=
t
es, die
lichen Objell ausgebildete
Glatze, mit welchen Mitteln es
auch ſei, zur Haarproduktion
zwingen zu wollen. Wer keine
Glatze haben mag, behandle d
ſein Haar, ſo lange er es noch
hat, mit Javol. Javol hat
ſich unbeſtritten als Vorbeugungsmittel gegen Haaraus=
fall
hervorragend bewährt. Seine haarbeeinfluſſende
Kraft iſt heute allgemein anerkannt. Javol wird nur in
Originalflaſchen zu 2 M. und in Doppelflaſchen zu 3,50 M.
verkauft. Es wird fetthaltig für trockenes und fett=
frei
für fettreiches Haar hergeſtellt. Ueberall zu haben.
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hat kein besseres Mittel, um Husten
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strengung
der Stimme meist noch
befördert wird, rasch und gründlich zu vertreiben. Die
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Apotheken u. Drogerien nur 1 Mark. Niederlagen in
Darmstadt: in sämtl. Apotheken; Drogerie von
Fr. Beckenhaub, Kirchstr. 27; Drogerie G. Liebig & Co.,
Luisenstr. 4; Martins-Drogerie, Pankratiusstrasse 41
Drogerie Chr. Schwinn, Rheinstrasse 8; Drogerie
C. Watzinger, Wilhelminenstrasse 11; Zentral-Drogerie,
Elisabethenstrasse 30.
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Verlangen Hie T8 P’s verb. Kochrezepfe.

Es gibt kein gefährliches Alter
wohl aber gefährliche Jahreszeiten. Gefährlich
iſt vor allem der Vorfrühling, der notoriſch die
größte Zahl an Erkältungen bringt. Wer ſich die
Frühjahrsfreude nicht verderben und etwaige
Affektionen der Halsſchleimhäute ſchnell bekämpfen
will, der gewöhne ſich daran, immer Fays echte
Sodener Mineral=Paſtillen zu benützen. Man
kauft ſie für 85 Pfg. die Schachtel in jeder Apo=
theke
oder Drogerie, laſſe ſich aber unter keinen
Umſtänden Nachahmungen aufſchwatzen. (8510M
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[ ][  ][ ]

Nummer 83.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. April 1912.

Lamiliennachrichten,

Seite 7.

Statt Karten.

(8541

Gartendirektor Stapel
und Frau Adelheid
geb. Bäumer
zeigen die Geburt einer TOCHTER
an.
Darmstadt,
am 2. Osterfeiertag 1912.

Die Geburt eines kräftigen
STAMMHALTERS
zeigen hocherfreut an
Dipl.-Ing. R. Schuckert
u. Frau Erna, geb. Hornung.

Magdeburg, den 5. April 1912
Falkenbergstr. 14.
(8542

Nach langem, ſchwerem Leiden verſchied ſanft
N unſer innigſtgeliebter Gatte, Vater, Bruder,
Schwager, Onkel und Vetter
Siegmund Neu
im 50. Lebensjahre, was ich tieferſchüttert hier=
mit
anzeige.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Lina Neu, geb. Levitter.
Darmſtadt, 8. April 1912.
Waldſtr. 46
Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag
3 Uhr vom Portal des Friedhofes der isr.
Religionsgeſellſchaft ſtatt.
(8537.

Nach ſchwerer Krankheit verſtarb heute
mein erſter Bierführer
Herr Peter Vetter.
Mehr als 25 Jahre in meinem Geſchäfte
tätig, hat der Entſchlafene ſeine Obliegenheiten
jederzeit mit der größten Treue und Gewiſſen=
haftigkeit
erfüllt und ſein Andenken wird deshalb
bei mir ſtets in Ehren gehalten werden.
Darmſtadt, 7. April 1912.
(8538
Karl Fay, Brauerei.

(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Todes-Anzeige.
Am 5. ds. Mts. verſchied plötzlich infolge
eines Unglücksfalls in Nervi in Italien unſere
liebe Tochter und Schweſter
(8536
Emmy Römheld
im Alter von 25 Jahren.
In tiefer Trauer:
W. Römheld, Pfarrer,
nebst Frau und Kindern.
Pfungſtadt, 8. April 1912.
Die Beerdigung findet in Darmſtadt in der
Stille ſtatt.
Kondolenzbeſuche dankend verbeten.

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute nacht ½ 3 Uhr iſt nach langem,
ſchwerem Leiden unſere liebe Schweſter,
Schwägerin, Nichte, Tante und Kouſine
Fräulein Maria Walther
ſanft dem Herrn entſchlafen.
(8535
Im Namen der trauernd Hinterbliebenen:
Julie Walther, geb. Baur,
Jula Hartmann, geb. Walther,
Wilhelm Hartmann, Professor.
Darmſtadt, Offenbach a. M., 6. April 1912.
Die Beerdigung fand am 2. Oſtertag, 8. April,
nachmittags 4 Uhr, in Nieder=Ingelheim ſtatt.

Todes-Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten hier=
mit
die ſchmerzliche Nachricht, daß am Samstag
abend mein guter Gatte, unſer lieber Vater,
Schwiegervater, Großvater, Schwager u. Onkel
Herr Peter Vetter
in Dienſten der Brauerei Fay dahier, nach
längerem, ſchwerem Leiden ſanft entſchlafen iſt.
Um ſtilles Beileid bitten
Die trauernden Hinterbliebenen.

Darmſtadt, 7. April 1912.

(8539

Die Beerdigung findet heute Dienstag, um
5 Uhr, vom Portale des Darmſtädter Fried=
hofes
aus, ſtatt.

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben Mutter, Groß=
mutter
, Schweſter, Schwägerin und Tante (8540

geb. Schaub
ſprechen wir Allen unſeren herzlichſten Dank aus.
Insbeſondere danken wir für die troſtreiche Grab=
rede
des Herrn Pfarrer Waitz und für die zahl=
reichen
Blumenſpenden.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Joh. Krug,
Familie Heinr. Lang.

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines lieben Gatten, unſeres
Vaters, Sohnes, Bruders, Schwagers und Onkels
ſage ich allen, die ihm die letzte Ehre erwieſen,
ſowie für die zahlreichen Blumenſpenden meinen
innigſten Dank, insbeſondere dem Herrn Pfarrer
Beringer für ſeine troſtreichen Worte am Grabe,
der Schweſter für die liebevolle Pflege und den
Arbeitern und Arbeiterinnen der Firma E. Merck.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Margarete Kleinschmidt,
geborene Koch.
(*8841

Tageskalender.

Großh. Hoftheater, Anf. 7 Uhr (Ab. D): Grigri.
Orpheum, Anfang 8¼ Uhr: Gaſtſpiel des Oberbayer.
Bauerntheaters (Im Pfarrhaus hierauf I. Klaſſe‟.
Saalbautheater, Anf. 8 Uhr: Polniſche Wirtſchaft
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Bürgerkeller
um 8 Uhr.
Koloniale Jagd= u. Meerfiſche=Ausſtellung
im Kaiſerſaal (geöffnet von 98 Uhr).
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein=
u
. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 411 Uhr.
Olympia=Theater, Rheinſtr. 2, 1. Etage:
Vorſtellungen von 411 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.
The American Bio Co., Ernſt=Ludwigsſtr. 23.
Vorſtellungen von 411 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Yuan=
Shi=Kai, die Angeklagten im Methylalkoholprozeß in
Berlin, der eingeſtürzte Telefunkenturm in Nauen, das
Lawinenunglück am Hochſchneeberg.

Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 10. April.

Hofreiten=Verſteigerung des Gg. Pra ( Moller=
ſtraße
44 und Wendelſtadtſtraße 24) um 10 Uhr auf
dem Ortsgericht I.
Verkehrs=Verein: bientliches Verkehrsburean
Ernſt Ludwigsplatz (Zentrale der elektriſchen
Straßenbahn). Auskünfte jeder Art.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.

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(*8843
an die Exp.

[ ][  ][ ]

Nummer 83.

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. April 1912.

An dus Darmstädter-Fabnkun!

In der Samstag-Dummer des Darmstädter Tagblatt bringt die Darmstädter möbelfabrik, G. m. b. H., ein der Wahrheit völlig
widersprechendes Iuserat. Hierauf erwidern wir folgendes:
ist, dass die Arbeiterschaft sich weigert, unter einem der Leitung nicht gewachsenen, an den
Gahl fortgesetzten Tarifbrüchen schuldigen Werkmeister weiter zu arbeiten und Garantien für die
Aufrechterhaltung des Tarifvertrages verlangt.
ist, dass die Unfähigkeit des Werkmeisters als Leiter des Betriebes in der Schlichtungs=
(ahr kommission für uns festgestellt wurde.
ist, dass unsere Kollegen es ablehnen, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die das Gemüt
Gabl vergiften, durch nachweisbare Heusserungen: Alle Kapitalisten in der
Kastanienallee aufzuhängenze
ist, dass wir Entschädigung für den durch den Ausstand entstandenen Lohnausfall
Gnwähl verlangen.
ist, dass wir eine Schadenersatzklage am Gericht anhängig machten, wegen der durch die
Oahf Firma veranlassten Verrufserklärung durch die Schwarze Liste‟, obwohl die Ausständigen
ordnungsgemäss und ohne Vertragsbruch das Arbeitsverhältnis verliessen, wie durch Ge=
werbegerichtsurteil
festgesteilt wurde.
In einem demnächst erscheinenden Flugblatte werden wir dem kaufenden Publikum der Darmstädter möbelfabrik nähere Aufklärungen geben.

*8831)

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ſtörung
geführt w., da Unter=Vertr.
engag. w. k.; desh. auch v. jed. beſſ.
Privatmann o. penſ. Beamten zu
führen. Es handelt ſich hier um
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(B4238

[ ][  ][ ]

Nummer 83.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. April 1912.

Seite 9.

Bahein Tar Hander und Maustrie.

