Abonnementspreis
Inſerate
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnichtübernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 20 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Der Kaiſer iſt geſtern in Kuxhaven eingetroffen.
2
Heute findet die endgültige Wahl des
Reichs=
tagspräſidiums ſtatt.
Bei einer Exploſion in den Linoleum=Werken in
He=
germühle wurden 5 Arbeiter getötet.
Das Komitee der engliſchen Zechenbeſitzer
und der Exekutivausſchuß des
Berg=
arbeitarverbandes ſind am Mittwoch
nach=
mittag in geſonderten Beratungen zuſammengetreten.
Der Aviatiker Salmey hat die Luftlinie
London-Paris in 3 Stunden durchflogen.
Mittelſtandsfürſorge.
— Seit langen Jahren war das Amt eines
ſogenann=
ten Sprechminiſters mit dem des Staatsſekretärs des
Innern verbunden und zwar nicht zuletzt infolge der
Zu=
ſammenſetzung dieſes Reichsamtes, das die
verſchieden=
artigſten Zwecke umfaßt und demgemäß die größte
Aus=
dehnung auch bei der parlamentariſchen Vertretung
er=
fordert. Auch an Herrn Delbrück iſt dieſer Kelch nicht
vorübergegangen, er hat nicht nur zu einzelnen Fragen
Rede und Antwort geſtanden, ſondern in einer Scrie von
Reden zu den verſchiedenen Gebieten ſeinen Standpunkt
eingehend dargelegt. Eine derartige Verteilung iſt
durch=
aus zu begrüßen, denn ſie ſchafft größere Klarheit, als
wenn der Staatsſekretär die verſchiedenſten Gabiete bunt
durcheinander gemengt hätte.
Nachdem der Staatsſekretär ſich zuerſt über die
Sozial=
politik verbreitet und bei dieſer Gelegenheit die
bemer=
kenswerte Erklärung abgegeben hatte, daß er nicht daran
denke, ein Ausnahmegeſetz auf dem Gebiete des
Arbeits=
willigenſchutzes auszuarbeiten, gab er im weiteren
Ver=
lauf der Verhandlungen ein Expoſé über die
Wirtſchafts=
politik, um ſich dann in einer neuen Rede der in den
De=
batten zu ſeinem Etat mehr als eingehend behandelten
Mittelſtandsfrage zuzuwenden. Dieſe Rede an
ſich genommen, war eine tüchtige Leiſtung, ſie verriet
ſorgfältige Ausarbeitung und wies eine ſcharfe
Dispo=
ſition auf. Der Staatsſekretär ging dabei von dem
Ge=
danken aus, daß es keineswegs dem geſamten
Mittel=
ſtande ſchlecht gehe, daß ſich Zweige desſelben in
durch=
aus befriedigenden Verhältniſſen befänden, und daß die
Regierung hier gut vorgeſorgt habe. Dies gilt
insbeſon=
dere vom bäuerlichen Mittelſtand, der natürlicherweiſe
an der nicht zuletzt durch die Zollpolitik herbeigeführten
beſſeren Lage der Landwirtſchaft ſein Teil hat. Auch für
den ſogenannten „neuen Mittelſtand” ſei durch die
Pen=
ſionsverſicherung von ſeiten der Regierung geſorgt
wor=
den, wobei man nicht weiter gehen konnte, wenn nicht
die Laſten gar zu groß werden ſollten, zumal ſie ohnehin
ſchon von den Beteiligten als ziemlich drückend
empfun=
den werden. Schließlich kam dann der Miniſter zu dem
eigentlichen Mittelſtand, und hier ließ er ziemlich deutlich
durchblicken, daß in dieſer Hinſicht doch nicht ſo viel
ge=
ſchehen ſei, wie notwendig geweſen wäre; wieviel Schuld
hierbei die Regierung ſelber trägt, ließ er
begreiflicher=
weiſe ungeſagt. Auf allzuviel Staatshilfe haben die
Handwerker, die ja einen großen Teil des eigentlichen
Mittelſtandes ausmachen, vorausſichtlich nicht zu rechnen,
und Herr Delbrück wimmelte ſich die Sache gewiſſermaßen
ab, indem er darauf hinwies daß die Löſung dieſer Frage
vorwiegend Sache der einzelnen Staaten ſei und das
Reich nichts angehe. Er wies darauf hin, das Handwerk
ſolle ſich die Errungenſchaften der großen Betriebe zunutze
machen, als da ſind Kapital, Kredit und Motorbetrieb.
Das iſt alles ſehr gut geſagt, aber woher nehmen und
nicht ſtehlen? Wie ſoll ſich der kleine Handwerker all das
verſchaffen, wenn es ihm eben am nötigſten fehlt?
Ge=
rade auf dem Gebiete der Kreditbeſchaffung wird in
Hand=
werkerkreiſen viel geklagt, und die Preußiſche Zentral=
(Benoſſenſchaftskaſſe, die nicht zuletzt für dieſe Zwecke
ge=
ſchaffen worden iſt, hat oft genug verſagt, wenn es galt,
für die kleinen Handwerksgenoſſenſchaften Kapital zu
be=
ſchaffen. Was ſonſt der Staatsſekretär ankündigte, iſt
herzlich wenig; gegen die gerade in Handwerkskreiſen
geforderte Aufhebung des § 100g der Gewerbeordnung
hat er ſtarke Bedenken, nur auf dem Gebiete des
Sub=
miſſionsweſens will er inſofern Entgegenkommen zeigen,
als den Behörden empfohlen wird, ſich bei
Ausſchreibun=
gen des Rats der Handwerkerkreiſe zu bedienen, und
au=
ßerdem iſt eine Regelung des kleinen Gewerbeweſens
in Ausſicht genommen neben einer Reform des
Patent=
weſens, die für das Handwerk herzlich wenig beſagen
will. Es iſt kaum anzunehmen, daß eine ſich in dieſen
Grenzen bewegende Löſung die Handwerkskreiſe
befrie=
digt, und daß ſie vor allem im Mittelſtande wirklich
ge=
ſunde Verhältniſſe zu ſchaffen imſtande iſt.
Die Flottennovelle.
C Man ſchreibt uns aus Berlin: An zuſtändiger
Stelle werden die Angaben, die die Köln. Volksztg. über
den Hauptinhalt der Flottennovelle macht, als zutreffend
beſtätigt. Dieſe Angaben decken ſich im weſentlichen mit
den in den Grenzboten bereits vor vier Wochen
veröffent=
lichten, damals von uns ausführlich behandelten
Mittei=
lungen. Wenn die Köln. Volksztg. jetzt ſchreibt, daß die
Flottenvorlage gegenüber dem urſprünglichen Plan
weſentlich herabgeſetzt ſei, ſo dürfte ſich dieſe Angabe auf
das Tempo beziehen, in dem die erforderlichen Neubauten,
namentlich die drei Linienſchiffe, zur Durchführung
ge=
langen ſollen. Denn wahrſcheinlich wird nicht in jedem
Jahr eines dieſer Linienſchiffe auf Stapel gelegt werden,
ſondern das Bautempo wird etwas langſamer ſein. Von
militäriſch=techniſchem Standpunkte aus iſt
ſelbſtverſtänd=
lich der ſchnellſte Ausbau unſerer maritimen Streitkräfte
der wünſchenswerteſte. Ob der Verzicht auf den
ſchnell=
ſten Ausbau finanzielle Gründe hat oder mit den
deutſch=
engliſchen Verhandlungen im Zuſammenhange ſteht, bleibe
dahingeſtellt. Eine zweifelloſe Tatſache iſt es jedenfalls,
daß Staatsſekretär von Tirpitz in der jetzt vorliegenden
Flottennovelle das findet, was für die Verſtärkung
unſerer Flottenrüſtung zur Zeit notwendig iſt. Wenn die
vorliegende Flottennovelle dieſe notwendige Verſtärkung
nicht enthielte, würde ſie ſicherlich nicht die Unterſchrift
des Staatsſekretärs erhalten haben und von ihm nicht
verantwortet werden. Deshalb können ſich bei der
vor=
liegenden Flottennovelle auch die beruhigen, die den
ſchnellſten Ausbau unſerer Flotte lieber geſehen hätten.
Deutſches Reich.
— Zur Wahl des Reichstagspräſidiums.
dfe heute ſtaztfinden ſoll, bringt der Berliner
Lokal=
anzeiger nachſtehende, nicht ſehr glaubwürdig klingende
Mitteilung: Das Zentrum iſt bereit, als Entgelt dafür,
daß die Nationalliberalen ihre Stellung zur
Sozialdemo=
kratie in der Reichstagspräſidiumsfrage geändert haben,
dieſen den Präſidentenſitz zu überlaſſen. Wie weiter
ver=
lautet, würde Dr. Paaſche Reichstagspräſident werden.
Das Zentrum, das ſich mit dem erſten Vizepräſidenten
legnügen will, wird für dieſes Amt Dr. Spahn
präſen=
tieten, den zweiten Vizepräſidenten ſollen die
Konſer=
vativen in der Perſon des Herrn Dietrich ſtellen. Aber
es wird uch eine Kombination erwogen, welche die Linke
nicht völlig ausſchaltet und es würde dan Syndikus
Dowe ſeinen Poſten als zweiter Vizepräſident
behal=
ten, rorausgeſetzt, daß die mehr liaksſtehenden Parteien
an einem Präſidium teilnehem wollen, von dem die
Sozialdemokraten völlig ausgeſchloſſen ſind.
.Schiffsverlegung nach der
Nordſee=
ſtation. Ein Berliner Blatt ſchreibt ,daß die
Marine=
verwaltung beabſichtige, den Verband der
Aufklärungs=
ſchiffe der Hochſeeflotte, vier große und ſechs kleine
Kreu=
zer, vom 1. April ds. Js. ab von Kiel nach
Wilhelms=
haven zu verlegen und ſomit dauernd in der Nordſee zu
ſtationieren. An amtlicher Stelle wird dem W. T. B. auf
Anfrage hierzu mitgeteilt, daß dieſe Nachricht bezüglich
der Zahl der Schiffe unzutreffend und hinſichtlich des
Zeitpunktes einer eventuellen Verlegung einzelner
Schiffe verfrüht iſt. Wahr iſt nur, daß Erwägungen
an=
geſtellt, aber keineswegs abgeſchloſſen ſind, ob früher oder
ſpäter einige große Kreuzer zweckmäßig ſtatt in Kiel in
Wilhelmshaven zu ſtationieren ſein werden. Damit ent=
fallen auch alle ſonſtigen Kombinationen, die an die
Mel=
dung geknüpft worden ſind.
Die Rheinregulierung. In der
Zwei=
ten Kammer des elſaß=lothringiſchen Landtages
ver=
langte Abg. Peirotes Aufklärung von der Regierung über
eing Aeußerung des badiſchen Miniſters Frhrn. von
Bodman in der badiſchen Kammer, wonach bei der
Rhein=
regulierung eine Ueberſchreitung von 857000 Mark
vor=
gekommen ſei, die nach den Behauptungen der badiſchen
Techniker auf Nichteinhaltung des urſprünglichen
Be=
bauungsplanes zurückzuführen ſei und die Baden daher
nicht zu tragen habe. Staatsſekretär Zorn von Bulach
erwiderte, daß noch keine offizielle Mitteilung darüber
vorliege. Man müſſe daher von einer Beſprechung
ab=
ſehen. Jedenfalls werde die Regierung darauf beſtehen,
daß Baden 40 Prozent der Rheinregulierung
vertrags=
mäßig zahle. Man hoffe, daß ſich alles in Güte erledigen
baſſe.
— Kleinwohnungen für
Staatsarbei=
ter. In der Budgetkommiſſion des Reichstags wurden
vier Millionen Mark zur Herſtellung von
Kleinwohnun=
gen für Staatsarbeiter genehmigt. Staatsſekretär
Del=
brück erklärte, dieſe Summe werde nun alle Jahre
gefor=
dert werden.
Vom Hanſabund. Unter zahlreicher
Betei=
ligung fand in Berlin die Sitzung des Direktoriums
des Hanſabundes für Gewerbe, Handel und Induſtrie
un=
ter Vorſitz des Präſidenten des Hanſabundes Geheimrats
Prof. Dr. Rießer ſtatt. Er berichtete über die Erfolge des
Hanſabundes bei den Wahlen, worauf einige wichtige
Grundlinien der vom Hanſabund einzuſchlagenden
Wirt=
ſchaftspolitik feſtgeſtellt wurden. Darauf erſtattete der
Geſchäftsführer des Hanſabundes Aſſeſſor Dr. Kleefeld
dan Geſchäftsbericht. Zurzeit beträgt die Zahl der
Zweigvereine des Hanſabundes im ganzen 717 und hat
im Berichtsjahre um 63 zugenommen. 101 große
wirt=
ſchaftliche Verbände der Induſtrie, des Handels, des
Ge=
werbes und der Angeſtellten ſind im Berichtsjahre dem
Hanſabund neu beigetreten, ſodaß die Zahl der
ange=
ſchloſſenen Vereino jetzt 788 beträgt. Im Anſchluß daran
erſtattete Reichstagsabgeordneter Direktor Roland=Lücke
im Namen der Finanzkommiſſion den Finanzbericht, der
eine überaus befriedigende Entwickelung ergab. Das
Direktorium beſchäftigte ſich dann mit den ſchwebenden
wirtſchaftlichen und wirtſchaftspolitiſchen Fragen und
faßte u. a. auch Beſchluß über dan Termin der
demnäch=
ſtigen Einberufung des Geſamtausſchuſſes.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Im öſterreichiſchen Abgeordnetenhauſe
erklärte im Verlaufe der Verhandlung über die Anträge
des Teucrungsausſchuſſes gegen die Kartelle und gegen
die Kohlenteuerung der Handelsminiſter, es ſei das
ſchwierigſte Problem, die Kartellfrage vom Standpunkt
des Zolltarifs zu löſen. Er perſönlich glaube, daß die
öſterreichiſche Induſtrie nicht ſtark genug ſei, um
ſelbſtän=
dig, ohne internationale Vereinbarungen, eine Regelung
des Kartellweſens vorzunehmen. Der Miniſter verwies
auf die unparteiiſch durchgeführte Kartellenquete und
er=
klärte, es ſei nicht ausgeſchloſſen, daß die Regierung auf
Grund der Ergebniſſe der Enquete die Kartelle zur
De=
klaration anhalten werde, um eventuell gewiſſen
Be=
ſchlüſſen die Spitze abzubrechen. Was die Anträge des
Landesausſchuſſes betreffe, habe die Regierung gegen die
Annahme einer Reſolution, nach der ſie Studien wegen
einer eventuellen Monopoliſierung des Großhandels und
der Produktion von Eiſen, Zucker, Bier, Spiritus, Kohle,
Petroleum und anderen durch die Kartelle verteuerten
Waren vornehmen ſolle, nichts einzuwenden.
Die Kriſe in Ungarn. Der Peſter Lloyd
mel=
det: Der ungariſche Miniſterpräſident beabſichtigte in
einer Audienz am Donnerstag die Demiſſion des
Kabi=
netts zu überreichen, falls es ihm nicht gelingen ſollte,
mit ſeinem Standpunkt in der Frage der Einberufung
der Reſexviſten durchzudringen. Vorausſichtlich wird der
König nicht ſofort ſeine Entſcheidung treffen, ſondern das
Kabinett mit der Fortführung der Geſchäfte betrauen.
Im Reichstag wird die Entlaſſung heute Freitag
ange=
meldet werden, worauf ſich das Abgeordnetenhaus bis
zur Beendigung der Kriſe vertagen wird. Nach
allge=
meiner Annahme wird die Kriſe einen ſchleppenden und
langwierigen Verlauf nehmen.
Italien.
Die Finanzlage des Staates. In der
Kam=
mer wurde das Budget für 1911/12 beraten. Der
Finanz=
miniſter drückte ſeine Freude aus, daß die Autorität der
Budgetkommiſſion vor der Kammer beſtätigt habe, daß die
Finanzlage immer noch ſehr beruhigend ſei. Dies
ſchließe die Pflicht der Regierung und des Parlaments
nicht aus, in den Ausgaben Maß zu halten. Jedenfalls
ſei es erfreulich, daß auch während der fünf
Kriegs=
monate die Einnahmen eine fortgeſetzte, bemerkenswerte
Erhöhung erfahren, ſodaß das laufende Budgetjahr die
Kriegsausgaben etwa zur Hälfte ohne Defizit decken
könne. Auch die Ausſichten für das kommende Etatsjahr
ſeien ſehr ermutigend, umſomehr, als die hohen
Aus=
gaben wegen der Erdbebenſchäden in Sizilien und
Kala=
brien wegfielen. Der Krieg werde den Gang der
Re=
formen und die Verausgabung der vom Parlament
be=
willigten Mittel niche unterbrechen: Für den
Volks=
unterricht und die öffentlichen Arbeiten würden die dafür
vorgeſehenen Kredite zur Verfügung bleiben. Die Lage
des Staatsſchatzes ſei trotz der ſchweren Inanſpruchnahme
vollkommen befriedigend und werde es auch ſerner ſein.
Die italieniſche Finanzlage ſei ſo kräftig, daß ſie ohne
Anleihen und ohne Steuer die Laſt des großen
Unter=
nehmens tragen könne, welches die Eintracht der
Regie=
rung und des Parlaments in einer bewundernswerten
„Weiſe zeige. (Beifall und Beglückwünſchungen.)
Frankreich.
Die franzöſiſch=ſpaniſchen
Verhand=
lungen. Der zum Quai d’Orſay in Beziehungen
ſtehende Petit Pariſien ſchreibt über den gegenwärtigen
Stand der franzöſiſch=ſpaniſchen Verhandlungen: Man
glaubt, daß die Richtung der Beſprechungen eine
Abän=
derung wird erfahren müſſen, falls wir vor Ablauf dieſer
Woche keine beſtimmten Zugeſtändniſſe erhakten. Der
Ge=
ſandte Regnault wird baldigſt von Tanger nach Fez
abreiſen, und wir werden nicht länger die Maßnahmen
aufſchieben können, die das Inkrafttreten des Protektorats
in unſerer Zone erfordert. Es wäre wünſchenswert, daß
die Spanier die Stimmung der politiſchen Kreiſe
Frank=
reichs begriffen, und ihre Varſchleppungsmethode
auf=
gäben, die für ſie und für uns unnütz iſt.
Beſuch des Königs der Belgier. Einer
anſcheinend offiziöſen Meldung zufolge wird ſich der
König der Belgier am 17. März auf ſeiner Rückreiſe von
der Riviera in Paris aufhalten und wahrſcheinlich mit
dem Präſidenten Falliéres bei dieſer Gelegenheit eine
Zuſammenkunft haben, bei der hauptſächlich verſchiedene
Kolonialfragen erörtert werden dürften.
England.
Die Fertigſtellung der Schlachtſchiffe.
Im Unterhauſe fragte Bourgoyne, ob die Arbeiterſtreiks
die Fertigſtellung der im Bau befindlichen Schlachtſchiffe
hinausſchieben könnten. Churchill erwiderte, er fürchte,
daß der Bau aller Schiffe verzögert werde, wenn die
Ar=
beiterausſtände andauerten.
Bulgarien.
Einführung der Proportionalwahlen.
Die Sobranje hat den Geſetzentwurf betreffend die
Ein=
führung des Proportionalwahlſyſtems für die Sobranje
angenommen.
Amerika.
Die Unruhen in Mexiko. Dem Chef des
Ge=
neralſtabs der Vereinigten Staaten Generalmajor Wood
ſind vollſtändige Pläne zur Mobiliſierung von 100000
Mann amerikaniſcher Truppen an der mexikaniſchen
Granze unterbreitet worden. Eine täglich ſich mehrende
Anzahl Amerikaner, beſonders Frauen und Kinder,
ver=
läßt Mexiko.
*
* Kuxhaven, 6. März. Die „Deutſchland‟
iſt mit dem Kaiſer an Bord um 4,30 Uhr von
Kux=
haven eingetroffen und bei Altenbruch vor Anker
gegan=
gen. Kuxhaven iſt reich geſchmückt. Das Wetter iſt
beſſer.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 8. März.
* Erlaubnis zur Annahme von Orden. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben dem Revier=
Polizei=
kommiſſär Heinrich Lindemann zu Darmſtadt die
Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von
Sr. Maj. dem Kaiſer von Rußland verliehenen St.
Stanislaus=Ordens 3. Klaſſe erteilt.
Das Großh. Regierungsblatt Nr. 6 enthält;
1. Geſetz, die Aenderung des Geſetzes über das
Be=
ſteuerungsrecht der Kirchen und Religionsgemeinſchaften
vom 25. April 1875 und 30. März 1901 betreffend. 2.
Be=
kanntmachung, die Familienſtiftung der Freiherren
Riedeſel zu Eiſenbach in Lauterbach betreffend. 3.
Be=
kanntmachung, die Ausführung des Reichsſtempelgeſetzes
vom 15. Juli 1909, insbeſondere die Befugniſſe zur
Ab=
gabeerhebung betreffend. 4. Bekanntmachung, die
Reichs=
ſtempelprüfung betreffend.
-g. Schwurgericht. Das Schwurgericht verhandelte
geſtern gegen den 30 Jahre alten, unverheirateten
Schuh=
macher Philipp Heinrich Selzer aus Hirſchhorn wegen
einer am 13. Januar verübten Körperverletzung mit
töt=
ichem Erfolg. Vertreter der Anklage iſt Staatsanwalt
Dr. Fuchs, Verteidiger des Angeklagten Rechtsanwalt
Dr. Bopp. Der Angeklagte ſelbſt gab eine eingehende
Schilderung der der Tat voraufgegangenen Vorgänge. Er
war am 12. Januar vormittags wählen geweſen und hatte
dann verſchiedene Wirtſchaften beſucht. Abends war er
dann im „Fürſtenauer Hof”bei der Vorſtandswahl des
Beſangsoereins „Sängerbund”. Bei der Wahl wurden
auch zwei Stimmzettel für Selzer abgegeben, auf einem
war hinzugeſetzt „Schlappenflicker”, was allgemeine
Hei=
eckeit hervorrief und den Selzer in ſtarke Erregung
ver=
etzte. Bei der Vorſtandswahl gab es Freibier und
Sel=
er hat dem nicht wenig zugeſprochen. Er begab ſich dann
nach der „Krone” wo er mit den Brüdern Ludwig und
Hermann Grimm zuſammentraf. Selzer hatte dem
älteren der Brüder Hermann Grimm eine kleinere Summe
geſchuldet und war deshalb auch verklagt worden. Hier
ge=
rieten beide nun in Wortwechſel, in deſſen Verlauf S.
dem Ludwig Grimm eine Ohrfeige verſetzte. S. ging
dann nach Hauſe und als er mit einem Nachbar noch vor
ſeiner Haustür ſtand, kamen die beiden Grimms daher.
s kam wieder zum Wortwechſel und diesmal bekam S.
von Ludwig Grimm einen Schlag. Er ging darauf in
ſeine Werkſtätte und nahm ein Schuſtermeſſer zur Hand.
Als die beiden Grimms das Meſſer ſahen, gingen ſie auf
S. los um es ihm abzunehmen. S. ſtach zu und traf den
Hermann G. in die Bruſt. Der 15 Zentimeter tiefe Stich
durchbohrte die Lunge, welcher Verwundung er in der
acht zum 15. Januar erlegen iſt. S. ging nach dem
ver=
übten Stich ruhig in ſein Haus und legte ſich ſchlafen.
In der geſtrigen Verhandlung zeigte ſich der Angeklagte
äußerſt niedergeſchlagen. Er hat ſich am 1. Februar 1910
in Hirſchhorn nach längerer Wanderſchaft ſelbſtändig
ge=
macht und hat nach ſeiner Ausſage viel unter den
Necke=
reien der jungen Burſchen zu leiden gehabt. Er ſei auch
einmal angefallen worden. Er hätte die Brüder Grimm
ſchon lange im Verdacht gehabt, daß ſie ihm wiederholt
das Schlüſſelloch verſtopft und Fenſterſcheiben
einge=
ſchlagen hätten. Er wäre am Tage der Tat durch den
Alkoholgenuß ſehr erregt geweſen, auch hätte er gedacht.
ein ſtumpfes Meſſer in der Hand gehabt zu haben. ſonſt
hätte er nicht geſtochen. Daß er davon überzeugt war,
nit dem Stoß keinen größeren Schaden angerichtet zu
haben, gehe daraus hervor, daß er ruhig ſchlafen gegangen
ſei. — Die Geſchworenen erkannten den Angeklagten
ſchuldig der Körperverletzung mit tödlichem Erfolg unter
Zubilligung mildernder Umſtände. Das Gericht verurteilte
ihn daraufhin zu 2 Jahren Gefängnis, abzüglich
7 Wochen der Unterſuchungshaft.
Das Standesgericht der Rechtsanwälte hat den
Rechtsanwalt Sieger hier im Disziplinarwege zu 500 Mark
Geldſtrafe und einem Verweis verurteilt. S. hat
nun=
mehr der Behörde angezeigt, daß er die Anwaltſchaft
aufgebe.
— Die Sitzung des Landesausſchuſſes der
Nationalliberalen Partei in Heſſen iſt nunmehr auf
den 31. d. Mts. beſtimmt. Der Tag wurde mit Rückſicht
arauf gewählt, daß am 24. März die Sitzung des
Zentralvorſtandes der geſamten Nationalliberalen Partei
in Berlin ſtattfindet und man es für richtig hält, deſſen
Beſchlüſſe abzuwarten.
X Reifeprüfung. An der Liebigs=
Oberreal=
ſchule fand vorgeſtern die Reifeprüfung ſtatt, die
ſämliche 15 Prüflinge beſtanden.
— Verband evangeliſch=kirchlicher Frauenvereine
im Großherzogtum Heſſen. Nächſten Donnerstag, den
14. März, nachmittags 3½ Uhr, wird Herr Geh.
Regierungsrat Dr. Dietz im Gemeindehauſe, Kiesſtr. 17,
einen Vortrag halten über die
Reichsverſicherungs=
ordnung. Bei der außerordentlichen Kenntnis und
der reichen Erfahrung, die dem hochgeſchätzten Redner in
der ſozialen Geſetzgebung zu Gebote ſtehen, dürfte der
Vortrag äußerſt belehrend und intereſſant werden. Der
Beſuch ſei deshalb allen, die ſich auf dieſem Gebiete
orientieren wollen, aufs wärmſte empfohlen.
Vortrag. Der Vortrag der Abteilung Darmſtadt
der Deutſchen Kolonialgeſellſchaft, auf den
man nochmals hiermit aufmerkſam macht, findet morgen
abend, nicht — wie dieſelben ſonſt in der Regel — im
Hotel Traube, ſondern im großen Hörſaal des
phyſika=
liſchen Inſtituts der Techniſchen Hochſchule ſtatt.
— Die muſikaliſchen Vorträge, die am 28 Februar
im Saale des Muſikvereins von Frl. A. Rau und Frl.
C. Hofmann zu Gunſten der Hifskaſſe der
Muſikgruppe veranſtaltet worden ſind, hatten neben
dem ſchönen künſtleriſchen Erfolg auch einen guten
pekuniären zu verzeichnen. Der Hilfskaſſe konnten nach
Abzug der Koſten 110 Mk. zugeführt werden.
* Rndolf Presber lieſt, wie im heutigen
Anzeigen=
teil bekannt gegeben wird, Freitag, den 15. März, in
der „Freien literariſch=künſtleriſchen Geſellſchaft (
Mathil=
denhöhſaal) eigene Dichtungen. Die Nachricht
dürfte von allen, denen der köſtliche Humor Presbers
im Laufe der Jahre lieb und wert geworden iſt, mit
lebhafter Freude begrüßt werden. Sie iſt um ſo höher
zu bewerten, als Presber ſeine Muſe an dieſem Abend
vollſtändig in den Dienſt der Wohltätigkeit geſtellt hat.
Das Erträgnis des Abends iſt dem Großherzog zu
mildtätigen Zwecken zur Verfügung geſtellt worden;
dieſer hat beſtimmt, daß es dem Unterſtützungsfonds
der Großherzogin für arme Lungenkranke des Landes
zufließe
— Reichsbankſtelle Darmſtadt. Laut dem ſoeben
erſchienenen Verwaltungsbericht der Reichsbank für
das Jahr 1911 betrug der Geſchäftsumſatz der hieſigen
Reichsbankſtelle im Giro= und Anweiſungsverkehr
713260900 Mk., im Wechſelverkehr 74616900 Mk., im=
Lombardverkehr 15 599 900 Mk., zuſammen 803 477700 Mk.
gegen 716506 300 Mk. im Jahre 1910.
— Ueber „Elektriſche Kraftzentralen” ſpricht am
Freitag, den 15. März, im Ortsgewerbeverein
Herr Diplom=Ingenieur Ritzert. Im Anſchluß an
dieſen Vortrag wird der Gewerbeverein ſeine diesjährige
ordentliche Generalverſammlung abhalten.
* Beſitzwechſel. Das Reſidenzcafé iſt durch
Kauf in den Beſitz des Herrn Miller aus Wien
über=
gegangen und findet die Eröffnung nach vollſtändiger
Renovierung unter dem Namen Wiener Café
„Imperial” am Samstag, den 9. März um 9 Uhr
abends ſtatt. Das Wiener Café „Imperial” iſt Tag
und Nacht geöffnet und beabſichtigt der neue Beſitzer,
dasſelbe in vornehmem Stile zu führen.
§ Naturalverpflegungsſtation. Während des
Monats Februar wurde die Hilfe der hieſigen
Naturalverpflegungsſtation von 465 mittelloſen
Durch=
reiſenden in Anſpruch genommen und ſind hierdurch
442 Mk. Verpflegungskoſten entſtanden. Im
vorher=
gehenden Monat Januar ſind 557 (92 mehr) Perſonen
unterſtützt worden, welche einen Koſtenaufwand von
529 Mk. (87 Mk. mehr) verurſachten.
§ Aus dem Arbeitshans Dieburg ſind während
des Monats Januar 14 Perſonen, welche daſelbſt
kor=
rektionelle Nachhaft verbüßten, entlaſſen worden.
Die längſte Dauer der Nachhaft betrug bei drei Perſonen
je 730 Tage und die kürzeſte Dauer der Nachhaft bei
einer Perſon 19 Tage.
§ Feſtgenommen. Am Mittwoch wurde hier ein
Hausburſche aus Karlsruhe wegen Fahrraddieb= und ein Taglöhner von hier wegen
Hunde=
diebſtahl feſtgenommen.
§ Von Krämpfen befallen. Am Mittwoch
vor=
mittag gegen 11 Uhr wurde in der Steinſtraße eine
Frau von Krämpfen befallen. Sie wurde durch die
Sanitätswache mittelſt Krankenautomobils nach ihrer
Wohnung gebracht.
§ Hundefang. Während des Monats Februar
ſind durch den hieſigen Polizei=Hundeaufſeher 33 Hunde
eingefangen worden. Von dieſen wurden 22 Hunde
von ihren Eigentümern wieder ausgelöſt, 6 Hunde ſind
verkauft worden, 4 Hunde mußten getötet werden und
1 Hund iſt im Stall tot aufgefunden worden.
§ Feuer. Geſtern nacht kurz nach 12 Uhr wurde
der Feuerwehrwache die Meldung „Feuer im
Kom=
mandanturgebäude auf dem
Truppenübungs=
platz bei Griesheim” gegeben. Eine Abteilung
der Feuerwehr rückte alsbald ab und beteiligte ſich an
den Löſcharbeiten, ſo daß das Feuer auf ſeinen
Herd=
beſchränkt wurde. Ein Teil des Dachſtuhls des
Kom=
mandanturgebäudes iſt zerſtört. Die Feuerwehr von
Griesheim, welche auch zur Hilfeleiſtung an der
Brand=
ſtätte erſchienen war, übernahm die Feuerwache und
Räumungsarbeiten, wörauf die hieſige Feuerwehr
ab=
rückte und um 3 Uhr wieder hier eintraf.
— Griesheim, 7. März. Unter den hier in letzter Zeit
ausgeführten Diebſtählen kamen auch
Taubendieb=
ſtähle vor, und hat die Polizei als Täter zwei
dreizehn=
jährige Jungen ausfindig gemacht, die einer
Beſſerungs=
anſtalt zugeführt werden.
Hofheim, 6. März. In der Nacht auf Montag wurden
auf der Chauſſee von Hofheim nach Bobſtadt von ruchloſer
Hand an der hübſch gepflanzten Obſtanlage mehrere
junge Bäumchen abgeſchnitten, ſowie an
grö=
ßeren Bäumen unzählige Aeſte gewaltſam heruntergeriſe
ſen. Mit Hilfe der Gendarmerie aus Bürſtadt war man
den Tätern gleich auf der Spur, und es wurden 4
jugend=
liche Burſchen, zwei aus Bobſtadt und 2 aus Bürſtadt,
als Täter in einer hieſigen Wirtſchaft ermittelt und ſofort
ins Amtsgerichtsgefängnis nach Lorſch gebracht.
