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monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
175. Jahrgang
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wärts nehmen die Poſtämter u. die
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werden angenommen in Darmſtadt,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
ſowie von unſeren Agenturen und
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den Annoncen=Expeditionen. — Bei
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Die Stadtverordnetenverſammlung nahm
die von der Bürgermeiſterei eingebrachte Vorlage
be=
treffend die Gründung einer Aktien=Geſellſchaft zur
Re=
gelung der Verkehrsfrage der Stadt und ihrer
Um=
gebung ſowie für Anſchluß einer Ueberlandzentrale an
die ſtädtiſchen Werke und die Abgabe von elektriſcher
Energie für Licht= und Kraftzwecke unter dem Namen
„Heſſiſche Eiſenbahn=Aktien=
Geſell=
ſchaft” nach dreitägiger Verhandlung an.
Der zum Präſidenten des Reichstags
ge=
wählte Abg. Dr. Spahn legte das Amt nieder.
Der Wilhelmshavener Schutzmann Gauß iſt an
Deutſchland ausgeliefert worden.
Der engliſche Marineminiſter Churchill
hielt in Glasgow eine Rede, in der er erklärte, daß
England die Suprematie zur See aufrecht erhalten
werde.
Der franzöſiſche Senat nahm das deutſch=
fran=
zöſiſche Abkommen mit 222 gegen 48 Stimmen an.
Das ſerbiſche Kabinett Milowanowitſch
iſt wieder eingeſetzt worden.
Die Bergleute des Loire=Bezirks beſchloſſen
den Geſamtausſtand vom 1. März ab.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7 und 8.
Die Präſidentenwahl in zweiter Auflage.
* Am Samstag wurde man durch die telegraphiſche
Meldung überraſcht, daß der zum Präſidenten des
Reichstags gewählte Abg. Dr. Spahn in der
Frak=
tionsſitzung des Zentrums erklärt habe, er werde am
Mon=
tag in einem Schreiben das Amt als Präſident
niederlegen. Man wußte ſchon vorher, daß das
Zentrum ſich am Freitag abend in einer Fraktionsſitzung
darüber ſchlüſſig machen wollte, ob Abg. Spahn,
nach=
dem ein Sozialdemokrat zum Vizepräſidenten gewählt
worden war, die Stelle des Präſidenten beibehalten
könne. Wie man ſieht, iſt dieſe Frage von der Fraktion
verneint worden. Damit iſt das mühſelig
zuſammen=
gebrachte Reichstagspräſidium wieder in die Brüche
ge=
gangen, und es wird in der nächſten Sitzung, die auf
Dienstag anberaumt war, eine neue Wahl ſtattzufinden
haben. Dieſe Sitzung wird vorausſichtlich von dem
ſo=
zialdemokratiſchen Vizepräſidenten geleitet werden. Die
ganze Situation iſt jetzt noch unklarer geworden. Daß
das Zentrum einen Präſidenten aus ſeinen Reihen
mit=
gewählt hat und daß dieſer die Wahl angenommen hat,
kann man nur ſo erklären, daß ſie mit der Wahl eines
ſozialdemokratiſchen Vizepräſidenten vorher nicht
gerech=
net hatte. Die Entſcheidung hängt auch bei der
Neuwahl vom Zentrum ab. Wenn es ſeine
Zuſtim=
mung gibt, wird ein Präſident aus den bürgerlichen
Par=
teien gewählt werden, da die Sozialdemokraten, wie die
erſte Wahl bewieſen hat, einen ſolchen nicht wünſchen,
ſondern das Präſidium für ſich beanſpruchen.
Wie man die Sache auch auffaſſen und auslegen mag,
die Präſidentenwahl und die neue Wendung der Dinge
ſind für die Gegner des ſchwarz=blauen Blocks beſchämend.
Das erſte Produkt des unter dem Schlachtruf „Nieder mit
dem ſchwarz=blauen Block” gewählten Reichstags war
die Wahl eines Präſidenten dieſes Blocks, der ſich nun
hinterher für dieſe Ehre bedankt. Der triumphierende
Sieger bleibt das Zentrum. In allen
wich=
tigen Fragen wird es auch weiter in dem
neuen Reichstag entſcheidend bleiben, da die
anderen bürgerlichen Parteien durch die
Reichs=
tagswahlen zum Vorteil der Sozialdemokraten zu
ſehr geſchwächt ſind und die Regierung mit den
Sozial=
demokraten nicht zuſammengehen kann. Die Anſicht, daß
die Präſidentenwahl für die künftige Situation und die
Verhältniſſe der Parteien im Reichstage entſcheidend ſein
werde, hat ſich bewahrheitet: die Machtſtellung des
Zen=
trums iſt durch die Reichstagswahlen geſtärkt worden;
denn die Gegner des ſchwarz=blauen Blocks bilden keine
einige und zuverläſſige Mehrheit.
Auch die linksliberalen Blätter machen aus ihrer
Ent=
täuſchung über den Ausgang der Wahl am Freitag kein
Hehl.
Die Frankf. Ztg. ſchreibt: Der Ausgang, den die
Präſidentenwahl genommen hat, entſpricht nicht den
Er=
wartungen, die man nach dem Wahlausfall und nach den
Mehrheitsverhältniſſen hat hegen dürfen. Ueber taktiſchen
Erwägungen und perſönlichen Bedenken ſind die großen
Geſichtspunkte außer acht gelaſſen worden, die für den
Wahlkampf entſcheidend waren und deshalb auch bei der
Zuſammenſetzung des Reichstagspräſidiums hätten
be=
ſtimmend ſein müſſen. Die Parteien der Linken hatten
den ſchließlichen Erfolg gegen den ſchwarz=blauen Block
davongetragen, aus ihrer Mitte hätte alſo auch unter
allen Umſtänden der Präſident des Reichstags, der dieſen
nach außen repräſentiert, entnommen werden müſſen. Es
ſchien in der Tat auch, als ob hierüber eine Einigung
ſicher ſein müſſe, ſofern nicht durch eine Zufallsmehrheit
infolge von Krankheit einiger Mitglieder oder ähnlicher
Gründe Rechte und Zentrum das verhindern konnten.
Letzteres war aber, wie ſich aus der Präſenz des
Reichs=
tags ergab, nicht der Fall. Und doch iſt nicht das
eigent=
lich Selbſtverſtändliche eingetreten: nicht die Linke ſtellt
den Präſidenten, ſondern der Zentrumskandidat, Herr
Spahn, iſt im dritten Wahlgang gewählt worden,
ob=
gleich er nur Repräſentant der Minderheit iſt.
Die nationalliberale Nationalzeitung ſchreibt: Die
kurzſichtige Haltung der ſozialdemokratiſchen Fraktion, die
in gewiſſem Sinne Felonie begangen hat, indem ſie den
Prinzen Schönaich=Carolath Herrn Peter Spahn zu Liebe
geopfert hat, iſt an der merkwürdigen Wendung ſchuld, die
die Dinge genommen haben. Wenn die
Nationallibera=
len bei der Wahl des 1. Vizepräſidenten für den
Sozial=
demokraten Scheidemann geſtimmt haben, geſchah es
zwei=
fellos in der Erwägung, daß der ſozialdeinokratiſchen
Fraktion als der ſtärkſten eine Vertretung im Präſidium
zukommt und daß ſie für ihren Teil nicht gewillt waren,
eine ähnliche Inkonſequenz zu begehen.
Die Freikonſervative Korreſpondenz ſchreibt: Die
Präſidentenwahl im Reichstag hat die denkbar
über=
raſchendſte Wendung genommen. Die große liberale
Mehrheit iſt zerfallen, die Sozialdemokraten haben die
Wahl des Prinzen Carolath zum erſten Präſidenten
ver=
hindert indem ſie auch im zweiten Wahlgang an Bebel als
erſten Kandidaten feſthielten. Infolge davon kam es zu
einer zweiten Stichwahl, in der der Reichstag zwiſchen
Spahn und Bebel zu entſcheiden hatte, der Sieger blieb
Spahn. und ſo hat denn der Feldzug gegen den
ſchwarz=
blauen Block dahin geführt, daß ein Zentrumsmann
wie=
der erſter Präſident des deutſchen Reichstages iſt. Das
Trauriaſte aber iſt, daß bei der Stichwahl zwiſchen Spahn
und Bebel nicht nur die Fortſchrittler, ſondern auch ein
Teil der Nationalliberalen für Bebel ſtimmten, trotz der
Ohrfeige, die ihnen die Sozialdemokraten durch die
Ver=
hinderung der Wahl des Prinzen Carolath gegeben
ha=
ben. Nur 11 Nationalliberale, und wenn man von Dr.
Becker und dem Frhrn. Heyl zu Herrnsheim, bei denen
das ſelbſtverſtändlich war. abſieht, ſo haben nur 9
Mit=
glieder der nationalliberalen Fraktion die Wahl Bebels
verhindert, indem ſie für Spahn ſtimmten: 13 haben ſich
der Abſtimmung enthalten, die größere Zahl der
Natio=
nalliberalen hat dem Todfeind der bürgerlichen
Geſell=
ſchaft. Bebel, die Stimme zum erſten Präſidenten des
deutſchen Reichstages gegeben.
Englands Flottenpolitik.
* Der erſte Lord der Admiralität Churchill hielt
bei einem Frühſtück in Glasgow anläßlich der
Beſich=
tigung der Clyde Shipbuilding Yards eine Rede, in
der er folgendes ausführte:
Die britiſche Flotte iſt nicht nur ſtark, ſie iſt auch
aus=
gezeichnet vorbereitet, jedem plötzlichen Rufe ſofort Folge
zu leiſten. Wir hoffen, daß die Schaffung eines
Admiral=
ſtabes der Marine eine Wiederholung der vor kurzem
all=
gemein verbreiteten Gerüchte unmöglich macht, daß die
Flotte nicht kriegsbereit ſei. Wir hegen keine aggreſſiven
Abſichten und hegten ſolche nie. Wir ſetzen ſolche
Gedan=
ken auch nicht bei anderen Großmächten voraus.
Zwi=
ſchen der engliſchen Seemacht und der Seemacht des
gro=
ßen befreundeten Deutſchen Reiches — ich vertraue
dar=
auf, daß es lange ein großes befreundetes Deutſchland
bleiben möge — beſteht indeſſen der Unterſchied, daß für
uns die Flotte eine Notwendigkeit, während ſie
von manchen Geſichtspunkten aus für die Deutſchen
mehr eine Art Luxus iſt. (!) Die Macht zur See
ſchließt die Eriſtenz Großbritanniens ein. Wie groß und
überlegen unſere Flotte auch werden möge: auf der
an=
deren Seite würden alle Güter unſerer Raſſe und unſeres
Landes, der ganze Reichtum, der durch jahrhundertelange
Arbeit und Opfer aufgehäuft wurde, untergehen und
hin=
weggefegt werden, wenn unſere Ueberlegenheit zur See
gefährdet würde. Das iſt die Bedeutung der britiſchen
Flotte, daß ſie Britannien die Stellung als
Groß=
macht verleiht. Deutſchland war in der ganzen Welt eine
geachtete und geehrte Großmacht, ehe es auch nur ein
ein=
ziges Schiff beſaß. Dieſe Tatſachen ſollte man ſich klar
vor Augen halten. Es iſt allerdings kein Zweifel, daß
in verſchiedenen Kreiſen Neigung zu der Annahme herrſcht,
daß für Britannien und Deutſchland, was die Sorge
für die Flotte betrifft, die gleichen Bedingungen
gege=
ben ſeien. Dieſe Annahme iſt ganz falſch. Die
eng=
liſche Regierung iſt entſchloſſen, die Suprematie zur See.
die unſer Land beſitzt. aufrecht zu erhalten.
Wir erſehen augenblicklich aus der Preſſe, daß
wei=
tere Flottenverſtärkungen bei den Mächten des Kontinents
in Ausſicht ſtehen. Das iſt eine ſehr ernſte Sache, da nicht
nur die Flotten an Größe wachſen, ſondern alles, was
mit der Flotte zuſammenhängt, ebenfalls immer höhere
Ausgaben erfordert. Es beſteht gar kein Zweifel, daß
die Nationen Europas ſich ſelbſt und einander vorwärts
drängen auf einem Weg von beinahe unbegrenzter
Aus=
behnung und unbegrenzten Koſten. Wir mögen unſere
eigene Meinung darüber haben, inwieweit die künftigen
Generationen dem gegenwärtigen Zeitalter mit ſeinem
Chriſtentum, ſeiner Weisheit und ſeiner Ziviliſation
An=
erkennung zollen werden, das dieſen traurigen,
gefähr=
lichen und unfruchtbaren Wetteifer hervorgebracht hat,
der ſo bezeichnend für unſer Leben iſt. Aber er iſt nun
einmal vorhanden, und wir haben uns damit abzufinden.
Ich freue mich, Ihnen heute mitteilen zu können, daß
kein Grund zur Beunruhigung vorliegt. England habe
genug Schiffe gebaut, um ſich die Herſchaft zur See
wirk=
ſam zu ſichern. Es wäre eine reine Verſchwendung, mehr
Schiffe zu bauen, als für dieſen Zweck zu irgend einer=Zeit
notwendig ſeien. Was erforderlich ſei, ſei ein ſchnelles
Bauen nach einem regelmäßigen Plan. Seiner Anſicht
nach ſollte indeſſen ſtatt des jährlichen Flottenetats dem
Parlament ein Bedarfsnachweis für den Zeitraum von
mehreren Jahren vorgelegt werden. Man brauche keine
Beſorgnis zu haben, daß England nicht imſtande ſei, die
nötigen Schiffe zu bauen; darin ſtehe England unerreicht
da. Auch die Perſonalfrage biete keine
Schwierig=
keit: Britannien verfüge über 135000 ausgebildete
langgediente Leute und dazu komme die Marinereſerve,
von der in Zukunft mehr Gebrauch gemacht werden ſolle.
Churchill ſchloß mit den Worten: Wir würden die
erſte Macht ſein, die eine Verlangſamung oder ein
Nach=
laſſen des maritimen Rüſtungswetteifers willkommen
hieße, und würden ein ſolches Nachlaſſen nicht mit
Wor=
ten, ſondern mit Taten begrüßen. (Beifall.) Falls aber
Verſtärkungen auf dem Kontinent ſtattfinden ſollten,
wer=
den wir keine Schwierigkeiten haben, ihnen zu begegnen.
Wenn der Wettſtreit zur See ſchärfer wird, werden wir
nicht nur die Zahl unſerer Schiffe vermehren, ſondern
auch das ganze Verhältnis ändern, in dem unſere Flotte
zu denen anderer großer Seemächte ſieht, ſodaß unſere
prozentuale Ueberlegenheit mit dem Anwachſen der
Span=
nung größer und nicht kleiner wird, und wir ſicher ſein
konnen, daß andere Seemächte, ſtatt uns durch vermehrte
Anſtrengungen zu überflügeln, weit hinter uns
zurück=
bleiben. Möge die Bevölkerung von Glasgow ein großes
Clyde=Dock bauen und ſo die britiſche Flotte unterſtützen,
die es England ermöglicht, den Weg durch die Welt zu
gehen ohne Skreit zu ſuchen oder zu fürchten!
Die Times ſpricht ihre Zufriedenheit über die Rede
Churchills aus, billigt aber nicht ſeine Aeußerung, daß
für Deutſchland die Flotte in gewiſſem Maße ein Luxus
ſei. Das Blatt meint, dieſe Worte werden, obwohl ſie
mit den nötigen Einſchränkungen gebraucht wurden, in
Deutſchland nicht gut aufgenommen werden, und wir
glauben nicht, daß ſie gut gewählt waren. Eine Flotte
iſt für das Deutſche Reich nicht in demſelben Grade und
in demſelben Sinne eine Notwendigkeit, wie für das
bri=
tiſche Reich, das ohne ſie einfach in Stücke fallen würde;
aber ſie iſt für Deutſchland mehr als ein Luxus. Die
Deutſchen müſſen in der Lage ſein, ihren überſeeiſchen
Handel im Falle der Not einen gewiſſen Schutz zu
gewäh=
ren. Es liegt auf der Hand, daß die Rede Churchills im
Zuſammenhang mit Lord Haldanes Unterredungen mit
dem Kaiſer, ſowie den anderen bedeutenden
Perſönlich=
keiten in Berlin geleſen werden muß. — Die Daily
News greift die Rede Churchills an, die ſchwer mit der
Miſſion Haldanes in Einklang zu bringen und in einem
unglücklichen Augenblick gehalten worden ſei. — Daily
Graphic billigt die Rede Churchills, ſagt aber, es ſei
nicht im beſten Geſchmack geweſen, Deutſchland künſtlich
hineinzuziehen, zumal in einem Augenblick, wo von
ei=
nem anderen britiſchen Miniſter über eine Verſöhnung
mit der deutſchen Regierung verhandelt wird. Es ſei
ferner nicht gut, zu ſagen, daß für Deutſchland die Flotte
nur ein Lurus ſei. Alle Nationen empfinden die
Not=
wendigkeit von Kriegsſchiffen, und Deutſchland mit
ſei=
nen Kolonien und einer erſten Handelsflotte und einem
gewaltigen Ausfuhrhandel begeht keine Extravaganz,
wenn es das Gleiche tut — Daily Chronicle billigt
den Inhalt der Rede, meint aber, man könne verſchiedener
Auffaſſung ſein, ob es notwendig war, den unoffiziellen
Beſuch Lord Haldanes in Berlin durch eine öffentliche
Rede des erſten Lords der Admiralität zu ergänzen.
Deuſches Reich.
— Deutſchland und England. Von
unter=
richteter Seite wird davor gewarnt, den Beſuch
Lord Haldanes in Berlin zu überſchätzen.
Ver=
handlungen im formalen Sinne fanden nicht
ſtatt, obgleich nicht beſtritten werden ſolle, daß
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Februar 1912.
Nummer 36.
Großbritannien die Verbeſſerung ſeiner Beziehungen
zu Deutſchland anſtrebe und hierbei naturgemäß von
deut=
ſcher Seite keine Abweiſung erfahre. Eine über das
an=
gebliche Verhandlungsprogramm vorliegende Mitteilung
halte ſich nicht an das Tatſächliche und Wirkliche.
— Das Motuproprio im preußiſchen
Ab=
geordnetenhauſe. Bei der Beratung des Etats
des Miniſteriums der Auswärtigen Angelegenheiten im
preußiſchen Abgeordnetenhauſe kam ein Antrag der
Na=
tionalliberalen auf baldige authentiſche Mitteilung über
das neueſte Motuproprio betr. das Gerichtsverfahren
ge=
gen Kleriker zur Beratung.
Der nationalliberale Abgeordnete Campe verurteilte
in ſcharfen Worten das Vorgehen der Kurie und führte
u. a. aus, daß es ein ehernes Naturgeſetz geworden zu
ſein ſcheine, daß wir alljährlich von Rom mit
Kundgebun=
gen bedacht werden, die den konfeſſionellen Frieden zu
ſtören geeignet ſind. Derartige Kundgebungen ſeien ein
Stoß gegen die Grundlagen des modernen
Staatsgetrie=
bes. Staatsſekretär von Kiderlen=Wächter bemerkte in
Be=
antwortung des nationalliberalen Antrages, daß der
Ge=
ſandte in Rom dem Kardinal=Staatsſekretär
mitgeteilt habe, daß die preußiſche Regierung
jeder Verfügung ihre Wirkſamkeit unterſagen
müſſe, die mit den Reichs= oder Landesgeſetzen in
Wider=
ſpruch ſtehe. Er hoffe, daß dieſe Aufklärung ausreichend
ſei, um den Antrag auf Vorlegung der Akten nicht
zuzu=
ſtimmen. v. Pappenheim (konſ.) erklärte ſich im Großen
und Ganzen mit den Ausführungen des Abgeordneten
Campe einverſtanden, bat jedoch mit Rückſicht auf die
Er=
klärung des Staatsſekretärs über den Antrag Campe zur
Tagesordnung überzugehen. Dieſer Antrag wurde
ange=
nommen. Dadurch war der Antrag Campe erledigt.
— Die badiſchen Eiſenbahnfinanzen.
Nach der Mitteilung des Finanzminiſters in der Erſten
Kammer iſt der Rechnungsabſchluß für die Verwaltung
der badiſchen Staatsbahnen für 1911 ſo günſtig wie noch
nie. Die Einnahmen ſind gegenüber dem Vorjahr um
7¼ Millionen geſtiegen und betragen insgeſamt 112
Millionen. Der Hauptanteil von rund 70 Millionen
entfällt auf den Güterverkehr. Allerdings ſind auch die
Ausgaben gegenüber dem Vorjahr um mehr als drei
Millionen geſtiegen und betragen rund 76 Millionen Mark.
Immerhin verbleibt nach vorläufiger Schätzung ein
Ueber=
ſchuß für 1911 von rund 34 Millionen, der höchſte Betrag
ſeit 70 Jahren. Wenn man ferner berückſichtigt, daß für
1912 das Doppelte des Ertrags von 1906 bei der
badi=
ſchen Einkommenſteuer erhofft wird, ſo verſteht man den
Optimismus, mit dem unſere maßgebenden Finanzkreiſe
die heutige Lage unſeres Staatshaushalts, beurteilen.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die konſtituierende
Generalverſamm=
lung der Hungaria=Bank fand am Freitag in
Peſt mit einem Aktienkapital von 5 Millionen Kronen
ſtatt. Dr. Oskar Charmant erklärte nach der
Konſtituie=
rung, daß ſowohl politiſche als konfeſſionelle Velleitäten
von der Gründung fernſtehen, weil dieſe ein geſundes
Ge=
ſchäft unmöglich machen. Die nach der
Generalverſamm=
lung abgehaltene Direktionsſitzung wählte den Grafen
Alexander Sztaray zum Präſidenten, ferner ein aus vier
Mitgliedern beſtehendes Exekutivkomitee.
Frankreich.
Die Beratung des deutſch=
franzöſi=
ſchen Abkommens im Senat. Der Senat ſetzte
die Beratung des deutſch=franzöſiſchen Abkommens fort.
d’Aunay erkannte an, daß das Abkommen eine
ge=
wiſſe Entſpannung brachte. Er erklärte, daß er
zahl=
reiche Schwierigkeiten bei der Verwirklichung vorausſehe
und deshalb nur reſigniert für das Abkommen ſtimme.
Iénouvrier beantragte, indem er auf den einmütigen
Beifall, den die Rede Pichons gefunden habe, hinwies,
daß dieſe angeſchlagen werde. Pichon dankte, bat aber
im Intereſſe der Sache, der er diene, auf dem Vorſchlag
nicht zu beharren und der Bitte von Jénouvrier nicht zu
entſprechen. — Ribot, der Präſident der Kommiſſion
für das deutſch=franzöſiſche Abkommen, billigte, daß Del=
caſſé den Augenblick für gekommen hielt, an die Löſung
der marokkaniſchen Frage zu gehen, wenn Delcaſſé
ſich auch über die Wahl der Mittel täuſchen ließ. Der
Vertrag von 1909 war zwar unzureichend, aber doch
aus=
gezeichnet. Uebrigens wurde von 1909 bis 1911 nichts
ge=
tan, um durch eine Regelung der finanziellen Frage die
Ordnung zu ſichern. Pichon proteſtierte, indem er
dar=
auf hinwies, daß ſich die Regierung ſeit 1910 mit einer
Anleihe beſchäftigte. Eine Macht proteſtierte dagegen:
Deutſchland! Ribot ſtellte feſt, daß es in zwei Jahren
nicht gelungen ſei, dem Sultan eine ausreichende Polizei
zu ſchaffen. Frankreich hatte unrecht, fuhr Ribot fort,
ſich von den Deutſchen ſagen zu laſſen, daß es die
Alge=
cirasakte verletzte. Man mußte jedoch verhandeln. Nach
der Entſendung des „Panther” hätte ſich Cambon nicht
er=
laubt, nach Berlin zurückzukehren. Bei der
Wiederauf=
nahme der Verhandlungen hätte man ſagen ſollen: Wir
werden uns in Paris unterhalten. Deutſchland hoffte,
die franzöſiſche öffentliche Meinung dahin zu bringen, die
Vergangenheit zu vergeſſen. Es täuſchte ſich in der
Na=
tion. Sie wollte nicht den Krieg, aber war bereit, ihn
zu führen. Ribot fuhr dann fort: Deutſchland
verrech=
net ſich, wenn es hofft, die Richtung der franzöſiſchen
Po=
litik zu ändern, denn dieſe beruht auf der Regung des
nationalen Gewiſſens. Was unſere Politik Deutſchland
gegenüber betrifft, ſo haben wir zu ihm höfliche
Be=
ziehungen. Es iſt uns gelungen, kommerzielle
Schwierig=
keiten zu löſen, aber wir werden unſere Politik ſtolzer
und würdiger Zurückhaltung nicht ändern. Niemand in
Europa will den Krieg, aber jeder fürchtet ihn. Wir für
un=
ſeren Teil wollen friedlich bleiben, aber halten wir unſere
Kanonen und uns ſelbſt in gutem Zuſtande. Dennoch
könnte das Land die Ablehnung des Vertrages nicht
bil=
ligen, den unſere Freunde und Verbündeten als einen
Erfolg betrachten. Zum Schluß verteidigt der Redner
das Verlangen der Regierung an den Senat, die
An=
nahme des Vertrages zu beſchleunigen. Die Sitzung
wurde dann aufgehoben.
Serbien.
Wiedereinſetzung des Kabinetts
Milo=
wanowitſch. Milowanowitſch, der vom König mit
der Bildung des Kabinetts betraut worden war,
verhan=
delte mit mehreren altradikalen Politikern. Da jedoch die
Verhandlungen einen ſchleppenden Verlauf nahmen,
un=
terbreitete Milowanowitſch dem König die unveränderte
Liſte des demiſſionierten Kabinetts, die vom König
un=
verzüglich beſtätigt wurde. Somit wurde die Regierung
von denſelben Miniſtern übernommen, deren
Enthebungs=
geſuche vor wenigen Tagen von der Krone angenommen
worden war.
Japan.
Japans Stellung zu den chineſiſchen
Wirren. Im Landtag wieſen bei der Beratung einer
Interpellation über die Lage in China die Nationaliſten
nachdrücklich darauf hin, daß gegenwärtig eine
ausgezeich=
nete Gelegenheit geboten ſei, die japaniſchen Intereſſen
in China auszudehnen. Der Miniſter des Aeußern
Vicomte Uchida erklärte darauf, alles, was unter den
gegenwärtigen Umſtänden notwendig ſei, ſei bereits
ge=
ſchehen. Die Regierung habe ihren Beiſtand auch
Ein=
zelperſonen zuteil werden laſſen, die Intereſſen in China
zu erwerben ſuchten. Dieſe Politik müſſe jedoch
aufgege=
ben werden, oder ſie würde zu Verwicklungen führen, da
ſie den Grundſätzen der Neutralität widerſpreche. Japan
habe ſich geweigert, Kriegsteilnehmer auf der
mandſchu=
riſchen Eiſenbahn zu befördern und den Revolutionären
gegenüber gegen jede Verletzung der Neutralität der
Inſel Kwantung proteſtiert. Ueber Anleihen beſtimmte
Auskunft zu geben, lehnte der Miniſter ab.
* Bremen, 9. Febr. Heute nachmittag fand im
Hauſe „Scefahr”, wie alljährlich im Februar, die
Schaf=
fermahlzeit ſtatt. Unter den auswärtigen Gäſten
befand ſich auch Graf Zeppelin. Die in dieſem Jahre als
Schaffer der Kaufmannſchaft fungierenden Herren
Direk=
tor Patzet, Direktor Dr. Tetens und Generalkonſul Bankier
Hencke hielten die vorgeſchriebenen Toaſte. Direktor Petz
drückte bei ſeinem Toaſt auf das Heer und die Flotte
den Wunſch aus, daß in nicht zu ferner Zeit die jüngere
Schweſter Achtung gebietend daſtehen möge, unſere
Luft=
flotte. Direktor Dr. Tetens begrüßte beſonders den
kühnen ſchwäbiſchen Reiteroffizier von Niederbronn, der
in jugendlicher Friſche 40 Jahre ſpäter einen noch
küh=
neren Ritt getan habe, als er dem Verkehr das Reich der
Lüfte eroberte. Nach den offiziellen Toaſten drückte Graf
Zeppelin ſeinen Dank aus. Er dankte ferner dem
Norddeutſchen Lloyd für die Opfer, die er der
Spitzber=
gen=Expedition gebracht habe, und gab im Auftrage der
Delag bekannt, daß das neueſte Luftſchiff, das in der
näch=
ſten Zeit mit ſeinen Probefahrten beginnen würde, mit
Bewilligung des Kaiſers den Namen „Viktoria Luiſe‟
erhalten werde. Das demnächſt folgende ſolle „Hanſa‟
heißen. Er hoffe, damit Bremen einen Beſuch abzuſtatten.
* Brüſſel, 9. Febr. Die ausſtändigen
Bergarbeiter im Borinagegebiet fahren fort,
Lebensmittel zu vernichten und Läden zu plündern. Die
Regierung entſandte mehr Militär. — Der Provinzialrat
von Hennegau bewilligte 50000 Francs für die
Ausſtän=
digen, worauf die Sozialiſten einen ſchleunigen Antrag
in der Kammer einbrachten, von Staatswegen 500000
Francs zu gewähren. — An dem Referendum über die
Fortſetzung des Ausſtandes beteiligen ſich angeblich
ver=
hältnismäßig wenige Bergarbeiter.
* Die Bergleute des Loire=Bezirks
ver=
anſtalteten Freitag eine allgemeine Abſtimmung über die
Frage, ob der Geſamtausſtand am 1. März erklärt
werden ſoll. 8532 Stimmen waren für und 1323
Stim=
men gegen den Geſamtausſtand.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 12. Februar.
* Vom Hofe. Der Fürſt und die Prinzeſſin
Marie eu Solms=Lich ſind am Freitag
nach=
mittag 2 Uhr 28 Min. zum Beſuch im Neuen Palais
ein=
getroffen. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Samstag den Vorſteher der
Kreiserziehungsanſtalt Hoffmann von Mühlheim a. M.,
den Lehrer Heß von Griesheim, den Rentner Heinrich
Koch von Alsfeld, den Kreisſtraßenmeiſter Gölz von
Worms, den Kreisamts=Bureauvorſteher Hübner von
Worms, den Uhrmacher Ritzert von Groß=Umſtadt, den
Landwirt Hax von Groß=Umſtadt; zum Vortrag den
Finanzminiſter Braun, den Vorſtand des Kabinetts
Geheimerat Römheld.
* Perſonalien von der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſen=
bahngemeinſchaft. Im Namen der Großh. Regierung
in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft
voll=
zogene Ernennungen und Beförderungen (1. Januar
bis 1. Februar 1912): zum Eiſenbahnaſſiſtenten der
kommiſſariſche Eiſenbahnaſſiſtent (Diätar) Lenz zu
Kelſterbach; zu Lokomotivführern die Lokomotioheizer
Geduldig zu Mannheim, Sehner zu Worms,
Sprengard zu Bingerbrück und Weißmantel
zu Darmſtadt; zu Lokomotivheizern die Hilfsheizer
Friedrich zu Mainz, Gambs zu Darmſtadt,
Metzger zu Worms und Pfaff zu Bingerbrück; zu
Bahnwärtern die Hilfsbahnwärter Kiſſel zu
Weins=
heim und Klumb zu Ockenheim.
g. Provinzialausſchuß. Der Provinzialausſchuß
be=
ſchäftigte ſich in ſeiner Sitzung am Samstag mit der
Rekla=
mation gegen die Bürgermeiſterwahl in Jügesheim. Im
Mai vorigen Jahres fand in Jügesheim die
Bürgermeiſter=
wahl ſtatt. Dieſe und die folgende Stichwahl wurde vom
Kreisausſchuß Offenbach für ungültig erklärt, da
Wahlbeein=
fluſſungen durch Freibier u. a. vorgekommen waren. In
der zweiten Wahl am 16. September erhielt Landwirt
Bruder 211 Stimmen und Landwirt Winter 205
Stim=
men. Auch dieſe Wahl wurde vom Kreisausſchuß
Offen=
bach für ungültig erklärt, da feſtgeſtellt wurde, daß
Stimm=
zettel an Wähler verſchickt worden ſind, auf denen der Name
des Kandidaten Winter durchgeſtrichen war, unter Beiſchluß
einer Aufforderung, den Winter nicht zu wählen. Einem
Fuhrmann, der für den Kohlenverein Fuhren beſorgte, war
mit der Entziehung der Fuhren gedroht worden, falls
Win=
er gewählt würde. Sie ſind ihm auch tatſächlich entzogen
worden. Gegen die Entſcheidung des Kreisausſchuſſes war
von dem Kandidaten Bruder Rekurs eingelegt worden. Der
Rekurs wurde vom Provinzialausſchuß als unzuläſſig
ver=
worfen. Bruder ſei nicht als Beteiligter anzuſehen, ſeine
Zuziehung zum Verfahren hätte nur erfolgen müſſen, wenn
es ſich um Reklamationen handelte, die ſeine Perſon betreffen.