Wir bringen hiermit zur Kenntnis, dass der Gewinnanteil
für das Geschättsjahr 1911
für die Aktien à Mk. 1000 auf Mk. 65.
H. 250 27.85 pro Aktie
,
festgesetzt wurde. Die Auszahlung erfolgt gegen Einreichung der
Gewinnanteilscheine No. 11, bezw. No. 7 sofort:
bei den Kassen unserer Niederlassungen in Darm-
stadt
, Berlin (Schinkelplatz 14), Frankfurt a. M., Hamburg,
Bamberg, Cottbus, Düsseldorf, Forsti. L., Frankfurta. O.,
Freiburg i. B., Fürth (Bayern), Giessen, Greifswald.
Luben, Halle a. S., Hannover, Landau i. Pf., Leipzig.
Ludwigshafen a. Rh., Mannheim, München, Neustadt
a. H., Nürnberg, Oflenbach a. M., Prenzlau, Quedlinburg,
Sorau N.-L., Spremberg, Stargard i. P., Stettin, Strass-
burg
i. Els. und Wiesbaden
sowie in Augsburg bei den Herren Gebr. Klopfer.
Braunschweig bei der Braunschweigischen
Bank u. Kreditanstalt Aktien-Gesellschaft,
Bremen bei der Deutschen Nationalbank
Kommandit-Gesellschaft auf Aktien,
Breslau bei der Breslauer Disconto-Bank.
Cöln bei den Herren Sal. Oppenheim jr. & Co.
und bei dem A. Schaaffhausenschen Bank-
verein
,
Dortmund bei der Deutschen Nationalbank
Kommandit-Gesellschaft auf Aktien,
Dresden bei den Herren Albert Kuntze & Co.,
Essen a. d. Ruhr bei Herrn Simon Hirschland,
Hamburg bei der Vereinsbank in Hamburg
und bei den Herren Joh. Berenberg Gossler
& Co.,
Hannover bei den Herren Ephraim Meyer
& Sohn,

Heilbronn bei den Herren Rümelin & Co.,
Karlsruhe bei Herrn Veit L. Homburger,
Königsberg i. Pr. bei der Ostbank für Handel
und Gewerbe,
Mainz bei den Herren Schmitz, Heidelberger
& Co.
München bei den Herren Merck, Finck & Co.
und bei der Bayerischen Handelsbank,
Nürnberg bei der Vereinsbank,
Osnabrück bei der Deutschen Nationalbank
,
Kommandit-Gesellschaft auf Aktien,
Pforzheim bei den Herren Fuld & Co.,
Posen bei der Ostbank für Handelu. Gewerbe,
Rostock bei der Vereinsbank in Wismar,
Filiale Rostock,
Stuttgart bei der Württembergischen Bank-
anstalt
vorm. Pflaum & Co.,
bei der Württembergischen Vereinsbank
und bei der Königl. Württembergischen
Hofbank, G. m. b. H.,
Wismar bei der Vereinsbank in Wismar,
Amsterdam, für die Niederlande, bei der Amster-
damschen
Bank,
Wien bei der K. K. priv. Bank u. Wechsel-
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Nach dem 30. April 1912 werden die Gewinnanteilscheine
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Berlin und Darmstadt, den 4. April 1912.
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Kasse, fremde Geldsorten und Kupons
1 1841245709
Guthaben bei Noten- und Abrechnungs-
(Clearing-)Banken
I 30133374123
Wechsel und unverzinsliche Schatz-
anweisungen

a) Wechsel (mit Ausschluss von b, e, d)
u. unverzinsliche Schatzanweisungen
des Reichs und der Bundesstaaten 115879824808
1386895184
b) eigene Akzepte . . . .
398704/10
c) eigene Ziehungen
d) Solawechsel der Kunden an die Order
der Bank . . . . . . . ..
11477516069862302
Nostroguthaben bei Banken und Bank-
,,
firmen
43201742/86
Reports und Lombards gegen börsen-
gängige
Wertpapiere . . . .
112471068158
Vorschüsse auf Waren und Warenver-
schiffungen

10645492lof
davon am Bilanztage gedeckt:
a) durch Waren, Fracht- oder Lager-
scheine

2059636157
b) durch andere Sicherheiten
2936779)-
Eigene Wertpapiere
à) Anleihen und verzinsliche Schatz-
anweisungen
des Reichs und der
Bundesstaaten
18748179165l
b) sonstige bei der Reichsbank und
anderen Zentralnotenbanken beleih-
bare
Wertpapiere
4947381/24
c) sonstige börsengängige Wertpapiere 1 19380474170
d) sonstige Wertpapiere
7586151(73) 50662187/32
41656638(83
Konsortialbeteiligungen . .
Dauernde Beteiligungen bei anderen
Banken und Bankfirmen
18123884
Debitoren in laufender Rechnung:
a) gedeckte
(324648938/15
b) ungedeckte . .
,
74019508 101398668446/25
c) Aval und Bürgschaftsdebitoren
28049765.67
Bankgebäude
1485997624
368318/22
Sonstige Immobilien

12141821165
(26
Pastra.
160000000
Aktien-Kapital
Reserven
32000000.
Kreditoren:
5473527195
a) Nostroverpflichtungen
b) seitens der Kundschaft bei Dritten
benutzte Kredite
1961821/70
c) Guthaben deutscher Banken und
38700999193
Bankfirmen .
d) Einlagen auf provisionsfreier Rech-
nung

45983439104
1. innerhalb 7 Tagen fällig
2. darüber hinaus bis zu 3 Monaten
69396367110
fällig
40090820197
3. nach 3 Monaten fällig
e) sonstige Kreditoren
155331870/18
1. innerhalb 7 Tagen fällig .
2. darüber hinaus bis zu 3 Monaten
(158735323/31
fällig
601097341631575784404f81
3. nach 3 Monaten fällig . .
Akzepte und Schecks
129577909/1s
a) Akzepte .
2652596/611132230505174
b) noch nicht eingelöste Schecks .
c) Aval und Bürgschafts-
verpflichtungen
. . 28049 765.67
2446704/10
Eigene Ziehungen .
2048000
davon für Rechnung Dritter
Weiterbegebene Solawechsel der Kun-
4765
den an die Order der Bank . .
980000-
Talonsteuer-Reserve
11146911/10
Gewinn- und Verlust-Konto
:
1912141821/65
Gewinn- und Verlust-Konto pro 1911.
Soll.
Geschäfts-Unkosten:
Handlungsunkosten (einschliesslich der
Tantiémen an den Vorstand und die
Oberbeamten im Betrage von Mark
1 455048.06 verteilt auf 171 Köpfe).
9156468/25
Steuern
1174408/14f
Gratifikationen an die Beamten ( Weih-
nachten
, Abschluss, Teuerungszulage),
Ehrengaben an Beamte, Zuwendung
an die Pensionskasse und für wohl-
169953112 1203040751
tätige Zwecke
Abschreibung auf Immobilien und Mo-
523276/73
bilien
,
660000)-
Talonsteuer-Reserve
,
11146911110
7.. . 3
Gewinn-Saldo .
Verwendung des Gewinnes:
1. Dividende pro 1911 von 6½%
10 400 000.
2. Tantiémen des Auf-
280 000.
sichtsrats .
3. Gewinn-Vortrag 466 911,10
36059534
Naben-
8902820160
Provisionen
Zinsen:
9178431/67
a) Zinsen- u. Wechsel-Konto
b) aus dauernden Beteiligungen bei
1158097190
anderen Banken u. Bankfirmen
76122252) 11097752109
c) aus Valuten
Gewinne aus Effekten
2049621176
Gewinne aus Finanzoperationen . . .
1837239149
Diverse Eingänge
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[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. April 1912.

Nummer 83.

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Oberbayr. Bauerntheater

Dienstag,
den 9. April

I. Klasse

Bauernschwank in 1 Akt
von L. Thoma.

Vorher:

(8533

Im Pfarrhaus

von Hans Werner.

Mittwoch, den 10. April

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Der Jäger von Fall

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Großherzogl. Hpſtheater
Dienstag, 9. April.
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Zum achten Male:
Grigri.
Operette in 3 Akten v. Paul Lincke.
Muſikal. Leitung: Kapellm. Kittel.
Spielleitung: Oberregiſſ. Valdek.
Perſonen:
Gaſton Deligny . Hr. Bernhardt
König Magawewe Hr. Jordan
Grigri, ſ. Tochter Frl. Schaub

.Hr. Speiſer
. Frl. Grünberg
. Hr. Jürgas

Pantoufle
cvonne .
Potpre
Madame Brocard Fr. Rudolph
Jeanne, i. Tochter Frl. Bruker
Ein Offizier der
Spahi
. Hr. Hartmann
Der Großfürſtvon
Paleſtrien . . . Hr. Semler
Der Regiſſeur des
Apollogartens . Hr. Peterſen

Maud,
Ciſſy,
Amy,
38
Tolly,
Polly,
Molly,
Ein Japaner .
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Zweiter) Offizier
Ein Journaliſt
Ein Koch
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Frl. Croneberg
Frl. Müller
Frl. Martin
Frl. Rehr
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1. Rang 4.50 Mk., 2. Rang (1.6.
Reihe) 2.50 Mk., (7. und 8. Reihe.
2 Mk., Sperrſitz (1.13. Reihe)
4 Mk., (14.20. Reihe) 3.20 Mk.,
Parterre (1.5. Reihe) 2.70 Mk.,
(6.8. Reihe) 2.20 Mk. 1. Galerie
1.20 Mk. 2. Galerie 60 Pfg.
Anfang 7 Uhr. Ende 10½ Uhr.
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Vorverkauf
von 111 Uhr f. d. Vorſtellungen:
Mittwoch, 10. April. 151. A.=V.
A 38. Die Räuber. Kleine
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Freitag, 12. April. 152. Ab.=V.
B 38. Der Störenfried.
Hierauf: Champagner=
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Anfang 7 Uhr.
Die Hoftheaterhauptkaſſe iſt an
allen Wochentagen, vormittags
von 1012½ Uhr, geöffnet.

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Zweimaliges Gaſtſpiel des Kgl.
Bayer. Kammerſängers Heinrich
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Siegfried . . Hr. Knote.