Bechtheim, 5. März. Ein teures Vergnügen
leiſtete ſich in betrunkenem Zuſtande ein Arbeiter. Auf
dem Wege von Bechtheim nach dem Tonwerk brach er
etwa 15 junge Bäumchen ab. Heute erſchien er bei
den Beſitzern, und bat, man möge ihn nicht anzeigen, er
wolle den Schaden erſetzen. Die Reue kam jedoch zu ſpätz
denn Strafantrag iſt bereits geſtellt.
China ohne Zopf.
** China ohne Zopf iſt ein ſeltſamer Anblick und eine
ſchwere Enttäuſchung, ſo meint der bekannte engliſche
Journaliſt William Maxwell, der in einem amüſanten
Brief aus Nanking die neue Republik aus der „
Zopfper=
ſpektive” betrachtet. Der Chineſe, der ſeine alte maleriſche
Tracht ablegt, ſich eine jetzt ſehr moderne Tuchmütze
auf=
ſetzt und mit freiem Nacken, ohne das würdig baumelnde
Anhängſel von früher, daherſchreitet, wirkt einfach häßlich
und macht einen unwürdigen Eindruck. Der ſtärkſte
ſicht=
bare Ausdruck, den die revolutionäre Bewegung im Süden
gefunden hat, offenbart ſich in der überraſchenden Schnelle
und Leichtigkeit, mit der die Söhne des himmliſchen
Reiches das Jahrhunderte lang verehrte Zeichen ihrer
Würde und ihrer Raſſe von ſich tun. Während der Zopf
bis vor kurzem als das Ehrenzeichen der Chineſen galt,
als Ausdruck ſeiner bürgerlichen Rechte, ſo dünkt er ihm
heute als Schandmal der Sklaverei. Dieſer Schmuck, der
den Himmelsſohn von dem Barbaren aus Europa und
Amerika unterſchied, der denjenigen, der ihn abſchnitt, aller
Gnade und Gunſt der Ahnen beraubte und ihn
geſellſchaft=
lich tot machte darf ſich heute in den Straßen von Kanton,
Shanghai, Nanking und vielen anderen Städten nicht mehr
ſehen laſſen. Wer ſich mit ihm hervorwagte, der würde als
ein Feind der neuen Regierung erſcheinen; ſchneller und
gewalttätiger, als ihm lieb wäre, würde die Haarzier von
ſchnellen Scheren abgeſchnitten werden.
Gelehrte Leute wollen es den konſervativen Chineſen
leicht machen, ſich von dem Ehrenzeichen ibrer Väter zu
trennen. In den Zeitungen kann man leſen, daß kein
Chineſe, der etwas auf ſich hielt, einen Zopf getragen
habe, bevor vor dreihundert Jahren die Mandſchudynaſtie
ans Ruder kam. Wie an allem Altem und ſinnlos
Erſchei=
nendem ſollen alſo auch die Mandſchus am Zopf ſchuld
ſein. Noch unter der Herrſchaft der Mings hat man den
würdigen „Haarknoten” das auf dem Wirbel
zuſammen=
genommene Haar, getragen und dann erſt kam die Sitte,
die Locken aus der Stirn fortzuſcheren und die Haare im
Zopf zuſammenzupreſſen. In Kanton und Shanghai ſieht
man heute keinen Zopf mehr. Jeder Mann und jeder Knabe
erſcheint mit kurzgeſchnittenem Haar, und es gab eine
Zeitlang aufgeregte Szenen, wenn alte Herren, die ſich von
der geliebten Erinnerung ihrer Jugend= und Mannesjahre
nicht trennen konnten, das Opfer jener zahlreichen Scharen
von Amateurfriſeuren wurden, die ſich mit großen
Scheren ausgerüſtet hatten und, begierig nach Beute
ſpähend, die Gaſſen entlang zogen. Hatte man einen Zopf
aufgeſtöbert, dann gellten ſchrille Pfiffe, von allen Seiten
ſtürmten die Scherenträger herbei und ritzratz — war die
nun ſo verachtete Manneszierde gefallen. Freilich läßt ſich
auch ein Zopf wieder erſetzen, und vielleicht werden die
jetzt ſo wild gewordenen verfolgten Dokumente früheren
Barbarei gar bald wieder die Köpfe ſchmücken. Kam es
doch auch ſchon früher, in vorrevolutionären Tagen, nicht
ſelten vor, daß jemand ſich den Zopf abſchnitt und doch in
der Oeffentlichkeit und bei ſeierlichen Gelegenheiten mit ihm
erſchien, indem er ſich ihn einfach unter dem Hut feſtſteckte.
Jedenfalls iſt die Hauſſe im Perrückengeſchäft, die man
er=
wartet hatte, ausgeblieben. Wie billig hätte wohl das
Haar auf dem internationalen Haarmarkt werden müſſen,
wenn die praktiſchen und ökonomiſchen Chineſen zu
Mil=
lionen die abgeſchnittenen Zöpfe veräußert hätten! Nichts
davon iſt erfolgt. Die vorſichtigen Himmelsſöhne heben
ſich die abgeſchnittenen Zöpfe ſorgfältig auf, denn man
kann nie wiſſen: vielleicht iſt die republikaniſche, die
zopf=
loſe Zeit raſch vorbei, und iſt die alte Regierung erſt
wieder da, dann müſſen auch die Zöpfe wieder hervor, und
dann möchte man nicht gern in Verlegenheit ſein.
Vor=
läufig kann ein philoſophiſcher Betrachter aber den
Grad=
der revolutionären Geſinnung aus der Länge des Haars
bei den Chineſen ableſen. In den Hafenſtädten, in den
wichtigſten Zentren der Revolution und der Republik iſt
alles ganz kurz geſchnitten; doch kann man in Nanking
ſchon eine gewiſſe Scheu vor dem Friſeur beobachten; zwar
ſind die Zöpfe verſchwunden, aber hunderte von Leuten
laſſen die Haare immer länger wachſen und erſcheinen in
gerade nicht ſehr ſauberen und ordentlichen Friſuren. Je
weiter man aber nach Norden kommt, deſto länger werden
die Haare der Bevölkerung.
Immerhin iſt das Schwinden des Zopfes wohl das
wichtigſte Merkmal für den Sieg des revolutionären
Ge=
dankens. Es iſt die einzige Art, auf die der chineſiſche
Bauer einen Begriff vom Fortſchritt erhäll, denn es iſt
für ihn, der von den politiſchen Vorgängen keine Ahnung
hat, etwas Großes, wenn er ſich von ſeinem Zopf trennt;
er merkt daran, daß es doch eine Veränderung gibt in
der Welt und er ſieht die uralte Prophezeiung beſtätigt,
nach der keine Dynaſtie in China länger regieren ſoll, als
dreihundert Jahre.
Gießen, 6. März Geſtern abend gegen 10 Uhr geriet
ein angetrunkener Arbeiter in ſeiner Wohnung
mit ſeiner Frau in Streit und die Schutzmannſchaft mußte
Frieden ſtiften. Nachdem die Ruhe hergeſtellt war, brachte
ſich der Mann mit einem Brotmeſſer drei Schnitte in
den Unterarm bei in der Abſicht, ſich die Pulsadern
zu öffnen. Auch hierbei mußten Schutzleute einſchreiten.
Sie brachten den Verletzten zur Wache und legten einen
Notverband an.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 6. März. Dem Bau des
neuen Opernhauſes ſoll der Entwurf des
Regie=
rungsbaumeiſters Hans Grube zu Grunde gelegt werden.
— Durch den Verkauf der Wuhlheide für den Preis
von 27½ Millionen Mark an die Stadt Berlin iſt
auch die Königl. Oberförſterei Köpenick aufgchoben
wor=
den. Sämtliche Geſchäftsſtellen dieſer Oberförſterei,
ſo=
wie auch des Amts= und Gutsvorſtandes Köpenick=Forſt
ſind mit dem heutigen Tage nach Friedrichshagen
ver=
legt, wo die Stadt Berlin nach den Plänen des Geh.
Bau=
cats Hoffmann im Stile des vorigen
Jahr=
hunderts vertragsmäßig eing neue Oberförſterei errichten
ließ. — Die Schiffbarmachung der Löcknit
iſt in Ausſicht genommen. Dadurch wird wiederum eine
idylliſch gelegene herrliche Naturpartie zerſtört. Die
Löck=
nitz windet ſich bekanntlich durch ein ſpreewaldartiges
Wald= und Wieſengebiet und mündet in den Flakenſee bei
Erkner. Das kleine Flüßchen iſt im Sommer von Motor=
und Sportbooten belebt und war in früheren Jahren eine
unerſchöpfliche Fundgrube für Krebſe. In nicht allzu
fer=
nier Zeit wird die idylliſche Ruhe an der Löcknitz dahin
ſein als Opfer der auch in weiteren Umgebung Berlins
fortſchreitenden Induſtrialiſierung. Die Königl.
Regie=
rung beabſichtigt, durch den Wupatz= und Heidereuterſee
nach dem Werlſee zu einen Kanal anzulegen, wodurch für
die Laſtkähne eine neue Waſſerſtraße geſchaffen wird. Der
alte Lauf der Löcknitz ſoll weiter dem Bootsverkehr
über=
laſſen bleiben.
Karlsruhe, 7. März. Der vor zwei Jahren während
ines Hofballes am Herzſchlag geſtorbene
Oberſchloßhaupt=
mann von Offenſandt=Berkholtz hat dem hieſigen
Diakoniſ=
ſenhaus den Betrag von 700000 Mark vermacht zur
Er=
tichtung eines Heims für bedürftige und
gebrechliche Frauen und Jungfrauen
evange=
läſcher Konfeſſion, das am 1. Oktober mit 40 Plätzen
er=
ffnet werden wird.
Düſſeldorf, 7. März. Dem erſten Vorſitzenden des
Niederrheiniſchen Vereins für Luftſchiffahrt, Major von
Aberkron, in Mülheim am Rhein, iſt, wie der
Düſſel=
vorfer Generalanzeiger erfährt, von der philoſophiſchen
Fakultät der Univerſität Marburg der Titel eines
Ehrendoktors verliehen worden, in Anerkennung
ſeiner Verdienſte um die wiſſenſchaftliche Ausnutzung der
Freiballonfahrten und um die Unterſuchung der Bildung
von Schneekriſtallen in den Wolken.
Leipzig, 6. März. Von dem Verein der Fortſchritt=
Echen Volkspartei für Leipzig und Umgebung war der
frühere Pfarrer Jatho für einen Vortrag über
geſchicht=
liche und perſönliche Religion geladen worden. Zu dieſer
Verſammlung hatten außer den Mitgliedern auch
einge=
ndene Gäſte Zutritt erhalten. Das Polizeiamt hat jedoch,
in der Annahme, daß dieſe Verſammlung den Charakter
äner öffentlichen trage, den Vortrag unterſagt.
H. Leipzig, 6. März. Die hieſige
Kriminalpoli=
ei verhaftete vor einigen Wochen ein Pärchen, das
ſch kurz vorher in Dresden aufgehalten und dort aus
tüner Penſion einen wertvollen Mantel hatte mitgehen
heißen, was die Veranlaſſung zu einer Verfolgung gab.
Die angeſtellten Ermittelungen haben nun ergeben, daß
tie Polizei einen guten Fang getan hat, denn bei den
Ver=
bafteten handelte es ſich um ein internationales
ſoochſtaplerpaar, das ſich Baron Freiherr von
GByllenhammer=Klebba und Saſcha v. Rakowsky nannte
und ſeit Jahren die größten Städte Europas unſicher
machte. Natürlich fließt kein blaues Blut in den Adern
der Beiden, ſondern in Wirklichkeit iſt der Mann der etwa
2 Jahre alte Handelsmann Bruno Klebba und ſeine
Be=
klleiterin die unter Sittenkontrolle ſtehende Anna Koritzky
aus Berlin. Seinen Hauptſitz hatte Klebba in Berlin,
von wo aus er ſeine Geſchäftsreiſen unternahm, die ihn
mit ſeiner Gefährtin u. a. nach Frankfurt (Oder),
Dres=
den, Leipzig, Halle, Chemnitz, Karlsbad. Frankfurt a. M.
und München führten. Neben der Hochſtapelei verſchaffte
ſich das Paar ſeinen Unterhalt durch Warenhausdiebſtähle
in großem Stil, wobei ſie es beſonders auf Goldwaren
und Pelzſachen abgeſehen hatten. Namentlich konnten ſie
nicht an Pleureuſen vorübergehen, ohne ſie ſich
anzueig=
nen, wenn die Gelegenheit günſtig war. Ja, ſie ſcheuten
auch nicht vor dem Einbruch zurück, um ſich die Mittel
zu ihrem Unterhalt zu verſchaffen, der bsi ihrem
hoch=
tönenden Namen naturlich nicht unbedeutende Summen
verſchlang. Schmierſeife und Pappen mußten in Funktion
treten, ja, ſie zogen auch Handſchuhe bei ihrer
nächt=
lichen Tätigkeit an, um nicht Fingerabdrücke zu
hinter=
laſſen, die ſpäter zu ihrer Entdeckung führten könnten.
Ge=
genwärtig ſind in Berlin und Leipzig die
Polizeibehör=
den mit den näheren Feſtſtellungen über die verſchiedenen
Gaſtſpielreiſen des Hochſtaplerpaares beſchäftigt.
Stettin, 5. März. Wie ſich herausgeſtellt hat, iſt bei
dem Unfall im Freihafen, wobei 16 Arbeiter durch
Umkippen des Steges ins Waſſer ſtürzten, niemand
ertrunken. Auch die Verletzungen ſind nicht ſchwer.
Eberswalde, 7. März. In den Linoleum=Werken
Rix=
dorf=Eberswalde in Hegermühle hat ſich ein
ſchwe=
rer Unglücksfall zugetragen. Beim Probieren
ei=
ner neuen Miſchung fing der Oelkeſſel Feuer und kam
durch Windzug zur Exploſion. Fünf Arbeiter wurden
getötet, 5 ſchwer und eine Anzahl leicht verletzt.
Wien, 6. März. Im dritten Bezirke wurden infolge
eines Gerüſteinſturzes zwei Arbeiter getötet und
ſieben verletzt, davon zwei ſchwer.
Fiume, 7. März. In dem zur Zeit hier gaſtierenden
Zirkus Sidoli trat auch das deutſche Artiſtenpaar
Franz Kann und Joſephine Krammer mit Produktionen
am Trapez auf. Die Schweſter der Joſephine Krammer,
die ſich in Kann verliebt hatte und auf ihre Schweſter
eiferſüchtig war, löſte ein Seil, wodurch das
Künſtler=
paar in die Tiefe ſtürzte und den Tod fand. Die
Tä=
terin wurde verhaftet.
Paris, 7. März.: Geſtern abend fielen auf dem
Boule=
vard St. Martin ausſtändige Chauffeure einen
von einem Munizipalgardiſten beſchützten Arbeitswilligen
an und warfen ihn mit Steinen und Eiſenſtücken Als
Schutzleute dem Bedrohten zu Hilfe eilten, feuerte ein
Streikender einen Revolverſchuß auf ſie ab. Die
Volksmenge, die ſich ſofort angeſammelt hatte, fiel mit
großer Erbitterung über den Angreifer her und richtete
hn übel zu. Der Mann wurde verhaftet. Der Ausſtand
er Kraftdroſchkenlenker dauert nunmehr ſchon hundert
Tage. Nach Mitteilung des Streikausſchuſſes haben die
6000 Ausſtändigen 1 Million Franken an Unterſtützung
rhalten. Der Verdienſtausfall der Streikenden wird auf
6 Millionen Franken veranſchlagt.
London, 6. März. Die Anhängerinnen des
Frauenſtimmrechts, Lawrence, Pankhurſt und Tuke,
ſowie der Gatte der Erſtgenannten, wurden wegen
Kom=
plottes dem Polizeirichter von Bowſtreet vorgeführt. Nach
der Vernehmung wurden ſie in die Unterſuchungshaft
zurückgeführt. Eine Bürgſchaftsſtellung wurde abgelehnt.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchiehr, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
— Großh. Hoftheater. Am heutigen
Theater=
abend wird unter der Spielleitung von Oberregiſſeur
Valdek Ibſens „Baumeiſter Solneß” erſtmalig
iber unſere Bühne gehen. Es iſt daher nicht unintereſſant
zu hören, wie Ibſen ſelber über dieſe Dichtung dachte.
Er fand es, als das Stück ſeinerzeit erſchien, äußerſt
ſon=
derbar, daß man ſo viel Tiefſinniges und Symboliſches
darin ſuchte. =„Ich ſchreibe nichts Symboliſches, ich
ſchil=
dere nur Seelenleben, das ich kenne, ſchreibe Pſychologie,
wenn man es ſo nennen will.‟ Er fährt dann fort, auf
die Perſonen des Stückes näher eingehend: „Solneß und
ſeine Frau ſind brave Leute, die aber nicht zueinander
paſſen. Sie halten einander nieder, ſie verkrüppeln
ein=
ander. Die ſchlechten Eigenſchaften entwickeln ſich, allerlei
Grübeleien werden geboren. Auf der anderen Seite
Hilde und Solneß. Sie ſind durchaus nicht als
außerge=
wöhnliche Menſchen geſchildert, ſie fühlen ſich nur geiſtig
verwandt und ſtark zueinander hingezogen; ſie fühlen,
daß ſie zueinander paſſen und in der Vereinigung ihre
Verhältniſſe ſteigern; an Lebenswerten gewinnen
wür=
den. Da bauen ſie Luftſchlöſſer und leben ſo ihr
gemein=
ſames Leben. Ihn führt es aufwärts, höher als je
vor=
her, läßt ihn Dinge unternehmen, an die er ſich lange
Zeit nicht herangewagt hat. Er ſetzt ſein Leben dafür
und dazu ein.” Und weiter ſagt Ibſen: „Es iſt eine irrige
Auffaſſung, es „unglückliche Liebe” zu nennen, wenn zwei,
die ſich lieben, ſich nicht vereinigen können. Nein,
unglück=
liche Liebe iſt es, wenn zwei, die ſich lieben, ſich heiraten
und dann fühlen, daß ſie nicht zueinander paſſen,
mitein=
ander nicht glücklich leben können.
Stadtverordneten=Verſammlung.
g. Darmſtadt, 7. März
Bürgermeiſter Mueller eröffnet um 4 Uhr die
Ver=
ſammlung mit folgenden
Mitteilungen:
Der Ausſchuß für die Errichtung eines Denkmals
für den Kapitänleutnant Fiſcher hat für die
Ueber=
nahme eines Teiles der Koſten durch die Stadt gedankt.
Die Ortsgruppe Darmſtadt des
Odenwald=
klubs hat zu ihrem am 16. März ſtattfindenden
Deko=
rierungsfeſt eingeladen.
Der Bezirksverein Altſtadt bittet in einer Einzabe,
die Weihnachtsmeſſe für die Folge nicht mehr auf
dem Schillerplatz, ſondern wie früher auf dem Marktvlatz
abzuhalten.
Stadtv. Lautz fragt an, ob es ſich bewahrheitet,
daß man nach der neuen Regelung des
Straßenbahn=
verkehrs bei der Fahrt nach der Frankfurterſtraße auf dem
Louiſenplatz umſteigen muß. Beig. Ekert beantwortet
die Anfrage dahin, daß die Frage ſpäter geregelt werden
wird. Sodann wurde in die Tagesordnung
ein=
getreten.
Baudispenſations geſuche.
Maurermeiſter G. Berth beabſichtigt, an der
Schieß=
hausſtraße einen Geräteſchuppen zu errichten und bittet
um Geſtattung einer Ausnahme von der Beſtimmung in
§ 5 des Ortsbauſtatut. Der Hochbau=Ausſchuß beantragt
Ablehnung des Geſuchs. Referent iſt Stadtv.
Wag=
ner. Stadtvv. Werner, Linck, Aßmuth und Wittmann
bit=
ten, das Geſuch zu genehmigen. Die Stadtvv. Leyerzapf,
Schäfer und Baurat Jäger bitten, dem Beſchluß des
Hoch=
bau=Ausſchuſſes beizutreten, desgleichen der
Bürgermei=
ſter. Es wird der Antrag geſtellt, den Antrag zu vertagen
und eine Beſichtigung vorzunehmen. Dieſer Antrag wird
angenommen.
Ein gleiches Geſuch des Kaufmanns Wolf Strauß
für Errichtung eines Knochenlagers auf ſeinem
Grund=
ſtück an der Gräfenhäuſerſtraße wird von dem Ausſchuß
befürwortet. Das Geſuch wird nach dem Referat
des Stadtv. Markworth genehmigt.
Die Firma Harres und Barth will in dem Neubau
Lindenhofſtraße 33 über dem Dachgeſchoß bewohnbare
Räume einrichten und ſucht um Befreiung von der
Be=
ſtimmung in § 2 des Nachtrags zum Ortsbauſtatut vom
6. Oktober 1906 nach. Der Hochbau=Ausſchuß beantragt
Ablehnung des Geſuchs. Hierüber referiert Stadtv.
Schäfer. Der Firma war von der Baupolizei vor
Ge=
nehmigung des Baues zur Bedingung gemacht worden,
im Dachgeſchoß keine bewohnbaren Räume einzurichten.
Bürgermeiſter Mueller ſtellt die Ausführungen des
Refe=
renten dahin richtig, daß die Baupolizei den
Bauunter=
nehmern doch Hinweiſe gibt, wie die Magdkammern
ein=
zurichten ſind. Aber man müſſe die Einrichtung von
Magd=
kammern aus feuerpolizeilichen und ſozialen Bedenken
im Dachgeſchoß in der Regel unterſagen. Stadtv. Lautz
bedauert, daß dieſe Polizeivorſchrift überhaupt
er=
laſſen iſt. Bei den modernen Neubauten ſei dieſe
Einrich=
tung ſehr leicht möglich. Stadtv. Nöllner tritt für den
Antrag des Hochbau=Ausſchuſſes ein, ein Fortſchritt ſolle
nicht rückgängig gemacht werden. Nach gleichen
Ausfüh=
rungen des Stadtv. Bender wird das Geſuch abgelehnt.
Neue Schulräume.
Im Kellergeſchoß des Schulhauſes der
Mittel=
ſchule II in der Hermannſtraßa ſind bis jetzt nur die
Räume im weſtlichen Flügel ausgebaut, die von der
hauswirtſchaftlichen Fortbildungsſchule als
Unterrichts=
räume benutzt werden. Es wird beantragt, auch die
Räume im öſtlichen Teil des Kellergeſchoſſes entſprechend
herzurichten und ebenfalls für Schulzwecke zu verwenden.
Es können hierdurch 3 Lehrſäle, ein Saal für den
Hand=
fertigkeitsunterricht und zwei Räume für Garderobe und
Sammlungen beſchafft werden. Die Koſten ſind auf 7600
Mark veranſchlagt. Schul=, Hochbau= und Finanzausſchuß
befürworten den Ausbau der Räume und beantragen
Be=
willigung der erforderlichen Mittel. Referent iſt Stadtv.
Dr. Nöllner. Der Antrag wird angenommen.
Frühjahrs=Ausſtellung der Münchener
Sezeſſion.
P. Die Frühjahrsausſtellung der Sezeſſion weiſt
heuer eine erheblich größere Anzahl von Nummern auf,
wie im Vorjahre. Nicht zu ihrem Vorteil. Wenn es auch
ein ſehr erfreuliches Prinzip iſt, den Nachwuchs zu Wort
kommen zu laſſen, ſo darf die Weitherzigkeit doch nicht
ſo weit getrieben werden, daß das Minderwertige und
Unreife dem Wertvollen und Zukunftsreichen die
Wir=
kungsmöglichkeiten benimmt. Von den Namen, denen
man in der Sezeſſion zum erſten Male begegnet, fällt
beſonders auf Kurt Ullrich mit einer „Kunſtreiterin”
die koloriſtiſch zu den feinſten Stücken der Ausſtellung
zählt und Weber=Tirol mit einer Landſchaft „
Vigil=
joech”. Hier kündigt ſich ein Landſchaftsmaler großen
Stils an. Ein Maler, der die Franzoſen gut verſtanden
umd ſelbſtändig verarbeitet hat, iſt Max Unold. Seine
fläächige Malerei mit ſtarker Betonreig der Konturen
ent=
behrt doch nicht der Körperhaftigkeit. van Brackel
hat mit ſeinem „Abendgebet” eine meiſterliche
Charak=
teriſtik alter Frauen gegeben, über die das Leben
hinweg=
geſchritten iſt. Hier iſt etwas, das am Menſchenſchickſal
rührt, ohne daß jedoch der Künſtler ins novelliſtiſch
Be=
ſchreibende verfallen wäre. Das Bild iſt ganz auf male
riſſche Werte geſtellt und doch ſymboliſieren ſie einen gei
ſtagen Inhalt mit höchſter Prägnanz. Daß die
anerkann=
tem Meiſter der Sezeſſion, wie Niſſl. Crodel, H. v
Hayek, Hummel uſw. mit Werken ihrer tüchtigen Art
veertreten ſind, da genügt wohl die einfache Konſtatierung.
Ihhren Hauptwert bekommt die Ausſtellung jedoch durch
die Kollektiv=Vorführung des Werkes von Otto
Grei=
nier=Rom. Nicht weniger als 124 Arbeiten dieſes
Mei=
ſters: Oelgemälde, Paſtelle, Zeichnungen hat man
zuſam=
mengebracht, darunter die Hauptwerke, wie: „Odyſſeus
und die Sirenen” „Herkules bei Omphale” „Fliehende
Frrauen‟. Es iſt ein wahres Labſal, wieder einmal den
Geiſt ganz großer Kunſt zu verſpüren. Hier iſt Geiſt vom
Geiſt der Dürer, Holbein, Leibl, Feuerbach. Rom iſt den
meiſten Künſtlern, die es nicht mehr losgelaſſen hat, zum
Verhängnis geworden. Alle die Carſtens, Mengs, Over=
beck. Thorwaldſen, H. v. Marées, Artur Volkmann uſw.
haben keine lebendige Kunſtrichtung erzeugt. Sie
ver=
fielen alle mehr oder weniger einem abſtrakten
Schönheits=
ideal, dem Phantom einer „abſoluten” Kunſt und
ver=
loren die Beziehungen zur lebendigen Wirklichkeit. Da
berührt es denn doppelt erfreulich, daß Otto Greiner, ſo
ſehr er auch „abſoluter” Künſtler iſt, ſo ſehr er ſich auch
ſüdlicher Formenſprache bedienen mag, doch immer der
markige Sohn ſeiner nordiſchen Heimat geblieben iſt. Er
hat nicht irgend einen billigen Schönheits=Kanon, den er
auf die bunte Erſcheinungsfülle des Lebens anwendet,
ſondern ſteht jeder Aufgabe neu gegenüber. Gleich bleibt
ſich nur die faſt asketiſch zu nennende künſtleriſche Strenge,
die es ihm nicht erlaubt, nur eine Seite ſeines
Gegen=
ſtandes zu zeigen. Das Sujet muß alles hergeben, was
in ihm an zeichneriſchen und formalen Möglichkeiten
ſteckt, und er verläßt es nicht eher, bis wer im Einzelnen
das All, im Tautropfen die Welt erblicken. Daher kommt
es auch, daß wir von der kleinſten Arveit Greiners, mag
es ſich nun um ein Baumfragment, oder um eine
Hand=
ſtudie handeln. reſtlos befriedigt werden. Es iſt der Mut
der Objektivität, den wir zu bewundern haben, der nicht
bangt, ſein künſtleriſches Ich zu verlieren, wenn er ſich
völlig dem Objekt hingibt. In dieſer Hinſicht wirkt Grei
ner heute wahrhaft erzieheriſch. Die Sorge unſerer
Heu=
tigen iſt ja gerade die um die individuelle Note, um die
Nuance. Greiner kennt dieſe Sorge nicht. Seine Lehre,
die ſeine Werke vernehmlich predigen, lautet: Vertiefe dich
nur mit aller Liebe und aller Strenge in das Obickt
Sofern du ein Künſtler biſt, wird das Werk dann ſchon
eine beſondere Note haben. Dieſe individuelle Nnance.
dem Werk bewußt und äußerlich geben zu wollen, führt
zur Manier und Grimaſſe.
Konzerte.
mm. Auch in dem zweiten Konzert dieſes Winters,
mit welchem der Inſtrumental=Verein am
Mitt=
woch abend im großen Saalbauſaale ſeinen 99.
Vereins=
abend feierte, hatte es Herr Direktor Wilhelm Schmitt
verſtanden, durch die geſchickte Zuſammenſtellung des
Pro=
gramms mit anſprechenden, ſeltener gehörten Orcheſter=
werken ſeinen Zuhörern einen recht genußreichen Abend
zu bieten. W. A. Mozarts melodienreiche und harmoniſch
einfachere Muſik eröffnete und beſchloß das in allen Teilen
ſchön verlaufene Konzert mit der D=dur=Symphonie
Nr. 35 und Ouverture zur „Entführung”. In dieſer und
den raſchen Sätzen der Symphonie ließ ſich eine gute und
gewiſſenhafte Vorbereitung erkennen, die ſich hauptſächlich
in der vorzüglich rhythmiſchen Schulung und dynamiſchen
Abſtufungsfähigkeit des recht anſehnlichen Streichkörpers
bemerkbar machte. Mit freudiger Begeiſterung wurde vor
allem die Ouverture geſpielt, ſowie die zum erſten Male
aufgeführten „Zwölf Kontretänze” ein intereſſantes
Ju=
gendwerk L. von Beethovens, aus denen die von
Ver=
einsmitgliedern geſpielten melodiſchen Soloſtellen der
Flöte und Oboe nicht unerwähnt bleiben mögen.
Mit zwei Arien von G. F. Händel für Alt mit
Orche=
ſterbegleitung führte die Geſangsſoliſtin, Konzertſängerin
Frl. Elſe Diefenthäler von hier, ſich ſehr
vorteil=
haft in den hieſigen Konzertſaal ein. Der Wohllaut der
italieniſchen Sprache in dem erſten der beiden Geſänge
(aus der Oper Poro in der Bearbeitung von R. Franz)
verband ſich mit der weichen Tieflage der ſehr
ſympathi=
ſchen Altſtimme zu der edelſten Klangwirkung. Ein
hoch=
entwickeltes Stilgefühl in Verbindung mit der
vornehm=
ſten Tonbildung und abſoluter Intonationsreinheit
zeich=
neten auch den Vortrag des Arioſo, dem Danklied aus
giner Kantate von Händel für Streichorcheſter und Orgel,
aus, das weitere Verbreitung verdient; den Orgelpart
hatte Herr Muſikdirektor M. Klaſſert mit gewohnter
Zuverläſſigkeit übernommen. Vier Lieder mit
Klavier=
begleitung, Brahms Sapphiſche Ode und „Der Schmied”
entzückten allgemein durch die Natürlichkeit des Ausdrucks,
ebenſo „Mein Schätzelein” von Mar Reger, während
Ar=
nold Mendelsſohns in kölniſchem Plattdeutſch beſonders
wohlklingendes „Waigenleedken” das längſt zu den
Lieb=
ingsliedern unſerer Konzertbeſucher gehört, ſich immer
wvieder von neuem des größten Beifalls erfreut.
Für den wiederholten Hervorruf dankte Frl. Diefenthäler
mit einer allerliebſten Zugabe. Die Klavierbegleitung zu
den Liedern wurde von Frl. Marie Schwan in
bekann=
ter zuverläſſigſter Weiſe und mit künſtleriſchem
Verſtänd=
nis ausgeführt.
Herſtellung eines Moſaikfußſteiges.
Vor dem Hauſe Nikolaiweg 16 iſt die
Herſtel=
lung eines breiten Moſaikfußſteiges vorgeſehen.
Nach dem Ortsbauſtatut ſind die Koſten des Fußſteigs bis
zu 2,50 Meter Breite von dem Anlieger zu bezahlen. Die
durch die größere Breite entſtehenden Mehrkoſten ſind von
der Stadt zu übernehmen. Tiefbau=Deputation und
Finanz=Ausſchuß ſind einverſtanden. Der Antrag wird
nach dem Referat des Stadtv. Wagner angenommen.
Taglohnſätze für Bauarbeiter.
