Darmstädter Tagblatt 1912


29. Januar 1912

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175. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 12 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Der Kaiſer ſetzte einen Geldpreis von 50000 Mark für
den beſten Flugzeugmotor aus.
Die Wahlkrawalle in Schwetz haben einen ſo
ernſten Charakter angenommen, daß der Belage=
rungszuſtand
über Schwetz verhängt wurde.
Der kroatiſche Landtag iſt aufgelöſt worden.
Die Italiener haben abermals einen fran=
zöſiſchen
Poſtdampfer beſchlagnahmt,
aber alsbald wieder freigelaſſen.
Imfranzöſiſchen Miniſterrat erklärten die Mi=
niſter
, der franzöſiſch=italieniſche Zwiſchenfall ſei zur
Zufriedenheit beider Länder beigelegt.
Die belgiſche Kammer nahm einen Antrag an, die
Regierung zu erſuchen, auf eine baldige Löſung des
Konfliktes zwiſchen den Grubenbeſitzern und Bergarbei=
tern
zu dringen.
Das engliſche Königspaar iſt von Malta ab=
gereiſt
.
Der norwegiſche Lagthing nahm den Geſetz=
entwurf
, betr. die Zulaſſung der Frauen zum
Staatsdienſt, an.
Die Spitzbergenkonferenz in Kriſtiania iſt be=
endet
.
Zwiſchen Argentinien und Paraguay iſt der
Kriegszuſtand erklärt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Die künftigen Mehrheitsbildungen
im Reichstag.

** Der Köln. Ztg. wird aus Berlin geſchrieben:
Was die künftigen Mehrheitsverhältniſſe im Reichs=
tag
anlangt, ſo wird eine feſte parlamentariſche
Mehrheit nach keiner Richtung vorhanden ſein; es
entſpricht das der tiefbedauerlichen Zerklüftung unſerer
Parteiverhältniſſe, die, wie das neulich Graf Poſadowsky
in überzeugender Weiſe ausführte in erſter Linie einer
wirklichen Geſundung unſeres politiſchen Lebens entge=
genſteht
. Eine andere Frage iſt, ob dieſer neue Reichs=
tag
, we von manchen Seiten befürchtet wird, arbeits=
unfähig
ſein wird oder nicht. Es liegt auf der Hand,
daß die Regierung mit dem Reichstag rechnen muß, den
ihr die Wähler geſchickt haben. Wir möchten glauben, daß
ſie, obgleich ihr das Ergebnis der Wahlen unerwünſcht iſt,
ſich doch nicht gleich mit Auflöſungsgedanken tragen, ſon=
dern
daß ſie verſuchen wird, mit dem neuen Reichstag ſo
gut zu arbeiten, wie es eben angeht. Bei dem Fehlen
der feſten Mehrheit iſt ſie auf wechſelnde Meyr=
heiten
angewieſen; ein unbequemes, vielfach unſchd:
wirkendes Spiel, das aber praktiſch nicht zu vermeiden
ſein wird. Für die ſogenannten nationalen Fragen, be=
ſonders
für die der Landesverteidigung, wird ſie unter
den obwaltenden allgemeinen Verhältniſſen unſchwer
eine Mehrheit finden, wenn ſie es vermeidet, den Bogen
zu überſpannen und mit übertriebenen Anforderungen an
den Reichstag heranzutreten. In ſolchen Fällen dürfte
der ſchwarzblaue Block mit den Nationalliberalen und,
wie wir hoffen, auch mit den Freiſinnigen zuſammen=
ſtehen
. Anders dürfte es ſich bei wirtſchaftlichen Fragen
geſtalten, in denen extrem konſervative Beſtrebungen eine
Mehrheit der Linken gegen ſich finden würden. Für eine
ruhige und maßvolle Fortſetzung unſerer Wirtſchafts=
politik
, die heute zu feſtgewurzelt iſt, um mit einem Strich
über den Haufen geworfen zu werden, wird auch die
große Mehrheit der Liberalen zu haben ſein. Es würde
ſich das noch leichter geſtalten, wenn auch die Konſerva=
tiven
ihre Forderungen auf eine annehmbare Mittellinie
herabſtimmten, wozu allerdings unter Führung des Herrn
von Heydebrand kaum Ausſicht vorhanden iſt. Außer=
ordentlich
ſchwieria dürfte ſich die Entſcheidung geſtalten
bei großen, grundlegenden Fragen, die unſer geiſtiges
Leben bewegen. Wir halten es für wahrſcheinlich, daß
die Regierung ihrer Beantwortung und Löſung möglichſt
aus dem Wege gehen wird. und es iſt nicht zu vergeſſen.
daß ſie bei der Zuſammenſetzung des Reichstags auch
nicht anders handeln kann. Endlich iſt noch eine andere
Möglichkeit nicht aus dem Auge zu laſſen, daß nämlich=
das
Zentrum im Laufe der Entwickelung in immer ſtär=
kerem
Grade ſein demokratiſches Herz entdeckt und ſich
in einzelnen Fragen zu einem Zuſammengehen mit den
Sozialdemokraten bereit finden, läßt, namentlich wenn
dieſe ſich einigermaßen nach der opportuniſtiſchen Seite
auswachſen. Man ſieht alſo, daß ſich die vielfältigſten
Möglichkeiten für Kombingtionen und Permutatione=
ten
die es ſchließlich nicht unmöglich erſcheinen

daß dieſem Reichstag ein längeres Leben beſchieden iſt,
als man jetzt vielfach annimmt.
Die Gegner des ſchwarz=blauen Blocks zählen für den
roſa=roten Block, wie die neue Mehrheit ſo hübſch
betitelt wird, 202 Stimmen heraus, indem ſie zu der ei=
gentlich
nur vorhandenen Mehrheit von 198 die 4 Stim=
men
des Bayeriſchen Bundes und der Lothringer
hinzunehmen. In den vorſtehenden Betrachtungen iſt der
Umſtand zu wenig berückſichtigt worden, daß das Zen=
trum
und die Sozialdemokraten mit ihren 203
Stimmen die ganze Situation im neuen Reichstag beherr=
ſchen
, ferner, daß das Zentrum viel mehr ausſchlaggebend
ſein wird, als früher, da es ſowohl mit den Sozialdemokra=
ten
, als auch mit den anderen bürgerlichen Parteien eine
Mehrheit bilden kann. Dies wird von dem Zentrum ab=
hängen
, ebenſo wird die,Entſcheidung in allen den Fäl=
len
, wo die Sozialdemokraten ihre poſitive Mitarbeit
verſagen, wie z. B. in allen nationalen Fragen und beim
Etat, vom Zentrum abhängen. So iſt durch die Demon=
ſtrationswahlen
vom Januar dieſes Jahres die Macht=
ſtellung
des Zentrums tarſächlich geſtärkt
worden, obwohl es 10 Mandate verloren hat.

Die Beilegung des franzöſiſch=italieniſchen
Konfliktes.

* Die Agenzia Stefani veröffentlicht folgende
Note: Der franzöſiſche Botſchafter Barrére und der Mi=
niſter
des Aeußern Marquis di San Giuliano haben die
Umſtände, die vor und nach der Beſchlagnahme und der
Durchſuchung zweier auf der Fahrt von Marſeille nach
Tunis befindlicher franzöſiſcher Dampfer durch einen ita=
lieniſchen
Kreuzer eingetreten ſind, in dem Geiſte großer
Herzlichkeit geprüft und ſind erfreut geweſen, vor jeder
anderen Ueberlegung übereinſtimmend feſtſtellen zu kön=
nen
, daß bei keinem der beiden Länder irgend eine Ab=
ſicht
daraus hervorgehe, die den Gefühlen aufrichtiger
und beſtändiger Freundſchaft, die ſie verbinden, zuwider
ſei. Der franzöſiſche: Kabinettsrat iſt am
Freitag nachmittag im Miniſterium des Aeußern unter
dem Vorſitz Poincarés zuſammengetreten, um die Ant=
wort
des franzöſiſchen Botſchafters in Rom Barrère zu
prüfen. Der Kabinettsrat ſchloß gegen 8,15 Uhr. Die
Miniſter erklärten, als ſie ſich zurückzogen, der franzö=
ſiſch
=italieniſche Zwiſchenfall ſei zur Zu=
friedenheit
beider Länder beigelegt. Wie verſichert
wird, wird der franzöſiſche Poſtdampfer Carthage von
der franzöſiſchen Regierung Befehl erhalten, die türkiſchen
Paſſagiere in Cagliari abzuholen, um ſie nach Marſeille
zurückzubringen. Poincaré benachrichtigte Barrère davon
nach Schluß des Miniſterrats, daß die 29 Türken, die ſich
an Bord der Manuba befanden und in Cagliari an
Land gebracht wurden, dem franzöſiſchen Konſul dieſer
Stadt ausgeliefert werden. Dieſer wird ſie nach Frank=
reich
, nach Le Frioul, bringen, wo ihre Perſonalien durch
die franzöſiſche Regierung geprüft werden. Alle grund=
ſätzlichen
, rechtlichen Fragen, die durch die beiden Vor=
fälle
aufgeworfen ſind, werden dem Haager Schieds=
gericht
unterbreitet.
Die meiſten Pariſer Blätter äußern ihre Befriedi=
gung
über die Regelung der Zwiſchenfälle von Cagliari
und loben bei dieſem Anlaß abermals die verſöhnliche
und zugleich feſte Haltung Poincarés und ſprechen die
Ueberzeugung aus, daß die franzöſiſch=italieniſchen Be=
ziehungen
ihren früheren vertrauensvollen Charakter wie=
dergewinnen
werden.

Deutſches Reich.

Entlaſtung der auswärtigen Lage.
Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung teilt mit: Nach=
dem
ſich die franzöſiſche Senatskommiſſion für den Ma=
rokko
=Vertrag ausgeſprochen hat, iſt auch an der Zuſtim=
mung
des Senats nicht mehr zu zweifeln. Wir ſtehen ſo=
mit
endlich nahe dem Abſchluß einer Aktion, in deren
ſchwierigem Verlaufe es an Unruhe nicht gefehlt hat. Trotz
mancher unerfreulichen Erſcheinung iſt ſchließlich die Ab=
ſicht
der beiden Regierungen, die marokkaniſche Frage
durch einen friedlichen und freundlichen Ausgleich zu er=
ledigen
, erfolgreich gegen chauviniſtiſche Regungen, wie
die Debatten gerade in letzter Zeit in der franzöſiſchen
eitigt haben, durchgedrungen. Die auswärtige

Lage erfährt dadurch ohne Zweifel eine erhebliche Ent=
laſtung
, und es iſt zu erwarten, daß die Erörterung
über die Beziehungen der Mächte zueinander wieder all=
gemein
in beſonnene ruhige Bahnen einlenken wird, wie
es der Haltung der Regierung entſpricht.
Ueber die Tätigkeit des neuen Reichs=
tages
wird der Täglichen Rundſchau mitgeteilt: Die
erſte Sitzung wird Mittwoch, den 7. Februar, mittags,
einberufen werden, nachdem im Weißen Saale die Thron=
rede
verleſen und für die beiden Konfeſſionen Gottes=
dienſt
abgehalten iſt. Die Tagesordnung der erſten
Sitzung ſoll ganz kurz ſein. Der Alterspräſident
werde die Beſchlußfähigkeit des Hauſes feſtſtellen und die
folgende Sitzung für Donnerstag, den 8. Februar, anbe=
raumen
. Am 8. Februar werden das Präſidium, die
Schriftführer und die Quäſtoren gewählt werden. Die
Fraktionen werden nach der erſten Plenarſitzung zuſam=
mentreten
, um zur Präſidentenwahl Stellung zu nehmen.
Als bevorzugte Anwerber hierzu nennt man den Grafen
von Schwerin=Loewitz und dann den Grafen Poſadowsky.
Graf v. Schwerin=Loewitz habe mehr Chancen, trotzdem
er der jetzt viertſtärkſten Fraktion angehöre; denn die Ge=
pflogenheit
, den Präſidenten der ſtärkſten Fraktion zu ent=
nehmen
, iſt ſchon wiederholt durchbrochen worden. Graf
v. Schwerin=Loewitz iſt ſehr beliebt und wegen ſeiner ge=
rechten
Geſchäftsführung auch von der Sozialdemokratie
geſchätzt. Der neue Präſident werde vorausſichtlich die
3. Sitzung auf Montag, den 12. Februar, feſtſetzen, damit
ſich die Abgeordneten über den Etat informieren können.
Für die erſte Leſung des Etats, die mit einer großen
Rede des Schatzſekretärs eingeleitet werde, rechnet man
auf 10 bis 12 Tage. Die Regierung wird ihren Einfluß
dahin geltend machen, die Etatberatung derart zu be=
ſchleunigen
, daß der Staatshaushaltsetat bis zum 1. April
verabſchiedet iſt.
Die Verluſtliſte der Parteiführer.
Eine ungewöhnlich große Anzahl hervorragender Partei=
führer
iſt diesmal auf der Wahlſtatt geblieben. So ziem=
lich
alle Parteien haben den Verluſt von Männern zu be=
klagen
, die Jahre, zum Teil Jahrzehnte hindurch, in der
vorderſten Reihe ihrer Kämpfer geſtanden haben. Dieſe
Verluſte verteilen ſich auf die verſchiedenen Fraktionen.
Beginnen wir mit der konſervativen Partei: Nachdem
ſchon in der Hauptwahl Dr. Hahn, der Direktor des Bun=
des
der Landwirte, ausgefallen und ſein engerer Kollege
Dr. Roeſicke ſowohl in der Stichwahl in Oldenburg=Plön
wie in derjenigen in Kaiſerslautern unterlegen war, ſind
auch die Herren von Richthofen und von Oldenburg von
ihren Gegnern geſchlagen worden. Die Reichspartei hat
Herrn Höffel, die Reformpartei Herrn Lattmann ver=
loren
, und das Zentrum beklagt vor allen Dingen die
Niederlage Trimborns in Köln. Am längſten jedoch iſt
die Verluſtliſte der Nationalliberalen: weder Dr. Streſe=
mann
noch Wachhorſt de Wente, weder Dr. Arning noch
Herr Everling kehrten in den Reichstag zurück. Für die
Fortſchrittliche Volkspartei iſt vor allen Dingen das Aus=
ſcheiden
Naumanns aus dem parlamentariſchen Leben von
großer Bedeutung; ſie hat außerdem ihren offiziellen Füh=
rer
, Dr. Wiemer, verloren, ſowie Dr. Mugdan, Juſtizrat
Gyßling und Prof. Eickhoff. Die Sozialdemokratie end=
lich
muß ſich in Znkunft ohne die Herren Geck, Eichhorn
und Hué behelfen.
Die Stichwahlen in drei Raten. Es iſt
allgemein aufgefallen, daß diesmal die Reichstags= Stich=
wahlen
nicht auf einen Tag gelegt, ſondern ſcheinbar ab=
ſichtlich
auf drei Termine verteilt waren. Die Königs=
berger
Allgemeine Zeitung ſchreibt darüber ſehr richtig:
Es iſt unzweifelhaft, daß Herr von Bethmann Holl=
weg
ſich über die Stimmung der Wählerſchaft arg ge=
täuſcht
hat; doch kann er ſich gut damit tröſten, daß es
ſehr vielen anderen Leuten ebenſo gegangen iſt, z. B.
Herrn Bebel, der ja auch ein allgemeines Zuſammenrücken
der Bürgerlichen nach der Hauptwahl prophezeit hat. Die
Verbitterung zwiſchen rechts und links hat ſich aber viel=
fach
als zu ſtark erwieſen, um die Furcht vor der roten
Gefahr wirkſam werden zu laſſen. Der fein eingefädelte
Plan, durch die Verteilung der Stichwahlen auf drei Ter=
mine
die Einigung der Bürgerlichen zu erzwingen, iſt völ=
lig
mißglückt; ja er hat die gegenteilige Wirkung ausge=
übt
. wie die von den Konſervativen und dem Zentrum
betriebene Auslieferung zablreicher liberaler Mandate an
Welfen und Sozialdemokraten beweiſt. Man darf alſo
die dringende Erwartung ausſprechen, daß dieſe Praxis,

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2.

Darmſtädter Tagblatt, Muntag, den 29. Januar 1912.

Nummer 24.

die nur das Unmoraliſche des Stichwahlſyſtems hervor=
hebt
, nie wiederkehren wird.
Der letzte Stichwahltag hat den hier geſchilderten
Eindruck noch verſtärkt, da der Sozialdemokratie von der
Rechten wie der Linken 11 Mandate zugeſchanzt wurden
die ſie ohne die Rachetaktik nicht erhalten hätte. Von die=
ſen
wäre wahrſcheinlich mindeſtens ein Teil für die bür=
gerlichen
Parteien gerettet worden, wenn die Stichwahlen
ſämtlich an einem Tage ſtattgefunden hätten.
Die Sozialdemokratie nach der
Wahl. Der Vorwärts erklärt, die Sozialdemokratie
bleibe die Vertreterin der Intereſſen der Arbeiterklaſſen
und werde ſich auch in den Tagen des Sieges nicht än=
dern
. Für die Machtmittel des bürgerlichen Staates, für
die imperialiſtiſche Politik habe ſie heute wie geſtern kei=
nen
Mann und keinen Groſchen übrig.
Die bayeriſchen Landtagswahlen.
Die Münchener Neueſten Nachrichten veröffentlichen eine
Statiſtik, wonach bei den am 5. Februar bevorſtehenden
bayeriſchen Landtagswahlen das Zentrum mit der Mög=
lichkeit
eines Verluſtes von über 30 Mandaten durch den
Großblock zu rechnen habe.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Die politiſche Lage in Ungarn. Finanz=
miniſter
Lucas erörterte im ungariſchen Abgeordneten=
hauſe
bei der Beratung des Finanzgeſetzes die politiſche
Lage. Er bekämpfte die Forderung der Juſthpartei, daß
die Wahlreform noch vor Erledigung der Wehrreform im
Abgeordnetenhauſe vorgelegt werden ſoll. Regierung
und Partei ſeien durch feierliche Zuſage gebunden, auch
nach Erledigung der Wehrvorlage die Wahlreform durch=
zuführen
. Durchaus unparlamentariſch ſei es, daß die
Minorität die Forderung mittels Obſtruktion erzwingen
wolle. Die Obſtruktion ſei ein Gewaltakt, dem man ge=
waltſam
zu begegnen pflege. Die Regierung ſei nicht
abgeneigt, im Wege friedlicher Vereinbarung die Arbeits=
fähigkeit
des Hauſes herzuſtellen, ſcheue jedoch nicht vor
dem Kampf zurück. Falls andere Mittel fruchtlos blieben,
werde ſie ſich genötigt ſehen, an die Wähler zu appellieren.
England.
Die politiſche Lage: In einer großen Partei=
verſammlung
in der Alberthall ſprach der konſervative
Parteiführer Bonar Law über die politiſche Lage
und über die auswärtigen Beziehungen Eng=
lands
und ſagte folgendes: Ich will nicht, was ich
kaum nötig habe zu ſagen, an den ſinnloſen Angriffen
auf den Staatsſekretär des Aeußern mich beteiligen, die
jetzt von der eigenen Parteipreſſe auf ihn gerichtet wer=
den
. Aber was ſind die Tatſachen der Lage? Die all=
gemeine
Anſicht, die ich teile, iſt, daß wir im letzten
Sommer am Rande eines Krieges waren. Der Zwiſchen=
fall
von Marokko hat ohne Krieg geendet. (Beifall.) Aber
er endete auch damit, daß unſere franzöſiſchen Freunde
Vorteile bekamen, während wir alles Uebelwollen be=
kamen
. (Beifall.) Das iſt ein ſeltſames Ergebnis. Was
iſt die Erklärung?=Wir trieben am Rand des Krieges
aus denſelben Gründen, die uns in den Krimkrieg hinein=
trieben
, wir trieben dem Kriege entgegen, weil nicht nur
radikale Abgeordnete, ſondern die einflußreichſten Män=
ner
der Regierung Reden hielten, die fremde Nationen
glauben machten, und ich glaube, daß ſie dazu Grund hat=
ten
daß unſere Regierung niemals unſere Anſprüche mit
Gewalt durchſetzen wollte, wörtlich: That this gouver=
nement
would never assert our rights by force! (Beifall.)
Von allen Schuldigen war, glaube ich, der Schatzſekretär
der ſchlimmſte. Ich habe ihn wegen ſeiner Manſionhouſe=
Rede im letzten Sommer nicht getadelt, möglicherweiſe
war ſie für ihn das einzige Mittel, um das Uebel wieder
gut zu machen, das er ſelbſt verurſachte. Vielleicht hat
uns dieſe Rede vor dem Kriege bewahrt, aber ſie be=
wahrte
uns nur dadurch davor, daß ſie in Deutſchland
einen Grad des Uebelwollens hervorrief, das zu beſeitigen

Jahre, vielleicht eine Generation, vernünftiger Staats=
unſt
brauchen wird.
Bemühungen um die Freundſchaft
Deutſchlands. Der Lordmajor von London hat un=
längſt
an alle Bürgermeiſter Englands einen Aufruf ge=
richtet
, der ſie auffordert, auf eine Verbeſſerung des Ver=
hältniſſes
zwiſchen Deutſchland und England hinzuarbei=
ten
. Das engliſch=deutſche Freundſchaftskomitee leitet im
Anſchluß an dieſen Aufruf eine organiſierte deutſch= freund=
liche
Kampagne über ganz England ein. In allen großen
Städten des Vereinigten Königreichs ſollen große öffent=
liche
Verſammlungen einberufen werden, auf denen die
Möglichkeit der Wiederannäherung der beiden Nationen
erörtert werden ſoll. Das erſte derartige Meeting, auf
dem als Hauptredner der frühere engliſche Botſchafter in
Berlin, Sir Franc Lascelles, ſprechen wird, iſt nach Glas=
gow
einberufen. Bei der Verſammlung der London=
City and Midlandbank in London hielt der Bankdirektor
Edward Holdan eine Anſprache, in der er auf die Schwie=
rigkeiten
hinwies, welchen Deutſchland bei weiteren Land=
erwerbungen
außerhalb des eigenen Gebietes begegne.
Nichts beſſeres könne für die Finanzen der ganzen Welt
geſchehen, als wenn Deutſchland mehr Rückſicht erwieſen
würde. Wir wünſchen nicht, erklärte der Redner, daß
Deutſchlands wirtſchaftliche Tätigkeit gelähmt werde,
ebenſo wie wir nicht wünſchen würden, daß unſere eigene
wirtſchaftliche Tätigkeit gelähmt wird. Aber falls ein
Krieg ausbrechen ſollte, würde dies ſicherlich ein Unglück
bedeuten und zugleich den Zuſammenbruch des Finanz=
ſyſtems
der ganzen Welt.
Belgien.
Der Ausſtand der Grubenbeſitzer. Da
die Grubenbeſitzer in der Borinage das von den ſtreikenden
Bergarbeitern vorgeſchlagene Schiedsgericht auch trotz
des Vermittlungsverſuchs des Arbeitsminiſteriums wieder=
holt
ablehnten, nahm die Kammer auf Antrag der
Sozialiſten einſtimmig die Tagesordnung an, worin der
Wunſch ausgeſprochen wird, die Regierung möge auf eine
baldige Löſung des Konflikts dringen.
Norwegen.
Die Zulaſſung der Frauen zum Staats=
dienſt
. Der Lagthing nahm den vom Odelsthing
bereits genehmigten Geſetzentwurf, betreffend die Zulaſ=
ſung
von Frauen zu Staätsämtern an und beſchloß, das
Geſetz dem König zur Sanktionierung zugehen zu laſſen.
Die Spitzbergenkonferenz. Die norwegiſchen,
ruſſiſchen und ſchwediſchen Delegierten, die am Freitag die
Verhandlungen über Spitzbergen in Chriſtiania abge=
ſchloſſen
haben, einigten ſich dem Vernehmen nach über
eine Reihe von Aenderungen zu dem Konventionsentwurſ
über Spitzbergen, der von den Delegierten der drei Län=
der
im Jahre 1910 in Chriſtiania ausgearbeitet und
darauf den übrigen intereſſierten Mächten zugeſtellt wor=
den
iſt. Die Abänderungen wurden durch die Bemer=
kungen
veranlaßt, welche verſchiedene Mächte zu dem Kon=
ventionsentwurf
äußerten.
Amerika.
Krieg zwiſchen Argentinien und Para=
quay
. Ein Telegramm des argentiniſchen Geſandten
in Aſuncion meldet, er habe von der Regierung Para=
guays
auf ſeine Vorſtellungen wegen der Uebergriffe auf
argentiniſches Eigentum keine Antwort bekommen und
ſich infolgedeſſen mit dem Perſonal der Geſandtſchaft an
Bord des argentiniſchen Flußkanonenboots Parana be=
geben
, das am Sonntag in Buenos Aires erwartet wird.
Mit der Abberufung des argentiniſchen Geſandten aus
Aſuncion iſt der Kriegszuſtand zwiſchen Argentinien und
Paraguay erklärt. Es heißt, die Revolution bedeute für
Paraguay den Anfang vom Ende. Argentinien würde
im Einverſtändnis mit Braſilien die Hand auf Paraguay
legen und eine zweite Teilung des Pufferſtaats zwiſchen
Braſilien und Argentinien würde Paraguay von der
Landkarte verſchwinden laſſen. Militäriſch iſt Paraguay

Argentinien nicht gewachſen. Argentinien hat im Frieden
in drei Diviſionen 20000 Mann und 1500 Offiziere; der
Kriegszuſtand ſieht mit den Reſerven von zehn Jahr=
gängen
ein Feldheer von 170000 Mann, eine Landwehr
(Nationalgarde) von 215000 Mann und einen Landſturm
(Territorialgarde) von 68000 Mann vor. Die Flotte
beſteht aus 46 Fahrzeugen mit 5132 Mann Beſatzung,
darunter 4 Panzerkreuzer und 3 geſchützte Kreuzer.
Paraguays Heer hat eine Friedensſtärke von 2500 Mann
und 100 Offizieren. Die drei Flußfahrzeuge, darunter ein
Aviſo, haben 12 Offiziere und 100 Mann. Dazu iſt
Paraguay durch die Erhebung des auf der Zebrugge
heimlich aus Belgien nach Aſuncion zurückgekehrten frü=
hern
Präſidenten Jara gegen Rojas und durch die un=
zuverläſſige
Haltung der übrigen Parteiführer unheilvoll
zerriſſen. Gleichwohl dürfte der jetzt ausgebrochene Krieg
nicht ſo bald zu Ende ſein. 1865 hat der Diktator Lopez
den Kampf gegen Braſilien, Argentinien und Uruguay
fünf Jahre ausgehalten. Die Zerſtückelung (die erſte
Teilung) Paraguays wurde nach dem Frieden mit Bra=
ſilien
(April 1872) und Argentinien=Uruguay (Oktober
1872) durch die Vereinigten Staaten verhindert.
Afrika.
Das Parlament der Südafrikaniſchen
Union wurde vom Generalgouverneur eröffnet mit einer
Thronrede, die die finanzielle und wirtſchaftliche Lage
als günſtig bezeichnet. Gleichzeitig wird ein Geſetzent=
wurf
über die Landesverteidigung in Ausſicht geſtellt.