Sonntag, 14. April. Anf. 6½ Uhr.
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Preiſe der Plätze für jede
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6 Mk., Fremdenloge 6 Mk.,
Balkonloge 5 Mk., Erſter Rang
4.50 Mk., Zweiter Rang: 1.6.
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2 Mk., Sperrſitz: 1.13. Reihe
4 Mk., 14.20. Reihe 3.20 Mk.,
Parterre: 1.5. Reihe 2.70 Mk.,
6.8. Reihe 2.20 Mk., 1. Galerie
1.20 Mk., 2. Galerie 9.60 Mk.
Die verehrl. Abonnenten haben
ein Vorkaufsrecht in der Art, daß
ſie ſich am Dienstag, 9. April,
von 3½5 Uhr, gegen Vorzeigung
ihrer Abonnementskarten, f. beide
Vorſtell. Plätze (ihrem Abonne=
mentsplatz
entſprechend) an der
Tageskaſſe ſichern können.
Die Plätze der Ganz=Abonn.
bleiben am 9. April bis nachmit.
5 Uhr aufbewahrt.
Der allgemeine Kartenverkauf
zu beiden Vorſtellungen findet
Mittwoch, 10. April, ſowie an den
darauffolgend. Tagen, vormittags
111 Uhr, für die noch vorhand.
Plätze an der Tageskaſſe ſtatt.

[ ][  ][ ]

Bekanntmachung.

Den nachſtehenden Auszug aus den, für die Führer von Kraftfahrzeugen
geltenden Vorſchriften, bringen wir wiederholt in Erinnerung.
Darmſtadt, 3. April 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Auszug aus den Beſtimmungen der Verordnung des Bundesrats vom
3. Februar 1910 über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen.
Beſondere Pflichten des Führers.
§ 17. Der Führer iſt zu beſonderer Vorſicht in Leitung und Bedienung ſeines
Fahrzeuges verpflichtet. Er darf von dem Fahrzeuge nicht abſteigen, ſolange es in
Bewegung iſt, und darf ſich von ihm nicht entfernen ſolange die Maſchine oder der
Motor läuft: auch muß er, falls er ſich von dem Fahrzeuge entfernt, die Vorrichtung
in Wirkſamkeit ſetzen, die verhindern ſoll, daß ein Unbefugter das Fahrzeug in
Betrieb ſetzt.
Der Führer iſt verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, daß eine nach der Beſchaffen=
heit
des Kraftfahrzeuges vermeidbare Entwickelung von Geräuſch, Rauch, Dampf oder
üblem Geruch in keinem Falle eintritt.
Das Oeffnen etwa vorhandener Auspuffklappen iſt verboten.
§ 18. Die Fahrgeſchwindigkeit iſt jederzeit ſo einzurichten, daß Unfälle und Ver=
kehrsſtörungen
vermieden werden und daß der Führer in der Lage bleibt, unter allen
Umſtänden ſeinen Verpflichtungen Genüge zu leiſten.
Innerhalb geſchloſſener Ortsteile darf die Fahrgeſchwindigkeit von 15 Kilo=
meter
in der Stunde nicht überſchritten werden. Bei Kraftfahrzeugen von mehr als
5,5 Tonnen Geſamtgewicht beträgt die überhaupt zuläſſige Höchſtgeſchwindigkeit 12 Kilo=
meter
in der Stunde; ſie kann vorbehaltlich der Vorſchrift in Satz 1 bis auf
16 Kilometer geſteigert werden, wenn wenigſtens die Triebräder mit Gummi bereift
ſind Auf unüberſichtlichen Wegen, insbeſondere nach Eintritt der Dunkelheit oder bei
ſtarkem Nebel, beim Einbiegen aus einer Straße in die andere, bei Straßenkreuzungen,
bei Straßeneinmündungen, ſcharfen Straßenkrümmungen, bei der Ausfahrt aus Grund=
ſtücken
, die an öffentlichen Wegen liegen, und bei der Einfahrt in ſolche Grundſtücke,
bei der Annäherung an Eiſenbahnübergänge in Schienenhöhe, ferner beim Paſſieren
enger Brücken und Tore, ſowie ſchmaler oder abſchüſſiger Wege, ſowie da, wo die Wirk=
ſamkeit
der Bremſen durch die Schlüpfrigkeit des Weges in Frage geſtellt iſt, endlich
überall da, wo ein lebhafter Verkehr herrſcht, muß langſam und ſo vorſichtig gefahren
werden, daß das Fahrzeug ſofort zum Halten gebracht werden kann.
§ 19. Der Führer hat entgegenkommende, zu überholende, in der Fahrtrichtung
ſtehende oder die Fahrtrichtung kreuzende Menſchen, ſowie die Führer von Fuhr=
werken
, Reiter, Radfahrer, Viehtreiber uſw. durch deutlich hörbares Warnungszeichen
rechtzeitig auf das Nahen des Kraftfahrzeuges aufmerkſam zu machen; auf die Not=
wendigkeit
, das Warnungsreichen abzugeben, iſt in beſonderem Maße an unüberſicht=
lichen
Stellen zu achten.
Das Abgeben von Warnungszeichen iſt ſofort einzuſtellen, wenn Pferde oder
andere Tiere dadurch unruhig oder ſcheu werden.
Innerhalb geſchloſſener Ortsteile ſind Warnungszeichen mit der vorgeſchriebenen
Huppe abzugeben. Außerhalb geſchloſſener Ortsteile kann das Warnungszeichen auch
mit einer Fanfarentrompete abgegeben werden; dieſes Signalinſtrument darf auch
loſe im Kraftfahrzeuge mitgeführt und unter Verantwortung des Führes auch durch
eine andere, im Fahrzeug beförderte Perſon angewendet werden. Das Abgeben lang=
gezogener
Warnungsſignale, die Aehnlichkeit mit Feuerſignalen haben, ſowie die Ver=
wendung
anderer Signalinſtrumente iſt nicht ſtatthaft.
§ 20. Merkt der Führer, daß ein Pferd oder ein anderes Tier vor dem Kraft=
fahrzeuge
ſcheut, oder daß ſonſt durch das Vorbeifahren mit dem Kraftfahrzeuge
Menſchen oder Tiere in Gefahr gebracht werden, ſo hat er langſam zu fahren, ſo=
wie
erforderlichenfalls anzuhalten und die Maſchine oder den Motor außer
Tätigkeit zu ſetzen. Auf den Haltruf oder das Haltzeichen eines als ſolcher kennt=
lichen
Polizeibeamten hat der Führer ſofort anzuhalten. Zur Kenntlichmachung eines
Polizeibeamten iſt auch das Tragen einer Dienſtmütze ausreichend.
§.21. Beim Einbiegen in eine andere Straße iſt nach rechts in kurzer
Wendung, nach links in weitem Bogen zu fahren. Dieſe Vorſchrift gilt ent=
ſprechend
für das Durchfahren von ſcharfen oder unüberſichtlichen Wege=
krümmungen
.
(8345si
*Der Führer hat entgegenkommenden Kraftfahrzeugen, Fuhrwerken, Reitern
Radfahrern, Viehtransporten oder dergleichen rechtzeitig und genügend nach rechts
auszuweichen oder, falls dies die Umſtände oder die Oertlichkeit nicht geſtatten, ſo=
lange
anzuhalten, bis die Bahn frei iſt
Das Vorbeifahren an eingeholten Kraftfahrzeugen, Fuhrwerken, Reitern, Rad=
fahrern
, Viehtransporten oder dergleichen hat auf der linken Seite zu erfolgen.

Bekanntmachung.

Bei dem ſich immer mehr ſteigernden Kraftfahrzeugeverkehr auf den öffentlichen
Straßen iſt dringend erforderlich, daß alle Leiter von Fuhrwerken und alle Führer
von Fahrzeugen folgende Beſtimmungen beachten:
1. Alle, auf den öffentlichen Verkehrsſtraßen fahrenden Fuhrwerke und Fahr=
zeuge
müſſen die rechte Seite der Fahrbahn möglichſt einhalten.
2. Beim Ueberholen muß das überholende Fuhrwerk oder Fahrzeug in aus=
reichender
Entfernung das Zeichen zum Ueberholen abgeben. Die Fuhr=
werke
die überholt werden ſollen, haben ſtets ſofort genügend nach der
rechten Seite auszuweichen. Bei dem Ueberholen beladener Fuhrwerke
muß namentlich auch darauf geachtet werden, daß das überholende Fuhrwerk
oder Fahrzeug das Zeichen für das Vorbeifahren möglichſt früh abgibt
und ſoweit nötig öfter wiederholt, da bei beladenen Fuhrwerken das
Ausweichen langſam von ſtatten geht. Alle Fuhrwerke und Fahrzeuge haben
bei Ertönen des Zeichens des überholenden Fuhrwerks oder Fahrzeuges
ſtets ſofort die rechte Seite der Fahrbahn einzunehmen, falls ſie ſich
nicht bereits auf dieſer Seite befinden und haben dem nachkommenden Fuhr=
werk
oder Fahrzeug genügenden Raum zum Vorüberfahren ohne Ver=
zug
zu geben.
Darmſtadt, 3. April 1912.
(8466
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Die Kreisſtraße von den Hirſchköpfen bis zum Einſiedel (Gemarkung Darm=
tadt
) iſt wegen Einwalzen der Fahrbahn von Mittwoch, den 10. k. Mts. ab, auf ca.
(8265dsi
Wochen für Fuhrwerke, Automobile, Motorräder u. dergl. geſperrt.
Darmſtadt, den 30. März 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß am 11., 12., 15.,
16., 18., 19., 22., 23., 25., 26., 29., 30. April 1912, von 8 Uhr vormittags bis zum
Dunkelwerden, Schießen mit ſcharfer Munition von Truppenteilen des 18. Armeekorps
auf dem Schießplatz bei Meſſel abgehalten werden.
Schußrichtung vom Steinbügel 1 km nördlich Meſſel, in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,

nen
Säden: Forſthaus Steinacker=Steinhügel ausſchließlich,
Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches=
wieſe
-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegeſchranken und Warnungstafeln ab=
geſperrt
.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. ( Polizeiver=
ordnung
Kreisamt Darmſtadt 25. September 1909, Kreisamt Offenbach a. M. 20. Sep=
tember
1909.)
Wenn das Schießen früher beendet iſt, werden die Gemeinden Meſſel und
Offenthal von Aufhebung der Abſperrung ſofort benachrichtigt.
Darmſtadt, den 19. März 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.

Bekanntmachung.