Wenn es ſich um die Geſetzlichkeit der Wahlhandlung
han=
delt, wie in dieſem Fall, wäre er nicht als Beteiligter
an=
zuſehen. Er war demnach auch nicht berechtigt, Rekurs zu
verfolgen. Die Koſten des Verfahrens, ſowie die Koſten
der anwaltlichen Vertretung der Gegenpartei hat Bruder
Ein Blick in die Kleinwelt Chinas.
** Die Pſychologie des chineſiſchen Volkes und ſeine
eigenartigen Lebensbedingungen, deren Beſonderheit zu
langdauernden Verwirrungen und nun zu einer
allmäh=
lichen Neuformung des Staatsweſens führt, läßt ſich
durch nichts beſſer erforſchen, als durch ein aufmerkſames
Herumwandern in den Straßen und Läden einer großen
Stadt. Aus den wunderlichen und bizarren Einzelheiten,
in denen ſich Weſen und Treiben der niederen Schichten
äußert, fügt ſich dem ſcharfſinnigen Beobachter ein
ge=
treues Spiegelbild des Nationalcharakters zuſammen.
Freilich darf er da nicht eine der großen Städte, die ganz
unter europäiſchem Einfluß ſtehen, wie Kanton,
Hong=
kong, Schanghai und Hankau und andere auswählen,
ſondern er muß eine Großſtadt zu ſeinem Studienfeld
machen, die ganz im Innern liegt, gegen fremde Einflüſſe
abgeſchloſſen, und in der ſich chineſiſches Weſen noch rein
und unverfälſcht erhalten hat. Ein engliſcher
Kultur=
pſychologe, John Wyatt, hat ſich zu dieſem Zweck die
uralte Stadt Changſha an dem Oſtufer des Siangfluſſes
ausgeſucht, die in ihren Mauern etwa eine halbe
Mil=
lion Einwohner birgt und ein Handelszentrum iſt. In
einem Aufſatz zeichnet er intereſſante Straßenbilder aus
dieſer Hochburg altchineſiſchen Geiſtes, die für die
Phy=
ſiognomie der chineſiſchen Kleinwelt typiſch ſind.
Tritt man durch eines der Haupttore in die Stadt
hinein, ſo umfaßt einem ſogleich das enge Gewirr der
Gaſſen mit ſeiner den Europäer wenig anmutenden
Atmoſphäre von Schmutz und Geſtank. Der Grund und
Boden, auf den man tritt, iſt mit einer ſchwarzen,
glit=
ſchigen Schmutzſchicht bedeckt, in der allerlei Ueberreſte
von Gemüſen, Eingeweide von Tieren und anderer
Un=
rat feſtgetreten ſind. Beſonders in der heißen Jahreszeit
ſtrömt von dieſem „Trottoir” eine betäubende Symphonie
der ſcheußlichſten Gerüche aus, und die einzige Rettung
in dieſer Hölle der Geruchsnerven beſteht für den
Euro=
päer darin, die Tabakspfeife nicht ausgehen zu laſſen.
Blickt man vom Boden auf, ſo iſt die Ausſicht durch
zahl=
ſoſe Fähnchen und Schilder aller Art verſperrt, durch ein
Gewirr von goldig, blau und rot leuchtenden Buchſtaben,
in denen die verſchiedenſten Waren in den höchſten Tönen
blumenreicher Sprache angeprieſen werden. Die Menge
ſchiebt ſich ziemlich ordentlich und ruhig zwiſchen den
Lädenreihen durch. Da gibt es keine Anweiſungen, die
zum „Rechtsgehen” auffordern; kein Schutzmann regelt
den Straßenverkehr, und doch erfolgt in dem Gedränge
keine Stockung, ſondern alles wickelt ſich harmoniſch ab.
Der Geiſt der Rückſichtnahme und der Verantwortlichkeit,
der im Charakter des Chineſen ſo ſtark ausgeprägt iſt,
offenbart ſich hier ſehr deutlich, und wenn eine Schar
Kulis mit ſchweren Laſten beladen daherkommt, ſo ſpringt
auf ihr langgedehntes „ai-ai-ai” der gewöhnliche
Paſ=
ſant raſch bei Seite, vielleicht in einen Korb mit Fiſchen
oder Gemüſen hinein, oder an eine Wand, die auf ſeinem
Staatskleid empfindliche Schmutzſpuren zurückläßt.
Gut=
mütiges Lachen, Höflichkeit und Ruhe beherrſchen eine
ſolche Epiſode. Hier und da ertönt wohl auch der dumpfe
Klang eines Gongs; dann drängen ſich Herumlungerer,
Kaufleute und Laſtträger einmütig auf die Seite, um
dem Mandarinen freie Bahn zu laſſen, deſſen Sänfte eilig
vorbeikommt. Vor Seiner Hoheit eilt der Gongträger
her, ihm zur Seite trägt ein Beamter den großen roten
Sonnenſchirm, und das Gefolge macht den Beſchluß.
Das Volk auf der Straße iſt faſt durchweg gut gekleidet;
gedämpftes Lachen und Plandern ſchallt aus den
zuſam=
menſtehenden Gruppen; ein Hauch der Heiterkeit und der
Zufriedenheit ſchwebt über dieſer idylliſchen Kleinwelt.
Das weibliche Element fehlt faſt völlig; die wenigen
Frauen, die man ſieht, gehören zu den unterſten Ständen
und ſind hauptſächlich Bettlerinnen.
Merkwürdig ſind die kleinen kegelartigen Häuſer, die
bisweilen über die Straße geſchoben werden; ſie
enthül=
len dem Wiſſenden ein ſympathiſches Bild chineſiſcher
Wohltätigkeit. Ein Unglücklicher, der durch Alter oder
Krankheit arbeitslos geworden iſt und von der Familie
nicht ernährt werden kann, erhält ein ſolch ſtallartiges
Holzhaus von vier oder fünf Fuß Höhe und einer Breite
von ſechs zu drei Fuß. Hier erhält der Unglückliche ſein
Heim und wird vor die Türen Mildtätiger gefahren, die
ihm Nahrung und Kleidung geben, ihn pflegen und
war=
ten, bis ſie genug des Guten getan haben und ihn vor
ein anderes wohltätiges Haus ſchieben. Belebt iſt die
Straße durch ein Gewimmel von fliegenden Händlern,
die ihre Waren ausrufen, und beſonders der „
Rauchver=
käufer” der gegen billiges Geld dem Vorübergehenden
einen Zug aus der Waſſerpfeife geſtattet, macht gute
Ge=
ſchäfte. Der neugierige Blick aber wird hauptſächlich von
der vielgeſtaltig bunten Welt der Läden angezogen, die
alle ihre Schätze bis in die Tiefe hinein dem Paſſanten
frei und offen darbieten. Zumeiſt kann er hier nicht nur
die fertigen Waren, ſondern auch ihre Produktion ſehen,
denn der Laden iſt zugleich Fabrik, und fleißige Hände
verfertigen das, was vorn zum Verkauf bereit ſteht. Es
ſind ſehr primitive Formen der Handarbeit, die ſich dabei
enthüllen; was vor Jahrhunderten galt, gilt noch heute,
und ebenſo erſtaunlich wie die Geſchicklichkeit der
Arbei=
ter ſind die veralteten Arten der Inſtrumente. Das
Hauptmaterial iſt der Bambus, aus dem alles gemacht
wird, vom Trageſtock des Kuli bis zum Armband der
Dame.
Ein maleriſches Bild von Chinas uralter Kultur und
der Schönheit ſeines Kunſtgewerbes bieten die
Antiqui=
tätenläden, in denen die herrlichſten Seidengewänder
neben dem wundervollſten Porzellan liegen, auf
pracht=
vollen Möbeln ſeltene Bronzearbeiten ſtehen. Gar viele
dieſer „alten Sachen” würden das Entzücken
europäi=
ſcher Sammler erregen; freilich wird aber ſchon viel
ge=
fälſcht, beſonders das am höchſten geſchätzte Porzellan.
Kaum 10 Prozent alles deſſen, was als altes chineſiſches
Porzellan angeboten wird, verdient noch dieſen Namen.
Der höchſte Glanz entfaltet ſich in den Goldſchmied= und
den Seidenläden. Daß China das Land der Examina
und der Gelehrſamkeit iſt, merkt man auch auf den
Stra=
ßen, denn die Buchläden ſind zahlreich; in einer ruhigen
Straßenecke hat ſich ein Student mitten unter alten
Wer=
ken niedergelaſſen, um ſeine Auswahl zu treffen; ein
anderer lieſt laut aus einer Dichtung vor, und um ihn
ſammeln ſich Hörer, die begeiſtert lauſchen
Nummer 36.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Februar 1912.
zu tragen, außerdem wird ihm eine Averſionalſtrafe von
5 Mark auferlegt.
Dem Karl Lehner war für das Haus Wallſtraße 14
zu Offenbach am 3.=Auguſt 1911 die Wirtſchaftskonzeſſion
er=
teilt worden. Bald danach ſtellte ſich jedoch heraus, daß
dieſe Wirtſchaft ſich als Unterſchlupf für lichtſcheues
Ge=
ſindel darſtellte. Es wurden auch wiederholt Beſchwerden
von den Nachbarn wegen nächtlicher Ruheſtörung bei der
Polizei eingereicht. Lehner zeigte ſich zu ſchwach, den
Aus=
ſchreitungen, die faſt jeden Abend ſtattfanden,
entgegenzu=
treten. Das Polizeiamt ſetzte deshalb die Polizeiſtunde auf
11 Uhr feſt. Am 17. Oktober wurde dann den unter
ſitten=
polizeilicher Kontrolle ſtehenden Perſonen der Beſuch der
Wirtſchaft verboten. Als ſich auch dann noch keine
Beſſer=
ung einſtellte, beantragte das Polizeiamt am 30. Dezember
v. J. beim Kreisamt Offenbach, die Entziehung der
Wirt=
ſchaftskonzeſſion zu veranlaſſen. Dem Antrag wurde
ſtatt=
gegeben und der Provinzialausſchuß kam dem Antrag des
Kreisamts nach und entzog dem Lehner die Konzeſſion für
ſeine Wirtſchaft unter Auferlegung einer Averſionalſtrafe von
5 Mark.
Der Maurer Heinrich Sproß zu Groß=Zimmern hat
für ſein neu erbautes Haus um die Erteilung der
Wirt=
ſchaftskonzeſſion nachgeſucht. Der Gemeinderat hat die
Be=
dürfnisfrage bejaht, da das Haus einer ſtark frequentierten
Stelle liege. Der Kreisausſchuß Dieburg hat das Geſuch
abgelehnt, da bei 3700 Einwohnern 27 Wirtſchaften genügend
ſeien. Der eingelegte Rekurs wird verworfen unter
Auf=
erlegung der Koſten und einer Averſionalſtrafe von 5 Mark,
da der Rekurs nicht begründet worden war.
Um Erteilung eines Wandergewerbeſcheines für 1912
ſucht Ludwig Kreuz zu Ober=Roden nach. Kreuz iſt für
die Jahre 1906 bis 1911 der Wandergewerbeſchein für den
Handel mit Muſikwaren, Muſchelwaren und Regenſchirmen
im Umherziehen erteilt geweſen. Für 1912 iſt ihm vom
Kreisausſchuß Dieburg der Schein verſagt worden, da
Kreuz nur kurze Zeit in Ober=Roden wohnt, um ſich in
Ober=Roden den Wandergewerbeſchein zu erwerben.
Wäh=
rend der ganzen übrigen Zeit zieht er mit einem
Wohn=
wagen im Lande umher. Von der Gendarmerie wird er
als Zigeuner bezeichnet. Da auch die zwei ſchulpflichtigen
Kinder als verwahrloſt bezeichnet werden, verſagte der
Kreisausſchuß den Wandergewerbeſchein nach § 57b der
Gewerbeordnung. Der eingelegte Rekurs wurde vom
Pro=
vinzialausſchuß als unbegründet verworfen unter
Auferlegung eines Averſionalbetrages von 5 Mark.
* Der Prozeß der Polizeiaſſiſtentin Schapiro wegen
Beleidigung gegen die Redaktion des Neueſten Mainzer
Anzeiger wird in der zweiten Hälfte des März an der
hie=
ſigen Strafkammer verhandelt werden. Es ſollen dafür,
wie der Mainzer Anzeiger ſchreibt, acht Tage vorgeſehen
ſein. Die Verhandlung in Mainz nahm im September
v. J. nur vier Tage in Anſpruch. Den Angeklagten wird
Rechtsanwalt Bernſtein=München vertreten.
* Zur 25. Sitzung der Stadtverordneten=
Verſamm=
lung am Donnerstag, den 15. Februar, nachmittags 3½
Uhr, iſt folgende Tagesordnung feſtgeſetzt: 1.
Mit=
teilungen. 2. Aenderung der Fluchtlinien der Neuen
Ireneſtraße zwiſchen Frankfurter Straße und
Schwanen=
ſtraße. 3. Die Induſtriegleisanlage auf der Südſeite
der Weiterſtädter Straße. 4. Herſtellung der Landgraf=
Georgs=Straße von dem Schillerplatz bis zum
Oſtbahn=
hof und Einlegung der Straßenkanäle und
Verſorg=
ungsleitungen. 5. Beſchaffung von Arbeitsgelegenheit
für Notſtandsarbeiter. 6. Herſtellung eines elektriſchen
Fahrſtuhls im Pfandhaus. 7. Errichtung neuer Klaſſen
an den Mittel= und Stadtſchulen zu Beginn des
Schul=
jahres 1912/13. 8. Verlegung der Vorſchule der
Gym=
naſien in das Gebäude des Ludwig=Georg=
Gymna=
ſiums. 9. Antrag auf Gewährung von Freifahrkarten
der Straßenbahn an Schüler der Peſtalozziſchule. 10.
Be=
ſchaffung von Projektionsapparaten und Epidiaſkopen
für die beiden neuen höheren Schulen. 11. Tarif des
Hallenſchwimmbades; hier: Preisermäßigung für
Stu=
dierende der Hochſchule. 12. Beteiligung der Stadt an
der Städte=Ausſtellung in Düſſeldorf. 13. Beitritt der
Stadt zur Zentralſtelle für Bekämpfung der
Schundlite=
ratur. 14. Geſuche des „Blauen Kreuzes” des „
Alkohol=
gegnerbundes” und des „Guttemplerordens” um
Bei=
tragsbewilligung.
* Bei der Landesverſicherungsanſtalt Großh. Heſſen
ſind im Monat Januar l. J. 230 Rentengeſuche (210
Invaliden= und Krankenrentenanträge, ſowie 20
Alters=
rentenanträge) eingegangen. Unerledigt wurden in den
genannten Monat übernommen 268 Rentengeſuche,
ſo=
daß 498 Geſuche in Bearbeitung ſtanden. Es fanden
Er=
ledigung: 146 durch Rentenbewilligung (130 Invaliden=
8 Kranken= und 8 Altersrentengeſuche); 33 durch
Ablehn=
ung, weil unbegründet (30 Invaliden= und 3
Alters=
rentengeſuche), 14 durch andere Weiſe — Zurücknahme
uſw. — (13 Invaliden= und 1 Altersrentengeſuche),
zu=
ſammen 193, ſodaß 305 Geſuche als unerledigt auf den
Monat Februar 1912 übernommen werden mußten.
Fer=
ner wurden im Monat Januar l. J. 172 Anträge auf
Beitragserſtattung geſtellt, und zwar 146 infolge Heirat
weiblicher Verſicherter (H.), 24 infolge Todes
verſicher=
ter Perſonen (T.) und 2 wegen Bezugs von
Unfall=
rente (U.). Unerledigt wurden in den genannten
Mo=
nat übernommen 139 Erſtattungsanträge, ſodaß zu
be=
arbeiten waren 311 Geſuche. Bewilligt wurden 188
An=
träge (164 H., 22 T. und 2 U.), abgelehnt 54 (42 H., 9 T.
und 3 U.), und anderweit erledigt wurden 2 H.=
Erſtat=
tungsanſprüche. Unerledigt blieben 67
Erſtattungs=
anträge (36 H., 30 T. und 1 U.), die auf den Monat
Fe=
bruar 1912 übernommen wurden. — In welchem
Um=
fange die Landesverſicherungsanſtalt Großh. Heſſen
Heilverfahrenskoſten für ihre Verſicherten
über=
nimmt, ergibt ſich aus nachſtehenden Erläuterungen:
Ende Januar 1912 waren in den nachgenannten
An=
ſtalten verſicherte Perſonen untergebracht: 1. Ernſt
Lud=
wig=Heilſtätte bei Sandbach 100, 2. Eleonoren=Heilſtätte
bei Winterkaſten 59, 3. Göttmannſche Anſtalt in
Reichels=
heim 7, 4. Konitzkyſtift in Bad=Nauheim 13, 5. Bad
Orb 7, 6. Verſchiedene Anſtalten, wie Krankenhäuſer,
Kliniker und dergleichen mehr 27, zuſammen 213.
K.V. Die Kunſthalle am Rheintor iſt vom 12. d. M.
an auf einige Tage geſchloſſen.
* Stenographen=Vereinigung „Gabelsberger”. Zur
Feier des Geburtstages Gabelsbergers hatten ſich am
Freitag ſehr viele Mitglieder und Freunde der Sache im
Fürſtenſaal vereinigt. Fräulein Paſchke trug den von
Fräulein Lichtenſtein gedichteten Prolog recht
ein=
drucksvoll vor und ſchmückte die Büſte Gabelsbergers
mit Lorbeer. Darauf hielt der Vorſitzende, Kratzſch,
die Feſtrede, in der er mit Worten Gabelsbergers das
Weſen der Stenographie klarlegte und zeigte, wie
Ga=
belsberger für die Erlernung und Einübung der
ſteno=
graphiſchen Schrift Winke gegeben hat, die von jedem
Stenographen, der ſchnell zu guten Leiſtungen kommen
will, beachtet werden müſſen. Die Geſchwiſter
Zim=
brich ſpielten in vorzüglicher Weiſe die Szene „
Fräu=
lein Doktor” und ernteten reichen Beifall. Ebenſo
wur=
den einige von Fräulein Grote geſungene Lieder
leb=
haft applaudiert. Eine Gratis=Verloſung erfreute viele
und ſchließlich wurde auch getanzt. In der
vorauf=
gegangenen Verſammlung wurden 6 Neuaufnahmen
mitgeteilt, über den Beſuch der Uebungen berichtet und
ein Referat über die Ziele der Stenographen=
Vereinig=
ung Gabelsberger gegeben, nämlich um die
Verwend=
ung der Stenographie zu fördern, Kenner der
Gabels=
berger=Stenographie zu vereinigen, angehende
Steno=
graphen zu höheren Leiſtungen zu führen,
Preisaus=
ſchreiben abzuhalten und zu beſuchen. Gerade jetzt gilt
es, auf die bald ſtattfindenden Wettſchreiben ſich
gründ=
lich vorzubereiten.
* Verein Volksküche. (Unter dem Protektorate
der Großherzogin.) Mit 25 Betriebstagen im Januar
I. J. ſind in der Volksküche durchſchnittlich täglich
verab=
reicht worden: 150 Stücke Brot (mit und ohne Butter),
73 Wecke, 116 Becher Kaffee (mit und ohne Zucker), 123
Becher Milch, 26 Portionen Wurſt und Fleiſch für ſich,
76 Portionen Suppe (mittags und abends), 143
Por=
tionen Beilagen (Gemüſe, Salat, geröſtete Kartoffeln),
43 Portionen Suppe und Gemüſe zuſammen, 5
Por=
tionen Suppe und Fleiſch zuſammen, 44 Portionen
Ge=
müſe und Fleiſch zuſammen, 25 Portionen Suppe,
Ge=
müſe und Fleiſch zuſammen, 52 Portionen Heringe mit
Kartoffeln. Unter Außerachtlaſſen der vorſtehenden
Zahlen über verabreichte Brote, Wecke, Kaffee und Mllch
haben nach Maßgabe der übrigen Durchſchnittszahlen
täglich 414 Koſtgänger (männlich und weiblich) in der
Volksküche Mittag= und Abendeſſen geſucht und
ge=
funden. Dabei kamen 806 Freikarten (bereits bezahlte
Gutſcheine à 10 Pfg.) zur Ablieferung und
Ver=
wertung. — Große Sorgen, große Mühen, großer
Segen, große Wohltat!
* Suageſtionslehre, Hypnotismus, Nerven= und
Willensgymnaſtik ꝛc. In dieſen Wiſſenſchaften hält
der Jenaer Neupſychologe Paulk (Dozent des Deutſchen
Schaffer=Bundes für pſychogymnaſtiſche Perſönlichkeit=
Kultur), z. Zt. in Darmſtadt, Hotel Darmſtädter Hof,
einen mehrwöchigen, privaten Vortragszyklus und
Einzelkurſus ab. Näheres enthält der Anzeigenteil
dieſer Nummer.
* Das Doppel=Quartett Rheingold das ſich im
Sommer 1910 an dem Geſangswettſtreit des
Geſang=
vereins Sängerkranz in Dreieichenhain beteiligte, errang
daſelbſt im Klaſſenſingen den 3. Preis, im Ehrenſingen
den Ehrenpreis und höchſten Ehrenſingen den von Sr.
Durchlaucht dem Fürſten zu Iſenburg=Birſtein
ge=
ſtifteten höchſten Ehrenpreis. Durch Verſtöße gegen die
Bedingungen ſeitens des feſtgebenden Vereins wurden
etztere 2 Preiſe einem anderen Verein zuerkannt. Der
von dem Doppel=Quartett Rheingold ſofort eingelegte
Proteſt wurde von dem Schiedsgericht als zu Recht
eſtehend anerkannt und dem Rheingold die Preiſe
zugeſprochen. Da der Ausſchuß die Preiſe dem
Kon=
kurrenzverein aushändigte, mußte Klage erhoben werden
und wurde der feſtgebende Verein durch Großh.
Amts=
gericht Langen verurteilt, an das Doppel=Quartett
Rheingold die Preiſe nebſt Diplomen auszuhändigen,
was auch am 4. Februar d. J. geſchehen iſt,
* Odenwaldklub. In der Ortsgruppe Darmſtadt
des Odenwaldklubs hält heute, Montag, Herr
Sanitäts=
rat Dr. Maurer einen Vortrag über das Thema:
„Eine Ueberfahrt Bremen-New=York. Herr
Sanitäts=
rat Dr. Maurer hat den Vortrag übernommen auf Bitte
des Vorſtandes, da ein urſprünglich für dieſen Tag
vor=
geſehener Redner verhindert iſt. Daß Herr
Sanitäts=
rat Dr. Maurer vorzügliche Lichtbilder zeigen wird,
braucht wohl nicht erſt erwähnt zu werden, ebenſo, daß
er als Redner des Odenwaldklubs ſtets geſchätzt
wor=
den iſt. Dies wird ohne Zweifel Veranlaſſung ſein, daſ
der um 8,30 Uhr im Gartenſaale des Städtiſchen
Saal=
baues beginnende Vortrag zahlreich beſucht ſein wird.
O Vom Fernſprechamt. Die an die
Fernſprech=
netze in Darmſtadt, Eberſtadt und Griesheim
ange=
ſchloſſenen Fernſprechteilnehmer ſind zum Sprechverkehr
mit Prag zugelaſſen. Die Gebühr für ein Geſpräch von
3 Minuten Dauer beträgt 3 Mk.
* Die Hypothekenbank Hamburg veröffentlicht im
Anzeigenteil heutiger Nummer ihre Bilanz ultimo
De=
zember 1911, worauf Intereſſenten beſonders
aufmerk=
ſam gemacht werden.
A Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
ver=
gangener Woche. Butter ½ Kg. 1,50, in Partien 1,40 M.,
Eier 7—12 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 20—22 Pf., Handkäſe
4—10 Pf., Kartoffeln Zentner 4,50—5,00 M., Kumpf
(10 Liter) 80 Pf., ½ Kg. 6—7 Pf., Mäuschen ½ Kg. 12 bis
15 Pf.; Obſt u. dgl.: Aepfel Zentner 18—20 M., ½ Kg.
18—25 Pf., Kaſtanien ½ Kg. 14—16 Pf., Nüſſe 100 Stück
70—80 Pf., Zitronen 8 Pf., Apfelſinen 5—10 Pf.; Salate
Gemüſe: Kopfſalat 15 Pf.. Endivien 10—15 Pf., Rote
Rüben ½ Kg. 12 Pf., Rettiche 8—10 Pf., Meerrettich 15
bis 50 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 12—14 Pf., Tomaten ½ Kg.
60 Pf., Gelberüben ½ Kg. 10—15 Pf., Spinat ½ Kg.
30 Pf., Wirſing 5—25 Pf., Grünkohl 5—10 Pf.,
Blumen=
kohl, Rotkraut, Weißkraut 10—60 Pf., Erdkohlrabi 6 bis
10 Pf., Schwarzwurz ½ Kg. 30—35 Pf., Roſenkohl ½ Kg.
40 Pf.; Geflügel, Wild: Gänſe ½ Kg. 80—85 Pf.,
Enten 4—5 M., Hahnen und Hühner 2,00—2,50 M.,
Tauben 60—70 Pf., Lapins 1 M.; Fiſche ½ Kg.: Hecht
80 Pf., Aal 1,20 M., andere Rheinfiſche 30—40 Pf.,
Rot=
zungen 60 Pf., Schollen 35—40 Pf., Kabeljau 22—33 Pf.,
Schellfiſche 22—30 Pf., Seelachs 23—35 Pf.; in den=
Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch 56—60 Pf.,
Hack=
fleiſch, Schweinefleiſch 72 Pf., Rindsfett 50 Pf.,
Rinds=
würſtchen (Stück) 15 Pf., Schwartenmagen 70 Pf., Leber=
und Blutwurſt 60 Pf.
* Karnevalgeſellſchaft Narrhalla. Vom Großen Rat
wird uns geſchrieben: Eine Künſtler=
Redout=
unter Blüten wird die nächſte große Veranſtaltung
ſein, mit dem die Karnevalgeſellſchaft Narrhalla, ihren
alten Prinzip entſprechend, wieder etwas bieten wird, was
Darmſtadt noch nie geſehen hat. Und zwar ſoll dieſes Feſt
Erſatz, aber vollgültigen Erſatz bieten für den großen
Gala=Elite=Maskenball der Karnevalgeſellſchaft
Narrhalla am Faſtnachts=Samstag, der diesmal
infolge anderweitiger Vergebung des Saales nicht im
Städtiſchen Saalbau ſtattfinden kann, ſondern im Verein
mit dem glänzenden, erfolgreichſten Enſemble des Kgl.
Dresdener Belvedere im Orpheum abgehalten
wird. Tauſende Orpheumsbeſucher wiſſen, daß das Bel
vedere=Enſemble in ſeiner gegenwärtigen Zuſammenſetzung
eine Verkörperung fröhlicher genießender Lebensfreude iſt
und wenn wir ſagen, daß die Künſtlerinnen und Künſtle
mit Freuden zugeſagt haben, an dem einzigartigen Blüten
feſt am Faſtnachts=Samstag mitzuwirken und ihr Beſtes
herzugeben zu Prinz Karnevals Ehre, ſo iſt ſicher nicht zu
viel behauptet, daß dieſe Künſtler=Redoute unter
Blüten wird das Ereignis der Karnevalſaiſon 1912, ein
Feſt, wie Darmſtadt es nie geſehen. Trude Troll, der
Tanzkobold, dieſe perſonifizierte, im Rahmen fröhlichſter
Kunſt genießende Lebensfreude und Lebensluſt, als
Köni=
gin des Feſtes unter Blüten, und ihr zur Seite all die
Künſtlerinnen und Künſtler, die Abend für Abend bejubelt
werden, und dann die Schar unſerer Närrinnen, unſerer
Ballperlen; das alles unter einem Meer von Blüten, den
Freuden des Karnevals, dem fröhlich=neckiſchen Treiben des
Maskenfeſtes hingegeben, wer könnte ein köſtlicheres Bild
ſich denken? — Die zu Unternehmen dieſer Art vortrefflich
geeignete Rotunde des Orpheums wird in ſchier verſchwen
deriſcher Fülle mit Blumen, Blüten und Girlanden geſchmückt
werden. Die Eſtraden werden in lauſchige Lauben, die
Balkonlogen zum Teil in Chambres ſeparés umgewan
delt, das Sitzarrangement in der Mitte des Saales völlig
geändert, dem Charakter des Feſtes entſprechend. Die Auf
führungen der Künſtler werden natürlich dem ebenfalls Rech
nung tragen. Für die Beſucher iſt das Feſt in erſter Linie
Liederabend Aloys Burgſtaller.
St. Es iſt meiſt eine nicht ganz unbedenkliche Sache,
wenn ein Bühnenkünſtler von Ruf und Erfolg, oder gar
von größten, faſt reſtloſen Erfolgen wie Aloys
Burg=
ſtaller, der als Bayreuther Siegfried und Siegmund
Welt=
berühmtheit wurde, der Bühne, ſeiner Kunſt ureigenſtes
Element, Valet ſagt und das Konzertpodium als
Wir=
kungsſtätte erwählt. Er wird den Bühnenſänger in dem
Maße weniger verleugnen, als er ehedem die Herrſchaft
der Bühne behauptet. Das iſt auch, will uns dünken, bei
Aloys Burgſtaller der Fall, den die „Freie
lite=
rariſch=künſtleriſche Geſellſchaft” für
Frei=
tag zu einem Liederabend gewonnen, mit dem ſie dem
zahlreichen Auditorium einen — wenn auch vielleicht nicht
ganz ungeſchmälerten:Kunſtgenuß, ſo doch einen
außeror=
dentlich intereſſanten Abend bot. Wer vor 10 oder 12
Jahren den Künſtler auf der unbeſtrittenen Höhe ſeiner
Kunſt und ſeines Könnens als Lohengrin auf unſerer
Hofbühne gehört und geſehen, der mag volle Befriedigung
nicht empfunden haben und es ſchien, als fühle ſich die
bel=
diſche Geſtalt dort auf dem Podium ſelbſt nicht ganz wohl
in dem in ſchwarzen, ſteifen Frack gezwängten Körver,
ſonſt gewohnt, in Siegfrieds Waldmenſchengewand von
Fellen, ſchwertumgürtet, und mit Speer und Schild dem
Sviele Geſte und Ausdruck gebend, ſeine Kunſt zu zeigen.
Ob auch die herrliche Stimme ihrer Kunſt Größe
über=
ſchritten? Faſt ſchien es uns ſo. Immerhin gab ſie noch
ein Beſonderes, etwas, das hinriß und enthuſiasmierte,
wenn auch vielleicht die glänzende Technik ſeiner
Geſangs=
kunſt, der außerordentlich fein herausgearbeitete Vortrag
ihr die tiefe Wirkung lieh, inſonderheit den
Kompoſitio=
nen dramatiſchen Gehalts. Der Künſtler ſang Lieder von
R. Franz, Wolf. Liſzt und Schubert
Frl. Lilli Hickler brachte mit beſtem Erfolge ein
Adagio in E=dur von Mozart und eine Mazurka von
Wieniawski zum Vortrag. Frl. Hicklers Violinſpiel iſt
ſchon mehrfach in unſerem Blatte lobend anerkannt
wor=
den. Ihr Können hat in techniſcher Hinſicht offenſichtlich
Fortſchritte gemacht und wo dieſem der beſeelte Vortrag
wie in dem Adagio und die Friſche der Auffaſſung wie
in der übrigens mit Bravour geſpielten Marzurka ſich
geſellt, wird die Wirkung nie ausbleiben, die ſich denn
auch in ſtarkem Beifall äußerte.
Feuilleton.
* Die „Kopf”=Redoute (Téte paré). Die Idee dieſer
Veranſtaltungen, ſo ſchreibt der Berl. Lokalanzeiger,
kommt aus Paris. Man wird zum Diner oder Souper
geladen und gleichzeitig gebeten, ſich einen Kopf zu
machen. Und wenn man dann die Tafel der Gäſte
über=
blickt, dann ſitzt Julius Cäſar neben Maria Antoinette
und Napoleon neben Kleopatra, Robespierre neben
Maria Stuart und Don Juan neben der Jungfrau von
Orleans. Zur Anknüpfung von Tiſchgeſprächen iſt ſolch
ein Maskenſcherz die vortrefflichſte Gelegenheit. Man
ſpielt ſich die Rollen ſeiner Masken vor, taucht die
Hiſtorie in modernſtes Pariſertum und kokettiert in des
Wortes eigenſter Bedeutung mit ſeiner Vergangenheit.
Eine ſolche Tafel, an der die verſchiedenartigſten
Per=
ſönlichkeiten der Geſchichte, die Vertreter der exotiſchſten
Nationen verſammelt ſind, macht einen äußerſt
pitto=
resken und bei aller Bizarrerie doch reizenden Eindruck.
Die Illuſion wird nicht übermäßig geſtört, weil ja die
Toiletten zum größten Teile nicht ſichtbar ſind, und nur
die Büſten in Aktion treten.
— Der Dekalog des Tanzmeiſters. Die Tanzmeiſter
werden Pſychologen und die in kurzer Zeit berühmt
ge=
wordene „Pariſer Akademie der Tanzmeiſter” hat jetzt die
Welt mit ihren „zehn Geboten der Tänzer” beſchenkt.
