Darmstädter Tagblatt 1912


29. Februar 1912

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175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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den Annonen=Expeditionen. Bei
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
gerichtlicher
Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnichtübernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Der Kaiſer wird anfangs März der Nordſee=
küſte
einen Beſuch abſtatten und ſich nach Helgoland
begeben.
Die endgültige Präſidentenwahl im
Reichstag iſt auf den 8. März anberaumt worden.
Die bayeriſche Kammer wählte drei Präſidenten
aus dem Zentrum.
Ein Ausſtand im Schneidergewerbe wird,
nachdem die Einigungsverhandlungen geſcheitert
ſind, am 1. März, zunächſt in 30 Städten, eintreten.
Die Mächte haben eine energiſche Note an die Re=
gierung
von Kreta gerichtet.
Dem Kronprinzenpaar von Schweden wurde
ein Sohn geboren.
Die Delegierten aus Nanking überreichten
Juanſchikai in Peking, die Urkunde ſeiner Wahl
zum Präſidenten.

Reviſionismus und Präſidentenfrage.

C In der neueſten Ausgabe der Sozialiſti=
ſchen
Monatshefte kommt die Unzufriedenheit des
Reviſionismus mit der Haltung, die die ſozialdemokratiſche
Fraktion in der Präſidentenfrage eingenommen hat, deut=
lich
zum Ausdruck. Genoſſe W. Schröder bedauert die
Prinzipienfeſtigkeit der Fraktion namentlich deshalb, weil
die Aeußerlichkeit des Hofgangs, der jetzt ſowohl die
Partei wie die Arbeiterſchaft kühl laſſe, wahrſcheinlich
zwiſchen Konſervativen und Zentrum die wünſchens=
werte
Verſtimmung herbeigeführt haben würde. Aus
der unwiderruflichen Verſäumnis müſſe die Lehre gezo=
gen
werden, daß zeremonielle Unbequemlichkeiten leich=
ter
zu ertragen ſeien, als die relative Einflußloſigkeit der
110 Mann ſtarken Fraktion. Daß die relative Einfluß=
loſigkeit
, nämlich die vollkommene Ausſchaltung der
Sozialdemokrakie aus dem Präſidium,
bei der endgültigen Wahl eintreten werde, davon iſt Ge=
noſſe
Schippel überzeugt. Er behandelt das Vierwochen=
Präſidium als Lückenbüßer, weil dieſes reine Links=
präſidium
irgend eine parlamentariſche Mehrheit nicht
hinter ſich habe, und tadelt das Verhalten der Fraktion
zur Hofgangfrage mit folgenden Worten:
Wenn wir uns in der Tat ausſchalten laſſen woll=
ten
, dann konnten wir unſere alten prinzipiellen An=
ſchauungen
in viel unzweideutigerer und eindrucksvol=
lerer
Unerſchütterlichkeit hochhalten als dies in Wirklich=
keit
geſchehen iſt. Und wenn wir uns nicht beiſeite ſchie=
ben
laſſen wollten, dann war unſer taktiſches Verhalten
kaum beſonders glücklich gwählt und kaum ohne Mit=
ſchuld
an dem grenzenloſen Parteiwirrwarr.
Unter den ſonſtigen Ausführungen Schippels iſt noch
eine Uebereinſtimmung mit dem Reichskanzler bemer=
kenswert
. Sie betrifft die Regelung der Erfüllung der
Repräſentationsgepflogenheiten gegenüber dem Reichs=
oberhaupt
. Auch nach der Anſicht des Genoſſen Schip=
pel
wird dieſe Regelung ſelbſtverſtändlich immer nur
einheitzlich für das Geſamtpräſidium erfolgen,
gleichviel was in Geſchäftsordnungen und ſonſtigen Ver=
gangenheitsdokumenten
ſtehen mag. Von ſolchem Stand=
punkte
aus erkennt Schippel an, daß der Reichskanzler
die tatſächliche Gewohnheitsregel mit der Auffaſſung
vertrat: der Empfang beim Kaiſer habe dem Präſidium
ſtets in ſeiner Geſamtheit gegolten und zu gelten.
Der Reviſioniſt Schippel urteilt alſo hierüber unbefan=
gener
, als manche bürgerliche, z. B. die volksparteiliche
Voſſiſche Zeitung und der Abg. Dr. Paaſche es getan
haben.

Die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe.

* Ueber den Inhalt der im Reichsamt des Innern
ausgearbeiteten und den Bundesregierungen zur Begut=
achtung
zugegangenen Vorlage macht ein Berliner Blatt
nähere Angaben. Danach iſt im § 2 des Entwurfs be=
ſtimmt
, daß in den Kontoren und den nicht mit offe=

nen Verkaufsſtellen verbundenen Betrieben des Handels=
gewerbes
die höhere Verwaltungsbehörde ſowie durch
ſtatutariſche Beſtimmungen dieGemeinde oder ein weiterer
Kommunalverband eine Beſchäftigung bis zur
Dauer von zwei Stunden zulaſſen dürfen.
Als Höchſtmaß der Beſchäftigungszeit in offenen
Verkaufsſtellen ſetzt der Entwurf in § 2 drei
Stunden feſt. Doch kann die höhere Verwaltungs=
behörde
für Orte, in denen die Bevölkerung aus der wei=
teren
Umgegend an Sonn= und Feſttagen die offenen
Verkaufsſtellen aufzuſuchen genötigt iſt, eine Beſchäf=
tigung
bis zur Dauer von vier Stunden zulaſſen. Die
Gemeinde oder ein weiterer Kommunalverband kann
durch ſtatutariſche Beſtimmung die dreiſtündige Beſchäf=
tigung
für alle oder einzelne Gewerbszweige auf kürze e
Zeit einſchränken oder ganz unterſagen. Endlich ſieht
der Entwurf in § 2 vor, daß die Polizeibehörde für
jährlich höchſtens 6 Sonn= und Feſttage, an
denen örtliche Verhältniſſe einen weiteren Geſchäftsver=
kehr
erforderlich machen, in offenen Verkaufsſtellen eine
Beſchäftigung bis zu zehn Stunden zulaſſen kann.
Sowohl für Kontore uſw. als auch für offene Ver=
kaufsſtellen
beſtimmt der Entwurf in § 3, daß die Stunden,
während deren eine Beſchäftigung an Sonn= und Feſt=
tagen
ſtattfinden darf, ſoweit ſtatutariſche Beſtimmungen
erlaſſen werden, durch dieſe, im übrigen von der
Polizeibehörde unter Berückſichtigung der für den öffent=
lichen
Gottesdienſt beſtimmten Zeit ſo feſtgeſetzt werden,
daß die Beſchäftigten am Beſuche des Gottesdien=
ſtes
nicht gehindert werden. Die Stunden können
für verſchiedene Erwerbszweige verſchieden feſtgeſetzt wer=
den
. Hingewieſen ſei ferner auf die Beſtimmung des
§ 4 des Entwurfs, wonach in Betrieben des Handels=
gewerbes
, die am Sabbat und an jüdiſchen Feier=
tagen
gänzlich ruhen, Angeſtellte jüdiſchen Glaubens
an Sonn= und Feſttagen bis zur Dauer von 5 Stunden
mit der Maßgabe beſchäftigt werden dürfen, daß die
Geſchäftsräume für den allgemeinen Verkehr geſchloſſen
bleiben.

Die kretiſche Frage

iſt wieder aktuell geworden. Das Reuterſche Bureau
meldet aus Kanea: Die Konſuln haben der Regie=
rung
von Kreta eine Note überreicht, in der mit=
geteilt
wird, daß die Mächte entſchloſſen ſind, den status
quo und die Kapitulationen aufrechtzuerhalten. Wenn
die Regierung dabei beharre, Abgeordnete zur griechiſchen
Kammer nach Athen zu entſenden, oder wenn muſelman=
niſche
Beamte entlaſſen oder Muſelmannen auch weiterhin
mißhandelt werden ſollten, würden die Mächte die
Maßnahmen ergreifen, die ſie für nötig hiel=
ten
, um die Folgen abzuwenden, die das Vorgehen der
Kreter ſonſt nach ſich ziehen müßte. Wenn ſich die Kreter
nicht ſelbſt friedlich regieren könnten, ohne den Frieden
Europas zu gefährden, würden die Mächte einſchreiten
in einer Art und Weiſe, die den Wünſchen der Kreter nicht
entſprechen würde. Zufällig wurde die Note gerade
überreicht, als es infolge der Ermordung dreier Muſel=
mannen
zwiſchen Muſelmannen und Gendarmen zu einem
Zuſammenſtoß gekommen war.
Einer Pariſer Zeitungsmeldung zufolge findet
gegenwärtig wegen der auf Kreta herrſchenden Gärung,
für die die Ermordung dreier Muſelmannen einen ſo be=
ſorgniserregenden
Beweis bildet, zwiſchen den Schutz=
mächten
ein Gedankenaustauſch über die
Vermehrung ihrer Marineſtreitkräfte in
den kretiſchen Gewäſſern ſtatt. Der Matin will
wiſſen, die franzöſiſche Regierung habe bereits beſchloſſen,
außer dem Edgar Quiſet noch zwei weitere Kreuzer
der Mittelmeerflotte dorthin zu entſenden, um im Be=
darfsfalle
die zur Aufrechterhaltung der Ordnung und
zum Schutze der Muſelmannen notwendigen Truppen
zu landen. England werde gleichfalls mehrere Schiffe
nach Kreta ſchicken. Miniſterpräſident Poincaré habe die
ruſſiſche Regierung erſucht, dasſelbe zu tun. Italien
könnte natürlich unter den gegenwärtigen Verhältniſſen
nicht einſchreiten. Der Matin ſagt ferner, daß die Gärung
auf Kreta die Mächte umſomehr beunruhige, als ſie das
Vorſpiel für ernſte Wirren auf dem Balkan bilden könnte.
Die gegen die Muſelmannen gerichtete Bewegung der
Chriſten auf Kreta, ſowie die unaufhörlichen Umtriebe
der Kreter zugunſten einer Vereinigung mit Griechen=

land könnte die Türkei zu einem Vorſtoß gegen Griechen=
land
veranlaſſen. Die Türkei werde ſich da einen leich=
ten
militäriſchen Erfolg holen, durch den ihr Anſehen er=
höht
, aber die europäiſche Lage eine ernſte Trübung er=
fahren
würde, denn wenn die Türken in Griechenland
einmarſchierten, dann würden die Bulgaren wahrſchein=
lich
in Mazedonien eindringen, und das würde auf dem
ganzen Balkan einen Kriegsbrand entfachen. Es ſei des=
halb
nicht überraſchend, wenn die gegenwärtige Lage die
Großmächte beunruhige.

Deutſches Reich.

Kaiſerbeſuch an der Nordſee. Der
Kaiſer wird auch in dieſem Jahre anfangs März der
Nordſeeküſte einen Beſuch abſtatten. Am 4. März gedenkt
der Kaiſer in Wilhelmshaven einzutreffen. An Bord des
Flottenflaggſchiffes Deutſchland wird er am 6. März
Wilhelmshaven verlaſſen und ſich nach Helgoland zur Be=
ſichtigung
der dortigen Befeſtigungsarbeiten begeben.
Am 7. März wird der Kaiſer in Kuxhaven erwartet. Er
gedenkt am folgenden Tage dort Beſichtigungen vorzu=
nehmen
und vielleicht auch Schießübungen der Küſten=
forts
beizuwohnen.
Die endgültige Präſidentenwahl
im Reichstage iſt auf den 8. März anberaumt. Die
Nationalliberale Partei hat es übernommen, nach rechts
und links zu vermitteln.
Die Stärke der Reichstagsfraktio=
nen
. Das jetzt erſchienene amtliche Verzeichnis der Mit=
glieder
des Reichstags und der Bevollmächtigten zum
Bundesrat gibt die Fraktionsſtärke der Parteien wie folgt
an: Deutſchkonſervative 43 und zwei Hoſpitanten (Rupp=
Baden und Vogt=Hall), alſo 45, Reichspartei 12 Mitglie=
der
, 1 Hoſpitant (v. Oertzen) 13, Wirtſchaftliche Ver=
einigung
8, Deutſche Reformpartei 3, Zentrum (2 Man=
date
unbeſetzt) 88, Polen 18, Elſaß=Lothringer 9, und
zwar: elſaß=lothringiſche Zentrumspartei 7 und Loth=
ringer
2, Deutſch=Hannoveraner 5, Nationalliberale 40
Mitglieder, 4 Hoſpitanten (Held, Kerſchbaum, Kleye,
Strack) 44, Fortſchrittliche Volkspartei 40 Mitglieder,
1 Hoſpitant (Roeſer, 11. elſaß=lothringiſcher Wahlkreis)
41, Sozialdemokraten 110. Dazu 11 Wilde; von ihnen
gehören zwei, der Präſident Kaempf und der Däne
Hanſſen zur Linken, drei ſind Bauernbündler: Bachmeier,
Laux und Heſtermann, drei ſtehen den Konſervativen nahe:
Graf Poſadowsky, Schröder und Warmuth; Graf Op=
persdorff
gehört zwar nicht zum Zentrum, wird aber
mit ihm ſtimmen; ſchließlich die früheren Nationallibera=
len
Frhr. v. Heyl und Dr. Becker (Sprendlingen).
Eine Auflöſung des Rudolſtädter
Landtags, in dem die Sozialdemokraten die Mehr=
heit
haben, iſt, wenigſtens vorläufig, nicht zu erwarten.
Die Rudolſtädter Zeitung meldet: Es hat am Montag
keine Plenarſitzung, ſondern nur eine vertrauliche Sitzung
ſtattgefunden, über die verlautet, daß die Linke mit ihren
Forderungen etwas nachgelaſſen habe. Auch die fürſtliche
Regierung habe einiges Entgegenkommen gezeigt, ſodaß
eine Auflöſung einſtweilen ausgeſchloſſen iſt.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Der niederöſterreichiſche Landtag nahm
die Dringlichkeitsanträge gegen die Verminderung der
kirchlichen Feiertage an. In der Debatte erklärte Fürſt=
erzliſchef
Nagl, das betreffende Mo nwroprio ſcheine
mißverſtanden worden zu ſein. Der Papſt beabſichtige
nicht die Abſchaffung von Feiertagen, ſondern wolle nur
denjenigen Dispens gewähren, die wegen Arbeit am Got=
tesdienſt
nicht teilnehmen könnten.
Italien.
Die Monopoliſierung der Lebensver=
ſicherungen
. In der Kammer begann die Debatte
über den Geſetzesvorſchlag betreffend die Monopoliſierung
der Lebensverſicherungen mit den Amendements, die die
Regierung im Einverſtändnis mit der Kommiſſion ein=
gebracht
hat, und die namentlich beſtimmen, daß die Re=
gierung
die Lebensverſicherungen unter gewiſſen Bedin=
gungen
ermächtigen kann, ihre Geſchäfte in Italien höch=
ſtens
zehn Jahre fortzuſetzen.
Frankreich.
Die Abgrenzung des Kongogebietes
Wie verlautet, ſind die Vorarbeiten für die Abgrenzung

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. Februar 1912.

Nummer 51.

des an Deutſchland abgetretenen Kongogebietes jener
Miſſion anvertraut werden, welche die Traſſierung der
künftigen Nordgabun=Eiſenbahn ſtudieren ſoll. Dieſe
Vorarbeiten haben bereits begonnen.
Das Protektorat in Marokko. Der Mi=
niſterpräſident
brachte in der Kammer die angekündigte
Kreditforderung von 50000 Franken für die Miſſion des
Geſandten Regnault ein, der in Fez im Einvernehmen
mit dem Sultan das franzöſiſche Protektorat in Marokko
einrichten ſoll. In dem Motivbericht heißt es u. a., daß
der Kredit für die Ausrüſtung einer Karawane mit ei=
ner
Ehren= und einer Schutzeskorte beſtimmt ſei.
Funkentelegraphie. Mehrere Deputierte
haben unter Hinweis auf das Beiſpiel ber deutſchen Re=
gierung
den Antrag eingebracht, daß ein Kredit von
250000 Franken für die Förderung der Funkentele=
graphie
an Bord der franzöſiſchen Fiſchereiſchiffe be=
ſtimmt
werden möge. Jedes Fiſchereiſchiff ſoll als Beitrag
für die Einrichtung eines Funkentelegraphen 2000 Franken
und außerdem eine Prämie für die Unterhaltungskoſten
erhalten.
England.
Der Voranſchlag für das Heer weiſt eine
Steigerung von 170000 Pfund und eine Erhöhung des
Mannſchaftsbeſtandes um 200 Mann für die Ausgeſtal=
tung
des Flugweſens auf. Vorgeſehen iſt ferner die ſofor=
tige
Errichtung einer gemeinſamen Heeres= und Marine=
Flugſchule auf der Ebene von Salisbury. Außer den
für dieſe Flugſchule beſtimmten Flugzeugen ſoll eine be=
deutende
Zahl weiterer Flugzeuge als erſter Anfang der
Flugzeugausrüſtung der Feldarmee angeſchafft werden.
Amerika.
Die Unruhen in Mexiko. Einem Telegramm
aus El Paſo zufolge nahmen die Aufſtändiſchen Juarez
ein, nachdem ſie nur einige Gewehrſalven abgegeben
hatten und ohne daß, abgeſehen von vereinzelten Schüf=
ſen
, Widerſtand geleiſtet worden war. Die Inſurgenten
haben nunmehr die ſtädtiſchen Verwaltungsgebäude, die
Zollhausbaracken, das Gefängnis und die anderen öffent=
lichen
Gebäude beſetzt. Die amerikaniſchen Truppen ſchick=
ten
während des Kampfes Patrouillen an die Grenze, die
ſich bereit hielten, in Juarez einzugreifen, wenn El Paſo
gefährdet worden wäre. Es iſt indeſſen kein Geſchoß
auf amerikaniſchem Boden niedergefallen. Nur ein ein=
ziger
Amerikaner wurde verwundet. Die Inſurgenten
haben ſich verpflichtet, die Ordnung aufrecht zu erhalten
und keine Plünderung zu begehen.
* Die Verhandlungen im Schneiderge=
werbe
in Frankfurt a. M., die am Samstag zu einer
Einigung über die allgemeinen grundſätzlichen Fragen
geführt hatten, ſind nunmehr nach achttägiger Verhand=
lungsdauer
endgültig geſcheitert, und zwar des=
wegen
, weil eine Verſtändigung über die Lohnhöhe nicht
erzielt werden konnte. Infolgedeſſen wird in 30 Städten
des Deutſchen Reiches, darunter Großſtädte wie Ham=
burg
, Berlin, Köln, Düſſeldorf, Dresden und München,
am 29. Februar der Ausſtand erklärt werden. Die im
Arbeitgeberverband für das Schneidergewerbe zuſam=
mengeſchloſſenen
Prinzipale werden dann eine Friſt von
einigen Tagen ſtellen, während deren die Wiederauf=
nahme
der Arbeit gefordert wird. Laſſen die Gehilfen
dieſe Friſt verſtreichen, dann ſollen ſie in 157 Städten des
Deutſchen Reiches ausgeſperrt werden. Eine Vertrau=
ensmännerverſammlung
des deutſchen
Schneiderverbandes in Berlin nahm am
Dienstag abend zu den geſcheiterten Verhandlungen in
Frankfurt a. Main Stellung. Der Vorſitzende teilte mit,
daß am 1. März auch in Berlin die Arbeit einzu=
ſtellen
ſei. Da mit einer langen Dauer des Kampfes
zu rechnen ſein wird, wird in der erſten Woche keine Streik=
unterſtützung
gezahlt, und die in Arbeit ſtehenden männ=
lichen
Verbandsmitglieder haben vom 1. März an dop=
pelte
Wochenbeiträge zu leiſten. Sämtlichen Arbeitgebern
wird der Tarifvertrag überſandt, der in einigen Punkten
von den üblichen Forderungen des Verbandes abweicht

und mehr den Zugeſtändniſſen der Arbeitgeber entſpricht.
In allen Geſchäften, die dieſen Vertrag nicht anerkennen,
wird die Arbeit eingeſtellt.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 29. Februar.

* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die Groß=
herzogin
beſuchten am Dienstag vormittag 8½ Uhr
das Alice=Hoſpital. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Dienstag vormittag 10 Uhr im
Neuen Palais den Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing und
um 11½ Uhr den Ingenieur Kallab aus Offenbach, ſowie
den Rektor der Techniſchen Hochſchule Profeſſor Wickop
und die Profeſſoren Schering und Finger; nachmittags
4 Uhr empfingen Se. Königl. Hoheit den Direktor des
Hoftheaters Dr. Eger. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Mittwoch: den Hauptmann
Graf v. Kielmansegg, Komp.=Chef im Infanterie= Regi=
ment
Prinz Carl (4. Großh Heſſ.) Nr. 118, den Pro=
feſſor
Miſchlich, Kaiſerl. Bezirksleiter in Togo, den k. k.
öſterreichiſch=ungariſchen Konſul Smreker von Mann=
heim
, den Juſtizrat Hallwachs, den Direktor der
Akademie für Tonkunſt Schmitt, den Fabrikarbeiter
Treuſch, den Pfarrer Frank von Crainfeld i. Vogels=
berg
, den Oberfinanzrat Balſer, Vortragender Rat im
Finanzminiſterium; zum Vortrag den Vorſtand des
Kabinetts Geheimerat Römheld.
* Erlaubnis zur Annahme von Orden. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben dem Dr. phil. Auguſt
L. Mayer, Kunſthiſtoriker und wiſſenſchaftlicher Hilfs=
arbeiter
bei der Direktion der K. B. Staatlichen Galerien
zu München, die Erlaubnis zur Annahme und zum
Tragen des ihm von Sr. Maj. dem König von Spanien
Alphons XIII. verliehenen Ritterkreuzes Alphons XII.
erteilt.
* Verſetzt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den Bezirkskaſſier der Bezirkskaſſe Dieburg,
Rendanten Heinrich Zimmermann zu Dieburg, in
gleicher Dienſteigenſchaft an die Bezirkskaſſe Friedberg.
g. Strafkammer. Der 29jährige Hilfsarbeiter Ad.
Sommer und der 37jährige Lackierer Adolf Dähne
beide aus Schweinheim, Kreis Aſchaffenburg, gebürtig,
waren vom Schöffengericht Offenbach wegen ſchwerer
Körperverletzung: Sommer zu 6 Monaten und Dähne zu
3 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Beide Ange=
klagte
und der Arbeiter Aulbach waren als Arbeitswil=
lige
in einer Offenbacher Fabrik beſchäftigt und gerieten
in betrunkenem Zuſtande am 4. September 1911 in einer
Wirtſchaft in Streit, weshalb ſie vom Wirte aus dem
Lokal verwieſen wurden. Vor der Wirtſchaft fing Aul=
bach
zunächſt mit Dähne Tätlichkeiten an, worauf dieſer
ihm mit einem Gummiknüttel, der an dem einen Ende
mit einer Schraubenmutter beſchwert war, einen kräftigen
Schlag über den Kopf verſetzte. Aulbach eilte nun dem
Sommer nach und dieſer zog, durch einen tätlichen An=
griff
veranlaßt, das Meſſer und verſetzte dem Aulbach
zwei Meſſerſtiche, von denen der eine den Hut und der
andere den Kiefer traf. Aulbach war durch dieſe Ver=
letzung
10 Tage arbeitsunfähig geweſen. Gegen die
Verurteilung legten beide Angeklagte Berufung ein mit
der Begründung, ſie hätten lediglich in Notwehr gehan=
delt
. Der Zeuge Aulbach gibt an, er hätte kein Intereſſe
an der Verurteilung der Angeklagten. Sie wären alle
drei ſinnlos betrunken geweſen, wodurch die Vorgänge
nur entſtanden ſind. Das Gericht gab der Berufung in=
ſofern
ſtatt, daß es die Strafe des Sommer auf einen
Monat Gefängnis ermäßigte, während der An=
geklagte
Dähne freigeſprochen wurde. Wegen
Körperverletzung hatten ſich der 28jährige Küfer Chriſt.
Winkel, der Bäckergeſelle Wilhelm Metzger und der
52 Jahre alte Bäckermeiſter Philipp Metzger, ſämtlich
aus Dreieichenhain, zu verantworten. Der Bäckermeiſter
Metzger hatte ſeit Jahren Holz auf dem Nachbargrund=
ſtücke
, dem Schulhofe, gelagert. Der Lehrer Weimar
und ſpäter auch der Bürgermeiſter erſuchten ihn im vori=
gen
Jahre, das Holz vom Hofe zu entfernen. Dem kam
Metzger nicht nach und als trotzdem der Sohn
Wilhelm Metzger wiederum einen Wagen mit Holz nach
dem Schulhofe fahren wollte, wurde er vom Lehrer W.
und deſſen Frau daran gehindert. Hierbei ſoll Metzger
beide mit der Wagendeichſel geſtoßen haben. Der hinzu=
gekommene
Küfer Winkel der Schwiegerſohn des
Metzger, mißhandelte die Eheleute Weimar mit einem
Prügel. Vom Schöffengericht Langen war Winkel mit
Rückſicht auf ſeine vielen Vorſtrafen zu 14 Tagen Ge=
fängnis
und Wilhelm Metzger zu 8 Tagen Gefängnis
verurteilt worden. Philipp Metzger wurde freigeſpro=
chen
. Staatsanwalt und Verurteilte legten gegen das
Urteil Berufung ein. Die Strafkammer ſetzte die Ver=
handlung
aus, um weitere Zeugen über den Sachverhalt