Betreffend: Das Muſterungs=Geſchäft im Kreiſe Darmſtadt im Jahre 1912.
Für den Kreis Darmſtadt wird das Muſterungs=Geſchäft vom 1. bis 24. April
lfd. Js. im Hauſe der Turngemeinde, Woogsplatz 5 dahier, vorgenommen werden,
Die Muſterung findet in folgender Weiſe ſtatt:
Mittwoch, den 10. April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtaben H und 3.
Donnerstag, den 11. April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtabe K,
2. Gemeinde Gräfenhauſen.
Freitag, den 12. April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtaben L und M.
2. Gemeinde Eſchollbrücken. 3. Gemeinde Schneppenhauſen.
Samstag, den 13. April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtaben N bis R.
2. Gemeinde Eich. 3. Gemeinde Meſſel.
Montag, den 15. April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtabe 8, jedoch!
nur die in den Jahren 1890 und 1891 geborenen Militärpflichtigen.
2. Gemeinde Erzhauſen. 3. Gemeinde Traiſa.
Dienstag, den 16 April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtabe 8, die
im Jahre 1892 geborenen Militärpflichtigen, 2. Gemeinde Malchen.
3. Gemeinde Roßdorf.
Mittwoch, den 17. April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtaben T bis Z,
Donnerstag, den 18. April: desgleichen 1. Gemeinde Braunshardt, 2. Gemeinde
Arheilgen.
Freitaa, den 19. April: desgleichen 1. Gemeinde Eberſtadt, 2. Gemeinde Nieder=
Beerbach.
Samstag, den 20. April; desgleichen Gemeinde Griesheim.
Montag, den 22. April: desgleichen 1. Gemeinde Nieder=Ramſtadt, 2. Gemeinde
Ober=Ramſtadt.
Dienstag, den 23. April: desgleichen Gemeinde Pfungſtadt.
Sämtliche Militärpflichtige, welche im Jahre 1892 geboren und im Kreiſe
Darmſtadt geſtellungspflichtig ſind, die Ueberzähligen (dienſttaugliche Leute aus
früheren Jahren, welche infolge hoher Losnummer nicht eingeſtellt worden ſind und
über die noch nicht definitiv entſchieden iſt, die alſo keine andere Militär=Legitimation
haben, als ihre Loſungs= und Geſtellungsſcheine), ſowie die Zurückgeſtellten aus
früheren Jahren (im Jahre 1890 und 1891 Geborene) werden hiermit aufgefordert,
ſich an den vorbezeichneten Tagen jedesmal pünktlich 7¼ Uhr vormittags zur
Muſterung einzufinden.
Die Militärpflichtigen aus früheren Jahren haben ihre Loſungsſcheine. ſofern
dieſelben nicht ſchon bei der Anmeldung zur Stammrolle abgegeben worden ſind, bei
der Muſterung vorzulegen, damit ſie ergänzt und berichtigt werden können.
Auch werden unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 3. Januar I. Js.
(Amtsverkündigungs=Blatt Nr. 5 von 1912) die im Jahre 1892 geborenen, im Beſitz
des Berechtigungsſcheines zum einjährig=freiwilligen Dienſt befindlichen Militär=
pflichtigen
, welche bis jetzt ihre Zurückſtellung vom Militärdienſt noch nicht bean=
tragt
haben, wiederholt aufgefordert, dies alsbald und ſpäteſtens im Muſterungs=
termin
zu tun.
Mittwoch, den 24. April findet die Loſung ſtatt, und zwar von vormittags
8 Uhr ab für die Miltärpflichtigen aus der Stadt Darmſtadt, von 10 Uhr ab für
die Miltärpflichtigen aus den Landgemeinden.
Von der perſönlichen Geſtellung vor der Erſatz=Kommiſſion ſind nur entbunden:
1. Dieienigen im Beſitz des Berechtigungsſcheins zum einjährig=freiwilligen
Dienſt befindlichen Leute, welche vorſchriftsmäßig ihre Zurückſtellung bei
der Erſatz=Kommiſſion beantragt haben.
2. Diejenigen, welche ſich als Freiwillige bei einem Truppenteil gemeldet und
Annahmeſchein für die Einſtellung im Herbſt I. Js. erhalten haben.
3. Diejenigen, welche wegen ihres Geſundheitszuſtandes, z. B. Blödſinn, Ver=
krüppelung
ꝛc. nicht perſönlich ſich ſtellen können, was durch ein ärztliches
Zeugnis und eine Beſcheinigung der betreffenden Bürgermeiſterei beſtätigt
ſein muß.
Wer an Epilepſie zu leiden behauptet, hat auf eigene Koſten drei
glaubhafte Zeugen hierfür zu ſtellen oder ein Zeugnis eines beamteten
Arztes beizubringen.
Die Militärpflichtigen, welche ohne genügenden Entſchuldigungsgrund ſich zur
Muſterung nicht ſtellen oder nicht pünktlich zu derſelben erſcheinen, haben die Nachteile=
zu
erwarten, welche für dieſen Fall in der Wehrordnung feſtgeſetzt ſind. Dieſelben ver=
lieren
unter Umſtänden die Berechtigung, an der Loſung teilzunehmen, ſowie die aus
Reklamationsgründen erwachſenen Anſprüche und werden, neben Verurteilung in eine
Geldſtrafe bis zu 30 Mark oder 3 Tagen Gefängnisſtrafe, vorweg zum Militärdienſt
herangezogen.
Das perſönliche Erſcheinen bei der Loſung bleibt den Militärpflichtigen überlaſſen.
Bezüglich der Geſuche um Zurückſtellung und Befreiung vom Militärdienſt
in Berückſichtigung häuslicher, gewerblicher und Familienverhältniſſe ꝛc. wird auf
die 88 32 u. 3 der Wehrordnung vom 22. November 1888 (Reg=Bl. Nr. 68 von 1901),
das Reglement vom 12. Mai 1868 (Reg.=Bl. Nr. 26 von 1868) und die diesſeitige Bekannt=
machung
vom 7. Februar l. Js. (Amtsverkündigungs=Blatt Nr. 23) mit dem Anfügen
aufmerkſam gemacht, daß diejenigen Perſonen, zu deren Gunſten wegen Arbeits= und
Aufſichtsunfähigkeit die Zurückſtellung eines Militärpflichtigen in Anſpruch genommen
wird (Eltern und Geſchwiſter ꝛc. derſelben), vor der Erſatz=Kommiſſion an dem Tage
zu erſcheinen haben, an welchem die Muſterung der betreffenden Militärpflichtigen ſtatt=
findet
. Die Geſuche ſind alsbald, ſoweit noch nicht geſchehen, bei den Großherzoglichen
Bürgermeiſtereien vorzubringen.
Ebenſo haben diejenigen Reklamanten, deren Söhne 1910 und 1911 wegen häus=
licher
ꝛc Verhältniſſe zurückgeſtellt worden ſind, inſofern ſie eine weitere Zurückſtellung
bezw. die Befreiung vom Militärdienſt für die Friedenszeit glauben in Anſpruch
nehmen zu können, ihre Geſuche bei den Großherzoglichen Bürgermeiſtereien zu erneuern
und mit ihren Söhnen vor der Erſatzkommiſſion zu erſcheinen, gegenfalls die Reklamg=
tionen
unberückſichtigt bleiben.
Ferner wird darauf hingewieſen, daß ſpätere Geſuche um Zuweiſung zu einem
anderen Truppenteil unberückſichtigt bleiben; denen, die beſondere Wünſche für einen
Truppenteil oder Standort haben, wird empfohlen, ſich rechtzeitig zum freiwilligen
Dienſt zu melden.
Zugleich wird bekannt gemacht, daß über etwaige von Reſerve= und Landwehr=
mannſchaften
, ſowie Erſatz=Reſerviſten eingereichten Geſuche um Zurückſtellung wegen
häuslicher, gewerblicher oder Familienverhältniſſe an den Tagen verhandelt wird, an
welchen die Muſterung der betreffenden Ortsangehörigen angeſetzt iſt.
Darmſtadt, am 9. März 1912.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
Dr. Reinhart Reg.=Rat.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=

licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher, 1 Jagdhund. 1 Boxer (ugelaufen). Die
Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier aus=
gelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dortſelbſt jeden Werktag vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(8497

Bekanntmachung.

Betr.: Polizeiliche Schutzmaßregeln in den bei Darmſtadt ge=
legenen
Waldungen.
Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß mit Wirkung
vom 6. April I. Js. der Sicherheitsdienſt in der Waldumgebung der
Stadt, gleichwie in den Vorjahren, wiederum in Kraft tritt. Der
Aufſichtsdienſt wird von 7 Forſtaufſehern ausgeübt, welche die Uni=
form
der ſtaatlichen Forſtwarte tragen und mit Gewehr ausgerüſtet

ſind. Ihre Aufgabe iſt die ſtändige Beaufſichtigung der die Stadt
umgebenden Waldungen unter beſonderer Berückſichtigung der von
dem Publikum begangenen Spazierwege.
Da den Forſtaufſehern die polizeiliche Ueberwachung der Wald=
umgebung
obliegt, ſind ſie von dem Großh. Kreisamt eidlich als
Polizeibeamte auf den Polizeiſchutz verpflichtet und im Beſitz einer
von dem unterzeichneten Polizeiamt ausgeſtellten Ausweiskarte.
In der Ueberzeugung, daß durch die ſtändige polizeiliche Ueber=
wachung
der Waldungen eine erhöhte Gewähr für die Sicherheit des
Spaziergängerpublikums gegeben iſt, richten wir hiermit an die Ein=
wohnerſchaft
die Bitte, von etwaigen verdächtigen Wahrnehmungen
in den Wäldern bei Begegnung die Forſtaufſeher oder aber das
unterzeichnete Polizeiamt in Kenntnis ſetzen zu wollen.
Darmſtadt, den 3. April 1912.
(8370sim
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.
J. V.: Lauteſchläger.

Senteiheinungs und Schreinern
arbeiten.
für die Mittelſchule II ſollen ver=
geben
werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebotsſcheine werden nachaus=
wärts
nicht verſandt.
Angebote ſind bis
Donnerstag, 11. April 1912,
vormittags 10 Uhr,
(8424si
einzureichen.
Darmſtadt, 2. April 1912.
Stadtbauamt.
Buxbaum.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. April 1912.

Nummer 83.

Straßenſperre.

Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten wird die Wilhelminen=
ſtraße
zwiſchen der Anna= und Wilhelmſtraße vom 10. bis zum
30. April ds. Js. für den Fuhrwerksverkehr geſperrt.
(8530
Darmſtadt, den 6. April 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
I. V.: Lautenſchläger.

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut zur
Allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 2. April 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
J. V.: Lauteſchläger.

Polizeiverordnung

für die Stadt Darmſtadt, die Beaufſichtigung der Hunde betreffend.
Auf Grund des Artikels 56 Abſatz 2 Ziffer 1 des Geſetzes,
betreffend die Städteordnung für das Großherzogtum Heſſen, vom
13. Juni 1874 wird nach Anhörung der Stadtverordneten=Verſammlung
der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt mit Genehmigung des
Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 16. März 1909, zu
Nr. M. d. J. II 1247, die nachſtehende Polizeivererdnung für den
Gemeindebezirk Darmſtadt erlaſſen:
§ 1. Innerhalb der Stadt müſſen auf öffentlichen Straßen
und Plätzen, ſowie an Orten, wo Menſchen zu verkehren pflegen,
1. biſſige Hunde mit einem das Beißen verhindernden Maulkorb
verſehen ſein und an einer kurzen Leine geführt werden,
2. Hunde der nachſtehenden Raſſen:
a) Bernhardiner,
b) Neufundländer,
c) Leonberger,
d) Doggen (Deutſche, Ulmer, Däniſche und Bulldoggen),
e) Barſoys (große ruſſiſche Windhunde),
k) Maſtiffs
und alle aus Kreuzungen dieſer Raſſen hervorgegangenen Hunde
an einer kurzen Leine geführt werden.
§ 2. Alle Hunde ſind an der Leine zu führen
1. in den dem Publikum geöffneten Großherzoglichen Hofgärten,
2. in der neuen Anlage weſtlich der Main=Neckar=Bahn,
3. auf den Bahnſteigen der Bahnhöfe,
4. in Wirtſchaften und Wirtsgärten.
§ 3. Die Begleiter von Hunden haben dafür Sorge zu tragen,
daß dieſe in den öffentlichen Anlagen, in denen ſich Raſenplätze,
Blumenbeete oder Gebüſchanpflanzungen befinden, nicht außerhalb
der Wege umherlaufen.
§ 4. Außerhalb der Stadt müſſen alle biſſigen Hunde mit
einem das Beißen verhindernden Maulkorb verſehen ſein.
§ 5. Kranke Hunde und läufige Hündinnen müſſen auf der
Straße und an Orten, wo Menſchen zu verkehren pflegen, ſtets an
der Leine geführt werden.
Mit anſteckender Krankheit, insbeſondere Hautkrankheit behaftete
Hunde, müſſen zu Hauſe eingehalten werden.
§ 6. Es iſt verboten, zur Nachtzeit, d. h. in der Zeit von
10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens, Hunde ohne Aufſicht auf der
Straße frei umher laufen zu laſſen.
§ 7. Das Mitbringen von Hunden auf Friedhöfe, den Wochen=
markt
und die Meſſe, ſowie in öffentliche Dienſtgebäude, in die
Badehäuſer oder an die Badeplätze des Woogs, zu öffentlichen Feier=
lichkeiten
und in Räume, in denen Nahrungs= oder Genußmittel
feilgeboten werden, iſt verboten.
§ 8. Die Beſitzer und Begleiter von Hunden haben die erſorder=
lichen
Maßregeln zu treffen, damit die Ruhe nicht durch andauerndes
Gebell oder Geheul ihrer Hunde geſtört wird, und insbeſondere das
Anbellen von Perſonen, Zug= und Reittieren durch ihre Hunde zu
verhindern.
§ 9. Das Polizeiamt kann den Aufenthalt bösartiger, biſſiger
und kranker Hunde auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen
ganz verbieten.
§ 10. Für jeden Hund, der in das nach § 1 der Verordnung
vom 4. November 1899, die Hundeſteuer betreffend, von der Großh.
Bürgermeiſterei zu führende Hunderegiſter eingetragen iſt, erhält der
Beſitzer des Hundes eine Blechmarke mit einer Nummer, die der
Hund, ſolange er ſich außerhalb eines Hauſes, geſchloſſenen Grund=
ſſtücks
oder ſonſtigen umſchloſſenen Raumes befindet, ſtets am Hals=
band
=zu tragen hat.
§ 11. Wer den vorſtehenden Beſtimmungen zuwiderhandelt oder
die ihm darin auferlegten Verbindlichkeiten nicht erfüllt, wird, inſoweit
nicht andere Strafbeſtimmungen zur Anwendung zu kommen haben,
auf Antrag des Großh. Polizeiamts mit Geldſtrafe bis zu 30 Mark
beſtraft.
§ 12. Die Polizeibehörde hat ferner das Recht, alle Hunde
die entgegen den Beſtimmungen dieſer Polizeiverordnung nicht an=
geleint
oder nicht mit einem das Beißen verhindernden Maulkorb oder
inicht mit der in § 10 vorgeſchriebenen Blechmarke verſehen ſind, durch
den Hundefänger einfangen zu laſſen, falls der Beſitzer nicht zur
Stelle iſt und den Hund in Gewahrſam nimmt.
Desgleichen können alle Hunde eingefangen werden, die an den
iin § 7 genannten Orten, in öffentlichen Anlagen außerhalb der Wege
ſoder zur Nachtzeit ohne Aufſicht frei umherlaufen.
§ 13. Die eingefangenen Hunde werden in Verwahrung und
Pflege genommen und 5 Tage lang zur Auslöſung durch den Beſitzer
bereit gehalten.
Die Herausgabe erfolgt an die Perſonen, die ſich als empfangs=
fberechtigt
ausweiſen, gegen Erſtattung des Betrags der von dem
Polizeiamt als Entſchädigung für die durch das Einfangen und die
Verpflegung der Hunde der Polizeikaſſe erwachſenen baren Auslagen
ffeſtgeſetzt wird.
Hunde, welche die in § 10 vorgeſchriebene Blechmarke mit
Nummer tragen, ſind den Eigentümern innerhalb 24 Stunden nach
idem Einfangen gegen Erſtattung einer beſonderen Gebühr in Höhe
von 50 Pfennig zuzuführen.
Hunde, die innerhalb der 5tägigen Friſt nicht ausgelöſt ſind,
(werden entweder zu Gunſten der Polizeikaſſe veräußert oder getötet.
§ 14. Durch die Beſtimmungen des § 12 wird das wegen
Uebertretung der Vorſchriften dieſer oder der in § 10 erwähnten
Verordnung einzuleitende Strafverfahren nicht berührt.
§ 15. Die Polizeiverordnung vom 4. Auguſt 1891, die Beauf=
ſſichtigung
der Hunde betreffend, wird aufgehoben.
Die Polizeiverordnung für den Kreis Darmſtadt vom 9. Auguſt
4882, das Fahren mit Hunden betreffend, wird durch die Vorſchriften
dieſer Polizeiverordnung nicht berührt.
§ 16. Dieſe Polizeiverordnung tritt am 15. April 1909 in Kraft.
(8412si
Darmſtadt, den 24. März 1909.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.

Die Verſteigerungen im ſtädtiſchen Pfandhaus.

Nach Ausſchreibung der Pfänderverſteigerung laufen erfahrungs=
gemäß
ſtets mündliche oder ſchriftliche Geſuche von Pfandhausſchuld=
nern
bei uns ein, teils auf Verſchiebung der Verſteigerung ihrer
Pfänder, teils auf gänzliche Ausnahme derſelben von der Verſteige=
rung
gerichtet. Um den Schuldnern zweckloſe Gänge und Mühe zu
erſparen, geben wir hiermit bekannt, daß alle derartige Geſuche ab=
gewieſen
werden müſſen, da die Pfandhausordnung die Verſteigerung
aller verfallenden Pfänder, deren Einlöſung oder Verlängerung inner=
halb
des hierfür beſtimmten Zeitraums vor dem Verſteigerungstermin
nicht erfolgt, ausdrücklich vorſchreibt und Ausnahmen von dieſer Vor=
ſchrift
nicht zuläſſig ſind.
(8516im
Darmſtadt, den 3. April 1912.
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Schmitt.

Lieferung von Pflanzen=
Kübeln

aus geriſſenem Eichenholz für die
Stadtgärtnerei.
(8486
Näheres Stadthaus, Rheinſtraße
Nr. 18, Zimmer Nr. 65, vormit=
tags
zwiſchen 9 bis 10 Uhr, bis
ſpäteſtens Donnerstag, den 11. ds.
Monts.
Darmſtadt, 4. April 1912.
Stapel.

Bekanntmachung.
Dienstag, 23. April 1912,
vormittags 10 Uhr,

ſollen die den Jakob Weicker Ehe=
leuten
dahier gehörigen Liegen=
ſchaften
:
Flur Nr. qm
IV 52¾/10 1306 Acker im
Soder,
IV 34 2150 Acker in den
Mockenröder,
V 36
662 Acker daſelbſt,
IV 285/100 393 Werkſtättem.
Hofraum,
Friedhof=
Allee,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe ver=
ſteigert
werden.
Darmſtadt, 8. März 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen).
Frantz. (V5967

Bekanntmachung.

Die am 2. April I. Js. abge=
haltene
Stammholz= und Stangen=
Verſteigerung iſt genehmigt. Von
Freitag, 12. dieſes Monats an,
können die Abfuhrſcheine bei den
Hebeſtellen in Empfang genom=
men
werden.
(8490
Die Ueberweiſung des Holzes
erfolgt am 13. April, vormittags
8 Uhr.
Darmſtadt, 6. April 1912.
Großh. Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoop.