Der Tanz verfolgt nicht nur äſthetiſche, er verfolgt vor
allem ethiſche Ziele. Das verrät uns dieſer neue De
kalog. 1. Gebot: Deine Bewegungen ſeien ſchön. 2. Dein
Verhalten ſei jederzeit einwandfrei. 3. Dein Tanz ſei
eine edle Form der Höflichkeit. 4. Denke nur edle Ge
danken. 5. Deine Bewegungen ſeien ſo edel wie Deine
Gedanken. 6. Unterwerfe Deine Muskeln und Deinen
Körper ſteter Uebung. 7. Junger Mann, faſſe Deine
junge Partnerin mit Reſpekt um die Taille; junge Dame,
ſei zurückhaltend, aber anmutig. 8. Deine Bewegungen
ſeien von Gefühl und Verſtand diktiert. 9. Deine Seele
ſtimme überein mit Deinem Tanze. Und das 10. Gebot
endlich lautet: Betrachte den Tanz als eine ſchöne Form
körperlicher Erziehung. Der Schöpfer dieſes Dekalogs,
der bekannte Pariſer Tanzlehrer Lefort, erläuterte in
einem Interview die hohen pädagogiſchen und ethiſchen
Ziele dieſer Leitſätze. Er will die Seele durch den Kör
per heilen. „Ich ſchrieb dieſe zehn Geſetze, um zu zeigen,
wieviel Gutes das Tanzen ſtiften kann. Schöne
Beweg=
ungen erwecken edle Gedanken; ein korrektes Benehmen
gibt unſerem Weſen und Denken ſtrenge Formen; die
zarte Höflichkeit der Tanzkunſt wird aus unſerer Seele
alles verbannen, was roh, unkultiviert und ordinär iſt.
Vulgäre Bewegungen erzeugen vulgäre Gedanken, die
der wahre Tänzer vermeidet; und das iſt die Pſychologie
des Tanzes, die in ſchönen Bewegungen zugleich Spiege
und Führer einer ſchönen Seele ſein ſoll.‟ Die zehn
Gebote der Tanzmeiſter ſind, wie man ſieht, nicht leicht zu
erfüllen; aber wer ſie getreulich erfüllt, hat wenigſtens
die Gewißheit, über kurz oder lang unfehlbar ein
wahr=
haft guter Menſch zu werden
* Das Schlafzimmer des ſerbiſchen Königspaares.
Die innere Einrichtung des hiſtoriſchen Schlafzimmers
in dem König Alexander und Königin Draga von Serbien
von ihren Offizieren ermordet wurden, iſt in den Beſitz
des Herrn Julius Wahl in Wiesbaden übergegangen
Die Einrichtung ſoll einen hiſtoriſchen Wert von 1 bis
2 Millionen Mark (?) haben.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Februar 1912.
Nummer 36.
als Blütenfeſt, dann als Redoute gedacht. Es iſt alſo der
Zutritt ſowohl in Balltoilette als auch in Maske geſtattet.
Ein Demaskierungszwang beſteht nicht, doch wird es dem
Feſtcharakter am beſten entſprechen, wenn möglichſt Maske
gewählt wird, hinter deren bergendem Schutz die
Möglich=
keit des Genuſſes fröhlichſter Laune bedeutend erhöht wird.
Die Eintrittspreiſe werden im Verhältnis zu dem, was
ge=
boten wird, ſehr niedrig gehalten ſein. Alle weiteren
Mit=
teilungen folgen.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Ex=
pedition (Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende
Bilder neu ausgeſtellt: Das Ergebnis der
Landtags=
wahlen in Bayern in graphiſcher Darſtellung; die
Er=
öffnung des Reichstages durch den Alterspräſidenten
Träger; das verunglückte engliſche Unterſeeboot „A. 3"
der Rektor des St. Bernhard=Hoſpizes und ſeine
Bern=
hardinerhunde auf einem Streifzug.
b. Zuſammenſtoß. Samstag nachmittag ſtieß Ecke
Blumenthal= und Lagerhausſtraße ein Automobil mit
einem Fuhrwerk zuſammen. Nur durch die
Aufmerk=
ſamkeit beider Wagenführer wurde ein ernſter Unfall
ver=
mieden. Der Fuhrmann erhielt einige Verletzungen an
der Hand. Auch der Wagen wurde beſchädigt. Das
Au=
tomobil wurde nicht beſchädigt.
=gs- Selbſtmordverſuch. Am Samstag vormittag
kurz nach 10 Uhr machte eine Frau in ihrer in der
Rundeturmſtraße gelegenen Wohnung einen
Selbſt=
mordverſuch durch Erhängen. Ein im gleichen
Hauſe wohnender Kriminalſchutzmann ſchnitt die Frau
ab und machte bis zur Ankunft der Rettungswache
Wiederbelebungsverſuche, die von den
Sanitätsmann=
ſchaften mit dem Sauerſtoffapparat dann fortgeſetzt
wurden und auch Erfolg hatten. Nachdem die
Lebens=
müde ſich erholt hatte, wurde ſie im=Krankenauto ins
ſtädtiſche Krankenhaus verbracht.
Offenbach, 10. Febr. Die projektierte elektriſche
Bahnverbindung zwiſchen Offenbach und
Det=
tingen beſchäftigte abermals eine in Offenbach tagende
Verſammlung. In dieſer waren ſämtliche Orte, mit
Ausnahme von Bieber, vertreten, die Stadt durch den
Beigeordneten Porth und Beigeordneten Weil.
Obek=
ingenieur Becker erläuterte eingehend die drei
Pro=
jekte unter beſonderer Hervorhebung der finanziellen
Seite, ſowie der Rentabilität. Danach würde die
Strecke Alzenau — Seligenſtadt — Bieber — Offenbach
3 425000 Mark Koſten verurſachen, Die Strecke Alzenau-
Seligenſtadt — Lämmerſpiel — Bieber — Offenbach
2872000 Mark und die Strecke Alzenau —
Seligen=
ſtadt — Bieber — Offenbach 2803000 Mark. Es wurde
einſtimmig beſchloſſen, die beiden letzten Projekte fallen
zu laſſen und die erſtgenannte Strecke zur
Durchführ=
ung zu bringen. Beigeordneter Porth erklärte, daß die
Stadt der Angelegenheit ein großes Intereſſe
entgegen=
bringe, namentlich hinſichtlich der event. Stromabgabe.
Bei den obenerwähnten Koſten ſind die
Ueberbrückungs=
koſten bei Seligenſtadt mit einbegriffen. Die
Strom=
abgabe von Alzenau=Seligenſtadt ſoll durch die Zeche
„Guſtay” erfolgen.
Offenbach, 10. Febr. In der verfloſſenen Nacht entſtand
im hieſigen Hafen Feuer. Durch
Selbſtentzün=
dung war ein mehrere hundert Zentner großer
Kohlen=
haufen in Brand geraten. Das Feuer nahm eine ſolche
Ausdehnung an, daß der aus Dielen hergeſtellte Hafenzaun
in helle Flammen geſetzt wurde, und die Hitze war ſo ſtark,
daß die im Bereiche des Feuers befindlichen Eiſenſchwellen
zum Glühen gebracht wurden. Die Feuerwehr, die um
Mitternacht allarmiert wurde, rückte mit dem
Automobil=
löſchzug aus und verſuchte das Feuer abzudämpfen. Mit
zwei Schlauchlinien wurde das Feuer bekämpft und nach
1½ſtündiger Tätigkeit konnte die Wehr wieder abrücken.
Vollſtändig gelöſcht konnte das Feuer erſt durch Umſetzen der
Kohlen werden.
Lengfeld, 10. Febr. Heute vormittag wurde eine hier
bedienſtete Dienſtmagd beim Feueranmachen von einem
Kuhſchweizer überfallen und ihr 2 Stiche in den Rücken
beigebracht. Die Verletzte wurde durch die
Rettungs=
wache mittels Krankenautomobils in das Städtiſche
Krankenhaus Darmſtadt verbracht; der Täter iſt
ent=
flohen. Die Staatsanwaltſchaft Darmſtadt
erläßt folgendes Ausſchreiben: Kuhſchweizer Kaſpar
Chriſten aus Luzern verübte heute morgen 7 Uhr an
der Dienſtmagd Marie Hild in Lengfeld einen
Mord=
verſuch, indem er ihr zwei lebensgefährliche Stiche in
den Rücken beibrachte. Chriſten iſt in ſeinem
Werktags=
anzug (er trug hierbei blauen Sweater mit roten
Strei=
fen am Hals) unter Mitnahme eines ganz neuen
brau=
nen Sackanzuges geflüchtet. Wir erſuchen um
Fahn=
dung, Verhaftung und telegraphiſche Nachricht.
Gericht=
licher Haftbefehl iſt beantragt.
Perſonalbeſchreib=
ung des Täters: 40 Jahre alt, 1,70—1,72 Meter
groß, ſchmächtige Geſtalt, ſchwarzes, ſpärliches
Kopf=
haar, ſchwarzer, ſtarker, langer Schnurrbart, dunkle
Augenbrauen, ſpitze Naſe, ſpitzes Kinn, gelblich bleiche
Geſichtsfarbe, an beiden Daumen dicke Schwielen, ſpricht
Schweizer Dialekt. Darmſtadt, den 10. Februar 1912.
Großh. Staatsanwaltſchaft: von Heſſert.
Erbach, 9. Febr. Eine Organiſation der
Elfenbeinſchnitzer des Odenwaldes wurde
in die Wege geleitet durch eine Verſammlung, welche
von Herrn Kreisrat Freiherrn von Starck, Vorſitzender
des Aufſichtsrats der Fachſchule für Elfenbeinſchnitzerei,
einberufen war. Zu Beginn der Verhandlungen hatte
Herr Profeſſor Hugo Eberhardt, Direktor der „
Tech=
niſchen Lehranſtalten” zu Offenbach, einen Vortrag
über=
nommen über die Bedeutung der Elfenbeinſchnitzerei in
der Kunſt alter Kulturvölker. An den ſehr anregenden
Vortrag ſchloß ſich eine ausgedehnte Beſprechung, in
welcher von Seiten der anweſenden Meiſter den
Aus=
führungen des Redners reiche Anerkennung zuteil wurde,
unter beſonderer Würdigung der in dem Vortrag zu
er=
kennenden gerechten Beurteilung der ſchwierigen
Ver=
hältniſſe, unter denen die heutigen Elfenbeinſchnitzer zu
leiden haben. Man beſchloß eine Organiſation der
Meiſterſchaft in Angliederung an den beſtehenden
Ge=
werbeverein zu Erbach, jedoch als beſondere Gruppe
desſelben mit eigenem Ausſchuß, aus deſſen Mitte zwei
Mitglieder in den Aufſichtsrat der Fachſchule zu
entſen=
den ſeien. Die Organiſation verfolgt den doppelten
Zweck, einmal eine innigere Verbindung zwiſchen Schule
und Meiſterwerkſtatt herzuſtellen und andererſeits in
ihrer Geſchloſſenheit erhöhte geſchäftliche und
kaufmän=
niſche Vorteile für ihre Mitglieder zu ſchaffen und
womöglich, gegenüber dem Zwiſchenhandel, eine
größere Selbſtändigkeit für die einheimiſche Induſtrie
zu erlangen. (Erb. Krsbl.)
Worms, 10. Febr. In der Putzwollefabrik der Firma
van Baerle u. Ko. entſtand geſtern abend zwiſchen 8 und
9 Uhr Feuer, das alsbald wieder gelöſcht werden konnte,
ſo daß der Schaden nur gering iſt. Man vermutet einen
Racheakt ſeitens eines entlaſſenen Arbeiters.
Wöllſtein, 10. Febr. Schnelle Juſtiz übte das
Zug=
perſonal eines die Station Frei=Laubersheim paſſierenden
Perſonenzuges. Als der Zug ein enges Tal paſſierte.
ſauſte plötzlich ein mächtiger Stein vom Berge herab
auf einen Perſonen wagen, deſſen Fenſter in
tauſend Scherben ſchlagend. Man hielt ſofort und erblickte
einen jungen Burſchen, den von hier ſtammenden 18 Dienſtknecht Hrch. Schmitt. Der Burſche, der
be=
ſtimmt behauptet, nach einem Wieſel geworfen zu haben,
wurde ohne weiteres gepackt und mit dem Zuge nach dem
nächſten Amtsgerichtsgefängnis gebracht.
Schlitz, 9. Febr. Scharen von wilden Enten
tummeln ſich in den letzten Wochen in der Nähe unſerer
Stadt auf der Schlitz und der Fulda. Man kann
manch=
mal Schwärme bis zu 100 Stück beobachten. Trotzdem
die Tiere recht ſcheu und darum ſchwer zum Schuß zu
bekommen ſind, bringen hieſige Jäger doch manchen
Wildentenbraten nach Hauſe.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 10. Febr. Zu den
angeb=
lichen Maſſenerkrankungen beim Kaiſer=
Franz=Garde=Grenadier=Regiment wird
von maßgebendſter Seite folgendes mitgeteilt: Bei der
am Montag in Tegel abgehaltenen Schießübung des 2.
Bataillons des Regiments herrſchte ſtrenger Froſt.
In=
folgedeſſen wurde kurz nach der Rückkehr des Bataillons
vom Schießplatz eine Unterſuchung der Mannſchaften
durch den zuſtändigen Bataillonsarzt vorgenommen,
Hierbei ſtellte ſich heraus, daß 20 Mann von der 5.
Kom=
pagnie und 13 Mann von der 7. Kompagnie ſich bei der
Uebung Froſtbeulen leichteſten Grades an den Händen
zugezogen hatten. In den meiſten Fällen waren der
Zeige= und Mittelfinger der rechten Hand in
Mitleiden=
ſchaft gezogen, die beim Schießen erfahrungsgemäß mit
den Metallteilen des Gewehrs am häufigſten in
Be=
rührung kommen. Die Mannſchaften wurden
verbun=
den und tun heute bereits wieder Dienſt, mit Ausnahme
von zwei Grenadieren, die ſich etwas ſchwerere
Froſt=
beulen zugezogen hatten; ſie wurden vorſichtshalber dem
Garniſonlazarett II in Tempelhof zur Behandlung
über=
geben, wo ſie ſich auf dem Wege der Beſſerung befinden.
Von einer Amputation der erkrankten Finger kann nach
dem bisherigen Befund keine Rede ſein. Daß die
Schießübung trotz der ſtrengen Kälte abgehalten
wer=
den mußte, liegt in den beſchränkten Berliner
Schieß=
platzverhältniſſen. Der Tegeler Platz iſt derartig beſetzt,
daß jeder für die einzelnen Truppenteile verfügbare Tag
voll ausgenutzt werden muß. Die Mannſchaften waren
an dem fraglichen Tage durch geſtrickte Kopfſchützer und
Tuchhandſchuhe gegen die Kälte geſchützt. Es läßt ſich
aber nicht vermeiden, daß beim Schießen ſelbſt der rechte
Handſchuh ausgezogen werden muß, und hierauf ſind
die gemeldeten Froſtverletzungen zurückzuführen.
Frau Toſelli, die ſich von Toſelli getrennt
hat, um einen jungen Ingenieur aus Florenz
zu heiraten, will jetzt ihr Heim in Berlin W
aufſchla=
gen. Sie hat unter dem Namen einer Gräfin von
Ko=
burg in der Fantener Straße in Wilmersdorf eine
Wohn=
ung gemietet. Während dieſe Wohnung eingerichtet
wird, logiert ſie in einem vornehmen Berliner Hotel.
Geſtern nacht um ½12 Uhr kam es in einem Café in der
Lilienſtraße zu Zwiſtigkeiten. Ein Schutzmann
wollte die vor dem Lokal verſammelte Menſchenmenge
zerſtreuen, wurde aber von einigen jungen Leuten
an=
gegriffen. Der Beamte gab ſchnell hintereinander drei
Schüſſe ab, von denen zwei einen der Beteiligten
ſchwer verletzten. Der Verwundete wurde in das hieſige
Krankenhaus gebracht. Der Berliner Lokalanzeiger
ſchreibt zu der Angelegenheit unter der Spitzmarke: „Bei
einem Streikerzeß niedergeſchoſſen!”: Geſtern abend bald
nach 10 Uhr legten in dem bekannten Roſencafé in der
Lilienſtraße ſämtliche Kellner infolge von Differenzen
die Arbeit nieder. Die Ausſtändigen klebten an die
Fenſter des Cafés Bekanntmachungen, in denen ſie dem
Publikum die Gründe des Streiks darlegten. Bald
rotte=
ten ſich zahlreiche Perſonen, darunter viel lichtſcheues
Geſindel, zuſammen. Es wurden nunmehr Schutzleute
requiriert, die verſuchten, das Publikum zum Fortgehen
zu veranlaſſen. Als ein Schutzmann zwei Arbeiter
auf=
forderte, weiter zu gehen, leiſteten ſie dieſer
Aufforder=
ung keine Folge, vielmehr gingen ſie gegen den
Beam=
ten vor, zogen ihre Meſſer und ſtürzten ſich auf
den Schutzmann, der nunmehr den Dienſtrevolver zog
und kurz hintereinander zwei Schüſſe auf ſeine
Angrei=
fer abgab. Der zweite Schuß verletzte einen 22jährigen
Arbeiter ſo ſchwer, daß er nach der Unfallſtation gebracht
werden mußte.
A Frankfurt a. M., 10. Febr. Ein Wahrzeichen unſerer
Stadt und eines der älteſten Baudenkmäler, die alte
Mainbrücke, ſoll bekanntlich demnächſt einem Neubau
Platz machen. Die alte Brücke, die aus dem 12. Jahrhundert
ſtammt, wurde im Jahre 1866, als Frankfurt dem
König=
reich Preußen einverleibt wurde, als einzige feſte
Main=
brücke von Preußen zu Staatseigentum erklärt und in eigene
Verwaltung genommen, und zwar geſchah dies
hauptſäch=
lich aus militäriſchen Gründen. Trotz der von der Stadt
weiterhin gebauten Brücken, der Obermainbrücke, des eiſerne‟
Steges, der Untermainbrücke, und der Wilhelmsbrücke nahm
der Verkehr über die alte Mainbrücke derart zu, daß dauernd
Klagen über die ungünſtigen Verkehrsverhältniſſe laut
wurden. Dazu kommt noch der Mißſtand, daß nach
Eröff=
nung des hieſigen Oſthafens die verhältnismäßig ſchmalen
Oeffnungen zwiſchen den Strompfeilern Hinderniſſe bilden
werden für den Schiffsverkehr. Der Bauzuſtand der alten
Brücke, für die die Stadt ſchon vor dem Jahre 1866 einen
Neubau geplant hatte, iſt jetzt ein derartiger geworden, daß
bedeutende Inſtandſetzungskoſten erforderlich würden. Es
ſoll nun eine Ablöſung der ſtaatlichen Unterhaltungspflicht
erfolgen. Die Stadtverwaltung beabſichtigt, eine 18 Meter
breite Brücke zu bauen und dieſe architektoniſch ſo
auszu=
geſtalten, daß das hiſtoriſche Stadtbild möglichſt erhalten
bleibt. Die Koſten ſind auf 2½ Millionen Mark veranſchlagt,
davon ſoll der Staat für den Neubau und die Ablöſung der
Unterhaltungspflicht 1350000 Mark übernehmen. Der erſte
Teilbetrag ſoll in Höhe von 900 000 Mark im Etatsjahr 1912
vom Staat an die Stadt gezahlt werden.
Frankfurt, 10. Febr. Der 24jährige Taglöhner Johann
Pöllmann, welcher zuſammen mit einem Kameraden
im Dezember 1910 im Walde bei Griesheim den Agenten
Wilhelm Diener ermordete und beraubte, iſt heute früh im
Hofe des Strafgefängniſſes zu Preungesheim durch den
Scharfrichter Gröbler aus Magdeburg enthauptet
worden.
München, 9. Febr. Der Süd=Nord=
Expreß=
zug, der abends gegen 10 Uhr in München fällig iſt, iſt
heute nicht eingetroffen, ſondern auf italieniſchem Boden
liegen geblieben, doch weiß man bisher noch nicht
wo. Von Bozen wurde inzwiſchen ein kleiner
fahrplan=
mäßiger Zug abgefertigt, der nach Berlin weiter geht.
Köln, 10. Febr. Seit der Kölner Reichstagswahl
wird von der Kölner Zentrumspreſſe, ſpeziell dem Lokal=
Anzeiger, die liberale Preſſe Kölns, insbeſondere der
Stadt=Anzeiger der Kölniſchen Zeitung, ſo oft
angegrif=
fen, daß letzteres Blatt ſich heute in einer öffentlichen
Er=
klärung zur Wehr ſetzt und nachweiſt, daß eine große
Menge Abonnements=Abbeſtellungen ſich als
Fälſchungen erweiſen. Der Stadtanzeiger erklärt,
daß der Kampf gegen ihn Erſcheinungsformen gezeitigt
habe, die im Strafgeſetzbuch mit Gefängnis bedroht ſind.
Er bitte, da er den Schutz der Behörden anrufen wird,
das Publikum um Ueberſendung des die Gegner
belaſten=
den Materials.
Duisburg, 10. Febr. Einen Schadenerſatz wegen
ver=
minderter Heiratsausſichten erhielt vom
hieſigen Landgericht ein dreijähriges Mädchen
auf die Klage ſeines Vormundes zugebilligt. Das Kind
war auf dem Hofe einer Pflegeanſtalt, der es anvertraut
worden war, beim Spielen dem Hofhund, der angekettet
war, zu nahe gekommen und von dieſem in die Backe
ge=
biſſen worden, ſodaß eine dauernde Narbe entſtand. Der
Vormund verlangte außer den Arztkoſten noch ein
Schmerzensgeld von 500 Mark mit der Begründung, daß
ſeinem Mündel durch die Entſtellung des Geſichts nicht
nur ihr ſpäteres Fortkommen erſchwert, ſondern auch die
Ausſicht auf Verheiratung gemindert würde. Das
Land=
gericht und das Oberlandesgericht ſchloſſen ſich
grundſätz=
lich dieſem Standpunkte an, und das Landgericht, an das
die Sache zwecks Feſtſtellung der Höhe des Anſpruchs
zu=
rückverwieſen worden war, ſprach dem Kinde als
Entſchä=
digung für dieſe Entſtellung 2500 Mark und
als Schmerzensgeld 300 Mark zu, mit dem
beſonderen Bemerken, daß die Entſtellung für
die Klägerin um ſo ſchwerer ins Gewicht falle, als ſie ſonſt
gut ausſehe, während ſie bei einem von Natur häßlichen
Mädchen weniger auffällig und nachteilig wirken würde.
Leipzig, 10. Febr. Vor dem vereinigten 2. und 3.
Straf=
ſenat des Reichsgerichts begann heute vormittag
die Verhandlung gegen den italieniſchen
Gipsfigurenhänd=
ler Egiſte Perſanti. Der Angeklagte hatte verſucht,
einen Soldaten zu veranlaſſen, ihm eine Armeepiſtole,
einen geheim zu haltenden Gegenſtand, zu verkaufen, und
war in Sensburg verhaftet worden. Die Oeffentlichkeit
iſt nicht ausgeſchloſſen.
Detmold, 10. Febr. Vor dem Schwurgericht in
Detmold ſtand geſtern der Aufſehen erregende
Meineids=
prozeß gegen den der ſozialdemokratiſchen Organiſation
angehörenden Holzbildhauer Maurer zur Verhandlung. Die
Geſchworenen verneinten die Schuldfrage und der
An=
geklagte wurde freigeſprochen. Im Sommer des
vorigen Jahres war der Angeklagte wegen desſelben
Ver=
brechens zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Auf
die Reviſion hob das Reichsgericht das Urteil auf und
verwies die Sache an das Schwurgericht in Detmold
zurück.
Kolberg, 7. Febr. Auf dem pommerſchen Gute
Hell=
geiſthof ſpielten die beiden zwei und drei Jahre alten
Kinder des Arbeiters Kursck in Abweſenheit der Eltern
mit Streichhölzern. Beide Kinder verbrannten.
Breslau, 10. Febr. Wie die Schleſiſche Zeitung aus
Liegnitz meldet, ſind zwei neue
Pockenerkran=
kungen vorgekommen. Die Bewohner der Häuſer, in
denen die Erkrankten wohnten, und ebenſo ſämtliche
Sol=
daten des Infanterie=Regiments Nr. 7 ſind geimpft
wor=
den. Im ganzen ſind bisher neun Perſonen erkrankt.
Wien, 10. Febr. Heute vormittag fand in der
Schön=
brunner Schloßkapelle die Vermählung der Erzherzogin
Iſabella, Tochter des Erzherzogs Friedrich, mit dem
Prinzen Georg von Bayern, einem Enkel des Kaiſers,
ſtatt. Der Trauung, die Kardinal Nagl vollzog, wohnten
der Kaiſer, nahezu alle Mitglieder des Kaiſerhauſes, ſowie
fremde Fürſtlichkeiten bei.
Wien, 10. Febr. In einem aus Paris eingetroffenen
Schnellzuge wurde der Aviatiker Weymann tot
aufge=
funden. Er ſcheint einem Herzſchlag erlegen zu ſein.
Wincheſter, 9. Febr. In dem Prozeß gegen den
Deutſchen Große heißt es in der Anklage, daß Große
ſich, zuwider dem Geſetz über Amtsgeheimniſſe, in
Ports=
mouth auf verbotenen Plätzen aufgehalten und verſucht
habe, ſich über die Kohlenvorräte in Portsmouth
Aufklä=
rungen zu verſchaffen, ferner ſoll er mit einem gewiſſen
Peterſen in Verbindung geſtanden haben, um weitere
ge=
ſetzwidrige Informationen zu erhalten. Drei Briefe
Pe=
terſens, teils chiffriert, wurden beſchlagnahmt. Der
Generalſtaatsanwalt betonte, daß Große Informationen
erhalten habe, die im Kriegsfalle dem Feinde von Nutzen
ſein könnten. Große habe beabſichtigt, dieſe
Informatio=
nen Peterſen, deſſen Aufenthalt unbekannt iſt, mitzuteilen,
der ſie dann an eine dritte Perſon weitergeben wollte. In
ſeiner Verteidigungsrede erklärte Große, er ſei
aus Geſundheitsgründen nach Süd=England gekommen.
Vor ſeiner Abreiſe aus Deutſchland ſeien ihm von
deut=
ſchen Kohlenhändlern 5 Prozent Proviſion für Geſchäfte,
die er dieſen im Falle eines Streiks im Kohlenbergbau
verſchaffe, verſprochen worden. Große wurde vom
Ge=
richtshof für ſchuldig befunden und zu drei
Jah=
ren Zuchthaus verurteilt. Bei der Verkündigung
des Urteils ſagte der Richter: Der Angeklaate ſei auf
Grund klarſten Beweismaterials hin eines Verbrechens
überführt worden, auf das als höchſte Strafe ſieben Jahre
ſtänden. Der Brauch des Spionierens rufe feindſelige
Gefühle hervor und fache dieſe an. Solche Provokationen
müſſen im Intereſſe beider Nationen auf beiden Seiten
gänzlich aufhören. Schwere Strafe, die das einzige
Ab=
ſchreckungsmittel ſei, müſſe über alle Spione zum Beſten
aller Nationen verhängt werden. Deshalb ſei er
verpflich=
tet, den Angeklagten zu drei Jahren Zuchthaus zu
ver=
urteilen.
Madrid, 9. Febr. Der König und Miniſterpräſident
Canalejas ſind nach Sevilla abgereiſt, um das
Ueber=
ſchwemmungsgebiet zu beſichtigen.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Känſtler und künſtleriſche Beranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ßehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
* Mar Reger. Angeſichts des am nächſten Dienstag
hier ſtattfindenden Konzertes der Meininger
Hof=
kapelle dürften dieſe biographiſchen Notizen gerade jetzt
für unſere Leſer von Intereſſe ſein. Max Reger iſt in engen
Verhältniſſen aufgewachſen und war urſprünglich von den
Eltern zum Volksſchullehrerberuf beſtimmt. Er wurde am
19. März 1873 in Brand in der Oberpfalz im bayeriſchen
Wald geboren; ſein Vater war dort Lehrer und ſelbſt
eif=
riger Muſiker, wurde aber im folgenden Jahre nach Weiden
in der Oberpfalz als Muſiklehrer an die Präparandenſchule
verſetzt. Mit 5 Jahren erhielt der kleine Reger den erſten
Muſikunterricht, zunächſt von Vater und Mutter und einem
Lehrer Lindner. Schon früh lernte er Bach und Beethoven
Nummer 36.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Februar 1912.
Seite 5.
kennen, dabei nicht nur die Klavier= und Violin= ſondern
auch Orgel=Kompoſitionen Bachs, zweifellos die beſte
Grundlage zu Regers muſikaliſcher Erziehung. Reger ſollte,
nachdem er die vierklaſſige Realſchule und
Präparanden=
ſchule mit „ſehr gut” abſolviert hatte, in das Lehrerſeminar
eintreten. Ein äußerer Anlaß war es aber, der ihn
be=
ſtimmte, Muſiker zu werden: der Beſuch von Bayreuth hatte
es ihm angetan. Sein glühendes Verlangen nach guter
Muſik führte ihn im Alter von 15 Jahren in die
Aufführ=
ungen der „Meiſterſinger” und des „Parſifal”. Die
Ein=
drücke dieſer Werke waren für ihn, der zuvor keine
Gelegen=
heit gehabt hatte, größere muſikaliſche Aufführungen und
die Klangwirkungen des modernen Orcheſters kennen zu
lernen, ſo gewaltige, daß er ſich der Muſik fortan zu ergeben,
ſofort entſchloß. Seine in aller Stille verfaßten
Kompo=
ſitionen wurden Profeſſor Riemann vorgelegt, der ſie
gün=
ſtig beurteilte. 1890 ging Reger nach Sondershauſen in das
Konſervatorium, um bei Riemann zu ſtudieren. Er folgte
ſeinem Meiſter dann nach Wiesbaden und wurde bald, erſt
18 Jahre alt, an dem Konſervatorium von A. Fuchs als
Lehrer für Orgel und Klavier angeſtellt. 1896/97 leiſtete er
ſeine Militärdienſtzeit beim Regiment Nr. 80 in Wiesbaden
ab, kehrte dann aber nach Weiden zurück. Seine
Orgelkom=
poſitionen wurden jetzt ſchon von Profeſſor Karl Straube
interpretiert, der von Prof. Riemann auf ein paar „verrückt”
kaum ſpielbare Orgelſtücke aufmerkſam gemacht worden war.
1901 ſehen wir Reger in München, 1902 verheiratete er ſich
mit Elſe v. Bagenski, der Tochter eines hohen Offiziers,
die nun die treue Förderin ſeines Schaffens wurde. In
München wirkte er auf Mottls Empfehlung hin an der
Akademie für Tonkunſt als Lehrer für Harmonie und
Kon=
trapunkt; hier erſtanden jene Werke, die ihn berühmt gemacht
haben. Anfangs mehr als angefeindet — man erinnere ſich
nur der Szenen nach der Aufführung der Sinfonietta —
fand er leider in München nicht die Anerkennung, die ein ſo
bedeutendes Muſiktalent verdient hätte. Erſt in Leipzig,
wohin er 1907 überſiedelte, um als Lehrer am
Konſervato=
rium zu wirken, fand er die Ruhe und Anerkennung, deren
er für ſeine weitere Entwickelung bedurfte. Dort wurden
u. a. auch ſein Violinkonzert, die Hillervariationen, der
ſin=
foniſche Prolog zu einer Tragödie im Gewandhauſe aus
der Taufe gehoben. An Ehrungen hat es Reger nach dieſer
Zeit nicht gefehlt: 1907 wurde er Profeſſor, 1908
Ehren=
doktor der philoſophiſchen Fakultät zu Jena, zu deren
Ju=
biläum er eine Kantate komponiert hatte, 1910 Ehrendoktor
der mediziniſchen Fakultät zu Berlin und Hofrat, 1911
Leiter der Meininger Hofkapelle, wohl zur größten
Ueber=
raſchung der muſikaliſchen Welt, zugleich aber zur Erfüllung
des größten und höchſten Wunſches, den Reger je gehegt hat
Die Gründung einer Aktien=Geſellſchaft zur
Regelung der Verkehrsfragen der Stadt und
ihrer Umgebung, ſowie für den Anſchluß einer
Ueberlandzentrale an die ſtädtiſchen Werke und
die Abgabe elektriſcher Energie für Licht=
und Kraftzwecke.
(24. öffentliche Sitzung der Stadtverordneten.)
St. Darmſtadt, 10. Febr.
3. Beratungstag.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die Sitzung
um 4 Uhr und begründet nochmals kurz die Notwendigkeit
der ſchnellen Beratung, reſp. deren Beendigung damit, daß
es andernfalls nicht möglich ſei, wie beabſichtigt, der
Ein=
wohnerſchaft Darmſtadts das Geſchenk von 80000
Mark ſchon am 1. April zu machen, das die
Strompreis=
herabſetzung von 70 auf 60 Pfg. bringt. Wenn der Vertrag
am 1. April in Kraft trete, ſoll ſchon von dieſem Tage an die
Strompreisherabſetzung erfolgen.