Die freie Vereinigung der Maurermeiſter und
Bau=
unternehmer und die Vereinigung der Zimmermeiſter
haben um Erhöhung der in den Preisverzeichniſſen für
die kleineren Unterhaltungsarbeiten feſtgeſetzten
Tag=
lohnſätze für Bauarbeiter nachgeſucht, mit der
Begründung, daß die Arbeitgeber nach dem mit den
Or=
ganiſationen der Maurer und Bauhilfsarbeiter
abge=
ſchloſſenen Tarifvertrag gezwungen ſind, höhere Löhne zu
zahlen. Die Bauabteilung des Großh. Miniſteriums hat
bereits eine Erhöhung der Lohnſätze für Darmſtadt
vor=
genommen. Von dem Stadtbauamt wird vorgeſchlagen,
die Lohnſätze ab 1. April 1912 wie folgt feſtzuſetzen:
1. für Maurer und Zimmerleute: Geſellen
Stunden=
lohn 71 Pfg., Taglöhner Stundenlohn 57 Pfg., Lehrlinge
Stundenlohn 30 Pfg.
2. Für Spengler, Schloſſer, Glaſer, Schreiner
und Weißbinder: Geſellen Stundenlohn: 70 Pfg.,
Lehrlinge Stundenlohn: 30 Pfg., Taglöhner (Weißbinder)
Stundenlohn: 50 Pfg.
Für Steinmetze ſollen die ſeitherigen Löhne beſtehen
bleiben. Dieſe Lohnſätze kommen nur bei den
Unterhal=
tungsarbeiten und bei Taglohnarbeiten in Anwendung,
nicht aber bei Arbeiten die auf Grund von Submiſſionen
vergeben werden. Hochbau= und Finanz=Ausſchuß ſind
mit den Vorſchlägen einverſtanden. Die Verſammlung
ſtimmt dem Antrag nach dem Referate des Stadtv.
Wagner zu.
Verpachtung einer Parzelle.
Ein Teil der ſtädtiſchen Parzelle Flur IV Nr. 444,
Gemarkung Darmſtadt, an der Ruthsſtraße, ſoll mit
Zuſtimmung des Hochbau= und Finanz=Ausſchuſſes an
die Firma Adolf Kahn als Lagerplatz verpachtet
werden. Die Verpachtung wird nach dem Referate des
Stadtv. Sames genehmigt.
Satzungsänderung der Sparkaſſe
Bis Ende 1910 war bei der ſtädtiſchen Sparkaſſe der
Vorſitzende des Verwaltungsrats zugleich Direktor der
Anſtalt. Dieſe Einrichtung aus früherer Zeit ließ ſich
nicht aufrecht erhalten, da eine Kontrollſtelle nicht zugleich
Geſchäftsſtelle ſein kann. Es hat deshalb vom 1. Januar
1911 ab eine Geſchäftsteilung ſtattgefunden,
der=
geſtalt, daß im Verwaltungsrat der Großh.
Ober=
bürgermeiſter oder ſein geſetzlicher Vertreter den
Vorſitz führt und in der Dienſtführung durch einen aus
den Mitgliedern des Verwaltungsrats gewählten 2.
Vor=
ſitzenden vertreten werden kann, während die
Geſchäfts=
führung einem mit Beamteneigenſchaft neu beſtellten
Direktor (bisheriger Sparkaſſenrechner) übertragen iſt.
Mit dieſer Regelung hat ſich die Stadtverordneten=
Verſammlung einverſtanden erklärt. Zu ihrer gültigen
Feſtſetzung iſt eine Aenderung der
Sparkaſſe=
ſatzung erforderlich.
Von dem Verwaltungsrat war noch die Begebung
zweitſtelliger Hypotheken, ſowie eine zeitgemäße Erhöhung
der Summe für Sicherheits= oder Bürgſchaftsdarlehen
an=
geregt worden. Mit letzterer Anregung hat ſich die
Bür=
germeiſterei einverſtanden erklärt; dagegen hat ſie
gegen=
über der erſteren Anregung erklärt, zunächſt eine
ab=
wartende Haltung einnehmen zu wollen. Gegen die
Auf=
nahme einer bezüglichen Satzungsbeſtimmung, bei der
noch eine beſondere Einführungsgenehmigung vorbehalten
iſt, hat die Bürgermeiſterei nichts zu erinnern.
Dementſprechend ſind die vorgenannten Beſchlüſſe und
Anregungen in einen neuen Satzungsentwurf
aufge=
nommen worden. Bei dieſer Gekegenheit hat man geglaubt
verſchiedene beſtehende Beſtimmungen überſichtlicher
an=
einanderreihen und beſſer im Ausdruck geſtalten zu ſollen.
Außerdem ſind in dem neuen Satzungsentwurf noch
nach=
ſtehende Aenderungen vorgeſchlagen:
In § 10 iſt die Abſtimmung durch Rundſchreiben
vorgeſehen.
Bei der Beratung im Finanzausſchuß wurden
Be=
denken gegen die Rechtsgültigkeit einer derartigen
Be=
ſchlußfaſſung geäußert. Nach der eingeholten Begutachtung
durch den Herrn Reſpizienten bei dem Großh.
Mini=
ſterium des Innern konnten dieſe Bedenken fallen gelaſſen
werden, da für die Beſchlüſſe des Verwaltungsrets nicht
die Formvorſchriften der Städteordnung maßgebend ſind,
ſondern gemäß Art. 4 des Sparkaſſengeſetzes die Satzung
Beſtimmung treffen kann, in welcher Weiſe Beſchlüſſe des
Verwaltungsrats zu Stande zu kommen haben. Um dieſe
Beſchlußfaſſung nicht zu verallgemeinern, wird ſie nur für
eilende Angelegenheiten vorgeſehen.
Zu § 12 Z. 5. Die für die Verleihung der
Dienſt=
botenprämien zwingenden Beſtimmungen wurden nicht in
die neue Satzung übernommen um dem Verwaltungsrat
die Möglichkeit zu geben, beſonderen Fällen und
beſon=
deren Gründen Rechnung tragen zu können.
Nach § 12 Z. 8 wird dem Verwaltungsrat die
Möglich=
keit gegeben, Darlehen auch gegen Wechſel aufzunehmen,
mit Rückſicht auf die nach den Umſtänden zweckmäßigere
und billigere Beſchaffungsweiſe.
In § 14, Abſ. 4 wird die Regelung der Stellvertretung
der Beamten dem Vorſitzenden des Verwaltungsrats
überlaſſen, ſolange nicht Hilfskräfte nötig werden, deren
Beſtellung eine Mitwirkung weiterer Organe der
Stadt=
verwaltung erfordert.
§ 17 legt in Ziffer 4 mit größerer Deutlichkeit feſt,
daß Auszahlung der Einlagen an jeden Inhaber
eines Einlagenbuches erfolgen kann, ohne daß die
Spar=
kaſſe die Berechtigung des Vorzeigers zu prüfen
ver=
pflichtet iſt.
§ 23 läßt den Zinſenlauf für Einlagen
auf=
hören, bei denen 30 Jahre nacheinander Zinſen weder
erhoben, noch beigeſchrieben ſind und
§ 24 ſieht vor, daß, wenn Beſitzer von
Sparkaſſen=
büchern, oder ihre Rechtsnachfolger nicht zu ermitteln ſind,
Einlagen und Zinſen dem Reſervefonds der Sparkaſſe
zu=
fallen, ſofern, von der Zeit des letzten Eintrags ab
ge=
rechnet, 30 Jahre verfloſſen ſind.
§ 27 ſichert für den Fall des eintretenden Bedürfniſſes
das Recht auf Einführung des Scheckverkehrs für die
Ein=
leger.
§ 28 regelt die Anlegung der Gelder.
In Ziffer 3c wird Schuldverſchreibungen und
Buchſchulden des heſſiſchen Staates und der Stadt
Darm=
ſtadt, ſowie von letzterer garantierten Obligationen ein
an=
gemeſſener Vorzug bei Lombardierungen eingeräumt. Die
Lombardierung wird, da regelmäßig alsbaldige
Erledi=
gung erforderlich iſt, dem Direktor überlaſſen. Der
Ver=
waltungsrat beſtimmt jedoch die zur Verfügung ſtehende
Summe und iſt von den einzelnen Darlehen in Kenntnis
zu ſetzen.
Nach Ziffer 7 beſtimmt der Verwaltungsrat bei
Anlage als Scheck= oder befriſtetes Verzinſungsgeld die
Banken und die etwaigen Sicherheiten, unter Beachtung
der für die Anlage ſtädtiſcher Gelder genehmigten
Grund=
ſätze.
Stadtv. Lindt möchte zur Frage der zweiten
Hy=
potheken bemerken, daß es erwünſcht wäre, daß die
Bürgermeiſterei dieſer Frage nicht länger ablehnend
ge=
renüber ſtehen möchte. In dem Geſchäftsbericht der
Darmſtädter Volksbank iſt erwähnt worden, daß die
Beſchaffung zweiter Hypotheken eine Lehensfrage für
die Hausbeſitzer ſei. Bürgermeiſter Mueller ſtellt feſt.
daß die Bürgermeiſterei dem nicht durchaus ablehnend
gegenüberſteht, aber man müſſe dabei doch vorſichtig ſein,
denn es handele ſich bei den Geldern der Sparkaſſe nicht
um eigene, ſondern um fremde Gelder. Stadtv. Gallus
tritt dieſen Ausführungen bei und betont, daß man bei
Vergebung von zweiten Hypotheken äußerſt vorſichtig
ſein müſſe, denn in Darmſtadt habe man ſchon erlebt,
daß ſogar erſte Hypotheken ausgefallen ſind. — Stadtv.
Bender führt aus, daß dieſe Frage nicht nur
für die Volksbank, ſondern für den ganzen
Mittel=
tand äußerſt wichtig iſt. Das zurückhaltende
Ver=
fahren der Stadtverwaltung ſei nur anzuerkennen.
denn die angeſtellten Ermittelungen hätten ergeben,
daß auch in anderen Städten die Sparkaſſen mit
Ver=
gebung von zweiten Hypotheken mit der größten Vorſicht
orgehen. — Stadtv. Aßmuth bemerkte, daß die
Spar=
kaſſe Hypotheken nicht mit 6 Prozent vergeben ſollte, wie
es ihm von einer anderen Kaſſe zu Ohren gekommen iſt.
Ein ſolch boher Zinsfuß wäre ein Hindernis für die
Beſchaffung von Baugeld beſonders für die kleinen Leute.
Stadtv. Lindt betont, daß man bei der Vergebung
atürlich mit großer Vorſicht vorgehen und beſonders das
Objelt und die Perſon genau betrachten müſſe. — Stadtv.
Sames meint, daß der Stadtv. Lindt den
Geſchäfts=
bericht der Volksbank anführt und gerade dieſer Bericht
ührt aus, daß die Bank infolge der geringen
Engagie=
rung in zweiten Hypotheken äußerſt liquid ſei und nun
wird der Sparkaſſe geraten, dieſe wenig liquide Vergebung
vorzunehmen. Eine Schaffung von zweiten Hypotheken
ſei nur dadurch möglich, daß ſich der Sache eine Bank
annimmt, der dann die Erträgniſſe aus den Häuſern
ſichergeſtellt werden.
Der Voranſchlag der ſtädtiſchen Sparkaſſe.
Der Voranſchlag über die Verwaltungskoſten
der ſtädtiſchen Sparkaſſe für 1912 ſchließt ab
mit 66990 Mk. gegen 67200 Mk. in 1911. Der
Finanz=
ausſchuß beantragt Genehmigung dieſes Voranſchlags
und ebenſo des Voranſchlags über die
Verwaltungs=
koſten der ſtädtiſchen Pfennigſparkaſſe. Beide Voranſchläge
werden nach dem Referat des Stadtv. Bormet genehmigt.
Der Sommerfahrplan der Dampfſtraßenbahn.
Die Süddeutſche Eiſenbahn=Geſellſchaft hat den
Ent=
wurf zum Sommerfahrplan der
Dampf=
ſtraßen bahn vorgelegt, der dem vorjährigen
Sommer=
ahrplan faſt vollſtändig entſpricht. Der
Verkehrs=
ausſchuß hat den Entwurf nicht beanſtandet. Referent
Stadtv. Saeng. Der Fahrplan wird genehmigt.
Der oberrheiniſche Rundflug.
Die Heſſ. Flugſtudien=Geſellſchaft hat
um Bewilligung eines Beitrags zu den Koſten
eines Rundflugs nachgeſucht. Der Finanz=
Aus=
ſchuß empfiehlt die Bewilligung eines Beitrags von
2000 Mark. — Stadtv. Rot h regt an, ob nicht
ver=
ſucht werden kann, daß auf dem „Exerzierplatz”
Station gemacht werden könnte. — Bürgermeiſter
Nueller teilt mit, daß von der Leitung des
Rund=
fluges mitgeteilt worden ſei, bei Aufbringung von 5000
Mark würde in Darmſtadt eine Station eingerichtet
verden können. Es ſei zu erwarten, daß die fehlenden
3000 Mark durch freiwillige Spenden aufgebracht
wer=
den würden. — Die Bewilligung wird nach dem Referat
des Stadtv. Dr. Noellner ausgeſprochen.
Die Waſſerverſorgung der
Eiſenbahn=
anlagen.
Nach dem zwiſchen der Stadt und der Eiſenbahn=
Direktion Mainz abgeſchloſſenen Vertrag über die
Waſſerverſorgung der Eiſenbahnanlagen
ſind beſondere Waſſerübergabeſtellen nur für den neuen
Hauptbahnhof, den Bahnhof Darmſtadt=Oſt und
Bahn=
hof Kranichſtein vereinbart worden. Nachdem inzwiſchen
auch für den Südbahnhof und den Nordbahnhof
beſon=
dere Uebergabeſtellen geſchaffen wurden, wird mit
Zu=
timmung der Waſſerwerks=Deputation beantragt, die
vertraglichen Beſtimmungen auch für dieſe beiden neuen=
Uebergabeſtellen zur Anwendung zu bringen. Re= Stadtv. Lindt. Hierbei ſtellt Stadtv.
Sames=
feſt, daß er durch die Anregung der Frage betr. Haltens
der Züge an dem Nordbahnhof nicht Beunruhigung in die
Bevölkerung getragen habe, ſondern daß die Beunruhigung.
bereits beſtanden hat. Der Zweck ſeiner Ausführungen
ei nur geweſen, die Stadtverwaltung auf dieſe
Verhält=
niſſe aufmerkſam zu machen und um eine Antwort
herbei=
zuführen. Beigeordneter Ekert teilt mit, daß ſich die
Stadtverwaltung ſofort an die Eiſenbahndirektion
ge=
wendet habe, dieſelbe habe aber noch keine genaue
Ant=
vort geben können. Stadtv. Nöllner bittet, bei der
Eiſenbahnverwaltung dahin zu wirken, daß der
Fahr=
plan, beſonders der der Odenwaldſtrecke, auch nach den
An=
orderungen des Arbeiterverkehrs eingerichtet wird. Wenn
die Arbeiter den erſten Zug, der wegen der
Milch=
beförderung ſchon um 4 Uhr oder 5 Uhr morgens in
Darmſtadt ankommt, benutzen ſöllen, ſo iſt das nicht zu
echtfertigen. — Der Antrag wird ſodann angenommen.
Verein zur Bekämpfung der Schmutzliteratur.
Die Stadtverordnetenverſammlung hatte in einer der letzten
Sitzungen den Beitritt zum Verein zur Bekämpfung.
der Schmutzliteratur mit einem Beitrag von 10 Mark
beſchloſſen. Nach den Statuten beträgt der
Mindeſtbeitrag=
für Körperſchaften 20 Mark. Die
Stadtverordnetenver=
ſammlung genehmigt nach dem Referat des Stadtv.
Bender dieſen Beitrag.
Um ¾6 Uhr wird ſodann in die nichtöffentliche
Sitzung eingetreten.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 7. März. Präſident Dr. Kaempf
er=
öffnet die Sitzung um 1.17 Uhr. Auf der Tagesordnung
ſteht die Fortſetzung der
zweiten Leſung des Etats des Innern.
Gehalt des Staatsſekretärs. Hierzu liegen 75
Reſo=
lutionen vor. 8. Tag.
Abg. Peus (Soz.): Die Herren auf der Rechten
ſollten endlich mit ihrer reaktionären Mittelſtandspolitik
brechen. Die Bekämpfung der Konſumvereine mit
Son=
derſteuern hat ſich als völlig erfolglos gezeigt. Eine
beſſere Mittelſtandspolitik war ſicher der Vorſchlag des
Abg. Kerſchenſteiner, wenngleich er ſich nicht von realen
Verhältniſſen leiten ließ. Wir legen auf die perſönliche
Ausbildung des Individuums das größte Gewicht und
verlangen, daß das Einjährig=freiwillige Examen
beſei=
tigt werde. Durch das Erſitzen des Zeugniſſes wird in
den Schülern die Neigung zum Handwerk getötet. Die
chriſtlichen Gewerkſchaften haben keine Exiſtenzberechtigung.
Es ſoll nur der kirchliche Einfluß den Unternehmungen
zu=
gute kommen. Um die Verhältniſſe der Landarbeiter zu
beſſern, fordern wir die reichsgeſetzliche Regelungder
Geſinde=
ordnung und Ausdehnung des Koalitionsrechts auf die
Landarbeiter. Eine der wichtigſten Aufgaben der
Gegen=
wart iſt die Förderung des Wohnungsweiens von
Reichs=
wegen. Erfreulich iſt es, daß der Alkoholismus unter
den Arbeitern erheblich zurück geht. Die K nderarbeit
muß beſeitigt werden, die Schulverhältniſſe leiden darunter
außerordentlich. Es muß damit gerechnet werden, daß
in den Arbeitern aus dem Oſten das Klaſſenbewußtſein
erwacht, ſonſt kann es unter Umſtänden zu Konflikten
kommen. Vor dem Sklaven, der die Ketten bricht, vor
einem freien Arbeiter erzittere nicht. (Beifall bei den
Sozialdemokraten.)
Abg. Pfeiffer (Ztr.). Dem germaniſchen Muſeum
in Nürnberg, beſonders der Gemäldegalerie, muß große
Fürſorge zuteil werden. Auch das Deutſche Muſeum in
München verlangt entſchiedene Förderung. Dann
ver=
angen wir ein Reichstheatergeſetz. Bei dieſer Forderung
vertrete ich eine höchſt ernſte Frage, die ich nicht als
Spielerei betrachte, wie mir im Wahlkampf vorgeworfen
wurde. Bei dem Stellenvermittlergeſetz ſcheint eine falſche
Judikatur zu beſtehen. Zur Bekämpfung des
Waren=
hauſes will Herr Koelſch den Konſervativen und
Zen=
trumsleuten den Eintritt bei Wertheimer und Dietz unter
Feuilleton.
* Der größte Bahnhof der Welt. Der Leipziger
Hauptbahnhof, deſſen Bau ſich der Vollendung nähert,
wird nach ſeiner Fertigſtellung der größte Bahnhof der
Welt ſein. Die Bauzeit wurde durch den ſchlechten
Un=
tergrund ſehr verlängert. Insgeſamt wird die ganze
Anlage nach der Fertigſtellung gegen 135 Millionen Mark
verſchlungen haben. Preußen, das ein weſentliches
In=
tereſſe an einer raſchen Abwickelung des Leipziger
Ver=
kehrs hat, ſah ſich veranlaßt, einen Teil der Koſten zu
übernehmen. Es ſind 26 Bahnſteige vorgeſehen, neben
denen gleichzeitig 39 ein= und ausfahrende Züge
Aufſtel=
lung finden können. Das Dach der großen Halle erhebt
ſich zu einer Höhe von 30 Metern und wird aus
Eiſen=
beton ausgeführt, die Dächer der Nebenhallen fallon um
zehn Meter zurück. In den Bahnhof werden in Zukunft
elf verſchiedene Züge der preußiſchen und ſächſiſchen
Eiſen=
bahnverwaltung einlaufen. Das Empfangsgebäude
be=
derkt einen Flächenraum von 160000 Geviertmetern. Für
die nähere Umgebung des Bahnhofs ſind künſtleriſche
Schmuckanlagen vorgeſehen, damit der Beſucher Leipzigs
gleich beim Eintritt einen freundlichen Eindruck von der
alten Lindenſtadt erhält. Eine Eigentümlichkeit der
Bahn=
hofsanlage beſteht darin, daß der ankommende vom
ab=
gehenden Verkehr ſtreng geſchieden iſt.
** Pariſer Bühnenſterne über den Schnurrbart. Sieht
ein Mann mit Bart oder Schnurrbart beſſer aus als ein
glattraſierter Herr? In dieſer Frage ſind die Damen
zu=
ſtändig, und der Matin hat daher die bekannteſten Pariſer
Schauſpielerinnen und Bühnenſchönheiten über dieſe
äſthe=
tiſche Kulturfrage interviewt. Die Umfrage ergibt eine
überraſchende Majorität für den glattraſierten Mann.
Yvonne de Bray erklärt lakoniſch: „Es gibt kein Zögern:
weder Bart noch Schnurrbart. Der Mann ſoll ſich glatt
raſieren.” Auch die Polaire iſt dieſer Anſicht: „„Der Bart
und der Schnurrbart mögen ſich für Männer eignen, denen
ein böſes Schickſal eine häßliche Mundform oder häßliche
Zähne verliehen hat. Mein Geſchmack: Keinen Bart, keinen
Schnurrbart.” Nelly Cormon äußert ſich: „Wie die
Män=
ner ihren Bart tragen ſollen? Ich habe mir mein Urteil
gebildet. Es wäre für ſie am vorteilhafteſten, ihren Bart
auf dem Kopf zu tragen.‟ Die „Königin der Operette‟
Mlle. Méaly, will ebenfalls vom Schnurrbart nichts wiſſen:
„Ich mag weder Bart noch Schnurrbart leiden. Alle
Män=
ner ſollten glattraſiert ſein.” Und Marcelle Yrven meint:
„Das hängt nicht von der Mode ab, das iſt eine Frage des
Geſchmacks. Seien Sie überzeugt, die Männer ſind ebenſo
eitel wie die Frauen und wiſſen ſehr gut, was ihnen ſteht.
Trotzdem glaube ich, daß die glattraſierten Männer bei
den Frauen immer mehr Erfolg haben.” Für den
Schnurr=
bart hat ſich nur Jeanne Marnae ausgeſprochen, aber auch
ſie nur mit Vorbehalt: „Bart? O nein, nur keinen Bart.
Meinetwegen einen Schnurrbart, aber er muß ſehr fein
und weich und parfümiert ſein. Alle Frauen werden mich
verſtehen.‟ — Gewiß!
— Der illuminierte Niagara. Der Niagara iſt
neuer=
dings der Zielpunkt aller amerikaniſchen
Hochzeitsreiſen=
den und ſeit langem klagen dieſe Freunde der
Naturſchön=
heit darüber, daß man im Dunkel der Nacht die prächtigen
Fälle nicht ſehen könne. Und da die Fälle ſchon heute ſo
große elektriſche Kraftmengen abgeben, ſei es
unbegreif=
lich, daß man den Niagara nicht allnächtlich zur Freude
amerikaniſche Naturfreunde elektriſch illuminiere. Dieſem
offenkundigen Mangel ſoll jetzt ein Ende bereitet werden.
Senator Gittins hat einen Geſetzentwurf eingebracht, der
200000 Mark für den Bau einer elektriſchen Kraftſtation
zur Einrichtung einer ſtändigen nächtlichen Illumination
der berühmten Fälle vorſieht. Nach dieſer einmaligen
Aus=
gabe würde die regelmäßige Illumination nur 10000 Mark
im Jahre koſten. Die Ausführung des Planes ſoll davon
abhängig gemacht werden, ob auch die Regierung des
kanadiſchen Staates Ontario ſich an den Koſten beteiligt.
New=York und Kanada haben in der Nachbarſchaft der
Fälle große Parks angelegt und „alles geſchieht, um dem
Publikum den Naturgenuß zu erleichtern und zu
verſchö=
nen, aber nachts ſind die Fälle ſo dunkel, daß man ſie nicht
ſehen und genießen kann” Schon früher ſind einmal
140000 Mark für zeitweilige Illumination der Fälle
be=
willigt worden.
* Die blinden Bettler. Der Wind blies ſtürmiſch, als
ein mitleidiger alter Herr einen Nickel in den Hut eines
vor Kälte zitternden blinden Bettlers an der
Straßen=
ecke warf. Der Geber ließ die Münze beinahe fallen, aber
der Bettler ſchob ſeinen Hut geſchickt vor und fing ſie
auf: „Nanu, Sie ſind ja gar nicht blind!” rief der Herr
wütend aus. — „Nein,” geſtand der Bettler. „Ich halte
hier nur den Platz für einen Freund, während er ſich
etwas erholt. Aber der iſt blind, Herr — blind
ge=
boren.” — „Wo erholt er ſich denn?” fragte der noch wenig
überzeugte Wohltäter. — „Ach, er iſt da drüben in den
Kientopp gegangen.”
ſagen. (Heiterkeit). Das Oberhaupt des Fürſtentruſts,
der hinter dieſen Warenhäuſern ſteht, Fürſt zu
Fürſten=
berg, galt bis jetzt zu den Liberalen, wenn man uns den
Boykott vorwirft, ſo erinnere ich daran, daß ſeit langer
Zeit gegen das Zentrum ein unglaublicher Boykott der
Weltanſchauung geübt wird. Wenn da einmal der Spieß
umgedreht wird, ſo iſt es kaum zu verwundern. Die
philo=
ſophiſchen Ideen des Abgeordneten Kerſchenſteiner werden
von der Not des Alltages, die die Konkurrenz bedingt,
gar leicht über den Haufen geworfen. Die
Handfertigkeits=
ſchule kann nur in Berbindung mit der Buchſchule
ge=
deihen. Die Individualiſierung der Perſönlichkeit allein
tuts nicht. Die Angliederung in das Staatsganze iſt
notwendig. (Beifall bei dem Zentrum.)
Abg. Graf von Kanitz (konſervativ): Das
ein=
heimiſche Kapital muß zur Deckung der deutſchen
Kredit=
bedürftigkeit reſerviert werden. Immer noch iſt die
Summe des alljährlich in das Ausland gehenden
deut=
ſchen Geldes außerordentlich hoch. Unſere vorjährigen
Debatten über dieſen Punkt haben das deutſche Kapital
gewarnt und große Verluſte ſind ihm erſpart geblieben.
Durch die Zwiſchenbilanzen einiger Großbanken wird
noch kein genügender Schutz für das Publikum geſchaffen.
Man muß ſich ſelber ſchützen, dadurch, daß man ſein
Geld nur zuverläſſigen Inſtituten anvertraut. (Sehr
richtig). Der Reichsbankpräſident mag alsbald die
Ein=
ſchränkung des Spekulationskredits und die beſſere
Liqui=
dität durchführen. Wir wollen bei einer Reviſion des
Zolltarifs nicht die Zollſätze erhöhen, ſondern nur die
einheimiſchen Erwerbsſchichten zur Sicherung des
ein=
heimiſchen Marktes ſchützen. Wir ſollten unſeren
Zoll=
tarif nicht auf lange Zeit feſtlegen, um unliebſamen
Zollmaßnahmen des Auslandes begegnen zu können.
An den gegenwärtig höheren Lebensmittelpreiſen iſt die
Landwirtſchaft unſchuldig. Für Speckſchweine werden
für den Zentner 38 bis 39 Mark bezahlt und ebenſo iſt
es mit den Getreidepreiſen; überall wollen erſt viele
Händler verdienen. Für die Landwirtſchaft ſind die
hohen Grundſtückspreiſe keine geſunde Unterlage, das hat
aber mit dem Zolltarif nichts zu tun. An eine
Renta=
bilität der Landwirtſchaft iſt bei den hohen Bodenpreiſen
nicht zu denken. Der Schutz der nationalen Arbeit iſt
eine Notwendigkeit und unerläßlich zur politiſchen
Selb=
ſtändigkeit; er muß uns für alle Zeiten erhalten bleiben.
— Abg. Götting (natl.): Bei den Einlagen der
Spar=
kaſſen können die kleinen Leute ſehr wohl beteiligt ſein.
Die Sparkaſſen ſind ein wirkſames Mittel zur Hebung
unſeres Wirtſchaftslebens. Dieſe nationale Kleinarbeit
iſt nicht zu unterſchätzen, denn ſie hat Milliarden von
Werten hinter ſich. Sie bildet auch einen wirkſamen
Schutz gegen die Folgen der Arbeitsloſigkeit. Man
darf nicht gering denken von dieſer Art der
Selbſt=
hilfe. — Abg. Weinhauſen (Fortſchr. Vpt.): Der
Eindruck, den die Regierung mit den Mittelſtandsreden
der Miniſter erzielen will, wird nicht erzielt. Dem ſteht
die Verteuerungspolitik der letzten Jahre zu ſehr entgegen.
Wir ſind die wahren Freunde des Mittelſtandes, weil
bei uns nicht nur Worte, ſondern auch Taten ſind. Am
Anfang aller Erſtarkung ſteht die Organiſation, deshalb
ſoll ſich der Mittelſtand organiſieren, aber im großzügigen
Sinne. Zu verurteilen iſt, wenn die Schichauwerft ihren
Arbeitern nach Duchſetzung einer Lohnerhöhung die
Zu=
gehörigkeit zum Metallarbeiterverband unterſagt. Wir
verlangen Förderung des Tarifweſens und Einſetzung
von Arbeitsämtern mit Verhandlungszwang Im
Ruhr=
gebiet ſtehen die Sachen heute ſo, daß es jeden
Augen=
blick zu einem wirtſchaftlichen Kampf von unerhörten
Folgen kommen kann und unſere Regierung ſteht
un=
tätig da.
Hierauf tritt Schluß der zweiten Leſung ein, das
Gehalt des Staatsſekretärs wird bewilligt. — Ueber
die Reſolutionen und Anträge wird in dritter Leſung
abgeſtimmt werden. Es folgt die Spezialberatung.
Eine Reihe von Titeln wird ohne Debatte bewilligt.
Bei Titel 6b, Beitrag zu den Koſten der ſtändigen
Kommiſſion zur Vorbereitung internationaler
Schiff=
fahrtskongreſſe, bemerkt Abg. Dr. Dahlem (Ztr.): Es
ſollten Maßnahmen getroffen werden, um die
Schädig=
ungen des Obſt= und Weinbaues durch den Rauch der
Dampferſchlote auf dem Rhein zu verhüten.
Hierauf erfolgt die Vertagung der Weiterberatung
auf Freitag 1 Uhr. Vorher Wahl des
Präſi=
diums. Schluß 5¼ Uhr.
* Berlin, 7. März. Die
Geſchäftsordnungs=
kommiſſion des Reichstages beſchloß dem § 33 der
Geſchäftsordnung nachſtehende Faſſung zu geben: Bei
Beſprechung einer Interpellation können Anträge geſtellt
werden, dahingehend, daß der Reichstag das Verhalten
des Reichskanzlers in der den Gegenſtand der
Interpel=
lation bildenden Angelegenheit billigen oder nicht billigen
möge. Die Anträge müſſen von mindeſtens 30
anweſen=
den Mitgliedern unterſtützt werden. Sonſtige Anträge
ſind unzuläſſig. — Die Wahlprüfungskommiſion des
Reichstages erklärte die Wahlen von Dietrich (Konſ.)
Potsdam 3 (Ruppin=Templin), Colshorn (
Hannove=
raner) Hannover 5 (Melle=Diepholz), Dr. Erdmann
(Soz.) Arnsberg 6 (Dortmund=Hörde) und
Schulen=
burg (Natlib.) Amsberg 7 (Hamm=Soeſt) für gültig.
Luftfahrt.
— Die Meldeliſte für das Gordon=
Ben=
nett=Rennen der Freiballone, das nach dem
vorjährigen Siege des Herrn Ingenieur Gericke=
Ber=
lin von Deutſchland zu verteidigen iſt, und von
Stuttgart aus veranſtaltet wird, iſt jetzt geſchloſſen worden.
Es haben neun verſchiedene Länder Herausforderungen
an Deutſchland geſandt. Es werden im ganzen 24
Bal=
lone am Start erwartet. Vertreten ſind außer
Deutſch=
land die Vereinigten Staaten, Belgien, Frankreich,
Oeſter=
reich, Schweiz und Italien mit je drei Ballonen, während
Rußland, England und Dänemark je einen Ballon
ange=
meldet haben. Die bisher ſtärkſte Beteiligung am
Gor=
don=Bennett=Rennen war im Jahre 1908 gleichfalls in
Ber=
lin mit 23 Ballonen, ſodaß die diesjährige Beteiligung
einen Rekord bedeutet.