Die Epileptiſchen=Anſtalt zu
Nieder=Ramſtadt bittet wie=
derum
um getragene Kleider, altes
Weißzeug, Lappen, ſowie Ge=
brauchsgegenſtände
aller Art. Die
Sachen werden nach Beſtellung ( tele=
phoniſch
Amt Darmſtadt Nr. 572
oder ſchriftlich in den Briefkaſten
Kiesſtraße 30, part.) jederzeit mit
herzlichem Dank im Hauſe abgeholt.
Weimar, Pfarrer.
(6389a
Nußſchalen=Extrakt
à 80 Pfg., 1.40 z. Dunkeln der
Kopf= u. Barthaare, aus der kgl.
bayer. Hofparfümerie C. D. Wun=
derlich
in Nürnberg. Rein vege=
tabiliſch
, garantiert unſchädlich.
à 80 und
Dr. Orhals Nussol, 140 Pfg.
z. Dunkeln d. Haare zugl. ein fein.
den Haarwuchs ſtärkendes Haaröl.
Wunderlich’s echt und ſofort
wirkendes Haarfärbemittel für
Schwarz, Braun u. Dunkelblond
à Mk. 1.50 u. Mk. 2.75 bei (V1942.
A. Walchner, Nachf.,
vorm. E. Scharmann, Hoflief.
Ecke Eliſabethen=u. Luiſenſtraße.

rehrock=, Frack=, Smoking= An=
züge
, Zylinder, zu verleihen
Rheinſtraße 5, 2. Stock. (7692a

Schiffsbericht.

Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Hrn.
Adolf Rady, Darmſtadt,
Zimmerſtraße 1.
Dampfer Cincinnati, von der
großen Orientfahrt, 3. April
3 Uhr nachmittags von Neapel
nach Genua.
Dampfer Elleric, von Galveſton
kommend, 3. April in Hamburg.
Dampfer Piſa nach Kanada
3. April 2 Uhr 30 Min. nachmit=
tags
in Rotterdam.
Dampfer Pretoria, von Boſton
und Baltimore kommend, 4. April
2 Uhr 45 Min. morgens Prawle
Point paſſiert.
Dampfer Trafalgar von New=
Orleans kommend, 3. April 5 Uhr
30 Minuten nachmittags Lizard
paſſiert.
Dampfer Willehad‟, 31. März
9 Uhr abends von St. Johns.
Vergnügungsdampfer Meteor
dritte Mittelmeerfahrt, 3. April
2 Uhr nachm. in Malta.

Schiffsbericht.

Nordd. Lloyd Bremen.
Mitgeteilt von dem Vertreter Anton
Fiſcher, Darmſtadt, Frankfurter=
ſtraße
12 und 14.
Doppelſchrauben=Salondampfer
Prinz Friedrich Wilhelm iſt
am 1. April in New=York an=
gekommen
.
Doppelſchraubendampfer Roon
iſt am 29. März in New=York
angekommen.
Doppelſchraubendampfer Königin
Luiſe iſt am 29. März in New=
York angekommen.
Doppelſchraubendampfer Köln
iſt am 30. März in Baltimore
angekommen.

Kokspreiſe des ſtädt. Gaswerks

ab 1. April 1912.
A. Für den Koks=Kleinverkauf.
Nach Maß und nur gegen Barzahlung ab Gaswerk:
a) Gabelkoks der Hektoliter Mk. 1,15
b) Nußkoks
1,35
c) Bohnenkoks
1,00.
Für das Faſſen und Anliefern von Koks in Säcken mit je
einem Hektoliter Inhalt, Mindeſtabnahme 3 Säcke, werden für den
Hektoliter 20 Pfg. erhoben. Die Säcke müſſen ſofort entleert und
zurückgenommen werden können.
B. Für den Koks=Großverkauf.
Nach Gewicht, in Fuhren nicht unter 30 Zentner, ab Gaswerk:
a) Gabelkoks der Zentner 1 Mk. 25 Pfg.
b) Nußkoks
1 35
Bei Abnahme von 60 Zentnern, lediglich in Wagenladungen
an einem Tage ab Gaswerk, wird bis auf weiteres ein Nachlaß von
3 Pfg. auf den Zentner, bei Abnahme von 100 Zentner ein ſolcher
von 5 Pfg., bei Abnahme von 200 Zentner von 7 Pfg. und bei
400 Zentner von 10 Pfg. gewährt.
Für ſtändige Abnehmer (Selbſtverbraucher in der Stadt und
der nächſten Umgebung, ſo weit der Koks in Fuhren bezogen wird),
d. h. für ſolche, die eine dahingehende Erklärung bei der ſtädtiſchen
Gaswerksverwaltung abgeben und mindeſtens 30 Zentner auf einmal
beziehen, kommt für den ganzen, im Laufe eines Verwaltungsjahres
(1. April bis 31. März) ſtattfindenden Koksbezug der nachſtehende
Nachlaß auf die Grundpreiſe B nach Schluß des Jahres zur Feſt=
ſtellung
und Rückvergütung:
1. Bei Abnahme von 400 bis weniger als 600 Ztr. 12. Pf. p. Ztr.
2. Bei Abnahme von 600 bis weniger als 1000 Ztr. 14 Pf. p. Ztr.
3. Bei Abnahme von 1000 bis weniger als 2000 Ztr. 16 Pf. p. Ztr.
4. Bei Abnahme von 2000 und mehr Zentner . . 18 Pf. p. Ztr.
Die durch das ſtädtiſche Gaswerk bezogenen Kokſe werden mit
10 Pfg. Fuhrlohn für den Zentner berechnet. In dieſem Preis iſt
das einfache Abwerfen vom Wagen oder Karren in den Hof oder
Schuppen einbegriffen.
Für das Abtragen des Kokſes in Körben oder das nochmalige
Aufnehmen desſelben mit der Schaufel zur Weiterbeförderung an den
Aufbewahrungsort werden für den Zentner 5 Pfg. in Rechnung ge
ſtellt. Dahingehende Wünſche ſind gleichzeitig mit der Beſtellung
bei der ſtädtiſchen Gaswerksverwaltung, Frankfurterſtraße 29, auf=
zugeben
.
Aus der Beſtellung muß die Menge und Sorte des gewünſchten
Kokſes, ſowie der Stand oder Beruf und die Wohnung des Be=
ſtellers
genau hervorgehen.
Die Fuhrleute ſind nicht berechtigt, Trinkgelder zu fordern.
Es werden hier noch die Namen hieſiger Firmen angefügt,
welche infolge vertraglicher Vereinbarungen in der Lage ſind, Koks
aus dem ſtädtiſchen Gaswerk zu den gleichen Preiſen und Fuhr=
löhnen
, wie oben angeführt, zu liefern.
Es ſind dies z. Zt. folgende Firmen:
1. P. Baumann, Inh. Ph. Baumann, 2. Baumann & Jelk=
mann
, 3. Ludwig Fiſcher, 4. Glückauf (Dexheimer), 5. B. M. Hachen=
burger
, 6. J. Nold, 7. Gg. Schneider, 8. Max Ranis, 9. Georg Schött,
10. Friedr. Schubkegel, 11. W. Stumpf, 12. J. Trautwein, 13. Hrch.
Volz, 14. Wilh. Köhler, 15. K. Möll. Wwe., 16. Heeb & Röder,
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Nummer 83.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. April 1912.

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Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. April 1912.

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Copyright 1910 by Anny Wothe, Leipzig.
Jon legte behutſam den Mantel von Purpurſamt um
Hallgerdrs Schulter.
Er ſagte kein Wort aber ſie las die flehende Bitte
in ſeinen Augen, nicht mit dem Fremden zu fahren. Sie
fühlte das nervöſe Zittern ſeiner bleichen Hände, und ſie
ſlächelte ihm beruhigend zu.
Lebt wohl, Herr, ſagte ſie, dem Kapktän die Hand
freichend, man wartet auf mich.
Mit hartem Druck umſchloß ſeine braune Hand ihre
Rechte.
So will ich Euch hinabgaleiten, entgegnete er mi:
feſt zuſammengepreßten Lippen.
Wie Groll drohte es in ſeiner Stimme.
Jon Thorkjel lächelte darüber.
Als ſie alle drei die Schiffstreppe hinabſtiegen,
Scholl ihnen Lachen und Rufen von den ihrer Harrenden
ſentgegen. Die See ging hoch. Wie eine Nußſchale tanzte
die Barkaſſe auf und nieder.
Geſchickt ſprang Jon Thorkiel hinein, um Hallgerdr
behilflich zu ſein, mit der kommenden Welle das Booz
zu gewinnen.
In demſelben Augenblick aber hob eine große Flut=

Dir wealtlen die Fihſung, der, bachute fe=
Ohne Sorge, gab er zurück. Meine Leute kennen
den Weg. Die Strömung treibt uns nur etwas zur
Seite. Ich bringe Euch ungefährdet heim.
Und Hallgerdr mußte daran denken, daß ſie vor we=
nigen
Wochen erſt hier in dem im Morgenlicht flammen=
den
Faxabuſen Abſchied von einem anderen genommen,
den ſie lieb gehabt, ſo recht von Herzen lieb, der ausge=
zogen
war, um vielleicht nie wiederzukehren.
Und ſie hätte weinen mögen vor Schmerz und Weh,
Es war ihr, als müßte ſie die Hände ausſtrecken nach
Kaare Myrdal und verzweifelt rufen:
Rette, ſchütze mich vor mir ſelber!
Aber Kaare Mrydal war weit, und er kehrte nie,
nie zu ihr zurück.
Schwarz ragten die Felſen aus dem Meere auf
Geſpenſtig ſchimmerten dahinter die weißen Gletſcher
empor, und dunkle Wolkenfetzen jagten in wilder Flucht
an dem nächtlichen Himmel dahin.
Wie anders war einſt die ſtille, blaue Nacht mit
den glutroten Roſenſäumen, in der Kaare Myrdal von
ihr ging? Alles war damals in Licht getaucht, und
heute nur geſpenſtiges, unheimliches Dunkel.
Nur der Blücher lag leuchtend in ſeinem weißen
Kleide im ſchimmernden Licht auf den Wellen.
Dort klangen wohl noch die Sektbecher aneinander,
und Muſik miſchte ſich mit dem Wogenſang bis der graus
Morgen kam, fahl und voll Grauen.