* Haag, 26. Jan. Der Geſundheitszuſtand
der Königin iſt bollkommen zufriedenſtellend. Bul=
letins
werden nicht mehr ausgegeben.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 29. Januar.

* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
dem Architekt Edmund Körner zu Darm=
ſtadt
den Charakter als Profeſſor.
* Perſonalien. Durch Entſchließung Großh. Mi=
niſteriums
des Innern iſt dem bei der Landesver=
ſicherungsanſtalt
endgültig angeſtellten Friedrich Albert
auf Grund des § 22 der Bekanntmachung vom 21. De=
zember
1911 (Reg.=Bl. Seite 595) die Genehmigung
erteilt worden, die dienſtliche Benennung Kanzliſt zu
führen.
Weibliche Handwerker. Wie die Handwerkskam=
mer
bereits bekannt gegeben hat, ſind die weiblichen
Handwerker unter die Vorſchriften der Handwerkskammer
einbezogen worden. Die Beſtimmungen der Gewerbe=
ordnung
über das Lehrlingsweſen, über die Ablegung
der Geſellen= und Meiſterprüfung und über die Befug=
nis
zum Halten und Anleiten von Lehrlingen finden da=
her
nunmehr auch Anwendung auf die weiblichen Hand=
werker
. Nach Anhörung von Sachverſtändigen der ver=
ſchiedenen
, zunächſt in Betracht kommenden Gewerbe und
entſprechenden Beratungen wurde die Feſtſetzung der
Lehrzeit für weibliche Lehrlinge wie folgt beſchloſſen:
Für Weißnäherinnen, Putzmacherinnen und Damen=
friſeuſen
2 Jahre, für alle übrigen Gewerbe (z. B. Da=
menſchneiderinnen
) 3 Jahre‟. Die Arbeitgeber weib=
licher
Lehrlinge ſind verpflichtet, die vorgeſchriebenen
Beſtimmungen über die Lehrzeit einzuhalten. Alle weib=
lichen
Lehrlinge ſind binnen vier Wochen nach Beginn
der Lehre bei der Handwerkskammer anzumelden; gleich=
zeitig
iſt ein Exemplar des dreifach auszufertigenden
Lehrvertrags einzureichen. Ferner ſind die Arbeitgeber
weiblicher Lehrlinge verpflichtet, die Meiſterprüfung ab=
zulegen
, ſoweit ihnen nicht die Befugnis zum Anleiten von
Lehrlingen nach Antrag von den Verwaltungsbehörden
weiter verliehen wurde. Während einer aus Billigkeits=
gründen
bis 1. Oktober 1913 feſtgeſetzten Uebergangszeit
können weibliche Handwerker zu den Geſellen= und Mei=
ſterprüfungen
auch dann zugelaſſen werden, wenn ſie die
vorgeſchriebene Lehr= und Geſellenzeit oder die Ableg=
ung
der Geſellenprüfung nicht nachzuweiſen vermögen.
Zuwiderhandlungen gegen die auf Grund der Reichs=
gewerbeordnung
erlaſſenen Vorſchriften unterliegen geſetz=
licher
Strafe.
* Exkurſion. Vorige Woche beſuchte Herr Prof. Dr.
Höhler mit Studierenden der Techn. Hochſchule die Treib=
riemenfabrik
von Herm. Heinmüller, Darmſtadt. Es wurde
die neue automatiſch wirkende Kontroll= Streck= und Ein=
laufmaſchine
im Betrieb vorgeführt. Auf dieſer neuen
Maſchine laufen die Riemen zur Probe und zwar unter
der 34=fachen normalen Belaſtung. Gle chzeitig werden
dieſelben rend des Laufes geſtreckt, ſodaß die Riemen

Der Ur=Chantecler.

(2 Dem Roſtandſchen Chantecler iſt bekannt=
lich
nur eine verhältnismäßig kurze Bühnenlaufbahn be=
ſchieden
geweſen, die durch die Pariſer Preſſe aufgepeitſchte
Begeiſterung iſt verraucht und man hört nichts mehr von
dieſem Werk, das noch vor Jahresfriſt in Frankreich als
eine der größten Leiſtungen der Dichtkunſt geprieſen wurde.
Dem Werke wäre, zumindeſt in Frankreich, gewiß ein ſtär=
kerer
und ehrlicherer Erfolg zugefallen, wenn das Publikum
die Dichtung Roſtands in ihrer wahren urſprünglichen Ge=
ſtalt
kennen gelernt hätte. Denn der Chantecler, der im
Port St. Martin=Theater aufgeführt und dann als Buch
veröffentlicht wurde, iſt gar nicht der wirkliche Chantecler,
iſt eine Bearbeitung, bei der Roſtand auf Drängen
ſeiner Freunde und der Zenſur ſo tief einſchneidende
Aenderungen vorgenommen hat, daß aus den urſprüng=
lichen
Verſen in einigen Akten überhaupt nur wenige
Zeilen erhalten geblieben ſind. Dieſer echte Chantecler,
der Ur=Chantecler, hat nur wenigen Eingeweihten
vorgelegen, darunter auch einem bekannten italieniſchen
Dichter, der für eine Uebertragung des Werkes in die
italieniſche Sprache intereſſiert werden ſollte. Bei ihm hat
Vico Mantegazza dieſe urſprüngliche Faſſung des Stückes
kennen gelernt und er verrät darüber im Corriere della
Sera eine Reihe von Einzelheiten, die beſonders in Deutſch=
land
intereſſieren werden.
Das Werk hatte damals eine ausgeſprochene deutſch=
feindliche
Tendenz und ſußte in einem weſentlichen
Teil der Handlung auf den Ereigniſſen von
1870/71. Die Handlung war viel konzentrierter und
packender, die ſzeniſchen Einzelheiten, die ſpäter eine domi=
nierende
Stellung errangen, fehlten in der urſprünglichen
Faſſung faſt ganz, die Geſellſchaft bei dem Perlhuhn im
deitten Akte iſt erß nachträglich hineingedichtet worden, da=

egen aber enthielt der Akt mit dem Zweikampf zwiſchen
Chantecler und dem weißen Hahn ſo ſtarke und charakteri=
ſtiſche
Anſpielungen auf die politiſchen Vor=
gänge
des Jahres 1870, daß die nationaliſtiſche
Symbolik alles überſchattet.
Der zweite Akt ſpielte in dem Gipfel eines großen
Baumes, einer morſchen Eiche. Auf deren Aeſte ſaßen, wie
auch in dem heute veröffentlichten Buch, die Nachtvögel
und ſchmiedeten ihre Intrige gegen Chantecler: hier ent=
hielt
jeder Vers in der Urfaſſung Anſpielungen auf die Er=
eigniſſe
von 1870 und in einzelnen Nachtvögeln erkannte
man ſofort die ſtark verzerrte Symboliſierung führender
deutſcher Perſönlichkeiten. In dem Grand Duc, der den
Hymnus an die Nacht deklamiert, war deutlich Bismarck
zu erkennen, und der andere Vogel, der den Verſchwörern
den genauen Schlachtplan darlegt, war eine Karikatur
Moltkes. Am Schluß der Verſchwörungsſzene kam es
zu einem heftigen Streit zwiſchen den Tod und Verderben
brütenden Nachtvögeln: man ſtritt ſich darüber, an welcher
Stelle des Körpers der weiße Hahn Chantecler treffen
ſolle, um ihn zu töten. Und während alle riefen: in den
Kopf, ertönt ſchließlich die kalte Stimme der Ohreule, die
tückiſch antwortet: ins Herz. Dann graut der Morgen,
Chanteclers Kikeriki ertönt, die Szene verwandelt ſich, und
man ſah einen verwüſteten Garten. Der Zweikampf zwi=
ſchen
dem weißen Hahn und Chantecler hatte eine ganz
andere Faſſung, und ſchon die erſten Verſe verrieten, daß
Roſtand in dem zänkiſchen angreifenden weißen Hahn den
deutſchen Kaiſer bezw. König Wilhelm ſymboliſch
darſtellen wollte, während Chantecler die Rolle Frank=
reichs
ſpielte. Der Zweikampf entſtand nicht zufällig
durch einen Austauſch herausfordernder Worte. Bei einem
gewiſſen Augenblick öffnet plötzlich und heimtückiſch die
Katze die Gartenpforte, am Eingang des Hühnerhofes er=
ſcheint
hochmütig der weiße Hahn und ſchleudert Chan=

tecler eine Beleidigung entgegen. Von dieſer Faſſung ſind
nur die Verſe ſtehen geblieben, die die berühmte Entgeg=
nung
des galliſchen Hahnes hervorrufen. Der galliſche
Hahn iſt im Gegenſatz zu dem deutſchen natürlich edel,
großmütig, ein geſchworener Feind aller großen Worte,
ein Beſchützer aller Schwachen, kurz: Frankreich. Er ant=
wortet
bekanntlich in formvollendeten Verſen, daß er noch
nie getötet habe, aber daß er oft Helfer, Verteidiger und
Beſchützer geweſen und vielleicht auch auf ſeine eigene be=
ſcheidene
Weiſe tapfer ſei. Im Ur=Chantecler hielt der
angreifende weiße Hahn eine Rede, die, von aller Symbolik
entkleidet, unzweideutig etwa lauten würde: Dänemark
habe ich zertrümmert, bei Königgrätz Oeſterreich geſchlagen:
jetzt will ich Dich vernichten. In der urſprünglichen
Faſſung Roſtands gipfelte dieſe Szene in dem Aufeinander=
ſtoßen
der brutalen Kraft mit dem edlen, ritterlichen, opfer=
mutigen
Frankreich. Im vierten Akt, als Chantecler den
Sonnenaufgang verſchläft und nun erkennt, daß nicht ſein
Kikeriki das Licht der Welt heraufführt, ſtarb der galliſche
Hahn an gebrochenem Herzen, an der zerſtörten Illuſion
und mit dem Bewußtſein, daß er umſonſt ſeine großmütige
Seele dafür geopfert hatte, anderen Helfer, Verteidiger
und Schützer zu ſein.
Das Werk, ſo ſchreibt Mantegazza, hatte alſo einen
völlig anderen Charakter und einen ganz anderen Aufbau.
Selten hat ein Autor ſo große Opfer gebracht. Er gab
nicht nur nach, änderte und ſtrich Verſe, die für ihn ur=
ſprünglich
vielleicht den Sinn des ganzen Stückes bedeutet
hatten; er verzichtete ſpäter auch auf die Veröffentlichung
der erſten Faſſung. Man kann ſich leicht vorſtellen, wie
der Ur=Chantecler mit allen dieſen Anſpielungen die Pa=
riſer
und die Franzoſen begeiſtert haben würde und wel=
chen
wirklichen Triumph Roſtand bei ſeinen Landsleuten
errungen hätte.

[ ][  ][ ]

Nummer 24.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. Januar 1912.

Seite 3.

nach dem Probelauf allen Anſprüchen im modernen
Fabrikbetrieb genügen. Die Maſchine wurde geliefert
von der Maſchinenſabrik Moenus A.=G. Frankfurt a. M.,
iſt D. R,=P. und iſt die zweite dieſer Art, die in Deutſch=
land
Aufſtellung gefunden hat.
* Kurſus über Armenpflege, Jugendwohlfahrt
und Jugendfürſorge. Auf die Bekanntmachung der
ſtädtiſchen Armenverwaltung in heutiger Nummer ſei
aufmerkſam gemacht.
* Lehrerinnenheim. Aus Anlaß ſeines 70. Geburts=
tages
ſtiftete Herr Geh. Kommerzienrat Heichelheim in
Gießen in hochherziger Weiſe 1000 Mark zum Beſten des
Heſſiſchen Lehrerinnenheims.
gr. Die Frauen=Ortsgruppe Darmſtadt des Ver=
eins
für das Deutſchtum im Auslande (Allgem
Deutſcher Schulverein) hielt im Vorſtandszimmer des
Muſikvereins ſeine Hauptverſammlung 1912 ab. Nach
Begrüßung der anweſenden Damen gab die Vorſitzende,
Frau Profeſſor Lenz, ihrer Freude über zahlreiche
Beitritte im letzten Jahre Ausdruck und erſtalttete Bericht
rüber die Tätigkeit und den finanziellen Stand der Orts=
gruppe
. Die Zahl der neuen durch Wetbekarten ge=
worbenen
Mitglieder beläuft ſich auf 71. Die Ein=
mahmen
betragen 3644 Mk. Bücherſchenkungen an den
Verein wurden von verſchiedenen Mitgliedern gemacht;
ſſie ſollen hauptſächlich an deutſche Gaſthäuſer in Süd=
ttirol
weitergegeben werden. Die Ausgaben belaufen
ſſich auf 3027 Mk., davon 2000 Mk. ſelbſtändige Unter=
ſtützungen
. Die Tätigkeit der Ortsgruppe erſtreckte ſich
auf die Sammlung und Verwendung von Lehr= und
Unterrichtsmitteln an deutſche Auslandsſchulen, ſowie
ron Erzählungsliteratur an deutſche Vereine im Aus=
Aande. Jugendſchriften, illuſtrierte Zeitſchriften, Realien=
bbücher
, Singbücher werden zu jeder Zeit von der Vor=
ſſitzenden
der Ortsgruppe für unſere ausländiſchen Volks=
ſſchulen
mit großem Dank angenommen. Die Erledigung
ides letzten Punktes der Tagesordnung ergab die Neu=
rwahl
der Mitglieder des vorjährigen Vorſtandes.
Gerade in der jetzgen Zeit, wo es ſich um Erhaltung
runſerer hochwichtigen deutſchvölkiſchen Sitze im Aus=
klande
handelt, ſollte jede deutſch empfindende Frau die
Beſtrebungen des Vereins für das Deutſchtum im Aus=
klande
, die auf die Erhaltung und Förderung unſerer
rnationalen, wirtſchaftlichen und kulturellen Intereſſen im
kAuslande gerichtet ſind, durch ihren Beitritt zu dieſem
watriotiſchen Verein unterſtützen und lräſtigen.
* Der Deutſch=Evangeliſche Frauenbund zur Jahres=
wende
. Man ſchreibt uns: Die Zeit der
Jahreswende iſt die Zeit des Rückſchauens
und des Vorwärtsblickens. Im Hinblick auf die
Frauenbewegung drängt ſich uns die Frage auf: Was ha=
ben
die deutſchen Frauen verloren oder gewonnen im
letzten Jahre? Sind ſie voran gekommen auf dem Wege
der Selbſtbeſtimmung, haben ſie gewonnen an Tiefe und
Reife, oder haben ſie eingebüßt an weiblicher Würde, an
Selbſterkenntnis und Verinnerlichung? Wir könnten zu
verſchiedenen Zeiten zu ganz abweichenden Beantwortun=
gen
dieſer Frage kommen. Zuweilen könnte es wohl
ſcheinen, als ob die Erſcheinungen der Selbſtverblendung
und Ueberhebung des kraſſen Individualismus in der
Frauenbewegung ſtark in den Vordergrund träten, ſodaß
wir nur negativ Wirkungen der Bewegung anerkennen
möchten. Ein vergleichender Blick auf das Vorgehen der
engliſchen Suffragettes lehrt uns, welche betrübende Ent=
würdigung
dieſe Richtung uns vor Augen geführt hat.
Jedoch das ſind Auswüchſe, nach denen man die Bewe=
gungen
im Ganzen nicht beurteilen darf. Die tüchtige,
wiſſenſchaftliche und praktiſche Arbeit der deutſchen Frauen
auf ſozialem Gebiet, die ein edles Maßhalten und Ver=
tiefen
zeigt, gibt uns ein ſtarkes Zutrauen für die Zu=
kunft
. Das bedeutende Anwachſen des Deutſch= Evangeli=
ſchen
Frauenbundes, der ſich unter die Autorität chriſt=
lichen
Geiſtes und chriſtlicher Zucht beugen will, beweiſt
uns, daß die deutſchen Frauen keine Zügelloſigkeit wol=
elen
. Denn niemals vermag innerlich zu wachſen, der in ſich
ſelbſt die höchſte Autorität verehrt, er wird ſtill ſtehen und
rrückwärts gehen. Nur in der Anlehnung an die Autori=

tät göttlicher Wahrheiten, nur in ernſter Arbeit an ſich
ſelbſt kann ſich die Perſönlichkeit zu ſittlicher Kraft und
Klarheit durchringen. Arbeit in dieſem Sinne, das iſt
das Beſte, was wir den deutſchen Frauen zum Jahres=
wechſel
wünſchen können.
* Darmſtädter Hausbeſitzer=Verein. In der Vor=
ſtandsſitzung
, die unter dem Vorſitz des Herrn K.
Friedrich Mahr ſtattfand, wurde nach Erledigung einer
Reihe von Vereinsangelegenheiten bekannt gegeben, daß
dem Erſuchen des Vereins, alle Verkäufe getrennt in be=
baute
und unbebaute Grundſtücke, monatlich bekannt zu
geben, vom Ortsgericht I ſtattgegeben wird. Das Ortsge=
richt
II hat ſich bis jetzt ablehnend verhalten. Die polizei=
liche
Verordnung gegen die Schnakenplage rief eine lebhafte
Debatte hervor; es wurde anerkannt, daß man gegen die
Schnakenplage vorgehen ſoll, warum aber ſoll der Hausbe=
ſitzer
allein die Laſten der Vertilgung übernehmen, es ſei
auch ſehr fraglich, ob der Hausbeſitzer über ſeine vermiete=
ten
Keller verfügen kann. Auch der kurze Termin wurde be=
anſtandet
, und beſonders die hohe Strafe, die denjenigen trifft,
der am 1. Februar der Verpflichtung nicht nachgekommen
iſt. Der Vorſtand wird bei dem Kreisamt vorſtellig werden.
Frau Peter North Wwe., Frau Valentin Müller Wwe.
und Frau Konrad Donges Wwe, wohnen ſchon über 25
Jahre in dem Hauſe Kaplaneigaſſe 35, der Frau H. Keller
Wwe. gehörend. Dieſen treuen Mieterinnen ſoll eine Ehrung
zuteil werden. Von auswärtigen Städten ſind Beſchwerden
laut geworden über die Nachteile durch den Verkehr der
Kraftlaſtfahrzeuge. Wenn auch die Regelung desVerkehrs mit
Kraftfahrzeugen durch Verordnung des Bundesrates bereits
geregelt iſt, ſo ſoll doch dieſe Frage in dem Verband
heſſiſcher Hausbeſitzer nochmals behandelt werden.
Eine Anforderung zu den Koſten des internationalen Haus=
beſitzerkongreſſes
, der in Berlin im Mai ſtattfinden ſoll,
wurde abgelehnt. Auf den in letzter Zeit auswärts ge=
gründeten
und geführten Wohnungsnachweis und Woh=
nungsanzeiger
wurde hingewieſen.
* Kirchenmuſikaliſche Abendfeier in der Stadtkirche am
kommenden Mittwoch, den 31. Januar: Das Programm zu
dieſer Feier lautet: 1. Orgel: Präl. und Fuge von E. F.
Richter; 2. Alt: 2 Lieder von Schwalm und Nägeli; 3. Orgel:
3 Stücke von S. Karg=Elert; 4. Alt: Arie von Bach; 5. Orgel:
Andante von Cyrill Kiſtler; 6. Alt: 2 Lieder von Ahle und
Mendelsſohn; 7. Orgel: Fuge Cdur von Bach.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer Expe=
dition
(Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende Bil=
der
neu ausgeſtellt: Graphiſche Zuſammenſtellung der
Ergebniſſe der Reichstagswahlen; Brand des katholiſchen
Vereinshauſes in Bingen; Teilnehmer an der Spitzber=
genkonferenz
; das im Bau begriffene 170 Meter hohe
neue Stadthaus in New=York.
V. V. Adreßbücher. Seit einigen Jahren ſchon
unterhält der Verkehrsverein einen Adreßbuch=Austauſch
mit anderen Städten und liegen zur Zeit im Verkehrs=
bureau
ca. 25 Adreßbücher der verſchiedenſten Städte
zur unentgeltlichen Einſichtnahme offen. Um aber dieſe
Einrichtung, die ſehr viel benutzt wird, noch weiter aus=
zugeſtalten
, müßten dem Verein weitere Adreßbücher
zur Verfügung ſtehen. Der Vorſtand richtet daher an
alle diejenigen, die noch Adreßbücher aus dem ver=
floſſenen
Jahre im Beſitze haben, die höfliche Bitte, die=
ſelben
dem Verein unentgeltlich zu genanntem Zwecke
zu überlaſſen. Auf Benachrichtigung werden die Adreß=
bücher
gerne abgeholt.
* Geſchädigte dringend geſucht. In der zweiten Hälfte
des Dezember 1911 ſind aus Zürich in großer Menge
Schreiben, mit Schreibmaſchine hergeſtellt und G. Ogur=
kowski
, Zürich, Mythenſtraße 23, unterzeichnet, an reiche
Leute gerichtet worden, in welchen unter Beifügung der
Photographie eines hübſchen kleinen Kindes um eine
Unterſtützung zur Erziehung dieſes Kindes gebeten wurde,
deſſen Mutter, eine junge Deutſche, ſich aus Verzweiflung
das Leben genommen und den Vater des Kindes nie ge=
nannt
hätte. Der Schreiber dieſer Briefe, der Kaufmann,
Privatauktionator Georg Ogurkowski, 16. 12. 72 Culm
(Weſtpreußen) geboren, hat eingeſtanden, daß der Inhalt
des Briefes Schwindel, die Photographie die eines be=