Paris, 7. März. Der Aviatiker Salmey= iſ
heute vormittag 8 Uhr mit einem Blériot=Eindecker in
London aufgeſtiegen und um 11 Uhr in Iſſy les
Moulineaux, im Süden von Paris, gelandet. Er hat
die Strecke London=Paris, die in der Luftlinie 380
Kilo=
meter beträgt, ohne Unterbrechung durchflogen.
sr. Für das Gordon=Bennett=Rennen
der Flugmaſchinen ſtiftete die Stadt Chicago
eine Summe von 50000 Dollars, von der die Hälfte den
teilnehmenden Fliegern zufallen ſoll. Das urſprünglich
in Ausſicht genommene Flugfeld bei Chicago iſt jetzt für
nicht ausreichend befunden worden, man hofft aber noch
einen geeigneten Platz ausfindig zu machen. England
wollte ſich anfänglich durch Graham White allein vertreten
laſſen, wird aber vorausſichtlich noch den Flieger Hamel
in den Kampf ſchicken.
Sport.
Pfr. Das Badener Zukunftsrennen hat trotz
er großen Preisſteigerung von 36.000 auf 40000 Mark
nicht den erwarteten guten Nennungsſchluß zu
ver=
zeichnen, wenn auch mit dem noch ausſtehenden
Melde=
ſchluß in Brüſſel, London und Rom die verlangte
Mindeſt=
zahl von 70 Unterſchriften knapp erreicht werden dürfte.
In Berlin, Paris und Wien gingen zuſammen 64
Unter=
ſchriften für die klaſſiſche Zweijährigen=Prüfung ein. Die
deutſchen Rennſtallbeſitzer haben erſichtlich nach der
erheb=
lichen Preiserhöhung eine noch ſtärkere franzöſiſche
Kon=
kurrenz gefürchtet, da ſich die an und für ſich ſchon recht
beſcheidene Zahl von 26 Unterſchriften des Vorjahres
noch um eine verringerte. Aber auch bei den Franzoſen
trat merkwürdigerweiſe kein ſtärkeres Intereſſe zutage, im
Gegenteil, die Beteiligungsziffer ging von 35 auf 30 zurück,
die ſich auf eine ganze Anzahl von Ställen verteilen. An
der Spitze ſteht Monſ. A. Veil=Picard mit 5 und Monſ.
M. Ephruſſi mit 3 Unterſchriften. Deutſcherſeits kommen
nur 9 Ställe in Betracht. Am ſtärkſten legte ſich Graditz
mit 7, die Herren A. u. C. von Weinberg mit 5 und
Frei=
herr S. A. von Oppenheim, ſowie Herr R. Haniel mit je 4
Unterſchriften ins Zeug. Die öſterreichiſch=ungariſchen
Ställe ſind durch 8 Zweijährige vertreten. Auffallen muß
das gänzliche Fehlen des Hohenlohe=Oehringiſchen Stalles,
der weder in Berlin noch in Wien eine Meldung abgab.
Pfr. Die großen Magdeburger
Flach=
rennen haben bei der zweiten Reugelderklärung
recht gut abgeſchnitten. Im Pesztonka=Rennen am
Oſter=
montag wurde für 15 Pferde der zweite Einſatz gezahlt.
Von den öſterreichiſch=ungariſchen Pferden blieb nur Ferke
konkurrenzberechtigt. Der neu geſchaffene, mit 25000 Mark
dotierte Preis der Provinz Sachſen vereint noch 31
Kon=
kurrenten, von denen vier und zwar die beiden dreijährigen
Satrap und Lesbos, der vierjährige Bankar und der
fünf=
jährige Fenyes Bogar auf das Nachbarland entfallen. Die
Hauptentſcheidung endlich, der mit einem Goldpokal und
30000 Mark ausgeſtattete Große Preis von Magdeburg
am Pfingſtdienstag, iſt mit 29 Konkurrenten ebenfalls noch
ausgezeichnet beſetzt. Außer den ſchon tags zuvor
kon=
kurrenzberechtigten Satrap und Bankar wurde von den
öſterreichiſch=ungariſchen Ställen nur noch Kapanyel die
Teilnahme am Meilenrennen geſichert.
Rdr. Lorenz=Saldow, Sieger im
Dres=
dener Sechstage=Rennen. Das zweite
Sechs=
tage=Rennen der ſächſiſchen Hauptſtadt hat, wie im
Vorjahre, mit dem Siege der deutſchen Mannſchaft
Lorenz=Saldow geendet, nur daß ihnen diesmal
der Erfolg nicht ſo leicht gemacht wurde. Die auch noch
in den letzten Stunden unternommenen Verſuche des
deutſch=amerikaniſchen Paares Stabe=de Mara blieben
er=
folglos, und ſo mußten Lorenz und de Mara nach
Beendig=
ung des Rennens zum Entſcheidungskampf über 10
Run=
den antreten. Nach einigen Stehverſuchen beider Fahrer
übernahm Lorenz die Führung. Fünf Runden vor Schluß
verſchärfte der Berliner das Tempo und als er in der
vor=
letzten Runde zum vollen Spurt einſetzte, dabei aber nicht
ganz geraden Strich fuhr, richtete ſich de Mara auf, ohne
ſich in einen weiteren Kampf einzulaſſen. Das Endreſultat
war demnach: 144. Stunde: 1. Lorenz=Saldow (auf
Con=
tinental=Pneumatik) 3653,390 Kilomtr.; 2. Stabe=de Mara
½ Rd., 3. Rudel=Pawke 1 Rd., 4. Großmann=Techmer 4 Rd.,
5. Marx=Finn 10 Rd. zurück.
Handel und Verkehr.
* Berlin 6. März. In der heutigen Sitzung des
lufſichtsrates der Deutſchen Bank, Berlin
wurde die Bilanz per 31. Dezember 1911 vorgelegt und
genehmigt. Der auf den 27. März einberufenen
General=
verſammlung wird die Verteilung einer Dividende
von 12½ Prozent (wie i. V.) in Vorſchlag gebracht, unter
Erhöhung des Gewinnvortrages um 502044 Mark.
* Frankfurt (Main), 7. März. In der heute
ſtatt=
gehabten Generalverſammlung der Deutſchen
Ver=
einsbank, Frankfurt (Main) waren 7499400 Mk.
Aktien mit 12349 Stimmen vertreten. Unter Erteilung
der Decharge an Aufſichtsrat und Direktion wurde, den
Anträgen der Verwaltung gemäß, beſchloſſen, für das
laufende Geſchäftsjahr eine ſofort zur Auszahlung
gelan=
gende Dividente von 6 Prozent (wie im Vorjahr) auf das
Aktienkapital von 30000000 Mark zu verteilen. — Die
turnusgemäß ausſcheidenden Mitglieder des Aufſichtsrats,
die Herren Stadtrat Heinrich Flinſch, Generalkonſul
Kom=
merzienrat Eduard Beit von Speyer und Dr Paul Stern,
wurden wiedergewählt.
Die Bergarbeiterbewegung.
Der Streik in England.
* London, 7. März. Die Zeitungen heben hervor,
aß der ausführende Ausſchuß der
Berg=
arbeiter geſtern zum erſten Male eine
Beſpre=
chung mit den Führern der Arbeiterpartei
gehabt hat. Alle parlamentariſchen Vertreter der
Berg=
arbeiter ſind zwar vor einiger Zeit der Arbeiterpartei
bei=
getreten, haben aber ihre eigene Organiſation
beibehal=
ten, und ſie haben bei den bisherigen Verhandlungen über
die Kohlenkriſe die Führer der Arbeiterpartei nicht
konſul=
tiert. Man nimmt an, daß bei der geſtrigen Beſprechung
inerſeits die Frage der Geſetzgebung über die
Minimal=
löhne und andererſeits die Wirkung des Streiks auf die
brigen Arbeiterverbände behandelt worden ſind. Nach
der Daily News ſind durch die Beſchränkung des
Eiſen=
bahnverkehr 100000 Eiſenbahner
beſchäfti=
gungslos geworden und die Gewerkſchaften haben
jedem Organiſierten 15 Schilling pro Woche als
Entſchädi=
gung für die Arbeitsloſigkeit zu zahlen. Nach dem Daily
Chronicle iſt der ausführende Ausſchuß der Bergarbeiter
in zwei Parteien geſpalten, von denen die eine an den
beſchloſſenen Sätzen der Minimallöhne unbedingt feſthält,
während die andere bereit iſt, zu verhandeln. Die
Gru=
benbeſitzer von Südwales bleiben unbeugſam und wollen
das Prinzip der Minimallöhne nur unter dem Zwange
der Geſetzgebung annehmen.
* London, 6. März. Premierminiſter Asquith
er=
klärte im Unterhauſe in Beantwortung von Anfragen, die
von einem liberalen Blatte gebrachte Meldung, die
Re=
gierung beabſichtige, morgen eine Vorlage
betref=
fend den Mindeſtlohn einzubringen ſei eine reine
Erfindung. Die Regierung ſei darauf bedacht, daß das
Haus den Kohlenſtreik beſpreche, doch könne er keinen Tag
für die Diskuſſion feſtſetzen, da die Lage ſehr heikel ſei.
Er hoffe auch, heute nachmittag mit den Vertretern der
Ar=
beiter zuſammenzukommen.
Premierminiſter Asquith, Miniſter Grey und
Finanzminiſter Lloyd George hatten heute nachmittag
eine Unterredung mit den Mitgliedern des ausführenden
Ausſchuſſes der Bergarbeiter=
* London, 6 März. Infolge der Haltung der
Aus=
ſtändigen ſind zwei Kohlenbergwerke im
Swan=
ſea=Diſtrikt außerſtande, das Waſſer auszupumpen. Wenn
der Streir noch ein wenig länger dauert, ſo wird das
Aus=
docken zwei Monate in Anſpruch nehmen. Die
Schiffs=
beſitzer der Nordoſtküſte bieten für Bunkerkohlen
ungewöhnliche Preiſe. Der Kokspreis iſt bis auf 30
Schilling pro Tonne in die Höhe gegangen und iſt der
höchſte ſeit 20 Jahren Im Tynediſtrikt werden fortgeſetzt
Werke geſchloſſen. Die Zahl der beſchäftigungsloſen
Ar=
beiter wurde auf 2300 geſchätzt. Am Tees=Fluſſe arbeiten
nur noch neun von 74 Hochöfen.
* Liverpool, 6. März. Die White Star=
Line, die vorerſt noch an ihrem Fahrplan feſthält,
kün=
digt an, daß ſie für Verluſte nicht verantwortlich ſei, die
dadurch entſtehen könnten, daß die Expedition der Schiffe
nicht fahrplanmäßig oder überhaupt nicht erfolgt
Die Streikbewegung in Deutſchland.
* Eſſen, 6. März. Die außerordentliche
General=
verſammlung des Gewerkvereins chriſtlicher
Bergarbeiter für das Ruhrrevier erklärte ſich
einſtimmig gegen die Beteiligung an dem jetzt von dem
ſozialdemokratiſchen Verband und deſſen Nachläufern
be=
abſichtigten Streik. Sämtliche Delegierte erklärten, daß
die Mitglieder mit der Haltung der Gewerkvereinsleitung
voll einverſtanden ſeien. Die Generalverſammlung
be=
ſchloß, die Arbeiterausſchüſſe aufzufordern, die
berechtig=
ten Wünſche der Bergleute bei den Zechenverwaltungen
vor=
zubringen und für deren Durchführung einzutreten. Von
der Behörde verlangte die Generalverſammlung, daß ſie
energiſch für den Schutz der nicht ſtreikenden Bergleute
ſorge.
* Bochum, 7 März. Die
Sicherheitsbehör=
den im Induſtriebezirk haben umfaſſſende
Maßnahmen getroffen, um Ruhe und Ordnung
auf=
rechtzuerhalten, falls ein Streik ausbricht. Es wird
mit=
geteilt, es ſei der feſte Wille der Regierung, die
Ar=
beitswilligen bei einem etwaigen Ausſtand zu
ſchützen. Der Schutz werde als um ſo notwendiger
betrachtet, als angeſichts der Haltung der chriſtlichen
Berg=
arbeiter die Zahl der Arbeitswilligen, die einen Anſpruch
auf behördlichen Schutz hätten, nicht unbedeutend ſein
würde Im Gelſenkirchener und Bochumer Landkreis iſt
die Gendarmerie bereits verſtärkt worden, ebenſo im
Dort=
munder Bezirk. Störungen, wie ſie in einigen lokalen
Streiks hier und da beobachtet wurden, werden die
Be=
hörden nachdrücklichſt entgegentreten.
* Saarbrücken 6. März. Im Saarrevier
hielt der Chriſtliche Bergarbeiterverband
mehrere Verſammlungen ab, in denen die
Ausſtandsbewe=
gung in England und im Ruhrrevier zur Sprache kam.
Doch herrſchte die Ueberzeugung, daß die deutſchen
Berg=
leute keinerlei Urſache hätten, einen Ausſtand zu erwägen,
weil ſie Wert auf die Verdrängung der
engli=
ſchen Kohle aus Deutſchland legen müßten, um
für die deutſche Kohlenförderung Abſatz zu finden. Dieſe
Auffaſſung fand in den Verſammlungen allgemeine
Zu=
ſtimmung. In bezug auf die Lohnfrage war man der
Anſicht, daß die Bergleute von der Saar berechtigt ſeien,
einen höheren Lohn zu beantragen. Eine entſprechende
Reſolution wurde angenommen.
* Berlin 6. März. Nach dem Beiſpiel der
Berg=
leute im Ruhrkohlengebiet ſcheinen auch die
Gruben=
arbeiter der ſächſiſchen Kohlenreviere in
eine Lohnbewegung eintreten zu wollen. Wie aus
Dres=
den gemeldet wird, haben die Bergleute des Zwickauer,
Lugauer und Oelmitzer Bezirks geſtern eine einheitliche
Erhöhung des Schichtlohnes um 30 Pfennig, achtſtündige
Arbeitszeit und verſchiedenes andere gefordert. Nächſten
Sonntag ſollen in allen Kohlenbaubezirken
Verſammlun=
gen ſtattfinden. Auch in Rußland wird geſtreikt. In der
Kohlenarube „Saturn” einer der größten Ruſſiſch=Polens,
ſind faſt ſämtliche Arbeiter in den Ausſtand getreten.
Forderungen der Bergarbeiter Oeſterreichs
* Brüx, 6. März. Die Union der Bergarbeiter
Oeſterreichs überreichte den Bekriebsleitungen aller
Braunkohlenſchächte in den Bergamtsbezirken Brüx und
Komotau und Teplitz folgende Forderungen: 25% ige
Erhöhung der Akkordlöhne für Hauer im Abbau auf der
Strecke, wobei jeder Hauer mindeſtens 4½ Kronen in
der Schicht verdienen muß und 25%ige Erhöhung der
Schichtlöhne und Akkordgedingen aller übrigen
Gruben=
arbeiter und Tagesarbeiten. Die Beantwortung der
Forderungen wird bis zum 14. März erwartet.
Der italieniſch=türkiſche Krieg.
* Konſtantinopel, 6. März. Die geſamte
tür=
kiſche Preſſe fährt fort, immer entſchiedener gegen
die Friedensidee Stellung zu nehmen. Die
an=
ſcheinend vom Auswärtigen Amt inſpirierte Jeni
Hazette” erklärt, die Pforte könne ſich nicht auf
Ver=
handlungen auf der Baſis der Annexion einlaſſen. Es
verlautet, das Finanzminiſterium verhandle mit der
Ottomanbank wegen Aufnahme eines Vorſchuſſes von
einer Millon Pfund gegen Schatzbons. — Wie eine
lokale Nachrichtenagentur meldet, erklärte die Pforte dem
Auswärtigen Amt in London, daß die engliſchen
Vor=
ſchläge bezüglich der Bahnlinie Bagdad=Baſſora
berück=
ſichtigt würden, wenn England auf jede politiſche Abſicht
in Koweit verzichte.
* Konſtantinopel, 7. März. Aus authentiſcher
Quelle wird gemeldet, daß die Wahlen in der zweiten
Hälfte des März beginnen. Die Verhängung des
Be=
lagerungszuſtandes über Akka wird amtlich dementiert.
— Die Auslandsgerüchte, nach welchen der Miniſterrat
die Vermittelungsfrage beraten habe und die
Mehrheit der Miniſter geneigt ſei, auf die guten Dienſte
der Mächte auf der Grundlage der Anerkennung der
religiöſen Souveränität des Sultans über Tripolis und
die Cyrenaika und der politiſchen Souveränität über
eine der beiden Provinzen anzunehmen, werden
halb=
amtlich dementiert. Die Pforte ſei mehr denn je
entſchieden, die Rechte der Türkei auf beide Provinzen
aufrecht zu erhalten.
Rom, 7. März. Die Agenzia Stefani ſchreibt:
Entgegen den in den letzten Tagen von einigen Zeitungen
gebrachten Nachrichten ſei feſtgeſtellt, daß von keiner
Macht Schritte bei der italieniſchen Regierung
unter=
nommen wurden, um ihr eine Beſchränkung der
mili=
täriſchen Operationen zu empfehlen. Die italieniſche
Regierung behält ſich volle Aktionsfreiheit vor,
ab=
geſehen von den türkiſchen Küſten, des Adriatiſchen und
Joniſchen Meeres.
Die Revolution in Ching.
* London, 7. März. Die „Times” meldet aus
Peling vom 6. ds.: Der Chineſiſche Finanzminiſter teilte
am Samstag den Vertretern der engliſchen, deutſchen,
franzöſiſchen und amerikaniſchen Banken mit=daß=fürrdie
diplomatiſchen Vertretungen Chinas im Ausland
eine Million Taels unbedingt nötig ſei. Die Banken
haben unter Zuſtimmung ihrer eigenen Regierungen und
und ebenſo der ruſſiſchen und der japaniſchen Regierung
Yuanſchikai zugeſagt, eine halbe Million Taels ſofort,
eine halbe Million in 10 Tagen und weitere Beträge
ſpäter vorzuſchießen. Die Banken aller ſechs Nationen
werden unter ſpäter feſtzuſetzenden Bedingungen beteiligt
werden. Die Beteiligung wird rückwirkende Kraft haben
und auch den Vorſchuß von 2 Millionen Taels
ein=
ſchließen, der vorige Woche der Nankinger Regierung
ge=
währt worden iſt. Das Abkommen über die Anleihe von
30 Millionen Mark zwiſchen der ruſſiſch=aſiatiſchen Bank
und dem Nankinger Schatzamt iſt rückgängig gemacht
worden.
Vermiſchtes.
— Evangeliſcher Kirchengeſangverein
für Deutſchland. Der diesjahrige Deutſche
evan=
geliſche Kirchengeſangvereinstag ſoll am 22.
und 23. Ottober in Frankfurt a. M. ſtattfinden. Bei der
Zentralausſchußſitzung wird u. a. über das Thema
ver=
handelt werden: „Unſere Kirchenkonzerte und die
gottes=
dienſtliche Aufgabe unſerer Kirchenchöre” (Leitſätze: Herr
Pfarrer Wilhelm Herold=Memmingen). Bei der
Haupt=
verſammlung wird Herr Profeſſor D. Spitta=Straßburg
über „Kirchenbau und Kirchenmuſik” referieren.
— Die Deutſche Geſellſchaft für
Kauf=
manns=Erholungsheime hat in ihrer letzten
Plenarſitzung die Errichtung von zwei weiteren Heimen
beſchloſſen, davon eins an der Oſtſee und eins im
Taunus. Auch gehen ihr fortgeſetzt umfangreiche
Stif=
tungen und Mitgliederbeiträge zu. Stiftungen ſind u. a.
in der letzten Zeit erfolgt von: Akkumulatorenfabrik
Aktien=Geſellſchaft, Berlin, 5000 M.; Theodor Hildebrandt
& Sohn, Berlin, 5000 M.; G. Zuban, K. B. Hof=
Zigaret=
tenfabrik K.=G., München, 10000 M.; Allgemeine Deutſche
Credit=Anſtalt, Leipzig, 10000 M.; Moritz Sml. Eſche,
Chemnitz, 5000 M.; Kommerzienrat Friedemann,
Dres=
den, i. Fa. Conradi & Friedemann, Trikotagenfabrik,
5000 M. Aus Heſſen ſind ebenfalls eine große Reihe von
Beitrittserklärungen zu der Geſellſchaft erfolgt, u. a. von:
C. H. Böhringer Sohn, G. m. b. H., Nieder=Ingelheim,
mit einem Beitrage von 2000 M.
* 10 Gebote für Raucher. Das Rauchen braucht nicht
immer ſchädlich zu ſein. Ueber die Art, wie man rauchen
muß, wenn man eine Schädigung der Geſundheit
vermei=
den will, hat der bekannte Arzt Profeſſor Dr. Mar Breitung
in den Blättern für Volksgeſundheit zehn Gebote
veröffent=
licht, durch deren Befolgung ſich alle Raucher vor Schaden
bewahren können. 1. Die größte Menge, bei der noch nicht
Vergiftungserſcheinungen auftreten, iſt der tägliche
Ge=
brauch von 25 Gramm Tabak. Dieſe Menge entſpricht einer
Anzahl von fünf Zigarren mittlerer Größe. Man kann alſo
eine hübſche Menge rauchen, ohne ſich damit zu vergiften.
2. Die Qualität des Tabaks ſpielt eine nicht zu
unter=
ſchätzende Rolle. Es iſt ein Irrtum zu glauben, daß die
einheimiſchen ſogenannten leichten Sorten unſchädlich ſind.
3. Man ſoll niemals bei leerem Magen rauchen. Das
Rau=
chen vor dem Frühſtück iſt verwerflich, und ebenſo
nach=
teilig iſt das Rauchen vor der Hauptmahlzeit. Auch das
Rauchen ſpät abends, um das Schlafbedürfnis zu
ver=
ſcheuchen, iſt dringend zu widerraten. 4. Man ſoll eine
Zigarre nicht unnötig im Mund halten und auch nicht bis
aufs äußerſte Ende rauchen. Manche Perſonen haben die
Gewohnheit, die Zigarre zwiſchen den Zähnen zu kauen.
Dadurch wird der obere Teil der Zigarre durchfeuchtet, und
die ſchädlichen Subſtanzen des Tabakblattes werden zum
Teil gelöſt. Wird der Speichel, wie es oft geſchieht,
ver=
ſchluckt, ſo entſteht auf dieſe Weiſe eine neue Quelle von
Vergiftung. 5. Es iſt zu raten, das letzte Stück der Zigarre
wegzuwerfen. 6. Die lokale Reizung der Zunge, der
Schleimhaut, der Lippen und der ganzen Mundhöhle iſt
ebenfalls auf die Wirkung jener durch die Durchfeuchtung
ge=
löſten Subſtanzen zurückzuführen. 7. Der chroniſche
Rachen=
katarrh und die Abſtumpfung des Geruchſinns, an welcher
viele Raucher leiden, iſt durch die häufige Berührung des
Rauches mit der Schleimhaut des Kehlkopfes und der
Naſenhöhle zu erklären. 8. Raucher, die ſich ſtets einer gut
gereinigten Zigarrenſpitze bedienen, ſchützen ſich vor
manchen Schädigungen. 9. Die erſten
Vergiftungserſchein=
ungen machen ſich in bezug auf das Herz bemerkbar:
Be=
klemmungsgefühl, welches ein bis zwei Minuten, zuweilen
auch zehn Minuten und länger dauert und nach einigen
tiefen Einatmungen von ſelbſt verſchwindet. 10. Dieſe
An=
fälle bedeuten für den Raucher eine ernſte Warnung, wenn
er nicht von ſchweren Folgen der Vergiftung heimgeſucht
werden will.
Literariſches.
— „1813—1815‟ Illuſtrierte Geſchichte der
Be=
freiungskriege‟ Ein Jubiläumswerk zur Erinnerung an
die große Zeit vor 100 Jahren. Von Profeſſor Dr. J.
von Pflugk=Harttung. 400 Seiten mit etwa 300
Abbildungen und 40 Extra=Kunſtblättern. Vollſtändig in
40 Lieferungen zu je 40 Pf. Die hundertjährige
Wie=
derkehr von Deutſchlands Erhebung weckt große
Erinne=
rungen, die in unſerer lauen Zeit heilſam ſein mögen.
Sie dem deutſchen Hauſe würdig in feſſelnder Erzählung
und künſtleriſchen Bildern feſtzuhalten, iſt der Zweck dieſes
vaterländiſchen Hausbuches. Dieſe „Illuſtrierte
Geſchichte der Befreiungskriege” enthält nicht
eine trockene Aneinanderreihung von Tatſachen. Sie
er=
zählt lebendig und erweckt vor dem geiſtigen Auge Zeiten
und Perſönlichkeiten, Stimmungen und Ereigniſſe, ſie
er=
hebt und begeiſtert. Das feſſelnde Wort wird unterſtützt
durch einen ausgeſucht ſchönen und reichen Bilderſchmuck.
Und wie in der Erzählung danach geſtrebt wurde, die
Dinge im rechten Licht erſcheinen zu laſſen, ſo iſt bei den
Abbildungen Wert gelegt auf geſchichtliche Treue und
künſtleriſch=vollendete Darſtellung. — Die 40 Extra=
Kunſt=
blätter bilden eine beſondere Bereicherung des Inhalts.
— Man tut gut, ſchon jetzt für die erſten
Frühjahrsko=
ſtüme Sorge zu tragen, und um dabei die richtige Wahl zu
treffen, das eben erſchienene Heft 11 der „Wiener
Mode” zu Rate zu ziehen. Das Blatt veranſchaulicht
ungefähr vierzig Koſtüme, einfache Straßenkleider,
Be=
ſuchs= und Abendtoiletten, nebſt all den nötigen Zutaten
der Toilette, insbeſondere der neuartigen Frühjahrs= und
Sommermuffe. Die neu eingeführte Photochronik der
„Wiener Mode” ein Artkel über Londoner Ausverkäufe,
geſtickte Bluſen, nebſt Anleitung zu deren leichten
Herſtel=
lung und andere künſtleriſche Handarbeitsvorlagen ſowie
die belletriſtiſchen Beiträge des Heftes werden jeder Dame
willkommene Anregung und Zerſtreung bieten.
— „Was ſoll unſere Tochter werden?
Unter dieſem Titel hat der Deutſchnationale
Handlungs=
gehilfen=Verband in Hamburg ein kleines Merkbüchlein
herausgegeben, das Eltern und Vormündern ſachkundi=
gen Rat über die zweckmäßigſte Wahl einer
Beſchäftig=
ung für die herangewachſenen Töchter gibt. Nicht
wahl=
los ſind die einzelnen Berufe hier zuſammengeſtellt und
beſprochen worden, ſondern es iſt Wert darauf gelegt,
nur ſolche Beſchäftigungsarten zu empfehlen, in denen
die Mädchen Kenntniſſe erlangen, die ſie auch im
ſpäte=
ren Leben als Hausfrau und Mutter zum Nutzen und
Segen der Familie verwenden können. Das Büchlein
enthält eine Fülle ſolcher Erwerbsmöglichkeiten, und
zwar für Töchter aller Stände. Der Deutſchnationale
Handlungsgehilfen=Verband, Hamburg, Holſtenwall 3/5,
oder die Ortsgruppe Darmſtadt, Geſchäftsſtelle
Eliſa=
bethenſtraße 26, verſendet dieſes Büchlein an Eltern und
Vormünder auf Verlangen koſtenfrei.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Cuxhaven, 7. März. Die Garniſon von Cuxhaven
wurde um 9.30 Uhr alarmfert, worauf die
Strandbatte=
ien ſofort das Feuer in See eröffneten. Gegen 10 Uhr
verließ der Kaiſer die „Deutſchland” und ging an Bord
der „Willkommen”. In ſeiner Begleitung befanden ſich
ußer den Herren des Gefolges der Fürſt zu Fürſtenberg,
Admiral von Hollmann, der Chef der Hochſeeflotte
Admiral von Holtzendorff und der Chef des
General=
ſtabes General der Infanterie von Molke. Der
Kaiſer wurde von Generaldirektor Ballin auf der
„Willkommen” empfangen. Das Schiff legte an dem
feſtlich geſchmücktem weſtlichen Hafenkopf des neuen
Hafens an. Hier wurde der Kaiſer von den
Bürger=
meiſtern von Hamburg, Burchard und Schröder,
begrüßt. Zum Empfange waren ferner anweſend
Großadmiral von Tirpitz, Admiral Graf Baudiſſin
und Vizeadmiral v. Heeringen. Der Kaiſer begab ſich,
vom Publikum mit Hochrufen begrüßt, bei ſchönem
Wetter im Automobil durch die mit Fahnen, Girlanden
nd Ehrenpforten geſchmückte Stadt über das Fort
Grimmerhörn nach dem Fort Kugelbake, wo ein
Scharf=
chießen in See nach ſchwimmenden Zielen ſtattfand.
Hierbei waren u. a. anweſend Prinz Heinrich und der
Generalinſpekteur der Feſtungen General der Infanterie
Mudra. Später beſichtigte der Kaiſer eine Reihe von
Werke in Begleitung des Admirals von Plettenberg.
Um 12 Uhr beſuchte er mit dem Prinzen Heinrich die
neue Garniſonskirche. Es hatten ſich eingefunden der
Amiral v. Tirpitz und Admiral v. Moltke. Sie wurden
empfangen vom Garniſonsgeiſtlichen Baumeiſter, unter
deſſen Führung der Kaiſer die Kirche beſichtigte; er ließ
ſich eingehend über die Stiftungen informieren.
London, 7. März. Daily Chronicle meldet, nach
einem Bericht Amundſens hat Scott den Südpol
erreicht.
* New=York, 7. März. Telegramme aus Chihuahua
melden, Emilo Vasquez Gomez wurde zum
provi=
ſoriſchen Präſidenten proklamiert.
— Cherbourg, 7. März. Das durch heftige
Regengüſſe verurſachte Hochwaſſer hat ganze
Straßen=
züge überflutet und hat überall beträchtlichen Schaden
angerichtet. Gleichzeitig einſetzende Gewitter zerſtörten
viele Telegraphenleitungen. Die Bewohner der
Leucht=
turminſel Pelſe leiden unter Nahrungsmangel, da Schiffe
nicht landen können.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die nördliche Depreſſion hat ihren Weg nach Oſten
angſam fortgeſetzt, ſodaß wir jetzt ganz auf ihrer
Rück=
eite ſind. Sie wird ſich wohl in der angegebenen
Richtung weiter bewegen. Ihr folgt von Südweſten
her hoher Druck, in deſſen Bereich wir meiſt heiteres,
trockenes Wetter erwarten dürfen. Bei mehr nördlichen
Winden wird die Temperatur weiter ſinken.
Ausſichten für Freitag, den 8. März 1912: Meiſt
heiter und trocken, kühl, in höheren Lagen nachts Froſt.
von Mk. 1.10 an
per Meter
Heuneberg=Seide
porto= u. zollfrei
in ſchwarz, weiß und farbig,
für jeden Bedarf.
(1208a)
Verlangen Sie Muſter. G. Henneberg, Illlich)
Hlein süsser Liebling, nun hör' mich an
Hier gebe ich dir ſechs kleine weiße Dinger. Die
ſind wie Bonbons, nur viel beſſer, weißt du, und
die mußt du auf dem Schulweg lutſchen, damit
du mir bei dem ſchlechten, kalten Wetter nicht
krank wirſt. Mein Puppi ſöll doch einmal ſo
groß werden, wie die Mama; aber dann darf
es nicht krank werden, und fleißig Fays Sodener
lutſchen, die mein Kindchen geſund erhalten.
Und nun geh und ſei hübſch artig. — Fays
ächte Sodener kauft man für 85 Pfg. per
Schachtel überall, weiſe aber Nachahmungen
entſchieden zurück.
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Anfragen zu richten an: Orthozentriſche Kneifer=Geſ.
m. b. H., Frankfurt a. Mam, A 7, am Opernplatz. (V5629
Aus dem Geſchäftsleben.
Man ſchreibt uns: Seine Königl. Hoheit der Prinz
Leopold von Preußen und Seine Königliche Hoheit der
Prinz Sigismund von Preußen beſtellten bei den
Adlerwerken vorm. Heinrich Kleyer A.=G., Frankfurt
a. Main, je einen 19/42 Ps. Adler=Wagen, die unlängſt
zur Ablieferung kamen. Auch Seine Königl. Hoheit der
Prinz Chriſtian von Heſſen=Barchenfeld bezog vor
urzem einen 23/52 PS. Adler=Wagen von den
Adler=
werken und inzwiſchen erhielt die Firma von Seiner
Königl. Hoheit dem Großherzog von Mecklenburg=
Schwerin den Auftrag zur Lieferung eines 15/35 Pf.
Adler=Wagens. Ueberhaupt erfreuen ſich die Adler=
Wagen bei vielen Höchſten und Allerhöchſten
Herr=
ſchaften großer Beliebtheit; ſo beſtellte auch das
Mar=
ſtallamt Sr. Maj. des Kaiſers wiederholt Adler=Wagen,
darunter einen 70pferdigen, und auch Se. Königl. Hoheit
der Kronprinz von Dänemark fährt ebenfalls Adler=
Wagen. Ganz beſondere Wertſchätzung aber genießt die
Adlermarke bei Sr. Königl. Königl. Hoheit dem
Land=
grafen von Heſſen, der bereits den 6. Wagen bei den
Adlerwerken beſtellte.