zu vernehmen. Der 20jährige Arbeiter Friedrich Her=
bert
aus Staßfurt hatte ſich wegen eines gemeinſchaft=
lich
mit dem bereits abgeurteilten Arbeiter Kurz in der
Nacht zum 5. Januar 1911 verübten Einbruchsdiebſtahls
in Offenbach zu verantworten. Herbert war in ein Haus,
deſſen Verhältniſſe ihm bekannt waren, eingeſtiegen,
während Kurz Schmiere ſtand. Er hatte dort Kleider,
etwa 12 Mark bares Geld und eine Uhr geſtohlen. Wäh=
rend
ſeiner Haft war Herbert in eine Krankheit verfal=
len
, die ſeine Unterbringung in einem Hoſpital und die
Ausſetzung des Verfahrens nötig machte. Der als Gut=
achter
gehörte Arzt konſtatiert, daß Herbert zwar geiſtig
minderwertig, aber nicht unzurechnungsfähig ſei. Er
wurde zu vier Monaten Gefängnis abzüglich
ſieben Wochen der Unterſuchungshaft, verurteilt.
Die Generalverſammlung der Darmſtädter
Volksbank, e. G. m. b. H., fand am Dienstag ſtatt. Die
Präſenzliſte ſtellte 143 Mitglieder feſt. Der Vorſitzende
des Aufſichtsrates, Herr Ludwig Roll, berichtete zu=
nächſt
über die Tätigkeit des Aufſichtsrates im abgelau=
fenen
Jahre, der in 29 Sitzungen die ihm zukommenden
Geſchäfte und Obliegenheiten erledigte. Herr Direktor
Stein gab ſodann längere Ausführungen über die
Ereigniſſe des vorigen Jahres, wies darauf hin, daß
die Genoſſenſchaft im Laufe des Jahres das fünfzig=
jährige
Beſtehen feiert, und bemerkte, daß in einer Denk=
ſchrift
die Geſchichte der Genoſſenſchaft dargeſtellt werde.
Nach Lage der Verhältniſſe, ſo berichtete der Redner
weiter, dürfe die Volksbank mit dem Verlauf des Jah=
res
1911 zufrieden ſein, das zwar keine größere Regſam=
keit
zeigte, als das Jahr 1910, das jedoch wieder eine
langſam aufſteigende Richtung erkennen laſſe, ſoweit
Umſätze und Erträge der Hauptgeſchäftszweige der Bank
dazu Belege zu geben vermöchten. Noch ſei die Bau=
tätigkeit
in unſerer Stadt recht mäßig. Immerhin ſeien!
auch hier Anſätze zu einer Beſſerung zu bemerken. Er
hoffe, daß es gelinge mit Hilfe der neuen Verträge, die
die Stadt mit der Süddeutſchen Eiſenbahngeſellſchaft
geſchloſſen hat, kaufkräftige Perſonen aus der Umgebung
mehr als ſeither unſerer Stadt zuzuführen und wohl=
habende
Leute zu bewegen, ſich dauernd in unſerer ge=
ſunden
, ſchönen und von geiſtigem Leben durchfluteten
Stadt niederzulaſſen. Dann erſt würde eine gründlichere,
Aufwärtsbewegung auf dem Baumarkt wiederkehren.
Möchten allerdings in Zukunft die Fehler der letzten!
Konjunktur wohl beachtet und vermieden werden. Jeg=
liche
ſtarke Ueberproduktion in der Bautätigkeit ſei vom
Uebel. Die Hausbeſitzer von heute könnten ein Lied da=
von
ſingen. Vor allem müſſe verhütet werden, daß un=
zuverläſſige
und mittelloſe Leute plötzlich ihren Beruf
als tüchtige Bauunternehmer entdeckten und drauflos
bauten, ohne Rückſicht auf das Bedürfnis, aber geſtützt
auf den Leichtſinn kreditgebender Handwerker und geſtützt
auf den ſtarken Erwerbsſinn von Kapitliſten und ſolchen
Kreditinſtituten, die ſich zu bereitwillig zeigten, das
Baukapital ſchwachen und unzuverläſſigen Elementen
zur Verfügung zu ſtellen. Die Gewerbetreibenden könn=
ten
in erſter Linie dazu beitragen, die Nachteile zu ver=
meiden
, die ſich auch in unſerer Stadt für ſie eingeſtellt
hätten. Die Bauhandwerker ſollten ſich die Bauluſtigen
anſehen und prüfen, ob ſie kreditwürdig ſeien, ehe ſie
ihnen Arbeiten machten. Herr Direktor Stein kommt nun
auf die Umſätze und Erträge der Geſchäftszweige der
Volksbank zu ſprechen, die zufriedenſtellend ſeien. Die
Reſerven einſchließlich des Penſions= und Unterſtützungs=
fonds
betragen über 10 Prozent des Betriebskapitals,
was als eine ſehr günſtige Zahl anzuſehen ſei. Ebenſo
Günſtiges könne er über die Liquidität berichten.
Die Bank ſei mit 75,60 Prozent liquid, ſo daß nur 24,40
Prozent Deckung in Ausſtänden ſuchen müßten, die durch
Bürgſchaft. Hypotheken oder in anderer ſchwerer zu reali=
ſierender
Weiſe geſichert ſeien. Die Aufrechterhaltung
einer weitgehenden Liquidität ſei zwar eine koſtſpielige
Sache, doch wäre ihre Pflege eine Notwendigkeit.
Redner weiſt hierbei auf die Vorgänge im Herbſt vori=
gen
Jahres hin, auf die Stürme, die auf eine Reihe von
gut fundierten öffentlichen Sparkaſſen in Norddeutſch=
land
infolge der politiſchen Vorgänge und ſonſtiger be=
unruhigender
Nachrichten ſtattgefunden hätten. Die
Rückſicht auf die beſſere Liquidität der öffentlichen Spar=
kaſſen
habe eine Reihe von Bundesregierungen, beſen=
ders
Preußen, veranlaßt, im Verwaltungswege und
neuerdings im Wege der Geſetzgebung, zu verſuchen, die
öffentlichen Sparkaſſen zu bewegen, einen Teil ihres
verzinslich angelegten Vermögens, etwa 20 bis 25 Pro=
zent
, in mündelſicheren Wertpapieren, davon die Hälfte
in deutſchen Staatspapieren, anzulegen. Mit dieſer Maß=
regel
ſuchten jedoch die Regierungen nicht nur die liquide
Lage der öffentlichen Sparkaſſen beſſer zu geſtalten, ſon=
dern
ſie hätten auch einen eigenen beſonderen Zweck da=
bei
, nämlich den Kurs der von ihnen ausgegebenen

Der Schickſalstag.
Zum 29. Februar. (Schalttag.)
Von Ernſt Hanſen.
(Nachdruck verboten.)

Der Schalttag iſt für viele ein Schelttag; ſie ſchelten
darüber, daß der durch ſeine Kürze uns ſonſt ſo ſym=
pathiſche
Monat diesmal ſich um einen ganzen Tag der
Dauer ſeiner Monatsbrüder nähert. Aber es iſt eigent=
lich
falſch, auf den 29. Februar zu ſchelten, denn der vom
Papſt Gregor eingeſchaltete Tag iſt eigentlich der 24. Fe=
bruar
. Das kommt uns heute im allgemeinen wenig zum
Bewußtſein, allenfalls noch am meiſten in katholiſchen
Ländern, ſobald ein Kind geboren wird, das im gewöhn=
lichen
Jahre am 24. Matthias genannt werden würde,
während es im Schaltjahre an dieſem Tage einen anderen
Namenspatron wählen könnte. Am 29. aber bleibt der
Heilige im gemeinen und im Schaltjahre der gleiche.
Früher war das anders. Da pflegte man auch im
gewöhnlichen Leben nicht das Kalender=Datum zu nennen.
Wie wir es noch aus den alten Bauernſprüchen erſehen,
wurden da die Tage nach den Kalenderheiligen auch im
gewöhnlichen Leben bezeichnet.
Kein Wunder daher, daß unſeren Vorfahren der Tag
ohne Namenspatron oft etwas unheimlich erſchien; er war
ihnen nicht recht geheuer. Man verknüpfte mit dem Wal=
ten
dieſes Tages das Bewußtſein, daß man ſeinen Schick=
ſalsſchlägen
ſchutzlos gegenüberſtand, denn man vermochte
ja keinen Heiligen an dieſem Tage anzurufen.
Der Dichter Zacharias Werner, der mit ſeiner Tra=
gödie
Der 24. Februar die Reihe der ſogenannten Schick=
ſalstragödien
eröffnete, ſoll in ſeinem eigenen Leben die
Schickſalstragik dieſes Tages erfahren haben. Angeblich
war ſeine Mutter an einem 24. Februar, gemütskrank, ge=
ſtorben
, was ihn veranlaßt haben ſoll, jene Schickſals=
tragödie
zu ſchreiben, in der er die Worte ausſpricht: Und
kam ein Unfall, der das Herz traf, war es ſtets am 24.
Februar,

Zweifellos aber hat Werner dieſen Tag für ſeine
Tragödie gewählt, weil die Schickſalstragik des 24. Fe=
bruar
den allgemeinen Volksanſchauungen entſprach. Wer=
ner
hatte im Sommer 1808 auf einer Schweizer Reiſe in
einem einſamen Wirtshauſe im Gaſteintale eine Nacht
zugebracht, und die ſchauerliche Schönheit dieſes einſamen
Wirtshauſes brachte ihm eine Begebenheit in Erinnerung,
die er in Vogels Leipziger Annalen gefunden hatte.
Dort wird erzählt, daß im Jahre 1618 die Wirtsleute im
Goldenen Siebe zu Leipzig ihren Sohn ermordeten, der
nach einer Abweſenheit von 23 Jahren heimkehrte und
viel Geld mitbrachte. Als in dem geöffneten Ranzen der
Vater des Sohnes Geburtsbrief fand, erhing er ſich; die
Mutter erſtach ſich. Werner, der übrigens in der Buch=
ausgabe
ſeines Dramas dem Titel die Worte Führe uns
nicht in Verſuchung in Parentheſe beifügte, verlegte die
Handlung nach jener Schweizer einſamen Stätte und ver=
merkt
im Buche: Die Handlung ſpielt in Schwarrtach,
einem einſamen Alpenwirtshauſe auf dem zwiſchen Kan=
derſteg
und Leuk belegenen Felſen= und Bergpaſſe Gemmi
in der Schweiz.
Daß dieſe Oertlichkeit für ſolch' eine Schickſalstragödie
nicht ſchlecht gewählt war, beweiſt die Tatſache, daß in
jenem Gaſthauſe, was Werner gar nicht wußte, wirklich
einmal eine ſchreckliche Mordtat ſich ereignete, bei der aber
die Wirtsleute ſelbſt die Opfer waren.
Der Dichter Adolf Müllner hat dann ein Schickſals=
drama
auf den Tag verlegt, den wir in unſerer Zeit ſtets
als den Schalttag anzuſehen pflegen, auf den 29. Februar.
Er nannte eine ſchauerliche Schickſalstragödie Der 29.
Februar welcher Tag eine unheimliche Rolle im Leben
einer Familie ſpielt. Walter Horſt, der gegen den Willen
ſeines Vaters geheiratet hat, hat zwei Kinder, Klara und
Otto. Die kleine Klara ertrinkt. Der Oheim Walters
kommt am 29. Februar und enthüllt dem Neffen, daß
Agnes, deſſen Frau, ein uneheliches Kind ſeines Bruders
ſei, ſo daß Walter alſo ſeine eigene Schweſter geheiratet
hat. Der Knäuel wird nun dadurch gelöſt, daß der kleine
Otto ſeinen Vater bittet, ihn zu töten. Das tut der Vater

und bietet ſich ſelbſt dem Henker; Agnes aber ſtirbt, als
ſie die Hinrichtung ihres Mannes=Bruders geſehen.
Zweifellos hätten beide Dichter nicht dieſe Tage für
ihre Schauerdramen gewählt, wenn nicht eben der Schalt=
tag
als ein Schickſalstag allgemein angeſehen worden wäre.
In England gilt auch heute noch in gewiſſer Bezieh=
ung
der Schalttag, und zwar der als ſolcher angenommene
29. Februar, als Schickſalstag inſofern, als er durch eigen=
artige
Bräuche, die allgemein noch herrſchen, auf das Schick=
ſal
vieler Menſchen von Einfluß iſt.
An jedem 29. Februar finden in England zahlreiche
Bälle ſtatt, und auf dieſen Schaltjahrbällen findet das ſtatt,
was wir in Deutſchland Damenwahl nennen. Die
Damen fordern die Herren zum Tanz auf. Dieſe ſitzen als
Mauerblümchen an den Wänden und müſſen warten, bis
die Damen ſie zu einem Tanz holen. Auch dürfen ſie ſich
nicht ins Eßzimmer wagen, es ſei denn eine Dame bietet
ihnen den Arm dazu.
In vielen Kreiſen finden auch nur Schalttagdiners
ſtatt, bei denen ebenſo die Damenwahl herrſcht und der
Herr ausharren muß, bis er zur Tafel geführt wird.
Früher aber ging die Schaltjahrsſitte noch weiter.
Die engliſchen Mädchen hatten am Schalttage das Recht,
ſich dem Manne zu erklären, den ſie lieben und ihn zum
Gatten zu erbitten. Popping-the question hieß dieſer
Brauch im engliſchen Klang.
Heute wird dieſe Sitte nicht mehr allgemein aus=
geübt
; ſie gibt nur noch den Witzblättern Stoff zur Gloſ=
ſierung
und den Erzählern Motive zu Geſchichten. Im=
merhin
kommen wohl noch einzelne Fälle vor, in denen
ſich Damen das popping zu Nutze machen. Auch in
Amerika geſchieht das. So wurde vor ein paar Jahrzehn=
ten
von ſolcher Schalttagverlobung gemeldet. Eine Miß=
Lulu A. Tuxbury aus Grand Rapids im Staate Michigan
war auf Beſuch in Springfield Miſſouri, und fand dort
nach vielen Jahren einen Verehrer wieder, mit dem ſie
durch Zufall einſt auseinandergekommen war. Beide
hatten längſt angenommen, daß jeder von ihnen ſchon ver=
heiratet
ſei, und fanden wohl, daß ſie ſich doch nocha

[ ][  ][ ]

Nummer 51.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. Februar 1912.

Seite 3.

Wertpapiere zu heben. Im hohen Grade ſei es zu be=
klagen
, daß unſere deutſchen Staatspapiere, die hinſicht=
lich
der Sicherheit unbedingt das Prädikat erſtklaſſig
verdienten, einen ſo ungerechtfertigten niedrigen Kurs=
ſtand
einnähmen; teils ſei die Ueberſchwemmung des
Marktes mit ſolchen Papieren, teils die Neigung des
Publikums, infolge der hohen Steuerauflagen und der
Verteuerung der allgemeinen Lebenshaltung und teils
auch die Spekulationsſucht daran ſchuld, daß die Divi=
dendenpapiere
und die ausländiſchen Wertpapiere den
inländiſchen Staatspapieren vorgezogen würden. Red=
ner
ermahnte die Mitglieder, daß es in ihrem Intereſſe
läge, ſich dem Erwerb von deutſchen Staatspapieren
mehr zuzuwenden, da auch beſonders im Kriege das Reich
und die Bundesſtaaten Vorkehrungen getroffen hätten
zur raſchen Beleihung dieſer Papiere. Was die Genoſ=
ſenſchaften
anbelange, ſo könnten dieſe bezüglich der An=
lage
ihres Vermögens nicht in die gleiche Rubrik geſtellt
werden mit den öffentlichen Sparkaſſen; die Genoſſen=
ſchaften
hätten die Aufgabe, ihre Kapitalien nicht in
realen Werten alſo nicht in Hypotheken und Kaufſchil=
lingen
, anzulegen, ſondern Perſonalkredit zu
geben, und zur Befriedigung dieſer Kredite müßten ſie
ihre Kapitalien ſtets zur Verfügung halten. Weil das
Kreditbedürfnis im Laufe eines Jahres oder der Jahre
ſo bedeutend ſchwankt, könnten die Genoſſenſchaften die
ihnen von fremder Seite mehr oder weniger vorüber=
gehend
zufließenden Gelder nicht in Staatspapieren feſt=
legen
, bei deren Veräußerung ſie mit einem Verluſtriſiko
rechnen müßten, und ſie könnten dieſe Gelder nur in
Primadiskonten oder in anderer leicht realiſierbaren
Weiſe anlegen.
Zum Schluſſe ſprach Redner all den Herren, die das
verantwortungsvolle und von Dornen nicht freie Ehrenamt
eines Aufſichtsratsmitgliedes in uneigennütziger Weiſe
in der Genoſſenſchaft bekleidet hatten, wärmſten Dank
aus.
Nachdem Herr L. Roll ſodann über die geſetzliche
Reviſion im Oktober 1911 und über die Prüfung der
Jahresrechnung durch den Aufſichtsrat Bericht erſtattet
hatte, erfolgte die Genehmigung der Bilanz; ebenſo
wurde dem Vorſchlage zur Verteilung des Reingewinns
zugeſtimmt und die Entlaſtung der Verwaltungsorgane
genehmigt.
Seitens des Herrn Direktors Stein wurde die vor=
geſchlagene
Erweiterung des § 55 des Statuts, die die
Kraftloserklärung abhanden gekommener Sparkaſſen=
bücher
zum Gegenſtand hat, begründet, und dieſer Punkt
der Tagesordnung ebenſo wie der nächſtfolgende, der den
Antrag des Vorſtandes und des Aufſichtsrats behandelte,
die Kreditgrenze auf 300000 Mark zu erhöhen, von der
Verſammlung einſtimmig genehmigt. Ueber den Allge=
meinen
deutſchen Genoſſenſchaftstag in Stettin erſtattete
Herr Privatier Ed. Becker in kurzen Zügen Bericht.
An Stelle der ausſcheidenden Mitglieder des Auf=
ſichtsrates
wurden neu gewählt die Herren: Privatier
Eduard Becker, Ingenieur Georg Markwort, Schreiner=
meiſter
Martin Müller und Kaufmann Philipp Schneider
in Firma Ferdinand Karl Winter. Um halb 11 Uhr
ſchloß Herr Roll mit Worten des Dankes die Verſamm=
lung
.
Z. Aerztekonferenzen der Großh. Zentrale für M.
und S. Außer der Konferenz in Darmſtadt, über die
bereits berichtet wurde, fanden noch Beſprechungen in
Mainz und Gießen ſtatt. In Mainz wurde am 6
Februar im Gutenbergkaſino die erſte dieſer Beſprechun=
gen
abgehalten, bei der 19 Aerzte anweſend waren. Die
Tagesordnung: Direktor Dr. Kupferberg=Mainz:
Die Mitwirkung der Hebammen und Wochenpflegerinnen
in der Mutter= und Säuglingsfürſorge; Dr. Herzog=
Mainz: Was kann für die Hygiene des Kindes in den
Beratungsſtellen geleiſtet werden? Dr. Keller= Bin=
gen
: Die Beratungsſtellen und das Publikum, wurde er=
ledigt
und diskutiert. U. a. wurde die Reſolution gefaßt,
im Anſchluß an den Vortrag des Direktors Dr. Kupfer=
berg
das Großh. Miniſterium des Innern zu bitten, die
Errichtung von Wöchnerinnenheimen in den größeren
Städten zu unterſtützen. Zugleich wendet ſich die Ver=
ſammlung
an die Vorſtände der Krankenkaſſen mit dem
Antrag auf Grund der Vorſchriften des § 196 der Reichs=
verſicherungsordnung
die Errichtung von Wöchnerinnen=
heimen
in den Städten, in denen ſolche noch nicht be=
ſtehen
, in Erwägung zu ziehen. Bei der Verſammlung
in Gießen am 17. Februar wurde im Anſchluß an die
Vorträge von Prof. Walther=Gießen: Die Ausbil=
dung
der Hebammenſchülerinnen in der Mutter= und
Säuglingsfürſorge und ihr Erfolg; Dr. Weber= Als=
feld
: Milchverſorgung auf dem Lande; Dr. Otto Bret=
tel
=Büdingen: Einige Bemerkungen über die Mutter=

und Säuglingsfürſorge in ländlichen Bezirken, in ange=
regter
Diskuſſion vor allem über die Ausbildung der
Hebammen in der Fürſorge für die Neugeborenen, ſo=
wie
deren Eintreten für das Stillen geſprochen, die Für=
ſorge
für die älteren Säuglinge ſolle Säuglingspflegerin=
nen
übertragen werden. Die übergroße Propaganda der
Nährmittelfabriken, ſolle tunlichſt eingeſchränkt werden.
Großer Wert wird der Verwendung von Ziegenmilch bei
der künſtlichen Säuglingsernährung beigelegy, doch
müſſen die Ziegen ſauber gehalten und auf die Weide
gebracht werden. Der Hinweis auf die Reinlichkeit bei
der Milchgewinnung empfiehlt ſich beſonders bei Vorträ=
gen
im Anſchluß an Wanderhaushaltungsſchulen auf
dem Lande. Im Anſchluß an Punkt 3 der Tagesordnung
wurde der Wert der Säuglingsfürſorge auf dem Lande
eingehend beſprochen, verſchiedene Wege zu deren Durch=
führung
angegeben und ganz beſonders die Anſtellung
von Säuglingsfürſorge=Schweſtern, die mit Gemeinde=
ſchweſtern
und anderen Vertrauensperſonen zuſammen=
arheiten
ſollen, empfohlen.
X Vom neuen Bahnhof. Man ſchreibt uns: Da die
zur Umleitung des Betriebes von den alten auf die
neuen Bahnhofsanlagen in Darmſtadt not=
wendigen
, ziemlich umfangreichen Bauarbeiten nicht
ſämtlich zum 1. Mai bendigt werden können, kann der
neue Hauptbahnhof zu dieſem Zeitpunkt für die
Bahnlinien Darmſtadt-Wiebelsbach= Heu=
bach
und Darmſtadt-Groß=Zimmern noch
nicht in Benutzung genommen werden. Nach einer öffent=
lichen
Bekanntmachung der Eiſenbahndirektion Mainz
werden deshalb die Züge der genannten Strecken noch bis
zum 15. Mai im alten Bahnhof abgefertigt. Reiſegepäck
ſoll von dem alten nach dem neuen Hauptbahnhof und
umgekehrt eiſenbahnſeitig befördert werden. Für ihre
eigene Ueberführung von einem zum anderen Bahnhof
haben indes die Uebergangsreiſenden dieſer Strecken
ſelbſt zu ſorgen. Dafür werden ſelbſtverſtändlich bis zum
15. Mai im Verkehr dieſer Linien mit Darmſtadt und
darüber hinaus die bisherigen Fahrpreiſe erhoben, wäh=
rend
ſich dieſelben künftig nicht unweſentlich, zum Teil
bis 50 Pfg., erhöhen. Die nur teilweiſe Inbetriebnahme
des neuen Hauptbahnhofs wird für die in Betracht kom=
menden
Uebergangsreiſenden manche Unannehmlichkeiten
wie Zeitverluſt und verſäumte Zuganſchlüſſe im Gefolge
haben, was ſich aber wohl kaum vermeiden läßt. Wenn
indes, wie verlautet, der neue Nordbahnhof auch
erſt zum 15. Mai in Betrieb genommen werden ſoll, ſo
wird dieſe Maßnahme für die Reiſenden der Strecke
Darmſtadt=Aſchaffenburg und umgekehrt und zwar
hauptſächlich für die im Norden der Stadt und bei Merck
beſchäftigten Arbeiter große Nachteile im Gefolge haben,
die ſich ſehr leicht vermeiden ließen, wenn man die Züge
der Aſchaffenburger Strecke ſchon vom 1. Mai ab im
Nordbahnhof halten laſſen würde. Hat doch ſchon die
Geſtaltung des Fahrplans hinſichtlich der überhaupt im
Nordbahnhof anhaltenden Perſonenzüge nach einer An=
frage
des Stadtverordneten Sames bei der Bürgermei=
ſterei
große Beunruhigung unter den im Norden der
Stadt, im Johgnnesviertel uſw. anſäſſigen Intereſſen=
ten
verurſacht.
2 Methylalkohol. Wie den Tagesblättern zu entneh=
men
war, ſind vor kurzem in Berlin infolge des Genuſſes
geiſtiger Getränke (Branntwein) die mit Methylalkohol
(Holzgeiſt) verſetzt waren, zahlreiche und ſchwere Ver=
giftungsfälle
vorgekommen. Außerdem iſt bekannt,
daß infolge des Genuſſes von Methylalkohol Erblin=
dungsfälle
vorgekommen ſind. Die Herſtellung und der
Verkauf derartiger Getränke ſind nach den §§ 10 ff. des
Nahrungsmittelgeſetzes vom 14. Mai 1879 und den zu=
treffenden
Beſtimmungen des Reichsſtrafgeſetzbuches als
Verfälſchungen anzuſehen und daher ſtrafbar. Die Be=
völkerung
muß vor dem Genuß ſolcher Getränke umſo=
mehr
gewarnt werden, als ſie vielfach wegen ihres ge=
ringeren
Preiſes Abnahme finden. Die Verwendung des
Methylalkohols und methyalkoholhaltiger Präparate, die
auch unter der Bezeichnung Spritol, Spritogen, Colum=
biaſpiritus
uſw. im Handel vorkommen, zur Herſtellung
von Heilmitteln iſt den Apothekern des Großherzogtums
bereits unterſagt worden, aber auch zur Herſtellung kos=
metiſcher
Mittel (Haarwäſſer, Parfüms uſw.) ſoll Methyl=
alkohol
nicht verwendet werden, da nach den gemachten
Beobachtungen auch deſſen äußerliche Verwendung zu er=
heblichen
Schädigungen der Geſundheit führen kann.
* Der Aelteſte Sterbekaſſeverein Darmſtadt=
Beſſungen hielt am 25. Februar ſeine 42. Harpt=
verſammlung
ab. Der erſte Vorſitzende Herr Dreſte,
eröffnete die Verſammlung und begrüßte recht herzlich