liebigen Kindes ſei und die Briefe bezweckten, ihm Geld
zu verſchaffen. Ogurkowski iſt in Zürich in Haft und ſoll
an die deutſchen Behörden ausgeliefert werden. Bisher
haben ſich aber, obwohl überaus viele ſolcher Schreiben
verſandt wurden, nur ſehr wenig Perſonen gemeldet, die
derartige Briefe erhalten, und noch weniger, die darauf
etwas gezahlt haben. Es liegt viel daran, daß ein Menſch,
der, wie Ogurkowski, eine der ſchönſten menſchlichen Eigen
ſchaften, das Mitleid, zu ſeinen eigenſüchtigen betrügeriſchen
Zwecken mißbraucht und damit die Herzen der von ihm
angegangenen reichen Leute für wirkliche Notlage verhärtet,
auf möglichſt lange Zeit unſchädlich gemacht werde. Dies
iſt aber nur dadurch möglich, daß ſich alle diejenigen,
welche Bettelbriefe von Ogurkowski bekommen und alle, die
darauf Geld geſchickt haben, ſchleunigſt in Berlin bei Kri
minalkommiſſär Krüger, Inſpektion B II, melden. Die
Vorunterſuchung gegen Ogurkowski wird beim Land=
gericht
I Berlin geführt, das den genannten Beamten er=
ſucht
hat, alle Meldungen über Ogurkowski, auch die von
außerhalb eingehenden und über anderwärts bereits an=
hängige
Vorgänge, zu ſammeln.
gs. Unfall. In der Altſtadt gerieten am Samstag
zwei Kinder in Streit, in deſſen Verlauf die Schweſter
ihrem Bruder eine Kartoffel an den Kopf werfen wollte.
Sie traf aber die Mutter ſo unglücklich, daß dieſe eine
Gehirnerſchütterung erlitt. Die Frau wurde von
der Rettungswache in das Städtiſche Krankenhaus ge=
bracht
.
§ Feſtgenommen. Ein 22 Jahre alter Weißbinder
aus Eberſtadt und ein 26 Jahre alter Handarbeiter
aus Worms ſind wegen Einbruchsdiebſtahl feſt=
genommen
worden. Beide ſind in ein Schuhwaren=
geſchäft
am Louiſenplatz eingebrochen und haben daſelbſt
Stiefel im Geſamtwerte von über 300 Mk. geſtohlen.
§ Kaminbrände. Am Freitag abend gegen 8 Uhr
hat im Hauſe Lichtenbergſtraße Ne 78 ein Kaminbrand
ſtattgefunden, welcher durch die herbeigerufene Feuer=
wehrwache
alsbald gelöſcht worden iſt. Ebenſo hat
am Samstag, vormittag gegen 7 Uhr, im Hauſe Schloß=
gartenſtraße
Nr. 47 ein Kaminbrand ſtattgefunden.
welcher durch die herbeigerufene Feuerwehrwache eben=
falls
alsbald wieder gelöſcht wurde.
Rüſſelsheim, 27. Jan. Der 34jährige Schreiner
Peter Koch kam geſtern mit der rechten Hand in
die Sägemaſchine; es wurden ihm drei Finger ab=
geſchnitten
. Der Verunglückte wurde nach Mainz ins
Krankenhaus gebracht.
Seligenſtadt, 26. Jan. Der vor einigen Tagen in
Babenhauſen verhaftete Zigeuner Schmitt der
hier in das Haftlokal eingeliefert wurde, iſt geſtern nach=
mittag
zur weiteren Unterſuchung in das Unterſuchungs=
gefängnis
nach Darmſtadt überführt worden. Schmitt
ſteht in dem Verdachte, den Einbruchsdiebſtahl
in dem Frhr. v. Gemmingenſchen Schloſſe, bei dem ſehr
wertvolle Münzen geſtohlen wurden, verübt zu haben.
Lämmerſpiel, 27. Jan. Die in Konkurs geratene
Metallwarenfabrik Roth u. Jans wurde durch Ver=
mittelung
des gerichtlichen Taxators Johann Wiederhofer
von dem Konſul Fritz Melber=Frankfurt zum Preiſe
von 85000 Mark erworben.
Worms, 27. Jan. In dem Lager der Firma Heppen=
heimer
am Hafen waren die Arbeiter mit Eiſenabladen
beſchäftigt. Dabei entglitt ihnen ein großes Schwung=
rad
, das dem Arbeiter J. Belz den Unterſchen=
kel
zerſchmetterte. Der Bedauernswerte kam ins
Krankenhaus.
Oppenheim, 27. Jan. Nachdem erſt jüngſt der Staat
für die durch die Unterſchlagungen des Notars
Hubert Geſchädigten als erſte Rate eine Entſchädigung
von 3000 Mk. gezahlt hat, hat nunmehr auch das Reichs=
gericht
einen diesbezüglichen Prozeß zu Ungunſten der
hieſigen Bezirkskaſſe entſchieden, ſo daß jetzt die Erben
Haas in Mainz über 30000 Mark von der Kaſſe erhal=
ten
werden. Es werden nun auch die Erben Herr in
Bodenheim die ihnen von Hubert unterſchlagenen 14000
Mark von der Kaſſe Oppenheim erhalten, da dieſer Fall
ganz ähnlich liegt wie der Haasſche.

Feuilleton.

* Auguſte Berny P. Die Primadonna Frau Auguſte
von Urff=Berny, die ſeit dem 1. Auguſt 1909 dem
Verbande des Hoftheaters in Kaſſel angehörte, iſt ge=
ſtorben
. Als jugendlich dramatiſche Sängerin wirkte
ſie zuletzt am Hoftheater in Darmſtadt an das ſie
1901 als Nachfolgerin Anna Slaviks verpflichtet wurde.
Auguſte Berny, reete Freiin von Binder=Krieglſtein,
debutierte hier als Euryanthe, ſchied aber bereits im Fe=
bruar
1903 aus und vermählte ſich kurz danach mit dem
vormaligen Leutnant im 2. Großh. Heſſ. Dragoner= Regi=
ment
Nr. 24 Friedrich Max Freiherrn von Urff. Später
ging ſie ins hochdramatiſche Fach über.
Wie man inſerieren ſoll. Um mit einer Annonce
günſtige Erfolge zu erzielen, genügt es nicht, das Inſerat
zu bezahlen und erſcheinen zu laſſen; man muß auch die
ſchwierige Kunſt verſtehen, eine Annonce geſchickt und
richtig abzufaſſen. Mit dieſer Kunſt beſchäftigt ſich ein Aufſatz
der Impreſa moderna und erzählt dabei ein amüſantes
Schulbeiſpiel von einer ſchlechten Annonce und von einer
guten. Hatte da ein biederer Londoner in der Kirche ſeinen
Schirm ſtehen laſſen. Der Schirm war neu, erſt drei Tage
früher gekauft, feinſte Seide und ſehr teuer. Der wackere
Bürgersmann läßt alſo ſeine Annonce erſcheinen: Ver=
loren
! im Vorraum der Peterskirche, am vergangenen
Sonntag, ſchöner ſeidener Regenſchirm von beſter Quali=
tät
. Wer ihn dem Beſitzer, High Street 10, zurückbringt,
erhält gute Belohnung. Zwei, drei Tage verſtreichen: die
Annonce bleibt erfolglos. Der gute Londoner iſt empört,
daß er zu ſeinem Schirm auch noch die Inſeratengebühr
verloren hat, er geht zum Inſeratenagenten und beſchwert
ſich bitter über die Erfolgloſigkeit der aufgegebenen An=
nonce
. Worauf der ſchlaue Praktikus lächelnd antwor=
tet
: Es iſt Ihre eigene Schuld, Sie haben mit Ihrer An=
nonce
nicht den richtigen Ton getroffen. Nachen Sie noch
einen Verſuch: aber überlaſſen Sie es dabei mir, den Tert
der Anzeige zu verfaſſen. Am nächſten Tage erſchien fol=
gende
Anzeige: Wenn die Perſon, die am vergangenen
Sonntag dabei beobachtet wurde, wie ſie im Vorraum der
Peterskirche einen Schirm an ſich nahm, der nicht ihr
Eigentum war, unangenehme Folgen vermeiden und ihren
Ruf als guter Chriſt, auf den ſie ſo viel Wert legt, bewahren
will, ſo möge ſie ſofort den fraglichen Schirm High Street
Nr. 10 abgeben. Der Name der Perſon iſt bekannt. Zwei
Stunden nach dem Erſcheinen dieſer neuen Anzeige fand der
Beſitzer des verlorenen Schirms in ſeinem Hausflur nicht
etwa einen, nein, zwölf Schirme, ſchöne, ſeidene Schirme.
Und an jedem fand man ein kleines Briefchen, in dem
inſtändigſt gebeten wurde, die Angelegenheit nicht weiter

zu verfolgen. Ein anderer kluger Inſerent war ein Schuh=
machermeiſter
aus Stoncham in den Vereinigten Staaten.
Er hatte zu wenig Kundſchaft und verſprach in einer An=
zeige
jedem Jungen, der ihm ein Paar Schuhe zum Re=
parieren
bringe, 10% von den Einnahmen. Da es De=
zember
iſt, benutze man dieſe Gelegenheit, vor Weihnachten
noch ein wenig Geld zu verdienen. Der Erfolg war glän=
zend
, von allen Seiten kamen Jungen, Söhne und Töchter
und ſchleppten das Schuhzeug ihrer Eltern und Verwandten
herbei; über Mangel an Arbeit hatte der kluge Meiſter
nicht mehr zu klagen.
C. K. Die Sprache der Gänſe. Ueber Leben und Sprache
der Gänſe veröffentlicht Dr. O. Heinroth im letzten Heft der
Umſchau feſſelnde Beobachtungen, die er ſeit einer Reihe
von Jahren geſammelt hat. Man erfährt daraus, daß
die Laute, die die Gänſe oft ſehr energiſch und unliebſam
bemerkbar ausſtoßen, ihre ganz beſtimmten Nuancen und
auch feſt umſchriebene Bedeutung haben. Dabei ſind die
Stimmäußerungen der Wildgans die gleichen wie die der
Hausgans. Nur beſchränkt ſich die erſtere darauf, ihre
Stimme zu erheben, wenn ſie wirklich etwas zu ſagen hat,
da für ſie jedes Lautwerden eine gewiſſe Gefahr bedeutet;
für die Hausgans iſt dieſe Hemmung fortgefallen, und ſo
macht ſie von ihrer ſtimmlichen Begabung ausgiebigeren
Gebrauch. Die Gänſe haben einen ganz beſtimmten Lock=
ton
, das trompetenartig ſchmetternde naſale, auf der erſten
Silbe betonte Gagagag bezw. Gigagag. Vögel, die
einander bekannt ſind, erkennen ſich dabei ohne weiteres an
der Stimme, und beſonders auffallend wirkt es, wenn die
in der Luft kreiſenden Jungen unter einer ganzen Anzahl
lockender Alten ihre Eltern ſofort heraushören. Der Lockton
wird von den jungen Vögeln auch ſchon ausgeſtoßen, wenn
auch weniger klangvoll, wenn ſie noch kaum richtig gefiedert
ſind, und ſpäter antworten ſie den lockenden Eltern unver=
züglich
. Neben dem Lockton haben die Gänſe einen Warn=
oder
Schreckruf, ein kurz ausgeſtoßenes naſales Gang
Dr. Heinroth erzählt, daß er dieſen Ruf ſo gut nachahmen
konnte, daß er Gänſeherden damit in Verzweiflung brachte;
die Tiere ſtürmten daraufhin gewöhnlich im eiligen Fluge
erſchreckt auf das nächſte Dach. Handelt es ſich um eine
weniger verdächtige Erſcheinung, ſo wird die Warnung nur
ſehr leiſe hervorgebracht. Ein leiſes Gangangang, meiſt
drei= bis ſiebenteilig, ſtoßen die Gänſe aus, wenn ſie ſich
fortbewegen; es bedeutet für alle Familienangehörigen, daß
ſie nicht zurückbleiben ſollen. Wollen die Tiere ſich weiter
fortbewegen, z. B. zu Fuß nach der Ruhepauſe zur Weide
gehen, ſo werden dieſe Töne etwas energiſcher ausgeſtoßen.
Beabſichtigen ſie aufzufliegen, dann klingt jeder Ton eigen=
tümlich
hart und abgeſetzt. Die Wildgans läßt ein lautes
Djirb=diarb ertönen, wenn ein größerer gemeinſamer

Marſch erfolgen ſoll. Die Gänſe haben alſo bei ihrer doch
immerhin armen Sprache für den Abmarſch zu Fuß im
Gegenſatz zu der Abſicht der Ortsbewegung im allgemeinen
eine beſondere Lautäußerung. In der Wut, beſonders aber
dann, wenn ſie ſich ſelbſt vor dem Gegner fürchten, ziſchen
die Gänſe, wobei der Hals etwas nach unten vorgeſtreckt,
der Schnabel geöffnet wird und das Gefieder ſich ſträubt.
Junge Gänſe, die von den Eltern abgekommen ſind, ſtoßen
einen eigentümlichen einſilbigen Jammerton aus, der durch=
aus
den Eindruck des Kläglichen macht.
B. B. Ein regierender Herzog als Hotelbeſitzer. Ein ſog.
Schloßhotel iſt in Gotha eröffnet worden. Das wäre an und
für ſich nichts Bedeutſames, denn Hotels werden irgendwo
ſo ziemlich alle Tage eröffnet Die genannte Hoteleröffnug
iſt jedoch inſofern intereſſant, als ſie die Gründung einer
Aktiengeſellſchaft iſt, deren Aktien ſich zum größten Teil in
den Händen des Herzogs Karl Eduard von Sachſen= Ko=
burg
=Gotha befinden. Die Gothaer Hotelbeſitzer ſind natür
lich auf ihren neuen Kollegen in dieſer Beziehung nicht ſon=
derlich
gut zu ſprechen, müſſen ſich aber darein fügen. Der
Herzog iſt übrigens noch alleiniger Beſitzer der Hotels auf
dem Inſelsberg bei Gotha, in Spießberg, Reinhardtsbrunn
und Oberhof.
* Der Zarewitſch und die Schildwache. Eine hübſche
Kindergeſchichte, die den Vorzug haben ſoll, wahr zu ſein,
erzählt eine franzöſiſche Zeitſchrift: Der Zarewitſch Alexis,
der jetzt ſieben Jahre alt iſt, hat ein beſonderes Vergnügen
daran, wenn die Schildwache vor ihm präſentiert. Das
Vergnügen war ſogar ſo groß, daß man bald bemerkte, wie
er beſonders häufig und ohne zwingenden Grund an einem
beſtimmten Schilderhaus vorüberging, um dieſe Ehrenbe=
zeugung
zu genießen, die ſeiner kindlichen Eigenliebe
ſchmeichelte. Die Sache kam aber zu Ohren des Papas,
der, um ſeinem Söhnchen eine Lektion in der Beſcheidenheit
zu erteilen, anordnete, daß fortan vor dem kleinen Zare=
witſch
nicht mehr präſentiert würde. Wie groß war daher
die Entrüſtung des Prinzen, als er am nächſten Morgen die
Beobachtung machen mußte, daß der Poſten, an dem er mit
beſonderer Vorliebe vorüberging, nicht im geringſten Notiz
von ſeiner Gegenwart nahm. Höchſt aufgeregt fragte er
den Soldaten, ob er denn gar nicht wüßte, was er zu tun
hätte. Es geſchieht ſo auf Befehl Sr. Majeſtät des Zaren,
lautete die Antwort. Da wurde der künftige Herrſcher
wieder ganz der kleine Knabe, der nicht leicht ohne Wider=
ſtand
auf ein Lieblingsvergnügen verzichtet, und nachdem
er einige Augenblicke den ſchwierigen Fall überlegt hatte,
ging er an den Soldaten heran und bat: Ach, ich bitt dich
ſehr, tu’s doch noch einmal, ich verſpreche dir auch, daß
Papa nichts davon erfahren ſoll!

[ ][  ][ ]

Scne 4.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. Januar 1912.

Nummer 24.

Gieſen, 21. Zan. Von dem unbelannten Spender,
der ſchon mehrfach größere Summen für ein Denkmal
für Landgraf Lüdwig V., den Stifter der Uni=
verſität
, gegeben hat, ſind abermals 2000 Mark gegeben
worden. Der Denkmalfonds beträgt damit jetzt über 7500
Mark. Geheimer Kommerzienrat S. Heichelheim
ſtiftete aus Anlaß ſeines 70. Geburtstages der Stadt
Gießen 50000 Mark für einen Saalbaufonds und
der Kaufmannſchaft 50000 Mark zur Erbauung eines
Handelskämmergebäudes. Ferner erhielten eine
gänze Reihe gemeinnütziger Vereine, u. a. die beiden
Schweſternhäuſer in Gießen, größere Geldbeträge über=
wieſen
.
Bad Nauheim, 27. Jan. Die Geſamtfre=
quenz
des Bades im Jahre 1911 betrug 34793 Kur=
gäſte
, wovon 24965 Deutſche und 9828 Ausländer waren.
Von den letzteren entfallen auf: Afrika 88, Amerika 1520,
Aſien 58, Auſtralien 4, Belgien 162, Bulgarien 14, Däne=
mark
72, Frankreich 221, Griechenland 23, Großbritannien
und Irland 835, Holland 368, Italien 70, Luxemburg 20,
Monaco 3, Norwegen 26, Oeſterreich 734, Ungarn 310,
Portugal 56, Rumänien 140, Rußland 4680, Schweden
135, Schweiz 212, Serbien 16, Spanien 44, Türkei 17. =
der
wurden insgeſamt 474719 abgegeben. Die offizielle
Kurzeit beginnt am 16. April und endigt mit dem 15.
Oktober. Während dieſer Zeit finden auch Konzerte der
Kurkapelle (Winderſtein=Orcheſter) ſtatt. Staatliche Bade=
häuſer
ſind aber von Anfang März geöffnet und bleiben
nach Bedürfnis bis Ende Dezember im Betrieb. Im
Badehauſe des Städtiſchen Konitzkyſtiftes werden Bäder
während des ganzen Jahres abgegeben.
Vilbel, 27. Jan. Der Eiſenbahnbaumeiſter Lan g
wurde von dem Frankfurter Schnellzuge hier ü ber=
fahren
und getötet, als er mit ſeiner Draiſine das
Gleis dieſes Zuges befuhr.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 27. Jan. Der vierte Sohn
des Kaiſerpaares, Prinz Auguſt Wilhelm, voll=
endet
am Montag ſein 25. Lebensjahr. Der Prinz,
welcher in Bonn und Straßburg ſtudierte, hat die juri=
ſtiſche
Laufbahn zu ſeinem Hauptberufe gewählt und im
Dezember 1910 das Referendar=Examen beſtanden; er iſt
jetzt im Juſtizdienſte praktiſch tätig. Im Lehrerver=
einshaus
fand geſtern nachmittag unter Anweſenheit
von Kinematographenbeſitzern aus Düſſeldorf, Glatz,
Halle, Hamburg, Hannover, Kiel, Krefeld, Leipzig, Mün=
chen
uſw. eine von der Vereinigung der Kine=
matographenbeſitzer
Groß=Berlins ein=
berufene
Verſammlung der deutſchen Kinematographen=
theaterbeſitzer
ſtatt, auf deren Tagesordnung in erſter
Linie die Schaffung einer einheitlichen Organiſation für
die ſämtlichen Verbände und Vereine der Kinematogra=
phenbeſitzer
Deutſchlands ſtand. Dieſer Punkt der Tages=
ordnung
, der die einſchlägigen Kreiſe ſeit Jahren beſchäf=
tigt
, hatte eine lebhafte Ausſprache zur Folge, in welcher
die Anweſenden ausnahmlos dem Wunſche Ausdruck
gaben, für die derzeit zerſplitterten Verbände Deutſch=
lands
eine einheitliche Vereinigung zu ſchaffen, welche
als Schutzverband der deutſchen Kinematographenbeſitzer
anzuſehen wäre. Die Gründung dieſes Schutzverbandes
wurde denn auch einſtimmig beſchloſſen. Der Schutzver=
band
ſoll die gemeinſamen Berufsintereſſen der Kine=
matographentheaterbeſitzer
gegenüber gegneriſchen Be=
ſtrebungen
jeder Art ſchützen und ſeinen Sitz in Berlin
haben. Die einzelnen kleinen Verbände, die bisher inner=
halb
des Reiches beſtanden, werden ſich auflöſen, wäh=
rend
die bisherigen Lokalvereine als Ortsgruppen weiter
beſtehen bleiben. In dem Eberbachprozeß, der
ſeit 14 Tagen das Berliner Landgericht I beſchäftigt,
wurden die beiden Angeklagten Fritz und Adolf Eber=
bach
, die früheren Direktoren der Berliner Hotelbetriebs=
geſellſchaft
, für nichtſchuldig befunden und demgemäß
freigeſprochen. Der Staatsanwalt hatte je drei
Monate Gefängnis und 2000 Mark Geldſtrafe bnantragt.
Hamburg, 27. Jan. Durch das von der Oberelbe ab=
treibende
Eis iſt der Eisgang auf der Unterelbe an=
dauernd
ſchwer und verurſacht viele Schiffsunfälle.
Mehrere Dampfer kollidierten, andere gerieten im Eiſe
feſt und wurden beſchädigt. Während des geſtrigen Tags
herrſchte dichter Nebel, der die Schwierigkeiten der Schiff=
fahrt
noch erhöht.
London, 27. Jan. Von verſchiedenen Orten im
Themſetal laufen Nachrichten ein, daß der Strom einen
höheren Waſſerſtand als ſeit vielen Jahren erreicht,
ſowie an vielen Stellen ſeine Ufer überflutet und
weite Landſtrecken unter Waſſer geſetzt hat. In Windfor
iſt der Strom um 4 Fuß, an anderen Punkten gar um
6 Fuß über die normale Höhe geſtiegen. In Maidenhead
können manche Häuſer nur noch zu Boot erreicht werden.
Um das dortige Theater zugängig zu machen, mußte eine
Brücke gebaut werden. Die Landhäuſer am Themſeufer
ſtehen faſt alle unter Waſſer, einige ſind fortgeſchwemmt
worden. Infolge des andauernden Regens ſteigt der
Strom immer noch, und ſelbſt einige Stadtteile Londons
ſind von Ueberſchwemmung bedroht.
New=York, 26. Jan. Bei der Oeffnung der Keller=
gewölbe
des abgebrannten Equitable=Palaſtes
ſtellte ſich heraus, daß die Stahlkammern dem Feuer
ſtandgehalten hatten. Die darin befindlichen Wertpapiere
im Betrage von etwa fünf Milliarden Mark wurden un=
beſchädigt
geborgen. Die Gewölbe wurden durch einen
ziemlich engen Tunnel, den man durch das Eis und die
Schuttmaſſen hauen mußte, erreicht, und zu größter und
allſeitiger Erleichterung ſtellte es ſich ſchnell heraus, daß
weder die Schränke, noch der koſtbare Inhalt irgendwie
gelitten hatten.

Kunſtnotizen.