Die Beratung wird dann bei § 12 des Vertrages
fort=
geſetzt. Stadtv. Kahn tritt in längeren Ausführungen
für die oft erörterten Wünſche des Martinsviertels
ein und beantragt, dem erſten Abſatz einzufügen, die Linie
in das Innere des Martinsviertels ſolle nach Beſeitigung
des Bahndammes gebaut werden. Das wäre für die
Be=
wohner dieſes vernachläſſigten Viertels eine kleine
Beruhig=
ung, denn mit dem Wort „demnächſt” habe man ſchon oft
böſe Erfahrungen gemacht. — Stadtv. Möſer rügt
eben=
falls, daß der Bau dieſer Linie immer wieder
hinausge=
ſchoben wird. Die Begründung mit den hohen Koſten könne
nicht mehr gelten, denn die 24000 Bewohner bürgen für
Rentabilität.
Stadtv. Aßmuth glaubt, daß, wie die Dinge liegen,
man unbedingt verpflichtet iſt, dem Martinsviertel etwas
Poſitives zu geben. Er ſtellt namens ſeiner Partei den
Antrag, zu § 12 Abſ. 1 einzuſchalten: „Dieſe Linie iſt alsbald
nach dem Oſtbahnhof weiterzuführen. Gleichzeitig iſt eine
Linie vom Innern des Martinsviertels durch die
Pan=
kratiusſtraße, Hochſchulſtraße und dem Ernſt=Ludwigsplatz
zu bauen.”
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing ſchlägt vor, über
dieſe Materie und über die ganze Linienführung nochmals
eine Beſprechung abzuhalten unter Zuziehung des Herrn
Direktor Rötelmann und aller intereſſierten Herren, und
ſtellt ſeinerſeits den Antrag, die Beratung über den § 12
überhaupt auszuſetzen, bis die ganze Linienführung in der
Sonderbeſprechung geregelt iſt.
Stadtv. Sames iſt gegen dieſen Antrag und macht
da=
rauf aufmerkſam, daß es einſtimmiger Beſchluß der
Stadt=
verordnetenverſammlung geweſen iſt, die
Bismarckſtraßen=
linie in das Martinsviertel zu bauen und bittet, dieſen
An=
trag aufrecht zu erhalten. Stadtv. Dr. Oſann hat
Beden=
ken, dem Vorſchlag des Oberbürgermeiſters zuzuſtimmen.
Es wäre beſſer, wenn man ſich nicht feſtlege und erſt einmal
höre, in welchem Maße die S. E.=G. den Wünſchen der Stadt
alsbald entgegenkommt. Wenn nicht ſehr nachdrücklich die
Be=
ſchlüſſe der Stadtv.=Verſammlung vertreten werden, dürfte
dieſes Entgegenkommen kaum erhehlich ſein. Man müſſe
doch jetzt endlich dem Wunſche des Martinsviertels
ent=
ſprechen und ſolle bei dieſer wichtigen Sache ruhig
durch=
blicken laſſen, daß man ſie für ſo wichtig halte, daß man
event, die Sache daran ſcheitern laſſe. Wenn die
Bürger=
meiſterei nicht eingehendere Begründung gebe, könne er deren
Voranſchlag nicht zuſtimmen. — Stadtv. Dr. Fulda macht
auf die Notwendigkeit redaktioneller Aenderung
aufmerk=
ſam und tritt im Uebrigen ebenfalls ſehr für Bindung
be=
züglich der Martinsviertellinien ein und beantragt, anſtelle
des Wortes „Stadt” zu ſetzen: „ohne Genehmigung der
Stadtverwaltung”, da ſonſt die Stadtverordneten gar nicht
befragt werden.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing weiſt darauf
hin, daß die Wünſche der Bürgermeiſterei ſich genau mit
den geäußerten decken und daß man darum ausdrücklich
feſtgelegt habe, daß die Schienen im Dornheimer Weg
liegen bleiben. Er bittet wiederholt um Annahme ſeines
Antrags. — Stadtv. Dr. Bender gibt Dr. Fulda bezgl.
ſeines letztenSatzes in der Sache Recht, doch ſchlägt er in der
Form einen anderen Ausweg vor, und zwar den, die
Anmerkung, daß mit „Stadt” immer die Bürgermeiſterei
gemeint iſt, zu ſtreichen. Dem kann der Oberbürgermeiſter
nicht zuſtimmen. — Stadtv. Gal lus tritt für den
Antrag der Bürgermeiſterei und damit für Vertagung
der Beſprechung dieſes § 12 ein, doch ſolle man dem
An=
trag Kahn alsbald zuſtimmen. Dem Vorſchlag Dr.
Ben=
ders ſolle man praktiſcher Weiſe zuſtimmen. —
Oberbür=
germeiſter Dr. Gläſſing ſchlägt dann vor, auch dieſe
Frage einer ſpäteren Sonderbeſprechung zu unterbreiten.
— Der Antrag der Bürgermeiſterei wird
dann angenommen.
Zu § 15, der die eventuelle käufliche Uebernahme des
Unternehmens durch die Stadt regelt, ſchlägt
Oberbür=
germeiſter Dr. Gläſſing eine redaktionelle Aenderung
vor, nach der beſtimmt wird, daß die Stadt zwei Jahre
vor Ablauf des Vertrages zu erklären hat, daß ſie das
Unternehmen käuflich zu übernehmen gedenkt, daß dann
alsbald die Sachverſtändigen in Funktion treten und
daß die Stadt alsbald nach Vorlage der Gutachten das
ganze Unternehmen käuflich übernimmt. — Stadtv.
Ba=
ſtian fragt, ob nach Feſtſetzung des Uebernahmewertes
der Rechtsweg ausgeſchloſſen, alſo die Feſtſetzung
end=
gültig iſt. Der Vorſitzende beſtätigt dies. Nach
beiderſeitigen Wünſchen ſoll die Entſcheidung der
Kom=
miſſion maßgebend ſein. — Stadtv. Baſtian hält das
nicht für richtig, da erfahrungsgemäß ſolche
Oberkom=
miſſionen ſchärfer und vorſichtiger arbeiten, wenn ſie
wiſſen, daß ihre Entſcheidung eventuell angefochten
wer=
den kann. Es würde ſonſt, wenn es ſich um den
Stadt=
ſäckel handelt, meiſt ſehr liberal taxiert. — Stadtv.
Gallus hält es für erforderlich, es vertraglich
feſtzu=
legen, daß die drei Sachverſtändigen nach Anhörung der
Parteien unter Ausſchluß des Rechtsweges als
Schieds=
gericht nach Stimmenmehrheit endgültig entſcheiden.
Stadtv. Dr. Fulda hält die vom
Oberbürgermei=
ſter vorgeſchlagene Aenderung für höchſt bedenklich für
die Stadt, da dieſe nach dem derzeitigen Wortlaut noch
das Recht habe, nach dem Schätzungsverfahren n ich t
zu übernehmen, während ſie nach dem jetzt vorgeſchlagenen
Wortlaut unbedingt übernehmen muß, ſobald ſie die
Ab=
ſicht geäußert reſpektive das Schätzungsverfahren
ein=
geleitet iſt. Weiter vermißt Redner die Beſtimmung,
daß die Sachverſtändigen innerhalb feſtgelegter Friſt
ernannt werden müſſen, die er für ſehr notwendig hält.
— Stadtv. Dr. Bender hält es für richtiger, nur
hin=
zuzufügen, daß die Sachverſtändigen unter Ausſchluß
des Rechtsweges entſcheiden. Der Zuſatz „nach Anhören
der Parteien” ſei eigentlich überflüſſig, da es hier gar
nicht möglich iſt, daß die Parteien nicht gehört werden,
denn es iſt ſelbſtverſtändlich, daß beide Teile ihren
Sach=
verſtändigen alsbald inſtruieren. Die vom Stadtv. Dr.
Fulda beregte Aenderung bezüglich der Kündigung ſei
dem anderen Kontrahenten gegenüber ein ſehr unbilliges
Verlangen, das dieſer mit Recht abgelehnt hat. Die
Stadt iſt ja auch keineswegs der Süddeutſchen dann
aus=
geliefert, ſondern gerade wie dieſe den Schätzern, die
ihrerſeits den Obmann wählen. Der Rechtsweg müſſe
im beiderſeitigen Intereſſe ausgeſchaltet bleiben. Ein
ſolcher Rechtsweg könne Jahre lang dauern und koloſſale
Koſten verurſachen und käme zum Schluß doch wieder
auf Sachverſtändigengutachten heraus. — Der
Vor=
ſitzende beantragt, im Einverſtändnis mit den
ver=
ſchiedenen Anträgen die Zeitbeſtimmung bezüglich der
Wahl der Sachverſtändigen, die Beſtimmung bezüglich
Ausſchluß des Rechtsweges uſw. aufzunehmen, die
end=
gültige Faſſung aber dem Rechtsausſchuß zu überlaſſen.
— Nach weiterer Debatte beantragt Stadt. Baſtian
den Ausſchuß aus fünf Herren beſtehen zu laſſen. Auch
dieſer Antrag wird dem Rechtsausſchuß überwieſen.
Zu § 19 wird ein Zuſatzantrag Dr. Benders
an=
genommen, der, juriſtiſch begründet, redaktioneller
Natur iſt.
Der Vertrag A wird dann angenommen.
Es folgt Beratung des
Vertrages B.
Die §§ 1—6 werden ohne Debatte angenommen.
Zu § 6a beantragt Stadt. Hen rich folgende
Reſolution:
„Die Stadtverordnetenverſammlung erwartet, daß
die Gkoßh. Bürgermeiſterei und die in die Organe der
neuen Geſellſchaft abgeordneten Vertreter der Stadt
dar=
auf hinwirken, daß bei Vergebungen von Arbeiten und
Lieferungen die Gewerbetreibenden in Darmſtadt und
den Orten, die weiterhin Mitglieder der Geſellſchaft
wer=
den, vorzugsweiſe berückſichtigt werden.”
Dieſe Reſolution wird unter allgemeinem Beifall
angenommen.
Stadtv. Sames beantragt einen Zuſatz, daß bei
Arbeitsvergebungen nur ſolche Unternehmungen
berück=
ſichtigt werden, die ihren ſozialpolitiſchen
Verpflichtun=
gen nachkommen. — Der Vorſitzende hält das nicht
für angängig, da die freie Konkurrenz nicht eingeſchränkt
werden dürfe. — Stadtv. Henrich empfiehlt, den
Zu=
ſatz Sames anzunehmen. Man erklärt ſich damit
ein=
verſtanden.
Die §§ 7—12 werden angenommen. — Es folgt
Be=
ratung des
Vertrages C,
der ohne Debatte im Wortlaut der Vorlage
angenom=
men wird.
Vertrag D
wird ebenfalls ohne Debatte angenommen. — Es folgt
Beratung der
Satzung.
Die §§ 1 und 2 werden angenommen. Zu § 3 wird
im Schlußſatz der Zuſatz gemacht, daß, wenn die Stadt
von ihrem gewährten Ankaufsrecht Gebrauch macht, ſie
das geſamte Unternehmen als Ganzes ohne
Li=
quidation übernimmt. — Die §§ 4—12 werden
nach redaktionellen Aenderungen angenommen. In § 13
wird der Satz: „Mindeſtens ſieben
Aufſichtsratsmitglie=
der müſſen ihren Wohnſitz in Darmſtadt haben”
ge=
ſtrichen. Dafür beantragt Stadtv. Baſtian die
Ein=
ſchaltung: „Von den Mitgliedern des Aufſichtsrates
müſſen mindeſtens ſechs aus Vertretern der Stadt
ge=
wählt werden‟. Im letzten Abſatz ſoll der erſte Satz
heißen: „Scheidet ein Mitglied vor Ablauf der
Amts=
dauer aus irgend einem Grunde aus, ſo iſt, falls
nicht die Stadt oder die S. E.=G. eine
ſo=
fortige Erſatzwahl verlangt Erſatzwahl erſt
in der nächſten ordentlichen Generalverſammlung
erfor=
derlich, uſw.‟ Die Zuſätze werden angenommen.
Zu § 20 (Kommiſſion) beantragt Stadtv. Henrich
folgenden Zuſatz:
„Es wird beantragt, die Kompetenzen und das
Tä=
tigkeitsgebiet der im § 20 der Satzungen vorgeſehenen
Kommiſſion dahin zu erweitern: 1. Daß die Kommiſſion
auch berechtigt iſt, die Geſchäftsbücher und die Bilanzen
der Geſellſchaft zu prüfen; — die Kommiſſion iſt zu
die=
ſem Zwecke befugt, Hilfskräfte heranzuziehen oder ſie iſt
entſprechend zu vergrößern. 2. Daß den gewählten
Ver=
tretern der — in gleicher Weiſe wie bisher bei der Stadt
zuzulaſſenden — Organiſationen der Arbeiter und
Be=
dienſteten der Geſellſchaft Gelegenheit gegeben wird, bei
der Behandlung von Beſchwerden des Perſonals gehört
zu werden.”
Der Antrag wird angenommen. Ebenſo die Artikel
bis 33. — Damit ſind ſämtliche Paragraphen
ange=
nommen.
Es folgt noch die Beratung des folgenden
Antrages Baſtian:
Ich beantrage, die Stadtverordnetenverſammlung
wolle beſchließen:
„Die Genehmigung der auf die Entwickelung der
Elektrizitätswerke zu einer. Ueberlandzentrale Bezug
habenden Vertragsbeſtimmungen erfolgt unter der
Vor=
ausſetzung, daß der Finanzausſchuß der
Stadtverordne=
tenverſammlung befriedigende und von zwei Spezialiſten
nachgeprüfte Wirtſchafts= und Detailpläne für eine
Ueber=
landzentrale vorgelegt erhält.”
Dem Antrag gibt Stadtv. Baſtian folgende
Be=
gründung bei: Wenn ein ſolcher Vorbehalt jetzt nicht
gemacht wird, ſo ſind demnächſt die
Aktiengeſellſchafts=
organe zuſtändig, ohne daß die Stadt deren Beſchlüſſe
nach ihrem Wunſche dirigieren kann. Der etwaige
Hin=
weis darauf, daß auch die anderen Aktionäre kein
In=
tereſſe hätten an einer Ueberlandzentrale mit
zweifel=
hafter Rente iſt um deswillen nicht ſtichhaltig, weil eine
Garantie dafür fehlt, daß dieſe nicht einſeitige
Fabri=
kationsgewinne erzielen, die ſie für etwaige
Rentenaus=
fälle ſchadlos halten, eine Ausgleichsmöglichkeit, die bei
der Stadt naturgemäß fehlt.
Beig. Ekert verbreitet ſich hierzu des längeren über
die Ueberlandzentrale und das Gebiet der Tätigkeit
derſelben. Das in Ausſicht genommene Gebiet erſtreckt
ſich nach Nordweſten bis in den Kreis Groß=Umſtadt,
nach Norden bis Sprendlingen, nach Weſten bis Hahn
und Eſchollbrücken und zweigt weiter ab bis nach
Bens=
heim. Es kommen im Kreiſe Darmſtadt allein etwa 230
Unternehmen mit 4000 Arbeitern in Betracht. Es hat
bereits ſeit Monaten eine intenſive Agitationstätigkeit
eingeſetzt und die Anmeldungen ſind auch ſchon erheblich
zahlreich eingegangen.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing beſpricht die
ver=
ſchiedenen in letzter Zeit erſchienenen Schriften der
Petroleumintereſſenten und die Lage der verſchiedenen
ſchon beſtehenden Ueberlandzentralen. Man müſſe in
der Beurteilung der etwaigen Rentabilität ſolcher
tech=
niſchen Betriebe ſehr vorſichtig ſein. Die A. E.=G. hatte
ſich bereit erklärt, die Ueberlandzentrale ſofort zu bauen,
auch ohne jede Beteiligung von Gemeinden. — Zu dem
Antrage Baſtian bemerkt Redner, daß die Verträge, die
bereits ausgearbeitet ſind, geprüft wurden von einem
Fachmann und einem Juriſten und für gut befunden.
worden ſind.
Stadtv. Dr. Oſann meint, die Frage der
Ueber=
landzentrale müſſe ſehr vorſichtig behandelt werden. Er
hätte gewünſcht, daß der Beigeordnete Ekert mehr
De=
tails gegeben hätte. Sicher ſei doch, daß eine ganze
Menge Orte ſchon von dem Wormſer und Mainzer Werk
weggenommen wurden, und zwar auch Orte, die ſicher
ſich unſerem Werke angeſchloſſen hätten, da ſie vor
unſe=
ren Toren liegen, wenn man hier früher an eine
Ueber=
landzentrale gedacht hätte. So bleiben eigentlich nur
noch recht wenige Orte übrig. In Betracht müſſe doch
auch der Preis gezogen werden. Denn die Riedorte uſw.
haben bereits jetzt den billigen Preis von 40 Pfg.,
wäh=
rend uns der Vertrag erſt 50 Pfg. bringt. Man könne
doch nur auf Anſchlüſſe rechnen, wenn man auch billiger
den Strom liefern könne. Die Hinweiſe auf Worms und
NNannheim ſeien nicht ſtichhaltig. Für Worms kamen
die reichſten und wohlhabendſten Gemeinden Heſſens in
Frage. Für uns ſind es aber die weniger
wohlhaben=
den Gemeinden. In Mannheim ſind die Verhältniſſe
noch ganz anders. Schließlich werden doch alle dieſe
Arbeiten von den bekannten großen Firmen hergeſtellt,
hinter denen wiederum die großen Banken ſtehen.
Dar=
nuf ſcheint man auch zu wenig zu achten. Denn die
Groß=
firmen haben doch nur Intereſſe daran, ihren Produkten
erheblichen Abſatz zu ſichern.
Der Vorſitzende erwidert nochmals, daß man
heute unmöglich mit Sicherheit irgend etwas
voraus=
ſagen könne. Es ſei doch falſch, wenn man ſage, heute
ſei für Darmſtadt nichts mehr zu erhoffen. Eine ganze
Anzahl von Bürgermeiſtereien habe ſich an die Stadt
Darmſtadt gewandt, und es kommen auch recht
wohl=
habende Gemeinden in Frage. Es iſt ſchon intenſiv
ge=
arbeitet worden, mit dem Erfolge, daß ſchon jetzt viele
Anmeldungen vorliegen. Erſt, wenn die Pläne und die
Projekte vorliegen, könne man die Lage beurteilen.
Stadtv. Baſtian beſpricht eingehend die
Ver=
hältniſſe der Stadt Mannheim, ihrer Ueberlandzentrale
und deren Finanzierung. — Nach weiteren
Ausführun=
gen des Oberbürgermeiſters und der Stadtvv. Schupp
und Kalbfuß erfolgt die
Abſtimmung.
Es liegen hierzu noch Anträge und Reſolutionen
vor. Die Sozialdemokraten beantragen:
1. Reſolution: Wir beantragen:, Werden
Neuerun=
gen oder Verbeſſerungen gefünden, welche die Erzeugung
oder Lieferung elektriſcher Energie verbilligen, ſo iſt die
Geſellſchaft verpflichtet, auch für ihre Abnehmer eine
an=
gemeſſene Verbilligung des Stromes zu gewähren.”
Die Reſolution wird angenommen.
Eine zweite Reſolution der Sozialdemokraten lautet:
Am Schluſſe des § 7 Vertrags C hinzuzufügen: „Die
Geſellſchaft verpflichtet ſich, bis zum Schluſſe des
Ge=
ſchäftsjahrs für ein einheitliches Beamten= und
Arbeiter=
recht in ihrem Betriebe zu ſorgen, das demjenigen der
Stadt Darmſtadt zum mindeſten gleichſteht. Ferner
verpflichtet ſich die Geſellſchaft, in den erſten fünf
Be=
triebsjahren eine Verteuerung der Arbeiterfahrkarten
und der Streckentarife in der Stadt nicht vorzunehmen.”
— Dieſer Antrag wird ſpäter beraten werden.
Der Antrag zu Vertrag D: „Die Stadt behält ſich
die Rechte auf ihre Straßen ausdrücklich vor; jede
Um=
änderung, Erweiterung oder Verbeſſerung der elektriſchen
Bahnanlagen, die eine Umänderung des ſtädtiſchen
Stra=
ßenkörpers bedingen, bedürfen der vorherigen
Geneh=
migung der Bürgermeiſterei. In Streitfällen entſcheidet
entgültig die Stadtverordnetenverſammlung”, wird zur
Kenntnis genommen.
Es folgt Abſtimmung über die
Anträge der Bürgermeiſterei:
Verehrliche Stadtverordnetenverſammlung wolle
1. den beiliegenden Vertragsentwürfen und dem
Ent=
wurf einer Satzung für die zu gründende
Aktiengeſell=
ſchaft, ſowie den unter der Ueberſchrift „Ergänzungen
und Erläuterungen” mitgeteilten Vertragsbeſtimmun=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Februar 1912.
Nummer 36.
gen in der vorgetragenen Faſſung gefälligſt ihre
Zu=
ſtimmung erteilen;
2. dem Antrag zuſtimmen, daß der nach § 14 des
Ver=
trages C an die Stadtkaſſe 47 Jahre lang zu zahlende
Betrag von 48892,25 Mark und eine weitere Summe
von jährlich 13500 Mark mit Zins und Zinſeszinſen
zu Vermögenszwecken angelegt wird;
3. den § 19 der Satzung mit folgenden, lediglich für die
Stadt geltenden Beſtimmungen annehmen:
a) Der Oberbürgermeiſter, die Beigeordneten, die
Stadtverordneten erhalten hiermit die
Genehmig=
ung, etwa auf ſie fallende Wahlen zu Mitgliedern
des Aufſichtsrats oder eines anderen
Verwaltungs=
organs von gewerblichen Unternehmungen, an,
denen die Stadt Darmſtadt finanziell beteiligt iſt,
anzunehmen;
b) Sie haben in dieſer Eigenſchaft nur den Anſpruch
auf Erſatz ihrer baren Auslagen; bei Reiſen uſw.
finden die jeweiligen von der
Stadtverordneten=
verſammlung genehmigten Beſtimmungen über
Reiſekoſten und Tagegelder ſinngemäße
Anwend=
ung. Alle anderen Vergütungen, unter welchen
Titeln ſie auch gegeben werden mögen, ſind an die
Kaſſe des Fonds für Beteiligung der Stadt
Darm=
ſtadt an gewerblichen Unternehmungen ungekürzt
abzuführen;
c) Die Stadt Darmſtadt übernimmt die Erſatzleiſtung
für alle Entſchädigungsanſprüche gegen die
Mit=
glieder von Verwaltungsorganen, die ihr Amt
unter Verzicht auf irgend welche Vergütung zu
Gunſten der Stadt als Ehrenamt ausüben, wenn ſie
wegen verſehentlicher Verletzung ihrer
Obliegen=
heiten in Anſpruch genommen werden. Inſoweit
die Stadt Darmſtadt einen ſolchen Anfpruch nicht
für begründet erachtet, hat das betreffende
Mit=
glied der Stadt Darmſtadt die Führung des
Rechts=
ſtreites zu überlaſſen, unter Ueberweiſung aller
vor=
handenen Behelfe und Erteilung jeder erforderlichen
Auskunft. Die Koſten eines ſolchen Rechtsſtreites
trägt die Stadt Darmſtadt.
4. den unterzeichneten Oberbürgermeiſter zum Abſchluß
der Verträge und zu weiter erforderlich werdenden
Verhandlungen bevollmächtigen.
Sämtliche Anträge werden angenommen,
und zwar zu 1) gegen 4, zu 2) gegen 2, zu 3) gegen 4, und
zu 4) gegen 1 Stimme (Dr. Fulda).
Damit iſt die Heſſiſche Eiſenbahn=Aktiengeſellſchaft
endgültig gegründet.
Der Oberbürgermeiſter begrüßt dieſen wichtigen
Ent=
ſchluß und ſpricht die Hoffnung aus, daß er der Stadt
Darm=
ſtadt zum Segen gereichen möge. Allen Herren, die an dem
Werke mitgearbeitet, beſonders den Stadtv. Henfrich,
Dr. Bender und Baſtian ſpricht er den wärmſten Dank
aus. — Stadtv. Kalbfuß dankt auch dem Herrn
Ober=
bürgermeiſter für ſeine eminente Arbeit in dieſer Sache.
(Allgemeine Zuſtimmung).
Darauf wird die dreitägige Sitzung nach 8 Uhr
ge=
ſchloſſen.
Kurſus für Armenpflege, Jugendwohlfahrt
und Jugendfürſorge.
* Herr Bürgermeiſter Mueller ſpricht heute,
Montag, den 12. d. M., nachmittags 4 Uhr, im
Städti=
ſchen Saalbau über: „Allgemeines über Weſen und
Be=
deutung der Jugendwohlfahrt und Jugendfürſorge‟.
Daran ſchließt ſich um 5 Uhr ein Vortrag des Herrn
Re=
gierungsrats Piſtor über: „Säuglingsfürſorge,
ins=
beſondere Organiſation und allgemeine Grundſätze‟
Freitag nachmittag ſprach im Städtiſchen Saalbau
vor überfülltem Saale Herr Stadtſekretär Löſchhorn
über die Notwendigkeit eines planmäßigen
Zuſammen=
wirkens zwiſchen der öffentlichen Armenpflege und der
pripaten Wohltätigkeit. Der Vortragende legte dar:
Während ſich die öffentliche Armenpflege in der Regel
nur auf die Beſeitigung der augenblicklichen Notlage,
alſo nicht auf die Heilung des Uebels, das dieſe Notlage
hervorgerufen hat, beſchränken muß und keinen
Unter=
ſchied zwiſchen würdig und unwürdig zu machen hat, iſt
der Entfaltung der privaten Wohltätigkeit ein weiter
Spielraum gelaſſen. Sie ruht in der hilfreichen Liebe des
Nächſten, die ſich ohne Zwang betätigt, ſie tritt ein, ſo
weit ſie will und mag. Sie wird damit zu einer freien
Liebestätigkeit, im Gegenſatz zur amtlichen oder
Zwangs=
armenpflege. Ihre Aufgabe iſt es deshalb, ſoziale
Har=
ten und Ungleichheiten zu mildern und die Gebiete der
Wohlfahrtspflege zu übernehmen, die der öffentlichen
Armenpflege geſetzlich verſagt ſind. Sie beugt der
öffent=
lichen Armenpflege durch reiches und raſches Eingreifen
vor und ergänzt dieſe dadurch, daß ſie das Mehr leiſtet,
das die Armenpflege zu tragen nicht in der Lage iſt. Eine
Organiſierung der vielen beſtehenden
Wohltätigkeitsver=
eine und=Anſtalten iſt aber unbedingt notwendig. Es
muß vermieden werden, daß zu gleicher Zeit doppelt
gegeben wird und daß die Güte durch unwürdige
Ele=
mente und Gewohnheitsbettler mißbraucht wird. Der
einzige Weg, der hier zum Ziele führen kann, iſt die
plan=
mäßige Verbindung zwiſchen den verſchiedenen Faktoren
der Armenpflege und Wohltätigkeit. Dabei ſollte das
Augenmerk darauf gerichtet ſein, daß die Armenpflege
das Unentbehrliche, die freie Liebestätigkeit dagegen das
Nützliche und Wünſchenswerte und nur bei vorliegender
Würdigkeit gewährt. Dem Unwürdigen ſollte nur der
Weg zur öffentlichen Armenpflege offen ſein. Die
Ver=
bindung ſoll vornehmlich in Auskunftserteilung und in
gegenſeitiger Vertretung in der verwaltenden Tätigkeit
beſtehen. Die Auskunft wird von der ſeit 1895 bei der
ſtädtiſchen Armenverwaltung beſtehenden Auskunftsſtelle
gegeben. Sie wird über Unterſtützungſuchende
unent=
geltlich ſchriftlich und mündlich bereitwilligſt zuverläſſig
und möglichſt erſchöpfend erteilt. Damit die
Auskunfts=
ſtelle in der Lage iſt, allen an ſie geſtellten
Anförderun=
gen gerecht zu werden, iſt es erforderlich, daß ihr von
der Privatwohlfahrt alle verwilligten Unterſtützungen
mitgeteilt werden. Um ſich dieſe Mitteilungen zu ſichern,
hat die ſtädtiſche Armenverwaltung mit einer Reihe
hie=
ſiger Wohltätigkeitsvereine und=Anſtalten ſich zu einer
Vereinigung zuſammengeſchloſſen. Bekämpfung der
ge=
werbsmäßigen Bettelei, beſſere Fürſorge für die
wirk=
lich Bedürftigen und Ausſchluß unwürdiger, nicht
be=
dürftiger Perſonen, Verhütung doppelter Gaben an
ein=
zelne Perſonen von verſchiedenen Seiten, einheitliches
Vorgehen zur Beſchaffung von Abhilfe in Fällen
außer=
ordentlicher Notlagen und Verhütung des Erwerbs des
Unterſtützungswohnſitzes hilfsbedürftiger Perſonen durch
Verſchulden privater Wohltäter bilden die Satzungen
dieſer Vereinigung.
Auch die kirchliche Armenpflege wendet nicht
unbe=
deutende Mittel für Unterſtützungszwecke auf; die
evan=
geliſchen Gemeinden etwa 10000 Mark jährlich, und die
katholiſchen etwa 15000 Mark. Auch eine Reihe von
Vereinen verwendet zu Unterſtützungszwecken
beträcht=
liche Mittel. Sie ſind mit der kirchlichen Armenpflege
auf etwa 50000 Mark jährlich zu veranſchlagen. Gemiß
ein ſchönes Zeichen hilfsbereiter Geſinnung. Daß die
öffentliche Armenpflege durch den Aufwand dieſer
Sum=
men nicht unweſentlich entlaſtet wird, ließ der
Vortra=
gende nicht unerwähnt.
Eine Ausſprache über das geſamte Gebiet der
öffent=
lichen Armenpflege ſchloß ſich dem belehrenden Vortrag,
der eine umfangreiche Praxis des Referenten auf dieſem
Gebiete verriet, an. An der Ausſprache beteiligten ſich
eine ganze Anzahl Damen und Herren. Herr Profeſſor
Kiſſinger teilte mit, daß nach einem ſoeben eingegangenen
Schreiben des Großh. Miniſteriums des Innern bei der
Reviſion des Volksſchulgeſetzes die Einführung der
obli=
gatoriſchen Fortbildungsſchule für Mädchen in ernſte
Erwägung gezogen werden ſoll. Den Gemeinden ſtehe
es, ſo heißt es in dem Miniſterialſchreiben weiter, frei,
jederzeit dieſe Schulen ohne Mitwirkung der
Landes=
geſetzgebung einzuführen, da durch Reichsgeſetz vom 27
Dezember 1911 die Möglichkeit gegeben ſei, weiblichen
Arbeitern unter 18 Jahren die Verpflichtung zum Beſuch
einer Fortbildungsſchule durch Gemeinde= oder
Kreis=
ſtatut aufzuerlegen. Herr Lehrer Röder machte auf den
Verein „Freunde in der Not” aufmerkſam; Frau Lili
Wolfskehl bittet um Mitarbeit der Damen im
Freiwilli=
gen Erziehungsbeirat (Abteilung 3 des Alice=
Frauen=
vereins); Herr Gymnaſiallehrer Lerch ſtellt Anfragen
über die Auszahlung der Wochenunterſtützungen und
über die Weihnachtsbeſcherungen, die Herr Stadtſekretär
Liſt beantwortet. Frau Thies und Frau Oberſt von der
Schulenburg ſprachen ebenfalls über die
Weihnachtsbe=
ſcherungen. Letztere regt an, mit der ſeitherigen Norm
zu brechen und in Zukunft die Geſchenke einige Tage vor
dem Feſte mit einem Weihnachtsbäumchen den
betreffen=
den Eltern zuzuſtellen, die dann die Gaben ihren Kindern
am Weihnachtsabend als eigene Gaben beſcheren. An
der Ausſprache beteiligten ſich weiter Herr Amtmann
Krapp, Fräulein E. von Biegeleben, Herr Stadtſekretär
Löſchhorn, Herr Gerichtsaſſeſſor Lemſer und Herr Lehrer
Raab. Herr Amtmann Krapp macht noch die
geſchäft=
liche Mitteilung, daß die Beſichtigung der Epileptiſchen=
Anſtalt und des Krüppelheims Nieder=Ramſtadt
Diens=
tag, den 13. Februar, ſtattfinden ſoll. Abfahrt ab
Haupt=
bahnhof 2 Uhr 30 Min., ab Oſtbahnhof 2 Uhr 46 Min.
nachmittags. Rückfahrt gegen 6 Uhr abends.
Stimmen aus dem Publikum.
Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberichrift übernimmt die Redaktios
keinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— Man ſoll das Eine tun und das Andere nicht laſſen.
So ſollten wir bei dem geplanten Brückenbau bei Bingen
oder Geiſenheim über den Rhein für den Bau einer Brücke
am Oppenheimer Fahrt bei Oppenheim-Nierſtein, dem
Jahrhunderte alten Verkehrsweg über den Rhein,
ein=
treten. Es bedürfte nur eines Bahnbaues von 12
Kilo=
meter Länge von Groß=Gerau oder Goddelau-Erfelden
mit einer Brücke über den Rhein, um die Verbindung von
Oſten nach Weſten herzuſtellen. Einerſeits nach Alzey,
Kaiſerslautern, Paris, Madrid, andererſeits Berlin,
Pe=
tersburg, Wien, München, Schweiz, Italien. Der
Aus=
tauſch der Produkte zwiſchen Starkenburg und Rheinheſſen
würde befördert werden, und welche Wichtigkeit der
Reiſe=
verkehr beſitzt, zeigt uns die Schweiz mit einer Einnahme
von ca. 130 Millionen durch denſelben. Bei den ſtets
ſtei=
genden Anforderungen der ſtädtiſchen Verwaltung ſcheint
es wohl geraten, ſich nach neuen Einnahmequellen
umzu=
ſehen und beſitzt auch in ſtrategiſcher Beziehung dieſe kurze
Strecke ihren Wert, wie das Jahr 1870 bewieſen hat. Aus
allen dieſen Gründen dürfte der Bahnbau im allgemeinen
Intereſſe liegen und würde gewiß dankbar begrüßt
wer=
den.