Familiennachrichten.
Dank!
Aus Anlaß meines 40 jähr. Jubiläums
ſind mir von allen Seiten ſo viel herzliche und
freundſchaftliche Glückwünſche zuteil geworden,
daß es mir beim beſten Willen nicht möglich
iſt, jedem Einzelnen zu danken.
Ich ſage darum auf dieſem Wege für alle
Beweiſe der Freundſchaft und Achtung, die mir
ſo ſehr wohlgetan, meinen
allerherz=
lichſten Dank.
(5666
Martin Wesp,
Werkmeiſter der Firma Ferd. Schmidt,
Darmſtadt.
Arheilgen, den 7. März 1912.
Todes-Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die
traurige Mitteilung, daß unſere liebe Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin
und Tante
(B5654
Frau
Marte Lädtohschtuger Ne.
geb. Wagner
geſtern mittag nach langem Leiden im Alter
von 69 Jahren ſanft dem Herrn entſchlafen iſt.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Pfungſtadt, 7. März 1912.
Die Beerdigung findet Freitag nachmittag um
3 Uhr, von der Beſſunger Leichenhalle aus,
ſtatt.
Todes-Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die
traurige Nachricht, daß, mein lieber Mann,
unſer guter Vater, Großvater, Bruder u. Onkel
HerrAdam Hübner
Weichensteller i. P.
nach langem, ſchwerem Leiden ſanft
ver=
ſchieden iſt.
(5637
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Kath. Hübner Wwe.,
Leonhard Hübner,
Fam. Linke.
Darmſtadt, den 7. März 1912.
Die Beerdigung findet am Freitag
nachmit=
tag 3 Uhr, vom Portale des Friedhofes aus,
ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer unvergeßlichen Mutter
ſage innigſten Dank.
(5649
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Ludwig Haus.
Pfungſtadt, 7. März 1912.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
während der Krankheit, bei dem Hinſcheiden und
der Beerdigung meiner lieben Gattin, unſerer
guten Mutter, Tochter, Schwiegertochter, Schweſter
und Schwägerin
(5651
Frau Marie Kumpf
geb. Heß
für die troſtreichen Worte des Herrn Pfarrer
Vollrath, für die Beteiligung und Kranzſpende
meiner Vorgeſetzten und Mitarbeiter, den
Spiel=
leuten der Freiwilligen Feuerwehr, ſowie für
alle übrigen zahlreichen Blumenſpenden ſage ich
auf dieſem Wege Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Jakob Kumpf.
Beſichtigung des Großh.
Reſidenzſchlof=
ſes: Dienstags und Freitags von 3—4 Uhr,
Sonn=
tags von 11—1 Uhr. Eintrittskarten werden beim
Schloßinſpektor abgegeben: Einzelkarte 50 Pfg.,
Fa=
milienkarten (3 Perſonen) zu 1 Mk.
Großh. Hofbibliothek, geöffnet Montag bis Freitag
von 9—1 Uhr und nachmittags von 2—4 Uhr, Samstag
von 9—1 Uhr.
ür die herzliche Teilnahme an dem uns ſo
ſchwer betroffenen Verluſte unſerer lieben,
guten Gattin, Mutter, Schwiegermutter und
Großmutter
(B5684
Frad Blisaboth Heyer
geb. Geiger
ſagen wir unſeren tiefgefühlteſten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, März 1912.
Gottesdienſt der israelitiſchen Religiousgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 8. März:
Vorabendgottesdienſt 6 Uhr.
Samstag, den 9. März:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min.
Sabbataus=
gang 7 Uhr 5 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 9. März:
Vorabend 5 Uhr 40 Min. Morgens 8 Uhr.
Nach=
mittags 4 Uhr. Sabbatausgang 7 Uhr 5 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 10. März, an:
Morgens 6 Uhr 30 Min. Nachmittags 5 Uhr. 45 Min.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. B): „
Bau=
meiſter Solneß”.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vorſtellung des Hofzauberkünſtlers Bellachini um
8½ Uhr in der Turnhalle am Woogsplatz.
Vortrag von Diplom=Ingenieur Dunkler um 8¼ Uhr
im „Kaiſerſaal” (Volksbildungsverein).
Hauptverſammlung des Bezirksvereins „Mathil
denhöhviertel” um 8½ Uhr im „Hanauer Hof”
Konzerte: Hotel Heß und Bürgerkeller um 8 Uhr. —
Heſſiſcher Hof um 6½ Uhr.
Fachausſtellung für das Maler= ꝛc. Gewerbe
Neckar=
ſtraße 3 (geöffnet von 11—1 Uhr!.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke
Rhein=
u. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 4—11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
The American Bio Co., Ernſt=Ludwigsſtr. 23.
Vorſtellungen von 4—11 Uhr.
Olympia=Kinematograph, Rheinſtraße 2.
Verſteigerungskalender.
Samstag, 9. März.
Wirtſchaftsgeräte=ꝛc. Verſteigerung um 11 Uhr
im Rummelbräu.
Kunſtverein. Täglich geöffnet von 11—4 Uhr,
Sonntags von 10—4 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wiltich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.
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4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. 90,70
81,70
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
90,60
3½ do. Conſols
81,80
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,80
93,20
do.
3½
83,50
3
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,90
89,50
do.
3½
79,90
do.
4 Hamburger Staatsanl. 100,80
4 Heſſ. Staatsanleihe 99,90
4 do. do. (unk. 1918) 100,40
89,5
do.
3½
78,70
do.
3
81,50
3 Sächſiſche Rente
4 Württemberger v. 1907 100,20
95,00
31
do.
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,25
1¾ Griechen v. 1887 53,30
3¾ Italiener Rente
½ Oeſterr. Silberrente 92,60
4 do. Goldrente . . . 96,70
4 do. einheitl. Rente 89,80
3 Portug. unif. Serie I 65,10
3 do. unif. Ser. III 68,00
3 do. Spezial . . . . 10,00
5 Rumänier v. 1903 . . 101,40
4 do. v. 1890 . . 95,00
4 do. v. 1905 . . 92,30
91,00
4 Ruſſen v. 1880
91,00
4 do. v. 1902
4½ do. v. 1905 . . . . 100,50
3½ Schweden .
4 Serbier amort. v. 1895 85,80
4 Türk. Admin. v. 1903 84,30
4 Türk. unifiz. v. 1903 91,60
4 Ungar. Goldrente . . . 92,90
4 do. Staatsrente . . . 90,00
In Proz.
Bf.
5 Argentinier . . . . . . 100,30
88,80
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 92,90
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,50
95,50
4½
do.
4½ Japaner . . . . . . . 95,30
5 Innere Mexikaner . . . 94,50
60,10
do.
3
4 Gold=Mexikaner v. 1904 88,10
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,80
3 Buenos Aires Provinz 72,50
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
8 Hamb.=Amerika=Paket=
139,50
fahrt
3 Nordd. Lloyd . . . . . 104,75
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 123,80
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 113,75
8 Baltimore und Ohio . 102,90
6 Schantungbahn . . . . 132,75
6½ Luxemb. Prince Henri 153,00
0 Leſt. Südbahn (Lomb.) 18,00
6 Pennſylvania R. R.
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
3 Brauerei Werger
72,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik
. 491,00
14 Chem. Fabrik
Gries=
heim
.. 253,50
27 Farbwerke Höchſt . . 541,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 339,50
8 Cement Heidelberg . . 157,80
32 Chem. Werke Albert 442,00
12½ Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 292,00
4 Lahmeyer . . . . . . . 127,50
In Proz.
Letzte
Divid.
7 Schuchert, Nürnberg . 154,00
12 Siemens & Halske . 232,75
12 Bergmann Electr. . . 180,00
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 179,30
25 Gummi Peter . . . . 143,75
0 Kunſtſeide Frankfurt 129,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 464,90
12 Maſchinenf. Badenia 199,80
16 Wittener Stahlröhren 232,00
8 Steana Romana Petr. 133,60
15 Zellſtoff Waldhof . . 241,50
12½ Bad. Zucker=
Wag=
häuſel . . . . . . . 207,00
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 132,00
3 Südd. Immobilien . 71,00
Bergwerks=Aktien.
10 Aumetz=Friede . . . . 181,10
12 Bochumer Bergb. und
Gußſt.
. . 220,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 178,30
10 Gelſenkirchener . . . . 192,50
.187,00
7 Harpener .
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 247,20
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
85,80
Caro.
4 Laurahütte
.. 172,75
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 189,00
10
5 South Weſt Africa . 152½
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,40
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,60
4 Eliſabethbahn, freie . . 95,70
4 Franz=Jofefs=Bahn . . —
3 Prag=Duxer . . . . . . 75,60
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 94,90
3
do.
79,50
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,50
ee SZe
3f.
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 80,50
54,75
29/10 do.
77,70
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 95,60
4 Ruſſ. Südweſt . . . . . 8880
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,80
88,25
do.
4 Wladichawchas . . . . 89,10
4 Rjäſan Koslow . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 78,50
92,50
do.
4½
. 71,10
2¼/0 Livorneſer .
3 Salonique=Monaſtir . 65,60
. 84,30
4 Bagdadbahn .
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 97,00
4 Miſſouri=Pacific . . . . 74,00
4 Northern=Paciſic . . . 101,00
. 95,30
4 Southern=Pacific
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 88,30
5 Tehuantepec . . . . . . 97,30
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . 194,00
8½ Bergiſch=Märkiſche
.149.80
Bahn.
9 Berlin. Handelsgeſ. . . 170,70
6½ Darmſtädter Bank . 124.75
12½ Deutſche Bank . . . 260,00
6 Deutſche Vereinsbank . 124,50
5½ Deutſche Effekt.= und
.117,80
W.=Bank .
10 Diskonto=Kommandit 188,70
8½ Dresdener Bank . . 155,70
9½ Frankf. Hypoth.=B. 212,00
6½ Mitteld. Kreditbank 120,90
7 Nationalb. für Deutſchl. 125,00
5½ Pfälziſche Bank . . 130,25
138,10
6.48 Reichsbank
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,50
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 129,75
7½ Wiener Bankperein . 138,25
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 99,20
Zf. Pfandbriefe. InProz
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 90,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 15—19, 21—26 98,30
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,75
89,50
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 101,10
90,10
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16.
. 100,60
S. 14, 15, 17, 24/26
.100,85
18—23 . .
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—
. 90,10
S. 3—5
. 89,90
S. 9—11
. 90,00
4 Meininger Hyp.=Bank 100,00
do.
3½
89,50
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 99,00
3½ do. (unk. 1914) . . 89,20
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,50
3½ do.
90,50
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt .
3½ do.
4 Frankfurt
100,40
3½ do.
96,10
4 Gießen
3½ do.
4 Heidelberg
99,90
3½ do.
89,00
4 Karlsruhe
99,50
3½ do.
90,50
4 Magdeburg
3½ do.
4 Mainz
99,50
3½ do.
90,30
4 Mannheim
. 98,90
3½ do.
92,00
4 München
99,60
3½ Nauheim
90,00
4 Nürnberg.
99,80
3½ do.
90,70
4 Offenbach .
-
In Proz
Zf.
3½ Offenbach
90,20
4 Wiesbaden
100,00
3½ do.
4 Worms . . . .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 135,60
3 Holl. Komm. . fl. 100 105,60
3 Madrider . . Fs. 100 78,00
4 Meininger Pr.=Pfand=
137,00
briefe .
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 181,00
3 Oldenburger . .
. 125,80
2½ Raab=Grazer fl. 150 115,90
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger.
.. fl. 7 36,00
Braunſchweiger Tlr. 20 198,00
Fs. 15
Freiburger
Fs. 45
Mailänder
. Fs. 10 34,70
do.
ſl. 7
Meininger .
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100
do. v. 1858fl. 100 453,00
Ungar. Staats . . fl. 100 369,00
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 171,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . .
20 Franks=Stücke .
16,26
Amerikaniſche Noten . . . 4,19¾
Engliſche Noten . . . . . 20,44
Franzöſiſche Noten. . . . 81,15
Holländiſche Noten. . . . 169,39
Italieniſche Noten . . . . 80,70
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,80
Ruſſiſche Noten . . . . . 216,00
Schweizer Noten . . . . . 80,85
Reichsbank=Diskonto. .
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Zeugniſſen verſehen, bis 15. März,
oder 1. April Stellung auf einem
Bur. Off. u. P 6 Exp. erb. (*5719df
findet jung. Mann, 24 J.,
Wo verh., gut. Charakt., angen.
Erſch., paſſ. Poſt. als Bureaudien.,
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Näh. zu erfrag. bei Karl Senſer,
Heſſenbräu, Kirchſtr. 3. (*5826
ſucht Stellung
Geſchäftsmann als Reiſender,
Kaſſier oder ſonſtigen
Vertrauens=
poſten. Kaution kann geſt. werden.
Offerten u. P 58 Exped. (*5875fi Nur ſolche, welche an Oſtern
Zuverl., ehrl. Mann, 37 J., gelernt.
Zimmermann, bish. ſelbſt., ſ. feſte
dauernde Stellg. als Treppenmacher,
Bandſägeſchnitter od.
Maſchinen=
führer; auch Vertrauenspoſten
er=
wünſcht. Gefl. Off. unt. P 59 an
die Exped. d. Bl. erbeten. (*5878
das Realgymnaſium bis Ober=
Sekunda beſucht hat, und ſich dem
kaufmänniſchen Beruf od. d.
Vank=
fach widm. w., Stellg. a. Lehrling.
Angeb. u. O. 86 Exped. (5475a
mittags Beſchäftigung geſ. Bach=
(*5898fs
gaſſe 14, parterre.
Weiblich
eine im Steno=
Geſucht graphieren u.
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u. P 49 an die Exp. (5646fs Aelteres Mädch., mögl. kath., das
auch etwas nähen kann, den Haus=
halt verſieht u. Liebe zu Kindern
hat, bis 15. od. 1. April geſ. Land=
graf Philipp=Anl. 18, 1. St. (5420mdf Junges, ſauberes
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welche mit der Wäſcheausſtattungs= branche vollkommen vertraut iſt
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dienſt Kiesſtr. 16, Vdh. Mſ. (V5665 Mühlſtraße 40, 1. Stock. (*5540mf
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wandert iſt, ſucht
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in feine engl. Damenſchneiderei
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der Schule entlaſſen werden, wollen ſich melden bei
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Kleidermachen gründl. erlernen.
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mit guten Zeugniſſen, welches ein=
fach kocht und Hausarbeit über=
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und nachmittags zwiſchen 6 und mit Zeugnisabſchriften unt. P 461 Heinrichſtraße 145, part. (*5539mdf
an die Exped. ds. Bl. (*5838 Cuche und empfehle Köchinnen,
Hausmädchen, Alleinmädchen für hier und auswärts. (*5858
Johannette Weißmantel,
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Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In
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licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Dobermann. Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung, der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag vormittags
um 10 Uhr, ſtatt.
(5641
Dorothea=Georg=Stiftung.
Aus der unter ſtädtiſcher Verwaltung ſtehenden Dorothea=
Georg=Stiftung iſt vom 1. Oktober 1911 ab eine Unterſtützung von
100 Mk. jährlich zu vergeben. Die Unterſtützung ſoll nach den
Stif=
tungsbeſtimmungen als lebenslängliche Beihilfe an eine vater= und
mutterloſe, körperlich gebrechliche, vermögensloſe, ledige und
allein=
ſtehende Darmſtädter Bürgerstochter oder ſonſt hier
unterſtützungs=
wohnſitzberechtigte Frauensperſon vergeben werden, die ſich weder bei
Verwandten, noch Freunden aufhält, ehrbar und unbeſcholten iſt und
ſich redlich ernährt.
Die Unterſtützung kommt halbjährlich nachträglich zur
Auszah=
lung; im Falle der Verheiratung hört ſie auf.
Bewerberinnen, die hiernach zum Bezuge berechtigt zu ſein
glauben, wollen ihre Geſuche, in denen die einſchlägigen Verhältniſſe
genau anzugeben und die Angaben, ſoweit möglich, durch Zeugniſſe
zu belegen ſind, bis längſtens 15. d. Mts. bei uns einzureichen.
Darmſtadt, den 4. März 1912.
(5660
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Mueller.
Antzholz=Verſteigerung Nr. 16.
(Stadtwald.)
Freitag, den 15. März l. Js., vormittags 9 Uhr,
werden im Saale der hieſigen Turngemeinde (Woogsplatz 5)
aus den Abt. 43, 44 (Nachtweide), 47 (Wannemachersplatte), 48 (
Sau=
ſchwanz) und 49 (Rücksbrünnchen) der Forſtwartei Heiligkrenz
ver=
ſteigert 248,85 fm Nutzholz, nämlich:
1. Stämme: Eichen
I. Kl. 6 Stück = 16,11 fm
II. „
„— 2,33 „
III.
3 „ — 3,58 „
IV. „ 19 „ — 12,83 „
V. „ 17 „ — 7,99 „
VI.
21 „ — 5,10
Eſchen
VI. „ 21 „ — 2,65
Buchen II. „ 5 „ — 6,36 „
III. „ 14 „ — 14,67
IV. „ 9 „ — 5,66
Hainbuchen IV. „ 5 „ — 2,28
V. „ 10 „ — 3,75
VI.
21 „ — 5,38
Linde IV.
„ — 0,45
VI. „ 1 „ — 0,43
Fichten II.
11 „ — 20,63
III. „ 18 „ — 23,38 „
IV. „ 40 „ — 42,54 „
— 52,93
„108
„ 52 „ — 2,58 „
2. Derbſtangen: Eichen
Eſchen
„ 183 „ — 13,33 „
„ 30 „ — 1,73
Fichten
„85 „ — 1,87
— 0,29
3. Reisſtangen: Fichten I. „ 50
Sämtliche Hölzer ſind an verſteinte oder gut fahrbare Wege
gerückt. Unterſtrichene Nummern kommen nicht zum Ausgebot.
Nummernverzeichniſſe über das Stammholz ſind bei Herrn
Forſt=
wart Hofmann, hier, unentgeltlich zu haben.
(5611fm
Darmſtadt, den 29. Februar 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
Stammholz-Verſteigerung.
In der Weſtendhalle am Bahnhof Langen (Linie Frankfurt-
Darmſtadt) werden
Montag, den 18. März d. J., vormittags 10 Uhr
beginnend, verſteigert:
82 Eichen — 77 km; 28 Eſchen — 9 km; 4 Hainbuchen
— 2 fm; 1 Ulme — 1 fm; 37 Kiefern — 36 fm.
Das Holz, faſt durchweg erſtklaſſige Ware, lagert 1—4 km von
Bahnſtation und wird auf Wunſch vorgezeigt. Gedruckte
Stammholz=
liſten werden auf Anfordern von unterzeichneter Behörde koſtenlos
zugeſandt.
Mörfelden, den 7. März 1912.
(561
Großherzogliche Oberförſtexei Mörfelden.
Bonhard.
Wir zeigen hiermit an, dass wir die Zinsvergütung auf
Scheck-Konto
bis auf Weiteres auf 2½% festgesetzt haben.
Für Gelder mit bestimmter Kündigungsfrist bleibt
besondere Vereinbarung wegen der Zinsvergütung
vorbehalten.
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Zweite Kammer der Stände.
13. Sitzung.
St. Darmſtadt, 7. März.
Am Regierungstiſch: Staatsminiſter Ewald Exz.,
Finanzminiſter Braun Exz., Miniſter des Innern
von Hombergk zu Vach Exz., Geheimeräte Dr.
Becker Dr. Weber, Beſt, Süffert,
Miniſterial=
räte Hölzinger, Dr. Kratz, Geh. Oberfinanzrat
Dr. Rohde, Legationsrat Dr. Neidhart.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um
9¼ Uhr. Das Haus tritt alsbald in die Tagesordnung
ein und ſetzt die Beratung des
Hauptvoranſchlages
fort. — Kapitel 13: Landſtände, wird auf Antrag
Dr. Oſanns vertagt.
Kapitel 14: Staatsminiſterium. Da
weſent=
liche Aenderungen gegen früher nicht vorliegen,
bean=
tragt der Ausſchuß, die angeforderten 89468 Mark
in Ausgabe zu bewilligen. Der Antrag wird
ange=
nommen.
Kapitel 15: Auswärtige und
Bundesver=
hältniſſe. Der von der Großherzoglichen Regierung
hier vorgeſehene Mehrbetrag von 7000 Mark iſt in den
Erläuterungen des Hauptvoranſchlages zu dieſem
Ka=
pitel ausführlich begründet. Die Großherzogliche
Re=
gierung hatte ſchon am Schluſſe der letzten Seſſion des
vorigen Landtages über den gleichen Gegenſtand eine
beſondere Vorlage eingebracht, die jedoch wegen des
bevorſtehenden Landtagsſchluſſes nicht mehr zur
Verab=
ſchiedung gelangt iſt. Der Ausſchuß erkennt mit allen
gegen eine Stimme das dringende Bedürfnis für eine
Abhilfe der ganz unhaltbar gewordenen dermaligen
Zu=
ſtände an und beantragt, die hier vorgeſehene neu
zu ſchaffende Stelle eines Bureaubeamten mit den damit
verbundenen Mehrausgaben und damit den
Geſamtbe=
trag unter dieſem Kapitel mit 45000 Mark in Ausgabe
zu bewilligen.
Staatsminiſter Ewald Exz.: Der Abg. Ulrich
hat zu dieſem Kapitel den angeforderten Mehrbetrag von
7000 Mark beanſtandet, weil er unberechtigt ſei. Wenn
der Abg. Ulrich zur Begründung ſeines Antrages, den
Betrag zu ſtreichen, geſagt habe, er kenne die
Verhält=
niſſe in Berlin, ſo beweiſe der Antrag das Gegenteil,
daß er die Verhältniſſe im Bundesrat gar nicht kennt.
Er müſſe ſonſt wiſſen, daß Heſſen am beſcheidenſten von
allen Bundesſtaaten iſt. Wir hatten bisher weder eigene
Bureauräume, noch eine ſtändige Kanzlei. Dem
Geſand=
ten ſtand bisher einzig ein Manſardenzimmer zur
Auf=
bewahrung von Akten zur Verfügung. Im übrigen iſt
er gezwungen, ſeine Wohnung zu Bureauzwecken zu
be=
nutzen. Das iſt auf die Dauer nicht mehr haltbar. Es
iſt darum ein Lokal gemietet worden für den Betrag von
1500 Mark, in dem das Bureau uſw. untergebracht
wer=
den ſoll. Für die Bureauarbeit war bisher ein Beamter
aus dem Reichsamt des Innern gewiſſermaßen
aus=
geborgt, der in ſeinen freien Nachmittagsſtunden die
Arbeit verrichtete. Dieſer Beamte hat nun zum 1. April
gekündigt und war nur ſchwer dazu zu bewegen, bis
1. Juli zu bleiben. Das geht für die Zukunft nicht mehr.
Man kann nicht weiter abhängig ſein von der
Güte eines Bundesſtaates; ganz abgeſehen von
den ſonſtigen erheblichen Bedenken, die der
Ver=
wendung eines Beamten eines anderen
Bun=
desſtaates entgegenſtehen. Es würde darum
ein eigener hieſiger Sekretariatsbeamter nach Berlin
geſchickt, der zur vollen Zufriedenheit den Dienſt jetzt
verſieht. Es iſt auch nicht richtig, wenn gder Abg. Ulrich
behauptete, daß die früheren heſſiſchen Geſandten die
Arbeit allein getan haben und keine Hilfe brauchten.
Schon im Jahre 1885 hat der damalige Geſandte
Exzel=
lenz von Neidhart darauf aufmerkſam gemacht, daß es
ihm nicht mehr möglich ſei, die Geſchäfte allein zu
beſor=
gen, wenn er nicht ſchweren Schaden an ſeiner Geſundheit
nehmen ſolle. Redner verlieſt den Brief, den damals
Exz. Neidhart an den Staatsminiſter v. Starck gerichtet
hat. Es iſt weiter darauf aufmerkſam zu. machen, daß
Baden 3, die meiſten anderen Bundesſtaaten 4, Bayern 6
eigene Bundesratsbevollmächtigte in Berlin beſitzen.
Wir halten uns auch weiterhin nur in den beſcheidenſten
Grenzen. Was aber angefordert iſt, iſt unbedingt
not=
wendig, und ich bitte dringend, den Ausſchußantrag
an=
zunehmen. (Beifall.)
Abg. Molthan beſtätigt im weſentlichen die
Aus=
führungen des Staatsminiſters. Der Widerſtand gegen
die Forderung iſt durchaus unberechtigt und er bittet,
den Ausſchußantrag einſtimmig anzunehmen. — Abg.
Dr. Oſann meint, er ſei zwar nicht ſo lange im
Reichs=
tage geweſen wie Herr Ulrich, aber er habe doch
Gelegen=
heit gehabt, zu ſehen, daß die Herren im Bundesrat eine
ganz enorme Arbeit zu leiſten haben, die fortgeſetzt
zu=
nimmt. In den Herren v. Neidhart und v. Gagern
haben wir ganz ausgezeichnete Arbeitskräfte beſeſſen,
trotzdem konnten auch dieſe nur unter den größten
An=
ſtrengungen ihre Tätigkeit aufrecht erhalten. Es iſt aber
tatſächlich unwürdig eines Staates wie Heſſen, daß es
im Bundesrat nicht einmal einen eigenen
Bureaubeam=
ten beſitzt, ſondern in dieſer Beziehung auf die Gnade
eines anderen Bundesſtaates angewieſen iſt. Die
Re=
ferate uſw. nehmen fortgeſetzt zu. Seine Partei iſt von
der Notwendigkeit dieſer Nachforderung durchaus
über=
zeugt. Doch ſolle ausdrücklich feſtgeſtellt’ ſein, daß es ſich
nicht etwa um Repräſentationszwecke des Geſandten
handelt, ſondern daß einzig der
Bundesratsbevollmäch=
tigte hier in Frage komme. — Abg. Dr. Weber möchte
den Bauernbund in Schutz nehmen gegen den Vorwurf
des Abg. Ulrich, als ob die Forderung ſeiner
Zeit nur der Wahlen wegen vom Bauernſtand
abgeſetzt worden war. Das ſei unrichtig. Man
habe damals überall geſpart und unter anderem
auch die Forderungen für die Lehrer geſtrichen. Einzig
aus Gerechtigkeitsgründen habe man deshalb auch die
Forderung für den Geſandten geſtrichen. (
Zuſtim=
mung.) — Abg. Raab nimmt ſeinen heute abweſenden
Kollegen Ulrich in Schutz gegen die vorhin ihm
gemach=
ten Vorwürfe. Die Darſtellung Ulrichs ſei wohl richtig
geweſen. — Der Ausſchußantrag wird dann
angenommen.
Die Kapitel 14 bis 22 werden ohne
De=
batte angenommen nach den
Ausſchuß=
anträgen.
Zum Kapitel 17:
Oberrechnungskammer,
woird durch die vorgeſehene Reorganiſation der Behörde
gegenüber dem dermaligen Zuſtande eine
Geſamt=
erſparnis von 26 612 Mark erzielt, was bei
einem Geſamtzuſchuß des Staates nach dem Voranſchlag
für 1911 von 118972 Mark einer Erſparnis von über 22
Prozent gleichkommt. Der Ausſchuß beantragt, die
an=
geforderten Beträge unter den in den betreffenden
An=
merkungen und Erläuterungen bei den einzelnen
Aus=
gabepoſitionen feſtgelegten Vorausſetzungen in Ein=
nahme mit 176000 Mark, in Ausgabe mit 284502 Mark
zu bewilligen.
Es folgt die VIII. Hauptabteilung:
Miniſterium des Innern.
Kapitel 23: Miniſterium: Gegen das Vorjahr
erhöht ſich die Einnahme um 100 Mark, die Ausgabe um
6694 Mark; letzteres iſt in der Hauptſache veranlaßt durch
Uebertragung von 7500 Mark Vertretungs= und
Aus=
hilfekoſten (Kapitel 24) nach Kapitel 23. Der zum
Hauptvoranſchlag für 1912 beantragte Vermerk: „In
ge=
eigneten Fällen ſind die Stellen der vortragenden Räte
nit Hilfsarbeitern zu beſetzen” iſt in das vorliegende
Budget aufgenommen. Der Ausſchuß beantragt:
Bewilligung der angeſetzten 5668 Mark in Einnahme und
295 798 Mark in Ausgabe.
In der Generaldebatte führt
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach
aus:
Abg. Brauer hat zutreffend die ſchwierige
Lage der Landwirtſchaft geſchildert, in die ſie
infolge der anhaltenden Dürre und der
Ausbrei=
tung der Maul= und Klauenſeuche im
vergange=
nen Jahr geraten iſt und wie ſie unter dieſen Schäden
noch immer zu leiden hat. Trotzdem aber verlange ſie aus
dieſen Anläſſen keine beſondere Staatshilfe. Im
Ver=
trauen auf ihre eigene Kraft hoffe die Landwirtſchaft auch
die jüngſten ſchweren Schädigungen zu überwinden, wenn
ihr nur ein wirkſamer Grenzſchutz gegen die
Einfüh=
rung ausländiſchen Viehs und der damit verbundenen
Ge=
fahr der Seucheneinſchleppung und ein wirkſamer
Zoll=
ſchutz im Sinne der Feſthaltung an unſerer bewährten
Zollpolitik fortdauernd zuteil würde.
Ich habe die feſte Zuverſicht, daß dieſe beiden
Garan=
tien für die Entwicklung der Landwirtſchaft aufrecht
er=
halten bleiben.
Für die Beibehaltung der
landwirtſchaft=
lichen Zölle haben ſich faſt alle Redner in dieſem Hauſe
ausgeſprochen. Die Regierungen wohl aller
Bundes=
ſtaaten werden den auf den Um= und Abbau der
Zölle abzielenden Beſtrebungen widerſtreben, da doch
wohl allgemein die Ueberzeugung vorherrſcht, daß der
Zollſchutz die Landwirtſchaft kaufkräftig erhält und nach
dem Grundſatz: „hat der Bauer Geld, hat’s die ganze Welt”
auch die Rente der Induſtrie und den Verdienſt des
In=
duſtriearbeiters fördert. (Lebh. Beifall.)
Zur weiteren Oeffnung der Grenzen für
ausländiſches Vieh liegt zur Zeit jedenfalls keine
Veranlaſſung vor, beſonders auch im Hinblick auf die mit
einer ſolchen Maßregel immerhin verbundene
Seuchen=
einſchleppungsgefahr. Sie könnte auch natürlich unter
ſtrengſter Beobachtung des Seuchenſchutzes nur
gerecht=
fertigt werden, wenn ein wirklicher Notſtand, d. h. ein
der=
artiger Fleiſchmangel vorhanden wäre, daß die
Volks=
ernährung dadurch ernſtlich bedroht würde. Das iſt aber
keineswegs der Fall.
Der Schweineauftrieb hat 1911 gegen 1910
beträcht=
lich zugenommen. Abgeſehen von einem ſehr geringen
Auftrieb nach der Oſterwoche wechſelte er 1910 zwiſchen
1400 und 2100 Stück, während 1911, abgeſehen von dem
Markte nach Weihnachten, die geringſte Zahl 1650 und
die höchſte über 3100 betrug. In den letzten 4 Monaten
des Jahres ging die Zahl nicht unter 2200 herunter.
Es kann alſo nicht davon geredet werden, daß nicht
genügend Fleiſch zur Verfügung geſtellt worden ſei.
Dieſe Beobachtungen für Heſſen ſtimmen mit den
Feſt=
ſtellungen für das ganze Reich, wie ſie der Staatsſekretär
Dr. Delbrück in der Reichstagsſitzung vom 21. v. M.
kund=
gegeben hat.
Eine Bemerkung des Herrn Abg. Adelung nötigt
mich, nochmals auf die Geſtattung der Einführung
fran=
zöſiſchen Viehs Ende 1910 und Anfang 1911
zurückzu=
kommen. Abg. Adelung ſagte: Unrichtig ſei es, wenn
der Miniſter ſagte, es ſei durch die Oeffnung der
Gren=
zen keine Herabſetzung der Fleiſchpreiſe erreicht
wor=
den. In Mainz ſei alsbald der Zentner Schlachtgewicht
um 10—12 Mark gefallen. Jedenfalls habe man aber
ein weiteres ſtarkes Steigen der Preiſe wirkſam
ver=
hindert.