Ueber Werke, Könſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
* In der Freien Literariſch= Künſtleri=
ſchen
Geſellſchaft ſteht, wie ſchon kurz bekannt ge=
geben
, den Darmſtädter Verehrern des berühmten Wag
ner=Sängers ein Wiederſehen mit Alois Burgſtal=
ler
für Freitag, den 9. Februar, bevor. Sein Siegmund
und Jung=Siegfried ſind hier unvergeſſen. Auch als
Liederſänger hat er gelegentlich einer Benefiz=Vorſtellung
im Hoftheater und im Konzertſaal Triumphe gefeiert.
Amerika hatte den Vielgefeierten längere Jahre fern von
uns gehalten. Auf der Höhe ſeiner Kunſt angelangt
Burgſtaller iſt eben 40 Jahre geworden kehrt er jetzt
zu uns zurück. Es dürfte begreiflich ſein, daß man ſeinem
Auftreten am 9. Februar allenthalben mit größter Span=
nung
und lebhafter Teilnahme entgegenſieht.
* Ueber Frau Marie Panthes, die berühmte
franzöſiſche Klaviervirtuoſin, die ſich auf dem 1941. Vereins=
abend
des Richard Wagner=Vereins am nächſten Donners=
tag
dem Darmſtädter Publikum erſtmaliu vorſtellen wird
liegen uns folgende Preßſtimmen vor: ich nenne voll
wunderung den Namen Marie Pant

riſches Genie von einer Kühnheit und Leidenſchaft die alle
willenlos mit ſich riß. Das war kein Klavierſpiel das
war ein Durchleben und Durchglänzen Chopinſcher Poeſien
und Träume. (Die Muſik.) Frau Marie Panthés trat
dem Hörer als eine ſo ausgeſprochene künſtleriſche Perſön=
lichkeit
mit ſo ausgeprägter Individualität und ſolcher
Originalität der Auffaſſung entgegen, daß man vom erſten bis
zum letzten Tone gefeſſelt wurde. (Berl. Tageblatt.) In
Marie Panthés bewundere ich eine unſerer bedeutendſten
Pianiſtinnen und eine wahrhaft reiche und ſelbſtändige
Künſtlernatur. Verſchwindend wenige können ihr Geſtal
tungsvermögen aus der Fülle eines ſo ſtarken und un
ſprünglichen Temperckments ſchöpfen, wie dieſe Franzöſin
es beſitzt. (Deutſche Tageszeitung.) Sie iſt noch mehr
Künſtlerin als Virtuoſin, und ſo leuchtete durch den äußeren
Glanz ihrer ſämtlichen Darbietungen mit noch hellerem
Glanz ihre echte Künſtlerſeele, kraft deren ihr Spiel in
jedem Augenblick nicht den Eindruck des Gemachten, ſondern
des mit ganzer Seele Erlebten wiedergibt. (Aachener Poſt.)
Die Ausführung der Klavierpartie verlangt vor allem
männliche Kraft, energiſchen, allem Weichen, Sentimentalen
abholden Vortrag, und in dieſem Sinne löſte Frau Marie
Panthes ihre Aufgabe in einer Weiſe, die uns berechtigt,
die Künſtlerin zu den bedeutendſten Erſcheinungen zu rech=
nen
, die wir in unſeren Konzerten kennen gelernt haben.
(Düſſeldorfer General=Anzeiger.)

Luftfahrt.

* Berlin, 27. Jan. Se. Maj. der Kaiſer haben
an das Reichsamt des Innern nachſtehende Ordre ge=
richtet
: Zur Förderung des deutſchen Flug=
weſens
will ich einen Geldpreis von 50000
Mark aus meiner Schatulle ſtiften, welchen ich für den
beſten deutſchen Flugzeugmotor an meinem nächſtjähri=
gen
Geburtstage verleihen werde. Zum Erlaß des
Preisausſchreibens, ſowie zur Prüfung und Begutacht=
ung
der eingehenden Meldungen iſt ein Ausſchuß zu
bilden, welcher aus Mitgliedern des Kaiſerlichen Auto=
mobilklubs
, des Kaiſerlichen Aeroklubs, des Vereins
Deutſcher Motorfahrzeuginduſtrieller, ſowie je einem Ver=
treter
des Reichsamts des Innern, des Reichsmarine=
amts
, des Kriegsminiſteriums, des Miniſteriums der
geiſtlichen pp. Angelegenheiten und der Techn. Hochſchule
Berlin beſtehen ſoll. Ich erſuche Sie, mir über den Fort=
gang
der Sache zu berichten und bis Anfang Januar kom=
menden
Jahres den Vorſchlag des zu bildenden Preis=
gerichts
für die Zuerteilung des Preiſes einzureichen.
Berlin, den 27. Januar. Wilhelm, I. R.
sr. Der Kredit von 22 Millionen Franks,
der vom franzöſiſchen Kriegsminiſter zur Förderung der
franzöſiſchen Militär=Aviatik gefordert wird,
ſoll dazu benutzt werden, 328 Flugmaſchinen verſchiedener
Typen anzuſchaffen, ferner Flugplätze auf allen Feſtungen
anzulegen und überhaupt die Zahl der Militär=Flieger
erheblich zu vermehren. Man ſpricht davon, daß der
Kriegsminiſter ein vollzähliges Flieger=Regiment bilden
will.

Handel und Verkehr.

H. Frankfurt a. M., 27. Jan. ( Börſen=
wochenbericht
.) Die Geldflüſſigkeit hält auf den
deutſchen Märkten an und bewirkte auch für den kommen=
den
Ultimo leichtere Prolongationsſätze bis 3½ Prozent.
Der Privatdiskont hat ſich hingegen eine Kleinigkeit, auf
3¼ Prozent, erhöht, im Hinblick auf die ſichtliche Anſpan=
nung
am Londoner Geldmarkt. Unter dem Einfluß der
ſchwächeren New=Yorker Kurſe zeigte die Börſe eine
reſervierte Haltung bei faſt gänzlicher Untätigkeit der
Spekulation. Das jetzt vorliegende Geſamt=Wahlreſultat
des deutſchen Reichstages hat keinen Eindruck gemacht
man nimmt jedoch an, daß es mit dieſem unmöglich iſt,
unwirtſchaftliche Geſetze oder Steuern zu beſchließen, und
daß ſich die innere Politik nur in freiheitlicherem Sinne
betätigen kann. Zu den Einzelheiten des Verkehrs über=
gehend
, blieben deutſche Renten trotz der bevorſtehenden
großen Emiſſion von Reichsanleihen und Preußiſchen
Konſols gut behauptet; es erfolgten zeitweiſe Anlagen
für Verſicherungsgeſellſchaften. Von den ausländiſchen
Staatsfonds wurden die Chineſiſchen um 11½ Pro=
zent
niedriger abgegeben. Wenn auch die andauernden
Wirren die Finanzen etwas ſchwieriger geſtalten, ſo ſind
doch die Unterlagen derart, daß eine Zinſenſtockung vor=
erſt
ausgeſchloſſen erſcheint. Bulgaren, Oeſterreichiſch=
Ungariſche Renten, Türkiſche Loſe und ſonſtige Türken
waren recht feſt; hingegen Serben und Ruſſen mäßig ab=
geſchwächt
. Transportaktien waren faſt durchgängig mat=
ter
, nur Süddeutſche Eiſenbahn=Geſellſchaft und Raab=
Oedenburger beſſer bezahlt, letztere bis 38. Am Banken=
markt
war es ſehr ruhig bei geringen Veränderungen.
Das Montangebiet war verhältnismäßig etwas be=
lebter
und im ganzen in guter Dispoſition. Nach der Er=
höhung
der Kokspreiſe beabſichtigt man für Roheiſen
ebenfalls eine Heraufſetzung um ca. 1,50 Mk. pro Tonne.
Der Erhöhungsbeſchluß wird Anfangs Februar erwartet.
Am bevorzugteſten waren Phönix, die bis 260½ ſteigen
konnten, wogegen Eſchweiler Bergwerk matter lagen und
auf 178 zurückgingen. Elektrizitätsaktien waren ruhiger,
auch Allgemeine Elektrizitäts=Geſellſchaft vernachläſſigt
trotz der Genehmigung des Schnellbahnvertrags Geſund=
brunnen
-Rixdorf durch den Stadtverordnetenausſchuß.
Die allgemeine Reſerve und Geſchäftsunluſt kamen
auch dieſe Woche am Kaſſainduſtriemarkt zum Ausdruck.
Einzelne Werte, wie Kunſtſeide, Bielefelder Maſchinen=
fabrik
Dürkopp und Lederwerke von Spicharz, ſtellten ſich
höher, letztere auf die Mitteilung, daß eine 4prozentige
Dividende, wie im Vorjahre, beſchloſſen wurde. Kleyer
gut gehalten, 464½, ebenſo Holzverkohlung bei 281.75.
Die Bekanntgabe von dem großen Komplexankauf zur
Vergrößerung der Fabrikräume machte bei der Deutſchen
Gold= und Silberſcheide=Anſtalt keinen Eindruck auf die
Aktien, welche 874¾ ſchließen. Motorenfabrik Oberurſel
waren bis 138½, Bergmann Elektrizität bis 215.10 nach=
gebend
, während Aluminium eine größere Avance, bis
231¼, erzielten. Die Kaiſer Friedrich=Quelle‟ A.=G.,
Offenbach am Main, iſt infolge des abnormen Sommers
in der Lage, eine Dividende von 20 Prozent verteilen zu
können; in den vorhergehenden beiden Geſchäftsjahren
betrug das Erträgnis je 12 Prozent. Die 300000 Mark
Vorzugsaktien des Unternehmens ſind in feſten Händen.
Von Loſen notieren: Augsburger 37.90, Braunſchwei=
ger
211, Pappenheimer 56.75, Freiburger 77., Türkiſche
172.90, Genua 186.. Ungariſche 370, Meininger 35.80,
Venediger 44.25, Mailänder 45 Fr.=L. 152., Mailänder
15) Fr.=L. 33,90 Raab=Gratzer=Anr.=Schweine 37,90 in
Reichsmark; Gothaer Präm. II 118., Donau=Regulier
Madrider 79.90, in Prozent; ferner ſchließen:

4proz. Reichsanl. (bis 1918 unkündbar) 101.65, 3½proz=
Reichsanl. 91.40 G., 3proz. Reichsanl. 82.20, 4proz. Heſſen
von 1899 100.60, 4proz. Heſſen von 1906 100.70 B., 4proz.
Heſſen von 1908/09 100.60, 3½proz. Heſſen 90.20, 3proz.
Heſſen 79.70, 4proz. Darmſtädter 99.90 G., 3½proz. Darm=
ſtädter
90.60, 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 1823)
101 G., 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 2425) 101.25,
3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 35) 90.10 G.,
3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 911) 90.20 G.,
4proz. Heſſ. Kom.=Pfdbr. (S. 1012) 101 G., 4proz. Heſſ.
Kom.=Pfdbr. (S. 1314) 101.25, 3½proz. Heſſ. Kom.=
Pfdbr. (S. 13) 90.30 G., 3½proz. Heſſ. Kom.=Pfdbr.
(. 4) 90.20 G., Darmſtädter Bank 126.40, Süddeutſche
Eiſenbahn=Geſellſchaft 124 G., Süddeutſche Immobilien=
Geſellſchaft (Mainz) 78 G., Lederwerke vorm. Spicharz
(Offenbach a. M.) 80 G., Schramms Lack= und Farben=
Fabriken (Offenbach a. M.) 274 G., Chemiſche Mühlheim
am Main 77.50, Schantungbahn 127., South= Weſt=
afrika
155½, Otavi=Anteile 94. Otavi=Genußſcheine
65., 4½proz. 1905er Ruſſen 100.75, 4proz. 1880er Ruſſen
92.10, 4proz. 1902er Ruſſen 91.15, 3¾proz. Ruſſen 89.,
3½proz. Ruſſen 86.10, 3proz. Ruſſen 80.50, 4proz. unifiz.
Türken 91.70 G., 4proz. Adminiſtr.=Türken 85.20, 4proz.
convertierte Türken 1905/1911 83., 4proz. Bagdadbahn
84.60, 5proz. Chineſen 98.55, 4½proz. Chineſen 93.75,
5proz. Tientſin=Pukow 97.25, 4½proz. Japaner 96.50,
4proz. Japaner 90.60, 3proz. Buenos=Aires 73½.

Kaiſers Geburtstag.

In Darmſtadt
wurde der Geburtstag Sr. Maj. des Kaiſers, des Aller=
oberſten
Kriegsherrn der deutſchen Armee und Marine,
in üblicher Weiſe gefeiert. Nach außen trug die Geburts=
tagsfeier
naturgemäß im weſentlichen militäriſches Ge=
präge
. Die Kaſernen und ſonſtigen militäriſchen Gebäude
der Garniſon waren beflaggt und mit Tannengrün und
Emblemen geſchmückt. Auch viele private und öffent=
liche
, ſtaatliche und ſtädtiſche Gebäude trugen Fahnen=
ſchmuck
. Die öffentlichen Bureaus waren geſchloſſen, die
Poſt hatte Sonntagsdienſt. In den Schulen fiel der Un=
terricht
aus; dafür fanden, teils ſchon am Tage vorher,
patriotiſche Feiern ſtatt, beſtehend in muſikaliſchen und
deklamatoriſchen Darbietungen und Feſtanſprachen über
die Bedeutung des Tages.
Die militäriſche Feier
war diesmal etwas umfangreicher, als in den beiden
Vorjahren, in denen aus dienſtlichen Gründen die Parade
auf dem Marienplatze ausfallen mußte. Heuer wurde
das glänzende Schauſpiel der militäriſchen Parade wie=
der
geboten und hatte zahlreiche Neugierige angelockt, die
übrigens während des ganzen Tages bei dem ſchönen,
milden Winterwetter die Straßen belebten. Ueber den
Zapfenſtreich am Vorabend haben wir bereits be=
richtet
. Die Feier ſelbſt wurde durch das übliche große
Wecken um halb 8 Uhr früh eingeleitet, und zwar mar=
ſchierte
die Kapelle des Leibgarde=Regiments unter der
Führung eines Adjutanten des Regiments durch die Ale=
xanderſtraße
nach der Wohnung des preußiſchen Geſand=
ten
, wo zwei Stücke geſpielt wurden. Feſtgottesdienſte
fanden in der Stadtkirche und der Katholiſchen St. Lud=
wigskirche
ſtatt. Um 12 Uhr ſtellten ſich die Regimenter
zum Parademarſch auf dem Marienplatz auf. Da=
zu
wurden die Fahnen der Infanterie durch eine Kom=
pagnie
des Leibgarde=Regiments, die Standarten der
Kavallerie durch eine Eskadron des Garde=Dragoner=
Regiments Nr. 23 vom Neuen Palais abgeholt. Die Pa=
rade
nahm der Diviſionskommandeur Generalleutnant=
v
. Plüskow ab. Gleichzeitig mit dem Ausbringen des
Kaiſerhochs wurden 101 Ehrenſchüſſe durch eine kombi=
nierte
Batterie auf dem kleinen Exerzierplatz abgegeben.
Der Parademarſch erfolgte in Zügen in der Reihenfolge:
Infanterie, Kavallerie, Artillerie und Train. Nach der
Parade ſpielte ein Trompeterkorps auf dem Marienplatz.
Nach Beendigung des Parademarſches erfolgte Parole=
ausgabe
an die Adjutanten, in der die Parole Kaiſer
Wilhelm II. ausgegeben und die Ernennungen, Beför=
derungen
und Ordensverleihungen im Bereiche der Divi=
ſion
bekannt gegeben wurden.
Die Offiziere hielten im Kaſino ein Feſtmahl; am
Abend wurden in den verſchiedenſten Lokalen Mann=
ſchaftsfeiern
veranſtaltet. Die Mannſchaften wurden auch
vorher in den Kaſernen feſtlich bewirtet.
Feſteſſen im Saalbau.
Nachmittags 2 Uhr vereinigten ſich, wie alljährlich,
Staats= und ſtädtiſche Beamte, im ganzen etwa 100 Per=
ſonen
, im Städtiſchen Saalbau zu einem Feſteſſen.
Herr Staatsminiſter Ewald Exz. brachte den Toaſt auf
Se. Maj. den Kaiſer aus, in dem er ausführte: Aus dem
Ausland höre man wohl den Vorwurf, wir Deutſche
wüßten nicht, was wir an unſerem Kaiſer hätten! Das
ſei nicht richtig. Man kenne dort den warmen Puls=
ſchlag
des Volksempfindens für unſeren Kaiſer nicht,
weil der Drang zu ſtändigen Gefühlsäußerungen der
kühleren deutſchen Natur fremd ſei. Alljährlich aber,
wenn der Tag wiederkehrt, an dem unſer Kaiſer geboren
wurde, breche die Begeiſterung ſich Bahn und die wahre
Stimmung des Volkes trete in ihrer Reinheit und Echt=
heit
zutage. Sie gelte freilich nicht nur der Perſönlich=
keit
des Monarchen, ſie gelte zugleich dem Träger des
nationalen Gedankens, der das politiſch geeinte Deutſch=
land
verkörpere, das unter dem Schutz der Kaiſexlichen
Macht in Wohlfahrt und Kultur voranſchreite. Voll
Dankbarkeit gedenken wir an dieſem Tage vor allem des
unvergänglichen perſönlichen Verdienſtes unſeres
Kaiſers um dieſe Entwickelung. Ihn, den Kriegsherrn
des gewaltigſten Heeres unter den Großmächten, locke
nicht der Lorbeer des ſiegreichen Feldherrn; ſein Ziel ſei
der Schutz des Friedens, ſo lange es unſere nationale
Ehre und Würde geſtatte. Was aber der Friede der letz=
ten
40 Jahre für die Machtentwickelung und Wohlfahrt
unſeres Volkes bedeute, das zeige der in früheren Perio=
den
nie dageweſene Zuwachs der Bevölkerung um 17
Millionen, die Verdreifachung unſeres Nationalvermö=
gens
in dieſer Zeit und das alljährliche Steigen unſeres
Nationaleinkommens um nunmehr 200 Millionen. Das
Erfreulichſte an dieſer Entwickelung aber ſei die Gleich=
mäßigkeit
der Verteilung des Wohlſtandes auf alle Er=
werbsſtände
, wie ſie in den ſteigenden Spardſſenrück=
lagen
des ſtädtiſchen und ländlichen Mittelſtandes, wie
der Arbeiter ſich ausdrücke, Rücklagen, die im Jahre 1910
um mehr als eine Milliarde gewachſen ſeien. Dieſer
wirtſchaftliche Aufſchwung habe uns die Kraft zu unſerer
Verſicherungsgeſetzgebung verliehen, in der wir noch von
keinem anderen Volke erreicht ſind. Ein Kulturwerk, das
den Verſicherten aller Zweige in dem Zeitraum von 1885
bis 1910 über drei Milliarden an Entſchädigungen mehr
zufließen ließ, als ſie an Beiträgen gezahlt haben und
das die Anſammlung eines Vermögensbeſtandes von
2.2 Milliarden geſtattete, von dem 729 Millionen für den
Bau von Arbeiterwohnungen, Krankenhäuſern, Geneis

[ ][  ][ ]

Nummer 24.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. Januar 1912.

Seite 5.

ungsheimen und für ähnliche Wobſahrkseinichlungen
verwendet ſeien. Dank ſagen wir deshalb heute dem
Kaiſer, daß er dieſe friedliche Entwickelung unſerer Macht
nicht für ein Stück Afrika auf das Spiel geſetzt habe, und
Dank vor allem dafür, daß ſeine ſtete Sorge für die
Schlagfertigkeit von Heer und Flotte uns mit Ruhe der
Zukunft auch in dem Fall entgegen zu ſehen geſtatte, da
es uns nicht mehr vergönnt ſein ſollte, die Segnungen
des Friedens zu genießen. Mit einem dreimaligen Hoch
auf den Kaiſer ſchloß die Rede.
Herr Bürgermeiſter Mueller brachte das Hoch au
Seine Königl. Hoheit den Großherzog aus und ſagte:
Wenn wir uns alljährlich am 27. Januar in dieſem Saale
verſammeln, um den Geburtstag Seiner Majeſtät des
Kaiſers feſtlich zu begehen, pflegen wir auch unſeres Lan=
desherrn
huldigend zu gedenken. Beiden Monarchen
gegenüber kommt bei dieſer Gelegenheit die hohe Ver=
ehrung
und treue Anhänglichkeit und Liebe zum Ausdruck,
die uns beſeelt. Und doppelt kommt uns in dieſen Stun=
den
zum Bewußtſein das unerſchütterliche Vertrauen, das
wir zu der zielbewußten Leitung der Geſchicke des Reichs
und unſeres engeren Vaterlandes in guten und in böſen
Tagen hegen dürfen. Stehen wir ſo den beiden Herr=
ſchern
mit gleichen Gefühlen gegenüber, ſo ſind unſere
perſönlichen Beziehungen zu ihnen naturgemäß verſchie=
den
. Der Kaiſer iſt uns der kraftvolle Vertreter und
Schutzherr unſeres Deutſchtums. Seine erhabene Per=
ſönlichkeit
löſt in uns aus die ſtolze Empfindung und zu=
gleich
das ſtarke Verantwortungsgefühl, Angehörige eines
großen Volkes zu ſein, das auf der Bühne des Welttheaters
ſteht und ſich nicht in Nebenrollen drängen läßt. Wenn
wir dem Kaiſer in Ehrfurcht unſere Glückwünſche dar=
bringen
, ſo tritt, ich möchte ſagen, das nationalpolitiſche
Moment in den Vordergrund unſeres Empfindens.
Anders bei unſerem Großherzog. Wohl ſind wir ſtolz.
mit ihm eines Stammes zu ſein und ihn an der Spitze
unſeres vorwärtsſchreitenden Landes zu ſehen, aber unſere
Beziehungen zu ihm tragen ein mehr perſönliches
Gepräge. Wir haben das Glück, mit ihm in einer
Stadt zu leben, uns täglich an ſeiner volkstümlichen ur=
ſprünglichen
Art zu erfreuen, an ſeinem künſtleriſchen
Urteil zu erheben, Zeugen zu ſein ſeines vorbildlichen
Familienlebens. Und mehr als das, wir haben das
Glück, in unſerem Beſtreben, ihm ſozuſagen menſchlich
nahe zu ſein, von ihm verſtanden zu werden. Er weiß,
daß das Herz die Geſinnung des Menſchen ausmacht, und
drückt warm die Hand, die wir ihm bei aller Ehrerbietung
vertrauensvoll entgegenſtrecken. So ergänzen ſich in
glücklicher Vereinigung die Beziehungen, die uns mit
unſerem Kaiſer und mit unſerem Großherzog verbinden.
Und es iſt mehr als die Achtung vor einer langjährigen
Uebung, was uns heute am Geburtstage des Kaiſers
rufen läßt: Gott ſchütze unſeren Landesherrn und das
ganze Großherzogliche Haus.
Die Speiſenfolge des Feſteſſens lautete:
Paſtetchen Kraftbrühe auf vaterländiſche Art Rhein=
lachs
mit holländiſcher Tunke und Kartoffeln Prager
Schinken in Burgunder, garniert Deutſche Kapaunen
mit Salat und Kompott Croquant Créme mit Schlag=
ſahne
Käſeſtangen Kaffee.
Die Feſt=Muſik wurde von der Kapelle des Großh.
Heſſiſchen Garde=Drag.=Regiments Nr. 23 unter Leitung
des Herrn Muſikmeiſters Alb. Mittelſtädt geſtellt.
Im Hoftheater fand Feſtvorſtellung ſtatt. Als
Einleitung wurde Webers Jubelouvertüre geſpielt. Zur
Aufführung gelangte Figaros Hochzeit. Das Haus war
gut beſucht. Ihre Könial. Hoheit die Großherzogin
wohnte mit der Prinzeſſin zu Schleswig=Holſtein der Vor=
ſtellung
bei.
Die Feier beim preußiſchen Geſandten.
Am Vorabend des Geburtstages unſeres Kaiſers, Frei=
tag
abend 8 Uhr, fand im Palais des vreußiſchen Geſandten
Frhrn. v. Rücker=Jeniſch ein Diner ſtatt, zu welchem
außer den Mitgliedern der hieſigen Diplomatie u. a. die
heſſiſchen Miniſter, der Diviſionskommandeur und die
Brigadekommandeure geladen waren. Staatsminiſter
Ewald brachte den Trinkſpruch auf den Kaiſer aus, wäh=
rend
Baron v. Jeniſch das Hoch auf unſeren Großherzog
ausbrachte.
Veränderungen bezw. Beförderungen im
Offizierkorps der Garniſon.
v. Oheimb, Major und Pferdevormuſterungskommiſ=
ſar
in Darmſtadt, erhält den Charakter als Oberſtleutnant.
v. Weſternhagen, Major beim Stabe des Leibgarde=
Inf.=Regts. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, wird zum Ba=
taillons
=Kommandeur im Regiment ernannt. Graf zu
Lynar, Oberleutnant und Adjutant der 49. Infanterie=
Brigade (1. Großh. Heſſ.), wird zum Hauptmann be=
fördert
. Stockhauſen, Leutnant im 2. Großh. Heſſ.
Feldartillerie=Regiment Nr. 61, wird zum Oberleutnant
befördert. Zu Leutnants werden befördert die Fähn=
riche
: von Schubert im Großh. Artilleriekorps,
1. Großh. Heſſ. Feldartillerie=Regiment Nr. 25, und
Kuhn im Großh. Heſſ. Train=Bataillon Nr. 18. Zum
Oberſtleutnant befördert: Major und Bataillonskomman=
deur
Sonntag im Infanterie=Leib=Regiment Großher=
zogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117. Ein vordatiertes Patent
ihres Dienſtgrades verliehen: den Heuptleuten und Kom=
pagniecheſs
Graf v. Kielmansegg im 2. Badiſchen
Grenadier=Regiment Kaiſer Wilhelm I. Nr. 110, von 30
September 1910, unter Verſetzung in das Infanterie=
Regiment Prinz Karl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118; Ehr=
hardt
im Infanterie=Regiment Prinz Karl (4. Großh.
Heſſ.) Nr. 118, vom 28. September 1901, unter Verſetzung
in das Badiſche Infanterie=Regiment Prinz Wilhelm
Nr. 112. Zum Kompagniechef ernannt unter Beförderung
zum Hauptmann: Oberleutnant Freienſehner im
Infanterie=Regiment Prinz Karl (4. Großh. Heſſ.) Nr.
118. Der Charakter als Major verliehen: Prinz zu
Solms=Hohenſolms=Lich, Rittmeiſter und Kom=
mandeur
der Leib=Eskadron des Regiments der Gardes
du Korps. Zum Batteriechef ernannt: Hauptmann von
Wienskowski im 2. Großh. Heſſ. Feldartillerie= Re=
ziment
Nr. 61. Zum Oberleutnant befördert: Leutnant
Firmenich im Infanterie=Regiment Kaiſer Wilhelm
(2. Großh. Heſſ.) Nr. 116. Zu Leutnants mit Patent vom
30. Januar 1910 befördert: die Fähnriche Sümmer=
mann
im Infanterie=Leib=Regiment Großherzogin (3.
Großh. Heſſ.) Nr. 117; von Steiger im Infanterie=
Regiment Prinz Karl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118. Zum
Leutnant befördert: die Fähnriche v. Reckow, Roſſi,
Weber im Infanterie=Leib=Regiment Großherzogin (3.
Großh. Heſſ.) Nr. 117. Zum Fähnrich befördert: Unter=
offizier
Kleine im Infanterie=Regiment Prinz Karl
(4. Großh. Heſſ.) Nr. 118. Befördert zu Oberleutnants:
die Leutnants der Reſerve Römheld (I Eſſen) des
Großh.Artilleriekorps, 1. Großh. Heſſ. Feldartillerie= Re=
giment
Nr. 25; Pohling (Elberfeld), des Großh. Artii=