die anweſenden Mitglieder und dankte für ihr Erſcheinen.
Nachdem das letztjährige Protokoll verleſen war, wurde
dasſelbe ohne Widerſpruch angenommen. Herr Dreſte
erſtattete Bericht über das letzte Vereinsjahr, wohei er
beſonders die unermüdliche Tätigkeit des Vorſtandes
hervorhob, was zu dem ſteten Wachſen und Gedeihen des
Vereins beitrage. Bei der Rechnungsablage des Rechners,
Herrn Welz, wurde demſelben von den beiden Kon=
trolleuren
ein lobendes Zeugnis für ſeine muſterhafte
Arbeit zuteil, worauf der Vorſitzende Herr Dreſte Herrn
Welz ſeinen Dank ausſprach und Entlaſtung erteilte.
Der Verein zählt gegenwärtig einen Mitgliederſtand von
528 und zahlt bei vorkommendem Sterbefall ſofort 260 Mk.
aus. Am Schluſſe der Verſammlung ſprach Herr
Dreſte nochmals den Wunſch aus, daß alle Mitglieder
dahin mitwirken, daß der Verein, noch weiter wachſen
und gedeihen möge zum Wohle aller.
* Dentſche Motorboot=Expedition durch Afrika.
Man ſchreibt uns: Der Forſchungsreiſende und Führer
der Deutſchen Motorboot=Expedition durch Afrika, Ober=
leutnant
Paul Graetz, iſt am 11. Februar vom Kongo
in Berlin eingetroffen, um in Europa einen Erſatzmann
für ſeinen vom Büffel getöteten Begleiter, den fran=
zöſiſchen
Operateur Octave Fiére, zu ſuchen. Die
furchtbare Kataſtrophe, deſſen Opfer der Franzoſe wurde
und der Oblt. Graetz nur mit Not ſchwerverwundet
entging, ſteht mit ihren furchtbaren Einzelheiten, über
welche wir demnächſt noch weiteres vernehmen werden,
in aller Erinnerung;. Oblt. Graetz wird am 22. März
im hieſigen Saalbau über ſeine bisherigen Erlebniſſe auf
ſeiner Motorbootfahrt vom Indiſchen Ozean zum Kongo
perſönlich berichten. Wie wir hören, durchquerte Graetz
trotz der Warnungen ſeitens der Europäer und Neger
vom Bangueloſee aus das bisher als undurchdinglich
geltende Papyrosſumpfgebiet des Luapula, in dem ab=
geſchloſſen
von der Welt ein auf tiefſter Kulturſtufe
vegetierendes Fiſchernomadenvolk ein tieriſches Daſein
führt. Ohne Kleider, ohne Hütten, ernähren ſich dieſe
Watua von roher Fiſchnahrung und haben es ver=
ſtanden
, äußerſt gewandt mit Pfeil und Speer, fortgeſetzt
einen unauslöſchlichen Haß gegen den weißen Mann
betätigend, in unbezähmbarem Freiheitsdrang den eng=
liſchen
und belgiſchen Gouvernements Trotz bietend, ſich
allen bisherigen Forſchungsverſuchen zu entziehen und
einen Nimbus furchtbarſter Grauſamkeit und Unbeſieg=
lichkeit
zu geben. Graetz iſt es in ſechs Tagen gelungen,
das Papyrosdickicht zu durchdringen und dieſes dadurch
einzig auf der Welt daſtehende Volk, das an keinen
Gott und keinen Teufel glaubt, überhaupt keine Vor=
ſtellung
eines höheren Weſens hat, zu erforſchen. Die
Sammlung von unſchätzbarem wiſſenſchaftlichen Werte
ſteht momentan im Kgl. Muſeum für Völkerkunde in
Berlin zur Beſichtigung aus. Graetz kehrt im April d. Js.
zu ſeinem in Luapula (Belg. Kongo) überwinternden
Motorboot zurück, um die Durchquerung durchzuführen
und unſere neue Deutſche Kongo=Kolonie am Sangafluß
zwecks wiſſenſchaftlicher Erforſchung bis Kamerun zu
durchqueren. Sein Vortrag, der im bunten Spiel
farbige Lichtbilder von nie geſehener Farbenpracht und
Klarheit, ſowie feſſelnde kinematographiſche Aufnahmen
wilder Tiere und allerhand Erlebniſſe aus dem Innern
Afrikas uns vor Augen führen wird, verſpricht einen
feſſelnden, genußreichen Einblick in die Zuſtände, Sitten
und Leben der Schwarzen und die ſchier unüberwind=
lichen
Hinderniſſe und Schwierigkeiten dieſer intereſſanten
Expedition.
* Der Katholiſche Frauenbund veranſtaltet
Sonntag, den 3. März, einen Familienabend zum
Beſten hilfsbedürftiger zu Darmſtadt gehörender Kinder
der Diaſpora. Außer muſikaliſchen und geſanglichen
Darbietungen, iſt auch ein kleines Theaterſtück vorge=
ſehen
. Geſchätzte Kräfte aus hieſigen Kreiſen haben ihre
Kunſt in den Dienſt der guten Sache geſtellt. Der Ein=
trittspreis
iſt ſo gering bemeſſen, daß es den Ange=
hörigen
aller Kreiſe ermöglicht iſt, ihr Scherflein dem
guten Zweck zuzuwenden. (Siehe Anzeige.)
Der Titel Hofweißbinder wurde dem Weiß=
binder
= und Lackierermeiſter Georg Borger, Pallas=
wieſenſtraße
, verliehen.
* Die Schützen=Geſellſchaft Fortuna hält ab
2. März d. J. ein öffentliches Preisſchiefen ab, wozu
wieder eine große Anzahl wertvoller Preiſe zur Ver=
fügung
ſteht. Die Schießgebühr wurde auf 20 Pfg.
pro 3 Schuß geſetzt, wodurch jedem Schützen Gelegenheit
geboten iſt, einen ſchönen Preis zu erringen. Außerdem
findet am Schluß ein Vereins=Preisſchießen ſtatt.
(Näheres ſiehe Anzeige.)
* Orpheum. Heute Donnerstag abend findet die Ab=
ſchiedsvorſtellung
des Dresdener Kgl. Belvedere= Enſem=
bles
ſtatt, das damit ſein vierwöchiges ſo außerordent=

gut zur Ehe eignen würden. Da lud die Miß den alten
Schatz Joſef Mc. Garger zum Schaltjahrball, führte ihn
dort in einen abgelegenen koſigen Winkel und tat die Frage,
die der Mann an ſie zu ſtellen verabſäumt hatte, und
Maſter Joſef willigte ein.
Gewiß wird es Fälle genug geben, in denen der Mann
aus zarter Zurückhaltung den Antrag zu tun unterläßt,
wo die Dame ſeines Herzens genau weiß, daß ſie ſeiner
Zuſtimmung ſicher iſt, wo er zahlreiche Liebesbeweiſe ge=
geben
hat und die Unterlaſſung des Antrags von ſeiner
Seite vielleicht nun erſt recht ein Beweis ſeiner hohen Ver=
ehrung
iſt, da die Dame des Herzens ihm zu hochſtehend
dünkt. In ſolchen Fällen wird ſich die alte Sitte wohl
auch heute noch bewähren. Freilich wird behauptet, daß
die Sitte ſich nur noch mehr zu Zwecken der Unſittlichkeit
erhalten hat, wo ſie noch etwa überhaupt beſteht.
Der Urſprung der eigentümlichen Sitte kann wohl
kaum noch mit Beſtimmtheit angegeben werden. Es wird
behauptet, daß er von einer ſchottiſchen Parlamentsakte
vom Jahre 1298 herrühren ſoll, in welcher Königin Mar=
garete
ſeſtſetzte, daß jedes Mädchen von hohem oder nie=
derem
Range berechtigt ſein ſolle, zu dem Manne zu ſpre=
chen
, den es beſitzen möchte. War dieſer aber noch nicht
verheiratet oder anderweitig durch Verſprechen verpflichtet,
ſo mußte er das Mädchen ehelichen oder eine Strafe von
hundert Pfund Sterling bezahlen.
In einem Buche Hofieren, Liebe und Ehe aus dem
Jahre 1606 wird dieſes Recht der Frauen, im Schaltjahr
zu freien, erwähnt. Um jene Zeit aber war es Brauch,
daß Frauen, welche freien wollten, einen ſcharlachroten
Unterrock tragen, der an den Füßen ſichtbar ſein mußte,
damit der Mann, der nicht gefreit ſein wollte, durch ſolche
weithin ſichtbare Farbe gewarnt werde. So war ihm Ge=
legenheit
gegeben, vor der Scharlachträgerin ſich durch
Flucht zu entziehen. Tat er das aber nicht, ſondern wies
er einfach den Antrag der Frau zurück, mußte er ihr ein
ſſeidenes Kleid zum Geſchenk machen. Nun aber gab es
wohl Frauen, die es befürchteten, daß der Mann ihrer
Wahl und ihrer Hoffnung beim Anblick des ſcharlachroten
Anterrocks fliehen würde, ohne ſie anzuhören, dagegen die

Hoffnung hegten, daß, wenn er ſie anhören würde, auch er=
hören
könnte. So näherten ſich denn wohl manche ohne
jenes Atribut der Freienden. Wurden ſie dann nicht er=
hört
, koſtete es den Mann keinerlei Strafe für ſeine Ab=
lehnung
.
Man ſieht, daß die alte Zeit, die wir ſo oft die gute
zu nennen pflegen, dem Schalttag mancherlei Bedeutung
und Eigenart beilegte, die ihn zum Schickſalstag ſtempel=
ten
. Daß er’s heute noch in gewiſſer Beziehung iſt, läßt ſich
kaum ſagen. Und doch würden wir unbedingt z. B. einen
neuen Weltbürger, der ſich den Schalttag ausſuchte um in
die Erſcheinung zu treten, als etwas beſonderes anſehen.
Wir würden ihn vielleicht bedauern, daß er, um ſeinen Ge=
burtstag
alljährlich feiern zu können, bei einem anderen
Tage eine Anleihe machen müßte.
Ich weiß mich aus meiner Jugendzeit zu entſinnen, daß
in der Schule die ich beſuchte, einem Berliner Gymnaſium,
ein Knabe jedesmal in der neuen Klaſſe, wenn beim Be=
ginn
des Schuljahres das Nationale aufgenommen wurde,
dadurch allgemeine Senſation erregte, daß er ſeinen Ge=
burtstag
nannte, der auf einen Schalttag fiel. Den 29.
Februar, das wirkte unter den dreißig bis vierzig ande=
ren
Daten, die dem Lehrer von den Kindern genannt wur=
den
, wie ein Blitz. Der Lehrer ſchaute auf, und regelmäßig
kam dann aus ſeinem Munde eine Bemerkung wie: Dann
biſt Du ja ein Schalttagskind! oder etwas Aehnliches.
Der Junge ſelbſt aber ſah, wenn er das Datum zu nennen
hatte, ſo aus, als wüßte er, daß er jetzt der Gegenſtand be=
ſonderer
Aufmerkſamkeit ſein würde. Ueber ſein Geſicht
ging ein Leuchten, wie wenn er bei ſich dächte: Na, Du
wirſt ſtaunen, was Du nun zu hören bekommen wirſt. Ja,
ja, ich bin ein Schalttagsgeborener! Und er hatte denn
auch ſtets den Erfolg, daß ſein Nationale immer mit
größerer Aufmerkſamkeit entgegengenommen wurde als das
aller anderen, bei denen auch garnichts Auffallendes war.
Vielleicht hatte er auch den Erfolg und dann hätte
der Glauben an die Bedeutung des Schickſalstages einige
Bedeutung auch in dieſem Falle gehabt , daß mancher
Lehrer unwillkürlich dem Schalttaggeborenen größere
Aufmerkſamkeit zuwandte und ein regeres Intereſſe für ihn

hatte. Denn der Lehrer, dem alle Kinder fremd gegenüber
ſtehen, wird unwillkürlich an dieſen Einen, deſſen Namen
er mit einer ungewöhnlichen Tatſache verknüpft, öfter
denken; er wird ſich vielleicht öfter und oft zuerſt mit
Fragen an dieſen wenden. In alten Zeiten wäre das be=
ſtimmt
der Fall geweſen; da hätte man vielleicht den
Schalttaggeborenen als einen von Gott beſonders Aus=
gezeichneten
betrachtet, wie man früher und auch heute
noch den mit einem Geburtsfehler behafteten als von Gott
gezeichnet anſah. Abergläubige Leute glauben, daß ſolche
Gebrechen, die wahrlich für die damit Behafteten kein
Glück ſind, anderen Glück bringen. Läßt ſich ein Buckeliger
einmal in einem Spielſaal ſehen, werden alle echten
Spielernaturen, die ja meiſt abergläubig ſind, ſich ſofort
bemühen, den Buckel berühren zu dürfen.
Dem Schalttaggeborenen freilich kann man ſeine Aus=
zeichnung
vom Schickſal nicht ohne weiteres anſehen, ſonſt
würde er vielleicht ähnlicher Aufmerkſamkeit ſich erfreuen.
Im allgemeinen aber hat der Schalttag wohl die Be=
deutung
des Schickſalstages eingebüßt, und es hängt vom
Schickſal ab, ob er ſich für den Einzelnen irgendwie bemerk=
bar
macht, denn der Münchener Humoriſt Karl Ettlinger
hat wohl Recht, wenn er ſagt:
Der gute Menſch nur lacht:
Den Schalttag, den hat Gott gemacht,
Daß alle vier Jahr Weib und Mann
Sich einen Tag länger freuen kann.
Der Böſe flucht: O, Niedertracht!
Den Schalttag hat der Teufel gemacht,
Und legte ihn juſt in den Februar,
Den Faſchingsmonat, den Barbar,
Damit man, wenn das Geld verſiegt,
Sein Gehalt einen ganzen Tag ſpäter kriegt!
Ich bin nicht bös, ich bin nicht gut,
Spür weder Freude, noch große Wut,
Wie die von mir geſchilderten Zwei.
Mir iſt der Schalttag ganz einerlei:
Ich weiß ja doch zu keiner Friſt,
Was für ein Tag und Datum iſt!

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. Februar 1912.

Nummer 51.

lich erfolgreiches Gaſtſpiel beendet. Morgen Freitag
abend iſt der übliche Programmwechſel, der wieder eine
Varietévorſtellung bringt, für das die Direktion ihrem
alten Prinzip getreu nur erſtklaſſige Kräfte gewon=
nen
hat.
§ Feſtgenommen. Ein 27 Jahre anrer Schneider=
gehilfe
von hier iſt wegen Einbruchsdiebſtahl im wieder=
holten
Rückfall ſeſtgenommen worden.

Offenbach, 27. Febr. Der Kaufmann Langendör=
fer
aus der Bieberer Straße 63 ſtürzte beim Dekorie=
ren
der Schaufenſter von einer Leiter ſo unglücklich, daß=
er
ſich ſchwere Verletzungen am Kopfe zuzog
und ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Der
Weißbinder Paul Großknecht hatte ſeinem Stiefvater
Vierhaller 40 Mark geſtohlen. Er wurde verhaftet. Das
gleiche Geſchick widerfuhr dem 17jährigen Johann Peter
Franz, der ebenfalls ſeinen Vater um 45 Mark beſtohlen
hatte. Die Polizei verhaftete ſchließlich zwei Fahr=
raddiebe
, den 17jährigen Tagglöhner Schad und
den 35jährigen Schreiner Johann Kaminzky aus Ha=
nau
, die dort mehrere Fahrräder geſtohlen hatten.
Offenbach, 28. Febr. Ein hieſiger in der Schloßſtraße
wohnender Arbeiter wurde am Montag abend von dem
ihm bekannten 25 Jahre alten Gelegenheitsarbeiter Joh.
Spahn zur Spendung eines Glaſes Bier veranlaßt. Bei
dieſer Gelegenheit geſellten ſich noch einige Kollegen
Spahns, die Gelegenheitsarbeiter Joſeph Kümmel, Wil=
helm
Jung und Michael Braun zu den beiden und ließen
ſich ebenfalls freihalten. Als ſie jedoch merkten, daß der
Spender Geld bei ſich führte, forderten ſie immer mehr
und ſuchten ihn durch derb=plumpe Vertraulichkeiten ge=
fügig
zu machen. Als dem Arbeiter die Sache zu bunt
wurde, machte er ſich von den unangenehmen Geſellen
frei und begab ſich auf den Heimweg. Da er nichts
Gutes ahnte, verſteckte er ſeinen Geldbeutel mit 45 Mark
Inhalt im Strumpf. Seine Befürchtungen ſollten ſich
auch ſehr ſchnell erfüllen. In der Schloßſtraße überfielen
ihn drei der genannten Gelegenheitsarbeiter, hielten ihn
trotz des ſtärkſten Widerſtandes feſt, während der vierte
Mann dem Ueberfallenen den Geldbeutel und die Uhr ent=
riß
, worauf alle vier verſchwanden, um das Geld noch
in derſelben Nacht zu verjubeln. Doch nicht lange ſollten
ſie ſich ihres Raubes freuen. Schon am anderen Tage
wurden ſie verhaftet und dem Gericht zugeführt. Alle
vier ſind vorbeſtraft und ſehen nunmehr einer exempla=
riſchen
Beſtrafung entgegen.
Seligenſtadt, 28. Febr. Geſtern abend verſuchten zwei
durchreiſende Handwerksburſchen in einer hieſigen Gaft=
wirtſchaft
einzubrechen. Die Frau, die die Ein=
dringlinge
hinauswies, wurde von den Burſchen zur
Tür hinausbefördert. Auf den Lärm, der hierdurch ent=
ſtand
, verſchwanden die Einbrecher durch das Fenſter und
ſuchten das Weite. Später wurde einer dieſer Burſchen,
als er Einkäufe machen wollte, durch die Gendarmerie
feſtgenommen und in Polizeigewahrſam gebracht.
Worms, 27. Febr. Mit knapper Not dem Tode ent=
ronnen
iſt der 16jährige Arbeiter Franz Augſt aus
Gernsheim. Dieſer wollte in den Hof gehen, kam zu
Fall und durchſchnitt ſich an einem eiſernen Roſt die
Handſehnen. Nur durch raſche Anlegung eines Not=
vekbandes
wurde der junge Mann vor dem Verbluten
bewahrt. Die Verletzungen ſind aber derart, daß er ins
Städtiſche Krankenhaus gebracht werden mußte. Der
27jährige Fuhrmann Ph. Beckerle wurde von ſeinem
ſcheuenden Pferd getreten und erlitt derartige Ver=
letzungen
, daß er ins Städtiſche Krankenhaus gebracht
werden mußte. Sein Zuſtand iſt bedenklich.
Gießen, 27. Febr. Der Provinziallandtag
für Oberheiſſen genehmigte den Voranſchlag für
1912/13, der mit 680 216 Mark abſchließt. Die Kreiſe
haben 416000 Mark aufzubringen; 48000 Mark ſind als
Reingewinn des Waſſerwerks Inheiden eingeſtellt. Der
ebenfalls genehmigte Voranſchlag des Provinzial= Waſſer=
werks
Inheiden für 1912/13 ſchließt in Einnahme und
Ausgabe mit 858500 Mark. Für die Waſſerlieferung an
die Stadt Frankfurt ſind 798750 Mark Einnahme einge=
ſtellt
. Nach Abzug von 240000 Mark für Verzinſung der
Schuld und nach Rückſtellung von 120000 Mark für einen
Tilgungsfonds und nach Abſchreibungen von 70000 Mark
bleiben nach dem Voranſchlag 201678 Mark Reingewinn,
wovon außer den 48000 Mark zur Deckung ordentlicher
Ausgaben der Provinz 50000 Mark zu den Betriebskoſten
des Elektrizitätswerkes Wölfersheim verwendet werden;
der Reſt von 103 678 Mark wird als außerordentliche

Rücklage oder zur verſtärkten Tilgung verwendet. Der
Provinziallandtag bewilligte ferner für die Erweiterung
der für die Ueberlandzentrale Wölfersheim vorgeſehenen
Leitungsanlagen einen Kredit von 1100000 Mark, die
durch ein 4prozentiges Anlehen der Provinz beſchafft
werden ſollen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshnuptſtadt, 27. Febr. Das erſte
Gewitter iſt heute nachmittag in der dritten Stunde
über die ſüdweſtlichen und ſüdlichen Vororte Berlins
hingezogen. Wie das Berliner Wetterbureau dazu mit=
teilt
, ſind derartige Gewittererſcheinungen um dieſe Jah=
reszeit
keine anormalen Phänomene, wenn ſie auch zu den
Seltenheiten zählen. Das heutige Gewitter iſt auf den
Vorübergang eines Teilminimums zurückzuführen, das
an der Südſeite einer ſehr umfangreichen und tiefen
Barometerdepreſſion ſich entwickelt hat. Bei dem Her=
annahen
der Depreſſion herrſchten ſehr milde Südweſt=
winde
, die ſich nun jetzt nach dem Vorüberziehen des
Teilminimums mehr nach Weſten gedreht haben. Ein
ſehr großer Findlingsblock iſt beim Bau
der Untergrundbahn in Dahlem zutage gefördert wor=
den
. Der ſtattliche Granitblock, der im ausgeſchachteten
Geſchiebemergel lag, ſoll einen Inhalt von etwa 20
Kubikmeter und ein Gewicht von etwa 50000 Kilogramm
haben. Wie Profeſſor Potonié in der Naturwiſſenſchaft=
lichen
Rundſchau mitteilt, wird der Rieſenſtein erhalten
bleiben. In einer Anlage wird er ſeinen Platz finden
und wahrſcheinlich zu Ehren des früheren Miniſterial=
direktors
den Namen Thiele=Stein erhalten. Dieſer
neueſte erratiſche Block hat bekanntlich eine Reihe be=
rühmter
Geſchwiſter in der Mark Brandenburg. Die
ſchöne Schale vor dem alten Muſeum im Luſtgarten
ſtammt ja ebenfalls von einem Findlingsblock, deſſen
andere Hälfte in den Rauenſchen Bergen liegt. Alle die
ungefügen Rieſen ſind einſt mit dem Eis der Diluvialzeit
von Skandinavien her zu uns gekommen. Die Beſ=
ſerung
im Befinden der erkrankten Pots=
damer
Unteroffizierſchüler hält an. Neue Er=
krankungen
ſind auch heute nicht mehr zu verzeichnen
geweſen. Der Zuſtand des Raubmörders
Cränkel im Unterſuchungsgefängnis hat ſich derart
verſchlechtert, daß die Oberſtaatsanwaltſchaft die Akten
jetzt abgeſchloſſen hat, um ſie zur neuen Schwurgerichts=
periode
ſofort als erſten Terminprozeß verwenden zu
können. Der Prozeß wird am 2. März beginnen.
Hanau, 28. Febr. In den nächſten Tagen wird dem
Eintreffen des Staatsſekretärs im Reichskolonialamt Dr.
Solf, entgegengeſehen, der ſich über die Hanauer Dia=
mantenſchleiferei
und die Verhältniſſe der Arbeiter und
der Arbeitgeber informieren will.
Saarbrücken, 28. Febr. Vor einigen Tagen kam an=
ſcheinend
aus Belgien ein 30jähriger eleganter Mann hier
an in Begleitung einer von ihrem Manne getrennt leben=
den
Frau. Geſtern bekam er Differenzen mit ſeiner Be=
gleiterin
. Letztere erſtattete Anzeige gegen ihn und be=
hauptete
, er ſei der Spionage verdächtig. Darauf=
hin
fand eine Durchſuchung ſeiner Koffer ſtatt, in denen
mehrere ſelbſtgefertigte Stempel und anſcheinend gefälſchte
Ausweispapiere gefunden wurden.
Mörs, 28. Febr. Hier wurde der engliſche Sprach=
lehrer
Aller wegen Spionageverdachts ver=
haftet
. Er hatte ſeit einigen Tagen die Feſtungs=
anlagen
in Köln und Weſel photographiert. Man fand
ſehr viel Platten bei ihm vor, die noch zu unterſuchen
ſind.
Dresden, 27. Febr. Der bekannte Alkoholgegner
Pfarrer Bürk=Auerbach belegte hier in einem Vor=
trag
die Alkoholintereſſenten mit ſtark beleidigenden Aus=
drücken
. Er wurde von zehn Wirten und zwölf Deſtilla=
teuren
und Brauern als Vertretern ihrer Organiſationen
wegen Beleidigung verklagt. Das Schöffengericht
verurteilte ihn heute zu 250 Mark Geldſtrafe. Von
der Behörde hatte er bereits einen Verweis erhalten.
Leipzig, 28. Febr. Unter dem Verdacht des zwei=
fachen
Gattenmordes wurde der zum dritten
Male verheiratete Maler Noworka verhaftet. Er ſoll
ſeine erſten beiden Frauen getötet haben. Er wurde
bereits einmal in Unterſuchungshaft genommen, mußte
aber damals wegen Mangels an Beweiſen wieder auf
freien Fuß geſetzt werden.
Wien, 27. Febr. Am Schluß der heutigen Sitzung des
Gemeinderats als der Vorſitzende eben den Schluß
der Beratung verkündet hatte, erhob ſich auf der Galerie
ein Mann und gab in den Saal einen Schuß ab. Ver=

letzt wurde niemand. Im Saale entſtand eine große Ver=
wirrung
. Der Mann wollte noch einen Schuß ab=
geben
, doch wurde ihm der Arm von dem neben ihm
Sitzenden niedergeſchlagen. Er wurde feſtgenommen und
in einem Nebenzimmer ſofort verhört. Er heißt Bauer,
war Angeſtellter der ſtädtiſchen Straßenbahnen, jedoch ent=
laſſen
worden, weil er ſich geweigert hatte, die neue Dienſt=
ordnung
zu unterſchreiben. Er erklärte, er habe nur ſeiner
zahlreichen Familie helfen wollen, die ſich infolge ſeiner
Entlaſſung in großer Not befinde. Die erſte Unterſuchung
ergab, daß der von Bauer abgegebene Schuß blind war.
Paris, 27. Febr. Als der Polizeibeamte Garnier
heute abend auf der Place de Havre gegen die Inſaſſen
eines Automobils einſchreiten wollte, das mehrere
Perſonen umgeriſſen hatte, wurden von den Inſaſſen
des Automobils Revolverſchüſſe gegen ihn abge=
geben
, die ſeinen Tod herbeiführten. Ein zweites Auto=
mobil
, in dem Polizeibeamte die Verfolgung der Täter
aufnahmen, überfuhr eine junge Frau, die ſchwere Ver=
letzungen
davontrug. Die Polizei hält es für möglich,
daß die Automobiliſten, die den Schutzmann erſchoſſen
haben, dieſelben Verbrecher ſind, die vor etwa zwei
Monaten den Kaſſenboten Caby in der Rue Ordener
überfallen und beraubt haben. Augenzeugen erklärten,
daß die Inſaſſen des Autos eine unleugbare Aehnlichkeit
mit den Räubern von der Rue Ordener beſäßen. Durch
die Unterſuchung wurde bereits feſtgeſtellt, daß das Auto
geſtern vormittag aus der Garage eines Fabrikanten in
St. Mandé bei Paris geſtohlen worden war.
Chalons=ſur=Saone, 28. Febr. Ein Fleiſchermeiſter
namens Martz, der ſich auf der Rückreiſe von Dijon be=
fand
, wurde in einem Wagenabteil eines Perſonenzuges
ermordet aufgefunden. Es liegt Raubmord
vor. Die Leiche lag auf der Bank mit zahlreichen Meſſer=
ſtichen
in Bruſt, Rücken und Kopf. Eine Summe von
zirka 5000 Francs, die der Ermordete bei ſich trug, war
verſchwunden. Der Polizei iſt es bereits gelungen, das
Signalement des mutmaßlichen Täters ausfindig zu
machen. Es handelt ſich um drei Verbrecher. Der eine
von ihnen verließ den Zug mit dem Billett des Ermor=
deten
. Er iſt anſcheiend ein Italiener, da er die fran=
zöſiſche
Sprache mit ſtark italieniſchem Akzent ſprach.
Das Signalement der anderen iſt unbekannt. Die Ban=
diten
ſind in der Richtung nach Lyon entkommen.
Kingston (Jamaika) 27. Febr. Die Unzufriedenheit
der Bevölkerung mit den Fahrpreiſen der Straßen=
bahn
hat ſich während der letzten Nacht in ernſten Un=
ruhen
entladen. Der Pöbel ſtürmte gegen das Gefäng=
nis
und griff den Gouverneur und ſeinen Adjutanten an,
die jedoch nicht ernſtlich verletzt wurden. Die Polizei
machte von der Schußwaffe Gebrauch. Ein Mann wurde
getötet, ein anderer ſchwer verwundet; außerdem wurden
noch dreißig Perſonen verletzt. Schließlich wurde die Ord=
nung
wieder hergeſtellt. Weitere Unruhen werden nicht
erwartet. Die Polizei erhielt Verſtärkungen von auswärts.

Kunſtnotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
6. Hofmuſik=Konzert. Das letzte der
dieswinterlichen Konzerte der Hofkapelle Montag, den
4. März, geſtaltet ſich zu einer Aufführung großen
Stils. Zwei ſowohl in der Anlage wie inhalt ich gewaltige
Werke bilden die Baſis des Programms: Schuberts
C-dur=Sipfonie und Richard Strauß’ ſinfoniſche Dich=
tung
Alſoſprach Zarathuſtra‟ Dieſe frei nach
Nietzſche geſchaffene Tondichtung, wohl das bedeutendſte
Inſtrumentalwerk des großen Neuerers auf ton=
ſchöpferiſchem
Gebiet erfordert einen großen und außer=
ordentlich
leiſtungsfähigen Inſtrumentalkörper. Die
Hofkapelle wird deshalb durch auswärtige und hieſige
erprobte Kräfte auf ca. 80 Köpfe verſtärkt. Der bei H.
Bechthold in Frankfurt a. M. erſchienene Muſikführer
enthält eine trefflich geſchriebene Erläuterung von Arthur
Hahn über das tiefgründige Tongemälde von Strauß
und wird für das größere Verſtändnis des Werkes ſich
ſehr fördernd erweiſen. Schuberts große C-dur=
Sinfonie hat der ſo früh aus dem Leben geſchiedene
Meiſter nie gehört. Sie wurde kurz nach ſeinem Tode
im Winter 182829 zweimal in Wien aufgeführt und
blieb dann verſchollen, bis ſie auf Schumanns Veran=
laſſung
, der das herrliche Werk in Wien im Jahre 1838
im Nachlaſſe des Schöpfers auffand, durch Mendelsſohn
im Gewandhauſe in Leipzig im März 1839 zu neuem
klingenden Leben erweckt wurde. Seitdem bildet die
Sinfonie, beſonders auf Muſikfeſten mit einem außer=
gewöhnlich
ſtarken Orcheſter, einen ebenſo glänzenden
wie feſtſtehenden Beſtandteil der Aufführungen.

Konzerte.

mm. Für den 196. Vereinsabend des Richard=
Wagner=Vereins waren zwei bereits als ſehr
tüchtig anerkannte Künſtlerinnen gewonnen worden, Frau
Elly Ney=van Hoogſtraaten aus Köln (Klavier)
und Fräulein Lotte Hegyeſi, Violoncellvirtuoſin
aus Frankfurt a. M. Wenn man das Erſcheinen von Gei=
gerinnen
im Konzertſaal heute längſt nicht mehr zu den
Seltenheiten zählt, ſo ſind Künſtlerinnen auf dem Violon=
cell
recht vereinzelt, da nicht nur die Behandlung des In=
ſtrumentes
mehr Kraft und Anſtrengung vorausſetzt, ſon=
dern
auch die Konzertliteratur gerade für das Cello nicht
ſehr groß iſt. Beide Künſtlerinnen, die zuerſt die große
E-moll-Sonate, op. 38 von Johannes Brahms gemein=
ſam
vortrugen, ließen in den vier Teilen dieſer bedeuten=
den
Kompoſition für Klavier und Violoncell die Haupt=
vorzüge
ihres Könnens hervortreten. In den Eckſätzen
hatte freilich das Klavier mit ſeinen kraftvollen Ton=
lagen
und perlenden Paſſagen den weitaus dankbareren
Part, während der 2. Menuettſatz mehr der Celliſtin be=
ſondere
Gelegenheit bietet, mit eleganter Bogenführung
und Beſtimmtheit im Ton zu glänzen. Die folgenden drei
Klavierſtücke von Joh. Brahms zeigten beſonders in der
Rhapſodie in Es=dur, op. 119, das ganze virtuoſe Kön=
nen
der Pianiſtin; weiterhin zeigte ſie ſich als ſehr tempe=
ramentvolle
Chopinſpielerin mit dem Vortrag der Fan=
taſie
(op. 49) und dem As=dur=Walzer (op. 34). Den als
letzte Nummer geſpielten drei Klavierſtücken ziemlich un=
bekannter
jüngerer Tonſetzer konnte nur die geſchickte
Vortragskunſt von Frau Elly Ney=van Hoogſtraaten
etwas Intereſſe abgewinnen. Muſikaliſch anſprechender
waren dagegen die drei Stücke für Violoncello, ein mit
ſeelenvollem Ton geſpieltes Adagio von Nardini und die
äußerſt wirkungsvolle Melodie von Anton Rubinſtein
(op. 3. Nr. 1). Ein Tanzſtück, Czärdas von Louis
Hegyeſi, vereinigt in ſich die ausgeſuchten Schwierigkeiten
des Inſtrumentes. Als eine der beſten Leiſtungen von
Fräulein Hegyeſi, die in Fräulein Marie Schwan von
hier eine ebenſo zuverläſſige als feinfühlige Klavierbe=
gleiterin
fand, darf das von Hugo Becker für das Violon=

cell übertragene, nachgelaſſene Adagio und Allegro von F.
Schubert gelten, in dem ſich großer, voller Ton und
warme Empfindung mit vollendeter Reinheit vereinigten.

Feuilleton.

* Aus Kunſt und Wiſſenſchaft. Herr Wilhelm
Umminger ein junger Darmſtädter, iſt ſoeben, wie
man uns ſchreibt, an erſter Stelle als jugendlicher Helden=
ſpieler
für das Stadttheater Frankfurt a. Oder ver=
pflichtet
worden. Der Künſtler erhielt ſeine erſte Aus=
bildung
bei Herrn Prof. Max Reinhardt, dem bekannten
Leiter des Deutſchen Theaters in Berlin und vollendete
ſeine Studien bei dem bekannten Heldenſpieler des königl.
Schauſpielhauſes in Berlin, Herrn Dr. Waldemar Stäge=
mann
.
C. K. Die Vernichtung des B=Pulvers. Seit zwei Mo=
naten
etwa haben die Bewohner von Toulon tagtäglich
morgens und abends Gelegenheit, ein ebenſo eintöniges
wie koſtſpieliges Feuerwerk zu bewundern: auf einer Damm=
höhe
, gegenüber der Pulverinſel von Millaug verbrennt
man nach und nach die Vorräte des als gefährlich erkannten
B=Pulvers. Das Pulver wird in Streifen von 20 Meter
Länge und 1 Meter Breite auf die Erde geſtreut und mit
einem einfachen Zündholz angezündet. Sogleich lodert
eine ſchöne rote Flamme empor, die ſich zu einer Höhe von
45 Meter erhebt, ohne den geringſten Rauch zu ver=
urſachen
und ohne irgend einen Ueberreſt zu hinterlaſſen.
Dieſer wogende, mit feurigen Zungen in die Luft leckende
Flammenwall, der zwei Minuten lang einen phantaſtiſch
großartigen Anblick bietet, vernichtet gegen 250 Kilo des
Exploſivſtoffes und läßt ſo eine Summe von 1250 Mark in
Flammen aufgehen. Die dadurch erzeugte Wärme iſt ſo
groß, daß man an die Flammen nicht näher als bis auf
eine Entfernung von 20 Meter herangehen kann.
ml. Stimmrecht für Frauen 7640 Meter über dem
Meere! Die gewöhnlichen Suffragetten pflegen ihre
Banner mit mehr oder weniger Geſchrei durch die
Straßen von London zu tragen, um für ihre Sache Propa=
ganda
zu machen. Da das aber bisher wenig Eindruck ge=
macht
hat, ſo beſchloß Fräulein Anna Peck, eine amerika=

niſche Alpiniſtin, für die Sache des Frauenſtimmrechts ein
übriges zu tun. Sie beſtieg den 7640 Meter hohen Gipfel
des in der Kordillerenkette Südperus belegenen Coropuna
und ließ zum Zeichen ihrer Anweſenheit auf der Bergſpitze
eine Flagge zurück, die die bekannte Deviſe der Suffra=
gettes
Votes for women trug. Eine Demonſtrtion für
das Frauenſtimmrecht in dieſer Höhe ſteht bisher jeden=
falls
einzig da; es wird allerdings Leute geben, die die
Leiſtung mehr vom ſportlichen als vom agitatoriſchen
Standpunkt aus würdigen werden. Im übrigen war die
Demonſtration aber inſofern zwecklos, als den Frauen in
einer Höhe von 7640 Meter über dem Meere das Stimm=
recht
von keinem Menſchen ſtreitig gemacht wird!
Was für’n König? In einem Spezialkabelgramm
läßt ſich der New Yorker American aus Stockholm eine
Geſchichte berichten, die in der Hauptſtadt Schwedens viel
Heiterkeit erregen ſoll und von einem Telephongeſpräch
eines jungen Journaliſten mit dem König Guſtav handelt.
Der Journaliſt wollte nach dem Geburtstage eines hohen
Hofbeamten fragen, klingelte im Schloß an und ließ ſich
mit den königlichen Gemächern verbinden, in der An=
nahme
, einen Sekretär oder Kammerdiener ſprechen zu
können. Es entwickelte ſich angeblich folgendes Geſpräch:
Halloh! iſt dort die königliche Wohnung? Jawohl.
Iſt dort vielleicht der Herr Hofmarſchall ſelbſt? Nein, aber
worum handelt es ſich? Es handelt ſich um den alten
Kamerdiener. Aber am Ende ſpreche ich mit Herrn
Blomberg ſelbſt? Nein. Ja, aber wer iſt denn nun
eigentlich dort? Der König. Was für’n König?
Worauf die Antwort lautete: Guſtav V. . .
B. B. Der Senior der Schalttagskinder iſt der frühere
Königlich=hannoverſche und Däniſche Hauptmann a. D.
Magnus von Löſecke, in Celle wohnhaft. v. L. wurde am
29. Februar 1824 geboren, vollendet in wenigen Tagen ſein
88. Lebensjahr, konnte aber, da 1900 als Schaltjahr
bekanntlich ausfiel, während ſeines langen bewegten
Lebens nur 21 mal ſeinen Geburtstag feiern.
Der alte Herr iſt noch außerordentlich rüſtig und hat die
Gabe, äußerſt intereſſant, namentlich über ſeine Kriegs=
erlebniſſe
zu plaudern.

[ ][  ][ ]

Nummer 51.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. Februar 1912.

Seite 5.

Zum Volksliederabend der Baronin Elſa
Laura von Wolzogen dürften noch einige neuere
Kritiken beſonders intereſſieren. Aus Anlaß eines Kon=
zerts
in Straßburg ſchrieb die Straßburger Bürgerzei=
tung
: Das Organ befindet ſich auf der Höhe ſeines Ge=
haltes
und beherrſcht die jugendliche Stimme in allen Re=
giſtern
ſouverän. Eine Fülle von Schattierungen und
Nüancen, ſteht ihr zu Gebot und gibt im Rahmen der
virtuoſen Lautenbegleitung ihrer großzügigen Kleinkunſt
plaſtiſch ſtempelnden Charakter. Hand in Hand mit der
Geſangskunſt, die beſonders hoch zu ſchätzen weiß, wer
die Hemmungen und Fährniſſe, Beſchränkungen und
Einengungen der inſtrumentalen Eigenbegleitung, nament=
lich
ohne Noten auf der die Varität der Akkorde erſchwe=
renden
Laute kennt, marſchiert bei Frau v. Wolzogen ihre
entzückende mimiſche Sicherheit, die ſo treffende und bei
häufiger Naivität, manchmal Zweideutigkeit der Texte ſo
ſympatiſche und nie erzwungene Ausdrücke findet, daß die
Künſtlerin tatſächlich zu den wenigen Erſcheinungen ge=
hört
, die ohne Apparat das Publikum dauernd in ihren
Bannkreis ziehen. Raſend raſch war der Abend verflo=
gen
. Aber ehe das Publikum die Künſtlerin abtreten ließ,
forderte es ihr noch mehrere Zugaben ab, und die Stil=
lung
des Verlangens zeigte uns, wie Frau von Wolzogen
eine Künſtlerin iſt, die aus dem Vollen ſchöpft. Und Dr.
G. Altmann urteilt in der Straßburger Poſt u. a.: Der
Hauptreiz ihrer Darbietungen liegt in der Deklamation,
in der Wiedergabe der verſchiedenſten Stimmungen, der
Charakteriſierung von Perſonen und Situationen, in deren
Differenzierung ſie von Jahr zu Jahr Fortſchritt machte.
Nicht ganz mit Unrecht hat man ſie die deutſche Yvette
Guilbert genannt; in der Tat hat ſie, was Prägnanz im
Vortrag, ſpezifiſche Färbung des Ausdrucks je nach dem
Weſen des poetiſchen Inhalts betrifft. viel Aehnlichkeit
mit der raſſigen Franzöſin, wenn auch die beſondere park=
ſeriſche
Miſchung von Grazie und Gaminhaftigkeit, durch
die ſich Yvette auszeichnet, bei der Deutſchen in etwas
ſchlichterer, mehr Gemüt als Raffinement aufweiſenden
Art ausgeprägt erſcheint. So wußte die Künſtlerin
gar bald die intime Stimmung, den Kontakt mit der
Hörerſchaft bereuſtellen, wie er gerade bei ſolchen Vor=
trägen
erforderlich iſt. Das hieſige Konzert findet am
16. März im Hotel zur Traube ſtatt.

Kongreſſe und Verbandstage.

Deutſcher Frauenkongreß.
Berlin 27. Febr. In den blumengeſchmück=
ten
Feſträumen des Reſtaurants im Zoologiſchen Gar=
ten
findet in dieſen Tagen anläßlich der Ausſtellung
Die Frau im Haus und Beruf der Deutſche
Frauenkongreß ſtatt. Schon der Begrüßungsabend
am Montag hatte gezeigt, daß die deutſche Frauen=
bewegung
überall ſtarkem und lebhaftem Intereſſe be=
gegnet
. Staatsſekretär Dr. Delbrück begrüßte den
Kongreß im Namen des Reichskanzlers und der preußi=
ſchen
Staatsregierung und verſicherte, daß ſowohl das
Reich wie der preußiſche Staat das größte Intereſſe der
Ausſtellung wie den Verhandlungen entgegenbringen.
Namens der Stadt Berlin begrüßte den Kongreß Bürger=
meiſter
Dr. Reicke, namens der Univerſität deren Rek=
tor
, Dr. Lentz; außerdem nahmen an dem Begrüßungs=
abend
teil: Profeſſor Dr. Harnack, Frau Reichskanzler
von Bethmann Hollweg, die Palaſtdame Fräulein von
Gersdorff, ſowie viele andere Damen der Geſellſchaft
und alle bekannteren Führerinnen der Frauenbewegung.
Heute vormittag fand die erſte Hauptverſamm=
lung
im Zoologiſchen Garten ſtatt. Die Vorſitzende,
Fräulein Dr. Gertrud Bäumer, eröffnete den Kon=
greß
, worauf ſofort in die Tagesordnung eingetreten
wurde. Das erſte Thema lautete: Die Reform der
Hauswirtſchaft. Das Referat hierüber hatte
Frau Emmy Heuß=Knapp. Die Rednerin iſt der
Anſicht, daß das Familienleben immer mehr ausgebaut
werden müſſe. Sie hält die Form des Einküchenhauſes
und derartige Inſtitute nicht für durchführbar, ſchon
weil ſie für die minderbemittelten Klaſſen zu teuer ſeien.
Die Erziehungsheime könnten das Familienheim nicht
erſetzen: Der Haushalt iſt der Rahmen für das Fami=
lienleben
, das in der Kindererziehung ſeine ſchönſte
Blüte treibt. Die Revolutionierung der Hauswirtſchaft
iſt daher nicht zu erwarten, der Einzelhaushalt bleibt
mitten in allen Sturmfluten beſtehen, aber er iſt reform=
bedürftig
. Er hat bereits Reformen durchgemacht und
ſteht mitten in einer Umwandlung; es müſſen ihm aber
immer mehr die techniſchen Errungenſchaften der Neu=
zeit
zugänglich gemacht werden. Die Hausfrau iſt =
terin
und Pflegerin des kommenden Menſchengeſchlechts
und das Bindeglied zwiſchen den einzelnen Mitglie=
dern
iſt das Kind. Daher iſt die Aufrechterhaltung des
Einzelhaushalts mit allen Kräften anzuſtreben. Eine
lebhafte Diskuſſion ſchloß ſich an.

Den nächſten Punkt der Tagesordnung bildete das
Thema: Die Bewertung der Hausfrauen=
arbeit‟
. Die Referentin, Frau Marianne Weber,
führte aus: Die Forderung nach Bewertung der Haus=
frauenarbeit
iſt entſtanden aus dem Bedürfnis der ver=
heirateten
Frau nach pekuniärer Unabhängigkeit. Hierzu
ſeien verſchiedene Wege vorgeſchlagen. Die ökonomiſche
Emanzipation aller Ehefrauen durch ſelbſtändiges Geld=
verdienen
ſei unmöglich. Ein anderer Vorſchlag, die
verheiratete Frau durch ſtaatliche Mutterſchaftsrenten
ſelbſtändig zu machen, ſei ernſthaft überhaupt nicht zu
erörtern. Ebenſo ſei die Beſoldung der Hausfrau tech=
niſch
unmöglich, da es ein Unding ſei, den Gehalt für
eine Millionärsgattin nach denſelben Prinzipien zu
berechnen, wie für die Gattin eines Eiſenbahnſchaffners.
Das Ziel, die Frau von der Subjektivität des Gatten
zu befreien, kann nur auf dem Boden des Eherechts er=
reicht
werden. Der Geſetzgeber braucht nur die geſetz=
liche
Unterhaltspflicht des Mannes dahin zu präziſie=
ren
, daß er der Ehefrau ein Anrecht auf Vereinbarung
ſowohl eines feſten Haushaltsgeldes, als auch eines
feſten Sondergeldes für ihre perſönlichen Bedürfniſſe zu=
erkennt
.
Die Frage des weiblichen Dienſtjahres
bildeten den nächſten Gegenſtand der Verhandlungen.
Die Referentin, Frau Eliſabeth Gnauck=Kühne,
führte aus, das weibliche Dienſtjahr ſei jetzt eine aner=
kannte
Forderung der Frauenbewegung. Der Fami=
lienhaushalt
ſei nicht nur nicht zuſammengebrochen, ſon=
dern
es werden größere Anforderungen denn je an die
Leiterin geſtellt, nicht ſo faſt inbezug auf Quantität, als
auf Qualität der Arbeit. Zur Erfüllung dieſer Aufgabe
muß die weibliche Jugend durch das Mädchendienſtjahr
vorbereitet werden, das keine willkürliche Neuerung ſein
will, ſondern als organiſcher Ausbau des hauswirt=
ſchaftlichen
Unterrichts in den Schulen ins Leben tre=
ten
muß. Das Jahr ſoll in Gemeinſchaftshäuſern ab=
gedient
werden, die ſich ſelbſt beſorgen und an Anſtal=
ten
angegliedert ſind, die Arbeitsgelegenheiten bieten.
Die Rekruten aus den Volks= und Mittelſchulen werden
vom Staat unterhalten, die höheren Mädchen beſtreiten
ihren Unterhalt ſelber und bezahlen Schulgeld. Dafür
genießen ſie einen vielſeitigeren Unterricht und haben
höheren Anſprüchen bei der Abgangsprüfung zu ge=
nügen
. Das Abgangszeugnis ſoll als kleiner Befähig=
ungsnachweis
dienen und ſoll die Berechtigung zum Hei=
raten
erteilen. Damit waren die Verhandlungen des
heutigen Tages beendet. Morgen beſchäftigt ſich der
Kongreß mit Bildungs= und Erziehungsfragen.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 28. Febr. Auf der Tagesordnung ſteht
zunächſt die Wahl von ſechs Mitgliedern für die Reichs=
ſchuldenkommiſſion
. Auf Vorſchlag des Abg. Baſ=
ſerman
(natl.) werden die Abgeordneten Dr. Südekum
(Soz.), Erzberger (Ztr.), v. Winterfeldt=Menkin (konſ.),
Zimmermann (natl.), Dove (Fortſchr.) und Dombeck (Pole)
durch Akklamation gewählt.
Sodann beginnt die
zweite Leſung des Etats des Innern.
Die Beratung beginnt mit dem Titel I: Gehalt des
Staatsſekretärs.
Abg. Wurm (Soz.): Die Reichsverſicherungsordnung
ſtellt die Millionen von Arbeitern lange nicht zufrieden.
Was der Abg. Trimborn im Jahre 1907 vorausgeſegt hat,
daß, wenn die ſozialen Reformen nicht weiter ſich ent=
wickeln
, der Einwand einen Schein von Berechtigung be=
käme
, daß es ohne eine ſozialdemokratiſche Partei in die=
ſem
Hauſe ſozialpolitiſch nicht vorwärts komme, hat ſich jetzt
gezeigt, nur daß es kein Schein, ſondern Wirklichkeit iſt.
Alle ſoziale Reform ſtammt von der Sozialdemokratie.
(Lebh. Sehr richtig b. d. Soz., Lachen im Zentrum und
rechts.) Ihr Lachen iſt verſtändlich. In allen Ihren Flug=
blättern
ſteht, die Sozialdemokratie wollte keinen Arbeiter=
ſchutz
, ſie wolle die Arbeiter aufhetzen und verelenden. (Lebh.
Sehr richtig! im Zentrum.) Gern machen wir die Sozial=
politik
mit. Niemals haben wir den Standpunkt eingenom=
men
: Alles oder nichts! (Lachen bei dem Zentrum.) Was
geſchehen iſt, iſt aber viel zu wenig. Die Mittelſtands=
bewegung
kann keinen Erfolg haben. Sie wollen den Mit=
telſtand
, das Handwerk durch Mätzchen retten. Dagegen
tritt die Akkumulation des Kapitals immer ſchärfer zutage.
Der Hinweis auf die Zunahme der Sparkaſſeneinlagen
kann kein Gegenbeweis für die Proletariſierung der Klaſſen
ſein. Den Frauen muß die Beſchäftigungsmöglichkeit er=
leichtert
werden. Man möchte von verſchiedenen Seiten
wieder eine Zuchthausvorlage einbringen. Wir werden ja
den weiteren Verlauf abwarten. Der Sozialdemokratie
war nie ſo wohl. als wenn alles gegen ſie war. In unſeren
Anträgen und Reſolutionen zeigen wir Ihnen den Weg,

auf dem die Sozialreform vorwärts gehen ſoll, ſo bezüg=
lich
der Arbeitszeit, der Arbeiterſchutzvorrichtungen und der
Gewerbeaufſicht, in der durch unſere Kritiken allerdings
ſchon manches beſſer geworden iſt. Die Arbeitgeber zah=
len
lieber oftmals Strafe, als daß ſie die Vorſchriften be=
folgen
. Unſere Aufgabe iſt es, nicht hinter dem Wagen der
Zeit herzulaufen, ſondern ihm den Weg zu zeigen zum
Wohle des Vaterlandes. (Beifall bei den Soz.). Abg.
Mayer=Kaufbeuren (Ztr.): Ich beſchränke mich auf die
Erörterung wirtſchaftlich=politiſcher Fragen. Andere Red=
ner
meiner Partei werden ſich über ſozialpolitiſche und
Mittelſtandsfragen verbreiten. Unſer Exporthandel weiſt
auch im letzten Jahre Rekordziffern auf. Er hat ſich auf
17,6 Milliarden Mark geſteigert. In nicht langer Zeit
dürften wir den engliſchen Export überflügeln, obgleich ein
beträchtlicher Teil unſeres Exports auf landwirtſchaftliche
Erzeugniſſe entfällt.
Abg. Pauli (konſ.): Die Fabriken müſſen zu den
Koſten der Lehrlingserziehung mit herangezogen werden.
Dieſer Frage muß eine große Bedeutung beigemeſſen wer=
den
. Eine baldige Regelung des Submiſſionsweſens iſt
ebenfalls dringend erforderlich. Mehr als bisher müſſen
bei Verdingungen die Handwerkergenoſſenſchaften Lerück=
ſichtigt
werden. Der Unterricht in den Handwerkerfach=
ſchulen
darf ſich nur auf Schreiben, Leſen und Zeichnen be=
ſchränken
. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Und Reli=
gion
.) Nein, Religion gehört ebenſo wenig hinein, wie
Verfaſſungslehre des Deutſchen Reiches. Zur Hebung des
Mittelſtandes gehört auch, dafür zu ſorgen, daß die Kon=
ſumvereine
der Beamten nicht weiter ausgedehnt werden.
(Zuruf: Aber die Geſchäftsſtelle des Bundes der Land=
wirte
.) Das iſt etwas ganz anderes, wenn ſich Perſonen
zur Förderung der Produktion zuſammenſchließen. Die
paritätiſchen Arbeitsnachweiſe gehören in die Verwaltung
der Kommunen, wenn Mißſtände vermieden werden ſollen,
wie ſie ſich bei den Arbeitsnachweiſen der Gewerkſchaften
gezeigt haben. Wir ſind auch der Anſicht, daß in dem Aus=
bau
unſerer ſozialen Geſetzgebung nicht Halt gemacht wird,
nur muß dabei berückſichtigt werden, daß nicht alle Laſten
den Unternehmern auferlegt werden. Abg. Graf von
Poſadowsky: Das Ausland blickt heute mit Neid auf
unſere Erfolge in ſozialpolitiſcher Hinſicht. Wir können
jetzt ohne Ueberhebung Deutſchland das Land mit den ge=
ordnetſten
Verhältniſſen bezeichnen. Jedem Einzelnen wird
volle Freiheit in ſeiner Betätigung gewährt. Beſitzt das
deutſche Volk die nötige nationale Selbſtachtung, dann
wird es auch bald das ihm zukommende politiſche Schwer=
gewicht
im Auslande erhalten. Im Etat muß auch in Zu=
kunft
die größte Sparſamkeit herrſchen. Erfreulich ſei es
zu konſtatieren, daß neue Mittel für die Beamtenverſicher=
ung
ausgeſetzt ſind. Eine Beſſerung der Wohnungsver=
hältniſſe
muß unbedingt herbeigeführt werden und zwar
geht dies am beſten durch eine Heranziehung des Groß=
kapitals
. Bezüglich der Beurteilung der Sozialdemokratig
iſt für mich nur das Erfurter Programm maßgebend, das
die Abſchaffung des Privateigentums und deſſen Ueberz
führung in Kollektiveigentum fordert. Wenn ſich das Er=
furter
Programm überlebt hat, ſo müſſen die Sozialdemo=
kraten
auch den Mut haben, zu erklären, das Erfurter Prod
gramm war eine Täuſchung. Von einer Proletariſierung
der Maſſen kann doch auch im Ernſt nicht mehr die Rede
ſein. Wenn jeder Angeſtellte des Großkapitals ein Prole;
tarier wäre, müßten auch die Staatsbeamten Proletarier
ſein. Falſch gehandelt iſt es von den Großgrundbeſitzern,
wenn ſie zur Vergrößerung ihres Latifundienbeſitzes den
Kleingrundbeſitz aufkaufen. Das iſt keine Mittelſtands=
freundlichkeit
. Daß die Töchter der Beamten gewerblich
ſich betätigen, iſt nur anzuerkennen. Den Etat belaſten in
bedeutendem Maße die fortgeſetzten Beamtenforderungen.
Die Vorſchrift, daß 100000 Wähler einen Abgeordneten
zu wählen haben, hat zu vielen Unſtimmigkeiten geführt.
Eine Abänderung des Reichstagswahlrechts ſollte nicht
verſucht werden, auch Bismarck hat ſich nie für eine Ab=
änderung
des Wahlrechts ausgeſprochen. Die Streichung
des Gnadenfonds des Kaiſers durch den Landtag von Elſaß=
Lothringen iſt ein unkluger politiſcher Mißgriff. Die Re=
gierung
muß einen Ausgleich finden, durch den die Not=
wendigkeiten
des Staats und die ſtaatsbürgerlichen Pflich=
ten
und Freiheiten eines jeden gewahrt werden.
Hierauf wird die Weiterberatung auf Don=
nerstag
1 Uhr feſtgeſetzt. Schluß 6¼ Uhr.