Er würde dieſe Bemerkung wahrſcheinlich nicht
ge=
macht haben und es würde auch der Proteſt in der
Main=
zerr Stadtverordnetenverſammlung jedenfalls anders
ge=
lautet haben, wenn man ſich, anſtatt auf ungenaue
Zeit=
ungsberichte zu ſtützen, die Mühe genommen hätte, aus
den Kammerprotokollen zu entnehmen, was ich wirklich
geſagt habe. Ich habe nämlich in der Sitzung Zweiter
Kammer vom 9. März 1911 erklärt, der Erfolg, den man
mit der Einfuhr franzöſiſchen Viehes gemacht habe,
er=
muntere nicht zur Wiederholung, denn dieſe Einfuhr
habe auf die Preiſe keinen „merklichen” Einfluß
ausgeübt. Das Wort „merklichen” war in den
Zeitungs=
referaten weggelaſſen. Die Bemerkung, daß die
Ein=
fuhr einen merklichen Einfluß auf die Preiſe ausgeübt
habe, bezieht ſich nicht allein auf Mainz, ſondern auf
Heſſen überhaupt.
In Mainz trifft allerdings das Sinken der
Fleiſch=
preiſe mit dem Zeitpunkt der Einfuhr fremden Viehes
ungefähr zuſammen. Dafür aber, daß die Einfuhr die
Urſache hierfür oder die alleinige Urſache war, iſt ein
Beweis nicht erbracht. Obwohl im Dezember 1910 der
größere Teil des überhaupt eingefährten Viehes,
näm=
lich 179 von im ganzen 309 Ochſen, eingeführt wurde und
der Reſt ſich auf den Januar und einen Tag im
Fe=
bruar verteilte, ſtieg doch bereits im Januar der
Ochſen=
fleiſchpreis wieder um einen Pfennig pro Pfund. Er
fiel dann im März um einen halben Pfennig und blieb
auf dieſer Höhe bis zum Juni, obwohl ſeit 2. Februar
kein Vieh mehr in Mainz eingeführt worden war.
Von Mainz und insbeſondere auch von
Herrn Abg. Adelung wird hervorgehoben,
daß die Einfuhr auch ein weiteres
Stei=
gen der Viehpreiſe im allgemeinen wie
der Ladenpreiſe hintan gehalten habe
denn mit Rückſicht auf die damals herrſchende Knappheit
an Vieh würden ohne die zugelaſſene Einfuhr die Preiſe
nach Anſicht von Fachmännern noch bedeutend in die
Höhe gegangen ſein. Dem iſt entgegen zu halten, daß
in den Städten, in denen eine Einfuhr franzöſiſchen
Viehes nicht zugelaſſen wurde, eine Steigerung der
Preiſe nicht eingetreten iſt. So betrug in Gießen der
Fleiſchpreis vom 1. Auguſt 1910 ab bis zum Februar
1911 84 Pfg. und ſtieg erſt dann auf 88 Pfg. In
Offen=
bach betrug er ſeit Anfang Juli 1910 90 Pfg. und änderte
ſich während der ganzen Einfuhrzeit des franzöſiſchen
Viehes nicht. Das gleiche war bei Worms der Fall.
Im übrigen iſt wiederholt darauf hinzuweiſen, daß
das zugelaſſene Einfuhrkontingent bei weitem nicht
er=
reicht wurde. An den elf Einfuhrtagen hätten 550 Stück
eingeführt werden dürfen. Tatſächlich waren es aber
nur 309. Außerdem hörte die Einfuhr mit dem 2. Febr.
in Mainz tatſächlich auf, während die Einfuhrerlaubnis
erſt am 18. März zurückgezogen wurde. Rechnet man,
daß bis dahin noch an ſechs weiteren Tagen je 50 Stück
hätten eingeführt werden können, ſo bleibt die tatſächlich
eingeführte Zahl hinter der zugelaſſenen um 541 Stück
zurück, das heißt, es wurden überhaupt nur 36,3 Proz.
des zugelaſſenen Kontingents eingeführt, und die
ein=
geführte Zahl wurde auch nicht ganz in Mainz verwertet,
ſondern, wie einwandfrei feſtgeſtellt, kamen
Wiesbade=
ner Metzger nach Mainz, kauften dort franzöſiſches Vieh,
über 100 Stück, alſo beiläufig ein Drittel der
eingeführ=
ten Menge, ſchlachteten es ſofort ab und brachten die
Stücke in Wiesbaden zum Verkauf.
Ich habe darum keine Veranlaſſung, von meiner
da=
maligen Erklärung, die in ihrer Allgemeinheit
zweifel=
los zutreffend war, etwas zurückzunehmen.
Auf die Maul= und Klauenſeuche will ich jetzt
nicht weiter eingehen, dazu wird ſich ja noch Gelegenheit
bieten, wenn wir das Geſetz beraten, wonach der Staat
be=
reit iſt, ſich an der Heilung der Seuchenſchäden zu
beteili=
gen. Nur die tröſtliche Mitteilung kann ich mir nicht
ver=
ſagen, daß auch bei uns in Heſſen wie im ganzen Reich ein
erheblicher Rückgang der Seuche zu konſtatieren iſt, ſo daß
wir hoffen dürfen, daß die ſo drückend empfundenen
Be=
kämpfungsmaßregeln doch bald zu dem erſtrebten Ziel
führen werden.
Von verſchiedenen Rednern wurde auf die Lage
des Winzerſtandes hingewieſen und beſonders
her=
vorgehoben, daß man ſich durch den erfreulichen Ertrag des
letzten Herbſtes nicht darüber täuſchen laſſen dürfe, daß
tatſächlich doch noch ein Notſtand bei den Winzern
vor=
handen ſei. Ein gutes Jahr könne ſelbſtverſtändlich nicht
ein Notjahrzehnt aufwiegen. Meine Herren! Dieſer
Tat=
ſache verſchließt ſich auch die Regierung keineswegs. Sie
wird nicht verfehlen, auch fernerhin ihr Augenmerk allen
Maßnahmen zuzuwenden, die die Lage der Winzer zu
heben geeignet ſind. Insbeſondere wird auch die Großh.
Wein= und Obſtbauſchule in Oppenheim — das erwidere
ich Ihnen, Herr Abg. Uebel — fortfahren mit ihren
Ver=
ſuchen auf dem Gebiete der Bekämpfung der
Rebſchäd=
linge. Auf dieſe Frage näher einzugehen, wird uns die
Beſprechung der darauf bezüglichen
Interpellationsbeant=
wortungen Anlaß bieten. Ebenſo wie der Antrag Diehl
uns Gelegenheit geben wird, die auch von dem Herrn Abg.
Uebel berührte Frage der Zuläſſigkeit des
Weinver=
ſchnitts insbeſondere des Verſchnitts mit
auslän=
diſchem Wein eingehend zu erörtern.
Der Herr Abg, Winkler hat auch wieder die
Schwie=
rigkeit der Handhabung des über die Verbeſſerung des
Weins durch Zuckerung handelnden § 3 des
Wein=
geſetzes hervorgehoben, worüber bereits im Vorjahre
eingehender hier verhandelt wurde. Die ſeither zweifelhaft
geweſene Auslegung dieſes Paragraphen hat inzwiſchen
eine ſehr weſentliche Klärung durch eine erſt Ende vorigen
Jahres allgemeiner bekannt gewordene Entſcheidung des
Reichsgerichts vom 25. April 1911 erhalten. Dieſes u. a.
in Nr. 95 der Deutſchen Wein=Ztg. von 1911 abgedruckte
Urteil wird dort lebhaft begrüßt, weil dadurch endlich in
dieſer wichtigen Frage manche Zweifel in einer die Winzer
befriedigenden Weiſe gelöſt worden ſeien.
Zur Bemerkung des Abg. Winkler, bei der
Wein=
kontrolle, insbeſondere der Kontrolle der Buchführung,
würde es mit den kleinen Verſtößen gar genau genommen
und müßten gerade die kleinen Sünder oft bitter darunter
leiden, geſtatten Sie folgendes zu bemerken:
Die Weinkontrolle hat es nach dem
Inkrafttreten=
des Geſetzes als ihre Aufgabe betrachtet, dort, wo eine den
Anforderungen des Geſetzes entſprechende Buchführung
nicht vorhanden war (und es traf dies in der Mehrzahl
der Fälle zu) aufklärend und belehrend zu wirken. Nur
wenn bei wiederholten Beſuchen feſtgeſtellt werden
konnte, daß Verwarnungen unbeachtet blieben
und Mangel an gutem Willen angenommen
wer=
den mußte, erfolgte Anzeige. Wieviel von den zur Anzeige
gebrachten Fällen auf Verfehlungen gegen die Vorſchriften
über die Buchführung zurückzuführen ſind, läßt ſich ohne
ge=
nauere Erhebungen zur Zeit nicht angeben. Nach den
ge=
legentlichen Aeußerungen der Sachverſtändigen iſt die Zahl
der in dieſer Beziehung beſtehenden Mängel ſehr erheblich.
Die in der Uebergangszeit mit Recht geübte Nachſicht hat
jedoch ihre Grenzen, und es kann von einer gleichmäßigen
Handhabung des § 19 des Geſetzes für alle Kategorien
von Betrieben auf die Dauer nicht abgeſehen werden.
Der Herr Abg. Korell=Angenrod hat noch
einige mit der Landwirtſchaft zuſammenhängende Wünſche
vorgebracht: 1. Nach Reviſion des Körgeſetzes.
Seither ſind bezügliche Wünſche nicht zu unſerer Kenntnis
gelangt. Sollte aber ein Bedürfnis zur Abänderung des
1901er Geſetzes in einer oder der anderen Beziehung
emp=
funden werden, ſind wir gerne bereit, in eine nähere
Prü=
fung ſolcher Anträge einzutreten. 2. Nach Reviſion des
Wildſchadengeſetzes. Schon bei den
Etatsverhand=
lungen in 1910 habe ich die Geneigtheit der Regierung
er=
klärt, die Frage der Abänderung des Wildſchadengeſetzes in
Erwägung zu ziehen, namentlich mit dem Ziel einer
Be=
ſchleunigung des Verfahrens und einer Vereinfachung des
Inſtanzenzugs. Bei Gelegenheit der Reviſion der
Ver=
waltungsgeſetze, wie das damals in Ausſicht genommen
war, konnte dieſe Frage nicht erledigt werden. 3. Reviſion
des Jagdgeſetzes. Die Vorlage über die Reviſion des
Jagdpolizeiſtrafrechts iſt in der Thronrede zugeſagt.
Be=
züglich des materiellen Jagdrechts aber haben die Ver
handlungen über den Geſetzentwurf in der Zweiten
Kam=
mer ergeben, daß die Meinungen der geſetzgebenden
Fak=
toren über dieſe Materie ſoweit auseinandergehen, daß
eine Wiedervorlage des Entwurfs zur Zeit nicht in
Aus=
ſicht genommen werden kann.
Herr Abg. Korell=Angenrod hat dann weiter
die Regierung gebeten, ernſtlich zu prüfen, wie man
end=
lich dem Zigeunerunweſen, das gerade eben
wieder in Oberheſſen die Bevölkerung in Angſt und
Schrecken verſetze, ſteuern könne.
In der letzten Zeit iſt die Gegend des Schlitzer
Landes und das angrenzende preußiſche Gebiet von
Zigeunern unſicher gemacht worden. Bei Kämmerzell,
einem preußiſchen Ort, in nächſter Nähe der heſſiſchen
Grenze, iſt ein Förſter erſchoſſen worden. In
Friſch=
born wurden Einbruchsdiebſtähle ausgeführt, bei denen
ebenfalls mehrere Scharfſchüſſe abgegeben wurden.
Auch=
in ſonſtigen Orten der Nachbarſchaft wurde wiederholt
eingebrochen. Als Haupttäter kommt ein Zigeuner
namens Ebender mit ſeiner Bande in Betracht, der ſchon
ſeit längerer Zeit von den Gerichten, auch wegen
Mord=
verſuchs auf den Gendarmeriewachtmeiſter Miegel in
Mainz und auf einenWachtmeiſter im KreiſeFulda verfolgt
wird. Die Bevölkerung im Kreiſe Lauterbah iſt über
die Vorgänge mit Recht ſehr erregt. In faſt allen
Ge=
meinden des Schlitzer Landes, das in erſter Linie von
den Zigeunern heimgeſucht iſt, ſind Sicherheitswachen
eingerichtet worden. Es war anzunehmen, daß die
Zi=
geuner, die ſich außerhalb der Wälder nicht mehr blicken
laſſen durften und ihrem übrigen Lebensunterhalt, dem
Bettel, nicht mehr nachgehen konnten, ohne ſich der
Ge=
fahr der Verhaftung auszuſetzen, gezwungen waren, ſich
entweder in den Wäldern verſteckt zu halten und von
dort aus die Bevölkerung weiter zu beläſtigen oder daß
ſie verſuchen würden zu entkommen.
Um dem vorzubeugen und um vor allem in der
er=
regten Bevölkerung das Gefühl von Ruhe und
Sicher=
heit wieder aufkommen zu laſſen, wurden durch die
be=
teiligten heſſiſchen und preußiſchen
Verwaltungsbehör=
den eingehende Maßnahmen gegen die Zigeuner
verein=
bart. Heſſiſcherſeits iſt eine größere Anzahl von
Gen=
darmen unter dem perſönlichen Kommando des Herrn
Oberſt Schmidt im Kreiſe Lauterbach zuſammengezogen
worden, die zunächſt in Orten des Schlitzer Landes und
anderen Gemeinden des Kreiſes Lauterbach ſtationiert
wurden und von dort aus gemeinſchaftlich mit
Forſt=
beamten Streifen in die Wälder unternehmen. In
glei=
cher Weiſe werde von Preußen aus durch Gendarmen
in Verbindung mit 11er Jägern aus Marburg
vorge=
gangen. Nach vorliegenden Meldungen ſind bereits
einige Verhaftungen von Zigeunern vorgenommen
wor=
den. Im übrigen aber haben die gemeinſchaftlichen
Abſuchungen der Wälder von Gendarmerie, preußiſchen
Jägern und Forſtbeamten ein negatives Ergebnis
ge=
habt, ſo daß angenommen werden muß, daß die
Zigeu=
ner das Gebiet verlaſſen haben. Die Gendarmen ſind
daher am letzten Samstag wieder in ihre Stationen
zu=
rückgekehrt. Da die meiſten Bundesſtaaten zwar bisher
ſchon mit wechſelndem Erfolge gegen das
Zigeuner=
weſen angekämpft haben, die einzelnen Staaten für ſich
allein aber nicht in der Lage ſind, dieſe Landplage
nach=
haltig zu unterdrücken, ſo kam man zu der Auffaſſung,
daß dieſer Kampf gegen die Zigeuner wirkſam nur durch
einen Zuſammenſchluß der beteiligten Staaten geführt
werden könne. Zu dieſem gemeinſamen Vorgehen hat
jüngſt in dankenswerter Weiſe die bayeriſche
Re=
gierung die Initiative ergriffen. Auf ihre
Einlad=
ung fand Mitte Dezember 1911 in München eine
Kon=
ferenz ſtatt, auf der ſämtliche ſüddeutſchen Staaten, ſowie
Preußen und Sachſen vertreten waren. Es wurde dort
ein eingehendes Programm über die Grundſätze, nach
welchen künftighin gemeinſam gegen das Auftreten von
Zigeunern vorgegangen werden ſoll, vereinbart. Ich
kann von dieſem Programm nur einige allgemeine
Punkte berühren, da die noch bevorſtehenden
Verhand=
lungen unter den beteiligten Bundesſtaaten erſt ergeben
werden, ob und in welchem Umfange dieſe den
Vorſchlä=
gen im einzelnen zuſtimmen werden.
Die Hauptſchwierigkeit in der vorliegenden Materie
liegt darin, daß der größte Teil der in Deutſchland
um=
herziehenden Zigeuner oder nach Zigeunerart
um=
herziehenden Perſonen Reichsangehörige ſind oder,
wenn auch ihre Reichsangehörigkeit nicht unzweifelhaft
feſtſteht, dochnicht als Ausländer über dieReichsgrenze
ab=
geſchoben werden können, da ſie von den Nachbarſtaaten
alsbald zurückgeſchoben werden würden. Alle
angeſtell=
ten Verſuche, dieſe Leute, denen der Wandertrieb einmal
ſeit Jahrhunderten im Blute liegt, ſeßhaft zu machen,
ſind bisher geſcheitert und müſſen auch für die Folge als
im weſentlichen ausſichtslos betrachtet werden. Es war
bisher nicht möglich, auf dem Gebiete der
Reichsgeſetz=
gebung eine Einſchränkung des Zigeunerunweſens
her=
herbeizuführen. Ob dies für die Folge zu erreichen iſt,
ſteht dahin. Immerhin iſt auf dem in der Münchener
Konferenz beſchrittenem Wege der Anfang dazu
unter=
nommen worden, durch gemeinſchaftliches Vorgehen
gegen die Zigeuner in den einzelnen Bundesſtaaten eine
Beſſerung der beſtehenden Zuſtände herbeizuführen.
Selbſtverſtändlich werden daneben alle Mittel, die
man bisher in Heſſen zur Bekämpfung des
Zigeunerun=
weſens angewendet hat, auch weiterhin zur Anwendung
kommen.
Ueber die weitere Anfrage des Herrn Abg. Korell=
Ang’enrod nach dem Stande der Reviſion der
allgemeinen Bauordnung werde ich Auskunft
geben bei Erörterung des den gleichen Gegenſtand
be=
treffenden Antrags Köhler.
Dagegen glaube ich ſchon heute auf ſeine Anfrage
über die beabſichtigte Neuordnung der
Bauver=
waltung, die ja im Brennpunkt des Intereſſes ſteht,
ſoweit es eben möglich iſt, eingehen zu ſollen, und zwar
mit ausdrücklicher Zuſtimmung Sr. Exzellenz des Herrn
Finanzminiſters. Ueber dieſe Fragen haben bisher
ein=
gehende Beratungen ſtattgefunden, die dazu geführt
haben, daß die beiden zuſtändigen Miniſterien ſich über
die Richtlinien der Neuordnung grundſätzlich geeinigt
haben. Grundlegendes Prinzip iſt Vereinigung der
ſtaatlichen Bauverwaltung und der Bauverwaltung der
Kreiſe, Gemeinden, Kirchen und Stiftungen, alſo der
geſamten Bauverwaltung des Landes unter möglichſter
Durchführung der Trennung nach den Fachrichtungen:
Hochbauweſen einerſeits und Ingenieurbauweſen
an=
dererſeits. Eine Denkſchrift darüber wird zur Zeit
aus=
gearbeitet.
Inzwiſchen ſind die beiden Miniſterien darauf
be=
dacht geweſen, bei jeder ſich bietenden Gelegenheit im
Sinne dieſer Richtlinien auf Vereinfachung und
Erſpar=
niſſe an perſönlichen Koſten bei der Bauverwaltung
hin=
zuwirken. Anlaß hierzu gab das Ausſcheiden mehrerer
Beamten der Landesbauverwaltung aus dem Dienſte
durch Uebernahme von Stellen außerhalb des
Staats=
dienſtes und durch Uebertritt in den Ruheſtand in einem
Falle durch Ableben, und andererſeits der Umſtand, daß
mehrere größere Bauaufgaben des Staates ihrer
Voll=
endung entgegengingen, ſo daß die durch ſie
beſchäftig=
ten Baubeamten anderweitig verwendet werden
konn=
ten. Auf dieſe Weiſe war es möglich, probeweiſe in
mehreren Kreiſen die Geſchäfte der ſtaatlichen
Hochbau=
verwaltung mit dem Hochbauweſen der Kreiſe und
Ge=
meinden in einer Hand zu vereinigen und dadurch eine
willkommene Gelegenheit zu geben, dieſe Einrichtung
auf ihre praktiſche Durchführbarkeit hin zu erproben.
Die hierbei gemachten Erfahrungen ſind bis jetzt
durchweg befriedigend. Dieſe Maßnahmen haben
be=
reits eine erhebliche dauernde Erſparnis an perſönlichen
Koſten zur Folge gehabt.
Im ganzen iſt ſeit Anfang 1910 die Zahl der
etatmäßig angeſtellten Beamten der Bauverwaltung
von 151 auf 139, jund das nicht angeſtellte Perſonal
dieſer Verwaltung von 127 auf 48 zurückgegangen.
Durch dieſes übereinſtimmende Vorgehen und
insbeſon=
dere durch die Einſchränkung des Bauweſens in allen
drei Reſſorts iſt eine dauernde Verminderung der
Aus=
gaben allein für Beſoldungen und Vergütungen von
jährlich über 200000 Mark erzielt worden.
Der Herr Abg. Korell=Königſtädten hat ſich auf
das heikle Grenzgebiet zwiſchen Staat und Kirche begeben.
Ich werde ihm nur ſoweit ich es unbedingt notwendig
halte, dahin folgen.
Er hat zunachſt mit einer gewiſſen Ironie ſeinem
Er=
ſtaunen darüber Ausdruck verliehen, daß der Miniſter des
Innern in der Lage geweſen ſei, auf die Anfrage des Herrn
Dr. Ofann über die Stellung der Regierung zu dem
Motu=
roprio quantavis diligentia ſofort unter Anführung der
dabei in Betracht kommenden Geſetzesparagraphen und
Daten Auskunft zu erteilen. Sein Erſtaunen erklärt ſich
eicht, wenn man bedenkt, daß er als Neuling in dieſem
Hauſe mit den parlamentariſchen Gopflogenheiten noch
nicht vollſtändig vertraut ſein kann. Ich will ihm daher
den Schlüſſel zu des Rätſels Löſung nicht vorenthalten.
Herr Dr. Oſann hatte die Freundlichkeit, mich vor der
Verhandlung davon in Kenntnis zu ſetzen, daß er die
Ab=
ſicht habe, bei Gelegenheit der Generaldebatte die
Regie=
rung über ihre Stellung zu dem erwähnten päpſtlichen
Er=
laß zu interpellieren. Ich konnte daher meine Notizen für
die Beantwortung bereit halten. Ein gleiches Verfahren
möchte ich wiederholt für alle diejenigen Fälle empfehlen,
in denen über eine einzelne Frage alsbaldige erſchöpfende
Antwort erwartet wird.
Wenn der Herr Abgeordnete Korell=Königſtädten dann
die auch von dem Herrn Abgeordneten Lutz im vorigen
Jahr erörterte Frage des Theologieſtudiums auf der Großh.
Landesuniverſität berührt hat, ſo möchte ich ſchon jetzt
darauf hinweiſen, daß die von der Kirchlich=poſitiven
Ver=
einigung für das Großherzogtum Heſſen erſtrebte
Beſeitig=
ung des Examenszwanges in Gießen eine Aenderung des
Kirchengeſetzes vom 11. Juli 1879 betr. die
Dienſtprag=
matik für die Geiſtlichen bedingen würde, die der
ſtaat=
lichen Einwirkung entzogen iſt. Aber auch ſofern die
Be=
ſtrebungen etwa auf eine anderweitige Zuſammenſetzung der
theologiſchen Fakultät abzielen ſollten, werden ſie auf eine
ſtaatliche Förderung nicht rechnen können. Der
Stand=
punkt, den unſere Landesherren und deren Regierungen
ſeit Gründung der Landesuniverſität ſtets unerſchütterlich
feſtgehalten haben, iſt der der Freiheit der Wiſſenſchaft. Bei
der 300=Jahrfeier hat der Rektor magnificentissimus der
Univerſität zugeſagt, wie er auch weiter beſtrebt ſein werde,
ihr das volle Maß von Bewegungsfreiheitzu gewähren, ohne
die eine für die Allgemeinheit fruchtbringende Arbeit in
wiſſenſchaftlicher Forſchung und Lehre nicht möglich iſt.
Daran anſchließend hat dann der Miniſter des Innern
feierlich erklärt, wie dieſe Freiheit ihren Ausdruck finde in
der ſtaatlichen Anerkennung des Vorſchlagsrechts des
großen Senats. Damit iſt die Stellungnahme der
Regie=
rung auch in dieſer Frage klar vorgezeichnet.
Der Herr Abg. Adelung hat mir die Ehre erwieſen,
ſich auch mit meinem amtlichen Vorleben als Kreisrat von
Offenbach zu beſchäftigen, ſcheint aber dabei ebenſo ſich auf
ungenaue Zeitungsnachrichten geſtützt zu haben, wie bei
ſeinen Unterſtellungen bei der Mainzer Vieheinfuhr. Er
hat behauptet: Die bei der Verſtaatlichung der Polizei in
Offenbach zu Grunde liegende Abſicht der Regierung, der
Offenbacher Stadtverwaltung Schwierigkeiten zu bereiten
tatſächlich hat er hier einen von dem Herrn Präſidenten
ge=
rügten Ausdruck gebraucht — ſei bei dem Miniſter des
Innern nichts Neues. Als Kreisrat in Offenbach habe er
ſich ſchon in der gleichen Richtung betätigt, indem er damals
einen Beſchluß beanſtandete, der die Aufhebung des bei der
Aufnahme als Ortsbürger zu entrichtenden Einzugsgeldes
herbeiführen wollte. Der damalige Kreisrat ſei zwar
ſchleunigſt vom Miniſterium rektifiziert worden, aber heute
ſei er ſelbſt Miniſter uns könne ſeinen Abſichten freie Bahn
laſſen. Es handelte ſich damals gar nicht um die materielle
Beanſtandung des erwähnten Stadtverordnetenbeſchluſſes,
ſondern lediglich um die formelle Frage, ob zur
Wirkſam=
keit eines ſolchen Beſchluſſes die Genehmigung des
Mini=
ſteriums erforderlich ſei oder nicht. Nur weil die Stadt die
Genehmigung nicht für erforderlich hielt und darum nicht
einholen wollte, erfolgte die Beanſtandung durch
den Kreisrat. Das Miniſterium trat der
Be=
gründung des kreisamtlichen
Stand=
punktes vollinhaltlich bei und erteilte
die vorſorglich von der Stadt erbetene
Genehmigung, der von dem Kreisamt
über=
haupt nicht widerſprochen worden und zu deren
Ver=
weigerung auch keine geſetzliche Handhabe gegeben war.
Von der behaupteten Rektifizierung des Kreisrats kann
alſo keine Rede ſein Die Darſtellung des Sachverhaltes
in der Offenbacher ſozialdemokratiſchen Preſſe, woraus der
Abg. Adelung geſchöpft zu haben ſcheint, war einfach
un=
richtig.
Auf die Ausführungen des Herrn Abg. Ulrich über
die ſog. Verſtaatlichung der Offenbacher Polizei werde ich
bei Kap. 32 zurückkommen.
Der Herr Abg. Uebel hat den Wunſch ausgeſprochen,
daß die Regierung auch auf die Erhöhung der Bezüge der
kleineren Gemeindebeamten, deren Notlage vielfach weit
größer ſei als die der Taglöhner, hinwirken möge,
nach=
dem für die Beſſerung der Lage der Gemeindebeamten
im allgemeinen — wie er anerkenne — durch Geſetz und
Ausführungsanweiſung in letzter Zeit viel geſchehen ſei.
Wir verkennen keineswegs, daß noch vielfach die
Entloh=
nung mancher Gemeindefunktionäre ſich nur als eine
andere Form der Armenunterſtützung darſtellt. Es wird
das Beſtreben der Kreisräte ſein, auch in dieſer Beziehung
auf die Gemeinden, die es angeht, im Sinne einer
Beſſe=
rung der Verhältniſſe einzuwirken. (Lebhafter Beifall.)
Nach der Pauſe wird zunächſt die
Regierungsvor=
lage, betreffend
das Brückengeld an der Rheinbrücke
bei Mainz,
beraten. Der Ausſchuß beantragt zu der Vorlage:
1. Dem Vertrag mit der Stadt Mainz zuzuſtimmen,
2. zuzuſtimmen, daß die Beträge, die nach dem letzten
Abſatz des Artikels 3 des Vertrages am Baukapital
ab=
zuſchreiben ſind, zur Schuldentilgung verwendet
wer=
den, 3. ſich damit einverſtanden zu erklären, daß die
Süddeutſche Eiſenbahngeſellſchaft die Pflicht zur
Einzel=
zahlung von Brückengeld für die auf ihren über die
Rheinbrücke führenden Linien beförderten Perſonen nach
Vereinbarung mit dem Großherzoglichen Miniſterium
der Finanzen, aber nicht unter günſtigeren
Bedingun=
gen ablöſen kann, als ſie der Stadt Mainz in dem Ver
trage zugeſtanden ſind, 4. der nachſtehenden
Abänder=
ung des Hauptvoranſchlages für 1912 unter Kapitel 104
zuzuſtimmen: Titel 1 Seite D. 38, Ziffer 2 iſt zu erſetzen
durch 2a. Pachtzahlung der Stadt Mainz aus den
Ein=
nahmen an Brückengeld der elektriſchen Straßenbahnen
der Stadt und der Süddeutſchen Eiſenbahngeſellſchaft
77500 Mark. Die Einnahmen betrugen in 1908 71074,40
Mark, in 1909 76977,75 Mark und in 1910 77 413,40
Mark. 2b. ¾ des Unterſchieds zwiſchen den Ausgaben
für die Verzinſung des Brückenbaukapitals und den
Einnahmen aus der Pachtzahlung des Reichs und der
Stadt Mainz, ſowie der Einnahme aus der
Pachtzahl=
ung für die Bootüberfahrt gemäß Artikel 3 des mit der
Stadt Mainz abgeſchloſſenen Vertrags 18800 Mark
Seite) D. 40. Nachzutragen iſt: Ziffer 4. Erſatz der Stadt
Mainz für Gehalt, Wohnungsgeld und
Bekleidungs=
zulage des Brückenwärters (ſiehe Titel 1, 1 der
Aus=
gabe) 1750 Mark. Ziffer 5. Erſatz der Stadt Mainz
des für die laufende Unterhalkung der Brücke (Titel 1, 2)
vorgeſehenen Betrages von 11000 Mark. Die Summe
des Titels 1 beträgt 126050 Mark, diejenige für Kapitel
404 195 933,86 Mark.
Abg. Heerdt bittet, die Vorlage einſtimmig
anzu=
nehmen. Ohne weitere Debatte wird dann
die Vorlage nach dem Antrage des
Aus=
ſchuſſes einſtimmig angenommen. (Lebh,
Bravo!)
Der Antrag Ulrich in gleichem Betreff wird für
erledigt erklärt.
Danach wird die Debatte zum Miniſteriumdes
Innern fortgeſetzt. — Abg. Urſtadt legt zunächſt
den Standpunkt ſeiner Partei zur Frage der Trennung
von Kirche und Staat dar. In dieſer ſei die geſamte
Linke ſich einig, nicht aber die Rechte, die ihre Einigkeit
höchſtens einmal taktiſch finde gegen die wachſende Kraft
der Linken. (Gelächter.) Redner wendet ſich dann der
Zollpolitik zu. Wenn man wirklich für die
Landwirt=
ſchaftskammer etwas tun wolle, müſſen Regierung und
Landtag und Landwirtſchaftskammer zuſammenwirken,
um das Problem zu löſen, wie den kleinen und mittleren
Bauern zu helfen ſei. Sehr eingehend verbreitet ſich
Redner über die in Lindheim herrſchenden Verhältniſſe
und legt im Anſchluß daran ſeine Stellung gegen das
Fideikommißweſen dar.
Abg. Dr. Schmitt: Von dem, was der Abg. Uebel
zur Frage der Schule und Religion geſagt hat, habe er
kein Wort hinwegzunehmen oder hinzuzufügen. Man
habe bisher hier im Hauſe ſtets auf dem Standpunkt
geſtanden, daß man, ohne daß eine Partei von ihren
Grundſätzen etwas aufgebe, gemeinſam zum Beſten des
Landes arbeiten muß und daß es zwecklos iſt, wenn man
praktiſche Arbeit leiſten will, hier Demonſtrationsanträge
einzubringen oder Wahlreden zum Fenſter hinaus zu
halten. An dem Beſtreben, gemeinſam ſich zur
prakti=
ſchen Arbeit zu einigen, werde man auch in Zukunft
feſt=
halten, beſonders auch in der Schulfrage. (Beifall.)
Und er möchte den Herren von der Linken gleich ſagen,
daß ſeine, des Redners, Partei keineswegs die Abſicht
habe, etwa den Antrag einzubringen, Konfeſſionsſchulen
zu gründen, daß ſie vielmehr auf dem Boden des
gegen=
wärtigen Schulſyſtems ſtehe, daß ſie aber unter allen
Umſtänden an dem chriſtlichen Charakter der
Simultan=
ſchulen feſthalte. (Lebh. Beifall.) Das Weſen der
Simul=
tanſchule kommt aber erſt dann richtig zur Geltung, wenn
die Kinder beider Konfeſſionen in ihrer Religion vor
Kränkungen, Beleidigungen und Zweifeln unter allen
Umſtänden bewahrt werden. Solche Krankungen
müß=
ten auch beſeitigt und vermieden werden, wenn man
über ihre Wirkung im Zweifel iſt. Auch Roſeggers:
„Waldbauernbub” an ſich gewiß ein ſehr ſchönes Buch,
enthält an mehreren Stellen ſolche Bemerkungen, die
als Kränkungen empfunden werden können. Darum war
es berechtigt, das Buch aus der Bibliothek der
Schul=
kinder zu entfernen, die nach der Konfirmation noch!