leriekorps, 1. Großh. Heſſ. Feldartillerie=Regiment Nr.
25; Sunkel (Marburg) des Infanterie=Regiments Kai=
ſer
Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116; Jann (II Darm=
ſtadt
) des Infanterie=Regts. Kaiſer Wilhelm (2. Großh.
Heſſ.) Nr. 116. Zu Leutnants der Reſerve: die Vizefeld=
webel
bezw. Vizewachtmeiſter: Schaub (I Darmſtadt),
des Leibgarde=Infanterie=Regiments (1. Großh. Heſſ.)
Nr. 115; Schaefer (Friedberg), des Infanterie= Regi=
ments
Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116; Baas,
Schmitt (Mainz), des Infanterie=Leib=Regts. Groß=
herzogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117; Hanner, Krauſch
(Friedberg), des 5. Großh. Heſſ. Infanterie=Regiments
Nr. 168; Plugge, Becker (I Darmſtadt), des Großh.
Artilleriekorps, 1. Großh. Heſſ. Feldartillerie=Regiments
Nr 25; Schneider (I Darmſtadt), des 2. Badiſchen
Feldartillerie=Regiments Nr. 50; Parcus (I Darm=
ſtadt
), Vizewachtmeiſter, befördert zum Leutn. der Land=
wehr
=Kavallerie 1. Aufgebots. Verſetzt: Seeger ( Gie=
ßen
), Leutnant der Reſerve des Infanterie=Regiments
Prinz Karl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118, zu den Reſerve=
offizieren
des Infanterie=Regiments Kaiſer Wilhelm (2.
Großh. Heſſ.) Nr. 116. Im Sanitätskorps. Zum Regi=
mentsarzt
ernannt unter Beförderung zum Oberſtabsarzt:
Stabs= und Bataillonsarzt Dr. Peters des Telegra=
phen
=Bataillons Nr. 3, bei dem Infanterie=Regiment
Prinz Karl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118. Ein Patent ſeines
Dienſtgrades verliehen: Dr. Weckerling, Oberarzt bei
dem Infanterie=Leib=Regiment Großherzogin (3. Großh.
Heſſ.) Nr. 117, unter Einreihung hinter den Oberarzt Zill=
mer
. Verſetzt: Oberſtabs= u. Regimentsarzt Dr. Stahn
des Infanterie=Regiments Prinz Karl (4. Großh. Heſſ.)
Nr. 118, zum Niederſchleſ. Fußartillerie=Regiment Nr. 5.
Im Beurlaubtenſtande. Zum Stabsarzt befördert: Ober=
arzt
der Reſerve Dr. Wißmann (I Darmſtadt).
Im Reiche.
* Berlin, 27. Jan. Die Geburtstagsfeier
des Kaiſers begann heute morgen 8 Uhr mit dem
Großen Wecken, welchem der Kaiſer vom Schloßfenſter
aus beiwohnte, vom Publikum lebhaft begrüßt. Um 9
Uhr begann bei ſtürmiſchem, ſchneeigem Wetter die An=
fahrt
der Fürſtlichkeiten und der Geladenen.
Der Kaiſer nahm zuerſt die Glückwünſche der kaiſerlichen
Familie, des engeren Hofes und des Hauptquartiers ent=
gegen
. Anläßlich ſeines Geburtstages ſtiftete der Kaiſer
das Königlich Preußiſche Verdienſtkreuz in Gold mit der
Königlichen Krone, welches als erſter Kriminalkommiſſar
Touſſaint=Berlin erhielt, das Königlich Preußiſche Ver=
dienſtkreuz
in Silber mit der Königlichen Krone, welches
als erſter Jahn, Kapitän der Jacht Nordſtern,
erhielt. Gegen 10 Uhr verſammelten ſich die Botſchafter,
die Miſſionschefs, der Hochadel, der Reichskanzler, Bun=
desrat
, die Generalfeldmarſchälle, Staatsſekretäre, Mini=
ſter
, Landtagspräſidenten uſw. in der Schloßkapelle. In
feierlichem Zuge betraten die Majeſtäten und die fürſt=
lichen
Gäſte mit großem Vortritt die Kapelle. Der Kaiſer
trug die Uniform des erſten Garderegiments, der König von
Sachſen Ulanen=Uniform. Oberhofprediger Dryander hielt
die Feſtpredigt. Nach abermaligen Geſängen verließ der
Hof unter den Klängen des Wilhelmus von Naſſauen
die Kapelle und begab ſich nach dem weißen Saal, wo die
Defiliercour begann. Der Kaiſer und die Kaiſerin nahmen
vor den Stufen des Thrones Aufſtellung. Der Oberſtkäm=
merer
und der Oberhofmarſchall leiteten die Cour. Hinter
dem Einführer des diplomatiſchen Korps, Vizeoberzere=
monienmeiſter
Röder, ſchritt der Reichskanzler am Kaiſer
vorüber, der ihm die Hand ſchüttelte. Dann folgten Herr
v. Kiderlen=Wächter und die Botſchafter Oeſterreich==
Ungarns, Spaniens, Frankreichs, der Türkei. Englands,
Amerikas und Japans. Jedem einzelnen Botſchafter reichte
der Kaiſer die Hand und wechſelte freundliche Worte mit
ihm. Während der Cour empfing der Kaiſer auch das voll=
zählig
erſchienene Präſidium des Abgeordnetenhauſes.
Bei den Leibregimentern defilierten der Kronprinz und
Prinz Eitel Friedrich. Nach der Cour nahm der Kaiſer
die Glückwünſche des Staatsminiſteriums entgegen.
Um 12 Uhr begab ſich der Kaiſer im Automobil,
mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens über dem
Paletot, nach dem Zeughaus. Der Kronprinz mit
ſeinen Brüdern war vorher zu Fuß hinübergegangen. Das
Publikum begrüßte den Kaiſer mit lauten Hurrarufen.
Im Luſtgarten war auch eine Kolonne Pfadfinder auf=
geſtellt
. Die Parole lautete wie immer: Es lebe Se.
Majeſtät der Kaiſer und König! Der Kaiſer nahm mili=
täriſche
Meldungen entgegen. Um 1 Uhr verließ der
Kaiſer das Zeughaus und kehrte ins Schloß zurück. Das
Kaiſerpaar ſpeiſte dann mit den Prinzen Adalbert,
Oskar und Joachim. Die ſämtlichen im Schloſſe woh=
nenden
fürſtlichen Gäſte ſpeiſten im Pfeilerſaal der
Königskammer unter dem Vorſitz des Prinzen und der
Prinzeſſin Heinrich. Für die Gefolge war Marſchalltafel
im Gardedukorps=Saal.
* Berlin, 27. Jan. Anläßlich des Geburtstages
des Kaiſers iſt der kommandierende General des 8.
Armeekorps, v. Plötz, à la suite des Eliſabeth=Regiments
geſtellt worden, General der Infanterie z. D. Minck=
witz
à la suite des Auguſta=Regiments, der Komman=
deur
der 41. Kavallerie=Brigade, v. Hoffmann, erhielt
die zweite, der Kommandeur der 16. Kavallerie=Brigade
v. Zitzewitz, die dritte Kavallerie=Inſpektion.
* München, 27. Jan. Zu Ehren Kaiſers
Geburtstags verſammelten ſich geſtern abend die
Offiziere des Beurlaubtenſtandes des
Standortes München zu einem Feſtbankett, an dem die
Prinzen Ludwig, Ruprecht, Franz, Leopold
und Alfons, der Kriegsminiſter und der preußiſche
Geſandte teilnahmen. Den erſten Trinkſpruch brachte
Prinz Ludwig auf den Prinzregenten aus; am Anfang
ſeiner Ausführungen erwähnte er den Geburtstag des
Kaiſers und brachte dieſem die wärmſten Glückwünſche
dar. Der Kommandeur des Landwehrbezirkskommandos
München, Oberſtleutnant von Freyberg, brachte das Kai=
ſerhoch
aus, das freudige Begeiſterung auslöſte.
* Berlin, 28. Jan. Im Monopol=Hotel waren geſtern
die Offiziere der Schutztruppe und die Mitglieder
des Reichskolonialamts mit Damen zur Geburtstagsfeier
des Kaiſers verſammelt. Generalmajor Müller hielt die
Feſtrede auf den Beſchützer der Kolonien, den Kaiſer. An=
weſend
waren Staatsſekretär Dr. Solf, Exz. Dernburg und
eine Anzahl höherer Offiziere.
* Berlin, 28. Jan. Erzherzog Franz Ferdi=
nand
traf heute vormittag ein. Auf dem Bahnhof em=
pfing
der Kaiſer den Erzherzog, auch der Kronprinz war
erſchienen, ebenſo der öſterreichiſch=ungariſche Botſchafter
v. Szögyény=Marich war anweſend. Der Kaiſer geleitete
den Erzherzog nach dem königlichen Schloß.
* Brlin, 28. Jan. Erzherzog Franz Ferdinand
ſagte ſich heute nachmittag 5 Uhr zum Tee bei der öſter=
reichiſch
=ungariſchen Botſchaft an, wozu auf ſeinen Wunſch
auch Herr v. Bethmann=Hollweg und Staatsſekretär

v. Kiderlen=Wächter hinzugezogen wurden. Der Erz=
herzog
unterhielt ſich mit jedem der beiden Herren ein=
gehend
.
Im Auslande.
* Prag, 27. Jan. Der hieſige Verein deutſcher Reichs=
angehöriger
veranſtaltete heute aus Anlaß des Geburtstages
des deutſchen Kaiſers ein Feſtmahl, wobei der deutſche
Konſul Frhr. v. Gebſattel den Toaſt auf Kaiſer Franz
Joſef, der Obmann des Vereins, Razen, den Toaſt auf den
deutſchen Kaiſer ausbrachte.
* Rom, 27. Jan. Die Feier des Geburts=
tages
des Kaiſers wurde geſtern abend im Hotel
Quirinal durch ein Bankett des deutſchen Künſtlervereins
begangen. Anweſend waren Botſchafter v. Jagow, Ge=
ſandter
v. Mühlberg, von und zu der Tann=Rathſamhauſen,
Ritter zu Grünſtein, Fürſt Bülow und zahlreiche Mitglieder
der deutſchen Kolonie.
* Brüſſel 27. Jan. Die deutſche Kolonie
feierte den Geburtstag des Kaiſers durch einen Feſtakt in
der deutſchen Schule, an dem Mitglieder der Geſandtſchaft
und des Konſulats teilnahmen. Abends fand ein Feſt=
bankett
unter ſtarker Beteiligung ſtatt. Das Hoch auf den
König der Belgier brachte der Direktor der deutſchen Schule,
Lohmeyer, aus. Nach dem Feſtbankett veranſtaltete der
deutſche Veteranenverein in Brüſſel einen Feſtkommers.
* Paris, 27. Jan. Anläßlich des Geburtstages des
Kaiſers wurde heute vormitag in der Chriſtuskirche ein
Feſtgottesdienſt abgehalten, welchem der Botſchafter Frhr.
v. Schön, die Herren der Botſchaft und des Konſulats, der
bayriſche Geſchäftsträger, ſowie eine überaus
zahlreiche Gemeinde beiwohnten. Heute abend fand auf der
deutſchen Botſchaft aus dem gleichen Anlaß ein feſtlicher Em=
pfang
ſtatt.
* Paris, 28. Jan. Der von dem deutſchen Bot=
ſchafter
und Freifrau v. Schoen zur Feier des Geburts=
tages
des Kaiſers gegebene Empfangsabend nahm einen
ſehr angeregten Verlauf. Zu dem Feſt waren über 1000
Mitglieder der deutſchen Kolonie, ſowie zahlreiche auf der
Durchreiſe befindliche Landsleute erſchienen. Das von
dem Botſchafter ausgebrachte Kaiſerhoch fand begeiſterten
Widerhall.
* Madrid, 28. Jan. Die deutſchen Kolonien in
Madrid und anderen Städten Spaniens begingen den
Geburtstag des deutſchen Kaiſers in feſtlicher Weiſe. Die
deutſche Kolonie veranſtaltete ein Feſteſſen, wobei der
deutſche Botſchafter, Prinz von Ratibor und Corvey, den
Vorſitz führte.
* London, 27. Jan. Der deutſche Offizier=
klub
in London gab geſtern abend ein Diner zur
Feier von Kaiſers Geburtstag. Unter den Anweſenden
befanden ſich der frühere Lord=Mayor von London, die
Mitglieder der Botſchaft und des General=Konſulats.
* London, 27. Jan. Bei dem Feſtmahl, das die
deutſche Kolonie heute veranſtaltete, hielt der Botſchafter
Graf Wolff=Metternich, eine Rede, in welcher er
ſeine Freude darüber ausſprach, daß die Kaiſerfeier den
repräſentativen Charakter des vereinigten Deutſchtums von
London trage und ſomit zum ſchönen Sinnbild der deut=
ſchen
Einheit geworden ſei. Er betonte, daß die Ach=
tung
vor dem deutſchen Namen mit unſerer Einheit ent=
ſtanden
ſei, auf der unſere Stärke beruhe, gedachte ſodann
des 200. Geburtstages Friedrichs des Großen und ſchloß:
Das hohe Pflichtgefühl, welches Friedrich den Großen aus=
zeichnete
, iſt auf ſeine Nachfolger übergegangen bis auf
den jetzigen Träger der Krone. Deutſchlands Wohl und
Wehe bewegt unſeres Kaiſers Herz und Deutſchlands Zu=
kunft
iſt ſeine ſtete Sorge. Möge dieſe Zukunft groß und
glücklich ſein! Das iſt das Beſte, was wir unſerem Kaiſer
an ſeinem Geburtsfeſte wünſchen können.
* Petersburg, 27. Jan. Bei dem Feſteſſen,
das geſtern abend, am Vorabend von Kaiſers Geburtstag,
im Reichsvereine ſtattfand, hielt der deutſche Bot=
ſchafter
Graf von Pourtales die Feſtrede, in der
er die Vorgänge des letzten Jahres berührte und dar=
auf
hinwies, daß Deutſchland, welches über vierzig Jahre
den Frieden gehalten, niemanden bedrohe, ſondern ſtets
bereit ſei, zu friedlicher Auseinanderſetzung über Mein=
ungsverſchiedenheiten
mit anderen Nationen die Hand
zu bieten. Die Erregung, die im vorigen Herbſte durch
Deutſchland ging, habe aber bewieſen, daß das deutſche
Volk bei aller Friedensliebe im Punkte ſeiner Ehre äu=
ßerſt
empfindlich iſt und keinen Augenblick zögern würde,
Gut und Blut für ſie zu opfern, wenn dies, was Gott ver=
hüten
möge, je einmal nötig werden ſollte. Der Bot=
ſchafter
hob weiter hervor, daß die Wolken, die im vori=
gen
Jahre am politiſchen Horizont erſchienen, glücklicher=
weiſe
das Verhältnis zwiſchen Deutſchland und Rußland
nicht getrübt hätten. Die alten freundſchaftlichen Bezieh=
ungen
zwiſchen den beiden Herrſcherhäuſern ſeien in dem
Beſuch des Kronprinzenpaares am ruſſiſchen Hofe von
neuem zum Ausdruck gelangt. Mit dem Wunſche, daß
das auf die Gemeinſamkeit der Intereſſen der beiden
mächtigen Vertreter des monarchiſchen Prinzips beru=
hende
gute Verhältnis zwiſchen den beiden Nachbarrei=
chen
nie geſtört werden möge, ſchloß der Botſchafter, in=
dem
er die Verſammlung aufforderte, auf den Zaren, den
treuen Hüter der traditionellen deutſch=ruſſiſchen Freund=
ſchaft
, das erſte Glas zu leeren.
Anläßlich des Geburtstages des deutſchen Kaiſers
fand bei dem Kaiſerpaare Frühſtückstafel ſtatt, woran u. a.
das Kaiſerpaar, die kaiſerlichen Töchter Olga und Tatjana,
die Großfürſtin Jeliſſaweta Mawrikiewna und Großfürſt
Michael Alexandrowitſch teilnahmen. Der Früh=
ſtückstafel
wohnten ferner das Grafenpaar
Pourtalés, die Mitglieder des kaiſerlichen Hofes, der Mi=
niſter
des Aeußeren und das kaiſerliche Gefolge bei. Der
Kaiſer brachte die Geſundheit des deutſchen Kaiſers aus,
worauf die Muſik die deutſche Nationalhymne ſpielte.
* Waſhington, 27. Jan. Präſident Taft ſandte
dem deutſchen Kaiſer in ſeinem eigenen Namen und im
Namen des Volkes telegraphiſch die herzlichſten Glück=
wünſche
, ſowie Wünſche für ein Fortbeſtehen der herzlichen
Beziehungen zwiſchen Deutſchland und den Vereinigten
Staaten.
* Waſhington 28. Jan. Zu Ehren des Ge=
burtstages
des Kaiſers fand in der deutſchen
Botſchaft ein Diner ſtatt, an dem außer den Mitgliedern
der Botſchaft einige bekanntere hieſige Deutſch=Amerikaner
teilnahmen. Profeſſor Schönfeld von der George
Waſhington=Univerſität hielt die Rede auf den Kaiſer und
ſchloß mit einem Toaſt, auf den der Botſchafter erwiderte,
ſeinen Dank ausſprach und das Hoch auf den Präſidenten
ausbrachte.
* Tripolis, 27. Jan. Zum Geburtstag des deutſchen
Kaiſers begab ſich der Gouverneur Caneva zum hie=
ſiegen
deutſchen Konſul und drückte ihm ſeine Glück=
wünſche
aus.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. Januar 1912.

Nummer 24.

Sport.

sr. Monaco=Sternfahrt. Von den Teilneh=
mern
an der Internationalen Automobil=Sternfahrt nach
Monaco ſind nun auch noch die beiden fehlenden deut=
ſchen
Wagen am Ziel eingetroffen. Der Daimler=
Wagen des Herrn Dehn traf am Mittwoch nachmittag um
3 Uhr 54 Min. ein, der Opel=Wagen des Herrn Maurice
Talbot folgte am gleichen Tage abends 9 Uhr 32 Min.
Damit haben ſämtliche in Berlin geſtarteten Wagen die
Strecke zurückgelegt. Trotz der ſtarken internationalen
Konkurrenz rechnet man nach wie vor auf ein gutes Ab=
ſchneiden
der deutſchen Wagen, ſpeziell der ſchmucken Li=
muſinen
, die ſchon beim Start in Berlin viel Bewunder=
ung
fanden. Wie im Vorjahre, ſo gibt es auch diesmal
wieder, trotz der geänderten Propoſitionen, zahlreiche
Unzufriedene. Speziell die Oeſterreicher beklagen ſich,
daß ſie mit der ihnen vorgeſchriebenen ſchwierigen
Strecke gegenüber den Franzoſen und Belgiern ſtark
gehandikapt wären.
Schierke im Harz (Brockengebiet), 26. Jan.
Am 3., 4. und 5. Februar großes Sportfeſt in Schierke
des Eishockey= und Skeletonklubs Schierke. Skeleton=
fahrten
um die Meiſterſchaft von Deutſchland. Schnee=
ſchuhſprung
, Eiskunſtlauf, Walzerlauf, Eiswettlauf, Eis=
hockeyſpiele
. Bedeutendſte Vereine und Klubs haben Mit=
wirkung
zugeſagt. Wetterausſichten günſtig. Nachts ge=
ringe
Kältegrade, tagsüber geringe Wärmegrade.

Wahlkrawalle in Schwetz.

* Schwetz, 26. Jan. Nach dem Bekanntwerden des
Wahlergebniſſes entſtand geſtern um Mitternacht, wie
ſchon gemeldet, auf dem Marktplatze vor dem Kaiſer Wil=
helm
=Denkmal ein Aufruhr, an dem mehrere Hundert
Polen teilnahmen. Die Menge ſtürmte ein Café, in dem
deutſche Bürger ſaßen, zertrümmerte die Marmortiſche
und richtete an dem übrigen Inventar großen Schaden
an. Der Anlaß des Tumultes war, daß die polniſchen
Wähler erfahren hatten, daß Danziger Studenten, die
zur Wahlhilfe nach Schwetz gekommen waren, ſich im Lo=
kal
befanden. Als aus einer anderen Gaſtwirtſchaft den
Bedrängten Hilfe wurde, entſtand eine große Prügelei,
bei der auch geſchoſſen wurde. Zwei Studenten wurden
ſchwer verwundet. Nach dem Tumult durchzogen die
Polen die Stadt, zertrümmerten die Schaufenſter der
deutſchen Kaufleute und ſchlugen Türen ein. Dann be=
gaben
ſie ſich nach dem Landratsamt, in dem der Reichs=
tagsabgeordnete
von Halem wohnt, und warfen die Fen=
ſter
ein. Es wurde Sturm geläutet. Endlich gelang
es der Polizei, die zunächſt der Menge gegenüber macht=
los
war, dieſe zu zerſtreuen. Die Bürgerſchaft iſt in gro=
ßer
Erregung, da ſie weitere Beläſtigungen durch die Po=
len
befürchtet. Es mußte militäriſche Hilfe requiriert
werden. Mehrere Perſonen wurden verhaftet. Für Kai=
ſers
Geburtstag planen die Polen weitere Kundgeb=
ungen
.
* Schwetz, 26. Jan. 150 Mann des zweiten vom=
merſchen
Jägerbataillons ſind aus Kulm einge=
troffen
; die Schwetzer Sanitätskolonne, die geſtern hel=
fend
eingreifen wollte, wurde in ihrem Samariterwerk
durch die Polen behindert. Einzelne Mitglieder ſind in
Ausübung ihrer Tätigkeit ſchwer verletzt worden.
Ueber Schwetz iſt der Belagerungszuſtand
verhängt worden. Die Verhaftungen ſind bis auf 12
Perſonen geſtiegen. Den verunglückten Studenten geht
es beſſer. Den deutſchen Geſchäftsleuten wurde von den
Polen angedroht, ihre Geſchäfte in Brand zu ſtecken. Auf
dem Lande herrſcht größte Unruhe. Die Gemeindevor=
ſteher
erbitten vom Landrat Schutz.