Luftfahrt.

sr. Die Propoſitionen für den deutſch=
öſterreichiſchen
Ueberlandflug Berlin-Wien
1912 wurden in einer ſtark beſuchten Sitzung des deutſchen
Organiſations=Ausſchuſſes nochmals durchberaten, nachdem
der erſte Entwurf dem K. und K. Oeſterreichiſchen Auto=
mobil
=Klub zur Begutachtung vorgelegt worden war.
Seitens der Oeſterreicher waren einige Aenderungen ge=

Moderne Handwerkskunſt.

Geſtern iſt wieder ein Ausbildungskurſus
für Dekorationsmaler und Gehilfen
in moderner Handwerkskunſt zu Ende
gegangen, der in mehr als einer Hinſicht hoch=
intereſſante
Ergebniſſe gezeitigt hat. Leiter des
Kurſus, der, wie wir ſeinerzeit bereits ausgeführt, auf
Initiative des Direktors der Baugewerkſchule, Herrn
Profeſſor Wienkoop, zurückzuführen iſt, war wieder
Herr H. Nover, hier. In Anbetracht der nur 3 wöchi=
gen
Dauer des Kurſus ſind die künſtleriſchen reſp. kunſt=
handwerkleriſchen
Ergebniſſe als außerordentlich gute
zu bezeichnen, namentlich wird, wer die Ausſtellung der
Arbeiten des erſten Kurſus geſehen, einen ſehr bemer=
kenswerten
Fortſchritt konſtatieren können, ſodaß der
Lehrer mit dem Erfolg ſeiner gewiß außerordentlicher
Vorbereitungen bedürfenden Arbeit wohl zufrieden ſein
kann. Die Kurſusteilnehmer aber nehmen wohl alle
etwas mit in ihre Heimat, das nicht nur ihnen, ſon=
dern
dem geſamten Handwerk zum Segen gereichen
wird.
Der Zweck dieſer Ausbildungskurſe iſt zunächſt die
Wiederbelebung alter, verloren gegangener guter Hand=
werkstechniken
, wie ſie die alten Meiſter ſo gut kannten
und die heute nur noch ſelten in manchen Gegenden zu
finden ſind und ſo ungemein volkstümlich und anſpre=
chend
wirken. Zu dieſer Volkstümlichkeit gehört, daß
die Handwerker wieder lernen, mit den primitivſten
Mitteln von damals zu arbeiten, zu verzichten auf das
Raffinement der Pinſel und ſonſtigen Hilfsmittel, wie
ſie heute modern geworden. Mit einem Stück Zeitungs=
papier
, einem Lappen, Schwamm, Gänſefeder oder gar
Wirſingblatt werden die ſchönſten Muſter erzielt, wie die
vorliegenden Reſultate beweiſen, vor allem aber
mit der Hand. Weg mit der unperſönlichen Scha=
blone
! heißt es. Zeichne und male mit der Hand und
gieb dadurch deinem Können wieder den perſönlichen
Anſtrich. Und damit kommt man zu dem zweiten, un=

gleich wichtigeren, idealeren Zweck dieſer Kurſe, zur
Wiedererziehung des Handwerkers zur
Selbſtändigkeit. Zu ſelbſtändigem Schaffen ge=
hört
ein ſelbſtändiges Können, und das iſt dem Hand=
werksmeiſter
verloren gegangen zu ſeinem Schaden und
zum Schaden der ihre Kräfte in Einzelheiten verzetteln=
den
Architekten und damit zum Schaden der Allgemein=
heit
. Es gilt, einem modern gewordenen, aber durch=
aus
ungeſunden Erziehungsprinzip ein anderes ent=
gegenzuſetzen
, das der Erziehung zur Selbſtändigkeit.
Es iſt nicht angängig, daß der Architekt dem Meiſter
jede bis ins kleinſte detaillierte Zeichnung als Vorlage
in die Hände gibt und das Handwerk ſelbſt dadurch ge=
wiſſermaßen
herabwürdigt zum eigenen Schaden. Es
gilt, den Handwerksmeiſter wieder dazu zu erziehen,
was er früher leiſten konnte, nach den gegebenen Ideen
der Künſtler ſelbſtändig zu arbeiten, mit gutem Ver=
ſtändnis
den Intentionen des Architekten zu folgen und
deſſen Stilgefühl ſich anzupaſſen, aber doch ſelbſtändig
zu ſchaffen, wo ſein Handwerk allein in Frage kommt.
Die Uebung unſerer Architekten, dem Handwerksmeiſter
alle Details, auch die geringſten, genaueſt vorzuzeichnen
und zu malen, hat die Selbſtändigkeit ſehr beeinträchtigt.
Sie wieder zu heben, iſt neben der Belebung der alten
Techniken, mit denen die alten Meiſter ſo reizvolle Wirk=
ungen
erzielten, Zweck der Kurſe. Und daran hat der
Architekt ſelbſt ein lebhaftes Intereſſe, denn er kann, los=
gelöſt
von beengenden Einzelheiten, wieder ſeinem gro=
ßen
Ziele ſich ausſchließlich zuwenden. Das kann er
nur, wenn der Handwerksmeiſter völlig ſein Gebiet be=
herrſcht
, nicht nur formal.
Die Arbeiten der Kurſusteilnehmer zeigen, daß das
erreichbar iſt. Unter Berückſichtigung der Tatſache, daß
die Mehrheit der Teilnehmer nur gelernte Weißbinder,
die Minderheit Maler und nur 3 auf Schule geweſen
ſind, ſind die gefertigten Arbeiten durchaus anerkennens=
wert
und gleich ehrend für den Lehrer, wie für die Schü=
ler
, die faſt ausnahmslos mit beſtem Erfolg ſeinen In=
tentionen
zu folgen beſtrebt und in der Lage waren.

Da ſind ganz reizende Erkerausmalungen, ausnahmslos
Handmalerei, wie überhaupt alles, Decken und Wand=
bemalungen
aller Techniken und verſchiedenſter Stile.
Dabei iſt lobend hervorzuheben, daß man als Vorlagen
und Muſterbeiſpiele auch charakteriſtiſche Motive aus
verſchiedenen Gegenden des Heſſenlandes heranzog und
damit auch ein Stück Heimatkunſt lehrte. Weiter ſind
bemalte Möbel, Türen, Füllungen u. v. a. fertiggeſtellt.
Alles mit dem primitivſten Material und ohne Hilfs=
mittel
, damit der Schüler wieder Zeichnen, die Hand
als wichtigſtes Werkzeug gebrauchen lernt. Tatſächlich
ſteht das zeichneriſche Können auf hoher Stufe und auch
koloriſtiſch zeugen, mit verſchwindenden Ausnahmen, die
Arbeiten von gutem Geſchmack. Ganz reizend iſt ein im
Stile eines Tiroler Förſterzimmers gehaltener ausge=
malter
und möblierter Raum, ſtilvoll und anheimelnd.
Der Unterricht erſtreckte ſich auf die Lehre der verſchie=
denen
Techniken, Bemalung von Wand= und Decken=
flächen
, Holzteilen, Möbeln, Pinſeltechniken, Patinieren,
Faß= und Freskomalerei. In den Uebungen wurden
Temperafarben und Kaſeintechniken behandelt und gute
alte Schriften gezeichnet. Neben den praktiſchen Ar=
beiten
fanden Unterweiſungen ſtatt in Kalkulation, Ma=
terialienlehre
, über Herſtellung der zugehörigen Farben
und Bindemittel.
Für die theoretiſchen Unterrichtsſtunden hatte der Kur=
ſusleiter
, Herr Nover, eine umfangreiche Sonderaus=
ſtellung
eigener Entwürfe und Gemälde in Tempera und
Oel uſw. als Anſchauungsmaterial arrangiert. Die Ar=
beiten
des Kurſus wurden von den Herren Profeſſoren
Hoffmann, Vetterlein und Meißner von der
Techniſchen Hochſchule mit den Studierenden beſichtigt
und fanden auch hier ungeteilte Anerkennung. Am Mon=
tag
hielt der Kurſusleiter einen Vortrag mit praktiſchen
Vorführungen, der ſehr zahlreich, beſonders von Studie=
renden
, beſucht war.
Die Arbeiten der Kurſusteilnehmer werden zu einer
Ausſtellung vereint, die vom nächſten Sonntag ab
der Oeffentlichkeit zugänglich iſt,

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. Februar 1912.

Nummer 51.

wünſcht worden, die bei der nochmaligen Durchberatung
im Deutſchen Ausſchuß auch durchaus Billigung fanden,
da ſie geeignet ſind, den Ueberlandflug noch auf eine
ſtrengere ſportliche Baſis zu ſtellen. So wurde in Ueber=
einſtimmung
mit den öſterreichiſchen Wünſchen beſchloſſen,
den Start in Johannisthal bei Berlin nicht wie urſprüng=
lich
beabſichtigt, für zwei Tage feſtzulegen, ſondern, mög=
lichſt
am Vormittage des erſten Tages durchzuführen, und
zwar ſollen die Flieger in der Reihenfolge der Ausloſung
mit einer Startfriſt von drei Minuten für jeden Flieger
abgelaſſen werden. Ferner wurde den Teilnehmern die
Möglichkeit gegeben, die Strecke Berlin-Wien in einem
Tage zu abſolvieren. Es wurde die urſprünglich für den
1. Auguſt in Breslau vorgeſehene Zwangsübernachtung
geſtrichen und nur ein Mindeſt=Aufenthalt von zwei Stun=
den
vorgeſchrieben. Ferner verzichteten die Oeſterreicher
auf eine zweite Etappenſtation auf öſterreichiſchem Boden,
ſowie auf ein Ueberfliegen von Linz. Der Meldeſchluß
wurde vom 15. Mai auf den 10. Mai feſtgeſetzt und der
Nachmeldeſchluß vom 20. auf den 25. Mai hinausgeſchoben.
Ferner wurde noch die Verteilung der Preisſumme von
*80000 Mark einer kleinen Aenderung unterzogen. Unver=
ändert
blieb die Verteilung von 10000 Mark in Summen
von 5000, 3000 und 2000 Mark an die drei Erſtangekomme=
nen
des Fluges in Wien unbeſchadet ihrer Flugzeiten.
40000 Mark werden im umgekehrten Verhältnis ihrer
Flugzeiten an alle Angekommenen des ganzen Fluges in
Wien verteilt. Dagegen ſollen ſtatt der übrig bleibenden
*30000 Mark nur 20000 Mark ohne Rückſicht auf die Flug=
zeiten
an alle Flieger verteilt werden, die mindeſtens eine=
Etappe zurückgelegt haben und zwar im Verhältnis der
geflogenen Entfernung. Die reſtierenden 10000 Mk. ſollen
nun noch in Preiſen von 5000, 3000 und 2000 Mark als
Zuſatzpreiſe für die drei beſten Leiſtungen gegeben werden.
Im übrigen wurde noch auf Wunſch der Oeſterreicher be=
ſchloſſen
, daß Paſſagiere im einzelnen durch entſprechenden
Ballaſt erſetzt werden können. Ferner hatten die Oeſter=
reicher
gewünſcht, daß Start=Verſchiebung nicht beſchloſſen
werden könnte wenn zwei, reſp. drei Flieger zu ſtarten
wünſchen. Dieſe Faſſung fand unter dem Ausſchuß keine
Majorität, dagegen wurde die bisherige Faſſung, daß
Startverſchiebungen durch ſportliche Leiter im Einver=
ſtändnis
mit der Majorität der am Start erſchienenen
Flieger feſtgeſetzt werden könnte, dahin umgeändert, daß
Startverſchiebungen durch ſportliche Leiter nach Anhören
der am Start erſchienenen Flieger beſtimmt werden könnten.
Ferner wurde noch bekannt gegeben, daß für den erſten in
Wien eintreffenden deutſchen Flieger ſeitens des öſterreich=
iſchen
Induſtriellen Hermann ein Ehrenpreis von 3000
Mark geſtiftet worden ſei. Die übrigen Punkte des Aus=
ſchreibungsentwurfes
waren öſterreichiſcherſeits nicht bean=
ſtandet
und blieben daher im Weſentlichen unverändert.
Der Nordweſtdeutſche Aeroplanrund=
flug
wird, dem Beſchluß einer in Hannover abgehaltenen
ordentlichen Ausſchußſitzung entſprechend, vorausſichtlich
am 13. Juni ſeinen Anfang nehmen und fünf Tage um=
faſſen
. Am erſten Tage geht der Flug von Bremen über
Oldenburg, Osnabrück nach Münſter. Am 4. Juni iſt dort
Ruhetag. Am 5. Juni führt der Flug weiter von Münſter
über Minden nach Hannover, wo eine Zwangszwiſchen=
landung
vorgenommen wird und dann nach Braunſchweig
als Etappenſtation, wo abermals ein Ruhetag vorgeſehen
iſt. Am 7. Juni wäre dann die 3. Etappe von Braun=
ſchweig
über Lübeck nach Hamburg zu abſolvieren. In
Hamburg werden evtl. noch örtliche Wettbewerbe ver=
anſtaltet
werden. Der Wettbewerb, für den, wie gemeldet,
80000 Mark an Preiſen zur Verfügung ſtehen, ſoll auf 15
Teilnehmer beſchränkt werden.

Sport.

* Galaſportfeſt. Man ſchreibt uns: Dem am
nächſten Sonntag ſtattfindenden vom Veloziped=
Klub Darmſtadt veranſtalteten Galaſportfeſt iſt aller
Vorausſicht nach ein guter Beſuch geſichert, denn die
Nachfrage nach Eintrittskarten iſt eine ſehr rege. Es
empfiehlt ſich deshalb die rechtzeitige Beſchaffung von
Karten, da durch die Benutzung der Saalfläche zum Saal=
fahren
die Anzahl der zur Verfügung ſtehenden Plätze
immerhin nicht ſehr groß iſt. Dem Veloziped=Klub ſind
in den letzten Tagen mehrere wertvolle Preiſe für die
Wettbewerbe geſtiftet worden, ſo vom Gau 9 ( Frank=
furt
a. M.) des Deutſchen Radfahrerbundes, vom Ehren=
feſtausſchuß
und von den Herren Vornbaum, Gg. Chriſt,
Kommerzienrat Göbel, J. Weiand, A. Schmitz uſw.
Der Fußballklub Germania= Eſcholl=
brücken
arrangiert am Sonntag, den 24. März, einen
Fußball=Wettſtreit (Sechskämpfe), verbunden mit
Olympiſchen Spielen, zu welchem ſchon mehrere
Vereine ihre Beteiligung zugeſagt haben. Die Olympi=
ſchen
Spiele beſtehen in 10=Kilometer=Wettgehen, 100=,
300= und 500=Meter=Lauf, Fußball=Weitſtoß uſw. Die=
ſelben
beginnen pünktlich vormittags 9 Uhr. Das Kon=
kurrenz
=Svielen der teilnehmenden Vereine nimmt prä=
zis
12 Uhr ſeinen Anfang. Die näheren Bedingungen
werden am Delegiertentag, welcher am 17. März bei
Gaſtwirt W. Hauf ſtattfindet, bekannt gegeben. Der
feſtgebende Verein wird ſich bemühen, die wertvollen
Pokale und künſtleriſch ausgeführten Diplome nach voll=
ſtändig
unparteiiſchem Ermeſſen an die beſten Kräfte Zu
verteilen. Der ausgezeichnete Sportplatz der Germa=
nia
und deſſen günſtige Lage dürften wohl auch als An=
ziehungspunkt
gelten.
sr. Bei dem Internationalen Schach=
turnier
zu San Sebaſtian wurde die 6. Runde ge=
ſpielt
, in der bisher drei Partieen beendet wurden. Sieg=
reich
hlieb Perlis gegen Marſhall und Spielmann gegen
Dr. Tarxaſch, während Teichmann=Leonhard Remis
machten. Die beiden Partien Duris=Rubinſtein und
Forgacz=Niemzowitſch ſind noch nicht beendet. Schlechter
war ſpielfrei. Spielmann hat ſich nunmehr bereits einen
ſicheren Vorſprung geſichert, denn er führt mit 5 Punkten
vor Perlis mit 4, Rubinſtein 3½ und Dr. Tarraſch mit drei
Punkten.

Handel und Verkehr.

H. Frankfurt a. M., 27. Febr. Fruchtmarkt.
Der Wochenmarkt war trotz des geringen Angebots zur
Mattigkeit geneigt, da ebenſo mäßige Kaufluſt vorlag.
Die Mühlen klagen über den ſchlechten Konſum und
ſchränken zum Teil ihren Betrieb ein. Verhältnismäßig
gut behauptet blieb Landroggen, Mais und Futtergerſte,
während in Braugerſte nur unbedeutende Abſchlüſſe ſtatt=
fanden
. Hafer kommt jetzt mehr an den Markt, wobei
die Abgeber nur bei nachgebenden Preiſen Abnehmer
finden. Futterartikel preishaltend. Die Forderungen für
Mehl ſind williger bei mangelnder Nachfrage,
Der Mannheimer Getreidemarkt iſt ruhig.
Käufer bleiben reſerviert.

An der Berliner Produktenbörſe war Wei=
zen
anfangs leicht abgeſchwächt auf das ſchöne, ſonnige
Wetter, dann aber befeſtigt auf die unnachgiebigen For=
derungen
des Auslandes, auch Argentiniens. Roggen,
jedoch nur beſſere Sorten, war gefragt, aber von der
Provinz hochgehalten. Hafer ziemlich feſt, weil Loko= und
Provinzangebot nicht williger. Nach den letzten Kabel=
Nachrichten von den amerikaniſchen Produk=
tenbörſen
(Chicago und New=York) verkehrte Wei=
zen
in feſter Haltung auf beſſere Preiſe in Buenos Aires,
doch iſt der Schluß williger auf die enttäuſchende Nach=
frage
. Mais im Einklang mit Weizen ebenfalls ſpäter
billiger. Die ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort in dieſer
Woche von 60 Mill. Buſh. auf 59,63 Mill. Buhſ. zurückge=
gangen
, hingegen die Maisvorräte von 11,33 Mill. Buſh.
auf 13,60 Mill. Buſh. geſtiegen. In Kanada ſind in die=
ſer
Woche die Weizenvorräte von 23,08 Mill. Buſh. auf
24,01 Mill. Buſh. geſtiegen. Hier ſtellen ſich die Preiſe bei
100 Kilo wie folgt:
Weizen hieſ. und Wetterauer 21,6021,70, Kur=
heſſiſcher
21,6021,75, Laplata 2323,75, Kanſas 24 bis
24,25, Redwinter 2424,25, Manitoba 23.7524, Nordd.
21,6021,75. Ruſſiſcher 2424,50, Rumäniſcher 2424,50,
Walla Walla 23,7524,25. Roggen hieſ. 20, Ruſſiſcher
20,7521, Rumäniſcher 20,7521, Bayeriſcher 2025,20,
Amerikaniſcher unverändert. Gerſte (Pfälzer), Ried=
gerſte
, Fränkiſche, hieſ. und Wetterauer, Ungariſche un=
verändert
. Futtergerſte 1818,25. Hafer hieſ. 21, Ruſſi=
ſcher
21,5022, Rumäniſcher 21,5021,75, Bayeriſcher
2121,10, Amerikaniſcher 1919,50. Mais mixed 18,10
bis 18,25, Donaumais 18,4018,60, Weißer Mais 18,25 bis
18,50, Ruſſiſcher 18,4018,75, Rumäniſcher 18,4018,60,
Laplata 18,3018.50, Weizenkleie 13,5013,90, Futter=
mehl
1616,50. Weizenſchalen 13,7514, Roggenkleie
14,2514,50. Biertreber getrocknet 15.2515,50, Weizen=
mehl
hieſ. Nr. 0 3131,25. feinere Marken 31.5031,75,
Nr. 1 30,2530,50, feinere Marken 30,7531, Nr. 2 29.25
bis 29,50. feinere Marken 29,7530, Nr. 3 27,2527,50,
feinerd Marken 27,7528, Nr. 4 23,5023,75, feinere
Marken 2424,25, Roggenmehl hieſ. Nr. 0 27,5028,
Nr. 1. 25,7526,25, Nr. 2 22,2522,75.

Stimmen ans dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktios
ſeinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Unter Bezugnahme auf die in der Stadtverord=
netenverſammlung
vom 22. d. M. ſtattgefundenen Ver=
handlungen
über den demnächſt einzuführenden Zonen=
tarif
muß ſich eigentlich jeder Bewohner von Darm=
ſtadt
erſtaunt fragen, wie will die Bürgermeiſterei und
Stadtverordnetenverſammlung das verantworten kön=
nen
, daß ein Stadtteil, wie der ſüdliche, ehemals Beſſun=
gen
, ſowohl bei der Verlegung der Bahnhöfe, als auch
jetzt. bei der Einführung eines Zonentarifs für die Stra=
ßenbahn
, gegen die übrigen Stadtteile ſo ſehr geſchädigt
werden ſoll. Die Geſchäftsleute und Bewohner des ſüd=
lichen
Stadtteils haben ſchon durch den Verluſt des
Güterbahnhofs am Südbahnhof vom 1. Mai d. J. ab
einen ganz außerordentlichen Schaden. Nun ſoll durch
die zu bildende Aktiengeſellſchaft für die Straßenbahn,
bei der die Stadt zur Hälfte beteiligt iſt, ein Zonentarif
für 10. Pfg. zur Einführung kommen, wonach nun um
die bewohnte Stadt ein Kreis gezogen und nur ein Teil
ausgeſchloſſen wird. Es iſt dies der dichteſt bevölkerte
Teil des ſüdlichen Stadtteils, welcher gegen alle übri=
gen
Bewohner der Stadt 15 Pfg. für die Fahrt nach dem
Bahnhof, alſo 50 Prozent mehr, zahlen ſoll. Ein
kluger Stadtvater mutete den Bewohnern der oberen
Beſſunger= Sandberg=, Weinberg=, Moosberg= Lands=
kron
=, Herder= und Orangerieſtraße zu, wenn ſie für 10
Pfennig fahren wollten, nach der Heidelbergerſtraße zu
laufen. Die Bewohner der genannten Straßen, die nach
den Linien der Heidelbergerſtraße näher haben, als nach
der blauen Linie (Ludwigshöhſtraße), die werden von
ſelbſt, ohne Weiſung des klugen Herrn Stadtvaters, ſich
nach der Heidelbergerſtraße bemühen. Aber die übrigen,
denen kann man doch nicht zumuten, den Weg zu machen,
um ſo weniger, wenn die blaue Linie an ihnen vorbei=
fährt
. Welchen Zweck hätte dann die Strecke Nieder=
ſtraße
, Landskronſtraße noch?
Hoffentlich beſinnen ſich der Herr Oberbürgermeiſter
bei der nochmaligen Verhandlung ſowohl als auch die
Herren Stadtverordneten bei der demnächſtigen Abſtim=
mung
, und ſorgen dafür, daß die dem ſüdlichen Stadt=
teil
wiederholt aufzuerlegende Extrabelaſtung wohl ge=
plant
war, aber nicht zur Ausführung kommen kann.
B. v. B.

Der engliſche Kohlenarbeiterſtreik.