welle die Barkaſſe hoch empor und ſchleuderte ſie ein
ganzes Stück weit in die bewegte See hinaus.
Geſchrei, Lachen und Grüßen von dort herüber, und
dann fühlte Hallgerdr ſich plötzlich von einem kräftigen
Arm umfaßt, und eine heiße Stimme flüſterte lachend,
voll heimlichen Jubels ihr ins Ohr, während Ingwald
Anderſen ſie in ſein Boot hob:
Hier hat das Schickſal ſelbſt geſprochen. Ich ſollte
Euch führen, Hallgerdr Jonſon. Ich!
Sie ſagte kein Wort. Sie ſah nur, wie ſeine ſonſt
ſo ernſten Augen mit lächelndem Blick in ihren Augen
forſchten.
Ueber das Wellengebraus klang Signes klare
Stimme:
Seid willkommen, weiße Wogen,
Meine Wonne, meine Luſt,
Mächtig zu Euch hingezogen
Warf ich mich an Eure Bruſt.
Tragt für dieſes Lied uns keicht
Auf dem Rücken ohne Tücken,
Bis wir unſer Ziel erreicht.
Pfrilgeſchwind flogen ſie dahin.
Der Kapitän ſaß im Rücken der Matroſen die das
Boot führten, Hallgerdr dicht zur Seite.
Hallgerdr fühlte plötzlich ihr Herz ungeſtüm
klopfen.
Nicht nach Reykjavik ſteuerte das Boot zu, ſondern
tiefer in den Faxabuſen hinein=

[ ][  ][ ]

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ühre heien Bangen nicht ſehen.
Ingwald Anderſen fuhr aus dumpfem Brüten empor,
Eine Glutwelle flog über ſein bärtiges Geſicht.
Schnell rief er den Matroſen ein paar Worte zu, und
ſofort änderte das Boot ſeinen Kurs und trieb langſam
dem Hafen von Reykjavik entgegen.
War er denn wahnſinnig? Hatte er nicht vorhin den
Matroſen zugeraunt an Bord.
Hatte er wirklich daran gedacht, dieſes blonde Weib,
das wie ein verwunſchenes Königskind an ſeiner Seite
ſaß, auf die ſchwarze Katla zu entführen?
Die ängſtliche Spannung in Hallgerdrs Antlitz ver=
ſchwand
, als ſie den Lichtern von Reykjavik näher kamen,
und ein Lächeln ſonnte wieder ihr Antlitz.
Ihr habt viel Mühe um mich, Herr, ſagte ſie. Ihr
werdet erſt ſpät am Bord Eurer Hexe ſein.
Er ſaß ihr ganz dicht zur Seite.
Er hätte den Arm um ſie legen und ſie feſt an ſeine
heiße Bruſt preſſen können, und er dachte daran, es zu tun
Aber ein dunkles Warnen war in ihm, und er wagte es
nicht.
Ich bin ſehr glücklich, nahm er endlich das Wort, daß
ich mit Euch, Hallgerdr, ſo allein durch die Nacht über die
Wellen gleiten kann. Ich meine, in der Nacht, da werden
die verborgenſten Geheimniſſe des Herzens wach. Was
kaum geahnt, kaum gedacht in unſerer Bruſt am Tage
glomm, in der Nacht wird es zur Glut, da bekommt es

Seden und Gewall. Ich ſiche die Nacht mi hen ver=
ſchwiegenen
Gluten, ihrem Hoffen und Träumen. Liebt
Ihr ſie auch?
Ich weiß es nicht, gab Hallgerdr zurück, den Blick ſin=
nend
über die ſchwarzen Wogen mit ihren weißen Schaum=
kronen
gleiten laſſend, ich meine immer, Islands ewiger
Tag ſei ſchön! Ich möchte nicht leben in einem Lande, wo
immer dunkle Nächte brauen. Die Nacht iſt keines Men=
ſchen
Freund. Ich liebe die ſonnenhellen Tage, wo die
eisblauen Berge in die klare Luft ragen und wo Meer und
Berge ſich in Gold tauchen.
So würdet Ihr meine Heimat lieben, gab der Kapitän
ſinnend zurück. Denkt Euch tiefe, blaue Fjorde, wie Ster=
nenaugen
leuchtend. In einem engen Bergkeſſel liegt mein
Heimattal. Toſende Waſſerfälle ſtürzen von den Fjelden.
Der weiße Schnee leuchtet im roten Sonnenlicht, und die
Gletſcher funkeln wie von tauſend Smaragden und Ru=
binen
. Weiß ſchäumend brechen ſich die Wellen, und eine
Kirche, eine ganz kleine, weiße Kirche mit einem roten Dach
und einem ſchwarzen Turm ragt in die blaue Luft.
Und Euer Haus? fragte Hallgerdr. Euer Haus, liegt
es dicht an dem blauen Fjord, und ſehnt Ihr Euch, heim=
zukommen
?
Die Augen des Mannes wurden groß und ſtarr.
Nein, nein, ſchrie er plötzlich auf, ſo daß die Matroſen
erſchreckt die Köpfe wandten, nie, nie will ich es wieder=
ſehen
. Begreift Ihr denn nicht, rief er haſtig, Hallgerdrs
Hand ergreifend, daß man trotz aller Sehnſucht nach dieſer

Heinentihen Schnſei, ein Grmen eapfihe, widher zu=
rückkehren
zu müſſen, weil man weiß, das Unheil hockt auf
der Schwelle.
Ihr ſeht Geſpenſter, Herr, mahnte Hallgerdr voll Güte.
Ingwald Anderſen lachte grell auf.
Geſpenſter, ja wohl, die ſehe ich, Schönſte der Schönen.
Die kreiſen um Eueren Hof. Die ganze Nacht habe ich ſie
geſehen, als ich in Euerer Gaſtkammer die wilden Schwäne
vorüberziehen hörte.
So ſolltet Ihr den Hof meiden, Herr.
Er ſah ſie dunkel glühend an.
Wie Euch, gab er rauh zurück. Ihr habt recht. Wißt
Ihr, wie es iſt, wenn ſich die Hände wild und verlangend
ausſtrecken nach etwas Unerlaubtem, Verbotenen, Ihr wißt
es nicht, denn Euere Seele iſt rein. Ich aber, ich kenne
das wilde, das raſende Verlangen, das ſich immer wieder
heiß aufbäumt und nicht Ruhe läßt, bis die Wellen der
Verdammnis über unſerem Haupte zuſammenſchlagen.
Warum ſeht Ihr mich ſo tödlich erſchrocken an, als wäre
ich ein Verbrecher? Wißt Ihr, was ein Mörder iſt? Ja,
ich ſehe es in Eueren Augen, aber Ihr wißt nicht, wie es
iſt, wenn einer die Seele des anderen mordet. Ihr weicht
entſetzt vor mir zurück? So lächelt doch, ſchönes Kind. Für
einen ſolchen Mord gibt es keine Strafe. Fragt doch Euere
Syſſelmänner (Kreisrichter), ſie werden Euch Antwort
ſagen. Das eigenſüchtige Herz, das immer verlangt, immer
fordert, fragt nicht nach dem Glück des anderen.
(Fortſetzung=

[ ][  ][ ]

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Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. April 1912.

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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 9. April 1912.

Nummer 25.

(850954
Manbtenhu A
Geunnach Ola
a
Mn
Ol mc e
Gee Clezall.
6

Handel und Verkehr.

Patentanmeldungen. R. 32174: Vorrich=
tung
zur Herſtellung von Ankerwicklungen. Konrad Rido=
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71. Patenterteilungen: 246 148. Form
zur Herſtellung von Schwemmſteinen u. dgl. Gewerkſchaft
Meſſel und Paul Meltzer, Grube Meſſel bei Darmſtadt.
Bebrauchsmuſter=Eintyagungen: 499397.
Hygieniſches Ohrenreinigungsſtäbchen. Karl Müller, Darm=
fſtadt
, Karlſtr. 61. 499 398. Hygieniſche Ohrenreinigungs=
zange
. Karl Müller, Darmſtadt, Karlſtr. 61. 501 222.
Ohrenreiniger mit gebrauchsſicherem Watte=Halter. Hein=
frich
Beſt, Griesheim b. Darmſtadt. 501 661. Dreh=, Feil=
und Schleifapparat für Walzen=Trockenapparate. Aktien=
Maſchinenbau=Anſtalt, vorm. Venuleth u. Ellenberger,
Darmſtadt.
H. Frankfurt a. M., 4. April. ( Börſen=
wochenbericht
.) Am Geldmarkte hat ſich ganz plötz=
lich
ein günſtiger Umſchwung vollzogen, der weſentlich bil=
ligeres
Geld brachte und einen Rückgang des Privatdis=
kontos
auf 3¾ Prozent bewirkte. Dieſe ſprungweiſe Er=
mäßigung
der Sätze innerhalb weniger Tage dürfte indes
mit großer Zurückhaltung behandelt werden; denn dem
Geldmarkte ſtehen noch erhebliche Anforderungen bevor, zu=
nächſt
durch die augenblickliche in den nächſten Wochen zur
Ausführung kommenden Kapitalvermehrungen großer In=
ſtitute
und ſonſtiger Emiſſionen. Ferner ſcheint ſich in
Amerika im Zuſammenhang mit dem lebhafteren Gang der
Induſtrie eine Verknappung der Geldmittel zu zeigen; wo=
durch
der Rückfluß der in Deutſchland vorhandenen ameri=
kaniſchen
Guthaben in intenſiverem Maße einſetzen dürfte.
Daher iſt trotz der momentanen Geldflüſſigkeit immerhin
zein Wiederanziehen der Zinsſätze nicht ausgeſchloſſen.
Die Tendenz geſtaltete ſich während der nur viertägigen
Geſchäftswoche infolge der Oſtertage zu einer feſten; beein=
flußt
durch das feſte Newyork und des unverminderten
Animos in Kupfer=Aktien, dem ſich ſchließlich noch eine
beſſere Haltung am Goldminenmarkte anſchloß. Die Poli=
tik
übt eben weniger Einfluß aus, aber man wiegt ſich
andauernd in dem Gedanken eines baldigen Friedens=
ſchluſſes
zwiſchen Italien und der Türkei.
Zu den Einzelheiten des Verkehrs übergehend, ſind zu=
nächſt
Deutſche Renten als erholt zu erwähnen, was wohl
die Gelderleichterung und die Ausſchüttung der Zinſen und