Annahme des deutſch=franzöſiſchen Abkommens
durch den franzöſiſchen Senat.
* Paris 10. Febr. Der Miniſterrat beſchloß, daß
der Miniſterpräſident Poincaré im Senat für die
unab=
weisbare Notwendigkeit der Annahme des
deutſch=franzöſiſchen Abkommens eintreten und im Namen
der geſamten Regierung die Vertrauensfrage ſtellen ſolle.
Der Miniſterrat ſah ſich zu dieſem Entſchluß veranlaßt,
weil eine große Anzahl Senatoren ſeit der Rede Pichons
ſchwankend geworden und den Wunſch ausgeſprochen
hat=
ten, daß die Regierung die Vertrauensfrage ſtelle,
damit die Abſtimmung nicht direkt als Einverſtändnis
mit dem deutſch=franzöſiſchen Abkommen erachtet werden
könnte.
Der Senat ſetzte bei überfüllten Tribünen die
Be=
ratung fort. Méline kritiſierte die Anwendung des
Prinzips der offenen Tür in Marokko. Man habe ſich in
Frankreich das Recht, für einen anderen zu arbeiten, ſehr
teuer bezahlen laſſen. Das Opfer iſt gebracht, und wir
wollen wünſchen, daß es dem Weltfrieden nützlich iſt. (
Bei=
fall.) Poincaré erklärt, er habe als Mitglied der
Re=
gierung die Anſicht, die er als Berichterſtatter hatte,
bei=
behalten. Das Abkommen iſt nicht vollkommen und kann
es auch nicht ſein. Aber es iſt dringend wünſchenswert,
daß es angenommen wird. Wenn es abgelehnt wird,
würden innere Schwierigkeiten entſtehen, und wir würden
von einem Protektorat in Afrika abſehen müſſen und
viel=
leicht eine Politik aufgeben, die wir ſeit dem achtzehnten
Jahrhundert in Afrika befolgten. Wir gingen Europa
gegenüber feierlich Verpflichtungen ein und müſſen ſie auch
halten. Die Ablehnung des Vertrages und auch die
An=
nahme mit einer geringen Majorität täte dem Anſehen
Frankreichs Abbruch und ſchädige ſeine Bündniſſe. Die
Politik Frankreichs werde nach dem Abkommen ſein, was
ſie in den letzten Jahren immer, geweſen ſei. Frankreichs
Entſchlußfreiheit bleibt vollkommen gewahrt, aber eine
Ablehnung des Vertrages würde in England, wo man
ſeinen Abſchluß mit herzlichem Wohlwollen und
ausge=
ſprochener Genugtuung aufgenommen habe, lebhaft
über=
raſchen. Der Miniſterpräſident erklärte weiter, baß
Frank=
reich ſeine Intereſſen am Mittelmeer mit Italien und
Spanien geregelt hatte. Es wurde dann notwendig, ſich
mit Deutſchland zu verſtändigen. Der Vertrag von 1911
wurde von der Regierung Wort für Wort geprüft. Sie
war einmütig der Anſicht, daß er angenommen werden
könne. Trotz aller Bedenken werde Frankreich durch ihn
ſchätzenswerte Vorteile erlangen.
Als letzter Redner beſteigt Clémenceau die
Tri=
büne. Er ſchiebt die ganze Schuld an dem
verhängnis=
vollen Zuſtandekommen des Vertrages Caillaux zu, von
dem er ſagt, daß er an Großmannsſucht gelitten und ge
glaubt habe, daß ihm ein Denkſtein für die Abänderung
des Abkommens von 1909 geſetzt werden müſſe.
Clé=
menceau lobt ſodann Deutſchland, von dem er ſagt, daß
der Handel und die Induſtrie große Fortſchritte dort
gemacht hätten, wofür er ſich Delbrücks „Preußiſcher
Jahr=
bücher” als Unterlage bedient. Die Rede Clémenceaus
wurde mit großem Beifall aufgenommen.
Sodann erfolgt die Abſtimmung: 222
Stim=
men werden für und nur 48 gegen den
Ver=
trag, bei 30 Stimmenthaltungen,
abgege=
ben.
Als letzter Redner des Tages ſteigt der
klerikal=
konſervative Senator Jénouvrier die Tribüne und
bean=
tragt, unterſtützt von einem großen Teil der Rechten, eine
Unterſuchung, wie der Vertrag zuſtande gekommen ſei,
ein=
zu leiten und Caillaur vor ein Gericht zu ſtellen, vor dem
er ſich verantworten ſoll. Der Senat beſchließt mit 248
gegen 16 Stimmen, den Antrag Jénouvriers als
verfaſ=
ſungswidrig nicht in Betracht zu ziehen.
Der Senat vertagt ſich hierauf bis Dienstag.
* Paris, 11. Febr. Nach der Annahme des
Marokko=
abkommens ſchlug Jenouprier vor, die
Senatskom=
miſſion für die Beratung des Abkommens in eine
Un=
terſuchungskommiſſion über die geheimen
Un=
terhandlungen der Verträge umzuwandeln. Poincaré
be=
kämpfte dieſen Vorſchlag, der ſchwere Nachteile vom
Standpunkte der auswärtigen Politik mit ſich bringe.
Das Haus ging mit 249 gegen 16 Stimmen zur
Tages=
ordnung über, worauf die Sitzung geſchloſſen wucke.
* Paris, 11. Febr. Nach dem amtlichen
Sitzungsbericht ſind von den 48 Senatoren, welche
geſtern gegen das deutſch=franzöſiſche Abkummen geſtimmt
haben, 19 Mitglieder der Rechten, 12 Mitglieder der
demo=
kratiſchen Linken, darunter Clemenceau, 3 Mitglieder der
r. publikaniſchen Linken, dirunter der ehemalige
Kriegs=
miniſter Mereier. Unter den 30 Senatoren, welche ſich
der Abſtimmun; enthielten, ſind zu erwähnen: Pichon,
Pelletan, die ehemuligen Kolomalminiſter Morel und
Trouillot, und der auch in Deutſchlnd bekannte
Koloniel=
politiker Lucien Hubert.
* Paris, 11. Febr. Nach amtlicher Richtigſtellung
wurde das deutſch=franzöſiſche Abkommen
mit 212 gegen 41 Stimmen angenommen.
38 Senatoren enthielten ſich der Abſtimmung.
* Paris, 11. Febr. In den zumeiſt ſehr
maßvol=
len Erörterungen, welche die Preſſe der geſtrigen
Se=
natsabſtimmung widmet, kommt hauptſächlich das
Gefühl der Erleichterung zum Ausdruck, daß dieſe
langwierige Angelegenheit endlich erledigt iſt. Selbſt die
dem Abkommen hartnäckig feindſeligen Blätter geben zu.
daß deſſen Annahme notwendig, ja unvermeidlich war.
Sie heben mit Befriedigung hervor, daß, wie
insbeſon=
dere aus der Senatsdebatte hervorgegangen, das
wäh=
end der Kriſis im verfloſſenen Sommer erwachte
Natio=
nalgefühl und das Selbſtbewußtſein des franzöſiſchen
Volkes einen neuen Anſporn erhalten habe.
Luftfahrt.
Gotha, 10. Febr. Am 1. April wird eine
ſtän=
dige Fliegerſchule bei der hieſigen Luftſchiffhalle
ins Leben treten. Das Kriegsminiſterium in Berlin hau
die Ueberlaſſung von zunächſt neun Offizieren an die
hieſige Fliegerſchule verfügt, deren Abkommandierung
nach Gotha für den 1. April beſchloſſen iſt. Die Schule,
welche mit Genehmigung des Herzogs den Namen=
Her=
zog Karl Eduard=Fliegerſchule führen wird, hat ſich in
erſter Linie die Aufgabe geſtellt, Offiziersfliegern und
Herrenfliegern Gelegenheit zur Ausbildung zu geben.
Die Aviatik=Aktiengeſellſchaft zu Mülhauſen im Elſaß
wird die erforderliche Anzahl Flugapparate, Lehrkräfte
und ſonſtige Hilfskräfte ſtellen.
* Paris, 11. Febr. In der Sorbonne fand heute
unter dem Vorſitze Clemenceaus eine Verſammlung
zu Ehren des Militärflugweſens ſtatt. Der
Senator Raynaud, der ſelbſt einer der geſchickteſten Flieger
Frankreichs iſt, hielt eine Rede, in der er nach einer
An=
ſpielung auf den vom Kaiſer Wilhelm geſtifteten 50000
Mark=Preis ausführte, daß die Nation, die den erdan Rang
im Flugweſen einnehmen werde, die erſte der Welt ſein
werde. Das franzöſiſche Volk ſei an einem Zeitpznkt
ſeiner Geſchichte angelangt, wo es nur zu wollen brauche,
um größer zu ſein als je. Der Forſchungsreiſende
Bon=
nalat kündigte an, daß alle Gemeinden, alle
Körperſchaf=
ten, alle Finanzinſtitute und alle Schulen aufgefordert
wer=
den ſollen, eine nationale Geldſammlung für das
Militär=
flugweſen zu veranſtalten, für dieſe „vierte Armee”, durch
welche Frankreich ſtark und achtunggebietend werden ſolle.
Die Revolution in China.
* Peking, 10. Febr. Der Rücktritt der
Dynaſt ie verzögert ſich, weil die Repolutionäre
Juanſchikai unannehmbare Forderungen ſtellen und die
Mandſchurei durch den Aufſtändiſchen=General
Lantien=
wei fortgeſetzt beunruhigt wird. Das Eingreifen der
Japaner wird befürchtet.
* Mukden, 9. Febr. Sieben Bataillone
Infan=
terie zwei Schwadronen Kavallerie und eine
Artil=
lerieabteilung ſind gegen die Revolutionäre
entſandt worden.
* Mukden, 11. Febr. 50 Soldaten und ein
Offizier wurden bei dem Verſuche zu fliehen, um zu
den Revolutionären überzugehen, feſtgenommen.
Der Generalgouverneur von Tſchaorſhun führte ſeine
Familie nach Japan über.
* Urga, 11. Febr. Wegen der ſchwierigen
Finanzlage beſchloß die Regierung der Mongolei,
200000 Kamele und Pferde des
chineſi=
ſchen Kaiſers zu verkaufen, im
Außen=
handel einen Zoll einzuführen und den Transport der
ruſſiſchen Poſt durch die Mongolei auf eigene Koſten zu
übernehmen. Die Bodenſchätze werden der Ausbeutung
zugänglich gemacht.
Literariſches.
— Im Verlag von H. A. Ludwig Degener in Leipzig
erſchien eine Broſchüre „Die kranke Kunſt”. Preis
1 Mark. Die deutſche Kunſt ſteht an einem Scheidewege.
Die Anzeichen mehren ſich, daß ſie auf dem jetzt
eingeſchla=
genen Wege den ſchwerſten Gefahren entgegengeht. Eine
völlig falſche Richtung, die ſich als den Ausdruck der
Ge=
genwart betrachtet und öffentlich anpreiſt, droht ſie mehr
und mehr abwärts zu führen. Eine organiſierte Reklame
erfüllt mit Getöſe die Luft und will eine ruhige
Erkennt=
nis nicht aufkommen laſſen, bringt uns andererſeits mehr
und mehr in beklagenswerte Bewunderung und
Nachah=
mung ausländiſcher, dekadenter Kunſt. Mehr und mehr
erheben ſich Stimmen dagegen, ſelbſt unter unſeren moder
nen Künſtlern. Aber mit klaren dürren Worten muß
die=
ſer Niedergang, muß die Krankheit dem deutſchen Volke
einmal gezeigt werden.
Nummer 36.
Darmfrädter Tagblatt, Montag, den 12. Februar 1912.
Seite 7.
— Lebensbeſchreibung des Ritters
Bötz von Berlichingen. Zugenannt mit der
Eiſern Hand. Textlich überarbeitet, mit ausführlicher
Einleitung und zahlreichen erläuternden Anmertungen
von Dr. jur. et phil: Karl Wollf. In geſchmackvoller
Ausſtattung broſch. 1,50 Mk., in Leinen 2,50 Mk.
Ver=
lag „Die Leſe” in München. Das Werk iſt in dreifacher
Hinſicht intereſſant. Es iſt von Götz ſelbſt am Abend
zeines abenteuerreichen Lebens mit derber, packender
An=
ſchaulichkeit geſchrieben; kein anderes Memoirenwerk
jener Epoche ſpiegelt mit ſolcher Kraft und Friſche die
gewaltige Uebergangszeit des 16. Jahrhunderts,
Weiter=
hin iſt das Buch als Quelle für Goethes geniales
Jugend=
werk bedeutſam. Endlich führt es ein Kapitel aus der
Geſchichte unſerer Mutterſprache ohne alle lehrhafte
Trockenheit vor Augen, und zwar eines der wichtigſten
Kapitel, — denn aus dem herrlich=kraftvollen und
kerni=
gen Deutſch jener Zeit ſtammt unſere heutige, ſo
abge=
griffene und abgeſchliffene Schriftſprache unmittelbar ab.
Während die wenioen neueren Ausgaben von Götzens
Lebensbeſchreibung entweder für Kenner lediglich den
Urtext oder fürs „Volk” wäſſerige „Verhochdeutſchungen”
bringen, macht unſere Ausgabe zum erſten Male den
nur wenig und mit größter Vorſicht moderniſierten Text
durch eine ausführliche Einleitung und zahlreiche
erläu=
ternde Anmerkungen allen Gebildeten zur anregenden
und genußreichen Lektüre.
Darmſtadt, 12. Februar.
** Der Bund deutſcher Militäranwärter (
Landes=
verband Heſſen) war geſtern vormittag zur Abhaltung ſeines
Verbandstages für das Jahr 1912 im Saale des
Perkeo hierſelbſt unter äußerſt zahlreicher Beteiligung
ver=
ſammelt. Am Abend vorher fand im Feſtſaal der
Turn=
gemeinde am Woogsplatz eine glänzend verlaufene Feier
des Geburtstages des Kaiſers, an der neben den Vertretern
der Brudervereine von Bayern, Baden, Württemberg,
Heſſen=Naſſau und Elſaß=Lothringen, als
Regierungsver=
treter Herr Geh. Oberregierungsrat Dr. Weber, ſeitens
der 25. (heſſiſchen) Diviſion Herr Generalmajor und
Stadt=
kommandant v. Randow, ſeitens des Art.=Korps Nr. 25
Herr Regimentskommandeur Oberſt v. Müller, ſeitens
der Stadtverwaltung Herr Bürgermeiſter Mueller, ſowie
die Landtagsabg. Dr. Oſann, Münch, Henrich und
Wiegand=Heppenheim teilnahmen. Nachdem der
Ver=
einsvorſitzende, Kam. Salomon, die Ehrengäſte und die
Kameraden herzlichſt willkommen geheißen, ſagte der
Re=
gierungsvertreter, Herr Dr. Weber, dem Vorſtand namens
der leider verhinderten Miniſter herzlichen Dank und betonte,
daß ſich die Regierung bewußt ſei, daß aus den Kreiſen der
Militäranwärter ein ſehr wertvoller Teil von Beamten für
Stadt und Land hervorgehe, auf deſſen Mitarbeit die
Re=
gierung nicht verzichten könne und möchte. Die langen Jahre,
die ſie beim Militär verbrächten, erzögen ſie zur
Pünktlich=
keit, Arbeitſamkeit und zur raſchen Erledigung der
Dienſt=
geſchäfte, insbeſondere auch zur Pflege der nationalen
Ge=
ſinnung. Das ſeien Eigenſchaften, die dem zukünftigen
Zivilbeamten ſehr wohl anſtehe; die letztere ſei in den
Krei=
ſen der Beamten beſonders not. Der ſtete wirtſchaftliche
Aufſchwung, das Anwachſen von Handel und Gewerbe
machten es dem Deutſchen Reiche zur Pflicht, auf die
Wahr=
ung und die Stärkung der Wehrmacht zu Waſſer und zu
Lande bedacht zu ſein und daß dazu naturgemäß auch ein
entſprechender Erſatz und Vermehrung des
Unteroffizier=
ſtandes erforderlich ſei, wären die Reichsregierung wie die
Einzelregierungen längſt überzeugt. Deshalb ſei auch die
Zivilverſorgung für die altgedienten Unteroffiziere
einge=
führt worden. Der Verband habe ſich neben der Pflege
der Kameradſchaft und der nationalen Geſinnung auch die
Wahrung der Standesintereſſen zur Aufgabe gemacht und
Redner könne ihm das Zeugnis ausſtellen, daß der
Vor=
ſtand ſeine Aufgabe richtig erfaßt habe. Die Regierung
werde nicht allein objektiv und mit Wohlwollen die
ein=
zelnen Wünſche des Verbandes prüfen, ſondern auch ſtets
das Intereſſe ſeiner Beamten im Auge behalten. (Lebhafter
Beifall.) Herr Stadtv. Schupp gedachte in warmen
Wor=
ten des Großherzogs Ernſt Ludwig, dem ein dreifaches
Hurra gewidmet wurde. Ein Vertreter des
Bundesvor=
ſitzenden aus Berlin hielt die Feſtrede. Der Vorſitzende des
Landesverbandes, Kam. Boesler, ſprach über „Die Lage
der Militäranwärter im Großherzogtum Heſſen” Nachdem
Herr Bürgermeiſter Mueller für die vom Vorredner der
Stadt gezollte Anerkennung Dank geſagt und den
Verhand=
lungen beſten Erfolg gewünſcht, drückte Abg. Dr. Oſann,
der von der Verſammlung mit ſtürmiſchem Beifall begrüßt
wurde, namens der übrigen Abgeordneten ſeinen Dank für
die Einladung aus und verſicherte, daß die Wünſche, die
von dem Verband der Kammer in der Denkſchrift
unter=
breitet wurden, auch die volle Beachtung finden würden,
die ihnen gebühre. Nach weiteren Reden der Vertreter von
Bingen und Elſaß=Lothringen blieben die Feſtteilnehmer
noch längere Zeit in kameradſchaftlicher Weiſe beiſammen.
Die geſchäftlichen Verhandlungen begannen Sonntag
vormittag 10¼ Uhr. Hier begrüßte der erſte Vorſitzende
die Delegierten und Teilnehmer, worauf die Erſtattung des
Jahresberichts, die Rechnungslegung für das verfloſſene
Jahr, die Feſtſetzung des Wirtſchaftsplanes für 1912 uſw.
erfolgte. Zum Schluß wurden noch folgende, von den
Ver=
einen geſtellte Anträge rege erörtert und einſtimmig
an=
genommen: Vom Verein Mainz: Der dem Bund
be=
reits im vergangenen Jahre zugegangene Antrag, betreffend
Anrechnung von Dienſtzeit auf das Beſoldungsdienſtalter
für die Garniſonverwaltungs=Oberbeamten, iſt dem
dies=
jährigen Bundestage zur Entſcheidung vorzulegen.
Vom Verein Kameradſchaft wird ein Antrag
angenommen, der 1. die Verleihung der unkündbaren
Anſtellung der Fahrkartenausgeber bei den
Eiſenbahn=
verwaltungen bezweckt, und 2. die Aenderung der
Be=
ſtimmungen über die Ausbildung der bei der preußiſchen
Eiſenbahnverwaltung als Schaffner im Probedienſt
ein=
berufenen Militäranwärter, insbeſondere Aufhebung der
dreimonatigen Beſchäftigung im Dienſte eines Stations=
Rangier= oder Werkſtättenarbeiters. — Vom Verein
Offenbach wurde der Antrag angenommen: „Der
Landesverband Heſſen wird erſucht, dahin zu wirken,
daß die nach der Reichsverſicherungsordnung den
Mili=
täranwärtern vorbehaltenen Stellen bei der
Neuorgani=
ſation ſogleich anteilmäßig beſetzt werden und die
An=
forderungen für die Stellen von vornherein — nicht wie
in Heſſen üblich — ſo geſtellt werden, daß die Erlangung
der Stellen für Militäranwärter erſchwert oder gar
aus=
geſchloſſen wird.” — Den geſchäftlichen Beratungen folgte
ein gemeinſames Mittageſſen, das in echt
kameradſchaft=
licher Weiſe verlief.
* Der Mozartverein veranſtaltete am Samstag abend
im Städtiſchen Saalbau ein großes Maskenfeſt, für
das die Säle, namentlich der große Saal, auf das reichſte
und prunkvollſte geſchmückt waren. Die Dekorationen
des letzteren waren im Geſchmack der Biedermeierzeit
gehalten, zu dem auch das zu einem entzückenden
Sekt=
zimmer hergerichtete Podium im Stil paßte. Das Feſt
war, wie alle Veranſtaltungen des Mozartvereins, ſehr
zahlreich beſucht. Während des luſtigen Maskentreibens
und der Tänze ſpielten abwechſelnd die Kapellen des 115.
und des 61. Regiments unter Leitung ihrer Kapellmeiſter
Herren Hauske und Weber. Außer echten Biedermeier=
Koſtümen, die durch ihre Schönheit auffielen, ſah man
Charaktermasken aller Art und in großer Zahl, die im
Verein mit den ſchönen Dekorationen ein friſches,
farben=
reiches, Auge und Herz erfreuendes Bild gewährten.
Jugendluſt und fröhliche Laune verſchönten das Feſt.
Um 10½ Uhr wurde zur Eröffnung des Balles eine
Po=
lonaiſe getanzt, an der ſich 195 Paare, alt und jung,
beteiligten. Den Teilnehmern wurden große Blumen
überreicht, die an Stäben getragen wurden, ſo daß der
große Saal einem wogenden Blumenmeer glich. Der
Tanz währte bis zur frühen Morgenſtunde. Der
Mozart=
verein hat mit dieſem prächtigen Maskenfeſt von neuem
bewieſen, daß er Feſte zu veranſtalten verſteht.
g. Darmſtädter Karneval=Geſellſchaft. Ein luſtiges
Völkchen junger und alter Närrinnen und Narren hatte
ſich geſtern abend im „Saalbau” zur zweiten Damen=
und Herrenſitzung der Karneval=Geſellſchaft
ein=
gefunden und hoch auf gingen noch einmal die Wogen
fröh=
licher und heiterer Geſelligkeit. Das Präſidium hatte
dies=
mal Narr Winkler übernommen und unter ſeinem
Narrenpräſidium wickelte ſich das reichhaltige und
neu=
artige Programm tadellos ab und nur allzu ſchnell
ſchwanden die Stunden voller karnevaliſtiſcher Narrheit.
Eröffnet wurde die Sitzung mit einem allgemeinen Liede
des Narren Möſer. Es betrat dann der Protokollant
Gg. Schneider der an dem Abend auf eine 25jährige
karnevaliſtiſche Tätigkeit zurückblicken konnte, den
fliegen=
den Pegaſus, hier „Bütt” benamſet, und erſtattete in
alt=
gewohnter, meiſterhafter und humorvoller Narrenart das
Protokoll von der letzten Sitzung. Als ein waſchechter
Dienſtmann ſtellte ſich Narr Hennemann jr. aus
Frank=
furt vor, der Erlebniſſe von ſeiner intereſſanten Berliner
Reiſe zum beſten gab. Damit er bei ſeiner nächſten Reiſe
nach Berlin dort nicht wieder als einziger Menſch, der noch
keinen Orden hat, unliebſam auffällt, bekam er für ſeine
redneriſchen Glanzleiſtungen den Verdienſtorden. Es
folgte nun durch den ſtellvertretenden Präſidenten Winkler
eine Ehrung des Präſidenten Hans Schramm,
der 20 Jahre an der Spitze der Darmſtädter Karneval=
Geſellſchaft ſteht. Dieſer wiederum feiert den anweſenden
Gründer der Geſellſchaft, das Ehrenmitglied Bodenſchatz.
Ein Paar, das durch den Blumentag ſich gefunden, trug
ein herziges Duett, betitelt „Blumenwalzer” vor, und
erntete mit ſeinem Vortrag lebhaften Beifall, ebenfalls
der ungenannte Komponiſt und Dichter. Das Paar waren
Narr Fey und die Närrin Stofferl, letztere ſpendete
noch eine Hymne auf den Jubelpräſidenten. Einen
präch=
tigen Schuhmachermeiſter, dem es nie am rechten Humor
gebricht, gab Narr Schaaf, und einen redebegabten
Gelegenheitsarbeiter, der ſich für die nächſte Reichstagswahl
als Kandidat anbot, Narr Hennemann ſen. Ein
Wild=
ſchützen=Duett mit Schnadahüpfeln und Schuhplattlern
gaben die Narren Schütt und Bauer zum beſten. Sie
wurden mit dem Hubertusorden ausgezeichnet. Zum
Schluß ſei noch der Liederdichter gedacht, die zum
Ge=
lingen des Narrenfeſtes beitrugen. Es ſind dies die
Komiteemitglieder Singer und Schinnerl und die
Narren Hartmann und Enders. Mit einem Hoch
auf die Karneval=Geſellſchaft ſchloß der Vizepräſident die
Sitzung gegen 11 Uhr.
* Im Ortsgewerbeverein ſpricht am Freitag abend
Herr Profefſor Brockmann aus Offenbach über
„Neue Methoden und Apparate zum Schweißen und
Schmieden der Metalle mit Hilfe des elektr. Stroms.”
* Eine Verkehrsſtörung tm Betriebe der
elek=
triſchen Straßenbahn trat geſtern nachmittag
¾4 Uhr dadurch ein, daß der Leitungsdraht auf der
Strecke Ernſt=Ludwigsplatz=Heidelbergerſtraße zerriß.
Der Strom war deshalb ½ Stunde lang unterbrochen,
während welcher Zeit auf dem Ernſt=Ludwigsplatz, in
der oberen Rheinſtraße und am Paradeplatz zehn Wagen
zum Stillſtand gebracht wurden und der Verkehr ſtockte.
Die Strecke Ernſt=Ludwigsplatz= Heidelbergerſtraße blieb
noch längere Zeit geſperrt, bis der Darht proviſoriſch
wiederhergeſtellt worden war.
Lindenfels, 11. Febr. Die hieſige Spar= und
Darlehnskaſſe hatte im verfloſſenen Jahre einen
Geſamtumſatz von 617038 Mark und einen Reingewinn
von 2271 Mark. Die Aktiva betrugen 533602 Mark, die
Paſſiva 531 330 Mark.
* Reichelsheim i. O., 10. Febr. Eine Wohltäterin
unſeres Städtchens, Frau Helene Göttmann Wwe.
hat im 64. Lebensjahre das Zeitliche geſegnet. Als
Diakoniſſin wirkte ſie im Kriege 1870/71 und als ſolche
nachher in unſerem Städtchen. Hier verheiratete ſie ſich
mit dem in den Nordamerikaniſchen Freiheitskriegen
er=
blindeten Philipp Göttmann. Frau Göttmann iſt die
Gründerin der hieſigen Lungenheilanſtalt und unſeres
Elektrizitätswerkes.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 10. Febr. Der Enſchluß des Abgeordneten
Dr. Spahn, ſein Amt als Reichstagspräſident
nieder=
zulegen, beruht, wie das Wolffſche Bureau hört, nicht
auf einem Beſchluß der Zentrumsfraktion.
Dieſe war vielmehr gerade im Begriff, in die Beſprechung
der Frage einzutreten, als ein Abgeordneter erſchien und
die Mitteilung machte, daß eine Beratung
gegenſtands=
los ſei, da er mitteilen könne, daß Dr. Spahn ſich
ent=
ſchloſſen habe, am Montag ſein Amt niederzulegen. Die
Mitteilung wurde mit allgemeinem Beifall aufgenommen,
und die Fraktion ſprach dem Abg. Dr. Spahn
ausdrück=
lich ihr Vertrauen aus.
* Berlin, 10. Febr. Heute vormittag wurde in der
neuen evangeliſchen Garniſonkirche die Trauerfeier
für den Generalfeldmarſchall von Hahnke
abgehalten. Es nahmen daran teil: Der Kaiſer und
alle anweſenden Prinzen des königlichen Hauſes. Der
Kaiſer folgte dem Sarge, der auf einem königlichen
Lei=
chenwagen ſtand, nach dem Friedhof.
* Berlin, 11. Febr. Kriegsminiſter Lord Haldane
iſt nach London zurückgekehrt.
* München, 10. Febr. Der Erzgießer Ludwig
v. Miller iſt geſtorben.
München, 11. Febr. Das neue Miniſterium
ſetzt ſich folgendermaßen zuſammen: Frhr. v. Hertling:
Präſidium und Aeußeres, Präſident des oberſten
Land=
gerichts v. Thelemann: Juſtiz, Reichsrat Frhr. v. Soden:
Inneres, Miniſterialdirektor v. Knilling: Kultus,
Staats=
rat v. Breunig: Finanzen, Eiſenbahndirektionspräſident
v. Seidlein=Nürnberg: Verkehr, Graf Horn! Krieg.
* München, 11. Febr. In dem Handſchreiben
des Prinzregenten an den Miniſterpräſidenten
v. Hertling wird der Rücktritt des bischerigen
Kabinetts genehmigt und die Ernennung der neuen
Miniſter ausgeſprochen.
* Erfurt, 11. Febr. Der ehemalige Reichstags”
abgeordnete für Erfurt, Landgerichtsrat Paul Hage‟
mann (natl.) iſt geſtorben.
Leipzig, 10. Febr. Im Spionageprozeß
Per=
ſanti wurde der Angeklagte nur wegen Beſtechung, nicht
wegen Vergehens gegen das Spionagengeſetz verurteilt,
und zwar zu 10 Monaten Gefängnis unter Anrechnung
von 2 Monaten Unterſuchungshaft. Die Ausſage des
Zeugen Musketier Lilienthal wurde für glaubhaft
ge=
halten. Danach bot der Angeklagte Militärperſonen
Ge=
ſchenke an und machte ſich dadurch der Beſtechung
ſchul=
dig. Im übrigen konnte es nicht als erwieſen angeſehen
werden, daß der Angeklagte bewußt geheimzuhaltende
Gegenſtände verlangt hat.
* Paris, 10. Febr. Der Kriegsminiſter und der
Kolonialminiſter beſchloſſen, die Rekrutierung der
Eingeborenen in Weſtafrika dahin abzuändern,
daß die ſchwarzen Truppen in Zukunft im Wege der
Einberufung und ſodann vermittels der freiwilligen
An=
werbung unter Kapitulation rekrutiert werden können.
Die Eingeborenen=Reſerviſten ſollen vom
Generalgouver=
neur im Falle einer allgemeinen oder teilweiſen
Mobili=
ſierung innerhalb oder außerhalb Franzöſiſch=Weſtafrika
ſowie für Waffenübungen unter die Fahne einberufen
werden können.
* Paris, 11. Febr. Nach einer Blättermeldung hat
die Pariſer Bankfirma Le Groux=Pradel, welche
insbeſondere im Departement Puy de Dome an zehn
Zweiganſtalten hat, ihre Zahlungen eingeſtellt
und zahlreiche Einleger um einen Geſamtbetrag von mehr
als einer Million Francs geſchädigt.
* Paris, 11. Febr. Die Unterſuchung hat ergeben,
daß der unter dem Verdacht des Diebſtahls und der
Spionage in Lorrient verhaftete Italiener Albertini
ein gefährlicher Anarchiſt iſt. Es war ihm
gelungen, ſich bei einem Marinelieferanten als Arbeiter
zu verdingen und er war als ſolcher im Arſenal bei dem
Bau eines elektriſchen Krahns beſchäftigt. Man glaubt,
daß Albertini daſelbſt einen anarchiſtiſchen Anſchlag
ge=
plant hat. Durch die in ſeiner Behauſung
vorgenom=
mene Unterſuchung ſoll feſtgeſtellt worden ſein, daß die
ſchweizeriſche und die deutſche Polizeibehörde ſeit längerer
Zeit nach ihm fahnden.
* Paris, 11. Febr. Zu dem ſpaniſch=franzö
ſiſchen Abkommen wird aus Madrid gemeldet:
In den dortigen politiſchen Kreiſen erkläre man, ſolange
Frankreich als Grundlage für die Verhandlungen das
deutſch=franzöſiſche Abkommen benützen wolle, ſei eine
Verſtändigung ausgeſchloſſen. Die ſpaniſche Regierung
könnte nicht die für Frankreich aus dieſem Abkommen
erwachſenden Laſten bezahlen, da man es ſogar für
über=
flüſſig gehalten habe, ſie formell um ihre Meinung zu
befragen. Dem engliſchen Vermittelungsvorſchlag, daß
eine internationale Kommiſſion eingeſetzt werde, welche
innerhalb Jahresfriſt die Frage der marokkaniſchen
Schuldentilgung, alſo eine der Hauptſchwierigkeiten der
gegenwärtigen Verhandlungen, regeln ſoll, ſteht die
ſpa=
niſche Regierung vorläufig noch ziemlich ablehnend
gegenüber. Der Temps meint, Spanien glaube ſich nicht
beeilen zu müſſen, da die franzöſiſche Regierung ſeine
Zuſtimmung zu dem deutſch=franzöſiſchen Abkommen
un=
bedingt brauche und ſich deshalb gefügiger zeigen werde.