Zeit genug haben, ſich über ſolche Fragen klar zu
wer=
den. Im Gegenſatz dazu erwähnt der Redner ein Buch
für Fortbildungsſchüler vom Kreisſchulinſpektor in;
Lauterbach und verlieſt unter ſchallender Heiterkeit aller!
Parteien die darin enthaltene Erläuterung der
ein=
zelnen Parteien des Reichstags, die ſchließlich einzig
auf eine Empfehlung der Sozialdemokratie
hinaus=
läuft. (Unruhe.) Weiter übt der Redner ſcharfe Kritik!
an einem Buch der Lehrerbibliothek (Bücherſchatz des
Lehrers, 15. Band), das über die Katholiken Dinge ſage,
die jeder Kritik ſpotten. All das ſollte vermieden
wer=
den, wenn man der Simultanſchule nützen wollte. Der
Abg. Korell=Königſtädten habe ſich beſchwert über die
Behandlung ſeines Freundes Strecker ſeitens der
rech=
ten Parteien. Redner ſei der Ueberzeugung, wenn der
Abg. Korell=Königſtädten noch mehr ſolche Reden hält,
wie zur Generaldebatte, würde er ſich bald auch über
ſchlechte Behandlung beklagen müſſen. Noch nie habe
ein Redner des Hauſes mit gleich ſouveräner
Ueber=
hebung von der ſchwindelnden Höhe ſeiner geiſtigen
Warte herab mit den minderwertigen geiſtigen Waffen
ſeiner Redner abgerechnet, wie der Abg. Korell es getan
habe. Und doch habe ſeine lange Rede nur einen
Be=
weis erbracht, nämlich den, daß ihm, dem Abg. Korell,
jedes Urteil und jede Erkenntnis dafür abgeht, welche
wirkliche Stellung er eigentlich hier in dieſem Hauſe
einnimmt. (Lebhaftes Sehr richtig!) Vor allem
bean=
ſtandet Redner die Ausführungen Korells zum
Motu=
proprio und ſtellt feſt, daß ſeine Partei es nach wie vor
vermeiden wird, ſich in die Angelegenheiten der anderen
Kirche zu miſchen. Der Abg. Korell habe das aber
ſo=
gar als Geiſtlicher getan, und zwar ohne
Beſcheiden=
heit, ohne Zurückhaltung und ohne das erforderliche
Maß von Delikateſſe. Sehr eingehend verbreitet ſich
Redner dann über das Motuproprio ſelbſt und über ſeine
Wirkungen und Geltungsbereiche. Der
Kardinalſtaats=
ſekretär habe dem amtlichen Vertreter des Deutſchen
Reiches erklärt, daß dieſes für Deutſchland keine Geltung
habe. Damit hätte die Angelegenheit erledigt ſein
können. Die Ausführungen Korells ſeien nach Meinung
des Redners nur von Mißtrauen diktiert geweſen und
konnten nur wieder Mißtrauen ernten und ſtehen in
ſchreiendem Widerſpruch mit der Verſicherung Korells
am Schluſſe ſeiner Rede. Nachdem der Abg. Ulrich die
Katholiken durch ſeinen Zwiſchenruf gekränkt hatte, wie
nie zuvor, hat der Abg. Uebel mit Recht nochmals
Ge=
legenheit genommen, das zurückzuweiſen. Dem Abg.
Korell=Königſtädten gab das Veranlaſſung, zu erklären,
das vertrage ſich nicht mit der Gläubigkeit. Was geht
denn uns im Hauſe Ihre Gläubigkeit an, Herr Korall?
Das können Sie vielleicht Ihren armen Königſtädtern
vortragen, ſoweit ſie Ihnen noch anhängen, aber nicht
uns. Umſo weniger dann, wenn Ihre eigene
Gläubig=
keit in ſo fadenſcheinigem Gewande erſcheint, wie hier.
Unruhe. Zuſtimmung.) Redner ſei der Meinung, daß
man vom Standpunkte der Gläubigkeit in erſter Linie
die Ehre des Nebenmenſchen unangetaſtet laſſen und vor
allem wahrhaftig ſein müſſe. Wenn man hier unwahrg
Behauptungen eines anderen ausſpreche, die vom
Re=
gierungstiſche als Verleumdungen feſtgeſtellt werden, ſo
ſei das nicht damit abgetan, daß man ſagt, man werde
ſeinen Gewährsmannen das mitteilen. Dazu gehört
zum mindeſten der Ausdruck des Bedauerns und die
Zurücknahme, und dann bleibts immer noch ein
Un=
recht. Denn der Abgeordnete habe die Pflicht, ſich zu
erkundigen, bevor er ſolche Beſchuldigungen hier vor=. (Lebh. Sehr richtig!) Es ſcheint aber, als obi
es ſich hier nicht um eine einzelne Entgleiſung, ſondern
um eine Art Gewohnheit handelt. Denn der Abg. Korell
war es auch, der die Behauptung in die Welt geſetzt, daß
ein hoher Miniſterialbeamter geäußert haben ſollte, der
Abg. Dr. David ſei der Regierung unentbehrlich, und
die weitere Behauptung in der „Hilfe”, daß nur die
Freiſinnigen und die ſieben Sozialdemokraten an
der liberalen Politik Heſſens Schuld tragen. (Hört,
hört! Unruhe.) Das war ſeinerzeit ſogar der gewiß
langmütigen Regierung zu viel und ſie verlangte in der
Darmſt. Ztg. den Beweis, den der Abg. Korell bis heute
allerdings noch ſchuldig geblieben iſt. Weiter erwähnt
Redner die Broſchüre gegen Korell von dem
Re=
dakteur Greupner, die ſehr ſcharf ſei. und die ſich Redner
allerdings nicht zu eigen machen wolle. Heute morgen
ſei ihm noch ein fliegendes Blatt gefandt worden,
über=
ſchrieben: „Ein fortſchrittlicher Pfarrer als
Anarchiſten=
freund”. (Abg. Reh ruft: Unerhört!) Jawohl:
Uner=
hört! Der gleichen Meinung bin ich auch. (Unruhe.)
Aber ich muß leider geſtehen, daß das Flugblatt richtig
zitiert hat. Redner verlieſt zum Beweiſe deſſen eine
Stelle aus der „Scholle” deren Mitherausgeber der
Pfarrer Korell iſt. Es heißt da inbezug auf den durch
Bombenattentat getöteten ruſſiſchen Polizeiminiſter:
„Die Nihiliſten haben ihm mit Hilfe der mit Recht ſo
beliebten Bombe (Hört, hört! Unerhört!) zu einer höchſt
zerſtreuten Himmelfahrt verholfen.” (Große Unruhe.
Pfuirufe.) Redner ſchließt: Will der Herr Graf ein
zwei=
tes Tänzchen (Korell ruft: Sehr gern!), ich bin gerne
be=
reit, ihm auch ein zweites Mal aufzuſpielen. (Lebh.
Beifall.)
Darauf ſchließt die Sitzung um 1 Uhr. Nächſte
Sitzung nachmittags 3 Uhr.
14. Sitzung.
Am Regierungstiſch: Finanzminiſter Braun Exz.,
Miniſter des Innern v. Homberg zu Vach Exz.,
Geheime=
räte Dr. Becker, Dr. Weber Dr. Beſt,
Miniſterial=
räte Hölzinger, Dr. Kratz, Baurat Schöberl.
Vizepräſident Korell eröffnet die Sitzung um
3 Uhr 10 Min. Das Haus ſetzt die Generaldebatte zum
Miniſterium des Innern fort.
Abg. Dr. Fulda wendet ſich zunächſt gegen den Abg.
Dr. Schmitt bezüglich deſſen Aeußerung, daß hier im
Hauſe nur praktiſche Arbeit geleiſtet werden ſollte. Es
ſei das doch wohl nicht ſo aufzufaſſen geweſen, als ob der
Abg. Schmitt hier jede Parteipolitik unterbinden wollte.
Das ſei doch wohl noch das Recht der Parteien, denn
durch die Parteipolitik würde die Geſetzgebung doch
be=
einflußt. Es komme nicht darauf an, wieviel Geſetze hier
geſchaffen werden, nicht auf die Quantität, ſondern auf
die Qualität. Und in Bezug auf die Qualität ſei der
vergangene Landtag gewiß nicht ſehr produktiv geweſen.
Das habe der Abg. Dr. Schmitt ja ſelbſt zugegeben.
Red=
ner führt zum Beweiſe ſeiner Ausführungen eine
An=
zahl Geſetze an, die durchaus reaktionär ſeien. So habe
vor allen die Verwaltungsgsſetzgebung Verbeſſerungen
nötig. Ebenſo die Landgemeindeordnung und die
Pro=
vinzialordnung. Das Wahlrecht zu Kreis= und
Provin=
zialverwaltung ſei ein durchaus plutokratiſches. So ſei
jahrelang eine bekannte Darmſtädter Perſönlichkeit, ein
„Krawattenmacher” imſtande, dieſes Wahlrecht
auszu=
üben, weil er infolge von Grundſtücksſpekulationen zu den
100 Höchſtbeſteuerten zählt. Alle dieſe Geſetze ſollten doch
wenn nicht im demokratiſchen, ſo doch wenigſtens im
libe=
ralen Sinne reformiert werden. Weiter polemiſiert
Red=
ner gegen die Verſtaatlichung der Offenbacher Polizei.
Dieſe Verſtaatlichung ſei durchaus kein Allheilmittel. In
Darmſtadt ſei die Polizei ſchon verſtaatlicht, und doch ſei
man in gewiſſen Kreiſen mit dieſer Polizei, insbeſondere
mit dem Chef derſelben, gelegentlich des
Transportarbei=
terſtreiks, nicht zufrieden geweſen. Daß man die
Verſtaat=
lichung der Offenbacher Polizei auch damit begründete,
daß Offenbacher Stadtverordntte Poßtzeiorgane
beein=
flußt hätten, ſei lächerlich. Es habe ſich einfach um
Legiti=
mation ſeitens der betreffenden Stadtverordneten
ge=
handelt. Redner bringt dann eine Reihe von Einzelfällen
zur Sprache, die das Polizeiamt Darmſtadt betreffen. Es
ſei gar nicht zweifelhaft, daß für die Verſtaatlichung der
Offenbacher Polizei politiſche Gründe maßgebend ſind.
Es ſei aber unbeſtreitbar, daß die Offenbacher Polizei
tadellos funktioniere. Es ſcheine aber, als ob, wie man
ſchon von einer Elektrizitätszentrale in Berlin für ganz
Deutſchland geſprochen habe, Heſſen an die preußiſche
„Reaktions=Ueberland=Zentrale” angeſchloſſen ſei. (Au!
Unruhe und Heiterkeit.) Jedenfalls werde man ſicher auf
dem Lande wirkſam damit agitieren, daß man in einer
Zeit, wo allgemein nach Sparſamkeit gerufen wird. 9000
Mark mehr ausgeben will für die Offenbacher Polizei.
Redner brinat dann Vorwürfe gggen den Bürgermeiſter
Pons von Neu=Yſenburg vor, der durchaus nicht intakt
ſei im Gegenſatz zu dem Bürgermeiſter Dr. Dullo. Er
ſei u. a. an großen Grundſtücksſpekulationen beteiligt und
dergl. mehr. In einem Flugblatt wurde ihm ungeſtraft
vorgeworfen, daß er ſein Bürgermeiſteramt zu finanzieller
Bereicherung benutzt hat. Redner legt das betreffende
Plakat auf den Tiſch des Hauſes nieder. Demnächſt
werde dem Hauſe eine umfangreiche Druckſache zugehen,
in der die Grundſtückſpekulationen dieſes Herrn unter
Be=
weismaterial dargelegt werden. Sonſt ſei man von der
Reaierung gewohnt, bei jeder Kleinigkeit Strafantrag
ge=
ſtellt zu ſehen. Im vorliegenden Fall iſt das nicht
geſche=
hen. Pons ſoll ſogar geſagt haben, der Herr Miniſter des
Innern habe ihn ſelbſt veranlaßt, die Kandidatur zum
Reichstag anzunehmen. Weiter rügt Redner, daß das
Miniſterium zu viel mit Kinkerlitzchen belaſtet ſei. Z. B.
habe die Stadtverordnetenverſammlung der Stadt
Darm=
ſtadt beſchloſſen, daß Hunde mit auf die
Straßenbahn=
wagen genommen werden dürfen. Hierzu hatte
unbe=
greiflicherweiſe das Hohe Miniſterium ſeine Genehmigung
zu geben. Und das hohe Miniſterium entſchied nach
monatelangen Beratungen, daß das Mitnehmen der
Hunde beſſer unterbliebe. (Heiterkeit.) Er wiſſe nicht.
in welchem Kreiſe dieſe Entſcheidung gefällt wurde, ſicher
falle aber „die Urentſcheidung beim Kaffeekränzchen der
Miniſterialratsfrauen” (Große Heiterkeit.) Auch gegen
das Reichsgeſetz betr. die Reichs= und
Staatsangehörig=
keit polemiſiert Redner bezüglich des Anhörens des
Bun=
desrats bei Verleihung der Staatsangehörigkeit.
Miniſter des Innern von Hombergk
zu Vach Exz.:
Der Abg. Fulda habe gefragt, wie es mit den
An=
trägen ſeiner Partei zu der Landgemeindeordnung ſei
Man könne doch kein Geſetz abändern, ehe es in Kraft ſei.
(Sehr richtig!) Herr Dr. Fulda hat weiter geſagt, ich hätte
ſchon als Kreisrat Gelegenheit gehabt, den Herrn Pons
kennen zu lernen und ich hätte Kenntnis davon gehabt,
daß der Bürgermeiſter Pons Mitglied der Frankfurter
Terraingeſellſchaft war. Das iſt richtig. Aber Mitglied
dieſer Geſellſchaft zu ſein, iſt doch an ſich kein Verbrechen.
Ein Vorwurf daraus kann doch erſt dann gemacht
wer=
den, wenn der Herr Pons dieſe Mitgliedſchaft benutzt
hatte zum Nachteil der Gemeinde. (Zuſtimmung.) Das
iſt aber nicht der Fall. Die Geſellſchaft hat keine Geſchäfte
gemacht, die die Intereſſen der Gemeinde irgendwie
beein=
flußten. Auch die Herren, die mir damals davon
Mit=
teilung machten, konnten nicht behaupten, daß er ſeineZu
gehörigkeit zur Terraingeſellſchaft mißbraucht hats
lag für uns alſo kein Grund vor, gegen den Bürgermeiſter
Pons, der ſonſt als einer der allertüchtigſten Beamten
ſeiner Art ſich bewährt hat (Sehr richtigt);einzuſchreiten
Nachdem Pons ſich aber als Kandidat für den Reichstag
at aufſtellen laſſen, haben die Gerüchte über ſeine
Ter=
ainſpekulation ſich verdichtet, und daraufhin iſt das
Kreisamt Offenbach in eine Vorunterſuchung
ein=
getreten. Dieſe Vorunterſuchung iſt abgeſchloſſen und die
Akten ſind vor 3—4 Tagen dem Miniſterium vorgelegt
worden. Das Miniſterium wird nun dahin Beſchluß zu
faſſen haben, ob eine Diſziplinarunterſuchung eingeleitet
werden ſoll. Es wird alle in dieſer Angelegenheit
ge=
nannten Zeugen eidlich vernehmen und darnach Beſchluß
faſſen, ob etwa auf dem Wege des
Verwaltungsgerichts=
verfahrens der Bürgermeiſter aus ſeinem Amt entfernt
verden ſoll oder nicht. Solange das Verfahren noch
ſchwebt, kann ich keine weitere Mitteilung machen. Der
Abg. Dr. Fulda hat ſich ja gewiſſermaßen ſchon als
Staatsanwalt gegen Pons aufgeſpielt. Das hätte er
beſſer unterlaſſen. Was Dr. Fulda ſonſt noch an Dingen
angeführt, die mein Miniſterium betreffen, ſo muß ich
ge=
ſtehen, daß ich ſie nicht alle verſtanden habe. Ich glaube
ber, es iſt mir auch nichts dadurch verloren gegangen.
(Sehr richtig! Heiterkeit.)
Baurat Schöberl:
Ich bin gezwungen, nochmals auf die Debatte über
die Elektrizitätsverſorgung der Riedgemeinden
zurück=
zukommen. In der Verhandlung vom 22. Februar
rachte der Herr Abgeordnete Henrich zum Ausdruck, daß
die Stadt Darmſtadt gerne die Riedgemeinden mit
Strom verſorgt hätte. Dieſe Abſicht der Stadt habe ſich
jedoch nicht verwirklichen laſſen, weil das Großh.
Kreis=
mt Groß=Gerau kein genügendes Intereſſe für die
Stadt, vielmehr eine Vorliebe für eine Privatgeſellſchaft
zeigte. Auf die Rede des Herrn Abg. Henrich hin habe
ich die Vorgänge geſchildert, wie ſie ſich nach meiner
Er=
nnerung abgeſpielt haben. In der Beratung vom 27.
Februar iſt der Herr Abg. Henrich erneut auf die
An=
gelegenheit eingegangen und hat ſich hierbei auf die
Akten der Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt geſtützt.
Inzwiſchen hat das Großh. Miniſterium des Innern die
Akten des Großh. Kreisamtes Groß=Gerau eingeſehen,
auch Herrn Kreisrat Dr. Wallau gehört. Nunmehr kann
ndgültig Folgendes erklärt werden:
Es ſteht die Tatſache feſt, daß das Kreisamt Groß=
Gerau am 10. November 1908 und am 13. Januar 1909
der Stadt Darmſtadt die Elektrizitätsverſorgung des
Riedes angeboten hat. Das Anerbieten erfolgte in
ein=
gehender und durchaus wohlwollender Form.
Der Gedanke, die Stromverſorgung des Riedes an
das neue Elektrizitätswerk in Darmſtadt anzugliedern,
iſt alſo nicht von der Stadt, ſondern von dem Kreisamt
Broß=Gerau und von mir ausgegangen.
Am 16. März 1909 hat die Stadt dem Kreisamt
mit=
geteilt, daß die ſtädt. Elektrizitätsverwaltung inzwiſchen
ähere Unterſuchungen über das Projekt vorgenommen
hat. Es wurde eine mündliche Verhandlung
vorgeſchla=
gen. Dieſe fand am 23. April 1909 ſtatt. Die ſtädtiſchen
Vertreter trugen zunächſt die Ergebniſſe ihrer
Berech=
nungen vor, nach denen das Anlagekapital der
Ueber=
andanlage ſehr hoch, die Ausſichten auf Rentabilität
ſehr gering waren. Zwiſchen dem, was hiernach die
ſtädtiſchen Vertreter im Intereſſe, der Stadt glaubten
fordern zu müſſen und zwiſchen dem, was wir, d. h.
die Vertreter des Kreisamts Groß=Gerau, des
Kreis=
amtes Darmſtadt und ich, im Intereſſe der
Riedgemein=
den gewähren konnten, beſtanden ſo erhebliche
Unter=
ſchiede, daß es nicht gelang, einen Ausgleich zu finden
oder auch nur eine Ausſicht auf eine Verſtändigung zu
eröffnen. Wir betrachteten demnach die Verhandlungen
als geſcheitert. Am 11. Mai 1909 ſchrieb das Großh.
Kreisamt Groß=Gerau an die Stadt, daß man das
Pro=
jekt der Verſorgung des Riedes von Darmſtadt aus
zu=
nächſt habe fallen laſſen, da die Vorſchläge der ſtädtiſchen
Vertreter ein ebenſo hohes Defizit für die
Riedgemein=
den mit ſich gebracht hätten, wie der Betrieb eines
eige=
nen Werkes. Am 15. Mai 1909 erfolgte ein Anerbieten
der Main=Kraftwerke, am 19. Juli 1909 traten dieſe von
ihrem Anerbieten zurück. Von da ab wird ein Angebot
der Rheiniſchen Schuckert=Geſellſchaft verfolgt. Die
Verhandlungen mit ihr ziehen ſich vom Juli 1909 bis
zum Januar 1910 hin. Ende Januar 1910 war der
Ver=
trag mit dieſer Geſellſchaft vollſtändig durchberaten und
in ſeinem endgültigen Wortlaut feſtgeſtellt. Am 23.
Ja=
nuar 1910 erhielt ich den Beſuch des Herrn Beig. Ekert.
Es liegt ein Brief von mir lan Herrn Dr. Wallau vor
datiert vone 26. Januar 1910 — in dem der Inhalt
mei=
ner Ausſprache mit Harrn Ekert wiedergegeben iſt.
Sollte es gewünſcht werden, ſo bin ich bereit, dieſen
Brief zu verleſen.
Den Verlauf der Sache bis zu dieſem Zeitpunkt faſſe
ich wie folgt zuſammen: Die Stadt Darmſtadt hat, als
ihr die Stromverſorgung des Riedes angeboten wurde,
nicht zugegriffen, trotzdem ſie damals weit beſſere
Be=
dingungen vom Kreis Groß=Gerau) erzielen konnte, als
ſpäter die Rheiniſche Shuckert=Geſellſchaft. Sie hat
nach der mündlichen Verhandlung vom 23. April 1909
kein weiteres Intereſſe für die Sache gezeigt, keine neuen
Vorſchläge gemacht, tratzdem ihr bekannt ſein mußte,
daß mit elektrotechniſchen Firmen verhandelt wird. Erſt
mit dem Beſuch des Herrn Beigeordneten Ekert, der
genau dreiviertel Jahr nach der Beratung vom 23. April
1909 erfolgte, bekundete die Stadt erneut ihr Intereſſe
für die Angelegenheit. Als dies geſchah, war man mit
der Rheiniſchen Schuckert=Geſellſchaft über den
Ver=
tragsinhalt bereits vollſtändig einig. Was den weiteren
Verlauf der Angelegenheit anbelangt, ſo entſtehen vor
allem zwei Fragen: a) Wurde der Stadt der Inhalt des
Vertrages mit der Rheiniſchen Schuckert=Geſellſchaft
be=
kannt gegeben? b) Hätte ſie die Möglichkeit gehabt, in
dieſen Vertag einzutreten?
Zu a) Ich teilte bereits am 23. Januar 1910 Herrn
Beigeordneten Ekert perſönlich die wichtigſten
Vertrags=
beſtimmungen mit. Herr Kreisrat Dr. Wallau gab
Herrn Beigeordneten Ekert, als ihn dieſer hierauf in
Groß=Gerau beſuchte, alle gewünſchten Einzelheiten über
den Vertragsinhalt bekannt. Zu b) Herr Kreisrat Dr.
Wallau hat allerdings unter dem 26. Januar 1910 an
Herrn Beigeordneten Ekert geſchrieben, daß die Stadt
weſentlich günſtigere Bedingungen ſtellen muß, wenn
man von dem Vertragsabſchluß mit der Rheiniſchen
Schuckert=Geſellſchaft zurücktreten ſoll. Ich bin auf
Wunſch bereit, auch dieſen Brief zu verleſen. Mit
die=
ſem Brief hat Herr Dr. Wallau in der üblichen
Weiſe die neuen Verhandlungen begonnen. Bei dem
Beſuch des Herun Ekert in Groß=Gerau hat er aber
be=
reits angedeutet, daß es genüge, wenn die Stadt
min=
deſtens die gleichen Bedingungen einginge, wie die
Rheiniſche Schuckert=Geſellſchaft ſchließlich angeboten
hat. Ich habe die mündliche Angabe des Herrn
Kreis=
sDWallauin feſter Erinnerung, daß er die Stadt
Darmſtadt noch bevorzugen würde, wenn die ſich in aller
Kürze entſchließe, den Riedgemeinden die gleichen
Be=
dingungen zu bieten. Für die Stadt beſtanden nunmehr
zwei Möglichkeiten. Sie konnte entweder erklären, daß
ſie in den mit der Rheiniſchen Schuckert=Geſellſchaft
ver=
abredeten Vertrag eintreten wolle, oder daß ſie
weſent=
liche Aenderungen an dieſem Vertrage wünſche. Sie
hätte zum Beiſpiel ohne weiteres auf das Inſtallations=
Monopol verzichten können, das für ſie keine Bedeutung
gehabt hätte. Nichts von alledem geſchah. Die Stadt
machte keine Vorſchläge, das Ried unter gleichen oder
unter anderen Bedingungen verſorgen zu wollen. Die
Stadtverwaltung hat ſodann durch Beſchluß der
Stadt=
verordnetenverſammlung abgelehnt, unter den
angegebe=
nen Vorausſetzungen in das fragliche Geſchäft
einzu=
treten. Ihr Schreiben vom 3. Februar 1910 an das
Kreisamt läßt auch den Grund für ihre Entſchließung
erkennen. Sie ſchreibt nämlich: „Es bleibt uns daher
nach wie vor unverſtändlich, wie den beteiligten
Ge=
meinden derart niedrige Strompreiſe angeboten werden
können, trotzdem eine Umfrage bei den Gemeinden oder
eine Bindung der Gemeindemitglieder bezüglich der
Höhe der Stromabnahme noch nicht ſtattgefunden hat.”
Das Kreisamt hat allerdings auf eine raſche
Entſchließ=
ung der Stadt gedrängt. Hierzu war es nach dem
Ver=
lauf der Verhandlungen zweifellos berechtigt.
Der Herr Abg. Henrich hat es auch getadelt, daß das
Kreisamt mit einer Privatgeſellſchaft verhandelte. Nun
hat aber vor kurzem auch die Stadt Darmſtadt einen
Vertrag mit einer Privatgeſellſchaft abgeſchloſſen. Der
Herr Abg. Henrich wirkte in ſeiner Eigenſchaft als Stadt= und Mitglied des Städtiſchen
Sonderaus=
ſchuſſes bei der Beratung dieſes Vertrages in
hervor=
ragender Weiſe mit. In dieſem Vertrage iſt auch der
ſpätere Eintritt der Rheiniſchen Schuckert=Geſellſchaft in
die neu zu bildende Aktiengeſellſchaft vorgeſehen.
Meine Herren! Ich bin der Anſicht — der
Ueber=
zeugung — daß der hohe Städtiſche Stromtarif das
Hemmnis bei den Verhandlungen über die Verſorgung
des Rieds bildete. Die Stadt hat bis heute einen
Licht=
tarif von 70 Pfg. und glaubte daher, das Ried mit einem
Lichttarif von 40 Pfg. micht verſorgen zu können. Aus
dieſer Schwierigkeit hat ſie keinen Ausweg gefunden.
Auch eine baldige Rente, ein unmittelbarer Vorteil,
konnte der Stadt vom ihrem Sachverſtändigen nicht
nach=
gewieſen werden. Ueberlandzentralen muß man mit
Kolonialunternehmungen vergleichen, von denen man
hofft, daß ſie einmal ſpäter gute Früchte tragen. Die
ſchwierine Situation, in der ſich die Stadt befand, wird
ausdrücklich anerkannt. Es kann aber nicht als richtig
anerkannt werden, nunmehr die Urſache für das
Schei=
tern der Verhandlungen in dem Mangel an
Wohlwol=
len ſeitens der Regierungsorgane zu ſuchen.
Abg. Lutz dankt dem Herrn Miniſter für die
freund=
lichen, der Landwirtſchaft gewidmeten Worte. Das
Feſt=
halten an der bewährten Zollpolitik ſei durchaus zu
be=
grüßen. Die Landwirtſchaft müſſe mit der Induſtrie Hand
in Hand gehen. Wenn es Beiden gut geht, geht es dem
anzen Volke gut. Redner beſpricht dann ſehr eingehend
die Zigeunerplage, der man unbedingt Herr werden müſſe=
Die derzeitigen Zuſtände ſeien faſt mittelalterlich. Er
kommt dann auf das Bauweſen zu ſprechen und meint, auf
dieſem Gebiet könne noch mehr Sparſamkeit obwalten.
Der Abg. Urſtadt habe mit ſeinen Ausführungen bezüglich
der Fideikommiſſe offene Türen eingerannt, es ſei nicht
recht hier die kleinen Bauern gegen die Großen
auszu=
ſpielen. Wenn von dem, was der Abg. Dr. Schmitt gegen
en Abg. Korell geſagt habe, nur die Hälfte wahr ſei, dann
ſei Korell in ſeinen Augen gerichtet (Beifall und Heiterkeit).
Daß der Abg Korell geſagt habe, ſeine, des Redners,
Par=
teifreunde ſeien gemeingefährlich, könne er niemals
be=
weiſen und man werde es ſobald nicht vergeſſen. Mit ſeiner
Verteidigung Dr. Streckers habe der Abg. Reh kein Glück
gehabt und wenn der Abg. Korell dieſen Herrn Dr. Strecker
einen verdienten Mann genannt hat, ſo ſei das ebenſo
un=
verſtändlich. Denn um die Allgemeinheit habe ſich Dr.=
Strecker ſicher noch nicht verdient gemacht, höchſtens um die
Frankf. Zta. Redner kommt dann auf die Verhältniſſe
der evangeliſchen Landeskirche zu ſprechen und wendet ſich
gegen die Theologen der neuen Richtung, die den Boden der
evangeliſchen Kirche eigentlich ganz verlaſſen. Als der
Pfarrer Jatho ganz mit Recht entlaſſen wurde, hat man
das traurige Schauſpiel erlebt, daß eine große Anzahl
heſſiſcher Geiſtlicher einen Aufruf erließ, in dem ſie gegen
das ſoa. Ketzergericht Stellung nahmen. Es ſei
unbegreif=
lich, daß die oberſte Kirchenbehörde in Heſſen es zugeben
ann, wie dieſe Herren im Lande ihr Unweſen treiben
(Unruhe, Zuſtimmung). Unter den Unterzeichneten waren
auch 3 Theologen der Landesuniverſität. Wenn das mit der
neuen Richtung ſo weiter geht, dann iſt es der Beyölkerung
nicht mehr zu verübeln, wenn ſie ſich ganz von der Kirche
abwendet. Dieſe ſog. „Freiheit der Wiſſenſchaft” müſſe
end=
lich dahin führen. Die Regierung müſſe dafür ſorgen, daß
an der Landesuniverſität auch die poſitive Richtung wieder
Seltung erhalte. Wenn es wahr iſt, daß der Abg. Korell
bedauert habe, daß es nicht zu einer Einigung mit der
Sozialdemokratie gekommen, ſehe man ja, wohin man mit
der neuen Richtung komme (Beifall).
Abg. Korell=Königſtädten. Die Stunde, die er
heute während der Rede des Abg. Schmitt durchgemacht,
ſei ſicher keine angenehme geweſen, aber in anderer
Bezieh=
ung ſei er doch dankbar. Denn es habe ſich ſeitens der
Par=
teien der Rechten das jetzt ſchon enthüllt, was man für ihn
fühle und weſſen man ihn für fähig halte, was ſonſt
viel=
leicht erſt im Laufe der Zeit ſich offenbart hätte. Was der
Abg. Dr. Schmitt heute ausgeführt, war ja in den
Zen=
trumsblättern angekündigt worden, und zwar, wie ſchon
öfter im M. Journal unter Aufſtellung unwahrer
Behaup=
tungen, die er z. T. ſchon richtig zu ſtellen Gelegenheit
nehmen müßte. Man werde es ihm nachfühlen, daß, wenn
er nun das „Tänzchen” wage, zu dem man ihn eingeladen,
er keinen leichten Stand habe. Dem Abg. Dr. Schmitt hätte
er doch etwas mehr Objektivität zugetraut. Er fühle
ſich=
durchaus frei von Haß gegen die Zentrumspartei, das
müßte der Abg. Dr. Schmitt ſchon daraus erſehen, daß er
gelegentlich einer ſeine Gemeinde betr. Angelegenheit
zuerſt den Abg. Dr. Schmitt aufſuchte, um ihn zu bitten,
die Sache im Hauſe zu vertreten. Er widerſpricht dem
in der Behauptung, als habe er mit ſeiner Bemerkung von
den „einflußreichen Herren” einen Menſchen an ſeiner Ehre
angegriffen. Das habe er nicht getan, wie das unkorrigierte
Stenogramm beweiſe. Er habe ausdrücklich geſagt, daß es
ſich um ein Gerücht handelt, und zuerſt nur darum von
„einflußreichen Herren” geſprochen, um nicht auf eine
beſtimmte Richtung hinzuweiſen. Nach Feſtſtellung der
Richtigkeit habe er ſofort einwandfrei hier im Hauſe
aus=
reichende Erklärungen abgegeben. Wenn g; allerdings
hätte ahnen können, daß die Animoſität der Kechten gegen
ſeine Perſon ſo groß ſei, hätte er die Angelegenheit vielleicht
nicht ſchon zu Beginn des Landtags vorgebracht (Unruhe).