* London, 27. Febr. Die allgemeine Auffaſſung
über den Kohlenarbeiterſtreik iſt immer noch
hoffnungsvoll. Die Hauptſchwierigkeit liegt augen=
ſcheinlich
in der unzugänglichen Haltung der Waliſer Koh=
lengrubenbeſitzer
in der Frage des Mindeſtlohns. Die Re=
gierung
hat beide Seiten zur Verſchwiegenheit verpflichtet.
* London, 27. Febr. Die Regierung veröffent=
lichte
eine Mitteilung, nach welcher Asquith und ſeine
Kollegen heute mittag mit den Vertretern der Bergarbeiter
zuſammentrafen. Nachdem er die Erklärungen der Dele=
gierten
gehört hatte, regte Asquith an, daß ein kleineres
beratendes Komitee zwecks der weiteren Verhandlungen
mit der Regierung gebildet würde. Dieſes Komitee, das
ſich aus Mitgliedern des Exekutivausſchuſſes und des Berg=
arbeiterverbandes
zuſammenſetzt, kam um 3½ Uhr mit
Asquith und ſeinen Kollegen zuſammen. Um 7 Uhr fand
eine Beſprechung zwiſchen den Vertretern des beratenden
Ausſchuſſes der Bergwerksbeſitzer und den Miniſtern ſtatt.
Die Beſprechung wird morgen fortgeſetzt werden.
* London, 27. Febr. Die Konferenz des Bergarbei=
terverbandes
beſchloß einſtimmig, daß alle Delegierten der
Konferenz im Auswärtigen Amt beiwohnen und der Prä=
ſident
und der Vizepräſident im Namen des Verbandes
prechen ſollten.
* London, 28. Febr. Nach der Times kündigte der
Premierminiſter in der geſtrigen Verhandlung
mit den Bergleuten an, daß die Regierung bereit
ſei, wenn die Umſtände es erforderten, mit einem beſtimm=
ten
Plane hervorzutreten. Der Inhalt dieſes Planes
wurde ſpäter den Vertretern der Arbeitgeber und Arbeiter
bekannt gegeben, iſt aber nicht veröffentlicht worden. Die
geſtrige Meldung, daß die Arbeitgeber und Arbeiter an
einer gemeinſamen Beratung teilnehmen würden, hat ſich
als irrig erwieſen. Die gemeinſame Beratung hat nicht
ſtattgefunden, obwohl die Arbeitgeber und die Arbeiter
unter demſelben Dache beraten haben.
* London, 28. Febr. Die Times ſchreibt in ihrem
Leitartikel, daß die Lage in der Kohlenkriſis eine
Wendung, wenn auch keine entſcheidende, genommen habe.

Beiden Parteien ſeien gewiſſe neue Vorſchläge ge=
macht
worden, über die geſtern abend ausführlich verhan=
delt
wurde. Die Vorſchläge hätten ohne Zweifel Bezug
auf die Feſtſetzung von Minimallöhnen. Da das Geheim=.
nis ſehr ſtreng gewahrt werde, könne man nicht beurteilen,
ob die Ausſichten für eine Einigung gut oder ſchlecht ſeien.
Jedenfalls ſei die Fortſetzung der Verhandlungen kein un=
zünſtiges
Zeichen, auch wenn heute noch keine Einigung
erzielt würde. Selbſt wenn der Streik wirklich beginnen
ſollte, würde doch die Perſpektive durch die Tatſache ge=
ändert
, daß Verhandlungen begonnen ſeien. Die Ver=
handlungen
könnten auch während des Streiks fortgeſetzt
werden, denn die Wirkung eines Kohlenſtreiks würde ſich
im Gegenſatz zu einem Eiſenbahnſtreik nicht ſofort fühlbar
machen.

Der italieniſch=türkiſche Krieg.

* Konſtantinopel, 27. Febr. Wie es heißt, hat
der Miniſter des Aeußern bei dem geſtrigen diplomati=
ſchen
Empfana betont, daß die Türkei jedem etwaigen
Drucke der Mächte, um eine Einſtellung der
Feindſeligkeiten herbeizuführen, Widerſtand
leiſten werde. Der Miniſter meinte, ein ſolcher Druck
könnte eine Volkserhebung hervorrufen und ſollte viel=
mehr
in Rom ausgeführt werden.
* Konſtantinopel, 27. Febr. Heute wurde ein
Miniſterrat einberufen, der die mit der Aus=
weiſung
der Italiener zuſammenhängenden
Fragen beriet, und u. a. beſchloß, die Ausweiſung auch
auf die im Libanon anſäſſigen Italiener auszudehnen.
* Konſtantinopel, 27. Febr. Der Miniſter des
Innern veröffentlicht die Namen der Opfer von Bei=
rut
: Ein Offizier und 20 Matroſen von dem Ain
Illah ſind getötet, ein Offizier und 20 Matroſen wer=
den
vermißt, 8 Offiziere und 14 Matroſen ſind ver=
wundet
worden. Von der Bevölkerung ſind 56 Perſo=
nen
getötet und 58 verwundet worden. Drei Perſonen,
unter ihnen ein ruſſiſcher Jude, wurden durch Meſſer=
ſtiche
getötet.
* Konſtantinopel 28. Febr. Laut nachträg=
lichen
authentiſchen Informationen über die vom Mi=
niſterrat
beſchloſſene Ausweiſung der Ita=
liener
aus den Wilajets Aleppo, Syrien, Beirut und
dem Sandſchak Jeruſalem ſind von der Ausweiſung
nur jene Ortsgeiſtlichen ausgenommen, die einem unter
dem Schutze anderer Mächte ſtehenden Inſtitute ange=
hören
. Dagegen müſſen die Geiſtlichen jener Inſtitute,
die unter dem Schutze Italiens ſtehen oder ſtanden und
erſt kürzlich unter das Protektorat anderer Mächte ge=
ſtellt
worden ſind, das Land verlaſſen.

Die Revolution in China.

* Peking, 27. Febr. Die Delegierten zur Feſtſtel=
lung
der künftigen Verfaſſung ſind hier eingetroffen
und werden morgen mit ihren Beratungen beginnen, die
ſich mit der Verfaſſung, der Zuſammenſetzung der Re=
gierung
und der Beſtimmung der Hauptſtadt beſchäftigen
ſollen. Es wird angenommen, daß die Delegierten Peking
als Hauptſtadt belaſſen werden. Nach einer Konſular=
depeſche
aus Nanking machte Juanſchikai Sunyat=
ſen
die Mitteilung, daß eine internationale Bankgruppe
die Gewährung einer Anleihe in Höhe von 20 MillTaels
angeboten habe. Er werde daher demnächſt 4Miſlionen
Taels nach Nanking ſchicken, um die republikaniſchen= Sol=
daten
zu bezahlen, die insgeſamt 300000 Mann zählten
und eine nationale Gefahr darſtellen würden, wenn man
ſie nicht bezahle und vorſichtig behandeke.
* London, 27. Febr. Die Times maldet aus
Peking vom 27. Februar: Die Delegierten aus Nan=
king
trafen heute hier ein und wurden mit allen Ehren
empfangen. Am Nachmittag begaben ſie ſich zu Juan=
ſchikai
und überreichten ihm die Urkunde über ſeine
Wahl zum proviſoriſchen Präſidenten der chineſiſchen Re=
publik
, wobei ſie ihn aufforderten, zur Eidesleiſtung nach
Nanking zu kommen. Juanſchikai nahm das Amt an
und verpflichtete ſich zur feierlichen Amtseinführung nach
Nanking zu kommen, wenn die Umſtände ſeine Abreiſe=
erlauben
würden. Vor ſeiner Abreiſe wird Juanſchikat
mit Tſai Junan Pai über die Bildung eines Koalitions=
miniſteriums
verhandeln, das aus Miniſtern der zwei
jetzt beſtehenden Kabinette zuſammengeſetzt werden ſoll.
Die Verhandlungen über eine ausländiſche Anleihe ſind
wieder aufgenommen worden. Die Anleihe ſoll inter=
national
ſein. Nicht nur engliſche, deutſche, franzöſiſche
und amerikaniſche Banken, ſondern auch ruſſiſche und ja=
paniſche
ſollen beteiligt ſein. Die erſtgenannten haben
bereits zugeſtimmt.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Burean.)
* München, 28. Febr. Bei der heutigen Präſiden=
tenwahl
in der Zweiten Kammer wurden bei
der Wahl zum erſten Präſidenten 158 Zettel abgegeben.
Davon entfielen 92 auf den bisherigen Präſidenten Dr.
v. Orterer, einer auf den Abg. v. Fuchs (Zentr.), 63
Zettel waren weiß, 2 ungültig. Dr. Caſſelmann (lib.)
und v. Vollmar (Soz.) hatten ihren politiſchen Freunden
erklärt, daß ſie ſich an der Präſidentenwahl nicht beteiligen
würden. Bei der Wahl des erſten Vizepräſidenten wurde
der Abg. v. Fuchs (Zentr.) mit 92 Stimmen, bei der
Wahl des zweiten Vizepräſidenten Abg. Frank= Wei=
den
(Zentr.) mit 83 Stimmen gewählt. Die Abgeord=
neten
nahmen die Wahl an.
* Koblenz, 28. Febr. Heute morgen wurde auf dem
Hofe des hieſigen Gefängniſſes der Arbeiter Liliſa hin=
gerichtet
, der am 27. Oktober vorigen Jahres den
Landwirt Hürten in Münſtermaifeld ermordet hatte.
* Bückeburg, 27. Febr. Der Landtag für
Schaumburg=Lippe beſchloß, bei dem Geſetz betr.
die Aufſicht über die Privatſchulen, den Paſſus in dem
Entwurf, der die Aufſicht über den Religionsunterricht
den kirchlichen Behörden überträgt, zu ſtreichen mit 9 ge= 6 Stimmen.
* Stockholm, 28. Febr. Die Kronprinzeſſin iſt
heute früh von einem Prinzen entbunden worden.
Mutter und Kind befinden ſich wohl.
* Stockholm, 28. Febr. Der Staatsrat hat be=
ſtimmt
, daß der neugeborene Prinz Bertil Guſtav Os=.
kar Karl Eugen Herzog von Halland heißen ſoll.
* Wien, 28. Febr. Ein aus Paris mit dem Schnell= heute morgen hier eingetroffener Juwelen=.
händler Lövi hat der Polizei angezeigt, ihm
ſeien während der Reiſe Perlen und Brillanten im Werte
von einer Viertelmillion Franken und außerdem 3800
Franken in bar geſtohlen worden. Der Beſtohlene trug
die Juwelen in einer Brieftaſche in der inneren Bruſts
taſche ſeines Rockes an einer Sicherbeitskette.

[ ][  ][ ]

Nummer 51.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. Februar 1912.

Seite 7.

* Panama, 28. Febr. Staatsſekretär Knox iſt hier
eingetroffen und hat einen herzlichen Empfang gefunden.
In ſeiner Anſprache erklärte er, es ſei der Wunſch der
Vereinigten Staaten, mit den romaniſchen Republiken in
Freundſchaft zu leben. Die Vereinigten Staaten ſtrebten
weder nach der Souveränität noch nach Territorialbeſitz
in dem romaniſchen Amerika.

H. B. Berlin, 28. Febr. Vor der erſten Strafkam=
mer
des Landgerichts I hat heute vormittag der große
Spielerprozeß Stallmann, Metternich und
Genoſſen ſeinen Anfang genommen. Die Verhandlun=
gen
finden des großen Andranges wegen im alten
Schwärgerichtsſaale des Moabiter Juſtizpalaſtes ſtatt.
Paris, 28. Febr. In der Gegend von Cumieres
und Hautevilles in der Champagne wurden die Wein=
berge
mehrerer Winzer von ausſtändigen Arbeitern
vollſtändig vernichtet.
Toulon, 28. Febr. Der Zolldirektor von Toulon
wurde geſtern plötzlich geiſteskrank. Er beſuchte
den Marinepräfekten und diktierte dem Admiral ſein
Teſtament, in dem er die Miniſter mit Legaten bedachte.
Man brachte ihn in eine Anſtalt.
H. B. Genf, 28. Febr. Geſtern nachmittag gegen
1 Uhr wurde in Zürich an einem Juwelier in der Bahn=
hofſtraße
ein Raubmord verſucht. Ein Fremder trat
in den Laden, um einen Ring zu kaufen. Als der Ju=
welier
ihm den Gegenſtand vorlegen wollte, zog das In=
dividuum
ein ſcharfes Meſſer und brachte dem Juwelier
eine ſchwere Wunde an der Kehle bei. Trotzdem gelang
es dem Ueberfallenen um Hilfe zu rufen. Der Verbrecher
ergriff darauf die Flucht. Es gelang jedoch, ihn in der
Nähe des Bahnhofes zu ſtellen, da Paſſanten auf, die
Hilferufe des Juweliers ſofort die Verfolgung aufnah=
men
. Der Verbrecher wurde der Polizei überliefert. Bei
ihm wurde ein Revolver vorgefunden.

Scotts Emulſion
enthält in vollkommen leicht verdaulicher,
wohlſchmeckender Form die zur Feſtigung
eines zarten Knochenbaues und zur Zahn=
bildung
nötigen Aufbauſtoffe. Dies erklärt
die ausgedehnte= Anwendung von Scotts
Emulſion ſeitens der Herren Arzte
ner int uit
in der Kinderpraxis, dieſer Marte
dem Fiſcher
demKennzeichen
wenn eine dauernde Kräftigung des des Seottſchen
Knochenbaues herbeigeführt werden ſoll. Verfahrens.
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(125a

Dankſagung.
Für die beim Hinſcheiden meines lieben, guten
Mannes, unſeres Vaters
(4903
Herrn Theodor Jordan
Großh. Hoflackierer
bewieſene herzliche Teilnahme, ſagen wir hiermit
Allen innigſten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Katharina Jordan, geb. Struth.
Darmſtadt, den 28. Februar 1912.

rodes-Anzeige.
Heute mittag entschlief nach
kurzem, schwerem Leiden, im 82.
Lebensjahre unsere liebe Schwester,
Schwiegermutter, Schwägerin und
Tante
(4970

Frau Hofgerichtsadvokat

Darse SrobTrrodon
geb. Lauteschläger.

Darmstadt, 28. Februar 1912.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet Freitag, 1. März,
nach vorhergegangener Einsegnung im
Trauerhause, um 2¼ Uhr statt.

Todes-Anzeige.

Verwandten und Bekannten die ſchmerz=
liche
Nachricht, daß meine liebe Frau, unſere
Schweſter, Schwägerin und Tante
(4947
Kätha Reh
geb. Edelmann
geſtern morgen nach längerem Leiden plötzlich
durch einen ſanften Tod erlöſt wurde.
Um herzliche Teilnahme bittet
Namens der trauernden Hinterbliebenen:
Adolf Reh.
Dieburg=Darmſtadt, 28. Februar 1912.
Die Beerdigung findet Freitag, vormittags
11 Uhr, vom Portale des Darmſtädter Fried=
hofes
aus, ſtatt.

Todes-Anzeige.
Heute nacht verſchied nach ſchwerem Leiden
unſere gute Mutter, Schwiegermutter und
Großmutter
(*4945
Frau
Katharme Meister wiend
geb. Reitz
im 72. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Eliſe Weißheimer, geb. Meiſter,
Jean Weißheimer,
Elſe Weißheimer.
Darmſtadt, den 28. Februar 1912.
Die Beerdigung findet Freitag nachmittag
2¼ Uhr, vom Portale des Friedhofes aus, ſtatt.

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Die Leſehalle iſt geöffnet an Wochentagen von
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Heute abend 7½ Uhr entſchlief plötzlich
und unerwartet infolge eines Herzſchlages mein
lieber guter Mann, unſer treubeſorgter Vater,
Großvater, Schwiegervater, Bruder und Onkel
Herr
Ronther Holhrich Fonter
Ritter p. P.
im faſt vollendeten 74. Lebensjahre. (B4967
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen.
In deren Namen:
Babette Fehrer, geb. Hildebrand.
Darmſtadt, 27. Februar 1912.
Die Einſegnung findet ſtatt im Trauerhauſe,
Heidelbergerſtraße 105, Donnerstag nachmittag
6 Uhr. Die Einäſcherung am Freitag in Offen=
bach
a. M., nachmittags 1 Uhr.
Kondolenzbeſuche dankend verbeten.

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Verwandten, Freunden und Bekannten die
traurige Mitteilung, daß unſer lieber Vater
Herr Christian Trautmann
Fuhrmann
im Alter von 57 Jahren nach kurzem, aber
ſchwerem Leiden, in die Ewigkeit abgerufen
wurde.
(4969
Die trauernden Hinterbliebenen:
Ph. Trautmann und Familie,
Jakob Trautmann,
Familie Bühler,
Familie Laux,
Familie Gärtner,
Marie Trautmann,
Darmſtadt, den 28. Februar 1912.
Die Beerdigung findet am Freitag, nachmit=
tags
2½ Uhr, vom Portale des Friedhofes
aus, ſtatt.

Gottesdienſt der israelitiſchen Religiousgemeinde.

Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 1. März:
Vorabendgottesdienſt 5 Uhr 45 Min.
Samstag, den 2. März:
Morgengottesdienſt ½9 Uhr Nachmittags 4 Uhr
Jugendgottesdienſt und Predigt. Beginn des Purim=
feſtes
und Sabbatausgang 6 Uhr 50 Min.
Sonntag, den 3. März:
Morgengottesdienſt 7 Uhr 15 Minuten.

Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.

Samstag, den 2. März:
Vorabend 5 Uhr 30 Min. Morgens 8 Uhr. Nach=
mittags
4 Uhr. Sabbatausgang 6 Uhr 55 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 3. März, an:
Morgens 6 Uhr 30 Min. Nachmittags 5 Uhr. 45 Min.
NB. Sonntag, den 3. März (Purim):
Morgens 6 Uhr 25 Min. Nachmittags 5 Uhr 30 Min.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Unter dem Einfluß von Randwirbeln des nördlichen
Tiefs fielen in ganz Mitteleuropa mit wenigen Aus=
nahmen
Niederſchläge. Infolge ſüdlicher Winde ſtieg die
Temperatur im Oſten weiter an. Wir werden vorlaufig
wohl unter der Herrſchaft des ſüdlichen Hochs keine
weſentliche Aenderung der herrſchenden Witterung be=
kommen
.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den
29. Februar: Wechſelnd bewölkt, meiſt trocken, mild
Weſtwind.

Tageskalender.

Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Außer Abonnement):
Arda
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vortrag von Profeſſor Dr. Sonne um 8¼ Uhr im
Saal 326 der Techn. Hochſchule (Volksbildungsverein).
Konzerte: Kölniſcher Hof um 6 Uhr, Hotel Heß
und Bürgerkeller um 8 Uhr. Reſtaurant Metropol
um ½ 8 Uhr.

Verſteigerungskalender.
Freitag, 1. März.

Hofreite=Verſteigerung des Jakob Petri ( Lieb=
frauenſtraße
) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Hofreite=Verſteigerung des Hch. Jacoby ( Luiſen=
ſtraße
) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 9 und 3 Uhr
Grüner Weg 30.
Nutz= und Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr
in der Turnhalle am Woogsplatz.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. Februar 1912.

Nummer 51.

Zweite Kammer der Stände.

6. Sitzung.
St. Darmſtadt, 28. Februar.
Am Regierungstiſch: Staatsminiſter Ewald Exz.,
Finanzminiſter Braun Exz., Miniſter des Innern
von Hombergk zu Vach Exz., Geheimeräte Dr.
Weber, Wilbrand, Dr. Becker, Beſt, Geh. Ober=
finanzrat
Dr. Rohde, Legationsrat Neidhart.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um 9¼
Uhr. Das Haus tritt alsbald in die Tagesordnung ein
und ſetzt die Generaldebatte über den Hauptvor=
anſchlag
fort.
Abg. Ulrich:
Die Finanzlage iſt jetzt von zwei Seiten geſchildert
worden. Der Herr Finanzminiſter und der Abg. Dr.
Oſann haben ſie ſehr roſig geſchildert, von den anderen
Rednern iſt allerdings etwas Waſſer in den Wein gegoſſen
worden. Ich möchte weder der einen, noch der anderen
Seite zuſtimmen. Ich bin überhaupt der Meinung, daß
man ein abſchließendes Urteil nicht abgeben kann, be=
vor
man nicht weiß, wie es mit der Schuldentilgung
und mit der Beamtenbeſoldung iſt. Gerade die letztere
iſt ſehr wichtig. Wenn man die dringenden Wünſche
der Beamten nicht erfüllen kann, iſt unſere Finanzlage
traurig. Wir ſind aber der Meinung, daß die Wünſche
der Beamten ſehr wohl erfüllt werden können, ja, daß
das ſchon längſt hätte geſchehen müſſen bei einigermaßen
gutem Willen der Regierung, und zwar durch ander=
weite
Progreſſion in der direkten Steuer, in der Ver=
mögensſteuer
, die nur die Reichen treffe. Wenn die
Regierung dieſes Verlangen kurzerhand abtut mit dem
Bemerken, daß wir auch entſprechende Vorſchläge ſol=
cher
Progreſſion machen mögen, ſo kann ich darauf ver=
weiſen
, daß wir ſchon vor zehn Jahren praktiſche Vor=
ſchläge
gemacht haben, daß die Ausarbeitung aber Sache
der Regierung iſt. Wenn wir die Mehrheit in der Kam=
mer
hätten, würden wir die Regierung ſchon zu zwin=
gen
wiſſen, dieſe Arbeit zu übernehmen. Dann wäre
die Regierung nicht mehr die Geſchäftsführung der
ſogen. ſtaatserhaltenden Parteien. Es wird auch noch
dahin kommen, wenn wir es auch nicht erleben.
Wenn man die Voranſchläge der letzten Jahre an=
ſieht
, ergibt ſich die bezeichnende Tatſache, daß die Ver=
waltungskoſten
jährlich um 1800000 Mark ſteigen. An
ſich iſt dieſe Tatſache durchaus nicht beklagenswert, denn
ſie liegt in der Entwickelung der Dinge überhaupt und
in der Verpflichtung des Staates, für die Bedürftigen
zu ſorgen. Was aber zu denken gibt, iſt die Tatſache,
daß damit nicht gleichen Schritt halten die regelmäßi=
gen
Einnahmen aus direkten Steuern. Hier haben wir
jahrelang ein Manko zu verzeichnen, das gedeckt wer=
den
mußte aus den Ueberſchüſſen der Bahnen, die an

ſich gar keine Ueberſchüſſe waren. Dieſe Ueberſchüſſe
aus den Bahnen ſind nicht derart, daß man mit gutem
Gewiſſen für deren Verwendung zu allgemeinen Staats=
zwecken
ſtimmen kann. Wenn man Ueberſchüſſe, die
eigentlich keine ſind, derart verwendet, nennt man das
im Kaufmänniſchen eine Art Raubbau, der zum Banke=
rott
führt. In der Entwickelung der Schulden zeigt ſich
das Spiegelbild dieſer verkehrten Finanzpolitik. Sie
zeigt, daß wir ſeit Beſtehen der Eiſenbahngemeinſchaft
wohl 33 Millionen Ueberſchüſſe für allgemeine Staats=
zwecke
verwendeten, daß wir aber auch zu gleicher Zeit
98 Millionen neue Schulden gemacht haben. Allerdings
ſind das zum großen Teil werbende Schulden. Wenn
man aber den Vertrag kaufmänniſch abgeſchloſſen hätte,
etwa derart, daß zunächſt die beiderſeitigen wirklichen
Einlagen verzinſt und dann, nach Abzug aller Koſten,
die Ueberſchüſſe geteilt würden, dann käme doch eine andere
Ziffer für Heſſen heraus, als ſie jetzt der große Bruder
Preußen abgibt. Das Verhältnis 98:2 kann heute keine
Gültigkeit mehr haben, weil man damals mit ganz an=
deren
Ziffern rechnete. Das wird nun ſchon Jahr für
Jahr erörtert, und wenn man nach dem einſtimmig ge=
faßten
Beſchluß, eine Reviſion herbeizuführen, auf
einige Gegenliebe gehofft hat, ſo iſt dieſe Hoffnung aller=
dinas
getäuſcht worden, denn man ſagt auf der anderen
Seite ganz einfach, an dem Vertrag iſt nicht zu rütteln.
Unſere Eiſenbahneinnahmen ſind die ungünſtigſten von
beinahe ganz Nord= und Süddeutſchland. Preußen er=
zielt
eine Rente von, nach den neueſten Berechnungen,
9 Prozent, Heſſen 4,4 Prozent. So lange wir noch Geld
zu 3½ Prozent bekommen, geht es, aber von dem Augen=
blick
an, wo wir ſelbſt 4 Prozent bezahlen müſſen, hört
der Verdienſt auf, ja wir müſſen noch drauflegen. Es
muß alſo mit allen Mitteln auf eine Aenderung der
Teilungsziffer in 97:3 hingearbeitet und eine öftere Re=
viſion
des Vertrages ermöglicht werden. Auch wenn
wir noch ein oder zwei Jahre ſteigende Einnahmen
haben, iſt dieſe Reviſion des Vertrages notwendia, denn
nach der ganzen Entwickelung unſeres Wirtſchaftslebens
iſt es ſicher, daß nach den Jahre der Proſperität wieder
ſolche der Not kommen.
Die eigentliche Urſache unſerer Finanzkalamität
liegt aber doch noch wo anders, ſie lieat, wie das vor
mir ſchon die Abag. Henrich und Dr. Oſann konſtatiert
haben, in der Entwickelung unſeres Beamtenorganis=
mus
, die das Land, nach einem Ausſpruch Dr. Oſanns
in Offenbach, an den Rand des Ruins bringe. Pflicht
der Regierung wäre es längſt geweſen, hier Abhilfe zu
ſchaffen, aber ich bin noch heute der Anſicht, daß bei der
ſogen. Vereinfachung der Staatsverwaltung nichts her=
auskommt
, weil ſie falſch angefaßt worden iſt. Man
hätte nicht bei den Baubeamten, ſondern bei den Mi=
niſtern
anfangen müſſen. Eine Exzellenz wäre durch=
aus
genug für Heſſen. (Heiterkeit und mehrfache Zwi=

ſchenrufe.) Ich bin der Anſicht, daß wir unſere Funktio=
näre
gut bezahlen ſollen, daß wir aber nicht drei Be=
amte
brauchen auf einem Poſten, wo einer genügt. Wir
haben in dem kleinen Heſſen 5078 Beamte. Davon ſind
1929 Akademiker. Dieſe 1929 Akademiker koſten uns
10500000 Mark, während die 3149 Nichtakademiker
6 200000 Mark koſten. Die Nichtakademiker haben meiſt
nur den Akademikern die Arbeit zu leiſten und dieſen
bleibt nur das mühevolle Unterſchreiben. (Heiterkeit.)
Gewiß gibt es auch Beamte, die ihre Pflicht voll tun
und die emſig arbeiten, aber ſehr viele könnten ruhig
auf den Inhaber bewilligt werden. Vor allem aber
ſollte man doch dafür ſorgen, daß im neuen Etat nicht
neue Stellen geſchaffen werden, wie es mit der Ver=
ſtaatlichung
der Offenbacher Polizei verſucht wird. Man
fordert hier über 9000 Mark für einen neuen Beamten,
obwohl die Mehrheit der Offenbacher Bürgerſchaft da=
gegen
iſt. Ueberdies würde die Verſtaatlichung der Po=
lizei
in Offenbach nichts ändern, vor allem nicht den
Gang der Entwickelung der ſozialdemokratiſchen Organi=
ſation
aufhalten. (Zur Begründung ſeines Standpunk=
tes
gegen die Verſtaatlichung der Offenbacher Polizei
erörtert der Redner etwa ¾ Stunden lang die ſpe=
ziellen
Verhältniſſe in Offenbach.) Er warnt beſonders
die Vertreter von Mainz und Worms, hier dem Miniſter
den kleinen Finger zu reichen, denn ſicher würde er
dann, wie Beelzebub, den ganzen Menſchen haben
wollen, und, nachdem der Anfang gemacht iſt, die Ver=
ſtaatlichung
der Polizei in den Städten durchführen.
Weiter beanſtandet Redner den für den Bureau=
beamten
des heſſiſchen Geſandten in Berlin geforderten
Betrag. Herr von Neidhart und Herr von Gagern
ſeien ohne Hilfe fertig geworden, und das waren alte
Herren. Da müßte doch der jüngere, tatkräftige Beamte
erſt recht fertig werden. Die Rechnung des Abg.
Oſann, daß die Nauheimer Millionen nur mit 1 Pro=
zent
rentieren, habe dort berechtigte Aufregung hervor=
gerufen
. Richtig ſei, daß Bad Nauheim das beſte Ge=
ſchäft
des Staates iſt. Machten wir ſolches Geſchäft
mit der Eiſenbahn, könnte man ſehr zufrieden ſein.
Zum Schluß kommt Redner noch auf die Leiſtun=
gen
des vergangenen Landtags zu ſprechen und meint,
er ſei in der Beurteilung dieſer Arbeit anderer Mein=
ung
als die Vorredner. Trotz der Kautelen haben die
Bürgerlichen doch eine erhebliche Niederlage erlitten.
Das Volk müßte erſt lernen, wo ſeine wahren Freunde
ſitzen, dann ginge es den Bürgerlichen ſchlecht. Der
Stimmenzahl nach marſchiere ſeine Partei mit dem
Freiſinn ſchon jetzt an der Spitze, und die Zunahme der
Stimmen beweiſe, daß das Volk die Geſetzgebung des
letzten Landtages verurteile und in ſeiner Mehrheit nicht
auf dem Boden des ſchwarz=blauen Blocks ſtehe.: Die
weiteren Ausführungen des Redners berühren aus=
ſchließlich
allgemein politiſche Verhältniſſe und Prinzi=

Stets frisch
in allen
Geschäften!