Aber dies ſei ein Irrtum.
* Cannes, 11. Febr. Der Induſtrielle Delaunay=
Belleville iſt geſtorben.
* Brüſßel, 10. Febr. Der Rat der
Interparla=
mentariſchen Friedens=Union hielt heute vor
mitag eine Sitzung ab, auf der elf Länder von 16
Delegier=
ten vertreten wurden. Es wurde beſchloſſen, den
diesjähri=
gen Kongreß am 17. September in einer noch näher zu be
ſtimmenden Stadt Europas abzuhalten. Jedoch ſoll die
Stadt keine Hauptſtadt irgend eines Landes ſein. Der Rat
billigte einen Brief, den der Präſident der Union,
Staats=
miniſter Beernaert, der italieniſchen Gruppe ſchrieb, in dem
erklärt wird, daß die Union in Paris der italieniſchen
Re=
gierung kein Tadelsvotum ausgeſprochen habe, und daß es
deshalb nicht angängig ſei, den dort gefaßten Beſchluß
rück=
gängig zu machen.
* Brüſſel, 10. Febr. Im Streikgebiet des
Bo=
rinage kam es heute nachmittag an verſchiedenen Orten
zu Zuſammenſtößen zwiſchen Gendarmerie, Militär,
das heute nachmittag verſtärkt wurde, und Streikenden. Sol
daten wurden durch Steinwürfe verletzt, weshalb das
Mili=
tär verſchiedene Salven abgab. Die Unruhe wächſt
zu=
ſehends und auch die Not. Faſt ſämtliche Geſchäfte im
Streik=
gebiete haben heute ihre Läden geſchloſſen, weil ſie
Plün=
derungen befürchten. Heute nachmittag ſind nun auf
Ver=
anlaſſung des Provinzialrates der Provinz Hennegau
Dele=
gierte der Grubenbeſitzer und der Streikenden
zuſammen=
getreten, um zu beraten, ob ein Vergleich möglich ſei.
Proviſoriſch haben ſich die Delegierten darauf geeinigt, daß
nunmehr ein Verſuch auf 3 Monate mit dem Weiterbeſtehen
der achttägigen Lohnzahlung gemacht werden ſoll und daß
der Provinzialrat die Koſten für die erweiterte Buchführ
ung trägt, die durch die Einführung der neuen Alterspenſion
hervorgerufen wird. Dieſe proviſoriſchen Vorſchläge werden
nunmehr den zuſtändigen Organiſationen der Gruben
arbeiter und Grubenbeſitzer zur Genehmigung unterbreitet
werden.
* Mons, 10. Febr. Als etwa 500 Ausſtändige
einen Güterwagen plündern wollten, ſchritt eine Abteilung
Jäger ein, die, als ſie zurückgedrängt wurde, einen
Bajonettangriff machte und ſpäter eine Salve
ab=
gab. Hierbei wurden zwei Ausſtändige getroffen. Die
Menge drang neuerlich auf die Soldaten ein, die ſich
wieder zurückziehen mußten und dann wiederum feuerten,
wobei eine Frau verwundet wurde.
Oporto, 11. Febr. Der Douro iſt im Steigen
begriffen. Der Schiffsverkehr im Seehafen iſt
vollſtändig eingeſtellt. Der Hafendamm von Leixoes
iſt auf mehrere hundert Meter eingeſtürzt.
* Liſſabon, 11. Febr. Im Dorfe Mirandella
(Diſtrikt Guarda) verurſachten Regenfälle Erdrutſche.
Zwei Häuſer ſind eingeſtürzt. Acht Leichen wurden
geborgen.
* Sevilla, 11. Febr. Der König beſuchte geſtern
vormittag in Begleitung des Miniſterpräſidenten
Cana=
lejas und des Miniſters der Oeffentlichen Arbeiten die
von der Ueberſchwemmung heimgeſuchten Stätten und
reiſte abends ab.
Athen, 10. Febr. Heute wurde ein Dekret
ver=
öffentlicht, durch das die Kammer aufgelöſt wird.
Die Neuwahlen ſollen am 23. März ſtattfinden. Die
neue Kammer ſoll am 4. Mai zuſammentreten.
Kriſtiania, 10. Febr. In der heutigen
Vormittags=
ſitzung des Storthings waren ſämtliche Mitglieder
der Regierung anweſend. Die Galerie war von
Zu=
hörern überfüllt. Der Miniſterpräſident erklärte, daß
die Kriſe ganz eigentümlicher Natur ſei, da ihr weder
eine Regierungshandlung noch ein Storthingsbeſchluß
zugrunde liege. Er halte daran feſt, daß Männer, die in
der Oeffentlichkeit ſtehen, auch das Recht auf eine eigene
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Februar 1912.
Nummer 36.
private Anſchauung haben. Nach längerer Debatte
wurde auf Vorſchlag des Präſidenten des Storthings die
Verhandlung auf eine ſpätere Sitzung vertagt.
London, 12. Febr. Der deutſche Schutzmann
Gauß, deſſen Auslieferung von Deutſchland wegen
Diebſtahls nachgeſucht war, iſt an Deutſchland
ausgeliefert worden. Er hatte gegen ſeine
Aus=
lieferung geltend gemacht, daß er keinen Diebſtahl
be=
gangen habe und von den deutſchen Behörden in
Ver=
bindung mit der Spionageangelegenheit in
Wilhelms=
hafen geſucht werde.
Mancheſter, 10. Febr. Nachdem die
Hafen=
arbeiter geſtern eine Verſammlung über die Frage
der Beſchäftigung Unorganiſierter abgehalten hatten,
legten heute ſämtliche Hafenarbeiter die Arbeit nieder.
Das Ausladen iſt eingeſtellt; die Arbeit ruht auf den
Handelshäfen ſo gut wie ganz. Der Ausſtand iſt noch
nicht offiziell erklärt. Die Ausſtändigen ſind der
Sympathie verſchiedener Gewerkſchaften ſicher. Die
Aus=
dehnung des Ausſtandes auf andere Transportarbeiter
wird befürchtet.
* Petersburg, 10. Febr. Der Reichsrat nahm die
Vorlage und den Finanzplan betreffend die
Einfüh=
rung eines allgemeinen
Volksſchulunter=
richts in Rußland mit vielen Aenderungen an. Die
von der Reichsduma angenommene Faſſung unterſtellt
den geſamten Volksſchulunterricht dem
Unterrichtsmini=
ſterium unter völliger Beſeitigung der geiſtlichen
Behör=
den. Der Reichsrat jedoch überwies jährlich 1½
Mil=
lionen den ſynodalen Kirchſpielſchulen. Die Ausgaben
für Volksſchulunterricht, die jährlich progreſſiv wachſen,
wurden auf zehn Jahre im voraus feſtgelegt. Für die
Feſtlegung der Ausgaben, die in zehn Jahren über 500
Millionen betragen werden, ſtimmte das ganze Kabinett.
Die Vorlage wurde wegen Meinungsverſchiedenheiten
mit der Reichsduma an eine Ausgleichskommiſſion
ver=
wieſen.
* Petersburg, 10. Febr. Der König und Prinz
Peter von Montenegro trafen heute nachmittag
um 2 Uhr 30 Min. auf dem Bahnhofe in Zarskoje
Sſelo ein, wo ſie vom Kaiſer begrüßt wurden. Der
Kaiſer und der König küßten ſich bei der Begrüßung.
Vom Bahnhof begab ſich der Kaiſer mit ſeinen Gäſten
in das Alexanderpalais, wo dieſe die Kaiſerin Alexandra
Feodorowna beſuchten, nachdem ſie von den
Großfür=
ſten, den Hofchargen, dem Miniſter des Aeußern und den
oberſten Militärbehörden begrüßt worden waren.
Spä=
ter geleitete der Kaiſer ſeine Gäſte zum Bahnhof. Um
3 Uhr 50 Min. trafen ſie in Petersburg ein, wo ſie ſich
nach einem Beſuche bei der Kaiſerin=Witwe im
Awitſch=
kowpalais nach dem Winterpalais begaben. Dort waren
die Kriegsminiſter, der Miniſter des Innern, der
Mini=
ſter des Aeußern und die Militär= und Hofchargen
an=
weſend.
Petersburg, 11. Febr. Der Kaiſer iſt aus
Zarskoje Sfelo hier eingetroffen. Er beſuchte den König
von Montenegro und das Herzogspaar Johann
Albrecht von Mecklenburg.
* Libau, 10. Febr. Die Korkenfabrik von
Miekander Larſon iſt abgebrannt. 20 Häuſer wurden
zerſtört. 2000 Arbeiter ſind ohne Arbeit. 200 Familien
obdachlos. Der Schaden wird auf 1½ Millionen Rubel
geſchätzt.
Melilla, 11. Febr. Geſtern nachmittag haben die
Spanier und die Rifleute die Gefangenen
aus=
getauſcht.
* Rio de Janeiro, 10. Febr. Der Miniſter des
Aeußern Rio Branoo iſt geſtorben.
Buenos Aires, 11. Febr. Trotz der Erklärung,
daß der Eiſenbahnerſtreik beendet ſei, iſt namentlich der
Güterverkehr noch immer mangelhaft und ruft
lebhafte Proteſte der Handelswelt hervor.
Berlin, 10. Febr. Generalleutnant z. D. von
Ka=
nitz iſt geſtern abend geſtorben. Er war zuletzt
Kom=
mandeur der 22. Infanteriediviſion.
— Berlin, 10. Febr. Zwei in einer Reſtauration am
Cottbuſer Damm beſchäftigte Dienſtmädchen fielen
ver=
gangene Nacht einer Gasvergiftung zum Opfer.
Heute vormittag wurden ſie beſinnungslos aufgefunden.
Die Wiederbelebungsverſuche blieben erfolglos.
— Bochum, 10. Febr. Infolge Verſagens einer
hydrauliſchen Luftpumpe ſchlug heute vormittag
im Beſſemer Betriebe der zum Bochumer Gußſtahlverein
gehörenden Stahlinduſtrie ein mit 9000 kg flüſſigen
Stahls gefüllter Konverter um. Es erfolgte eine heftige
Exploſion, die große Verheerungen anrichtete. Der
Arbeiter Krahe wurde tödlich verbrannt, eine
Anzahl anderer Arbeiter verletzt.
Briefkaſten.
R. Die §§ 11 und 12 der Geſchäftsordnung des
Reichs=
tags lauten: § 11: Der Präſident und die Vizepräſidenten
werden zu Anfang einer Legislaturperiode das erſtemal
auf 4 Wochen, dann aber für die übrige Dauer der Seſſion
gewählt. In den folgenden Seſſionen einer
Legislatur=
periode erfolgt die Wahl ſofort für die ganze Dauer der
Seſſion. Die Wahl der Schriftführer geſchieht für die
Dauer jeder Seſſion, jedoch kann der Gewählte nach
Ab=
lauf von 4 Wochen zurücktreten.
§ 12: Die Konſtituierung des Reichstages und das
Ergebnis der Wahlen (nämlich des Präſidiums) wird
durch den Präſidenten dem Kaiſer angezeigt.
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Vorleſungs=Verzeichnis der Akademie für das am 25.
April beginnende Sommer=Semeſter iſt ſoeben erſchienen.
Es gibt Auskunft über die Zulaſſungsbedingungen, den
Unterrichtsplan, die Studienhonorare uſw. und kündigt,
inſchließlich der Seminarübungen und
naturwiſſen=
ſchaftlichen Praktika, im ganzen 126 Vorleſungen an.
Von dieſen entfallen 18 auf die Gruppen
Volkswirt=
ſchaftslehre, Völkerkunde und Geographie 8 auf
Rechts=
wiſſenſchaft, 5 auf Verſicherungswiſſenſchaft und
Sta=
tiſtik, 15 auf Handelswiſſenſchaften, 8 auf Philoſophie,
7 auf Geſchichte und Kunſtgeſchichte, 34 auf Sprach= und
Literaturgeſchichte und Neuere Sprachen, 29 auf
Mathe=
matik, Naturwiſſenſchaften und Technik, 2 auf Künſte und
Fertigkeiten. Der Stundenplan weiſt eine Anzahl von
Morgen= Mittag= und Abend=Vorleſungen auf, mit
denen die Akademie, wie bisher, nach Möglichkeit ſpeziell
den Bedürfniſſen der Beamten, der kaufmänniſchen
An=
geſtellten, der Lehrer und anderer beruflich tätiger
Per=
ſonen Rechnung trägt. Das Vorleſungs=Verzeichnis iſt
durch die Frankfurter Buchhandlungen zum Preis von
10 Pfg. zu beziehen; unentgeltlich wird es von der
Quäſtur der Akademie (Jordanſtraße 17, Tel. Nr. II,
2214) zugeſandt oder vom Portier verabfolgt.
Der Geſamtauflage heutiger Ausgabe unſeres
Blattes liegt ein Proſpekt bei von der Firma
Gebrüder Seuf in Leipzig über „Senfs illuſtriertes
Briefmarken=Journal”, worauf hiermit hinge=
(3756f
wieſen wird.
Familiennachrichten.
Statt Karten.
Fritz Heinz Witt, prakt. Zahnarzt
Marta Witt, geb. Steiner
Vermählte.
Darmstadt 10. Februar 1912 Cöln a. Rh.
18 Riedeselstr.
Bismarckstr.
(3728)
Danksagung.
Für die beim Heimgang unseres
geliebten Vaters uns dargebrachten
zahlreichen Beweise herzlicher
Teil-
nahme sagen wir unseren
aufrich-
tigen Dank.
Werner u. Rudolf Wittich.
Darmstadt, Strassburg i. E.- Neudorf,
im Februar 1912.
Statt beſonderer Anzeige.
Heute früh entſchlief ſanft nach kurzem
Krankſein, 88 Jahre alt, unſere liebe Mutter,
die Witwe des Großh. Heſſ. Hanptmanns
Julius Königer,
Adolphine Königer
geb. Koch.
Darmſtadt, den 10. Februar 1912.
Otto Königer,
Emilie Springer, geb. Königer,
Marie Flöring, geb. Königer,
Luiſe Königer, geb. Koch,
Fritz Flöring,
Ottilie Heumann,
Enkel u. Urenkel.
Die Beerdigung findet in der Stille ſtatt.
Von Blumenſpenden und Beileidsbeſuchen
bittet man Abſtand zu nehmen.
(3743
Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Heute vormittag 11¼ Uhr entſchlief ſanft
in Gott nach kurzem Leiden im Alter von
79 Jahren unſere liebe Tante
(3766
Fräulein
Adelheid Weitzel.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Natalie Alefeld,
Wilhelm Alefeld, Kaiserl. Notar.
Darmſtadt,
10. Febr. 1912.
Bad Niederbronn,
Die Beerdigung findet Dienstag, den
13. ds. Mts., vormittags 11½ Uhr, vom
Trauerhauſe Beckſtraße 74 aus, ſtatt.
Einſeg=
nung ¼ Stunde vorher.
Tageskalender.
Hoftheater, Anfang 7½ Uhr (Ab. B): „Meyers”.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Kurſus über Armenpflege ꝛc.: Beſichtigung der
Beratungsſtellen, der Milchküche und des
Eleonoren=
heims der Großh. Zentrale für Mutter= u.
Säuglings=
fürſorge Heinheimerſtraße 21 um 2 Uhr. — Vortrag
von Bürgermeiſter Mueller um 4 Uhr und von Reg.=
Rat Piſtor um 5 Uhr im Saalbau.
Vortrag von Sanitätsrat Dr. Maurer um 8½ Uhr
im Saalbau (Odenwald klub).
Gaſtſpiel des Marionetten=Theaters Münchener
Künſt=
ler um 5 und 8 Uhr im Hotel „Zur Traube‟.
Hauptverſammlung des Bezirksvereins „Südoſt”
um 8½ Uhr Roßdörferſtraße 14½. — Bezirksverein
Beſſungen um 8½ Uhr im Gaſthaus „Zum Ochſen”.
Verſammlung der Obſt= und Gemüſehändler um
½ Uhr im Reſtauaant „Bavaria‟
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Die
Eröffnung des Reichstages durch Alterspräſident
Trä=
ger; das Reſultat der bayeriſchen Landtagswahlen;
das verunglückte engliſche Unterſeeboot „A 3‟ der
Rektor des St. Bernhard=Hoſpizes mit ſeinen Hunden.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 13. Februar.
Hofreite=Verſteigerung des Hch. Joſ. Karſt (
Hein=
heimerſtraße) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Herrenanzüges ꝛc. Verſteigerung um 9 u. 3 Uhr
Grafenſtraße 25.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 9 Uhr
Magda=
lenenſtraße 7.
Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der
Turn=
halle am Woogsplatz.
Stamm= und Stangenholz=Verſteigerung um
9 Uhr im „Darmſtädter Hof” zu Griesheim.
Stamm= und Stangenholz=Verſteigerung um
9 Uhr im Roßdörfer Gemeindewald (Zuſammenkunft
auf der Kubig).
Stammholz= Verſteigerung im Langener
Ge=
meindewald (Zuſammenkunft um 10 Uhr im Diſtrikt
Stümpfe, um 2 Uhr am Bahnhof Langen).
Verkehrs=Verein: öffentliches Verkehrsbureau
Ernſt Ludwigsplatz (Zentrale der elektriſchen
Straßenbahn). Auskünfte jeder Art.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.
Nummer 36.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Februar 1912.
Seite 9.
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Heute
12. Februar
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Münchener Künſtler
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Wegen des großen Andrangs
Verlängerung des Gaſtſpiels
bis Freitag, den 16. Februar.
Heute Montag:
„Der Porträtmaler‟
Komödie v. Graf Pocci.
Hierauf:
„La serva Padrona
(Wie die Zofe Herrin wird.)
Kom. Oper in 2 Akten. v. Pergoleſi. Nach dem 1. Akte längere Pauſe.
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Großherzogl. Hoftheater
Montag, 1 2. Februar.
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Spielleitung: Regiſſeur Hacker.
Perſonen:
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Moritz Meyer. Hr. Jordan
Roſalie, g. Meyer Fr. Scherbarth
Gerda, 1 beider . Frl. Meißner
Fritz, 1 Kinder . Hr. Weiß
Geheimrat Jacob
Meyer . . . . Hr. Lehrmann
Wilh. Streſemann Hr. Heinz
Sophie Charlotte,
geb. Freiin v. d.
Küche
Edith, beid. Tocht. Frl. Gothe
Kugeleit, Gutsbeſ. Hr. Hacker
Amalie, ſ. Frau . Fr. Rudolph
Valli, beid. Tocht. Frl. Uttmann
Momber, Gutsbeſ. Hr. Peterſen
Dr. Bauer,
Rechts=
anwalt . . . . Hr. Weſtermanſt
Chevalier Céſar de
la Roche
Chevalier Erneſte
de la Roche . . Hr. Wagner
Aurore, ſ. Frau . Frl. Grünberg
Ottomar Held . Hr. Knispel
Lola Menotti . . Frl. Reibold
Paul, Diener bei
Jacques Meyer. Hr. Semler
Heinrich, Diener
bei Streſemann Hr. Jungmann
Ort der Handl.: Im 1. Akt:
Ber=
lin bei Jacques Meyer. Im 2.
u. 3. Akt: Bei Streſemann auf
einem Gut in Oſtpreußen.
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1. Rang 4.50 Mk., 2. Rang (1.—6.
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4 Mk., (14.—20. Reihe) 3.20 Mk.,
Parterre (1.—5. Reihe) 2.70 Mk.,
(6.—8. Reihe) 2.20 Mk., 1. Galerie
1.20 Mk., 2. Galerie 60 Pfg.
Anf. 7½ Uhr. Ende nach 9½ Uhr.
Kartenverk. v. 11—1u. v. 6½ Uhr an.
Vorverkauf
von 11—1 Uhr f. d. Vorſtellungen:
Dienstag, 13. Febr. 114. Ab.=V.
A 30. Zum erſten Male: „Das
Tänzchen.‟ Luſtſpiel in 3 Akten
von Hermann Bahr. Gr. Preiſe.
Anfang 7½ Uhr.
Mittwoch, 14. Febr. 115. A.=V.
C 28. Auf Allerhöchſten
Befehl: „Madame
Butter=
fly.‟ Gr. Preiſe. Anf. 7½ Uhr.
Donnerstag, 15. Febr. 116. A.=V.
D 29. „Grigri.” Gr. Preiſe.
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Bilanz ultimo Dezember 1911.
Aktiva.
Passiva.
(4
(4
Cassa und Guthaben bel Banken
Aktienkapital-Conto
36,000,000-
Kassenbestand
1,458,646/87
Ordentlicher Reservefonds (erhöht sich
Giroguthaben bei der Reichsbank und
durch die diesjährige Zuwendung aus
bei der Vereinsbank in Hamburg
dem Reingewinn auf ℳ 15,100,000.—−)
273,950190
15,071,98066
Guthaben in laufender Rechnung bei
Reserve-Conto II (erhöht sich durch
der Deutschen Bank und anderen
die diesjährige Zuwendung aus dem
ersten Bankhäusern .
9 273,729102 11,006,326179
Reingewinn auf ℳ 5,220,751.56)
4,855,693192
212,159159ll Hypothekenpfandbriefe,
Wechsel-Conto
4%ige Pfandbriefe.
Effekten-Conto (nom. ℳ 11,210,000.−
1414,452,300-
, „
3½ %ige
3%ige Reichs- und bundesstaatliche
117.589 200l—1532,041,500—
Anleihen, eingesetzt mit 75%) plus
Fällige Hypothekenpfandbriefe.
6,048) Zinsen
8,489,706125) Pfandbrief-Zinsen (davon ℳ2,957,515.25
davon ins Pfandbriefdeckungsregister
fällige Zinsscheine).
6,653,343105
eingetragen ℳ 5,250,000.−
pividenden-Conto (Restanten).
6,345)—
Darlehen auf Hypotheken . . .
305,000-M Pfandbrief-Agio-Conto (§ 26 des Reichs-
Hypotheken (davon ins Deckungsregister
hypothekenbankgesetzes . . . .
1,395,054/11
eingetragen ℳ 554,285,919.49) . . .
1577,962,720l44il vorträge auf Provisions-Conto
2,427,550103
Fällige Hypotheken-Darlehnszinsen
Vorträge auf Hypothekenzins.-Conto
637,300/56
(rückständig ℳ 63,404.67) .
6,059,463/34 Vorträge auf Unkosten-Conto.
80,000—
Bankgebäude-Conto Hamburg.
*700,0001— Talonsteuer-Conto.
280,970/34
Bankgebäude-Conto Berlin
500,000—l Beamten-Unterstützungsfonds.
1,138,509147
Debltoren in laufender Rechnung
515,620/85) Dr. Karl-Stiftung
50,000l—
Creditoren in laufender Rechnung
591,861(29
Gewinn- und Verlust-Conto
4 514,840/83
(60h, 750,20fge
ſo05,150 ofs
Debet.
Gewinn- und Verlust-Conto ultimo Dezember 1911.
Credit.
An Pfandbrief-Zinsen .
20,644,378/90ll Per Bilanz-Conto.
584,070/99
„ Unkosten-Conto:
Hypotheken-Zinsen
24,390,607161
Saldo des Contos
738,91164
Zinsen-Conto
746,283/31
800001—
Vortrag auf neue Rechnung
Provisions-Conto.
818,91164
287,454/70
Pfandbrief-Agio-Conto.
„ Talonsteuer-Conto
269,714/76
300,000-
Ueberschuss
4.514,840/83
20 275,15lfr
23,278 191g?
Nummer 36.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Februar 1912.
(733m
Gan Tlalz
M
6*1-
80%
eGal Maieet
Luftfahrt.
sr. Für das Gordon=Bennett=Fliegen
der Freiballone, das in dieſem Jahre von
Stuttgart aus in Szene geht, zeigt ſich auch im
Auslande lebhaftes Intereſſe. Außer in Deutſchland
ſind nämlich auch in Frankreich und Amerika ſo
zahl=
reiche Anmeldungen zu dem Wettbewerbe eingegangen,
daß Ausſcheidungsflüge veranſtaltet werden müſſen. Die
Sportkommiſſion des Aero=Klub de France beſchloß,
nicht weniger als drei Auswahlrennen zu veranſtalten,
und zwar am 27. April, 11. und 15. Mai. Das
Auswahl=
rennen der Amerikaner wird von Kanſas City aus
ver=
anſtaltet werden.
sr. Ein aviatiſcher Preis von 20000
Mark wurde von dem Gemeinderat der Stadt
Straß=
burg für die Schauflüge geſtiftet, die als Einleitung
für den Zuverläſſigkeitsflug am
Ober=
rhein in Straßburg ſtattfinden werden. Im ganzen
rechnet der Organiſationsausſchuß, für den Zweck Preiſe
in Höhe von 35—40000 Mark aufbringen zu können.
er. Die Trainingsfahrten für das
Waſſer=Aeroplan=Meeting von Monaco, das
vor dem Motorboot=Meeting veranſtaltet werden wird,
haben bereits begonnen. Wie aus Nizza gemeldet wird,
erzielte der Amerikaner Robinſon bei Probefahrten mit
einem Curtis=Waſſer=Aeroplan ſenſationelle Leiſtungen.
Trotz ſehr bewegter See gelang es ihm angeblich ohne
Schwierigkeiten, von der Waſſerfläche aufzuſteigen und
nach einem Fluge von 40 Minuten Dauer wieder auf
dem Waſſer niederzugehen.
Sport.
sr. 4. Berliner Sechstage=Rennen.
Frei=
tag mittag 12 Uhr (132. Stunde) waren von der nur
noch aus vier Paaren beſtehenden Spitzengruppe Rütt=
Stol, Root=Hill, Moran=Fogler, Halſtead=Drobach 3553
Kilometer zurückgelegt. Schallwigh=Ehlert 2 Runden,
Gebrüder Suter 3 Runden, die anderen Paare weit
zu=
rück. Die Nachmittagsſtunden bringen wieder reges
Leben. Gegen 4 Uhr unternehmen die Gebr. Suter
plötz=
lich einen heftigen Vorſtoß und nach einer
viertelſtün=
digen Jagd gelingt es der Schweizer Mannſchaft, alle
noch im Rennen befindlichen Paare außer der
Spitzen=
gruppe, zu überrunden. Auch Halſtead=Drobach waren
nahe daran, ihren Platz in der führenden Gruppe
ein=
zubüßen, als ein Sturz Drobachs die Situation rettete.
Die Fahrer bereiten ſich bereits ſorgfältig auf den
End=
kampf vor. Moran, der ſeinen Partner Fogler
vormit=
tags ½12 Uhr ablöſte, fuhr ununterbrochen bis ½6 Uhr
abends, um Fogler durch einen ſechsſtündigen Schlaf die
Kraft für den höchſtwahrſcheinlich im Spurt zu
entſchei=
denden Endkampf zu verſchaffen. Auch Rütt ruhte
län=
gere Zeit und überließ dem kleinen, noch
außerordent=
lich friſchen Stol vorläufig die Arbeit. In der 137.
Stunde, nachmittags 5 Uhr, verſuchte Schallwig eine
Runde zurückzugewinnen. Bei dem ſich entſpinnenden
Kampfe wurde Suter von Wegener behindert, weshalb
das Reunen abgeläutet werden mußte. Eine Stunde
ſpäter ſchieden die in ausſichtsloſer Poſition fahrenden
Eſſer=Zander, Wegener=Collins und Nowack=Rottnick aus
dem Rennen. In der 140. Stunde, abends 8 Uhr, ſind
von der Spitzengruppe Rütt=Stol, Moran=Fogler, Root=
Hill, Hallſtead=Drobach 3756,160 Kilometer zurückgelegt.
Gebrüder Suter und Schallwig=Ehlert 3 Runden zurück.
Das 4. Berliner Sechstage=Rennen wurde Freitag
nacht um 12 Uhr beendet. Sieger waren Rütt=
Stol mit Handbreite vor Fogler=Moran, an
dritter Stelle endeten Root=Hill eine Länge zurück,
an vierter Halſtead=Drobach mit zwei Längen zurück.
Es folgten dann die Gebrüder Suter mit drei Runden
zurück.
Handel und Verkehr.
H. Frankfurt a. M., 10. Febr.
Börſenwochen=
bericht. Die andauernde Zurückhaltung der Spekulation
und des Provinzpublikums bewirkte in dieſer Woche eine
größere Geſchäftsſtille, die mit einigen Ausnahmen auf
allen Gebieten zur Geltung kam. Dabei blieb die Tendenz
im allgemeinen eine feſte; insbeſondere zeigte ſich am
Kaſſa=
induſtriemarkte für einzelne Werte ſtärkere Kaufluſt, wobei
die Ausſichten auf Gewinnchancen bei eventueller
Kapital=
vermehrung, ferner auch höhere Dividenden weſentlich
ſtimulierten. In erſter Linie gilt dies für die Gold= und
Silberſcheideanſtaltaktien, für welche vorausſichtlich 50%
Dividende zur Ausſchüttung kommen dürften, und
gleich=
zeitig hat die Geſellſchaft eine ſeither nicht beabſichtigte
Kapitalerhöhung doch für als kommend nicht dementiert.
Der Kurs dieſer Aktien konnte auf 998 avancieren, auch
Höchſter Farbwerke ſtiegen bis 554, weil man ebenfalls eine
hohe Dividende, ſowie eine Kapitalerhöhung erwartet. Die
Lage des Geldmarktes iſt in den letzten Tagen etwas
ge=
ſpannter geworden, ſodaß der Privatdiskont auf 3¾% anzog;
hingegen ſind erfreulicherweiſe die Deviſennotizen
zurück=
gegangen und die Bank von England ſetzte ihren
Diskont=
ſatz auf 3½ % herab.
Bei Wochenſchluß war die Börſe zeitweiſe verſtimmt,
da man von Zahlungsſchwierigkeiten eines kleineren
In=
ſtitutes in Oſterode (Harz) gerüchtweiſe ſprach. Zu den
Einzelheiten des Verkehrs übergehend, ſind verſchiedene
3½proz. und 3proz. deutſche Renten um etwa ½% ſchwächer;
während die 4proz. Gattungen gut behauptet waren.
Zum Teil niedriger ſind auch ausländiſche Staatsfonds,
von welchen nur für ruſſiſche Sorten beſſere Frage beſtand.
Von Transportaktien gaben Hamburger Paketfahrt und
Nordd. Lloyd weſentlich im Kurs nach, während
Staats=
bahn und Schantung höher ſchloſſen; auch Südd. Eiſ.= Geſ.
wurden beſſer bezahlt.
Am Bankenmarkt haben deutſche Werte etwas
einge=
büßt, hingegen öſterreichiſche und ruſſiſche Banken auf
Hei=
matkäufe profitieren können. Am Montangebiete wirkten
an=
fangs die neuen belgiſchen Preiserhöhungen, ſowie die
Hin=
aufſetzung der Siegerländer Eiſenſteinpreiſe befeſtigend,
dann erfolgten Abgaben, die überall eine Abſchwächung
zeitigten. Elektrizitätswerke gleichfalls niedriger, nur Aktien
der deutſchen Ueberſee=Elektrizitätsgeſellſchaft bis 183½
an=
ziehend, auf die Erhöhung des Aktienkapitals um 20
Milli=
onen Mark, die den Aktionären zu 130% Bezugsrecht
offe=
riert werden. Holzverkohlung erreichten 298,80 auf die
Di=
videnden=Feſtſetzung von 15%. Für Kunſtſeide hielt die
günſtige Stimmung an, ſodaß der Kurs auf 1388 ſtieg;
auch Aluminium bis 239,80, und Kleyer bis 468,90 ſteigend;
hingegen Gummi=Peter bis 140¾, Moenus bis 370
nach=
gebend. Zuckeraktien ruhig aber feſt. Waghäuſel 211,90,
Frankenthal 388. Die Zellſtoffabrik Waldhof beſchloß die
Erhöhung ihres Aktienkapitals um 7 Millionen Mark, für
welches den Aktionären ein Bezugsrecht zu 2000, bewilligt
wird. Der Erlös der Kapitalserhöhung ſoll zur
Erweiter=
ung der bisherigen und zur Erwerbung neuer Fabriken,
ſowie zur Abſtoßung der Bauſchuld Verwendung finden.
Die Diodende ſür 1911 wird mit 1öe, vorgeſchlagen. Der
Aktienkurs notiert zuletzt 253.
Von Loſen notieren: Augsburger 36,90, Braunſchwei
ger 203,—, Pappenheimer 63, —, Freiburger 76,25, Türkiſche
171,60, Genua 189,25, Ungariſche 370,60 P, Meininger 35,80,
Venediger 41,—, Mailänder 45=Fres.=Loſe 140,— (nominell),
Mailänder 10=Fres.=Loſe 34,30, Raab=Grazer Anr.=Sch. 38,75)
in Reichsmark. Gothaer Prämie II 117,60, Madrider 78,50,
Donau=Regulierung 183,25 (nominell), in Prozent. Ferner
ſchließen: 4proz. Reichs 101,55, 3½proz. Reichs 90,85, 3proz.