Erdbeben.

* Athen, 26. Jan. Bei dem Erdbeben in
Kephalonia wurden mehrere Dörfer zerſtört. Acht
Menſchen wurden getötet und zwei verwundet. Die Erd=
ſtöße
dauern an.
London, 28. Jan. Ein Erdbeben, das
geſtern in Schottland und Wales bemerkt wurde,
und in einigen Kohlenrevieren eine Panik hervorrief,
wird auf lokale Veränderungen in der Schichtung des
Hügellandes zurückgeführt, die durch klimatiſche Einflüſſe
hervorgerufen ſind.

Der Arbeiteraufruhr in Differdingen.

* Differdingen, 27. Jan. Zu den Ausſchreit=
ungen
der Arbeiter der Deutſch=Luxemburger Berg=
werks
= und Hütten=Aktien=Geſellſchaft wird noch gemeldet:
Als am geſtrigen Lohntage zum erſten Male die aus An=
laß
der Einführung des Altersgeſetzes vorzunehmenden
Beitragsabzüge vom Lohn abgezogen wurden, rotteten ſich
etwa 400 italieniſche Hochofenarbeiter zuſammen und zogen
unter Vorantragen von roten Fahnen vor das Werk. Als
ſie ſofort damit begannen, die Türen einzuſchlagen und die
Fenſter einzuwerfen, ſuchte die Polizei zunächſt die Maſſen
mit der Feuerſpritze auseinander zu treiben. Die Aus=
ſtändigen
bewarfen die Polizei mit Steinen. Einige junge
Burſchen griffen zum Revolver. Bald darauf wurden
förmliche Salven auf die Polizei abgegeben. Dieſe griff
nun ihrerſeits auch zur Schußwaffe. Zunächſt ſchoß ſie in
die Luft. Als einer der Poliziſten durch Steinwürfe am
Kopfe verletzt wurde, gab die Polizei Feuer auf die Menge.
Zwei Italiener und ein aus Neugierde daſtehender Fran=
zoſe
wurden getötet. Sechs Perſonen wurden mehr oder
minder ſchwer verletzt. Die Ausſtändigen zogen ſich dann
langſam unter fortwährendem Schießen und Steinwerfen
zurück.
* Luxemburg, 26. Jan. Von Luxemburg ſind 50
Mann der Freiwilligen=Kompagnie nach Differ=
dingen
abgegangen. Um 3 Uhr telegraphierte der Bürger=
meiſter
von Differdingen: Der Ausſtand hat revo=
lutionären
Charakter angenommen. Die Gen=
darmerie
wird überlaufen. Di Ausſtändiſchen ſind 500.
Die Tore des Werkes ſind erbrochen. Steinwürfe und Re=
volverſchüſſe
wurden abgegeben. Zwei junge Arbeiter
ſollen tot und zwei verwundet ſein. Verlange dringend
militäriſche Hilfe. Der Fall iſt ſehr ernſt.
* Differdingen, 27. Jan. Bis mittags war
alles ruhig. Durch Anſchläge wurde bekannt gemacht
daß das Militär den Befehl erhalten habe, beim erſten
Angriff der Streikehden zu ſchießen.
* Differdingen, 27. Jan. Durch Anſchläge wurde
bekannt gemacht, daß das Militär den Befehl erhalten
habe, beim erſten Angriff der Streikenden zu ſchießen.

Vermiſchtes.

Ein neuer Tunnel für die Gotthardt=
bahn
. Die Ausführung des Hauhenſteinbaſistunnels im
Zuge der Gotthardbahn iſt, wie die Bauwelt berichtet,
einer Berliner Tiefbau=Firma übertragen und damit wie=
der
ein großer Erfolg deutſchen Unternehmungsgeiſtes er=
zielt
worden. Die Eiſenbahnſtrecke Baſel=Olten mit dem

bereits vorhandenen Hauhenſteintunnel von 2495 Meter
Länge hat ſo ungünſtige Steigungsverhältniſſe, daß der
ſtändig wachſende Verkehr nicht mehr ordnungsgemäß
durchgeführt werden kann. Zur Verbeſſerung der Be=
triebsverhältniſſe
bleibt kein anderer Ausweg, als eine
teilweiſe Verlegung der Linie, durch die günſtigere Steig=
ungs
= und Krümmungsverhältniſſe erzielt werden. Nach
dem Plan der Generaldirektion der ſchweizeriſchen Bun=
desbahn
zweigt dieſe neue Linie hinter dem Bahnhof
Siſſach von der alten ab, wendet ſich öſtlich dem Orte
Gelderkinden zu, ſchlägt dann eine faſt ſüdliche Richtung
ein und tritt hinter dem Bahnhof Tecknang in den neu
zu erbauenden, 8135 Meter langen Hauhenſtein= Böſis=
tunnel
ein, den ſie kurz vor der Ueberſchreitung der Aare
verläßt, um alsdann in den Bahnhof Olten einzulaufen.
Die neue Linie iſt bei 16,2 Kilometer Baulänge 111 Meter
kürzer als die beſtehende, und der Scheitelpunkt der Bahn
liegt 110 Meter tiefer. Ihre größte Steigung beträgt
10,5 Prozent, während die der beſtehenden Strecke 26,0
Prozent hat; im ſüdlichen Tunnelſchenkel iſt eine Steigung
von 7,5 Prozent angeordnet, bei einer Länge von 6,3 Kilo=
meter
. Die Quellen, die nach dem geologiſchen Gutachten
im Tunnel zu erwarten ſein werden, haben höchſtens die
Temperatur von 8 Grad Celſius; nur im ſüdlichſten
Muſchelkalkgebiet wird die Temperatur der Quellen auf
2025 Grad Celſius ſteigen. Die Kürzung der virtuellen
Länge Baſel=Olten beträgt 30 Kilometer, die Abkürzung
der Fahrzeiten für Schnell= und Perſonenzüge 1520, für
Güterzüge 25 Minuten. Bei der Ausſchreibung im Auguſt
vorigen Jahres waren vier Angebote eingegangen, zwei
von ſchweizeriſchen, eins von einer franzöſiſchen und eins
von einer deutſchen Firma. Die letztere, die Berliner
Tiefbau=Firma Julius Berger, überſchritt den Anſchlag
der Generaldirektion um 1,6 Millionen Mark, blieb aber
hinter den übrigen Angeboten um 1, 34, 3 Millionen
zurück. Bei einem neuen Ausſchreiben erhielt die deutſche
Firma, obwohl ſie ihr erſtes Angebot um 720000 Mark
erhöht hatte, als mindeſtfordernde den Zuſchlag auf Aus=
führung
des Tunnels und der anſchließenden Strecken.

Literariſches.

Die deutſchen Vorpoſten in Südöſterreich, die ſeit
Jahrhunderten dem Anſturm fremder Völker ſtandhalten
mußten in oft blutigen Kämpfen, und die nun ſchon jahr=
zehntelang
ihr heiligſtes Gut: Deutſche Sprache und
Deutſche Kultur, gegen das wirtſchaftliche und kulturelle
Vordringen der Slawen verteidigen, haben ein Anrecht
darauf, von den deutſchen Stammesgenoſſen unterſtützt
und in ihrem tapferen Ringen und Ausharren geſtärkt
zu werden. Ein trefflicher Artikel von Dr. Theodor Haas
in Heft 3 der Gartenlaube lenkt das Allgemein=
intereſſe
von neuem auf jene Wackern an der Sprach=
grenze
hin und entwirft ein plaſtiſches Bild davon, wie
ſich in den ſüdlichen und ſüdöſtlichen Grenzgebieten die
Verhältniſſe im Laufe der Zeit bald zugunſten bald zuun=
gunſten
der Deutſchen verſchoben haben, wie alter Beſitz
aufgegeben werden mußte und Neuland in zähem Be=
mühen
errungen wurde nicht zum geringſten Teil dank
der tatkräftigen Mitwirkung der deutſchen Schutzvereine,
des Deutſchen Schulvereins, des Vereins Tiroler
Volksbund u. a. m.
Der Herr von Berlin. Roman von Ru=
dolf
Lothar. (Concordia, Deutſche Verlags=Anſtalt.
G. m. b. H. in Berlin SW. 68.) Broſchiert 3 Mk., gebun=
den
4 Mk. Rudolf Lothar, den wir bereits aus ſeinem
Roman Kurfürſtendamm als den amüſanten und
ſcharfäugigen Schilderer des modernen Berlins kennen,
hat in ſeinem neuen Werk Der Herr von Berlin ein
Milieu gewählt, das von vornherein eines ſenſatio=
nellen
Intereſſes beim Publikum ſicher ſein kann. Es
macht uns mit den Geheimniſſen eines großen Operetten=
Truſts bekannt. Der eigentliche Held, der Mann, in
deſſen Hand alle Fäden zuſammenlaufen, iſt der In=
haber
eines bekannten Berliner Theater=Verlages. In
dieſem Roman iſt es Rudolf Lothar gelungen, ein gutes
Stück modernen Berliner Weſens lebendig zu machen,
das ſich um zwei Pole dreht, die durch die Geſtalten
Morans und Wulfens verkörpert werden.

Der italieniſch=türkiſche Krieg.

* Rom, 27. Jan. Die Agenzia Stefani veröffentlicht
folgende Note: Am 25. Januar um 4 Uhr nachmittags
traf der Torpedobootszerſtörer Fulmine‟
den fllanzöſiſchen Dampfer Tavignano
der neun Meilen öſtlich von Zanzir, nahe der tripolitani=
ſchen
Grenze, angehalten worden war, mit fertig gemach=
tem
Ladebaum, während drei Segelboote nordöſtlich fuh=
ren
. Nachdem der Kommandant des Fulmine feſtgeſtellt
hatte, daß der Tavignano ſich außerhalb der territoria=
len
Gewäſſer befand, und da es allgemein hieß, daß der
Tavignano auf offener See Konterbande auszuſchiffen
pflege, ſtieg der Kommandant an Bord des franzöſiſchen
Dampfers, wo er das Fehlen der Zollausweiſe feſtſtellte.
Daher begleitete der Fulmine den Tavignano nach
Tripolis wo er geſtern abend um 9 Uhr eintraf und
ſogleich einer Unterſuchung unterworfen wurde, die ergab,
daß die Ladung aus Mehl, Zucker, Oel, Wein, Konſerven=
fleiſch
und Leinwand beſtand, daß jedoch ſpezifiſche
Kriegskonterbande nicht vorhanden war.
Nach dieſer Feſtſtellung wurde der Tavignano ſogleich
um 11 Uhr abends freigelaſſen.
Cagliari, 28. Jan. Der Dampfer Saint
Auguſtin iſt heute früh 11 Uhr mit den 29 türkiſchen
Paſſagieren der Manuba nach Le Frioul in See ge=
gangen
.
* Trieſt, 27. Jan. Die Generaldirektion des Oeſter=
reichiſchen
Lloyd teilt folgendes mit: Der Dampfer
Bregenz der geſtern in Suez eintraf, berichtet, daß
er am 22. Jan. vormittags 15 Meilen nördlich von Perim
von dem italieniſchen Kriegsſchiff Volturno ange=
halten
wurde. Ein Paſſagier zweiter und 13 Paſſagiere
dritter Klaſſe wurden unter dem Verdacht, türkiſche Sol=
daten
zu ſein, feſtgenommen und an Bord des Volturko
gebracht. Die Bregenz dampfte nach zweiſtündigem
Aufenthalt weiter.
* Paris, 27. Jan. Nach einer anſcheinend offiziöſen
Meldung hat die franzöſiſche Regierung durch den Botſchafter
Barrère Aufklärungen über die Wegnahme des Küſten=
Poſtſchiffes Tavignano verlangt und gleichzeitig
ſelbſt eine Unterſuchung über den Vorfall an=
geordnet
. Falls das Ergebnis dieſer Unterſuch=
ungen
die Wegnahme nicht gerechtfertigt erſcheinen
laſſen ſollte, werde die franzöſiſche Regierung in
Rom entſprechende Wiedergutmachung fordern.
Nach Anſicht der Compagnie Mixte ſei die Wegnahme
des Tavignano durchaus unerklärlich. Der

Dampfer habe nur gewöhnliche Waren und die Poſt,
aber keinen einzigen Reiſenden an Bord gehabt.
In einer Depeſche aus Tunis wird behauptet, daß
die italieniſchen Torpedoboote, welche die für den
Verladungsdienſt des Tavignano beſtimmten Bar=
kaſſen
mit blinden Kanonenſchüſſen anhielten und durch=
geſucht
haben, ſich in tuneſiſchen Gewäſſern befanden.
Tunis, 28. Jan. Der Dampfer Tavignano
wurde in den tuneſiſchen Gewäſſern eine halbe Stunde
von Zarzis angehalten. Der Kommandant lehnte
unter der Begründung, daß er ſich in tuneſiſchen Ge=
wäſſern
befinde, es energiſch ab, das Schiff durchſuchen
zu laſſen. Die italieniſchen Offiziere erzwangen
darauf die Unterſuchung. Nachdem die Unterſuchung
ergebnislos verlaufen, wurde der Tavignano nach
Tripolis gebracht und dort einer zweiten Durchſuchung
unterworfen. Auch dieſe verlief fruchtlos wie die
rſte. Das Schiff wurde ſodann freigelaſſen.

Die Revolution in China.

* Peking, 26. Jan. Drei Bataillone Kaiſer=
licher
Truppen mit zehn Gebirgsgeſchützen und
ſechs Maſchinengewehren verließen Tſinanfu ent=
weder
mit der Abſicht, die Revolutionäre in Tſchifu an=
zugreifen
oder die Eiſenbahn zu ſchützen. Der Vizekönig
von Hukuang meldet, er halte die dortigen Kaiſerlichen
Truppen für unzuverläſſig. Die Panik unter den Chi=
neſen
in Peking dauert an, die Intrigen im Palaſte der
Regierung nehmen überhand.
* Peking, 27. Jan. Gegen den früheren Mandſchu=
kommandanten
der Kaiſergarde, Liangpi, warf ein Chi=
neſe
in Offiziersuniform eine Bombe, als Liangpi vor
ſeinem Hauſe vom Wagen ſtieg. Liangpi wurden die
Beine gebrochen, auch erhielt er andere Verletzungen.
Ein Bein mußte amputiert werden, ſein Zuſtand iſt ernſt.
Der Angreifer, wahrſcheinlich ein Revolutionär, kam bei
der Exploſion um. Liangpi, der Reaktionär iſt, war kürz=
lich
verdächtigt worden, zu dem Angriff gegen die Chineſen
in Peking geraten zu haben.
Tokio, 27. Jan. Im Parlament bemerkte der
Miniſter des Aeußern Vicomte Uchida auf die Inter=
pellation
, Japan habe nicht auf die Aufrechterhal=
tung
der Monarchie in China gedrungen; die
Aeußerungen, die der Geſandte in Peking darüber ge=
macht
habe, ſeien nur der Ausdruck von deſſen perſön=
licher
Auffaſſung. Uchida erklärte ferner, Japan halte an
dem Grundſatz der Unantaſtbarkeit Chinas feſt.
Japan ſei bereit, das Anerbieten, zwiſchen den Kaiſer=
lichen
und den Revolutionären zu vermitteln, das es nach
Verſtändigung mit Großbritannien gemacht habe, ſabald
ſich die Gelegenheit dazu bietet, zur Ausführung zu
bringen.

Darmſtadt, 29. Januar.
* Die Wahl in Bingen=Alzey wird von der
Fortſchr. Volkspartei angefochten werden. Das iſt ſelbſt=
verſtändlich
, da alle Reichstagswahlen, die mit einer
ganz geringen Mehrheit entſchieden werden, angefochten
zu werden pflegen. Sie wäre auch angefochten worden,
wenn Herr Korell mit 2 oder 10 Stimmen Mehrheit
gewählt worden wäre. Die Entſcheidung über den
Wahlproteſt ſteht allein dem Reichstag zu. Bis
dahin iſt das amtliche Wahlreſultat geſetzlich gültig und
allein maßgebend und bleibt Herr Dr. Becker nach dem
Geſetz der rechtmäßig gewählte Abgeordnete. Dieſes
amtliche Wahlreſultat auf anderem Wege anzufechten,
iſt unzuläſſig, und die Unparteilichkeit der kreisamtlichen
Behörde in Zweifel zu ziehen, entſpricht nicht den bis=
herigen
Gepflogenheiten.

Ss. Griesheim, 28. Jan. Ein vor einigen Wochen
verurteilter Schloſſer namens Becker von hier kam heute
nachmittag mit ſeiner Ehefrau über ſeine Beſtrafung in
Streit. Im Verlaufe deſſen verletzte er die Frau mit
einem Meſſer am Halſe, daß ſie in das Krankenhaus
nach Darmſtadt gebracht werden mußte. Der Täter
wurde in Haft genommen.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Potzdam, 27. Jan. Der Regierungspräſident erläßk
eine Bekanntmachung, wonach der König genehmigt hat,
daß der Name der Stadtgemeinde Rixdorf in Neu=
kölln
umoewandelt wird.
* Dresden, 27. Jan. Der Sächſiſche Landesdienſt
erfährt aus gut unterrichteter Stelle: Der König lud
bei dem Beſuch in Berlin den Kaiſer zu der am 18.
Oktober 1913 ſtattfindenden feierlichen Uebergabe des
Völkerſchlachtdenkmals bei Leipzig ein. Der Kaiſer nahm
die Einladung an.
* Dresden, 28. Jan. Die Dresdener Nachrichten
melden: Heute morgen 4 Uhr iſt in ſeiner Villa in Blaſe=
witz
bei Dresden der bekannte Komiker Felix Schweig=
hofer
geſtorben.
* Braunſchweig, 27. Jan. Dem erſten und zweiten
Bataillon des Braunſchweigiſchen Infanterie=
Regiments Nr. 92 iſt, der Braunſchweigiſchen Lan=
deszeitung
zufolge, vom Kaiſer der Totenkopf ver=
liehen
worden.
* Bern, 28. Jan. Bei der Kaiſerfeier, die die
deutſche Kolonie in Bern unter dem Ehrenvorſitz des
deutſchen Geſandten v. Bülow und des bayeriſchen
Miniſterreſidenten Böhm abhielt, wurde in freudigen
Worten des für den Herbſt angeſagten Kaiſerbeſuches
gedacht. In einem Telegramm an Seine Majeſtät er=
neuert
die Kolonie das Gelöbnis unwandelbarer Treue
zu dem kaiſerlichen Herrn, deſſen Beſuche ſie begeiſtert
entgegenſehe. Der Sprecher der Schweizer Gäſte ver=
ſicherte
, das Schweizer Volk werde den Kaiſer jubelnd
empfangen. Die Bande der Freundſchaft zwiſchen den
beiden Völkern würden ſich durch den Beſuch noch enger
knüpfen.
* Peſt, 27. Jan. Der jüngſt gewählte kroatiſche
Landtag iſt durch königlichen Erlaß vor ſeinem Zu=
ſammentritt
heute aufgelöſt worden, weil infolge der
Zuſammenſetzung des Landtags eine erſprießliche Tätig=
keit
nicht zu erwarten ſei.
* Paris, 28. Jan. In Seyſſel (Ober=Savoyen)
wurden in einem Steinbruch durch vorzeitiges Ex=
plodieren
einer Dynamitpatrone zwei Arbeiter getötet,
fünf lebensgefährlich verletzt.
* Rio de Janeiro, 27. Jan. In Bahia finden
fortgeſetzt Straßenkämpfe ſtatt, an denen Bundes=
ſoldaten
und Matroſen in Zivilkleidung beteiligt ſind.
Drei regierungstreue Zeitungsdruckereien ſind zerſtört
worden. Nach Verſicherung der Staatsregierung iſt die
Bevölkerung nicht an den Kämpfen beteiligt. In Beara
übernahmen Bundestruppen den Polizeidienſt. Es wer=
den
Verſtärkungen abgeſchickt. Der Senatspräſident wei
gert ſich, ſein Amt wieder zu übernehmen. Der dritte!
Bizepräſident hat darauf die Regierung übernommen.

[ ][  ][ ]

Paris, 27. Jan. Der von den beteiligten
Miniſterien eingeſetzte Ausſchuß zur Organiſierung
des marokkaniſchen Protektorats hat ſeine
Arbeiten beendet und das Ergebnis derſelben dem
Miniſterpräſidenten unterbreitet.
Paris, 28. Jan. Da die von dem Kapitän Schwerer
durchgeführte Unterſuchung ergeben hat, daß alle Pulver=
ſorten
, auch die aus dem Jahre 1911 ſtammenden, ver=
dächtig
ſind, hat der Marineminiſter nach Zeitungsmel=
dungen
angeordnet, daß die an Bord der Kriegsſchiffe
befindlichen Pulvervorräte täglich genau geprüft werden.
Paris, 28. Jan. An der Küſte bei Calais iſt
heute morgen ein engliſcher Fiſcherdampfer unter=
gegangen
. Sechs Mann ertranken.
Paris, 28. Jan. Der bekannte Luſtſpiel= und
Poſſen=Dichter Biſſon iſt in vergangener Nacht im
Alter von 64 Jahren geſtorben.
Paris, 28. Jan. Eine von 3000 Poſt=
bedienſteten
beſuchte Verſammlung erhob gegen die
vom Disziplinarrat über den Syndikatsſekretär Borderes
verhängte Strafe ſchärfſten Einſpruch.
* Paris, 28. Jan. In St. Etienne fand eine
von 2000 Bergleuten beſuchte Verſammlung ſtatt, welche
den Beſchluß faßte, am 1. März den Geſamtaus=
ſt
and anzuordnen, falls die Regierung ihre Forderungen
nach Minimallohn, Achtſtundentag und nach einem Ruhe=
gehalt
von zwei Francs täglich nicht erfüllen ſollte.
Madrid, 27. Jan. Der Finanzminiſter legte
der Kammer einen Geſetzentwurf vor, durch den die
Regierung ermächtigt wird, eine innere vierprozentige
amortiſierbare Anleihe bis zum Betrage von zwei
Milliarden Peſetas aufzunehmen, und die fünfprozentige
amortiſierbare Anleihe, ſowie die dreiprozentigen Schatz=
ſcheine
, die im Jahre 1910 ausgegeben worden ſind, in
eine vierprozentige amortiſierbare Anleihe umzuwandeln.
Die Zinſen der neuen Rente werden der Steuer von
20 Prozent unterliegen, die durch das Geſetz vom
27. März 1900 (Einkommenſteuergeſetz) eingeführt wurde.
Die fünfprozentigen amortiſierbaren Titel und die drei=
prozentigen
Schatzſcheine können den Inhabern, welche
die Umwandlung nicht annehmen, ausgezahlt werden.
* Malta, 27. Jan. Das Königspaar von Eng=
land
verließ Malta unter dem Salut der beiden franzö=
ſiſchen
Geſchwader.
* Mulden, 27. Jan. Der Vorſitzende der revolu=
tionär
geſinnten Vereinigung zur Beſchleunig=
ung
der Reformen iſt ermordet worden. Die Tat iſt
auf politiſche Motive zurückzuführen. Unter der Bevölker=
ung
herrſcht Erregung.
* Buenos Aires, 28. Jan. Der Dienſt auf den
Eiſenbahnen wird allmählich wiederaufge=
nommen
. Der Präſident der Replublik Saenz Pena
teilte den Eiſenbahngeſellſchaften mit, er hoffe, die Geſell=
ſchaften
würden den ihnen gewährten Aufſchub benutzen,
um ſchleunigſt den normalen Dienſtbetrieb wieder herzu=
ſtellen
, da dies im Intereſſe des Landes liege.
H. B. Berlin, 27. Jan. Mitten im Konfektionsviertel,
im Hauſe Mohrenſtraße 33, witete heute vormittag ein
Brand, durch den für viele Tauſende von Mark Kon=
fektionswaren
, fertige Bluſen, Kleider, Seidenſtoffe uſw.
vernichtet wurden. Bei den Löſcharbeiten erlitten ein
Brandmeiſter und ein Feuerwehrmann ſchwere Verletz=
ungen
.
Berlin, 27. Jan. Verhaftet wurde hier ein
ruſſiſcher Baron namens Krämer, welcher in Johannis=
thal
angeblich einen Flugapparat kaufen wollte, aber das
in Ausſicht geſtellte Geſchäft als Vorwand für Schwin=
deleien
benutzte.
Frankfurt a. O., 27. Jan. Nach dem Zapfen=
ſtreich
kam es geſtern abend in der Regierungsſtraße zu
einem Straßenkrawall, wo etwa 1000 junge Leute
lärmten und ſkandalierten. Als die Polizei einſchritt
und einen der Schreier verhaften wollte, griff die Menge
die Potizei tätlich an und entriß ihr den Feſtgenommenen.
Die Schutzleute mußten ſich mit blanker Waffe der
Angreifer erwehren. Erſt nachdem Verſtärkung angelangt
war, gelang es die Ordnung wieder herzuſtellen.
Dortmund, 27. Jan. Ein Anhängewagen
der Straßenbahn ſetzte ſich heute morgen aus un=
aufgeklärter
Urſache in Bewegung und raſte die ſteile
Viktoriaſtraße hinab. Er ſtieß mit einem Fleiſcherfuhr=
werk
zuſammen; der Sohn des Metzgers Heidtmann
wurde von dem Wagen geſchleudert und getötet, ein
Gehilfe wurde ſchwer verletzt.
Goehren auf Rügen, 27. Jan. Durch ſtürmiſchen
Eisgang wurde die große Landungsbrücke von Thieſow
und Bäder gänzlich, die Goehrener Süd= und Nordſtrand=
brücke
teilweiſe zerſtört.