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ist sehr gross. Täglich werden mehr
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Nummer 51=

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. Februar 1912.

Seiter9.

pien ſeiner Dartei, ſie ſtehen mit dem heſiſchen Voran=
anſchlag
nur in ſehr bedingtem Zuſammenhang. Kurz
vor 12 Uhr ſchließt der Redner.
Nach der Pauſe ſpricht zunächſt
Staatsminiſter Ewald Exz.:
Meine Herren! Der Herr Abg. Ulrich hat der Reichs=
und der Landesregierung im Verlaufe ſeiner Ausführ=
ungen
mehrfach den Vorwurf gemacht, als ob ſie ihre
Schuldigkeit gegen die Minderbemittelten, beſonders
gegen die Arbeiterbevölkerung, nicht getan hätten. Ich
möchte demgegenüber hier nur an einige Zahlen erinnern,
die zum mindeſten das Gegenteil beweiſen. Denken Sie
an die Verſicherungsgeſetzgebung des Deutſchen Reiches,
und welche Summen durch dieſe der Bevölkerung zugute
gekommen ſind. Es ſind in den Jahren 1895 bis 1910
über drei Milliarden mehr an die Verſicherten
aller Zweige an Entſchädigungen ausgezahlt wor=
den
, als ſie ſelbſt Beiträge gezahlt haben. (Hört, hört!)
Dazu konnte ein Vermögen von über zwei Mil=
liarden
Mark angeſammelt werden, und 729
Millionen ſind für Krankenhäuſer, Erholungsheime,
Arbeiterwohnungen und dergleichen aufgewendet wor=
den
. Das ſind Tatſachen, die doch nicht aus der Welt
geſchafft werden können und Ergebniſſe, auf die die
Geſetzgebung des Deutſchen Reiches ſtolz ſein kann.
(Sehr richtig!) Noch keine andere Nation hat
ſolche Opfer gebracht, als die deutſche Induſtrie
und das deutſche Volk. Das den Aeußerungen des Abg.
Ulrich entgegenzuhalten, halte ich doch hier für zweck=
mäßig
, obwohl wir hier keine Reichspolitik machen.
(Beifall.)
Der Abg. Ulrich hat weiter die Behauptung aufge=
ſtellt
, er halte Demonſtrationsumzüge für not=
wendig
, weil ſie geeignet ſeien, den Regierenden das
Gewiſſen zu ſchärfen. Meine Herren! Zu dieſem Zwecke
halte ich Demonſtrationsumzüge ganz und gar nicht für
notwendig. Politik wird hier im Hauſe ge=
macht
und im Reichstag (Sehr richtig!), und ich meine,
der Abg. Ulrich könnte ſich nach ſeiner eigenen Erfahrung
von heute vormittag gewiß nicht darüber beſchweren,
daß die Sozialdemokraten nicht genügend zu Worte
kommen. (Lebh. Sehr richtig! Heiterkeit. Abg. Ulrich:
Das wäre auch noch ſchöner. Unruhe.) Die Sache hat
aber noch eine ſehr ernſte Seite. Alle Demonſtrationen
laſſen ſich nicht in dem Rahmen halten, wie ſie beabſich=
tigt
ſind und meiſt verlieren die Arrangeure die Macht
über die aufgeregte Menge. (Sehr richtig!) Ich erfahre
fortgeſetzt von Familien, welch namenloſes Elend und
Unglück Leuten, die an ſolchen Demonſtrationen teilnah=
men
, ſpäter daraus entſprungen iſt. Und ich kann den
Herren der Sozialdemokratie, die in dieſer Beziehung
Einfluß haben, nur ſagen, ſie tun ein gutes Werk, wenn
ſie vor ſolchen Demonſtrationen warnen. (Sehr richtig!
Abg. Ulrich: Das tun ſie!)
Dagegen ſtimme ich mit dem Abg. Ulrich durchaus
darin überein, daß wir noch immer mehr ſparen
müſſen. Doch muß ich widerſprechen, wenn der Abg.
Ulrich alles, was bis jetzt in dieſer Hinſicht geſchehen iſt,
als gar nichts bezeichnet. Wir ſtehen doch erſt am An=
fang
der Vereinfachungsorganiſation und arbeiten darin
erſt ein Jahr lang. Es iſt unverſtändlich, wie man da
die bisher erzielten Ergebniſſe als ein Garnichts be=
zeichnen
kann. Ich erinnere an die Aufhebung von
Strafanſtalten und die Vereinigung von Gerichtsdiener=
mit
Gefangenenwärterſtellen (Vereinfachung des Straf=
vollzugs
), wodurch 30000 Mark Erſparniſſe erzielt wur=
den
; weiter an die 26600 Mark Erſparniſſe, die durch die
Vereinfachung der Oberrechnungskammer erzielt wur=
den
; an die 12000 Mark, die durch Neuorganiſation der
Lokalkaſſenverwaltung, Verminderung der ländlichen
Bezirskaſſen; an die 25732 Mark, die durch Organiſation
der Gendarmerie, und an die 60395 Mark, die durch
Neuorganiſation der Oberförſtereien erzielt wurden und
dergleichen mehr.
Meine Herren! Das iſt doch nicht Garnichts Man
kann doch nicht verlangen, daß Heſſen nun auf einmal ſeine
ſämtlichen Beamten entläßt. Das iſt doch unmöglich und
es kann nur allmählich und maßvoll geſchehen. Sämtliche
Reſſorts haben ſchon auf einen vortragenden Rat verzichtet,
das Miniſterium des Innern gar auf drei Beamte. Und ich
bin durchaus nicht abgeneigt, dieſe Organiſation fortzuſetzen,
wenn ſich weitere Möglichkeiten zeigen ſollten. Und ich
halte es für ein Unrecht, es vor dem Lande ſo darzuſtellen,
als ob es uns am ernſten Willen mangelt zum Sparen und
mit einer äußerſt beſcheidenen Zahl von Beamten auszu=
kommen
. Es iſt auch nicht richtig, daß wir nur unten
ſparen. Die Oberrechnungskammer beweiſt, daß wir auch
obere Beamten zu erſparen ſuchen.

Zwei Redner haben mit Recht hingewieſen auf die
unverhältnismäßig hohe Steigerung der Koſten für Schreib=
gehilfen
, die in 30 Jahren von 182000 auf 500000 Mark
angewachſen ſind. Das iſt zunächſt eine Folge der ge=
ſteigerten
Arbeitslaſt. Die Zunahme der Bevölkerung hat
auch eine Zunahme der Gerichtsſachen zur Folge. Zum
größten Teil liegt es aber auch an der Organiſation des
Schreibgehilfenweſens und ich hoffe, daß wir in Zukunft
etwas billiger arbeiten. Im Juſtizreſſort betrugen die
Koſten für die Schreibgehilfen im Jahre 1890:82000 Mark,
1895 nach Einführung einer beſſeren Vergütung 124000
Mark. 1897 wurde zum erſten Male vorgeſchlagen, den
Schreibgehilfen, die das 35. Lebensjahr erreicht haben und
auf 15jährige tadelloſe Dienſtzeit zurückblicken, 1200 Mark
Vergütung zu bewilligen. Später wurde das wieder ge=
ändert
aufs 30. Lebensjahr und 10 Jahre tadelloſer Dienſt=
zeit
. Das hatte zur Folge, daß die Koſten der Juſtiz=
ſchreibhilfe
, die im Jahre 1898 155000 Mark betrugen,
im Jahre 1911 auf 514025 Mark ſtiegen, während für 1912
560 100 Mark vorgeſehen ſind. Würden wir ſo fortfahren
mit den Anſtellungen wie ſeither, ſo würden im
nächſten Jahre weitere 118 Schreibgehilfen im Juſtizdienſt
angeſtellt werden müſſen. Das geht doch nicht. Das
machen andere Länder auch nicht. Ich verweiſe auf Preu=
ßen
, Bayern, Württemberg, Sachſen uſw. Hier muß alſo
eine Aenderung unbedingt eintreten. Ich bin aber auch
der Anſicht, die die Herren Henrich und Molthan hier ver=
treten
haben, daß wir durch Schaffung entſprechender Ueber=
gangsbeſtimmungen
den Uebergang tunlichſt mildern und
den jetzt kurz vor der Anſtellung Stehenden irgend welche
Vorteile gewähren müſſen. Aber darauf müſſen wir hin
arbeiten, daß die Zahl der definitiv angeſtellten Schreib=
gehilfen
feſtgeſetzt wird, ſonſt kommen wir zu einer Zahl,
die über unſere Verhältniſſe weit hinausgeht. (Sehr richtig!)
Der Abg. Ulrich wird ja wohl damit nicht einverſtan=
den
ſein. Seine Wünſche gingen ja auf Beſeitigung von
Miniſtern hinaus. Man hat ſchon einmal den Verſuch ge=
macht
, mit einem Miniſter zu arbeiten, das war
zur Zeit des Staatsminiſters Starck. Es trat damals
eine Kommiſſion aus 14 Herren, Beamten und Abgeord=
neten
, zuſammen, und mit 11 Stimmen, unter
Führung des Präſidenten der Zweiten Kam=
mer
, wurde der Vorſchlag verworfen. Und gerade der
Abg. Weber=Offenbach war derjenige, der wünſchte, daß
der Großherzog nicht nur von einem Manne
beraten würde (Hört, hört), und daß hier für jeden
Zweig der Verwaltung Männer als verantwortlich Rede
und Antwort ſtehen. Denn darüber muß man ſich doch
klar ſein, daß es unmöglich iſt für eine Perſon, die ganze
Verwaltung eines Landes wie Heſſen zu beherrſchen. Das
iſt keine Organiſation, ſondern eine Desorganiſation. Man
kann es uns wohl nicht übel nehmen, wenn wir ſolchen
Vorſchlägen mit der größten Reſerve gegenüberſtehen.
(Lebh. Bravo!)
Abg. Uebel:
Die Ziffern des Etats ſollen nicht nur eine Gegen=
überſtellung
von Zahlen ſein, ſondern ſie ſollen ein Bild
geben von der ganzen Geſchäftsführung der Regierung,
von deren Plänen und Abſichten. Man müſſe dem Herrn
Finanzminiſter dankbar dafür ſein, daß es ihm gelungen
iſt, die Finanzen des Landes, die 1910 einen bedenklichen
Tiefſtand erreicht hatten, in der Weiſe zu ſanieren, wie
der Etat dieſes Jahres es darlegt. Es ſei zwar nicht
gefahrlos, einem Finanzminiſter Lob zu ſprechen, und er
tue es mit allem Vorbehalt, aber es dränge ſeine Partei,
dem Herrn Finanzminiſter, der unter den ſchwerſten Ver=
hältniſſen
, ſelbſt ſchwer erkrankt, die Rieſenarbeit leiſtete,
das Kompliment zu machen. Erreicht iſt das gute Er=
gebnis
namentlich durch des Finanzminiſters Abwäl=
zungspolitik
, die das Budget von erheblichen Summen
befreie. Freilich habe dieſe Abwälzungspolitik auch ihre
Bedenken, da ſie unter Umſtänden die Gemeinden ſchwer
belaſte. Der Geſamtbetrag der Kommunalſchulden ſei in
den letzten zehn Jahren um 47 Millionen Mark geſtiegen,
auch der Aufſchlagskoeffizient iſt eminent in die Höhe
gegangen. 23 Gemeinden erheben 240 Proz. Gemeinde=
ſteuern
. Auch die Kreisumlagen ſteigen von Jahr zu
Jahr. Die Kommunalabgaben in einzelnen Gemeinden
werden unerſchwinglich und es müſſe ernſthaft geprüft
werden, ob man weiterhin dieſe Abwälzungspolitik mit=
machen
kann. Die Notwendigkeit der Beſoldungsord=
nung
und die Notlage der Beamten erkenne ſeine Partei
an. Trotzdem aber müſſe ſie die Bewilligung dieſer Mit=
tel
auf Koſten einer beſſeren Schuldentilgung für eine
bedenkliche Finanzoperation halten. Man müſſe einen
Weg zu finden trachten, der den Menſchen und den
Schulden gerecht wird. Der Schuldentilgungsplan iſt

anerkemnenswert, wenn er auch durch das Sprichwort
gekennzeichnet werden kann: Ein Schelm gibt mehr, als
er hat. Sehr notwendig ſei auch die Beſſerſtellung der
Gemeindebeamten, deren Notlage zum Teil viel größer
iſt, als die der Taglöhner. Redner belegt das mit Zah=
len
. Die Wohltaten des Fürſorgegeſetzes haben die
Beamten erkannt und ſich die hohen Beiträge dazu vom
Munde abgeſpart. Redner bitte die Regierung, den be=
ſcheidenen
Wünſchen der Gemeindebeamten mit Wohl=
wollen
zu begegnen und die Kreisräte dementſprechend
anzuweiſen. Die Notlage habe auch die mittleren Schich=
ten
der übrigen Bevölkerung ergriffen, doch ſei dieſe Not=
lage
nicht hervorgerufen durch die Schutzzölle oder durch.
die Finanzreform oder durch den ſchwarz=blauen Block.
Durch Zwiſchenrufe veranlaßt, polemiſiert Redner des
längeren gegen die Sozialdemokraten und den Freiſinn,
beſonders gegen Abg. Henrich, der ſich mit der Beſcheiden=
heit
, die die ganze Freiſinnige Partei auszeichne, hin=
geſtellt
und darauf hingewieſen habe, was er ſchon alles
im öffentlichen Intereſſe getan und gearbeitet habe und
der ſchon gegen alle möglichen Leute und Parteien Droh=
ungen
ausgeſprochen habe. Er entſchuldige das mit der
parlamentariſchen Jugend des Herrn Henrich und meine,
auch dieſer wird es noch lernen, ſeine parlamentariſche
Suppe mit Waſſer zu kochen. (Sehr richtig! Heiterkeit.
Unruhe.)
In ſeinen weiteren Ausführungen, die meiſt allge=
meiner
Natur ſind. fordert der Redner geſetzlichen Schutz
des Bauernſtandes auch auf dem Wege der Landesgeſetz=
gebung
, namentlich auch des Winzerſtandes. Durch die
eine gute Ernte des letzten Jahres ſei das Elend des
Winzerſtandes lange noch nicht behoben. Die Bekämpf=
ung
der Rebſchädlinge muß ſo erfolgen, daß die Maß=
nahmen
nicht als Schikane empfunden werden können.
Die Notwendigkeit der Maßnahmen ſoll nicht beſtritten
werden. Auch die Obſtbauſchule in Oppenheim ſollte ſich
mehr mit der Bekämpfung der Rebſchädlinge beſchäftigen.
Ein Krebsſchaden ſei die Möglichkeit des Verſchnittes
ausländiſcher Weine mit deutſchen, die der Tendenz des
Weingeſetzes durchaus zuwiderlaufe. Die Regierung
möge mit allen Mitteln im Bundesrat auf Abhilfe drin=
gen
. Weiter bittet er die Regierung, im Bundesrat da=
für
einzutreten, daß an eine Einbringung der Witwen=
und Waiſenſteuer, alſo Erbſchaftsſteuer, nicht mehr ge=
dacht
wird. Er hätte gewünſcht, daß der Abg. Dr. Oſann
nicht den entgegengeſetzten Standpunkt eingenommen
und ſeine linksliberalen Anwandlungen lieber abgeſtreift
hätte; das hätte zur Klärung der heſſiſchen Politik bei=
getragen
. (Große Heiterkeit,) Hierbei kommt Redner
auf die geſtrige Aeußerung des Abg. Ulrich zu ſprechen:
Das hat Ihnen wohl die Mutter Maria ſuggeriert.
Dieſe ebenſo dumm wie dreiſt und blasphemiſch ge=
brauchte
Aeußerung müſſe er als eine bodenloſe Gemein=
heit
bezeichnen, die er dem Abg. Ulrich ſobald nicht ver=
geſſen
werde. (Unruhe. Rufe: Zur Ordnung!)
Vizepräſident Korell ruft den Redner zur Ord=
nung
.
Weiter beſpricht Redner die Reformen der Schul=
geſetze
. Seine Partei ſtehe nach wie vor auf dem Boden
der Konfeſſionsſchule, und zwar mehr denn je, weil ge=
rade
in letzter Zeit eine große Menge hieſiger Lehrer in
ihren religiöſen und politiſchen Anſichten gar zu weit
nach links gerückt ſind. (Unruhe. Heiterkeit. Die So=
zialdemokraten
rufen: Sehr gut!) Redner ſchließt, ſeine
Partei werde nach wie vor mitarbeiten an allen Auf=
gaben
zum Beſten des Landes. (Bravo!)
Zu einer perſönlichen Bemerkung erhält das Wort
Abg. Leun,
der ſeinen Standpunkt zu der Reichsfinanzreform und zu
ſeinem hierzu geſtellten Antrag begründet. In der allge=
neinen
Unruhe der aufbrechenden Abgeordneten bleibt
der Redner unverſtändlich. Seine Ausführungen richten
ſich gegen den Abg. Henrich und beſonders gegen die
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Dampfer Bulgaria 25. Februar
11 Uhr morgens in Baltimore.
Dampfer Kaiſerin Auguſte Vik=
toria
), von New= York nach
Aegypten, 26. Februar 4 Uhr
nachmittags in Genua.
Dampfer Prinz Adalbert von
Philadelphia kommend, 26. Fe=
bruar
8 Uhr 15 Min. abends in
Hamburg.
Dampfer Viktoria Luiſe, zweite
Weſtindienfahrt, 26. Februar in
Port of Spain.

Holländer
Schelfische u. Tablau
Steinbutt Leb. Hechte
Karpfen
Heilbutt
Seezungen Schleien
Holzungen Bärsche
Lebende (4966
Rhein-Bresemf
Stockfisch, Laberdan
Grüne Heringe, Stinte
- Cabliau
2 bis 4 pfündig
per Pfund 30 Pfg.
Bratschellfische
per Pfund 65
ab Laden 20 Pfg.
Austern, Hummer, Caviar
Conſerven
Marinaden
21P) Räucherwaren
ſowie alles Weitere billigſt.

Ludwie Nösi

HausI.1 nur untere
4 2 Elisabethenstr.

auet
42

zwiſchen Zimmer= u
Saalbauſtraße.

Auschaut des berühnen
: Wornser Weinmostes :

Kein Frintxwang. (14
Reform-Restaurant
4 Alexanderstrasse 4, 1. Stock.

[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

*§5 24.

Donnerstag, 29, Februar.

1912.

Bekanntmachung.

Unter Hinweis auf Artikel 33 des Geſetzes vom 24. März 1910 wird hiermit
zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der Stempel:
1. für Verkaufs= oder Waagautomaten,
2. für automatiſche Kraſtmeſſen.
3. für Automaten, die zur Unterhaltung des Publikums dienen,
4. für alle in öffentlichen Wirtſchaftslokalen aufgeſtellten Klaviere oder ſonſtige
Muſikwerke,
5. für Luxuswagen und Luxusreitpferde,
deren Verſteuerung am 31. März 1912 abläuft, wenn die Abgabepflicht fortdauert,
im Monat März zu entrichten iſt.
Die Entrichtung des Stempels erfolgt an allen Wochentagen des Monats
März, vormittags von 912 Uhr, bei der unterzeichneten Behörde im Regierungs=
gebäude
(Neckarſtraße Nr. 3, Zimmer Nr. 9) dahier.
.(3283a
Darmſtadt, den 1. Februar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß am 1., 4., 5., 8., 11., 12., 15.,
18., 19., 22., 25., 26., 29. März 1912 von 8 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends von
Truppenteilen des XVII. Armee=Korps Schießen mit ſcharfer Munition auf dem
Schießplatz bei Meſſel abgehalten wird.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches=
wieſe
-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegeſchranken und Warnungstafeln ab=
geſperrt
.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. ( Polizeiver=
ordnung
Kreisamt Darmſtadt 25. Sept. 1909, Kreisamt Offenbach a. M. 20. Sept. 1909.)
Iſt das Schießen früher beendet, ſo werden die Gemeinden Meſſel und Offenthal
von Aufhebung der Abſverung ſofort benachrichtigt.
Darmſtadt, den 16. Februar 1912.
(4911a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

In der Stallng des Hauſes Schulnechtſtraße Nr. 55 hier ſind zwei Pferde an
Bruſtſeuche (Iufluenza) erkrankt.
(4910

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Zurückſtellung von Reſerviſten, Wehrleuten I. und II. Aufgebots,
Erſatz=Reſerviſten und ausgebildeten Landſturmpflichtigen infolge häus=
licher
ꝛc. Verhältniſſe.
Diejenigen Reſerviſten, Wehrleute I. und II. Aufgebots, Erſatz=Reſerviſten
und ausgebildete Landſturmpflichtige, welche auf Grund der nachſtehend abgedruckten
Beſtimmungen des § 12 der Wehr=Ordnung vom 22. November 1868 eine Zurück=
ſtellung
hinter den älteſten Jahrgang der Reſerve, der Landwehr I. bezw. II. Aufgebots,
Erſatz=Reſerve und des Landſturms in Anſpruch nehmen zu können glauben, werden
hiermit aufgefordert, ihre bezüglichen Geſuche baldigſt und ſpäteſtens bis zum
25. März 1. Js. bei den betreffenden Großherzoglichen Bürgermeiſtereien einzureichen.
Die nach dieſer, Zeit eingehenden Geſuche können für das laufende Jahr (d. h. bis zum
nächſtjährigen Zurückſtellungstermin) keine Berückſichtigung mehr finden.
Die eingereichten Geſuche unterliegen der Entſcheidung der verſtärkten Erſatz=
Kommiſſion gelegentlich des Muſterungsgeſchäfts. Dieſe Entſcheidungen behalten ihre
Gültigkeit nur bis zum nächſten Zurückſtellungstermin. Im Falle des Bedürfniſſes ſind
die Anträge auf weitere Zurückſtellung zu erneuern.
Außerterminlich kann Geſuchen um Zurückſtellung durch ſchriftliches Ueberein=
kommen
der ſtändigen Mitglieder der Erſatz=Kommiſſion nach § 124, 2 der Wehr=
Ordnung nur dann ſtattgegeben werden, wenn nach dem allgemeinen Entlaſſungs=
Termin der Rerſerven dringende Verhältniſſe die ſofortige Zurückſtellung einzelner
der entlaſſenen Mannſchaften gerechtfertigt erſcheinen laſſen.
Darmſtadt, am 7. Februar 1912.
(3929a
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
Dr. Reinhart, Reg.=Rat.
Abdruck.
§ 122 der Wehr=Ordnung.
. 1. Zurückſtellung im Sinne der in § 118, 3 und 120, 5 enthaltenen Feſtſetzungen
dürfen aus folgenden Grinden (Zurückſtellungsgründe) eintreten:
a) wenn ein Mann als der einzige Ernährer ſeines arbeitsunfähigen Vaters oder ſeiner
Mutter bezw. ſeines Großvaters oder ſeiner Großmutter, mit denen er dieſelbe
Feuerſtelle bewohnt, zu betrachten iſt und ein Knecht oder Geſelle nicht gehalten
werden kann, auch durch die der Familie bei der Einberufung geſetzlich zuſtehende
Unterſtützung der dauernde Niedergang des elterlichen Hausſtandes nicht abge=
wendet
werden könnte;
b) wenn die Einberufung eines Mannes, der das dreißigſte Lebensjahr vollendet hat
und Grundbeſitzer, Pächter oder Gewerbetreibender oder Ernährer einer zahlreichen
Familie iſt, den gänzlichen Verfall des Hausſtandes zur Folge haben und die An=
gehörigen
ſelbſt bei dem Genuſſe der geſetzlichen Unterſtützung dem Elend preis=
gegeben
würden:
c) wenn in einzelnen dringenden Fällen die Zurückſtellung eines Mannes, deſſen ge=
eignete
Vertretung auf keine Weiſe zu ermöglichen iſt, im Intereſſe der allgemeinen
Landeskultur und der Volkswirtſchaft für unabweislich notwendig erachtet wird.
2. Mannſchaften, welche wegen Kontrollentziehung nachdienen müſſen, haben
jedoch auch in den vorgenannten Fällen keinerlei Anſpruch auf Zurückſtellung.