Reichs 81,90, 4proz. Heſſen von 1899 100,30, 4proz. Heſſen
von 1906/08 100,40, 4proz. Heſſen von 1909 100,50, 3½proz.
Heſſen 89.50, 3proz. Heſſen 78,50, 4proz. Darmſtädter 99,90 G.,
3½proz. Darmſtädter 90,25 G., 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr.
(S. 18—23) 101 G., 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 24
bis 25) 101,25, 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 3—5)
90,10 G., 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 9—11) 90,20 G.,
4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (S. 10—12) 101 G., 4proz.
Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (S. 13—14) 101,25, 3½proz. Heſſ.
Kommunal=Pfdbr. (S. 1—3) 90,30 G., 3½proz. Heſſ.
Kom=
munal=Pfdbr. (S. 4) 90,20 G., Darmſtädter Bank 126½,
Südd. Immobilien=Geſellſchaft (Mainz) 80 G., Südd.
Eiſen=
bahn=Geſellſchaft 124,30 G., Lederwerke vorm. Spicharz
(Offenbach a. M.) 83,75, Schramms Lack= und Farben=Fabrik
(Offenbach a. M.) 274 G., Chemiſche Mühlheim a. M. 76,30,
Schantungbahn 128½, Southweſtafrika 157,—4 Otavi=An
teile 93, —, Otavi=Genußſcheine 62,50, 4½proz. Ruſſen 100,50,
4proz. 1880er Ruſſen 92 G., 4proz. 1902er Ruſſen 91,70,
3¼proz. Ruſſen 88,70, 3½proz. Ruſſen 86,80, 3proz. Ruſſen
80,50, 4proz. unifiz. Türken 84,30, 4proz. Adminiſtr.=Türken
84,50 G., 4proz. Bagdad=Türken 84,30, 4proz. konvert. Türken
(1905/1911) 81,80 G., 5proz. Chineſen 99,10, 4½proz.
Chi=
neſen 94,45, 5proz. Chineſen (Tientſin=Pukow) 98,20 G.,
4½proz. Japaner 95,95, 4proz. Japaner 90,50, 3proz. Buenos=
Aires 73½.
Gewinnauszug
der
226. Röniglich Preußiſchen Klaſſenlotterie.
2. Klaſſe. 1. Ziehungstag. 9. Februar 1912.
aut iede genogen Rammer ſind wel gleich hoße Gebinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II.
(ine Gewthr. 6. St. I. . 30)
(Rachduck verdolen)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
96 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 40000 Mk. 168358
2 Gewinne zu 500 Mk. 143825
4 Gewinne zu 400 Mk. 36606 188442
32 Gewinne zu 300 Mk. 24181 27907 33432
63032 63834 68364 71721 104236 106604 118519
148166 164798 164915 109748 174612 182962
76 Gewinne zu 200 Mk. 1419 10307 23088 26588
82027 32073 32a17 38187 39312 41980 46777 48340
67125 67466 69856 70897 74800 80643 84984 87420
91562 92906 96988 116404 131571 134024 141797
144698 145065 150679 150815 151073 166202 171398
180760 183777 183850 184826
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
96 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 60000 Mk. 88467
2 Gewinne zu 20000 Mk. 21307
2 Gewinne zu 10 000 Mk. 63091
4 Gewinne zu 500 Mk. 18456 99631
18 Gewinne zu 400 Mk. 47054 68751 88948 97720
116615 143831 174175 180314 185050
24 Gewinne zu 300 Mk. 18683 22880 24329 66880
82681 106545 109259 109876 115103 167388 161420
173491
70 Gewinne zu 200 Mk. 8122 9183 9350 11796
11831 12610 13329 26423 33915 39222 39836 66467
70600 71129 71144 76579 90023 91054 97850 98367
101411 108029 108476 117830 124200 125675 128121
141931 150929 165727 171720 172171 172581 175197
177696
Hypothekenbank in Hamburg-
Hamburg, den 31. Dezember 1911.
Die Uebereinstimmung mit den Büchern der Hypothekenbank
Hypothekenbank in Hamburg.
in Hamburg bescheinigen wir hiermit.
Hamburg, den 8. Januar 1912.
Die Direktion:
(37191l
Dr. Gelpcke. Dr. Bendixen. Dr. Henneberg.
Rudolph Peltzer. Gustav Müller. Albert Münchmeyer.
Der Geschäftsbericht kann kostepfrei direkt von der Bank oder durch die Pfandbriefverkaufsstellen bezogen werden.
werden ſorgfält. ausgeführt (Srcheſtrion mit Gewichtaufzug,
Fr. Hartmann, appr. Heilgeh — 1½ Jahr im Gebr., bill. zu verk.
Grafenſtr. 20, Tel. 276. (1180a Eberſtadt. Bismarckſtr. 5. (*2769ism
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Bitte mein Schaufenster
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kundiger in Dresden, erklärt, daß
er bei verſchadenen
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kungen, wie Kopfſchuppen.
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etc. mit Herba-Seife gründliche
Heilungen erzielt hat. (3731ff
Herba-Seife zu haben in allen
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für das ganze Jahr z. verg.
(*3359
zalſl Karlſtraße 10.
Nummer 36.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Februar 1912.
Seite 11.
Bekanntmachung,
Die nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir hierdurch in
Erinnerung.
Darmſtadt, den 6. Februar 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Polizeiverordnung,
betreffend den Verkehr von Fuhrwerken in der Haupt= und
Reſidenz=
ſtadt Darmſtadt.
Auf Grund des Artikels 56 Abſatz 2 Ziffer 1 des Geſetzes, die
Städteordnung betreffend, vom 13. Juni 1874, wird für den Bezirl
der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt nach Anhörung der
Stadt=
verordneten=Verſammlung und mit Genehmigung Großherzoglichen
Miniſteriums des Innern vom 8. Februar 1904 zu Nr. 3480 in
Er=
gänzung der in dieſer Beziehung beſtehenden Beſtimmungen verordnet,
was folgt:
§ 1. Fuhrwerke müſſen innerhalb der Stadt im Schritt fahren
außer in den durch Geſetz oder Verordnung beſtimmten Fällen:
a) wenn ſie nicht auf Federn ruhen oder bei ſchneller Bewegung
ein übermäßig ſtarkes Geräuſch verurſachen würden;
d) auf Strecken, für welche das Schrittfahren von Großherzog
lichem Polizeiamt Darmſtadt durch öffentlichen Anſchlag an
Ort und Stelle allgemein vorgeſchrieben oder im gegebenen
Falle durch einen zuſtändigen Polizeibeamten vorübergehend
angeordnet iſt.
§ 2. Alle Fuhrwerke haben auf den Straßen der Stadt, ſoweit
nicht örtliche Hinderniſſe entgegenſtehen, ſtets die rechte Seite der
Fahrbahn einzuhalten.
Nach der gegenüberliegenden Seite darf nur, wenn dort
an=
gehalten werden ſoll, und nicht früher als notwendig abgebogen
werden.
Das Einbiegen aus einer Straße in die andere muß nach rechts
in kurzer Wendung, nach links in weitem Bogen geſchehen.
§ 3. Die vorſtehenden Beſtimmungen beziehen ſich auf
Fuhr=
werke aller Art, insbeſondere auch auf Handkarren, Fahrräder und
Automobile.
Die Beſtimmung des § 1 Ziffer a findet jedoch auf Fahrräder
und Automobile keine Anwendung.
§ 4. Bei Zuwiderhandlungen gegen die vorſtehenden Vorſchriften
kann von Großherzoglichem Polizeiamt die Beſtrafung der Schuldigen
auf Grund des § 366 1 des R.=St.=G.=B. (mit Geldſtrafe bis zu 60 Mark
oder mit Haft bis zu 14 Tagen) veranlaßt werden.
§ 5. Dieſe Polizeiverordnung tritt am 1. März l. J. in Kraft.
Darmſtadt, den 20. Februar 1904.
(3624so
Großherzogliches Polizeiamt
Dergehnug eineg Sipzendinns an einten Ziudteriden,
Aus der Richard Günther=Stiftung iſt ein Stipendium von
250 Mark jährlich an einen Studierenden der Jurisprudenz oder der
Philologie durch die Stadtverordneten=Verſammlung vom nächſten
Sommerſemeſter an zu vergeben.
Bezugsberechtigt ſind nur Angehörige des Großherzogtums
Heſſen, die auf einer deutſchen Univerſität dem Studium einer der
genannten Wiſſenſchaften ſich widmen wollen oder bereits obliegen,
ſich über Fleiß und ſittliches Verhalten ausweiſen und die zu ihrem
Studium erforderlichen Mittel nicht in ausreichendem Maße beſitzen.
Nach den Teſtamentsbeſtimmungen iſt diesmal ein Studierender
der Jurisprudenz aus der Provinz Oberheſſen in erſter Linie zu
be=
rückſichtigen.
Die Verleihung erfolgt auf die Dauer der Studienzeit, jedoch
niemals auf längere Zeit als 4 Jahre. Sie findet in widerruflicher
Weiſe ſtatt, weshalb ſich der Inhaber über Fortdauer ſeiner
Würdig=
keit durch Zeugnis der Univerſitätsbehörde zu Beginn jeden
Se=
meſters ausweiſen muß.
Geſuche um Verleihung dieſes Stipendiums, die eine kurze
Lebensbeſchreibung enthalten und durch Zeugniſſe über das
Vorhan=
denſein der oben angegebenen Vorausſetzungen belegt ſein müſſen,
ſind bis längſtens 1. März d. Js. hei uns einzureichen.
Darmſtadt, den 2. Februar 1912.
(3727oo
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing.
Die Joh. Jakob Diefenbach=Stiftung
zur Unterſtützung von Witwen und Waiſen niederer
ſtädtiſcher Diener der Stadt Darmſtadt betreffend.
Aus vorſtehender Stiftung kann vom 1. Januar 1912 ab eine
Jahresunterſtützung im Betrage von 52 Mark vergeben werden.
Be=
zugsberechtigt ſind brave, unbemittelte Witwen und Waiſen niederer
ſtädtiſcher Diener der Stadt Darmſtadt. Die Bewilligung erfolgt
durch die Stadtverordneten=Verſammlung und kann auf die Dauer,
jedoch unter Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs geſchehen. Waiſen
können die Unterſtützung nur bis zur erlangten Volljährigkeit beziehen.
Gehörig begründete ſchriftliche Bewerbungen ſind bis längſtens
Ende dieſes Monats bei uns einzureichen.
Darmſtadt, den 7. Februar 1912.
(3726
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
Dr. Gläſſing.
Verſteigerungs=Anzeige.
Montag, den 12. Februar I. Js., und die
fol=
genden Tage dieſer Woche, bis einſchließlich
17. Februar I. Js., von vormittags 9 Uhr und
nachmittags 3 Uhr ab, verſteigere ich auf
frei=
willigen Antrag im Ladenlokal
Grafenstrasse Nr. 25
einige große Poſten:
in allen Größen
Herren=Anzüge
Jünglings=Anzüge
Knaben=Anzüge
Konfirmanden=Anzüge
Sport=Anzüge
Ueberzieher 1 für Herren, Jünglinge
und Knaben in allen
Ulſter
Größen.
Lodenjoppen
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden
(3564som
gegen bare Zahlung ſtatt.
Darmſtadt, den 10. Februar 1912.
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.
Abgabe von Waſſer für
Neubauten.
Die Anmeldungen zum
Waſſer=
bezug für Neubauten erfolgen
viel=
fach ſo ſpät, daß beim Beginn der
Bauarbeiten der Anſchluß an die
Leitung nicht hergeſtellt iſt. Da
die Abgabe von Waſſer aus dem
nächſtliegenden Straßenhydranten
für den Unternehmer mit
Um=
ſtänden und Koſten verbunden iſt,
wird des öfteren verſucht,
ent=
gegen der Beſtimmung des § 7
der Waſſerbezugsſatzungen, Waſſer
aus einem Nachbargrundſtück zu
entnehmen.
Einem Antrag auf Einführung
der Waſſerleitung in
Neubau=
ten kann nur dann rechtzeitig
ent=
ſprochen werden, wenn dieſer bei
der Waſſerwerksverwaltung
früh=
zeitig vor Beginn der Bauarbeiten
geſtellt worden iſt. Es empfiehlt
ſich, gleichzeitig mit der Abgabe
des Baugeſuchs an die
Baupoli=
zei auch den Antrag auf
Waſſer=
zuführung bei der
Waſſerwerks=
verwaltung einzureichen. (3232ic
Darmſtadt, 2. Februar 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Ekert.
Lieferung
von Schläuchen für die
frei=
willige Feuerwehr im
Rech=
nungsjahr 1912.
Bedingungen liegen in dem
Ge=
ſchäftszimmer, Waldſtraße Nr. 19,
während der Dienſtſtunden zur
Einſicht offen, auch werden ſie
gegen vorherige Entrichtung von
50 Pfg. abgegeben. (3440
Eine Abgabe der Bedingungen
nach auswärts findet nicht ſtatt.
Angebote ſind bis
Freitag, 16. Februar 1912,
vormittags 11 Uhr,
daſelbſt einzureichen.
Darmſtadt, 3. Februar 1912.
Städtiſche Waſſerwerksverwaltung
Rudolph.
Die Fuhrleiſtungen
zu den Unterhaltungsarbeiten des
Tiefbauamts im Verwaltungsjahr
1912 ſollen nach 3 Loſen getrennt
verdungen werden.
Arbeitsbeſchreibungen und
Be=
dingungen liegen bei unſerem
Amte, Zimmer Nr. 7, während der
Dienſtſtunden zur Einſicht offen.
Auch werden dort die
Angebot=
ſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis
Donnerstag, 29. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
daſelbſt einzureichen. (3722oi
Darmſtadt, 10. Februar 1912.
Tiefbauamt.
Bekanntmachung.
Montag, 11. März I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Friedrich Balle zu
Frankfurt a. M und dem Jakob
Mohr zu Darmſtadt, im
Grund=
buch der Gemarkung Darmſtadt
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 112 3723¾10 Hof=
Die=
reite burger=
III 110¾10 198 Grab= (ſtraße
garten) Nr. 96,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
K143/11
Darmſtadt, 17. Januar 1912.
broßh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V2737
Bekanntmachung.
Montag, 25. März I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Gaſtwirt Philipp
Adam zu Nieder=Modau, im
Grundbuch der Gemarkung
Darm=
ſtadt zugeſchriebene Liegenſchaft:
qm
Flur Nr.
35 149¾/10 286 Hofreite
Heinheimer=
ſtraße Nr. 75,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K7/12
verſteigert werden.
Darmſtadt, 31. Januar 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V3729
Hede Bess. Hobel
Eichen Schlafzim., Bücherſchr.,
Diplomat, Speiſez., Flurgarderob.,
f. mod. Diwans, einzelne Kredenz,
nußb. Schreibtiſch, Vertiko,
Spiegel=
ſchrank, Trumeaux, Kleiderſchrank,
Waſchkommoden, mod. Küche,
Bett=
ſtellen, Matratzen, ganze
Einrich=
tungen unt. Garantie, ſehr billig
Eliſabethenſtr. 42, part., rechts. (*3365
Zur Notiz!
Man kann bei den ſich maſſenh.
mehrenden zweifelhaft. Mitteln geg.
Haarleiden nicht genug auf das
be=
reits ſeit 44 Jahr. ſich bewähr., von
Autoritäten empfohlene, ſich durch
Güte und Billigkeit auszeichnende
Haarwaser v. Retter, München
aufmertſ. machen, welches wirklich
leiſtet, was es verſpr.:
Konſervie=
rung u. Kräftigung der vorhand.
Haare, Reinig. v. Schuppen,
Weich=
u. Glänzendmach. der Haare. Z. h.
um 40 Pfg. u. Mk. 1.10. (3730H
Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, 15. Februar 1912, vormittags 10 Uhr,
werden im Konkurs des Bauunternehmers H. Zickler III. von
Eberſtadt an Ort und Stelle:
ca. 70—80 Zentner Kleehen, ca. 15 Zentner Stroh, 1 faſt
neue Federrolle, 2 ſchwere und 1 leichter Wagen mit Kaſten
und Leitern, 1 kleines Wägelchen, 4 Pflüge, 2 Vorderpflüge,
2 Eggen, 1 Pfuhlfaß aus Zink, 2 komplette Pferdegeſchirre
mit Woll= und Lederdecke, 1 Pritſchenwagen, eine Partie
Hebel, Klammern, diverſe Geräte und Baumaterial, diverſe
Partien Stick= und Brennholz, 1 Kontoreinrichtung, eine
Partie Zeichenpapier, 1 Nivelierinſtrument, 1 Stehpult,
1 Schreibtiſch, 1 Vertiko, 1 Regulator, 1 Standuhr, 1 Sofa,
1 Schreibſekretär, 1 achteckiger Tiſch ꝛc. ꝛc.
(3749
öffentlich gegen bare Zahlung verſteigert.
Reibstein, Konkursverwalter.
Antzholz=Verſteigerung Nr. 11.
(Stadtwald.)
Freitag, den 16. Februar I. Js., morgens 9 Uhr,
werden im Saale der hieſigen Turngemeinde, Woogsplatz 5,
aus den Abteilungen 6 (Hinterhecke), 10 (Weidenlache), 11 (Saufang),
14 und 15 (Eichelacker), 18 (Wildſcheuerteil), 31 (Hitzberg) und 32 (Spitz
an der Chauſſee) der Forſtwartei Heiligkreuz, verſteigert 207,52 fm
Nutzholz, nämlich:
Eichen =Stämme I. Kl. 5 Stück — 7,43 fm
7,86 „
„
„ III. „ 39 „ — 32,03 „
IV. „ 107
— 57,99 „
V.
39
— 15,24 „
Buchen
II.
3 „ — 5,69 „
„ III. „ 15 „ — 14,07 „
„ IV.
— 10,82 „
17
V. „
1 „ — 0,43 „
Hainbuchen
V. „
— 2,33 „
VI.
„ — 1,50 „
Birken
IV.„
— 1,42 „
,
VI.
— 1,54
IV.
Fichten
= 1,82
V. „ 5
- 17,14 „
=Derbſtangen 479
— 25,98 „
— 4,23
=Reisſtangen 805
Sämtliche Hölzer ſind an verſteinte oder gut fahrbare Wege
gerückt. Unterſtrichene Nummern kommen nicht zum Ausgebot.
Nummernverzeichniſſe über das Stammholz ſind bei Herrn
Forſt=
wart Hofmann, hier, vom 7. ds. Mts. an unentgeltlich zu haben.
Darmſtadt, den 1. Februar 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
(3202oo
Stamm=, Stangen= und
Brennholz=Versteigerung.
Dienstag, den 13. Februar I. Js., vormittags
9 Uhr anfangend,
werden in den Waldungen der Gemeinde Roßdorf aus dem Diſtrikt
Mark verſteigert:
Stämme: Eiche 6 Stück — 2,26 fm
Eſche 1 „ — 0,13 „ Die Abzählungs=
Kiefern 6 „ — 3,31 „ 1 Nummern 1 bis
Fichte 9 „ — 2,38 „ (inkl. 106 kommen
Derbſtangen: Eſche 6 „ — 0,31 „ zum Ausgebot.
- 23,27
Fichte 801
—5,44
560
Reisſtangen:
Die Zuſammenkunft iſt auf der Kubig.
Sodann werden im Diſtrikt Hundsruck an Ort und Stelle
verſteigert:
Stämme: Buche 4 Stück — 2,08 fm
— 13,99 „
Eiche 32
= 5,77 „
Fichte
2
2 0,40 „
Derbſtangen:
— 2,82 „
Reisſtangen: Lärche 628
Fichte 273
0,77 „
II. Brennholz.
Mittwoch, den 14. Februar I. Js., vormittags
9 Uhr beginnend,
werden auf dem Rathaus zu Roßdorf aus dem Diſtrikt Mark
Scheiter, rm:
Buche 2, Eiche 55, Birke 4, Aſpe 2, Erle 2, Kiefer 89, Fichte 1.
Knüppel, rm:
Buche 19, Eiche 10, Birke 3, Eſche 4, Erle 15, Kiefer 1, Fichte 9,
Wellen, Stück:
Buche 585, Eiche 605, Birke 75, Eſche 25, Erle 110, Kiefer 20, Fichte 100,
(3603so
Stöcke, rm: Eiche 3, Kiefer 34, Fichte 14,
verſteigert.
Die blau unterſtrichenen Nummern werden ausgeboten.
Roßdorf, den 7. Februar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Roßdorf.
Lorenz.
Brenn= und Stammholz=Verſteigerung.
Freitag, den 16. Februar 1912
kommen im Gräfenhäuſer Gemeindewald zur Verſteigerung:
112 rm Kiefern=Scheiter,
=Knüppel,
222
106
„ =Stöcke,
8580 Stück „ =Wellen,
„=Schuppenſtützen,
12
20 =Stämme, 27 bis 33 cm Durchmeſſer,
12,67 fm Inhalt.
Zuſammenkunft vormittags 9 Uhr auf der Hardt am
Erz=
häuſer Fußpfad.
Das Durchforſtungsholz wird nicht vorgezeigt.
Die Kiefernſtämme kommen nachmittags von 1 Uhr ab zum
(3717
Ausgebot.
Gräfenhauſen, den 9. Februar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Gräfenhauſen.
Petri.
Eine Partie gut erhaltene
zu verkaufen. Nähere Ausk. erteilt! Ernst Lorey, Karlſtr. 56.
das Architekturbureau von Mahr & eere Kisten zu verkaufen
Markwert- Kaſincſtraße 8. (B37521
Zu verkaufen:
Porzellan= und 1 Gasbadeofen und 1 emaill.
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2250a Ernſt=Ludwigſtr. 18.
[ ← ][ ][ → ]Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Februar 1912.
Nummer 36.
Restädrant aasteySchE
Tag u. Nacht geöffnet.
Luisenstrasse 14.
Ausschank des weltberühmten St. Benno-Bieres
der Aktienbrauerei Löwenbräu, München.
Darmstädter
Geselschaft
Carneval-
(3747
Bezirksverein Bessungen
EINLADUNG
zur Hauptversammlung
auf Montag, den 12. Februar 1912, abends 8½ Uhr,
im Gaſthaus zum Ochſen (Volle, Wwe.) Beſſungerſtr. 28.
Tagesordnung:
1. Vortrag über die Wertzuwachsſteuer ꝛc von Herrn Gg. Wenchel.
2. Berichterſtattung über die Tätigkeit des Vorſtandes im Jahre 1911.
3. Neuwahl des Vorſtandes.
4. Beſprechung der eingelaufenen Anträge.
Unſere verehrlichen Mitglieder werden gebeten, recht pünktlich
(B3740m
zu erſcheinen, da der Vortrag rechtzeitig beginnt.
Der Vorstand.
Gegründet 1878. Präsident Hans Schramm.
Motto: „Nor kaan Neid‟.
Samstag, den I7. Febr. 1912, abends 9 UhrII
in sämtlichen Räumen des städt. Saalbau: (712a
Einziger Grosser Gesellschafts‟-Gala-
Entre- Hasten Dai.
Chambre separés Schaumweingrotte
— Rosenlaube.
Für unsere alten Mitglieder und Inhaber
Eintrittskarten: von Sitzungs-Einlasskarten à Stck. Mk. 3.—
nur bei Herrn Otto Titze (Glocks Hutgeschäft). Für Gäste à Mk. 5.— bei den
Herren Edgar Wetzstein, Elisabethenstrasse, Val. Weissmüller, Rheinstrasse 33,
G. L. Kriegk, Rheinstrasse 17, D. Numerich, Mühlstrasse, Meyer’s
Zigarren-
geschäft, Lauteschlägerstrasse 1, und im Verkehrsbüro.
Für Studierende der Techn. Hochschule sind Karten zu ermässigtem
Preise nur bei Herrn HANs ScHRAMM, Georgstr. 1½, zu haben.
An der Kasse im Saalbau kostet jede Karte Mk. 6.—.
Maskenkostüm oder Ballanzug mit Maskenabzeichen Vorschrift.
Masken-Abzeichen werden am Saaleingang verkauft.
Richard wagner-verein Darmstadt.
Dienstag, 13. Februar, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde (Woogsplatz 5):
Drittes Konzert
Meininger Hofkapelle
unter Leitung des Herrn Hofrats Professors
Dr. Max Reger, Hofkapellmeister.
Die Beleidigung,
die ich geg. die Ehefrau Anna Haug
ausgeſproch. habe, nehme ich zurück
*3369) Margarethe Wild.
Diejenige Perſon, die am
Sams=
tag, den 3. Febr. i.
Mathilden=
höhſaale b. Maskenball. ein fremd.
Jackett aus der Garderobe
mitge=
nommen hat, wird erſucht, dasſelbe
gegen das ihrige abzugeben, da
erkannt, andernfalls Anzeige er=
(*3348so
ſtatet wird.
EPl. Damenmaske (Aſſirerin) zu
Everl. Waldſtr. 33, II., l. (*3375
Die Masken Glühwürmchen,
D Amor u. Waſſerroſe bill. zu
verl. Liebfrauenſtr. 52, pt. (*32780i
eleg. Damenmasken zu ver=
2 leihen Kahlertſtr. 13, pt. (3465a
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Gäste stets willkommen.
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eleganteſten Neuheiten (2691a
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empfiehlt die Verleihanſtalt von
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Gehrock, Frack und Smoking zu verleihen.
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitzplätze zu Mk. 5.-
und Mk. 4.-, Saalkarten zu Mk. 3.—, Vorsaalkarten zu Mk. 2.—
Stehplätze im Saal zu 1.50 Mk.; Galeriekarten zu Mk. 2.— und
Studentenkarten zu Mk. 1.50ebei Georg Thies Nachfolger, im Büro des
Verkehrsvereins, sowie (falls noch vorhanden) abends an der Kasse.
— Beitrittserklärungen für das am 1. Januar begonnene neue
Vereinsjahr, die noch vor dem obigen Konzerte erfolgen,
berech-
tigen zu dessen freiem Besuche. Der Jahresbeitrag beträgt
12 Mk.
Jedes Mitglied hat das Recht, an der Mitte März
statt-
findenden Verlosung der von dem Verein für dle Bayreuther
Bühnenfestspiele des Sommers 1912 angekauften
Eintritts-
karten (zu Mk. 25) teilzunehmen.
3725)
Der Vorstand.
Musik=verein
Mittwoch, 14. Februar, abends 8½ Uhr pünktlich
im Vereinshaus, für die aktiv. u. inaktiv. Mitglieder
Lichtbilder-Vortrag
des Vereinsmitgliedes Prof. W. Völſing über:
„Tiere als Musikanten‟
Um recht zahlreichen Besuch wird gebeten.
ede Damen-Hastienzarderobe
Sochelegante Damenmasken
O (Chanſonetten in verſchiedenen
Farben, Orientalin, Fiſcherin,
Ti=
rolerin), auch werden neue Masken
leihweiſe angefertigt Große
Kapla=
neigaſſe. 14. part.
(3237a
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(Spanierin, Orientalin u. Pierrette)
billig zu verleihen
(2571t
Gutenbergſtraße 11, part.
Drei ſchöne Maskenkoſtüme
billig zu verleihen (*3220so
Friedrichſtr. 34, 3. Etage.
d eleg. Maskenkoſtüme zu
ver=
leihen Brandg. 4, I. (*3341som
Mühlstrasse 40, 1. Stock, Konfektion
nächst Turnhalle (Woogsplatz).
eue, nicht getragene Kostüme, Damen- und Herren-
N Dominos vom hochelegantesten bis einfachsten zu ver-
(3625a
leihen. — Massanfertigung.
Wieg. Bühnengarderobe, Garmen, Ori-!
E entalin, Rustikana, Fatiniza, Miss
Dudelsack. Biedermeier, Edeldame,
Aeunchen, lust. Witwe u. a. m v. ZM. an zu
gerl. Gutenbergstr. 66, III. 1. (*8236gimd
Herren= u. Damenmaskenanz.
in groß. Auswahl bill. zu verl.
*30710)
Mühlſtraße 8.
Maskenkostüme großer
Auswahl. von 3 Mk. an, Domino Sch. Damenmaske zu verl.
1 Mk. Stiftſtr. 89, part. (2184a B3754) Orangerie=Allee 17, part.
Würfelſp., Eisfeſt, Waſſerroſe,
Edel=
weiß, Spanierin, Zigeunerin,
Car=
men. Mignon, Italien., Norwegerin,,
Schützenmädch., Harlekin, Pierrette,
Orient., Tiroler., Bandit. u. 6 Soubr.
v. 2 M. an Eliſabethenſtr. 1, Stb. I. I.
in gegenüb. d. St. Pfungſtadt. (*3362omf
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Vereinigte Seſelichalt.
Donnerstag, den 15. Februar, um 5 Uhr:
Kreppel-Kaffee. 600
Um 6½ Uhr:
Die Dienſtboten,
Luſtſpiel von R. Benedix
aufgeführt von Damen und Herren der Vereinigten Geſellſchaft,
unter Leitung des Herrn Hofſchauſpielers und Regiſſeurs Hacker.
Nach der Aufführung:
Karten für den Kreppel=Kaffee zu 70 Pfg. ſind bis 15. Februar,
mittags 12 Uhr, bei dem Geſellſchaftswirt zu löſen. (3746oi
99
2Z22i
26 Saalbaustr. 26.
Inh.: Max Münch.
Sonntag, den 11. u. Montag, den 12. Februar:
Grosser Karneval-Schlorum
mit Konzert
ausgeführt von einer Abteilung der reitenden Gebirgsmarine.
Pompöſe Dekoration. (*3271so)
Großer Feetz
23
22
2299 22
99
Eleg. Soubr., Eisfeſt (neu),
Glücks=
pilz, Baby, Vergißm. Pierrette
zu verl. Arheilgerſtr. 4, II. (3548a
Domino, Herren- u. Damen-Masken
D bill. zu verl., Damentrisieren
2278a) Mauerſtr. 8, II., Biesinger.
ner 30.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Februar 1912.
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Roman von Ernſt Clauſen.
(Nachdruck verboten.)
Dann muſterte ſie mit ſcharfem Blick den gedeckten
Tiſch. Das Tiſchtuch liegt ſchief, Frau Tannert. Ja, Sie
lachen, Herr Doktor? Ich kann nichts Schiefes ſehen, was
ebenſogut gerade ſein könnte. Und dann ſehen Sie oben
nach dem Ofen. Frau Lührſen wird durchfroren
ankom=
men; und eine Wärmflaſche legen Sie nachher ins Bett.
Wird allens gemacht, Frölen und damit ſchob Frau
Tannert aus der Tür, den Kopf voller Gedanken, teils
wegen der Wärmflaſche, teils wegen der längſt vergangenen
Mondnacht im Küchengarten zur Zeit der Heuernte.
Schwere Arbeit war es geweſen, die letzte Anhöhe nach
der Station hinauf. Die beiden Braunen hatten die Köpfe
faſt zwiſchen die Vorderbeine ſtecken müſſen, denn das war
ald kein Schnee mehr, ſondern Eisnadeln, die der Sturm
ihnen entgegen in Nüſtern und Augen trieb. Das pfiff
und heulte da oben über die kahlen Höhen, und die
Tele=
graphendrähte ſangen traurige, wehklagende Melodien ins
Holz der Telegraphenſtangen hinunter, aber ſie taten doch
ihre Pflicht, ihren inneren Dienſt, ganz brav, trotz Sturm
und Schneetreiben und trotzdem dies vor fünfzig Jahren
leinem Draht eingefallen wäre. Ihre Seele mußte erſt
ge=
weckt werden durch Menſchengeiſt, geheimnisvoll,
unerklär=
ich wie eine Menſchenſeele. Kein Profeſſor in der
Menſch=
heit wuste, wie=das eigentlich zuging, daß durch vieſe
Drähte Gedanken und Kunde von Taten und Geſchehniſſen
blitzſchnell hindurchflitzten. Die klugen Leute wußten wohl,
was geſchah und daß es geſchah in ſolcher Eile, aber wie
es geſchah, das wußte keiner, und weil die Menſchen, wenn
ſie nichts mehr wiſſen, die Phantaſie zu Hilfe rufen,
erfan=
den die klugen Männer Märchen, und das nannten ſie dann
eine Erklärungshypotheſe.
Lührſen hatte den Pferden Decken übergeworfen und
ſtand dicht an der Stute, die etwas Schutz gab gegen den
Wind und auch etwas Wärme gegen die Kälte. Sie
ſchnup=
perte ſeitwärts an ſeiner Manteltaſche, in der ſonſt immer
eine Brotrinde oder ein Stück Zucker ſteckte; aber er merkte
nichts, ſondern wartete nur, bis der Mann, der das Gepäck
abzufertigen hatte, herauskäme und bei den Pferden bliebe,
wenn Lührſen auf den Bahnſteig mußte, um ſeine Frau
abzuholen. Er blickte in die weite Einöde, wo ſich Schnee
auf den Feldern und Schnee in der Luft miſchten, ſodaß es
ſchien, als ſähe man gegen eine weiße Wand, die von der
Erde aufwärts ſich unendlich gegen den Himmel verlor.