(2743m

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(125a

Aus dem Geſchäftsleben.
Man ſchreibt uns: Früher war man allgemein der
Anſicht, daß Kakao nur ein Genußmittel ſei. Dem iſt
aber nicht ſo; denn man lernte bald dank Aufklärung
ſeitens der Wiſſenſchaft die Nährſtoffe des Kakaos nicht
mehr zu unterſchätzen. Aehnlich iſt es ja beim Zucker.
Seitdem wird der Kakao gegenüber dem Kaffee nicht
mehr ſo ſtiefmütterlich behandelt und das mit Recht ſo.
Es iſt in vielen Familien dennoch Sitte, zum Abendbrot
Kaffee zu trinken. Wäre es denn hier nicht beſſer, man
tränke Kakao? Warum? Bekannte Tatſache iſt,
daß Kaffee, ſelbſt wenn ihm genug Milch zugeſetzt wird,
ſowie Tee die ganze Nervenſtimmung lebhafter geſtalten,
was ja kurz vor dem Schlafengehen nicht gerade von
Nutzen iſt. Gewiß, ſo ſchlimm iſt es nicht, wie es oft
hingeſtellt wird. Aber für die, welche an und für ſich
etwas nervös veranlagt ſind, dürfte als Abendtrunk
Kakao entſchieden das richtigſte ſein. Wer nun in dieſer
Hinſicht etwas ganz Neues wünſcht, der verſuche einmal
eine Marke, welche ſich allerorts in kürzeſter Zeit ſehr
viel Freunde erworben hat. Dieſer Kakao iſt trotz der
Prima=Qualität ſehr billig und zu haben in der Ernſt=
Ludwig=Straße 19.
Womit raſiert man ſich ſelbſt? Mit dem
Mulcuto Sicherheits=Raſierapparat. Verletzungen ſind
unmöglich. Der Apparat raſiert gänzlich ſchmerzlos.
Die handhohlgeſchliffene Raſierklinge bleibt viele Jahre
brauchbar und wird, wenn ſtumpf geworden, gratis
wieder haarſcharf abgezogen. Der Preis iſt 2,50 Mk.
Beſte Qualität 3,50 Mk. Man verlange gratis und
franko illuſtrierte Preisliſte von der Muleuto Raſier=
meſſerfabrik
Paul Müller & Co., Solingen.
Zahnpf lege der Kinder. Die Notwendigkeit,
im früheſten Kindesalter mit der Pflege der Zähne zu
beginnen, wurde jüngſt durch eine fachmänniſche Unter=
ſuchung
in zwei Bürgerſchulen zu Wiesbaden nach=
gewieſen
. Bei 1318 Schulkindern im Alter von 6 bis
14 Jahren fand der dortige Zahnarzt Stieren, daß
97,3 Prozent derſelben kranke Zähne hatten, im Durch=
ſchnitt
jedes Kind bei 22 Zähnen immer 6 kranke. Eine
Anzahl Zähne waren bereits entfernt, 2 bis 3000 wären
ſoch zu entfernen, die übrigen jedoch durch geeignete Be=
handlung
zu retten. Nach den Ausſprüchen der Hofzahn=
irzte
E. Thomas in Wien und A. Meiſter in Gotha, ſowie
vieler anderer Autoritäten, erweiſt ſich Sarg’s Kalo=
ſont
geeignet zur Entfernung aller ſchädlichen Beſtand=
teile
, die ſich fortwährend an den Zähnen anſetzen, und
ewirkt dasſelbe gleichzeitig die Erfriſchung des Mundes.

Die glückliche Geburt eines kräftigen
Jungen zeigen hocherfreut an (2762
Augenarzt Dr. K. Schlippe u. Frau Gertrud
geb. Brückner
Darmstadt (Friedrichstr. 34) 28. Jan. 1912.

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte ſagen
(2764
wir allen unſeren aufrichtigen Dank.

(17860f

Darmſtadt, 29. Januar 1912.
Frau Minna Scholl, geb. Hieronymi.
Familie Carl Scholl.
Familie Ferdinand Scholl.
Hermann Scholl.

Todes-Anzeige.
Heute morgen 6½ Uhr verſchied nach
langem, ſchwerem, mit Geduld getragenem
Leiden, meine liebe Gattin, unſere liebe Mutter,
Tochter, Schwiegertochter, Schwägerin u. Tante
Frau Emilie Herrmann

geb. Volz
im 34. Lebensjahre.

(2763

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
K. Herrmann.
Darmſtadt, den 28. Januar 1912.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 30. Jan.,
nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehauſe Große
Kaplaneigaſſe 42 aus, ſtatt. Von Kondolenz=
beſuchen
birtet man gefl. abſehen zu wollen.

Samstag morgen, den 27. Januar, entſchlief
im Eliſabethenſtift im Aufblick zu Gottes heiligem
Sohn Jeſus Chriſtus meine liebe Ehefrau, unſere
liebe Schweſter und Tante
(2760
Johanna Ohisen
geb. Auber.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Ingenieur Friedrich Ohlsen,
Heinrich Huber,
Fräulein Elise Huber,
Christian Huber.
Die Einſegnung findet Montag nachmittag um
¾3 Uhr in der Kapelle des Eliſabethenſtiftes ſtatt.

Verwandten, Freunden und Bekannten
hierdurch die ſchmerzliche Nachricht, daß es Gott
dem Allmächtigen gefallen hat, unſer innigſt=
geliebtes
Kind, meine liebe, gute Schweſter
Settchen
heute nachmittag um ½5 Uhr nach langem,
ſchwerem Leiden im Alter von 16½ Jahren
zu ſich zu rufen.
(2761
Die tiefbetrübten Eltern und Schweſter:
Philipp Kredel u. Frau.
Elisabeth Kredel.
Darmſtadt, den 26. Januar 1912.
Die Beerdigung findet ſtatt: Montag, den
29. Januar, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbe=
hauſe
Hügelſtraße 77 aus.
Die Einſegnung daſelbſt ¼ Stunde vorher.

Tageskalender.

Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. D): Die Räuber
Verſammlung des Frauenvereins der Südoſtpfarrei
der ev. Stadtgemeinde um 5½ Uhr im Gemeindehaus.
Hauptverſammlung des Richard Wagner=Vereins
um 6½ Uhr im Reſtaurant Kaiſerſaal.
Generalverſammlung der Royal Reichsländ. Renten=
Verſicherungs=Geſellſchaft um 8 Uhr Wendelſtadtſtr. 23.
Konzert um 3 und 8 Uhr im Hotel Hez.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein=
u
. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Gra=
phiſche
Zuſammenſtellung der Reichstagswahlergeb=
niſſe
; Brand des katholiſchen Vereinshauſes in Bin=
gen
; Teilnehmer an der Spitzbergenkonferenz; das neue
Stadthaus in New=York.

Verſteigerungskalender.
Dienstag, 30. Januar.

Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 2 Uhr zu Traiſa
(Zuſammenkunft an der ehem. Riedmatterſchen Penſion).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

ſucht I. Stellung. Zeugniſſe uſw.
zur Verfügung. Off. unter C 81
a. d. Expedition d. Bl. (B2371
Fücht. Waſchfrau hat noch Tage
frei Schloßgartenſtr. 11. (*2167
Eine in allen Naharbeiten er=
fahrene
Frau ſucht Beſchäftigung
am liebſten in e. Geſchäft. Offert.
unter E 43 an die Exp. (*2177

Eine Witwe ſucht Beſchäftigung
im Weißnähen, am liebſten in ein
Geſchäft. Offert. unt. D 14 an
die Expedition ds. Bl. (*1698imd

Männlich

Maſchinentechniker fertigt ſchn.
und ſauber Pauſen ꝛc. Off. unt
D 59 a. d. Exp. ds. Bl. (*1863omf

Junger Mann, welcher ſeit
Jahr. d. Damenſchneid. betreibt,
wünſcht Stellung in gut. Konfek
tionshaus als Verkäuf., übernimmt
auch Aenderungen. Off. unt. E 39
an die Expedition. (*2152oim

Oleeäuht

Weiblich

Redegewandte und intelligente,
nicht zu
für den
junge Dame Beſuch von
Privatkundſchaft zum Verkauf
eines gut eingeführten Bedarfs=
artikels
, gegen Fixum und hohe
Proviſion, für Darmſtadt und
Umgegend zu engagieren geſucht.
Offerten mit näheren Angaben
unter D 83 an die Exped. (2588soi
. Junge :
gebildete Damen
welche auf dem Gebiete der Reklame
akquiſitoriſch ſich bereits erfolgreich
betätigt haben, zur Einführung
einer patentamtl. geſch. Neuheit
geſucht. Gefl. Angebote erb. unt.
C 69 an die Exped. d. Bl. (*2137
2747oim) Für unſere
Putz-Abteilung
ſuchen eine angehende
I. Arbeiterin.
Offert. mit Zeugn. u. Ge=
haltsanſprüchen
erbitten
Gebr. Rothschild, Markt2.
Flickerinnen, Weißzeugnäherin.,
Schneiderin., die die Arbeit abholen
oder ins Haus kommen, ebenſo
Stickerinnen u. Strickerin. f. Hand
u. Maſch. werd. nachgew. Grafen=
ſtraße
45, I., bei Fr. Meyer, Arbeits=
Vermittl. d Gew.=Vereins d. Heim=
arb
. Nur vorm. Poſtk. gen. (*1854do

Jg. Mädch. k. d Kleidermach. u.
Zuſchn. u. günſt. Beding. gründl. er=
lern
. Konf. Mühlſtr. 40, 1. St. (1131a

In Offiziershaushalt geſ. zum
1. Marz, auch früher, tüchtiges
Mädchen
das gut bürgerlich kochen kann u.
Hausarbeit übernimmt, bei gutem
Lohn in dauernde Stellung. Näh
Frau Oberleutnant Stempel, Dienze
in Lothringen, wohin Zeugniſſe u.
Bild einzuſenden ſind. (2470a

Lauffrau gesucht
ſtraße 61, I.
(*2182

Jüngeres Mädchen vormittags
geſucht. Näh. Expedition. (*2139

Zuverl. Mädchen für nachm.
zu einem 2=jähr. Knaben geſucht
*2162om) Soderſtr. 114, 3. St.

Männlich

Gegen Speſenfixum und hohe
Proviſion wird ein durchaus ſolider
und gewandter Verkäufer ( der=
ſelbe
braucht kaufmänniſche Kennt=
niſſe
nicht zu beſitzen) für hieſigen
Platz u. Umgegend geſucht. Bei
Verkauf Teilzahlungen geſtattet
Offerten mit Altersangabe ꝛc. unter
D 82 an die Expedition. (2568fso
für Darmſtadt
Vertreter und Umgebung,
welcher in Fahrikbetrieben uſw.
eingef. iſt, zum Verk. von Putzwoll=
Erſatz, D. R. P., geſ. Lohn. Verd.
Off. u. D 99 a. d. Exp. (*1986so
Heilstätte Ruppertshain
im Taunus ſucht zum 1. April
einen ledigen Maschinisten zur
Bedienung eines Elektrizitäts= und
Waſſerwerks mit Akkumulatoren=
anlage
(Benzinmotoren).
Maſchinenſchloſſer, die in der
Montage elektr. Lichtanl. gründ=
liche
Kenntniſſe beſitzen, werden
bevorzugt. Offerten mit Zeugnis=
abſchriften
und Gehaltsanſprüchen
bei freier Station ſind an die Ver=
(2606so
waltung zu richten.

Erſtklaſſige ſchwäbiſche
Gurgeneinlegerei
ſucht f. hieſigen Platz bezw.
Diſtrikt, gut eingeführten
Vertreter.
Günſt. Bedingungen. Gefl.
Offerte unter S. Z. 1891
an Rudolf Moſſe, Stutt=
(2742)
gart, erbeten.

ind mehr taglich
210 Mk. z. verdienen. Proſp.
grat. Joh. H. Schultz, Adress.-
(1369H
Verlag. Cöla W. 195.
General-Agentur.
Eine der erſten und älteſten
Lebensverſicherungs= Ge=
ſellſchaften
beabſichtigt ihre
mit Inkaſſo verbund. General=
Agentur für Darmſtadt und
Umgegend demnächſt (2536f
neu zu besetzen.
Offerten von Bewerb., die
auch in der Lage ſind, das
beſtehende Geſchäft zu ver=
größern
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Frankfurt a. M., erbeten.

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nahme
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Putzen u. Spülen tagsüber geſucht.
Zu ſprechen von 26 Uhr nachm.
Näh. in der Exped.
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in der Woche zweimal
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Saalbauſtraße 22, I.
Eine ſaub. Lauffrau für morg.
2 Stund. u. mittags zum Spüler
geſucht Bleichſtr. 15, part. (*2158
Mädchen m. g. Zan. in Privat= u.
Geſchäftsh. geſ. Frau Mina Dingeldein
gewerbsmäßige Stellenvermittlerin
Schützenſtr. 10½.
(*2176

geſucht
Wagnergehilfe
(2471a
Ludwig Hirſch, Arheilgerſtr. 12.

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Schreiner) und ein tücht. Polierer
(2631a
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Darmstädter Möbelfabrik G. m. b. H.
Heidelbergerſtraße 129.

Tüchtige Schloſſer
für unſere Filiale Arheilgen bei gut.
Verdienſt für dauernd geſucht
Carl Schenck
Eisengießerei und Maschinenfabrik Darmstadt
G. m. b. I. (2530fod

Mehrere tüchtige
Maſchinenſchloſſer
für dauernd geſucht
2754oi) Landwehrſtraße 75

Aelterer
gewandter Herrſchaftsdtener
f. auswärts geſucht. Eintritt ſofor
oder ſpäter. Offert. unter E 38
an die Exped. d. Bl. erb. (2732oi

1 braver Junge
nicht unter 16 Jahren, kann gegen
Bezahlung beſchäftigt werden.
2678a) G. Storck. Schulſtr. 12.

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Nummer 24.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. Jauuar 1912.

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35)

Mutter und Tochter ſahen ſich an.
Was ſagſt Du denn zu dieſer Entdeckung, Mama?
Ja, was tut man da?
Was man da tut? Gar nichts weiter! Sie iſt be=
zahlt
von uns und damit gut! Glaubſt Du, mir imponiert
die Komteſſe? Nicht ſo viel! Sie ſchnippte mit den Fin=
gern
. Wenn ſie gehen will, mag ſie es tun; bleibt ſie,
auch recht.
Mir iſt es doch ein immerhin etwas peinliches Gefühl.
Ich bitte Dich, Mama, warum? Sei nicht kleinlich!
Warte, bis ſie zurückkommt, dann wird ſich alles finden.
Was mag ſie nur für Nachricht bekommen haben? Ihre
Antwort war recht impertinent!
Milli war dabei, Yvonnes Reiſetaſche zu packen,
während ſich das junge Mädchen ſchnell umkleidete. Sie
zitterte vor Aufregung, das Blut brauſte ihr in den
Ohren; ſie hörte gar nicht darauf, was Milli ſagte, bis
eine neue Aeußerung ihre Aufmerkſamkeit weckte.
Ach, nun wird hier wohl auch manches anders wer=
den
! Die Herrſchaft hat ſich furchtbar gezankt.
Milli, haben Sie ſchon wieder gehorcht? bemerkte
Yvonne vorwurfsvoll.
Aein, gar nicht. Aber erſtens ſprach das gnädige

Fräulein ſehr laut, und zweitens mußte ich doch den
Brief abgeben; man hatte mein Klopfen nicht gehört, und
da ſagte Fräulein Konſtanze gerade, ſie wolle ihr ganzes
Kapital auf einmal haben, und der Herr meinte, das
könne er nicht, deshalb wolle er Steinhagen verkaufen.
Ein heftiger Schreck erfaßte Yvonne. Alſo ſo weit
trieben ſie ihn, daß er Steinhagen aufgeben mußte,
woran er doch mit allen Faſern ſeiner Seele hing. Und
wenn man ſie nicht getäuſcht hatte jetzt war die Mög=
lichkeit
da, daß ſie ihm helfen konnte.
So, jetzt iſt alles fertig! ſagte Milli und ſchloß die
Reiſetaſche.
In dieſem Augenblick klingelte es; ſie eilte hinunter
kam aber gleich wieder zurück.
Komteſſe möchten erſt eſſen, ſo viel Zeit iſt noch. Die
Gnädige iſt ja mit einem Male ſo liebenswürdig und
aufmerkſam.
Ich danke und komme ſogleich, ſagte ſie zerſtreutz
Ihre Gedanken waren ſchon nach Burgau geeilt. Sie
nahm Hertas Brief, faßte ihn feſt, betrachtete ihn von
allen Seiten. Nein, es war kein Traum, der Brief war
da, ſie hielt ihn in Händen, und ihre Augen ruhten auf
den Zeilen, die ihr eine ſo nie geahnte Umwälzung ihres
Geſchicks kundgaben. Ein Laut wie Schluchzen rang ſich
aus ihrer Kehle; es war zu viel, zu überwältigend, wss
ſie da erfahren. Konnte es ſein, war es wirklich ſo, wie
Herta ſchrieb? Immer wieder mußte ſie leſen, was dieſe
ihr mitteilte:

Liebe Yvonne! Durch Lutz wiſſen wir ſchon ſeit An=
fang
November Deine Adreſſe; er hatte uns geſchrieben,
daß Du bei einer Frau von Steinhagen als Geſellſchaf=
terin
biſt. Das wirſt Du nun nicht mehr nötig haben;
Deinem Leben ſteht eine große Veränderung bevor. Ein
Onkel Deiner Mama, den man längſt verſchollen ge=
glaubt
, iſt in Rio de Janeiro geſtorben, und er hat Deine
Mama, als ſein Patenkind, zur alleinigen Erbin ſeines
großen Vermögens eingeſetzt, da er nicht verheiratet war,
alſo keine näheren Erben hatte.
Ich kann Dir das alles nicht ſo ausführlich ſchreiben;
auf dem Landratsamt wirſt Du alles erfahren, bringe
Deine ſämtlichen Papiere mit. Deine Anweſenheit iſt
dringend notwendig; komme ſofort und telegraphiere,
wann wir Dich erwarten dürfen. Großmama hat mich
beauſtragt, Dir das mitzuteilen.
Wenn Du nicht auf Burgau bleiben willſt, ſo biſt Du
uns herzlich willkommen!
Uns geht es ſo weit gut. Daß ich mich Weihnachten
mit Ryno von Hammerſtein verlobt habe, haſt Du ſicher
durch Lutz erfahren. Wir ſind ſehr glücklich miteinander
und wollen auch Oſtern ſchon heiraten. Er ſehnt ſich nach
einem eigenen Heim mit ſeinem lieben, kleinen Frauchen
darin. Er liebt mich ſehr, denn ums Geld kann er mich
doch wirklich nicht erwählt haben. Eine Jugendſchwär=
merei
hat ſchließlich jeder einmal gehabt.
Ach ja, weißt Du Näheres über Lutz? Er macht
uns viele Sorgen. Er lebt wohl ſehr flott? Immeremill

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er Geld haben, und jetzt muß doch auch an mich gedacht
werden. Wenn er nur bald heiraten würde, damit er
vernünftig wird!
Großmama wirſt Du etwas verändert finden; ſie iſt
nicht mehr ſo rüſtig. Hoffentlich geht es Dir gut.
Alſo auf geſundes Wiederſehen grüßt und küßt Dich
Deine Dich liebende Couſine
Herta.
Langſam faltete ſie das Briefblatt wieder zuſammen
und zwang ſich zur Ruhe. Es erſchien ihr ſo unmöglich.
Nein, ſie wollte nicht zu früh jubeln, wollte abwarten.
Und wenn alles ſeine Richtigkeit hatte, dann konnte
ſie auch Lothar von all ſeinen Schwierigkeiten befreien
Das war ihr erſter Gedanke. Aber würde er das anneh=
men
, nach ſeinem kalten, fremden Verhalten, Und ſie war
ſich doch keiner Schuld bewußt!
Und Lutz? Aus Hertas Zeilen las ſie, daß man jetzt
nichts mehr dagegen haben würde, wenn er ſie, Yvonne,
heiratete. Aber nein, das war vorbei! Ihr Herz gehörte
Lothar; er war ihr Glück und ihr Schmerz.
Als ſie die Treppe hinunterging, ſtand er in Hut und
Mantel in der Diele, ſie erwartend.
Hier, Komteſſe, habe ich Ihnen die Züge aufge
ſchrieben.
Ich danke Ihnen! Mit bebenden Händen nahm ſie
das Zettelchen mit den Notizen entgegen.
Bitte, Komteſſe, keine Urſache. Ich wünſche Ihnen
eine gute Reiſe! Gemeſſen verneigte er ſich, und faſt
hilflos, mit Tränen in den Augen, ſtarrte ſie ihm nach.

Nein, es war kein Traum Yvonne durfte an ihr
Glück glauben.
Sie hatte die Papiere geleſen, aus denen ganz klar
hervorging, daß ſie jetzt Beſitzerin von zwei Millionen war.
Francois Legéne, der abenteuerlich veranlagte Oheim
ihrer Mutter, war in jungen Jahren nach Südamerika
ausgewandert, und da man nie wieder von ihm gehört, hatte
man ihn ſchließlich für verſchollen, für tot gehalten.
Aber erſt vor wenigen Monaten war er, hochbetagt,
als Junggeſelle geſtorben, nachdem er ſeine Nichte Yvonne
Legene als Erbin eingeſetzt. Und da dieſe nicht mehr am
Leben war, fiel das Vermächtnis an ihre Tochter Yvonne
Laßberg, als die Nächſtberechtigte, die in den nächſten
Tagen ſchon in den tatſächlichen Beſitz der Erbſchaft kom=
men
würde.
Man war ſehr liebenswürdig auf dem Landratsamt
zu ihr geweſen; Frau von Hammerſtein hatte den lieben,
kleinen Trotzkopf beinahe gerührt umarmt, der Herr
Aſſeſſor dagegen verlegen an dem ſpärlichen Bärtchen ge=
dreht
und der noch immer nicht Vergeſſenen halb vor=
wurfsvolle
, halb bewundernde Blicke zugeworfen.
Aline von Brücken und ihre Tochter überboten ſich
beinahe in Freundlichkeiten. Was doch das Geld nicht
alles tut! dachte Yvonne ein wenig bitter. Sie war nicht
berauſcht von dem unerwarteten Glück; ſie hatte ganz ihre
klare Ueberlegung behalten.
Nur die Gräfin war unverändert in ihrem Verhalten
geblieben. Wenn ſie auch kein Wort über das Geſchehene
fallen ließ, ſo hatte ſie doch Yvonne ihr Fortgehen aus
Burgau nicht verzeihen können.