Autiche Nachrichen des Groſſ. Polteiants Darnſadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Dobermann. 1 Spitzhund (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizel=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung, der nicht ausgelöſten Hunde findet dort=
ſelbſt
ieden Werktag vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(4899

Darmſtädter Fiſchmarkt.

Verkaufstage:
a) auf dem Marktplatz: Donnerstag und Freitag jeder
Woche regelmäſig, nach freier Wahl der Händier auch
Dienstac und Samstag=
b
) in der Beſſunger Fiſchhalle, Beſſunger Straße Nr. 70:
alle Wochentage, außer Samstag.
Die äußerſt billig geſtellten Wochenpreiſe, die unter Kontrolle
der Großherzoglichen Bürgermeiſterei Darmſtadt feſtgeſetzt werden,
ſind an den Verkaufsſtänden angeſchlagen.
(637a

Schwellen=Verſteigerung.

Die auf den Bahnhöfen Darmſtadt Oſt (Roſenhöhe), Roßdorf
und Groß= Zimmern lagernden, für Eiſenbahnzwecke nicht mehrbrauch=
baren
kiefernen Bahnſchwellen werden wie folgt öfentlich an den
Meiſtbietenden verſteigert:
1. Bahnhof Darmſtadt Oſt (Roſenhöhe):
Montag, 4. März, vorm. 9%, zuſ. 300 St.
2. Bahnhof Roßdorf:
Montag. 4. März, nachm. 40, zuſ. 200 St.
3. Bahnhof Groß=Zimmern:
Montag, 4. März, vorm. 11, zuſ. 200 St.
(J4925
Darmſtadt, 28. Februar 1912.
Großh. Eiſenbahn=Betriebsamt 2.

Holz-Verſteigerung.

Mittwoch, den 6. März, vormittags ½9 Uhr,
wird in der Brücher’ſchen Wirtſchaft zu Arheilgen das Durch=
forſtungsbolz
aus Saufangteil 24 (Hanauerſtraße), Forſtwartei
Kleeneck, ſowie das Dürr= und Windfallholz der Forſtwartei Kalk=
ofen
(Nr. 338678) verſteigert:
Scheiter, rm: 63 Buchen I. Kl., 234 Buchen II. Kl., 3 Hain=
buchen
, 120 Eichen, 5 Birken, 2 Erlen, 5 Pappel, 3 Fichten;
Knüppel, rm: 166 Buchen, 3 Hainbuchen, 115 Eichen,
00 Birken. 1 Akazie, 16 Erlen, 3 Pappeln. 4 Aſpen, 27 Fichten;
Reiſig, Wellen: 2070 Buchen; Stöcke, rm: 30 Buchen,
160 Eichen.
Blau unterſtrichene Nummern werden nicht verſteigert. Aus=
kunft
erteilen Forſtwart Lang zu Meſſel und Förſter Loeſch zu
(4896
Kalkoſen, Poſt Darmſtadt.
Darmſtadt, den 28. Februar 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoop.

Stamm= und Brennholz=Verſteigerung.

Montag, den 4. und Dienstag, den 5. März,
jedesmal vormittags 9 Uhr anfangend, werden im Gemeindewald
Ober=Ramſtadt, in den Diſtrikten Löhchen, Kaiſerberg und Buchwald
an Ort und Stelle verſteigert:
33 Lärchen= und 6 Fichten=Stämme 10,86 cbm enthal=
tend
; 103 rm Buche=, 6 Eiche= und 9 Kiefern=Scheiter;
194 rm Buche=, 24 Eiche=, 29 Kiefern=, 18 Lärche= und 34
Fichten=Knüppel; 148 rm Buchen=Stöcke.
Bemerkt wird, daß am erſten Tag die Stämme, ſowie die
meiſten Buchen=Scheiter und =Knüppel; am zweiten Tag das Nadel=
tholz
und die Buchen=Stöcke zum Ausgebot kommen.
Zuſammenkunft an beiden Tagen im Diſtrikt Löhchen nächſt
dem alten Pflanzgarten.
(4942ds
Ober=Ramſtadt den 23. Februar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.

erhalten
Bruchleidende koſtenlos

diskrete Auskunft. Offerten unt.
(R. 1938 an D. Frenz, Mainz. (Fr4923

Willig! Ein noch neuer, mod.
Sakkoanzug für iung. Mann
mittl. Gr., ſow. w. getr. Herrenüberz.
3df

Einziehung eines Erb=
begräbnisplatzes
.

Der Erbbegräbnisplatz
Abteilung II, Mauer Nr. 187,
(Nelſon Suckling)
der beim Wegzug des Beſitzers
an die Stadt Darmſtadt zurück=
gefallen
iſt, ſoll weitervergeben
(4041fs
werden.
Anſprüche an den Platz ſind bis
zum 20. 1. Mts, bei uns geltend
zu machen, widrigenfalls ſeine Ein=
ziehung
und Weitervergebung er=
folgt
.
Darmſtadt, 13. Februar 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Mueller.

Bauarbeiten.

Die Errichtung einer Drahtein=
friedigung
im ſtädtiſchen Schlacht=
hof
(einſchließlich Eiſenlieferung)
und die Herſtellung von Beton=
wänden
und des Betonfußbodens
im Neubau des Stalles für un=
verkaufte
Schweine und einer
Kälber=Markthalle ſoll vergeben
werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Be=
dingungenliegen
bei dem unterzeich=
neten
Amte, Grafenſtraße Nr. 30,
Zimmer Nr. 9, während der Dienſt=
ſtunden
offen.
Angebote ſind bis
Freitag, 8. März 1912,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
(4917df
reichen.
Darmſtadt, 28. Februar 1912.
Stadtbauamt.
Buxbaum.

Tügesgespruch. Sc
Herren= u. Damenſchuhe, wie auch
Kinderſchuhe, prima Qualität, zu
ſpottbilligen Preiſen bei T. Nai=
gass
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nau
zu beachten die Ueberſchrift
Volks=Bazar zur billigen Quelle‟

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werk
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Sprungdeckel 65 Mk., ſilb. Anker=
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20 Mk., gold. Damen=Uhr mit
langer gold. Kette 60 Mk., gold.
Halskette mit Anhäng. (echte Perle)
30 Mk., gold. Kettenarmband 25
Mark, Damen=Ringe mit echten
Steinen 15 und 30 Mk., filberne
Damen=Uhr (10 Steine, 2 Deckel,
Silber) 10 M., lange filb. Kettes M.
4909ds) Viktoriaſtr. 50, 3. St.

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Montag, 4. März I. Js.
werden verſteigert aus Diſtrikt I Eichen Abt. 23:
Scheiter, rm: 43 Buche, 32 Eiche, 4 Erle (rund), 4 Ulme;
Knüppel, rm: 192 Buche, 92 Hainbuche, 112 Eiche, 12 Erle,
7 Fichte: Knüppel=Reiſig, rm: 94 Hainbuche, 47 Eiche,
5 Erle: Reiſig, Wellen: 3520 Buche; Stöcke, rm: 39 Buche,
31 Eiche, 4 Erle, 2 Fichte.
Zuſammenkunft morgens 9 Uhr auf Kreuzung Fuchsbauſchneiſe
und Thomashüttenſchneiſe.
Meſſeler Forſthaus, 27, Februar 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Meſſel.
4928)
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Freitag, 1. März l. J., vorm. 9 Uhr u. nachm. 3 Uhr,
verſteigere ich auf Antrag der Erben die zum Nachlaß der Frau Ge=
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I. Etage, und zwar folgende Gegenſtände:
1 Sofa, 2 Seſſel und 6 Stühle mit rotem Plüſchbezug,
1 Diwan mit buntem Bezug, 1 Sofa mit Ripsbezug, 1 Tru=
meau
mit Spiegel in nußb., 1 Büfett, nußb. pol. mit Mar=
morplatte
, 1 Herrenſchreibtiſch mit Aufſatz, 1 Sekretär,
1 Stehpult, 1 Kaſſenſchrank, 1 Spieltiſch, 3 L) Tiſche, 3 runde
Tiſche, 2 Ziertiſche, 2 Kommoden, 1 Weißzeugſchrank, 3 Kleider=
ſchränke
, 4 komplette Betten mit Roßhaar=Matratzen, 6 Nacht=
tiſche
, 3 Blumentiſche, 2 Regulateure, 2 Pendülen, 2 Baro=
meter
, 2 Gaszuglampen, 1 Lüſter, 3 flamm., ſämtl. Vorhänge,
verſch. Spiegel und eine Anzahl Bilder, darunter gute
Stiche, verſch. Seſſel, 1 Gartentiſch u. Stühle, 2 Eisſchränke,
1 faſt neue Waſchmange, 2 Rollwände, ſehr gut erhalten,
2 Küchenſchränke, 1 Gasherd, 1 Tafelwaage mit Gewichten,
1 Badewanne, ferner 1 große Partie Nippſachen, Porzellan
und Gläſer ꝛc.
Die Wohnung iſt am Donnerstag, den 29. Februar, von
nachm. 36 Uhr zur Beſichtigung der Gegenſtände für
Intereſſenten geöffnet.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung ſtatt.
Darmſtadt, den 27. Februar 1912.
(4739id
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

Hessische Handels-Lehranstalt
Rheinstr. 6, II. Darmstadt
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Beste, langjährig bewährte Lehrkräfte.
Neu: Maschinenschreiben nach dem Tastsystem.
Neue Kurse beginnen: Dienstag, den 16. April.
Prospekte und Aufnahmebedingungen durch:
sprechstunden: Wilhelm Siedersleben
Montag bis Freitag staatl. peprüfter Handelslehrer u.
121 und 35 Uhr. gerichtl. beeidigt. Bücherrevisor.

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pferd
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N 14 an die Exp. d. Bl. (4948df

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Junger Rattenfänger
oder Schnauzer (Rüde), nicht unter
½ Jahr, ſowie feſtſitzende Glucken
B4846)
Hermannſtraße 35.
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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29: Februar 1912.

Nummer 51.

Bilanz der Darmſtädter Volksbank
eingetragene Genoſſenſchaft mit beſchränkter Haftpflicht.

per 31. Dezember 1911.
Aktiva.
Paſſiva.
1. Geſchäftsanteil=Konto:
1. a) Kaſſa, Sorten und
Guthaben der Mit=
Kupons . . . . 85 269.64
glieder . . . 1450 894.61
b) Guthaben bei der
Guthaben der aus=
Reichsbank und
geſchiedenen
dem Poſtſcheckamt . 35 207.36 120 477
Mitglieder . 53 096.86 1503 991/47
351 746143
2. Wechſel=Kento . . . .
31433105 2. Reſervefonds=Konto I
3. Bankverkehr=Konto . . . .
322022/18
3. Reſervefonds=Konto II .
380 737/15
68 901141
4. Lombard=Konto . . . . . .
50000
4. Delkredere=Konto
497 80575
5. Effekten=Konto . . .
6. Kontokorrent=Konto) (ſämtl. Aus=3 356943/62 5. Penſions= und Unterſtützungs=
fonds
=Konto . . . .
7. Vorſchuß=Konto ſtände gedeckt.) 868 546166
173 545/20
133/55
8. Vorſchußwechſel=Konto . .
6. Akzeptationen=Konto
43004132
66 140-
9. Haus=Konto (amtliche Taxe
7. Aval=Konto . . . . .
358000.) 240 14841 8. Dividenden=Konto . .
1245/78
9. Hypotheken=Konto (Stiftsſtr. 9) 1 66000
10. Immobilien=Konto I. (Schützen=
15000)-
10. Sparkaſſen=Konto .
2 952 033/76
ſtraße 12)
740 076/27
11. Immobilien=Kontoll. (Stiftsſtr.9)) 114851115 11. Scheck=Konto . . . .
12. Kontokorrent=Konto . .
173 257170
(amtliche Taxe 120 000.)
477/06 13. Bankverkehr=Konto . .
23 846163
12. Mobilien=Konto . .
14. Jubiläumsfonds=Konto
5000-
13. Schrankfächer=Konto . . .
15. Zinſen=Konto:
14. Zinſen=Konto:
von Vorſchuß=Konto 1152.40
Miete v. Haus=Konto 925.
von Vorſchuß=Wechſel=
Miete v. Immobilien=
Konto .
410.50
Konto I
277.
von Wechſel=Konto
Miete v. Immobilien=
2 140.20
3 569/60
552.50
Konto II .
16. Reingewinn . . . .
165 223/10
von Lombard=Konto 3157.50
von Vorſchuß=Konto 5871.55 10917a
16314 9o6ſo5
1 6314956fss

Die Geſchäftsanteile der Mitglieder betrugen am 31. Dezember 1910 Mk. 1527 355.06; in 1911
wurden an Dividenden gut geſchrieben und bar einbezahlt Mk. 52785.44; an ausgeſchiedene Mitglieder
wurden zurückbezahlt Mk. 76149.03, ſodaß ſich Ende 1911 das Geſamtguthaben auf Mk. 1503991.47 be=
läuft
. Von 892 Mitgliedern betragen die Haftſummen Mk. 392000., von 1097 Mitgliedern Mark
2 194000.. Die Geſchäftsguthaben haben ſich von 1910 auf 1911 um Mk. 23 363.59, die Haftſumme in
der gleichen Zeit um Mk. 66000 vermindert. Am Jahresſchluſſe betrugen die Haftſummen obiger 1989
Genoſſen Mk. 3 086000.
Ende 1910 zählte die Genoſſenſchaft 2001 Mitglieder; im Laufe des Jahres 1911 ſind 84 Mit=
glieder
beigetreten; dagegen ſind ausgeſchieden: durch Tod 56, freiwillig 37, durch Ausſchluß 3, verbleibt
am 31. Dezember 1911 Stand 1989 Mitglieder.
Die von der Generalverſammlung genehmigte Dividende von ſechs Prozent wird vom
4. März a. c. an aber nur gegen Vorlage der Geschäftsanteilbücher, ausbezahlt
bezw. gutgeſchrieben.
Darmſtadt, den 28. Februar 1912.
Darmstädter Volksbank
eingetragene Genoſſenſchaft mit beſchränkter Haftpflicht.
Stein.
L. Habicht.
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Pfarrer Liebetrau und ſeine Frau Helene, Doras
Schweſter, hatten viel hin und her geredet über Lührſen
und Lilli, wie denn das ganze Dorf ſeit geſtern davon
ſprach. Es war ein Ereignis und mußte notwendig klar
beſprochen werden. Ob ſie nun bleiben würde oder nicht? Was
das wohl für eine wäre, und nun könne die Dora Platt=
ner
ja gar nicht in Halligboſtel bleiben. Auch die Geſchichte
von der Taſſe Tee im Bett, vom ſeidenen Unterrock und
vom Sammetkleid ging im Dorfe von Mund zu Mund,
denn Frau Tannert hatte alles der Botenfrau erzählt, die
die friſchen Semmeln von Bütfeld austrug. Aus der
einen Taſſe Tee waren zwei Taſſen Schokolade ſchon ge=
worden
, und aus halb neun Uhr halb zwölf Uhr, und aus
dem einen ſeidenen Unterrock waren zwei geworden, und
wenn das ſo weiter ging, würde man morgen nur noch
von einem halben Dutzend Unterröcken ſchwatzen.
Dänhardt hatte ſich Doras Auftrag an deren Schweſter
kurz entledigt. Frau Liebetrau gab ihrer Schweſter recht.
Es ſei unter ſolchen Umſtänden ganz unmöglich, daß ſie in
Halligboſtel länger bliebe, wie es denn überhaupt un=
paſſend
geweſen ſei, daß Dora die Stellung angenommen
hätte. Das Unpaſſende hatte ſich der Paſtorin jetzt erſt ent=
hüllt
, und ſie vergaß ganz und gar, daß ſie vor vier Jahren

ihrer Schweſter zugeredet hatte, die Stellung in Halligboſtel
anzunehmen. Ihr Mann ſtimmte ihr darin nicht zu. Er
dachte überhaupt recht frai über manche Dinge.
Ich habe den Roman von Lilli Lührſen geleſen, und
es iſt ein guter Roman, ſagte er, ſie hat das heraus, die
Menſchen in der Großſtadt richtig zu zeichnen. Eine kluge
Frau muß ſie doch ſein, und Du hätteſt den Roman nur
leſen ſollen, Helene!
Ach, ich mag die Frau nicht leiden, und deshalb will
ich das lieber laſſen. Ich bin dann doch ungerecht, meinte
ſie, Deine Geſchichten ſind mir lieber!
Da lachte er über ſeine Frau, die nie vom Perſönlichen
loskonnte. Er war ein Thüringer Bauernſohn aus dem
Werratale und es hatte lange gedauert, ehe er ſich hier ein=
gelebt
und das Volk kennen gelernt hatte, das ſo ganz
anders war als das in der Heimat, ſo viel ernſter, ſchweig=
ſamer
und ſchwerfälliger, ſo viel wortkarger, aber auch
wohlhabender und ſelbſtbewußter. Als er das aber ver=
ſtehen
gelernt hatte, begann er Dorfgeſchichten zu ſchreiben
aus Bütfeld und Umgegend, und er fand ſeine Leſer in
Zeitungen und Zeitſchriften, ohne daß er dabei nervös oder
Neuraſtheniker wurde. Er hatte es ſogär riskieren
können, ein Buch herauszugeben, das viel geleſen wurde,
beſonders weil Liebetrau, der unter dem Namen Probſt
ſchrieb, Humor beſaß. Kurz und gut, er konnte ſich nicht
helfen, aber er hätte doch gar zu gern Frau Lilli Lührſen
kennen gelernt; ſie gehörte ja auch zur großen Brüderſchaft

von der Feder, und er war geneigt, ſie in Schutz zu nehmen.
Er ſah nach der Uhr, die zwiſchen den Fenſtern der Wohn=
ſtube
ſtand. In wenigen Minuten mußte er fort ins Schul=
haus
, wo er im Winter für die Bauern Leſeabende einge=
richtet
hatte. Er las vor, was er für paſſend hielt, Gedichte
und Geſchichten, Gedichte von einem Lennemann, echte, gute
Bauerngedichte, die ein Bauer verſtehen konnte, und Bal=
laden
von einem Willrat Dreeſen, der der oſtfrieſiſchen
alten Geſchichte ſeine Stoffe entnahm. Die Bütfelder
Bauern hatten ſich viel ſchneller an ihren Paſtor gewöhnt
als er an ſie, wie der Süddeutſche leicht als einzelner Zu=
ſpruch
und Wohlwollen findet im Norden, weil er gerade
das beſitzt, was die Norddeutſchen nicht haben, nämlich eine
leichte Fröhlichkeit, Beweglichkeit und Behaglichkeit, die
leben will und leben läßt, ohne jedes Ding gleich allzu
ernſt zu nehmen. Ja, er war ein allzeit froher, geſunder
Mann, der nicht allzuſehr von der Kanzel ſchimpfte,
ſondern auch die Frohheit des Daſeins in einem mutigen
Herzen lehrte. Er ging auch wohl hier und da hinüber
nach Maaks Gaſthof, wo Samstags abends die Bauern
einen Grog tranken, und im Sommer ſchob er auch wohl
mitſamt Lührſen und Dänhardt und einigen größern
Bauern Kegel. Er hatte das weg, von rechts in die Gaſſe
eine Drehkugel zu ſchieben, daß alle Neune nur ſo raſſelten.
Seine Frau fand das Kegeln im Grunde nicht ſo paſſend,
aber er berief ſich lachend auf ſeinen Landsmann Martin
Luther, der keine Kopfhänger leiden konnte. Weshalbzein

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. Februar 1912.

Nummer 51.

Käbiter uicht Zunde an geſnder Aönperndung halber
ſolle, und wo das geſchrieben ſtünde in Schrift und
Menſchenherzen? Und weil Paſtor Liebetrau ſo war,
hatten ihn die Leute gern und gaben ihm den Ehrentitel:
Unſer Paſtor iſt en ganz gemeiner Menſch!, was ſo viel
heißen ſollte wie: er iſt zugänglich und leutſelig. Des=
halb
ſtand er ſogar mit dem Gemeinderat auf gutem Fuße.
Aber Konflikte liebte er im ganzen nicht ſehr, und deshalb
war ihm die Geſchichte da drüben in Halligboſtel unan=
genehm
.
Ja, Helene, es iſt doch eigentlich merkwürdig, daß
dieſer Lührſen nie etwas lieſt, was deine Frau geſchrieben
hat.
Im Gegenteil, das verſtehe ich vollkommen, meinte
Frau Liebetrau, aber ich hoffe nur, ſie geht bald wieder
oder bleibt nun ganz, indem die Gatten ſich verſöhnen.
Denke Dir mal, zwei Menſchen die Mann und Frau ſind,
unter demſelben Dach und doch nicht mehr Mann und Frau,
das iſt einfach fürchterlich.
Das fand der Paſtor auch, aber noch mehr fand er es
höchſt intereſſant einen guten Stoff für eine feine No=
velle
. Das war eigentlich eine unerhörte Anſchauung der
Dinge bei einem Prediger, und er begab ſich damit in die
Geſellſchaft von Spökenmarie, die das auch nur intereſſant
fand. Liebetrau hatte ſehr viel Reſpekt vor Lührſen, aber
er liebte ihn gerade nicht allzuſehr, während ſeine Frau in
Lührſen einen Mann ſah, den man gleich hinter ihren Mann
rangieren konnte, ſodaß der Geiſtliche ſie oft damit neckte.
Wenn nicht die ſchönen Jahre geweſen wären, die Jahre
ihrer Ehe, in denen ſie ſich immer lieb hatten, und während

denen de der Zugens angelenen witen, den denn
keiner durch den Storch gebracht wurde, ſo wäre Liebetrau
vielleicht eiferſüchtig geworden. Sie war eine ſtattliche
Frau, noch blonder und noch höher gewachſen als Dora,
und ſie hätte ſich eher den Finger abgebiſſen, als daß ſie
ihrem Mann ein zärtliches Wort in Gegenwart anderer
geſagt, oder auch gern geſehen hätte, wenn er dies getan
haben würde. Aber abends, wenn die Fenſterläden zu
waren und wenn ſie mit Liebetrau in die Kammer ging,
wo die Jungens ſchliefen, einer dicker, ſtrammer und
roſiger als der andere, dann fielen alle Sperren in ihrer
Natur, und ihr Mann wußte, wie dieſe blonden ſo kühl
ſcheinenden Frauen lieben können, die ſonſt ſo unnahbar
ſcheinen.
Alſo das Ehepaar hatte die Sache hin und her über=
legt
.
Daß man ſo gar nichts tun kann und abwarten muß,
wie die Dinge ſich fügen! ſagte Helene Liebetrau.
Da hörte ſie, daß die Haustür ging, und wie jemand
auf der Diele den Schnee von den Füßen ſtampfte. Sieh
mal nach, wer das iſt?
Aber es klopfte ſchon an der Tür, und Gerdt Lührſen
trat ein. Er mußte ſich etwas bücken, um nicht mit dem
Kopf an den Oberbalken der Tür zu ſtoßen, die nicht ſehr
hoch war.
Guten Abend! Er gab beiden die Hand und ſtand
unſchlüſſig da, denn er wußte nicht recht, was er ſagen
ſollte, weil er nur einer Eingebung gefolgt war, nämlich
nur dem Drange, andere Menſchen zu ſehen und nicht jetzt
ſchon nach Halligboſtel zurück zu müſſen.

über der Poier eing geinde auf ihn zu.=
Na, Herr Lührſen, ich weiß ſchon oder kann’s mir
denken, weshalb Sie zu uns kommen. Schön iſt es doch,
daß der Junge nun außer Gefahr iſt. Bitte, nehmen Sie
Platz, und nachher gehen Sie mit mir nach dem Schul=
hauſe
und geben den Bauern ein gutes Beiſpiel, wenn=
gleich
das kaum nötig iſt, denn ſie kommen dieſen Winter
ſchon mehr zu meinen Leſeabenden. Ich will mir nur
meine Bücher zuſammenſuchen. Bis dahin ſprechen Sie.
mit meiner Frau.
Als er hinausgegangen war und Lührſen daſaß,
ohne das erſte Wort finden zu können, legte ihm Doras
Schweſter die Hand auf die Schulter und meinte: Kopf
hoch, Herr Lührſen! Ich habe viel an Sie gedacht in
dieſen Tagen. Iſt es denn ganz unmöglich?
Ja, ganz unmögli chiſt es, was Sie denken. Und
wenn meine Frau und ich uns einbildeten, es ſei möglich,
dann würden wir bald merken, wie wir beide es bereuen
müßten. Ich wollte, Sie könnten mal mit ihr ſprechen:
Kommen Sie doch morgen unter irgend einem Vorwand
nach Halligboſtel. Ich möchte gern, daß Sie meine Frauf
kennen lernten und mit ihr ein vernünftiges Wort ſprächen,
Ich kanns doch nicht ſelbſt tun! Zum Verrücktwerden
iſt es! Wir müſſen reine Rechnung machen in irgend
einer Weiſe, ſonſt ſchleppen wir uns beide am Leben wundg
ſie ſowohl wie ich! Und und, Frau Paſtorin, tun Siel
es auch um Ihrer Schweſter willen, denn für die iſtes
auch ſchwer genug!
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Benz & Co., Grafenstraße; Hch. Beyer, Rheinstr. 33; S. Guttmann,
Wendelstadtstraße 26; D. Numrich, Mühlstraße 76; Arnold Rode,
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Spielleitung: Oberregiſſ. Valdek.
Perſonen:
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Amneris, ſ. Tocht. Frl. Howard
Alda, gethiopiſche
Sklavin.
. Fr. v. Sugh
Rhadames, Feld=
herr

Ramphis, Ober=
prieſter
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. . Hr. Stephani
Amonasro, Vater
Alda’s.
. Hr. Weber
Ein Bote
Hr. Jahn
Eine Prieſterin . Frl. Longin
Ein Palaſtoffizier Hr. Klotz
. Frl. Schaup
Frl. Longin
Gefangene
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Aethiopier
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Tenoriſten Léon Laffitte. Car=
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Aus dem Spielplan.
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B 33. Der Kuhreigen. Gr.
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[ ][  ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 29. Februar 1912.

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