Auch hörte er das Singen und Klingen, das Heulen und
Summen über und neben ſich, wo die Telegraphenſtange
ſich ſo ſchnurſteil aufreckte und nur leiſe zitterte. Geſtern
war’s durch die Drähte dort über ihr hingeblitzt nach
Ber=
lin: Du mußt kommen, Franz ſchwer krank! Und zurück
flog es heute früh erſt, denn das Telegramm hatte die
Mutter des kranken Kindes nicht zu Hauſe angetroffen,
weil ſie im Theater war: Heute nachmittag 5 Uhr, Lilli.
Das waren ſeit=fürf Jahrendie
zwiſchen einem Mann und ſeiner Frau, z wiſchen Vater
und Mutter desſelben Kindes gewechſelt wurden. Durch
den kalten, ſingenden und ſchwingenden Draht war es
ge=
gangen.
Was jetzt wohl gerade von Stange zu Stange flog,
ſchneller als ein Menſch es denken konnte? — Geburt und
Tod, Kummer und Freude, ächzende Not und jauchzende
Seligkeit, Kursberichte und Preis der Baumwolle,
Nach=
richten, die zwei Völker gegeneinander hetzten in blutigen
Krieg, Mißverſtändniſſe und Verſöhnungen, verlorene
Kin=
der, die nach Vater und Mutter ſchrien, Väter und Mütter,
die nach ihren Kindern jammerten in weiter Ferne,
grau=
ſige Kunde vom Verderben Tauſender und wunderbare
Meldung von Rettung vieler aus ſchwerer Seenot!
Un=
endlich, faſt zeitlos, unheimlich=dämoniſch, und doch ſo
wun=
derſam und märchenhaft wie Wunderkunden aus
Tauſend=
undeiner Nacht! Vor fünf Jahren hatte der Draht ihn
auch einſam gemacht, und er war doch in Not geweſen und
hatte ihr einen langen Brief geſchrieben. Darauf kam’s
durch den kalten, zitternden Draht zurück: Erſpare mir
brief=
liche Auseinanderſetzungen. Ich kann nicht kommen!
So, Herr Lührſen, nu hab ich Zeit und kann bei die
Pferde bleiben. Der Zug is gemeldet!
Lührſen überließ ſeinen Platz neben der braven Lieſe
dem Mann, holte unter einer Decke im Schlitten einen
dicken wollenen Schal heraus und ſtampfte ins
Warteſtüb=
chen der Station, wo neben dem rot glühenden Ofen zwei
usaenSie ſtandenganß und grüßten ihn, nicht
Seite 14.
agblatt, Montag, den 12. Februar 1912.
Dart
Kiober
unterwürfig, aber wie einen Mann, vor dem ein anderer
Mann aufſtehen kann.
Schlechte Witterung, Herr Lührſen, ſagte der eine, ihm
die Hand ſchüttelnd. Der Schnee kommt gerade recht vor
Weihnachten für’s Winterkorn, meinte der andere. Sie
er=
warten wohl auch ſo en büſchen Weihnachtsbeſuch aus der
Freundſchaft, Herr Lührſen? Da ſagte er nur kurz und
knapp: Meine Frau!
Die Bauern wurden etwas verlegen, und der ältere
ſagte raſch: Ich wart auf meinen älteſten Jung, der iſt
geſtern aus Auſtralien in Hamburg angekommen; er is nu
ſchon Steuermann!
Da wird ſich Mutter freuen, meinte Lührſen, nickte
ihnen zu und ging hinaus.
Die Bauern ſahen einander an und ſchüttelten die
Köpfe. Der jüngere meinte, indem er die kurze Pfeife am
Ofen ausklopfte: Das klang akkurat ſo, als wenn einer ſagt:
Gern tu ich’s nicht, aber ich muß. Mit dem Kleinen ſoll’s
geftern man ſchlecht geweſen ſein. Siſt doch ne kurioſe
Ge=
ſchichte!
Ja, Matthies, das is nu ſo. Man hört auf Stunds
viel von ſo was. Das läuft zuſammen und wieder
aus=
einander wie die Ziegen!
Lührſen ſtand draußen und ſpäte den Schienenweg
entlang. Eben war der Schnellzug nach Hamburg
durch=
geraſt, als wenn der Sturm eine Reihe fliegender
Wohn=
ungen vorbeiriß mit helleuchtenden Fenſtern. Trotzdem ſah
man von den Schienen nur noch einen ganz feinen
ſchwar=
zen Streifen, wie mit einer Stahlfeder in den Schnee
ge=
zogen. Nun kamen aus dem Durchſtich heraus zwei
blin=
kende, blendende, große, kreisrunde Augen, ſtarr, feurig über
dem weißen Schnee ſtehend, wie mit Dämonenkraft
vor=
wärts geſchoben. Das Heulen in der Luft ließ kein Rollen
und Praſſeln der Räder an Lührſens Ohr dringen, nur
die ſtarren, feurigen Augen kamen durch das Schneetreiben
unaufhaltſam heran. Dann ein ſchriller Pfiff, als wollte
die Maſchine rufen: So, da bin ich! Was kümmern mich
Sturm und Schnee. — Gerade vor Lührſen in einem
Ab=
teil der zweiten Klaſſe, hinter verſchneitem und halb
zu=
gefrorenem Fenſter, bewegte ſich ein Schatten. Da riß er
mit Anſtrengung dil Wagentür auf, deren Fugen vereiſt
waren.
Gerdt?
Ja, Lilli, ſteig aus!
Er gab ihr die Hand, nahm ihr Handgepäck und half
ihr die ſteilen Trittbretter herunter. Sie gingen nach dem
Stationsgebäude, wobei er faſt überhörte, wie ſie angſtvoll
hervorſtieß: Wie geht es Fränzchen? Sie mußte zweimal
fragen, bis er antwortete: Beſſer! Die ſchwerſte Gefahr iſt
vorüber. Komm hier herein ins Wartezimmer. Wir haben
noch eine ſchlechte Fahrt vor uns!
Sie ſtand unter der Hängelampe und hielt, während
ſie den Hut abnahm, die Lider geſenkt, deren ſchwarze
Wimpern dunkle Schatten auf, die feinen Waagen malten.
So, wickele Dir den wollenen Schal um den Kopf
ge=
gen den Schnee.
Er nahm ihr den Hut aus der Hand, einen formloſen
Deckel, hinten was drunter, vorn was drauf, was Damen
einen Hut nennen.
Ach, bitte, gib mir den Hut!
Sie griff beſorgt danach, als könne er dem Kunſtwerk
Schaden tun, öffnete eine hohe Schachtel und tat den Hut
hinein, nachdem ſie vorher einige Tropfen Schneewaſſer
von Federn und Sammet, und was ſonſt dran war,
fort=
getupft hatte.
Das kam Lührſen beinahe grotesk komiſch vor, ſchon
deshalb, weil ſie überhaupt an ſo etwas denken konnte.
Da blickte ſie auf und ſah den Zug von Ironie, der von
den Mundwinkeln ſich abwärts im blonden Vollbart
ver=
lor. Wie ſie dies Lächeln kannte!
So, ich bin fertig! Den feinen Kopf trug ſie ſehr
gerade. Als ſie ſich etwas ungeſchickt anſtellte beim
Ein=
ſteigen in den Bauernſchlitten, in dem er zwiſchen
aufge=
lockertem Stroh den ſchweren Fußſack aufrecht hingeſtellt
hatte, griff er zu und hob ſie faſt frei über den
Schlitten=
rand hinweg in den Fußſack hinein, der ihr bis unter die
Arme ging.
Da, kaufen Sie ſich einen Grog, Peters.
Danke, Herr Lührſen, gut nach Hauſe!
Fortſetzung folgt.)
reinste Marke,nach
Ichzucker, proiess. von Soxhiers
Verlahren, für gesunde und kranke Säuglinge.
für Kinder, die
ähr-Maltose, nicht gedeihen
und an Körpergewicht abnehmen.
nach Liebig und
alz-Extrakt rehling,seit 45
Jah-
ren bewährt als Katarrhmittel und Nährpräparat
für Kinder, Kranke und Genesende.
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entnehmen wir folgende
Mitteilungen:
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der von Thurn und Taxis gehören mit
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vember 1844, letzterer am 1. Oktober
1847 verausgabt. Ihre Annahme, daß
beide Stücke ein und dasselbe vorstellen,
d. h. doch wohl in ganz gleicher Weise
benutzt wurden,
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Frankirierd Thurm und Tarie
Stadt-Brief sich der offizielle
ist jedoch nicht
richtig.
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schweiger Stempel
„St. P. Fr. a (
Stadt=
post frei) wurde
erst auf dem
Brief=
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zu=
sammengefalteten
Brief angebracht,
wenn ds Stadtpostporto am Postschalter
im Voraus entrichtet war. Er hatte
also keine bestimmte Stelle und wurde
auf die Adressenseite des Briefes
da aufgedruckt, wo eben Platz war.
Ganze, ungebrauchte
Briefum=
schläge mit dem Stempel oben Unks
sind Neudrucke. Wir haben es
dem=
nach mit einem Frankostempel zu tun,
der eigentlich nur für
Entwertungs=
sammler Interesse bietet. Anders
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umschlag von
Bei ihm befand
Stempel
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kirter Stadt=Briefp
oben links auf den Briefumschlägen,
die man am Schaltef kaufen konnte,
und zwar die großformatigen zu 18 Kr.,
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Dutzend. CDurch Verschluß eines
Schreibens in ein derartiges Kuvert
wirde, wie im Erlaß vom 27. September
1847 steht, der betreffende Brief ganz
frankiert.
A. Sch. in Waldsee. Aus Ihrer
Anfrage geht nicht hervor, welcher'Art
Ihre durchlochten spanischen Marken
sind. Handelt es sich um
durch=
lochte ungebrauchte Stücke, dann
rühren sietlvon
7 den
Restbestän=
den her, welche
die Regierung an
Händler verkauft
hat. Sind es
je=
doch
gebrauch=
te durchlochte
Marken, dann
haben sie zur
Freimachung von
Telegrammen
ge=
dient. Es sei hier.
Unentbehrliche Fachzeitschrift für jeden Briefmarkensammler!
Senfs Illustriertes
Briefmarken-Jeurnal
ist das verbreitetste und mit das beste Fachblatt der Welt.
jede Nummer enthält je eine echte Marke gratis
deren Katalogwert einen großen Teil des Abonnementsbetrages deckt.
Dem 1911. Jahrgang wurden folgende echte Marken gratis beigefügt:
Paraguay 1910, I C. br.=grau F. Nr. 1
Rumän., Paketm. 25 B. z.-rot
Ital. Posti. Tripol., IC. braun „
Neufundl. 1898/01, 1 Cgrün
Deutsch. R.,
Verrechnungs=
marke f. Preußen, 5 Pf. br.
Persien1891, I0Chah. d.-ros.
Haiti 1899, SCents hellblau
Montenegro, 1910 1P.schw.
Ceylon 1905/05, 2 C. braun,
Bulg. 1911, 1St. d.=gr. f. Nr. 10
P. Rico1891, IM. d. P.,, „ II.
Rumänien 1893/02, 25 Bani f. Nr. 12
noch betont, daß nicht alle Restbestände
vor dem Verkauf durchlocht wurden;
viele, besonders die der alten Ausgaben,
sind mit wagerechten Linien überdruckt.
B. M. in Kiel. Das Wasserzeichen auf
den russischen Marken Nr. 1, 2, 3 und 4,
das im Gegensatz zu den Wasserzeichen
anderer Länder
durch eine Ver=
dickung d. Papiers
erzeugt ist, finden
Sie
nichtimdurch=
scheinenden,
son=
dern im
auffallen=
den Lichte, Wenn
Sie die Marke
et=
wa auf
Armes=
länge von sich
halten, dann
er=
scheint auf der
Tückseite die Ziffer, welche das
Wasser=
zeichen darstellt, weiß auf dem
dunk=
leren Teile des Papiers, und zwar sind
die Ziffern fast so
hoch, wie die Marken,
stehen, von der
Rück=
seite gesehen, alle
ver=
kehrt.
In ähnlicher Weise
findet man, auch das
Wasserzeichen bei
Marken Nr. 1 von
Norwegen, welche den
Löwen des heiligen Olaf mit erhobener
Streitaxt darstellt.
Persien 1894, 10Ch. orange, „ 15
Rumänien, Portom. 10 B.gr.,, „ 14
Nie=l.Ind. 1901/08, ½C.v. z „ 15
Rumän. 1899/06, 15 B. Iila „ 16
Ceylon 1905/05, 5 C. IiIah, „ 17
Guadelp. 1905/07,10C. rosa,, „ 18
Deutsch. R.,
Verrechnungs=
marke f. Preußen, 2Pf. gr.,, „ 19
Großbrit., Dienstm. 1902,
1/2 P. grün. . . . . . . . . . . .„ „ 20
Haiti 1896, 7C. schw.=grau,,
Serbien 1911, 1 P. schwarz,
Osterreich, Portom., 1H.br.,,
China, jap. Post, 20S.orang. „
21
22
23
24
Sammler, welche sich über die Marktpreise der Marken genau
zu orientieren wünschen, empfehlen wir den in 20 Auflagen in
mehr als einer halben Million Exemplare über die ganze Welt
verbreiteten Gebrüder
apt
Schr S Postwertzoichon-
Bequemes Taschenformat, 1272 Seiten stark, mit gegen 60500
normalen Preisen, ausgeschmückt mit 6700 verkl. Abbildg.
Me
Dehat
Dieser Erfolg spricht allein für die Güte des Werkes, dem
nicht zum geringsten Teil der riesige Aufschwung zuzuschreiben
ist, den das Briefmarkensammeln seit seinem ersten Erscheinen
genommen hat.
Die Vorzüge des Senf=Katalogs, die ihm zu seinem Siegeslauf
durch die Welt verholfen, sind zu bekannt, um noch besonders
betont zu werden.
Seine Ubersichtlichkeit ermöglicht es selbst dem
unerfahren=
sten Anfänger sich sofort zurecht zu finden; die Fülle des
auf=
gespeicherten Stoffes gewährt auch dem anspruchsvollsten,
vor=
geschrittenen Sammler Befriedigung, dazu kommt die sorgfältige,
auf langjährige Erfahrung in täglicher Praxis gestützte Bearbeituns
der Preise, die im gesamten Handels= und Tauschverkehr als
allgemeine Normalpreise gelten.
Kein Sammler, der den Senf=Katalog kennt, mag ihn mehr
missen, denn nach wie vor bleibt dieses Werk, in dem Katalog,
Handbuch und Preisliste vereint sind, sein bester
Freund und Berater.
Derin Leinen gebundene Senf=Katalog für Briefmarken
und
30 Pfg.
kostet 11. 3.50 Porte
und ist gegen Voreinsendung des Betrages franko
zu beziehen von den Verlegern
dem
IIIustr. Briefmarken=Journal
entnommen.
N. P. v. U. in Darmstadt. Wenn
eine Oberpostbehörde kursierende
Marken geschenkweise abgibt, z. B.
für die Staatssammlungen irgend
welcher Länder, dann erhalten diese
Marken oft einen Aufdruck, damif sie
nicht zu Portozwecken benutzt werden
können. Auf den Postwertzeichen
Englands ünd seiner Kolonien liest
man meist Specimen (Probestück);
Saggio (Versuch) und Annullato
(entwertet) sieht mah auf italienischen
Marken. Südamerikanische Staaten
und spanische Kolonien tragen oft die
Worte Prueba (Probe) oder Muestra
(Muster), während Salvador, Honduras,
Mauritius, Hawai usw. mit Cancelled
(entwertet) versekten sind. Rußland
und Rumänien endlich haben den
Auf=
druck OBPA3EIIh (Probe). — Unseres
e Wissens gibt
1POSTAGE8R es nur zwei
Marken mit
& dem Worte
Specimen, die
postalisch
ge=
braucht
wurden,
nämlich
Britisch=
Fhr
Guiana 1882,
1C.
dunkel=
rosa und 2 C. gelb, wo das Wort
Specimen sogar in die Marken
einge=
locht ist, und zwar, um Nachbildungen
: der in sehr einfacher Art gedruckten
Marken zu erschweren.
Girolamo in Brescia. Die beiden
½ Tornese=Marken von Neapel 1860
sind in der Tat unter Garibaldis
Herr=
schaft angefertigt worden. In Sardinien
und in all den früheren kleinen
italienischen Staaten kostete das
Druck=
sachenporto 1—2 Centesimi; letzterer
Wert existierte als
½ Grano bereits
in Neapel, der zu
1 Centesimo
da=
gegen nitht. Dafür
wurde die Marke
zu ½ Tornese —
1 Centesimo
an=
gefertigt, indem
von der ½ Grano=
Marke das G in T. verwandelt und
der Druck in Blau statt in Rosa
aus=
geführt wurde. Dies geschah im
November 1860. Doch konnte die
Marke nicht so bleiben, da sie ja noch
das bourbonische Wappen enthielt. So
wurde über dieses ein breites
piemon=
tesisches Kreuz graviert, und unter
Beibehaltung der blauen Farbe die
neue Marke Ende Dezember 1860
ein=
geführt;sie bliebebis Februar 1861 in
Umlauf.
J. B in Amsterdam. Das Zeichen
auf den ftürkischen Marken ist
ein B, Kürzung- für Beié
Rabatt. Die türkische Post
wollte die Postanstalten der anderen
Mächte totmachen und gab daher auf
die Marken, die für das Auslandsporto
bestimmt waren, einen beträchtlichen
Rabatt. Solche Marken wurden ’mit
dem türkischen B bedruckt.
E. H. in Wien, Den Namen
Post=
schillinge führten auch amtlich die
zwei ältesten Marken von Schleswig=
Holstein, die am 15. November 1850
verausgabt worden waren. Die
Be=
nennung rührt daher, daß auf den
Marken über dem Wappen pPosta,
unter demselben „Schillinga steht. Wir
können noch bei=
SIIfügen, daß diese
Marken von, der
Firma H. W. Köbner
und Lehmkuhl in
Altona angefertigt 1
wurden, und zwar
von der 1 Schilling
blau 1300000 St., von
der 2 Schilling rot
700000 St. Da im ganzen nur 8701
Briefe mit Marken frankiert wurden,
so ist die große Seltenheit gebrauchter
Postschillingeg leicht erklärlich.
Wenn Sie sich eine neue
Sammtung anlegen wonen
oder einem befreundeten jungen Philatelisten mit einer
umfang=
reichen, dabei aber billigen Briefmarkenspende überraschen
wollen, so empfehlen wir Ihnen dazu unsere nachstehenden
Paketzusammensfellungen
die weitaus sorgfältiger ausgeführt sind, als dies im fallge=
Heinen bei solchen Sortimenten der Fafl ist.
Sie enthalten in der vorliegenden neuen Bearbeitung
nur verbürgt echte, staatliche Postmarken aller Erdteile:
e
O
Bayern. Jubiläumsausgabe.
1 M. braun, 2 M. grün
gestempelt. Preis . . . . 1.50 M.
Marken aller Erdteile:
a) ungebraucht und gebraucht gemischt. Prima Massen= Qualität‟) Qualita 100 versch. —.50 —20 200 —.85 —,6C 300 1.50 1.25 400 2.50 2.25 500 3.75. 3.- 1000 15.50 10.− 1500 50.− 2000 40.− 2500 92.− 3000 140.− 105. 4000 275.− 22c 5000 450.− 350.− 6000. 650.− 520.- 7000 v. 900.− 800.− 8000 1500.− 1500.− 9000 2500.− 10000 3200.− 2600.− 11000 4800.− 3700.− 12000 6000.− 5000.− b) nur gebrauchte Marken. 100 versch. —,40 —30 200 , 1.— —.85 300 ,, 2.− 400 „ 5.75 5.40 500 5.50 1000 17.50 2000 60.− 2500 120.− 100. 3000 200.− 160 4000 575.− 32s 5000 600.− 525.- 6000 950.− 850.− 7000 1700.− 1500.− 8000 5000.− 2600.− Marken nur von Europa‟ 300 20 ungebraucht. und -Gebraucht gemischt. 250 versch. 3.- 2.60 600 , 7.50 6.75 1000 24.− 20.- 1250 45.− 40.− 1500 75.− 70.− 1750 130.− 2000 200.− 175.— 2500 2250 300.− 250.− 2500 450.− 400.− 2750 „ 675.− 375.- 3000 „ 975.— b) nur gebrauchte Marken. Außereuropäische
Märken:
ungebraucht und gebraucht
gemischt
Prima: Massen=
Qualität‟) Qualität.
Marken nur von Asien. 100.
Marken bestimmter Gebiete:
Diese Zusammenstellungen enthalten teils nur ungebr.,
teils ungebr. und gebr. und teils nur gebrauchte Marken.
Prima= Massen=
Qualität 9 Qualität
35 versch. Altdeutschland bis 1872
2.−
2i5
1250
1500
*1750
2000
2250
2505
(618
58.−
88.−
150.−
240.−
335.-
24.−
48.−
80.−
140.−
210.−
830.− 480.− 1 500
50
30
80
110
50
50
85
100
50
50
100
200
300
400
500
600 .
800
1500
50
100.
100
50
100
30
130
5
500
800
120
45
100
40
1
S
1000
Balkan=Staaten
Bolivien
Bräsilien .
Britisch-Australien
Chile .
Deutsche Kalonien u.
Aus=
landspostämter.
do.
do.
.„
Deutsche Staaten .
Ecuador . . . . . .
„ Englische Kolonien .
4.−
3.−
7. —
9.50
20.−
1.50
3.—
5.15
10.−
18.−
2.75
7.—
—.75
1.75
,,
6. —
;
„
15.−
,,
,,
,,
25.−
55.−
67.50
95.−
170.−
Franz. Kolonien
1.50
4.—
(nur gebr.) 5.—
Haiti
7.—
Indische Staaten
10.−
Nicaragua (keine ungebr.
Scebeck=Ausgaben)
3.—
Niederlande und Kolonien
.50
5.−
11.
20.−
30.−
60.−
85.—
150.−.
2.25
Orient.
2.25.
55.−
n
. 145.−
22.50
Paraguay
Peru
3.50
5.-
Portugies. Kolonien
Salvador (keine ungebr.
Seebeck!)
.—
Spanien.
Spanische Kalonien
1.50
100.−
Südamerika.
. 160.−
Zentralamerika und
. 120.−
Westindien
16.
80.−
140.−
100.−
*) Wir führen, wje vorstehend ersichtlich,
die meisten unseffr Briefmarkenpakete in
zwei Qualitaten: PPrima=Qualitäta und vMassen=
Qualitätg.Die Anschaffung eines unseter Pakete in
Primg‟-Qualität, deren Inhalt einer StrengenPrüſung
durch uns unterzogen wirc, ist jedermann zu empfhlen.
— Obgleich man bei Paketen nicht dieselbe
Anförde=
rung an die Beschaffenheit stellen kann Wie hei
Einzel=
ezuge von Marken, sso wird doch jederFäufer unserer
Prima= Pakete in dieser Hinsicht vall=befriedigt sein.
110.− 95.− Dagegen raten wir, zum Bezuge von-Massen=Qualität
210.− 185.— nur in Fällen, wo es in erstet Linie darauf ankommt,
fük einen möglichst niedrigen-Betrag emn mögliehst große Anzahl verschiedener Marken zü erhalten. — Briefmarken=
Pakete werden nicht zur Ansicht gesandt, sondern nur auf feste Bestellung geliefert. — Als besonderér Vorzug der Pakete
von 1000 verschiedenen an sei noch erwähnt, daß deren Inhalt alphabetisch länderweise auf dünnes Papier leicht
aufgeklebt ist, wodurch dem Käufer die Ubersicht wesentlich erleichtert und die Arbeit des Einklebens bedeutend
ver=
einfacht wird. Auf Wunsch liefern wir diese Sammlungen auch in jedes beliebigs Alhum sauber eingeklebt gegen
einen geringen Aufschlag. — Kaufern, die größere Pakete erwerben, aber nicht auf einmal bezahlen wollen, gewähren
wir gern Teilzahlungen. Wir bitten diesfalls gleich selbst Vorschläge zu machen, wélche Zahlungsweise die bequemste
ist; und wir werden gern soweit als möglich entgegenkommen. Eine entsprechende Baranzahlung ist jedoch Bedingung.
Preisg netto, Bei Bestellung von mindestens 10 Mark porto: Gebrüder Senf in Leipzig.
rhalb Deutschland u. Oesterreich=L.
liefern
verschiedene
einschließl. Deutsche Kolomalmarken wir, zu
S D.
0
Marken der deutschen Postamter in China, Marokko u. Levante nur
China. 3 Adler= und Germaniatzpe.
D.=Neu=Guinea. 5 Adler= und Schifftype
D.=Ostafrika. 5 Adler= und Schifftype .
D.=Südwestafrika. 5 Adler= und Schifftype
Kamerun. 5 Adler= und Schifftype
Karolinen. 5 Adler= und Schifftype
Kiautschau. 4 verschied. gebraucht
Levante. 5 Adler= und Germaniaty
70 M.
.65
—.65 „
.75
.75
—.80
Marianen. 3 Adler= und Schiätype . nur 1.60 M.
Marokko. § Adler= und Germaniatype „ —.60 „
Marshall=Inseln. 5 Acler= u. Schifftype „, 1.—
Samoa. 5 Adlers und Schifftype
Togo= § Adler= und Schifftype . . . . —.70 „
Diese 13 kleinen Sätze (64 verschiedene) zusammen
bezogen, unter Zugabe von I weiteren darin noch nicht
vertretenen Marke (also zusammen dann 65
ver=
schiedene) zu nur 10 Mark.
Wegen größ. Spezialsammlungen Deutsch.
Kolonial=
marken verweisen wir auf unsere große Preisliste, die
wir jed. Sammler gern portofrei u. kostenlos zusenden.
dem
IIIustr. Briefmarken=Journal
entnommen.
St. Z. in Dresden. Obschon über
28 Jahre verflossen sind, seitdem der
Leipziger Drucker Schröder eine Anzahl
seltener Marken durch das
Lichtdruck=
verfahren nachgeahmt hat, so gehören
diese Nachahmungen heute noch zu
den besten, die je angefertigt wurden.
Wenn man auch die alte rote Je Pfg.
von Sachsen mit einiger Mühe vom
Original unterscheiden kann, so vermag
selbst der
hervor=
ragendste Kenner
Hur nach längerer,
mühevoller
Unter=
suchung d.
Schröder=
schen Fälschungen
der drei seltenen
2Reales=Marken von
Spanien 1891, 1852
u. 1853 zu erkennen.
Wir glauben gerne,
daß es Ihnen als Laien im Prüfungs=
wesen nicht gelingen wollte, bei einer
für falsch erklärten 2=Reales
Fälschungs=
merkmale aufzufinden. Doch wollen
wir Ihnen auf Ihreh Wunsch hin einige
angeben, die bei genauer Messung,
jedoch nicht mit bloßem Auge, in den
Größenverhältnissen gefunden werden
können:
1851 echt 18½: 22½, falsch 18¼/:22 mm
1852 „ 18½:229/, „ 18 222½,
1853 „ 19 .23 . „ 18½:23. „
L. D. in Nantes. Die Worte 700
LATT (zu spät) auf den Marken von
Barbados, Trinidad und anderen
eng=
lischen Kolonien
be=
deuten, daß der mit
solchen Marken
be=
klebte Brief zu spät,
d. h. nach Schalter=
schluß aufgegeben
wurde und deshalb
einen Portozuschlag
zahlen muß. Ubrigens
haben wir es dabei
mit keinem Aufdruck, sondern
ledig=
lich mit einem Entwertungsstempel zu
tun. Unter den 700 LATE-Marken
kennen wir nur eine einzige, bei der
diese Worte mit in die Zeichnung
ein=
graviert sind, nämlich die hier
abge=
bildete Victoria. Wir würden Ihnen
übrigens empfehlen, sich „Das
Lehr=
buch der Briefmarkenkundeg von
Theodör Haas anzuschaffen. Es gibt
Aufschluß über alle wichtigen
philate=
listischen Fragen und ist zum PPreise
von § M. — 30 Pf. Inland=Porto von
uns zu beziehen. Das Werk ist
588 Seiten stark und reich illustriert.
Fr. v. M. in München. Oberst
Bo=
lognesi, dessen Bildnis sich auf der
peruanischen Marke § Cts. hellblau 1885
und auf der 2 Cts. rot von 1901
be=
findet, war nicht,
wie Sie glauben,
ein Präsident von
Peru. Im
chile=
nisch=peruanisch.
Kriege war er
Be=
fehlshaber der
FestungArica, Als
die Chilenen diese
belagertenundihn
aufforderten, sich
zuergeben,
daant=
wortete der tapfere Soldat: „Solange
ich noch eine Patrone zu verschießen
habe und solange ich 5ch am Leben
bin, wird die Festung nicht übergeben
werden'g Erst nach tapferster
Ver=
teidigung, und nachdem Oberst
Bo=
lognesi mit der ganzen Besatzung
ge=
fallen war, konnten die Chilenen die
Festung in Besitz nehmen. Dem
tapferen Verteidiger von Arica wurde im
Jahre 1903 in Lima ein Denkmal gesetzt.
Prohen aus uns, grofi. Satznreislister
20 Agypten . 0.56
25 Argentin. 0.80
82 Australien 1.50
15 Bosnien . 0.55
15 China . . 1.00
15 Finnland. 0.60
22 Griechld. 0.65
20 Guatemal. 0.95
32 Japan . . 0.85
30 Türkei . . 0.95
46 Dsch. Kol. 3.15
Kasse voraus.
9 Liberia . . 0.90
18 Luxembg. 0.65
25 Mexiko., . 1.00
17 Montngr. 2.00
20 Java . . . 0.70
25 Persien . . 1.00
26 Peru . . . 1.20
30 Rumänien 0.60
52 Spanien . 1.10
Sardinien. O.30
21 Bulgarien 0.75
— Porto extra.
Unsere große Preisliste (160 Seiten stark) über
billige Sätze, Sammler=Hilfsmittel und Briefmarken=Albums
fügen wir der auf Seite 1 (unten) offerierten Probenummer gratis bei!
Oe
Baden 1862. 30 Kreuzer orange
. (Kat.-Nr. 22) * nur M.
do. Landpost=Porton, 12 Kreuzer schw. a. gelb
3 X . „
Bayern 1849/58. 12 Kreuzer rot .
6 X „ „
Braunschweig 1861/63. ½Gr. schwarz a. grün
10 X „ „
1865. ½ Groschen ’chwarz
19 X „ „
heihraun
, 22 * „ „
Deutsches Reich 1872. 7 Kr. biet
„ 26 X „ „
1872. 18 Kreuzer graubraur .
28 X . „.
1874. 2½ auf 2½ Gr. rötlichraun
29 X „ „
9auf 9 Kr. rötlichbraun
,
50 X „
Elsaß-Lothringen 1870. 1 Cent, olivgrü mit verkehrtem Netzwerk
Gelegenheitskauf Anur M. 20.−
Großbritannien 1840. 1 Penny schwarz
Hamburg 1864/65. 9 Schill. zitronengelb
1866. 1½ Schill. karminrosa .
1867. 2½/2 „ olivgrün
Tat.=Nr. 1) O nur M.
, 18 X „ „
21 X „ „
22 * „ „
1e. 1. 1, 3. Schill, d. vollet. Satzvon
Originale! 5 ungebr. We, in Original. m. Gummi
nur 10 M., de wir einen gleichen Satz
Dergedetl 1861.
in Neudr. zu stljenzw. gratis beifügen.
Heigoland 1867. 6 Schl grünfret.
1873. 3/ Schill. grün und rot .
1875. 1 Pf. d rot/d grün
2 Pf. d grün/d rot . . . .
Luxemburg 1906. 87½ C. bl’schiefer
Mecklenburg=Strelitz 1864. 3 Sgr. hellbraun
Nordd. Postbezirk. Stadtpost Hamburg
½ Schilling .
do. Dienstm. 1870. ½ Gr. schw. u. brl.
Oldenburg 1862. 2 Groschen blau
Preußen 1866. 10 Silbergr. rosa
Sachsen 1856/57. 2 Ngr. schw. a. blau
Thurn u. Taxis 1859/61. 5 Sgr. lila
do. 10 Sgr. orange
do. 30 Kr. orange
. . (Kat.=Nr. 4) X nur M. —.4.
Salvador
1909/10, Nationalpalast. 1—100 Gent., Metänd.
Reihe von 12 Werten .
Dienstmarken, 1—100 Cent,, vollständ. Khe von
. . K nuM. 1.75
10 Werten .
* nurf, 1.75
Dienstmarken 1910, Kopfzeichnung. 2—100 Cent., vollständigezeihe
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Hauses Gebrüder Senf in Leipzig. Das enorme Lager gestattet, solche auchn die
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sammenstellungen je nach Wunsch. Nur verbürgt echte, von allem anhaftden Papier
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haltung unserer Marken stützt sich hauptsächlich der Weltruf unserer Firma. Der
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schaffung aller erscheinenden Neuheiten ist unsere besondere Aufmerksamkeit geqmet,
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folge direkter Massen=Bezüge vermögen wir alle Neuausgaben sehr billig zu Vehufen und
machen darin Liebhabern gern monatliche Auswahlsendungen.
JMr
2
Richard Petersen, Großbuchdruckerei, Hannover=Ricklin,