Dividenden zum Teil bewirkt hat. Von den Ausländiſchen
Staatsfonds waren die Ungariſchen wieder ſtärker gefragt
und anziehend; auch die ruſſiſchen Gattungen, ſowie Tür=
liſche
konnten profitieren; während Mexikaner auf Nach=
richten
über neue Unruhen im Preiſe nachgeben mußten.
Für die führenden einheimiſchen Bankaktien herrſchte gute
Strömung; wenn auch die Avancen nur geringfügig
blieben. Schaaffhauſenſcher Bankverein waren zeitweiſe ge=
drückt
, aber ſchließlich wieder beſſer, da die Gerüchte über
den Berliner Baumarkt und damit zuſammenhängende
Riſikos keine Beſtätigung fanden.
Die Generalverſammlung der Darmſtädter Bank ge=
nehmigte
die Dividende in Höhe von 6½ Prozent (wie im
Vorjahre). Der Transportmarkt geſtaltete ſich recht lebhaft,
und beſonders ſteigend für Schantung, Hamburger Paket=
fahrt
und Nordd. Lloyd; ferner waren die italieniſchen
Bahnen anſehnlich erholt auf die Friedenshoffnungen.
Orientbahnen ſtiegen um 3 Prozent auf den recht befrie=
digenden
Einnahme=Ausweis. Am Montangebiet ſind jetzt
durchweg Kurserhöhungen eingetreten; da die Spekulation
darin ſehr rührig war. In Elektrizitätsaktien vollzogen ſich
weiterhin größere Umſätze. Der Eintritt der Bergmann=
Geſellſchaft in die Siemens=Gruppe ſcheint vollzogen zu
ſein, und zwar ſoll das Aktienkapital der Geſellſchaft ganz
bedeutend erhöht werden; dieſe Erhöhung wird von der Sie=
mens
=Gruppe größtenteils übernommen. Die Mannesmann=
röhren
=Werke erhöhen ihr Kapital um 12 Millionen Mark;
auf je drei alte Aktien kann eine neue, mit halber Dividende=
Berechtigung für 1912/13 zu 170 Prozent bezogen werden.
Das Bezugsrecht iſt bis 19. April u. a. auch bei der Deut=
ſchen
Vereinsbank auszuüben.
Der Kaſſainduſtriemarkt war etwas ruhiger, doch ſind
einzelne größere Steigerungen eingetreten: bei Daimler=
Motoren bis 239, bei Kleyer bis 468, bei Höchſter Farb=
werke
bis 569 Prozent, bei Kunſtſeide bis 170; hingegen
gaben Moenus bis 336 nach auf das geringere Dividende=
Ergebnis. Deutſche Gold= und Silber=Scheideanſtalt no=
tieren
zuletzt 1044, Holzverkohlung 304,30, Rütgers 195,75,
Maſchinenfabrik Durlach i. B. 141,20, Steana Romana 135.
Zuckeraktien gut behauptet: Waghäuſel 207,25, Frankenthal
379,70. Die Kaliwerke Aſchersleben verteilen 10 Prozent
und Maſchinenfabrik Gritzner 17 Prozent Dividende.
Von Loſen notieren: Augsburger 34,60, Braunſchweiger
198,75, Pappenheimer 58, Freiburger 68, Türkiſche 171,60,
Genua 194, Ungariſche 366,50, Meininger 35,20, Venediger
42,70, Mailänder 45=Fres.=Loſe 135 (nominell), Mailänder
10=Fres. Loſe 34,10, Raab=Grazer Anrechtsſcheine 37,60, in
Reichsmark: Donau=Regulierung 165 (nominell), Gothaer
Prämie II 117,75, Madrider 77,65, in Prozent. Ferner
ſchließen: 4 proz. Reichs (bis 1918 unkündbar) 101,40, 3 ½=
proz
. Reichs 90,80, 3proz. Reichs 81,75, 4proz. Heſſen von
1899 99,90, 4proz. Heſſen von 1906 99,80 G., 4proz. Heſſen
von 1908/09 100,, 4proz. Heſſen (unkündbar bis 1921)
100,50 G., 3½proz. Heſſen 89,10, 3proz. Heſſen 78,40, 4proz.
Darmſtädter 99,40, 3½proz. Darmſtädter 89,75 G., 4proz.
Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 1823) 100,50, 4proz. Heſſ.
Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 2425) 100,60 G., 3½proz. Heſſ.
Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 35) 89,60 G., 3½proz. Heſſ.
Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 911) 89,70 G., 4proz. Heſſ.
Kommunal=Pfdbr. (Serie 1012) 100,60 G., 4proz. Heſſ.
Kommunal=Pfdbr. (Serie 1314) 100,70 G., 3½proz. Heſſ.
Kommunal=Pfdbr. (Serie 13) 89,80 G., 3½proz. Heſſ.
Kommunal=Pfdbr. (Serie 4) 89,70 G., Darmſtädter Bank
125, Südd. Eiſenb.=Geſellſch. 122 G., Südd. Immobilien=
Geſellſchaft (Mainz) 79,50 G., Lederwerke vorm. Spicharz
(Offenbach a. M.) 78,50 G., Schramms Lack= und Farben=
fabriken
(Offenbach a. M.) 272 G., Chemiſche Mühlheim a. M.
74,80, Schantungbahn 140½, South=Weſtafrika 157,50,
Otavi=Anteile 96,, Otavi=Genußſcheine 67,50, 4½proz.
Ruſſen 100,30, 4proz. 1880er Ruſſen 90,90, 4proz. 1902er
Ruſſen 90,70, 3¾proz. Ruſſen 88,60, 3½proz. Ruſſen 84,50,
3proz. Ruſſen 81,, 4proz. unifizierte Türken 90,60, 4proz.

Adminſtratons=Türken 94 6., Kproß. konverierte Türken
von 1905/1911 81,50, Bagdadbahn 84,, 5proz. Chineſen
101,50, 4½proz. Chineſen 95,20, 5proz. Chineſen (Tientſin=
Pukow) 99,40, 4½proz. Japaner 95,25, 4proz. Japaner 89,25,
3proz. Buenos=Aires 72½.

Sport.

Fußball. Engliſche Pokalſpiele. Die rück=
ſtändigen
Fußballſpiele aus der Vorſchlußrunde um den
Pokal von England haben die Siege von Barnsley und
Weſt=Bromwich=Albion ergeben. Barnsley ſchlug Swin=
don
Town mit 211. Das gleiche knappe Reſultat ergab der
Kampf zwiſchen Weſt=Bromwich=Albion und Blackburn
Revers, wenn auch erſt nach Spielverlängerung. Das Ent=
ſcheidungsſpiel
um den Pokal findet nunmehr am 20. April
zwiſchen den beiden Siegern ſtatt, von denen Weſt= Brom=
wich
=Albion eine hervorragende Stelle in der erſten Klaſſe
der Ligaſpiele einnimmt, während Barnsley der zweiten
Klaſſe angehört. Weſt=Bromwich=Albion hat den Pokal be=
reits
zweimal, im Jahre 1888 und 1892, gewonnen. Barns=
ley
hat ſich ſchon einmal, und zwar im Jahre 1910, bis zur
Schlußrunde durchgekämpft, unterlag aber damals mit 022
gegen Newcaſtle United, nachdem eine erſte Begegnung
unentſchieden 111 geblieben war.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt 1.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
3 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Falle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 28. März: dem Königl. Lokomotiv=
führer
Max Ernſt Streckhardt, Rhönring 99, eine T.
Eliſabeth. Am 27.: dem Fahrburſchen Jakob Schmitt,
Schloßgaſſe 23, ein S. Franz Johann. Am 28.: dem Schuh=
macher
Friedrich Böheim, Lichtenbergſtr. 23, eine T.
Emma. Am 30.: dem Tapezier Georg Gerhardt, Kranich=
ſteinerſtr
. 11, eine T. Eliſabeth. Am 1. April: dem Kauf=
mann
Georg Horn, Kahlertſtr. 51, ein S. Jean. Am 3.:
dem Einleger Johann Andreas Leichtlein, Taunusſtr. 53,
ein S. Philipp. Am 2.: dem Hilfsarbeiter Paul Hermann
Schulze, Kirſchenallee 7, ein S. Ludwig. Am 31. März:
dem Schneider Martin Arnold, Soderſtr. 34, ein S.
Theodor Rudolf. Am 30.: dem Schloſſer Karl Becker,
Liebfrauenſtr. 45, eine T. Luiſe. Am 3. April: dem Stu=
dent
Alexander Gawrilow, Seitersweg 8, ein S. Viktor.
Aufgebotene. Am 2. April: Metallſchleifer Hermann
Valentin, Feldbergſtr. 62, mit Maria Diel in Fulda.
Am 3.: Fabrikarbeiter Hermann Göckel in Traiſa, mit
Johanna Chriſtina Knell, Marktſtr. 3. Chauffeur Franz
Felber in Auerbach, mit Suſanna Grimm, Schulſtr. 16.
Am 4.: Konditor Franz Faver Biſchler in Freiburg,
mit Barbara Karolina Zünd in Gündlingen. Sergeant
im Leibgarde=Inf.=Regt. Nr. 115, Jakob Philipp Leißler,
Alexanderſtr. 22, mit Verkäuferin Katharina Hambach,
Beckſtr. 12. Schuhmachergeſelle Friedrich Bitſch, Beſſun=
gerſtr
. 107, mit Anna Roßmann in Seeheim.
Geſtorbene. Am 2. April: Joh. Martin Rasp, S.
des Gasarbeiters, 11 Mte., ev., Aliceſtr. 1. Mechaniker
Philipp Hörr, 60 J., ev., Kirchſtr. 4. Aug. Kath. Wal=
ther
, T. des Tagl., 1 J., ev., Arheilgerſtr. 68. Bureaugehilfe
Georg Schuhmacher, 60 J., ev., Hölgesſtr. 10. Am 3.:
Eliſabethe Dorothee Mathilde Viél, geb. Laval, Witwe
des Kaufmanns, 81 J., ev., Karlſtr. 28½. Am 2.: Mag=
dalene
Pfeffer, geb. Schaub, Witwe des Küfermeiſters,
74 J., ev., Arheilgerſtr. 56. Kaufmann Friedr. Wilhelm
Peter Stößel, 19 J., ev,, Feldbergſtr. 78. Am 3.: Tag=
löhner
Johann Adam Kleinſchmidt, 38 J., ev., Hinkels=
gaſſe
24. Julie Sibylle Joſt, geb. Decker, Witwe des
Oberlandesgerichtsrats, 77 J., ev., Heinrichſtr. 90. Marie
Rapp, geb. Triefenbach, Witwe des Kammermuſikers,
77 J., ev., Hölgesſtr. 5.

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