Frau von Brücken wollte das junge Mädchen durch=
aus
nicht wieder abreiſen laſſen.
Was willſt Du noch bei den fremden Leuten? Sie
werden es ſicher begreiflich finden, daß Du unter dieſen
Umſtänden nicht mehr zu ihnen zurückkehrſt. Nein, was
wird Lutz ſagen! Ich habe ihm geſchrieben. Du glaubſt
gar nicht, Yvonnchen, wie er an Dir hängt! Als Du noch
hier warſt, kam er ſo oft und jetzt? Einmal gerade iſt
er hier geweſen; er könne es ohne Dich nicht ertragen,
ſagte er.
Doch Yvonne blieb ungerührt. Ich kann meinen Ur=
laub
nicht eigenmächtig verlängern. Die von mir ein=
gegangene
Verpflichtung wird durch den zufälligen Glücks=
umſtand
meiner Erbſchaft nicht aufgehoben. Ich muß ſie
erfüllen, fahnenflüchtig darf ich nicht gleich werden.
Yvonne hat vollſtändig recht, ſagte die Gräfin, und ſie
mußte innerlich dieſe Feſtigkeit und Anſicht der Enkelin
reſpektieren.
Uebrigens iſt meine Anweſenheit nächſte Woche doch
noch mal erforderlich. Ich werde ſehen, ob ich drei Tage
Urlaub haben kann, vorausgeſetzt, daß ich Großmama will=
kommen
bin.
Du kennſt meine Anſicht, Yvonne, daß der Dir allein
zukommende Aufenthalt hier auf Burgau iſt. Das ſteht
Dir jederzeit offen. Kehrſt Du hierher zurück, ſo will ich
Deinen eigenmächtigen Schritt und meine Worte ver
geſſen.
Yvonne küßte ihr die Hand. Ich danke Dir, Groß
mama!
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 24.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. Januar 1912.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Spitzhund, 1 Pinſcher. 1 ſchottiſcher Schäferhund,
1 Spitzhund, 1 Pinſcher (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteige=
rung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vor=
mittags
um 10 Uhr, ſtatt.
(2734

Kurſus über Armenpflege, Jugend=
wohlfahrt
und Ingendfürſorge.

A. Armenpflege:
1. Montag, 5. Februar, abends 8 Uhr: Einleitender Vor=
trag

. Bürgermeiſter Mueller
daran anſchließend: Zwangloſes Zuſammenſein.
2. Dienstag, 6. Februar, nachm. 4¼ Uhr: Vorträge a) Die
Grundzüge unſeres heutigen Armenrechts; um 5¼ Uhr:
b) Organiſation und allgemeine Grundſätze der öffent=
lichen
Armenpflege. Beide Vorträge . . Amtmann Krapp
3. Mittwoch, 7. Februar, nachm. 3 Uhr: Beſichtigung des
ſtädt. Pfründnerhauſes mit Kinderſtation ( Frankfurter=
ſtraße
35) und des Armenhauſes (Pallaswieſenſtraße 60),
unter Führung der Anſtaltsbeamten; daran anſchließend
um 5 Uhr Vortrag: Die einzelnen Unterſtützungsarten
der ſtädtiſchen Armenpflege
. Stadtſekretär Liſt
4. Donnerstag, 8. Februar, nachm. 3 Uhr: Beſichtigung des
ſtädt. Krankenhauſes (Grafenſtraße 9), unter Führung
der Krankenhausärzte und Beamten; daran anſchließend
um 5 Uhr Vortrag: Geſundheitliche Aufgaben der
Armenpflege (armenärztliche Tätigkeit, Krankenhaus=
pflege
, Fürſorge für Lungenkranke, Geiſteskranke, Epi=
leptiker
uſw.) . .
. . Armenarzt Dr. Langsdorf
5. Freitag, 9. Februar, nachm. 4¼ Uhr: Vortrag: Die
Notwendigkeit eines planmäßigen Zuſammenwirkens
zwiſchen der öffentlichen Armenpflege und der privaten
Wohltätigkeit . .
Stadtſekretär Löſchhorn
daran anſchließend: Ausſprache über das geſamte Gebiet
der öffentlichen Armenpflege.
B. Jugendwohlfahrt und Jugendfürsorge:
6. Montag, 12. Februar, nachm. 23 Uhr: Beſichtigung der
Beratungsſtellen, der Milchküche und des Eleonorenheims
der Großh. Zentrale für Mutter= und Säuglingsfürſorge
im Hauſe Heinheimerſtraße 21 in Gruppen ; daran
anſchließend Vorträge: nachm. um 4 Uhr: a) Allgemeines
über Weſen und Bedeutung der Jugendwohlfahrt und
Jugendfürſorge
Bürgermeiſter Mueller
um 5 Uhr: b) Säuglingsfürſorge, insbeſondere Organi=
ſation
und allgemeine Grundſätze . . Regierungsrat Piſtor
7. Dienstag, 13. Februar: Keine Vorträge und keine Be=
ſichtigungen
.
8. Mittwoch, 14. Februar, nachm. 34 Uhr: Beſichtigungen
nach Wahl der Teilnehmer in Gruppen : a) der
Beſſunger Krippen (evangeliſche: Forſtmeiſterſtraße 9, und
katholiſche: Herdweg 28), b) des Eleonorenheims ( Hein=
heimerſtraße
21); daran anſchließend: Vorträge über die
praktiſche Arbeit in der Säuglingsfürſorge:
um 4½ Uhr: a) in hieſiger Stadt . Oberin v. Gordon
um 5½ Uhr: b) auf dem Lande . Fräul. W. Schubert
(Hilfsarbeiterinnen der Gr. Zentrale)
9. Donnerstag, 15. Februar, nachm. 3½ Uhr: Vortrag: Die
Berufsvormundſchaft . .
. . Amtmann Krapp
um 56 Uhr: Beſichtigung der Knabenarbeitsanſtalt
(Stiftsſtraße 20) und des Mädchenhorts ( Rundeturm=
ſtraße
11) in Gruppen
10. Freitag, 16. Februar, nachm. 3 Uhr: Beſichtigung der
Georgsſchule (Klein=Kinderſchule), Mollerſtraße 23.
Vorträge: um 4½ Uhr: a) Jugendpflege im ſchul= und
vorſchulpflichtigen Alter .
Lehrer Eidmann
um 5¼ Uhr: b) Pflege der ſchulentlaſſ. Jugend Prof. Kiſſinger
Vier Vorträge über Fürforge für gefährdete und verwahrloſte
Kinder und Jugendliche:
11. Mittwoch, 21. Februar, nachm. 4¼ Uhr: a) über die recht=
liche
Seite dieſer Fürſorge.
Reg.=Aſſeſſor Kröll
um 5¼ Uhr: b) über die Mitarbeit d. Pſychiaters . Dr. med. Vix=
12. Donnerstag, 22.Februar, nachm. 4¼ Uhr: e) über die perſön=
liche
Fürſorge für die männl. Jugend Pfarrer Zimmermann
um 5½ Uhr: d) über die perſönliche Fürſorge für die weib=
liche
Jugend
. Frau Oberſt von der Schulenburg
13. Freitag, 23. Februar, nachmittags: Beſichtigung des
Ohlyſtifts bei Gräfenhauſen (nähere Zeitangabe erfolgt
demnächſt); abends 8 Uhr: Schlußverſammlung im Saal=
bau
, Rückblick und zwangloſes Zuſammenſein.
Der Kurſus iſt offen für Damen und Herren, die in der ſozialen
Arbeit ſtehen oder ſich dafür intereſſieren.
Er iſt mit keinerlei Koſten für die Teilnehmer verknüpft.
Der einleitende Vortrag und die Schlußverſammlung finden im
Gartenſaale, die übrigen Vorträge im Herrſchäftsſaale des ſtädtiſchen
Saalbaues ſtatt. An die letzteren ſchließen ſich Beſprechungen an.
Für die Beſichtigung iſt vorgängige Einzeichnung auf den im
Saalbau aufliegenden Liſten oder Anzeige beim ſtädt. Pflegeamt
notwendig. Die Teilnehmer für die Beſichtigungen treffen ſich zu
den angegebenen Zeiten am Eingang der betr. Anſtalten.
Nähere Auskunft wird vom ſtädt. Pflegeamt, Rheinſtr. 18, erteilt.
(2729
Darmſtadt, den 25. Januar 1912.
Städtiſche Armenverwaltung.
Mueller, Bürgermeiſter.

Verſteigerung im ſtädtiſchen Pfandhaus.

Die Inhaber der Pfandſcheine Nr. 67795 bis 100000 und
Nr. 1 bis einſchließlich Nr. 2641 werden aufgefordert, die Verſatzzeit
der Pfänder verlängern zu laſſen. Bis Ende Februar ds. Js. iſt
die einfache, vom 1. bis 9. März 1912 die doppelte Verlängerungs=
gebühr
zu entrichten.
Alle Pfänder, deren Verſatzzeit bis 9. März ds. Js. nicht ver=
längert
wurde, ſind bis ſpäteſtens Samstag, den 20. April ds. Js.,
vormittags 11 Uhr, auszulöſen. Von Montag, den 22. April ds. Js.
(689a
ab, werden die verfallenen Pfänder verſteigert.
Darmſtadt, den 2. Januar 1912.
Städtiſche Pfandhaus=Verwaltung.
Paul.

Stammholz-Verſteigerung.

Donnerstag, den 1. Februar 1912,
vormittags von 9 Uhr an, werden aus hieſigem Gemeindewald,
Diſtrikt Malchertanne, an Ort und Stelle
125 Stück Kiefern=Stämme von 3049 cm Durchmeſſer
2529
124

25
31
cn die Meiſtbietenden verſteigert.
Das Holz iſt bis 145jähriger Beſtand und für Schnittholz
beſtens geeignet.
Zuſammenkunft am Bahnhäuschen am Malcherweg.
(2739f
Pfungſtadt, den 24. Januar 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Pfungſtadt
Lung.

Weißbinderarbeiten.

Die bei Errichtung eines Oktroi=
erhebegebäudes
am Dornheimer
Weg, ſowie eines ſtädtiſchen Ge=
bäudes
am neuen Hauptbahnho
vorkommenden Weißbinderarbei=
ten
ſollen vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Be=
dingungen
liegen bei dem unter=
zeichneten
Amte, Grafenſtraße Nr. 30,
Zimmer Nr. 9, während der Dienſt=
ſtunden
offen, woſelbſt auch die An=
gebotsſcheine
abgegeben werden.
Angebote ſind bis
Dienstag, 6. Februar 1912,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
reichen
.
(2725oi
Darmſtadt, 26. Jänuar 1912.
Stadtbauamt.
Buxbaum.


Lieferungdes Kohlenbedarfs

der Stadt Darmſtadt im Ver=
waltungsjahr
1912.
Unter Bezugnahme auf unſere
Ausſchreibung vom 29. Dezember
vor. Js. geben wir bekannt, daß
der Termin für die Einreichung
der Angebote vom 1. auf den
6. Februar ds. Js. verſchoben
würde.
(2721
Darmſtadt, 26. Januar 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Ekert.

Bekanntmachung.

Montag, 11. März I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Friedrich Balle zu
Frankfurt a. M und dem Jakob
Mohr zu Darmſtadt, im Grund=
buch
der Gemarkung Darmſtadt
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 112 3723¾10 Hof= Die=
reite
burger=
III 110¾10 198 Grab=ſtraße
garten Nr. 96,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K143/11
Darmſtadt, 17. Januar 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V2737

In unſer Handels=Regiſter. Ab=
teilung
B, iſt heute unter Nr. 88
die Geſellſchaft mit beſchränkter
Haftung unter der Firma:

Süddeutſche Papierwaren=
Induſtrie, Geſellſchaft mit
beſchränkter Haftung,
und mit dem Sitz in Darmſtadt,
eingetragen worden.
Gegenſtand des Unternehmens
iſt die Fabrikation von Papier=
waren
und Druckſachen aller Art
und in allen=Ausführungen, ſowie
der Handel mit ſolchen und mit
allen ſonſtigen einſchlägigen oder
zum Mitbetrieb geeigneten Artikeln
ſowie der Kauf oder Verkauf von
Unternehmen der genannten
Branche.
Das Stammkapital beträgt
100000 Mark.
Geſchäftsführer iſt: Auguſt
Römer, Kaufmann in Darmſtadt.
Der Geſellſchaftsvertrag iſt am
14. Dezember 1911 bezw. am
22. Januar 1912 feſtgeſtellt. Die
Geſellſchaft wird durch einen oder
mehrere Geſchäftsführer vertreten.
Die Dauer der Geſellſchaft iſt
auf mindeſtns zehn Jahre feſt=
geſetzt
.
(2723
Darmſtadt, 24. Januar 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I!

Bekanntmachung.

Am 29. Januar 1912, nach=
mittags
4 Uhr,
ſoll im hieſigen Güterbahnhof,
M.=N.=B., neben der Verſandgüter=
halle

1 Wagen Braunkohlen=
Briketts, Marke BF,
10000 Kgr.
öffentlich an den Meiſtbietenden
gegen ſofortige Barzahlung ver=
(2735
kauft werden.
Darmſtadt, 27. Januar 1912.
Großherzogl. Güterabfertigung
Hbf. M.=N.=B.

Garde=Dragoner=Regiment
(1. Großherzogl. Heſſ.)
Nr. 23

Jr.=Nr. 248.
Die Stabsordonnanz Unteroffz.
Bruno Paul Guſtav Schindler
der 5. Eskadron, welcher ſich am
7. 10. 10 aus der Garniſon entfernte,
iſt aufgegriffen und hierher zurück=
verbracht
worden.
2753
Die gegen denſelben erlaſſenen
Steckbriefe, bzw. die angeſtellten
Recherchen werden zurückgenommen
Darmſtadt, den 27. Jan. 1912
von der Schulenburg
Oberſt u. Regiments=Kommandeur.

Winterkartoffeln.
Prima Ueberrheiner Induſtrie,
Norddeutſche, gut kochende Ware
Für Privat u. Wiederverk. billigſt.
Franz Thüsing Nachfolg.
Kahlertſtr. 36. (214iod

Verſteigerungs-Anzeige.

Dienstag, den 30. Januar 1912, nachmittags 2 Uhr ver=
ſteigere
ich in Traiſa zwangsweiſe gegen Barzahlung:
4 Kleiderſchränke, 3 Eisſchränke, 1 Küchenherd, 2 Eismaſchinen,
5 Lampen, 1 Gartentiſch, 1 Eiskiſte, 1 Waſſerbank, 1 Vorrat
= und Kaffeelöffel, 1 Spiegel mit Goldrahmen, 1 kleines
Schränkchen, 1 Vorrat Gabeln, Flaſchen, Galerien, Rouleaux,
Faßlager und verſchiedene andere Haus= und Küchengeräte.
Zuſammenkunft der Steigliebhaber ehemalige Riedmatterſche Penſion.
Darmſtadt, 27. Januar 1912.
(2755
Rolienhagen, Großh. Gerichtsvollzieher,
kaſinoſtraße 24.

Breun= und Autzholz=Verſteigerung.

Donnerstag, den 1. Februar 1. J.,
vormittags 9 Uhr anfangend, ſollen im Nieder=Beerbacher Ge=
meindewald
, Diſtrikt Rödem, Schweizerloch und Forſtbühl, öffentlich
meiſtbietend an Ort und Stelle verſteigert werden:
Buche: 310rm Scheit, 130rm Knüppel, 102 rm Stöcke u. 3500 St. Wellen,
Eiche: 10rm
5rm
6rm
u. 250 St.
Kiefern: 5rm
5rm
6rm
u. 250 St.
Stämme: Buche 11 St. von 3042 cm Durchm. u. 58 m Länge,
Eiche 3 St. 4351 cm
u. 78 m
1518 cm
u. 68 m
Fichte 9 St.
Derbſtangen: Fichte 39 St.
610 cm u. 611m
810 cm
Lärche 9 St.
u. 1216m
Es wird bemerkt, daß ſämtliches Holz gut abzufahren iſt.
Zuſammenkunft an der Rodelbahn.
Nieder=Beerbach, den 26. Januar 1912.
(2722
Großh. Bürgermeiſterei Nieder=Beerbach.
Geibel.

Bekanntmachung.

Der Voranſchlag der Gemeinde Traiſa liegt zur Kenntnis=
nahme
der Intereſſenten vom 31. Januar bis einſchl. 7. Februar 1912
8 Tage lang auf dem Geſchäftszimmer der unterzeichneten Bürger=
meiſterei
wiederholt offen.
Traiſa, den 26. Januar 1912.
(2724
Großh. Bürgermeiſterei Traiſa.
Walter.

erusthv Gruver
Beerdigungsgeschäft
12 Schützenstraße 12
übernimmt Beerdigungen nach hier und auswärts zu den
(2746a
billigsten Preisen.

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Anzuſ. 2 Uhr Annaſtr. 31. (*2175
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at the Darmstaedter Hof. Topic
of to-night:=Reflections upor
nervousness in modern life‟,
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(*2181
are welcomed.

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Welche Brauerel Eheleuten
3000 Mk. zu 5%? Sicherh. Erbſch.
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leiht jungem Ehepaar=
Wer 60 Mk. für‟ Jahr geg.

unt. E 44 an die Exp. (*2173

eteiligung.
Kauf od. Verkauf.
Häuſer= u. Vermög.=Verwalt.
durch B. Baer, Immobilien,
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[ ][  ]

Seite 12

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. Januar 1912.

Nummer 24.


1

Während unserer

Gioson

Sehenswerte Innendekoration!

Kainzer Narenhaus

Markt 7

Guggenheim & Marx

Markt 7.

künstierische Geselschaft.
Freie iterarisel

Freitag, 9. Februar, Mathildenhöhsaal, abends 8 Uhr.
ois Durgstaner

Liederabend.

Karten für Nichtmitglieder im Vorverkauf bei
A. Bergstraesser (Rheinstrasse) zu Mk. 4. 3., 2., 1.. An der
Abendkasse: Mk. 4.50, 3.50, 2.50, 1.50. Die Mitglieder sind
berechtigt, ihre erhaltenen Karten gegen ein Aufgeld von Mk. 1.
in Karten der nächst höheren Kategorie bei A. Bergstraesser um-
(2730ofm
zutauschen.

Darmstädter Billard-Klub

Vereins-Abend: Dienstag abend
Gäste stets willkommen.

Hotel Hess‟
(2a

Pod. Schlafzim. u. Kücheneinr.,
Mpol. Bücher=, Weißz.=u. Kleider=
ſchränke
, Vertiko, Schreibtiſche, eich.
(Dipl.), lack. 12tür. Kleider=, Waſch=
und Nachtſchr., Tiſche, alles nur p.
Arbeit (alte Möbel in Zahlung)
Wendelſtadtſtr. 2.
*2168)
Dasjenige Mädchen
welch. Samſtag zwiſch. ½ 11 Uhr
bei d. Parade auf d. Marienplatz
d. Pelz aufgehob. hat, wird gebet.,
denſelb. geg. gute Belohnung Grafen-
strasse
4, I., abzugeb., andernf. An=
zeige
erſtattet wird, da das Mäd=
chen
erkannt worden iſt. (*2178
ein junger, ſchwar=
Verlaufen zer Kater, auf den
Namen Fritz hörend. Wieder=
bringer
Belohn. Nicolaiweg 8. (*2164

tzte 22 Tage!

Brauner Rohrſpazierſtock
iſt vor einiger Zeit im Hotel
Britannia mitgenommen oder
vertauſcht worden. Rückgabe er=
(2733oim
beten an die Exped.
vor einiger Zeit
Verloren ein Spazier-
stock
mit Hirſchgeweihgriff. Ab=
zugeben
gegen Belohnung
B2702) Roquetteweg 12, part.

Verloren
am 23. ds. goldene Damenuhr
mit ſilb. Kette. Abzugeben gegen
Belohnung
(B2758
Wilhelmſtr. 40, II.

Orpheumtzs9

JOBs Lustige Bühne
Heute Montag, 29. Januar
Keine Vorstellung!
Aorgen, Meutag, 20, jaur
sowie Mittwoch, 31. Januer
Abſchieds=
: Abende:
Mein Freund das Rindviech

vorher:
Der

(2757

Schwebebahn-Kontrolleur.
Fachn uilfinrehamt uis are

Söideie Herenſtr. 1 aret,
5 geſt., gold. Damenuhr,
14 Karat, 585 geſt., ſehr billig
anenſtr. 38, part
2169)

Täglich frische
Mazzen
Bäckerei u. Conditorei
Mainzer (1302a
obere Bleichstr. 13. Tel. 1265.

Großherpog. hopihtante
Montag, 29. Januar.
103. Abonnem.=Vorſtellung. D 26.
Neu einſtudiert:
Die Räuber.
Schauſpiel in 5 Akten v. Schiller.
Spielleitung: Regiſſeur Hacker.
Perſonen:
Maximilian, Graf
. Hr. Knispel
von Moor
Karl, 1 ſeine . . Hr. Baumeiſter
Franz, Söhne. . Hr. Lehrmann
Amalie, ſ. Nichte Frl. Uttmann
.Hr. Jürgas
Spiegelberg,
Schweitzer,
Hr. Heinz
2
Hr. Kroczak
Grimm,
: Hr. Peterſen
Schufterle,
Roller,
5 Hr. Semler
Razmann, Hr. Dobski
Schwarz, ſS.2 Hr. Klotz
Roſinsky, S Hr. Weiß

zugelau=
Doberman
nſcher fen

*2147)

Eberſtadt. Kirchſtr. 1.

Hermann, Baſtard
eines Edelmanns Hr. Schneider
Ein Pater
Hr. Wagner
Daniel, ein alter
Diener
. Hr. Kräger
Ein Bedienter. . Hr. Jungmann
Nach dem 2. Akte längere Pauſe.
Preiſe der Plätze (Kl. Pr.):
Proſzeniumsloge 5 Mk., Fremden=
oge
5 Mk., Balkonloge 4.50 Mk
1. Rang 4 Mk., 2. Rang (1. bis 6.
Reihe) 2 Mk., (7. und 8. Reihe)
1.60 Mk., Sperrſitz (1. bis 13. Reihe)
3.50 Mk., (14. bis 20. Reihe 3 Mk.,
Parterre (1. bis 5. Reihe) 2.20 Mk.,
(6. bis 8. Reihe) 1.80 Mk., 1. Galerie
1 Mk., 2. Galerie 50 Pfg.
Anfang 7 Uhr. Ende 10½ Uhr.
Kartenverk. 111 u. von 6 Uhr an.
Vorverkauf
von 111 Uhr f. d. Vorſtellungen:
Dienstag, 30. Jan. 104. Ab.=V.
A 27. Madame Butterfly.
Große Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Mittwoch, 31. Jan. 105. A.=V.
B 27. Zum erſten Male wieder=
holt
: Gudrun. Große Preiſe.
Anfang 7 Uhr.
Donnerstag, 1. Febr. Auß. Ab.
Vorſt. z. erm. Preiſen: Tosca.
Anf. 7½ Uhr. (Vergl. beſ. Anz.)
Die Hoftheater=Hauptkaſſe iſt
an allen Wochentagen, vorm.
von 1012½ Uhr. geöffnet.

Mozart-Verem.
Samstag, den 10. Februar, abends von 8 ½ Uhr ab
Grosses
Maskenfest
in sämtlichen glanzvoll im
Biedermeierstil dekorierten
Räumen des Saalbaus.
Sekt-Pavilion
auf dem Podium mit eigener Künstler-Kapelle.
Im Reiche der Blumen‟
grosse Brillant-Polonaise.
Festmusik: Die Kapellen des Leibgarde-Regts.
Nr. 115 u. des Feld-Art.-Regts. 61, unter Leitung
ihrer Dirigenten.

Bekanntmachung über die Ausgabe der Gast- und
Fremdenkarten erfolgt Ende dieser Woche.
Anmeldungen zur Mitgliedschaft finden
noch vor dem Feste Erledigung, wenn solche spätestens
bis zum 7. Februar an den Vorstand des Mozart-
vereins
eingereicht werden.
(2748

Masken Aostume
für Herren und Damen
in großer Auswahl, von den einfachſten bis
(2691a
eleganteſten Neuheiten
Dominos in großer Auswahl
empfiehlt die Verleihanſtalt von
A. Getrost, Rheinſtr. 5
Hehrock, Frack und Smoking zu verleihen.