Redner wendet ſich dann gegen den Abg. Korell=Angenrod
und wiederholt, daß er keinen der Herren des Hauſes für
gemeingefährlich halte, noch bezeichnet habe, daß vielmehr
nur gewiſſe Tätigkeit des Bundes der Landwirte als ge=
meingefährlich bezeichnet wurde, eine Anſch, die auch
Mitglieder des Bundes der Landwirte teilen. Erſt die
Reden Uebels und Molthans hätten ihn gezwungen, zum
Angriff gegen das Zentrum vorzugehen (Unruhe). Wenn
die Zentrumspartei ſich auf den Standpunkt ſtelle, als könne
ſie diktieren, wie und in welcher Tonart hier gegen das
Zentrum geſprochen werden darf, ſo könne er das dann doch
nicht anerkennen (Zuſtimmung). Auch das könne er nicht
anerkennen, daß hier im Hauſe die Linke als die
Un=
gläubigen, die Rechte als die Gläubigen bezeichnet werden,
wie der Abg. Molthan dies getan hat (Unruhe). Was er
dem Herrn Uebel geſagt habe, halte er aufrecht. Wohl könne
jedem auch ihm in der Hitze des Gefechts, einmal ein
ſcharfes, auch vielleicht unangebrachtes Wort entſchlüpfen,
aber daß man ein Schimpfwort, nachdem man eine Nacht
darüber hatte ſchlafen können, mit einem Schimpfwort
zurückweiſt, oder ſolches wiederholt, ſei kein Zeichen
von Gläubigkeit. In die Kampfſtellung gegen das
Zen=
trum ſei Redner gekommen, als er in München
gelegent=
llich der letzten bayeriſchen Landtagswahlen Kenntnis
er=
hielt von einem Telegramm des Herrn von Brentano, der
gratulierte zum Sieg des Zentrums über Umſturz und
Charakterloſigkeit (Unruhe). Wenn der Abg! Dr. Schmitt
geſagt habe, ſeine, des Redners, Ausführungen hätten der
Delikateſſe ermangelt, ſo glaube er doch mit ſeinem Ton
gegen den heute von Schmitt angeſchlagenen noch ehrenvoll
beſtehen zu können (Zuſtimmung). Falſch ſei es auch, daß
das Zentrum ſich nicht in die innerkirchlichen Angelegen=
Heiten der anderen Religionen miſche, ſo habe der Fall
Jatho das Gegenteil bewieſen. Das M. Journal hat ſich
ſehr darüber aufgehalten, daß die heſſiſchen Geiſtlichen,
be=
ſonders auch der Oberkonſiſtorialrat Euler ſich der Bewegung
für Jatho angeſchloſſen haben (Hört, hört). Er habe ſich
hingegen noch nie in die inneren Angelegenheiten der
katho=
liſchen Kirche gemiſcht. Denn das Motu proprio ſei keine
önnerkirchliche Angelegenheit. Er könne das Zeugnis
meh=
rerer katholiſcher Geiſtlicher anführen dafür, daß er nie ſich
kulturkämpferiſch betätigt hat. Er habe es nie an dem
not=
wendigen Takt fehlen laſſen der katholiſchen Religion
gegen=
über. Den Erklärungen des Kardinalſtaatsſekretärs Merry
Del Val müßte man nach den Erfahrungen mit der
Borro=
rnäus=Enzyklika und dem Motu proprio mit Mißtrauen
be=
gegnen. Tatſächlich genügen die Erklärungen nicht,
Denn mit der Zurücknahme ſei es noch nicht
aus der Welt geſchafft, was darin geſagt war; daß es ein
Verbrechen gegen die Kirche ſei, wenn man einen Pfarrer
wegen eines Verbrechens anzeige und dergl. mehr. Die
ganzen Erfahrungen in dieſer Beziehung rechtfertigen es,
daß man der formellen Zurücknahme mit Mißtrauen
gegenübertritt. Dazu brauche man kein Kulturkämpfer zu
ſein. Der Abg. Schmitt habe kein Recht gehabt, an ſeiner
Verſicherung, daß er den Frieden wolle und nichts
anderes, zu zweifeln. Es wäre allerdings Pflicht des
Zentrums geweſen, gegen das Motu proprio Stellung zu
rnehmen, weil es an den Wurzeln des Friedens zwiſchen
lden beiden Konfeſſionen rüttelte. Die Behauptung, daß
DDr. Winkler früher Zentrumshaſſer war, halte er aufrecht
und verlieſt zum Beweiſe dieſer Tatſache verſchiedene
eid=
lich beſchworene Zeugenausſagen. Eben Dr. Winkler habe
am allerwenigſten ein Recht, über Unwahrhaftigkeit zu
ſſprechen, wenn er das heute beſtreite. (Große Unruhe.)
Er bekämpfe das Zantrum ſo lange, als es vom liberalen
Standpunkt aus bekämpft werden muß. Ein
Zentrums=
haſſer ſei er nicht, und wenn ſich einmal die Gelegenheit
ergeben ſollte, mit dem Zentrum zuſammen praktiſch zu
arbeiten, werde er gern dazu berekt ſein. Redner kommt
dann auf die Schulfrage zu ſprechen und wiederholt ſeine
bereits gemachten Ausführungen, daß er für den
religi=
öſen Unterricht durch Geiſtliche ſei: Das ſei doch keine
Entchriſtlichung der Schule. Auch wenn er geſagt habe,
kein Lehrer ſolle gezwungen werden, gegen ſeinen Willen
Religionsunterricht zu erteilen, ſei das keine
Entchriſtli=
chung. Er habe bei der Beſprechung der Schulfrage in
keiner Beziehung die religiöſen Gsfühle verletzt. In allem,
was er geſagt habe, ſtehe ſeine Partei hinter ihm.
Was die beregten Bücher betrifft, ſo ſcheint ihm
perſön=
lich der „Waldbauernbub” ungefährlich. Aber ſelbſt
wenn er zugebe, daß das Buch auf manchen Urteilsloſen
von anderer Wirkung ſein kann, rechtfertige das nicht
ein derartiges Ueberwachungs= und Zenſurſyſtem, wie
es nun gefordert wird. Es hätte durchaus genügt, dem
Lehrer zu ſagen, das Buch den katholiſchen Kindern
nicht zu geben. Selbſtverſtändlich halte er es ebenfalls
für notwendig, daß die Simultanſchule ſoweit als irgend
möglich die religiöſen Gefühle aller Konfeſſionen ſchonen
müſſe; aber es ſcheine ihm doch manchmal auf beiden
Seiten eine konfeſſionelle Ueberſpannung zu herrſchen,
Jedenfalls glaube er keine Veranlaſſung dazu gegeben
zu haben, daß der Herr Dr. Schmitt hier gewiſſermaßen
als ein zweiter Greupner auftritt. Seine erſte Etatsrede
habe er unter einem Gefühle innerer Spannung und
innerer Gedrücktheit gehalten. Wenn ſie äußerlich
hoch=
fahrend und hochmütig geklungen, ſo könne er nichts
da=
für. (Große Unruhe.) Sein Wille und ſeine Abſicht
war es nicht, hochmütig zu ſprechen. In der Beziehung
nehme er aber gern noch Lehre an. Wenn ihm
Unwahr=
haftigkeit vorgeworfen wurde, weil er den
Gewährs=
mann noch nicht genannt hat, der ihm geſagt habe, die
Regierung köne den Dr. David nicht entbehren, ſo habe
der ſeiner Partei bekannte Gewährsmann auch
heute noch nicht die Erlaubnis zur Namensnennung
er=
teilt. (Unruhe.) Weiter verlieſt Redner dann Teile des
Urteils das heute vormittag der Abg. Schmitt
ange=
zogen habe zur Widerlegung Dr. Schmitts und kommt
endlich auf die Bombengeſchichte der Scholle‟
zu ſprechen. Schon im Reichstagswahlkampf habe man
in Gießen damit gearbeitet. Gelegentlich eines Prozeſſes
habe Dr. Werner ſelbſt zugeben müſſen, daß es ſich bei
der Agitation um Auswüchſe handelt. Mit der „Scholle‟
hat es folgende Bewandnis: Man habe ihn, ohne daß er
den Kalender kannte, gebeten, im Intereſſe des beſſeren
Abſatzes in Heſſen ſeinen Namen darauf ſetzen zu laſſen.
Irgend ein Artikel ſei ihm nicht vorgelegt worden. Als
er dann die Nummer der „Scholle” ſah und den Artikel
las, habe er ſofort ſeinen Namen zurückgezogen,
und arbeite nicht mehr für dieſen Kalender. Er
hatte aber den Abg. Dr. Schmitt für ſo objektiv
gehal=
ten, daß er auch den Artikel zitiert hätte, den er, Redner
geſchrieben in der gleichen Nummer. (Abg. Schmitt:
Den habe ich noch nicht geleſen! Unruhe.) Schließlich
wolle Redner noch eine „Oppenheimer Nachleſe” halten
(Heiterkeit) und ſtellt feſt, daß man doch wohl nicht
glaube, daß alle die Leute, die ihm anhängen in Rhein=
beſen und Oberheſen uſw., ſich einſach beſchwähen
lie=
ßen. Den Leuten ſei doch alles bekannt, was man gegen
ihn vorbrächte. In Königſtädten habe man gelegentlich
der Kirchenviſitation einen formellen Proteſt gegen die
W. Ztg. gerichtet, die die Gemeinde Königſtädten und
ihren Pfarrer ſtets mit Schmutz bewerfe. Der Redner
ſchließt: Mein letzter Richter iſt mein Gewiſſen. Und vor
meinem Gewiſſen halte ich mich für einen ſo
wahrhafti=
gen Menſchen als Sie, Herr Abg. Dr. Schmitt, ſich vor
Ihrem Gewiſſen halten mögen. Wer da fährt nach
feſtem Ziel, bleibe ruhig am Steuer ſitzen, unbekümmert,
ob am Kiel Lob und Tadel hoch aufſpritzen. (Beifall.)
(Die überfüllten Tribünen beginnen ſich zu leeren.)
Abg. Dr. Winkler polemiſiert zunächſt gegen den
Abg. Dr. Fulda. Es habe bisher nicht den
Gepflogen=
heiten des Hauſes entſprochen, daß man einen Mann
richte, gegen den der ordentliche Richter noch nicht
ge=
ſprochen. Seine Partei werde Herrn Pons ſofort fallen
laſſen, wenn die gegen ihn vorgebrachten
Anſchuldigun=
gen ſich als wahr erweiſen. Zu den Ausführungen des
Abg. Korell=Königſtädten bemerke er, deſſen ganze
Be=
redſamkeit habe ihn nicht überzeugen können, und er
wollg ſich das letzte Wort der Broſchüre Greupners zu
eigen machen: „In Heſſen iſt Herr Korell politiſch
er=
ledigt.” (Große Unruhe. Heiterkeit und Widerſpruch
bei den Freiſ.) Er tritt dann den Ausführungen im
einzelnen entgegen. Wenn ſein Urteil über das
Zen=
trum ſich geändert habe, ſo ſei das damit begründet, daß
nach ſeiner Ueberzeugung die nationale Zuverläſſigkeit
des Zentrums ſich in dem Maße gebeſſert habe, als die
der Freiſinnigen ſich verſchlechtert habe. (Zuſtimmung.)
Redner ſchließt: Der Aufwand von Beredſamkeit und
an Geſten ſei nicht geeignet all das abzuwaſchen, was
ſeit Jahren ſich bei den Mitgliedern ſeiner (Redners)
Partei gegen Korell aufgehäuft. Korells Mimika ſei
ſerwieſen durch ſeine Stellungnahme zur Frage der
Zölle und des Freihandels und durch ſeine Wandlung in
der Stellungnahme zur Frage der Beſteuerung von
Bier, Tabak und Schnaps. Gegen den Abg. Korell ſei
eine Menge von Behauptungen vorgebracht, die nicht
widerlegt wurden. Der Kern der Behauptungen bleibe
beſtehen.
Abg. Stöpler nimmt den Kreisſchulinſpektor von
Lauterbach in Schutz wegen ſeines Schriftchens für die
Fortbildungsſchulen. Es habe dem allgemein geſchätzten
Beamten durchaus fern gelegen, irgend eine Partei zu
benachteiligen oder zu befürworten.
Damit ſchließt die Sitzung um 7¼ Uhr. Nächſte
Sitzung Freitag 9 Uhr.
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86
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Nächſte Uebung am Sonntag, den 10. März.
Zuſammenkunft nachmittags 2 Uhr an der
Beſſunger Turnhalle, Heidelbergerſtraße. (5639
Einladung
zur
ordentl. Generalversammlund
am Freitag, den 15. März, abends pünktlich 8½ Uhr,
im gelben Saale
des Restaurants Sitte (Karlſtraße).
Tagesordnung:
1. Bericht über die Tätigkeit des Vorſtandes, der Kommiſſionen und
der Gewerbeſchule.
2. Rechnungsablage des Ortsgewerbevereins für 1910 und der
Eck=
hardtſtiftung für 1911.
3. Neuwahl der 3 Vorſitzenden und 6 Vorſtandsmitglieder:
Es haben auszuſcheiden:
a) die 3 Vorſitzenden: Jacobi, Hillgärtner und Werner,
b) die Vorſtandsmitglieder: Eberhard, Ganß, Hahn, Hild,
Baurat Jaeger und Prof. Dr. Meiſel.
4. Verſchiedenes, Vorſchläge u. Wünſche zu den diesjährig. Exkurſionen.
Der Verſammlung voraus geht ein
Vortrag des Herrn Dipl. Ing. Ritzert, hier, über:
„Die Anlage v. Kraftzentralen unter beſonderer
Berückſichtigung der Elektrizitätswerke und ihre
Be=
deutung für Gewerbe und Handwerk.”
Unſere Mitglieder erſuchen wir ergebenſt, recht zahlreich
er=
ſcheinen zu wollen. Zu dem Vortrag ſind auch Gäſte willkommen.
5624ff)
Der Vorſtand.
Großherzogl. Hoftheater
Freitag, 8. März.
132. Abonnem.=Vorſtellung. D 33.
Zum erſten Male:
Baumeiſter Solneß.
Schauſpiel in 3 Aufzügen
von Henrik Ibſen.
Spielleitung: Oberregiſſ. Valdek.
Perſonen:
Baumeiſter
Hal=
pard Solneß. . Hr. Heinz
Frau Aline
Sol=
neß, ſ. Gattin . Frl. Heumann
Dr. Herdal,
Haus=
arzt
. Hr. Wagner
Knut Brovik,
ehe=
mals Architekt,
jetzt Aſſiſtent bei
Solneß:
. Hr. Lehrmann
Ragnar Brovik, ſ.
Sohn, Zeichner. Hr. Weſtermann
Kaia Fosli, ſeine
Nichte, Buchhalt. Frl. Uttmann
Frl. Hilde Wangel Frl. Meißner
Einige Damen. Volksmenge auf
der Straße.
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Baumeiſters Solneß.
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14.—20. Reihe 3 Mk., Parterre:
1.—5. Reihe 2.20 Mk., 6.—8. Reihe
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26)
Frau Liebetrau ging ſtill nebenher und wunderte ſich,
wie redſelig und ſelbſtbewußt ihr Mann wurde, der doch
ſonſt ſo beſcheiden war. Dabei wuchs er in ihren Augen
wieder um einige geiſtige Zentimeter.
Sie waren am Ausgang der Birkenallee angelangt, als
Lilli fragte: Eines müſſen Sie mir noch ſagen, Herr
Liebe=
trau, wie iſt es nur möglich, daß Sie das Leben hier
aus=
halten ohne jede Anregung von außen, ohne jede Art von
geiſtig anregendem Verkehr?
Die Frage kam ſo raſch, daß der Paſtor einen
Augen=
blick ſelbſt in Erſtaunen geſetzt wurde, wie er das nur
aus=
gehalten hätte, obgleich er es bisher ſehr gut ausgehalten
hatte, denn er bekam ſchon einen Anſatz zu einem
behag=
lichen Bäuchlein. Aber der ehrliche, ſchlichte Menſch in ihm
kam doch wieder hoch, als er ſagte: Frau Lührſen, ich denke
doch, einer hat es in ſich oder nicht! Das ganze Leben iſt
Anregung, und ich möchte ſagen, kein Leben iſt gezwungen,
inhaltlos zu ſein oder zu werden. Allerdings, zuweilen
fehlt einem etwas!
Der Paſtor und Lilli bemerkten nicht, wie peinlich das
Anhören dieſes Geſpräches für Helene geworden war, für
ſeine Frau, als ob ſie gar nichts in ſeinem Leben bedeutete.
Aber er, der Paſtor, ſah doch bei einem Seitenblick ſeiner
e e e e e e e
Mund. Da klopfte er ihr auf die Schulter, indem er zu
Lilli ſagte: Wenn nur jeder einen ſo verſtändnisvollen
Kameraden zur Seite hätte wie ich!
Das vertrug nun Frau Helene gar nicht, noch dazu in
Gegenwart einer andsen Frau. Solche konventionellen
Redensarten konnte er ſich ihr gegenüber vollſtändig ſparen.
Sie wußte allein, was ſie wert war, und eine Zenſur
brauchte ſie gar nicht, um vor einer anderen Frau ins rechte
Licht geſetzt zu werden. Sie machte eine ſehr bezeichnende
Bewegung mit der Schulter, auf die er die Hand gelegt
hatte, und ſie hob die Naſe ſehr hoch und ſagte ſehr kühl:
Sie haben ganz recht. Mein Mann gehört in eine andere
Stellung und in eine andere Umgebung, wenn er hier nicht
gänzlich verſimpeln will. Hier kann ihm ja keiner etwas
bieten!
So, nun wußte Lilli, daß Helene Liebetrau keine
Skla=
vin wäre, und der Paſtor wußte, daß er aus Helenes Munde
noch niemals ſo kühle, ſcharf geſchliffene Worte gehört hatte.
Lilli ſagte raſch adieu und ſah dem Ehepaar
kopfſchüt=
telnd nach, wie es an die beiden Jungens herankam im
Hohlweg und ihnen den Schnee aus Hoſen und Jacken
ſtäubte. Lilli mußte lächeln, als ſie nach Halligboſtel
zu=
ging. Ein Menſch war wenigſtens hier, mit dem man hätte
geiſtige Intereſſen austauſchen können.
Aber, Helene, Du wirſt doch nicht ſo kleinlich ſein und
ſo etwas perſönlich nehmen? fragte der Paſtor, als ſeine
Frau, ohne zu ſprechen, neben ihm herging.
Ich kleinlich? Wieſo? Ich bin ja nur eine Frau, und
Frauen ſind immer kleinlich, beſonders in kleinlichen
Ver=
hältniſſen. Das iſt nun einmal ſo in der Welt! Oder darf
ich etwa das Allerperſönlichſte nicht einmal mehr perſönlich
nehmen? Schade, daß ich nicht eines von den neuen Weie
bern bin!
Nun war aber Liebetrau nicht dabei geweſen, als über
das neue Weib neben der alten Pappel auf der Landſtraßs
verhandelt wurde, und er konnte alſo nicht wiſſen, wie He= das meinte. Das war wirklich eine kleine eheliche
Kriſe. Sicherlich war dieſe Frau Lührſen an der ganzen
Geſchichte ſchuld. Weshalb mußte die ihm auch in den Weg
laufen, Wäre Liebetrau nicht ein ſo ehrlicher Kerl geweſen,
ſo hätte er jetzt leicht Helene verſöhnen können, er brauchte
nur zu ſagen, daß ihm Frau Lührſen nicht beſonders
ge=
fallen hätte. Aber das brachte er nicht fertig. Auch gab es
in ganz Bütfeld keinen Blumen= oder Juwelierladen, in
dem man Verſöhnungsgeſchenke für eine Frau kaufen konnie.
Er mußte ſich alſo auf ſich ſelbſt verlaſſen, und er tat dies,
als das Mittageſſen vorüber und er mit ſeiner Frau allein
war. Er mußte wohl den richtigen und natürlichen Weg
eingeſchlagen haben, denn nach einer Weile ſaß Helene neben
ihm auf dem Sofa, oder er neben Helene auf dem Sofa.
Sie hatte beide Arme um ſeinen Hals gelegt und ſagte:
Menſch, ich habe Dich ja ſo lieb! Als er dann einige Zeit
ſpäter allein in ſeinem Studierzimmer war und vor dem
Schreibtiſch ſaß, wurde aus der Fortſetzung der angefanges.
nen Erzählung nichts. Er machte ein kleines ſchlichtes Geg
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dicht, und das bekam ſeine Frau, die es zu einigen
Vor=
gängern in die Mappe tat, die zu unterſt in der ſtets
ver=
ſchloſſenen Kommode lag. So war eine Anregung in
Pa=
ſtor Liebetraus Leben gekommen, eine von denen, aus denen
oft ein ſehr ſchönes Gedicht entſteht, ſelbſt in weltentlegenen
Erdenwinkeln. Ob ſich einer dran freut oder viele
Mil=
lionen, darauf kommt es letzten Endes ſehr wenig an!
Als Lilli, in Halligboſtel angelangt, das Wohnzimmer
betrat, fand ſie dort Frau Tannert beſchäftigt, den Tiſch
zu decken, und zwar nur für eine Perſon.
Ja, gnädige Frau, der Herr mußte nach Harburg, wo
heute die ganzen landwirtſchaftlichen Vereine eine große
Verſammlung abhalten. Nachher eſſen dann alle die Herren
zuſammen in Harburg, und dabei ſoll’s mächtig hoch
her=
gehen! Karl Beckers aus Boſtel is voriges Jahr erſt
mor=
gens Klock vier nach Hauſe gekommen und hat einen ſitzen
gehabt.
War es möglich, daß Lührſen ſie wirklich heute abend
abreiſen laſſen wollte, ohne ſie noch einmal geſehen zu
haben? dachte Lilli. Ob denn ihr Mann mit dem Schlitten
oder mit der Bahn nach Harburg gefahren ſei?
Nee, er is mit der Bahn hingefahren. Die Pferde
müß=
ten ja doch heute abend noch einmal heraus. Er käme aber
mit dem Nachmittagszuge zurück, das hätte er extra geſagt,
und er wolle zu Fuß vom Bahnhof hereinkommen. Ja, ſo
is er nu, gnädige Frau. Bloß, daß die Pferde geſchont
wer=
den, läuft er den ſchlechten Weg zu Fuß herein.
Ob denn Fräulein Plattner nicht miteſſen wolle?
Das Frölen hat mit mir ſchon um zwölf Uhr in der
Küche gegeſſen. Wir eſſen ſonſt immer um zwölf Uhr. Und
denn is heute viel zu tun und ja, richtig, das Frölen konnte
nicht gut warten, denn ſie muß heute das Futter
heraus=
geben, weil der Herr nicht da iſt.
Das log Frau Tannert, denn deswegen hätte Dora
gut mit dem Eſſen bis ein Uhr warten können. Aber die
Tannert dachte, es ſähe doch zu kurios aus, daß die gnädige
Frau mutterſeelenallein hier hier zu Mittag eſſen müßte.
Es war doch man ungemütlich im Hauſe geworden. Den
ganzen Vormittag hatte das Frölen kein Wort geſprochen,
nicht einmal, als Stine ſo döſig war und einen halben Eimer
Milch umgeſtoßen hatte. Wenn Dora ſo was ruhig
hin=
nahm, dann war was mit ihr los!
Frau Tannert hatte ſo ihre eigenen Gedanken, die aber
ſo ziemlich das Richtige trafen. Auch in ihrer Seele wogten
geteilte Empfindungen. Sie hatte ſich das geſtern abend im
Bett einmal gründlich überlegt. Wenn nämlich Frau
Lührſen da bliebe, dann mußte ja natürlich das Frölen
gehen, und dann war das ganz klar, daß ſie, die Tannert,
hier ganz unentbehrlich wurde. Das ginge ja gar nicht
ohne ſie, und etwas Lohn mußte ja dann der Herr doch
zu=
legen, denn die Frau verſtand doch von Gott und der Welt
gar nichts! Frau Tannert konnte ſich gar nicht beruhigen,
weil Lilli geſtern abend gefragt hatte, ob es jetzt nicht junge
Küken gäbe? In Berlin könne man ſie das ganze Jahr
durch haben. Alle Dienſtbotengemüter waren in Aufregung
und heiterer Erſchütterung geweſen, als die Tannert dies
in der Leuteſtube erzählte: Fragt ſie mich wahrhaftigen Gott,
ob es jetzt nicht junge Hähnchen gäbe. Das wäre doch gut
für den kleinen Franz. Nun bitt ich einen, junge Hähnchen
zu Weihnachten? — Wie geſagt, Frau Tannert hatte das
alles überlegt. Blieb die gnädige Frau nicht, dann blieb
das Frölen. Das Frölen war ja ſo weit ganz gut, aber
ſie daſte dech ieden lſc ufde inger, und ſchöne
wäre das allemal geweſen, wenn ſie, die Tannert, hier hätte
etwas mehr kommandieren können.
Sie brachte bald das Eſſen und machte ſich allerhand zu
tun im Zimmer in der Hoffnung, daß Frau Lührſen ſie
an=
reden würde. Aber dieſe rührte kaum das Eſſen an, ſagte
kein Wort und ſtand nach wenigen Minuten auf.
Es hat Sie wohl nich geſchmeckt, gnädige Frau?
O doch, ich habe nur keinen richtigen Hunger!
Das is nu gar nicht gut, gnädige Frau. Aber allein
ſchmeckt das nicht! Is es denn nu wirklich wahr, daß Sie
als wie heute abend abreiſen wollen?
Als Antwort erhielt die Tannert nur ein kurzes „Ja”
was alle weiteren Geſpräche abſchnitt.
Lilli ging zu ihrem Kinde und las ihm Märchen vorg
weil dies darum bat, und ohne daran zu denken, daß
Dok=
tor Dänhardt abſolute Ruhe für den Patienten angeordnet
hatte. Aber das Kind fühlte wohl, daß die Mutter gar
nicht bei der Sache war und ſelbſt kaum verſtand, was ſie
vorlas. Da wurde der Junge weinerlich und unartig und
behauptete, Tante Dora könne beſſer leſen. Lilli dagegen
wurde leidenſchaftlich in ihren Bemühungen um das Kind,
ſodaß der Kleine erſt recht nicht wußte, was er daraus
machen ſollte, zumal da Lilli einigemale in krampfhaftes
Schluchzen ausbrach. Kinder erſchrecken über ſolche
leiden=
ſchaftlichen Gefühlsausbrüche Erwachſener. Sie fühlen
in=
ſtinktiv da eine Welt toben, eine Welt der Leidenſchaften, die
ihnen noch fremd iſt, aber doch auf ſie hereindroht wie
Zu=
kunftsleiden der eigenen Seele.
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Da der Laden am 1. April geräumt zein muss,
verkaufen wir zu und unter Selbstkostenpreis.
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SKar deof!
Landeleute
freundl. willkommen!
Landstente
freundl. willkommen!
Bayern=Verein.
Morgen Samstag, 9. März, abends 9 Uhr,
im Lohal Zur Sonne, Luisenstraße 6
91. Geburtstagsfeier
Sr. Königlichen Hoheit
Prinzregent Luitpold von Bayern
Die Mitglieder werden dringend erſucht, mit ihren Angehörigen
(5620
recht zahlreich zu erſcheinen.
Der Vorstand.
Landeleute
freundl. willkommen!
Landsteute
freundl. willkommen!
Freie Eiterarisch-Kunstierische Gesellschaft
Mathildenhöhsaal, Freitag, 15. März, 8 Uhr abends,
Madoh Fresber
liest eigene Dichtungen.
Karten für Nichtmitglieder im Vorverkauf bei A. Bergſträßer
(Rheinſtraße) zu Mk. 4, 3, 2, 1. — An der Abendkaſſe Mk. 4.50, 3.50,
2.50, 150. — Mitglieder können ihre erhaltenen Tageskarten gegen
ein Aufgeld von Mk. 1.— in Karten der höheren Kategorie
(614im
umtauſchen.
Verein „Daheim‟
Einladung zur ordenl. Hauptversammlung
auf Freitag, 22. März 1912, abends 8½ Uhr
im Reſtaurant „Kaiſerſaal”, Grafenſtraße 18.
Tagesordnung: 1. Bericht des Vorſitzenden;
2. Rechenſchaftsbericht;
3. Wahl von Borſtandsmitgliedern;
4. Erledigung der Anträge von Mitgliedern.
Anträge ſind bis zum 15. März bei dem Vorſitzenden, Herrn
Rechtsanwalt Dr. Stein, Annaſtraße 20, einzureichen. Die Rechnung
liegt zur Einſicht der Vereinsmitgzlieder vom 15. März an bei Herrn
Rechner Sulzmann, Gräfenhäuſerſtr. 11, auf.
Darmſtadt, den 8. März 1912.
(5626ff
Der Vorstand.
Hessischer Diakonie-Verein
Hauptversammlung am 11. März 1912
im Landessynodalgebäude, Waldstr. 40
Nachmittags 3 Uhr: Geſchloſſene Mitgliederverſammlung.
Nachmittags 4¼ Uhr: Oeffentlicher Vortrag des Herrn Profeſſor
D. Schoell=Friedberg über:
„Aufgabe und Stellung der Gemeindeſchweſter
im Rahmen der organiſierten Kirchengemeinde.”
Zu dem öffentlichen Vortrag iſt Jedermann willkommen.
Eintritt frei.
(5625
Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch u. Samstag
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Verein für Verbreitung von Volksbildung.
Freitag, den 8. März 1912, abends 8¼ Uhr,
Kaisersaal —
Geffentlicher Lichtbilder=Vortrag
von Dipl.=Ing. F. Dunkler, Frankenhauſen:
„Neue Rieſenwerke der Technik,
die Talſperren und ihre Bedeutung
:: für Kultur und Menſchheit.”::
Eintritt 30 Pfg., für Mitglieder u. angeſchloſſene Vereine 20 Pfg.
am Verkehrsbüro und bei Mylius, Herdweg 2. Schülerkarten
(5627
à 20 Pfg. bei Schlapp.
(774a
klub ortsgruppe Darmstalt(. )
Der Verein für Verbreitung von
Volks=
bildung lädt die Mitglieder der Ortsgruppe zu
dem am Freitag, den 8. d. Mts., abends 8½ Uhr,
im „Kaiſerſaal” ſtattfindenden öffentlichen
Licht=
bildervortrag von Dipl.=Ing. F. Dunkler,
(5638
Frankenhauſen:
„Neue Rieſenwerke der Technik,
die Talſperren und ihre Bedeutung für
en
Kultur und Menſchheit” ein.
Der Beſuch des
Eintrittskarten zu 30 Pfg. ſind erhältlich
am Verkehrsbureau und bei Mylius, Herdweg 2.
intereſſanten Vortrags wird wärmſtens empfohlen.
Der Vorstand.
Eriegenardbereindarmehalts
Zu dem Lichtbildervortrag des Herrn Dipl.=Ing Dunkler
im Verein für Verbreitung von Volksbildung am Freitag, den
8. März, abends 8¼ Uhr (Kaisersaal), über:
„lleue Riesenwerke der Technik, die Talsperren
und ihre Bedeutung für Kultur und Menschheit‟
ſind unſere Mitglieder freundlichſt eingeladen.
Der Beſuch des, insbeſondere für die techniſchen Kreiſe,
hoch=
intereſſanten Vortrags iſt nur zu empfehlen.
Eintrittskarten, zum ermäßigten von 20 Pfg., ſind gegen
Vorzeigung der Mitgliedskarten im Verkehrsbüro erhältlich. (5640
Der Vorstand.
Einladung zum Vortrag
(mit Lichtbildern)
des Herrn Geh. Hofrat Professor Dr. Schenck dahier über
Mexiko und seine Jegetation
am Samstag, den 9. März 1912, abends 8¼ Uhr,
im grossen Hörsaal des physikalischen Instituts der Technischen
Hochschule (Eingang links vom Hauptgebäude des physikal. Instituts),
veranstaltet von der
Abteilung Darmstadt der Deutschen Kolonialgesellschaft.
Eintrittskarten zu 50 Pfg. (Studenten, Schüler und
Schülerinnen zu 20 Pfg.) sind in den Buchhandlungen Bergsträsser
(5340if
und Waitz, sowie abends an der Kasse zu haben.
Die Mitglieder der Abteilung D. d. D. K. haben gegen Vorzeigen
ihrer Einladungs- oder Mitgliedskarten freien Pintritt.
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